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Full text of "Walde - Hoffmann"

INDOGERMANISCHE 
BIBLIOTHEK 

begrOndet von H. HIRT und w. streitberg 
herausgegeben von h. guntert 

erste abteilung 

LEHR- UND HANDBUCHER 

II. REIHE: WORTERBUCHER 



ERSTER BAND 

LATEINISCHES ETYMOLOGISCHES 
WORTERBUCH 

VON 
A. WALDE UNO J. B. HOFMANN 



HEIDELBERG 1938 
CARL WINTER'S UNIVERSITATSBUCHHANDLUNG 



LATEINISCHES 
ETYMOLOGISCHES 



WORTERBUCH 

VON 

A.WALDE 

3., NEUBEARBEITETE AUFLAGE 
VON 

J. B. HOFMANN 



ERSTER BAND 
A-L 




6E6fU«e22 






HEIDELBERG 1938 

CARL WINTER'S UNWERSITATSBUCHHANDLUNG 



Alle Redite, eiosdil. daa der Dberaetiuiig, vorbehalten. 

Printed in Germany. — Imprim^ en Allemagne. 

Verlaga-Nr.MlS. 



Vorwort zum I. Band. 

Als W. Streitberg i. J. 1924 dem Unterzeichneten die Neu- 
bearbeitung von Waldes Lat. Et. Worterbudi ubertnig, wunschte 
er lediglich die philologische Emeuerung des bewahrten 
Werkes. Es zeigte sich aber bald, dafi audi die sprachver- 
gleichende Seite des Buches auf den Stand der neuesten 
Forsdiung gebracht warden mufite, soUte die Neuauflage nidit 
schon bei ihrem Erscheinen in vielem uberholt sein. Was Walde 
an Literatumotizen in seinem Handexemplar hinterliefi, be- 
schrankte sich fast ganz auf die BezifFerung der Fundstellen und 
umfafite nur die Literatur bis etwa 1918; seine Stellungnahme 
dazu behielt er sich fur sein von Pokomy herausgegebenes „Ver- 
gleichendes Worterbudi der indogermanischen Sprachen" vor, wo 
in der Tat die gleidie Literatur bis zu dem angegebenen Zeit- 
abschnitt kritisdi verarbeitet ist. So mufite denn die betracht- 
liche, nach 1918 erschienene Literatur vom Unterzeichneten selb- 
standig eingearbeitet werden, wobei auf Vollstandigkeit, die die 
bisherigen Auflagen des Werkes auszeidinet, besonderer Wert ge- 
legt ist. Sogar nach riickwarts ist gelegentlich eine Erweiterimg 
der Angaben vorgenommen, indem die bei Vanifiek und Curtius 
zugrunde gelegten Deutungen Fruherer zuweilen namentlich er- 
wahnt sind, da nidit von jedem Benutzer verlangt oder erwartet 
werden kann, dafi er im Einzelfall diese im ubrigen grofitenteils 
veralteten Werke nachsdilagt. Gewifi ist es wenig erfreulich, dafi 
so das Werk mit vielen ganz unwahrscheinlidien, ja phantastischen 
Deutungen belastet ist; dodi gab es keine andere Wahl: erne 
Sichtung hatte sofort ins Individuelle und Personlidie fuhren mus- 
sen, und es wSre unausbleiblidi gewesen, dafi viele Forsdier bei 
dem auf etymologisdiem Gebiet unvermeidbaren Subjektivismus 
gerade die ausgesdilossenen Deutungen mitunter als die wahr- 
sdieinlidien oder gar richtigen erklSrt hatten. Grofitmogliche 
Vollstandigkeit hat auch den Vorteil, dafi mandier Deutungen, 
die er selber fur neu gehalten hatte, sdion von Fruheren vorweg- 
genommen findet und dafi er so den Aufwand an Zeit und Raum 
fur Veroffentlidiung spart. Dazu kam noch eine praktisdie Er- 
wagung: vom L Band des Vgl. Worterbudis der idg. Spradien 
lagen erhebliche Teile in unausgearbeitetem Zustand vor; sie hat 



VI Vorwort. 

der Herausgeber Pokomy unter Zugmndelegung der 2. Aufl. des 
LEW. ergiinzt, wobei er auf diese vielfadi hinsichtlich der Lite- 
raturangiJjen verwies. Ware diese Literatur nicht in die vorlie- 
gende Neubearbeitung ubemommen worden, so batten die Be- 
nutzer des Vgl. Wortenbuchs der idg. Spradien standig die 2. Aufl. 
des LEW. heranziehen mussen, ein Zustand, der gewifi nicht be- 
grufienswert gewesen ware. 

Was die Anordnung beim Vergleich der Entsprechungen 
in den verwandten Sprachen betriflFt, so ist im allgemeinen die 
der 2. Anil, zugrunde gelegt: die arisdien Sprachen, Armenisch, 
Griechisch, Keltisdi, Germanisdi, Baltisch-Slavisch an der Spitze, 
die Ideineren oder weniger bekannten Sprachen wie Albanisch, 
Tocharisch, Hethitisch am Ende. Furs Tocharische und Hethi- 
tische ist die Erschliefiung noch im Flufi; VoUstandigkeit war 
fiir diese Bearbeitung nicht zu erzielen. Wie die Kritik bemerkt 
hat, ist in den ersten Lieferungen in der Vorfuhnmg des Ver- 
gleichsmaterials manchmal des Guten zuviel geschehen; eine 
grofeere Straffheit war wunschenswert und ist in den spateren 
Lieferungen angestrebt. Auch in der Angabe der Vorformen, die 
auch dem Fernstehenden die BeurteUung des Verghchenen er- 
leichtern soUen, ist im Verlauf der Bearbeitung ein Fortschritt 
erreicht worden. Uber Fragen der Methode mochte ich midi 
vor Abschlufi des Ganzen lucht naher verbreiten; ich verweise vor- 
laufig auf meine grundsatzHche Stellungnahme in Stolz-Schmalz* 
21 f. und IF. 53, 187 ff. 

Eine wesenthche Erweiterung des Werkes wurde bedingt 
durch die Verschiebung des Standpunkts der Forschung vom 
Erbwortschatz auf den Lehnwortschatz. Was den Erbwort- 
bestand des Lateinischen betrifft, so ist durch die jahrzehnte- 
langen Bemiihungen der fruheren Forschung der Rahm so ziem- 
lich abgeschopft; es bleibt nur ein geringer Prozentsatz von 
dunklen Wortem, deren Aufhellung nur durch besonderen Scharf- 
sinn und gluckUche Kombination gelingen kann, soweit nicht die 
neuentdeckten Sprachen wie das Tocharische und Hethitische zur 
Aufklarung beitragen. Gerade bei diesem Rest ungedeuteter 
Worter konkurriert immer wieder die Frage unindogermanischer 
Herkunft; die Entscheidung zwischen den beiden Moglichkeiten 
bedingt wadisende Heranziehung des Lehnwortschatzes, dessen 
Abgrenzung wiederum abhangig ist von den fortschreitenden Er- 
kenntnissen auf dem Gebiet der Erforschung der vorindogerma- 
nidien Sprachen ItaUens. So muBte das Mittelmeerlandische 
imd das Etruskische, trotzdem fur jenes fast alles nodi hypo- 
thetisch ist und auch furs letztere trotz der verdienstvollen For- 
sdiungen Bertoldis, Ribezzos, Eva Fiesels und vieler anderer nur 
wenig Gesidiertes erzielt ist, standig herangezogen werden. Die 



Vorwort. VII 

planmafiige Einbeziehung der etruskischen Einflusse bedingte audi 
eine starkere Berucksiditigung des Namensschatzes, fiir den in der 
2 Aufl. im wesentlidien nur das Standardwerk W. Schulzes ver- 
wertet werden konnte. Auch die keltischen und germani- 
schen Lehnworter im Latein sind vollstandiger verwertet als m 
den bisherigen Auflagen; vor allem aber ist Bedacht genommen, 
von den Entlehnungen aus dem Griechischen tunlidist alles 
zu bringen, abgesehen von den als Fremdworter zu bezeichnenden, 
rein literarischen und in der Form unveranderten Entlehnungen. 
Der philologische Teil des Werkes wurde im Verlauf des 
Druckes wesentlich vermehrt. In den ersten 5 Lieferungen wurde, 
um den Umfang des Werkes nicht zu sehr anzuschwellen, aufier 
den Geschlechtsangaben, der Revision der Quantitiitsbezeidi- 
nungen u. a. nur die Anfangsstatistik fiir die Stichworter und 
diejenigen Ableitungen, die im Romanischen fortgesetzt sind, ge- 
geben; also mit der Besehrankung, wie sie ahnlich in MuUers 
Altitalischem Worterbuch durchgefuhrt ist. Als nun i. J. 1932 das 
grofie Werk Emout-Meillets erschien, in dem die philologische 
Seite besonders ausfuhriich und grundlich behandelt ist, stellte 
sich die Frage, ob und inwieweit fur die wortgeschichtlichen 
Daten auf dieses Werk, das seiner ganzen Anlage nach kein Kon- 
kurrent des Walde ist und sein will, einfach verwiesen werden 
konne. Die Grunde, warum dies nicht angangig ist, habe ich 
IF. 55, 306 dargelegt; namentlich die Angaben fiber das Vor- 
kommen der Worter sind dort meist aus unzulanglichen Hand- 
worterbuchern geholt, daher unzuverlassig und vielfach unrichtig. 
Es mufite daher von der 6. Lieferung an der philologische Ted 
noch weiter ausgebaut werden in dem Sinne, dafe nunmehr alle 
Ableitungen des betreffenden Stichworts sowie samtliche Kom- 
posita mit Angabe ihres Erstvorkommens aufgeziihlt sind. Es 
ist dies eine Aufgabe, die nur mit den Mitteln des Thesaurus 
genau durchgefuhrt werden kann, die aber ein fur allemal ge- 
macht werden mu6, wenn man nicht bis zum Abschlufi des The- 
saurus selbst warten will; und da dieser Teil des Werkes nicht 
veraltet, durfle sich auch die dadurch bedingte Erweiterung ver- 
antworten lassen. Gewifi ist ja die strenge Durchfuhrung der 
Anfangsstatistik nicht fiir alle Ableitungen, insbesondere mcht 
fiir die Komposita, gleich wichtig; doch leuchtet ein, dafi es fiir 
den Forscher auf dem Gebiet der Formenlehre und Wortbildung 
von Wert ist, wenn er auf einen BUck die zeitlich aufeinander- 
folgende Verzweigung und Gliederung einer Sippe klar iiberschaut. 
Zur Transkriptionsfrage mochte ich bemerken, dafi idi 
im allgemeinen Brugmanns Verfahren (z. B. in der KVG.) gefolgt 
bin. Wahrend fiir das Litauische imd Lettische die heutige offi- 
zielle Schreibweise durchgefuhrt ist, habe ich fiir das Albanische, 



VlII Vor^fort. 

gleidi Walde-Pokomy, die alte Transkription G. Meyers beibe- 
halten; eine Konkordanz des Meyersdien Alphabets mit dem 
neuen, in Albanien seit 1908 herrschenden Alphabet ist bei Jokl 
IJ. 13, 140 f. zu finden. 

Zum Sdhlufi mSchte idi der treuen Heifer gedenken, deren Vet- 
dienst as ist, dafi bei dieser so langsam und mit Unterbrechungen 
fortschreitenden Arbeit die Zahl der Druckfehler auf ein ertrag- 
lidhesMafe gemindert ist. M. Niedermann, der sdion die beiden 
Auflagen des Waldeschen Worterbuchs in sadikundigster Weise be- 
sprochen und auf dem Gebiete der lateinischen Etymologie zahl- 
reiche scharfsinnige Arbeiten verSffentlidit hat, hat es sidi nicht 
nehmen lassen, auch der vorliegenden Bearbeitung seine Forde- 
rung zuzuwenden; in den Lieferungen 1-8 hat er regelmafiig 
eine Korrektur mitgelesen und mandie wettvolle Bemerkungen, 
insbesondere zum VulgSrlatein, beigesteuert. Am meisten ver- 
pfliditet bin idi Fr. Specht, der bis zuletzt mit grofiter Grund- 
lichkeit alle Korrekturen gelesen, dabei die Angaben aus dem 
Baltisch-Slavisdien, daneben aus dem Arischen, Griechischen und 
Germanischen uberpruft und auch sonst auf Fragen von mir be- 
reitwilligst Auskunft erteilt hat. Vom Buchstaben G an bis zu 
seinem unerwartet plotzlichen Ableben hat W. Heraeus eine 
Fahnenkorrektur mitgelesen und dabei vor allem die Angaben 
aus den Glossen berichtigt. Fur gelegentliche Auskunfte auf kel- 
tischem Gebiet bin ich H. Pedersen, auf armenisdiem E. Liden 
zu Dank verpfliditet, besonders aber N. Jokl fur alles, was das 
Albanisdie betrifft: er hat mir stets alle einsdilagigen Fragen in 
zuvorkommendster Weise beantwortet und mir audi jeweils die 
prSzise Formulierung des Wortlauts zur Verfugung gestellt. Ihm 
als bestem Kenner dieser Sprache ist es zu danken, dafi das Al- 
banisdie in dem Werk eine Stellung einnimmt, die es von alien 
anderen Darstellimgen auszeichnet. Die vielen Forscher, die midi, 
sei es durdi Ubersendung ihrer Werke imd Sonderdrucke, sei es 
durch Hinweise auf entlegene Literatiu-, unterstutzt haben, einzeln 
aufeufuhren ist unmoglich; mein Dank an sie ist um so wfirmer, 
als ich dadurdi auf vieles aufenerksam geworden bin, was idi 
sonst ubersehen hatte, da Neuersdieinungen, besonders auslfin- 
disdie, erfahrungsgemafi nur mit Verzogerung einlaufen und die 
Arbeit an diesem muhsamen opus subsicivum zeitraubende Jagd 
auf Einsdilagiges in weniger zuganglidien VerSffentlidiungen ver- 
bietet. SchUefilich modite idi darauf hinweisen, dafi mir yor 
drei Jahren diu-ch Vermittlung von R. Thumeysen die MateriaUen 
zu einem lat. etymologisdien Worterbudi von Osthoff aus dessen 
Nadilafi ubergeben worden sind. Dodi stammen diese Notizen, 
soweit idi sehe, aus den 8Cer Jahren des vorigen Jahrhunderts, 
sind fiber blofie Entwurfe nicht hinausgediehen und enthalten 



Vorwort. IX 

kaum etwas, was fur mich von Belang ware. Sollte fur die spa- 
teren Buchstaben eine wirklidi erwagenswerte Deutung darunter 
sein, so wurde ich sie mit dem Vermerk „Osthoff (hss.)" auf- 
nehmen. Fur die bereits gedruckten Lieferungen habe ich da- 
von Abstand genommen, in den Nachtragen darauf einzugehen; 
es hiefie dem hodiverdienten Forsdier Unrecht tun, wollte man 
so weit zurudcliegendes Material, das er nie fur druckfertig er- 
klart hat und von dem er vermutlidi spater vielfach wieder ab- 
gekommen ist, verofFentlichen. Als Beispiel greife ich seine Be- 
handlung von agdso eguiso heraus: equisO aus *egui-tisO „der 
nach den Pferden sieht", agdso fur *ag-ago mit -s- nadi equtfiO. 

Munchen, im JuU 1938. 

J. B. Hofmann. 



Die Entstehung der lateinischen Lante aus 
denen der Indogermanischen Grundsprache. 

a = idg. a (ago ■ fiT*"- »i- djati). 

3 (pater: iroTrip, ai. pitdr-). 

, vor r, I (caro Kopfjvai gegenuber KEipuu . aus *Kep-\u)), 

wrsdi. audi vor m, n (ianitrlces, maneo : H^vw). 
oivor dem lat. Ton (cavere : Kodu)). 
a = idg. a (frater : (ppaxiup). T / • , 

in den Verbindungen ra, la, na aus idg. sog. r, (, n [ndi- 
tiger ,r3, ,h, ,n») : gratus o. brateis : ai. gurtah ; lana : 
, ai. ur^a, (g)natus : ai. jdtdh. 

e = idg. e (fero : qi^piu). 

i vor aus » entstandenem r (sero aus *sj-s5). 

in der Vbdg. en, em aus idg. ji, to (dentis : ai. datdh, ten- 

tus : Taxfis, ai. to<(i/t ; pedem : itfSba). 
0, seit dem 2. Jh. v. Chr. vor r, s, t nadi p (versus aus 
»or«M«, »M<er aus vaster, veto aus »o<o). 
e = idg. e (rex : ai. raj-). _ _^ 

a vortonig nadi j- (teiMMM* neben iaiunus). 
ei in Zew's, »<« aus *sei-ue, detis aus *deiy,os. 
O = idg. (orfo : SktiI)). 

in der Vbdg. or, oZ aus idg. r, Z (cor : Kpabin, lit- sJrdV?, 
mora [aus *mortis\ : ai. wrtj'A"; mollis [aus *moMM-»s] : 
ai. mrdM). 
e vor M (now<s : \i[F)o<^. 
e vor J (volvo : i\(nu). 

u vor aus s entstandenem r (/bret : o. fusid). 
ue nach s und c (soror : ahd. swestar; coquo aus 'jw^gMo). 
uo (sudor [aus *s«ojrfos] : ahd. sweig). 
O = idg. (do-num : &iI»-pov,_ notus : yvu)T(S?). 
u = idg. ^ (iugum : ZuyiSv, ai. yugdm). 

e vor t + Kons. (piUmenlum : u. peimner). 
o vor M (uncu« : 6fK0i), vor t + Kons. (multa alat. molta), 
vor m (um&0 : 6|Ji<paX6;; MWierMS : got. *ams), teilweise 
(dial.?) vor r + Kons. (furnus ait fornus) und vor «<, 
nd (fitntes fruntes dupundi). 
= idg. u (/^Imu* : du(i6?). 

oi (units : olvf\, got. ains). 
eu (dues : got. tiuha, iird : eOui). 
ou (clunis an. /t/aun). 
ii (durdi i oder m bezeidineter Mittellaut) = idg. u nach Z vor La- 
bial [lubet libet : ai. luhhyati). 



Die Entstehung der lat. Laute aus denen der idg. Grundspradie. XI 

i = idg. t {iter : heth, itar, quis : Tt?). 

e vor » (lignum : lego, quinque : tt^vte, vgl. audi inguen : 
ibf[v), vereinzelt vor m + Labial (limbus nimbus) und 
durch Assimilation an ein i der nadisten Silbe {similis 
aus *semilia, milium : neMvri). 
i = idg. t (vivus : ai. jivdh). 

et (dtco : beiKvuiii). j r i.- i 

oi nadi ti- (ofcus : (/■)oiKO?) und zwischen I und Labial 

oder qu (clivus : got. hlaiw, Uqul : \i\oma). 
eu zwischen ital. I und f in liber alat. loebertatem : €Xe6- 
d£po?. 
ae = idg. at (aedes : a!du)). 

oe = idg. o» nadi p-, f-, qu- (e-) {poena aus itoivii). 
an = idg. au (augeO : aOEtu). 

i (kons. «; modeme Schreibung J) = idg. { {iugum : Zut6v). 
di- {lovem : ai. dyauh). 

inlautend (Geltung {() = -gi- {aio aug *ag-io : ad-ag-ium) 
und = -dj- (prior aus *ped-ios : ai. p(i<2-ya-<e). 
T = idg. M (otcus : (/")oiKO?). 

g^ {vivus : ai. jivdJa, lit. jr^tias) aufier nadi n {inguen : dbnv). 
(;?A im Inlaut («»«)«» : vitpa) aufier nadi « («»npM»«). 
gu- {vespix : p6tJTpuxo?, mhd. gwosf, ai. guspitdh); kaum 

= gu- (angebl. in vapor : Koriv6?, lit. Icvapas). 
du inlautend {gv&vis : ai. Fem, sv&dvt). 

r = idg. r {fero : (p^pui). 

s zwischen Vokalen {generis : genus), 

z vor g {mergd : ht. mazgStt). 

ur- anlautend {radix : got. waurts). 

1 = idg. I {lucea : \e\iK6<i). .. , , • i 

d in einer Anzahl ursprunghch vielleicht dialektischer 
Worter {lacrima alat. dacruma, lingua alat. dingua, 
levir : bfirip). 
M?- anlautend {Idna aus *ulana : lit. »Una). 
ti- anlautend (2a(MS aus Hlatoa : Puli). 
si- anlautend {Mbricus von *sluhros : ags. slupan). 
m = idg. m (»na<fr : i^nTrip). 

-P", -6(fe)- vor n (somnits : Oirvo?). 

sm- {-psm-, -tsm-, -ksm-) {comis, alter cosmis, dumus alat. 
dusmus u. dgl.). 
n = idg. n {novus : vi{f)o<i). 

= vielen, bes. Guttural oder s enthaltenden Konsonanten- 
gruppen (z. B. ndtus, alter ptiatMs; nwus : ai. snusa; 
■luna praen. Losna : apr. UMxnos). 
p = idg. p (pa(er : itaTVip). 

P!^ {aperio, wenn aus *ap-ueri6). 
7tu- {paries : lit, tveriii'i; doch s. unter t). 
b = idg. J {de-bilia : ai. bdlam). 

m vor r im Inlaut (AJiumiM aus *heimrinos : xeV^PivA?) 
und wohl auch im Anlaut (hrevis aus *mreghu-is : ppa- 
xOt, av. mgrfzu-). 



XII Die Entstehung der kt. Laute aus denen der idg. Grundsprache. 

¥ m vor I im Anlaut (blandus, wenn aus *mla-ndos : pXiv- 

vo?, vgl. mollis aus *moldu,-is). 
bh im Inlaut (nebula : ve<pi\r\). 

dh im Inlaut nadi r {barba : ahd. hart, verbum : got. wojird), 
vor r (glabra- : ahd. jrZat), vor i (gtabulum aus *st»-dhlom : 
eedi. stadlo), nach M (fiter : oOSap). 
()r»fc vor r im Inlaut (nebrundinis : veq)p6?, ahd. nioro). 
s vor r im Inlaut (sobrinus aus *»jj(«srtn<w). 
ftfcM im Inlaut (superbus aus *-&ft]to«). 
duim Anlaut (bonus, alter <Jluont<«). 
t = idg. t '(pater : itaxVip). 

d vor r (taeter aus "taid-ros : taedet, utris : Obpta). 
¥ <M- (tama wenn aus •ttw-iii(i : tumeO; vgl. unter p). 
d = idg. d (died : belxvuimi). 

dh im Inlaut (aufier wo zu b, a. A.) {medius : ai. madhyah). 
-zd- (nidus : ahd. nest). 
C = idg. k (centum : txaTdv, ai. satdm). 
q (cruor : Kpda;, ai. fcroef J). 
g» vor Kons. (coetus : it€irrd?, ai. pahtdh). 
q!f vor i {soeius aus •soj'jo* : segwor). 
q!f vor w (rrfi«to» : rtZinquO). 
q* vor (eottidie aus •guirttYei d«). 
« vor I (p6c(u)lum aus •p5-«(w»). 
qn = idg. q" (sequor : Sito^m, ai. sdcatg). 

p durch Assimilation an fgd. silbenanlautendes q* (quin- 

que : itlvK, ai. pAiUa). 
ku (efuus : ai. dsvah). 
g = idg. g'(ager : &Tp6;> »»• 4/'*<»J)- 
y (gras : f^povo?, lit. jrertirf). 
gh, gh nadi Kons. (anjrS : ft^u), aksl. (}«ifc«). 
j» vor Kons. (glans : pdXavo(, aksl. ielqdt). 
gf vor w (surges aus "g^urg-, *g*jg- : forfire). 
lat. c vor w (seg-mmtum : ««c6), n (ayno : acus). 
gn = idg. gf, g^h nadi n (Mti^wen : ai. aijih; ninguit : nivem, v{<pa). 
g ":= idg. s (sequor : ai. fdcofe). 

ps- (sdbtdum : vdnjio?), fc»- (sentis : Ea(viu). 
t in den Verbindungen «« = idg. tt (vorsus aus 'vorssos : 
ai. eWWA) und «tr = idg. ttr {rastrum aus *rdd-trom, 
assestrix : assessor, idg. *s«d-«rt, -tor). 
t = idg. iA- (ferS : <p^pw, ai. bhdrati). 
dh- (faci6 : ldr\Ka). 
g»h- (formus : 9Ep^6c, ai. gharmd^). 
ghur (ferus : difjp, lit. iverU). 
s- Vor r (fri^us : {liTO?. s'"'*'- »»'^'^' 
6fcu- (fiS aus *6Au-»ie). 
d%- (f(»rf» : dOpo, aksl. dttrt). 
[kaum m- vor r: s. frarf»; vgl. unter b.] 
h = idg. gh, gh (humus : xo^<»f, lit. ieme; hostis : aksl. gottt, got. 
gasts). 



Abkiirzungen. 

I. Bei Literaturangaben. 

Abh. Berlin = Abandlungen der Preufiischen Akademie der Wissen- 

schaften zu Berlin. 
Abh. Schweizer-Sidler = Philologische Abhandlungen Heinrich 

Schw.-S. gewidmet. Zurich 1891. 
Acelt Lex. = Archiv fur keltische Lexikographie, hg. v. W. Stokes 

und K. Meyer. Halle 1898-1907 (3 Bde.). 
Agrell Neutr, = S. A., Z<ir Geschichte des idg. Neutrums. Lund 1926. 

— Refl(exe) = S. A., Zur Deutung der Reflexe ursprachlicher Aspi- 

ration im Lateinischen. Lund 1929. 

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ALL = Archiv fur lateinische Lexikographie, hg. v. Wolfflin. Leip- 
zig 1884 flf. (15 Bde.). 

ALMA. = Archivum latinitatis medii aevi. Paris 1924ff. 

Altheim Epochen ;= F. A., Epochen der romischen Geschichte. 
Frankfurt 1934. 

— Gr(iech.) Cotter = F. A., Griechische Cotter ira alten Rom. 

Ciefien 1930. „ o ,>j ^ 

— Rom. RC. = Romische ReUgionsgeschichte. Berlm 1931 ff. (3 Bde.). 
AR. (Arch. Rom.) = Archivum Romanicum, Genf 1917 ff. 

Arch elott. (auch AGlIt.) = Archivio glottologico italiano. Rom 1873 ff. 

Arch. Or. = Archiv OrientShii. Prag 1928 ff. 

Arch. phil. = Archivum philologicum. Kowno 1930ff. 

Arhiv = Arhiv za arbanasku starinu, jezik i etnoloriju. Belgrad. 

Arkiv == Arkiv for nordisk filologi. Christiania 1883 ff. 

ARW. = Archiv fur Religionswissenschaft. Freiburg i. B. 1898ff. 

AslPh. = Archiv fur slavische Philologie. Berlin 1875 ff. 

ASNS. = Archiv fur das Studium der neueren Sprachen. Elberfeld 

1846ff. 
Att. R. 1st. Ven. = Atti del Reale Istituto Veneto di scienze, lettere 

ed arti. 
BA. = Balkan-Archiv. Leipzig. 
Baehrens Komm. = W. A. B., Sprachlicher Kommentar zur vulgSr- 

lat. App. Probi. Halle 1922. 
V. Bahder Vortwahl = K. v. B., Zur Wortwahl in der frOhneu- 

hochdeutschen Schriftsprache. Heidelberg 1925. 
Bartholomae Air(an). W(b). = Chr.B., Altiranisches Worterbuch. 

StralSburg 1905. „.,,„*,, ^ 

— Ar. Fo. = Chr. B., Arische Forschungen. Halle 1882 -87 (3 Hefte). 



XIV Abkurzungen. 

Bartholomae Grdr. = Chr. B. im Grundrifi der iranischen Philo- 
logie Bd. I. Sfrafiburg 1895. 

— Stud = Chr. B., Studien zur indogerm. Sprachgeschichte. Halle 

1890- 1891 (2 Hefte). 
BB = Beitrage zur Kunde der indogerm. Sprachen, hg. v. Bezzen- 

berger. GSttingen 1877 £f. (30 Bde.). 
BDR. = Bulletin de cUalectologie Romane. Brussel 1909 ff. 
Bechtel Or. D. = F. B., Die griechischen Dialekte. Berlin 1921 

bis 24 (3 Bde.). 

— Hauptprobl. = F. B., Die Hauptprobleme der indogerm. Laut- 

lehre seit Schleicher. Gottingen 1892. 

— Lex(il). = F. B., Lexilogus zu Homer. Halle 1914. 
Benveniste Noms en I.-E. I = E. B., Origines de la formation des 

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Benfey Wz}.-Lex. = T. B., Griechisches Wurzelleiikon. Berlin 1839 

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XXII Abkurzungen. 

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1898. 

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Lindsay-Nohl =W. M. L., Die lateinische Sprache, Gbersetzt veil 
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Loewe Gl. nom. = G. L., Gloasae nominum. Lipsiae 1884. 

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Lohmann Genus = J. L., Genus und Sexus. Gottingen 1932. 
Lokotsch = K. L., Etymologisches 'Worterbuch der europaischen 

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und Dichtung. Berlin 1927. 
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Marx Komm. Rud. = F. M., Plautus Rudens, Text und Konunentar. 
Leipzig 1928. 

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37, 1). Leipzig 1922. 
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Leipzig 1916. 
Meillet Aper^u = A. M., AperQu d'une histoire de la langue grecque. 

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Paris 1906. 

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Meillet-Vendryes = A. M. und J. Vendryes, Traite de grammaire 

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1932. 
Meister Kunstspr. = K. M., Die homerische Kunstsprache. 1921. 
Mel. Andler = Melanges off. a Ch. Andler. Strafiburg 1924. 
M61. Boyer = Melanges publiees en I'honneur de M. P. B. Pans 1925. 
Mel. Ginneken = Melanges . . . offerts a Jacq. van G. Paris 1937. 
M^l. Glotz = Melanges G. Glotz. 2 Bde. Paris 1932. 
Mel. Loth = Melanges bretons et celtiques off. a M. J. L. Pans 1927. 
Mel. MeiUet = Melanges Meillet. Paris 1904. 

Mel. Mikkola = Melanges . . . offerts a M. J. J. M. Helsmgfors 1932. 
Mel. Pedersen = Melanges linguistiques offerts a H. P. Aarhus u. 

Kopenhagen 1937. 
Mel. Thomas = Melanges P. Thomas. Brugge 1930. 
Mel Vendryes = Melanges linguistiques offerts a M. I. Vendryes. Pans 

1925. _ 

Meinersmann = B. M., Die latemischen Worter und JNamen m 

den griechischen Papyri. Leipzig 1927. 
Merineer Beitr. = R. M., BeitrSge zur Geschichte der mdogerm. 

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Leipzig 1901-02 (4 Bde.). . , a j- j 

Meyer-Lubke Einf. = W. M.-L., EinfOhrung m das Studium der 

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3. A. Hdlbg. 1930-32. . , ^ ^ 

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1930. 
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Mitt Ver. Phil. = Mitteilungen des Veremes klassischer Fhilologen 

in Wien. Wien 1924 ff. 



XXIV Abkiirzungen. 

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Mnein(os). = Mnemosyne. 1852 iF. 

Mod. Phil. = Modern Philology. Chicago 1903 ff. 

Mohrmann Sonderspr. = Ch. M., Die altchrbtliche Sondersprache 

in den Sermones des hi. Augustin. Nimwegen I 1932. 
Mommsen Strafrecht = Th. M., Romisches Strafrecht. Leipzigl899. 

UD. = Th. M., Die unteritalischen Dialekte. Leipzig 1850. 

Marland Oribas(iusubers.) = H. M., Die lateinischen Onbasiusuber- 

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MSL. = Memoires de la societe de hnguistique. Paris 1868 ff. 
MU. = Morphologische Untersuchmigen auf dem Gebiete der indo- 

germ. Sprachen von H. OsthofF und K. Brugmann. Leipzig 

1878-1910 (6Bde.). 
Muhlenbach-E. = K. Muhlenbachs Lettisch-deutsches Worterbuch, 

redigiert, erganzt und fortgesetzt von I. Endzelin. Riga 1923 ff. 
Muller-Defccke = K. O. M., Die Etrusker (neu bearb. von W. D). 

1877. 
Muller Ait. W. = F. M. Jzn., Altitalisches Worterbuch. Gottingen 

1926. 

— Woordverkl. = F. M. Jzn., Latijnsche Woordverklarmgen (Verb. 

d. Kon. Akad. van Wetenschappen te Amsterdam, Afd. Letter- 

kunde XX 3). 1920. 
Mus. Beige = Musee Beige. 

Nacinovich = M. N., Carmen Arvale. Rom I 1933. II 1934. 
Nat. Geffcken = Natalicium J. Geffcken zum 70. Geburtstage. Hdlbg. 

1931. 
Neap. = Neapolis. Rivista di archeologia, epigrafia e numismatica. 

Neapel 1914-15 (2 Bde.). 
Nehring Stud. = A. N., Stud, zur idg. Kultur und Urheimat. Wien 

1936. 
Neophil. = Neophilologus. Groningen 1916ff. 
Niedermann Contrib. = M. N., Contributions a la critique et a 

I'explication des gloses la tines. Neuch&tel 1905. 

— g und f = e und i im Lateinischen. Easier Diss., Darmstadt 1897. 

— Ess. = M. N., Essais d'etymologie et de critique verbale latines. 

Neuchatel 1918. 

— Precis = M. N., Precis de phonetique historique du latin. 2° ed. 

Paris 1931. 
N. Jbb. (f. d.) kl. Alt. (f. Phil.): s. Jbb. f. Ph. 
N Jbb f. Wiss. = Neue Jahrbucher fur Wissenschaft und Jugend- 

bildung 1925 ff. 
Norden Alt-Germ. = E. N., Alt-Germanien. Leipzig 1934. 

— Komm. = E. N., P. Vergilius Maro Aeneis Buch VI erklart. 2. A. 

Leipzig 1916. 
Noreen Ltl. = A. N., AbriB der urgerraanischen Lautlehre. Strafi- 

burg 1894. 
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OLZ. = Orientalistische Literaturzeitung. Leipzig. 
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nalen Stammbildung. Jena 1875 — 76. 



I. Bei Literaturangaben. XXV 

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burg 1884. 
Ostir Vogeln. == K. O., Drei vorslavisch-etruskische Vogelnamen. 

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Palander Ahd. Tiern. = H. P., Die althochdeutschen Tiernamen I, 

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Kopenhagen 1925 (Danske vid. selsk., hist.-fil. medd. XI 3). 

— Hitt. = H. P., Hittitisch und die anderen indoeuropSischen 

Sprachen. Kopenh. 1938 (Danske vid. selsk., hist.-fal. med. 
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menien. Kopenh. 1905 (Danske vid. selsk., hist.-fil. medd. VI 3). 
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Uppsala 1910-12 (2 Bde.). 

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rundivi latini. Uppsala 1900. 

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prosodiens omradc. 1894. 

— Wzerw. = P. P., Studien zur Lehre von der Wurzelerweiterung 

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(Lunds Univ. Arsskr. 1 12 Nr. 2). 

— Beitr. = H. P., Beitrage zur lateinischen und griech. Etymologic. 

Helsingfors 1921. 

— Et. Misz. = H. P., Etymologische Miszellen. 1923 (Lunds Univ. 

Arsskr. 1 19 Nr. 6). 

— Gr. u. lat. Wtst. = H. P., Griechische und lateinische Wortstudien 

Lund 1922. 

— Het(erokl). = H. P., Studien uber die indogerman. Heteroklisie. 

Lund 1921. 

— Verm. Beitr. — H. P., Vermischte Beitrage zur Wortforschung ; 

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144 flF. 

— Vgl. slav. Wst. = H. P., Vergleichende slav. Wortstudien (Lund 

Un. Arsskr. I 18 Nr. 2). Lund 1922. 

— Z. K. d. idg. Het. = H. P., Zur Kenntnis der indogerm. Hetero- 

klisie (Lund Un. Arsskr. 1 18 Nr. 7), Lund 1922. 



XXVI Abkurzungen. 

Petersson Z. si. u. vgl. Wf. =* H. P., Zur slavischen und ver- 
gleichenden Wortforschung. (Lund Un. Arsskr. I 11, Nr. 5.) 
1915. 

PF. = Prace filologiczne. Warschau. 

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Philologica = Philologica. Journal of comparative philology ed. by 
J. Baudis and L. C. Wharton. London 1921 ff. 

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Pokorny Tochar. = J. P., Die Stellung des Tocharischen im Kreise 
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Pott Et Fo = A. F P , Etymologische Forschungen auf dem Gebiet 

der idg. Sprachen. Lemgo 1833-36 (2. A. 1859-61). 
— Fzwb. = A. F. P., Wurzel-WSrterbuch der idg. Sprachen. Det- 

mold 1867 ff. 
Pr ling. Baudouin de Courtenay = Prace lingwistyczne oEarowane 

Janowi B. de C. Krakau 1921. 
Preibisch = J. P., De sermonis cotidiani formulis quibuadam ve- 

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tumswiasenschaft, hg. v. G. Wiasowa und W. KroU. Stuttgart 
1896 ff. 
REAnc. = Revue des Etudes anciennes. Bordeaux. 
REArm. = Revue de Etudes armteienncs. Paris 1920 ff. 
REBalk. = Revue intemat des Etudes Balkamoues. Belgrad 193411. 
Reichelt Iranbch = H. R., Iranisch (Crdr. d. idg. Sprach- und Alter- 

tumskunde IV 2). Berlin 1927. 
REI.-E. = Revue des Etudes indo-europeennes. Bukarest IV^H. 
BEL. = Revue des Etudes latines. Paris 1923 ff. 
RESl. «=» Revue des Etudes slaves. Paris. 

Rev. arch, (oder RerA.) = Revue archeoloeique. , i„ci a 

Rev. B{elge) = Revue Beige de philologie et d histoire. Brussel 1921 a. 



I. Bei Literaturangaben. XXVII 

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Paris 1867 ff. r e t~ 

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RF. = Romanische Forschungen, hg. von VoUmSUer. Eriangen 1885 ff. 
RFC!. == Revista di filologia e d'istruzione classica. Turin. 
RH. = Revue Hittite et Asianique. Paris 1930ff. 
Rh. M. = Rheinisches Museum fur Philologie. Bonn 1833 £f. 
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Partikeln. Leipzig 1869. 
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RLR. = Revue de linguistique Romane. Paris 1925 ff. 
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Halle u. Mailand 1932ff. 

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Rom 1933. 
R o 1 f f s Got. dis- und du- = F.V. R., Got. dis- u. du-, Diss. Breslau 1908. 
Rom(ania) = Romania. Paris 1872ff. 
Rom. Jb. = Jahresbericht fiber die Fortschritte der roman. Philologie, 

he. V. Vollmoller. 
Rooth Wortst. = E. R., Altgermanische Vortstudien. Halle 1926. 
Rozprawy ^ Rozpravy akademii umieje . . . w Krakowie. 
RPh. ^ Revue de philologie, de litterature et d'histoire anciennes. 

Paris 1845 ff. (n. s. 1927 ff.). 
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Saalfeld = G. A. S., Tensaurus Italo-graecus. Wien 1884. 
SSchs. Abh. = Abhandlungen der philoL-hisL Elasse der SSchs. Akad. 

d. Wbsenschaften. 
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Safarewicz Rhot. = J. S., Le rhotacisme latin. Vilna 1932. 
Salonius Vitae patr. = A. H. S., Vitae patrum. Lund 1920. 

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Samter = Yolksk. im altsprchl. Unt. = E. S., Volkskunde im alt- 

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Saussure Cours de ling. = F. de S., Cours de linguistique gene- 
rale. 2e 6d. Pans 1922. 

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Sbb. Berl. cs Sitzungsberichte der PreufiischenAkademie der Wissen- 

schaften. 

Sbb. Heidelb. = Sitzimgsberichte der Heidelberger Akademie der 
Wissenschaften. 

Sbb. Munchen = Sitzimgsberichte der bayer. Akademie der Wisgen- 
schaften in MOnchen. 

Sbb. Wien = Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften in 
Wien. 

Schachermeyr Etr. Frfihgesch. = F. S., Etruskische Fruhgeschichte. 
1929. 

Schamberger Stat. <= M. Sch., De P. Pap. Static veil>oruin nova- 
tore. Diss. Hal. XVII 3 (1907). 



XXVIII Abkurzungen. 

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von W. Otto II 2). Munchen 1928 . 

Srhmidt Krit. = Job. Sch., Kntik der Sonantentheone. 1895. 

_ p™ i: J S., Die Pluralbildungen der indogermanischen Neutra. 

_ Urh^T s!, Die Urheimat der Indogermanen und das europaische 
_ Voc^ =TrZ«r Shichte des idg. Vocalismus. Weimar 1871 

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Schonfeld M. S., Worterbuch der altgermanischen Personen- und 

Volkernamen. Hdlbg. 1911. , ,, ■ , 

Schopf Fernwirk. = E. S., Die konsonantischen Femwirkungen. 

Gottingen 1919. , . , 

Schrader Sprchvgl. = O. S., Sprachvergle.chung und Ijrgeschichte. 

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Schramm = F. S., SprachUches zur Lex Sahca. Diss. Marburg 1911 
Schucha^dt Vok. = H. S., Der VocaUsmus des Vulgarlatems I-III. 

Leipzig 1866/68. . . , 

Schulze EN. = W. S., Zur Geschichte latemischer Eigennamen. 

_ Gr(aec^Lat^?na) = W. S., Gr. L. Gottinger Univ.-Programm 

_ KLSchr! = W.S., Kleine Schriften. Gottingen 1933 
_ Ou ep = W, S., Quaestiones epicae. Gutersloh 18V^. 
Schulze-Sieg-Siegling = Tocharische Grammatik bearbeitet 
in Gemlinschfft m^it W. Schulze von E. Sieg und W. Siegbng. 

Schwe';tr(In;eS= E. S Die primaren Interjektionen in den 

indogerm. Sprachen. Hdlbg. 19^4. 
Schwyzer Gr.Gr^ = E. S., Griechische G-mmauk ^ Munchen 

1934 (Hdb. d. Altertumswiss., hg. v. W. Otto, 11 Abt. 1 1). 
Sill Ascoli = Silloge linguistica dedicata alia meraona di G. J. Ascoli. 

Turin 1929. j- i j 107^ 

Sk5ld Lw-Stud. = H. S., Lehnworterstudien. Lund IV^J. 
Skutsch Forsch. = F. S., Forschungen zur latemischen Grammatik 

und Metrik. Bd. I. 1892. 

&=To?ha^rasX rsStr?o";LSh.'"lristiania 1911 
IXr iS lis Lateinisches und Romanisches aus den Etymo- 
logien des Isidor von SeviUa. Gottmgen 1930. 

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_ SturS''F'l,^?tudien zur lateinischen Lautgeschichte. Strafi- 

_ VersU = F%*.', Untersuchungen zur griechischen Laut- und Vers- 
lehre. Strafiburg 1901. 



I. Bei Literaturangaben. XXIX 

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Hdlbg. 1922. 

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lehre. 2. u. 3. A. Hdlbg. 1914. 

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Ber. 30, 4. Abh. Leipzig 1914. 

— KE. = F. S., Kritische Erlauterungen zur lateinischen Laut- imd 

Formenlehre. Hdlbg. 1914. 
Specht Lit. Ma. = F. S., Litauische Mundarten. Leipzig 1920-22 

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SteMat.= Studi e Materiali di storia delle religioni. Bologna 192411. 
Stender-Petersen Lw.-Kunde = A. St.-P., Slavisch-germanische 

Lehnwortkunde. Goteborgs Kungl handl. Bd. 31,4. 1927. 

St.Etr. = Studi Etraschi. Florenz 1927ff. 

St. it. fil. cl. (oder StIFCl.) = Studi italiani di filologia classica. 

Stolz Hb.^: s. Leumann-Stolz. 

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Stowasser Dunkle Worter I. IL = J. M. S., Dunkle Worter in: 

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— Verbum lare = J. M. S., Das Verbum LAKE. Wien 1892. 
Streitberg-Festg. = Streitberg-Festgabe. Leipzig 1924. 

Strena Buliciana = Strena BuUciana. Commentationes gratulatonae 

Fr. BuU(i. Zagreb 1924. 
Strena Ups. = Strena philologica UpsaUensis, Festsskrift P. Persson, 

Uppsala 1922. 
Stud. Bloomfield = Studies in honour of M. B. New Haven 1920. 
Stud. Collitz = Studies in honour of H. CoUitz. Baltimore 1930. 
Stud. Indo-Ir. Geiger = Studia Indo-Iranica. Ehrengabe fur W. Geiger. 

Leipzig 1931. 
Stud, (in hon. of) Gildersleeve = Studies in honour of Gildersleeve. 

1902. 
Stud. Tegner = Studier tilleenade Esaias T. Uppsala 1913. 
Suoiahti Vogehi. = H. S., Die deutschen Vogelnamen. StraBburg 

1909. 
Svennung Kl. Beitr. == J. S., Kleine BeitrSge zur lat. Lautlehre. 

Uppsala 1936. 
Unters. = I. S., Untersuchungen zu Palladius und zur lat. Fach- 

und Volkssprache. Uppsala 1936. 

— Wort(8tud). = J. S., Wortstudien zu den spatlat. Oribasiusrezen- 

sionen. Uppsala 1932. 



XXX Abkurzungen. 

Symb. Danielsson = Symbolae philologicae O. A. D. octogenario dica- 

tae. Uppsala 1932. 
Symb gramm. Rozwadowski = Symbolae grammaticae in honorem 

J. Rozwadowski. Krakau 1 1927. II 1928. 
Symb. Osl. = Symbolae Osloenses ed. S. Eitrem et G. Rudberg. Oslo 

1921ff. 
TAPhA. = Transactions of the American Philological Association. 
Thes. = Thesaurus linguae latinae. Lipsiae 1900n._ 
Thierae Plqpf. = P. Th., Das Plusquamperfektum im Veda. Got- 

tingen 1929. 
Thomas Stud. = E. T., Studien zur lateinischen und griechischen 

Spracheeschichte. Herlin 1912. 
Thulin Etr. Disz. = C. Th., Die etruskische DiszipUn. GSteborg 

I 1905. n 1906. in 1909. 
Thurneyscfi Hb. = R.Th., Handbuch des Alt-Irischen. Hdlbg.1909. 

— KR. = R. T., Keltoromanisches. Halle 1884. 

— Verba auf io = R. T., Die lat. Verba auf to. Diss. Leipzig 1879. 
TiZ. = Tauta ir ^odis. 

Torbiornsson Liquidamet. = T., Die gemeinslavische Liquida- 

metathese I. Uppsala 1902. 
Trautmann Bsl. W. = R. T., Baltisch-Slavisches Worterbuch. Got- 

tingen 1923. 

— Grm. Lautg(es). = R. T., Germanische Lautgesetze in ihrem sprach- 

geschichtlichen VerhSltnis. Diss. Kdnigsberg 1906. 

Tucker Notes = T. G.T., Notes on Indo-etiropean etymologies (ohne 
lahr; Halle 1930). 

Uhlenbeck (Ai.V.) = C. U., Kurzgefafites etyraologisches Worter- 
buch der altindischen Sprache. Amsterdam 1898-99. 

— Got Wb. = C. U., KurzgefaUtes etymologisches Worterbuch der 

gotischen Sprache. Amsterdam 1896. 
Umgangsspr. = I. a. Hofmann, Lateinische Umgangssprache. Hdlbg. 

1929 (2. A. 1936V 
Ung. J(b.). = Ungarische lahrbOcher. 
VaniCek = A. V., Etymologisches Worterbuch der lateinischen 

Sprache. 2. A. Leipzig 1881. 
Vasmer Stud. = M. V., Studien zur albanischen Wortforschung I. 

Dorpat 1921. 
VendrycB De hib. voc. = J. V., De hibemicis vocabulis, quae a latina 

Imgua originem duxerunt. Lutetiae Parisiorum 1902. 

— Gramm. = J. V., Grammaire du Vieil-Irlandais. Paris 1908. 

— Rech. = J. v., Recherches sur I'histoire et les eflfets de I'inten- 

site initiate en Latin. Paris 1902. 
VRom, = Vox Romanica. Annates Helvetici explorandis lingub Ro- 

manicis destinati. . Zurich 1936 £ 
Wackernagel(-D.) Ai. Gr. = J. W., Altindische Grammatik. Bd. 1 

GSttingen 1896. Bd. II 1905 ff. Bd. lU 1929 - 30 (mitDebrunner). 

— Anredeformen ^ Uber einige . . . Anredeformen. GSttinger Univ.- 

Schriften 1912. 

— Beitr. z. gr. Akz. = J. W., BeitrSge zur Lehre vom griechischen 

Akzent. Basel 1893. 



I. Bei Literaturangaben. XXXI 

Wackernagel Sprchl. Unt. = J. W., Sprachliche Untersuchungen 
zu Homer. Gfittingen 1916. 

— Synt. = J. W.,Vorle8ungen fiber Syntax. Basel 1920, 1924 (2 Bde.). 

— Verm. Beitr. = J. W., Vermischte Beitrage zur griechischen Sprach- 

kunde. Basel 1897. 
Wagner Stud. = M. L. W., Studien fiber den sardischen Wortschatz. 

Genf 1930. 
Walde Innsbrucker Fester. = A. W., Innsbrucker Festgrufi, 1909. 

— LEW.' = A. W., Lateinisches etymologisches Worterbuch. 2. A. 

Hdlbg. 1910. 

— Sprchl. Bez. = A. W., Uber alteste sprachliche Beziehungen zwi- 

schen Kelten und Italikern. Rektoratsschrift Innsbruck 1917. 
Walde-P. = A. W., Vergleichendes Worterbuch der indogermani- 

schen Sprachen, hg. von I. Pokorny. Berlin 1928ff. (3 Bde.). 
Wartburg = W. v. W., Franzosisches etymologisches Worterbuch. 

Eine Darstellung des galloromanischen Sprachschatzes. Hdlbg. 

und Leipzig 1922 fiF. 
Weise = O. W., Die griechischen WSrter im Latein. Leipzig 1882. 
Weisgerber Festlandkelt. = L. W., Die Sprache der Festlandkelten. 

XX. Ber. d. rom.-germ. Komm. 1931, 147ff. 
Wharton Et. lat. = F. W., Etyma latina. London 1890. 
Wiedemann Praet. = O. W., Das litauische Praeteritum. Strafi- 

burg 1891. 
WienPrahZ. = Wiener Prfihistorische Zeitschrift. 
Wilmanns D. Gr. = W., Deutsche Grammatik. 
Wiiimann Nom. Postverb. = W. W., Nomina Postverbalia in den 

idg. Sprachen. GSttingen 1932. 
Wissowa Re!.' = G. W., Religion und Kultus der Romer. 2. A. 

Mflnchen 1912. 
WklPh. = Wochenschrift ffir klassische Philologie, hg. v. Andresen^ 

Draheim und Harder. Berlin 1883ff. 
Wood a" •= F. A. W., Indo-European a'' : aH : a^u. Strafiburg 1905. 

— Post-Cons, to = F. A. W., Post-Consonantal w in Indo-European 

(Language Monographs 3). 1926. 

WSt. =. Wiener Studien. Wien 1879 ff. 

WuS. = WSrter und Sachen. Hdlbg. 1909 ff. 

Wfist = W. W., Vergleichendes und etymologisches Worterbuch des. 
Alt-Indoarischen. Hdlbg. 1933 ff. 

WZKM. = Wiener Zeitschrift fur die Kunde des Morgenlandes. 1887 ff. 

Xenia Lideniana = Xenia Lideniana, Stockholm 1912. 

ZAss. = Zeitschrift fur Assyriologie. 

ZcPh. = Zeitschrift fur keltische Philologie. Halle 1897 ff. 

ZdA. = Zeitschrift fur deutsches Altertum. Leipzig 1841 ff. 

ZdmG. = Zeitschrift der deutschen morgenlfindischen Gesellschaft. 
Leipzig 1847 ff. 

ZdPh. = Zeitschrift ffir deutsche Philologie. Halle 1869ff. 

ZdW. = Zeitschrift fur deutsche Wortforschung. Strafiburg 1901 ff. 

Zellmer = E. Z., Die Worter auf -ura. Ein Beitrag zur lateinischen 
Wortbildung und Wortgeschichte. Diss. Jena 1930. 

ZfrzSpr. = Zeitschrift fur franzSsische Sprache und Literatur. Leip- 
zig und Berlin 1879ff. 



XXXn Abkurzungen. 

ZII = Zeitschrift fur Indologie und Iranistik, hg. von W. Geiger. 

Leipzig 1923 fF. . . . , • 

Zimmermann Wb. = A. Z., Etymologisches Worterbuch der latei- 

nischen Sprache. Hannover 1915. loc/^ir 

ZoG. = Zeitschrift fur die osterreichischen Gymnasien. wien 1850 a. 
ZONF = Zeitschrift fur Ortsnamenforschung. Munchen 1925 flf. (von 

Bd. 14 [1938] ab ZNF. = Zeitschrift fur Namenforschung. 

Berlin). . , t. i. 

ZRG. (oder ZSSt.) = Zeitschrift der Savigny-Stiftung fur Kechts- 

geschichte. Romanistische Abteilung. 
ZRPh. = Zeitschrift fur romanische PhiloTogie. Halle 1876 ff. 
Zupitza Gutt. = E. Z., Die germanischen Gutturale. Berlin 1896. 
Z wicker = J. Z., De vocabulis et rebus Gallicis sive Transpadanis 

apud Verg. Diss. Leipzig 1905. 



XXXIII 



II. Sonstige Abkiirzungen. 



abg. = altbulgarisdi 

ablfaut.) = ablautend 

Abltg. = Ableitung 

abret. = altbretonisch 

afries. = altfriesisch 

ags. = aneelsfichsisch 

and. = altnochdeutsch 

ai. = altindisch 

air. = altirisch 

aksl. = altkirchenslavisch 

akymr. = altkymrisch 

alat. oder aid. = altlateinisch 

alb. = albanisch 

an. = altnordisch 

ap. = altpersisch 

apr. = altpreufiisdi 

arm, = armenisch 

as. = altsachsisch 

aschw. = altschwedisch 

av. = avestiscli 

Bed. = Bedeutung 

Beih. = Beiheft 

bret. = bretonisch 

bsl. = baltisch-slavisch 

Cedi. = Cechisch 

dSn. = danisch 

Dem. = Deminutiv 

Denom. = Denominativ 

EN. = Eigenname 

engl. = englisch 

Entw. = Entwicklung 

Erw. = Erweiterung 

estn. = estnisdi 

finn. = finnisch 

gall. = gallisch 

Gbd. = Grundbedeutung 

Gbgr. = Grundbegriff 

Gdf. = Grundforin 

geg. = gegisch 

GN. = Gentilname 

got. = gotisdi 

Walde Etym.WSrterbucfa d. lat 



gr. = griechisdi 

grm. = gemianisch 

heth. = nethisch 

idg. = indogermanisch 

IK(G). = lambenkurzung(sgesetz) 

ill. = illyrisch 

ir. = irisch 

klr. = kleinrussisch 

kom. = kornisch 

kymr. = kymrisch 

lat. = lateinisch 

lett. = lettisch 

lit. = litauisch 

Lw. = Lehnwort 

magy. = magyarisch 

mbret. = mittelbretonisch 

mess. = messapisch 

mhd. = mittelhochdeutsch 

marr. = marrucinisch 

mars. = marsisch 

mir. = mittelirisch 

mlt. = mittellateinisdi 

mn(d)l. = mittelniederlandisch 

Nbf. = Nebenform 

nd. = niederdeutsch 

ndl. = niederlandisch 

Neubldg. = Neubildung 

nhd. = neuhodideutsch 

nir. = neuirisch 

norw. = norwegisdi 

np. = neupersisch 

o. = oskisch 

olit. = ostlitauisch 

ON. = Ortsname 

osset. = ossetisch 

ioosset. = ostossetisdi) 
. = paligniscfa 
pamird(ial.) = Pamirdialekt 
I pehl. = peblevi 
j phryg. = phrygisch 
I poln. = polnisdi 



Spradie. 3. A. 



m 



XXXIV 



Abkurzungen. 



red.-stfg. = redukuonsstufig 

r.-ksl. = russisch-kirchenslavisch 

rom. = romanisch 

Rudcbldg. = Ruckbildung 

russ. = russisch 

9. = siehe 

sak. = sakisch 

sbkr. = serbokroatisch 

schw. = sdiwedisch 

serb. = serbisch 

glov. = slovenisch 

spatl. = spatlateinisch 

St. => Staram 

Suppl. = Supplement 



toch. = todiarisch 

tosk. = toskisch 

1. 1. = terminus technicus 

u. = urabrisch 

urn. = urnordisch 

urspr. = ursprunglich 

Vbdg. = Verbindung 

vgl. := vergleiche 

vlt. = vulgarlateinisch 
VN. = Volksname 
Wzff). = Wurzel(formJ 
aem.=zemairisch (niederlitauisch) 
Zss. = Zusammensetzung(en) 
Zshang = Zusammenhang. 



A. 

S, Sh (aha Plaut,, Vule. Am. Ezedi. 20, 49, wohl geminiertes 
ah, vgl.gr. da), Ausruf des Schraerzes, Mideids, befreiten Aufatmens 
u. a. fseit Plaut., rom.). Teils urverwandt, teils durdi Neuschopfung 
oder Endehnung entstanden sind gr. S Ausruf des Unwillens, Sdimer- 
zes, Erstaunens, ft, id ,ah, adi', & & & ,halial"; mhd. « in hilf-a, 
nein-d nein (vgl. miser a miser; oder idg. •? wie in ahd. ihha 
.egomef, Loewe a. 0. 121. 133, Hirt Idg. Gr. HI 11, Walde-P. I 99), 
mhd. a nhd. ah Ausdruck des Sdimerzes, der Freude usw. (z. T. nach 
frz. ah wie wohl audi mhd. ahl, ahei aus afrz. ofcy, nicht umgekehrt, 
Loewe 115), lit. a .adi", ,oh', oii ,aha', a ,he? nidit wahr?', 
lett. a Ausruf der Freude und sorgenden Wehklage, Zuruf beim Vok. 
(z. T. idg. *o wie audi slav. a?), aa, aa Ausruf nadi einer Belehrung, 
Ausdru(S: des Selbstbewufitseins, ai. a Ausruf der Besinnung, vgl. 
av. a- in avoya ,wehe!'. Walde-P. II. Brugmann, Satzgest. 23A., 
Synt. 14, Sdiwentner6ff., Loewe KZ. 54, llltf. 145ff., J. B. Hofmann 
IJmgan^spr. 18f., Gnomon 2, 251. — Vgl. ha, 6. 

ab Praep. m. Abl. ,von' u. Praev. ,weg', ursprunghdi vor 
tSnenden Lauten aus *ap (so nodi inaperia, u.apehire) entstanden; 
o.-u. nur in Zss,: u. ahavendu, o. aflukad, pal. afded usw. 
(v. Planta I 209. 426 II 454 f.). Ital. *ap apokopiert aus idg. *apo 
- (dies kaum weiter zu zerlegen in "ap-o, Hirt Idg. Gr. 1 324), ai. dpa 
iv.ap.apa m. Abl. ,von — weg'; gr. fiTto, dt6 m. Gen. ,von, weg, 
ab", mak.dit-, AP-; alb. prape ,wieder, zurudc' {*per-ape); got. o^, 
af m. Dat. ,von, self, anord. «f, ags. aef, of, as. af, ahd. afea. oi-, 
nhd. ab-; bait, in lit. apaM lett. apaksa ,der untere Teil' (*apa- 
iia), lett. dial, ap m. Gen. 'unter' (Endzelin § 505) ; arm. (Pedersen 
KZ. 39, 399. 427) und keltisdi unsidier (air. o ,au8' vielmehr aus 
*ass, *eks, s. ex; air. 6, ua ,ab, von' aus *««, s. au; zu beiden ge- 
horen konnen die britann. Formen akymr. nkymr. o ,ex, ab, de', 
a.-mkom., a.-nbret. a ds., nidit aus *apo oder daneben *po mit 
Zimmer ZcPh. 2, 108 flf. u. a.; s. Walde-P. I 48). 

af, Cicero nur mehr aus Redinungsbudiem bekannt (orat.158, 
s. Havet ALL. 9, 168), insdiriftlidi bis zur beginnenden Kaiserzeit 
(vor e I m ti v) und bei Paul. Fest. 26 uberbefert, ist wohl dia- 
lektisdien Ursprungs (v. Planta II 454f., Ernout El. dial. lat. 92ff., 
vgl. umgekehrt Lucil. 581 abzet ffir p5l. afded; lautlidie Entstehung 
vSr u — W6l£FKn ALL. 7, 506 wegen GIL. I« 1853 af vineis, nf 
viUa'nchen ab eastMo, ab seeete — ist unwahrsdieinlidi, ebenso 
Budierlers, Rh.M. 46, 235S v. Plantas I 477 f. Herleitung yon nf 
aus a{p)s vor r, s. Leumann-Stolz '129; keinesfalls zu ai. adhi 
,auf, fiber, von' mit lindsay-Nohl 662). 
W a I d e Etym. WSrterbudi d. lat Spracfae. 3. A. 1 



ab - abbo. 



abs (vor q t, als Pracv. vor c q t) = gr. a^ Jor*. F"™"^' 
(V B Thurnevsen ALL. 13, 6; kaum erst einzelsprachhch mit 
MuUer AaW.T7; nicht nach J. Schmidt KZ. 32 410 = ^Apah), 
aaraus OS- vor p (durch Dissim.), a- (= umbr. aha- oik. aa-) 
vor T i^d Nafale^n (Curtiu. T?/ SchulU Qu. ep. 148', Nieder- 

"""""Lft^'ifici't nach Froehde BB. 7, 327, J. Schmidt KZ. 26, 42, 
V Planta I 210, Pedersen K. Gr. I 438 zu ai. a ,heran, an , 
e;st sekundar ,von - her', vgl. Buck Vok 25; ebensowemg 
nadi Schmidt und Buck zu wgerm. o m aM.uo-mad ,Nach- 
mahd' neben a-mdd ds. (idg. *o neben *e .nahe bei , s.heres 
und Walde-P. 1 95 f.). Audi u. a- m aha-tripursatu usw. ist aus 
ff«- (vor t?, s. V. Planta 11 455) entwickelt, ebenso (oder aus aps- 
trotz lautlich unklarer Bedingungen) o. fl- in aamanaffed 
,mandavif (nidit = 'admandavW' mit Walde LEW.' 2 oder 
= an-^ .in' Grienberger Gl. 2, 258). , a. i 

Zusammensetzungen (vgl. aMo, abed): abduco : got. aftmhan, 
nhd. ahziehen; abicid : gr. d<pir,m; abigo = gr. ditdTU., ai apa- 
aiati; abluo : gr. AuoXoiiuj; abscindo : gr. dnocTxiZui, got. af- 
skaidan, ai. dpa-chid-; absisto : gr. A(piOTn}M, ai. dpa-stha-, vgl. 
o afstist .absistet, Aitobdjoei*; averto : ai. apavartatt. 
no- in po-situs {pond), po-lio, porceo (aus »po-arced), polubrum 
(? s d.) ist Ablautsform idg. > wie in av. pa-zdayeUt ,lalit weg- 
rucken, scheuchf ; alb. pa pa- ,ohne, un-'; as. /"anla) afnes fd» 
von" (aber ahd. fon(a) wohl aus idg. *pu; Persson IF. 2, 21i)}, 
Iksl. po .fiber hin, langs, nach', Ut. po ,nach, unter {*po mit 
analog. Langung), wesentlich perfektivierendes Praev. aksl. po-, ht. 
pa- (z.T. wohl mit Aufgehen von idg. *upo und 'po* B™gmann 
Grdr IP 2, 808); fragUdh arm. o-lorfe .pohert, glatt' (Liden Ann- 
Stud 60ff.). — Erweiterung von idg. *po- m *pos, *pos-tt,s. post. 
— Wechselform *pu (vgl. ahd. fona oben, ai.p«nor .wieder gr- 
ttOuoTOC ,der letzte') ganz unsicher in puppis (s. d.). — ^Pf"^'- 
rr fur a6- (z. B. obLquiatio Dessau 8745) und umgekehrt durch 
Laut- und BedeutungsannSherung (Schmalz' 524 m LiL) - Vgl- 
aprilis. - Walde-P. I 47ff., Brugmann Grdr. H' 2, 806ff. 
abaTUS m. .Ururgrofevater, Ahnesahn, Ahne' (hinter proavm, 
yorll^tnta:^; slit Plant.), «bat-i« f. Ururgrofimutter' (D...) 
X«u«cul«» m. u. abin&tertera f. ,Bruder bzw. Schwester der 
Ururgrofimutter' (Dig), abamita i.u. abpatrwis m. .^^^ 
bzw. Bruder des Ururgrofivaters' (Dig.), abnepos m., "^^ 
f. .Ururenkel, -in" (seit Sen.), absoeer m. ,des Ehemanns oder der 
Ehefrau Unirgrofivater' (Script. h.Aug.): enthalten wohl ab m der 
Bed weiter weg', ,fort» ab Steigerung von pro {-opus usw.), vgL 
ap niftfa- ,avus-; aponydte- ,abavus' rThumeysen The*.; anders 
KTreteAmer Gl. 10, 43V /fcarw Kontrfirbildung zu atn«pw, dieB aus 
S^^^ so. oridndus?). - atorw nidit ?»f Grund der Vo^teUung^ 
«b «Xvom Grofivater aus' zu rechnen (Delbruck VerwandtsAafts- 
Mmen 98, Stolz W.St. 26,321); audi nidit Umgestaltug .us "a^av^ 
Ivi avus- (Keller Volkset. 7t). - Im Roman, dafur Zss. mit }^ 

^**"'i:bSf^;* ^Ln "(iS: s. Heraeu* ALL. 13, 169): UllworU 



abdo — abeO. 3 

abdo, -didl, -ditum, -dere (seit Plaut.): vgl. dito-T(Ori|Lii, ai. apa- 
dadhati ,amovet, abdit'. Wz. *dhe ,setzen, stellen' (s. faeiS), in 
der Flexion zusammengefallen mit *do(ii) ,geben' {s. dS). 

abdomen, -tn»« n. ,Unterleib (urspr. vom Sdiwein, vgl. Plin. 
n. 11, 211; seit Plaut., spatlat. -umen mit Suffixtausch, Ernout El. 
dial. lat. 89f.), Schmerbauch, Wanst': wohl als ,pars abdita' (zu- 
nachst von den pudenda, vgl. Cic. off. 1, 126?) oder als .(Fettjab- 
lage' (so Thurneysen) zu abdere (statt *abdemen [gr. dt^imx] mit o 
wie in saeer-das, vgl. Meillet MSL. 20, 104), vgl. ahd. intuoma 
,exta', ndl. inghedom ,intestina, viscera', mnd. ingedome ,Ein- 
geweide', bayr. (nurnberg.) ingetum ds. (ware lat. "indomen; Thurn- 
eysen ALL. 13, 9ff., Kluge Gl. 2, 54 f). — Abzulehnen Zimmer- 
mann EW. s. v., Muller Ait.W. 38 (*ab-d<mk-(s)men .Abzugskanal', 
s. Hermann BPhW. 1915, 1609); Keller Volkset. 69 (aus 'adipomen 
mit Anlehnung an abdere); Ronsch ZDG. 37, 589 if. (von obd{u)ere 
,verstopfen, vorschieben'); Wiedemann BB. 27, 258 (Wz. *deus^ 
jHohlung' in lett. paduse slov. pdzduha ,Achselh6hle', ai. dis m. 
n. jArm", ir. doe ,Arm' : nur in Beziehung auf Achsel bzw. Arm); 
Brugmann IF. 11, 271 ff. (als *ahdou{e)men mit dial, o statt u zu gr. 
vri-bOs f. ,Bauch, Unterleib, Mutterschofi", ep. vr|bi)ia n. pi. ,Ein- 
geweide" aus *ne ,unten' -1- bo- Wznomen : buo^al ,tauche ein', 
bdm? ,Eintauchen'; ganz fraglidie Analyse [anders tiber vr|bOg s. u. 
nassa\, ebenso von dXt-pbdw ,versenke ins Meer' mit -p- in der Zss. 
aus *(a)pl.o) [vgl. audi imhud] ; angebliches horn, vi^bujio? ist vielmehr 
i^bu|Lio?, Bechtel Lexil. ISOf.). 

Abella, -ae f. osk. Stadt in Kampanien, Ablt. -lino- in osk. Ahel- 
lanus ,Abellani' usw., lat. imx avelldna .HaselnuC" (seit Cato, 
rom.) : aus *ablona, Benennung der Stadt nadi der Apfelzucht {mAli- 
fera bei Verg. Aen. 7, 740; vgl. nhd. ON. Affoltem: ahd. affoUra 
.Apfelbaum') mit der von den Oskem nach Italien mitgebrachten 
idg. Bezeichnung des Apfels (Hoops Waldbaume 477 f ., Meillet MSL. 
14, 368; nicht umgekehrt der Apfelname nach Abella benannt und 
von da ins Kelt., Germ., Bsl. entlehnt mit SchraderBB 15, 287, RL. 
P 58, s. dagegen z. B. Much ZOC. 47, 68): gall, avallo ,poma' 
(Wiener Glossar, vgl. den ON. Avallo(n) usw.. Holder I 5, Dottin 
229), air. ubull (*ablu-) ,Apfel«, aball {*abalo-) .Apfelbaum", akymr. 
aball, aballen .Apfelbaum", afal ,Apfel' usw.; krimgot. apel (got. 
*apls?), ahd. apful dfful, mhd. apfel, ags. seppel, an. epU n. (germ. 
*ap(a)la-, aplu- ?) ; lit. dbuolas (neben dbalas) m., lett. dbudls MuSiis, 
apr. tcoble f. .Apfel", lit. obeHs lett. dbele f. .Apfelbaum'; abg. 
abhkojabhko usw. ,Apfel', (j)ablam .Apfelbaum' (bsl. *Sbdl- *dbl(u\-, 
s. Trautmann Bsl.W. 2, Berneker I 22f.). — Abzulehnen danach die 
Herleitung aus *Aprola .Eberstadt' (Corssen KZ. 2, 17, VaniCeklS; 
wegen o. Aderl, .Atella' wSre *Aperla zu erwarten) oder *Ag*noUl 
(: agnitt, v, Planta 1 336); auch nicht Benennung der Stadt auf Grund 
eines Cognomens trotz der Parallelen bei Schulze EN. 576 f. — 
Weitere Beziehungen (: tbuih**^ able*? s. dd.) ganz unsicher. — Walde- 
P. I 50f. 

abeS, -i1, -Uum, -Ire = ai. apa-iti ,geht fort', gr. fiit-eiMi, got. 
af-iddja; pfil. afded ,abiit, mortuus est' ■« o.-l. abxet Lueil. 581 
(Mras WSt. 46, 8¥). 

l» 



4 AbeOna — aboleo. 

AbeSna. AdeSna .Beschfltzerinnen der ersten kindlichen Lauf- 
vereuche' (Tert. nat. 2, 11, Aug.): von ab-, adeo nach mmrdna usw. 
(kaum auf Gnind von *o6-, aded -onis, Stolz ALL. 10, 170 f.). 

abies (im Hexam. -e-, s. Leumann-Stolz' 264), -etis f. .Tanne" 
(seit Enn. u. Plaut, rom.): gr. apiV i\dvr\v, ol bi. neOicnv Hes., vel. 
styth. 'AptKyi = "CXala ,Name der sudruss. Waldregion* (Steph. 
Byx.). — abiegwus (-e-?) seit Enn. u. Plaut., abieg{i)nev3 (seit Lex 
par. 105 v. Chr.) gebildet nach galignus, larignus? (Havet MSL. 5, 393; 
andera Leumann-Stolz* 206) ; aUetalis, -arius erst apatlat. — Weitere 
Anknupfungen unsicher (nicht zu ahd. aspa nhd. Espe, lett. apse 
lit. aptiie, russ. o.9fno ds., idg. *apsa, das nicht weiter mit Schef- 
telowitz Festgabe Jacobi 30 in *ap-sp- zu analysieren ist, s. Walde-P. 
1 50; auch kaum mit Muller Ait.W. 1, Loewenthal WuS. 10, 157 [*ab- 
iet- Harzeana' ; vielmehr abi-et- ■■ fipi- wie ari-et- : ^pi-ipo?] zu *abelo- 
.Apfel", s.iAbella). — Pick II« 19, KZ. 41, 348, J. Schmidt Verw. 53. 
abiga, -ae f. .chamaepitys': zu abigo ,treibe ab' (z. B- Cic. 
Cluent. 32; vgl. Plin. nat. 24, 29 vacatur propter abortus). Walde-P. 
I 35 Vanifiek 7. 

abitSrinm, -f n. .latrina publica' (Cagnat, Inscr. graec. ad res 
Rom. pert. I 599): von abire. 

ablacn« (Varro r. 1, 29, 1), sonst ablaqneS, -atum, -are (-mo 
seit Colum.) ,die Erde um Weinstocke oder Obatbaume herum ab- 
eraben, abteufen': von ab und lacus .Grube" (vgl. tecMsc«Ius .kleme 
Grube um die Weinst6cke" Colum. und Pallad. 2, 1 circa titis eo- 
dicem dolabra terram diligenter aperire et purgatis omnibus velut 
lacua efficere). S. Stolz HG. I 251 {-gu- durch lautiiche Kreuzung 
der Ableitungen von locus und laqueus?}. Zur Bildung vgl. noch 
tirol. (Etschtal) qruben, vergruben = die Rebwurzeln von der Erde 
befreien (L. v. Hermann bei Walde LEV.'); daher nicht von laquear, 
lacunar .getafelte Decke' als ,die Erddecke abnehmen' 

ablegmina .partes extorum quae dis immolabanf (Paul. Fest. 
21; = prosegmina Gl): von *ablegere .auslesen und beiseite legen'? 
—'Nicht mit Niedermann e und t 39 von abUgare. vgl. gr. duo- 
Ttoiniyi (ware *abUg&mina, Thurneysen GGA. 1907, 88). 

ablinda ,ein ReptQ' (Pol. Silv.): dunkles Alpenwort nach 
Schrader RL. !• 231, wonach mit Umdeutung ahd. blint-slihho 
Blindschleiche ' . 

abole0, -evi (Plin. usw.), selten -«» (Inschr.), -itum, -ere ,ver- 
nichte, vertilge, schaffe ab', aboleaco, -evi, -Sre ,vergehe nach und 
nach*, ,verschwinde' (beide seit Vers.): wahrach. o6o/e«ca Kontrar- 
bildung zu adolescd (vgl. dicresco und gr. dnoKudZui), das ab ,auf- 
flammen' von Verg. (georg. 8, 479) zu adoled .lasse aufflaminen' 
(3. d,) hinzugebildet, als Archaismua der Sakralsprache aber miiSver- 
standen und auf adolescd .wachse heran" bezogen wurde (vgl. nhd. 
lodem .emporflammen', dial. ,uppig wachsen'); aboUsco zog dann 
aboleo nach dem Muster von adoleo : adolescd nach sich (s. Emout 
a O.; fihnlich, aber fur sich allein nicht genugend, nach angeo : 
augesco Thurneysen a. O. 16. Walde-P. I 87). — abole6 nicht mit 
Br6al-BaiUy 280, Wharton Et. lat. s. v., OsthofiFPBB. 18, 258 als urspr. 
Intrana. .*au88terben' zu adoUseO; auch nicht mit Fick BB. 1, 58, 
Muller Woordverkl. 32 ff., Ait.W. 38 unter Zuziehung von dhleo 



abolla — accereo. 5 

(s. d.) als *qb-oleo zu gr. dXX!J)Xi (*6Xv-) ,verderbe', ftX^KW ,ver- 
nichte" (fihnijch Thurneysen a. O. 15 mit falscher Grdf. *ab-lgre; 
das gr. Wort bleibt ohne Anschlufi [s. auch Walde-P. 1 159f.l, -wenn 
nicht u. holtu .aboleto?" trote des h- hierher, a. Kent TAPhA, 57, 
54). — Walde-P. I 87, Thurneysen ALL. 13, 11 fF., Stabile Etimologia 
di abolere, Classici e neolat. 5 (1909), Ernout Symb. gramm. in Hon. 
Rozwadowski I 203 ff. 

abolla, -ae f. ,doppeIter Mantel', ,Kriegs- und Philosophentracht' 
(seit Varro; daraus gr. A^oXXai, neben &p6\X.ii; -r\v Pap., Meiners- 
mann 5, B. Thurneysen GGA. 1907,800 gegen Bezzenbergers BB. 27, 
147 Herleitung aus *sm + pdWuu): wegen d^oXei; (,neglecta nasali, 
ut in 'Acpidprioc' van Herwerden Lex. Graec. suppl.) • nept^oXal Owd 
XiKeXuJv Hes. (und der sizil. Stadt 'ApdWa Steph. Byz., h. AvolaT) 
sizilisches Wort. Weitere Deutung unsicher; kaum mit Ribezzo RIGL 
12, 1% aus *fiu-poXXai = itaU *amb{h)i-uoluil. — Nicht aus gr. dv(a)- 
po\r| .Umwurf (ware *ambula) oder gar S^oXo; (Saalfeld, Weise). 

Aborigrines ,sagenhaftes Stammvolk in Mitteiitalien' (seit Cato): 
auf Crund von ab orlgine. entstanden (Bopetfovot Lykophr. ist Um- 
deutung; s. Stolz WSt. 26, 318ff. gegen Qchorius P.-W. 1 106). 

absque: alat. in absque te esset u. dgl. .si sine te esset' in kon- 
dizionalem Sinn (vgl. ved. ca ,wenn' [s. qtie] aus ,und* oder ,auch', 
Brugmann KG. 668, Schwyzer IF. 23, 163?; doch ist vl. mit qtit 
,und* auszukommen, Schmalz' 531 ; falsch Musiii PhW. 1930, 588), 
nachklass. Praep. ,ohne" (Wackernagel IF. 1, 417, Skutsch Kl. Schr. 
160, VoUmer Gl. 3, 46 £F., Lejay RPh. 36, 243 ff.). 

abstSmins, -a, -um .enthaltsam' (Seit Lucil.): auf Crund von 
abg *tem6 (vgl. Quint. 1, 7, 9), s. temetum, temulenlus. 

absnrdug, -a, -um ,mi£klingend, ungereimt, tSricht* (seit Ter.) : 
Bildung wie gleichbed. absonus (seit Cic.) zu Wz. *suer- (s. susurrua; 
vgl. surdus), die dann im Lat. ebenso wie im Ai. auch artikuliertes 
Tonen (vgl. auch sertnd) bedeutet hStte. VI. liegt Lehnubersetzimg 
von gr. ditrixi^s, diri})b6? vor. — Curtius KZ. 1, 268, VaniCek 346, 
Thurneysen ALL. 18, 16 ff. 

ac s. atque. 

acannomarga, -ae f. ,Steinmergel* (Plin.n. 17,44): gall., aeoMnwm 
{ag-, vgl. Gottheit Agaunus; aus *aknmno- mit Lenierung des m zu 
u?; zur Sippe von ai. aiman- m. .Stein', gr. &\c6vr\ \\.oeona] .Weti- 
stein', 8. aeer) und marga, a. d. — Walde-P. 1 29, Fick 11*5, Dottin 224. 

Acca lArentia .Larenmutter, rSmische FlurgStdn' : ai. akks 
.Mutter' (Gramm.), gr. *Akki1) .Amme der Demeter', bxxi) .Popanz* 
(dKKiZEOdai ,sich zieren'), lapp. Madder-akka .Erdenmutter', Lall- 
wort wie auch in kleinasiat. Sprachen (Kretschmer Einl. 351), wohl 
aus der etr. Religion ubemommen (MfiUer-Deecke 11 105ff.). Walde- 
P. I 34, Guntert KaKpso 53 f. 

acceia, -at f. ,^hnepfe* (seit Itala, rom.): unerklfirt; unbrauch- 
bar Zimmermahn ALL. 9, 592 (von PN. Aceius). 

Accherfins, -tis (Plaut. Lucr. Nep. Fronto) f. (in der Bed. .Unter- 
welt*) und m. : aus gr. 'Ax^piuv darch. etr. Vermittlung (Pasquali 
St etr. 1, 291 ff, Devoto ib. 2, 325ff.; anders Leumann GL 18, 251 f.). 

accendfi s. eandeo. 

accenS s. areesao- 



accipiter — acer. 



acclplter, -tris m. (f. Lucr.) ,Habicht, Falke' (seit Plaut.; davon 
aeeipetrina sc. manus ,furatrix«, accipitro .lacero" Laev.): wohl aus 
*a<^eter .schneMiegend' (mit cc durch volksetym. Anlehnung an 
acd^e [Isid. 12,7,551, woher auch die Nebenform aocevtor [Bert 
LucS rom., vgl. astur], davon SiHus .Falkemerer' Anth.). Das 
zweite died *-peter zu ai. p&tram ,Flugel', gr. irrepdv ds., kymr 
atar volucres», ahd. fedara nhd. Feder, s. penna; das erste Glied 
woU identisch mit acu- ,scharf« in acu-pedius, aci-penser, aqut-folmm 
fs d., vgl. gr. 6E<inT€po? .Habichf, 6Eu\aMs vom Adler; da eine 
Ablautfoim *a;tu- .schnell" neben oA«- {s. ocior] mcht sicher steht, 
nicht direkt zu gr. ibKOTrrepoi;, dbicuireTri?, ai. a§u.-patvan- .schnell- 
flieeend, Beiname von RaubvSgeln', wenn auch idg. *6lcu- .schnell 
zu^aifc«- .scharf' gehort h.acer]; eine Vorform *ocu-petrts ist trotz 
Walde-P. 1172 nicht moglich, da sie, durch oeior gestutzt, der A^- 
Kleichung an aeeipere nicht hStte unterUegen konnen; neben idg. 
W vl. *5W in shg.jastreh, ,Habichf, doch s. Bemeker 32 m. 
Lit ) — Wenieer wahrscheinlich mit Walde a. O. nach Thurneysen 
avs'Ocri-petris mit Dissim. zu *aci- (bzw. *ari- neben aero- in der 
Koraposition, Muller Ait.W. 3); nicht mit Holthausen IF. 5, 274, 
Niedermann lA. 18, 74, Schrader RL.I«283 als ,Taubensto6er, falco 
palumbarius' zu got. ahaks .Taube' und petO (Mr *petros ware nach 
dims cuprus passiver Sinn zu erwarten, und sot. ahaks ist nicht mit 
Solmsen IJnters. 149' auf *aku- .schnell' zu Leziehen, sondern eher 
mit F.R. Schroder PBB. 51, 27 f. als ,Seelenvogel' : got. afea ,bmn ). 
VerfehltZimmermannIF.18,380 (accipiter acceptor Uragestaltungen 
aus aucupator auceptor mit vulg. a aus aul). — Walde-f. V m, 
Thurneysen ALL. 13, 19flP. 

acedia, -ae f. .Stumpfsinn, Apathie« (seit Eccl. 4. Jh rom.; bei 
Cic Att 12 45,1 noch Fremdwort; davon acedior nach contrtstor, 
stomachor, vgl. dKtibidu,, seit Itala): aus gr. &KT\bla .Sorelosigkeit . 
- ac-rffU (Marc, med., Anthim., Gl.) wegen der Bel %gen- 
saure' o a. nicht hierher, sondern von acidus ,sauer (vgl. mit gr. 
Suffix actdonimm Orib. syn. 5, 53; Niedermann Essais 95). 

aceo, -ui, -ere ,bin sauer" ^scit Cato), acidus, -a, -urn ,sauer» 
(seit Plaut., rom.), acor m. ,Saure' (seit Colum.), acetum .Lssig 
(Bildune wie temetum, seit Plaut., rom.; davon acetabulum ,l!.ssig- 
eefafi", .Pfanne' seit Varro), woraus got. akit, okeit n., ags. ecerf. 
Is. ecid, mit Umstellung ahd. ezzik, mnd. ettic ,Ess.g", und durch 
got. Vemittlung abg. octi ds.; alb. d&ete .herb, sauer' (sG. Meyer 
ilb.W.2,PedersenKZ.36,332, auch zu eh .scharfe" aus *afc»^-). - 
Zu acer .scharf (Vanicek 5), vgl. acerbus und zur Bed. gr. 6iiJ<; 
,scharf': 6£oi; n. .Weinessig*. Walde-P. I 32. 

1. acer, -eris n. (seltener f.) ,Ahorn" (seit Ov., rom ; acernus 
.ahomen' seit Verg., rom. [Subst.]): gr. fiKaOTO?' f) (J<pjv^>a^vos Hes 
(wohl *aKapaT05, vgl. SKopva- bdq)vn Hes; nicht •dKn-aTO? m.t 
Johansson Beitr. 153, wie dxaToXi? .Wacholderbeere', wenn hierher- 
gehSrig, ein *aKn-T0? .Wacholder* d. i. .stachehiadhg* voraussetzt), 
adfin. Sr ds. (gem. 'ahira-), ahd. ahom, nhd. Ahomigrm. axuma-, 
kaum 'exurn^, s.Walde a. O., E. Schwarz AslPh. 40 284); zw. wegen 
des Gutturals ved. akrdh RV. ,Ahom'? (Brunnhofer BB. 26, 108f.). 



acer. 7 

Beziehune zu deer (VaniCek ; Benennung von den spitzen Blatt- 
abschnitten) ist moglich; unwahrsch. Loewenthal WuS. 10, 152 f. 
(idg. *akr *aknis ,aas Anschlagen' neben *g-kirot 'e-huros unter 
Vereleich von lit. akas , Loch im Eis" [s. ocutus]). — Einen r/n-Stamm 
mit Johansson a. O. anzusetzen, scheint nicht geboten, da acernus 
aus *acer-inos herzuleiten ist (Brugmann Grdr. 11* 1 , 281) und 
auch fixapva, ahorn das Formans -no- enthalten konnen; eher gilt 
dies, falls anzureihen, fur gr. fiKOpva ,Distelart' neben &Kavoi; ds. 
(Petersson Heterokl. 25). - Walde-P. I 28 f., Osthoff Far. I187ff. 
2. acer, -oris (altl. noch -cer), -ere .scharf (seit Naev., rora.; 
sekvindar alt- und spatl. o-St., s. Leumann-Stolz* 260), o. akrid 
,acriter', u. peracri- ,opimus' [per- intensiv wie in peracer Cic, 
Brugmann Sachs. Ber. 1893, 13411., v. Planta II 28; zur Bed. vgl. gr. 
dKnaio?): gr. £iKpo; ,scharf" (m. Dehnstufe flK^?' 6E0 Hes., vl. aus 
den Kompos. wie duqp-, xavariKTi?, doch vgi. auch jon. r\K^ ' dKiUKri, 
fiKd? ,mannbare Frau' Hes.; Dehnstufe auch in np. as ,Muhlstein', 
acorn, ocoluin usw. jCos" ^S,kulena\, nkymr. hogi ,wetzen*, m. Ab- 
tonung ar. dK-iuK-i] ,Schneide'), dxpov, dKpa, fiKpi? -lo; f. ,Spitze, 
Berggipfel' (auch in dKp-do|Liai .scharfes Geh5r haben', dKpi? -{boq 
f. ^Heuschrecke", dKpe|nU)v -6vo? m. ,Spitze des Astes", s. Walde 
a. O. 28); ai. a^rij ,Ecke, Kante, Schneide', caturJasrah ,viereckig" 
(o-St. in der Zss.); gall. ox>"0- in ^x''*''"'*** t^^ hoher Stirn", air. er 
,hoch' (^akros; aber air. acher scharf, vom Wind", abret. ar-ocrton 
,atrocia' sind aus 1. acer entlehnt, Pedersen I 229). — Mit o-Ab- 
tonung alat. ocris m. ,mons confragosus* (Liv. Andr. bei Fest. 181), 
ferner in mediocris (oder Ablaut in der Zss.?), ocrea, Ocriculum, 
Interocrea, u. oear, ukar, G. Sg. ocrer ,arx, mons", marr. ocres 
, mentis', gr. 6Kpi^ f. ,Spitze, Bergspitze, Kante', mir. ochar ,Ecke, 
Rand', kymr. ochr, ochyr ,Rand' (zum -ch- statt -g- s. Zupitza KZ. 
35, 258), lit. aitriis, aht. aStras, lett. dial, astras, abg. ostrh , scharf" 
C^okro-, t Einschublaut). — Vgl. noch acer , Ahorn', acerlms, aeervus, 
acrifolium, aceo; ferner mit n- Formans agna ,Ahre" (s. d.); mit a- 
Formana acus, -eris ,Spreu' (s. d.; vgl. auch oscta), mit i-Formans 
occa „Egge" (aus *okita? s. d.); ie-St. acies ,Scharfe" (s.d.); M-St. 
acus, -MS ,Nadel' {acuS, acUmen), acta ,Faden' (s. d.), aci-penser, 
acu-dens (acu-pedius, acu-penser, nqui-foUum? s. d.), weitergebildet 
in aculeus ,Stachel' (s. d.). Nicht vertreten im Ital. smd die 
Bildungen mit m- Formans: gr. dK-ui"] ,Spitze, Schneide, Hohepunkt"; 
ai. dsman- Gen. dsnah n. , Stein, Fels, Himmel', av. asman- ds., gr. 
dKjiuiv ,Ambo6*, ga\\. acaunum (s.d.), ]it. akmud, -efla .Stein' neben 
asmud, -efts ,Scharfe', aksl. kamy , Stein' (Metathese? s. Bemeker 
478, Trautmann Bsl.W. 5, Walde a. O. 29, auch zu nhd. Hammer; 
anders Guntert WuS. 11, 140) und mit ifc-Formans (lit.aiaka ,Fisch- 
grate', vgl. isl. usw. agg ,Zank', s. Walde a. O. 32). — Wz. *ak, 
daneben *ag .scharf, spitz; Stein'; dazu auch *6kus .schnell* (vgl. 
dEOi; .scharf, .schnell', Soraraer Hdb.*51; s. accipiter, acupedius}-, 
vl. octIS ,acht"; eine Weiterbildung ist wohl *ko{i)- .scharfen, wetzen' 
(Persson Beitr. 824; s. cos, cattut], S. Walde a. O. 33 (auch gegen 
Peterssons Scheidung zwcier gleichlt. Wurzeln .spitz' imd .Stem", 
Gunterts IF. 37, 81 f., WuS. 11. 140 .spitz' und .scharf'). — Walde-P. 
I 28ff„ Reichelt IF. 32, 23ffi, MuUer Woordverkl. 60fiF. 



8 acerbus - acinus. 

acerbns. -a -urn .scharf, schneidend, herb, unreif, unangenehm 
.chTerzUch'' Sit PlauV, rom.- -im f. seit Qc ) s ^<^ Gdf. wohl 
*acn-bhos (kaum *acri- mit Vokalkurzung), lucht ^acrt-dhos (s. Leu- 
TTunn-Stolz ' 91. 226, Pedersen MSL. 22, 5). , , , 

Tcerra, -a* f. Altar zum Rauchonfer, We hrauchkSBtchen (s 
Paid Fest 18; seit XII tab., altes Wort ier Sakralsprache) : unerklart. 
Kaum nii'tMullerAit.W.2 als ,Ahomkastchen' aus •<«:«--»-a zu ac.r 
tait unwahrscheinlicher Bedeutungsbeschrilnkung ; zur Bildung vgl. 
^ZlrTa, wenn aus *.ac^-s.a [s-dj, doch steht ff aee. em hetero- 
klit Paradigma nicht sicher). Etrusk. Herkunft (Emout BSL. 30, 
119) bt mfegrundet, da nach Schulze EN. 376 der Gkichklang des 
Cogn^i.^r«^ and der ON. Acerrae (>xcpp«) „^"f«l'g t^S'- ,'^"'=1^ 
Rifezzo RIGI. 8, 93); Auch nicht semitisch rait Stowasser Wb 

aceTO -i m. ,Haufe' (seit Plaut; a.er.o seit Liv., -aho seit 
Sen. JL eit Varro): Et. unsicher trotz der an sich nahe liegenden 
Be^i'ehung auf die Wz! *aS- in acer, aber nicht zu acer als mit einer 
ipitee versehen" (VaniCek 5), aueh kaum ^^ .Sp/«"';«"'«"' ^.^ 
Zce^oB Oder *ace^-ovos zu acus ,Spreu' (Weise Zs Gymn 1893 
394 Stolz HG. I 475, MuUer Ait.W. 3) oder als .Steinhaufe* aus 
W.OS (Walde LEW.^ Walde-P. 128.80) bzw. *ac^9-^os (Pe ers- 
soriF 24 269ff.; nur dem heterokht. Paradigma zuliebe angesetzt 
unter sicher falscher Heranziehung von gr. Kpd-fo? .Bergname u a.^ 
zu den unter actr erwShnten ai. dsman-. aksl.kamyusv. btein 
^dlat. ocr« .Bergburg'. - Nicht -" Osdboff Par. 1 88ff als -ad- 
ceruos .gewachsenes' zu creo, cresco (s, d., vgl bes. gr. KdpSu? 
Ke') weiter zu air. kymr. cam .Steinhaufen' (diese vielmehr 
^on^-JcO zu trennen und\l. nebst venet.-iUyr. •fcar.«a»(- .steinig" 
lufWz *«<?«•- ,schneiden; "der 'ja^ ,hart' zu beziehen s u. .-^ 
auch od- dabei unklar) oder nut F. A. Wood CI. Ph. 5, 303 tf. zu lit. 
*ri« ,packe aufeinander'. Icruvi .Haufen", aksl. kryt„ .decken', 

"^tciarS^'f^Sn^rJ men und Heften' (seit Titin., ron.): 
aus W«%u'a«« .Nadel' (vgl. arm. a^ani .Faden' : asein 

^iS:^^ ^iSLea qua in sacrificiis utebantur sacerdo.s' 
Fest 10 G .: a^s .Schneide", vovon vulgare Abl aeanum (Gl., 
rZ: neben 'aS) Stahl', s. BuchelerRh.ll.46,233 (vgl- f «*<^''"- 
Z^a\ Bildung unkUr; Buchelers Hinweis auf speres S?nugt mcht 
Da F^stus nacS Ausweis der Gl. eine Plautusstefle glossiert, konnte 
es sich ev. um einen Gen. aeieris zu ades handehi, das z. B. Verg. 
4en 6 291 absolut eebraucht wird. , • w j 

.ciet -« f. .Sclarfe, Schneide, Schlachtredie' (sert Enn. vmd 
Plaut r^m.; zur Bed. Kretschmer Gl. 6, 30f.): s, «^. (S<rhuhe KZ. 
42, 233), vgl. bcs. gr. &Kk, -ibos (Erweiterung ernes •-St).btachel, 
Sp itzis as. W f., ahd. usw. ekka .Sniue, Schwertschneide', nhd. 
Ecke (u^g. *M nbret. efc .Spitze'; «-§t. auch m ?^«^ ?<»)'« '^f^: 
S ^dJhkam. ,Granne'. rJhd. Achel (idg. 'at^M bzw. »aftviH 
Walde-P. I 32 (unter Heranziehung von gr. dicOKlei?)- 

actons, .-, m. ,Beere', a^nu n pl- /fra-b"*. SJ^S?' 4^,51 '^^h 
lat., kai^schon CatuU, s. Schmalz' 367, Wagner ZRP^40, 391 ,s«t 
Cato rom.): unricherer Herkunft, ah. Ausdruck der Wemkultur vl. 



acipgnser — acnua. V 

Mittelmeerwort. — Nicht mit Brugmann Grdr. II' 1, 260, Walde 
LEV.' (unter zw. Anreihung von gr. dKoraXf;, s. 1. acer) zu lett 
asns ,hervorbrechender Keun" (dies vielmehr zu ass .scharf* [s. 
2. acer], lit. Jem. ainls ,Schneide', ,die im Herbst aufkeimende 
Saat", Muhlenbach-Endzelin s. v.); fern bleibt auch gr. fiTX^> dor. 
fifXva .Bime' (Fick BB. 3, 160, Wb. II 7), das vielmehr im Ablaut zu 
dxpd;, -dbo?, ftx^pbo; f. .wilder Birnbaum', alb. darhe ds. (Boisacq 
B. v., Jokl Festschr. Kretschmer 90). 

acipenser, -eris m., Slter aeu-, daneben aqui- (durch Anlehnung 
an aqua, Weise BB. 5, 78; seit Plaut, roni. [-«-] neben germ. *sturio; 
Nbf. acipensis Mart., sptl. accipiensis nach accipio, Bickel, Rh.M. 69, 
418) ,ein seltener Fisch mit rotem Fleisch, wahrsch. Stor' (Schrader 
RL. II' 485): .spitzflossig' ? acu-, s. acer (Vanifiek 5); penaer uner- 
klart (: ahd. fasa, ags. fiBS, nhd. Faser, Bezzenberger GGA. 1874, 672, 
erklart den Nasal nicht; auch nicht mit MullerAit.W. 2: schw. fnas 
,dunne Schale", norw. dial, fnas .Schuppe', s. Falk-Torp s. fnas). 

aciscnlnS) -i m. ,kleiner Spitzhammer zur Steinarbeit im groben' 
(GL, davon -arius .Steinmetz"; vgl. Cogn. Aciscalus seit Caesar): 
aeies, acieris (Bucheler Rh.M. 46, 236 mit unmoglicher lautl. Her- 
leitung aus 'acies-; zum Suffix vgl. portisculus ^StamtTchen dcs 
Rudermeisters', vl. beide analogisch nach einem unbekannten Muster). 

aclassis , tunica ab humens non consuta' Paul. Fest. 20, GL: ?. 
Da die genaue Bed. des Wortes nicht feststeht — die Glossenerklarung 
,Saum, Bordure' zeigt, dafi bei Festus eine weitere Interpretation 
gestanden hat — , ist die Suche nach einem gr. Vorbild (kaum 
fiKXaaroi;, dvdK\aat? o. a.) mufiig. 

aciys, -dis f. ,ein kurzer, mittels eines Riemens geschleuderter 
Speer der Osker u. a.' (seit Verg. Aen. 7, 730, s. Serv, ad 1.): wohl 
Umforraung von er. dficuXls, -ibos f. .Jagdspiefi' (Saalfcid; andere 
Damst^ Mnemos. 38, 230: Einmischung von dTKoXi?, weil die Wurf- 
waflFe dem gebogenen Arm ahnlich gewesen sei wie der Boomerang ; 
vgl. auch eateia, 2. trClgula). 

acnua, agnua, -ae i. (vulg. mit Anaptyxe acina, vgl. mit. achinus 
und vl. tirol. Ache ,halbes Tagwerk', Hintner ZdW. 12, 257) .Feld- 
mafi von 120 Fu6 im Geviert*, o. akun. .acnua* (seit Varro): ety- 
mologischer Zusammenhang mit actus quadraius (s. Hultsch PW. I 
283; vgl. d. Acker als Landmafi, Walde-P. I 37) ist trotz des -en- 
(Rest der alten Verwendung des Zeichens e fur g, StolzHG. 1262?; 
unbrauchbar E. W. Fay CI. Qu. 4, 83: Kontamination \on actus und 
*nota, vgl. novale) wahrscheinlich ; doch sieht die M-Weiterbildung 
eines *agn- (oder 'agin-) nicht italisch aus (nach Colum. 5, 1,5 spa- 
nischer Provinzialismus; gall.?, Dottin 223). — o. akenei, aeunum, 
u. acnu nicht imter AnknQpfung an agere hierher, wobei acnua ■wegen 
seines unlat. -en- Lehnwort aus dem O.-U. (Brugmann Sichs. Ber. 
1890, 239; die o.-u. Worte vielmehr als ,Jahr, Festzeit, Opferfeier* 
zu annus [s. d.], vgl. Thumeysen ALL. 13, 25, Brugmann IF. 17,492; 
o. akun. , acnua* auf einer jimgen, erst nachchr. Inschr. ist wohl 
Lehnwort aus dem Lat, vgl. v. Planta I 265). — Morphologisch be- 
friedigender wSre die Verbindung mit gr. &Kaiva (: acud) .Spitze, 
Viehstecken* und .Lfingenmafi von 10 Fufi* (Saalfcid, v. Planta I 
382, SolmsenBPhW. 1906, 756); doch sieht man eine Trennung von 



IQ acredula - acudgns. 

mm ungern, und die Bed. .Flachenmafi von 100 Fufi- findet sich 
fur SKOiva e«t seit den Ptolemaem in Agypten und ist ^ em Wort 
wie Stecken, Rule (doch vgl. dan. rode auch Flachenmafi), yard 
auffallend und vl. nach fremdem Emflufi geneuert. ,,,.,,, 
Sdula, -«« f. (Cic. progn frg. 6, Anth.) = -^XoXutO-v Vogel 
unbestimmtekattung (Sumpfrohrsanger?) kaum Froscha.ya<^- Is^ 
volksetymologisch nach ager; s. Harder Gl 12 137ff., hofer U 1/, 
11 ff^ Vorde?glied unklar; kaum acer .schrill, kreischend" jedenfalls 
nicht &Kpk Jeuschrecke' l^^acrid-edula. Harder a. 0. 144); Hmter- 
Xd edute ^e in fie-, mm-, nit; querqu-edula (s d.), wahrsch 
CherbUdung von 'ed- in torpedo, alcedS n ^., volksetymologisch 
bezoLn auf *ed- ,essen« (Persson Beitr. 531 f. m Modifikation von 

Niedlrmann IF. 10, 234flF.). . . „,. ^ « fU.A Crf^ 

acridium, -l n. ,Pflanze von purgierender Wirkung (Isid.,Greg 
Tur 1 wohl 'aus gr. baKpOb.ov >anchen, lacnmum Aethiopicum 
(daaridium Diosc.) durch die Zwischenformen dya-, diaprtdtum (Garg. 
Mart Cass. Fel.), welche man als bi' dKpiblov auffafite nach den 
mit bid gebildeten Arzneinamen, zugleich m Anlehnung an acer 
(Keller Vdksetym. 64). , ., ,. - 

acrifolium -i n. {ficru- Cato), daneben aquifolium, -t n. u. -a 
ae i fPUn., wohl aus acu- nach aqw wie aqui- neben acipenser) 
.Stechpalme, Stecheiche, KpaTaiTibV (Adj. -iu. .von Stechpalmen- 
holz"; seit Cato, rom. [«cr»- und aci-]): acer bzw. acu- (vgl. aH- 
pen»er, acudena) und folium Thurneysen ALL. U, ^1- 

acrisiola, -ae t. ,PusteI« (Onb.): von acer, s. Thomas Mel. 

"%rtorf -onV m. ,Treiber, Darsteller, Klager usw.' = gr. aKTU)p, 

'■ 'tctutum adv. ,alsbald, sogleich" (seit Plant alat und archaistisch): 
erstar™sNtr. von 'actuto. fmit Bewegung, Schnelligkeit versehen" 
Sebildet von actus nach Art von astiftus, statutus ^vl. Umbildung von 
^actuto vgl. continm u. a., nach statim, curstm wie confesttm aus 
*cfmfeJti^commodum eirnn urspr. Akk. kaum zu sHitzen ver- 
mag; *a<^t««* nicht erwachsen aus Instr. Mu+ tus m.t Vendryes 
MSL 22, 104); zur Bed. ,alsbald' aus ,schnell' ygl celertter sptl. 
*!f» = .mox' und zu .schnell' fur Wz. 'ag- aufier a<^« W 
hend flink, rasch' (in agMs victoria u. a.) aetuaru canes ,schneUe 
?agdhunde% actuft^ «a.i« ,SchnelUegler- («•>" «ff ^^ X « „^'h 
spr. Akten-, nicht Schnellschreiber, s. Hey ALL. 15, 277, der auch 
aaus .SchneUigkeif bei Prise. HI 76, 5 als Abstraktion fafit) 
S. Pok;owskijRB.M.61,185f - Nicht -^ 'f f ^gf^** + '»^-^^t 
(Vanieek, Prellwitz BB. 25, 287, s. dageeen Stolz ^St. 26 323tf. nut 
falschem Ansatz eines *actus .SchnelhgLit' zu 5««-), auch nich aus 
*ad tutum .auf den Blick' (vgl. ad niUum mit Umformung zu oc- 
nach «<,«■«. Hey ALL. 11, 35f. 15, 276) oder aus 'age tu turn (Ehr- 
£ch Z ?d^. Sprachgesch. 56ff„ Brusmann H; 2, 741 : tu beim toper^ 
nicht oblTgatorischT turn mit Bezielimig auf femere Zukunft wie in 
agit6 aus 'age-tod unpassend). . , „ ,r -„ o ao 

■CUdgBS ,stachUger Strauch, nach Schol. Bern. Verg. georg 2, 69 
= arbutus' : .spitzzSinig" (etwa Lehnubersetzung von gr. 6Eu6bou? .''j, 
aeu- .spitz* (s. aquifolium) und dens. 



aculeus — ad. 11 

Bcnlens, -» m. (-a, -at f. nach spina, sptl., rom.) ,Stachel von 
Tieren, Pflanzen usw." (seit Plaut., roin.)= ^" acuo, acer, Weiterbilduns 
des M-St. aku- (s. 2. acus); vgl. bea. ags. awul m. ,Gabel', anord. 
sod-all .Fleischgabel' (gem. *ahieala-, idg. *n1tu-olo-\ kymr. ebil 
Bohrer', kom. epill hoern ,clavus', mbret. ebil ,Pflock, Nagel' 
l*aku-iljps). Walde-P. I 29. 

acupedlnsj -a, -um .schneUfufiig" (Paul. Fest.9, -pes Gl.): wohl 
als ,scharffu6ig' Lehnubersetzung von gr. fiEOiroui; (Eurip.; Thum- 
eysen ALL. 13, 20), nicht von Uikuuoui; (vgl. celeripes Trag. inc. 218 
und mp. asanpad- .leichtfufiig' Guntert Reimwortbild. 97) mit Birt 
Bh.M. 51,71, da *afo<- in der Bed. ,schnell' als Ablautform zu *dku- 
nicht sichersteht (s. accipiter); -pedius bildungsgleich (aber nicht er- 
erbt) mit gr. ireZld?, ai. pddyah ,den Fufi betreffend', anord. fit, 
Gen. fitjar ,die zwischen den Klauen befindUche Haut von Tieren", 
fiorfit ,vierfufiig' (BuggeBB.3,117), vgl. auch lit. lengvapedis „leiae- 
fufiig, Leisetreter", zu pes. 

1. acus, -eris n. ,Granne, Spreu" (opp. palea Plin. 18, 99; seit 
Cato, rom.): zu Seer, Wz. *ak, *fiq (zum Schwanken des Gutturals 
s. Walde a. O. 33 gegen Bezzenberger BB. 27, 173): vgl. zum s-St. 
got. ahs n„ anord. ax ags. ear n. (*ahuz) ,Ahre', ahd. ahir, ehir n. 
(*ahiz), nhd. Ahre I; gr. dKoa-xyi .Gerste' (,die grannige'; nicht 
zu Slav. j{6tmy , Gerste', Bezzenberger BB. 27, 173 A.; zur Bildung 
vgl. auch bsl. *aksti- ,Spitze' in lit. akstls ,h6lzerner Brat^iefi", 
russ. ostt ,Spitze, Granne, Fischgabel usw.', Trautmann Bsl.W. 5); 
weitereebildet in gr. 6Eiic .scharf* (fiEo? .Weinessig", dE(vti .Esge"), 
vl. audi Akoxu^vo? .gespitzt" (*aK-aKa-in^voi;), &xvtl ,Spreu, Flamn, 
Schaum* (wenn aus 'ac-s-na, Meillet-Vendryes 356; s. affna). Zur 
Bed. vgl. noch mit Z-Formans ahd. ahil ,Achel, Ahrenspitze", ags. 
egle PL ,Grannen', mit <-Formans lit. akiotas , Granne, bes. an 
Gerstenahren', mit n-Formans got. ahana , Spreu', gr. &xyr\, apr, 
ackons .Grannen'. 

2. acus, -MS f. (m. nur Plin., Gramm.) ,Nadel; Fischname, p€X6vti' 
(seit Plaut., rom.; sptl. acupictus, -ura f. ,Stickerei'); 8. acer. Vgl. 
bes. arm. aseln ,Nadel' und zum tt-St. {acus urspr, ,die spitze' 
Leumann' 287?) acu-6, -ul, -utum, -uere ,9charl'e, wetze, spitze' 
(acfitiM ,8charf, spitz", seit Plaut., rom. ; sptl. und rom. auch Subst. 
[sc. davus] .Nagel', z. B. Vitae patr. 5, 15, 48), ferner aculew, am- 
dens, aquifoUum, acia (s. d.), aksl. osiii .TpipoXoq, domige Pflanze', 
lit. aiwtai m. ,grobe Pferdehaare'. Walde-P. I 33. 

ad Praev. und Praep. m.Akk. ,zu, bei, an' (seit XII tab., rom. 
,Dativ') == au. -af, -a ,bei', o. adpud ,quoad', u. af-, ars-, o. 
ad; sonst az {*ad-s, v. PlantaII442f,); got. aisl. as. at, ags. xt, ahd. 
m ,zu, bei, an' (mit Dat. = Lok., seltener Akk. u. Gen.); air. ad- (z. B. 
ad-gladur .appello'), kymr. add-, gall, ad- (z. B. Ad-ledxis, Fick 11* 
91, mit ^(fc)-Erweiterung vl. kymr. a, vor Vokal ag ,mit* (^ad-g-; 
aber air. oc ,bei' wohl aus *onko- .erreichend', s. naruAscor); phrye. 
ab-iiaK£T, aP-peper Ramsay KZ. 28, 385); s. auch atque. — Schwund- 
stufig ved. t-sarati .schleicht heran', ahd. «-nye» (=got- "S""* ,furch- 
ten"), z-ougen .zeigen' (: got. at-augjan ds., OsthoffBB. 22, 258). 

ar- lat. und dial, lautgesetzlich vor Labialen: f. b, v is. v,Planta 
I 408 und u. apud, arcessO), ebenso u. ar- meist vor f, v {af- 



12 adagio >- adeps. 

ars- mit Verallgemeinerung der zwischenvokalischen Entwicklung), 
volsk. arpaiitu (lat. ar- Dialektiziemus nach Emout, El. dial. lat. 
lllff., MSL. 14, 473ff.; ar- nicht zu lett. ar ,mit, an", s. u. arma 
und Walde-P. 1 77). — Zusaramensetzimgen : asserere = o. aserum, 
attingo: volsk. atahust jattigerit", adsum: o. adfust ,aderit", 
appelld: u. afpeltu .adpellito", advehd: u. afveitu .advehito", 
adhibeo: u. neifhabas ,ne adhibeanf, officio: phryg. abboKCT, 
adduco: got. attiuhan janziehen", advenio: ahd. azqueman ,an- 
kommen ' , adfero (s. d.). — Da ide. *ad nur itaiisch-keltisch-phrygisch- 
germanisch ist, entfallen die Aiiknupfungen von gr. fiopoXo; ,ftu6', 
daicdZo^ai ,begrufie', drui'iv, fixjievoq ,Kneclit' (s. Lagercrantz 
KZ. 34, 383f., Fraenkel KZ. 45, 170 gegen Prellwitz BB. 15, 158ff. 
19, 304 IF.), ferner von ai.dccha, dcchs ,zu' (Foy KZ. 35, 26), arm. 
c ,bis", gr. S<JT€ .bis", aksl. jeite ,bisher' (Bemeker 454, dagegen 
Bruckner KZ. 45, 301). — Weitere Analysen unsicher; nicht aus 
*adi oder'*odo (v. Planta II 443, Muller Ait. W. 6, s. Marstrander NTS. 
1, 246); eher zum Subst *ado- ,Ziel' in air. ad ,Gesetz, Branch" 
(zu u. arsmor .ritus", arsmatiam ,ritualem', armamu ,ordina- 
mini", Afmune Beinarae des Juppiter, ori»> , sancte ' ; *ad- ,fest- 
setzen, ordnen'), kymr. eddyl ,Pflicht, Aufgabe, Ziel' ("arf«7o-: grm. 
*tila- ,passende Gelegenheit' in got. til n., ga-tils ,pas8end", vgl. 
anord. tU ,bis zu"?), s. Vendryes RC. 35, 212 fiF. 42, 401 ff. — 
Walde-P. I 44fif., Brugmann Grdr. m 2, 793 f. 
adagrio, -finj* f. (seit Val. Soran.), spater adagium, -I n. (nach 
'proverbium): zu aio, vgl. arm. at-ac 'proverbium' (Vanidek 9); zu 
-a- statt -i- s. Walde-P. 1 114. 

adamita, adnepds, adpatruus s. atavus. 
adarca, -ae f. und -e, -e« f., -e> m. (s. Niedermann Gl. 8, 227f.) 
,Schilfschaum (parasitisches Schlammgewachs am Schilf u. dgl.), 
calamochnus", gr. dbdpKT) f., dbdpicri; m. (auch &bapKO(, dbdpKiov) 
ds. (seit Plin.); gallisch (Wachstum in Gallien und Galatien nach Ps. 
Galen bzw. Diosc), zu ir. adore ,Hom", dies entlehnt aus bask, adar 
,Horn' + kelt. Suffix -Teo- nach Pokorny ZcPh. 14, 273. 16, 112. 

adasia .ovis vetula recentis partus' Paul. Fest. 12, Gl. :? Nicht 
mit Zimmermann KZ. 50, 149 als jMutterschaf" zu *ada .Matter' 
(vgl. Ad-enna, Ad{d)-iut), S. auch aeignae. 

addax. -cts m. ,geh6mtes (gazellenartiges) Tier Afrikas": nach 
Plin. 11,124 afrikanisches Wort. 

adeS Adv. .bis zu dem Punkte, bis so weit" (vgl. eo ad Apul. 
apol. 68 und ^uo-ad; seit Plant.): ed .dorthin' und ad zur Verdeut- 
lichung der Richtung; ebenso adhUc ,bis hierher' (seit Plant.). 
Adedna s. Abedna. 

adepSj -ipit f. jFett' (m. seit Gels.; adips in Has. seit Plin., 
vulgSr adipes, alipet; seit Cato, rom.): aus gr. 6XEiq>a n. ,Fett* ge- 
fafit als Akk. *alipa, danach *alips *alept ( weise BB. 5, 79 m. Lit.), 
■wie auch u. afipet, afepes, synk. afpes .adipibus* (o- oder d- 
St. *adipi$, daher kaum aus dem Lat. entlehnt mit v. Planta I 245; 
u. •♦■, -«- nicht Wiedergabe von -ei- mit Gotze IF. 41, 98). &Xetq>a 
als Quelle ist nicht mit Emout ti. dial, lat 98f. anzuzveifeln, 
wenn auch -d- fur -I- aus dem Lat. trotz BrQch CI. 10, l%f. nicht 
zu erklfiren ist (N'erknGpfung mit adeptut, adipitcor, Keller Volks- 



adfero — adoleo. 13 

etym, 69, ist erst sekundar); da das Unibr. einen Wandel von I zud 
kennt (famefias ,familiae" nsw., s. Buck-Pr. 46), ist hier eine Ent- 
vicklung von *alipa (vl. durch etr. Vermittlung aus &AEiq>a?) zu *adipa 
regelrecnt; man mu&te dann annehmen, dafi *adipa aus dem Umbr. 
ins Lat. zu einer Zeit entlehnt wurde, als u. -d- (erst nach dem 
RhotazismuB, vgl. u. tuder) noch nicht zu -r- veiterentwickelt war 
(gegen Pascal RFCl. 24, 290f.). alipes aleps ist nicht ,sabinisch', son- 
dem vulgar und sp5t (Heraeus ALL. 11, 63, Schrijnen KZ. 46, 378). 
— Falsch Petr BB. 25, 136f.: ad + *op- in op-imus usw. 

adferS, af- = got. at-bairan ,herbringen', phryg, appeper ,af- 
fer^e)!* ; 'adfertor = u. af-fertur (vgl. ai. prdbharta, Meillet MSL. 
14, 392, und fertorius, Walde-P. II 154); wohl aus dem Umbr. ent- 
lehnt arferia ,aqua quae inferis libabatur, dicta a ferendo, sine vas 
vini qtiod sacri$ adhibebatur' Paul. Fest. 11 (in dieser Bed. wohl ad- 
ferial bzw. «r-, s. Thes., vgl. auch inferius; Emout MSL. 14, 474). 

adluTies s, lav6. 

admentnm s. am(me)n<ur». 

adminicalnm, -J n. {-clum Plaut.) .Stutze, Beihilfe' (seit Plant.; 
-S, -Hvi, -Mum, -Hre seit Varro und Cic): als .Anpffihlimg', ,An- 
stutzung* (zum ad- vgl. adnltor) zur Wz. *mei- (s. moenia, mita, 
mams) in &\.min6ti ,befestigt, erbaut', &\t.*menaid „figit" (^minSti) 
in tuidmithe .infixus" (♦to-dt-tnt-, s. Marstrander Presents a nasale 
inf. 11 ff., NTS. 1, 245, OsthofiF Forsch. I 83ff.; italokelt. •minati, 
daraus lat. *mind, gegenuber ai. *-n«t- wie in sterna, womit der Ein- 
wand Valdes LEW.' s. v., dafi *minuere oder *mina}'e zu erwarten, 
entkrSftet ist). — Nicht auf Crund von *adminere ,zu etwas empor- 
ragen' als ,eine nach oben hin gefuhrte Stutze' zu e-, im-, pro- 
tninere {s.mOns) mit Georges, "Walde LEW.'; auch nicht nach Muller 
Woordverkl. lOSff., Ait.W. 8 mit willkurlichem Ansatz *adminere 
,gestutzt machen' spez. zu minae, das vielmehr bei emined, mdng 
verbleibt. 

admlssSrins, -• m. „mannliches, zur Zucht bestimmtes Pferd 
(seltener Esel)", seit Plaut,, rom. : adtnitto (in der Bauemsprache vom 
Begatten seit Varro). emissdriug (vulg. und spat) durch Volks- 
etymologie (fitnissio aeminis, Keller Volksetym. 49). 

adoleC, -evt, -ultum, -ere (seit Enn.) ^verbrenne", adolesco 
jauflodem' (von Altaren, Verg. ; AJbleit. Adolenda, adoiefactus Acta 
Arv.): als *adalej.O zunachst zu altS,re ,Brandaltar' (so schon Paul. 
Fest. 5), wohl auch u.ufetu ,(ad)oleto' (o-Ablaut schwierig; andere 
nicht befriedigende Deutungen bei v. Planta I 291 f.); weiter vl. ai. 
alcUam n. ,Feuerbrand, Kohle", ulmttkam .Brand' ; zw. gr. dXdpt] • 
ftvdpaice? (*almba? Petersson IF. 34, 241); die weiterhin von Johans- 
son ZdPh. 31,°285ff. herangezogenen ags. ielan ,brennen', in-£lan 
,in Brand stecken', anord. usw. eldr m. ,Feuer, Brand' (vgl. auch 
schw. dial, ala ,lodem'; aber anord. t/lr m. .Warmedunst' nach 
Falk-Torp s. 0l II vielmehr zu got. uiulan ,wallen') enthalten nach 
SieversIF. 4,339 f. grm. *ail- aus *aidJhlo; kaum Einmischung von 
*al- der obigen Worte (s. Walde-P. I 5). Ganz fraglich auch die 
Heranziehung von alaeer ah .feurig'. Gr. £Xaiov ,01" (s. olea) 
und ahd. elo, elawer .lohfarbig", ai. arui^h ,feuerfarben^ (s. albtis 
g. E.) bleiben fern. — Trotz der wenig sicHeren au£eritalischen Be- 



14 adolgsco — adtllo. 

ziehuneen ist die Verbindung mit aid als Kausativum '(Oeo .mache 
wachBen' (Thumeysen GGA. 1907, 800, doch vgl. auch ALL 13 13) 
formell und semantisch bedenklioh; nicht als ,duften machen zu 
olere (Thurneysen Thes.; sptl. adoUre ,valde olere" Ps. Apul., Gl. 
ist kunstUche Neuverbindung mit olere). - Walde-P. I 88 (imt Heran- 
ziehung des eerm.-kelt. Fischnamens nir. ala .Forelle', ahd. nhd. alant). 
adoiescO, -evi (nach cre-vi, Sommer Hdb.» 560), -ultum, -ere ,her- 
anwachsen': aus *ad-aUsc6, zu aid, indoles, suboles, proles, vneab-, 
in-, ex-olesco (s. d.). Sptl. adoleo = .wachse heran' (Hier., Cas- 
sian.) ist Neubildung nach convaleo : convaUsco; = ,adaugeo (Fro- 
spelr) nach dem Oppositum aholeo. 

ador, -oris n. ,Art Getreide, Spelt' (seit Hor.; adOreus, -a, -um 

von Spelf seit Cato): wohl als *adhor ,das Grannige" zu gr. dOnp, 

^poc m. ,Hachcl an der Ahre, Lanzenspitze', dSdpn, &»r\pa i. 

Weizenmehlbrei, Speltgraupen' C*a»ap/aX dvSdpiE, -iKoq m. .Halm- 

s'pitze', 4vd£p€d)v m. ,1cinn' als ,stonpUge Stelle' (auch avdpumo?? 

s Walde a. O.), Avdpi^vn, dv»pr|bd)v f. , Wespe' (Pick 1* 351, Grdt. 

*andher- *ndher-, was dann jedoch die Heranziehung von odw- sowie 

lett adit, fit. adyti ,nahen, steppen", adata .Nahnadel [aksl. qda 

Widerhaken" bleibt fern] ausschliefien wurde; anders Petersson 

Heterokl. lOOf., Muhlenbach-E. s. v.: Ut. adyti zu Wz. *edh .stechen 

in aksl. usw. jela ,Tanne" unter Trennung von dSrip, iivbip\li). — 

Nicht besser zu got. atisk .SaatfeW, ahd. egsfse mhd. «ztscfc m. 

Saat», nhd. dial. JSTscfe (z. B. Lottner KZ. 7, 179, Schrader RL. II' 648 , 

da eine Grdb. .Fruchtgetreide" zu farblos (die weitere Verbindung 

des germ. Wortes mit *ed- ,essen' ist abzulehnen) und em urspr. 

s-?>t "ados -ori^m. (J. Schmidt PI. 144, Solmsen Stud. 81 ; Ntr. nach 

far^) ganz hypothetisch ist. — Walde-P. 145. , . • , 

adOria, -ae t. .Kriegsruhm' (seit Plaut., altl. und archaistisch; 
adorea durch volksetym. Anlehnung an adoreus, vgl. Paul. Fest. 3): 
zu adordre .alloqui' (Serv. auct. Aen. 10, 677), s. Stolz IF- 10, 74 f., 
GuntertReimwortbild.168. - Nicht von «dor, Curtius251, VaniCek 11. 
adqne s. atgtie; adqui s. atqui. , » ,£o 

adqnS , quoad" (Afran.) = o. adpud ds., Schmalz" 768. 
adversas (um) Adv., Praep. s. verto. 

aduW, -avi, -Stum, -are und -or, -Otus sum, -Sri {unpr.-o c. 
ace -or c. dat., s. J. B. Hofmann De verb. dep. 26, MuUer Woord- 
verkl. 134; seit Ace., -oito seit Cic, -ator seit Sen.) anwedeln, 
schmeicheln' (vgl. zur Bed. gr. (irpoo)aa(vu). NiedermannlA. 18,74): 
wohl mit Ablaut (vgl. J. Schmidt PI. 204, Hirt Vok 143, Pcdersen 
5» decL 32 f.) als Denomlnativ von *tllos ,Schweif' (vgl. blandas 
nmert caudas Ov. met. 14, 2S8, Cell. 5, 14, 12) zu ai m^, vArah 
m. .SchweifThaar)', lit. valai .Schweifhaar des Pferdes' ; d>er anord. 
vil, veli n. .Vogelschwanz", ahd. leadal, wedil, nhd.JFerfrf mcht 
hierher, sondem aus grm. *ieepla; 'wafla- zu Wz. *ue .wehen , . * "-k- 
zeug zum Wedeln' (Sievers PBB. 16,244 gegen Bugge p. 20,30f.; 
8. t^lObrum, ventus, Walde-P. 1 221). Idg. *uelo- *wlo- *flo- .Schweif 
vL zu Wz. 'utl .drehen" (s. volvS, Walde-P. I 297; kaum zu *ue 
wehen'. da" hier der Ablaut U sonst nicht belegt; auch mcht aus 
•ad-aulare mit MuUer AitW. 8, da die Wzform •<«««, vgl gr ft/eXXa 
usw., ganz vercinzelt und dem Lat. fremd ist). — Verfehlt Samuels- 



adulter — aedge. 15 

son GI. 6, 261' (Demin. von adeo ,nahere mich freundlich' mit -U- 
nach alluds). 

adulter, -erl m. ,Ehebrecher" (seit Plaut., rom. ; adultera, -ae 
und adultero seit Cato, rom., -turn n. seit Ph.): vl. mit Breal MSL. 
4, 82, Stabile Class, e Neol. 7, 101 ff. Ruckbld. aus adulterare, dies 
zunachst ,falschen, Verderben" (seit Pit.) aus *ad-aUerSre, dann 
iibtr. jehebrechen' als ,schanden" (seit Cato, vgl. matronas -are 
Suet, und vitiare ,falschen, schanden' ; adulter ^verfalscht" seit Ov. 
ist Ruckbld. fur -Inns seit Pit.; s. Brender Riickl. Abl. 47). Gegen 
die Herleitung von adulterare in der Bed. jehebrechen' aus ad al- 
teram (richtiger alterius uxoretn) sc. ae conferre (Paul. Fest. 22, Va- 
niCek 28, Birt ALL. 15, 163; vgl. anya-gait, -gamin f. ^Ehebrecherin") 
bestehen sachliche Bedenken (Lommel Stud. 19>). — Falsch Juret MSL. 
22, 69: ad + alter{a) ,der eine(n) aufierdem hat*. 

adTOCStns, -i m. ,Rechtsbeistand" (seit Plaut., rom.) = o. ak- 
katus ,advocati" aus * adu[o)1e&to- (Skutsch BB. 23, 101; vl. Lehn- 
wort aus dem Lat., was die auffallige Synkope erklaren konnte). — 
Falsch Brugmann IF. 18, 532, Gotze IF. 41, 104. 130: *ad-kalto- zu 
u. kafetu ^calato*. 

ae Interj. des Anrufs und der Antwort (nur Cramm. suppl. 168, 
6ff. ohne Belege, rem. ,ja'). aeae Gl., wohl = gr. atai wie sicher 
Ov. met. 10, 215. Schwentner 13. 

Aecetia .Gottheit' auf einer im Gebiet derVolsker gefundenen 
Schale: = Aequitia; anders Brugmann SSchs. Ber. 1897, 146. 

aedes und aedis, -is f. Sg. ,TempeI', PI. ,Haus' (seit XII tab.; 
rom. nur aedi-fico „erbaue", dies seit Plaut. wie aedi-fieium ,Geb5ude', 
aedi-cula ,kleines Haus, Kapellchen'), wohl urspr. , Feuerstattc, haus- 
licher Herd': gr. aiSui ,zunde an, brenne', aldujv, oiSon) ,feurig, 
funkelnd' (aidouaa sc. CTod , Halle am Haus" als ,die besonnte, 
strahlende"), schwundst. {dap6; ,rejn, heiter" usw. (SchuIze KZ. 29, 
269), ai. inddhe ,entzundet, entflammt' (vgl. alb. hjhite [*indh-] PI. 
,Brennessel", Jokl Stud. 29); o-St. *aidhos in gr. oldos ra. , Brand", 
ai. idhah m. ,Brennholz', ags. ad, ahd. eit m. ,Glut, Scheiterhaufen"; 
M-St. in gall. Aedu-i, air, aed ,Feuer", kymr. aidd ,Hitze, Eifer", 
bret. oa« ,Eifersucht" ; mit r-Formans gr. aidi'ip, -^po? m. ,die obere 
(strahlende) Luft", at&pa f. ,der heitere Himmel' (daraus entlehnt 
aether, aethrd); es-St. in gr. ai8o? n. ,Glut, Brand", ai. fdhat- n. ,Brenn- 
holz", weitergebildet anord. eisa f. ,Feuer" {*aidh-s-6n-), mnd. ese f. 
,&se" (aber ahd. essa f. ,Schornstein, Schmiedeesse" aus grm. *asidn 
[finn. ahjo] zu anord. arinn ,FeuerstStte", av. ahtfa- ,Darre', Kluge 
Gl. 2, 55, Bartholomae ZdW. 4, 252, a. area), av. agama-m .Brennholz' 
(*aidh-s-mo-) und vl. auch in aeatSs, -tis f. ,warme Jahreszeit, Som- 
mer", aestus,-iism. ,Hitze", aettud ,koche, walle* (s.dd.). — Aus lat. 
aedtlis, -is m. ,Adil" (urspr. wohl Tempelbeamter; vgl. Kubitschek 
PW. I» 448; zum -«- s. Leimiann -lis 10) stammt o. aldil (fal. efUet, 
wenn ■=: ,aedilis*, Erman KZ. 48, 159, wfire dagegen einheimisches 
Wort, was ganz unsicher ist); echt o. Lautgebtmg vl. im Namen der 
Xquerstadt Aefida (Pascal Boll. f. cl. 19, 87 1; doch s. SchuIze EN. 
118* ; o. *Aiifineie angeblich •> 1. Aediniug nach v. Planta I 140 
u. a. ist falsch erganzt und scheidet aus; auch die Deutiug von 
Aetna ATtvt) als opisch-latin. *aidh(e)n& ,die feurige', Ribezzo RIGI. 



16 aeditumus — aemidus. 

12, 193, verdient kein Vertrauen). — Fremdwort aus dem Germ., 
aber volksetymologisch auf esca .Lockspeise' bezogen (Isid. 17, 10, 
18 fomta ignis et nutrimentum) scheint esca (sp. yesca usv.) ,Feuer- 
schwamm, Zunder" (: awnord. eiskra ,vor hitziger Erregung wuten', 
abe iskra .Funke", *ois-fc- ev. *atrffc-»Jfc-, Gundermann Zdw.8,116ff.,^ 
Walde-P. I 3; doch vgl. auch Meyer-Lubke HEW. nr. 4552). — 
*a*-dh- Erveitening von *di- .brennen, leuchten' (Prellwitz BB. 23, 
65ff., vgl. 2. B. ags. afor .scharf, herb' aus *ai-bhro-, lit. aitriis 
bitter', eig. ,brennend' aus *ai-tro- mit alb. ibune, ibete .bitter' 
aus *indh- : *aidh-; s. auch aestas). — Fern bleibt Idus («!), wohl 
auch iter (s. d.). — Walde-P. 1 4£f. a, , 

aeditnmns {-Hmui Gramm. als ,aedis uitimus''), -t ra. .lempel- 
aufseher': von aedes, vel. flni; mari-tumus, in-Umus und mit an- 
deren Suffixen, aber gleicher Funktion atri-ensis, ogti-drius von 
atrium, Ostium; erst seit Cic. herrscht fast ausschlieUhch aedituus 
in Anlehnuiig an tueor (Skutsch Forsch. I 22, Lindsay-Nohl 465, 
Sommer IF. 11, 21 3 f.; nicht umgekehrt aeditumus Entstellung von 
-tuus mit Leumann lA. 41, 26, Stolz' 220). — claustritumus ,Schlofi- 
huter' (Laev.) ist Augenblicksbildung nach aedi- (Leumann a. O.). 
aeger, -a,-um ,krank, leidend, beschwerlich,verstiramt' (seitPlaut. 
und Enn., aegrotus [zur Bildung vgl. Gnomon 3, 657] seit Plant, nebst 
Abltg. -oto, -atio meist vom korperlichen Kranksein, aegrimonia, 
-tudo zunSchst vom geistigen): unsicherer Herkunft ; vl. zu Ut. inflrfs 
.Faulenzer", lett. igstu, tgt .verschmachten, vor Schmerz jammern, 
verdriefilich sein', igrUt .einen Ekel haben', ignis ,murrischer 
Mensch', aksl. jfdza ,Krankheit' usw. (Berneker 268f.); anord. ekki 
n Kummer' = aes. inca .Beschwerde, Groll' (Liden Stud. 70 f., 
adders fiber die grm. Worte Holthausen IF. 17, 295. 25, 149); bes. 
alb. ksek ,b6se, schlecht, zomig', wenn aus *ke {*kom-) + aigjfi- 
(Jokl Stud.35f.); Wz. *aig- *ing-, Walde-P.I9f. — Oder als ,heftig 
bewegt, seelisch erregt' zur Wz. *aig .schwingen, vibneren' m ags. 
aeol .erregt, besturzt', nnorw. eikjen .zSnkisch' (aber nhd. Ekel 
aus nd. ekel, mhd. ekeln aus mnd. eichelen, gehelen ist Fremientativ 
*aiunl6n von grm. •ojkw- in got. at«ri«fc» n. .Schande", Walde-P. 17; 
auch nhd. heikel, da mit Ekel identisch [s. Kluge s. vj, ist trotz 
Saussure Rec. 597 femzuhalten), s. Walde-P. I 11. — Unbrauchbar 
Muller Ait.W. 16 (aus ait .Schmerzenslaut', so schon Paul. Fest. 6) 
+ s(e)ghrds .habend' : gr. gx""- — Fern bleiben alb. AtHm .Bitter- 
keit, Zom, Trauer, Xrger' (_*aidh-: gr. oldiu ,brenne', Jokl Stud. 
29, s. aedes), gr. oloxoi; n. .Schande', got. aiwiski ds. (Brugmann 
Sachs. Ber. 1897,31, Wz. *aigfh-: ware lat. *aebro-), gr. oiicTOi; m. 
.Mitleid' (s. Liden Stud. 69flF. mit falscher Heranziehung von gr. 
4KnK6<; ,schwindsuchtig', ai. ydkamah m. ,Krankheit, Auszehrung' 
unter Ansatz von *aieg; s. dagegen Walde-P. 1 10). oi n ^ 

aemidus .tumidus, inflatus, ir€<pu(Triu^vo?' (Paul. Fest. 24, Gl.): 
wohl mit Ablaut ai : oi (Sommer Hdb.» 51, HirtVok. 182) als *aidm<h 
Oder •aidfmo-do- zu Wz. *oid- .schwellen' in gr. olbdw .schwelle', 
oTbfio n. .Aufschwellung", oTbo? n. ,Geschwulst', arm. attnum 
,8ch*dle', aitumn .Geschwulst', ahd. eiz, nhd. dial. J?u .Eiterbeule', 
ahd. usw. eitar, nhd. EUer {^*oid-ro-\ anord. tista ,Hode* l*oid-s- 
to(«)-, vgL ksl. iHo ds., Berneker 434X lett idra ,das faule Mark 



aemulus — aequus. 17 

eincs Bauines', abz. jadro .sinus, velum'; Wzforiu *ind- in lit. 
inkstas ,Niere*, abe. jfdro- ,schnell (*3tark, *geachwollen)' (Fick 
KZ. 21,5, Petersson Heterokl. 88, Valde-P. I 166 mit weiteren z. T. 
unsicheren Anknupfungen). — Lautlich und semantisch weniger gut 
als urspr. jentzundet' (von der Haut) zu Wz. aidh- in aedes , aeitus 
nach Froehde BB. 5, 273, Fay Class. Quart. 11, 212flF. {*aedimtis). 

aemulus, -a, -um ,nach-, wetteifernd, Nebenbuhler" {-lo- wie in 
■asseda usw.), davon aemulor ,nach-, wetteifern, eifersuchtig sein" 
(beidc seit Plaut.): im Ablaut zu imitor, -dtus sum, Sri ,mache 
nach, ahme nach' (zu *imor wie sector : sequor; seit Liv. Andr.), 
imago, -inU f. ,Bild, Abbild, Nachbildung* (seit Plaut., rom. nebst 
imaginatus). Weitere Anknupfungen unsicher; ganz hypothetisch Brug- 
mann IF. 37, 155 ff.: aemuJus als *di-mo- ,am meisten so seiend', imitor 
von *i-mo- ,ebenso seiend', *imS-ri ,etwas Vorhandenes zum selben 
machen, nachmachen' von dem Demonstrativadv. *ai *i ,so' (z. B. 
in ai.Si-samah ,heuer, dies Jahr'; auch = gr. al ,wenn'), das auch 
in aequus vorliege (s. d.); dazu got. ibns, anord. jafn, ags. efen, as. 
ahd. eban .eben* als *im-no- von Adv. *im ,so'? (Johansson PBB. 
15, 229 f.: wegen ags. e = idg. e trotz Falk-Torp 479 kaum mSglich; 
oder ev. mit Brugmann a. O. 163 aus *em-nos zu lat. em ,tum'?; 
andere noch wemger befriedigende Deutungen bei Feist' 215); ganz 
wnsicher die Zugen5rigkeit von air. imh-aes ,gleichaltrig', im-tha 
,so ist', nee. nim-tha (Stokes RC. 27, 90, IF. 26, 144; vgl. Loth RC. 
18,64).— M)zulehnen die Erklarungen von HirtVok. 160 (mit ver- 
fehlter Heranziehung von gr. airdu) u. a., s. Boisacq s. v.) und Thum- 
eysen KZ. 32, 566 {*ad-iemolo-: air. emuin .Zwininge', ai. yamAJn 
jgepaart", av. ysma- m. ,Zwilling', lett.jumt« ,Doppelfrucht', Wz. 
*iem ,zusammenhalten', s. Walde-P. I 207 u. redimis); Scheftelowitz 
BB. 29, 46 (: arm. imanam ,vermuten*, imast ,Vermutung'); Fay 
AJPh. 25, 170£f. (willkurlicher Ansatz einer GrA. ,verfolgen' una 
Beziehung auf Wz. *ais ,wunschen' [s. aeruseS], angeblich auch in 
^r. IVepo; ,Sehnsucht', ar^uiv „kimdig, erfahren, verstandig', a{^0XtOl; 
,listig, berechnend, schmeichelnd' u. a., s. dagegen Boisacq s. v., 
Sohnsen Rh.M. 65,327flf., Guntert Von d.Spr.d. Cotter u.Geister 108); 
id. KZ. 45, 114f. (im&gS aus *im-mSgo ,res in cera depsta' : gr. ^k- 
fiofeiov ,Wachsabdruck"; im-itor ,ich gehe konform, in der gleichen 
Richtmig'; ebenso Brugmann a. 0.161 zweifelnd); Midler Ait.W. 218 
(: gr. |.ii|;io( m. ,Nachanmer' aus *«Bt-«m- ,gleich aussehend', s. 
Boisacq s. v.). Vgl. aequus. — Walde-P. I 102. 

aen(e)ag, dhen{e)tis (zum -h- s. Sommer Hdb.' 192) ,von Erz", 
•a. ahesnes ,ahenis': &. aes. 

aeqnor, -ris n. ,Ebene', dicht. ,Meer' (Bedeutungslehnwort nach 
ar. itdXaTO?, vgl. aequora ponti seit Lucr., maris -r Vere., Kretschmer 
Gl. 1, 17; seit Enn.): von aequus, urspr. Flexion wohl *aiquos *ai- 
queses (nicht 'aiquos mit Solmsen Stud. 81; zur Umbildung des 
Nomin. s. Sommer Hdb.» 380, Leumann-Stolz' 245). Zur Bed. vgl. 
lit. aiksti ,ebene FlSche', aikStUs ,eben, weit"? (Bezzenberger BB. 
26, 166f.; da Grdb. .lichte Stelle', wohl eher zu digkus .deutUch' 
«sw., s. Walde-P. 1 2). 

aeqnns, -a, -um ,eben, ausgeglichen', iitr. .geeignet, passend', 
^uch ,billig, gerecht, gewogen' (vgl. nhd. eben, nicht uneben, got. 

W a I d e Etym. Warterbucfa d. lat Spracfae. 3. A. 2 



J8 aera - aerumna. 

ibnasms .BiUigkeif; seit Plaut., ebenso aequo dits ron..): "nsicherer 
Herkiuift, falls nicht mit Brugmajin IF. 37, 156 aus idg *«. q^'e ,m 
d^rLaee befindlich", ,gleich' (s. aemulus, t,mtor; aber gr- aivptt 
.schnefl', 2u alnos n. .schroffe H6he', trotz Brugmann a O. 157 
^cht hierher, da ,schnell- aus ,jah, schroff" entwickelt ist, nicht 
umgekehrt; auch lit. Oct, ik ,bis' ist kaum mit Bezzenberger BBv 
26 166f. [s. auch aequor; vgl. zur Bed. lett. Mz M : *l%gus = 
Ut Ugus lebcn, gleich'] heranzuziehen, da nicht wohl zu trennen 
von ietUk ,immeT, je, jedesmal wenn', welches proklittsch verkurzt 
ist aus *U)iek = \it. jiek in jiek-vienas .jeder', s. Fraenkel Post- ""d 
Pr§n 234 m Lit) — Fernbleiben ahd. usw. etca ,Oesetz, lihe (zu 
ai. ivah m. ,Gang, Sitte", Wz. *H- ,gehen", s. Walde-P. I 104 m Lit.; 
kaum -identisch mit eu^a .Ewigkeit* [s ae»w».], Weisweiler Festschr. 
Streitberg458); fii.ekah ,em, ein und dereelbe (Vanicek 35, Thurn- 
evsen Thes., Pedersen Pron. d^m. 19, Muller Ait.W. 12; vielmehr ds 
*oi-qo- zu unus aus "oi-no-, s. d.); gr. a'loa f. ,Los, Geschick als 

das Zugeteilte" ('aiT-ia, nicht »aiKia [ware *ai0O-] mit de Saussure 
a. a.; dazu o. aeteis .partis', aitUum ,portionum% av. aeta- jder 
gebuhrende Teil", s.Valde-P. 12 und vgl. utor; Wz. oi- ,zuteilen 
wegen toch. ai- ,gebeu' nach Pedersen Groupement 19f.; hierher 
trotz MuUer a. 0. 13 mit Ablaut auch gr. lesb. Xaaa ,Los' ['i/jaL 
laoaadai • xXripoOaSai, toao? • T«Xi^vn ..Windstille' als .g^nstig vgl 
atoioc ds., s. Bechtel Lexil. 182, Gr. Dial. I 120). - O. avkdafed 

decrevit?', u.eitipens .ratum habuerunt" {*eitom-hipens, s. habeo) 
iicht mit Bucheler, v. Planta I 343, MuUerAit.W. 12 f. hierher aus 
*aigOodo- bzw. *aiq'>oto- {aikdafed aus *aiq^{o)da- + f«^ /»s 'bhuet 
Oder eher nach dem Impf. *-film, nicht aus Yf f<i mit Muller a. O.), 
da Wortbildung und Bedeutung dabei unklar bleiben; auch kaum 
mit Brugmann Sachs. Ber. 1897, 143 fif., Grdr. H'S, 165 aus *aiko-do- 

Verfueune geben" bzw. 'aiketo-Tmh- zu ai. tse ,hat zu eigen , got. 
ligan .besitzen", da diese Wz. nach Walde-P. I 105 als *e.S- anzu- 



setzen ist. 



tzen isi. . . . , . r. \ I 

atqualis, -e .eben, gleich, gleichaItrig"(seitEnn,rom.) vgl 
sodalii. Nicht mit Leumann te20ff., Stolz»235 idg. *a;.s ,Alter* 
enthaltend wie angeblich auch gr. 6n-aXi-K€q, s lA. 40, 21. 

aeqviperB, -avi, -atum, -are ,stelle gleich, kommegeich 
(seit Plant): nach Niedermann Essais 9ff. (vgl. lA. 42, 41) vpn 
'aeguipar, vgl. mhd. eben-geUch; nicht aus *at3«Ojoaro3 Gleiches 
hervorbringend' oder *aequom parare ,Gleiches bewerkstelligen 
mit Walde WklPh. 1920, 374f. 

aequiternus, -a, -urn , gleich lange dauernd' (Sidon., Uaud. 

Mam.): nach aevi-, sempitemus. 

aera {era), -ae f. .gegebene Zahl, Posten emer Bechnung (dafur 

klass. aera, -Mm); Zeitrechnung von einem bestimmten Zeitpunkt ab, 

Ara' (seit 4. Jh.): urspr. PI. von aes mit Deklinationswandei (Ku- 

bitschek PW.I611ff., Sofer Isid. 116). „, , i, ,- 

aerC, -onis (ero) m. ,ein aus Binsen geOochtener Tragkorb fur 
Sand' (seit Vitr., rom.), s. d. f. ,. . • r. 

aeronma, -ae f. .Plackerei, Arbeitslast, Drangsal' (seit Enn., spez^ 
dichterisch), aerumnula, -ae f. ,gabelf6muges Tragreff Banzen 
(Plaut bei Paul. Fest. 24): wohl nach Paul. Fest. a. 0., KeUer Volks- 



aeruscO — aes. 



19 



etym. 277f. aus gr. aipondvr) (vgl. &opvf\ .Rucksack', daraus averta, 
s.d.) -wie aero .Tragkorb" aus atpuiv (nicht urverw. mit oipu), fteipiu 
,hebe", da Diphthong uiiurspr., s.Walde-P. I 264); zur ubertr. Bed. 
von aerumna vgl. engl. cumber .beschweren, uberladen' : d. Kummer. 

— Nicht mit E.W. Fay IF. 26, 28 (nebst unannehmbaren Weiterungen) 
und MuUer Ait.W. 16 aus "oisomena zu ^. o?0uj ,werde tragen' 
(lat. ai nicht aus oi; *ois- im Griech. aui Fut., Aor., -foPart. be-^ 
schrankt); auch nicht mit Brugmann IF. 12, 401 aus 'ad-ies-omna 
zu ai. &-yds-yati ,strengt an, ermudet' (s. Walde-P. I 208 uni^. 
peiero) oder mit Froehde BB. 7, 325. 14, 99 zu gr. aiavd? .schmerz- 
lich, traurig' (vielmehr aus *(}auF-, s. aaevus), Ht. aisus , bitter, trau- 
rig"; verfehlt Zimmermann KZ. 39, 606 {*aerum{i)na Ntr. PI. von 
*aeriimen : aes .ehernes Gerat"). — Herkunft aus dem Etr. (Ernout 
BSL. 30, 99) ist unbegrundet. 

aernsco, -are ,betteln, bitten' (seit Liv. Andr., archaisch), u. ets- 
curent ,arcessierint' (ei- st. e- vl. archaisierender Mittellaut, kaum 
*eh-isc- ,ex-'. Buck Gramra. 26f. gegen v. Planta 1 143. 150; nicht aus 
*aikesko- mit Brugmann Sachs. Ber. 1897, 149: wohl als *aisos-ko- ,hei- 
schend' zu av. Imp. isasd .begehre, suche zu erlangen' (-esko- neben 
■sko; Brugmann Grdr. II'' 3, 351), tsoiti = ai.fce/idM ,sucht, wunscht' 
{*is-s!!o), ai. esati ,sucht', esdjt m. ,Wunsch, Wahl' ; arm. aic (*a»s- 
sJc&) ,Untersuchung"; gr. 'iVepo? m. .Sehnsucht' (*ia-); ahd. usw. 
eiscon .fordern, forschen', nM. heischen (h nach heiMen); ht.ieskaw, 
ieSkdti .suchen', aksl. iski^, iStcf ds. (Fick BB. 16, 170f. Wb. I* 347; 
bes. Meillet BSL. 26, 21 : -osko- mit Abtonung: -esko-, z.B. m ApiOKwT). 

— Fern bleiben gr. ixaVdiu ,wunsche', ixveiiui ,spure auf, axt^v 
bedurftig', fixdvuj ,bettle' (BezzenbereerBB.23, 294^: ai.thafe ,be- 

gehrt', Wz. *c^t)gh; *igh-, s. Walde-P. I 196 unter Fernhaltung von 
"jfldh- in ahd. ;"affo» .jagen' usw.), femer wegen der abweichenden 
Bed. ai. isavtyaii ,treibt an" usw. (Sommer Gr. Lautst. 29 f.; Wz. 
*eis-, s. ira) iind o. aisusis ,sacrificiis', s. aestumO; vgl. noch quaero. 

— Verfehlt Muller Ait.W. 16 nach Paul. Fest. 24: aus *ais-Oisko- 
.heische Kupfergeld'. — Walde-P. 1 12. 

aes, -ris n. ,Erz, Bronze, Kupfer, Geld' (seit XII tab.) : aus *aio« 

*aieses (zum Lautlichen Meillet-Vcndryes 76 gegen Solmsen Stud. 192) 

= got. aiz (urg. *a(i]iz-), anord. eir, ahd. er ,Erz", ai. dyah n., av. 

ayaAh- n. ,Metall, Eisen' ; davon aenus ,ehern" = u. ahesnes 

,aenis' {*aies-no-), aenevs, vgl. av. ayanhaena- ,metallen^ ^'f^™*' 

ags. aren, "as. ahd. mhd. erln, nhd. eren, ehern. aerUgo, -inis f. 

,Grunspan' (seit Cato, vgl. ferruffO seit Plant., Leuraann-Stolz^ 241 ,, 

aefantentum {spt\. aeramen) ,Erzwerk, Gegenstande aus Erz' (seit 

Colum.). aesculor .xa^to^OTti"" 'st spate Abltg. (Samuelsson Gl. 

6, 229). — Nach Husing, Memnon 1, 213, Pokomy KZ. 46, 292 f. 

49, 128, Ipsen IF. 39, 232 f. ist idg. *aios alte Entlehnung aus Ala^a, 

junger Ajasja, dem alten Namen von Kypros (vgl. cuprum: KOltpoi;). 

Aber der kelt. und (aus dem Kelt, entlehnte?) grm. Eisenname : 

gall. Isamo- EN., isarnodori ,ferrei ostii', ir. tarn, kymr. haiam, 

akom. hoern, got. eisarn, an. team (neben tarn, jam, das trotz 

Noreen Ark. f. nord. fil. 4, 110 aus ir. torn entlehnt sein dOrfte), 

as. ahd. tsa(r)n, ags. isem, iren, mhd. iser, ist nach Pokomy KZ. 

46, 292 und Much ZdA. 42, 164f. abzutrennen und als ,das starke 



20 aeaculus - aestima. 

Metall' (im Gegensatz zur weicheren Bronze) zu kelt. Isara, gr. 
iepd? .kraftigS ai. isirdfi ds. (s. ira) zu stellen, und zwar wegen 
*t- aus *«♦- Endehnting aus dem Illyrischen (vgl. auch aestumo). 
— Walde-P. 14. , . „ J 

' aescnlns, -t f. ,Berg-, immergrune Wmtereiche' (seit Veran. und 
Verg., rom.; -eus seit Ov., -neus Inschr., -etum seit Hor.): gr. 
oixi-J^iuip f. ,Eichenart mit sufien Fruchten' (daraus aegUops Phn.), 
wohl auch Kpdr-oiTO?, -mT»i»v m. ,Baumart'' (aber aiTipo?, atreipos 
.schwarze Pappel', drav^n f- »Lanze' vl. eher zu *aig- ,schwingen', 
wozu allerdings, aber ganz fraglich, auch 'aig- .Eiche' als der 
-Sturmbaum' gehoren konnte, s. Walde-P. I 11), anord. eik f., ags. 
ac (e. oak), afnes. as. ek (ndl. erk), ahd. Hch, nhd. Eiehe. — Grdf. 
unsicher; eher *aig-s-clo- oder *aig-s-colo- als *aig(e)s-lo-, *aikslo- 
mit Metathese (Muller Ait.W. 11). — Nicht Aileitung von aes als 
.ETzbaum' (Thumeysen Thes., E.W. Fay KZ. 43, 158 f.); die antike 
Verbindung *mit esca, edd (Serv., Isid^ ist Volksetymologie. Fern 
bleiben ilex (s. d.), mir. Senc .Schale, Hulse' (Stokes KZ. 35, 152f.) 
und lit. dial, duluolas ,Eiche' (Niedermann IF. 26, 49; s. Walde-P. 
I 83). — Walde-P. 1 10. 

aestas, -tis f. ,warme Jahreszeit, Sommer' (seit Enn., rom., neben 
aesttvum, s. Schmalz' 457), oesttts, -us m. ,Hitze, Glut, Brandung' 
(seit Naev.; ae$tu6 ,koche, walle, schaume' seit Plant.): zu "aidh- 
,brennen' (s. aedes), u. zw. wohl mit Sommer KE. 88, Leumann- 
Stolz^ 243 aus *aisto-tat- (von Verbaladj. *aidhto-) bzw. *aidh-tus, 
kaum mit Johansson IF. 19, 112 ff., Walde-P. I 5f. aus *aidh-s-t- wie 
auch in BLgerm. Aistomodivs ,mit hitzigem Mute', ags. ast m. ,Ofen', 
ndl. test ,Darre'; schwerlich *ai-s-t- mit Persson Beitr. 326A. 338f. 
unter Beziehung auf eine in ai. isirdfi Epitheton Agnis, gr. ialvM 
erwarme' angebl. vorliegende Wz. "ai-s-, neben *ai-dh- Erweiterung 
von *ai- (s. Walde-P. I 2f.). . ^ , . 

aestimS, altl. aestnmo, -avi, -dttint, -are ,schatze den Geldwert 
einer Sache ah, taxiere, wurdige, ermesse, schatze hoch" (seit Plant., 
rom.; aestimOtiO seit Lex repet., -fltor seit Cic, aestimiae j,ae3tima- 
tiones' Paul. Fest.; Komp. ex-lstim/S .beurteile, erachte' seit Plant.): 
vohl mit Havet MSL. 6, 18, de Saussure Rec. 591 (mit falschem 
Ansatz *ai3-tenui, of. gr. T^^a-xo?) Denomin. von *ais-temos ,der das 
Erz zerschneidet' (s. temno, vgl. die Wendung per aes et libram nut 
expendere atque aestimare Cic; bei Vergleich mit aedi-, legiUmus 
ttloflFmann-Heinichen s. v.] als .Schatzmeister sein' bleibt Vorbild 
finklar; nicht zu taor mit Studemund ALL. 1, 115). 

Nicht mit Bartholomae BB. 12, 91 A. als *aizdaumare zu got. 
aistan ,sich scheuen", gr. atbo^al (*aiz-d-) .scheue, verehre', ai. 
id^ .verehre" {*iz-d-); *aizd- Erweiterung von *au- in ahd. usw. 
era ,Ehre' (Walde-P. 1 13); aber die itahschen Worte fflr ,Gott, 
gottlich': u. eru« ,diis?' (zw.), o.aisusis .sacrificiis', marr.oMos 
,dis', vo. esarigtrom ,sacrificium', pal. aisia (*aiaifs) ,dis', u. 
esono- ,divinus', staramen aus dem Etrusk., vgl. etr. aesar ,deua' 
Suet. Aug. 97 und u. esono- = etr. aisuna, aisna, eisna (s. Kretsch- 
mer Gl. ll,278ff. 17, 279f. m. Ut., auch zu gr. Up6? in der Bed. 
,heiUg' [vgl. ira]; falsche Auffassung des Verhaltnisses bei den 
Fruheren wie Bugge BB. 3, 116, Johansson IF. 2, 47 f.; auch 



aetss — asaso. 21 



aerusco, Fick I* 346, bleibt fern); vgl. noch illyr. iser ,sacer' (vl. 
unter etr. Einflufi ohne Endung, Krahe IF. 46, 185). 

aetSs, -tis f., alt aevitSi (= o. o<io<cfs, aetatis', aitatAm 
.aetatem", pal. aetatu ,aetate*; seit XIl tab., rom.): zu aevum, wohl 
auf Grund eines Adj. 'aevos ,lange dauemd' (: ai. Hyuft ,Iebendig', 
Pergson Beitr. 212) wie aetemus (seit Enn.) vom Adv. *aeviter 
(Meyer-Lubke ALL. 8, 323; anders Stabile Class, e Neolat. 7, 101 ft, 
Leumann-Stok' 222. 243). 

aeTUS m. (Plaut. Lucr. SptL) imd aeTnin, -i n. ,Lebenszeit, lange 
Zeit, Ewigkeif (seit Enn.): o-St. wie in gr. tarent. ail*! ,immer* 
(Instr.), got. aiws m. (z. T. i-St.) ,Zeit, Ewigkeit", Akk. adv. aiw 
, jamais' in n» aiw ,nie' (,nichtwalirend des Lebens") u. a., anord. 
«, ei, ags. a, o, as. ahd. eo ,je, immer' ; t-St. in anord. £fi t. {*aiui) 
,Leben, Zeitalter", ags. «{«;) (*ft«»t); s-St. in ai. Syus- n. ,Leben, 
Lebensdauer, Lebenskraff (urspr. Flexion *diuos *ajus-is), gr. ace. 
aJu) (*oi/oaa), loc. oiei, dei (*ai/eoi) ,,immer', n-St. in atiiv m. (und 
f. uach •ai/il»i;) ,Lebenszeit', aUv , immer'; vgl. noch ai. tli/u n. 
,Leben*, av. Ayu ,Dauer, Lebensalter', ahd. etca f. ,2^it, Ewigkeit" 
(aber ewa .Gesetz" s. u. aequus); einzelspr. Adj.: gr. dibto; ,ewig', 
got. aiweins, ahd. eu>lg ds. ; einzelspr. Kompos. : longaevus (seit Verg.), 
anord. langiSr, gr. briv-oid? ,langlebend". — Fern bleiben air. ais, 
aes, ois, oes , Alter', kymr. oes, akymr. oet ds. (Pedersen I 56. 176 
II 19: *aiifestu-, aiuito-^ dagegen Thumeysen lA. 6, 196, Loth RG. 
17, 434, 8. auch iiior) und iuffis .immerdauemd* (s. iungo). — Idg. 
*&iu, erweitert •«»j«>-, *Si^i-, *&iuos-, *&iues- *tfj««-. — Walde-P. 
I 6!., J. Schmidt PI. 142, Emout REL. 3, 108. 

afannae^ -arum t. ,leere Ausiluchte, Ausreden, Utopien* (Apul.; 
rom. nur *afannare ,sich abmuhen'); nach Ribbeck Leipziger Stu4. 
9, 337 entlehnt aus gr. &q>dvai , Utopien" (-wn- nach sanna, aannire 
oder gannire, wenn uicht expressiv), wie in alterer Zeit (Mart., PHn.) 
das gleichbedeutende apinae (davon apinor Gl., apenarius ,Possen- 
reifier" Scr. hist. Aug.). 

adfatim {ad fatim noch Plant. Poen. 534), affatim ,bis ziit Er^ 
schopfung, zum DberdruB, im Uberflufi' (seit Plaut.): ad + *fat%s, 
s. fatigS (Curtius 201, VaniCek 88). 

atflllis, -« ,angrenzend, benachbart; verschwagert, verwandt* 
(s. Schrader-NehringRL.n«599; seit Plaut.): von ad fines, weil ,in 
agris vicini' (Paul. Fest. 11). 

africia, -oe f. .Opferkuchen' (Am. 7, 24): ? Vgl. GL 15, 274. 

agagra, -ae m. ,Zuhalter, Bruder Liederlich' (Petron), agagula 
.Kuppler, Possenreifier' (Gl.): aus gr. ♦dfaTfiS (veL itpooTurrds ,leno*) 
nach Heraeus Sprache des Petr. 29 f. — Etr. Herknnft (Nehring GL 
17, 118) ist mibegrundet. 

ag^$, -onis m. ,Viehknecht, Pferdeknecht («equos agentes id 
est minantes» PauL Fest.), Trofiknecht, Eseltreiber, Diener der Post- 
meister' (seit Enn. und Plaut, rom.): nach Kretschmer StrenaBuli- 
ciana 1924, 279 f. h]^bride Bildung aus oef + atinus mit Kiirzung von 
asinus zu *aso wie in 'Htif|Otuv aus 'HTi'lOMmo?; aber alt nur .Pferde- 
knecht', .Eseltreiber' sicher erst ApuL — Dialektischer Ursprung 
wegen des -s- (Emout ti. dial, lat 95) scheint unbegrtindet. Vgl. 

«9Mt50. 



22 agtsa - agna. 

a»ea, -ae t .Schiflsgang, der zu den Ruderern fuhrt" {Enn. ann. 
'492>- aus gr. SYUia (urspr. P. P. zu &fw) bzw. jungerem *aT€ia, 
Wi& (SoimsenKZ.44,202>, Sommer KE. 101, Kalen Ouaest. gr gr. 
1918 31 f.); -e«t»)a nicht osk. Ersatz von -uio (Ernout El dial. lat. 
96). '_ ageator .hortator' (Gl.) vl. nicht hierher, sondern von 

"^Ttrer, -^''m. .Acker, Feld, Flur' (seit Enn., Plant.; rom. grofiten- 
teils verdrangt durch campus): =VL.ager ,ager', s.i.djrah ,Flache, 
Flur, Gefilde', gr. dypi? ,Feld, Land, Acker', got. ahrs, ahA.ackar, 
ahhar, nhd. Acker (auch Langenraafi, vgl. acnwa), arm. art .r Acker 
(fiber 'aisr- *atr-, Pedersen KZ. 39, 352), ,dg *a.9^o-a ,Tnft': a^yo 
hleichelt KZ. 46, 309 gegen Brugmann Grdr. II' 1, 354). — agrestts, 
le wildwachsend, landlich, baurisch' (seit Plant., rom.) dissimiliert 
n^'agrestris, vgl. terr-, campestris und Leumann-Stolz* 236 m. Ut. 
agricolq 8. unter colo. — Walde-P. I 37. 

aega .festivitas" (Gl): hebr., s. Thcs. 

agger, -m ra. .Material zum Aufschutten eines Dammes, Uamm, 
auch Haufen, Erhohung' (seit Lucil., rom. ar-, davon aggero, -are 
.als Damm aufwerfen, erhohen" seit Verg.): von ^merere M'^h^i- 
tragen, aufhaufen' (Eutych. gr.V481, 18; vgl. z.B. Caes. Gall 7,22,4 
cotidianus agger = .materies cotidie adgesta"). - Da aneebl. altl. 
araer fur agger (Prise.) ohne Gewahr ist (s. lA. 39, 32; Thumeysen 
ALL. 13, 37), entfaUt Brugmanns IF. 13, 92 an sich unwahrschem- 
liche Deutung von arger als Umbildung von *arcer (= gr. apKO<; n., 
xvL arced arx), ebenso Osthoffs ib. aus 'ar-figer (zu fingo. vgl. gr. 
Teixoc usw.); roman. ar- wohl mit vulgarlat. Ausbreitung yon ar- 
(vgl. Meyer-Lflbke, Grobcrs Grdr. P 486) oder nachtragbcher An- 
lehnung an arceo, arx. 

agilis .beweglich, behend, ruhng' (seit Sisenna, rom.): zu a^ro 
u. zw. wenn alte Bildung, zu ai. ajirdh .rasch, behende ( walde-F. 
136, Per9sonBeitr.741, E.Leumann tol42; doch vgl. auch M. Leu- 

™*«Iiili, -ae f. .die Schere an der Wage' (vgl. Paul. Fest 10; -i- 
durchs Roman, bezeugt nach Meyer-Lubke BPhW. 1908, 632; Bildung 
wie cooMi«fl, Walde-P.I36): zu ago, vgl. zur Bed. earajmrn .Wiegen, 
Gewicht', ex&men ,das Hinaustreiben (aus der Ruhelage) , extguus, 
exilis (s. d.). Auch gr. aEio? .gleichgeltend, werf bcruht auf der 
Verwendung von *ag- fur .wagen* (urspr. .ausbalancieren nut den 
Armen'?, Reichelt WuS. 12, 112). S. auch ammentum. — Abltg 
agmator, -oris m. .Kleinkramer" (Paul. Fest.) und aginare .sich 
drehen und wenden" (Petr. 61,9 egi aginavi; rem. .eilen*; unwrsch. 
Roege PhW. 1927, 1022), s. Bucheler Kl, Schr. II 465. 

agmen, -inis n. .Treiben, Zug (der Stromung, Ruder u. a.), 
Schwincune (der Lanze), Marsch, Heereszue' (seit Enn.): zu «^a, ai. 
djman-n.\Zng, Bahn' (Porzig IF. 42, 2&), "Jmd"-^-^^":^ 
agmen Neubildung nach ago fur *ammen (Sommer Hdb.' 2Xt), vgl. 
ammentum, exUmen. -mo-St. in ai. djmalt m. .Bahn", gr. 6tjio<: 
Furche, Bahn' (auch in der Bed. .Schwade', vgl. 6tM0V &^i\y 
fheocr. 10, 2). Walde-P. I 35f. 

agnt, -ae f. ,Shre' (Carm. Sal., Paul. Fest. 211), aus *ae-na, s. 
Hcer: apr. achons .Grannen'; got. ahana I. ,Spreu', an. ggn, aga. 



agnile — ago. 23 

et^enu, ahd. agana f. ds., nhd.Ahne, dial. ag{e)n (grm. *ag-, •ahano, 
idg. *alc9nA); gr. ayvn ,Spreu, Flaum, Schaum' {*ak-snli; danach 
vl. statt *dK- umgebildet axupo"" «• .Spreu", Sxujp m. .Grind, Schorf«). 
Valde-P. I 30. 

agiule n. .Schafstall" (GL, rom.): zu ajmiw nach ovtle; andere ge- 
bildet aksl. ^■a.iyntJo .locus ubi oves parturiunt' \onjagniti .lammen". 
agnns, -l m. (aid. auch f., vgl. Fest. 286 und zu agnus fSmina 
Specht KZ. 55, 17), agna, -oe I .Lamm' (beide seit Cato, rom.; 
Demin. agnellus .Lammchen' seit Plaut., rom., sptl, agnieulus -a, 
agnicellus agnicellultts; agninus .lammem' seit iPlaut., rom.): = 
gr. d^v6? m. f., 4|nvr| f. .Lamm" (aus *dp-, idg. *ag»n6s); urk. *ognos, 
idg. *og^hnos in air. Han, kymr. oen, atom, oin, bret. oan .Lamm' ; 
ags. eanian, engl. fo yean .lammen', ndl. oonen (wgrm. *aunon \on 
*a«na- aus *amna-, idg. •ag^hno-); aksl. (ijajj-ng n., {j)agnt(n, m. 
.Lamm' (Ableitunsen aus *agm, idg. wohl *osri'(h)no-, s.Trautmann 
Bsl.W.2). — Vokalismus und Guttural der ersten Silbe sind unklar; 
s. Walde-P. I 39 m. Lit. (setzt einheitlich idg. *ag»hnos an und er- 
klart gr. d|.iv6? aus *dp- nach Osthoff IF. 5, 324 ff. durch Enthauchung 
sowie kelt. o- durch Einmischung von *ovis .Schaf, si. a- durch 
Anlautdehnung; anders Meillet BSL. 24, 183 f., der die kelt-eerm.- 
slav. Worter von den gr.-lat. trennt, und Petersson Heterokl. 49 f. 
[voridg. *Sgfh *„g!>nds] mit ganz fraglichen Weiterungen wie ai. an- 
gand t .Weibchen", gr. 6^p\a .Tierjungen"). 

u. habina{f) .agnas" wohl aus *abmno- = lat. agninus mit 
festem h- und dissimil. Schwund des -n- vl. unter dem Einflufi 
von *hedino- Medtna-" (KentLg. 2, 190); kaum mit Walde LEW.', 
Walde-P. I 533. 547, Liden KZ. 40, 260 zu air. gahor .caper', 
kymr. usw. gafr .Ziege', gall. ON. Gabrosentum .Geifipfad', 
rappnra OXri .Bohmerwald" (kelt. *gab-ro-, Wz. *gabh-, nicht ver- 
wandt mit eaper, aber vl. Reimbildung; s. auch u. hiems); auch 
nicht: ai.cfcdj^a .Geifi' (Buck Gramra. 93). 

avillus .Lammchen', aububulcus .pastor ovium' 9. d. 

agnus {eastus), -» m. .Rauschbaum, weidenartiger Strauch' 

(seit 'Scrib. Larg. und Plin.): aus gr. &vo(; m. f. ds. (ungedeutet, 

s. Boisacq s. v., Liden IF. 18, 506 f.) mit falscher Beziehung auf 

. dTv6? (so schon imGriech.; daher hagnus Marcell. med.); daraus 

d. Keuschlamm (Klugc s. v.). . 

1. ago, egi (alter *d<7»? Kent Lg. 4, 186), actum, -er« treiben 

(urspr. mit geschwuneenen Armen), fuhren, hetzen, betreiben, ver- 

handeln' (seit XH tab.), o. triaginss ,ter-agant'. acum .agere', 

<tetud. u. aUu .agito' : = gr. afu) .treibe, fuhre* ; ir. aigim .Jreibe, 

fuhre, spiele', kymr. korn. brit. a ,agit" (im Bnt. suppletiv, Peder- 

sen II 451 ff.); anord. aka .fahren'; ai. ajati, av. aza'li .treibf; 

arm. acem .fuhre, bringe". — age Imper. als Inter j. .wohJan' = 

gr. dTe (Umgangsspr. 37 f., nicht daraus entlehnt mit MeiUet Esq. 

hist, lat 113 trotz apage aus gr. fiitare; vgl. age i seit Plaut., Ue 

agtte Prop., iU agt Stat, mit gr. lesb. frnxe, danach h-^x, aus &Te + 

iT€ Oder d-«<eT6) tT€, Kretechmer GL 8, 256, Bechtel Gr. D. I 95), 

vL ags. ac .aber, sondem' aus .geh!' (doch s. auch unter a<); actor 

m. .Treiber, Spieler' (seit Plaut.) == gr. dKTUjp; actio t. .Tredjen, 

Handlung' (seit Rhet. Her.): u. ahtim-em ,ad caenmomam'; ac- 



24 



ago - aio. 



tus, -us m. .Handlung" (seit Ter.): u. Ahtu ,Actui, deo Agonio?" 
(s. V. Planta I 352; aber pal. atieus unsichrer Lesung kaum = ,*a«- 
tici', zuletzt Grienberger KZ. 56, 27); vgl. noch agilis, agmen 
(s. d.). — Kompos.: abiffo, gr. dtrdfUJ, ai. apa-ajati (vel. <Aiga); 
adigO, ir. ad-aig ,adigit'; ambigS ,schwanke, bin unschlussig" (s. 
ambiguus, ambages), ir. im-aig ,treibt herum', gall, ambaettis (s. d.). 
— Dehnstufig (vgl. ai. ajth m. f. .Wetdauf, Kampf, mir. Sg [«-St] 
jKampf, gr. dTurr<i? ,fuhrend') lat. nur in Zss,; amb-dges, ind- 
ages, -Ago, co-agulum, eo-agmentum (s. dd.). — Wznomen 
*ag- ah 2. Komp.-glied in rem-ex, rem-igare, litigare u. a. auf -(»)- 
gare (s. d.). 

Hierher noch u. a. : a git 6 .bewege hin und her" (seit Naev., 
rom.; s. Leumann-Stolz'' 317), agea ,Stra6e', agilis, ager, 
agolum,agasd,prod-igu,s(s.dd.), femer agonium, AgonSlia 
(s. u. ago, Snis); axis, ala, axilla; agina (s. d.; ohne Zv- 
sammenhaiig mit gr. dftvu) ,fuhre, bringe' aus •oTi-viio), 
examen, exilis, exiguws; zweifelhaft indigites (s. d. und 
u.aid), ambiegnus, axitiosus. — u. peracni-, sevacni- .sollem- 
nis" s. u. annus. 

o-Abtonnng in gr. 6^\U3<^ ,Furche usw.' (s. u. agmen), davon 
abgeleitet dtfiio? ,Beiname dee gall. Herakles' (nicht kelt., s. Dottin 
276). — Zweifelhaft ist die Auffassime von gero (8. d.) als einer 
e«-Weiterbildung *g-es- zu ag-. — Walde-P. I 35 ff., Reichelt KZ. 46, 
309ff. (mit unannehmbarer Anreihung von omen, prodigium, 6. d.), 
WuS. 12, 112flF. 
2. agfi, -onis m. ,der das Opfertier totende Priester" (opp. vicH- 
motor, Schol. Stat. Theb. 4, 463), agfinia, -ae f. und -urn, -i n. .Opfer- 
tier', AgSnius ,Gottheit', AgOnalia ,Fest zu Ehren des Janus', 
Agonus .mens Quirinalia', Agonemis .Beiname der Salier' (Paul. 
Fest, Varro, s. Maurenbrecher Jb. kl. Ph. Suppl. 21, 315ff.): zu ago, 
vgL bes. marr. agine ,pompa' (ware lat. *agi6ne; aber u. aiu nicht 
= .agitationes', sondem als *agifl ,0racula' zu otti). Die sakrale 
Bedeutung ,opfern' ist nicht fiber .festhcher Aufzug' entwickelt 
(vgl. dazu er. iK^\itv m. ,Wettkampf', ai. 6jlh .Wettlauf und die 
Deutungen r»ei Ov. fast. 1, 318flF.), sondern w'ohl als ,Schlagen des 
Opfertieres' aufzufassen (Reichelt WuS. 12,113; nicht aus demCriech. 
entlehnt mit Br^al MSL. 6, 9f.). 

i^Olnm, -i n. .Hirtenstab' (Paul. Fest. 29): zu ago, vgl. zur 
Bildung agilis und gr. dT^n f. .Herde' (Walde-P. I 36, Leumann- 
Stok»217, Samuel88onGL6,258). — Nicht zu gr. fipoXo? (de Saussure 
Rec. 102). 

agrSdnla s. aer-. 

agrliafinla, -ae f. (GL, aeri- Plin. Val. al.) ,Odennennig": Um- 
stellung aus sonstigem argemonia (aus gr. &pY€|iii)VT) .Schamkraut") 
nach agtr, aeer (Keller Volkset. 60). 

Ati^, -aeis: aus gr. Alo? -VTO? durch osk. Vermittlung {*Aias 
*AiakeU) nach Schwerine IF. 30, 220 ff. 32, 364 ff. 

aiSf ait (ain .wirkUch' aus *ai%is-ne), ait (v. defect., s. Sommer 
Hdb.* 545) .bejahe, behaupte, sage' (seit Naev.): ans *agiq, vgl. 
adagio f. .Sprichwort', prodigium n. .Vorzeicben' (= ,Vor- 
hergesagtes'; vgl. u. aiu .oracula', s. 2. ago; lu -ijo- neben -jo- 



ala — alacer. 25 

Schulze KZ. 54, 301), ,Schreckenszeichen, Ungeheuer', axdmenta 
,cannina Saliaria' (s. auch anx&re unter anaxant), indigitare 
,anrufen* (?, s. u. tnc2t^«s), Aiws LoeHtius ,der Gott, der durch seine 
Stimme das Herannahen der Gallier verkflndete* (s. Wissowa Rel.'' 55); 
zu gr. f| ,er sprach' (aus *eg-t, dazu f|V, fmi, r\a[ nach ?(pr|, 8q)rivusw.), 
Perf. av-iufa jbefehle* (.sage laut*, vgl. dva-KoXeW ,laut rufen''), 
prfisentisch umgebildet &vtl)TU) (Curtius 399, Vanicek 9, Solmsen KZ. 
39, 218ff.); arm. a»em ,sage" (statt *acem nach 3. Sg. *a» aus *ast, 
idg. *9gt, vgl. at-ae ,proverbium*, Meillet MSL. 7, 164. 17, 356); vl. 
auch o. angetuzet .proposuerint*, wenn mit Brugmann IF. 16, 505ff. 
aus *an-aget- : lat. ind-igel-. — Fern bleiben ai. &ha, attha , sprach, 
sprachst* (wegen av. &ba , sprach' usw. auf eine versch. Wz. *adh' 
zuruckzufuhren, Guntert Reimw. 84), gr. hom. fivetu, Avci^i ,stumm' 
(s. Brugmann, Festschr. Thomsen 1912, 1 ff., Bechtel Lexil. 45), fjxavev • 
eiTtev Hes. (mit Augra. i]- = ?x<»vev), rair. ai, ae Gen. uad, uath 
,Wissen, Sage", edocht, idacht, audaeht .Testament' {*aii-akto- nach 
Fick n* 6; vielm. zu 1. edictum nach Pedersen I 209. 229). — Walde- 
P. 1 114. 

&la, -ae f. ,Achsel', ,Flugel" (seit Pit., rom.; davon ales, s. d.): 
aus *ag-i-lS, {vA. axilla, -ae i. ,Achselh6hle', .kleiner Flugel' aus 
*agsl-ela [seit Varro bz. Itala, rom.], als Cogn. der Servilier Axilla 
neben Ahala — dies dial., dem Umbr. nachgeahmte Schreibung — 
schon alt, s. Schulze EN. 420'; metathetisch ascilla, -ella entlehnt 
in kymr. usw. asceU, Loth RC. 41, 395 £F.): = an. pa;Z, ags. eaxl, 
as. ahsla, ahd. dhsala, nhd. Achsel; dehnstufig ndl. ohsel ds,, und 
ohne {-Formans ahd. uochisa (mhd. uolise, Hehse) und uohsana, ags. 
oxn jAchselhohle", an. ost f., ostr m. .Halsgrube*; av. aiagd Gen. 
du. ,der beiden Achseln', ai. dksah .Schlusselbein", arm. anut' 
.Achselgnibe' (*asn-). — Gr. dTOOri? m. ,flache Hand', .gekrOmmter 
Arm' nicht hierher (Wiedemann BB. 27, 257'), sondern als *dxop- 
<rr6? zu dT6(ptu (Solmsen Beitr. z. gr. Wtf. Iff.; s. grex). — .Achsel* 
auf Grund des Bildes der aus den Achseln bewegten Arme (zu *ag- 
,treiben', s. ago), ubertr. auf die Vogelschwingen ; dann auch von 
der einzelnen Achsel und den damit verbundenen Korperteilen. 
Walde-P. I 37, Reichelt WuS. 12, 113. 

alabrnm, alibmm, -i n. (Isid. mit volksetym. Beziehung auf 
liberare filaj ,Haspel, Gamwinde' (spSt, s.Thes. und Ducange s. v., 
Schuchardt ZrPh. 31, 721 f.): wohl Fremdwort. Kaum zu Ola mit den 
Alteren, Sofer, bid. 116 f. auf Grund der unsicheren Messung Ulabrum. 

alacer (altl. -cris), -cris, -ere (aus *ala-tlis; zum -a- s. Devoto 
R. F. CI. 54,518ff.; seit Plaut., rom. *aUcer. alicris) .lebhaft, munter, 
eifrig, aufgelegt': wohl zu got aljan n. ,Eifer', ahd. ellian, ellen n. 
,Eifer, Mut', as. ags. ellen ds., an. eljan .Kraft, Untemehmungslust' (ahd. 
ella .Nebenbuhlerin', an. elja .Kebsweib*; s. Osthoff Forsch. 1 63ff., 
Fick Spracheinh. 3Ca, Froehde BB. 20,185 mit falscher Heranziehung 
von aL irifafi .eifrig' [Wz. *er-, e. oriwh auch ai. drift, arlh ,ver- 
langend, Feind' bleibt fern, s. Walde^P. I 136). — Weitere An- 
knQpfung unsicher; vl. mit Johansson ZdPh. 31, 285ff. als .feurig' 
zu adoled .verbrenne* (s. d.; vgL zur Bed. nhd. eifrig: ags. ilfor 
.scharf, eig. brennend', und aisl. idinn .eifrig' aus .hitzig', walde-P. 
1 5); kaum zu gr. dXaOvut .treibe' (Fick I* 365, Falk-Torp s. elte), 



26 alapa - albua. 

was verschiedene Herkunft von lat. und germ, a bedingen wurde. 
— Abzulehnen Froehde a. O., v. PlantaI299' (zu alo als ,eedeihend 1, 
Breal MSL. 15, 148f. (Entlehnung au3 gr fiXKOp n. Schute» durch 
osk. Vermittlune; hochstens *d.\.Kpo<i .kraftig' [: dXirfi .Kraffi ware 
als Quelle denkbar); Muller Ait.W. 20 (*all-akros ,ganz scharf , vgl. 
al{T)-ers u. acer). — Walde-P. I 88. 156. . „, , . . 

alaoa. -ae f. ,Backenstreich, Ohrfeige" (seit Phaedr., rom. in der 
wohl urspr. Bed. ,Schaufel, Schwinge', Grbd. ,£lache Hand'? oder 
Fluael' nach Sandfeld Litteris 2, 76; davon sptl. oZapo, -'^o.lnach 
lolaphizo] .ohrfeige'): dunkles Fremdwort; etruskisch (vgl. die EN. 
Alapa, Alaponius, etr. alapu) oder - weniger wahMcheinhch — 
Endehnung aus gr. *A\dTm (zu got lofa, an. We jn aacheKand , 
alb rowKe ,Schaufel, Ruder') nach Schuchardt ZrPh 31, 724f — 
Nicht nebst gr. K6\aq)0? .Ohrfeige' entlehnt aus hebr feMapJo*. 
PI von khelapk .Hammer' (Stowasser, Dunkle Worter I, p. AAll; 
8 dasegen ftieyer-Lubke ZrPh. 31, 585 f.). - Unklar, ob davon ab- 
geleitet oZapor. -an ,sich brflsten' (seit Itala [mcht Plaut. True. 
928, s. Lindsay Class. Quart. 23, 112], rom.; kaum als .Ohrfeigen 
bieten' mit Placidus GL); falls hierher suhalapa Petr. 38, 11 als 
etwas aufeeblasen" (aus *dXaitai;? yslaffaga), dann vl.alapor ifgend- 
^e aus gr. Xaitttu) .benehme mich Oherrautig' (Waldc-P. II 429) 
oder danebenstehendem *d\airir:u>, kaum gleichbed. dXaitdlMi um- 
gebildet (Thomas Stud. 75 ff.). — Walde-P. 1 437. 

alaternus, -i f- .immergruner Wegedom, Rhamnus alaternus L. 
(seit Tarquit. Prise, rom.): nach Niedermann IF. 37, 152, Emout 
BSL. 30, 95 etruskisch. Vgl. auch alica. 

alanda, -ae t. .Haubenlerche' (seit Phn., rom.; davon alodartum 
Wurfnetz* Schol. Bern. Verg. georg. 1, 140): aus gall, alaitda ds. 
(Suet Jul. 24; Dottin 224, Gluck lb. kl. Ph. 93, 166f.: alau-da .die 
Beschopfte'?). Ganz fraglich die weitere Anknupfung von germ. 
*laiwaz- in ahd. usw. lerihha .Lerche' und die Verwandtschaft von 
I. laus, got. liufdn .singen' (Falk-Torp Et. ordb. I 453, Bugge PBB. 
24, 451 1; vgl. Suolahti Vogeln. 98). 

alBUsa, -ae t. .kleiner fetter Fisch, Maifisch, Alse' (daraus ahd. 
alosa): eal\. (Fick II* 20, Dottin 225, Bertoldi St. it. fil. cl. n. 8.7, 
253, 262). Nicht mit Loewenthal WuS. 10, 150f. = lit. Alausa 
(Seen.) als ,wei6glanzend' (ware kelt. -c-). 

albams, albocns, albu6lis, alburnns u. a. s. u. albiis. 
albns, -a, -urn ,(matt)wei6, weifiglanzend' (vgl. albis dentibm deri- 
dere ,mit Zahneblecken' Plaut. Epid. 429; seit Pit., rom.): = u. alfu 
alba', o. AUfaternum .Alfatemorum', pal. Alafis (sabm. alpum 
L album Paul. Fest. 4 wohl trotz Bruch Gl. 10, 193ft mit etr. -p- 
fur -b-, 8. V. Planta I 464, Schulze EN. 119f.); gr. d\(p6? m .weifier 
Ausschlag', dXqpoi?- XeuKoO? Hes., dXui<p6s- Xeuxd? «*• ("a™ °" 
idg. Gerstenname gr. fiXcpi, fiXqilTOV .Gerstenmehl', aUj. eVp, eTb% 
.Gerste' [Ntr.Pl.*a«.fei-, Pedersen KZ.34,291, Jokl Festschr KreUch- 
mer 921 turk. usw. arpa ds. aus iran. *arbhi-, Schulze Berl. bbb. 
1910, 793, Walde-P. I 92); ahd. albig, elhig, ags. idfau, an. elptr, 
alpt f. .Schwan' (grm. *oft-t«-, -ul; d-Formans wie in aksl. russ. 
lOttdi,, poln. iabeii, serb. labud ds„ ursk *otb-edt, -frf», -prft), ndl. 
alft, elft .WeifiEisch' (vgl. albtila; vl., aber gjinz fragUch, gr. ^6- 



alcgdg. 27 

<PitJ(; f. ,Fis«h'), nhd. dial. Alben .Kalkerde', dan. al ,Sanderde' 

(grm. *alba-, Falk-Torp s. al; hierher auch der Name der Elbe, lat. 

Albis, -ia als jWeifiwasser", vgl. an. elfr ,Flu6", gall. Albis, lat. 

Albula, gr. 'A\q)€i6<;, s. Walde a. O. 93 m. Lit., aucn zu ahd. alba 

,Insektenlarve' und nhd. Alp, Elfe, wenn urspr. ,wei61iche Nebel- 

Ijestalten'); axm. aiauni .Taube' {*alabh-n-, Pedersen KZ. 38,313). 

Aber die Namen der Alpes (., "AXitai; La eandore nivium* 

Paul. Fest. 4), Albion = Britannien (urkelt. *Albia -ionos). Alba 

,schwabische Alp' enthalten wohl ebenso wie die ital. hochgele- 

genen Stadte Alba {Longa usw., vgl. Schulze EN. 576), Alburnus 

,Berg Lukaniens' (Bruch Gl. 10,196) und Xi^T.On. Alba, Albiam, 

Albinnum usw. einen nichtidg. Stamm *alb- ,Berg' (Pokorny ZcPh. 

15, 197; zu weitgehend Haupt Lg. 1, 16), nicht eine durch das 

unklare gr. X6<pO(; m. ,Nacken, Helmbusch, Hugel' nicht gesicherte 

idg. Wz.*alobh- ,hoch' (Walde LEW.^ 23, Bruch KZ. 46, 363; s. 

auch u. Alpes)- 

Ableitungen u. a.: albugo, -inis f. ,wei6er Fleck' (im Auge, 

Kopfschuppen, Eiweifi), (seitPUn., nach ferr-, Leumann-Stolz'241); 

albumen, -inis n. ,das Weifie' (seit Chiron, nach ferrumen, da- 

neben aftflmen); alburnus, -» m. ,Wei6fisch' (seit Auson) und 

-um, -i n. ,Splint' (seit Plin., beide rom.; wohl Substantivierungen 

eines nach ebumus gebild. Adj. alburnus; zur Bed. vgl. gr. XeOkoi; 

m. „Wei6fisch', XoOffOov [*XouK-iov] ,der weiiSe Kern des Tannen- 

holzes'; albula, -ae f. ,Wei6fisch' (GL, rom., daraus entlehnt 

mhd. albel ,Weififisch', nhd. Atbe; vgl. Albula , alter Name des 

Tiber' oben); albuelis («»«, vitis, eine Rebengattung, seit Co- 

lum., rom.; vsl. carduelis, IA. 39, 21); albUcus, -i m. .Asphodill- 

pflanze' (seit Plin., daneben -iicium, dies rom.; vgl. W. Albueitis 

und vlgrlt. *albuca ,wei6e mergelhaltigc Erde', Meyer-Lubke 

REW. n. 325); albarua {-I {.) ,X€Uk6?', d. i. .Weifipappel' (Gl., 

rom., s. Meyer-Lubke ALL. 13, 50; Bildung wohl unlat., trotz 

Zimmermann ALL. 12, 365. 13, 252, s. Schulze EN. 119>). — 

WsQde-P. I 92fr. (mit weiterer Analyse *albho- imd Beziehung auf 

eine einfachere [vl. zu *el- ,gelb, rotlich' in Baum- und Hirsch- 

naraen, s. alnus 'dmus dices, gehorige] Wz. 'oi-; dazu dann auch 

lit. Alvas, lett. alvs ,Zinn', apr. alms ,Blei', russ. 6lovo ,Zinn', 

Wzf. *alu- neben *alo{M)- in gr. (Uu)(p6i;; docb vgl. auch Walde-P. 

I 159, II 442). 

alcedo, inis f. ,Eisvogel" (seit Plant., rom. niu: o/eyon) : aus gr. 

dXKudiv, -6vo<; f. .Meereisvogel' (att. dXK- durch Anlehnung an dX?) 

umgebildet nach *ficedo, *moned6, spater -dula oder einem anderen 

Vorbild auf -Ido (de Saussure MSL. 6, 75f. [Rec. 410], Niederraann 

IF. 10,238; nicht direkt aus einem gr. *aXKn&iuv, Walde-P. I 155); 

dazu nach Falk-Torp s. alke schweiz. uiiss-eljf, birch-ilge .Entenarten' 

(s. auch olor; Wz. *el-, *ol- ,schreien'). — Fern bleiben gr. dX^KTwp, 

dXenrpuibv ,Hahn" (Muller Ait.W. 17, Bruinier KZ. 34, 362 iinter 

fabcher Heranziehung von gr. fjX^KTUJp .strahlend, Sonne', s. Boisacq 

s. v.); ahd. dlacra .mergulus, onocrotalus' (= Sla-erd ,Aalkrahe', 

Suoljihti Vogeln. 396); ahd. swalawa (grm. *swalu>on) .Schwalbe' 

((Je Saussure a. O.; vielm.: russ. «otop^' .Nachtigall', Solmsen AslPh. 

24, 575). 



28 alces — alga. 

Davon alcedonia n. pi. .Windstille" (Plaut. Cas. prol. 26; Suffix 

nach alcyonius = gr. d\Ku6vio;, s. Varro 1. 1. 7, 88), so eenannt 

nach der in die windstille Zeit der Wintersonnenwende fallenden 

Bnitzeit des Vogels. 

alcSS, alc6 (Soiin), -es (oder -»«?), ace. aleen, pi. aids i. ,Elch' 

(seit Caes.; Abltg. alanin, vgl. eertHtMS Inschr.): wie gr. aXKT) i. 

,Elch" (Paus.) aus einem dem an. dgr (idg. *€lkis) nachstverwandten, 

anfangsbetonten grm. *dlxis stammend (Much ZdA. 39, 26, Osthoflf 

Par. 1318); vgl. ahd. elho, <elaho, ags. eolh ,Elch, Elentier", niss. lost, 

6ech. log, po\n. tos ds. {*olkis); schwundstufig ai. Hah, fsyah n^n- 

tilopenbock", pani. rus ,wildes Bergschaf". 

Dazu mit »-Suffix (St. *ehen-, *el-n-, *l-dn-): gr. JXoqpo? m. f. 
-Hirsch" {*eln-bhos), in.6<; .junger mrsch" (•rfnos); toch. A ySl 
.Gazelle' (ScWze Ung.J. 7, 174^); aksl. jelmt .Hirsch', lit. ilnis, 
alit. eUnis (KZ. 57, 276) .Elentier" (daraus mhd. eknt, nhd. Elen), 
lett. aZnts'ds., lit. ^Ini dine .Hirschkuh'; kymr. elain .Hirsch- 
kuh' (*el.nt), air. elit ,Reh' (•eip-ti-»), gall. Elembiu MonatsnaiBe 
(vgl. gr. 'EXavripoXiibv, Thumeysen ZcPh. 2, 536); arm. ein ,Hi«ch- 
kuk"; *Wn- in gal. Ion .Elentier', vl. auch got. usw. lamb .Lamm' 
(^lon-hho-s., s. Walde-P. 1 154 m. Lit.). — Wz. *el- .braun' (: ahd. 
elo elttuaz .fulvus' usw., vgl. alnus, ulmus), nicht .Horn' (Ost- 
hoff a. O.; 8. dagegen Waide a. O., Schulze Berl. Sbb. 1910, 801, 
Petersson Heterokl. 22). 

Uea, -at f. .Wurfelspiel, Glucksspiel, Wagnis' (seit Plaut., ebenso 
iHedrius; Sled m. .Spieler" seit Naev.): wohl als .blindes Cluck, 
irrer Zufall' entlehnt aus gr. fiXed? bzw. dor. •dX€6? .verwirrt, be- 
tort' (b. al&einor; alt nur .Wurfelspiel' [vgl. eludere, rincere, perdere 
in aleS], .Wurfel* erst klass.; f. subst. nach tabula oder fortuna, s. 
Walde-P. I 88, Prellwitz BB. 20, 303 mit falscher Annahme von Ur- 
verwandtschaft). — Nicht aus *acslea zu ai. aksdh m. .Wurfel' 
(vielm. als .mit Augen versehen' zur Sippe von ocuiu*, s. Kretschmer 
Einl. 137 gcjgen Leo Meyer Vgl. Gr. P 484); verfehlt Muller Ait.W. 
17 (Kontammation von t&lus + alvetis oder Lehnwort aus gr. -rriXio 
.Wiirfelbrett*). - , , , 

alen, alien .doctus, emditus, soUers' Gl.: kaum mit Landgraf 
ALL. 9,aS2, Emout t\. dial. lat. 104 aus *ad-ers, *alers (opp. iners); 
eher nach StoLt W. St. 22, 312 ein mit soUue gleichbed. *oZ{os = got. 
usw. alls .all* (vgl. auch lit. alidi adv. .jeder-', .vollig'; idg. •ok>-, 
•aino-, vl. zu alo, kaum oBk*, s. Walde-P. I 90) enthaltend; doch ist 
das Vorhandensein dieses Wortst. im Italischen voriSufig ganz frag- 
lich, da o. dllo mit v. PlanU I 532> eher als .alia' (d. i. .cetera') 
denn als .tota' aufzufassen ist. 

Ues, -itis .gefliigelt, Vogel' (seit Pacuv., spez. dicht.; vulgar 
ali*): von ala nach eaeles, viles u. a. (s. Leumann-Stolz*243; ib.261 
uber Gen. PI. alituum Lucr. Verg.). 

alga, -ae f. .Seegras, Seetang' (seit Turpi!., rem.): aus *Jp6 zu 
ai. rjisih .klebrig, glatt, schlOpfrig", norw. dial, ulka .Schimmel, 
Scliieiin,' unreinhches Weib", itlfca .eitem, ekehi', dan. usw. W* 
.cottus, Frosch', norw. diai alka .sudeln", olga .ekeln' usw., vL 
lit. dlkma .Lache' (Lid6n Stud. 29 ff., Falk-Torp s. «I). — Wz. *el- 
*0l- .modem, faulen' (unerweitert und schwundstufig in norw. ul 



algeo - alioqui. 29 

.verschimmelt*, schw. ul jranzig' usw.) mit versch. Wzdetermina- 
tiven; vgl. nooli arm. att .Schmutz, Unreinigkeif, altiw ,feuchte 
Niederung' ('/d-, Petersson KZ. 47, 251), an. ^Wna .schimmeln", 
ahd. oltar .Schmutzkrume' ; arm. aib ,Dreck"; mhd. ulmie ,ver- 
fault*, norw. dial, ulma ,schimmeln', lit. eltnes, almens ,die aus 
der Leiche fliefiende Flussigkeif. — Hierher lat. ulva .Surapfgras, 
Kolbenschilf, kaum ulcus ,Geschwur' (a. d.). — Walde-P. I 152f. 

algeo, alsi, -ere ,Kalte empfinden, frieren' (seit Plaut., rom.), 
algidus, -», -um ,kalt" (seit Naev.), algor, -Oris m. {algus, -us 
m. altl. u. arch, nach gelus; seit Plaut) ,KaIte', alaus (s. d.): nach 
Liden Stud. 66 (m. Lit.) zu aisl. Gen. elgiar, nisi, elgur m. ,Schnee- 
gestober mit starkem Frost, halbgeschmolzener Schnee' (grm. 'algin-, 
idg. *alghes- : 1. algw; Walde-P. I 91). — Nicht mit Muller Ait.W. 
18 (nach Paul. Fest. 6) zu gr. fiXxo? n. ,Schmerz", dXT^w ,empfinde 
Schmerz' (diese Sippe bleiot isoliert, s. Boisacq 1091), da algeo auf 
das korperliche Fneren, Frostgefuhl beschrankt ist. 

alibi (seit Plaut.), alinbi (seit Lex agr., rora.) ,anderswo* : alibi 
wohl entstanden auf Gnmd der Proportion ali-guo : oli-ctM == ali-o ■ 
ali-bi, vgl. inter-ibi, post-ibi usw.; ali-ubi (s. auch Brugmann IF. 15, 
80 f.) mit Einfuhrung des deutlicheren ubi nach aliunde (seit Naev.), 
aliuta. — alibi mit Thumeysen GGA. 1907, 800 aus ali-ubi ent- 
standen zu denken, ist lautlich tmd chronologisch bedenklich. 

allca {h- verworfen von Gramm.), -ae f. ,Speltgraupen, Speltmus* 
(seit Cato, rom.; davon -astrum n. ,Sommerdinkel' seit Colum.): 
entlehnt aus gr. aXi£, -ko? m. ds. (Chrys. Tyan. bei Ath., l.Jh.) bzw. 
dem Akk. &XiKa, dies als ,Gemahlenes" zu gr. dXeuj wie ptisatut f. 
.Geratengrutze' aus gr. imodvri zu irriffoiu ,atampfe*; vgl. Plin. n. 
22, 128 (Walde LEW.' s. v.). — Nicht mit Paul. Fest. 7, Corssen I' 106, 
Muller AitW. 18 als ,nahrhafte Speise* zu alo; ebenso unwrsch. 
als ,Spitziges, Cranniges' Zusammenhang mit alatemus (vgl. d.), 
ahd. usw. ala .Able' (Wz. 'el; Walde-P. 1 156) mit Walde a. O. 
oder als ,weifies Mehl' (vgl. gr. dXqpi, s. albus) von einer ganz zw. 
unerweiterten Wz. *aZ- .weifi' mit Bertoldi St. it. fiL cl. n. s. 7, 254 f. 

alicubi ,irgendwo* (seit Plaut., rom.): aus ali-cubi {vgl. ali-quis, 
ali-quando; Sommer KE. 69, Persson Beitr. 534S Walde-P. I 523), 
ebenso ali-cunde .irgendwoher' (seit Plaut.) ; nicht cUic^bi, *alig- 
mW (Aufrecht KZ. 35, 462, Walde LEW.' s. v.). 

allcnla, -ae L .uberwurfartiges Kleidungsstuck, Zipfelraantel, teils 
Kindertracht, teUs Jagdkleid' (s. Mau PW. I 1479): Lehnwort aus 
thess. &Uȣ f. .xXaiiO?" (bzw. Akk. 4XA.iko), vgl. Hoffmann Gr. D. H 
224; a- metrisch gesichert (vl. auf Gnmd volksetym. Verknupfung 
mit alica, vgL Mart 12, 81, 2 im Wortspiel), daher nicht von ala 
mit Vel. Long. gr. VII, 68, 19. 

alienug, -a, -um ,fremd" (seit XII tab., rom.): von alius, u. zw. 
wohl aus *ali-ies-nos (Niedermann BB. 25, 83, EhrUch BPhW. 1911, 
1574, Pedersen 5* d^cl. 18), kaum aus *ali-einos (Brugmann IF. 12, 
389) Oder *ali^nos (Skutsch ALL. 12, 201 ff., vgl. Leumann-Stolz' 224). 

aliSqoi ,in anderer Hinsicht sonst ohnehin" (seit Lucr., rom.): 
Bildung wie eeteroqui (seit Cic), u. zw. Ablativbildung zu aliud quid 
(Thumeysen Thea.; vgL z. B. Hor. sat 1, 4, 4 sicarius aut alioqui 
famosus = alia qua re); qui daher nicht = gr. moi bei Pindar 



30 alipilus - alius. 

,TroO*, ap. ada-kaiy .damals' (unsichrer Lesung, s. Walde-P. I 519 
mi Lit.), sondern gewohnliches qui ,wodurch, wie' (s. d.). — aliS- 
quin (seit Val. Max.) wie atqutn (s. d.) auf Gnind gelehrter An- 
lehnung an quin (nicht hervorhebendes -ne mit Persson IF. 2, 21 If. 
oder mit der Endung von gr. i^iy, ai. asmin nach Bartholomae BB. 

15, \8\ , ^ ■ 

alipilng, -» m. ,Sklave, der die Achselhaare zu entfemen hatte" 
(Sen., Inschr.; -Urius Gl.): ala+ptlare, dies zunachst (Nov., Afran.) 
itr. ,Haare bekommen" (vgl. plumare], dann ,enthaaren" (Mart.), 
ubtr. ,zerzausen, durchhecheln* (Petron 44, 8), vl. unter EinfluC von 
eompil&re ,beTauben" (dies = .enthaaren' aber nur bei Non., Ps. 
Ascon. infolge falscher Etymologie; aber pilare .plundem' Amm. 
■wohl mit -i- als neugewonnenes Simplex aus com-, exptlo; vgl, auch 
depilo .enthaare" neben -or ,beraube' und Stowasser W.St.32,99'). 
aliqnis ; fiber das erste Glied s. u. alius. 

alinm {dAium seit l.Ih. n. Chr., vulg. aleum und alius, -eus m.), 
-» n, , Knoblauch, Allium sativum L.' (seit Plaut., rom. -U-; SliSrius 
Inschr.), osk. *alld (aus *alia) ds., daraus entlehnt gr. jon. axXT>, 
(XdxavoV 'ItoXoI Hes.), dor. *aXXo in dUfl? .(geknobelte) Wurst' 
(*aXXo-/evT-; s. Kretschmer Gl. 1, 323flf.): weitere Verbindung un- 
sicher; nach Thumeysen GGA. 1907,801 und Thes. nebst alum, alu^ 
,Beinwell" (s. d.) zu ai. aluh, aluh&m ,bulbus, radix elobosa escu- 
lenta" (Benennung nach deii WurzelknoUen) ; kaum als .stark rie- 
chende Pflanze' (♦on-«Wom) zu {h)6lSre, an-Qi)eldre (VaniCek 12), 
da die Annahme, o. *aUd sei Lehnw. aus dem Lat., bei der Boden- 
standigkeit der Knoblauchwurstfabrikation in Lukanien unwahrsch.. 

ist. Unverwertbar Ostir Don. nat. Schrijnen 288 {*a-lu-ium : 

•Iduiiih- ,Lauch', gr. fiiB-Xu usw.). — Walde-P. I 56. 90f. 

alins, -a, -ud {-um vlg. seit Itala; sekundar seit 1. Jh. v. Chr. 
alia, olid, s. Skutsch Gl. 2, 154 [KI. Schr. 381], Sommer Hdb.» 442, 
KE. 119f.) ,ein andcrer' (seit Naev., rom.): aus 'aljfis = o. alio 
.alia' (vgl. jedoch aUers; kaum u. ar»ir , alius' mit Bnigmann IF. 
18, 5321, s. amaia); gr. aXXo; kypr. alXo? (Ntr. ftXXo, vgl. dXXob- 
att6?, = 1. aliud); got. aljis (sonst nur in Zss. wie ahd. eli-lenii, as. 
eli-lendi .fremdes Land' = nhd. Elend, und in Adv. wie ags. elles 
[engl. else] ,anders'); air. oi7e, F.aile ('alia), N.aitt, kymr. usw. a«7 
(daneben *al-no- in gall, alia , aliud", alios ,zweiter', Allo-broges 
usw. [Dottin 225, Thumeysen ZcPh. 16, 299], mkymr. usw. arall 
,anderer', s.KieckersSprachw.Misz.IIIS ra.Lit.j; arm. ot7 .anderer" ; 
toch. A alya-^ B alye-k ,fiXXo? th;' (•aiie-ta, PedersenGroupem.26); 
ostiran. usw. hal-d ,quicumque" (Jacobsohn Arier u. Ugrof. 207^, 
Vendrye6RC.41,496). — Idg. 'aK-o* Erweiterung von Adv. (Lok.?) 
*ali ,dort, jenseits' vom Pron.-St. *al-, *ol- (s. ollus); dazu Kompar. 
*ali-Urot ,der andere von zweien", s. alter. — Adv. aliter ,anders' 
(seit Plaut.) ist wohl als erstarrter Nom. Sg. die lautgesetzliche Form 
von *aliteros (s. Leumann-Stolz' 299 § 213a. b m. Lit.; falsch Kent 
AJPh. 39, 319). — S. noch alienus. 

aliquit {-qui), -qua (-quae), -quid (-quod) .irgendeiner' (seit 
Plaut., rom.; vgl. ali-quantus, -quot, -eubi, -cunde, alibi) enthalt 
ein Adv. *o/« (vgl. oben und ali-uta, -ubt), urspr. ,dort einer', 
d. h. ,irgendeiner' zum Ausdruck der Unbestimmtheit von tat- 



aliuta — alo. 31- 

sachlich Vorhandenem, vgl. Cic. ac. 2, 132 quemlibet, modo aliguem 

,einen beliebigen, wenn nur uberhaupt einen' (s. Sommer IF. 11; 

5f., Hdb.i' 448, Meillet MSL. 22, 202; zu kompliziert Brugmann 

IF. 24, 160flF.: aus *ale [ablaut, mit. He in Ule] vel ale quis). — 

Walde-P. I 84 ff. 

allnta .aliter*, .anderswie' (Lex reg. Paul, Fest. 6): ali-\- *uta 

,wie", vgl. «<» aus *uta-i (Meillet Esq. hist. lat. 63, s.ut); kaum auf 

Grand der Proportion inde : ita = ali-unde : ali-uta mit Muller 

Ait.W. 19. — Nicht mit Brugmann Grdr. Ilf 2, 732, Persson Beitr. 

534 zum Pron.-St. *u- (*««-, *aj«-, s. out, re) in ai. u-td ,und, auch*, 

av. uta, ap. uta, uta da., gr. fjOxe ,ebensowie" aus *f\J'{&) + me 

,wie auch", vl. auch gr. oOto? ^dieser* auf Grund von '6 ut€ mit 

nachtr. Endflexion, wgrra. -od in ahd. usw. thar-ot ,dorthin' (Walde- 

P. I188f. mit Lit.). 

allec, halllc n. (Plaut. Hor. al.) u. allex, hallex (Plant. Cato Plin. 
etc., verpont von App. Probi; auch S,h), -eds m. f. ,Fischlake, bei 
Pokelfiscnen der Bodensatz nach Ausflufi des garum* (seit Plaut.; 
alleoula [vgl. faecuia\ Colum., attec&tus Apic, allicium Inschr.) : nach 
Saalfeld u. a. aus gr. dXixdv, richtiger &\uk6; ,salzig', mit volks- 
etym. Anlehnung an allectare, allicere, illex, im Ausgang und Ge- 
schlecht z. T. an lac (Keller Volkset. 79). Dabei bleibt jedoch das 
-I- (metrisch sicher und durch Serv. gramm. IV 452, 5 bezeugt) un- 
erklart, ebenso gr. SXiE, -IKOC f. ,kleine Fischart", dXXiKiv, dXiiwi ds., 
die schwerUch ihrerseits aus lat. aXlex entlehnt sind; wenn auf 
Gramm.-zeugnisse wie Char. gr. 1 32, 8 hoc allec 6 fiXXrjE Cx^O? to- 
piX€u6n€vo? zu bauen ist, dann ist ein gr. *fiX(X)r|E (neben &X»E, vgl. 
allicium) jPokelfisch' unbekannter Herkunft die Quelle des lat. 
Wortes. 

almns, -a, -um ,nShrend (ager, terra usw.), segenspendend, hold, 
hehr' (dicht. seit Plaut.): zu alo; vgl. gr. <puT-dXnio? .Beiwort des 
Zeus und Poseidon' (zur -»o-Erw. s. Bechtel Lexil. 331), fiX^a n. 
,Hain* (wenn nicht mit Brugmann Grdr. IP 1,540 als *iiXS(5no nSher 
zu fiXdOMOi). Walde-P. I 87, Pick BB. 3, 168, Froehde BB. 21, 192. 

alnns, ■« f. ,Erle, EUer* (seit CatuU, rom.; Ablt, alneus seit Ace, 
sptl. alninus, beide rom.): aus *aisnos (nicht ^*flZisno«, Johansson 
Beitr. 1(36 gegen Pedersen IF. 5, 40) zu lit. alksnis, elksnis, lett. 
ilksnis, elksnis, ostlit. allksnis, apr. *alskande ,Erle, EUer' i^alsnia-, 
alimia-, s. Trautmann BslW. 6); gall. *alisa ,Elsbeerbaum' (vgl. ON. 
AUsia, -incum usw.) in afrz. alts nfrz. alise ,Elsbeere' (Dottm 225, 
Bertoldi ZcPh. 17, 184 ff., St. it. fil. cl. n. s. 7, 259 f.); got. *o«»a .Erie" 
in entl. span, aliso ds. (Gamillscheg 27), ahd. dira, metathetisch 
erila, nhd. Eller, Erie, mnd. elre, else, ndl. els ds., an. elri n., air, 
Qlr, ags. alor (*alu!s-) ds. (an. iglstr ds. aus *diis-tra; ilstre ,Weide' 
aus *elis-tr-jp-, Persson Beitr. 894); aba. je/tc^ (*«H«a), poln. olcha 
russ. 6lwha {*alisa) ds.; maked. ftXiZa , Weifipappel' (*aiisS., Kretsch- 
mer Gl. 15, 305f.). — VI. Benennimg vom rotlichen Holz, Wz. *el- 
*ol- ,gelb' (Falk-Torp u. elle; vgl. albus, aids); verwandt bt wlmus 
(s. d.). — Walde-P. 1 151 f. 

alo, -Ml, -turn und (nachkl.) -itum, -ere ,(er)nahren, aufziehen, 
pflegen" (seit Liv. Andr., ebenso alttts, rom.): = air. alim .nShre', 
aisl. a{a(dO ,nahren, hervorbringen'; intr. got. ags. aJan (oJ) ,wach- 



32 aloxinum - alter. 

sen, sich ernahren' (dazu Kaus. got. alips ,gemastet' von *aljan = 
norw. dial. rfja). — altws ,hoch, tief (eig. .emporgewachseu') = 
a£d. usw. alt .alt* (mit jjo-Erw. got. alfeis; zur Bed. s. IF. 38, 180); 
gr. ivoXTO!; .xinersSttlich', mir. att ,H5he, Ufer, Kflste', kymr. allt 
bewaldeter Felsen', acorn, ah .litus', bret. aot .Gestade' ; *alti- 
m gr. 'AX-n?, fiXao? (♦oXTt-o?, s. Valde-P. I 90') ,heiliger Hain', 
got. aids i. .Menschenalter, Zeit', an. gld f. .Menschheif usw. (Brug- 
mannPBB. 43, 310ff. unter Heranziehung von o. altinum ,s!^xa.ta- 
torum'); *aUro- in an. aldr m. .Alter', ahd. usw. aitar ds., air. altmni 
.Nahrung*, dUm .Pflegevater', acorn, altrou .vitricuB' usw. (Peder- 
8enI137). — *al-d- in gr. dXbaivw ,lasse wachsen, starke', dXbfiOKUi 
.wachse', ai. idd ,Labung'; al-dh- in gr. dXdaivui, ftXdw ,heile% 
aisl. aldin ,Eichel", ai. rdhnoti nsw. .gedeihf, av. arsdat ,er lasse 
gedeihen*. 

Hierher u. a. lat. altilis ,gemastet' (seit Plaut.), alihilis 

(Varro), Ster (Paul. Fest.) alehris aus *ales-Us .nahrend, nahr- 

haft' (Leumann -/is 67, 122); alimo, -Unis m. .Pfleeling* (Gl., 

Anth.), davon (Leumann-Stolz^ 211) alimonia, -ae (. und -urn, 

-i n. ,Emahrung, Unterhalt" (seit Varro; aber u. Afmune nicht 

als *Alemdni hierher, s. ad g. E.); alimentum, -i n. .Nahrungs- 

mittel' (seit Cic. u. Lucr.); femer adoleseo uaw. (s. d.; vgl. got. 

"aljan, Meillet-Vendryes 178) ; indoles, suboles, proles (s. d.; 

o aus a vor halbvelarem I, s. Niedermann BPhW. 1915, 1090, an- 

ders Leumann-Stolz' 84). — Fern bleiben adoleo, dlaeer (s. d.). — 

Walde-P. I 86f. 

aloxilinm, -» n. ,Wermut, Wermutwein' (Anthim., rom., s. 

V. Wartburg FEW. I 75), ahd. aldhsan (zunachst aus vlgl. aloxanus, 

alosanus GL). Nach Kluge s. Alsem aus gr. &K6r\ 6E{vti?; dagegen 

nicht durchschlagend Jeanjaquet Gloss, des patois de la Suisse rom. 

1928, 316 f., Bertoldi St. it. fil. cl. n. 8. 7, 252 f. — Schrader-Nehring 

RL. n» 653. 

Alpes, -ium £., 'AXirei? .die Alpen' : gall, nach Serv. Aen. 4, 442 
= .alti monies* (Dottin 225); doch liegt wrsch. ein nichtidg. St 
*alb- .Berg' zugnmde (s. u. albus). — Anders Hubschmied Festschr. 
Gauchat 438: gall. *alpa- *alpi- .Weide' (zu alo; vgl. Sohnsen- 
Fraenkel EN. 46»). 

(alsnsX Komp..«M«(Cic.) .kuhlend, erfrischend', alsius .trostig' 
(Lucr.; alsi-dsus .leicht frierend' seit Varro), alstto Frequ. zu 
alged: aus *algsos usw. vom «-St. algor, s. algeo. 

alt&ria, -ium, seit Petr. altdre, -is (sptl. auch -r, -Srium) n. ,Auf- 
satz auf dem Opfertisch, Opferherd, Brandaltar' (seit Pacuv., rom.; 
entl. ins Ahd., von da ins Slav.): s. adoleo .verbrenne" ; von Gramm. 
und im Sprachgefuhl spfiter als ,erh5hter Aufsatz' auf altm .hoch' 
bezogen, vgl. span, otero .Anhohe' (Meyer-Lubke BEW. n. 381). — 
Nicht aus *alitdria .geflOgelter Aufbau' mit Leimiann -/»» 33. 

alter^ -era, -erum ,der eine von zweien, der andere' (in Aufz. 
auch ,der zweite, dritte', d. i. der folgende; seit Naev., rom. = 
.alius'): = o. alttram .alteram', atrttd .altero' usw. aus *ali- 
Uroa *alitros *altros (altr- Plaut. wie auch in aUnnsecus [vgl. ex- 
ttimecutX altrovorsum, s. Gotze IF. 41, 85; nicht mit -tro- neben 
-t«ro-, v. Planta I 220; s. auch Walde-P. I 86 gegen Grdf. *al-terosy. 



altercum — Slum. 33 

'alt' vie in ali-quis (s. d.). — Nicht hierher air. alitor .das Jen- 
seits' (Ablt. vom Adv. -all ,jenseit9, dort", 9. Thurneysen GGA. 
1907,801); auch u. atero , malum* (euphemistisch fur ,noi] bonum* 
nach Ehrlich Z. idg. Sprachgesch. 78 1.; anders Buck-Pr. 189) und 
lat. ater in dies dter, quinqueUrus usw. (s. d.) bleiben fern. 

Hierher u, a. altered (seit Ter., spater, nach rixor) -or, 

-Stus turn, -ari ,einen Wortwechsel fQhren, streiten, zanken* (auf 

Grund von *altercus, vgl. iini-cus; nicht als *aUemicor von altemua 

mit Thurneysen Thes., auch kaum als *aUer{t)eS nach duplicd : 

duplus, Leumann-Stolz' 317), alternus .abwechselnd* (*ahr<hnos, 

vgl. bint usw.; seit Enn.), adulter (s. d.), alterart , anders, 

schlimmer machen" (sptl., rom.), alter plex , duplex' (Paul. Fest.), 

spatl. alterutrum ,einander' (nach Wackemagel IF. 31, 254 aus 

*aUeralterum *aUerulterum; doch s. Schmalz' 472f.). 

altercum, -i n. ,hyoscyanius, Bilsenkraut" (seit Scrib. Larg.; 

~ulum Ps. Apid.): wohl als ,Zankkraut* (Ausdruck der Volksbotanik) 

Ruckbildung von altercSrl aus; vgl. Scrib. Larg. 181 qui biberunt . . ., 

mente abalienantur cum quadam verborum altereatione. — Zimmer- 

manns KZ. 45, 137 Ablt. von *alter cuius (vgl. paupereulua : pauper) 

zu alter in der Bed. .unglQckbringend" scheitert u. a. daran, dafi 

alterculum seinerseits Demin. zu altercum ist. 

altns .hoch* s. aid. 

alflcinor, altl. halueinor (Gell. 2, 3, 3; vgl. att. hkiim neben 4-; 
-II- nach dem Thes. ohne Gewfihr; -il-?) ,verwirrt, gedankenlos sein, 
traumen, ins Blaue hineinreden' (seit Cic; -dttd seit Sen.): wohl mit 
Cloat. Verus bei Gell. 16, 12,3 entlehnt aus gr. dXuui ,bin verwirrt, 
aufier mir, in Verzweiflung usw.' (*AXu0(i )u)), vgl. dXOaaiu ,bin un- 
ruhig*, dXOKn f. .BeSngsdgung', fiXdOKW ,irre umher', i\\e6z ver- 



wirrt' (s. alea), fiXaivtu „bin wahnsinnig* (Wz. dl; s. ambulO mit 
weiteren Verbd.); Ausgang nach v&ticinor, das bei Cic. in der 
Bed. ,schwfirmen, trSumen, uberspannte Reden fflhren' begegnet 
(Thurneysen Thes., Breal MSL. 18, 178, Emout M^l. Vendryes 153). 
Walde-P. 1 88. — Vgl. elOcus. 

alncita, -ae f. ,Mucke, Schnake' (Petron frg. Fulg. p. 124 H.): 
unerklfirt. Nicht uberzeugend Georges s. v. (zu dXOu) als ,die plan- 
los umherflatternde' ?). 

alncng s. ulucus. 

ilnm, -i n. (a-?), Slus, -i f. [h- Marc, med.; auch alium durch 
Vermischung mit alium , Knoblauch') .Symphytum petraemn", da- 
neben .Symphytum Brochum, knolliger Bemwell, Wallwura' (seit 
Scrib. Larg., vlgl. u. rom. ala nach inula): falls wirfdich mit Plin. 
26,42 galhschen Ursprungs (vgl. alum gallieum, vulgar aU, ar-, ana-, 
a-gallieum, a. Hoppe Veterinfirhist. Mitt. 5, 17), dann vl. als .die 
«mahrende, inulinhaltige Pflanze' zu aid, ir.alim (HSfler Arch.Gesch. 
Mediz. 5, 10, Sofer Gl. 18, 115); doch ist die Verbindung mit alium 
{s. d.) als .knollige Pflanze' niherliegend (Thurneysen GGA. 1907, 
801) imd vl. vorzuziehen, falb die spSter belegte Bed. .Beinwell' 
die urspr. ist. — Weniger wrsch. als .die zusammenschnurende, zu- 
heilende* aus *anSh»lom (s. angO) mit Reichelt KZ. 46,311, Walde- 
P. I 63. — Aug nU.-rom. ala endehnt ahd. alatU, nicht umgekehrt 
mit Kluge Arch. Rom. 6, 300. 

W a I d e Etym. WOrterbucfa d. lat Sprachc. 3. A. 3 



34 alamen - alvus. 

alflmen, -inis n. ,bitteres Tonerdesalz, Alaun' (seit Quadrig., 
rom. ; -o»uf Vitr., -atus Plin., -arius Inschr.), aluta, -ae f. ,Alaun- 
leder* (seit Cato, rom.; acim sptl.): zu gr. dX.Oboiuo? .bemitleidens- 
wert", dXOb(o)l(iov ■ iriKpov wapd Zdicppovi Hes.; gnn. *alu(P)- (idg. 
*alu(ty) ,Bier" als ,Bittergetr5nk' (vgl. zur Bed. ksl. kvasz ,Alaun, 
Bier") in an. qI n. ,Bier, Trinkgelage", ags. ealo [o.ale). Gen. Dat. 
ealoB ds., as. alo-fat mhd. al-schaf ,Trinkgef56«; daraus end. apr. 
alii n. .Met', lit. aliin (sekundar m.; daraus finn. olut), ksl. olt m. 
Bier' (s. Schmidt PI. 180; Jacobsohn A.r. u. Ugrof. 74). Idg. 'alu-{d;-t-) 
ibitter" (Johansson Beitr. 135, Osthoff IF. 20, 181 ff.). Lat. alii-men 
Erw. von *ahi- wie das (vl. alumen nachgebildete, Thurneysen IF. 
21,175) bitH-men von *belu- ; a.uch aluta ,mit Alaun behandelt' (sc. 
materia o. a.) braucht nicht mit Muller Ait.W. 22 ein Verbum *alu-{ilo 
,beize' vorauszusetzen (vgl. Porzig IF. 42, 268), sondern wird nach 
dem Muster von acu-men : aeu-tus, volu-men : volu-tus usw. hinzu- 
gebildet seih. — Falsch Keller Volkset. 67 (aus •a\ol^a nach lumen, 
alumnus). Walde-P. I 91. 

alumnus, -a .Pflegekind, Zogling' (seit Plant.): P. auf -m(e)nos 
(6 Tpeq)6|ievos; s. Leumann-Stolz' 222) zu aid; sekundSr seit Ov. 
wieder adjektivisch ,der aufgezogen wird', nachklass. (durch Um- 
deutung von alumnum niimen in almum n. u. a.) auch aktiviscb 
,ernahrend'. 

alntiae f. .Name gewisser Goldgruben' (Plin. 34, 157). Vl. 
gpanisches oder kelt. Wort (vgl. talutium). 

alTUS, -t m. (altl.), haufiger f, (seit Cato ; sekundSr trotz Persson 
Beitr. 547, Muller Ait.W. 52) ,Hohlung, Wolbung, Unterleib, Bauch, 
GehSuse des Granatapfels" (seit Plaut), alveus, -i m. .bauchige Ver- 
tiefungen versch. Art wie Wanne, Mulde, Trog, Bienenkorb, Flufibett' 
(seit Cato, rom., ebenso alveolus, -I m. ,kleiner Trog, Spielbrett' seit 
Lucil,), alvarium, -» n., meist pi. .Bienenkorb" (seit Varro, al- 
vearium, alveSre seit 0)lum.): gr. ai)X6? m. .Rohre, Flote', fv-ou\o; 
m. .Flufibett', atiXdiv m. f. .Schlucht, Tal, Graben, Kanal, Meer- 
enge' ; ksl. issw. ulij* m., lit. autys lett. aulis (= 1. alvetis, Specht 
Festschr. Streitberg 640, 642) m. .Bienenstock, eig. hohler Baum- 
stamm', ksl. uliea f. .Hohlweg, Hof (Demin., s. Trautmann BsI.W. 
18, Schrader RL. II» 494), apr. aulis .Schienbein', aulinis .Stiefel- 
schaft", lit. aulas, lett. aule t ds.; norw. dial. aul. aule und (mit 
Ablaut ««-) anord. j6l, joli .angelica silvestris' (Lid^n Stud. 83; 
Falk-Torp u. j6l); ann. ut, uii , weg', yii .schwanger' (Abl.-st. &, 
Pedersen KZ. 39, 459). Lat. alvus trotz taurus u. a. wohl urlat. aus- 
"atUos (z. B. Thurneysen IF. 21, 177, unzureichend dagegen Persson 
Beitr. 545 f. 821 [vgl. auch nenus, partius]; lauthch ansprechender 
Niedermann BPhW.1915,1088: Metathese aus *avelo*, vgl. lit. avilys, 
doch ist dies nach Walde-P. 1 25* vl. erst sekundar aus aulys umgebildet 
und die Beziehung von *aul- aus *avel- auf *^l- .rundlich, gehohlt* 
in got.icaii« .Std>" usw. [Persson Wzerw. 230, Bjeitr. 541 f. ; s. t>o«e»] 
xvar mogUch, aber unerwiesen). — Nicht mit Lid^n Bland, spr. bidr> 
I 2 S. als 'aldho^OM (wSrc lat *aU>-, Persson Beitr. 548) zu anord. 
olda .Trog, ausgehShlter Baum, Vertiefung, Woge", ags. ealdop^ 
aldaht .Trog, Bottich', nhd. bair. aldm .Ackerfurche' (aber an. 
aldin n. .Baumfrucht' als .Efibaies' vim. zu aid, s. Falk-Torp 1524). 



amalocia — amSta. 



35 



lit. aldijd,, eldijA f. ,Kahn«, aksl. aTdiji, ladiji .Schiff" (bsl. •oWtid, 
Trautmann Bsl.W. 6); auch anord. all m. ,tiefe Rinne im Flufi' 
(vim. wohl *anhl; s. ancm), lit. uoll, uola ,Felsea', old, ,H6hle', 
lett. ala ,H6hle" (Lehnwort aus mnd., mhd. hoi ,Hohle"?), ai. 
arafi, .Hohlung' bleiben trotz Lid^n Stud. 82 f. (*e(«)^ *o(m)/-) fern. 

— ilnwrsch. Persson Beitr. 545ff.: zu ai. alu n. .WurzelknoUen' 
aluii i. ,kleines Wassergefafi, Flofe, Nachen" (doch s. Olium), slov. 
lAva ,tiefe sumpfige Stelle neben einem Flufi' (vim. aus d, karnt. 
laue ds., vgl. bair. toh ,Sumpfwiese', s. lucus) und weiter als *»Z«o-, 
*9louo- zu *el-, *o^ ,biegen, krummen' in ai. alaka- m. n. ,Haarlocke* 
usw." (s. ulna, Walde-P. I 157; die bier nach Liden Arm. Stud. 95 ff. 
127 ff. angefuhrten Worter zeigen keine spezielleBedeutungsschattierung 

Hohlung" Oder ,Bauch"). — Nicht etr. mit Eraout BSL. 30, 114. 

— Walde-P. I 25f. 

amalocia, dak. amalnsta, -oe f. .KamiUe" (Ps. Ap.): ? Unver- 
wertbar Detschew Dak. Pflanzenn. 7 (U. 14, 194). 

amandnla s. amiddula. 

ama, -ae f. (richtiger hama) .Feuereimer' (seit Cato, {h)amula 
f. seit Colum., beide rom.; aus dem Lat. mhd. ame, ome, nhd. Ohm 
,Flussigkeitsraafi', ae. amol .Becken'): aus gr. &iir\ f. ,Schaufel, 
Eimer', vgl. d|aic, -Ibo? i. .Nachttopf, d^viov n. .Opferschale' 
(ai|iviov volkset. nach a!|na, daher nicht als *sang^niom zu sanguis); 
da diesen Wortern nach Solmsen Beitr. z.gr.Wtf. 180ff. urspr. Asper 
eignet, als ,Schopfgefa6' zu Wz. *gem- .schopfen' (s. sentma), ev. 
*sem- ,eins« (s. semper). Walde-P. 11 488. 490 (gegen Persson Beitr. 
3* zu *am- jfassen', s. amplus). 

amSms, -a, -urn .bitter, scharf, beifiend, herb, verletzend' (seit 
Plaut., rom. ; -itds Vitr., -itudo seit Varro, -itia Gl. [-itien Catull], 
alle rom.): ndl. amper , scharf, bitter, unreif, an. apr .scharf, Subst. 
ags. ampre ahd. ampfaro ,(Sauer)ampfer' (grm. 'ampra- aus *am{,b)- 
ro- trotz Johansson IF. 3, 240); ai. amldh, ambldh ,sauer, Sauerklee", 
amrdh ,Mangobaum"; aim. amok" .sufJ"; alb. tomfe ,(saure) Milch', 
amb(£)ls, embTe ,su6", t&nble ^Gaile' (Jokl Ling.-kult. U.273); lett. 
amu(^s .Klee" (s. Muhlenbach-E. s. v.); vl. maked. dppo- .zusammen- 
ziehend', dpapO • 6ptTavov (Hoffmann, Maked. 41). Idg. *am-ro- 
,bitter' {-ro- wie in gr. iriK-pd? .bitter', got bait-rs ds. usw.) Red.- 
stufe zu *6mo- ,roh' (vl. zunachst .unreif, bitter" von Fruchten) m 
ai. amdli ,roh, ungekocht, unreif, gr. ii)|ii<5? .roh, unreif, grausam', 
arm. hum, air. om, kymr. of ds. (air. umae ,(Roh)erz' aus omiio-). 

— Zur St-bildung vgl. avdrus (nicht 'Us- .brennen' [s. areo] mit 
Prellwitz BB. 23.72). Beziehung zu amo .liebe* ist trotz Zunmer- 
raann KZ. 38, 503 (Lallwort *ama .Ueb', .garstig'), Muller AitW. 
23, Loewenthal WuS. 11, 63 (mit unannehmb. Weiterungen) aus- 
geschlossen; fern bleibt auch ebriut (s. d.). — *am- .bitter' tro)^ 
Walde a. O. wohl als .eindringlich, heftig bedrangend" (vel. auch 
die Bed. .su6", eig. .pikant') nach Falk-Torp u. amper, F.A.Wood 
Phil. Quart. 2, 265 (mit falacher Anreihung von amO, s. d.), zu *amg-, 
•om»- in ai. amiti .bedrSngt, versichert eindringlich, schwort' (gr. 
a^vunl), an. ama .plagen" usw. — Walde-P. I 179, H 235 (vgl. mare). 

amfita, Anrede dcs Pontifex maximus an die neu aufzunehmende 
Vestalin (Formel Ua te, amata, eapio GeU. 1, 12, 14, vgL 1, 12, 19): 

3* 



36 



amb — ambactua. 



aneesichts dea alten larinischen Vestakults in Lavuiium vohl iden- 
tisch mit EN. Atnata, Gattin des Latinus und Mutter der Layima, 
der nach Schulze EN. 121. 125 etr. Herkunft verdSchtig ist (altere 
Namensform Amita nach Dion.Hal.1,64, vgl. «««to); die Auffassung 
als Geliebte' ist trotz Rofibach PW. 1 1751, leumann IF. 39, 210 wofl 
sekundar, da ein P. P. P. von amo als Subst erst seU augmt. Zeit 
begegnet (IF. 40, 114). - Nicht mit Br^al Tab. Eug. 91, v. Planta I 
295» als *ad{e)mata oder •a(rf)mato zu ital. *ad- .festsetzen" in u. 
arstHor .ritus* usw. (s. ad g- E.). , , u p,.„,. 

amb-, ambi-, am- Praef. .herum, urn, nngsum" (auch Praep. 
am, 9. Schmalz" 514f.): = u. amb- {amb-oUu : ambtdaW), an-, a- in 
an-dirsafust .circumtulerit', on-f«-«»er .circumferendi <^-ftrum 
circumferre" (= lat. vorhist. •omf«rr«, Stolz-Schmalz' 27), anseriato 
"observatum" (Jacobsohn KZ. 40, 112f.; eher an-, s. d.), o. am- in 
am-vtannud .circuitu" (Bed.-lehnw. nach gr.&M(pobov, Kretschmer 
G1.10,159),\».-nii<i .circuitu, causs" (^,g'- *^"f-.5^TwT«v 
s. com; verfehlte andere Deutungen bei v. Planta II 457.623, KW bay 
a Quart. 4,80), amfret .ambiunt" (*am-ferent Schulze KZ. 4&, 10.i; 
nicht besser *amfr-ent, s. u., anders 1, ambriees, amfractim, s. d.}; 
r-Erw *amber in u. ambr- (ambr-ettito .ambiunto', apretu ,am- 
bito* usw., zw. o. amfret, s. o.; entstanden in *amber-e5 nach 
*anter-ed, \. inter-eo); mit -*-Erw. (nach pog-t per-t usw., Brugmann 
IF 15, 73») o. ampt .circum* (m. Abl. nach pust) aus 'am-t mit 
-p-Einschub wie in 1. amptermini; gr. 4|iq)l, dMq)l- ,um, nngsum 
(du<p(-c .zu beiden Seiten" mit -s wie in fiiti, 1. abs); alb «iW, mba 

bei. luf, an"; vl. auch arm. amb- in amb-otj .voUstandig, ganz 
(Hiibschmann Arm. Gr. I 416). - Abltf. *ipbhi in gall. amW- ,um 
(in EN. wie Ambidravi), kymr. am-, em-, ym-, kom. bret. am-, em-, 
«r. imb; imm; imme- ,um'; ahd. as. umbi. ags. ymb(e), jn. umb 
um"; ai. abhi-tah, av. aiwito ,zu beiden Seiten*, vl. ai. abM m der 
Bed. ,um«, ap. eibiy av. aibl, aim .fiber, in betreflf (daneben, wenn 
nicht ausschhefilich, idg. *obhi, *ebhi, s. ob). 

amb- meist vor Vokal, am-, an- vorKons.; ambt- stets im tsinn 
von .beide' (den auch anceps zeigt), jedoch nur in kunsthchen 
Oder spSten Bildungen, vgl. anUndens .beidseitig bezahnt == e»- 
Paul. Fest. 4 (s. Thes.), amMriM»i .Kreuzweg" Varro nach ^-, 
ambidexter seit Itala nach 4nq)»-, dM<poT€po&dEiO(;, ambifanui (s. d.), 
anibiformiter Am., ambamtrum Serv., amhimannt p|- (vS|; a«7 
amb(i)egnus und die ad hoc-Bildung ambe-cisu Varro 1.1.7,4.5). vgi. 
ambarvale, ambedS, anMgO usw.; amputS, amfraetut,amsegelU Paul. 
Fest 21 (wrsch. aus XII tab.), am{p)termint ib. 17, OIN. Am{,p}- 
aancH (zur Et. s. Verg. Aen. 7, 566) usw.; am-ieiO, Am-Uermim 
{Schulze EN. 541); aneaetus, aneulua usw. — S. noch arnbd. idg. 
Km-bhi .beiderseitig' wohl aus *an + bhi (got. W ,um , as ags. 
be-, H, ahd. W-, 6l .bei', zugleich in Aufsaugung von idg. ibht, 
8. Ob) nach Hirt I. Gr.IH 16, Sohnsen Rh.M. 61, 502', Brugmann 
Grdr. n» 2, 795 (auch gegen den Ansatz eines unerweiterten am- 
in am-icW u. a. ; doch s. auch Schuke EN. 542», Specht Gnom. 2, 693). 
_ Walde-P. 1 54f. ^ ^ ... 

unbtctns, -I m. .HSriger, Dienstmann" (Enn. Caes., rom.): gaU. 
Wort (Paul. Fest. 4 id e»t eireumaetus), ab .herumgesandter Bote , 



ambSgSs — ambricSs. 37 

vgl. EN. Amba(e)ttis (zu ir. imm-agim ,treibe umher"; vgl. 1. am- 
bages und zur Bed. anculut) = kymr. amaeth .servus arans* (Thum- 
eysen Keltorom. 29 ff., Dottin 225). Aus dem Keltischen end. got. 
andbahts (fur amb- nach and-Zss., ZeyB ZcPh. 3, 353, 374), ahd. 
usw. ambaht m. ,Diener', n. ,Amt', nhd. Amt; aus cot. andbahti 
,Amt' stamint frz. ambassade (Gamillscheg 32). — Walde-P. I 35. 

amba^S, -um f. (Abl. -age dicht. seit Ov.) .Umgang, Uralauf, 
Irrgang, Winkelzuee' (seit Plaut.; ambSgo, -inis t. [vgl. indOgo] ,Zwei- 
deutigkeit, Dunkelheit' seitManil.; -iosus nach dubiosus Gell.): mit 
Zs6.-Dehnung zu ago; kons. St. wie in ai.dj-i ,zu treiben' (=1. agt), 
prtandj- ,in den Kampf ziehend". Walde-P. I 35. 

" ambaxinm, -i n, ,militarische Formation' in amhaxiogue cireum- 
euntes ,catervatim' Paul. Fest. 26; nach O. MuUer z. St. zu aids 
als t. t. milit. etwa ,Drehpunkt" oder ,cuneus". Nicht direkt von 
amb-agere als ,Unizug" oder zu axare (Stolz HG. I 421). 

ambe^ns (ambiegnus Varro, ambignus Fulg.) bos, vervex t. t. 
der Auguralsprache = ,zu beiden Seiten von LSmniern flankiertes 
Opfertier': (MM6(t) + agnus; nicht aus *amb-agnos ,ini reliriosen 
Umzug herumgefahrt" zu ago (Huschke bei v. Planta I 382', Brug- 
mann Sachs. Bet. 1890, 238 ff.; s. Leumann 01. 18, 264). 

ambicns ,ein Fisch' (Pol. Silv.): gall.? (Dottin 226). 

ambiftrins, -a, -um ,doppelsinnig, zweideutig' fseit Arn.): Ruck- 
bildung zu ambifariam ApuL, dies nach bifariam (s. d.). 

ambignns, -a, -um , zweideutig, doppeldeutig, zweifelhaft, unzu- 
verlSssig" (seit Plaut.; -ims f. seit Cic): von ambigo .streite (t. t. 
iur.), bezweifle, schwanke' (seit Ter.) mit -uus aus *-ouoa, vgl. os«t- 
duus usw. (Leumann-Stolz» 215); s. Paul. Fest. 17 -uum est quod in 
ambas agi paries animo potest, huinsmodi apud Graeeos &^<ptpoXa 
dieuntur. 

ambiS, -fi, -m, -itum, ire ,gehe herum, umwerbe' (seit Plaut.; 
zum Dbergang in die 4. Konj. s. Sommer Hdb.' 538): u. ampr-etu 
usw. .amblto*. vl. o. am fret .ambiunt" (doch s. u. amb); amb- 
und e6. 

ambS, -ae, -o ,belde' (seit XII tab., rom.): = gr. ftutpiu, toch. A 
Ompi, ampe, 3 ant-api (MeilletU. 1, 19); al.M6fcau, V.ubhi, tcv.iuea, 
F. ube (m- Verdumpfung von o- vor Labial aus *i»-, Sommer IF. 30, 
404); apr. abbai, lit. oMi, lett. abi, aksl. oba (bsl. *ab6 wohl Um- 
gestaltimg von *amMtd aus der Zeit des Ersatzes von *om6fc» ,um' 
durch *obhi [aksl. ob^, s. ob]; anders Solmsen Rh.M. 61,502'); got. 
bai, Ntr. ba (daneben bafSfs aus *bajO 56 umgebildet, s. Feist s. v.), 
an. badir, Ntr. bxdi (Akk. bada aus *banspans, Gen. beggija aus *bai^) 
ags. ba pa, as. bethie, ahd. beide, bide. — Idg. Du. *am-bM(u) ,beide' 
zu *am-Vhi ,auf beiden Seiten' (s. d.). — Walde-P. 1 55 (auch gegen 
Pedersens Pron.d^m.42 Ansatz *f!^H6u, *n^hi fur alle obigen Formen). 

ambricSs .Querlatten zwischen Dachsparren und Ziegeln' (Paul, 
Fest. 16, GL): unerklSrt. Kaum mit Petersson Heterokl. 20 aus 
*ambro- {*aita-ro-) zu asser, assia (s. d.) mit -ec- nach imbr-ex; nicht 
aus *ambr-iee-s von «mbr- (u. ambr^, s. u, amb-) und iaeid mit Zeyfi 
KZ. 27, 434, v. Planta II 455 (die Erw. ambr- nicht lat.; amfrOctu* 
,gekrummt* vim. in am-fraetus au zerlegen, s. Thumeysen GGA. 
1907, 801); auch nicht aus *amb-raels zu ratts (s, d.), lit. rUkUt 



38 ambttbaia - amethystus. 

.Stangengerust am Ofen', Wz. Ve- .schichten' ^eichelt Gl. 6 71, 
KZ 46 318 unterHeranziehung von racimus [dochs. d.J; ht. rieklis, 
apr. Wrffe .S5ller' besser zu Wz. V«g- .Stance', s. Walde-P I 7SK 
76 II 346; aber antekons. "amb- ist unwrsch:); abzulehnen Muller 
Ait.W. 29 {*an- ,au(' + *frac-s zu fastlgium mit Inlautsbeh. von W). 
1 ambflbBia, -ae f. ,syrische Flotenspielerin" (seit Hor. sat. 1, 
2 1 's Porph z. St.): aus aram. 'a66u6(a) ,Pfeife", 'abbuMj .Name 
eine's Flotenspielers' (Georges, Thumeysen Thes. ; zum Lautl. Schulze 

KZ. 33, 376). ^ , ■,, -T-i. • i Vni* 

2. ambubala (-«»o Gels., -ia GL), -ae f. ,wilde Zichone (Gels., 
Plin)- wohl volkstumliche Benennraig nach dem vongen Wort, ob- 
wohl das tert. comp. trotz Keller Volkset. 125 nicht klar ist (etwa 
von der rauschartigen Wirkung des Genusses der frischen Wurzel, 
vel. die Volksetym. bei Porph. Hor. sat. 1, 2, 1 ?). 

ambulo, -am, -atum, -are ,umher-, bin- und hergehen, gehen, 

reisen, spaziei^n' (seit Plant., rom. [neben v&do]; »n-, ob- seit Pit., 

de- seit Ter., red- Pit.; ambulator m. seit Cato, -aerum alt- und sptl., 

-am seitCic), u. amboltu .ambulato": wohl zu gr. dXdoj»ai, dXaivtu 

schweife umber, irre', AXi^Tri; m. .Landstreicher", lett. aluot, aladties 

'umherirren, sich verirren" (z. B. Pick BE. 2, 264, Solmsen IF. 26, 106, 

Bechtel Lexil. 157, vgl. alucinor; die weitere — oder alternative — 

Vbdg. mit *ela- .treSben, in Bewegung setzen' m gr. ^X.du», iMiivw 

-treie', arm. ela-nem ,komme heraus, steige hinauP [z. B. Johansson 

IF. 3, 203, 8. Walde-P. 1 155 f.] wird weder durch Vokahsmus noch Bed. 

eeiegt; vgl. auch u. ex{s)ul). — Nicht mit Samuelsson Gl. 6, 254flF., 

nahe Walde-P. 1 88 Demin. von ambis auf Grund eines *ambulus ,um- 

hereehend' (wSre u. *amblatu, das u. Wort ist keinesfalls von ambulS 

zu trennen; zu u. ol- aus *al- s. v. Planta I 239, doch vgl. auch 

u.ufetu gcgenuber adoUo aus *-«?-, s. d.; die abeeschwachte Bed. 

.spazieren, sich Bewegung machen' scheint sekundar und auf der 

Verdunkelung der Komposition zu beruhen, vgl. noch ,sjch berum- 

treiben, herumstreunen' Plant. Men. 706 Gato agr. 5,5, ambulators 

irXdvo?, irXavyim! ib. 5, 2). - Verfeblt Bugge BB. 14, 62 (= gr. frf- 

T€XoO, Breal MSL. 12, 5 (•at»6--f- lo-) u. a. bei Samuelsson a. O. 252 1. 

angefOhrte Deutungen. ,, ,, . 

amellns, -J m. (-a f. Serv.) .purpume Stemblume, fjeXiqjuUov 

(seitVerg.): nacb dem Vorkommen in Gallia cisalpina wohl eall.Wort 

(Fick II* 16, Dottin 226); die Herlt. von dem Flufi Mella (Serv.) ist 

Volksetymologie. Vgl. apis. . ir i 

ames, -itis m. .Stellgabel zum Aufspannen der Netze beim Vogel- 

fane, Querholzer an der SSnfte, am Wildzaun" (seit Hor., rom.); 

wofi mit CharpentierBB.30,164, Muller Ait.W. 24 zu *am- .fassen, 

freifen' (s. ampla, ansa, manus; dazu air. am .Hand' aus *am-men? 
och s. auch apiscorl obwohl die Bed.-entwicklung nicht klar ist 
( Zweiggabelung'? oder .GriflF'?); zur Endune vgl. <erm«g .Zweig', 
palmes .Rebschofi'. — Nicht mit VaniSek 15 zu apere als *apmes 
oder zutra-mes als *abs-mi-t- .abgehender Nebenast' (a I); auch etr. 
Herkunft (Emout BSL. 30, 117) ist unbegrundet. 
amentum .alumen scissum' (Theod. Prise.): ? 
amethystus, -l t .Amethyst (der trinkfest machende Stein), Rebenr 
art, Pflanze cynocephalion' (seitOv.), gr. dM^duOTo;. Diels KZ. 47, 204. 



amfractus — ammentura. 39 

amfriictns, -a, -urn ,umgebogen, eekrummt' (Ntr. Subst. seit 
Ace, romj, amfractus {an-l us m. .IJmbiegung, Krummung, Um- 
achweif, winkelzuge* (seit Cic. Caes. Lucr.): am + frOctus ,herum- 
gebrochen, umgebogen' (Varro 1. 1. 7, 15, Thurneysen GGA. 1907, 
801 ; aber suffragines s. u. hraea). — Nicht aus amfr-actus mit ZeyB 
KZ. 16, 381, V. Planta II 455, Emout El. dial. lat. 106f. {*amhr- nur 
dialektisch, s. amb-, amhricis, und -f- dabei schwierig) oder aus 
*ar>M-fraktos (zu gr. {)aKTOi- (pdpafTei; "sw., s. Walde-P. II 702) mit 
de Saussure Rec. 18'. -~,i s s 

amicinns (-tm.) ,MundstuckamWeinschlauch" (Paul.Fest, Gl.): ? 

amicio, -«t u. -ixi (s. Sommer Hdb.' 572; spat auch -il nach 
vestn), -ctum u. -cUum (nach vestUum), -^re .umwerfen (ein Kleid), 
umhullen" (seit Plaut.) : aus *a»»-jaCTO. Sommer Hdb.' 486. 504, Leu- 
mann-Stolz' 321. 

arnicas, i m., -a f. ,Freund, -in" (seit Naev., rom.): zu amo. 
-i- nach Brugmann Grdr. II" 1,496 auf Grand eines Lallworts *am% 
(gegenuber *ami in amita); nmeci (Paul. Fest.) u. inschr. ameicus, 
ameicttia (erst seit Ende des 2. Jhs.) sprechen kaum fur altes -«-, 
s, Persson Beitr. 410'. 

amlddnla (App. Probi, vlg. fur) amygdala, -ae f. ,Mandel, Mandel- 
baum' aus gr. d|iu-rbdXn> AmJTf>«X*^ ds. (seit Colum., -um n. .Mandel- 
kern, Mandelbaum' seit Ov. bzw. Priap.); rom. neben amiddola auch 
amyndala (Not. Tir.) und amanduU (Gl., durch Anlehnung an 
amandiis und mandere, Keller Volkset. 59; daraus ahd. as. mandala, 
nhd. Mandd). 

amilnm, amylnm s. amuletum. 

amita, -ae f. .Vatersschwester, Xante' (-o magna ,Grofitante ; 
seit Cic, rom.; frz. tante mit Antizipation des t in der Kindersprache, 
Sandfeld Litteris 2,76): Weiterbildung von einem Lallwort *am{m)a, 
bzw. (s. amicus) *aml (vgl. lit. anyta .Schwiegermutter' : 1. anus), 
vgl. an. amma ,Grofimutter', ahd. amma , Mutter, Amme', nhd, 
Amme (daraus entl. lit. itmbd lett. amha, fmha ,Amme'), gr. imxd, 
duMd?, &mila, fiuniov .Mutter (Bez. der Rhea, Demeter), Amme, 
Mutterchen' (Kretschmer Einleit. 147. 339), o. Ammai ,*Ammae, 
Matri (G5ttername)', mir. ammaU .altes Weib, Hexe' (Fick II* 16). 
Vgl. noch ai. amla neben ambih, dmbika .Mutter' (nach Kretschmer 
KZ.57,251fiF. aus kleinasiat. amba .Mutter', bes. .grofie Mutter der 
vorderasiat. Religion', durch Lautersatz neben amma, vgl. aufier 
'Annd? . . . fl Mi^TOP Hes. heth. Ammammai .Gottheit*). — Suffix 
etr., vgl. armita, Nehring U. 12, 356)? S. auch amo. Walde-P. I 53, 

amma, -ae f. ,Ohreule' (Isid., Gl.; rom. .Mutter, Amme'): scherz- 
haft-vulgare Bezeichnung als .Mutter, Sfiugerin' {b.u. amita). Sofer 
Gl. 17, 17f. m. Lit. 

ammentnm, -4 n. .der in Schlingenform m der Mitte des Wurf- 
riemens befestigte 'Wurifriemen, dann auch Schuhriemen' (Serv.Aen. 
9, 662, Juthner Jahresh. d, ost. arch. Inst. 16, 197 f.; seit Caes., rom., 
ebenso Amento, -are .schleudere' [seit Lucan, -atus ,mit Wurfriemen 
versehen' seit Cic.]): als .Bewegungsmittel, Fuhrungsriemen' aus 
*agmtntum (zum Laud. vgl. flamma) zu agS (Reichelt KZ. 46, 309f.; 
amm- bessere Schreibung als am-, adm- in Gl. u. Hss. durch faische 
AuflSsung von amm-). — Nicht ab *apmentum zu apert .binden* 



40 aninego — amo. 

(Vanifick 15, Muller Ait.W. 36 mit falscher Heranziehung von ir. 
abann .Peitsche", das vim. Lehnw. aus I. hahenae, Pedersen I 210) 
oder zu amet (Corssen Krit. Nachtr. 267) bzw. u. arsmor (v. Planta 
I 295, 8. u. amata). — amentum ,Zunglein an der Wage, examen* 
(Georges, Walde LJEW.' s. v.) exbtiert nicht (s. Reichelt a. O. 310). 
Valde-P. I 35. 

amnegS, -dre (inschr.) = ab-, nicht amb-, vgl. ainnuit Gl., Leu- 
mann-Stolz' 155. 

amnis, -is f. (altl, spSter) m. (nach fluvius, Schmalz" 368) ,Flufi, 
Strom, (cUcht.) Stromung, Wasser' (seit Naev, spez. dicht.; -iculus 
Liv.): aus 'ab-nis (kaum *afhnig) zu air. abann ,Flu6', kymr. afon, 
korn. bret. auon ds., gall. brit. FN. Abona, air. ab Gen. abae ,Flu£' 
{*oJfl); grm. -apa, ahd. affa in FN., z. B. Al-apa, Wisil-affa ,Wies- 
lauf" (wrsch. aus kelt. *aba verschoben, s. Walde-P. a. O.; anders, 
wegen -appa angebl. aus idg. *abn^ Schnetz ZONF. 1, lOff. 2, 71 f. 
3, 64f.). — i*ap- in ai. dpah, apdjf, .Wasser" {*S,p-), av. aft ds., ai. 
dpattant- .wasserig', apydh ds. (: apr. wupyan .Wolke", Berneker 
KZ. 57, 249), praUpd}^ ,gegen den Strom gerichtef, antipdh ,am 
Wasser gelegen' u. a. (*-»-»-, -«-»-; vgl. gr. FN. 'lvu»Tt6?, 'Aouind;, 
Fick BB. 22, 61f.); gr. 'Airia .Bezeichnung des Peloponnes', Meaa- 
an{a ds. (messap.-wgr. MeT-oit-la), vgl. die lokr. MEOtf-dinoi, illyr. 
Meaodmoi und Ap-uli Unteritaliens (s. Herbig BPhW. 1915, 1033), die 
FN. 'Ambtbv (Arkadien), 'Ambovd? (Thessalien), illyr. 'Am)0?, Apsus; 
apr. ape .kleiner Flufi", apus , Quell, Brunnen', lit. hpe, lett. upe 
,Wa8ser' (« vohl Red.-St. wie in apr. wupyan, s. o.). — Idg. *o6- neben 
•op- nach Johansson IF. 4, 137f. durch Vermittlung von *abd- (ai. 
D. I. PL adihi^^ adbhyah aus *ahd- .(mit) den Wassern", dbdah m. 
,Wolke*) aus *apd- (.Wasser gebend*? vgl. 'Airibdtv, -ov<S<;; anders 
Scheftelowitz IF. 46, 250: *ad- .Wasser' zu nicht existierendem lit. 
tdmenis .Flufimundung' u. fi., vgl. 2. aser). — Fern bleiben gr. 
6rt6<i ,Saft' (s. sappinui), o. amnud .circuitu' (s. amb-). — Gall. 
inter ambes .rivos', ai. anAu n. .Wasser' u. fi. (Fick II* 16, KZ. 
45, 57) erweisen kein ids. 'amb- neben *ab- (s. imber). 

Zu 1. amnit auch die ON. Inter-amna, -turn, Ant-emnae (vgl. 
Cogn. Jnteremnia, SchuLee EN. 569'). Der Anklang von kleinas. 
*amni- in FN. 'Anvlo; u. 8. scheint trugerisch; amnis nicht etr. 
(-1yd.?) Lehnw. mit MuUer Ait.W. 36 f. — Walde-P. I 46f. 

amS, -flri, -dtum, Sre .liebe* (seit Naev., ebenso amor m., beide 
rom.; amdsiut m. .Liebhaber* seit Plaut., spater -to, -tuneulus; 
wegen -»• dial. ?, s. Leumann-Stolz* 141 m. Lit.), marruc. amatens 
.voiuerunt" (Grienberger KZ. 54, 74) : Abltg. von dem auch in amita, 
amicut vorliegenden Lallwort *ama .Liebkosungsausdruck der Kinder 
an die Mutter' (Zimmermann KZ. 34, 584, BB. 23, 84; nicht von 
*amma mit Br^al MSL. 15, 228, da ammat CE. 2153 nach Ausweis 
des Metrums nur orthogr. Doppelung ist, s. dazu Schulze EN. 448^); 
phryg. AbaMvetv • Td <piX€W • ical 0pOT€? tov ipiXov &ba^va X^touoiv 
Hes. (Fick BB. 29, 236, Meillet BSL. 22, 165: End, aus einer vorgr. 
Sprache?; nicht *&v-tiau-vo( .der im Haus' mit Schrader-Nehring 
P332). Weitere Anknupfungen im Idg. fehlen (nicht hierher an.gaman 
n. .amor, voluptas* als *ga-aman nut Wadstein IF. 5, 8, s. Falk-Torp 
vi.gammen). Nach Kretschmer Gl.13,114, Vetter Festschr. Kretschmer 



amoenus - ampla. 41 

286' {unter ganz fragl. Heranziehung von etr. am- ,8ejn') Lehnw. 
aus dem Etrusk., vgl. etr. anting ,Amor' (s. auch amita; nicht weiter 
zu amarug, emo, ai. dmiti .bedrangt" mit Fay [lA. 27, 130], Muller 
Ait.W. 23, vgl. auch Goldmann Beitr. II 35«). — Unannehmbar 
Persson Wzerw. 233 (zu munus .liebesgabe'); Breal MSL 9, 165, 
Schrader RL. I* 332 (zu ai. amd ,daheim', amdtyah .Hausgenosse", 
s. dagegen Brugmann Dem. Ill, Wackernagel Mel. Saussure 149); 
Pedersen KZ. 38,388ff.,40, 178 {'hamare, nut famis zu aksl. chctiti, 
,woUen'); Kluge ZdW. 7, 170 {zu nhd. emsig, s. Walde-P. I 179); 
Fay TAPhA. 37, 19 ff. — Walde-P. I 53. 

amoenns, -a, -ttm ,lieblich, reizend, angenehm, uppie' (seit Plaut) : 
semasiologisch deutlich zu amo (IA.39,31), jedoch nicht als *a»Be«us 
von *amere neben amare (Ceci, s. LA. 1, 158), auch kaum als *ama- 
uinos Oder *amo^mos (vgl. oioedio, Leumann-Stolz' 87) ; eher vl. mit 
Zimmermann KZ. 44, 368 f. 47, 174 aus *amm-nos von *amoi (neben 
*amei, s. amietis?) wie Mamoena GIL. X 5532 neben Mammona X 
4213, Mamana VI 34C02 (etr, nach Schuize EN. 360). — Abzu- 
lehnende Deutungen Lei Stowasser Dunkle Worter I p. IV f. (*ad- 
moenis ,an den Stadtmauern befindUch', woraus , angenehm, hObsch', 
s. Meringer IF. 18, 270'); Brugmann Sachs. Ber. 1897, 1%«, HirtHdb.' 
295 (zu dMEivwv ,besser", das vim. als , nicht minder' mitOsthoflf 
MU. 6,303 ff. zur Wz. *t>ie«-, a.minuo, nimis); Hoffmann Heinichens 
Schulwb. 9 s. v. (aus *ad moinam ,nach Wunsch' zu ahd. meina 
.Meinung", vgl. Walde-P. II 302); Walde LEW.' s. v. (*ad moinos 
,zur Erquickung', zu mHmis ,Liebesgabe"; laudich schwierig und 
Bed. von ad bedenklich). - Walde-P. I S3. 

ampendices dicebantur ab antiquis, quod circumpenderent, quos 
nunc appendices appellamus Paul. Fest. 21 : wenn richtig uberl., 
am{b)- + pendeo gegenuber ad- in appendix .AnhSngsel, Zugabe' 
(seit Cic; wohl -t-, nicht -i-, vgl. die Ablt. ieiOa Cic, -icium sptl. 
und s. offendix). 

ampla, -ae f. .Griff (des Schildes usw., = gr. \opii Serv.), ubtr. 
Handhabe' (seit Cic): aus *am-/« {zu -mpl-, nicht -mbl- s. Leumann- 
Stolz' 165) zu Wz. *am- ,fassen, greifen" in amplws .umfassend' 
(vgl. capiaui .Griff" : eapSx .fassend", gr. Xagi^ : d|aq)i-Xa(priCS *»»« 
.Henkel' {*am-sa, s. d.) und manus .Hand' (vgl. nhd. .Fang', gr. 
Xetp u. del., *m3-r *ma^g von der zweisilb. Basis *ame, s. d.; aber 
ma-tula .TVachttopf " bleibt wohl fern ; ganz unsicher auch die weitere 
Vbdg. von *am- .fassen' mil *em- .nehmen' in emo, s, d.). Aufier- 
ital. Verwandte v\. aL dmatram n. .Gefafi, Krue, grofieTrinkschale', 
arm. aman .Gefafi" (aber ai. vgimdi, .Mafi der ausgebreiteten 
Arme, Klafter" vim. zu vi-yam- .ausspreizen", danach durch falsche 
Zerlegung tam-Hmdh ,lang'. samamyah .in die LSnge gehend', s. 
Wackernagel KZ. 42, 269); dagegen bleiben fern fi^rl. *M»1 .Wasser- 
eimer', djii? .Nachttopf", imao\ua .sairanle', &^aUa f. .Garbe", 
fivrXo? m. .Schober' und .SchopfgeM' usw. (s. u. omo, tentina); 
6.\ix\, dun .Schaufel, Hacke', ftfxdpa .Graben, Kanal' (s. Walde-P. I 
198f.; vgl. mare); ai imUi .dringt an, schwdrt" (Guntert Reimwort- 
bild. 62; 8. u. amanu); kymr. af in modryd-af .Biencnstock', hyd- 
af .Nest wilder Bienen' (Stokes RC. 28,85); auch die Heranziehung 
von *mi-, *md ,gro6* (als .umfassend*) in air. mOr, mar .grofi*, 



42 amplua — amuletum. 

ahd. ntiri ,beruhmt' usw. (s. maior) und von *me; *met- ,maheh, 
(als ,raffen') in gr. &|id(U ,niahe, schneide' usw. (s. meto) durch 
Osthoff a. O. ist mehr als zweifelhaft (s. Valde-P. II 238. 259). — 
Walde-P. 1 52 f., Persson Beitr. 1 S. 925, Osthoff MU. 6, 336 ff., Reichelt 
KZ. 46, 311f. 

ampins, -a, -um ,umfangreich, eerSumig, ausgedehnt, weit, an- 
sehnlich, hochgestellf (seit Liv. Andr.; davon amplitHilO f. ,Gr6fie, 
Weite, Umfang, Ansehen' seit Anton., atnplo, -are ,steigere" Pacuv., 
amplio ,t. t. iur. verschiebe, vertage" [von Adv. ampUus, vgl. Cic. Brut. 
86] seit Rhet. Her., ,vergro6ere, erweitere' [durch Verwechslung mit 
amplo seit BeU. Hisp., Hor., s. Wolfflin ALL. 8, 412): wohl aus *am- 
los ,(um)fassend'' (s. Persson Beitr. If,, auch gegen die Herleitung 
aus *am-plo- ,nach beiden Seiten vol!' [z. B. Corssen Ausspr. I** 368, 
Walter KZ. 10, 204] bzw. mit dem -plus von du-plus ,zweifach' 
[z. B. Breal-Bailly s. v.] oder aus *amh-lo- von arrib; Stolz HG. 1 506). 

aiiip(h)ora (amp- verworfen von App.Probi), -at i. ,zweihenkliger 
Krug mit engem Hals, Flussigkeitsmafi, Gewicht", Demin. ampulla^ 
-at I. (*ampor-la) ,kleine Flasche fur Salben, Schminke u. a.', ubtr. 
.Schwulsf (beide seit Plaut., rem.) : aus gr. d^qiopEO; (djiqjl-qpopeui;), 
-i\u<; m. jzweihenkliges GefSfi' (z. B. Saalfeld 54), u. zw. wohl au£ 
Grund eines dial. Akk. *d^<popriv, vgl. poeta : itoitrn^i; ; Fern, nach 
aulla, urna (Debrunner IF. 46, 91 f. gegen Leumann-Stolz'' 262). 

[ampoS; -Hb fOr impos Plaut. Trin. 131 verderbt uberl.; nicht 
o.-u. Form mit L5we Glossae nora. 194, Ernout El. dial. lat. 105 f.J 

amptrnd, antrnS {and-), -are ,bei den saliarischen Religionsfeiem 
tanzend im Kreis hupfen* (seit Carm. Sal., ebenso red-): am-\- trtio, 
vgl. Paul. Fest. 9 'truant' moventur (kaum Grammadkerfiktion mit 
Enrlich a. O.) ; 'truam' quoque vocant quo permovent coquentes exta 
(s. trtM mit ZubehSr, bes. ai. tedrate, tvdrati .eilt", gr. drpuvu) aus 
*6-Tpu-v5,ui ,treibe an", drpoX^o; ,hurtig'). — Abzulehnen Rheden 
Progr. d. Vicentinums Brixen 1896, Lagercrantz KZ. 37, 177 (zu ai. 
drdvati, drdmati, drUti .lauff, gr. £6pauov, b^bpoi^a, bibpdcKUj, Ibpav 
rWz. *dre^. *dre-m; *drS-, s, z. B. Persson Beitr. 572]; aber andr- 
Paul. Fest. 9, Gl. nur infolee fabcher Herleitung von dvabpafiEiv, 
Marx zu Lucil. 820); VaniCek 105 (zu gr. rpOu) ,reibe auf*, 1. tero); 
V. Planta I 337' (*amh-b(i)t-rud, zu haeto); Ehrlich Z. idg. Sprachg. 
73 f. (dial. *an(jp-tm6 aus *ntp-tr-u- zu ai. ancati ,geht', s. longinquus, 
triumphus); Muller Ait.W. 27 {*amter-{-ov6; die Erw. *ambr- ist nur 
dial., s. anib-). 

ampntSf -dpj, •itum, -are ,beschneide ringsum, schneide weg' 
(seit Lucil.): am{b) -\- putO. 

amnlgtam, -I n. .Talisman, Amulett, Abwehrmittel gegen Un- 
heil" (Varro, Plin., Gramm.; -o- hdschr. und Gl. durch volksetym. 
Beziehune aut Smdliri, vgl, Smolimentum <pv\aKvl\piov G\.): wohl als 
.Speise (Brei?) aus Kraftmehl* von amulum, amt/lum, -i n. ,Starke, 
Kraftmehl" (seit Cato, aus gr. fifiuXov ds., eig. ,ungemahlenes" ; -o- 
Gramm. und hdschr. nach nu>l(S; vulg. imd rom. -♦-, Meyer-Lubke 
Litbl. 1917, 242); -etum wie in eoo-, mor-, tlm-, tuecitum (Wunsch 
Gl. 2, 219ff., Skutsch ib. 398). — Abzulehnen Schrader RL.i 729 
(I«47), Walde LEW.* 8. V. (von *am5«rf, ev. •dma/i(»e) Ittum); Ceci 
Rendic. R. Ace. Lincei 3 (1894), 615 (aus *amor- nach CLmStirl, zu 



43 



air. amre .bonus, mirabilis', subst. .prodigium'); Forcelhni s. y. 
(von (h)amvla); Stowasser WSt. 32, 159f. (: hamulua .Hakchen"); 
auch nicht mit den Fruheren aus arab. hamalet (,Obliegenheit', mcht 
AnhSngsel", s. Gildemeister ZdmC. 38, 140f.). 

" amurca, amurga, -ae f. ,die beim Auspressen der Ohven vor- 
fliefiende (opp. faeces, s. Serv. georg. 1, 194) wassenge Unreinigkeit, 
Olschaum' (seit Gate, rom. -c- u. -^- ; examurco .entfeuchte" Apul.): 
aus gr dudprn f- ,mulsche Masse der ausgeprefiten Ohven' (neben 
-n?, -I?, -os; zu dH^pTi" .pflucke", emopT^? .auspressend"; s morwff, 
f races)- -e- fur -f- wie m conger, spelunca (s. Leumann-Stolz 125. 
852 m. Lit.; dazu Meillet Esq. hist. lat. 92: etr. Einflufi?; abzulehnen 
FohalleMa. VendryeslTlf.: mittelmeerlandisches Wort und Persson 
Beitr. 657, Walde-P. II 282: aus gr. *dn6pKa neben dn6pTnl- 

amnssis, -is f. (davon od amussim Varro usw., ex- Plaut. [lA. 
43, 39], amussim ^regulariter' Paul. Fest. 6) ,Werkzeug der Zimmer- 
leute aus Holz oder Eben zum Glatten beim Zusamraenfugen der 
Bausteine in Tafelforra, das vom Baumeister mit roten Strichen ver- 
sehen wurde' (seit Plaut.; amusHum, -j n. ,marmome, glatt polierte 
MeBplatte zur Bestiramung der Windrichtungen" Vitr.; emussitaius 
,ad amussim f actus" Pit., s. Paul. Fest. 76 : statt *examussit6ius unter 
Einmischung von musaitB, vgl. amussim ,non tacite" Paul. Fest 6?): 
wohl wie gruma, norma aus dem Griech., Vorbild jedoch unklar; 
kaum aus gr. finuEli; f. .Zerkratzen, ZerreLKen' (Weise 336 usw., 
Meyer-Lubke lA. 1, 122; nhd. BiS, Auf; GrundriM, BHBbrett 
\: reiBen .zeichnen'l genugt als Bedcutungsparallele nicht). — Un- 
annehmbar Saalfeld, Keller Volkset. 1(X) (aus gr. S.p)xol\<;, apfiom? 
Fuge, Zusammenfugung'); Stowasser Progr. d. Franz-Josephs-Gymn. 
Vien 1891, 26 (aus hebr. amatha ^Richtscheif); Thurneysen Thes. 
(ad + modus, moderari, -u- dabei unerkl.); auch etr. Herkunft 
(Emout BSL. 30, 123*) ist ohne Anhalt. 
amygdala s. amiddula. 

1. an- ,auf, hinan" : wohl in an-heJUre, asignae, y\.an-testar% (s.d.; 
allea andere nicbt hierhergehorig oder ganz unsicher, s. an-qutro 
[eher am(b)-\ antemna, AngerSna, astasint [arf-l anaxdre, ancentus, 
ancunulentae); o. a(n)- in ouFaKEtT ,anfactt" (Ritezzo, Neap. 1, 397), 
avoSoK€T .dedicavit" {*anfaked mit Anaptyxe? Buck Gramm. 51; 
anders Kretschmer Gl. 10, 158), vl. an-getuzet .proposuennf (kaum 
•an(n)- •= 1. ind- mit Brugmann IF. 16,505ff.); u. an- {am-) yl. m 
an-seriato ,observatum' (kaum *amb; s. d.), anglar ,oscines' {^n- 
hla- [s. cdlare] wie oscen aus *ohs-cen; an- = en ,in' ist m der Bed. 
weniger entsprechend) ; aber in Fallen wie an-tentu neben en- 
tentu .impendito', am-pentu ,impendito', an-stintu .distm- 
guito', wohl auch am-paritu .conlocato", anatiplatu .stipulator" 
(vgl. instiptdor Plaut.) wechselt an- mit en- bzw. ist es bedeutungs- 
gleich, so dafi vl. an- hier eine Nebenform von en ,in', veranlafit 
durch o.-u. anter ,inter«, dies nach *amfer-j8.amb-), ist (Sommer 
IF. 43, 45 f., vgl.fn; anders v.Plantan455f., Walde Sprchl. Bez. 53 f. : 
Zusammenfall von an- mit en- durch Bedeutungsannaherune); = 
gr. ion.-att. fiva dvd (dicht. ftv), dor. dv, lesb. thess. kypr. ark. 6v, 
ark. kypr. i)v. Adv. ftvu) .aufwBrts, empor*; av. ana ap. an/l (urar. 
*anS) m. Akk. u. Instr. ,Ober — hin', ai. dnu av. anu ap. antiv 



44 an — ancentuE. 

,nach, gemfifi"; vl. arm. am- in (h)am-batnam .erhebe' (ham- durch 
Vermisckung mit aus dem Pers. entlehntem ham- .zusammen"); got. 
€ma, anord. a, as. an, ags. on, ahd. an(a), nhd. an ,auf, an usw.' 
(*ana, ev. *an6, *ane); ht. anit{e) m. Gen. .gemafi', aksl. on-, q-, 
proklit. t»(»)- ,auf, an" (ursl. *on, unklar ob idg. *an oder *on 
bzw 'en, s. zuletzt Brugmann W 2, 828; vgl. »»); unsicher air. 
ainmne .patientia" u. a. (Fick U* 13, s. dagegen Walde-P. I 58); mit 
Ablaut lit. nud (in Zss. ntw-, nu-) lett. nito apr. no, na ,von, von — 
weg", aksl. na ,auf— bin' (nods .oberbalb"), vl. lit. -na, -n ,in' 
bei Verben der Bewegung, av. na-zdyah- ai. nicUyas- .nSher' als 
,herangerflckter". — Walde-P. 1 58f., Brugmann Grdr. II«2,798f., 
Thurneysen ALL. 13, 21ff. . , , ,, , r. 

2. an Disjunktivpartikel ,oder', auch m emfachen Fragen (z. B. 
in der Antwort ,(oder) etva?") und in den Typen haud ado an (,ob 
etwa') und obsecro an is est?, erw. anne, vgl. non-ne (seit Naev.): 
= gr. Sv ,*ohl, etwa, in irgendeineni anderen Falle" (tdy aus ei 
ftv, l^v aus 'f) fiv, av aus oi dv, att. ^fiv durch Kreuzung), got. an 
Fragepartikel ,denn, nun" (Lattmann KZ. 49, 97ff., Hermann Gott. 
Nachr. 1919,224, Schmalz" 651 f. m. Lit.); nicht aus *atne (Ebel KZ. 
6, 208, Skutsch Kl. Schr. 177ff., Walde-P. I 56, s. dagegen Schmalz 
a. O.: haud seio anne Ter. Haut. 999 ist metrisch sicher und nicht aus 
*atne herleitbar; auch die Annahme zweier an mit Brugmann-Thumb* 
621, Wackemagel Synt. I222f. ist unnotig). Vgl. auch Thurneysen 
ALL. 13, 21. 

anas* -atU (-«- Plaut., Cic.) f. (Gen. PI. -um, Varro -»«»«; zum -a- 
s. u. alacer, daneben -«-, vtdg. aneda, anet) .Ente" (seit Plaut., rem., 
ebenso ana-ticula [-<- Pit., Kosewort wie vtirrdpiov Arist. Plut. 1011]; 
insofar, anntiarius .EntenhSndler" ; anattna so. card .Entenfleisch' = 
lit. antienA ds. [ohne geschichtl. Zshang]): = ahd. anut, anord. pnd, 
ags. atned, nhd. Ente f. (grm. *anud- "anid-); lit. dntis apr. antis, 




pentier'kz.'40, 433, Suolahti Vogetn. 420). — Walde-f. I 60. 

anaxant 6vonoEou<nv Gl. 1117, 2: verderbt fur anxant und samt 
anxati : vocati, nominati aus Paul. Fest. 8 axare : nominare stammend 
(s. C. Gl. L. 1, 28. 126. 359), daher nicht mit v. Planta II 456 an- ent- 
haltend; obwohl die Glosse des Paul, imter an- stcht, ist anxare 
kaum anzuerkennen; vgl. axamenia ohne Nasal, s. u. aiO. 

ancaesa .vasa caelata' (Paul. Fest. 20 quod circumcidendo talia 
fiant): von aiii(&) -|- caedB, ebenso anasus .rundum beschnitten' 
Lucr. Nicht an- = dvd mit Stowasser VSt. 22, 122 wegen gr. dy<tf\\}ifa. 

anelpes (Plaut.), junger anceps, aneipitia „auf beiden Seiten einen 
Kopf habeud, zweischneidig, zweiseitig, doppeldeutig, schwankend' : 
am{b) -t- caput (z. B. VaniCek 49); anems wie praeeeps ,mit dem 
Kopf vomuber' fur alter -eipes aus dem heteroklit. Abl. praecipe 
Enn. gewonnen, zugleich in Ajilehnung an princeps u. i. aus *-eap09 
(Leumann-Stolz" 259). Ntr. PL -ia (Liv. usw.) erweist trotx Emout 
RPh. 42, 151 keinen »-St., s. Leumann a. O. 277. 

ancentiU} -a* m. .Anstimmen (der Fl6te)' CE. 1319, 7: wohl 
Kontamination von accentu* und *ineent%ta (vgl.tnemtt^; nicht vulgare 



ancile — anculus. 45 

Nebenform von in- mit BQcheler ad I. oder an- = Avd bzv. am{b)- 
mit Mommsen, Walde LEW.* 32. . . ,. 

aBCHe, -is n. ,der kleine, ISngUchrunde, m der Mitte violmen- 
artig nach innen geschweifte heilige SchUd' (seit Enn., BekundSr Adj. 
seit Val. Max.; Gen. PI. -»orw»n Hor., a. Leumann-Stolz» 260): aus 
•amdnycaid-sli- ,auf beiden Seiten eingeschnitten' (vgl.Varrol.1.7, 
43 ab tUrague parte incisa, Ov. fast. 3, 377, s. auch incile, caelum; 
nicht aus *am + *caela ,der mnd henim Ziselierarbeit hat" mit 
Leumann -lis 16f., s. lA. 40, 22). — Falsch Keller Volkset. 42 (aua 
gr. dTK6Xia), Corssen KZ. 2, 27 (von *anewi ,Diener' bzw. aneulus 
Geratschaften zum heiligen Dienst'). 

ancl&brls, -e ,zum Gottesdienst gehorig' (mensa, vasa Paul. Fest., 
Naev.): als *anela-ilis (s. Leumann -lis 122) von anctilo, -are ,be- 
dienen', s. anculut. „ , ,> , n ■ 

anclS, -are ,sch5pfen' (Liv. Andr. ; s. zur Bed. Solmsen Beitr. z. 
er Wtf I185»): aus gr. dvrXcIv ds. (s. u. senlinu); vgl. exancls, Sre 
leere aus, erdulde' (Enn. Pit. Pacuv.; -t- Apul. u. a. durch Neu- 
anknupfung an AvrXOi, nicht Plaut. trotz Meillet Esq. hist. lat. 114: 
das Zeugnis des Serg.gr. IV 477, 11 iat bei der einhelligen sonstigen 
UberUef. ohne Gewahr). 

ancora, -ae f. .Anker' (seit Afran.): aus gr. fiifKupa, vgl. ancus 
(zum -S- a. Leumann-Stolz' 86. 189). 

ancorago (Cassiod.), aneora{v)«s (Pol. Silv., rom.; mlat auch 
anclh)ora) .mSnnlicher Rheinsalm, Hakenlachs': gall., *aneo- ,ge- 
krOmmf und *rac(h ,vorne' aus *pr5k-, vgl. kymr. rfcajr, bret. rafc 
vor" (Schuchardt ZRPh. 30, 712ff., Dottin 226). — Beziehung auf 
oncoro (Thomas Rom. 35, 169, Schrader RL. II* 2 mit falscher Analyse 
von -ago-.d. hagen ,Mannchen") nur volkaetymologisch ; nicht zu 
lit. «»iiwry« .Aal' (Walde LEW." 867, s. anj^ufKa). 

ancrae convalles vel arborum intervalla' (Paul. Fest. 11, Gl., 
rom. bepflanzter Streifen an Flussen, Bucht', Grdb. .Krummung', 
vgl gr. fiTKOS n. ,Tal, Schluchf, h-^iiv m. ,Biegung, Voreebirge, 
Schlucht* und s.vcOlis): bis aufs Geschlecht = anord. angr .Bucht*. 
ahd. angar, nhd. Anger (grm. *angra-), vgl. auch aisl en<? {'angid') 
.Wiese', zu Wz. ona- .biegen', s. onc«». Walde-P. 161. 

aneulus, -t m. .Diener, Knecht' (Paul. Fest. 19: Gottheiten 
AncuH, AnetOae), Demin. (auf Grund falscher Zerlegung m ane-ulua) 
ancilla, -ae f. .Magd' (seit Liv. Andr., rom.; davon -wte seit PUut 
beide als Fem. zu eervus, -olus, Wackemagel Gl. 2, 7): = gr. d|«pl- 
itoXo? ,Diener(in)" (urspr. f., Lommel Fem. 2), Dem. o. ampu[l]u- 
lum .ministrum' (Bugge Ait. Stud. 23), vgl. auch ai. abhiearah, 
pari-edranab .Diener" (Osthoff BB. 15, 316); am + eolo, gr. viKo\MX 
(s. d , Walde-P. I 514). — Der Name Ancus (o. 'Annuq nach Tzetzes) 
gehert ka«m ab Kurzform hierher (OsthofiF a. 0. 40, v. Planta I 332), 
sondem ist wegen Ancilius, Ancharius etr. Herkunft verdfichtig 
(Schulze EN. 122. 165'; die antike Herleitung von ancus ,krumm' 
ist Volksetym.), — Ein lat.-sab. ancus .Diener' wird wader durch 
antHlia (s d.) vorausgcsetzt, noch durch gr. d?nc<ivo«5- biOKcivoui; 
Hes. (Nazari RFCl. 40, 572 f.; vim. als 4v(o)- zu «tkov(? f. .Dienenn' 
wie ftTKOvCui ,eile' Aristoph. zu i-fKOviw ds., s. Boisacq 184^1 J 
imd u. eonor; verfehlt Damelsson-Noreen Ark. nord. fil 3, 17, Wad- 



46 ancunulentae - Angerona. 

stein IF 5 7: anord. oo ,achtgeben auf aus *ga-a{n)han [vim. aus 
*r«fe« got. ahfan ^'glaufen", s.Valde-P.I16^, Rheden Progr. 
d Viccnt.Brixenl896: lat. *hancus .Laufer"). - ffiervon anculo, 
-are ,diene'' (Paul. Fest 19), anclabris. 

ancunnlentae ,feminae menstruo tempore appellantur, unde tra- 
hitttr inquinamentum' Paul. Fest. 11, s. inquinare, cUnlre; an- wohl 
= «m6-r nicht dvo- (MuUer Ait.W.,28) oder die o.-u. Form von m- 
(Loewe Glossae nom. 193, Emout El. dial, lat 106). 

ancus ,qui aduncum brachium habet' (Paul. Fest. 19, Gl., rom. 
Ellbogen, Wegkrummung"), vl. u. anfif .vices?" (unsicher, vgl. 
V Planta I 361.ll 45, Gray BB. 27, 303 [Part. Praes. ,sich beugenJ", 
unwrsckl): im Ablaut (vgl. acw : ocHs) mit Ut. uncus (s.d.; 'onko- 
= gr. fiTKO; m.) ,gekrummt, Haken', aduncus gekrummt (seit 
Ennt spater ob-, red-) zu gr. AfKiby -wwoi "S ..'.'^"f'm ^^^"F"]' 
£ir-nTKev-ib€? ,die an den dtKdvec befestieten Bohlen' (Bechtel LexU. 
129), HfKikw ion. Atkoivti f. .alles gekrumrate", d-fKaXri/- ;ge- 
krummter Arm% Stko? n. ,Tal», dTKiOxpov n. ,Angelhaken , ^tkuVo? 
.krumm', dTKOXn f- .Arrabug, Riemen, Schlmge' (: ai. ankurdh 
'junger Sprofi, Schofilina", an. 61, al f. .memen', wenn aus *an- 
Mu)lS. Falk Ark. nord. Rl. 6, 115), ayKUpa f. ,Anker' ( mit Wider- 
haken versehen", vgl. 6tko?; trotz schwienger Stammbild. [s. Chan- 
traine Etr. Benveniste 5] nicht mittelmeerland. Wort mit Sommerfelt 
NTS. 3, 287); ai. ankih m. .Haken, Biegung', dwkas- n. .Biegung, 
Krummung', ancati, tiefst. dcati .biegt, krummt" (-aknah .gebogen , 
av. aa!nafc ,Zugel"); mir. eeath .Fischhaken" (*a»kato-, vgl. aksl. 
*okoti. .Haken'); ahd. ango (= ags. anga, an. angt), angul (— an. 
f^lD .Fischhaken, Stachel', norw. dial, ang-bogi ,Ellbogen ; ht. 
atika f. .Schlinge" (= gr. 6fKr\ ■ Twvia Hes.? TrautmMm Bsl.W. 9). 
S. auch lat. ancrae, angulus, anns ,Rmg'; fraglich Mmm. — 

Walde-P. 1 60f. . • • u , i, nw 

andabata, -ae m. ,ein Gladiator, der mit einem Helm ohne Ult- 



anaanaia, -ae m. .cm vr.auioi».i, -v-- — "-- r T , v v„,,.. 
nungen, also blind {luminibus involutis Aug.) kampfte" (seit Varro 
u Cic.): gall. Wort; *anda- zu ai. andhdh, av. anda- .blind, dunkel 
(Fick IIM5, Dottin 227; kaum mit Walde-P. I 182 wegen der Bed. 
gall, ande- Intensivpartikel; die weitere Anknupfung von l umbrS. 
Ps. d.l, mndl. andoren, ahd. mhd. andorn .Marrulium' IM^^'^ 



u. UC.I: gall, wort; ~anaa- zu «i. i.«o"u'.., «". "■•""• » ' , — ---., 

(Fick IIM5, Dottin 227; kaum mit Walde-P. I 182 wegen der Bed. 
gall, ande- Intensivpartikel; die weitere Anknupfung von l umbrS. 
Ps d.l, mndl. andoren, ahd. mhd. andorn .Marrulium' [,bli?de 
Nessel"? Lehmann IF. 21, 192] ist ganz fraglich; gr. v6»o? .unehehch. 
Bastard" bleibt fern, s. Boisacq s.v.); -bata .kampfend s.u. battuo. 
anfr&ctns s. am-. . r i^ i 

anirarilis, -l m. .Bote' (seit LuciL; spfitl. angaria [gr. drf<»P«a, 
Tom.langario, -izo): durch Vermittlung des Gnech. aus ap. drfapo? 
(*fca»(7ara») m. .Reichspostbote' ; aus dem damit verw. (nach Smieszek 
Eos 30, 257 ff. aus heth. ^%arf .Botschaft" bzw. *ftai(i«)oaii« .Bote 
entlehnten?) gr. ir^O.0<i m. .Bote" (ai. di,gira}i .gStthches Wesen 
bleibt wohl flm, Brugmann Grdr.nM,363) stammt 1. angelw (seit 
Chalc). Bloch WuS. 3, 135, Schrader RL. H' 198. ^ , , ^,^ 

Angerona, -ae f. (Aa Macr.; zu -ona s. Leumann-Stok' 203) .erne 
Cfittin, deren Fest, die Angerondlia (Varro 1. L 6, 23) am ^1. Ue- 
zember eefeiert wurde und deren Bild im saceUum Volupiae sie mit 
verschloMencm Mund, den Finger an die Uppen legend darstellte 
(s Wissowa Rel.»241, Aust PW.12189f.): unsicherer Herkunft; falls 



angina — angor. 47 

die Erklarung der Altea (quod angores . . . depellat Verr. Fl. Lei 
Macr, 1,10, 7, Befreiung von der angina ,Halsbraune' lul. Mod.ib., 
Paul. Fest. 262) mehr sein BoUte als blofie Volksetym., dann als 
*anges6n& zu angor, anger e (z.B. Stolz HG.I488); doch verdient sie 
so wenig Vertrauen wie die weitere Heranziehung (Thes.) der mars. 
Gottheit Angitia, pfil. An{a)ceta, o. Anagtiai, vestin.-lat. du Anei- 
tibus (= u. Agetus; dazu nach Schulze EN. 479* Ofi. Anagnia aus 
*Anact-nia; eine bessere Etym. s. u. indiges). Ganz unwrsch. auch 
Wissowa a. O. nach Mommsen, Roscher (*an-ges6n& „G6ttin des neu 
aufsteigenden Sonnenlaufes', an ,dvd' + gero, gr. dvaq>^po|Liai). 

angina, -ae f. .Halsbraune' (seit Plaut.): vl. trotz der abweichen- 
den Bed. entl. aus gr. dyxfivri f. „Erdrosseln, Erhenken, Strick, wur- 
gende Angst" mit Umbildung von zu erwartendem *ancina nach 
ango (kaum urverw., da primSres -two im Lat. ganz vereinzelt ist, 
s. Leumann-Stolz^ 221). 

angiportns, -us m. und -um, -t n. (nach hi-, trivium usw.) ,enges 
Nebengafichen, Sackgasse* (seit Plaut.): adj. M-St. atigu- ,eng' (vgl. 
z. B. got. aggtcus [aus *aggus], ahd. usw. angi, engi ,eng', ai. am- 
hti- in Zss. ,eng', ir. eum-ung ,eng' [♦eom-njcAu-l, erw. arm. anjuk, 
aksl. azsta ,eng'. Walde-P. I 62) -)- partus ,Durchgang* (z. B. 
Vanifiek 155, Stolz HG. I 430, Landgraf ALL. 5, 139 f.). 

angS, {anctus u. anxus Gr.), -ere ,beenge, wurge, Sngstige' (seit 
Plaut.): = gr. &TX'*' ,schnure, wurge, qusue", dTKxrip m. ,Spange, 
Kompresse", d-fX<ivn f. jStrick" (s. angina), &fxu drxoO ,nahe*, daoov 
,naher' ; av. qjiawhe ,zu bedrSngen", tiefst. ny-Azayan ,sie sollen 
hineinzwangen' ; aksl.^^tf, qziti ,beengen', tiefst. pgi«, vezati ,binden' 
(Meillet MSL. 14, 369), azota ,Enge« ; ir. kymr. ing .becirangte Lage", 
bret. concoe^ ,Kehlsucht' (*com-angeid-); gr. SoL djKpriv m. .Nacken' 
(*aTX-/^-nv; vgl. got. hahagga ds. und weiteres bei Walde a. O.). 
Weiteres s.n. angor, angustus, anxius, antarius {ilium?). Wz. "angh 
{kth. * enghr *ngh-) .einengen', Walde-P. 162 f. (mit zw. Verknupfung 
mit *negh- .knupfen', s. necto), Reichelt KZ. 46, 311. — Fern bleiben 
gall. Octodurus ,arx in angustia sita*, ir. oehte .aneustia' {*og{h)- 
oder *ok-); ah. oc, ecus ,und', kymr. ajo« ,nahe" (Rhys RC. 2, 190, 
Stokes IF. 2, 168: *ak1custi, idg. 'aghnusti, s. auch unter gero); gr. 
ftxo? n. ,Beangstigung, Schmerz, Leid', fixwM<»i n^*"" betrabt", got. 
agis n. ,Furcht, Angst", og ,furchte mich', air. agor ,furchte* usw. 
(z. B. Schmidt Voc. I 31; Wz. *agh; s. Walde-P. I 40 f., auch zu 
*aghlo- ,widerwartig" in got. agls .schimpflich' usw.). 

angobatae ,eine Art Automaten" (Vitr. 10, 7,4): falls nicht mit 
Krohn aerobatae ,in die Hohe steigende Figuren" zu scbreiben, vl. 
nach Keller Volkset. 125 als ,in Flaschen emgeschlossene tanzende 
Figurchen" aus gr. •drroPdToi ,Flaschenraannchen' (vgl. dfTO-^i^itn 
.Behaltnis", ftrfos n. .Gefafi"). 

angror, -6ris m. ,Wurgen, erstickende Beklemmung, Angst' (seit 
Cic.) : KoUektiv zu *angos (s. anguttus), *ang{e)s- in anxius wie deeds 
neben decus usw. (Schmidt PL 143. 379) zu angd; vgl. hes. ai. dmhas- 
o. , Angst. Bedrfingnis, Not*, av. qzah- .BedrSngung, Not, Gefangen- 
schaft", ahd. atigust, nhd. Angst (urspr. *anghos-ti- mit -u- nach 
*nnghu-), aksl. qzostt ,Beengung" (zur Bildung Bechtel Lexil. 49), 
Kt. ank^as ,eng' (mit jr-Einschub aus idg. *angh-s-tos, Trautmann 
BaLW. 11). 



43 anguilla - angulus. 

angnlUa, -a« f. ,Aal" (seitPlt., rom.; vulg.-Jfa, s. Sommer Hdb.' 
205): s. u. anguia. . 

aBiTDis, -is m. .Schlange" (seit Naev., rom. neben verbreiteterera 
«erpgns): = lit. an^s, Akk. atlgi f. .Schlanffe, Natter', apr. angi$ 
-Schlange" {anxdris .Natter'), lett. Hodze, aksl. *qit m rus8. «i, poln. 
wai .Schlange" ; arm. auj, 8j ds. (Grdf. unsicher; *ogh^i-s - gr. 6<pi? 
mT? Pedersen KZ. 39, 404); mir. ese-iing ,Aal" (.*Wa8ser8chlange", 
ese .Wasser' aus *pidska [: gr. itibc^ .Quelle' usw., s. opinuis; 
daneben 'peid-skA in FN. kymr. Wysg usw., Forster Streitberg-Fest- 
gabe71 ff.] mid *anffu-); tiefstfg.ahd. unc .ScMange, Natter' {^g<.»){n)6-), 
er ftBas' ?X«»S (*«?-»-) "nd ^1- ^i- '^'•* ^^- "■^^ .Schlange' (wenn 
avis *n^hi; dock's. Boisacq 732 f.); daneben idg. *eah- m gr. ?x«': 
m. f. '.Schlange", «x»l>va ds. (f. eines Adj. *^xi-&v6? .schlangenartig'), 
kymr. ettod .Schafwurmer', mm .Pferdewurmer' (kelt. *egi-\ ahd. 
egula .Egel", norw. dial. /flrJe ,Wurm in der Schafleber', vl.arm.tiF 
Schlange, Viper' {*eghi-1 oder *eg<'hi-?; *egh- .Schlange' nicht 
weiter zu egh- .Igel' ab .Stacheltier", s. Walde-P.I65 und u.«r). — 
Von idg. *angfhi- .Schlange' (bzw. *ang»i-, vel. miten t(ipriP«S ""a ev. 
die oben genannten lat. und bsl. Worter) abgeleitet, aber emzelspr. 
vielfach umgemodelt mid auf keine sichere Grdf. zuruckfuhrbar ist 
der Name des .Aals': I. anguilla, -ae f. (kaum *<inguilwl mit 
W. Meyer KZ. 28, 163, Johansson ib. 30, 425, Hirt IF. 22, 67, Walde-P. 
164; ebenso unsicher Umformung aus *angulla aus *angv,r-la, Muller 
Ait.Wb. 30; nicht mit Hirt a. O. sarat gr. grxeX"? em mit ahd. lU 
Aal' aus *Uos verw. *-eluB enthaltend, s. fiber Aal Walde-P. a. O. 
m. Lit., Uhlenbeck PBB. 35, 162; auch nicht von *anguinus .schlan- 
genartig', Stowasser Wb.); gr. eTX€^"S. -"<>? ^- .Aal' (Kreuzung von 
•antf*hi- und *eghi-'i Boisacq 8. v.; Endung nach x^XiS?, -uo?? Muller 
a O.; schwerlich *engh-en^- oder *engh-er-u mit Petersson a. O.; vgl. 
auch Walde-P. I 64); gr. t|JipTipi<;* ^TXe^"? MeSunvoioi Hes. (de Saus- 
8ureMSL.6,78; *eng»-eri; vgl. XepriP'*;? Muller a. O.); ai^T. angwgia, 
lit. ungurys m. (aus *ang-, vgl. finn. ankerias) ds., ksl. *qgon m 
russ. Agon, foin. w^wz usw. (bsl. 'anguria-, Trautmann Bsl.W. 8; 
Val. qgulja, jfgulja wohl aus dem Lat.; zum r-Suffix vgl. noch ahd. 
angar .Kommade', engirinc .Larve', ahd. Engerling,Ut. ankitirai 
Maden, Engerlinge', lett. ankattri ds., russ. igon .Hitzblaschen, 
Finne (im Gesichtj". — Walde-P. I 63ff. (nebst weiterer Wzanalyse, 
auch gegen die Vbdg. mit ai. nUgah .Schlange', ags. maca .Ringel- 
natter'), Petersson HeterokL59 (nut kaum richtiger Leugnung der 
Grdf. *angfhi- mit Labiovelar). 

angnlns, -t m. .Winkel, Ecke, entlegene Gegend' (seit Plaut., 
rom.; vulg.-jrZ-, verworfen von App.Probi, nicht Pit.; sptl.-dttM .eckig', 
-are .eckig machen'): = u. anglomt .ad angulum' (v. Planta I 554 
n 25i^ak8l. qg(^)l^ .Winkel' (Meillet Et. 183^, arm. ankiun, angiun 
ds.; Wzf. *ang' neben *anq .biegen' (s. aneus) wie auch m ai. avgam 
n. .Glied', angtUih, avgurih .Finger, Zehe' (davon auguHyam .Finger- 
ring"), avgufthdii .grofieZehe, Daumen' = av. anguHa- .Zehe'; 
ahd. oncfca, inifco' f. .Cenick, Schenkel' ferm. "ankiSnr; daraus frz. 
anekt, hanehe ,Rohr' bzw. .Hufte'), Demin. anehal, endiO m., 
anehata («n-) f., nhd-Enkel, an.ekhja .Kn5chel, Ferse' (nachWalde- 
P. I 38 vl. auch gr. ftfTOS n. .Eimer, Schale', drr^Xoy .GefaB'); 



angustu9 — animus. 49 

daneben mit Abl. *ong- in o.-lat. ungulus .Fingerring', ungustui 
,fu3ti8 uncus' (s. d.). — Grdff. wohl *angu-lo-, 'ongu-lo-, zu anetts, 
uncus (vgl. bes. ai. angu-Uh, anku-rdh usw. oben and s.ancus, Persson 
Beitr. 421A.; die gewohnlich, z. B. v. Planta 1 554, Buck Gramra. 96, 
Leumann-Stolz^ 171 angesetzte Grdf. *ankh- mit bereits urit. Er- 
weichung zu*anfflo- erklart ungustus nicht; auch *onfo!to- ist nicht 
mSglich, da es u. *amlo- ergabe). — Nicht mit Varro 1.1.6,41, 
Klotz ALL. 12,94 wegen der angebl. altesten Bed. .Winkel im Haus' 
zu anqustus, s. Bruemann IF. 12, 3971 Ai. dgram n. ,Spitze, Gipfel, 
Ecke' bleibt fern (s. Walde-P. I 39). — Walde-P. I 61 f. 

an^nstns, -a, -um ,eng, knapp, schmal, mifilich' (seit Plaut., 
lom., ebenso angustia{e) ,Enge, Knappheit, Mangel, Schwierigkeit" 
8eit Rhet. Her.) : aus *angos-tos zu angor (s. d.) ; nicht mit -«- aus 
dem Adj. *anghu- in angiportus (s. d.). Walde-P. I 62. 

anhelo, -aet, -atum, -are ,keuche, schnaufe, hauche aus, dampfe' 
(seitTer., rora., vulg. auch hanSlo; Ruckbild. -e/ws .keuchend" seit 
Lucr.; anhelUus, -vs m. .Keuchen, Atem, Dunst' [vgl. hdlitus, spi- 
ritus] seit Pit., rom.); an (s. d.) + *anslo, vgl. hold .hauche" aus 
*ansl6 [h- als schallmalend fest geworden und danach auch in an- 
helo eingedrungen), s. animus {Stolz IF. 4, 236 f. 18,471ft, Solmsen 
lA. 19,29f.). — Gegen Thumeysena GGA. 1907, 801 Herieitung aus 
*an9-slo- (etwas anders ALL. 13, 23: Denomin. von *an-e?a ,Atmen', 
Bild.wie loqurela; Fickl*3.350: von an(h)ilus, dasvhn.selbst erstRuck- 
Lild. ist) spricht, dafi ein Nebeneinander *an-slo- *an3-slo- nicht glaub- 
lich und dafi die Bed. nicht .hauche', sondem .keuche' (d. i. ,atme 
muhsam auf, vgl. dva-nv^u). -Ctivw u. 5.) ist. — Verkehrt Fay Ci. 
<)uart. I 18 (ahnlich, unter Trennung von Mlo, Ruehle De aspir. 

vocab haud haurire halare, Diss. Marburg 1913, 80f.): zu Wz. 

*ghei- in hid usw. — Walde-P. I 57. 58. 

animus, -i m. ,Seele, Geist, Gesinnung, Gemiit, Mut' Tseit Naev.), 
<mima, -at f. .Lufthauch, Luft, Atem, Seele, Leben' (sett Naev., 
rom., s. zur Bed. Lucil. 789 und Meringer WuS. 3, 27; Demin. <mi- 
oivla f. .Mutchen, Seelchen' seit Cic; anim6 .beseele, belebe' seit 
Enn. bzw. Pacuv., -S,ni .beseelt, Lebewesen' seit Rhet. Her. und 
Lucr. [opp. inanimus, vgl. gr. €fi-\vuxo?! itv^uiv; itr. zur Differenzierung 
•von animatus .gesinnt' seit Pit.?]), o. anamum .animam' (-o- 
durch Assimilation, Specht Gnom. 3, 654): = gr. five^Ol; m. .Hauch, 
Wind' (dve|ii6u) ,blahe auf, (djv-yivenoi; .windstill', flve^66ls ,wmd- 
reich', dv€|id>Xio; .nichtig'; aber fivrpov n. ,Hohle*, daraus L an- 
trum seit Verg., kaum als .Luftloch' hierher, s. Valde-P. I 56' m. 
Lit.); ai. ani-ti, dnati ,atmet', dm-toj ,Hauch, Atem', andh ds., 
av. dntga, pardntyS. ,des Ein- und Ausatmens" {a, pari + 'anti-; 
vgl. gr. ftvToi • fivenoi, ivrd? • irvoid? Hes., an. gnd f. .Atem, Leben, 
Seele' aus *ant&):, air. anal, kymr. anadl f., mbret. alazn .Atem' 
^an»-tlo-), air. animm .Seele' {*ana-mon-, s.Pokomy ZcPh. 10, 69f.; 
kom. bret. eneff .Seele' wohl Lehnw. aus dem Lat.), anaid .bleibt, 
ruht« usw. (s. Pedersen II 455); got. uz-anan .ausatmen' (Schulze 
KZ. 55, 135), an. anda .atmen', ags. oroh (*uz-anp-) .Atemzug', 
idian {*anpjan) .atmen', anda ,Zom, Aulregung', ahd. anado m. 
.Gefuhl der Krankung' (zum -a- s. Specht Phil. Stud. Voretzsch 36); 
.aksl. vonja .Geruch', 'qchati .duften' in aruss. uchati usw. (zum 

W»lile Etym.Worterbudi d. Ut Spradie. 3.A. * 



50 anna — annona. 

-eh- s. Pedcrsen IF. 5, 57); alb. geg. qj, tosk. In .schwcUe", fer»e»», 
y«e»t .Weihrauch' {*ke-(a)nemo-, Jokl Stud. 37); Erw.'an-gh- in an. 
angi .Geruch, Duft' = arm. anjn .Seek' (Liden Arm. St. 38f.); 
dazu vl. an. oss, ags. os ,Ase (Gott)', got.Jat. anses (grm. 'an- 
suz; dazu venet. ahsu- ,Kultbild" nach Sommer IF. 42, 118, andera 
RibezzoRIGI.8,272) nebst ai.dsu- ,Lebenshauch' aus *nsu- (Quntert 
Weltheil. 102, unter Femhaltung von got. usw. ans .Balken* [vgL 
onus], doch s. auch Meringer IF. 18, 277 fF., F.R.Schroder PBB. 51, 
29); unsicher arm. holm ,Wind' {*onm aus *on9m0' nach Meillet 
BSL. 26, 11; nicht besser Petersson KZ. 47, 246). Ai. atmdn- n. 
jSeele", ahd. usw. atum ,Atem' bleiben fern, s. Walde-P. 1 118. 

Ifierher halo, anhelo, animal, -alis n. ,Lebewesen* (seit 
Cic, Lucr., Varro; vlgri. und rom. ,Zug-, Haustier", s.Salonius Vitae 
patr. 361); kaum indnis (s. d.). — Walde-P. I 56ff. 
anna, -ae f. ,Pflegemutter' (GIL. Ill 2012 aiina alumno u. 6. auf 
dalmat. Inschr.), nach Ausweis von gr. dvv{i;. \xr\xpoi; r\ itaTp6? \xr\Tr\ff 
Hes. (daneben dvd) Inschr.) und illvr. EN. 'Ava, 'Avvu\a, Annaeua 
usw., femer messap. illyr. ana bei Gotternamen — .irdTVia' illyrisch 
(Schulze KZ. 43, 276, Aufs. f. Kuhn 197^, Krahe IF. 46, 183f.); Lall- 
wort (vgl. I.&nus). — Anna Perenna {Anna ac Peranna Varro) 
ist nach dem Datum ihres Festes (15. Marz), den FestgebrSuchen 
und der Gebetsformel ut annare perannoreque commode liceat (Macr. 
1, 12, 6) deudich die Gottin des Jaliresanfangs und -schlusses^ 
(Wissowa Rel.»241, PW. I 2223 f.; vgl. Panda Cela, eondus promus 
u. a.); doch ist nur Peranna (-«- nach perennis) als Ruckbildung aus^ 
perannare (Suet.) verstandlich, Anna mufite dann nach anderen 
Gegensatzpaaren hinzugebildet sein; kaum liegt ein rait anus ,altes 
Weib* verwandter, erst sekundar auf annus bezogener Name Anna 
vor (vgl. oben anna und Schulze EN. 345 f. fur Einschlagiges au& 
dem Lat.-Etr., Kretschmer Einl. 344, Zimmermann BB. 23, 266 f. aus 
anderen Sprachen), da die diesbezuglichen antiken Deutungen nach 
Wissowa a. O. kemerlei Vertrauen verdienen. 

annona, -ae f. .Jahresertrag, Getreidepreis, Marktpreis, Getreide- 
versorgung, Proviant' (seit Plaut., daraus entl. got an?w ,Sold'; 
spatl. Abltg. annon&re ,mit Getreide versehen", -arius): von annua 
mit -otui wie in matrona, Pdmona usw. (Pedersen Ark. nord. fil. 20, 
386, Brugmann Grdr. II> 1, 280), doch ist Bildungsweise und Be- 
deutungsentwicklung dabei noch ungeklart (kaum Annona urspr. 
.Jahresgottin", dann , Gottin der Jahresproduktion', met. ,Jahres- 
ertrag* fvgl. annus .Jahresertrag" seit Cic. bzw. Verg.], s. Thurn- 
eysen ALU 13, 26f.). — Abzulehnen Froehde BB. 21,322ff. (*ann- 
osna jjahresernte' zu got. asans ,Emtezeit', ahd. ar(a)n ,Ernte', 
as. asna .Lohn", gr. 6ii-ii»po ,Sommerende, Sommerernte' aus *6it- 
ooapa, vl. mir. eorna .Gerste', wenn .Sommergetreide" [Pokorny 
ZcPh. 17, 306], arm. asun ,Herbst" [*as-ski6n? Scheftelowitz Feste. 
Jacobi 28], Wz. *es-en, os-enjr, s. Walde-P. I 161f.; ebenso verfehlt 
Froehde BB. 1, 329, W. Meyer KZ. 28, 165; *aano-nd>*iino-na, dann 
ann- nach annus); MuUer Ait.W. 31 f. {*dnno-uestia Jahresverkauf : 
venum heifit nicht ,Kaufpreis', das Fern, dabei unerkl.); Keller Lat, 
Et. 9 nach den Alten (aus *ad nonds Ire angebl. •• ad nundinds ire); 
s. noch Thurnevsen a. O. 27. 



annus — ansa. 



51 



annm, -t m. ,Jahr* (seit Naev., rom.) : als .LSufer" (vgl.d. JoAr 
[s. Janun], Kretschmer Gl. 17, 241) aus *at-nos (kaum *ai^snos mit 
Walde a/0., s. penna) — got. a/nam dat. pi. ,den Jahren", at-apni 
n. ,Jahr" {^-atnjp-, vgl. 1. bi-ennmm), zu aa. dtati ,geht, wandert'. 
Hierher auch o.-u. akno- Jahr, Festzeit, Opferfeier' (s. die Belege 
s acnua, dial. Wandel von -tn- zu -en- nach Brugmann IF. 17, 492, 
vgl. Thurnevsen ALL. 13, 25, Bucheler Rh. M. 63, 316ff.; unwrsch. 
Kent TAPhX. 57, 53 f.: Einflufi von acum ,agere'; unannehmbar 
E. W. Fay CI. Quart. 4, 84: o. acunum als ,Periode' zu gr. dftliv). 

amto-, o. -a. akno- als 2. Kompsglied weiter in I. per-entiis, das 

ganze Jahr dauernd, bestandig' und soll-emnis ,alljahrlich wieder- 
kehrend, alljalirlich gefeiert, feierlich, ublich' (vgl. Fest. 298 quod 
omnibus annis praestari debet und Abundanzen wie sollemne in 
singulos annos bellum liv.; zu den z. T. oder ganz sckundaren 
Schreibungen solhnnis, solemnis s. Thurneysen a. 0.25 f.; -mn- [zu- 
erst CIL. P 1 p. 191, Zeit des Aug.] vl. nach Walde LEW." 45 unter 
dem EinfluG von omnis; soUemnis von annus bzw. von sollennis mit 
Brugmann Tot.46f., Breal MSL. 4, 391 [von *am-, dazu o.amn'&d, 
s. amb-\ Niedermann e und j 53f., Leumann-Stolz" 167 usw. zu 
trennen ist unangangig); u. sev-akni-, per-akni- , soUemnis', 
Subst. .hostia" (Thurneysen, Brugmann; falsch E. W. Fay Q. Quart. 
4, 83 f.: peraeni- rait Suffixvariation zu peraeri-, s. Ocer). — Ver- 
fehlt Vanieek 2 (*<mc»io« Jahresring' zu d»Ms .Rmg"); Zimmermann 
ALL. 13, 229, BB. 29, 275 (zu anus als ,das alte"). 

Abltg. u. a. annuus ,jahrlich' (seit Plaut.), annSlis .das 

Jahr betreffend' (seit Enn. bzw. Lucil.; spatl. -«dKs durch Konta- 

mination, Leumann -lis 34), annieulus .einjahrig" (seit Cato, 

rom., vulg. -uclus; von einem Adj. *annicus, vgl. liinuhis, trimulus, 

s. Persson Gl. 6, 91 gegen Skutsch Kl. Schr. 312). — Walde-P. I 41 f. 

anqmna, -ae f. ,Ring oder Schlinge, womit die Segelstange am 

Mast befestigt wird' (seit Lucil., rom.): aus gr. dTKoivri (s. uncus, 

zum Lautl. Sommer Hdb." 103, Debrunner IF. 46, 91, Leumann- 

Stolz^ 88). 

anqmro, -si«, -situm, -ere ,suche umher, forsche nach, unter- 
suche* (seit Cic): a»i*(i)+ quaero (Paul. Fest. 22. Stolz HG. I 3%); 
kaum an- mit Stowasser WSt. 22, 122, Mommsen Staatsrecht III 355» 
{an- verstarkend, vgl. gr. dvoKpivu), &valr]Tim; dafi die jurist. Bed. 
= ,formlich untersuchen' die urspr. sei, ist unerwiesen). 

ansa, -ae f. ,Griff, Henkel, Dse (am Rand der Schuhsohlen), 
Handhabe, Anlafi' (seit Plaut. und Cato, rom.): = lit. qsd. f. .Henkel, 
Handhabe, Handgriff, Ose', lett. uosa .Henkel, Schleife, Ose"; *ansi- 
in lett. MOSS (Akk. Most) .Henkel", wohl auch in apr. ansis .Kessel- 
haken"; anord. as f. [*ansid) .Loch im Schuhleder zum Durchziehen 
der Riemen' = mnd. ose .rineformige Handhabe, SchUnge' (daraus 
nhd. Ose; nicht zu Ohr mit Kluge s.v.); dazu nach Walde Festschr. 
Streitberg 153f. als .Halter" oder .Schleife' gr. i\yia, dor. dvio 
.Zugel' (*ans-; nicht zu ai. nasyam n. ,der durch die Nase gezogene 
Zugel", s. naris), van. est PI. .Zugel' (*ansio-). Ai. amsadhri ,Ge- 
fafi mit Henkeln' vim. zu anisaif .Schulter" (s. umerus; La Terza 
RIGI. 8, 145). — S. noch ampla, amplus, mamis. 



52 anser — antanus. 

dnsdtus, -a, -urn ,mit Henkel (Griff, Dhre) versehen' (seit 
Plaut., rom. .Gefafi mit Henkein', RC. 42, 196): - lit. qsdtas 
.gehenkelf. — Walde-P. I 68. 

anser, -em m. (f. Varro al.) ,Gans«, eig. *hanser (Anlaut nadi 
atiaii, Brugmann Grdr. P 679; nidit dial, trotz Ernout El. dial. lat. 
109/. MSL. 13, 330; seit Plaut., rom. dafur avica) : ai. hamsdh m., 
hatiisi i. ,Gans, Schwan', av. za, zgaS ,Gans', gr. xnv -(5?, dor. boot, 
xdv m. f. ,Gans' (mit bewahrter kons. Flexion wie z. T. im Germ, 
u. Bait.); air. geiss ,Schwan' (*ghansi oder *ffhansi); ahd. gans (t- 
St), ags. gos PI. ges i^nansiz = gr. xn^e?; daraus mir. goss\ an. 
gas ,Gans': lit. iasis (Gen. PI. zqsif, dial. N. PI. Sqses), lett. ziiosj, 
apr. sansy As. (sekundar e-St); si. *gciSb in r.-ksl. gtis^ m., slov. g(}s, 
poln. g^s f. [g- statt 2- unter germ. EinfluS ?, s. zuletzt Trautmann 
B9I.W. 365; anders Meillet Et. 178, MSL. 13, 243; rf-Erw. in grm. 
ganta .einejArt Gans' (s. d.); fern bleibt arm. sag ,Gans« (s. a- 
conia)- — Die Stammbild. von anser ist schwierig; da fast stets Mask., 
vl. doch im Zusammenhang mit ags. gan(d)ra ^Ganserich", rand. 
ganre ds. (vgl. ahd. kat-arox anders Walde-P. a. O.), si. *Sansera-, 
*gansera- m at Mser, polab. gumgarr (idg. *ghans-ef{o)- m. zu 
*ahans- {., s. Emout a. O., Hujer Festschr. Groh 1923, 59 ff.; anders 
Brugmann Grdr. IP, 1, 526', Leumann-Stolz'> 246, Kent Lg. 2, 185 f- 
[dagegen Leumann Gl. 18, 254J). — Idg. *ghans- wrsch. vom heisern 
Ausfauchen des Tieres bei aufgesperrtem Sdinabel zu yhan- m gr. 
YdOKiu .eahne" (s. fames, vgl. bes. xaiieiv podv Hes., nidit sjpez. zu 
hidre ais *gh(i)an- mit Hirt BB. 24, 244, 1. Gr. I 294; s. Walde a. 0., 
audi gegen Suolahti Vogeln. 411: zu mhd. gagen nhd. gackem). — 
Walde-P. I 536, Lowenthal WuS. 11, 62 (mit unwrsch. Scheidung von 
idg. *ghans- ,Saatgans* und *ghon3- ,Graugans'). 

antae, -arum f. die freiendigenden und vorn etwaa verstarkten 
viereckigen Wandpfeiler, die den Pronaos eines Tempels {templum 
in antis = .Tempel mit offenem Pronaos vor der Cella und zwei 
SSulen zwischen <^n Anten desselben) oder die Prostas eines Hauses 
einschliefien' (Vitr. 3, 2, 2), audi die .Turlaibung, vor die die Ante- 
pagmente gesetzt werden" (Paul. Fest. 8. 16 ; seit Lex Puteol., 
rom.): = anord. gnd .Vorzimmer" (Bugge KZ. 19, 401), at. dta 
(meist PL ataft wie I. antae) ,Umfassung, Turrahmen', av. q'9ya 
Akk. PI. ,Turpfosten' (Bartholomae Airan. W. 359), arm. dr-and 
.Turpfosten. Tursdiwelle' (Hubsdimann Arm. St. 1, 19); idg. *ar^ta : 
\n»td {*nUi), a. Sommer Hdb.« 53. — Die Verbdg. mit ante (Isid. 
15. 7. 8 lisw.) ist Volksetjmologie. — Walde-P. I 59, Mennger Wien. 
Sbib. 181, V, 72. 

antariilS {-a, -urn) ,vor der Stadt befindlich' {bellum, Paul. Fest. 8), 
von ante (s. Leumann-Stolz^ 212). — antarit funis .die von der 
Spitze eines Windegerustes seitwarts zum Boden gespannten, das 
Seitwartssdiwanken verhindernden StriAe, von Vitr. 10, 3, 3 antarit 
funes ante laxi conlocentur deutlidi auf ante bezogen, in der Funk- 
tion genau mit gr. irpdrovo? m. .Sdiiffstau zum Aufriditen und 
Niederlegen des Alastbaumes' (eig. ,vom aufgespannf) ubereinstim- 
mend und daher wohl mit Mau PW. I 2347 Lehnubersetzung aus 
diesem, bzw. Verwendung von antSrius ,vorne befindbdi' als ,Vor- 



ante. 53 

seil' nach subduetdrius funis (Cato) u. a. — Kaum als ,Schnuratricke' 
aiis *anc-t&rii zu ango mit Reichelt KZ. 46, 311, Walde-P. I 63 
(sadil. wenig ansprediend, aJictus liter, unbelegt und kaum gebrauch- 
lich, Bez. von *anSh- auf jStrick* im Lat. fehlend); nicht aus gr. 
AvTOipuj (z. B. SaJfeld, dagegen Mau a. O.). 

ante ,vor, vorher" (seit XII tab., rom., auch o6-, de-ante; anted 
jvorher" seit Ter.), o. ant 'usque ad' (? vgl. u.), antkadum 'occi- 
dionem?': aus *«nH {vgl. antistes, anticun) — gr.dvri (•ftvTt?) m. Gen. 
,angesichts, gegenuber, vor, fur, anstatt' {&vTa, fivrnv .gegeniiber', 
dvTlKpO att. -<; .entgegen, geradewegs", &vTO(im, dvnduj ,begegne'); 
ai. dnti Adv. ,sich gegenuber, vor sich, in der Nahe' [anti-kdh 
,nahe'); idg. *anta m got. anda-, and- Praev. (anda-nemeigs 'dvT- 
£X6m£V0?', and-hindan .auflosen' usw.), and- Praep. m. Akk. ,ent- 
lang, fiber — hin, auf — hin", an. as. ags. and-, ahd. ant-, iwt-, mhd. 
nhd. ant-, ent- (Kompar. an. endr ,fruher' = got. andiz- in andiz-tik 
,entweder", ags. end , vorher", ahd. enii aus *andiaz ,fruher"); lit. 
aM, aht. und dial, anti m. Gen. (selten Akk.) ,nack - hin, auf, 
wahrend, fur""; vl. arm. and- Praev. ,auf-', gnd Praep. m. Akk. 
,entlang, geeen", m. Gen. , anstatt', in. Instr. .unten' (a- aus o- 
durdi die Proklise, Auslautsvokal unbestimmbar, s. Finck KZ. 39, SOlff., 
MeiUet MSL. 9, 155. 12, 429. 16, 126|; idg. 'nJ- in got. und m. Dat. 
,fur, um", unfa- (ags. od-, an. unn-) in unpa-fUuhan ,entfliehen' ; 
vl. audi got. und m. Akk. ,bis zu* (^unte Konj. ,bis, solange als' 
aus *und-pe, as. «nt(i), ahd. vmzi ,bis", s. Feist" 398 [nicht zu 1. 
endo, Vendryes ZcPh. 17, 78]; ahd. unti enti inti, nhd. und vim. zu 
ai. dthd ,darauf'), o. ant m. Akk. 'usque ad' (Walde Sprchl. Bez. 54; 
anders Brugmann Grdr. IP 2, 836: aus *nti, Env. von *«n, *ji ,in' 
wie der Bed. halber Ht. dial, int m. Akk. '.nach* [wenn nicht eher 
Kontamination von in und ant, Fraenkel Post- und PrSp. 54 f.]; un- 
klar gr. dial. Ivre ,bis" neben Iote). — Die weitere Analyse von 
idg. *anti, *anta ist unsicher; dv-ti, dv-TO wie ■npo-ri, Kd-ra nach 
Brugmann a. O. 803 (mit hypoth. Ansatz zweier *an-); ein Subst. *ani- 
,Stime, Angesicht', wovon *anti Lok. Sg. wlire (zuletzt Thumeysen 
ALL. 13, 28f.; Pokorny ZcPh. 15, 195; gegen dvia als Akk. Sg. B. 
Gunther IF. 20, 70), wird jedenfalls durcn antiae, antioper (s. d.) 
nidit erwiesen, da idg. "antios , gegenflberhegend ' vora Adv. *anti ge- 
bildet ist, auch nicht durch antes, -ium (s. a.), das als 1. 1. milit. bzw. 
agr. sekundar von ante nach f rentes, -ium gebildet scheint; St. *o»i<- 
sonst nur in air. Han ,Stim' {^ant-ono-) und in ai. dnt-ah m. ,Ende, 
Grenze, Rand* (vgl. dntamah, antyal^ ,der letzte'), woneben aber 
*antj/i- in got. andeis m. = an. end^r), ags. ende, ahd. anti, enti, 
nhd. Ende, das von *dntj,o- in an. enni n. = ahd. andi, endi ,Stim* 
nicht zu trennen ist. 

antid- in atUid-ea (alte Formel bei Liv. 22, 10, 6), antid-hSc 
.vorher* (Plaut., Com. inc., Archaismus, s. Scfamalz' 819), antid-eo 
,gehe voran' (Ph.) mit -d- wie in postid-ed (Pit., danach postid 
ds. nach post-ea : post) nach prod- neben pro- {antideO nach 
prod-eS, Walde LEW." 47); nidit aus *aati + d{e) mit lindsay-Nohl 
666. 676 noch aus *anti + id ,das, recht' in ai. ned ,(damit) nichl" 
(8. ni) mit Prellwitz BB. 22, 77', J. Schmidt KZ. 32, 407; ea, h&c 
in amid; anted usw. adv. Abl. (Wedding BB. 27, 27 f.). 



54 



antecesaus - anticua. 



Hierher u. a. anterior ,der vordere, fruhere' (scit Cels., Ce- 
gensatzbildung zu posterior wie anteritas Gl. zu posteritas, % acker- 
nagel Synt I 246): s. auch antarius, antes, antilena, anti- 
cus -oMMs. — Verbalkompos. (nach Brugniann a. O. 803 erst einzel- 
sprchl.) u. a. altlat. anteeo {a«tid-) ,gehe voran', antuto ,stehe 
voran, ubertreffe' (: gr. dvd-((JTanm, got. usw. and-standan ,wider- 
stehen"), antecello ,rage herv-or' (s. celsiis), antecedo (s. anteces- 
SHs), antep§nd; vgl. auch antege,-i6. — Walde-P. I 63 ff., Brugmann 
Grdr. IP 2, 802 ff., Fraenkel IF. 40, 86 ff. 
antecessns Adv. ,im voraus" (Chiron): erstarrter Nom. dcs FPF. 
von antecedo (Schmalz^ 468). Daraus vl. afrz. anceis. an^ms ,ehcr 
(-eis St. -es nach den Kompar. auf -H$? Sandfeld Litt. 2, 76; anders 
z. B. Regula Jahrb. Philol. 3, 206). 

antegrerio {anti-) altlat. (Paul. Feat., Quint.) ,vorzugsweise, sehr : 
ante und gerere, vgl. zur Bed. praefero, praecipue (Schmalz- 500). 
antela si antilena. , „ ju i 

antemna, -«e f. ,Segelstange, Rahe (wagerechtes Rundholz am 
Maste zur Anbringung der Segel), flbtr. Querholz dcs Kreuzes' (meist 
PI.; -«n- jung und vulgar; seit Plant., rom.) : unsichrer Herkuntt; 
Yl'als ,die aufgespannte' aus *an{a)-tentpna zu *temp- ,spannen' 
in lit. tempiii .spanne durch Ziehen' (s. templum); kaum als *dnt- 
ap-na (s. *apid, apere) .die vor- (oder gegen-jgefugte, -gebundene 
Stange' (Weise 64, Niedemiann e und i S3, MuUer Ait. W 33 1. als 
,am Ende befestigf; aber«an<o- ,Ende' ist dem Lat. fremd,s. ante; 
unklar das ? der rom. Grdf. 'antenna, s. Ettmayer ZRPh. 32, 725). — 
Abzulehnen Dohring Ibb. kl. PHil. 1896, 113 A. (zu temo .Deichsel 
als ,sidi nach beiden Seiten [(i»«(*)-Iverjungende Rahe"; tiefst. -m«- 
zu temen- unwrsch.); Keller Volkset. 280 f. (Lehnw. aus dvaTCTOfiivii) ; 
Giardi-Dupre BB. 26, 201 {*ana-tem-na ,die abgeschnittene' zu gr. 
T^tivui ,8dineide' usw.); Froehde BB. 16, 197 (aus *an-tenda mit 
vulg. Assimilation zu -nn- oder -tetna [vgl. TCTOvd? ,gespannt' zu 
T€(vu», tends; ahnlich Usener Kl. Schr. I 224: •an{a)(end{t)mena]. Etr. 
Herkunft als t. t. der Schiffahrt (Ernout BSL. 30, 99) sdiwebt m 
Act Luft. . 

antes, -ium ,Reihen (von Berittenen, Weinstocken, Pllanzen) , 
urspr. .Fronten' (seit Cato): s. ante. 

antegtor, atus sum, -an ,einen Anwesenden bei einer rnv&tr- 
klage durdi die Formel 'licet Sn 9" zum Zeugen aufrufen' (seit XII 
tab!): entweder an{d) (z. B. Corssen P 564 A., Mommsen Staatsrecht 
III 355') oder ante- (Brugmann Grdr. P 861; doch ist die Bed. ,zu- 
vor anrufen' aus den Belegen nicht zu ersehen) und testari ,zum 
Zeugen nehmen'. ,„ i c it • 

antiae .muliebres capilli demissi in frontem' (Paul. test. 17, in 
der Lit. seit Apul.; -osus Gl.): = ahd. andi, endi n. ,Stim', an. 
enni ds., gr. Avri-o? .entgegengesetzt, gegenuber' (s ant')- — *aV*j^ 
auch in antio-per ,irpd toutou' (Gl.) nach B\icheler ALL. 1, lU^t., 
Leumann Festschr. Wadtemagel 339. • , • / 

anticns ,der vordere', antiqaiis ,vo"g- »^^ widitig(er)' (seit 
Plaut., rom. -c-, f. -qu-, s. Meyer-Lubke Einf.» 166): von ante. Die 
Doppelheit des Gutturals vl. aus urspr. Flexion *antiacs, *antiqul 
usw. zu erklarea; die Durchfuhrung von -j«- in antlquus .alt" nach 



attdlena — apage. 55 

dcm Oppos. novos jneu" (Thurneysen ALL. 13, 30 f. mit kaum rich- 
tigem Ansatz von idg. *anM-kos), wahrend anticus ,der vordere' 
nach dem rein lokalen posticus .hinter' (Ablt. -ieius, -iculum, -tenia) 
~c- durchsetzte. antiquus enthalt im 2. Glied nach Ausweis von ai. 
prdtihak ,zugewendet*, prAHkam n. ,Antlitz' (*prdti-9k- : gr. itp<5- 
flUJiTOv;' dazu toch. A prats-ak .Brust"?, Schulze Ung. J, 7, 175), dm- 
kam, n. ,Angesicht, Vorderseite ' wohl idg. *05?-, s. oculus (Kretsch- 
mer KZ. 31, 389, Solmsen PBB. 27, 356 f., J. Schmidt PI. 390, Brug- 
mann P 589. IP 1, 474. 482, MeiUet BSL. 28, 43; vgl. jedoch auch 
Thumb Hdb. d. Sanskrit I 219f. und s. longinquus). 

antilena, antela, -ae f. ,Brustriemen der Pferde" (Itala, Gl; 
uber allene 01. s. Thes. s. v.): von ante, vl. als Beimwortbildung zu 
cantilena (oder zu habena?, Leumann-Stolz^ 223), antela unkht; 
danach die Gegensatzbildung postilena (Ph.), postela ,Schweifriemen, 
Hintergeschirr". 

antmm s. animus. 

1. anas, -« m. ,Kreis, Ring (Varro 1. 1. 6, 8), Fufigchelle, After- 
(ring)' (zur Bed. vgl. gr. baKTOXloc; seit Plaut., rom.; atUitus Gl.) 
Dem. anulus m. .kleiner Ring, Ringel' (seit Naev., Anellus seit 
Pit., dies rom.): air. anne, ainne ,Ring, Steifi* (-ne aus *mjo-, s. 
Pedersen II 57; nicht mit Vendryea De hib. voc. Ill Lehnw., da 1. 
anus die Bed. ,Ring'' im lebendigen Gebrauch nicht mehr hat, s. 
Pedersen Litt. 2, 80); dazu arm. anur ,Halsband, Ring'? (Bugge 
KZ 32, 3; nicht mit Petersson KZ. 47, 285 f. aus *Stnu-ro- zu d. 
Sekne, s. Walde-P. II 696; arm. 6i 'anulus, circulus', nach Bugge 
EF. 1, 443 aus *anU, bleibt fern). Durch das ir. Wort wird die sonsl 
ansprechende Verbindung von anus mit ancus als *ancnos (s. Leu- 
mann-Stolz'> 170 f.; vgl. ungulus .Ring" : wnctis .gekrummt") ver- 
boten; ganz zw. die Anreihung von o. anei als ,in ano, in der 
Topferscheibe' (Ribezzo RIGI. 8, 87). — Abzulehnen Fay TAPhA. 
41. 52 f. (: gr. avdo? als .Fessel'); Ziramermann KZ 50, 151 (: am{b) 
,rundum'); MuUer Ait. W. 30 (: ango .schniire'). — Walde-P. I 61. 

2. anns, -as (altl. -««>) f. ,altes Weib' (seit Enn., -icula seit Ter., 
vulg. -ucla; antb ,bin altersschwach' seit Pit.; an&s, -tis f. 'morbus 
anuum' Paul. Fest. 29, zur Bild. s. Leumann-Stolz^ 233, MuUer Ait. 
W. 34): ahd. ana, mhd. ane ,Gro6mutter, Urgrofimutter, Ahne", 
ano, mhd. a»(«) ,Gro6vater, UrgroBvater, Ahn' (Demin. mhd. enel 
,Gro6vater, EnkeP, ahd. minchil ,Enkel' als ,der kleine Ahn', 
Schulze KZ. 40, 409 f., Hermann G6tt. Nachr. 1918, 215 f.), apr. ane 
,a!te Mutter', ht. anyta ,Schwiegermutter der Frau'; vl. arm. aner 
.Vater der Frau', wenn *an-ero- (M. E. Schmidt KZ. 47, 189, Her- 
mann a. O. 214; aber han ,avia" zu kin alt, s. senex); unsicher ahd. 
hevi-anna, mhd. hebamme. Altes Lallwort (vsl. anna rait weiterem 
Zubehor; falsch Wiedemann BB. 27, 223). — Walde-P. I 55 f. 

anxias, -a, -um .angstlich' (seit Cic, -ia , Angst', sptlt. und 
rom., kaum schon Lucr. mit Schmalz' 456, itudo seit Pacuv., -ietSs 
seit Cic, anxio ,angstige (mich)' sptlt., rom.): aus *ang-s-ios zu 
angor, ango (s. d.). 

apa^e .fort damit, padt dich!' aus gr. SiroTe (Weise 59, J. B. Hof- 
mann Uragangsspr. 39); nidit echtlat. (Stolz HG. I 267). 



56 



ape - aperiO> 



ape ,prohibe, compesce" (Paul. Fest. 22, CI., z. T. verderbt m 
apes, apet, s. Thumeysen ALL. 13, 32f.): von apere .hmAen im 
Zaume halten", nicht zu ab (Johansson BB. 15,311, Stolz HG. I 267). 

apen&rii ,Possenrei6er' s. afannae. 

aper, -« ,Eber" (seit Plaut., rem.; -ugnus, -unus .vom Eber' 
seit Ph., 8. Leumann-Stolz^ 154, 222): = u. apruf, ahrof, ,apros% 
abrunu ,aprum", abrons ,*aprOncs' (aber lat. Apronius, mars.- 
lat Aprufdatw vim. wohl etr., vgl. Schulze EN. 111. 124f., v. Gnen- 
bercer IF. 23, 348 ff.; auch Abella bleibt fern, s. d.); ags. eofor m. 
Eber', ahd. ebnr, nhd. Eber, an. jgfurr .Furst" (grm. *ebura-; 
nicht weiter nach Fick KZ. 42, 85 f. zu ai. y&hhati, i. jebdih ,fu- 
tuere', thrak. ^Spo? .Bode", ai. {bhah .Elefant", s. u. ebur, ibex, 
und Bernecker I 452, Uhlenbeck PBB. 24, 239ft); aksl. vepn m. 
,Eber", skr. vepar, pel. wieprz, russ. vepn, lett. vepris, ht. ON. 
\epriai, pr. Weppren (bsl. *uepria- mit e-Vorschlag, s. Pedersen 
KZ 38, 311, Mcillet Et. 410)." Ital. *apros woW mit a nach caper 
(Skutsch Rom. Jb. V. I 67, R. G. Kent Lg. 2, 185), nicht Red.-Stufe zu 
e (z B. Hirt Vok. 80). — Fernzuhalten trotz Meillet RESl. 5, 9 aol. 
?H-6poi ,Widder' (s. vei-vex). — Walde-P. I 121, Loewenthal WuS. 
11, 60 (: *dp- ,Flu^", verfehlt). 

aperiS, -ui, -turn, -ire .offne, erschliefie, dedce auf" (seit Naev., 
rom ), Gegensatz operio ,verschlie6e, bedecke, verhulle' (seit Plaut.); 
*rtp-, op-uerio (s. Brugmann IP 2, 806^ Leumann-Stolz' 156; kaum 
*at-ueri6'= lit. &t-verm mit Niedermann IF. 26, 52 [at lat. nur in 
at-avus und nidit in der Bed. ,weg«] oder *op-, op-tyieHo mit M^et 
BSL. 28, 46 f. [*t#«r- kaum lat., s. paries): = ai. apa-v^i}6ti ,6fl&iet, 
dedct auf, enthullt', api-vr^ti .versdiliefit, bedeckt, verhullf; lit. 
d,t-veriu atvMi, lett. atvert .ofihe", Ai-veriu -virti .schhefie (die 
Tur)', apt. et-werrei ,offine!' flit, atviras .often", apr. etwiriuns 
,aufgetan' usw.; sekundSr im Simpl. lit. verti .ofiFnen, schliefien", 
fett. vert ,auftun"), aksl. {za-)i>reH .schliefien', ot-voriti .offnen', vl. 
todi. B. ruwim ,6fihe' (Vfi-. Liden a. O. 140); vgl. noch o. veru 
portam', u. vorof-e .in portam' usw. {'uero- ,Tfir* [Ntr., nicht m. 
mit V. Grienberger Gl. 2, 261], s. Corssen KZ. 22, 290 und vgl. vesti- 
bulum), lit. mrtai PI. .Tor", apr. tcarto n. pi. .Haustur', aksl. 
vrata n. pi. .Tor, Tur* {*uorto-), zavorh .vectis', gr. fiopov- fxoxUy, 
m)XO&vo, *opu»p6v KiiTrptot Hes.; unsicher o. vereiiai .luventuti' 
usw. (*eer«(*)«i- .Landwehr, Torwadie?", s. Rozwadowski Eos 8, 
99 ft, Muller Ait. W. 536 ; andere nicht vorzuziehende Deutungen s. 
u. curia, vergo). — Mit dem Nebenbegriflf des durch UmsdiheCung 
Schutzens, Wehrens u. a. ai. vrrtOtt, vrnUe, vdrati .verhOUt, bedeckt, 
umsdilieCt, hemmt, wehrt' (z! T. *uel- .drehen* enthaltend, s. voIpo), 
vdrtram n. .Schutzdamm* (av. verebra- n. ,Wehr, Schild"), vrtifi f. 
.Zaun" (= ags. umrth f. .Boden"), toch. B. wSrto, vwrto .Garten" 
(ags. weord word n. m. \*uir-U)-] .Gehege am Haus"), alb. vabt i. 
{*uor-t&) .Gehege, Hurde,' Sdiafstall", air. feronn .Land, Acker" 
]*uer-ono-, eig. .umhegt"); *utru- u. a. in ai. pir^tham ,Wehr", 
variHAr- m. .SdiOtzer, SAirmer" (= gr. J)UTr|p), gr- ep6-Mai ,wehre 
ab, rette" usw. (Beditel Lexil. 140. 294), umord. waru .Steinkrew' 
= an. upr f. .Relhe von Steinen am Landungsplatz" {*uoru-, dazu 
gr. hom. oOpoi .Lautgraben" aus *ttor-uof Liden a. 0.; vgl. auch 



apex — apiscor. 57 

verrHea), usw. — Abzulehnen Breal (6. Thurneysen a. O.) nach Prise. 
{*ai-perw; ahnlidi Fay AJPh. 25, ISOflF.: *ab-paHd). — Walde-P. I 
280 ff. (mil im einzelnen sehr fraglicher Scheidung von *uer- ,bmden, 
anreihen, hangen'', s. z. B. Trautmann Bsl. W. 351 f.), liden Aufs. f. 
Kuhn 139 ff., Thurneysen ALL. 13, 31 f. 

apex, -icis m. ,Su6erste Spitze* (z. B. grant, lauri, collis), Helm- 
spitze. Apex in der Schrift, bes. der stabartige, aus DIbaumhoIz {vir- 
ffula oleaffina Paul. Fest. 10) Aufsatz auf der Priestermutze {pileus, 
albogalenis), audi diese selbst. Tiara' (seit Lucil., rom.): eig. ,Be- 
festigung, Anfugung', von apere (zum Formans vgl. vertex); Abltg. 
day on trotz Samuebson Gl. 6, 258 f. apiculum ,filum quo fa- 
mines velatum apicem gerunt' (Paul. Fest. 23), apicire ^ligare' Gl. 
(von apex nadi vinclre; -attts ,mit der Priestermutze versehen' Ov.); 
die Bed. , Spitze sonstiger GegenstSnde" ist danadi sekundar. Hier- 
her noch apex&vo (Snis) , Wurstzipfel" {-abo Varro, -do Arn.); zum 
Suffix vgl. longavo, Meister Lat.-gr. EN. I 52. — Abzulehnen Keller 
Jb.kl.Ph. 133,261 (als .Stachel" zu apis ,Biene", d. i. ,*stechend'); 
Ernout BSL. 30, 106' (etr.; aber die vermutl. Herkunft des apex der 
Saber aus Btrurien [Muller Phil. 78, 265] sagt nidits fiber das Wort aus). 

apiana, apiaster s. apium, 

apica ,ovis quae ventrem glabrum habet" (Paul. Fest. 25, Varro, 
Piin.; -iosus ,calvus' GL): aus gr. aitoxo; ,ohneWolle' (Wcise 345). 

apinae s. afannae. 

*apiD, apere ,comprehendere vinculo, ritu flaminum adligare" 
(Paul. Fest. 18 al.; vgl. audi ape), aptus ,angefugt, verbunden, an- 
gepafit, passend' (seit Enn., rom.; davon aplo, Sre ,anpassen' seit 
Pompon., rom.), copula f. .Band' {'co-apujd, seit Plaut., rom.): 
Wz. *ap- in apiscor (s. d.; vgl. bes. aptus mit ai. aptdli ,gesdiidtt, 
geeignet, vertraut"; Bed. ,erreichen, erlangen, beginnen* aus ,ver- 
knupfen' oder ,(an)fassen*, vgl. semas. iunctus, iuxtH ,nahe* und 
apud; Curtius 510f., VaniCek 15, Thurneysen ALL. 13, 32ff.). am- 
mentum bleibt fern (s. d.). Walde-P. I 46. 

apis, -is f. ,Biene* (Gen. Plur. -lum, seit Liv. -um; open von 
Gramm. gelehrt; seit Plant., ebenso -icula, beide rom.): unerkl. — 
Nidit mit Curtius 264, Vanidek 16 zu gr. ^^1ti?, tbo? f. .Mfldte", 
ahd. imbi .Bienensdiwarm', spSter .Biene", nhd. Imme {*etnpi-o-, 
s. Walde-P. I 125, vgl. omnis; *empis mufite mit apex [das aber 
ludit ,Stachel" heifit, s. d.] zu apis kontaminiert sein; audi gall.- 
lat. amella nidit mit Stokes BB. 9, 194 aus *ampella, s. d.]; tfljzu- 
lelmen audi Horn Et. W. d. neupers. Spr. 254 f. (: neup. ang ,Biene', 
vgl. Meillet MSL. 14, 477); Holthausen IF. 35, 132, MuUer-Graupa 
Gl. 18, 137 (: opus als .Arbeitsbiene'); Loewenthal WuS. 11, 63, 
Muller-Graupa a. O. {*api-s ,was man einfangt" bzw. die fugende': 
apiscor, apio); Prellwitz Gl. 16, 153 {*apo-0 .die Trinkerin*: ^niriq 
aus iv + pi); Muller Ait W. 35 (Rudcbld. zu apicula aus *ad-pik-ela 
,die stediende* zu itiKpoi;, s. pingS); v. d. Velden Uber Urspr. u. 
Herk. der idg. Spr. 1912, 43 (: bask, ahia^ .Stechfliege'). — Audi 
die urspr. Flexion luisidier, b. Pedersen 5' decl. 57 {*apes, -um), 
Ernout REL. 3, 115 (*op-« ap-is). 

apiscor .erreidie, erlange, erfasse geistig', adiplseor .erlange* 
(beide seit Plaut.), coepi (Plaut Enn.) ,habe angefangen" (spater 



58 apium - apopores. 

cwpl. wohl nach coepio Ue'it Pit.] aus *co-t/no, coeptus, s. Leumann- 
Stolz^ 79. 108; anders Thurneysen Thes.): ai. dpnSH ,erreicht, er- 
langt", aptdlt ,geschickt, geeignet, vertraut', av. apayeiti ,errcicht', 
3. Plur. apente aus *apuentai (ar. *ep- ? s. Meillet a. O. ; kaum Praep. 
■d + dp- mit Keller K2. 39, 157, vgl. ai. -ipsati); dazu nach Meillet 
MSL. 23, 276 heth. epmi .nehme' {*ep-?), arm. utiim (,habe, besitze', 
and-unim ,erlange' (*op-»i-?; andere nicht bessere Auffassung u. vt- 
■mus). — Fern bleiben gr. fiTtriu ,hefte an, binde an', dqji'i ,Be- 
Tikhrung' (: arm. ap' .bohle Hand' nach Pedersen KZ. 39, 428, 
MeiUet a. O. ; andere Verbindungen bei Walde-P. I 46) : ir. am .Hand" 
(vgl. ames); wohl auch gr. f|irioi; ,freundlich, mild, verbundet, bei- 
stehend', ai. apify ,Freund, Bundesgenosse' (s. Walde-P. I 12] f.); 
lit. opiis ,schwach, wimd, gebrechlich', gr. fiTtebav6i; .gebrechlich, 
ischwadi' (Walde-P. I 47). — Hierher noch apio, apud (s. d.); ganz 
zw. o. aftiim als *ap-tiom jtaotum* (oder *a{d)fatiom .alloquium" ?, 
Ribezzo Nea^. 2,301), aapas ,catervae?' (Ribezzo RIGI. 8, 88 unter 
Beiziehung von ai. apih [doch s. o.], gr. oitdiuv .Gefahrte' [s. vim. 
seqiior]; auch nicht trotz Muller Ait. W. 40 zu aqua, s. v. Planta 11 644). 
apinm, -t n. ,Eppich, Sumpfeppich, Sellerie' (seit Verg., viUg. -«s, 
rom., daraus ahd. usw. epfi, Cech. poln. opich), apidnd (. ,Kamille, 
«ig. Bienenkrauf (Ps. Apul., dak. ? vgl. Detschew Die dak. Pflanzenn. 7), 
■apiastrum, -i n. und -«•, -? m. .Melisse, n£Xioa6cpu\Xov' (seit 
Varro); als ,von den Bienen bevorzugte Pflanzen' von apis 

?rhumeysen GGA. 1907, 802; vgl. apiaslellum = , apium rusticum' 
s. Apul. und apiastra f. ^Bienenspechf als ,Bienenfresser" Serv. ; 
Klaher nicht mit Johansson IF. 4, 137 als .Wasserpflanze' zu ai. ap- 
.Wasser', a. amnis). 

apltida, -ae f. ,Spreu, Kleie' (nach Paul. Fest. 10 audi ,sorbi- 
tionis genus'; seit Naev.; sekund. ad- Plin., vgl. admentum st. am-; 
3u ablunda Gl. s. Bruch Nph. Mitt. 22, 119); wohl von aJ) + plati- 
■dere {eig. plodere), vgl. unser ,die Kleie abschlagen' (-u- st. -o- dial. ?, 
B. Pauli KZ. 18, 12, Ernout El. dial. lat. llOf.; anders Walde II 100, 
vgl. plaudo). — Nicht mit Fick II* 253 aus *ah-pluda (als .Abtrei- 
bung, Abspiklung') zu air. im-luadi .exagitat', dessen Zugehorigkeit 
2u ahd. usw. fiiozzan jflieBen' hochst fraglich ist (s. pluit, ^^alde-P. 
II 95). 

aplnstra^ -orutn (seit Cic, Lucr.), -ia, -ium (seitManil. ; Sg. -e 
seit Lucan; am- Paul. Fest.) ,Schiffsknauf ' : aus gr. fltpXaOTOV bzw. -a 
.gebogenes, mitZieraten versehenes Schiffshinterteil" (Saalfeld) dutch 
etr. (*ap/s«re?) Verniittlung (Thurneysen Thes., Emout BSL. 30, 121, 
Schrader-Nehring IP 298; zum -tr- vgl. IJ. 7, 3 und unter ballista). 
apoculo, -are ,sich ruckwarts fortmachen, drucken" (Petron.) : wohl 
hybr. Komp. dir6 + eulare zu cuius ,der Hintere" (s. d.), vgl. frz. re- 
culer, fruhnhd. aich drschen .zuruckweidien' (Salonius Die Griechen 
und das Gr. in Petr. 1927, 31). Nidit besser Thomas Stud. 84 (dito 
-{- oculdre ,ab oculis abire'); Bucheler bei Friedlander' 316 f. (dito- 
KoXeiv .abrufen', in der Sklavenspradie ,von der Stelle bringen'); 
Weise BB. 5, 77 (vgl. Keller Volkset. 145 f.): dnoKuXiu) .fortwalzen". 
apopores, apoperes .Art Kurbis' (Isid. 17,10,16, Gl., rom.): 
Wort (ler Pyrenienhalbinsel (Sofer Isid. 118). 



appello - aptra. 59 

1. appello, -puli, -pulsum, -ere „treibe heran, lande' = u. afpeltu 
^adpellito, adraoveto". 

2. appello, -Svl, -alum, -are ,spreche an, rede an, nenne, mahne, 
klage an' (seit Plant.), compello ,rede an, gehe an, schelte, klage 
an' (seit Naev.), interpello ,unterbreche durch Zwischenrede, er- 
hebe Einsprndi' (seit Ph.): zu pellere ,sto6en, treiben, (dutch Puffe) 
in Bewegung setzen' als iterat. a- Verb wie oecupo neben capio usw. 
(s. Leumann-Stolz' 317 m. Lit.); Ausgangspunkt appello ,treibe an 
(vgl. adigo), mahne, fordere auf (wegen Celdschuld, vor Gericht)', 
dann abgeschwacht (wie d. vorschlagen, anlassen u. a.) ,gehe an, 
rede an' (ebenso interpellare zunachst ,dazwischen schlagen, -fahren'; 
««-, com-, interpello wie al-, col-, inierloquor); s. Fay Journ. Engl. 
Germ. Phd. 6. 247 ff., F. A. Wood 01. Ph. 5, 306, Mullet Ait. W. 328, 
Valde-P. II 677. — Nicht weiter mit Fay, Wood a. O., Froehde BB. 
19, 241 ff. zu got. spillon ,verkundigen, erzahlen', spill n. = an. 
spjall ags. spell as. ahd. spel ,ErzahIung, Rede' usw. (anders fiber 
die germ. Sippe Kluge PBB. 35, 573, vgl. inqtiam), gr. diteiXr) f. 
,Drohung' (*(i-iieXvi.a, d- = *n '^v'?); eher vl. zu lett. peU ,schmahen, 
lastem, verleumden^, pafas °pl. ,Tadel, Schraahimg' (Bezzenberger 
BB. 27, 149; vgl. bes. appelt ,rugen', nuopdt ,abkanzeln', s. Muhlen- 
bach-E. s. v.). Osset. appallin .loben' (Lewy KZ. 52, 313) khngt 
■wohl nur zufalHg an. — Walde-P. II 676 f. 

appendix s. ampendices. 

apncns, -a, -um ,sonnseitig, besonnt, sonnig warm' (Gegensatz 
opacus jSchattig', Varro, rom. ; davon -or ,sonne mich' seit Varro, 
rom., -atio Cic., -it&s Colum.): unklarer Herkunft, wenn nicht aus 
*aperi-cos zu aperio (Lindsay-Nohl 205 nach den Alten). — Abzu- 
lehnen Mullet Ait. W. 301 (aus *aper^-eos, Komparativad. zu ab, vgi. 
aprilis; formell und sadilich gleich bedenklich; ebenso 39: aus *«(&}- 
prions zu kymr. rhydd, nhd. fret, s. privus); Pedersen KZ. 39, 352 f. 
(: arm. arp"^ [«-St.], arp^k .Sterne', arpH ,Ather', idg. *aphr-); Prell- 
witz BB. 22, 97' {*ap^a)ri ,offen', wie in aprilis, und *oc- .offnen 
Auges'); Thumeysen GGA. 1907, 802 {*a2)-urtcos zu rica [s. d.] ,ohne 
Kopftuch', zunachst von der Frau, dann' ubtr. .schonungslos aus- 
gesetzt" ; auch lautl. trotz aperio bedenklich). 

aprilis, -is m. .April' (seit Varro, rom.): vl. als ,der zwcite 
Monat' des alten, mit dem 1. Marz beginnenden Neujahrs (Deecke 
bei Soltau Rom. Chronol. 96) von *apero- ,der liintere', ai. dpardh 
.hinterer, spaterer, folgender'. av. ap. apara- ds., got. afar ,nach- 
her', Ablt. von ab (Cuny MSL. 14, 286 ff., Hirt IF. 31, 12, Leumann- 
Stolz"' 235; Bedenken erwedtt, da6 von Zahlen gebildete Monats- 
entsprechend den Vomamen im Ital. erst von 5 an begegnen, s. 
Schrader RL. n'671); kaura als *ap{e)ri-lis mit den Alten zu aperio 
(vgl. apricus, Muller Ait. W. 39). — Abzulehnen Stolz HG. I 512 
nach Fruheren (: aper als .Ebermonat' ; trotz slav.-gerra.-gr. Paral- 
lelen bei Sdirader RL. IP 73 nur Volksetym., vgl. Leumann -lis 14); 
PrelU'itz BB. 22, 97' (von *apart .offen', s. apricus); Stowasser 
WSt. 31, 146f. i*Apro, *Apris Kurzform zu 'Atppobirti) ; Maresch 
Mitt. Ver. kl. Phil. 2, 7T (*aplilis von etr. apln .Apollo'). 

aptra .Weinlaub' (Titin. nach Gl., auch ab-, abs-, vgl. Klein 
RhM. 24, 295) : ? Kaum zu apere, aptus (Thumeysen Thes.). 



60 



aptus - aquihis. 



aptns s. apio, apere. 

apnd Praep. ,bei' (seit liv. Andr., rom.; Nebenf. apor. apur, 
vgl. mars.-lat. apur, zunadist vor Labialen, s. Leutnann-Stolz^ 128): 
urspr. PPA. Ntr. *apuod (aus *apyM ,erreicht habend* zu api5, apis- 
cor (s. d.), daher ni'e als Ad- und Praeverb, Grdb. .in naher Ver- 
bindung', vgl. iuxta (s. bes. Brugtnann Sadis. Ber. 1901, 108 nrit 
falscher Alternative: Lok. von *apor- jErreidiung"). — Verfehltes 
bei lindsav-Nohl 666, Thumeysen ALL. 13, 35 (zu gr. dial. itOTi, av. 
paUi zu, gegen': Erw. \on'*po- [s. u. ofc], Walde-P. II 77; wegen 
-Junmoglich); Stowasser ZoG. 1901, 868 f. {*op + od); Muller AitW. 
38 {*apo-{a]d oder *apo-d nach prod-; ahnlich Lindsay-Nohl a. O.: 
*apo-de). - Walde-P. I 46. 

Apulia s. u. amnis. 

aqna, -«« f. ,Wasser, Wasserleitung" (seit XII tab., rom. nebst 
den Ablt. -firiug, -ariolus, -atut, -ilentus, -osus; vgl. nodi -atilis, 
-alis, davon -alicus m. ,Sdiweinsmagen, Wanst"; fiber acun Lucr. 
s. Leumann-Stolz° 112): = got. aha I ,Flu6, Gewasser", an. {!, ags. 
ea. as. ahd. aha, nhd. Ache da. (grm. *dhtcO; davon abgel. *ahu^ 
*ahu>jds ,das vom Wasser Umgebene' in an. ey f. ,Insel, Aue", ags. 
ieff, ahd. -outca, -awa, mhd. ouwe, nhd. Aue, vgl. mnd. usw. eiland, 
Sca{n)din-avia, Kretsdimer Gl. 17, 148ff.); russ. FN. Okd; dazu an. 
ttgir ,Gott des Meeres' (Ablaut e : »; vl. ags. dagor ,Meer, Fluf, 
(s. Falk-Torp 1428). — Idg. *aq^a oder *a}cud? (s. Walde-P. I 34 f. 
wegen der ganz zw. Zugehorigkeit von ai. kdm , Wasser' [ohne Ge- 
wahr] einer-, FN. a4varaih& u. a. anderseits; unklar air. oiche ,Was8er", 
kymr. aig ,Meer', s. Sdinetz ZONF. 1, 14 und zu germ, -apa unter 
amnia; heth. eku- ,trinken«, toch. yoko , Durst' bleibt trotz Pedersen 
Groupem. 40 wegen der Bed. Wohl fern; sidier lett. aka .Quell, 
Brunnen' trotz Muller Ait. W. 40 [: acs ,Auge" usw., s. Muhlenbach- 

E.8.V.]). 

aqnifolinm s. acrifolium. 

aqnila, -ae f. .Adler' (seit Enn., rom.): als .Sdiwarzadler' (vgl. 
B. 252. Q 316 und das Wortspiel Plant. Rud. 422, femer neXdja- 
itirfo; Ardiil., maked. Ttopa6s ,Adler' : napuxS? ,r6tlichgrau' u. dgl.) 
zu aqaUws (VaniJSek 3; kaum umgekehrt aquilug als ,adlerfarbig" 
von aquila mit Niedermann lA. 29, 30, s. Walde-P. I 34). — Die 
ON. AquUonia (o. Akudunniad, u. Ahefwniam , s. Thes.), 
Aquileia, FN. Aquilil in Apulien bleiben fern (s. zuletzt Herbig 
BPhW. 1915, 1033, Krahe ZONF. 5, 140. 148). 

aqnilex, -legis m. .aquarum indagator, Wassertheoretiker, Rhab- 
domant' (seit Varro, Adj. -leguB Tert.): aqtui + legere ,aquam col- 
ligens" ; die spate Flexion agutiicis, -em nadi aquilicium n. .Regen- 
zauber" (Tert., aguae- Paul. Fest; aqua -(- lacid, s. Thumeysen Thes.). 

aqnilS, -Snis m. (sc. ventus) .Norddrittelostwind, Nordwind" 
(seit Naev., rom.): als ,der den Himmel verdunkelnde* zu aguilua 
(VaniCek 3), vgl. zur Bed. gr. xoiiria? .Nordostwind' : caecus; nidit 
ab .Adlerwind' von aguOa (Sdirader RL D* 659, Riegler Misc. 
Scfaudiardt 7). 

aqnilns, -o, -um (seit Plaut, rom.): wohl als .wasserig* von aqua 
(Leunumn-Stolz' 217, Muller Ait. W. 40; vgL nfiWw : n«be«), wenn 



aquipedius — araneu3. 61 

auch die Farbe des Wassers nicht apezifiach grau oder dunkel ist 
(vl. urspr. von den herabhangenden regenschwangeren dunklen Wolken 
gesagt, dann ubtr., s. Apul. Socr. 10 p. 143 und Paul. Fest. 22). — Fern 
bleiben lit. aklas, lett. akls .blind' (Persson Beitr. 371 >. 951 ; vim. bait. 
*apaklas. danach dklas, Verbaladj. ,erblindet" zu lit. apfikti neben ap- 
j'l^ifctt .erblinden', dies gebildet aut Grund von *api ak% ,um die Augen*, 
s. Endzelin Don. nat. Schrijnen 399 f.); gr. &Kapov- TuqjWv, dTXPaS' 
(lOuuv . AoKpoi Hes. (Fick KZ. 19, 255 1! u. 6. ; dTXP"? ^^- Umbildung 
nach fifXii ftKOpov aus *nk- zu Ut. irikti .verbleichen' nadi Endzelin 
a. O.J; air. adaig I ,Nacht« (nicht mit Fick II* 326 aus *ad-ag^i); 
lit. Ukanas ,trube, bewolkt' (s. umbray, alb. akui ,Eis' (G.Meyer 
BB. 8, 185; vim. zu skr. pri-kala ,Reif* als ,das Hartgewordene', 
s. callum, Jokl Ling-kult. Unt. 268 f.). — Aquilonia usw. s. u. aquiia. 
Walde-P. I 34. 

aqnipedins s. aaipedms. 

ar s. ad. 

ara, altlt. -asa, -ae f. ,Aufbau zum Opfern, Altar*, ara sepulcri 
.Scheiterhaufen' als .Brandaltar der Leichenstatte' (Verg.), arae 
,Sandbanke, Klippen' als .ausgedorrter Platz' (seit Naev.) : = o. 
aasaf ,in ara', u. ase ,arae" usw. (u. s statt r wohl ritualer Archais- 
mus mit Kent Lg. 5, 40, anders v. Planta I 527 f., Meillct Esq. hist, 
lat. 71 ; Grdf. *assa wird trotz Reichelt KZ. 46, 316, MuUer Ait. W. 57 
durch assus [s. u. areo], da vhn. *dssa zu erw., und durch den Rho- 
tazismus verboten). zu Wz. *ds- ,brennen, ausdorren' in areo, s. d. 
(Budieler Lex. It. V, OsthofiF FEB. 13, 397, Reichelt KZ. 46, 313 f.). — 
Fern bleiben gr. horn, fii'div, -6voi;. att. ^djv, dor. didiv f. .Strand, 
Ufer' (Fick GGA. 1894, 237; allerdings auch nicht zur Sippe von 
dif, dra, s. Boisacq a. v.), mir. a .Hohe'' (Stokes BB. 19, 38). 

aranens, -» m. .Spmne' (sptlt. mus -us .Spitzmaus', s. Riegler 
WuS. 4, 218 f.), ardnea, -ae f. .Spinngewebe' (seit Catull auch 
,Spinne'), ardneum, -i n. (nach textum) ,Spinngewebe' (seit Phaedr.), 
Dem. ardneolus, -o (seit Culex bzw. Cic, beide rem., ebenso ard- 
neus, -a, dies spStl. und rom. auch in der Bed. .KrStze, Raude', 
vgl. Schrader RL. I' 645) : vl. urverw. mit gr. dpdxvti f. ds. (dicht. 
dpdxvti?. *paxv6<: m.\ Grdf. •arafcsnfi (Walde KZ. 34, 478; kaum mit 
Thumeysen GGA. 1907, 802 entlehnt, da hierbei zunacfast *aragna, 
*aragnea zu erwarten ware und bei einer Umbildung nadi den 
VSrtem mit -aneo- das Vorbild zu suchen bleibt ; nidit *arankneia 
mit Petersson Z. Kenntnis d. idg. Het. 46 zu ags. renge, rynge 
.Spinne, Spinnweb' ang. aus *rungid, doch ist auch *rusnia- aus 
idg. 'nknia denkbar nach Walde LEW.* s. v.); zur Substanti- 
vierung durch -ejft- s. Fraenkel Gl. 4, 46. Weitere Analyse unsicher; 
nach Walter KZ. 12, 377, Curtius KZ. 13, 398, Reichelt KZ. 46, 318 
als *ar»-k-sna .Netzspinnerin" (SchlufigUed zu nire?) zu gr. &pKui;, 
-uoi; f. ,Netz*, dpKdvr^ ,das Holz, woran die Faden des Aufzugs be- 
festigt sind* (*ar- ,fugen' [s. arma] hat jedoch sonst keine Be- 
ziehung auf die Webctedinik, und &picu; vl. besser mit Liden IF. 
18, 507 f, zu Serb. rdkUa .Rotweide', doch s. arcus). — Fern bleiben 
ahd. usw. roc ,Rodc", an. rokkr, ahd. rocko, nhd. Boeken (grm. 
*rokka- aus *urg-?, s. vergo). mir. rucht .tunica' {*urgtu-), kyrar. 
rhuch f. .Man'tel. Fellmutze' {'rougna; s. Marstrander'lF. 22, 332 f.. 



62 arator - arceo> 

Loth RC. 42, 62). — arSnea, dpcixvn nidit zu arced, dpK^U) mit 
Prellwitz' 49. — Walde-P. I 76. 

arator m. .Pflfiger" (seit Lucr.); vgl. gr. dpo-nip; s. aro. 
aratrnm, -» n. ,Pflug' (seit Cato, rom., vlg. -te/): gr. SpoTpoy, 
dor. aparpov, mir. arathar, kymr. aradr, an. ardr, arm. araur, ht_ 
drklas, lett. arkls (vgl. aksl. ralo aus *ar»-dhlo- trotz Bruckner KZ. 46, 
208); idg. *ard-trom, daneben im Anschlufi an *ara-, *ar&-trom; s. aro. 
arbiter, -trl m. ,Augenzeuge, Schiedsrichter, Gebieter* (seit XH 
tab. ; -tror ,beobachte, meine' seit Plant., -trium ,Spruch, freies Er- 
messen" seit Ter., rom., -Stus ,Entscheidung, Ermessen' seit Pit.) : 
u. afputrati .arbitratu* {-ur mehrdeutig), ad und baetere ,gehen' 
(s. d.; Abl. i:ai?, vgl. Niedermann Ph.W, 1930, 10), Grdb. ,wer als 
Zeuge und Unbeteibgter zu zwei Streitenden hinzutritt" (vgl. zur 
Anschauung sequester, testis und Plaut. Mil. 1137 Merc. 1005). — 
Abzulehnen Bezzenberger BE. 12, 239. 16,245, Cuny Rev. et. anc 
1909, 184tf.' (zu got. gifan, ahd. usw. quedan ,sagen", dazu nach 
Liden Arm. Stud. 68 S., Guntert Reimw. 34 arm. kocem ,i-ufen' [*9»ot-i'\ 
vgl. veto; arbiter ware dann Lehnw. aus dem O.-IJ. wie audi bei 
Verknupfung mit gr. &n<pxa-pnT^"' .streite", d. i. ,gehe in der An- 
sicht nach zwei Seiten auseinander* [Walde LEW.* s. v. zweifebid], 
was unwrsch. ist); Zimmermann IF. 18, 376 f. {■.pater); Fay Rev. de 
ling. 31, 373 ff. (: ai. ardhdh ,halb"). — Walde-P. I 678. 

arbor, arbos (s. Leuraann-Stolz' 141), -oris f. ,Baum' (seit 
Naev., rom., ebenso -etum ,Baumpflanzung' seit Quadng.; arbustus 
,mit Baumen bestanden" [-urn .Baumpffanzung" ; vgl. angor : an- 
ffustus usw.] seit Cato, arbuscula seit Varro) : kurd. ar- aus *ard- 
,Baum' in Srzang ,Baumrost", ,durch Wind und Wetter verur- 
sachte dunkle Farbe auf den Baumen' (Bartholomae IF. 9, 2701'.), 
ids *ardhos- ,Baum" als Gewachs zu Wz. *er{3)dh- .wachsen', s. 
arduus. Walde-P. 1 149. , ,^ ^ 

arbntns, -l f. ,Hagaplelbaum, Erdbeerbaum, Arbutus Unedo 
L' (seit Varro, -um n. ,Holzapfel' seit Lucr., rom.): unerkl; nicht 
Befriedigendes bei Schrader BB. 15, 289 (: nhd. Arhe, Arfe ,Pmus 
Cerabra'; -f-\)\ Schrader RL. P 259 (: ags. erda ,Bienenkraut, Me- 
lisse"; Bed.!), Froehde BB. 17, 310 (: ahd. usw. erdheH .Erdbeere', 
vim. von Erde, ahd. erda wie russ. zemljanika : zemljd, BShtUngk 
IF. 7, 272); VaniCek 27, Hehn Kulturpfl." 411 (: arbor); Muller Ait. 
W. 47 (: *,rie)dhu- ,rot", s. r«6er); vel. auch Olck PW. VI 399. 

area, -ae f. ,Kasten, Kiste, Lade, Geldschrank, Kasse, Sarg' 
(eig. .Verschlufi", vgl. arcanus ,verschlossen, verschwiegen, geheim*, 
seit Plaut., rom.; Dem. -ula seit Pit., -ella sptlt. und rom.): s. arceo. 
— Aus dem Lat. entlehnt got. arka f. ,Arche, Kasten, Beutel', an. 
pri, ags. earde), ahd. arahha , Kiste, Kasten', aus dem Grm. aksl. 
raJca .Grabhohle", apr. arkan Akk. Sg. ,Arche'. 

arceo, -ui, -ere .verschliefie, hege ein, halte in Schranken; halte 
fern, wehre ab, bewahre' (seit Enn., vgl. coerced in ahnl. Bed. seit 
Cato. rom.), o. triibarakavrim ,aediificare' (*trib- [s. trabs] + 
*arka .Wohnstube', Bedeutungslehnw. nach okobon€iv, Kretschmer 
Gl. 10, 160f.): gr. dpic^ui , wehre, halte vor, sdiutze, helfe; reiche 
aus, genuge' (Denorain., also nicht bildungsgleidi mit areeO, vgl. 
hom. fipK£Ooa wie iTikiOoa usw.), flpxo? n. .Sdiutz'; arm. argel 



arcera — arcifinius. 63- 

.Hindernis', argelum ,wehre, halte ab, halte zuriick'; tmsicher wegen, 
der Bed. si. raiiti ,wollen, gdnnen" (Bruckner KZ. 45, lOS'l, kymr. 
archen ,Kleid, Schuh*, mir. acrann ds. (Stokes KZ. 41, 381); fern 
bleibt air. du-imm-aircthe ,artabatur" usw. {*org-, s. Pedersen II 589). 
— Mit o-Aitonung Orcus ,Unterweltsgott" (s. d.; aber orca ,Tonne' 
bleibt fern), vgl. arm. orm ,Mauer', wenn aus *orq-mo- (Petersson 
Gl. 7, 320); s. noch area [arcdnus), arx, arcera, artus ,ein- 
geengt'. — Wz. *ark- aus **arek-, vgl. lit. raktas ,Schlussel', ror- 
klrUi .schliefien", vl. ahd. rigil jRiegel' (Guntert Kalypso 136) und 
paralleles *areg- in ai. argalait, argald ,megel', as. racud, ags. reeed 
m. n. jGebaude, Haus" (dazu kimmer. apflXXa ,unterirdische Woh- 
nung', mak. ApxeXXa aus *arg-el-iS. jBadehutte", woraus entl. alb. 
ragdl i. jHutte", Jockl IF. 44, 22); *aleq- in ai. rahsati (kaum mit 
idg. r), gr. dX^Eu) .sdurme' usw. (s. Walde-P. I 89 f.). 

Abltg. : areula ,avis quae in auspiciis vetabat aliquid fieri* 

(Paul. Fest. ; ibid, arculus ,deus qui tutelam gereret arcarum", dies 

kaum direkt von area, s. Samuelsson Gl. 6, 259). — Walde-P. I 

80 f., OsthoflF IF. 8, 54flP. — Vgl. audi artus ,eng'. 

arcera; -ae f. ,landlicher, allseits bededcter und gepolsterter 

Wagen in Kastenform fur Kranke und Greise' (XII tab., s. Gell. 

20, 1, 29; arcirma Paul. Fest. 15 sdieint daraus verderbt): wohl 

Erw. von area nach camera u. a. (anders, weniger gut, Breal MSL. 

11,122, MuUer Ait. W. 42), 

arceraca, arcelfica, -ae f. ,uabekannte, nach Colum. u. Plin. 
mit argttis verwechselte Art Weinstocke' : ? 

arc«8Sd, accerso, -ivl u. -a (nach petivi), -»t«m, -ere ,hole herbei,, 
rufe herbei, lade vor Gericht' (seit Plant.) : unsicherer Herkunft, 
doch ist von areesso auszugehen (daraus accerso mit ace- nach ae- 
cedo, aceio und Metathese des -r; beide Formcn bereits bei Pit. 
durdi Alliter. gesidiert, doch ist accerso mehr vulgfir, s. Skutsdi Gl. 
1, 403, Neumann 38 zu Prop.; nachkl. arcessi nadi incessi, sptl. ac~ 
cesso nach incesso. arcessire nadi -»i>i, -ttum) ; am besten mit Sommer 
Hdb.'' 586, KE. 172 aus *ar-eezd-s6 ,ich will an jmd. herantreten, 
holen", Desider. zu accedo aus *ad-cezd6 (vgl. vlso : video, quaeso 
und accedo alqm ,trete als Bittsteller heran' seit Pit. Most. 688, frz. 
aller chercher). — Abzulehnen Thurneysen IF. 14, 132, ALL. 13, 37 
{*arvocesso, *ar{u)cesso zu vox; ware zunachst *arvocasso); Brug- 
mann IF. 13, 88flf. (*arfaeessd ,schaffe herbei"; facesso nur itr. oder 
mit Sadiobj.); Nazari RFCI. 29, 269 ff., Fay TAPhA. 37, 5ff. (aus 
*arkarss6 zu ai. av. kar»- .Ziehen, pflugen' mit Pott, s. Walde-P. 
I 429 ; Bed. !) ; MuUer Ait W. 7 {*ad-kers-so : curro unter falscher 
Heranziehung von ai. kars-). 

architectns, -t ra. ,Baumeister' (seit Plaut. ; davon -art seit 
Rhet. Her.): nach Niedermann Gl. 19, Iff. Ruckbildung zu -art, dies 
haplologisdi aus vorhistor. -otidrl (gr. dpxiT€KT0V£iv) ? Spatl. archi- 
tector, -oris m. ist Ruckbildung zu -Ura nach sculptor neben sctdp- 
tura usw. 

arciflning {-fin&lis) ager , der durch unregelmafiige, naturUdie 
oder willkurlidi gezogene Grenzen eingesdilossene ager publicus* 
(Grom.; areifinium n. .Grenzstein', vgl. quadri-): area ,Grenz- 
zeidien* {area finaJis Grom.) und finis (Stolz IF. 17, 85 ff.; nicht 



64 



arcisellium - arduus. 



von arces .kriegerische BoUwerke an den Grenzen' mit Kubitachek 

PW I 789). 

arciseliinm, -t n. (Petr.), arcisoUum (CE.) .Lehnstuhl' : ar- 
etts + sella, solium, vgl. sella arcuata ,»P<Syo?' Gl. 

arcubil ,qui excAabant in arce' Paul. Fest. 25: hapbl. aus 

""^arcns,*^ m. (f. Enn. Vitr. nach porticus) .Bogen, Regen-, Sthwib- 
bogen, Bogenwolbung, Kreisbogen" (seit Enn. und Plaut rom.; Dem. 
nrcuius :circulus' Fest., Gl., s. Samuelsaon Gl. 6, 259; Stammausl. 
-au- vel. Gen. arqut Cic. Lucr. sowie arques, -iiis m. .sagittanus 
FauL fest, arqui-tenens ,Bogenschutee" seit Naey., arquipcllens 
Val Fl ) u. arclataf .arculatas, runde Kuchen" (vgl. arculata ,cir- 
culi' qui ex fanna in sacrificiis fiebanf Paul. Fest. 16; *arkel(>- mit 
Verlust der LabiaUsation, s. v. Planta I 341, Gotze IF. 41,91): got. 
arhazna f. .Pfeil" {*orhwa-zna nach filu-sna .Vielheit' usw.), an. or 
f., ass. earh t ds. {*arhud) ; fern bleiben russ. usw. rakita ,Haarweide^ 
(s. Fruckner KZ. 45, 104'; vgl. aranea), gr. ftpxeudos f. ,Wa*older 
(Liden IF. 18, 507; vim. zu lett. dial. e{r)cis ds., s. Endze^KZ. 44, 
59 E, Persson Beitr. %4), gall.-lat. adarca (Marstrander NTb. 1, 245, 
s. d.), nhd. Arbe, Arfe .pmus Cerabra' (s. arbutus), wohl au^ ai 
arkih .calotropis eigantea' (Uhlenbeck s. v.) und gr. ftpicu? .Netz 
<8. a»^on««). — Walde-P. I 81. Vgl. arqumus ,r,u a m ^^ 

ardaliS, -Snis m. .geachaftig tuenderMu6igganger(Phaedr., Mart.), 
Sdilemmer' (Gl., vgl. -olus ,bucco' Gl.): aus gr. apboXo? m Dreck- 
fink' (apba f. .Schmutz': fipbiu .benetze"), wrsdi. Gestalt der don- 
schen Posse, durch Vermittlung des Mimus zu Anfang der Kaiserzeit 
«ntlehnt (Sonny ALL. 10, 381, Br^al RPh. 9, 137); der FN. Ardalto 
in Afrika (Oros.) klingt wohl nur zufalUg an. 

ardea, -ae f. .Reiher' (seitVerg., rom.): gr. dpiubi6? ds. (Hippon. 
6ujbi6?, sek. ^piubiii; volkset)Tn., im Auggang nach -(bio?, bolmsen 
Unters. 75f.), an. arta, aschv. Srta .Knekente", Denun. an ertia, 
norw. erle .Bachstelze'. Serb. r6da .Stordi' {r»dd); Wz. 'arod-, 
*ar9d-. Walde-P. I146f. 

ardeo, arsi (vgl. fulH; ardm Act. Arv.), arsurus, -ere ,brenne, 
alOhe, bin entbrannt' (seit Enn. und Plaut.): aus *aMheio joa art- 
dus, svnk. ardtts, s. areo ; vgl. ardor, -Oris m. ,Brand Glut seit fit., 
rom. (: arded wie ealor : ealed usw.). — Leumann-Stolz^ 318, hommer 
KE. 66 f. (audi zu angebl. dial, arfet .siccum est" Gl. gegen btoiz 
VSt. 22. 313). . , . ^ .. , ^ > 

ardnus, -a, -urn ,hoch, steil, schwieng' (seit Cato, spez. dicht.): 
gall. Ardu-enna Berg-N., air. ard ,hoch, groB' [.rsdih}^), an. pr- 
duar .steil', av. artdva- ,hodi', z. B. in ^rgdm-fm- .mit straffen 
Brtsten'; alb. rit ,wadise' (.*rd{h-))-, aksl. rastq, russ. rastu usw. 
.wadise' (si. *or»tq, idg. *ord{hytd), vl. auch abg. usw. rodi, .par- 
tus, generatio. gens', roditi .parcere', red ,Speise, Nahning , lett. 
radU .ersdiaiaren. gebaren" usw. (Persson Beitr. 276; dodi ist vl. 
Herleitung aus *ured- vorzuziehen, zur Reimwz. *M«-<rfA- .wachsen, 
hoch" in ai. vdrdhate ,madit wadisen'. ai. firdfcwife ,hodi', gr. dp- 
die, dor. pop»6- aus */bp»/'6? usw., s. Walde-P. I 289f. m. Lit. 
landers MQhlenbach-E. s. radU, rasma]; ai. ardh- .gedeihen trotz 
Persson Beitr. 277» wohl aussdiliefihch zu gr. fixao^ol, s. alo). — 



area - 5reo. 65 

Grdf. von arduus unsicher; da an. nrdugr idg. *3rsrfA- verlangt und 
audi die ubrigen oben gen. Gleidiungen erne Parallelform *end- 
nidit fortsetzen mussen (vgl. auch arbor; o. Arafiis ist freilich als 
EN trotz V Planta I 191 kaum zu verwerten; Unbrauchbares bei 
Zimmermann BB. 23, 269, s. Schuke EN. 128. 347), ist vl. dodi mit 
Sommer Hdb.' 178 -d- aus idg. -dhr durdi einen Ansatz 'aradheua- 
I'aradh-) gewinnbar; anders Brugmann V 323, Niedermann IF. 15, 
119, Guntert Reimw. 202 (Wechsel von -d- und -dh- wie in gr. 6p6- 
baii'voc m. .junger Zweig", vgl. auch u. rAdix; Entlehn. aus dem 
Gall, mit Kretschmer BPhW. 1898, 212 kommt nicht in Betracht). — 
Idg. *er{3)dk- Erw. von *er- ,in Bewegune setzen' {s.orior; vgl. bes. 
arni ordi ,Sohn', Grdb. .geboren werden" nach Wiedemann BB. 
27, 221). — Walde-P. I 148 f. 

area, -ae f. .freier Platz, Bauplatz, Dreschtenne, Hofraum, Renn- 
bahn, Gartenbeet, Gottesadcer, Glatze' (seit Cato, rom., ebenso drea- 
lis sptl; vgl. &re&tor, -Htura ,Drusch' Colum., s. Lundstrom Eran. 
16, 187): zu areo, ara als ,ausgebrannte, trodoie, kahle Stelle' 
(Reichelt KZ. 46, 314; vgl. z. B. Paul. Fest. 11 area . . . dicitur locus 
vacuus quasi exaruerit); vgl. ahd. essa f. nhd. Esse i^asion, s. u. 
aedes), an. arinn ,Erh6hung, Feuerstatte', ahd. erin m. ,Diele, Boden' 
(grm. *azena-, s. Falk-Torp 1432). — Fern bleiben ahd. arin, erin 
n. .pavimentum' (Lehnw. aus 1. arena, s. Kluae Pauls Grdr. 1*334); 
ahd. astrfh, fstirlh .Estrich' (Froehde BB. 16, 208; vim. aus sptl. 
astracum = gr. iaTpaKOV, Kluee a. O.); lett. dra, Are, drs ,das 
Freie, Draufiengelegene, Ackerfeld', lit. 6ras ,Luft, Wetter' (Prell- 
witz BB. 23, 76; vim. nach Bnga zu lett. art .pflugen", 1. ardre, 
s. Trautraann Bsl. W. 13, Walde-P. I 79 ; verfehlt Merineers IF. 16, 
183, 17, 122 Beziehung auch von I. area, an. arinn aul ardre als 
,Ausgeackertes, Feuergrube'). 
arena s. harena. 

are5, -ul, -ere ,bin trocken, durr, ausgedorrt, verschmachtet' 
(seit Plant.): Wz. *(i8- ,brennen, glfihen' in ai. asah ,Asche, Staub", 
dsitajf, ,schwarz, dunkelfarbig' (doch s. auch asia und Walde-P. I 
324); *az-a- in arm. azazem .dorre", aiiun .Asche" (Meillct MSL. 
15, 357), *az-gh- in got. azgo f. .Asche' (daneben an. asca, ahd. 
asca, ags. asce, nhd. Asche, grm. 'askon, s. Feist* 52) ; *az-d- in gr. 
fiZui {*az-d-i6) ,d6rre, trockne', (Ha f. ,trockner Schmutz', dZaX^oq 
,durr, dorrend, entflammend', Sbbauov Erjpfiv. AdKUJve; Hes. (-bb- 
aus -zd-\ eech. apoln. ozd .Malzdarre', Cech.slov. ozditi ,Malz dorren". 
Hierher lat. aridus, -a, -urn , trocken, durr' (seit Plant., rom.; 
synk. ardus Pit. Lucil. Inschr.), woher ardeO .brenne' (s. d.); 
assuSf -a, -um .trodcen gebraten, geschmort, trocken, bloG' (seit 
Plant., davon asso, -are .schmore' seit Apul., rom.), praen. asom 
(doch s. Tumbull Lg. 5, 15 ff.), marr. asum ,assatum, arsum', u. 
aso ds., volsk. asif .assans' (s. zuletzt Thumeysen Gl. 11, 219, 
Grienberger KZ. 54, 72. 56, 32; ital. *assos aus *azd-tos mit Thum- 
eysen Thes., nicht *as-sos mit Osthoff a. O. oder *ad-tos nach 
Froehde BB. 1, 206 wegen Abioi; ,Herd' bei Hes., das vhn. dial. 
d aus Z enth., vgl. ftbbauov oben). — Osthoff PBB. 13, 396 ff., 
Petersson Heterokl. 85, Reichelt KZ. 46, 315 f. (mit unwrsch. Her- 
anziehung von &s, assis, asser, s. dd.). 
W a 1 d e Etym. Worterbudi d. laL Spnidie. 3. A. 5 



66 arepennis - arguo- 

arepennis {arip-, ar{a)p-), -is m. ,Ackerma6, ein halber Morgen 
Ackers' (seit Colum., rom.): gall. Wort nach Colum. 5, 1, 6, vgl. mir. 
airchenn, airceand ,ein Landmafi' (Pick II* 17). Das Roman, (frz. 
arpent, asp. arapende) setzt ein durch arpendia Gl. (daraus umge- 
staltet arvipendiuM, s. Thes.), arpentum Lex Baiuv. bezeugtes, aus 
-ennis sekundSr entst. arependis voraus (Niedemiann lA. 18, 74, 
Pedersen Litt. 2, 89). — Wrsch. mit Much ZcPh. 17, 79 f. als .Stirn- 
seite eines Feldes' aus *are .vor" + *penno- ,Haupt' (s. per, cu- 
neus), vgl. nhd. FUrhaupt ,Kopfende eines Ackers'; nicht mit Isid. 
15, 15, 4, Dottin 228 zu *ar9- .pflugen', vgl. das zw. arepo 'ftpo- 
Tpov' (Dieterich Rh. M. 56, 92). - Sofer Isid. 118 ft, 176. 
arferia s. adfero und inferius. 

argentnm, -i n. ,Silber, Silbergerat, Silbergeld' (seit Liv. Andr., 
rom., ebenso argenteus, -olus, -arius seit Plant): = o. aragetud 
.argento", fal. arcentelom .argentulum"; gall. ON. Argento-ratum 
usw., arcattto-dan .Munzmeister" (Dottin 227, Thumeysen IF, 42, 
144), air. argat, kymr. iirian{t), korn. mbret. argant, nbret. arc'hant 
,Silber'; toch. A arkyant (Pedersen Groupem. 33>); arm. arcat\ av. 
9r9zata-, ai. rajaldm da. {ra- statt *r- auffallig, vgl. Osthoff MU. 6, 33) ; 
mit anderem Suff. gr. ftpYupo? m. ds., messap. argorian (: dpTiipiov), 
argora-pandes {*arguro-pondios?, Krahe Gl. 17, 96, ZONF. 5, 159, 
Jokl Streitberg-Festg. 175). Zum Sachl., insbes. zur Entlehnungs- 
frage vgl. Schrader RL. IP 394 (kaukas. are-), Ipsen Festschr. Streit- 
berg 228; falls entlehnt, jedenfalk mit sekundarem Anschlufi an Wz. 
*ar{e)g- .glanzend, weifilich", die auch vorUegt in fig. Ableitungen : 
arguo ,maclie klar', argutus .helltonend' usw. (s. d.), ar- 
gil(l)a (Lehnw., s. d.), gr. dpYi^?, -fiTO? .weifischimmernd' (dpT£ff- 
rf\<;, dpT€vv6t usw.), dpT<5i; (*4pT-p<i<;! Wackemagel Verm. Beitr. 8) 
-hell' und .schnell* (vgl. ai. rjrdb .schnell' und ,glanzend"; trotz 
Persson Beitr. 828> wohl identisch, s. Schulze Berl. Sbb. 1910, 802, 
Bechtel Lexil. 57); daneben dpTi-, zunachst in Zss. (dpfi-dboui; 
usw.), dann auch dpTivdei?, dp-fiv6<; (Bechtel Lexil. 55), vgl. toch. A 
arki ,wei6, von den Zahnen" (Schulze Ung. J. 7, 169), B arkwi ds., 
arkwiaae ,helle Farbe', thrak. fipfiXoi;- 6 pOi; (Jokl Streitberg- 
Festg. 173 ff.). — Fern bleiben ai. rc^jati, rdsti ,glanzt, strahlt, ist 
K5nig' (wohl ganz zu rex, s. d.), arm. erlHn, mir. ere ,Himmel' 
(s. u. arquatus, compesco), lit. Aritiolas usw. ,Eiche" (s. Nieder- 
mann IF. 26, 49', Bezzenberger KZ. 42, 263) ; zw. Zugehoriekeit 
von got. airknifa .Reinheit, Echtheit' usw. (s. Walde a. O.). — 
Valde-P. I82f. 
arf^er s. agger. 

argilla (-t-), -ae f. .weifier Ton, Topfererde, Mergel' (seit Cato, 
rom., ebenso Adj. -eus Fulg.); uber » s. Ettmayer ZRPh. 30, 524', 527; 
f. nach terra): aus gr. fipTlUo?, dpTlXo? f. ds., das zur Sippe von 
argentum (s. d. ; nicht nach Bezzenberger bei Fick II* 202 als *mjg- 
zu gall.-lat. marga , Mergel'). Zw., ob davon der r6ra. Stadtteil Ar- 
ffilitum benannt (Varro, Keller Volkset. 315). 

argitis (,-tidi:t) {. .Weinstodc mit weifien Trauben" (seitVerg.): 
aus gr. •dprm?. 

axgaS, -ui, -utum, -ere ,mache klar, weise nach, uberfuhre* (seit 
Plaut., davon argutor .schwatzhaft erlautem' seit Eim., rom., -amen- 



arigna — arma. 67 

turn n. jBeweismittel, Inhalt, Darstellung' seit Pit): s. argentum; 
zum u vgl. ai. drju-nal), ,licht, weifi", gr. ftpyu-po?, -qioc, -<p£OS 
,wei6glanzend" (Schulze Berl. Sbb. 1910,801, Bechtel Lexil. 57 f.). — 
argutus, -a, -um ,helltonend, scharfsichtig, deutlich ausgepragt" 
(seit Naev., -ulus seit Cic, -utiae seit Plaut.): io-Abl. von "argu- 
(vgl. gr. ^v-apTnc, Fraenkel KZ. 43, 205', Leumann-Stolz" 227'). 

ariena, -ae f. ,Frucht des indischen Baumes pala, Banane" (Plin.): 
nach Thes. s. v. = Ariena sc. ficus ,die Arianische' (vgl. Ari/lnis 
f. ,ein in Ariana wachsendes Kraut"). 

aries (zu -e- s. u. abies\ -etis ni. ,Vidder, Schafbock, Mauer- 
brecher, Seewidder' (seit Plaut., rom.): u. erietu ,arietem (e- 
gegen \.a- aus f, s. Persson Beitr. 143^; mit anderen Suff. gr. ?pi-q)oi; 
m. ,B6ckchen' {*eri-bho-), air. heirp ,dama, capra*, m.-nir. earb, 
fearb .Damtier' [*er-bh- oder *erjbh-, Pedersen I 118. 176); arm. 
or-oj (assim. aus *er-oj) ,agnus, agna", erinj ,bdua\tq, vitula, iu- 
venca, bos' (Liden Arm. Stud. 23 f., Petersson KZ. 47, 257 f.); un- 
sicher lit. (J'/ras, lett. jfrs „Lamni', apr. erhtian .Lammchen'', 
kal. usw. jarina ,Wolle von Lammern, Ziegen" (Trautmann Bsl. W. 
70, Bruckner KZ. 45, 300; eher wie si. jartct jBock' u. fi. als ,Jahr- 
ling' zu jan ,Jahr' oder doch Vermischung von *ero- ,Bock' und 
*jaro- ^Jahr' im Bsl., s. Berneker 477); fern Eleiben ahd. irah ,Bock'' 
(a. hircus), bom. jon. elpoi; n. „Wolle' (s. vervex, Walde-P. I 270). — 
Walde-P^I135f. Vgl arviga. 

arlllator, -oris m. ,cocio, ineTap6\oi;, dardanarius, Makler" (Paul. 
Fast., Gell., Gl.): nach Skutsch Thes. von arra bzw. *ariUa, s. ar- 
rabo. 

arinca, -ae f. ,Art Spelt, olyra' (Plin.): fremdes, wohl gall, (oder 
ligur.?, nicht illyr. mit Muller Ait. W. 43) Wort, vgl. Plin. 18, 81 Gal- 
liarum propria (Dottin 228, Thumeysen ZcPh. 15, 383); dazu gr. 
fipaKO; m. ,eine wildwachsende Hulsenfrucht, Lathyrus annuus", 
&paKoi ■ fiairpi6v ti. t6 ii aiiT6 Koi XdOupov Hes. (wegen der abweich. 
Bed. frgl.; nicht weiter zu ardre rait Schrader RL. IP 648 oder zu 
dpdx^l ardnea mit Muller a. O. 41 ; gr. fipo^o; bleibt fern, 8. ervwn). 
— Walde-P. I 84. 

aringnS; -J m. ,Hering' (Ps. Garg. Mart.): aus dem Germ., vel. 
ahd. haring; doch ist die Stelle vl. erst mittelalt. Zusatz (Schrader 
RL. I« 498). 

arista, -ae f. ,Granne an der Xhre, Ahre, Borsten, FischgrSte' 
(seit Varro, rem.): Et. imsicher; nach Herbig IF. 37, 171. 178 (vgl. 
den etr. EN. aris-tia) wie genista etr. Herkunft. — Abzulehnen 
Persson Gerimd. 58flf. {*aris-td zu {h)arundo .Schilf, gr. &pov, Wz. 
•er- in orior; ahnlich Osthoff MU. 6, 152flF.: *,r-ist& ,die am meisten 
sich erhebende, sc. pars spicae". Bed. zu farblos); Ehrlich BPhW. 
1911, 1574 (*arzista : urruncum, doch s. d.); Fick KZ. 20, 176, 
Thumeysen Thes. (: gr. dtexd? m. .Pfeil", b. Bruemann IF. 29,231); 
Bezzenberger BB. 23, 298 (lit. aaiat, lett. aH .Scnachtelhalm' ; vim. 
finnischen Ursprunes nach Thomsen Ber6ringer 253). — Walde-P. 1 79. 

aristis {-idis] f. ,hoIcu8, Mausegerste* (Plin.): von arista nach 
den griech. Pflanzennamen auf -is, -idis (vgl. Phn. 27, 90). 

arma, -omm ,Rustung, Rustzeug, GerSt, Waffen, spez. Schutz- 
uraffen' (seit Plaut., rom., ebenso armtre ,bewaffiien, ausrusten' 

5* 



68 



armeniacum — arimta. 



seit Hemina [-atus seit Enn.], -amenta n. ,Takelwerk, Geratschaften 
seit Pit -atura t. .Bewaffnung" seit Cic, -arium n. .Schrank , eig. 

Raum fur Cerate- [vgl. Paul. %. 33, 10, 3, 2] seit Pit.; zum PL vgl 
It. horn. T£f.X€a, 6nXa u. 5.): Wz. »«<«> Jn^^' ^^ «. ar-p-ayaU 

befestigf, av. arinte ,bleiben stecken", arm. afnem .mache , gr. 
dpopiaKlu .fflge zusammen', fipnevos .gefugt" (PI. -a ,Takelwerk, 
Werkzeuge, Cerate'), dp|ji6(; m. ,Fuge, Zusammenfugung , fip^a n 

Waeen' (zum ' s. Meillet MSL. 10, 140; anders Sommer Gr. Lautst. 
133)- arm. y-armar .passend, angemessen" ; aksl. janm% ,Joch (m. 
Anlautdehnung, s. Bemeker 31); vgl. von nt-Bildungen noch ar- 
mentum, armua und weiteres unter ars ,Kunst , artus .test- 
gefuet", artus, -us ,Glied'; von der zweisilb. Basis ^- \reor 
f-atio, rltus (»-e,s?). - Air. arm ,Waffe', kymr arT .telum' moht 
ererbt (Stokes BB. 21, 122), sonde™ wegen der Bed lat. Lehnw. (Ven- 
dryes be Jiib. voc. 114). - Abzulehnen Br^al MSL. \^\{^rm^ 
BOckbld. aus armare, dies angebl. von armxts); Hartmann Ol. 4 14411. 
nach Varro (zu arcere als .Abwehrwaffen"; s. Person KZ. 48, l^lli.). 

— Walde-P. I 72 f. (auch I 77 zur Heranziehung von gr- apW; P.« 
nun, also', lit. usw. if ,und, auch«); Reichelt KZ 46, 316 ff. (nut 

weiteren teils zw., teils verfehlten Anreihungen won aranea, ordtor, 
radius, ratis, rete, ramus, racemus, ambriees, s. dd.). Vgl. armtUs 

ameniacnm, -i n. ,Aprikose% -a, -ae f. Apnkosenbaum (seit 
Colum., rom.): nach R. C. fhompson CI. Rev. 38, 148 aus syr. hazzwa 
armen&ya ,der armenische Apfel' ; Beziehung auf Armenien vl. se- 
kundSr, vgl. assyr. arm&nu .Granatapfel". ,* ^o 19 

amentum, -i n. .Crofivieh' (eig. ,Herde, Rudel", s. lA. 39, 32, 
Reichelt KZ. 46, 316 f.; seit XU tab., rom.; zu -ae f. s. Zimmermann 
Gl 13 225): als Rudel zusaramen weidenderTiere' aus •ar-mn-tom 
zu Wz. *ar- .fugen', vgl. formell gr. fipfia .Waaen' imd s. arma. 

- Nicht als ,Pflugtier' (wie ht. aMys ,Pferd') aus *a»^m«.fo« 
zu arare (Skutsch Gl. 1, 348; s. dagegen Bruemann IF. 24 163 , 
Sommer KE. 135). - Walde-P. I 72. 183 f. (auch zu den johl fem- 
zuhaltenden anorl iQrmuni ,Rind% Pferd', dazu EN. got.*Airmana- 
reiks usw., grm. *ermana-, und an. arfr ,Ochse", ags. orf, terfe 

" armllansa, -ae t. armelloses Kleid' (Paul. Nol., Isid.; -m Scho . 
Juv CD- vl. aus grm. *armjalausaz (dazu der VN. Armalam^, vgl. 
iTj^Luss ,Je manicis-. Sofer bl. 17 26f., ScWeld 29. 

armllla, -ae f. .Armband (auch als miht. Orden), breiter Rmg 
um Kufen, Olpressen u. dgL" (seit Plant., rom.; -«««/^«' PC°P) = 
von armus (Paul. Fest. 25; vgl. bracehiale, Pnsc. gr. HI 462, 33 und 
s. Niedermann Essais 41). , . , i -,^-, 

armlUnm, -i n. .einhenkhger Wemkrug" (seit Luc.l. 767 a„«« 
ad armillum, sprchw. wie anus ad amphoram Phaedr.): unerki^ aa 
anscheinend zunachst im sakralen Gebrauch aufgekommen (Paul. 
Fest. 2), vl. doch als blo6 andeutender Ausdrudt von armus [quod 
armo, id est humero, deportetur a. O.; Ntr. mch vinarium). — Nicht 
von arma als .kleines Gerat' (Walde LEW.' zw.) oder aus •arcm««- 
lom, Demin. von *arc-men ,Behalter« zu area .Kiste" (Holthausen 
IF. 20, 328). , . . . . 

armita(-I?) ,virgo sacrificans cm lacima togae in humerum erat 



amutes - aiTugia. 



69 



reiecta' Paul. Test. 4: falls echtlat., von armus (vgl. z. B. gr. kotuj- 
IbiiS, ^nwnibiov); doch besteht wegen des Suffixes (vgl. tenitae, amita) 
und der Zugehorigkeit zur religiosen Sphare Verdacht etr. Herkunft 
(Nehring U 12, 356). — Nicht zu u. arsmor .ritus" (Mullet Ait. W. 43). 
armltes ,6TtXiTai oUv ^oxdti] rdEei' GL: nach Thes. von arma, 
vgl. pedes, veles usw. 

armns, -t m. ,der oberste Teil des Oberarms, Schulterblatt, 
Vorderbug der Tiere' (seit Plaut, rom. ; -ora Chiron, Diosc. nach 
tergora, femora): = Irmdh m. ,Ami, Vorderbug", av. anma- ,Arm", 
osset. arm ,hohle Hand', arm-arin ,Ellcnbogen", arm. armukn ds., 
got. arms m. (»-St.), ahd. «r(n)m \a-St.) usw. ,Ami% apr. irmo^ ds., 
fit. irm-liga, Irm-edi ,Gicht* LArmfrafi"), daneben hochst. Ut. zem. 
armat pi- ,Vorderarm am Wagen', aksl. usw. ramo ,SchuIter"; 
Grdbd. .Gefuge, Gelenk' (s. arma; vgl. bes. gr. dpjidi; .Schultergelenk' 
Hippiatr.); lat. Grdf. *aranws oder besser *aramos (Sommer Hdb." 
53, Leumann-Stolz' 66). — Walde-P. I 73, Persson Beitr. 632 ff., 
Reichelt KZ. 46, 319. Vgl. armilla, -um, armita. 

amantl ,frementi, murmuranti" (GL, Anth.): unerkl.; kaum aus 
gr. dpv^o^ai jleugne" mit MuUer Ait. W. 45. 

aro, -avl, -Stum, -are .pfluge, ackere' (seit Plaut., rom., ebenso 
aratrum ,Pflug' seit Cato, orator .Pfluger' seit Varro, -ura Gl.) : 
gr. dp<iuj ds. (zu -o- s. Persson Beitr. 670 ; dial. dpS- durch Assimil., s. 
Specht Gnom. 3, 654; anders Schwyzer Gl. 12, 1 f^, Sporpov ,Pflug", 
dp6-ni?, dpo'rfip .Pfluger"; *orjo- in mir. airim ^pfluge", kymr. arddv, 
.pflugen', arddwr .Pfluger, got. arjan, an. usw. erja ,pflugen', lit. 
ariii, arfi, lett. atu, aksl. orjq, orati ds. ; vgl. noch mir. usw. arathar 
.Pflug', anord. arfr, mhd. nhd. arl (Lehnw.?), lit. drklas (,*ar9-Uom), 
aksl. usw. ralo, arm. araur (*ar3-trom), toch. A B are (Schrader RL. 
II' 583) ds.; ahd. art .gepflugtes Land' (ardon, arton .exercere, 
colere'), lit. usw. artdjas ,Pfluger* (*ar3-laia-, Specht KZ. 57, 278). 
L. aro fur alteres athem. *ara-mi (*«>-»-) nach Meillet-Vendryes 272. 
— Fern bleiben armus, ars (Merineer IF. 17, 121ff.) und rado (Hirt 
Abl. 77, B. d.). — Walde-P. I 78 f. Vgl. armm. 

arqn8tus,(jrc«a<us(»nor6us),Gelbsucht, aurugo" (seitScrib.Larg.): 
von arcus .Regenbogen' als ,in den Regenbogenfarben spielend, grfin 
und gelb aussehend'; damit identisch araiatus ,bogenf6rmig" (seit 
Ov.; vgl. -dtHra ,Bogengew5lbe' seit Frontin). — Nicht zu ai. arkdft 
m. .Strahl, Blitzstrahl, Sonne", mir. ere ,Himmel' u. dgl. (Fide 11*40, 
s. Walde-P. I 147 und u. compescO). 

arrabo, -onis m. (seit Plaut.), daraus verkurzt arra, -ae i. (seit 
Laber.), bei Pit. True. 687 auch rabo (baurische oder scherzhafte 
Verstummelung) ,Unterpfand, Angeld, Kaufgeld, Kaufschilling* : aus 
gr. dAf>aP(i)v .Handgeld', dies aus hebr. 'erdbdn .Unterpfand' 
(A. MuUer BB. 1, 275 usw.). Etr. Vermittlung fur die ganze Sippe 
(vgl. noch arillator) oder doch fur die Kutaform arra vermutet 
Emout BSL. 30, 111'. 

arrngla, -ae f. .StoUen im Berewerk" (Plin., rom. -ti-), cor- 
rugua (-u-f), -i m. ,Wa88er8tollen* (Plin.): als .Anschurfung', ,Aus- 
gr^ung' zu ruga f. .Rtanzel' (s. d.), mit Tenuis runettre .jaten" 
(Curtius 349 usw., Persson Beitr. 840, Walde-P. 11 353). — Nicht aus 
hebr. 'aruggSh (Keller Volkset. 192). 



70 



arrOrabiiiter - arviga. 



arrfllfibiliter .Ausfuhrung der paedicatio in derber, bauerischer 
Weise" (CIL. IV 4126): ad + rurare (Mussehl Herm. 54, 406 ff.). 

are, -tis i. ,handwerks- oder kunstmafiige Geschicklichkeit, Hand- 
werk, Kunst, Eigenschaft als Bestrebung, Grundsatz, Kunstgriff, Be- 
trug' (seit Plaut., rom.): = mhd. art i. ,Art und Weise" (an. ein- 
ardr ,einfach, aufrichtig'; zu trennen von ahd. art f. ,gepflugtes 
Land', s. aro), lit. artl .nahe" (Lok. wie ev. gr. ftprt ,eben, ge- 
rade'?, vgL auch &pTi-q)puiv, dpTiCu) ,mache fertig' usw., s. Walde 
a. O. 71), ai. rtih f. ,Art, Weise', vl. gr. aol. &6).i-opTK .Hausfrau" 

iwenn nicht sek. fo-St. nach it6(JK, vgl. &d|.t-ap ds. aus *-art, s. auch 
Jechtel KZ. 44, 127); vgl. noch an c-Bildungen ai. rtdfi ,passend', 
rt&m n. ,wohlgefugte heilige Ordnung', av. ar9ta-, ar»ta- n., ap. arta- 
°,Gesetz, Recht", arm. ardar ,gerecht' (wenn nicht *-dh-, Persson 
JBeitr. 636*), ardiun ,atnittura', gr. A|.i-apTr| ,gleichzeitig' (Bechtel 
Lexil. 34 f.), dpt-apT^ui ,schliefie mich an'. Weiteres s. u. artus. 
Zss. : in-ers ,kunstlos (s. Lucil. 452), ungeschickt, wirkungs- 
los, trage* (seit Naev., rom.), s oilers ,(ganz) kimstbegabt, ge- 
schidct, erfinderisch, verschlagen' (seitTer. undCato), alters {s. a.); 
s. auch dtsertiones. — arti-fex, -ieis va. ,Kunstler, Schopfei* 
(seit Plaut., rom.; sek. Adj. seit Cic). — Abl.: artitus , bonis 
mstructus artibus' Paul. Fest. 20. — Walde-P. I 71 f. 
arse Terse ,averte ignemi* (Paul. Fest., Afran.) : etr. Zauberspruch 
auf den Hausturen Roms zur Abwendung des Feuerschadens (Marx 
RhM. 78,400). 

1. artaSt -us m. ,Gelenk, Glied' (seitEnn., artua n. Plaut.; Dem. 
-iculus ,Gelenk, Glied, Knochel, Wendepunkt' seit Pit, rom., vulg. 
-idua; -iitus unsicher Ph., -uAre Firm.]: zu Wz. *ar- ,fugen", s. 
artna; vgl. zur Bed. gr. &p-dpov n. ,Geienk, Glied"; formell = gr. 
dpr^t 'cCrvToEi?, q>iX(a' (ipTOu), -vui ,)fuge zusammen' usw.), arm. 
ard. Gen. -u ,omement, forme' (z-ard , apparatus, ornatus'), vgl. 
auch ai. ^t&h m. ,beBtimmte Zeit, Ordnung', av. ratav- m. ,Zeit- 
abschnitt; Richter'. 

2. artns, -a, -um ,eng in Raum und Zeit; straff, knapp; drang- 
voU' (seitEnn. und Plaut., Adv. arte ,eng, dicht, fest, knapp' seit 
Naev. [nicht mit Fay IF. 33, 352 alter als das Adj.]; artdre ,fest zu- 
aammenfugen, einengen' seit Pit., rom., co- seit Cic, artire ,ein- 
fugen' seit Cato): als ,eng zusammengefugf zu ars, artus ,Ge- 
lenk', arma (vgl. bes. Plaut. Capt. 304 fortuna htmiana fingit ar- 
tatque ,wie em artifex'; artus ,eng' aus ,festgefugt, angeschmiegt, 
consertus' zunachst in Verbindungen vie compressio Pit., amplexus 
u. a.). — Herleitung (oder Eanmischung) eines *arctiia von areere 
mit Breal-Bailly, Hartmann Gl. 4, 159, Muller Ait. W. 42, Leumann- 
Stolz*340 ist daher unbegrundet; die Schreibung -c<- ist nur bei coar- 
tdre haufiger, vermutlich weil hier die alleinherrschende, durch eo- 
untetstutzte Bedeutungsverengerung ,zusaminendr5ngen, einengen' 
die volksetym. Verknupfung mit areeO begunstigte. — Walde-P. I 71. 
VgL auch disertus. 

arrtga, -ae f. (h- Paul. Fest, Don.), ariuga (Ace. bei Varro, GL, 
ariga anschein. VeL Long.) .Widder, Schafbodc ak Opfertier': un- 
aicherer Form (s. zuletzt Fay AJPh. 35, 156^ und daher nicht deut- 
har; kaum zu aries als *ari-ug- oder -igh- (Muller Ait. W. 44 ; fipixo' 



arvina — ascia. 



71 



SppEV irp6paTOV Hes. wegen pdpixoi {= fap-) ■ Spve? kaum hierher, 
sondem zu Wz. *tter; s. vervex). — Unwrsch. Osthoff IF. 6, 49f. 
(or- = ad und Wz. *uHg- in u. eveietu ,er soil weihen", s. vic- 
tima). Nicht haru-iga zu haru-(spex) und aid (Walde LEW.* zw.), 
da Schreibung mit h- ohne Gewahr und von den Alten nur in fal- 
scher Anlehnung an haruspex gebraucht. 

arrina, -ae f. ,Schmer, Fett, Speck, bes. urn die Eingeweide* 
(seit Plaut., Dem. arvilla Paul. Fest. [-6-1, rom., -Inula Itala und 
Vulg.), dppivvT^- Kp^a?. ZiK€Xoi Hes. (Lehnw. aus dem Lat. bzw. 
'Ausonischen', s. Ribezzo RIGl. 12, 196): vl. ah "arv-lno- ,Darm- 
fett" (von *arva ,Darm' = gr. dpOa; vgl. zur Bed. ahd. mitta-garni 
,daa in der Mitte der Gedarme liegende Fett": lat. haru-(spex)) zu 
gr. 6p0o f. .Darm", dies vl. als ,*Loch, Durchgang' zu dpOoou) 
,grabe' (s. arrugia. runco) nach Pick I* 436, Persaon Beitr. 291*, 
774, IF. 35, 211 (mit kaum richtiger Beiziehung von arm. orovain 
,Bauch, Wanst, Gebarmutter", s. corpuB). — Nicht zu haru- in 
haruspex (Pick a. O.), da der Aniaut ohne h- fest ist. — Etr. Her- 
kunft (EmoutBSL. 30, 92) ist unbegrundet. — u. arvia bed. ,fru- 
menta' (s. armis), daher nicht mit Breal MSL. 9, 33flF. hierher. — 
Walde-P. 11 82. 

amndo s. harundd. 

arras, -a, -urn ,zum Pflugen bestimmf (opp. paseuus, arbustus, 
s. Cic. rep. 5, 3), Subst. {. arva, -ae {=u. arvam-en ,in arvam), 
arvum, -i n. ,Ackerland, Saatgefilde, Flur' (seit Liv. Andr., rom., 
auch *arum, s. Meyer-Lubke Einf' 167), u-arten ,in arva', ar{u)- 
via ,frumenta' (s. v. Planta I 196, Brugmann Sachs. Ber. 63, 154): 
als *ar^uog ,pflugbar' (Messung ariias ist jedoch nicht gesichert, s. 
Sommer'KE. 42) zu arS, vgl. gr. ftpoupa f. .Adcerland" (*Apo-/oip?, 
s. Brugmann IP 1, 580', Walde a. O. mit ganz zw. Heranziehune von 
ai. Msw. urvdrd .Fruchtfeld", aksl. raano .eben' nach Pedersen 1 63), 
mir. arbor, pi. arbanna .Getreide' (r/n-St., Pedersen II 106), vl. arm. 
haravunk' ,Ackerland* (Scheftelowitz BE. 29, 58; oder aus 'ard-mOn 
dissimiliert?); vgl. noch (von *ar-u- wohl versch.) *er-y- in kymr. usw. 
eric f. ,Feld' (: ahd. ero ,Erde',* gr. f.pa, arm. erkir ds., mit «-Erv. 
grm. *erf6- in got. usw. airfa ,Erde'). — Walde-P. I 78 f., II 357. 

arx 8. arceo. 

as (aus *as$), assis m. (i-St., vgl. die Zss. und Gen. PI. -turn; -um 
Varro nach aerum) ,das Ganze als Einheit, As als Munzeinheit, ur- 
spr. Pfund Kupfer' (s. Kubitschek PW. II 1499 ff.; seit Cato, ebenso 
assdrius; Zss. assi-pondium, -fordnue), u. o. (= Abk. von asteg wie 
auch GIL. XI 4766 usw.): als .viereckiges MetailtSfelchen' nach der 
alten Form der Munze benannt und identisch mit assis, axis (s. u. 
asser) .Diele, Bohle', das in der Bed. .Brett* (Vitr.), ,Scheibe' (Plin. 
26, 121), spat auch .Mondscheibe' belegt ist (Cavedoni, s. Thes.; 
Flexion as, assis sekundSr nadi aes, -risj. — Verfehlt Christ ALL. 
2, 623 f. (nadi Varro = aes); v. Planta I 295 (*arf-«- .festgesetzte 
Einheit': *ad- ,festsetzen', s. u. ad, amOta). — Uber die Zss. bes, 
tressis, dussis usw. s. u. bis. — Reidielt KZ. 46, 314 (mit falsdiem 
Ansatz der Grdb., vgl. asser). 

agcia, -ae f. ,Axt der Zimmerleute, Steinmetze und beim Feld- 
bau, MaurerkcUe' (seit XD tab., rom,, ebenso -tola sptl.): gr. dEi-vrj 



72 aser - asinus. 

f. ,Axt, Beil', got. aqizi i., an. 0x, ags. cex, as. acus, ahd. aechua, 
aiWs ,Axt'. aseia aus'ac-sia (urspr. *akst?, s. Pedersen 5« decl. 36') 
wie vespa aus *vep-sa u. a. (Muller Wordverkl. 71 ff. ; nidit *ag-scia 
mit Scheftelowitz Festg. Jacobi 30; verfehlt E. W. Fay CI. Qu. 7, 205). 
Wz. *a%, ag, s. acer, acisculus (vgl. gr. hom. xava-riKrn ,langsdinei- 
dig, vom Beil', Schmidt PI. 148; *ag»- wird trotz Boisacq 65, Walde 
a G. durdis Gotische nicht vorausgesetzt, da aus *ag-ueH unter 
dem Einflufi des Suff. des Part. Perf.). — Walde-P. I 39. 

1. aser ,cui lingua ligatur naturaliter" GI.: unerkl. Vgl. Ronsch 
Rh.M. 31, 457 (hebr.?), Loewe 01. nom. 19. 

2. aser (asser), altl. assyr (PauLFest.) n. ,BIut", assar&tum ,ein 
Trank aus Wein und Blut gemischf (Paul. Fest. 16): edite Lautung 
wohl aser (Gl. ; -y- Paul. Fest. oline Gewahr, daher nicht mit Schmidt 
PI. 173 fur Nom. *aserg zu verwerten) , mit erhaltenem -s- wie in 
miser, caesaries, kaum nach Emout El. dial. lat. 114 f. dial, oder 
etr. Form ikiit Bugge Verh. d. Etr. 133 f.: zu ai. dxrk {*dsrg wegen 
ved. asrja, s. Brugmann II' 1, 581), Gen. asndh ,Blut', gr. lap, eiop, 
riap. Gen. eiapoq (urgr. fjap aus *f)0ap nach Schulze Qu. ep. 165 f. 
gegen Hofeiann Gr. D. Ill 247), toch. A ysar (Schulze Ung. J. 7, 174^), 
lett. aaim, PI. asinis da. (urlett. *asni-?, s. Trautmann Bsl. W. 14, 
zweifelnd Muhlenbach-E. s. v.); vl. auch arm. ariun ^Bluf {*asriion-, 
Pedersen KZ. 39, 395; doch s. OsthoflF lA. 15, 58). Idg. r/n-St. *esrg 
Gen. *,snds; die weitere Anknupfung von sanguis, sanies (de Saus- 
sureRec. 210, Reichelt a. O., Walde-P. a. O.) ist ganz unsicher ^. d.; 
Verbd. von *san in sanguis = idg. *(a)s,n- des St. der obi. Kasus 
mit *-g»- des Nom. ist unwrsch., auch idg. *esrg^ durch ai. dsrk 
nidiit erwiesen, s. oben). — Verfehlt Scheftelowitz IF. 46, 250 (asser 
aus *ads- zu angebl. *ad- .Wasser*, vgl. amnis). — Walde-P. I 162, 
Reidielt KZ. 46, 320 f., PreUwitz Gl. 19, 90 (: *es- ,sein"; unwrsdi.). 

asia, -ae f. ,Roggen oder schwarzer Spelt" (PUn.), ligurisdies, 
Plinius aus seiner Ifcimat bekanntes Wort: wenn richtig Qberl, vl. 
mit Vetter PW. 13, 525 zu ai. dsUah jSchwarz' (s. u. Sreo; vgl. 'ni- 
gritia triste' Plin.); doch ist AnnaKme von Verderbnis aus sasiam 
durch Haplographie (Kretschmer KZ. 38, 119, Thumeysen Thes.) wohl 
vorzuziehen, vgl kymr. haidd, bret. heiz .Gerste' {*sasio-, Pedersen I 
69), ai. sast/Am n. ,Saat, Feldfrucht", s. Walde-P. II 454 und zur (sehr 
frgl.) Heranziehung von gr. f|ta .Reisevorrat' Boisacq 1111. 

asi^nae 'Kp^a jiepit6n€va (Gl.) = marr. asignas ,prosiciae?" : 
wrsch. an + secure, Gdf. *an-sec-na (Breal MSL. 6, 84. 137, v. Planta 
I 381, Grienberger KZ. 54, 70f.l — Verfehlt Bucheler ALL. 1, 103 f. 
(: ara), Conway It. dial 603 (mit adasia zu einem ital. St. *<isi- 
.Lamm'; ebenso Muller Ait w. 48 mit fabcher Heranziehung von 
volsk. aaif, s. u. S,re6). 

asnns, -r m. .Bremse, Viehbremse' (seit Nigid. und Verg., rem.) : 
unsidierer Herkunft; vl. wegen des deutlidien Anklangs an die etr. 
EN. AsMs, Asilus etruskisA (Emout BSL. 30, 110'; vgl. auch tab-, 
tafanut). — Abzulehnen Muller Ait W. 48 {*asi-eislos: asi- .Sdiaf 
[b. asignae] und *eislos .Bremse' zu gr. oIoTpo;, s. u. ira). 

asinns, -f m. ,Esel' (seit Plant.), rom., ebenso -iritis ,Esel- 
traber* seit Cato; Dem. asellus seit Pit.): wegen -«- (das nicht mit 
Emout El. dial. lat. 116 dialektisdj zu sein braucht) Fremdwort; 



asinueca — assentor. 73 

au8 asinus (kaum asMus) stammen got. aailus, ahd. usw. est? (zum -l- 
zuletzt Bruch Festschr. Kretschmer 11 f.); aus afrz. a»ne an. asni m., 
asna i.; aus dem Grm. abg. oatfe, lit. as«7a«, apr. «««'Ws; aus dem 
Lat. mir. aslis)an, kymr. usw. asyn, aus dem Ir. ags. cusa (engl. ass). 
— asinus (nidit aiis *asnos, s. Niedermann IF. 15, 113 f., oder *asj- 
onos mit MuUer Ait. W. 47) und gr. (Jvo? m. (nicht zu onus mit Weber 
kZ. 10, 400 u. a., 8. dagegen Sdirader a. O.) stammen als Lehnworte 
(durch thrakisch-illyr. Vermittlung, daher lat. a- = illyr. o- aus o- ?) 
aus einer kleinas. Sprache im Suden des Pontus (gr. fivo? aus *oho- 
nos, ho-onos bzw. dissimiliert aus *ho hoonos nadi Brugmann IF. 22, 
197 ff., Gdf. *osonos); dazu arm. es, G. iSoy (daraus turkotatar. es&c, 
eMk?) ,EselS vgl. PL koUektiv isan-k' ,die Esel' (dazu gr. !vvoi; 
[s. hinnus] ,Sprofi von Hengst und Eselin' aus pont. iSno-; Ver- 
wandtsdiaft von arm. es .Esel* mit idg. *ekuos ,Pferd' ist trotz 
Pedersen KZ. 38, 197. 205, 39, 404 ganz fraglich). — Semit. Ursprune 
(Benfey, Hehn: zu hebr. ''dton ,Esehn') ist abzulehnen. — Walde-P. 1 
113, G. Meyer IF. 1, 319, Stolz IF. 13, %ff., Hehn Kulturpfl.^ 591 f., 
Schrader RL. P 271 f. (audi zur Zugehorigkeit von sumer. anM aus 
*asnu?). 

asinnsca (sc. uva) .Weintraubenart" (Plin.): ab ,eselfarben' zu 
asinus, vgl. asinasira ficus Macr. und zum Suffix a«r«sco ,Wein- 
traubenart" (Macr.); Vorbild zunadist labrusca .wilde Rebe' (Verg.), 
Ausgangsbildung moUusca nux Plant, (analogisch nadi coruscus o. a. ; 
anders Brugmann IP 1,176'). An ligur. Ursprung denkt Maretrander 
Corn germ.-celt. 18. 

aspellis (Lex Sal): ? als , extra sermonem regis positus' zu got. 
spill ,Rede* nach Thes., Cocchia (U. 10, 266). 

asper, -era, -erum ,rauh, herb, holperig, struppig, beifiend, barsch" 
(seit Enn., rom. ; -itHs, -ero seit Varro, aspr&tilis sptl., s. Leumann 
-lis 73) : woH als *ap[o)-sp,ros (nicht *abs-sp- mit Hirt I. Gr. I 323) 
eig. ,weg-, abstofiend'' = ai. apa-sphiir .wegstofiend', dpa-spharih 
Aor. Inj. jSchnelle weg, entziehe didi rasdi', s. spernd (vgl. z. B. t>»- 
num asperum ,herb, d. i. abstofiend" Cato mit aspernari ,abwei8en, 
repellere' Cic. de orat. 3, 99 und die Bed.-Entw. von {ab)horreo ; 
Hoffmanns Heinichen Schulwb. s. v. Vergleich von asper als .abrup- 
tus' mit ai. vi-spharitaft .aufgerissen', gr. aitapdxTUj ,zerrei6e* usw. 
genuet nicht dem Bed.-Umfang des Wortes). — . Falsdi Muller Ait. 
w. 48. 364 (*ap(oyspi3)r(y- bzw. *ap-spere .ungunstig' zu spit, pros- 
per). — Walde-P. U 668. 

a88ec(n)la, -ae m. .Parteiganger' (seit Cic): von assequor wie 
obseeula (Laev.) von ohseguor. Samuelsson GL 6, 259. 

assefolinm (as(s)t-), -« n. ,Futterkraut, agrostis' (Ps. Ap., Diosc.) : 
assus (s. area) und folium ,mit durren, trodcenen Biattern''. 

assentor, -atus sum, -art ,pflicfate (liebedienerisch) bei, stimme 
zu' (seit Plant.): zu assentid nadi dem Muater von despiciS : de- 
spicor u. a. hinzugebildet? (De verb. dep. 35); kaum mit Thumeysen 
Thes., Walde LEW.' aus *aasentUor, Frequ. zu assentio (Fehlen von 
Sup. *sentum; audi ab Nadibildung des Typiu clSmitd bei einem 
Verb der 4. nidit verstSndlicfa). — Fabdi Stowasser Dunkle Worter II 
(Progr. d. Franz-Josef-Gymn. Wien 1891) p. XIII, PreUwitz Gl. 19, 91 f. 
(von 'ad-sena .sidi anwesend madien, anschliefien*). 



74 asser — astus. 

asser, -eris m. ,dicke Stange, Latte, Balken, Tragstange an der 
SSnfte* (seit Naev., rom.), ebenso Demin. -cuius seit Colum., -eulum 
Cato; inasserHre ,mit Latten bedecken' Insdir^, aS8i8,-is m. (sptl. 
auch f.) ,Dieie, Brett, Bohle" (seit Liv., haufiger axis durch Ver- 
mischung mit axis ,Adise", beide Formen rom.), Dem. assula i. 
, Splitter, Span' (s. d.); unsicherer Herkunft; kaum nach Fide II* 24, 
Pedersen I 85. II 54 zu mir. asna ^astn-) ,Hippe', kymr. eism, asen 
,Rippe', PI. ais auch , Latten, Sparren' (die brit. Foi-men unklar, s. 
Pe<forsen I 374), weiterhin nach Pedersen zu os, -ssis ,Knochen", 
kymr. usw. asgtcrn (Ablaut a : o und Bildung dabei unklar; asser 
mcht mit Muller Ait. W. 308 aus *osser in Anlehnung an asserere, 
was trotz Stolz HG. I 417 nur Volkset.). — Abzidehnen Petersson 
Gl. 4, 297, KZ. 47, 245 {asser, asds aus *ardh-tro-, *ardh-U- zu arm. 
ardn .Lanze, Speer", lit. ardai ,Stangengerust', s. Walde-P. I 84) ; 
Reichelt KZ.j46, 314 {*azd-tes-, *azd-U-, zu area, Sreo, assus auf Grund 
einer konstruierten Grdb. ,bretterner Fufiboden'); Petersson Heterokl. 
19 f. nadi Fick HI* 14 (zu got. usw. arts , Balken' mit Erkl. des -n- 
aus urspr. *as, *a(n)snh; doch s. auch u. animus, ambrices). Vgl. as. 
assidelae mensae „ad quas sedentes flamines sacra faciunt* Paul. 
Fest. 19: von assidere (s. Brugmann 11^ 1, 369, Leumann-Stolz' ^^1)' 
— asaiduus,-a, -um .bestandig, unablassig', urspr. ,ansassig, sefi- 
haft, locuples' (Breal MSL. 15, 143), 
assis ,Diele' s. asser. 

assisa, -at f. ,Flut' (bid.): wegen des Gegensatzes reeessa ,Ebbe* 
wohl verderbt fur aceessa ,Flut' (sptl.), nicht fur asc^iC^a zu as- 
cender* (Thurneysen Thes.), das nur in der Bed. ,Himmelfahrt' be- 
legt ist. 

assnla, -ae f. , Splitter, Span' fseit Plant., ebenso -atim; -Osus 
sptl.; vlgl. und rem. auch astula [h- durch Anlehnung an }Mstoi\, 
astla, ascla aus ass'la, s. Meyer-Lubke Rom. Gr. II 473, Bruch Misc. 
Schuchardt 51 geeen Stolz HG. I 317 ; aus vlgl. ascla auch alb. aSk's 
jHolzsplitter", Jokl Litt. 4, 196): s. asser. 

assns ,trocken, gebraten', assare ,sdiraoren' : s. Sreo. 
ast ,wenn aber' aus ,aber' (alat. seit XII tab.; nicht in asfed, s. 
Goldmann Duenosinschr. 87), ,wenn' (ardiaistisch) : Erweiterung von 
at .daruber hinaus, aber', bzw. *at-s (nach ab-s usw.; wegen der 
Bed. kaum *ad-s = o. a z , s. ad, aique) durch das -H von *posti, 
post usw. (nicht metathetisdi aus *at-s mit Muller Ait. W. 49). Zur 
Bed.-Entw. s. Schmalz"> 667 (Lit.), Jordan Krit. Beitr. 300 ff., Wadcer- 
nagel KZ. 33, 50 ff., Klotz Hermes 61, 33 ff. - Verfehltes bei v. Grien- 
berger IF. 16, 30 ff., Ceci Rendic. R. Ace. dei Lincei ser. V 4, 633 (: ai. 
addhd .furwahr' usw.). 

astnr, -is ,Habidit' (Firm. math, in einem raittelalterlichen Em- 
schiebsel): roman. Entwicklung (prov. aufrfor. daraus frz. outour usw., 
B. Meyer-Lubke REW. n. 68, Gamillsdieg 60) aus lat. acceptor, s. ac- 
ctptter (Thurneysen bei Walde LEW.') ; daher abzulehnen Weise 355, 
Keller Volkset. 50 (aus gr. d(JT€p(ai; .Reiherart' : aster ,Stem' aus 
gr. dotfip); Petersson IF. 34, 247 (angebl. idg. *astr, *dstro- in aksl. 
jattrebt [a. accipiter'], gr. dorpoXd; .Star', s. turdus). 

astus. -as m. .Last, Finte* (seit Plant., ebenso -iUus .listig, sdilau*, 
-atia .Schlauheit', diese rom.) : unerklSrt. Schwerlich mit Stowasser 



at - ater. 75 

VSt. 31, 145f., Walde LEW.* 867 astutits aus *a(d)mmus 'imaTf\- 
fituv', woraus asttts ruckgebildet nach versus : versiitus usw. (in as- 
titud weist nidits auf die ubtr. Bed. ,anstellig*; aiich Hoffinanns 
Heinidien Schulwb. s. v. Herleitung aus *ad-status *ads1(i^us ,Bei- 
stand", vgl. agio ,8tehe zur Seite', Befriedigt semantisch nicht; jeden- 
falls sdieint asttis alter als astutus, dies gebildet wie dnct-, veriutut 
usw., nicht nach Vendryes MSL. 22, 104 aufgebaut auf dem Instr. 
astu, dessen alleiniges Vorkommen im Altlatein auf einer bereits 
vorhist. Verdrangung von astus durch astutia beruhen kann). — Ab- 
zulehnen Curtius 131 {*ac-s-tu,s zu Seer, dEds); Ceci Rendic. Ace. 
dei Lincei, ser. V 4, 633 h ai. addhd jfurwahr", das vl. zur Sippe 
voa meditari, s. Walde-P. II 259) ; Loewenthal WuS. 11, 62 {*atstus 
^Scharfsinn' zu venet. Asso-paris angebl. ^Habichtsjunges", s. Krahe 
AiU. PN. 153f.). 

at ,aber' (aus ,hingegen, contra', Schmalz' 666; seitXIItab.): 
gr. dT-dp ,hingegen, jedoch, aber' (*dT + ftp, vgl. afiT-dp ,aber 
doch', s. Brugmann-Thumb 623), got. ap-fan ,aber' (auch got. usw. 
ak ,sondern, aber'? Brugmann KGr. 616, doch s. Feist s. v.); idg. 
*ati ,daruber hinaus" (dann ,zuruck, wieder", bsl. auch ,her, ab') 
wohl in lat. at-avus usw. (s. d. ; aber apprime u. dgl. mit at?-, 
Skutsch ALL 12, 213 f.; s. noch atgue, auch zu av. at ,und, dann'), 
vgl. ai. dti m. Akk. , fiber hinaus, geeen', dti- ,(vor)fiber-, zurOdc'-, 
av. aiti- ap. cUiy- ds. (zum Teil wohl auch idg. *eti, s. u.) ; gall, ate- 
(aus *ati), z. B. in Ate-gnatus (= mbr. aenat ,bekannt"), air. aith-, 
ad- ,wieder-, ent-', kymr. at-, ad- (mit Schwst. des anl. Vok. air. 
to, do- ,zu' aus ,her'); lit. at- (alt una dial, ata-, jungoW-) ,wieder-, 
zuruck-, her-, weg-*, lett. at-, pr. at- ds., aksl. usw. ot- ,weg-, ab-, 
wieder-" (bsl. *at(,d)\ dazu aksl. otz m. Abl. ,von", Praev. ,weg-", 
ent-, vl. aus *atos?, doch s. Valde a. O. 43 m. Lit.). Mit idg. *ati 
wechselnd und bedeutungsgleich *eti (s. et)\ daher nebeneinander 
kymr. et- und at- (Loth RC. 41, 43), apr. et-, at- (Trautmann Apr. 
332, anders Bsl. W. 16), auch wohl z. T. in ai. dti- (s. o.). — Verfehlt 
H. F.Rebert CI. Ph. 24, 169 flf. (: attaf). — Walde-P. I 42 ff., Brug- 
mann IP 2, 844 ff. 

atalla, atannlns, atena s. attanus. 

atarnS) -» m. „Vater des Urgrofivaters oder der Urgrofimutter", 
PI. .Ahnen, Vorfahren' (seit Plaut.), ataviu f. .Mutter der UrgroC- 
eltem' (seit Dig,, rom.), adnepos, -tis m. {at- Gl.) und (tdneptis, 
-is f. ,Ururero2enkel(in)', adpatrutis, adamita .Bruder bzw. 
Schwester des vaterhchen Ururgrofivaters' (Lex Visig.) enthalten 
wohl im Vorderglied at- ,daruber hinaus' {atnepS) -tia KontrSrbld. 
zu atavus -ia: s. Curtius 207, Meillet ^t. 155), nidit ad- ,zu' (Sta- 
bile Class, e Neol. 8, 258 £F.). - Falsch Br^al MSL. 7, 447, Schrader 
IA. 9, 172 nadi Paul. Fest. 11 {atavus = attae avus mit *ata neben 
atta, vgl. Kretschmer 01. 10, 43). 

Ater, atra, -um ,(tief)schwarz, dtmkel, finster, unheilvoU" (seit 
Plaut., rem., ebenso dtramentum ,Tinte"): = u. atru, adro Ntr. PI. 
,atra'; dagegen Iat..iifrtiM = o..4adir»»s(v.PlantaII 768, Thumeysen 
IA. 4, 38), AUlla = o. Aderliiy {*Atrola, z. B. v. PI. 1 548) sind nacfa 
Sdiulze EN. 269, 578 etr. Herkunft (vgl. audi den ON. Atria, Adria, 
Krahe ZONF. 5, 149) verdSchtig und nur volksetym. auf dter bezogen. 



76 



atiiua — Stnum. 



Weitere Anknupfung unsicher; vl. als .verbrannt, rufiig' zu av. atarS 
m., np. Sdar ,Feuer', av. atrya- ,Asche', a^ravan-, ai. dtharvan- m. 
.(Feuerjpriester' (zu -th- e. Petersson a. O.), arm. airem ,verbrenne, 
zunde an' (Denom. von *air aus dter), mit «-Vorsdilag klr. vdtra 
,Feuer, Herd', serb. vaira ,Feuer', poln. valra ,StrohaBche', yl. ir. 
aith (G. atho), kymr. odyn ,Ofen' (*ati-{no-)?, Bezzenberger bei Fick 
II* 9); dodi bleit die Bildung dabei unklar (kaum Adjektivienuig 
wie aber mit MuUer Ait. W. 50). — Fern bleiben lat. Afer, africia 
(Petersson Z. Kenntn. d. idg. Het. 5f., s. Gl. 15, 274); lett. atrs .schnell, 
rasch, heftig", lit. dial, atrus ,sdinell" (Prellwitz BB. 23, 68; vhn. 
zu ahd. Bier ,acer, celer' ugw., s. Walde-P. I 118 m. Lit.); lit. aitrus 
.bitter, brennend im Munde", s. aedes (Prellwitz a. O., Boga: dter 
als *&[i\tro-, vgl. Walde-P. 1 3 f.) ; mir. odar .dunkelgrau" (Fick 11*50). 
Verfehlt Sdieftelowitz IF. 33, 167 (: gr. fio^ ,Schlamm", nhd. dial. 
Adel, Odel .Mist', s. u. asia, Boisacq s. 5v&o?). — Walde-P. I 42 ; 
Petersson Hpterokl. 260 ff. (mit unannehmb. Heranziehung von I. 
annus, gr. dydpaS ,Kohle', arm. athar ,trockener Kuhmist' u. a.). 

atmla, -ae f. ,Bezeichnung der ulmus gallica' (Colum., Plin.; s. 
Thes. II 1175, 12): nadi Marstrander Corr. germ.-celt. 45 gall. Wort 
(: air. ailten ,Wacholder' aus *aUino-) ; Zweifel bei Bertoldi Don. 
nat. Schrijnen 300. 

atqne, vor Kons. (Leuraann-Stolz' 88) ac ,und dazu, und audi, 
und' (seit Liv. Andr., rom. nur in erstarrten Resfen): od ,zu' + que 
(vgl. Enn. ann. 537; nicht at + que wegen der kopul. Bed.), = u.ap 
{ape, apt = ap + t) „ubi, cum' (v. Planta II 460, Sdimalz^ 531); 
aber av. at-dS ,und dann, und* gehort zu at „da, dann, aber, denn, 
und', dasvl. idg. *ed (s. ecce), kaum *at{i) ,aber', s. at, enthalt 
(Walde-P. I 42', Brugmann IP 3, 984). — Walde-P. I 44. 

atquT „aber dooh, und doch' (seit Plaut): at + qui urspr. fragend 
oder ausnifend .aber wie' (s. Schmalz^ 670 m. Lit. ; Netuiil [lA. 4, 87]). 
— Nadiklass. atquin durdi Kontamination mit quln, vel. ali6qui(n). 

Stribnx ,senex atris buccis' Gl. (Auson): ater una bucca, vgl. 
duri-buccius (Heraeus ALL. 10, 513. 11, 134). 

atriplex, -icis n. (PUn.) und m. ,Melde' (seit Colum., rom.): aus 
gr. &Tpdq>aEu; (-i?, auch &hp-, dbp-, dvbp-) f. ,Spinat" unbekannter 
Herkunft. Nach Niedermann lA. 18, 74 f., Festschr. Gaudiat 40» aus 
"atripex (vgl. afrz. arrace, it. atrepice aus *atra-, *atre-picem) fiber 
*atriprex, diss, zu atriplex; nicht mit Aniehnung an &ter una pUco 
(KeUer Volkset. 61). 

atrinm, -» n. ,das Atrium, der Mittelraum des altitalischen 
Hauses, urspr. .bedeckter Wohnraum, sehr fruh mit einer viereckigen 
Dfihung in der Decke (compluvium) versehen, spater Vor- und Emp- 
fangsraum' (seit Plaut, rom. , Vor-, Friedhof ; -iolum seit Cic): nach 
Varro 1. 1. 5, 161, Serv. auct. Aen. 1, 726 in der Form des atrium 
tuscanieum etr. Ursprungs und mit dera nach Liv. etr. Stadtn. Atria 
(s. Ster) in Verbindung gebracht; weitere Anknupfiug innerhalb des 
Etr. unsicfaer, s. Zimmermann BB. 29, 276 (etr. *atar nach Deecke 
.Haus'?), Keller ALL. 14, 435 (halt falschlidi (h)adra id est petra 
SchoL Juv. Levd. 4, 40 fur ein ital. Wort), Cuny Rev. 6t. anc. 18, 12 flF. 
(etr. *ater, befestigtes Gebaude', {h]adra ,Fds' entlehnt aus pun. 
hattar , atrium, vestibulum" ; ganz hypothetisch). — Die Herleitung 



atrox - attanus. 



77 



al3 Schwarzstube" aus ater (Serv. a. O., Isid., Schol. Luc, Sdirader 
RL. H 455, n 358, La Terza RIGL 12, 208, Stolz IF. 17, 89 m. Lit.) 
ist offensichtlich Volksetymologie, da die Behauptung des Serv. ,ibi 
et culina erat' durch die Funde nicht bestStigt wird; vom Herd 
ist im A. nirgends eine Spur (Puchstein bei Thumeysen Thes. gegen 
Mau PW. II 2146). — Entlehnung aus gr. atOpio?, littaiSpioi; (Thum- 
eysen und Stolz a. O., Hoedi BPhW. 1919,456, Birt Gl. 17,72) ist 
unmogUch. 

atrex, -Seis ,gra61ich, unheilvoll {exta = 'infausta' Naev.), wild, 
trotzig' (seit Naev.): wohl nach VaniCek 4, Prellwitz BB. 23, 70, 
E. W. Fay KZ. 43, 156 ff. als .finster blickend' zu ater wie fer-ox: 
ferus (wenn nicht erst nach diesem eeschaflfen, vgl. z. B. atrox in- 
vidia Liv. mit atra invidia Stat. ; VokalverhSltnis wie in acerbut : 
acer) ; -ox = gr. Hjiv, bom. po-iDiTii; usw., a. oeulus. — Nicht zu odi 
.basse', ags. atol, an. atall ,dirus, atrox' (Wharton Et. lat. 125, 131, 
Thurneysen KZ. 32, 562; auch im Ablaut schwierig, s. Leumann-Stolz 
570). _ Walde-P. 1 174. 

Stmsca s. asinusca. 

1. atta, -ae m. ,Vater; Kosewort der Kinder dem Vater gegen- 
uber" (Paul. Fest.) : = gr. bom. firra ,Vaterchen, lieber Alter' ; got. 
atta , Vater' (Dem. Attila, ahd. EzzHo), ahd. atto (mhd., nhd. dial. 
me); osset. Ma, alb. at, aksl. ottct, (Demin. *at{t]ik6s, Trautmann 
Bsl. W. 16) ,Vater'; vgl. auch ai. atta .Mutter, altere Schwester', 
attiji , altere Schwester', alb. joSe .mutterlicbe Grofimutter' {*at-sia? 
Jokl Ling.-kult. U. 38); fernbleibt mir. aite .Pflegevater '(-<?-. vgl. 
mir. otrfe). — Weiterbild. idg. *dto-lo- ,adlig' nach Scbrader lA. 9, 
172, RL. II* 466 in ahd. usw. adal .Geachlecbt', nhd. Adel, dehn- 
stufig (wie in ahd. Uota eig. .Urgrofimutter', afries. edfla ,Urgro6- 
vater') ahd. uodal, ags. edel, an. odal .(vaterUches) Erbgut' (got. 
usw. haim-ofli n. ,Grundbesitz«); vgl. toch. atSl ,Mann' (Sieg bei 
Scbrader a. O.); auch av. abwya- ,EN. des Vaters eragtaonas' als 

der Legitime"? (Justi lA. 17, 109 f.). — Ein auch aufierbalb der 
idg. Sprachen weitverbreitetes Lallwort (vel. z. B. magy. atya .Vater', 
turk. ata, bask, aita ds. ; etr. ati , Mutter'?, s. Goldmann Beitr. II 29*). 
Vgl. auch die (z. T. mehrdeutigen) lat. EN. Atta, Attus, Attius u. a. 
(Slhulze En. 423, Zimmermann BB. 23, 272). - Walde-P. I 44 ^it 
frgl. Heranziehunc von gr. dxoXdq ,kindlich'; anders daruber Beditel 
Lexil. 70, Leumann Gl. 15, 154). Vel. audi lata und Starmer Gl. 
13,26, Schulze KZ. 43, 276, Ribezzo Don. natSchnjnen 354. 

2. attae ,appellantur qui propter vitium crurum aut pedum plantis 
insistunt' Paul. Fest. 12, ,6 ftKpoi<; toi? baKrOXoi? dmPalvu'v' Gl. : wohl 
identisdi mit dem Cogn. Atta (vgl. Sura, Vaiia u. 8.) und von den an- 
tiken Gramm. ahnlich wie Agrippa ,qui in pedes nascitur' etymolo- 
gisiert (s. daruber grundsatzlich Schulze EN. 230*, 420} ; vl. etruskisdi. - 
Abzulehnen Muller AitW. 50, Zimmermann s. v. (idenrisch mit a«a 
.Vaterdien'); Walde LEW." s. v. (.achlecht gehend', .hatsdiend' zu 
*at- .gehen' in lat. annus, s. d.]. NatiirUch mcht nach den Alten 
zu attingo (s. Loewe Prodr. 389 f.). 

attftminG (seit Itala) s. contamen. 

attanns Nigid. bei Non. 40 itaque ex re in Saliarihus: attanus 
tintinnat, id est 'sonat\ Dem. ataUa, -ae f. .sakrales GefaB' (vgl. 



78 attat - au. 

corolla : corona) Act. lud. saec. Aug. 107, 132 ad -am fuerunt (vl. 
sekiindare Bezeichnung einer Ortiidikeit im Juppitertempel) und 
€ttamtlii8 m. ,&nov UpeuLi; OKeOo?; KeinrjXiov; genus vasis' Gl.; 
tUhanuvium n. ^poculi fictilis genus quo in sacriftciis utebantur 
sacerdotes Romani' Paul. Fest. 18, atena 'eibog iroxriplou 60Tpa- 
K<{v>ou, <ti ol irpuTdlvei? ^v tuI? dua(ai(; xP^i^vrm' Gl. (zusaminen- 
gestellt bei Mommsen Eph. epigr. VIII 254) ; dazu ftrrava • Td ti'|- 
YOivct, Kai itXaKoOg 6 dir' aiiTiJ&v aKeuaZ6n€V05 Hes., dTTavixTi; ,Pfann- 
kuchen' : etruskisch (vgl. abene nadi Torp .Schale"), worauf auch 
der Wedisel von -t- und -th- weist (Kretschmer Gl. 11, 282 ff., Vetter 
Gl. 17, 303, Emout BSL. 30, 92, Goldmann Beitr. II 173«). Dazu 
nach Kretschmer a. O. gr. 'AOi'ivri dor. 'AdavS als ,T6pferg6ttin', 
Demosname 'ATT|vri, 'Axrivia, vl. auch 'AmKri. — Falsch fiber atalla 
Pascal Stud. phil. Rom 1893 (lA. 4, 79): als ,pyra, ara' zu Ster. 

attat (-a- emphatische Dehnung gegenfiber tat), Ausruf der Dber- 
raschung ,hii! ei ei! potztausend!' (seit Plaut., geminiert attattaiat 
Naev.): wohl Kurzung von attatae nadi tat; attat a e (Plaut.) und 
atattatae (Naev.) sind entlehnt aus gr. dTTOTOi (-at), dTarraTai; 
vgl. 6totoi, totoT, lit. at , Ausruf der Veraditung" und s. tat, tatae. 
Sdiwentner 32, Umgangsspr. 23 f. 

attesia, -ae f. ,Hutte, Zelt" (seit Juv., rom., daraus tirol. Thet 
,Alpenhutte«; s. Meyer-Lubke REW. n. 761, Wien Sbb. 143, H 13): 
galL, vgl. die ON. Adtegia, AttegMae, Adteiaie) (Dottin 229). Aus 
dem Lat. entlehnt ins Griech. (dx^Teia, dx^'pov) und Bask, {thegl 
,Schuppen', s. Rohlfs, Phil. Stud. f. Voretzsch 74). 

attegro, -are ,est vinum in sacriftciis augere; integrare enim 
et adtegrare minus factum est in statum redigere' Paul. Fest. 12 l 
Neubildung nach integrare, dessen in- privativum (s. integer), Shnhdi 
-wie becillus, columis (Gl.) fur imbecillus, incolumis (s. u. haculum und 
Niedermann Ess. 61 ') zum verstarkenden Praev. in- umempftmden 
wurde. 

attillo, -are ,bekitzeln, reizen' (Jul. Val.): aus *ad-titill6 (syn- 
kopiert oder haplologisdi), nicfat aus ad + *tillo, s. titilld (Funck 
ALL. 4, 243). 

attilnS; -t m. ,ein storahnlicher grofier Fisdi im Po' (Plin., rom. 
neben *atillus): wohl gall, oder ev. ligurisches Wort zu gr. iTfXii; 
m. ,Gol<U)rasse', lett. ate, Ut. 5tas .Steinbutte'. • Valde-P. I 44, 
Holder I 275, Hirt IF. 37, 222, Marstrander Corr. germ.-celt. 45. 

attinae, -arum f. ,als Grenzmark dienende Stemmauer (Grom.)^ 
unerkl. ; kaum als ,Grenze" zu atlinere ,sich erstrecken" (Thumeysen 
Thes.); auch schwerlidi zu atena, attanus von der sdialenformigen 
Gestalt der Mauer. — Gall. Herkunft (: ir. ailten .Wadiolder" aus 
*attlno-; vgl. zur Bed. gr. aliuaaid .Domhecke, Mauer") mit Mar- 
strander Corr. germ.-celt. 45 scheint ohne Anhalt, 

1. an Inter), des Sdimerzes, der Verwirrung, Entrustimg und 
dringlidien Bitte ,ach, ach, o jeh, nanu, ih bewahre' (seit Plaut., meist 
im Frauenmund, rem.): vgl. mhd. ou{ice), nhd. au, lett. aU, &u 
Interj. des Sdimerzes, zweisilb. au, avu des Unwillens, der Abwei- 
sung, Uberraschung, nicht erfullten Erwartung; poln. au, £eth. ou; 
ags. ea ,oh" u. dgL, s. Schwentner 14, Thomas Stud. 52 f., Umgangs- 
spr. 14, Brugmann Synt. 14f. (verw. mit idg. *(,u,'>ai, s. vae?, ganz frgl.).. 



au — auceta. 79 

2. an jfort" (in aufer5 = ai. Ava-Vharati und aufttgio, beide seit 
Plaut., dazu sekundar aufugo spatlt.) : ai. av. ap. ava Praev., audi Praep. 
m. Abl. bzw. Akk. ,herab' bzw. ^zu", vgl. ai. avA}i .herab", s. unter 
vesper; unerweitert in ai.d-gaiwh ,*weg von der Schar seiend, allein- 
stehend, erbarmlich', vgl. av. ao-rd ,nach unten, hinab'); gr. aii- 
Xdtreiv • dvaxiupeiv, dvoxdjca&ai Hes. (Sdiulze Qu. ep. 60); air. o, 
ua ,ab, von' (nach Thurneysen Hdb. 476 Misdiung von idg. *ud 
und *au; s. auch Walde a. U. 14 m. Litt.), gall, au- in autagis %vi- 
ToEic?' (Venrdyes BSL. 25, 36); apr. lit. lett. on- (z. B. aHmoniom ,un- 
sinnig", Trautmaim Bsl. W. 16 m. Lit.), aksl. usw. u Praep. ,bei', 
Praev. ,ab-, weg-'; vgl. die -/-Weiterbldg. gr. aOrui? .vergeblidi', 
aOcno; ds., germ. *aupja- in got. aitfeis ,ipr\\ioz', alid. usw. odi 
,6de' (Froehde Beitr. 20, 193ff., Schulze KZ. 40, 414', Bechtel 
Lexil. 78; dazu air. uathad, tiaithed ,Einzelheit, Vereinzelung", 
Thurneysen Hdb. 38; vgl. ablaut. *u-to- in alb. hut .vergebUch, 
eitel' [Jokl Stud. 31], *ue-to- in gr. ofiK ^t6i; ,nicht umsonst', vgl. 
veto). — Andere Ablautstufen von idg. *au(e) in alb. »£-, wohl audi 
in lat. we (s. vescor; aber mi. fa- vim. aus ava-), lat. •»§ (z. B. vecors, 
s. d. ; kaum in vestigium, vestibulum, s. dd.). Fernbleibt vanus (s. d.l; 
vgl. noch haud. otium. — Lat. au- nidit aus ab- (MuUer KZ. 49, 
112 ff.. Ait. W. 50 f. und mit anderer phonetisdier Erklarung Mar- 
strander NTS. 1, 245; s. dagegen Hermann Silbenbild. 205 f.). — 
Walde-P. I 1 3 ff. (audi zur Verwandtsdiaft mit dem Pron.-St. a-, au- 
jjener", s. u. aut), Brugmann IP 2, 809 f., Thurneysen ALL. 13, 7f. 

aTSrnS ,habsuditig, geldgierig (sekundar geizig, knauserig), 
eierig' (seit Naev.): zu aveo ,verlange heftig", Bddung wie am&rus 
(s. Cell. 10. 5, 1 ; nicht *as- ,brennen' enthaltend mit Prellwitz BB. 
23, 72; verfehlt Zimmermann KZ. 38, 502). — Muller Ait. W. 52. 

anbnbnlcns .pastor ovium (bov(i)um trad.) Gloss. V 346, 39: falls, 
was sehr nahe liegt, die Glosse nidit verderbt ist (aii(ty bubulats 
Budieler), dann zu ovis [agnus ist ausgesdilossen, s. Solmsen KZ. 
37, 5 f.), aber nidit wie avillus mit vortonigem aif- aus ou- (Sommer 
Hdb.* 109; wurde wegen opilio doppelte, zeitlidi versdifedene Syn- 
kopierung voraussetzen), sondern mit Niedermann lA. 29, 30 f. Uber- 
setzung von ISndlidiem *dbufulcus mit hyperurbanem au. Der EN. 
Obulcius kSnnte damit identisdi sein (Haplologie; anders Zimmer- 
mann ALL. 12, 132); dodi fugt sich derselbe viel eher etrusk. Bil- 
dungstypen (Sdiulze EN. 200, 238, 276), und die Glosse bleibt am 
besten etymologisdi unverwertet. 

anca, -ae f. ,Vocel, bes. Gans' (seit Avian, rem.), Dem. au- 
eella ,V6gelchen' ^eit Varro, spatl. auch -us, rom.): aus *avica 
(: avis), dies Ruddiild. aus avicula (seit Varro) bzw. aucula (Insdir.) 
nadi area : arcula u. a. (Niedermann BPhW. 1903, 1305, lA. 18, 75, 
Brender RudLl. Abl. 61). Zur Bedeutungsverengerung vgl. gr. 6pvi? m. 
,Hahn', f. ,Henne', ngr. dpvida ,Henne* (Robert 14?.). 

anceps, -cupit m. ,Vogel£ianger', ubtr. .Nadisteller* (seit Plaut.); 
davon aucupium n. .Vogeifang, Hasdien* (seit Pit.), aucupiS, spater 
fDe verb. dep. 35 f.) -or ,stelle nadi, hasdie' (seit Ph.): *aei-cap-s 
(vgl. prineeps, partieeps), s. avis und capio. 

[anceta] ,8aepe aucta* Paul. Fest. 25: da die beste Dberlief. 



80 



auctor — avg. 



avata bietet, nicht zu augeo mit c = jr (Walde LEW.' s. v.), sondem 
wohl mit Lindsay in auetata zu bessern. 

anctor, -6ris m. ,F6rderer, Veranlasser, Urheber, Gewahrsmann' 
(seit Plant.) ^= u. uhtur , auctor", zu augeo; davon u. a. auctori- 
Uis, -tis f. ,ma6eebliches Cutheifien, Beglaubigung, Urheberschaft, 
Ansehen' (seit XII tab., s. zur Bed. Heinze Herm. 60, 348 ff.), vgl. 
u. uhtretie „auctoritate, auctura' [*auctHtiS oder -ie, s. v. Planta 
II 55). 

andeo, ausus sum (alat. ausl, s. De verb. dep. 9), -ere ,habe 
Lust, bin aufgelegt, wage* (seit Naev., rom. *audico): von *audus 
(Gen. Sg. audi Plant. Bacch. 276, s. Skutsdi Forsch. I 44) = avidus 
,begierig', s. aveo ,bin begierig" (urspr. Bed. z. B. nodi erhalten in 
sodes, vgl. si aMrf«s, Umgangssprache 133; Bed.-Verengerung zunadist 
in non audere , nicht Lust haben' = , nicht riskieren", z. B. Plaut. 
Bacch. 697, 1056). — Abzulehnen Erdinann Antiqv. tidskr. f. Sverige 
11, 4, Wadjtein IF. 5, 9 (Verknupfung mit dcm Gotennamen: an. 
gautar, ags. geatas. Proc. rauxol angebl. aus *g{a)-aut-^ *ga-ut-, s. 
dagegen Brate Zd.V. 12, lllf.; auch russ. <idah ,Tapferkeit", dedi. 
udatni ,tapfer' erweisen trotz Petr BB. 21, 213 keine idg. Wz. *au.d- 
,kuhn sein, wagen"); Bartholomae BB. 17, 120, Prellwitz Gr.W.» 8 
(audeo zu *auedh- in &e9Xo; usw. [s. unter vas, vadis] ak *audhe-; 
■ware lat. *att6e6). — Hierher audax, Sets ,kuhn, verwegen" (seit 
Naev., rom. dafur atisus ,kuhn'; zur Bed. vgl. Plaut. Men. 731 f., 
1005, 1050 usw.; -acalus seitPetron), sddes ,wenn es gefallig ist* 
(s. d.). 

audio, -ivi, -itum, -ire ,hore, hore an, vemehme' fseit Liv., 
Andr., rom., ebenao audUits,-us m. ,Geh6r' seit Plaut.): nam Sdiulze 
KZ. 29,251, Solmsen Stud. 150 f. aus *d«(i)z-did, vgl. bea. oboe did 
aus *6b-auizdiS, *obui(z)dio bzw. *obomz)di6; *auis-dh- wie in gr. 
aioddvo^ai, Aor. aiad^cr9ai ,nehme wahr' (*oi/io-d-), vgl. ATuj (fiipv, 
-f\iaa) ,h6re, vemehme, merke' {'afiauj), ^ir-diaTOi; ,geh5rt, rudi- 
bar", dehnstufig ai. avis, av. aviS Adv. ,offenbar, vor Augen' (ai. 
avisfyafy, av. dviSya- ,offenkundig"), aksl. (j)avi Adv. ,kund, ofifen- 
bar" (uingebildet aus *opi, wovon {f)aviti .offenbaren, zeigen"); 
kurzere wzf. *aur in ai. -avati ,merkt auf, beachtef, aksl. unn 
,Verstand" (^an-mo-). Wz. *auei- ,sinnlich wahmehmen, auffassen', 
■wozu audi die Sippe von auris .Ohr" (s. d.; aber audio nidit 
direkt von *aus- in auris als *auz-did mit Breal MSL. 3, 410 u. a. 
wegen ohoedio, das bei einer Vorform *6hauzdi6 vim. *obudiO er- 
geben hatte; -oe- in oboedio mit Havet MSL. 4, 410, ALL. 3, 281 
als umgekehrte Schreibung fur -a- zu fassen, geht nidit an). — 
Falsch Hoffmann BB. 15, 62 {atidio aus *a-uidio, vgl. kypr. djeibeiv 

,h6ren", zu video usw.). d- in audid ist wohl idg. stammbild. -dh- 

(z. B. V. Planta I 135, Persson Beitr. 723, MuUer Ait W. 54 mit fal- 
scfaer Analyse ,sich ins Ohr legen" zu Wz. *dhe-), nicht -d- (Boisacq 
29). — Walde-P. 1 17. 

aTS, vulg. have (s. Quint. 1, 6, 21, Lindsay-Nohl 65, 147') ,sei 
egrOfit' (seit Gc. und CatuU): wegen des Plur. avd ,seid gegruBt' 
"■taut. Poen. 994 u. 6. = pun. 'j')p7; vgl. audi 1141 havon = pun. 

7'j^g und uu' ibid. = pun. |j^, verkurzt aus J^^H »*^'<1 gegrufit") 



avSna — aveO. 81 

entlehnt aus pun. JTifi ,vive' (Thurneysen Thes. nach Mez); spSter 
wurden im Anschlufe an solvere, vaUre die Formen avete, aveto, 
avere (te void) hinzugebildet, erst spatlat. (seit Paneg., OsthofF MU. 
4, 59, BB. 24, 189 f.J aveo ,ich befinde midi wohl", avebo u. a. — 
Aizulehnen Preibisch De serm. cottid. formulis, Diss. Erlangen 1908, 
13 nach Curtius 389 usw. (= Imper. von avere in der Bed. ,freue 
dich"; ahnlich Walde LEW.' s. v. : urspr. Vok. *aee ,niein Lieber", 
vgl. gr. AiTOi; jGeliebter" u. a. unter aveo); OsthoflF a. O. (als „sei 
angerufen, sei gegrufit" zu ai. hdvate ,nift', air. guth ,Stinmie'', 
gall, gutuater ^Priestertitel', lit. SavSti .zaubem", aksl. zovq, zwati 
.rufen' usw.; Wz. *ghau{d)-, s. Walde-P. I 529 f. mit Heranziehung 
von gnn. *guda- n. in got. usw. gup ,Gott', woruber anders F. R. 
Schroder PBB. 51, 30). 

aTena, -ae f. ,Grasart, Hafer, in Italien nur als Viehfutter ge- 
bauf (Colum. 2, 10, 32, Hoops Waldbaume 408 f.}, audi ,Halm, 
Rohr' (seit Enn. und Cato, rom., ebenso -drius Plin.): aksl. ovMi, 
russ. ones, Gen. ovsd , Hafer*, lit. avim ,Haferkom', Plur. m. avi- 
sos, lett. Auzas, apr. let/se , Hafer' (daneben icisge [Grunau], vgl. lit. 
wizges [DowkontJ, ohne GewShr; Trautmann Bsl.W. 21), vl. gr. 
aifiXu)V|( m. ,Windhafer, Gerstenkom im Auge' {*cuF\'(\-?, Pedersen 
IF. 5, 42 f.). Lat. avena •wohl durch Anlehnung an -ena in arena 
u. dgl. aus *ai>ina, 'avig-sna, (Pedersen a. O., Zupitza Gutt. 31 f., 
Schrader RL. P 427). — Walde-P. I 24 (auch gegen die weitere Ver- 
bindung mit ovis ,Schaf', ai. avasdm n. ,Nahrung" [wohl zu dvaa- n. 
,Befriedigung', s. aveo], gr. hom. f|ta ,Reisekost*, Bechtel LexU. 152, 
vgl. auch unter asia). 

aTeo, -ere ,begierig sein, heftiges Verlangen tragen' (seit Enn, 

spez. dichterisch, in Prosa seit Cic), avidus „begiene' (seit Enn.), 

audeo (s. d.), avdrus (s. d.): kymr. ewyll, ewyllys , voluntas', kom. 

atcell, awel „Verlangen', kelt.-grm. avi- in gall. Avi-cantus (= abret. 

Eucant), ahd. Am-leib u. a. (vgl. got. awi-liup n. ,Dank'); weiter- 

hin zu ai. dvati ,verlangt, begunstigt, fordert' (= av. avaiti ,sorgt, 

hilft', air. con-oi ,bewahrt"), dvag- n. ,Gunst, Beistand' (= av. 

avah- n. ,Hilfe'; vgl. gr. ep. ^v-r)r|i; ,wohlwollend' aus *^v-a/Vi?), 

avitdr- m. ,Gonner', utHk f. ,Hilfe'; gr. dixai; (Theokr.), fioi. &ito 

(Alk.X lakon. dlTt? f. ,Freund, Geliebter' (anders Bechtel Gr. D. 1 203), 

wohl auch -a/bv- in 'Idove?, alter 'Id/bve?, Mi'iove; aus Mdove?, femer 

in btbundwv, KotviJEivE? u. a. (Pick BB. 26, 233, KZ. 46, 124, Kretsdimer 

Kleinas. Forsch. 1, 4f.; anders Brugmann II* 1, 322); vl. arm. owun 

.libido' (Petersson Et. Misz. 8), alit. usw. auitis .sidi erquicken' 

(Endzelin KZ. 44, 63 f.). — Walde-P. I 19 (audi zur Verwandtschaft 

mit *ay,- ,wahrnehmen' [s. owtiio] und acus ^Grofivatet* ; anders Persson 

Beitr. 723, Petersson a. O. : zu Wz. *ve«-, 'itel-, *«*«"-, s. volo, invitus). 

Nicht hierher trotz Zimmermann BB. 23, 90 die FN. Avens 

im Sabinerland (davon .(lti«n<«n«a m. ,Hugel Roms'?), jip«n<»a 

in Etrurien, vl. Avernus m. ,Kratersee in Kampanien' (anders 

VaniCek 31, Stolz IF. 22, 247 ff., Ribezzo RIGI. 12, 98): falls nidit 

etruskisch, dann zu *auer- bzw. *aiteTU-, *aunt- in gr. aOpo ,Wa8ser, 

Quell' (in &v-aupo; .wasserlos' usw.), awn. aurr ,Wasser', Aura 

FN., ags. ear ,Meer', gall. FN. Avara (Holder 1 306, Sdiulze EN. 8), 

lit. jdura{s) ,Moorgrund' (Jau- aus *«*-?, Muhlenbadi-E. s. jUra), 

Walde Etym.Warteilnich d.laLSpradie. 3. A. 6 



82 



averrunco - augeo. 



ai. avaidh .Brunnen", avafdh jZisterne' (mit pakrit. t aus t), Ictt. 

avudts , Quell' (mo- aus -an-, s. Bnga bei Trautmann Bsl. W. 20; 

zw. Muhlenbach-E. s. v.), vgl. unter urina, unda und s. Walde-P. 

1254, Muller Ait.V. 53, Persson IF. 35, 199f. mit Lit. 
aTemmco, -are archaisdies Wort der Priestersprache ,etwas Boses 
abwenden, entfernen", sekundar .abschneiden, verbieten' (seit Cato), 
verrwncS, -are ,(sich) wenden, ausschlagen' (seit Afran. bzw. Carm. 
frg. Cic. div. 1, 45): von Vanifiek 269, Stolz HG. I 516 mit verro 
.schleife, fege' {*vers-, s. d.) verbunden unter formeller Zugrunde- 
legung eines Nomens *verruneus (vgl. deus Averruncus ,iiitOTp6- 
Tiaio?' seit Varro) von *verro, -onis:, die Bedeutungsgleichheit mit 
verto (Breal-Bailly 432 mit den Alten; vgl. haec bene verruncent 
popido mit ea mihi bene vertant) mufite dabei sekundar sein und ist 
vl. nach volkstumlich-drastischem averrere = auferre (Plaut. True. 19 
quo citius rem ab eo averrat cum ptdvisculo, vgl. audi Afran. com. 64) 
zu erklareti. 

arerta, -ae f. ,Felleisen' (seit Ed. Diocl.; -Srius m. .Felleisen- 
pferd' Cod. Theod.) : aus gr. dopTyi f. ,von den Sdiultern herab- 
hangender Kleidersack' (Weise BB. 5, 77, Walde-P. I 265, zu deipiu; 
vgl. zum Lautlidien Solmsen Stud. 23, Leumann-Stolz^ 61). 

angeo, -an, -ctum, -ere ,mache wachsen, vergrofiere, vermehre" 
(seit Naev. [ebenso -escs ,nehme zu"], selten itr. seit Cato; archaisdi 
und kunsthch aucto seit Plaut.; auctUo seitTac.): got. aukan ,sidi 
vermehren' {ga- ,zunehmen", ana-, bi- .hinzufugen"), an. auJca, as. 
ohian, ahd. ouhhon , vermehren"; lit. duffu dugti, lett. aUffu aAgt 
jwadisen" (lit. auginu auglnti , wachsen machen, erziehen"; lett. 
audzet .erziehen", ostlit. dugMnis ,Z6gling", ablaut, lit. paugMi ,ein 
•wenig wachsen" : lat. augere; lett. dial, aukts ,hoch", apr. *aucta- 
in aucktimmien ,Oberster' u. a. = 1. auctus). — Neben *aug- *aueg- 
(schwachste Wzstufe in ai. ugrdh ,gewaltig", vgl. 4ksati ,erstarkt", 
av. uxsyeiti ,wachst" ; *ueg- vl. in air. usw. fer ,Gras" aus *i^rO; 
dehnst. got. usw. wohrs ,Zins", vgl. ags. eaea ,Zins" neben eacian 
.zunehmen' ; anders Walde a. O. 23) steht die «-Erw. (vgl. den es-St. 
ai. djas-, av. aojah- n. .Starke", lat. augus-tus, lit. usw. dukStas; 
audi wohl augur, s. d.), *avek-s-, *auk-s-, ueks- (uks-) in auxUium 
(s. d.), gr. dlj")lim ,mehre", aCEw, aiiEdvu) .vermehre, steigere" 
(aC£ii, aOErioic, aOErma ,Zuwachs"); ai. vaksayati, av. vaxiaiti .lafet 
wachsen", got. wahsjan .wachsen' (*uoks4j,o?, Brugmann IF. 32, 189, 
Grdr. II* 3, 122. 339). — Fern bleiben"arm. aiem .wadise' (s. Walde-P. 
I 173); alb. agume .Morgenrote' (: gr, af»>rt, Walde-P. I 25); air. 
usw. 6s, uas ,oben, uber", iiasal .hodi", gall. OOEeUov, -a, gall.-lat. 
uxellimus .stmimus" usw. (: *Mpo ,von unten heran", s. sub, Walde- 
P. I 193). — Verwandtsdiaft von *aueg- .vermehren" mit ueg- 
.kraftig sein' (s. vegeo; vgl. bes. ags. wxenan .eeboren werden") 
wird trotz der Vers(Medenheit des Gutturals duroi die Bed. nahe- 
gelegt (Persson Beitr. 555). — Walde-P. I 22 ff. 

Vgl. nodi lat. auetor (s. d.); auetio, -Onis f. .Versteigerung (Er- 

h5hung, 8C. pretii)' ; augmen (seit Lucr. ; kunstUdi) uaaaugmen- 

tum n. (seit Varro, rom., vgl. magmentum, inerementum; davon spat- 

lat. und rom. augments .vennehre") .Vermehrung, Zuwadis" (: ai. 

ojmdn- D. .Starke', bt. augmud .Jahreswuchs, Auswuchs", aber 



augur — avia. 83 

woKl ohne histor. Zusammenhang ; wenn ererbt, dann trotz Leu- 
mann-Stolz^ 154, Meillet-Vendryes 82 wohl Neubildung nach augeo 
fur lautges. *aumen, vgl. agmen); kunstlich augi-fico ,vermehre* 
Enn. (wohl nach magni-fico; auctifico Arnob nach -us Lucr.). 
an^r, -uris (fiber -er Prise, s. Sommer Hdb.* 97, Leumann- 
Stolz* 87) , Augur, Vogeldeuter, Weissager' (seit Cato; auguro, seit 
Cic. -or ,nehme die Handlung des Auguren vor, weissage' seit Plant., 
rom.; -turn n. ,Beobachtung des Vogelflugs, Vorzeichen' seit Pit., 
rom.; -aculum, Storium n. ,Amtslokal der Auguren' seit Paul. Fest.): 
da das auspicium nur ein Teil der Obliegenheiten der Auguren war 
(s. z, B. Serv. auct. Aen. 2, 703), diese vielmehr urspr. Vermehrungs- 
ritualisten waren (vel. u. a. die altrom., noch heute in Sardinien 
ubliche Auguralformel largus annus; s. Flinck a. O., Wissowa BPhW. 
1921, 916 ff. gegen PW. II 2313 ff.), ist die Anknupfung der Alten 
(Ov., Val. Max.) an atigeS, auctor auch sachlich gereditfertigt; augur 
nicht als 'aves producens' (Walde-P. I 22'), sondern wohl altes Ntr. 
*augos, -eris ,Vermehrung, Wachstum', das vl. in dam PI. augura 
= Oliguria Ace. trag. 624 nodi erhalten ist; Flexion augur, -uris 
wie fulgur, -uris geeenuber ebur, -oris usw. infolge Assimilation an 
das u der ersten Silbe (s. Bucheler N. Jbb. 87, 785, Zimmermann 
Bh.M. 55,486, ALL. 7, 435 f., bes. Emout MSL. 22, 234 £, FUnck 
Auguraha 3ff.; zur Reihe augeo augur aitgustus auxilium vgl. ango 
angor angustus anxius usw. ; zur Umwandlung aus Neutra vgl. for- 
mell Fimws, vetus, begrifflich die Bedeutungsannaherung an auspex 
und das Nebeneinander a'uspex : auspieium, augur : augurium, anders 
Meillet MSL. 22, 238; kaum richtig auch Persson IF. 26,64, Gl. 6,90: 
neutraler -its-St. wie angebl. auch in vetus, doch s. d.). — Abzulehnen 
Walde LEW.* s. v. {*avi-ges-os, was *auger, -eri ergeben hatte; die 
Verbindung mit gerere bei Paul. Fest. 2 ist nur Volkset., ebenso 
fiktives avigerus ,auguriator, qui aves aspicit' GL); Ehrlich BPhW. 
1911, 1574 {^avi-vigus- P.P.A. ,die Vogel beobachtend' zu vigit); 
Froehde BB. 17, 310, Prellwitz ib. 21, 168 f. {*avi-gur : lit. iiurgti 
.sehen' usw., s. Persson Beitr. 122, 129); Giles Proc. of the Cam- 
bridge Phil. Soc. XXV -XXVII (1891), 14 {-gur Suffix wie aneebl. 
in gr. TtpioTU?, lit. zmogiis, s. fiber diese Brugmann IP 1, 511. 2, 
883j; VaniCek 86, Stowasser Wb. {avis + *gurere : gustSre, formal 
una begrifnich abwegig). 

an^gtng, -a, -um ,geweiht, heilig, erhaben", eig. „was mit 
Mehrung (*o«(;os, s. o«()i«r) versehen ist' {vg\. augusto augurio Enn.; 
seit Enn., rom. Monatsname ag- wie schon vlgrl., s. Leumann-Stolz^ 
80): lit. dukStas, lett. aUgsis ,hoch, vomehm"; weiteres s. unter 
augeo. Zur Bed. des Kaisemamens Augustus = JlcPaoTd? s. MuUer 
Meded. K. Ak. Vet. 63 A, 11, v. Premerstein PhW. 1929, 849. 

ayia, -ae f. ,eine Pflanze, die mit Salz zerrieben und auf entzun- 
dete Korperteile aufgelegt schmerzstillend wirkt* (seit Coluni. 6, 14, 3, 
rom., s. Meyer-Lubke REW. n. 824): da die Pflanze nicht naher be- 
zeichnet, ihre Bestimmung also nicht moglich ist, so ist das Suchen 
nach einer Etymologie mufiig (Walde LEW.* s. v. : = ,plantago', 
,Wegerich', danach a via ,vom Wege"; auch in der Bildung be- 
denklidi; altere, ebenfalls ganz luftige Vermutungen bei Schneider 
zu Colum. a. O.). 



84 avidus — aulla. 



aridns s. aved 
aTillns ,ag 
Demin. von ovis 



'nus recentis partus* (Paul. Fest. 14, GL): aus *ovillos, 
wc..^. V... Jis (Solmsen KZ. 37, 5f., Sommer Hdb.^ 109). - Die 
Herleitung aus *ag'>(h}nolos, 'agoQt^los, Demin. von agnus (Froehde 
BB. 1, 327 f.. Fay Stud, in hon. of Gildersleeve 1902, 192) scheitert 
an dironologischen Bedenken, s. Valde-P. I 39. 

avis, -is f. .Vogel", spez.,Veissagevogel" (seit Plant., rom.): = u. 
avif, avef ,aves', vgl. audi u. avie D. Sg. ,augurio' (te-St.), davon 
aviekla ,augurali' (wohl Adjektivierung eines *auie-klo- ,augurium'. 
Buck Gramm. 183 f.; anders Brugraann Sachs. Ber. 1897, 148), avie- 
kate .auspicatae", marr. aviatas „auspicatae" (y. Planta I 115, 365 
II 26, 54 f!); ai. lAh, veh m. ,Vogel", av. viS (G. PI. vagqm) ds., ai. 
vdyas- n. ,Geflugel. Vocel". — AUe weiteren Verbindungen unsicher; 
vl.gr. aiiJ)e.T6<; m. ,Adfer" {*af iej6(; .grofier Vogel', s. Schmidt KZ. 
32,374, Schulze Festschr. Jagid 343^ anders Danielsson IF. 14, 384; 
fern bleibt' jedenfalls gr. oiiuvd? m. ,Raubvogel' trotz Schmidt a.O., 
Fick KZ. 44, 147, s. zuletzt Sadee KZ. 43, 245 ff., Kretschmer GL 4, 
351; ar. oiofiai ,meine' s. unter omen); arm. hav , Vogel, Huhn, 
Henne' (Meillet MSL. 8, 165; anders Petersson KZ.47,249f., vgl. 
puer); kymr. usw. htcyad .Ente' (*auiet6s nach Pedersen I 55 f. mit 
Fernzuhaltendem wie Ut. aviliai [auch adzes] ,Libellen", d. We^e, 
s Falk-Torp 1509); mir. ai, nir. aoi ,Schwan' ; lit. usw. viSth ,Huhn' 
(Petersson Bait, und Slav. 78, vgl. Baga Kalb. 301). — Vgl. auca, 
W»». — Walde-P. I 21 f. 

aulla, aula, vulg. und rom. oUa ,Topf, Hafen' (seit Plant., rom.; 
aullula, ollida seit Pit. bzw. Varro): nach Ausweis des Demm. awxiHa 
,oUa parvula' (Paul. Fest. 24) aus *auxla zu ai. uhhdh m., uhha 
,Topf, Kochtopf', got. aiOms m. (^ucfms), anorw. ogn, aschw. oghn 
Ofen' (urspr. ,Glutpfanne, Kohlenbedken", s. zum Sachlichen die 
lit. bei Feist" 48, Schrader RL. IIM19f;; Wz. "aufQi)-, "uq'h-, da- 
neben wohl *ueq^h)- mit vl. erst einzelsprchl. Labial m gr. invd;, 
alter Im^i? m. (MeiUet MSL. 9, 137, Guntert Abl. 25), ahd. usw. 
ovan ,Ofen" {%.g»-n6s'i, s. Walde-P. a. O.; aus dem Germ, [aschw. 
omn\ wohl entl. apr. wumpnis „Backofen', umnode ,Backhaus'; 
anders, aber kaum richtig, Baga Kalb. 180 flf.: wumpnis aus *umnas, 
*«6na», half. *vb-, wozu auch lit. iihlas .Kachelofen', OblMi (zem.) 
ein Haus, wo der Ofen zum Brotbacken steht", ostlit. iibailaiti 
"Ofentur"); vl. alb. am f. .Gefafi' (*auq'>-na?, Jokl Stud. 3), vann. 
offen i. ,Steintrog« {*uppa, Loth RC. 43, 410). — Weitere Analyse 
von 'auq^ihy *«}»(^)- unsicher (falsch Muller Ait. W. 51 : als ,Kuhl- 
fafi" zu *auq- ,kuhlen", s.autumnus; audi nidit mit Ehrlidi BPhW. 
1911, 1574 zu gr. ?i(>u) .koche' aus *fiqfaM). — Abzulehnen Thum- 
eysen Thes., IF. 21, 177, Solmsen IF. 31, 474», Muller Woordverkl. 222 
(aus *aul-ela zu *atilos, Sltere Form fur almts, s. dagegen Sommer 
KE. 84). — Gegen Auffassung von o als urspr. Vokal (Thumeysen 
KZ. 28, 157, Stolz HG. I 211) s. v. Planta I 155; o. Ham ,oUam« 
ist aus dem landlidien Latein entlehnt, fal. olna, wenn = ,olla, uma" 
(Sufiix nadi wna?) kann Lehnwort sein oder o aus au haben. — 
Walde-P. I 24 f. (auch zur Entlehnungsfrage von germ. *ofna- und 
zur Heranziehung von lit. aukUys „Sdiachtel aus Birkenrinde', vgl. 
Bflga Kalb. 182). 



aura — auns. 



85 



anra, -ae f. ,Lufthauch, Luftzug, Luft" (seit Enn. spez. dichte- 
risdi, rom.): aus gr. aOpa f. ,Hauch' entiehnt, s. ventus. 

anreae, anreax s. ss und auriga, 

Anrelins s. aurora. 

aniichalGnm, orichalcum {Sri- metrisdi sidier seit Verg.; auro- 
spatl. und in aurockalcinus Inschr.) ,ein goldglanzendes fabelhaftes 
Metall', seit dem 1. Jh. v. Ch. ,Legierung von Kupfer und Zink, 
Messing' (seit Plaut., daraus end. ahd. orchalc; s. zum Sachlichen 
Diergart Phil. 64, 150 ft, Blumner Technol. IV 193 ff., Schrader RL. 
IP 62): aus gr. 6pE{xa\K0i; m. ,Bergerz (fabelhaftes Metall, spater 
Messing)' mit teilweiser Anlehnung an aurum; zum Ntr. vgl. cassi- 
*er«w, wadcernagel Synt. 11 46. 

anriga, ortga (Varro, Schol. Juv.) „Wagenlenker, Pferdelenker", 
spater auch .Reiter, Steuerraann" (s. PoUak PW. 112549; seit Cic, 
Caes., Varro): aureae (oreae) ,Gebi6 am Zaum" (seit Naev., s. os) 
+ iga zu ago; gegenuber aureax , auriga" (Paul. Fest. 8; *aure- 
ag-s gegeniiber retn-ex, s. Leumann-Stolz^ 89) wohl erst mit Dber- 
nahme des in andern Zss. entstandenen -iga, falls nicht eher Ruck- 
bldg. aus rem-tgare nachgebildetem *awe-igare jkutschieren' (Nieder- 
mann briefl.); oM- wrsch. durdi volksetymol. Verknupfung mit auris. 

Falsch Vanicek 226 (-igra wie in Hga usw. zu iugum; auriga ist 

Nomen agentis), VaniCek ib., Nazari RFCl. 32, 99 {*auro- ,Pferd, 
Renner" wie aneebl. in gr. Kivx-aupo? ,*Rossestachler'', aOpi-pdxri? 
,schnellschreitend'', aOpi .geschwind*, aOpoi • Xayujol, t^ij^tt(I»v Mto- 
XiKOivHes.; s. Boisacq 102, 434 und zu Kivraupo^ .Wasserpeitsdier' 
Kretschmer Gl. 10, 50 ft, zu aOpoi Ribezzo RIGI. 12, 97 f., vgl. lau- 
rex). — Vgl. prortga. 

anris, -is f. ,Ohr' (seit Plaut., rom. in Resten neben regelmafi. 
auricula [vlt. und rom. auch or-, Bruch ZRPh. 41, 583] seit Pit.; 
■Uus ,mit Ohren versehen" seit Pit.): = lit. ausU f. (alit. alett. 
auch m.) ,Ohr', lett. Auss, apr. ausins Akk. PI. (vgl. die Erw. ahd. 
ori ,das Dhr", mhd. cese ,Dse, Henkel' aus idg. *ausiio- bzw. *au- 
si{a; t-St. *ausi- aufgebaut auf dem alten Dual [av. Ms't ,die beiden 
Ohren', aksl. uM ds. aus idg. *ti»-i bzw. *aus-i\ und dem neutralen 
-i des Nom. Sg. nach Meillet-Vendryes 445 f., Schmidt PI. 407, Brug- 
mami IP 1, 132. 173; kons. St. aus- noch in au»-cuUo [s. d.], lit. 
Gen. PI. ausq, lett. ausu neben auiu); - gr. dor. ilx; (idg. *6[u]s, vgl. 
(IiJTiTa Alkm., dfjwp-OEie? ,mit zwei Henkeln' u. dgl., s. Schulze Q. 
ep. 38\ Sommer Gr. Lautst. 15 f. gegen Wackernagel KZ. 29, 141, 
Bechtel Gr. D. Ill 154 f. [vgl. auch \ot-U)6s ,Hase' unter Umgueo]; 
daneben *aus- in lakon. aOi;, dra • ilira Tapavrtvoi [Wadcer- 
nagel IF, 45, 313, Kretschmer Gl. 18, 227 f.] und durch Kreuzung 
von *6us- und *aus- jon. att. oO?, oOaro?, wozu auch dKpodo|.tai 
,hore' auf Grund von *dKp-ouaa ,scharfes Gehor'; aber dKoOiu a. 
unter caveo, itap-i^liov .Wange' unter Ss); - »-St. *ausos- in gr. att. 
oO? (aus *oO(Jo?, ^(/^o?), air. au, o (Marstrander NTS. 3, 251), aksl. 
who (Gen. uiese) ; - n-Erw. in gr. horn. oOoto? (*oms-»-<-), att. tl)T6;, 
liiKibe? • ^vibTia Hes. (*o«s-|i-jo- u. dgl., s. Brugmann II' 1, 309), got. 
auso n., as. ahd. Ura, an. eyra, arm. unlen ,Ohr' (*t«on-jo-OT); 
vgl. noch alb. res m. ,Ohr' (*oHS-, *6s-, Jokl WZKM. 34, 40). — 
Weitere Verwandtsdiaft s. unter auAio; vgl. auch lej^m. — Walde-P. 



86 aurora - ausculto. 

I 18 (auch zum Vokalismus; anders Persson Beitr. 724', Kretschmer 
Gl. 10, 53^: *0MJf- *3us-; Identitat mit idg. *d[u]s- ,Mund' ist trotz 
Meringer Beitr. 12 f., WuS. 3, 48 abzulehnen). 

anrora, -ae f. „Morgenr6te' (seit Plaut., rom.): als *ausos-/l (ygl. 
Flara : fios, verblafiter Gottemame nach Schulze Berl. Sbb. 1916, 
1329; nicht *ausor-& von Adv. *aws6r mit Leumann-Stolz' 202) zu 
gr. hom. f)ii)?, att. gu)?, aol. aOui;, sekundar otOa f. (s. Bechtel Gr. D. 
I 52f., Lexil. 271 f.; idg. *llusos), fifX-iupoS ,dem Moreen nahe", 
aOpiov „morgen' (*a()ap-), fi'i-Kavd; m. ,Hahn' (*au(lt- ,in der Morgen- 
fruhe singend"); ai. mdh t., Akk. usdsam, av. usd ,Morsenr6te, 
Morgen", ai. ucchdti ,leuchtet auf" (vgl. heth. usldnun ,icn sah", 
Sturtevant Lg. 6, 34 f.), usrdh ,morgendlich", usar-, ttsr- ,Morgen- 
rote", usar-bMh- ,fruh wach'; lit. auirA f. jMorgendSmmerung", 
austa ,es tagf, lett. d^st As., aksl. za ustra ,t6 irpiut' (aber aksl. 
usw. (JJutro n. jMorgen' bleibt wohl fern, s. Berneker 463); grm. 
*austr- aus' *aus-r- in Ostrogoihae, sXter Austrogoti ,die glanzenden 
Goten' (Streitberg IF. 4, 305 ff.), ahd. usw. dst{a)ra, ostarun 
jOstern' ; grm. *austra- aus *atis-t{e)ro- ,6stlich" in ahd. usw. 
dstar ,6stlich', ,nach Osten", ostan ,von Osten" (s. lat. auster); 
vgl. noch *ues, *u6s- in ai. vasar-hdn- ,in der Morgenfruhe sdila- 
gend", vSsardh „morgendlich', mir. usw. fair ,Sonnenaufgang" 
{*lfosri-; vgl. den rjn-St. "ues-r-, *ues-n- ,Frflhling', s. ver). — S. 
noch aurttm, auster, Vesuvius. — Etr. usil „Sonnengott' nach 
Kretschmer Gl. 13, 111. 14, 310 aus sabin. *ausel .Sonne' in .4m- 
selU = AureliX (Paul. Fast. 23 ; vgl. aiKi^Xiu? [1. aiso-] ■ lw(; Cntd Tup- 
privtiiv Hes.), Kontamination von idg. *aus6s mit *sau,el , Sonne'? 
(anders Ribezzo RIGI. 3, 256). — Walde-P. I 26 f., Brugmann IP 
1, 530 f. 

anmm, -i n. ,Gold', sabin. ausom nach Paul. Fest. 9 (seit XII 
tab., rom., ebenso aureoliis ^golden, vergoldet' seit Plaut. [aureus 
seit Liv. Andr.l, auratus seit Enn., vgl. orata .Goldfisdi' Paul. Fest. 
182, -atura ,Vergoldung' seit Quint.; vgl. noch auriigd f. ,Gelb- 
sucht' seit Scrib. Larg., spater auch -Igo ,Getreidebrand", s. Leu- 
mann-Stolz' 241, Bruch Misc. Schudiardt 51); ital. *ausom ,das rot- 
liche Metall' zu Wz. *aues- ,leuchten" in aurora usw. — Lit. auk- 
sag, alit. austts, apr. ausis ,Gold' sind schwerlich nach Schrader 
Sprachvergl, 11' 41, RL. P 403 f. fruhe Lehnworte aus dem Ital., 
sondem lurverw., wie vl. auch toch. A was ,Gold'; doch vgl. audi 
arm. os-M ,Gold', finn. vas-ki ,Kupfer". — Aus dem Lat. (bald nach 
eingetretenem Rhotazismus, s. Leumann-Stolz' 141) stammt air. Or, 
kymr. awr usw., ferner alb. dr. — Walde-P. I 27. 

anscnltS, -dvi, -Stum, -are ,horche, lausche, hore aufmerksam 
zu, gehorche' (seit Plaut., vulg. und rom. as-, s. Leumann-Stolz' 80; 
vgl. scultdtor ,Kundschafter, Art Leibwache' Veg. mil. 2, 17, s. Ronsch 
Z«G. 35, 579ff.): wohl durch Metathese aus *aus-elutdre (gegenuber 
tn^dOtus, s. clued; aus- zu auris, s. d.), Abltg. von *au»-elutos ,mit 
(eigenen) Ohren gehort', vgl. gr. ilix-aKOuaT^ui .horche, lausche' 
von •iliT-aKOUffrd? (Pott KZ. 9, 207 S Schulze Qu. ep. 38', KZ. 45, 95; 
ausculto m. Akk. der Person und Sadie nach audio, mit Dat. nach 
oboedie wie tlnaKoua-riw m. Akk., Gen. und it6p( nadi AkoOw). — 
Kaum als ,sein Ohr neigen' aus *aus-elitare zu ctind (Brugmann IF. 



ausculum - auturanus. 87 

11, 109) bzw. aus -cultare = an. halla ,(das Fa6) neigen" (von hallr 
,geneigt' aua "halpa-, unerw. Wz. *kel- ,neigen", Zupitza BB. 25, 99) ; 
aurem inditUire ist gegenuber aurem admovere, attendere, praehere 
usw. erst spatl. und stammt aus der Bibel, s. Thes. II 1511, 3. — 
Walde-P. I 431. 494. 

ausculum ,Ku6' s. as. 

anspex, -icis m. ,Vogelschauer, Anfuhrer' (seit Plaut., davon 
-icium n. ,Vogebchau, Vorzeidien, Anfang, Redit der Vogelschau > 
Oberbefehl' seit Naev.): aus *avi-speli-s {avi- CIL. XI 5824 rekom- 
poniert nach exti-spex u. a.), avis + Wznomen zu specio, = ai. spdi-, 
av. spas- ,Spaher'. 

anster, -tri m. .Sudwind' (seit Plaut.), auatralis .sudlich' 
(seit Cic): aus *austro- == grm. *austra' ,6stiich (aus *dus[e]s-i{e)ro-, 
vgl. av. usas-tara- ,6stlich', oder ev. *dus-{(eyo-, s. Brugmann IP 
1, 327) in an. austr n. ,Osten", Adv. ,ostwarts*, ags. east, ahd. pstar 
,nach Osten' (nhd. Oster- in ON., QsterrHch usw.); lett. *austrs 
^ostlich" in hustrums , Osten, Morgenland", awstra vejs ^Ostwind". 
MstrinS ds. (= lit. auStrlnis .Nordostwind'), vgl. audi aksl. ustn 
jaestivus' und mit anderem Suffix ahd. usw. ostan ,von Osten'. — 
Die Bedeutungsverschiebung (= .regenbringender Sudostwind, Sci- 
rocco") ist geographisch zu erklaren infolge felsdier Orientierune der 
Adise Italiens (E. Oberhummer Festschr. d. 57. Phil.-Vers. Salzburg 
1929, 156). — ouster nicht zu gr. aOo? .trocken' (Schrader RL.' 956, 
vgl. IP 659; s. sudua) oder zu gr. eOpo? ,Ostsudostwind" (Prellwitz 
G^.W.^ s. dagegen Sommer Gr. Lautst. 36 f. : efiuu .dSrre"). — S. 
aurora. 

austium s. os. 

aut ,oder' (aus ,*andererseits* fiber ,andernfalls", Schraalz^673; 
seit XII tab., rom.j; = u. ute, ote ,aut", o. auti ,aut', auTi jautem", 
aut ,auteni, at" (s. zu den Bedeutungen v. Planta II 465, DLZ. 1929, 
806), gr. *aOTi ,wieder' (erweitert in jon. aOxi-c, gort. aO-n-v; identisch 
rait horn. oOti ,auf der Stelle' [woraus aiiTl-Ko] neben aO-St ,da- 
selbst', lesb. aO»i-T^Xtii; ,an Ort und Stelle beendet"), aO-re ,wieder, 
audi, ferner", afixdp (•aOT' ftp) ,aber". Urit. *au-U, gebildet wie 
pos-it), von *au, gr. aO ,wiederum', wohl audi in got. usw. auk 
,audi' = gr. aO-fe; damit ablautend ai. « ,audi, dagegen" (= gr. -u 
in itdv-u ,gar sehr", got. -« Fragepartikel), Urti ,und, audi', gr. fifrre 
(*Tvr(4) + UT€) .ebenso wie". — Dber weitere Verwandtsdiaft mit 
dem Pronominalst. ,jener" in ai. av. ap. ava- ,jener', aksl. ovh — ovi 
,alter- alter' s. Walde a. O. (vgl. audi u. uru jillo' unter ollus) 
und mit o«- ,fort, weg' s. d. 

Hierher autem ,aber' (seit Liv. Andr.) aus .hinwiederum, 
anderseits' (vgl. d. aber, abermals, a. Sdimalz* 667); zu aut wie 
item : ita, quid-em zu quid usw. (Brugmann II' 2, 732. 736, Leu- 
mann-Stolz^ 285; nidit mit Skutsdi Gl. 1, 319» aus *au-tem mit 
*tem = turn oder mit Walde LEW.' s. v, nadi turn usw. erweitertes 
*auti-m). 
anthepsa, -ae f. ,eine Art Samovar' (seit Gc): aus gr. •afid^ipn? 
(Kretsdimer Gl. 10, 170). 

antnmnus, -t m. ,Herbst' (seit Enn., rom., Adj. seit Cato, Ntr. 
Subst. -um seit Varro; -itds f. ,Herbstzeit, Herbstertrag* seit Cato 



88 autumo — avus, 

nach aestas, danach olivUas Varro; -alis seit Varro, -are seit Plin., 
rom.): ohne sichere idg. Anknupfung. Nicht als die ,kalt werdende 
Jahreszeit" mit Pedersen I 103, Walde LEW.^ 867, Walde-P. I 222, 
MuUer Ait. W. 52, Loewenthal WuS. 11, 54 zu Wz. *aug- *mg- ,kalt" 
in gall. Ogroni ,Monatsname" (*ougro-), air. usw. uar ,kait', ocht, 
uaeht jKalte', arm. oic ,kalt', lett. aUksts ds., lit. duMi ,kalt, kuhl 
werden' (die bait. Forraen lautlich unklar, s. Muhlenbach-E. s. v.), 
da die Schreibung auct- nur vcreinzclt in scblechteren Hss. begegnet 
und offensichtlidi volksetym. AnschluC an augeo entstammt (Paul. 
Fest. 23), audi die Bezeidinung ,kalte Zeit' sachlich unpassend ist; 
abzulehnen audi Sdirader Spradivergl.^ 440, RL. P 495 (: idg. *audh- 
in got. auda-hafts jbegluckt", an. usw. audr ,Reiditum, Besitz", 
bret. ozac'h ^Hausherr" aus "odahkos, kymr. ud aus *oudo-, s. Walde- 
P. I 16, Loth RC. 41, 234); Walde LEW.^ 78 (: au ,fort, weg» als 
,Abwendung von des Sommers Uberhitze', s. dagegen Ribezzo a. O. 
wie audi gegen Brugmanns Sadis. Ber. 60, 32* Verknupfung mit gr. 
aO(Tl) bzw. af)T6q). — Da entsprechend gebildetes Vertumnus (s. d.) 
sidier etr. ist, audi das Nebeneinander von subst. und adj. Ver- 
wendung an etr.-lat. laniena (s. d.) eine Parallele hat, wohl etruskisdi 
nadi Ernout BSL. 30, 99 f. (urspr. Gottheit mit sekundarer Beziehung 
auf den Herbst?), Ribezzo RIGI. 3, 256 f. {*av{t)-to-m{e)nos ,*Jahres- 
umkehr' : etr. avil ,Jahr"?). 

antnmo, -Svi, -atum, -are ,behaupte, sage', spatl. auch ,meuie" 
(seitPlautJ: Ableitung von autem ,hinwiederum" (Ziramermann IF. 
15, 124, Fay Class. Quart. 1, 25, Breal MSL. 15, 138; ,behaupten" 
aus jWiederholen" fiber ,versidiern', ,nachdruddidi sagen", vgl. die 
Bed. ,aufzahlen' Plaut. Men. 760, ferner Trin. 743; zur Bildung vgl. 
iterare ,wiederholt sagen', abgeschwadit „ sagen', ahd. afar on, 
aberen ,wiederholen', s. audi negare, negmndre); autumo mag sidi 
sekundar an aestumo angeschlossen haben, nicht von Anfang an mit 
ihm bildungsgleidi gewesen sein (so Skutsdi Rom. Jbb. 8, 1, 57). — 
Abzulehnen Havet MSL. 6, 17f. (als *avi-tumus zu avis mit falsdier 
Heranziehung von gr. 6io^ai ,meine", s. omen); Stolz WSt. 9, 305 
(: aved; Bed.!). 

ams, -t ra. ,Gro6vater, Ahn" (seit Plaut., rem.; inschr. avius nadi 
avia), avia,-ae f. ,GroiJm utter' (seit Plaut., rom., ebenso avaVtn. 
Fort.; zur Bildung s. Schmidt PI. 62, Leumann-Stolz^ 204 gegen Brug- 
mann IP 1, 188; avus, -ia urspr. nur von den Grofieltem mutterlidier- 
seits, S.Hermann Gott. Nachr. 1918, 214 f.): arm. hav,Gen.h,avu ,Grofi- 
vater" ; -jo-Abltg. in apr. aM;«s,Oheim', lit. avfynas ,Mutterbruder', aksl. 
ujh (bsl. *aujo-); &\T.Qi)aue, mir. da, ua ,nepos"; -«»-St. in got. awo 
,Gro6mutter', an. o/? ,Grofivater", ai ,Urgrofivater", ahd. oheim, 
ags. earn, nhd. Oheim, Ohm (*aun-xei>naz ,der beim GroCvater woh- 
nende', s. OsthofF PBB. 13, 447); kymr. ewythr, akom. euitor, bret. 
eontr , Oheim' {*auen-tro-); dazu lat. avunculus, -« m. ,der Mutter 
Bruder' (seit Plaut., rom.; zur Bed. s. Kohm Alat. Forsch. 146 ff.; 
vujg. aneulus aus aunc-, Leumann-Stolz^ 80) : wohl Demin. eines 
*avd-, -onis (anders Meillet MSL. 9, 141 f.: Umbildung eines *avon- 



tro-, vel. kymr. ewythr oben; s. auch Kretsdimer Gl. 14, 102) 
Zweifeuiaft die Zugehorigkeit von gr. oia ,Erde' als , Mutter' (Brug- 
mann IF. 15, 9387; 29, 200 ft, anders Jacobsohn Phil. 67, 484 f. [s 



rue- 



auxilium — axitia. 89 

asia]; fiaia, Tota sind jedenfalls anders zu erklaren, s. Kretsdimer 
Gl. 5, 307). 

Hiervon avttus, -a, -um ,grofivaterlich, angestammt' (seit 

Varro, rom., pro- spatl.) vgl. palrlttis seit Plaut. ; kaum alt, sondern 

wohl erst nadi maritus gebildet, jedenfalls nicht altes Adv. avt-tus 

,von Grofimutters Zeiten her' mit Walde-P. 1 20 oder aas "dvietos 

,vom Grofivater her', Weiterbildung eines verlorenen Adj. "avios 

nach Jacobsohn Phil. 67, 524 f.; audi schwerlich von *avi ,Grofi- 

vaterschaft' oder Zss. aus *aui-uUo- mit Wackernagel Festg. Kagi 48. 

— aviaticus, -t m. ,Enkel" (Icti seit 6. Jh., Inschr., rom.; vgl. 

zur Bed. oben air. aue und ahd. eninchili ,der kleine Ahn", s. 

anus)- — Walde-P. I 20 f. (auch zur weiteren Verbindung mit Wz. 

*ay{e-) ,gem haben' in avere, nicht zum Pron.-St. *auo- ,jener', 

s. unter au, aut; eher Lallwort - das auch die Grundlage von 

*aue- ,heb haben' sein kann — mit Kretschmer Einl. 352, Uhlen- 

be'ct PBB. 30, 263). 

anxlllnm, -l n. ,Hilfe, Unterstutzung'; PI. ,Hilfsmittel, Hilfs- 

truppen" (seit Ejin., -or seit Plaut.): wrsch. mit Kretsdimer Gl. 6, 31 ff. 

als 1. 1. mil. von *auieUis (a. auged, augustus; vgl. Plaut. Cist. 200 

augete auxilia) ,zur Verstfirkung dienend', zunadist im Ntr. PI. ,Ver- 

starkungen, Hilfstruppen' (wie suppetiae, s. Pit. Ep. 677), dann mit 

Einlenkung in die o-Dekl. und Hinzubildung des Sg. -ium, -l ,Hilfe' 

nach praesidium (vgl. Gas. 623, Rud. 665; -wm ferre, -to esse wie 

praesidium ferre usw.). 

anxilla, -ae f. ,kleiner Topf s. auUa. 

axSmenta^ -drum n. ,jene Gattung von Saliergesangen, die die 
generalis invocatio enthielten' (Paul. Fest. 3; opp. indigitamenta, s. 
Wissowa PW. II 2624, Birt PhW. 1922, 334): s. aio. 
axilla; -ae f. ,Achselhohle' s. ala. 

axio, -onis {{.h .Ohreule" (Plin. 10, 68. 29,J17, rom.); uner- 
klart. Unwrsch. Walde LEW.^ s. v. (als ,Schreierin, Ansagerin' : 
aocHre, axamenta); Zimraerraann s. v. (: axis); Pott KZ. 9, 207^ (: au- 
ris unter Zugrundelegung der v. 1. asio). 

1. axis, -is m. ,Achse am Wagen, Wagen, Erdachse, Pol, Himmel' 
(seit Cato, rom., ebenso ax-ungia ,Wagensdimiere, Fett' seit Scrib. 
Larg. ; axiculus , kleine Achse, RoUe' seit Vitr., axiculSriws , Wagner' 
Insdir., axedo, -Onis .lignum quo vertitur rota' seit Marc, med., s. 
Heraeus RhM. 54, 156): = lit. aii», apr. assis, lett. ass, aksl. o«t f. 
, Achse' (die halt. Worter auch = jKlafter'^s. Reidielt a. O.), nir. aiss 
jKarren, Wagen"; kymr. echel f. ,Achse', bret. dhd {*aksi-W); ai. 
dksah , Achse', gr. 4£uiv, -ovoq m. ds., Sni-aia , Wagen' (als ,Ein- 
adiser', s. Meringer KZ. 40, 217 ff., Sdienkl ib. 234 ff. ; anders Kretsdi- 
mer Gl. 9, 216 f. 12, 216f.); ahd. usw. ahsa ,Adi8e', an. gxull ds. 
(*ahsulaz). Als ,Bewegungspunkt, Drehpunkt' (urspr. Adise samt den 
Radem, sekundar Achse allein, Had, Wagen) zu agd', vgl. auch dla 
,Flugel",aa;i7;a,Achselhohle'. — Walde-P. 1 37, ReicheltWuS. 12,112. 

2. axis, riditiger assia ,Diele, Brett, Bohle': s. asser. 
axltia (f.? n. pi.?) .weiblicfaer Toilettegegenstand unklarer Be- 

deutung'; nadi M. Leumann Gl. 11, 188 .Schminke' oder ,Salb- 
tSpfchen' (ahnlidi Fay Qass. Quart. 7, 205: ,Spatel oder Kelle zum 
Auftragen der Schminke' mit verfehlter Analyse *ak ,scharf' -f- «»- 



90 axitiosus - babit. 

eia zu seedre). — Kaum = ,Schere', Ableitung von axis (Hupfeld 
KZ. 8, 373), etwa ,Achsengang" {ax-itium, s. E. Leumann Gl. 12, 148), 
da die antiken Scheren achsenlos waren. 

axitiosas, -«, -um {mulier, Plaut.) etwa ,kostspielig, verschwen- 
derisch, putzsuchtig": von axitia unsichrer Bed. (s. d.). Das plauti- 
nische Wort wurde von Claudius bei Varro 1. 1. 7, 66 von axUre, 
von Varro (danach Paul. Fest. 3; -osae verderbt in axitea und mit 
falscher Beziehune auch auf Manner) von <igere hergeleitet; beides 
trotz Stolz WSt. 9, 303 unmoglich (s. M. Leumann Gl. 11, 185ff.; 
kaum metaphorisch „scherenhaft" oder ,abzwackend" mit E. Leu- 
mann ib. 12, 148; verfehlt Fay Class. Quart. 7, 204 f.: als *ags-4t- 
,im Zug herumschweifend" zu ago unter Zugrundelegung der fal- 
schen Interpretation 'consupplicatrices', s. M. Leumann a. 0.). 

B. 

babae .potztausend! Donner-wetter' (seit Plaut., rom.), papae 
ds. (Pit., Ter., Hier.): aus gr. pagai, iraitai ds. (Umgangsspr. 24); 
babaecalus ,Stutzer, Bruder Liederlich' (Petron, Arnob) nach 
Thomas Stud. 92 f. aus gr. *paPaiKaXos, vgl. AiteipdKoXoi;, dcppoffi- 
p6|iPa£ (nicht besser Salonius Comm. in h. Heikel 132, F. C. Wick 
RFCl. 55, 357 flF., s. IJ. 12, 183, 13, 236; vgl. Grober bei Friedlander 
Petron' 235 f., Sittl ALL. 2, 610 mit fakcher Heranziehung von span. 
habieca). S. das flgde. 

babit .-foupi^' (Gl. II 27, 52) , habiger ^stultus' (Gl.): wie gr. 
PaPai, habae (s. d.) zu einem redupl. Kinderlallwort •6a6o (vgl. auch 
den Sklavenn. 5a6o Sen.; Ribezzo Don. nat. Sdirijnen 355), das so- 
wohl Personen aus der Umgebung des Kindes (ital. babbo ,Vater', 
mhd. babe, bobe ,Alte, Mutter', lit. bdba, lett. baba, aksl. usw. baba 
,altes Weib') imd das Kind selbst (sizil. vava ,kleines Kind", alb. 
bebe, kymr. baban, engl. baby ,Kind', ahd. Buobo, mhd. buobe ,Knabe, 
Diener*) bezeichnet, als auch das unartikulierte Lallen, den Geifer 
und einfaltige Menschen; vgl. gr. papdZuj, popiCiu, popOZu) .schwatze, 
rede undeutlich", pdpoE, papdKTn? ,Schwatzer', spatgr. popdXia 
,Wiege" (Schrader RL. IP 655, vgl. frz. babioles .Kinderspielzeug'); 
lett. bibindt ,plappem, murmeln", apr. bebbint ,spotten', ksl. usw. 
bhbati ,stammeln' (Berneker 105). 

Hierher nodi lat. bavosus (-6-). -«> -«»» nblode' (Vitae patr., 
rom., s. IF. 43, 115); naher zu redupl. *bal-bal, *ba(m}bal-, *baUb- 
u. dgl. (s. balbiis) gehSren baburrus ,stultus, ineptus' (GL, AnthA 
vgl. gr. papOpTai; • 6 uapdnuipo; Hes. (Fritzsche Curt. Stud. 6, 329) 
imd pdppapo; usw. (s. balbua) sowie zum Ausgang burrae; wohl 
auch babulus, -i ra. ,Schwatzer' (Apul., rom.; entlehnt mir. 
babloir ds., s. Vendryes De hib. voc. 115), vgl. nhd. babbeln, pap- 
peln (frz. bdbeltr; Persson Beitr. 266), gr. po|apalviu .stammle, habe 
Zahneklappem", PanPoAKoi, pOfipOKuZuj ds. (daraus entlehnt bam- 
balo, -onis m. ,balbutiens' Gl., vgl. Cogn. JianU}ali6 seit Cic. und 
Bucheler RhM. 35, 70. 56, 324 gegen Sonny ALL. 10, 366), pdpa- 
Xov Kpairfaaov AdKiovei; Hcs. ^ber kleinasiat. pd(^)paXov' aibotov 
Hes. zu *bamb- ,schwellen', s. Persson Beitr. 269', vgl. pampinus), 
lit. bambiti ,in den Bart brummen'. — Walde-P. lllOof. 



baca — Bacchus. 91 

baca, hacca (doch s. Juret MSL. 20, 195'), -ae f. ,Beere' (seit Cato, 
rom. [-C-], ebenso hacida seit Plin.; bacalia, -ae f. ,beerenreiche 
Lorbcerarf Plin., vgl. afrz. bat .Lorbeer"); kymr. bagicy .Traube, 
Bund', bagad ds., korn. bagas .Traube', gSl. bagaid ,Traube, Sdiar' 
sind Lehnworte aus dem Lat. (s. Thurneysen KR. 40, Johansson KZ. 
36, 366, Vendryes De bib. voc. 115). Wrsch. ein Wort einer voridg. 
Mittehneerspradie und als .Weinbeere" rait dem thrak. BdKXOi; zu- 
sammengehorend, vgl. Varro 1. 1. 7, 87 Bacchi el Liber, cuius comitea 
Sacchae, et vinum in Hispania bacca, Isid. or. 20, 5, 4 baceea pri- 
mwn a Baccho, quod est vinum, nominata, postea in usibus aquariis 
transiit (Sofer Isid. 165 m. Lit.). — Als Ableitungen mit einer urspr. 
Bed. ,Weinkrug' u. dgl. aufier baceea hierher wohl noch bacar 
'vas vinarium simile bacrionC (Paul. Fast. 31, rom.), bacarium 'vas 
vinarium, aquarium' (Gl.), bacario 'urceoli genus' (GL), bacrionem 
dicebant genus vasts longioris manubrii. hoc alii trullam appeUabant 
(Paul. Fest. a. O.; vgl. Thurneysen KR. 39, Schrader RL. P 369). — Ab- 
zulehnen VaniCek 176 (:lit. babkas ,Lorbeer, PfeflFemufi', russ. bobki 
,Lorbeerbeeren' ; vim. Ableitungen von russ. usw. bobi ,Bohne'); 
Wharton Et. lat. 10, Ceci Rendic. R. Ace. Line. ser. V, tom. 3, 313 
(: gr. pdxo? f. ,Dorn-, Brombeerstrauch"), Kick I* 398 (: lat. baculum 
angebl. jRundholz"). 

bacalfisiae (Petron 41, 2) unsicherer Bed. (etwa ,dumme Ein- 
falle") und Etymologic; s. Friedlander z. St., E. Thomas Sbb. Phil. Ver. 
Berl. 1919, 5 (•pXaKO-Zusto* ; fi\d£, ,t6richte Spielereien"), A. Kluyver 
Don. nat. Schrijnen 705 flF. (vermutet habaeealiae, unwrsch.). 

baccar, -is n. ^eit Verg.), -is f. (Plin.) ,Pflanze mit wohlriediender 
Wurzel", wrsch. ,Gnaphahum sanguineum L.', verwandt mit asarum 
jHaselwurz' (= gr. daapov; vgl. span, asarabacara): entl. aus gr. 
PdKKapi; f. (-iboq und -iv; pdicxop Ps. Diosc. Ruckentl. aus dem Lat.), 
lydisdies Wort nach Schol. Aristoph. Pers. 42. — Nicht aus dem Gall, 
mit Dottin 230, Holder I 322 f., Meyer-Lubke REW. n. 863 a. 

bacciballnm (Akk.) ,molliges Frauenzimmer' (Petron 61, 6): wie 
nhd. ,di(ie Nudel", ,Fafi" u. dgl. wohl von der aufieren Form; vl. 
bac(c)a (Hamraarstrom Eran. 23, 109) + -paXXos, vgl. gr. dpO-paUo? 
m. ,unten breites, oben enges Gefafi", ^Zugbeutel" (Sittl ALL. 2, 
610, Fraenkel Gl. 4, 35), PaXWov ,mannlidies Glied", pdfipoXov 'aJ- 
botov' u. dgl. (s. unter babit, ballaena). 

[bacclna ,Bilsenkraut' (Ps. Apul. herb. 22): falsche Sdireibung 
fur vSficina]. 

baccTnnm, -» n. [baechinon ,h6lzerne Schale' Greg. Tur. Franc. 
9, 28) .Becken": Abltg. von *bacca .Wassergefafi', vL gall. Wort; 
Zusammenhang mit bacca, baceea, bacar usw. (s. unter lica) ist 
nicht sicher (Meyer-Lubke REW. n. 866, Garaillsdieg s. bassin). 

baceolns, -t m. ,Dummkopf" (Aug. bei Suet., rom.): aus er. 
PdKTiXo? ,Verschnittener, Weichling, Tor' (a. E. Maa6, RhM. 74, 472, 
Kretschmer Gl. 16, 192; zum Suffixtausdi vgl. Niedermann Arch. 
Rom. 5, 445). 

Bacchus, -t m. (seit Ejm., davon baeehor seit Plaut., rom.) = gr. 
BdKXO^; Kult aus Etrurien ca. 200 ubemoramen, nach Sturtevant Lg. 
l,77f. auch der Name (vgL 1yd. Bakii); zu BaccMnal ,Kultstatte des 
Bacchus' (seit Pit., rom.) s. Niedermann KZ. 45, 349 f. (Ruckbldg. zu 



92 



bacris — baets. 



Bacchanalia, dies nadi Volcanalia; nach Bacchanal als ,Statte der 
Ausschweifung' lupanar ,Bordell"). 

bacrlo, -onis [baeario, -turn usw.): s. unter baca. 
bacnlnm, -l n. ,Stab, Stock' (seit Cic, rom.), Demin. bacillum 
(seit Afran., rom.; zur Schreibung -ec{h)- s. Schulze EN. 463 A.) : aus 
hac-tlom, *bac-{c)lom (Niedermann Litbl. 1224, 309) zu gr. pdKxpov, 
PoKTripia, poKTi^piov, pdKTpeufia , Stock, Stab", pdxTai' ioxupoi Hes. 
(aus ,*gestutzt' oder ,*sdilagkraftig"), PaK<5v irecdv. Kpf|T€? Hes. 
(,*hineeschlagen' oder ^gestemmt", vgl. Pick BB. 29, 196, Fraenkel 
a. O. 99; aber pditXa ,tinxTzava, Prugelstock' ist wohl Lehnw. aus dem 
Lat., s. Persson Beitr. 263'); mengl. pegge, engl. peg ,Pinne, Pflodc', 
nd. pegel ,Pfahl' (grm. *pagila-, Uhlenbeck PBB. 18, 242); air. usw. 
lace ,Haken, Krummstab' (kaum lat. Lehnw., s. Zupitza KZ. 36, 
234 mit Heranziehung von russ.-ksl. bohi ,Seite", das in der Bed. 
fernsteht); dazu nach Fraenkel IF. 40, 98 ff. lit. dial. bAkstereti ,leise 
stofien', bhksteleti , bakseti, bakmSti ds., lett. baksiit .stochern' 
(danach Wz. *bak- „stechen, stofien, schlagen', vgl. nhd. Steckm : 
engl. stick; doch konnten die bait. Worte auf eine selbstandig ent- 
wickelte Schallwz. zuruckgehen). — Walde-P. 11 104. 

Hierher wohl lat. imbScUlus, -a, -um ,schwachlich, kraftlos, 
haltlos' (seit Ace. und Afran., -is nach debilis seit Cic. bzw. Sen., 
-itas f. seit Afran.), wenn aus *imrlaccillos *imbec(c)iUos ,*stablos, 
haltlos' {imbecilKs quasi sine laculo Schol. Juv. Leid. 3, 28; vgl. 
syn. caducus Cic. Phil. 1, 33 und iirmus ,fe8t', eig. ,gestutzt, 
haltbar') mit Vereinfachung von -cc- nach dem 'mamilla-Gesetz' 
(Niedermann Gl. 19, 5', Duvau MSL. 8, 185 ff.); aUerdings mufite 
dann die Messung imbicUlus (-e- Lucr., Hor., -e- erst Prud., Paul. 
Nol.), da eine Dehnstufe *'bek- ohne jeden Anhalt ist, vielmehr 
*inibecciUus mit Bewahrung der Geminata darstellen, falls nicht 
rein metrische Langung vorliegt. — Abzulehnen Vanigek 73, Ceci 
Bendic. B. Ace. Lincei ser. V torn. 3, 31 Off. (: Wz. 'giOr, *g^e- ,ge- 
hen', s. venio): Johansson Beitr. 70 f. {^.haeto); bedenklich audi 
Bruemann IF. 38, 139ff., Walde-P. II 111 (aus *im-belic-illus durdi 
Hamologie von einem *helicos .kraftig" zu Vz. *bel- , stark' in 
dg-bilis; sowohl das Nebeneinander von de-iUis und *im-bel-ic- 
als die Dehnstufe, das deminuierende -illo- und die Annahme der 
Haplologie ist ohne genugende Parallelen). 
baditis „Seerose, nymphaea', ^all. nach Marc. med. 33, 63: ir. 
usw. bdid- ,untertauchen" (Wz. *g^adh-, s. imbuo, Dottin 230; Char- 
pentier Gl. 6, 61 mit falscher Heranziehung von baia, s. d.). 

badins, -a, -um .kastanienbraun' (besonders von Pferden; seit 
Varro, rom.): air. buide ,2elb', vl. gall. Bodio-casseg. Walde-P. II 
105. Vgl. basus. 

bado (battd), bataclo, -are ,gahnen, rait offenem Munde da- 
stehn' (Gl.); nadi Ausweis von prov. badar usw. ist *}>at0.re anzu- 
setzen (Meyer-Lubke WSt. 25, 92); unerklart. Kaum Sdiallstamm 
(Meyer-Lubke BEW. n. 988), sondem vl. Bomanisierung eines gall., 
air. hiith .Idiot' entspredienden Wortes mit Thumeysen KB. 41 f., 
Gamillsdieg s. bayer. 

baetS,-ere ,gehe' (seit Plant., bzw. XU tab., s. Thes. D 1679, 50, 
sdilechtere Schreibung beto; bUB Pit., Gl. aus den Zss. per- Liv. Andr., 



bafer - baiulus. 93 

a-, ad-, e-, inter-, praeter-, re-Mtere Pit., s. Solmsen Stud. 130'): u. 
ebetrafe, hebetrafe .in exitua' (*ebatt-ra; s. Bucheler RhM. 33, 29, 
V. Planta I 336) ; aber o. B aiteia ist EN. = ,Baeti", s. Buck Gramm. 
257, Kent IF. 32, 197; kaum hierher u.-pal. lia ,templum' rait Ri- 
bezzo RIGI. 12, 226 (anders, aber noch weniger uberzeugend, Grien- 
berger KZ. 56, 24: vivv,s\. — Weitere Anknupfung zweifelhaft. Nicht 
zu gr. (poixduj jgehe hm und her", (potro? ,Herumsch-weifen' (s. 
OsthoflF BB. 24, 210, Brugmann IF. 28, 288>: '(pm-iTdu) ,begehe 
hauiSg'?). Kaum unter der nicht genugend begrundeten Annahme 
o.-u. Ursprungs mit Johansson Beitr. 70', Ribezzo a. O. zu lett. gaita 
{. ,Gangart, Gang, Lauf (lit. gaisA, gdistas ,Zug", nur adverbiell), 
Wz. *g-a- ,gehn* in gr. l-^\\v usw. (s. venio), da das lett. Wort 
einzelsprchl. Neubildung scheint luid keine Wzf. *g»s-it- erweist (s. 
Endzebn Lett. Gr. 678 f. und zum Vergleich mit gr. dni(p\a-^r]Tiw 
unter arliter). Abzulehnen auch Johansson KZ. 36, 389 (idg. 6- wie 
angebl. auch in gr. dor. poupfj-n? unklarer Bed., air. fo-Wh .weil", 
&M.pfad, s. Boisacq 127^ Pedersen I 531, Falk-Torp 1525); Muller 
Ait. W. 59 f. {*op-oit- : ire mit angebl. at aus ot). — Walde-P. I 678. 
bafer ,grossus, ferinus, agrestis'' (Gl., nicht rom., s. Meyer-Lubke 
REW. n. 879); Dialektwort (Ernout El. dial. lat. 117 f.) unbekannter 
Herkunft. Unwrsch. Muller IF. 39, 184 (dissim. aus *fafer : faier, 
vgl. zur Bed. pdvauaoi;). 

bagandae .gallische Aufstandische' (Aur.Vict. Caes. 39, 17): gall., 
von *J>agcl f. .Kampf (ir. Mff ds., Mgaim ,kampfe, prahle, drohe", 
ahd. usw. haga ,Zank, Streit"); zum Ausgang vgl. haaeatida. — 
Walde-P. II 130, Dottin 230. 

[baia ,Hafen»] (Isid. 14, 8, 40 hunc [so. portum] veteres a iaio- 
landis mereilus voedbant laias): wohl mit Meyer-Lubke RhM. 70, 
334 f. zu streichen, da einer falschen Auffassung von Isidors Quelle 
entsprungen, vgl. Serv. auct. Aen. 9, 707 eeteres tamen portum Baias 
dixisse, Serv. 3, 441. 6, 107; die falsche Etymologie und die - trotz 
Sofer Gl. 16, 32flF. unglaublidie - altlat. Flexion baia, Gen. -ds wird 
von Isid. selbst stammen. Verfehlt Charpentier Gl. 9, 60 f. (baia nebst 
Baiae als o.-u. Wort aus idg. 'g^adhia zu gr. pf^ejao f. ,Schlucht' usw. 
fs. baditis], s. dagegen Leumann-Stolz" 156; Baiae vielm. zur etr. 
Sippe Baius, Baedius, BaiSnius mit Schuize EN. 186, 560). — Rom. 
*ba{a .Bucht" (span., port, bahia, frz. baie, ital. baia; daraus entl. 
gal. badh, ir. bagh und fiber mengl. baie nhd. Bat) ist ein fremdes 
Mittelmeerwort, wohl iberisch oder baskisdi (Uhlenbeck PBB. 19, 327, 
Meyer-Lubke ZRPh. 32, 492 gegen Baists ib. 31 ff. Verbindung nut 
afrz. baee ,Dflfnung« [s. badare] und Schudiardts PBB. 19, 541 ff. 
Herleitung aus Baiae, s. auch Sofer a. O. 34). 

bainlus (-<J- bzw. -aH-), -« m. ,Lasttr5ger', hSiuld, -dre .tragen* 
(seit Plant., beide rom.) : unerklSrt. Kaum aus 'badjft- zu gr. PaoTdZiu 
,trage, hebe empor", pdffTafjta n. .Last', wenn von •pa(J-T6- aus 
•pob-T6- (Osthoff^BB. 19, 321 f., Muller Ait. W. 208 f. mit unwrsdi. 
Annahme dial. Ursprungs, Wzf. *g*gd- : *g'a- ,gehen', s. venio). — 
Nidit mit Solmsen KZ. 37, 22 (vd. audi Treimer ZRPh. 38, 407 A.) 
als *bagiqlog zu rom. *baga .Schlaudi* in prov. baga (daraus frz. 
bagues, Abltg. bagage) .Bundel, Reisegepadt, Beutel', nordit. baga 
.Sdilauch, didier Baudi*, span, baga .Padtstrick', wozu mengl. usw. 



94 



balatrS — ballaena. 



pakke, nhd. Pack, Tacken ,Bundel, Ballen" und mit idg. *Vh- an. 
haggi ,Packen, Bundel' (voraus engl. lag), norw. dial, hagge ,dicke 
Figur" usw. (s. Falk-Torp 811, 1525 mit unwrsch. Heranziehung von 
poln. pfifc, russ. piik , Bundel'; das an. Wort kaum mit Valde LEW.* 
s. V. aus rom. *baga), vgl. noch alb. hagett ,Lasttier" (aber kymr. 
usw. laich ,Last, Bundel" s. unter fascis; lat. iacca .capulus' 
existiert nidit, s. Gloss, lat. ed. Ac. Brit. Ill 14); s. zu dieser wort- 
reidien roman. Sippe, die gewiK nicht lateinischen (dalmatischen ?) 
Ursprungs ist, Meyer-Lubke REV. n. 880, Gamillsdieg s. bagues, 
Treimer a. O., G. Meyer IF. 6, 115 f. (Wz. *hhag- ,zuteilen' in gr. 
q>aTeiv usw., s. Walde-P. II 127 i., unter Entlehnungsannahrae aus 
einer nordl. Sprache; unwrsch.). — haiulSre nicht von *bai&re „Au5- 
dnick der Kindersprache' mit Meyer-Lubke n. 887. 

1. balatro, -onis m. ,Possenrei6er, Schwatzer' (seit Lucr. und 
Varro, vgl. das Cogn. Balatro, Schulze EN. 349): wohl als ,Schau- 
spieler niede*er Sorte' wie histrio, subulo u. a. aus dem Etr. (Emout 
BSL. 30, 111). — Kaum mit Thurneysen Thes., Leumann-Stolz^ 239 
zu barathrum, gr. ^dpaOpov ,Schlund', da die bei Porph. Hor. sat. 
1,2,2 erscheinende Nebenform baratrO (vgl. auch Hor. sat. 2, 3, 166 
und Schol. ad 1.) volksetymologischer Umdeutung verdachtig ist; sidier 
nicht UmgestaltuDg von blatero .Plapperer' (seit Gell.) nach balare 
,bloken" (Keller Volkset. 130, vgl. Porph. a. O.). 

2. bal&tro ,Kotklumpen* s.blatea. 

balbus, -a, -urn ,stammelnd, lallend' (seit Lucil., rom., davon 
balls, -are Isid. Gloss., vgL afrz. bauber ,stottem'), balbutio (-W-), 
-Ire jStamraeln* (seit Cic, vgl. caecutio und Leumann-Stolz* 319): 
lautmalendes *bal- (s. auch unter bdbit) mit gebrochener Redupli- 
kation, wie ai. balbiithdli Name (eig. ,Stammler"), iech.blb „T6lpel', 
blblati .stammeln", seib. blebitati, lit, 6/e6Ai<t ,plappem"; mit voUer 
RedupL ai. balballl'karoti ,stammelt', bulg. usw. bldbdVz jSchwatze" 
(Bemeker 69, 117); vgl. ahnliches unter blatero, und mit -r- ai. bar- 
hardh ,stammelnd, PI. Bezeichnung nichtarischer VSlker*, gr. pdp- 
papo; ,nichtgriechisch, unverstandlich, auslandisdi" (woraus lat. bar- 
bartis seit Naev., rom.; sem.-babylon.-sumer. Entlehnungshypothese 
bei Weidner Gl. 4,303 f.), serb. usw. brboljiti, brbljati ,plappern*; 
s. auch baburrus. — Lautlich unmoglich Froehde BB. 17, 311 {bal- 
bus : ai. jdlpati jmurmelf, vgl. jdpati ds.). — Walde-P. II 106. 

balinenm, -l n. imd -ae, -Arum i. (seit Plaut., s. Stolz-Sdimalz* 
203. 370), balneum, -i n. (seit Caecil., rom.: baneum aus *ba(l)- 
njum, s. Niedermann Arch. Rom. 5, 441, vgl. auch mgr. *pdveiov 
und zu Slav, banja ,Bad' Bruduier KZ. 45, 26 f.; balneolum n. 
,kleines Bad' seit Cic, bal(i)neator m. ,Bademeister" seit Pit., alle 
rom.): aus gr. ^oXavEiov, spater ^oXdvEiov ds. 

[baliolnit Plaut. Poen. 1301 ist verschrieben fur baiioltu, s. baiu- 
lus; daher erledigen sich die Vermutungen von Saalfeld s. v., Petr 
BB. 25, 137.] 

ballaena, -ae f. ,Walfisch' (seit Plaut., rom. -e-; Kurzform btdlo 
GL, wohl nach Uo : leaena, kaum auf Grund eines gr. '(pdXXuiv mit 
Kretsdimer a. O.) : wegen 6- wie in Bruges (Enn.) : 0p(rr€? nidit direkt 
aus gr. (pdXXaiva (q>dXXTi) ,Walfisch' entlehnt, sondem nach Bruch 
Gl. 10, 198 f., Misc. Schuchardt 31 f., Kreudimer Gl. 12, 280' durch 



ballista — bambilium. 95 

illyrisdie Vermittlung; q)d\Xaiva zu (paXX6; m. ,Rute, died', Wz. 
*lhel- .sdiwellen' in folUs usw. (s. Kretschmer a. O., Immisdi Gl. 
6, 194 ff., Persson Beitr. 797*, auch gegen die Verbindung mit squa- 
lus, ahd. usw. wal). — Walde-P. II 178. 

ballista, -ae (. ,Schleudermaschine, Wurfgesdiofi' (seit Plaut., 
rom., Nbf. -ittra. ebenso -istrdrius, s. Niedermann Gl. 1, 262, Festschr. 
Caudiat 49 f., IJ. 7, 3; ahnlicher Wechsel im Illyr., unklar, ob unter 
etr. Oder vlgrl.-rom. Einflufi, s. Krahe ZONF. 5, 157 und vgl. ge- 
nesVyyi): aus gr. *PaX\iaTi'ii; wie catapulta aus KOTaitATrii;. — Zss. 
arcuballista i. jBogenballista" (Veg., Heges., rom.; aus mlat. 
ar{cii)balista volksetymologisch entstellt mhd. nhd. Armbrust). 

1. ballo, -are ,tanzen' (seit Aug., rom., vgl. nhd. Ball aus frz. lal; 
-ator ,Tanzer" vl. sdion seit 1. Jh. n. Ch. [?haMator Inschr.], rom.): 
wohl aus gr. ^aXXll^uj ,tanze' (nadi Athen. 8, 362 a in Sizilien und 
Grofigriechenland; PaXXta|.t6; /Tanz' Alexis), dies zu ai. halballH 
.wirbelt" (Wackemagel Ai. Gr. I 181, Johansson KZ. 36, 342); En- 
dung dann nach salto. — Kaum von gr. pdXXiu ,-werfe" mit Aeppli, 
Beih. ZRPh. 75; nicht besser (auch wegen iallematia ,inhonestae 
cantationes' Gl., Isid. aus gr. 'PaXXruidTiov) mit Bruch WuS. 9, 124, 
ZRPh. 50, 516 ff. aus gr. irdXXU) .schwinge (mich)'; nidit mit Rohlfs 
ZRPh. 49, 115 erst reman, onomatopoetisdie Neubildung. — Walde- 
P. II 109. 

2. balls s. hallaena. 

balo, -avi, (■atum), -are ,bl6ken" (von Schafen; spat auch 
,meckem'; seit Plaut. [baldns, Subst. dicht. seit Enn. wohl in Nadi- 
ahmung von gr. uriKd;], -dtus, -us „Bl6ken" seitVerg.; vlgrl. [Varro, 
Comm., Gl] und rom. leldre, s. Varro rust. 2, 1, 7 [baeloi] und 
Gotz IF. 31, 305 ff.): Nachahmung des Schaflautes (gr. pf|, nhd. bah, 
s. Paul. Fest. 30 und Je Jo) ; vgl. *5Ze- in gr. pXrixdo|Jai , bloke', pXrixi^ 
,Bloken", russ.-ksl. bUJati, Cech. blekati usw. ,bloken", lett. bUju, 
but, alb. bVegerds ds., rahd. bleken, nhd. blSken, ahd. bldzan, nnd. 
blUssen usw. (mit im Schallwort unterbliebener Lautversch.) ; un- 
richtig Fick BB. 12, 161 (pXrtxdo|uai : ahd. klaga ,Klage'). Vgl. audi 
blatero, fteo. — Walde-P. II 120f. 

baltens, -i m. imd balteum, -f n. (meist im PL, s. Schwyzer 
WuS. 12, 35^) .GOrtel, Gurt (insbes. der Krieger)', ubtr. .Rand, 
Rinde, Einfassimg' (seit Liv. Andr., rom.): nach Varro bei Char, 
gramm. I 77, 9 etruskisch; kaum dazu heth. baltanai ,Arm, Seite' 
(bibezzo RIGI. 4, 129). — Unmoglich Meringer IF. 18, 285 (: got. 
*baips ,kuhn"). 

balux, -ucis {. (seit Plin., rom.) und bal(l)Gca, -ae f. (seit Veg.; 
aus dem Akk. geneuertj ,Goldsand, Goldkomer'i span.-iber. Vort, 
zusammengehong mit den grSfeere Goldklumpen bezeidinenden pa- 
laga, palacurna bei PUn. 33, 77 (daher audi mit p- bei Mart., 
Justin?), vgl. Holder I 338 f., Emout BSL. 30, 97 f.; sehr fraglidi 
v. Ettmayer ZRPh. 32, 725. 

bambalo ,balbutiens' s. bdbit. 

bamblUnin (Anthol.), bambSriiim (Explan. in DonJ ,musikali- 
scfaes Instrument' : sdiallnadiahmend, s. Meyer-Lubke HEW. n. 921 , 
Grober ALL. 1, 248. 



96 bancus - barggna. 

bancns, -t m. ,Fisch' (Gael. Aur., rom. ,Stockfisch'): dunkles 
Fremdwort. 

bandnm, -J n. .Zeidien' (Gl.): aus wgerm. *landa oder got. 
bandwa ds.; aus dem Lat. stammt mgr. pdvbov ,Fahne, Band, 
Bundel" (Briidi Einfl. 58). 

barba, -ae f. .Bart' (seit Plaut., rom. [audi ,Kinn«, Meyer- 
Lubke WuS. 12, 6], ebenso -atus ,bartig' seit Pit., -ula ,BSrtc}ien'' 
seit Lucil., -itium n. ,Haarwuchs" seit Apul.; vlt. und rom. iarba 
*barhanis ,Onkel», s. Meyer-Lubke Einf.» 188, Rh. M. 66, 635 f.): 
ahd. lart, ags. leard m. ,Bart', aksl. usw. brada, apr. hordm (Aus- 

fang unklar), lett. Mrda da. (daneben hSrsda, lit. barzdi aurch 
influfi von bait. *barzda = aksl. *brazda ,Furche*, Endzelin BB. 
27, 330); lat. barba aus *farba (Solmsen KZ. 34, 21 S Meillet MSL. 
13, 215, Niedermann lA. 29, 31, audi gegen o.-u. *farfa als Grund- 
lage von ital. farfeechie ^Sdinurrbarf), idg. *bhar-dhS „Bart' als 
jBorste' (Vgl. *bhares- in far, fastlgium und zum Vokalismus Walde- 
P. II 132). — Lat. barbatus = aksl. usw. bradan, lit. barzddtas 
,.bartig". — Valde-P. II 135, Persson Beitr. 24. 348. Vgl. farfarum. 

barbams s. balbus. 

barbng, -i m. ,Barbe, Flufibarbe' (seit Auson, rom., ebenso -uluf 
m. GL): von den Bartfaden des Fisdies benannt (vgl. die Besdirei- 
bung der Meerbarbe bei Plin. 9, 64), zu barba. Aus dem Lat. stammt 
ahd. barbo, nhd. Barbe. 

barca, -ae f. ,Barke' (aus *iaWca; seit Paul. Nol., rem.), bar is, 
-idos f. .Nachen" (Prop.): durdi gr. papi? aus kopt. barl ds. (Lokotsch 
n. 2148). Aus dem Roman, stammt nhd. Barke, s. Budieler RhM. 
42, 583 f., Falk WuS. 4, 87, Kluge Arch. Rom. 6, 231 f., Sofer Isid. 175. 

barcala s. bargena. 

bardala, -ae i. .Haubenlerdie' (Gl.): nadi Dottin 231 Ableitung 
von gall. *bardo- , Sanger' in ON. Bardo-magus, air. usw. bard 
,Bar(fe' (gall.-lat. bardus, -J .Barde' seit Lucan, vgl. Paul. Fest. 34). 

bardocncnllns, -t m. ,gall. Oberkleid mit einerKapuze ausFilz' 
(MartJ: wohl als .Bardenkapuze' auf bardo- ,Barde' zu beziehen 
TFick II* 162, Dottin 231), nidit auf den Volksnamen der illyr. Bardaei 
(richtiger Vard; vgl. vardaicus so. ealceus .Soldatenstiefel' [»- 
Mart., b- luv., al.j, audi cueulli bardaici Scr. h. Aug., Mau PW. Ill 11). 

1. bardns ,Barde' s. bardala, bardocucullus. 

2. bardng) -a, -urn ^langsam oder schwer von BegriflFen, stumpf- 
sinnig, dumm' (seit Plaut.): nadi Nehring Gl. 17, 122ff. samt bar- 
gtts, baro, bargena (s. dd.) aua dem Etr. {*par-te), Stamm *par- mit 
versdi. Erweiterungen. — Nidit samt bdro als *bSridus von einem 
Adj. *barus (s. Nehring a. O.; barridus Gl. IV 600, 17 enthSlt nidiU 
Altes, sondern wohl eine Verquidcung mit barritus, vgl. Landgraf 
ALL. 9, 367 und barrigena); abzulehnen audi Walter KZ. 11, 437, 
Ceci Rendic. R. Ace. Lincei s. V, t. Ill p. 314 (o.-u. Dialektwort : 
gurdus; -a-\); Ernout El. dial. lat. 118 f. {-.gravis als. o.-u. *s^eru- 
do-s; durch das d von baro verboten); Thumeysen Thes., E. Riditer 
Wien. Sbb. 156, V 9 (: gr. ppobu; ; PapbiiTtpo?, pdpbiaxo? nur ver- 
einzelt und dialektisdi). 

bargSna, non barginna, genus cui barbarieum ait (Caper gr. 
Vni03, 8), ,homo vitiosae gentis, vEKpoqxipo?' Gl.; vgl. auch das 



barinula - basiiun. 97 

Cogn. Sarginna : aus etr. *par-c-na, echte Form harginn{n)a ; bar- 
aena, harrigma sind volksetymologische Entstellungen, s. Schulze EN. 
73 f., Herbig Festschr. Kuhn 171 ft, Nehring GL 17, 117ff. Dazu vl. 
afrz. Barragouyn ,barbarus, alienigena", nfrz. laragouin ,Kauder- 
welsdi" {*iarguinna, s. Schulze a. O.; andere nicht uberzeugende 
Deutungen bei Meyer-Lubke REW. n. 1039, Gamillscheg 77, Spitzer 
Misc. Schuchardt 140). — Vom gleichen etr. Wortst. aufier hardus, 
iaro (s. dd.) noch bargus ,dq)ur|C, sine ingenio' Gl. (auch larcus; 
etr. *par-c-e) und larcala, -ae m. ,Dummkopf' (Petron 67, 7; etr. 
*par-cf,ayU, vgl. Parcilius; s. Bucheler Rh. M. 35, 71, Nehring a. O. 

121 f.). 

barinnla ,aquilex, scrutator vel repertor aquarum" (Serv. georg. 
1, 109): ganz unsicher uberlief. (ebenso die dazu gehSrige Closse 
harinulcaes, s. Heraeus Herm. 34, 172), daher nicht mit Nehring Gl. 
17, 118. 120 fur etr. Herkunft zu verwerten. 

baris (dazu barisa .eiboc itOTTipiou' Gl.?) B.larca. 

1. bars, -onis m. ,T6lpel, ungebildeter Klotz, Mensdi mit ein- 
seitiger Ausbildimg' (seit Lucil., rom. ,S<iiurke', s. zur Bed. WoUflin 
ALL 9, 13f.; vara ist trotz Walde LEW.^ 808 damit identisch; da- 
von larosus ,0oPap6c, pdioiXo?, pdvauoo?' GU: aus etr. *i)or-M, vgl. 
Bar{r)onius, Parronius (Nehring Gl. 17, 124 f.). S. d. f. 

2. baro, -onis ,freigeborener Mann' (Lex Sal., GL; rom.): aus 
dem Germ, (frank, bzw. westgrm. *laro, s. Bruch Einfl. 87), vgl. ahd. 
haro Jreier Mann", alb. bur ,Mann" {*bhorno-, Wz. HJier- m ferO, 
s. Wiedemann BB. 27, 219, Schrader RL. IP 468, Walde-P. II 155). — 
hard in der Bed. .Trofiknecht" (Schol. Pers. 5, 138) und .Lasttrager" 
(Isid., Gl.) ist Tvohl zu bard .grober Klotz' zu stellen, bildet jeden- 
lalls nicht die alleinige Grundlage von frz. baron usw. (s. Gamillscheg 
83, Meyer-Lubke n. 962 m. Lit.). 

barrus, -» m. ,Elefant' (seit Hor.), barrio, -ire .schreien, vom 
Elefanten' (seit Suet., -itus, -as m. seit Apul.): Lehnwort aus emer 
asiatischen Sprache, nach Isid. orig. 12, 2, 14 aus dem Indischen; 
man vergleidit teils pehl. banbarbita .Elefant' (dissimiliert aus 'bar- 
barbital, Freudenberger BB. 25, 278 mit falscher Annahme von Ur- 
verwandtschaft), teils ai. bftnhati {vfmhati), bdrhati ,brfillt, vom Ele- 
fanten' (Ascoli KZ. 17, 271", Vaniget 176), oder ai. vSranuih, vSrub 
.Elefanf (Schrader RL. 1' 242). — Nicht annehmbar Pick H* 185. — 
Nach barrire wurde der grm. Schildgesang bardltus (Tac.) zu bar- 
ritus ,Kriegsgeschrei' (Amm.) umgestaltet (Keller Volkset. 322 f., Ihm 
PW. Ill 10 f., Norden Germ. Urgesch. 117, Meifiner ZdA. 67, 198). 

bascanda, -ae f. .eherner Spulnapt einer aus Britannien stam- 
menden Form' (seit Mart., rom. ; masc- Schol. Juv., s. Goetz Festschr. 
Kluge 42; daraus gr. pacfKaOXn? Pap): altbrit. Wort, urspr. wohl 
,grofie Kumme', .cefloditener Korb' (vgl. das Lehnwort engl. basket 
.Kerb'), urverwandt mit lat. fascia; zum Ausgang vgl. alauda, ba- 
gaudae. — Walde-P. II 136, Dottin 231. 

baselns .leichtes Fahrzeug' (Isid.): Nebenform von phaselus, -I 
m. f. (seit Catull; -iolus seit Colum., rom.) aus gr. (pdon^oi; m. 
,Bohne, leiditer Kahn' ; wohl durdi Kontamination mit 6ar«i (Sofer 
Isid. inf.). „ .^ 

b&sinm, -t n. ,Ku6', lasiS, -dvi, -atum, -are ,kusse' (beide seit 

Walde Etym. W5rterbuch d. Ut Spncbe. 3. A. 7 



98 



bassus - basus. 



CatuU, hauptsachlich vulgar, rom.): unsidierer Herkunft; wegen -»- 
(kaum fur -ss- oder aus -sj-, Herbig lA. 37, 31 f.) trotz der zahl- 
reichen Ableitungen {-tStor, •istio, -iolum) nicht echtlat. — Nicht zu 
ahd. usw. kuss jKufi", got. kukjan, ostfries. kukken ,kussen' (quasi- 
redupl. Form der Kinderspradie). gr. kuv^uu ds. (*Ku-ve-au)) als o.-u. 
Wort (Walde LEW." s. v. zw., Reichelt IF. 40, 48: *gu&d-s- : *gud-g-); 
audi nicht mit Horn Np. Et. n. 235 zu np. losidan .kussen' (Sdiallwz, 
*bu- in alb. hu-zs .Mund", mir. lus ,Lippe', gall. Jmddutton ,Mund- 
chen, KuC, nhd. hugs, dial. Busserl .Kufi", lit. huciuoii ,kussen' 
usw.). — Unannehmbar Siebs Mitt. d. schles. Ges. f. Volksk. 1903, 
Heft 10, S. 8 A. (kelt. Wort, zu air. M .Lippe', s. Pedersen I 117, 
Walde-P. I 671, vgl. arbiter); Ziramermann KZ. 50, 150 (*M-s-mm 
.Vaterkufi"). — Walde-P. 1 465, II 114. 

bassus, -a, -um ,didc' (Gl., vgl. Cogn. Bassus seit Cic, nacb 
Thes. vl. oskisch; lassus, -us ,Dicke' seit Prob., 4. Jh.; rom. in der 
Bed. ,niedrig', vgl. -um ,non altum' Gl., Gamillsdieg 85): Et. un- 
sicher, wohl Dialektwort; kaum mit Petersson LUA. 1915,36, Pers- 
son Beitr. 263", Wood AJPh. 49, 37 aus *had-tO' zu nhd. Batze ,Klum- 
pen", latzig, patzig ,dick, dicktuerisch" usw., Wz. *&erf- jSchwellen". 
— Nicht mit Ulrich ZRPh. 20, 537, Zauner WuS. 3, 192 als ,zu- 
sammengeschlagen' : latKufi. — Walde-P. II 109. 

bastema^ -ae (. ,geschlossene, vom und hinten mit je zwei 
Stangen (amites) versehene, von Maultieren getragene Sanfte' (seit 
Lamprid., 4. Jh. ; daraus gr. paOT^pviov; rom. nur lectica): gebildet 
nadi fusterna, tabema u. a. von lastum ,Stab, Stock (von den Trag- 
stangen)", womit wohl trotz Meyer-Lubke WuS. 1, 35 rom. *hastum 
,Saumsattel' (eig. ,Trage") identisch ist. — Nicht zu germ. Bastemae 
mit Emout BSL. 30, 94 f. (altere Form -amae; s. Schonfeld 44 f.. 
Much PBB. 17, 37, Eberts RL. 1 178, Jacobsohn ZdA. 66, 232flF., bes. 
243: Lw. aus dem Skyth., sehr frgl.). 

bastam, -i n. ,Stab, Stock' (Lampr., 4. Jh.; rom. -one): wohl aus 
gr. *pdaTov bzw. *pdcJTa ,Trage', Ruckbildung zu ^aaidiw ,trage, 
Hebe" bzw. zu *hastO,re aus spatgr. *paOTav (ngr. paaxOu), das auch 
in hurdulasta, -ae m. ,lahmer Gladiator' Petron 45, 11, vorzu- 
liesen scheint; doch ist die Bildung und Bed. des Kompos. nicht 
vollig klar (nicht ,Packesel' oder ,Eselstreiber' mit Stowasser Progr. 
Franz-Josefs-Gymn. Wien 1891, XXI f.; eher ,Bastardsch66hng' nach 
Schuchardt a. O. 345 oder ,Maultiertrage' ubertr. auf einen im- 
gelenken, plumpen Menschen nach Grober bei Friedlander Komm.' 
268; aicixt zuJmtubatta oder gr. qjopTo-paaxdKTri? ,Lasttrager',Thes. 
s. v.). S. zu der im Rom. sehr fruchtbaren Sippe (vgl. z. B. noch 
*lastax .Lasttragcr' in ital. lastagio usw.) Meyer-Lubke WuS. 1, 
28 ff., Zauner ib. 3, 191 fF., Schuchardt ZRPh. 33, 334ir., CamUlscheg 
s. Idt, bdtard, baster. — Abzulehnen Zauner a. 0. 193 {bastum eig. 
.grober Klotz' zu *bastdre .schlagen' aus *bassUare, vgl. bassus); 
Walde LEW.' s. v. (als kelt. Wort zu battuo, vgl. bret. baz, vann. 
bah , Stock', s. Pedersen I 235, bzw. aus *bacsUtm : baeulus). — 
fiaOTci ' OirobriwaTa • 'IxaXiiIiTai Hes. , pa<jT6v calceus Gl. gehoren 
wegen der Bed. kaum hierher. 

[basns ,rufu8, niger' (Gl. V 170, 28): nadi Meyer-Lubke WSt. 
25, 92 = span, bazo .dunkelbraun, sdiwarzUdibraun', einem wohl 



bat — belinuntia. 99 

einheimischen Wort der Pyrenaenhalbinsel ; doch bietet die Teil- 
uberlief. iarrus, so dafi vl. mit Lindsay Gloss, lat. I 79 Verderbnis 
aus iurrus anzunehmen ist.] 

bat (Plaut.): scherzhafte ReimbEdung zu at wie beta zu eia 
(Persa212). Ottenjann Gl. 3,253 ff., Schwentner 28, Umgangsspr. 26. 

battuO, -ere (seit Fronto audi batto, s. Sommer Hdb.'' 221, Pelle- 
grini St. it. fil. cl. 17, 385] ,schlagen, (weich)klopfen, stampfen" (zum 
-«- Sommer a. O. 203; seit Plaut., rom., ebenso batt(u)alia n. ,Fecht- 
ubungen' seit Charis.) : sail. Lw. wie anda-bata (s. d.), vgl. den gall. 
EN. Batus Sil. (Dottin 232; aber mir. bath .Tod' usw. s. trotz Walde- 
P. I 677 f. unter tenia; kymr. bathu ,schlagen, munzen' usw. [s. bas- 
tum] sind aus lat. batto ruckentlehnt, Loth RC. 18, 99), wozu vl. russ. 
batb ,Eichenstock' usw. (falls nicht aus dem Roman, entlehnt, s. 
Berneker 46). Wzf. *bhdt-, wozu *bhadh- in der kelt.-grm. Gruppe 
fur ,Kampf* : gall. Boduo- (EN.), air. bodb jSdilachtgottin', an. bi)d 
f., Gen. bgdvar, ags. beadu, aha. Batu- (EN.) ^Kampf. — S. audi 
fatuus, confuto, fdmex, futuo. — Walde-P. II 126. 

baubor, ■S.rt (-o Isid., Gl.) ,bellen, vom Hunde" (seit Lucr., rom. 
*baubuld nadi ululo). gr. paO paO ,Hundegebell', paOZtu , belle, 
sdimahe", Baupib ,nachtliches Sdiredcgespenst, Hekate' (wohl audi 
PauPibv „mannhches Glied', paupdu) ,besdilafe', vgl. poupaWZu) 
neben pauKoXiZw ,sdilaferc cin"; s. Radermacher RhM. 59, 311 ff., 
Johansson KZ. 36, 343'); lit. baObti ,brullen, vom Rinde', batCbis 
(veraltet) Rindergott als ,Bruller", skr. bau bau ,Schreckwort", 
baiikati ,erschrecken* u. dgl. SdiaUnachahmendes Wort der Kinder- 
sprache wie nhd. wau wau, gr. ah aO (Specht Gnom. 2, 114), gau gau 
usw. (Kretsdimer Gl. 13, 133) und roman. bei Sainean MSL. 14, 
212 f. 221 f. verzeidmete Worte. — Walde-P. Ill 04, Schwentner 29. 

baTOsns s. babit. 

baxea (b<ixa aus *baxia Tert, Gl.), -ae i. ,eine leichte Art San- 
dalen fur Frauen' (seit Plaut.): aus gr. *irdS€m, zu itdS " uird&rma 
66uir6br|TOv Hes.; kaum dazu air. assa jSoccus' (Fide 11*6, anders 
Loth RC. 17, 434). b- wie in Burrus, buxus, carbasus; etr. Ver- 
mittlung (Emout BSL. 30, 115) ist ohne Anhalt. — Walde-P. II 3. 

bdellinm, -i n. ,Harz der orientalisdien Weinpalme (seit Plin.) : 
aus gr. p&^Wtov, pbiWa ds., dies aus dem Semit. (assyr. budulhu, 
hebr. bedolah; vgl. die Nbf. bei Plin. 12, 35 brochon, gr. pbo\x6v). 
— Schrader'RL. P84f. 

beatns s. bed. 

beber .Biber' s. fiber. 

bebo, -are ,bah sdireien, vom Bocklein' (Suet.): Naturlaut wie 
er. pf| ds., nhd. bSh, lett. Jf , 6ffcM, biku Interj. .medternd' usw. 
(Schwentner 28). Vgl. bald. 

becillns s. unter baculum, attegro. 

beccns, -t m. ,Sdinabel" (Suet., rom., s. Meyer-Lubke n. 1013): 
gall., vgl. Suet. Vit. 18 cm Tolosae nato cognomen in pueritia Becco 
fuerat: id valet gallinacei rostrum; dazu ags. becca ,Spitzhadce', 
mhd. bickel ds., ahd. bicehan ,stedien'' (Wz. *bheg .brechen" ?, s. 
van Wijk IF. 24, 232 f.). Aus frz. bee stammen bret. 6/c, gal. beic 
(Thumeysen KB. 45, GGA. 1907, 803). - Walde-P. II 150. 

belinuntia, -ae f. ,Bilsenkraut (byoscyamus, ApoUinaris)' : gal- 

7* 



100 



bellis — bellum. 



lisch nadi Ps. Apul. und Diosc. (piXiv-), wohl zunadist Ableitung von 
Belenos .gallisdier Apollo" wie auch peXiviov (Ps. Arist., rom., s. 
Dottin 232). Einer volksetym. Verknupfung mit mens scheint mili- 
mendrum {-mindrus laid. 17, 9, 41, rom.) zu entstammen (Gamill- 
scheg ZRPh. 44, 1 08 f . ; kaum begrundete Zweifel bei Sofer Isid. 1 46 ff.). 
Weitere slav. (russ. helem, heute helend usw.) und germ. (ahd. hilisa, 
ags. lelene usw.) Entsprechungen bei Walde II 180, der deswegen 
von einer Grdb. ,wei61ich {*Vhel- .glanzen", s. fulica) ausgeht. 

bellls f. ,G5nseblumdien' (Plin.): unklar, falls nicht Abltg. von 
hellus jhubsch" mit grazisierender Endung (Thurneysen Thes. zw.) ; 
vgl. hellio, -onis f. ,Wucherblume" (Plin.). 

bellna, -ae f. (richtiger als lelua, s. Schulze GGA. 1895, 548) 
,Tier', meist .Untier, grofies Tier" (seit Naev., rom.; -wus Cic. Gl., 
s. Klotz Gl. 6, 212f., Persson Eran. 14, 115; -utus ,bestiae similis" 
Paul. Fest., s. Leumann-Stolz= 227, anders Muller Ait. W. 153): als 
*d(fc)t<es-Zo«i zu hestia aus *d{h)ues-m (s. d., auch zum Lautl. ; zur 
Stammbild" s. Mulier a. O., falsch Havet MSL. 6, 33). — Abzulehnen 
Vanieek 177 (: ai. Irhati .reifit aus"); Schmidt Voc. 11 225, 347 (: gr. 
jpdUti, s. ballaenaj; Pick I* 405 (: ahd. chalawa .Schauder' usw.); 
Pick IM 88, Schrader RL. IP 668 {*beldwi : air. bled .pistrix", kymr. 
Meddyn, bret bleiz ,Wolf"). Fern bleiben lit. baisiis ,furchtbar, ent- 
setzlich", aksl. bisi ,Damon, Teufel' (Petr BB. 25, 147; s. Walde-P. 
II 125, 186 und unter foedus). — Spatl. belva, belvus (ygl. milms 
usw.), meist von der Hyane, berechtigt nidit, mit Keller WSt. 31, 176 f. 
ein von belua ,Untier" verschiedenes belva ,Hyane" anzusetzen. — 
Vgl. bestia, dusius, ferSlis. 

bellnm, -t n. .Krieg" (seit Naev.): aus altl. dvellum {du- seit 
Enn., s. Sommer Hdb.^ 223, KE. 84; dagegen nur perdvellis trotz 
Lindsay Early lat. verse 210^, wie BMonae = altl. Dvelonai: nadi 
Froehde BB. 3, 5, L. Meyer ib. 3, 77 ff., Osthoff IF. 6, 17 f., Hermann 
Sprchw. Komm. 53 nebst indiitiae ,WafFenstillstand" als ,Nicht- 
feindseligkeit" (doch s. d.) zu horn, bat Lok. ,im Kampf" {'bafi), 
bot-q>pu)v ,im Kampf erprobt", bi^io? .feindlich' (nev£-bi'|(oi; ,den 
Feind erwartend", br\i6w ,ermorde", att. ,verwuste", bniotfi? 
, Kampf"), wozu nadi Boisacq, Prellwitz s. v. (doch s. audi Schulze 
Q. ep. 86') gr. bofiu (•bof-iiu) .verbrenne' (bdo? n. att. bi^? ,Fackel' 
[s. taeda], bav6? ,brennbar, trodcen" aus *bouf€a-v6?, lesb. boOoKe? 
,Glutkohlen' aus*b4/'/ctK€su9w.), ai.dundti .versehrt, qualt, brennt", 
alb. dune ,Leid, Sdimerz, Gewalt' {*dusn-, Jokl Stud. 69), ahd. 
zuscen ,verbrennen'; Wz. *d&u *d9\i *da. — Die Suffixbildung von 
bdlum (ebenso perduellis, -« m. , Feind' seit Plant., perduelliO, 
■onis f. ,Hodiverrat, feindselige Handlung" seit Val. Ant; s. zur 
Bed. Lange Kl. Schr. II 363 ff., MerriU CI. Ph. 13, 34 ff.) bleibt dabei 
freilich unklar; alteres *dueldm (Stolz HG. I 513) wird durdi Duelius 
neben DuelUus, Bellius nidit genugend gestutzt, da diese Formen 
Adaptationen von BuUius sind (Solmsen KZ. 34, 4ff., Thes. s. v.); 
audi kaum aus *du-en-elom ,Befeindung' von *du-eno-s ,befemdet' 
(Walde-P. I 768); abzulehnen L. Meyer a. O. 79 {*due-aom), Loewen- 
thal WuS. 11, 56 {*dueslom mit ganz frgl. Weiterungen). — Die 
weitere Anreihung an duo als 'dyrelom .EntzweiuM* (vgl. d. Zwia : 
Us; s. UhlenbeA KZ. 40, 553, Muller Ait. W. 153) beseitigt den 



bellus - bes. 101 

morphol. Anstofi nicht und ist sachlidi bedenklich. — duellum ,Zwei- 
kampf ist erst mittelalt, s. Deneffe N. Jbb. 37, 427 ff. — Walde-P. 

I 768. . T,, 

bellns, -a, -urn ,hubsch, niedlidi, fein, kostlich" (seit Plaut., rom.; 
Dem, -ultcs seit Plaut., rom. -a .Wiesel" ak Tabuwort, Schrader RL. 
IP 655, Gamillscheg s. belette): aus *duef>(e)los, s. lene, bonus. 

bene ,gut, wohl' (seit Plaut., rom.) s. bonus. 

benignus, -o, -um ,gutig, gewogen, freigebig' (seit Plaut.) : *d^eno- 
(s.bonus) + gno- (i.gigno, vgl. malt-, pnvi-gnus, Leumann-Stolz°202); 
nicht mit Thumeysen Thes. aus *ben-ingnus, zu ingenium. Bed.- 
Entw. wie in gr. eiifeyf\<;, Tevvoio?, s. Pokrowskij IF. 31, 282. 

benna, -ae f. ,Art zweiraderiger Wagen mit gefloditenem Korb', 
combennones „in eadem benna sedentes" (Paul. Fest. 32): gall. 
Wort, vgl. kymr. benn .Fuhrwerk" {*bhend-na : gr. itddvri, (pdtvri 
,Krippe» aus *bhndh-na, s. Lid^n BB. 21, 110, Solmsen KZ. 42,219» 
und unter offendtmmtum); daraus aengl. binn (Kluge Pauls Grdr. P 
929) und durdi reman. Vermittlung nhd. dial, benne ,Wagenkasten", 
nndl. hen ,Korb', ,Mulde'. Vgl. noch got. bansts m. ,Scheuer'' 
{*band-sti-, idg. *bhondhr-sti-) neben nd. banse ,Komraum, Sdieune", 
ags. *bos .Stall", bosig .Krippe", an. bOss m. ,Viehstand' {*band-sa-) 
und zur Versdiiedenheit von frz. banse .grofier viereckiger Wagen- 
korb' Gamillscheg s. v. — Walde-P. II 152, Holder 1 399, Stolz Beitr. 
z. AnthropoL, Ethn. u. Urgesch. Tirols, Innsbr. 1894, 51. 

beO, Svt, -atum, -are ,glucklich machen, erfreuen, bereichern', 
beatus, -a, -um ,mit Gludisgutern gesegnet, begluckt, glucklich' 
(seit Enn. imd Plaut): aus "dueig, Denom. von *dueip- (neben due-no- 
in bonus, s. d.) bzw., falls bedre erst Ruckbildung von bedtus (wie 
fortunare : fortun/itus), von *dueia „Begluckung" (MuUer Gl. 9, 188', 
Ait. W. 152, Brender Bucki. Abl. 51). - Walde-P. I 778. 

berber Carm. Arv. (CE. 1,7): ungedeutet. Kaum = barbar{e) 
als volkstumliche Form (Meringer WuS. 7, 42). Vgl. audi verbena, 

vervactum. „r n«f 

berna ,Haher" (Gl): ungedeutet, s. Meyer-Lubke WSt. 25, 92f. 
bernla, -ae f. ,Brunnenkresse, Kopbanivn" (Marc, med., GL, rom.), 
aus gall. *berura dissimiliert, vgl. mir. biror, hilar ,Wasserkresse' : 
kymr. berwr, akom. bret. beler ds. (Thurneysen KR. 85, GGA. 1907, 
803, Dottin 233, Pedersen 1 491 ; daraus entlehnt ae. biUere, ne. dial. 
bilders. s. Schlutter Angha 33, 139 ff.). Weitere Anknupfung un- 
sicher; kaum als .Quellkresse' zu gr. <ppiap, nhd. Brunnen (Henry 
Lex. bret. 30; s. fervo) oder als *gferu-ro- ,Stachelpflanze' zu air. 
bir .StadieP (Pedersen a. O.; s. verii). — Falsch Weise 360, Saalfeld 
(Demin. von {h)iberis .Giftkresse' aus gr. JPnP's)- 

bes (d. i. hess), besHs m. ,zwei Drittel eines zwSlfteihgen Ganzen 
(vgl. Varro 1. 1. 5. 172, seit Lex Puteol., sptl. bessis nach assis neben 
as; besdlis ,7ij oder Vs umfassend' seitVitr.): wegen der Bed. aus 
*duo ass(is) ,duae partes assis' uher *duass, *duess, *duess mit ab- 
normer Lautkurzung infolge Funktionslosigkeit wie in dodr&ns (Pien 
RFCl. 34, 417 ff., Juret MSL. 20, 155); unrichtig Brugmann Grdr. V 
183. 322, Distrib. 23. 68 (•duef-a««« : hatte den Sinn ,zwei Asse' 
ergeben). — Multiplikative Zusammenrudcungen sind dagegen die 
das ganze As multiplizierenden Bildungen tressis, -is m. ,drei 



102 bestia - beta. 

A.sse" (seitVarro; auf Grund von *trSs asses, *fres[e]ses, sexis, -is 
ni. jdieZahl sechs, sechs Asse' (seitVitr.; *sex[e\sses), quinquessis, 
-is m. ,funf A.' (ApuL), vicessis ,20 A.' (Prise.) usw. {tricessis 
seit Varro, quadragessis, quinquagessis, sexagessis, septitdgessis, octo- 
gessis, nonHgessis seit Pnsc), dussis, -is m. ,zwei A.' (Prise; da- 
nach eentussis seit LucU., nonussis seit Varro, octussis seit Hor., 
quadrussis septussis Mart. Cap.), quadrassis ,vier A.' (Prise, gr. 
Ill 416, 17; s. Pieri a. O., auch fiber die vor -ss- erscheinenden 
Vokale). — o. diasis (b-?) ist mehrdeutig, s. v. Planta II 609, Brug- 
mann a. O. 23; nur zufalJjg klingt an air. dias f. ,zwei Personen', 
s. Brugmann a. O. 66, Pedersen II 136. — Uber die Nebenform des 
s. unter tiennium. 

bestia, -ae i. (e wegen gr. Briaria? und der kelt. Entlehnungen 
air. leist usw., s. Pedersen Litt. 2, 78, Heraeus ALL. 14, 469, Bruch 
Misc. Schuchardt 51, Rohlfs ZRPh. 41, 354f., auch zu vlt. Mstia) 
,Tier, bes. wildes Tier" (seit Enn. und Plaut., rom., auch ,Schlange, 
Wurm', s. Rieglor WuS. 6, 19611.): samt beUua zu Wz. *dheuMs- ,at- 
men" (wie animal zu *an- „atmen') aus *d{h)ugs-ti6., vgl. idg. 'dhues- 
*dhuos-'m mhd. yrftcSs n. .Gespenst", lett.(iMJe«rfe,Atem, Seele,Leben', 
lit. dvisti Prat. dvisiaiX ,keuchen, verenden" (doch s. van Wijk IF. 34, 
376); air. dasacht ,Wut (eines Tieres)', dasaim ,mache toll' (idg. 
*dhuos-ta-, Vendryes RC. 43, 210 f., Loth ib. 399); — *dhues- in Ut. 
dvesiii jkeuche", gr. detov, horn. SdEiov .Schwefel' aus *S/ka-€iov 
(ygl. feiruo), vl. de6i; m. ,Gott' (Boisacq 339 m. Lit.; anders Wimmer 
Zs. kath. Theol. 43, 193 ft, vgl. auch U. 13, 300, 01. 13, 268 f. und unter 
fatmm); — *dhu6s- in lit. dvasas ra., dvasiA f. ,Geist'; — *dheus- 
in got. dius n. ,Tier', an. dyr, ags. deor, ahd. usw. Hor ds.; — 
*dhous- in Ut. dausas ,Luft', daOsos f. pi. ,obere Luff, aksl. usw. 
duckt ,irvor|, nveOna', dusa ,Seele' {*dhousjjS.); — *dhis- in lit. rfii- 
sauti jSeufzen', dilsti ,atmen, ubelriechen', diisas ,Dunst, Seufzer', 
lett. dust pkeuchen", aksl. usw. d^chnqti ,atmen, seufzen", gall, du- 
sios „ daemon immundus" (s. d.; daraus entlehnt norw. tysja, tusal 
jGespensf, ahd. zussa?, Guntert Kalypso 119 f^. — Wz. *dheues- 
ist Erw. von *dheui-, s. fUmus (PerssonWzerw. 56. 81 fF.). — *dhues- 
tia (zum Ausgang vgl. hosiid) ist in seiner lautliclien Entw. unklar; 
nicht aus *dhues-dhid mit Aspiratendissim. (Walde IF. 19, 106 f., doch 
s. WklPh. 1915, 792); auch kaum *dy^s-tia mit Anlautswechsel du- : 
dhu-, der in den anderen Sprachen keinen Anhalt hat (z. B. Meyer- 
Luljke a. O., Persson Beitr. 36'); vgl. noch MuUer Ait. W. 154. Gegen 
Sommers KE. 51 ' (zustimmend Walde a. O.) Herleitung aus 'dueies- 
tia ,Schrecknis, Scheusal' (: gr. b^o; n. ,Furcht" aus *b/eioc) spridit, 
dafi Mstia seit Plaut. vlg. und rom. (span, hicha „Ungeziefer' usw.) 
auch von Raupen, Motten, Bienen u. dgl. kleinen Tieren gebraucht 
wird. — Waide-P. I 844, Fick 11* 151, Boisacq 339 f., Trautmann 
BsLW. 65, Meyer-Lubke KZ. 28, 172f. — Vgl. heliM, dusius, feralis, 
februo. 

beta, -ae f. ,Beete, Mangold' (seit Plaut., rom., z. T. vermischt 
mit hlitum; davon letSceus, letaculus ,rote Rube"; hybr. Ablt. hiti- 
zdre .languere" nach /ocfcan«>ore Augustus) : nadi Ettmayer Zfr.Spr. 
32, 153 tt kelt., da nach Ps. Apul. 29 (30) fur eine audi heta plan- 
tOginii genannte Pflanze (der Wegerich findet in der Kudie dieselbe 



betilolen — bibo. 103 

Verwendung wie heta und blitum) der gr. und lat. Name heria hri- 
tannica lautet. Dcr Anklang an hetulla (el) ist zufallig. Aus dera 
Lat. stammt ahd. hieza ,rote Rube", bair.-osterr. Biessen, Biesskohl, 
nhd. (nd.) Beete, acs. Mte, engl. beet (Kluge a. v.); aus dem Nd. klr. 
UBTV. idtva , Mangold, Runkelrube', aus dem Itahen. skr. Vitva, llitva 
ds. (Berneker 61. 78, v. d. O.Rten-Sacken IF. 33, 193). 

betilolei) (Akk.) ,gro6e Klette, herba personacia' : gall, nach Ps. 
Apul. 36 (37), s. Holder I 410. 

betnlla, -ae f. ,Birkc' (Plin., rom.): gall. Vort, vgl. mir. leithe 
(*betum) ,buxus' (s. audi Gloss. V 347, 15 beta berc [ags.] arbor 
dicitur), kymr. bedtt>-en ,Birke', akom. bedew-en .populus', bret. 
hezv-enn .Birke' i^betyA), gall, betu- in EN. (Fick H* 166, Dottin 234, 
Pedersen I 233). Das kelt. Wort ist nach Plin. 16, 75 davon benannt, 
weil ^bitumen ex ea Oalli excoquunt'' (Thumeysen IF. 21, 175; vgl. 
Utumen). — Dber alb. bUtsze .Birke" s. G. Meyer Alb.W. 39. — 
Walde-P. I 672. 

bl- s. bis, Nbf. di- s. unter biennmm. 

bibiones s. unter hibo und vipio. 

bibo, bibi, (bibitum), -ere ,trinke' (seit Liv. Andr., rom., ebenso 
spatl. bibUor .Trinker', Mbitio, bihUura [Mus. Beige 26, 531 ,Ge- 
trank*; vgl. noch btbax, bibosus , trunksuchtig ' [Wackernagel Synt. 

I 49]. biberarius ,Getrankeverkaufer' Sen., s. Thomas Stud. 21 ff.): 
assimiliert aus *pibd (z. B. Solmsen KZ. 34, 21') = ai. pfbati ,trinkt', 
air. if .bibe' (Schulze ZcPh. 17, 105), PI. ibid usw., akymr. iSere ,bi- 
bimus', korn. evaf .bibo", bret. tuaff; unthemat. ai. pi-p-ate 3. pi., 
Aor. Apit ,er trank usw., d-pipita, gr. ui-rto-um, Siti-ov, ui-di, iri 
TTi-aKU) usw. (Brugmann IP 3, 37. 108), wohl auch fal. pipafo, pafo 
,bibam", d. i. *ba-fo (Jacobsohn BPhW. 1911, 466, Leumann-Stolz^ 
327). Idg. Aoristwz. *p6{i}- *pi- (Schulze KZ. 27, 420 f.), wozu sekun- 
dare Prasensbild. *pi-p6-tni *pi-bo-mi, themat. *pi-bo (Meillet-Ven- 
dryes 170f.; zu J statt p und der Frage, ob die Wz. fruhidg. als 
*b6- oder *po- anzusetzen, unsichere Vermutungen bei Brugmann 
II* 3, 37). Vgl. noch ai. pdti ,trinkt", pay-dyati, pdyate ^trSnkt' 
(: aksl. poJQ pojiti, Meillet MSL. 14, 345), pdnam n. .Trunk" {*po- 
no-, vgl. gr. eOnuJvoi;, Sol. ttibviu, Bechtel Gr. D. I 87, aber n. pune, 
poni s. unter pollen; vl. mir. an .Trinkgefafi' : gall.-lat. anax ,ur- 
ceus" Greg. Tur., s. Dottin 226), pdiave Inf. ,zu trinken" (= japr. 
poutwei, ablt. aksl.Supin piti ,zii trinken", vgl. unten potus); gr. ui-viu 
(Jm-ov usw.; s. oben) ,trinke', ir(!)^a, 11(5x0?, udcji? ,Trank", Tttvov 
.Gerstentrank" usw.; air. out (zweisilb.) Dat. .trinken" (Pedersen 

II 412); alb. pi .trinke" usw. (G. Meyer Wb. 336, Jokl Lingu.-kult. 
U. 278); arm. gmpam .trinke" {*3nd-hip3m?, Meillet MSL. 9, 155; 
anders Charpentier IF. 25, 249); apr. poieUi .trinketl", aksl. usw. 
PV9 P«'« .trmken" (Trautmann Bsl. W. 228), pivo .Trank' usw. 

Hierher u. a.poto, -avi, -atum u. potum, -are .trinke kraftig, 
zeche" (seit Plaut., ebenso -jYo); lat. potus, -a, -urn .ge-, betrun- 
ken' (seit Plaut.; = lit. puotA f. .Zecheelage", vgl. Specht lA. 40, 
57), ablaut, ai. pifdft .getrunken habend*, gr. iriTO? m. .Trank'); 
potus, -us m. .Trank' (seit Varro ; = ai. Inf. pdtum pdtave, Ger. 
pitvd); potio, -onis f. .Trinken, Trank' (seit XII tab., rem.; = 
gr. fiu-ituiTi? f. .Ebbe' (Schulze KZ. 56, 287), apr. poat .trinken' 



104 biceps — biennium. 

aus *poti, ablt. ai. pUih f. , Trunk', gr. 11601? f. ds.; posca, -ae L 
jMisditrank" (s. d.); pocuhtm, -i n. ,Becher' (seit Plaut., Dem. 
pOcillum seit Cato; *pd-tlom = ai. pdtram n. ^Trinkgefafi'); p6- 
tOT) -oris m. ,Trinker' (seit Hor.; = ai. pdtar- patdr- m. ds., 
ablt. gr. otvoiroTrip ,WeLntrinker', itoxrip, iroifipiov .Trinkgefafi", 
woraus o. iroTepen .poculum' entlehnt, v. Planta II 597, Budc Vok. 
10). — Vgl. nodi bua, opimus, pinus, piiuUa. — Walde-P. II 71 f. 
biceps, -itis ,zweikopfig" (seit Varro undCic; alat.bicipes nach 
Prise, vgl. anceps, -ipes) : bi- und caput, vgl. ahd. zwihoubit. 

bicerra i-es) ,Art zottigen Gewandes' (Gl.): 6t- und cirrus 
^Thumeysen Thes.). Damit identisdi nach Schuchardt ZRPh. 40, 105 
span, becerro, port, bezerro ,einjahriges Rind, Kalbsleder', span, bi- 
cerra ,Genise'. 

bidSns, alat. (Paul. Fest. 66) dvidens ,zweizahnig, zweizackig'; 
Subst. .zweizinkiger Karst (bi-KgXXa)', in der Opfersprache ,zwei- 
zahniges (d. h. mit gewediselten mittleren hervorstehenden Schneide- 
zahnen, also 1 - 2jaHriges) Opfertier, meist Schaf" (s. Olck PW. Ill 427; 
seit Pompon., rom.; dazu bidental, -alts n. ,Blitzmal' [vgl. fagu- 
tal ,JuppiterkapelIe des Buchenhains' usw.], wohl von bidens ,Zwei- 
zack als Symbol des Blitzes' nach Usener Rh.M. 60, 22, nicht von 
dem Opfer von bidentes, Wissowa PW. Ill 429 mit den Alten) : = ai. 
dvidant- ds., s. bis und dens, vgl. tri-dens (seit Verg.). — Falsch 
Lindsten Eran. 8, 16 IF. (bidens , Opfertier" = bis + {e]dens ,wieder- 
kauend'l — Walde-P. I 818. 
bidnbinm s. vidvbium. 

bidnnm (seit Ter.), tndnnni (seit Plaut), qnadndnum (seit Pit. 
bzw. Cato), -» n. ,Zeitraum von zwei, drei, vier Tagen": bi-, tri- + 
*diuom ,Tag' (nur in Zss. wie ai. ndktdihdivam ,Nadit und Tag"> 
gr. dTbdblov • duaia iiopd 'Adnvaioi? TcXouivri ©rioei Hes. ; s. dies) 
und zum Lautl. dBnuS, Leumann-Stolz' 111, mit Umformung von 
*tri-duO ,in, nach drei Tagen' in trlduo (vgl. die Haufigkeit des 
Abl.), trlduum nach postrt-die ,tags darauf" (vgl. umgekehrt postrl- 
du5 Plaut. Mil. 1081, -uanus Macr^; danach dann bl-. quadnduum 
(Wadcemagel Gl. 2, 1' nach Sommer ALL. 12,582, der jedoch zu 
Unredit Entstehung aus einer Zusammenruckung *bis diuom, Hris 
diuom ,zwei-, dreimal ein Tag' vorzieht, s. Skutsch Gl. 1, 401). — 
Abzulehnen Brugmann Distrib. 66 ff., Grdr. IP 2, 11 [*duei-, "tret- 
diuom; hochstuf. *duei- in Zss. nur furs Kelt, und Germ, gesidiert, 
vgl. bes, bis und Walde-P. I 818); MuUer Ait. W. 155 (ablativisch 
umgedeuteter Dual *dui-diifo ,zwei Tage'; s. auch Sommer a. O. 
gegen den Ansatz *tri'ntr. PI. + diva). — Walde-P. I 773, 818. 

bieanlnm, -i n. ,Zeitraum von zwei Jahren' (seit Plaut.): it- und 
annus. Daneben dienniutn Gl. wie audi dtmus jbimus", divium 
,bivium', disulcus {diss- Paul. Fest.) .bisulcus", difSriam ,bifa- 
riam' und Varros des ,bes' (wenn nicht fur *dves) mit grazisie- 
rendem di- = 61- (Skutsch De nom. lat. comp. 36, Rom. Jbb. v , 1, 65, 
Sommer Hdb.^ 223, Leumann-Stolz* 292), nidit mit einer nur fur 
dis- (s. d.) anzuerkennenden idg. Doppelform *di- neben *dui- (Solmsen 
PBB. 27, 361 ft, Skutsdi Gl. 1, 398 zw.). - Osk.-umbr. Einflufi mit 
Emout El, dial. lat. 152 f. anzunehmen, ist zwar wegen u. difue 
,bifidum* {*duifuipm : gr. bi-q)uri?, s. v. Planta I 413, Buck-Prokosch 



bifariam - bllis. 105 

44) moglich, aber bei diesen vereinzelten, teils kunstlichen, teils spaten 
Bildungen ohne jeden Anhalt. — Walde-P. I 818. 

bi^rlam ,nach zwei Seiten hin, doppelf (seit Plaut. und Cato, 
danach tri- seit Liv., quadri- Varro, septem- Santra, ambt-fariam 
seitApuL; mulH- „an vielen Stellen" seit Cato, danach aliquot- ,an 
einigen Orten' Cato, plurir- seit Suet., omni-fariam seit Cell.; daraus 
durSi Hypostase hi-f&rius , doppelf usw. seit 2. Jh. n. Ch.): wohl 
mit Skutsch IF. 14, 488 ff., Brugmann IP 2, 71 (vgl. Paul. Fest. p. 142 
und zur Bildung ne-fdrius) : bi + fas .Xufierung' als ,zweierlei 
Aufierungen habend"; urspr. vl. in Wendungen wie *bifariam (sc. 
viam) ingredl (vgl. IF. 44, 72*) oder direkt nach perperam, pro- 
miscam u. S. eebildet. Daft der Begriff des jSagens" nidit mehr 
nachzuweisen ist, bildet kein Hindernis, da sidi m derartigen Zss. 
die urspr. Bedeutuug des Hinterglieds rasch verfluditigt (vgl. z. B. 
u. difue ,bifiduni', eig. ,zweigestaltig' [s. biennium], nhd. zwei- 
schlSchtiff, zweispHnnig u. dgl.). Gr. bi-tpdoioi; ,doppelt" (wegen 
blqjOTOV Hes. aus *bt-q)aTios) ist trotz Skutsch a. O., Muller Ait. W. 
155 nidit wurzelverwandt, sondern wohl als jdoppeltgeschlagen" zu 
S€ivu), (pari? zu stellen (Walde-P. I 680, Brugmann IP 1, 186; 
anders IP 2. 71 : q)a(viu ,zwei Erscheinungsformen habend"). — 
Unwrsch. Walde LEW.^ 90 (zu ai. dvi-dhd ,zweifach, in zwei Teile' 
[vgl. Emout El. dial. lat. 120 f.] mit Anlautsbehandlung von f = dh, 
bzw. Ableitung von *dui-bh-o- „nach zwei Seiten sichtbar' zu Wz. 
*bhe- .scheinen' in fanum, gr. qpatvuu). 

bifer, -a, -urn ,zweinial (Frucht) tragend' (seit Varro, rom.): 
vgl. bl-(popo?. 

bifldns, -a, -um ,zwiegespalten' (seit Ov., rom.): vgl. gr. bi- 
oxibt^q und hi-sulcus. 

biforis, -e (-«« Vitr.) ^zweiturig* (seit Ov.): vgl. bi-Supoi;. 

bigae, -arum ,Zweigespann' (seit Enn., Sg. seit Sen.) : aus *bi- 
iugae fiber *bi-(i)igae, entspr. trlgae, quadrigae ,Drei-, Viergespann' 
(daneben als Neuzusammensetziuig biiugus, -is ,zweisp5nnig' seit 
Lucr.), vgl. gr. U-lvi. S. bis und iugum (z. B. VaniCek 226; nicht 
*bi + ago- nach G. Meyer Z6G. 36, 281). 

bigener, -a, -um ,von zwei Geschlechtem abstammend, Bastard' 
(seit Varro) : bis + genus, vgl. gr. bi-Tevi'|i;. 

bignae .bis una die natae' Paul. Fest. 33: bis + gignere, vgl. 
benlgnus. . 

bilbS, -ere ,bil bil machen, glucksen, vom Wasser' (Naev. bei 
Paul. Fest. 34): von einer Schallinterj. *Ul bil (wie gluttid von glut 
glut) mit gebrochener Reduphkation. Schwentner 52. 

bilingnis, -e ,doppelzungig'' (seit Enn. und Plaut.): bis + lingua, 
vgl. gr. bl-T^uucaoi;, and. zwi-zunhi. 

bills, -is f. ,Galle als Flussigkeit" (seit Plaut., rom. grofitenteils 
verdrangt durch fel: Abl. -i, seit Hor. -e): als *bis{t)lis zu kymr. 
hustl, akorn. bistel, bret. besil ,Galle" {*bis-tlo-, -tU-; Fick II* 175, 
Pedersen 1 84. 116). Nur ital.-kelt.; fern bleiben an. kveisa ,Beule" (s. 
Walde-P. 1 668) und ai. dvisti ,hafit', gr. beibuu (Perf.) .furdite" (Muller 
Ait. W. 156, s. Walde-P. r816f.; du- kelt. nidit b-). — Abzulehnen 
W. Meyer KZ. 28, 169 (: lit. dvylas ,'braunsdiwarz»; s. Walde-P. I 838 
und sufiid); Ceci Rendic. Ace. Lincei ser. V, t. Ill (1894), 472 (aus 



106 biraater — birrica. 

•flislis); Corssen P 519 {: gilvus); Bartoli RFCl. 56, 111 (: fet;. — 
Walde-P. II 111. 

bimater ,zwei Mutter habend, Beiwort des Dionysos' (seit Ov.): 
Lehnubersetzung aus gr. bini'iTUJp, vgl. ai. dvimdtdr-. 

bimns, -a, -um ,zwei Jahre (Winter) alt, sidi auf zwei Jahre 
erstreckend' (seit Cato, rom., vom Tier [vgl. anniculus, vitulus], 
ebenso trtmus ,dreijahrig', quadrlmus, -ulus ,vicrjahrig' seit Plaut.): 
aus *hi-hvmos, *dui-himos (Aufrccht KZ. 4, 113 ff., Leumann-Stolz^ 
107. 139), s. his (dimus Gl. s. unter hiennium) und hiems; —*himos, 
idg. *ghi-mos = ai. himdp, m. , Winter, Kalte", gr. bu(J-xi(iOi; ,winter- 
lich, stiirmisch", xd lieXd^-Xl^* ,schwarze Flecken im Schnee', x'^"- 
poq m. f. ,Ziegenbock, bzw. einjahriae Ziege", xlMllpa ,Ziege" (: an. 
usw. gyitibr ,einjahriges Lamm", Falk-Torp 310 f., Bechtel Lexil. 
333 f.); anfr. en-gimus (Lex Sal.) , porous anniculus"; vgl. audi arm. 
jmefn , Winter' aus *jim-er-. Zahlung nach Wintern = Jahren (vgl. 
hiems ,Jahi*' dicht. seit Hor.) wie in gr. xiV"po? (s- °-)' ^^^- "^^'• 
Einicinter ,einjahrige Ziege, e. Rind", ags. antcintre, cswintre ,ein- 
jahrig", engl. twinter ,zweijahriges Tier" (Schrader RL. P 526, 11 
671). — Walde-P. 1547 f. 

bTm, -ae, -a ,je zwei' (distrib.) und ,zwei" (koUektiv, bes. bei 
Plur. tantum und bei Plur., die von ihrem Sg. in der Bed. ab- 
weichen, s. Brugmann Distr. 30 f. 42. 53 f., Grdr. IP 2, 78. 81, 
Schmalz^493; seit Plaut., rom.): wohl aus *duis-no- ,zweimalig" (zu 
his, vgl. Varro 1. 1. 8, 55) = grm. *twiz-na- in an. fvennr, tvinnr ,zwei- 
fadi", ags. ge-twinne ,bini, Zwillinge" (*twinja-), ahd. ewimen, -on 
,zweifach zusammendrehen"; mhd. zwirn (ags. tivin, hoU. tivijn As.); 
ebenso term ,je drei" aus *tris-no- (seit Plaut. und Cato, rom.), 
quaterni „je vier" (seit Cato, rom.); fiber die z. T. analogisch ent- 
standenen qulnl, sent, septeni, oetoni, denl usw. s. Brugmann a. O., 
Sommer Hdb,''476f. — Neben wesentlich distributivem teml steht 
koUektives trlni (seit Plaut. und Cato, rom.), welches trotz Ernout 
REL. 3, 153 kaum altes *trisno- ist, sondern wohl zu koUektivem hl-nl 
hinzugebildet ist wie quadrlnl (seit Cato; -rf- wie in quadru-plus) 
neben distributivem quaterni (seit Cato, rom. ; vgl. z. B. trinl boves 
= ,tria iuga bourn' Cato nach hint hoves ,Ochsenpaar' Plaut.). Da 
der distributive Sinn auch bei ternl quaterni erst sekundar aus dem 
kollektiven (wie in got. tweihnai usw.) entwickelt ist und die Be- 
deutungsdifferenzierung einerseits der Reihe singull bint teml qua- 
terni unterstutzt dutch alterni.^ andererseits fint fttni trinx quadrlnl 
erst nachtraglich durch den Reim geregelt erscheint, wird Brugmanns 
Distr. 31 Herleitung von trmi, quadrinl aus *iret-no-, *quadrei-n(h 
sowie von koUektivem hint aus *dul-no- (so z. B. auch Sdimidt PI. 
205*, vgl. ht. dvynii ,Zwillinge", grm. *tu>i-na in ahd. usw. zwinal 
ds.) oder aus *duei-no- bzw. *duej,ino- (vgl. idg. *duoi-no-, grm. 
*tu>aina- in as. twene, ahd. zu>ene ,zwei', *duei-ko- in got. tweihnai 
ds.) wenig wahrscheinlich. — Walde-P. I 754, 820. 

bipSs, -edis ,zweiffiCig" (seit Naev.): vgl. ai. dvlp&t dvipdt, gr. 
ilirouc, ags. twifete ds., u. du-purstu ,bipedibus'. 

birotng, -a, -um .zweiraderig' (seit 4. Jh., rom.): vgl. ht. dvi- 
ritis ds. 

birrica .Wollkleid" s. hurra. 



birrus — blaesus. 107 

birruS {byfrQijus), -t m. ,ein mit einer Kapuze versehener kurzer 
tJberwurf" (s. Mau PW. Ill 498), als galUcus bezeidinet Schol. Juv. 
8, 145 (seit 3. Jh., rom.; daraua end. gr. pippo; m. ,eine Art x^a- 
uO;' Artemidor): nach Thurneysen Thes., Fcstschr. Kuhn 82 gall. 
Wort, vgl. mir. herr, kymr. tyrr ,kurz' {*1)irros aus *birsos9). — 
Weniger wrsch. nach Thurneysen Thes. zw., Walde LEW.' 91 zu gr. 
lesb. thess. ^EppiSv ■ baai), dor. peip6v ds., ^(ppo£ ■ haa<i. tAaKeh6y&; 
Hes. (Hoflmann Makedonen 52 f.), ^ep^ip\ov ,armliches Kleid' 
(Anakr.), die vielm. zu hurra ,Wolle, zottiges Gewand' (s. d.). 

bis jZweimal' (seit Plaut., rom. in Zss.), aus alat. dvis (dvidens, 
dvicensus, s. Paul. Fest. 66, Skutsch Rom. Jbb. V, I, 64 f. ; kunstlich 
duilanx = hi- Ven. Fort.): = ai. dvift, av. bii, gr. &{?, Tahd. zteis 
jzweimal' (got. twis- .entzwei', mhd. zwist, an. tvistra ,zerteilen', 
vgl. auch lat. dis-); audi in ahd. zwiror, an. tysvar, tvisvar ,zwei- 
mal' (grm. *tuiz-uoz), alb. z^ehe jOchsenjodi' [*zd-lebe ,Zwei- 
gespann'?, Jokf Stud. 99) und in lat. hini (s. d.). 

Vom Stamme dui- (zu rftto, s. d.), der audi in lat. bi- (s. die 

vorangehenden Zss.J = u. di- in difue (s. unter hiennium, auch 

gegen die Annahme von idg. *di- im Ital.), ai. dvi-, av. bi-, arm. 

erki- in erkeam ^zweijahrig", gr. &i- (wenn nicht z. T. idg. *di-, 

s. Solmsen Unters. 211 f.), ags. twi-, ahd. zwi-, lit. dvi- vorliegt; 

vgl. audi ai. dvi-ttyah, av. hitya- usw. ,zweiter' (u. duti ,iterum' 

s. unter dubius). — Hochstuf. *duei- *duoi- in der Flexion von idg. 

*du6u ,zwei' (s. duo) und in kelt.-germ. Zss. wie air. de-riad 

,bigae", diahul{*duei-plo-) .doppelt", an. tvl-faldr ,zweifach', got. 

tweifl Akk. ,Zweifel', femer in gr. boioi ,doppelt, zwei' (*boii6- 

fur *boi6- [Wackernagel Gott. Nadir. 1914, 119 f.], ai. dvaydh, 

aksl. d^voJ1l ,doppelt'), ai. dvl-dhd .zweifadi', lit. dvei-gys m. 

,zweijahriges Pferd, Rind", ahd. zwlg i^d^ei-gho-), ags. twig 

{*d^i-gho-) ,Zweig", alb. dege ds. (d^oi-ghd). — Walde-P. I 818 f. 

bisonj -otitis m. ,Auerochs, Bos Bison" (seit Sen.): trotz gall. 

Bisontii, Vesontio (-«- unurspr.?) ,Besan(;on' (Amm. 15, 11, 11) und 

Visontium in Nordspanien und Pannonien wohl nicht keltisdies 

(Dottin 234, Holder I 427), sondem germ. Lehnwort, vgl. ahd. usw. 

unsant tvisunt ,Wisent', apr. wissamhrs ,Auerochs', idg. *uis-on-to- 

,moschusriechend" ? S. Walde-P. I 244. 315 (m. a. Deutungen),'Schrader 

RL IP 60, Petersson Heterokl. 39 f. 

bitumen, -inis n. ,Erdpech' (seit Cato, rom.; aus dem Frz. nhd. 
Beton) : wegen 6- aus *gv und i (vgl. vitulus, Sommer Hdb.' 58) nicht 
stadtromisch, sondem o.-u. (allenfalls, da Asphalt besonders in 
Frankreich und der frz. Schweiz begegnet, wie hetulla keltisdies) 
Lehnwort; vgl. ai.jdtu n. ,Lack, Gummi'. ags. cwidu, cudu ,mastix', 
ahd. quiti, cuti , gluten", nhd. Kiit, ablautend an. usw. kvada 
,Harz". Lat. bitUmen vl. Erweit. von *betu {idg.*g<'etu) nach alUmen 
(Thurneysen IF. 21, 175). Vgl. hetidla. — Walde-P. I 672 (Lit.), 
Petersson Heterokl. 6211., Z. Kenntn. d. idg. Het. llf. (mit ganz 
frgl. Heranziehung von arm. i:itS la'^an ,Mildi', fcaf^ .Tropfen', kat'n 
, Milch", lit. geniaras, girUdfras u. gitttaras , Bernstein"). 

blaesns, -a, -um ,mit der Zunge anstofiend, lispelnd, lallend' 
(seit Priap. und Ov., rom.): wohl nadi Froehde BB. 1, 332, Havet 
MSL. 6, 238 f. (mit falscher Heranziehung von ai. mlecchati ,kauder- 



108 



blandonia — blatea. 



wekchen" trotz Sdieftelowitz ZII. 6, 101, s. Johansson IF. 2, 37), 
Solmsen IF. 30, 2 Lehnwort aus gr. pXaicd? ,auswarts gekrummt, 
sidi ringelnd' (die Bed. ,stammelnd' begegnet nur in Lexicis und 
stammt wohl aus dem Lat.); die Bedeutungsdifferenz lafit sich durch 
.gelahmt' (pXaiai? bei Medizinern .gichtisch gekrummt, gelahmf) 
fiberbrudien, vgl. Mart. 10, 65, 10 os Maemm tibi dMUsqm lingua est. 
Fur osk. Vermittlung des griech. Wortes spricht die Beschrankune 
von Blaems, Blaesius (o. Blaisiis) auf das osk. Sprachgebiet (doch 
vd auch Schulze EN. 295). — Gr. p\aicr6? ist unerklart; fern bleiben 
trotz Bugge KZ. 19, 433, Prellwitz BB. 25,284 an. kleiss ,hspelnd% 
lett.gleists .Sdiwatzer" (: Wz. V««- i-^chmieren', s. glus; vgl. norw. 
dial, kleisa .kleben, undeutlich reden", Persson Beitr. 87 f.). — Aus 
einem lat. *hlaesims stammt kymr. Uoesg .lispelnd' (Foy IF. 6, 323, 
Pedersen I 213; uber mbret. hlisic s. Loth RC. 20, 348). 

blandonia, bladon(n)a ,K6nigskerze" (GL, rom.): galUsch? (Bcr- 
toldi WuS,*ll, 9). Kaum Abltg. von llandus mit v. Wartburg s. Nan- 

blandns, -a, -um ,schmeichelnd, einschmeidichid, liebkosend" (seit 
Enn. und Plant., rom., ebenso -ulus seit Hadr., hlandior, -^tus sum, 
-Irl schmeichle', -(Mo, ae f. ,Schmeichelei", beide seit Ph.): wohl mit 
Johansson KZ. 30. 441, Persson Ger. 75*, Beitr. 930, Reichek KZ. 
46, 324f. als ,miid, sanft, weich' zur Sippe von mollis ,weich% 
Wz. *melrd- (s. d.; vgl. z. B. blanda verba Plant, mit gr. naXoKa litea, 
synonymes mollis, mltis und die Parallelen bei Reidielt a. O.); fur 
cLe von Walde a. 0. abgelehnte, von Sommer Hdb.« 227, Leumann- 
Stolz' 150 bezweifelte Entwicklung von lat. bl- aus idg. *ml- spncht 
Jr- aus *mr- in brevis. Bestimmung der Grdf. bleibt dabei unsicher; 
kaum mit Persson a. O. "mU-ndo-, *mla-nido- von der schweren Basis 
(vgl. ai. mUyati ,erschlafFt«, air. mlaiih .sanft, glatf), eher "mli-ndo- 
nadi Reichelt a. O. mit Nasal wie z. B. in gr. pxdvvo; .Schleim", 
Oder, falls gr. pXivvo^ mit Walde a. O. audi aus *mled-sno- herleit- 
bar ist, aus *mhd-no- wie mundus ,rein" aus *mud-nos. — Abzu- 
lehnen Walde LEW.^ 92 (als „freundlidi schwatzend' : lit. balandis, 
lett. baluddis -Taube", die vim. zu ht. bdlfas .weifi' usw. gehSren, 
s. Sdiulze Berl. Sbb. 1910, 799 f., EhrUdi BPhW. 1911, 1574; lett- 
bladu, blast .sdiwatzen' vim. zu gr. (pXribfiv ds., s. flare, flemina 
und Persson a. O.); Bezzenberger BB. 5, 168 (: lit. pa-gl6styti .strei- 
dieln*, gal&ndu .sdharfe, schleife", apr. glandint .trosten", Wz. 
*ghmh-*gMendh-, s. glaber, Walde-P. I 626). - Walde-P. U 288. 

blasphemo, -ata, -atum, -are .lastere, sdimahe' (seit Itaia und 
Tert., rom., ebenso -ia, -ium .Lasterung") : aus gr. fi\aa<f>r\\iiw ds. 
Vlt. und rom. blast-, s. Niedermann Ltbl. 1924, 310, Leumann- 
Stolz''131. , „ , 

1. blatea, -ae f. und balatro, -Snis ,Kotklumpchen' bei Paul. 
Fest. 34 balatrones et blateas bullas (ballas cod.) Ivti ex ifineribus 
aut quod de calciamentorum soleis eraditur, appellabant : nadi Bruch 
Gl. 8, 83 if. aus illyr. 'balta „Sumpf', woraus audi rum. balta, alt- 
dabn. balta ,Sumpfsee' (ragr. pdXTn, ngr. pdXroi; da^ und mit p- 
durdi Einflufi von palQdem nordital. palta usw. (Meyer-Lubke n. 6177) 
stammen; zu alb. batts f., baU m. .Sdilamm, Sumpf, Ton, Erde', 
aksl. hlato .Teidi, Sumpf", fiedi. bldto ,Kot" usw. (Ntr. Sg. si. *bolto 



blat(t)ea - blennus. 109 

Sumpf zu Wz. *l}hel- ,wei6schimmernd" in lit. idltas, lett. lalt.t 
'weifi* usw., s. Schulze Berl. Sbb. 1910, 787, Fraenkel KZ. 54, 294 f. 
und vgl. palus). ilatea nach Bruch a. O. aus *balta bzw. umgestelltem 
*blata erweitert durch -eo- nach liUeus u. a.; laUtro aus lUyr. *ho- 
mro? Vgl. noch genues. Irata .Schmutz' {*balaUa durch Kreuzung 
von *llaUia llatta mit lalatro'i). — Falsch Ceci Rendic. R. Ace. Lincei 
ser. V, t. Ill 472 (zu an. Uadra .Blatter" [s. iiare], arm. ^palar .Blase, 
Pastel' unter unberechtigter Annahme von dial. Wandel von fl- zu 
II.) _ Walde-P. II 176 (zweifelnd wegen roman. 'lalca ,Ried, Sumpf 
und *lalsa .Pfutze', die aber trotz Treimer ZRPh. 38, 407' wohl 
nur zufallig anklingen, s. Meyer-Lubke n. 899. 917). 

2. blat{t)ea s. unter 2. blatta. 

blatero (hlatt- mit volkst. Gemination, nidit im Vers), -S,tum, 
-are .plappem, (dumm) daherschwatzen' ; auch vom Geschrei des 
Kamels (Paul. Fest. 34), Vidders (Suet.), Froaches (seit Afran., rom. 
[de- seitPlaut.]; davon Uatero, -onis m. ,Schw5tzer' seit Cell., spat 
hlato, Uaterator ds.), blatio, -Ire ,schwatzen, plappern" (seit Plaut., 
vgl. garrlre): von einer Schallwz. *hlat- wie audi rand, pladderen 
,schwatzen, plaudern', neund. pladdern .platschen", schwed. usw. 
plodder .loses Geschwatz" (daneben mit J- d5n. lladre .platschen", 
alter .schwatzen" mit stockender Lautversdiiebung im Schallwort; 
verfehlt Ceci Rendic. R. Ace. Lincei ser. V, t. HI 471); vgl. noch nd. 
hoU. plapperen (nhd. plappern), ahd. blabizSn, mhd. plappen, ht. 
blebinti .schwatzen'; mhd. pludern, nhd. plaudern; *6W«*- m ^. 
(pXibiuv .Schwatzer' usw. Vgl. auch balbus, babulus. — Walde-P. 

II 120. , . , , 

1. blatta, -ae f. .lichtscheues Insekt, Schabe, Motte" (seit Laber., 
rom.; davon -arius seit Sen.): unerklart. Nidit nach Sohnsen lA. 
19, 30, Walde LEW.'' s. v., MuUer Ait. Wb. 59 mit fruher vulg. As- 
similation aus *blacta zu lit. blaki, lett. blakts .Wanze' (Bed. 1 ; 
diese vim. zu lett. blaks .flach", s. Endzelin KZ. 52, 114'). 

2. blatta, -ae f. .Blutstropfen, Purpur' (seit Chiron bzw. Ed. 
Diocl., Nbf. -«(»>, -ia; davon blatteiare .Blutklumpchen bilden' 
Chiron, blatteus .purpurgefarbt" seit Vopisc, -inus ds.Eutr.): un- 
erklart- Benennungvon der Farbe der Schabe ist unwrsch., die dies- 
bezuglichen Erklarungen der Alten (Isid. 12, 8, 7, Gl.) beruhen auf 
Volksetym. — Auch brattea .GoldpMttdien' hat durch die Ver- 
mischung rait unserem Worte (zunadist in blattiarius .Goldsdilager 
dissim. aus bratt-) die Bed. .Purpur' ubemommen (Gloss. IV 594, 
15. 602, 6); daraus entlehnt ksl. broSh .Purpur', bulg. usw. brost 
.Farberrote' (Jokl Jagid-Festschr. 485 gegen Bemeker 88), wShrend 
aus der vlt. Nbf. *barantia {barathea, brantia, haretUia Gl.) germ. 
*warantja (daraus frz. garance) neben *u>ratja (ahd. rezza) stammt; 
s. Niedermann Arch. Rom. 5, 436 ff. gegen Kluge ZdW. 14, 160. 

blennus, -» m. .Dummkopf, T5lpel" (seit Plaut., vgl. -one* ,pu- 
tidi aut hircosi' GL): Lehnwort (Solmsen IF. 30, 26) aus gr. pXew6q 
,Iangsam von Verstand, dumm"; vgl. pX^wo; n. ,Schiamm% PWvva 
f. .Schleira, Rotz' (daraus entl. nur. blinn .Speidiel, Schleim' nadi 
Marstrander NTS. 1, 238), pXewdj5ti<; .sdileimig' (danach blennoms 
ds. Vindic), pX^wo? m. ,eine Fisdiart* (daraus blendius, -» m. 
.Art Seefiadi' Plin.). pXevvo- aus *tnled-sm- (s. unter blandtts, 



no 



blitum — boletus. 



mollis und Walde-P. II 288); zur Bed-Entw. ^dumm" aus ,weidi, 
sdilaff' vgl. gr. pXiTd? (1. Uiteus), pXabapdi;, dor. pXflE. 

blitum, -( n. jMelde' (seit Plaut., rom., auch kontaminiert mit 
heta, s. d.): wie spater atriplex entlehnt aus gr. pXlTOV n. ds. {*mU- 
to- : ahd. melda, nhd. Melde aus *mel-dh-, von der Weiche der 
Blatter). — Davon bliteus, -a, -um , abgeschmackt, fad, albern' 
(seit Plaut.), Bed.-Lchnw. nach gr. pXixd? ,dummes altes Weib' 
(Menander bei Suid.), p\iTO-|ad|Li^a(; ,Dummkopf' (Aristoph.), pXixd? 
Kot pXiTiuva? • TOO? eiii^Seis Has. — Walde-P. II 285, Persson Beitr. 213. 

blntthaglo .Sumpfpflanze' (gall., s. Marc. med. 9, 132): an. ilautr 
,weich' (s. fluo) nadi DiefFenbach bei Holder I 453. 

boa (vulg. hova), -ae f. jSchenkelgeschwulst" (Lucil., Paul. Fest.), 
,rote Blattern, Masern" (Plin.), .Wasserschlange' (vl. ,Streifennatter', 
s. Gossen-Steier PW. II 3, 530; seit Plin., rom.): Et. unsicher, wrsdi. 
Lehnwort. j Kaum mit Persson Beitr. 250 zu gr. Poupduv m. ,(ge- 
sch-woUene) Drusen' (: p^pa '|i£<JT(ii Kal itX/ipri' usw. [Wz. *6it-, s. 
hiMCa] unter Trennung von ai. gatnnt i- Du. ,Leistengegend', an, 
haun „Geschwur mit Geschwuht", vgl. Walde-P. I 557 f.; anders 
Charpentier KZ. 46, 44 ff. [s. tj^wen], Zupitza Gutt. 78), da die an- 
scheinend ursprungliche Form loa nur bei Entlehnung aus dem 
Griedi. verstandbch wSre (Bersu Gutt. 140^), ein gleichbed. gr. *p6a 
oder *poi'i aber nidit nachzuweisen ist; hova sdieint erst nachtraglich 
volksetymologisch auf hoves bezogen (Bersu a. O., Solmsen Stud. 148*; 
vgl. Hier. vita Hilar. 39), ist aber durchs Roman, und holea (s. d.) furs 
Vulgarlatein gesichert. — Abzulehnen v. Ettmaver ZRPh. 32, 725 
(*Jo-Jo ,Schrecklaut der Kinderstube'). — Walde-P. II 114. 

boia, -ae f. ,jochartige Halsfessel filr Sklaven und Verbrecher' 
(seit Plaut., rom. jFuBfessel"; davon imboio ,kXoi6v nepiTiftril^i' G\.): 
unsicherer Herkunft. Kaum nach Solmsen KZ. 37, 24 f. ,die Bojerin" 
(f. nach catena?) als eine den Romern durch die Boii bekannt ge- 
wordene Fcsselungsart (vgl. frz. a-avate ,Krawatte', eig. .kroatisch" ; 
dodi ware eher *Mca zu erwarten) ; der Ursprung des Wortes mufite 
dabei bcreits zu Plautus' Zeit verdunkelt gewesen sein, da sonst das 
Spiel mit dem Doppelsinn Capt. 888 Boius est, hoiam terit nicht ver- 
standlich ware. — Abzulehnen Weise 361, Saalfeld (aus gr. pdeia 
,(Riemen) aus Rindleder"; sachlich unzutreffend, wie die Identifika- 
tion mit kXoi6^ bei Hier. und die Beschreibung bei Paul. Fest. 35 
,tam ligneae quam ferreae' zeigt); Sommer IF. 11,79 {*iodhia zu 
ai. hddhate ,drangt, zwangt ein', got. usw. laidjan = aksl. Mditi 
,zwingen'; vim. Anlaut *hh-, s. Walde-P. II 140, 185 f. und vgl. ftdo). 

bolea ,salamandra' Gl. II 570, 18: Ableit. von vlt. "lola (alb. 
hoie ,grofie Schlange' aus lova, s. loa); -ol- fur -ov- wrsch. aus dem 
iUyrischen Volkslatein. Jokl ZRPh. 41, 228 flf. 

boletns, -l m. ,Pilz, spezieU Champignon' (seit Sen., rom.): un- 
sicherer Herkunft. Kaum nach Thurneysen Thes. entlehnt aus gr. 
PluXlTTl? m. .Pilz' (auch ,Wurzelknolle der lychnis', s. Phn. 21, 171), 
dies vl. Ableit. von PoiXoi; ,Klumpen", da dabei die Suffixumbildung 
imklar bleibt. Niedermann LA. 29, 31 f. halt umgekehrt das griech. 
Wort (wie sicher die Ableitungen puiXtiTivo?, PtuXTjxdpia) fur ent- 
lehnt aus dem lat. Wort, dies benannt nach der Stadt Boletum in 



bolusseron — bo5. Ill 

Spanien, wobei jedodi die Bildung und das Fehlen von Zeugnissen 
uter diese Herkunft auffallig ist. 

bolusseron ,schwarzer Efeu': gallisch nach Ps. Apul. herb. 99. 
Holder I 477, Dottin 235, Gamillscheg s. heloce. 

bombax .potztausend!' (Plaut.): aus gr. pouPdE. Umgangsspr. 24, 
Schwentner 49. 

bombns (-«- Gl.), -* m. ,dumpferTon, Summen, Brummen' (seit 
Enn., rom., als Kinderwort auch ,Getrank', vgl. -mot sorbillum GL; 
davon iomid, -onis ^Drohne", vgl. gr. ^O).i^0\r| f. ,Bienenart', 
ponpuXidi; .Hummel", Muller-Graupa Gl. 18, 134; bombicare, 
lomblre, bombisHre [ALL. 3, 404. 435] ,summen"): wegen o nicht 
urverw. Schallwort, sondern entlehnt aus gr. pdnpog m. ,dumpfer 
Ton"; vgl. poi^tp^ui ,tone dumpf, summe, roUe", poixpuKiov ,sura- 
mendes Insekt", pi^guE, -UKO? m. ,Flote' (davon verschieden pdufSuE 
,Kokon des Seidenwurms", woraus lat. bombyx, -cis m. f. [seit Plin., 
rom.] wie bambax, bambix GI. aus sptgr. pdnPaJ, Ttci|Lipa2 ; s. Ber- 
necker 101, Lokotsch n. 1617), alb. bumbuiit ,es donnert", an. usw. 
lumha .Trommel' (vgl. nhd. bum bum), lit bimbalas ,Kafer', bam- 
hiti .brummen", lett. bambals, bambtds ,Kafer', binibah .Bremse", 
bambdt .klopfen" (Trautmann Bsl.W. 26). — Walde-P. II 107. 

bonus, -a, -um (altl. dvonos, alter dvenos, vgl. bene, bel- 
lus; s. Leumann-Stolz^ 96, 147) ,gut, tauglich, vomehm, begutert, 
tapfer, trefflich' (seit Inscr. Dueni, rom., ebenso bonitas f. .Gute" 
seit Plant.): nach Darmestetcr De coniug. latini verbi dare 1876, 26 ff., 
Osthoff MU. 4, 370 Part, auf -eno- zur Wz. von ai. duvas- n. ,Gabe, 
Ehrerweisung", duvasydti .verehrt, belohnt, erkennt an", duvasyu}),, 
duvoyuh ,verehrend, ehrerbietig ' , wozu audi \a.t.be6, beare {*du-^6) 
.begiudcen", heStus .gludclich" (s. d.); zweifelhaft wegen der ab- 
weidienden Bed. air. den .tuditig, stark" (Pokorny KZ. 46, 151; 
anders Marstrandcr RC. 37, 287 f.). Weitere Analyse unsidier; vl. 
mit Hirt IF. 21, 169ff. als ,durdi Gaben ehren" zur Wz. *dou- 
.geben" (s. do); in diesem Falle ist auch as. twithon .gewahren", 
mhd. zinden, mnd. twlden ds., ags. lang-twldig .langst gewahrt" als 
*du-ei-to- anzureihen (Wood Mod. Phil. 4, 499). Grdbd. von *dt}-enos 
wrsch. .begutert, mit Gaben versehen' (vgl. Cic. Att. 8, 1, 3 bonorum 
id est lautorum et locupletium und op-timus : opulentus, Cic. rep. 
1, 51), nicht .verehrt, Anerkennung geniefiend" mit Osthoff a. O. 
Vgl. andi dautia. — Abzulehnen Froehdes BB. 9, 111, Picks I* 457, 
II* 150, III* 165, MuUers Woordverkl. 20 Verbdg. von bonus mit gr. 
bOva^m (Wz. *deu- ,fest"; s. uber das gr. Wort zuletzt Brugmann- 
IF. 30,371 ff., Brugmann-Thumb* 334'). — Walde-P. I 778. 

boo, -&re {boo, -ere Pacuv., Varro nach sonere neben sonare u. a.) 
.laut ertonen, widerhallen, briillen' (seit Enn. und Plaut., bodtus 
seit Apul., reboare .widerhallen" seit Lucr. und Catull): wegen des 
fehlenden v der Stammsilbe {bovantes Enn. in Anlehnung an 60s, 
bovis, s. Solmsen Stud. 148*) ist das nach Vorkommen und Unproduk- 
tivitat in der Ableitung kunstUdie und dichterische Wort trotz Persson 
Beitr. 898^ (nadi Fruheren, z. B. Froehde BB. 14, 92, vgl. audi bo- 
vinor) nicht ganz oder teilweise urverw. mit gr. ^odnu .schreie", 
sondern daraus entlehnt; gr. por), podtu ist wegen puiarpdu) ,rufe 
an' (*po/aCTp^u) , Beditel KZ. 46, 162) nicht mit f^o? .Klage', 



112 



borrio - botiilus. 



Todu) wehklage' unter Ansatz einer sonst nicht bejegten Wz. Vo«- 
lu ver'einigen fs. unter ^a.ia) sondern auf <he Schallwz. **|- (-*«*«; 
mio) mit selcundarer Gestaltung des Ausgangs nadi t^o? Toda, 
CGuntert Relmw. 162') zu beziehen. — Walde-P. I 635, II 112. 
^ borrir.?rT,wimmeln« (Apul. met. 8,22): lautmalend ^le vl. 
ahnl bair.-osterr. «>urie)ln (neben tvuseln, wuzeln, wuedeln) ,_wira- 
meln". — Die Vbdg. mit dem Ameisennamen formica, gr. jiuprms 
CFickWb. 1*519) ist iautlidi unmoglidi. . , .. . 

hos 6ow m. f. .Rind- (seit Naev., rom., ebenso hoiv)artus 
Rinde?-' srit Cic, s! Leumaim-StolzM16; uber iostar Od^sen- 
stall' s Thes.; hoviUus lovtnus seit Liv.; s. nodi hwile hubtle, bubul- 
cus, hubulus, hueerda, hucetum, Mcula):^h o.-u., vl. sPf ^-^Uj"" deji 
^binern (Devoto St. Etr. 3, 282) nach Rom gebraclites Lehwort 
(fur echt lat. *v6s: s. MeiUet Esq. hist, lat 101, Ernout El. dial, lat 
123 f. mit falscher Auffassung audi von hoias als Dialektform neben 
habus s. Sommer Hdb.» 385, KE. 110; nidit editlat. mit Marstrander 
NTS. 1, 246) = u. 6Mm ,bovem' i*g«6m = ai. gam, av. gqm, gr. 
^a,v), hue ,bove', huf ,boves' usw. (Budc-Prokosdi 81, Bartholomae 
WklPh 1916 1026f.), osk. m Bilvaianud (W.Meyer K.Z. 28, lOV, 
; Planta I 335), voL. Um .bovem« (Thurnevsen gI 11 219 gegen 
Grienberger K± 56, 32); ai. gauh m. f. ,Rin<i', av gang ds ; arm. 
kov Kuh' (kogi .Butter" aus *g<fouio- : ai. gavya- ,bovmus ); toch. 
Ako Rind'; gr. BoO? m. f. ,Rind, Kuh' *Pu.u?, Akk. pO-v poOv, 
Gen pSi ufw.;^uch in po6-XI^iO? .HeiBhunger' u. a^ trotz Pers- 
son Beitr. 252S s. Sdmlze KZ. 33, 243 f. und miter J«|«a«.».Ms; 
tiefstfg. iKardnPn [*-fl"'«-a, ^gl. ai. -gu-, gv-a^ in /sa ] Opfer von 
lOOI^dern'); air. Jo .Kuh', Pl"^. Ja» = mbret 6m (Vo^«; sonst 
im Brit erweitert kvmr. korn. huch, bret. Imc'h ,Kuh" aua *g«ourqqa, 
8. Pedersen U 26, Johansson a. O. 72); ahd. chm, as. fco, ags. cu, an. 
kOr I. ,Kuh' (s. Brugmann IP, 1, 134, Johansson a. O. 68 m. Ut.)^, 
lett aiiovs Kuh" (vgl. ht. ON. a&ovainiai\ aksl. *govi-don. Ochs 
BmgmanVlP 1, \l%, Trautmann Bsl.W. ^4). - Letzte Quel e des 
Vortes sumer. gu (alter "gud) ,Stier, Rind' nach Ipf™ IF. 41, 175, 
Festadir. Streitberg 226, Conrady Sadis. Ber. 77 3,16 f. (dimes, njo, 
ngu .Bind' Lw. aus dem Idg. oder Sum.). - Nutzlose f z.-Analysen 
bei MuUer Ait.W. 215, Brfld^ner ABlPh. 39, 7 Bud.mir Juinoslov. 
Fil. 6, 171 (U. 14, 272), Johansson a. O. 69> (.HSdcertier )• - i^a'- 
mcea ist trotz Johansson a. 0. nicht anknupftar, s. d. — Walde-f . 
I 696 f., Johansson Uppsala Un. A. 1927, 1, 67 ff. 

botnlns, -» m. .Wurst' (seit Laber.), .Darm Emgeveide (seit 
Tert., rom., ebenso -ellus .Wurstdien", rom. audi .Darm , s. Gold- 
berger Gl. 18, 39, Mau PW. Ill 796): wohl o.-u. Lehnwort ^rnout 
El. dial. lat. 27, 68) aus *g*ot- zu got. qipu$ m. .Magen, Mutter- 
leib", an. kvidr m. .Baud.', ags. cwid'^a) ds. ahd. ?««. /y^';* ' 
quaden .interior pars coxae' ( Vrf«-), tiefstfo. mhd. fcuteZ, nhd. 
Kmel«, .Kaldaunen"; dazu nadi Wood MLN: 12, 2, Lewy PBB. 
32, 138 f. ags. codd .Hulse, Sdiote', ahd. gnediUa .Hautblfisdien . Wz. 
V-rt-, 'fffl-'- (s- audi gtatur und vgl. 'c/o-ed-, *gurd-m ai. guda-m. n. 
.Darm", nhd. bair. katz usw.) Erweiterung von Wz. *geur .biegen 
krfimmen' in gr. fO-pi? .rund', T^aXov .Wolbung' usw., mdit mit 
Klugc ZdW. 8, 312 von Wz. *goi-, wozu •s#ln- ,Weib' m gr. fuvi^, 



bovlle - brSca. 113 

eot. gens, qino usw. (s. Walde-P. I 681, dazu toch. A im B §no 
Ehefrau', vl. lepont. venia, zweifelhaft phrye. povoK, s. Vetter O . 
15 12, Pedersen Groupem. 48 A.)- — Fern bleiben wohl die von tick 
I* 400, Persson Beitr. 316* angereihten gr. pdrpu?, -uo? m- ,Traube, 
Buschel', pdtpuxo; m. .TrauBenstengel' (audi .-.,get<-5useltes Haar 
nach BiOTOuxo? m. ds., s. vespices; wrsch. mchtidg., s. MeiUet MbL,. 
15, 163), ai. gutsdh ,Buschel, Bund' (vim. Hypersankntismus iur 
gucchdh. mi. aus *grpsds, vgl. ai-s^rapsah ,Busdiel, Bund', s. Wacier- 
nagel Ai.Gr. I 158^ — Abzulehnen Petersson Zur si. u. vgl. Wf. 38 
/samt S<5tpuc, russ.6oi& .dickwerden' zu emer hypothet. Wz. hot-, 
I. dagegen Walde-P. II 109). — Walde-P. I 560. 671. 

boTlIe s. bubile. ,, •, ,,-,x T - , 

bOTinator, -oris m. etwa .tergiversator" (Lucil. 417), bovtna- 
tur conviciatur' (Paul. Fest. 30, Gl.; zur Schreibung fioffi-, homb- 
s G5tz Festschr. Kluge 42): da es sich wrsch. urn em emziges, von 
Lucilius gebrauchtes lokales (Suessa Aurunca?) Fremdwort handelt, 
auf das audi die Verriusglosse zurudcgehen durfte (daher hovlnator 
fur bovtnatur mit L. Muller zu sdireiben ; danach bomnSri Gl.), und 
da die Bedeutungsangaben ,tergiversator' (Gell., Non.) bzw. ,»opu- 
fioioi conviciari* (Paul. Fest., Gl.) lediglich aus dem Zusamraenhang 
geschopft sind, ist die genaue Bed. und Etymologie nidit festzustellen ; 
I Solmsen Stud. 147 ffi, Undsay CI. Rev. 31. 129 f., Loewe Prodrom. 
317 flf. (zu bova), Brugmann Sadis. Ber. 1897, 142 (zu boare mit un- 
wrsdi. Heranziehung von o. Biivaianud, angebl. von *boua- ,con- 
vicium'), Landgraf Phil. 72, 156 f. (zu bos .Viehhuter' = .Tauge- 
nidits', nur Volksetyra.), Marx Koram. z. St. (gr. honi. poutdie, 
fioucpdYO?; hochstens wie pouKO\oO|iai ,lasse midi betrugen', pou- 
KoWn • KaKoXoflcx Hes. entfernte Bed.-Parallcle). Jedenfalls nicht ur- 
verw. mit gr. podiu (Persson Beitr. 898^ Muller Ait. W. 215). 

braca, -ae f., seltener braces, -urn (die a-Flexion wohl sekundar, 
vel druidae) .Kniehose, Pluderhose" (seit Lucil., rom., ebenso bra- 
cUe .Lendenschurz, Gurtelband' Isid., s. Sofer Gl. 17, 32; -d(u» ,be- 
host' seit Cic): nadi Diodor 5, 30, 1 (vgl. audi PpdxKai • alxeiai 
iKpa^pai Ttapd KeXxois Hes.) aus gall. bracM, dies entlehnt aus dem 
Germ., wo neben der Bed. ^Hose' (an. brok f. .Kniehose', ags. 6roc, 
ahd. bruoh, nhd. Bruch ds., nd. brok ,Anhaltetau*, eig. umgebende 
Kleidung"; geminicrt ags. us w. hraccas ,Hosen') die altere .bteilS 
(ags. Plur. bree ,Hintere% engl. breech ds.) begegnet; spateres Lw. 
aus dem Germ, ist mir. broc .Hose' (Zimmer KZ. 30, 87f.). Vgl. 
Much ZdA. 42, 170, d'Arbois de Jubainville Rev. arch. 1903,^ 337 tf. 
und zur Benennung nach dem Korperteil frz. culoUe .Hose', nhd. 




aer iiere" steut sicu mum. «»» ^waa uiiii^* ^^y^— «- — S^'^o — ",' 
direkt zu braca (Sdirader ZdW. 1, 239, RL. II» 513), sondern ist 
speziell lat. Bildung zu frango als .Biegung, Knick" (vgl. omfnJrtus 
Thurneysen GGA. 1907, 801). Wrsdi. ist urgrm. *br6k- ,podex 
(vgl. air. braigim ,pedo*) rait fragor .Krachen" und weiterhin trotz 
Walde a. O. mit frango .bredie' urverwandt, da der Ansatz em^ 
von *bhreg- .bredien' verschiedenen *b'hra,g- .kradien" nur durch 
das d von lat. suffragines, suffrOgium nahegelegt wird, die aber 
Walde Etym. WOrterbuch d. lat Sprache. 3. A, 8 



114 



bracchium — brattea. 



wrsdi. sekundare Bildungen (nach fractus, ev. amb-ages u. a.) sind. 

— Anknupfung an fraffro (Stokes IF. 2, 168, Pick II* 183) kommt 
nidit in Betracht. — Nicht besser Jacobsohn ZdA. 66, 244 ff. (als 
edit keirisdies, von da ins Germ, und weiter ins Finn, [ruokket 
Plur. ,Hosen", Karsten GRM. 16, 139] entlehntes Wort zu gr. cppdoaiu 
,sdiliefie ein", got. baurgs ,Burg', Wznomen *bhra,k-, *bhrk-; eine 
Bed. ,bededcen' wird durch diese Gleidiungen nicht erwiesen, s, 
audi Walde-P. n 134f.). Vgl. auch tubrucus. — Walde-P. II192. 

bracchium, -i n. ,Unterarm, Arm, Zweig u. dgl." (seit Plant, 
rom., ebenso -iolum ,Armchen, Musk el' seit CatuU, -i&le ,Arm- 
spange' seit Plin., daraus gr. ppaTX^dXiov, s. Schulze KZ. 33, 382; 
-cc- audi gefordert durch die kelt. Entlehnungen, kymr. braich, 
korn. bf-ech, s. Loth Mots lat. 140 f.): aus gr. ppaxiuiv ,Oberarm, 
Arm", unklar ob durch osk. Vermittlung (Leumann Gl. 18, 252); 
vgl. audi Pellegrini St. it. f. cl. 17, 357 f, Devoto St. Etr. 2, 333, 
Sommer H6^.^ 201. 

bracis Akk. -em .gallische Getreideart zur Malzbereitung" (Plin. 
18, 62, rom.); gallisch (vgl. Braeiaea ,Beiname des Mars'), zu mir. 
mraich, braich, kymr. kom. brag ,Malz", bret. hragez ,Getreide- 
keim' (s. fraeis, marceo). — Walde-P. II 282, Pedersen I 163. II 38, 
Dottin 236, Berneker 80, Bertoldi Don. nat. Schrijnen 298. 

brSdo, -onis (m.) ,Schinken" (Anthim., rom.): grm. Wort, vl. 
uber Gallien von den frankischen Marsen bezogen (Bruch Einfl. 32 f.):. 
ahd. brSto m. ,Wade*, brltt n. ,weidies, efibares Fleisdi' usw. un- 
sichrer Herkunft (s. Walde-P. II 158, Falk-Torp 1440). 

branca, -ae f. ,Pranke, Pfote' (Aug., Grom., rom., daraus entlehnt 
d. Pranke Branke): nicht germ. (s. Meyer-Lubke REW. n. 1271), son- 
dem gallisdies Wort mit br- aus *ur- (s. brigantes) : lit. rankA, aksl. 
rffka ,Hand' (Jaberg-Jud U. 9, 7, Kurylowicz Mel. Vendryes 205 ff.). 

— Nicht zu gr. tpdpoTH f. ,Kluft" (H. Schroder lA. 28, 33) oder als 
*mrogn& zu gr. d^^pYU) ,pflucke", lat. mergae (Loewenthal Arkiv 
33, 123). 

brasslca, -ae f. ,Kohl' (seit Plant, und Cato, rom.): unerklSrt. 
Nicht uberzeugend Ceci Rendic. Ace. Lincei ser. V t. Ill, 470 (als. 
,Wei6kohl' zur Wz. 'bherOg- ,weifi glanzen' in fraxinus mit mund- 
artlidiem br- statt fr- und -sa iux -ha-, doch s. unter brattea) ; Walde 
LEW.* s. V. (gall. Wort mit br- aus *ur- als *ura,d-so- zu radix mit 
Bed.-Verschiebung von rettig- und rubenartigen Kreuzblutlern zu 
Kohlarten); Loewenthal WuS. 10, 159 (als *br3d-tika zu lit. brae- 
duoti ,abschalen' usw.). — Aus lat. brassica (oder mgr. PpdaKr\, vgl. 
PpdOKTi • Kpd|npri. 'iToXiiIiTai Hes.) stammen skr. broskva usw. (Ber- 
neker 87). 

brattea (-i- ; falsdie Sdireibung bractea, s. Stolz HG. I, 319, Er- 
nout El. dial. lat. 125 f.), -ae f. .dunnes Metallbledi, meist Coldbledi 
oder Blattgold, dunnes Holzfournier, Flitterstaat' (uber die Bed. 
,Purpur" s. unter blatta ; seit Lucr., davon z. B. brattearius, -i m. 
,Golasdilager', s. auch unter imbractum): unerklart. Unannehmbar 
Ceci Rendic. Ace. Lincei ser. V, t. Ill 470 (zur Wz. *bherag- als ,leucfa- 
tendes Plattdien' mit -tt- fur -ct- und dial, br- aus fr-, dodi ist 
dieser Wandel nidit anzuerkennen ; audi die ErklSrung durch kel- 
tiscben Urspnmg [vgl. kymr. berth ,glanzend' unter flagro] ist un- 



bratus — brigantes. 



115 



haltbar, da eine Vokalisierung *bruh- bzw. *hrag- durch mir. brafad 
^Augenblinzeln' nicht zu stutzt-n ist, s. K. Meyer Gontr. 248). — 
Ahd. bret , Brett", got. usw. -ha-Ard ,Bank* bleibt fern (^bher-dh-, 
Erw. von *bher- in forare, s. Walde-P. II 174). — Auch etrusk. Her- 
kunft (Ernout BSL. 30, 115) ist ohne Anhalt. 

bratns (-a-?), I- f. ,eine vorderasiatische Cypressenart" (Plin.); aus 
dem Semitischen wie audi gr. ppddu n. ,Sebenbaum'' und goparov 
(Popdni) jCedernart", p6(u)paoao? „die in ihrer Hulse eingeschlos- 
sene Palmenfrudit', vgl. hebr. b'roS. aram. b'rat, assyr. bur&su ,Cy- 
presse". G. Meyer Alb. W. 45, Lewy Fremdw. 34, Sdirader RL. P 671, 
Cuny Rev. et. anc. 20, 223 ff. 

brenda s. brunda. 

ItreTis, -e ,kurz, klein, gering, schmal, flach, seicht' (seit Plaut., 
rem.; -is [sc. libeUus\ seit Diocl. und -e n. [seit 6. Jh., rom.] „kurzes 
Schreiben, Urkunde', daraus ahd. brief , Brief, Urkunde", engl. brief 
Aktenstuck'): aus *mregh-u-i-*breiyyui- (zum LautUchen s. Sommer 
Hdb. = 225, PerssonBeitr. 929, Reidielt KZ. 46, 324, Leumann-Stolz :■ 149f . ; 
zum «-St. vgl. gravis, levis usw.) zu idg. *mrghiis in av. mgrazu-jUi-, 
nwrazu-jva- ^ppaxiipio?', sogd. tnursak \liUTz' (Wackernagel GGA. 1910, 
15 f., Gl. 10, 22f.), gr. PpaxO? ,kurz', ppdxea ,seichte Stellen" (vgl. 
lat. brevia seit Verg., wohl Bed.-Lw. ; dazu ppaxtujv jOberarm", 
Kompar. neben Ppdcatuv, Bechtel Lexil. 83 ; aber ppdTOc; " ?\o? Hes. 
kaum als maked. nach Fick BB. 29, 199 f. hierher, sondern zu ahd. 
bruoch .Sumpf, s. Walde-P. II 235j; got. gamaurgjan ^verkurzen' 
(von *maurgus „kurz'), ahd. murg(t) ^kurz", murg-fari „hinfaUig', 
ags. myrge jkurzweilig' (de Saussure MSL. 5, 449 [Rec. 406 f.] usw.; 
mcht mit Solmsen KZ. 34, 30 nach J. Schmidt u. a. zu lat. mureus, 
dessen Bed. .verstummelt" nicht aus „verkurzt' zu gewinnen ist; 
unannehmbar auch Pedersen 1 105: air. meirc ,Rost'). Fern bleibt 
abg. br^^o Adv. ,schnell' (s. Bemeker 109 f. und unter festino). — 
Verfehlt Bezzenberger BB. 2, 271 {brevis : lit. graiiis .schon"); Fick 
GGA. 1894, 232 (: got. anapraggan „bedrangen' usw., s. Walde-P. 
II 135). — S. noch brilma. — Walde-P. II 314. 

bria, -ae i. ,vas vinarium" (Char.), eibo? dxTe'ou Gl. (seit Arnob): 
unerklart. Nicht uberzeugend Ceci Rendic. Ace. Lincei ser. V, t. Ill 
470 (mit angeblich dialektischem hr- statt fr- zu friare, frfvola ,vasa 
fictilia quassa', s. d.); Walde IF. 19, 111 (als o.-u. Wort aus 'gfr-iiH, 
zu vordre, lit. geriil ,trinke'); Ribezzo RIGI. 3, 254 (Wort derKinder- 
sprache aus *br{u)ia, vgl. bua oder losgelost aus Zss. wie *vini-hria 
aus *-dhria mit Inlautsbehandlung von dh, Wz. *dher- in ai. aih- 
sadhri ,Kochgefa6', s. unter fretus, firmus); Petersson Z. Kenntn. 
d. idg. Het. 34 (als *(oy>riill : lett. abra ,Backtrog', lat. obba, s. d.); 
MuUer Ait. W. 159 (volksetymologisch aus e-brius gewonnen). Vgl. 
audi ebrius. 

bricnmns (-«>»?) ,Beifu6, herba Artemisia' : gallisch nach Marc, 
raed. 26, 41. 

brldnm , eine Art Kodigeschirr' (Anthim.): wohl germ. Wort; 
vermutlich zu ahd. bratan ,braten' usw. (Walde-P. II 158), mit » 
= got. gesdilossenem e. 

brigrantes ,kleine in den Augenlidem sich einnistende Wurmer" 
(Marc, med., rom., s. Meyer-Lubke n. 1294 b, in Gl. auch briensis, 

s* 



116 brisa - brunda. 

s. Niederniann lA. 29, 32): gall. Wort = kymr. ffwraint „worms in 
the skin', gtcrein-yn ,a nngworm', nir. frigh, frighid .Fleischwurm' 
(Zupitza lA. 13, 51 f., Pedereen I 540, Loth Rev. ^t. anc. 22, 121 f., 
Thomas Journ. des savants 1920, 21). — Unrichtig Ceci am unter 
brid gen. 0. : aus fricantes. 

brisa, -ae f. ,Weintrester' (Colum., Gl., rem., span, brisa; aus 
dem Lat. entl. oder eher urverw. alb. berst ,Wein- und Dltrester, 
Dungerde', daraus serb. bersa, Ursa, Urza ,Weintrester"): identisdi 
mit thrak.-gr. ppiirea, PpOxia ntr. pi. ,Trester, Uberbleibsel ausge- 
prefiter Trauben oder Oliven', Weiterbildung von thrak. PpOxov, 
ppOxo? .Bier" (; ahd. briuwan ,brauen', lat. defrutum, s. d.); aber 
nicht aus dem Griech. entlehnt (Saalfeld), sondern nach Bruch IF. 
40, 241 ff. aus dem Thrakischen durch illyrische (venetisdie oder 
messapische) Vermittlung (illyr. brisa aus thrak. *6rM<ja). 

bnsare ,exprimere' bzw. ^frangere' (Schol. Pers.), brisilis ,fra- 
gilis" (Schbl. Hor.): gallisch, vgl. air. brissim, brisc, hret. bresk ,zer- 
brechlich'. Walde-P. II 206, Marstrander Pres. a nas. inf. 26, Dottin 
237, GamUlscheg 150, Bruch IF. 40, 242. 

broccis [broci auf den Graffiti von Graufesenque) ,Art Gefafi': 
= gr. Ppoxfi;, -Iboi; f. .Gefafi zum Benetzen', rem. (Meyer-Lubke 
n. 1320); vgl. Vendryes BSL. 25, 40 gegen Loth RC. 41, 49. 

broccus (-cch-), -a, -um ,mit hervorstehenden Ziihnen, rafFzahnig" 
(seit Plaut., rem. ,Dorn, Spiefi' usw.; falsdie Schreibung broncus): 
vl. als keltisches Wort zu air. brocc, kymr. korn. broch, bret. broc'h 
,Dachs% gull Broc{c)omago (Dadis als ,spitz(schnauzig)''; gall. *broe- 
eos .Spitze, spitzig", vgl. frz. broc ,Bratspiefi", broche , Spiefi, lange 
Nadel* usw., s. Henry Lex bret. 45, Dottin 237 f., Meyer-Lubke 
REW. n. 1319, Gamillscheg 151). — Nicht uberzeugend Fick H" 179, 
I* 409, Prellwitz Gr. Wb. (zu gr. PpoOKO?, ppoOxo? m., kret. ppaOKO^, 
pp£0KO<; ,ungeflugelte Heuschreckenart' jdaraus lat. bruchus m. seit 
Ambr., rora.], das wrsch. von PpuKU) ,beifie' zu trennen ist, s. Walde- 
P. II 119; ahd. krouivil, nM. KrSuel ^Kralie' bleibt fern, &. grumwi; 
broccus aus -oc- mit dial. 6 aus ott?); v. Wijk IF. 28, 128 (Wz. *breu- 
,stechen« in mhd. usw. pfrieme, skr.-ksl. brutb ,Nagel', doch s. Falk- 
Torp s.pren, Walde-P. 11 197). — Unmoglich Keller Volkset. 68 (Ent- 
lehnung aus gr. PpouKo?); Ceci Rendic. Ace. lincci ser. V t. Ill 470 
(: lat. frangd). 

brochon s. bdellium. 

broma, -ae f. .Wintersonnenwende, Winter, Kalte' (seit Ten, 
rom.; davon -aria, -ae f. .Lowenblatf): als ,Zeit der kurzesten 
Tage' (sc. dies oder tempestas; s. Paul. Fest. 31, Varro 1. 1. 6, 8) 
Superl. zu brevis, *brevi-ma, *breu-ma (nicht *brehu-ma mit Osthoff 
a. O.); s. Pott KZ. 26, 148, Osthoff MU. 5, 91, Sommer Hdb.» 80, 
Gotze IF. 41, 117. — Av. mrUra bleibt fern (Bartholomae Airan. 
W. 1197 gegen BB. 15, 36'). 

brnada, -ae f. .caput cervi* (Isid. al.): messap. Wort neben 
Br end a (Paul. Test. 3-3), Kurzform fur Brundisium, ppivbov 'IXo- 
cpov' Hes., Pp^vnov 'fj KeqjoXfi xfiq d\d(pou' Steph. Byz. zu alb. irj, 
trjm ,Hom, Geweih', Plur. geg. br\ena. wovon Sg. brjen , Homer"; 
nschw. dial. brind{e\ norw. bringe .mfinnliches Elentier*, bnmd ,M5nn- 
dien vomRenntier'; \<M.briedis ,Elen, Rothirsch" {'brendis, daraus 



bruEcum — brOtus. 117 

entlehnt lit. hrledis, apr. braydis m. ,Elch" nadi Bezzenberger BB. 23, 
299 f.; anders, aber unwrsch. Zupitza KZ. 36, 66, Loewenthal Arkiv 
33, 121, Muhlenbach-E. s. v. ; auB dem Bait, entlehnt finn. petra, peura 
wildes Renntier, Hirsch" usw., Thomsen Beroringer 162). Grdf. wrsdi. 
trotz Walde-P. a. 0. *bhren-to-, nidit *bhren-dho-; s. zum Neben- 
einander von hrenda brunda und dem (audi thrak.-phryg.) Wandel 
von messap. -nt- zu -nd- Skok ZONF. 1, 81ft, Krahe ib. 5, 8f. 155, 
Jokl Litt. 4, 201; ferner Walde-P. 11 205, Ribezzo RIGI. 7, 247 f., 
Krahe IF. 47, 326 f., Sofer Isid. 36 f., 170 f. — Weitere Analyse un- 
sidier (verfehlt Loewenthal WuS. 11, 60); l&t. frOns ,Stime' (s. d.), 
ir. braine ,prora' bleiben trotz Persson Beitr. 19 der Bed. halber 
wohl fern. 

brnscnm, -t n. ,Auswachs am Waldahorn, Ringelmaser" fPlin. 
16, 68. opp. moUuscum sc. <m6«- ^Fleckenmaser", s. Blumner Tedinol. 
II 247 f.; rora., vel. audi bmst{r)um ,materiae genus' Gl.): unerklart. 
Nidit mit Ceci Rendic. Ace. Lincei 3 (1894), 471 als o.-u. Wort zu 
frutex (s. d.); eher vl. mit Walde LEW.^ 321, Walde-P. I 689 (zw.) 
als Dialektwort zu gr. ppOu) ,sprosse, strotze*, Ppuov ,Moos, K5tz- 
dien", wenn aus *g»ru- zu ahd. chrut , Kraut", oder als keltisdies 
Lw. zu Wz. *6fcretts- ,sdiwellen" in air. jrfi ,Baudi, Leib' (*6?i/-«s-6), 
got. hrusts ,Brust" usw. — bruscus ,Mausedorn" (GL, rom.) ist 
Kontamination von ruseum ,M8usedorn" und gallorom. *brucus 
jHeidekrauf, vgl. brucus ,rhamnus' Gl. (Heidekraut imd Hagedorn 
wadisen auf unbebautem Boden durcheinander; s. Meyer-Liibke WSt. 
25, 93f.). — Erst naittelalterhdies bruscus ,ranae genus" (Papias, 
s. C.Gl.L. VII 3. )-ubeta) stammt aus germ. Frosch (vgl. rum. brodaca 
ds.), falls nidit mit riiscus ,Kr6te' (Pol. Silv.) zusaramenzuhalten 
(s. Niedermann lA. 26, 23, Meyer-Lubke AStnSp. 124, 381, Walde-P. 
I 699 gegen Ernout El. dial. lat. 128). 

brfltis (-e«), -«« f. (Insdir., rom.), woraus, nach ttepta neben neptis, 
Itrtlta, -ae ,nurus" Gl. (Niedermann Contrib. 33 ft, lA. 18, 75): ent- 
lehnt aus dem Germ., und zwar, da der Ausgangspunkt Dalmatien 
zu sein sdieint, aus dem Balkangerm. (got. 'brupis, Vorstufe von 
brups f. ^Neuvermahlte' ; s. hieruber und zur Frage der Neuent- 
lehnung aus dem Frank, in frz. bru ,Sdiwiegertoditer' Thumb 
Germ. Abb. f. Paul 233 f., Loewe KZ. 39, 276, Brudi Einfl. 48, 
Meyer-Liibke REW. n. 1345, WuS. 12, 9, Gamillsdieg 154 m. Lit.). 
Vgl. Domaszewski Neue Heidelb. Jbb. 3, 193 ft, Rh.M. 55, 318, Gunder- 
raann ZdW. 1, 240 ft, und zur ungeklarten Etym. des germ. Wortes 
Braune PBB. 32, 30 ft, Kluge ib. 34, 562 f.. van Helten 35, 307 f., 
Kauffmann ZdPh. 42, 129 ft, Budimir JuJnoslov. Filol. 6, 174 f. und 
Walde-P. II 313. — Lat. Frutis .Beiname der Venus' bleibt wrsdi. 
fern (s. A.). 

bratns. -a, -um ,sdiwer* {brvium antiqui gravem dCcebant Paul. 
Fest. p. 31), ,sdiwerfallig, langsam von Begriffen, unvemunftig, ge- 
fuhllos' (seit Naev., in eigtl. Bed. seitLucr.; davon {oby>rutesco seit 
Afran.): Dialektwort (vgl. osk. Pran. BrOtiihts liv. 8, 39, 12) mit o.-u. 
b aus gf = lett. griits .sdiwer"; idg. *g'ru-, Ablautstufe zu *y»(e)r9- 
bzw. *g^,ru- in lat. gravis (s. d.), ai. gurift, gr. papO;, got. kaiirus 
.sdiwer" (Fide BB. 2, 188 usw.); vgL Wzf. *g!feri- in gr. Ppi-dO? 
.wuditig, sdiwer", Ppi-Sui (vgl. pap6-9u)) ,bin sdiwer belastet", ppia- 



118 bua — bobinS. 

p6c fest stark' usw. (Fick a. O., Persson Beitr. 34. 775, Beditel Lexil. 
83 f.; verfehlt Wiedemann BE. 28, 34 f.: ahd. brio ,Brei', s. Valde- 
P. n'l59). — Fern bleiben lat. in-gruQ (Fick a. O., Ostho£f MU. 4, 
15 usw.; s. d.), got. usw. braihs ,breit' (v. Grienberger Wien. Sbb. 
142, 53; s. Feist^ 77, Persson Beitr. 848). — Walde-P. I 685. 

ima, -ae f. ,Trank* (Wort der Kinderspradie wie pappa .Speise', 
s. Varro bei Non. 81 ; vgl. Paul. Fest. 109 infantlbus an velint Where 
dicentes, bu syllaha contenti sumus: Lallwort, vgl. skr. 6«, bumba 
Kinderwort fur Wasscr", bumbiti ,trinken'' (Schwentner 28). Audi 
in vini-bua, -ae f. .Weintriakerin" (vgl. gr. oivoit6Ti;) Lucil. 
(Vani(>ckl78, Heraeus ALL. 13, 163; falsch Fick P 408; gr. pov^U), 
pOiu ,stopfe« usw., s. Walde-P. II 117). — Nicht hierher gehort trotz 
Muller Ait. W. 337 exbures (s. d.). - Vgl. audi imbuo. 

bubalng, -i m. ,die afrikanische Gazelle", spater ,Wisent, Auer- 
ochs' seit dem 7. Jh. .Buffel' (seit Plin., rom.; entlehnt ins Slav., 
Alb., Gerni., s. Schrader RL. IP 263): aus gr. poOpaXo? m. (neben 
PoOpa\ic f.) , afrikanische Gazelle", als ,rinderartig', lauthdi iden- 
tisch mit lat. bubulus; die Bed. .Auerochs' durch volkstumliche An- 
lehnung an 60s, s. Plin. 8, 38. Die f^bi.bufalus (Ven. Fort., rom.) 
wird, wenn wirklidi alte Dialektform (was sehr bedenklich), auf Em- 
flufi dialektischer Entsprechungen von lat. bubus mit -f- zuruckgehen 
(s. audi bubulcus; Zweifel bei Ernout El. dial. lat. 129, vgl. Meyer- 
Lubke Einf.' 30, Bertoni RFCl. 38, 29). — Walde-P. I 696, Persson 

Beitr. 38. .,.,•, 

bublle (seit Plant, und Gate; Quantitat metnsch nicht sicher, s. 
Lagercrantz KZ. 37, 177 if.), spSter bOTlIe, -is n. (seit Cato bzw. 
Varro, sicher seit Phaedr.) ,Rinderstall" : wrsch. mit dem audi in 
bubulus ,zum Rind gehorig" (s. d.), BubBna,-ae f. ,mnder- 
gottin' (Aug.), bubetii lutU ,boum causa celebrati' (Plm.) vor- 
fiegenden Stamm biib-, der auch durch den Dat.-Abl. bubws (vgl. 
audi bu-caeda ,niit Rindslederriemen gepeitsdit' Plant., bu-cerus, 
bu-cetum) gestutzt worden sein mag; bovile sekundSr vom Stamm 
bov- (wie bovillus bovlnus seit Liv. fur bubula sc. caro seit Plaut.), 
wohl unter dem Einflufi von ovile. — Nicht nach Thurneysen GGA. 
1907, 803, Leumann-Stolz^ 116 unter Ansatz von -it- Umgestaltung 
von bovile nadi cublle, angeblich gespr. *cuvile; auch lautliche Ent- 
wicklung von bub- aus bov- (Corssen Ausspr. P 125 f., II 134 f., Va- 
nieek 86) ist unmoglich; abzulehnen auch Walde LEW.^ s. v. (boviU 
lautlich zu *boHle, *buHle, *buUe, bublle nach mbile), Ascoh Sprachw. 
Briefe 94 (bdbile durch Anlehnung an bubalus, das aber selbst Lw. 
ist). — Gegen Perssons Beitr. 38 f. Beziehung auf erne Schallwz. 
*bu-b- s. unter bObulus. — Waldc-P. I 696, II 112. 

bnbino, -are ,menstruo mulierum sanguine inquinare' (Paul. 
Fest. 32; bubinarium ,Monatsblut" Gl., imbubinare ,menstruo san- 
guinis profluvio in coitu inquinare' Lucil.): unsicherer Herkunft; vl. 
als o.-u. Lehnwort (Fide ¥ 37, Vendryes Intens. 226) zu aksl. *govhno 
n. ,Kot' (s. Meillct Et. 452). ai. guthu- m. n. ,Kot, Sdimutz" (av. 
«H»o- n. ds.), guvati ,cacat' (Gramm.), arm. ku, hoy ,Mist" {*gf6u- 
so-->, Pedersen KZ. 39,383); ablautend A&v.*gavJQ- *gaviti ,ekeln 
in r.-ksl. o-gaviti .belastigen", skr. gaviti se ,sich ekeln" usw.; mit 
dh-ETW.akalgadt ,Kriechtier, Gewurm", (/odtiii .garstig", ht. geda 



bubs — bubulus. 119 

,Schande", apr. gidan Akk. ds., mnd. quSd, ahd. mhd. qudt, nhd. 
Kot, ags. cwead ds., kymr. hudr ,schmutzig', hudro ,beschmutzen", 
mir. buadraim „trube, verwirre" ("g-edh-, g^ddh-, *g^udh-, s. Traut- 
mann Bsl.W. 81, v. d. Osten-Sacken KZ. 44, 155f.). Langdiphthon- 
gische Basis *9?6m-, *g''u- ,Kot, Ekelhaftes' (trotz Hirt IF. 37, 236, 
MuUer Ait.W. 215 nicht als .Kuhdreck' zu *g^ou- ,Rind'' zu stellen); 
dialektisches *bovino- (: ksl. *gonno-) mufite dann wegen lautlichen 
Anklangs an bos zu huhino- (ctwa nach bulnle neben bovile u. a.) 
■umgestaltet worden sein. — Abzulehnen Walde a. O. 694 (Kreu- 
zung von inguin&re mit inhere ,furzen''; doch ist dieses von Walde 
LEW.' 73 nach VaniCek 178, Tiautmann Apr. 310 erwahnte Wort 
falsche Lesart fur butio Anth. 762, 42, s. unter buteO). — Nicht zu 
ST. pouBiitv .Schamdrusen' mit Marx zu Lucil. 1186 (s. boa). — 
Walde-P. I694flf. 

bfibo, -onis m. (f. vercinzelt seit Verg. nach noctua; in Gl. imd 
rom. auch biifS, vl. durch Kreuzung mit gufo ^Eule* [s. d.], nicht 
alte Dialektform nach Ernout El. dial. lat. 130 f.), bubiW, -are 
(Anth., auch -iild, dies rom.) ,bu rufen, vom Uhu' (Thomas Stud. 39, 
bamuelsson Gl. 6, 239): gr. piiaq ra., pOCa f. ,Uhu', pdZu) ,schreie 
wie ein Uhu" (mhd. hutze. nhd. Kauz bleibt trotz Zupitza Gutt. 81, 
Ealk-Torp s. kyte fern, s. Walde-P. I 635), arm. bu, bued ,Eule", np. 
biim, georg. bu, buvi ds., bulg. buh ,Uhu', lit. baublys, buhlys ,Rohr- 
•dommel'' usw. ; Schallwz. bu wie auch in butio, s. auch bucina. — 
Andere Nachahmungen des Eulenrufes in ahd. uvo, huo ,Uhu', lit. 
vvas ds., und in lat. cucubio, -Ire (vgl. auch gufo; Suolahti Vogeln, 
309 f., Giintert Reimw. 80). — Walde-P. H 112. 

bnbnlcns, -J m. „Ochsentreiber, Ackerknecht' (seit Gate, rom. ; -itare 
seit Plaut. ; ital. bifolco aus *bobolco setzt nach Ascoli Sprachw. Briefe 
94 ff. o.-u. *bv,f ulcus voraus, doch s. auch Meyer-Liibke REW. n. 1355, 
Bertoni RFCl. 38, 29); enthalt bos und, wie su-buleus ,Sauhirt" 
(seit Gate) wohl ein dem gr. qjuXaxd? m. ,Wachter' (neben q)i)XaE, 
-KG?) entsprechendes zweites Glied, s. Froehde BB. 19, 238 A., Lager- 
<;rantz KZ. 37, 177 ff.; M,- nicht alte Tiefstufe *g-u-, die idg. nur 
noch im 2. Glied von Bahuvrihis erscheint und dem Lat. fehlt, auch 
nicht Vortonkurzung aus *bu- mit Fay IF. 26, 37 (s. Leumann-Stolz^ 
91), sondem analogisch nach subulcus, wo su- nach Ausweis von sii- 
■cerda, gr. i^-q)opp6; usw. berechtigt ist (Brugmann IP 1, 82. 86*). — 
Weniger wrsch. Walde-P. I 192 zw. (bUbulcMS angebl. gekurzt aus 
*bubuleus. Abltg. *bubul{i)cos von bubulus; solche Abltg. von -fo-Adj. 
gibt es nicht). — Gegen Ascolis a. O. Erklarung aus fulciS, angeblidi 
,unterhalte, ernahre" (mehr dichterisch und kunstlich seit Lucr. und 
Cic, s. Thes.) und Sutterlins BB. 17, 166 (s. audi Meringer IF. 17, 
115, dazu Janko WuS. 1, 105) Verbindung mit ahd. ^^«^an ,sorgen, 
betreiben, pflegen" s. Lagercrantz a. 0. 178 und zu der umstrittenen 
Etvmologie von grm. *plegan Zupitza Gutt. 25, Franck KZ. 37, 132 ff., 
Kluge ZdW. 8, 29 ff., van Wijk IF. 23, 372 f., 28, 125 f. und Walde-P. 
I 868 f. Vgl. auch aububulcus. — Walde-P. I 697. II 192. 

bflbnias, -a, -um ,zum Rinde gehorig* (seit Naev., rom., buhula 
t. .Rindfleisch' seit Plaut., bubulum n. ,Hindfleischwurst' sp3tl., 
Dcmin. bubella Inschr., vgl. poupeXa' Kpia fl6eia Hes.): zu bos. Bil- 
dung unklar; lauthch identisch mit gr. pouPaX.0; (woraus lat. buba- 



120 bucca - bucgtum. 

lus s. dX das mit ai. gavalah .wilder Bufle.l" nicht unmittelbar zu 
vereleidien ist. Da6 in hubulus wie audi in Bubona, bulnle [s. d.) 
ein redupliziertes Schallw. 6m (s. Mbd) vorliege oder dodi nut bov- 
jRind" gekreuzt sei (Persson Beitr. 38 f., Walde-P. II 112), ist nidit 

anzunehmen. „ . , , . ,, • t>- il 

bncca, -ae f. .die aufgeblasene Backe', vulgar ,Mund, Bissen 
(seit Plant., rom., meist in der Bed. ,Mund", s. lud ZRPh. 38, 31 ff., 
Meyer-Lubke WuS. 12, 9, Stolz-Schmalz^ 23, Goldberger Gl. 18, 30 IT.; 
Demin. bueeula .kleine Wange, Backenstuck' [Niedermann Ess. 
41- spatl. audi ,Gefafi', davon -are n. ds.] seit Vitr., rom,, ebenso 
buccella ,kleiner Bissen, kleines Brof seit Mart, [-atum n. „Zwie- 
badc" seit Amm., -arius ,Stationssoldat" seit 5. Jh., bucco, -onis 
m Tolpel' seit Plaut.; aus bucca entlehnt ngr. pouKia ,Brotstudc% 
alb.'fcufe' .Brof [Fraenkel Gnoni. 6, 3-36, Jokl U. 14, 116 m. Lit.], 
kymr. boch, bret. boc'h ,Wange», s. Pedersen I 196): Gutturalerweit. 
mit affektischer Dehnuns (Sdiulze EN. 520) von *bu- .aufblasen, 
sdiwellen", Sprenglaut der aufgeblasenen Badce m mhd. pfuchen, 
nhd. (pYauchen (wenn nidit mit unverschobenem idg. p), sdiwed. 
puk .Gesdiwulst, Knollen", an. poki m. ,Sack«, mhd. pfoch Beutel' 
enel. pocifcei ,Tasche« (nasaliert got. usw. puffgs .Geldbeutel"; wohl 
entlehnt, s. Feist« s. v., Stender-Petersen Slav.-germ. Lehnwortk. 
396 f.), mhd. poche, poche, nhd. Poehe .Pustel", an. ^^ufcim. ,Teufel , 
aes. psca, engl. puck ,Kobold', mnd. pogge ,Frosdi« usw.; vgl. ver- 
wandtes *huq- von dumpfen Schalleindrudcen (s. bubo) m ai. buk-karak 
LowengebruU', bukkaii ,bellt', gr. piKTTi? ,heulend, vom Wind*, 
lett. buka ,Faustsdilag«, buksUt .schlagen" (Persson Beitr. 257) u. dgl. 
— Fernzuhalten kymr. bugunad, hugad „das Brullen' {*bou; Loth 
RC 41 373), mir. hurithar .clamat' (s. unter furo), aksl. hiiela, 
USda ,Biene» (s. fucus). alb. buze ,Mund, Lippe, Spitze, Rand, 
Sdinabel" (s. Jokl Stud. 11, U. 14, 122). - Zss atrj-bux (s dp, 
duri-buccius (GL). Vgl. audi hucina. — Walde-P. II 113. 116f., 
Johansson KZ. 36, 358 f., Persson Beitr. 257 f. 263 f. 

bflcems, bucerlns, -o, -um ,mit Odisenhornern' (dicht. seit Lucr.): 
aus gr. BoOK€puji;, pouK^paoi; ds. (Saalfeld, Osthoff Et. Par. I 5). 

bflcetum ,(Kuh-)Triff (seitVarro): 60s, dodi 1st die Bildung un- 
klar; vl. nadi Brugmann Grdr. II' 18 mit aus frutic-etum, ihc-etum, 
nuc-etum durch falsdie Auflosung entstandenem Suffix -ce(M»», Bed. 
Viehplatze" etwa nadi dameta .wilde Hedcen', virecta .Gra^ 
bestande'. — *cetum nicht mit Fide 11* 76, Solmsen KZ. 34, 14, 
Niedermann IF. 10, 256 f., Marstrander Corr. gerrn.-celt 47 zu got. 
jMifii, an. heidr, ags. hmp, ahd. heida ,Heide' (idg. *koUtS). ga"- 
c(a)eto- in Ceto-briga usw., akymr. usw. coit t^^^^'S''^'"^^ 
spatere roman. Aussprache -zetum liegt den deutsdien ON. auf -scheia 
zuerunde, s. Emault RC. 6, 485); weder die Bed. entspncht (kelt.- 
gem. 'kaito- .unbewohntes Land, Wildnis') nodi der Vokalismus, 
da die Nbf. bmtum (Varro, Gl.) trotz Solmsen a. O. ohne Gewfihr 
ist und audi Niedermanns a. O. Auffassung von cUutn = ki^m 
als Hodistufe zu *kaito- (idg. 'ksito-) nidit befriedigt. — Abzulehnen 
Sohnsen a. O. zw. (; gr. koito? ,Lager, StaU% an. hid n. .Lager d^ 
Biren'). — Walde-P. I 328 f., Thurneysen Festsdir. Wadtemagel 117 f. 
(mit unwrsdi. Vergleidi von gr. herakl. Boupf^xi?, vgl. baetd). 



bucina — bugillo. i21 

bncina, -m I ,Wald-, Jagd-, Hirten-, Signalhorn" (seit Varro und 
Cic, rom. audi -tna; davon Utor .Blaser' seit Caes.; aus dem Lat. 
entlehnt ahd. buchina, aus dem Roman, mhd. busine, busune, nnd. 
Posaune): wrsch. aus *bou-cana (Kretsdimer KZ. 31, 452) von 60s 
und cano, gebildet wie bu-caeda (s. unter babrle) als ,das aus einera 
Rinderhom gefertigte Blasinstrument' (vgl. cornu und Varro hng. 5, 
117; weniger wrsdi. als ,das Horn zum Sammeln der Rinder )_; 
kaum als *ba-cand bzw. *buc-eana ,die ba-Macherin" urverw. mit 
sr. piiKTTi<; usw., s. bucea (Georges, Noreen Ltl. 106, Schrader II 82, 
vgl. Niedermann a. O.). — Gr. puKdvn ,Trompete' (seit Polyb.; da 
neben BonKdim) ist aus lat. bucina nach dem Muster von machina : 
UTOOviS umeesetzt (s. Kuhn KZ. 11, 278, Thumeysen GGA. 1907, 803, 
Cuny M61. Saussure 109 fT., Niedermann IF. 37, 147 f. m. Lit.). - Walde- 
P. II 112. 

bncnla, -ae f. ,junge Kuh« (seit Cic, rom.), bUculus, -t m. 
junger Stier" (seit Colum., rom.): Demin. von b6s, der Motion 
dienend, vgl. Vera. eel. 8, 86; zur Bildung vgl. sucula, Kretsdimer 
Gl 13, 134 (frgl.j, zum Lautlidien Leumann-Stolz"* 113. 

bnda, -ae f. .Sdiilfgras' (seit Claud. Don. und Aug., rom.; audi 
= ,stramentum', .Matte" Vitae patr. 5, 10, 76, s. Salonius Vitae 
p. 364 und Thes. s. carecta: davon -inarius .Sdiilfdedcenflediter?" 
Cypr.): unerkl.; wegen seines spaten Auftretens kaum nadi Johans- 
son KZ. 36, 351, Persson Beitr. 254 zu ai. budbudah ,(Wasser)blase', 
gr. puZdv uuKvdv, auvcriv, ToOpov hk mi tiixa Hes. (*budifif dodi 
vel. BuZnv ,voll, didit, eedrangt' aus *puff-briv), norw. pute, sdiwed. 
pSto .Kissen' usw. (s. Walde-P. II 115 f., Petersson KZ. 47, 253f.; 
Grdb etwa Stopfwerk'). — Wohl Lehnwort unbekannter Quelle; 
ags. boden ,loUum" (W. Lehmann bei Walde LEW.^ 101) steht m 
der Bed. ab. 
bOfa s. bufo. 

bllfalas s. bubalus. , wr , , « 1 

bnfo, -onts m. .Krote" (seit Verg., in Gl. auch ,Waldmaus , vgl. 
gasc. bouhon ,Maulwurf', s. Holland Faune pop. VII 18; vgl. audi 
bufa [us?] ,giftiger Kafer, podirpnOTK'' Diosc. 1, 50 mit kors. 6m- 
vone .Kafer"): -wohl nadi Niedermann BB. 25, 83 f., ErnoutEl. dial, 
lat. 130 als o.-u. Lehnwort aus *g*dbho zu apr. gabawo f. .Krote" 
Cg^abh-, Trautmann Apr. 334), aksl. usw. iaha .Frosch' {'gHbh-), 
ahd. quappii)a, quappo, nhd. Kaulquappe (Va6ft- mit express^er 
Gemination; Quappe auch .Wamme", s. Weise ZdW. 5, 251; Wz. 
*gHbih)- .sdileiraig, sdiwabbelig, Quappe, Krote"). - Nidit besser 
Persson Beitr. 261 * {*bu-dh6 bzw. *bu-bh6 zu *bhu- .schwellen U. 
unter htda, bulbus]. Stamrabildung dabei ohne Parallele); Fidt BB. 
17, 321, Wb. I* 407 (: ai. godhd i. ,eine groBe Eidedisenart", audi 
-Sehne, Saite, Sdiutzleder" ; lautUdi einwandfrei, aber m der Bed. 
trotz romanisdier Parallelen bei Sdiudiardt ZRPh. 27, 611 f. zu ab- 
Hegend). — Walde-P. I 674f. . ,. „ • , 

bnglllo, -dnis .eine Pflanze' (Marc, med.; die Bestimmung als 
.ajuga reptans" scheint wilikariich) : unerklart. Sollte der Anklang 
von r&dlx bugillonis an eXossemat. radix bulg&ginig (mUg-) .asaruin* 
nicht zufallig sein (Ihm Thes.), ware bugitlo allenfalls aus 'bulgtUd 
(: bidga?) zu erklaren (Walde LEW.* s. v.). 



122 



bulbus — bumamma. 



bnlbns, -» m. ,Zwiebel, Bolle, WurzelknoUe' (seit Plaut, spatl. 
audi ,Augapfel', s. Goldberger Gl. 18, 28^^): wohl entlehnt (nidit ur- 
verw., Curtius 292, Saalfeld, Schrader Sprachvergl." 428) aus gr. 
j)oXp6; m. ,Zwiebel, Bolle' (poXpivr] ,wci6e Zwiebelart"; dazu p6\- 
^ITOV att. pdXiTOV jMist", danach poXediv ,Mistgrube'?); redupl. aus 
*bol- wie vl. audi ai. hdlba-jah ,Eleusine indica, eine Grasart", wenn 
,au3 WurzelknoUen hervorkommend' (Johansson KZ. 36, 344); ohne 
Redupl. und red.-stufig vl. arm. palar ,pustula, boUa" (Petersson 
KZ. 47, 262). — Weitere Anknupfungen unsicher; lit. b&lbi, Inilfris 
,Kartoffel", lett. bulbes, bulvas .Kartoffeln' sind nidit urverw., son- 
dem entlehnt aus poln. bulba, junger bidwa ds., dies aus lat. htdbtts 
(Niedermann WuS. 8, 67 ff.) ; lit. bumbulas (neben hufbulas, lett. bur- 
bulis) ,Wasserblase'', humburas .Knospe", lett. burhhurs ,Ball, Kugel, 
Hooker, Kartoffel', bumbuUs , WurzelknoUe, Kartoffel", lit. bumbulys 
,Steckrube' u. dgl. sind nidit mit Persson Beitr. 247'. 254, Petersson 
IF. 34, 236 'in buf-bulas, buih-buras usw. mit versdiiedener Dissim. 
von *bul- zu zerlegen, sondern enthalten nadi Niedermann a. 0. 87 f. 
die Schallwz. *bamb- *bHmb- (vgl. audi Walde-P. II 108 und unter 
pampimis). — Kaum mit Walde-P. II 111 hierher, sondern eher als 
^Erw. von *bu- ,aufblasen' naher zu bucca gehort lat. bulla, -ae 
f. , Blase, Knospe" (s. d. ; -II- expressive Gemination wie in bttcea, 
nicht aus *bl-na mit Petersson KZ. 47, 261 u. a.), lit. bulls (audi bille, 
bull) .Hinterbadcen", ai. burih, bulii, (unbel.) ^Hinterbadte, weiblidie 
Sdiam", mnd. pull, poll ,Hulse, Sdiote", mndl. puyl ,Sad£', hoU. 
puilen ,sdiwellen' (Uhlenbedc PBB. 20, 326 f.), air. bolach , papula' 
(wenn nicht *bh- wie in got. ufbaulipa ,aufgeblasen, hochmutig', 
ahd. pulla, patda .Blatter* usw., s. Persson Beitr. 30*. 928), arm, 
boyl ,Menge, Herde" (Meillet MSL. 12. 431}. — Falsdi uber bulbus 
Fide GGA. 1894, 232 Cbholbho-), Froehdc BB. 1, 331 (: ahd. cholbo 
fKolben", s. unter globus). — Walde-P. II 111, 115. 

bnl^a^ -ae f. ,ledemer Sadi", im sermo castr. audi , uterus" 
(vgl. &0K(5; Ardiil., Marx zu Lucil. 623; rom. audi ,Baudi'; seit 
Lucil.): gall. Wort nadi Paul. Fest. 35, vgl. xr.bolgaim ,schwelle', bolg 
,Ledersadc" (nir. audi ,Baudi, Hulse' usw., Pokorny ZcPh. 11, 200), 
kymr. bol, bola, boly ,Bauch', bret. boli'h ,Leinhulse', got. balgs m. 
,Sdilaudi', ahd. mhd. balg ds., ags. bel{t)g, byl{i)g ,Balg", engl. belly 
,Bauch', awn. bolginn ,geschwollen', ahd. belgan ,aufschwellen', 
refl. ,zurnen', an. bylgja jWoge' {*bul[h,)-stra- in an. usw. bolstr 
jPolster'), apr. balsinis ^Kissen' {*bhoJghi-nos), lett. pabMsts m, 
,Kopfkissen', slov. blazina „Kis8en, Handballen' usw.; Wz. *bhelgh 
.schwellen", Erw. von *bhel-, also urspr. ,die aufgeblasene Tier- 
haut'. — Lat. follis (s. d.) stammt wrsch. von der unerweiterten Wz. 
*bhel-. — Walde-P. I 182 f. 

bnlgago s. bugillo. 

bnlla, -ae {. ,(Wasser)blase, Budcel, Knopf, Knospe, Goldkapsel 
mit Amulett' (seit Plaut., rom., ebenso bull are seit Cato und 
bullire seit Vitr. ,Blasen werfen, aufwallen, sprudeln'; aus mlat. 
bulla entlehnt nach Berneker 100 poln. buia, buika ,Semmel', bula 
,BuUe"): s. unter bulbus. 

bflmamma wa (Varro, Macr.): bu und mamma ,gro6beerig', 
eig. jgroBbrustig*, hybride Bildung gegenuber butnastus f. (-« 



bura — burds. 123 

Adj. Edict. Diocl.) aus gr. PoOnaoxoi;, -naodo? in gleicher Bed. (s. 
Plin. 14, 15). Jh- auB gr. pou- ,Rind' als Vergrofierungsprafix (s. 
unter bos; vgl. unser Eselshunger, Viehdvrst, ngr. iiino|j6p|ar)£ u. 
dgl., Gl. 15, 183) wie auch in bulimua, -% m. jHeifihunger" (seit 
Varro, vgl. Paul. Fest. 32; davon spatl. -are ,Heifihunger haben', 
-6ms .heifihungrig'), iupaes, -dis m. (Varro, hupaeda, -ae Macr.) 

grofies Junges" u. a. zum Teil rein griechische Worte. 

bura, -ae (seit Varro) und bttris, -is f. (seit Verg., rom.) ,das 
Krummholz, der Krummel am Hinterteile des Pfluges ' (fiber aneebl. 
irnhurtis ,gekrummt' Gl. s. Heraeus ALL. 6, 553; exbunts, -is bleibt 
fern, s. d.) : unsicherer Herkunft und Grdf., wohl Dialektwort. Nadi 
FickBB. 17, 321, Wb. 1*406 als o.-u. Lehnwort zu gr. -fun? ,Krumm- 
bolz am Pflug', fipOTpov aOT6TUov ,das im Naturzustand als Pflug 
verwendete Krummholz' (hom. d|iq)i-T'Ji'|e»e Beiw. des Hephaistos 

mit zwei krummen Beinen ausgerustet", s. Beditel KZ. 45, 227 
gegen Prellwitz ib. 46, 169fl'.; dazu fO-p6? ,krumm", ^p6uj ,krum- 
me", -fuiov ,Glied", f<)a\ow .Hohlung, Wolbung" usw.; s. Walde-P. 

1 555 ff. m. Lit.); doch bleiben ungeloste lautliche Schwierigkeiten, da 
weder fur ^r.yauadci ,krumm', Tauadba^' V€ubri? Hes. (yg\. haud) 
noch fur die ubrigen Vertreter der Wz. *geu-, idg. *g^ anzusetzen 
ist und die nahere Verbindung von bUra als o.-u. Entwicklung aus 
*gu-osa mit ■^i^r\<; aus *gtisa (an sidi audi *guva moglidi) oder ev. 
als" *gu-6ra (Persson Beitr. 273, Muller Ait. W. 207) rein konstruiert 
ist, auch an lat. vola (s. d.), angebl. aus *gu-el-a, keine formale 
Stutze findet, da dies eher zur Sippe von volvo. — Walde-P. I 558. 

bnrbalia ,gr66ere Eingeweide" (Gl., rom.): von gallorom. *fcor6a 
Kot" (Gamillscheg 152); nicht entstellt aus vulvUlia (Heraeus Petr. 
u. die Gl. 41=). 

bnrbnrismas, -i m. ,Knurren, Kidlern im Bauch" (Philum. med. 

2 p. 32): Umformung von gr. pop^opu'r|Ll6i; ds. oder aus daneben- 
stenendem *popPopia|H(5?. 

bnrdo, -dnis, bnrdns, -i m. (Schol. Hor.) ,Maultier' (aus Hengst 
und Eselin; seit Edict. Diocl. bzw. Petron, rom.; aus afrz. bort .Ba- 
stard' entl. ndl. bordesel ,Maulesel', aus dem Lat. ahd. burdihhin 
usw.): unsicherer Herkunft, jedenfalls Fremdwort. Kaum nach 
Froehde BB. 8, 167, Prellwitz BB. 22, 100. 127 als o.-u. Lw. zu ai. 
garda-bhdh ,Esel', gdrdah. ,geil, gierig', gdldah (RV.) .brunstig", 
da hierbei fur die indischen Wdrter *<)(fe)errf(A)- bzw. *g{h)eld{K)-, 
nicht *g»-, anzusetzen ist (vgl. horior, voro und Walde-P. I 601. 633) 
und fur gardabhd^, die Verbdg. mit ga^ib, 9<^ih m. ,junger Stier', 
ags. colt ,Fullen', norw. dial, kvlt ,Klotz' usw. (Wz. *gtl-, Wacker- 
nagel Ai. Gr. I 171, Persson Beitr. 69. 74, Walde-P. I 614) vl. vor- 
zuziehen ist; — wenig wrsch. audi E. Riditer Wien. Sbb. 156, V, 9 
(als ,das dumme, trage Tier' o.-u. EnUprediung von gurdus, ppa- 
biJO; Schrader RL. 11* 53 (grm. Lw., zu ahd. burdi ,Last'); ver- 
fehlt Stowasser Progr. Franz-Josef-Gymn. Wien 1891, XXIV f. (bur- 
dits wie veredus entlehnt aus hebr. phered .Reittier, Pferd, Maul- 
esel'). — buricus, -i m. ,kleines Pferd' (seit Porph., rom. *bur- 
ricug; Nbf. brunicus Isid., Gl. durch Einmisdiung von grm. *b>-un-^ 
,braun'j ist trotz Thumeysen Thes., Sofer Isid. 68 kaum mit burdo 
zu verbmden, da die Bed. ,Maulesel* erst romanisdi ist und audi 



124 



burdubasta — buteS. 



das formale Verhaltnis unklar bleibt. — hurdit i)iripT»^ to"P'^ 
(GL, vgl. mlat. hurdare, -Ire ,ludere' und rom. *burdicare ,herum- 
wimmeln') ist vl. Abltg. von burdus. 

bnrdnbasta s. bastum. 

bnrgns, -« m- (f- Sidon.) ,casteliuni parvulum", audi ,Wacht- 
turm', spater ,kleine Grenzfestung, kleine Stadt' (auf Inschr. seit 
185 n. Ch., rom.; burg&rit ,Burgbewohner" seit Hadrian): wegenBed., 
Flexion und Gesdiledit zunachst endehnt aus gr. irOpToq ,Turm', 
das selbst fremder, wohl kleinasiat. Herkunft ist; spater ubernahm 
es audi die Bedeutungen und teUweise das Geschledit von grm. 
*burgs ,befestigter bewohnter Platz, Fluditburg' (got. baurgs f. 
, Stadt, Turm', ahd. as. burg, an. borg usw.; zur Etyniologie — vgl. 
qjupKoi;' Teixoi; Hes. - s. Jacobsohn KZ. 48, 139f.). Aus lat. burgus 
stammen arab. burg (Lokotsdi n. 362), arm. burgn, syr. burgS. aram. 
bnrgin, burgon .Turm". — Vendrj'es De bib. voc. 117. 200, Mudi 
ZdA. 41, 113*ff., Brudi Einfl. 15. 17. 152 f.. Feist" 62 f., Leumann- 
Stolz' 130, Sofer Isid. 85 f. 174 (Lit.). 

1. burra, -ae f. .zottiges Gewand' bzw. ,Wolle' (so rom.; nur 
Eudier. anth. 390, 5 nobilis horribUi iungaiur purpura burrae), 
reburrus, -a, -um ,widerbaarig' (seit Augustin, rom., s. d.; da- 
von -ium .Kahlkopfigkeit des Vorderkopfes' Itala); gr. p€pp6v, pip- 
poE, pOpcJa ,Fell' (s. unter birrus). 

2. burrae, -&runi f. „Ifippisdies Zeug, Possen" (Auson, rom.): 
wohl als ,qui8quiliae" mit burra ,Wolle, Flodte' identisdi (vgl. nhd. 
Flausen : Flaws .Busdiel Wolle'). — Kaum zu baburrus (s. unter 
babit) mit Kurzung (Walde LEW.* s. v.), da dies im Ausgang seiner- 
seits durdi burrae beeinfluCt sdieint. 

bnrrng, -a, -um ,feuerrot, scharladirot' (Paul. Fest. 31, rom. 
birrus, *burius; davon burrdnicus, -a, -um Paul. Fest. 36): aus gr. 
Ttuppd? ds. (Saalfeld, Leumann-Stolz' 130). 

bnstnm, -t n. .Leichenbrandstatte, Grabmal' (seit XII tab., kaum 
rom.; zur Bed. vgl. Verg. Aen. 11, 201 semusta . . . bugta und Serv. 
Aen. 11, 185), bustirapus .GrabsdiSnder" (Plaut., Lehnuber- 
setzung von gr. TUnPiupOxoi;), bustio f. ,das Verbrennen" (nur 
Sdiol. V erg.), bustuarium „Leidienverbrennung" (Gl., -uaJt'us Adj. 
seit Cic; nach ossu-'i Leumann IF. 39, 214), busticetum , Grab- 
mal' (Arnob, nadi sepuleretum , fruticetum, Thurneysen Festschr. 
Wadternagel 118), bustar , locus ubi cremantur mortuorum cor- 
pora' Char, (verschieden von bustar, bostar ,Kuhstall' GL, rom., 
gebildet nadi gr. poOdTa&nov, -araai?, -oraoiov, im Ausgang nach 
instar, Lindsay-Nohl 228) : durdi falsdie Zerlegung von amh-uro = 
gr. d|a<p-£i!iu) „senee ringsum' in am-buro (danadi audi com-hur6 fur 
'eoimyaro, a. d.) ms Leben gerufen, s. uro. — Nidit zu angebl. ir. 
bat ,Feuer" (s. Walde-P. II 123) oder als .Grabhugel' zu gr. Poi)v6? 
,Hugel' (Hoffmann Heinichens Schulwb. s. v.). 

bated, -onis m. ,eine in der Auguraldisziplin bedeutsame Falken- 
art, vl. Bussard' (seit Paul. Fest. 32 bzw. Plin., rom.; davon Cogn. 
Bated, 8. Plin. 10, 21), butiS, -onis m. .Rohrdominel' (Anth. 762, 42, 
rom.), blltire ,vom Naturlaut der Rohrdommel' (ibid., 8. Schwentner 
51): Schallst. *bu wie auch in bvbd (s. d.) — Abzulehnen Zupitza 
Gutt. 81 (: ags. eyta .Rohrdommel, Gabelweihe' [engl. kite], mhd. 



buttia — caballus. 125 

kiitze nhd. Kauz Eule" ; weder der Anlaut noch der Stammauslaut 
entspricht, s. Walde-P. I 635, Wood PBB. 24, 529, Schroder ib. 29, 
556, Holthausen ASNS. 113, 38). — Walde-P. II 112.. 

liinttis, -is i. ,Fa6' (GL, Pap. Marini, rom., ebenso spates hut- 
(t)icula, butticella; daraus entlehnt aengl. 6y«, Bruch ZRPh. 41,429): 
aus dera Griech., vgl. itUTivn ,mit Weidenzweigen oder Bast um- 
flochtene Weinflasche', tarent. Put(vti ■ Xdruvo? f) Ms Hes. (Thurii- 
eysenThes., Solmsen IF. 30, 41); dazu ett.puti? Cortsen GI. 18, 193'. 
bntnbatta Naevius pro nugatoriis posuit, hoc est nullius digna- 
tionis (Paul. Fest. 36, ahnlich Roman. Char. I 242, 10 [= 315, 24 B.J 
von Plautus) : scherzhafte Bildung aus Schallstammen, vgl. huted, hat 
und nhd. potz (Walde-P. II 105, Ottenjann Gl. 6, 225, Umgangspr. 
11). — Schallnachahmend ist audi buttwtti ,[f]luetuii quidam iveT) 
sonus vocis effeminatior' im Hernikerdialekt (Char, ibid., Bucheler 
Kl. Sdir. II 463). 

butyrnm, -i n. , Butter' (seit Varro, rom., daraus entlehnt ahd. 
afries. butera, ags. buture, s. Kluge s. Butter) : aus gr. pouTOpov ds., 
eig. ,Kuhquark- (Saalfeld, Sdirader RL. P 177 f., Olck PW. HI 1089). 
bnxns, -i (spatl. auch -us) (. (m. Vulg.X seltener bnxam, -» n. 
.Buchsbaum' (Enn.), .Buchsbaumholz " : aus gr. itiJEo? f. ds., falls mcht 
beide Worter unabhangige Entlehnungen aus einer Mittelmeerspradie 
(Cuny REAnc. 12, 160, Fohalle Mel. Vendryes 171 ; doch vgl. audi 
Boisacq MSL. 17,58 f., Sdirader RL. P 172 f., Kretsdimer Gl 14, 87). 
- Aus mlat. buxa ,Budise aus Buchsbaum' (vgl. pyxis, -idis f. ds. seit 
Cic , dafur vlt. imd rom. buxis, buxida) stammt u. a. ahd. buhsa 
,Budise', vgl. z. B. Kluge Grdr. P 335, Falk-Torp s. b0sse. 

c. 

caballns, -» m. ,Pferd, Gaul, Klepper' (zunadist .Wallach', vgl. 
CI. V 16, 6, dann ,Arbeitspferd', spater allgemem ,Pferd«; seit 
Lucil., rom., wo es seit dem 6. Jh. equus verdrSngt; Fem. equa 
z. T. erhalten, s. Bogel Burs. Jb. 205, 31; spate Abltg. -arius 
^Pferdeknechf Gl., -icare ,reiten' Anthim., rom.), Kurzform (vgl. 
Boisacq 406^) cabo, onis (und cabonus, -i) m. .caballus (magnus)* 
Gl. : gr. KapdXXri; " ^PTd-rn? i'lnro? Hes., gall. EN. CabaUos (aus dem 
Lat. entlehnt mir. nir. capall ,Pferd' [daraus an. kapall .Stute'], 
mbr. eavall, kymr. ceffyl ds., s. zura Lautl. Pedersen I 226, Ven- 
dryes De hib. voc.121. Loth RC. 17,443), nhd. sdiwab. kSb ,Gaul', 
aksl. leohyla ,Stute' (dazu wohl audi slav. komont ,Pferd' [apr. 
canmet, dazu lit. kumeli ,Stute', kumelys .Fallen", 8. U. 14, 341 
n. 38 m. Lit., Guntert Urheiraat 9 A. 8] und fowl* ds. bei unklaren 
lautlidien Verhaltnissen, s. Berneker 555. 561 f., audi gegen BohaC 
LF. 33, 106 [kont, aus *kob-ni, direkt zu lat. cabo] und Charpentier 
KZ. 40, 463' [: kopati, skopiti .verschneiden']; verfehlt Loewenthal 
KZ. 47, 146). — Em altes Wanderwort, vl.Ethnikon (vgl. d. Wallach. 
in. hongre usw.), das nadi E. Maafi RhM. 74, 469, Kretsdimer Gl. 
16, 191 f. von emem Volksstamra in Kleinasien oder an der Donau 
ins Griediisdie und von da ins Lat und Keltische einer-, ins Sla- 
visdie (vgl. audi finn. hepo ,Pferd', heibo .Stute' usw., Leskien 



126 cabanna — cachinnS. 

Noni. 277) anderseits ubernommen wurde; vgl. die KapaXei? (Kapr|- 
X^£i; Hdt.) im Maiandergebiet mit KdpriXoi;, KdXn^o; • dircaKoXufiM^- 
vo; t6 aiboiov Hes. — An Zugehorigkeit zur Sippe von ai. Saphdh 
m. ,Huf, Klaue", ahd. huof .Huf' usw. (s. Walde-P. I 346) ist nicht 
zu denken. — Waldc-P. I 348. 

cabanna s. capanna. 

cabenses, -ium ,Priester der feriae latinae auf dem mons Al- 
banus " (Inscnr.) : identisch mit den CaHijenses, Bewohnern der lati- 
nischen Stadt CaUi)um, also ehemals latinisdie, von den Romern 
ubernommene Staatspriester (Wissowa PW. Ill 1163, Thes. Onomast.). 

cabicola s. unter cldvus. 

oacabo, -are ,gackern, vom Rebhuhn' (Netnes., spat caec- Anth.), 
cacillo, -are ds. : gr. KOKKoipri f. und KaKKapii;, -i&o? f. , Rebhuhn", 
KaKKapitiu ,gackern, von den Rebhuhnern' (wohl die Quelle von 
cacabSre, Thurneysen Thes.), KUKKdZuj ,gackern, vom Geschrei der 
eierlegenden Huhner", mnd. hoU. Jcakelen (schwed. kackla, engl. 
cackle) neben nhd. gackern, mdartl. gaggezen ds. Schallnachahmend 
wie lat. coco coco ,Naturlaut der Huhner', cucurrire .koUern, 
vom Hahn' (s. dd. mit Weiterem; vgl. audi cicirrus). — Walde-P. 
I 455 f., Schwentner 51, Vanifiek 45, Pick I* 388 usw. 

cac(c)abng (meist -cc-), -t m. „Tiegel, Pfanne zum Schmoren'' 
(seit Varro, rom., Demin. -abulus seit Colum., -atus, -a, -um ,rufiie, 
geschwarzt" seit Paul. Nol., IF. 43, 115): aus gr. KdK(K)apo? m. t., 
KaKKd^r) ds., Fremdwort unbekannter Herkunft, wrsch. semitiscb 
fSaalfeld, MuUer BB. 1, 288, Lewy Fremdw. 106, Gl. 16, 137, Grimme 
Gl. 14, 19). Unklar, ob hierher cascabus ,caccabus grandis" GL, 
vgl. Meycr-LObke REV. n. 1731. — Aus vlt. *cacculus entlehnt ahd. 
kachala .Rachel' (Meringer WuS. 3, 179 flF.). 

caccitns von einem schonen Knaben (Petr. 63, 3); unsicherer 
Bed. und Et. Nicht uberzeugend Wahrmann Gl. 6, 270 ff. (aus gr. 
KordKOtTO? bzw. *KdKKOiTO? ,auf dem Lager ruhend'j; Thomas Stud. 
108 f. (verderbt fur cacdistus aus KaTdKXeiOTOs); Salonius Comment. 
Heikel 143 {accinctus); Heraeus Petron. 6. A. S. 285 f. (: gr. KOKiSdi; 
.hungrig'; Bed.!). 

cachlnno, -avi, -are .Tiell aufladien' (audi vom Platsdiern der 
Wogen Ace. 573, CatuU 64, 273, vl. Bed.-Lw. nach KaxXdi^tu ,plat- 
schere"; seit Ace, rom.), cachinnus, -» m. „sdiallendes Geladiter' 
(seit Lucil.), -itio f. ds. seit Rhet. Her.) : ai. kdkhati, kakkhati, khak- 
khati (Gramm.) ,ladit", aTm. xa^ank' , cachinnus', gr. KoxdZuj, jiinger 
Kox-xdZw, KccfxdCui ,lache laut' (audi KacpdZut' Y^Xfiv Hes. dutch Kon- 
tamination mit qiXdZw, Guntert Reimw. 161, wie vl. audi xaxXdZui, 
s. o.), ahd. usw. kachazzen, kichazzen ,laut ladien", aksl. usw. ckocho- 
tati ds. (Bemeker 393). Sdiallwort (z. T. einzelsprachUdie Neu- 
schopftmg), s. hahakae. Nicht unmittelbar verwandt ist idg. *kSk- 
,auslacfaen' in gr. Kr|KdZu) ,schmahe", ahd. huohon .spotten, hohnen". 
— Urverwandtadiaft ist trotz Agrell Reflexe 12 nicht gesichert, Stamm- 
bildung unklar (abzulehnen W. Meyer KZ. 28, 165: cachinnus aus 
*caceifd-nos : KOKKdZIui aus *kakknd-i6y, Entlehnung aus dem Griech. 
unter Anlehnung an hinnire (Keller Volkset. 74, Stowasser) iiberzeugt 
freilich audi nicht. — Walde-P. I 336. 



cac3 — cadaver. 127 

caco, -Svi, -atum, -Sre .scheifien" (seit Pompon., rom.): gr. kqk- 
Kdu) ds., KdKKT] ^Menschenkot' (dazu als Kinderwort — vgl. nhd. 
gegga .pfui" — auch gr. KaK6; ,schledit"? Prellwitz^ s. v., Guntert 
Reimw. 83 [andere Deutungen s. Boisacq s. v., Scheftelowitz ZIL 
6, 119]; daraus wohl entlehnt neuphryg. KaKo(u)v, Solmsen KZ. 34, 
52*; aber alb. }!(8]eU ,b6se' s. unter aeger), mir. caccaim ,caco", 
cacc ,Kot', kymr. each usw. ds., russ. usw. kdkaU, .cacare", nhd. 
kakken (kaum entlehnt mit Falk-Torp 484, vgl. Persson Beitr. 266), 
arm. kakor ,Mist' (s. Kretschmer Einl. 353, Rleillet MSL. 15, 339 4 
audi zu verwandtem *Ii:oq<f- in gr. Kiirpoi; ,Mist", ai. Mkrt, s'aknd^ 
ds., lit. »kti ,cacarc', vgl. Bartholomae BB. 15, 41, Hirt ib. 24, 230). 
— Walde-P. I 336. 

cacnia (-d- Argum. Pit. Ps. 2, 14 nach cdlo), -ae m. (seit Plant.) 
und cacus, -i m. (Inschr.) ,Soidaten- oder Offiziersaufwarter im 
Felde' (s. Paul. Fest. 45. 225; davon caculatum [-&tus, -us] ,servi- 
tium" Paul. Fest. 46, caculan ,servire' Gl.): wrsch. entlehnt au& 
etr. *cace, *cacla, vgl. die etr. EN. Coc(«)««, Cac{e)a, Cacelius, Ca- 
cilius (Herbig Gl. 15, 225, Nehring Gl. 17, 120; vgl. bes. GIL. XI 
1039 Hilarius cacurius [wohl AppeUativ, s. Ruggiero s. vj mit 
etr.-lat. Cacurius, Sdiulze EN. 350). — Abzulehnen Rheden Progr. 
Vicentinum Brixen 1896, 3 (als ,Laufbursdie* : aksl. skoki ^Sprung", 
sar. scuchim ,weiche, gehe fort", eihd. scehan ,eilen', nhd. geschehen 
usw., s. Walde-P. II 557 und zu femzuhaltendem air. cele ,Diener"y 
kymr. cilydd ,GenosBe' Thurneysen KZ. 51, 59, Pedersen Groupem. 
28); Brugmann IF. 19, 383 nach Fick I* 41. 419 (: ai. Saknoti ,kann„ 
hilft' usw., s. Walde-P. I 333 und cohus); v. Planta U 407' (Abstr. 
*cat-la jWadie", zu nhd. Hut, s. cassis); Guntert Reimw. 83' (zu 
eacare). — Fern bleibt cOlo ,Tro6knedit (s. d.). 

cacumen, -inis n. ,Spitze, Gipfel' (seit Cato, davon cacUminire 
.zuspitzen' seit Ov.): vgl. ai. kakuhh- i. , Gipfel', kahid- , Gipfel, 
Kuppe", kakud- ,Mundhohle, Gaumen" (Grdbd. ,Wolbung"), ka- 
kuhhdlf. .emporragend", kakAdmant- ,mit einem Gipfel oder Hodcer 
versehen*. 'qa-qu-d- redupl. Dental-Erw. von *qeu ,biegen' (s. auch 
eUpa, culo, cubitus, cumulus). Lat. cacHmen wohl Erw. von *kakud 
nach acUmen (Thurneysen Thes., Leumann-Stolz* 193), kaum nach 
columen (Porzig IF. 42, 267). — Walde-P. I 371. 374, Guntert Reimw. 
74 f., Petersson Gr. und lat. Wortst. 23 ff. (phantastisch). 

cada ,arvina', cadula .frusta ex adipe' (GL): falls auf das. 
Interpretament Verlafi (,a ruina" v. 1., wohl infolge Herleitung von 
cadere), vl. mit Walde LEW.' s. v. als germ. Wort zur Sippe von 
botulus. 

cadSTer^ -em n. ,Leichnam, Leiche, Aas', ubtr. .Trummer, 
Ruinen" (seit Lex luci Lucer., -6sus ,leichenahnlidi' seitTer.): wohl 
P. P. A. ,Gefallenes' zu cado (Curtius Sachs. Ber. 1885, 426, Sdiulze 
Q. ep. 250'), vgl. gr. itTilJ|na, ir^ooi;, ti^Oima .Leichnam' und Eur, 
Andr. 653 ■n€af\txara. . .irdnruiKe. . . vcKpiIiv mit Lucan 6, 822 cadaver 
*tt eadat, Sil. 8, 668 f.; Grdf. *kadS,-ues, vgl. pap&ver, nicht *kadd-ues 
(MuUer Ait. W. 63). — Abzulehnen Bersu Gutt 170 (: ai. kadanam n. 
.Vemichtung' [s. calamitas\, ware ,vemichtet habend', nicht ,ver- 
nuitet'); Marstrander NTS. 1,245 (dissim. aus *caraver:carits als 
.das Verfaulte"; in Bed. und Bildung bedenklidi). 



128 cado - caduB. 

cado, cecidl, (cSsnrus), -ere „fallen, sinken', ubtr. ,zu-, aus-, 
ver-, durchfallen' (seit Liv. Andr., vlt. und rom. auch cadere), osk. 
antkaflum ,occidionem?" (Lesung unsicher, v. Planta I 326. II 627) : 
ai.' sad- (Pf. sasada, Fut. iatsyati) ,ab-, ausfallen' (VaniCek 67), 
arm. cacnum .fallen, niedrig werden' {*kadio-, Scheftelowitz BB. 28, 
287), Vl. nir. casair, Gen. casrach ,Hagel', kymr. eesair, korn. keser, 
mbret. quaserch, nbret. kazarc'h ds. (doch s. Loth RC. 18, 90). — 
Fern bleiben trotz Pick I* 42 gr. horn. K6KcibovTO ,sie wichen', 
^Kexriber 6ne(KE)x«'P'^'«€i Hes. (vlin. als ,wurden zuruckgedrangt, 
geschadigt" zu hom. KEKobdiv ,beraubend", K€Kabr|Oei ,wird be- 
rauben', MKabfjaai • pXdvpai, KaKtuaai, arepfiooi Hes., ftiroKabitw 
dodEv^u) Hes., Kdbupoi;- Kdupo? Svopxi? Hes. [v. Blumenthal Hesych- 
stud. 39], wohl auch ep. Kiibuu, dor. Kflbiu ,verletze, schadige"; un- 
annehmbar Beditel Lexil. 189: lat. cedo, s. d.); ags. hentan .treiben', 
hunta ,Jager' (s. unter cassis); nhd. Ha£, hetzen (Fick a. O.; s. unter 
calamitS.s).i 

Hierher u. a. cadaver (s. d.V caducus, -a, -urn ,hinfallig, 

leicht fallend', dicht. auch .(abjgefallen", jur. .verfallen" (seit 

Cato, rom. [?]; zur Abltg. vgl. manducus, ftdada; nicht *-oukos 

mit Mullet Alt. W. 63), casus, -us m. ,Fall, Vor-, Zu-, Unfall" (seit 

Plaut.; zum -a- s. Sommer Hdb.^ 122, MeiUet MSL. 15, 265, BSL. 

27,68, Kent Lg. 4, 186), stilli-cidium, -I n. ,das tropfenweiee 

Fallen, Traufe' (seit Varro und Cic, rom., vgl. Varro 1. 1. 5, 27; 

aber dis-, excidium trotz Stowasser Dunkle Worter II p. Xlf. 

nidit von cado, sondem von scindS, s. unter excidium); kaum 

jedoch casso, -are ,heftig schwanken, wackeln' (Plaut.), cassH- 

bundus, -a, -urn ,taumelnd, torkelnd vor Trunkenheit" (Naev.) 

mit Kent Le. 4, 190 als Intensiv von *cassus, alterer Form fur 

casus ,gefaUen' (vgl. cas{s)Uare ,fort und fort fallen' Dig.), da 

die Bed. ,crebro cadens' (Paul. Fest., Gl.) fur die Wendung cas- 

sabundum ire ebrium weniger anspricht ala ,titubans, vacillans' 

(GL); also wohl mit dem Thes. (zw.) = itr. guassare ,wadceln'. 

— Valde-P. I339f. 

cSducenm, -i n. und -ens, -i m. (nach lituus'i) .Merkurstab, 

Heroldstab" (seit Varro und Cic, caducecttor m. [nach orOior'i] 

,Herold, Unterhandler" seit Cato) : aus gr. KTipuKEiov bzw. dor. Kfi- 

puKEiov jHeroldstab", mit auffaihgem d fur r, vl. durdi etr. Ver- 

mittlung (Ernout BSL. 30, 115), kaum infolge volkset. Anlehnung 

an cadere, caducus mit Curtius 438, Keller Volkset. 41, Leumann- 

Stolz" 128 (begrifflich nicht nahcliegend und in der QuantitSt ver- 

schieden; -a- metrisch gesichert durch caducifer Ov.). 

cadurcum, -i n. (sc. stragulum'i) ,Bettdedte' (Juv.): vom aqui- 
tanischen Volke der CadurCi, s. Plin. 19, 13 und Thes. zu den fal- 
schen Bedeutungsangaben der Glossen. 

cadns, -i m. , grofieres kegelformiges (meist irdenes) Ceffifi, Wein-, 
Olkrug', auch .HohhnaC (seit Plaut., rom.): aus gr. Kdbo? m. ,Ge- 
fa6 zum Aufbewahren des Weines, Eimer', dies aus hebr. kad 
,Eimer' (z. B. MiiUer BB. 1, 276. 288, Levy Fremdw. 102 f.; vgl. 
auch lak. Kdbbo? .GetreidemaC, KoEbbixo? .Stimmnme"'; aus gr. 
Kdbo;, 1. cadus stammt arab. kddus, Lokotsch n. 988). 



caecilia — caedS. 129 

Caecilia, -ae f. ,Blindschleiche' (seit Colum., rom. ; vgl. caecu- 
la, caeciola ds. Gl. bzw. Isid., Sofer Isid. 121): zu caecus (Va- 
niiSek65); Benennung von den kleinen, daher als nidit sehend auf- 
gefafiten Augen, vgl. gr. TuqjXivos (Tuq)Xia<:, TU<pA.i?), ahd. blint-sllhho, 
engl. blind-warm ds. (s. audi ablinda urd zu rom. *anatoUus Meyer- 
Lfli)ke n. 440a, GamUIsdieg i. orvet). — Dagegen caecilia ,eine 
Art lactuca" (Colum. 10, 190) ist diditerische U. Schmalz'^ 629) Ab- 
kurzung des plinian. caeciliana lactuca, nach Colum. 10, 182 nach 
(Qu.) Caecilius Metellu3 benannt. 

caecns, -a, -um ^lind, unsichtbar, dunkel, ziellos' (seit Plaut., roui,, 
ebenso caeculus seit Laber. [aber Caeculus, mythisdier Grunder von 
Praeneste, ist etr., Sdiulze EN. 75. 579]; vgl. nodi eaeco, are ,blenden' 
seit Lucr., caecitds f. .BUndheif seit Cic, caecOtire ,wie blind sein' 
seit Varro [Leumwm-Stolz' 319], caecultdre ds. Plaut. [wohl Konta- 
mination mit occults, Thes.]; caeei-Unguis .taubstumm' Gl., Nieder- 
raann KZ. 45, 181): = air. caech ,einSugig", mir. leth-chaevh ,schie- 
lend", kymr. coeg ,leer", coeg-ddall .einaugig", akorn. cuic ,luscus 
vel monophthalmus", got. haihs ,einaugig'; erw. (vgl. *balbaros 
neben balbos, Saussure Rec. 598), ai. hekarah ,sdiielend' (Uhlen- 
beck PBB. 30, 286). Hierher audi gr. koikiS?, -ou m. .Nordost- 
wind" als ,der dunkle' (Gflntert Kalypao 67% vgl. aquUo : aquilus, 
ev. &yiba<;' Poptos, i>ird Tuppriviliv Hes., wenn nidit etr., sondern 
keltisdi, vgl. andabata). Idg. *qaiqos ,einaugig' nach Prellwitz BB. 
22, 113 nut demselben *qai- .allem' wie in eaelebs (jedoch *qai-qo-, 
mit Formans -qo-, nidit *qai-oq*o-, s. Walde-P. a. 0.); Bed.-Entw. 
zu ,sdiielend', ,blind' (vgl. lusem .einaugig' und ,sdiielend», frz. 
borgne .einaugig", mda. .blind", v. Wartburg Die Ausdr. f. d. Fehler 
des Gesiditsorgans . . ..Diss. Zurich 1912, 38), , nidit siditbar", , dunkel" 
(Meringer WuS. 5, 188, GSntert a. O.). — Fern bleiben gr. koikOWu) 
,gafiFe umber" (Lindsay-Nohl 278; s. Debrunner IF. 21, 96); arm. 
caig .Nacht" (Sdieftelowitz BB. 28, 288; vim. g-aig ,bis zum Mor- 
gen", Meillet bei Walde LEW." 106); wohl audi o. kaias unsidierer 
Bed. (Ribezzo RIGI. 8, 88 = .nigrae" : idg. *qaios neben *qaiqos nadi 
obieer Analvse nidit zu erwarten; nidit iiberzeugend audi Muller 
Ait W. 40, v. Planta II 644). — Walde-P. I 328. 

caedo, cectdi, caesum, -ere .sdilage, haue (ab, nieder), sdiiachte" 
(seit Lex reg., caedgs, t* f. .Niederhauen, Gemetzel, Fallen, Sdila- 
gen" seit Cato, rom. ,das Abforsten") : ai. khiddti, skhiddti .reifit, 
stofit, drudtt", Ichidayati .belastigt, ermudet", khedO, .Hammer, 
Sdilfieel", khedah .Mudigkeit, ErsdilaflFung, Drudc, trube Stimmung"; 
vl. arm. xait'em .stedie' u. a. (Sdieftelowitz BB. 28, 312. 29, 29); 
unerweitert mnl. heie .Rammblock", mhd. nhd. heie .Sdilegel, hol- 
zerner Hammer, Ramme", nhd. sdiweiz. heien .stampfen, Hani 
bredien" (dazu av. sS- .sdilagen, kampfen"? Sdieftelowitz WZKM. 
34, 223). — Wz. *(«)g(A)ai(d-) trotz Curtius 246 u. a. versdiieden 
von *»keid- *»keU- {*sqeid[t-) .spalten" (s. seindS), aber durdi Reim- 
bildung und Bed.-Anna]ierung miteinander verbunden (Guntcrt 
Reimw. 31 f.); zum Wedisel h-jkh- s. Sommer KE. 65. 

Hierher u. a. eaeduu* .haubar" (seit Cato, in- kunstlidi seit 
Ov.\ ancaesa, aneile, eaementum, caelum .Meifiel" (s. dd). 
— Walde-P. U 538. 

Walde Etyin.Worrerbudi d. latSprache. 3.A. 9 



130 



elebs - caelum. 



caolebs, -ibis ,ehelos' (in der Regel vom Mann, sei es Jung- 
eeselle sei es Witwer, dichterisch audi von Baumen und Tieren; 




zn sot" Uban, an. usw. Ufa ,leben' (ColUtz Praet. 81 ff.; vl. weiter 
zur Wz. *leip- .kleben, klebcn bleiben", s. lippus); zur Grdb. ,aHein- 
lebend". vgl. span, soltero ,unverheiratet' aus soliiSrius. Grdf. wrsch. 
*qmuelo-l&-, mit Haplologie *qaiiM-Ub- *qaiui-lib- (Bnigmann PBB. 
.39, 85'), nicht *qaiui-lib- als Zssform von *qa^^elo- (Walde-P. a. O.), 
da dieser Typus fas't nur neben -ro-Adj. steht und ein idg. *qaiuero- 
unwrsch. ist; abzulehnen Solmsen KZ. 34, 35 f. {*caivUe-bs zu *bhu- 
,sein', s. probus, mperbtis; ware *eaelibus). — Da *qaiuelo- Wekei- 
bildung von *qai-uo- ist (vgl. *qai-qo-, s. caecus), lafit sich audi idg. 
*qai-lo- .unversehrt, heil. ganz' anreihen in got. hails .gesund", 
ahd. heil ',gesund, ganz', ags. hal, engl. whole ,ganz', ahd. heilison 

augurari', an. heilsa .begrufien' usw., kymr. cod ,Vorzeidien' usw. 
(aus dem Brit, entlehnt air. eel .augurium"), apr. kailUstikun Akk. 
Se. Gesundheif (von *kailusta- , gesund"), aksl. ceh .heil, gesund, 
ganz, unversehrt" usw. (Hoffmann BB.16,240, Fide 11* 88, Johansson 
IF. 2, 28; zu mehrdeutigem koi\u- xd KoXdv Hes. s. Walde-P. 1329); 
dagegen bleiben wohl fern s.-ksl. celgyjh ,einzig, allein", cSglo Adv. 

nur", ceghchh , allein' (daneben Formen mit se-, Sc-, s. Bemeker 
123), lett. kails ,nadct. kahl, blofi", kaili fAudis ,Ehepaar ohne 
Kinder' (Bezzenberger bei Fidi II* 88, Muhlenbach-E. a. v.; eher 
mit Walde-P. a. O. zu ir. coil, cod ,dunn, schmal" usw., idg. *koiloa). 
— Walde-P. I 326 (H 403). . , • . o 

cnelia (-«- sdileditere Sdireibung), -ae f. „Art Weizenbier m Spa- 
nien' (seit Phn.): span. Wort, vgl. eaeilo-bricoi, Caelaon .spanisdie 
gens" (Hubner Mon. line. ibcr. p.LXXXI, Holder 1 675, Bertoldi Don. 
nat. Sdirijnen 298). Vgl. cerea. 

1. caelum, -i n. .Meifiel, Grabstidiel des Ziseleurs' (seit Varro 
und Cic., vulg. cadio, eUiS, Sofer Isid. 87), eaelo, -Hvt, -Sium, •«« 
„einmei6eln, zieselieren, in erhabener Arbeit ausfuhren' (seit Insdir. 
3. Jh. V. Ch., rom. cadata ,Pidtelhaube"): aus *caid-slom, zu catdO 
(Nicdermann BPhW. 1915, 1091); vgl. audi andle. 

2. caelam, -t n. ,Himmel, Himmelswolbung (sek. Wolbung von 
Gebauden Manil. Vitr.), Luft, Klima" (seit Naev., rom., altl. und 
vulg. audi caelus, Plur. stets eaeli, s. Thes., Meillet-Vendryes 493; 
davon caeles, -itis ,Himmlisdier" seit Enn. und caelestis, -e ,himm- 
Hsch seit Enn., rom., s. zur Bildung Schmidt PI. 346, IF. 38, 176, 
Leuraann-Stolz^ 236): Et. unsicher. VI. mit Solmsen Stud. 184, 
Schrader RL. I* 500 als *eaid-{s)lom oder *eaitis)lom zu Wz. («)<?«»*-, 
*sgaid- .hell, klar" in an. heid n. ,heiterer Himmel", heidr .heiter*, 
ahd. usw. heitar .heiter, glanzend (urspr. vom wolkenlosen Him- 
mel)', ai. kem m. .Lichtersdieinung, Helle, Bild' (= got. f^idus 
m. .Art und Weise"). ketafi .Bild, Gestalf, ci/roA ^augenOU^ 
(= av. ei^a- ds.), lit. skaidrits ,heU, Uar", lett tkaUrs ^-^ J^J- 
skdittat', skaistus .hell' usw. (vgl. caetiua und s. Walde-P. U 537; 
vgL kOraeres *qai^, *qi- .heiU" in ahd. hei ,durr" usw., mit d-Erw. 
ahd. usw. heiss, got. Jietto f. .Fieber" usw. 



Walde-P. i .326 f., und 



caementum 



131 



*skai- jgedampft schimmern' in ai. chSyd ,GIanz, Schimmer, Sdiat- 
ten', np. s&ya ,Schatten, Sdiutz", gr. OKifl .Schatten' [*»ft«-ja], (JKai6? 
.schattig" [shi-ip- oder shi-uo-], am\vl\ .Zelt" {*slea(i)-], alb. hie 
[sfeta], he, hona ,Schatten", hUj jGott", aksl. aent .Sdiatten" [Jokl 
Ling.-kult. U. 64 if.], got. skeinan ,scheinen, leuchten, elanzen", abg. 
sijati, sinqti ds. usw., vgl. scintilla, cimex und Walde-P. II 535 f.) ; 
doch ist die Bezeichnung des AUgemeinbegriffs jHimmel' als der 
^lichte Raum" sonst nidit altidg. und die Verwendung vom oberen 
Luftraum (seit Enn. bzw. Pacuv., vgl. gr. ataprj, atdi^p) yl. erst se- 
kundSr. — Lautlich einwandfrei, aber semantisch schwierig Gray 
BB. 27, 300f. (unter Heranziehung von o. kalla ,tcmplum', vgl. 
Ribezzo RIGI. 8, 92), Pedersen I 57 (: ir. eel ,augurium" usw. [s. cae- 
lebs], Bencnnung nach den Himmelszeichen, vgl. de caelo auspicari 
Varro); da6 caelum urspr. t. t. der Auguralspradie gewesen sei 
(templa caeli etwa ,Beobachtungsfelder des Auguriums'), ist imer- 
weislich und die Bed. von o. haila ,tenipluni, aedem' trotz Schrader 
HL. IP 519 kaum damit zu vermitteln [kalla als ,eingefriedigter 
Platz' wahrscheinlicher zu eaula, s. d.). — Abzulehnen Muller Ait.W. 
107 nach Corssen P 370 usw. (aus *eovilum .Wolbung' zu KOi\o; 
,hohl', s. cavus; s. dagegen Solmsen Stud. 183; ware 'caulum; des 
Ennius cava caeli, caeli palatum, caeli ingentes fornices u. dgl. sind 
dichterische Bilder wie caeli (return, aequora usw. und erweisen 
keine Grundvorstellung des Himmels als „W6lbung"); Thuraeysen, 
H. Osthoff zum 14. Aug. 1894, S. 7f. (samt o. kaila .Tempel" als 
Haffhielo- zu cohus, incohare; ware *caitdum); id. GGA. 1907, 803, 
Festschr. Wackernagel 122 {caelum = eaerulum, mit Synkope *caer'- 
lorn, caellum; caerul(e)us vim. umgekehrt von caelum, s. d.). — 
Walde-P. II 537 (I 420). 

caementam, -J n. (und -o f.; Schmalz^ 367) ,Bruch-, Mauerstein" 
(spatl. auch ,Mortel"; seit Enn., rom.): *caid-is)mentom, zu caedd. 

cacnnm, -i n. .Schmutz, Sdilamm, Kot, Unflat" (seit Plaut., 
rom.; -ae- die beste Schreibung, s. Heraeus ALL. 13, 167), obscae- 
nus, -a, -urn .anstSfiig, unanstSndig, absdieulich, unsittlich' (seit 
Enn. und Plant., urspr. t. t. der Auguralspradie = .funestus, pro- 
digiosus' [so z. B. nodi Verg. Aen. 3, 367], dann ubernommen in 
die Gemeinsprache = .turpis, inhonestus", Ruckbildung aus *ob- 
seaenare, zu obs- vgl. obscaevare; -ae- gesidiert durdi die volkset. 
Verbdg. mit scaena bei Varro 1. 1. 7, 96): die Verbindung mit in- 
quinare „beschmieren, besudeln, verunglimpfen' (seit Plant, und 
Cato, CO- seit Ace.), cunire ,est stercus facere, unde et inquinare' 
(Paul. Fest. 50, rom., *quoin-; nicht nadi Skutsdi Rom. Jbb. V I 62 
zu canae), ancunulentae ,feminae menstruo tempore" (-tl?, s. d.) 
i»t trotz Bersu Gutt. 120', Skutsdi a. O., Leumann-Stolz» 125 kaum 
aufzugeben; die lautlidie Sdiwierigkeit lafit sidi vl. am ehesten mit 
Sommer Hdb.' 77, KE. 20 durdi Annahme einer urbanisierten Form 
etunum fflr plebejisdies *eenum aus *eoinom, quoinom (vgl. Varros 
Verbdg. von ohseaenus mit scaena) beheben; nidit einleuditend Walde 
LEW.* 8. v., Muller Ait W. 376 cae- aus 'gKOt- lautgesetzlich vor - 
der folgenden Silbe; vgl. eaerimOnia), Hirt Vok. 182 (Ablaut *qaind 
yxn-), Reidielt IF. 40, 75 ***«n- : **»<ii-). — Wz. H^ei- .Sdilamm, 
Kot' nodi in sdiwed. dial, hven .niedriges, sumpfiges Feld' (nn. 



132 



caerefolium - caerim3nia. 



hvein in ON.), schw. hven, norw. dial, kvein f. .agrostis", mengl. 
whin .Schilf' (als ,Sumpfpflanze', grm. *htvaind, iog. *kfoina; aber 
ags. a-hwUnan ,plagen, quSlen, belastigen", asdiw. hicin .molestia' 
[Zupitza Gutt. 53] steht in der Bed. ab und ist wohl Kausativ 
,weinen machen' zur Schallwz. *kmi- in an. hvXa ,wiehem" usw., 
Falk-Torp 440), zweifelhaft lett. svinit refl. ,sidi sdimutzig machen", 
stuns ,besdimutzt" (Froehde BB. 17, 310, doch s. Muhlenbadx-E. 
s. v.); mit anderem Formans vl. arm. Mv ,Bodensatz geprefiter 
Trauben" (*k'^i-hho- oder *kul-m-'i, Liden Forhandl. vid svenska 
filol.- odi historikermotet i Goteborg 1912, 110, Petersson Bait. u. 
Slav. 48 f. mit eanz frel. Weiterungen). — Fern bleiben air. coen- 
nach jMoos" (Mudi ZdA. 42, 169), gr. Klvaiboi; .tinzuditig" (s. Fick 
BB. 28, 101 : Kvdu), vgl. cinis). — Etr. Herkunft von obscaenus (Er- 
nout BSL. 30, 93) ist ohne Anhalt. — Walde-P. I 469. 

caerefollBm, -i n. ,Kerbel' (seit Colum., rom.; aus dem Lat. 
entlehnt ahd. kervola, ags. cerplle usw., aus dem Grm. russ. ktr- 
beh usw., Bemeker 501): hybride Bildung aus gr. x«ip^tp"^^ov ds., 
vgl. chaerephyllum Colum. ( weise, Saalfeld). 

caerimonia, -ae f. , religiose Handlung, Feierlichkeit, heilige Ver- 
ehrung" (seit Cic, rom., -um n. seitFronto): vl. mit den Alten, die 
an die Rom benachbarte etr. Stadt Caere anknupfen (Paul. Fest. 44, 
Val. Max. 1, 1, 10; vgl. audi den etr. GN. jaire, Sdiulze EN. 354. 
567) etruskisch; ob aus etr. *caerimd, vgl. lucumo, -onius? (Emout 
BSL. 30, 112). - Nicht uberzeugend Fick 1*24, Walde LEW." s. v. 
(zur Wz. *q»ei-, dehnstfg. 'q*U- ,(be)achten, wahrnehmen", woraus 
,s(jiatzen, strafen' in ai. eikSti, cinOti „nimmt wahr", cdi/ati ,nimmt 
wahr, hat Sdieu, hegt Besorgnis", cdyate .radit, straff, av. hat/- ,ver- 
gelten, bOfien" [vgl. abg. kajg, kajati sg ,Reue fuhlen' usw., Bemeker 
469], gr.TIuu, Fut. TiOtu .schStze. (hodi), ehre", Tlmi ,Schatzung, Ehre*, 
sek. (hom.) .Bufizahlung" (Wackernagel Sprdil. Unt. 79'), tIvuj (*ti- 
vf-m) ,bu6e, bezahle', Te(w|iioi ,lasse zahlen, strafe" (s. zum Ab- 
laut und zur Trennung der Reihen *q-ei-, *q*i- ,schatzen, ehren' 
und *q^ei-, *qH- , zahlen, buiJen' Schulze Qu. ep. 355 f., Wacker- 
nagel a. O. 77 ff., zweifelnd Walde-P. I 508), uoivi^ ,Suhne, Strafe, 
Rache' [= av. kaena , Strafe, Radie', aksl. cena ,Tt^/|, Preis, 
Sdiatzung", lit. zem. kaina ,Wert, Preis"; daraus entlehnt lat. 
poena seit XII tab., rom.1, mir. cin. Gen. cinad ,Sdiuld" aus 
*q*inut-s, vgl. gr. Tivu^ai; lautlich unmoglidi, da bei idg. ai lat. 
qu- zu erwarten, und bei Ansatz von 'quoisomonia trotz Walde 
[s. eaenum] eae- aus quoi- nicht zugeeeben ist; die s-Erw. *qttois- 
hat audi an av. tkaeSa- m. ,Glaubenslehre', Unahmi ,lehre' 
keine Stutze, da femzuhalten, s. Bartholoinae Wb. 429 f. und vgl. 
quaero). — Abzulehnen audi Danielsson Ait. Stud. 4, 165, Mulfer 
Ait.W. 370 (: cura aus 'qfoisA; lautlich nicht zu reditfertigen); Pe- 
dersen I 164 (fur *caelitH6nia durdi Einflufi von cUrare oder durch 
Diss, im Satzzusammehhang, z. B. *col6 caelimdnids, zu kymr. coel- 
fain f. ,£rohe Botscfaaft", s. unter caelebg; ware nur erwSgenswert, 
wenn eaerimdnia wirklidi alt und *qailo- ,heil, von guter Vorbe- 
deutung* audi in eatlum vorlage); Brugmann Sfidw. Ber. 1900, 408 ff. 
(diss, aus *erairos, zu got. hrains usw., lat. eemd, Wz. *q{e)rii- ,sich- 



caeruleus — caesius. 



133 



ten scheiden'; in der Bed. ebensowenig befnedigend wie dessen 
Alternativvorschlag zu Wx. *Jcei- in ahd. as. Mr .wflrdig, erhaben', 
da die Bed. ,hehr, vornehm' aus .alteragrau" entwiekelt ist, zu an. 
Urr, ags. har .altersgrau, grau% mir. cfar .dunkel", aksl. ww.serz 
neben sedi .grau", s. zum Lautlichen Walde-P. I 360 m. UtX — 
Verkehrt Stowasser Dunkle Worter I p. XVI, Zimmemjann KZ. 39, 
264 (: carusl), Bucheler Kl. Schr. II 271 (: caedo, Festlidikeit des 
Schlachtopfers). — Waldc-P. I 509. 

caernlens, caernluSj -a, -um ,tief-, dunkelblau, ultramarin' (seit 
Naev., Enn. und Plant., in Prosa uberwiegend -eus [Enn. nur -a, -us, 
aber -eum -eo usw., also wohl -eus urspr., -us metr. Lizenz; anders 
Leumann-Stolz" 206) : wohl von caelum bzw. Demin. caelidum, vgl. 
bes caemla Subst. .die blaue Flache' (vom Himmel, Meer, didit. sen 
Enn.), s. K. E. Gotz ALL. 14, 75 ff. - ISlicht mit Keller Zur lat. Sprach- 
.resch. I 13, Walde LEW.« 108 = gr. xripiiXos m. ,der blaue Eis- 
voeel" (-uXoi; Demin.-Formans, nidit = -vlus, lat. -aer- aus idg. 
-er- trotz Walde a. O. nidit glaublidi; wipOXos wohl zu ai. sar&h 
bunt, sdieckig", doch s. Walde-P. I 420); unannehmbar audi Thurn- 
eysen GGA. 1907, 803 (aus "cats- : got. haizam ,den Fackeln'), Muller 
kit. W. 96 (aus *koid-elos ,hell, strahlend', zu caesius). 

caesaries, -ei i. .Haupthaar, Haar" (seit Plaut.): ai. Msara- m. 
n Haar, Mahne" [s statt s aus einer Form *kesra-, Wadternagei 
Ai. Gr. I 232; anders Sdieftelowitz WZKM. 21, 126), unsidier ags. 
heard- und had-suxBpe „Haar-Hallerin' (gnii. *hizd- bzw. *haizd-?, 
Poeatsdier Anglia Beibl. 12, 196ff, 13, 233 f.; Walde-P. I 449 unter 
Trennung von afrk. mnd. hide, nhd. Hede ,Werg'; dodi ist had- 
swape kanm von an. haddr m. ,Haupthaar der Frau" [grm. *hazda-] 
zu trennen, s. Falk-Torp 369). — Fern bleiben wohl mnd. heister, 
hester m. ,junge Eidie oder Budie', lat.-germ. silva Caesia (Tac. a. 
1, 50) = and. Hesiwald ,H6henzug an der Ruhr" (Uhlenbeck PBB. 
26, 299, Petersson KZ. 47, 288 unter Heranziehung von arm. k'ist 
Ahre"; Bed.!); sidier ai. kSsah m. ,Haar", lit. kdiSti .sdiaben' 
usw. (Wz. qaik; Trautmann KZ.' 43, 153, Walde-P. I 328); gr. xalxn 
f. ,Lodcenhaar, Mahne' (Sommer Gr. Lautet. 73; s. Walde-P. I 527). 
— caesaries (s- dissimilatorisdi erhalten, vgl. miser, aaer, Sommer 
Hdb.' 191, nidit dialektisch mit Ernout ^. dial. lat. 132 f.) ist vl. 
Weiterbildung eines r-St. 'caesar (vgl. mater-ies : tii/lUr und fades, 
effigies usw., Leumann-Stolz' 239); dodi ist der EN. Coesor hierfur 
kaum eine Stutze, da vl. trotz Cincinnalus, Crispus u. dgl. mdit 
lat. Ursprungs. — Walde-P. I 329 f. 

caesing, -«, -um „f\aw6'i' (vom funkelnden, hellen Blick des 
grunlidiblauen Auges, opp. rSvus ,gelbgrau' F^t. 273; vgl. das 
Praen. Caesius, daraus etr. ceisi usw., Devoto St. Etr. 3, 273), cae- 
sullae 'a caesiis ocuiis' (Fest. 274, falls nidit Etymologuierung 
des EN. Caesulla, Fem. zu Caeso, dann fur uns unverbindlich, s. 
Sdiulze EN. 137, Solmsen-Fraenkel EN. 149): wohl von *qaid-to- oder 
*qait-to- hell, leuditend' in lit. skdistas ,hell', arm. kaic ,Funke" 
i*kaidio; Sdieftelowitz BB. 29,31) usw., s. unter caelum (Fidf.KZ- 
21, 8f. usw.; unbraudibar Zimmerraann IF. 30. 21 8i). — ^ alde-P. 
U537. 



134 



caespes — caestus. 



caespeSa -Uis m. ,Rasenstud£, Rasen", auch ,Wurzel-, Pflanzen- 
knfiuel", ,Erclschollen', , Knopf (an der Rebe)', spatl. ,Getreidefeld, 
Strauch, Zweig' (seit Cic. und Caes., rom., ebenso eaespitO, -are 
.straudieln, stolpern' seit Ps. Quint. ; «nca(?spjYa<or ^Straudiler, vom 
Pferd* Serv., s. zur Bed. [,uber Wurzelknauel stolpern'] Fav CI. 
Quart. 1, 28, Brucli Misc. Sdiudiardt 48, Bucheler Kl. Sdir. H 270) : 
o. kaispatar etwa 'secetur' oder 'caedatur' (Bugge Ait. Stud. 27; 
Form und Bildung unklar, s. v. Planta II 310, Budc Gramm. 178, 
iedenfalls Abltg. von *kaispa oder *kaispo-, nidit direkt kaispat- = 
lat caespit-). — Die verschiedenen Bedeutungen vereinigen sich un- 
gezwungen unter einer Grdbd. , abgeschlagenes oder abgeschnittenes 
Stuck' (vgl. z. B. gr. KXdbo; , Zweig' : K\a&ap6;, Kkdiu .bredie', nhd. 
Beis, Rispe : ags. hrisian ,schutteln', italicn. ceppa ,Wurzelstock', 
3§pa ,Gestrupp' : lat. cippus); Verbdg. mit caedo liegt daher nahe, 
doch ist die Bildung unklar wegen des auffaUigen Suffixes {cuspis 
,Spitze, StaAel' und secespita ,Opfennesser' sind kaum zu ver- 
gleidien ; unmoglidi Bucheler El Schr. 11 270 :' aus *caedi-potis, vgl. 
hos-pes, ,der gehauen fur sidi besteht'; Vanifiek 338: *eaedi-spit- 
^Hauspitze, Haumesser' wie *seces-spit- ,Schneidemesser' [Wz. *8pit- 
, spitz ', s. pinno]; abenteuerlidi Fay a. O. : secespita a.ui *sece-caispita 
,Rasenschneidemesser'). VI. wie vespices ,dichtes Gestrauch' auf 
Grund von *g*es-po- ,Laubgeringel' (s. d., Ausgang nach frutex; 
vgl. audi ruspor ,durchst6bere', Denominativ von *reu-s-po-, erisptts 
,kraus' aus *qri-s-po- sowie nhd. Knospe, ai. piispam ,Blute", norw. 
dial, visp ,Quaste' u. dgl., Persson Beitr. 305ff.) weiterbildung eines 
*caid-s-po- (wovon auch o. kaispatar) ,abgeschlagen, abgehauen", 
Suffix nach paliues ,Rebscho6', termes ,abgeschnittener Zweig'. — 
Kaum mit Walde LEW.' s. v. als "haip-s- (Metathese wie in ascia 
u. del.) oder *kaipsp- (Scheftelowitz Festg. Jacobi 29 mit angebl. 
Suffix -sp-) zu russ.-skr.-ksl. cipiti ,spalten', russ. cipinka „Stock, 
Stab' usw., ahd. skivaro ,SteinspUtter', nhd. Schiefer, da die grm. 
Worte zu *sqeip- in 1. sclpio „Stab' usw. (s. d. und eipptis, Walde-P. 
II 545) gehSren, die slavisdie Sippe allerdmgs eine Vzform *{s)qaip- 
erweisen wurde, wenn mit Kaiirero? • AE(vri Hes. gleidizustellen (Spedit 
KZ. 52, 90); dodi ist vl. mit Berneker 125 an Ablautentgleisung zu 
S6epati ,spalten' (Wz. *sqep-, Walde-P. 11 561) zu denken. — Fern 
bleiben av. saepa- ^Metallbearbeitung, -sdiweifJen', sifaiti ,bohrt' 
(Fide I* 46. 421, vgl. Bartholomae Wb. 1547f.), gr. Klfbti .Metali- 
schladce' (s. Boisacq s. v.), got. usw. haifsts ,Streit* (s. Walde-P. 
I 364), ai. iaapam ,Graskeira' (L. Meyer Vgl. Gr. II 610; s. Char- 
pentier KZ. 40, 436: ahd. usw. havoro ,Haier'?; nidit mit Ceris 
verwandt, Hirt PBB. 23, 353). 

caestns, -us m. ,der lederne, mit eingelegtem Blei oder Eiscn 
versehene Riemen, mit dem die FaustkSmpfer Hand und Arm lun- 
widcelten' (seit Ps. Plaut Bacdi. 69; sdileditere Schreibimg -e-): 
wohl als *caed-stus .Schlagriemen' zu eaedo, dodi ist die Bildung 
unldar; davon caestatus vom Sanger, Bucheler zu CE. 236, 3. — 
Nicht nach Paul. Fest. 45, Froehde BB. 1, 202 (zweifelnd) zasammen- 
zuwerfen mit cestus, i m. (f. Schol. Stat. 5, 63 nadi zdna; seit Varro) 
jRiemen, Curtel, bes. der Venus" ; dazu wohl audi, nidit zu eaeslut, 
e[a]estieiUus 'appelkitur circuitu quern tuperponit eapiti, qui ali- 
quid est latunu in capite' Paul Fest. 45. 



caetra - calaniitas. 135 

caetra (e-), -at f. .kleiner, leichter Lederschild der Spanier und 

Afrikaner, der pelta nicht unahnlidi" (seit Varro, rom. [sard, cerda 

Matte, Sdileife', Wagner WuS. Beih. 4, 71], -SXw .mit der caetra 

bewaffnet' seit Caes.): Fremdwort; spez. kelt. Ursprung (Holder I 

679 f.) steht nidht fest; eher iberisch (Sofer Isid. 44. 164). 

cala, -ae f. ,Prugel' (Isid., vgl. unten), caio, are .hauen, sdila- 
.^en'' (Plaut. bei Fulg. p. 103, 19 H.), caiatio ,puerihs caedes' 
fibid)- wohl als volkstumliches Wort (vgl. nhd. dial. Haue, Ketle 
kriegen) aus *caidia zu caedo (Bersu Gutt. 178 zw., Thumeysen KZ. 
32, 566, Solmsen Stud. 59, Sofer Isid. 37flP. 171; eaia hei Isid 18, 
7 7 ist vl. trotz Sofer a. O. verdeibt fur cala [s. d.], da eine Bed. 
keule Wurfkeule" fur caia nicht sicher steht und der betr. Passus 
einem Irrtum Isidors entsprungen scheint). — Verfehlt Stowasser 
WSt. 27, 302 (: gr. xaio? ,Hirtenstab', s. gaemm), Zimmermann Wb. 
s. V. (= Caid). 

calam .Gehege' s. cohus. . t i j 7 

C8la, -ae f. .trockenes Holz, Brennholz" (seit Lucii., davon cala- 
mentum n. ,verdorrtes Holz am Weinstock' Colum.): entlehnt aus 
er KaXov, eew. PI. K&\a ,Holz' (aus •Ko/eXov .Brennholz' zu KOfu), 
vei. KflXoTOnoc .Specht' und vl. gr.-Ulyr. Kaffrdv SiXov 'A^o^av£(:, 
wenn = Kauaxiv, v. Blumenthal Hesydistud. 18. 39), mdit urver- 
wandt mit abg. koh ,Pflock» (Wz W spalten', Berneker 551 
Walde-P. I 438?, ai. kilah „Pflock, Ked' (Schmidt Voc. II 216, Fick 
BB. 2, 197). — Vgl. 1. 2. calo, ealGpodia. . , .^ „,. ^ „ 

calabrlx, -few (f.) ,spina silvestns,Wegedom' (seit Phn. rom.):.'' 
calamancns, -J m. {-um n. Gl.) ,Art Kopfbedeckung, pdleus, ga- 
lerus" (Cassiod., GL): vl. orientalischen Ursprungs; bei Abltg. von 
calamta (vgl. Gloss. IV 283, 28 scirpus iuneus unde calamauet fiuiU) 
bleibt der Ausgang unerklart. Die Nbf. camelaueia^igr. KOf»nXoio- 
Kiov KaneXafiKiov, vgl. Ducange s. camelaucum), Kurzform camela, 
-ae i. (Lvd. mens. p. 181) ist wohl volksetj-m. Umgestaltung nach 
KaunXiUTA ,(Kleid) von Kamelhaar' bzw. mlat. camelotum (Lokotadi 
n 653) — Vgl. nodi italien. calamandra (frz. calmande) ,Woll- 
zcug', cnel. calamanco, A. Kalmank usw. ds., die aus calamaueum 
entstellt s(£einen oder Suffixtausch aufweisen (Gamdlscheg 174, Falk- 

""^calamitas, tis f. .Schaden' u. zw. in der Landwirtechaft .Hagel- 
sdilag (Don. Ter. Eun. 79), Kornbrand, Mifiwadis', aUgemem ,Un- 
heil. Sdiicksalsdilag, Verderben' (seit Plant., -oms «t'\<^"*?V 
Grdi). Schlag' spridit fur Herkunft von Wz. *qel(a); *qoKa)- ,^H''°' 
hauen« in cUldes (s. d.; Fick I^ 387; vgl. z. B. dadgs calatnjtiUsgue 
Plaut Capt. 911 und Cannensis calamit&s Uc. neben clades O.); 
daher von einem "calamo- (aus *cal»no-, idg. *q^e-mo-) ,(zusammen> 
fieschlaeen'. das wohl auch in incolumii, e .unversehrt, heil 
fscit Pllut., -ms f. .Unveraehrtheif seit Rhet. Her.) aus 'en-calamts 
vorliegt (: gr. KoXo-pd? .verstiimmelf 'If gr Xa-^6s gekrummt 
neben va-pi': u. dgL, Niedermann U. 19,32 f IF 26, 53; s. d., auA 
zu anderen Deutungen). - cadamitas, nadi Mar. Victorm gr. VI 
8, 15 eeschrieben und gesprodien (vgl. audi Isid. 1, 26, 14; aber 
cadmeae victoriae : nm bonat Gl. IV 215, 4 gehort trotz Gray BB. 
27, 298 zum EN. Cadmws), beruht auf vulgSrem (nicht sabimschem, 



136 



calamus — calendae. 



Conway IF. 2, 166) Austausdi zwischen d und I, zugleicli in deut- 
lidier Anlehnung an cadd, gestattet also nidit — den audi durdi in- 
columis bei obiger Herleitung verbotenen — Vergleidi mit Wz. *qSd- 
,sdiadigen' in ai. hadanam n. .Verniditung* usw. (s. unter cadaver), 
woven versdiieden Wz. 'ksd- *k9d- ,seelische Verstimmung' in o. 
cadets amnud ,ininiicitiae causa", av. s&dra- n. ,Leid, Wehe, Un- 
heil", gr. Kffioi; dor. Kdbo; n. ,Sorge, Trauer, Betrubnis", xiybu) ,be- 
trube", KTibefiu) ,besorge" usw., nur. eaiss, kymr. bret. cas ,Ha6" 
(*kads-i- : got. usw. hatis n. .Hafi"), s. Walde-P. I 340 f. gegen Walde 
LEW.^ s. v.. Pederaen 1 121 usw. ; gr, Kolba|.toi; • 'ruq)X6s. Za\a|iivioi 
Hes. ist wrsch. verderbt (Sdimidt z. St., Herwerden s. v.), daher trotz 
Ehrlich KZ. 40, 380, Thumeysen Thes. nidit zu verwerten. — Die 
alte Verbindung mit calamus als ,Halm8chaden" (Don., von Neueren 
Corssen Krit. Nachtr. 274. 276, Vanifiek 68, Petr BB. 25, 140; audi 
in der Bed. unmogUch) ist oflFensichtlidie Volksetymologie. — Walde- 
P. 341. 437, Reichelt KZ. 46, 330 f. 

calamns, -r m. ,Rohr (Rohrpfeife, -pfeil, Schreibrohr), Stengel, 
Pfropfreis' (seit Plaut., rom., ebenso -rfi«« ,R6hrchen' Arnob. iun.): 
aus gr. Kd\a|iOC m. ds. entlehnt (Weise, Saalfeld) wie audi ai. ka- 
l&mah ,Reisart, Schreibrohr' ; aus lat. calanms kymr. usw. calaf 
,Rohr, Stengel" nadi Boisacq 397, Walde-P. a. O., doch s. Loth RC. 
18, 90, Pedersen I 121. Urverwandtes s. unter cidmus. — Walde-P. 
I 464. — Vgl. calamistrum, -i n. ,da8 (hohle, rohrformige) Brenn- 
eisen zum Haarkrauseln" (seit Plaut.), Umbildung von gr. KaXa|ji(, 
-Tbo? ds, (Corssen Krit. Beitr. 370), vl. nadi eapistrum neben capis 
o. dgl. 

calanticai -ae i. ,Kopfbededcung vomehmer Frauen mit auf die 
Wangen herabliSngenden Zipfeln, fihnlidi der mitra" (seit Afran.; 
decalautie&re Sdierzbldg. Lucil.): unerkl&rt, jedenfalls Fremdwort. 
Herleitung aus •KoXuitTiicifi (vgl. KoXuirn'ip, KdKbmpa, ,Schleier', 
Weise, Saalfeld) ist lautlidi unmoglich. 

calcar, -iris n. (eigti. caleare sc. ferrum 'Ferseneisen') „Spom", 
ubtr. ,Ansporn' (seit Plant.), calceus, -i m. ,Schuh, Halbstiefel' 
(seit Plaut., rom., ebenso -eohts ,kleiner Schuh seit Pit., -eolflrms 
m. , Schuster" Ph., •amentum n. ,Sdiuhwerk" seit Cato; dazu Kd\- 
tCov • 0it6br|Ma, KdJiTOt • Oitobi'iiuaTa KOi\a ^v xot? Imtedouoi, tarentin. 
[Rhinton] koXtIov : Lw. aus o. *calc-tios nadi v. Blumenthal Gl. 18, 
149 f.), calcSf -avi, -dUum, -are ,trete, betrete, stampfe, keltere" 
(seit Cato, rom., ehenso -OtOrium n. ,Kelter' seitPallad.): s. 1 calx 
,Ferse". 

calcatrippa, -ae f. „eine Pflanze' (Gl., rom. ,Stemdistel'): Bed. 
(etwa ,Seifenwurz'?) und Etymologic unbekannt. s. Meyer-Lubke 
WSt. 25, 95. 

calcendix s. claxendix. 

calendae, -arum I. ,der erste Tag des Monats" (seit Plaut. und 
Cato, rom.; -arium n. .Sdiuldbueh' seit Sen.): nadi den antiken 
Zeugnissen (Varro 1. 1. 6, 27, Macr. 1, 15, 10, Fast. Praen. CIL. I" 
p. 231) = ,das Ausrufen (der Nonen)', von den am 1. Monatstag 
vorgenommenen 5- bzw. 7mal wiederholten Rufen des Pontifex mi- 
nor (Formel kalo Juno Covella), dann ubertragen auf den Tag selber 
(Salonius Z. rom. Dat. 1 ff.). Beziehung auf calare ist also kaum zu 



cale5 — caliandrum. 137 

uraeehen, formale Beurteilung jedoch unsicher; vl. nach Biioheler 
Umbr. 50, Persson Beitr. 701, Reidielt KZ. 46, 327 von einem alten 
neben calare stehenden *calSre = u. kafetu ,Caleito, appellato" (s. 
unter 3 calo); nidit wahrscheinlicher Salonius a. O. 3 (Anlehnung an 
*calendus zu calere ,warm sein'); Leumann-Stolz' 100, Muller Ait. 
W. 65 {calendae lautgesetzlidi entwickelte und in der Isolierung er- 
haltene Form aus calandae, und gr. KoXdvbat ubernommen in der 
Zeit vor der Schwachung; aber kalendae ist insdiriftlich frulier be- 
zeugt als Tialandae [Zeit des Aug.], dies vl. ebenso wie gr. KoXdv&ai 
[KoX^vbai auf Pap. nur 1 mal, Wessely WSt. 24, 130] sekundare Um- 
gestaltung, etwa nadi clam, vgl. die Etymologie bei Plut. quaest. 
Rom. 24 und zur Wiedergabe von 1. -en- durdi gr. -av- Vasmer 
KZ. 41, 156}. — Abzulehnen Dohring ALL. 15, 222, Ehrlich Z. idg. 
Sprachg. 63 f., Walde-P. a. O. (von *catere ,verborgen sein' [: cel&re, 
s. A.] als ,der sich bergende Mond, Neumond"; auch sachlicn scfaief, 
s. Salonius a. 0.); Marstrander NTS. 1, 238 (diss, aus *cadendae 
,die falligen Tage oder Zahlungen', von eadere ,fSllig werden"). — 
Walde-P. I 444. 

caleo, -M», -itufus, -ere ,warm, heifi sein, gluhen', ubtr. ,ent- 
brannt sein", von Sachen ,in voUem Cange sein" (seit Plant., 
rom., ebenso caleseo ,werde warm' seit Cato), calidus, -a, -um 
.warm, heifi' (seit Plant., vlt. und rom. caldua, Leumann-Stolz* 
92; davon caldaria [urspr. sc. cella] ,Warmbadezelle, Kochtopf 
aeit Plin., rom.), color, -oris m. ,Warme, Hitze' (seit Enn. und 
Plaut., rom., vgl. caldor ds. seit Varro, Leumann-Stolz' 245): Wz. 
*Tcel- ,warm" in lit. ^lit, SilaU, 5iftt ,warm werden", Siltas 
,warm" (audi iilus, richtiger sUius , August' als , warmer Monat", 
vgl. ai. iardd- f. ,Herbst', av. sanh- i. ,Jahr', np. sal ds., oosset. 
sard ,Sommer", Wood AJPh. 21, 182), mir. clithe ,apricis', kymr. 
clyd „warm, warraend' (davon mit ei- Erw. mkymr. claer, clayar 
,warm' nach Persson Beitr. 794', anders Pedersen I 66), as. haloian 
,brennen'; Erw. *Ueu- in an. My n. ,Warme" (*WeM->o-), hlyr ,lau, 
mild', hlxr ds. {*hleu>ia-), Me n. ,Schutz, Leeseite' (*hleiBa-), ahd. 
lao, lawer (nhd. lau) usw. (Schmidt Vok. II 454, van Wijk IF. 24, 34). 
— Damit wohl identisch (vl. auf Grund einer Bed. ,stechen, prickeln", 
vgl. *preus- .frieren" und .brennen', s. pruina) Wz. *kel- .frieren, 
kalt' in ai. sisirah ,kuhl, kalt', m. ,Kalte", av. sargta-, np. serd 
,kalt«, ht. iqlii. adlti .frieren", Sdltas ,kalt', SalnA ,Reif* usw. (s. 
Trautmann Bsl. W. 298, auch zur Heranziehung von abg. slota ,na6- 
kaltes Wetter"; anders Walde-P. I 496), an. hgla t. ,Reif" ('he-hlon- 
oder *hi-hlon-\ ndl. hal n. „gefrorener Boden", dehnstfg. ahd. MU 
.schlupfrig, glatt", nhd. bair. Ml ds. — Der o. ON. Callifae in Sam- 
nium (sc. aquae nadi Niedermann BB. 25, 76 f.) enthSlt nach SAulze 
EN. 555 wie AlUfae, -t-, bleibt also fern; ebenso o. kaias unklarer 
Bed. (Muller Ait. W. 40; vgl. caecus). — Walde-P. I 429 f. 

caliandrnm (Varro, Porph., -en- Hor., GL, -turn Arnob.), -t n. 
,hohe Frauenfrisur aus falschem Haarf bzw. „Haubchen, kleme Pe- 
rucke' (seit Varro, rom.): Lw., wrsdi. aus dem Griechischen. Zu- 
sammenhang mit gr. KdXavbpo; m., KoXdvbpa f. ,Art Lerche' (dar- 
au8 vlt. *cal(fiandra ds. nach Aiisweis des Rom., Meyer-Lubke n. 1486, 
Gamillscheg 171) ware moglich, wenn xaXdvbpa urspr. ,die Be- 



138 caliga - calix. 

schopfte' bedeutete; doch ist gerade die Kalanderlerche haubenlos, 
undderVersuch Sittls ALL. 2,478 ff., unter Ausschaltung der Formen 
KdXovtpoi;, -a als erst apatbyzantinisch, von gr. xapa&pi6s m. „Regen- 
pfeifer" auszugehen (: gr. xapdbpa .Erdspalt"; daraus charadHus 
dutch die Itala, Nbf. d}i.)aladrio, ccilabrio) und die dissimilatonsdie 
bzw. volkset. Umgestaltung zu xa^a&PKiC. Xopavb-. xoXavb- bereits 
ins Griediische zu verlegen, fuhrt kaum zum Ziel, da die an sich 
mSeliche Ubertragung des Namens vom Regenpfeifer auf die in 
Farbe, Grofie und Wohnart ahnliche Holzlerdie nicht eindeutig be- 
zeuet'ist, audi das -i- dabei unklar bleibt (coriandrum .Konander" 
ode! gr. KttXid .Hutte, Nesf liegen begrifflich ab). - Spatgr. xapd- 
bpiov (audi xaXd(v)bpiov) kommt nidit m Betradit, da es nidit ,K.a- 
puze", sondern „Matte oder Dedce zum Sdilafen' bedeutet (daher 
Vitae'patr. 5, 10, 76 durdi Jmda de papijro ubersetzt); s. Sittl a. O. 
480 — Nichj aus gr. KdUuvTpov ,Mittel zum Schonmachen, weib- 
licher Kopfputz' (Weise, Saalfeld; s. dagegen Sittl a. O. 479). 

caliga, -ae f. ,der Halbstiefel des gemeinen Soldaten' (daher 
■atus .gemeiner Soldaf), meton. ,Soldatendienst", dann auch Stiefel 
gemeiner Leute wie Bauem und Maultiertreiber, bestehend aus Sohle 
und riemenartig zerschnittenem Oberleder bzw. urn Fufi und Knochel 
gewidielten Lederstreifen' (s. Mau ?W. Ill 1355; seit Cic, -ula ,Kom- 
mifistiefelchen' seit 1. Jh., vgl. das Cogn. des C. Caesar im sermo castren- 
sis Sen. dial. 2, 18, 4) : sachlich ansprechend, aber lautlich schwierig 
Kent BSL. 26, llOff.: aus *cdlco-liga ,Fersenbinder" durch Haplo- 
loeie (vgl. Isid. 19, 34, 12 und calc-eus .Schuh' = ,die Ferse be- 
deckend'; ahnlich Nehring Gl. 16,250; synkop. aus *M{e6figa, *cal- 
liga); daS das erst seit Cic. belegte Wort schon zur Zeit der An- 
fangsbetonung aufgekommen sei, ist schwer glaublich, und auch 
die Annahme, caliga sei Ruckbildung aus caligula, dies aus *calco- 
ligula, lafit sich nicht begrunden. — Abltg. von dem angeblidi in 
lit. hUnls .Ferse' vorliegenden einfacheren Stamm *qal- {*qj-, s. 
calx; Walde LEW.' s. v. zweifelnd) kommt nicht in Betracht, er- 
klart auch das Suffix nicht. 

C&ll^j -inis f. ,dunkler Nebel, Rauch, Finsternis, Trubung der 
Augen, Schwindel' (vgl. ful-, vertigo; seit Enn. und Plaut., rom^4- 
und -^^, -U- getadelt von App. Probi, Baehrens Komm. 78; caltgS, 
-are tr. und itr. ,dunkel, trfib machen bzw. sein' seit Pacuv., cfl- 
ligino, -Ore seit Itala) : s. calUdus. 

calim (recc.) oder callim ,antiqui dicebant pro clam' (PauL 
Fest. 47) : kaum richtig uberlief. ; s. Lindsay-Nohl 668 (1. calam, ana- 
logisch nachpa/am?), MullerAit.W. 65 {*cdltimn&iih partim; beidcs 
nicht wrsch.). 

calix, -ids m. ,tiefe Schale, Becher, Kelch', auch .Schussel', 
,Becher in den Wasserleitungen u. dgl.' (seit Plaut, rom.): u. shal- 
ee-ta, $calse-to ,ex patera', scalsi-e ,in patera" (z. B. v. PlantaI473; 
anders, nicht uberzeugend. Fay CI Rev. 13, 351), aL kaldiafi m. ,Topf, 
Krug, Schale' (*qol-ek(^), gr. kOXiE. -ikos f. .Trinkbecher' (•}.«*-, s. 
Guntert Abl. 32), KdXuE, -uko? f. ,Blumenkelch, Blutenknospe* (dazu 
wohl ai. kalika f. .Knospe"); mit »- okoXXIov koWwov |MKp6v, ma- 
XI^' ffMKpctov Hes. (vgl. nhd. Schale usw., s. unten). — calix irt 



calleS — callidus. 



139 



urverwr., nicht entlehnt aus gr. kOXiE (Keller Volkset. 82; auch Bc- 
einflussung im Ausgang — fur alteres *calex'i — diirch KOXt£, v. Planta 
I 473', walde-P. I 442, ist nicht zu begrunden) ; aus calix bzw. ca- 
lieem stammen ahd. kelih, as. kelic (nhd. Kelch), aus ags. calie an. 
kalkr. — Zueehorigkeit zur Wz. \s)cid- .spalten' wird trotz Walde- 
P. a. O. durch zahlreiche Bed.-Parallelen (Reichelt KZ. 46, 336) und 
durch das Nebeneinander der Formen mit und ohne s- (vsl. bes. 
ahd. scala jFruchtschale", dehnstfg. scala ,Schale' und weiteres 
unter scalpo, calva, siliqua) nahegelegt. Gegen Ankniipfung an Wz. 
*kel- ,hullen' in celo usw. (Vanieek, Fick) spricht schon die Ver- 
schiedenheit des Gutturals. — Lat. culigna, -ae f. .kleiner Kelch, 
Becher' (seit Cato) stammt aus gr. kuMxvti ds. (*Ku\iK-(Jva, Schulze 
GGA. 1897, 897, Bechtel Gr. Dial. I 58), und zwar wie o. cidxna, 
culchnam durch Vermittlung des Etr. (xuH\na, eulixna, Herbig RhM. 
64, 132). — Walde-P. I 442. 

calleo, -«», -ere „eine didie Haut (Schwielen) haben" (Plaut., 
Plin. al.), jgewitzigt, erfahren, bewandert sein' (seit Plaut., callesco 
,bekomme eine dicke Haut, werde unempfindlich' Cato, ahnlich eon- 
Cic, in- EccL, occ- seit Plaut., per- seit Cic), cflMidua, -a, -um ,ge- 
witzigt, erfahren, bcwandert, schlau" (seit Plaut., -itSs t. seitTer.): 
von callum jSchwiele", auch in der ubtr. Bed., vgl. Cic. nat. deor. 
3, 25 calUdos [sc. eos ap2>ello] , quorum, tamquam manus opere, sic 
animus usu concalluU (VaniCek 55); da kymr. call ,klug", torn, cal 
,astutus' Lehnworte aus lat. calKfidus sind (Thumeysen lA. 4, 46, 
Pedersen I 225), und ai. kaldyati u. a. ,bemerkt, nimmt wahr" (Fick 
II* 73, Hirt BB. 24, 275; wohl identisch mit kaldyati ,treibt, halt", 
s. celer) sowie av. aipikarata- ,ist eingedenk' (s. Bartholomae Airan. 
Wb. 84. 448) fern bleiben, fehlt jeder Anhsdt fur ein idg. *qal- 
, schlau, aufmerksam oder dergl.'. — Walde-P. I 357. 

(2.) callidns (GL), richtiger cSlldns ,mit einer BlSsse auf der 
Stim versehen' (Chiron 795, Isid. 12, 1, 52; s. Bucheler ALL. 1, 
106 f., Niedermann BB. 25, 78 und zu -II- Pellegrini St. it. f. cl. 
17, 402) = u.{buf) kalefuf ,(boves) cal(l)idos' (Aufrecht-Kirch- 
hofT II 210); air. caile, mir. gaile .Flecken', lit. kalybas, kal^vas 
.weiBhalsig", gr. KnXi?, dor. kAXii;, -ibo? f. , Fleck', KnXd?' •••oK, 
f\n<; KttTd Td ili^tiuiiov oni^stov Ix^i TuXoeib^i; Hes.; vgl. lat. c&UgO 
,Nebel, Finstemis" (s. d.), ai. kSla- .schwarz, schwarzblau', m. 
,Kuckuck", kali f. ,schwarze Farbe, dunkles Gewolk, Nacht' (auch 
Km ,Todesg6ttin« ? Guntert Kalypso 140), gr. KtiXd?" vE<p£Xn fivu- 
bpo? Koi x«»i«pivfl flU^pa, aksl. usw. kah ,itriX6?, Kot' (Schulze 
Berl. Sbb. 1910, 793; trotz Meillet MSL. 13, 291 f. Et. 418, Briidcner 
ZslPh. 4, 216 nicht zu gr, iitiX6? .Lehm' [s. palle6\ lat. squalor 
.Schmutz", das wegen sqwUeo ,schuppig, verkrustet sein' auf einc 
andere Grdb. zuru(£geht; hierher auch nisB. halina .Viburnum opu- 
lus' : ahd. holunlar ,Holunder", von den roten bzw. schwarzen 
Beeren', s. Falk-Torp 443 gegen die Verbdg. des gnn. Wortes mit 
ahd. hoi ,hohl"). — Neben *qal- steht mit ungeHartem Ablauts- 
verhfiltnis *qel-*<iol- in aL kalaAkah .Fleck, Rest', kalanam, kal- 
magafi .Flei, Schmutz*, kaltisah '.schmutzig, unrein, trube', kal- 
mdsai .schwarz gefleckt*, karka^^ .weifi', m. .Schimmel' (*qi>l-qo-), 
eisah .der blaue Holzhfiher' (^qeUso-), gr. KEXaiv6( .schwarz, dun- 



140 



calliomarcus - callus. 



kel finster" (Curtius 146; nicht als *kelamios zu dam, celare, Hirt 
Bb'24 268, Pedersen KZ, 39, 380), wohl auch wXX6? ,grau», kIX- 
Xoc .Esel" als ,der Graue' (zum Lautl. s. Valde-P a OA lat co- 
lumba ,Taube" (s. d.), nhd. schweiz fcrfm ,weifier Fleck beim Vieh 
auf der Stim', schwed. dial. hjUlm .blSssiges Pferd blassiger Ochs' 
(Ehrismann PBB. 20, 57), mhd. hilwe ,feiner Nebel', bair. gehM 

Nebel, Herrauch' (Zupitza Gutt. 113). — Die Bedeutungen ,weifc, 
welfelich, grau, dunkel' lassen sich unter einer aUgememeren Bed. 

glanzend^ vereinigen (s. Persson Beitr. 32 f.). - Fem bleiben lat. 
rallum Schwiele" (Bucheler ALL. 1, 106 und ccUvus Fick I* 26, 
V pCta I 187), s.Md. - Valde-P. I 440 flf., Persson Beitr. 169 f., 
Reichelt KZ. 46, 332f. 

calliomarcus, -l ,Huflattich (equi ungula frz. pas dane) gall., 
s Marc. med. 16, 101: nach Pedersen I 69, Loth RC. 37, 25 fafsche 
Latinisierune eines spatgall. *caUio marcl .testioulus equi'; caiZto- 

Hode' {:kymr. caill, hret. hell ds., Walde-P. II 592) und *marco- 
"Pferd",s. unter tnerx. VgL «pocaitum neben ebulcalium , ungula 

caballina" 01., s. equus. . ^ u i u 

callls, -is m. (und f. seitVarro nach simita, vta) .schmaler Berg- 
pfad, Triftweg, Gebirgstriften" (seit Ace, rom. [auch Schleuse"], da- 
von callMnm, etwa .Viehtreiber" Inschr) : wohl als *caZ«.s nach 
Lagercrantz bei Torbiomsson Liquidametath. 82 zu bg. kldntk ,nauni 
zwischen Herd und Wand«, skr. kUnac ^Engpafi", slov. fcMnsc Hohl-, 
Gebirgsweg, Rinnsal, Dorfgasse', Cech. klanec .Bergsattel, Pafi (ursl. 
'kolntdi; fern bleibt Ut. kdlnas ,Berg", s. coUis), nhd. Hdle, Hdlk 
.Winkel zwischen Ofen und Wand« (nd. fteMeff«« ,dunkler Aufbe- 
wahrungsraum im Schiff' usw., Solmsen PBB. 27 365ff., Falk-To™ 
393^ - Semantisch weniger gut nach Curtius 149, Thurneysen KZ. 
28, 147, Johansson ib. 30, 435, MeiUet-Vendryes 82 zur d-Erw. von 
Wz *gel- .schlagen, abbrechen' (s. d&dis) m mir. cadi ,Wald 
kymT celli ds., korn. kelli ,nemus» (•g.J-dt?, an sich auch aus 'qal 
ni- : B.kldnac usw. [s. oben] herleitbar, doch spncht die Bed dacegen^ 
gr. KXdbo? m. Jabgebrochener) Zweig Tneb" (Fraenkel KZ. 4^, 256). 
an holt n. erhohter. rait Baumen bewachsener Steinerund , ags 
holt GebOsch, Wald, Bauholz', ahd. usw. holz ,Wald Hold' (grm 
*hoUa-, ide.*ql-do-, Gbd. .abgeschlagenes Holz[stadc "), abg. usw 
klada ,Balken, Blodc"' (ursl. *kolda- wie vl. auch ksl. kladtvo Ham 
mer', doch vgL dOdes; aber Cech. klest ,Klaubholz'' nicht nut 
Schrader KZ. 30, 475 als*kledH- hierher, s. Berneker 517) unsicher 
ai. kdsthdm n. ,Holzscheit« (aus *kahtha-, idg. >W-t?>o-V Johansson 
IF 14' 314 vgl. Walde-P. 1 438). — Abzulehnen Curtius 146, VaniCek 
54 (: gr. xa^eudo? f. ,Weg", lit. heliduju .wandere' [fc«ja» ,Weg J, 
Wz. •L;«t- Erw. von *qel- .treiben', s. eeler, Walde-P. I 446 und zu 
- trotz Hirt Abl. 118 - femzuhaltenden got. usw. hlaupan .laufen , 
gr. KdXim ,Trab' Brugmann Grdr. P 572, Hermann KZ. 41, 52 f.; 
fat -II. nicht aus -lit). — Falsch Johansson a. O. (caUis in der Bed. 
.Pfad' als , terra tfita' : callum). - Walde-P. I 356. 

caUns, -» m. (Naev. al.. stets im Plur.) und callum, -i n. (nach 
gunun, glandium, vgl. Plant. Pseud. 166) .verhartete, dicke Haut, 
Schwarte- Schwiele. Kruste. Knochenverhfirtung, harte Haut von 
Fruchten u. dgl., UnempfindUchkeit" (seit Naev,, rem.): ai. Kipah 



1. cals - 3. cals. 



141 



(mind, aus *krtta-) m. .Schwiele' (Bezzenberger BB. 3, 131'), weiter 
nach Thumeysen Thes. air. mir. calath, calad ,hart', kymr. called 
ds., gall. VN. Caleti, Caletes {*kal-etos; aber d.Hdd hleibt trotz Zu- 
pitza Gutt. 107, Kluge s. v., Pedersen II 37 wohl fern, 8. Walde-P. 
I 443), ksl. usw. kaliti .abkuhlen, harten (gluhendes Eisen)', wo- 
zu nach Berneker 476 zw. lett. kMst, -stu, -tu .verdorren, mager 
werden' (doch s. Mflhlenbach-E. s. v.), alb. a-Jmt .Eis" (Jokl Ling.- 
kult. U. 268 f.); vl. got. usw. haldis ,eher, vielmehr' (nhd. halt), 
wenn Gbd. ,hart, fest« (Fide HI* 85, Falk-Torp 396). — Weiterer 
Zsshang mit Wz. *qel- ,schlagen' in eludes (Walde LEW.^ s. v. nacli 
Sabler KZ. 31, 281 mit falscher Grdf. "Icalsom und unter Heran- 
ziehung von gr. KfjXov ,Geschofi', s. dagegen Hirt BB. 24, 268, 
Walde-P. 1 431) ist wrsch., da der primare Begriff .Schwiele, Beuie' 
(durch Schlagen verursachte Verhartimg; vgl. q>6aKri .Schwiele' : 
mhd. hiisch ,Knuttel, Schlag, der Beulen gibt, Wulst, Bausch') zu 
sein scheint; weniger gut Reichelt KZ. 46, 333 (als ,abgezogene, hart- 
gewordene Tierhaut' zu Wz. *{s)qel- ,spalten' in eulter usw. mit 
falscher Heranziehung von culleus, s. d.). — Fern bleiben callidus 
,mit einer Blfisse auf der Stirn' (s. d.) und ealvus ,kahl« (Bucheler 
ALL. 1, 106 f.). - Walde-P. I 357. 

1. calo, -onis m. „Tro6knecht, Trainknecht", auch ,Stallknecht, 
Hausdiener" (seit Ace; zu der sehr zw.Bed. .Materialtransportschiff" 
Isid. s. Heraeus ALL. 10, 508 f., Sofer Isid. 27 f.): yl. mit den Alten 
von cala .Holz", doch ist der Benennungsgrund nicht klar; da6 sie 
das Brennholz zu besorgen' batten (Non. 62) oder gar da6 sie h5l- 
zerne Knuttel trugen (Paul. Fest. 62, Serv. auct. Aen. 6, 1), ist wohl 
Erfindung der Grammatiker zur Stutze ihrer Etymologie. — Nicht 
als *cae-slo zu caciila (Walde LEW.'' s. v. zw.), da dies etruskisch ist. 

2. calo, -onis m. ,eme Art Holzschuh, der Kothurn der Griechen' 
(Plaut. Poen. 1168, Gramm.): von cala ,Holz'; Ableitung unklar. 
Kaum mit Keller Volkset. 93. 180, identisch mit 1. cSW als scherz- 
hafte Kurzform von *cdlopas, gr. Ka\6iroui;, KaXoitibiov .Schuster- 
leisten' (vgl. cdlopodia f. ds. Schol. Hor.; aus dem Griech. stammt 
auch arah. kalib, worauf sp. frz. calibre .Kaliber* zuruckgeht, Lo- 
kotsch n. 1030, Bruch Misc. Schuchardt 38 f.). 

3. calflj -atum, -are ,ausrufen, zusammenrufen, t. t. der Sakral- 
sprache' (Varro usw., s. unter calendae; inttrcalHre .einschalten' 
seit Varro und Cic, ebenso aris, -Srius ,zum Einschalten gehorig' ; 
curia calUbra ,die zum Ausrufen der Kalenderdaten bestiramte 
Kurie' seit Fast. Praen. und Varro; cala tor, oris m. ,Ausrufer, 
Diener, bes. des Pontifex" seit der Foruminschr., daraus entlehnt 
messap. kalatoras Gen. ,Herold' [vgl. horn. KoXi'iTUjp ds.], v. Blumen- 
thal Gl. 18, 150): u. kafetu, kafitit, earsitu .calato, appellato" 
{,*kalet6d; s. v.PlantaI291, Brugmann IF. 18, 532), gr. koX^ud ,rufe', 
Ki-KXr|aKiu ,rufe herbei, an", 6fyu>-KXi^ f. ,Zuruf', kXhTZu) ,nenne' 
(von •K\ti-/bc. Schulze Q.ep.283ff., Fraenkel Gl.4,36), Ittt. kafudt 
.schwatzen", as. ahd. halon ,rufen, holen', abltd. ahd. holon ,rufen, 
anrufen, holen', ags. geholian .erreichen* (auch nd. halen ,ziehen, 
bes. an einem Tau' [daraus frz. haler, sp. halar], vgl. nhd. ein-, 
Sberholen, van Helten ZdW. 11, 55, Falk-Torp 373; nicht mit Man- 
sion PBB. .33, 547 ff. zu gr. KdXun'm. ,Tau'); Wzf. •A<«)/e- (vgl. auch 



142 4. cal3 - caltha. 

ealendae) neben kM-, »• "och lat. clamo, clarus, concilium 
elatsis, namenclator, -oris m. ,Namennenner, Hilfsdiener der 
Zensoren, Sklave, der dem Herrn die Namen der Begegnenden zu 
nennen hatte" (seit Varro und Cic, vgl. syn. wonifor Mur. 77; -ul- 
Petr. Suet, al, s. Baehrens PhW. 1922, 181* und zur Bldg. Pokrowskij 
IF 26 loot.), u. an-glar ,oscines' (,avis inclamans", Brugmann Sachs. 
Ber 1890, 206). Vgl. noch ai. usS-kalah ,Hahn" ('f|{-Kav6s'), gr. 
KeXapiiZio'.rausche, riesle", K^Xabb? m. ,Getose, Larin' (*keh-d--i, 
vgl elassis), air. cailech, Ogam Gen. Caliaci, kymr. ceiliog, kom. 
chelioc bret. kil'ek ,Halin» (*kalia-kos, Pedersen II 30), ags. Mowan 
rueire, boare', ahd. (fc)temn, {h)ltioen ,bruUen', an. hloi ,gigas' 
( Bruller'), ahd. hel ,laut, tonend" (nhd. hell), Milan ,ert6nen', 
mhd. hal ,Hall, Schall', an. hjala ,schwatzen", Ut. Tcalb& f. ,Sprache«, 
kalMsyti .schwatzen'. apr. kaltza, kelsai ,lautet", m. Redupl. lit. 
kafikalag .ScheUe', t. -ksl. klakoh .Glotie' usw.; Erw. *9(e)fem-, 
vgl. cla-m-are, in ags. hlimman ,widerhallen, klingen, bruUen", ahd. 
(h)limmen ,brumnien, heulen", hlamon .rauscben, toscn" ; vgl. *g(e> 
len- in ags. hlynnan ,larmen, ballen' usw., ai. krdndati ,schreit, 
brullt, rauscht, knarrt'. — Schallwz. *qel- (daneben *sqel- in nhd. 
schaUen, schellen, schelten usw.) mit mannigfachen Erw.; vgl. noch 
clangs. — Walde-P. I 443 ff., Reichelt KZ. 46, 327. 

4. cal6, chalo (Inschr.), (iium, are ,herab-, nachlassen, Sffnen' 
(seit Vitr., rom., auch -^^): aus gr. xaXdm ,nach-, ablassen' (Stolz 
HG. I 88). 

ealoeatanos .wilder Mohn (papa ver siivestre)', gallisch nachMarc. 
med. 20, 68. — Holder I 704, Hehn-Schrader Kulturpfl.' 611 f., DotUn 
240 (unter Vergleich von calox cardiatos .Kardendistel' Ps. Apul. 
herb. 25, dessen gall. Ursprung jedoch nicht featsteht). 

calopeta, -«« m. ,Seiltftnzer" (Expos, mund. 32): wenn richtig 
uberlief., aus gr. *KaXoitdTn? oder Umformung von xoXopdrir; nach 
it^TOHai, iteraupiOTifi?. Heraeus Sprache Petr. 27', Wolff lin ALL. 13, 
352, Nehring Gl. 17, 134. 

calpar {-aris) n. .Weinfafi aus Ton', met. ,junger Wem vom Fafi 
beim Opfern' (seit Varro) : gr. koXttk;, -ibo?, KblXttTi f. ,Krug, Aschen- 
urne", air. cilornn .urceus", cilurnn ,urnam", kymr. celtorn ,Milch- 
eimer", bret. kelorn ,Kubel", gall. ON. Cilurmm (*crfpumo-, Pe- 
dersen I 94. 365); fern bleibt ai. karparah m. .Schale, Scherbe, Him- 
schale' (wohl idg. r, Walde-P. II 580). — ealpnr scheint als *calp-aU- 
lat. Weiterbildung des gr. KdXini (Leumann -lis 29, Stolz* 235; un- 
wrsch. Emout BSL. 30, 121: etr. Vermittlung, ar etr. Pluralendung; 
Calp-umitis ist in Stamm und Ableitung etr., Schulze EN. ISSV — 
Wertere Verknupfung unsicher; dafi die ganze Gruppe trotz Ablaut 
und SuffixvariaUon aus assyr. karpu, karpa-tu ,GeKfi, Topf ent- 
lehnt sei (Scheftelowitz BB. 28, 149. 29, 69), ist ebensowemg zu be- 
grOnden wie Picks I* 377, BB. 6, 236 (ebenso Guntert WuS. 11, 138 
unter Heranziehung von gr. KdXitos, lat. euleita, s. d.) Anknupfung 
als .Gefllfi mit Handhabe' an ahd. hal{a)p .Handhabe" usw., s. 
Walde-P. n 95. — Walde-P. I 447. 

ddtta, -o« f. {eaUhum, -l n. Prud., Gl.) ,gelbe Feldringelblume, 
Calendula officinalis L." (scil A'crg.; daraus wcitcrgclnldet alb. i-of- 



calumnia — calva. 143 



tere ,blau"? Schrader RL. P 149): aus einein nicht belegten gr. 
*Kd\Sri (Wetse, Saalfeld), das vl. nach Walde LEW.^ s. v. als *gUdha 
zu helvus U9W. Davon calthula, -ae i. (-«m n. GL, Isid.) ,gelbes 
Frauenunterkleid zum Giirten" (seit Plaut.; vgl. erocotula As. von 
croeota, gr. KpOKUixd^). 

calumnia, -ae f. (-«-, Grober ALL. 1, 540) ,falsche Anklage, 
Rechtsverdrehung, Betrug, Verleumdung' (seit Lex repet, rom., 
ebenso calumnior, -atus mm, art ,Ranke Schmieden, falsch an- 
klagen, bekritteln' seit Rhet. Her.), aus *caluomnia, von Part. Pras. 
*calvomnos (vgl. alumnus : alo luid zur Abltg. praesentia : praesens, 
facetia : faeetus, Solmsen KZ. 34, 547); vgl. calvor, -i (-6 Granim., 
GL, -id Ser\'. auct. wohl Augenblicksbildung nach decipio) ,suche 
Ausfluchte, hintergehe mit Ranken, tausche' (seit XII tab.): Wz. 
"kel; *kdl-, 'kal- ,betoren, bezaubern, betrugen' in gr. xriWtu ,be- 
tore, bezaubere", KtiXn»|i6s ,Bezauberung", KTi\ri'«ive? f. PI. ,be- 
zaubemde Wesen" (Find., urgr. ti ; Buggc Curt. Stud. 4, 331 f.), got. 
holon .verleumden", af-holon .ubervorteilen', ahd. huolen .be- 
trugen", ags. holian, helan ,verleumden", hoi n. ^Verleumdiuig", 
an. hoi n. ,Lob, Prahlerei', h0la ,preisen, prahlen' (Diefenbach, 
Bersu Gutt. 170; Gbd. wohl ,dei6nerisch herausstreichen', daher 
nicht ganz oder teilweise mit Uhlenbeck FEB. 30, 292 zu calare; 
auch nicht zu celare, Kluge Grundr. P 405 u. a.); unsicher gr. K6XaE 
m. ,Schmeichler' (Persson Beitr. 158f.; wurde Ansatz von *fce^ *A;o/- 
*kel- erfordern). — Fern bleiben fiech. Worn .True, Spott" (Zupitza 
Gutt. 122; Gbd. ,fasehi, schwatzen', s. Berneker 509), ai. kufam n. 
,FaUstrid£, Falle' (v. Bradke KZ. 34, 157; vgl. kudt t. ^Fufifessel' 
und Valde-P. I 433), wohl auch catA-, eafu- m. .artige Rede, heb- 
licheWorte, Schmeichlerworte", cafab m. .Betruger' (Persson a. O. ; 
nach Uhlenbeck s. v. mit mind, t a«s t), gr. itaXcOw ,locke Vogel 
ins Gam" (v. Bradke a. O.; im Guttural nicht mit calvor usw. ver- 
einbar), kuiXOui „verhindere" (Solmsen KZ. 38, 448; auch in der 
Stammbildung nicht vergleichbar, s. Meillet MSL. 16, 244, Walde-P. 
II 591). — Vgl. auch cavilla. — Walde-P. I 446. 

calTa, -ae f. ,Himschale, Schadel" (seit Pompon.), ctdvaria, -ae 
f. ds., spStlat. auch ,Becher« (seit Gell. und Varro, rom.; vgl. eal- 
varia n. .Art Seefische' Enn. Apul.; aus lat. calva entlehnt air. calb 
,Kopf') : vom Adj. calvus ,kahl" (vl. urspr. sc. testa, falls te«to als 
gelegentliches Affektwort fur .Schadel' schon frOh volkssprachhch 
war, vgl. glabra testa hominis Auson und den Sltesten Beleg Poim)on. 
Atell. 179 islam calvam colafis comminuissem testatim «W); zur Bed.- 
Entw. .Schadel - Becher" (umgekehrt .Trinkschale, Himschale, 
Schadel" in testa) und ,kahl - Kopf" s. Scheftelowitz BB.28,155f.; 
vel. z. B. aksl. glava, lit. galva, lett. galva .Kopf : aksl. goh .nadct", 
ahd. calva .calvitium" (Schulze KZ. 40, 424, Walde-P. I 537 f.; an- 
ders wegen der lit. gestoUenen Intonation Trautmann Bsl. W. 77, 
Persson Beitr. 932 f.), span., port, chamorro .kahl, kahlkopfig, Schadel", 
ai. munda- .kahl, kahlgeschoren, Kopf". — Abzulehnen Lagercrantz 
KZ. 27,' 181 f., Petersson IF. 34, 232 f., Bait. u. Slav. 26 (rnit ganz 
frgl. Weiterungen). Falk-Torp 982, MuUer Ait. W. 64 (: gr. kcX^Pti 
.Becher" angebl. aus *KaXipn. idg. •gaZ*;^'*; KeXdpri auch mcht mit 
E. Lewv KZ. 40. 561 f. zu engl. scalp .Schadel, Himschale', sondem 



144 



calvus - 1. calx. 



Lw. au6 dem Semit. oder einer voridg. Mittelmeeisprache, H. Lewy 
Fremdw 104, Kretschmer Gi. 11, 284). - Walde-P. 1 447. 

calTUS, -a, -urn .kahlgeschoren, kahP (seit Plaut., rom., ebenso 
caMtia ,Kahlheit' [spStl., -,e« seit Petron, -mm seit Cic 1 ; ««r c^va 
wrsch. die .nacktsc^alige Kastanie" gr. rutwo\6iioj, Schrader Kul- 
Turpfl* 3961; recalvus\mit hoher, kahler Stirn" Plaut. Sen. Hier., 

»t«.-s .Calvii" (neben Kalaviis .Calvius", p5l. CaioMaKs) .Calva- 
nus" mit nachtragl. Anaptyxe, v. Pianta I 258, Solmsen Stud 136. 
KZ 37 16) zu •ff./stw- m ai. dti-kurvah-, kahai ,ganz kahl , av. 
kaurva^, npers. kal ."haarlos, kahl"; Anlautsdubletten scheinen vor- 
zuUegen in aksl. ^oi* ,nadcf, ahd. usw. kalo kaUfl)u>er ,kahl (idg. 
*g(a-, Walde-P. I 537 f., vgl. ealva; eegen Entlehnung von ^d. kalo 
aus calvus J. Schmidt KZ. &, 91 A.), ferner ma. khaUUi- jkahlkopfig , 
khUa. ,kahle8 Land' (Scheftelowitz BB. 28, 156). - Fern bleihen 
lat. camm,' callidus (s. dd.), gr. KaX6s, b6ot. KoA/a? .schon (Sut 
terlin IF. 29, 124), ai. hatdh .ungehornt' (v. Bradke KZ. 34, 158, 
s. Walde-P. I 433, Persson Beitr. 755'). - Walde-P. I 447. 

1. calx, -ci8 f. (m. Gratt. al.) ,Ferse', ubertr. Fufi (des Mast- 
baums, der Treppenwangen)", .Ansatz von alterem Holz bemi Wein- 
stock« (seit Plaut., rom., ebenso calc&nmm n. [seltener -us m.J seit 
Tert.: davon calco, -am, -atum, -are .trete mit Fufien, stolie, 
stampfe' [seit Gate, rem.; dazu toch.kalk .eehen"? Holthausen IK 
38, 651, inculcd .trete ein, trete fest, stopfe" seit Varro und Gic. 
f-a- Colum. al.l, coneulco .trete meder, zusammen seit Flaut ; 
caleitro ^schlage heftig aus" [seit Cic, -o,-6ms m. seit Plaut 
danach tdlUr»» .SchneUen mit den Fmgem" Suet., Leumann-Stolz 
218; vl. nach tonitrus o. a., kaum nach gr. KoXCTpfiv ,mit l<ul6en 
tret^n", Thumeysen GGA. 1907, 806]j vef noch cai car Sporn 
calceuB ,Schuh', ealiga .Soldatenstiefel') : idg. Wzn. ^3" '^o'f 
L lit. k^nas m., kulnls f. .Hadce, Ferse' (nach BQga Vi Traut- 
mann Bsl. W. 145 aus *kulk-n-), mit k apr. culez% f., ht. kulie, 
kuliis {. ,HQfte', kul(,k)gls und kulksnis f. .Knochel am mensch- 
lichen Fufi, Sprunggelenk beira Pferd" (aus dem Lit. poln. kulsza 
HufteM; MKl. *kulk(l in sptksl. khka .poples", ble. kUka ,«"'«, 
Oberschenkel' usw. (Bemeker 660). - Die yerschiedenen Bedd. 
,Fer8e,Hufte,Knochel'vereinigen sich unter emem Gr(Ujegr. „bieg- 
sames Gelenk"; daher weiter rait Pedersen KZ. 39, 317, Meillet 
MSL. 14, 375, Reichelt KZ. 46, 327 f. zu Wz. \s)qel- .bifgen ge- 
kruramt" in lit. kelys, lett. celts ,Knie", lit. kenkli (redupl.) ,Knie- 
kehle', si. "Mm in klr. deim usw. ,Glied', abg. koUno ,Knie, 
Stamm, Geschlecht', gr. ok^Xo? .Schenkel', KUiXoy ,Glied , KUiXia, 
KUiXn .Huftknochen, Schinken', KtiiXnv f- .Kniekehle, Kniebug Knochel 
u. dgl. (s. auch scelus). — Nicht mit Johansson PBB. H, 311 it. u. a., 
Walde LEW.2 s. v. zu lit. kiiUi .dreschen', kdlti .schlagen usw. 
(s. aades), da der Begriff schlagen, stampfen* erst sekundar m den 
Ableitungen von calx entwidtelt ist. — Unsicher schemt trotz bchulze 
Bed. Sbb. 1921, 295 die Zugehorigkeit von gr. XdE, \dybr\v ,mit der 
Fetsc ausschlagend" (aus *KXdE, vgl. itO£ koI XdS nut pugnis calcibus 
Pl«ut. Poen. 819 uswO, da von Xaxn<S? (*Xok-oh6?) ,das Ausschlagen 
mit dem Fufie", XaK-rfrui .schlage aus, zapple', XdiCTi?, -to? f. .Morser- 



2. calx — carabio. 



145 



keule', weitcrhin von XriKdv 'irpo? (jj&nv 6pX€toOai'. \«€pTiZeiv OKip- 
Tdv Hes. kaum zu trennen (s. lacertus, Bechtel Lexil. 210 f.). — Walde- 
P. II 599 (I 437). 

2. calx, -eis f. (m. Plaut. Varro Spatl.) ,Spielstein, Kalkstein, 
Kalk' (seit Plaut., ebenso calctna, -ae f. ,Kalk', eig. ^Kalkgrube" 
seit 6. Jh. ; calculus, -i m. „Steinchen, Spiel-, Rechen-, Votierstein' 
seit Cic; aus calx entlehnt ahd. kalch, kalh, aas. ceale, akT.-ksl 
klah, usw.y. Beziehung zu gr. xdXiE, -\Koq m. f. ,kleiner Stein, Kies, 
Schutt zum Ausfullen, Feldstein zum Bauen, Mauer-, Kalkstein, un- 
gebrannter Kalk" ist sicher; wrsch. liegt (auch wegen lat. c- kaum 
aus idg. *kh-) Entlehnung vor (Weise, Saalfeld), wie sicher die engeie 
Bedeutung ,Kalk, gebrannter Kalk' griechischem Einflufi zuzu- 
schreibcn ist nach Ausweis des Mittelvokals von caliedre ,weifi- 
tunchen' (Paul. Fest. 47, Inschr., de- Paul. Fest. 75 [vgl. dealbare\}^ 
Falls ererbt, als *(s)g(}i)eliq- weiter zu lat. silex, -ids m.f. ,Kieser 
(*sceMc-, s. d.), ir. scelec ,Fels' (*sceleneo-'i), siliqua, -ae f. ,Schotc" 
Csceliqua, s. d., Johansson KZ. 30, 439 f.), abg. skoltka .ostreum', 
arm. celk'em .spalte, zerschlage' {Pedersen KZ. 39, 422); Wz. *{s)qel- 
,spaltcn, schneiden (s. culter, quisquiliae, scalpo, sculpO). vgl. z. B. 
noch abg. skala ,Fels, Stein", got. skalja f. .Ziegel' (an. skel i. 
.Muschelschale" usw.). — Vgl. mit idg. r ai. sdrkara, iarharah 
'cries, Kies, GeroU, Sandzucker", gr. Kp6Kr|, KpoKclXri ,Kieselstem' 
(Pedersen KZ. 36, 78, Walde-P. I 463). — Da6 gr. xdVlE, 1. cote aus 
sumer. kalga ,Kalk', woraus babyl. kalakku. entlehnt sei (Weidner 
Gl. 4, 303, Walde-P. II 592), ist unwrsch., da die Verwendung des 
Kalks erst nachthemistokleisch ist und die Erfindung des Kalk- 
brennens von Karthago aus zu den Westhellenen gekonimen zu scin 
scheint (Blumner PW. X 1605). — Fern bleiben gr. KdxXnH. -ko? m. 
Kieselsteinchen' (: d. Hagd, Walde-P. 1 338), ai. kharalt .hart, raub, 
scharf, mp. xar .Fels' (Scheftelowitz WZKM. 34, 226; vim. zu gr. 
Kdp-xapos ,scharf, bissig", KopxaX^o; ,rauh', Walde-P. I 355). — 
Walde-P. II 592. 

calyx, -yew m. ,Knospe, Blumenkelch, Sdiale von Eiern u. dgl' 
(seit Plin., ebenso Demin.ca;y<<M;i«s): aus gr. KdXuE, -UKoq f., spater 
m. ds.; s. urverwandtes unter calix. 

vama, -ae f. ,kurzes, niedriges Belt, Pritsdxe" (Isid. 19, 22, 29, 
rora.): wrsch. iberokeltisdies Wort (Sofer Isid. 121 f. 164). Gegen 
die Herleitung von Diez Wb.* 436 aus gr. Adv. x«nai oder als Kurz- 
forra zu xo^-€Ovrl , Lager auf der Erde, Streu' (vgl. chameunia t. 
.Schlafen auf der Erde' Hier. aus xa»i-€"via) bestehen formale Be- 
denken. — Unannehrabar Loewenthal WuS. 10, 184 f. (: sbkr. ddma 
,lange Weile', s. Berneker 167). 
camasns s. camisia. 

cambio, -&vi, -are .wechsle, tausche' (seit Apul, roin.; con- Lex 
Sal.): nidit aus gr. KduitTW entlehnt (Weise, Saalfeld; daher das von 
Char. I 247, 9 geforderte Perf. campsl), Bondem aus dem Call., vgl. 
Nom. Gall, chron. I 613, 13 cambiAre .rem pro re dare': ^z. 
\s)kamb- .krummen, biegen' in air. camm ,krumm', kymr. korn. 
cam, bret. kamm ds., gall. ON. Cambo; Campodunum, gr. awmpfi? 
,krumm(beinig)''; sdiwundstfg. 'fegji- in eambiare {.drehen* = .wen- 
Wild e Etym. Worterbucfa d. Ut Spradie. 3. A. 10 



146 



cambortus — camera. 



den, wechaeln, tauschen', s. Fick II* 78 f.), mir. cimb .Tribut, Silber' 
{*kmbi-, Schmidt IF. 1, 68, Pokorny KZ. 50, 42 f., Pedereen I 45. 118), 
cimbid ,Gefangener", cimhe ,Gefangenschaft" (aber iibret. kemma 
tauschen', kemm ,Tausdi' u. dgl. smd Ruckentlehnungen aus ml. 
cambium, -are, s. Zimmer KZ. 32, 240, Loth Mots lat. 148). Vgl. 
noch gall. *eamh-Ua .Radfelge' in frz. jante usw. (= bret. eamhet 
an rot ds., Meyer-Lubke REW. n. 1542. WuS. 10, 139). S. noch 
d'Arbois de JubainviUe RC. 2, 128, Thumeysen DLZ. 1882, 1248, 
Ostlioff IF. 4, 267. 27, 179, Dottin 240. — Neben •(«)7com6- steht 
*[s)kefnb- in gr.-hell. KdnPo? m. ,Band, Schleife', KOnPiiu ,kntipfe', 
ZK6fiPoi; (,der Hinker', Bechtel KZ. 44, 358), sdiwed. akimpa ,hupfen, 
tanzen' u. dgl. (auch nhd. schimpfen?, s. Walde-P. a. OX Eine ver- 
wandte Wz. ist *qamp- ,biegen', s. campus. — Walde-P. 11 539 f. 

cambortns, -i ,Stange am Zaun' (Lex Sal.): germ., s. Nedcel 
PBB. 41, 164 (= .Kammbord', ,der hohe Rand', ,Rajidstange, die 
oben am Zaun angebradit diesem die Festigkeit verleiht'). 

camSIiS tirginibus supplicare nupiurae aolitae erant Paul. Fest. 
63: jedenfalls trotz Wissowa Rel.' 219" das gr. fo^i^^'ai (Keller 
Volkset. 34; vgl. Juppiter gamelius Hier., 6. Thes.); c fflr g nadh 
Camena oder eher alte Schreibung fur gamelis. 

Camenae, -arum (Sg. nur didit.) urspr. ,Quellg6ttinnen', aber 
schon bci Liv. Andr. una Naev. mit den Musen identifiziert (s. Aust 
PW. Ill 1427 f., Wissowa Rel.' 219, Solmsen Stud. 165=), alter (trotz 
Ernout MSL. 13, 335) Caamenae (Fest, 205, Enn. bei Varro 1, 1. 
7, 26; ibid, audi Garmenae, jedoA vl. in sekundSrer Anlehnung 
an carmen oder Carmenta); etruskisch-tyrrhenisch nacfa Macrob. 2, 
3, 4, vgl. audi sizil. Kaa^^vol. Falls griech. Vermittlung vorliegt, 
wo ein urspr. 'Kabn^vai zu Kaffudvai werden konnte, ist Verbindung 
mit eamillus (s. d.) moglidi. S. Sommer KE. 84 f. (auch zur laut- 
lidien Entw. *Oas>nenna, *Camena, *Camena), Ribezzo RIGI. 3, 258, 
Ernout BSL. 30, 100 f. — Abzulehnen Solmsen a. O. (aus *Cad-smenai 
,die glSnzenden' zu ai. iHtiaduh Perf., iaiad&na- Part. ,sich aus- 
zeidinen, hervorragen", gr. Pf. K^Koa^ai, KtKaan^vo? [Horn.], K€Kab- 
fi^voc [Pind.l ,sidi auszeichnend, prangend", vl. mir. cOd ,heilig', 
caddog .sanctus" Gl. V493,30, gallisdi nadi Stokes BB. 29, 169; Wz. 
*lcad; 8. Walde-P. I 340); Bersu Gutt. 179 f. (: got. hazjan ,loben, 
preiaen', ags. herian ds., vl. ahd. haren, hergn ,rufen, schreien' [s. 
carmen]; die gnn. Worte vl. zu ai. iaihsati .rezitiert, sagt auf, lobt', 
s. Walde-P. I 353. 358 und unter censeo); Pascal RFCI. 24, 298 ff. 
(: carmen, s. d.); Fick I* 42 (: ai. sd»ti ,weist zuredil' usw., vgl. 
castlgo); v. Grienberger IF. 27, 204 (Ortsbezeichnung CaanHnae aguae 
von einera Ortsstamm Casmdn-, vgl. ligur. VN. CasmoniUlt Plini). 

camera, camara (cammara Prob. app.V -ae f. ,gew6lbte Dedie, 
Zimmerwolbung, Barke mit gewoibtem Bretterdam u. dgL' (seit 
Varro und Cic, rom., ebenso -are ,w6lben' und Srius Adj. ,sidi 
in die H6he wSlbend' seit Plin., spatl. ,Kammerer'; Demin. ca- 
inella f. .Sdiale fur Flussigkeiten' seit Laber., rom., Nbf. gamella 
Gramm.J : entlehnt aus gr. Ka^dpa f. ,Gewoibe, bededcte Gondel usw." 
(Saalfeld; nidit karisdies Wort mit Sohnsen BPhW. 1906, 852f., s. 
Boisacq 402'), womit urverwandt camur{u»\ s. d. — Aug lat-gemein- 
roman. catnera stammen ahd. chamara, chamera (nhd. Kammer), 



caniillus — camisia. 147 

V -ksl. komora, lit. kamard ,Kammer', s. Bemeker 556, Niedermann 
lA. 29, 32. 

Camillas, -t m., caioilla, -ae f. .edelgeborener unerwachsener 
Knabe bzw. Madchen, als Ministranten im DienBt des Flamen Dialis 
und der Flaminica verwendet" (s. Wissowa Rel.' 496 ; in der lit seit 
Pacuv.) : Zusammenhang mit etr. Camillus 'Mercuriiis, praeminister 
deorunC nadi Stat. Tullianus (aus Kallimadios) bei Macr. 3, 8, 6, Schol. 
Lycophr. 162 Kobntto? 6 '£p\x9\<; iv Tupprivi(f, Varro ling. 7, 34 Cas- 
mUus nominatur Samothreck^s) mysteris dius quidam administer diis 
magnis ist unabweisbar; vgl. audi das etr. Cogn. Camillus (Sdiulze 
EN. 290. 322; dazu etr. Camitlnas Umstellung ana *Catmilnas'l) und 
die Herleitung der Heldin Camilla von der Mutter Casmilla bei 
Verg. Aen. 11, 543. Andererseits erinnern Berger MSL. 6, 140 flf., 
Keller Volkset. 241 an KobntXo^ (KaaulXoi;) ,der vierte Kabir bei 
den samothrakisdien Mysterien", der in Theben Kapipou iroi? heifit 
(Kern PW. X 1459; vgl. auch die Kab(it\oi im Kult der Kureten 
Dion. Hal. ant. 2, 22; Kdbno? 'Epufj? itapd Tot? Tupprivloi?" Et. Gud., 
phonik. QwtdnvU — gr. 'Epufj?). Danadi stammen das etrusk. (und 
daraus das lat.j Wort aus dem Osten, und zwar in der Bed. .Knabe' 
(Kretschmer KZ. 55, 84 f.); der Wandel KabntXoq > Koa- ist bereits 
griechisch, die Entwicklung casmillus *cainm{llus camilltis konnte 
audi lat. sein, geht aber vl. auf etr. oder ev. (nach Kretschmer a. 0.) 
auf vorgriechisdie Redinung. Vgl. audi Altheim Griedi. Getter 81 flf., 
und s. Camenae. — Abzulehnen Gianelli Atti R. Ace. Torino 48, 1086 ff. 
(: TOM^tv, s. Gl. 9, 256); Fide II* 70 (als .(Tempel-jDiener" zu mir. 
cumal ,Sklavin' aus *kamula?); OStir Beitr. z. alarod. Spradiw. I 
1921, 46 (: alb. kopil .Knecht, junger Mensdi', bask, kume „Kind' 
usw.. s. Jokl ling.iidt. U. 311). 

caminns, -J m. .Feuerstatte, Esse, Schmelzofen, Herd, Kamm' 
(seit Cato, rem.) : aus gr. Kdntvo? f. da. (Saalfeld), s. camurus. — Aus 
lat.-rom. caminwi stammen u. a. mhd., nhd. kamtn, alter alem. kdmi, 
bair. himich, ferner bulg. homin .Raudifang' usw. (Kluge s. v., Ber- 
neker 553, Sdirader RL. n« 128). 

camisia {eamisa Vcn. Fort, at), -ae f. .leinener, unniittelbar am 
Korper getragener Dberwurf mit engen Srmeln, Hemd, Kleidungs- 
stflci der Soldaten und Priester' (seit Hier., rom.; sekundSr »m 
Gallorom. -I- wie in -icttla fur -icida, Gamillsdieg 215) : wrsch. durdi 
die rom. Soldaten aus dem Gallischen entlehnt, das es seinerseits 
trotz Johansson BB. 18, 12 wohl aus dem German, (•fcomftja-?) hat, 
da hier die Sippe allein bodenstfindig ist, vgl. ahd. hemidi n. .Hemd' , 
ags. hemede ds. (grm. *hamipia-) zu an. hamr va. .Gestalt, HuUe', 
an. hams m. ,Sdiale, Hulle" (*hamisa-), an. Uh-hame, ahd. usw. 
lifhhamo .Leidinam' (,verhullte Leidie', GOntert Kaiypso 64), got. 
ana-, gahamon ,8idi bekleiden", ai. Hmulydm n., i/lmAlam n. ,wol- 
lenes Hemd', iamt ,eine Hukenfrucht';Wz. •*«»-, *ftom- ,bedecken% 
zu scfaeiden von *qem- ,w6lben' (s. eamw). Erst aus dem Lat. ent- 
lehnt sind air. caimmse ,Hemd», akom. cams ,alba", bret. kamps 
,Me6hemd', alter kymr. hefys .Frauenhemd', akom. hevis, bret. 
hiviz ds. mit unklarem h sowie agg. etmes (s. Thumeysen KR. 51, 
Loth RC. 17, 443, Pedersen I 240, Henry s. v.). — Unmittelbare Ent- 
lehnung von camisia aus dem Germ. (Schrader RL. I' 494) ist laut- 

IC* 



148 



cammarus 



campu 



lich nidit moglich. — Nicht nadi Sepulcri R. 1st. Lumbardo 50, 
371 fF. entlehnt aus spatgr. (4. Jh.) Kclnaaov ,Hemd' {vg\. camasus 
,amphiniallus" Gl.), da eine Zwisdienform *camisius nidit belegt 
iet; Kd|Jia0ov stammt wohl seinerseits aus dem Lat. wie sicher 
Derain. KOiiiicnv auf Papyri (6. Jh.). — Walde-P. I 386 f., Sofer Isid. 
77 f. 173 (m. Lit.). 

cammarus, -l m. ,Mcerkreb8, Hummer' (seit Varro, rom.; vulg. 
gambarus Orib., Demin. gamtnariunculus Gl.) ; entlehnt aus gr. Kdn- 
^apo; m. ds. = an. humarr, nd. nhd. Hummer, vgl. ai. kamaihah. 
m. .Sdiildkrote' (mind, aus *kamar-tha-); wrsdi. als .liberwolbtes 
(oder gekrummtcs. Gray AJPh. 49, 38) Tier' zu *gem- ,w6lben", s. 
camur. — Valde-P. I 390. 

camox (-6-?) .Steinbeck, Gemse' (Pol. Silv., rom.; vgl. *cama 
,Ziege" in ratorom. iyema, Meyer-Lubke n. 1555) : Lw. aus einer idg. 
Sprache der Alpenbevolkerung (: gr. KEjiid;, -dbo? f. ,junger Hirsch', 
an. ags. hiruL f., sdid. hinta ,Hirsaikuh, Hindin" \^k(m-tl], ai. sdmaJi 
,hornlos', lit. zem. smiilas ds.; Wz. *kem- ,hornlos", s. Walde-P. 
I 385 f.), und zwar aus dem Ligur. (Vetter PW. XIII 530) oder eher 
aus dem GaU. (z. B. Dottin 240, Gray AJPh. 49, 345'; zum Suffix -ok- 
vgl. esox). Aus camox stammt and. gamiza (mhd. gemeze, game] 
.Gemse', gamietn .ibex' (Much ZdA. 42, 167 f., Liden KZ. 40, 260, 
Sdirader RL. P 52, Thomas Romania 35, 1711 

campagrng, -t m. ,ein nur Zehen und Some bede<iender Schuh, 
auf dem Fufiblatt mit sich kreuzenden Riemen befestigt' (Mau PW. 
m 1433 f.; seit Capitol., 4. Jh.): Zusammenhang mit gr, xoupcfdiv, 
-iJDvo? ds. (von K6rx^0( .Sdileife'?; daneben KOiiuoTibv Edict. Diocl. 
vl. erst unter lat. Emflufi) ist sidier, nicht aber Entlehnung aus 
diesem (Mommsen Sachs. Ber. 1851, 73, Schuchardt Voc. 1 181), wo- 
bei nadi Keller Volkset. 94 zunSchst uber *compagus im Anschluft 
an compHges, dann nach campus als .Feldstiefel' (vgl. Lyd. mag. 1, 17) 
zu eampagus. Eher jedodi scheint das lat. und gr. Wort fdies auch, 
weil KO)ipa(i)v bei einer Abltg. von K6>xpo; formell unklar) auf eine 
unbekannte gemeinsame Quelle zuruckzugehen (Thurneysen Thes.). 
campana, -ae f. .Glocke' (Ferrand.), .Schnellwage' (Isid., ^r. 
Ka|iiiTav6c;)beide rem.): als .Campanisches Metallgerat" (vgl. Phn. 
34, 95) identisdi mit campanum (PI. -a) .ehernes Gefafi, Pauke' 
(Acta Arv., Gl.). Wolfflin Munch. Sbb. 1900, 3£F. ALL. 11, 538, 
Sofer Isid. 123 f. (mit weiterer^^Lit.). 

campsS s. campus. 
'^, campns, -l m. .Feld, Blachfeld, Ebene, freier Platz' (seit Liv. 
Andr., rom., ebenso eampanea, -to n. pi. und f. .Fladiland', cam- 
picellum n. .kleines Feld' seit Grom., campester, -Ms, -e .flach, eben' 
seit Cato; aus campus entlehnt as. mnd. kamp .eingezauntes Feld', 
wohl auch ahd. usw. kampf .Zweikampf, Kampfspiel', s. Falk-Torp 
490, Walde-P. 1 575) : urspr. .Biegung, Enbuchtung, Niederung' (wie 
fifKOS ,Tal" neben AfKibv .Biegung', lit. lank& .Tal, FluBwiese' 
neben flanka .Einbiegung', gall, nante .valle', kymr. nant .Bach' 
[s. nemus] zujai. ndmah .Kriimmung, Huldigung'): gr. Kttiir(f\ f. 
.Biegung" (s. gamba), Kdnirriu .biege' (aus dem Aor. Kdfivoi gebildet 
ist nacfa ScfauLEe Thes. campsare .umsegein', .abbiegen' seit Enn., 
rom., 8. Ldfstedt Konun. 109 f., Heraeus GGA. 1915, 475), Ka|jiit(iXo(, 



camuni — camurus. 149 

Ka|iti(i6; jgekrummt" (Guntert Reimw. 116), KCtnirrrip ni., Kdjuitii? f. 
„Krummune', lit. kampas ,Ecke, Winkel, Gegend', lett. kampis 
,Krummholz, Kesselhaken, Stuck Brot', ai. kampati ,zittert', wenn 
urspr. ,krumint sidi'; m. Ablaut lit. kumpti „sich krummen', 
kumpas ,krumm", lett. kkmpt ,kruinm werden', apr. etkumps Adv. 
,wiederuin', ai. kumpal^ (unbelegt) ,lahm an der Hand" (got. hamfs 
^verstummelf, eig. .verkrummt', ahd. hamf jverkruppelf, ags. hof 
,an den Handen gelShmt", idg. *qampos, Saussure Rec, 598); vl. poln. 
k§pa ,Busdi, Busdiel, Flufiinsel", aksl. kqpina „rubu3" usw. (Ber- 
neker 600; anders Petersson Gl. 8, 76). — Neben *qamp- steht 
*{s)qamb- *(s)qemb- in gr. aKafxP^i; ,krumm(beinig)', gall. Cambo- 
dUnum usw., *6amb-ila ,Radfelge' (frz. Jante usw., vgl. bret. camhet 
an rot ds.), air. usw. cam ,krumm', gall.-lat. cambi&re ,wechseln, 
tauschen" (s. d.), gr. k6^Po; ,Band, Schleife". — *qam-p- *qam-b- 
konnten Erweiterungen von *qam- ,biegen' (vgl. camnr und ean- 
tus) sein; doch vgl. die nasallosen Wzf. *kep- *kop- in ai. capa- m. 
n. ,Bogen', capaldft ,beweglich, sdiwankend, unstet' (audi in ka- 
parddl), m. ,gewundene kleine Musdiel", kapatam n. ,Betrug', mi. 
aus *kaprta-'i Petersson Heterokl. 77), np. lap ,link", eig. ,krumm', 
caftdh .gekrummt" (Sdieftelowitz WZKM. 34, 225), lett. kaparuotUa 
,zappeln", J^epis „Haken zum Drehen der Stricke" usw. (Endzelin 
KZ. 44, 63), sowie *keb- *kob- in an. hop n. , kleine Bucht", ags. 
hap , Welle, Ring", lit. kabu kaMti ,hangen', kabi f. ,Haken', ke- 
beklis kebenikas ds., kimbu klhti ,liangen bleiben", ksl. skoba f. „fi- 
bula" usw. (Petersson Heterokl. 76 If. unter Heranziehung von gr. 
Kipivba • Kara vibrou Hes. u. a.). — Fern bleiben gr. Kf|iio;, dor. 
Kditog , Garten, unbearbeitetes Grimdstudc", ahd. huoba ,Hufe", alb. 
kopSts , Garten' (s. Walde-P. I 345 f. und unter capio, scapulae), 
ebenso Capua (s. capys; Campania CampSnus hat gegenuber o. 
Kapv{ans), etr. capecane, gr. Kamtavdi; sekundSre Nasalierung, doch 
wohl zugleidi in Anlehnung an campus, s. Schidze KZ. 33, 374, 
v. Planta II 15', E. Kretsdimer Festschr. Kretschmer 116, Herbig- 
Sdinetz ZONF. 2, 11). - Walde-P. I 350 f. II 540. 

camam, -t n. ,Art Bier' (seit Ulp., bzw. Edict. Diocl., rem.): 
pannonisches, aber vl. ursprunglidi keltisdies Wort ; dazu mlat cam- 
ba ,Braustube", GambHnus'i Holder I 728, Hehn Kulturpfl.* 148, 
Scbrader RL. I» 142 f., Bertoldi Don. nat. Schrijnen 298», Loewenthal 
WuS. 9, 182 (: lit. kaimne ,Feldbiene'; phantastisch). 

camnrns {-ur Isid.), -a, -mm ^gekrummt (von den H5mem des 
Viehs), gewolbt' (seit Verg., rom.; dial, gegeniiber editlat. caments 
Non. p. 30 nach Ernout El. dial. lat. 134, doch vgl. MuUer Wb. 68): 
gr. Kaiudpa f. ,Gew6lbe' (daraus lat. camera, camara; vgl. Kajiapia 
.Sdilafhaus mit mehreren Kammem' Hes.), Kd^ilvo; f. ,Ofen' (daraus 
lat. camtnus, -i m., s. d.; nidit zu slav. kamy , Stein", Hirt Abl. 137), 
KM^Xedpov jStubendedte, Dach, Haus" (wenn diss, aus *K|a€p-, Gram- 
mont Diss. 43), ai. kmdrati (DhStupStha) ,i8t krumm', av. kamara f. 
.Gurtel" . audi ,*GewoLbe' (vgl. icaudpa " Zdlvoi arpaxiujTiKai, Ka^dpri; * 
WanTi? Hes., s. Sdiwyzer WuS. 12, 31 «, Fide KZ. 43, 1 37, der audi Kandpa 
,Gewolbe'fur iran. Lw. hfilt); unsidier die Zugehorigkeit von got. usw. 
himins m. .Himmel* (s. unter eamitia) imd von lat. eumera, eu- 
menim ,Beh5ltnis' (s. d.). — Etr. Herkunft von camur{iis) (Emout 



150 



camus - (1.) cancer. 



BSL. 30, 123) ist nidit erweislidi; ob etr.-lat. Camurius, Camitrems 
U8W. dazu gehoren, ist unsidier, da vl. in Cam-urius (neben Cam- 
onius) zu zerlegen; s. Schulze EN. 141 f. 191*. 384, auch 538 f. zum 
umbr. ON. Camerlnum und zu anklingendem auf Sizilien und Kreta 
Fick a. O. — Fern bleiben lat. camisia ,Hemd' (s. d.), an. hamall 
verstfimmelt" (s. Walde-P. II 560), ags. hvamm .angulus", an. hvammr 
Ikleines Tal' (v. Sabler KZ. 31, 284; vgl. cunnus). — Walde-P. I 

cawns, -i m. .Maulkorb, Beifikorb' (seit Ace. bzw. Itala, rom.): 
aus er. Knii6c bzw. *K&\i6<; m. ,Maulkorb, gefloditener Dedtel der 
Stimmurne, Fischreuse". - Walde-P. 1 388, Mennger WuS.5, 144 ff. 177. 

canaba, -ae f. .KrSmerbude beim Heer, Lagerdorf(PW. Ill 1451 flF.), 
Vorratskammer fur Vein, Sdiuppen als Warenniederlage, Sdiutzhutte 
u. dgl.' (seit 2. Jh., rom.): vl. nadi Fide IP 50, Saalfeld aus gr. 
Kdv(v)aPo? m. ,Holzgerust zum Modellieren, Modell" (audi kCv(v)o- 
po?; vgl. Khvdpeuna ,Modell"), falls im unterital. Griediisch die 
weitere Bed. .Rohrgerust, leichtes Holzgerust" oder ,Rohrhfltte' 
lebendig war; vgl. Kdv(v)a9pov .Wagenkorb aus Rohrgefledit", Ktt- 
voOv ,Korb aus Rohr' zu Kdwo ,Rohr' (s. unter canna; ob Kdv(v)a- 
Po?, K{v(v)apo? audi im Suffix semitisdi ist, ist fraghdi, vgl. Lewy 
Fremdw. 133f.). — Die Sdireibung cannaha (audi inschr.) kann 
aus dem Griedi. stammen (f. nach cagal), nidit nadi Keller Volkset, 
131 an canna, cannabis angelehnt sein; zu canapa (GIL. HI 4850) 
s. Mommsen Herm. 7, 304, Niedermann N. Jbb. 29, 339*. — Mit Um- 
stellung vl. hierher capanna (s. d.), das z. T. eme Betonung ca- 
ndba bewirkte (v. Ettmayer ZRPh. 32, 725 f.). — canaba mdit nadi 
Ronsdi BPhW. 1886, 259, Havet MSL. 7, 56 aus gr. KoXOPn ,Hutte, 
Zelt" (illyr., v. Blumenthal Gl. 18, 147). 

can&bnla, -ae f. ,eine zur Trodtenlegimg yon Grundstucken an- 
gelegte Abzugsrohre' (Grom., rom.) : wie canalis (s. d.) zu canna, 
vgl. etwa acetabulum: aeelum; nicht Demin. zu ca»(n)aba in sonst 
nidit belegter Bed. (Mommsen Herm. 7, 304, Thurneysen Thes.). 

canKlla, -is m. m. f. ,R5hre, Rinne, Kanal" (seit Plaut. und Cato, 
rom., ebenso -icula [neben -icidua] .kleine Rinne' seit Lucil.; aus 
dem Lat. entlehnt ahd. chanali): Abltg. aus canna ,Rohr' (Georges, 
Br«al MSL. 5, 438, Sommer Hdb.* 207; falsdi Juret MSL. 20, 19m 
— Nicht zu ai. khdnati ,grabt', av. ap. kan- ds. (VaniSek 293, 
weiteres Walde-P. I 399, Persson Beitr. 8088). 

canastmm s. canna. 

cancamnm, -f n. .das Gummi des arabischen Balsamstrauches 
(seit Plin.) : aus gr. KdTi««HOV ds., das durdi ind. Vermittlung aus 
dem Semit. (arab. kamkdm) stammt (Uhlenbeck Ai. Wb. 56, Lewy 
Fremdw. 48). Verwandten Ursprungs ist croeum, -i n. u. crocus, 
■i m. (f. Apul.) .Safran' (seit Varro Cic. Lucr., croeSta I ,Safran- 
gewand' aus kpokujt6? seit Naev. [-arius Plaut.], -otinum .Art Ge- 
badt' aus Kpoicdmvoc Paul. Fest. 53): aus gr. KpdKOV, Kp6K0; ds., 
Lw. aus hebr. karkom ds. = aram. kurkama, arab. kurkum. peis. 
karkum, arm. k'rk'um, ai. kuAkumam ds. (Pagel ZU 1, 249, Sdirader 
RL. n» 271, Hehn Kulturpfl.» 270). 

(1.) cancer, -crl (Paul. Fest. 46), Demin. eancelU, -dmrn m. (Sg. 
spSU.) .Gitter, Sdiranken", ubtr. .Grenzen' (seit Cic, rom., ebenso 



(2.) cancer — candeo. 



151 



-aritis .Kanzleivorsteher" seit 4. Jh.): dissimiliert aus carcer{es) 
,Schranke(n)" (s. d.) nach Skutsch BB, 22, 127. — Nicht zu cingo 
usw. (s. d., Vanitek 46, Muller Ait. W. 68), auch wegen des dieser 
Sippe fremden a-Vokalismus. — Walde-P. I 400. 

(2.) cancer, -crl (vlt. cancrus) m. JKrebs, Krebsgesdiwur" (seit Plaut., 
rom.; davon u. a. -Are, -&tio; carcinSma jGeschwur' n. seit Cato 
aus gr. KapK(vul^a, daraus durch Kreuzung mit cancer vlt. cancie)r6- 
ma, cancrinoma, Lieditenhan Sprdil. Bern, zu Marc. Emp. 53 ff.; aus 
cancer entlehnt ahd. kankur, nhd. Kanker, Walde-P. I 638) : gr. Kop- 
Kivo? m., ai. karkatah in. ds., karkah ,Krabbe'; vgl. weiter ai. kar- 
karah ,rauh, hart", gr. KdpKapoi • xpaxet? Hes. (vgl, paralleles *qha}- 
in Kdpxapo; .spitz" usw., Valde-P. I 355) ; vl. norw. rieke , cancer 
squilla, Garnele" (gnn. *hrakion-, idg. *^reqn-'i Falk-Torp 929; dazu 
aksl. raht ,Krebs" [apr. rakis], wenn diss, aus *krak-), ky mT.crach 
^Kruste' (^crac-no-), craig ,Felsen" (*cracl), bret. crac .Steinguf 
l*eraco-), mir. erach ,hart" (Wz. *qar-q; *qraq-. Loth RC. 43, 401 ff.). 
Von der nicht redupl. Wz. *qar- ,hart' (zur Benenniing des Krebsea 
von den harten Scheren s. Muller Ait. W. 68, Wood AJPh. 48, 307) 
u. a. carina (s. d.), gr. Kdpuov .NuB', xpavod? ,hart, rauh, felsig" 
{*qrn3UOS, Boisacq 508) sowie mit t-SuS. got. hardus, ahd. usw. hart, 
herti ,"hart, fest, schwer', gr. KparO^ uaw. , stark", Kpdro?, KdpToi; n. 
, Starke, Kraft", aol. Kp^TO? {*qre-t-, *qr-t-, Beditel Gr. D. I 58). — 
Lat. cancer mit bereits idg. Dissimilation aus *carcro- wie ai. kdw- 
katah rn. .Panzer* aus *kaiiikrta- (Hopkins AJPh. 14, 12, Brugmann 
P 425 f. IP 1, 128, Meillet MSL. 13, 33), nicht nach Havet MSL. 3, 196, 
Solmsen KZ. 34, 21 ' durch Metathese aus "carcno- = gr. xapKivo?, 
einer rein griech. Erweiterung nach Xdivo? Mdivo? u. dgl. — Fern 
bleiben u. a. lat, cornus (s. d^, gr. Kpdvo? ,Helm', Ut. katiAs , bitter' 
usw. (s. Walde-P. a. 0.). Uber mit qar- anlautende Steinbezeicli- 
nungen s. acermis, Walde-P. I 30 f., Kretschmer Gl. 14, 89. — Walde- 
P. 1354f. 

candeS, -«», -ere ,glanzen, schimmern, hellglflhen' (seit Enn,, 
rom., ebenso candieO, -are „weifi sdiimmern' seit Scrib. Larg., can^ 
didus ,biendend weifi, heiter strahlend, lauter' seit Enn., candela 
f. ,Kerze, Wadisschnur" seit Hemina [daraus kymr. usw. kannwyll 
ds., Pedersen I 193], candelabrum n. ,Leuditer' [Leumann -lis 94] 
seit Cato; vgl. nodi candor m. ,wei6er Glanz, Helle' seit Naev., 
eieindgla, cicendula i. [s. d.], femer ae-, incendo, -di, -sum, -ere 



,an-, entzunden, anfachen", beide seit Enn., rom., vgl. pendd : pen- 
ieo usw., MeUIet-Vendryes 269 f.) : Wz. *(s)qand- (lat, kelt., alb., ct.), 
*(s)qend- (ai.) .leuchten, gluhen" (s. zum Vok. Reicfaelt KZ. 46,311 
gegen Brugmann P 421, Hirt BB. 24, 248 f.) in gr. Kdvbapo?- ftv»paE 



gegen ^ , . , „ ... 

Has., ai. candati .beleuchtet', candrdk, icandrili ,leuchtend, glfin- 
zend, gluhend', m. ,Mond", candana- m. n. .Sandelholz (RSudier- 
werk)", cdni-ieadat- Intens. Part, .uberaus glfinzend' {*sqnd-), alb. 
geg. hqne, tosk. hsne ,Mond" (^tqandnS, G. Meyer Alb. St. m 59 ; 
nidit zu av. sand- .sichtbar warden", Sdieftelowitz KZ. 56, 208), 
gall. Cantobennicus .Berg in der Auvergne' (vgl. auch candosoccus, 
beliueandas .Schafgarbe" Pa. Apul., Dottin 233), kymr. cann ,heU, 
weifi", mbret. cann .Vollmond", abret cant .canus' (wenn nicht 
2. T. Lw. aus candidus bzw. *candus, Pedersen I 199). — Weitere 



152 candcs - canis. 

Anknupfune unsicher; weder die Gleichsetzung mit *mnd- f^^- 
sdinellen' m scando usw. (Wood KZ. 45, 67, Loewenthal WuS. 11, 55, 
Reidtelt a O.) noch die Verbindung mit der unnasalierten Wz. qea- 
*qod- .rauchen, rufien" in aksLkaditi ,rauchern«, r"^- ^J"** »P"«f.: 
lit. kadagys ,Wadiolder' u. dgl. (s. unter cerfrtw, Walde-P. I 384f.) 
kann vom semantischen Standpunkt uberzeugen (Gbd vl eher .sdUa- 
gen, durdiSdilag entzunden", s. Vendryes M^l Andler 386). - Fern 
Eleiben arm. sand, sant\{i-St.) ,Funke, Blitz, gluhendes Eisen (laut- 
lidi unmogUdi; vl. aus *kunti- : av. spanah- n. ,Heihgkeif, Petersson 
Zur si u. vgl. Wf. 6, Walde-P. I 471); kymr. cynneu .zunden {'kom 
+ ddu; Pedersen II 508, Walde-P. I 768); umbr. cehefi, accensum 
sit", ku-kehes >cendet' (Muller Ait. W. 68 nach Bucheler, Beditel 
BB. 7, 2; lautlich ebenso unmogUch wie die Vbdg. mit gr. mlw aus 
♦kcuT-IU), s. v. Planta I 368 f. II 406, Buck Gramm. 90). - Walde-P. 
1352. , , , 

[candes vasa fictiUa (Saliorum) GL: nach Thes. verderbt aus ca- 
pedines Oder capides.] ^^at^/5. n 

candetam, -i n. ,Langen- oder Flachenmafi von 100 Fufe , gall, 
nadi Colum. 5, 1, 6: statt *cant-edum ,spatium centum pedum , 
zu kymr. cant, it. cet ,100" (s. centum) und mir. erf .Zeitraura (s. 
oppidum). — Walde-P. II 24, Pedersen I 91, Dottin 240. 

candosoccns, -i m. ,Rebsenker% gall, nach Colum 5, 5, U: 
kymr. eann ,weifi' (s. candeo) und air socc JSchweme>chnauze 
(s. ga«, Valde-P. n 513). — Dottin 241, Jud Ardi. Rom. 6, 2101. 

efaient&S (Nom.?) .capitis omamenta' Paul. Fest. 46: von eanlts 
als Gegensatzbildung zu iuventas nach Leumann-Stolz 243. 

canlcae, -arum f. ,eine geringe Art Kleie' (seit Lucil., vl. roni., 
s. Meyer-Ltoke n. 1589): nach Paul. Fest. 46 'canicae furfures de 
farre a eibo canum vocatae' (etwa .Hundskleie', sc. farlnae i" vel. 
far eaninum Juv. und Marx zu Lucil. 711); dies ist jedoch blolie 
Volksetymologie, falls cantabrum, -? n. ,Kleie von Weizen oder 
Gerste" (seit 4. Jh., davon canlabriis f. ,Kleiengnnd" Cass. Fel. nadi 
er. mTUplaOlc; zu untersdieiden von cantabrum n. .btandarte , 
-arius .Standartentrager", nach Thes. vl. zum VN. Cantabri) dazu 
gehort; nidit uberzeugend zu letzterem Helmreich ALL. 1, iUb 
fvolkset. Umgestaltung einer Zss. von cants und too), Loewenthal 
WuS. 9, 185f (: gall. *cantos ,weiiJ' [s. candeo]; gall. Hcrkunft bei 
dem spaten Auftreten des Wortes nicht glaublich). - canicae mdit 
nach de Saussure M^m. 108 (Rec. 102) zu cinis, k6v>s; audi Reidielts 
KZ 46 335 f. Herleitung aus *M.u)an- (cantabrum ms *k(.u)atUe-dhro- 
.SchweUungsmittel", Wz. *X«t- .'sdiwellen') verdient begrifQidi und 
lautlich (fir. K0vap6c .wohlgenahrt", arm. -gun .genahrt , san ./.og- 
ling' sind mehrdeutig, s. Walde-P. 1 112f.) kein Vertrauen. 

canicum, -» n. .Nessel (Kvibn)" (Orib.): ? ,.., „ ^ di 

canlg, alat. (Pedersen 5' decl. 59) canes, -is (Abl. -e, Gen. ri. 
-«m) m. f. (s. Sommer KE. 192flf.) ,Hund, Hundin* (seit Liy. j^dr 
rom., ebenso canicula. -ae f. .Hunddien, Hundsstem' ««' Pla"J- 
[zum motionsartigen Charakter der Deminution s. Sdiulze tJN. IJO , 
haa .»- Jacobsohn KZ. 46, 56 f., dagegen Sommer KE. 194], canlnus 
.hundisch' seit Plant., -« sc. earo .Hundefleisdi' seit Varro : liL 



153 



sunienci ds. ohne hist. Zsshang) : gr. Kiiuuv, K\)\6<; m. f. ,Hund (kuv 
xepo? „hundischei", Kuvd|iuia .Hundsfliegc' : lit. Sun-musi ds.); ai. 
svdn-, ved. suvdn- (Nom. «'(«>«, Gen. Hnah), av. spa, G. sand ds., 
med. (Hdt.) aitdm, mp. sak (np. sag, kurd. sefe, waxi ^o«) ds. aiis 
*i-un-QO- (aus mp. sak entlehnt einerseits turk. sek ,Hund , ander- 
seits alb. s«7<f) ,Handin«, Jokl WZKM. 34, 30 ff.; aus dem Iran, 
stammt audi ondbaKC? • k<iv£? Hes. [Metathese aus andKttbe?, Nieder- 
mann IF. 26, 44 f.] und russ. sobdka ,Hund', kasdiub. sobaka ,un- 
zuchtiger Mensdi', vgl. np. salah, Vasmer Roczn. si. 6, 175; ver- 
fehlt Pisani Rendic. A. Lincei ser. VI 4, 357: aus *sunba-ka mit 
Suff. bho- + qo-y, todi. ku ,Hund' (Schrader RL. IV 552); arm. sun, 
Gen. San ds. {*kuon, s. Liden Husdiardzan, Festscfar. d. Medjithansten- 
Kongreg. 1911, *381 ff. gegen Scfaeftelowitz BB. 28, 290; arm. skund 
Hundchen' dann nicht ak *k^on-ta hierher, sondern als .Tierjunges" 
zu mir. eano, cana .Wolfsjunges' usw., Pedersen I 121, Walde-P. 
1398); Ivd. Kav-baOXrii; .Hundswurger" (Kuv-dfxns Hippon.; s. zum 
Lautl. Solmsen KZ. 34, 77 ff., 45, 97, Fick ib. 44, 339 f.; hypothetisdi 
Rozwadowski Materyaly i prace U 344, Cuny REAnc. 20, Iff.); 
air. cu Gen. con (= Ki)v6i;, lit. gunhs), kymr. ci (PI. c«?» = irtiveq), 
bret., kom. ki .Hund' aus *llt0 (Bartholomae PBB. 41, 281); got. 
hands, an. hundr, ags. hund, alid. hunt m. {*kun-t6; vgl. zur /-Erw. 
lett. silntene, sunfana .grofier Hund", Persson Beitr. 585); lit. mo 
m., Gen. Sunh, suns, Nom. PL alt und dial, siines (sekundar .-bt 
dial. Sunis), lett. suns. Gen. suna (alt suns, Endzelin Gramm. c524), 
apr. sunis, vl. lett. kuna f. Hiindin' (wcgen k- entlehnt [wieslovinz. 
hind .Hundin'l, falls nicht Kontamination aus *sut}a .Hundin und 
kuca ds., Mflhlenbach-E. s. v.); frgl. russ. suka, poln. suka ,Hundin , 
polab. sauko ,Hure' (wohl Lw. wie russ. sobdka, s. o.). — Die Bed. 
von cants als ,unglOcklicher Wurf beim Wurfelspiel' fseit Prop., 
canicula Pcrs.) kehrt wieder in gr. kOiuv (PoU. 7, 206) sowie ui 
ai. ivaqhntn- Jlundstoter, Bezeichnung dcs gewerbsmSliigen bpie- 
lers' (Sdiulze KZ. 27, 604 f.; vgl. auch Kivbuvo? aus *K<iv-bu-vo?, 
Schulze bei Sittig KZ. 52, 207 f., Krctschmer ib. 55, 90 f.). — Urspr. 
Flexion und Entstehung des a in lat. cants ist unklar; nach Leu- 
mann-Stolz'' 124, Gl. 18, 254, Kent Lg. 2, 186 f. Umfonnung von 
Gen. *kmnes (aus *k^,nis, Hirt Vok. 86) zu canis nach Nora, ko 
(aus *kuo], Akk. *konem (aus *kuonrji), danadi durdi Ausgleidiung 
caneiM, "Nom. canis usw. (anders Somraer Hdb.» 2^, Hirt If- ^1> 
168', Persson Beitr. 123, Walde LEW.'' s. caenum, Walde-P. I 466 ; 
lyd. Kav-ba6XTi? ist mehrdeutig, steht jedenfalls mdit in Zsshang 
mit *kan- in canis). - Fruditlose weitere Analysen von idg. kuOn 
bei Vanieek 70, Hirt Abl. 102, Persson BB. 19, 282 {: *keu ,an- 
schwellen' [s. cavus, inciens] etwa als .Tieiiungw", vgl. gr. Kooi; 
, fetus' usw.); Loewenthal Arkiv 32, 284 (SdiaUwz^ *hiu- Vcu- 
sdireien, heulen', b. catannus; ahnlidi Walde-P. a. O.: d. hu hu); 
Osthoff Par. I 199 ff. (aus ide.(p)ku6n- .Viehhuter' ^■Ajge^en 
Bartholomae PBB. 41, 281»); Vood AJPh. 41, 350. 48,309 (: *ku-, 
*km- .spitz', s. cufex, cuneus); Holthausen IF. 38, 66 (: cano nach 
den Alten; s. Gl. 12, 250). - Zur Entlehnungsfrage von chines, kwn 
alter k'iiim s. Conradv Sachs. Ber. 77, Abh. 3. S. 11 ff. - 'W aldo-P. 
I465f. 



154 1. canna — cano. 

1. canna, -ae ,kleines Rohr, Sdiilf, Rohrgefledit, Rohrpfeife, 
Sdireibrohr, Gondel, Luftrohre' (seit Varro At., rora.) : aus gr. Kolvva 
da., das durdi Vermittlung von babyl.-ass. qanu auf sumer.-akkad. 
gin ,Rohr" zuruckgeht ^aalfeld, Hehn-Schrader Kulturpfl.* 312, 
Schrader RL. IP 267). — Dber kelt. Lehnworte s. Vendryes De hib. 
voc. 130. — Aus gr. KdvaaTpov (Hes.), Kdviorpov (Ath., -t- wohl aus 
dem Lat.), auch Kdvuarpov, Kdvauarpov ,Korb' (Kretsdimer Gl. 11, 
283) stammt canistrum, -i n. ds. (seit Cic, rom., ebenso -ellum 
seit Itala). — S. nodi canSlis, canaba, candbula. 

2. canna, -ae f. .Gefafi' (insdir. seit 1.-3. Jh. n. Ch., rom., 
Briidi Einfl. 15): entl. aus dem Germ., vgl. ahd. usw. channa ,Kanne'. 

— Walde-P. I 535 m. Lit. (dazu Guntert Urheimat 12 A. 11). 
cannabis, -is f. ,Hauf" (seit Varro, rom. [in Gl. und rom. audi 

-p-, vgl. alb. kanep], ebenso cannahius Gratt. ,hanfen'; spStl. audi 
eannabus m., -a f., -urn n., Sofer Isid. 125'; daraus entlehnt ir. cnaib 
usw., Pederseil I 226) : aus gr. xdwa^t;, -eu)i;, jon. -loq (seit Hrdt.), 
wie ai. idnah ,Hanfart', osset. san ,Wein' (Hanfrausch als Vor- 
laufer des Weinrausdies), arm. kanap\ kanep", kurd. kinif, np. fca- 
nab (audi assyr. qunuba, qunnabu „Hanf' ?), Lehnwort aus einer 
unbekannten osteuropaisdien Quelle, woraus audi slav. konop- (r.- 
ksl. konopija usw. [Bemeker 558 f.J, woraus lit kanapeg, lett. kane- 
pes PL, apr. knapios; aus dem Bait. liv. kanip'^, estn. kanep usw.) 
und germ, hanap- (ags. hxnep, an. hampr, ahd. Mnaf; aus einer 
Form *kanab- vor der Lautverschiebung entlehnt) stammen. Nadi 
Thomsen BerSringer 178, Gombocz Symb. gr. Rozwadowski IT 75 f. 
ist diese Quelle das Skythisdie, der audi mordvin. kanx, kant'f (Cerem. 
ifctne?) ,Hanf" entstammen durften (gegen Schrader Spradivgl. IP 190, 
RL. P 440, Hehn-Sdirader Kulturpfl.* 192: syrjSn.-wotjak. pis ,Nes- 
sel* [vielmehr ,Hanf"] als Quelle von -pii; -mi; in xdvvopl?; s. auch 
Jacobsohn Arier u. Ugrof. 91 ' zu turk. *kdn; magyar. kender ,Hanf'). 

— Zweifelhaft ist die Zugehorigkeit von ai. bhavgah, bhangO, „Hanf, 
Rausdimittel aus Hanfsaraen', av. bavha-, hawgha- ds., np. (afgh.) 
hang ds., bangl ,berauscht', russ. penti;a (daraus poln. pienka, filter 
pienka) ,Hanf* als umgestelltc Formen ( Walde LEW.= s. v.). — Eine 
verfehlte idg. Deutung (: gr. Kdvapog ,Larm") bei Loewenthal WuS. 
9, 181. 

cano, ceeinl, cantum, -ere , singe, ertone, spiele' (seit Carm. Sal., 
It. canta seit Naev.; dies rora. [eantito seit Ter.], ebenso cantus, -us 
ra. .Gesang' seit Liv. Andr., cantio f. seit Plant., canticum n, seit 
Cic, -tcuZa Pompon. ; vgl. nodi eanorut ,klangvolI" seit Plaut., can- 
tUina jSingsang" seit Ter., s. Leumann-Stolz'' 223): = u. kanetu 
,canito' (mdit Kausativ *A;on«-, Gotze IF. 41,94), procanurent ,prae- 
cinuerint' {*prS-kekan-'i), afkani ,*accinium'; = air. canim .singe', 
kymr. canu, bret. eana .singen" (Pedersen II 479 f.), mir. ceial n. 
.Gesang', kymr. cathl f. .Hymne', bret kerUel f. .le^on' (urkelt. 
*kan-tlom); Kovdaom (Prfis. unbel., Aor. KovdEa? Hes., biexdvoEe 
Eur. usw.) ,mit Gerausdi fliefien oder sdiiitten', Kovoxifi .GerSusdi, 
Geton*, Kovax^iu, KavoqclZui ,sdialle, tone, erdrohne',fiI-Kav6? .Hahn' 
r.FrOhs&nger' [s. aurdra], vgL ai. usa-kalah ds., lat. galU-dnium, galll 
cawtw, Marstrander NTS. 3, 247; falsdi EhrUdi BPhW. 1911, 1574); 
got. hana m., ahd. usw. hano, Fem. ahd. henin, henna {*hafi(e)n-l, 



cantabrum - cantus. 155 

-ias, Brugmann IF. 37, 249ff.)> ™- Ablaut an. h0na ,Henne« (*hun- 
fon), Kinm Plur. ,Huhner', ahd. huon .Huhn" (grm. s-St. *h6mz). 

— Unsidier oder fernzuhalten gr. Kdva^Of m. .Gerausch', Kova^^ui, 
■ilw ,tone, klingle, rafile' (eher selbstSndig entwidceltes Sdiall- 
wort als mit o-Abtonung hierher); ai. kaukani ,Schmuck mit Glodc- 
chen", kavkanah m. ,Reif' (wohl eher zur Sippe von cingS, Ms 
nicht unabhSngige Sdiallnadiahmung wie d. gwgiv in der Kinder- 
sprache, Walde-P. I 400); lit. kamUs ^Zither" (Lw. aus finn. katUele, 
Niedermann lA. 29, 32 ; anders Pisani Rendic. Ace. Lincei ser. VI 4, 
1928, 357: diss. avLB*kaIkUs zu russ. kdlokol usw., s. unter 3, calo); 
mit s- lett. skanigs ,tonend", dan. tkingre usw. ,geUen, schmettern" 
(Falk-Torp 998). — Aus dem Lat. hierher noch carmen (s. d.), zweifel- 
haft cieonia (: russ. usw. kdnja, kanjuk , Milan, Weihe, durdi sein 
Geschrei lastiger Raubvogel' Berneker 483 ?, dodi s. d.); fern bleibt 
canis. — Walde-P. I 351. 

cantabmm s. canicae. 

caiit(h)erin8, -t m. ,verschnittener Hengst, Gaul, Klepper*, meton. 
,Jochgelander, Dachsparren' (seit Plaut., ebenso canHh)erinut ; -iatus, 
-iolus m. Colum.): ds ,Lasttier" (die durch Varro und Paul. Fest. 
bezeugte Bed. ,kastriertes Pferd" ist sekundSr, vgl. Rittweger-Volfflin 
ALL. 7, 316, Thumeysen GGA. 1907, 804) zu gr. KOvdi^Xio? m. .grofier 
Lastesel' (Kdvduiv .Esel", Kov&riXia n. .Saumsattel zum Bepacken 
der Lasttiere, grofie Packkorbe an beiden Seiten des Saumsattels', 
audi ,Butten zumTragen von Weintrauben', xavStai f. ,gro6e Korbe"); 
es liegt kauin direkte Entlehnung aus dem Griech. vor, sondern eher 
unabhangige Ubemahrae aus einer fremden Sprache (Boisacq 406^). 

— Unwrsdi. Petersson Gr. u. lat. Wortstud. 27, Z. Kenntn. d. idg. 
Het. 40fiF. {canterius KOvd^Xlo? idg., zu lit. kunteris .kleines, kraf- 
tigcs Pferd", av. kadwa f. .Eselin" [Suffix nach idg. *ekua bzw. 
urar. *oJ»o?], dazu als idg. Lw. turk. katyr ,Esel', unter Ansatz 
eines heterokl. Paradigmas). — Abzulehnen Schrader RL.' 626 (aus 
*canctei-ios — allenfalls als gall. Wort, Diefenbach Orig. eur. 278 — 
zu ahd. hengist. Lex Sal. ehengisto, ags. hengest, an. hestr , Pferd"; 
dicse vl. nach Kluge s. v., Walde-P. 1334 ala ,ani besten besprin- 
gend' zu lit. gankiis .flink", ^onWnit ,(ein Pferd) springen madien"; 
doch s. auch Falk-Torp 1481). 

cantns, -t m. ,eiserner Radreifen, Radfelge" (seit Pers., rem. 
,Ecke, Kreis" [s. Meyer-Lubke n. 1616, Gamillscheg s. chant; vgl. 
z. B. frz. canton mit d. Kreis .Digtrikt', Boisacq 406»; aus dem 
Roman, mnd. kant{e), nhd. Kante]; -th- in der Bed. ,Augenwinkel" 
Marc, med., Orib. nad> dem Griedi.): Fremdwort und zwar nidit 
spanischen oder afrikan. (Quint. 1, 5, 8), sondern eallisdien Ur- 
sprungs; vgl. gall. KavTE^, Kavrevo, Kovrev (Dottin 241 ; aber can- 
talon als ,Hymne" zu ir. cHal, s. cano, Pedersen I 334), kymr. cant 
,Kreiseinfas8ung, Radreifen, Rand", bret. cant .Kreis* {*kantu- oder 
*kanto-; dazu mir. cete f. .Versammlung, Jahrmarkt" aus *kantia. 
Loth RC. 42, 353 f.); aksl. 'kqti {russ. kuit usw.) ,Winkel,^Edi;c' 
(Berneker 602 f.; kaum cntlehnt aus l.-rom. cantus, Meillet Et.226, 
oder als *kqp-to- zur Wz. qamp- in gr. Kanui'i usw., Brugmann I* 
583), gr. Kavd6s m. ,Augenwinkel", diAt. ,Auge" (spates .Radreifen" 
Sdiol. Horn. E 724 ist Bed.-Lw. aus dem Lat.). — Idg. *qan-(ih)o- 



156 



canus - capanna. 



Erweiteruns von *s«w- ,biegen'' in camurus (vgl. bes Kavdibbne 
TJkZimt' KalUnT. und *2«m-6- in gaU- *c«mWta Radfelgen' s. 
u^te^r camtms) — Weeen Vokalismus und Bed. abzulehnen dieVbdg 

^rrintprt WuS 11, 139 unter Zuziehung von aksl. kqh; s. Walde-F. 
ft) _- WaUe:P. I 351 f. (auch ge|en die Herle tung der kelt. 
Wortir aus *camb-itos : ware lat. *camptt^); F SdioU If. 31, 317 ff. 
r^effen Entlehnune der kelt. Worter aus demLat.). 

cLns, -a, -«m .grau, a.chgrau, grauweifi', nbtr. ,alt altehr- 
wurdig" M Enn. uSd Plaut., rom., ebenso ^us V\t yg\. Mrsuim 
Oder nacH astutus, versutHs): aus *ras-«o», vgl. o. pal. casnar m. 
senex' (*c<.s«a«s?, v. Plantan47, 148), sabm.-lat. cascws, -a, -urn 
"alt' (urspr. ,altersgrau", seit Enn., rom., vgl. prls-cus, v HIanta 1 
H29V \hd hasan .erau, glfinzend, poUert, fein«, an. hgss (*kas-uo-, 
grm>t7«>Jo ,graubrau„% mhd. heswe .bleich, matt"; hierher der 
Lme des Ja«m als der .Graue" (Decijvxrt; vgl imss^serjafc. gmuer 
Base' neben feeycJifc^ ,weifierHase% Schrader RL. IM41): ai. sasaj 
m. (assim. aus *sasd-, Solmsen Beitr. 144 f.; nicht zu gr. xeKf^vas 
XarujoOc- Kpi^«? lies, mit Scheftelowitz KZ. 56, Wof. [unter Her- 
anlXne von lit. kUkis ^Hase' angebl. aus*fc»A- ; vim. als .Springer' 
zu Wz &- .springen", Walde!p. II 556), afgh. «oe Panurial. 
^i, kymi. LinacA (Erw. eines *mn = *tes»i .fissin' durch -ac/.-, 
Pedersen I 86. II 25), ahd. haso, mit gramm. Wedisel ags hara, an 
heH. apr. jwstna ,Hase", sasin-tinklo ,Ha9engarn«. - Sehr frgl., ob 

*kasou- (-.'kas-uo-) mit Schwundstufe der Wzsdbe gr. Eavdde .blond 
(Btett^E€v96,?,-Persson Beitr. 896S Walde-P 1 358) EouM? gelbheh, 
Uunlich" (Persson Wzerw. 135' usw.). - Ob das Cogn. Casca (Ca^ 
Hub, Cascdlim, Cased, CascSnius) hierher gehort, ist sehr fraghdi 
(s. Schulze EN. 353); sidier mcht der zu etr. casnt Casinius usw. 
gehorige (nach Vario sabin., wrsch. volksk ) Stadtname Cas^numm 
Ktiui^, der von Varro 1. 1. 7, 29 wegen der Gle.chsetzung mit Foram 
vetus" hierher gestellt wurde (Schulze a. O. 550) - Fern ble.ben 
lett.fcuo,» ,klar: durchsiditig' (Be^^enberger BB. 16 246; vim wohl 
zu knoSs ,sd.on, fein, klar', apr.mfcan^*« .unhubsch',Muhlenbadi-E 
s. v., Oder zu lit. kditi .seihen", Boga LM 4 430), ir^ arf-«« ,sehe 
(Fi(i IV 85 nach Windisch; s. Walde-P. I 509. II 480). - Walde-P. 

' capanna, -ae f. .Hutte der Weinbergaufseher' (Isid. 15> 12' 2, 
rom.. auch cam- durch FemassmailaHon ; c«p-, mcht c«6- bezeugt 
durch Isidors Herleitung von capio und durchs Rom ) : unsicherer 
Herkunft, falb nidit nadi KeUer Zur lat. Spradigesch 1, 19. 179, 
Sofer Isid 124 ff. 176 (Lit.) Umstellune aus co«(n)a6a (s. d.); docn 
muBte hierbel wohl sekundSrer AnsAlufi an camo .ange""™"*" 
werden, da die Schreibung canapa zu veremzelt und niAt emaewng 
ist. - Kelt. Ursprung (Jud Arch. Rom. 6, 206, GamiUscheg 163 wt 
unerwiesen, da nir. eabdn, kvmr. caban usw Lehnworte sind (Tl^ura- 
eysen KR 53 f., Vendrjes De hib. voc. 118, Dotbn 241), auch bei 
der Seltenheit des Suffixes -anna im GaU. mcht wrsch.; gegen 
V. Wartburgs Misc. Sdiudiardt 122 Herleitung aus ca- und J»«tn« 
s. Gamillscfeg a. O. - Gr. Kairfivn f- .Krippe", thess. ,Reisewagen , 



capeile - caper. 157 

eie. ,Waeenkorb' (: mir. cap(p) .Fuhrwerk, Bahre', Walde-P. I 342 f., 
Bechtel Gr. D. I 206) klingt ebenso wie mhd. kobel m. ,Ka8teii zu 
einem Kobelwagen, Hutte, StaU« (kobel n. .Felsschlucfaf, viid. Kofel 
U9W., Wz. *geu-p- ,wolben', Walde-P. 1 561 f., Holthausen IF. 48, 261) 
und ai. leupini ,Netz kleiner Fische" (vgl. ciipa) trotz Cohen BbL. 
27, 106 nur zufallig an. 

capedo, -inis f. .einfadies tdnernes Gefafe im Opfergebraudi' 
(Gl s Mau PW. Ill 1504; Dem. -uncida Cic; zum Suffix vgl. mter- 
capldd Leumann-Stolz^ 241; unklar cap(p)udo Cic.) : zu capio als 
jGefafi', s. auch capis. 
capello, -are s. capo. 

caper, -pri m. .Ziegenbock, Bock (im Gegensatz zu Mretts meist 
kastriert, Gell. 9, 9, 9), Bodcseestank ' (auch .Fisdi' Plin. nach gr. 
Kdirpoi;, KoirpiaKOS, Wood AJPh. 49, 178; seit CatuU, rem. caprUus 
Lex Sal., Suff. nach marltus, Schramm 60; davon vl. capriare Anthim. 
unklarcr Bed.), capra, -ae i. ,Ziege« (seit. Enn. und Plaut., rem. 
[Dem. -ella seit Pompon.], ebenso -arius m. .Ziegenhirt und -tie 
n Ziegenstali" seit Varro, -mm ,Ziegen-" seit Cato, caprunus seit 
Marc, med.): = u.kabru, kaprum .caprum' [cabrmer .capnm), 
gr KOTtpoc m. ,Ebcr' (Kditpaivo f. ,Bache'), an. hafr .Ziegenbock', 
aes. hxfer ds. (auch .Krabbe', Falk-Torp 1479), nhd. Habergeis» 
Heerschnepfe' (vom meckernden Laut)", nd. HawersUge ,Korn- 
weihe' (U. 14, 238). — Fern bleiben arm. haur-an ,Herde von 
Zieeen, Schafen oder Grofivieh' (Pedersen I 92 usw.; vim. nach 
Uden Arm. Stud. 26 als *pa-tro- zu plisco, s. d.); kymr. caer-iwrch 
Rehbock' (Abltg. von carw ,mannlicher Hirsch', s. cervus), air. 
laera. Gen. -ach ,Schaf», gall. Caeracates (s. Thurneysen ZcPh. 13, 
107); np. iapis ,einjahriger Bock" (Uhlenbeck PBB. 19, 330, lautlich 
unmoglich [ebenso wie die Vbdg. mit d. Schaf, idg. "sqep-l da idg. 
-»- np. -6-; vim. wohl ebenso wie poln., klr., slov. cap, alb. skap, 
tsk^ap, tsap .Bock', rum. pp ds. uberall selbstandig entwidtclter 
Lockruf fval. ngr. xodn-Tadn, d. dial, sub-zub], falls nicht aus dem 
Iran, ins Slav. usw. entlehnt, s. Rolilfs ZRPh. 45, 665, Meyer-Lubkc 
n. 9599, Jokl WZKM. 34, 34 f., Festschr. 57. Phil.-Vers. Salzburg 128 
m. Lit.). — Weitere Analyse von idg. *kapros (nidit semit. Lw., 
Schcftelowitz IF. 33, 142'; Reimw. kelt. *gabros s. unter agmis) un- 
sidier; s. Fick HI* 73, Falk-Torp 387 (: lit. k6pH, lett. kApt ,(be)- 
stcigen', an. h0fir ,Zuchtstier«), Meillet RESl. 5, 9 (idg. *k-apro-^ 
prafigiertes *ap-o-, s. aper); nicht zu ai. kd-prth-, ka-prthd^ m. ^pems" 
(Foy IF. 8, 295; s. Johansson IF. 14, 312). 

Hierher u. a. capfea, -ae f. ,wilde Ziege" (subst. Adj., Fraenkel 
Gl. 4, 46; davon capre&ginus Plaut., Leumann-Stolz» 206), ca- 
preolus, -t m. .wilder Ziegenbock', audi .zweizinkige Hackc', 
,Strebe, Gabelchen des Wemstodces' (seit Caes., rom., s. zur 
Bildung — Augmentativ — Sdiulze Festschr. Jagid 345 und zur 
Bed. .Hadte' Rohlfs ZRPh. 45, 668), capriffcus, -i (-us Scrib. 
Larg. al.) f. (m. Colum. Orib.) .wilder Feigenbaum, wildc Feige' 
(seit Ter., rom.. vgL gr. ^ptv€6;. Schrader RL. P 305), capri- 
folium, -I n. .Geifiblatt" (Ps. Theod. Prise., Gl., rom.), capri- 
mnlgus, -i m. .Ziegenmelker' (seit Catull, caper u. midgeo, als 



158 caperro - capillus. 

Vogelname Lehuubersetzung auB gr. atfO^i^Xrii; ds., s. Suolahti 17ff, 
Rieeler WuS. 7, 136ff.), Caprotina .Beiname der luno* [s. d.). 
— Walde-P. I 347 f. (aucfa zur Heranziehung von ahd. habaro, 
nhd Safer, Haber als .Bockskorn"; vgl. audi mhd. hdber-nezzele 
,wifde Nessel' u. dgl, Wood AlPh. 49, 178 mit unannehmbarer 
Bed.-Vermittlung). 
caperrC, -art, -atum, -are ,in Runzeln zusammenziehen, (sich) 
lunzeln' (seit Naev. ; -err- bessere Schreibung als -er- und raetnsch 
eesidiert, Nettleship CI. Rev. 6, 168; rom. unsidier, Skok Arch. Rom. 
14 396") : vl. mit Thumeysen Thes. nadi den Alten von caper ('a 
caprorum frontibus crispis' Non. p. 8); da alt nur in Vbdg. mit 
frons, etwa zunSchst in from caperrata fOr *eaprlUa nach asper&- 
tus -i-r- expressive Gemination (kaum nadi mcerra o. fi.). — Ab- 
leit'ung von etr. *eaperra .Runzel' (Ernout BSL. 30, 119) ist ohne 
Anhalt, furieinen soldien Begriff auch nicht wrsdi. — Abzulehnen 
VaniCek 50 (als .krausebi' : capronae .Stirnhaare', s. d.}; Walde 
LEW.' s. V. zw. (: ai. c&pah .Bogen' usw., Wz. *qep- ,biegen' [s. 
campus, capiUus]; nur arlsch, begrifflidi femUeeend); Petereson 
Heterokl. 258 (*3,p-«r-s : *qap- .krumm", s. campus); Keller Volkset. 
146 (Metathese aus gr. Kdp<pu» .lasse einschrumpfen") ; Stowasser 
Proer. Franz-Josef-Gymn. Wien 1891, p. XXXU (entlehnt aus gr. 
Kaxwfipw ,ziehe herunter'h MuUer Ait. W. 395 (aus *capil(l]erare : 
capillus; lautlich unmSglidi). 

caplUor, -Sris m. .genus augurii' (Serv.):? .,.,„,, 

caplUns, -r m. ,Haar, bes. Haupt- und Barthaar' (seit Plaut., 
rom., ebenso -OtUra f. .Haarbedeckung" seit Plin., -Ago (. ,Haupthaar" 
Ter.; -amentum n. ,Haar" seit Vitr., -aceus .haarShnhch' seit Phn., 
-fttwm Apul. nadj calmtium, Leumann-Stolz' 210; aus dem Lat. end. 
got. leapaidn ,sidi die Haare sdieren', vgl. capillaturiae Lex. Sal. 
die erste Haarsehur", zum Suffix vgl. barbatoria Petr.) : Et. un- 
sidier. Kaum nadi Charpentier KZ. 46, 34 f. als "capro-lo- aus •*?- 
pro-lo- nebst caprSnae (s. d.) zu ai. s{pram n. .Sdmurrbart', slprO 
f. .Kopfhaar, Haaraufsatz"; man erwartet bei ungestorter Lautent- 
widdung *capellus, audi stort das versdiiedene Gesdiledit (kaum 
sekundSr m. nadi pilus. crinis) und die sonst reeelmaBig deminu- 
tive Bed. von -lo-. — Die alte Vbdg. mit caput (volksetymologisdi 
sdion bei Plant., vgl. Epid. 623 ab ung<uicyulo ad capillum summum 
mit Vitr. 3, 1, 3 a pedibus tmis ad summum caput) wurde zwar 
audi nidit das Mask., wohl aber die deminutive Bed. (.Kopfdien') 
und den bis auf Lucil. alleinherrsdienden, kollektiven Smg. (De- 
brunner IF. 46, 93 fj erklaren; dodi bestehen lautlidie Bedenken 
(nidit nadi Walde LJEW.' a. v. aus *caput-slog fur *caput-lot [sc. crt- 
nw] mit Umgestaltung von *capullos zu capillus nadi capit-; audi 
nicht nadi Brugmann SSchs. Ber. 58, 160 tf. aus *eapta-pasos, *ca- 
«r..t.«1tf 7y.« mit *«t/j!/M Haarmenee" als 2. Glied fs. pUleus .Filzkappe J, 




caput], dodi ist idg. *qap-elo- ,Kopf neben *qap-ul- tea Itabsdien 
sonst nirgends vertreten). — Abzulehnen Thumeysen Thes. (t capu- 
l&re ,in Stadtdien hauen*, s. unter eapd); Fay a. Quart 1, 17 (nebst 
caperr6 [s. A.] zu ai. capah .Bogen' usw.; der BegriJf .sidi hin und 



capio. 



159 



her biegend" steckt weder in capillus noch in dem von VaniCek 50 
mit caperro verbundenen caprSnae). — Walde-P. I 347. 

C8plS, cepi, captum, -ere ,fasse, (er)greife, nehme' (seit Forum- 
insdir. bzw. Lex reg., rom., ebenso captdre seit Plaut. [g. unten], 
captlvus, -a, -«m ,gefangen' seit Naev., spStl. [Coripp.] und rom. 
audi ,elend', captura i. ,das Fangen, der Fang' seit Sen. rhet.): 
= got. hafjan ,heben", an. hefja, ags. hebban, as. hebbean, ahd. 
heffan, mhd., nhd. heben (dial, audi ,halten', vgl. as. ant-hebbian 
,aufredit erhalten' und got. usw. haban ,halten, haben", s. unter 
habeo, audi zu o. hipid ,habuerit'), wozu u. a. ahd. haba, nhd. Hand- 
habe, an. Mfr m. .Fisdihamen' (e wie in cepl, s. unten), an. haf n. 
,Hebung* und ,Meer' (ags. hxf, nhd. Haff aus dem Ostnd.), ahd. 
havan m. ,Topf, Hafen', an. hgfn f. ,Seehafen* (: mir. cuan ds. 
aus *kapnosf Pedersen 1 94), vl. nhd. haschen, wenn aus *haf8cdn 
(Brugmann IP 3, 360); gr. Kdirriu .sdinappe, sdiUnge' (ygl. nhd. 
[aus dem Nd.] happen ,versdihngen, sdilucien* mit mtensiver Ge 
mination), Kdm\ ,Krippe' (vgl. capsa), Kdiirr) .Griff* (5 wie in lit. 
kiiopa ,Schar, Abteilung, Losegeld fur gepfSndetes Vieh", wohl audi 
in an. hof n. ,das redite Mafi', got. gahdbains t. .Enthaltsamkeit", 
nhd. Behuf, got. usw. hof ,hob'); lett. kclmp(j')u, kdmpt ,ergreifen, 
fassen" (zum Nasalinfix vgl. K. H. Meyer IF. 35, 228); ai. kapafi 
,zwei HandvoU' (f mind, fur t), ap. f) Kairidn 'iiio xoivme?' (Solmsen 
Beitr. 198), np. ianpidan, iapsidan, iafsidan ,greifen, padcen' fmit 
idg. e, falls hierhergehorig); alb. hap ,ergreife, fasse' (Jokl Stud. 33 
gegen Entlehnung aus turk. hapmah , fangen, haschen"), ham ,Jiabeo" 
{*qapmi oder *qabih)mi, vgl. d. haben unter habeo). — Fern bleiben 
sidier oder wrsdi. russ. ddpath .anruhren, nehmen, fassen" (nidit 
*qep-, vgl. cepi, sondern wie in russ. cdpatt ,greifen, padcen" un- 
abhangige Lautnadiahmung, Berneker 135); aniss. cepb ,Kette", mit 
Ablautentgleisung cgpiti ,anklammern', lit. at-kempu, at-hipti ,ab- 
fallen", daraus entlehnt lett. Ifepju Ifept in der Bed. ,kleben, an- 
haften" (s. Berneker 126, v. d. Osten-Sadien IF. 33, 195, Mflhlen- 
badi-E. 8. v.); lett. kapH ,anhaufen' usw. (s. unter capO, Walde-P. 
I 344. II 561); arm. hap ,Band, Fessel", haput ,praeda* {k. Bed.; 
s. Pedersen KZ. 39, 379); gr. Kf^ito?, dor. Kdito?, d. Hube (s. Walde- 
P. I 435 f.); kymr. caf. Inf. cael .bekommen, finden" (Pedersen I 
93. II 532; vim. *kaglar, Wz. *kagh- [s. caulae], Thumeysen Hb. 415). 
— Idg. *qap- ,greifen, fassen" (sekundSr ,enthalten", s. eapaa) ist 
wohl eine Lautgebarde des rasdien Zugreifens, Sdmappens mit 
zahlreidien Varianten (*ghabh; *gabh- usw., s. unter habed und 
K. H. Meyer IF. 35, 224 ff., vgl. audi capys; gegen die Vereinigung 
rait *(g)qap- .graben" und *qamp- ,krummen' s. Walde-P. 1 344); 
der a-Vok. ist danadi wohl primBr, e, 6 Dehnstufen (Walde-P. a. O., 
Reidielt KZ. 46, 339 gegen Brugmanns IF. 6, 95, Perssons Beitr. 142 ff. 
u. a. Ansatz von e : d : 9 ; zu lat. dpi s. audi Leumann-Stolz' 332 m. Lit.). 
Hierher wohl die Sippe von caput (dodi s. d.); vgl. femer 
captus, -a, -urn .gefangen" (seit Plaut.) = air. cacM ,Dienerin', 
kymr. caeth .Sklave", akom. caid, mbret. qtiaez .captivus", gall. 
Moenicaptus, got. hafts .behaftet", an. haptr m. .Leibeigener", 
hapt n. , Fessel", ahd. usw. haft .gefangen"; captd, •*>», -Otum, 
-are ,sudie zu ergreifen, hasdie" (seit Plaut., spatl. und rem. audi 



160 



capis - capittum. 



,sehe% vgl. assimil. caUd Isid. 12, 2, 38, Sofer Isid. 627) = mir. 
caehtaim ,nehme gefangen' (nur zufallig ubereinstimmend as. 
haftdn ,hafteii*); capessS, -ivl. -Uurus, -ere .ergreife' (seit Naev., 
vgl. incipiss6 ,nehme in AngriflF' seit Plaut.); capAx, -acis Jas- 
send, fahig' (seit Varro und Cic, -Ms (. seit Cic); captus, -its 
m. .Fassungsvermogen, Umfang* (seit Ter.), captio f. ,Kniff' 
seit Plaut., captura f. .Fang" seit Sen.; s. ferner capedo, 
eapis, eapistrum, eapsa, capulus, capulum. — Zss.: oc- 
cup6, -flt>», -atwn, -are ,nehme ein, komme zuvor, nehme m Be- 
sitz, besdiaftige" (seit Liv. Andr., rom.; zur Bildung vgl. occiM : 
celd, Leumann-Stolz^ 317, s. audi nuncupo, recupero); praeei- 
puus, -a, -urn ,vornehinlidi, vorzuglich" {quod ante capitur Paul. 
Fest. 80, seit Plaut.); mus-cipula f. ,Mausefalle* (s. unter mus); 
particeps ,teilhaftig" (seit Liv. Andr., rom., Stolz-Schmalz" 24) ; 
vesticeps .mannbar* (Paul. Fest. 368) usw., s. audi hosti-ca- 
pas, urii-capus (Plaut.), auceps, forceps, manceps, mu- 
niceps, princeps, Adv. deinceps. Vgl. audi discipulus. — 
Walde-P.I342flf. ^ .^ ^ ^,_ ^ 

capIs, -idis f. Henkelsdialc, Opfersdiale des Pontifex", ,bchopf- 
und Trinkgefafi' (seit Lucil.): = u. kapife .capidi', capj/ ,capi- 
des' (aber o. KamblTUJ^ kaum als ,olla praeditum' hierher, s. Bi- 
bezzo RIGI. 8, 93 f. gegen Corssen KZ. 18, 202 f., v. Panta n 41, 
Grienberger 01. 13, 68): nach Froehde BB. 1, 185 (vgl. audi KZ. 
13, 452) au6 gr. 0KO(p(?, -ibo? f. .kleines Gefafi" entlehnt (wie swher 
cakhysterium n. ^Wurfsdiaufel' [Colum., rom.] aus gr. ffKafpiax^- 
piov ds.) mit s-Abfall in Anlehnung an capedo usw. (s. unten); da- 
fur spridit audi die Seltenheit von -id- im Italischen (vgl. casHs, 
euspis) und der griedi. Akk. capidas bei Lucil. Etrusk. yermittlung 
ist nidit zu begrunden, da etr. capi, kapi, kape kaum hierhergehdrt 
(Herbig RhM. 64, 134). — Also nidit zu eapio gehong (Varro, Paul. 
Fest., von Neueren Curtius 141, Muller Ait. W. 69) wie capedi (s. 
d.), capula, -ae i. ,kleine Henkelsdiale', ,Sdi6pfgefafi' (Varro, 
davon eapulSre ,aus einem GefaB ins andere schopfen' Cato bei 
Plin., -mor m. .Kufer" seit Cato); Benennung als .GefSfi" (: fassen, 
vgl. eapsa, d. Hafen unter capio), nidit vom ,Henkel zum Anfassen 
(Varro 1. 1. 5, 121); Bildung wolil wie capulus rem lat., ohme 
Zsshang mit ai. kapdlam .Schale", ags. hafola ,Kopf" (s. unter camd). 
caplstnim, -t n. ,Sdilinge zum Halten eines Gegenstandes", bes. 
,Halfter" (s. Oldc PW. Ill 1511; seit Cato [daraus gr. KawCOTplov, 
ngr. KOitioTpi], rom., ebenso capistrHre ,anbinden, halftern' seit Ov.; 
Dem. capistellum seit Edict. Diocl.) : eapio, Ableitung unklar; s.^t- 
hoff KZ. 23, 314 (direkt von capio mit Suff. -strum), Froehde BB. 
1, 185 (durdi Vermittlung eines "capis ,Halfter"), Niedermanne 
und n2 (aus 'eape-strom). — Nidit zu caput (Isid., lindsay-Nohl 377). 
capitinm, -» n. .Dfoung in der Tunika, durch die der Kopf ge- 
steckt wurde", ,Tunika mit einer soldien Kopfoffnung als Kleidungs- 
stuck von Frauen und diristl. Priestem', spStl. wie eapUiUum, ca- 
pUtilare audi .Kopfbededtung' (seit Laber., rom.; zur Bed. .Kopf 
laid. s. Sofer Isid. 105): von caput, vgl. rait anderer Bed. «:-«p«M«m 
n. .Hinterkopf (seit Plant., daraus oc-ciput didit. seit Pers., Leu- 
mafm-Stolz' 210). 



Capitaliiun - capo. 



161 



CapitSllnm, -l n. ,das Kapitol, Haupttempel des Juppiter auf 
dem tarpejisdien Berg in Rom' (seit Plaut.; zum Alter s. Altheim 
Griedi. Gotter 34. 36f.), filter Capitodium (Mar. Viet, gramm. VI 
26, 3), s. zum .sabinisdien" I — d Petr BB. 25, 129, Sdinjnen KZ. 
46 377: nadi den Alten zu caput, dodi ist dabei die Bildung nicht 
zu erklaren; 8. Walde LEW.' 868 (Einflufi von eustodia); Stowasser 
WSt. 31, 148 (-5lmm = gr. aOXiov; verfehlt); unannehmbar audi 
StaedlerWKlPh. 1916, 95f. {sas *capUonum .Herdenbergung"). 

capo, -onis m. (Mart. 3, 58, 38, wohl richtiger nadi dem Roman. 
[Meyer-Lubke n. 1641] cappo mit expressiver Geminationwie m vorri 
usw., Solmsen Beitr. 211 f.; seit Petron, rom.), filter capus, -» m. 
.Kapaun, Kapphahn' (seit Varro; aus dem Lat. entlehnt ahd. kappo, 
ags. capiin, mhd. kapun [6. kapun, skr. kopun] usw., Schrader RL. 
P 432): nebst capulare .concidere, spohgre, scmdere, desecare' 
(seit 6. Jhd., rom., verbildet capell&re Anthim. GL, s. Keller Volkset. 
1463, concipilare ,in kleine Stucke zerhauen' (seit Plaut.; m der 
Bed. 'corripere. involare' Naev. Apul. wohl von capere bzw. capulua 
.Griff', Samuelsson GL 6, 241) zur Wz. *{s)qdp-, *(s)qep; *(.s)q6p- 
schneiden' (audi ,graben, behacken", s. scapulae) in gr. pupoo- 
KduTiov • Tdv KWuiva Hes. (.Ledersdineider?' Maafi RhM. 74, 467; 
aber xditUJV [vgl. ngr. Kandviov] in Glossaren aus dem Lat. ent- 
lehnt); npers. kdfab, kavah .grabt, spaltet", iikaftan .spalten" (Persson 
Beitr. 884); alb. kep ,behaue Steine, haue aus" (*qapo oder *qopg), 
kmese, hemis, kamis i. ,Hadce, Hippe" (*qapnetia, lokl Stud. 39), 
kepdtS ,Ecke', sFep ,Vinkel, Sdmabel' (Jokl Festsdir. 57. Phil.-Vers. 
Salzburg 126); gr. <JKdit-apvo; ra. (spfiter -ov n.) ,Beil zum Behauen 
des Holzes' (Bechtel Lexil. 299; anders Niedermann IF. 37, 149 ft.), 
OK6it-eXo? m. .Pels, Klippe' (,abgesdinitten, sdiroff*, vgl. saxum, 
rapes, d. Riff usw., Solmsen Beitr. 210), Kiirruj .schlage, haue, 
sdimiede, prfige, klopfe, stofee', ubtr. .ermflde, falle Ifistig" (KOitdJuj 
.ermude", Kim? m. .Zungendresdier" = 'OiTOKOitiKv', vgl. L o6- 
tundo, d. ahgeschlagen .ermfldef), KOiri?, -tbo? f. .Sdiladit-, tJpter- 
messer", Kfittavov n. ,Beil, MSrserkeule', KoneO? m. .Me^el , ko- 
itd?, -dbo? .besdinitten (von Pflanzen)', K6|Ji|iia n. ,Ein-, Absdimtt , 
aKdirrui .grabe, hacke", xdireTOi; (westgr. <jk-) f. .Graben, Grab, 
Grube', OKaitdvri .Hadte, Grabsdieit' usw. (vgl. scapulae, seabo, 
scapha); ahd. hammer ,verstummelt, gebrediUdi', shammer, an. 
skammr ,kurz" (*kap- bzw. *skap-m6s), ahd. hamal .verstOmmelt^ 
(nhd. Hammel), hamalon, ags. hamelian .verstummebi, Ifihmen 
l-mml- zu -ml-); lit. skapiH skdpti ,(L6ffel) aushShlen', skaphs 
Hohlait", skdptas .krummes Sdinitzmesser", aksl. skoptti ,ver- 
sdineiden", skopwi .Eunudi' (nhd. Lw. SchSps); bait. *kapti in apr. 
enkopts .begraben' (Ut. kaplys, lett. kaplU m. .Hadte"), Iterativ 
lit. Lp6m, kapdti ,hauen, hadcen', lett. kapM ds., aksl. kopajf, 
kopati .graben' usw. (audi in slav. •-kopi .Graben", ht. kapas, lett. 
kapg .Grab', russ. kopd .Haufen, Sdiodc* [daraus entlehnt lett. iapa, 
lit kapd. ds., und aus russ. kop^t* .hSufen" lett kapH ds.], ht ap- 
kapinti ,das Land mit Grenzhugebi umgcben', Bemeker 562); vgl. 
nodi bsl. *sqepa- m. .Abgespaltenes" in lett ikips m. ,Speer, SpicB', 
ikepeU f. .abgesplittertes StOdc', lit. skepsne (. ,Stadt Stoff', ksl. 

Talde Etym.W6rterbudi d. Ut Spnche. 3. A. 11 



162 



cappa - capsa. 



Stapz m. ,Stodk«, russ. slepdit .spalten' usw. (Solmsen a. OA — 
Naheres zum Vokalismus (lat. c&p- nicht mit Solmsen, WaMe-F. U 
560 red.-stfg. , bzw. o zu Wz. *(,s)qep-, sonde.rn wegen capulare : lit. 
kapdti zu Wz. *sqdp-, Persson Beitr. 940; *sqd-p- *sqe-p- wohl ver- 
sdiiedene Erweiterungen von *seq- .sdineiden", vgl. &\iSa scapus, 
scopa, eipptis, selpio) und zur Trennung verschiedener Sippen s. 
Wdde-P. U563; idg. *s3(l6fc- ,schaben, kratzen' (s. gcabo) ist jeden- 
falls trotz Walde ^adi Persson Beitr. 940) als Sondergruppe von 
*sqdp-, *sqep .graben" und ,schneiden" zu trennen, da lit. skapott 
sdiaben, sdinitzen" einer-, skabeti ,hauen, asteln' anderseits emer 
erst baltischen Vermisdiung von *sqep- und *sqabh- entstammen 
(Solmsen a. 0., Trautmann Bsl. W. 262). - Vgl. audi castro, -are. 
— Walde-P. II 559ff. . ^ r. 

cappa, -ae f. ,eine Art Kopfbedeckung' (Isid., Greg. Tur., Demin. 
-ellus .piUeus' Gi., rem.), audi .Mantel" (Gl., mlat., rora.; vgl. cap- 
pella ,Manteldien' > ,KapeUe', Meyer-Lubke n. 1644), urspr. wohl 
.Mantel mit Kapuze': unerklart. Kaum nadi Thurneysen Ihes. 
kurzform zu capittd-are, -urn im Sinne von .Kopfbedeckung', da 
die Bed. .Mantel" wohl eine weitere Gbd. erfordert. — Nidit mit 
Wood AJPh. 48, 320 aus •qatna : an. hgttr .Hut" usw. (s. 1. cassis); 
audi kelt. Ursprung (Holder 1 759), zu mir. cap{p) (s. capsa), ist mcht 
zu erweisen, da Wr dieses eine allgemeinere Bed. .fassendes Be- 
haltnis' (vgl. d. Hattbe : 1. cupa) rein hypothetisdi bhebe. — Aus dem 
Lat. entlehnt ahd. kappa .Oberkleid mit Kapuze" (ags. cauppe usw., 
daraus lit. kapi), alb. kape, ngr. Kdinta, magy. kdpa, ksl. capa usw. 
(Berneker 483 f.). — Sofer laid. 126. 176. 

caprlficns, caprimnlgns s. caper. 

capronae i-eae Apul., vgl. antiae), arum f. ,das vorhangende 
Stirnhaar der Pferde und Menschen' (Lucil., wohl aus der Reiter- 
spradie entnommen [vgl. gr. irpoK<5nia], danadi . Apul.) : unsidierer 
Herkunft. Nach Charpentier KZ. 46, 35 aus 'fop-r-on- zu ai. Mm-am 
n. .Sdinurrbart", Sipra f. .Kopfhaar" (vgl. capilltis); dodi ist hier- 
bei die Ableitung unklar (kaum mit ved. sfpHpt zuaammenhangend, 
Charpentier a. O.; s. audi MuUer Ait. Wb. 70). — Kaum mit Walde 
lew;* s. v., Walde-P. I 347 nadi den Alten (,a capite pronae' Paul 
Fest.,' Non., wohl nadi Varro) univerbiertes *caputp>onae, cap[upp]- 
ronae. — Verfehlt Stowasser Progr. Franz-Josef-Gymn. Wien 1891, 
p. XXX f. (hybrides Ha-^apronae). — S. audi caperro, capilltis. 

CaprStina, Beiname der Juno, abgeleitet aus den Nonae Capro- 
ttnae, einem am 7. Juli in Rom und Latium begangenen Frauenfest 
(seit Varro, inschr. und Plut. audi Caprat-): von caper, capra auf 
Grund eines *caprdtus (vgl. aegrotus); nadi den Alten snielte der 
Feigenbaum (caprificua) dabei eine Rolle; s. daruber und aber die 
Ziege als Zeidien der Fruditbarkeit im Kulte der Juno Wissowa 
PW m 1551 ff., Rel.' 184, Otto Phil. 64, 183 ff. 

capsa, -ae f. .Behaltnis, Kapsel, Kasten" (seit Cic, rom., ebenso 
■arius m. .Kapseltrager, -verfertiger, Kleideraufbewahrer, Lazarett- 
eehilfe" seit Suet.; Demin. eapsiUa seit Fab.Pict., -ella seit Petro^, 
rem. ; eapsOdgO i. .Bilsenkraut' Plin. Val. nadi tussilUgd Plin., Fay KZ. 
45, 116), eap»ua, l m. ,der kastentormige Hauptted des Wagens. 
Kafig fur wilde Tiere. Blase zum Fullsel, Kirdiensdiiff' (seit Yerg., 



capula - caput. 163 

rom.; aus lat. capsa stammen gr. Koli(ia, KdlnH>a (n nach Konufd;) 
,Kapsel', KO|umiiov ds., KanjdKlov ,Futteral', wohl auch KaHidKTi?, 
KamjidKri? m. ,Ma6, DUcrug', woraus wieder spatl. campsa, Thurn- 
eysen Thes.): s-Erw. (vgl. ansa, Solmsen KZ. 42, 228) zu Wz. *gap- 
,ergreifen, fassen' (s. capio), vgl. bes. gr. Kovpot • oi TOixoi Hes. 
(v. Blumenthal Hesydistud. 40), Komdris, -lo? f. ,ein Hohlmafi' (; ai. 
Jcapafi ,zwei Handvoll'), Kditrj .Krippe', KawOvri ds., thess. ,Wagen- 
kasten', alb. kapass .Dlgefafi' {*qap-uot-a7 Jokl Stud. 33 f.), mir. 
cap(,p) .Fuhrwerk, Bahre', eig. .♦Wagenkasten", lat. eapulus .Sarg" 
U d.). — Fern bleiben gr. Kdnexo?, aKditexoi; ,Graben, Grab, Grube' 
(*{s)qap- .graben", s. capo, Valde-P. II 560); lett. kapa ,Metze in 
der Muhle' (grm. Lw., Walde-P. II 561), feojpe* .anhaufen' usw. (s. 
unter capo). — Vgl. nodi capis, capula, capedo. — Walde-P. I 342. 
capnla, capnlare s. capis. 
capnlOj -&re ,concidere' usw. s. capo. 

capnlns, -t m. , Griff, Handhabe" und ,Bahre, Sarg' (seit Plaut., 
ebenso -aris ,dem Grabe nahe'): in beiden Bedeutungen zu *qap- 
,fassen', s. capio; zur Bed. ,Griff, Handhabe' vgl. bes. gr. Kiitirn 
Griff, Stiel", ^A.haba, xAiA. Handhabe {tm^ npers. jfcdfiafc jHand"? 
Scheftelowitz WZKM. 34, 224); zur Bed. ,Bahre, Sarg" bes. eapsa. 
Nicht mit Prellwitz Wb." 137 (anders "208 unter Heranziehung von 
Kdit£TO?, dodi s. capsa), Berneker Preufi. Spr. 300 zu *[a)qap- ,gra- 
ben" {s. c&po, scapulae). — Zu capio auch capulttm, -i n. .Fang- 
seil' (Isid., GL, vgl. capuUlre ,cinfangen", rom.), s. Samuelsson Gl. 
6, 241. 244, Sofer Isid. 126 f. (auch gegen Lokotschs n. 766 Her- 
leitung aus arab. }iabl .Seil"). 

caput, -itis n. ,Haupt, Kopf, Spitze, Kuppe, Hauptsache, -stadt 
usw." (seit XII tab. bzw. Liv. Andr., rom., vlt. capus, -oris Gamilj- 
scheg ZRPh. 40, 141; Demin. eapUulum n. .Kopfdien, Kanitel' seit 
Plaut., rom. [-ellum seit Varro], ebenso capita, -onis ,Gro6km)f', als 
Fiscfaname wohl LehnObersetzung von K^epoXo?, seit Cato ; s. Kuspert, 
tJher Bed. u. Gebrauch des Wortes caput, Progr. Hof 1903. 1906; 
davon u. a. capit&rium aes Paul. Fest. 65, s. audi capitium, Gapi- 
tSUum, capronae; Zss. s. unten): = ai. kaput- .KopT" in kapue- 
chalam n. ,Haar am Hinterkopf, Schopf, ubtr. ,Sdiale oder Kelle 
des OpferlSffels' (Johansson IF. 3, 236; vgl. audi capusmkd t ,Haar- 
buschel an der Seite des Kopfes'), an. hgftid, ags. hafud n. ,Haupt* 
(grm. *habuda), daneben *haubida- {*haubuda-) in got. haubiB n., 
an. haufud, ags. heafod, afries. haved, as. hdbid, ahd. haubU durdi 
Vermengung mit einem zu ai. kakubh- f. .Gipfel" (Reduplikation 
nach kakid- ds., s. cacUmen, Guntert Reimw. 75), gr. KUfpepov fj 
KUip^v • K€(paX^ Kpt^TCt Hes., ahd. usw. hiiba, nhd. Haiibe (s. cu- 
bitus, cupa, Walde-P. I 374) eehorigen Worte (Noreen Arkiv 6, 310, 
Johansson Beitr. 135, Bartholomae IF. 5, 226, Uhlenbedc PBB. 30, 
289; verfehlt SutterUn IF. 29, 123). — Neben idg. *qap-ut ,Kopf 
steht *qap-elo- (vgl. *ghehh-elo- in gr. KEipoX^ usw., Walde-P. I 571) 
in ags. hafola .Kopf*, aL kapdlam n. .Schadel, Hirnsdiale, Sdierbc, 
schaienartiger Knodien, Opferschale, Dedcel', kapali f. ^Bettelschale', 
kapoli- {. ,Kniescheibe", kap6la}i m. ,Wange'; daher Legt wohl der- 
selbe Wedisel von t- und ^Formans vor wie in lit. nagit-t-is, aksl. 
«My»-(* ,Nagel' neben lat. ungu-la, ahd. nagal und anderen Kdrper- 



164 



capys — caracalla. 



teilnamen (Reichelt KZ. 46, 336, Meillet Et. 288), nicht in caput em 
altes PPA. ,gefa6t habend' zu eapio {*qap-ut- : *qap-uet, ttot, vgl. 
ajHtd, Johansson a.O., Brugmann IP 1,428); der an sich mSghdien 
Verbindung mit *qap- .fassen" (vgl. in der Bed. ,Gef5fe, Behaltms' 
capedo, capis, capsa, capulus) ist bei der HSufiekeit der Entwicklung 
.Sdierbe" : .Sdiadel, Kopf" (s. auch calva) der Anschlufi an Wz. 
*{s)qap- ,schneiden' (s. capo) mit Reidielt a. O. vorzuziehen. — Fern 
bleiben lat. cepe zu gr. ♦lo'iitTi (s. d.) ; r.-ksl. hapusta ,Kohl", daraus 
lit. kopUstas .Weifikohlkopf (Kreuzung von *kupusta aus mlat. eom- 
posta .Eingemachtes' mit *kapits- aus mlat. caputium ,Kopfkohl' 
fit. capucdo, frz. cahus\ wie ahd. kapuz, nhd. iTop^s, Bemeker 486, 
Falk-Torp 482; Bed.-ParaUelen zu .Kopfkohl' bei Jokl Ling.-kult. 
Unt. 233). , , , 

Zss.: anceps (s. d.), biceps, altl. bicipes, vulg. bicapUus [s. d.), 
praecepi (s. unter anceps; in der Endung beemflufit von prtn- 
ceps usw. zu capid); oc dpi Hum, occiput (s. unter ca^»W«»i), 
sinciput (s. d.); vi. procapis 'progenies quae ab uno capite 
progreditur' Paul. Fest. 225. — Walde-P. I 347 f. 
capys (Akk. Plur. -yas), daneben capus (Isid.) ,em Raubvogel", 
wrsch. ,Falke' (Serv.) oder .Habidit', audi .Mensdi mit ge- 
krummten Zehen' (seit Serv. ; aus capus entlehnt alb. Skabe, karbe, 
gabons ,Geier, Adler", Jokl Ling.-kult. U. 303 ff.): nadi Serv. Aen. 
10, 145 mit dem Troernamen Capys (vgl. Kdnu? bei Homer) etrus- 
kisdi; davon Capu-a (KairOri), Campanus (s. zum Lautlichen unter 
campus). Etr. *hap- wrsch. wie idg. *qap- (s. capio) LautgebSrde 
des raschen Zugreifens (,der Greifer"; vgl. audi ungar. W ,grei- 
fen" usw., Guntert Urheimat 18), woraus, falls auf die Bed. .Mensdi 
mit gekrummten Zehen' Verlafi ist, der Begriff ,krumm" entwidcelt 
ist. — Nidit nadi Suolahti Vogeln. 360, Ulaszyn Materyali i prace 
IV 374 ff. zu grm. *hahuka- in an. haukr, ags. heafoe (engl. hawk), 
ahd. habuh ,Habidit', slav. *koht6r, in russ. kibec .Bienen-, Wespen- 
falk" usw., poki. kohuz ,Lerdienfalk' (idg. *qabh; Bemeker 535f., 
Walde-P. I 343). — Herbig-Sdinetz ZONF. 2, 10 f., Schnetz St. Etr. 

3, 285ff. ^ , . ™- N 

cirabns, -t m. ,eine Art langgesdiwanzter Meerkrebs' (seit FlinJ, 
audi -kleiner Kahn aus Fleditwerk, mit Leder uberzogen' (seit Isid., 
rom., Sofer Isid. 127. 176) : in beiden Bedd. entlehnt aus er. Kflpapo? 
m. stacheliger Meerkrebs', ,Kaferart' und ,eine Art Sdiffl' (Demm. 
Kopdpiov ds., vgl. KdvSapoi; .KSfer' und .Kahn'); als fremdes (make- 
don.?) Wort mit-po? (fur editgr. -(po?, idg. »6;io-) zu ion. xapi?, att 
Kfipl?, dor. Kwpte .Seekrebs', vl. Ableitung von 'Kop *KUjp .Kopf 
(Walde-P. 1 404. 406 ; anders Beditel Gr. D. 1 58 f .). — Nidit als unredupl. 
Bildung zu KopKlvo?, cancer (Walde LEW.* s. v.) wegen des d; audi 
nicht nach Loth RC. 43, 405 zu kyrar., bret. crammtn .Kruste, 
Narbe' {*krab-m-) usw., vgl. Walde-P. II 588. — Wohl nur zufaihg 
anklingende athiopisdie u. a. Worter bei Cohen BSL. 27, 100. 

caracalla, ae f. {-is Ed. Diocl. wohl nur durdi fehlerhafte Assi- 
milation) .Kapuze" (Ed. Diocl.), ,ein bis auf die KnOdiel herab- 
gehender Mantel mit Kapuze, von dem Kaiser M. AureL Severus An- 
toninus Caracalla in Rom eingefuhrt' (seit 4. Jh., rem., daraus gr. ko- 
pdKoXXov, KopoKdXXiov, ngr. KopKdUi .Hahnenkamm*, Gl. 15,182): 



caragius — carbO. 165 

gall. Wort, vl. mit caraca ,vestis' (: prov. cara .Bufierhemd") im 
Vorderglied; zu -alia s. unter palla, Gamillschee s. ehoucas. — Laut- 
lich nitfit zu rechtfertigen Bucheler RhM.34, 426 (aus <;ara [: cerebrum] 
+ cucuilus ,Kopfmantel'). — Holder I 762, Dottin 242. 

caragius, caragns, -i m. ,Zauberer" (spate Eccl., rom. -«-): 
Fremdwort unbekannter Herkunft; kaum aus einem unbelegten gr. 
•KdpoTO? (Saalfeld) zu Wz. *q^er- ,machen', .behexen' in ai. krtyd 
jHandlung, Zauber*, r.-ksl. dan, m., dara f. ,Zauber' (= av. dara 
,Mittel, Hilfe, List'), lit. keras m. ,Zauber", keriti ,bezaubem" 
(Berneker 137, Trautmann 127, Walde-P. I 518 m. Lit.). — Nidit als 
urspr. gallisch zu carae-alla (Holder I 762. 765). 

carbfts m. (Vitr.), carbasus (Suet.) .Ostwind": aus gr. KOpPa? 
m. da., wrsdi. kleinasiatisdies Wort, vgl. xdppavo;, Koppdv ,aus- 
landisch'. Nebring bei Sdirader RL. II' 659 f. 

carbasns, -» f. (ra. Val. Max. al.) und -a, -Srum n. (seit Ov., Sg. 
seit Panec.) .feines Gewebe aus Linnen, erst spat aus Baumwolle' (seit 
Enn.): direkt (oder - wegen des -h-, Cuny REAnc. 12, 161, Fohalle 
Mel. Vendryes 174 - unabbSngig aus einer Mittelmeersprache) ent- 
lehnt aus gr. Koipitaaoi; f. ,feiner Flachs' und .Giftoflanze' (vgl. auch 
earbasa ,Giftpflanze' Colum. 10, 17; daneben *Kdpitodo? zu er- 
schliefien aus carpathum ,giftige Pflanze' und opoearpathon „Saft 
derselben" Plin., s. Gl. 12, 221 f.); Kdpuaooc, *Kdpna»os sind Ent- 
lehnungen aus einer voreriech.-agaisdien Sprache, vgl. den ON. 
Kapnaaio auf Kypros, Inselnamen Kdpirado? (davon Carpasia navis 
Isid., Sofer Isid. 29); ai. karpdsah ,Baumwolle" ist nadi Porzig ZU. 
5, 272 f. unmittelbar aus dem Kleinasiat. entlehnt und auf eine ein- 
heimische Pflanze ubertragen. — Anklingende semitische Namen bei 
Schrader RL. I'' 84, Lewy Fremdw. 126, Low Flora der Juden 2, 235. 

carbS, -onis m. ,Kohle" (aus Holz gebrannt, Cato agr. 38, 4; seit 
Plant., rom., ebenso -dnarius m. jKohler' seit Plant., -artn, Kohlerei* 
seit Tert., Demin. -unculus m. ,kleine Kohle", iibtr. .rotlicher Sand- 
stein' und als Bed.-Lw. nach gr. ftvdpoE auch ,dunkelroter Edelstein 
wie Rubin, Karfunkel u. dgl." und .fressendes Geschwur' seit Plant.): 
Tvohl aus *ear-dho (a aus idg. ,) zu Wz. *ker- in ai. ku^ayati, fcO- 
layati .sengt' i*kf-d- bzw. *k,r9-d-), nasaliert kw^dayati .brennf, 
got. ha^ri n. .Kohle", PI. ,Kohlenfeuer' {*hurja-, idg. *kr-io-), an. 
hyrr m. ,Feuer", lit. kuriii, kurti ,Feuer anmachen, heizen', lett. 
kuru, kuft ds., aksl. kurjf, kuriti s§ .raudien" usw. (Neubildung 
zu'verlorenem *khrti, a. Berneker 652 und gegen die Vbdg. mit gr. 
Koiuj Walde-P. I 377; anders, nidit uberzeugend, aber lit. kirti Baea 
Kalb. I 105), alb. g-korz .Rauchabzug' (eig. .EntrSucherung", lokl 
ling.-kult. U. 1 16) ; vgl. noch lett. oeri ,Gluteteuie', russ. iiren .Salzpfanne 
der Salzsiedereien', klr. geren .Feuerherd' (Berneker 146; dazu lett. 
Cfras ,Inbrunst', ceret .heimlich lieben, sehnen, hoflfen", Endzelin 
Streitberg-Festg. 45); t-Erw. in ahd. herd m. .Herd', ags. heard ds. 
(wohl audi abd. harst, harsta .Rostpfanne', hersten .rosten'); s- 
Erw. in lit. kdritag .heiC, kafStis .Hitze', lett. karsts ,heifi", 
kafst .hei6 werden', karsit .erhitzen' (*&»•■«-, Persson Beitr. 325 A.), 
ai. ifcMstffcu- .brennend, Feuer, Sonne', kat-dku- .Feuer, Sonne' (mind, 
aus *krs ; vgl. arm. xarSem .kodie, brenne' aus idg. *qhrs-, Petersson 
KZ. 4% 279). — Fern bleiben arm. krak .Feuer, gluhende Kohle' 



166 



career — 1. cards. 



(ids. fc = arm. h'; vim. zu d. Kohle, Liden Arm. St. 122ff.); mir. eir 
,Gaeat, Pechkohle' (Thurneysen Thes. ; s. Walde-P. I 361); abg. 
krada Scheiterhaufen, Holzstofi' {*krod&, zu mhd. rai^e) .Sdieiter- 
haufen", s. Berneker 605, Walde-P. I 485; dazu audi lit krdsnis, 
lett IcrAsns jOfen" nebst kr&t .sammeln' wegen der Gbd. ,Stem- 
haufen", Bnga Kalb. I 179, Muhlenbadi-E. s. v.). — Aus *ker-eT- 
weitertes *fc(e>m- vl. in cremO (s. d.). — Walde-P. I 418f., Reichelt 
KZ. 46, 328 flF. (mit unannehmbarer Heranziehung von erepo, career 
und Gleidisetzung von *ker- ,brennen' mit *qer-, erweitert *greik- 
usw. ,sdilagen% 8. dagegen Walde-P. 1483 f.). .,, , , 

career, -is m. .Umfriedigung, Kerker, Schranken, Ablaulstande 
im rSmischen Zirkus" (seit Enu., rom., ebenso -&Hus seit Plaut.): 
Et. unsidier; jedenfalls ist - audi wegen des zugehSrigen caneellt, 
cancer (s. d.) - von einer Gbd. ,Umsdilie6ung, Umplankung* o. dgl. 
auszugehen. Vl.nadiTrautmann Apr. 419, Walde-P. 131 znapT.mrxtea 
f. pi. ,Scheihe des Schwertes'; an. h^rgr m. ,Steinhaufen", ags. hearff 
m. ,heidnisdier Tempel", ahd. haruff, haruh .heiliger Ham' (grm. 
*harnga-) bleiben trotz Noreen Ltl. 87. 829 fern, da Gbd. mcht ,um- 
friedigter, abgesdilossener Raum", sondem .Steinhaufen' (Falk-Torp 
419). _ Kaum nach Petersson Stud. Es. Tegner 227 f. als hr-kr- zu 
*her- ,flediten" in gr. Ka(pu)|ja ,Gewebe' usw. (s. Walde-P. I 409); 
audi nidit mit Reidielt KZ. 46, 330 zu russ.-dial. hrdmy PI. .Web- 
stuhl' (angebl. *qre-m- .sdilagen", s. unter earho, cremo)\ keinesfalls 
zu dngo, oder nach VaniBek 316 zu scrlnium. — Sizil. Kdpicapov 
.Gefangnis" (Sophron, 5.Jh.}, Kdpicapo .Hurde" und Kdpuopoi- ... 
beanoi Hes. sind trotz Baehrens Komm. 29 f. italische Lw., mdit 
die Quelle des lat. Wortes (s. z. B. Kretschmer Gl. 1, 323). — Aug 
dem Vlt. stammen got. karhara f., ags. ceareern n., ahd. charchari 
m. , Kerker", air. carcar, kymr. carchar usw. 

carcinoma s. cancer. „ , , , • 

1. cards, -inis m. (aid. auch f.) .Tiirangel, Wendepunkt , eig. 
jDrehpunkf, vgl. die Wendungen eardinem vertere, versare, movire, 
torquere usw. (seit Enn, und Plaut., rom.; uber angebl. Cari«» nel^ 
Carna, etr. TotengSttin und Genossin des IHnus, s. Otto RhM. 64, 
463 f.): gr. Kpdbri f. ,Schwinge, Wipfel", Kpabdu) .schwinge, sdiwanke*, 
Kpabaivu) ds., K<5pbaE, -fiKO? m. .lustiger Tanz der alten Kom6die», 
(a)Kopb(vrma n. .Sdiwindel', KopbfiXn ,Keule, Wulst, Kopgrate 
f.Gedrehtes'; -op- wohl idg. *-or-, Persson Beitr. 657»); ai. k'*rdtM 
.springt, hupft' ; alb. harb-ele, -eje, -Use .Eidechse' (*8qord-, JM 
IF. 37, 110'); mir. eeird .das Sdireiten', air. foeerdaim .werfe, 
stelle', kymr. cerd-ded ,das Gehen", bret. kerzet , iter', kymr. ^ 
gerdd f. .Spafi' {*uo-Cerd-, Loth RC. 43, 416 f., Pedersen U 498ff.); 
an. hrata .sdiwanten, taumeln', ags. hratian .davonsturzeD, «^ 
(daneben mit idg. * hrapian, hradian, ahd. hardilla ,Badi8tebe ab 
,*Wipperin', Lehmann KZ. 42, 87; vl. ahd. scerdo .Angel* im^ ^ 
der unerw. Wz., ags. heorr, an. hjarri .Turangel', dodi ». Walde- 
P. I 412), mhd. scherzen .frohUdi springen, hupfen, sidi vergnflgen* 
(falls nidit aus *schern-zen, Wilmanns D. Gr. II 109), "i™^*^'**^ 
gehiirz m. .Sprung"; lit-zem. pakXrati, pakifsti ,aus dem SdiW «^ 
fahren' ; unsicher ahd. usw. hros ,Ro6' (s. unter eurro). V»/|«9»f«-«- 
(kaum *sqere-d-, wegen lett. skreder&t .sdifltteln*, da die» 



2. carde - caries. 



167 



Muhlenbach-E. s. v. Lw. ist) ,drehend bewegen, schwingen', Erw. von 
*{s)qer- in ai. kirdti ,streut aus, wirft", gr. OKaipw , springe, hupfe, 
tanze", OKipTdiu .springe* usw. (s. audi unter. cm>t6, coruseuij. — 
Fern blciben arm. karf , Angel, Kniekehle, hakenformige Biegung" 
(Scheftelowitz BB. 28,303; s. Liden Arm. St. 36 f.); lit. liariii .hange', 
lett. pakars ^Haken' usw. (Zupitza Gutt. 113. 155, s. Valde-P.I412; 
die rom. Turen drehten sich m Stehzapfen, nicht in HSngeangeln); 
vgl. audi cor, scurra. — Walde-P. II 567. 
2. cardo, carduus, cardnelis s. carro. 

careo, -mi, -tturus, -ere ,nidit haben, entbehren; sidi ent-, fem- 
halten; vemiissen', nadiklass. auch .verlieren' (seit Plaut., caresco 
Gl., rom.), fal. carefo ,carebo" : zunadist zu castus, -us m. ,Ent- 
haltung von Genussen aus religiosen Grunden' (s. Amob. nat. 5, 16, 
Wissowa PW. I1I1780; seit Naev. [daneben -urn n. Paul. Fest., Ri- 
bezzo RIGI. 14, 931; davon castuosus Not. Tir.), eastimonia, -ae 
{-urn spatl.) f. .Enthaltsamkeit, Sittenreinheit' (seit Varro und Cic, 
casUms seit Cic, -itudb Ace.), castus, -a, -urn ,frei (von Fehlem)', 
rein', .enthaltsam (von Liebesgenufi, Geldgier usw.)', ,fromm, 
keusdi', PPP. zu cared (v. Planta II 634, Sdiulze EN. 474^ 
Skutsdi Rom. Jb. V, I, 65; vgl. z. B. Plaut. Poen. 1186 deeeat nOs 
esse a culpa castas rait Most. 858 culp& carent), o. fahiiad kasit 
,faciat oportet" (v. Planta a. O., zur Bed.-Entw. vgl. gr. biiu, b^ouai 
,ermangfe, entbehre, bedarf [^mbeuni; ,ermangelnd', £vbei^? ,be- 
durftig']: hex ,es ist notig'); carere, castus weiter als ,abgesdmitten, 
getrennt sein' (vgl. an. skorta ,mangeln, fehlen' : mhd. scherze ,ab- 
gesdinittenes Studc') Mediopassiv zu idg. "hes- (lat. a = idg. ,) 
,8chneiden' in ai. sdsati .schneidet', s. castro. — Die notwendige 
Heranziehung des osk. Wortes verwehrt die Gleidisetzung mit gr. 
Kopnvai : KtipuJ .sdiere' (PerssonBeitr.166. 942,HirtVok.85; s.caro); 
ebenso die auch semantisch verfehlten Verbindungen von Wood a*' 
Nr. 381 (: cartes), Zupitza Gutt. 110, Hirt BB. 24, 275 (: d. harren, 
lett. ceret ,hoffen', s. zu diesem unter carho, Walde-P. I 411). — 
Vgl. audi castigS, cassus. — Walde-P. I448f. (II 575). 

cSrex (hss. auch -ix nach filix), -ids f. .Riedgras" (seit Verg., 
rom., ebenso careetum n. .mit Riedgras bestandenerPlatz" seit Verg., 
Leumann-Stolz^ 228) : Et. unsidier. VI. nadi Bersu Gutt. 173, Walde 
LEW.* s. v. zweifelnd, Muller Ait. W. 74 als ,kratzend, stechend' von 
carrere, *carere ,krampehi', Suff. nach frutex u. dgl. (vgl. das Bei- 
wort acuta und saepes spinosa Aug. serm. 137, 11, 13, femer sentis 
.Domstraudi' : gr. Ealviu .kratze', dumus, ruhus usw. und die 
Bed.-Parallelen bei Bemeker 150 s. {eH%). — Air. curchas .arundo', 
akom. korsen , calamus', br. korsenn ds. (Fidi II* 91, Pedersen I 485) 
liegt lautlidi und in der Bed. ab. 

carta, carensis s. Ceres. ^ , ■ ,, 

caries (-e»; nur -em, -e belegt) f. .das Morsdi-, Faulsem (des 
Izes usw.: seitTurpil., Afran., Lucil., rom.-ia), eariosus ,morsch, 



Holzes 



faul, murbe' (seit Cato), earius .tinea' (GL, rem., Meyer-Lubke 
WSt.25,95): m.^»dti .zerbridit, zermalmf, itryate, iirydte ,wird 
ceri>rodien, zerfSllt', Part fir^h, -Hrfdfi, iurtdh .zerbrodien^'^ av 
«»or»to- .nidit gebrochen, nicht mutlos gemacht', sari- m " *■ 
•tttdf, Sdierbc', s&ri- i. ,Brudi, Untergang'; gr. KepatZu) ,i 



Bnidi- 
verwuste. 



168 



cattna — cannS. 



plOndere' (*K€pa/'-iZui von *K€po-/b?, Bechtel Lexil. 25), didpatoc 
,unzerst6rt, unversehrt", Kcpauvfig m. ,Donnerkeil, Blitz" (*K€pa- 
J(e)v-oc eig. ,Zersdimetterer', Solmsen Beitr. 50 f.), dehnstfg. Ki^p, 
Knp<Sc f. Tod, Verderben, TodesgSttin (urgr. e; s. zu Kfipa Alkman, 
Kapitfiffar AiroKTewoi Hes. u. dgl. Walde-P. I 410 m. Lit.), Mpio? 
.unbesdiSdigt, nidit dem Tode verfallen', KJipaiviu .verderbe, sdia- 
dise*, AKi'ipaTOi; .unverletzt reia, lauter" (Schulze Qu. ep. 233 f., Pers- 
son Beitr. 671<); air. ar-a-chrinim ,zerfalle« (: ai. ^r-na-mi), do-ro- 
cha(i)r .cecidit', irehre .Untergang", crin ,welk' [crln-mil ,Wald- 
laus«,vgl. cartKs; Pedersen II 339. 498); alb.Ser .sdilachte, schneide 
(ab)" (*kr; Pedersen KZ. 36, 332), tsirris ,stedie, stachle' (*ker-n-, 
Jokl Festsdir. 57. Phil.-Vers. Salzburg 126 f.). Lat. cartes {*ter-ii-. 
Persson Beitr. 144 A.) setzt ein altes Praes. *carid (: ai. stryaie, s. o.) 
voraus (Marstrander Pres. a nas. inf. 43). — Fern bleiben arm. crem 
,zerstreue, zerbredie' (Sdieftelowitz BB. 28, 289; arm. c aus idg. ak, 
s. Petersson iKZ. 47, 255); got. hairus m. .Schwert', an. hJQrr usw. 
ds. (nicht zu ai. sdruh m. f. ,Pfeil, Speer, Gesdiofi*, ^ardh m. ,Rohr, 
Pfeil' wegen der versch. Bed., sondern wohl zu *{s)qer- ,spalten', 
Walde-P. II 575); gr. Kpoi6s Woadjbn?, Aadevif|?, Ko\op6c' (*Kpo/'-to?, 
Persson IF. 35, 200 f.; vhn. zu KpoOuj, Walde-P. I 411). — Sehr 
zweifelhaft ist die Zugehorigkeit von o. karanter (nadi Walde 
Sprchl. Bez. 14f. = .perduntur', doch s. unter Ceres), kAru .glans, 
missile' (Kent IF. 32, 201 als 'kora, jedenfalls nidit gr. Lw. K6p^a 
, arnica"; anders Ribezzo Neap. 2, 109: als .Wurfstem' zu carina, 
IT. cert ,Stein"; s. auch unter curis). — Vgl. audi sincerus. — 
Valde-P. I410f. „, ., ,„ 

carina, -ae f. ,Nu6schale, Sdiiffskiel (Muller-Graupa Phil. 73, 
309 (X Sdiiff" (seit Enn. und Plaut., rom.; dazu nadi Varro und 
Serv. Carinae .Drtlidikeit in Rom') : gr. Kdpuov n. ,Nu6", bes. 
,Walnufi" (Schi;ader RL. 11' 631), KapOo f. .Nufibaum" {KOpttvo? 
,von Nufi", daraus caryinus Plin., carinus ,nu6baumfarben" und <•»- 
rinarim ,Nu6baumfarber' Plant.); dazu vl. ai. karakah m. .Kokos- 
nufe, daraus bereiteter Wasserkrug', karankaji m. ,Sdifidel' (oder 
zu Wz. *q*er- in ai. cari- .Kessel, Topf" , Uhlenbeck s. v., Walde-P. 
I 518); kymr. eeri .Obstkem' (Marstrander Corr. germ.-celt. 33); 
sehr unsidier gr. KapuboOv ,entmannen' (von *Kdpubo<: ,testiculu8*?) 
und lit. kardiitis ,Kem im Kirschstein' nadi Petersson Z. Kenntn. 
d. idg. Het. 51 f. Wz. *qar- .hart", Benennung von der harten 
Sdiale (s. weiteres unter cancer). — Fern bleiben air. crann .Baum", 
gall, prenne ,arborem grandem' (Thurneysen IF. 42, 146), kymr. 
pren, bret. prenn ,Wald' (s. Walde-P. I 524); air. curar .Gurke, 
Erdnufi', gall. Cularo .Grenoble' als ,Gurkenstadt', kymr. enlor 
usw. .Erdnufi' usw. (s. Walde-P. I 354). — Da alt nur die Bed. 
.Kiel' begegnet (.Nufisdiale' erst seit Plin.), ist Entlehnung des 
lat. Wortes als t. t. des Sdiiffahrtwesens aus dem Griedi. (Keller 
Volkset. 279, Thurneysen Thes., Walde LEW.* s. v.) nidit unwahr- 
sdieinlidi; in diesem Fall ist wohl KOpOtvo? in der unbelegten Bed. 
.nufisdialenartig' die Quelle. — Walde-P. I 354. 

carlnfi, -are (oder -or, -art; nur Enn. -arts, danadi Granun.; t 
nidit { trotz Leumann-Stolz" 318, s. Thes.) .hflhnen, spotten' : gr. 
Kdpvn • ?r|ni(», oOriKapvoi; • aixoZt^nio? Hes. (vgl. audi Sdwrndt 8. 



caris(8)a — carmen. 



169 



Kdpavvos, dKaTOVKdpovoi) ; air. caire ,Tadel' {•jrja), akymr. cared 
nequitiae', kymr. caredd, korn. cara, mbret. earez ,Tadel ; vl. 
fett. karindt .necken, reizen«, ablaut, ostlit. Brinti ds. (dodi s. 
Muhlenbach-E. s. v.: identisch mit karin&t .hfingen, anhfingenV), 
ikyrgti ,uberdrQs3ig sein"; slav. *kon m. ,Tadel' in aksl. u-fco>-j 
'contumeUa', koriti ,schelten, sdimShen' usw., ablaut, s-ksl. kam 
f. ,Streit", russ. kdra .Heimsudiung' uaw. (Berneker 487. 578). 
Wz". *qar' .sdimahen, strafen' identisch mit *{s)qer- ,schneiden, 
schneidend verletzen' in gr. K^pTO^Ol;, Kspxdmos .hohnend' (*K€p- 
(JTOHO?, Brugmann IF. 15, 97 f.), (a)K^pacpos n. .Sdimfihune', OKip- 
ftoXo?- Xotbopo?, (a)K6ppoXdu>, (jKepp6\\u) .sdimfihe, schelte' (un- 
notige Scheidung bei Ehrlidi Z. idg. Spradigescfa. 77'); tiefstg. ags. 
gehornian ,beleidigen" ; vgl. audi ahd. haraicen, mhd. hencen, ags. 
hierwan ,verspotten' (zunachst zu mhd. here, herewer ,herb', eig. 
schneidend", Brugmann a. O.). — Fern bleibt trotz Fidk I* 377, Traut- 
mann Bsl. V. 118 u. a. idg. "qoriio]- ,Kriegssdiar, Krieg' m mir. 
cuire ,Schar' (*corio-), gall. VN. Tri-, Petru-corii usw. (Loth RC. 




, ^ , _. „ , , ,_ _. . %, 

dehnstfg. ap. kdra- m. .Kriegsvolk'), wozu (OsthofiF IF. 5, 275 ff., 
Solmsen Gl. 1, 76 ff.) gr. KOipo- aus 'Kopio- in Koip6-naxo? "sw., vgl. 
Kotpovo? m. , Heerfuhrer" (nidit aus *Koip/'- : heth. kutricanas, 
kuriewanies Cuny REAnc. 28, 209, Winiewicz Eos 31, 519f., da 
Bed. eher ,verbundet', Friedrich Heth. Texte II 1, 76 f.), s. Walde- 
P. I 462. — Verfehlt Sonny bei Petr BB. 18, 282 {carinO aus Xaplvo?, 
komisdie Person der dor. Komodie). — Walde-P. I 353 (II 574. 576). 
cari8(8)a (ra.? f.?) .vafer' (Lucil., Anom. mim. frg. 18): genaue 
Bedeutung (die Interpretation .Kuppler' Gl. konnte aus dem Zu- 
sammenhang geschopft sein; vel. jedoch KdppK' naaTpowd? Hes.) 
und Herkunft steht nicht fest. Jedenfalls nicht = xapUaaa (Saalfeld) 
bzw. Xapioio (Sonny ALL. 12, 126) oder von Car wie Cilidsm von 
Cilix (Jordan Krit. Beitr. 80 ff.); eher etruskisches (Ernout BSL. 30, 
102) Oder allenfalls keltisches, durchs Etruskische (wie vl. manti8[s)a, 
8. d.) vermitteltes Wort, vgl. Stokes Urkelt. Sprachschatz 330, Sdirader 
RL. P87. . . . 

carmen, -inis n. ,Gedicht, Lied', urspr. ,rehgi58e und magisdie 
Formel" (z. B. Liv. 39, 18, 3, seit XII tab. ; davon carminare ,be- 
singen, bezaubern, besprechen' [vgl. praecantrix Plant., -are seh 
Petronl seit Aug.. rom.) : aus *canmen : canS, vgl. gtrmen (so z. B. 
Knhn KZ. 10, 291, Havet MSL. 6, 31, Porzig IF. 42, 265), s. zum 
Lautlidien bes. Solmsen IF. 26, 102 ff., Sommer Hb.' 213, Nehnng 
Gnom. 6, 547, Vendryes RC. 43, 211; sacbUdi vgl. aufier carmen 
eanere, concinere, canULre seit Cic, Varro, CatuU bee. malum car- 
men incantare XII tab. vom Abeingen eines schadigenden Zauber- 
spnidis (vgl. frOgea excantdre vom Fortsingen der Feldfrucht mittelst 
&uberformeln) und malum carmen eondert ibid, vom Verfassen 
eines ScfamShlieds mit oeeentare (absolut oder ostium) vom Ansingen 
dutdi solche Sehmahliedcr; 8. Bedonann Zauberei und Redit ..., 
Diag. Mfinster 1923 und dazu bes. Ed. Fraenkel Gnom. 1, 185 ff.; 
v^ auch Sdirader RL. I* 189. H 679. — Carmentis {-a) .Geburts- 



170 



2. carmen - cars. 



und Weissagegottheit", urspr. vl. ,Quellgottin' (Wissowa Rel.'' 220f.) 
ist vl. etr., jedenfalls erst volksetymologisch auf carmen bezogen. — 
Abzulehnen OsthofF Par. I 35, Bersu Gutt. 174, Guntert Urheimat 19 
(: Wz. *qatiay ,laut tonen, preisen' in ai. carkarti ,erwahnt ruh- 
mend', karkarih. karhart ,ArtLaute", kirtlh f. ,Erwahnung, Ruhm'^, 
karuh .Sanger, Diditer', gr. KapKa(pu) ,erdrohne", KiipOE, dor. Kfi- 
pOE .Herold", an. hrodr m. ,Ruhm, Lob" [hrdsa aus *hr6p-is-on 
^ruhmen'] usw., ahd. (h)ruoin m. ,R«hm' usw., an. herma ,be- 
richten, melden' [*hamtjan]; s. auch ahd. haren ,rufen" unter Ca- 
menae, Walde-P. I 353); Pascal RFX::!. 10, 289, Sutterlin Z. Gesch. d. 
Verba denom. 56' (gr. ktiX^iu, s. calumnia); VaniCek 68, Ceci Ajp- 
punti glottol., Turin 1892 (aus *casmen zu got. hazjan .loben' [s. 
Camenae] oder ai. sasman- [s. censeo]; s. dagegen Meyer-Lubke lA. 
2, 30). — Walde-P. I 351. 

2. carmen .Wollkamm, Krampel' seit Claudian, davon carmi- 
nare .kraiApeln" seit Varro, -alio seit Plin., -ator Insdir.) : von car- 
rere (Varro 1. 1. 7, 54, VaniCck 60 usw.). 

Cama s. 1. eardd. 

caro, caiitis f. .Fleisch', urspr. .Abschnitt, Stuck (Fleisch)', vgl. 
carni-fex m. ,Scharfrichter, Henker", eig. ,Studteniacher', ferner 
die Bed. .Stuck' in carnem petere Varro 1. I. 6, 25 und den Plur. 
carnes ,Fleischstucke" (s. Festschr. Streitberg 385 f., Bflcheler Kl. 
Schr. II 500, Karstien Festschr. Behaghel 322, Persson Beitr. 233; 
seit Liv. Andr., rom., ebenso carnarium n. Fleischkammer' seit Piaut., 
-osus, -alts seit Gels. bzw. Varro): = u. karu ,pars", kame .came, 
Stuck Fieisdi" (z. B. asegeta kame ,non secta carne'; dazu kartu 
distribuito", vgl. vef .partes" : vetu .dividito"), o. eameis .partis' 
(Breal MSL. 2, 380f.; aber o. karanfer, carta .Brof s. unter 
Cere/; mir. carna .Fleisch", Stokes BB. 19, 54, zw. Vendryes De 
hib. voc. 122, ist Lw.); Wz. *{s)qer- .schneiden", vgl. zur Bed. bes. 
an. hqrund n. .Fleisch", ferner u. a. gr. KEJpw, KOpt^vm .sdineide 
ab, schere" (K^piia n. .Sdiniteel", K0pn6i; m. .Klotz, Rumpf, Gen. 
Kap6? Horn. .Nichts' als 'K€KapM^vov', vgl. Kdpli; m. .Wanze", Kdp- 
vo?, Kdp .Laus" Hes., &Kapi n. .Milbe", dKapi^?, -latoi; .klein, winzig* 
usw., 8. Solmsen Beitr. 160 f., Persson Beitr. 942), ai. krndti, kr^i 
.verletzt, totet" {krnidti .schneidet", lit. kertii ,haue sdiarf" usw, 
mit *-Erw., s. cena, cortex, scortum), air. searaim .trenne' (*aq,ra-\ 
kymr. ysgar .sondem", ysgryd .Bruchstuck, Splitter", ahd. usw. 
sceran .sdieren, absdineiden", Kaus.-Iter. scerian .zuteilen, be- 
sdieren" {scara f. .Heeresabteilung, Schar", scar, scaro m. .Pflug- 
sdiar", an. sker n. .Seeklippe, Sdiare", dehnstfg. ahd. scar, scara 
.Sdiere", mhd. sehuor f. ,Sdiur' usw.; vgl. auch mhd. here .herb* 
usw. unter carinSre), lit. skirik, skhti .trenne, scheide", lett. SkifU 
ikirt ds. (lit. h'fvis m. ,Axt", kartiis .bitter" = ai. kafM .scharf, 
b'eifiend", lett. Skfrbs .herb", skarbs .sdiarf" = d. scharf usw.), 
alb. d-kdr .reiCe auseinander", haf ,jate aus' (♦«jortt-), tiars ,vei^ 
derben, verwusten, sich trennen' (*sqer-ti-), kof .sdineide, eiaU>' 
(*qer^6; lokl IF. 30, 195 f. 37, lOOf. Ling.-kult U. 156), arm. k'orm 
.kratae*, k'erem ds. (MeiUet MSL. 8, 154). Vgl. ferner unter eo- 
rium, cwitu, cena, eemd {mascerda), earpo (earpiteuli(m\ serjbif, 
serobit, scrotum, serutor. — W«lde-P. n 573 ft 



carpa - carpinus. 



171 



carpa, -ae f. .Cyprinus carpio, Karpfen' (Cassiod., 6. Jh., Donau- 
fisch, rom.): germ., speziell woTil got. Lw. (Thumeysen Thes., Bruch 
Einfl. 8, GamSlsdieg 188), vgl. ahd. harpo, eharpfo,mhd. karpfe, an. 
karfe .Karpfen" (towe IF. 10, 78 f.; aus frz. carpe stammt engl. 
carp fworaus kymr. harp], aus dem Deutschen lit. Urpa,\tn karpe, 
Urpa, russ. usw. karph, woneben kdroph, serb. krap Iworaus 
alb fcr«p, rum. crap], s. Berneker 575). Sehr fraghch, ob Inerher 
mit Dissimilation des wurzelhaften r ai. iapharah m. ,Karpfenart, 
Cyprinus sophore", lit. SSpalas ,Cyprinus dobula', gr. """P^^o? ™- 
fearpfen" (tJhlenbeck PBB. 19, 331. 26, 288 f., Niedermann BPhW. 
1903 1305, anders zu Kuitpivo? Wood AJPh. 48, 320; Urverwandt- 
sdiaft ist dabei weder fur das germ, noch fur das slav. Wort mog- 
lich). Da der Fisdi im Alpengebiet sdion seit Urzeiten vorhanden 
war (Sdhrader BL. I' 559), ist sein Name vl. aus emer idg. Sprache 
dieses Gebiets zunachst ins Germ, gedrungen und von da ab als 
Teichfisch weiter verbreitet worden (anders Berneker a. O.). — Walde- 
P. I 457. 

carpatinns s. carpisculum. . .^ „ , ^ 

carpentnm, -l n. ,zweiraderiger, zweispanniger (meist mit bchutz- 
dadi versehener) Stadt-, Reise- oder Gepackwagen* auch Dunger- 
karren' bei Liv. und Flor. wohl ungenau (Mau PW. UI 1607) audi 
Streitwaeen der Gallier und Britannier" (seit Liv., Andr., rom., 
ebenso -Arius ,Waener" seit Plin., vgl. carrocarpentarius KappoirnTo? 
Gl.): nadi Arrian tact. 33 gall. Wort, vgl. gaU. ON. Carhantia, Car- 
bantorate, abrit. KapPavTdpifov; ruckentlehnt ist nadi Vendryes De 
bib. voc. 122 air. carpat ,Wagen« (audi .Kinnlade', vgl. mir cm-r 
.Wagen' : nir. carrSn .Kinnlade'), woraus wieder mkymr. kerbyt, 
abret. cerpit PI. ,Wagen" stammt (Pedersen I 24; s. audi I 494 zu 
kvmr carfan .Weberbaum', bret. karvan ds. und .Kinnlade ; vgl. 
Stokes BB. 23, 42). Nadi Pedersen I 118 verwandt mit lat. corbts 
(s dV vgl. zum -a- (aus idg. -o-?) Kurylowicz Mel. \endryes 215, 
zu -en- (fflr -an- unter lat. Einflufi) Walde Sprdil. Bez. 55, zu -2,- au» 
-6- Pedersen I 533, Guntert WuS. 10, 18, Pokorny ib. 12, 305. 

carpinus, -t f. .Hagebudie, Hainbudie, Carpinus betulus (seit 
Gate, iom. -?- [Grober ALL. 1, 543], carpineus ,aus Budienholz 
seit Colum., rom. unsidier): lit. skifpstas .Buster', sktrpstHs ,a.ot- 
budie', apr. skerptus .Buster' (Sdirader RL. P 172; lat -a- bait. -.- 
aus idg. „ Guntert Abl. 87, bait, -p- aus idg. p oder b);Wz. y)gerep- 
.sdineiden' (s.earpo; Benennung von dem gesSgten Biatt der Hain- 
budie und Feldrfister), woneben *sqerebh- (vgl. serobt*, eeribo) m 
apr. skoberwis, Ut. skruoblas, junger und dial. skrMis, »kir^l^ 
.Hainbudie' (*skrobihyr-). lett. skabardis .Budie (.J- Ablautneubldg.), 
alb. skoze .Hainbudie, Weifibudie, Steineidie' (•«fcr«6r- -Irdf), s- 
Jokl WuS. 12, 71 ff. — Von einer Reimwz. "gertWi- .ntaen (in gr. 
Tpdmuj usw., Walde-P. I 606 f.) stammen maked. (lUvr.) TPOp'ov 
.Fadtel, Eidienholz", gr. Nbf. Tpd<Piov, TOppi™" <povol, Xamrri^pes 
Hes. (aus dem Dlyr. entlehnt u. GrObovio- [Grahout .Grabovium 
usw.l Beiname von Mars, luppiter und Vovionus, eig. .Eidiengott , 
8. Kretsdimer Festsdir. Bezzenberger 89 £; mdit zu lat. Gradivus, 
Forthingbam AJPh. 36, 314 ft), apr. wow-irroWa .Spindelbaum', russ. 
ffrab, grablna .Hagebudie" usw. (s. Jokl a. O. 72 ft). - carpmus 



172 carpisc(u)lum — carpS. 

nidit zu ai. hrpUam n. etwa ,Ge8trflpp« (CJiarpentier BB. 30, 164; 
vffl. Uhlenbeck" s. v.). , „, . ^ „ x i. 

CBrpi8e(n)lnm, -t n. ,Art Schuhwerk* (Vopisc, 4. Ih.; -use- Insdir. 
Unterfage", t. t. archit., vgl. Kpnitt?, crepido in der Bed. .Basis, 
Fundament"): air. cairem ,Schuhmacher (*karpjamos , idg. *q.r[9]p-, 
Pedersen 1 94), kymr. crydd ds. {*harpijos), korn. cfcereor, bret. here, 
kereour ds.; apr. kurpe, lit. K[r;)e, lett. A;«fpe ,Schuh" {*kuri}ia, 
idg •gorap-; Bezzenberger BB. 17, 214, Mikkola ib. 21, 120 f., Traut- 
mann Bsl. W. 146), ksl. kr^pa ,Lappen«, is-krzpiti, -ati .ausflicken", 
Serb, kf-plje PI. ,alte Schuhe, Schneesdiuhe' usw. (Berneker 670); 
an. hriflingr, ags. hrifeling .Schuh' (Zupitza Gutt. 125); mit Voll- 
stufe der 2. Silbe er. Kprjitt?, -tbo? f. ,Schuh" (daraus erepida, 
s. d.). Wz. 'qerep- ,Zeug- oder Lederlappen", daraus ,Schuh' (ygl. 
KdffOOfia .Schuhsohle", KaOffOiu .flicke, schustere", 1. «Ma ,nahe" : Stt<or 
Schuster') identisch mit *{s)qerep- ,schneiden" (s. carpo, Reidielt 
kz. 46, 339). — carpisculum ist wegen seiner spaten Bezeugung 
kaum editlat., sondern wohl Fremdwort wie sicher carpatinus 
.rohledern' (CatuU) aus gr. Koppdnvo? ds., das zur gleichen Wz. 
gehort; Kellers Annahme (Volkset. 94) volksetymologischen An- 
sdilusses an carpo ist unnotig, da die Doppelheit -p- : -it- bereits 
griedi. ist, vgl. Kapirdnvov • drpoiKiKdv Oitdbrma (lovdbepfiov Hes. — 
Walde-P. 1 425. , ^ , ., . ,v 

earpS, carpsi, -ptunt, -ere ,rupfen, abpflucken, zerteilen , ubtr. 
,eine Strecke zurucklegen, etwas nach und nach geniefien, allmahhch 
schwaehen, einen durchhedieln" (seit XII tab., vlt. und rom. -ire): 
urspr. .abtrennen', vgl. gcarpo (= ex-) .eligo" 01. V 578, 15 (Qc. 
Cluent. 129 in multorum peccato carpi paucos ad ignominiam usw.), 
scarpinaf.scripith haen G1.V390, 11 ,der Hahn kratzt, sdiarrt* 
(R6nsch ZoG. 1882, 593 Lowe Coni. Plant. 209): Wz. *(s)qer{e)p Erw. 
von *(s)qer- .schneiden" (s. card, carpisculum), vgl. gr. Kapit6? m. 
,Frucht' (als .Abgesdinittenes', Scheftelowitz WZKM. 34, 2221, Kop- 
itKonai, -6onoi .ernte", Kpiimiov .Sidiel" {*qrop-), OKOpttlos m. 
.Skorpion' (OK^irapvo? .Beil' nach Niedermann IF. 37, 149 f. aus 
*OK£pTt-avo?, doch s. unter capo); ai. krpatMh m. ,Sdiwert', krpdvi 
.Sdiere, Dolch'; alb. karpe, karme ["karp-n-) .Fels, Klippe", Ikrep, 
krep ,FelB, Abhang' (Jokl Stud. 34f.), thrak. KapndTTi? 6po(; ,Kar- 
pathen'; mir. corran ,Sichel', cirrim .schlage ab, verstSmmle' {-rr- 
aus -rp-, Zupitza KZ. 35, 264, Pedersen 1 94); ahd. herbist, ags. harfest, 
an. haust n. .Herbst' (grm. *harhista-, harbusta-, idg. *qarpistos, s. 
Brugmann IF. 28, 373, Hirt IF. 37, 234, Falk-Torp 454 f.), an. harfrm. 
herfi n. ,Egge (: lett. {s)kdrpit ,die Erde aufwerfen"), mit s- ags. seeorfan 
jSchOrfen", gesceorfan ,zerrei6en, sdiaben', ahd. s«»-W, mhd. »cA»r6« 
'Scherbe, Kopf, ahd. usw. scerf ,halber Pfennig' (nhd. Scherf-Mn), 
mhd. schrove, sckroffe m. .Felsklippe, Steinwand" (nhd. Schrofen) usw.; 
lit. kerpii, kifpti ,mit der Schere schneiden', lett. cerpu drpt ds., 
russ. dial. 6erp m. .Sidiel' (daraus fiber estn. tsifp, lett eifpe ds.), 
wohl auch aksl. ir^pn, iriti .schopfen" und iripi .SdiSdel*, apr. 
lerpetis ds. (v. d. Osten-Sacken IF. 33, 196; anders Trautmann Bsl. 
W. 129); heth. karp- .nehmen, heben, sammebi' (Sturtevant Lg. 6, 
155 f. 217). Vgl. *{s)qerehh- unter acrobis.— Fern bleiben an. harpa, 
ags. hearpe, ahd harpa .Harfe' (Wz. \s)qereb(hy .drehen', Be- 



carracutium — carrtS. 



173 



nennuiig von der krummen Fonn, Sperber WuS. 3, 68 ff., Walde-P. 
II 589). — ear DO nidit nach Lommatzsch RhM. 52, 303 f. J" F- 
Kapitic m. .Handgelenk" (Vz. 'kuet-p- ,d^ehen^ Walde-P. I 472; 
vel z B an. hreife .Handwurzel' : lit. kreipiii ,drehe«; mascarmo 
efweist trotz Stowasser ALL. 1, 287, Fisch ib. 5, 64 nicht echt lat 
Anlaut sk; s. d.); ob in den EN. Carpus, Searpm, §r. Kdpito? audi 
nur volksetymologisdi Kapir6i; ,Handwurzel' hereinspielt, ist fraglich. 
— Walde-P. II 581 f., Persson Beitr. 861 f. 

carracutium {-r- v. I.), -» n. .zweiraderiger Wagen mit hohen 
Radern" (Isid., Gl., nidit rom., s. Sofer Isid. 165»): zu carrus, gallisch 
(Diefenbach Orig. eur. 289 f., Terracini RFCl. 49 427); ebenso car- 
ruca -aef. .vierraderiger Reisewagen, ahnhch der raeda' (seit Flin., 
spatl. [Lex Sal.] und gallorom. audi ,Raderpflug', Schramm 45 , 
Gamillsdieg 210; daraus gr. KOpoOxa, KOpodxiov). 

carrago, -inis t. .Wagenburg" (seit Vopisc, 4. Jh.): wrsdi. audi 
im Suffix sallisch, da -ago audi keltisdi ist (s. selSgd, Pedersen 
Groupem. 33), kaum edit lat. (Leumann-Stolz* 241). - Nidit aus 
carrus + erm. *hagas, hago in ahd. usw. hag .Umfnedigung, Hag 
(Snbtcff a. O., Holder I 809, Kempf N. Ibb. Suppl 26, M7),. Sa 
das Zeugnis fiber got. Herkunft des Wortes (Amm. 31, 7, 7) mcht 
zuverlassig ist. 

carro (-« GL), -ere ,(Wolle) krampeln' (seit Naev., davon ca^ 
men .eiserner Wollkamm', carminare .krampeln' dies rom. [audi 
kontaminiert mit carpere]; s.Blumner Tedinol. P UOf.): Wz. >rfi- 
kratzen, reiben' in &i. kasati .reibt, kratzt, sdiabt" (mi. aus kar- 
lati, Fortunatov BB. 6, 219), kasSyah .herb, bitter, sdiarf,fc«s«ftaft 
m. .Aussatz" (mi. aus *krstha-'f Uhlenbedc s. v.l lit. karhit karStt 
.kammeln, riffeln, striegeln", lett. kdrSu kdrst ,WolIe todcen , slav. 
hors-ta in abg. krasta, russ. kordm usw. KrStze" (zur Intonation 
s.Trautmann Bsl.W. 118), mnd. harst ,Redien, Harke«, wohl audi 
rand. nhd. harsch .hart, rauh% mhd. verharsten ,rauh verden 
(Sdimidt Vok. II 131), mit s- ahd. seerran .kratzen , mhd. nM. 
seharren (Zupitza Gutt. 155); sehr zweifelhaft norw. ras n. .tisch- 
sdiuppe' (Falk-Torp 881), an. hgrr, ahd. haro, Gen. haruies, nhd. 
dial. fl«ar ,Fladis« (wohl *hazu!a- zu Wz. qes- .kammen 1-alk- 
Torp 454; anders Walde-P. I 356. 449). - carrS (mdit card!) mdit 
zur Wz. *ges- .kratzen, kammen" in gr. KeOKdov {*Ki<S-wa-) n. , Werg , 
mir. «r f .Kamm" {'qes-rA), Ut. kasH kasH .sraben' Iterativ kasaa 
kasyti .fortgesetzt kratzen', lett. kast. kam .barken', fca«a fv, *««« 
Tn.,kaskis m. (: ai. kacchu- f. ds.) .Kratze', ht. kasi .Haarfledite, 
Zopf", ksl. usw. kosa .Haar', aksl. usw. geiq iesati ,Vimmen [ab)- 
streifen' (Bemeker 151 f.), an. haddr m. .Haupthaar der Frau 
{*hazda-), ags. heoriian PL .Werg' (s audi unter caesar,i»); vgL die 
Wz.-Erw. •3«-e»- in gr. Um .sdiabe glStte', •js-m- mEaivw, kratze, 
kamme' (s. serUis), *qs(n)-eu- in Euu) .sdiabe, reibe" (s. novaculn). 
Hierher carduus, -i m. .Distel', audi .wilde Artisdiodce' 
(seit Vers., spatl. und rom. audi earduB, vgl. carduetum n. 
.ArtischoAenpflanzung" PaUad., earduiUs, -is t. .Distelfink seit 
PUn., daneben cardslis aus •eardif- [Leumann -Its S\ Peteon und 
mit Suffixtausdi carddlus Pol. SUv., GL, rem.; spStL cardO, -6nts 



174 carroco - cartilSgC. 

m. ,Di8tel' seit Marc, med., rom., ist zu cardus neu hinzugebildet) : 
wohl auf Grund von *carridws ,kratzend" (vgl. ahd. zeisala ,Kar- 
dendistel': zdsan .zausen', Walde-P. I 766, und die Parallelen 
bei Jokl Ling.-kult. Unt. 223; nicht mit Reidielt KZ. 46, 340, 
MuUcr Ait. W. 74 aus *kf-do- neben carro- aus 'kf-s-6, verschiedene 
Erw. von *{s)qer- ,8chneiden", s. dagegen Walde-P. I 355). — Vgl. 
audi carex. — Walde-P. I 355 f. 
carroco s. corroco. 
carrttca s. earracuHum. 

caims (spatl. -MOT, gr. Kdppov), -l m. ,Art vierrSdriger Wagen, 
Karren' (seit Sisenna, rem., ebenso -&rius seit Pap. 1. Jh., -ieare ,be- 
laden' seit6.Jh.) = gaU. carros (ON. Kapp6-bo\jvov Ptol.), air. mkymr. 
earr, bret. karr ,biga, vehiculum" {*Jirsos, Foy IF. 6, 332, Pedersen 
I 44. 533); urverwandt mit currus (s.°d.). Aus mlat. earrus, earra 
stammen ahd. c(h)arro m., c(h)arra f- usw.; aus dem Calat arm. 
hat-h ,Wagen", katap'n .SdiSdel' nadi Pedersen I 83. — Skyth. 
Kapopiit?" ol Zku»ikoI oikoi, Ivioi hk. xd? Kati^pei? (1. KaTnpeq)«?f) 
AndEas Has. (Thes.) bleibt wohl fern. — Vgl. audi carraeutium, 
earr&go, carruca. — Walde-P. I 428. 

cutallnm s. erassus. ^ • j ■ l ir. 

CarthSlgrS, -inis f. (seit Plaut.), gr. Kapxn'»l'v: nadi Fnedndi lb. 
39, 102 ff. durdi versdiiedene Dissimilationen aus *Karthadon-, vgl. 
Carthada (Solin, Isid.), Kurzform fur pun. Qart-hadaiat ,Neustadt'. 
cartlbnlnm, -t n. ,einfu6iger, vieredtiger, steinemer Tisdi zum 
Aufetellen der GeMe neben dem Impluvium' (Varro 1. 1. 5, 125; in 
Pompeii aus Marmor und in der Kegel mit vier LowenfuCen, Mau 
Privatleben 220. 238', Daremberg-Saglio I 929): unerklart. — Nidit 
flberaeugend Petersson IF. 24, 270 f. (: ir. cert .Stein', ags. harap, 
hared m. ,Vald", ahd. hard .Bergwald' [grm. *harup-], s. unter 
aeenmi, Walde-P. I 31); Bersu Gutt. 171 (: got. hardus ,harf usw., 
B. cancer, career); Tudter Notes 19, Leumann-Stolz' 218 (als ,Tafel 
zum Zeredineiden', Wz. {s)qeH- ,sdineiden', s. cortex); MuUerMnemos. 
43, 321 ff.. Ait. W. 74 (ala ,Feuerstatte' : d. Herd [s. carbo], gr. ^oxdpa 
ds. [dodi 8. Gl. 10, 265]; daS im Atrium jemals ein Herd stand, ist 
nidit zu erweisen, s. unter atrium). . . 

cartilK^ -inis i. .Knorpel am mensdilidien und tiensdien 
Korper, audi an Pflanzen und Fruditen" (seit Gels., rom.; -6ius seit 
Gels., cartUagifM PI. .Knorpelfisdie" Plin. [Lehnubersetzung aus ^. 
Xovbpuibn Athen.; -«-, nidit -I- trotz Meyer-Lubke Don. nat. Sdin]- 
nen 696): Benennung von den knotenartigen Endverdidcungen der 
Knodien (vgl. audi die Bed. .Auswudis an Wunden' Ghiron al.), 
zur Sippe von eratis .Flechtwerk' (Curtius 144, Vaniiek 58 usw., 
s. unter erassus): Wz. *qert-, *qerat- .zusammendrehen, verflediten"; 
vgl. zur Bed. bes. gr. KpOTibvri f. .Knorren, Astknoten' (*KpOT-, 
J, Sdimidt KZ. 32, 370), mir. certle, cHrtle f. ,Kn5uel' (Pedersen 
II 54), Slav, 'krntt in r.-ksl. kna% .tortus", russ. krutt .drall, i4h, 
steil, didt eingekodit usw.' (Bemeker 627). — VokaJismus unklar 
(wohl *q.r\»]t- oder *q,rt-, Reidielt KZ. 46, 342, Guntert Abl. 56, 
kaum *qart; da ahd. herti t. .Sdiulterblatt' [neben «*f»-«|, an. herdr 
d». der Bed. halber trotz Hirt PBB. 23, 351. BB. 24, 276 wohl fern 
bleibt, 9. audi Bezzenberger BB. 23, 315 und I. Sdimidt Vok. II 25, 



cams — casa. 



175 



Berneker 671;; ebenso die Ableitung (vl. von *eartilis ^verflochten", 
Stolz HG. I 528, falls nicht direkt von "caHis ,Verflechtung' nach 
einem unbekannten Muster; in der Bed. nidit entsprechend Leu- 
mann-Stolz^ 241 : von *cariiHs .schneidbar' bzw. von chartula; ver- 
kehrt Fay KZ. 45, 122). - Walde-P. I 421 f. . u l « 

earns, -a, -um ,lieb, teuer, wert, hodi im Preise' (eig. .begehrt , 
vgl. sab. cuprum ,bonum" : cupto und die Vbdgg. cSrus aeceptusque, 
cams exspeetmusque u. a. seit Cic, s. IF. 40, 114 und uber pseudo- 
aktives -us .liebend" Weyman Gl. 3, 192; seit Plaut., rem.; canUls 
i. ,Wert, Wertsdiatzung" seit Cato): = lett. Mrs .lustern, leeker" 
(hirudt .begehren", kare, harlba f. ,Begierde"), got. h5rs m. .Hurer, 
Ehebrecher' {hdrinon, ahd. huoron ,huren"), an. Jtorr ds., hor n. (ahd. 
usw. huor m.) ,Buhlerei, Unzucht', hora ,Hure', ags. hore, ahd. huora, 
htiorra ds. (aus dem Grm. vl. slav. kurtva ,Hure', woraus alb. kurve, lit. 
kHrva usw., Berneker 651, doch s. Stender-PetersenLw.-kunde 27); red.- 
stfg. gall. Carant-us usw., abrit. Carant-inus, air. earae ,Freund' {*qa- 
rdnts), caraim .liebe' (a-St.), kymr., kom., bret. ear ,Freund", kymr. 
caraf ,liebe'. Wz. *qa- .begehren' in ai. kdyamanah ,gem habend' 
(io-Pras., daraus j versdileppt in a-kayiyah begehrenswert', Persson 
Beitr. 574' gegen Wackemagel Ai. Gr. 1 15), Pf. cake ,sidi woran 
erfreuen, lieben, begtairen", av. ka- ,wonach verlangen'; -mo- St. 
ai. kamah m. .Begehren, Trieb, Liebe' (av. ap. k&ma- .Verlangen, 
Wunsdi*), woraus bereits idg. Wz. *qdm- in ai. kamdyati, Pf. ca- 
fcom^.wunsdit, begehrt,liebt', kamrah ,reizend", kamanah (unbel.) 
,begierig, lustern", lit. kamaros ,Geilheit', lett. kdmit .hungem' 
(Endzelin KZ. 44, 63); Erweiterung *qen-, *qon- wohl in ai. cdnas- 
n. .Gefallen, Befriedigung', av. &«aft-, einah- ,Verlangen, Heischen", 
ai. Pf. cdkana usw. (Persson Beitr. 575', Walde-P. a. O.). Hierher 
audi ai. cdruk ,angenehm, lieb, lieblidi', cSyamanah ,begehrlich', 
nicdyyah ds., eayuh ,begehrend« (Foy KZ. 36, 130 f.; wohl sekundir 
nadi dem Nebeneinander von ar. kan- und can- [a. oben] nach 
Walde-P. a. O., nicht idg. *qe-; anders, aber nicht Oberzeugend Hirt 
BB. 24, 248, Guntert IF. 37, 85 [: gr. xri^OTeTOc], Ehrlich BPhW. 1911, 
1574, Petersson Griedi. und lat.Wortst. 35f. [: quaere, s. d.J). — Fem 
bleiben slav. kochati .lieben' (s. Berneker 538, Walde-P. I 449), woU 
auch lat dcaro (s. d. ; Zimmermann KZ. 38, 502 mit unannehmbaren 
Weiterungen). — Walde-P. I 325 f. 

casa, -ae f. .Hauschen, Hutte (aus Laub, Stroh, furs Vieh usw.}, 
Baracke, Lagerhutte" (seit Ter., rom. LHaus'], ebenso spStl. MWfliw 
,zum Hof gehorig", -arius .Kolone"; Derain. casula .kleine Hutte, 
Totenkammer' seit Moretum, spStlt. auch ,Kleid mit Kapuze', falls 
dasselbe Wort, seit Augustin; zu spatgr. kou(Jo6\iov - kontaminiert 
mit eueulla wie audi sp5tl. und rom. easulla, daneben casuma 
Heraeus ALL. 12, 57. Gamillscheg 21 11 - , s. Wahrmann Gl. 17, 220) : 
wohl als .Fleditwerk' zu Wz. *qat- .flechtend zusammendrehen m 
cassis, catena (s. dd.) ; casa dial, aus *qatia wie o. Bansae .Bantiae', 
mars. Martses .Martiis* (Walde LEW.' s. vj, nicht *eat-s-e oder 
*cat-ta (Stolz HG. I 279, Muller Ait. W. 76). Weiteres s. unter 2. cas- 
sis- vgl. zur Bed. ags. headorian .einschliefeen' von *heador .Hurde' 
(Johansson IF. 19, 114) und (nach Reidielt KZ. 46, 340) die slav. 
Sippen von ksl. kottcb ,Nest, cella", russ. kot^ PI- .Fischwehr, Fisdi- 



176 



casamO — cSseus. 



zaun' bulg. kdtora ^Hurde' usw., die aber (ebenso wie sbkr. kitSr 
Distnkt Grenze' aus ahd. kataro, gataro ,Gatter") der Endehnung 
verdaAtig sind (Berneker 589; vgl. iran. fcato- ,Wohnraum' in av. 
kata- m. ,Kammer, Keller', np. kad ,Haus', woraus nach Schrader 
RL I' 448 auch finn. kota, esth. koda und hieraus wieder an. hot 
aciilechte Hutte', kiftja ,Hutte', ags. cot ,Hutte, Kammer" usw. 
stammen; vgl. auch got. hefjo t. .Kammer' Wz •j«- ><- Walde- 
P I383f ■ zu weitgehende Verknupfungen bei Mennger Wub. I, lb, 
Loewenthal ib. 9,173). — Fern bleibt castrum; verfehlt Froehde BB. 
16, 182 (aus *skansa zu gr. cktivi^ ,Zelt", nhd. Schanze). — Walde- 

T> T OQQ 

casamS .assectator'-. gallisch nach Quint. 1,5, 8; vgl. den EN. 

Casamo GIL. Ill 10348. Haltlos vermutet Birt Phil. 83, 165 Co- 

sumis (Beiname des Mars). wc7i*; 

caficabns .caccabus grandis' GL: s. caccaous, Mennger wub. /, lo. 

cascusr-a, -»<»» ."rait, altersgrau" (seit Enn., rom. ; nach Vairo 

1 7 28 sabin. und osk.; aber dfas Cogn. Casca nebst Zubehor ist 

wrsch etr., Schube EN. 353): s. canus. — Abzulehnen Pedersen IF. 

5 45 (als *q3S-kos : ialb. kohe f. .Zeit" [vim. *kesd, nicht *qis-}eo; 

s.' Pedersen KZ. 36, 279, lokl Ling.-kult. U. 31], aksl. daaz usw. 

Zeit', 8. Trautmann Bsl. W. 131). 

casens, -t m. .(einzehier) Kase' (daher meist Plur.), -«»».-« n. 
Kase als Masse' (nur Sing., Zimmermann Gl. 13, 234; seit Plaut, 
rom. [neben *formaticum, Jud ZRPh. 38, 19f.], ebenso -eolua seit 
Copa; aus eaieua ahd. cMsi [nhd. Ease], ags. ctese, ecese [engL ehees^ 
it. caise usw., Pedersen I 202) : -eo-Ableitung von *ea80- .Garetoff 
aaa*mtat-so- = aksl. fc»as« ,fermentum, Sauerteig', sbkr. ho&s ,Sauer- 
teic, sauere MUch' usw. (Berneker 656; aus dem Slav. lit. A*a^ 

Alaun', md. qnoi ,Schlemmerei"), alb. koa .halbsaure Schafmildi 
hqum-io- Jokl Ling.-kult. U. 273; jedoch eher entlehnt aus akr., 
bulg. kvas); sdiwundstfg. *jfl«-»- in aksl. kysl^e)h, ,sauer', abg. -fcy»- 
tioH -kymi .sauer werden*; wozu (Berneker 678) lett. ii»«W ,wal- 
len,'8ieden', kumU ,Sprudel", fciistM, hwi .schmelzen, tauen" fauA 
ermQden", Auafa ,mude, matt', wozu vl. auch aksl. fawt-ni .lang- 
sam', eig. .faul', Berneker 672, Bezzenberger BB. 12, 77f.). W«. 
•3«o<(fc)- .gSren, sauer werden, faulen", eig. .aufsieden, auftrausen^ 
(vielfach mit dem Sauerwerden verbunden, Pedersen IF. 5, *J), 
daher weiter zu ai. kt&thati .siedet, kocht', kmOidif. m. .Decoct 
(nidit zu ahd. ^odan .sieden', Brugmann Sachs. Ber. 1897, 36t; 
vl. audi kvihitdh .stinkend", kothayati .iafit verwesen', Uhlenbedc 
Ai. Wb. 57), got. hapo f. .Schaum', hvapjan .schaumen", schwed. 
dial, hva .Schaum', ags. hwaperian, htcceperian .schSumen, bran- 
den' (Pedersen a. O.; nicht zu quatie, s. d.). — Lat. eOseus nat «- 
statt zu erwartendem qu- (vgl. cania) bleibt unklar, falls mcht vait 
Emout El. dial. 137, Sommer Hdb.' 222 dialektisdi; anders, rf>« 
audi nidit uberzeugend Hirt IF. 17,390, Persson Beitr. 123, ReidieJt 
IF. 40, 44' (Anlautwedisel q^- : q-), Walde LEW." 137 (idg. *3«(u)«(fc», 
Reidielt KZ. 46, 335 (Ausgleidi von *3j<dt«- und •}i««- m 'qtUa-; qm- 
fehlt dem Italiscfaen). — Fern bleiben wohl prakr. chagi takrtm 
.Buttennildi'' (Pisdiel Abh. Gott. Ges. V n. 4, 47; zunSdwt aiM 
*AviUl, also wohl nur zufsUig anklingend); ags. hwaig .Molken 



casilam — 2. cassis. 177 

ndl. hui ds. (grm. *hwaja- bzw. *huja; idg. *qu9-io-?, Petersson IF. 
23, 388; s. Walde-P. I 469). — Abzulehnen Charpentier Gl. 9, 50 f. 
(cdseus ksl. kvast usw. von *quad-, *q^d- ^sauer" wegen aL kvdia- 
m. oder n. ,fermentuin' angebl. aus *hvada; Mvalam n. ,Frucht 
von Zizyphiis Jujuba', die aber besser fern bleiben); Hehn-Sdirader 
Kulturpfl.' 159 (aus turko-tatar. katik ,lac concretum*); Fay CI. Phil. 
1, 23 f. (= 'lae quassum'); MuUerAit. W. 117 (nebst cants zu *h)u-, 
K.e)ua- .schwellen', s. cavtis); Emout BSL. 30, 114 (etruskisch). — 
Walde-P. I 468. 

casilam antiqui fro 'casside' ponehant Paul. Fest. 48 : = cassi- 
dam (s. 1. cassis) mit 'sabin.' I = d {oh unter etr. Einflufi, vgl. le- 
pista, weim aus gr. *b€TtiaTa ?) ; nicht rait editem I-Suffix nadi Petr 
BB. 25, 140 f. (*casila neben cassid-) oder Demin. *cassilla, Lindsay 
Nohl 327. 

Casinnm 'Forum Vetus' s. ednus. 

Casmena s. Camena. 

casnar s. cdnus. 

1. cassis, -idis i. .Helm aus Metall' (seit Plaut., cassida, -ae 
seit Verg. im Ansdilufi an lampada usw., Leiunann-Stolz* 262, dia- 
lektisch wegen easila wohl sdion fruher, s. d. ; davon cassidarius 
Insdir., -atus Gl, cassita, s. d.) : kaum echt lat., wegen easila vl. 
sabin. Lw.; ob aber weiterhin aus dem Etr. (Isid. orig. 18, 14, 1 
cassidam ... a Tuscis nominatam; illi enim gaUam cassim nominant, 
credo a capite; Ernout BSL. 30, 114 A.), Mt sich nicht nachprufen. 
— Venn idg. und ererbt, vl. aus *kadh-tis zu Wz. *kadh- ,huten, 
sdiOtzend bedecken' in ahd. hmt m. ,Hut, Haube, Helm', ags. h6d 
m. ,Kappe«, an. hfttr, hattr, ags. Jioett (*fta«u-), ahd. usw. huota 
,Hut, Obhut, Bewachung", huoten .behuten, bewachen', ags. iuedre 
.sorglich, angstlich' {*kadh- nur furs Germ, gesidiert; mir. caiise 
,Liebe', mkymr. eadw, cadu [*cat-uo-] bleiben wohl fern, s. Walde- 
P. 1340, Loth RC. 42, 68; ebenso lat. cappa, gr. KOTtd?, kotOXti, 
Vood AJPh. 48, 320, vgl. Walde-P. I 384). - Walde-P. I 341 f. 

2. cassis, -is m. Jagergarn, Netz, Spmngewebe' fseit Verg., 
-ieulum .reticulum' Paul. Fest., Hier.): nach Froehde BB. 1, 206 
zu catena, -ae f. (*cates-n&, Skutsdi Kl. Schr. 27), ,Kette, Fessel, 
Klammerholzer" (seit Plaut., rom., ebenso -mum ,Vorhangegchlofi' 
bid., Sofer Isid. 127); Grdf. daher eher *cat-s-is als *caf-fis. Wz. 
*qat- .fiechtend zusammendrehen' (doch s. zum Vokalismus auch 
caterva) in casa (s. d. mit ZubehOr), vl. nodi in an. hadda .Kessel- 
henkel, Bugel' (*hapipOn : catena?, Hellquist Arkiv 7, 167), nodi 
unsidierer ai. sasiam n. ,Art Gurtel' {*Jcat-s-to-, Johansson IF. 19, 
113 f. [lautlidi bedenkUdi, s. Persson Beitr. 325 A.] unter falscher 
Heranziehung von eastula [s. d.], gr. ma&<; m. .Pferdededic', s. Cuny 
MSL. 19, 193 f.); fern bleibt trotz Reichelt KZ. 46, 340 air. cathir, 
Gen. cathrach f. ,Stadt' (*eatrik- [fc-St. sekundSr nadi nathir, Thum- 
eysen Hb. 196, wegen kymr. coder .Festung"]; vbn. wohl Lw. aus 
lat castrum, s. d. ; anders Pedereen I 31 : lat. caterva, dodi hat dies 
wrsdi. idg. -*-); ebenso got fra-hinfah ,gefangennehmen', hunps 
m. ,Beute, Fang", ags. hap t. ds., ahd. heri-hunda ,Kriegsbeute', 
huntian ,jagen' (*qent- bzw. *qend- ohne sichere Deutung, s. Feist 
Wb.= 119, Falk-Torp 1476, Wood CI. Phil. 5, 303 und unter com). 

W B I d e Etym. W6rterbuch d. Ut Spraclie. 3. A. 12 



178 



casslta - castanea. 



Mit catena (nicht etr., Ernout BSL. 30, 91) ist in Bildung und 

Bed. eaterva verknupfbar, s. d.; eastrum, catlnus bleiben trotz 
Meringer WuS. 7, 16 fern. — U. Icazi (Akk.Sg., wohl jo-St.) wSre 
als ♦fca<-(e)s-io- an catena anzusdiliefien, dodb pafit die Bed. kauin 
(eher 'tignum' o. dgl., 8. v. Planta I 392, MuUer Ait. V. 77). — Ganz 
hypothefisch reiht Petersson Z. Kenntn. der idg. Het. 43 f. arm. hhayf 
,eiserne Kette' (*fc«<-er?; anders Petersson Ar. u. arm. St. 121 f.: 
*tti,ri • SX- oexpf[ .Stride") und aks!. fcoft. .Korb' an (s. unter quA- 
lum). — Walde-P. I 338. 

casBita, -ae f. .Haubenlerche' (Enn. bei Cell. 2, 29, 3): von 
1. cassis, vgl. gr. K6pubo;, Kopubii; m. f. (: K6pu(;) und lat. galirita 
{-us) von galerus ds. (seit Varro, rom.V SittI ALL. 2, 478. 

cassiteram, -? n. ,Zinn' (seit Plin.) : aus gr. (Horn.) Kaaanepot;, 
att. Karri- m. ds. (eassiterum nadi ferrum, aurum usw., Wacker- 
nagel Vorl. II 46) wie audi ai. kasttram, arab. qazdir, aksl. kositeri, 
kasilen, ds. iUrsprung wrsdi. elam. *kassi-ti-ra ,aus dem Land der 
Kassi (d. i. KossSer) stammendes Mctall", davon KaooiTepibe? {Kaaal- 
Tipa Steph. Byz.), Bezeidmung einer Insel im Persischen Golf, deren 
Name spater auf die westlidien Zinninseln ubertragen wurde (Husine 
Or. LZ. 1907, 25, Pokorny ZcPh. 9, 164. 12, 305 f. Eberta RL. 6, 2991 
— Keltisdie oder vorkelt-ligur. Herkunft ISCt sidi trotz Reinati 
Rev. arch. 20, 262, Sdiulten Tarteseos 13f. durdi gall. Namen wie 
Casii-velaunus, -ffn/Uus nidit stutzen; s. bes. Scbrader-Nehring RL. 
IP 699 f. 

cassS 6. eadg. 

cassns, -a, -urn ,leer, hohl, ermangelnd, eitel, nididg, erfolglos' 
(seit Plaut., rom.; davon -are ,zumdite madien* seit 4. Jh.): wohl 
Part, zu cared (eastus) von demselben Typus wie census zu censed 
usw. (Walde LEW.' s. v., Sommer Hb.» 608; vl. zu eastus hinzu- 
gebildet nadi dem Nebeneinander von terstts tertus, tortus, -torsus 
oder nadi lapsus, fluxus u. S.), mit nachtrfiglidier Bed.-Sdieidung 
gegenuber eastus; vgl. bes. casew* mit Abl. = cargn* seit Plaut, z. B.' 
Lucr. 4, 128 cassa . . . slnsii mit sensu earentes Cic, 4, 368 lumine 
eassus mit 4, 35 ISee earentum usw. — Semantisdi unbefriedigend 
Osthoflf Perf. 537 f., Kent Lg. 4, 189 f. (altes PPP. von cadS, z. B. 
cassa nux ,eine abgefallene, d. h. wurmstidiige und leere Nu6" ; in 
eassum cadere seit Plaut. [vgl. in v&num cadere seit Sen.] ist eine der 
Assonanz zuliebe gewfihlte Verbindung mit der bereitg entwidcelten 
Bed. .leer", nidit in Anlehnung an cassare, Muller Ait. W. 75). — 
Verfehlt Bersu Gutt. 170 (: Wz. *qad- ,^diadiEen" in o. cadfis usw., s. 
unter calamitas; auch in der Bed. unbefrieoigend); Prellwitz Wb.' 
8. T^iTti (: alb. kot l*qet- oder *qat-] ,umsonst, MuEe, Nadit"); audi 
nidit zu ahd. scado .Sdiaden' usw. (s. Walde-P. II 557 f.; vgl. catOx). 

castanea, -ae f. ,Kastanie" (seit Verg., rem. neben -inea, Meyer- 
LObke Einf.» 153, Meillet Esq. hist. lat. 90) : aus gr. KdOTOVOv n. 
.Kastanie' (= castanum Orib., rom. in Abltg.) bzw. (Kdpwa) KOOxd- 
yoo, das wrsdi. aus einer kleinasiat. Spradie entlehnt ist (vgl. Ko- 
(Kavff, aneebl. Stadt am Pontus), vgL arm. kask ,Kastanie*, kaskeni 
.Kastaniediaum* (Sdirader RL. V 561, Sdirader-Hehn Kulturpfl.* 
295E 615: eorulusf). — Aus dem Lat. stammt ahd. chtstinna, kesten- 
bimm (nhd-obd. kheitn), ags. iistenbeam (neu entldmt nhd. kastSne, 



castIgS - castrB. 179 

Kastanie), alb. ksstme, gsitens, aus dem Griech. bzw. Lat. ksl. ka- 
siam, kostant, bg. kdstan usw. (Berneker 492). 

castigS, -avl, -atum, -are ,weise zuredit, riige, zuchtige, strafe, 
verbessere, beschranke, unterdrficke' (aeit Carm. Nelei und Plaut., 
rom.; danach fustlgare ,mit dem Stock prugebi' seit 4. Jh., rom., 
LeumannHerm. 55, 110): zu castus ,schuldlos, rein" {i. careo), also 
etwa ,zur moralisdien Anstandigkeit anhalten"; und zwar wegen -%- 
Nachbildung zu fatigo, -Wre voa*fati-agos ^is zurErmudung treiben', 
.ermuden' (vgl. zum Lautlichen Jngae, tiincen [variegSre, Leumann- 
Stolz^ 82, ist keine Gegeninetanz, da spate Nadibildung nadi levi- 
gSre, Thurneysen IF. 31, 276 f.]; zur Bed. vgl. z. B. dictls casUg&re 
Plaut. Bacch. 907 mit verbis fatig&re Cic, castigas mones Ter. Haut. 
592 mit rogem aut fatigem Plaut. Cist. 680 usw.). — Nidit mit Fick 
11*74, L. Meyer BE. 6, 136f. zu der Sippe von ai. sisfib, junger 
s&stih f. „ZuchtJgung, Geheifi", sdsti, Msati ,weist zuredit, herrsdit, 
liefieiilt'. Part. Aor. sisdnt- „unterweisend", slsfdh .zureditgewiesen", 
av. sasCi ,hei6t, lehrt", arm. sa^ ,Schelte, Vorwurf", sastem .schelte' 
usw. {Wz. *kas-, *hs-, nur ar.-arm., Walde-P. I 358; mir. cdin ,Ab- 
gabe, Gesetz' vim. Lw. aus canon, s. Ziramer KZ. 36, 443, Pedersen 
I 193). — eastigatus , straff, gedrungen' (z. B. pecttis Ov., s. Thes.) 
ist sekundar nadi synonynem coercere, coartare entwickelt, erweist 
also kein zu ai. iastam jGurtel' (s. unter 2. cassis und eastula) gc- 
hSriges *casti-gare ,einsdinuren' (Johansson IF. 19, 113). 

castrS, -am, -atum, -are ,be-, verschneiden, kastrieren" (seit Plaut. 
und Cato, rom.) : wohl Denomin. von *kas-trom ,Schneiderwerkzeug, 
Messer' [a = idg. „ Hirt IF. 37, 222) zu ai. iastrdm n. ,schnei- 
dendes Werkzeug, Messer, Dolch", iasdhm. , Schladitmesser ", s(isa«, 
sdeti jsdmeidet, metzelf, saatah ,niedergemetzelt'; gr. KcdiCu) ,spal- 
te", edK^aro? ,leidit zu spalten', K^apvov ,Axt, Schusterahle', Part. 
Praes. horn. Keiuuv (wohl k€iIiv = *K€du)v, Sdiulze Qu. ep. 434, nidit 
von *K^/jiu : d. hauen, lat. cudo, Sommer Gr. Ltst. 79; xea- wohl 
= ai. sasi- in iasi-sydti ,er wird schneiden' nadi Beditel Lexil. 144, 
nidit aus *Kaa- mit' Boisacq 425', Kretschmer Gl. 18, 236, da KdOTOV 
,Holz" trotz Beditel Gr. D. II 86, Guntert IF. 45, 346 wohl fern- 
bleibt (s. unter c&la ; anders, aber lautlidi bedenklidi Pisani Re. R. 
Ace. Line. s. VI 4, 355 f.: aus *qaMom = ai. kasthdm, kdstham n. 
,HoIzscheit']); aksl. kosa ,Sichel, Sense" (k- aus k- durdi Di'sB. gegen 
-X-. Meillet Et. 178. MSL. 9, 374. 18, 17, Niedermann Ess. 20) ; alb. badre 
.zweisdinei^ge meifielartige Axt' ('kas-dhra, Jokl Ling.-kidt. U. 158); 
sehr unsidier mir.cets ,Speer' i*kesta? Fick II* 85; sdiledit bezeugt), 
ags. hoss ,Zweig, Schefilmg' (Zupitza Gutt. 184), an. hes t. .Wirbel- 
zapfen in einem Spannriemen' (Falk-Torp 401); fern bleiben gr. Ki- 
(JTpov , spitzes Eisen", K^orpoi; m. .Pfeil", k£ot6? (*KevT-^6?) ,ge- 
stodien, gestickt' (Vz. *kent-, Walde-P. I 402) , KdOTUip, KdOTiup m. 
,Biber' (Meringer WuS. 9, 112 f.. Wood AJPh. 48, 308; s. Boisacq 
420 mit Lit.), mnd. hdr .Werkzeug zum Sdiirfen der Sense' (s. ca- 
trn). — Hierher audi castrum, cared, castus (a. dd.); daher ab- 
zulehnen Brugmann IF. 28, 371 ff., Reichelt KZ. 46, 337 (aus *cap- 
{i)s-tro- zu cdpo oder aus *carp(,i)stro- zu carpo, s. Walde-P. II 581 ; 
auch lautlicfa schwierig). — Verfehlt Keller Volkset. 285, Stowasser 
Dunkle Worter II, p. IV f. (als *east(o)rSre von castor ,Biber'!); 

12* 



18Q castrum - Catainitus. 

Ehrlidi KZ 40, 381 (ah *cad-trom : cadamims, calamitas, u. kafitu, 
kafetu angebl. ,caedito% s. vim. 3. calo). - Walde-P. I 448. 

castram, -i n. ,mit Mauem oder Schanzen umgebener Ort, Fort', 
Plur. mit Wall und Graben umgebenes Feldlager", ubtr. (audi rom.) 
Hirtenquartier, Bienenkorb", melon. ,Entfernung zwischen zwei 
Lagerstatten' (Kieckers IF. 38, 210, Fraenkel IF. 40, 93; seit Plaut, 
rom.), eastellum, -i n. (daraus mtr. caissel, kymr. usw. cestylT) 
klemeres Laeer, Bollwerk, Bergfledten, Wassersdilofi bei Wasser- 
leitungen' (seit Sent. Minuc, rom., ebenso -anus): zunachst zu o. 
castrous , fundi', u. eastruo, kastruvuf ,fundos (w-St. nadi peku- 
Vieh', Froehde BE. 16, 182, Wadternagel KZ. 43, 295, Brugmann 
Sadis. Ber. 64, 153, Reidielt KZ. 46, 337 f.; nidit als *eaput-trom 
zu caput, Buck Gramm. 236); als .Hadiland" bzw. .abgesdmittenes 
Stuck (Grund, Lager)' formell identisch mit dem castrare zugrunde 
liegenden Instrumentalnomen *kastrotn .Schneidewerkzeug^ (s. d.). 
— Air. caikir ,Stadt« ist wohl ebenso wie kymr. coder ,Festung' 
neben caer ,Stadt" {*catera bzw. casera?, Thurneysen Hb. 517) aus 
lat. castra entlehnt (anders Loth BC. 24, 298, Stokes KZ. 40, 245 f. 
[*kagra zu kymr. cae .saepes", s. eohum]; vgl. audi Foy IF. 6, 326 f. 
und unter 2. cassis). — Abzulehnen Meringer WuS. 7, 16, MuUer Ait. 
W. 78 (als *kat-troin ,geflochtener Zaun' zu *qat- ,flechten', s. 
2 cassis); Reichelt KZ. 46, 337 (nebst castro aus *cap-stro- : cApd); 
Froehde BB. 1, 178, Leumann-Stolz» 218 (*kad-trom : ai. chdUram 
n. ,Sdiirm', chadati, chaddyati .bedeckf); Froehde BB. 16, 182 
(; d. Schanze, s. unter casa); Cuny REAnc. 18, 17f. (Lv. aus pun. 
Hafsr-, woraus audi atrium, s. d.). — Vgl. procestria. — Walde-P. 
I 448. 

[castnla .Sdmfirleib bei Non. 548, 33 ist falsdie La. fur calt(h)ula 
(s. unter caltha); daher entfallen die Vbgg. mit casa bzw. cassis 
(Walde LEW.2 s. v.), castlffd (Froehde KZ. 23, 310), ai. Sastam n. _ 
GOrtel' (s. unter 2. cassis), gr. KaTaoxoXi^ .Kleidung' (Stowasser 
bunkle Worter II, S. XXIX)]. 

castas, -a, -urn .enthaltsam, rein, keusdi' : s. careo, castigS. — 
Nidit zu gr. KOdopd?, dial. Kod- ,rein, unbefleckt, ungetrubt" (Cur- 
tius 138 usw.; s. Meillet MSL. 16, 219) oder zu apr. ni-kanxts ,un- 
hubsdi', lett. kuoss ,klar' (Hirt BB. 24, 276; s. unter canus). 
casnlla, casubla s. casa. 

catachanna, -ae f. ,Lfidierlidikeit, Gespott' (von Sdinften, auch 
von einem Baum mit versdiiedenen Fruditen ; Wort Hadrians, s. Thes.) : 
aus gr. Kaxoxi^vn f- ,Spott, Hohn, ladierlidie Figur^ (Unger Jbb. Phil. 
119, 493 f., Persson Beitr. 62 f.), vl. durdi Kontaminabon mit Kaxd- 
xaono oder mit afannae. . o »« -i 

catacnmbae, -drum f. ,Gegend zwisdien dem 2. und 3. MeUen- 
stein derviaAppia, Katakomben' (seit4.Jh.): wohl disam. aus cata 
tumhds ,bei den Grabem', zugleidi in Anlehnung an -cumbere 
(H. Lewy KZ. 58,34 f.). „,„ . . 

Catamitus .Ganymed' (seit Plant., in der Bed. .Buhlknabe' seit 
Cic): = etr. Catmite, aus gr. favutJii^bn? durdi etr. Vennittlung; s. 
Sdiulze Berl. Sbb. 1905, 709, Kretsdimer Sprache 112, Fiesel Nainen 
67 f., Devoto St Etr. 1, 271. 285 f.; anders Kretsdimer KZ. 55, 85' 
(aus WTd jitTov sc. O(poon^vo? ,Sohn', etr. Ersatzname des Gany- 



catanus — caterva. 181 

^edes). — Falsch Stowasaei WSt. 31, 148 (aus gr. *KaTdniiTO? ,Ka- 
strat"). 

catanus (-um Gl. V 179, 6, 7. Jh., rom.) ^Zedemwadiolder" : sehr 
frgl., ob nach Bruch IF. 40, 196ff. ein im 1. Jh. v. Ch. vorubergehend 
aufgekommener Sabinismus Roms (sabin. catanus ,gpitzblattriges Ge- 
•vSchs" von catus .spitz'; vgl. herba sablna nach Bruch , die sabi- 
nische Pflanze', s. unter sambucus). — Die Verbreitung im Roman, 
im Verein mit der spaten Bezeugung spridit eher fur gall. Herkunft 
(vgl. calo-catanos ,Mohn" ?, a. A.; Gamillscheg 166, Meyer-Lubke 
n. 1760). — Zsshang mit lit. kadagya ,Wacholder' usw. (a. unter 
candeo, cedrus) ist unmoglich, vgl. Bruch a. O. 201 f. 

catasta, -ae f. .Schaugerust zur Ausstellung verkfiuflidier fekla- 
ven', spSter .eisernes Gestell als Marterbretf (s. Mau PW. Ill 1785; 
seitTib.): griech. Lw., etwa aus Kardoxaai? ,das Hinstellen' (Weise, 
Saalfeld) oder ev. haplologisch fur *catastata aus KOTaoxaxi^ (sc. 
OKHvi'i ,aufgestellte Buhne"?); doch kann auch ein anderes, nidit 
fafibares Muster fur die Umformung vorliegen. — Verkehrt Sto- 
wasser Dunkle W5rter II, S. XXIX (kot' hasta, von der Versteigerung; 
zur Moglidikeit einer solchen - nur volksetym. - Umdeutung Ett- 
mayer Z. frz. Spr. 33,274f.). . . 

catax, -acts .hinkend, lahm" (seit Lucil, Su£f. wie m vatax): un- 
erklart. — Nicht uberzeugend Ehrbch BPhW. 1913, 1201 (: ir. scathaim 
.verstummle, I5hme', gr. d-aKn»i^? ,unversehrt% got. skafis n. 
,Schaden", s. Walde-P. II 557 f., Persson Beitr. 142; Wzf. *^sketh; 
hksth; falls er. KoaO) • pXdpn. K6»-oupoi ,stutzschw5nzig' Hes. [Bei- 
wort der Drohnen, vgl. K6X-OUpoi] fern bleibt); VaniCek 66 (: ai. M- 
tdyati ,haut ab, haut zusammen, wirft nieder', vgl. zur Bed. got. 
halts ,lahm" : gr. KXdui .zerbreche', ahd. lam : an. lemja .zerschla- 
gen'; satAyati vl. zu iitruh m. .Besieger", Walde-P. I 339); Keller 
Volkset. 135, Walde LEW.* s. v. (aus gr. KOT-atei? .zerschlagen, ge- 
IShmt"). , . „ . 

cateia, -ae f. ,ein mit Nageln beschlagener HolzspieiS, der ver- 
m6ge einer EinhShlung auf der einen Seite und der gebogenen Kon- 
struktion von selbst in seinem Lauf in einera Bogen zuruckkehrt" 
(vergleichbar dem Boomerang, vgl. panda Sil.3,277, Damst6 Mnemoa. 
38, 225 ff.; seit Verg.): vl. gall. Wort mit den Alten {tela Oallica 
Serv. Aen. 7, 741, Isid.; die Bezeichnung als germanisch bei Serv. 
auct. ad 1. kann durch Vergils Teutcmieo ritn veranlafit sein, pers. 
Herkunft bei Pomp. gr. V 284, 23 ist ein Irrtum, vgl. die Verwendung 
bei den Skythen Val. Fl. 6, 83); weitere AnknOpfung unsicher (zu 
air. cath .Kampf usw., Pick II* 66 f., ist zu farblos; sachlich an- 
sprediender ware die Herleitung von einer Wz. *kat- .gekrummt', 
£e auch in catax vorliegen konnte, doch s. d.). — Kymr. catai ,Art 
Stock* ist nadi Holder f 839 aus dem Lat. entlehnt. 
catena .Kette' s. 2. casHs ,Netz', vgl. eaterva. 
caterra, -ae f. .geschlossener Haufe (von Menadien, Tieren). 
Schar, Truppe" (seit Caecil.): u. kateramu, caterahamo .caterva- 
mini, congregamini' (wohl -r- aus -rw-, v. PlanU I 195, Gotze IF. 
41, 91 ; bei Ansatz von *katera-, Sobnsen Stud. 137, ware Synkope 
des e zu erwarten); weiterhin wohl als *cate8-o\fa zu catina , Kette' 
aus *cates-na (s. 2. cassis, Havet MSL. 4, 86; Sobnsen Stud. 137. IF. 



182 catlnus - 1. cattus. 

26, 110, Fraenkcl Gl. 4, 46; zur Bed. vgl. russ. veriga .Kette' : 
verenUa ,Zug, Strich, langc Reihe', Persson Beitr. 448). eaterva, 
wenn mit a aus idg. „ zu s.-ksl. deta ,Trupp, Zug, Sdiar', abg. ot- 
cStati se ,sidi verbinden, vereinieen' (Berneker 152; catena und 2. cas- 
sis wenn zugehorig, mussen dann ebenfalls a aus , enthalten, was 
mo'glich ist, da fur *qat- .flechten' a-Vokalismus auCerhalb des 
Lat. nicht sicher steht; anders Walde-P. I 338. 383) — eaterva trotz 
Isid 9, 3, 46 (Dottin 246) nicht gallisdi; mir. cethern f. ,Trupp, 
Schar' bleiht fern (wohl zu caih m. ,Kampf', audi ,Truppe*, vgl. 
mfrz. bataille .Kampf und ,Truppe% Loth RC. 42, 84f., Walde-P. 
I 339). _ Walde-P. 1 383. 

catinns, -t m. (-urn n. Cato vl. nach vas) ,eine meist flache 
Sdiussel zum Speisenauftragen", audi ,Hohlung (von Felsen)', 
,Sdiraelztiegel", ,sdialenformiger Rohrenteil der Feuerspritze" (seit 
Cato, rom., Demin. catillus m. [-urn n. Petron., Gl.] ,Sdiusseldien, 
Tellerdien',' nidit rom., aber entlehnt in bask, gattda ,Sdiale'): 
= ags. heden, .Kodigeschirr* (idg. •goiinos, Zupitza Gutt. 207); dazu 
wohl audi trotz des uneeklarten Ablautverhaltnisses gr. kotOXti f. 
,HohIung, Pfanne des Httftbedcens, Hohlmafi' (vgl. in denselben 
Bedd. acetabulum), k6tuXo? m. „NSpfdien, Sdialdien' (zweifelhafter 
kottIc, -Ibo? f. .Kopf, Kdrrapo? ^Sdileudem des Trmkrestes auf 
ein Ziel, urspr. eine Sdiale', aus *kot/"-, Sdieftelowitz BB. 28, 146, 
Petersson IF. 34, 240; gr. khto?, -oui; n., Beditel Lexil. 194, bleibt 
fem, s. Boisacq 451, Wood AJPh. 49, 174). — ZweifeUiaft ist die 
Zugehorigkeit von av. kata- m. ,Kammer', got. Mpjo ds., da hier- 
bei eine urspr. Bed. ,Wohngrube, Lodi in der Erde" vorauszusetzen 
ware (s. Walde-P. a. O. und unter casa); fern bleiben ai. cdtvaiah m. 
,Grube, weldie die Erde fur den Altar liefert', catvalah m. (Lex.) 
,Hohlung, Mutterleib" (Uhlenbedc s. v.; vim. als ,viereddge GriUie' 
zu catvdra}f, ,vier', Charpentier IF. 35, 251), ahd. scBla .Sdiale', 
sdiwed. skulle .SdiSdel" uaw. (Detter ZdA. 42, 58 ; s. Walde-P. H 593). 
— Aus lat. catinus stammt ahd. chezzl .Kessel" uaw., daueben (oder 
aus eatillus, s. Jud ZRPh. 38, 31, Thumeysen ZcPh. 16, 295, aber 
auch Bruch Festsdir. Kretsdimer 6 ff., Debrunner IF. 44, 336 f.) got. 
katilus (oder katils) m., ahd. usw. chegsU, aus dem Got. abg. kot%h 
usw. (Berneker 591), durdi slav. Vermittliuig lit. katilas, lett. katls, 
apr. katUs. — Valde-P. I 384. 

catomidiS, -are (Petron. 132, 2, Spart. Hadr. 18, 11) : = KWHinxHuj 
,ruddings den Hintern verprugeln"; vgl. catomum tollere (Laber., 
Cic.) aus kot' d)n6v ,rudclingB uberlegen", spatl. catomUs levare 
aus KaT* dinoO?. — Wenig iSberzeugend sudit Thomas Stud. 94 ff. 
uberliefertes catorogare an der Petronstelle als Latinisierung eines 
gr. KOTopTflv in der Bed. ,das Fell gerben" zu halten. 

cattia, -ae f. .Maurerkelle' (seit Pap. 4. Ih. [Kdxio], rom. audi 
,Sdi6pfl6ffel, ,Schmelztiegel'): Et. unsidier; vl. von gr. kOoSo? 
.Becher' bzw. Demin. Kuddiov in der allgemeineren Bed. .Sdiopf- 

n'"'J', ubertr. auf sdiaufelfSrmige Gegenstfinde, z:T, unter dem 
ufi von catinus. — Mever-Lubke WSt. 25, 96 f. (Lit.), REW. 
11.2434. 

1. cattns, -t m. (seit Pallad.), catta, -ae f. (seit Vulg.) ,Wild- 
katze* (audi .Kriegsmasdiine" Veg.), spater .Hauskatze* (s. Slttl 



2. catta - catus. 18Si 

ALL. 5, 133flf„ Sainean ZRPh. Beih. I 5ff.; seit 4. Ih., rom. -«- und 
-/-, teilweise audi gatt-; daraus gr. Kdvra seit Ende 6. Jh.): Ursprung 
und Wanderung des nach Hehn mit dem Enbruch der _asiati8chen 
Hatte oder audi dem von Spanien vordringenden Kanindien zu- 
sammenhangenden Wortes ist unbekannt. Nadi den Zoologen 
stammt die Katze aus Afrika, ebenso wohl das Wort (Keller Tier- 
welt I 74, Mitt. d. ardi. Inst. 23, 40flF.); dodi ist die Wanderung 
von Nubien (ygl. nub. kadts , Katze") uber Weatafrika nadi Spanien 
und Italien (Pictet, Keller) sadilidi nidit positiv zu stutzen (s. GI. 
2, 352). — eattua kann trotz Thumeysen KR. 62 (vgl. gall. Cattos, 
■ a seit 1. Jh. n. Ch., Holder 1 846] wegen des -tt- kaum keltisdien 
Ursprungs sein (: *qatos jTierjunges", s. catuhts); it. cat m., kymr. 
katii i., akom. kat, bret. kaz sind aus dem Lat. entlehnt (Pedersen 
I 234), ebenso wohl trotz der Mannigfaltigkeit der Bildungen ahd. 
usw. kazza f. .Katze", kdtaro ,Kater" (Wedisel von -«- und -t- 
wie im Roman.), dazu an. ketta, me. kitte, nhd. Kitee, Kietze Bezeidi- 
nung der weiblidien Katze (zu sdieiden von Kitze ,junge Ziege", 
urspr. Lodtruf, Falk-Torp 1495); vgl. ferner ksl. kotika, koteta .Katze", 
kolun .einTier", lit. kotos, katinas, kati,Utt.kake (Bemeker 590) ; 
finn. katti, kotti usw. (Guntert Urheimat 10 A. 9). — Unwrsdi. 
Brrodal Substr. og laan 175 flf. {catta lu-spr. .Marder", zu sabin. catus 
.sdilau"). — Sdirader RL. V 564 f., Hehn-Sdirader Kulturpfl." 469 ff. 
620 f., Stender-Petersen Lw.-kunde 354 ff., Sofer Isid. 62 ff. 172 (Lit.). 

2. catta, -ae ,Vogel als Ledierbissen' (Mart. 13, 69): pannonisdies 
Wort, s. Heraeus RhM. 74, 325»; vgl. Demin. gattula, ae .Hasel- 
hubn (dTTttTi^v)' Orib. syn. 4, 3 (s/antula v. 1., vgl. cantula P\in. 
Val., nidit von ganta bzw. canto Thes.). Weitere Deutung unsidier; 
nidit nadi Hehn bei FriedlSnder ad 1. zu apr. kote f. .Dohle" (wohl 
zu lett. kakia m. ds., wenn urspr. *katis, Muhlenbadi-E. a. v.; dodi 
s. audi Trautmann Apr. 362). 

catnlns, •» m. .Tierjunges, bes. aus dem Gesdiledit der Hunde* 
(vgl. eatuUna (card) .Hundefleisdi' seit Plant, und Cogn. Calilina; 
Bed.-Parallelen bei Jokl Ling.-kult. U. 264) und .Katzen, audi wie 
canis eine Art Fessel' (LuciL, vgl. caUUus Plaut. Cure. 691; seit 
Plant., rom., ebenso catellus .Hunddien" [s. Sdiutz Lg. 3, 6ff., 
Brudi IF. 40, 206] ; Fem. eatula seit Varro, -ella seit Petron, rom.) : 
= u. katel. Gen. katles .catulus" (v. Planta I 349, GStze IF. 41, 91)j 
russ. kotittsja ,Junge werfen", dial, kdthka .Lamm", sbkr. kot .Brut" 
usw. (Bemeker 590; kaum vom Katzennamen [s. eattus] aus gebildet); 
mir. cadla, cadhla .Geifi", an. hadna f. ,junge Ziege", mhd. haUlf, 
nhd.-sdiweiz. hatle .Ziege" (Osthoff Par. I 250 m. Lit.). — Nidit 
nadi Bugge BB. 14, 57, Persson BB. 19, 282, Pascal RFCl. 24, 289 
verwandt mit canis (a. d.). — Walde-P. I 338 f. 

catus, -a, -urn, nadi Varro 1. 1. 7, 46 sabin. = .acutus" (.sdiarf, 
helltfinend" Enn.), ubtr. . sdiarf sinnig, gewitzigt" (seitEnn. und Plant.; 
uber Cogn. Cato s. Sdiulze EN. 310". 418): = ai. Mtdii .gesdifirff 
(Aufredit KZ. 1, 472 ff.), mir. eath .weise (Fide 1* 45); zu ai. ii-ia-ti 
(Him), iy-dti .sdiSrft, wetzt", iatafi .gewetzt, sdiarf, is^ah m. 
(mit. mind, ti fflr «) ,Weta-, Probierstein" (= np. «dn .Wetestein", 
gr. kUDvo; m. .Kegel, Pinienzapfen, kegelfCrmige Helmspitze, Kreisel" 



184 



cavannus - caucum. 



[nicht zu aksl. sosna .abies", Bezzenberger BB. 27, 171], wovon 
Kiiiveiov ,Schierlingskraut% vgl. cicUta); av. saeni- .spitz, Smtze, 
Vipfel* (: an. hein f., ags. Mn .Sdileifstein"), npers. sayab ,reibt" ; 
aim. sur ,scharf" {*H-ro-), srem ,scharfe', sur, Gen. sroy ,Schwert, 
Messer* (nicht zu ensis, Pedersen KZ. 39, 407), sair .Sdineide" 
{*ke-ri-, Lid^n Arm. St. 80); mhd. hSr ,Werkzeug zum Scharfen der 
Sense',' mnd. hdren ,sch8rfen, scharf sein"; sehr unsidier ai. Sild f. 
,Stein, Pels', arm. sal. Gen. sali ,Steinplatte, AmboB' (*k9-la, ka-li-, 
Walde-P. a. 6.; aber got. hallus m. .Pels", an. hallr .Stein' besser 
zu *(,s)qel- .spalten', Falk-Torp 395), ai. sikha f. .Spitze, Haar- 
buschel", sikhardh .spitzig', iekharah m. .Sdheitel, Gipfel" (*k3-qh& 
bzw. *k»i-qko-'i, Petersson KZ. 47, 284); fern bleibt er. k6to? m. 
CroU, Zorn' (Pick I* 66, Walde-P. 1 454 ; doch s. audi Walde-P. I 
339, IJ. 12, 289 n. 257), ebenso fKOnev • ^addjieSa, k6v ■ eibiS? Hes. 
(Reichelt KZ, 39, 10). 

Hierher c68. cotis f. ,Wetz-, Schleifstein' (wic doa wohl -ti-, 
nicht «-St. [Meillet-Vendryes 370 gegen Leumaim-Stoh' 233]; seit 
Cic, rom., ebenso coiicula f. Probierstein, Handmorser" seit Plin., 
coUctriuf GL, cotulus m. .Steinchen' Anthim. [eotali(s Liechtenh.], 
cotoria f. .Wetzsteingrube' [vl. cot&ria zu schr., Niedermann 
brief!.), decotes .togae detritae" Paul. Fest. 72 (.abgewetzf, St. 
de-co-t-, Jacobsohn KZ. 46, 58'), auch cotes, cautls .spltzer Pels' 
(s. d.). — Wz. •fto«- (bzw. wegen^mhd. Mr, s. o.) *ftg(»> : fo»- .schar- 
fen', wohl Weiterbildung von *ak- .scharf" (z. B. Persson Wzerw. 88'. 
Beitr. 824; unriditig zum Ablaut Hirt Vok. 61. 144). — Vgl. auch 
catanus. — Walde-P. I 454 f . 
caTannns, -i m. (spatl. audi f. nach noctua) .Nachteule' (seit Itala, 
rom. [neben *cava, Meyer-Lubfce n. 1785], s. Sofer Isid. 125»): gall, 
nadi Schol. Verg. Bern. eel. 8, 55, vgl. abret. couann, nbret. kaouen, 
kaouan, kyrar. cuan ds., ahd. huwo ,Eule', huwila, hiuwula .Nacht- 
eule', ahd. hiuwilon .jubeln', mhd. hiuweln, hiulen .heulen', mnd. 
halen ds. (vgl. die Interjektion mhd. hu, frz. huer, Barth Z. frz. Spr. 
52, 309), lit. naktikdva f. .Nachteule, Nachtrabe' (kSvas m., kdva f. 
.bohle", klruss. usw. kdvka .Dohle', ablaut, bulg. usw. d^vka ds. [*qeu-], 
Berneker 138. 495); mit fc arm. sag .Gans' (= aksl. sova ,Eule' aus 
*kaua), ai. iAkah m. .Papagei', russ. si/dt .Zwergeule', Cech. s^c ,Eule' 
{*kuq-ti-, Petereson KZ. 47, 241). Sdiallwz. *kdu-, *keu, *ku- .heu- 
len', vgl. noch ai. kduti .sdireit", kdkah m. .Gans, Wolf, arm. 
k'uk" .arevaTMds', gr- kuj-kO-uu (-3-) ,schreie, wehklage' (diss, aus 
*kO-kO-u)), KadfiS, -Skos m., jon. Kai)r\i. hom. ki^E, Kr|K6? f., xf^OE, 
-OKOi; m. ,eine Movenart', KauKaXCa; Vogelname Hes., lit. kauidu, 
kaakti, lett. kducu, kAukt .heulen", aksl. kujaJQ, -ati .murren", russ. 
kAkati ds. usw. (Trautmann Bsl. W. 122). Vgl. caurio, cueubio, 
eueulus. — Nidit als .Hohlenbewohner' von cava (Budieler Kl. 
Sdir. in 78»). — Walde-P. I 331 f. 

cancun, •» n. .Bedier' (seit Script, hist. Aug., rom., z. T. ver- 
miMlit mit cochlea, Goldberger Gl. 18, 25): vgl. xaOKO, xauKtov, 
KWKdXlov (zum Ausgang vgl. ^auKdXtov .enghalsiges GefSfi'V; aus 
dem Lat entlehnt kymr. cawg .Bedier, Schale' (Pedereen I 211), 
wohl auch mir. cuach .Becfaer' (zweisilbig durdi Einwirkimg von 
eua ,hohl, Hohlung, Schale', Thumeysen bei Walde LEW.* s. v.; 



Cauda — caudeus. 185 

kaum aus *kupako- [s. cUpa], Stokes KZ. 41, 383, Walde-P. I 372); 
aus vulgargr. KoOKa , patera, vulva' r.-ksl. kavka ,BeisdiISfenn« 
(Berneker 495). — Uisprung der spat bezeugten Sippe (vgl. audi 
die kaum zugehorigen gr. KOUKCtXi? f., KOUKidX^? m. .doldenartige 
Gartenpflanze" u. a., Solmsen Beitr. 90) ist dunkel; kaum mit Thum- 
eysen Thes. als echtlat. aus 'cavieum xu cavus. — Fern bleibt trotz 
Scheftelowitz KZ. 56, 192 ai. kdsah ,Behalter, Kufe usw.', lit. kidusi, 
kiduias .Hirnschale, Schadel', lett. ka&ss ds. {*qo»1{- bzw. *qeuk-, s. 
Persson Beitr. 185, Walde-P. II 548). 

canda (coda), -ae i. ,Schwanz, Schveif des Tiercs, mannhches 

died, Sdiwanzstuck, Sehwamm' (seit Lucil., vlt. und rom.-o-, Meyer- 

Lubke Einf.» 121): vl. als .abgeschlagenes Stuck, Stummel' nadi 

Bersu Gutt. 177, VaniCek 309 zu caudex, codex ,Klotz» (vgl. als 

Bed.-Parallele verpa : gr. fiarde, ,Rute", Scheftelowitz IF. 33, 143); 

canda danach die urspr. Form (s. caudex, cudo), nidit Hyperurba- 

nismus fur coda (z. B. v. Ettmayer ZRPh. 30, 528, Meillet-Vendryes 

115). _ Ein Cauda (eahalli) ,Schachtelhalm' (vgl. gr. rint-oupti; ds., 

lat. equi-saetum, von den roCschweifartigen Blattem) wird voraus- 

gesetzt von cistella eawdeo Plaut. Rud. 1109 ('ex iunco' Paul. Fest. 

46, also ,SdimudikSstdien aus Binsen- oder Sdiaditelhalmgefledit', 

s. Marx Komm. z. St.) und cod eta 'appellatur ager trans Tiberim, 

quod in eo virgulta nasmtntur ad eaudarum equinarum similitu- 

dinem' Paul. Fest. 58 (,Kannenkrautgefilde% vgl. Hulsen PW. IV 159, 

Bildung wie virg-, iuncetum; eine Bed.-Parallele bei Lehmann 

ASNS. 119, 186'). — Nicht nach Wiedemann Prat. 38, Zupitza 

Gutt. 153 zu lit. kuodas ,Schopf der V5gel, Flachswickel", kuodelis 

.Fladiswickel', lett. kuodefS ds. (: russ. kuddlt, kudMja ,zum Spinnen 

vorbereiteter Flachs", Zubat^ BB. 18, 263, Berneker 598, Muhlen- 

bach-E. s. v.); audi kaum nach L. Meyer Vgl. Gr. 1036, Walde LEW.' 

s. v. zw. zu got. skaut n. ,Zipfel, Saum", an. skaut, ags. sciat n. 

.Zipfel, Edce", ahd. scog m. ,Zipfel, Rodcschofi' (als .hervorediiel^n- 

des" : ahd. usw. sciozan .sdiiefien', scog ,Gesdio&, Schofihng', Wz. 

*(s)qeud- : *s1eeu- in lit. Sduti ,sdiie6en" usw., Walde-P. II 554); sidier 

abzulehnen Havet MSL. 5, 444, Thumeysen KZ. 28, 157 (: gr. it6(J*n 

,mannlidie8 Glied", s. unter penis). . 

caviares (hostiae dicebantur, quod caviae, id est pars hosttae 

Cauda tenus, dicitur; et ponebatur in sacrificio pro ecUegUt ponlir 

ficum quinto quogue anno) Paul. Fest. 57 wurde sdion von Sca- 

liger mit dem Marsfest des equus October (Fest. 179 cuius cauda, 

ut ex ea sanguis in forum destillaret, magna eeUHtaU perfere- 

batur in regiam; vgl. Prop. 4, 1, 20) in Beziehung gesetzt; doA 

ist dieses Fest alljahrlidi, und des Verrius Vbdg. mit eauda sichthch 

gelehrte Volksetymologie, daher nidit nadi Persson Wzerw. 148', 

Ceci Re. R. Ace. line. ser. V torn. IV, 635 hierher zu stellen (als *cau- 

dia- audi lautlicfa bedenklich); audi kaum zu cavus (Bed.!) oder 

als ,Brandopferstudc' zu gr. Kalw .brenne' (Walde LEW.* s. v.). 

Etr. Herkunft vermutct m>ezzo RIGI. 13, 6 A. (: etr. fca«9a, eauda 

.Sonneneott", etr.-gr. KOUtdn, -dv .Sdiafearbe, solis oculus" Diosc. 

[Fiesel Gramm. Gesdil. 10, Skutsdi GI. 3, 344]; Wz. 'kau- angebl. 

zu idg. *keu-, *Jb«- in gr. icoliu, s. cSla). 

eavdeiis s. cauda. 



186 



caudex — caveS. 



candex, cSdex, -ids m. ,Baumstamm, Klotz, Zuchtigungsblock" 
(meist-aw-); ,zu Schreibtafeln gespaltenes Holz (Sen. dial. 10, 13, 4), 
Notizbuch" (meist-o-; seit Plaut., rom. ,Buch'), eddieillu$,-i m. 
,kleiner Stamm, Schreibtafeldien' (seit Cato; codiculus, caudiculua 
sp&tl.), caudica,-ae f. ,ein aus einem Baumstamm eemachterKahn' 
(vgl. trabica : trabs, Wolfflin ALL. 9, 290; seit Gelt, vl. rom., navis 
cOdic&ria seit Varro): als ,abgeschlagener Baum, gespaltenes Holz' 
zu cUdo, -ere ,schlagen" (s. d.; vgl. audi eattda); Bed.-Entwicklung 
ahnlidi wie in truncus, gr. K0pn<5? , Klotz, Ruder" (: Kelpiu), klruss. 
hotdtjfda , Baumstamm' (: koUty ,spalten') usW. — Walde-P. I 330. 

cayea, carella s. caulae. 

careS, cam, eautum (altl. cavitutn), -ere ,nehine mich in adit, 
sehe raidi vor, treffe Vorsichtsmafiregeln, leiste Beistand, Burgsdiaft, 
verfuge' (seitNaev., rom. *cavito, zur Interj. cave s. Umgangsspr. 37; 
eautio i. .Vofsicht, Sicherheit' seit Plaut., altl. [Paul. Fest. 61, Pap. 
1. Jh. V. Ch., Gl. 15, 250] cavitio, Leumann-Stolz^ 93; eauttis ,vor- 
sichtig" seit Plaut, rom., cautela f. .Vorsicht" seit Pit.) : aus *covSre 
(Thurneysen KZ. 28, 155, Sobnsen KZ. 37, 1 B. usw., s. Leumann- 
Stolz' 61) = gr. KO^u) ,merke, h6re" (vl. Denomin. von *kouis oder 
*kotios, Zupitza KZ. 40, 251, Prellwitz" 38, Leumann-Stolz' 319), 
jon.-att. dva-Kitis ix^w ,Sorge tragen, adithaben", dor. dKod|ie? * 
flKoO(ja|ii£v Hes., Koins, koi6Xtis" i^P^^i> Kotov, kiIhov • ivix^pov, 
KoOa, Kiiia' ^v^xuP" Hes., mak. Kotoq .Zahl' (.Kenner'P, v. Blumen- 
thal Hesydistud. 19. 41); ai. kavlfi, ,klug, weise, Seher, Diditer', 
kavarib. ,geizig' (vgl. attentus, Persson Beitr. 726*), a-kuvate „beab- 
siditigt', d-kutatn n. ,Absicht', av. igvUi 1. Sg. Aor. Med. ,idi er- 
hoffte'; ags. hOtcian ^sdiauen' (*qeu-, Pogatscher Anglia Beibl. 13, 
233); abg. dujg, iwU ,fflhlen, merken', po-duti .emptinden' (usw., 
*qeu-, Bemeker 162; davon abg. dudo, -ese n. .Wunder' l*qeudos, 
dazu ablaut, gr. KObo? n. ,Ruhm', vgl. Kubp6?, icribiaTO? ,(sehr) be- 
ruhrat' mit bulg. pro-iut ,beruhmt', Bezzenberger BB. 27, 145; 
anders, aber nidit vorzuziehen, Persson Beitr. 188' [Walde-P. I 379], 
Hirt Vok. 135, vgl. audi Wadcernagel Berl. Sbb. 1918, 411]), iedi. 
{s]koumati , merken, gewahr werden' (Denom. von *(s]ht-mo-, Ber- 
neker 643), alteedi. vS-levuju ,besudie' (Mikkola IF. 16, 96. 100 
mit falscher Auffassung des Vokalismus); vl. lett. *«»«;«, kavet ,sidi 
verweilen, zaudem, zSgern' (Persson Beitr. 726'; eher zu klruss. 
kuAdty ,sdilafrie sein, hodcen' usw., Muhlenbadi-E. s. v.; lit. kaviti 
.verwahren, pflegen" ist Lw. aus wniss. chawdd, Bemeker 400); 
Erw. *geu-g- m gr. dxoOiu ,h6re' (*Akou(J11u, Denom. von *dKOU<ja, 
ablaut. dK€6ei* rripel Hes., Bezzenberger BB. 27, 145 f., d- unklar, 
vl. 4- mit Diss. = idg. *sm- .zusammen' ; nidit vorzuziehen wegen 
iKebm und got. hausjan usw. Fide BB. 1, 334, Kretsdimer KZ. 33, 
567, Sommer Gr. Ltst. 77: *dK-oua- .sdiarfes Ohr habend*, ». aurU), 
got hausjan, an. heyra, ags. hieran, ahd. horren ,h5ren' (nidit 
*(ayc-ou3- ,sdiarfes Ohr', s. o.), russ. dial, iichatt .wahmehmen, 
fallen* (Bemeker 162). Mit anl. «-: apr. au-sehauditicet .vertrauen' 

S'rautmann Apr. 308), miran. gkoh usw. (uriran. •sfcojfado-) .Pradit, 
oriidikeit, Wurde' (Bartholomae ZdW. 9, 19), arm. pieanem .lasse 
sdiauen, zeige" Csqeu-skS, MeUlet MSL. 8, 296, Sdieftelowitz BB. 
28, 294), gr. duo-OKdo; .Opfersdiauer" (vgl. zur Bed. kqItk, K0i6Xn? 



cavema — caulae. 187 

oben; got. un-skaus .nuditern' bleibt der Bed. halber ■wohl_ feml 
ags. sceatvian ,sehen, betraditen, auswahlen' (engl. show ,zeigen'), 
and. usw. seotiwdn ,schauen", got. ibna^gkauns ,vait gleicher Ge- 
stalt', skauns, ahd. usw. sconi ,schon' (gnn. *skauni- ,sichtbar', 
Subst. .Aussehen"; ablaut. *skuni- in an. skyn t. n. ,Ordnung, Be- 
scheid, Einsidit'; aber kymr. cun ,reizend, liebenswurdig' usw. [Fide 
11* 89] vim. zu *keu- ,leuchten\ Sommerfeld BSL. 24, 219£F.; ver- 
fehlt fiber d. schauen Hirt IF. 37, 232). — "Wz. *qeu-, dehnstfg. *qeu-, 
set-Basis *qoue- ,aufmerken, beachten, wahmehmen". 
■ Hierher u. kutef ,*cautens' (,vorsichtig% d. i. .still', synonym 
mit tases .tacitus', OsthoflF Curt. Stud. 9, 275, v. Planta I 330) ; aber 
cUtus, cautus Gl. ist trotz Stolz IF. 13, 114 verderbt, s. Gotz Gl. 
VI 299. - Walde-P. I 368 flP. — Vgl. audi ciistos. 
carerna s. cavus. 

caTiae, cayiSlres hostiae s. cauda. . , , • 

cavilla, -ae f. {-urn n. und -MS m. spatl.) .Nedcerei, Stidielei, 
Sophisterei' (seit Plaut.), cavillor, -atus sum, -Sri .nedce, sdierze, 
ziehe auf (seit Cic; -atio ,Nedcerei, Ironie" seit Plaut., -&tor ,Auf- 
zieher' seit Plant. [cauU- True. 683, daher cavillis ib. sdierzhaft um- 
gekehrt fur eauHs]): nadi Prise, gr. II431, 21, Ronsdi Collect, philol. 
194, Niedermann lA. 18, 75 aus *calvilla zu calvor, calumnia ; zum 
Suff. vgl. favilla, murmurillum, ploratillus usw. — Abzulehnen Muller 
Ait. W. 107 (: caveo ,sehe midi vor"; Bed.!); de Saussure M^m. 106 
(Rec. 100), Havet MSL. 6, 21, Lagercrantz KZ. 35, 279 ff., Kretsdimer 
ib. 37, 274» (als "eogHlla zu gr. KdpaXo?, K6p£ipo? .Possenreifier', 
K6paKTpa- KopaXeOnaTtt, itavoup'p'lMaTa, KOUoXd?- m«poX6Toq Hes.; 
kleinasiat. Wort, s. Zacher lA. 18, 86, Kretsdimer KZ. 55, 85 f. gegen 
Thumb KZ. 36, 193 fiF., Niedermann lA. 18, 75. IF. 26, 46); Saus- 
sure M^m. 106 (: KaOoig • iravoOpTO? Suid.; identisdi mit KoOag ,Meer- 
vogel" [s. cavannus], Kretsdimer KZ. 31, 354); KaOpo?- xaxdi; (s. 
Walde-P. I 330); an. hyja ,necken" u. dgl. (Vanifiek 319). — Walde- 
P. I 446. 

caulae bei Lucr. die .Poren' (gr. itdpoi) des Korpers, durdi die 
die Seele entweicht, audi caulae aetheris = spiraeula (s. HeinM 
Komm. 82): identisdi mit dem folgenden caulae .Gehege", |edoch 
sekundar auf cavus, cavema bezogen wie cavea ,K5fig, Gehege' seit 
Plin. audi ,H6hle' bedeutet (dodi braudit dies nidit notwendig 
sekundar zu sein, s. unten; kaum als .siebartig undidit' xn caulae 
,Gefledit', Walde LEW." s. v. nadi Havet MSL. 4, 184; mdit von 
cavus ,hohl' : gr. koUo?, VaniCek 70 nadi Paul. Fest. 46). 

cauUie, -arum (Sing, selten und spatl.j .Gehege oder Sdirimken 
um Altare und Tribunale, Schafhurden' (seit Lex. Com. 81 y.th.): 
wohl nadi Thumeysen Thes., Herbig Phil. 73, 452 Demin. von 
'cava aus *qagha {'cahola, *cahula = o. kaila .templum', wenn 
urspr. ,eingefriedigter Platz' aus 'kahela; dodi vgl. unter caelum): 
ahd. hag ,Hecke, eingezSuntes Studc Land" (nhd. Hag, Gehege, 
hegen], aes. haga ,Einzaunung, Garten', an. hagi m. ,Stu(tLand 
fur Weide", ags. hecg (engl. hedge), ahd. hegga, hecka .Hedce' 
l*hagjo; daraus frz. haie ds.), abret. eaiouPl ,mummenta', kymr. 
cae .saepes, clausum" (Pedersen I 97), kom. ke .Gehege', mbret. 
quae, mbret. kae .Dornhedce, Zaun', gall. (5. Jh., Zimraer KZ. 



188 



caulae - caulis. 



32, 237 f.) eaii ,cancelli' Gl, caio .breialo sive bigardio' Nom. 
Gall, (daraus frz. quai, afrz. chai ,Flu6damm"; ALltg. kymr. caw 
einhegen', bret. kea ,einen Hag machen'), vl. kymi'. caen i. ,Be- 
deckung, Haut" {*qagh-na, Vendryes WuS. 12, 242; aber abg. koia 
,Fell' als ,Ziegenfeil' Abltg. von koza .Zicge', Berneker 597). — 
Fern bleiben ai. kaksa f. ,Ruigniauer, eingesdilossener Raum, Ein- 
fassung eines Kleides, Leibgurt, Gurtel' ^Zupitza Gutt. Ill, Walde- 
P. a. O.; vim. identisch mit kdksa f- .Achaelgrube", eig. ,Bug' 
[e. coxa], kaksah m. .Versteck, Gebusdi, Strauchwerk', audi 
.Adiselgrabe' ' [daraus durch mind. Entw. kacchai, m. ,Saum, 
Ufer, MaTsdiland', Uhlenbeck s. v. gegen Scheftelowitz ZII. 6, 94]^ 
kdksS .Gurtel' fur kaksjfd RV. ds., woraus prakritisiert kaecha 
.Leibgurt, Schurz', SchVyzer WuS. 12, 32, Scheftelowitz a. O.)- 
gr. KbxXoi;, KOxXia? m. ,Schneckenhaus' (s. unter cochlear, con- 
gius); russ koi^, koSdra .Hurde" usw. (Uhlenbeck PBB. 29, 332 
identisch mit abg. koSb ,Korb' [s. qualitm], Gbd. .Flechtwerk" 
Berneker 587); an. hagr .passend, geschickt", haga .anordnen', 
ablaut. h0gr .passend", ahd. hi-hagan Part. ,heiter', mhd. he- 
hagen usw. (Bugge Ait. Stud. 34; s. Walde-P. I 333). — Wz. *qagh- 
trotz Walde-P. a. O., Reichelt KZ. 46, 340 urspr. wohl allgemem 
,fa9sen, einfassen', erst sekundar spezialisiert zu ,Flechtwerk, 
Hurde"; dann hierher o. kahad , capiat, incipiat' (Kent CI. Phil. 
20, 265), Kal-a? ,incipias' (Grienberger Gl. 13, 67, Ribezzo RIGI. 
8, 94), dazu vl. kymr. cael ,bekommen, finden' {*kagla nachThurn- 
eysen Hb. 415, anders Pedersen, s. unter capiO); ablaut, lat. co- 
hum (s. d.), incohare janfaneen", 

cavea, -ae f. ,Kafig, BehSltnis", auch ,Gehege aus Dornen 
u. dgl.. Bienenkorb, Zuschauerraum, Gefangnis' (seit Plaut, rom., 
ebenso -eola GL), mlat. cavellwm (Gl.) .Korb* (daraus am. ea- 
tv'el, abret. cavell .cophinus", nbret. kavell .Fischerteuse, Wiege, 
Kerb', nkorn. kairal gwanan , Bienenkorb', Schulze Berl. Sbb. 
1905, 737') wurden, wenn hierher gehorig (Pogatscher Prager 
Deutsdie Stud. 8, 84«, Reidielt a. O., Guntert Kalypso 116), -gfh-, 
also Wzf. *qag'>h- erfordern; doch ist dies fur die kelt.-germ. 
Worter lautlich bedenklidi, und die Herleitung von cavea, cavdlum 
aus cavus ,hohl' bzw. eavum .Hohlunjg' (vgl. alvms .Bienen- 
korb' : alvus .Hohlung', auch fur -eo-; nicht aus Lok. *cavei, Prell- 
witz KZ. 45, 89) wird trotz Walde-P. a. O. durch die Bedd. der 
germ. Lw. (ahd. kevia .Vogelbauer, Gefangnis", rand, koje ,Ver- 
schlag', boll, kooi .Bienenkorb' usw.) und durch rom. "cavineum 
.Kerb, Wiege' (Meyer-Lubke n. 1786), das dodi wohl Abltg. von 
cavus ist, empfohlen. — cavea nidit zu gr. KXu)p6i; .Vogelkfifig' 
nach Niedermann IF. 26, 48 (*k{T)6g^os, lautlich zu sdiwieng; 
icXu)P6c vl. semitisch, Boisacq 473). — Vgl. auch colum .Seihkorb' 
(9. 1. cold); fern bleibt 2. caelum, 8. d. — Walde-P. I 337 f. 
eanlls (rustik coUs, bes. in der Bed. .penis' [c6liB Gels., wenn 
riAtig uberl.], s. Ernout El. dial. lat. 142), -is m. (f. Plin. Val.; spStl. 
[nicht Lwcil., E. Baehrens ALL. 2, 475] auch caulus, colus, caula) 
.Stengel, Stiel der Pflanzen, spez. Kohlstengel, Kiel der Federn, audi 
(wie gr. icauX6;) mSnnlidies Glied' (seit Cato, rom., ebenso Demin. 
cairf«!M/u«, vulg. cdlit{u)lus .kleiner Stengel, Kohl' seit Cato): gr. 



caup5 - caupulus. 189 

Kau\6? m. , Stengel, Federkiel, Schaft" (kaum die Quelle von caulis, 
da die Umgestaftung zum »-St. bei einem Erbwort verstandlicher 
als bei einem Lw.), apr, caulan (Ntr.) ,Knodien, Bein", lit. kdulas 
m. .Knochen, Kern im Steinobst', lett. kaUls ds., auch .Stengel' 
(bait Stofiton sekundar, Trautmann Apr. 189 f., Hirt BB. 24, 268), 
mir. cuaille ^Pfahl' (*caullio-, Fide II* 65); schwundstfg. ai. kMyam 
n. .Knochen", kulyd f. .Bach, Graben, Kanal', an. holr, ahd. ags. 
hoi ,hohl', got. us-Mlon ,aushohlen' (L. Meyer GGN. 1906, 187 
geeen Vbdg. mit celare; Holunder vl. Abltg. davon, Bruch I*. 40, 
236, doch 6. unter 2. callidus). Wz. *gaul-, *qul- ,hohl, Hohlstengel, 
Rohrenknodien"; weitere Analyse unsicher {I nicht wurzelhaft wegen 
ags. hole ,H6hlung«, s. Walde-P. a. O.; vgl. audi das Reiraw. *aulos, 
lat. alvus). Zu ahnlichen Bildungen von keu- ,schwellen, hohl' (s. ea- 
vus). z. B. gr. ydAa ,H6hlungen unter den Augenlidem', arm. sotl 

Hohle' (*fe«;o-), besteht wegen des versdiiedenen Gutturals keine 
nahere Verwandtschaft. — Fern bleibt trotz MuUer Ait. W. 79 (als 

zum eolis 'penis' gehorig' ; gczwungen) lat. coleus .Hodensadc", s. d. 

'- Walde-P. 1 332. , . „ , ■ . , -. 

canpo {copo seit Varro), -onis m. .Sdienkwirt, Herbergswirt (seit 
Plaut., ebenso -onius, caupona [copona seit 1. Jh. inschr.] ,gdienkwirtin, 
Schenke" seit Lucil., cauponaH .Schacher treiben" seit Enn.), eSpa, -ae 
I. .Schenkmaddien' (vgl. Una : leno, Lommel Fem. 23; seit Verg., nadi 
Char. gr. I 63, 11 - ohne Gewahr - eupa): unsicherer Herkunft. — 
Die Bedd. stimmen ziemlidi genau zu gr. KditrjXo? m. .Klemhandler, 
H5ker auf dem Markt, bes. Weinsdienk' (KamiXelov .Kramladen, 
Weinsdiank', KdnriXa ■ ^ KpeibwuXiS dtopd irapA Ta()avTlvoi<; Hes. 
usw.), das seinerseits kaum aus dem Idg. zu erklSren ist (mcht nadi 
Prellwitz» 208 - vgl. Kditn f) TpotpVi Hes. s. KdrniKo? - zu K0irnT6v 
Grunfutter' [daraus lat. capUtim seit Amm.], das wohl Abltg. von 
Kdtin .Krippe' ist, nidit zu lett. kapaini .Hadcsel' [: kapdt .hadcen"], 
eehort, vgl. Walde-P. II 560), so dafi vl. mit Ernout El. dial, lat 143 
unabhangige Entlehnungen aus einer Mittelmeerspradie anzunehmen 
sbd; furs Lat. kame dabei etrusk. Verraittlung (BSL.30, 111) "/'%«' 
da hier eine Alternation au : a (Schulze EN. 576, Herbig GI. 2, 86 f.) 
beeegnet. Dafi 6 der urspr. Laut, au Hyperurbanismus ware (Thura- 
eysen KZ. 28, 157), wird durdi die germ. Lw. got. kaupUn .Handel 
treiben", ahd. usw. kotcfdn ,kaufen% koufo .Kaulmann' (woraus wie- 
der aksl. usw. kupiti ,kaufen«, apr. kaupiskan F. Akk.Sg. .Handel , 
finn. kauppa usw., Berneker 647) widerraten, da diese dodi mdit auf 
der unvolkstumlidien Form beruhen. Verwandtsdiaft mit cdetd (wohl 
etr., s. d.) ist kaum mSglidi. — Vbdg. mit cuppa .Bedier* (a. unter 
cupa; vgl. nhd. Krug = .Wirtshaus', Walde LEW.' 8. v.) hat mdits 
fur sidi, da cuppa neben eupa erst spSt auftntt, die VokalverhSlt- 
nisse nidit stimmen (eupa, spatl. eap6 Char, smd teils spat, teils 
unzuverlassig bezeugt) und die gr. KditnXo? entsprediende urspr. 
weitere Bed. .Kramer' von caupo audi durdi cauponari .sdiachem 
(vgl. KoiniXeOu) .feilsdie, betriige'), wie es sdiemt, bezeugt wird. 

caupulus, -i m. ,eine Art kleinerer Sdiiflfe' (seit Gell., rem., 
Demin. -illus Isid., Gl.): unklar. — VL Kontammation von caucum 
bzw. 'caueulus (vgl. rom. *caueaiuii) .Bedier' und cuppa, cuppula 
ds.; doch kann bei diesem spaten Wort unbekannter Vorgesdiidite 



1^ 



cauris — cautgs. 



audi Entlehnung vorliegen. — Kaum mit Thurneysen Thes. dissim. 
au8 *ealmlus (: calpar ,Weinfa6') wie caueulus aus calculus (pal- 
par nicht rom., kaum volkstumlich, -au- fflr -al- wohl sehr spSt, 

§oferl8id. 152f.). , „ u . / . c .s 

canrid, -ire .schreien, vom brunstigen Panther (seit buet.): 
schaUnachahmend wie gr. KaOflE m. .Movenarf usw. (s. weiteres 
unter cavannus); vgl. mit r noch abg. kuri, .Hahn , kal. kunca 
Henne' usw. (z. T. Neuschopfung bzw. Emmischung von d. kurren, 
Kurrhahn, Berneker 650); lerner steht ai. cdkora^ ,eme Art Reb- 
huhn". kAlalah m. ,Huhnerart, Phasianus gallus' (Petersson KZ. 
46, 133). - Walde-P. I 332. 

canrus, vulg. (vgl. Vitr. 1, 6, 5) corns, chOrus (gr. Lw. Koupos, 
KiBpo?, X*po<:)> -» »"• .Nordwestwind" (seit Lucr., -inus Gratt., cauri- 
crepus Avien.): aus *k9t^e)ro- : lit. iiaurys, Akk. Muri m. .Nordwmd' 
[•keuerio-, z. B. v. d. Osten-Sadcen IF. 40, 252 gegen Mikkola IF. 16, 100 ; 
gia.ur4 f. Norden', iiaurus ,wutend, sturmisdi"), aksl. usw. seven, 
,Norden, Nordwind' {*keiiero-, Mikkola IF. 16, 100; unwrsch. Hirt 
IF. 37, 224: lat. -av- aus -ew-); dazu wohl (J. Schmidt KSB. 6, 149) 
ablaut.' mit s- got. skura windis ,Sturmwind», an. s*:ur f., ags. ahd. 
scur m. .Schauer', norw. dial. sk0yra, skJ0ra ^Windschauer', arm. 
cuH ,kalt, Kalte, Sdiauer' (*sMr-do-, Sdieftelowitz BB. 28, 294; 
aber mir. eua, Gen. cuad ,Wmter", kymr. cawad, cawod, cafod 
Regensdiauer' bleibt wohl fern; s. zur weiteren AnknCpfung an 
d schieSen Walde-P. I 377. II 553; jedenfalls nicht zu obscurus, Wz. 
*(«)«««- [Vanieek, Muiler Ait. W. 80], audi wegen der Gutturalver- 
sdiiedenheit). — Abzulehnen Thurneysen Thes. {: caurio); Ehrhdi 
BPhW. 1911, 1574 (: gr. ko(u}). — Walde-P. I 377. 

eanssa. causa (s. Quint. 1, 7, 20; -m- vulg. hss. und GIL. VI 34728), 
-ae f. .Rechtssadie, geriditlidie Streitsadie, Parteisache, Ursadie, Ur- 
sprung. Grand (opp. rati6), Veranlassung, Vorwand, Schuld' (i^r- 
engert aus causa nocens usw.), seit 4. Jh. und rom. allgemem .Sadie, 
Angelegenheit, Gegenstand' (vgl. d. Saehe, Ding, Kretsdimer Gl. 10, 
158; seit XII tab., rom., ebenso causor, -atus sum, -an ,sdiutze 
vor, klage, klage an, schelte' seit Pacuv., vgl. accusd ,klage an' 
seit Plant., ebenso ineusB ds., excuso .entsdiuldige'): vl. urspr. (vgl. 
Wharton Et. lat. 17) 1. 1. iur. ,Schlag als Ursadie' aus *cand-ta zu eud6 
(vgl. zurBed.nhd. Saehe : got. sakjs ,wdxr|', au* «»a:a, culpa u. dgL, 
und zur Bildimg offensa usw.); dodi lafit sich der Ausgangspunkt 
nicht mehr feststellen (kaum urspr. .kriminelles Delikt, Totschlag'' 
Oder vom Freilassungssdilag, Muiler Ait. W. 80 ; vgl. audi pactid : 
pangd und zu causa .wegen' u. paca ds., eig. .pactione"). Die 
spSteren Bedd. konnen z. T. durdi gr. aMa beeinflufit sein. — Ab- 
zulehnen VaniCek 318, KcUer Volkset. 312 (: eaveo); Holthausen IF. 
25, 149 (als .Klage, Sdirei' zu gr. KubdZuu .sdimShe' usw., audi 
im Vokalismus b^enkUdi, s. Walde-P. I 379); EhrUdi BPhW. 1911, 
1576 (*caud-sa : ht skundd. .Anklage', gr. OKubuaCviu .groUe', *sqeud- 
.unwillig »ein", Walde-P. II 554). — Walde-P. I 379. 

flastls, cSteg (B- bis Verg. alleinherrschend, -au- Hyperurbanis- 
miM, ». Prise, gr. n 39, 9, Baehrens Komm. Ill), -is f. (wie rUpls 
most Plur., Sing, -is spatl.; Gen. Plur. -turn seit Mela, vgl. Mart. Cap. 
3, 301) .gpitziger Feb, Riff' : nach Havet MSL. 4, 410, Baehrena 



cautus — cavus. 



191 



a. O. zu COS (s. unter catus) .'Wetzstein' (vgl. z. B. das Beiwort 
abrupta Sen. Colum., absctsa Stat.; -a«- zur Differenzierung vor 
allem in der Dichtune, s. o.). — Nidit mit Fide BB. 3, 166, Jacob- 
gohn KZ. 46, 58 f. zu lett. ShAute ,(scharfe) Kante, Ecke' (lit. skiduti 
.Hahnenkanun"), skaudre ,sdiarfe Kante', skaudrs, lit. skudrHs 
,sdiarf" usw. (audi lautlidj bedenklidi; Wz. 'sgett- ,sdineiden, krat- 
zen«, Erw. von *seg-, vgl. Walde-P. II 552 f., Sommer KE. 194 und 
s. scutilus). — Vgl. cicOta. — Walde-P. I 454. 

cantns ,vorsiditig' s. caveo. 

earns, -a, -urn ,nohl, nadi innen gewolbt, konkav", audi ,tief 
(von GewSssern)', ,l6dierig (mit Hoblraumei^, undidit' (von Wol- 
ken, opp. spissus), ,leer' [umbra, imSgS seit Verg.. freier im SpStl.; 
seit Enn. und Plant., rom., ebenso eavum, -i a. [-us m. seit Varro] 
jHohlung' seit Plant, [eavum aedium ,Hof innerhalb des Hauseg' 
seit Varro, eavaedium Plin. ep., Meringer Wien. Sbb. 181, 5, 80flF.], 
caPO, -avi, -atum, -are jaushohlen' seit Varro und Lucr.): aus *eouo8 
(port, covo ^hohl' usw., Meyer-Lubke Einf.' 160, Thumeysen KZ. 
28, 154, Solmsen KZ. 37, 10, Sommer Hb.« 109, Leumann-^tolz» 61) 
= gr. k6oi • Td xda^MTa Tf^? yf\^, Koi xd KoiXUi(iaTa Hes., mir. eUa 
.hohl' (Vendryes MSL. 13, 405, vgl. cUass ,H6hle', bret. kSo .Grotte' 
[*koy,io-], vl. kymr. gogof, bret. kougoU .Hohle' [*«|jo]o-fco«a, Ven- 
dryes a. O. ; anders Loth AceltLex. 3, 259 f., s. cuho] ; daneben viel 
Lehngut, s. Emault RC. 27, 133 ff;), gr. KOiXoi; ,hohl' (*K6/iXo(;; dazu 
KoieXo; .Bohrwurm' Hes. aus *kouielos ,Aush6hler", v. Blumenthal 
Hesydist. 41), alb. Qeie .tief {*kouilo-, Pedersen KZ. 36, 332). Wz. 
*keu(e)-, *keua-, *ku- .sdiwellen, wolben', dann sovohl .Einbiegung, 
Ho^ung (konkav)" wie ,Ausbiegung, Haufe fkonvex)'; vgl. nodi ai. 
iv-dyate ,sdiwillt an, wird stark, mSchtig' (: lat. iti'dens ,trfidi- 
tig", s. d., gr. iy-Kiovaa, ly-mjot;, ^t-'^^i'"''^ ,sdiwanger', ku^ui, k6u), 
kOo? .fetus'), hi-ndm n. ,"Wadistum, Gedeihen, Gludt", idvas- n. 
, Starke, Heldenkraft', Su-rah , stark, tapfer. Held" (= av. sUra- ds., 
gr. &-KOpo; .ungflltig', Kljpio; «Herr" usw.), sdvlrali .stark, mSdi- 
tig* (: gr. Kudpri • i\ 'fii&r\y& Hes., gall. Kauapo;, kymr. cater, kom. 
caur .Riese [*cawar, urkelt. *kavaro-, Pokomy KZ. 45, 72fif., audi 
zu air. caur, cur .Held']), iU-nah .gesdiwoUen, aufgedunsen' (=» an. 
hSnn m. .Wurfel, Junges', ags. hUn m. .lunges' usw., Persson BB. 
19, 282), iu-nam n. ^.eere', Sunydh .leer* (: arm. sun .sehr ge- 
ring, entblofit von", Persson Beitr. 191; vgl. zur Bed. gr. Kcved;, 
arm. sin .leer", Wz. **en-, Walde-P. I 390), i6-thah m. .Ansdiwel- 
lung", sd-phai. m. .Geschwulst", savah m. .Tierjunges*, H-iu^ m. 
.Kind', Sva-trdh .gedeihlidi, krSftig' (: dor. v&-^^a .Besitz" usw., 
irfl? ,ganz' aus *kudrnt- [vgl. ai. sd-ieant- aus *sa- .jeder der Reihe 
nadi, ganz", Bruginann II' 1, 460], ablaut, an. hund-viss .itdv-aoqjo^', 
Persson Beitr. 193), Susih m. ,H6hlimg eines Rohrs', susirdh .hohl" 
(: ags. %«« .Jungling", Holthausen KZ. 47, 311); av. ijpa(y> ,auf- 
sdiwellen", sUra- m. ,Lodi', np. sQrOx ds. (: er. ictep n. ds. [vgl. 
jon. if-Kuap .traditie*, Kretsdimer Gl. 8, 250j, arm. jor ds. aus 
*iiovoro-, Meillet MSL. IS, 354); arm. soil ,H5hle' {*keu-lo-); gr. 
xOodo? m. .Bedier' (daraus 1. eyathus ds. seit Plant), kOXo • t4 
ihtoKdru) -ntiv pXeqidputv KOiX(l)M.aTa Hes. (icuXoibidv .angesdiwollene 
Augen haben"), dehnstfg. (Beditel Lexil. 253) kiIio; m. .HSMe, Ge- 



192 



fanenis" (dazu horn. Kibbeia, att. KUtbia ,Mohnkop£', Ki&-da • iton^pia 
Hes usw., Boisacq 542; vgl. lett. Mva ,scheicfenartige Spake am 
Baum', Bezzenberger BB. 27, 171 f.), kO-mo n. .Woge' (: lat. cu- 
mulus, s. d.); ags. Ml m. ,Rohr' (Holthausen IF. 48, 265); ht. 
pa-iane ,Kraft, Starke" usw. (Persson Beitr. 192); abg. sujt .niditig, 
^el'. — Fern bleibt kymr. cwnn .Hohle" (s. Walde-P. II 48). 

Hierher eaverna, -ae f. (-urn n. spatl.) ,Hohle, Loch, Grottel, 
audi ,Himmelsgew6lbe'; s. zur Bildung (kaum ereibt und mit 
dem Wn-St. KOap in Vbd. stehend, sondern etr., vgl. auch cisterna) 
Niedennann IF. 37, 152, Brugmann IP 1, 281, Petersson Heterokl. 
11, Ernout BSL. 30, 95 (falsch Hirt PBB. 22, 310: ahd. Ms, s. 
cusios). — Nidit unmittelbar verwandt ist caulis, s. d.; fern 
bleiben canis, coleus, cohum. — Vgl. auch cavea, cavellum, 
caulae, cumulus. — Walde-P. I365ff. 
-ce hinweisende Partikel ,da", z. B. in kic {aus *hi-ce, vgl. hi- 
ci-ne; danadh illic istic, Leumann-Stolz^ 286, ardiaistisdi auch »^ 
siusce, euiusee), sl-c, hie hinc hue illic -ue, nunc tunc : = -c in o. 
iz-i-e id-i-k (u. ere-k, efe-k usw.), ekak .hanc", ektk .hoc' 
(== pal. ecie, Budc-Pr. 90, Grienberger KZ. 54, 66, Thurneysen IF. 
39, 199, s. hie), ekkum .item' {*ed-ke-om), ekss .ita' (wohl *ed-ke-s; 
vgl. ec-ee), u. esmi-k ,ei', esum.-ek ,horum', eao-c ,ita', enum- 
ek ,tum' usw., pal. ecu-c (Grienberger KZ. 54, 62, Ribezzo WGI. 
14, 81), mar. iaf-e ,ea8», esu^-c ^eo"; lat. c&-do, ce-tte (s. d.), o. 
ce-bnust ,huc venerit' (v. Planta U 329; nidit diss, aus *g^e-g^en', 
J. Sdimidt KZ. 26, 376 A., Reichelt IF. 40, 45»). Partikel *ke zu 
Stamm *ko-, woneben *ki (Adv.), abgeleitet *k(i]j.o-, vgl. o.-u. e-fco- 
.hic", z. B. in o. ekas ,hae', pSl. ecic, ecue, mit -so- erweitert o. 
Ikso-, z. B. o. exac ,hac' (u. esso-, vgl. auch ipse, v. PlanU II 216); 
**«■- in lat. cis, eiter, citra, u. cimu, Hmo (*ki-mo-) „ad citima, 
retro', r.ive (ki-uo-) .citra"; —'arm. -» .Artikel' (z. B. mard-s 
,der Mensch'), sa .dieser", ai-s ds., a-s-t ,hier' (Junker KZ. 43,332flF.); 
phryg. oenou(v) .diesem' ("sem + 6i, Solmaen KZ. 34, 51); gr. *k€ m 
keivo<;, d-Keivo^, dor. lesb. Kf)voc Jener' (•Ke-evo?, danadi dor. Tf^- 
vo? aus 'Te-evo? ds.. Havers IF. 19, 94 ff.), i-mei, jon. keT, fiol. Kf^ 
,dort", Kei-a€{v) usw. (zur .jener'-Deixis Brugmann Dem. 56^; 
Ko{ s. unter ceu, ceterus), *kio- in ffr||ji€pov, att. TiP|nepov ,heute" 
(*Kia|.iepov, danach of^Te?, att. TfiTei; ,heuer' aus *Kia/eT€<;; vg. abg. 
dtnt-st ,heute", Bemeker 253); gall, kooi, air. ogh. coi, ablaut eg 
,hier' (*h>i : *kei, vgl. hie hUc aus *hei-ee, *hoi-ce. Loth REAnc. 20, 
38 ff., Pokorny ZcPh. 10, 403), cen .diesseits, ohne", cen^tar .dies- 
seits'; an. hAnn, hann ,er' ^hanaR, idg. *kenos, Schmidt Vok. II 
422, Brugmann II', 2, 336), as. he, he, hie, ags. hi, ahd. he ,er', got. 
himma .huic', hina ,hunc*, hita Ntr. .jetzf, as. hiu-diga, ahd. 
W«-<u .heute' (: as. ho-digo ds.), hiuru [*hiu-j6ru) .heuer" (auch m 
jMzt, Ssterr. hiezt, mhd. {h)ie-zuo aus *hiu + to .lu'), ahd. usw. 
hina ,weg', nhd. hin{weg\ got. usw. her .hier" {"kSi-r), hidri .hier- 
her* (: eiter, s. cis; ahd. hitumum, hitatnun .erat, demimi' : eitimus; 
unaicfaerer Gdf. got. hiri ,komm hierher*, s. zuletzt Guntert Don. 
nat, SArijnen 490 f., Horn Festschr. Behaghel 73 f.; unsidier got. 
hindana .hinter, jenseits', an. handan .jenseits', Brugmann Dem. 



cectoria - 2. ceds. 1^3 



144 vel. audi unter com, recens); apr. schis (Akk. schan usw., Adv. 
Ichai fhier'), lit. Sis, F. H, lett. ««r, F. » (statt *sis, *sf Endzelm 
Gramm. 386) ,dieser' (= aksl. St., F. s», Ntr. se ds.), apr. sto ,der 
lit H-tes ,dieser' CSt-fo-, dazu Staf, alt Sitai .sieh Rer", Fraenkel 
Baltoslav. 63'), lit. iiafidien, lett s&odt.en ,heute«, lit. ii, lett. ie 
Wer", aksl. usw. si-a. .toioOto?' (Meillet MSL. 11, 8); uns.cher 
toA^B -fc, z. B. tu-k .dies" (MeUlet MSL. 18, 416). - Fern bleibt 
a\b.si-t>jet ,heuer«, so-t (*^o-dite)M^te' jo-nde C^^nate) ,heute 
nacht' (s aus tjr nach Pedersen KZ. 36, 314f , B^S^ann IP 2, 320j. 
_ Dber Zueehorigkeit von etr. «e, cei s. Btbezzo MGI. 13, 5^ Gold- 
mann Beitr. II 56. — Weitere Analyse unsicher; s. Thurneysen KZ;. 
51 59' (*ft< zum Wznomen *kei- .Lager', s. rtefe); Ewald Entw. des 
fc-Suff., Hdlb. 1924 (identisch mit dem fc-SuflF., s. dagegen Kretsdimer 
Gl 15 189) Nicht uberzeugend leugnet Pedersen Pron. dem. 14 f. 
eiii mit ni paralleles 'fe (die Herltg. von lat. -ee aus ♦-« sdieitert 
an cedo, cedo, o. ce-bnust). - Vgl. 1. cedo, 2. ceds, egterus, cis, eece, htc. 
— Walde-P. I452ff. . ^ ^^, 

ceetSria, -ae f. (aWum n ) .ein um em Grundstflck gezogener 
Grenzgrabeii' (Grom.): unerklfirt. - Kaum nach Bersu Gmt 170 
Niedennann e und f 34 nebst cicSti'ix, cignus ,ein Mafi" (doch s. dd.) 
zu einer unnasaUerten Wzf. *qeq- neben "ionq-m Htm M) ! »«' 
dem spaten Auftreten des Wortes mcht glaubheh. Audi nidit Abltg. 
von gr •gKTOV .modius' (Ducange s v. Saalfeld) mit Angleichung 
des Anlauts an cinetOrium ,Gartel« (Keller Volkset. 101). 

1. cedo, PI. cette .her damit, eib her', audi >s, sage! (herau« 
mit der Spradie)' (seit Naev.): wolil ce- (s. d.) + *dp (wie mjndo 
do^ec usw., s. unter de) .hierhin' (vgl. as. hir^o -hierzu'), so dafi 
cette eine naditrSgUdie Plurahsierung wie gr. beOre von beOpo Bt (la . 
und Parallelen b« Niedermann lA. 18, 75f., Gnom. 3, 350f.; vgl. 
audi Persson IF. 2, 218, Barth Z r^Spr 52 309 A 74 . - Nidi wahr- 
sdieinlidier nadi Curtius 237, Vanifiek 115 Beditel Gr DiaL I 95 
Brugmann H' 3, 565, Sommer Hb.» 539, Leumann-Stob' 309 mit 
Imp! *d6 (vgl. Ut. rftlo-fc. gr. bl-?.u.; ds statt W wohl edion urital. 
bTw urlatin^., verfehlt audi wohl die gleidifalls sdion seit Naev. 
begegnende Bed. von cedo = die, da dH = die erst seit Lucd. auf- 
tritt und einen gewahlteren Ton hat). , , , , . . ^ „ 

2. C6d«, cm4 eessum, -ere .einhergehen (altl. fOr in-) von statten 
gehen; wefdien, nadigeben, einrSumen, zugestehen, ditreten (sat 
Inn. und Plant, ebenso eesso, -Svi, -Stum -«'•« .^"^'^^^^": 
men, zSgern, mOBig sein, ruhen', dies rom.) : wohl aus 'ee^ whreite 
einhM' (Perf. eesH regelredit aus *eezd-s-ai, Bnigmann D^ 399 ' 
ce- (s 1 cedo) + Vz. *sed- ,gehn" = 'sed- .sitien' [s. Mdeo], ent- 
^idSelt in vK mit PrSfixe'n! in ^\ 6b6, f.^ .Veg- <*»»• -- "^l* 
.Gang", ehoidg ehodUi .hin und her gehn' abUut PPA ftd» |e- 
gangen' (zu el aus idg. «- Pedersen rf. 5, 62, Meillet MSL. 19, 299 
8ernekerS92), ai. a-sid- .hintreten, gehingcn', ut-sad- ,^" Se.te 
treten, versd(winden', av. apa-had- .Bid, '^fg* "'^"^ ""TT'I^!!' 
isnam (*e-zd.neu-tf) ,geht betm',pcndayeUt .versdieud.t a«^- 
a-Hi- .Bahn, Zuruddegung des Wees' (Brugmann IF. 13, 84 ft). Vgl. 
audi als Zss. von *sed- mit tcye- (: Jb-, kio-, a. -«) av. fy«^- -f™*- 
treten vor, aufgeben", Hidyatnnd. .zuradtweidiende*, stHyH .auf.. 

Walde Etym.WSrterbudi AUt9pr»che.|;3.A. '3 



194 



cedrus — celer. 



gebend", sfiMra- ,scheu' (fern bleibt das ungedeutete ai. aisydtl 
,bleibt ubrig', sindsti ,\i&t ubrig", sesoj ,Or)rig'); da aber bei 
Plaut. eeiio noch durchweg .sdireiten, eehen' bedeutet (Amph. 546 
ist verderbt), und die Bed. ,weichen* (me allerdings schon Ejih. hat 
und die aucli fur necesse vorauszusetzen ist) aus den Komp, aba-, 
de-, re- (vgl. recessim cidam Cas. 443), vor aUem concldd = ,durch 
Gehen Platz machen' entwickelt ist (U. Leo GI. 10, 178ff._), ist histo- 
rischer Zsshang mit av. syazd- unsidner, eed6 vl. erst mit lat. Syn- 
kope aus *-srdo entwidtelt. — Abzulehnen Curtius 503 usw., Bechtel 
Lexil. 189, Muller Ait. Wb. 81 (: gr. KeKdbovTO ,sie wichen' usw., 
vim. zu K£Kabf^aai ,schadigen", s. unter cado; wSre lat. Perf. *cesl); 
Bezzenberger BB. 27, 166 (: cr. hom. K£&v6; .sorgsam, geehrt' als 
,cui ceditur"); Uhlenbeck KZ. 39, 258. 40, 553 h abg. deznQti ,er- 
Ipschen, schwinden', iitezn^H ,versdiwinden, soiaudern", laudich 
uninoglich, s. Brugmaun Dem. 143', Berneker 153f., vgl. audi con- 
quinlscoY, Ffay CI. Quart. 1, 281 (: eaedo\). — Fern bleibt air. cet 
,Erlaubnis' (Thurneysen KZ. 32, 567 ff.; vim. Kurzung aus lat. licet 
bzTV. lieitum, K. Meyer Berl. Sbb. 1914, 939, Pokorny ZcPh. 18, 159; 
nkymr. caniad .Erlaubnis* ist wie bret. himiad .Urlaub* usw. Lw. 
aus mlat. eommedtus, Thurneysen IF. 14, 131 gegen Zimmer KZ. 
33, 154). — Vgl. audi areesso, necesse. — Walde-P. II 486. 

cedms, -> i. .Zeder, Zederwadiolder* (seit Sail.) : aus gr. K^&po; 
fi jWadiolderart, Zeder", dies als , Rfiudierholz ' zur Wz. *qed- 
.raudien* (versdiieden von der Sippe von catideo, s. d. und catanus). 
VA.earus. — Walde-P. I 385, Petersson Heterokl. 104flf., Brudi IF. 
4^ 200f. 

eeleber (alt '-6m, -ber seit Tib.), -hris, -hre .betrieben, ver- 
kehrsreidi, belel>t* (vgl, Cato agr. X,^ via Imna -isque neben amnis 
quA nHvi* ambulant, temer f&num, loctu, regio usw. seit Lucil. ; vgl. 
audi die Bed. ,angetrieben, sdinell* Ace. trag. 23 •« gradii gres- 
a»m adeelerttse); ,gefeiert, hSufig' (seit Plaut., -itas i. ,6elebtheit, 
Besudi, Hfiufigkeit, BerQhmtheit' seit Cic., rem., -are ,besudien, 
feiem, verbreiten, betreiben* seit Plant.) : zu gr. icdXXu) ,treibe* usw., 
s. eeler (Vanifiek 54), und zwar nada Pokrowskii RhM. 61, 186, 
Leumann-Stolz' 234 auf Crund von *kele-dhli- mit Diss, des zweiten 
I, vgl. salQ-bris (kaum *kele-dhro-, vgl. cre-ber, bzw. von *eelebrum 
,Stelle regen Treibens", Brugmann II' 1, 380, oder aus *keles-ri- 
von *kelo$ Ntr. .Treiben", ivfuller Ait. W. 83). — Abzulehnen Mar- 
strander Vtia. a nas. inf. 19' (als ,sehr besprodien, inclutus* von 
einem s-St. *keIos =^ "kle^os zu Wx.*Meu- ,h6ren", s. clueS); Pe- 
dersen I 113 (aus *cer; samt ereber zu ir. usw. cretair ,Reliquie, 
heilig" aus *kredhri-; ,feierlidi' verfehlt die Gbd. von eeleber; s. 
audi credo); Breal MSL. 11, 121 f. (celebrare aus *cal- zu calare); Bersu 
Gutt. 170 (: cehus. Bed.!). — Walde-P. I 443. 

celer faus -U, Sommer Hb.' 150. 370), -t», -e .sdmell, rasdi' 
(seit Liv. Andr., -USs t. .Sdinelligkeit' seit Rhet. Her., -are ,be- 
sdileunigen' seit Plaut, itr. [nadi festino] .eilen' seit CatuU): aus 
*kele-ris .angetrieben' zu Wz, *qel- , (aii)treiben' in ai. kSldyati 
,ti«ibt*; gr. kAXw ,treibe das Sdiiff ans Land*, itr. ,lande* (Pras. 
nur Gramm., sonst Fut. k^\-<tui, Aor. ^KeX-oa; vgL 6-k^Uw, Aor. 
A-xeiXa da., Wadcemagel KZ. 29, 135 f.), iii\o\uu, Aor. ^xeX^aaTO, 



Celeres - cella. 195 

horn. (^)K^KXeTO (dor. k^vto Alkm. aus*K£X(o\TO, Wadcernagel Sprdil. 
Unt 175' mit anderer Etyra.) .treibe an, ermuntere, rufe an* (z. B. 
Hermann Sprdiw. Komm. 69), KeXef)-ui .setee in Bewegung, treibe 
durch Zuruf an, befehle" (vel. KdX€U-Oo<;, a. ciUlis), Kans, -ITO? jn. 
Renner, Rennpferd, schnellsegelndes Sdii£F' (: av. earam- .MSd- 
dien% grm. "halgf- neben "Imlip-, **a/«> Bureche, Held in 
aes. hJeS, ahd. ielid «sw. .Held', faUs Gbd. ,Viehtreiber(in)', 
Johansson WZKM. 19, 237, Meillet MSL. 17, 114; daraus lat. c_«- 
les -etis seit Lucil. bzw. Plin., vgl. celox), vl. KoXetv • ^Xa€iv, 
KoXte, KoX(a ,Art Tanz" (Persson Beitr. 179), KXivot ,Getnebe, 
GetQmmel' (Brugraann II' 1, 268), sehr unsicher Pou-k6Vos .Rinder- 
hirt", mir. bua-chaill, kymr. bugail, kom. bugiel .Hirt', bret. 
bnqel .Kind' (wenn urspr. .Ochsentreiber'; dodi 8. unter 2. colo 
un'd 6t>ilio); alb. geg. Kil, sizil. Kel ,bringe, trage*. 5-K«B«f, HSif 
Lab! coajulum* Vedersen KZ. 36, 329! lokl IF. 30, 198); nnt 
ide t- got. haldan ,(Vieh) huten, weiden", aes. healdan, as. haldan, 
ahd. haltan, an. halda .halten* (Osthoff IF. 4, 281f., Brucmann 
IF. 32, 192; Annahrae von Einmbdiung eines ht. fcejjfl ,hebe [s. 
celsus] entsprechenden Verbums [Bnigmann a. O. 181 usw.], ist un- 
notig, da audi ai. Mlayali die Bedd. ,halten, tragen, wahrnehmen, 
fur etwas halten' usw. zeigt), mnd. hilde, hille ,rasdi, eifng 
fL. Meyer Hdb. U 424 f.); fern bleiben arm. k'eii .Steuerruder', 
ags. helma ds. (a. Walde^P. II 591. 594). - Ahzulehnen Hirt BB. 
24 234 (zu Wz. («)*«/- .springen" in ai. ialahhih m. .Heuschrecke , 
murahm. ,Frosch', M^m^ m. ,ein Insekf [falls nidit zu j}«/# 
m. Stadiel", Uhlenbeck s. v.; ialati ,eilt' DhStup. ist falsdie Ab- 
straktion aus wechalati = *ud-s-. Zadiariae KZ. 33, 444] , mkymr. 
gm-usgel .sdiSumen" [*uor-eoc-(jl)kel-. Loth RC. 41, 388f.], mhd. »<Ae/ 
.sprineend, auffahrend, aufgebracht" [audi m nhd. SelMlkraut, 
Lehmann Praf. uz- 145 A.), schellec .springend, zomig, wild", ahd. 
scelo .Sdiellhengsf, nhd. bescMlm .bespnngen', vL Ut. Juaiais 
,im eestredcten Galopp*, lett. 8u6lis ,Sdiritt, Gang, Arbeit , s.Zu- 
batV BB. 18, 252, Muhlenbadi-E. s. v.; fern bleiben gr. ki^uiv .Zudit- 
hengst', oanvo5 ,SUen«, s. Valde-P. II 600 m. Lit., Kretsdimer GI. 
2, 398. 4, 351 f.). — Vgl. audi eeleber. — Walde-P. I 442f. 

Celeres ,Slteste Bezeidinung der rom. Hitter in den Centurien 
der Tides, Luceres, Ramnes' : wenn audi die Beziehung auf die 
Reiterei sidier steht (die Bed. .Leibwadie" bei Liv. 1, 15, 8 sdiemt 
Mifiverstandnis, Domaszewski PW. Ill 1870), also Vbdg. mit «/«r 
nahe liegt, so spridit dodi das Zeugnis des Plin. r33, 35), dal4 die 
equUes erst eeJet-es, dann flexunlea, spater trossuli (beidcs etr., b. dd.) 
hieUen, im Verein mit der Bildungsgleidiheit der sidier etr. Luceres, 
eher far etr. Herkunft (Emout BSL. 30, 105). 

cella 8. caelia. „, , c. . t n 

cella, -ae f. .Vorratskammer, enger Wohnraum, StObdien, ZeUe 
(in Bfidem, Geffingnis, Kloster, Bienengtodc usw.), Kirdiensdiiff (seit 
Naev., rom., ebenso -flrtMm n. .Vorratskammer" 8eit2.Jh., ■a*'*'^ 
m. .Kellermeister' seit Ulp.; aus celUtrium ahd. kellari usw. .Keller ; 
aus gr. KekUpii ksl. kelan. .Getreideaufceher", aus KcXXiov ksl. kelva 
u«w. .cella"): Vz. *kel- ,bergen' (in der Erdc), verhfillen in ai. 
im f. ,Hutte, Haus, Gemadi,StaU', HUdft m. .Einfriedigung, Hedce. 

13* 



ig^ -cello - eels. 

Wall', sdimafy ,verlegen', eig. ,versteckt« usw. (Giintert Kal.34f.; 
fern bleibt kuldyam ,Geflecht,1Setz, Gehause", s. Persson Beitr. 727'); 
cr KOXld (*W-) ,Hutte, Sdieune, Nest", KaXi-Pr] „Obdach, Hutte' 
fv Blumenthal Gl. 18, 147; Erw. *keleu- wie in KaXOirru) [s. cilo], 
voUstfg. K^O<po<: n. .Sdiale, Hulse' [fabch Sutterlin IF. 25, 67, s.Walde- 
P. II 595], K6Xudpo? m. ,Sack,Tasche", KoXed? .Scheide" aus •KoXe/b? 
\s.aiUeus\ mir. cul ,Schutz', culaid ^HflUe' aus 'colu; vl. ags.helustr, 
lunffer heolstr, heolstor .Sdilupfwinkel', grm. Gottin Hludana, Guntert 
kal.60f., Bechtel LexU. 197f.); air. mile .Keller, Magazin" {*kolid 
oder k.lid, in der Bed. ,Kuche' Bed.-Lw. nach culina, vgl. Pedersen 
II 111), cuilche ,Mantel' CkoUkja, Stokes KZ. 40, 247, Hessen ZcPh. 
9, 8), eel .Tod' in luid ar eel ,er fuhr zur HoUe" (*kelo-, vgl. ^ot. 
halja {., ahd. hella usw. ,H6lle', an. hel f. ,Todesgottin' aus *halja-, 
ids. *kolio; vgl. finn.-ugr. Koljo, Guntert Kal. 53) ; got. hulundi (. 
Hohle' (*ynrt, Brugmann IF. 33, 307), ahd. as. halla, ags. heall 
"Halle', an. %qII t. .grofies Haus' {'kolnd; aber nd. Mile ,Raum 
fiber den Viehstallen' bleibt fern, s. Walde-P. I 430). - Weiteres 
s. unter celo. — Gdf. wohl *celcl (= ai. sdla, vgl. cippus, vitta usw., 
Marstrander Pr&. a nas. inf. 45; nidit *cel-sa oder *cel^na, Solmsen 
KZ. 38, 438, Petersson Heterokl. 161 ; vgl. celo). — Fal. cela ist nidit 
Aopellativ = .Grabkammer' (Deecke, Conway usw.), sondern Cogn, 
== etr. cela, lat. Cella (Herbig ad CIE. 8209, Gl. 2, 104 £, Gotd- 
mann Beitr. U 44». 237*). — Verfehlt Wilbrandt KZ. 29, 192 (als 
Wabe' aus *cerla zu cera ,Wadis', s. W. Meyer KZ. 30, 337'); 
Sdieftelowitz ZDMG. 59, 707 ('Wz. qal- .Hutte' u. a. in gr. KoXtd, 
cella, apr. calene f. ,Sdieune', np. karld .Sdieune, Feldhutte', arm. 
kal .Tenne, Sdieune'; s. fiber cUeses Pedersen KZ. 38, 203. 39, 380, 
fiber apr. calene Trautmann Apr. 351). — Walde-P. I 432. 

-celW, -ere : vgl. einerseits pro-, pefcelld (s. ciadis), andererseits 
ante-, ex-, praeeello (s. eelgus). . • . 

cel«, -S»}, -mum, -are .verberge, verhehle, yerheimlidie (seit 
Enn. und Plant., rom.) : dehnstfg. Praes. (nominal in ai. ialA , Hutte', 
8. u., und m.hali n. .Verstedc', ahd. ^loio das .Verbergen', mhd. 
hxle ,Verheimlidiung', ahd. hali .verhehlend, verhohlen', an. h&U 
.listig*) zuWz. *Jfcei- ,bergen, verhflllen' in \a.t.oc-cul6, -ur, -Itum, 
-ere .verberge, verdedce' Tseit Plaut., ebenso -US, s. d.) = air. edim 
.verberge", ar-celim .stehle' usw., kymr. celu .verbergen" (s. Pe» 
dersen fl 482 fif., audi zur Vermisdiuiig mit cell- .ringsum gehen* 
[s. col6\); ahd., as., ags. helan (nhd. hehlen) .verbergen', daneben 
von Aoristpraes. *htaan, got. hulundi .Hohle' (.die bergende"; aber 
ahd. usw. hoi s. tmter eaulifi), got. huljan, an. hylja, ahd. huUan, 
hullen .verhullen', got. hulistr n. .HfiUe, Decke', an. huhtr ,Fut- 
teral' (vgl. ags. helustr .Verstedt' Brugmann H* 1, 347), mhd. hulst 
f. .Dedce, Hfille', mnd. hulse, ahd. htdea, hulls .Hulse («-St. wie m 
ai. idras- n. .Mildihaut', lat. colds .Farbe', s. d.), ahd. hel(a>a 
.Haferspreu', hala .Hulle, Sdiale', got. hilms m., an. hjalmr, ahd. 
uaw. helm .Helm* (: ai. idrman- n. .Sdiirm, Sdiutzdadi, Dedte, Ob- 
hut*; daraus durdi slav. Vermittlung lit. idlmas, apr. taimi*. wfthrend 
apr. kelmis direkt aus dem Grm., Uhlenbedc PBB. 30, 290, Masdike 
ZdPh.Sl,142ff.), noiw. hu/derChul-p-i, Part. Pass, f.), hulda .Wald- 
elfe*, nhd. Frau HoUe (Guntert Kal. 89 ft). Weiteres s. unter ceUa; 



celSx — celsuB. 19? 

vel von *kelu- bes. gr. KoXiitTU) ,verhulle" (*KoXuTr-liu ; zur Labial- 
tiiMf.yel.mhd.hulft, hulftr ,K6dieT' und*klep- ,stehlen" m elepo, 
8 d ) — Lat. ceto vl. nacli Marstrander Pr^s. a nas. inf. 45 (doch vgl. 
audi Hozwadowski IF. 4, 491, Brugmann IF 1, 153. 3, 162, Leu- 
mann-Stolz^ 317, Bechtel Gr. D. U 491), Denom. von cella aus »celil 
Versteck' (= ai. sdlS,), als Ersatz von *cel6 (erhalten in occtUo 
aus *ob-cel6) wegen lautl. Zusanimenfalls mit cold .bewohne". — 
Vgl. noch cella, clam, cilium, color, colostra; fern bleiben 
calix, caligo und got. usw. holon .verleumden* (s. calumnia). — 
Walde-P. I 432f. .„ , . . 

celOx, -ocis m. f- .schnellsegelndes zweiruderiges Sdufi, Jacht 
(seit Enn. und Plaut.): nach Thurneysen Thes. Umbildung von gr. 
\ii\r\c., -T1T05 m. .sdinellsegebides Schiff' (lak. itii\r\'i\ KeX/jTiov .kleines 
Jadtitsdiiff") nadi velox; nicht urverwandt mit celer, -ox im Ablaut 
zu -tiE (Leumann-Stolz' 244). 

celsns. -a, -urn ,hodaragend, erhaben, hochmutig' (vgl. erectus, 
elatus; seitLiv. Andr., -itudo [vgl. altitudd] seit Vell.,-«fis seit Cypr.): 
PPP. von -cello in excello, -tsus, -ere .rage heraus, hervor" (seit 
Cato, ante-, praecello, -ere ds. seit Gracdi. bzw. Lucr.) zu Wz, 
*qeli,ey ,ragen, hodi (heben)* in lat. collis .Hugel' (*col-nU : lit. 
hdlnas usw., s. d.), columen, culmen ,Gipfel", columna ,Saule' 
(s. dd.); ai. kufam n. ,Hom, Kopf, Schadel, Kuppe, Spitze' ('q^j-t^-), 
kutah ,ungeh5rnt' (vgl. calms), vl. kiUmalam n. .Hals der Pfeil- 
oder Speerspitze" (Zupitza Gutt. 51); gr. koXujv6?, KoXdiVT) .Hugel', 
KoXocpOjv, -lavo? m. ,Gipfel, Spitze' (aus *KoXa-, idg. *qol-n-bh-, 
*qolen- *qolon- : *qol-n- in collis usw., Bragmann IP 1, 301); vl. 
mir. coll ,Haupt' (Stokes IF. 12, 187; aber air. collbe, mir. eolba 
Saule' ist Lw. aus kymr. celff, Pedersen I 375), gall, celicnon 
'Xurm' (daraus entl. got. kelikn n. .Seller', Dottin 244, Feist s. v.); 
ags. hyll m. f., engl. hiU .Hugel" {*hulnis, idg. *ql-nis, vl. = collis, 
Kluge Gl. 1, 55), as. holm .Hugel' (nhd. Holm], ags. holm .Insel, 
Meeresvoge', an. holmr, holmi .kleine Insel' i*holma-, idg. *qi»io- : 
culmen); lit. keliit, kilti, lett. celu, celt .heben'; kilu, kXlti .sich er- 
heben, aufsteigen', iS-kil{n)iis, ii-UUas ,hodi, erhaben', kUmi 
(Akk. kilm^, kiltis {kiltis, Akk. Sg. killf) i. (alit. audi m.) .Ge- 
sdiledit', kdlnas, lett. katns .Berg", kalvA, lett. kalva .Hugel" 
(aber lit. kilmas, lett. eetma .Baumstamra' trotz Trautmann Bsl. 
V. 126 zu \s)qel- .spalten", s. Walde-P. II 594|; abg. usw. itlo 
.Stirn', r.-ksl. de/mn» .praecipuus' («-St., Bemeker !*)• — ,Laf 
-ctllo kaum aus *-cel-n6 (Sommer Hb.* 502, Leumann-Stola' 166), 
sondem wegen des e-Vok. (gegenuber toUd aus *tl-no) aus *kel-d6, 
celsus aus *keld-tos (Marstrander Pr^s. a nas. inf. 36); freilidi ist fur 
die Wzf. *qel-d- ai. ka^ambdh m. .Spitze, Stengel einer GemOse- 
pttanze' (Petersson IF. 34, 223) keine Stfltze, da wohl nadi Uhlen- 
bcdc s. v. mind, fur kadambdh .Baum mit orangenfarbner Blute'. 
— Fern bleiben sidier oder wrsdi. ai. eas&la- m. n. .Knauf des 
Opferpfeilers', cdsah .HolzhSher, Zudtefrohr" (Charpentier KZ. 43, 
1*4 f. ; 8. Walde-P.' I 434, Bemeker IF. 8, 286); gr. Ko\oaa6<; .Kololi' 
(Lamer IF. 48, 233), wohl audi KoXoK^vdn .Kurbis' (Gl. 15, 169), 
KoX6-K0kia .grofie Woge'; aksl. klast ,Ahre', alb. kai ds. (s. Walde- 
P. 1435); got. usw. fca«u« .Fels" (s. unter catus): wohl audi norw. 



198 



ccltis - censeS. 



hUdre hodi aufragen" (s. Walde-P. I 430); ags. heolor .Wagschale, 
VTage'VoW: lat. calix, d. Sehale, Holthausen IF. 48, 264); arm. 
hrem brinee, (eOtragC (Sdieftelowitz BB. 29, 13). — S. nodi col- 
Zs -un, .llals". - Valde-P. I 433 ff. 

celtis, -is f. .Meifiel' (Vulg.; audi ,eme Art Fisdi" Gl., s. Laistner 
a Quart. 19, 192f. 20, 26): wenn edit, bo wegen seines spftten Auf- 
tretens und des e (das trotz Havet MSL. 5, 46' MeiUet Esq. hist 
lat 139 kaum gebUeben wfire ; s. Sommer Hb.» 60, Leumann-^olz» 59) 
wohl Fremdwort; spez. kelt. Herkunft (Skutsdi BB. 22 126 f) ist 
nidit zu erweisen. Also nidit als Erbwort aus *cel-tis (bzw. cele- 
tis Osdioff TAPhA. 24, 59flF.) im Ablaut zu culter aus *gl-^ro-(\en- 
dryes Redi. 210f., Persson Beitr. 177); vgl. audi Petersson IF. 24,^. 
Da das Wort nur in der Vulg. - Chiron entfallt, s. Heraeus ALL. 
14, 119 - und audi da nidit vSllig sidicr belegt ist, bleibt aulierdem 
nur das Zeijgnis der Philoxenusglosse, wo celtis ebenso wie squatus 
den Haifisch (gr. jiiva) glossiert, oiine daS die Herkunft feststellbar ist; 
so dafi die Existenz des Wortes trotz Laistner a. 0. fraghdi bleibt. 
— Audi celtium, -I n. ,Sdiildkr6tensdiale" (Plin.) ist trotz Reidielt 
KZ. 46, 334 eewifi Fremdwort. — Walde-P. II 592. 

cena, -aei. .Mahlzeif, alat. cesnUs (Paul. Fest. 205. 209; audi 
sab. scenaas Paul. Fest. 338 wohl statt scesnUs, Ribezzo RIGI. 14,76; 
seit Cann. Sal., rom., ebenso cino, -Avl, -Htum, -are seit Naev., -Octt- 
lum n. ,Spei8ezinimer, ObergesdioB' seit Enn. und Plaut): = o. 
kersnu ,cena", kerisnais ,cenis', fcers«nas«rts .cenanae , u. 
iesna .cenam', cersnatur .cenati"; aus *qeri-s-na (Persson Beifa-. 
564*) .Portion" zu Wz. •qert- .sdineiden' (vgl. zur Bed. caro .FJeisdi : 
K€(pi, u. kartu .distribuito', bat? .Mahlzeif : batZui zerteile") in: 
ai.fcr»<<i««,sdineidel* (= av. ktrantaiti .sdineidet, schindet, openert ), 
kantakah m. ,Dom, Febd', kdtianam .das Sdineiden', krtih, av. 
kar9ta;'np. kard .Messer", kartdh m. ,Grube, Lodi* usw. (z. T. 
wohl «)-Bitdungen von •{s)qer-, s. eurtus; vgl. audi ai. A:«;«ft ,sdiarf, 
beiBend' = Ut. karl^x, apr. kartai N.PI. .titter"); lit. kertu, ktfsti 
,haue sdiarf, lett. eertu, drst ,haue, hadte', slav Vtrto "iersli in 
?.-ksl. irvtu 6rmi .sdineiden' usw. (TrautmannBsl. W. 130, Berneker 
172), Nasaipraes. lit. kritUit (4eni. krimtit), kAsti .abfallen, von B«t- 
tem, Fruditen"; arm. k'ert'em .ziehe die Haut ab, sdiSle ab (Fe- 
dersen KZ. 39, 377); alb. Keb .sdiere" {*keH; mit » aus < nebenr, 
lokl Ling.-kult. Unt. 13), liars, tiart .verwfisten" usw (wohl "sqert, 
Jokl IF. 30, 1%), tiartes .Sdiarfriditer' (eig. .Absdineider , vgL 
eamifex); air. scrigsid .rasorium*, seris ingen .Nagel scfaneiden 
(Vendryes RC.29,203f.); vl. heth. kari- .absdineiden, wegsdialfen, 
verbannen' (Sturtevant Lg. 6, 225); 'qert- (audi m cortex, leor- 
tum, 8. dd.) ist erweitert aus *qer-, s. carO. — Vgl. zuni Lauthdien 
V Planul409f. 496 f. (wo audi fiber verfehlte fruhere Deutungen), 
Brucmann 1» 120, Leumann-Stolz' 161. Abzulehnen BudcVoc 67tf. 
(Gdl'qerma, wSre lat. •c«mo); Fay ALL. 13, 436 f (vgl. audi Hirt 
IF. 21, 173, Prellwitz Wb.» s. Kop^wum) : Cerls als *CfrM»ifi oder 
•crr9-ma. - S. cortex, teortum; vgl. erina, tUictmium. — Walde- 
P. n 577 fi. ^ . , ,. 

efinseS (spSUt. -io, -ire), -uf, -mm, -Ire .begutadite, sdiStze, 
taxicK, meme, stimme ab" (seit Naev. und Insdir. 3. Jh., wntor, 



cgnseS. 199 



-oris ,Zensor', abtr. .strenger Beurteiler' seit Elog. Scip. und Cato 
[censura seit Cic], census, -us m. .Schatzung, geschatztes Vermogen" 
seit Plaut. [daraus gr. Kf^vffo?, ahd. zms, air. as usw., Pedersen 
I 209], ebenso censio (. ,Absdiatzung, Bestrafung', -ualis m. ,An- 
fertiger der Zensuslisten' seit 4. Jh. [rom.]; vgl. per-, recenseo, -ui, 
■sum, -ere ,durdimustere' seit Varro, Qc, Caes., suscenseo, -ui, 
-sum, -ere .trage nach, zume' [Don. Ter. Andr. 448; vgl. censlre 
ds. seit Varro und censiS Paul. Fest. 54] seit Plaut.), o. censamur 
,censetor", censaum .censere", heenzstur, kenzsur (= censor), 
Kenssurineis Gen. (= Censorinus), an-cenato f. = in-censa ,non 
censa', censtom-en ,in censum' (v. Planta I 393. II 268), vl. mare. 
cetur, wenn .censor" (Ribezzo RIGI. 14, 77, doch s. v. Planta H 653): 
Et unsidier. Vi. nach Bopp, Walde s. v., Meillet BSL. 16, CVff. 
Journal as. X 19, 113 f. zu ai. Hrhsati .rezitiert, sagt auf, lobt", 
iathsdyati .ISfit aufsagen, fcundet an" (idihsah ,Lob, Preisgebet", 
sasHh f. .Lob' [*ft»s-], idsa f. .Loblied' usw.), av. sqh- pronun- 
tiare", sasti- .Wort, Vorschrift", ap. UHy ,spricht, verkfindigt" 
(•Oa(n)fta«, Meillet Graram. 70), toch. B gantmya ,il a it€ proclamfe" 
(Meillet Journal as. X 19, 143), alb. &om, 2. Ps. %ua, due CUns-mi, 
ablaut. Part, ban .gesagt" aus •»<n)«Jio-, Jokl IF. 37, 101. 103 A., U. 
13, 186), abg. s0* >quit"; Wz. Jcens- .(feierlich, mit Nachdruck) 
sprechen, verkflndigen" (aber gr. k60HO<; ,Ordnung, Weltordnung, 
Schmuck' bleibt wohl fern [s. die Lit. bei Boisacq 501, Walde-P. 
a O , Fay IF. 26, 40 und vgl. corpus], desgleidien Ka? m gr. dvbpa- 
Kd? .Mann fur Mann', ai. eka-ia}), ,einer nach dem andern" [Brug- 
mann Distr. 19, s. Brugmann Tot. 27]; got. hansa .Sdiar' [s. die 
Lit. bei Falk-Torp 1488 und unter cOnsUtum, dazu Roth Altgenn. 
Wortstud. 67 ff. 107 flf.]; apr. kanxta ,fein", fcanajtm Akk. f. ,Zudit' 
rZupitza Gutt. 109, vgl. canus]; arm. casnum ,zume"; nir. caint 
.Gaunersprache", kymr. eeitaach .Streit, Zank" usw [Fick, Loth 
RC 20, 354; nicht aus *kns-ti- bzw. *cantio- herleitbar; eatnt vl. 
Lv. aus engl. cant, Thurneysen bei Walde LEW. s. v.]). Freihch 
wendet Wackernagel IF. 45, 321 ff. dagegen begrundet em, dali 
eensere von einer Gbd. .feierlich verkundigen, verordnen kerne 
Spur zeigt, sondern dafi es .willkurlich festsetzen, ermessen be- 
deute (Varro 1. 1. 5, 81 frg. Non. p. 519, Mommsen Rom. Staats- 
redit II» 331); dodi kann die Bed. .arbitrari", die Varro ansetzt, 
ebenso aus einer Slteren .schStzen' entwickelt sem wie bei aesU- 
mAre, und der Begri£F der Willkur braucht in der TStigkeit des Zen- 
sors ala des die periodisdi wiederkehrende Sdiatzung vomehmenden 
Beamten keineswegs von Anfang an zu liegen. Wadcemagels Ver- 
sucha. O. 323 ft, ausdntsatiuiw. zu got. hazjan, ags. fc«rto» .loben 
(isoUert, s. unter Camenae, carmen) zu stellen, bleibt unsicher, da 
aufierhalb des Aind. keine sicheren Spuren ernes nasaUosen kes- 
neben *kens- nachzuweisen sind, ai. Formen wie iastrd- ,Anruf, 
Lob" zur Not als sekundare Hinzubildungen zwn St. *ias- a"S *«?«" 
erklart werden konnten. — Andererseitg slellt Wadcemagel a. 0. 322 f. 
eenseo zu ai. chdndati, ehdntti, ehaddyati .scheint, gefallt", av. sa- 
haueiti .sdieint, meint", ap. 9aday- .wofOr halten", mp. sahet ,vi- 
detur", pasand .gefallig' (Wz. *gkend-; fern bleibt trotz MuUer 
Mnemos. 45, 133 f. o. tidaU .censeat", s. Walde-P. I 705); dodi ist 



JCO cents - centum. 



die Gbd. der ar. W6rter ,scheinen, zum VorBchein kommen' (vgl. z. B. 
av. gabs f. ,das Erscheinen der Gestirne'; danach mit Dat. ,einem 
eut sdieinen, gefallen'), die Bed. „roeinen, glauben* (mit Part, oder 
fiif. wie lat. videor) scfaeint erst spfiter entwickelt, so daC vl. mit 
Grafimann Wb. 460 trotz des versdi. Gutturals entfernte Verwandt- 
sdiaft von *sJcend- mit *{s)qand-, *{s)qend- ,leuchten' (s. candeO) an- 
zimehmen ist; jedenfalis entsprechen Bed, und Konstruktion von ceti- 
aere nicfat genau. — Abzulehnen Pisani Re. Ace. Line. s. VI f. 5, 220 fiF. 
(censM* als .Einschfitzung, urspr. ,ZShlung nach Hundert' aus *kent- 
tus zu centum, danadt erst censor, -ura, -eo usw. ; die Bildung direkt 
von der Wz. wird weder durdi centesimus, angebl. Neubld. fur *ce- 
Hmus [s. centum], noch durdi gr. tpirrin ,Dreineit, Drittel' [s. Brug- 
mannll' 1, 447] gestutzt; auch sachlich nicht befriedigend); Huschke 
Die multa und das sacramentum 13 (: gr. KEvrdu) .steche'). — Die 
Flexion von censed ist unklar; s. zum Pr5s. Meillet BSL. 23, 75 
einer-, Wadternagel a. O. 323 andererseits, zum Perf. Meillet- Ven- 
dryes 257, zum Part. Sommer Hb.* 608 (nach pensus7; o. an-censto 
usw. erweist jedoch kein lat. *censtus, da die italisdien Entsprecfaungen 
wrsch. aus diem Lat. entlehnt und umgebiidet sind, so eenstur vl. 
nadi kvaisstur, censaum n&dx'regaum usw., s. Wackernagel a. O. 
323). — Walde-P. I 403. 

cents, -onM m. .aus Lappen zusammengenShtes Kleid oder Decke 
(audi zum FeuerlSsdien u. dgl.), Flidcwerk, Flidspoem* (seit Plaut. 
und Cato, rom.; -onarius m. ,Verfertiger oder Handler von Dedcen 
auB alten Flidceu" seit Laber., Demin. -iinculus .Harlekinsrock, kleine 
Dedce, Buchwinde' seit Liv., rom., PW. Ill 1932 f.): ai. kantha f. ,ge- 
.^idites Kleid' ^ ahd. hadara f. (mhd. hader m., nhd. Hadem) ,Lappe, 
Lumpen' (^haprd-, idg. kdtrS; dazu mit ^-Abl. mhd. hadd [frz. haillon], 
ablaut, nhd. dial. Uudel, davon hudeln ,schmieren*, vgl. sdiwed. 
dial, haska ds., Falk-Torp 471); vl. arm. k'ot'anak ,Kleid, Dedce' 
(Petersson Het. 23 f., Z. Kenntn. d. idg. Het. 16 mit Ansatz eines 
heterokl. Paradigmas); gr. x^vrpuiv ,Lumpenrock, Flickpoem' (sp£t) 
ist Bed.-Lw. aus dem Lat. (danach vieder eentro, eentronarius GL, 
IF. 47, 181). — Fern bleibt arm. kot-or .Bruchstuck, Streit' Bugge 
KZ. 32, 49) wegen k, nicht k', s. Pedersen KZ. 39, 380; audi nid. 
hader m. .SSank, Streit' hat trotz Zupitza Gutt. 103 auszusdieiden, 
da zunSchst zu abg. kotora , Streit, Kampf usw. (Berneker 588), 
einer r-Erw. zu ahd. hadu- .Kampf' im Hadubrand usw., gall. 
Catu-rlges, ir. eath m. .Kampf' (s. walde-P. I 339 und zur zweifel- 
haften Zugehoridieit von gr.-vorderas. aaxivri .Streitwagen", odnAXa 
.Sternbild des Wagens', arm. sayl .Wagen' aus *satiljfl Hermann 
KZ. 50, 303, Sdirader RL. II« 498; Wz. *kat- .Streit* im Vok. ver- 
sdiieden von *qenlQii)- *qet(hy .Lumpen' und ohne erweisliche Gbd. 
.reifien, gpalten', die nach dem Verbaltnis von gr. |>dKO; n. .Lum- 
pen" aus *vr-g- : ai. vrkfuilt .abgehauen' : ags. wrdht .Streit" [dodi 
s. fiber dieses Walde-P! 1 318] eine Bed.-Vermittlung gestatten wOrdeV 
— Vereinigune mit kent- .stechen" in gr. kevt^uu usw. (z. B. Prell- 
witz' 216, Muller Ait. W. 85; s. pereontor, recens) wird durdi den 
versdi. Guttural widerraten. — Walde-P. I 402 f. 

centum .hundert' (seit Plaut., rom., ebenso centipettid m. .Blitter- 
magen* seit Plin., centipis, centipeda, eentu(m)peda f. .Hundertfuft. 



centum - c6pe. 



201 



Assel* seit Plin., ceniinodia ,Tausendknoten" seit Marcell. vgl. cen- 
tum-plex, -pondium usw. seit Plaut., Brup;iaim IP 2, 43], centSna- 
rium .Zentner" Isid.; centeni .je 100' seit Cato [wohl nadi eic-enl, 
Sommer Hb.» 477, vgl. hini]; centesimus ,der hundertste' seit Plaut. 
und Cato, danach ducentesimus usw. [nadi vicgsimus, trleesimus aus 
*uei-, *trl-hnUt.mos, Sommer Hb.« 473, Leumann-Stolz* 294]; een- 
tie[n)s hundertmal' seit Plaut.; vgl. auch centussis unter bes): = 
gr. 4-kot6v (uber i- Brugmann IF. 21, 7 f. 11= 2, 41, Schwyzer Gl. 
5, 196, Loewe IF. 48, 179 f.; unsidiere Spur eines *KaT6v bei wacker- 
nagel Sprchl. Unt. 9 A..), ai. iatdm, av. satsm (daraus finn. sata, krim- 
got. soda), air. cet, kymr. cant, bret. kant, korn. kans, got, as., ags 
hund, ahd. hund (in Zss. von 200 ab; an. hund-rad [mhd. usw 
hunderi] .Grofihundert* gegenuber dem Dezimalhundert got. tai- 
hun-iehund, Brugmann IP 2, 35 f. 41), lit. Sinitas, lett. stmts, aksl, 
usw. stto (Pedersen KZ. 38, 385 ff., Meillet MSL. 10, 140; kaum iran, 
Lw. trotz v. d. Osten-Sadcen lA. 28, 37 f.), todi. A kant, B. kante. 
kante (Meillet MSL. 17, 292, Pedersen Groupem. 25). — Idg. •kmtdm 
.hundert' aus **id)kmtom ,(Zehner)dekade', das als *kmt- *komt- 
(Guntert IF. 37, 29) audi in n-gintl, tri-ginta, gr. Tpia-KOVTO usw. 
vorliegt (s. decern mit weiterer Analyse und com). 

Hierher nodi du-centum (seit Lucil., vgl. ai. dvi-saiam ds., 

idg. *dui-tmtdm), ducenti .zweihundert" (seit Plaut., ebenso du- 

cinl ,"je zweihunderf nadi vieenl, Sommer Hb.' 477, verkehrt 

Loewe KZ. 47, 119'; femer tre-, sescenti seit Plaut. (zur Bed. 

Sdimalz" 492, Sdirader RL. IP 673, Sturmer PhV. 1929, 539), 

quin-, quadrin-gentt seit Enn. und Pit., octin- seit Pit. und 

Cato, nSngentl seit Varro, s. Sommer a. 0. 470); centuria, -ae 

f. .Hundertsdiaft" (seit Lex agr., -id m. ^Befehlshaber einer Zen- 

turie seit Ter.) : nadi Schulze EN. 545 analogisdi nadi decu-ria, 

u. tekuries (s. decern), vgl. o.-u. *pumperio- ,eine Gruppe von 

fflnf mit lit. penke-ri PI. (Brugmann Distr. 26 f., IP 2, 77) und 

an. hundari, ahd. huntari n. ,Hundertschaft, Gau", abg. sttoriea 

.Hundertsdiaft", lit. Simteridpas ,hundertartig', UmtSr-gis ,nun- 

dertj5hrig« (vgl. audi Leumann-Stolz' 208, Devote Att. R. Ist. Ven. 

89, 934 und 8. decuria; etr. Ursprung, Emout BSL. 30, 105', 

ist ohne Anhalt). — Walde-P. I 786. 

cepe (indecl. n.), c6pa, -ae i. ,Zwiebel, deren BoUen capita {-ula) 

hieften' (opp. unid, Daremberg-Saglio I, 2, 1149; seit Naev., rom., 

ebenso -&rius seit Lucil., Demin. cepula, spStl. -wlla seit Pallad.; vgl. 

nodi altl. cepieius, -urn Leumann GL 9, 167, dafur apHeius mit 

Suffixtausch Marc, med.; aus cepa entlehnt alb. ^epe, ags. dlpe,ir. 

-dap, aus eepula, din. cipul, mit Umdeutung ahd. etoibollo, mhd. 

ziholle [eedi. oihule\ usw.) : Lw. aus gr. *k/|1iti oder *K/|ina, vgl. xd- 

ma- (JK6poba, K€puvf|Tai Hes.; cepe indecl. ist dabei formal unklar 

(n. nadi alium, porrumi). Weitere Analyse ganzlidi unsicher. — 

Kaum zu caput (wegen der BlutenkSpfchen, z. B. Trautmann BB. 

29, 309), da in dieser Sippe unerweitertes *qap- und Ablaut nidit 

zu belegen ist (fern bleibt mir. eainnenn, kymr. cenin, akorn. ken- 

nin, bret. kiAen ,Zwiebel", da nicht aus *kapn-). Unwrsdi. audi 

Sdirader RL. IP 712 (aus ion. 'irfima : xfltto?, Katro? .Garten', zu 

vag; vgl. audi cepaea ,eine dem Portulak Shnlidie Pflanze' Plin. 



202 c6ra - cercens. 

au8 gr. KniTata); Hchn-Sdirader Kulturpfl.* 207 (Kdina mit 2: kq- 
Trv6? [s. vapor] ,voin scharfen Hauch', vgl. dOnov, alium). — Valde- 
P. I 347. 

CSra, -ae f. ,Wachs, Wachstafel, Wachsbild' (seit Plaut., rom., 
ebenso ceroferarius .WachskerzentrSger' Isid., Sofer Isid. 128): Wz. 
*qar- in gr. Krip6i; m. ,Wachs', Kripiov n. ,Wabe, Wabenhonig' 
(K^pivSo? m. ,Bienenbrot", Kr^ptu^a n. ,Wachspflaster" [daraus c«- 
roma ds. seit Sen.] usw.), lit. korys .Wabenhonig, Honigsdieibe der 
Bienen* ^*ifcar^'os), lett. kAre, karUe(s) ,Wabe' (dial. kSris ds.V 
poln. skarzyk .Vorstofi im Bienenkorb' (Zubat^ AslPh. 16, 411). 
— cera wrsdi. nidit urverwandt (Curtius 149, VaniCek 57, Muller 
Ait. W. 85), sondern (Fick BB. 2, 196) Lw. aus gr. Ktipii; (vl. zu- 
nSchst in der Bed. , Wachs zum Schreiben", f. nach tabella, Plaut. 
Bacch. 715, Oder zum Siegeln, f. nadi ereta), da ein Ablaut e : d 
schwerlich ahzuerkennen ist (Guntert IF. 37, 85 f., Petersson Griedi. 
u. lat. Wortst. 36), und Kiip6? aufierhalb des lon.-Att. Lw. aus dieser 
Dialektgruppe sein kann (dor. Kap6( ist freilich trotz Fick I* 378 
nicht genugend gesichert, s. OsthoflF Par. I 18 f., Herwerden Lei. 
graec. suppl. 450). — Unannehmbar OsthoflF a. O. {cera, Kr\p6^ als 
.gewadisenes" zu ereo, cresco mit der Ablautstufe von procerm, 
dagegen die balt.-sl. Worte zu lit. kdrti .hangen' oder zu lit. hiirti 
.bauen'; d. Waehi ist dafur audi keine Bedt-Parallele, s. Walde-P. 
1315); WoodAJPh. 49,50 (Anreihung von lit. karai .Steinpocken", 
russ. korh ,Masern", eech. d&ra ,Linie", s. Berneker 136. 579, Traut- 
mann Bsl. W. 117). — Walde-P. I 355. 

cerasnS; -i f. .Kirsdibaum" (seit Varro, eingefuhrt durch Lucullus 
76 V. Ch., .Kirsdie' Plin.), cerosum, -» n. .Kirsdie' (seit Gels., rom.; 
eeragium n. ds. aus gr. KEpdoiov seit Gels, und Colum., rom. cerasia, 
danebeu verbreiteter ceresia [Anthim.] aus gr. xepodo, Meyer-Lubke 
Einf.'153, Meillet Esq. hist. lat. 90; aus * ceresia entlehnt ahd. tersffl, 
kiraa [nhd. Kirache], ags. eir{e)a-beam usw., Kluge s. v., vl. audi slav. 
"ieria, wenn nicht aus dem Griedi. wie alb. Uerit, Berneker 149} 
vgl. nodi cerasinus ,kirsdifarbig" aus gr. *Kepd(Jlvoi; , eerasAriu* 
Insdir.): aus gr. K^poao?, K6po<j6? m., spater f. .Kirsdibaum' (hcU. 
xepoota, spfiter %tpaaia ds.), das als kleinasiatisches (vgl. KepaaoOc 
am Pontus ,die Kirsdireiche'), vl. nadi Boisacq MSL. 17, 56ff. 
thrakisdi-phryg. Wort (dodi s. audi Gl. 5, 309) zur Sippe von cot* 
nus gehSrt (s. d. mit weiterem). Falls ass. kariu, ,Steinfrucht?' nsA 
B. G. Thompson CI. Rev. 38, 148 f. zugehBrig ist, dann wohl klein- 
asiat. Lw. im Assyr. (Nehring Gl. 15, 275), wie audi arm. ketatt 
kurd. ghtias, keras Ruckentlehjaungen aus gr. x^paao; sind. — Walde- 
P. I 411, Hehn-Sdirader Kulturpff.' 404 flf., Sdirader RL. I' 589. 

cercerls ,ein im Wasser und auf dem Lande lebender Voed, 
von Varro L 1. 5, 79 als Vorbild von lat. querquedula erwSlhnt : ofien- 
siditlidi verderbt entweder fur KCpxtdaM; (dem wrsdi. Vorbild yoil 
querquedula) oder nadi Goetz-SdifiU z. St. fur xcpKi^nCi ^"U* <*>*•* 
Glossenparaphrase von querquedula (III 319, 13 u. 6.) nnvcrderbt 
ist; vgl. audi KepK{uiv, KEpK6pu)vo( und fihnlidie sdiallnachahmende 
Vogelnamen unter querquedula. — Dak. K^pxep .Gaudiheil' bt^tt 
trot* Oetsdiew Dak. Pflanzenn. 20 f. fern. 



cercolSpis - cerebrum. 



203 



cercolopis ,Affenart mit behaartem Sdiwanzende" (Paul. Fest. 
54): wohl von *K£pKo\ujniq, zu K^pKOi; ,Sd>wanz" und XiIititi, kiB- 
ito? ,Kleid, Pelz« (O. MuUer ad 1.). 

cerdO; -onis m. .gemeiner Handwerksmann' {sutor eerdo ,Lonn- 
schuster' usw.; seit Nov.): entlehnt aus gr. •Kdpbuuv (vgl. Paul. Fest. 
56 14), ev. durch den Mimus, vgl. Kdpbiuv (Herond.) ^Charakter- 
name fflr den profitwutigen Banausen' (Fide GGA. 1894, 239, De- 
brunner IF. 21, 20, Saalfeld); nidit urverwandt damit, sowie mit 
K^pbo? n. .Gewinn, Vorteil' {K€pb(u»v, K^pbiaro? .erspriefilichst'), 
KepboX^oi; ,schlau', KepbaX^n, Kepbtb ,Fudis' (der Versdilagene), 
K€pba(vu» ,gewinne', air. cerd {*kerda) ,Kunst, Handwerk", cerd 

aerarius, figulus, poeta', kymr. cerdd ,musica'. Wz. *kerd- ,ge- 
sdiickt' trotz Sdirader KZ. 30, 474 u. a. nicht identisdi mit *ker[e)d 

Herz" als Sitz des Veratandes. — Walde-P. I 423. 
" cerea, -o« f. ,ein in Spanien ublidies GetrSnk aus Getreide' 
(Plin.) : wohl kelt., vgl. cervesia (Holder I 675) und caelia. 

cerebrnm, -t n. ,Gehim' (seit Enn. und Plaut., rom., ebenso 
cerebellum [Umgangsspr. 141, Goldberger Gl. 18, 26] seitTitin.; -osus 
jhirnwutig' seit Lucil.): aus *&eres-rom (Leumann-Stolz' 158) oder 
eher •ferss-row, *keras-rom (Schmidt PI. 364, Solmsen RhM.53, 156; 
vel. gr. Kopapa ,Kopf' aus *Kapas-pa, idg. *k,r9S-; femer Kpatpo, 
crabro) .das im Kopf Befindliche' (vgl. zur Bed. gr. (.t-mpoi;, jt- 
Kp-o;, dT-K^<pciXov, d. Him, s. u.); vgl. ai. slras- n. ,Kopf, Gipfel', 
ilrsdn- (G. iirsndh, Abl. ilrsatdh), iirsdm n. ,Kopf" (s. Persson Beitr. 
639. 736), av. sarah- n. ,Kopf, np. ear, ess. sdr ds.; gr. icdpa? (G. att. 
-aro?, -uj<;, ep. -ao?, jon.-eo?) n. .Horn" (♦te>-?s-), hom. Kap n. ,Kopf' 
(s. Kretschmer Gl. 4, 336, vgl. carabus; St. Kap- in grKap-o?, lT-Kp-05 
,Gehirn'), att. Kdpfi, jon. Kdpn n. ,Kopf' (*Kapa[ff]a?, z.B.Hemiann 
Sprchw. Komm. 91), hom. Kdpryva PI. .Haupter, Kopfe, Bergesgipfel", 
att. dor. Kdpavov, ion. Kdprivov (*Kapocr-vo-, vgl. mak. Kdpavvot ,Ober- 
haupt', Brugmann IF. 18, 428 ff., Solmsen Beitr. 149 ff.), Kpaviov ,SchS- 
del, Hirnschale', -xpSvov in 6X^[Ko]-Kpavov ,Ellbogen' usw. (•Kpod-, 
Wackernagel Sprdil. Unt. 255; vgl. Kpdo-nebov ,Saum, Band', vaO-Koa- 
poi;, diss. vaO-KXripot .Schiffshaupt', xpoTpa .Kopf, fi|iit-Kpcapo ,halber 
Kopf" aus •Kpaa-pia; *Kpaa- wohl trotz Brugmann a. O. m hom. 
Gen. KpaaTO? usw., s. Walde-P. I 405 und crapula), jon. K6pm\, att. 
K6ppn .Schlafe, Haupt' (*kors-, Persson Beitr. 639'; nidit zu crista, 
s. d.), KpA-benvov .Kopfbmde" (vgl. hom. ditd xpi^-dev ,vomHaupte', 
Kretschmer Gl. 4, 336); an. hiarsi .Scheitel, Wirbel des Kopfes" 
{*keriion-), hiarni, ahd. himi ,Hirn' {*kersniom; vgl. audi an. kuern 
.die beiden bootf3rmigen weifien Knodien im Fisdigehim', wenn 
mit hu- statt h- nadi got. hvatmei [s. u., v. d. Osten-Sacken IF. 22, 
319], gr. K^pvo PI. .die beiden Hervorragungen an den Knocfaen- 
fortsetzungen der Rudtenwirbel", idg. *kerBn-, vgl. cernuus); arm. 
sar .H5he, Gipfel, Abhang* {H.ro-); bret. kern .Sdieitel, Wirbel 
des Kopfes' (s. v. d. Osten-Sadcen a. O. 322 f., auch zu kern .Muhl- 
triditer', kymr. kern .Kinnbadicn*); s. nodi cernuus, cervices, 
eornu, crabrd, crapula. — Wz. *for-, *kera' usw., *ker-s-^ 
*ker-n- usw. ,das oberste am KSrper, Kopf, Hom, Gipfel', s. u. a. 
Sdimidt PL 364 ff., Johansson BB. 18, 26 f., Petersson Heterokl. 5ff. 
(mit lit. zum urspr. heteroklit. Paradigma); gegen weitere Zerlegung 



204 



Ceres. 



in •*-«>•- (: oft- ,spitz") s. Zupitza KZ. 36, 60. — Fern bleiben lat. 
crinia (s. d.); got. hvaimei 1. ,Hirnschale' (s. Zupitza Gutt. 57 f. 
und unter cortina, Walde-P. I 518). - Walde-P. I 403 ff. 

CerSs, -eris (. (zur Flexion Meillet-Vendryes 434, Brugmann IP 
1, 522) ,urspr. Gottin des pflanzlichen Wachstums, aber sehr frflh, 
gleidi der 'I'ellus (Terra Mater), auch Totengottheit infolge Gleidj- 
setzung mit der - durch osk. oder ev. etr. Vermittlung - rezi- 
pierten gr. An-^yinip" (vgl. u. a. den mundug Cereris una die Indi- 
gitation Vajirfa Cela, Wissowa Rel.= 192 ff. 297 ff. PW. Ill 1970 ff., 
Altheim Terra Mater 108 ff. 146 ff.; seit Naev., PI. -es inschr., s. 
lacobsohn BPhW. 1914, 1173, Meister EN. I 122, Wissowa ARW. 
19, 38 f.): urit. *keres- (Bugge KZ. 22, 423 ff.) in o. Kerrl ,Ce- 
reri", pal. Cerri, vl. sab. Keri GIL. P 445 (Ribezzo RIGI. 14, 93, 
falls nicht Gen. von Cerus, z. B. Grienberger IF. 27, 218; *Kerre{i), 
St. *Kerre- aps *Kerse-, v. Planta II 56. 164, anders Thurneysen IF. 
39, 202; aber fal. Ceres ist trotz Ribezzo a. O. 74 wohl Nom., nidit 
Gen.), o. Kerriiui, Kerriiai .Cereali", pal. Cerria ds., marr. Ce- 
rie; daneben o-St. *kerso- in altl. (Paul. Fest. 122, Varro 1. 1. 7, 26) 
Cerus manw .creator bonus" (r fur rr, s. d.), u. Serfer , Cerri", 
Serfe ,Gerro' usw. (davon Serfio- Serfia .Cerrius, -a" Beinatne von 
Gottheiten; aber fersiaru bleibt wohl fern, v. Planta I 497), pfil. 
Cerfum (wohl *Cerrorum, ev. Cererum, v. Planta I 493 [audi zum 
Nebeneinander von -rr- und -rf-], Grienberger KZ. 54, 63; kaum 
Ntr. *cer*om .cereale', Ribezzo RIGI. 14, 81 ; davon theophorea 
Centil. Cerficius gegeniiber Cerrinus usw., Schulze EN. 467 f.) ; vgl. 
auA Cerialis ..(-ealis) ,zur Ceres gehSrig' seit Plant, (wohl for 
'CerrialU von *Cerrius, Leumann-Stolz* 141 m. Lit.): als Gottin 
des .Vachstums' (Curtius 154 usw., vgl. Serv. georg. 1, 7 ,a cre- 
ando' und Cerus .creator') oder - weniger wrsch. - als Personifi- 
kation der Nahrung, Sattigung zu Wz. "her-, *kere- .wachsen, wachsen 
madien, nfihren* (vgl. alo ds.) in o.-lat. carta {k,r-ia) .panis' Gl. 
V 14, 26, earinsis .pistor' ib., vgl. Paul. Fest. 58 (Abltg. unklar, 
s. BQcheler Kl. Schr. II 283 f.), wohl auch o. karanter ,vescuntur' 
(Budieler a. 0. ; nicht besser zu caries, s. d.); gr. ^K6pe-aa, Kop^-aiu, 
nachhom. (Brujgmann-Thumb 338) Kop^vvuni .sUttige', K6po; m. 
.SSttigung"; ht. ieriU, Mrti ,futtere' {iefmena, iefmenys m. PI. 
,Leichenschniaus*, apr. sermen ds., lit. pS-Saras m. ,Viehf utter", 
lett. {pa-)sjrs .Vintervorrat*); alb. &jer m. ,Eidiel" {*ker-X bjife 
.linse" (•ter-n-), eig. .Nahrung" (Jokl Ling.-kult. U. 180 f.); ahd. 
hirsi f^kers-io-), hirso {*kers-ion-) .Hirse' (als ,Brotkorn"; nicht zu 
cirrus, s. d.); arm. serm, sermn ,Same, Sprofiling", serem ,bringe 
hervor", serim ,werde geboren, wachse", ser .Abkunft, Nadikommen- 
schaft, Gesdilecht" (: Ceres, Brugmann IP 1, 520), set. Gen. »eti ds. 
{*ker-ai-); vl. ai. sdspam .junger Trieb' (*iars-pam?, Uhlenbeck, 
Scheftelowitz Festg.'Jacobi 27; anders Charpen'tier KZ. 40, 436 f.), 
— Dehnsttg. prd-cerus .hochgewadisen" (s. d.; aber sincirus 
bleibt fern); von der set-Basis (vgl. ^Kdpc-oa, lit iirti, arm. serim) 
ereO ,bringe hervor' '(von *cre-ia, s. d. mit weiterem), erl-scO 
,vadise", cri-ber ,*dicht gewachsen* (s. d.). — Vgl. nbd> eerri- 
tu»; fern bleibt wohl silicemium. Uber die ev. ZugehCrigkeit von 



cernO. 



205 



etr eeren, eerur-um s. Ribezzo RIGI. 13, 21*, Goldmann Beitr. II 
142 184, zu etr. gVtpue ib. 346>. — S. Bugge Ait. St.45ff., v.PIanta 
I 328 f., bes. Osthoff Par. I 26 ff. — Walde-P. I 408. 

cerno, crevl (nur in der Rechtssprache haufiger, sonst etrff bzw. 
bzw. decreut, zur Differenzierung von crescO, Ernout BSL. 29, 82 flf.), 
eretum,'ere ,sichte, scheidc, sondere; untersdieide (mit den Augen, 
geistig); entscheide* (seit Enn. und Plaut., rom. [.siditen, wahlen'], 
ebenso -iculum ,Sieb' GL, excerno .sdieide au3» seit Liv., excre-^ 
mentum .Aussdieidung' seit Colum., secretiis .abgesondert, geheim" 
seit Plaut.): aus *crt-nd (urspr. n-PrSs. *krina-, Marstrander Pres. 
a nas. inf. 44, Leumann-Stolz" 314; nicht *qei--n6, Persson Beitr. 725) 
zur Wzf. *(s)qerei- ,sondern, (durch Sieben) scheiden", Erw. von 
*{s)qer- .sdineiden' (s. card; vgl. z. B. lit. sHrti .scheiden" und zur 
n-Env. alb. haf ,jate' aus *sqor-n- usw., lokl IF. 37, 100) m gr. 
Kpivu) (*Kp'lv-nu, Put. Kplvdi usw.) ,scheide, ridite, wShle, entsdieide, 
urteile", Pt. Kpird? (== lat. certus, s. u.), Kpiti^? m. ,Richter«, Kptoi? 
f. .Streit, Auswahl, Entscheidung", Kpina n. .Urteil' (= dis-cHmen, 
8 u.), biaKpib6v .abgesonderf, Kpi|ivov (Kpinvov) ,grobes Mehl' (als 
.Gesiebtes", Brugmann U» 1, 231); Starke Ablautform im Perf. cre-vi 
(danach cretus ,gesiebt" seit Scrib. Larg., sue- Plaut., Cato, cer- 
nitus Chiron, Pedersen IF. 2, 315, Ernout a. 0. 92 f.), ex-cre-men- 
tum ,Aussdieidung' (vgl. zur Bed. ai. apa-, avashara}). ,Exkre- 
mente'; vl. audi screa .Auswurf aus *8qreia, dodi s. d. und mu»- 
cerda) und gr. Kpn<T^pa, el. Kpflflpa ,Sieb" (von •Kpf^dl?, *qre-tis 
.Sieben'); vgl. nodi kymr. go-grynu, ,8ieben' {*up(hqri-n6), bret. 
qourner, kymr. gwa-ar, ffogr ,Sieb' (Pedersen I 124), mir. crith 
,Einteaung" (Stokes IF. 26, 141 f.), crich ,Grenze, Gebiet, Furdie', 
icymr. crip, crib, korn., bret. krib ,Kamm* {*krt-q«a, Pedersen II 33) ; 
got. hrains, an. hreinn, as. hreni, ahd. hreini ,rem' (im rheinfrank. 
und schweiz. rein nodi ,fein gemahlen, gesiebt", vgl. as. hren-korni 
n. ,Weizen', idg. *qroi-ni-, s. Persson Beitr. 725, Walde-P. II 585, 
audi gegen andere Deutungen); lit. krijas m. .Siebreifen', krijd, 
skAjos f. ,Bastring des Siebes', lett. krija f. ,Baumrinde, Borke', 
krijdt ,Bdiinden", wohl audi skrajS .undidit" (Persson Beitr. 725), 
kreju kAet ,die Sahne von der Mildi sdi5pfen' (Trautmann Bsl. W; 
141, ii. 13, 363 n. 18); aksl. usw. krajb ,Rand, Ufer' {*kr6ia-, wohl 
als .Sdieide, Grenze', Bemeker 606), ablaut, ksl. rag-kroiiti ,zer- 
sdineiden' usw. (Kausativ zu *kreio, lett. kreJu, s. o., Bemeker 620), 
osorb. kfida {*kreida) ,Sieb'. 

Hierher aufier certus, -a, -urn .bestimmt (discretus), sidier 
gewifi' (seit Liv. Andr. [daraus entlehnt ir. cert .Redit, redit" usw.- 
Pedersen I 227. II 485 f.], rom., ebenso certO, are ,zur Ent- 
sdieidung bringen [decernere, gr. Kplv€<J»ai 'streiten'T, kampfen, 
wetteifern, streiten' seit Enn. und Plaut.; eertamen .Wettkampf, 
Streit' [vgl. eertamen cemitur Pit.], -Otio seit Pit.) nodi u. a.: 
crlbrum, -i n. ,Sieb, Durdisdilag' (seit Plaut, rem., ebenso 
cribro, -dtum, -are .siebe' [vgl. tenul eribrd cemere neben te- 
nuius crlbrare Plin. und zur Verdrangung von eerno .siebe* Er- 
nout a. O. 93, Marstrander a. O. 44] seit Colum., -ariut seit Phn., 
eribellum, enbelld seitPallad.; Gdf. *qrgi-dhrom, ksium*qri-dhrmn, 
wenn audi Gloss. V 351, 11 crebrat kaum etwas Altes bewahrt. 



206 !• cernuus - cerritus. 

8. — audi gegen die unzuverlSssige und daher trotz Stolz H. Gr. 
1 291, Ribezzo RIGI. 14, 92 nicht dial. Schreibung crefrat - Nieder- 
mann lA. 26, 23) = ags. hridder, hrlddel ,Sieb', ahd. litera, nhd. 
Beiter .grobes Sieb', vel. air. eriathar, akymr. cruHr, akorn. 
croider ' mbr. croezr ,Sieb' (*qrei-tro; Pedersen I 134; nidit zu 
got. -hri-sjan .schutteln' [Walde-P. II 572], Zupitza Gutt. 125f.); 
dis-crlmen, -inis a. ,trennender Zwischenraum, abteilende Nest- 
nadel der Frauen (= discerniculum), Untersdiied, Unterscheidung, 
Entsdieidung'' (seit Lucil., rom., ebenso -ale seit Itala; = gr. Kpi)ia, 
d. i. *Kpei|Wi, Wackernagel Sprchl. Unt. 76'). — Fern bleiben wohl 
u. a. gr. KOipA? m. .(gOnstiger) Zeitpunkt, rechtes Mafi' (*Kpa»-p6(; 
Oder von Adv. *Kapi, Bnigmann Sachs. Ber. 1900, 410* [anders 
IF. 17, 363 f.]; eher aus *Kap-\6i .Zeitabsdinitf : K€{pU) [s. earg], 
vgl. Kapi^" f\ iBpa Hes., v. Blumenthal Hesydist. 39 f.); an. Arlrf 
f. ,kurze Zeit" (audi ,Anfall, Sturm", daher trotz Persson Wzerw. 
107« wohridentisch mit ags. hrid .Fieber', s. Walde-P. II 571; 
unannehmbar Brugmann IF. 17, 363 f.). — Walde-P. II 584 f. 

1. cemnns, -a, mm .kopfuber oder vomuber sidi uberedilagend, 
radsdilagender Gaukler' (seit Lucil. bzw. Verg., -mo, are ,nadi vom 
ubersturzen' seit Varro, Demin. -ulus seit Aetna, ulare Sen.): ab 
*kers-n-ouos (Solmsen Beitr. 150', Leumann-Stolz' 162. 215) lur 
Sippe von cerebrum; vgl. gr. K€pov(£ai' KoXu|iipf|ffai. KUpiorfjOai, auth 
KpavfEoi- ItA K€<poXifiv diroppivm Hes. (Doderlcin Syn. VI 60 f.). Dafl 
cernuus Lw. aus der Spradie der griedi. Jongleure sei (Thumeysen 
GGA. 1907, 804), ist sadilich ansprediend, aber angesichts des Feb- 
lens eines entspr. gr. *K£pv£6? nidit zu erweisen. — Walde-P. I 406* 

2. cernuns, -I m. ,Fu6bekleidung ohne Sohle, Gamasdie* (Lucil. 
129. 703, vgl. Paul. Fest. 55, Isid. 19, 34, 13 au3 Sueton; die Bed.- 
Angabe des Non. p. 21 .inclinatus, quasi quod terram cemat" ist 
irrtumlidi, s. Marx Komm. 62 f.): identisch mit dem vorigen, etwa 
als ,auf denKopf gestellter, die Dffnung nadi unten habender Sdiuh' 
(Walde« 8. v.; vgl. d. Sehlapfer, Niedertreter u. dgl.); keinesfalls ab 
keltisches Wort zu carpisculum (Vok.!). 

cerrTtnS, -«, -um .verrflckt" (seit Plaut., rom., -ulus Mart. Cap.); 
als *cers-itos (kaum *ceriey-itos, Sdimidt PI. 379) Ableitung vMi 
Ceres (nicht von Cerus, Marx Koram.' Rud. S. 185) ,von der Cere* 
besessen', vgl. lymphcUus, -irua .wahnsinnig, besessen* nadi gr- W«- 
<p(5XriirT0? und laruatus ,von einem bosen Geist besessen, behext 
(vgl. Plaut. Amph. frg. 8 <a eerU out lAruatus out cerritus es .von 
Larven oder von der Ceres besessen'), ferner Gl. II 269, 31 Armif- 
Tpi6Xnirr04 • Cererosus (VaniCek 52, Osthoff Par. I 30, bes. Sdiuke 
EN. 467, Altheim Terra Mater 126 ff.). Dafi cerrUus mdit em- 
heimisdie Bildung, sondem aus dem Osk. entlehnt sei (Altbeim a.O. 
128 f.), wird durdi das nach seinem Verbreitungsgebiet osk. Gftttti- 
licium Cerrinius kaum erwiesen (vgl. audi Ceridlis, wenn von C«^ 
riwi, 8. Ceres). - Abzulehnen Fide KZ. 18, 415, Bnigmann I» 786 
(: lit. skefsas, lett. iHrs ,quer', apr. kgrgchan, ablaut, kirtekan Prfp. 
m. Akk. .uber (hin)% ksl. freas, fr^st m. Akk. u. Gen. ,dur*, flber 
- binaus", thrak. Kepao- pWimn [Kretsdimer EinL 234], Wz. *(»)««*«-. 
[nidjt ^sqeres; Wood IF. 18, 9], s. Pedersen IF. 5, 54f., Bemeker 148, 



cerrSnes - Cerus. 207 

Walde-P. II 590 mit Fernhaltung von ir. cerr .link, verkehrt' [Pe- 
dersen I 83], arm. xet .aufsassig, widerspenstig', wohl audi gr. im- 
xdpmoi;, spater ^Y-^dpaio;, daraus abstrahiert Kdpmo^ Hes. ,8diief, 
sdirag, in die Quere', s. Bechtel Lexil. 132, Walde-P. 1404); Sonne 
KZ. 10, 104, Stowasser-Skutsch s. v. {*eeraitus : cernuus, *eeres- 
jKopf", s. cerehrum). 

[cerroues laves et inepti, a cratibus dicti, quod Siculi adversus 
Athenienses cratibus pro scutis sunt usi, quas Graeci fi^ftai; appel- 
lant' Paul. Fest. 40: nach der Stelle im Alphabet und der Ahnhch- 
keit mit Varro 1. 1. 7, 55 handelt es sich um Clossierung des plautin. 
congerrones, s. gerro (0. MuUer z. St., Thurneysen GGA. 1907, 804); 
daher nicht mit Brugmann P 786 zu cerrltus.] 

cerrns, -i f. ,Zerreiche' (seit Vitr., rom.): nach Sdiudiardt Sbb. 
Wiener Ak. 188, 4. Abh. 18 f. hamitischer Herkunft (berber. -kerrui 
jEiche"). — Abzulehnen Fide I* 386, Thurneysen Thes. (: ir. cerr, 
s. unter cemtus); Ehrlidi KZ. 40, 374 f. Unt. 139 (aus *q*risos zu 
gr. itpivo^ f. ,^teineidie" angebl. aus *ji'ris-no», vgl. cm'nus). — Walde- 
P. I 524. 

certs, -are s. cemo. 

certns s. eerna. 

cerreB(i)a (cervis(i)a) ,eine Art Bier" (seit PUn., rom. -f-, Meyer- 
Lubke n. 1830; cerves/lrius vl. jBierbrauer' Insdir.): gall., wohl Ab- 
leitung von *cerv- (vgl. marc-isia : marea , Pferd* usw.) : gall. K6pfxa, 
KoOpi^i (s. curmi) ,Getranke aus Getreide und Honig", mir. eotrm, 
cuirm ,Bier" usw. (s. cremor und zu leniertem -rv- aus rm- Pe- 
dersen I 168); vgl. audi eerea. — Holder I 995 ff., Hehn-Sdirader 
Kulturpfl.MSOf., Dottin 245. 

cervix, -Icis f. ,Nacken, Genidc' (seit Enn. und Plant., rom., 
ebenso -icula ,kleiner Nadcen' seit Cic., cervical n. ,Kopfkissen* 
seit Gels,; zu entlehntem gr. KEp^lKdpiov s. Blafi-Debrunner' 292): 
da alt und regelmaiiig nur der Plur. ersdieint (Sg. fast nur dich- 
terisdi seit Enn., nacn Varro 1. 1. 8, 14 zuerst von Hortensius ge- 
braudit), wohl nadi Breal MSL. 7, 190f., VaniCek 256 als ,Kopf- 
bander, -halter" aus *kers-ueih-s, *cers-utc-s, vgl. zum 1. Clied cere- 
brum, cernims, zum 2. emdre ,binden, fesseln"; weniger wrsdi. 
nach Walde' s. v. aus *cers-ul-cos bzw. *cers-^t, woraus \fic-s nadi 
datrtx aus "datrl ,Kopfwender", von der unerw. Wz. *j(*li-, s. tt'eS. 
Vgl. zur Bed. ai. iiro-dharam .Hals' (.Kopfhalter'), krka^ .Hals', 
poln. hark .Nadcen, Hals, Rucken' (: lat. circus), und zum Plur. gr. 
nom. T^vovre? adx^vioi .Genidt'. — Unannehmbar Bury (: gr. Tprixn- 
\o<i), s. Zupitza Gutt. 50*. — Walde-P. I 406. 

Cerus dtionus (Varro 1. 1. 7, 26), manus .creator bonus* (Paid. 
Fest. 122) im Salierlied : zu Ceres (wohl mit ardiaisdier Sdireibung 
fur Cerrus aus *Cers-, v. Planta I 486, OsthoflFPar. I 30, Grienberger 
IF. 27, 218 f.) hinzugebildet als mannlicher Kultgenosse wie TellUrua, 
TeUumo zu TellUs (Wissowa Rel.> 192, AJtheim Terra Mater 118). 
Da6 aber gr. Kdp, Eponym der Burg von Megara und Kultgenosse 
der Demeter, als *Kop-? aus *kr-s (audi Certit angebl. aus "ker-os) 
hierher gehore (Altheim a; O. ro. Lit.), iat ganz unwrsdi. ; s. Eitrem 
* w. \ 1924» 



2Q8 cfiruBsa - cSterus. 

c5rii98a. -ae f. .Bleiweifi' (zum Malen, Sdiminken usw., Blumner 
TeAnorrv'471ff. Beit Plaut., rom.; -atus .geschminkt" sejtMart.): 
i^ di nur die Bed. .Schminke' begegnet und die Herstellung der 
weifien Sdiminke aus Wachs bezeugt ist vgl audi gr Kr,pu.T6v 

Wadissalb" und ,Schmmke*), vlf nach Saalfeld und Stowasser 
blnkle Worterll p. XXVII Lw! aus «. *Knp6€affa .wSchsem-; als 

w^e Farbe" dJL auch ubtr. auf Sas Blefweifi. - Etr. Herkunft 
(Emout BSL. 30, 102) ist jiicht zu begrOnden. 

cerTU8, -i m. ,Hirsdi», cerra spat -ia, Leumann-Stolz' 204, 

ae f HiRchkuh' (seit Plaut., rom., ebenso -inns seit Varro, .isabeU- 
farben'seh Pallad., M. L. Wagner Gl. 8, 235; dam cervma ,eine 
Wrnensorte' Macr., s. Thes.): als .Horntier" Paul. Fest. 54 usw.) 

com, kom. carow, bret. karo .Hirsch' (**r^V^' T/r'^.r IF 40 
I 52- dazutder Gebirgsname Karawanken nadi Gnenberger IF. 40, 
l?5ff^ Boln ifcarto .liter, fauler Odise' (daraus end. apr. curms 
Vok brse"; B%l;erZslPh.4,213) albSa ,Ochse- Wr, lokl 
WuS.12,68f.; das Brachycerosnnd als l"'!*''''?. I. X f ^Wr 
ksl. krala, russ. kordva, lit. kdrvA sek. e-St.) .fcuii' ('A^r^, Ber- 
-• '""'2*' . , .. , , t~i..^ 1 ■„Ut -., lot /<.><.<i«ii PisaniRc. Ace. 




Srt Kid. 49), gr. aepVol (d. i. «p/bl)- €Xa<po. Hes. (»"« emer Nord- 
o8tepradie7sirader RL. i= 502, v. Blumenthal Hesvchstud. 45), r.-ksl. 
^ = iett. sirna .Reh' (Endzelin KZ. 42 37S); ahd. te, an. 
Sr, ags. heorot, nhd. Eirseh fherut; vd. '<*P"'"'«J^„';."-k '^• 
K>Idde-r' (Johansson KZ. 30, 347). -Ug.'ker- .Kopf, Horn, 
Sl^ (.das Emporragende', s. cere^m); vgl. von der «-Basi8 
n^Si av.^U, m-i- .Horn, Nagel an Fingern und Z^^^'' r";* 
eehOmt" (*s>-fl + bhara-), mir. crfi ,Huf (Pedersen I 187). 6'- 
£S "^ ^- .Haubenlerche', K«Spu?, -udo? f. .Helm", Kopu-q.-^ f- 
Gipfel", Kop6n^tu .stofie mit den Hdrnern" usw. (s. audi coruscusX 
i£ Oeren sSrfixen in der Bed. .Horntier' vgl nodi gr. Kdpvo? 
m^ .Sdiaf CJfer-nc.-, vgl. coma), KdpTnv x^v Po^v. Kpf^xc? Hes. 
^if^t&-{, Persson Beitr^ 585*), ahd. (fyHnd ^s hndern. ,Horn- 
ieK tiefstfg. ags. hryder ds., nd. rmui .RinS' (z. B Charpentier 
KZ 40 431, Kr^ie 1^47, 326); von der i-Basis gr. Kpi6<; ('Kpi-Z^O 
m. .Wldder', ablaut, an. hreinn, ags hr/ln {*h-oi-no-) .R«nnti" : 
- Unsidierer Gdf. ai. iarabhah .Fabeltier des H>rsdigesdiledits mit 
adit Beinen', woraus entl. wogul. Smrp, sorp Elentier (*to-p-6A^, 
vX SVa-PO? a-* V-«-6Ao-, llhlenbed. s v.; kaum aus W J" 
dfss. Sdilund des ., "Jacobsohn Arier u Ugrof..57). -Vgl. J. Schmidt 
PI. 363 flf. und die unter cerebrum angefuhrte Lit. - Walde-F. I imn. 



cesplto ^xaespes 
cessS s.%xed6. 
cestns s. caestus 



cegfns s. caestus. .. , , in> __ ia oi 

(cetal, Abl. PI. cetaes (InsdirA cete-sti im (Tac. «««• 16, 21. 
«towL vulgo. v?l- Char. I 125, i^: Wort unbekannter Bed., nadi 
Sdiulzc EN. 47 dlyr. oder venetisdi. „ „ 

ceteras, -a, -dm .der andere oder abnee', meist im Plur. (Sg. 
nur^ Koilekiiven uid nidit im Mask.) .afle flbngen' (zusammen- 



cetra — cgve5. 209 

fassend von Zugehorigcm, opp. alii ,andere' und reliqui .die ubrig- 
bleibenden' : seit Enn. und Plaut., meist prosaisch) : nach Brugmann 
IF. 6, 872, Demin. 55, IP 1, 326. 2, 323 aus *ce-\-*etero- (vgl. gr. 
KCivoi; aus *k£-€vo; ,da jener", s. -ee) ,*da der andere = dcr ubnge 
(weniger wrsch. im Vorderglied *cei Lok. = gr. (d)Ket oder Instr. *ee, 
Brugmann a. O.); *e-tero- ,anderer' (Kompar. zum Pron.-St. «/o- in 
e-Qiiidem, vgl.*'- in i-terum) in u. etram-a .alteram ad" usw., av. 
a-tara- ,der von beiden, die-ser" (Meillet MSL. 19, 50), aksl. {})eten 

irsend wer' (Meillet Et. 406), alb. j&tsre, jatre, t-jeter ,der an- 
dere" (Pedersen 1 177. Philologica 2, 112, Jokl IF. 36, 115. WZKM. 
34 41) _ Etruria, ae f. (seit Enn., Etrusci seit Cic.) gehort 
nidit ais .Fremdland (Elsafi)' bzw. .Fremdlander' hierher (Corssen 
KZ. 3, 272 ff. Voc. IP 537, Brugmann IF. 28, 297 f.: Etr-us-n rait 
-us- wie in telliis), ist auch kaum eine volkset. Umgestaltung von 
*Trusici) (neben turs- in Tusctis, u. turskum, gr. Tupd-rjvol, vgl. 
agypt. TuruSa und ev. gr. Tpauaoi, Pick KZ. 47, 173) nadi u. etro- 
anderer, ahnlich wie Scrv. Aen. 11, 598 ein *4Tep-ouplo dann ge- 
sehen hat (Skok U. 13, 398), sondem scheint nach PauK Etr. Fo. 
u St. 3, 18, Kretschmer Sprache' 108, Schachermeyr Etr. Fruh- 
ffcschichte 221 ff. auf ein etr. *e-trs(,-co-)- mit Vokalprothese (s. dar- 
Ober Goldmann, Beitr. II 42'. 126= m. Lit.) zuruckzugehen ; doch 
bleibt auch hierbei die Lange des -a- unerklart. — Weniger gut 

Walde LEW.* s. v. {*cae- = gr. Koi [s. auch ceu], *cae-etert ,und die 
anderen' : auch syntaktisch nicht ansnrechend; Ka( vl. Lok. Sg. f. von 
*ko- in diesem Falle" und von aksl. ce i .wiewohl, Kalit€p" zu 
trennen, s. Solmsen KZ. 44, 190, Walde-P. I 327 m. Ut.); abzu- 

lehnen Johansson BB. 15, 313 ("ce [= er. yX\, nu\ + -tero-). — Uber 

cetero-qul{n) s. unter alioqui. — Waidc-P. I 99. 453. 

ceu ,so wie, gleich wie' (seit Enn., archaisches und dicht. Wort, 
*3. Schraalz' 757, Norden Komm. 439) : aus *cei-ue (kaum *ce-?fe, 
Brugmann IF. 6, 87 f.) ,wie da, gerade wie'; "cei ,da, hier' = jr. 
{d)Kei (s. ceterus und zum Lautl. neu, sen, Leumann-Stolz 77. 80), 
■ve = ai. i-va ,wie' (Havet Mel. Renier 370f,), gr. hom. fi-dte ,wie' 
<*n-/'-uT£), identisch mit *«l ,oder' in lat. ve, gr. fi(^)^, ai. av. ap. 
TO .Oder' (Brugmann a. O.^ Horton-Smith BB. 22, 192). - Wemger 
wrsch. Wadcernagel-Niedermann lA. 18, 76 (*kai-ue , wie audi" mit 
*kai — gr. Kai [s. auch ceterus]; lautlich durch prehendo mcht ge- 
nugend gestutzt, s. auch Brugmann IP 3, 989). 

ceya, -ae f. .Kuh": nach Colum. 6, 24, 5 in Altinum, emer durch 
Sdiafzucht bekannten Stadt im Lande der Veneter, gebraucht, also 
- wenn richtig uberlief. - venetisches (Holder I 1004), nidit gaU. 
Wort (Dottin 245). Der Vergleich mit alb. ka ,Ochse' (Stier K/. 
11, 150) I56t sich nicht aufrecht erhalten (s. unter eenms, Jokl 
WuS. 12. 68). , , , . , 

ceres {cevo Gramm.), cent (nach moVi'f), -ere .wackeln (mit dem 
Hintern, in der Paderastensprache ,de moUibus et obscaems clunium 
raotibus' Schol. Pers. 1, 87, opp. erisare); flbtr. ,einen cinaedus 
madien' (seit Ps. Plaut. Pseud. 864, davon -enttnabiliter Insdir., -ulus 
CL, s. Ed. Fraenkel Sokr. 8, 14 ff., Mussehl Herm. 54, 387 ff>. nach 
W. Meyer KZ. 28, 173 zu abg. po-kyvati .nicken, den Kopf sdifit- 

Walde Etym.WSrterbudi d. latSpradie. 3. A. 1* 



210 



diaracatus - cibus. 



teln" (Iterativ zu *ki«att), skr.-ksl. po-hymati .nuere' (von *qu-mf>-) 
U8W. (Berneker 679 f.); Wt.. *qm; *qil- .wackeln, (sich) bewegen". 

Weitere Anknupfung ganz unsidier; so Bernekers a. O. Heran- 

ziehung von russ. dial, ku^dti .nicken, schlummern", lit. kuvi^s, 
Mvgtis .sich sdiamen" (Gbd. wohl bucken, beugen«, vgl. Walde-P. 
I 330); W.Meyers a. O., Sommers Hb.> 222, MuUers Ait. W. 88 f. 
Ansdilufi (als *qieuet6) an die Wzf. *qi-eu- in ai. cyavdyati ,be- 
wegt', cydvate ,regt sich, geht fort" usw., s. cieo {ceveo aus *qieu- 
neben ciere aus *3»-(i)e- lautlidi schwierig). — Fern bleiben wohl 
sot. skeivjan jwandern", an. skmva .gehn", abl. ndl. schooien ,bet- 
teln, umherwandern" (Wz. *skm; Sdiroder Abl. 64 f.; Gbd. nidit 
bestimmbar, nur anzuschliefien, falls urspr. .sidi in Bewegung set- 
zen', vgl. MeiUet MSL. 8, 296, aber auch Walde-P. I 377. II 557); 
sichcr lit.kutii, kuteti .aufrutteln', an. Aossa „sdhutteln, schleudern'^ 
ahd. scMHen .sdiutteln' usw. (Wz. *(s)gflh s. Walde-P. 1511. II 601 f. 
und quatio}. — Walde-P. I 376. 

characatns, -a, -um ,niit Pfahlen versehen, von den Weinstocken" 
(Colum.; -are jbepfahlen' spatl., ebenso charaxare ,einritzen, sdirei- 
ben" [rom.] auf Grund von xcpdEai, vgl. campso): aus gr. xapoKoOv 
,bepf5hlen' (xdpaE m. f. ,Pfahl"). — Bruch Misc. Schudiardt 36. 

chilo s. ctid. 

clbns, -» m. ,Speise, Nahrung, Putter' (seit Naev., rom., ebenso 
Srius, Ntr. PI. -aria .Lebensmittel, Ration usw.' seit Enn., ctJo, 
-are ,speise, futtere" seit Liv.; -atus, -us .Nahrung'^ seit Plaut.), 
u. kebU ,cibo' (wegen k wohl Lw. aus dem Lat. mit au. e fur », 
anders v. Planta 1368, Budt-Prokosdi 59): unsicherer Herkunft. VI. 
nadi Thumeysen GGA. 1907, 797 (vgl. Paul. Fest. 42 cibus appel- 
latur ex graeco, quod iUi peram in qua cibum recondunt, cibis(imy 
appellant) Lw. aus dem Griedi., vgl. atol. Klppa, kypr. Klplai? (audi 
KOPeffi?, KUpnCtd Hes.) ,Ranzen', Kipiuri? f. .hSlzerner Kasten, Kiste, 
Sdirank' (kCPo? ' KlPdmov Suid.), deren Zusammenhang untereinander 
(und mit idpiOpiov ,Fruditgehause einer agyptisdien Pflanze'; daraus 
lat. cihorium, vgl. Leumann-Stolz" 195) unklar ist, die aber jeden- 
falls aus demSemit. 8tammen(Boi8acq452f.; aber lett. c(6a ,rundes, 
hSlzemes GefaB', lit. kOAras ,Eimer' usw., Muller Ait. W. 88, bleiben 
fern, vgl. Trautmann Bsl. W. 133); cibus bedeutete danadi zunadist 
etwa ,der im Ranzen mitgenommene Mundvorrat" (vl. in der Sol- 
datensprache, vel. cibum vestUumque ferre u. fi. Wendungen sowie 
comnuatus ,Ladung, GepSdc" und .Proviant'), so daB die An- 
wendung auf das Futter der Tiere (seit Plaut.) sekundar ware. — 
Weniger wrech. Osthoff Par. I 7' (vel. audi Hirt Abl. 107), Perssoo 
Beitr. 566. 823, Brugmann II' 1, 388: als *1ci-hho-a zu ai. dsnah ,ge- 
frSBig", dianam .Essen, Speise" (dehnstfg. aiayati ,lafit speisen', 
pratar-aiah .Fruhstudc*, av. kahrk-dsa- ,H5hnefresser, Geier* usw.), 
von *aka- id. aindti (infigiert. Inf. asi-tum usw.) ,i6t, verzehrt"; an. 
offn n. .Lodtspebe fur Fisdie' (idg. *cjc9n6-), wja .weiden lassen' 
{*ahjan, v. Blankenstein IF. 23, 133); gr. Sku-Xo? f. .Eichel' (al* 
.Nahrung*, vgl. formal ai. asA-sah .geMBig", Persson Beitr. 825), 
vL audi &Ko)W>5 m. .Bissen' (Wz. woh\*aKd); nidit *ek(,6)-, da fiwj- 
]UK siemliA sidier zugehort und die e-Stufe nur durdi die hodist 
sweifelhaften an. jaxl .Badcenzahn', Falk-Torp 478, und ahd. as. 



cicada — ciccum. 



211 



fSh&n ,verzehren, essen', angebl. aus *pi-ekd; Sutterlin PBB. 18, 260, 
gestiitzt wird); dagegen ist einzuwenden, dafi -bho- als Primarfor- 
mans aufier bei Tierbezeichnungen kaum begegnet, eine i-Basis 
*(e)kdi- sonst nidjt sidier steht (lit. iienas, lett. s\ens, aksl. sSno 
.Heu" bleibt fern, s. Persson BB. 19, 257, Walde-P. I 455) und 
kurzeres *Jo-, *k3- auf unzuveriSssigen Cleidtungen basiert (ai. ii- 
«iW» ,teilt mit, bewirtet", s'W^ ,bewirtet' sdieint trotz Osthoff a. O., 
Charpentier IF. 28, 164' nur eine Sonderanwendung von sUati ,wetzt, 
sdiarft, starkt, beschenkt"; mir. caithim jCsse", auch ^werfe, gebe 
aus usw." gehort wohl zu guatio, Pedersen II 479, Walde-P. I 511; 
gr. K0vap6? .wohlgenahrt', arm. -sun ,genahrt, Nahrung', san 
,Zogling' sind mehrdeutig, s. Persaon Beitr. 194, Walde-P. I 398; 
gr. Kilipoi; , Schwann, Umzug, Gelage' bleibt fern, s. Persson Beitr; 
160, Valde-P. I 389). — Abzulehnen Zupitza Gutt. 32' (als *kebog 
zu ahd. habaro .Hafer' ; s. unter caper, Falk-Torp_1479); Holt- 
hausen IF. 38, 70 (als .Abgeschnittenes' oder ,Angerichtetes' : got. 
skip n. .Schiff' usw., 8. Wdde-P. H 545). — Walde-P. I 112f. 

clcSda, -ae f. .Baumgrille, Zikade' (seit Nov., in Gl. und rem. 
audi cicala, U. 14, 124 n. 171; cicades Isid., s. Sofer Isid. 46): vl. 
nach Niedermann Festg. Kagi 80* samt gr. Zeiyapd (ZleiTdpn trad.) • 5 
T^TTiE mapd Iibi'irai? Hes. (vgl. audi mTa\[qs]o( • . . . ol &^p\o\ xir- 
-nfe? und C€T£pial ' inuujv t^vo?) aus einer Mittelmeerspradie ent- 
lehnt. — Unwrsch. v. Ettmayer ZRPh. 32, 725 (aus *ei-cala : calire, 
-d- sekundar wie in adeps). f 

cicaro, -onis m. ,Knabe, Junge, Liebling" (Petron., vgl. audi den 
EN. Ciearus) : Vort der Kinderspradie unbekannter Entstehung. — 
Nidit uberzeugend Zimmermann KZ. 38, 503, Leumann-Stolz*^ 239 
{ci-cSru8 : cHrus); Bucheler bei FriedlSnder Komm.* 270 (: cicur als 
,Taubdien'', ev. creare ,Sprofiling"; Cicero iat trotz Budieler und 
Heraeus ALL. 13, 161 wohl etr., Sdiulze EN. 273. 313); Eraout 
BSL. 30, 111 (etrusk.). 

cicatrix, -tcis f. ,Narbe, Sdiramme" (seit Plaut., ebenso -omi 
.narbenreidi", Demin. -ula seit Gels., -are ,vernarben' spfitlt): un- 
sidierer Herkunft. — VI. nadi Fidi KZ. 20, 400, Wb. I* 22. 381 zu 
ai. kacah m. ,Narbe, Band", audi .Haupthaar", ka^catl ,bindet* usw. 
(s. cingS), und zwar auf Grund eines *eicare aus *cecare .zusammen- 
binden, vernarben' (vgl. d. Narbe, eig. .Verengerung, von den zu- 
sammengezogenen Wundrandern' f Walde-P. II 6991 und rur Bildung 
sc. vU] etwa exulceratrix vis ,Schwaren treibend' Plin.); dodi ist 
lie unnasalierte Wzf. *kek- weder furs Lat. (s. eedoria) nodi sonst 
aufierhalb des Aind. zweifelsfrei gesidiert. — Abzulehnen Wharton 
Et. lat. 19, Muller Ait. W. 88 (aus *ci({ur]S,trlx : cieur ,zahm' ; Pacuv. 
trag. 389 nulla res nee cicurare neque tnederi potts eat bezieht sidi 
auf386 reprime ineicorem irocundiam, vermag also eine Ansdiauung 
,Narbe" als .Zfihmerin [derSdimerzenJ' nidit zu erweisen). — Walde- 
P. I 400. 

ciccum, -» n. .Kerngehause des Granatapfels', Obtr. ,ein Nidits' 
(seit Naev. und Plaut, rom.) : aus gr. KixKO; m. ds. (Ntr. nadi nau- 
eum), vgl. KtKKd; . . . iitax(i)pn<n; Hes., KtmcaPo; ,kleine Munze', wk- 
Kdptv<ov> • dXdxiOTOv. otbiy, KiKaio; . . . t4 tOiv Kapuuiv X^vo;; wohl 



di 



14* 



212 



cicer — cicSnia. 



wie k6kko(; m. ,Kerii der Bauinfriichte, bes. des Granatapfels" (s. 
eoecum) Fremdwort. 

clcer, -is n. ,Kichererbse, Cicer arietinura L." (seit Plaut., roin., 
ebenso eieera t. ,Platterbse' seit Colum., Demin. -aula seit Varro): 
ann. sisetn ,Kichererbse' (Gdf. unklar, vl. Lw., s. de Lagarde Arm. 
Stud. 136, Hubschmann Gramm. I 490; ai. sisn& i. unklarer Bed. 
bleibt trotz Brunnhofer BB. 26, 108 fern), gr. KiKeppoi (Kipeppoi 
trad.) • dixpot- MuKcbdve? Hes. (Biicheler RhM. 62, 476 f., Nieder- 
mann lA. 29, 32 gegen Hoffmann Maked. 53 f.), Kpio? (fipopiato?) 
.Kidiererbse" (dissim. aus *KiKp-i6q bzw. sekundare Umbildung nadi 
Kpt6? ,Widder', vgl. cicer arietinum, Orib. eup. 2, 6). — Aus dem Lat. 
bzw. Roman, stammen ahd. kichurra, chihhira (nhd. Kicker, jungere 
^t\t\. Zieser), mengl. chiche (aus frz. chiche), alb. Hikers (Jokl Ling.-kult. 
U. 180; aber bjtfe J-.inse" s. unter Ceres), poln. eieciorka, woraus wieder 
nach Trautmann Apr. 355 entlehnt apr. keekers .Erbse", vl. in An- 
lehnung an iein lit. keke ,Traube', lett. kfkars ds., kekis ,Dolde, 
Traube" (s. Muhlenbach-E. s. v., Berneker 138) entsprechendes ein- 
heimisches Wort. — Etyra. (unbrauchbar Curtins 144) und Herkunft 
des Wortes stehen nicht fest; vl. nach Bucheler a. O. zunachst von 
den Makedonen den Griechen und von da den Romern ubermittelt. 
_ Walde-P. I 451 f., Schrader RL. P 257, Hehn-SchraderS 217 f. 222. 

cTcilindrnm, ciclmalindrnm, -l n. ,fiktive Gewiirznamen" (Plaut.) 
mit gr. kIki (lat. cici Plin., -inus Gels.), KiKafia im Vorderghed. — 
Festschr. Kretschmer 70. 

cicindela, -ae f. ,Leuchtk5ferchen, Dllampc" (seit Plin. [spatlt. 
auch -elum, -lie], rom.), cicendula f. ,Lanipchen' (Serv., Isid. ; trotz 
Keller Z. lat. Sprachg. I 172 f. sekundar, vgl. auch mlat. candula, 
Samuelsson Gl. 6, 259): zu candeo (Vani6ek 309) als redupl. Form 
*cecend-, alter *cecand- mit vortonigem ci- aus *ce- und Assimilation, 
vgl. zum Lautl. und zur Bildung (: cande-la) Soraraer Hb.* lllf., 
Leumann-Stolzs 95. 217, Stolz HGr. I 194. — Walde-P. I 352. 

Cicirras osk. Cognomen des Messius, etwa ,Kanipfhahn' (Hor. 
sat. 1, 5, 52), schallnachahmend wie d. .Kikeriki", vgl. KtKippo; • dX€K- 
xpudbv (wohl aus Diodors T^u>aaai 'Ixa^iKaC), kIkko' dXeKTopi?, kik- 
k6? • d\€KTpuiI)v Hes. (Thurneysen GGA. 1907,804). Vl. bezeichnete 
cieirrns im Osk. die Hahnenmaske, die in der unteritalischen Posse 
stehend war (Heinze z. St.). — Nidit nach Samuelsson Eran. 13, 9ff. 
Ableitung von cirrus ,Stimhaar der Pferde', angebl. auch ,Hahnen- 
kamm'. - Waldc-P. I 456. 

ciconia, -ae (. (praen. conea Plaut. True. 691 , wohl haplologisch, 
s. Niedermann Symb. gr. Rozwadowski I 110' gegen Ernout MSL. 13, 
308) .Storch", ubtr. ,Richtscheit, Wasserheber, Brunnenschwengel' 
(Sofer Isid. 1 28 ; seit Plaut., rom.) : unsicherer Herkunft ; vl. nach Nieder- 
mann Festg. Kagi 80* wie cicada Lw. aus einer Mittelmeersprache 
oder ev. nach Thurneysen Thes. aus dem Etrusk., vgl. etr. Cicu, 
Cieunia (Schuize EN. 273. 305); doch ist beides nicht positiv zu 
stfltzen. — Kaum mit VaniCek 48, Walde LEW.' s. v. zu cand, mit 
der Ablautstufe von ahd. huon ,Huhn" (*qones-, grm. *hdniz, Brug- 
mmn IF. 37, 249; Bed.!) oder von russ. kdnja, kanjuk , Milan, 
▼^e* (Berneker 483; d. Storch als .Stelzvoeel" : gr. rdpfoc; ,Geier' 
ist keine geniigende Bed.-Parallele). — Sicfier abzulehnen Forste- 



ciculus — cieS. 213 

mann KZ.3, 52, Zimmer Ai. Leben 430 (: ai. sakund^ ,gr6Cere Vogel- 
art, etwa H5her oder Haselhuhn'; als *koq-ono- vl. zu abg. sokoh 
.Falke", s. Walde-P. I 456; fern bleiben trotz Osthoflf Par. I 246 f. 
arm. sag , Cans' [a. cavannus] und gr. k^ikvo? m. ,Schwan' [vl. als 
,der weifie' : ai. §6caH ,glanzt", Walde-P. I 378, oder eher onomato- 
poetisch zu russ. kyla, ,Schwanengeschrei'', Berneker 676, Petersson 
Z. Kenntn. d. idg. Het. 40]); Loewenthal WuS. 9,183 (als ,Frosch- 
tod' : gr. Koveiv ,t6ten'!). - Walde-P. I 351. 

clculns s. cucAlui. 

cicnr, -uris ,zahm' (seit Pacuv., ebenso incicur ,ungezahmt', 
cieurare „zahinen', dies romj: aus *eecu-ros (bzw. *cecuris) = ai. 
saku-rah ,zahm' (Hirt BB. 24, 232; zuni Form, -ti-ro- Brugmann 
IP 1, 358). — Abzulehnen Havet RPh. 15, 64 (aus "avi-cu-ros ,zivi- 
lisiert gemacht', unmogliche Suffixbildung ; -f- durch nichts erwiesen, 
s. Pacuv. trag. 386-389 Ribb.; Cicurlnus, Cogn. der gens Veturia, 
bleibt trotz Varro 1. 1. 7, 91 fern). — Fern bleiben cingo (Bersu 
Gutt. 170), eicaro (Zimmermann KZ. 38, 503), cie&trtx, cicuta. 

cicllta, -ae f. ,Schierling (Conium maculatuin L.)', ubtr. ,Sdiier- 
lingssaft, aus Schierlingsstengel gefertigte Rohrpfeife" (seit Cato, rom. 
[audi cu; Meyer-Lubke Einf.'* 158], val. Cogn. Cicuta von einem 
habgierigen WuchererHor.; davon -Uria Diosc.): unerklart; vl. Fretnd- 
wort. — Kaum nach Walde LEW.* s. v. (vgl. auch Schrader RL. IP 
294) als redupiizierte Bildung zu cautes, cotes ,spitzer Fels", cSs 
.Wetzstein", von den schmalen lineal-lanzetten spitzgezahnten Ab- 
sdinitten der fiederschnittigen Blatter (vgl. gr. Kibveicv jSchierling' : 
Ktiivo? .Kegel", diKOVtTOv ,Wolfswurz' : (iiK6vri „Wetzstein*, Lehmanut 
KZ. 41, 394 mit Bed.-Parallelen); dodi ist die Bildung an sich auf- 
fallig, und -u- fur -o- mufite dialektische Lautgebung sein (alu-ta, 
Stolz HG. I 534, ist nicht zu vergleichen, s. alumen). — Unwrsdi. 
Thurneysen Thes. (Nadiahmung des Tons der aus dem Sdiierlings- 
rohr eefertigten Pfeife) ; Petersson IF. 34, 227ff. (Wz. *qout-, *qst- 
angebl. in gr. kOtiooi; f. ,Kleeart", ai. kutumbakah ,Pflanzennaine', 
kir. k0a ,Quaste' usw.; s. dagegen Charpentier IF. 35, 261 f., Walde- 
P. II 556). — Walde-P. I 454. 

cleo, ciere, sekundar (Sommer Hdb.^ 509, KE. 140) eio, are, 
Perf. (Avi, Sup. cttum (cUum ist Grammatikerkonstruktion, z. B. Serv. 
Aen. 8, 642, aber accitus usw., Sommer Hb.^ 606) „8etze in Be- 
wegung, errege, rufe herbei, rufe auf, bringe hervor' (seit Enn. 
und Plaut., ebenso cito, -are ,setze in schnelle Bewegung, lade vor 
usw.'; rom. nur Adv. cite ,schnell, d. i. mit angetriebener Bewegung" 
seit Naev. und excito, -S,re ,treibe heraus, errege, erwecke' seit 
Plaut., vgl. alb. tion ,wecke' IJ. 12, 137 n. 102) : gr. hom. Aor. fwov, 
att. k(uu (Sdiulze Q. ep. 358* gegen Brugmann II» 127, Delbruck IV 
100) ,gehe, gehe weg, fahre", hom. Ipf. n6T-£Kiode, -dov (-i- metr. 
Dehnung), .folgte nach, durchstreifte", kioto • ^KiveiTO (set-Basis 
*3»»-), 6vo-Kivbio?, -Kivba? .Eseltreiber', KivbaE ,beweglich' (Persson 
Beitr. 156, Brugmann IF. 6, 94 gegen Bechtel BB. 23, 250), hom. 
Ktvujjm (Prfis. Ipf.) ,werde bewegt, erschuttert, gehe", KivOaao- 
MOi (Aesdi.) ,schwanke bin und her' (Basis *ql-neu-), Ktv^ui, Aor. 
iitivr[Ca. ,setze in Bewegung, treibe" (trotz der Flexion nach q>i\^uj 
wohl aus *xivd/'-u), nicht •Kiv-eyju, s. Saussure Mem. 187 [Rec. 1751'. 



214 



cignus — ciliiun. 



Solmsen KZ. 44, 217' gegen Brugmann IP 3, 260. 324); — Erw. 
*gei-«- in ai. cistati, -te ,Bewegt die Glieder, zappelt", cetaft, cita- 
kafi (mi. fur *cest-) ,Diener, Sklave" (Persson Beitr. 328 gegen Jo- 
hansson KZ. 32, 469; lit. Jciikis ^Hase", Liden Le monde onent. 5, 
196, bleibt wohl fern, s. auch eanus); — *qei-d- *qoi-d- in got. haitan 
.nennen, rufen, vorladen, heifien", ahd. heigan, an. heita usw. ds. 
(vel. audi mlat. ut-hesium [frSnk. ut-heisi jHerausruf] ,Mord- 
geschrei', Schulze Berl. Sbb. 1918, 484^, s. Brugmann IF. 6, 89 f.; 
anders, aber nicht besser, Zupitza Gutt. 105, Petersson PBB. 44, 178), 
vl. ir. eid-. z. B. Pass. Konj. Sg. chessair, Part, cisse .invecta' fPe- 
dersenII490f.); — *qi-lo-, *qei-lo- in gr. KiUoupos ,Bachstelze' usw. 
(s. eillo); — *qi-eu- (vgl. *qt-n-eu- oben) in ai. eydvate ,regt sidi, 
geht fort", av. s(^]avaite ,setzt sich in Gang", ap. aSit/avam ,idi 
setzte mich in Bewegung' (dehnstfg. ai. eyautndm ,Untemehmung, 
Bemuhung', av. iya^na- ,Tun, Handeln", Syaoman- n. ,Tat, Werk", 
vgl. gr. (jiIiTipov .Bad' : oeOui, Wackernagel KZ. 25, 276 f., Beditel 
Lexil. 133), arm. iu ,Aufbruch" {*qiuti-), ivem ,ich breche auf", Aor. 
cogay ,ich ging' (*jjoM-), gr. aeina, Aor. l-aaewk ,setze in rasdie Be- 
wegung", oeOo^ai (ocOtoi Soph, sekundar nach doOTai) ,bewege midi 
eilig", Aor. J-oouxo (wohl *a&ij'-\u, nicht *a€U-a-u), Wadkemagel a. O. 
gegen Brugmann-Thumb* 323), att. ooOwai .eile" {*ao{f)6o\i(X\ oder 
*0o(/')^onaO, (j6€I (Bacchyl.) .treibt" (von *ao^uj), hom. \B.o-cai)0% ,die 
Volker zumKampfe treibend" usw., att.T€UH(J&|Liai ,betreibe", -reuTdZui 
beschaftige mich anhaltend mit etwas" (att.T- aus *tt- aus *g j). — Fern 
bleiben korn. Ice, mbr. que, quae, nbret. kae ,geh!' (Curtius 149 usw.; 
vim. Interjektion nach Pedersen II 453); lit. kdja, lett. kSja ,Fu6' 
als ,Laufer" (Bezzenberger KZ. 47, 82; vim. zunSchst zu ap-k&jam 
,auf Urawegen", ap-kalas PI. ,Umschweife", ev. arm. ¥ayl .Schritt" 

IMuhlenbach-E. s. v., Petersson Ar. u. arm. St. 105], erweist also 
;eine Wzf. •gat-); ags. hUiian ,eilen' (Kluge Gl. 2, 55; vim. zu ai. 
slghrih .schnell", Walde-P. I 363); ai. khefa- m. n. ,Jagd" (Char- 
pentier IF. 28, 184: *ki-t-, lautUch bedenkUch). 

Hierher u. a. citus, -a, -um ,rasdi, schnell", eig. ,in rasdbe 

Bewegung gesetzt' [classis, turbs, qtiadngae usw., seit Enn. und 

Plaut.; s. Adv. c*«5 und eitare oben), solli-citus ,in voUiger 

Bewegung, stark beunruhigt, besorgt" (s. d., vgl. gr. Kivetv ,be- 

unruhigen, lat. com-motus; nidit aus *sod-lacUos Juret MSL. 21, 

184); s. auch cill6,\,eunctus; unsicher eeveo. — Walde-P. I 

361 flF. 

cigrnns, -i m. ,ein kleines Hohlmafi (= 8 scrupuli oder 2 con- 

diulae)" (Grom., Plin. Val.): spStes Wort, wohl wie mystron (fiO- 

OTpov), dem es entspricht, Lehnw. aus dem Griedi. ; keinesfalls alt 

und zu eect5ria, s. d. 

cllibantnm, -» n. und cilliba, -ae i. ,viereckiger, spater runder 
^leisetisdi" (Varro, Paul. Fest.): Lw. des senno castrensis aus gr. 
KlXX(-3ai;. -ovTO? .dreibeiniger Bode als Tischgestell' mit versdiie- 
denen Umgestaltungen (cilibantum aus Akk. KiXXipavra, cilliba aus 
nXXipot). 

<Snio (ci2mm) s. 1. caelum. 

idUmB, -I n. .Augenlid", seltener ,Augenbraue", ubtr. ,Ejdotter, 
■ ™ rora., eUMfus ,eOoq»pu?'' und inler-eilium 



idlimi, -i n. ,Ausenl 
Sttdennmd' (seit Plm., 



cill5 - cils. 215 

,)a6a6(ppuov' [vgl. Ov. ars 201] GL, cili-umbris Boeth. = 6<ppu6- 
OKio<; Plato), supercUium, -i n. .Augenbraue", ubtr. ,Strenge, 
Stolz' (entwickelt aus -ia suhdticere, tollere u. dgL^ vgl. superciliSms 
,dunkelhaft' Beit Sen.), metaph. .Vorspning, Hugelrand, Gestade, 
tJberwoibung" (s. Boisacq 734>; seit Plaut., rom.): da cilitim erst 
seit Plin. begegnet (allerdings sdion von Varro bei Lact. opif. 10, 1 
fur etym. Zwecke verwendet sdieint, vgl. audi Fest. 30o, Paul. 
Fest. 43), und da ciliutn als Ableitung von einem unkomponierten 
Verbum aehr auffallig ware, ist wohl von supereilium au.szugehen 
und daraus cilitim als ,das unter den Brauen Befindlidie", also 
,das (zunachst obere) Augenlid" daraus abstrahiert; sekundar uber- 
nahm es dann von supercUium audi die Bed. ,Augenbraue'. — 
supereilium selbst wohl als *super-keliom ,die daniber befindlidie 
Dedce' zu oc-eulere, celSre (Walde LEW.^ s. v., Leumann-Stolz' 209; 
vffl. etwa nhd. Augenlid : alid. lit , Deckel' und super- fides), kaum 
nadi Stabile CI. c Neol. 7, 5f. (Gl. 5, 336), Meyer-Lflbke WuS. 6, 
115f. aus *auper-ocul-ium ,das uber den Augen Befindlidie", da. 
Synkope aus *supericiliutn lautlidi bedenklidi ist. — Nidit nadi 
Corssen 1^ 462 f. zu gr. KiiXa- Td OnoKdruj xitiv p\e<pdpuiv KOlXdi- 
fiara. xd Oird xoCi? 6(p»a\j»oO? |a£\a<vd>, xd Orrdima Hes. (kOUio, 
KdXXapoi, KuXdbe;, KuXibe? ds., vgl. KuX-oibifiv .gesdiwoUene Augen 
haben'), da die Gbd. ,Vertiefung unter dem Auge' zu sein sdieint, 
die Bed.-Angabc ,unteres Augenlid' (Pollux, Suid.) sekundar nadi 
hinzugebildetem ^to-kOXiov, -1^ .oberes Augenlid' gemadit ist (s. 
unter cavus, Walde-P. I 366). — Walde-P. I 432. 

ciUo, -ere (eo, -ere Serv., 01.) „hin und her bewegen' (Fest. 194, 
Serv., Isid., Gl.): da das Wort nur bei Grammatikern zur Erklarung 
von osciUare ,schaukeln", furcillae und ascillae {axillae) gebraudit 
wird, ist die Annahme einer blofien Grammatikererfindung (Funck 
ALL. 4, 244, Niedermann e und t 64f.) um so naheliegender, als 
furcillae und axillae klare Deminutiva sind und audi oscillare von 
oscillum ,kleine Maske' zu kommen sdieint. Daher nidit nadi 
Froehde BB. 3, 306 als *cilS oder *cil-nd zu *ki-los, *kii-los ,be- 
wegt, wippend' in gr. KiXX-oupo; • aei(joiti)T(? Hes. (Badistelze als 
,Sdiwanzwadtlerin', audi aeta-oiipa), lit. kld6 (sudostzem. k^lt\ lett. 
ciilava, apr. kylo , Badistelze" (ai. khelati ,sdiwankt' bleibt trotz 
Froehde a. O. fern, da onomatopoetisdi, Uhlenbedc s. v.); lat mBta- 
cilla .Badistelze', das in der Bildung unklar ist, konnte bestenfalls 
hybride Umgestaltung von KlXX-oupo? sein (dodi s. d.). Freilidi mu6 
man wegen rom. *cillicare , bewegen' (Meyer-Lubke n. 1914) wohl 
annehmen, dafi ein aus os-cillHre, mota-cilla (vgl. audi frz. hoehe- 
queue , Badistelze' usw.) abstrahiertes citlo in die BpStere Volks- 
spradie Aufnahme fand. — Uber fernzuhaltendes gr. xCXXm .zupfe' 
(Fidt BB. 16, 283) vgl. tltilld, uber KeXX6v «jTpepX6v, irXdrtov Hes. 
s. scelus, Walde-P. II 598. — Walde-P. I 362. 

cTlo, -Onis m. ,capite angusto, cui hoc contingit in partu' (Ca- 
per u. a. Gramm.; Demin. -unculus .kleiner Spitzkopf [opp. eapito] 
Amob., beide Worter audi Cogn.), zu sdieiden von child, -dnis m. 
jdicitur cognomento a magnitudine labronim' Paul. Fest 43 (vgl. 
Cogn. Child aus gr. XiXuiv, XdXwv und spatl. ehilosus ds.): es handelt 
sicn volil zunadist um Etymologisierungen derCognomina dlo, Child, 



216 



ciloter - cing5. 



die an sich (vgl. Agi-ipfin unter 2. atta, CaesuUa unter caesium) fur uas- 
nicht ohne weitcres vcrbindlich sind ; Ciio ist jedenfalls ctrusk. (vgL 
Cila aionius, Cilnius, Schulze EN. 149, Ernout BSL. 30, 111),, 
seine Sdieidung von Chllo aus gr. Xel\u)v nidit reinliA durdizu- 
fuhren. — Abzulehnen Bersu Gutt. 181 (: cOs, catm); audi nidit al» 
*kig<Jt)-alO oder *kdq{li)-sl6 jSpitzkopf" zu ai. iikha ,Spitze' usw., 
s. unter catus, cincinnus. 

Clieter, -trl m. ,Futtersack' (scit Nov.): aiis gr. xiXiuTnp, -fipoq, 
ds. (; xlW? .griJnes Viehfutter'); zur Flexion s. IJ. 14, 178 n. 61. — 
Falsdi Stowasser Dunkle Worter I p. VII (sllotrum = MJi\ujdpov). 

ciniex, -J'cis m. ^Wanze* (seit Liv. Andr., rom.; davon cimiciaL 
Wanzenkraut", Lehnubersetzung von gr. Kopicv Isid., .Sofer laid. 
9. 169): wohl nadi Prellwitz BB. 30, 176 von *ki-mo- ,dunkel- 
braun' zu ai. ^ya-mah ,sdiwarzgrau, schwarzgriin, sdiwari!' = av. 
sama- ,sdiwarz', siikmaha- .Bergname',^ lit. simas, semas ,blau- 
grau, grau«,* gr. vl. im EN. Kintuv (Wz. *kie-, U-, vgl. rait anderen, 
Suffixen ai. sy&-vAh .sdiwarzbraun, dunkel', av, syavn-, np. siyOh 
.sdiwarz', arm. seav ds. [iran. Lw.], red.-stfg. apr. s/juan ^grau", 
lit. syt'0<j ,wei6, schimmelidit', r.-ksl. sin .dunkelgrau'; aksl. usw. 
sim ^dunkelblau"; kei- m niir. clar .dunkel" aus *kei-ro-, an. hdrr, 
ags. hai- ,altersgrau" [*koi-ro-], ags. hmmen ,blau' [grni. *haitvina-]; 
vgl. davon verschiedenes *skai-, *skt- .gedampft sdiimniern' unter 
caelum). — elm-ex entweder fur *ctmi-cos mit Uberfuhrung in die 
konsonantische Dekl. (vgl. senex) odcr ehcr Nadibildung nadi culex^ 
pitlex, nidit nach Prellwitz a. O. aus *cim-oq-s ,von braunem Aus- 
sehen" (wegen atrox usw. ware *clmdx zu erwarten). — Unannehm- 
bar Fay CI. Quart. 1, 281 (: Kt? m. ,Holzwurni'); auch nicht als ,Bett- 
ungeziefer' zu *kei-m-, s. clvis. — Walde-P. I 361. 

[1. clmnssa .HiiniCpdiov", cimugsS.tor ,nJmuOiOTi^c " Gl.: in» 
crsteren Fall ist bessere Uberlief. eerussa, so daU audi das folgende 
cimuss&tor nadi dom Thes. aus cerussdtor verderbt ist.] 

2. clmnssa (■!-?), -ne f. .aeipd" Gl., cimusso oeipilp und cimm- 
s&tio ,i\ aeipa toO Bippou' Dosith., cimussator aeipwTri? oivou tf 
aUou Tlvd? OtpoO GI. (rom. .Sablband, Sahlleiste"): unerklart, wohl 
griech.; etr. Herkunft (Ernout BSL. 30, 103) kommt bei dem spSten 
Auftreten des Wortcs kaum in Frage. 

cincinnns, -» in. .gekrauseltes Haar, kunstlidie Haarlodce', Obtr. 
.Sdinorkelei' (seit Plant., cbenso -atus ,gelodit' [Cogn. seit 5. Jh. 
v. Ch.j; -ali$ herba — .polytrichon' Ps. Apul.); aus gr. kikivvo? nu 
.Haarlodte' m. Antizipation des Nasals (v;;!. gr. k6vkivoi: neben 
k6kkivo?, IJ. 14, 179 n. 67); nadi Walde LEW.^ 868, Nicdermantt 
Symb. gr. Rozwadowski I 109^ vl. kleinasiatisdics oder agaisdies 
Wort (vgl. audi 2. cinnus, cirrus). — Nicht nadi Fide IP 61 usw. zu 
ai. i(kka f. .Haarbusdiel' usw. (Gbd. ,Spitze', s. unter cJlo) oder 
zu ai. Mk- {. ,Sdilingc" (Petersson IF. 24, 252; vgl. Gl. 3, 336); 
fern bleibt auch nhd. Haher usw. (Walde-P. I 451). — Vgl. 2. dn- 

eingS, -xi,-ctuni,-ere ,unigurtc, uraringc, umsdiliefie' (seitPlaut., 
rom., dbenso ineingo seit Enn. [vgl. audi ineiens], cingulum n. [m. Cic. 
aL] aeit Varro [daraus entl. air. cengal ,FesseI, Band', kymr. cengl f., 
FidctBen 1 200, Walde-P. 1 382], cingula f. .Gurtel' seit Ov., cingillvm 



cinifls — cinis. 



217 



Frauengurtel' seit Varro [cine- Gl. mit Assim.], cinctum n. .Gurt" 
seit Scrib. Larg., cinciorium n. seit Mela, -ura f. seit Quint.; vgl. 
noch cinctus, -us ,Gurten, Gurt' seit Lucil. [pro- .Kampfbereitsdiaft' 
alat., liter, seit Cic], Cinxia Beiname der Juno, Wissowa Rel.'186', 
cingulus Adj. etwa ,enggegurtet, schmachtigen Leibumfangs' Paul. 
Fest. 43, s. Samuelsson Gl. 6, 259): u. Mhitu .cinctos', an-iihitu 
non cinctos" (^keiikto-), vl. fihgefa jCancellos' (wohl *kinkedd-, 
vgl. gr. KiTKXibei;, nicht *kinkela-, s. v. Planta I 327. II 42 f.) : nadi 
VaniCek 46, Niedermann e und i 26 (vgl. auch Saussure Rec. 56. 171) 
zuWz. *qenq- „gurten, umbinden, anbmden' (urspr. wohl ,uinwinden, 
im Kreis wenden') in ai. kdncate (Dhatup.) ,bindet', kMct f- ,Gur- 
tel", kancukah m. .Panzer, Warns, Mieder" (vl. ka^kapah .Reif" 
usw., doch vgi. cam), gr. ki^kXii;, -(6o? f. ,Gitter', dupo-KiTK^i6«? 
.Gittertur' (metathet. -kXitk(?, mit Assim. -kXitkX<i;, s. zum -i- Solmsen 
Beitr. 215; nidit besser Fraenkel KZ. 45, 169: *kMt-kM&- zu kXivu)), 
ablaut. KdKoXa Ntr. PI. ,Mauern' (.*qnq-), iiobo-KolK(K)ri ,Holz zum 
Festlegen der Fu6e', lit. kinkail, -yti ,Pferde ansdiirren' ; Wzf. 
*qeng- wohl in air. cingim ,gehe, sdireite', kymr. rhy-gyng ,Pa6- 
gehen", ablaut, air. ceimm, kymr. cam usw. ^Sdiritt", gall.-lat. 
Cinges, -etis, Cingetorlx, air. cing. Gen. oinged ,Kanipfer' (Gbd. 
,[sich] im Kreis wenden', vgl. zurBed. ahd. hringan ,winden, ringen, 
kampten' und bret. troH .wenden, drehen, sich begeben", engl. 
turn usw., Marstrander NTS. 1, 248; andcrs Pederaen 1 187, Walde- 
P. I 588: als Dublette *kengh- zu *ghengh- in got. gaggan .gehn", 
lit. lengiii, zengti ,schreiten* usw.); vl. mit beweglichera » an. sfc()- 
kull .Gabeldeidhsel", ags. scwc .boia", scacol ,Ring oder Glied einer 
Kette' (Falk-Torp 979). — Lat. cir>go diirfte, falls air. cingim usw. 
hierher gehSrt, von der Wzf. *qeng- stamraen (u. gihgefa, falls 
riditig gedeutet, konnte einc falsche Abstraktion aus sihito- = *kenkto- 
sein); dafur spricht vl., dafi fur reimendes cUrigo (s. d.) die Wzff. 
*qlenq- *qleng- gesidiert sind. Andernfalls mufite cingo Umbildung 
vor\ *cinc6 nach mingo, tingiu)d usw. auf Grand des doppeldeutigen 
etnas, cinctum sein. — Ubcr eine unsichere unnasalierte Wzf. *qeq' 
s. unter ceetoria, cicatrix; fern bleibt cancer, cancellt. — Lit. k&ngi 
„Haken", lett. ke§is ,Krucke' usw. (Muller Ait. W. 84) gehoren zu 
einer verschiede'nen Wz. *kein)q-. *ke(n)k- .Pflock' (s. W_alde-P. 1 382); 
auch Zugehorigkeit von *kenk- .Kniekehle" in ht. kenkli usw. (WM^ 
P. I 401) ist unsicher; Wz. *qagh- ,umfassen" (s. cohum) ist trotz 
Fick 1^ 22, Prellwitz s. KdKoXa lautlich nicht zu vereinigen. — Gegen 
Vergleichung mit gr. Kdypoi; ,Band, Schlinge' u. dgl. (s. cambio, 
campagus) s. Zupitza Gutt. 22. — Walde-P. I 400. 

ciniflo, -onis ra. (Hor. sat. 1, 2, 92) .cinerarius, Sklave, der die 
Brenneisen in gluhender Asche heiiS zu madien hatte' (s. Porph. z. St.) : 
von cinis und flare, also ,Aschenblaser', s. zur Bildung des Vorder- 
glieds Stolz HG. I 388. — Falsch Doderlein Lat. Syn. VI 64, Keller 
Volkset. 102 (aus gr. *KiKivvd iroXoi; mit naditraglicher Angleidiung 
an cinerem fl&re; schon durdi das synonyme cinerariius verboten); 
unannehmbar auch Fay CI. Quart. 1,280. 

cinis, -eris ra. (seltcner f. seit Calv. und Catuli, \ I. nach favilla 
wie wohl auch pulvis Enn.) .Asche, Leichenasche. Aschenhaufe' (seit 



218 



cinnabar — 1. cinnus. 



Plaut, vlt. und rom. audi cinus, -erig, s. Niederraann N. Jbb. 29, 325, 
Wagner RLR. 4, 17; Demin. -isculus Prud., aufffillig cinissa Anon, 
med.): aus *cenis (eig. .Staub [des Feuers]*, vgl. gr. Kdvn; itup<J? 
Theokr. und pulveres ^Totenasche' seit Hor., Schulze KZ. 54, 286) 
im Ablaut zu gr. K6vt?, -to? und -eiu? f. ,Staub" (-ts-St., vgl. horn. 
Kov(a-0a\oc m. ,Staubwolke' [kovi-opt6i; ds.], Koviri ,Staub' [*ko- 
vtff-fij, Koviiu ,bestaube" [•kovic-iiu], usw.; s. Danielsson Gramm. und 
etym.'st. I 51 gegen Bartholomae BB. 17, 113), zu Wz. "qen-, Set- 




fr. bia-Kvoiiu ,zerschiage, zerreibe' Cgngi-d, Walde-P. 1 394, nidit 
Kvai<J-lU) : lit. knisil, knaisaH .wuhle", Persson Beitr. 809'; vgl. Kivai- 
boq, 8. unter caenum, Guntert KZ. 45, 200'), *qen€i-d- in gr. kvIZIu) 
(Fut. KViOU)) ,schabe, kratze, reize", vl. Kviari .Opferduft" (•Kvib-O-o, 
8. nidor niit treiterem). — cinis, «.6v\<; waren vl. urspr. neutrale »'s- 
St. mit erst einzelsprdil. Gesdilechtswedisel nach Brugmann 11^ 1, 
533 f. 2, 93. 149. — cinis nidit nach G.Meyer Alb. Wb. 152, Alb. 
Stud. Ill 59 zu alb. hi (St. hin-) .Asdie', audi nidit mit van Helten 
PBB. 20, 241 zu got. sikeinan .leuditen' usw. (s. 2. caelum, sein- 
tilla), wozu vl. nach Walde LEW.' s. v. das alb. Wort (als ,gluhende 
Asdie") zu stellen ist. — Walde-P. I 392. 

cinnabar n. .Art Haarfrisur der Goten' (Isid.): aus got. *kintM- 
har{d)s .Kinnbart, Badtenbart" (Sofer Isid. 19, 170 m. Lit.). 

cinnabaris, -is (Ntr. -i SolinJ .Dradienblut" (Malerfarbe), audi 
.Bergzinnober' (seitLucil. bzw. Pbn., rom.; enllehnt inhd. «»no6er): 
aus gr. Kivvdpapi und -iq (audi TiTfdPapi "■)» Lw. aus nicht nahcr 
bekannter orientalisdier 0u*U6- 

1. cinnus, -i m. .Misditrank aus mehreren zusammenpassenden 
Extrakten' (altlat. nadi Non. 43, belegt bei Arnob), davon co»- 
einnS, -&v%, -atum,-are ,in riditigem Verhaltnis zusammenraisdien 
{aguam Cato 106, 2 neben eonfundere, miscere), herriditen, bewirken, 
iiuf einen Haufen zusammenbringen' (Naev. Pun. 37, s. Non. 43, 
Thumeysen GGA. 1907, 804 f., Sdiuster CI. 16, 131 ff.), daraus rfiA- 
gebildet (Leumann-Stolz*196) eoneinnus, -a, -um ,wohl zusaramen- 
gefflgt, angeraessen, hubsdi, gefftllig' (seit Plant., auch mit Dat. nadi 
eommodus) : unsidicrerHerkunft. Kaum ist nadi Prellwitz KZ.41,202flF. 
auszugehen von eoneinnus aus *eon-cid-nos ,zuaamihengesdinitten 
(so dalJ die Teile zusammenpaasen), symmetrisch, angepafit" (*eid- 
nos zu caedo wie ai. bhinn6}i .gespaiten' zu bhidati); denn dafi 
eoneinnAre Denorainat. von eoneinnus sei wie eommodire von eom- 
modus, wird durdi die Bedd. nidit nahegelegt {vinum eoneinnHre 
Cato agr. 114 usw. [Plin. 14, 129] heiUt ,Wein misdien oder durdi 
Ziufitze herriehten", d. Wein [Spiritus u. dgl.] versekneiden = ,mit 
anderem Wein oder Wasser versetzen' sdieint Bed.-Lw. nadi fra. 
eouper le vin, und des Naev. rem hostium eoneinnat bedeutet ,coni- 
ponere, colligere", nidit .concidere, dissipare*, s. o.); audi ist cinnus 
weder als primSres *cid-n6s ,Sdilag' oder .Sdinitt' (.gesdilaeenes 
Getrlnk*, vgl. etwa unser ,Sdinee sdilagen*) nodi — trotz Miilter 
Ait. W. 89 - als Rudcbldg. zu concinnare - warum nidit *eoneinnuaf 
— ventindlidi. — nnnut jedenfalls nidit urvcrwandt mit gr. icu- 



2. cinnus — cippus. 219 

Keibv, -iBvoi; (*KUKa/u)v) in. .Misditrank", KUKoiu) .rubre ein, mische', 
kOkiiSpov .Ruhrkelle" (Wz. *keuk-, *kuk-, nach Bezzenberger BB. 
27, 170 zu lit. sditkStas ,L6ffel", siukimis ,Ger6ll, Auskehricht' 
(anders Specht Lit. Mund. II 19), siukStHa ,mit Spreu oder Kleie 
gemisdit', lett. susla ,Misdigetr5nk, Absud' [Lw. aus ruse. sAslo 
n. jBierwurze']; daneben *q&k- in lit. knSM ,sich regen', lett. 
kusndt ,bewegen, ruhren', refl. kustU, russ. ktiid ,Gewimmel' 
usw! Berneker 672; gegen Vbdg. von Kuxdui mit ai. khdjaii ,ruhrt 
um' usw. rVaniCek 307], Wz. (.s)qeg-, s. Walde-P. II 557; vgl. auch 
aocetum); denn ein *cegnos, das zudem *eignus (d. i. *ciitnus) er- 
geben hatte, ist in der M-Reihe nidit denkbar; auch Entlehnung 
aus KUK€d)v (Gen. -ilivo? nach Keller Volkset. 80 f. uber *iMcionus 
umgestaltet zu *concionus, *concinmis, woraus erst einnus) ist 
iiicht gangbar. — Abzulehnen Fick KZ. 22, 378 usw. (: an. hagr 
^gesdiickt" usw., Wz. *qagh-, s. unter caulac; eine Vorfomi *c6n- 
cangnos lautlich unmoglich) ; VaniCek 67 (coneinnus aus *eon-ead-nos 
.zusammenfallend' ; ware ,gleich, identisdi'); Walde LEW.' 136 
(*ket-snos : gr. K6a\io<;; ahnlich Fay IF. 26, 40); Niedermann « und t 
54 l*ceni-nos : cento .Flidiwerk"; Bed.!); Fay CI. Quart. 4, 89 (con- 
cinn6 : gr. Kdnvu) ,niuhe micb", ai. samyali usw., Wz. *£em-, s. 
Walde-P. I 387; Wandel -mn- zu -nn- nicht alt, die ai. Bed. Jmuh- 
sam] zubereiten, zurichten" [vgl. auch gr. KOfuilZu)] erst sekundar); 
Scheftelowitz WZKM. 34, 225 (aus *cecnos : np. idkalah ,Tropfen" 
usw.; ware 'eigtvus, audi in der Bed. verfehit). — Walde-P. 1 377. 
2. cinnns, -« m. ,tortio oris, nutus, v£0|ja' (Fulg. serm. ant. 46, 
Gl, auch cinna t. GL, davon cinno, vulgar cenno ,nicto" GL, rom.): 
trotz Fay CL Quart. 1, 279 f. dunkel. VI. wegen bask, keinu aus 
•cenJM-, span, ceflo, zufio .Runzeln, Miene, Wink' trotz lautlidier 
Sdiwierigkeiten zu episcynium .Ernst, Strenge" (Tert.) aus gr. ^iri- 
OKUViov ,Stirnhaut uber den Augenbrauen', okOviov jAugenlid" 
(Baist RF. 1, 134, vgl. Meyer-Lubke GRM. 12, 178, REW. n. 2880a). 
— Zusammenhang mit cincinnus .Haarlocke' (etwa mit haplolog. 
Kurzung) ist der Bed. halber nicht denkbar. 

cippns, -»■ m. .spitzer Schanzpfahl (Caes.), spitze Saule (Leichen-, 
Grcnzstein) aus Holz oder Stein', spStl. audi .Gotzenbild, Marter- 
werkzeug" (seit Lucil., rem. audi .Eels', Gbd. .Spitze"): obwohl 
zwar die Deutung von mars.-lat. eeip GIL. P 5 als eeip(pm) nidit 
sidier steht (s. z. B. Ehrlidi RhM. 68, 609, dagegen Ribezzo RIGI. 
14,78), andererseits aber auch o.KUpiis nicht fur altes t beweist, 
da trotz v. PlantaI192, Solmsen Beitr. 208, Meringer WuS. 10, 187 
als etrusk. fernzuhalten (vgl. Cipus, Cipitis, Cipe1{l)iuii, Sdiulze EN. 
441), als *keipos (zum -pp- Sommer Hb.« 203, Leumann-Stolz' 143} 
zu ai. sepah .Schwanz, Penis' (mit ak- prakr. chef{p)a- ds., Johans- 
son IF. 3, 212 f.); alb. dep m. .spitzer Fels", depfs .madie stadielig. 
spitze', tsep ,Stich, Edce, Winkel", metath. step .Rand, Spitze' 
rioipo-, Jokl Stud. 20, Festsdir. 57. Phil.-Vers. Salzburg 125 f.). — 
Weitere Vbdg. mit gr. OKOtno; ' f[ ilo^ xiBv EOXuiv, ^<p' iDv elffiv oi 
K^ponoi Hes., also .Grundbalken', aKtirtuv, lat. acipio .Stab, Stodc', 
ahd. scivaro .Holz- oder Steinsplitter', sdba .Sdieibe' (Wz. ^sqeip-, 
*«Slp- .sdineiden, abgeschnittener Ast", Fide KZ. 20, 36lf., Johans- 
son a. O.; aber r.-ksl. eipiU .spalten' bleibt fern, s. unter caespei) 



220 



ist wahrsdieinlicli, da audi hei *sqei-d- (s. .scoirfo) schwerer und 
leiditer Vokalismus sowie Palatal (ar. arm. sk-) und Velar neben- 
einanderstehen. — Fernzuhalten scheint ai. sSpha t. ,faserigc Wurzel, 
Rute, Rutenstreich' (Hirt BB. 24, 236; vim. zu gr. mess. Klq^o? n. 
OTdmovoc' Petersson Gl. 4. 298, Wz. *Mph; s. ^Mc.-V. I 452; 
nidit besser Chaipentier KZ. 46, 31), wohl auch lett .9*>«a ,starke 
Rute' lit. siptdys .Holzspan, Holzscheit' (Endzehn KZ. 44, 58, 
anders Buea Kalb. 1 291 ; wohl zunachst zu *sHtp-, *sqiip- ,spalten% 
s sctwoV — Abzulehnen Danielsson Ait. Stud. IV 139 {cippus zu 
^apu,^. - Walde-P. I 364 (II 545). . 

Clrcius {cere- Cato), -t ra. ,hef tiger Nordwestwmd" (seit Cato, 
rom. -e-; spatl. wie circinus audi erne Art Krankheit): wohl nadi 
Thurneysen Lw. aus dem Griedi., ev. durdi Vermittlung der Mas- 
silienser (,a turbine opinor cius ac voragine' Favorinus Gell. 2, 22, 
20; also von KipKO? circus, vgl. KipKio?, KipK^aq Gl., KipKa? AristotA 
Die bei Gell.*a. O. behauptete gall. Herkunft desWortes (Dottiii 246) 
wird daher ruhren, dafi dieser Wind fur die Gallia Narbonensis 
diarakteristisch war. 

Circnm .ringsumher, ringsum', sek. (nach am, Wadcernagel Synt. 
II 161) ,auf beiden Seiten' (seit Enn. und Plaut., rom. nur in cir- 
cumcidere): adverbieller Akk. von circus, also ,im Kreis", z. B. cir- 
cum ire, vagari usw., danach circum dare Plant. Most. 347 ,in der 
Runde herumrcidien' usf.; als Prap. m. Akk. durdi Gliederungs- 
versdiiebung (s. Sdimalz^ 27. 514 f., vgl. zur Bed. spatl. in giro, per 
girum, gr. (^v) KC)K\ip, ferner circum amplectt seit Verg., circum 
ambuiare seit Vitr. usw. mit gr. bom. d 278 &n<pi . . . x^e . . . kOkXij* 
u. dgl.);— circa ,ringsherura, beiderseits, nahe bei, ungefahr, gegen', 
iungere Bildune nach infrS, supra usw. (seit Lex. repet. 13 [122 
v. Ch.], rem.; s. Wolfflin ALL. 5, 295 f., falsdi Stowasser WSt. 22, 
120 ff.:' circum aus *circd-am, ahnlich circa; s. audi Meyer-Lubke 
ZoG. 45, 36); — circiter meist temporal , ungefahr", seiten lokai 
,in der Nahe', nadi propter : prope, ev. breviter usw. (seit Plaut.). 
Zss.: circumcirca (-fl?) Adv. ,um und urn, rings herum' 
seit Plaut. (urspr. vl. Akk. Sg. circum + Akk. PI. circa, dann in 
circa umgedeutet, Thurneysen Thes. ; kaum Umbiidung von *ctr- 
cumcircum, Brugmann II* 1, 57 oder eircum + circa wie gr. imtpi 
•Tt€pl, Prise, in 41, 20), incircum seit Varro, incirca und decirca 
spatl. (Hamp ALL. 5, 334f.); mit kausaler Bed. idcirco (vl. nadi 
ideo, eig. ,das im Umkreis') seit Plaut. und quocircS .deshalb, 
darum, deswegen' seit Varro und Cic. (Schmalz» 516; unbraudi- 
bar Stowasser a. O. 126 f.). 
circns, -i m. ,Kreis (alat.), Krcislinie (t. t. der Astronomie), bes. 
die (runde) Rennbahn fur Wagenrennen, der Zirkus" (seit Plaut, 
rom., ehenso Demin. eirculus ,Kreis, Reif, Ring, Zirkel" seit Ace. 
[davon -are ,im Kreis herumgehen, umzingeln, kreisformig bilden' 
leit Cic. und Caes.; -atnr .Herurazieher, Gaukler, Hausierer' seit 
Pollio], eircellus ,Ringcldien' seit Apic., circinus ,Zirkel als Instru- 
ment*, spater .Kreis, Jahreskreis, Gurtelrose' seit Caes., davon -are 
,einen Kreis besdireiben" seit Ov.): gr. Kipxo? (Poll. Hes.), gewohnl. 
(Horn. Hdt) KpiKO^ ,Ring', KipKoOv (Aesdi.), KpiKoOv ,zum Ring 
madten, mit einem Ring fesseln' (hell. KplKtu^a, -uiai?, -u)t6i;; daiu 



cins — cirrus. 



221 



■Kipd^?, Kpiaaoi;, dor. Kpil6? Poll. Hes. ^Krampfader' nach Walde-P. 
II 569; aber KipKr), Fick KZ. 44, 347, bleibt wohl fern, s. Guntert 
Kal. 16). — Lat. circus ist vl. trotz circum und den zahlreichen Ab- 
ieitungen mit Tliurneysen Thes. als sehr altes Lw. aus den» Griech. 
(Dor.?, vgl. Fick a. O.) zu betraditen, da nur hier das Nebenein- 
ander von KpiKO^, KipKo; begegnet und sonsdge Vcrwandte fehlen 
(mir. cercenn ,Kreis', kymr. cyrchinn, cyrchell sind trotz Fick II* 
79 Liv. aus dera Lat., s. Vendryes De hib. voc. 124, Loth Les 
mots lat. 157, Pedersen I 383; aus lat. circensis stammt audi 
gr. KipKj^oio, aus circinns riickentlehnt scheint Kipiavoi; ,Zirkel'). 
Freilich ist die weitere Analyse von Kipxo? circus unsidier; xplKOi; 
wohl von der i-Basis *qri-q- (Erw. von *{s)qer' ,drehen, biegen", 
s. curviis , vgl. lit. TcreXvas ,gew'unden, schief", russ. hrim ,kninim', 
wie *qru-q- (s. crttx) von der M-Basis; K(pKo; ware dann, falls lat. 
<Arcus entlehnt, eine rein griech. Urastellung (anders Walde-P. a. O. : 
*qirqo-, *qriqo- Unistellungen aus reduplizicrtem *qi-qr-o-, dagegen 
Pcrsson Beitr. 942; circus jedenfalls nicht mit Persson a. O. 157. 
4J57 mit rustikem oder dial, -ir- fur -er- zu *qer-q-, *qr-q- in ai. 
krkatam ,Halsgelenk', Icrkah ^Kehlkopf, poln. kark ,Hals, Nacken' 
U8W., Berneker 667 f.; unwrsch. audi Wadternagel bei Niedermann 
^ und % 79: Gf. *cercros, woraus teila *cercos circus, teils *eerclos 
circulus). — Ganz zweifelhaft ist die Zugehorigkeit von u. kurgla- 
siu .Monatsname", nach Bucheler Umbr. 130 ,circulario' (*korkelo- 
rait idg. or oder r, z. B. v. Planta I 278, Beditel Lexil. 205; wurde 
wegen der versch. Ablautstufe fiir Urverwandtschaft von circus 
-sprechen). — Fern bleibt gr. Kpoi6? (s. unter caries). 

Hierher u. a. nodi circa nea avis 'quae volans cireuinitum 

faciC Paul. Fest. 43 (von circus oder circS. nach extraneus Thes., 

oder von circSre, Leumann IF. 40, 117), eirei}, -are ,kreisf6rmig 

umschlieften, umkreisen, rundum durdiwandeni' (seit Inschr. 2. bis 

3. Jh., rom.), circes, -itis m. ,(gro6er) Ring, Kreis, Umkreis' (-<-St. 

unklar, vgl. Leumann-Stolz^ 243); wohl andi circito, -are ,durdi- 

kreisen, ringsum erfuUen' (Sen., rom.: wohl von circare, vgl. zur 

Bed. verfcire, anders Thurneysen Thes.), circiior, -oris ,Flur-, 

Garten-, WasserschloChuter", 1. 1. mil. ,Runde" (qui vigilias circum- 

eunt), audi „Hausierer, herumgehenderBarbier' (seitPriap., rom.; 

von circus nach idnitor, portitor usw., oder von circSre -itare wie 

domitor : dom&re -itare; vgl. die entsprechenden Bedd. von eircu- 

lare, circulator; circumitor Petron., Veg., circuitor Filastr. ist wohl 

trotz Thurneysen Thes. eine davon versdiiedene Abltg. von eir- 

cumire, da schwach bezeugtes domitio neben domuitio kein cir- 

citor aus circumitor rechtfcrtigt). — Walde-P. II 559. 

cirig, -is f. .Meervogel* (seit Ciris) : aus gr. K£tpi; " 6pveov. 

l^poE. ol 64 dXKU(iva Hes. (neben K(p(p)i?) wie cirris, -idis f. ^elb- 

licher Seefisch" (Plin. Val.) aus gr. Kippi? ds. (: Klppdi; ,gelb', Wood 

AJPh. 49, 51). 

cirrns, -l m. {-a f. Ci.) ,naturliche Haarlodie; audi Haarzotten 
der Tiere, Federbusdiel auf den Kopfen der Vogel, Fransen an der 
Tunica, Fangarme der Poly pen* (seit Varro, rom.; davon -cUus seit 
Pars, [auch Cogn., vgl. Schulzc EN. 429], -itus Macr.; kaum bicerres, 
s. Thes.) : Et. unsicher. VI. nach Pcrsson Beitr. 1 .56 f. als *kersos mit 



222 CIS — cisium. 

dial. «■ fur e zu lett. cfra ,unordentlidies Haupthaar', Cftba , Locke, 
K^auskop^ (lit. kerha .Fruchtbusdiel''), redupl. cecers ,Baumstumpf mit 
ausgeriSsenenWurzeln, Krauskopf {cencers „ alter Baumstumpf, cifta 
,Lodce', Arties jsidi krauseln"), weiterhin zu cfrs .knorrige Baum- 
wurzel, Staude, Strauch', lit. keras .alter Baumstumpf, Staude', o-8tfg. 
aksLusw. fcoren* ,Wurzel', tiefstg.r.-ksl. usw.Hr/, wurzel', sXh.Skufe 
{*sm-g.r-n; Jokl Ling.-kult. U. 230) ,Busch, Strauch, klciner Wald' 
(s. Berneker 570. 672, Muhlenbadi-E. s. cecers, auch gegen Buga 
Kalb. I 192; Gbd. etwa „struppig", daher Anwendung sowohl auf 
Haare wie auf Wurzelwerk ; gegen weitere Vbdg. mit '.^q-CT-- ,schnei- 
den«, Zupitza Gutt. Ill, Scheftelowitz ZU. 6, 111 f., s. Walde-P. 1 413). 
Da die Sippe nur im Bsl. reidi und in breiter Entwicklung vertreten 
ist, hSdist unsichcre, audi lautlidi nidit glatte Gleichung. — An- 
dererseits erwagt nidit wahrscheinlidier Niedermann Symb. gr. Roz- 
wadowski I 109 f. unabhSngige Entlehnung von Hrnts (aus *eieir- 
t-us) und gr.*K(Kivvoi; (s. cincinnus) aus einer Mittelmeerspradie. — 
Fern bleibt ahd. Itirsi, hirso, nhd. Hirse (Kluge s. v., dodi s. Ceres 
und gegen die trugerisdie Analogic Quasthirse Niedermann a. 0. 109; 
anders uber Hirse Niedermann a. O. lllff.: aus *kerksos zu gr. 
K^TXPO?. K^PXyo; [vgl. ON. Kepxvefa] .Hirse" aus *kerkmo3, wozu 
auch unassimiliert slav. proso n. , Hirse' aus "proko-, alter *perko- ; 
K^TXPO?. K^pxvo? wahrscheinlicher verschiedene Dissirailationen von 
*gher-ffhr-os, zu Kdxpu? f. .gerSstete Gerste", s. Boisacq s. v., Walde- 
P. I 605, vgl. furfur). — Walde-P, I 413. 

cis Praep. m. Akk. (audi in cistiber) .diesseits' (seit Plaut, ar- 
diaisdi; ci-s nadi abs, ex, Leumann-Stolz^ 129), ci-ter (-a, -urn) 
.diesseitig' (Cato, Afran., nadi ex-ter), Komp. ci-ter-ior ,dies- 
seitig, nSher, fruher' (seit Varro und Cic. allemherrschend nacfa ul- 
terior), ci-timus, -a, -um .nadistbefindlich' (seit Cic, vgl. extimus : 
ex und ahd. hitumum, hitamun .erst', urspr. ,zun5chst, ehestens, 
fortan', Brugmann Demin. 143 f., lA. 18, 9 nadi Franck, Tijdsdir. 
V. Ned.Taal- en Letterk. 15, 62 ff.; dazu mit -mo- [vgl. summus, dl- 
mus] u. fimu, Mmo [wohl urspr. Instr.] ,ad citima, retro'), eitra 
.diesseits, innerhalb, unter, ohne" (vgl. air. een- .cis'- neben pen 
,ohne"; seit Cic, Analogiebildiuig nadi ultra, Sdimalz" 508 f., nicht 
in histor. Zsshang mit got. hidre, a§8. hider .hierher'), citrd ,hier- 
her' (seit Cato, fost nur in Vbdg. mit ultra) : zum Pronominalst. *ki- 
.dieser' in u. five .eitra" (Abl. -ed von *ki-uo-, z. B. v. Planta 1 99), 

rt hi^ma ,huic', lit. ils, aksl. «t .dieser' U3W., s. -ce. — Valde- 
1453. 

cisinm, -i n. .leiditer, zweiraderiger Reisewagen' (seit Cic, da- 
von -anus, -arius Inschr.) : nadi SdioL Cic. Gron. p. 305, 17 St. gall. 
Wort; nadiVendryes MSL. 19, 60flF. aus gall. *c»g«»o- .Wagenkorb' 
(Erweiterung von 'dsso- : air. cess ,Korb', s. cista) mit -a- vl. durch 
Vennittlung des Etr., das im allgemeinen keine Doppelkonsonantcn 
sdireibt (s. z. B. Goldmann Beitr. II 138*), zugleidi wohl im Ansdilufi 
aa dasSiifiL -isio-.— Die Schreibungen cissum, eirsum GI. erweisen 
trots Vendryes a. O. kein altes cissum aus gall. *eisso- (neben *ei»- 
tfO; -r*- sekundarer galL 'Wandel), sondem sind aus eissium (Non.) 
v«rderi>t, v^ Lindsay Gloss, ed. Ac. Brit. Ill p. 21 n. 40. 51. 



cista - citrus. 223 

cista, -ae i. ,Ki6te, Kasten fur Kleider, heilige Gerate usw., 
Stimmkasten" (seit Rhet. Her., roni. [,Korb', Jud ZRPh. 38, 20], 
Demin. cistula, -ella, -ellula seit Plaut.; cisterna, -ae f. ,unter- 
irdisdier Behalter fur Ansammlung des Regenwassers, Zisterne' seit 
Varro, roin., vgl. zum Suff. caverna, Emout BSL. 30, 93; aus dem 
Lat. entlehnt u. cisterno , cisterna", v. Planta II 21, byz. xivOT^pva, 
E. Kretschmer Festschr. Kretscfamer 116): trotz zahlreicher Ab- 
leitungen (vgl. z. B. audi cisti-fer neben cisto-phorus) entlehnt aus 
gr. Kiaxn f. ,Korb, Kiste fur Kleider usw.' (Weise, Saalfeld; ev. 
wie cisterna durdi etrusk. Vermittlung, Ernout a. O.); k£0tti weiter- 
hin als „geflocht<ner Behalter' (vgl. die rom. Bed. von cista) zu 
air. cess, ciss f. ,Korb' {ain-ches ,Brotkorb', Pick II* 12), subst. 
Verbaladj. *ciss aus *lnsto-, wovon cissib .tortis'; hierzu cigium 
,Wagen', cig. .Wagenkorb' (s. d., Vendryes MSL. 19, 61). — K(OTri 
nicht nadi Prellwitz^ s. v. zu gr. Koi-TTi, koi-ti? f. .Kiste' (als ,Auf- 
bewahrungsort' zu Ketiuai, Boisacq 461); auch nicht mit v. Planta 
I 341, Nazari RFCl. 38, 56411., Prellwitz Gl. 17, 144 zu euro bzw. 
custos (s. dd.) oder mit Fick BB. 2, 266 zu lit. HSH .hineinstecken'. 
— Aus lat. cista stammen ir. ciste m. ,Sdiachtel", kymr. usw. eest 
,Korb" (Vendryes a. O., Pedersen I 200), ahd. kiata, ags. cest .Kiste, 
Kasten'; aus *cistel(l)ella ahd. zisterel, zisWej- .Art Helm' (Masdike 
ZdPh. 51, 158 flF.). - Walde-P. I 452. 

citer, citra s. cis. 

citerla, -ae f. .lustige Person in der die Spiele einleitenden Pro- 
zession' (Cato or. frg. 40, 6, Paul. Fest. 59): vl. urspr. Eigenname 
eines zanksiichtigen Weibes nach Marx RhM. 78, 408. 

cito, Sre s. cieo. 

citocacia, -ae £. .Wolfsmildi" und .Bergseidelbast", Pflanzeu mit 
purgierender Wirkung (Ps. Apul., Isid.): von cito und cacare, Nbf. 
eitococia durdi Kontamination mit coquere (Sofer Isid. 53 f.). 

citms, •? f. .Zitronatbaum (Citrus Medica Cedra L.)' und ,afri- 
kanisdier Nadelbaum mit wohlriechendem Holz, Thuia articulata' 
(seit Varro, rom., ebenso ciirago f. .Zitronenkraut, Melisse' seit 
Pallad.; citfum n. .Citrusholz", spStl. ,Zitronatzitrone' seit Cato, 
oitrium n. .Zitronatzitrone, Zitronenkraut' seit 4. Jh., citreus seit 
Qc, citrosus ,nach Citrus duftend, parfumiert [gr. duiLbrn]" Naev., 
s. Thes. ; aua [malum] eitreum, cUrium entlehnt gr. Kirpov, Ktrpiov 
.Zitronatzitrone", mxpia. ,Zitronatbaum', vgl. audi spStgr. KirpcS- 
^1^,^ov, K€bp6-Mn^ov fur alteres MribiKdv nf^Xov) : in der Bed. .Thuia 
orientalis' entlehnt aus gr. K^bpo; .Wacholder, Zeder" (s. cedrus) 
infolee Identifizierung des duftenden, unzerstdrbaren Holzes dieser 
Koniferen(Hehn-SdiTader Kuhurpfl.'447), und zwar, da lat. ^C^andel 
von -dr- zu -tr- trotz Thumeysen KZ. 32, 564 f. nidit sidier steht, 
durdi etr. Vermittlung (Sdirader-Nehring RL. 1I» 704 m. Lit.; un- 
annehmbar Keller Volkset. 59: Anlehnung an eiVrtS), falls nidit nadi 
Fohalle M^l. Vendryes 166 ff. unabbSngige Entlehnung von eitrus und 
K^bpo? (hier piit Angleidiung an einheimisdies K^bpoq ,Wadiolder' ; 
aber hier heifit der Baum duia) aus einer Mittehneerspradie anzu- 
nehmen ist. citrut in der Bed. .Zitronatbaum* sdieint ein davon 
versdiiedenes Vort, das nadi Loret bei Lewy Fremdw. 35 aus dem 
Jigypt. stammt, wo der Zitronatbaum schon im 15. Jh. v. Ch. kulti- 



224 citus - civis. 



viert worden sein soil (doch s. audi Oleic PW. Ill 2619, der seiner- 
seits ohne sdilagenden Grund griech. Herkunft von cttrtum erwagt). 
Citns .schnell" s. cieo. , . ^„ , u 

clTis (alt ceivis), -is c. .Bureer' (seit XII tab rom., ebenso -.«« 
burserlidi' seit Plaut., -Ms I .Burgerrecht, Burgerschaft, spater 
Stadt" seit Enn.; -ilis seit saec. II ex. v. Ch.): = «•/??'« -"X,'* 
(Buck-Pr 31); als ,Haus- bzw. Gemeindegenosse- (Bed.-fcrw. [ahn- 
lidi d (ein)heimisch'\ wohl zunachst unter dem Einflufi von hostts 
Fremdline', vgl. das alte Spridiwort hostesne an cives comedis, 
mrm pendere Plaut. Trin. 102 und die Oppos. peregrlnus seit Plaut^ 
idvena seit Cic.) zu got. heiwa-frauja m. ,Hausherr' &pa htw-cund 
heimisch', ahd. hl-rat, ags. hl-red ,Heirat', an. hy-byh JNtr. PI. 
"Hauswesen" (erm. *hiwa-, abltd. *heu>a- aus *hiwa- in an. herad 
"Bezirk" u. dgl.), ahd. hiwo- m. ,Gatte', hiwa f. .Gattin", PL hi^)un 
'Eheleute, Dienstboten", an. hju[n), hjon ds., ags. hiwan „Haiis- 
gesinde' (»t-St. grm. *Mwan-); ai. siva^, .traut, freundhch heb 
abltd. sied/t .vertraut, lieb, heilsam"; lett. sieva (= ahd. hiwa) ,Weib, 
Ehefrau', 'aksl. po-siv,^ .fahig, geeignet, nutzlich' (v d Osten-Sacken 
IF 33 197; ro-Erw. vl. in mhd. gi-hiure ,inild, behaglich , nhd. 
ge-heuer, ahd. un-hiuri ,unheimlich' usw., dodi s. Falk-Torp 1321. 
1571); mit »i-Form. air. eoim, coem ,lieb', akymr. cum, nkymr. cm 
usw. ds., got. Iwims f. (»-, PI. a-St.) ,Dorf, Land', an. heimr m. 
,Heimat, Welt', heima n. ,Hcimkt», ags. ham m., ahd. heim ra. n. ds. 
<aus grm. *haimaz entlehnt scheinen lit. kiemas ,Bauemhof , k&tmas, 
Mima ,Dorf', lett. dens, apr. eaymis ds., lit. kaimynas .Nachbar , 
hamene ,Herde', s. z. B. Uh^enbeck PBB. 30, 286), lett. shinie Haus- 
gesinde, Familie', sdiimnieks, abltd. sei>n(n)iek3 ,Wirf, lit. seimi, Setmy 
no, apr. seimins m. ,Gesinde", r.-ksl. s^mya f. ,Famihe, Gesmde usw. 
(Meillet Et. 428, Trautmann Bsl. W. 300 f.); mit ro-Form. arm «er 
Neiffung. Liebe", sirem ,liebe' (*fce(>o-, Scheftelowitz BB. 28, 284); 
mit F-Suff. air. eele ,Genosse, Gatte', kymr. cilydd, hret gile ,Ge- 
nosse, Begleiter, der andere von zweien' (-»- sekundar, Thurneysen 
KZ. 51, 59'; vgl. ai. ^am n. ,Gewohnheit, Charakter'). Gbd. von 
*keitios usw. ,zur Hausgenossenschaft gehorig", dann ,vertraut, Ueb 
usw.' (vgl. Kauffmann WuS. 2, 26 f. und zur Bed. ,vertraut' lat. fa- 
mtiiarig, domesticus, gr. oCKeto? usw.). — Wz. *kei- .liegen. Lager 
(s. Thurneysen a. O. 58 f.) z. B. in ai. sete, av. saete (= gr. KCiTOi, 
heth. kitta, kittari, Sturtevant Lg. 6, 26. 214) ,hegf, idyatl, -U 
,Uegt, ruhf, sayd, iayya .Lager', gr. K€i-|im. 3. PI. K^arai (**«>i-9to0, 
att. KeivTW (Wackernagel Sprchl. Unt. 96 f.) , liege' (hom. KtoKETO 
,?K€iT0' fur *KTio- aus *K6(i)€(JK€T0, Fick KZ. 44, 143 f.; horn. Keiovres 
,dormIturientes' aus *k€11 (6vt€;?, Wackernagel KZ. 28, 145, Sprchl. 
Unters. 253 m. Lit.), Koiudui .bringe zu Bett, schlafere em* (vrf. 
ags. haman .beischlafen, heiraten"), Koirri, koito? m. .Lager' (audi 
Koltn. Koms ,Korb', s. cista), fi-Komc ,Gemahlin' (aus •«;!«>»■"«. 
vgl. aXoxoc), vl. gort. ^vKOiiUTd ,Hinterlegung' (Prellwitz Gl. 17, 
144; vgl. cara), veoood?, ir€pi(T(j6<; u. del. (-iq-o- nadi Brugmaim it. 
17, 351 flF., vgl. ai. madhyama-st- ,in der Mitte sich lagernd ), il>- 
Keov<St m. (: ai. a-sdydnah ,der umgibf, qui terras eingit 5>en. nat. 
3,29,7, Benfey GGA. 1860. 222 usw.), bret. argud .leichter Sdilaf 
(*are-koi-to-, Loth BC. 22, 334), an. hid, hidi n. .Lager des BSren 



clacendlx - cUdes. 225 

(*lcei-tO; Bugge BB. 3, 118). — Fern bleibt ir. cia ,Mann" (Pick 
II* 75; vim. == cia ,T*er, jemand", Pedersen II 209). — Eine be- 
deutungsverwandte Wz. •g»flt- (*2''>(i)e-) s. unter gM«e,s; gegen Ver- 
einigung von got. haims, lit. kiemas usw. (s. o.) unter einer ver- 
schiedenen Wz. *qdi- ,sich gesellen, scharen' (Hirt BB. 24, 286, 
Bezzenberger BB. 27, 168; fern bleibt er. Kiij|iti, s. cibtts) s.Walde- 
P. a. O. 360. — Vgl. auch cunae. — Walde-P. I 358 flf. 

clacendlx (PauL Fest. 46), claxendix (Prise), -ids f. Wort un- 
sidierer Bed. und Herkunft (Plaut. frg. XI Leo, Gl); mSglicherweiae 
ist die bei Paul. Fest. durch die Wortfolge geforderte Form calcen- 
dlx die ursprunglidie; Ausgang wie in coxendix .Huftbein', wo -»- 
metrisch sidier steht. — VI. nach Thurneysen Thes. Abltg. von *calca 
aus gr. KdXxn ,Purpursdinecke, Saulenvolute' ; doch bleibt dabei 
ebenso wie fur eoxendlx die Bildung unklar (kaum durch Kontami- 
nation mit appendix, offendix, audi weil diese wegen appendicula, 
offendieulum -i-, nidit -»- zu enthalten sdieinen). — Bedenklidi Sto- 
wasser ZoG. 41, 200 f. (als .Ringstein, gefafiter Stein' aus *cahi en- 
dix [endo + iacio] ,eingesetzter Stein' wie eoxendix ,Hufteinsatz'; 
endix in adjektiv. Funktion unwrsch., wegen obex aus *oh-yeh-s vim. 
*endex zu erwarten, calcendix aus *calx-endix durdi Dissim. oder 
aus *calct endici usw. schwierig ; audi sadilidi kaum zutreffend, da 
des Paul. Fest. Interpretation .genus condiae' - Marx Komm. Rud. 
S. 272 sieht darin eme Kapsel, die das Siegel verhullt - dodi nidit 
aus den Fingern gesogen sein wird). 

clades, -is f. ,Verletzung, Besdiftdigung, Sdiaden, Unheil, Nieder- 
lage' (Natur- und Kriegskatastrophen; zur Bildung vel. bed.-verw. 
caedes, Idbes; seit Plant.): Wz. *qelad- .sdilagen, bredien, graben' 
in gr. K\abap6? .gebredilich" (*qhd,-ros : eld'Hs), KXabdaaf oeiaai 
Hes., abltd. KoXabia- fiUKdvri Hes. (v. Bluraenthal Hesydistud. 39), 
KXdbos m. (•KXdi;, «-St. KXdbem usw.) ,Zweig, Trieb' {*qldosf, vgl. 
zur Bed. dnoppd)E ,Teil, Sprofiling, Sdiofihng' und dessen unter 
callis erwfihnte nfidiste Verwandtsdiaft wie abg. hlada .Balken, 
Block' usw.; russ. kladA .kastriere' usw. sdieint fern zu bleiben, 
B. Berneker 508); ksl. kladivo .Hammer' (falls *ql&d; Bemeker 506 
zw., nidit *qold-, v. d. Osten-Sacken IF. 33, 198; zum Suff. Meillet 
^t. 371); mir. claidim .grabe' (kymr. eladdu, bret. klaza dsj, abltd. 
kymr. clawdd, korn. elatid, bret. Ueuz .Graben' {*MadO; Pedersen 
II 492; aber air. slaidid .schlSgt' usw., Pedersen II 630, kaum als 
'KqVad- hierher, Foy IF. 6, 321), air. Oaid-eb, kymr. usw. cleddyf 
.Schwert' (vl. aua *kladiio-, woraus lat. gladiut Lw., s. d.); unsidier 
ai. kan^- m. n. .Stuck, Absdinitt, Stengel' (wenn *qol-n-d<h mit 
Nasalierung, Johansson PBB. 14, 314; vgl. khav^m .Lucke, Bruch, 
Stuck, Teil'), kha^dj} .Sdiwert, Horn des Rhinozeros* {*qold-g^o-, 
Frankfurter KZ. 27, 222, Sdieftelowitz IF. 33, 139 f.; dodi s.Ven- 
dryes M^l. Saussure 309 f. und gegen Vergleidi mit gr. <pd<rrovov 
.Sdiwert' Boisacq s. v.); vgl. nodi got usw. halU ,lahm' unter 
claudufi, 

Hierher u. a. percelld, -euli {-eulsa Amm. nach -s«m), -sum, 

-ere .schlage zu Boden, zerschmettere, ersdiuttere' (seit Naey., Enn. 

und PlauL), ae procellere ,sich hinwerfen' (Plaut. Mil. 762; 

anders pro- Itala = prae-, s. eelsus; unklar procwZtunt Fast., s. d.), 
Walde Etym. Wfirterbudi d. Ut Spndie. 3. A. 15 



226 cla<le9 - elam. 

procella, -ae i. .lieftiger Sturm, Anaturm' (seit Pit.), reeellB, 
-ere .zuriickschnellen", spati. trans. ,zuruckbeugen' (seit Lucr.; 
pro- reeello nicht zu celer, Curtius 146 nach Corssen, VaniCek 54, 
8. Froehde BB. 3, 300); -cello trotz des in dieser Sippe seltenen 
e-Vokalismus aus *-eeldo (z. B. Sommer Hb.' 236, Leumann-Stolz* 
66; nicht -caldd mit angebl. -al- aus idg. ♦7, Brugmann I* 749. 
II' 3, 377; -culsus aus -celsus, -cult wohl nach -puli neben petto), 
nicht aus *-cals6 (v. Sabler KZ. 31, 281), oder aus *-celn6 (Froehde 
BB. 9, 109, Hirt BB. 24, 233. 286 mit falscher Anknupfung an 
ai. irftdti, s. caries). — Idg. *qel&d- ist erweitert aus *qel&- in 
Ut. kalit, kdlti ,sdilagen, Schmieden ", lett. kafu kalt .Schmieden, 
beschlagen', apr. calte ,Mark' (Munze), prei-calis ,Ambo6', tief- 
stfg. lit. kuliu, kUlti ,sdilagen, dresdien', lett. kulu, kutt da. (: slav. 
*kil^ jHauzahn', Berneker 661), aksl. koljo, klati ,8techen, sdilach-- 
ten', russ. koUtt ,stechen, schlachten, spalten, hacken' usw. (Ber- 
neker 552, audi gegen Meillets MSL. 14, 374 Scheidung zweier 
Verba, vgi. »a/o), xXaiu ,breche*, KXf^po(, dor. xXdpo; m. ,Holx- 
stuckchen als Los, Los, Anteil* (= air. dar, kymr. clawr .Brett, 
Tafel', bret. kle^r .Gabelbaum am Wagen", Loth RC. 18, 92), 
KXfma n. ,Zweig, Weinranke' (vgl. clSvus), KXd)v, kXwv6( m. 
,Sdiofiling, Trieb, Reis', KXtt>|Lia£ m. .Steinhaufen, Felsen", k6Xo;, 
KoXo-p6^ ,verstummelt* (vgl. incolumis), K6Xa-q>o; .Ohrfeige* 
(vgl. KoXdimu ,behaue', s. culpa), KoXerpfiv ,mit FuBen treten* 
(fem bleibt ealx „Ferse'', s. d.), vl. keX£6; .Grflnspecht' (^KeXc- 
/&;, vgl. bpu-KoXdimiC ds., Bechtel KZ. 44, 357). S. noch cala- 
mitas, incolumis, diva. — *qel{0,)- ,schlagen, hauen' ist so- 
wohl von *qtl- ,stedien' (vgl. oben aksl. klati ,stechen" neben 
lit. kdlti jsdilagen' und unter eulex, Walde-P. I 435 f.) als von 
*sqel- „spalten* (s. scalpo, seeing; vgl. z. B. russ. koldtt auch .spal- 
ten*, abg. koh ,Pflo(i': gr. okiDXo; .Spitzpfahl", xeXet?' &ilvt\ 
Hes. : aKoXi? ,Hacke", Persson Beitr. 647«, Walde-P. II 590 fjl nidit 
reinlich zu sondern; freilich kann die Vermischung z. T. erst 
einzelsprachlicfa sein Vs. zum Slav. v. d. Osten-Sacken IF. 33, 198 f.; 
vgl. auch cuUer). — Fern bleiben u. a. ki^am n. ,SchSdel, Kuppe* 
usw. (auch in der Bed. .Hammer" zu *qel- ,ragen', s. celsus); 
ka^ambah .Spitze, Stengel* (Bezzenberger BB. 16, 240; s. eeisus); 
gr. &K0X0; ,Bi8sen" (Bezzenberger BB. 27, 147, s. unter cibus); €6- 
KoXo? .leicht zu behandehi*(Hirt Abl. 86, s. Walde-P. 1 431); wohl 
auch mir. cellaeh .Krieg" (: an. hildr f. ,Kampf, KampfgSttin*, 
ahd. hilt{t)a ,Kampf* usw. [Zupitza Gutt. 107]; idg. -dh-, Gbd. 
nicht bestimmbar, s. Walde-P. 1 439, Falk-Torp 427 s. huld). — 
Walde-P. I 436 ff. 
clam Adv. und Pr§p. m. Akk., spSter Abl. (Schmalz* 541) ,ver- 
hohlen, heimlidi, insgeheim* (seit Enn. und Plaut.): als d-am im 
Ablaut zu celare (vgl. z. B. Pit. Asin. 942 elam uxorem mit Trin. 800 
uxSrem . . . cells, dam elldre True. 57 und celdtim Sisenna), Bildong 
wie in palam (vgl. Enn. ann. 242), coram. — Dber wrsch. verderbte* 
eal(J)im ,clam* Paul. Fest. 47 s. unter ealim. 

elandestinus, -a, -um ,geheim, verborgen* (seit Lex XII tab. 
b«w. Plaut) ist Erw. von *clam-de, *clan-de (vgl. quam-de, StoU 



ckmO - clangS. 227 

WSt. 2, 288 f., Lindsay -Nohl 668; nicht *clam-dum, -dem; aber 
clade, elude Gl. wohl verderbt aus clancle, Heraeus ALL. 6, 276), 
und zwar nadi intestinm (Br^al MSL. 9, 39 f., Brugmann IF. 28, 
296 f.; zur Konsoziation von domestieua und intentinus mit clan- 
destinus vgl. z. B. Cic. Sull. 33 dandestlno scelere mit epist. 5, 2, 1 
domestticts insidiis et inteaUno scelere usw.; Praenextlnus, Leumann- 
Stolz" 225, lieet begrifflidi ab; falsch Stowasser ALL. 6, 564, Po- 
krowskij KZ. 35, 240 [von *clamdeiii)fus .heimlidi abgelegen'], 
Prellwitz Gl. 19, 93 ['clande-sttnus oder *elan-id-estinus mit *le)sU- 
,das Sein'], Fay AJPh. 33, 393 [: «<(fc>- .stehend"]). 

clanculum .heimlidi" Adv. und Prap. m. Akk. (seit Plaut., 
spatl. claneulo, -e, -us Gl. ; -arius .heimlich etwas tuend" seit 
Mart., nadi adversarius usw.) ist volkstumliches Deminutiv wie 
im Typus plusctdum (Leumann-Stolz^ 216, s. Funck ALL. 7, 23, 
Jacobsohn Quaest. Plaut. 11'; falsch Stowasser a. O. 563). 
clamo, -avi, -dtum, -Are ,laut rufen, schreien, an-, herbeirufen 
(audi tedinisdi vom Notruf, vgl. imploro), ausrufen, verkunden' (seit 
Plaut., rem., ebenso clamor [alat. -6s, Lachmann Komm. Lucr. 424], 
-oris m. ,Geschrei' seit Enn. und Plaut.; eldmosus ,laut sdireiend" 
seit Rhet. Her. nadi fragosus, Leumann-Stolz' 231): zu 3. ealAre 
.rufen' (s. d.), mit der Wzstufe von cla-rus, u. an-ffla-, ags. usw. 
hlotcan (vgl. *kle- in gr. ki-kXi^i-okui usw., Persson Beitr. 701) und 
der m-Erw. wie in ahd. hlamSn .rausdien" usw. {^*qlem-). — Walde- 
P. 1444. , _. , 

clangs, -Ml, -ere .sdireien, kradizen, sdinattem (von Tieren), 
sdimettern, von der Trompete" (seit Ace, clangor, -oris m. ,Ge- 
schrei, Gekreisch, Sdimettern' seit Cic): gr. KXcrrfi^ f- ,verworrener 
Ton, Schrei", kMIw (*KXam«"), Pf- KdKXorra, bom. k€k\titiJ)« .tone, 
lasse ertonen' (KXorrdZiu. -oivu», -dvu) ds.), K\ihl\u ,glucke, schnaize' 
(•kXujtIiu). an.hlahka, afries. A;acifco,schreie, kradize' (= eianflio), ags. 
hlacerung .Gesdiwatz, LSrm', lit. klageti, lett. kladzit .gackern' (mit 
fflett. klfgdt .schreien', lit. kleggti ,laut lachen', klegesys. Gen. kligesio 
.Geschrei'; r.-ksl. klegitati neben klekttati .schreien" usw. [Berneker 
511]; »-Formen lit sukhgo .sdirie auf [von der Ente]', lett. klidzit, 
klidzindt, khegt, Iterativ klaig&t .sdireien", lit. klygu ,rufe', atklygti 
.zurfickrufen'); — mit ausl. Tenuis: gr. kXOjooui (Suid.) .glucke* 
{•k\ujk-iui, falls nicht eher Ruckbldg. aus kXu)Th6«; .Glucken, Sdinal- 
zen», Debrunner IF. 21, 248): got. Mdhjan (= an. Mojo, «hd. usw. 
hlahhan, lahhen) .lachen', abg. klokotati .gludcen, eadcern", mir. 
eloce m., kymr. usw. clock f. .Glocke" (aus dem Kelt, stammt, vl. 
durdi die Missionstatigkeit der irischen MSnche, mlat. [seit 7. Jh., 
Gl.] und rom. eloe{c)a .Schelle', woraus wieder akd.gloeka .Glodce', 
aes. clugge ds., usw., s. Wolfflin ZdW. 1, 65 f. ALL. 11, 537, Thumeysen 
Kfe. 95, Dottin REAnc. 22, 39 f., Mevcr-Lubke REW. n. 1995, GamiU- 
sdieg 230, femer Stokes IF. 2, 168," Zupitaa KZ. 36, 241h »-Formen 
ags. hlignn .einem etwas zuschreiben" (kaum idg.-jrfc-.Muhlenbadi-E. ». 
Mlegt), mndl. lien, afries. hUa .melden", lit fciyfetti, klykti .kreischen', 
ablaut, klinkit kltkti ,pl5tzlich aufkreisdien*, russ. kliknuh .schreien' 
usw. (Berneker 519). — Es liegen versdiiedene Erweiterungen der 
Sdiallwz. *qel- (s. 3. cald .rufe") vor, u. zw. handelt es sich um ur- 
sprgl. Variation, nicht um Ablautentgleisung; Reimformen *griq- usw, 

15* 



228 clamus - classis. 

(za *qer-) 8. unter crimen; mit anl. Media *gldq- usw. unter glscid; 
vgl. audi Persson Beitr. 266 zu nhd. Klang. — Fern bleiben air. 
duiijeht .Spiel", mir. roehichlaig (Zupitza Gutt. 118; kaum Sdiall- 
wort, s. Pedersen II 493: cless .Kunstspiel', Walde-P. H 572). — 
Walde-P. I496f. 

clamns, -t m. ,Tisch oder Platte mit Friichten als Opfergaben 
an die Venus' (Schol. Pers. p. 241 lahn): unerklart. Nadi Ernout 
BSL. 30, 95 etruskisch; dodi k5nnte wegen KXdpt?' aUiri ^bdq)0U<5> 
daxdpai Hes. wohl nur etrusk. Vermittlung (aus gr. •KXdp(i)vos ?) in 
Frage kommen. 

clams, -a, -um ,laut, sdiallend' (vox, signum; vgl. clarisonus 
Cic. Catull nadi XiT0<pdoTTO?) ; ,hell, leuditend (lux, dies, fulmen 
usw.); klar, deutlidj; hervorstediend, beruhmt, beruchtigt* (vgl, kXti- 
t6i;, in-dutus, famosus; seit Enn. und Plant., rom., ebenso daresco, 
-ere jWerde hell, klar usw." seit Lucr.; dSreo seit Enn., d&ritudo 
seit Cato, -ita!s seit Laber. und Cic, d&rigo. Alio 1. 1. der Fetialen 
jclare res repetere' Liv. Plin. vl. nadi pO,r{i)gare, daricins Apul. 
nadi candicans usw., Thumeysen IF. 31, 278 f., Leumann-Stolz" 317): 
zu eal&re mit der Ablautstufe von cUi-mlire, -ro- wie in gn/lrus; 
Bed.-Entw. wie im wzverwandten ahd. hel ,laut, t5nend*, nhd. hell 
audi glanzend'. — dSrtis nidit zu got. Mas ,heiter, frShlidi' (Holt- 
hausen ZdA. 24, 34; vgl. Loewenthal WuS. 9, 193). — Walde-P. 1 444. 

classis, -is f. .Au^ebot in militSr. Sinn', alat. (Paul. Fest. 56. 
225) und ardiaisdi (Verg. Aen. 7, 716 Horttnae dasses) ,Landheer', 
spater jFlotte, Gesdiwader* (vgl. den Zusatz navales Col. rostr., 
also urspr. .Flottenabteilung', Norden Komm.» 227); .Abteilung 
der Burger, Klasse (durdi ServiusTuUius)', spater (seit Hor.) ,Klasse 
von Sdi&lem, von der kaiserlidien Umgebung usw." (seit Lex. reg., 
rom., ebenso *clasauin ,Lirm', Riidcbldg. aus eondassare ,classem 
iungere, conclamare" 01.; elassictu ,zur Flotte gehSrig' seit Cato 
[tun, 8. eomu .Trompetenzeidien' seit Varro]; s. zur Bed. Kubler 
PW. m 2630flf., Soltau Phil. 72, 358 ff.): vl. mit den Alten (Quint. 1, 
6, 33 usw.) zu ealare ,rufen', und zwar als *qlad-U-s zum erweiterten 
St. *qelad- in gr. K^Xabof m. .GetCse, Lfirm' (vgl. xpAjiabo?), ai. krin- 
dati .sdireit, brallt'; freilidi ist *qelad- nidit gesichert, K^Xabo; vl. 
wegen dea ai. Wortes eher aua *qd-^-dos herzuleiten (Petersson Gl. 
4, 294); jedenfalls nidit Lw. aus gr. kXt^oi? bzw. dor. •KXaai; (Pott 
Et. F. I 214, Saalfeld, Breal MSL. 6, 8 nadi Dion. Hal. ant. 4, 18 ; 
KXf\an heifit nur ,Ein-, Vorladune", griech. Basis nur kX»i-, nicht 
*KXa-). — Abzulehnen Stowasser Lat.-dt. Wt, Walde-P. a. O. (ala 
.Abteilung, Absdinitt' zu gr. xXdw ,bredie', vgl. dadet; Wz. *qela- 
bedeutet im Lat. nur .sdilagen, sdimettem', d. ab-, Ubertchhigen 
beim Zahlen von Reihen, Walde-P. a. O., ist keine Bed.-Parallele) ; 
Corssen I« 496 A. (: gr. KX(fTe6ui ,vor Geridit laden"; spez. gr. Bil- 
dung von kXtit6s aus); Saussure Mem. 262' (Rec. 245'), Niedermann 
lA. 18, 76 (: ai. hptlli ,Stamm, Volk'; vl. als .Anbau' zu hdrsati, 
hfs&a ,pflflgt', Uhlenbedc s. v.); Petersson a. O. (als .Niederlage, 
Depot" aus *ql3t-ti- oder *qbd{hyti- : got. af-hlapan ,flberladen', 
ahd. usw. hladan .laden", Wz. *qla- .hmbreiten" [Walde-P. I 4891; 
wird der filteaten Bed. .Heeresautgebot" nidit geredit). — Walde-P. 
I 444. 



clairi - claudB. 229 

clBtrl (eradi App.Probi, Leumann-Stolz' 127), -orum m. ,Gitter- 
werk" (seit Cato, -Stus .vergittert' seit Plaut.): aus dor. 'KXaiapo, 
vgl. att. KXQdpov, KX€i9pov, jon. iAif|Wpov .Verschlufi', mit Cenus- 
wechsel {clatra Ntr. Prop.) nadi cancelU (Sdimalz^ 369); zum a- s. 
Leumann-Stolz' 76 und unter crUpula. 

cUra, -ae f. , Stock mit verdicktem Ende, Knuppel, Keule', audi 
.Augurstab, Holzstab der Spartaner (OKurdXri, Nepos), Propfreis 
(Palfad., vL ROckbldg. zu eldvula Varro ds.)* (seit Plaut., rom., 
ebenso clamla [= u. klavla-]; clatator Pit. [zweisilblg] ,Keulen- 
trager' Lehnubersetzung von gr. KOpuvyiT»i? wie elSviger seit Ov.; 
clavularis [eursus] seit Amm. ,Transportwagen, wohl von dem 
Gitterwerk der Seiten"; Mvicula ,Stabchen* aeit Apul., vgl. Sol. 
52, 44 ferrea -a mit Plin. 10, 117 radid): mit u. klavlaf A. PI. 
,clavolas, clunis (des Opfertiers)' (vgl. d. Keulen ds.; nidit zu clanis, 
V. Planta 1 121 f.; u. Klaverniie ,Claverniis' bleibt ab etrusk^fem, 
Schulze EN. 545, Devoto St etr. 4, 242) wohl zunScfast als a-Kol- 
lektiv .Holzknoten' zu clavus (s. elattdo) in der Bed. .Knoten an 
der Oberflache von Pflanzen'; dafur sprecfaen u. a. die Synonyma 
stipes, robur, nodus fQr cl/lva und die rom. Bedd. (vgl. auch das 
Nebeneinander von .Keule' und .Kolben, Klumpen usw." in ahd. 
JcoUm .Kolben, Keule', gr. Kop6vTi ds., mnd. Mh .Keule, Ceschwulst, 
Hode', lit. bAoiS .Keule, Nadelkopf usw.; s. Cuny MSL. 18, 426ff.; 
weitere Vbdg. von clava bzw. clAvus mit Wz. *qela- .scfalagen" als 
*qla-uos ,das, was man einsdilSgt [der Nagelkopfl' ist unwrsdi., s. 
elaudo). — Weniger gutValde LEW.' 8. v., Walde-P. 1 437 (aus *5^ 
j«5- .abgeschlagenTerAst]" zu *qela- .sdilagen' unter Trennung von 
clavus; ahnlich Thurneysen Thes. : als-'cidd-wa naher zu clades; an. 
hlautr .Los', got. hlauts, ahd. usw. hlog n. ,Los', Wood Mod. Phil. 
5, 274 f., bleibt fern, s. unter elaudo). — Walde-P. I 437. 

clando (-«- vulgar aus den Kompos., Leumann-Stolz' 80), -si, 
■sum, -ere .sdbliefie, sperre zu, versdiUefie' (seit Cato, rom., ebenso 
exclude .schliefie aus' seit Plaut.; bei Pit. noch nicht daudd, son- 
dern eon-, oecluds in der Bed. .sdiliefie', eig. ,den Pflock einlegen', 
vgl. exeludere oculos .die Augen ausstoBen' Pit. Ter., s. U. Leo 01. 
10, 173 ff.; vgl. nodi claustrum, -I n. .Riegel, Versdilufi, Sperre, BoU- 
werk" seit Kt. [Dentin, -ellum seit Petron; daustrUumus s. aeditu- 
mui\, rom., ebenso clausura, elUsura , Versdilufi' seit Itala, clusia 
Gl.), clavU8, -i .Nagel, Pflodc', audi .nagelfSrmiger GriflF am Steuer- 
ruder', .Knoten an Pflanzen, Gesdiwulst, streifenartigc vertikale 
Verzierung an der Tunica (aus der Bauemspradie wie virffa, trabs, 
trabea, Daremberg-SagUo 11 1, 1242ff.; seit Enn. und Plaut, rom., 
ebenso elOeeUus .nagelartiges Gesdiwur' seit Marcell. [davulus seit 
Cato, -ieulus seit tfd.], davifigere .kreuzi^en' Eccl.; datdrium 
.Nagelgeld' Tac), ciavU, -is t. .Sdilflssel, Riegel, Stange derKelter, 
Treibkfoben' (seit Pkut, rom., ebenso davieula .SdilOsseldien, 
Zapfen, Art Vorwerk, Gibeldien, womit sidi der Weinstodc um die 
POMe sdilingt, Fessel am Fufi der Tiere', Nbf. eabieola .xXeibiov' 
Gl., Niedermann Gl. 2, 51f.): ursprfinglidier Begriff .Nagel, Pflodc', 
indem das Verpflodcen die filteste Art des Versdilusses war, bzw. 
.Haken', verbal .anhaken' (nodi im Roman, ist eldvellus ein Bolzen 
oder Nagel mit Sdilusselfunktion, s. Riditer Festsdir. Kretsdimer 



230 claudB. 




Riegel, hakenfCrmige Dse, Ruderdolle, Schlusselbein', att. kXeIuj (alt- 
att. kXiJu)), jon. kXhi*" ,verchlieke mit einem Balken, Riegel, Schlussel", 
K\€t9pov (altatt. KXf|&pov), jon, KXi^lSpov ,Schlo6, Riegel, Versdilufe" 
(KXeitn;, KXeiana, KXtiOTpov ds. vom Verbalst. kX«<j-) ; air. do, Gen. 
clui (mir. clothi PI. mit analog, -th-, Kieckers IF. 35, 341) .Nagel", 
mkymr. do , Riegel, Versdilufi', doi ,verschliefien', mbr. clou ,Eisen- 
werk' (Pedersen 1 63; aber vl. eher Lw. aus d&vus, Thurneysen Thes.; 
fern bleibt air. doim ,vinco', Windisdi IF. 3, 82, Gbd. .wende" 
nadi Pedersen II 493 f.); — *qleu- in skr. kljUka ,Haken, Schlussel, 
Klammer", russ. kljuka .Krucke* usw., davon mit Form, jo- (Meillet 
^t. 391) aksl. kljuSi m. .Schlussel', ruas. usw. kljud ds., aksl. klju- 
citi sg ,pasSMi, zutreffen", russ. pri-kljutHthsja ,gesdiehen" (Ber- 
neker 526. 528; vl. audi r.-ksl. kVuditi .sprechen, sdierzen", Ber- 
neker 527, vgl. daudm), lett. klaAt ,neigen, schmiegen', refl. kfaA- 
tiii ,sich anlehnen' (= lit. kliduUes ,sidi verlassen auf; kli&utis 
f. ,Vertrauen" und ,Irrtum"), ablaut, lit. kliuvii, kliuti „haken oder 
hSngen bleiben' (lett. kfUt .gelangen, werclen"), Kausat. kUjidaH, 
kliuA'dU ,anhaken madien" (mit -d-, s. unter daudus), kliutis f. 
.Hindernis' {kliute ,woran man hangen bleibt", lett. kfutas ,Schidc- 
sal, Ereignis, Unfall'; unklar ob wegen der verscbiedenen Gbd. 
[,Pflodc als Losstab'?] in niherem Zsshang damit die Sippe von an. 
hlautr .Los', hlutr .Los, Anteil, Sadie', ahd. hlog n. ,Los', {h)lug 
.Landanteil' usw., s. Zupitza Gutt. 119, Guntert Kal. 248'; nidit 
zu dava [s. d.] oder gr. KXfi-poi;, Cuny MSL. 18, 426'); — mit anltd. 
a- und si- aus "ski- vl. ahd. sliogan, mnd. sluten, afries. sluta .sdiliefien, 
einsdiliefien, beenden", ahd. sluggil, as. slutil .Sdilussel', ahd. slog 
n. .SdiloB' (grm. *sf.it; *sleut; v. Fierlinger KZ. 27, 191, Johansson 
PBB. 14, 289 ff.; ahd. -to- kaum Ablautneubldg. [Hirt BB. 24, 2691, 
falls mnd. silt .biegsame Stange' aus *sleuta-, Falk-Torp 1070 f., 
zugehSrt; Entlehnung von sliogan aus lat. exdudere [wie spSter 
mnd. slSse, nhd. SMeuse aus mlat. [seit Lex Sal.] exdusa, sclOsd], 
Breal MSL. 9, 93, ist sdion wegen sluggil, slog kaum zu erwagenj. 
— daudo aus *qla%i-d- vl. mit prasensbildendem d (vgl. gaudeo mtt 
dh), falls nicht in Zsshang mit daudus, daudeo (kaum *9/au<i- oder 
*qbud- : afries. sluta ; *qlaui-d- audi nidit : gr. KXa/ib- FLeumann- 
Stolz'* 93], da dies sekundsi- gegcnuber altem i-St. ; Entlehnung aus 
dor. *KXouf'(bbuj wie angebl. audi ddvis aus *KXa/'ic, daustrum aus 
*kXAAi0tpov [Thurneysen Thes.l, koramt nicht in Betradit, da 
kXiJiZu) und KXeiarpov spSte Bildungen sind; audi Herleitimg aus 
elavum dare [Wolfflin ALL. 13, 49, vgl. zur Beziehung von daudd 
auf clavus Cato agr. 21, 3] ist ausgesdilossen ; s. audi Brugmann II* 
3, 377). — Fern bleibt gr. KXf^|iia .Ranke" (aus *KX&r(ia : davietda, 
Prellwitz KZ. 47, 302; von KXf|ua .Pfropfreis' nicht zu trennen, g. 
dadis); zweifelhaft kXoi6?, KXt^ii? .Halseisen, Halsband* (AbUutet. 
*qlau- bedenklidi, s. Boisacq), ai. viklapah .benommen, klcinmfltig" 
(Persson Beitr. 158; leidite Basis *qleu- sonst nicfat gesidiert). — 
Unsicfaerer Lesung und Deutung pal. clisuist .clusum est* (mit { aiw S 
V. PlanU 1 130, ffibezzo RIGI. 14, 82'; eher elisuist .elisa est', Giiea- 



claudus - clemeiis. 231 

berger KZ. 54, 63; unwrsch. Ehrlich RhM. 68, 605: *clinxa, zu 
dingo). — Vgl. claudus. — Walde-P. I 492 ff. 

clandns, -a, -urn (vulgar clodus [vgl. Clodiua neben Claudius, 
Leumann-Stolz^ 79], vereinzelt [Plaut hss., Spatlat.] cludus nach clUdo 
neben clattdo) ,lanm, hinkend' (seit Plaut., rom.; -aster Gl., -icus, 
■igo, clsdimen Chiron, -itas seit Plin.), elaudeo, -surus, -ere ,hinke' 
(seit Caecil., -«- Lucil. Auson., vgl. clUdus; nach claudo ,sdiliefie* 
auch claudo, -ere Sail. Fronto usw.), claudiea, -oft, Sre ds. 
(seit Cic., vulgar -6-): nach Fick KZ. 20, 164 f., Wb. I* 395 zu lit. 
kliauda, kliduda .korperliches Gebredien", klidudq padarpti ,Possen 
treiben, indem man sich z. B. lahm stellt' (*qleu-d-; r.-ksl. ktuditi 
,scherzen', Berneker IF. 10, 151, hat eine andere Gbd., s. Ber- 
neker 527); dodi gehort lit kliaudi zunadist zu kliaudaH, kliaudyti 
jhindern', ablaut. kliudaH, -yti .anhaken machen* (vgl. auch kliduU 
jHindernis, Gebrechen", lett. kfUme .Hindernis, Versehen', kfams 
,verhangnisvoll' und russ. kljukdti, kljuiilt ,niit der Krflcke eehen, 
hinken", slov. kljukati .wankend einhergehen', Uiinskij AslPh. 29, 
490), und claudus .hinkend' konnte vl. nach Walde LEW. s. v. erst 
im Sonderleben des Lat. entwickelt sein, sei es aus *cl&vidos ,niit 
Haken versehen, gehemmt' (zu clSvis, cldvus) oder als Sonderent- 
wicklung aus elaudC in alterer Bed. ,anhaken, hemmen* (nidit 
,schlagen' [MuUer Ait. W. 91]; ev. zu 'claudere ,angehakt, gehemmt 
sein', doch wSre hierbei *claudidus zu erwarten). — Abzulehnen 
(da trotz Sutterlin IF, 25, 67 lautlich nicht zu vermitteln) Noreen 
Ltl. 90, Zupitza Gutt. 107 usw. (: got. usw. halts, ahd. halz ,lahm", 
air. kymr. coll, bret. koll .Verderben, Schaden"; vim. als *qol-dos 
,gebrochen" zu '^z.*qeUl-d- in clades [s. d.], Zupitza Gutt. 107, nicht 
zu \s)qel- ,drehen', s. coluber, scelus; russ. kold^ka .Hinkender', 
koWyhath. koltdtt .hinken" [Uhlenbeck PBB. 30, 288 usw.] bleiben 
nadi Berneker 660 fern, ebenso arm. kat ,lahm" [s. Pedersen KZ. 
39, 380], ai. kho^ah, riditiger khorai, .hinkend" [s. v. Bradke KZ. 
34, 152 ff.], air. claim .besiege', Strachan IF. 2, 370, s. unter claudo); 
V. Bradke a. O. 153, Wood IF. 18, 28. AlPh. 23, 195ff. (vgl. audi 
Niedermann IF. 10, 226. BB. 25, 295) (: ai. srdvaria(i, Sro^ah .lahm', 
weiterhin nadi Bradke und Wood als .huftleidend" zu iroifib "»• f- 
.Hufte', lat. clunis [vgl. audi lit. Slil-mas, -has .hinkend'], deren 
Vokalismus, idg. -ou-, trotz Skala List. fil. 47, 10 ff. von claudus ab- 
weicht; s. audi uber ai. irdva^nft, gr. xpoib?, an. hrumr .gebrech- 
lich' unter caries, cruor, Walde-P. 1411).— Abenteuerlidi Mahlow 
Neue Wege 449 f. {clodus : gr. x\u\6<i, kuX\6?). — Walde-P. I 492. 

Claris, clBrns s. claudo. 

clanstritamns s. aeditumus, claudo. 

claxendix s. elacendix. 

Clemens, -tis .mild, nadisiditig; sanft, ruhig, gelinde' (seit Plaut., 
■ia f. .Milde' seit Ter.): nadi Breal MSL. 3, 248 ff. (mit falsdier 
Analyse 'clemen .Neigung' + *«-), Osthoff ALL. 4, 463 A. aus Part. 
*klSio>nenos (woraus *kti^emenos, *kle'emen(o)s .angelehnt, geneigt' 
= ai. irdyamdtiak ,sich anlehnend* za irdyate, s. cliins, cUno (vgl. 
zur Bed. proclivis [tvonadi climens mit ad c. ace. CE. 795, 7] und 
propitius, gr. irpoireTi^? [die erst seit Sen. begegnende Bed. .sanft 
ansteigend" ist wohl trotz Br^al a. O. sekundar und metaphoriscfa], 



232 clepO - cllbanus. 

sowie zum Lautlichen vehemena, Gotze IF. 41, 141, audi gegen An- 
lehnung an mens; Walde-P.'s Einwand [I 490], dafi *cleomenos zu 
erwarten — der ubrigens audi fur vehemens gelten wurde — , wiegt 
nidit, da die Bildung nidit in die Zeit der Dreisilbenbetonung her- 
abgerudtt werden kann; alumnus, calumnia usw. enthalten entweder 
ursprgl. -mno- oder unter andem Bedinguneen synkopiertes meno-, 
vELMeilletMSL.21, 197, Meillet-Vendryes 333). DerUbertritt in die 
Flexion der Part, auf-ent- erfolgte erst nadiEintritt derSynkope (nidit 
uberzeugend Charpentier KZ. 40, 464 A.). — Abzulehnen Thurneysen 
Thes. nadi Sdimidt Vok. II 354 (vgl. audi Saussure Rec. 357 f.) (zu 
ai. Srdmyati neben Mdmyati ,wird mude", Srdmali ,Ernjudung, Er- 
sdiSpfung', gr. xXa^apdv " itXabapdv. doOevf^ Hes., air. clam ,aus- 
sStzig', kymr. usw. cia/ ,krank"; die in der Bed. wenig ansprediende 
Gleidiung verliert durdi die Annahme einer Umbildung nadi vemens 
[Thurneysen; nidtt *elem-eo = sram-yati, Saussure a, O.] jede Glaub- 
wurdigkeit); Fay AJPh, 24, 72, KZ. 42, 382 ,auB *tle-mSng (mit dul- 
dendem Sinn^ : gr. TXi'j-Suiio? neben TCiXai-q)pu)v; cl- aus *tl- wird 
durdi sclitibus nidit gestutzt, durdi lotus aus *tldtos widerraten; 
auch semantisdi unbefriedigend) ; Petersson Bait. u. Slav. 61 (aus 
*kleks-ment- zu ai. ilaksndh ,weidi, glatt, zart", lit. Slakas ,Tropfen, 
Fledc, Kledcs' [s. Walde'-P'. 1496. II 7051; eine Bed.-Entw. Jeudit : 
weidi : mild' ist ganz willkurlidi). — Walde-P. I 490. 498. 

clepo, -pst (: eicXEii/a, Sommer Hb.'554; zweifelhaft clepi Pacuv. 
trotz Leumann-Stolz'' 332), -ptum, -ere .heimlidi stehlen", ubtr. ,Vorte 
aufschnappen', refl. ,sidi hinwegstehlen, drudcen' (seit Plaut., elepto, 
•are Cypr. Gall., cleps ,fur" G\): gr. kX^tctuj (*KX€itiiu, Fut. kX^I|iiju, 
Pf. K^KXoqia, Aor. ^xXdnriv u. dicXdcpSriv) ,stehle, verhehle, hinter- 
gehe', kXoii^, xXiiTOt n., KX^|i^a ,Diebstahl', xXdji)), KX^utris (daraus 
clepta Pit. True. 102) ,Dieb', got. hlifan .stehlen' (= elepo), hliftus 
,Dieb' (Sdiuize KZ. 49, 252); mir. cluain ,Betrug, Sdimeidielei' 
(*klop-ni-), cluainech .trugerisdi' (Strachan BB. 20, 14); dazu (trotz 
Hirt BB. 24, 269) apr. au-klipts ,verborgen' l*-kl,pt6s, Trautmann 
Bsl. W. 137; nidit besser Baga Kalb. I 71 : lett. klipis .SdioB' usw., 
Walde-P. I 498) und, mit anl. si- aus *sql- (Siebs KZ. 37, 285, 
van Wijk IF. 34, 375fJ, lit. slepiu, slipti ,verbergen'. — Fern 
bleiben SiTm.koiopui .Diebstahl' (s. Pedersen KZ. 39, 378); ksl. po- 
klopi .Dedcel, Tur', za-klopi ,Schlo6*, za-klengti, Aor. zaklepe 
,8chlieCen' (Sdiallwort, 8. Berneker 513). — Die (z. B. im Griedi.) 
vorliegende Bed. .verheimlidien, verhehlen' madit wahrsdieinlidi, 
dafi *klep- Erw. von *kel- .verbergen' ist (vgl. von *kelu- gr. ko- 
XCiitTU) unter celO, Curtius 149, Persson Wzerw. 51, Brugmann IF. 
20, 223, Hirt Vok. 159); falls aufier apr. au-klipts, das westidg. 
Guttural haben k5nnte, nodi av. karasa- m. ,Wegelagerer, Strolch' 
(*fc/p-«fco-?, Sdieftelowitz ZII. 6, 99; dodi s. Bartholomae Wb. 469) 
zugehoren sollte, ist idg. Reihenwedisel anzunehmen. — Fern bleibt 
wohl dtpeus, clupeus ,Schild' (s. d.). — Walde-P. I 497. 

cllbanng; -i m. ,Badtpfanne, Ofen" (seit Ceb.; gloss, audi , ca- 
mera*, wis das entlehnte aga. 6Uofa, an. kiefe ,Gemadi mit Ofen', 
Huge Grdr. P 336, Gl. 2, 55) : aus gr. kXiPovo? (att. Kpipavo?) ,ir- 
denes oder eisemes Gesdiirr, in dem man Brot buk' {ellhanltes ,im 
Ofen gebadcen* seit Plin. Val. aus icXTpaviTTH d».i umgekehrt nXipa- 



cliens — clings. 



233 



vdpio; aus ellbanarius ,gepanzerter Reiter" seit 4. Jh.). Veitere 
Verwandtschaft s. unter tibum. 

cliens, -tis m. (f.) ,der sich an einen patronus schutzeshalber 
anschliefiende Klient, in Rom der halbfreie Hintersasse eines Ge- 
schlechts" (audi ganze Gemeinden und KSrperschaften, Formel in 
fidem recipere, IF. 47, 183, Heinze Herm. 64, 151; seit XII tab., 
clienta t. seit Plaut. nach llberta, Nehring IJ. 12, 356, -ela .Sdiutz- 
verwandtschaff seit Ter. nach ttU-Ua usw., Leumann-Stolz' 217) : 
nach L. Meyer BB. 5, 176 ff., Bersu Gutt. 180, Wackernagel Berl. Sbb. 
1918, 410 als ,der Anlehnung gefunden hat' Part. Aor. (vgl. parens) 
zu ai. dSret ,er lehnte an' (vgl. d-sritah , der Halt und Sdiutz sudit'), 
zu Wz. *Mei- in clino s. d.; vgl. zur Bed. das Kausativ ai. srapdyati 
(fur alteres *srepdyati [Brugmann IP 3, 256] = got, hleibjan c. dat. 
,sich jds. annehmen', eig. ,jdm. Anlehnung, Sdiutz gewahren' nach 
Wackernagel a. O. [vgl. ctipeus]; dodi ware hierbei got. *hlaibfan zu 
erwarten), an. hlita {*Jclei-d-) ,sidi zufrieden geben mit, vertrauen auf. 
Die itr.-mediale Bedeutung macht bei einer isolierten Bildung (vgl. 
den Typus seguens : sequor, volvlns : volvor) keine Schwierigkeit. — 
Abzulehnen Corssen II' 740, Curtius 151, Neumann bei Gercke-Norden 
III' 438 f. (aus *clu-jfins : elueS als ,der auf den Namen des Grund- 
herm hort, seinen Geschlechtsnamen tragt'; lautlidi und sachlich 
sdiief, die Sdireibung elu- begegnet nur einmal Plaut. Trin. 471 im 
Ambros. und ist nicht alt, s. Tnurneysen GGA. 1907, 805; audi aksl. 
usw. sluga m. ,Diener" [sluzg, -iti ,diene'] gehort nicht zu cltieo, 
sondern als konkretisiertes Abstraktum ,IIilfe' [vgl. russ. pogltiga f. 
,Dienstleistung', Brugmann IF. 19, 377'J zu lit. slaugA f. ,da8 Die- 
nen", paslauga ,Hilfeleistung', zem. slaugaH, -yti ,helfen', air. sluag 
jSchar', teg-lach [Hego-slougos] ,Hauseenossens5iaft, Familie', kymr. 
usw. llu ,Heer', U-lu .Familie', s. Fraenkel WuS. 12, 196, Traut- 
mann Bsl. W. 268 f., Walde-P. II 716). — Verfehlt Maresdi Mitt. 
Ver. kl. Phil. Wien 7, 53 f. {diins aus etr. clan ,Sohn' wie angebl. 
audi 'Hpa-KXf^? aua *-KXdevT5 ,Jimonis cliens' ; lautlidi unhaltbar, und 
fachlich ist - trotz Cortsen St. u. B. 64, Ernout BSL. 30, 108 - etr. 
Herkunft nicht zu begrunden, vgl. Sittig Gnom. 7, 36). — Walde-P. 
1490. 

clima s. cUno. 

clingo, -ere jcingo* (Paul. Fest. 56) oder ,cludo' (GL): nadi 
Johansson PBB. 14, 298 zu Wz. *qleng- ,biegen' in an. hlekkr 
„Ring', PI. hlekkir .Fessel, Kette' {= ags. hlence [engl. link] ,Glied 
oder Ring in einer Kette', grm. *hlanki-), ahd. as. hlanka ,HOfte, 
Lende' (,*Einbiegung'), mhd. lanke ,Hufte, Seite, Weidie' (aus 
frz. fianc ruckentlehnt nhd. Flanke), ags. Mine ,Abhang, Hugel", 
hlanc ,schlank, dunn", mhd. gelenke ,Biegung', lenken ,biegen', 
nhd. jleiten'; daneben *qlenq- (vgl. unter cingo) in abg. klfig, -ali 
,knien', ksl. klfkng- -nQti ,sicn knien', po-kl§cajf, -kl(cati ,sich 
krummen, hinken', russ. kljadi ,Knebel, Querholz* usw. (Berneker 
514 f.). — Fern bleibt ai. irw-kha-la , Kette, Fessel' (s. Walde-P. I 
409^. — Eine Reimw«. ist *ie(n)q- .biegen" (s. Guntert WuS. 11, 137, 
Walde-P. II 435); ferner *slenq, *sleng- ,winden, drehen' in ahd. 
slingan ,winden', refl. ,kriecfaen', ags. slingan, tlincan ,kriedien' 
usw. fWalde-P. II 714f.; vl. dissim. aus **sqlenq-); {g)qrengh- in u. 



234 cllno. 

krenhatrum, cringatro .cinctum, Schulterband als Amtszeidien' 
(v. Planta I 291. 468, Buck-Pr. 26. 65; an sich auch -ng- aus idg. 
-ng- Oder -nk- moglidi), an. hringr, ahd. usw. hring „Ring', rinka 
,Spange' {hringan ,winden, kSmpfen', vgl. cingo), abg. krQg% ,Kreis', 
ksL *krQgh .rund' usw. (Walde-P. II 569 f.; vgl. {s)qrenq- in mss. 
krjaSh .Knebelholz' usw., und [s)qreng- in mnd. schrank n. ,Gitter, 
Zaun, Verschlufi' usw.). — Walde-P. I 498 f. 

clinS; are jbiege, beuge, neige' (spatlat. und rom., verselb- 
standigt aus den Kompos.; cltnatus ,geneigt' sdion Cic. unter dem 
EinfluB von gr. k\{viu wie clinamen n. .Neigung' Lucr. nach gr. 
K\l|ia, -alus m. .Abwandlung' Grarain. nach xXiai;; vgl.^ ac-cUno 
,lehne an' seit Ov. [rom., ebenso acdlnis ,geneigt' seit Verg.], de- 
,lenke, biege ab' seit Plaut., rem., in- „hinneigen, ins Wanken 
bringen' seit Enn. und Pit., rom. [daraus inelinis, -us seit Manil.], 
pro- jvorwarts neigen' seit Caes., re- ,zurudc-, anlehnen" seit Varro, 
Cic, Caes., 'vgl. reclinatorium n. ,Ruckenlehne" seit Vulg., Sofer 
Isid. 91): ags. hlinon, ahd. {h)linen ,Iehnen (itr.)', aes. hlinian, 
hleonian ds., kaus. ahd. {hy.einen, ags. hltenan ,lehnen (tr.)" (west- 
idg. *klina; themat. Umbildung eines idg. *kli-n&-ini, vgl. unten 
kXTviu, lett. slienu; ir. *cienaim — vgl. Inf. cleth - wurde ersetzt 
durch das Denom. doenaim von doen ,schief', Marstrander Pr^s. a 
nas. inf. 43, Pedersen IF. II 303, Brugmann IP 3, 299. 301. 303 f.), 
av. srinav; srinu- ,lehnen" (Bartholomae Wb. 1638, Meillet BSL. 27, 74), 
gr. kXivu), lesb. kXIvvud (*KXl-v-iai1, Put. kWvu), Aor. IkXTvo, Pf. Y.i- 
yM,\»}.\ , neige, beuge, lehne an"; itr. , neige hin"; Pf. Pass, ^liegen' 
(kXivt] jBetf, kXivti^p .Ruhebett)', ostlit. Uinil, iimi (mit durdi- 
gefuhrtem n. Specht Lit. Mund. II 53), lett. slienu (lit. dial, ilienu), 
siiet .anlehnen" (Endzelin Gramm. 577, Brugmann a. O. 321), lit. slyn, 
slyti ,nach vorn oder zur Seite sinken"; Wz. *klei- , neigen, lehnen' 
in ai. srdyati ,lehnt, legt an" (= lit. alt und dial, ileju, vgl. auch lett. 
diju, s. u.), iraynte ,lehnt sich an, befindet sich", sritdh (= av. srita- 
[: sray-], gr. kMt6i;) .angelehnt"; kXIok; (•k\1-ti-), -em? f. .Neigung", 
KXioia f. ,Hutte, Zelt, Lehnstuhl, Ruhebett" (KXimd&e? .Flugelturen", 
bi-xXibe? ,zweiflugelige Tur", Fraenkel KZ. 45, 168 f. unter Trennung 
von horn, yikaaiov ,wirtsdiaftsgebaude, Schuppen" nach Sdiulze Q. 
ep. 295'; kitkXIi; s. unter cingo), hom. KXia^6i; , Lehnstuhl, Ruhe- 
bett", kXItuc, richtiger kXeitu?, «5o? f. ,Abhang, Hugel" (vgl. kX£?toi; 
[Alkm.], hell. kXIto? ds., Wackernagel Sprdil. Unt. 74 f.), xXt^aE f. 
,Leiter", nXtua n. ,Neigung, Gegend, Weltgegend" (daraus lat. elfnia 
[-1- erst sp3t] ,Himmelsgegend, AckermaB" seit Vitr., rom., Wacker- 
nagel a. O. 76'); mir. de, kymr. dedd, bret. kleiz, korn. dedh ,link" 
(= .schief", 'Mi-jfis; vgl. zur Bed. lat. clivius .unheilbringend'', 
eig. ,schief", got. hleiduma ,link", Superl. von *Midu-), mir. fo-chla, 
kymr. go-gledd ,Nord", mir. den .Neigung, Wunsch" (: kymr. dichlyn 
.wachsam' aus *di-s-dln; Loth RC. 42, 87 f.), air. doin, doen 
,schief, krummruckig, schielend, ungeredit" (*t/ot-no- = gTin.*hlaina-, 
8. v.), mir. diath .crates', kymr. dwyd ,Hurde, Barriere" usw. 
(*klei-tO; Pedersen I 121; nicht aus mlat. deta, s. Thurneysen lA. 
4, 44, Vendryes De hib. voc. 127; gall. *deta in frz. daie usw., 
Meyer-Lflbke n. 1988), dyd .gesdiutzt", mir. dithe .Dachbalken, 
Dach", dithar ,Hag" usw. (: got. hleipra f.. s. clltellae); ahd. 



olinS — clipeus. 235 

hlina ,reclinatorium', hlinS ,cancelli', got. *hlain.i m. oder *hlain 
n. .Hugel", an. hleinn jFelsvorsprung" (: lett. slains ,emschussig 
[wo man einsinkt]', lit. at-slainis „Erker, Anbau an ein Gebaude"), 
got. hlaiw n., urnord. hlaiwa, ahd. as. Meo m. „Grab(hugel)', ags. hlOto 
m. „Crabhugel, -stein' (= lat. clivus, s. d.), got. hlija (m.) ,ZeIt, 
Hutte' {*hliwa zu lindem, Stokes IF. 12, 186 f. m. Lit., ist kein Grund; 
an. hie, hly „Schutz' usw. eher zu caleo, s. d.), an. Mid i. ,Abhang, 
Berghalde* (= ahd. lita, nhd. Leite), ablaut, hlid f. ,Seite' (ags. hlfd 
n. ,Halde, Hugel'), hlid n. ,DfFnung, Tur' (= ags. hlid n. .Dedcel, 
Tur", ahd. lit , Deckel", nhd. Lid), ags. hlader, ahd. hleitara f. 
„Stiege, Leiter" {*klei-dhrS.); lit. (sekundar) Miejii, Slieti (alter zem. 
slejil = lett. sleju [neben sliiu, slienu, s. o.j, gliet, Endzelin Graram. 
566, V. d. Osten-Sacken IF. 33, 199 f.) ,anlehnen", uti-shjgs ,schief ge- 
worden, sich neigend", apr. slat/an n. .Sdilittenkufc' (lit. Sldtjos F. PI. 
,Schlitten"), lit. itelvas ,krumnibeinig' (ablaut. sUvis m. ,krumm- 
beinige Person"), ilaitas m. ,Abhang", slitls i. ,Garbenhodce" (= gr. 
KXim;), alit. sUtes F. PI. .Leiter", lett. slita ,aus liegenden Holzern 
gemachter Zaun" (: lit. zem. pa-Hitas ,obliquus' = gr. kXit<Sc, ai. 
sritdh), — Unsidier ist die Zugehorigkeit von arm. linim ,werde, 
entstehe, gesdiehe, bin' (vgl. zur Bed. ai. irdyaig, gr. K^KXi|Liat, 
Hubsdimann Arm. Gr. I 451; anders Pedersen KZ. 36, 341.^39, 343: 
alb. kle, He ,war", idg. *ql'), leatn. Gen. letin ,Berg' (*kleiu-aren 
Hubschmann a. O. oder eher *kleitrno- [nicht kleitrd, Scheftelowitz 
BB. 28, 2921; anders Petersson Heterokl. 176ff.; ClUernum, Johans- 
son Beitr. 126 f., bleibt als wrsch. etrusk. fern); got. hleibjan ,sich 
annehmen' s. unter cliens, clipeus; abg. klitb ,Gemach' unter clt- 
tellae. — Wz. *klei- ist Weiterbildung von *kel- ,neigen' in an 
hdllr, ags. heald, ahd. hold ,eeneigt*, halda (nhd. Halde) .Bergab- 
hang', hold, got. hulps ,geneigten Sinnes, gnadig', lit. Sails ,Seite, 
Gegend' (s. ausculto, Walde-P. I 431 f., audi zur Trennung von lit. 
atkalta, atkaltS ,Rudcenlehne', atsikalti ,sich lehnen' [II 599] und 
abg. kloniti, sloniti ,neigen, beugen', Berneker 522 f.); zu weit- 
gehende Verknupfungen bei Wood AJPh. 23, 195 fiF. (: celo u. a.), 
Sutterlin IF. 25, 66 (: collis; s. Persson Beitr. 915). — S. noch cliens, 
Clemens, clltellae, clivus, cltvius; Zss. tri-cllnium, -t n. 
,Speise3ofa, Speisezimmer' (seit Varro) ist nach bi-sellium u. 3. um- 
gebildetes gr. TpI-KXivov (Leumann-Stolz' 210). - Walde-P. I 490 ff. 
clipens (-wm Pompon, al. nach scutum, Schmalz' 368), cUipeus, 
-i m. ,runder, eherner, vom Hals bis zu den Beinen reichender 
Schild', auch ,scfaildformige Cegenstande wie Brustbild, Himmels- 
gewolbe, Sonnenscheibe' (seit Enn. imd Plaut., clipeitus ,mit Sdiild 
versehen, Schildtrager* seit Plaut., davon clipeo, are seit PacuV.; 
cUpeolum seit Hygin, clipellarius Not. Tir., vgl. inschr. Clipe&riu^, 
Clupiarius, Schulze EN. 417; s. auch dupea f. .Kleiner Fisch, Alose'): 
unerklart, wohl Fremdwort, wofur Thumeysen Thes., Ernout BSL. 
30, 113 f. das Schvanken zwischen -«- und -«- (vgl. Brattil, Brittii; 
Brundisium, Brindisium) geltend machen; dodi liefie sich dies auch 
bei einem Erbwort (vgl. lubet libet, Sommer Hb.' 69) verstehen. 
Etrusk. Herkunft (Ejnout a. 0.) ware vl. zu erwagen, wenn die Be- 
urteilung des falisk. Gentilnamens Clipe&ritis (Herbig ad CIE. 11 
8352 f.) sidierer stunde. — Wenig wrsch. Curtius 539, VaniCek 63 



236 clitellae — cllvus. 

(mit altem « zu Wz. 'kelur in gr. KaXOnriu .umhulle', Ka\0-pri 
,Hutte', s. unter cella, celS); Walde LEW.' s. v. (: Wz. *glep- ,ver- 
stecken" in clepo); Aufredit KZ. 1, 361, Froehde BB. 21, 329, Fay 
CI. Qu. 5, 121 (: got. Meibjan ,sich jmds. annehmen", ahd. liben, an. 
hlifa jSchonen, schutzen', hlif i. ,Schutz", hlif-skjfldr m. .Schild'; 
s. uber diese unter cliens [anders, aber in der Bed. unbefriedigend, 
Zupitza BB. 25, 94': air. ctiab .Korb* aus *kleibhos]; da6 die Sdirei- 
bung mit -t- die ursprungliche, -u- nur gelehrte Volksetymologie des 
Liv. Andr. nach odKo; eOpO KoXOtf/a; sei, lafit sidi trotz Fay a. O. 
durdi die inschr. Uberlieferung, die nur in der Bed. .Brustbild' 
haufiger clup- als clip- bietet, sonst beide Formen unterschiedslos 
zeigt, nicht erweisen; falls •♦- ursprunglich, ist derWechsel audi bei 
einem Fremdwort verstandlich, vgl. sibina, suMna), — Walde-P. I 432. 

clitellae (er- Chiron, Meillet BSL. 30, 126), -drum f. ,Sauni- 
sattel, Packsattel fOr Esel und Maulesel", ubtr. ,Folterwerkzeug" 
und ,Ortlichkeit, von der sattelartigen Form' {hca quaedam devexa 
subinde et accllva Paul. Fest. 59; seit Plant, ebenso -Arius ,einen 
Packsattel tragend"): Demin. von *elitra {*klei-tra) = u. hletram 
,£eretrum, lecticam' (Bucheler Umbr. 154, v. Planta I 147. II 20; 
daraus etr. clelram nadi Cortsen Gl. 18, 199 u. a.; anders Coldmann 
Beitr. I 24 f. II 23), got. hleipra f. ,Zelt" (von den gegeneinander 
gelehnten Hauptstangen in Dachform, Meringer IF. 16, 210), ablaut, 
mir. clitkar jHae', kymr. cledr-en „Sparren, Latte, Zaun* (*kli-tra, 
Zupitza KZ. 35, 259); mit -dhro- ahd. lh)Uitara ,Leiter" (*klei-dhra). 
Zxx clinS; zur Bed. , Packsattel* (ubtr. vom Satteldach mit horizon- 
talen Bindehdlzern, eine noch heute auf dem Balkan zu findende 
Form) s. Meringer a. O. — Fern bleibt arm. leatn ,Berg" (s. clino); 
unsidier alb. Xur, hiuer .Vorratsraum, Stall' {*kldr aus *klg{i)tr-^, 
Jokl Ling.-kult. Unt. 95 ff.), abg. klitt f. ,Gemach, Zelle' {"kloi-ti-, 
Meringer a. O. 119 £F.), russ. klilt ,Gaden, Vorratskammer' usw. (s. 
Bemeker 517 f.; es mQfite Gutturalwechsel vorliegen wie in abg. 
kloniti neben aloniti ,neigen'). — Walde-P. I 490. 

cIlTing, -a, -urn ,unheilverkiindend" (von Auspizien, auguria 
Paul. Fest. 64, avis Plin.) : urspr. ,schief, link' zu cUno, vgl. zur 
Bed. scaevus .link", wenn urspr. „schief", auguria clivia neben a. 
sinistra Val. Max., avis clivia neben aves sinistrae Ov., und von 
derselben Wz. mir. cU, kymr. usw. cledd ,link' {*kli-%os). got. hlei- 
duma .link' (Fide II* 101; falsch VaniCek 320: clavus). — clivia 
(loea) Grom. ist Neoprimitivum zu de-, proclivia. — Walde-P. I 490. 

cliTHS, -t m. (-a, -Oram n. Cato al., Zimmermann Gl. 13, 228^. 
,HQgel, Bergweg, Anberg, Aufgang' (seit Plant., -osus .steil' seit 
Verg.; vgl. ac-ckvis [-us sp5tl.] .ansteigend' seit Lucilius, de-cllvis 
[■us spStl.j .absdiussig, geneigt' seit Caes. und Sail., pro-clivis 6s. 
seit Naev., -us seit Pit. ; s. zum Wechsel von -is und -us Leumann- 
Stolz' 233 f.): zu clinS (s. d.); vgl. mit mo- bes. got. usw. hlaiK n. 
.Grabhugel" (daraus abg. usw. chlev^ .Stall', Gbd. wohl .Grab- 
bshle", 8. Berneker 389 m. Lit.), lit. iletvas .krummbeinig'. — Lat. 
cftPKS wohl aus *kloi-uf)s {■= got. hlaiw, Solrasen KZ. 38, 453, Sommer 
Hb.' 76), kaum aus" klei-uos, vgl. rl-vos (Meillet BSL. 27, 74). — 
Walde-P. 1 490. - e \ 



cloaca — clueS. 237 

cloSca, clnaca. alter clovaca (vulg. cloca, cl&ea, eo(v)aela, s. 
Solmsen Stud. 141 f. 149, Baehrens Komm. 58f., Sommer Hb.' 110, 
Leumann-Stolz'> 91. 107, Schopf Femwirkungen 202, Heraeus RhM. 
79, 267') ,unterirdisdier Abzugskanal" (seit Plaut., rora., elo&calis 
seit Cato, cloacare jinquinare' Paul. Fest. 66, spatl. -arius, -Inus, 
vgl. CloScina [Clur hss.] ,G5ttin der cloaca maxima", Wissowa PW. 
IV 60): von eluere ,purgare', s. d. (Curtius 151, Vanifiek 72). — 
Walde-P. I 495. 

cloc(c)a s. clango. 

clodns 8. clattdus. 

cloppns ,lahm, hinkend' (xai\6c, okeX\6;, Xopb6;, pandus CI., 
Not. Tir. [ALL. 12, 82]; daneben grapptis Ps. Philox. ed. ac. Brit. 
II 162 trotz Ronsch Coll. 137 wohl nur verderbt; rem., neben selop- 
pus, vgl. alb. Wep , hinkend' [C. Meyer Alb. Wb. 410] aus *sel6pus; 
B. Crober ALL. 1, 547, Meyer-Lubke n. 1997, BrQdi Misc. Schudiardt 
40): unerklart; vl. ahnlich wie stloppus, scloppus ,Klaps' (s. d.), 
mit dem es jedenfalls sekundar vermengt wuide (nidbt urspr. iden- 
tisch, Stolz HG. 1257), Schallwort; vgl. Shnlicfa nhd. klUppem ,klap- 
pernd laufen', ablautendes frz. clopin-clopant ,humpelnd* mit nhd. 
dial. Knipperl-Knapperl fur eine hinkende Person, u. del. — Her- 
leitung aus gr. x*"^^-. X<*'^ot"'''<'"S ,lahmfuCig" (Diaz wb. 11 260) 
ist lautlich unmoelich; naturlich nicht Erbwort aus *clddi-pus {*pod- 
,Fu6'), Mahlow Neue Vege 450. — Kymr. doff, akorn. clof .hin- 
kend, lahm' ist lat. Lw. (Pedersen I 238), so dafi fur gall. Herkunft 
(Fick II* 103) kein Anhalt bleibt. 

clncidatng ,8uavis, iucundus" (Naev. bei Varro 1. 1. 7, 107, Paul. 
Fest. 55, gl- ib. 98, CI.) : von gr. yXukOi;, dial. *"fXoKlbb€iv. Leumann- 
Stolz' 125. 

clnien, -inis {eludo, -inig?) .das Sdiwert des rom. Sdiauspielers' 
(Apul. apol. 78) : wenn richtig uberlief. (was auch wegen der heroischen 
Klausel hochst unsidier ist ; gladiolus coni. Leo), vl. nach Doderlein 
Syn. VI 68 aus dem Criech., vgl. KoXoibtov iiapa£iq>tbiov Hes. 

clddns s, elaudus. 

cIneS, -ere (seit Enn. und Plaut.), sekundar (seit Sen. [nicht Ace, 
s. SdiSll ALL. 10, 116], nach Mjui) duo, -ere .werde genannt, heifie', 
in-clutus .beruhmt' (seit Naev., == ai. irutdh, gr. xXuTd;, s. d., 
Meillet Festschr. Kretschmer 141. BSL. 29, 120; clutum ,K\uTiv' 
Paul. Fest. 55 sdieint nur Crammatikerfiktion zur ErklSrung von 
inelutus), eluor ,b6Eo' CL, cluvior .nobilior' GL, prae-cluig 
,sehr berQhmt' Mart. Cap. (Ruckbldg. zu spatL praeehi^e)6) : Wz. 'kleu- 
.horen", vielfadi im Sinne ,was man viel nennen und ruhmen hort' 
(vgl. ai. srUydte ,hei6t', gr. KX^Ofiai ,habe den Ruf*, aksl. slovg 
, heifie" usw.); o.-u. nur in EN., o. Kluvatiia ,Clovatius" f= lat. 
Clovatius [Clo-, Clu], vgl. Cluentius, Cloventius, Sdiulze EN. 483), 
volksk. Cloil. .Cloilius' (= lat. Cloilius, Cluilias, Cloelius, Clylitis, 
Schulze a. O. 184«), u. KluviUr .Cluvii" (= lat ativiug [Cluius, 
Clovius], vgl. ON. Chmae; s. v. Planta I 326, Solmsen Stud. 142 ft. 
Otto N. Jbb. Suppl. 24, 874 f.): als e-Verbum mit der Tiefstufe "klu- 
(Solmsen Stud. 133, Meillet- Vendryes 269; nicht *eloveO : ai. irdvdtfati 
,la6t horen' wegen der Bed.) zu ai. g^-n-6ti ,hort" i^klneti-, Saus- 
sure Rec. 228; wohl ebenso sekundSr wie *kln-n- in av. surwnaoiti 



238 clue3. 

,hdrt, steht im Rufe, heifit', air. ro-elui-nethar ^hort', s. Meillet 
MSL. 15, 337, Thurneysen KZ. 51, 58, Marstrander Pres. a nas. inf. 
19 f., Brugmann IP 3, 326 m. Lit.), srudhi .hore", Aor. d-iro-t. Part. 
srutah ,geh6rt, beruhmt' (:= av. sr&ta-, gr. kXut6?, arm. lu ,kund', 
grm. *hlufia- in ahd. Hlothari usw.), sravdyati ,lafit horen* (= av. 
srivayeiti ,verkundet", aksl. slavlj^, slaviti jpreisen'), iruydte ,wird 
gehSrt', irutih ,das Horen", srotram n. ,Ohr' (= av. sraoQra- n. 
,das Singen", ahd. hliodar, ags. hleodor n. ,Ton"), sromatam n. 
,guter Ruf (== ahd. hliumunt ,Leuinund"), av. srav-, srv-, z. B. 
srao-tu ,er soil horen" (Bartholomae Wb. 1639 f., Wackemagel Berl. 
Sbb. 1918, 386), sraoman- n. ,Geh6r' (: got. hliuma m. ds.), sraota- 
n. ,das Horen" {= an. hljod n. ,Zuhoren, Stille, Laut'); arm. hem, 
Aor. luaj ,h6re, horte' {*Mu-ke-, Meillet BSL. 26, 3 gegen Brug- 
mann II* 3, 351), lur ,Kunde, Gerucht" ; toch. A Icaklya „beruhmt', 
B klyowontr .werde genannt", A klnsdiri Dual ,Ohren", B Iclautso {*-ti6) 
jGehor der Fische' ^chulze ting. Jb. 7, 170, Pedersen Groupem. 30); 
gr. KXd[/']ai ,mache beruhmt, rdnme', KXd[,/"]oMai ,werde beruhmt", 
horn. Aor. xXOdl (sek. fur *kXuSi, Brugmann-Thumb* 391), k^k\u9i, 
KXOjLievoi;, JkXuov (= ai. Sruvatn; dazu sekundar kXOw seit Hes., 
Schulze KZ. 29, 240, Wackernagel Sprchl. Unt. 204), KXeird? .be- 
ruhmt" (*KX£/€T6q), KX(e)ribiI)v f. ,Ruf' i •KXe/'-ribifav) : air.Konj.ro- 
cloor jidi bore", ro-chloss ,wurde gehort" (s sekundar, Thurneysen 
Hb. 362. 404) usw. (Pedersen II 494 f.), kymr. dywaf, kom. cleicaf 
,idi h5re", clywed ,auditus, audire", ir. cloth n. ,Ruhm' {*klutonC), 
kymr. dod ,laus"; aksl. sIovq, sluti ,heifien" (lett. slut, sluvet ,im 
Rufe stehn", sludindt ,verkunden", vgl. alit. Slavu ^benedicor" Syrvid), 
dehnstfg. aksl. ilava ,Ruhm", lit. ildve, Hove (Akk. Slov^) ,Herrlich- 
keit, Pradif, ablaut, ostlit. Slave ,Ruhm" (Meillet Et. 208. 249, 
Pedersen 5* did. 79); mit ,westidg." Guttural messap. klohi ,hore!'. 
Opt. klaohizis, hlohizia (Deedce RhM. 40, 142, Whatmough Lg. 3, 
327), alb. k'uhem ,hei6e', ff'tiaA, k'uan ,nenne" (Pedersen IF. 5, 
36); von der set-Basis *Jileu3; *klu- (vgl. Persson Beitr. 652 gegen 
Schulze KZ. 27," 427') wohl ahd. hlut, ags. hliid, nhd. laut (ahd. 
lUHren, nhd. dial, laustem, mhd. luschen, nhd. lauschen von der 
s-Erw., 8. u.), lit. klduaiu, kldusti ,frage" (Fut. = „will horen' 
aus *kleue-si6, Schulze Berl. Sbb. 1904, 1434; aber russ. slyvii, 
slytb ,im Rufe stehen* [vgl. lett. slat ,sidi verbreiten, bekannt 
werden'] scheint sekundare Umbildung, Trautmann Bsl. W. 307). 
— es-St. (vgl. oben cluor ,h6^a* Gl., das aber junge Bildung nam 
eldmor, favor sein wird) in ai. 6ravas- n. ,Lob, Ruhm, Ansehen", 
av. sravah- ,Wort', gr. kX^(/")os n. ,Ruhm" (hom. kXeIui .rflhme, 
preise" aus *KXe[/l£[(j]-iuj , dor. KXetluj ds. aus *Kk€[S]iM-ltw, 
KXr)TZuj ,nenne" s. unter 3. calo, anders Brugmann IF. 9, 164), air. 
clu ,Ruhm' (kymr. clyw ,Geh5r" ist jungere Bildung, Foy ZcPh. 
3, 271), illyr. Ves-cleves (: ai. vdsu-iravas-, Krahe PN. 126), aksl. 
slovo ,Wort"; damit zsshangend die «-Erw. *klewi- in ai. irdsati 
,hdrt, horcht, gehordit", iruffih f. ,Willfahrigkeit, Vertrauen" (= av. 
a-sruiti- .Ungehorsam", an. hlust f. ,Ohr*, ags. hlyst m. f. ,Gehor"), 
av. sraoia- m. ,Gehor, Gehorsam", air. duas ,Ohr* {*klonsta = 
kymr. els»t ,Geh6r"), an. hlpr, as. hlior, ags. hleor a. .Wange', 



clanaculum - cluS. 239 

engl. leer .Seitenblick' (*kleus6s, grm. *hleuza-, Zupitza Gutt. 54; 
nicht besser Wood IF. 18, 28, Guntert WuS. 11, 138: aus *Ueiirro- : 
clunis), ablaut, an. hler ,das Lausdien' {,*hluza-}, sthd. hlosBn, nhd. 
dial, losen ,zuhoren, horchen' (niit u [vgl. ahd. hliit oben] ahd. 
lustrin, nhd. lauschen, vgl. aksl. slySf slt/Sati ,h6ren', Meillet MSL. 
15, 337), aksl. usw. sluchi ,Geh6r', ablaut. Cech. slech ds., lit. klau- 
sail, klausyti ,h5ren, gehorchen', lett. kldusU ,hin-, gehorchen', 
apr. klausiton .erhoren", ablaut, apr. poklusmai, lett. kluss , still', 
lit. pa-klustii, -klitsti .gehorchen" (Trautmann Bsl. W. 308, Muhlen- 
bach-E. s. HdMsM mit falscherTrennung von *We«s ,h6ren"; fc ,west- 
idg.« Guttural, anders Hirt BB. 24, 285 f., Meillet MSL. 15, 338 f.), 
arm. lut .still' {*Mus-ri-, eig. ,der horen will" [vgl. lett. kluss 
, still' usw.], Bugge KZ. 32, 9, MeUlet MSL. 15, 338), tech. B klynu- 
sate ,wird gehort" (Meillet MSL. 18, 14), Gerund, kaklyus-ur-as, 
A klyosnseae ,sie horen". — S. audi auscultB; fern bleiben ce- 
leber, cliens, gloria. — Walde-P. 1 494 f. 

clttnaculum s. clunis. 

clflnis m. f. .Hinterbad^e, Hinterkeule, SteiS' (meist Plur., Sg. 
seit Hor. ; seit Plant., -icula Gell.) : aus *klou-nis = ai. srdnilt m. f. 
jHinterbadce, Hufte', av. sraoni- t. ds., kymr. korn. dun .HOfte', 
bret. klun ,Hinterbacke', apr. slaunis ,Oberschenkel', lit. slaurAs 
, Hufte, Obersdienkel" (PI. Uaunys ,Arme an Wa^en u. dgl.'), lett. 
sla&na , Hufte'; an. hlaun n. ,Hinterbacke". Hierher audi gr. 
k\6vi?, -10? f. .Steifibein', kX6viov ,Hufte" (Kreuzung von *k\oOvi? 
mit kX6vo; m. ,heftige Bewegung, Getriebe' [s. celer], Schulze Qu. 
ep. 105'; vgl. kXovioti^p ■ napa^riptoi; ^dxalpa. uaploxiov Hes. in 
Anlehnung an kXovIZuj ,bewege heftig' [zur Bed. von -tVip vgl. ^v- 
buTiflp, xopoKiVip]; vgl. lat. clunac{u)lum n. [-bulum Isid.] 'cultrum 
sanguinarium . . ., quia ad dunes dependef Paul. Fest. 50, Suff. wie 
in pugnHculum u. dgl.; kX6vi? nicht als *ql-ono- : ahg. kolino ,Knie" 
[s. 1. calx, scelus] nadi Petersson IF. 35, 269 ff., s. Kretsdimer Gl. 
9, 233; vgl. audi Boisacq 472 zu andei-en Erklarungen). — Vgl. 
Vaniaek 72, Curtius 150, Zupitza Gutt. 186 (Lit.). — Weitere Ana- 
lyse unsicher; s. Walde-P. I 430 (: Pel- ,neigen', s. cltno), I 500 
(audi zur Heranziehung von ai. irot^dh, sravafiah ,lahm', vgl. clau- 
dus\ Verfehit MuUer Ait. W. 93 (: gr. kX6voc, k^XXu), KeXeOui, s. celer). 
— Walde-P. 1499 f. 

clno altlat. ,purgo' nadi Plin. 15, 119: nebst cloaca (s. d.) zu 
Wz. *kliu- (^*kldu-, km-), erw. *kleu-d- ,spulen, reinigen' in gr. kXOZu) 
(*KXub-iiu, vgl. Cfintert Reimw. 149) ,l)espule, spule ab, reinige' 
(kX06u)V, -u)vo? m. ,Woge, Wellensdilag', itXOafia n., xXuaniq m. 
.PlStsdiem', xXuan^p m., kXuot^piov n. jKlistierspritze' [daraus 
clyster, clyaterium seit Scrib. Larg., clysteri&re, -imare, -iz&re Chiron 
al.]); got. hliUrs, ags. hlui't)or, ahd. hliU(t)ar ,hell, rein, klar", nhd. 
lauter (idg. 'klM-ros), ablaut, an. hler ,See, Meer' {*hlewa-, idg. 
*kletfO; Noreen IF. 26, 223); ir. Cluad, Ptol. KXuito .Flufiname' 
{*klouia), kymr. clir ,hell, klar, heiter, rein' (*klii-ros, Osthoff ZcPh. 
4, 395 f.); lit. iluoju, iluoti, dial, ilavil (= lat. duS, s. u.; vgl. Slatimas 
,das Fegen' : lett. sihumi, slaHtni ,Kehricht') ,fegen, kehren', Sluota, 
lett. sludta f. ,Besen"; Erw. *klou-q- in lit. iliaukti, ilaukyti (lett. slaadt, 
sliucU , fegen, wisdien"), SliAkiU .Auskehridit" (SpeAt Lit. Mund.II 



240 cluor - coccolobiB. 

19), lett. tlauMU ,platschen, pladdern", slctuJd ,melken' u. dgl. (Bnga 
KZ. 52, 270. 293). — duo wrsch. trotz Solmsen Stud. 132 nicht aus 
*kluifd, sondern aus *kloud (= lit. ilavA, Trautmann Bsl. W. 307), 
vel. elo{v)aea; clud mufite dann aus *cluebam, *cludmns usw. ver- 
afigemeinert sein (Sommer Hb.' 110), wenn die Form uberhaupt 
echt und nicht von Plinius lediglich zur Stutze seiner Schreibung 
Clu&nna (sonst nur Auguatin; aus Varro?) erfunden sein sollte wie 
sicher des Serv. auct. Aen. 1, 720 aus Cloacina abstrahiertes clodre. 
— Fern bleiben ai. iru-, sruvati ,zerflie6en" (Froehde BB. 8, 162; 
eher orthograph. Variante von sru- ,flieCen" wie in srdva- fur sra- 
x>a}f ,Ausflufi», Uhlenbeck 319, vgl. auch Wackemagel Ai. Gr. I 225 f.); 
Cedi. kliditi, klouditi .raumen, reinigen, sauber madien" (Zupitza 
Gutt. 119 U9W., s. Berneker 527); alb. Uui ,Mehlbrei' {*qludlo- 
G. Meyer Alb. St. Ill 4 mit Gutturalwechsel, doch widerspridit die 
Bed.; eher vl. UwmeUs ,Milch, Molken", Jokl Ling.-kult. U. 274). — 
Weitere Analyse i^kleu- Erw. von **'kel- wie *klep- ^feudif, *kleq- 
u. dgl., vgl. unter clemens) bei Petersson Bait. u. Slav. 62. — Walde- 
P. I495f. 

cinor s. clued. 

clnpea, -ae (f.) ,ein sehr kleiner Flufifisch' (Plin., rom. -«• und 
-i, Bed. teils ,Alse", teils ,Fisch aus dem Heringsgeschlecht"): un- 
erklart, falls nidit mit Thumeysen Thes. zu clupeug ,Schild". — 
Unwrsch. Walde LEW.* s. v. (: nhd. Laube t., Lauben m. ,Weifi- 
fisdi, Cyprinus leuciscus"; daneben Lauge^n), Lauke, so dafi Ur- 
sprunghchkeit der Form mit -6- nicht feststeht). 

clnpens s. clipeus. 

clnra, -ae t. .Schwanzaffe, KcpKOitOriKO?'' (Gl., clurinus Plant, 
[ygl. mor-fnws usw.J): wohl aus gr. K6X-oupo( jStutzsdiwanzig", 
Endung nach simia; Synkope vl. durch volksetym. Anlehnung an 
clanis, vgl. die Nbf. eluna 'a clanibus trltls^ Paul. Fest. 55. 

clnrior s. clueo. 

cnasonas ,acus quibus mulieres caput scalpunt' Paul. Fest. 52: 
griech. Akk. PI. zu *Kvaau»v, vgl. Kvau> ,kratze" (s. unter conis), 
kvtiotI? ,Haamadel'. 

COSgiiientiiin, -i n. ,Zusammenfugung, Fuge' (seit Plaut.), coa- 
gulunt, -I n. ,Bindemittel, geronnene Milch" (seit Varro, rom.): 
s. ago, cogS. 

coaxo, -are ,quaken, von den Froschen* (seit Suet., rom.; qu- 
Fest.): wohl Nachbildung von gr. KodE KodE (Aristoph.); derselbe 
Naturlaut wird durch Ov. met. 6, 376 quamvts tint gub aqua, sub 
aquS, maledicere temptant nachgeahmt (Schwentner 48), ebenso durdi 
nhd. qua(^c)k, quaken, quUken (von Froschen und Enten; vgl. an. 
kvaka .zwitschern*, mit s- norw. dial, skvaka .schnattem* usw., 
Palk-Torp 609). Eine fihnUdie onomatopoetisdie Bildung bt vL heth. 
akuwakuwaS .Frosch* (Carruthers Lg. 6, 160). — Vgl., mit dem fur 
das Schwein charaktenstisdien t, gr. koT Kot (Anstpph.), KotZeiv 
,quieken (vom Ferkel)", nhd. quieken, quieksen, guietschen, klruss. 
hvyd&t^ .quieken', lit. kvykti As., kifliu ,Zuruf an Schweine' usw. 
(Boisacq 481, Schwentner 41. 50, Berneker 656). — Walde-P. I 468. 

COCCOlobls, -is f. .spanische Rebensorte* (Colum., Plin.): nach 
Thumeysen bei Holder I 1056 griechisdi (-toW» : Xop6? ,Hulse, 



cocetum - codes. 241 

Schote'?) wie audi eoccutn, -i n. (-us m. spatl.) ,Beere, Scharladi- 
beere, -farbe' (seit Hor. und Cinis, rom., ebenso -inua ^sdiarladi- 
farben' aus kAkkivo? seit Petron.) aus gr. k^kkoi; m. j,Kern von 
Baumf ruchten , Sdjarlachbeere" (wrsch. Fremdwort, Boisacq 482) 
trotz kymr. coch „rot', abrit. Cocci, gall. Cocco- (Dottin 247), die 
aus deiii Lat. bzw. Roman, stammen. — Aus coeceus alb. koKs 
,Bcere' und kuK .rot' (IJ. 14, 129). 

cocetum 'genus edulii ex melle et papavere factum^ Paul. Fest. 39 
(COCC-), GI. (beiTert. adv. Val. 12 Nesioris -urn = xuKeibv, vgl. Horn. 
A 624): Lw. aus gr. *KUKr|T6v „Gemischtes" (icuKdui j,mische", ku- 
KEiijv [*KUKOuru)v] ,Mischtrank aus Mehl, Wein, Honig u. dgl", s. 
1 . cinnus) oder eher direkt aus kukciLv mit Ersatz des fremden Sufif. 
(vgl. etwa ficefum : auK(£)ibv, alcedd : dXKudjv und moretum, Nieder- 
mann briefl.) mit o fur « nach coquO (Walde LEW.* s. v., Keller 
Volkset. 81); nidit nach Vanifiek 307 damit urverwandt oder nach 
Wunsch Gl. 2, 223 echtlat. zu coguere. 

COC(h)lear, arts n. (-are Gels. Plin., -arium Scrib. Larg. al., ge- 
tadelt von Prob. app. [Leuraann-Stolz^ 259; ruckentlehnt gr. KOxX.id- 
piov], vgl. -arium ,Behaltnis fur Schnecken' Varro nach alv&rium) 
,L6ffel, dessen spitzes Ende zum Ausziehen der Sdinedcen aus ihrer 
Schale diente" (Mart. 14, 121), als Mafi ,ein Efiloffel vol!' (seit Scrib. 
Larg., rom.) : dissimiliert aus *coeU&le (Leumann -Us 29), das Ab- 
leitung von coc{h)lea, -ae f. ,Schnecke mit gewundener Sdiale', 
auch ,Wendeltreppe, Wassermaschine mit Schraube" aus gr. KOxXla^ 
m. in denselben Bedd. (Saalfeld, Leumann-Stolz^ 206, vgl. eongius; 
seit Plaut.. vlt. und rom. coelia, clocea, *cocia, cloclea, Thomas ALMA. 
5, 112f., Graur Rom. 56, 106ff.). — Nicht nach Vanifiek 307 samt gr. 
KiiKtidpov .Riihrkelle' zu ai. khajah ,L6ffel, Ruhrstock" usw. (s. 
unter 1. cinnus). 

CSciO (coaio Paul. Fest., GL), -onis ra. ,Pferdemakler" (seitLaber., 
rom. [-ct; Grober ALL. 1, 549, Meyer-Lubke n. 2017]; Abltg. co- 
donor, -art ^makle" Ps. Quint., -ator, -atura Gl.): nach Ernout BSL. 
30, 111 etfuskisch, vgl. das synonyme arillator und die altlat. Sdirei- 
bung cOcio nach Paul. Fest. 51 (aber cocistrio ,tabernariu8, prae- 

fustator cocinae" Gl. [rom.] kaum nach Thes. hierher mit etr. Suffii- 
ildung, sondern zu coquxis [vgl. coquester Gl. und *coquastro in 
prov. coguastrd, Loewe Prodr. 291], mit vlt. oder rom. Vermengung 
mit custor, Gamillscheg 284, Meyer-Lubke n. 2215). — Abzulehnen 
Bugge Altit. Stud. 35 (eoetio : incohare, Bildung wie ojaiO; coctiO ist 
sidier erst volksetym. Umbildung nach codetio ,Einkassierung", coSe- 
tor ,Geldeintreiber"); VaniCek 66 nadi Paul. Fest. 51 (: eunctor); 
Bersu Gutt. 127 (: Kiwii; .SdiwStzer", s. unter cdpS); Walde LEW.' 
s. V. zw. (: lit. iaukiii, iaUkti ,schreien, laut rufen, nennen', vgl. ca- 
vannus, Walde-P. I 332); unannehmbar audi Fay Q. Qu. 8, 52 f. — 
Fern bleibt trotz Ostir Vogeln. 2' caupd, s. d. 

codes, -itis (-d- Enn., -6- vL Plaut.) ,der (von Geburt) Einaugige* 
(Plin. 11, 150), bes. der R6mer HorHtius Codes (gr. KdKXn?, K6kXios) : 
nach Weise, Saalfeld, Keller Volkset. 273, Havet MSL. 5, 183 aus 
gr. KOKXtui)!, und zwar nicfat mit den Cenannten direkt (hatte 
hodistens *coclSx o. dgL ergeben), sondern nach Herbig IF. 37, 
175S bes. Devoto St. Etr. 2, 340. 3, 283 durdi etr. Vermittlung 

Walde Etym. Worterbucli d. kt Spradie. 3. A. 16 



242 coco coco — cohors. 

(etr. *cuelus neben cuclu aus K(ikXuim)?; vgl. auch Fiesel Namen 
35). — Den Horatms Codes mit Sdiulze EN. 288 A., Herbig a. O. 
zw. von K{rKXuut|J zu trennen und als etruskisch zu der etr.-lat. 
Sippe Cocilius, CocUus, euclnie, Coculnius (EN. 150. 441*) zu stellen, 
geht kaum an, da Eiin. (sat. 67, von den Arimaspen) und Plaut. 
(Cure. 393) ein sagenhaftes Gesdilecht der Coclites ,unoculi' ken- 
nen, und codes ,luscus' als Appellativ auch sonst von den Gram- 
matikern (z. B. Serv. Aen. 8, 649) furs Altlatein bezeugt wird. — 
Verbindung rait oculus (Pott. Et. Fo. IP 446) ist mimoglidi, da c 
weder nach Meringer Beitr. 41 ak Prafix, noch nach Lewy KZ. 40, 423 
(: lit. Hklas, s. aquilus) als Reduplikation zu betrachten ist, und odes 
trotz Herbig a. 0. nur eine von Varro (1. 1. 7, 71) zu etymologischen 
Zwecken gebildete Form ist. — Unbrauchbar fiber codes kOkXwip 
Mahlow Neue Wege 495. 

COCO COCO ,Naturlaut derHuhner' (Petron., Umgangssprache 60): 
schallnachahmend vie cacah&re und cucurrire (s. dd.), vgl. bes. aksl. 
kokoth ,Hahn", kokolb ,Henne", russ. kokotdtt ,gadfern' usw. (dar- 
aus ngr. k6koto? usw., Berneker 541), frz. coq ,Hahn' (Meyer-Lubke 
n. 4733), an. kokr, ags. coec, andl. cocke ds., ndl. kokkelen .kollern, 
vom Hahn". — Walde-P. I 455. 

coctnmix s. eotumix. 

cSdeta s. Cauda. 

eoenniu s. caenum. 

coSpi, coepi 8. apiscor. 

cSgltt, -avi, -stum, -are ,denke, be-, gedenke, beabsiditige" 
(seit &in. und Plaut, rom., ebenso -us, -its ,Gedanke' seit Apm.): 
*eo-agitd, vgl. efiffiJ (Leumann-Stolz' 107), u. zw. kaum als ,secum 
agere' (Walde LEW.^ s. v.), sondem ,eine Sache im Geiste zu- 
sammenfassen" (vgl. z. B. syn. in corde versare Plaut. Trin. 224 mit 
in corde agitSre True. 451 imd Varro 1. 1. 6, 41 cum cdgitamus quid 
et earn rem agitamus in mente). — Aus cogU6 entlehnt alb. kujtoj, 
ksUon (Jokl Ling.-kult. U. 18). — Falsch VaniCek 9 (: aiS). 

cognSmen s. ndmen. 

cSgS, coegi, coOetum, -ere .treibe zusammen, ziehe zusammen, 
z wince" (seit Plaut., rom.): aus *co-ag6; Vmt.eoHctus ,geprefit, dicht" 
seit Verg., rom., ebenso eoaetilis ,gefilzt', -e n. ,Decke aus Filz" 
seit Ed. Diocl. (Leumann -lis 53). 

cohors {cQCjOrs (gr. x<!)p?, X<5p?i X<bpTTi], vlt. und rom. curs bzw. 
eurtis, Leumann-Stolz" 106. 132) .eingezfiunter Hofraum, Viehhof, 
ubtr. ,Kohorte, Gefolge, Sdiar, Leibwadie' (seit Enn. und Plaut, 
rom.; Demin. cohorticula seit Gael., vulg. curtida, vgl. curtalinus 
Paul. NoL neben cohort-): aus co + idg. *ghrfis .^Zusammenfas- 
sung" zu Wz. *gher- .fassen, greifen" und ,mn-, einfassen' (vgl. 
Wz. *qagh- in gleidien Bedd., s. caulae) im Ablaut zu hortut, -i 
m. .Garten als eingezSunter Ort«, alat. (Plin. 19, 50) auch , villa' 
(seit XII tab., rom., ebenso hortensis, -ia seit Pbn., horillid ,horti 
custos' Gl.) aus *ghor-tot = o. hiirz .hortus, lucus', Akk. hdr- 
tAm usw., gr. x<5pT0« m. ,eingeschlossener Platz, Gehege, Hofraum, 
Weideplatz, Futter", air. gort ,seges", kymr. garth .Pferch, Hurde, 
Gche|e*, bret. gars ,Hecke, Zaun' {*ghortO; daneben kymr. gardd 
aus *ghordho- [wenn nicht germ. Lw., Pedersen I 110; s. u.]. Loth 



cohortor — cohum. 243 

RC. 34, 143. 36, 174, Pedersen I 136. 180), wohl audi got. cfards m. 
,Haus" {aArti-gards ,Garten« usw.), an. gardr m. ,Zaun, befestjgter 
Ort, Hof, ags-geard, as. yard .UmzSunung', PL ,Wohnung', ahd. 
gart m. .Kreis" (idg. *ghor-ld-, oder ev. 'ghordho-, s. u.); — Erw, 
*gherdh-, *gherdh- in ai. grhdh ,Haus, Wohnstatte" (*grdhd-, Wacker- 
nagel Ai. Gr. I 250), av. gsrada- m. ,H6hle als Bchausung daevischer 
Wesen" (daraus wotj. gurt ,Wohnp!atz, Dorf usw., Jacobsohn KZ. 
54, 197'), alb. gar^, garhi ,Hedte, Zaun', phryg. Mane-gordum, 
Mane-zordum .Manesstadt" (Kretsdimer Einl. 231 f.), gr. KOpdi? ' aw- 
p6<;, KOpbiXai- ouffTpotpai, awpol Hes. (Pick BB. 17, 322), got. bi- 
gairdan (vgl. gall. Lw. higardio ,caio, breialo' Nom. Gall, chron. 
I 613, 10) ,umgurten«, galrda f. ,GurteI' (an. gjgrd ds., ablaut. 
gyrdell, ahd. gurtil, gurtila ds.), garda m. ,Hurde, Viehhof (ahd. 
usw. garto , Garten"; wenn nidit vie got. usw. gards ,Haus' aus 
idg. *ghor-t6; s. oben), lit. gafdas „eingezaunter Platz, Hurde', zem. 
gardls (Akk. gardi) i. ,Wa'genleiter', aksl. usw. gradi ,Burg, Stadt, 
Garten", r.-ksl. o-grad^ , Garten", o-gmda ,Gehege", tiefstfg. aksl. 
indh, russ. ierdb ,Stange' (Bemeker 331, Stender-Petersen Lw.- 
Kunde255flF., audi gegen Entlehnung aus dem Germ.); mit idg. ^fe- 
(vgl. phrye. -zordum oben) lit. Mrdas .Gestell zum Trodcnen, Vieh- 
hurde, Scheiterhaufen' (lett. zards ds. ; aber lit. dafzas, lett. dArzs 
.Garten", Hirt IF. 21, 172, bleibt fern, s. Trautmann Wb. 45), iafdis 
m., apr. sardis ,umzaunter RoCgarten", russ. zor6d ,Scheuer, Scho- 
ber" (Brudcner KZ. 46, 233). 

Wz. *gher- in der Bed. ,fassen, ereifen' in o. heriiad , ca- 
piat", [h]err{ns ,caperent" (z. B. v. Planta I 437 ; nidit besser zu 
her- ,wollen", s. horior), gr. jon. att. xeip i-, Xeip<is, dor. Gen. 
YTipds, aeol. Akk. x^PPOS .Hand" (wohl *xepa-, Wadternagel KZ. 
29, 134, Meillet-Vendryes 439; anders Brugmann P 745. IV 1, 138, 
vgl. Boisacq 1054 [unwrsdi. Sturtevant Lg. 3, 121: heth. keSr 
.Hand"]; s. audi hir), eii-xepi^? ,leicht zu behandeln", todi. A 
tsar m., B sar ,Hand" (Meillet MSL. 18, 401), arm. (Akk.) jetn 
{*gher-m), Plur. jet-k'- ,Hand" (Brugmann IP 1, 299), alb', dors 
^ShBri), PI. duar (*gheres) ds. (lokl Ling.-kult. U. 90 f.), ai. hdrati 
,bringt, trSgt, holt, nimmt' (hdranam ,das Bringen, Nehmen", 
hdras- n. .Nehmen, Griff, Kraft"). — S. nodi 2. cortina, hara, 
hlr\ fern bleiben hirundo, hires, herctum, Hercules; 
zweifelhaft gr.xop6s .Tanzplatz' (vgl. fonts), x<ipiOv .Nachgeburt" 
usw. (Boisacq 1066; vgl. corium), XPf^HOl .gebraudie, benutze' 
(Brugmann IF. 37, 240; s. Walde-P. I 604). — Vgl. Curtius 199 f., 
Vanftek 93, Fick I* 436. II* 115, Meringer Abh. z. germ. Phil. 
180 ff. (mit viel Unsidierem). — Walde-P. I 603 f. 608 f. 
cohortor, -Mus sum, -an .ennuntere eindringlidi, treibe an' 
(seit Cato): eo + hortor; dafi die bes. Anwendung auf das Anfeuern 
der Truppen durcfa den Anklang an cohors unterstutzt wurde (Walde 
LEW.' s. v.), ist nidit zu erweisen, da einzelne Historiker wie Nep. 
und Curt, cohortor zugunsten von (ad)hortor meiden. 

cohum, -t n. (cous Varro 1. 1. 5, 135 nadi Goetz-Sdioell z. St. 
ohne Gewahr), nach Varro a. O. 'sub %ug6 medio cavum, quod hura 
extrlma addita oppiUttur, voeStur coum a car6\ nadi Paul. Fest. 39 
sachlidi riditiger 'cohum I6rum, gu6 temO buris cum iugo colligaiur, 

16* 



244 coinquS — coUiciae. 

a cohibendo dictum' : nach Thurneysen 'H. Osthoff zum 14. Aug. 1894' 
(s. audi Zupitza Gutt. Ill) als , Halter, Umfassung" zur Wz. *qagh- 
(s. unter caulae) ,fassen, an-, umfassen", ablaut. *g^ogh- vie nodi in 
incohO, -avl, -Stum, -are ,beginne, fange an" (seit Enn., rom. nur 
im Prov. ; Wort der Bauernsprache, eig. „anlegen, ansdiirren", s. 
MuUer Ait. W. 95 ; inchoare ist schlcditere Sdireibung [s. Budieler 
Kl.iSdir. II 274; vgl. audi inqtiata Insdir.], daher nicht mit Keller 
Fledceisens Jbb. 1897, 347 ff., Niedermann lA. 29, 32, Walde-P. a. O. 
hybrides in + xo^ ,Weihegu6'); *qogh- vl. audi nadi Loth RC. 
45, 198 f. noch im Keltischen erhalten in bret. mor-go ,Halsring 
fur Pferde' (wenn aus *coffO-, idg. *qogho-; zum 1. Glied vgl. mo- 
nlle), kymr. myn-ci As. (*myngci/ aus *-cei, idg. *qoghj,o-\ vgl. zur 
Bed. kymr. cae jGehege' und ,Halsband" [von *qagh-, s. eaulaej). 

— cohum (cohus Isid.) in der Bed. ,Wolbung des Himmels' (Enn. 
bei Isid. nat. 12, 3, vgl. Paul. Fast. 39 mit falsdier Beziehung auf 
chaos wie audi Varro 1. 1. 5, 19) gehort ebenfalls als ,Umfassung" 
oder jEinhegung" hierher; es liegt einc didit. Metapher des Enn. 
vor (vgl. dessen caelt clipeus, fornices, palatum), vl. nach einem 
griedi. Vorbild, vgl. x^pTOi; ,Gehege' vom Himmel nadi Hcs. s. v. 

— cohum gehSrt in keiner Bed. trotz den Alten, Vanifiek 70, Thurn- 
eysen KZ. 28, 155 f., Bechtel Lexil. 253 zu cavus; fern bleiht audi 
caelum. — Walde-P. I 337 f. 

coinqnS, -ere (Paul. Fest.), coinqnio, -ire (Act. Arv.), in der 
Religionssprache ,mit dem Messer beschneiden' (bei Paul. Fest. 65 
audi = ,coercere'; s. zur Bed. Jordan Krit. Beitr. 279 ff., Henzen 
Acta Arv. S. 22): vl. nadi Brugmann P 766, Reidielt IF. 40, 79 aus 
*co-in-s(e)co zu._ secure, mit sekundarem u wie in instingud iieben 
instigo, oder nach dem Nebeneinander von inseque und insece (zum 
Lautlichen vgl. tranquUlui, inquam; Identitat mit diesem, Budieler 
Kl. Schr. II 400, kommt nidit in Betracht). 

c91en8) -t m. (nur Plur. belegt) .Hodensack' (seit Laber., rom 
[-um, -a], ebenso *coleS ,Hode" und ,Entmannter' [culio Gl. II 
579, 46, Goldberger Gl. 18, 56]; -atus seit Pompon.) : vl. nadi Skutsch 
Gl. 3, 384 f. (vgl. auch Havet MSL. 4, 184) Abltg. von colum ,Seih- 
sieb" als ,zum colum gehfirig", falls ursprunglidn = ,Seihsadc' (sac- 
cuius), dann von der fiuUeren Ahnlidikeit ubertragen auf die Hoden. 

— Nidit uberzeugend Walde LEW.^ s. v., MuUer Ait. W. 79 (Abltg. 
von caulia, colis m der Bed. , penis', s. d.); Berneker IF. 10, 155 
(: aruss. suljata , Hoden', Wz. *keu-l : k6{u)l-; anders Petersson KZ. 
47, 277, vgl. Walde-P. I 371); Georges s. v. (identisdi mit culleus 
,Sack"; hodistens Kreuzimg von adieus mit calis = caulis ware 
denkbar); Kluge s. v. (: aha. hodo, nhd. Hode, s. eunnus; 6 wider- 
spridit, da kaum dialektbch fur *ou, vgl. audi Emout El. dial. lat. 
141); Ernout BSL. 30, 114 f. (etruskisch). 

colisatniiij-? n. ,Art gallisdier Wagen' (Plin. 34, 163): gall., 
vgl. air. cul , Wagen" (s. 2. cold). Holder 1 1066, Dottin 247. 

collega s. lego, lex. 

colllciae, Srum i. ,Wasserrinne auf dem Acker, Kehlrinne auf 
dem Dach' ^eit Vitr., coUiciaris tegula ,Hohlziegel' Cato [s. Mar- 
quardt-Mau Privatl. 638], coUiquiSria .KanSle' Vitr. 8, 6, 6 fs. Gl. 
12, 256 f., audi zur Sdireibung collii>-^: als *eon-liquiae [-qu- Co- 



collifana - 2. col5. 245 

lum., -0- Vitr. al.) zu liquere (VaniCek 237); vgl. delict a, -at f. 
,der Gratbalken des Daches" (Vitr. 6, 3, 2 displuviata . . . sunt [cava 
aedium], in quibus deliquiae arcam sustinentes stillicidia reiciunt, 
also deutlich zu liquere; davon tectum delici&tum, tegulae delicidres 
(Paul. Fest. 73), und elix, -ids m. ^Wasserfurche' {sulcJ aqtiarii, pet 
quos aqua collecta edUciiw e liris Paul. Fest. 76; seit Ov., rom.). — 
Die Herleitung von lacio (Paul. Fest. 114; fur elix z. B. Forcellini) 
ist lediglich Volksetyraologie ; sie erklart audi nidit die Nebenformen 
col-, deliquiae. — del- nidit als ,Abschragung", coll- als ,konver- 
gent" zu ohliquus («!). 

collifana .irpfipaxa Upd" (Gl.): nach Schulze EN. 556= die in 
*collifls, im .Hugelland' weidenden Tiere. Vgl. audi Bucheler Kl. 
Sdir. Ill 154f. 

collis, -is ,Hugel, Anhohe" (seit Cato, rom.; Demin. -iculus seit 
Frontin., -icellus Groni,; vgl. auch collifana): aus *col-n-is : ht. kdl- 
nas, lett. kalns ;Berg" (Hirt Vok. 186); ags. hyll, engl. hill ,Hugel' 
{*ql-nis; kaum mit collis in der Vokalstufe identisch, Kluge Gl. 2, 
55)°; *qolen-, *qol6[u\n- in gr. koXu)v6<;, KoXdivri .Hugel", KoXoqpdiv m. 
,Gipfel, Spitze" (aus *KoXa-, idg. *qol^-hh-, Brugmann II' 1, 301, 
Persson Beitr. 690); s. celsus (VaniCek 55, Curtius 153). — Ein un- 
wrsdi. heroklit. Paradigma bei Petersson Heterokl. 160. — Walde-P. 
1434. 

coIIucC 3. lacus. 

COlIns, -t m. (alat.), collnm, -t n. (seit Cic, s. Schraalz^ 368; 
anders Meillet Innov. 15) ,Hals von Mensdien und Tieren", meton, 
,HaIs von Flasdien, Pflanzen; Bergjoch' (seit Naev., rom., ebenso 
■are n. ,Halsband, -eisen" seit Plant, [daraus entlehnt alb. kuTar 
,Jochbogen«, Jokl Line.-kult. U. 136]): aus *colsos = got. an. as. 
hals m., ags. heals, nhd. Hals (mir. coll ,Haupt', Stokes IF. 12, 187, 
ist vl. Lw.); '^colsos weiter aus *q^ol-sos (zu Wz. *q^el- ,drehen", s. co- 
ins) als .Dreher", mit lat.-germ. Verlust der Labialisation vor idg. o 
(VaniCek 56, Noreen IF. 4, 322 f., Solmsen KZ. 34, 547. Beitr. 232, 
Pedersen IF. 5, 56; vgl. zur Bed. aksl. vrati ^Hals" : vratiti .drehen" 
und bes. lit. kaHas, lett. kakls m. .Hals' aus *q!fo-qHo- : kOkXo? 
.Kreis', ai. cakrdit m. ^Rad' [Trautmann Bsl.W. 125, Schulze KZ. 
56, 9; kaklas nidit wahrscheinlidier nach Niedermann a. O. aus 
'q^oUtlo- durdi Diss, wie angebl. audi lat.-germ. *h)lso- aus *q«ol- 
slo.\ _ Veniger wrsdi. Zupitza Gutt. 50, Charpentier KZ. 43, 165 : 
als ,Trager des Hauptes, Saule' zur Sippe von celsus, Wz. *qel- 
.ragen' (s. d.; aber aksl. Wos», alb. tei .Ahre' bleibt fern, s.Walde- 
P. 1 435); denn an. start ,Nadt:en', ags. sweora .Hals" : swear .Pfosten, 
Saule* und die von Muller Ait. W. 97 beigebraditen Bed.-Parallelen 
scheinen auf sekundarer einzelsprachlicher Dbertragung zu beruhen, 
und der Sdiwund des u in idg. *<;? usw. vor uridg. o wird furs Ger- 
manisdie durch isolierte Falle wie ahd. chtw : lat. Jos vSllig sicher- 
gestellt (s. Brugmann I* 611 f. und die von Trautmann Germ. Lautg. 17 
verzeidinete Lit.). — Or. kXoi6(, kXcu6? .Halsband' (Wood AJPh. 21, 
179, Hirt Abl. 128) bleibt fern, vgl. elaudo. t- Walde-P. I 434. 515. 

1. c616 .seihe" s. eoltitn. 

2. colo, -u», cultum, -ere .bebaue, (be)wohne, pflege, chre« (seit 
Insdir. 3. Jh. [CE. 2 quolundam] und Naev., cultor, aiUus, -Us seit 



246 2. colQ. 

Plaut., cuUura seit Cato, cuUid seit Cic. ; incolo, -ere ,bewohne" seit 
Plaut., ebenso incola .Einwohner", colSnus ,Bebauer, Kolonist" seit 
Plaut. und Cato, ebenso colonia, s. zur Bildung Leumann-Stolz' 223; 
rom. nur cultura, cults ,bebaue, dunge' GL, accola ,Anwohner' 
seit Plaut.) : aus *gi»el6 (vgl. in-quilinus, Esquiliae, Leumann-Stolz' 59, 
Meillet-Vendryes 108; nicht ablaut. *3»oZo,Meillet Rev. slavist. 5, 159), 
Wz. *q»el- ,drehen" (s. coUus, coins) und ,sich herumbewegen, yer- 
sari, -wohnen u. dgl.* in ai. edrati ,bewegt sich, wandert, treibt, 
weidet usw.* (von der set-Basis cdritum, cariidh usw.), red. ear- 
carUi ,bewegt sidi' usw. '(Walde-P. I401f.; daneben col-, Wacker- 
nagel Festg. Jacobi 12 f.), dehnstfg. cdrah m. „Gang', av. daraiti ,veT- 
satur, obliegt einer Tatigkeit u. dgl.', iarana- ,Feld', ap. parikara 
,pflege!' (0- Stufe wie m ai. diva-kardh , Sonne", Meillet MSL. 14, 
190); alb. s;'rf .drehe um, wende, bringe' (*q<'el; Pedersen KZ. 36, 
322; daneben iet , bringe, trage" aus *qvoleio, vgl. gr. itdX.O|aai : iro- 
kiuj, Jokl Ling.-kult. U. 266), a-sui .Winterweide", eig. .Zutrift", 
per-kul ,biege, beuge, krumme' (*q'>,l-n-, vgl. kuVper, kuVp .Wald- 
rebe" aus *q«,l-hh-, Jokl a. O. 229); gr. bom. usw. itdXiu, it^Xonat 
(tc Aolismus, Solmsen KZ. 34, 542) „bin in Bewegung, versor", Aor. 
JnXeTO, Part. irepi-itXdntvo?, Pras. irepi-TeXXinevo^ ,sidi herum- 
drehend", kret. t^Xohoi ,S<iO|biai", kyren. T^vrai ,?OTai" (Maas KZ. 
56, 138), hom. reXidiu .bin, werde' (audi t^Xo? n. ,Ziel, Ende" 
als ,Wende, Ort der Umkehr", davon TeX^uj, lesb. -€(uj ,voll- 
ende", T^Xe(l)o? ,vollendet, reif aus •T€Xeff-/bi;; TdXaov ,Grenz- 
furche' als ,Wendestelle des Pfluges", vgl. sulcus; if\\^ ,fern' 
s. unter sulcus), lt6Xo? m. ,Achse (Drehpunkt), umgepflugtes 
Land', itoX^uu ,wende um, bewohne', hoXeOu) ,halte mich auf", 
ituiX^O|itai ,bewege midi an einem Orte herum, komme haufig 
bin', d|.iq){-itoXo; ,Diener(in)'' (= aneultts, s. d.), o(-itdXo? ,Ziegen- 
hirt", wohl audi pou-ic6Xo? .Rinderhirt' usw. (vgl. deii-K6Xo(; ,Prie- 
ater" neben $eo-iioX^(U .bin Priester', s. Boisacq 27; dodi vgl. auch 
celer, opilio), i\x-vokf\ .Handelsware', iroXiv (\iva\ usw.) .zuruck' 
(Akk. von •itdXi? ,eine Drehung [gehen" usw.], Solmsen fieitr. 157), 
]on. att. ^m-TtoXf|? Adv. ,auf der Oberfladie' (gegen die Beziehung 
von it6Xo;, TtdXiv auf eine Wz. *pel .wenden, falten', angebl. aucn 
in itdXXu) .schwinge', natiraX6£K .windungs-, buditenreidi' u, dgl. 
[Pick KZ. 44, 148 f, Beditel Lexil, 2651, s. die Zweifel bei Walde-P. 
1516,1152.56 [vgl. audi poples]; zur Zugehorigkeit von n^Xe&pov, 
irXddpov ,Hufe oder Morgen Landes' s. ICretsdimer Gl. 9, 225 f.); 
air. cul .Wagen' {u aus dem Dual *q^ol6 V, Vendryea RC. 42, 400) ; 
apr. kelan ,Rad', lett. du-cele .zweiradriger Wagen*, abg. kolo. Gen. 
kolese ,Rad', PI. kola ,Wagen" (Misdiung von *q^olo- m., *q*elo- n. 
und *qvele3- n., Meillet Et. 357 f., RESl. 5, 13), an. hvel n. ds. (aber 
kymr. pel .Kugel" ist Lw. aus pila, Thurneysen GGA. 1907, 805); 
redupl. 'qfe-q-tos in ai. cahrd- m. n. (Akzent sekundSr, Meillet BSL. 
31, 44), av. iaxra- m. ,Rad*, todi. A kukal m., B kokale ,Rad', gr. 
kOkXoi; .Kreis", PL kOkXoi, -a ,Rader', an. hjol, hvel n., ags. hwiol 
(engl. wheel), daneben hweogol, hweowol ,Rad' (grm. *hw4h(ui)ula-, 
'hweg{to)uld-, idg.*qef>,lon-, Reichelt IF. 40, 58; hierher audi fries. 
fial dissim. aus *hweu>la-?, s. Walde-P. I 515 m. Lit.), phryg. kIkXt^v 
,der groCe Bar' (d. i. .Wagen", Fide BB. 29, 239). 




colSnus - colostra. 247 

Hierher 
quillr 

f seit Varro und Cic), __ ^ 
(seit Fast. Praen. und Varro, -iritis seit Cic, wohl als ,Au6en- 
wohnstatten" Bezeidinung des Aufiengebiets der nach Osten er- 
weiterten Stadt, Hulsen PW. VI 681); agri-cola m. .Landmann" 
(seit Plaut., danach, meist dichterisdi, ruri-cola seit Ov., caeli-cola 
seit Enn., usw. ; zum 2. died 6. Saussure Rec. 591, dagegen Specht 
KZ. 57, 278'). — Fern bleiben sicher oder wrsdi. arm. holov ,das 
RoUen', holovem ,rolle" (Pedersen KZ. 39, 387; oder : gr. KuXtvbtu, 
Meillet MSL. 10, 282; wegen h, nidit k\ lautlidi bedenklidi); got. 
usw. haldan .huten, weiden" (Rooth Altgerm. Wortst. 3 A.; s. untej 
eeler); air. ar-foichlim ,hute inidi', kymr. go-gelu .sich huten' 
(s. cBW, Pedersen II 484 f.). — Unberechtigte weitere Analysen und 
Scheidungen (vgl. audi zu *pel- neben *qOel- oben) bei Darbishire 
(lA. 4, 86), Meringer IF. 17, 126, Rcidielt IF. 40, 67 (Gbg. ,trei- 
ben'). — Vgl. nodi coins ^Spinnrodcen", co»ms, -urn , Hals', co- 
luber .Sdifange'; fern bleibt eolumna. — Walde-P. I 514ff. 
colSnns s. eolo. 

color, alat. (Plaut. usw.) und ardi. colos, -oris m. ,Farbe, Ge- 
siditsfarbe', iibtr. .fiufiere Besdiafifenheit (Anstridi), Kolorit der Rede 
(nadi gr. xpOEiUO ds. Platon), Charakteranlage, besdiSnigendes Argu- 
ment" (seit Plaut., rom.; colors, -are seit Cato, -ator seit Laber., 
-arius, -abilis, -inus u. dgl. spStlt; unsidiet -atilis Pit.): als ,HulIe' 
(.Aufienseite') aus *kd6s (Vie ai. vdrifafi .Umhullung, Farbe' : 
vrtt6U .verhuUt, bededct', xptfi^a , Farbe* : xpil)? ,Haut'); -es-St. wie 
in ai. idras- n. ,Milchhaut, Rahni', mnd. hulse, ahd. hulsa, hulls 
,Hulse' (ags. helustr .HflUe, Schlupfwinkel", mhd. hulst f. .Dedce, 
HuUe', got. hulistr n. ds., s. Sdimidt PL 144); nidit jedodi in 
cdla, s. d. - Vgl. colostra. — Walde-P. I 432. 

colostra, alter (Sommer Hb.* 66 f.) colastra, -ae f. (seit Plaut.) 
und (nadi lac) colostrum, colustrum, -t n. (seit Mart., rom. -o-) ,die 
erste, nadi dem Geburtsakt sezernierte dicke Mildi in den Brflsten 
und Eutern, Biestmildi" : Et. unsidier. VI. nadi Wood CI. Phil. 3, 81, 
Falk-Torp 1213 als *kuelos-t{eya ,eiterartige' (d. i. aufgesdiwollene, 
didce Mildi ; vgl. gr. itud?, itOap ,Biestniildi" : itciw, ittl6u) .madie 
eitern', ai. pigusa- m. a. ds. : pdgate ,sdiwiUt*, ahd. biost, nhd. dial. 
briest, briesch : Wz. *bheus- bzw. *bhreuii- .sdiwellen* [Persson Beitr. 
259. 331]) zu Wz. *}c!fel- ,schwellen' (vgl. Reimwz. *suel- .sdiwellen" 
unter inaoleseo) in ags. hwylca (fur *hu!eolea) ,varix, pustula*, me. 
whele ds., ags. hwelian .eitern" (aber lit. Sveln&s .weidi, sanft", 
wozu nadi Petersson Zur slav. u. vgl. Wtf. 7 arm. ioiomel .sdimei- 
dieln", bleibt der Bed. halber wohl fern); dodi beruht der Ansatz 
"kurel- (Erw. von *keur, s. eavus) auf durdiweg nidit ganz eindeu- 
tigen Gleidiungen (Petersson a. O. vergleidit nodi an. hvall ,rund- 
lidier Hugel*, arm. ietj ,Haufe, Masse' aus *kiid-dhjfi-; nidit besser 
fiber ags. kuelian usw. Zupitza Gutt. 57: lett. kvele .Entzundung 
einer Wunde", kveldit .brflhen, gluhen', s. Walde-P. I 367. 3771 
und Bildung und Gesdiledit von colostra bleiben unklar. — Sadilidi 
wenig befnedigend Thumeysen GGA. 1907, 805, Walde-P. a. O.: ak 
*eolos-tera ,rahmartig" von colds , Farbe" (als .HuUe", s. d.); dafi 



248 colpus — cSlum. 

lat. eolOs wie ai. idras- n. ,die Haut auf gekochter Milch, Rahm' 
vorhistorisch jeraals die auf der stehenden Milch sich bildende Decke, 
den Rahm bezeichnet habe, ist ebenso unbewiesen wie die Annahme 
einer Ubertragung auf die dicke Biestmilch als die .rahmartige". — 
Walde-P. I 432. 

COlpnS, -i m. ,Busen, Meerbuscn" (seit Hier., vlt. und rom. col- 
fus, *golfus, Leumann-Stolz' 132; vgl. auch bask, golgo, golko „Busen', 
Meyer-Lubke GRM. 12, 179) : aus gr. k6Xuo? ,Busen, Schofi, Mutter- 
schofi, Meerbusen' (s. unter culcita). 

colnbra, -ae f. (seit Plaut.) und colnber, -i m. ,(kleinere) 
Schlange' (seit Verg., -er, -is seit Filastr., vlt. und rom. colobra, 
Meyer-Lubke Einf.' 158; -inns jSchlangenartig" seit Pit., -ifer wie 
anguifer dicht. seit Ov. nach gr. dqjloOxo^): v'- ^Is ,sich windende, 
krummende" (vgl. ahd. slango , Schlange' : slingan .winden'J aus 
*qelo-dhro- (oder mit Dissim. aus *qelo-dhlo-) zu Wz. *(s)qel- ,biegen, 
krummen" (f. scelus, 1. calx) in gr. Ke\X6v • arpepXdv, itXdT'Ov Has., 
KuXX6i; .gekrummt, gelahmt" (*KeX-v6(;, *kuX-v6?), ai. kuxtik ,lahm 
am Arm" (mind, aus *kr'(ia-, zur w-Farbung s. Walde Festschr. Streit- 
berg 185. 197), vl. kalamba^ „ convolvulus repens', kalambike f. Du. 
.die beiden Sehnen im Nadcen" (Petersson IF. 34, 231 ; unsicher). — 
Weniger wrsch. Sommer Gr. Ltst. 63 (zur Parallelwz. {s)qer- ,biegen' 
[s. curvus] wie angebl. audi KeXX6;, kuXX6; aus *Kep-, *KUp-X6?, co- 
luber dissim. aus *corubros); Bersu Gutt. 135, Thurneysen GGA. 
1907, 805 (zu colo als „sich drehend', ebenso Muller Ait. W. 97 
unter Ansatz von *g*elos-ro-; in der Bed. den Begriff des Sich- 
Sdilfingelns weniger treffend). — Verfehit Havet ALL. 4, 142, Keller 
Volkset. 306 ff. (aus gr. y^X-ubpoc m. .Wasserschlanee'). — Walde-P. 
II 598 (568). 

cSlnm, -i n. ,Seihkorb, Seihgefafi, Durchschlag', auch ,Fi3ch- 
reuse* (von der Ahnlichkeit der Form, s. Daremberg-Saglio I 1332; 
seit Plaut, rom.), davon cSlo, -Hvl, -atum, -are ,durchseihen, reinigen, 
Ifiutem' (seit Manil., rom. JVermisdit mit curare und coAgulare], ebenso 
ex- jherausseihen' seit Pallad., colitus ,gelautert, rein' seit Plin., gall.- 
lat. gollatus, RC. 42, 222; cdlatura, -orium [vgl. liquStorium, traiec- 
torium] spatlt.) : Et. unsicher. Da die alteste Form des zur KlSrung 
des Weines benutzten Seihgefafies ein Geflecht aus Weiden oder 
Binsen ist (iuneea vel spartea Colum. 12, 19, 4, s. PW. IV 591), vl. 
nach Havet MSL. 4, 184, Iljinskij AslPh. 29, 165 als .Fleditwerk' 
zu eaulae .Gehege, Hurden'; o fur au muUte dialektisch oder rustik 
sein, dodi befremdet sein Alleinherrschen gegenuber stehendem au 
in eaulae, das doch zumindest in der Bed. ,Hurde' volkstumlich 
gewesen sein mufi. — Nicht uberzeugend Walde-P, I 462 (aus *cor- 
slo- : gr. K6po; m. jBesen", Kop^uj ,fege, reinige', horn. ar|KO-K6po; 
,Stallknecht' usw.; lautlich schwierig, auch ist, falls xbaKivov „Sieb" 
nach Walde a. 0. aus *Kop-aK- hierhcrgehort [falsch Persson Wzerw. 
113. 176, Prellwitz', Iljinskij a. 0.: K6-aKi-vov mit Red. zu Wz. *sqei- 
in sciruio, s. Boisacq s. v.], als Gbd. nicht ,Reisigbundel", sondern 
,fegen, reinigen' anzusetzen, vgl. auch Hirt IF. 17, 391); Bersu 
Gutt. 174 (als *qds-lom oder 'qok-slom [ahnlich Zupitza Gutt. 103, 
Sdieftelowitz KZ. 56, 165 mit haltlosen Weiterungen] zu lit. k6i-iu, 
-ti, lett. kSst .seihen', russ. usw. kdSa .Grutzbrei" aus *fois-ja; hat 



columba - columen. 



249 



idg. o, weshalb auch k6okivov fernzuhalten ist, 8. Trautmann Bsl.W. 
120, Berneker 493); Lindsay-Nohl 128, Ejinskii a. O. {*cavUlum oder 
*cavelom „kleine OfFnung' : cavus); Prellwitz' 229 (: KKiiibm ,spinne*, 
KciXaSoi; ,Koib', lett. sluohsne ,die dunnen Reiser der Korbmacher" 
[dodi s. Muhlenbach-E. s. v.], u. dgl. [s. auch unter colus], Wz. HlO; 
Me- ,drehen, flediten'; scheitert schon am o von colum); Thurneysen 
Thes. zw., MuUer Ait. W. 379 (als *g^os-lom : gualum .gefloditener 
Korb' aus *q*as-lom., abe. holi m. ,Korb, Fisdireuse, Hurde' usw., 
Gbd. ,Flechtwerk"; sachlich befriedigend, dodi stimmt der seltene 
und umstrittene Ablaut a : o bedenklich). — Valde-P. I 337. 462. 

columba, -ae f., sek. ( Wackernagel Synt. II 27) colnmbas, ■» m. 
,Taube(r), Schlagtaube " (seit Plaut., rom., ebenso -Inus ,tauben- 
artig' seit Cato, Subst. ,Tauber" seit Plin., -idus ds., -arium n. 
,Taubenschlag, unterirdische Totenkammer mit Nisdien usw." seit 
Varro): nach der dunklen Farbe benannt (vgl. zur Bed. palumhes : 
palled, abg. golgbt .Taube' : russ. goluhdj, apr. golimban ,blau", lit. 
gelumbi ,blaues Tudi" und die Parallelen bei Charpentier KZ. 47, 
175') nebst gr. k6Xu|.iPo; m. ,kleiner Taucher, Podiceps minor", 
KoXu)iP(;, -d; f. ,eine Entenart' (wovon KoXu|iipdu) .taudie') zu Wz. 
*qel-, *qol- ,dunkel schimmernd' in gr. K£Xaiv6; ,schwarz' usw., s. 
calidus (Prellwitz BB. 22, 102 fA — columbus wohl aus *qel-on-bhos 
oder *qol-on-bhos (vgl. das n-Form. von KeXaiv6;, Prellwitz a. O., 
Persson Beitr. 33^ Brugmann II' 1, 386 f.; s. auch palumbei); kaum 
aus *qolu-mbos = gr. K<iXu|LiPo; (das wegen u nicht aus *qnlon-bhoa 
herleitbar ist), zum w-St. in ai. kalusah ,schmutzig" und Formans 
-mbo- (Petersson IF. 34, 244, Bait, u.' Slav. 30\ Charpentier IF. 35, 
252); eine voUige Gleichsetzung mit K6\u|ipO(; empnehlt sich auch 
wegen der verschiedenen Bed. nidit. — Dafi abg. golghh ,Taube' 
Lw. aus dem Lat. sei (Thurneysen GGA. 1907, 805), ist schon wegen 
der zahlreichen zugehorigen Ausdrucke fur ,blau', die wohl kaum 
sSmtlich erst aus demTaubennamen abgeleitet sind, unwrsch. (s.Meillet 
Et. 271. MSL. 14, 376, Pedersen KZ. 38, 310f., Berneker 322f., audi 
gegen Entlehnung von apr, golimban aus dem Poln.). — Aus co- 
lumba stammt air. usw. colum ,Taube' (Pedersen I 195, Sdirader 
RL. IP 514), wohl auch ags. eulfre, culufre ds. (nach Pogatscher 
Festschr. zum VIII. allg. deutschen Neuphilologentage 1898, 103 ff. 
aus eolumbula, roman. *columbra durch kelt. v ermittlung, s. auch 
Liden Stud. 95; anders Holthausen IF. 10, 112, Persson Beitr. 170). 
— Walde-P. I 440 f., Petersson Heterokl. 147. 

COlnmbKrSs olivae ,in Salzlake schwimmende eingemadite Oliven" 
(Pallad., Inschr.) : Umbildung aus eolymbades olivae (seit Colum.) ■= ^Xflai 
KoXuiLipdbe? im Anschlufi an columba (Niedermann BPhW. 191 1 , 1 433 f .). 

colnmeil; junger (seit Varro Cic. Caes., nicht Plaut., s. Leo ALL. 
10, 278) culmen, -inis n. ,H6hepunkt, Gipfel, First* (seit Plaut., 
rom. nur culmen seit Varro [s. o.], ebenso culmineus seit Colum.; 
■alis, -aris Inschr., culminare .kronen' Mart. Cap.): aus 'qelomn 
jErhebung", zu Wz. *qel- ,ragen", s. celsu»; vgl. bes. as. holm, 
nhd. Holm ,Hugel', ags. holm ,Insel, Meereswoge', an. holmr, holmi 
,kleine Insel" aus *ql-mo- (Curtius 153, VaniCek 55); vl. gall. *calmis 
,Bteinige Bergkuppe"' (Meyer-Lfibke n. 1522, Kurvlowicz M^l. Ven- 
dryes 212'). Gbd. ist ,Giebel eines GebSudes', d. h. .hodister Stutz- 



250 columis — colus. 

pfosten, der das Dach trSgt, First", dann ,hochster Punkt eines Ge- 
wSlbes', ubtr. auf das Himmelsgewolbe (,Zenit') imd Berggipfel 
(, First"), meton. ,Eck-, Grundpfeiler, Hauptsache' u. dgl. (s. Vetter 
GL 2, 248 f., Kirk Gl. 3, 49 f., Porzig IF. 42, 267). culmen ist aus 
*col(u)minis, coliu)mine usw. in den obi. Kasus entstanden (MuUer 
Ait. W. 97). - Walde-P, I 434. 

colnmis s. incolumis. 

COlnmna, -ae f. ,Saule als runder Pfeiler zur Stutze oder Ver- 
zierung, auch freistehend" (seit Enn. und Plaut. [fiber columa Quint. 
s. Niedermann BPhW. 1915, 1091], rom., ebenso columella ,kleine 
Saule, Fufi, Zapfdien, Kolumne' seit Cato und columellus [sc. dens] 
,Augenzahn' seit Chiron, Rudd)ldg. aus -arts dens seit Varro, Sofer 
Isid. 128; vgl. noch -dtus ,durch Saulen gestfltzt" seit Pit., -drius 
seit Gael., -drium .Saulensteuer' seit Cic, -ar ,Marraorbruch fur 
Saulen' Insdir., intercolumnium ,Rauni zwischen den Saulen' seit 
Rhet. Her.): vohl als Part. *qelom(e)na „die ragende, sidi erhebende" 
zu Wx. *qel- ,ragen", s. celstts, eolumen (Vanifiek 55, Walde LEW,' 
8. v.; nidit nach Porzig IF. 42, 267 als ,der zum First gehorige 
Balken' Weiterbldg. von eolumen, was formal schwierig und durch 
dominiis, flmina, aneebl. zu "domen, *femen, nicht zu stutzen ist). 
— Nicht besser Walde-P. I 437 nach Stowasser Schulwb. s. v. (als 
Part. *golo-mno-, ev. *qolob-no- mit der Bed. ,*gestutzter Stamm' zu 
calamitas, incolumis; weder formal noch in der Bed. uberzeugend); 
Thurneysen GGA. 1907, 805 (als .Rundhok, Valze' [vgl. KO\ivbpo? : 
KuXlvbiu] aus *q'>elomena zu colere, das aber im Latein nicht mehr 
,drehen' bedeutet [eolua ist isoliert]; audi scheint die Grundanschauung 
von columna auf die stfitzende Saule zu gehen, was Vbdg. mit 
eolumen nahelegt). — Etr. Herkunft (Ernout BSL. 30, 99) ist ohne 
Anhalt. — Vgl. auch incolumis. — Walde-P. I 434. 437. 515. 

colamls 8. incolumis. 

colnmns s. eorulus. 

colas, -as f. (m.) oder -t m. f. .Spinnrocken" (opp. fusus, s. Aug. 
serm. 37, 9, 13 ; seit Plaut, rom. nur Demin. coltcc(u)la, daneben conuda, 
-alia Diosc, GL; daraus entlehnt tAiA. chonachla, ehuncula ,Kunkel* 
U8W., Sdirader RL. 11' 430; colus erhalten in bask, goru, Jud ZRPh. 
38, 36 f.): Et. unsicher. VI. nach Havet MSL. 5, 160, Thurneysen 
Thes. zu cold aus *q*olos (= gr. it6^o? ,Adise") oder ev. aus *q*elos 
(== an. hvel n. ,Rad', apr. helan ds.); doch mufite hierbei, da der 
Rodcen sich nidit dreht, eine naditraglidie Verengerung einer all- 
gemeineren Bed. ,Spindel' oder ,Spinngerat' angenommen werden 
fMuUer Ait. W. 377 f.); audi der Dbertritt in die «-Dekl. (nach acus, 
Sommer Hb.' 405, reicht kaum aus; der o-St. colus scheint mehr 
der Hochsprache anzueehSren) bleibt unklar. — Kaum besser, da im 
Vokalismus und in der Bed. nicht naheliegend, OsthoflF Verhdlgn. 
der 41. Phil.-Vers. MOndien 1891, .302 (: KXiJb»uj, KXdiffKui .spinne', 
kXuioti^P m. .Faden, Spindel'; icXdtdu) wohl zunSdist im Ablaut zu 
KdXadof m. ,geflochtener Korb' [woraus lat. ealaihus .Korb fur 
Blumen, Frudite, WoUe, Kfise' seit Verg.] nadi Saussure Rec. 250, 
Beditel Lexil. 196; go/(o)- .spinnen", eig. ,dreheii, flechten', vgl. 
Sdirader RL. II' 426 und gr. KdpTaXo? ,Korb' : ai. kmdtti , dreht 
den Faden, spinnt', Walde-P. I 421). — Walde-P. I 464. 515. 



com-, 



251 



com- Praf., woraus eon- (zunSdist vor Dentalen) und «o- (^<" 
Vokalen und t>; nicht urspr. Doppelform, Bugge PBB. 12, 413 ff.), 
cum Prap. und (nach Pron.) Postpos. m. Atl. ,Hiit, zusammen nut, 
zusleich mit" (s. Skutsch Forsch. I 158 ff., Heraeua ALL. 13, 51 ff., 
Sommer Hb.» 264 ff. 302 f., und zur umgekehrten alat. Schreibung 
guom Solmsen Stud. 79; zu perfektivierendem com- [gr. Kara-, junger 
aw-] vgl. V. Gamier IF. 25, 86 ff. 107 f.; seit XII tab., rom. [im 
Gallorom. verdrangt durch apud, Sdimalz' 499, Melander M61. 
Vising 370]) = osk. com-, kiim- .con-", com, con .cum' m. Abl., 
u. com-, CO-, ku- (audi vor v) ,con-«, com, -co{m), -ku(m) Prap. m. 
Abl. .mit' (nur bei Pron. Postpos.) und ,bei" (stets Postpos.; Bed. 
wohl sekundar wie im Lat., Schmalz^ 532), Ableitung o. eomenei, 
u. kumne ,comitio' {*kom-no-, davon u. kumnakle ,in conven- 
tu'l, volsk. CO- (vor v), fal. cuncaptum ,conceptum"; vgL an Zss. 
nodi u. kuveitu : lat. convehito; eomohota : commSta; comoUu : com- 
molito; covertu : eonvertUd; conegoa : conixus; o. kiimbened : con- 
venit; volsk. covehriit : carta (z. B. v. Planta II 447). 

Lat. com, co- = air. eo n- .mit' Prfip. m. Dat. (Instr.), Praf. 
gall, com-, air. com- (proklit. con-, vor u [wie im Lat., ebenso bnt. 
und gall.] co-\ kymr. eyf-, cyn-, ey-, korn. kev-, fee- usw. (z. B. gall. 
Co-Pints, Pedersen I 64. 284, Thumeysen Hb. 321. 456 ff.; aber air. 
CO bis, zu' m. Akk. enthalt wegen kymr. hw- ,bis" idg. V» Pe- 
dersen II 215, Brugmann II? 2, 856); got. ga- ,mit', ahd. ga-, gi-, 
ags. ge-, an. g- usw. (aus *kom mit Schwund des Nasals [nicht er- 
halten in ^hanso, s. unter censeo, consul; anders Schnetz Bl. bayr. 
Gymn. 58, 37 f., s. unter seandida] und %tm. g- aus x- start fc-im 
unbetonten Prafix, Bugge a. O., Streitberg PBB. 15, 102, Rolffs Got. 
dis- und du- 52 f., Meifiet MSL. 15, 92; vgl. bes. Gleichungen yie 
got. ga-mains : com-m^nis, ga-juka : con-iux, go-man : com-memini, 
gwqiman : con-venio usw., ga-deigan : con-ftngo, ga-hrikan : con-fringd, 
ga-halran = con-fer6, gateihan: con-died, ga-pahan : cm-ticeo usw.; 
germ. .90- nicht ganz oder teilweise zu aksl. za Praf. und PrSp. m. 
Akk., Instr. und Gen. .fainter, an, fur, wegen", arm. z- ,um, bei, 
fiber, wShrend", aksl. vbZ; lit. ui- .hinauT usw." [♦Md-a*-?], idg. 
•'SKo), »• MeiUet MSL. 9, 52 ff., Brugmann IP 2, 848. IF. 31, 97, 
Walde-P. 1 633 f., da in der Bed. nicht zu vermitteln; gegen L. Meyers 
GGN. 1906, 189 ff. Vergleidi von grm. ga- als •zjo- mit ai. tahd 
zusammen" [-dh- wegen Nbf. sadha-, av. haha] a. Bartholomae ZdW. 
9, 18 f.); wohl audi alb. ke- = lat. e<K.m)- (Jokl Stud. ^ u. 5., Lmg.- 
klilt. II 262, M. E. Sdimidt KZ. 57, 21; kaum nadi Walde-P. I 459 
aus lat. eo- entlehnt; fern bleibt ka, nga, da urspr. relat. Adv. .wo- 
ven", Pedersen KZ. 36, 317 f.); heth. -kan .also" (eig. .unter diesen 
Umstanden'?,Sturtevant AIPh.48,254ff.); vgl. nodi gr. Koiy6? .ge- 
meinsam" (*K0H-l6?, vgL Euvi? aus *Euv-i6-(;, Brugmann IF. 17, .555; 
lit. kainaa ist zw., Endzelin KZ. 44, 68). :, „ ., 

Hierher lat. contra Adv., Prfip. m. Akk. und Prfif. .gegen- 
uber gegen' (seit Naev., rom., ebenso ineontrS seit Itala, con- 
tradico seit Sen. rhet; eontrarim [vgl. adveraarius] .entgegen- 
gesetzt' seit Pompon., darau? entlehnt alb. kundreV, kunnrHi, 
Jokl IF. 37, 106 f.) = Abl. Sg. F. von *eorn-tro-, vgl. o. contrud 
contra" Abl. Sg. M., lat. eontro-versia f. .Streitfrage" seit 



252 



Plaut., contro-versus ,streitig' seit Cic. (eig. ,nach der anderen 
Seite gewendet', ygl. amh-iguus, du-hius); ital. *eom-tro- Kompar. 
auf -tero- das Beisammen von zweien (Gegenuber) bezeichnend 
(vgl. al-ter : alius, v. Blankenstein IF. 21, 114 gegen Meringer IF. 
19, 451 [samt Kord, got. hinpan : kovt6? jStange* !J; verfehlt MoUer, 
s. Gl. 9, 256 f.). — Idg. Weiterbldg. *km-ta ,neben, entlang, mit' 
in gr. Kdra, Kard (hom. KOTal, arkad. KatOJ Praf. und Prap. m. 
Akk. , entlang, uber — bin", m. Gen. ,uber — bin, gegen, abwSrts' (s. 
zur Bed.-Entw. Gunther IF. 20, 120; aus KOTd m. Akk. entlehnt 
1. eata .secundum", aucb distributiv, seit Itala, rom., Sdimalz' 
522; vgl. KaTa-nd^vm mit condere mortuos usw., Havet MSL. 4, 
372, Breal ib. 8, 476. 10, 404. 12, 241, Wackernaeei Synt. II 237), 
gall, canto-, air. cet-, vortonig ceta-, cita- jmit-' (Pedersen II 292, 
Stokes KZ. 41, 382), akymr. cant, mkymr. can, gan, akorn. eang, 
bret. gant ,mit, bei, langs'); vl. heth. katta(n) ,herab, mit" (s. 
unten). — sVel. noch *hom-dho-s ,verstehend" in mir. eond ,Sinn, 
Verstand" (: lat. con-do, aksl. s^-rf* .Urteil", Brugmann IF. 17, 355, 
Pedersen II 502; aber got. handugs ,iveise* [Zupitza Gutt. 206] 
entweder wie mhd. handec ,behende" usw. zu handus ,Hand' 
oder zu ahd. hantag „scharf', an. hannarr ,kunstfertig, klug", s. 
Falk-Torp 1487 f.. Feist' 180 f.). — Fern bleibt trotz Meillet MSL. 
9, 49 IF. (doch vgl. Slave commun 135 u. 6.), v. Blankenstein IF. 
21, 113 aksl. s^ mit Instr., Gen. (Abl.) und Akk. ,mit; weg, her- 
ab; an, ungefahr" (nicht *knt, sondem *sm aus idg. *som neben 
*«(!-, z. B. sg-iidi ,Nachbar', als Nominalpraf., vgl. apr. san-, som- 
[ablaut. apr. kur. sen-, Bnga Streitberg-Festg. 26j PrSf., sen Prap. 
,mit*, lit. sdn-, sq- [sekundar suo-'] und lett. suo- Nominalpraf. 
.zusammen*; daneben lit. sii Prap. ,mit' und Praf., alt und dial. 
s&, lett. sa- ,Verbalprtf. [*s6 bzw. *s6?, s.Trautmann Bsl. W. 249 f., 
Endzelin Lett. Cramm. 530 f., Fraenkel Post- und PrSp. 187 f. m. 
Lit. ; unsidier, da idg. *se-, *so- neben *sem-, *aotn- nicht gesidiert 
ist, gr. d-Etrre? usw. vim. wohl idg. o- enthalt, s. Brugmann IF. 
21, 8, Bechtel Lexil. 264 und zu gr. i-Kordv u. dgl. unter centum, 
Walde-P. II 492 ; vgl. audi lautlich unklares heth. ifa- .zusammen", 
Sturtevant Lg. 6, 217, und zu aksl. su-guhb .doppelt' angebl. aus 
idg. *sou- Meillet Et. 162 f.]). — Ganz unklar ist gr. EOv, junger 
(Beditel Gr. D. I 106) aOv m. Dat. (Instr.) ,mit', s. Kretschmer 
KZ. 31, 416, Meillet MSL. 9, 50, Brugmann IP 2, 897, Endzelin 
Lett. Gr. 531 (Kontamination von *lcsom und *sum). — Weitere 
Analyse ganzlich unsicher; sehr gewagt v. Blankenstein IF. 21, 
106 f.: Kurd Instr. eines «-St. *kem-t- „im Fcsthalten" (z. B. xaxd 
KX{|iaKo; KarapaCvEiv ,der Leiter entlang, sie festhaltend", woraus 
,nach unten herab, fiber") zu Wz. *kem- ,greifen' in got. usw. 
handus ,Hand", fra-hinfan ,fangen, erjagen' (<o-Pras. wie plec- 
io?), weiterhin (Thumeysen KZ. 26, 310', Zupitza Gutt. 183) als 
*komt- (vgl. vl-ginti, Tpid-KOVTO unter centum) zu *dekmt ,zehn", 
ablaut, gr. biKdq (die Hand als urspr. Dual .Gesamtheit der zehn 
Finger'; dazu nadi v. Blankenstem a. O. 114f. u. a. got. usw. 
hindar ,hinter' als Bildung wie lat. con-tra, dodi s. auch unter 
-ce, recens); Shnlich Sturtevant AJPh. 48, 249 ff., Lg. 6, 214 unter 
Heranziehung von heth. katta, kattan (Akk.?) .herab, nieder, mit, 



coma — comes. 



253 



entlang, hernach', kcdii (Lok.) ,init' {katta(n), gr. kotc! aus **kmtm, 

katti, Katal aus **lcmtai'f ; doch ist idg. ot sonst heth. am, und 

KOTal ist einzelspr. gr. Bildung nadi xai^-oi) wap-ai, Brugraann II' 

2, 703); — ganz unwrsch, Hirt Idg. Gr. Ill 18 (com = ai. -kam in 

sOkdm ,zusammen' [s. secus], sot. ga- = ai. -hd in sahd, s. oben); 

E. Leumann Festg. Blumner 296 ff. {com, oOv aus *ki6m Ntr. Sg. : 

,eins, in einem' : nordar. isa-, sa- ,ein8«). — Walde-P. I 458 ff. 

coma, -ae f. ,Haar, Mahne', auch ,Laub der Baume" (Jokl Ling.- 

kult. U. 166, Guntert Weltkon. 332f.), .Lichtsdiweif, Lichtstrahlen" 

(seit Enn., rom.; -Stus .behaart' seit Cic. und Catull neben -ans 

seit Verg., s. IF. 38, 186', Leumann-Stolz' 251): aus gr. K6nn f- in 

den gleichen Bedd. ; vgl. auch cotnetes (-a, -am seit Octavia), -ae 

m. jKomet' seit Cic. aus gr. Ko^^Tr\<; sc. Aorrip, wofur Lchnuber- 

setzung crinlta, cincinn&ta [stella). 

combennones s. benna. 

combretnm, -i ,eine aromatische Pflanze mit sehr dunnen, faden- 
forraigen Slattern, ahnlich haccar, gr. pdKKOpK' (PUn. 21, 30. 133; 
nach Walde und Murr LEW.* s. v. vl. eine der Artemisia [Wermut] 
ahnliche Komposite wie angebl. auch baecar, gr. pdKKapii;, doch s. d.) : 
aus *kuendhro- oder *kt^ondhro- {Persson Beitr. 523, Leuraann-Stolz' 
58. 60; Suff. nach iundtum, codeta usw.) zu lit. svendrai PI. .Schilf- 
art, Typha latifolia" (Bezzenberger-Fidc BB. 6, 237, Briidi IF. 40, 
228), dan. faro, qvander .Angelica silvestris' (Lehmann KZ. 41, 390; 
daraus entlehnt nir. gal. contrdn ds. nadi Zupitza bei Lehmann ZdW. 
9,23'); aa.hu^nn , Angelica silvestris' Ckuondh-ild, umord. */iMan- 
no-, Liden Uppsalastudier 94, Noreen LtL 1731 nir. cuinneog ds. 
{*kuondhna oder ev. *kuondhi-, Marstrander ZcPh. 7, 359 unter 
Fernhaltung von gleichltd' cuinneog ,Eimer'), schweiz. Wannebohbell 
,arum maculatum' (Lehmann KZ. 41, 394^). Die starken Bed.- 
Sdiwankungen erklaren sich vl. daher, daC (nadi Lehmann a. O.) 
der Benennungsgrund von dem hohlen, an den Blattsdieiden ^e- 
wolbten Stengel der UmbeUiferen u. a. Pflanzen hergenommen ist ; 
danadi *kuendh-ro-, -no- vl. Erw. der Wz. *keu- .schwellen' (vgl. die 
Erw. *ku^t-, *kua-nt- in an. hund, gr. novT- unter eavus; anders, 
aber ni<4t*wahr6cheinlidier, Marstrander a, O. [: gr. KoSap6<:, ai. iAn- 
dhati, a. Walde-P. 1 368], Loewenthal WuS. 9, 182 f.). — Walde-P. 1 472. 
COmbOrS (vulg. comm-, Leumann-Stolz' 169), -ussi, -ustum, -ere 
,verbrenne voUig' (seit Plaut., -ustum n. .Brandwunde" seit Scrib. 
Larg., dafur sptlt. -to, -ura): fflr *co{m)-urd nadi falsdi zerlegtem 
am-buro, s. bustum (Osthoff Perf.535'; gegen die Deutung aus *co- 
amb-uro, L. Meyer V. Gr. P 778 usw., s. \k 39, 32). 

comes, -itis m. f. .Begleiter', apfitlt. audi Rangbezeidinung (PW. 
IV 629 ff.) (seit Plaut, rem., ebcnso -alus, -Us m. .Begleitung, Ge- 
folge' seit Cic): *comit- .Mitgeher', 8. com- und e6, VaniCek 37; 
Bildung wie ai. arthit-, d. i. arihorit- .emsig, eilig' ; vgl. pedes und 
zum <-Suff. locuples, mdnauis, saterddt usw. (Saussure Rec. 340, 
Bnigmann II' 2, 422, Leumann-Stok"* 200). — comitium, -t n. ,Ver- 
saramlungsplatz', PI. .Komitien' (seit AH tab.) stammt der Bed. 
halber eher von *com-Uis (= ai. gim-Uih f. .Zusammentreffen') ; 
vgl. audi in-, exitium (Leumann-Stolz' 209). 



254 cSmis — communis. 

CSmiSj -e, alt cosmis (Duenosinsdir., a. Osthoff RhM. 36, 483, 
GStze IF. 41, 148) ,gefallig, entgegenkommend, freundlich, dienst- 
willig' (seit 4. Jh., -it&s f. .Gefalligkeit, Bereitwilligkeit' seit Plaut.): 
vl. nadi Walde LEW.' s. v. als wznomen 'co-smi-s zu Wz. *smei- 
,ladieln, erstaunen" in ai. smdyate usw. jlSchelf, lat. minis usw. 
(s. d. ; Gbd. etwa „*mitiSdielnd' [gr. <piXo-^{aeib)^; ,gern lachelnd"], 
vgl. 8yn. hilarus und zur Bed. „benignus, facilis, suavis" bes. Cic. 
Balb. 36 f.; bis auf Cic. nur Positiv, weder Kompar. noch Superl. 
noch Umsdireibung mit magis, vl. we.il altes Kompositum, MuUer 
Ait. W. 109). — Nicht uberzeugend Fay IF. 26, 40' (= gr. KdOMio? 
,ordentlich, gesittet", zu K.6a\iOc, „Ordnung' [vgl. unter censeS, 1. an- 
nus, corpus]; lautlidi und in der Bed. unbefnedigend) ; Ehrlidi KZ. 
41, 287, BPhW. 1911, 1574 (aus *koks-mis oder »2-«ofcs-»ifs zu Cedi. 
kochati ,liebkosen, lieben' [vim.: abg. kosngti ,beruhren", Ber- 
neker 538], lit. keks^ ,Hure", gr. u^itov ,trauter'; audi wegen 
des Vokalisihus und des Suff. -mi- bedenklich; s. zu Ttdnov Specht 
KZ. 55, 18 f.); Brugmann IF. 28, 363 (aus "corpsmis : gr. xdcTMo;, 
lat. corpiis, s. d.); v. Wilamowitz Herm. 60, 316 (= *co- smis [richtiger 
*smit-s} ,die mit spendet' zu mitto, mit erhaltenem s wie in co- 
smittere; wird dem Zsshang und der spateren Bed. von eomis nicht 
gerecht). — Walde-P. II 686 f. 

cSmissor, -Stus sum, -art ,einen frohlichen Umzug halten, um- 
hersdiwelgen' (seit Plaut., -Ator seit Ter., -Stid seit Cic, spStl. co- 
mest/Uid durch Anlehnung an comedere, comestio, ebenso c6mes(s)or): 
aus gr. KUtiiidZiu ,schwarme' von Kiliiios .Gelage' (Weise, Saalfeld); 
-issor vl. nach cyathisso Pit. aus KuadiZui, vgl. audi moechisso Pit. 
gegenuber |iOtxd(Z)(u; Depon. nadi bacchor (Schraalz' 546). 

commercium, commers s. merx. 

COmmStS, -Set, -dre ,h&ufig hingehen" (seit Plaut^: aus *com- 
meiite, *-me(£jet6 ^vgl. hietS aus *hi(£)itd; nidit *-meitd, Wolff lin ALL. 
4, 200), Frequ. zu commeS, s. meo und meta. 

commlniscor s. memini, 

comminns (hss. cominus) Adv. ,handgemein, ganz in der NShe' 
(seit EnnJ, SnUwus ,im Femkampf, in Schufiweite, von fern" (seit 
Naev.): Possessivkompos. ,die Hand mit dabei (bzw. aus dem Spiele) 
habend', vgl. zur Bed. gr. ^T-Ti"-? „nahe", (jeCfftiTW?) .inmitten': 
zu ^T-YU-du) ,hSndige em', av. gava ,die beiden Hfinde" (Walde-P. 
I 637); erstarrter Nom. Sg. Adj. wie versus, secus usw. (Brugmann 
112 2, 678. IF. 27, 243, Osthoff MU. 6, 229). — Falsche Deutungen 
des 2. Glieds bei Corssen IP 415 (Nom. Akk. PI.); Schmidt PL 50' 
(alter Lok. PL auf -»(«), vgl. mox); Breal MSL. 12, 242, Delbruck 
III 637 (-manus Abl. PL aus -manuKu)s)\ Otr^bski Eos 31, 481 ff. 
{-mands Gen. Sg. ,im Bereich der Hand'). 

COmmisceS; -«», --mixtum, -ere ^misdie zusammen, vermenge" 
(seit Enn.): com ■\- miseeo (s. d.), vgl. air. com-mescatar .commis- 
centur' usw. (sek. «-St., Pedersen II 577), kymr. cymmytg, mbret. 
eemeie ,commiztio'; gr. oufi-^(fvu|iii usw. 

conunoetficnlnm s. muto. 

COmmBnlcS s. communis. 



eommflnlg, -e, alat. (Sommer Kb.' 74. 103) eomoin^m] , 
Bam, gemeinscbaftlidi, allgemein', flbtr. ,umgSnglicfa* (seit Nae 



gemem- 



commflgentS — compellS. 



255 



commUnea. ,Genieinwesen' [vgl. gr. koiv6v] seitl.Jh. ; -fla« seit Cic.) : 
= got. jo»io«n» (»-St.), Bif,s. genioBne, ahd. gimeini ,geinein(sam)", vgl. 
osk. m'Ainik'& Nom. Sg. F. ,commiinis" (m. Gen. wie audi lat. commu- 
nis, Schmalz'405; aber communico, -acj, -dtum, -are ,inadie ge- 
meinsam, teile mit" [seit Plaut., rom.] trotz Muller Ait. V. 100 wohl 
ohne Zsshang mit osk. 'moiniko-, sondem zunachst von eom-munis, 
Leiunann-Stolz'317); com-munis als Besitzkompos. .mitleistend, mit- 
verpflichtet' (z. B. in negotitim commune ,mit andern zusammen 
Leistungen habend') nebst micnis, -e ^dienstfertig' (Plaut. Merc. 105; 
,officiosus" Paul. Fest. 143), im-munis, -e ,frei von Leistungen, 
abgabenfrei, undienstfertig, ledig' (seit Plaut.) zu miinia, Sltcr (Paul. 
Fest. 151) moenia, -ium n. .Leistungen, Pfliditen, Berufsgesdiafte" 
(seit Naev., rom., Gbd. ,Abgaben', Norden bei Cichorius R5m. Stud. 
51*; davon mUni-eeps, -cipis m. .Burger einer Kieinstadt', eig. 
,wer Pflichten empfangt' [vgl. parii-ceps usw. unter capio] seitLuciL, 
miini-cipium [alat. moinicipieis], -t n. ,die autonomen Stadte La- 
tiums, deren Bflrger gegen Rom die gleidien Leistungen [munia] 
batten wie die cives Romani, daher audi alle Privilegien derselben 
genossen' [Mommsen Staatsredit III 231 ff.], seit Varro und Cic.; 
muni'ficuf, -a, -urn ,mildtatig, dienst-, steuerpfliditig" seit Plaut. 
und Cato), munus (ardi. moenus), -eris n. .Leistung als Aufgabe, 
Amt, Wirkungskreis, Dienst', femer als ,Gefalligkeit, Liebesdienst, 
Gesdienk, Opfergabe, Spende' (seit Plaut.), u. muneklu .munus, 
sportulam' (Brugmann SSdis. Ber. 1893, 141 S.); — Wz. *mei- ,wedi- 
seln, tausdien" (woraus ,Tausdileistung, Tausdigabe, Gesdienk' und 
.vertausdien = verfSlsdien') in ai. mdyate .tausdit', ni-mayafi m. 
,Tausdi", lett. miju, mit .tausdien, wedisebi" (Endzelin Gramm. 571), 
abg. 3. Sg. Aor. iz-mS-H »j .verSnderte sidi'; vgl. mit .n-Formans nodi 
ai. menik t. .Radie', av. maeni- f. .Strafe, Bestrafung'; air. wtfim, 
main .Kostbarkeit, Sdiatz', PI. dag-moini ,gute Gaben, Wohltaten' 
(Pedersen I 57. 174); ahd. mein .falsch' (nhd. Meiti-eid), ags. wan 
ds., an. meinn .sdiSdlidi", ahd. mein n. .Falsdiheit, Verbredien', 
ags. man ds., an. mein n. .Sdiade, Ungludc"; lit. malnas, PI. mainal 
.Tausdi' (mainaa, -yti, lett. malnit .tausdien"), atmaind- i. .Wedisel', 
lett. maina, matna I., mainus m. .Tausdi, Wedisel", aksl. m^no.Vedi- 
sel, Verfinderung', iz-men'iti ,biape(p€iv' usw. (Bemeker II 48f^; un- 
sidier gr. ^otvo; (unwrsdi. Konjektur von Walde-P. a. O. zu Hes. s. 
^oiTol, wo der Wortlaut ebenso wie bei Varro 1. 1. 5, 179 verderbt 
ist; vgl. mUtd). — Erw. *mei-Uh)- .tausdien' s. unter mSid, muUius. 
— Zu der mfiglidien Vbdg. mit *mei- .mindem' und *mei- ,wan- 
dern' (z. B. Prellwitz s. niviiiSu), potroi;, Trautmann Bsl. W. 176) s. 
unter minor, meOre; IdentitSt mit Wz. •.•a«- ,Pfahl, Holzbau' (s. 
moenia, marus), so dafi eommvinii, got. gamaint urspr. ,der Haus- 
genosse (der mit mir dieselben Vande [moenia'\ hat)" oedeutete (Me- 
ringer IF. 18, 270 f.), ist ausgesdilossen. — Walde-P. II 240 f. 

commflgentQ s. mugi6. 

cSmS s. emo. 

comp&ges, compBgrS i- padiaeor, 

compare s. p&r und parid. 

comparsit s. competd. 

compello, -Are s. appelld. 



236 compendium - compescS. 

compendinm, -l n. ^Ersparnis, Gewinn, Abkurzung' (seit Plaut.) : 
wohl als ,Zuwage' (das Mitgewogene) zu 'compendere (Varro 1. 1. 
5, 183, vgl. compens&re .aufwiegen, ausgleichen" seit Cato") wie 
dispendium, -i n. .Aufwand, Verlust, Schaden" (seit Enn.) als 
das Ausgewogcne" zu dispendere ,verwiegen" (Varro a. O., vgl. 
dispensdre ,aus-, zuteilen' seit Plaut. und impendium, -I ,Auf- 
wand, Unkosten' von impendere ,aufwenden", s. d.). Vgl. audi 
Leumann-Stolz' 209. 
comperco s. compescS. 
compedio, compes s. expedio, pedica. 
coraperio s. perlculum. 

compesco, -ui, -itum, -ere ,eingchlie6en, einfriedigen" {lucum 
Paul. Fest. 65), ,beschranken, bezahmen, unterdrucken" (seit Plaut.; 
Kontrarbildung dazu dis-pesco, -ere ,trennen, sondern, scheiden" 
seit Varro, Brugmann IF. 1, 175): &ViS*com-pare-sc6 (Leumann-Stolz* 
314), vgl. comperco (-a- seit Fronto), -persi {-parst), -ere ,zusamraen- 
sparen, unterlassen" (Paul. Fest. 60 comperce ,pro compesce", vgl. 
Plaut. Bacch. 463 compesce . . . dleere mit Poen. 350 comperce ...at- 
trectare [Inf. nach teneo, abstineo, tempera, Schmalz^ 581], comparsit 
'■Terentiu.s [Phorm. 44, v. 1. -ersU] pro compescuit posuW [richtiger 
^zusammensparen", also in der Bed. naher zu pareo% ferner (z. B. 
Wiedemann BB. 28, 17, Thurneysen IF. 21, 179 f.), pares, parst 
(alat.; parcul Naev. nadi areut) und peperct, parsurus, -ere , spare, 
scfaone, unterlasse, halte mich zurudc' (seit Liv. Andr., rom.; Gbd. 
etwa ,im Zaume halten, behuten", vgl. Plaut. Merc. 680 und bes. 
Mil. 1220 parte vdcem, Paul. Fest. 222 parcito linguam Hn sacri- 
ficUs dieebaturi-id est coerceto, contineto, taceto' mit Plaut. Poen. 1035 
linguam compescOs usw.; Dat. bei pared vl. nadi tempera wie auch 
[oder nadi abstineo, Sdimalz" 377] spateres ab, vgl. spatl. compesco 
ab nadh arceo, prohibeo), parens, -a, -urn ,sparsam, targ, karglidi" 
(seit Plaut; Gbd. ,eineeschrankt', vgl. artus, conientus; Verhaltnis 
zu pared unklar, Jacobsohn Gl. 16, 53); vgl. nodi imperco, -ere 
Plaut. ,schone' mit Paul. Fest. 108 impescere 'in lactam segetem 
paicendi gratia immittere'' (mit falscher Beziehvmg auf pasco wie 
auch 40, Beseler ZRG. 49, 433'). — Hierhcr nach Brugmann II* 3, 357 f. 
(II' 1035) o. [ku]mparaleineis ,consilii, contionis' {*comparo- 
ion-, als ,in den Beratungsplatz zusammengedrangte Versammltmg', 
vgl. zur Bed. gr. ftueXXa aus '■g.-pelia, s. pello), comparascuster ,con- 
sulta erif (,beraten' aus ,einberufen, versammeln', vl. Bed.-Lw. 
nadi consuls, Thurneysen IF. 21, 180; nicht zu poscS nadi v. Planta 
II 262 wegen des Vok. [ar nidit aus f, Buck-Prokosdi 41 J; unan- 
nehmbar Fay AJPh. 25, 182 f.); nnsicher u. praco pracatarum ,sae- 

Eium saeptarum", pal. praeom ,saeptum?' (v. Planta I 321, Grien- 
erger KZ. 54, 58) und u. pe(r)s<M ,ponito?', peperscust ,posuerit' 
(Bfldieler Umbr. 48, vgl. v. Planta II 261 f.), dies wegen des «-Vo- 
kalismus und der nicht ganz sidieren Bed. (s. auch unter posc6 ; ra 
neben ar ware mit *perk-, *prek- in posco preces usw. vergleich- 
bar; urspr. Gleidihheit von *perk- ,einsdilie6en' und *per(e)k- .ftagen, 
bitten" TMeringer IF. 18, 260, MuUer Ait.W. 320] ist jedodi ganz 
ungewifi). — Weitere Anknupfung zweifelhaft; vieles nach Vokalismus 
und Bed. groBtenteils Fernzuhaltende bei Wiedemann BB. 28, 17ff.: 



eompescS — 1. compilS. 



25T 



ar ir6flKn<: «»• .Ring in* "Jen Speerachaft zum Festhalten der eisernen 
gpitze' (dazu ndpun f. ,Ring oder Biigel einer Spange" aus *pork-ff 
nach Petersson Griedb. u. lat. Wortst. 21 f., anders Boisacq 805; lat. 
porceS, parma, persdna bleiben fern); ii6pK0? m. ,Fisdiernetz ^zu- 
nficfast zu arm. ors da.; kaum als .Mittel zum Zusammenhalten 



t 



aammenhaltend'?, Gttntert Rewnw. 47); sicher fern bleiben, audi 
wegen der Bed., aksl. pnsti, pnstt, Ut. usw. pifitas, Vmgei (vgl. 
Solmsen IF. 31, 454, s. postia) und got. fairhus va. .Welt , an. fjpr 
n. Leben', ahd. usw. ferak n. ds. (urspr. .Leib', vgl. Ehrismann 
Festschr. Behaghel 327), >Abltg. in an. iirar .Manner' _usw.(s. auch 
unter corpus). — Mlat. parens ,eingezaunter Wald' ist nicht ein 
altes, zu pared gehoriges, nicht in die Literatur aufgestiegenes Wort 
(Meringer IF. 18, 259), sondern atammt wie ahd. pferrich, pharrteh 
neben jungerem [Lex Baiuv.] pare), aga. pearroc, kymt. pare usw. 
aus dem Roman, (frz. pare aus *parricum, Ableitung von 'ijarra 
in span., port, parra .Spalier', prov. parran .emgefriedigtes Garten- 
land', das nach Bruch WuS. 7, 159ff. iberisch ist; verfehlt Loewen- 
thal ZONF 4, 61). D. Forst stammt aus dem Roman, (mlat. forestts, 
foresta .BannwaW; s. Baist ZdV. 12, 235 £f. gegen Uhlirz ib. 300 f^ 
Meringer a. O. 260 f.). - Abzulehnen Vamfiek 162 f., Curtiua 166 
': ai. m-fidkti .miacfat', s. Walde-P. 11 47 und prope). — Walde-P. 

1. compile, -avi, -atum, -are .plundere aus, raube, stehle" (seit 
Plaut., -atio .Plunderung' Cic, -ator .Plagiator' seit Hier.J, ex- 
pilo, -avi, -atum, -are .plundere aus' (seit Plant., -Otid >^a for 
aeit Cic; davon zu scheiden expUo, -are .enthaare Lucil. ^65, s. 
pUus, alipilus), suppllo, -avi, -atum, -are .plundere heimhch aus 
(aeit Plant.), pllatrix, -ieis I .die Rauberm' (Titm. com. il), 
Vllo, are .plundere" (Amm.): auszugehen ist von compi are, das 
m der Bed. .W'' et in Unum eondere' (Paul. Fest. 40; vl. auf das 
sdiriftatellerische Plagiat zu beziehen, a. Thea.) deutlich nut pMre 

zusammendrucken' (s. d.) zusammengeseUt ist; damit identiach 
eompmre .atehlen' ala .zusammenraffen'; danadi erst gebildet smd 
expiUi (vgl. txspoliS), suppilo (wie suffuror Plaut. nach sumptO) 
un^ das SimpL pil6 (s. unter alipUus, auch zu angebl. comptlare 

enthaaren') - Abzulehnen Froehde BB. 1, 249 (mit Anlauts- 
wechsel i>- : sp- [andera Tburneysen Thes.] zu gr. m.U6s .nackt , 
U.IX6UJ .mache kahl, beraube'; diese zu Wz. *bhs^i);*bhs-i- m 
U.UJ-X6C .nackt am Penis', M»n-v6s .kahlkopfig', ahd. bar .nadct, 
blofi' usw., weiterhin v^-xu) ."i^e ab', Mid.-xui .zerre^e uaw., 
Persson Beitr. 826' gegen Solmsen Beitr. 136«); Walde hEW's. v. 
zw. (: lett. spUH .klemmen, zwicken, apannen', spile .Gabeiung, 
Zwicie, Holznagel' in letzteren Bedd. Lw. aus mnd. spiU dunner 
Stab'l, apa««(«) .Schwaden des Mfihera, Stecken zum Emklemmen 
Tortur'; diese woU nach Mahlenbadi-E. a. spUe zu Wz. »spe»- sicfa 
ausdehnen' [Walde-P, H 654. 658], kaum nach Trautmann Grm. 
Lautges. 14 f. zu ahd. spUon .sicfa in zudtender, zitternder Be- 
W a 1 d e Etym. WOrterbttdi d. Ut Spracbe. 3. A. 17 



258 2. compile — condis. 

wegung befinden, hupfen, spielen', jedenfalls nicht nadi Bezzen- 
berger-Fick BB. 6, 230 zu t)it\6; oder pil&re, ulX^iu); Stowasser WSt. 
32, 99* {(com)pilare Lw. aus gr. (priXoOv .betrugen", (ptXriti'i? Ardhil., 
vgl. Paid. Fest. 204); unannehmbar auch Persson Wzerw. 116^. 

2. compilS, -&vi, -atum, -Are ,durchprugeln, durdibleuen" (ApuL, 
vgl. Dosith. gr. VII 435, 28) : kiinatliche Umbiegung von compilare 
^plfindern' m Anlehnung an 0lum n. ,Stempel zum Stampfen", 
pila .Morser" (Thurneysen IF. 31, 280). 

compitum, -J n. (seit Cato), seltener -us m. (seit Caecil., nach 
angiportua neben -um) ,Kreuz-, Scheideweg" (compitslis, Compitdlia 
seit Naev., davon -alicius seit Cic, Leumann-Stolz* 213^: aus *c6m- 
petom zu competere ,zusaninientreffen', vgl. Varro 1. I. 6, 25 ,m6» 
viae competunt". — Falsch VaniCek 152 (:pdns). 

compos s. potig. 

concha (insdir. audi -c-), -ae f. ,Musdiel" (seit Plaut., rom., 
ebenso -ulaf: aus gr. Kdyxi ds. wie conchylium ,Muschel, Sdmecke" 
seit Lucr. aus kotx^^iov, conchis, -is f. ,Sdialbohne' (seit Mart.) aus 
KOTX'?; ■*^gl- ^u*^ conehUa Plaut. : kotxitt]?, Festsdir. Kretschmer 67. 
— Pellegrini St. it. fil. cl. 17, 358. 

concilinm, -t n. ,Versammlung, spez. Senats- oder Volksver- 
sammlung. Landtag', sek. (seit Lucri) ,Vereinigung, Verbindung (der 
Atome [gr. ofrfKpKJiq] usw., audi gesdileditlidie Vereinigung Arnob.)" 
(seit Plaut., rom. [Sdimalz''816]; davon concili&re , durdi Vereinigung 
zusammenbringen , versdiaffen, gewinnen, zusammenkuppeln, zu- 
standebringen" seit Plaut., ebenso -ator, -atrlx, -abulum, -Stio seit 
Qc. ; vgl. incondliHre „hineinlegen [conciliando inducere], Ungelegen- 
heiten oereiten^ durdi List abwendig madien' [alat. und arch., vgl. 
Paul. Fest. 107 und zur Bildung incomitiare Plaut. Cure. 400; nega- 
tive Umbiegung von inconciliSre ist erst spatlt., Pokrowskij RhM. 
52, 431 gegen Langen Beiir. 181 £F.]): aus *c6n-ealiom zu cal&re 
(Leumann-Stolz' 209), vgl. gr. ofrficXtiTOs, ^kkXtioIo und den tech- 
nisdien Cebraudi von edlare in comitia calSta (von der Be- 
rufung durdi die Pontifices, vgl. Gell. 15, 27, 4), curia ealabra. Die 
matenelle Bed. von conciliare ,vereinigen' (die Bed. ,verdichten, 
walken" Varro 1. 1. 6, 43 vestitnentum apttd fullonem cum cogitur, 
eonciliari dictum kann aus ,zustandebringen, herstellen" entwidcelt 
sein) ist wie in concilium , Vereinigung, Verbindung" sekundar aus 
dem BegriflF der Versammlung entwidcelt (Walde-P. a. 0., vgl. auch 
Reidielt KZ. 46, 327, Sdirader RL. IP 610). — Nidit zu celare 
(Corssen Beitr. 41 f.) oder zu gr. k^XXui ,treibe" (s. celer), kX6voi; 
.Getammel" (Prellwitz* s. fineXXo, MuUer Ait. W. 98). — Walde-P. 
I 444. 

concinnns s. 1. cinnus. 

concipilo s. capo. 

COncliiTe, -isn. ,Zimmer, Cemadi' (seit Plaut.): con + cl&eis (s. 
daudo; vgl. conclavatae 'quae »«6 eSdem erant clSve' Paul. Fest. 58). 
Leumann-Stolz^ 254. 

COndiOj -ivi-, -Uum, -ire ,mache ein, wurze, babamiere ein* (seit 
Plaut, ebenso -imentum, -itor, -Ui6 seit Varro): zu condere in der 
Bed. ,einlegen, einmadien', {-Konj. vl. nadi sallire (Cato: sallire 
Varro al.), ev. auch farcire (Walde LEW.« s. v., Muller Ait. W. 101); 



condS - 1. cSnfutS. 259 

vsl. z. B. condere neben condtre Cato agr. 117, condire, dann in- 
here usw. Plaut. Pseud. 813 fF. — Abzulelinen Solmsen KZ. 34, 546 
(als *qt>ondhi- ,Leckerei', also ,Leckerbissen zubereiten' : gr. Tdv»riS 
.Nascher", att. TdvSuu neben x^vbiu ,benf^e, nasche"; vim. d(ft)- lirw. 
von *tem-_ ,schneiden«, s. Boisacq 955, Walde-P. I 720 und tondeo). 
condo s. facio. e u 

condoma (Itin. Anton., rem.), conduma (Greg. M.), -ae t. ,Haus- 
gemeinschaft" (condamina Not. Tir. kontaminiert mit 'condomtnmm, 
s. Ducange s. -v., Meyer-Lubke n. 2124): con vmd domus, vgl. gr. 
Ouv-oiKia (Thumeysen Thes.). _ tji- . 

COndurdam, -J n. ,ein unbekanntes Kraut mit roter ISlutc 

(Plin.) : ?. u • ■ 

confer©, -tuli, -latum, -ferre ,trage zusammen, trage bei usw. : 
= kelt. *kombero ^vereinige" in mir. commor .Zusammentreffen von 
Talern Stromen, Wegen", kymr. cymmer ,Zusammenflufi', cymeraf 
.nehme", nbret. hemeret (Pedersen I 118. II 472); s. fero. 

conferya, -ae i. ,Wasserfaden" (seit Plin., rom. *-Jo): con und 
fervere (s. d. MnA .fMf)umen), benannt von der zusammenziehenden 
Kraft (d conferuminando Plin. 27, 69). 




s. d. (Skutsch Kl. Schr. 39 f., Lindsay-Nohl 639, Umgangsspr. 83). 

conflages Joca...in quae undigue confluunt verdl' (Paul. Fest. 
40, confr- Isid.): wenn echt, zu flagrwn; aber eher Verderbnis von 
confluges, s. Thes. s. h. v. 

conflnges s. fluo. 

confracesco s. fraceo. ,. , • . 

1. cOnfflto, -am, -atum, -are .mederschlagen, dampfen; nieder- 
halten; widerlegen, uberfuhren; (die Sinne) verwirren' (seit Flaut., 
■alio seit Rhet. Her.), refuto, -avl, -atum, -are zuriicktreiben, 
zuruckdrangen" (syn. reicere Cic. Tusc. 2, 55); „ widerlegen (seit 
Lie Crassus, rom.): wohl mit u aus nachtonigem a-u ifiUdre ar- 
guere' est, unde et 'confutare' Paul. Fest. 89, Gl. ist gewifi Gram- 
matikerruckschlue, erweist also nicht an sich mogliches idg. fl) zu 
Wz *bhattt; *bhit- ,schlagen, stofien" in alb. mbut, mbus .ersticke, 
ertrSnke', skut. »<*s .tote" (Gbd. .erschlage", vgl permfeiis kehre 
um, werfe hin% permigms ,niedergeschlagen% Jokl Stud. 5tJ); un- 
sidier lat. futuS, -ere .beischlafen" (s. d.) und arm. but stampt 
(s. Walde-P. n 146); Wzf. *bhdt- (aus *bha[u^; kaum *bhyat-,lo- 
hansson GGA. 1890, 755) in lat. fatuus, gall. Lw. battuo (a. dd.); 
- daneben Wzf. *bhaud-, *bh&d- (t-, -d- wohl prasensbildend) in 
an. bauta, ags. blat^n, ahd. b6^)an ,schlagen, stofien' (aus frank. 
*b5tan entlehnt frz. bouter, woraus italien. feu*tar«, aus diesera wieder 
bulg. 6ii<am ,8to6e, berOhre", v. Wartburg I ^3 Berneker 104 , 
mhl. %, bug .Schlag', nhd. AfnboS, ags. fe^te? Hammer mnd. 
botel ds, mhd. bagel .Schlfigel', sn.MytM .Zeugungsgbed des 
Pferdes' (aber mir. bot .penis' bleibt fern [s. unter /wteo, Pokornv 



260 2. canfuta - cSnea. 

*bhe-bhud-u6t-s?, Pokorny KZ. 47, 163); sicher fern bleibt trotz 
Wood MLN. 15, 325, UhlenbecL PBB. 35, 163 f. ]it. baudiiH, bailsti 
jzuchtigen', da vim. als .zurechtweisen' zu Wz.*bheud- ,wacfa sein" 
(v. d. Osten-Sacken IF. 33, 200 f., Walde-P. H 147); — kurzeres 
*bh&u-, *bhS- als Grundlage von *bhau-t-, *bhau-d- ist trotz Persson 
Wzerw. 140 f., 73 imsicher, da lat. famex .Blutunterlauf' wahr- 
scheinlich, favissae, faux sicher femziihalten sind; fiber die Identi- 
fizierung von *bhau-{t-), *bhu-(ty ^schlagen' mit *bhu- .aufblasen' 
(an. butr ,kurzes Stuck eines Baumstamms", mhd. butze ,abee- 
sdinittenes Stuck Klumpen" konnen zu beiden gehoren) s. Walde- 
P. II 116 gegen Persson Beitr. 256*. — Abzulehnende Deutungen 
bei OsthofTMU. 4,86. 99 f. (con-, refutare zu Wz. *dheu- .stieben, 
•wirbeln' in ai. dhiniti ,s(iiuttelt, bewegt hin und her' usw. [s. 
fumtis, suffio, Walde-P. I 837; effutlre vim. zu futis, fundd); Cur- 
tius 204 f., Vanigek 97 (als ,hingiefien, niederschlagen' zu exfuti 
,exfusi', futilis, fundo; dagegen spridit die Gbd. von con-, refut6, 
die nicht ,gie6en', sondern ,nieder- bzw. zuruckschlagen* ist [auch 
in Titin. com. 128 eoctis magnum ahenwn, quando fervit, paulit con- 
futat trua = , niederschlagen, niederhalten, dSmpfen*; die Bed. ,ver- 
wirren" [seit Tiro bei Gell. 6 (7), 3, 13] scheint auf sekundfirer An- 
lehnung an confundere zu beruhen). — Vgl. battu6, fatuus, fdmex, 
fustis, futuo. — Walde-P. II 126. 

2. cOnfatS s. fwi, vgl. conful, -fore, -fiUwrua. 

conger, -i m. ,Meeraal' (seit Plaut., hss. seit Plin. audi ganger, 
spStlt. eongrus, gongnts, grongus, alle Formen rom.) : au3 gr. f <5t- 
fpo? ,Meeraal, Baumknorren' (zum Lautlichen s. Leumann-Stolz' 
119 und 125, Schwyzer KZ. 57, 261'; volksetym. Aniehnung an 
congers [Keller Volkset. 55 von der Cefrfifiigkeit des Aals] ist nicht 
zu erweisen, ebensowenig FohaUes M^l. Vendryes 166 Trennung 
von T^TTpo? n-^*'' ^ Mittelmeerwort von y6xipo<i, totTP'"''*''! 
jAuswuchs"). 

COngerrS; -onis ,Spie£geselle (compopino et nagStor Gl.)* (Plaut.) : 
con + gerr0 ,Maula£Fe" (s. gerrae. Sonny ALL. 10, 378; vgl. eer- 
rones). — Nicht zu vereinzeltem *ger- neben *g»er- ,ver8chlingen" 
(s. gurgea). 

congins, -? m. „Hohlma£ fur Flussigkeiten, 6 sextarii (= gr. 
XoO;, 3,28 I) umfassend* (seit Cato, ebenso -iArius, -talis seit Plaut.) : 
gr. KiiYXOC HI- (f-)' '('^TXn ^- »Musdiel, Hohlmafi* (daraus conc(h)a, 
s. d.), ai. sankhd^ m. ,Musdiel, Schlafe' ; unsicher lett. senee ,Mu- 
sdiel' (Prellwitz Gr.Wb. 8. v.; richtigere Sdireibung zence, Bezzen- 
berger BB. 27, 175*; auch nslov. senhe , Schlafe' ist wegen der durcfas 
Ai. nidit genugend gestutzten Bed. trotz Bezzenberger fernzuhalten). 
— congius scheint aus gr. K6"fX0? entlehnt (c — g fur c — e vl. durch 
eine vermittelnde SpracSe, Sch-wyzer KZ. 57, 262 A.; Auseang wohl 
nach modius, Leumann-Stolz' 207, nicht nach gr. xoOc, Christ bei 
Hultsch Metrol.'117), erweist also kein idg. *kongho- neben *konqho- 
(Uhlenbeck IF. 13, 217). — Eline unnasalierte Form wohl in gr. k6x^oi;, 
KOxXbK .Musdiel, Schneckenhaus, Schnecke" (s. unter coc(h)lear; an- 
dere nicht bessere Deutimgen bei Walde-P. a. O.). — Walde-P. I 461 f. 

congmo 8. rud. 

cSoea 8. cieOnia. 



cSnIveO - cBnf5pium. 261 

cOniTeO (conn- schlechtere Sdireibung), -nixX (TurpU.) und -nm 
(Ninn., Spatlat.; wohl Neubildung, Sommer Hb.=' 571 gegen Leu- 
mann-Stofz' 331), ere ,(die Aiigen) zudrucken bhnze n Tvon Kurz- 
siditieen)', sek. (Archaisten) ,sich zusamraenziehen, edilielSen {clati- 
gtra,Hneae\ ubtr. (Beit Cic.) ,ein Auge zudrucken, Nachsicht uben 
(seit Plaut., -entia [nach indulgentia] .Nadisidit' seit Scr. hist Aug.; 
vel. cOnivoU oculi ,in angustum coacti' Paul. Fest. 42, conlvola .oc- 
culta' 61, comvum ,KdXuE. f)6bou nejULUKd.?' Gl., inconivens _,die 
Augen nidit sdiliefiend" Cell., incomvus ds. Apul., Amm.): zunachst 
zanicto (sek. nictor, De verb. dep. 37), -are ,mit den Augen zwin- 
kern, blinzeln' (seit Plaut., ad- seit Naev., ntctes, -fis Zwinkern 
seit Caecil., -atio seitPlin.); weiter als *con-cni(g)He6 (Sommer Hb 
263, Leumann-Stolz' 148. 170) mit nitor (s. d.) zu Wz. *knetg^h- 
in got. hneiwan, hnaiw ,sidi neigen" (hnaiw$ ,demuUg, niedrig , 
eie. •eebttdtf, davon hnaiwjan ,erniedngen", ahd. usw. {h)netgen 

neigen"; zu grm. -tc- neben -g- s. Meillet MSL. 15, 101 S.), an. hniga, 
hne und (anal.) hneig ,sich (gruCend) neigen", ahd. usw. hnigan ds 
kaus. an. hneicken ,neigen«, ahd. hneigja {iich) neigen , itr ahd. 
hnegen {i aus x) ,geneigt sein", ags. hnigiands^ (Schulze KZ. 46, 188 f.h 
B. Corssen V 83. II» 1017, Zupitza Gutt^OOffalsch Johansson PBB. 
14, 366: co-nlveS mit s- zu ags. snlcan ,knechen', s. Walde-P. 11 WS). 
- U. conegos, kunikaz ,*conigatus (genu nixus)" beruht wegen ^r 
statt h Oder f auf analogischer Umwandlung des Wurzelauslautes 
nadi Wurzeln auf g, u. zw. auf Grund von Formen wie lat. wma^, 
nicic {ein *mco gibt es nicht, OsthoflF PBB. 8, 274), nach dem Muster 
yon actus ■ «w usw. (Walde LEW." s. v., Sprchl. Bez. 70» gegen 
V Plantri'339 469). - Verfehlt Vanifiek 14^, Fick I* 500, Alen- 
beck PBB. 30, 291 (: abg. po-niki ,oculi demissi", nikngit. Iter, n.- 
dati .sich neigen"; vim. idg. 'niq^'d aus 'ni-oq"-, s. octtius); tick 
GGA. 1894, 242 (: gr. vtaouai .kehre heim"; aus *vi-vao-|wii : v^omci, 
Bechtel Lexil. 23^ f); Johansson Uppsala Un. A. 1927, I 40 (von 'm- 
m- als die Aucen zusammensenken" zu *nei-tfO- in gr. veid? .pracn- 
land", eig. .Niederung", s. unter nidus). -"kneig'^h-ntigen, biegen 
ist weite?hin in *qneig»h- zu zerlegen wegen Parallelwz. •gnet-fc- m 
an. hntpa ,den Kopf hSngen lassen, mifimutag sein aes. Anipwn 
ds., lit. knimhit, ktAUi ,zusammenknidcen'. - Walde-P. 14/0. 

coninx (sek. coniunx, Sommer Hb.' 353. KE. 107) -«ui/« .der 
ehelidi Verbundene, Gatte, Gattin" (PL ,Ehepaar" seit Cic. mid Ca- 
tuU), sek. (seit Apul.) Adj. .verbunden" (seit Plaut., -turn seit Ter., 
-al/s seit Varro): *con-iug-s, Wznomen zu iunffO, vgl- ai. aa^yiy- 

durdi Freundsdiaft oder Verwandtscheft verbunden" (fl-yuj- ,mcht 
;aarwei8e, ungerade", gr. &.ZvE), gr. <rt-ZuE .gepaart, Genosse Ge- 
mahlin", 6n6luE .Genosse", got ga-juka m Ss., mir. ci«««^ Jodi 
(*kom-iung., Pedersen I 98. H 661); vgl. zur Bed. ahd.gtmahho ,Ge- 
raahl" : gimah .verbunden", russ. mprip : abg. prpSit .anschirren 

conSpinm {-Sum seit luv.), -J n. .femmascfi.ges Muckennetz und 
Bett mit einem soldien' (seit Varro, rom. [Meyer-Lubke n. 2153; aus 
frz. eanap^ im 18. Jh. entlehnt d. Kanapee): aus gr. KiuviDtreiov ds. 
Angleichiing von ♦Kttvujnclov (von der agyptisdien Stadt Canoptis) 
an Kd,vu,v m. .Mucke, Sdinake" (C- Thcanier, aa glossarum com- 
mentarioU, Diss. Upsala 1907, 42', Boisacq Rev. Beige 5, 510). 



262 Conor - conquinlacS. 

Conor, -atus sum, -art ,eine korperliche Anstrengung madien 

1 .. j_i\. 1 — unternehmen" (seit Enn., rom. 

-atus, -us ,Versuch' seit Ter., 



(sich stemmen u. dgl.); versuchen, unternehmen" (seit Enn., rom. 
veieinzelt [Mcyer-Liiblce n. 2109 a]; -atus, -us ,Versuch' seit Ter., 
-atio seit Sen., -amen seit Lucr., -amentum .Hebewerkzeug' Plin. 



[spatlt. = -ame7>]) : wohl nach Persson Beitr. 161 f., Nazari RFCl. 
40, 572 f. (nadi dem Vor^ang Ficks I* 383) als Iterativ-Intensiv (vgl. 
nujTdonai : itoTdonai usw.) zu gr. koveiv • ^TtclTeaaai, ^vepTeiv, Kdvei • 
aiteObe, Tp^xe, KOvapUbrepov ■ bpaOTiKiIiTepov Hes., d-KOVIti „ohne 
Anstrengung', ^t-kov^uj ,eile, vcrlege mich auf etwas', iy-KO\l<; 
.Dienerm', Kovrirai • Qepd^toy^e<; und dr-Kovouc " bioKivou?, boiiXoui; 
Hes., bid-KOVO? ,Diener, Aufwarter" (Schuize Qu. en. 353'^); Wz. 
*ken- ,sich muhen, eifrig strebcn' trotz Wiedemann BB. 27, 196 f. 
sicher nur griedi.-Iat. (fern bleiben ai. cdnas- n. ,Gefallen, Befrie- 
digung" [s. unter carus]; gr. Kavdjv ,Stange, Wagebalkcn, Mefirute, 
Richtscheit' [wohl zu Kdvva, Boisacq 407 gegen Schrader RL. IP 474, 
Lcwy Fremdw. 133]; be. kdm ,lade ein, biete an', Berneker 483; 
russ. fcoMj ,Anfang','Fid:IP66, s. Berneker 561 ; lett. cities .streben, 
trachtcn, ringen' eistei ,ringen', akstet, clsties ds., s. Muhlenbach- 
E. s. cities; eher vl. censt ,(dic Sehnen) strecken", rcfi. censties ,sich 
anstrcngen, bemtihen", Persson a. O.). — Abzulehnen Thurneysen 
GGA. 1907, 806 nach Vossius (aus gr. Kiuvdv ,itepibiveiv, vom Um- 
treiben des Kreisels", Ausdruck der Knabensprache ,sich rastlos 
herumtreibcn wie ein Kreisel"; in der Bed. verfehlt); Gustafsson 
BSL. 50, LXVIf. (als *conc-na,ri : curiae, eunctor. Bed.!); Schwyzer 
KZ. 37, 147 f. {*co-snati ,mit Anstrengung schwimmen'; unerweis- 
bare Gbd.); Pedersen KZ. 39, 382 (: arm. xnam ,Sorge', xnay 
,Sdhonung'; auch wegen *kh- : k- unwrsdi.); Walde LEW." s. v. 
(aus * couenor : ahd. mnnan ,sich abarbeiten, streiten' usw. fs. «?■ 
nus], oder als *con-gnavari bzw. *con-gna-i6 zu na-vus ,ruhrig'; 
navus bleibt trotz Persson a. O. fern, s. d.). — Walde-P. I 398 f. 

conqnlmsco, -quexi (Sommcr Hb.^ 554), -ere ,sich zum Boden 
bfidcen, niederkauern' (seit Plaut., Ed. Fraenkel Sokr. 8, 16'; oc- 
quiniseo ds. Pompon.): nebst coxim ,hockend" (s. d.), incoxare 
,niederhocken' (Pompon.; auf Grund von *eoxus aus *quec-sos,vg\. 
Solmsen Stud. 33 ; coxa .Hufte' bleibt fern, s. d.) aus *con-quec- 
nisce mit dissim. Schwund des Gutturals (Froehde BB. 16, 187, Brug- 
mannP856. IP 3,276.318; nicht nasaliniigierendes *(;on-5ue-ne-c-sc6, 
Pedersen IF. 2, 289 f., s. dagegen Persson Beitr. 529') zu Wz. *qeue-q-, 
*qeu-q-, *que-q-, *qu-q- ,krummen, biegen', Gutturalerw. von *qeu- 
(s. cacumen, cubo: vgl. *qeu(e)p-, *qvep-, *qup- unter cupio, vapor, 
Schmidt PI. 204 f. KZ. 32, 406) in ai. kucati, kuncate .krummt sich", 
kocayati ,zieht zusammen", air. cuar ,krumm" (wohl *quqro-), rahd. 
hocker, hogger, hoger ,Budcel, Hocker", got. usw. hauhs ,hoch" 
(,*aufgcwolbt"), gothiuhma ,Haufe, Menge", nhd. Hugel,\it.kaukarA, 
kaUkaras ds., kbkis ,MistIiaken", lett. kukurs, t^fcufflS.Hficker, Beule", 
russ.-ksl. Jeuko-nosz ,hakennasig' (*gouq-), bulg. kuka ,Haken, Krucke", 
abtonend sbkr. iudJm, 6uiati ,hodken, kauern' usw. (Berneker 161. 
639), russ. ku6a .Haufen' usw. (Wzf. *qeuq-, *qouq-, *qiq-, s. Walde- 
P. I 371 f., auch zurTrennung der Gruppen .krummen" und ,wolben, 
Haufe"); — apr. queke ,Stadiel, krummer Tannenast", slov. kvdka 
,Haken', ktfka .Kruppel" usw. {*queq-, Berneker 655); — vgl. 



CCnsentes - canslderO. 263 

•oeu-o- in an. hiika, Part. hoMnn ,kauern, hodcen", mhd. huchen 
kauern, sich ducken', nhd. hocken (kaum -kk- aus_-fcn- oder -gn-, 
Persson a. O. 528 f., Walde-P. a. O.), lit. kiduff^, kugis ,Heuhaufe 
usw. — Fern bleiben trotz Zupitza BB. 25, 105, Gutt. 58 an. 
huika ,aus-, zuruckweidien, wanken, wackeln", faro, hvokka ,er- 
schrecken, vor Sdireck zusammenfahren, versdiwinden", lit. «-s»- 
kiMi .zergehen, zerfliefien" (v. d. Osten-Sacken IF. 24, 246), abg. 
iemoti ,erloschen, schwinden", iitezngU ,verschwinden, sdiaudern 
(die Slav. Worter erfordern *qeg{h)- oder *?*e^ft)- [vgl. auch \cedol 
fttr die nordischen ist zwar *qifeg- moghch, dodi ,^iderspricht die 
Bed.). — Gegen weitere Anknupfungsversuche Froehdes BB. i, J*i- 
(■ er itTdiE usw.) vgl. Johansson Beitr. 74. — Persson Beitr. 527 tf. 

Consentes dit .die zwolf obersten Cotter, der GStterraf (scit 
Varro syn. complice^ Arnob., s. Wissowa Rel.« 61 ; dazu cOnsenUum 
deorum GIL. Ill 1935 und consentia sacra, quae ex multorum con- 
sensu sunt statuta Paul. Fast. 65, s. Leumann IF. 40, 122f.): com 
+ sens ,die Zusaramenseienden", Part, zu esse, vgl. prae-, absens 
(Vaniiek 32). — Unklar ist, ob consentaneus ,ubereinstinmiend, 
passend, vernunftgemafi'' (seit Plant., danadi dissent&nmf .nicht 
ubereinstimmend' seit Nigid.) Ableitung von *e6nsens mit volks- 
etvm Anschlufi an consenttre ist (wie umgekehrt Marti, Mercurto 
consentienti GIL. Ill 897 f. auf Umdeutung von dii .Consentes be- 
ruht), oder ob es von consentire nadi einem nidit greifbaren Muster 
abgeleitet ist (vgl. Leumann a. O., Prellwitz Gl. 19, 92). 
ConsETius s. Constva. _ 

consider©, -avl, -&tum, -are .genau betrachtcn; uberlegen, be- 
denken" (seit Plaut., rom., -atus .uberlegt" seit Rhet. Her. und Uc.; 
-atio seit Cic., -antia seit Vitr., -ator seit Gell.J, desidero, -am, 
-atum, -are ,verlangen, begehren, ersehnen"; sek. ,vermissen fver- 
lieren); suchen; in Frage Ziehen, erfordern' (seit Plaut., rom ,eben80 
.turn ISehnsucht, Wunsch" seit Enn., osus ,begierig« Schol. Verg.): 
von sldus ,Gestirn» (Vani«ek 350) wie praesiderare dlettur,cum 
matarius Mberna tempestas movetur, quasi ante stderis tempus Paul. 
Fest. 223 (= itpoxeiMSeiv, Plin. 18, 207); u. zw. ist considero (von 
Sldus wie contemplor von templum) wohl urspr. t. t. der beemanns- 
oder ev. der Auguralsprache ,die Gestirne beobachten bzw. rait dem 
Blidc zusammenfassen' (,a contemplatidne slderum'' VaxA. test. 42; 
z B Sdirader RL. IP 482, ahnlich Prellwitz T^poc 63 ff. .die land- 
wirtsdiaftlidien Arbeiten in Einklang mit den Sternen brmgen ), 
dmdero urspr. .von den Sternen erwarten" (^S»- 'f« «««'°,<"«i«*«C'' 
petere. slgnum dare u. dgl., z. B. Pott KZ. 26, 24:2, PreUwitz a. O. 
[von den Pflanzen, die eine gunstige Witterung verlangen]; unwrsch. 
HartmannGl.6, 345: desldeHum urspr. .Sternlosigkeit ; des.d«-tMm 
ist nicht primar, Bed.-Vermittlung konstnuert). — Weniger gut 
Thurneysen ALL. 14, 180ff. {dexiderare = Uderan .durdi Einwir- 
kung des Hundsgestims ganz erlahmt sem', daraus ,sidi sehnen 
wie frz. languir apres, engl. to languish for, d. schmachtennach-, 
sowohl die Bed.-Vermittlung wie das Formale [de- verst5rkend, AkL 
fur Pass, nach deperire] bedenklidi, und sideror .dOTpopoXoOMfll 
seit Plin. ist deutlidi jungere Ableitung von Indus [= «''^''* ?irT^ 
wie audi sider&tiQ ,durc6 die Witterung verursadxte Krankheit dfix 



264 cSnsidium — consilium. 

Pflanzen, Sonnenstidi' seit Scrib. Larg., mder&tus [slder&ticius Veg., 
siderosus, vgl. cerebrosus, Gl.] ,voin Sonnenstidi befallen', spatl. 
audi ,gel8hnit", vgl. siderAre .erstarren" Acta Andreae et Matth. 
77, 2, s. Blatt z. St.; auch cCnsideritus ist keinesfails mit Thurneysen 
a. O. als „erlahmend [in den Bewegungen], daher ,zogernd, fiber- 
legend' zu fassen); Persson Beitr. 366 ff. (considero von stdus in der 
alteren Bed. ,Glanz, Blidc, Auge' [vgl. z. B. lit. iir^ti .strahlen" : 
abg. ztrgti ,sehen', Froehde BB. 14, 111] als ,die Blicke auf etwas 
sammeln', destdero als ,nach etwas ausschauen', vgl.exspedd; mit 
einer alteren Bed. von stdus ist nicht zu operieren, und de- heifit 
nicht ,nach' oder ,aus'; unwrsdi. audi Muller Ait. W. 458 ,vom 
Gesichtsfeld abfuhren', d. h. ,nidit erblicken, vermissen'). — Verfehlt 
Wood 01. Phil. 7,304 (*tiderSre ,auf ein Ziel losgehn' zu Wz. *Hdh- 
in ai. sidhyati ,kommt zum Ziel', gr. tOCi? ,gerade', s. Walde-P. 
II 450); Ehrlidi BPhW. 1913, 1203 (yon *sidos = air. md .Friede", 
Wz. *sei- .loslassen', s. sino, Walde-P. II 462). — Valde-P. II 520. 

considium s. consilium. 

congiliam, -t n. .Ratsversammlung, Rat, Beredinung, Entsdilufi' 
(seit Enn., rom., ebenso cSnsiliari ,beratschlagen. Rat erteilen" seit 
Cic. bzw. Hor.): vl. nach Thurneysen IF. 21, 180 wegen der Bed.- 
Parallele o. kiimparakineis ,consilii' ; comparaseuster ,consulta 
erit' : lat. compesco (s. d.) als ,Versammeln der beratenden BehSrde" 
zu Vz. *sel- ,nehmen, ergreifen' in gr. iXeiv ,nehmen, in die Ge- 
walt bekommen", didit. £Xwp, ^Xdiptov ,Beute, Fang' (dazu'EXXo' 
A165 i€pdv ^v AtubiLvi] Hes., 'EXXoi „Priester des dodonaisdien Zeus', 
erweitert "EXX-oite?, "EXX-tivc?, s. Gflntert WuS. 9, 133 f. gegen 
Fide KZ. 46, 113f.; vgl. audi Sommer Gr. Ltst. 71), air. selb f., 
kymr. helm m. .Besitz", gall. (Julia) Lugunelba (Pedersen I 64), 
Ableit. air. do-selbi ,du behSltst' usw. (Pedersen 11 623 f.; s. audi 
630 f., Pokorny IF. 35, 176), Kausativ got. saljan ,darbringen, 
opfem", ags. sellan ,(uber)geben, verkaufen', an. selia ds. , sal 
.tJbergabe* usw. (OsthofiF PBB. 13, 457 f.; grm. Lw. vl. kymr. haU 
{. ,Dien8t, Freigebigkeit", s. Walde-P. 11 504); oBnaiUere senstutn 
ipatres usw.) urspr. ,den Senat versarameln', dann erst ,ihn um 
Rat fragen, sidi mit ihm beraten' (seit S. C. Bacdi,), sek. ,berat- 
sdilagen, uberlegen, Fursorge treffen' (seit Plaut., ebenso consul- 
tare; spatl. cdnsiUed Rudcbldg. aus -ui, Brender Ruckl. Abl. 77), 
Wznoraen conatU (alt insdir. cosol, Sommer Hb.' 245. 365, Leu- 
mann-Stolz' 121), -is m. ,n6minatus qui cdnsuleret populum et ae- 
nOtum Varro 1. 1. 5, 80 (fihnlidi Dig. 1, 2, 2, 16 usw.; seit Naev., 
rom.; -Htus, -us seit Cato). considium Plaut. Cas. 966 unsidierer 
Lesung (A, P fehlt), ist, wenn edit, volksetym. Umbiegung nadi 
praesidium (vgl. Lmdsay-Nohl 327), erweist also nidit altes d im 
Sinne der bereits antiken (Serv. Aen. 9, 4) Verbindung mit sedeo 
als .Ratssitzung', consules aus *con-sodes ,Beisitzer (angebl. im 
koniglidien Rat)' und .sabin.' I aus d (Conway IF. 2, 166, Petr BB. 
25, 130f., Sdinjnen KZ. 46, 377, Brueraann II« 1, 143», Walde-P. 
n 484; solins .consulo' Augur Messalla nadi Fest. 351 Iieruht ge- 
wi6 trotz Petr a. O. 131 f. aut falsdier Deutung von solino ,soleo'. 
— Abzulehnen Pedereen KZ. 39, 355, Muller AitW. 103 (ednsulo 
J^dusativ ylasge abstimmen' : c^nseo mit Ablaut und verbalem -el- 



CSnsIva - cOnsternO. 265 

Suffix wie in sepeliS u. dgl.; auch in den Modifikationen von Sa- 
muelsson GI. 6, 270, Kent Lg, 3, 266 nicht haltbar); L. Meyer Gott. 
Nachr. 1910, 51 fif. (consul als ,demselben Heimatboden angehorend, 
Gesell' : solum, consilium .gesellschaftliche Beratung', davon eSn- 
sulere mit Verlust von j hinter I, dies auch lautlich nidit moglich); 
Mommeen Staatsredit II' 77 (als ,Mittanzer', bildlich fur ,Genosse, 
KoUege"; praesul bleibt fern, s. salio; gegen Gunterts a. O. 134f. 
Vbdg. von Salii mit gr. iXeiv s. d.); Feist Einf. in das Gotisdie 
1922, 54 nadi OsthoflF PBB. 13, 425 f. (unter Heranziehung von 
Consus, s. d.) (: got. hansa [b. censed, com], vgl. Gl. 14, 268); 
Maresch Mitt. Ver. Phil. 6, 90 f. (co[n]s-«il als .Stadtnehter' : causal); 
Leifer Stud. I 296' (*co(n)-zil : etr. zil ,Beamtentitel"; auch in der 
Modifikation, dafi etr. zil Lw. aus gr. iXetv sei, unhaltbar). 

CODSITa (-to Macr.) ,Beiname der Ops' (Fest. 186, davon Ope- 
conslva ,Fest am 25. Aug." Varro 1. 1. 6, 21): vom Naraen des ihr 
rituell (und daher als Gemahl) verbundenen Consus abgeleitet; Ops 
Conslva als Verkorperung des reichen Erntesegens, zu fassen wie 
IHnus lUndnius usw., -iva vl. nach feriae sementivae u. dgl. (nicht 
von *Consi, Hirt IF. 31, 6; s. Wissowa Ind. lect. aest. Marburg 1891, 
p. VI, Rel.' 203, Solmsen KZ. 34, llf. mit Lit.). Hierher audi 
lanus Consivius (Carm. Sal. bei Macr. 1, 9, 15); Consevius bei 
Tert. nat. 2, 11 ist trotz Wissowa Rel.' 109 erst volksetym. Ver- 
knupfung mit sero, sevi entsprungen (vgl. die entsprediende Her- 
leitung von CSnslva bei Fest. 186). 

cOnsobrinus (-m- Inschr., Sommer Hb.' 107), -o .Geschwister- 
kind von mutterlidier Seite' (seit Ter., rom.; daraus entlehnt alb. 
kuSsri jVetter"); aus *consuesrinos, zu soror, s. d. (VaniCek 349); 
urspr. kognatisch (Verwandtsdiaft durch Frauen) wie audi conso- 
cer, -eri m. ,Mitschwiegervater', PI. ,die beiderseitigen Sdiwieger- 
eltern" (seit Mart., rom.; daraus entlehnt alb. kruSk m., kruike f. 
,die Eltern des einen Ehegatten im Verhaltnis zu denen des an- 
dern', Jokl Ling.-kult. U. 15 ff.). 

Consol(i)da, -ae f. ,Schwarzwurz" (Ps. Apul., Gl., rom.): von eon- 
solidare .festmadien" seit Vitr., benannt wie conferva., -ae ds. 
(seit Plin.) von der dieser Pflanze zugeadiriebenen zusammen- 
schweifienden Kraft. Bertoldi Nomi dial. 138. 

cOnsSlor s. solor. 

cOnsors s. 2. sero, sors. 

cSnstemo, Svi, atum, -are .sdieu, stutzig, bestOrzt madien, aufier 
Fassung bringen, verwirren" (sek. ad, in nadi rapere, tneitare u. dgl. 
Liv. Sen.; seit Pacuv., -atiO .Besturzung'* seit Liv.), exsternd, -Hvi, 
-atum, -are ds. (seit CatuU 64, 71, nadi exterreo, expavesco usw.; 
Einmisdiung von extemus anzunehmen [z. B. KroU z. St.], ist un- 
notig), sternUx, -acts ,8t5rrisdi, scheu {equus Verg.)", spStl. auch 
,angst]ich, pavidus" (s. Persson Beitr. 429'; -ix nadi conlumix): 
ahd. siornem .attonitus sum, inhio' (fur 'stornSm?, Brugmann II' 
3, 302); Wz. *ster- ,starr, steif (s. stirpt, torpeo) z. B. in an. stara 
,starren', ahd. sUzren .stieren', mit -rr- (Brugmann IF. 33, 302 f.) 
an. Starr .steif, starr', nhd. starr ds., woven mhd. starren, sterren 
, Starr sein, werden', ablaut, got. and-staurraidedun ,waren wider- 
spenstig, unmutig', ahd. storren , steif herausstehn", storro (nhd. 



266 consul - contaminO. 

dial Storren) ,Baumstumpf", nhd. storriseh ,eigensinnig' (vgl. ater- 
tUix). consternare kann altes na-Pras. sein (Pedersen IF. 2, 301); 
geeen Vbdg. mit consternere „hinbreiten, hinwerfen, bedecken' 
(Vendryes MSL. 16, 303, Mullo.r Ait. W. 448, Leumann-Stolz'' 317; 
vgl. bereits Serv. Aen. 12, 364 sternacis equi : ferocis, qui facile 
sternit sedentetn) spricht die Bed. (Persson Beitr. 954, s. audi Walde- 
P. II 627 zu der mcht urspr. Bed.-Beruhrung von *ster- .ausbreiten' 
und *stef- .starr"); es liegt wohl nur volksetym. AnschluK vor, wie audi 
der Vokalismus {-stemSre fiir *-stornare, vgl. ahd. stornen) von ster- 
nere (gleidifalls fur *stor-n- aus *slr-n; s. d.) beeinilufit sein mag. 
— Gr. TiTupuj (*iiTupiuj) ,madie scEeu", pass. „werde sdieu' (z. B. 
Bnigmann-Thumb* 99) bleibt des Anlauts wegen fern (wrsch. ono- 
matopoetisdi, Prellwitz" b. v., Walde Festsdir. Streitberg 184). — 
Walde-P. II 628. 

consul, consulo s. consilium. 

Consns, -i ,altromisdier Gott des Adierbaus, unter dessen Scliutz 
das Bergen der Feldfrucht stand", Consualia ,das dem C. geweihte 
Fest am 21. Aug. und 15. Dez." (seit Fast. Praen. und Varro; zum 
Nebeneinander von conso- consu- vgl. Schulze EN. 474^ zur ev. Zu- 
gehorigkeit des Stadtn. Consentia tit. 482; s. Wissowa Rel.' 201 ff., 
Aust PW. IV 1111. 1147): nadi Osthoff PBB. 13, 425 als ,conditus, 
geborgen" bzw. jVerborgenheif oder ,Einbringung' (vgl. den unter- 
irdisdien Altar des Gottes) zu condere mit tiefster Wzstufe (falsdi 
Vanifiek 128: "condius neben condus ^Bcrger") ■.*kom-d-to-(-tu-), 
vgl. ai. devd-t-ta^ ,gottgegeben' (aber abconsus ist junge Neubildung 
fur -ditus, Leumann-Stolz" 342; fern bleiben trotz OsthoflF a. 0. 
consul und d. Hansa, s. censeo, com). Da6 Consus audi oder urspr. 
in Beziehung zum Totenkult stand (Gflntert Kal. 129 ; vgl. die dop- 

Eehe Funktion der Ceres), ISfit sidi aus der Dberlieferung kaum 
eweisen. — Nidit zu Wz. *ee- ,saen' (Zimmermann BB. 23, 82 
nadi Alteren, a. Wissowa Rel.' 201) oder zur ved. Gottheit Sdrksa- 
(Fay Proc. Am. Or. Soc. 16, CLXXII [lA. 8, 154]; vim. zu censeo); 
phantastisdi OStir Vogeln. 21 (ctr., zu canterius). — Walde-P. I 814. 
cont&glnm s. contamen. 

contamino, -Hvt, -atum, -are ,durch Beruhrung (mit Unreinem) 
verderben, besudeln, entweihen*, techn. (Ter.) ,Buhnenstudce (durch 
Zusammenarbeiten) verhunzen', audi (seit Sen. rhet.) ^entehren, 
schanden', spStlt. in Anlehnung an eontingere freier ,angreifen, in 
Mitleidensdiaft ziehen' (seit Ter., davon seit 3. Jh. contamen, -Otto, 
■lltor), junger atlamino, -dvi, -atum, -Sre ,beruhren, antasten, ent- 
ehren' (seit Itala und Ps. Tert.), intaminatus ,unbefledt;t' (seit 
Hor., int&minare Spatl., vgl. ineontaminatus As. seit Varro und zur 
Bed. integer, intdctus), intaminare .besudeln" seit Heges., rom., 
mit Praf.-Wedisel (vgl. at-, integrare, Brudi ZRPh. 45, 81 f.), ta- 
minare 'violdre sacra' Fest. 363 : zu eontagio f- , Beruhrung, An- 
stedtung* (seit Enn., -ium bz. -ia ds. seit Lucr. [Wadiernagel Fest- 
sdir. Kretsdimer 294, Leumann-Stolz^ 209], vgl. cmtactus, -us ds. 
seit Sail.), *tamen aus *tagsmen, s. tango (VaniCek 325, Brugmann 
II» 1, 243, Leumann-Stolz^ 160); s. Schwering N. Jbb. 37, 166 ff., 
K6rte BPhW. 1916, 97911. und dagegen - im Spradilidien nidit 
durdiweg uberzeugend - Jadiraann Plaut. luid Att. 144ff. (vgl. bes. 



contempls — contumglia. 267 

integer ,unangetastet" als Gegensatz zu cotUaminStus [z. B. Ter. 
Haut. prol. 4 ex integrS Graeca integrant eomoediam hodie sum &c- 
turns mit Plaut. Gas, 626 novum atque integram aud&ciam ,noch 
nic in Angriff genommen"], oder intS,ctae vestes = ,parae, candidae' 
Ov. fast. 1, 79 als Gegensatz zu contactus „angesteckt, befleckt' seit 
Liv.). — Abzulehnen Hartmann Gl. 9, 256. 10, 266 (: tahes, lautlich 
unmoglidi). 

contemplS, set. (De verb. dep. 21) contemplor, -Stus sum, -art 
„beschaue, betradite' (seit Naev., -atio und -dtor seit Cic, -Stus, -Us 
seit Ov.): con und templum (s. d.), t. t. der Augurakpradie ,Beob- 
aditungsfeld, abgegrenztcr Bezirk" (VaniCck 103, Prellwitz Vipai; 72). 
— Nicht nadi Fiti I* 443, Persson Beitr. 491', Walde-P. I 722 un- 
mittelbar von der Wz. Hemp- ^spannen' nach Art von gr. dxevd^ 
pWireiv, dxevCSeiv (ft-xev- aus *sm + ten- ,spannen') .angespannt, 
unverwandt blicken' (die Wortbildung ist dabei unverstandlidi, der 
Begriff des Angespannten in coniemplor nicht zu erkennen, und dafi 
es sich urspr. auf das sakrale Schaucn bezog, ist nach Varro 1. 1. 
7, 9, der die t. t. contemplum, conspicio und cortumid [s. d.] neben- 
einanderstellt, nicht zu bezweifeln). — Abzulehnen Enrlich BPhW. 
1911, 1576 (samt templum [dodi s. d.] : gr. rr^ueXdu) ,sorge, warte"). 

contlnuns, -a, -urn ,zusamnienhangend, fortlaufend, aufeinander- 
folgend' (seit Plaut., rom., davon -are ,verbinden, fortsetzen' seit 
Varro und Cic): con und teneo, vgl. eontinens in gleidien Bedd. 
(auch ,enthaltsam') seit Cic. und Caes., ferner at-, periinere und 
contiguus ,angrenzend' seit Verg. (Leumann-Stolz'' 215); zur Gbd. 
,unmittelbar anschliefiend" vgl. z. B. Adv. eontinuo, opp. primum- 
dum Plaut. Bacch. 261 (Unigangsspr. 83). 

COntid (alt coveiitionid SC.Bacch.), -onis i. ,Zusaninienkunft, (an- 
horende) Volksversaramlung', met. „Ansprache an Volk und Heer' 
(s. GeU. 18, 7, 5f.; seit Plaut.): aus "coventio, vgl. jungeres con- 
ventio seit Tab. cens. Varro 1. 1. 6, 87 und Sail., syn. conventus Cic. 
Verr.114, 110 (Solmsen Stud. 83, Sommer Hb.» 160, Leumann-Stolz^ 
114). — Falsch Linde Etymol. 44 f. (aus *c6n-ci-ti6 ,convocatio'; 
congtione Lex. rep. 18 ist Steinmetzfehler, contio [Diom. gr. I 433, 18] 
ist sek. Kurzung vor nt; da6 coventionid des SC.Bacch. wegen coso- 
leretur = consuleretw ibid. vim. jungeres eonventio cnthalte, ist trotz 
Immisdi Gl. 13, 35' unwrsdi., vgl. auch comvovise ibid.). 

contra, contrarins, controrersia s. com; zu contrdversim usw. 
(Spatl.) neben controversus Cato auch Stroux Phil. 84, 374 f. 

contnbemalis, contnbemlnm s. taherna. 

contnmax, Sets ,trotzig, w^iderspenstig, aufs&ssig* (seit Rhet. 
Her., percontumax Ter., -Seta [vgl. pervicacia\ ,Trotz' seit Cic.) : zu 
turned .sdiwelle, walle auf, bin (von Stolz o. dgl.) aufgeblasen", tu- 
midus ,aufgeblaht, aufruhrerisdi, stolz'; -dx wie in aud&x, sternax 
(Wharton Et. lat. s. v., Pokrowskij KZ. 35, 231 f.). — Nicht nadi 
Muller Ait. W. 101 u. a. zu contemno (contumax heifit nie ,ver&dit- 
lich", sondern .widerspenstig, trotzig [gesen Hoherstehende]*, daraus 
,ungefugig, sprode' [z. B. lima], was mcht mit Muller a. O. durdi 
Ellipse von '[iussum] eontemnens' zu gewinnen ist). 

contninelia, -ae f. ,krankendeBehandlung,Beschunpfung,Schmadi, 
sdiimpfhdie Miuhandlung' (seit Plaut., Ssus seit Ter.): nadi Wharton 



268 cOnSbium - convexus. 

Et lat s. v., Pokrowskij KZ. 35, 231 f. (vgl. Isid. 10, 46) vie con- 
tumax als .ubermfltige Handlung oder Xufierung" zu tttmeo; zu- 
erunde liegt *contumeUs .Cbermutig sich benehmend (btolz HU 
I 513- Ausgang wohl nach crvdelis; kaum 'contumelos, Pokrowski] 
a O Leumann -lis 6). — Nidit als *con-temelia zu contemno (z. B. 
MuUer Ait.W. 101 nach den Alten; synonym sind iniSria, dedecws, 
probrum «. dgl., nicbt contemptus); auch nicht nach Jacobsohn ALL. 
15 424 f. als ^con-temes-lis zu temerare „entweihen, schSnden* (eig. 
beflecken" aus ,*verdunkeln", zu tenebrae; con««m»o Mart Cap., 
Gl ist spate Rudcbldg. zu eontutmlia, nicht mit Jacobsohn a. O. aut 
den a-St. aksl. Uma .Finstemis' zu beziehen). - Abenteuerhch Sto- 
wasser Dunkle Worter XI A. (*KOVTOHTiWa!). 

cOnflbium, -l n. .gegenseitiges Heimatsredit von Volks- und 
Standesgemeinsdiaften sowie einzelner", sek. (dicht., in Frosa seit 
Tert.) ,Ehe' (seit Licin. Imbr., -talis seit Ov., Ruckbldg. conubs, 
connubis Gramm., Gl. .Gatte, Gattin', s. Brender Ruckl. Abl. 59, 
Wackernaeel a. O. 295): con und nubere (s. d.); conufci«»» ist sicher 
erst nachaugusteische Messung (vgl. Maas ALL. 13, 433 ff., Jacobsohn 
Henn. 48, 311, Sommer KE. 79), aber nach Wackernagel Festschr. 
Kretschmer 289 ff. ursprunglidi (vgL innOba, pronvhns, audi nupttae, 
nuptus; -«- sekundar nadi dem Prfisensstamm) und wegen der ab- 
normen Synizese bereits fur Lucr. (3, 776), Catull und Ov. anzu- 
erkennen. — Nidit sicher, da conuhium nur (wie commercmm von 
com und merc&rt) als Zusammenbildung auf Grund von con + nu- 
bere verstandlioh ist (ev. von unbelegtem *co-mubS wegen coy, vgl- 
H. 12, 187), wobei die Ablautstufe des Prasensst., kaum die von 
-nOba, nupta in Betracht kommt. , • , , 

COnvehO, -»faS, -veelum, -ere .fahre zusammen' (seit Lucr.): u. 
kuveitu jconvehito'. / • m \ 

COnTertd, -ti, -rsum, -ere ,wende una, kehre' (seit Fiaut.): u. 
covertu .revertito', kuvurlua .reverterit'. 

COnTexns, -a, -urn ,nadi oben oder unten gewolbt eerundet, ge- 
krflmmt' (seit Cic, rom.; -itSs seit Plin., -id seit Cell.), devexus, 
-a, -urn ,abwlirts geneigt, sinkend" (syn. decllvis, z. B. Caes. GalL 
7, 88, 1; seit Lex repet.), subvexus .schrag aufwarts fuhrend 
(Liv)- aus *con-vacsos (zu eon- vel. concavus seit Cato [s. cavus, 
audi zu denBedd. .konkav' und .konvex"]; zu -so- Persson Beitr 
206f., Herbig Gl. 9, 104» m. Lit.) zu Wz. *uan-q- .gebogen sein 
(Erw. von *^-, s. varus, talOx) in vaciltd, -avi, -aium .wanke, 
sdiwanke, wackle" (seit Cic. und Lucr., aua *uak-ro-Ulid; pace- Lucr. 
Non wohl mit expressiver Gemination, nidit in Anlehnung an vacca, 
vgl. Sommer Hb.* 207, Sdiulze EN. 462« und gegen andere Auf- 
fasBuneen Fundc ALL. 4, 236 f., Skutsdi Forsdi. 1 19 [nidit von 
"ua-m-kos, Emout RPh. 53, 208]; ai. v&Reati ,geht krumm oder 
sdiief, schwankf, vacyMe .schwingt sich, fliegt', vaflcayatt .weidit 
aus, entwisdit, tSusdit, betrugt', vakrah .gebogen, k™"™ > «""«- 
kOi .fliegend", vdiikrilt t. .Rippe', vaAkafi, vaAkarah Fiufikrum- 
mi^g', vaAksanah .Leisten, Veidie', t,a*sdp« ,Baudi, Weidien, 
Fiufibetf, av! -vaita- ,gekrummt' (Bartholomae IF. 2, 264), kymr. 
gvmHh {•vakto-l Superl. gwaelhaf .schlechter', kom. giceth, mbret. 
goaz ds., mnd. wingeren ,sidi krummen, knedien', got. un-u>S.hs 



convexus — convlcium. 269 

,untadelhaft' {'wanha-, idg. uanko-, vgl. ags. ivoh ,kruinm, ver- 
kehrt", as. wah n. ,Dbel', an. va f. [*v!anho] ,Winkel; Unheil'), mit 
Endbetonung got. tcaggsm. jParadies", aa.vangr, as. wang, nhd.-bair.- 
osterr. uiang ,Aue' usw. (eig. ,Einbiegung" ; Bed.-Parallelen unter an- 
crae und Feist' 411 [vgl. kymr. gwaun , wiese' usw. unter vagor]; aus 
dem Crm. entlehnt apr. tcangus ,Damerau", alit. vanga .Acker' [Traut- 
mann Apr. 457 gegen Uhlenbeck PBB. 19, 523, vgl. auch Levy ib. 
32, 136, Petsson Beitr. 42*] und alb. fang m. ,Bradiacker, Grasart', 
Jokl Festsdir. 57. Phil.-Vers. Salzburg 120f.); mit schwadier Flexion 
ahd. usw. wagga ,Wange* (daraus italien. guancia ds., Meyer-Lubke 
WuS. 12, 8), Abltg, got. *tcaggareis m. (oder -i n.) .Kopfkissen', 
ahd. wangari ds. una an. vengi (^*u>angia-), ahd. or-ieengi ds. (falsch 
Scheftelowitz BB. 29, 41. WZKM. 34, 221); vl. arm. gangur ,oOXo<;, 
crispus, flexus' {*^nqu-ro-7, Petersson KZ. 47, 268). — Wx. *yn-n-q-, 
woneben *ua-ti-g-°{s. vagor) und *ueq- ,biegen' in am. 'feeeaim 
,wende mich, madie mich an etwas, biege" (Zupitza KZ. 36, 236, 
Walde-P. I 246; vgl. 'ue-n-g- in ahd. winchan, nhd. winken .sidi 
seitwarts bewegen, sdiwanken, winken', ahd. winkil .Winkel", lit. 
vingiu, vSngti .vermeiden' [eig. ,ausbiegen', vgl. fugiS, VttO], tittgis 
,Bogen, Krummung* usw., dehnstfg. *ueg- in an. rdir ,Bchwach, 
Subst. ,Kind, schwadier Mensch', alb. vdgete ,klein, Jung', Valde- 
P. I 247. 260). — Fern bleibt trotz Johansson PBB. 15, 237 got. 
af-swaggtcjan ,schwankend machen' (wenn richtig uberlief., zu and. 
swingan .schwingen', s. Walde-P. II 526). — Abzulehnen Fick I* 417 
(: ahd. toahs .scharf, gr. q>oE6( .zugespitzt'; s. Zupitza Gutt. 33, 
lid^n Arm. Stud. 59 f., Boisacq 1034); Thumeysen GGA. 1907, 806, 
Walde LEW.* s. v, {eonvexttt als .zusammenbewegt' zu veho; in der 
Bed. auch fur devexus - suivexus ist Augenblicksbildung nach gub- 
duco : dedueo u. a. — nicht ansprechender, vgl. Persson Beitr. 945). 
— Valde-P. I 218. 246. 

conTiciuiU) -t n. ,lautes Geschrei* (z. B. Culex 209), .Scheltrede, 
(durdi offentliche Zusammenrottung vor dem Hause jam. zugef&gte) 
Sdimlihimg, Vorwurf", fibtr. .Lfistermaul' (Usener Kl. Schr. 373 f., 
Mommsen Strafrecht 794*; seit Plant., convicior ,sdielte' seit Varro, 
-dtor seit Cic): da die hfiufige Verbdg. mit clamor, tnaledietum 
(c«m voeiferatione Ulp. 47, 10, 15, 11, vgl. Mart. 4, 46, 9), oWur- 
gitio, probrum u. dgl. die Beziehune auf die Verbalinjtirie eindeutig 
erweist (vgl. auch acclUmlUid als leichtere Form Cic. ad Q. fr. 2, 3, 2 
und Rhet. Her. 2, 26, 41 opp. pulsaii5 [vgl. flOgitium] sowie die 
Vbdgg. eonvieium faeere wie clamorem, fidgitiwn f. una syn. oecen- 
tare Paul. Fest 181), ist Zsshang mit vOx, voedre als ,Zusammen- 
geschrei* (cunt in Unum eompluria vScis eCnferuntur Ulp. 47, 10, 
15, 4; Curtius 459 f., VaniCek 258) kaum zu bestreiten; Cf. wohl 
*i»m-ue5*jo»» (vgl. iuijiieiS : *peei6 [fireilidi enthilt vocd wohl *uoq>f; 
nicht *ueq'-, ebenso ei. vihyant n. .Rede' wohl idg. 6; s. Corssen 
Krit. Beitr. 12 f., Solmsen KZ. 34, 15; unwrsch. Budc AJPh.17,270' 
[fur *eonvicium, a. Sommer KE. 28 f.], Brugmann V 134* [redupl. 
•rfrec- oder *vfvoe-, vgl. ai. vivah-t(], V 505* [Ablautentgleisung] ; 
auch schwerUch aus *oi-veo- mit vi- .auseinander' [s. unter viginti, 
Vila], Wackernagel Festsdir. Kretsdimer 293). — Die Vbdg. mit vi- 
ctM (Paul. Fest. 41, Non. 64, Vendryes Recti. 163, Usener Kl. Schr. 



270 eonvlva — coquS. 

373, Wackernagel a. O.) ist offensiditlich nur Volksetym. (,Zusammen- 
seb in der Gasse' wird derBed. nicht gerecht). — Abzulehnen Keller 
Etym. 29 f., Wood CI. Phil. 7, 305, Hendrickson ib. 21, 114. 119 (: vinco, 
pervicax; Bed.!). , . ™ v 

conTiTa, -ae c. ,Gast, Tischgenosse' (seit Plaut.j, convimum, -t 
n. Gastmahl, Gelage' (seit Pit., rom.): con und vivO, vgl. Cic. Gate 
45 'epigt. 9, 24, 3 und conmctor ,Haus- und Tischgenosse', convlctus 
Gelage' seit Cic. — Phantastisch MahlowNeue Wege 455, KZ. 58,74. 
' conTOlTnlns, -i m. .Wickelraupe; Winde, C. sepiuin L.' (seit 
Cato) : von con-volvo .wickle zusammen" (seit Varro und Cic), vgl. 
involvulus ,Wickelraupe' seit Plaut. und Cato (Huckbldg. involvus 
Paul. Feat. 112, involus Pol. Silv.), rom. *voluculum ,Wmde' (Ber- 
toldi Nomi dial. 105) und Dolucra f. ,Wickelraupe' seit Colum. 

copa s. caupo. , T J !• 

cophinos, -» m. .Veidenkorb des Gartners und Landmanns 
(seit Laber., rom.; daraus engl. coffin ,Sarg", mhd. koffer, kuffer, 
woraus wieder poln. hufer usw.): aus gr. K(i(pivo? m. ds. Schulze 
Berl. Sbb. 1905, 727f. . , . ^, 

copis (Varro, Gl.), cops (Prise, al.) .copiosus" (seit Plant., alat.), 
davon cOpla, -ae f. ,Vorrat, FuUe, Menge, Vermogen, Fahigkeit', 
Pi. Truppen' (seit Plaut. -osus seit Rhet. Her.): *eo-op-is, ia zu 
ops "(Vanieek 15, Curtius 510), vgl. den Gegensatz in-ops „mittel- 
los, arm' (seit Plaut.), in-opia, -ae f. .Mittel-, Hilfslosigkeit' (seit 
Enn. ; -iosus Pit. wohl komisch nadi copiosus). — Abzulehnen Prell- 
witz Gr. Wb.» 138 ( : lett. kudpa ,Haufe', kuopina ,Garbe' usw., 
s. Bruemann IA. 4, 30 und unter eupa); Bugge PBB. 12, 416, Kluge 
PhV. 1922, 670 (: got. gabei f., ahd. kepi ,Reichtum' aus *gd-{a)bin; 
sdion wegen nebenstehendem got. gabiffs, gabeigt ,reich' [Brugmann 
11' 1, 489] unwrsdh., vgl. audi unter haheo). . 

cSpnla {ccpla, Sofer bid. 166), -ae f. .Band, Stnck" (seit Plaut., 
rom. ^uch -um bzw. *cl6pum n. seit Optat.], ebenso eopulare ,ver- 
hinden") : *eo-apula, xa *apiO, apere. 

coquS, -xi, -etum, -ere .kodie, siede, brenne, reite , ubtr. 
angstige, hedte etwas aus' (seit Enn., rom., ebenso coquus, -i m. 
"Koch" seit Naev., coquina f. ,Kudie' seit Test. Pore. [= dial. p<h 
«iw«, s. d.; vgl. eulina], coquinare .kochen' seit Plaut., coetio t. 
.Kochen, Gekbchtes' seit Vitr., ebenso -iira ds. [daraus entl. air. 
euchtar ,Kudie", Pedersen II 666], cocibilis .leicht kochbar' Phn.^, 
coeulum Kochgeschirr' seit Plaut., coctorium ,Kochtopf, Kessel' 
Diosc. fbalkanlt. .Backofen, Herd', Jokl BA. 4, 195 f.l praa:oquus 
[seit Enn.] und praecox ,fruhreif', Leumann-Stolz' 200; vgl. auch 
coeistrio unter eocio) : aus *quequ6, idg. 'peq^o (vgl. zum Anlaut 
qulnque, quercus; hss. nodi quo-, Solmsen Stud. 29) = ai. paccUi, 
av. paiaiti ,kodit, badtt, brSf {pdcyate ,reift", pakvdh ,gekocht, 
reif', pakdb m. ,das Kochen, Backen, Reifen', av. nam-paka- 
,Leidien(teile) kodiend, verbrennend'); gr. niaaw, att. ir^tTUJ 
kodie, verdaue' Cpeq^o : ai. pdcyate), iriimo ds. {*peqftoV, dodi 
8. Brugmann-Thumb* 343), ir^irujv, -ovo« ,reif' (f. n^iteipa, wonach 
gpSter it^«€ipo?, Fraenkel KZ. 43, 216 f.; ncnaCvui .madie reif, reife'), 
iriitavov .Gebadc, Kuchen', u^jiixa ds., dpTO-Kiito? .Brotbfidcer' (fur 
•-«6ico«, 8. Sdiulze GGA. 1897, 907 f., Solmsen Sbomik Fortunatov 6, 



Coqu5 — cor> 271 

Brugmann-Thumb* 137); kymr. pobi, korn. pohas ,backen", bret. 
pohet ,gebacken" {'qfeqn- aus *peq!f- und o aus « wie im O.-U., Pe- 
dersenl 38), kymr. popuryes .pistrix", korn. peber, bret. poher 
.Backer' ; ags. a-figen .gerostet" (*/i>jo = Ttiaaw, Liden IF. 18, 412 f.); 
lit. hepU kipti und lett. cfpu, cept ,braten, backen" (bait. *kepo aus 
*pelc6), aksl. *pekQ, *pem .backen' (pedem .gebraten)', pekz .Hitze', 
poh jSchweifi' CpokH, Zupitza KZ. 35, 266); toch. B pepaksu .ge- 
kocht', pkelne, A p{u)kalune ,das Reifen' (Schulze-Sieg-Siegbng 448. 
452; unsicher A. pukdl .Jahr", s. Schrader-Nehring H' 552); vl. arm. 
haf .Brot" (*p()2»-«-?, Charnentier IF. 25, 242). 

Vgl. im einzelnen nodi coctus ,gekocht' = ai. paktdk, gr. 

Treirrd?, kymr. poeth ,heifi', bret. poaz ,gekocht", lit. kiptas', lett. 

"fP*^ .gebadcen" (uber gr. TeitTd* tTttd Has. s. Boisacq 84'); Perf. 

coxi : gr. £Tt6i;;a, ai. Konj. Aor. pdksat; Sup. coetum = ai. pAk- 

tum, abg. peSU; coquus ,Koch' : gr. dipTO-Kdiro^ (aber popa 

,Opferdiener' ist wrsch. etr., s. d.); coctor ,Kodi' (seit Petron) 

= ai. paktdr- .der kocht", vgl. gr. f. ir^itTpia; coctio .Kochen, 

Gekochtes' (s. oben; auch ,Entzundung' Cass. Fel., ebenso con- 

neben .Verdauung" [seit Cels., rom. ,Sorge"], Niedermann Festg. 

Blumner 334 f.) = ai. paktih .Kochen, Gekochtes", gr. ir^ipn ds., 

aksl. peit, ,Ofen" (Brugmann IP 1, 431, Trautmann BsL W. 212; 

aber apr. pedis .Ofenschaufel' ist, falls nicht Lw. aus poln. piec 

,Ofen', vl. trotz v. d. Osten-Sacken IF. 33, 239 f. in pettis zu 5n- 

dem, B. pateo, Trautmann Apr. 398). — Vgl. culina, popa, popina. 

-Walde-P.II17f. f^'-f^ 

cor (aus *cord, *corr [daher bei Plaut. noch 2morig, Budieler 

Kl. Schr. Ill 203]; Zwischenstufe *cors, Valde WKlPh. 1915, 793, 

ist unnotig), cordis n. ,Herz" (als Korperteil; auch ,Maeen", z. T. 

wohl Bed.-Lw. nach gr. KopbCa); ubtr. ,Geist, Verstand, Gemflt" 

(Herz als Sitz der Gefuhle und des Denkvermogens) (seit Liv. Andr., 

rora., ebenso corculwn .Herzchcn' seit Plaut., cordatus .verstandig" 

jopp. exeors .unverstandig' seit Pit.] seit Enn., corStum .Geschlinee" 

Tab. dev. [Niedermann Gl. 2, 52]. cordoUum .Herzeleid' seit Pit., 

Leumann-Stolz^ 209): gr. (dicht.) Kf|p n. (♦Kripb) ,Herz" (Neublde. 

Kiap Pind., Brugmann IF. 5, 341), att. Kapbfa, jon. Kpabln, lesb. 

KdpZo, kypr. KOpCfija Ckrdia) ,Herz, Magen, Mark der Pflanzen' ; air. 

cride n., nir. eroidhe ,Herz', kymr. craidd ,Herz, Mittelpunkf, 

hiet. kreiz .Mitte" {*kridiom bzw. *krodiom, idg. *krdiom, Pedersen 

I 69; vgl. auch ir. feochuir .wild' unter vecors); got! hairid n., ahd. 

hersa, as. herta, ags. heorte, an. hjarta .Herz* {*kerd-on-); apr. teyr 

n. {*kerd) ,Herz*, sek. o-St. Gen. Sg. stras, Akk. sfron ds., lit. Sir<fts 

(Akk. ifijrfj) f. (alitt. alett. nodi m., Specht OLZ. 1931, 513) .Herz', 

ostlit. Sifdis m. (jo-St.) , Mark von BSumen' (daneben gerdis, Akk. 

S^rdj und ierdi, Akk. iSrdq da., Gauthiot Sbomik Fortunatov 401 ff.), 

lett. girds (Akk. sirdi, Gen. sirdt) ,Herz", sef'de ,Mark, Kern im 

Holze" (bait. *iSrd- imd Urd-, urspr. Konson.-St, vgl. Gen. alit. Ur- 

dis, Sirdif [vgl. cord-um], Saussure Rec. 5(35, EndzeUn Gramm. 314, 

Trautmann Bsl.W. 302), aksl. sndtce, russ. sdrdee usw. ,Herz' (*iir- 

dika- ; vgl. aksl. milo-srtdt .barmherzig*), hodistfg. abg. sridd, russ. 

seredd .Mitte' [*ierda, Brfldoier Slav. -Lit. 66); arm. sirt, Instr. srti-v 

.Herz' {*kerdi; Hubsdunann Ann. Stud. I 49, Meillet MSL. 8, 157) ; 



272 corftUium — corbis. 

heth. kardiai Gen., kardi Dat. ,Herz" (Zimmern Streitberg-Festg 
439 Sturtevant Lg 4, 127. 6, 214). - Wznomen *ke,-d- krd-mit 

jr _ «»?»« <!>i-h.nrd- ffutherzig , av. zarad-d (mstr.j ,nerz 
(gir^wo" s z.B."Gantert"£mw. loi, Vendryes RC.'40, 436, Lewy 
HT 49 gegen Siebs KZ. 37, 300). - Weitere Analyse unsxcher; 
vl t«U des^erschiedenen Gutturals als ,das Zuckende' zu Wz. 
*sqerad- .schwingen' in Kpaboivui, eardo, s. d. (Schulze K/;. 57, lt>]. 

Fern bleibt credo (s. d.). . , . . / -^ m ^ j.-. 

Hierher u. a. con-cirs, -dis .eintrachtig' (se.t Naev.) dfs- 
cors, -dis ,zwietraditig' (seit Pompon., discordia .Z^^tracht 
eit Enn., r'om. discordium [spatl. -a Ntr. PI.] -^^ ^f^H^^'^ 
uneins sein" seit Plaut.), vgl. audi go-, ve-cora-, Prae-cordta 
^6rum n. pl. .Zwerchfeli, Efngeweide", dicht. ,Herz als Sitz der 
Empfindwg" (seit Plaut., rom.); re- cor dor -Mm mm, -an ,er- 
innere micK« seit Pit., rom.). _ Walde-P. I 423f. 
corallium, alter (dicht. curalium, -» n. KoraUe (se t Lucr 
tomcoralUii^m): au^ gr. KOupdMov, KU.pd\(X).ov KOpdM^iov ds. 
a^" Copa dX60, s. s'chrader RL. I» 628 f - Nicht hgur. oder 
gaUisdi mit Reinadi RC. 22, 126 £, Dotun 248. 
^ ciSram Adv. und (seit Ux repet., n,idx praesente) Praep. ,an- 
eesiAts, in Gegenwart, SflfentUch, vor' seit Plaut, .ncSram [vgl. 
fwoml seit Apul.): ZssrOckung aus *c<^m) und einer Form von 
eTu zi ni^rals Akk. (VaniCelc 33 Lmdsay-Nohl 669, Brugmann 
KG. 451; nicht Instr., vgl. Stolz HG. 1 132f.[ yon emem alten d-St. 
(vgl. 6ra, Froehde BB. f, 119), sondern Nackbildun| von clam pa- 
ai (Br6al MSL. 15, 138 f.), u. zw kaum >» Umbd Jung ernes Vare 
= •«/».) ore (Walde LEW;' s. v. , da trotz Brugmann U' 2, 852 die 
Form J nur^in der Komposition belegt und n'*^"^^,*^^^*^?"": 
dera eher von einem Adj. *co-Oro- .vor dem Angesicht befindlich 
(Brugmami U" 2, 687). - Verfehlt Prellwitz Gl. f9, 112 i*co-os_an). 
L fur Bed. vgl. coram in os Ter. Ad. 269, ante octilos coram Eun. 
794, ferner aL Osd, dsayd .angesichts, ''«*•«;', I""- //„f "" ^"f^f^' 
gesidit", ivdjmov .coram' usw. (Brugmann U« 2, 742). - Walde-P. 

^^COrWte', -is f. (seitVarro und Cic), seltener m. (seit Bell.Hisp.) 
Korb" (seit Plaut , rom., ebenso corbula seit Pit., -iculaitit Pallad., 
;gi no(i corbita [s. d.], corbio Gl., corbUor Fest. p. 334): = mir. 
& Wag^- (urspr- >agenkorb'. Pick II* 91; we|en der Bed. 
kLum"lat.lw.),\ls>enoc^tenes; zu '^\*('>)^fZ''t:ti'l'^'£Z 
men', daraus ,fle*te"" (vgl. die Reimwz. •yer-t/i-, Walde-P. 1 595) m 
™s". kormt. .'krtoimeni ^erneker 569) an. herpasksui.VT.^f(- 

artig zusammenziehen', gr. *^dPV^S9rbh-).doTr^X P^^n^^^^ 
(abllut. Koptpo.? • AatppiiH [anders Specht IF. 42, 285J, K^ppaXo do^vfj 
fies. [*qJ.],ySlnmZ^A Hesydist. 40. «) usw.; vgl. von der Wzf. 
'oerM-l ahd. re7 .GesteU zura Tragen auf dem Ruicn (n^d -R'./n, 
me^gl. rip .Fisdikorb', an. hrip .hSlzernes Geffifi od«.Ges eU', lett. 
kribL .Gefledit, das den Boden des BauernsAhttens bddet" C*3r.6o-, 
niAt Veto-, Petersson Bait. u. Slav. 80 gegen Hut Abl. 125, Vok 157j. 
_ •(.Vr<*(*> ist Erw. von \s)qer- .drehen' (s. curvus; vgl. Isid. 
20, 9, 10 corbis dietae, quod eurvatis virgis contexuntur]. — Aus 



corblta — corgS. 273 

corbia stammt trotz Falk-Torp 596 ahd. corb (nhd. Korb), an. karfa, 
Icgrf f. (Schulze Berl. Sbb. 1905, 732*, vgl. Walde-P. I 595); aus 
ahd. corh, chorp stammt russ. Icdrobh, lit. kafbas usw., aus *korbia 
(Vorstufe von ahd. churpa), abg. krabiji, lit. kafbija usw. (s. Ber- 
neker568, audizurFrage der slav. Vermittlung fur die balt.Worter; 
vgl. Skardzius Die slav. Lehnworter im Altlit., Diss. Leipzig 1931, 96). 
— Abzulehnen Muller Ait. W. 373 {*q^er-dhri- oder *f}-dhri- : gr. 
T^pSpov ,das aufierste Ende der Segelstange', s. Boisacq 957). — 
Vgl. auch carpentum. — Walde-P. II 588. 

corblta, -ae f. ,langsam fahrendes Transport- oder Lastschiflf' 
(seit Plaut., rom. unklar, s. Meyer-Liibke n. 2225 gegen Gamillscheg 
258): von corbis, vgl. Paul. Fest. 37 -ae dtcuntur n&ves onerSriae, 
quod in malo eanim summo pro signo corbes solerent suspendi; also 
urspr. navis corblta (so noch Lucil. 483) ,mit einem Mastkorb ver- 
sehenes SchiflF". Vgl. Daremberg-Saglio s. v. 

corcns, -J m. .das Kollern im Baudi" (Marcell. med., Ps. Theod. 
Prise), corcinor, -art {croc- trad.) ,Kollern bekommen' (Garg. Mart.) : 
aus gr. KopKOpufii oder KOpKopuT|n6; .Kollern im Baudi, dumpfer 
Lfirm' verkurzt (z. B. Saalfeld; Schallwort wie popPopUTH*? ds. [s. 
burburismus], vgl. Cech. krdkorati ,gackern", Walde-P. I 413); nidit 
damit urverwandt (Prellwitz' ^^^l" 

cordns, -a, -urn {ch- falsche Schreibung infolge der Zusammen- 
stellung mit x6piov, Varro rust. 2, 1, 19) .spat entwiAelt, spat reifend" 
(faenum, holus, uvae); .spat geboren' (von Tieren und Mcnsdien, 
vgl. Cogn. Cordus) (seit Cato, in beiden Bedd. rom. [neben *cor- 
discus]; aus vlt. *cordlnu8 entlehnt alb. ker^i .kleines Kind', fordf, 
ker&iAe .Spatling' [von Lammern], Bugge BB. 18, 177, Jokl U. 13, 
160): wie fordus (s. d.) altes Wort der Bauernspradie ; wohl als ,im 
Wachstum zurucigeblieben, verkummert' aus "qor-dos oder *qr-dos 
zu Wz. *{s)qer--d- (Erw. von *{s]qer- .sdineiden', s. card) in ahd. 
scurz ,kurz", ags. sceoH ds., an. skorta .fehlen, mangeln', mhd. nhd. 
achurz .gekurztes Kleidungsstudk" (nidit aus mlt. *exeurtus, Kluge 
8. v., vgl. abltd. mhd. scherze(l) .abgesdinittenes Stuck" und s. cur- 
tut); mit -dh- ai. krdhiih .verkurzt, verstummelt, klein, mangelhaft", 
d-skrdhoyuh .nicht knapp, reidilich', gr. OKUpOdA-io?' veaviOKO? 
{*sqordh-, Boisacq 881, Walde Festschr. Streitberg 187), OKbpQai. • 
fidpaE, IcpnPo? Hes., lak. Kupadvio? ds., Kopoioy- fieipdiaov Hes. 
(-a- aus -d-X lit. skurstil, skufsti .verkummem, im Wachstum zu- 
ruckbleiben", m-skufd^s .klein gewadisen', nu-skufdelis .Knitps' 
(Persson Beitr. 164 flf. 565; wemger wrsdi. Walde-P. H 580. 584: 
als *qors-do- nSher zu mir. kymr. usw. corr .verkOmmert, zwerg- 
haff aus *qor»»-). — Walde-P. U 580. 590. 

corednlns s. eorydalut. . . . ,<^, 

corgo .profecto" (Paul. Fest. 37), .porro, proreus, mmirum' (Gl., 
g-): aus *c6m reffd oder *e6m rogo fiber *cSrr(,e)gO ,mit der Ridi- 
tung, furwahr', vgl. conregione ,e regione' Paul. Fest. 66 wie ergS 
.weeen' (s. d.) neben i regione .aus der Riditung, gerade gegen- 
flber" (Corssen I« 449 f., VaniCek 229, Qardi-Dupr^ BB. 26, 193, 
Muller Ait. W. 387). — Unriditig Juret Dom. 228 {*co-uerg6 : gr. 
?PTU>); Persson Stud. etym. 87 (: ai. kar-hi .wann', an. hvar-ge 
.ubique' u. dgl., s. zum 1. Glied unter cur, zum 2. Walde-P. I 542). 
V a I d e Etym. WSrterbudi d. lat Spradie. 3. A. 18 



274 corgus — corium. 

corgns ,ein Insekt oder Reptil' (Pol. Silv.): nadi Thomas Rom. 
35, 171 f. Variante von curculio, entweder durdi Kreuzung mit cos- 
sua Oder Rudcbildung, vgl. katal. eorch, Meyer-Lubke n. 2414. 

corinin, -i n. {-us m. Plaut. Varro nach dorsus, collus u. dgl.) 
,di(ie Haut, Fell, Balg (von Tieren, vulg. und umgangsspr. audi 
von Menschen), Leder; didce Sdiale, Hulse; didcer Uberzug, Kruste' 
(seit Plaut., rom., ebenso -arius ,Gcrber" seit Scrib. Larg., -aceus 
,aus Leder" seitAmm.; vgl. no^ -ago f. .Fellkrankheit des Rindes, 
dX€6epM'«' s"''* Colum., malicorium n. .Granatapfelsdiale" seit Plin., 
Jacobsohn XdpiTec 416; aus corium entlehnt alb. kua, kuja, koja 
.Brotrinde, Sdiorf, Jokl IF. 37, 106): als .abgezogene Haut" (vgl. 
ST. bopd, bip\ia .Fell" : hipu) ,hautc ab, sdiinde' usw., Liden BB. 
§1, 93ff.) ncbst cortex ,Rinde", scortum ,FelI, Leder' zu Wz. 
*(s)qer-(t)- .sdineiden, abtrennen" (s. caro, cena) in ai. krttih f. 
.Fell" (aber kheta- m. n. ,Schild', Charpentier IF. 28, 185, bleibt 
wohl fern, vgl. audi Waldo-P. II 592), carman-, av. 6arsman- .Fell, 
Haut' {*qermn : ahd. scerm, scirm .Sdiild [aus Hauten], Sdiutz, Be- 
deckung", ksf. dretm ,Zelt", falls nicht grm. Lw., Berncker 145, 
Zupitza Gutt. 155, Porzig IF. 42, 232); an. hgrundr {*harunda-, idg. 
*qor-n-to-) ,Haut', ahd. herdo .vellus", ags. heorda m. .Wildhaut", 
nhd. Bchweiz. herde, harde .Sdiaf- oder Zicgenfell {*herpan; idg. 
*qer-ton-), ags. hcerdan PI. .Hoden" (*harupjan), an. hredjar ds. 
(/Hautsadc", vgl. scrotum, Trautmann BB. 30, 329), ags. hrider 
,Haut', mid{h)rider .Zwerdifell' (*sqr-ei-t-, Lehraann ASNS. 119, 
188'; vl. audi got. usw. hairpra .Eingeweide", vgl. erassus); mir. 
seairt ,Netz um die Gedarine, ZwerdifeU, Herz, Inneres" (Lehmann 
ZcPh. 6, 436), eurach, kymr. corwg .Hautboot, Rumpf {*qor-uqo-. 
Loth HC. 43, 406, Pokorny ZcPh. 11, 203, s. curucus; aber gr. kOj- 
pUKO? m. .Ledersadt" [-6-!] bleibt wohl als kihk. Wort fern, Huber 
33, Boisacq 546); russ. usw. skord .Haut, Tierhaut", kord .Rinde' 
(: lit. karnd .Lindenbast", vgl. zur Bed. cortex, Berneker,566f., 
Iljinskij AslPh. 32, 339), vl. aksl. drivo n. (sek. s-St., Meillet Et. 360) 
.Unterleib, Baudi' (: apr. hermens m. .Leib", Trautmann Bsl. W. 
128, Brudcner Slav.-Lit. 71, Berneker 150 f. [Gbd. .ausgesdinittene 
Ejngeweide', vgl. got. hairpra, scrutillus .Magcnwurst' und s. cor- 
pus]; Weiterbildung von slav. *6ervo .Abgesdinittenes' wohl in abg. 
usw. drivbjt .Sandale' [vgl. carpisculum], Berneker 151, Persson 
Beitr. 786. 822 unter Fernhaltung von ir. cuarSn ,Schuh", s. cutis); 
zweifelhatt arm. xorx .Sdilangenbalg" (Bugge IF. 1, 448) und an. 
hera, ahd. harra .Sack" (Fidi I* 390), wohl audi an. har, ags. har 
.Haar", lett. cera .Haupthaar' (Zupitza Gutt. Ill, Falk-Torp 369; 
s. Walde-P. I 413. 427. 11 576 und unter cirrus). — corium als *qor- 
iom (ev. *qr-iom) zu *{s)qer- wie spolium .abgezogene Haut" zu 
*spel- .abreifien, spalten" u. dgl. (Muller Ait. W. 104; nidit Denom. 
von *qora, Leumann-Stolz' 210; unannehmbar Petersson Heterokl. 
140). — Abzulehnen Prellwitz* 512, Thurneysen Thes. (Lw. aus gr. 
x6p<ov .Leder [Theokr.], FrudithuUe [aus Honig und Mehl bereitete 
Speise], Nadigeburt [hautige Hulle, weldie die Frudit im Mutter- 
leib umsdiUefit]'; wohl mit Boisacq 1066 [Walde-P. I 603] 2u*gher- 
.einfassen', s. cohors; x^plov .Leder" miifite dann sizilisches Bed.- 
Lw. aus dem Italischen sein). — Walde-P. II 575. 



cointx. 275 

cornlx, -fcis f. ,Krahe' (scit Plaut., ebenso Demin. -tenia, dies 
rom.; davon divae Corniscae [*corntc-scae] ,die Kiahengottinnen 
als Symbol der Gattentrcue", PW. IV 1633, Wissowa Hel.^ 189', 
Leumann-StoLz* 280 f.), corvus, -I m. .Rabe" (seit Plaut., rom.; 
vgl. Cogn. Corvus, -inus, Gell. 9, 11): Schallst. *qer, *qor-, *qr- (sel- 
tener *ft- und *sq-) ,krachzen"; vgl. niit cor-nlc-s u. cwnaco ,cor- 
nicem" {-tc- neben -ac- wie in russ. novikt ,Neuling' neben abg. 
novctH, \iai, Brugmann IP 1, 302. 496, vgl. audi Kretschmer Gl. 
1, 375; falsdi Stowasser ALL. 6, 563), gr. K6paE, -oKOi; m. ,Rabe", 
KopdKiov ,Schnabel dcs Raben" {*-ii-k-, Brugmann a. O. 495, Persson 
Beitr. 531'), Kopujvri f. ,Krahe' (*-o[m]-V, Brugmann a. O. 280), k6- 
paq)oq ■ Ttoioi; Spvii; Hes. (*qor-n-bho-, Brugmann a. O. 386; anders 
Sdiulze KZ. 29, 261); corvus mit M-Erw. wie in mir. eru ,Rabc" 
{*krouos), Gutturalerww. {*qrauq-, *qrauk, *qraug-) in lit. hrauhlys 
,Krahe" {kraukiil, kraUkti ,krachzcn", abltd. kriakti ,grunzen"), 
lett. kraiikUs m. ,Rabe' (krailka i. ^Auswurf", vgl. ags. hrog ,Nasen- 
schleim"), gr. KpauYl'l ,Geschrei', Kpauf^i; ' bpuKoXdtrrou dbo? Hes. 
(= an. hraukr ,Seerabe', anders Falk-Torn 866), nisi, hrygla ,Ras- 
seln in der Kehle' (nhd. rocheln usw., Liden Bland, spr. bidr. 3311., 
Persson Beitr. 377), got. hrukjan jkrahcn" (vom Hahn), hrnh A.Sg. 
,das Krahen", poln. wruss. kruk ,Rabe", ai. krSsati, av. xraosaiti 
,kreischt, schreit', ai. krSsah, kldiah ni. ,Schrei, Rufweite" (; ags. 
hream ,Notruf, Gerucht' aus *hrauhtna-, Schulze Berl. Sbb. 1918, 
489 f.), np. xuros jllahn"; — von der Basis *qor6- (Hirt Abl. 78, 
Vok. 63. 72; vgl. KopiU-VTl obcn und Walde-P. I 415 gegen den An- 
satz *-d[ny) u. a. lat. crocio, eroed ^krachzen" (s. d.), r.-ksl. kradu, 
krakati ds., lit. krokiti, krOkti , rocheln" usw. (mit g an. hrokr m., 
ags. hroc, ahd. hrtioMp) [schweiz. ruech] .Saatkrahe'); — j-Erw. in 
gr. KplYO .das Sdiwirren, Knirschen', KpiT"^ " f) yXaOE Hes., xpii^ui 
„knurre, kreische", an. hrika , knirschen", mit s- ags. scrtc ,Wur- 
ger", an. skrmkr ,Schrei' (daraus ir. scrich ds.), mit -k- gr. KpficE 
„knarrte, kreischtc", lit. krykSiiu, krykUi ,kreischen', aksl. krilCTi 
„Geschrei", hricnti ,schreien' (daraus alb. kertsin ,rufe, adireie", 
Jokl Ling.-kult. U. 93), an. hegri, ags. hritgra, ahd. usw. heigaro, (hyei- 
garo ,Reiher" {*kroikro-, *krikro-), kymr. cryg {*kriko-) ,Heiser", 
ysgreeh f. ,durchdringender Schrei" {*{s)krik-na. Loth RC. 43, 153; 
anders Pokomy hei Walde-P. I 414), vgl. crimen und ai. karHyikS 
,eine Art Kranich' (Persson Beitr. 163); — *qerq-, *qreq- in ai. 
krkarah m. .Art Rebhuhn", x^pxaE • l^paE, KepKldoXC?' ^pu)bi6; Hes. 
(a°. querquedula), K^pxvo? m. ,Heiserkeit", Kdpxvr), KepxvT\t? f. 
,Turmfalke" (Boisacq 443), mir. cercc ,Henne', crCUn i'krakni-) 
,Sau" (vgl. lett. krina ds., eig. ,gninzend"), eorr {*kork-so-) ,Kra- 
nidi', apr. kerko ,Taudier', krakko, lit. kraki f. ,Schwarzspecht', 
bulg. krdkon ,Rabe' usw., mit anL k- ai s&rika .die indisdie Elster", 
arm. aareak .Star", lit. Sdrka, apr. sarke .Elster*, russ. usw. sordka 
ds. (daneben anl. *ku- in aksL usw. svraka ds., alb. sore .Krahe' 
[daraus entl. rum. ctoara ds., Jokl Ling.-kult. U. 93] aus *kuar-na 
[kaum *ku&r-ka}, Jokl Stud. 20, Pedersen KZ. 36, 337, Oslir AslPh. 36, 
445, Persson Beitr. 124 m. Lit.); — *grep- in an. hrafn, urnord. Hrab- 
naR, ags. hrmfn, ahd. hraban, hram .Rabe", as. naht-ram .Nachteule' 
{*hrabna; Persson Wzerw. 50 usw., 8. erepo). — Vgl. noch gr. Kop- 

18* 



276 cornu — comus. 

Kop-ufi'l .Kollern' (s. corgus), akymr. go-ehor- .krachzen', co-gor 
.Vogelruf" (Loth RC. 41, 374) und Zupitza Gutt. 123f.; aufieridg. An- 
klSnge bei Guntert Urheim. 10. — Fern bleibt ai. kdravah (unbel.) 
,Krahe' (z. B. Persson Beitr. 899; vlra. ka-rava- ,ta- rufen'd', Char- 
pentier a. O. 155*, vgl. kOiah ds., Schulze KZ. 45, 146). — Abzu- 
lehnen Koslovskij AslPh. 11, 394 (: abg. kun .Hahn", s. caurio, 
Kretschmer KZ. 31, 450); Charpenlier ZdmG. 73, 154 f. (: ai. kultkd 
f. ,ein Vogel", kalavihkaJn m. .Sperling'; ersteres vim. zu russ. 
kuUhs ,Schnepfe', lett. kulens, kulainis ,Schnepfenarten', Berneker 
642) ; Mahlow Neue Wege 460 f. (samt gr. Kp6voi; [!] : ai. krsndli 
.schwarz", s. fiber dieses PeterSson Bait. u. Slav. 36). — Walde-P. 
I 413. 

cornu (-M trotz Meillet-Vendryes 138 wohl nur Grammatiker- 
fiktion), -MS und (seit Gels.) -ij, daneben -it-?, -t und -um, -% seit Varro 
bzw. Ter. ,Horn, Gehorn, Berg- und Landspitze, Blashorn und an- 
dere aus Horns geferdgte oder hornahnliche Gegenstande' (seit Plaut., 
rom. [audi ,Ecke, Winkel', Schuchardt ZRPh. 41, 254 ff.], ebenso 
•ictdum n. ,H6rnchen' seit Liv. [davon eorniculdrius, audi comuc-, 
ALL. 13, 294, seit Suet.], -utus ,geh6rnt' seit Ace, cormeen ,Horn- 
blaser" seit Varro [cornices Petron., GL, Niedermann Contrib. 19]; 
vgl. noch capri-cornus .Steinbock" seit Cic, Bild.-Lw. nadi aiTO- 
K^ptu; ds., Jacobsohn XdpiTe? 416): got. haurn n., ahd. an. usw. 
horn ,Horn", galat. Kdpvov liyv adXttiffa Hcs., gall.-lat. carnuatus 
,cornutus' (Vendryes RC. 42, 222), gall, karnitu .statuerunt" (Thurn- 
eysen ZcPh. 15, 382; vgl. zur Bed. gr. •Kpflaivu), Kpaivuu, Kapav6uj 
.voUende", Beditel Lexil. 202 f., Wadcemagel Sprchl. Unt. 157), kymr. 
korn. cam, bret. karn ,Huf der Einhufer" (vgl. audi KdpvuE unten; 
*kf-n-, d. i. *k.r^n-, Pedersen I 156, Osthoff Par. I 38f.; aber mir. 
korn. bret. com ,Trinkhom', kymr. corn .Horn' sind wohl Lw. 
aus dem Lat., Loth Mots lat. 152), illyr. PN. Comu-lnus, Tpi-Kopv- 
fiyoiot (Krahe PN. 142, ZONF. 7, 32); ai. if^gam .Horn' (*kfn-g-, 
vgl. gr. KpaTT'l'v, -6vo? f. .Art Krabbe* [unsidier mir. congan .Horn", 
nadi Zupitza a. O. aus *kSmg; anders Pedersen I 158, vgl. Walde- 
P. I 407J, 8. Johansson Beitr. 13, Zupitza KZ. 36, 60 f., Brugmann 
11" 1, 508, Persson Beitr. 585 [anders Niedermann lA. 18, 76]). — 
Wz. *ker{-n- usw.) ,Oberstes am Korper, Horn, Gipfel u. dgi.' (s. 
cerebrum, cervus und zum grundsprchl. Paradigma Petersson Heterokl. 
5flF., Gr. u. lat. Wst. 4f.). — Der M-St. cornu (-a wohl Ubertragung 
von altem Kollektiv pecu, Brugmann IP 2, 145. 202) wohl durcfi 
Verquidcung des n- und i*-St. (in gr. xipu-bo? usw., s. cervus) wie in 
galat. KdpvuE ,Trompete der Kelten' Sdiol. T U. 18, 219, Eustath. 
(Walde-P. a. O.; kaum nadi Danielsson Ait. Stud. 3, 188, Sommer 
KE. Ill aus dem alten Dual *corna{u) [bzw. *kpi6[u)] eines o-St. 
*corno- = got. usw. haum entwidcelt, s. Schmidt PI. 52, Leumann- 
Stolz^ 265). — Walde-P. I 406. 

comns, -* und (seit Varro) -«s f. ,Komelkir8chbaum' (Cornus 
Mas L.), cornwm, -t n. ,Kornelkirsdie' (seit Varro bzw. Verg., 
beide rom., ebenso *comea, vgl. eorneus seit Cato, eomeolus seit 
Afran., Meyer-Lubke n. 2235; eomulia Orib., Thomas Mel. Havet 
508; eometum seit Varro, comocerasium Serv.) : *krnos, *krnom = 
gr. Kodvof IB. f. .Komelkirsdibaum, Hartriegel', xpdvov ,Komel- 



corocottas — corpus. 



277 



kirsdie" (Curtius 147; davon hom. Kpovetr), att. KpdvEia f. ,Kornel- 
kirschbaum', audi wie cornus melon. ,Lanzenschaft'), lit. *kirnas 
.Kirschbaum' in A'»m»s (*Kirmjas) ,deus cerasorum" (Sdirader RL. 
P 589, Sprchvgl. II» 175, Niedermann Mel. Meillet 9T); fern bleibt 
alb. Sanf ,Komelkirsche (Baum und Frudit, audiGehoIz)' (G.Meyer 
Alb. W. 88, Pedersen KZ. 36, 332; *-rn- alb. vim. f-; vl. als *kausna, 
idg. *kous-na ,die feste, starke' zu tosk. » ^ante, geg. i Qqjte ,kern- 
gesund", i date ,Gesdiwulst", weiter zu Wz. *keu- ,schwellen" [s. 
cavus] in lit. saHnas ,derb, tuditig", ai. idvas- a. , Starke, Helden- 
kraft' usw., Jokl briefl.). — Zsshang mit K^pacro^, lat. cerasus 
.Kirsdibaum' ist wrsdi. (s. d., Boisacq MSL. 17, 56flF.); weitere Be- 
ziehung zu comu (Hehn-Schrader Kulturpfl.' 406, vgl. 408 f.) als 
.hornhart" (von dera zu Wurfspeeren geeigneten Holz) ist moelidi, 
falls lit. kirnis 'westidg.' Guttural hat (vgl. das Beiwort durum Serv. 
georg. 2, 18 und die Bed.-Parallelen bei OsthofiF Par. I 154f., Ber- 
ueker 184); dagegen ist Anknupfung an Wx. *qar- ,hart" (s. carina, 
cancer; Prellwitz^ 242 zw.) wegen des e-Vok. von K^paoo; abzu- 
lehnen; fern bleiben lit. H>-no ,Straudiband aus Weiden", apr. fcjVno 
,Strauch', keras .Staude' usw. wegen der Bed. (Bezzenberger-Fidc 
11*63, Trautmann Apr. 358, s. unter cirrus); air.crann, kymr. prenn 
,Baum", gr. itpivo^ f. ,Steineiche" {*q--, s. unter carina, cerrus). — 
Aus lat. cornus entlehnt sind ags. eomtreo, ahd. kornulhoum usw. 
(s. Sdirader RL. P 630. auch zu dial, hirnuss u. dgl.). — Walde-P. 
I411f. 

corocottas (croc- Plin., eoroeaUa Pol. Silv.), -ae m. .athiopisches 
Tier, angebl. Kreuzung von Wolf und Hund, vl. HySne' (seit Plin.) : 
aus gr. KOpOK6T(T)a?, KpoKdrra?, xpoKOitiTTa? ds.; libysdies Wort nadi 
Ostir Vogeln. 97 (mit falsdier Heranziehung von rass. chorH ,Wind- 
hund"). 

corona, -ae f. ,Kranz, Krone, Kranzleiste, Zusdiauerkreis u. del.' 
(audi .Iris, Regenbogenhaut" Isid., Sofer Isid. 19 f. 170; seit XII 
tab., rom., ebenso corolla [davon -Arium ,Kranzchen ale Geschenk'] 
seit Enn., coronare .kronen" seit Plant., coronis .Sdilufischnorkel' 
seit Mart.): aus gr. Kopdivr) .Ring, gekrummtes Ende des Bogens 
u8w.' (s. curvus; die Bed. .Kranz' m Kopu)vls Stesidi., xopwvd?, 
xopibvrf Simon, [x nadi xop^?, vgl. charona, Leumann-Stolz' 131]) 
entlehnt, u. zw. vl. zunachst in der Theaterspradie ; nidit damit ur- 
verwandt (z. B. Curtius 158, VaniCek 56). — Der GN. Corona ist 
etr. (Sdiulze EN. 77, Devoto St. Etr. 4, 227). — Aus corona stammen 
mhd. kron^e), nhd. Krone usw. (vgl. Kron-leudUer nadi mit. corona 
.candelabrum pensile") und alb. kunore, kurors .Krone, Kranz, 
Brautkranz, Trauung, Tragpolster" (vgl. die rom. Bedd., Jokl BA. 4, 
206 ff.). - Walde-P. II 568. 

corpus, -oris n. ,K6rper, Leib; Fleiscfa an KSrper und Fruditen, 
Masse; Rumpf; ubtr. .Gesamtheit, Korperschaft; Mark, Kern' (seit 
Enn. und Plaut,, rom.; corpusculum, corpuUntits [nadi graci-, Leu- 
mann-Stolz' 229] seit Pit, corporeus seit Varro, -alus seit Cic, -alis 
seit Sen., vgl. animiUus, -Slis): ai. kjrp- i. (Instr. Sg. krpd) .Gestalt, 
Schonheit", av. ksrafS, Gen. kghrpo .Gestalt, Leib", mp. karp 
.Korper' (av. xrafitra- n. .Raubtier" aus *xrap- + stra-?, Bartho- 
lomae Wb. 538); ahd. {h)rif m. .Leib, Unterleib, Mutterleib", ags. 



278 corpus - corrigia. 

hrif As., afries. href, hrif ,Bauch' {*hrefi2; idg. *qrepes-, Walde-P. 
1 486 gegen Trautniann Grm. Ltg. 13, Fick III* 103; verfehlt van Wijk 
IF. 28, 123 f., s. Walde-P. II 571), ags. mid-ihyif, afries. mid-ref 
^Zwerdifell' (,*in der Mitte der Leibeshohle'', vgl. ags. mid-ihi)rider 
ds. und lat. prae-cordia); dazu vl. alb. S-krep, S-kep .gleiche cin 
wenig' (Jokl Stud. 80, vgl. ahd. gi-lih .gleich", eig. ,emen uber- 
einstimnienden Korper habend"), mir. art ,Leib' {*qrpes'f, Stokes 
KZ. 36, 275), sehr unsicher arm. orovain ,Bauch, Wanst, GebSr- 
mutter, Mutterleib' (*qrop-n-io-?, Lid6n Arm. St. 22 f., Petersson 
Heterokl. 21 8 f.; anders Petersen Pron. dcrn. 22 und Persson IF. 
35, 211, s. arvlna). — Fem bleiben gr. irpdiru) ,faUe in die Augen, 
ersdieine, steche hervor", arm. erevim ,werde slchtbar, erscheme" 
(: ir. richt ,Form, Gestalt' usw., idg. *prep; Waldc-P. II 89); ahd. 
hreo, Gen. hrewes, an. hra, ags. hraw a. ,Leiche", got. hraiicadubo 
f. ,Turteltaubj! als Totenvogel' (s. Walde-P. II 585, Feist" 200); ksl. 
hrasa ,Sch6nheit' (daraus lett. hrasa, kr&aa, lit. krosA, krosas ,sch5ne 
Farbe"; *qrop-s-a Tick I* 30, s. dagegen Berneker 608 m. Lit., Walde- 
P. I 418 f., anders Baga Kalb. I 179); abg. drSvo {*qer-uo-) .Unterleib, 
Bauch', apr. kermens {*qer-men-) ,Leib" (nebst got. usw. hairpra 
[*qert-ro-\ ,Eingeweide' zu Wz. *{s)qer- .schneiden' in card, corkim 
[s. d.j; Gbd. ,ausgeschnittene Tiereingeweide", vgl. zur Bed. lit. skil- 
vis ,Magen' von *sqel- ^spalten' usw., an. krof n. , aufgeschnittener 
Korper geschlachteter Tiere, Korper' [Falk-Torp 582], s. Berneker 
150?., Walde-P. II 577). — Weitere Analyse unsicher; falls gr. ttpa- 
ir(b€<;, dicht. irpait{? f. .Zwerchfell', das den Anlaut *qv- erwiese 
(Havct MSL. 6, 18, Wiedemann BB. 28, 5), fern bleibt, wofur die 
spez. Bed. spricht'(in ags. mid-hrif usw. ist sie durch die Praep. be- 
dmgt; vgl. Prellwitz* 382), dann vl. (nach Uhlenbeck s. krp) als 
.Schnitt, Gestalt" (vgl. z. B. figura , Gestalt, Bildung" : fingo, got. 
hik n. .Fleisch, Korper, Leidie' eig. .Gestalt') zu Wz. *sqer-p- 
,sdineiden' (s. untcr earpo), vgl. von *sqel-p- ,schneiden' (s. scalpo, 
seiilpo) ai. klptd}). .geordnet, hcrgestellt' (= av. hu-kirtpta- ,schon- 
geformt'), kdlpate ,wird geordnet, wird zuteil" (Persson KZ. 33, 
289f., Walde-P. II 595; an sich ware auch *(s)qer-p- zugrunde zu- 
legen); aba. Mvo, apr. kermmis (s. o.) sind dann entfernt verwandt. 
— Andernfalls als *q»i-ep; *q<^rp- Erw. von *q^er- .machen, gestalten" 
(vgl. zur Bed. fades : facere) m ai. karoti, krndti ,macht, voUbringt', 
av. kargnaoiti ds., air. criUh ,Gestalt', kymr. pryd ,Aussehen« (*j*r- 
<«-), lit. kurih, kurti ,bauen' usw. (s. Walde-P. II 517 f.; vgl. auch 
caragius); doch fehlen (abgesehcn von uponi?) weitere Stutzen fur 
den Anlaut *q<f, da gr. K6a|U0i; „Ordnung, Sdirauck' trotz Brugmann 
IF. 28, 360 ff. nicht als *K6pn-a\xo<; (k statt tc durdi Diss.) zugehort 
(vgl. untcr censed, comis), und die weitere Heranziehung von lat. 
quercus (s. d.), got. fatrhvus ,Welt' als metath. 'pergp- aus *q»erp- 
(Vendryes RC.44, 315; vgl. zu faMinis auch unter compesco, Guntert 
Weltkon. 137) ganz hypothetisch bleibt. — Walde-P. I 486 f. 

COrrigria, -ae f. (spatl. -um n.) ,Sd)uhriemen, Riemen uberhaupt" 
(seit Varro, rem., ebenso Demin. mlt. -ioia ,Winde", Thomas ALMA. 
5,115, Bertoldi Nomi dial. 105. 293): wesentlidi = mir. cuim-reck 
.Kette, Fessel', bret. keore ds., kymr. cyfre .Koppelriemen' (•*<>»»- 
-rigom); vgl. ir. a-rach , Kette' (*ad-rigo-), abltd. aerwy ,Halfter' 



corroco — 1. cortina. 



279 



{*ad-reigO; Loth RC. 41, 220f.), kymr. modrwy t. ,Ring', rhwym 
\*reig-smn) m. ,Fessel" (: mbret. rum ,bande, troupeau" aus *roig-sm'^); 
verbal ai°r. ad-riug .alligo', cowriuff ,colligo", doriug ,nudo' usw. 
(Pedersen I 100. II 592); unsicher mhd. ric. Gen. rickes m. ,Band, 
Fessel, Verstrickung, Knoten', richen ,anbinden' (vl. mit *W-\ lit. 
risit, rUH .binden', raiiait ,binde', lett. rist, rituU ds., Walde-P. 
II 279, vgl. riea\ fern bleibt wegen if abg. »-e«« ,l6sen« (s. Persson 
Beitr. 335 gegen Pedersen IF. 5, 79). — Wz. *reig-, *rig- .binden' 
(vgl. Varro Men. 180 pedes eorrigHs eompedio; daher nicht zu cor- 
rigo), daneben vl. rait Ablautentgleisung *reh-, reg- in ai. rasand f. 
,Strick, Riemen', rasmi-, ragman- m. as., an. rakki, ags. racca m. 
Taustropp' (Walde-P. II 362) ; got. skauda-raip (n.?, nur Akk.Sg.) 
,Schuhrienien«, ahd. reif m. ,Seil, Band, Reif kSnnte hodistens 
als versch. Erw. einer einfacheren Wz. "ret- verwandt sein (Zupitza 
Gutt. 27 gegen Froehde BB. 17, 318). — Entlehnung des lat. Wortes 
aus dem Gall. (Henry Lex brct. 236) ist ohnc Anhalt; Zugehorigkeit 
von rigere, rigidus (Pedersen II 593) ist unwrsch., s. d. — Walde-P. 

II 347. 

corroco {-ch- v. 1.) ,ein Meerfisch, vl. Stor" (Auson): unsicherer 
Herkunft, wohl gallisch (Thurneysen Thes., Diefenbadi Or. eur. 302, 
Holder I 1135). Nicht zu carpa ,Karpfen» mit kelt. -»•»■- aus -rp- 
(Walde LEW.'i 135 auf Grund der falschen La. carroco). 

corrflda, -ae f. .wilder Spargel' (seit Cato): unerklart. Nidit 
zu gr. K6punPo? u. a. .Stengel des Spargels" (s. Boisacq 498, Peters- 
son Heterokl. 9). 

corrngus s. arrugia. 



cortex, -ids m. (seit Lucr. auch f., nach cutts, pelhs, vgl. Plin. 
16, 181) ,aufiere Rinde, Schale, Borke; bes. Kork, Stopsel" '■—* 



(seit 
Plant., rom. [aus span, corcho .Korkeidie" entl. nh'd. Korh usw.], 
ebenso -atus seit Colum., -iceus seit Varro, -iculus Colum., excor- 
ticare seit Augustin, vgl. seortic&trira .Schurfung' Orib., Wartburg 
III 282): zu *{s)qer-t- .schneiden' (auch in cena, scortum, s. dd. und 
caro, eorlum) als , abgeschalte, abgeschnittene Rinde' {corium arboris 
Gl.) (Curtius 148, VaniCek 58). — Formal vgl. caudex, frtUex usw. ; 
kaum *qorl-i-q- als Weiterbldg. eines «-St. (: oss. kdrc ,Pelz, Fell 
aus *karti-, Petersson Et. Misz. 6fO. — Walde-P. II 578. 

1. cortina, -ae f. .rundes Gefafi, Kessel"; spez. ,der Dreifufi 
des Apollo', eig. .das auf ihm ruhende Becken' (vgl. eoHinipaens 
Lucil.); ubtr. .Himmelswolbung" (seit Enn. und Plaut., -ale .Platz 
fur Kochgefafie' Colum., Leumann -lU 29) : wohl als .Gekrummtes' 
zu Wz. *(s)qer- .drehen, biegen" (s. curvm) auf Grund ernes Part. 
*qr-to- .gedreht" (Maratrander ZcPh. 7, 381 A.; zur Abltg. vgl. Ba^r- 
ina, cal-inus) oder ev. von der Erw. 'qert- U-eratia, erasms. Mullet 
Ait. W. 106). — Abzulehnen Fay CI. Rev. 11, 298, Walde LEW « s. v. 
(als *eorMna oder *corilcis)na zu cortex, acortum, urspr. ,Korb oder 
Gefafi aus Baumrinde'; alovak. koree .KSrbchen aus Baumrmde , 
sXisl. kon>n ,Hohlma6" sind keine Bed.-Parallele, da nach Bemeker 
580 nicht zu kora .Rinde'); Thurneysen Thes. (: *9?«- .Sdiussel' m 
ai. cariih m. .Kessel, Topf', air. eoire ['q^'.riio-], kymr. »a»V,^ korn. 
per Kessel', an. usw. hverr ds., erw. hvema .Kochgeschirr , got. 
hvalrnn .Sdiadel', mir. eern .SchQssel', s. Zupitza Gutt. 57 f., WaLde- 



280 2. cortina — corydalus. 

P. I 518 [vgl. carina, cerebrum]; erklSrt das t nicht). — Fern bleibt 
C08SUS, s. d. — Walde-P. II 568. 

2. cortina, -ae f. .Vorhang" (aulaea i. vela de pellibus Isid. 19, 
26, 9; seit AmDr. und Vulg., rom., daraus entl. nhd. Gardine, Falk- 
Torp 300): Lehnubersetzung der Bibel von gr. aOXaia ,Vorhang' 
(well ai>\r\ = eors [cohors\ war; vgl. die Verwedislung von o.ii\i\ und 
atiXaia in der Ubcrsetzung atrium der Itala Lugd. exod. 26, 5 usw.), 
die dann durdi die Eocl. m die allgemeine Spradie uberging (Thurn- 
eysen IF. 21, 176; verfehit Bergk Beitr. I 118": *co-uoHina, co- + 

verto). 

cortumlo, -onis f. t. t. der Auguralspradie ,die im Gedanken 
vorgenomraene Bestimmung des aufiersten Beobachtungspunktes im 
Osten' (Varro 1.1.7,8.9): wohl von cor und Hemos in aes-tumo, 
aes-timia (s. d., Thurneysen Thes.). 

corning (-y-. Prise. II 36, 22), -» f. jHaselstaude' (seit Cato, rom. 
[*colurus, in'Zss. auch .Elsbeerbaum', Bertoldi RLR. 1, 327 ff., ZcPh. 
17, 183], ebenso coryUtum ,Haselgebusch" seit Ov.): air. coll, akymr. 
usvv. coll .Hasel" (gall. Coslo- in M<., vgl. Bertoldi Festsdir. Wedifiler 
284), an. hasl m., ags. hcBsel, ahd. hasal{a) ,Hasel' (Zupitza Gutt. 206); 
dazu alit. kasulas .JagerspieB' (Niedermann Mel. Meillet 97 f.). — 
columns, -a, -um ,aus Haselholz' (seit Verg., vgl. columa 'has- 
tlUa ex cornd arbore facta' Paul. Fest. 37) mit Metathese aus *co- 
rulmos (Niedermann Symb. gramm. Rozwadowski I 116; unwrsch. 
Bertoldi Sill. Ascoli 492, Meyer-Lubke n. 2271: gall. Einflufi). — 
Weitere Analyse unsicher (s. Loewenthal VuS. 10, 157). — Walde- 
P. I 464. 

comscns, -a, -«t» ,zitternd, schwankend; zudcend, schimmemd' 
(Subst. -us, -t und -us .Blitz' seit Itala; seit Plant., vlt. [Gl.] und 
rom. audi coriscus, daneben scoriscus App. Probi, scoruscus Itala, 
Loewe Prodr. 355, Ullmann RF. 7, 191. 21^), corusco, -Svi, -afum, 
-are .mit den Hornem stofien* (Lucr., vl. Bed.-Lw. nach KEpaT(Ziu), 
jSchnell hin und her springen', itr. ,schwanken, flattern; zucken, 
schillern, flimmern; blitzen' (seit Pacuv., vlt. und rom. -t-, scorusco 
Itala): vl. als *coroscos .springend' nach Usener Kl. Sdir. IV 185 
(RhM. 49, 463) zu gr. aKaipiu, d-aKa(puj, d-aKapiZui ,hupfe, springe, 
zappele', OKdpTas " TaxOg, Her. CTKipTdui ,hupfe, tanze', ahd. usw. 
horse .rasdi, klug" (Wz. •{s)ger-, s. Walde-P. 1 428. II 567 und unter 
cardo, curro; zur Bildung vgl. aerusco, Meillet BSL. 26, 22, zurBed.- 
Entw. vibrire, gr. ddXo; u. dgl., MuUer Ait. W. 105); die Nbf. sco- 
ruscus, -0 ist wegen ihres spaten Auftretens nicht ererbt, sondern 
assimilatorisch und expressiv (Baehrens Komm. 59). — Abzulehnen 
Thurneysen GGA. 1907, 806 (entlehnt aus gr. KopdEai .stofien, vom 
Bock' [Theokr.], att. Kl)p(TT€lv ,init den Hornern stofien', hom. kOho 
KopfiOOETOi ,baumt sidi', die zu K^pa;, cerebrum gehoren [s. unter 
cervus]; aus KopO£ai ware hochstens *coruxare entstanden [vgl. camp- 
sare aus Kdpi(iai], auch semantisdi unbefriedigend); Bnigmann IF. 
13, 160' (: quer-querus .schaurig kalt", s. d.); Ehrlidi BPhW. 1913, 
1202 (*cor-ruscus ,zusammensturzend' : rwo). 

corrng s. comix. 

corjdalng, -t m. .Haubenlerche' (seit Serv.): aus gr. KopObAXo;, 
•baXXo; ds.; volksetym. umgestaltet m coredallus (Greg. Tur.), co- 



corylus - cotOneura. 



281 



redulus (Isid., GL ; cordolus Pol. Silv.) nach acredula u. a., Sittl ALL. 
2, 478. 

corylus s, corulus. 

cSs s. catua. 

cossim s. coxim. 

C0SS1IS, -J m. {-is, -is nach vermis Plin. al.) ,Holzwurm, Ein- 
geweidewurm" (seit Plin., rora., alt nach Paul. Fest. 41, freilich in 
einer fur uns unverbindlidien Etymologie des Cogn. Cossus, das wohl 
etr. ist, vgl. Cos{s)inius, Cos{s)idius usw., Schulze EN. 158): Et. un- 
aicher. VI. nach Petersson Z. slav. u. vgl. Wf. 9 aus *kod-tos zu gr. 
(TKibvrini, {(T)K£bdvvuni ,zersprenge, zerstreue", (a)Ki!)vanoi ,zerstreue 
mich«, lit. kedm .bersten" usw. (Wz. *{sXfi)ed-, Walde-P. U 558) ; Icaum 
nach Walde LEW.* s. v., Petersson a. O. zw. als H^od-tos oder *q»od- 
tos zu an. hvata .durdibohren' (s. unter triquetrus, Valde-P. 1 513; 
zur Bed. vgl. tarmes, gr. Tepribdiv usw.). — Abzulehnen Holthausen 
KZ. 47, 311 (als *cort-tos zu cortex, gr. Kclpu) usw., s. Walde-P. II 578 

I audi lautlich bedenklich] oder zu caries, carius ,Motte'); Bezzen- 
)erger BE. 1, 205, Bersu Gutt. 174 (: lit. kandis ,Milbe' u. dgl, 
Wz. *qen-, s. ctynis); VaniCek 60 (: lit. kasu, kAsti ,graben", s. unter 
carro; -ss-\); Froehde BB. 1, 205 (: gr. ki?. Kid? in. ,Korn- und 
Holzwurm"; s. Boisacq 459, Petersson Gr. u. lat. Wst. 9f.). 

COSta, -ae f. .Rippe', PI. .Seite, Seitenwande" fseit Plaut., rom., 
ebenso -atus [Ntr. *-mim] Varro, -ula Scr. hist. Aug.): abg. usw. 
kostt t. .Knochen", abkr. k6st ,Rippe" (Curtiua 209, Froehde BB. 1, 
193, Berneker 582 f.). — Weitere Analyse unsicher; nach Meringer 
Beitr. 42, Persson Beitr. 526, Meillet MSL. 23, 259 zu 6s, ossis 
,Knodien" unter Annahme eines fc-Prafixes (anders Hirt Abl. 137, 
Vok. 163); doch kSnnte audi blofies Reimwort vorliegen wie in abg. 
koza ,Ziege' : ai. ajd ds. — Abzulehnen Br6al-Bailly 49 (aus *co- 
sita ,dabediegende"); Wiedemann BB. 28, 15 f. (aus *coxtS : coxa, 
s. d.); Petersson AslPh. 36, 137, Heterokl. 12 (: ai. klkaaa- m. .Wirbel- 
sSule", n. ,Knochen', angebl. redupl. *kos- ,Bein'). — Walde-P. 1 464. 

COtoneiim, -» n. (sc. malum, seit Plin., -eug Adj. seit Gate) 
,Quitte' (seit Cato, rom.; vgl. cydoneus seit Scrib. Larg., eydonltla 
seit Coluni. [vlt. quid- Diosc., qud- Edict. Diocl.], mlt. citonatus, 
Thomas ALMA. 5, 112; daraus entl. alb. ftoj, ahd. chutina, choz- 
zatia, mnd. quede, mhd. quiten, nhd. Quitte usw., s. Schrader RL. 
II' 209): entweder aus p. Kubdiviov jidJlov ds. (ffilsdilidi auf die 
kretisdie Stadt Kubwvta bezogen, Plin. 15, 37), u. zw. wegen o und 
t durch etr. Vermittlung (Solmsen Gl. 3, 241 ff., Brendal Substr. og 
laan 173, Leumann-Stolz'' 63), oder eher - da der Sltere Name ko- 
bCi-|.iaXov bei dem Lyder Alkman und die Glosse Kobiiivea' (tOkg 
Xei|LtEpivd Hes. auf Kleinasien, das Heimatsgebiet der Quitte, weisen 
(vgl. die Stadt KuTtbviov an der Grenze Lydiens) — , samt Kubiliviov 
unabhaneige Entlehnung aus einer Mittelmeersprache (Nehring Gl. 
13, llff.j. — eottanOy -Brum ,eine Art kleiner syrischer, von Vi- 
teliius emgefuhrter Feigen' stammt fiber gr. Kdrrava ds. aus dem 
Semit., vgl. hebr. gafon, q'tanna .klein, jung' (Lcwy Fremdw. 65); 
zur spateren Vermisdiung mit cotonea und zu hss. coetana s. Solmsen 
a. 0. 242'. 244, Pellegrini St. it. fil. cl. 17, 393. 



282 cottabuB - covinnus. 

COttabns, -» m. ,Werfen des Trinkrests auf eine Sdiale", iibtr. 

klatschender Schlag" (Plaut., lom, ,Kopf' ): aus gr. K6TTaPo? ds. 

(Festschr. Kretschmer 68); zur Et. s. Charpcntier IF. 35, 251 und unter 

COttldie (junger -<-, Sommer Hdb.' 207, Bucheler zu CE. 231, 3; 
quot- Quint. 1, 7, 6; cotidio Char, nach htduo usw.) ,jeden Tag, taglich' 
(seit Plaut., ebenso coltldianun [cot- Mart.], beide rom.) : aus *quoUtei 
\: ami, vgl. ai. katUhdfy ,der wievielte'; nicht "quetitei [: av. caiti 
wie vide'], s. Solmsen Stud. 34 gegen I. Schmidt KZ. 25, 94') + 
die, also ,am wievielten Tagc auch iraraer' (.Bildung wie m merl- 
die, postn-die; vgl, auch zu anderen Analysen, VaniCek 125, Lind- 
say-Nohl 644, Wackernagel KZ. 29, 147 f.). — Nicht besser Leu- 
mann-Stolz^ 228 (Umgestaltung aus *qnoti dies (sunt) nach ptidie ; 
scheitert an -tt- ; quoiannts -calendls -diehus usw. aus *qiiot annl 
[sc. sunt] siijd wie propediem aus *prope dies [IF. 42, 78] jungeren 
Uisprungs, s. W^ackernagel a. O., BrugmannTot. 10). — Walde-P.I521. 

cotnrnTx (Plaut., c6t- seit Ov., coct- Lucr. 4, 641 im Quadr., Dielg 
Berl. Sbb. 1922, 52), -Ids f. ,Wachtel' (seit Plaut., rom.) : zweifellos 
ist cocturnix die altere (auch bei Pit. zu schreibende) Form, daraus 
cot- durch Diss, und vl. Anlehnung an c6tih)u)-nus, nicht umgekehrt 
coct- fur alteres cot- durch Anlehnung an coctus, coquo (Havet MSL. 
6 234 ff., Keller Volkset. 50 f., Sommer Hb.« 240'; rum. pollrniche 
setzt freilich trotz v. Ettmayer ZRPh. 32, 726 f. kein o.-u. *pohturn-tk- 
= lat. quocturnix voraus, s. Schuchardt ib. 40, 326 f.). Es handelt sich 
um ein den Wachtehuf nachahmcndea Element *quok- (s. Paul. Fest. 
37, Schrader RL. 1I» 613), vgl. ahd. wahtala, nhd. Wachtel, ags. wihtel 
(kaum mit cocturnix unter *q«okt- nSher zu verbinden, wobei ags. 
leihUl !QT*hwihtel durchDissim., sondern eherunabhSngigerSchallst.); 
daneben, rait Unterbleiben der Lautverschiebung im Schallwort, ahd. 
quahtala, qmttdla, quackola frank. Quattel, nhd.-fries. kwakkel, Suo- 
lahti Vogeln. 261 f. (daraus afrz. caille, it. quaglki, Camdlscheg 169f., 
zw. Meyer-Lubke n. 2004) und rand, qimrtele. — urnlx wie m spin- 
turntx (s. d.), Entstehung unklar (kaum gr.-dor. dpviE, Stowasser ALL. 
6, 562 (., oder Kontamination mit cornix ; Abltg. von *eocturio und 
etr. Herkunft erwSgt kaum begrundet Ernout BSL. 30, 97). — Ab- 
zulehnen Bopp Gloss. 122, Forstemann KZ. 3, 59 (ai. eatakah ,cu- 
culus melanoleucus', eatakah .Sperling"); Ostir Vogeln. 155' (; abg. 
krastalt ,Wachtelk6nig'i s. Berneker 575 f.). 

CoTcUa Beiname der JUno Kalendaris, die wegen ihrer Beziehung 
zum Mondlaufe an der Neumondsfeier tcilhattc (Varro I. 1. 6, 27 ; s. 
Wissowa Rel.'' 187, PW. X 1560 und unter calendae): unsicherer Her- 
kunft; nicht ubcrzeugend Dohring ALL. 15, 222, Reichelt KZ. 46, 
326, MuUer Ait. W. 65 (als ,dunkle, verschattete" zu obscurus, Wz. 
*{s)qeu- ,bedecken"); Otto Phil. 64, 214 f. (zu caulae als GotUn des 
(Mond-)Einganges); Wood Post-Cons, w 70 (nebst calendae zu gr. 
vdXXW; 'vioc,', TTaXXd? Beiw. der Athene). 

covinnus, -» m. .Sidielwagen der Bntanmer (Mela 3, 52) und 
Belger'; ubtr. .romisdier Reisewagen' (seit Mela, -drius .Sichel- 
wagenkampfer' nach essedArius Tac): kelt. Wort, als *kouegh-nos_ 
zu air. fen .Art Wagen', kymr. </wain ds., cy-wain .fahren", s. veho 
(Pedersen I 59. 104, Holder I 1152, Dottin 248, Walde-P. I 250). 



coxa - crabrO. 283 

coxa, -ae f. ,Hufte', ubtr. .Einbiegung, innerer Winkel' (seit 
Nicid., rom. [fast nur ^Schenkel' unter Verdrangung von femur, 
Meyer-Lubke n. 212], ebenso eoxale .Huftsdiurz' [vgl. i«»»6™H 
seit Edict. DiocL; s. auch unter coxim), coxendix, -icts '• -"""- 
bein, Hufte' (seit Plant., -endtxviie in clacendix, s. d.): ai. kdksS f., 
Icaksah m. .Adiselgrube" (auch .Leibgurf, s. unter caulae\aM. kaia- 
m. >chsel'; air. coss I. ,Fufi', abrit. (pikt.) 'Apt€vt6-koEo? etwa 
Weififufi' (aber kymr. coes ,Bein" ist trotz Bezzenberger BB. 16, 24<) 
u. a. Lw. aus coa;a, s. Loth RC. 18, 91. Mots lat. 83, Zupitza Gutt. 66. 104, 
Pedersen I 217); akd. hahsa ,Kniebug des Hinterbems", mhd. hehse, 
nhd. H3ch,e, Hesse, bair. Haxn; - *qots- {-Jcs- wegen av fcala-; 
verfehlte Analysen bei Lewy KZ. 40, 423, Petersson IF. 35, 112) 
urspr. wrsch. ,Bug' (vgl. Meringer WuS. 3 47); nahe steht ahd. 
hacka f. .Ferse", nhd. Hacke, an. hetkiU .Kniegelenk am Hrnter- 
fuS" (*kok- bzw. *kog; Guntert WuS. 11, 137; dazuvl. trotz des 
vcrsdiiedcnen Gutt. *kenk- in lit. kenkle ,Kniekehle% ktnka ds., 
Hesse«, lett. cinksla ,Sehne in der Kmebeuge" ags. Jiofc .Ferse 
[*hanha.l hUa ds., an. hm ds. [*hanMa-\ s Walde-P 1 401 m. Lit.). 
— Fern bleiben u. a. lat. casta (Wiedemann BB.28, 15 f., s. d.); russ. 
usw. kos^ .schrSg, schief', aksl. hosa ,Sichel^ Sense' (Bezzenberger 
BB 12 239. Scheftelowitz ZII. 6, 94, vgl. Berneker 581, dagegen 
Petersson AslPh. 36, 137 f., Walde-P. I 448); Cech. kosina ,FlQgel 
u del fPrusik [lA. 3, 1041, s. Berneker 580); lat. conqmnisco, co- 
;rim (Savelsberg RhM. 26, 394, s. I. Sdimidt KZ. 23, 270); cingo 
und Sippe (Pick I* 22). - Walde-P. I 456. 

coxlm ^zusammenkauernd' (seit Pompon ; uberhef.coss.m, 
wohl mit vulg. -ss- aus -ks- [Solmsen Stud. 31, Sommer Hb.= 248, 
Emout El. dial. lat. 143f.l, mcht durdi Ferndissim., Brugmann IF. 
11, 107) : s. conquinuco (niclit zu coxa als ,auf den Huften sitzend I !J, 
Wood Post-Cons, u, 12). - eoxim .hinkend' (Varro Men 471) 
ist, falls richtig uberlief. (cessim Solmsen a. O. nach Fruheren), von 
coxa ,Hufte' abgeleitet (vgl. ai. irondh ,lahm" :sr6n,h Hutte , s^ 
clanis) wie coxu%, -a, -urn .hinkend" (Maecen Gl., rom.j; vgl. and. 
coxosus GL, -arius Pclagon., coxendicus (-»-?) Plac. med. huftkrank . 
crabro, -mis m. rHornisse' (seit Plant, h/^- ""^ ™in auch 
ser- durdi Kontamination mit scarabaeus, vgl. Isid. 12, », 1; vit. cor-, 
NiedermannEss.89; aus crabronem entlehnt alb. j-r^rf) : mxi'crasro 
i*k.w.ron-) zu lit. Hriuo m. .Wcspe" (daneben iXriuonas, S**-^*""*. 
slrSalas, Brsuolis, $Hk)Stys, girSe u. dgl., Bezzenbereer KZ. 44, 3W;, 
lett. sirsins, ilrsenis m. (auch cirsens usw., Endzehn BB. 29, 186) 
Hornisse' sirsis m. .erofee Wespe", apr. sirailts ^Honusse , r.-ksl. 
'n,:i:Zsh^^fmjent. (BezzenLrger*:Fidc BB. 6 237, Trautmann 
Bsl W. 305); ahd. homdg, hornag, ags. hyrnet .Hornisse Chufz- 
nut; -nata-, Kluge PBB. 8, 521; nidit Kurzf. zu as. horno-be,-o 
Homtrager"), ndl. horzel{*hurz-la-) ds.; vl. kymr. oreyr-yn ,Wespe , 
mir. crebar .Bremse* (im Vok. sdiwierig ; vgl. audi toch. A kronse 

Biene' (Schradcr RL. IP 654). - Wohl naher zu K^pa?, cornu .Horn 
(s "^fcl-;™ audi zum .,-s[; Linds.y-Nohl 253); Benennung von 
den knieformig eebogenen Fuhlhornem vgl. audi gr Kopapo? ,K.afer- 
arf [s eflr«&.i; dazu wohl scarabaeus .Holzkafer' seit Phn. rom., aus 
gr. "aKapapaio^l und adan. ,jedehrems, norw. gjede-hams .Hormsse , 



284 cracatius — crSpula. 

wenn zu an. geit ,Geifi', Falk-Torp 313); nicht 7,u*'kers- .starren' 
(s. Walde-P. I 427 und unter crlnis), da dessen Zugehorigkeit zu 
*ker- ,das oberste am Korper" nicht feststeht. — Walde-P. I406f. 

cracatiuSj -» m. „ein Fisch' (Anthim.): wohl wie corroco (s. d.) 
gall.: vel. mlt. cragocus, sudfrz. criac jStor", und den ON. Craca- 
tonnum {PW. IV 1680), h. Craon. Schuchardt ZRPh. 31, 653. 

cracca, -ae f. ,eine Futterpflanze, vl. Taubenwicke' (Plin. 18, 142 
degenerans ex leguminibus): Herkunft und Et. unbekannt; unbrauch- 
bar Vanigek 57 (: gracilis). 

craceutes ^gracilgs" (Paul. Fest. 53 aus EJjfn. ann. 505): alte 
Sdireibung fur gracentes, vgl. gracilis, -e (-a, -ae Ter. Lucil., Leu- 
mann -lis 45 f.) .mager, sdhlank, durr", ubtr. ,durftig, sdimuckloa, 
dunn' (seitTer., rom.; graeiUntus l^an. [daraus Riickbldg. gracilens 
neben -ans Laev., Samuelsson Gl. 6, 250], -itas seit Varro, -iiudd 
Ace, gracij.eseo kmm.): vl. zu ai. kridh ,abgeinagert, hager, sdiwach- 
lich", kfiyati ,magert ab' (krcehrd- .schlimm", Ntr. .Not', E. Leu- 
mann -iis 142; anders Uhlenfieck s. v., s. crepo), av. karasa- ,mager' 
(Curtius 153, Bersu Gutt. 172); an. Aorr (*AMrfco-) ,Magerkeit' (aber 
nhd. hager kaum aus *harger nadi mager, Zupitza Gutt. 104; s. 
Trautmann ZdW. 7, 267, Walde-P. I 334); lit. kdrStu, kdriti ,sich 
in hoherem Alter befinden', lett. karst, karst ,altern, reifen', klr. 
kors ,auseerodete Striche Landes', sbkr. kHljav ,ini Wachstum zu- 
rudcgeblieben", Vf'Ujavae .Knirps', Cech. krs ,Zwergbaum' usw. 
(Berneker 670). — Lat. gracilis (neben craeens wie hahilis neben 
habire usw.) dann nach Solmsen KZ. 34, 21', Sommer Hb.' 213 
aus *eracilia durch Dissim. von c — c zu ^ - c (aber 6racc(h)us bleibt 
als etr. fern, ^chulze EN. 172. 354); hierfur spridit audi, dafi die 
Folge gl-e,gr-e beliebt ist (ygl. Schwyzer KZ. 57, 261 ^). — Weniger 
wradi. (mit altem g und blofi graphiediem e wie vl. in clucid&lus) 
nadi Wood a' Nr. 467, Walde-P. I 594 zw. zu *ger-k-, 'ger-g- ;dre- 
hen' in sbkr.-ksl. st-grtliti s^ .sich zusammenziehen*, bulg. giria 
.Runzel' usw. (Berneker 369), ags. crincan ,zusainmenschrunipfen", 
ahd. krago ,Haken' u. dgl.; audi in der Bed. weniger ansprechend 
als die obige Beziehung auf *qork- (*qark-7) ,einschrumpfen, magern' 
(vgl. *{s)qer-q- .einsdirumpfen, verkummern'' Walde-P. I 565 und 
zur weiteren Vbdg. mit *(s)qer- .schneiden' die unter cordus ver- 
zeidinete Sippe). — Walde-P. I 420 f. 

crama, -ae f. (GL, Ntr. PL Ven. Fort.) .Sahne' (rom.) : gall, nach 
Meyer-Lubke n. 2294. 

crapnla, -ae f. ,Weinrausch mit seinen Folgen (Kopfweh und 
Schwindel)", met. ,das Rausch erzcugende Harz' (Plin.), sek. (Eccl.) 
,Vollerei' (seit Plaut., ebenso -arius; anus Plin., spfitl. -or [nach 
KpaiTToXdiu], -alio, -entus, -Oaus): aus gr. KpaiitdXri ds. (Weise, Saal- 
feld) bzw. wegen lat. -&a