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Full text of "Weihnacht-spiele und lieder aus Süddeutschland und Schlesien"

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Weihnacht- 





lel 












aus 



Süddeutschland und Schlesien. 



'JS^it Einleitungen und Erläuterungen 



Ton 



Dr. Karl Weinhold 



ordentlichem Profeifoi an der UniTenit&t in Kiel. 



^f£it einer ^fCusikbeilace. 



Neue Ausgebe. 



Wien, 1876. 

Wilhelm Braumüller 

k. k. Hof- und UniverBit&tibucUi&ndler. 



Mersicht des Inhalts. 



Seite 

Ebdeitmg « 1 

Die genaanlcch-lieldiiljche Feier der WlntereoBMiiweBde • . • 4 

Die Umwandlung der ZwOlftenunzAge in AdTentnmiflgt • • • 32 

NIederechleeIfche Krtetklndlieder 34 

Süddeutsche Umginge 41 

Die Urcldiche Feier der Weihnaciitieit 44 

Zwei Indi anß einer Freifinger Bandiclirift: 

Herodei live Magorum adoratio 00 

Ordo Rachelis 62 

Uebersicht «1»er die weitere Entwickelung des IdrchlieheB Weihnaehteptelf M 

Darlegung des gewonnenen an noch bestehendem, 

Wechselgesinge anß Grez 79 

„ „ „ Mosburg S1.84 

„ „ „ Anssee 87 

Drei BIrtenrcime anfi Vlattach 91 

Das KristiKlndelspiel. 

KrlstUndelUed aufi Schlaupitz 104 

Spiel auO Hahelschwert * 110 

DreikOnIgspiel aus RelcLenlach 121 

Weiteres ? on DrelkOnigliedern und Spielen 126 

Das Tolstindlge Weihnachtspiel. 

Ein geistliches Gesplel aufi Vordemberg • • • • 133 

Uebersicht Aber die Literatur der deutechen Weihnachtkomidle 172 

Bened. EdeipOcks WeihnachtkomMie • . • • . 187 

Das parabolische Weihnaehtepiel 288 

Paradelsspiei anfi Obersteier 802 

Nachricht tou steirischen und kimtischen Banerspielen • • • • 372 

Abrlfi der Entwicklung des deutechen Weihnachtliedes • 376 

Weihnachtlieder. 

A.I — XVI 399 

B. xvn — xxn 425 

C. XXm — XUI 432 

(Jede der drei Abtheiluagen ist alphabetisch geordnet) 



Znsätze und Berichtigfniigen. 



Seite 23. Vgl. 6. PMIlllps Ueber den Ursprang der Katzenmnslken. Freibarg 
1840. S. 38. C 

— 61, Zeile 8. ▼. a. 1. EritUl. 

— 61, „ 8. 1. Letabandas. 

— 121. Vgl. den Drelkfinlgsaarzag za Fretbarg im Breisgao, der bei PlSi^el 

Geschichte der komischen Literatar 4, 7 geschildert wird. 

— 180, Zeile 23. i. daß dleM Terllebest. 

— 106, ,y 22. I. Alachlm. 

— 203, yy 16. 1. kettn. 

In EdelpGcks Komödie ist aaf den ersten Bogen vereinzelt et fflr al 
gesezt^ namentlich in ain, kain, klain, was zn beOem ist. 

— 285, Zeile 27. 1. das. 

— 206. Anm. 3. Aach in der grafl. Ortenbnrgschen Bibliothek za Tambach in 

Oberfk'anken ist ein handschriftl. deatscher Belial. Naamann Serapeam 
8, 345. 

— 378, Zeile 5. T. a. 1. etlichea. 

— 300, „ I.V. a. sind die Worte „Anm. 1.'' za streichen. 

— 420, „ 22. 1. Oaner. 

— 422, „ 23. 1. Pogaselii. 
<— 424, „ 2. ▼. a. L Znlp. 






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Vorwort, 



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Mit hellen Blicke und sorgsamer Hand haben seit efoer 
Reihe Von Jaren deutsche Forscher, g^eftlrt von den Brfldern 
Grimm, die Schfitse unserer Volksdichtung aufgesicht und 
gesimubelt Das Lied, die Sage, das Mfirchen sind mit vor- 
zQglicher Liebe bedacht und die Wißenschaft vom deutsch- 
eii Volke / durch sie bereichert und geschmttki worden. 
Auch andern verwanten Erzeugiüfsen, wie dem Rätsel, dem 
Spruche, dem Schwanke, ist die Aufmerksamkeit zugefall- 
en,' wfireiitt das vblksthftmliche Schauspiel entweder nur 
flflchti^ gbstreift oder ganz Obersehen wurde. Und doch 
ist in ihm eine reiche Fundgrube aufzudecken, die nach 
mereren Seiten hin zu nutzen wfire, abgesehen von dem 
Werte der Stttcke an sich. 



Ich habe zunächst dramatische Spiele der Weihnacht- 
zeit zu sammeln gesucht, und es wird mir hoffentlich 
gelungen sein, an dem hier gebotenen die Geschichte 
dieser GatCikng zu entwickeln. Der doppelten Quelle 
dieser Spiele, wie unsers Schauspiels überhaupt, war 
nachzugehen: der germanisch - heidnischen und der 
kirchlichen. In kurzen Umrißen suchte ich also die heid- 
nische Feier der Wintersonnenwende in den Resten unsrer 
Volksgehrfluohe zu schildern und ihre Umwandlung iaach- 



IV 

nweLsen; sodann hatte ich von dorn kirchlichen Ritaal 
dieser heiligen Zeit zu reden und die Steig^emng^ der Cer- 
Imanie zum Drama anOznfUren. Hier g^ebe ich zwei alte 
ludi einer Freisinger Handschrift^ deren Vorhandensein 
bißher fast unbekant war. 

Nach dieser Grundlegung habe ic!i versucht, die Ent- 
wickelung unsers Weihnachtspiels von dem Wechselge- 
nange an biß zu dem wirklichen Spiele darzusteUen. Jede 
Stufe wird vertreten sein und sich hierauO ein deutliches 
Bild von dem Gange dieser dramatischen Dichtungen ttber- 
haupt machen laßen. Das geschichtliche Weihnachtspiel 
ligt hier klar zur Einsicht vor ; um es auch als Erzeugnifs 
der Kunstdichtuiig zu kennzeichnen, habe ich Benedict 
Edelpöcks Weihnachtkomödie mitgetheilt. Das parabolische 
Weihnachtdrama ist durch ein Paradeisspiel auß Ober- 
Uteier vertreten, das ftlr die Literaturhistoriker und für die 
Theologen in gleichem Maße anziehend sein wird. Alles 
was ich in diesem Buche gebe, ist ungedrukt; das meiste 
haben Steiermark und Kfirnten beigesteuert, einiges ist 
auß Schlesien. 

Mit dem geistlichen Drama ist da» geistliche Lied 
vielfach verknüpft ; der Sämluug der Spiele ist daher ein 
Strauß Weihnachtlieder beigelegt. Das deutsche religiöse 
Volkslied ist in hohem Grade der Beachtang wert. Es findet 
sich in allen katholischen Gegenden Deutschlands, aber 
man hat es bißher fast Übersehen. Für das Weihnachtlied 
thätig zu sein, rouste außerdem der Wetteifer mit den Eng- 
lindern und Franzosen anspornen, welche ihre Christmas- 
carols und Noels seit dreihundert Jaren sammeln, wSrend 
wir nur vereinzelt diese Blumen auflasen, die unter dem 
Sühne des Winters durch die Warme des Herzeus getrieben 
werden. Zwei und vierzig Lieder gebe ich hier, die mit 
Außuame Qiues js^chlcdischen auß Steiermark und voroem- 
lieh auß Kfirnten sind. Bei dem Reichthum des südöstlich- 
en Deutschlands an diesen Gesäugen wäre es mir leicht ge- 



wesen, die Zal su verdoppeln ; Air meinen Zweck genl^fen 
indefiien die hier vor{[^elegten. Mög^en slck andre Miiioer 
io den llbrig^en deatschen Ländern veranlaßt sehn, mir 
nacliziifol{[^en ; nur in Westfalen schienen biß jezt An|;en 
ftr diese Poesie zu wachen. 

Zur Einleitung^ der Lieder habe ich einen Abriß der 
Eotwickclung des deutscheu Weihnachtliedes zu geben ge- 
sucht. Genauer einzugehn, vermochte ich in meiner gegen- 
wartigen Lage nicht ; außerdem war mein Raum beschrfinkt. 
Die bevorstehende zweite Außgabe der Geschichte des 
deutschen Kirchenliedes von Hoifmann von Fallersleben 
wird warscheinlich hier als Ergänzung dienen können. 

Meine Arbeit würde in manchen Theilen tiefer gehn 
und reicher dastehn, wenn mich nicht der Mangel an Hilfs- 
mitteln nberall gehemt hätte. Nicht alles ließ sich crlang- 
en, was nötig gewesen wäre. So entberte ich u. a. Prätor- 
ins Weihnachtfrazzen^ Chressulder (Drechsler) de Christ- 
iaaorum larvis natalitiis Sancti Christi nomine commend- 
atis. Lips. 1677 und C. F. Pezold de S. Christi larvis et 
munusculis Lips. 1699. Sandys Christmastide gieug mir 
erst zu, als der Druck schon vorgerükt war; indefsen 
hatte ich defselben Verfaßers Christmascarols schon vor- 
her zur Hand, welche filr meinen Zweck zumTheil mer ent- 
hielten als die Christmastide. Zudem von mirS. 18 geschild- 
erten Georgspiel tritt nun ein ganz änliches zweitesMock- 
play (Christmastide 292 — 301). Es ligt auch in Deutsch- 
land noch manches verborgen, was als Ergänzung meines 
Buches erscheinen wird; erst jüngst hatHoflmaun von Fall- 
ersleben einen Wechselgesang zwischen Maria und Joseph 
in einer älteren Handschrift zu Bremen aufgefiinden ; ander- 
es wird namentlich auß süddeutschen Bibliotheken, wenn 
auch nur almählich, zu Tage kommen. 

Wer sich für das innere Leben unsers Volkes im al- 
gemeinen interefsirt, wer im besondern filr die Geschichte 



^ 



' , -i. - 



dem werden diesd Wetlmacht^iole uttd/Liedern^koiiliQKn 
sein. Ich koffe dafliknenanfiihr anklQpfrn.in DeotsioUaiid 
viel ThfUtti ^k öfiftett^.daOfiiie aber weh, in Engltod wd 
Skandinavien, und selbst in Frankreich gastliche Aafaape 
finden werden. Daß sie von den lieblichen deutschen Weih- 
nabhten iUngen und bagen; wird ämeii die Wege bereiten. 



Graz in der Steiermark, Ende Juni 1853. 



Karl l¥elnhold< 



Weilinacliten ! — Wort voll sensüchtiger Anung fttr 
die Kinder^ Wort iroU bunter Erinnerangen ftür die alten! 
Wir trSnmen ans zurflck in die Erlebnifse der Ad- 
ventabende, da wir in dem dunkeln Zinuner saßen, eines 
an das andere gesckmiegt , und von dem flüsterten, was 
das Kristkind bringen möchte und was es wol bringen 
werde. Da gieng von der Gaße her ein flüchtiger Seheifi 
an den Wänden hin. Das Kristkind, dasr Kristkind ! riefen 
wir, und wir lauschten/ ob die Hausthür klingeln werde. 
Und horch ! es schellte, es pochte .an die Stubenthür, sie 
Öffnete sich und Aepfel und NüOe regneten herein. Aber 
sie that sich rasch wider zu und wir klagten , daß der 
alte Josef oder Ruprecht nicht zu uns hereintrete. Ein 
ander Mal hatte er mer Zeit; da stürzte er in das Zim- 
mer, in Pelz gehüllt , das Gesicht vermumt, die mfichtige 
Rute in der Hand , den schweren Sack auf dem Rüöken. 
Er fragte nach Fleiß und Artigkeit und seine Rutenhiebe 
vergalt er durch Gaben auß seiner Bürde. Am liebsten 
aber war uns, wenn das schöne Kristkind mit ihm kam 
oder Gabriel und Petrus. Da sangen sie schöne alte Ge*- 
singe, und die Milde des Kristkindes und des Engels 
fitachen scharf ab gegen die gutmütige aber strenge Art 
des Petrus und die komisch polternde des Josef oder 
Ruprecht. 

So gieng die Adventzeit hin in wonniger dSmmernder 
Aumigj vir wnrdeu firiuter zu Bette geschikt, weil daa 

1 



/ 



Kristkind mit den Eltern zu sprechen hatte, und wir 
zweifelten nicht daran; denn am Morgen waren Goldflim- 
mer auf den Boden verstreut, die hatte das Kristkind 
von seinen Flügeln gestreift. In den Dfimmerongen gieng- 
en wir auch einmal in ein Nachbarhaus, wo ein Krip- 
pel aufgebaut war, zalten unser kleines Eintrittsgeld und 
standen bewundernd vor dem erleuchteten stufenweisen 
Gerüste an der Wand, das die heilige Geschichte der 
Geburt Kristi versinlichte. Es war gar bunt und seltsam ; 
Jerusalem und Bethlehem prmgten mit Moscheen und 
Minarets, im Gefolge der heiligen drei Könige schritten 
neben den Kamelen preußische Soldaten, und neben dem 
Stall plätsdherte als höchster Schmuck des Krippeis ein 
kleiner Springbrunn« Aber das störte uns nicht, ebenso 
wenig wie die Vor&ren im 15. und 16. Jahrhundert sich 
in der Andacht irren ließen, wenn die Anbetmig der heil- 
igen Könige in der Tradht der Zeit gemalt war und die 
Gesichter behauter Menschen auf heiligen ' Leibern sie 
anblikten. 

So schlich der Weihnachti^abend heran. Wir konten 
kaum die Dimmerung erwarten ; endlidi schlug die ersente 
Stunde. Die Reihe der Bescherung kam an uns und auß 
dem Dunkel stürzten wir in das blendend helle Zimmer, 
in dessen Mitte der grüne Kristbaqm stolz sich erhob 
mit den unzfilichen Lichtern, der goldenen Fane und sein- 
em Schmuck an allerlei niedlichen und süßen Dingen. 
Schenkten wir ihm auch zuerst wen^er Augen als den 
Gaben, die jedes für sich abgesondert fand, so kerten 
wir doch zulezt aufmerksam zu ihm zurück, dem gemein- 
samen Gute, und er verbreitete noch so lange weihnacht- 
lichen Nachglanz, biß er dürr vor Alter dem Feuer über- 
geben wurde. 

Noch einmal zoeea wunderbare Gestalten durch die 



HSiwer: die heiligen drei Könige mit den goldenen Kronen 
und den weißen bnntbebänderten Gewändern; dann aber 
war es vorftber. Wir hatten nichts mar zu ersenen und 
hmgsam flößen die Wochen an nns vorbei, Welle auf 
Welle, biß wir im winterlichen Nebel eine Woge fern rol- 
len sahen, die das Weihnachtfest trag. 

du sttßes Fest der Kinder, o du hohes Fest der Elt- 
ern! Freilich bringt es tlber viele schwere Sorgen, und 
wenn die Kinder wüßten, wie die Goldflimmer durch das 
pochende Herz der Mutter geschlagen sind, sie würden im 
jauchzen eüdialten. Aber die Mutterthränen werden durch 
&n Krist getroknet ; wo das Elternherz reich ist an Liebe 
nnd kindlichem Geftl, da wird die Sorge besiegt und die 
Armut flüchtet zu den kalten und leren Selen der reichen, 
die keine Kindheit in der Liebe hatten und über denen keine 
warme Lebenssonne aufgeht, sondern nur die trügerische 
Nebensonne des unterirdischen Goldes. 

Von dieser Weihnachtzeit handelt mein Buch und vor- 
züglich von den Gestalten, welche durch die Dämmerung 
der Adventabende und ZwSlfnächte schleichen. Es sind ver- 
sdiiedenartige Wesen: im Norden des deutschen Vater- 
landes altheidnische Götter, unter ihnen verirrt eine Ge- 
stalt auß der Schar der Kirchenheiligen; im Süden und 
dessen Grenzgegenden die lebendig gewordenen Bilder der 
biblischen Geschichte; mitten unter ihnen tauchen aber 
alte Heiden auf und gemanen an die gestürzte Dynastie, 
deren Reich das Kristkind eroberte und die früher zu 
solcher Zeit die Länder durchzogen. 

Ich habe hier manches zusammengetragen, was bei 
diesen Umzügen der Weihnachtzeit gesungen und gesagt 
wird i es komt auß den Thälem der steirischen und kärnt- 
ischen Alpen , einiges ist auß Schlesien, anderes auß süd- 
deutschen Handschriften und dient zur geschichtlichen Be-i 

1* 



grttndang und ErlSuierang. Dann gibt aber mein Bach 
flberhanpt Zengnißi von der Weibnächtbewegang des Volk- 
es, indem es eine Samlnng volksthflmlicher Weihnaeht- 
gesfinge bietet Dabei wird ein Blick anf das Weihnacht- 
lied tlberhaupt zu werfen sein und auf den Eindruck, welch- 
en die Geschichte der Geburt Kristi auf das deutsche 
Gemfit machte. Wer sich nicht an dem religiösen Inhalte 
dieser Lieder und Spiele, nicht an der frischen und kind- 
lichen Weise, die auß ihnen tönt, erfreuen kann, den wird 
vielleicht das kulturgeschichtliche dabei anziehen. Alzu- 
lange haben sie im Dunkel gestanden und sie sind theil- 
weise schon von der Vernichtung ergriffen , so daß es an 
der Zeit war zu retten was noch zu retten ist. Sie verdien- 
en wenigstens dieselbe Aufmerksamkeit wie manches 
andere Denkmal unserer Geschichte. 



Die Wamemung, daß in den Adventen und den zwölf 
Nächten noch heute Wesen des germanischen Heidenthums 
auftreten, die Beobachtung wie sich an diese Zeit abergläub- 
ische Meinungen knüpfen, die nicht auß kirchlichen Dog- 
men entsprungen sein können, deuten auf die vorkristliche 
Heiligkeit der Wintersonnenwende auch bei den deutsch- 
en Stämmen. Wenn die römischen Feste der Bacchanalien 
Satumalien und Juvenilien der römischen Kirche ein Anlaß 
waren , das Fest der Geburt Kristi Ende Dezember einzu- 
setzen, indem sie flberdieß durch die Ueberliefcrung ge- 
leitet wurde, daß die Geburt in die Wintersonnenwende ge- 
fallen sei ^), so wurde damit eine Zeit gewält, welche 
auch den germanischen Völkern eine altheilige war, denen 
bald darauf der kristliche Glaube zugeftlrt werden solte. 



Gaericke Lelurt^nch der kiisUlcheA kircUiclien Arclitologie. Leipzig 1B47. 
Seite 207« 



So durfte Bich die Verkündigoog der Kircke nach dieser 
Seite Mii nur nmbildend verhalten ; die Zeit als solche galt 
schon fttr besonders anOgezeichnet. 

Der Mitwinter oder die Wende der winterlichen Sonne 
zn sommerlichem Glänze, mit einem dunkeln alten Worte 
der Jul genant, war eine hochheilige Zeit der Germanen. 

■ 

Das war bedingt durch den Ursprung der meisten religiösen 
Anschauungen auß dem Leben der Natur , durch die Ent- 
stehung der meisten und bedeutendsten Gottheiten als ideelle 
Verkörperungen natflrlicher Kräfte. Eine Zeit also, welche 
wie der Mitwinter einerseits den voUen Abschluß des alten, 
andererseits den Aufschluß des neuen Jares in sich hfilt, 
muße die vergöttlichten Naturkräfte in sich sammeln und 
zn ihrem großen Opferfeste werden. Es muften ebensowol 
die gottesdienstlichen Gebräuche des lezten Jaresdrittels 
in ihr verlaufen, als die des ersten mit ihr anheben. Sp 
sehen wir in der That die Gebräuche des Herbstes und 
des Frühlings in der Weihnachtzeit zusammenströmen. 

Bei den deutschen Stämmen tritt Wuotan (Wodan) 
als die Gottheit auf, welche hauptsächlich den Segen des 
Feldes verleiht 9 l^nd der somit die Ernteopfer und die 
FrQlilingsopfer vor allem gehören. Wuotans Gemahlin, die 
mütterliche Erdgöttin, Fricke oder Holda oder Berchta, 
auch Hera und wenigstens in jüngerer Zeit Gode genant 2), 
hat als Genoßin des Gottes an seiner Thätigkeit und seiner 
Ere Theil ; wir sehen sie darum namentlich in den Zwölft- 
en neben Wuotan auftreten. 

Nach der vollen Bestellung des Winterfeldes, wenn in 
den Hof alle Ernte eingebracht war, begann die heilige 



9 J. Grimiii deutsche Mythologie Kap, VH. Ad. Kahn In Hanpts Zeitschrift 
fBr deutsches Alterthum 5^ 472 — 494. 

s) Grimm deutsche Mythologie Kap« Sin. meine deutsche Frauen in dem 
Mlitelalter S. |4. f. (Wien 1861). 



Zeit des Gottes. Da zog er auf seinem weißen Rofse durcli 
das Land^ empfieng Opfer und galb Segen. Die Erinnerung 
an diesen Umzug Wuotans, haben viele deutsche Landschaft- 
en in der Darstellung des Schimmelreiters ^ bewart. In 
Norddeutschland wird derselbe meist dadurch gebildet, daß 
einem Burschen ein Sieb mit langer Stange vor die Brust 
gebunden wird, an der ein Pferdekopf befestigt ist; das 
ganze wird mit weißen Tflchem verhängt. In Schlesien 
wird der Schimmel durch drei oder vier Burschen darge- 
stellt, deren jeder die Arme Aber die Schultern des Vor- 
dermannes legt ; der Kopf ist durch eine Erhöhung ange- 
deutet, durch welche das weiße Tuch emporgehoben wird. 
Der Reiter auf dem Schimmel ist ebenfalls meist verhang- 
en und hat nicht selten einen Topf auf mit glühenden 
Kolen, die auß den Augen und Mundlöchern hervorleuchten. 
In Schwaben, wo der Gebrauch zu Fasnacht statt hat, 
wird das Rofs auß einem Sack gebildet mit einem Kopf 
auß weißen Tfichern ; zwei Burschen nemen ihn auf die 
Schultern, das Linnen verhtOlt sie. Auf dem Sack sizt der 
Reiter. 

Der Schimmelreiter komt nicht allein. Fast überall 
begleitet ihn ein Bär, dargestellt durch einen Burschen, 
welcher in Stroh, vorzüglich in Erbsstroh, gehüllt, den 
gefeßelten Bären an der Stange spielt 2). In Sachsen geht 
der Hafer braut ig am mit, ein ganz in Haferstroh gepak- 

Kahn ia Haupte Zeitechrift f. deotsch. Alterth. 5^ 472. Kuhn und Schwarz 
Borddeotsche Sagen Mfirchen ond OeMuche. Leipzig 1848. S. 360. 402 f. 
E. Sommer Sagen MSrchen und Gebriuche aus Sachsen undThUringett. Halle 1846. 
S. 160. f. E. Meier deutsche Sagen Sitten und GebrSuche aus Schwahen. Stutt- 
gart 1852. 8. 372. 

*) Ueber die Bedeutung dieses BIren kann man zweifelhaft sein. Aller«» 
dings laßt er sich mjrthologisch erklAren; man muß aber auch die allgemeine 
Vorliebe des Alterthums IBr abgerichtete BSren erwigen (W. Wackemagel bei 
Haupt Zeitscfar. 6^ 185) und kann ihn also fir eine rein weltttche Znthat z« 
dem alten Umzüge nemen. 



T 

ter Knedit. Auf der hsel Usedom komt der Kl ap p e rb o ek 
iinxa % das ist ein Bursdie mit einem Pferdekopfe, dessen 
ontore Kinnlade beweglich ist, nnd womit geklappert wird; 
er stAOt die Kinder welche nicht beten können. In der Mark 
dehen aoeh die Feien beiher, jnngeLento mit geschwärzt» 
em Gesidite in Weiberkleidem ; in Schlesien geht eine 
Schar Knechte nebenher, welche vor den Hämmern mit 
großen Peitschen knallen oder platzen, biß sie eine Gabe 
erhaben, daher der Gebranch auch Kochenplatzen heißt. 

In Schlesien nnd Sachsen zieht der Schimmelreitar zur 
Ernte oder Martini herum, in der Zeit der Kirmlsen d. L der 
kirchlich gemachten OpferschmSuse. Der heilige Martin 
selbst ist zum Schutznamen fllr Wuotan gemacht worden, 
wozu das weiße Rofs beider, der Mantel und ihr Heldenthum 
nichsten Anlaß boten 2). In Schlesien sagt man , wenn es 
um Hartini sdineit : der Mfirten komt auf dem Schimmel ge* 
ritten ; es werden zu dem Tage Homer gebacken wie anch 
in Halle und firüher in Hannover, ein Rest uralten Opfer«* 
gebSckes^ das sich auf jenen Bock zu beziehen scheint, 
der im Gefolge des Schimmelreiters auftritt 3). In Schlesien 
aagt man „der Mirten komt, er wird dich stoßen,^^ und 
Mtrten ist ein Beiname des Bockes Überhaupt. Besonders 
widitig ist uns, daß Martin segraspendend an seinem Tage 
erscheint. In Holland und in der Mark beschert er denKind«* 
em gleich dem Kristkinde und die armen sanuneln Almosen 
(Wolf BeitrAge 1, 51. Kuhn mSrk. Sagen 341) 0$ a^ch in 



In £a|^d tritt der Klapptrbock ebenlUls «if M dem hoodeniog oder 
hQhhj horse dance^ welcher ansem ScMmmelreiter entspricht^ Haupt Zeit« 
MMft 5^ 474. 

VgL J. W. Wolf BoitHgt inr dovtsdieii Mytholocie 1^ 38 -*M. Oütiim;^ 
ea 1852. 

Freilich lit der Bock dem Donar und nicht dem Waotan heilig. 

Kühn Borddentache Sagen 8. 401 0Urt an, daO dIaO aoeh in Schleaien 
geschehe ; mir i«t daf ganz onhakaiit» 



9 

Halle wird dettHdlordnkindeni von dem^ebeAMartin^eiih^ 
beschert, Most und Martinshörner (Sommer Sagten 161); 
in Schwaben aber zieht der Pelzmfirte nmher, ein veraram- 
ter Kerl mit geschwärztem Gesicht und einer Kuhschelle. 
Wichtig ist , daß der Pelzmärte auch zu Weihnachten mit 
seinen Gaben undSchlSgen komt (Meier Sagen aus Schwab- 
en 453}. Diese schwäbische ganz unheilige Erscheinung 
und die Feuer , welche am Martinstage in Flamland und 
am Rheine noch jezt angezttndet werden 9; weisen deut« 
hch auf die heidnische Gestalt, welcher der Hellige seinen 
}iamen borgte. Es ist Wuotan, welcher die Opferdchmäuse 
besucht und segenspendend durch seine gläubigen zieht, 
die jezt biß auf die Kinder zusammengeschmolzen sind. 

In einigen Gegenden (Halle, Usedom) Alrt der Schim- 
melreiter den Namen Ruprecht (in England Robin Hood) 
oder wird wenigstens von dem Ruprecht begleitet. Das ist 
jene kinderschreckende und kinderfireuende Gestalt, die 
auch filr sich allein auftritt, in Pelz oder Stroh gehflUt, das 
Gesicht vermumt, die Rute oder Keule in der Hand, den 
Sack mit Gaben auf dem Rttcken. Knecht Ruprecht ist be<- 
kant in der Mark, in Sachsen, Thflringen, Lausitz uid 
dem westlichen Theile von Schlesien ; auch in dem sftdlich- 
en Deutschland ist er stellenweise zu treffen (Schmeller 
baierisches Wörterbuch 1, 195). Kein Knecht ist in dem 
alten Pelzträger verborgen, sondern wie der Name schon 
verkündet^ ein rumglänzender (hruodperaht) Gott, niemand 
anders als Wuotan 2). Darum begleitete ihn auch bei seinen 
Umzflgen die leuchtende Göttin Berchta (Schmeller a* a. 0. 
Grimm Mythologie 482) und wo die Mischung des heidnisch- 
en mit dem kirclilichen naiver gesdiehen ist^ die Jung- 
frau Maria ; grade wie in England zu dem mythischen Robin 

Wolf Beltrige zordcmtsch. Mythol. 1^41—43. 
Vgl. Kulm 1& flanpts Zeltsclurlft 0^ 482 f. 



> 



Hood sicli die Maid Marian gesellt. In Schlesien wird 
Rnpredlts Gebiet durch den alten Joaef beschrSnkt; im 
nordwesdldien und im sttdlichen Deutachland tritt der hett« 
ige Nikolaus an seine Stelle. In Bfeklenhnrg der rauhe 
Klas genant , in der Altmark, in Braunschweig, Haimover, 
West&len, Ostfriesland einfach Klas oder BuUerldas oder 
von seinem Aschensack Aschenklas , tritt er ganz . wie 
Ruprecht auf; in einigen norddeutschen und scbwibischen 
Orten komt er sogar zu Rois, ja auf dem Scliimmel i). In 
der Grafschaft Glaz, in Oesterreich, Steier, Käittten, Baiem, 
der Schweiz und in manchenr schwfibischen Strichen ist er 
aber der Kirchenheilige, der kinderliebende Bischof; er 
tritt im bischöflichen Ornate auf und ein Engel im Kor» 
hemde begleitet ihn ; der andere Begleiter aber, in Oester- 
reich Grampus, inSteier und Kumten Bartel, inBaiem 
Klaubauf genimt, hat das heidnische Wesen bewart. In 
Steiermark komt der Bartel in Pelz gehUllt, Gesicht und 
Hände geschwärzt ; auß dem Munde hängt ihm eine lange 
rote Zunge und am Kopfe hat er Hörner. Er ist mit einer 
Kette an beiden Armen gefeßelt, trägt eine Feuergabel oder 
eine Rute und auf dem Rttcken eine Krechse (Tragkorb), 
in welche er die sclilimmen lünder stekt. In Kärnten ist 
der Bartel gewdnlich in Pelz gekleidet und hat stets eine 
hölzerne Larve vor, auO welcher die rote Zunge hängt. 
Auß dem Namen Strohbartel, der in Oberösterreich bekant 
scheint (Höfer etymolog. Wörterbuch 1, 313) geht hervor, 
daß er auch in Stroh gekleidet wird. Die teufi^äßige Auß- 
stattung des Bartel halte ich filr eine jtingere halbkirchlidie 
Zuthat ; bei seinem Namen ist an Bartholomäus schwerlich 
zu denken. Er und sein Genoße Grampus mit dem dunkeln 



KmIui «nd Scliwin noridentf cl^e Ssfen S. 40^ Meier Ssfen «u Schwall- 
en 465. 



1-0 

Namen ^ sind, woiui nicht Vemmmmungen des Waotaii seihst, 
worauf der filr ihn erscheinende Ruprecht (Hdfer a. a« 0.) 
und der Name Bartel d*i.Berchtolt ftren möchten, doch wen- 
igstens Wesen elhischen Ursprungs, die 2sum Gefolge des 
Gottes gehören (Grimm HjthoL 482 C). Besondws wichtig 
ist, daß in Obersteier mit dem Nikolo die Habergaiß auf- 
tritt Sie wird durch vier Männer gebildet, welche sich an 
einander halten und mit weißen Kotzen bedekt sind. Der 

# 

vorderste hfilt einen hölzernen Gaißkopf empor, dessen 
untere Kinnlade beweglich ' ist und womit er klappert. Die 
Habergaiß stößt die Kinder ^). Hier haben wir den nord« 
deutschen und englischen Klapperbock, der mit dem Schim-» 
melreiter und Ruprecht umherzieht, den Bock der auch den 
Martin begleitet. Der sächsische Haferbräutigam im Gefolge 
des Schimmelreiters mag auch in das Gedächtnils kommen. 

Der Nikolaus zieht auch unter den polnischen Ober» 
schlesiem an seinem Tage (6. Dezember) herum ; ein Engel 
und eine Vermummung in Pelz begleiten ihn. 

Die Umzüge des Schinnnelreiters , des Ruprechts, 
Martins, Nikiaus, der Berchte, sind die Vorspiele der Feier 
der zwölf Nächte. Auf den Mitwinter ftllt eines der drei 
großen Opfer und Gerichte der Germanen, die nach dem 
Jareslauf vertheilt waren, auf Winter Lenz und Hochsom«- 
mer (Jak. Grimm deutsche Rechtsalterthtbner S. 822 f.) 
Nach der Sage hatte Odhin selbst in Schweden drei Opfer 
gestiftet: eins im Spätherbst ftr das glückliche Jar (til Ars, 
wol ein Erntefest), das andere im Mitwinter filr die Frudit« 
barkeit des nächsten Jares (til grödhrar) , das dritte im 

Schmeller balrlsches Wörterbuch 2, 110. Höfer etymol. Wörterb. 1^ 313. 

Von der HabergaiO ersilt man in Steler und Kirnten viel; tle Ut «iii 
Vogel mit drei FflOen^ der sich gewönlich in den Feldern hören Ufit. Wer ihren 
Rnf nachilft, den sacht sie nachts heim. Oft erscheint der Teufel als HabergaiO. 
Bei Schmeller 2, 137 flndet sich Hafergalü Ar Naehteale; andi.dit balilsche 
Schelte Galflbartel^ Schmeller 2, 74, mag enrdhnt werden. 



u 

Sommer ftr den Sieg (YnglingaBaga c. 8). Wir sehen «b«f 
Bach eine Vereinignng dieser Opfer im Blitwinter: dennia 
Norwegen wurde beim Jnlgelag der erste Becher dem Odhia 
getranken um Sieg und Macht, der zweite dem NiArdh imd 
Freyr um Gedeihen des Feldes und um Frieden (Saga Häko-^ 
nar gddha c. 16. 18). Ein dritter Becher, auf den Geltlbde 
abgelegt wurden, galt demBragi (Saemund. Edda 146^ Rask). 
Die ganze Zeit, seit dem die Sonne ihren Wendepunkt 
erreichte, biß zu dem Tage, wo sie wider vorwfirts geht, 
die zwdlf Nfichte oder die Zwölften, Rauhnächte, Lofitage 
genant, war geheiligt; der Gerichtsfriede herschte, alles 
ergab sich der festlichen Freude. Die Gottheit wachte Aber 
der Heilighaltung ihrer Zeit. Daher ist es noch in den meisten 
Gegenden Deutschlands Glaube, daß in den Zwölften keine 
Arbeit vorgenommen werden dflrfe, namentlich sei es nicht 
erlaubt zu spinnen 9* Die Uebertreter trifft die Rache der 
misachteten Götter; besonders die Mfigde, deren Spinn- 
rocken nicht abgesponnen ist, werden von der hausmfltter* 
liehen Göttin Berchte oder Holle gestraft;. Das Haus 
muß auch fein sauber sein zur festlichen Zeit : ist das ober<^ 
steirische Haus amKristabend nicht rein gefegt, so schneid« 
et die Ferchtel den faulen Diernen den Bauch auf und ftdh 
Kericht hinein; darum hat sie Besen Nadel und Schere 
bei sich ^). In Untersteier heißt es, daß auß einem Hause, 
das zu Weihnachten nicht sauber ist, die Kinder verschwind» 
en. Auch theilt bei solchen Leuten die Pudelmutter, 
wie die Ferchtel hier heißt, durch die Fenster Spindeln zum 
Hberspinnen auß ; man kann sie aber nicht sehen. Im Sau- 
saler Gebirge (St^ermark) heißt es, daß die Mutter Gottes 



Kvhn vnd Sehwars Borddentselie Sagen 408 — 412. E« Meier Sagen au 
Schwaben 468. 472. f. 

<) Aenllchee avO Oberbalern bei It. Paaser Beitrag snr denteehen Mjthe- 
logto S. 247. 



1« 

in der Nadbt naclusejhe^ ob alles in der Kflche ordenüicb 
sei; daher wird jeden Abend der Herd aufgeräumt Findet 
sie Unordnung, so weicht sie von dem Hause und Unglück 
komt darüber 9. Die Maria, welche im Liegnitzischen (Schle- 
sien) als Kerweibel vor dem Kristkind herfegt, ist zulezt 
nichts anders als die mfltterliche sorgende Göttin, die 
oberste Verwalterin des Hauses. 

Ist die Ordaung des Hauses fiir die festliche Zeit be- 
siimt, dann darf sie nicht gestört werden. So oft der 
Tisch warend der Zwölften verrfikt wird, so oft donnert es 
im nächsten Jare (Höfer etymolog. Wörterb. 3, 261). Die 
heilige Stille muß gehütet werden : wer durch Lärm, beson- 
ders durch lautes zuschlagen der Thflren die Weihnachten 
entweiht, hat im nächsten Sommer den Blitz zu fOrchten 
(Eisenera in Obersteier). 

Als Zeichen der festlichen Tage loderten die Feuer, 
welche alle hochheiligen Zeiten der Germanen schmflkten : 
Frühling und Mitsommer, hie und da auch den Herbst 
Die Weihnacht- oder Julfcuer sind noch allgemeiu in 
Schweden und theilweise in Norwegen ; daß sie auf Island, 
in den Niederlanden, in Westfalen und im Mosellande einst 
loderten, wißen wir mit Bestimtheit 2). In England wird 
noch heute ein festliches Kaminfeuer in den Weihnachten 
unterhalten. Sobald das Haus mit Immergrün geschmflkt 
ist, wobei die Mistel nicht vergeßen werden darf, Lstt es 
das erste, den Weihnacht- oder Julblock (Christmas block, 
Yule log) anzuzttnden. Es ist ein tttchtiger Holzklotz, ge- 
wönlich die Wurzel eines Baumes, und er muß die heilig- 
en Tage hindurch brennen. Ein Stückchen muß übrig 



Kreistet Omiftert) ein Tisch, so Ist es ein Zelcben, daß die Mutter Got- 
tes darauf heramg;eht. 

J* Otimm deutsche Mjthologle 504. Wolf Beiträge rar deutschen Mytho- 
logie 117. C 



13 

bleiben , mit den der nädiste Jnlblook angertndet wird. 
Zu Shakspeares Zeit lag; der Klotz gewOnlich in der Mitte 
der großen Halle ; die Glieder des Hauses sezten sich der 
Reilie nach auf ihn, sangen ein Jullied und tranken auf 
fröliche Weilmachten und ein glückliches neues Jar 9* 

Her oder minder stehen diese Jarfeuer in Bezug auf 
die Sonne; wie die Fasnacht- und Osterfeuer die wachs- 
ende Kraft derselben feiern , die Johannisfeuer ihre som- 
merliche Wende, se die Weihnachtfeuer die winterliche 
ümker. Die RSder, welche dabei in norddeutschen Gegend- 
en angezündet und die Abhfinge hinuntergerollt werden, 
das Scheibentreiben oder Scheibenschlagen, das in Sftd- 
deutschland allgemein ist, sind symbolische auf die Sonne 
bezfigliche Zeichen. Merkwürdig ist auch die saterlfindische 
Sitte der Wepelrote s). Die Wepelrot ist ein Rad auO Weid- 
enraten, in der Mitte mit breitem Goldblech, von dem 
dichte Weidenstäbe stralenförmig nach dem Rande laufen. 
Die ttber die Felge ragenden Speichen sind mit Aepfehi 
geschmflkt. Die Wepelrot wird zu Neujar in die Häuser 
guter Nachbarn oder geliebter Mädchen geworfen; der 
werfende entflieht. Dieß zuwerfen , das jedenfalls mit 
einem Segen verbunden sein muß , erinnert an das sdd*- 
deutsche Scheibenschlagen , das auch zu Gunsten je- 
mands geschieht ^). Die ursprünglichen Gebräuche, die 
liier zu Grunde liegen, werden wir schwerlich wieder ent- 
decken; möglich daß die Wepelrot in feierlichem Umzüge 
getragen wurde und als heilbringendes Symbol der Sonne ^) 
znlezt besonders angesehenen Männern oder Fraueii Über« 

Sandys Chrlstmas carols. London 18^3. p. U. XCI. 

') Kuhn und Schwarz norddeutsche Sagen S. 406. f. 

Schwäbische Sprüche dieser Art mitgetheilt von E. Meier Sag;en adtf 
Schwaben S. 381. balrische und tiroler bei Panzer Beitrag fear dentsdi. Hytho«* 
tegie 210 — 12. 

Uebcr das Rad ala Sinnbild der Sonne vgl. J. Gtinm Mytilologle Ö86. f. 66I* 



14 

• ' ' 

geben ward. Die gante Soaiienwende des Winters scheint 
nach diesem Rade (altnord. hvel, fries. jol) benant zu sein. 
Auch jenes Rad, das auf einigen Höfen der Eifel in den 
Zwölften die Daner der Halzeit der Hflfner nach seinem 
langsamen verkolen besttmte % mag sich auf die Sonne 
dieser Tage zurackftren. 

Welche Gottheiten sind es aber, denen diese Feier 
Tomemlich gilt? Vor allen Wno tan, wie der erste Becher 
beweist, der ihm beim Jnlgelage geweiht war und wie der 
Umzug in der Vorbereitongszeit verkflndigte. Zu ihm steht 
die Sonne in genauer Beziehung, er waltet als Gott der Luft 
und alles dorchdringenden Kraft ttber dem gedeihen des 
Feldes, er gibt den Sieg und die Macht den reichen. Zog 
er schon seit der Ernte durch dasLand^ so muß er in dies- 
er heiligen Festzeit einen noch feierHeheren Umzug halt- 
en. Vorher dem Menschen mer genähert und ihren Dank 
entgegennemend, zeigt er sich jezt, wo sie zu ihm flehen, 
in größerer Feme und mer in göttlicher Art. In nächtiieher 
Weile jagt der Schimmelreiter oder der &*eithut, wie er 
von seinem breiten Hut im Alterthum und noch heute im 
schwabischen Filsthale heißt (£. Meier Sagen no. 103) 
durch das Land; gewönlich braust sein Gefolge hinter 
ihm her, s Wuotas oder das Wuotesher, mit des Gottes 
Namen heute nach benant (E. Meier Sagen ans Schwaben 
140*141) entstellter das Muotesher (Meier n. 142-158), 
auch bloß das wütende oder wilde Her, die wilde Jagd oder 
wilde Fare, das Nachtgejaid geheißen ; es sind die elbisch«- 
en Geister, welche den großen Gott im Sturmes wehen 
begleiten. Die Zeit des. Umzugs ist vorzugsweise Weih* 
nachten und die Zwölften ^. In diesem nächtlichen Umzüge 



■*• 



^» 6HIIUII detttsche Welstbftnier %, 615. 616. 603. 
*) In Obersteier sagt man^ das wilde Qoad gehe mn rom Krlstaibende MO 
»Pt«lkSnifiabMid| am Kuwmtat, Fflncvtauutng md dem Vond^eiMl des Fron- 



15 

iiafli Wuoim die (^fer eb^egeii^ wdtfhe man Uün brachte* 
Eine ItannAveriache Sage hat davon merkwürdige Erinner'- 
mg behalten ; sie erzält, daß in dem Heihanse in Osten- 
hohs jeden KÜstdieBd eine Knh^ welche seit Martini vorzag- 
hch gedih^ henttiOgelaßen werden mnste, welche der Hell- 
jSger mit sidi nam 9* Verwant wenigstens ist eine schwed- 
iadie Sage. In Grötomsby^ Hfiggenassocken, Jemdand, 
verlor ein gewi&er Fjfiril jede Jnlnacht in einer bestirnten 
Abtheflnng seines Stalles eine Kuh, nnd zur selben Zeit 
kam ihm stets etwas von seinem Tische weg. Da bescliloß 
er eine Jnlnacht zu wachen, und sieh ! spfit am Abend kam 
ein Mann zu Fjäril, der ihn freundlich einlud mit zu gehn. 
Er that es und sie kamen in eine prächtige Stube, wo der 
^Tlsdi gedekt war. Sie sezten sich mit dem Gesinde zur 
Tafel; aber wie sie den Julbrei verzeren weiten, fiel Kuh- 
mist in die Schtlßel. Da sagte der Mann zu Fj&ril: sieh, 
welche Ungelegenheit ich habe. Verseze den Stall wo an- 
ders Iiin, ich will dir helfen. Das geschah und Fjfiril verlor 
seitdem keine Kuh in der Julnacht und sein Vieh gedih 
aoflnemend. (Richard Djbedk Runa 1845. Stockholm S.99.) 
Hier ttimt zwar nicht Odhbi die Kuh zum Ojpler, das aber- 
diefi als Sllnopfer erscheint, aber ein eibischer Untwgott, 
dessen genauere Beziehimg ta dem großen Gotte daUn 
gestelt sein mag 2). Daß sich der Vorfall in der Julnacht 
begibt^ bleibt ftr uns wichtig. 

Von den feierlichen Gebrfitachen zu Eren des Gottes 
hsibea sich noch Reste erhalten. Außer den schon erwähn- 
ten Feuern muß der Kampf zwischen Sommer und Winter 



IciehnaiBstages^ ton dem ATemarialidten bifi um lOtternacIit. Schon die Uogere 
Frist tn Weihnachten heweist, daO hier seine eigentliche Stelle ist. 

Ktthn und Schwarz norddeutsche Sagen S. 276. t 

Sagen ron Unterirdischen , die dorch Stalle über ihren Wonungen ge^ 
itCrt werden, Anden sich auch In Deutschland Afters. 



16 

fiameBÜteli beachtet werden^ der in Oheitätei» ud in einigt- 
en norddentschen Gegenden zu 'Weihnachten, an einzelnen 
Orten Niederschlesiens schon zur Ernte aufgefltrt wird; 
bekantlich ein Wettgesang zwischen dem grünen Sommer , 
der auch durch ein weißes bnntbehändertes Madchen dar- 
gesteh wird, und dem in Pelz oder Stroh gepakten Winter, 
welcher besiegt wird. Bei dem dentbchen Bezüge Wootans 
auf die sommerliche Seite des Naturlebens dOrfen wir in 
dieser halb dramatischen Aufitlnuig einen alten Hymmis auf 
den Gott aanemen. Als Sehmuck zu Eren des FrUhliags- 
gottes haben wir auch die eng^sche Sitte zu deuten, das 
Haus zu Weihnachten mit grfln zu zieren Q ; ja den deut- 
sehen lieben Weihnacht- oder Kristbaum werden wir tiof 
Wuotan zurackfiiren können. Wie es an dem Sompierson- 
tage (LStare) in Schlesien Sitte ist, bunt geschmUkte Tan- 
nenreiser (die Sommer) bei dem festlichen Umzüge zur 
Ere des Frühlings in der Hand zu tragen, wie an einigen 
Orten der Sommer sogar ein Tannenbamn ist, welcher dw 
Schar YorauOgetragen wird, die jezt nur auD Kindern oder 
hdchstens auO Knechten besteht, so wird auch zu Weih»» 
nachten mitten im winterlichen Sehne der grttne Tatmen«- 
battm als Andeutung der wider nahenden Macht des Früh«- 
lingsgottes aufgepflanzt. Die Gaben am Baum, die jezt den 
Kindern gelten, galten ursprAnglich dem Gott; Aepfel und 
Nttße mögen der uralt heidnische Schmuck des Weihnacht- 
baumes sein : es sind Fruchtopfer, zugleich die symbolisch- 
en Zeichen der zeugenden KraSt. Die VergoUnng ist 
ebenfalls heidnische Opferzier 2). 

SAndjTfl diristiaa« caroU L. XCL C. tt. 

>) Zu erwähnen ist, daß der KrUtbaum in 6riz als eine protestantische 
Sitte betrachtet wird; er wnrde hier vor etwa vierzig Jaren dnrch ein par pro- 
testantische Familien eingefOrt^ Ist aber Jezt allgemein. Den kleineren Orten bi 
'SItieir tind Kfimten ist er fremd. In Gffrz ist er deutsches Keutseichen. In KrakA« 
haben Um schon viele Polen augenommeB. 



i7 

An die scUestechenSoimnerkinder 9 erinnert ein std- 
Gebraadi vom Steplumstag (26. Pesember). Die 
jungten Leute des Dorfes ziehen von Hans zu Hans mit einem 
Stechpalmbosch , der mit Bändern nnd Zaankflnigeu ge- 
schmAkt iet; sie nennen sich die ZaankSnigbnben (wren* 
boys). Die Lieder, die sie jezt dabei singen, sind freilich 
nichts anders als Bettellieder. Die erste Strophe lantet: 

Zrankdnig, ZannkSnig, der Forste der Vögel 

Hat sich in der Ileide zn Stephan gefangen. 

Der winzige Kerl hat viel Kinder im Haus, 

Wir bitten, lieb Frau, gebt uns was zum Schmaus ^). 

Erscheint bei dem Kampf zwischen Sommer nnd Wint- 
er und in dem Sommerumgange der Gott selbst nicht, so 
flirten ihn doch andere Darstellungen mit auf, wovon wir in 
Eiland die treueste Erinnerung finden. In der Grafschaft 
York, in Northumberland und einigen anderen Gegenden 
des Königreichs wird im Herbste und zu Weihnachten ^ 
der Schwert- oder Riesentanz aufgeßlrt. Der vomemste 
Riese, der hierbei auftritt, heißt noch jezt Woden, seine 
Frau hat biß heute den Namen Frigga gerettet ; vermumt 
treten sie mit ihren Begleitern den Tanz, wobei um den 
Hals eines Knaben Schwerter geschwimgen werden. Wir 
mtLOen nach der Bedeutung dieses Gebrauches fragen und 
auf welche That des Gottes er sich beziehe ; denn das wird 
Ton allen goitesdienstlichen Gebräuchen unseres Heiden- 
thums, wie znlezt jeder Religion gelten, daß sie eine auß- 

VgL^bueediehtK.Y.Holtel« „dieSoninerUndeF worin 3 Strophen, welche 
bd den DnigMife genügen werden, eingeflochten sind, In seinen scUeslschen 
ttcdichtea (2. Anfl. Breslan 1850) S. 2—4. Brendel iOfinge der Helmath 9 — 14. 

Sandjs ChrUtmas carols LXV. Anch In der Normandie hat der ZannkSni^ 
%m WeUniaditen besondere Bedentnng ; komt er zn den DrelkAnlgstagsfenem, so 
kftndet er Friede nnd hlnsttchee Olftok an. Bosqnet la Normandie romanesqao 
et »erreillenie. Paris. Ronen 1845. 8. 220. 221. üeher die deutsch -mythische 
BcAnlaag des Zannkdnlgs 8. firlaun Mythol. 647. 

>) GrlnBi Mythologlo 280. Sandys Christmas carols CXm. 

z 



18 

geseidmete Handlung der Gottheit draniatifich lebendig dem 
Volke vergegenwärtigen weiten^ ebenso wie in den Lob- 
liedern die ErzSlang einer herrlichen That den Hanptin* 
halt bildete. Ich glaube, daß mit diesem Riesentanze ein 
anderer englischer Wei^aohtgebrauch in Verbindung zu 
aetzen ist, das Spiel von dem DrachentSter oder dem heil. 
Georg % das noch in mfinnichfacher Art vor sich geht und 
bei dem die Theilnemer mit hölzernen Schwertern bewaffnet 
sind. Entweder wird bloß die Ballade von dem Drachen- 
kampfe gesungen, oder eine volle dramatische Szene auf- 
geftirt 2). Freilich ist der kirchliche Heilige zunächst darin 
zu finden; allein, so weit er hier in Betracht komt, ist er 
nur die Verhüllung eines altheidnischen Wesens, Snlich 
wie Martin und Nikolaus. Der Kampf gegen den Drachen 
ist eine That, den fast alle Völker kennen; auch die Germ- 
anen scheinen einen solchen Mythus von Wuotan beseßen 
zu haben. Die Schlange ist das Sinnbild des Waßers ^ des 



Adfllb. Kahn hat diese 6eMI«che aaO denselboi Oealchttpmikten bc* 
fprochen bei Haupt Zeitschrift f. deutsch. Alterth. 5^484 ff. 

Sandfs in den Christmas Carols 174 — 178 theilt ein solches Christmas 
fUf of Saint Oeorge anO Komwall mit (abgedrokt bei Marriott collectlon of 
•ngUsh miracleplajs XXXV— XXXVm). Zuerst trttt der tflrUsohe Ritter auf, 
dann Vater Christmas^ dann der Kfinlg von Egypten^ Ueranf S. Georg, der ein- 
zige Erbe des KSnlgs von Egypten. Als er sich Yornimmt den Drachen töten sn 
wollen, komt dieser und der Kampf beginnt , In dem der Draehe fiUt. Da mit 
Vater Christmas den Doctor, daß er die tiefe Wunde des Drachen heile; der 
Quackialber gibt dem Thiere^ das er gemfttUch Jack anredet, ein w^nig FUx Flop 
n trinken und der Drache steht snm neuen Kampfe auf, um wieder erschlagen 
zu werden. Nun pralt S. Georg mit seiner That und wie er damit schön Sabra, 
des Königs von Egypten Tochter, erworben. ,,Wer ist's der mir zu trotzen wagt? 
seine Eingeweide werde ich ihm durchlöchern und seine Knöpfe ihm ]platzen 
machen.^^ Da stelt sich der türkische Ritter und wird flberwunden^ Tont Doctor 
gleich dem Drachen behandelt. Nun erscheint der Riese Tnrpin, Yor dent alle 
Linder zittern^ mit dem seit lange keiner fechten wolte. Aber St. Georg wagt 
es mit ihm und es geht ihm wie dem Drachen und dem Tirken. Der Doctor 
macht auch an ihm seine Könste. Vater Christmas schlieOt^ indem er mit dem 
Hute Gaben sammelt. — Aach bei dsm Sohwertertanze In Yoriuhire tritt eia 
Doctor aut Sandys CXIV. 



16 

fevcliteii und nebligen Winters ; mit ihr kSmpft der Gott, 
sein Sieg ist der Sieg der Sonne Aber den WinterhimmeL 
So ist der englische Draebenkampf nichts anderes als uns- 
ere Wettgesfinge von Sommer und Winter, die hier und da 
von Wort zur That lAergehn und ein Wettschlagen werden. 
Der Kiesen- oder Schwerttanz ist die Altere Darstellung des 
Mythus. Frigga trat dabei gewiss nicht mflOig auf, sondern 
mochte in die darzustellende Begebenheit tief verflochten 
sein ; warseheinlich befreite sie Wodan auO der Gewalt der 
Riesen und Drachen , wie S. Georg schdn Sabra erkämpft. 
Der Knabe , um dessen Hals die Schwerter geschwungen 
werden^ stelte vielleicht die Schlange dar, wie auf alten 
Bfldeni und in dem steirischen Paradeisspiele, das ich unten 
mittheilen werde, die Schlange durch ein Mfidchen ge- 
geben wird* 

Neb^ dem Gotte war seine göttliche Gemahlin in den 
Zwölften besonders gefeiert. Der englische Schwert- oder 
Riesentanz fhrt sie noch heute mit sich und im Norden wie 
im Stlden unsers Vaterlandes ist der Glaube lebendig, daß 
Frick oder Gode oder Herke, Holle oder Perchtel, 
wie sie nach der Landschaft grade heißt, ihren Umzug in 
den Zwölften halte. In Norddeutschland erzält man, daß 
Frick (Gode, Herke) an der Spitze des wilden Heres gleich 
Wodan einherziehe ; in thüringischer Landschaft weiß man, 
wie Perchte mit den Heimchen durch das Land fart; überall 
aber, nördlich wie südlich, mustert die Göttin zu dieser Zeit 
die Häuser Q und vor allem die Spinnstuben, denn der Flachs 
steht unter ihrer besonderer Pflege und die Kunkel, des 
Weibes Zeichen, ist ihr h*eilig 2). Es ist zu beachten, wie 
Perchte im südlichen Deutschland in doppelter Gestalt, 

VgL das oben mltgethellte. 

s> üeber die Odtttiineii der ZwSmeii t^. Grimm Mjthol. 246 IT. 250 — 260. 
Ulm Uli Schwam norddentgeke Sagen 412—418. 



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freundlich und mild, and fitrchtbar und Bchenalicliy eracheint. 
Sie beschert den Kindern in Schwaben am Klansenabend ein 
(Panzer S.248)9 in Obersteier am Thomasabend, nordöstlich 
von Graz und in Untersteier als Pndelmatter am Kristabend. 
Im Salzbnrgischen geht die Perehtel ,,schien^^ hemm, trigt 
ein blanes Kleid mit einem Schellenkranze, tanzt und sing;t 
Gegen diese freundliche Erscheinung sticht die oberkfirnt- 
ische ser ab. Im Möllthal zieht die (verkleidete) Perehtel 
am Vorabend des Perchtratages (6. Januar) und am Nach- 
mittage desselben nach dem Segen in den Hfiusem herum. 
Sie hat gewönlich einen Pelz um, eine fürchterliche hdlzerne 
Larve vorgebunden^ und trägt eine Kuhglocke oder große 
Schelle an dem Rücken. Mit wilden mutwilligen Geberden 
hüpft sie im Hause herum, verfolgt die Leute ^ fragt nach 
dem Fleiß und der Artigkeit der Kinder und sammelt 
Gaben ein. Ihr Spruch dabei, den sie wild heranß stößt^ 
lautet: 

Kinder oder Speck, 
Derweil geh ich nit weg. 

Zuweilen treten zweiBerchteln auf, nie aber mer ; dies* 
er Umgang heißt das Berchteljagen. 

Diese Perehtel ist nur die Nachbildung der „wilden 
PerchteP', die an ihrem Tage zuweilen selbst in die Häuser 
dringen soll. Beim Schwager in der Innerfragant (Seitenthal 
des Möllthals, zur Pfarre Flattach gehörig) machten die Kind- 
er einmal am Vormittag des Dreikönigtags gewaltigen Lfirm. 
Da ist die wilde Perehtel gekommen als grausliches Weib 
mit einem Tigermantel und one Kopf ^). Hätten die Kinder 
nicht rasch ein andächtiges Gebet gesprochen^ so hätte sie 
die Perehtel mitgenommen. 

Beim Sagler in der Innerfragant war am DreikOnigstag 

DervrUde Jiger oder ScUttmolreiter enehelnt ser oft kopflos. Aach weiOe 
ftanen lelgen sich one Kopf^ T|t Meier Sagea au Scliwa]beji m 18i 84% 



eine Spielgesellseliaft beisammeiu Da ist die Perchtel als 
grauer Wnzel voll Schellen g^ekommen. Das Weilibniim-« 
sprengen hat sie vertrieben, aber sie ließ einen grauslichen 
Gestank zmUck. 

Ein ander Mal kernt sie als Lftbdrfister (kegelftfmiiger 
Hanfe von Laubfisten, die anf dem Felde aufgeschichtet 
werden). Ihre Angen sind groß wie ^Glasscheiben. Um sie 
von Hans nnd Hof abzuhalten ^ wird alles mit geweihten 
Sachen eingerfiuchert und mit dem Kreuz bezeichnet. Beim 
Kometer in Fragant hat man einmal zu räuchern vergeßen. 
Da kam die Perchtel des Nachts und hat einen Menschen 
aoß dem Hause geholt. Des Morgens brachte sie ihn tot 
wider; zwischen seinen Zehen und Fingern fand manBlumen, 
die kein Mensch kante. Da ist er wol in fremden weiten 
Lindem mit der Perchtel gewesen. 

Einmal sehen wir hier die Perchtel hexenmäßig auf- 
treten, wie sie in der That die Ffirerin der Wesen ist, die 
in späterer Zeit die Grundlage der Hexen abgaben ; das 
andere Mal erscheint sie in diesen Sagen als Rächerin der 
StSmng des fesdichen Friedens durch Lärm oder unheil- 
iges Spiel, also in ganz göttlicher Weise, wie sie schon oben 
geschildert wurde. Dieses Rächeramt und der kirchliche 
Einfluß haben hier das freundliche Antlitz der mütterlichen 
Gottin in ein finsteres wflstes verstellt. Sie ist zur Kinder- 
scheuche geworden, wird wild oder eisern genant (Grimm 
Mythol. 255) und in manch unheimlicher Gestalt gedacht. 
Ganz so ist auch die Hildeberte oder die Brechthöldere 
schwäbischer 9 ^d fränkischer, die Spillahole (Holle) 
sehlesischer Gegenden. 

Zu beachten ist die Schelle, welche die kärntische und 
salzbnrgische Perchtel trägt. Ich würde , zomal ein ganzer 
Schellenkranz erscheint, nicht zögern hierin einen Rest 

arlBuft Hythol. 255. 257. Meier Sagen ans Schwallen n« 49. 



1- 1 ' 4 

•Iterthttmlicher Tracbt zi» sehen, iU es vom 12.U0 15. Jur- 
hundert hSnfig war, die Kleider nit Schellea za besetzen. 
Allein die Schellep zeigen sich aach an andern mytiiisclien 
Persönlichkeiten : an dem elsfißischen Hanstrapp, an dem 
aehwfiblflchen Pelzmirte, an demPfingstillnuiiel imSchwarz- 
wald (Meier Sagen aus Sehwaben S. 403), an dem Schellen^ 
morizy welcher in einem sächsischen Pfingstgebrauche der 
verkappte Winter ist % an dem thttringischen Maikönig 
und dem mflrkischen Kaudernest (Kuhn und Schwarz nord^ 
deutsche Sagen S. 384. 385). Sodann bilden sie einen wes- 
entlichen Theil der Auflrtlstung beim perchtenlmfen oder 
pCTchtenspringen. Diese Sitte ist Hber die ganzen deutschen 
Alpen verbreitet; in den Rauhnflchten ziehen die Burschen 
der Alpendörfbr, ihrer oft gegen dreihundert, mit Kuh- 
glockenschall und Peitschenlfirm in seltsamer Vermummung 
von Haus zu Haus, vonDorf zu Dorf mit hüpfen und springen 
(Grimm MythoL 256) ^\ In schwabischen Orten komt der 
Gebrauch auch zu Weihnachten vor , one den Namen des 
perchtenspringens. So viel sie Kuhschellen bekommen kön- 
nen, reihen die Knaben auf eine Schnur und hengen sie Aber 
die Brust. Also ISrmend, mit Stöben in der Hand, springen 
sie den ganzen Tag im Dorfe herum (Meier Sagen aus 
Schwaben S. 464). In Neubulach zieht der Klas unter ihnen 
mit und theilt Aepfel und NttOe auß. Die Erklirung, das 
löutenmit Kuhschellen geschehe zum Andenken an die Krippe 
Kristt, ist natürlich ein Versuch, die heidnische Sitte dem 
Kristenthum zu assimiliren. Was die germanisch-heidnische 
Bedeutung dieser Schelle ist, weiß ich freilich nicht zu sagen ; 
so viel ist sicher, daß wir in diesem berchtelspringen den 

E* Sommer Sagen Mirehen und GebrfiQChe ans Saehfen mid ThAriogen 
74. 154. 160. -* Aaeh die elsCfllschen Krlstkindspleler Area eine Schelle in der 
Hand^ Stöber AlsaUa 1851. S. 104. 

In Obersteier gehen die Reifspringer zn Welhnaebten hemm, lange 
Bnnchen In festlicher Landestradit, welche durch Reifen springen. 



u 

Rest ein«8 derBtrdite heiligen Taues haben. DaO deiMlbe 
nicht 0till Ter cddi gieng, daß ndt dra geringen MusAk-« 
instmaieBten, zn weiehen die Schelle gehören mochte, da- 
bei gelännt wnrde, ISflt sich leicht scUieOen 9* 

Das berchtenspring«! in den Alpen wird von ver* 
momtea Burschen anOgeftrt; die Feien im Gefolge des 
Schiramelreiters sind gesohwflrzt, die kfimtische Perchtl, 
der kärntisch-steierische Bartel fragen Larvep 2^, bei dem 
englisohen Riesentanz sind die Theilnemer verkleidet; diese 
fennnmmnngen scheinen ein algemeiner Gebrauch der Weih- 
naehteeit gewesen za sein. Aber wir finden sie nicht bloß 
inDentschknd, sondern die Kirche eifert allenhalben gegen 
sie 9 dem Vorgange Aiq;nstins folgend , welcher in seinem 
129. Sermon gegen die Vermnaunongen in Thiergestalt nnd 
die VeihOllung von Minnern in Weiberkleider sprach. Auch 
der heilige Eligins (f 659) erhob sich gegen die schänd- 
lichen und Ificherlidien Nenjarslarven in Kalbs- und Hirsch- 
gestali Darum sah sich auch, das trullanische Konzil von 692 
genötigt, in seinem 62. Kanon gegen die Maskeraden und 
den Kleidertausch der Geschlechter an' den Bmmalien, den 
Januarkaienden und am ersten Merz einzuschreiten. Haupt- 
sichlich enthalten gallikanische Beichtbücher BuOsfitze ftlr 
die Hirsch- und Kalbslarven, und Aber den Rhein her mdgen 
diese Vermummungen nach Deutschland s), über den Kanal 
nach England gekommen sein. In England waren die Kalbs- 
larven biß in neuerer Zeit beliebt, wie überhaupt die Neu- 



Die Sfthelie der Narren, die avßerdem mit HaBenkamoi Eseloven und 
Fncbsschwanz aoßgestattet waren, steht warschelnlich nü dieser Schelle der 
Voflugebrftvche In Verblndang. 

s) Auch bei andern dieaer mythischen Darsteünngen werden Larven ge- 
tragen , vgL den Plingstiammel In Schwaben, wekher eine Larre ven Banm- 
rinde hat (Meier Sagen aas Schwaben S. 408). 

Ee scheint mir ler kta, daa J. W. Weif anß diesen Hirsehlarven avf 
den ftodienst SchlAOe macht Tgl. seine BeiMge 1, 105« 



I 

jarsmaskeraden^ welche unter Heiiiiich VIQ. unter EUeabeth 
und Jakob dem ersten auch am Hofe in voller Blflte stunden 
(Sandys a. a. 0. XXXIV. LXXX). Von diesen Venmumnnngen 
haben wir die deutsehen zu sondern. 

Wuotan (Ruprecht) und Berchta sind die Hauptgötter 
derWeihnaditzeit gewesen, aber nicht die einzigen, welche 
dem Volke dann nfiher als sonst traten. Noch heute ist allge- 
meiner Glaube, daß in den Adventen vomemlich die Geister 
umgehen ; dann ist auch die rechte Zeit der Irrlichter und 
Fenermänner. Ueberraschen darf es daher nidit, daß auch 
die Hexen in den Adventen tanzen sollen (Meier Sagen aus 
Schwaben 15, 4) und daß sie in der Kristnacht ihren großen 
Umzug halten (ebd. 195, 10); sie gohdren zum Gefolge 
Wuotans und seiner Gemahlin 9« Wichtig fst, daß schwäb- 
ische Sago drei weiße Frauen zu Weihnachten auftreten 
l8ßt (Meier a. a. 0. 46. 81), in denen vielleicht sich Erinner- 
ung an die Nornen kund gibt ^ ; auch zwei weiße Frf nlein 
zeigen sich in den Adventen (Meier a. a. 0. 17. 83). Die 
alte Götterwelt bricht auß ihrem Verstecke herauß, und mit 
den Göttern laufen ihre heiligen Thiere, so die weiße Gans 
(Meier a. a. 0. 255, 2), das weiße Schwein (ebd. 255). . 

Es wurde schon der Julgelage gedacht, der Opfer- 
schmause zu Eren Odhins und anderer hohen Götter. Nach- 
dem das Heidenthum gebrochen war, dauerten sie, wie so 
vieles darauß, fort, und sie haben sich biß zum heutigen 
Tage in Skandinavien und England erhalten 9. Die Erinner- 



▼S^« J* OHmin Ifjthologie Kap. 34^ meine dentfehea Ftmwb 8. 69—78. 

Was neaerilch Ernst Meier In seinen scliwlbis^hen Sagen, Fr. Panzer In 
den baiiischea von diesen drei Franen gesammelt hat , macht dieß ser war- 
scheinlleh. 

1) ueher die engUsehe WeihnachtgastUchkelt vgl. Sandys XLVI— CVn. — 
Anch In Polen herscht zo Weihnachten besondere Gastlichheit. AnO oft weiter 
Feme kommen die Glieder einer Familie anf den Krlatabead tn dem fitesten 
xosammenj nm ein firobci fielage »i halten. 



%9 

img «i die 0[rf'er8clnBiiu9e9 bei denen natOrlicIi beetinuKie 
Speisen gefordert waren, hat rtoh anch in DentsoUand 
daroll die Gerichte hewart, welche auf den Kristabend, Syly-> 
eaterabend oder DreikOnigsabend'nacfa alter Sitte bereitet 
werden, oft mit dem Gkaben, daß die Uebertreter der Sitte 
gestraft würden. Wer im salfeldischen (Thilringen) nicht 
Knödel und Hftring am Sylvester gegeOen hat, zu ddtai kernt 
Berchta, schneidet ihm den Bauch auf, AlIltHlckerling hinein 
imd näht ihn mit Pflugschar und Eisenkette wider zu. Gleich« 
es thvt im Volgdande die Werre dem, welcher am DreikSn- 
igstage nicht Polse, einen dicken Melbrei, gegeOen hat 
(Grimm Mythologie 251). Im wittenbergischen wird zu 
Weihnachten und Silrester Hiringsalat gegeßen j wer dieß 
Aut, wird das nfichste Jar immer Geld haben. Dafselbe ver- 
heißt man in Schwaben dem, welcher zuNeujar gelbe Rttben 
ißt. In Steiermark ißt man Karpfen und einen Mon- und 
Honigstrudel, in Mären Monknödel, in Schlesien und der 
Lausitz Monkl0ße und Karpfen, oder in Schlesien geräuch- 
ertes Schweinefleisch mit Backobst (schlesisches Himmel- 
reich). In der Altmark muß zu Neujar Häring oder Hirse 
gegeßen werden, in der Uckermark wärend der Zwölften 
grOner Kol mit Schweinskopf und Lungenwurst. Der Eber- 
kopf bildet in England das feierliche Hauptgericht* der 
Weihnachten (Sandys LIX. fll) ; auch in Skandinavien war 
bei den Jnlschmäusen der Eber das Hauptopfer (Mythol. 45). 
Es sind dieß alles wie erwähnt Opfergerichte, ein Theil da- 
von muste also der Gottheit zukommen. Und noch heute ist 
es im Möllthal in Oberkärnten Sitte, in der DreikOnigsnacht 
Brot und gefldlte Nudeln ftür die Perchtel auf den Kttchen- 
tisch zu stellen, damit sie davon abbeiße und koste. Thut 
sie das, so wird ein gutes Jar. Auch in Steiermark war dieß 
wenigstens früher der Brauch (Schmeller baier. W. 1 , 1 95), in 
Sddesien ist das Opfer auf die Engel Übertragen. Man läßt 



V 



di» Kriflfiiaölit den Tiscb ^edekt, doüt die Engel kenmeii 
und davon tspeisen. Iq Oberateier (Eieenerz) iHrd den Diemen 
am Berchtenabend die Berchtenmilch gegeben. Die SchflOel 
nit daran gelegton Leffeln wird stehen gelaOen; deren 
Löffel benmteifiel, die maß im angelienden Jare sterben. 

Auch besondere BSclLoreien sind zn Weihnachten ge-« 
briuchlichy die sich ebenfidls auf Opferdienst znrackfbren. 
Wir wiOen, daß Bilder von den germanischen Göttern und 
den geheiligten Tiiieren in Teig geformt und von den Frauen 
in den Tempeln gebacken wurden 9« Noch in neuerer Zeit 
wurde in Schweden denWeihnachtbfidcereien die Gestalt des 
Julebers gegeben. Derartiges Gebfick in Thier- und Alensoh« 
enform findet sich auch in den meisten deutschen Lindem ; 
80 werden in Schlesien Mfinner und Schweine, in Steiermark 
Minner und Hirsche , freilich nicht bloß zu Weihnachten 
sondern das ganze Jahr lang, auß Semmelteig gebacken. 
In Sdhwaben hat man zu Nikolai ,,Hanselmanner^^ von Teig, 
zu Weihnachten ,,Springerln^^, ein Backwerk mit darauf ge- 
preßten MLensdien, Thieren, Blumen u. dgL (Meier Sagen 
aus Schwaben S. 462. 465); ia mirkischer Gegend finden 
sich zu Neujar die Pdreken, Kuchen in Pferde« und anderer 
Thiergestalt ; in Ostfiriesland die Nfljarskaukjes , dttnne 
Kuchen mit daraufgednickten Pferden u. dgl. (Kuhn und 
Sdiwarz norddeutsche Sagen 406). Man hat aber gediegen- 
ere Bickereien als diese Menschen* und Thiergestalten. Im 
mittleren und nördlichen Deutschland herschen die Striezel^ 
Kriststollen 9 Kristwecken zu Weihnachten; im südlichen 
Deutschland ein Gebick auß gedörten gespaltenen Birnen 
oder auß Birnenmus, Kosinen, Feigen, Honig u. dgl«: im 
sdiwibischen Gebiete Huzelbrot, im bairisch*österreich- 
ischen Klozen- oder Kldzenbrot geheißen 2). Das Kldzen- 

Grimm Mythologie 45. 56. 

<) Die gedOrten BiraenspalteD heiOea im sohwfiblf ehern Haid, im hatriseli-iisteir. 
KlOxen« SchmeUer4j67fOii:t unter dem Namen Hanfwolf elnWeihnnehtgtUckanf. 



w 

brot wird vm Nddawi <6. Desbr.) Ua tum DrelkOnisätag 
gegeOeik lo OberkBrnten wird dem Gesindo am Krifltabend 
ein Hai gegeben ^ bei dem Klözenbrot nicht fele^ darf 
bPangau (Baiem) beacbenken die Mfidohen ihre Liebhaber 
m der Rnmpelnacht (Kriatnacht) mit einem Klezenschenea 
(Schmelier 2,366)« In Steiermark werden nebmi dem KIöz-* 
enbrot au Weihnachten noch die Putizen gebacken, ein 
fitrudelartigea Gebäck mit Nuß oder Mon geftdlt Sie ge-< 
hfiren den Slovmen (Hftfer etymolog. Wörterb. 2, 349). 

Der Beweis wie anOgezeichnet nnsre heidntache Zeit 
deaA&twinter hielt, hat sich auß allem angefUrten ergeben« 
So Ifißt ßieh noch weiter schließen, daß dieser Zeit be^^ 
sondere Kraft zngeschrieben ward und daß man vorzOg- 
liehe seltene Gaben in ihr zu finden meinte. 

Unser Alterthum wüste von der Sprachföhigkeit der 
Thiere mancherlei zu erzfilen. Dieser Glaube wurde durch 
die Einflirung des Kristentiiums nicht verniditet aber be« 
schränkt, und zwar auf die heilige Nacht, in der Kristus im 
« Viehstall geboren war. Ueberall in Deutschland sagt man 
daher, daß in der Kristnacht die Thiere (nicht bloß Pferde 
und Rindvieh) miteinander reden; auch unter den roman- 
ischen Völkern % ja sogar unter den nordamerikanischen 
Indianern ist dieser Glaube verbreitet ^). Bemerkenswert 
ist die obersteirische Meinung, daß auch die Geister wärend 
dieser Nacht mit den Thieren sprechen, unter der Mette 
sogar der Teufel. Die Geister haben in dieser Nacht Aber-* 
haupt besondere Gewalt 3). Die ganzen zwölf Nachte werd- 
en fhr die Thierwelt als bedeutend angesehn und manchec 
Aberglaube über die Hausthiere knüpft sich an sie ^). Das- 

Am^Ile Bosqnet la Nonnandle romanesqne et merveUleiise 221. 
Suidys Cliriftmaf c«rolf LV» 
£• Meier Sagen ans Schwaben S. 463. 

VgL Knbn nnd Soltwarz nerddentsche Sagen 404 — 412. Panzer Beitrag 
nr dentschen Mytbologie 264. E. Meier Sagen ans Schwaben 463. 466, 



Mibe gilt ftr die PflaiizeBwelt; anß den vielen hergehSr« 
igen Meinungen ^ bebe ich nur den ficblesichen Branch 
hervor, die Fischgräten von dem Weihnachtmal an die 
BSiraie zn schütten , damit sie das nfichste Jar reichlich 
tragen. Es scheint der Rest eines Opfers, gebracht der 
Gottheit welche Aber den Banmsegen waltete. 

Mit diesen Anzeichen Über Tliiere nnd Pflanzen stehen 
die Wetterbeobaehtongen in Verbindung ^ die man in den 
Zwölften macht und auß denen man die Witterung des neuen 
Jares deutete Daß sich der Mensch selbst nicht vergaß, 
versteht sich von dem selbstsüchtigen Gesclilechte ose 
weiteres. Mancherlei Gebräuche haben sich biß heute er- 
halten, durch welche man Glück oder Unglück, Tod oder 
Leben, Heirat und das blühende Geld zu erkennen glaubt. 
Die Schätze der Erde sind in dieser Zeit zugänglich oder 
erlOabar ; die Felsen und Berge thun sich auf, in welchen 
sie ruhen, und die blaue Blume blüht, welche das Gold der 
Tiefe verrät. Zu beachten ist dabei , daß Angaben dieser 
Art über denselben Ort liier von der Weilmacht, dort von 
der Johannisnacht gemacht werden (z. B. in Schlesien). Ich 
will nur ein par bißher unbekante Gebräuche anftlren. ha 
Ensthale in Obersteier versuchen es die Leute, welche reich 
werden wollen, auf diese Weise. Sie ftbren am Kristabende, 
oder auch an einem andern heiligen Vorabende, eine Bare 
dreimal um die Kirche. Es muß binnen einer halben Stunde 
vollbracht sein, ist aber gar nicht leicht ; denn die armen 
Selen setzen sich auf die Bare, daß sie ganz schwarz ist ; 
darum muß einer mitgehn, welcher die Selen herunter- 
wischt. Kommen sie mit dem bartragen zu stände, so er-» 
hält jeder einen Haufen Geld ; werden sie aber nicht fertig, 
80 ist es um sie geschehn. — In Eisenerz (Obersteier) wird 

VgL Kuhn und Schwan 404 A SDnnier Sagen ans SaehMii «na Thflr- 
ingen 162. 182. Panier 262. Meier 4Ö1. 



29 

von dem totenbarzieheii also erzflli Man muß die leeie 
Leiche auO dem Grabe sdiarren und auf einer Bare in der 
Nacht ziriflchen elf und zw dlf dreimal um eine Kirche ziehn, 
welche drei Thore und einen Freidhuf hat Einer muß adeh- 
en, der undere mit einer weiOelsenen ^) Rute, die drei 
Knospen hat^ fortwSrend einhauen; denn das ziehen iat 
schwer, weil sich die Teufel auf die Bare setzen. Darum 
sind wenige mit dem totenbarziehea glflcklieh geworden, 
sondern haben den grauslichen Tod durch die Teufel ge- 
fimden, die sie zerrißen, weil sie um zwölf noch nicht 
ferfig waren. Nur einer ist einmal rasch ttber die Freidhof- 
Bauer gesprungen, und der Teufel konte ihm nur den 
Rockzipfel abreißen. Freilich ftr den, wekher die Bare 
{^cklich herumzieht, ist es gut, denn die Teufel mflßen Ihm 
die Leiche mit Gold aufwiegen 2). 

Auch die Gabe der Unsichtbarkeit kann man in d%n 
Zwölften erlangen« Wer nimlich in der Kristnacht Neujars- 
nacht und Berchtennacht wacht, kann sich fortab unsicht* 
har mwheu. Die lezte Nacht wird er aber von dem Teufd 
sktk angefochten und kann sich nur retten, wenn er ein 
Kreuz vom Holze eines weißen Elxenbaumea hat, der am 
S. Johannistage noch bltthte. (Eisenerz.) 

Es ist begreiflich , daß all dieser AbergDinibe in der 
Torkristlichen Zeit wurzelt und daß er in der kristlichen 
den Zeitbegriffen nur angepasst wurde. In dem barziehen 
scheint ein Wetikampf mit den Schwarzeiben verborgen, 
welche dem Sieger das Gold der Unterwelt überliefern 
mflßen ; in dem wachen um die Unsichtbarkeit ligt irgend 



Elsen- oder EUenbamn^ Elsenberbanm: die Eberesche Sorb«f tomtnalU. 
—Heber die magische Krall der Elsenrate Tgi* aach Heier Sagea aaO Schwab* 
ta S. 901. In Schwaben ist der Eisenbaam die Salweide. 

*) Etwas inlich ist die Art wie man za dem Famsamen kommen liann, 
wodurch man so vid arbeitet wie zwanzig oder dreüUg Mann. Meier a. a. 0. 
S. 242. f. 



30 

eine heidnisehe List zu Gninde, den elbischen Geistern die 
Tarnkappe abzugewinnen 9* Kreoz und Teufel sind jfingere 
Umwandelungen. Genug daß wir sehen, welclie Mfichte in 
dem Mitwinter entfeßelt sind, wie neben den hoben Ge- 
stalten Wuotans und Fricks auch die unteren Gottheiten 
sich regen und rflren, und wie ein geheimnissvoUes gflrendes 
walten durch die Welt in dieser Zeit geht, wo die alte 
Pforte geschloßen, die neue aufgethän wird und eine heil- 
ige Stille sich Aber alles legt, deren Störung ein strafbarer 
Frevel ist. 



Was wir in dem vorangehenden aufgesteHi haben, 
seigte bereits merfach, wie sich die kristlichen Vorstel- 
lungen mit den heidnischen mischten und wie heilige Qe^ 
stalten der Kirche durch irgend welchen änlichen Zug den 
Anlaß geben, die alten Ueberlieferungen der Väter auf sie 
«u ttbertragen und durch sie fortzusetzen. Wir wißen nam- 
entlich auß skandinavischen Quellen, welch eigenthfbnlicfae 
Vermengung des Kristenthums mit dem Heidenthum unmittel- 
bar nach der Bekerung eintrat und wie die Gebiete gött- 
lichen Wirkens unter den Kristengott und die Heidengötter 
vertheilt wurden. Dieser Zustand ist im wesentlichen biß 
heute derselbe geblieben und wird es bleiben, biß das Volk 
ganz nttchtern und ler geworden ist, was freilich bald ge- 
nug eintreten wird. Wo wir einer Volkssage lauschen, tönt 
ein altes heidnisches Lied der Vorfaren ; wo das Volk sich 



Nacbtrfiglich erfare ich noch folgendes aaO dem Sansal (Steiermark). Inder 
Rrlstaacht muß man auf einen Krenzwcg gehn^ nnd mit der Hand einen Kreiß am 
sieli machen. Dann komt der ^^bfise Feind'' nnd man kann von ihm begeren 
was man will, Geld oder eine Nebelkappe oder was sonst; der Tenfel mnß es 
brlngren. Man maß sich aber ser hüten anß dem Kreiße zn treten^ wozu einen 
der Teafel dorck allerlei Schreckmittel zn treiben sacht. VeilAßt man den 
Kreiß, so ist man verloren. 



31 

iddit an saufeta und i^dien^ sondern an Sprach und Lied 
and drastischer Anfi&mng; erfreut^ sehen wir ein Tageshild 
heidnisch festlicher Zeit Es wfire für die Geistlichkeit im«- 
möglich gewesen, die ganze Geisteswelt des Volkes za ent*- 
völkem, und sie versuchte es auch nicht Die Gehräache 
ließ sie fortbestehen als nnschädlich de» Glauben, als nütz* 
lidi ftr Sitte und Recht ; in der Schar heiliger Personen 
brachte sie dem Volke anscheinend finliche Bilder, und die 
Legenden klangen der Menge wie Geschichten die den alten 
verwant seien. So lenkte die Geistlichkeit unvermerkt den 
TolksmfiOigen Steom in ihr Gebiet; die alten Heidengdtter 
wurden verkirchlicht und unschädlich fristeten sie ihr da* 
sein fort. 

Am schwersten möchte diese Wirkung fiir die Mitwint«- 

erzeit geschienen haben und 4och ist sie hier fast volkoip^ 

men gelungen. Durch das mfichtige Fest gelang es, welches 

die Kirche hier einsezte, dem sich alles mterordnen mMste. 

Diese neue heilige Zeit riß die alte an sich und ser viel 

heidnisches konte einen kirchlichen Schein erhalten. ADt 

allem freilich gelang es nicht, namentlich im nördlichen 

Deutschland nicht, wo die Heidengötter sich mit ihrenNamen 

biß auf heute in den Volkssagen erhalten haben. Den Grund 

davon mllßen wir in der späteren und härteren Beker«* 

mig zum Kristenthum suchen und in der völligen Durchfilr« 

ung der Reformation, wodurch die heiligen Streiter in den 

Hintergrund traten, welche den kleinen Krieg gegen Woden 

und Frick zu Airen hatten. In den katholischen Ländern 

und in den gemischten ist es anders. Der Name Wuotan 

taucht ganz einzeln auf , Perchtel oder Holle ist zwar be- 

kant genug , aber fast nur als Kinderscheuche ; im alge- 

meinen ist Wuotan - Ruprecht dem h. Nikolaus oder Josef 

oder auch dem h. Petrus gewichen ; die Göttin ward durch 

die h. Maria, auch wol durch das Kristkind und den Engel 



38 

verdrfingt Es gilt dieß vor aUem von den AdventniKllgeiL 
Und hier zeigt sich wider eine landschafttldie Verschiedm* 
heit; dennin dem streng katholischen Steiermark nnd Kirnt- 
en treten dabei die höchsten heiligen Personen nicht auf % 
wärend in Elsaß und Schlesien, wo die Bekentnifise ge> 
mischt sind mit Überwiegen des Protestantismus, derKrist 
und Maria erscheinen. Möglich daß die strenge Gegenre* 
furmation im Südosten die Adventumzfige von allem siuberte, 
was m Entstellung Anlaß geben konte. 

Ganz wie die Berchta als mfitterliche GOtttn um das 
Hauswesen der Menschen Sorge trügt ; wie Holle namentUch 
das spinnen beaufsichtigt und nach schlesischer Sage die 
fleißigen Kinder belont, die faulen mit sich nimmt; wie 
Perchtel die schlimmen Kinder ftberhaupt heimsucht; so 
tseten in den Adventen das Kristkind, der Engel, Petrus, 
Josef und Nikolaus auf. Der Ruprecht wird unter sie ge- 
mischt, der an andern Orten noch mit Berchta den gleichen 
Umzug allein hält Singend oder mit Reimsprflchen treten 
diese Gestalten in die Kinderstuben, und kleine dramatische 
Szenen, in welchen Eltern und Kinder mitspielen, heften 
sich an ihre Fersen. 

Wir können diese Sprüche durch iSngere Zeit verfolg* 
en. Zuerst mag eines Ruprechtspruches gedacht werden, 
der sich in einer Handschrift der Magdalenenbibliothek zu 
Breslau erhalten hat 2). Er wurde bei dem Umgange des 
Ruprechts gesprochen und zeigt ein WechselgesprSch 
zwischen Herr und Knecht. Der Herr beklagt sich, daß die 
Bauern nichts mer geben wollen ; der Knecht aber sagt, sie 
hotten sidi noch besonnen und allerlei in die Kttche gelief- 

1) Fftr die eigentlichen Weiliniiclitspiele gilt dieO nleht^ da diese einen gans 
andern ünprnng haben als diese UmzAge^ nnd in ihnen als Darstellangen der 
hell. Gesthlchte die Hauptpersonen begreUllcher Welse nicht feien darflen, 

Mltgethellt von Helnr. Hoffmann In dem Anzeiger für Kunde deutscher 
TetMlt Ton H, v. Au&eO 1832. S. 306. 



33 / 

ert. Anfibige bekanter VolksUeder scUieOen siek an. So 
wBt dieser RuprMhtspruch vorliegt, ist er nur ein Bettel«- 
spruchy ganz änlich den Kotendelledem 9^ welche noch 
heute in manchen Kirchspielen Oberschlesiens beim Neu- 
jarsiimgange der Pfarrer und Kantoren gesungen werd- 
en. Ich gebe ein par Strophen des Woischniker Liedes in 
prolaischer Uebersetzung : 

Unser Wirt, Herr Schafner im Hause, seid nicht zfih 
und gebt was zum Schmause, guten Branturein und 
Pfefferkuchen, zur Kolende. 
Weißes Brot und Butter zum naschen ; laßt die Tische 
decken, die Teller waschen ; gebt gutes Eßen, guter 
Herr, zur Kolende. 
Eine Entensuppe, ein gut Stück Rindfleisch^ eine ge- 
bratene Gans, 'nen Hasen zugleich, und etwas dazu 
woUen wir eßen, zur Kolende. 

So geht die Bettelei fort; sie bitten um Spanferkel, 
Wein, Bier, Speck, Geld, alte Stiefeln und Röcke, um Ge- 
treide , ja um Pferde und Ochsen. Zulezt wird die Wirtin 
angesungen : 

Frau Wirtin, des Hauses Verwalterm, zeig deine Gfite, 
gib ein Faß Butter hin ; und bist du nicht knickrig, 
leg ein Schock Käse zur Kolende. 
Frau Wirtin, des Hauses Verwalterin, zeig deine Güte, 
laß eine Fleischwurst braten, und wenn wir diese 
verzeren, empfelen wir uns in Eren, ziu* Kolende. 

Laßen wir diese Bettelverse und sehen wir nach uns- 
em Adventnmzügen. Prätörius in seinen Weihnachtfraz- 
zen 2) spricht davon , daß Kristus mit S. Peter, Nikolaus 

Kolendft^ caleudie^ der Neajarsnmgang;^ and die Lieder die dabei geBang- 
ea werden. 

*) Leipzig 1663. Ich iiabe das Bncli ieider niclit eriangen können, nnd enU 
aeae diese MlttlieUang der AlsaUa von Stolzer auf 1851. Stattgart S. 167. 

3 



34 

und dem Engel Gabriel herumgehen ; der Knecht Ruprecht 

ist auch dabei tuid spricht folgenden Sprach : 

Ich bin der alte bfise Mann, 

der alle Kinder freßen kann. 

Ich Ruprecht hab euch was zu sagen, 

wie mir der heilige Geist hat aufgetragen, 

er mit seinem Engel draußen, 

und ich will euch die Kolbe lausen. 

Warscheiniieh traten nun der Engel und der h. Krist, 

dann Peter und Nikolaus ein ; die Kinder wurden gemustert 

und nach Verdienst behandelt. Das feststehende in diesen 

Szenen ist durch die Reste dieser Dichtungen bekant, 

welche sich biß heute erhalten haben. Ich theile zuerst ein 

Kristkindlied auß NiederscUesien mit, worin das Krist- 

kind und der Engel allein auftreten. 

Der Sngef unb bas ^Crisfäinb. 

Der Engel tritt ein, weißgekleidet, in der Hand ein 

Schwert, und singt: ^) 

Vom Himmel hoch da komm ich her, 
ich bring euch neue gute Mär, 
der guten Mär bring ich so viel, 
davon ich singen und sagen will. 

Das Kristkind tritt ein, bunt gekleidet, in der Hand 

eine Rute und singt: 

Ein schSn guten Abend geh euch Gott, 
ich komm herein on allen Spott. 
Hat es auch fromme Kinder innen, 
die fleißig beten und singen kttnnen, 
die fleißig in die Schule gehn 
und ztlchtig vor dem Tische stehn ? 



Trefllch ist hier der Anfang des bekanten Inther. Weihnachtliedes Ar 
den Eingang des Engels bennzt. In der Altem kathol. Rezension des Liedes 
(Wackemagel Kirchenlied no S42) geht eine einleitende Strophe voranO» 



85 

Weim sie fleißig beten und 8ing;en, 
so werd ich eine große Bftrde bringen. 

Engel: 

Ei liebes Kristkind, wenn ich dir soll die rechte War- 

heit sagen^ 
so mnß ich Aber die kleinen Kinder klagen. 
Des Morgens wenn sie aofstehn, 
kein Gebet auß ihrem Munde geht, 
die Bttcher thuen sie zerreißen, 
die Blatter in die Winkel schmeißen. 

Kristkind: 

Ei lieber Engel, hätt ich das eher vernommen, 
in das Hans wfir ich nicht gekommen ; 
da hfitt ich aiir meine Gaben erspart 
mid wSr wider gen Himmel gefam. 

Engel: 

Ei liebes Kristkind, bis nicht so hart 

gegen die kleinen Kinder zart ; 

sie wollen fromm sein und beten, 

daß du kannst mit dein Gaben vor sie treten. 

Kristkind: 

Ach lieber Engel, weil du der Kinder thust gedenken, 
so will ich ihnen etwas geben und schenken, 
damit sie an das heiige Kristkind gedenken. 

Das Kristkind th^ilt seine Gaben auQ, unterdessen 

singt der Engel: 

Ach liebes Kristkind, wenn ich war wie du, 
so hieb ich mit der Rute zu. 

Der Engel und das Kristkind bleiben voreinander 

stehn und singen: 

Wir stehen auf einem Lilienblatt, 

wir wttnschen euch allen ein gute Nacht, 

3* 



36 

ein schön gute Nacht, ein fröliche Zeit, 
die uns der Herr Kristns vom Himmel bereit. 

Im heraußgehen: 

Gute Nacht, gute Nacht, gute Nacht, 

wir haben uns noch weiter bedacht ; 

wir haben draußen stehn ein schönen Wagen, 

der ist mit lauter Gold und Silber beschlagen. 



Wir haben in diesem sogenanten iJiede den einfachen 
Hergang mit möglichst wenig Personen dargestellt. AuO 
meiner Kindheit erinnere ich mich ser deutlieh, mit welcher 
Wttrde unsere Dienstleute ihre Rollen spielten. In weißen 
bunt bebänderten Kleidern traten sie fein und möglichst 
zart auf; das Gesicht versteckten sie hinter Larven, ein 
Schleier hieng vom Haupt des Krists und des Engels, die 
Hände stekten in weißen Handschuhen. Mit feiner Stimme 
sprachen oder sangen sie in rezitierender (sagender) 
Weise die Verse. — In dem mitgetheilten liede kann das 
Schwert des Engels auffallen; jedenfalls schwebte dem 
Volkssinne der Cherub mit dem flammenden Schwerte an 
dem Paradiese vor. Das Kristkind, stets erwachsen darge- 
stellt, hat die Rolle der Berchte ttbemommen ; die evang- 
elische Erzäluug, wie Kristns die Kiiidlein zu sich kommen 
ließ, erleichterte diesen Tausch. In einigen niederschles- 
Ischen Gegenden erscheint mit dem Kristkinde der Ruprecht, 
in ostschlesischeu (deutschen) der h. Joseph. Am Schloße 
des obigen Liedes wird des Wagens gedacht, mit dem der 
h. Krist hemmfare. Ich stehe nicht an, darin jenen Wagten 
der Berchte zu sehen, auf welchen sie thüringischer Sage 
nach zu Weihnachten das Land durchzieht. In einem war- 
scheiiüich in Thüringen entstandenen Weihnachtspiel: ^^ein 
holdseliges und ganz liebliches Gespräch von der Kriät- 



87 

ftrt IL 6. w. Jena 1666^^ 9 ^pi^lt dieser Wagen, anf dem 
derLKrLst herumfllrt, ebenfalls seine Rolle. Er ist flbrigens 
in manchen schlesischen Gegenden keine bloße Redensart, 
sondern die Krisikindelspieler ziehen wirklich mit einem 
Wagen hemm; der Engel Gabriel ist dabei der Wagen- 
lenker. DieO. belegen auch die beiden zunSchst folgenden 
Lieder, deren erstes anO Kolbnitz bei Jauer ist. 

Der Engel mit dem Szepter und mit einerKrone auf 

dem Haupt. 

Guten Abend ! ich komm herein getreten 
and habe nicht um Vergunst gebeten 2) ; 
will fragen ob die Kihderlein 
den Eltern auch gehorsam sein. 

Fragt die Eltern darüber und fragt sie ferner: 

Mag das Kristkind 'rein kommen ? 

Kristkindelein, komm inuner herein, 
der Stnl soll dir bereitet sein, 
die Thiir will ich dir machen auf 

(Der Engel macht die Thär auf») 

die Kinder warten mit Freuden darauf. 

Kristkind : 

Guten Abend geb euch Gott, 

ich komm herein on allen Spott 3), 

ich komm herein on allen Schein, 

will sehen ob die Kinder fleißig gewesen sein. 

Wenn die Kinder werden fleißig beten und singen, 

so werd ich ihnen eine große Bürde bringen ; 

wenn sie aber nicht werden fleißig beten und singen, 



Gottsched nötiger Vorrat zur Geschichte der dramattschen IMchtknnst 
U 220—222. Leipzig 1757. 

Herr Wirt^ ir tugenthaiter man^ ir snlt uns nit ver uhel han^ daß wir 
s^n do imgeladen kumen. Fastnaehtsplele des 15. Jarhand. 88^ 10. 

üeber diese Formel vgl. unten die Anmerk. zq dete Schlanpltzer Krist-' 
UBdeiDede* 



88 

80 wird ilmen die Rnte auf dem Rücken rqu springea 

Eil Engel Gabriel sag mir an, 

waa haben die Kinder böses gethan? 

Engel: 

Ei Kristkindelein, wenn ich dir das solte sagen, 

80 würdest da fiber diese Kinderlein klagen. 

Wenn sie in und auß der Schale gehn, 

bleiben sie auf den Gaßen stehn, 

die Bücher thun sie zerreißen, 

die Blatter in alle Winkel sdhmeißen, 

solche Bosheit treiben sie. 

Krist: 

Ei hfitt ich das eher vernommen, 
so wfir ich nicht in das Haus rein gekommen, 
hätte mich gesezt auf mein Rols und Wagen 
und wfire mit den Gaben weiter gefaren. 

Engel: 

Ei Kristkindelein, sei nicht so hart, 
die Kinder sind nicht nach deiner Art, 
sie sind wie das gewundene Wachs, 
bald sind sie weich bald sind sie hart. 

Kristkind: 

Ei Engel, weil du mich so thust beten ^^ 

so will ich noch einmal zu den Kindern treten. 

Geh hinauO zu meinem Rofs und Wagen 

und hol herein die Gottesgaben, 

die Gottesgaben und die Geschenke, 

damit die Kinder an uns gedenken. 

Wirend das Kristkind die Gaben anßtheilt, singt der Engel: 

Engel Gabriel werd ich genant 2), 



Beten, bitten; auch in dem fUMßchtt Hirtenreime „Hai hol, was Ist 
denn das^'^ •• onten. 

VgL unten das KrlstUndlied anfl ScUanpits. 



8» 

den Szepter trag ioh in meiner Hand, 

(er itsmf ft mit dem Sseptar waf) 

die goldene Krone auf meinem Haupi^ 
die liat mir Gottes Son erlaubt; 
hätte er mir sie nicht erlaubt, 
so trüg ich sie nidit auf meinem Haupt. 

Darauf sii^gen beide: 

Gute Nacht, gute Nacht in aller Frist, 
wir sind der heilige Krist ; 
und haben wir was nicht recht gemacht 9^ 
so wünschen wir eine gute Nacht 

Gute Nacht, wirmüOen scheiden, 
die Zeit will uns nicht leiden* 
Gute Nacht, wir müOen fort 
an einen andern Ort. 



3{n8fätnö, «gaörtei; JTefrus. 

Kristkind: 

Ich soll fragen ob die Kindelein 

den Eltern auch gehorsam sein, 

ob sie fleißig in die Schule gehn 

und zfichtig vor dem Tische stehn. 

Wenn sie fleißig beten singen und spinnen, 

wird das Kristkind eine große Bürde bringen. 



mer komt die namentlich bei den Fasnaehtsplelen des 15. Jarh. hiafige 
Cntsehnldig^g. Za diesem gansen itbsehlede verglelehe den Schloß eines Fas- 
naehtspieU des 15. Jarh. (Fastnachtsplele^ heranSg« von Ad. Keller no. 0« S« 06^ 
23—34. 9^1e knrzweil die ist nn Tolpracht. Herr wlrt^ das sei zn gnter nacht, 
Und nemt vergat nnsem schimpf^ Zieht onser torhelt in einen gUmpf. Wir 
Beinen, wer lient nerrisch tut, Das halt man im doch aus vergnt. Und geht ans 
arlanh, es ist zeit, Wann wir mneOen noch ziehen weit. Und weit lemaht nach 
ans fregen, So weist aie hin gen Erlestegen Oder hinüber sa dem tanh^n etleln 
da sol heint unser herberg sein^^. — Vgl auch zu dem Schluß : Herr Wirt, wir 
woUni urlanp han, wann wir müßen noch ferrer gan. Fastnachtsp« 107^ 33. 



WO Ae aber nicht fleißig beten singen nnd spinnen, 
wird das Kristkind eine große Rute bringen. 

Diu Eltern: 

Wenn die Kinder in die Schnle gehn, 

bleiben sie auf der Gaße stehn, 

die Bttcher thun sie zerreißen, 

die Blätter in finstre Winkel schmeißen, 

solche Pollen treiben sie. 

Engel Gabriel: 

Ach liebes Kristkindlein, wenn ich war wie dn, 
so hieb ich mit Ruten und Peitschen zu. 

Kristkind: * 

Ach lieber Engel Gabriel, sei doch nicht so hart, 
die Kindlein sind ja noch jung und zart. 

Petrus: 

Ach liebes Kristkindlein laß dir raten, 
wir wollen wider nach Hirschberg faren. 

Kristkind: 

Lieber Engel Gabriel spann an den goldnen Wagen, 
wir wollen wider in Himmel fiiren. 

Petrus: 

Gute Nacht gute Nacht gute Nacht gute Nacht, 
ich hab mir mein Bett nach Hirschberg gemacht. 

Engel Gabriel: 

Gute Nacht gute Nacht gute Na^, 

ich hab mir mein Bett in Himmel gemacht. 

Kristkind: 

Gute Nacht gute Nacht ihr lieben Kindelein, 
die Kristnacht will ich wiAet bei euch sein. 



«1 

Das zweite dieser Lieder ist auß der Geifend von 
Hainan; seine niederscUesische Heimat ist dnrcli denWitz, 
den Petms mit Hirscliberg nnd dem Himmel macht, bezeugt. 
Petras ersclieint in diesen wenigen Worten dem komisch- 
gatmlltigen Karaeter gemäß, in dem ihn Dichtungen unserer 
ilteren Zeit gern aoffaßcn. In andern Weihnachtszenen ist 
dieser Karaeter auf den heiligen Joseph, „den alten Joseph^^, 
Übertragen. So in einem Wechselgesang auß der sfldlichen 
Grafschaft Glaz 9* Als karacteristisches Attribut trfigt der 
h. Petms den Schlflßel , Gabriel den Szepter oder, wie um 
den Költschenberg bei Reichenbach, eine Trompete. 

Diesen schlesischen Adventspielen scheinen die elsfiß* 
iflchen ganz gleich zu kommen. Stöber erzfilt in der Alsatia 
auf i851 (S. 164) daß im£lsaß acht oder vierzehn Tage 
vor Weihnachten weißgekleidete erwachsene Mädchen oder 
Knaben von Haus zu Hans ziehen, eine goldpapierene 
Krone auf dem Haupte , einen Sohleier vor dem Gesichte 
oder da&elbe mit Mel bestrichen , eine Rute oder Schelle 
in der Hand 2). Wenn es dem Kristkinde erlaubt wird ein- 
zutreten (vgl. oben S. 37 die schlesischen Lieder) so thnen 
äe Fragen nach der Auffttrung der Kinder, wie in Schlesien 
und sonst wo. Am Weihnachtabend komt das Kristkind 
wider, und zwar oft in Gesellschaft des Hanstrapp, der 
vermumt und mit Kolen geschwärzt ist und mit Ketten und 
ScheUen ralselt. Der elsfißische Hanstrapp ist ein Bruder 
des steirisch-kfirntischen Bartel; die Schellen erinnern 
an die Schellen der kamtischen und tiroler Berchteln , wie 
oben schon gesagt wurde. Der Umzug des Nikolaus mit 



Häapt Zeitschrift fVIr deatsches Alterthom 6^ 843. 344. 

*) StAber a. a* 0. S. 165 enrfilmt ^ daß In den französischen Hfinsern des 
DsaO die dame Noel auftritt, In der Freigrafschaft la f^e Arie, taate Arie; sie 
cnchdnt gsDs wie vifer KrietUad. 



dem Bartel geht auch nicht still vor sich. Wenn sich 

Bischof Nikolaus meldet^ rufen die Eltern : 

Herein herein^ Herr Nikolo^ 

es sein brave Kinder do; 

sie beten gern, sie lernen gern, 

und der heilige Nikolo wird ihnen was verern. 

Zu dem Bartel aber sagen die Kinder: 

Bartel Bartel, wilder Bär, 

leg mir ein was i beger. 

Steck auO deine wilden Brafsen 9 

und leg mir ein a schens par Hosen. " 

Bartel hat jedoch nilr die Ruten fOr die schlimmen 
Kinder in seiner Krechse; die Geschenke vertheilt der 
Engel in Nikolos Auftrage. Nikiaus legt aber auch oft wär- 
end der Nacht seine Gaben ein, daß sie die Kinder beim 
Erwachen am Fenster und auf dem Bette finden. 

Der Pelzmfirte in Schwaben schert in ganz gleicher 
Weise aufzutreten (Meier Sagen aus Schwaben S. 460) ; mit 
ihm kernt an manchen Orten das Kristkind und ein weißge- 
kleideter Engel (Meier a. a. 0. 465). Die Kinder werden 
geprüft »und beschenkt oder gestraft; die dabei fiblichen 
Sprnche entfernen sich von den schlesischen gewifs nicht 
weit. Verrfit sich doch in den GesSngen bei demNikolainm- 
gange in dem polnischen Theile Oberschlesiens der änliche 
Zug. Den Anfang macht daselbst der Engel mit den Versen: 

Jam jest 2) aniol z nieba zeftany, 
przyszedlem sii^ dowiedziec 
jezeli dziatuszki paciorek mowiaj^ 
i ojca i matki pi^knie 17uchaJ2|. 

(Ich bin der Engel vom Himmel gekommen, bin gesant 

zu sehen ob die Kinderlein das Vaterunser beten und Vater 

und Mutter schön gehorchen). 

9 Pratsen^ Tatzen. 

MundarUiche Formen des oberschleslsch-polniickeii. 



43 

Wie poetisch lebendige und durch Gesang^ und Spiel 
gefeiert diese ganze Zeit im Volke noch heute ist, werden 
außer dem schon mitgetheilten weiterhin die dramatischen 
AofiUrungen und die Hirtenlieder beweisen. Hier wollen 
wir nur noch des süddeutschen klöckeln oder kl ö p f e 1 n 
gedenken. * 

An den Dienstagabenden der Advente ziehen in Kfimten 

die Burschen von Haus zu Haus und klockeu (klopfen). 

Zwischen ihnen und den drinnen entspinnt sich ein Wett« 

reimen. Die Leute im Hause sprechen etwa also: 

Bist a Mön, schloag brav drön ; 

bist a Bue, schloag brav zue ; 

bist ä Jungfrau mit roatn Zöpfn, 
kannst noch a moal zuecher klökn. 

Oder: 

Der Riskier ba der Wond, 
heart sein eigne Schond. 

Oder: 

Druntn ftfh M6s ligt a toats Rös, 

is hintn und vorn öfen, is der Klökler auser gschlöfn. 

Die Klökler mflOen in entsprechenden Reimen ant- 
worten. 

In Salzburg scheint der Gebrauch in selber Weise zu 
bestehn ; er heißt hier anglöckeln. In Tirol Baiern Schwab- 
en und Franken heißt man es klöpfeln ; die Klöpfelsnächte 
fidlen aber hier Donnerstags und namentlich wird der lezte 
Donnerstag vor Weihnachten außgezeichnet. Arme Leute 
und Kinder gehen von Haus zu Haus, klopfen mit hölzernen 
Hämmern an die Thilr oder werfen mit Erbsen an die 
Fenster (Schwaben). Die Sprüche die sie dabei sagen, 
stiiunen vielfach zu den Sommerliedern und Fasnachtreimen 
anderer Gegenden 9* In früheren Jarhunderten war es in 



PIcbler Arama in Tirol 8. 9. Schmeller balriiclief Wfirterb. 2; 361. f« 



44 

Schwaben Sitte, daß die jungen Mfinnerom Nenjar vor die 
HSnser ihrer Liebsten giengen nnd durch Lieder und Reime 
zum Zeichen der Gunst einen Kranz zu erlangen strebten 9« 
Proben dieses Kranzsingens geben das zweite imd dritte 
Lied in L. Uhlands Samlung alter hoch- und niederdeutscher 
Volkslieder. 



Zuverläßig in weit größerer Ffllle, als diese Blätter 
andeuten konten, rauschten die heidnischen GebrSuche des 
Mitwinters den kristlichen Priestern entgegen, welche das 
schwere Werk anhüben, in die deutscheu Waldwttsten das 
Weizenkom der kristlichen Lere zu streuen. Damals war 
das Weihnachtfest schon zu einer großen Kirchenfeier ge- 
worden, und die Zeit war vorttbcr, in der man die leibliche 
Geburt unverhältnifsmSßig zurilcksezte gegen den leiblich- 
en Tod, welcher die Geburt zum geistigen Leben sei. Nach- 
dem zuerst in Egypten und in Gallien die Geburt Kristi 
gefeiert worden war 2), wurde das Weihnachtfest von der 
abendlfindischen Kirche im vierten Jarhundert eingeftjrt 
und von der morgenlfindischen bald angenommen. Fllr die 
Adventfeier sprechen zuerst Zeugnifse auß dem sechsten 
Jarhundert 3) • in Deutschland scheint sie erst im neunten 
Eingang gefunden zu haben , wenigstens auf der Synode 
von Mainz im Jar 813 wird die Adventzeit nicht unter den 
heiligen Zeiten aufgefiirt. Bald darauf beginnt indefsen das 
Kirchenjar, welches biß da mit Ostern angefangen wurde, 
mit Weihnachten ^), und hiemach läßt sich schließen, daß 

E. Meier Sagen aus Schwaben 457-461. — Der schwediache JoUdapp^ der auch 
nach Pommern verpflanzt Ist^ hat etwas finllches mit dem klSpfeln. 

Vita Henrici Snsonls ap. BoUand. T. U. Jan. p. d58. cf. M. Gerbert. ret. 
litarg. Alemann. IX. 1^ 5. 

Angustl Denkwürdigkeiten aus der kristlichen Archäologie 1^ 223. 

s) AngnsU a. a. 0. 1^ 178. 

f Rettberg KirchengefcUchte DeatacUandi. 6«ttügea 1848. 2, 790. 



45 

fortan auch die Advente gefeiert wurden. Damit trat den 
Deutschen jener vfillig auOgebildete Weihnachtoyklus der 
lürche entgegen, und den heidnischen zum Theil wüsten 
Mgebriachen, die ihres echten Inhalts immer mer ledig 
worden, stellte sich ein ernster und doch auch heiterer 
Gottesdienst gegenüber, der würdig gehalten den Eindruck 
auf das VoUl nicht verfeien konte. 

Sehen wir in welcher Weise die Kirche des Mittelalt^ 
ers die Geburt Kristi vorbereitete, begieng und nachfeierte ; 
wir haben darin die Anknüpfong ftr das, was uns forthin 
beschfiftigt 9. 

Die Advente sollen die Kristenheit zum würdigen 
Empfange des Heilands gescliikt machen; sie werden da- 
her mit tiefem Ernste ia stiller Betrachtung und der Ent- 
haltung von aller weltlichen Lust begangen. Ein vierzig- 
tigiges Fasten ward den Glfiubigen geboten, es dürfen 
keine Hochzeiten gefeiert werden, die kirchlichen Ge- 
winder mit freudigen Farben werden bei Seite gelegt, hier 
und da die Bilder verhüllt und anstatt der heiteren Hym- 
nen und Sequenzen erschallen Bußpsalme, namentlich das 
Miserere mei. Selbst das Te deum laudamus wurde in viel- 
en Kirchen (die Klosterkirchen sämtlich auflgenommen) 
nicht gesungen. Fast an jedem Tage wurde in den größer«- 
en Kirchen gepredigt, dem Volke werden dabei die pro- 
phetischen Stellen des alten Testamentes mitgetheilt, auß- 
gelegt und zur Rüstung auf die Ankunft Kristi gemant, da- 
mit sie nicht wie die thörichten Jungfrauen von dem Bräut- 
igam überrascht würden und er sie nicht kenne. Die Ge- 
singe, welche von dem Köre angestimt werden und dieCer- 



Haaptquellen sind Edmand. Martene de antiqals ecclesi« ritibus and 
GiüleliiL Durand, rationale divinorum offlclornm^ beide oft ^edrnkt^ lezteres auch 
in deutschen Uebersetznngen des 14. nnd 15. Jarhond. vorhanden. (Uoffmann 
li^lener Handscbr. no, CCCXXX. CCCXXXI.) 



46 

imonien nfihern sich mit dem heranrflcken der Weihnachten 
größerer Lebendigkeit 

Bei dem Morgengottesdienste am vierten Adventsonn- 
tage geschah es in manchen ICirchen^ daß nach Beendigung 
des Psalmengesanges der Diakon und Subdiakon nnd die 
Akolythen in Alben mit Ldechtern und dem Weihranchfaß in 
Prozefsion zu dem Pulte zogen, wo der Diakon das Evang- 
elium Missus est angelus Gabriel a deo mit der feststehenden 
Homilie vorlas. Darauf zündete er die Kerzen des Altars an, 
und er und der Subdiakon sezten sich, biß ein Akolyth die 
Liechter des ganzen Kores angezündet hatte. Diese Cerim- 
onie wird als Darstellung der Verkündigung gedeutet. Der 
Diakon vertritt den Engel, die Rfiucherung des Köre» ver- 
sinnlicht die Beschattung durch den heiligen Geist, die 
Stille und Ruhe wfirend des ganzen bedeuten die Bangig- 
keit der Jungfrau und ihr Nachsinnen über den Gruß des 
Engels 9* 

In anderen Kirchen fand in dem Nocturn des vierten 
Adventsonntags ein Snlicher Gebrauch statt. Nach festlicher 
Erleuchtung des Altars tritt der Priester mit den Kerzen- 
trfigem und Weihrauchmtnistranten in den Kor, und mit ver- 
hülltem Haupte begint er das Evangelium Missus est ang- 
elus. In der Magdalenenkirche zu Besannen antwortete dem 
Diakon, welcher die Worte des Engels vortrug, eine 
schön gekleidete Jungfrau, die vorher darin wol unter- 
wiesen war, in den Worten der h. Maria. Außdrücklich 
wird von Mai*teue (1. IV. c. 10. $. 30) hinzugefügt, das ge- 
schehe zur Belemng des Volkes, welches durch solche 
Gebräuche tiefere Eindrücke empfange als durch Predigten. 

Mit der Vigilie wurden die bißherigen düsteren Ge- 
wänder beseitigt und Altäre und Kor festlich geschmükt ; 



Darandl rationale U VI. c. 8. 



47 

die VorsSnger erhielien rote Kappen. Sobald derLecior 
die Gebort Jesns Kristi verkUndete, warfen sich alle zur 
Erde (Martene 1. IV. c. 11.). An dem heiligen Tage selbst 
wurde die Bedentang der Geburt noch einmid in den fest- 
stehenden Lectionen hervorgehoben ; in dem ersten Noctum 
waren die Legenden aoß dem Jesaias gewält, im zweiten 
anO den Kirchenvätern. Auch die Verse der erythrfiischen 
Sibylle 9 wurden in manchen Kirchen vorgelesen; das 
wirkte darauf ein daß die Sibyllen in die dramatischen 
tircUichen Auff&mngen aufgenommen wurden. Die Lecti- 
onen waren an vielen Orten an merere Lectoren vertheilt. 
(Martene L IV. c. 12. $$. 9 — 13.) 

Nach dem Te deum am heiligen Weihnachttage wurde 
ia der Kirche von Ronen die Anbetung der Hirten in dieser 
Art gefeiert. Hinter dem Altare ist eine Krippe erbaut, dar- 
auf das Bild der h. Jungfrau. Vor dem Kor auf einer Erhöh- 
ung steht ein Knabe, welcher den Engel darstellt, und 
verkBndet die Geburt Kristi. Durch die große Thflr des 
Kors treten die Hirten ein und gehen auf die Krippe zu, 
unter dem Gesänge Pax in terris u. s. w. ; sie begrttßeu die 
Jungfrau und beten das Kind an. Vor dem Altar wird eine 
Meise gelesen ; nachdem sie der Priester geendet, wendet 
er sich zu den Hirten und fragt : quem vidistis pastores ? 
die Hirten antworten: natum vidimus. (Martene IV. 12, 16). 
In dem Sprengel von Nantes war es Brauch, daß nach dem 
Gesänge des Benedicite Knaben mit Stäben vor das Altar 
traten. Der Kantor fragte Pastores dicite etc., die Knaben 
antworteten Infantem vidimüs. Darauf begann einer dieAnti« 
phone Parvulus filius, auf welche der Psalm Laudate 
Dominum folgte. Aenlich war die Cerimonie in Tours und 

Wie schon Eliseblas und Angiutin die Antoritfit der Sibylle nicht be- 
sonders hoch hielten^ darüber vgl. J. 6. Friedlieb Oracnla Sibyllana. Die sib- 
TDinischen WeiaaguigeA. Leipzig 1852. p. XI. 



48 

einigen andern Orten. In Rheims !^eng sie also vor sich : 
Nach dem SchlnOe der Antiphone Parvulos filins beginnt ein 
Priester mit dem VorsSnger die Antiphone Pastores dicite. 
Der Kor antwortet Infanteln vidimns, der Priester singt Lan- 
date dominum insanctis, der Kor Pastores dicite, und so geht 
der Wechselgesang fort hiß zu dem Gloria patri et filio 
{Martene IV. 12, 30). In der Kirche von Laon traten nach 
derMefse und den Landes Kantor und Unterkantor in weißen 
Kappen an die rechte Thftr des Kors und sangen Pastores 
dicite. Die Kleriker, welche vor der Thüre stunden, er- 
widerten Infantem vidlmus, und indem die Glocken ertönen, 
begint der Kantor Lux fidgebit , worauf die zweite Mefse 
anhebt i). 

Wir werden bald sehen , wie diese Cerimonien weiter 
außgebildet wurden. Auß diesen Fortbildungen wird sich der 
Beweis ergeben, daß sie nicht auf die gallikanische Kirche 
beschränkt waren, sondern auch in Deutschland ser frfih 
Eingang gefunden haben. Ilire Volksthtkmlichkeit war der 
Anlaß daß deutsche Worte bei ihnen in Gebrauch kamen. 
In der Münchener Handschrift (Cgm. 71 5. Tegernsee) welche 
die Lieder des Mönchs von Salzburg enthfilt, steht Bl. 4*: 
Zu den Weihnachten der froeleich ympnus Asolis ortus card- 
ine. Und so man daz kindel wigt Aber daz Refonet in laudib*- 
us, hebt unser vraw an ze singen in einer person: Joseph 
lieber neve mein; so antwurt in der andern person Joseph* 
geren, liebe mueme mein; Darnach singet der kor die and- 
ern vers in einer diener weis, darnach den kor.^) Wir haben 
uns also in der Kirche eine Krippe aufgestellt zu denken, 
an der Maria saß. Sie fordert Joseph auf, ihr das Kind zu 



Martene IV. 12^ 31. Gerbert vetas lituri^ia alemaiin. IX. 1, 3. 

*) Altdeutsche Blatt, von Haupt und Hoffmann 2, 329. Da3 ganze Ued ist 
von Fr. Pfeiffer mltgethellt ebd. 341. f. Eine Umdlchtung von JolT. Mathesius 
steht bei Fh. Wacuemagel das d^utsobe Kirchenlied n. 478» 



wiegen und dieser erklirt sich bereit dazu; der Kor stimmt 
da frommes Weihnachtlied an. In Welhnachtspielen, wels- 
che weiterhin mitgetheilt werden y wird sich die wSrfliche 
Eiimiermig an diesen Wediselgesang finden. 9 Wie volks- 
■lOig diese Cerimonie wurde, beweist ein Tttbinger Ge- 
briuch, der noch vor zwanzig Jaren bestand. In der Krist- 
nacht um zwfllf wurde nänüich auf dem Thurm der Tttbinger 
Hauptkirche in einer kleinen mit Liechtwn umstellten Wiege 
das Bild des Jesuslündes gewiegt , wfirend die Musik den 
Koral ,^e sei Gott in der Höhe^^ blies. Das unten zuseh« 
ende Volk sang darauf ein weltliches Wiegenlied. 2) So hat 
sich jene alte dramatische Darstellung anß der katholischen 
Kirche auch in die protestantische hierund da hinübergezogen. 
Diese Cerimonien waren bei allem heitern Weihnachts- 
tone doch auf ernsten und heiligen Boden gebaut. Frtthzeitig 
gesellten sich ihnen aber weltliche unkirchliche Gebräuche 
zu, die ihre Stfite neben ihnen in den Kirchen suchten und 
durch viele Jahrhundßrte fanden, angefochten schon durch 
Augustin, untersagt 1210 durch Innozeiis 111., in Spanien 
Frankreich England Deutschland dennoch wuchernd und bei 
uns noch 1651 durch eine Kölner Synode bekfimpft (Hartz- 
heim IX.- 739). Es sind jene Lustbarkeiten , welche die 
Schuljugend und besonders die Korknaben trieben und denen 
sich erwachsene beimischten , jener Brauch wonach die 
Knaben sich am Nikolaustage einen Bischof walten, der biA 
zum Tage der unschuldigen Kindlcin in seiner Wfirde blib 
and die kirchlichen Gebräuche nachamte, wobei es an Ver- 
spottung des ernsten und Entweihung des geweihten nicht 
feien konte : das Fest der Unterdiakonen oder wie es beOer 

Sandys Christmaa Carola p. CXX fArt eine Stelle an^ wonach im 16. Jh. 
aaf dem Festlande es allgemeiner Gebrauch war^ daß am Kristtage ein» Pappe^ 
velehe das Kristklnd vorstelte, auf den Altar gestelt worde^ Tor welcher die 
Kinder Weihnachtstteder sangen. 

*) E. Meier Sagen «uu Schwaben S« 404« 

4 



5b 

heißt das Fest der Narren und das fiselsfest. Es Htltte seinen 
Gipfel wie gesagt am Tage der nnschnldigen Kindlein, and- 
erwärts auch am Feste der Beschneidung oder an Epiphanias 
oder deren Octave (Durand! rationale Vn, 42). Ursprüng- 
lich bestand die Feierlichkeit nur darin, daß alle kirchlichen 
Funktionen des Tages von Knaben tollzogen wurden, und 
alles gieng nach dem herschenden Rituale (Martene IV. 13, 
11). Allein wohin dieser Gebrauch ittrte, mag die Baseler 
Kirchenversamlung bezeugen, welche in ihrer 21. Sitzung 
jenen schfindlichen Misbrauch untersagt, „daß die einen in 
bischöfliche und priesterliche Gewänder gekleidet den Segen 
ertheilen, andre sich als Könige und Fürsten verkleiden, 
andere verlarvt Schauspiele auSttren, andre Tänze und 
Gelage abhalten, und zwar alles in der Kirche.^' Am weit- 
esten scheint das Narrenfest in England und Frankreich 
gediehen zu sein; besonders in lezterem Lande spielte 
der Esel Bileams seine Rolle in den Kirchen und wurde vor 
dem Altar mit der schönen Strophe begrüßt : 

Orientis partibus adventavit asinus 

pulcher et fortissimus sarcinis aptissimus. 

Hez sire ^snes, car chantez, belle bouche rechignez ; 

vous aurez du foin assez et de l'avoine A plantez. 

Daß indessen auch in Deutschland dieser Unfug nicht 
spärlich getrieben wurde, beweisen die wiederholten Ver- 
bote namentlich in dem Kolner Sprengel. 9 Als Rest dieser 
Knabensatnrnalien hat sich im südlichen Deutschland und in 
Franken das kindein, auflündeln, fitzeln, pfeffern erhalten, 
der Umgang der Kinder am unschuldigen Kindleintage, wo- 



Vgl* weiteres Aber dieses Fest bei Du Cange ^ossarlvm med!» et Inftai» 
latinltatls s. v. festnm. Kalend«. — S. auch M. Cerbert de eanta et mnsica sacra 
n. 83. 236. VetQs Utnrg. alemann« IX. 7, 6. Mone Schansp. des Hlttelalt 2, 967. 
T. Scliack Geschichte der dramat. Literatur vnd Kvnst in Spanien 1, 89. 135. 239. 
Sandys Chilstmas carois CIV« ff. Arenttn Chronica -1600. f. 604. nr. 



51 

bei sie miier RHionachlägen sich eine Gabe erbitten. 9 In 
Stderauurk und Kumten sagen sie dabei : frisch nnd gesund, 
frisoh und gesund, lange leben und gesund bleiben. 

Gehen wir nun in demWeihnachtcyklus weiter und sehen 
wir zu, wdd&e Cetimonien am Epiphanienfeste sich zu dram- 
atisdier Lebendigkeit erhoben. Die Anbetung der drei Weis- 
en auß dem Morgenlande war nach der Auffaßung der latein- 
isclien Kirche der Gegenstand des Festes und bildet demge*- 
niO auch den Inhalt der Cerimoiden. Es ist abermals das 
Bitnale von Ronen, welches ftlr uns wichtige Mittheilungen 
maclit. Es heißt darin: Nachdem die Terz am Epiphanien* 
tage gesung^i ist, begmtit das Officium der drei Könige. 
Außdrei verschiedeneu Theilen der Kirche schreiten die drei 
Kdnige in Kappen mit Kronen geschmttckt auf den Altar 
m, begleitet von ihren Dienern, welche in Tuniken 
und Ueberwttrfeu die Geschenke tragen. Der erste Kdn* 
% welcher auß der Mitte komt, deutet mit seinem Stabe 
nach dem Stern und spricht: Stella fnlgore nimio rtttüat; 
der zweite von rechts kommend fUgt hinzu: quae regem 
regum natum demonstrat, und der dritte, welcher von links 
herzntritt, schließt : quem ventumm olim prophetise signav- 
erant. Da treffen die Magier vor dem Altar zusammen, kttss- 
en sidi und singen : )Samus ergo et inquiramus eum, offer- 
entes ei munera aurum thus et mirrham. Hierauf stimmt der 
Kantor das Responsorium an Magi veniuntetc. und die Pro- 
zession beginnt. Wenn es ndtig ist, wird dabei noch das 
zweite Responsorium gesungen: Interrogabat magos. So- 
bald die Processiön in das Schiff der Kirche tritt, wird ein 
Kronleuchter, der an dem Kreuzaltar hängt, angezttndet, und 
die Magier singen: Ecce Stella in Oriente prmvisa iterum 
praecedit nos lucida. H»c inquam stelle natum demonstrat. 



i) Sehmeller bair. W^rterb. 1, 306. 560. 2^ 310. E. Heier Sagen aas Schwab- 
4ff7. 

4* 



S2 

de quo Balaam cednerät dicens : Orietor stdla ex Jacob et 
exsurget homo de Israel ei oonfringet onmes duces alienigen* 
amm et erit omi^s terra possessio ejnis. Da treten zwei, die 
in Dalmatiken gehüllt sind, auf die beiden Seiten des Altars 
und singen mit sanfter Stinune * Qni sunt hi qoi Stella dace 
nos adeuntes inandita feront? Die Magier antworten: Nos 
snmus qni cemitis reges Tbarsis et Arabom et Sabae^ dona 
ferentes Cliristo regi nato domino, quem Stella dedooente 
adorare venimns. Die beiden in Dalmatiken schlagen den 
Vorhang znrfick und sagen : Ecce puer adest quem queritis, 
quem properate adorare quia ipsa est redemtio mundi. Die 
ICOnige fallen auf ihre Knie und begrüßen das Kind mit den 
Worten Salve princeps sceeolorum ! darauf nimt der erste 
das Gold von seinem Diener und spricht : suscipe rex anmm ! 
der zweite opfert den Weihrauch mit den Worten : tolle thus, 
tu vere deus ! der dritte bietet Ae Mirrhe als Zeichen des 
Todes. Wfirend dessen geht die versammelte Menge zum 
Opfer und das geopferte Gold wird den beid^i in den Dalm* 
atiken gegeben. Die Magier aber liegen im Gebet, und in- 
dem sie gleichsam auO dem Schlafe erwachen, singt ein Knabe 
in der Albe, den Kopf verhüllt, als Engel am Pult stehend 
ihnen die Antiphone zu : Impleta sunt omnia qu® prophet- 
ice dicta sunt. Ite ob (!) viam remeaiites aliam nee delatores 
tanti regis puniendi eritis. Da gehn die Könige dnrdi das 
Seitenschiff auß der Kirche und treten durch die linke Thfir 
in den Kor, indem der Kantor das Responsorium beginnt : 
Tria sunt munera. Wfirend der Messe leiten die drei Kön- 
ige den Kor und es wird das Kyrie fons bonitatis, das Alle- 
Inja, Sanetns und Agnus gesungen. (Martene 1. IV. c. 14. $. 9). 
Nach dem Rituale von Limoges wurde die Feier in 
dieser Weise begangen. Ehe das Volk zum Opfer gieng, trat« 
en drei Korsfinger (chorarii) in seideneu Kleidern, goldene 
Kronen auf dem Haupte , einen vergoldeten Bechei: oder 



SS 

aolidie Kleinode ia der Hand, dnrdi die größere Thflrln den 

Kor der Kirche, schritten würdevoll einher und sangen 

diese Prosa : 

quam ^gnis celebrnnda dies lata laudibus, 

in qaa Cliristi genitura propalatur gentibas, 

pax terrenis nunciatur gloria coslestibus. 

Novi parttts signiun folget orientis patria. 
Corront reges orientis, Stella sibi prievia, 

cumint reges et adorant deum ad priesepia. 

Tres adorant reges onom, triplex est oblatio, 
der erste indem er deA Becher in die Höhe hebt 

anram primo, 
der zweite : thns seenndo, 
der dritte: mynrham dante tertio, 

der erste: 

anmm regem, 
der zweite: thns coelestem, 
der dritte: mori notat nnetio. 

Unter diesem Gäsange sind sie in die Bütte des Korea 
gekommen ; da erhebt einer die Hand nnd deutet nach dem 
Sterne, welcher an einem Stricke vor ihnen herschwebt, und 
mft mit lauter Stimme : Hoc Signum magni regis ! Darauf 
gehen sie gegen das Hochaltar, singend ? Eamus , inquira- 
mus cum et offeramus ei munera aurum thus et myrrham. 
Sie legen ihre Kleinode nieder und gehen zum Opfer. Hier- 
nach singt ein Knabe hinter dem Altar als Engel zu den 
Königen : Nuncium Vobis fero de supernis ! natus est Christ- 
as, dominator orbis, in Bethlehem Jud», sie enim propheta 
dixerat ante« Da erstaunen die Könige und mit Verwunder- 
ung gehen sie durch die Thflr, welche nach der Sakristei 
ftlrt, indem sie die Antiphone anstimmen; In Bethlehem nat- 
us est rex ccelorum. (Martene 1. IV. c. 14. $. 12). 9 
■^■^— ^»^^» 

Aenliche kirchlicha Cerimonieia mit Prozesiionen von einer Kirche zv 
aii4«ni fanden im 14. Jarli. zn Mailand statt. Warton histoiy of f oetry U^ 128. 
SaadTi Cliristmas carols LXXXIX. 



u 

Die OpfergSnge des DreikOnig;tagM gaben inFrinU^«» 
reich Bnrgtihdund England zu Hofeerimottfen im 14.— 18. 
Jli. Anlaß. Die Ffirsten entzogen sich nSmlich dem Opf- 
ergange nicht, sondern namen im voll6n SduMCke dar- 
an Theil. Vor dem Könige von Frankreich, nnd war- 
scheinlich anch vor dem Herzoge von Burgund, schritt- 
en drei Kämmerer einher, welche die Gaben tmgen, welche 
vor der Kirche niedergelegt wurden. 9 Heinrich VII. von 
England hielt diese Cerimonie im höchsten königlichen 
Schmucke ab. Das geopferte Gold, Weihrauch und Myrrh- 
en sante der Dechant des Kapitels sogleich an den Erz- 
bischof von Canterbury durch einen Kleriker, welchem 
der Erzbischof die eriste erleAgte Ffrfinde geben nute. >) 
So zeigen sich uns alle Kreiße von den kirchlichen DarsteU« 
nngen der Weihnachtzeit berOrt. 

Ich habe vorhin erwähnt daß sich die Cerimonien von 
Ronen und lamoges zu noch größerer dramatischer Ffllle 
außbildeten. Diejenigen welche mit der dramatischen Liter- 
atur des Mittelalters bekannt sind, werden sich dabei jener 
beiden Dreikönigsspiele erinnert haben, des Herodes sive ' 
magorum adoratio und der Interfectio puerorum, welche zu- 
erst Monmerque auß einer Handschrift der Statbibliothek 
von Orleans in nur dreißig Abzügen fOr die französischen 
Bibliophilen heranßgab und die von Thomas Wright in sein- 
en Early mysteriös and other latin poems of the twelft and 
hirteenth centuries (London 1844) der gelerten Welt zu- 
gänglich gemacht wurden. Sie werden dem zwölften Jar- 
hundert zugeschrieben 3) und sind, wie die Vergleichung 
lert, auß jenem oder einem Snlichen Rituale hervorgegangen; 



Martene 1. IV. c. 14* f. 12. 6. Gilrres In den blstor« poUt. Blltteni B4. 
6. S. 12. 

^ Sandys Chrlstidaa Carob LXXIX. 
Wright a« a« 0. p. VI. 



«5 

es findet sicli wftrdidie Uebereinstimmung. Die Orleanser 
Kisterien sind weit mer aoOgefilrt ; daß sie aber ebenfalls 
in einer Kircbe und zwar in einer Klosterkirche gespielt 
wurden, beweisen die szenischen Anordnungen, wenn wir 
es onehin nicht behaupten müsten. 

Wir können nun auß Deutschland noch filtere latein- 
ische Kirchenschauspiele vorlegen, die ebenfalls zu dem 
Dreikönigsofiizium gehören und in genauester Verwantschaft 
mit den Misterien von Orleans und der rotomagischen Lit- 
urgie stehen; Sie befinden sich in zwei Freisinger, jezt 
Hfinchener Handschriften, welche dem 9. biß 11. Jarhundert 
zngetheilt werden. Die erste Kunde von ihnen gab SchmeU- 
eT% der mir wenig Tage vor seinem Tode Abschrift ver- 
mittelte. Das erste, der Handschrift nach ältere, behandelt 
das Erscheinen der Magier vor flerodes und ihre Anbetung 
des Kindes, das zweite den Kindermord ; sie gleichen auch 
bierin den Spielen von Orleans. Daß sie gesungen wurden, 
beweist ihre durchgängige Neumirung. Daijf erste ist leider 
in ser verwaschenem Zustande, so daß meine Abschrift be- 
deutende Lfioken hat und ich daran verzweifeln mttste, einen 
auch nur einigermaßen zusammenhängenden Text zu geben, 
wenn nicht das Orleanser Misterium und die Ritualen an 
mereren Stellen zu Hilfe kämen. Freilich bleibt auch so noch 
genug des Ittckenhaften, dessen Ergänzung ich einer neuen 
Vergleichung der Handschrift imd, was Hauptsache, der 
AaflSndung anderer verwanter Slisterien flberlaßen muß. 
hl den Anmerkungen bezeichnet den Text des Misters 
von Orleans, R das Rituale von Ronen, F unsern Text. 



Ysk HlJtori«6h-poUt&s€]M mitter Bd. 6. S. tf < 



se 
L Herodes sive Nagornm adoratio/) 

Cod. Frislng. 64*- Cod. lat« moiiAc* 6254*- f« 1* (scc« IX t) 

Ascendat rex et sedeat in solio, 

aadiat sententiam 

qaerat consiliom, 
exeat edictom 

nt per continno 

qai detrahunt ejus imperio. (T)^) 

Angeln «0 inqnit inprunis 
Pastores, annnutio vobis gandiam magnnm. 

Pastores 
Transeamns Bethleein et videamus hoc verbum 
Gloria in excelsis deo et in terra pax hominibus bone vo- 

Inntatis. 
Magns primus 
SteUa fldgore nimioO rutilat 

secundns 
qne regem regnm natum monstrat 

tertins 
quem ventnrum olim prophetie signaverant 

Simnl cantent 
Eamus ergo et inqniramns eom, offerentes ei munera aoniii 

thns et mirram. 
intrantes chorumO 
Dicite nobis, o Hierosolymitani cives, 
ubi est exsp^ctatio gentium, 
noviter natusO rex Judeorom, 
qnem signis celestibos agnitom 
venimns adorare? 



Die üebonchilfl nush 0. 

^ Dleae gereimten Vene, welche die seenische Anordnang und außerdem 
das Argument enthalten, wurden, wie die Nenmen beweisen, gesungen« 

*) Das durch den Druck auOgezeichnete ist erginst» 

nlmls. 0. nimio. R. Unser Text stimmt hier wörtlich xu R, wo eich 
die szenische Anordnung findet; Tgl. ohen S. 51 t 

<) Fflr chorum scheint die Hs. templum su haben, von intrantes schimmert 
noch es hervor. 

vbl est qui natus est. 0. 



Intenraneias cnrreus 
Salve rex Jadeonm! 

Rex 
Quid mmoris affers? 

Internuntius 
Assnnt nobis, domine, tres 
viri i^noti ab Oriente venientes, 
noviterO natnm regem quendam qneritantes. 

Rex 
Qae sit caasa vie, jamjam citns, impero, quere. 

Internnncins ad Magos 
One remm novitas ant qne vos cansa subegit^) ^ 
ignotas temptare vias? quo tenditis ergo? 
qnod genas? uhde domo? pacemne hnc fertis an 

arma? 
Magi 
Chaldei snmus, pacem ferimus, 
regem regnm qnerimns, 
quem natnm esse Stella iudicat 
qne fnlgore ceteris clarior rutilat.^) 

Internuneintf ad regem 
Yive rex in ceternnm! 

Rex 

Quid — habesque nnnti- • vives 

Internuntius 
Rex mir- • • • regis — 
• > • • voeemns nt eorum sermones au • • • • 

Internuntius ad Magos 
Regia vos mandata voeant, non segniter ite>) 

ad regem 
En Magi veniunt 
et regem regum natum Stella duce requirunt^ 



BOTiim« 0. MeTorangebende BegrOßang und die Antwort des KSnIgs 
weiehen in 0. ab, die Uebereinsttmmmif zwischen and F betrift auch wenig- 
er die Folge der Handhuigy als die Reden und Verse. 

*) Die Erginznngen aaO 0. 

WGrtUch mit 0* stimmend. 

0; aaeh in dem Welbnaehtspiel Ton Benedltt-^Beoren befindet sich dieser 
Vers. Carmlna barana Stnttg. 1847. p. 93. 

Jm 0. ttimMiid. . . 



Rex ad internuntiam 
Ante venire jube, quo possim singnla acire) 
qui sint, cor veniant, qao nos rumore reqnirant 

inde 

ant ^•^dic- • 

suavis ex •••••• • 

Rex ad Ma^nm primiun 
Ta mihi responde stans primas in ordine, fare! 

Reapond^at primas 
Impero. Chaldeia dominans rex omnibaa illia 

Ad aecin^dttm 
Ta autem onde es? 

Respondeat secandas 
Tharsensis regio me rege • • < Zoroastro.^) 

Ad tertiam 
Tute ••• onde es? 

Respondeat tertivs 

Me Arabes, mihi parent osqae 4fteles« 

Rex 
Regem, qaem qaeritis, 
natam esse, qao signo didicistis.O 

Respondeant 
Illam natum esse didieimus in Oriente ; Stella monstravit. 

Rex 
Ex qao illnmO regnare creditis, dicite nobis. 

Nunc respondeant 
Hunc regnare fatentes, cum mysticis muneribiis . 
de terra longinqua adorare v e n i m u s.^ 

Primus 
Auro regem 

Secundus 
Thure de um 



In- der Hs. folgen die Verse T« mihi responde biß nsqve ftdele« erst 
weiter onten Unter dem.Tom Armlger widerliolten Regia tos manditta Tocant. 
Sie scheinen mir aber lüerher za gehören. 

<) Zoroaster soll nach dem ETaagellnm Inflyitl» Arikb. die Aakwait der 
Magier Torher gesagt haben. 

Meine Abschrift hat memnnt. 

didicistis 0^ meine Abschrift qneristis. 

I>w Anfang ser sweifblhafU 

*) Zu diesem und den folgenden war besonders so vergMekea* 



Tertias 
Kirra iMrtalem 

Rex ad mUites 
Yos mei siniatri, aecite disertes pagina seribas pro- 

phetica.O 
IGlea ad aeribas 

Tos legis periti, ad regem vooati^ 

eDm prophetamm libris properando t e n i t e. 

Rex ad seribas 

vos scribe, 

interrogati dieite, 

ri quid de hoc puero 

scriptum habetis in libro. 

Respondeant scribe 
Tidimus domine in prophetarom libris 
nasci Christum in Bethlehem dvitate 
David propheta sie vaticinante: 

Antiphona^) Bethlehem 
Rex ad scribas 

ünem speetat pmdentia rerom? 

Yadite cum vestris estis ! 

et projiciat libmm 

Rex ad proceres 
Consilium nobis proceres dato ! laudis honoris 

Armiger ad regem 
Audi qne facias, rex, andi pauca sed apta ! 

mox des dona Magis , ne morari, 

ttt noviter nato quem quemnt rege reperto, 
rex, per te redeant ut et ipse sdas qood adores. 

Rex ad armigerum 
Abduc externes citibs, vasalle, tyrannos. 



In 0. VoS| ael sküf tri> legis peritos atclte, nt dlseant in prophetif qvod 
aentlaBt ex Ui« 

*) Chonis BetUeem non et mlnlna etc. 0. — Das folgende feit in 0. wo 
nr geoagt Ist, Herodeo sei fer somlg geworden; sein Son tritt dann anf^ ihn 
»I bciinfUgen. 

Die Abichrill hat an den heieichneten SteUen Lücken , weder noch R 
gehen Hilfe. 



Ämiig<«r ad teagos 
Regia vos mandata vocant, noii segniter ite.O 

Rex eonsilio habito dicat 
Ite et de puero diligenter investigate 
et invento redeantes mihi rennnciate 
ut ego veniens^) adarem enm« 

Magi aspicientes stellam canant 
Ecce Stella in Oriente prievisa 
itemm prsecedit noa loeida. 

Magi ad pastores 
Pastores dicite quidnam vidistis?^ 

Pastores 
Infanten! vidimns pannis involntnm. 

Angelas 4) • • • • 
Olli sunt hi, qui Stella daee 
nos adeuntes inandita fenmt? 

Magi respondeant 
Nos snmas, qaos eemitis, reges Tharsis et Arabnm et Sab», 
dona ferentes Christo nato,regi domino, quem Stella 

doee ad^rare venimus. 
Obstetrices 
Ecce puer adest quem qneritis. Jam properate et orate 0? 
quia ipse est redemptio mandi. 

Intrantes magi 
Salve princeps secnlomm! 

Primas 
Sascipe rex aorom ! 

Secondas 
Tolle thos, tu vere deus ! 

Tertlus «) 
Hirram Signum sepulture. 

Hier bringt die Ms, Jene oben eLngesezten Fragen Aber die Heimat der 
■agier. 

>) Anß 0. wo ditae drei Verse ond die folgenden avch sich finden^ für 
welche nicht minder R zu benatzen war. Vgl. oben S. 51. das Ritvale yon Ronen. 

3) Auch Carraina borana p. 90. 

In den Obstetrices^ in'R den beiden In Dafanatlken zagetheüt Ovaria 
nnd Joseph), 

Properate adorare R. et adoräte 0. 

•) In R die hiesige Reihenfolge, In die Myirhe m zweit. 



61 

Angelas ad prostratog magos 
Impleta sunt omnia qae prophetice dicta 9 ^^^^* I^^? viam 
remeantes aliam, ne delatores tanti regis puiiiendi s i t i s 9. 

Magi redeantes antiphonam canant 
regem celi. 

luternuncius 
In feteraam vive^, domine! 
Magi viam redieriuit aliam. 

Rex prosUiens 
Incendinm menm raina extingnain ! 

Armiger 
Disceme, domine, vindicare iram tnam et stricto mncrone 
querere jabe poeros ; forte inter occisos oceidetar et puer 9. 
Rex gladiam versaus armigero reddit dicens 
Armiger eximie, paeros fae ense perire ! 

Hos versus canteut pueri in processione regum 

Eia dicamns regi dies annna (?) laades 

Hoc dedit quod meus sperare ..••••• 

• • • gandia miUe 

Hoc regnnm regi • • • • quoq- • reddidit*orbi 

festa ehoreas 

• — - teuere 

moriens 

Expleto officio ^) 
Letabandns exnitet 
Angelns consilii 
Sicnt sidas radinm 



Scripta 0. 

■) ErltrU 0. R. vorher nee fftr ne. 

In den Hf, nacl^ meiner Abfchrilt Terwaichen« Von hier ab gehören die 
Vene In zv der InteifecUo puerorum. 

Christas 0. 

In der Handschrift In derselben Zelle mit Hos versus cantent etc.^ Letap- 
kondos mit Eia dicamns n. s. f. Letabndns exaHet fideUs choms^ eine bekannte 
I*rosAy bei CUchtovens Paris. 1556. Fol« 170. Angelas Ist der Anfang der drit- 
ten, Slcnt sidaa der f&nften Strophe« 



11. erdo Raehelis '). 

Cod. FHslng. 64. Cod. lat. Monae. 6264. f. 27 ^. (SM. XI.) 

Angelas * 
Ortam pastoris, pastores, nancio vobis, 
Qui redimet proprias pastor et agnus oves. 
Paiinis obductaa, decns orbis, gloria regnni, 
In feno situs est, qui cibat omne qiiod est. 
In Bethleem vite panem qneratis eundem. 

Augeii 
Gloria in excelsis deo ! 

Pastores 
Qms andivit bis similia, 
ab eterno mirabilia ! 
mirandum puerperinm, 
tantom habens ministeriniil 
Transeamns ergo Bethleem, 
explorare rei seriem. 

Yenientes ad presepe dicant 
regem celi, cui celicole famalantar ! 
clauditnr in stabalo conclndeüs cancta pogillo, 
despectissimas in terris 2) et sommus in astris. 

Choras dicat 
Pastores dicite, quidnam vidistis? 

Respondeant pastores 
Infantem vidimas pannis involatam. 

Angelus ad Joseph cantet 
Joseph Joseph, surge Joseph in Egyptnm, 
cum matre feras cito Christum, 



Alle diese Angaben, die scen. Anordnnng, die Namen der Personell sind 
in der Handiciir. rot. Von diesem Stflcke besitze ich eine Dvrehieieluinnf:. 

*) Terris liabitns et, Hs. 

s) In dem Ritaale von Ronen dem mefselesenden Priester, In dem von 
Nantes und Laon dem Cantor ragetheilt; Yg;L oben 8. 52. 

In ist die AntTordernng des Engels prosaiscli; Joseph geht mit Maria 
ab, Indem er nur das Aegypte noli Here singt In dem Spiele yon Benedictbenera 
Ist die Anflbrdening kurz nnd ebenfalls In Prosa. Joseph sagt nichts, Maria 
spricht (oder singt) die beiden Hexameter, die Ihr anch fder In den Muid ge« 
legt werden. Carm. bor. p« 91« 



ne enm maetandi» piierfs rex maetet et qpsum. 
Admonitas redeas abi nex frans rexqne quiescant. 

Joseph sorgena de atrata dicat ad Mariaia 
Eia prophetica dndam vox insonnit, 
angeliea taba nimc admonnit 
Intrat Egyptmn lax rnnndi dominna, 
levi carnis nube anperpositas; 
ydolis Bgypti eorruentibas, 
adest salns expectata gentibas. 

Itenim Joseph dicat ad Mariam 
Angelas a patria nos predpit ire, Maria. 

Rex fagendas erit, paeram qai perdere qaerft 

Maria dicat ad Joseph 
Omnia dura pati vitando pericala nati 

mater sam presto. Jam vadam, ta eomes esto ! 

Joseph pergens in Egyptom cantet 
Egypte noli flere t 

Intemnncins properans ad regem dicat 
Felix et virns 
Sit rex per secola divos ! 

Rex intemando respondeat 
Onid ramoris habes ? 
est pax an bellica clades ? 

Intemoncins respondeat 
Reges Uli, qoos misisti, 
explorare cnnas Christi, 
jnsso calle permntato 
redienint, te frastato. 
Quid factnms sis exqnire; 
constat eos non redire. 

Rex intemnntio respondeat 
Rex novns nt pereat 
regisqae fnror reqaiescat, 
omnibns modis 
et frande et dolis 3) 
mecnm satagatis. 



Camüna trarana p. 01. 

f) OKBibiu— doli« In meinem Facsimile nicht deutlich^ dalier der Text nicht 

gatichert 



«4 

Tm I I 

, : lüteniuiititts dioat 
In BetMeem natam 
probat i$tuiii pagina vatum. 
Inque, mäctetar 
mas lactans quisquis habetur, 
nallus ut evadat. 

Rex de solio prosUiens cantet 
Sic sie, quandoquidem de justis sencio fraudem, 
incendium meum ruina extinguaju i). 

Armiger regt respondens cantet 
Ecce ^) miles ego regius, 
ecce vindex regis gladius, 
paratus ad omne facinus 
quod jttbebit no«ter doaiinus, 
qui placabit irajn principi^ 
multa stjrage turbe simplicis* 

Rex ad armigenim 
Etatis bine pueros fac ense peririe. 

Armiger interficiens pueros dicat 
Disce mori puer! 

Angelus e longinquo cantef 
Christus sospes abiit, 
strages quem tanta reqnirit.. 
Ipsius in popohim 
trux furit in vacuum. 

Chorus cantet 
Hostis Herodes impie, 
Christum venire quid times ^) 

Rachel plorans super puerojs dicat 
dolor, o patrum mutataque gaudia matrum! 
ad lugubres Inctns lacrumarum fundite fluctusi 
Heu teneri partus ! laceros quos cemimus artus ! 
heu dulces nati, sola rabie jugulati ! ^) 



Vgl. oben N. I. S. 61. 

>) HUes ego ecce miles ego. Hs. 

s) Der bekannte Hyranas aaf das Eplphaoienftst , bei iUichtoveas (Paris. 
1556) Fol. 21. rw. SImrock Landa Slon (Köln 1850) S. 86. 

^) Ach, die Hs., ebenso ▼. 11. dieses Gesetzes. 

») Diese ersten vier Verse auch in 0^ 1. und 2« aber üi elMF spSteren 
Klage der Rachel« 



65 

Quid eonimiflifltiii qood talia fata snbistisf 
cor vitam vobia Iivor aubtraxit Herodis, 
quam nondorn vere voa coguoviatia habere ? 
Hen quem nec.pietaa nee vestra coercuit etas! 
Hea matres misere que cogimur ista videre ! 
Cor aatem natis patimnr snperesse necatis? 
saltem morte pari nobis licet hoa comitari ! 

Conaolatrix accedat 
Qaid ta virgo mäter ploras ^% 
Rachel formosa, cujus valtom Jacob ekctat, 
hea sororis agnicole lippitado eum javat 

Tergat hie conaolatrix ocolos Rachelia 
Terge terge mater flnentes ocalos, 
qai te deeent genamm rivnli. 

Iterum Rachel dicat 
Heu heu heu, 

quid tu me incusas fletus incassum fndisae, 
cum sim orbata nato, paupertatem meam 
qui aolua curaret O9 qiu non hostibua cederet 
augnatos ^ terminos, quoa michi Jacob acquiaivit? 

Conaolatrix accedens dicat 
Numquid flendus est iate, 
namquid flendua est iste, 
qui regnnm possedit <) Celeste, 
quique preces frequentans 
Biiseria fratribua apud dominum auxiUatttr ^). 

Te deum laudamus. 



Auf die einfache , an vielen ^ Stellen fiberraschende 
Schönheit dieser kirchlichen Dreikönigsspiele im einzelnen 
idnzaweisen, ist denen gegenüber von UeberflnO, welche 

INe<e beiden Vene auch In 0. 

O Flomie O9 and hinter formoM. Fflr Uppltado sest Wriglit Umpitodo« 

nentes Wright p. 31. 

((hiO paupertatem meam coraret. Wrlglit p« 31. 

Angnttoi Wrlgbt. 

Poffidet Wright. 

Preee freqnenta 'Wrlght. 

Ö I^e«M aniUleiiir Wright« 



dieselben lesen Verden. Die Fora «a besprechen, wird sich 
an einem andern Orte Anlaß bieten, wo ich sie ndt ver- 
wantem zosammenhalten will ; sie zeigen jene Verbindung 
von Prosa, von gereimten Knrzversen mit und one stroph- 
isches Gefilge, von reimlosen und leoninischen Hexametern 
die an diesen Dichtungen bekant ist. Daß es Schauspiele 
sind, welche in der Kirche gespielt worden, beweist das 
auftreten des Kors und namentlich der Schluß des ersten 
Misteriuins, wo das voraußgegangene als Oflfizium bezeich- 
net wird. Uns zieht notwendig die genaue Verwantschaft 
besonders an, welche zwischen diesen Freisinger und den 
Orleanser Misterien besteht; tieferen Grund fanden wir 
bereits durch die gallikanischen Rituale. Die kirchlichen 
OflPicia Regum sind der Keim ; daß dieser in Frankreich ge- 
legt wurde , ergibt sich auß der Kentnifs, daß in Gallien 
zuerst unter den occidentalen Lfindem die Weilmachtfeier 
außgebildet wurde. Ob die Freisinger, ob die Orleanser 
Misterien filter sind , wage ich nicht zu entscheiden ; das 
größere Alter des Pergaments und der Schriftzflge können 
die frühere Entstehung hier nicht bestimmen. Beiderseits 
findet sich einfache Anlage und Anlenung an den Riti^s ; die 
Thatsacfaen werden dargestellt mit ein&chem Außdmcke 
des Gefills ; das Streben dogmatische Leren zur Anschau- 
ung zu bringen, hat noch keinen Eingang gefimden. Schwer- 
lich föllt hiernach ihre Entstehung weit von einander; 
ihre gemeinsame Quelle ist sicher. Gemeinsmi stehen sie 
auch jenem Weihnachtspiele gegenflber, das in der be* 
kanten lateinisch-deutschen Liederhandschrii); von Bene- 
dictbeuren sich findet und in derselben von J, Andr. Schmel- 
1er für den Stuttgarter literarischen Verein heraußgegeben 
wurde 9* Dieser ludu^r de nativitate domini ist weniger 



Carmina barana. Lateinische «ii4 deutsche Lieder und Gedichte einer 



«ff 

6|iisoh*-draiiatfseh «k lyriflfch-didBcttoch ^ er breitet sich 
fiberdieO Aber den guizea Weihoachtcykliui anO. Die Ad- 
Tentieit wird durch die erste Abtheilung nach ihrer dog« 
matiBehea Bedeaiang dargestellt In der Mitte des kirch- 
licfaen Schauplatzes thront Angnstiniis, za seiner rechten 
die Propheten, zw linken die Juden. AoO jenen tritt Jesa«- 
iis hervor und eröffnet das Spiel mit einer prophetischen 
Strophe, weicher Antiphonen au& seinen Weißagongen 
folgeo. Daniel erhebt sich nach ihm, darauf die Sibylla, 
welche anf den Stern deutend unter lebhaften Geberden 
(sestu mobili) ihren Gesang yortrfigt. Nach ihr wird Aaron 
als vierter Prophet von dem Köre eingeftrt , und Bahuut 
anf dem Esel. Er schließt mit der Antiphone Orietur stelle 
ei Jacob. Da erhebt sich mit GetOmmel und Gestampfe der 
ArchiBjni^ogus und verhönt die Weißagnngen. Ihm wirft 
sich zuerst im jugendlichen Ungestttm der Episcopus pue- 
ronin entgegen und der dialecUsche Kampf begint, von 
den Propheten und Augustinus in wtlrdiger ernster Weise 
(vom sobria et discreta), von dem Archisynagogus unter 
Honkchen gefilrt. Auf die Schlußworte Augustins an die 
Juden daß sie an den Meisias, welcher nun erscheinen 
werde, glanben sollen, wird nur mit Lachen und heftigen 
Geberden geantwortet; dann ziehen sich die Personen 
dieser Abtheilung zurftck und die Verkttndigung Maria 
wird naeli den biblischen Worten aufgefttri Der Besuch 
bei Elisabeth und die Geburt Jesu folgen sich in raschester 
kürzester Weise, leztere nur dadurch bezeichnet, daß die 
iL Jungfrau im Bett liegt und die Antiphone Hodie Christus 
natos gesungen wird* Die drei Könige, welche nun auf* 
treten, sprechen jeder in mereren mit allerlei Geiersam- 

BaiidscMft des xm. Jabrhiinderts aas Benedlctbedern. Stattg. 1847. Der ladns 
KSBievs de oaÜTitate donüni iteht fol. 99 — 107 der Hs.^ S« 80 — 95 de« 
tackes« 



68 

keit gezierten Strophra. Sie begegnen den Boten dw Her- 
ödes und werden gefragt wer sie seien. Die KOnige sagen 
den Zweck ihrer Reise , die Boten theilen es sofort dem 
Herodes mit, welclier voll Unmut den Archisynagogiis kom- 
men Ifißty der ihm die Verstellnng gegen die KOnige rSt. 
Diese gehen nach knrzem GesprSch von Herodes fort and 
die Verkttndigong anf dem Felde bei den Hirten schließt 
sich an* Hier sucht der Teufel den Worten des Engels ent- 
gegen zu wirken, so daß die Hirten lange schwanken ob 
Warheit oder Lflge ihnen verkttndet sei. Endlich vom Engel 
Aberzeugt gehen sie zu der Krippe, beten das Kind an und 
begegnen auf der Rfickker den Magiern, welche sie frag- 
en : Pastores dicite quidnam vidistis et annuntiate Christum 
natum. Die Hirten antworten: Infantem vidimus pannis in- 
volutum et choros angelorum laudantes salvatorem. Die 
Anbetung der KOnige wird von keinem Worte begleitet; 
stumm legen sie sich nieder und der Engel ruft ihnen zu : 
Nolite redire ad Herodem etc. 

In den nfichsten Strophen drOkt Herodes seine Angst 
auß ; er hOrt von dem Archisynagogus Tu Bethlehem terrie 
Juda etc. und befielt sofort den SOldnem die Kinder zu 
morden. Es geschieht unter den Klagen der Mfttter. 

Eine ganz neue Reihe von Personen tritt auf; der KOnig 
von Egypten erscheint mit seinem Gefolge, zwei Lenz- 
und Liebeslieder 9 werden gesungen, denen sich ein Stud- 
ienlied, somOcfate ich es nennen, anschließt welches wider 
In ein Liebeslied übergeht. Da heißt es, als Maria und Jos- 
eph mit Jesu in Egypten einziehen, stfirzen die Götzen- 
bilder zusammen 9. Der KOnig, benachrichtigt hiervon, 

Carmlna bnrana n. 53. 123. 

s) Bekantllch gab dieser Starz der Götzen, welcher anf einer WelOagnni: 
des Jesalas gebaut Ist^ zn yielfaehen Berichten Anlaß. Vgl. Legenda aorea 
e. VI* €• X. R« Hoflnann das Leben Jein nach den Apokryphen CMptig 1850 
8. 1^. 



<9 

Mi die Weisen holen; die Bilder wider anfgericlitet faUeif 
wider susamieDy uod der Auftritt endet mit Entfemiing der 
GMzeiL Hie est finis regis Egypti. Der König von Babylon 
kumt mit Gelbige, daronter die Synagoge, die Ecclesia nnd 
die Gentilitas. Ein hOnischer Kampf gegen den Glauben an 
einen Gott wird Ton der Gentilitas gefttrt. Das Weihnacht- 
spiel ist hier nur Bmclistack und wfire an und ftr sidi in 
seinen Einselnheiten unverstfindlich , wenn wir nicht ein 
Oeterspiel des 12. Jh. auQ Tegemsee, den ludus paschalis 
de adventu et interitu Antlchristi 9 9 besfißen , auO dem es 
bier entlehnt. 

Der König von Babylon^) samt seinem Gefolge huld- 
igen dem Antikrist. Die Gentilitas schließt mit Drohungen 
gegen Herodes und der Verkündigung seines Todes. ,,Hier- 
auf wird Herodes von den Würmern gefreßen und von den 
Teufeln unter Frohlocken tot von seinem Throne genomm- 
en; Herodes Krone wird seinem Sone Arcliilaos anfgesezt. 
Als er regiert y erscheint in der Nacht dem Joseph der 
Engel''») So heißt es wOrÜich. Die heilige Familie kert 
zvllck. 

Absichtlich habe ich dieses Weihnachtspiel von Be- 
nedictbeuren äußerlicher erwähnt, damit sich der bedeut- 
ende Abstand zwischen ihm und den Misterien von Freis- 
iogen und Orleans klar zeigen solL Hier der strenge galli- 



ItiMififef • TOtt Bern* Fes in dem Thesaarns aneedotomm novltfimiu. 
T. n. p. 3 pag. 187—106 (Augast. Vlndel« et Orne. 1721). üeber Wernher tob 
Tegensee als Verfaßer dieses Spiels siehe Fr. Kngler de Werlnliero sne. HOL 
lunadio TegenueensL (Beroliol 1831) p. 35. — Besondera kommaa avO den 
tad. pasckal. p. 187* 101. 103. 105 in Betracht. 

<) Die Verse die er spricht, sind ihm aneh in dem lod* paschaL 0^1 Fesp« 
106) in den Mond i^elegt, dieselben spricht vorher der rex OrsBcomnu Die Versa 
vvlohe frfther der babjloniache K0nig sang (50. des Indos de nativitate) ge« 
ktai dem rei Tevtonicomm in dem OsterspleL 

In der Hs. nnd in dem Dmoke wird dieser Sati ror die Siene mit dem 
Uvigt Ton EgTpten geseit« 



kanisclie diim^ die Bdselrfiiikiing auf die geseliiehtiielieii Sse- 
lieii welche mit gleiehmSßigerLiebe anßgeftlrt irtnd, die Spra- 
che hiblisch oder wenigstens streng kirbhlich. Dort dagegen 
die Anfldenung von den Prophetenstimmen biß zu der Hein- 
ker aoO Egypten ; die Thatsachen werden als gröste Neb- 
ensache behandelt; die dogmatische and indfvidneUe An- 
sicht ist dem Verfaßer der Hauptzweck. Damm die Weiß- 
ägongen, der Kampf gegen die Jadenschaft, die Betracht- 
angen der drei Magier, der Slareit des Engels und Teufels 
bei den Hirten und endlich als Schluß die Zwietheilung der 
Welt in das kristliche und antikristliche Lager. Hier sind 
ganz neue Elemente wirksam, eine Weiterbildung des Dra- 
mas im allgemeinen und des Weihnachtspieles im besondem 
ist erfolgt. Ein leitender Fäden geht zwar durch das ganze 
durch, allein die Einheit des Gedankens Ist nicht begleitet 
von der Gleichmäßigkeit in der Außfbrung. Das kirchliche 
Element ist durch das humanistische und weltiüche be^- 
trfichtigt ; Erinnerungen an altklassisches Heidendiuiii drDck- 
en sich auß und das weltliche lateinische Lied der Zeit hat 
sich mit seinem kräftigen Flügelschlag in die Region der 
Antiphonen eingedrfingt. Das sind die Vorboten einer ganz 
neuen Zeit ftr das Schauspiel. So gehört das Benedict- 
beuernsche Weihnachtspiel einer jflngem Petiode an als die 
Misterien von Orleans und Freisingen ; es gehOrt mit dem 
Tegemseeschen Osterspiele in eine neue Reihe. 

Dieser ludus de nativitate domini auß Benedlctbeuren 
erinnert an das Slteste Misterium welches die pravenzal- 
tsche Literatur aufzuweisen hat, das Spiel von den klug- 
en und thSrichten Jungfrauen-^ Es ist scheinbar 



Es wird dem 11. Jb.xiigese1fflet>eii; siilest heravOgegoben tu dem Tk^atre 
fran^s an mojen ^ publik par L. J* N. Monmerqu^ et Fraa^. MlclteL Paris 
1830 p« 3—0; ikUher Ton Rajnonard In dem Cholx des pof^sles origloaits des 
troabadows. toI, n. 



PüfiloiiMpAel , wenigstens scliild^hi die «rsfen pro« 
fit&sdien Sitze die drei Marien am Grabe« Allein ich halte 
dieselben nicht zum Spiele gehörig wad sehe in d&t Hin- 
weisangen auf den Tod des BrMatigama keinen Gegenbe-« 
weis. — Gleich im Anfang spricht der Briutigam die Auf* 
forderang auft wachsam zu sein, deim er werde kommen die 
Welt von der Sünde Adams zu befreien. Die klugen Jnng- 
fraaen manen die Gespielinnen dem Gebote zu gehorchen, 
und widerholen provenzalisch, was derBrfiutigam lateinisdi 
gesagt hatte. Da klagen die thörichten daß sie kein Oel 
haben und die klugen verweigern es ihnen , sie mögen es 
kaufen. Aber die Kaufleute verkaufen es ihnen nicht und 
verweisen sie auf die klugen. Da komtKristus und verstößt 
sie ; die Teufel werfen sie in die Helle. Ein Freudengesang 
Aber die Geburt Kristi schließt sich an^ ^y mit der Hanung 
an die Juden dem Messias zuzufaUen. DiePropheten werden 
aofgefordert die Zweifel derer zu widerlegen, welche nicht 
an die Geburt der Jungfrau glauben wollen. So treten nach 
einander heran Israel, Moses, Jesaias, Jeremies, Daniel, 
Abakuk , David , Simeon , Elisabeth, Johannes der Täufer. 
Ihnen schließen sich an Virgil der vates gentilium, Nidbu- 
kodonosor das es lagene, und*die Sibylle. Mit dem Letabundi 
jubilemus schließt das Spiel, dessen zweiter Theil uns an 
den ersten des Benedictbeuemschen Misteriums erinnern 
maß, dessen erster aber, das Gleichnifs von dei klugen 
tind thörichten Jungfrauen, auch in der bildendep Kunst^) 
hiullg in genauer und leicht erklärlicher Verbindung mit 



Er ist der tlch«r«te Beweia daß dM Spiel ein WeikiiacliUjilffl UU Ex 
iiatet: 

Omnes ^ntes coogaadentea 

doit caatoin lettcie. 

Dens liomo flt de domo David 

mtw hodle» 
K.Scliiiaa8e6efciaclite der bildenden Kflnite« IV. 1^ 3d8 OMsMldoff 1860> 



T2 

den WeflmaGliivorsteniuigen erscheint WeimdieJnngfirenen 
eben so oft mit dem jflngsten Geridit zusammen gestellt 
werden, so beruht es daranf , daß dieses gewissermaßen 
die zweite Anknnft des Herren ist* Auf beide Zeiten, die 
Gebart des Heilands und sein kommen als Richter, ist Vor- 
bereitong not. Die interessanteste plastische Darstellnng 
dieser Gedanken, die wir danun erwähnen mttßen, findet 
sidi in der Vorhalle des Münsters von Freibarg im Breis- 
gao. 9 An der Seitenwand rechts vom Westportal des 
Langhaases stehen die Bildsfialen von filnf Vertretern des 
glfiubigen Judenthams : von Aaron, Maria Jakobi, Johannes 
demTfiofer, Abraham and Maria Magdalena; daran schließen 
sich die ifaif klugen Jungfrauen; ihnen folgt Kristos der 
Bräutigam. Diesen Figuren gegenüber an der Südseite der 
Vorhalle finden sich die sieben freien Künste, >) dann die 
ftnf thSrichten Jungfrauen. An sie schließt sich in der süd- 
lichen Portalschräge zuerst das Heidenthum oder die Syn- 
agoge (das ungläubige Judenthum), dann eine Grippe 
weldte die Heimsuchung, und eine andere welche die Ver- 
kündigung darstellt In der nSrdlichen Portalschräge steht 
dem Heidenthum gegenüber das Kristenthum, neben diesem 
die Magier. An dem Mittelpfeiler der Thür ist die h. Jungfrau 
mit dem Kinde angebracht 

Diese Gruppierung ist an sich verständlich und findet 
ihr dramatisches Spiegelbild in den Misterien von Bene- 
dictbeurep, Tegemsee und der Provence. Jenes Spiel von 
den klugen und tiiärichten Jungfrauen, das am 24. April 
1322 von den PredigermOnchen zu Eisenach vor dem Land- 
grafen Friedrich von Thüringen aufgefBrt wurde^ und ihn 



SehBMM a. a. 0. 401. KaDeiibMli and Selunltt christtdM KIrebeBVM« 
kuft 8. 182. HaUe 1861. 

s) Ueber dleta nngliifttge SMtang der wdfllelioBWIOoiiMhallTgl. SdnaM 
•• a. 0. d03j 1. 



78 

in siMies venageii stürzte daß er staib^O ^"^ diesen 
aUegoiisdi dogmatischeii Darstellimgeii , deren Geist die 
gune Zeit dnrchdraoig, verwant gewesen sein. 

Einmal eingedrungen konte sich das parabelisclie 
Element in dem Weihnachtspiel ein ser günstiges Feld be- 
reiten ; wenn wir wenig Schößlinge dieses Geistes besitz- 
en , so ligt dieß theils in der Ungunst welche fiber der 
dramatischen Literatur biß jezt gewaltet hat^), theils darin 
daß die Weihnachten in zweiter Festreihe stunden und die 
dramatischen Spiele der Passionszeit beliebter waren. Wir 
werden indessen weiterhin ein meriiLwflrdiges Denkmal 
des parabolischen Weihnachtspiels mittheilen, um so merii- 
wflrdiger als dasselbe noch heute in dem Volke der Steier- 
mark lebt. 9 

Gesünder , weil einfacher und nicht* auß dogmatische 
Abstection erwachsen, ist das prophetische und das dem- 
aelben nahverwante liistorische Weihnachtspiel. Wir be- 
flitzen in einer Handschrift des Yierzelmten Jarhunderts 
Ton St. Gallen ein ganz deutsches Drama, in dem sich der 
prophetische und geschichtiiche Karacter vereint finden.^) 
Zuerst keten die AltvSter und Propheten auf als Verkündig- 
er des nahenden Messias, wie in dem Benedictbeurenschen 



Menke« •eriptoret renim gtrmaiiiearam m. 320. f. 

>} In den yon Ad. KeDer flr den Stattgarter literar. Verein cum Druck be- 
•orgten FMnaehtf plelen linden eich unter Z. 29 vnd 68 inerkwttrdlge Sttteke yom 
Entdnifty welche bewelfendaßjenerhidnspasehalle de adventa etlnterltnAnttchrUtt 
■nß Tegenuee nicht als hloO kirchlichee Mieteilnm xa betrachten ist, sondern 
dafi er tief in das Volk drang. Sie Tlelen Gedichte yom Antikrist und altheld- 
■iache ErlBnemngen wirkten cusaamen. 

IN« Bidarlittdisehe yteratur bietet ab Weihnachtspiel dieser Klasse die 
eetite blUscap yan Maria (heraaßgeg. yon Willems in dem Belgisch Museum 
n, 50-138). Sie ist Vertreter einer Reihe entsprechender Stflcke; ygl« auch 
Hone Ueberrieht der niederlindlsehes VolksUteratnr fiterer Zelt. T«bing. 1888. 

8.366.1 

f) Von Mose unter dem Namen ^^Kindheit Jesu'< heranOgegeben in seinen 

Sdttuspleta 4es Mttleialtüt 1^ 18:^181 OMinnüi» 1846)» 



n 

hänB dd niitivitaie daminl. Hier sind es Mosed^ Belaam^ 
David, Salomon, balM, Jeremias^ Daniel Daran soUiefit 
sich die Vennfihliuig; Josephs mit Maria und die Hein- 
sadhnng) die Geburt, die Anbetung dwch die EBrtenund 
^dnrchdie TdchterSion, die drei Könige vor Herodes, die Be^^ 
gegmmg der Magier und der Hirten, ihre Anbetung, die Dar- 
stellung Jesu im Tempel, Herodes Befel zum Kindermord, 
die Flucht nach Egypten und die Klagen der Rachel, endlich 
die Aufforderung des Engels zur Heimker nach Nazareth. 

In solcher Weise entstunden im 14. und 16. Jh. gewiss 
vide Weilinachtspiele , f&r welche nun auch die deutsche 
Spradie durchdrang. Ein Bruchstflck besitzen wir von einem 
mitteldeutschen derartigen Spiele 9> das gaiiz dem vorigen 
gleich angelegt scheint. Augustinus fordert den „Heiden^^ 
Virgilius auf, den Leuten zu sagen was ihm von Kristus be- 
kant sei und Virgii spricht nun jene prophetische Stelle, 
die sich in der vierten Ecloge seiner Bukolika findet und 
von dMi Mittelalter auf Kristus gedeutet ward. ZuverlfiOig' 
traten noch andere WeiOagen auf und dann scUofi sich 
die Geschichte der Verkündigung und Gebutt an. Auch dies- 
es Spiel ist ganz in deutscher Sprache zu denken ; es ge* 
hört demAnfangdes 14., vielleicht dem Ende des 13. Jh. an. 

Manche dieser Spiele scheinen nicht so umfangreich 
gewesen zu sein und nur einen Theil des heiligen Stoffes 
behandelt zuhaben. Dieß beweist das Spiel von der Verl^ünd- 
ignng, welches in Baiern am Ende des 14. oder am Anfang 



Nach den aiitt<iait. biblic. d«8 J. Konr. IMotrieh mitgethettt vm VMdrick 
von Stedt ip Mtnen Speclnflii leettonum «ntlquamm flraadeanui ^ OtSrUI mo- 
mukk WisMbiugoiiflls libris eTaiig«U<tt-am at<|«e alUs ecdesle chrUtiaa» gf* 
»Miic« veteris momunentls antiqviMimU« Stadao, 4^ p. 34. Die Sprache kt 
.Mltteldeatfch; dae St««^ mag aaeh Heßen Tiitringea ader NeiOen gtlifirea. 
Fftr Aagostiu^ was bei Stade und andern steht, war nnbedeniülch Amgastlniis 
SU schreiben. Da die PropbetenstlameA dsntscti skid , Ist aiuMneiaMi daß die 
historischen Thelle um so ei^r de«tsch: geschrtebeii warett. 



n 

kB IS. Jh« etMtaAen sUn nmg.^ Nidi dem Prologe des 
PhBonrsornnd den Argoment, welches dnrcb drei JflngUnge 
giesprodien wird, lifllt der Jude Talmut (!) eine Rede über 
das Verbot Scbweinefleisdi zu eßen } aber der Pnocnrsor 
keiOtiha seine unzeitige Belerong nnterbrediea , denn es 
sollen Wunder verkttndet werden. Isaias tritt mit seiner 
Weiftagnag au^ worüber sich die Juden erzürnen und mit 
iin ein dialectisches Gefecht anheben, gerade wie in dem 
£^el von Benediotbeuren.^) Die Beweise der Propheten 
wollen aber nicht überzeugen. Das Hissns est angelus wird 
gesungen und derPriecursor scMieOt mit einer Lobrede auf 
die h. Maria. Wir lernen auO diesen Stacken^ wie die kirch«* 
liehen Vorbilder in diesen deutschen Spielen fortlebten, 
wie sich aber auch Geschmacklosigkeit und Roheit zeitig 
liiDein finden und ihr Leben geftrden. 

Ein kurzer Blick auf verwante Erzeugnisse der eng- 
hsehen dramatischen Siteren Literatur mag nicht ttbeiAkOig 
sein. Unter den zu Coventry lange Zeit an dem Fronleichi» 
ncmsfeste aufgefilrten geistlichen Spielen, welche die gimze 
evangelische Geschichte in ihrem inneren Zusammenhange 
darstellten^), befinden sich merere auf die Weihnachtzeit 
bezügliche Stftcke. Zwei behandeln den Verdacht Josephs 
gegen Marias Schwangerschaft und die Reinigung der Jung«* 
frm durch ein Gottesurtheil nach apokryphem Beridite.^) 
Den ersten Gegenstand finden wir schon in angelsfichsischer 



FHUier In 4em Sterzinger Archlr , Jert in der Bibliothek des Innslirncktr 
Hueonu. Nachricht daTon gab Ad. Pichler Aber das Drama des Mittelalters in 
TInL 8. 5. f. Gnnsbmck 1850). 

DIea« Mspatationem »AOeii ser g«blien haben» Hans Foix tchrlb ein 
Fasnaehtsplel: die alt nad neu Ee^ worin die Kirche vnd Synagoge auftreten 
nad der Doctor den Rabl der Albernheit nnd Yenrorfenheit des Jadenthnnu s« 
ihcfffken facht« rastnaehtspiele des 15. Jh. heranßg. von A. Keller no* 1« 

>) WIB. Marrlot a coilection of englisch mlUBMsleplays or mjsteries. p. XUI. 
(BMI11S3&) 

MMHott a. a. 0« 41--47. 48*56. 



Zeit^ vennnieht dramatisch so docli ^alogtscli, behandelt, 9 
und als Szene audi in ein anderes Coventryspiel nnd ein 
altfiranzOsisches Ifisteriam (JnbinallL 54—58) aiüTgenommen. 
Umfanifreicher ist das zur selben Reihe geMrige Spiel von 
der Gebort Kristin das in genauer Verwantschaft mit unsem 
deutsehen Dramen steht. 2) Jesaias eröffnet das Spiel mit 
der Weißagung und einer Rede von der Bedeutung* der Ge- 
burt Kristi. Die Verkflndigung schließt sich an , dann der 
Verdacht Josephs und seine Abbitte, die Verkflndigung bei 
den Hirten und ihre Anbetung; darauf das GesprSch zweier 
Propheten über die Erscheinung des Messias ; Herodes mit 
dem Boten tritt in höchstem Uebermut auf; nach seinem 
Abgange kommen die drei Könige, ihre Szene mit Herodes, 
die Anbetung und der auOf&rlich behandelte Kindermord. 
Da komt dem Herodes die Nacliricht, das gesuchte Kind sei 
nach Egjrpten entflohen, und das Spiel scUießt mit dem Be- 
fele ihm rasch ein Ross zu satteln, er wolle es dortliin ver- 
folgen. — Jflnger (von 1512) ist ein Lichtmefsspiel , in 
welchem der bethlehemitische Kindermord die erste Ab- 
iheilung bildet (Marriott 199—219). 

Eines der außftrlichstenWeihnachtmisterien ist fran- 
zösischem Boden enstiegen.^) Es begint mit der Schöpfung 
und dem Sfindenfalle ; die Verheißung der künftigen Erlös- 
ung schließt sich an und der Ruf der AltvSter und Propheten 
um die Erlösung folgt. Die zweite Abtheilung eröffnet die 
Vermählung Mariie; dann werden die Verkündigung und 
Josephs Verdacht vorgeftlrt. Nach einer Lücke finden wir 



9 Codei exoBlensts. A eonaefloii of anglOMDtoii poeirj, hj B« Tkoife p. 
11—14^ 3 0«oiidoii 1842). Ein Cleb€t des Dichten tcUleOt slek aa« Na^ ter 
Jingit TOtt Dr. Dietrich In Marhiirs anfgestelten Behanptang gohflrto dleeer Dialog 
den Dichter Cynemif ood seinen ETangellengedlchte an. Hanpt Zeltachtift 0, 107. 

9 The NattTitj bei Manlott 50-88. 

•) Bei Ach* Jnblnal Mjst^ief in^dits da XV. alecie, ton« U* p. 1^78 
70—136 (Paria 1837). 



die heutige Familie in BetUehem ; die Voififlle bei der 6e*- 
burt im Stalle werden anßfllrlich behandelt und die Hirten- 
8ceoe bequem dorchgeffirt. Die Fortsetzung , das Drei- 
kSnigspiely stellt die Geschichte Kristi von dem auftreten 
der drei Könige biß zur Heimker auß Egypten dar. — Noch 
anOgedenter ist das Mystöre de la conception de la Yierge 
Marie 9 la nativitö d'icelle, avec la Naissance de Jesus 
Christ 9* £s begint mit dem flehen um Erlösung und geht 
biß zu Jesu zwölftem Jare, wie er mit den Schriftgelerten 
sich unterredet und seine Eltern ihn suchen. 

In Spanien^ um dieß zulezt zu erwfihnen, in dem frucht- 
barsten Lande des geistlichen Schauspiels, nam das Weih- 
nachtspiel denselben Anfang und hielt sich in derselben 
Weise, wie in den andern occidentalen Lfindem 2). 

In der Zeit, da sich das spanische Drama zu heben be- 
gann, hatten Juan del Encina (1504 — 1534) und 6il Vin- 
cente besonderen Einfluß auf die Behandlung des Weihnacht- 
spiels, 80 daß sich ihr Vorbild noch in den autos al nad- 
miento der folgenden Zeit erkepnen Ifißt ^). Mit besonderer 
Liebe werden von ihnen die Hirtenszenen behandelt. Als 
ein Muster dieser Gattung kann das Hirtenspiel des Pedro 
Snarez de Robles (1561) gelten, welches schon seinem 
Titel nach ein Hirtentanz ist, der in der Kirche von zwei 
Reihen aufgefllrt wurde. Nach der Verkflndigung stimmen 
die Barten einen Gesang zu Eren des Kindes an, dem sich 
ein Wechselgesang mit den Engeln anschließt. Mit der An- 
betang endet das Spiel ^). So einfach blieben diese span* 



Im Anßznge mit|;etheUt von den firfldern Paifait Iji Ihrer Hittoire da 
th^atre fran^oU I^ 59 — 15S (Amaterdam 1735). 

VgU A. F. T. Schack Geschichte der dramatischen Literatur ttüd Knnst 
In Sfaalen. 1^ 113. (Berlin 1845.) 

») Schack a. a. 0. 1, 149-152. 106» 2> 103. 

<) Schack a, a, 0, 1^ 240. f« * 



iadien Welhoaektstftdce freilich nicht; auch iii sie drang 
die Allegorie ein nnd die g;rS8ten spanischen Dramatiker 
versuchten sich an dem Stoffe den sie hoten. 



Durch die vorangehenden Nachweisungen haben wir 
uns zumBewustsein gebracht, wie die Kirche die Geschichte 
der Geburt Kristi in der Liturgie dramatisch lebendig be- 
handelte, wie sich darauO selbststfindigere dramatische 
Szenen entwickelten und wie sich auO ihnen ein geistliches 
aber auOerkirchliches Schauspiel gestaltete. Leider feit es 
uns oder wenigstens mir an urkundlichen Belegen, um die 
kirchlichen Darstellungen durch die Jarhunderte zu ver- 
folgen 9* Wenn aber in andern Zweigen unserer Alter- 
thumswiOenschaft ein Schluß von heut bestehendMi auf die 
Vorzeit nicht bloß erlaubt, sondern gefordert und höchst 
iruchtbringend war, so mag dieses verfaren auch hier an^ 
gewendet werden. Zwar haben sich meines wißens wirkUcbe 
dramatische AufiUrungen selbst in den Dorfkirohen Ober* 
deutgchlands nirgends mer erhalten ^ , allein es werden 
doch in mmichen von ihnen noch Weihnachtgeafiage mit ver 
theilteu Stimmen gesungen, welche uns gewüsermaßen in die 
alten liturgischen Darstellungen versetzen« Ich kann hiervon 
einige Beispiele mittheilen, Sie gehören in die Kristmetto, 
diese fröliche nächtliche Feier der Geburt Kristi, und be* 
handeln demgemäß die Verkündigung der großen Botschaft 
bei den Hirten. Daß gerade diese Begebenheit von dem 

Ein pftr her)j:eh6rlg:e Notizen bei Hart. Gerbert de canta et mvslea Mcrs 
n. 82 (S. BlasU 1774). Ob das Drelköiügssplel , welches 1768 bei dem Braode 
des Stiftes S. Blasten yemlchtet wurde nnd das Im Kloster von den Grafen von 
Lnpfen, FArstenberg n. a. anfgefart wvrde ^ Älterer oder nenerer Zeit angehört^ 
ist mir anO Gerberts Angabe nicht dentUch. . 

Ich trenne die geistlichen Anff&mngen anfierhalb der Kirche, welche 
nnter Leitung nnd BetheUignng der Geistlichkeit standen nnd biß vor hnrxem 
aalreich genug in Oberdentschland statt kalten, von den aienlSGlien DarateBongen 
keUlger Geschickte Innerkalb der (irckeni 



7t 



Volke und von velksUiftmlickm Gdsdiclien mit besonderer 
Vorliebe behandelt wurde, ist leicht be^eiflich ; mein Bnch 
wird daftkr die reichsten Belege g^eben, aoß denen der 
Grund dieser Vorliebe in jedem Verse spricht. Die volks- 
thflmliche Haltung , der gutmtttige Scherz, velche darin 
herrschen^ thun, wie alle vomrtheilsfreien wlDen, der An- 
dacht des Volkes keinen Eintrag ; sie wird hierdurch mer 
angeregt als durch nüchterne dogmatische Betrachtungen 
oder durch helllose Polemik. 

Das erste, welches folgt, wurde in der Kirche der Er- 
wfird. Ursulinerinnen zu Graez gesungen, ein Wechselgesang 
zwischen einer Diskant- und Altstimme mit Begleitung der 
Orgel, zwei Clarinetten und Pauken. Ich entneme es einer 
Aufzeichnung auß dem Anfange dieses Jarhundcrts, welche 
von dem Organisten Zehner herrürt, der vor ungefSr vier- 
zig Jaren starb. 

1. 
Canto. Gelt, Brudar liaba Bua, 
du sagst grad ja dazua. 
Da alls in Dorf recht schnarcht und schlaft, 
bahn wir all zwen was neigs dafragt. 
Der Himmel is recht Sterna voll, 
die Musik oni Gspafs !s toll. 

Alto. Schau Brudar, ha! sigst not? 
die Engerln spiln selbst mit; 9 
sie neigen si gegii der Erden all 
und machen d Musik öbern StalL 
Läf mit zum Nachbern, laß uns sechtt, 
was denn heüut Nacht no neigs is gschechn. 

2. 
Canto. Botz Plunder, was is doas ? 

schau gschwind durchs Augengloas ! 

Der R«iiiinSt: mit /beweist daß dna Lied nieht in Steier gediehtet wurde, 
tOBdeni in einem tande wo die Negation nlt lavtet^ nlao etwa In Klcnten. fif 

1)e(liiemte sicli aber steiriscber Außsjpraclie. 



80 



n* 



an Jimgfiraii und an alten Mann, 
die segn uns ja gar firenndli an ; 
es ligt a Kind im Krippel dort^ 
die Engerln singen immer fort 

Alto. Allein Göt in dA Höh 

sei Ehr jezt and wie eh ! 
r Nur schady es muaO das kloane Kind 
da liegn bein ösel und bein Rind ; 
es ist ganz bloß^ daß Gott derbarm ! 
geh hin und nims flugs ftfii Arm. 

3. 

Canto. WassölimitihmihAnr 
nix ößen mags allftn ; 
und koch i ihm halt Brein und Sterz, 
da bringt das Kind nix flbers Herz. 
In meina Hfltten wärs a Spot, 
daß söl einkeren der wäre Göt. 

Alto. I laß das Kind not auß» 

trags in mein Nachbarn Haus. 
Dort kriegts a Koch und Milli gnue, 
i kanns höm suchen alle Tfig 9* 
Geh, geng ma, seg ma d Jungfrau an, 
und s Kindel mit dem alten Mann. 

4. 

Canto. So lAf i gschwind voran 

und sag im Dorf enk 2) an, 

daß d Nachbern was zusamma tragn, 

an Putta s) und an Hönigfladn, 



Von fpiterer Hand dorelutricheii und dalttr geieit: in aa Hoi« 

Enk, euch; alte Dnalform^ aber In rein pinraler Bedentaa« geimnclit, 

•0 da(l ,^encli'< niclit daneben g;ehart wird. Vgl. J» Orimm OescUchte der 

dentfchen Sj^rache« S. 072. C (Leipzig 1848).- 

Der Butter, balrisch-asterrelchltcli (ein fdr aUemai bemerkt rerttebe ich 

nnter bairiechi-teterreichiecb die gemeinsame Mondart dei eigentUcben Baiemi, 

det Erslienogtl^, Oeiterreiclis, Steiemariu, Kfmteni mid Tlroli. UttteraMfceil* 



81 

a FederlbeHel richten zua, 

da liegts Kind |rur äf Hea iHid Steah. 



Alto. Bleib liaber nö hei 

i niiuiiglÜad gtei od« «ir. 
Die Jnngfi^n mit dem altea MaM 
fitar du ganz freimdli sacht yeran, 
damit all drei heiaammcii aein^ 
in unsrer Hütten keren ein. 

5. 

Chorus. So Iftf ma alli zwän 

und bitten halt recht sehen, 
daß s' uns vors Kind Sn Oertel göbiiy 
wos oni Frost nnd Gstank kann löbn. 
Ja ja, mnaO sein parola, ja, 
a Federbett anstatt dem Sixek. 
Glaub was ma gnats haben thodn, 
das bleibt not oni Lmu 9* 
Das kleine Kind der große 6öt 
hilft uns aft 2) 4 auß aller Not; 
und wann er zu seim Voada kirnt, 
so hoff ma daß er uns mit nimt. 



Das zweite ist auO der Kirche von Mosburg bei Klag- 
enfifft in Kärnten und ebeniaUs ein Weehselgasang zweier 
Hirten. Das Lied ist vomemer gehalten und nicht in der 
Mmidart. Vielleicht wird es noch gesungen, wenigstens 
war es noch vor wenig Jareu im Brauch. Da diese Lieder 
nicht zum eigentlichen Gottesdienst gehören , hängen sie 
von dem Leben und Sterben der alten Mesner ab. Die jung- 

mgeii fiad zwar fbr die Diaiecte dieser Lfinder anfziistenen , aber Ihr UrsproDg 
■od ihre Hanj^tart Ut dieselbe). 

Loan, Lon: dialectische Mh nachweisbare Firbmig des o« vgl. meine 
DUlectfofsclma« 8. 24. 

Alt, nacblier. — Ein für allemal werde bemerkt daO die Außspracbe der 
kwun wA laagen a fast dorehgingig unrein ist. 

6 



en Lerer verdrSngen sie allenthalben und seteen am liebst* 
en lateinische llbsiken an ihre Stelle. 

Primo Boloi 

Was komt doch heut von Bethlehem 
Ein solcher Schein zu sehen T 
Mir scheint^ es muß dort bei dem Stall 
Was bsonders sein gschehen. 

Basso solo. 

Mir komt es selbst nicht auß dem Sinn^ 
Wir mttßen auch hinsehen, 
Zu sehen vas so viele Leut 
Ja gar so viel hingehen 9- 

Ambo. 

Wunder hSrt man schreien, 
Den hSchsten benedeien, 
Der von dem Himmelsthron 
Uns elenden auf Erden, 
Nur daß wir selig werden, 
Gesendet seinen Son. 

2. 

Jezt sind schon unsre Wflnsch erfUlt, 
Hefsias ist gekommen. 
Ein Engel singt: „Gott sei die Er, 
Den Mensdien Fried auf Erd.^^ 

Basso. 

So hat er wegen uns 
Die Menschheit angenommen. 
Wie groß war seine Liebe doch, 
Wir seind es ja nicht wert, 

Ambo. 

Daß der uns l^tt erschaffen 
Und der uns konte straffen 



Hs. alieiin. 



8S 

Mit der Natur vereint. 
In einem seUechten Stalle 
Anstatt dem Himmelssale 
Uns als ein Kind erscheint ! 



3. 
Gott soll das dein Herberg sein 9 
Bei zwei verachten Thieren T 
Wo ist der Himmelsbtirger Schar, 
Die sonsten didi begleit? 

Basso. 

Dn hast dir einen Ort erwSIt, 
Wo es ja znm erfrieren. 
Wo Elend Armut und die Not 
Fast um die Wette streit. 

Ambo. 

Du ligst in einer Krippen 
Zwischen finstem Klippen % 
Soll das dein Ruhstatt sein? 
Anstatt der Engel Scharen 
Die Thiere dich bewaren ; 
Was kann wol firmers £(bin ? 

4. 

Ihr Elteni des vermenschten Gott, 
Seht wir sind arme Sflnder ! 
Ersetzet das was uns gebricht 
Und bittet euren Son, 

Basse. 

Daß er uns seine Gnade gibt 
Zu bleiben treue Kinder, 

VgL UbI flimt famnll^ aala^ thronos^ potesta« et stratam lectnll. 
Hyiu. In BetUeem transeamiu. 

Nach den apokiypUachen Evangelien wurde Jesns In einer FebenhOle 
vwBetUehem geboren, Hofmann Leben Jesn nach den Apokrjphen, Leipzigs 1851. 
S* 106. Vgl. auch welter anten das Lied: Da das Gebot ward angeitellt Str. ^ 
V4 wie et« ao rashe KUpK»* 

6* 



84 

Und wenn der Feind uns stQrzen 
Sich nnsrer nttne an* 

Ambo« 

Daß wir auch nach dem sterben 
Das Himmelreich erwerben. 
Was könt uns mer erfreun 
Als in dem Himmel oben 
Gott ewig ewig loben 
Und in den Fronden seinT 



Auch das folgende ist vonHosbnrg. Es istganz^ volks- 
thflmlich und ein ansprechendes tranliches Lied. Durch die 
Einftirung des Engels als dritten Sängera, zeigt es eine 
Fortbildung zu mer dramatischer Art. 

1. 

Hirt« Lustig lustig ist es heunt 

Weil so hell der Monat ^ scheint. 

Wie komts dir 

Lustig ftlr^ 

Nachbar, lieber Freund ? 

E n g e L Gloria in excelsis ! 

Ere sei dem Menschenson, 
Der heut komt auf Erden 
Vom hohen Himmelsthron. 

Hirt 1. MueO schon spfit sein, weil so kalt; 
Glaub es is schon zwölfe bald. 

Hirt 2. Kann nit sein; 

Washilftsgrein? 2) 

Wanns schlagt, so zäl ma halt. 



Monat fttr HMid anch alid. und ndid, naehsvweUeii ; der bairische DIalect 
hat cf bewart. Sctamener balr. Wdrterb. 2, 584. Sonst Ist In Kirnten amtk das 
•InÜMbe Moaae für Kond gebr&nehllch. 

ereinen: klagen, weinen $ sonst aacb mniren ind selielten. 



2. 
Hiri 1. I hfire allveil Gloria schreio! 

Hirt 2. Meil ^e fallt dir das Ding ein ? 

1. Los ^) nnr.znel 

2. I hoBr zue^ 

Es mueß schon zwölfe sebi. 

Engel. Eflt in SiaU nacb Wethlachem 3), 
Dort ligt euer Herr und Gott 
Als ein Idein anmftndigs Kiad 
Ganz arm in gröster Not. 

Hirt. 1. Mei! wer singt so wunder sehen T 
Kann es jö blutleicht vwstehn. 
Zue dem Kind 
Sdl ma ^) gschwind 
Auf Wethlem umme gehn. 

3. 

Hirt. 2. Sigst du, wann mein Aug nit liegt^ 
Mein Aid ! ^ dort ein Engel fliegt ! 
Gib nur Acht ! 
Bei der Nacht 
Dan dfta ^) was betriegt. 

Engel. Laufls ^ ihr Hirten, laufts geschwind, 
Euch das Kind zuerst verlangt, 



Mel^ mein! oberdeutscher Aiißmf der Verwunderaiig. ScbmeUer 2, 502. 

Loten ahd. hlof^n, hören ; In ganz Oberdevlsehland noch gobranoht« 

*) Der üebergang Ton b sn w, nnd nmgekert ron w la b, lit In der bairifch- 
fiitem Mundart Gesetz. Vgl. auch meine Dialectforschnng (Wien 1853). S. 72. 

Sollen wir. 

Mein Eid^ gewOnliche oberdeutsche Betheumng, rgi. Sfihmeller 1, 27. 
Auch Im Odenwalde mein Id. In Steier nnd Kfimten Jezt im venchwindea 

Außlantendes r wird in einsilbigen Worten und In Bildungssilben 
^änig abgestoßen. 

— ts— die balrisch-Osterr. Endung der 2. pU prsBs. und Imperatl?. vgL 
Sehmeiler die Mundarten Baiems grammatisch dargesteUt. Mflnchea 1821. ^.812 
—314. Die fitesten Belege die Ich dafttr kenne sind aoß einem MAsäi des 14* 



sc 

Euch wirds rufen auch zuerst 
Wenn es im Hiimnel prangt. 

Hirt. 1. Schau! der Engel gibt nit nach, 
Hirt. 2. Das is mal a rare Sach! 

1. Dort im Stoal 

2. Brinnts flheroal 

Beide. Das Feuer is schon im Dach. 

4. 

Hirt. 1. Laufma 9 gschwind, nur nix verzoagt ! 
Hirt. 2. Oft gwinnt oaner, ders firisch woagt 

1. Is alls woar! 

2. BeieimHoar! 

Beide. Was uns der Engel soagt. 

Engel. Da ihr geht zu eurem Gott, 
Auch das Opfer nit vergoßt, 
Schenkts ihm euer Herz und Seel, 
Das ist das allerböst. 

Hirt 1. Das is mir entfallen schoan. 
Hirt. 2. I hätt bald vergöOen droan. 

1. I nim a Schmalz, 

2. I a Salz, 

Beide. Die Seel noch oben droan. 

5. 
Hirt. 1. Sei nit launig, mei liebes Kind, 

Hirt. 2. Daß ma nit sein kSmma gschwind. 

1. Hoän nix gwist 

2. Wo du bist, 

Beide. IMBr hoan lang noache gsinnt. 



Jarirand. bM- AofteO Anselger 2^ 40 vnd in dem KnuuM|iift«i bei UhlMid Volki- 
lleder no. 2. (15, Jarh.) Aiieh in H. WlUenweilers Ring findet atch diese Fleiieo 
1. B. p. 113* 130. 
<) Unfeii wir. 



S7 

Engel. Hier anlmtet euren Gott, 

Denn Fleisch worden ist das Wort ; 
Nur anß Lieb zum Menschengschlecht 
Liegt er an diesem Ort. 

Hirl 1. Nimm uns wannst im Himmel bist, 
Hirt 2. Das ftr ans das böste ist; 

1. Das alloan 

2. Mneqt uns thoan^ 

Beide. Gelobt sei JesnKrist! Amen. 



Die folgenden dramatischen Lieder sind nicht im Ge- 
brauche in der Kirche, Jcönten es aber ebenso gut sein als 
die vorangehenden. Sie werden vor der Krippe gesungen, 
welche in jedem Jcatholischen Hause aufgebaut ist. Junge 
Burschen des Dorfes oder der Nachbarschaft gehen zu drei- 
en oder mereren von Haus zu Haus, gewönlich one jede 
Verkleidung, und tragen diese Gesäuge vor gegen eine 
Gabe an Sclunalz Speck Eier oder andern Lebensmitteln. 
Das erste, welches ich mittheile, ist von Aussee, auO dem 
steirischen Theil des Salzkammergutes. Es wird von zwei 
Männern und einer Frau, die als Mann verkleidet ist, ge- 
sungen ; ihr fiOlt die Diskantpartie zu. 

Die Hirten liegen beim Beginne schlafend auf der 
Erde ; dann hebt der erste an. 

Erster Hirt erwacht. 

Buama ^ stdhts gschwind zuan Hiarten 
und schauts ma 2} das Wundading aon. 



a«beii; Bnam» aii0 dar auuidartlicheii Plaralform Bnbmen entitAlhdeii. 
Der sidoatdeatsche Dlalect fttgt an ichwachfleetirta luif b anlUaiitaiide sahnme 
«e U^ßäik' my s. B. die SchMbmen bei Slgm. t, Herberstelii. Mofcorla 
(Wien. 15670 



I sich jö von wetten a liachta^ 

hiazt 9 g^in Ina ^) und schau mas ^y aon. 

Zweiter Hirt. 
I sich an Kometfteam. 

Dritter Hirt. 

Bua Hiasi ^)^ i glAbs gearn, 
es wird halt bedeutn an Kriag. 

Alle drti. 

Hiazt gdm m« wbl horti s) und fraogn, 
wör wftß was Ans eppa ^ nö gscUcht. 

Erster Hirt. 

I sich jö in Himmel a Lücken, 
viel tausend sein firti ?) &f d Roas. 
Wanns dftten ftf fins aha rucken, 
daß jeda sein Stecken gschwind woaß. 

Zweiter Hirt. 

Es kimt jö schan oana 

und nOt gar a kloana, 

a hat an a wunderschöns Kload s). 

Hiazt göm ma na horti und firoagn 

nau was a uns eppa neigs woaß. 

Dritter Hirt. 

Es kimt jö schan oana 

und nSt gar a kloana, 

a lermt schan von weitem dahear. 

Seits frSli ir Hiarten, 



Jesty f fidoitdeotseh. 
>) Wir. Meine Dlaleetfortek. 75. 
Wir et. 

f) MAthlAi, Koseform. 
Bnrtlg. 

O Etira. Scluietter Or« 682. 

*) Fertig auf die Belse , nim Zuge« — oa VerdtmpAiof des A imd dieief 
Mß al (mhd. ei) entitanden. 
Kleid. 



8» 

§ 

68 9 derßs enk nSt fiarohtMi, 
es is jd der Herr in da Glorie, 
weil a daat halten sein KhoaO 9. 

Erster Hirt. 
Hiazt mScht i mi harben ^ znm Plmmer ! 
was hau i vergößen, ha Boa ? 
ma harn ma koana an Opfer mitgnnmma, 
hiazt kam ma all lAri dazua. 

Zweiter Hirt. 
Bna, i hau was z dflen 
and hans dahAro vagfißen. 

Dritter Hirt. 
Und i hau in Ranzerl a Gwand 
wid an etla Moaß Bier in au Platzer % 
daß do ftf dTeiertfig was hant. 

Alle drei 

(xn den Kinde.) 

Ma duan di ftets grüaßen 

und falln da zaa Fflaßen 

and s Baaberl hat Uns schdn s Handerl sehen göhen. 

Di etla MoaO Bier gheam dein Voda % 

and dlfuada hat z'ößen daneben. 

Erster Hirt. 
Bua Rflapl 0> nim d Pfeifen! 



ÖS, Nebenfonn döa^ 1. daaL des zweiten PersonaJpronomene; im bairiscli- 
Siterreich. one doaien BegrUTfllr ihr algemein gebraucht. Vgl. weiteres bei J. 
€ri]iim Geschichte der deutschen Sprache 972. IT.— Ueber die 2. Person auf -ts 
ud «bcr enk s. oben S. 80. 85* 

Geheiß^ Verheißung. 

*) ErziKmen. Schmeller bair. WSrterb. 2^ 235. 

Wir haben wir; eine solche Wiederholung von wir ist dem steirischen 
gelinfg. 

Krug^ eigentlich Ktirblsflasche vgl. Schmeller baier. Wfirterb. 1, 340. 

Vater. 

Koseform von Ruprecht* 



90 

Zweiter Hirt. 
I daa schan dmm greifen. 

Dritter Hirt. 
Und i laß mei Dndelsack drehn. 

Alle drei. 

Hiazt wfirm ma beim Krüppel was singen 

und dann harn ma Zeit daß ma gehn : 

Hir duan di stets preisen 

und all Aer aweisen, 

mir göbn da unser Herz zuam Pfand 

und mflaOn wider ftfis Land. 



Das folgende ist ebenfalls anß der Obersteiemark. Es 
unterscheidet sich dadurch von allen mir belanten, daß 
es die beiden Hirten vor dem Stalle auftreten Ifißt, wie sie 
ihr Vieh hineinfiiren wollen und die heilige Familie darin 
entdecken. Leider ist es nicht vollständig. 

Erster Hirt. 

Bua, woas is denn heunt schan mear % 

woas hat si neigs zuatroagenT 

wör stöllt ma Ochs und ösel ein 

und duat mi not drum froagn ? 

Da Stall da gheart mein Schfiflein zua 

wo i drinnen schlafen dua ; 

wör is dann so verwögen 

und duat si eini lögen. 

Zweiter Hirt. 

Bua Rflapely woas hast f Ir a Gschrei 
undflraPIaramöntr^) 



Her fttr wieder^ wie auch an ObeMsar^ Ha und In Schwaben. Schnel- 
ler balr. Wb. 2, 000. 
Oeplene. 



91 

w5r wird denn hennt im Stall doa seinT 
imoan^ du bist anbrdnnt ! 9 

Erster Hirt. 

Dna na glei dö Agen A^ 
dann wirsta sdgen gwÜs 
daß wOr im Stall da Is. 

Zweiter Hirt. 

Des Wftb dS rnnaß a Grafin sein^ 
dö das Kind duat wiegen. 

Erster Hirt. 

Seban! si Is so zart und fein, 

si muaO von koan IBartengscblecht sein. 

Zweiter Hirt. 

Und n5ben is a stoanalta Greis, 
er bat Hoar als wie a Seiden, 
hflbscb woacb und scbneweiO. 



AnO dem Flattacber Kircbspiel im M5Utbal 
inOberkSrnteu sind die nächsten drei. Das erste ist bei 
aller Volksthfindichkeit doch in gewissem Maße gehalten 
und besonders bei der Anbetung des Kindes wird aller Ernst 
bewart. Auch in der Sprache verrät sich Hinneigung zu 
der hochdeutschen Rede. 

Jodl.2) Riepl, sollst gschwind aufistehn! 

Riepl. Woas denn thuen T 

Jodl. A Wunder daOd* schlafen magst ! 

R. I schloaf sehnen. ^ 



Verwirrt^ TgL SehmeDer b. W. 1, 260. 

Jodl^ Koseform Ton George RlepI von Ruprecht. — Zu dleaem Wechsel-* 
getange attmt im gaasen und meist aach im einielnen einer anO dem Zilier- 
ttal in Tirols mitgetheilt von Ad. PieUer in dem Drama dei lOttelalten in Tire! 
8. 10. IL 

8cju«. 



n 



J. Gfeh mit mir auf d« Weid, 
Schan was fbr Miualk geit« 
Die Mnsik g^wärt schuen lang. 

R. I hOr schuen. 

2. 

Jodl. TragsPfeifelftmitdir! 

R. Is sehnen kricht. 9 

J. Hoaß den Hansl A mit gehn ! 

R. I sich ihn nit. 

J. Singen die Engeln oben, 
Soll sein a Kind geborn ; 
Wann es Messias wftr ! 

R. Des wfir rar. 

3. 

J. Seind Lent im alten Stoal. 

R. Wer hats gsoagt ? 

J. I hoans vom Engel khert.^) 

R. Hast ihn gfroagt? 

Jodl, Eine Jungfrau kensch und rein 
Soll seine Mutter sein. 
Dort wo der Sterren brint. 

R. Gehts nur gschwind. 

4. 

JodL W511n an Opfer ä mit nem. 

RiepL Is schuen recht. 

J. Wölbi a Fleisch ft mit nem. 

R. Wauns nur mecht ! 

J. I glaub, es is voller Not 
Und is doch der wäre Göt, 
Hat gar kein Wiegel nit. 

R. Leug do nit ! 



Gerichte^ bereit* 
>) 6eli0rt. 



98 

5. 

J. So Sehens is keins geborn, 

R. Wie das Kind, 

J. Das anf dem Hen mnefl liegn. 

R. Is recht a Sfind ! 

J. I mueß gehn die Mutter froagen, 
Wann l's derft mit mir troagen ; 
I hatt a rechte F^rend. 

R. DurSdstgscheit! 

6. 

Jodl. Werts ihm nur fleißig auf. 
Dem kloanen Kind. 

RiepL Mir komm noch einmal her 
Und suchen ihn. 

J. Bitten mir das kloane Kind, 
Daß s uns verzeicht die Sfind. 

R. Es wird schon denken droan, 
Der Gottes Scan. 

Das zweite hingegen atmet äußgelaßene Weihnachts- 
freude. Und dennoch hei allem fibernaiven Außdfuck, bei 
der neckischen Art wie die Anbetung geschieht, bei der 
Weise wie die Hirten dem Elend des Kindes abhelfen wollen, 
daß sie ihm Dienst bei sieh anbieten wenn es groß geword- 
en, bei alle dem ist keine Spur von Spott, sondern die demfltige 
Freude daß der Erlöser arm gekommen und sich ihnen den 
armen gleich gemacht hat. Auf blasierte Menschen und auf 

kalten Verstand wird solche Andacht freilich keinen andern 

• 

Eindruck machen als den derLficherUchkeit; allein es gibt 
noch genug deutsche Herzen die daf)lr empfbiglich sind. 

1. 

JörgL Auf auf Riepl, heb dein Schedel ! 
Schau was gibts für frömde Göst T 



«4 

Riepl. Halt dein Maul, dn grober Kerl, 
Hoan mi glei erst ^ögt ins Nöst« 

J5rgL Log di gschwind oan! 9 
Riepl. Wart, i kimm schoau. 

J. BentP) d' Frömdlent anf beim Schopf, 
Da bist sonst a starker Knopf. 

Riepl. Woas is das ftr a GetOmmel, 
I versteh mi nit in d' Welt. 

J. Is den hennt eingfalln der Himmel, 
Flengn d' Engeln anf nnserm Feld? 

R. Thuen Sprung macha 
JörgL Von oben acha l ^ 

R. I torft das Ding nit noacha thoan, 
that mir brechn Hals und Boan. ^) 

3. 
J. Is das nit a narrisch w5sen, 
Is der Hbnmel voll Lateml 

R. Mei Tag is das A nit gw5sn, 
Dd Engeln sich i A von fem. 

J% Siehst dort enten T ^ 

R. Im Stall drenten T 

J. Dort gibts Engeln ganz scharweis ^) 
Fleugn mn wie die Flddermäns. 

4. 

Riepl. Das wfim flir uns guete Handl,^ 

Wfim^} mir von der Sflnd losgmacht, 



Anlegen^ ankleiden* 

s) BentelUy tehflUeln, Schmeller liaier. Wb. 1, 219. 

I) Oacher^ herab^ «nO abher, vgl. Sehmeller aramnattk f« 009. 

Bein. 

enten^ drenten, JenfelU, Schmeller baler. Wb. 1, 69. 

Scharenweise. 

ante Hindi — gnte Verhältnisse. 

9 Werden wir. 



«5 

JSrgl. I schaff dem Baebn glei a Gwandl 
Ti Loan daß er uds Post hat bracht. 

R. WAr gaet, mein Oad ! 9 

J. Woas der Bne gsoagt ! 

R. Bist der wäre Herrgöts Bue, 

Bleib heimt dft^ kriegst Krapfen gnne ! 

5. 

JSrgl. Riepl schau mal^ geh da voroan^ 

Epper^ d' Frömdling nit derköust. 

R. Mei, es brint der ganze Stall schoan, 
Schaa daß d' dein Rock nit verbrönst. 

J. WOUn mir gehn fortT 
R. Is a Brunst dort! 
J. Nimsthalt») 

6. 

R. Hast mei JSrgl glei wol tröfen. 
Der ans hat das Heil ankflndt. 

J. Sein mir nit umsonst herglöfii^ 
Sechn schon aafin Hea das Kind. 

R. DarfichsküTsenT 

J. Kannst nit wiOen ! 

R. Wanns d5 Matter kflssen last 
Von am so kolschwarzen Gast. 

7. 

» 

J. Mei Kind, kanst kei Herberg finden T 
Mnest so viel Frost leiden schoan. 

R. Ligst da ander kalden Windeln ! 
Lagts ihm doch a Gwandl oan ! 



IMn Eid, Betheaerangy vgl oben S. 86. 
^ Ob etwa. 

Ö Vnters Uett da Ifol Heir Dockter^ i hab a Mar. f o die bände ehitfU. Anf- 
leldiRuig. 



I 
j 



»6 

J. MkokUi am d' FileO ei», 
HoUtsinanoefeiii! 

R. Göbet dir mein Stiefel sonst^ 
Wann i wttst daß d' eioi kennst 

8. 

J. Mein Heiland, wie hart nmest iSben, 
Underm Viech fangsts Loben oan! 

R. Voder, Mneter, thuts acht gSben, 
Daß dem Kind nix gschechen koan. 

J« D5ckt es zne gaet, 

R. Daß's nit frirn thnet, 

J. DSs 9 mlleßts Kind zndöcken fein, 
Dann dem Ochs fallts ä nit ein. 

R. Dank dir, daß so gnet bist gwdsn 
Und hast Ans den GfaUen thoan, 

J. Hast Ans gwöUt vom Tod erlösn, 
Beten dich von Herzen oan. 

R. Gib dir gern vll, 

J. Frag was 'r habn will ! 

R. Bin halt ä ein armer Tropf, 

Hoan nix als ein groasen^) Kopf. 

10. 

J. Bleib halt fein gsand, mein kloans Liebl, 
Wannst woas brauchst, so komm se mir. 

R. Hätt a Puttn voll sanre Ruebn, 
Wüst sie hoabn, i schenk sie dir. 

J. Pfaet3) di Gdt halt! 
R. Wfir^ fein groß bald l 

nur. Tgl. 8. 80. 
Großen, 
s) Behftt. 
*) Werd. 






97 

X Kaimst in mein Dienst tstdben ein, 
Wann darzn wirst groß gnue sein. 



Wie diese Wechselgesänge der WeittfbÜdang fiUiig 
Sinei, beweist der dritte clieser Flattaoher y^Sirtenreiae^^ 
Auch er beginnt mit dem erwachen der Hirten dnrch den 
englischen Glanz und mit dem besinnen ttber die im Trame 
Fernommene Verkündigung. Ein dritter Hirt komt beste- 
igend hinzn und mit ihrem Opfer gehnsie nunmer zum Stalle. 
Nachdem sie dem Kinde Vererung bezeigt haben und zurück- 
gehen, begegnen ihnen die drei Könige, welche sie wie in der 
ütorgie nach dem Kinde fragen ; die Hirten laufen aber fort 
Verrat Airchtend. Die Könige erblicken nun den verschwund- 
enm Stern wider und preisen Gott. Die Anbetung selbst ist 
in die Scene nicht aufgenommen. 

Die Reden der Hirten sind von der Mundart stark 
geflrbt; nur die Arie, welche sie singen, und rlas Gebet 
ist in höherer Rede. Die Könige vermeiden, so gut der 
Dichter vermochte, den Dialect. Das Spiel scheint mir älter 
als die vorangebenden ; es nimt in der Hervorbildung des 
Weihnachtdramas auß dem Liede eine interessante Stufe ein. 

Riepl. Hui hui, woas is denn doas 

Daß i heunt nit kann schloafenT 
I bin schoan fuchzig Joar 
Ein Hirt bei meinen Schoafen. 
Siehst du nit fl die Liechten, 
Die ml von Schloaf aufgwöckt? 
I ziter an Hand und Fflesen^ 9 
So vttl hats ml erschröckt. 

» 

Mei mei, woas is denn doas ? 
So vQl i sich von weiten 



D«r 1J«tergaiif von inkuiteiidem in s if t der Mandart «igni. Hwid* 
KhrlltaB dcf 15. Jh. geben selioii dafttr Belege. 

7 



Und wanas nl nit betriagt^ 
Esf^eln von HimDDel raiten l 
So werden joa in Himmel 
Koan Haudl gfangen oan T 
GM Voater ftbel wAr 
Und jofgeto all davoan. 

Lip.O Mir Is wol ft die Nacht 

Krad spanlang yorg;ekOmen. 
b sokoan der liechte ToagT 
Das ilraat mi wunder nömen. 
Ea 13 jaa nit so lang 
Da0 i lioan Nachfanal gdsen^^^ 
Da soach i oan kloan Bnebn. 
Vleip wer ia er eppa gwösen T 

Olaoat hat er aso^) scheii 

Wien Gschlößherrn seine Joppen,^) 

Voll Porten auf und auf, 

Ja i thu di gwls nit foppen. 

Gsungen hat er sehen 

Vor Freuden etwas her; 

Mir hoabn ja koane Handl nit, 

Mei, wer is eppa der? 

L ö X. ^) Woar is, wie du soagst, 

I hoan ihn A khert^) singen; 
Derwegen i gschwint 
Hoab oangfaag zu springen 
Nach Wetülachem in Stoal 
Han i woas antröfeu ; 
Von dorten bin i gsdtwint 
Zu enk daher glofen. 



FhUIpp. 

i) OegeOen. 

Also. Vgl. meine DiftlectfvrieiHNig 66. 

f) Wie des ScUoOhenrn Joppe (Jacke). 

Alnäat. 

OehdrU 



Ebtt henig Bchenes Kind^ 
Sein Ettern ä derbei, 
Ein ösel nnd ^n Rind, 
Das Kind ligt auf dem Heit 

RiepL Is woar mei lieber LöxT 

Hast du doas selber gsechen? 
Wann du uns nit vorlügst. 

So wdln wir ä bin geeben. 

• 
Wer woaß, wer das Kind ist, 
Villeicbt ists Gottes Soan! 
Es is joa profezeit 
Von alten Leuten schoan, 
Doaß er geboren wird 
Zu Wethlacbem im StoaL 
I nimm a Liampl^ lutt 
Und ibm zu Füesen foal. 

Lix. Hast Recbt, mel lieber Ruep. 
I nimm mit mir a Mel, 
Das Kind kann uns vergölten 
Und sögnen Leib und Sei. 

L 9x. I nim an Putter mit, 

Mei Lip, das taugt zum Mel ; 
Hemacb wflln mir gschwind 
Laufen eilends scbneL 



)ij Buelm, dös werd schien ! 
Was dort ftrMnsig ist! 
Man meobt vor Freid vergiefan, 
All Tiflbsal man vergißt. 2) 
Mei Ru^ mit deiner Geigen 
Megst nit dertnen so schien, 
Und i mit meiner Pfeifen 
MueO gar auf d' Seiten stiehn. 



O Scbifftsf räche an4 Mwidart vermifchen fleh fortwimri te 

7* 



14W 

R i e p L Ißr wöleng do pr o viren 
Mit unserm Hbrtenklangi 
Dem waren Göt za Eren 
Ansthnmen ein Gesang« 

LipL Er wird ja wol den Willen 
Fürs Werke nemen an^ 
Oan ieder macbts so guet 
So gnet erst immer kann. 

Lex. So will i fl mit singen 
Zn lieb dem Kindelein, 
Wenn i schoan nit yQl koan 
Wird nit so hoaggl 9 sein. 

Aria. 

Wir wollen dich hier grftOen^ 
Kleines Kindlein^ großer Gott, 
Fallen dir zn deinen FüOen 
Weil da leidest große Not. 
Wir verereu nnserm Herren 
Ein gar kleine Hirtengab ; 
Dn wirst merer nit begeren^ 
Wann wir geben was wir habn. 

Wir brmgen anch za eOen 

Ein klein Lampl and ein MeL 

Vater tha doch nit vergeßen. 

Zieh dem Lamplein ab das Fell. 

Hüll das Kind zae daß s nit friem thaej 

Die Költe ist kein Narretei. 

Mir thaets Hascherl^) ja erbarmen, 

WeÜs maeß liegen anf dem Hea. 

Ein drei Eier and ein Butter 
Bringen wir anch, nemt es an! 



Bakftli haikel: wilerlfch. 

9 HMchtr^ demlnntiy da$ Bascheri^ amef iMdMsnuwMIfil^ W/mm» vmb 
■fei. lifCfeaBi •cMBchitii. 



101 

Einen Hah zu einer Suppen, 

Wanns die Mutter kochen kann. 

GieOts ein Schmalz drein, wirds wql gnpir sein. 

Weil wir sonsten gar nix hao^ 

Sind wir selber arme Hirten, 

Nemts den guten Willen an. 



Sünder kommet, nit verweilet, 
Zu dem Kind, wir bitten euch ; 
Nur geschwind dem Stall zueilet, ^ 
Weil Gott noch die 6nad verleichi. 
Thut bekennen mit BuOthränen 
Alle eure Missethat ; 
Wann er kommet als ein Richter, 
dann ist die Reu zu spat. 

Eines wollen wir noch beten, 
Jesus Maria Joseph rein : 
Wann wir sein in Todesnöten, 
Stellet euch nur dort gwiss ein. 
Komt bei Zeiten, heUt uns Straten , 
Biß der Sieg gewunnen is ; 
Sein wir von euch nit verlaßen. 
So ist uns der Himmel gewiss. 

Die drei Hirten sprechen. 

Weil du bist warer Göt, 
Wir thun dich gar sehen bitten : 
Wann zu uns kommt der Tod 
In unsre arme Hütten, 
Dort nim dich unser an. 
Denk daß wir da sein gwösen ; 
Weil wir sonst a niemt han, 
Thue nit auf uns vergösen. 
Das Kind ist wol so gnct. 
Es wird uns nit versagen. 

* 

Kaspar. Halt ein, mein lieber Bue ! 

Ich mueß dich um was fragen : 



,; M 



<» / 



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102 

Wo ist dann jenes Kind t 
Urne uns es zeigen an I 

Rnep. Das war^ mein Aid, a Sttnd, . 
Eh lÜh wir gar darvoan. 

(gelten ab.) 

Kaspar. Dir geliebte veise Heim, 

Folgt der Schriftgelerten Rat 
Hlunel schilt uns jenen Stemj^ 
Der ans biß her gfiret hat 
Was die Priesterschaft gesproohen^ 
An dem nicht zu aweifek ist; 
Dero Wort bleibt onzerbroohen^ 
Diß wir glanben zn jeder Frist. 

Hei chlor. Siehe der Propheten Wort^ 

SchOn dorsnchet, sonnenklar : 
Betlehem soll sein der Ort 
Wo jener Prinz geboren war. 
Himmels Sterren^ weist ans zeigen 
Jenen Prinz so aoOerkom^ 
Dem wir uns zu FOOen neigen^ 
Der in Jodfia gebom. 

Balthas. Wenn wir dieses Kind antrolfen, 
(Walt- Von dem wir so schdn bdert, 
hanser) So kann auch Herodes hoffim 
Daß ihm alles wird erklfirt. 
Ort und Stat soU er auch wißen, 
Dieses wir ihm zeigen an^ 
Dann er scheinet höchst J^efliOen 
Daß ers Kind anbeten kann. 

Kaspar. An Herodes sein Begeren 

Ich mir ein Bedenken mach. 
Wann er will das Kindlein eren, 
Warom Iblgt er ans nicht nacht 
Er ist voller Grimm w^ Zeren^ 



♦OB 

Wie wir gmAen alle ^ti, 

Het die FalscUiett ktnteni Omq, 

Ich gesteh es one Sdiem 

was seh ich dort von ferren 
Außer der Stat WetlachemT 
Es ersdieiut ans jener Sterren^ 
Der ans za Jemsalem 
Ist entwichen auO den Angen, 
Hat ans gsezt in Traurigkeit ; 
Lafit sich iezt mit Freud anschauen, 
Wir sind von dem Ort nlt weit. 

Melehior. Warlich warlich ist alldorten 

Der von uns erwünschte Stern, 
Dessen wir so seidich harten, 
Dem wir folgen herzMA gem. 
Gottes Liehe uns hegleite 
Daß wir endlich nun alda ! 
Unsere Herzen zu hereite, 
Zu empfangen deinen Son. 

Bali bae.^ Herzlich gern wela tragen wir 

' Weiter unsre matten GUeder, 
Biegen sie noch filr und fftr, 
Da der erwUnschte Sterne wider 
Sich alldorten tfaut einfinden 
So hell becht und spiegefareta, 
Und sehen wirklich thMt anzeigen 
Das herzliehste Kindelein. 

Kaspar. Gott sei Dank Loh Er und Preis, 

Für die Gnad so er uns gehen I 
Daß wir endlich die weite Reis 
Gott können zu Fllßen legen. 
Wir danken dir, herzlichstes Kind, 
Daß du uns das hast erwiesen, 
Abzubüßen unsre Sflnd, 
Daß wir die ewig Freud genießen. 



104 

Wir kffnaen den weitern Fortaohriit dieser Hirtenreime 
verfolgen. Zwar nicht aaO Kirnten oder Steier, denen diese 
Lieder angehörten, sind die Belege ftr die nfichsten Schritte, 
aber anO Schlesien. Das an diese Stelle gehlrige ,,Krist- 
kindellied^' ist auß Schlanpitz im Reichenbacher Kreiße 
and wird dort and in den benachbarten Ddrfern noch ge- 
spielt. Es zeigt die Vereinigong der firflher erwShnten Ad- 
ventreime mit der Anbetong der Hirten and Art Maria and 
Joseph als handelnde Personen ein. Der gemeinsame Typas 
aller schlesischen Kristkindelspiele tritt aaD ihm hervor; 
er w^t aaf eine Qaelle hin, die nach der ganzen Ffirbang 
der Dichtung im 14. oder 15. Jh. za Uegen scheint, lieber 
diezamTheil ser merkwürdigen Einzelnheiten Sachen meine 
Anmerkangen AofSschluO za geben. 



Gabriel, Petras, das Kristkind, der alte Joseph 

and zwei Schlfer. 

I 

ID die Iflkte der Stabe wird ein Stal g^alMt, darwf die Wiege de« Mk KIpAm. 

Gabriel mit dem Szepter. 

Ein schön gaten Abend will ich Euch geben 

and ihr war ein langes Leben ! 

Der heilige Gabriel werd ich genant,4) 

den Szepter trag ich in meiner Hand 

and hfitt mir ihn Gott nicht selbst zaerkant, 

könt ich ihn nicht tragen in meiner Hand. 

So will ich die junge Fraa bitten und fragen^ 

ob sie will den heiligen Petras a^ch rein haben T 



Vgl. S. 38. dA8 Kolbnitier Spiel — Die Art dieier Diditung, dieeee «n- 
einandereihen der Veree^ ist alt vgl. aoter andeni Uhland VoiksUeder no 3. Sie 
liat fleh in den Kinderreimen besonders erhalten. 

*) In dem iLomwalilslschen Weitinacbtspiei vom H. Georg tritt In glelcber 
Weise eine Person nach der andern ein und mft die folg;ende. Die Fomel Ist 
Uer so: if 70U will not beiieve what Idosaj, let(FatherClttistmas) conte in — 
elear the wj. Sandys Cbristmas Carols p. 174. f. 



105 



Komm rebiy lu^mm rehi, lielier Petras mein^ 
laß hören deine SÜBime fein« 

Petras mit dem SchlftOeL 

Ein schön guten Abend in aller Frist^ 
nadi mir kqmmet der heiige Krist^ 
Der heilge Petras werd ich genant^ 
Die SchlUßel trag ich in meiner Hand ; 
and hfitt sie mir Gott nicht seihst znerkant, 
könt ich sie nicht tragen in meiner Hand. 
So will ich die junge Frau bitten und fragen 
ob sie den heiigen Krist auch will rein haben ? 
Komm rein, komm rein, lieber heiiger Krist, 
der Stul dir schon bereitet ist, . 
die Thflre will ich dir machen aof, 
die kleinen Kinder warten mit Freude drauf. 

Kristkind. 

Ein schön gaten Abend geh euch Gott, 

ich komm herein on allen Spott, ^) 

ich komm herein getreten, 

will sehn ob die Kinder fleißig beten, 

will sehn ob die Kinder beten und singen, 

so will ich ihnen eine schöne Gabe bringen ; 

wenn sie aber nicht fleißig beten und singen, 

werd ich ihnen eine Rute bringen. 

Der heiige Krist werd ich genant, 

vom Himmel hoch herab gesant, 



Os allen Spott, one Spott: formeUiafter Außdnick fflr warhallig, wirkllelt; 
to gletehbedeatende milder spot bei Walther 24> 30: wol mit trlnwen rander 
ipot. ^ äne spot Mar. Himmelf. v. 336 (Mone altt. Schansp.) In allen 
«po t ebd. T. 208. Donaaesching. Passion v. 160. 1446. 1863. 1962. (Mone Scliansp. 
d. MlKelalt. 2) Faso. sp. 594, 7. sander spot Sachenwirt 25, 345. Mar. Himmelf. 
r« 526 QTone a. a* 0.) Alsfeld» Pass» bei Haupt 3, 500. — Glelchbedentende 
VerblnAingen: an alle schand. Mono Schansp. d. Mittelalt. 2, 236. ▼. 1313. 
in allen haz ebd. 235 y. 1972. 236 v. 1308. Haupt 3, 510. Fasn. sp. 659,7. 
in alles leit Mone Seh. d. Ma 2, 253. y. 1742. ane wank Mone altt 
3ch. 65. Y. 1631. snnderwdn Hanpt 3> 500. Hagen Gesamtab» 3^ 180. Fas- 
aachtspUie 148, 7. 



die Krone trag fch annf meinem Haupt 
die hat mir Gott der Son eiianbt, 
und hätt sie mir nicht Gott der Son erlaubt, 
könt ich sie nicht tragen auf meinem Haupt. 
So will ich die junge Frau bitten und fragen 
ob sie den alten Joseph auch will rein haben T 
Komm rein komm rein, lieber Joseph mein, 
laß hSren deine Stimme fein. * 

Joseph. 

Holla holla, 

wfir ich bald zur Thflre rein gefolla!^ 

gots pludrament, gots Sdiwefel und Pech, 

gots velkablö ! 2) das woar 'ne kalde Nacht ! 

wenn ich nich wfir derwacht, 

wfim mir die Lfiuse im Pelz derfro^n. 

Maria. 

Ach Joseph lieber Joseph mein,') 
wiege mir das kleine Kindelein. 



Joseph. 

Kindla wlega, Kindk wiega! 

Ich koan nich menne Fii^er biega! 

Huuni sausi,^) 

der Kitsche thut der Bauch wih ! 



Komlsehe EiBtrlttoformel, die aneh tonst BAchwtttbarltt Elm 
TtMtfM soM OreikdiiigMitaid, MltgethtUt yon WUtow BdglMll Mb- 
2, ie»-106 beglat auf dieie Weite : HoIU ic luidde daer l^jcvu ^evaUea. 

>) VeUchenblav. 

s) Lied des HSnchs yon Salzbnr; : Joseph, lieber nefe bmIb, htlf mir wlega 
mein Undelein , dasz got mneAB dein loner sefai In klnelrelcii. Die reise Matt 
Maria. — Gerne liebe maente meln^ Ich htlf dir wlej^n dein klndeleiB^ dass got 
maesz mein loner sein In hlmelrelch, dv reine malt Maria. — Ifober dto BaSeeli* 
tong dieses Liedes In das UrehUcbe Rltnal rgl. S. 49* Za vntrer Stele vgL Am 
gllztsche unten mltgetheilte Krlstsplel. 

Hanni sansi, nannel tansel: gewönllehe ^^aweavngen'' der Wiegenlieder. 
Nnnnel, Nlnnel, Ninne daher die Wiege In der Kindersprache. — KMtche: Matee, 



ivr 

Alle singen: 9 

Laßt uns das Kindlein wiegen, 
das in dem Kripplein thnt Uegen. 
Jesnlein sllO o Jesnlein sftO. 

Laßt uns daa Kindlein speisen. 
Dun großen Dank erweisen. 

Jesnlein sflß o Jesnlein sttß. 

Gloria in excelsis Deo. 
Der erste Sckfifer. 

(Die ScUfer ttegen wie tchlafend aaf dtm ]Mm.> 

Hnrch Bruder, hurch Bruder^ 
die Engel singa! 

Zweiter SchXfer. 

Ach scld6f du tummer Kerle ! 

es sein die Sch6fschelln die kBnga. 

Es wird weiter gesungen : 2) 

Ein Kindlein ist uns geboru 
Von einer Jungfrau anßerkom, 
Ton einer Jungfrim bAbsck und fein, 
soll euer Gott und Warung sein. 



ni0 beiden Straphen dle^f liedet ibid nar Braohsttefte elaes bekanteii 
Wdkaaehteliedef^ TgL Bone Cantateii.38 (2. Aufl.) Geistliche Vollutteder* Päd- 
«kern 1850. nn. 57—60. BofiMOii und Mcliter «cklesisehe Volkslieder no. 279* 
l^Btere Vene stimmen am meisten zn no. 59. in den eeistliclien Volkslledeni 
▼sn Paderborn. 

*) Diese» Ued finde ich In den mir zngdngüchen Ocsangbfichem nicht; 
■erere Lieder fangen freilich gleich oder iinlioh an : z. B. Bone Cantale n. 51. 
Itas ist ein Kindlein hent geboren von einer Jtingflraa aoßerkoren; des Arenen 
•ich die Engelein^ wie sollten wir nicht Milch sein/' (steht auch in dem toO- 
itlnd. Harbnrger Gesangbuch zur tiebnng der Gotfeeligkeit Herrn D. Martin 
inihers. Marburg 1093. S. IS.); femer: Uns Ist gebom ein Kindelein Ton Maria 
d« Smkgttan rein. Wackemagel no. 685. Es Ist ein Kindlein nns gebom Tor 
andern anßerkom. Leisentritt fol. 41. Ein Kindlein ist geboren von einer reinen 
BsH. Wackemagel no. 126. Weiterhin werde Ich ein Lied auaMosbnrg in Kirn- 
ten mlttheilen, das ebenfalls Terwant ist: Ein Kindlein geboren^ gans schdn aiaO« 
tikoren^ Ton einer Jongfiran zart. 



106 

Erster Schflfer. 

liurcli Brader, hurch Bmder^ 
die hoan ins a Kind geboren. 

Zweiter Schäfer. 

Ach schlAfy du tmnmer Kerle, schloff 
die hoan an Latsche verlorn. ^ 

Es wird weiter gesungen: 

Ihr lieben Hirtlein fiircht euch nicht! 
mit großer Freud ich euch hericht : 
ein Kindlein ist gebom 
von einer Jungfrau außerkom, 
von einer Jungfrau zart und fein, 
soll euer Gott und Warung sein. 

DIt Scliifer nitaclieii aof den Knien , den SchStostal» In der Hand, l»10 ra der 

Wiege, 

Es wird gesungen: 2) 

[Komt ihr Hirtlein kernt alle zugleich, 
nemet Schalmeien und Pfeifen mit euch,] 
komt alzumal mit frSlichem Schall 
nach Bethlehem zum Kindlein in StalL 
Ach ihr Hirtlein steht doch auf, 
geht mit mir sogleich hinauO! 
ach ihr Hirtlein, thut hurtig gehn 
in den Stall nach Bethlehem. 

Der erste Schafer 

zn dem Kinde. 

Wann de werscht sein derwachsa grftO, 3} 
dd kumm ze mir du Underlöß, 



£iA anlicher Witz unten in dem Glazer SpieL 

s) Vgl. den beOeren und vollständigeren Text bei Hoffmann nud Blckter 
f cble^iBche Volkslieder no. 281.^ sielie aach Melnert alte tentsche Volkslieder !■ 
der Mandant des Kohländchens. S. 270, and Hanpt Zeltschr. f » d. ▲• 6, 348. 
Das eingeklammerte habe ich anO Hofltaianns Text ergfinzt, die zweite Stropke 
Ist unserer üeberlieferang eigenthfimllch. 

Vgl. die Flattacher Verse: War fein groO baldl kannst In mein JAtvst 
stehen ein, wann dazue wirst groß guae sein. S.OCf» 



109 

d6 wlU ich der gftn gesalza Brftt 
geschmalza Brftt und Kinmiel und Quarg^ 
d6 werachte stark. 

inm andern Sehlfer: 

Bruder, wds werscht dum denn gAnT 

Der zweite Schäfer: 

Wim dd ne Quargschnlte 9 gfin!^) dd werd a d ni flr stark 
wlrn.^ 

Kristkind: 

Ach heiiger Petrus sag mir an, 
was die Kinder haben gethan. 

Petrus: 

Ach heiiger Krist, wenn ich dirs soll sagen, 

so muß ich tther die Kinder klagen. 

Wenn Ichs eben sagen soll, 

die Welt ist böser Kinder toII, 

sie thun nichts als schweren und Ifigen, 

die Eltern biß in den Tod betraben. 

Und wenn sie in die Schule gehn, 

bleiben sie auf allen Gaßen stehn, 

die Bttcher thun sie zerreißen 

und in die finstem Winkel schmeißen. 

Joseph. 
Solche Bosheit treiben sie ! 

Kristkind: 

Ei so will ich meine Gab ersparn 
und will trotzig zum Himmel fam.^) 

Petrus: 

Ach heiiger Krist, bis nicht so hart, sondern mild, 
nimm die kleinen Kinder zum Ebenbild 1 



9 Bmtiehiiltle alt Qiiarg (welehem w^Ukm KIm) gMebwirt 

Oeben. 

O Werdra. 

O VgL die nlederseUetlMhen 8. 34-40 nltgetheaten AdTentretaw. 



110 

Gib ihnen eine soUlne Gib ein groO GMclNnk^ 
damit sie isuer an uns gedenkn. 9 

Kristkind: 

Nun so will ich mich wider bedenken 
Und den Kindern eine Gabe schenken. 

Es wM anßgetheilt und naeh lielteben Mmieii blenmf Lieder geattgen werte. 

Das Abschiedlied ist:^) 

Wir treten auf ein Lilienblatt» 
wir wünschen euch alln ein gnte Naaht^ 
wir müOen ja hinte noch weiter marschien^ 
ein schön gute Nacht, wir ziehen dahin. 



Der Inhalt dieses ScUanpitzer Kristkindelliedes er- 
scheint mis in einem Spiele mO der südlichen Grafschaft 
Glaz wider, das in den MflckenhAnsern beiHabelsdiwert 
Tor zwanzig Jaren noch gespielt wnrde, jezt aber war- 
scheinlich schon verschwunden Ist. ^) Wir sehen darin eine 
Weiterbildung/ indem der Wirt hinznkomt, welcher in den 
meisten außgebildeteren Weihnachtspielen auftritt^ der Ver- 
treter der unbarmherzigen Bethlehemiten, welche das bit- 
tende Par, Maria und Joseph, von ihrer Thfir wiesen. 



Vgl. S. 38 du KolbBltier IM. 

Ö Auch in dem niederBchlefifchenKriftUndeUlede S. 36 als AbseUed, iirilcb de» 
gUslfchen unten folgenden. Bae tied ,,lch komm ans ftembden landen her'^ 
bei Uldand alte hoch* nnd nlederdeotsehe Volkslieder a. 3. scUleOt el^enfrfli: 
f^o stand Ich anf einem gUgenblaC, got geb ench allen eine gnte naelit^'. Vgl- 
femer , das Pllngstlled beim Umzöge des Kddemest In der Gegend Ton Par- 
steniMNie in der Mark (Knlin «nd Schwärs norddentsehe Sagen 8. 385) 9>v^ 
treten anf ein Lilienblatt, wir bitten den Kenn er geb «na vat.<< In einem 
Dreikfinlgsliede In dem Paderbomer Gesangbuch von 1016 S. 90. helüt es: wir 
schreiben ench anf «dn Utlcnswalg dar liebe Gett geb enoh das Wnsifdraich. — 
Wir schreiben ench anf ein Lüienblatt, Gott geb ench eine gnte Nacht 

») Ich habe es im Sommer 1840 In Glas anO dem Mnnde elaar altea Magd 
anfgeseichnnt 



111 

Das Spiel wird dnreh eineo Cfatenabendwunsoh des 
Wirte eröffnet ; er ben^dit sidi darauf mit seinmi Haus- 
balter Aber die Bewirtung vomemer GSste, welche bevor- 
stunden. Da klopft es ond Joseph und Maria bitten mn Her- 
berge. Der Wirt weist sie ab ; Maria nnd Joseph singen ein 
Wiegenlied und einen Wechsel gesang ttber ihre Herberge 
und Fart. Die Verkündigung bei den Hirten und ihre Anbet- 
ung folgte ein lied sch]ie0t sieh an. Der Wirt spricht in 
dem Epilog seine Reue Aber die Hartherzigkeit auO. 

So hAtte ich das S^el in der Zeitschrift ftlr deutsches 
Altorthiun von Moriz Haupt (Bd: 6, S. 341 — 349) wo ich 
68 bereits ndttheilte^ ordnen nAfien 9* Ich iheile hier also 
den Text mit, wie er nach meiner jetzigen Ansicht sein 
nniO, und glaube die verbeßerte Widerholung llberdieO 
dadurch gerechtfertigt, daß dieses Glazer Spiel eine be- 
»fimmte Stufe in diesen Darstellungen einnimmt, welche 
zur voUen ErkenntidA der Geschielito des Weihnacht- 
^iels notwendig au%ewieseii werden nniO. 

Der Wirt 

tritt «vf in gtüuen Hosen^ eiiMr roten Bortenweste^ einen Hvt 

mit Goldborten anf dem Kopfe. 

Guten Abend zu wttnsehen ich bin bereit, 
weil jalzo kommt die Adventzeit. 
Bei brayen Gästen laß ich mich sehn, 
drum thut der Haushalter mit mir eiugehn. 

Der Haushalter 

tritt nvf, dem Wirte glelcli gekleidet biO anf Silberbi^rteB ftatt 

der 6oldbort«B. 

Der Wirt. 
Haushalter, ich sag dirs zu jader Zeit, 
die Tafel soll gleich sein bereit. 



Daß die Sxene^ worin das KriMklnd Josepb nnd Gabriel anftreten, nicht 
fi diesem Spiele ursprünglich gehörten, habe feh damals mAo« erkamt. Sie ist 
Ucr ganz weggelaßen. 



112 

HanshaHer. 
Ja ja, mein Herr, es ist ganz reeht. 
Sie sind mein Herr und ich der KnechA, 
wir haben beide Geld und Gut 
und fragten beide einen Bortenhut. 

Es Uopfty der fiaashalter sagt seinem Herrn etwas ins Or. 

Wirt 

Wie ich von meinem Haushatter vernommen, 
80 sollen Kaiser und König rein kommen ; 
se will ich laßen die Tafel bereiten, 
weil es geschieht zu späten Zeiten. 

. Der helL Joseph 

Im t^lz, einen StoclL in der Hand^ singt: 

Ein schön guten Abend geh euch Gott, 
ich komm herein ganz Abends sp6t, 
ganz Abends spöt beim Abendschein, 
ich komme mit Maria und dem Kindelein. 
kh weite euoh ganz demütig bitten, 
weil meine Glieder vor Kilte zittern 
ud draußen geht ein rauher Wind, 
Idi weite bitten, daß ihr mich laßet eintreten mit 

Maria und dem Kind. 

Haoshalter. 
Na wart Alter! ich werde erst zu meinem Herrn gehen 

(snm Wirt) 

Herr, hier ist ein alter Mann, 

der will von uns eine Nachtherberg han } 

wie ich aber an ihm sehn kann, 

ist er ganz ein schlechter Mann. 

Wirt 

WasT das wfiren Pofsenl 

bleibt ihr draußen auf der Goßen. 

Große Herrn und Gavalier, 

solche Herrn kern ein bei mir, 

denn bei uns gibts gnt Wein und Bier. 



in 

Joseph» 
Ach mein liebste^ Herr und Frennd^ 
ich wolte bitten, Sie weiten mirs nicht Abel deuten, 
meine Bitte nicht versagen 
mid mein Gewfir nicht abschlagen : 
Um eine Nachtherberge wil idi bitten, 
weil meine Glieder tiion vor Kfilte zittern, 
mid draußen geht ein rauher Wind, 
ich wolte bitten, daß Sie mich laßen eintreten mit 

Maria und dem Kind. 



aria 

tritt «vf in blauem altmodlf chem Kleide^ weißer Schftrse muA 
Jlaibe^ mit herabhlngeDdem Schleier. Sietrigt eineHoIs^ oder 

Wachfpsppe, 

Joseph zu Maria 
Ach liebste Maria, tritt herein, 
keine Herberg kann ich nicht bringen ein; 
weil draußen weht ein i^auher Wind, 
80 wollen wir doch einkeren mit dem lieben Kind. 

Maria singt: 
Ein schon guten Abend geh euch Gottl 
ich komm herein ganz Abends spöt, 
ganz Abends sp6t beim Abendschein, 
und ich trag das neugeborne Kindelein* 
Joseph, liebster Joseph mein , 
hilf uns wiegen das kleine Kindelein. 

Joseph 

D&mmt dae Kind «nd legt ee in eine Wiege 

Wie s61 ich denn doas Kindla wiega ^9 ^ 
koan kaum menn krumma Puckal biege. 
Drut drei bei hei, ^ 
liebes Kindla schldf ock 2) ei. 



Vg^ 8. 106 das Schlaopitter Spiel« 
^ Ock^ aar: mhd. ocker ahd. eckerodo. 



8 



Sk 



tu 

Alle singen: 
1. 
Laßt taiti das Kindlein wiegen, 
das Herz zun Krippelein biegen! 
Laßt uns den Geist erfreuen 
das Kindlein benedeien : 
Jesdeln sfiß ! o Jesnlein sftß ! 

2. 
Laßt nns dem Kindlein neigen, 
ihm Lieb und Dienst erweisen ! 
Laßt uns doch jubilieren 
imd geisiüch üiomphieren : 
-0 Jesulein sfiß! e Jesulein sfiß! 



:: 






lil 



•I" 



3. 
Laßt uns dem Kindlein singen, 
ihm unser Opfer bringen! 
Ihm aHe Er erweisen 
mit loben und mit preisen ! 
Jesnlein sflß ! o Jesulein sfiß 

4. 
Laßt uns sein Hfindel und Ffiße, 
sein feuriges Herzlein grfißen ! 
Und ihn demfltiglich eren 
als unsem Gott und Herren ! 
Jesuleih sfiß ! o Jesulein sfiß ! :]: 

5. 
Laßt unser Stimm erschallen, 
es wird dem Kindel gefiedlen ; 
laßt ihm ein Freudlein machen, 
das Kindlein wird eins lachen* 
Jesulein sfiß ! o Jesulein sfiß ! 

Maria singt: 
Joseph^ liebster Joseph mein. 






Vgl Hoflkaim und Rlcliter Schlesbche VoUulieto no. 279* CMiflIeho 
▼olksUeder (Paderbora 1860) no. 67 — 60. Bone Caatate (Paderboni 1861) 
8.88. 



%f 



wo werden wir hinte keren ein T 
ha ha, ha ha hein, 
keren ein. 

Joseph sin^: 
Jungfrau, liebste Jongfrau mein^ 
ich weiß ein altes Stdlelein, 
das wird wol unser Herberg sein, 
ha ha, ha ha hein, 
Herberg sein. 

Maria. 
Joseph, liebster Joseph mein, 
was wird des Kindes Wieglein sein T 
ha ha n. s. f. 

. Joseph. 

Jnngfran, liebste Jungfrau laein, 
ich weiß ein altes Krippelein, 
das wird des Kindleins Wieglein sein, 
ha ha u. s. f. 

Maria. 

' Joseph, liebster Joseph mein, 
was wird des Kindes Windlein sein T 
ha ha u. s. f. 

Josef. 
Jungfrail^ liebste Jungfrau mein, 
ich weiß ein altes Hemdelein 
das wird des Kindleina Windlein sein, 
ha ha u. s. f. 

Maria, 
Joseph, liebster Joseph mein, 
wo werden wir hinte keren ein T 
ha ha u. s. f. 

Joseph. 
Jungfrau, liebste Jungfrau mein^ 



8* 



116 

im Himmel werden wir keren ein, 
ha ha o. s. f. 

Maria. 

Joseph, liebster Joseph mein, 
der Engel wird unser Begleiter sein, 
ha ha, ha ha hein, 
Begleiter sein. 



Die Hirten liegen auf der Erde und schlafen. 

Die Engel singen: 

Gloria, gloria in excelsis deo ! 

ihr Hirten steht anf und schlafet nicht! 

Hört ihr nicht die Engel singen, • 

wie sie in den Lüften schwingen, 

sie singen immer gloria, 

gloria in excelsis deo. 

Erster Hirt 
Bruder Steffa, hlrste nich, woas der Engel soatet 

Steffen. 
Woas soat a denn? 

Erster. 
A soate, es wir a Kind geboam. 

Steffen. 
An! Kind derfroam. 

Erster. 

Hm ! du Aler Aesel I Kind geboam. 
Hm! dar Engel soate — 

Steffen. 
WoasT du best a Strump verloamt 



117 

Erster Hirt singt: 
Ich schlAch mich uf di Seite 
ich schnekt a bißla nei, 
d6 Boag ich zw6 oale Leite, 
a herzlich Kind derbei; 
Ich dachte bei menn Sinna, 
doas Kindla stind mer oa ; 
wenn ich doas kint gewinne, 
ich woagt a Lanmda droa. 

QMe nbrten pochen wftrend des BesBngta nlt Ihren StOeken die aül flIlekdIeB 

vid Malen geziert ilnd, anf die Erde») 

Steffen. 
Jft, ich gldb dersch, Ich gib a zw6e. 

Dritter. 
U, Ich gib a dreie. 

Erster. 
Nn Brftder Steffa, woas mennste denn, 
mer mechta dem Kindla 6ns ditta 2). 

Steffen. 

U da domma Socka, 

mer wftm dach nich doas Kindla goar derschrockii^ 

mer wem wol 6s singa. ( 

Erster. 
Na stimm oa, Oaler, na l 

Steffen singt: 
Wie ich bei menna Schoafa wacht 9^ 
and mer der Engel die Botschaft bracht, 
h6 hft hö 
d6 woar ich sa firö. 



Brnchstttcke anß dem Weihnaehtllede : FlrMa Aber FrMal Ihr Nvppcn 
kamt und hfH, Tgl. HoAnann nnd Richter schleeisehe Volkiileder no. 278. 
lüHcr Geeets Ist anß der 5. nnd 0. Str. des Ho Anannschen Textes genonunio. 

Tnten^ blasen. 

>) Tgl. eelstUcHe Volkslieder (Paderborn 1850) no. 51. Bone Cantate no.d4 
lad nnten das Vordemberger Gesplel. 



118^ 

£riS(ter. 
Brader Steffa, mer mechta iral dem Sandla was schenka. 

Steffen. 
Nu, d6 gln mer wid hluT 

Erster. 
6i dtk ock erschta. 

Steffen. 
^ NUf guck oek. 

Die mrten treten fevher. S!e haben nra|;ekerte Pelse aa, Pelmfitzen raf vaA 

Stricke als GUrtel om den Leib gebunden. Der erste trSgt ein Limnüelii, 

der sweite einen Korb mit Aepfelspalten^ der dritte einen Hanshan. 

* 

Der erste Hirt. 
Holla, hoUa, 

wflßr ich bäle zer Tire nei gefella. 
Ein schön güden Abend geh euch GAt, 
ich komm herein ganz Abends spdt« 

(ZQ dem Kinde) singt: 

Kienes Kindia, du, dA, du, 
dn leist ja uf am Wischla Strft, Strü, Str^ 
Weil ich hoa oa dich ^educht, 
hoa ich der an woas mite gebracht. 
Dd hoa ich nuch a Lammla 
vt ma jesjäriga 2) Stammla, 
doas wll ich der thnn schenka, 
doaO de thust oa mich gedenka. 
Die Liebe \s gr6ß 
die Gabe is Uein, 

ich wollte dich bitten, wenn du willst mit mir zifried- 

en sein. 

Zweiter. 

K16nes Kindla, du, dt, du, 

du leist ja uf am Wischla Strft, Strü, Strftf u. s. £ 



.0 Vgl. das SeUanpitzer KristUed. S. 106. 
Ö TOiJiKig^ Tgl. meine Dlalectforsclrang S. lil, 



Dö hoa ich nach a poar SpÜa 

ymn jesjSriga Winder erhila. ^ 

Die Liebe n. s. £ 

» « • • 

Dritter. 
Kldnes Kindla o. s. £ 
d6 hoa ich nach an Haashoaii, 
dar frl und spiete krien koan. 
Die Liebe a. s. f. 

Alle singen. 
Laofet ihr Hirten, lauft alle zugleich! 
Nemet Sdialmeien und Pfeifen mit euch ! 
Lauft alle zumal mit freudigem Schall 
Auf Bethlehem zum Kindlein in Stall! 

Wir gehen auf einem glühenden Plan 

und wtlnschen euch aUe ein schöne gute Nacht. 

Fort hin, fort hin, steht unser Sinn, 2) 

wir mfißen ja hiute noch weiter marschiern. 

Der Weg der ist uns auf Rosen gebaut, 

wir wollen uns gehn nach dem Himmel umschaun. 

Gelobt sei Jesus Cristus. 

(Alle ab biß auf den Wirt.) 

Wirt. 

Ach Gott, was hab ich nur gedacht, 
Daß ich bei spater finstrer Nacht 
die Leute habe naußgejagt. 

Hätt ich mir das gebildet ein, 

daß's Jesus Maria und Joseph selten sein, 

hatt ich sie laßen keren ein. 



Vg^« Hoffjmaim und Ricliter ScUesische Volkslieder no. 281* wo mtt 

« erste Stropbe ev fladen Ist; die zweite and dritte gehOren nlolit za den 

■Kenllede^ sondern zu einem AdTentnmziige» „Der Weg der ist ans «if Rosoi 

9Aaat<< erinnert an das LUienblatt^ auf das beim AbscUede getreten wird oben 

1 110. Die 3* Strophe ist anvollstfindig« 

Vgl« S. 39 die Anmerkong. 



120 



Jetznnd empfind ich großen Schmerz, 
den trag ich unter meinem Herz 



Nun will ich laufen was ich kann 

und will auch meine Mflh nicht spam, 

ich will schann, wenn ich sie könnt treflfen an. 

Adieu, (ab). 



Ehe wir zu den noch außgedenteren Spielen der Weih- 
nachtzeit schreiten, ist der zweite oder wenn man will 
dritte Theil derselben als Spiel Air sich zu betrachten. 
Ueber das kirchliche Rituale des Epiphanienfestes als der 
Grundlage haben wir oben schon das nötige mitgetheilt; 
wir sahen die Anbetung der drei Weisen auß dem Morgen- 
lande und den Kindermord als glänzende und erschütternde 
Momente mit besonderer Neigung behandelt. Gehört doch 
diesem Kreiße einer der ältesten Wechsclgesänge an, welche 
die kirchliche Literatur anweisen kann, ein Gesang zwisch- 
en Maria und den Magiern, gedichtet von Ephraim dem Syrer 
(gest. 378) 9^ den man wol auch zu den kirchlichen Dram- 
en gezogen hat. — Wir haben schon auß der englischen und 
französischen Misterienliteratur Dichtungen angefilrt, wel- 
che hierher gehören. Auch auß der Alteren deutschen Poesie 
konten wir Spiele aufittren, welche die Anbetung der h. drei 
Könige und den Kindermord als Scenen enthalten; einer 
der Flattacher Hirtenreime ftrte die Magier ebenfalls ein. 
Abgesondert ist uns aber dieser Stoff noch nicht entgegen- 
.getreten und vor dem 17. Jh. ist auß der deutschen Literatur 
'kein ftr sich bestehendes Dreikönigsspi^l bekant geworden^ 
obgleich wir der Grtlnde genug haben, auf ihr filteres vor- 



Dmitieh tob Aagvf tl In feinen Deoknürdlgkeiten m«f der kiteUlcke« 
Arehlologle 5, 862-870 CLelfSlg 1822)» 



121 

kommen zu scUieOeu. Diesen filteren mögen die Herodes- 
spiele Ton Johann Clai (1645), von Joh. Lndw. Faber (1675) 
and von Joh. Rist (Gottsched 1, 200) fern genug stehen. 

Dagegen haben sich im Volke die alten Dreikönigs- 
spiele erhalten ; in Schlesien und der Gra&chaft Glaz^ eben- 
so im Elsaß werden sie noch gespielt. Eins, das in Reichen- 
kach (Pr. Schlesien) und der Umgegend von heromziehenden 
Knaben aofgeftrt wird, theile ich hier mit. Es zeigt bereits 
den nahen Untergang in scharfen Zflgen ; auch darin tritt 
die Yerkflmmerang hervor daß der Personen weniger als 
nötig sind. Die drei Könige werden durch den einzigen 
Morenkönig vertreten, and in einer mir bekannt gewordenen 
Torstellnng wurde der Engel und des Herodes Diener Lab- 
an durch den Schfifer gegeben. Das Btlndel mit den Spiel- 
gewSndem unter dem Arm, die Laterne in der Hand, ziehen 
die Kinder in der Nacht von Dorf zu Dorf, wol ser unänlich 
jenen englischen Bischöfen, die am 24. Jfinner 1417 zuKost- 
Mtz vor dem Rat der Stat, am 31. Janner vor der Kirchen- 
Tersamlung in höchster Pracht eine Weihnacht- und Drei- 
königsvorstellung gaben, die allerdings eher eine Reihe 
lebender Bilder als dramatischer Szenen gewesen zu sein 
seheint. 9 

Zu beachten ist der Abschluß dieses Reichenbacher 
Dreikönigspiels mit einer Schäferszene die nicht zu 
dem Stfick unmittelbar gehört. Sie beweist abermals die 
Vorliebe des Volkes Air diese Hirtenspiele, welche in allen 
Literaturen heraußtritt. Die spanischen älteren autos al na- 
eimiento sind fast nur Hirtenszenen ; in den englischen Sü- 

Hermann. Corp. act. et decret. N« Constant. conclL t. IV. p. 1009. Die 
hage nach, der Sprache der Anffttntngen scheint mir daher g;aax flherflfißlfc« 
Solehe Tableaox anO dem WelhnachtcTklof and andern MbUsohen eeechlchten 
«vden xn Paila Öfter auf den Strafien gestellt^ z. B. beim Einzage K6nlg Hetai- 
richfl IV. von Eni^d; der KOnige tadwig XL und Karl VI. Sie waren mit 
HAt ganz sflchtigen Bttdem nntermlscht. Jnblnal Mjf tires 1, XXXm. 



rakelspiden auO Towneley finden wir ebeafaliai ein abgesond« 
ertes Stttck Pastores betitelt ; ich waide weiterbin von sftd- 
deutscben Weibnachtkomödien reden, welche nichts als Hirt- 
enspiele sind i nnd ftberdieO sehen wir schon in französi- 
schen Misterien, sehen wir in fast aUen Weihnachtspielen 
des 16. Jh. diese Szenen mit AnßfOrlichkeit behandelt. 



Lied. 

Wir treten herein on allen Spott, 
ein schön guten Abend den geh euch Gott, 
ein schön guten Abend, ein fröliche Zeit, 
die uns der Herr Kristus hat bereit. 

Wir sind gezogen in großer Eil 9 
in dreizehn Tagen vierhundert M eil ; 
da kamen wir vor Herodes sein Haus, 
Herodes schaute zum Fenster herauß. 

Herodes sprach mit falschem Sinn : 
Ihr lieben drei Weisen wo wolt ihr hin? 
„Mach Bethlehem ins jüdische Land, 
da sind wir drei Weisen gar wol bekanf 

Der Engel spricht: 
Ich tret herein mit Schfitzen 
die Mutter zu ergetzen 
mit ihren kleinen Kindelein, 
das soll von dem Weltheiland sein. 

Gloria in excelsis deol 

(klüigeU mit einem caflckehen.) 



In grofiem Streit — dreißig Tagen — Meilen weit^ lautete ee in meiam 
QneUe; ich liabe die BeOemng um so eher antemommen^ als es in eirem 
>erwanten Liede snß Kirnten (Liesing, Lesachthal) also heißt:, ale so^ 
en dahin in schneller Eil in dreizehn Tagen vierhundert Heil» Dreixehn 
Tage ist die iegendarische Frist^ vgl. Joh. v. Hildesheim von den h. drei Kön- 
igen cap. 13. Ceber andre Berechnungen R. Hofinann Leben Jesu nach den 
Apokryphen S. 126. — Zu unserer zweiten Strophe vgl. das Stemslngerlled maß 
Friedingen in Schwaben (E. Heier Sagen aus Schwaben 471), welches mit aeiner 
wfirtUchen Uereinstimmang beweist, daß wir für alle diese im deutschen Lande 
Terbreiteten Lieder auf eine gemeinsame Quelle verwiesen werden« Auch das 
eng^sche Stemüed ist verwant, Sandys Christmastide p. 172. 



121 

Der Morenkönig. 
Ich bin der König aoO Moreiiland, 9 
die Sonne hat mich so schwarz gebraut. 
Schwarz bin ich, das weiß ich, 
König Balthasar heiß ich 2), 
die Schuld ist meiner Kindermagd 
daß sie mich nicht rein gewaschen hat. 
Pax vobiscum ! 3) Friede sei mit euch ! 
ein schön guten Abend wünsch ich euch, 
ein schön guten Abend den Herren und Damen, 
ein jeder wirds nemen in Billigkeit. Amen! 

König Herodes oiit dem Szepter 

tB rotem Mantel der mit Streifen . Goldpapiers beseit Ist, die Krone aaf 

Haopt^ das Schwert an der Seite. 

König Her ödes werd ich genant,') 

den Szepter trag ich in meiner Hand, 

das Schwert an meiner linken Seit, 

drum wag ich mit Gott den Streit. 

Die Feder ist mein Schwert,^) mein Dinte ist das Blut^ 

damit schreib ich so klug« 

Morenkönig. 
So klug schreibst du, König Herodes! 
Wir bitten dich und fragen nach dem rechten Schein^ 
wo der neugeborne Kömg der Juden zu finden Mi. 

König Herodes. 
Ich bin König und kein andrer, 
ich glaube nicht daß in oder außer der Stat 
jemand was anders gehöret hat. 



Vfß. den Morenkönig bei dem Pfingstritt In Wnrmlingen In Sdiwabai« 
£• Meier Sagen Sitten and Oebidnciie ans Schwaben S. 412. 

Von mir ergänzt. 

Meine Quelle batte: finxbavml 

i) Vgl. den Spruch des Malenftrers in Friedingen an der Denan nnd Wasch- 
«ab^pren bei Mohenstanfen. Meier deaUche Sagen Sitten nnd Oebriinche ans 
Schwaben. 8, 40&. 407^ TgL noch 411. 

Sanunt^ meine Qi^eil^ 



124 

Hallo I mein Diener Laban, zieh herauO dein Schwert, 

und ziehe nach Bethlehem 

und töte mir die kleinen Knaben 

von eins zwei biß drei Jaren. 

Diener Laban. 
Gnt, meine königliche Majestät 
Bei dem ich stehe in Eren Lon und Brot, 
muß ich anch bestehen biß in den Tod. 
Ich werde hinanß nach Bethlehem ziehn 
und töten die kleinen Knaben 
von eins zwei biß drei Jaren« 

(geht ab.) 

Lied. 9 

Wir sind gezogen am Berg hinauf, 

der Stern stand stille wol über dem Haos^ 

der Stern leucht uns ins Hao&r hinein, 

da fanden wir die Matter mit dem Kindelein. 

Joseph der bei der Wiege saß, 

der alte Mann bald erfroren was. 

Wir thaten unsre Schätze auf, 

schenkten ihnen Gold Weihrauch und Myrrhen yoUaufl 



fierodes ließ töten viel Kinder mit Graus, 
doch bald sind geworden viel Engel darauß — 

Diener Laban tritt ein. 

Jezt tret ich herein wider in das Haus, 
meine Sachen hab ich gerichtet auß, 
viel tausend Mann hab ich erschlagen ; 



Das enilende Lied tritt an die Stelle der Handlang:, welche flr #ea» 
kleiiien Darttellnngen in nmstftndiich wäre. Leider kann Icli diese Stropkoi 
irielit ToEstftndig geben. Ein anderes Lied scheint sich diesem aagescUofiOA s« 
iMwn; Ich habe nur die (yerderbten) Verse erfaren kOnnen: lest •cbMokt 
er wieder anO der Thflr^ der fromme Paradels. Gott sei Lob vnd Pirels. Sm 
«rsten Versen Tgl. diese Stelle des engltschen Stemsanges: We aD eane 
fkB lottf hill^ And there saw we the Stare stand stOL 



185 

» 

trotz dem, der mir ^fn Wort will sagten! 
Die Kindei^ schrien zwar jämmerlich, 
bei mir war kein erbamen nich ; 
es hat mir selber Leid g^ethan 
daß ich ich es hab so arg gemacht. 

König Herodes. 

Ich sitze in schwerem Anbedacht, 
ich weiß nicht daß ich so traurig bin ! 
meine Traurigkeit mein Herzeleid 
ist daß mich die drei W^sen betrog^i 
und das Kind Jesu auß dem Land gezogen. 

Engel. 
Viva! i^va! Schäfer steh auf und zfile mir deine Schafe! 

SchSfer. 

!■ grioea Kniehosen mit rosa Bindern grflnen Hosentrigen welfien SMnifiBa 

und einem Hirtenstab mit Bändern gescbmflkt. 

Als ich vom Berge herab kam, da legte ich mich unter 
eine Eiche und schlief. Da kam ein Wolf und nam mir viel 
Ton meinen Schafen. Ich aber nicht zu faul, nam einen ffir^ 
enstaby gab ihm eins über den Rflcken daß er zersprang in 
hondertfiinfzig Stttckeu. 9 

Schifer singt: 2) 

Ob ich gleich ein Schäfer bin 
hab ich doch ein frohen Sinn, 
ja ich hab ein solches Leben 
das mit lauter Lust umgeben, 
wechsle meinen Schäferstab 
nicht mit Krön und Szepter ab. 



Solche ScUfersprflclie ftber Abenteuer mit dem Wolfe mlUlen sakeM 
Torlaaden sein« Ein andrer anC der Namslaner Gegend ist so: Jnnge, woae 
grinste asi 7 höt der dir Wolf a Schöf gennmn 1 — ^^Nd, höt mer dir Wnlf a 
Sebdf gennmn'^ — Wd ts a denn hl geldfli? -> ^,Nd, tbr a Barg'^ — Ihr a 
Baig? ^ ,^t, nnda hoan a Ja nieh dnrch.^^ — ' Hostn deh gehabt? — yjBlt, 
hoa lehn dch gehdbt^ poschoia (liebkosen) wdr lehn dnch nIch I^< — 

9 Dasselbe Lied mit drei weiteren Strophen bei Hofinann und Rtehltr 
MM e rtsc h i Vollurileder mit Melodien. I.elpilg 1842 no. 296. 



126 

Morgens wenn Ich finh aofsteh 
und za meiner Herde geh, 
treib ich mit vergnagtem Schalle 
meine Schfiflein anO dem Stalle 
aof die grtüie Wiese hin 
wo ich stets alleine bin. 

Meinen Hund das treue Thier 
hab ich Tag und Nacht bei mir ; 
ob ich schlafe oder wache, 
80 bewacht er meine Schafe, 
und vertreibt mir alles Leid 
biß zur spfiten Abendzeit. 

(*1« gehen ab.) 



In diesem Spiele ist das Ende desHerodes nicht weiter 
enrflmt; in andern aber, welche in Glaz umlaufen, wird er 
Tom Teufel geholt. Trotz vielfiichen Bemühungen koate ich 
*ein derartiges Stück erhalten. Herodes wurde flberhanpt der 
•Vertreter ungerechter Könige, und so bildete sich in Polen 
«b eigenthflmliches Puppenspiel, das in der Weihnaehtzetl 
in kleinen Kasten (szupki), die von Haus zu Haus geOrt 
werden, gespielt wird. Ich sah eins zu Weihnachten 1850 in 
Krakau. Der König wird mit &st allen Ständen zusammen 
gebracht und zeigt sich ungerecht; reiche vomeme Kra- 
kowiaken, einfache Goralen (Bergbewoner, Karpatenlente), 
auch polnische Juden treten auf und erfiiren des Königs 
Tyrannei. Vergebens wirft sich der Jude vor ihm auf die 
Kniej da tritt der Tod herauO die Sense in der Hand, und 
der König klappt getroffen zusammen. Hierauf spießt der 
Tefofel den Leichnam auf seine Gabel und schnurrt ab. Die 
Bapdkng wird von Strophen begleitet, die nach einer 
Weise gesungen werden, wie Ayrers Singspiele. 

Dreikönigsspiele wie in Schlesien kommen auch in Tirol 
vor und im Elsaß zu Mtllhausen und seiner Umgebung^. Die 



12T 

Spieler sind weiß gekleidete Knaben mit goldpapierenen 
Kronen, vergoldeten Szeptern und einem großen Stern, 
den sie anf einer Stange ti'agen. Stöber in seiner Alsatia 
auf 1850 (S* 108) sagt nur daß ,,Sprachweise and Form^ 
ilirer dramatischen AnflRtnmgen an die Meistersinger reiche; 
die Spiele werden also den schlesischeri nicht fem stehen. 
GevSnlicher als diese dramatischen Darstellungen sind bloße 

• 

Lieder oder Reimsprache dieser Knaben ; was Stöber a. a. 
0. darüber mittheilt, zeigt daß dieselben oft ganz in Bettel- 
rerse flbergehen. 9 Diese Sitte des Sternsingens ist 
über das ganze sfldlicheDeutscliland verbreitet. In Schwab- 
en ziehen die drei Könige, das sind angepuzte drei Knaben^ 
einer als MorenkOnig mit geschwärztem Gesicht, von Weih- 
nachten biß DreikOnigstag herum. Der eine von ihnen tragt 
den Stern, welcher durch eine Haspel gedreht werden kann. 
Ihre Lieder sind crzälend gehalten und stimmen zu den 
sehlesischen und kärntnerischen iu Anlage wie Außfhr- 
ang.2) In Baiern heißen die Zwölfnächte die Gebnächte, von 
den Gaben warscheinlich, die an die Sternsänger und and- 
ere Herumzieher gegeben werden. (Schmeller baier. Wör- 
terbuch 2, 12. 3, 658). In Tirol gehen gewönlich nur drei 
Knaben in weißen Hemden und Goldpapierkronen herum; 
der eine und zwar der Morenkönig trägt den Stern. Die 
Reime verwandeln sich aber öfters in Spiele, in denen Her- 
odes im roten Mantel und der Teufel auftreten. Auch hier 
ist die Polizei der gefärlichste Feind der Weisen auß dem 
Morgenlande.^) In Oberkärnten ziehen außer den Stem- 
i^gem, welches die Kirchensänger sind, noch weltliche 

Diese Stemfliigerlleder schließen sSmtDch mit der Bitte um eine Oabe 
BBd alt dem Dank ; selbst das in die Paderbomer katholischen geistlichen 6e- 
iiage Ton 1016 aufgenommene Lied hat diesen Schluß. 

Proben hat Jflngst E. Meier in seinen Sagen Sitten und Oebriachen aus 
Schwaben S. 469-*71 gegeben. Vgl. auch des Knaben Wunderhom lU« 80. f. 

T|^« Ad. Plchler das Drfeuna des UttelalteM In Tirol S. 8. 9. 



128 

Singer herum, die Tölggersinger 9 (MöUthal) : junge Bursche 

welche drei Tage vor und nach dem Dreikönigsfeste^ aber 

anch in den Adventen, in der Nacht von Hans zn Haas gehii 

und Hirtenlieder singen. Erhalten sie Gaben an Fleisch and 

Mel, so wflnschen sie alles Glück ; bekommen sie nichts, 

so erfolgen Verwftnschungen ; namentlich ist dieser Reim 

gebraucht : 

Mir han mer wol gsungen, 
und hamp uns nix gOben. 
Hiez loas mer das Joar 
mit Bauchweh auslohen. 

Die Tölggersinger geben sich nicht zu erkennen, sie 
bleiben vor den Hfiusem stehn. ^ 

Eines dieser Lieder will ich bald hier mittheilen. Es 
ist auO Liesing im Lesachthaie (Seitenthal des oberen Geil- 
thals), wird aber mit geringen Abweichungen anch im Flat- 
tacher Kirchspiel im Möllthal gesungen. 

Ich lag in einer Nacht und schluf, s) 

da klang in mir der Davids Ruf, 

wie wir den heiigen drei Köngen soUn singen und 

reimen ; 
so kam uns ein neues Lied, 
sie liegen zu Köllen am Rheine. 

Der Tag der reißt wol durch den Thron ; 
wir singen den ersamen Hauswirt an 
samt seiner geliebten Hausfrauen. 



Wm bedeatet dai Wort? der UnitiMhe Dialect sehetat e« sonst BtoM 
SV kenneii« 

Vg^ W. Wackerna^i deutsche Literatni^schlchte S* 75. Anau 0. 
') Flattach: So kommen wir mit Freodea ao^ 

wir wfinscheii eock allen ein glflcksellg neues Jar, 

daran eine frOlicbe Zelten, 

wie sie Gott seMr Tom ffimmel uns gelt 

snm Trost uns anaen Iieaten. 



12» 

Gott woll ihnM gewen ein beständigen GemA 
md aach ein langes LewML 



Maria hat geboren ein Kindlein one Mann, 
den Himmel und Erde mit Freuden aufham, 
das Paradeis wird anfgeschloßen. 
Gott hat sein Kreuz wol selber getragen, 
sein Blut filr uns vergtfJDen. 

Und seit uns das Kindlein geboren seit sein, 

den heiigen drei Königen kam ein neuer Schein 

von einem geliechten Sterren. 

Der heiige Geist gabs in ihren Sinn, 

sie namen Gold Weihrauch und Myrrhen. 

König Kaspar zog auO Morgenland, i) 
König Walthauser zog auO Griechenland, 
Melchior auO Oesterreichen ; 
sie folgen dem Sterren gar fleißig nach 
der ihnen die Weg thut weisen. 

Sie zogen dahin in schneller Eil 

in dreizehn Tagen Tierhundert Meil 2) , 

sie zogen in Gottes Genaden 



8 



) 



üeber Namen Heimat und Stand der drei Könige oder Weisen ^rechten ^«» 
kaattieh ser yerschiedene Angaben : ygl. Herrn« CrombaecU prlmltlamm gentium sev 
Uitorlie trlnm regamMagomm tomi tres. Colon. Agr. 1054. R. HoCinann das Leben 
Jeni naeh den Apokryphen 8. 126—128. In der Legende t. d. h. drei Kflnigen 
des Jobaan Ton Hildesheim sind die drei Könige anO Indien nnd zwar Jfelchiot 
^ Nnblen (dem ersten Indien), Balthasar anO CtodoUa^ Caspar anO Tharsis; 
« dem Xastrlcbter Ostersplel (Hrapt Zeltschr. 2, 316) werden Arabien Tliarsia 
»d Cbaidia als Ihre Relehe angegeben; in einem altengUschen WeHuraehtspiel 
Obiiott a colleetlon of eng^h mlradeplays p. 82) Ist Jesper König ▼onTaw«' 
n>y Balthasar Ton Arraby, Melchor Ton Aginare; in dem französischen Gen des 
trois roys (Jnblnal mysteres Inödits dn XV. sihtle IL 79—136) helOt Melchior dn 
SctQe^ Baltazar de Arable, Jasper roy emperable one Land. 

Ö VgL oben S. 122. das Beichenbacher Drelkönigssplel. 

*) Zwei Verse feien; In dem Flattacher LIede feit die ganxe Strophe^ 

9 



130 

Und da sie hin gegen Jerasalem k«n^ 
ein hoher Berg vor ihnen anfetand^ 
der Stern weit ihnen entweichen. 
Ein König wol zu dem andern sprach : 
heunt mfiOen wir hier verbleiben. 

Sie kamen vor Köidg Herodes geritt, 
Herodes empfieng sie anO tugendreicher Sitt : 
Seid mir Gott wiUkomen ihr ^ei Herren ! 
eor Namen die seind mir all nnbekant, 
wo wolt ihr euch hinkeren 7 

König Kaspar sprach wol änOerkorn : 
uns ist ein König der Juden geborn, 
den thuent uns die Engelein preisen. 
Wir haben verlorn den geliechten Stern, 
der uns die Wege that weisen. 

Herodes der sprach auß falscher Begier : 

Und findt ihr das Kindlein, komts wider zu mir ! 

das thuets, ihr lieben drei Herren ! 

hab des Silbers und roten Goldes so viel, 

damit ich das Kindlein könt eren. 

Sie saßen wol auf und ritten dahin, 

der schöne liechte jStcrn kam widerom zu ihn 

und ftlrt sie auf die rechte Straße. 

Er ftrt sie gen Wethlachem die werte Stat, 

da Maria beim Krippelein säße. 

Sie stiegen wol awe und giengen hinein, 

sie grüßten Maria und das liebe Kindeleln : 

Seids ihr die Mutter des Herren? 

so nemets das Opfer auf ein ügenblatt, 

wir schenken Gdd Weihrauch und Myrrhen. 

Also hat Maria das Opfer empfang 

von den heiigen drei Köngen auß fremdem Land. 

Wie sie von ihnen thuent scheiden, 



181 

die Prophezeiung war ganz und gar erftUt; 
sie zogen in Gottes Geleite. 

Sie wurden wol durch ein Engel ermant, 
sie solten nimmer ziehn durch Herodes Land^ 
sotten ziehen ein andere Straßen^ 
ein andere Straßen wol widerum heim^ 
Gott würde sie nimmer verlaOen. 



Hiez hitmer um die Gah^ daub wermer abtanken. 

OMe Singer werden bewirtet nnd bekonmen beim Abschiede etat btfttmten 

IfaO Getreide 5 sie singen zum Schlaß:) 

Man hat uns ein erbar Leinam (7) gewen, 9 
Gott laß euch das Jar mit Freuden auslewen 
jezt und zu allen Zeiten. 
Gott gew euch allen ein glücklich neues Jar 
der Stern muß uns weiter leuchten. 



Schön dank ihr lieben Leut^ 

euch alzeit Gott begleite 

der Himmel belonts euch ewig* 

Das kleine Kindelein 

wird euch schon gnfidig sein, 

aber bewart das Herzelein rein. 



Was das mittlere Deutschland betrifft, so besteht daa 
Stemsingen noch in Thttringen, wenigstens in der Um-> 
gegend von Erfurt. 2) In Sömmerda singen die Sternsing^ 
er also: 



Dm Paderbomer Lied in dem Gesangbnche Ton 1616: Weii ihr ansein» 
^^^ gegeben^ So laß euch das Kindiein lange leben^ In Frieden Frenden immer"« 
dar. Das wünschen wirench zom nenen Jahr. Wir schreiben euch anf ein Lilien- 
sweig. Der liebe Crott geb each das Himelreich. Wir haben gesungen in enreni 
Hans^ AU Unglficke far daraas! Wir schreiben anf ein LUienbiatt, Gott gelb 
each all eine gute Nacht. 

s) Eine aafifarliche Beschreibung des Stemdrehens wie es im vorigen Jar-* 
hundert noch in Thüringen bestand^ mit dem dabei gesongenen Llede^ dessea 

9* 



in 

Die heiligen drei Könifj^e mit ihrem Stern 
Sie sachten den Herrn , sie hatten ihn gern ; 
Sie kamen vor Herodes Hans, 
Herodes sprach zum Fenster heranO: 

Ihr liehen drei Weisen, koint rein zu mir, 
ich will euch geben Wein and Bier, 
ich will each geben Hea and Strea, 
nach solt ihr haben die Zerung freL 

,^ch nein, ach nein, wir mttßen fort, 
wir haben ein kleines Kindlein dort, 
ein kleines Kind, ein großen Gott, 
der alle Ding erschaffen hat/^ 

Die Verse dienen zur ferneren Bestätigong der An- 
name, daß ein gemeinsames Lied za Grande liegt, ^) das 
als DreikOnigslied warscheinlich Von dem Volke in der 
Kirche gesangen wurde und von der Kirche sanctioniertwar. 

In den Niederlanden fanden zum Dreikönigstage diese 
Umzttge aach statt ; ein Lied, das dabei gesungen wurde, 
iheilt H. Hoffinann Horie belgic« 11., 69 mit. Farende Schau- 
spieler giengen dort ferner am Dreikönigsabende von Haas zu 

Bniclutttcke nur die hier mitgetheflten Strophen slAd^ findet sich in dem Journal von 
vndfttrDeatschlandl789^I— VI.St.l56— 158; daraoO bei H. Hoflhiaan Höre hel^ 
Slcte 2, 71 — 73. Drei als Könige Terkleidete Knaben gieng^en herom, derMoren* 
kdnlg flirte den Stem^ der aoO einer Stange und einem darauf befestigten Brete 
bestand. Auf demselben war ein SchloO, aiiß dem Herodes heranfisah, mit bravn* 
totem Gesteht nnd sehwarser Petflcke* Zar einen Seite des Schloßes traten die 
drei Könige avO einer Laube so bald es das Lied verlangte; auf der andern Seite 
betend sich die Krippe. Die Figuren waren beweglich und machten %n dem er- 
zllenden Liede die nötigen Darstellungen. 

Vgl.Meler Sagen aus Schwaben S. 471 und oben S. 122. 124. das Relclieiibacher 
Ued. — Dieser gemeinsamen Queue ser nahe zu stehn scheint das Dreikönigslied, das 
m einer Klostemeuburger Handschrift des 10. Jh. (sign. n. 1228) sich befindet 
9y3jml Bot 80 woln wir loben und em^ die heiligen drei knnig mit irem stosE 
Cron Ifone schon mitgetheilt In seinem Anzeiger 18S9. S. 353. f.), Hemer daa 
Lied: die heiligen drei Könige mit ihrem Stern ^ die Kamen her aus Morgenland 
Hern (Catholische geistliche Gesinge. Paderborn 1616. S. 93) und das Lied bei 
Docen Uscellaneen 1, 276—278. Vg^. das englische Stemlled bei Handys Christ-' 
aiastide 172. 



II» 

Haus und jRlrten Tafelspiele anf^ sogenaimt von der 
Tafel auf der sie gespielt wurden. Die h* drei Königa 
aeheinen frtth darauO entschwunden zu sein ; dafbr ist der 
König des Tages, der Bonenkdnig, des-Stttckes Blittel« 
ponkt* Willems hat im belgischen . Museum (Band 2, St 
102—106) ein solches Tafelspiel mitgetheilt, das von 
zweien gesprodien wurde« Der KOnig wird darin hegrttOt 
und ihm eine allegorische Krone mit fOnf Zacken tthergeben» 
Die Sitte an diesem Tage einen König durch freien BesohluO^ 
oder durch das Loß, zumal durch eine in den Kuchen ge« 
backene Bone zu erwalen, ist schon im 13. Jarh. in Frank* 
reich nachweisbar, wo die Bonenwal ihre Heimat zu haben 
scheint. — In Dänemark hat der Dreikönigsumgang eben- 
fidlls bestanden. 2) In England und Schweden besteht er nndu 

Gehen wir nun zu den volksmäßigeu Weihnachtspiel« 
en zurftck. Wir hatten auf der einen Seite die Ankunft der 
h. Familie in Betlehem^ ihr vergebliches anklopfen bei dem 
Wirt, die Verkündigung bei den Hirten und die Anbetung 
durch dieselben. Auf der andern Seite fanden wir die An« 
betung der drei Weisen auO dem Morgenlande. Mit Ver« 
einigung beider Thcile stellt sich uns der ganze Weihnacht« 
cyklus dar, wie er in der Siteren Literatur behandelt wurde« 

Ein solches geistliches ^,6espiel^^ kann ich im folg- 
enden auß der oberen Steiermark, auß der Gegend von 
Vordemberg, mittheilen. Daß es dort oder wenigstes in 
dem österreichischen Alpenlande entstanden ist , beweist 
die Sprache. 3) Es liegt mir in einer handschriftlichen Auf« 



Sartoil Neuste Reise durch Oesterreicli etc. (Wien 1811) 2, 346 f. er«* 
xilt daß uaii in Kirnten sam 6. Jan. in den meisten Hänsem einen König wilf^ 
dem eine Tannenzweiglurone aofgesezt wird. 

<) Das Ued bei Njemp Udralgte danske Viser 1^ 278-282. 

o: a. Reime: wont: beluu&nt^ Gott: Gnad, Sokn : Mann^ an: daroft 
(dafan geschrieben). — schan schon ^ gras groß, an und al : d -^ dawll: 
kjnal^ alian : than (thnn). el : en ^ freoUch, Heoland^ heater, geurenedent -* 



184 

seichniuig vor^ welche aaO dem Anfange dieses Jarimnderts 
sein mag. Die Schriftzttge sind hOchst nngelenk und als 
tmgelenker Schreiber zeigt sich der Urheber der Hand- 
schrift überall. Dazu denke man sich daß der Mann, welcher 
in der Mundart zu denken und sprechen gewOnt war, nach 
einer Handschrift schrib, welche auO dem Gedachtniss 
aufgezeichnet war (dieO IfiOt sich schließen) und daß er 
Hdt prüfendem Verstand nicht alzu freigebig bedacht ge- 
wesen ; und man wird glauben daß eine möglichst haltbare 
Hierstellung des Textes oft nicht leicht war. Die vorlieg- 
ende Handschrift ftrt auf eine ältere auß den vierziger 
Jaren des achtzehnten Jh. zurttck, wie v. 17. des Prologs 
beweist; die Zal 174 die hier stand, habe ich one Bedenken 
und ich hoffe mit Recht in 1740 verwandelt. Das Spiel halte 
ich ftlr ein Erzeugnils des 15. oder 16. Jarhunderts seinem 
Entwürfe und dem grösten Theile der Faßung nach. 

Gegenwärtig scheint das Spiel nicht mer aufgefbrt zu 
werden. 



Ein geistliches Gespiel 
auß Obersteiermark, Gegend von Yordemberg. 

Wirt mAcht den Anfang, gehet etat vnd sprieht. 

Wünsch euch von dem neugebornen Kindeleia^) 
dem Herrn und der Frau und dem Hausgesind zugleich 



t» : p — potschnft; gepom« b : w — gewenedeot^ Herwlrg. ß : s — ▼«rsehlos- 
en. groser. — häufig d f&r t. 

Q Glflckwnnsch oder segnende BegrAßnng am Anfange der alten Prologe 
Ist selbstrerstindllch and fast algemeln. Her darflber tn meinem kttnftlg er- 
scheinenden Bache fiher das deutsche Schauspiel. Hier genflge es an einige 
Schanspiele des H. Sachs zu erinnern; er heglnt den Prolog zn seinen nn- 
^elchen Kindern Eve also: Hejl vnd genad von Gott den Herrn Sey aU den 
00 Ton nah ynd ferren Versandet selnd an dieses ort Zu hOren da von wort sa 
wort Ein Komedl vnd lieblich gedieht. — Der Prolog za der Tragödie Ton der 
Schepftmg: Der gOtüich hlmelische sogen Sej mit euch jest vnd aUewegen Ihr 



135 

Glflck und Heil in das Haus herein 

und allen die hier yersammelt sein 

zu dieser heiligen Weihnachtzeit^ 

die nns gibt Gelegenheit 

ein kurzes Gspiel zn fangen an , 

ist glanbhar^) and nicht gar zu lang, 

von Kristi des Herrn gehnrtlichem^) Tag. 

Es wird zn seinem Lob und Er gemacht, 

damit man in die Gedfichtnuss ftr 

seine Menschwerdung hier, 

die euch von neaem nemts zn Mut. 

Wie er ist wares Fleisch und Blnt 

aoß wOrken Gotts des heiigen Geist, 

wie solches dann die Geschrift uns weist 

von der Zeit vor 1740 3) Jar, 

wie da der Weltheiland geboren war, 

wie es sich sellmals^ hat zugetragen, 

wird man alda gar kürzlich sagen. ^ 

Nun merkts und nemts euch wol in Acht, 

eins und das andre wol betracht! 

kurz zu sagen in der Summ, 

eim jeden es zu Nutzen kumm. 

Wirt gehet ab. 



•auerwehHen Christel Lewt Die Jr Ue sejdt Tenamlet hewt. — Auch in dem 
Fasmielitflpiele wird dieser gaX» Brauch festgehalten , z. B. Gott grAO den irt0t 
n alier fkrist, nnd alles das eneh lieb ist, dem sol Gott geben heil nnd seldl 
Fastnaehtspleto 114, 4—6. 

B- lebbar. 

s) H. gebiehMnder; über gebnrtUchBenecke-MtUlermlttelhochdevtseh« Wort- 
crbnch 1^ 156*- 
H. 174 

f) seDnals, damals. Tgl. SchmeUer baierischea W5rterb. 3, 232 nnd mala» 
Schiin Ueber dentsehe Dialectforsehong etc. Wien 1853 S. 142* 

O Oben T. 8. hieO es „ist nicht gar zn lang'^ $ diese Zosicherong der Kürze be- 
gegnet Sller In dem alten Schaospiel; so heißt es in dem Fasnachtspiel vom 
Arzt «nd kranken Baner (n. 0. Fasnachtspiele des 15. Jh. yon A. Keiler), „daa 
sie dieaem werk woBen zn sdlaaen nnd sich des nit retdileOen laflen, dann es 
ist kurz anß der maOen.^^ 



136 
Wird ein Gesang^ gMungeo.^) 

Jn Galilea ein Jungfrau wont^) 
von großen Qualitäten, 

zu Nazarethy ganz wol bejkaai|^0 
von hohen Dignitfiten.^) 
Regalisch 9 war sie ^mzusehn« ^ 
Von Gott der Engel Gabriel 
gesant zur Jungfrau reiset;^) 
er sprach : Maria sei gegrflßt I 
von Gott bist worden außerkiest^ 
vom Engel hoch gepreiset. 

Maria schrak ob diesem Gruß ; 
gedacht, was soll ich werden ? 
soll mir ein Engel falln zu Fuß ? 
bin doch auß Staub und Erden« 

« 

Ich kann mir niemals bilden ein, 



Daß nach dem Prolog zur Eröflfhmig und weiteren Einleitung; des eig;ent'« 
liclien Spiels (wozu sonst auch das Argument gesprochen wird) ein Lted ge- 
sungen wlrd^ findet sich in unserm fiteren Sehanspiele filtere, s* B. in J, Rufii 
Adam und Eva, in B» Waldls Terlomem Sone. Das unten mitgetheüte Para* 
delsspiel wird umgekert mit einem Liede eröltaet, dem der Prolog folgt an 
welchen sich noch ein Lied anscUleßt. Ein Osterspiel des 14. JBA»'Oi»Bß 
Schauspiele des Mittelalters 1, 72—128) hegint one Prolog mit einem Gesänge; 
ebenso das oben S. 122 mitgetheüte Beichenbacher Dreikönigsspiel. 

9 Dieses Lied gibt die Hs. in großer Vem'irrung. Die Strophen sind darin 
nngieich an Verszal und Im Abgesang Terschieden in der Aeimstellung. Die 
Wamemung daß das Lied ursprünglich nach der Weise ,^der Tag der ist so 
freudenreich^^ gedichtet sei^ half der Herstellung. Ich setze das Lied In das 15« 
Ih,; biß Jezt konte ich keine weitere Spur Ton ihm entdecken. 

wan Es. 

f) Ganz wol beklUit, Apposition zu Nazareth, Tgl. Philipps Marlenleben t* 
M» 0oth» hs. hu einer etat diu was genant Nazareth rfl wol bekant, 

O QualitXten Hs* 

*) Hunc regalis ylrgo mater — Hjmn. Lumen inclytum reftalget, 

BegaUschweiß in a. Hs. 

•) Die Hs. filgt iwel Vene ein; for derielbige aMir fiel , sein ete tob 
sieb zu verweisen. 



13T 

wie die Sach soll beschaffen sein,^) 
es will mich Furcht ankommeii. 
Der Engel zn Maria sprach^ 
er sagt : das ist ein gottlidi Saoh^ 
Gott hats ihm vorgenommen. 

Die Singer geken ab. 

Gott der Vater gehet ein und spricht also: 

Gott der Vater muß einmal^) 
sich erbarmen in des Himmels Sal. 
Ich kann nicht länger hören an 
das Geschrei meiner armen Unterthan, 
so daß noch heut muß anf die Welt 
mein liebster Son außerwflt. 
Mein Son will ich schicken anf die Erd, 
der das menschlich Geschlecht errett 
von Tod von H&U von aller Stlnd. 
Alles mein Volk wider Gnaden find 
auf Erden bei mir vom Himmelreich. 
Darum wills mich erbarmen gleich^ 



Von Uer die Hb. : niach mfar so firoß beMhwerden^ der Engel sa Maria 
Vnßky lae dir kein forcbtnnkonunen, er sagt dai ist^n Gottticho each^ Gott liat 
iSi Toigenobmen« 

Unser Spiel gibt hier die dogmatleche Begrtndnng der Gebnrt Christi als 
^ Eriflsimg de* in die Sflnde gefallenen nnd Tordamten Menschengeschlechtes. 
In einem deutschen Weihnachtspiele des 14. Jh. CMone Schamsp. des Mittelalt» 
h 14^—181) sind die Klagen^ welche Gott an der Eridsnng bewegen^ dramatisch 
ctsgefdrty indem die Aitvlter and Propheten das Spiel erCfiien; in dem alteng« 
i^Khen Kristsf iele der Coyentryreihe tritt Jesaias mit solcher Rede «nf ; in 
^idea folgt namittelbar die Verkflndigang* Auch J* Bales Gods promises (Mar- 
ktt 223—257) gehfiren hieben In der firansOs. Nattvite de N. & Jesnchrist 
(/abinal Mjsteres 0, 46) schreien Isalas nnd naniel an Gott, woranf die Tenlel 
Beigfbiu nnd Belial sie mer an peinigen beschließen, nm so mer als ihnen EriAsnng 
sähe sei« Gftt aber von 4em Schreien der Propheten gerirt, sendet Gabriel 
nach Naxareth. Kirchengesinge namentiich der Adventaeit stellen begreiück 
dtese Gedanken olt dar; es mag hier erinnert werden an das alte Lied Anß 
Wrtem wee klagt measchttchs gscUeeht CWackemagel KftroheaUed a. 181«- )> 
sa den Adrentgesaag ,,Dnrch den nngehoisam nnsers Vatsrs Adam (Leisentrit 
Pol» 17) nnd an Latbers ,,Nan ftrent ench lieben Christen gmein^» — V^ 
MKh den Prolog an EdelpOcks WeihnachtoomMie. 



138 

weflen es bitt also hoch ; 
es erbarmt mich dabero noch. 
Obwol der Vater Adam sich 
vergriffen ser hat wider mich, 
will ich doch nicht die Kinder sein 
es laßen entgelten algemein ; 
sondern als Vater mild begnaden, 
kein solche Straf nit mer aufladen. 
Ich will sehen zn der Sachen, 
der Erlösung einen An&ng machen. 
Nach Galiläa will ich senden 
mein Engel Gabriel der Enden 
zu Maria der Jungfrau rein, 
verktlnden ihr den Wijlen mein. 
Denn sie soll tragen mein liebsten Son 
in ihrem Leib rein one Mann. 

Sott der Vater gehet ab. 

Maria gehet in den Tempel and qi^cht: 
Auß Grund des Herzen mein 
w5lt ich kennen die Jungfrau rein^ 



Ueber die UmstSnde der VerkOndigang^ wie apoluTpliische Evangelien 
und spCtere Kirchensehrlftsteller sie avOfttrtea vgl. R Hoffiaaim daa Leben Jesm 
nach den ApolUTplien. Lelpsig 1851» S* !!• Abweichend von den sonsttgen Beridit-' 
en Teriegt nnser Spiel die Scene in den Tempel. Dazn daß Maria .^rade die 
Anknnit des MeMias erwigt, stimnit die Angabe des Barradlns comment. 1. 1, 7 
daß die Jungfrau die Weißagong Jesai» bedachte. Das Ist auch in das 
mjst^re de la Conception passlon et r^snrrection de N. & (Parfait hl-* 
stolre da theatre fran9ois. Ansterd. 1735. 1, 87) aofgenonunen. In den 
Voraner Gedichten 230^ 5 — 1 C^iemer) heißt es: sl bette innbe das heil 
der werite; bei Otfried h bj 9—12. giang er (Gabriel) In thlapallnsa^ fand sla 
drdrdnta^ mit psaltem in hentl, then sang sie nns In entl^ wlherd dnaciid weriE 
wlrkentn^ dinrerd gamd^ wosu Wemhers Maria (Fandgraben n. 177) md die 
Kindheit Jesa (Hahn Gedichte des 12. nnd 13* Jahrh. 00^) stimmen. Ueber das 
Gewebe Hofinann a* a. 0. 66. Eine mystische Abhaadlang Ton Joham Toa 
Stemgaßen 4ber das was nnser frowe t^tl dd der engel sno tr kam, gab 
Pfeifer heraoß bei Haapt Zeltschr. f. deutsch. Alterth. 8, 237 C 

Vgl. auch das Lied Helniichs von Laafenberg: Es saß ein edle ma^t schon. 
Wackemagel Kirchenlied no. 750. — Bei der Fronlelchnamsprocessloii tob Toik 
1415 war In der Gruppe welche die Verkündigung Mthlelt, als erste Abtheüung 
Maria und ein Schriflgelehrter welche die Weißagungen Aber die Gebart des 
las aoßlegen* Marriott miracleplays XVin, 



ist 

die tragen soll in ihrem Leib 
imd wird gebären mit großer Freud 
den Seligmacher one Sclunerzen^ 
den sie trfigt nnt» ihrem Herzen. 
höchster Gott, hitt ich die Gnad 
zn jeder Zeit ja früh and spat, 
daß ich kunt soviel würdig sein 
zu sehen jenes Jnngfränlein. 

Engel Gabriel tritt zu Maria und singt:^) 
Ave Maria jnngfrfiuliche Zier, 
Da bist voUer Gnaden, der Herr ist mit dir ; 
ein ganz neue Botschaft ein unerhörtes Ding 
von der himlischen Hofetat ich Gabriel bring. 

Maria singt: 
Ach Gott, was sollen die Wort immer sein? 
wer will zu mir kommen ins Zimmer hinein? 
die Thür ist versperrt, 2) die Fenster sind zne j 
wer ist der mich stört in der nächtlichen Rue. 

Engel Gabriel singt: 
Nicht fbrcht dich Maria, es geschieht dir kein Leid, 
ich bin nur ein Engel, verkflnd dir groß Freud ; 
du seist empfangen und tragen ein Son, 
den die Menschen verlangen viel tausend Jar schon. 



In dem alten Schaospiel tot es nicht selten daß die Handlang zoerst in 
^nem, tledo tot sich geht (lateintoch oder deutsch) worauf die gespr&ohswetoe 
DanteDong folgt. 

IMe Worte des Dialogs in nnserm Spiele schließen sich ziemlich treu an den 
biblischen Text nnd haben dämm In dem gesamten mittetelterUchett Wetfanacht- 
4niaia entsprechende Stellen« Vgl. Hone Schansp. des Mittelalt« 1, 154. t Hanpt 
Zeitschr. t d. A. 2, 310. f. Marriott engUsh miracleplajs 60. Jnhinal mysteres 
taedits n. 48. f. (Parfait) histolre da th^atre fran9. 1^ 104. f. 

AnO der firalschaft Glaz hat HolTmann y. FaUersleben In den Schlestochen 
Voiksliedem (Leipzig 1842) no. 277 dieses Lied^ and zirar am drei Strophen 
Uoger, mitgetheUt. 

\gi* auch Bonc Cantate n* 15 : Ave Maria graUa plena, so grflste der Engel 
^ Jvngfraii Maria* 

Hs. Terschlosen. Der Binnenreim verlangt die BeOeroBg, aseli hei Hoff- 
aaim'scliies. VolksL S« 329 steht yerschloOea. 



141 

Maria sii^: 

Wie kann das geschehen? erkmn ja kein Mann ; 
wolt lieber vergehen ala tragen ein Son. 
Hab ich doch geschworen mein Jnngfrausdiaft Gott^ 
bin dazu geboren^ Verbleibs biß in Tod« 

Gabriel spricht: 

Sei gegrflßt ave Maria zart, 
des heiigen Geistes voll an dem Ort. 
Unter allen Weibern bist gebenedeit, 
irie auch die Frucht in deinem Leib. 



aria: 

Woher seit ich gegrILOet sein ? 
was zeigt das an, o Jflnglingmein? 

Engel Gabriel: 

Maria nicht fllrcht dich vor mir ! ^ 

der Engel Gabriel komt zu dir, 

geschikt vom allerhöchsten Gott, 

weil du bei ihm hast fanden Gnad* 

Gesegnet 2) bist du o Jungfrau wol! 

auß deinem Leib entsprießen soll 

das göttliche Wort in einem Son, 

den wirst du nennen Jesum schon. 

Der wird groß regieren im Himmel und Erden^ 

des Höchsten Son genennet werden ; 

dem wird Gott geben das andere Reich 

wie auch des Vaters Gewalt zugleich, 

der wird fOven das Regiment^) 

im Hause Jakob one End. 

Maria: 

Engel sag, wie das geschehen kann, 
weil ich ja kenne keinen Mann? 



Dich Tor mir. feit der H. 

EadAr^vd b. im* H« 

Der wird Regiere und die.threo. 



Wie Innt so viel mög^Iieh sein 
daß ich solt iragen ein KindeleinT 

Engel Gabriel: 
Maria^ wie kenscbe Rosen zart! 9 
der heilige Geist dich ttberschatt 
Biit seiner Tauf nnd göttlichen Kraft ; 
bleibt dir noch dann dein Jnngfranschaft. 
Das göttliche Wort bei dir allein 
irirküch ist gepflanzet ein. 

Maria: 
Engel wie soll es denn sein^ 
daß Gott will wonen im Herzen mein? 
bin doch sein arme Magd gering 2), 
uimSglich schätz ich solche Ding« 

Engel Gabriel: 
Jnngfran! anf der ganzen Welt 
bist du allein die Gott gefällt ; 
von allen Jnngfirann anßerkoren 
bist du allein daza geboren. 

Maria: 

Wenn es denn also mneß sein^ 
so gib ich mich ganz willig drein. 
Ich hin ein Dienerin des Herrn ; 
mir geschech nach seinem Begem. ^ 

Engel Gabriel: 
Jungfrau sei geloht nnd benedeit^ 
idi mnQ heim tragen diese Freud. 
Alle Engel im Himmel oben 
werden dich eren preisen und loben. 

Der Engel Gabriel geht ab. 



Ueber die Terg^eichimg der h. JoDgflraii mit der Roie W« Mam goldno 
Seiüüede XXXVn. XLU. 
Kagerln. H. 
^ Deiaem Wort and B. 



14» 

Maria: 
Ich mueß mich machen auf die Strafi, 
anzeigen meinen Freunden das ; ^ 
übers Gebirg zu Elisabeth, 
die meiner längst verlanget het* 

Xarla geht ab. 

Es wird ein Gesang gesungen.^} 

edle liebreiche erwünsch ete 3) Nacht, 
die uns zu dieser Gedächtnufs hat bracht, 
die uns vorstellet^) wie Joseph der Mann 
mit der Jungfrau Maria ^ um Herberg klopft an. 

Er 6) bitt so inständig: „mein herzliebster Freund^ 
mich und mein Gemahlin beherberget heuni, 
weil wir ein so weiten Weg her sind marschiert,^ 
und sie auch groß traget, wie ihr seht und spürt/^ 

„Du seist dich selbst schfimen du treuloser Mann^ 
ein^) Weib mit zu nemen! warum hast das than? 
Es muß auch nichts anders als^) Eifersucht sein, 
weil du ihr nicht trauest zu Hause allein.^^ 

Seht Joseph den frommen ^o) aufrichtigen Mann, 
dem von seinen Freunden der Schimpf < ^ angethan, 



DI« regelrechte Folge des Welhnachtsplels , das seine epische GmndlAge 
allenthalben Terrfit. Auf die VericandigaDg folgt die Heimsachnng derEIlsahctk. 

s) Dieses Lied fand ich anch anter den Weihnaclitliedern der Pfarre Mos- 
burg bei KlagenAirt in KSrnten. Die Abwelclrangen bezeicline ich mit M. 

*) seltsame M, , 

Oleich nns thnt Torstellen daß. M. in der Vordernb. Hs. wie er vm 
▼. der J. 

B) Seiner Gemalilin M. 

«) Ich. M. 

') Dann wir schon so ein weiten Weg her sein gereist^ instSndig evch bitte 
die Lieb uns erweist. M. 

«) Das. M. 

>) Was anders ein. M. 
10) Der feine M. 
"3 Was ihm Ton sein Fr. fBr Spott. Itf. 



143. 

er litt nur geduldige 9 ^^^ Uaget sein Not 
mit weinenden Angen dem ewigen Gott. 

Maria als 2) Jongfiran und Sfotter genannt, 

da sie wolt gebfiren kein Herberge fand s) ; 

von Haus zu Haus bittet um Herberg im Stall, 

könnt doch nichts erhalten, vard geschimpft Überall ^}. 

Getreuer Hausvater, beiraoht das hinftr ! 
80 oft bei deim Garten ein armes ^) geht ftar, 
wo nicht auch ^ Maria in menschlicher Gstdt 
mit ihrem Kind Jesu um Herberg anhält. 

nfo Singer gehen ab ^. 



Virt gehet ein und spricht also: 

Ich heiß Hans Christoph Seltenreich ^), 
es kann nit allemal sein alls gleich ; 



Er thats doch gedulden. M. 

«) Die. M, 

*) AU s. flolt g. k. H. hekam. M. 

Bittet nm H. In der Stadt^ kftnnt nirgend« erhalten, wird gfelndet fiber" 
all IL 

*) Wie afters bei d. Hanse ein armer. IL 

•) Wer weiß ob nicht. IL 

nie Zwlschenacte nnd Zwischenszenen werden namentlich In Spielen des 
15. 16. Jarh. mit Gesang oder Moslk anOgefOUt. Vgl. das Frankfarter Pafslons- 
«plel (Flchard Archiv Bd. 3) die eerste bl^fcap van Maria CWlUems belgisk 
ttoseiun IX.) Rnirs Adam nnd Era, Etter Heini; welter unten das Paradeisspiel. 

Der bedentungsToUe Name Seltenreich findet sieh In alten Dlohtangen 
ifters gebraucht. In einem fiedichte des Tanhanser heifit es: UnrAt nnd h^r 
^iuiffenlht die koment mir t11 drfite und einer heizet Seltenreich, der mich 
TU wol efkennet; der Zadel und der Zwtyel fint mtn stsetez Ingeflade, hir 
Seliade und ouch h^r Unbereit ich dicke bt mir Tinde. Minnefinger Hagen 2, 94*» 

Ein Haas SUtenrich tritt auf in dem Mttes Christianus, Hone Sohausp. d. 
IDttelalt. 2, 416, ein WiUpold Seltenreich in dem Gespräch von der Med, Gott- 
sched ndtlger Vonrat 1, 83, ein Seitenreich mit seinem GenoOen UnfleiO tai 
einem Pamacbtsplel des Hans Probst. Gottsched 1, 36. 

Ein Selten r ouch In einem Fasnachtspiele Niklas Hanueii« Aufig. ron 
Mneisen S. 459* «ine Frau Selten rein In einem Gedichte der Wiener Handschr» 



144 

doch hoff idi odr, zu dieser Zeit 

da wird mein Beatel werden erfreut. 

Jezt ist die Kirch&rt auch nit ferr 

nach Bethlehem von weitem her ; 

es kommen reiche Klröhfiirter herauf 

in unterschiedlichem großem HauC 

Ich will noch erst recht reden 9 lernen 

und sie werden bei mir einkeren : 

dessen werd ich mich gar nit schSmen 

und von ihnen wacker Geld einnemen. 

Kumt dann ein armer drauf, 

so behalt dm und schenk ihm die Zerung auch $ 

kumt er dann zu andern Herrn, 

wird er noch mein Lob vermem : 

Ich sei ein erlicher fronuner Mann, 

bei welchem man leicht zeren kann, 

auf den sich arm und reich verlaOen 

wenn sie reisen diese Straßen. 

- - -- - =') 

fragen sie dann um mein Haus : 
Gib her guet Eßen und besten Wein I 
da laßen sie mich nit Seltenreich sein. 
Fragen sie dann um die Schuld, 
sag ich mit Demut und Geduld : 
Es* ist ein kleine Schuld ihr Herrn, 
von einem thu ich nit mer begern 
als nur in Summa zwelf Schilling ; 



no. 2885 ^ofinaiui Venelclui. S. 04) ein Schreiber Zaidentljt nent Mä aai 
Ende eines ' Oelietbnclies MailiBlilaiifl I. (HoflbuMui Wiener HaadsekiUt 8. S20)» 
Seltennaelkterii Uldud VoUul. S. 570. Seltenif r ebd. 610; Faniftehtipicio 
9ßSy 23. Settenfri« Hamer Selielmeiizviift. 1513* d. i^» nr» 

Za tolcheii bedentüagsToiten Nunen neigt sieb namenüicb diA Poesi« des 
15. 10. Jarii. niid die Dramen der Zeit bieten daran deren nicht wenig; VeigL 
aüein das aesyricb NikL Maanels von der sterbenden Melk. Sie kaanen aber In 
dem Leben wirldlch Tor^ wovon unter andern dasVeraelclinÜSi von Wiener Nam* 
•n des 14-10. Jarh« Belege gibt bei SeUager Wiener Skissen des MlUelalters. 
Wien 1810. S. 402—407. Und noch heute Ist Oberdentsehlaad an Iknoi teieb» 

<} Fdt ein Vert^ etwa: Kommen die reichen Herren heran0« 



vanns gleich nit habto 9^ ^^ "^^1 ^^^^ briDgen, 
und alls was ich beim annen verlier^ 
zalt der reiche schoa dafOr. 

Joseph und Maria mit dem Kinde ^ Idopfen an die Thfir 

Wirt spricht: herein! 

Joseph. 
GrftD ench Gott, mein lieber Herr. 

Wirt. 
Gott dank dir Vater! Woher so ferr 
mit deiner Frau und kleinem Kind? 

Joseph. 
Ich schaue daß ich Herberg find. 



Halbf . Hb. 

Unser Spiel so wie einige andere seUen abweichend von den sonstlgea 
toichten die Gebart des Heilands hier schon voraaO. 

An6 der Angabe der Evangeiien daß in Bethlehem keine Herberg sn find- 
ea war, haben merere Weihnachtsdramen eine Szene gebildet^ wie Maria und 
Joseph um Herberge bitten und abgewiesen werden. In anserm Spiele zeigt sich 
der Wirt gntmdtig, aber er wagt vor seinem bOsen Weibe den armen keinen 
Platz im Hanse einznrSamen , schKlOUch gewftrt er ihnen aber den Staa in 
EdelpÖKs Weihnachtskomfldle Ist der Wtart hart^ nnd die Wirttn wagt vor ihm 
lüchts. Die Magd gibt ihnen aber ein Pi&tzchen im StaU. Aach in dem mjstere 
de la naÜTite bei Jubinal n. 59. f. ist die Fran barmherzig, Ja sie steht der h. 
Juigfran bei der Entbindung bei , ebd. 67, f. In dem mfstere de la conception 
passion et resnrrecüon de N. S. CP^^Ait histoire da thcatre fran^. 1, 112) Ist 
der Wirt Joas zwar raah gegen die bittenden^ erlaubt ihnen aber zalezt »Ich in 
einen halb oiTenen Raam za legen. 

Wie tief die Vorstellang des harten Wirtes , den auch das Glazer Krlst- 
UndelBplel nnd andere, die ich noch anftiren werde, darstellten. In das Geföl 
des Volkes elngedtongen war, beweist eine Strophe des alten WelhnachtUedes 
yfis kam ein £ngel heil nnd fclar:'^ 

Der Wirt solt haben keine Rast, 
denn da bist Ja der höchste gast, 
er solt dir reumen stub vnd saal 
mit seinen gesten allzumal. 
In der Lathersehen Bearbeitaog des Liedes feit diese Strophe. — Aach da? 
nnten mitgetheUte Mosbarger Ued „Da das Gebot ward angesteUt" fürt die 
harten Wirte Bethlehems ein. 

10 



146 

Wirt 
Von wannen komst du Vater mein^ 
daß du so spat ziehest herein? 

Joseph* 

Von Nazareth anf BetUehem 
sind wir zur Nacht spät kommen hin ; 
da hat mein Weib ein Kind gebom, 
das Jesus ist genennet worn. 

Wirt. 
Mein Vater^ mein Haus ist schon voll 
von hohen Herrn und Gfisten woL 
Wenn nur ein Ort vorhanden war ! 
Ich glaub es ist kein Winkel 1er. 

Maria. 
lieber Herr, seht an mein Kleid 
naß von des Regens Ungestflmekeit 9? 
kein trockner Faden ist an mir, 
mein Kindlein auch erfroren schier, 

Joseph. 
Ich bin ein alter schwacher Mann, 
vor Alter nicht mer gehen kann. 

Wirt 
Wie heißt mein Vater, wie ist dein NamT 

Joseph. 
Joseph, ein armer Zimmermann ; 
mein Weib Maria, ist ein jung Lamm, 
(ihr Son Jesus, von Davids Stamm) 2) 
sind arme Waislein s) alle drei, 
kein Geld kein Brol wir haben frei. 



Von Regen naO nnd gestimikclt. H. 

>) Ber eingeklammerte Vers ist von mir ergfinzt; tlieili der feiende Reim 
Uiells die mnweisang aof die DreUieit der fieselscliaft scliienen nUr den Vev* 
sn fordern. 

i) WMla* H. 



147 

Maria. 
Erbannet each mein lieber Herr, 
es ist schon spat, wir komm von ferr. 
Wie brennt so stark der scharfe Wind 9, 
vor Frost schier starb mein liebes Kind. 

Wirt. 
Mein Fran thnt mich recht erbarmen ; 
wolte gerne helfen denen armen : 
ich hab aber eine böse Frau, 
darum ich mich vor ihr nicht trän. 

Joseph. 
mein Herr, redet ans das Wort, 
daß sie uns hennt nicht jagtet fort. 

Maria. 
Sie wird doch nicht wie Eisen sein, 
wenn sie anschaut mein Kindelein, 
wie es an seinem zarten Leib 
erzittert ; (sie ist doch ein Weib ! 2) 

Wirt. 
Mir ist ser leid um das liebe Kind, 
daß es muß sein in Sehne und Wind. 
Meine Frau will ich bitten füi enk s) 
daß sie das kleine Kind bedenk. 

Joseph. 
Gott wird euchs hundert tausend Mal 
vergelten in des Himmels Sal. 

Wirt. 
Freilich, Vater, sorgt nit viel, 
das best dabei ich reden will ; 



Vnd wicii Ter, starker wie brend d. et W. — Erkfiltete Olieder bren- 
lea oder feuern, daher brennt die Kfilte selbst^ vgl. meine Handschrift yon std-« 
tatschen Wethnachtkom^dien fol. 6 wie thnet die kOlt hent brennen. 

f) Da« eingeklammerte ist Ton mir ergänzt $ die Hs. widerholt nach intt-> 
cid dn ToraBgehenden Ven. 

f) Alte nnalform des 2. Personalpronomens $ ygL oben. S. SO. 

10 * 



148 

ich mein es zu erreichen woL 

Der Narrenkopf 9 Ist dir gans toll. 



Wirtin gehet ein and spricht: ^) 
Seltenreich, Seltenr^oh, Seltenreich I 

Wirt 

Wer ist, der mir so sehreien thnt? 

* 

Wirtin. 

So so mein saubers Bttrschel ? gat ! 
wenn ich mein, du bist zu Hans, 
lan&t alle Gaßen wid Winkel anO. 
Was hast du mit den Leuten zn schaffen? 
was hast dn ftr ein Manl zu machen? 

Wirt 
Mein Weib, sie bitten um Herberg heunt $ 
sie sind Abwar auch gute Freund. 
Das ist ein armer Zimmermann, 
vor Alter nicht mer gehen kann ; 
das ist sein Frau mit einem Kind. 
Behalt sie heunt bei uuserm Gsind ! 

Wirtin. 
Wer seid ihr denn? habt ihr auch Geld, 
so ist die Herberg schon bestellt. 

Joseph. 
Mein Frau, wir haben kein Pfenning nit. 

Wirt 
So gehts nur fort, laßts mich mit Fried; 
solche Gfist kann ich allzeit haben, 
darf sie gar nit viel eiidaden. 



Naorenkopf, anch sonst DMkwelsbare Schelte, s. B. la dem Ziricher 
Ht^lMMpiel bei Kottinger Etter Helnl QaedUab. 1847. 6. 24. 

>) Das Spiel nimmt hier als komische Szene einen Teilchen JEaak M& 
ganz tn Sinne des alten Scbaosplels. 



Maria. 
Frau so laOis euch doch erbamen, 
nur heant gebts Herberge uns armen. 
DrauD ists ser kalt und tiefer Sehne, 
mein Kindlein mficht erfrieren mir 9* 

Wirt. 
Hein ! 2) idi selber Air sie bitt; 
Laß du sie heunt allda mit Filed. 

Wirtin. 
Mein I du hast dirs ^ angelegt 
daß du das Annttt ^ also pflegst. 
Schau behalts, wenn du hast Herz ^ 
mit dir treib ich gar keinen Scherz. 

Maria. 
Frau bedenkt, es ist schon spat! . 
wo solt ich Bdt dem Kindlein fort? 
ser hSl ^ und finster ist es drauß, 
vergnnnet uns doch heunt das Haus. 

Wirtin. 
Hein Frau, wfirst ehoder gstaaden auf 
und mit deim Kind beßer gangen dranfl 
Du bist so jung, willst sein so faul ! 
o schweig nur still und halt das Maul ; 
thäts all beid aufe Knie niederfisdn, 
80 thät ich enk noch nit behaln 9« 

Wirt. 
Hein, mein ! was ists um eine Nacht ? 
wir woUn sie gehalten 7) ' one Verdacht ^). 



Mebr. H. 

^ üebcr ileie Setlieiieningspartlkel Schmelltr 2, 502. 
O Krs H. — über anlegen vgl. 6rima WOrterb. 1^ 395— 809. D« liOt du 
Cf aagelegeii eeln die Amnt xq pflegen^ zn bewirten. 
O Alte H. 

O Bett H. — hfly ^t eeU^lUg. Schmeller 2, IM. 
•) Bebalten B. 
O KaltaB. 
9) One langei beitainen. 



ISO 

Wir können» bein reichen wieder einbringen, 
die müOen naeh meiner Pfeifen singen* 

Wirtin. 
Na, na, Mann, schau ! das thu ^) ich nit ; 
halt du dein Maul, laß mich mit Fried. 
Thu daftlr auf die Gäste schauen 
daheim im Hans bei Herrn und Franen. 

Joseph. 
Frau, bedenkts doch, habts Erbarmen 2)^ 
nur heunt gebts Herberge uns armen, 
den kleinsten Winkel in dem Haus ! 
Wir nemen vorlieb, treibts uns nit auO. 

Wirtin. 
Das kann nit sein, mein alter Mann, 
weü mein Haus angefület schon. 
Suchts euren Weg nur weiter fort, 
in meinem Haus habt ihr kein Ortv 

Maria. 
stelnenes Herz ! mein Kind schau an, 
wie blöd und sehwach mein lieber Son! 
vor Kfilten auO sein Äugelein 
fließen herab die Zäherlein. 

Wirt. 
Mein alte, laß es doch geschehn, 
laß sie in die warme Stuben gehn ! 
'S ist doch ein zartes Kindelein, 
schön von Gsicht, schlecht von Windelein« 

Joseph. 
Mein Frau, ich bitt von Grund des Herzen, 
schauts wie mein Weib leit große Schmerzen. 

Wirtin. 
Ich laß mich heunt nit Überreden, 
bei mir das bitten ist vergeben. 



Dal H. 

>) Gedenk doch den armen H. 



Gehis for^ von eak hab ich kein Nutz ! 

und dir Mann biet i) ich es zum Trutz : 

willst du sie heunt laßen ein, 

seist du vor mir nit sicher sein. 

Ich miuO jezt gehn zur Küchel sehn 

und du schau, wies mit den Gästen thut stehn« 

Wirtin gehet ab. 

Maria. 
Ach weh, mein Schatz , mein liebes Kind^ 
must also bleiben heunt im Wind. 
goldnes Herz, wie bist veracht ! 

Joseph. 
mein Maria, es wird schon Nacht. 
Mein Herr, weils anders nit kann sein^ 
laßt uns doch ia den Stall hinein. 

Wirt. 
Das will ich enk abschlagen nit; 
gehts hin in Gottes Nam und Fried. 
Zu meiner Wirtschaft muß ich schaun, 
es sind kommen viel Herrn und Fraun. 

Wirt gehet ab. 

Joseph. 
Mein Maria, weils änderst nit kann sein, « 
so mfißen wir in Stall hinein. 

Maria. 
So seis, mein Joseph ! es gilt mir gleich ; 
Gott wirds Ionen dem Seiteureich. 
Schlag auf ein kleines Feuerlein 9» 
und mach dem Kind ein Kochelein 2). 



In dem mystere de la natlvite (Jnbinal mjsteres Q.Ol) geht Joseph um 
Fener za holen In die Schmiede , bei EdelpCck f. 437 holt er mit komiachem 
Ungeschick ein Liecht. Vgl. uncii Marriott collectlon of engl, miracieplaya. 68. 
Aar Bildürn von der Gebart Krlsti findet sich die Breipfanne ^ z. B. in einer 
Biblia panperam zn Gotha. Jakobs Ukert Beiträge 1, 87. 

Aach bei EdelpOck 401 kocht Josep.i ein Mas. Vgl. ferner das Weihna hts- 
Ued des Johann Mat.ieslos: Jesa liebes Herlein mein, in def^sen lezter Strophe 
es beißt : Joseph kocht ein Mhselein, Maria streicht« Jrem SOnlein ein , das kAtk 
wermet ein Engelein and singet fein. (Wackernagel Kirc'ienUed S. 302}. 

Koch, Brei. Vgl. Schmeller 2, 276. 



15t 

Joseph. 

Ja ja Maria, wd alsbald. 
Hnsch hnsohy wie ist mir so bitter kalt! 
Wir haben gar wenig Mel und Grieß. 
Wenn uns doch Gott nit 9 1^^ verließ! 

Maria. 
Ich sorg mich nicht, o Joseph mein ; 
ich hoff Gott wirds mir sclücken ein^ 

Joseph kert den Koch am ond spricht: 
Mein Maria, bin denn gar nichts wert? 
han dem Kind sein Koch nmkert. 

Maria. 
mein Joseph bist gar so grob, 
jezt hat mein Kind noch keinen Koch. 

Joseph. 
Nimm hin, gib ihm das Mtteselein ; 
ich glaub das Kind wird hungrig sein. 



aria. 

Ich mein, es schlafe schon mein Kind, 
ich will ihms Bettlein machen gschwind ; 
ich selbst will machen mich rar Rue, 
Yor Mattigkeit gelm meine Augen 



Joseph. 
mein Maria, schlafe du, 
ich will dem Ktndlein singen zu 
damits ganz sanftig s<Mal^ ein: 
schlaf ein, stihlaf ein, mein liebes Jesultin. 

Wird ein Gesang geisungen: 

Hirten laßt geschwind uns gehen 
zu der schfinen Davidstat, 
um das Wort srehn zu gesdiehen, 
wie der ficfr gezeiget liat. 



Niehmals H. 



t5l 

Freud dia Engel Iftn» veriktaden 
uns ^e aucb der fwcea Well. 
Hier das Kind vir werdi« finden^ 
hat des Engele Wert geaeldi 

Laßt uns za dem 9 ^eg bequemen, 
folgen nach des Engels Wort 
und ein Opfer mit uns nemen. 
Herr wir konunen nach dorn Wort ! 

Ich ein LImlein, Kindleins Mhitter 
will ichs gehen, zwar nur klein ; 
du nimst Heu Und Stroh 2um Futter 
filr das Ochs und Eseleiu. 

Drei Hirten gehen eis 2). 

Teitl spricht: 
Ich lig jezt Tag und Nacht in Sorgen 
daß mir mScht heunt oder morgen 
das Ungeziefer ein Schaden thain ^) 
wol unter meiner Herd allein« 
Ich kann vor Frost nit schlafen gar, 
es steigt mir auf vom Kopf das Har. 
Es hat mir ja der Wolf auch fort ^) 
drei gute Schaf nieder gemerrt ^ ; 
aber anheunt werd ich schiecher ^ s^^- 
Und weil beisammen ist au das mein, 
will ich mich ein wenig zur Ruh begeben 
und mich gleich hier schiafim legen. 



Doch den. H. 

>) me mrtenssene Ist ooe VcridUtaift sa den Cmfaiige des Stackes ser 
üOfMlch behandelt. Vgl. was. za dem Reichenbacher DrelkOnlgsspiel «ber diese 
Thefle der W*elhnachtskomOdle S. 121. f. bemerkt wurde. Ueber Einzelheiten 
Teigl. die Anmerkung^ zu EdelpAck v. 543. 

Than-thnn Im balr. österr. DUlect darch^g% vgl. Schneüer l, 419. 
Bter in besonderer Mundart thaln^ wie weiter unten, was ni Tgl. 

O Fort, Torlges Jar. 

Q Gemert H* — merren In Unordnung bringen, verderben ; aafiiMrren^ein 
WQd, es auQagen; nieder merren als# niedeijagen. Vgl. Schnell. 2, 611* 

O Schlech, scheu, ftirchtsain; hier Torslchtig. 



1S4 

Gregor spricht: 
Ich han sonst nit geschlafen viel, 
ich möcht jezt schier ruhen still. 
In grSsten Sorgen auf freier Weid 
lig ich bei Winters und Sommers Zeit; 
in grösten Sorgeta hab ich gewacht 
in Wind und Sehne bei Tag and Nacht^ 
in grSstem Knmmer und schwerer Not. 
Es möcht sich schier erbarmen Gott! 
in Hitz und KAlte nnd Schwitzerein 
hab ich vollbracht alle Arbeit mein ; 
mit gröster Mfih auf weitem 9 Feld 
dien ich mein Brot um wenig Geld, 
Ferten hab ich lange Zeit 
viel Vieh gehalten auf freier Weid. 
Jezt will ich mich geben in die Ruh, 
will schlafen biß am morgen früh ; . 
kunt es nimmer länger verbringen , 
mdchten mein Krfifle bald zerrinnen. 

Jod! 2) spricht: 
Es komt mir seltsam fOr die Zeit ; 
daß die Hunde ^) heuin, etwas bedeut. 
Sie haben sonst nie gebellt ^) und schlafen. 
Zu dem daß sie heunt hatten viel zu schaffen, 
da wfir es kein Wunder nit 
daß sie hcunt gäben Fried. 

Wir ligen in Hunger Durst und Kält^ 

wenn ^eich der große Sehne einfällt. 

Dabei mttßen wir haben Acht 

bei Tag und Nacht und Mitternacht, 

ob nit der Wolf die Herd zertrennt, 

der Schaf eins nimt und fort mit rennt ^. 



Auch bey den. H. 

^ Jodokns. 

sj Feit der Hs. 

O Gel»eth« 

Di« Sehof eins Uenim Jiervm Renlh. H* 



158 

Dabei mttßen wir leiden Not, 
rerlieren unser SMiddein ftrot. 
Aber heunt ist alles gut bewacbt. 
Mein Kopf jezt aneb zu soblafen traobt; 
leb will ein wenig pfeifen aucb, 
damit sie scblafen sanftig drauf. 

J d 1 sizt nieder und singt : 
Da setz icb micb nieder wo! auf den Stock, 
da flick icb mein Hosen, da flick ich mein Rock. 
Wo ban icb denn die Nadl, wo ban icb das Kntt 2) T 
Jezt wie icb geb flicken, jezt ban icbs nit dawtt <}• 

(spricht 
Es gebt scbon in die tiefe Nacbt, 
leb ban mir beunt scbon guug gemacbt. 
In Gottes Namen scblaf icb daUn ^), 

Gregor mit deim PlodergsaO, ^ 
daß du mir gar kein Ort nit laßt 1 

Engel Gabriel 
tritt zu den Hirten, er singt das Gloria und spricbt: 

Gloria in excelsis deo ! 
Auf auf ibr Hirten frei! 
erscbrecket nicbt vor mir all drei. 
Icb komm vom Himmel bocb berab ^, 
ein neue MSr zu verkfliiden bab. 
Erwacbt von eurem Schlaf nur bald, 
steht auf und euch nicht lang aufhält 
Der höchste Gott ist euch geborn 7), 



In den Hirtenspielen in Steiermark und Kärnten ist du fUcken der Klein- 
er eine iifinfi^e Zatbat. Es Ut dem wirklichen Hirtenleben entlehnt. 
Knaal. 
«) OerweU, die Weil. 

Oer entsprechende RelmTen feit der H.; etwa ^^ond leg nlch i« de» 
andern iiin*^ 

Breites Gesäß in Plnderliosen« 

^g\- Vom Himmel iioch da komm Icli her etc. 

EvaDgelizo vobis gaodinm magnnm ^nod erit oapüDi popolo, qoia natif 



15» 

der Seligmacber «nOericorn, 
in kaltem Stall bei Bfitternaeht 
zu Bethlehem dort in der Stat 
Geht hin, sacht heim das 
gewickelt ein in Windelein; 
ein Krippe ist sein Wiegen schlecht, 
dabei sein Motter Maria steht, 
dazu gar ein greisalter Mann, 
ein Ochs ein Esel dabei stan. 
Geht hin in d' Stat auf meine Wort, 
auf Bethlehem bald ziehet fort. 
Gewifslich wert ihr finden dorten 
das ewige Wort Flusch geworden. 

Der Engel geht ab. 

Wird ein Gesang gesungen: 

Auf auf ihr Hirten, anheunt erwacht I 
hört musizieren, nemts wol in Acht. 
Ein neue Musik [bei eurer Herd] 9 
ihr habt sie niemals gehdrt. 

Auf auf ihr Hirten jubelieret heut, 
vor Freuden vergeOet alles Leid, 
weil Vet'gnügen und neues Leben 
euch heut wird gegeben. 

Auf auf ihr Hirten musizieret heunt, 
hört wie dort ein kleiner Bue weint : 
niemand dekt ihn zu, eu eu hu hu! 
ihr Hirten scbalTt ihm Ruh. 



aoUs hodle salrator miindi In cWitate Dayld^ et hoc wohSa flgnvm: tevenietU 
füftntoni pannis Imrolntam et positam in pneeepto in medio dann ul^Allni. 
Magomm adoratio von Orleans. W^ig^ht eariy mysteries p. 23. 

Q Das eingeklammerte ist von mir erginzt; das Lied gehfirt mu Aen Tcr* 
derbtesten Thellen der Es. Meine Herstellnng sttct sich natflitteh auf die dwck** 
dnandergeworfenen Stttcke der Ueberileftrang. 



VeitI steht auf und spricht: 
In meim Sinn han ich singen gekfirt 
ganz sanft bei meiner Folenherd. 
Hir Gregor lür ! laß sagen dir : 9 
Wolf hats Lamperl erbißen I 

Gregor steht auf und spricht: 
Hein Gespann! was ist dirflberfarent 

Vcitl. 
Mein, du ! ich will dir was sagen ! 
ein Engel hat durch sein Gesang 
ein nene Mer uns zeiget an. 
Hast dos nit aucb gehoert hiezund T 

Gregor: 
NAmla woP), mein Gspann! in dieser Stand. 
Wir m ißen den Jodl halt auch gehn fragen^ 
schaun was er wird sagen. 
Hir Jodl hlr, laß sagen ! ^ 
Hast du nit auch die Stimm vernomen, 
daß Gott zu uns auf die Erd sei l^omenT 

Jodl steht auf und spricht : 
Ja, mein Gregor, ich hab fbrwar 
in meinem Sphlaf es giiomeii war^ 
daß der Weltheiland sei geborn 
von einer Jungfrau außerlcorn 
in kaltem Stall bei Mitternacht 
zu Bethlehem dort in der Stat. 

Y e i 1 1 spricht : 
Thäma^ a mdl oaus singa. 



AenUche Witze In den Schfiferacenen des Schlanpltser und des Glasir 
KrbtkindeUpieles. S. 108. lld 

FrelUch, Versichening^ die dem bairisch-fisterreich. Dialect geUollg bl. 
?;!• ScbmeUer 2, 693 

O Veter diese Einleitangtfiirael Schneller 3, 205. 

f) Dama r than wir« 



18S 

Gregor spricht: 
Wo thuets brinna? 

YeitI spricht: 
Singa hamme gsoagt. 

Jodl spricht: 
Mag A nit allewoal s^ringa. 

Yeitl spricht: 
Singa hamme gsoagt. 

Gregor spricht: 
Schaf halten, war da wol noch ioU; 
mag sie haben, wer da woll ! 
So rieht wir nns^ dem Heiland zu singen. 9 

Die Hirten singen ein Gesang: 

Als ich bei meinen Schafen wacht, ^ 
hat .ans der Engel die Botschaft bracht. 
Des sein wir fro fro fro fro, 
benedicamos domino. 

Er hat gesagt, er Ifig im Stall 
und sei geboren Air uns Sftnder all. 
Des sein wir fro fro fro fro, 
benedicamns domino. 

Er hat gsagt, er war gar klein, 
in Windlein sei er gewiclcelt ein. 
Des sein wir fro fro fro fro, 
benedicamus domino. 

VeitI spricht: 
Er hat gesagt er wfir gar klein, 
in Windlein sei er gewickelt ein, 
sein Wiege ist ein Krippe scMecht, 
dabei sein Matter Maria steht. 



So nicht mir mein heylant Singen. H. 

9 VgL Bone Cantate ffadtrhom 1861) no. 34. Oeisaielie VolUMtr. 
(PideA. 1860) n. 61. nnd oben S. 117 dae ainxer KiiflkinielefieL 



1S9 

dazu gar ein greisalter Mann, 
ein Ocha und Esel auch dabei stan. 

Gregor spricht: 

Ja ja die Sache ist wol war, 
wie uns der Engel verktlndet die Mar. 
Wir mflOen ans machen auf und davon, 
ansem Heiland und Gott all beten an. 

Jodl spricht: 

Freilich, Gregor, du sagst recht, 
wir mUßen folgen dem Engel gerecht 
und anbeten das kleine Kind, 
das uns erlöst hat von der Sflnd* 
Wir wolln auch sehen zu den Dingen 
und gehen unser Opfer bringen. 

Yeitl spricht: 

Wir müOen freilich ihm was schenken, 
das Kind wird sein Lebtag drauf denken. 
Wenn ich nur etwas hätt für ihn ! 

Gregor spricht: 

Ja das ligt mir halt auch im Sinn. 
Ich hab bei mir ein kleines Lamm, 
ich habs vor etiich Wochen bekomm ; 
das will ich opfern unserm Gott 
in meiner Armut und grSsten Not. 

Yeitl spricht: 

Ha du Gregor, bitt recht schön, 
laß mich dein Lampl melken gehn. 
Hfitt auch gern ein Milch ftürs Kindel. ^ 

Gregor spricht: 

Meinthalben, 's thut halt gar grob schlagen. 

Yeitl spricht: 

Jodl thut schon ein wenig haben. 



160 

Die Hirten melken das Ltnin, J o d 1 spntkti 

Ick kan meiii einzig ^ Hradl gscklaokt; 
das will ich schenken dem alten Mann, 
er wirds filr gut ja nemen an. 

¥eitl spridit: 

Icl| han in meinem Flfiscklein da 
ein wenig Milch, des bin ich fro : 
schenken will ichs des Kindes Mutter, 
Heu und Stroh dem Vieh zum Futter. 

Gregor spricht: 

So ziehn wir halt aufs Engels Wort 
in Gottes Namen auf Bethlehem fort. 

Jodl spridit: 

Ich hin schon gricht zum fortgehn, 
heunt ist der Weg ganz guet und schön. 

Veitl spricht: 

Wie ist nit heunt so liecht die Nacht, 
gleich als schien der helle Tag 2). 

Jodl spricht; 

Wie dünkt mich heunt liecht die Nacht l 

den meisten Theil hab leh gewacht. 

Jezt thu ich gleich drauf denken 

was ich dem Kind hätt sollen 3) scheak^i : 

Ich hab daheim filrwar ein Pfeit ^), 

ich habs vergeflen, es ist mir leid ; 

ist alls mit roter Seiden außknttpft, 

allerhand Vögri darauf gesteppt. 

Ich hoff weil ich nichts beJSers hab, 

sie werden verlieb ncnicn mit dieser Gab» 



1) a nazlO henti gschlecht daza H. — Hendl Hönlein. 
s) Die Hs. fögt die beiden Verse : So ziehn wir halt — fort^ kinziu 
s) Kind fiolt seh. 

«) Hemd, Kleid flberhaigit. SchmeUcr 1^ 325, H«ine dentwlliea fraoca 
mttelalter (Wien 1851) S. 408. 



161 
Gregor spricht: 

Geh a mal fragen ! schau wo du nix magst er- 
fragen. 

Yeitl spricht za Joseph: 
Groß dich Gott, du alter Vater mein, 
weist da nit, wo der Welt Heiland seit geboren 

sein? 

Joseph spricht: 

Dank euch Gott, ihr solts willkommen sein ! 
gehts nur in den StaU hinein, 
da werdet» finden im Krippelein. 

VeitI spricht: 
lieber Gott worfrei! 
das schöne Kind liegt so arm hier, 
es möchte ja erfrieren schier. 
Wir möchten wol voll Freuden springen, 
ich muß mein Gspann auch einibringen ; 
8 ist war, wie wir trSumt han aU drei. 

Hirten knien nieder, sprechen all drei zugleich : 
liebes Kindlein bloß und arm, 
das du dich unser hast erbarmt, 
das du auf die Welt gboren bist, 
erlöse uns Herr Jesu Christ.. 

Nimm hin, o liebes Jesulein, 
imser Geschenk, es ist ganz klein, 
und alles was wir dir verern, 
Gott Vater und Son und unserm Herrn. 

Maria spricht: 
Habt Dank fUr diese Gabe klein, 
nein Kind wird der Vergelter sein. 

Gregor spricht: 
Wir wolln dem Kind wol auch dankaagen, 
veil uns der £ngel her hat genitm 

11 



und es uns zu wiOen thain, 

daß es f)lr uns arme gsinnt allain. 9 

Hirten sprechen alle drei: 
Wir danken dir o liebes Kind^ 
daß uns der Engel hat verkflndt, 
daß du seist auf die Welt geborn 
als unser Heiland außerkom. 
Gelobt sei du und die Mutter dein 
wie auch der alte Vater mein. 

Jodl spricht: 
Wir haben das Kind schon angebett 
und bracht mit uns ein Opfer schlecht. 
Wir woln wider ziehn heim zu Land, 
die M®r verkflnden allensamt. 

Yeitl spricht: 

So wollen wir uns machen auf 
und widerum gehn zu unserm Haus. 
Wir woUn sehn zu unserm Vieh und Schaf, 
ob noch alls in guter Ruhe schlaf. 

Gregor spricht: 
Gehabts enk wol mitsamt dem Kind, 
wir müßen heim zu unserm Gesind. 
Die Gab laßts enk verschmähen nit. 

Maria spricht: 
Gott woU euch behüten mit Fried, 
daß ihr mit Glfick werdt ziehen heim. 

Die Hirten singen ein Gesang: 
Herr und Gott das ist ein Sach,^) 
unter eim so schlechten Dach 



I^tts es so wiesen dein Ar nns arme mrten gerinnt nOein. Ms. — In der 
vierten KomGdie meiner Handschrift bairisclier WeUmaehtspiele anß deM Anftag 
des 17. Jh. komt derselbe Reim Tor (Bl. 100). 

JMese Strephe als AaiBog eines fllnfstrophlgen Liedes, das ia einem fieg- 
oideA JUatte sednikt ist; Vier achteo wn» Weihnacht Uedsr. Dan ante: Still 



finden wir solch, M^ui}4erding, 
selm wir ligen d^ kleino Kio4* 
Schazerl mein, laß mich dein sein ! 
wolt, ich knnt dich mit mir tragen 
daß ich dich recht U^b knnt h«hm. 

Sei gegrüßt zu tausend Mal, 
dir zu deinea Fflßen faU, 
bring ein Lfimlein ron der Herf^ 
laß es dbr sein lieb und wert 

nim du es zu Gnaden an, 

sonst ich dir nichts geben hwm^ 

Viel tausend Dank sei dir erstatt, 
weil du uns erzeigst ein Gnad, 
bist vom hohen Efha^el komm 
und unsre Sund i^ast weggenojQm 

theil uns deinen Segen mit, 
:|: dieses wfir halt unsre Bitt :|: 



Jodl spricht: 

Laßt uns halt enk befolen sein. 

Joseph spricht: 
Der Segen Gottes steh euch hei, 
bewar euch Hirten alle drei. 

Hirten sprechen alle drei: 

Wir loben dich o zartes Kind, 
verzeih uns alle unsre Sflnd. 
Wir preisen dich mit unserm Gsang 
hinauß die ganze Wochen lang. 

Hirten gehen ab* 



Erden, stUl o Himmel etc. das swelte: Botz Iwndert UebX Bne^ loO mir etc. 
dat dritte: Anf anf o scIiGnste Scliiferin etc. das vierte: Herr ud Gott ist das 
i Saeh, nnter eim so seUeckten Dach etc. HolMchnltt: die h. FasüUe. 6edrncht 
in diesen Jahr. 4. BIL 8<^ 

Vielleicht ist hier der Vers ,,0 Schaifli^ mein , lad mich dein sein^' %n 
widertolen; dasselbe gilt von Str. 8. 

11* 



164 

Maria spricht: 
Zur Ruhe wiU ich mich begehen. 

Joseph spricht: 
Ja mein Maria, ich auch daneben ; 
Gott woll uns laßen die Nacht auDlehen.^ 

Engel Gabriel geht za dem h. Joseph und spricht :0 
Steh aufy steh auf, o Joseph gschwind, 
flieh in Egypten mit dem Kind. 
Herodes will das Kind han tot ! 
eil, steh anf, das schaffet Gott. 
Ich Engel Gabriel zeig dieß an, 
eil, steh anf und flieh daronl 

Engel Gabriel gehet ab, 

Joseph. 
Auf aof mein Maria in aller Eil, 
es laßet ans hier nicht mer Weil. 

Maria. 
Warom mein Joseph gar so gschwindt 

Joseph. 
Herodes stellt nach deinem Kind, 
hat mir der Engel im Schlaf andeat ; 
wir sollen in Egypten noch hent. 

Maria. 
Das ist ein Elend nm das ander. 

Joseph 
mein Maria, wir mttßen wandern,^) 



Die Anbetmig der Könige nnd ihr sneaaunentreffeii mit Herodes feit 
nneerm Stücke. Daß diese Szenen darin vorhanden waren, beweisen die iiateB 
folgenden Aaftritte von dem Boten nnd dem Kindermorde. 

<) Vgl« Kindheit Jesu 961. C (Mono Schansp. d. Ha. 1.) Uchtmefiispiel hei 
Plchler Drama des Mittelalt in Tirol S. 100. Edelpfick t« 1621. Mairlott ceDee«* 
tlon of miradeplaTs p. 65. 207. Jnhinal myst^res O. 125« 

mt einander* H. 



165 

steh auf und nimm das kleine Kind, 
icli will den Esel bereiten gschwind. 

* Maria. 
Ach Gott wie wird es uns noch g^anT 
Schatz was heben wir mit dir an ? 

Joseph spricht: 
Wir ziehen, wies Gott liät gesant, 
anserm Kind ins Morenland. 



aria. 

lieber Joseph sei mir treu, 
steh mir und meinem Kindlein bei ! 
Gott wirds belonen gwi(slich dir, 
bleib da nur alle Zeit bei mir. 

Joseph. 
Treulich herzliebste Maria mein, 9 
der Diener will ich ewig bleiben dein ; 
80 ist es ja die Fronde mein 
daß ich dien dir und dem Jesnlein. 
Und du Maria Jungfrau rein, 
laß mich dir befolen sein. 

Maria und Joseph gehen ah. 

Der Bot gehet ein und spricht :9 
Ein guten Tag ihr großen Herrn, 
ich bin der Bot und kum von fern. 



E< i<t XU heachten daß unser Spiel hier bei den leiten Worten Josephs, 
wo die h. Familie abgeht^ die alte Anhlofting des gleichen Reims bietet^ welche 
die Poeaie des 12. 13. Jh. namentlich bei Abschnitten vielfach zeigt. Vgl. anO- 
fllrilche Naehweisnng bei Wllh. Grimm Zar Geschichte des Iteimes (Berlin 1852). 
Abschn. Xni, — Vgl. anch Fasnachtspiele 161^ 1— 4. Bei H. Sachs findet sich 
entsprechendes^ s. B. In der TlragOdie von der Schepfting am Ende der Acte 
drei glelehe Retme, ebenso in der Ester^ im Tobias, Concretns, Grlselda , Pallas 
oad Yenns; l>ei J. Ayrer drei gleiche SchlnOreime in der Belagemng Albsp, Im 
Jnilaa RediYlTns, Otnit, im Fasnaehtspiel von den Landsknechten. Aach am 
ScUoOe des Paradeisspieles drei gleiche Reime* yfß. anten. 

s) Was der Bote will^ ist anO anserm Spleiß das hier Lücken sa haben 
sckelat, nicht klar. Er Ist fremd and will xa Herodes. AaftchloO gibt das frani. 



166 

ich knm dah^ auß fremdem Land, 
dahier ist Mi^s ganz nnbekant. 
Da frag ich nach Herodis Pall{ust, 
wo er sein Wonong hat und Rast ; 
begegnet liilr aber ein alter Greis, 
will ihn fragen wo er nichts weiß. 

Ein alter Ifaiiii gehet ein. 

Der Bote spricht: 
Da alter, wo muß Uih hingehn ? 
wo ligt die Stat 9 Jerusalem? 

Der Alte: 
Halt auch nit weit von Bethlehem. 

Der Bote: 
Wo ligt Bethlehem? 

Der Alte: 
Wie hast gsagt? ich hab dich nit verstanden! 

Der Bote: 
Wo ligt aber Bethlehem? 

Der Alte: 
Halt auch nit weit von Jerusalem. 

Der Bote: 
Wo sind diese Stfit albeid? 

Der Alte: 
Halt auch die ein von der andern nit weit. 

Der Bote: 

Ei du alter Greis, 

sag ich schwarz so sagst du weiß ! 



Qev des trole Royi (Jvbinal mjnthfts JL 70. ff.) wo der Bote Trotemem n 
Herodet gAt, um durch die Ancelfe der drei Könige Geld In seinen leren 
Beitel si hekommen. In allen andern anOgefllrteren Weihnacht- md Orel- 
kfinlgipiden treten auch ein oder aerere Boten oder Trahaaten anf ^ allein es 
iM IHcner des Herodes. 
Die stat, feit d. H. 



f«7 

ich will mich dein nicht linget betragen 9^ 
ich will noch weiter Herodes nachfragen. 

Bote und der Aite geten ab. 

Herodes gehet ein und spricht also: 
Ach leider Gott, bin ich betrogen 1 
es hant mir die Mfinner vorgelogen. 
Ist doch verwichen mancher Tag 
daß ich sie wider erwartet hab^ 
daß sie in Eil solten zu mir komen. 
Sie haben ein andern Weg genomen. 
Wenn ich nnr wist wo ist dieses Kind 
oder wo ich es mit den meinigen find. 
Ich wiU es mit großer Gewalt 
abnemen 2) in meinem Königreich bald; 
es muß viel änderst sein gewagt 1 3) 
ich will sie eh laßen erwürgen 
and all& Knfiblein in Juda umbringen, 
ich wiU sie schrecklich laßen ermorden 
damit ich erlOst werd von solchen Sorgen« 
Ihr Knecht ! 

Drei Knecht gehen ein. 

Damit euch allen befolen sei, 
daß ilir im Land herum geht frei, 
umbringet die Knfiblein überall 
zu minderst der andern Jareszal. 
Laßt euch bestechen mit keinen Gaben, 
änderst es kostet eur Leben, thu euchs sagen. 
Tötet die Knfiblein im Land allzugleich, 
es sei gleich arm oder reich. 

Königin kniet nieder und spricht: 
Gnfidiger Herr, gedenkt doch der Barmherzigkeit. 
Warlich es würd euch herzlich thun leid. 



Ich wlell mit dir nicht leng^er verdragen. — betragen mhd. belrifen ge* 
wOalleh nnpersOnl. konstroirt mich hetr. (d. I. verdriefit langweilt) elnee dlnges. 
Vgl. Schneller 1, 480. Der Bote lagt also : Ich will mich nicht Unger mit dir 
hmgweilen. 

Abmerken^ gewar werden. Schmeller 2^ 604. Orlmm Wörterb. 1^ 80. 

Erbagt Hs. der Relmvers feit. 

Anfallend mnO eeln^ Herodes Frau, welche doch Johannis des Tlofers 



168 

wenn vergoOen wflrd so viel nnschuldigs Blut. 
Gütiger HerTi gedenket was ihr thut! 

Herodes: 
Pack dich hindan, du besunderes Weib ! 
Merkst du nicht die UngelegenheitT 
wann ^ nns genommen wird das Regiment^ 
wenn ich König nicht bald vorwend >}. 
Wilst dn mich noch erst regieren? 
das solt keiner Königin gebflren ! 
Ihr Knecht, ihr habt vernommen wol 
was ein jedweder thnen soll ; 
da habt ihr das königliche Mandat 
wies euer König befolen hat ; 
publicierts an allen Orten uüd Enden, 
ein jeder bei Straf soU sich dran wenden. 

Knecht liest auß einem Brief und spricht: 
Ihr königliche MajestSt befolen hat 
uns so ein ernstliches Mandat, 
daß wir umbringen alle KnSbelein 
die zu minderst der andern Jarzai sein. 
Da soll nicht helfen 3) Gut und Geld, 
Ihrer Majestfit es also geftlt. 
Wer diesem Gebot wird widerstreben^ 
den soll es kosten sein Leib und Leben. 

Der andere Knecht spricht: 
Eure Majestfit woll mir gnfldig verzeihn, 
die KnSblein wolt von dieser M ojrdthat befrein ^)* 



Ermordiuig verschnldete ^ hier in der schCiieii Rolle der Ffirbitterln sv treftB. 
El solte aber ftberiiMipt das Fkaaen- and MutterherE dem Tyrannen gegenfiber 
geetellt werden nnd so wnrde der Kffnigln Ihre Vergangenheit eriaOen and sie 
mit dem Amte der Milde betrant. 

Waa. H. wann: denn^ weil. 

*) Und ich den ich will nicht balt verwend. H. 

*) Die werd soliln H. 

Ö Bei Edelpffck hat der Trabant Schmol die Rolle des mitleidigen; auch in 
dem Weihnachtspiel von Coyentry ist der eine Soldat weichherzig (Mairiott 
miracleplays 84). 



169 

Daranß wird entstehn ja kein Gofar ; 
solches Eur MajestSt ich bitt ftlrwar. 

Dritter Knecht spricht: 
Du Böswicht, wüst dn dem König widerstreben, 
so Solls dir kosten dein Leib und Leben. 
Ists nicht beOer wenn die Kinder sterben, 
als wenn wir solten samt ihnen verderben? 

Her ödes spricht: 
Dieser Mensch soll des Todes schuldig sein, 
nemt ihn und stekt ihn ins GefSEIngnifs hinein. 

Die drei Knecht gehen ab. • 

Die Knechte gehen ein. Der erste spricht also: 
Anbei sehen Eure königliche Majestät, 
daß ich nachkommen bin diesem Mandat, 
da ich zweitaasend Köpf mit gbracht hab, 
so ich mit eigner Hand umgebracht hab. 

Der andere Knecht: 
Sechstausend ich in einer Summ 
Ideiner Kinder gebracht hab um. 

Der dritte Knecht: 2) 
Achttausend ungefilr ist mein Zal 
das ich ermordet hab überall. 
Hat mich oft manche Mutter gebeten, 
ich hab sie selbst mit Ffißen getreten. 
Eure Majestät sei wol gemut, 
vergoßen ist der Kindlein Blut. 

Herodes spricht: 
Nun wolan ! hindan ist alle Gefar, 
die wegen des Kinds entstanden war, 
und alle Sorgen sind von mir genomen, 
deswegen solt ihr ein Trinkgeld bekomen. 



O Etoe Lflcke ist hier vielleicht nicht anzanemen; der Kindermord wird 
dem König ersfilt. Die nDmltteibare Folge darch die Zelt getrenter Begeben- 
heiten Ist dem alten Schauspiele eigenthümüch. 

O I>«s Sehikfal des mitleidigen Knechtes ist vergeOen nnd drei treten anf 
wie Mlier. 



170 

Knecht 
Ich bedank mich Eure Majestfii fbr das Trinkgeld. 
Jezt kann ich schon widemm weiter gehn. 
Han wir etwa nm meres zu handeln ? 
behat dich Gott^ dn schwarzbartigs Mandel ! 

He rode s spricht: 
Ich hab die Sach nicht recht vemomeu, 
ich weit dem Gebot mit Lnst nachkomen 9* 

Herodes gehet ab, 

Wirt gehet ein und spricht also: 2) 
Ich hoff, ihr hant all verstanden klar 
wie der Weltheiland geboren war ; 
das geben uns die Bücher ein 
sowol in der deutsch als in latein. 
So laßt euch das Gespiel gefaUen^ 
Gott gebts das Lob vor allen, 
wie auch dem kleinen Jesulein, 
und der werten Mutter sein ; 
dem heiigen Joseph auch dabei 
die gröste Er und Glorie sei. 
Hab einer ein Mifsfallen dran, 
der woll uns nichts fOr ungut han« 
Die das Gespiel haben vorgestellt 
allda bei uns auf dieser Welt, 
den wird Gott geben Lob Er und Preis, 
Gott der Vater Son und beiliger Geist. 



Welt beOer ist In dem Spiele auO Coventry unmittelbar an die RAckker 
der Knechte die Botschaft angereiht daß das h. Kind nach Egypten enttLontoien, 
worauf Herodes dorthin aufbricht^ Marriott a. a. 0. 87. In der Kindheit Jesn 
(Mone Schansp. d. Ma. l, 172) macht der Bote, welcher Jene Kunde bringt, 
Aber Herodes seinen bittem Witz, 5nllch dem Knechte unsers Spieb. 

>) Der Epilog welcher von dem Wirt, der auch den Prolog sprach, gehalt- 
en wird, ist ganz in der Weise der ScMuBreden des 15. 16. Jh. : die korse An- 
gabe des Inhalts, die Bitte um Nachsicht, die AufTorderung zu fronmem Lobe 
und was meines wUSens grade nicht häuHg, der fromme Wunsch lir die Spieler. 

Der Wirt ist der Seltenreich 3 die Vorrede und SchloOrede wurde schon im 
Drama des 15. Jh. Allers Personen des Spiels übertragen. Auch In dem Giazer 
Krlsthindelsplele beginnt und endet der Wirt die Auflttrung. 



171 

In der nandschrift folgt nach ein Lied von ftnf und 
zwanzig Gesetzen, das warsclieinlicli naeli dem Scldaße 
des Spiels g;esnugen wnrde, dem Verlaufe des alten geist- 
bclien Dramas gemfiß. Die ersten Stroplien lauten : 

Acli was wird docli süßer gfiinden 

in der Kristen ilirem Mund, 

als wenn sie zu vielen Stunden 

spreclien äuß dem Herzengrund 

Jesu Maria Joseph nennen. 

Ja da kann man gleich erkennen 

daß sie lieben die allein. 

Was kann glückseliger sein? \ 

Diese heiligsten Personen 
haben viel und lange Jar 
in der Kälten Hitz und Sonnen 
außgestandeji viel Gefar, 
Hunger, Durst, große Beschwerden, 
wie ihr werdt mit Wunder hören, 
auf der egyptisehen Reis. 
Merkrt auf mit großem Fleiß ! 

Nach den bekanten apokryphen Quellen werden nun- 
mer diese Wunder erzSit. Das filnf und zwanzigste und beste 
Gesetz lautet: 

Da könt ihr mit Augen sehen 
von Jesu Maria und Joseph, 
was auf ihrer Reis geschehen. 
Wenn dich dann ein Not antreff, 
such zu diesen dein Vertrauen, 
thu um niemand anders schauen. 
Hast du die zu Freunden fort, 
bist du selig hier und dort. 



172 

Das w8re ein Weihnachtspiel des 16. Jarh., das sich 
biß heute im VoÜLe erhalten hat % ein redender Zenge 
Von der großen Zal der geistlichen Spiele, welche damala 
das ganze deutsche Land, den Norden wie den Süden, 
durchdrangen und denen die Kirchenbewegung nicht hind- 
erlich wurde. Denn wir kennen die Aeußerungen M. Luth- 
ers, der {üT alles volksthttmliche ein lebhaftes GefU in 
sich trug, über diese „guten ernsten tapfern Tragödien^' 
und die „freien Ueblichen gottseligen KomSdien^^ die aoO 
der heil. Schrift gezogen werden, und wißen wie sich die 
protestantischen Pfarrer und Schullerer des geistlichen 
Dramas bemächtigten. In den katholischen Landschaften 
aber wirkte die alte Tradition fort ; andrerseits suchte die 
katholische Geistlichkeit, besonders die Jesuiten, den re- 
formatorischen Dramen konservative entgegenzustellen ^}. 
Das sechszehnte Jarhundert hat demgemäß einen reichen 
Schatz geistlicher Schauspiele aufgehäuft, von dem uns 
freilich nicht allzuviel geblieben ist. Den Ursachen der 
Vernichtung nachzugehen ist lerreich;^bei der liberal re- 
ligiösen Richtung, welche auch in diese Dramen schon in 
dem 15. Jarh., ganz besonders aber in den ersten Jarzehn- 
ten des 16. Jarh. drang, fielen sie in Oesterreich (und wol 
auch in Baiern) der streng gehandhabten Censur zum Opfer, 
die alle sectirerischen Bücher verfolgte und auf ihren bloß- 
en Besitz die Todesstrafe sezte 3). Von den „Landfarem, 



Es ist za bemerken daß diese Hirten- oder KristUndebplele, welche dif 
ganze Geschichte der Gebart Jesa darsteUen y nnd in denen MariA aaftiitt, i« 
Steier nnd Karoten wenn nicht bereits aaOgestorben ^ so doch Im anOsterbei 
sind. Im Anfang dieses Jarhnnderts waren sie noch In voUem Leben; Sartori 
(Neueste Reise dnrch Oesterreich ob und unter der Eons Salzbarg Berchtes^' 
en Kirnten nnd Steiermark. Wien 1811. 2y 930) beschreibt eines, das er iA 
Kärnten sah* 

>) vgl. im algemeinen Gervinns Geschichte der poetischen NatlonalUt erator 
der Deutschen. Bd. 3, 80. 3 Aufl. 

>) Dekret K. Ferdinands vom 25. Juli 1528. Tgl. Schlager Wiener SU»» 
ans dem Mittelalter 1839. S. 209. 



178 

Singern und Reimsprechern^^ rafindlich verbreitet, erlitten 
sie in Oesterreich einen neuen harten Schlag durch die 
Atochajßmg derselben mittelst K. Ferdinands Reformation 
der Polizei von 1542 nnd 1552. Vieles kam gar nicht zum 
Druck und gieng verloren wenn es nicht im Volke fortlebte, 
wie das meiste das dieses Buch bietet. Andres in Hand- 
schriften oder in Drucken niedergelegte wurde höchst selt- 
en oder verbarg sich biß jezt den Augen ^ welche diese 
Sachen zu schfitzen wißen. 

Was mir von Weihnachtspielen bekant wurde, will ich 
Met zusammen stellen. Zuverläßig wird es auß den Schfitz- 
en großer Bibliotheken, namentlich der kOnigL Bibliothek 
zaBerlin, um manches Stück vervollstfindigt werden können. 

Knust Schauspiel von der Geburt Christi. 1540 zu 
Berlin aufgeftrt, 1541 daselbst gedrukt. In der Universi- 
tiisbibliothek zuGdttingen befindlich; von Dr. Friedlfinder 
Ja Berlin zur Heraußgabe vorbereitet. 

J. Rnff ein geistlich Spiel von der geburt und em- 
pßngniis Christi. Zflrich 1552. 

H. S achs ComSdie mit 24 Personen^ die EmpfangnuTs 
iKDd Geburt Johannis und Christi, und hat neun Actus. 

Ziegel er Hieronymus, Infanticidium (zugleich mit der 
parabola Christi de decem Virginibus in drama com. trag, 
red. Antverp. 1556). 

BenedictEdelpöck Comedi von der freudenreich- 
» Geburt Jesu Christi. 1568. Handschrift in der k. k. Hof- 
tibliothek zu Wien ; von mir in diesem Buche heraußge- 
;eben. 

Ein gar schön herrlich new Trostspiel, noch niemals 
iDruck kommen. Von der Geburt Christi und Herodis Blut- 
iundes als dieser letzten Zeit ftrbilde, mit allem fleis ge- 
teilt durch Christophorum Lasium weyland Pfarrherrn zu 



«T4 

Spandaw, daselbst gespielt. Frankfiurt a. A. 0. iSM. Gott- 
sched Not. Vorrat 1,122. 

Georg P o n d (Domkflster zu Berlin) Eine knrtze Com- 
ödien von der Geburt des Herrn Christi. Von den Prinzen 
und Prinzefsinnen des Churftrstlichen Hofes im Jar 1589 in 
Berlin aufgefürt Heraußgegeben von G. Friedlfinder. Berlin 
Trautwein 1839. 

Ein geystlich Spyl von der empfangknufs und gepurt 
Jesu Christi, auch dem welches sich vor bey und nach der 
gepurt verloffen hat, durch Jacob Ffinckeln. ZOrieh 1595. 
Gottsched 1,139. 

Ein schön Christlich Action von der Geburt und Offen- 
barung unsers Herrn und Heylands Jhesu Christi, wie er zu 
Bethlehemim Stall geboren, den Hirten und Weysen offenbar- 
et,auch zu Jerusalem im Tempel durchs Eiveropffer bewihret 
worden, daß Maria noch eine reine Jungfraw und ihr Sohn 
Jhesus der Meisias sey, der rechte versprochene Weibes 
Samen, defshalben er auch im Jüdischen Rath der Eltesten 
zum Hohenpriester gewehlet worden. Sampt eingesprengten 
Lehren Trost und nothwendigererinnerung allen Cluristlichen 
Hausvetem sphr ntltzlich und kurtzweilig mit zu lesen ge- 
stellet und in deutsche Reime gefaiset durch M. Joh. Ca- 
nonem, Diacon. zu Calbe au der Säle. Jm J. 1595 (1598 
widergedrukt) Gottsched 1,140. 

Von den Weysen aus Morgenland, in: Comedien mit 
Fleiß von neuem durchsehen und männiglich zu gut in Druck 
verfertiget durch M. Georg. Mauricium den Eltern. 1607. 
Gottsched 1,162. 

Geistliche Comedie vom hertzlieben Jesulein und dessen 
geburth, auO dem Weynacht-Gesang Vom Himmel hoch da 
komm ich her etc. in V. Actus abgetheilt gleichfalls auch in 
die zeheAPredigten Jtem das ,^ Kindelein solöbeUchetc.^^ 



i75 

in einw Predigt erkUrt durch ILMartin Hammero. Leipzig 
1608. Gottsched 1,164. 

Bona nova aeu d^licteChriati natalitUe d.i. Weynachtfreud 
und gute newe mehre von dem kfindilich großen und göttlich- 
en GeheimnflTs des geoffeubarten Sohnes Gottes im Fleische 
etc. Aus warem Evangelischen Grunde und Englischem Munde 
in ftanff Actus comicos, darinnen allerley theologische phi- 
losophisdie historische und Astronomische Sachen unter- 
schiedlich getractiret und gehandelt werden, sampt etlichen 
lateinischen Genethliacis und meditationibus, mitFleifle col- 
ligiret durch Joannem Segerum, Gryph. Pom. d.h. Sehr, 
nud frejen Kttnste Studiosum und gkr. Kejserl. Poeten. 
Greiffswalde 1613. Gottsched 1,171. 

In den Anfang des 17. Jarhunderts gehören auch vier 
Weümachtfpiele' eines bairischen Dichters, welche sich in 
einer mir gehörigen Handschrift befinden ^). 

Das Titelblatt enthält eine Widmung an Jesus Christus, 
auf den alle kaiserlichen Titel ttbertragen werden; dann 
folgt der Prologus : 

Ein gwonheit ist zur Jahresfrist 
daß iezundt celebrire 
vnnd dieser Zeit die Christenheit 
den Christag renovire. 

Frandskus defs ein Zeug mir ist 
die hoch seraphisch Sonnen, 
der richtet auch ein Kripplein auf, 
nur mit stummen Persohnen etc. etc. 

Ach frommer Christ der du hie bist, 
laß dir kein Zeit verdrüeßen, 
hab für mein Zill ein Hirtenspill, 
ich hoff, es soll ersprießen, etc. etc. 



nie Hs. zllt 127 BlU 4^ Papier. Ich kaafte lie 1852 Ton dem Antiquar 
i. A. Staigacdt In Berlin« 



1Y6 

Den ersten Act erSffhetderXenophon (Wirt); er spricht 
von der UeberfaUang der Stat durch Augusts Gebot. B. 
Virgo und S. S. Joseph treten singend em ; der Wirt spricht : 
^^waßkhombt daftlr ein Kistlergesindt, bei mir es geiviß kain 
stall mehrfindt/^ Die Unterredung von den heiligen Personen 
geftül;, schließt damit daß der harte Wirt fortlauft (rumpit), 
und jene singen : So sey es denn, weils nit sein kann, woil 
ie all bitt verlohren; vielleucht hat Gott in lester noth unß 
noch ein hütlein bschoren. — Der zweite Act zeigt die tres 
pastores Haußer Gergl Liendl. Haußer senior beginnt: ,,Boz 
sieben Elecordi (!) fchennt ! wie thuet die költ heut brennen, 
ich main es werd mir fiieß und hendt, ja gar den GrUndt ab- 
brennen. Nichts hilfft darfilr und wann ich schon noch sieb- 
en kfltl trüege und bete zehen hosen an, dennoch die költ 
durchschlüege. Ich denckhe kaum ein solche Zeit und hab 
ein zimblichs ölter, ich glaub ie lenger die Welt steit, es 
werd nur allweil költer.^^ Gergl deutet diese Kfilte auf die 
Ankunft des Mefsias; wfirend sie darflber sprechen, komt 
Liendl hinzu und verkündet seinen Traum : „Ich wilß halt waid- 
lich sagen rauß und will auch nit lang säumen : mir hat halt 
lieblich überauß von dem Mefsias träumen, alß wann er wir 
geboren heunt und lag in einer krippen dort draußen in der 
wilden peunt in unsrer nachbarn hüten, wo sye allzeit ihr 
roß und kue ja all ihr vieh einstallen, wann an den winter 
thuet zu früe der schnee mit gewalt einfallen.^^ Liendl fin- 
det indefsen mit seinem Traume wenig Glauben ; da sie nicht 
schlafen wollen, beschließen sie zu singen. Das erste Lied 
(Cantilena de laude pastorum) beginnt also: „Last uns sing- 
en von den hirten, waß sye gnießen filr große würden^^ und 
geht die Hirten des alten Testaments durch (vierzehn Verse). 
Das Lied schließt so : 

Auf Erdt ist kein beßers leben 
alß Gott hat den Hirten geben« 



1^7 

Wann ajre Kgen bei den Schaffm^ 
derffen sye biß sieben schlaffen« 

Wann isye an&telin an dem Morg^en 
treiben sye anÜ ohn alle sorgen ; 
Wann die sonn dann hoch gestigen, 
mueO das Vieh Im schatten llgen. 

« 

Wann das Vieh thnet nmbher grasen^ 
ruhen sie auf grüenem wasen. 
wann die Sonn geht wider zgnaden, 

treiben sie ein ohn allen schaden. 

• ■ 

Auf Erdt ist kein beOers lebM 
alO Gott hat den Hirten geben. 

DemLiendl ist der Gesang^^tfrech^^^ihmist die Andacht 
ankommen. Er spricht : 

Ich kan ein gsang daß ist nit schlecht^ 
war schad wanO bUb rersehwigen ; 
der Vatter Haincel hats erdicht : 
main I laßts michs nacher singen. 
Er khundt es wol und hat offit gicht 
daß im waldt thet erkhlingen. 

Dieser ^^Gesang^' ist der HttHieilang wert 

* 

• 

Himmelreich) o Stemenfeldt 2) 
die dürren Erden lab, 
mit Himelsthan erfUl die weit 
und gtteß das Heyl herab. 

Und da schöner wolkhen flng^ 
du Iflechter waßerbach^ 
regne den grechten ohn verzag, 
eh daß die weit verzag. 



VgL Jes. 4b, 8. Borate co«U desoper et nubes plaaat Jiutah^ ap eiiite 
tma et geniüBet salfatorem. 



178 

Du Erdenreich und PluemeidareiOy 
du Maeter aller frfteht, 
bring ftr den wahren EhrenbreiO, 
der Menschen zaversicht. 

Die schene Muem anß Davidfl Stamb, 
den waren Hyacinth 
gib vnß^ Gott, daß Opferlamb^ 
daß hinnimbt alle sindt. 

Dur wflider grflen, ir Perg und ihall 
nnd waß der himel tregt, 
hat sich der unß erlOsi einmahl 
villeicht bei euch verstöckhtT 

Du Meer, ihr Flliß nnd Pronnenqnell^ 
ligt Bit in dem abgmndt 
der Edle Schaz Emannel T 
ach macht es der weit khnndt. 

» 

Himel und Erdt^ heURs bald zosamb 
sambt aller Creatur^ 
damit doch kirn daß gdttlich Lamb 
und heylle die Natur. 

Ldendl geht hierauf ab^ die beiden andern legen sich 
schlafen und der Engel erscheint. Die Hirten beschließen 
nach Bethlehem zu gehen (Ende des 3. Acts). 

Den vierten Act eröffnet ein Dankgebet der h. Jnngfirau 
zu Gott und ihre Andacht vor dem Kinde folgt. Ein filn&troph* 
iger Korgesang schließt sich an, deisen erstes Gesetz 
dieses ist: 

Jesulein zart 

dein kripplein ist hart^ 

Jesulein zart 



1?» 

wie liegest du so hart. 
Schlaff Kindlein , dne deine eigelein zne^ 
schlaff und gib nnO die ewige Rhne 
Jesolein zart 

Darauf folgt die Anbietang der Hirten ; sie opfern ,^eia 
iickl mely ein wenig brot, darzne ein girsten firkopfer.^^ Bmmt 
rerert der Matter ein Lamm. Dann singen sie efnan Wech« 
selgesang auf Jesus nnd Maria. Der Anfang ist dieser: ' 

Wer dich liebt Jesolein, 
fbrchtet kein gfahr noch pein^ 
und seitens tausend sein, 
gibt er sich willig drein, 
wird nie betriebt. 

■ 

Der liebt die Muetter sein, 
die zarte Jungfrau rein, 
förchtet kein höllen gstalt, 
erschrickht ob keinem gwaldt, 
wol dem ders liebt. 

So geht es durch zwelf Strichen. Darauf segoet Maria 
die Hirten und dankt ü 



Geht hin in fried und fSrchtet Qa^ 
thuet from und friedlich leben, 
so gibt er euch gwifs nach dem Todt 
daß Heyl und ewig Leben. 

Pastores : Amen ; abeunt* 

Das zweite Spiel (BL 30-75 der Handschrift) wird 
durch die Sele, Anima, eröfnet. 

Wie lang hab ich o Jesu mein 
begehret dich zu findten, 
mit meinem Arm im Kripelein 
dich Kindlein umb zu windten, 
waoa ich gedendkhwie du im atall 



180 

ftir mich zum Menschen worden^ 
damit ich wegen Adams fSdl 
einkhäm zur engen Porten n. s. £ 

Der Engel ruft ihr zu, das Verlangen nach Jesa solle 
gestillt werden; eine Tugendsdrale solle ihr der Stall werd- 
en. ,|£s ist nit gnueg nur ohen hin Christi gehurt be- 
denckhen, es mneO dir gehn zn Herz und Sin, in d'Iieh thiie 
dich versennckhen/^ Das erste was sie zu merken habCi sei 
wie Gott Herberge suche ; die Scene schließt sich an, wie 
Maria und Joseph von dem hartherzigen dvis abgewiesen 
werden. Der Engel fürt dieß der Anima zu Gemfite und sie 
geht in sich. Der Engel verweist sie auf dieHirten, wie diese 
von Gott begnadet werden und bereitwillig mit Schenkungen 
kommen. Die Verkündigung und der schnelle Aufbruch toq 
Samuel, Isael, loel zum Stall ; die Betrachtung der Sele dar- 
über ; die Andacht der h. Jungfrau vor dem Kinde. 

Jefse bluem, erwünschtes gschoß, 

gebenedeiter Regen I 

entsprungen bist auß meiner Schoß, 

gib mir den ersten Segen ! (osculat ibAuitem} 

Ewigs liecht, o Vatters glänz, 

hats dir also gefallen, 

daß du verliebest in uns ganz, 

wollest unser schuldt bezallen u. s. f. 

Ein Kor der Engel schließt sich an, an welche die h. 
Jungfrau ihr Lied anknüpft. Die Sele drOkt daraui^ Tom Eng- 
el dazu gemant, ihren Dank auß, der mit dem Außbruch 
der Reue gemischt ist. So sagt sie unter andern: 

Mein herzigs Kindt, mein großer Gott, 
ich hab dich bracht in diese not; 
mein hoffart hat so vil vermögt, 
daß sie dich in daß Hey gesteckht) 
weil ich so haiggl und so hart, 

hab ieh dir gmaclt dein Peth so hart; 



181 

daß dich die achapfe kalten acknait, 
bat dir meia kaltea Harz barait il a. £ 

Die Hirten traten nnn anbetend aof, entaUkt and ttber- 
nscht vom Glänze des Kindes. Sie §^eben ikre bescheidenen 
Gaben: einen Pischl woll, öpfelrot, einsikhel mel^ und 
stiuien vor ilirem Abschied das Lied an : 

Die Ffleßlein glatt wie Marmelstein^ 
rond sehen alO wie das helifenpein^ 
die wolcldien thnen sie tragen ; 
den sttndem eilt das kindlein nach^ 
die liebe ist sein wagen. (Acht Skophen) 

Die Sele spricht hierauf ihre Fronde ond ihren Dank in 
langer Rede anß, die auch gesungen werden kann. 
Eine neue Hirtenscene hebt an. Abel singt ; 

Lust über lust^ in vnserm veldt 
ist alles voller Freuden^ 
es hupfen thäller perg und wöldt; 
wie gehrn thue ich iezt weiden. 

Die Äcldier seind mit blumen zier 
dem firfiling gleich besezet, 
der rosen Purpur glänzt harftr^ 
ist alles frisch ergözet. 

Reichlich der sttesse hönigsafil 
schwizt auß der hoUen Aichen, 
daß wfirckhet kein natürlich krafft^ 
mueß sein ein liimlisch zeichen. 

Der himel voller geigen henckht^ 
ist alles voller pfeiffen, 
nichts ist daß heut die Hirten krenkht, 
kann dUrsach nit begreiffen. 



Elda, Abfls Weibi sag^t was die Ursaeli stf. Drei der 
Hirten seien in Bethlehem gewesen } seitdem geben sie gar 
seltsame Fragen aijf, welche selbst der alteAssaph^ aller Hirt- 
en Yaier^ nicht erraten könne. Abel frent sich darttber, denn 
seit Jugend habe er Lost zu ^,ghaimben sachen/^ Elda hat 
ein Krfinzlein von Rosmarin gebunden, »gnet silberpfenning 
hengen dran, gar hflpsch darein gepnnden/^ diefi wolle sie 
dem geben, welcher das meiste ersinnen werde. Unterdefsen 
singen sie ein Lied von David und Goliath. Afisaph, Samuel, 
IsaelundJoelkommen dann und ein Wettstreit begint mit Rät- 
seln, welche auf Jesus sich beziehen. Als Beispiel diene die 
erste Aufgabe Afsaphs. Er sagt : 

Es wuchs ein blüemel auf dem feit, 

war nit gezeinet ein ; 

deOgleichen findt maus nit auf der weit, 

daß köndte schenner sein. 

Sein Stam gehn himel reckht den köpf, 

noch hiz noch költ jm schaden, 

steht grad in der hech on allen knöpf. 

Wer kan die frag errathen ? 

Samuel antwortet : 

Daß blflemel ist der wahre Gott, 

so unser fleisch angnomen, 

steht miten im feldt ; wer leidet noth, 

kan leichtlich zu jm komen. 

Der grade Stam sein Muetter werth, 

ein junckfrau aufserkoren ; 

nichts scheners wuechs auf dieser Erdt, 

von Jefse gschlecht geboren u.s. w. 

Der Siegeskranz wird dem Joel zuerkant, der ihn jedoch 
dem heil. Kinde zu bringen besclüießt, wohin die andern 
folgen. Abel und Elda singen, ehe auch sie zu der Krippe 
eilen, ein Lied auf David in 32jStrophen,ldeisen Anfiing also 
lautet: 



183 

Kombi lürtenpueben lanSI! 
ndt eim gar atarckhen gsöUen 
hat David wider grauffik. 

Sciumt diaer strobelkopf 
hat erst ein faistes Ifimblein 
gehabt in seinem khropi o. s. w. 

Das dritte Spiel (B1L76— 95) beglnt mit einer Rede 
des Wirts ttber die UeberfOllung Bethlehems mit fremden^ 
imd wie hSebstens noch ein reicher bei ihm unterkomme. 
Karia und Joseph werden demgemäß abgewiesen, ihnen je- 
doch vom Wirt gesagt: ,,dort vor dem thor, volgt nur dem 
gspor, werth jr ein hitlein sehen ; da khflndt jr halt, wannß 
euch gfallt, vor dem wetter understehen/^ In der zweiten 
Scene singt Hansl ein Lied von Joseph ,,dem herzigen Sepper- 
lein^', Jakobs Son. ,,Die brOeder waren im loden kleid, wie 
dscheffer pflegen auf der weid; dem Sepperlein klueg war 
diß nit gnueg, ein rSckhlein mit plflemlein daß Sepperl trueg/^ 
Mit dem Jfickl singt Hänsl drauf ein Hirtenlied, womit sie 
die Schafe zur Trfinke Alren. Hauser komt hinzu und er 
stimt auch sein Lied an : 

Lustige EKrten, freydige Knaben, 
so guetten lust zum singen haben, 
eia wolan ! nun laßt uns singen 
gueter dingen hurtig springen. 
David ein tapfrer Hirtenjung, 
David erfreydt uns Herz und Zung. 

JSekl findet jedoch das Lied zu „firech^^ Darob erzQmt 
Hauser und ruft: „daß dich d'mauß b eißt unds kfilbl stöch, wolts 
du mir daß gsfingl verwehm?^^ Jfickl wflnscht ein Lied von 
Adams Fall und Hauser verspricht es mit ihm zu singen. Sie 
gehen ab. Ffluße Scene : ein bethlehemitisoher BUrger, war-^ 



m 

Mheinlidi der Hospes der eraten Scene j er rOmt sich den 
Zimmermaim voa Naxare<h abgewiesen aa haben. Sechste 
and siebente Scene : der Engel und die Hirten; achte Scene : 
Josephs Klage Aber die hartherzigen Menschen^ die das Kind 
in den Stall gewiesen ; znlezt die Anbetnng der Hirten. 

Viertes Spiel. (BIL 96—112) Die erste Scene ist die- 
selbe wie im dritten Spiel. Dann treten Häuser nnd Hansel 
ßut Heuser preist seinen Zotl, seinen Hund : y^wann sich gar 
zhinderst im felt^ glfib mir, fi grillerl rieret, er gfib kain firidt.^^ 
Er erzfilt darauf wie er in eigner Person als Hand bellend 
die Wölfe verscheache. Da kommt der Engel und singt Glo* 
ria. Haaser and Hansel wollen in den Stall, als Kaspar und 
Lenzl dazukommen, welche ihnen die Vorzeichen mittheilen, 
die sie wegen der Gebart des M elsias hatten. Lenzl holt ein 
Lamm zum Opfer und die andern singen unterdefsen das 
Lied 9,Lastige Hirten, fircydige Kn^ben'^ auß dem dritten 
SpieL Der tibrige Verlauf ist kttrzer als in den andern Komö- 
dien gehalten. ^) 

Daß diese vier Spiele von ein und demselben Dichter 
sind, ergibt sich auO der Benutzung derselben Außdrttcke, 
Wendungen, ja derselben Lieder und Scenen. Schon durch 
den Prolog, welcher ftlr alle vier gilt, werden sie als zusam- 
men gehörig bezeichnet Der Dichter scheint ein Geistlicher, 
vielleicht ein Mönch $ demnach sind auch die Ueberschriflen 
und scenischen Anweisungen lateinisch. Vielleicht wurden 
die Komödien zur AufRlruug in einer Klosterschule geschrieb- 
en. Der Name des VerfaOers ist mir verborgen; möglich 
daß er selbst jener Vater Heinzel ist, der als Dichter des 
Uedes „0 Htnuielcelch o Stemenfeld^^ genannt wird. Die 



-mmm»»i^m 



In der HAadaclur. Mgtn El. 114-^117: dtf Pmih atodllehe FroTocatton 
fBr ielBen Pfleger wider deO GerlditBehreibers gegebeneo Abschldt BL 117— 110 
Tltl von einem schreiner. Bh 110—124 ein lastigt Paam gspräch, daCielbe 118 
rw.--129 alt verUteOlen Rollei. 



185 

Heiiiat der KomSdien scbeint Baiern, der Dialaot sprMit 
daftr; In dem Bauemgespräeh, welches zwar schwerlich 
Yom selben Verfaßer, aber doch in selber Mondart ist, wird 
Landshnt (Lanzet) als Marktort genannt. Der Dichter war 
ein volksthflmlicher Mann, bekannt mit des Volkes Scherzen 
und seinem ganzen Sinne; dämm sind auch die Schäfer- 
scenen besonders anOgebildet Seine dichterische Begabung 
war keine ser große, sie ist aber auch nicht ganz gering an- 
zuschlagen ; ap einzelnen Stellen bricht ein warmer Erguß 
poetischen Geftdes hervor. In den lyrischen Theilen offen- 
bart sich auch nicht kleine Gewalt Aber die Sprache, durch 
die Bekanntschaft mit dem Volksliede einerseits, anderer- 
seits durch die lateinische geistliche Poesie gefördert« Darin 
ond in der mystisch-spielenden Weise, welche zumal in der 
zweiten KomOdie hervortrit, zeigt sich deutliche Verwant- 
schaft mit der Art Friedrichs von Spee, defsen christnficht- 
liche Edogcn hier namentlich in Betracht zu ziehen sind. 
Und von dieser Seite her empfangen diese vier baierischen 
Welhnachtkomödien eine literaturgeschichtliche Bedeutung, 
welche sie nach ihrem absoluten Werte nicht zu beanspruch- 
en hätten. Sie gehören in die Kette der vor- und außer- 
opitzeschen Literatur des 17. Jh., die namentlich auß süd- 
deutschen Gliedern besteht, und deren genauere Erkenntnifs 
uns noch abgeht. 



Ich fare mit der Aufzfilung der übrigen mir bekannten 
Weihnachtspiele des 17. Jh. fort. 

A. Gryphius der KindermSrder Herodes, 1634 ge- 
drokt ; biß jezt nicht aufgefiinden : Aug. Kahlert Schlesiens 
Antheil an deutscher Poesie (Breslau 1835) S. 52. 

M. Chr. Keimanni der neugebohrne Jesus, den Hirten 
und Weisen oiTenbahret. Görlitz, 1646. Gottsched 1,199. 

Johann Klaj Freudengedichte der seligmachenden Ge- 



18« 

Imrt Jesu Christi zu Ehren gesungen. Nfimborg 1651. (Darin 
ein Singspiel in drei Aufzügen.) Gottsched 1,204. Tittmaim 
die Nürnberger Oichterschule S. 174. 

Joh. K 1 a j Herodes der KindermOrder, nach Art eine^ 
Trauerspieles ausgebildet. Nürnberg 1645. Gottsched 1,197. 
Tittmann die Nürnberger Oichterschule S. 171. ff. Nach Dan. 
Heinsius Herodes infanticida. Lugd. Batav. 1632. 

r Joh. Rist Herodes . . . Gottsched 1,200. 

Ein holdseliges und ganz liebliches Gespräch von der 
heil. Christfarth, wie sich der fromme heil. Christ mit seinen 
lieben Ertz-Engeln und andern Heiligen gegen jetzt künff* 
tigen HeilgenChrist- Abend auf seinem himmlischen Kammer- 
Wagen und güldenen Schlitten herumb zu fahren gefaßt 
macht etc. Jena 1666. 

^Dedekind neue geistliche Schauspiele bekwemet zur 
Musik und 1670 zum erstenmale, 1676 aber zum andern male 
gedruckt. Darin : Himmel auff Erden, das ist Gott als Mfinsch 
ein Freuden Spile der gebührt Christi vorgestället. 2. Stern 
aus Jakob und Kinder Mörder Herodes, verfaOetin ein sing* 
endes Trauer-Spiel. Gottsched 1,229. 

Herodes der Kiiidermörder in einem Singspiele vorge- 
stellet von Job. Ludwig Fabern. Nürnberg 1675. Gott« 
sched 2,257. 

Die Geburt Christi. Hamburg 1681 (Oper) Gottsched 
1,245. Devrient Gesch. der Schauspielkunst. 1,276. 

Der in Fleisch und Blut geoffenbarte Sohn Gottes Chri- 
stus Jesus, in einem madrigalischen Dramate nach Anleitung 
heil, göttlicher Schrift vorgestellet, beneben des Erzvaters 
Jacobs Todes Gedancken. Gesprfichsweise entworfen, BL 
Joh. Jak ob i. Zwickau 1708. Gottsched 1,280. 



t^nter den Haapt- und Statsactionen des angehenden 18. Jarh, wurde 
auch der bethlehenittoche Klndeniord behandelt^ 



187 

Oben imrde der RomSdie von der freudenreiohen Ge- 
burt Jesu Christi durch Benedict Edelpöck gedacht. 
Dieselbe ist meines wiOens nor durch J. E. Schlager bekant, 
welcher ihrer in seinen Wiener Skizzen auO dem Mittelalter, 
Neue Folge 1839. Wien« S. 215 erwähnte und ebendaselbst 
S. 303—310 die Widmung und kleine Proben abdrucken 
UeO. Bei der nicht ungewanten Handhabung von Sprache und 
Vers, bei den gelegentlichen Beitragen zur Sittengeschichte 
der Zeit, hauptsächlich aber weil, wie die Sachen stehen, jedes 
Scherflein zur weitern Kentnifs der dramatischen Literatur 
des 10. Jh. willkommen sein muß, glaube ich die volständ- 
ige Mittheilung dieser Weihnachtkomödie gerechtfertigt. 

lieber die Lebens verhältnifse Edelpöcks kaiin ich nur 
folgendes sagen. Er stand 1568 als Trabant in den Dienst- 
en des Erzherzogs Ferdinand von Tirol und widmete diesem 
seine KomSdie. Erzherzog Ferdinand, Son K. Ferdi- 
nands L, Gemahl der schönen und geistreichen Philippine 
Welser von Augsburg, gehörte zu den geistig regsten Für- 
sten seiner Zeit. Er ftlrte nicht bloß dasSchwert und die Jäger- 
bttchse gern, sondern zeigte auch fDur Wißenschaft und 
Kunst lebendige Theilnahme. Glänzendes Zeugnifs davon 
gibt biß zum heutigen Tage die Samlung von Handschriften, 
Büchern, Gemälden, Bildwerken, geschnittenen Steinen, al- 
lerlei kunstreichem Gerät und schönen Waffen, die Erzher- 
zog Ferdinand auf Ambras^ dem Schloße seiner Philippine, 
anlegte unddiejezt in Wien aufbewart wird. ^ Wir wißendaß 
er anßgezeichnete Künstler und Gelerte an seinem Hof ver- 
sammelte und erhalten durch unsernEdelpöck und durchGeorg 
Lucz , einen andern Trabanten, welcher dem Erzherzog die 
H. Sachsische Tragödie von den sechs Kämpfern zu Rom 
als s e i n Werk widmete, ^) den Beweis, daß er neben den 



AloU PUmifiier die k. k. Ambruer Sammlanf. Wien 1819. 
ScUa|;er Wiener Skisien. 1830. 212. f. 400. 



188 

gelerten OesprficIieD eines Agricola, Schrenk^ Cosiander 
IL a. die bescheidene deutsche dramatische Mose nicht ganz 
bei Seite stieß. Es war eine Hnldigung, weldie EdelpOck 
der Trabant seinem Gebieter brachte ; aber bleibende Frucht 
scheint sie ihm nicht getragen zuhaben. Er mochte die Kom- 
Sdie mit der besonderen Absicht geschrieben haben, den 
mancherlei Anklagen und Verlfiumdungen seiner Mitbedien-* 
ten entgegenzuarbeiten; wir dürfen mit Bestimtheit die 
Klagen des Trabanten Schmol Aber die Fuchsfchwenzer und 
Finanzer, welche die treuen und erlichea Diener verdräng- 
en, als die eigensten Ergttße des Dichters bezeichnen. Al- 
lein der Versuch gelang nicht; wenig Jare später, im J. 
1574, erscheint Edelpöck als Pritschenmeister, dem K.Max- 
imilian n. „in erwegung seiner armueth aus gnaden 30 fl/^ 
geben läßt, 9 ^^^ ^^ selben Jare hat er eine Beschreibung 
des Schießens zu Zwickau gemacht. (Gervinus Gesch. der 
poet. Nationalliterat. 3, 133. 3. Aufl.) So hat er das farende 
Gewerbe wider ergriffen, dem er schon vor seinem Trabant- 
endienste obgelegen zu haben scheint; er sagt wenigstens 
in der Widmung, er habe die Zeit seines Lebens „ein son- 
derliche lieb und neigung teutsche comedien oder andere 
spil in reimen zu verfaßen gehabt und derselbigen auch nit 
wenig helfen agiren.^^ Das Gewerbe närte aber ktimmerlich; 
welsche Springer wurden beßer bezalt als die armen Väter 
der lamen deutschen Komödien und die Pritschenmeister, 
diese Gelegenheitspoeten von Profefsiou, ftlrten ein gar 
armseliges Leben an den Thoren der FflrstenhOfe und« auf 
den bttrgerlichen Festen, wo sie halb Ceremonienmeister 
halb Hanswurste waren. Benedict Edelpöck scheint ein 
langes Elend gelebt zuhaben; 1602 wird seiner in einem 
Hofkafsenbuch K. Rudolphs ü. gedächt, der dem „alten Pri- 



Sltzongsberlchta der k. Akademie der WiOenscIiafteii. Bd.. 0» S. 107* 
Mlttheilang von Schlager. 



18« 

tschemneiMer 35 fl« imdspiter noch 4 fl/' verabreichen 180t 
Wir wollen ihm wftnschen daß dtefi die leste Gabe war, welche 
er empfieng. 

DieHandschrifkvon EdelpScks WeihnachtskomSdie be- 
findet sich in der k. k. Hofbibliothek zn Wien, bezeichnet 
Codex Yindob. olim philologicns CXXII. jezt nene Nnmmer 
10, 180. Die Schreibweise ist die gewönliche des 16. Jh. 
mit den Abfindemng^en, welche die Osterreichische Mnndart 
bedingt. Das Spiel bnchstfiblich abdrucken zu laßen, konte 
ich mich nicht entschließen ; einmal war nichts neues dabei 
zu lernen ftlr sprachkundige Leper, zumal die Eigenthttm-* 
lichkeiten der Sprache auch so bleiben musten ; Leser aber, 
welche das Stttck nur lesen wollen, mfisten durch die Häuf- 
ungen der Konsonanten und den sonstigen Schreibunrat der 
Zeit abgeschrekt werden. Ich habe daher eine einfachere 
Schreibung durchgcftlrt , nach ungeför denselben Grund- 
sätzen, welche wir schon in guten Drucken des 1 6. Jh. be- 
merken können und die neulich L. Uhland in seinen alten 
hoch- und niederdeutschen Volksliedern befolgt hat. 

Das wichtigste auß der Schreibweise der Handschrift 
will ich hier als kleinen Beitrag zur Geschichte unserer ält- 
eren Orthographie zusammenstellen. 

e wird in der Handschrift ftlr mittelhochdeutsch e und 6; 
auch ftlr le und (b gebraucht: 9 ^^r 238. 371. bedecht 237 
mehr (nrnre) 2249 — sehen 2682. hem 983. 1455. erlesn 
liberare 1449. — Zuweilen erscheint ä ftlr e S und 9d : stäts 
707. schämbst : nämbst 1112. — Füre und 6 wird häufig nach 
der Mundart 5 geschrieben, 2) one daß indefsen eine Durch- 
ftbnng auch nur versucht wflrde. 



V^ aach Kobentein Aber die Sprache des GsterreichUchen Dichters Peter 
SUchenwlrth 1. Abthell. Naamburg 1828. S. 23. 

aiiam OriBUftatft l >, 155. neiiie Diidectforschimg S. 53* t 



19D 

Für mhd« ei erscheint nach österreichischer Mundart 
ai^ filr i dagegen ei ; einzelne Schwankungen kommen vor. 
Statt ai wird zuweilen ay , statt ei dfler ey geschrieben ; 
beide« ei und ey, kommen auch ftlr eu vor : scheichen 970. 
hey: trew 210, ney: po&erey 1871. freyeu 435, 872. — 
Dieser Verdünnung der tiefen Laute gemSfl findet sich auch 
i Dir fl: zinden 441. sind (sünde) 708. kinig 912 u. o. dickh 
tacke 1364. — ie fUrfle: gtieß 1236 wietn2320 briefh 2722. 

i hat sich öfter gegen die Brechung in ie gewert: 
gschriben 2556. erschinen 1543. verschwign 363. wier: 
refier 1057. Ebenso erscheint langes i (mhd. ei) one das 
Denungs*e: erschin219. 976. stig 1000. 

ie hat si ch meistens an seinen organischenStellen bewart 

y erscheint in dem Worte ie und seinen Zusammen- 
setzungen : yeder^ yez u. a. durchgängig; inlautend in : wyrt^ 
nynder, nymer, nyder/nym; außlautend in sy (ea. eam. ii. eos) 

V ftlr anlautendes u durchgängig, w Air u in Diphthongen. 

ue für uo und fie: thue, muet, guet^ muetter^ gnueg, 
mueO, suechen^ puesn. 

fie ftlr fle (uo) : bhflet, khfiestal, mtteselein, trfiebsal, 
mfiefsen. 

Doppelung der Vocale in: saal 73. schnee: wee 
•125. gee 151. 183. steen, geen, eewig 719. 1704. seell696. 
beer 821. 

Denung durch h wird oft gebraucht, allein dieselben 
Worte stehen auch one h. Beispiele Air h: wa1ir:jar26Jehr: 
mer 39. ehr: mehr 1116. sehr: lehr 306. ehrn: gwehrn 
2256. lohn 1102. 

th in thal 74. gethan371. Ieuth257. peth370.mith 777. 

Häufig tritt h au k (inlautend außlautend ck) : khnmen 
und seine Formen (daneben mit bloßem k),khflnn 318 (kindt 
könnt 405} khfimei:t353 khaestaLSOOJonckhen: bedenc^hn 



HL nackket 488. gewickUt 623. mercklit 625. langkh 399. 
dannckh 400. volckh 235. hiDwegkh 2643 a. a. 

Jh : Jhesu 471 and durchgängig; jhamer 271, daneben 
jamer 208. 

Die Yerdoppelnng der Konsonantenfindet sich 
oamentlich bei den Liquiden hfiufig, jedoch one durchgefiirt 
zu sein: heillig 230. ellendiglich 239. gstallt 299. abge- 
stoUn. vnverholn 243. wol: soll 1055. taU: aU 549. - vund 
hiufig, anngst 123. glannz. gannz 960. trabanndt 2246. 
dennckht 327. annzubetten953. dennckt 327. dienner 1074. 
— Fflr mm und rr habe ich keine Beispiele angemerkt, im 6eg- 
entheil finden sich häufige Belege der einfachen Konsonanz : 
jamer 208. vernumen : komen: 1 1 1. khumen: sumen 324. khttm- 
ert 353. himelstron 835. jmer 888. schart 326. herscher 707. 
tt häufig, noch häufiger dt, ebenfalls one zur Regel zu 
werden : todt: not 1 08. baldt : kalt 120. verschneidt : weit 127. 
hddt: obrigkait 150. Oavidt : nit 225. windt 204 (wind.280) u. a. 
ff nach Längen und Kürzen, mit und one Konsonanten- 
verbindung: schlaffen : straffen 242. schaffn ovibus> schaffn 
creare agere 545. lauflt. schriffil;, ofil. u. a. 

s, fe, ß sind gründlich unter einander vermischt. Oft 
steht ß noch an seiner echten Stelle : ploß : schoß 95. dieß 
97 und oft, biß 169, auß 186 und oft, mueß 271, maß: ver- 
gaß 288, fleiß 382, schweiß 158, weiß 529, spieß 2035, 
großen 1050. — daß ut quod wird durchgängig das ge- 
schrieben. — sß in Fasß 98. strasß 916. — Der Mundart 
gemäß tritt nach Längen häufig s ftir ß ein. 

b schließt sich außlautend und inlautend häufig der 
Labialliquida an: vmb, dammb, krumb, firumb, kumb, namb 
(2643), haimblich 196, zimblich 175, verschimblt 353, 
schämbst: nämbst 1112. — Die media für tenuis u. a. in 
briefen prOfen 2722. vgl meine Dialectforschung S. 72. — 
Tenuis ftkr media ist im Anlaut wie Voraußzusehen fast Regelt 



1« 

pan 127. part 1212. paaoh 265. pald 379. pschn 1770. 
pefsers 397. petler 187. petten 915. peth 360. peil 131. 
peutel 213. punden 482. pue 1176. pues 1637. pliz 600. 
plasn 446. plödigkait 655. ploß 95. prinn 447. prast 495. 
Vgl. Kobersteia Aber die Sprache Suchenwirts 1^30. f. meine 
Dialectforschnng 71. ^) 

d Air t anlautend: dickh tttcke 1364. dot 2255« danzl 
Tfinzchen 738. drehn Thrflnen 2336. drinkl 2402. drab 2415. 
— vgl. Koberstein a. a. 0. 32 f. 

t im Anlaute nur auOnamsweise ftlr d: tringt 158. troen 
270; im Außlaute ist es gewönlich geblieben: seit estis 
941. gelt 851. golt 1029. wirt 489. 1054. 1058. 

Der Vers EdelpScks ist der gewönliohe Reimvers der 
Zeit, der auf dem alten erzälenden Verse von vier Hebungen 
ruht Er ist im ganzen genommen niebt ungeschikt behandelt 
ntid meist hat der Dichter die Notwendigkeit eines regeU 
mäßigen Wechsels von Hebung und Senkung gefUt, älM das 
einzige Mittel der Gesetzlosigkeit zu entgehn. Es feit aber 
auch nicht an Versen, welche bloß nach der Silben^al ge- 
baut sind und dennoch, wie die Reime öfter beweisen, jambisch 
betont werden mflßen. Einige Beispiele mögen genttgen : 

Gott dank euch mein lieber vater ( : ehr) 388v und wiat 
daß ich haiß Walthauser 973.ZU lob und ehr diesem künig{: stig 
1001 hast guetbsoldüng und anders mer 1114. und thuennns 
so freundlich hier fragenl 1 1 9. daß in gemein alle hofleutl 1 38* 

In den Reimen verrät sich wie begreiflich ser oft die 
Mundart Edelpöcks. Einzelnes bemerkenswertes werden die 
Anmerkungen andeuten, die ich, beiläufig gesagt, weniger 
ftlr die Fachgenoßen als fiir andere theilnemende beigab. 



Es mag hier angemerkt werden, daß dieses p^ weklies Im d»n ober« 
deatschen Schriften fflrgemelnhd. b Regel Ist^ nicht mit dem scharfen aspirlrten 
Lante des nord- and mitteldentschen p aaOzasprechen ist ; sondern daß es den reten 
Tennislantversinlicht^ indem bin seiner welchen AaOsprache dem w sicli anfi engsK 



1»8 

Senefticf (£be(pdc(t 

Comedie von der freudenreichen gebort 

Jesn Cbrisii. 

Dem darchleiichtigisten hochgebomen fiirsten und herrn heim 
Ferdinand Erzherzogen zu Österreich etc. Graven zu 
Tyrol etc. 

Durehlendiiigisler hochgebomer Erzherzoge genedig- 
ister Fflrst und heir! Nachdem ich der zeit meines lebens 
ein sonderliche lieb und neigung teutsche comedien joder 
indwe spil in reimen zu verfaOen gehabt^ und derselbigen 
andi nit wenig helfen agiem und nodi freud und lust darzue 
iiab ; damaib ich mich dann dise schlechte und ainfeltige, 
iedoch hailige comedien zu machen underwunden^ der 
Mstlichen hofiiung^ wann sie mit personen, so darzue ge- 
schickt und taugenlich ^ gehalten solte werden, so wurde 
maniges frumes und cristenlichs herz, so sie mit ainem recht- 
en und göibchen aifer anhören und betrachten thet, nit 
ain kleinen trost darauO schöpfen und empfinden/ insonder- 
hait aber die Jugend, so zu disen lezten und bösen zelten 
zu aUerlai sflnd laster und boshait geneigt werden, hierin 
als in ainen spiegl iren mfingel und teuflische neigung zu 
allem übel erkennen ; daneben auch die alten iren groben 
unfleiO die Jugend und unerzognen zu strafen und zu dem 
gueten zu reizen treiben und vermanen, zu betrachten haben. 
Zu dem so wird auch der gemein mann durch soliche ftlr- 
pildnng zu rechter erkantnus der heiligen sclirift gezogen; 
dann ja vil heftiger in die herzen und gemaeter der 
ainfeltigen laien sich einbildet das, so man augenscheind- 
lich fürpildet, denn das man allein höret. Dieweil dann vil 
historien der heiligen sclurift spilweis von etlichen pritsch- 
eoaiaistem gestellet worden, heb ich mich auch underwund- 
eo^ von der freudenreichen gehurt unsers einigen trosts 

13 



IM 

und hailands Jesa ClirLsiti diiie so^eclite und ainfeltige co- 
medien nach meinen besten vermögen zu stellen und anß* 
geen laßen. Dise aber meine arbait hat mich fDur guet an- 
gesehen Ener Fttrstlichen Dorchleuchtigkait als meinem 
gnedigisten ftrsten nud herren zu dediciren und zuzu- 
schreiben, damit ich meiner gegen E. Fl. Dt. dankperkait 
und schuldigen pflicht ain anzaigung gebe. 

Bitt E.Fl. Dt. wellen solichen meinen gueten Villen ge- 
nediglich erkennen und dise meine ainfeltige arbait anfl 
gnaden annemen. Wüntsche hiemit von ganzen herzen, da- 
mit das neugeborene kindlein, unser aiiüger erlSser und 
hailand, E. Fl. Dt. sambt dem ganzen hochlGblichisten Hans 
zu Osterreich vor allem uböl und widerwertigkait zu lob 
und eren seines hailigen namens und zu wolfart und be- 
schUzung der undertanen nach seiner unaußs^echlichen 
barmbherzigkait genedigliehen behfleten wolle. 

Fürstlicher Durchlaucht 

underthenigister 

gehorsamister 

Benedict Edl Pöckh 

Trabant. 

Bue bem Teser 0- 

Frumer leser, wes wfird und stand 
ain ieder mag werden genant, 
er sei gleich großer wiz und sinn, 
arm oder reich, so bitt ich in : 
5 wenn er diß spil wird überlesen. 



Eine gereimte Vorrede an den Leser Ist auch dem Etter Helnl aifi 
Sehweizerland voranOgeschlkt (AoOgabe von Kottinger S. 27 — 30); Bnrkard 
WaldiB gab seinem verlornen Son ein alirosticlilsclies Gedieht td dem feser mit; 
welchem die prosaische Vorrede folgt; vor dem Akoiast des Georg Blndicr (nach 
Wllh. Gnapheos Acolastos gedichtet) findet sich nur ein prosalscfhea Vonrort an 
den Leser (Zflrich im Mertzen deO 1535. Jars unterzeichnet; das Titelblatt hat 
one Ortsangabe die Zal 1536). 



1f5 

das ich liiib gtiaelit in kaiaem bösen, 

und etwas wirt darinnen spllrn 

das nit wfir g;inacbt nacb seinem birn , 

derselbe bitiicb, wöü mit gednld 

ain wenige bAren mein nnscbold, 10 

die icb aoO diemut bier fiurwend 

nnd kainen andern- damit sebend. 

Es ist nit an ^ ^^ waiO es wol 

daß nit ist gmacbt wies wol sein so], 

die reimen aocb nit all formiert 1 5 

wie sieb der zier nacb bet gepfirt ; 

dann icb ain scblecbter reimer bin, 

der nit aim ieden nacb sein sin 

und bocbem gaist alls maoben kan. 

Es geet oft maneben gierten nit an 20 

daß er aim ieden gfallen mag ; 

will gscbweigen icb, 8o kaum ain tag 

in scbrülen bab darauf gstndiert, 

zuvor ancb wenig transferiert ; 

so kan icb nit ains ieden spracb. 25 

Darumb so thne ain wenig gmach ; 

findest dn was so dir mifsfelt, 

seis dir von mir haimgestelt 

daß du es beßern wölst mit zficbtn 

nnd dein gedanken dahin ricbtn 30 

daß es nit gscbecb anß neid und haß, 

sondern in sacben halte maß. 

Dann beßer machen geet wol bin, 

verachten bringt ain schlechten gwin. 

Bist du der Sachen baß gelert, 35 

von mir ist es dir ungewert. 

Ich bitt allaiii, veracht mich nit, 

wie iez bei vilen ist der sit. 

So du vil walst, ist es dein er, 

verachten hilft dich nimermer. 40 

Darnmb bitt icb dich noch einmal, 



O Et Ut iiiehti dran ; das Oedlcht ist werUos (Orimm WCrterbnoh 1, 450) 
mnä Wim kli« •• wol, daO nichts Ist gemacht wie es sein soll. 

13* 



IM 



45 



50 



wfilst ndcli nit sdielten in dMi fid 
daß ich in Silben hab geirt ^) 
und die reimen nit wol g&ttt. 
Mein »praeh ii»t grob und sehleolitw art ; 
dammb die Silben also hart 
zusammen möchten sein gebradit 
und nit nach rechter weis gemacbi. 
Wil mich forthin durch Gottw gnad, 
der mir sei leib gegeben hart^ 
befleißen daß idis beßem kan^ 
die weil »im das im besten «n. 



Die Person 

Die Vorrede. 

Joseph. 

Maria. 

Wirt, 

Wirtin. 

Magt. 

Johel 

Schehel 

Schimel 

Fosel 

Jachel, der hirten herr. 

Vier engel. 

SSJSor l ^Ält'" 
Balthasar «derkümg. 



vier hirten. 



en dises spils. 

Koschel 

Veitl 

Emring 

Herodes. 

Ischem 

Schmri 

Jefub 

fcchel 

Aman 

Alachnn 

Rachel 

Sara 

Agar 

Lisa 

Beschluß. 



der dreier 
knecht. 



Trabttiten 
Yier. 

hohe priester. 

vier weiber mit 

den unschuldigen 

kindlein. 



Got dem Vater zu lob und er, 
auch seinem son darzne noch mer, 
dem hailigen gaist auch gar schon, 
(ain gdtlich wesn und drei person) 



Der Rtim Ist mandttrUlek rein^ da gtfitt uad iaUelia Worte C^lrt, kirt) 
gedeiit g«sproclieii werini. rgl. auch aptrt : wirt y. 15. ffpflm : Mnt obe» v. 7« 



ain 9ffil zu ktfille« Iw juns^. 1^ 

zu diamr fir9lick(M wWkniübli^ait 

von dfü gßkvt0klg Jbw« l^t^ 

auf daß dw am# toi auc^ wi«t 10 

wie er «ieb dwwe schli^ßü ipoL 

Man fiod M ittverMiadif wols 

oh aie Mka» prtfdift lud^ ghört^t 

noch 9 is^ ur kerz ae gans v^rkai^ 

daß SM« tei i» aar wenig spth-t, 1 5 

dardurali die lei beMiig*t wirt* 

Der glawj^ «twuiiit an b^zen gat} 

wi^ Ia4 dar in xiert mit 4er tlMt? 

die eitern kein frmbi von in gefia, 

das aiekt «m an der ki^der leta ; ^ 20 

ja wie die üten aeia geatalt 

das spttrt bwa an der jngent jpald, 

wie ibm den paom kmt m ^ firnißt. 

Also ist ttamef altern ^i^eht, 

diß ist fe^wüHieli gn %a wsr; 25 

mang^er knab hat anf iai i4l jftf . 

der nit das Vatimuiaer kaA^ 

vermalat aMh, es gee in nichts a«} 

das bet Attl im den sMgea nit % 

6ot werd wol maphen on sein bitt. 30 

Aber im prert und lurtenspil, 

dakait er lalder gar z«e vU$ 



Noch -dennoch^ wie auch v(kA^ 

s) Solche-^Klagen begega«ii uif in Jener Zelt geni^. Ich fftre nur an den 
Ctter Helnl Cheranßgeg. von H. M. Kottingcr Qaedlinb. 1847) nnd NicL üannels 
Klagred der armen Gfttaen. (AnOg. von Grfineisen Stattg. 1837. 8. 443. 447, f.) 
Vgl anch den BeschlnO nnseres Spiels ond den Abschnitt von ler der klnd in 
8eb. Brants Narrenschlf (8trobel 8. 07 ~ 160). 

Hans 8ach8 ungleiche Kinder Eve, 4. Act. Dathan der anfirnrisch spricht : 
Soloh diߧmUm9U «ick nicht anfleht. Bett ich darlür Wflrffel nnd Karten Der 
«alt Ich aeiSi^^f aftawiUEtefi Oder an spleln in dem Pret^ Wer lieber mir ixnn 
das Sebet^ Da nMr atnw a^^ ^^^ schantc* — Das bet ahd. das bet mhd. 
4tt btt eeb0t> anch ichwaUr* das bett Ett« Heini 2470« 



itfS 

wanns flaeelien idchwern und saufen gilt, 

do schlecht er auf sein heim und schilt; 
35 diß ist Mf erd sein höchstes guet, 

biß er sein vfiterllch erb vertimet. 

Diß sein die firttcht darmit man ert 

zu unser 2eit den glauben wert ; 

also ins werok bringt man die 1er. 
40 Wölt ir zue hSrn, ich sags euch mer 

wie Got so schmechlich und setai wort 

gehalten wirt an mangem ort, 

wie das gebet ganz thuet erkalten. 

Man thuet iez finden vil der alten 
46 die selb des glaubns nit sein bericht, 

des Herrn-gebot g^t in auöh nicht ; 9 

wie solten sie dann ire kint 

lern das bet, welches in zerrint? s) 

Fragt einer umb die ^welf artikel, 
50 da ist weder Hfinsl noch Kiti, 

die von dem glauben wisten bricht: 

ich kan in nit; ein ieder spridit. 

Die schuld daran, o frumer Christ, 

vater und mueter selber ist ; 
55 der vater sies nit gieret hat, 

villeicht auch in nit recht verstat ; 

die mueter war dem sun zue lind. 

Dammb man jung und alt iez find, 

die nit wißen was doch bedeut 
60 daß man so ordentlich holt die zeit ; 

so doch solches sol sein bewist 

eim ieden der getaufet.ist. 

Also helt man zum neuen jar 

Jesu Christi geburt so klar 
65 mit großer feir und höchster fireud 

in weiter weit der christenhait j 



Aaf dem Landtag von Craiii 1566 ward vitter den Beeekweidtn tob ^ 
Landsehaft anfgefBrt^ daO viele erwachsene zv finden seien, wnlelie weder d» 
Vatemnser, noeh die Zehengebote kdnten. Harter Ferdlnanll H. 1, 07. 

Bas ihnen alrgeht^ vgl« Schneller i* W. 3^ 104 U 



nmlist, wm siogt, labt Gottes son, 

der kimeti ist Ton hlinels tron 

in unser armes iaisch und plnet, 

daß er uns bredit das ewig goet. 70 

wie groß ist in ewikait 

Gottes des vaters gaetikait, 

daß er sein son vom liSchsten sal 

zue uns sendi in diO jamertal, 

und leOt in werden arm geborn 75 

von ainer Jungfrau außerkom ; 

welche geburt am dieser zeit 

holt und begeet die ekistenhait 

mit hdehster freud und singt zugleich 

Ein kindelein so lobeleich 80 

behuet uns vor der hellen ^). 

Ja wir wem in großen quellen 2), 

wann uns Got nit het gschenkt sein son, 

der fiir uns arme hat gnueg than 

und an sich gnomen fleisch und pain, 85 

auf daß. er helfe seiner gmain, 

die in des teufeis panden lag 

so lange jar und mangen tag. 

Danunb seit still, hört fleißig zue, 

gebt euch ain klaine weil zur rue, 90 

auf daß ir hört, wie Christus sei 

so aim geborn in stro und heu 

zu diser kalten weihnachtzeit; 

wie er dan^^ in aim kriplein leit 

ain klaines kind nacket und ploß - 95 

auf seiner mueter rainer schoß. 

Zue unserm hail diß gschechen ist, 

))Eiii lEMltia^^ Ift ^r ADfluig iiDd ^^behaet uns vor der fieUe^^ dar 
SchlaO der zweiten Strophe des Liedes .,der Tag der ist so freudenreich^^. 

Die qnel (seel) 1605; ahd. dia qtieU. Vom 15. — 17. Jh. bei ober- 
^«tschen and schleslschett Dichtem öfter erscheinend. Die QnantitSt schftint 
Mhwankend; EdelfOck brancht qael v. 82 kan, r. 1005 lang; Moskatbltt 
fviat es 6^ 80. 15, 50 (Croate) auf Eaanv^l, 1, 03* 6, 403. 11> 56 anf s«l; 
^«gen 3; 40 anf ftl> Oswald Ton Wolkansteln hat die echte ktbrse bewerte 
er reimt qntl anf Iral^ hiel> fei, «tl^ mel a. dO> 16-^20« AvOg» ?oii S, Weber. 



soldies faß zne berzen^ ofrmer ohrtei 
Dorch die gobmrt ist uns das Itbea 

100 vom vater in den son gegthea^ 

ja in den son wirt liin g^gt 
des Vaters zoren, so er tregt 
wegen der sllnd nnd mÜBetat, 
so Christus uns nadiglaßen hat. 

105 Ja durch >diß neugeborne kind, 

das man iez in der krippen find^ 
wern wir erlfist anO aller net^ 
von teafel sflnd hell und vom tot, 
des wir im danken alle samen. 

110 Mit mir von herzen sprechet Amen I 



Der erst flctast 

Maria und Joseph treten ein und Joseph spricht: 

Maria^ ich hab vemumen 

wie daß sei ein bevelch kumen % 

so nur nit wenig trauern bringt 

Kaiser Augustns darauf dsiagt s), 
115 und ernstlichen bevelch hat than 

daß ieder in sein stat sol gui ; 

und dises sol sich kainer nlaßen ^y 

sol ziehen und sich schezen laßen $ 

das sol geschechen nun gar bald. 
120 Ach lieber Got wie ists so kalt ! 

Daß mans sogleich auf diso zeit 

hat angestelt ! — Wir armen leut 

•^'^■■■■■^■^■■^^~^^~"" 

Die Formen genamen genomen, komen knmeii wechseln In derBe») s«B. 
Itknmen : gennmen 801. veniomen : komen 1400» IMe Anfliyniih» Ist dem i 
geneigt. 

Itt dem franxCs. mystere de In nattvlt^ (Jnblnal mystees ü. öS) tritt 
der Bote (mesagier) mit der VeikUndlgong des BefUs des Knisers «nC» naek- 
dem Torker seine Anwerbung dnrek den Kaiser dnrgestelt ist* 

O Sieh eines dinges maßen wie mkd«, «nttatttn «ntseUagea TgL 
b. W.2, 020. — Fasnachtspleie 255, 20. sa soD er slck seines wel^gehaa 
ebd. 204, 18 ee woK Ich aBes des midi maSeni danUt naa «aller waüJiMt. 



vfl aifgst und not m leiden habil. 

Ach Got, wannit wieO ich dioh lalm^ 

wann dir wirt auf der raise wee? 125 

Mein 6ot, wie iat 80 tief der schnee ! 

Der weg ist bös, die pan verschneit, 

wie knmen wir Mndnrch so weit? 

han wenig gelt, soln schazung gebn ! 

FOrwar ndch schier verdreußt zu lehn ; 130 

bin müed von meinem zimerpeil, 

sol darzue geen so vil der meil ! 

bin ain alt man, dem raisB mifsfelt. 

Noch wil der kaiser habn gelt ; 

ich waiO nit wie idis sol machn ! i^ 

Maria, wie thuen wir den sadm, 

auf daß wir nit komen in «patT 

Maria: 

Joseph, vertrau dem lieben 6ot I 

der Wirt es alles machen fein 

nach seinem willen, wies sol seinj 140 

als mir sein engel zue hat gsagt, 

do er kam zu mir armen magt 

und sprach: Maria ftkrcht dir nit! 

Derhfdbn, Joseph, ich dich bit, 

laß uns gelauben diesem wort; 145 

6ot Wirt uns treqlidi helfen fort 

und Wirt uns allen gnueg beschern, 

so wir im volgn willig und gern, 

und sein gehorsam der obi^ait $ 

thet wir solchs nit, wer es Got lait. 150 

Dammb gee fort und sei gedultig, 

gib dem kaiser was wir sein schuldig, 

dann Got soUichn bevelch selbst gab, 

der obrikait nichts zbrechen 9 ^b. 

DieweÜs Got selbst geboten hat, 155 



niMt Voffteniiiigeii von sa sind hinig; lang zhof lang shell 113G, 
tdaolm 417. itod 2145. zvU 2451« vgl seDiit jAaaui 2052. Mß vabmm = 
icrlumea. 



so säum dich nit, dann es wlrt spat, 
daß wir volbringen dise rais. 

Joseph. 
Es ist so kalt, doch tringt der schwaiO 
von meinem köpf und auß der stirn. 
160 Maria, ich thue dich fort fUrn; 

hast schweren leih, bist nit gering ; 9 
6ot waiß, wie ich dich wider haimhhring. 
Nun so geen wir in Gottes namen ! 

Maria. 

Und der hehfiet uns alle, amen ! 

Hte giengen sie fort, Joseph vornen an, Maria nach, hebt 

all SU beten gegen 6ot. 

165 reicher Got im himelsffll, 

bhüet uns vor übel aU zumal. 

Nim uns, o Herr, in deine pfleg, 

bewar uns heut auf weg und steg, 

ja disen tag biß auf die nacht, 
170 biß wir die raise han verbracht 

und nach bevelch der obrikait 

uns schezen laßen alberait, 

welchs dann dir auch ist angenem. 

Josephus. 
Maria, dort leit Bethlehem, 
175 wiewol es ist noch zimblich weit. 

Es wern ^ auch dort sein vil der leut , 
daß zu besorgen ist, ob wir 
mögen herberg han in der refier ^). 



Gering, ring : leicht. In dieser alten Bedentong nocli hente in der bair- 
ifch-daterrelcli. Mundart naelizuweisen. 

s) Diese mnndartUclien Foimen wem, womrr werden, worden konunen bei 
Eddpöck (nnd ancli bei andern Bichtem des 15.-— 17. Jarh.) selbst Im Bebse 
vor , X. B. wem : era (werden : erden) 216. wer(d) : her 370. weem : wen 
(werden) 1150. wem : fem 1402. wem : begem 3222. 

Berier die, Besirlc Gegend, bei den Schriftsteilem des 10. — 17. Jb. hiafi; 
gebraucht; noch heute in Oberdentscbland in weiterer als forstlicher Bedeutog 
Tcrwant.— Vgl. Schmeller b. W. 3^ 172. 



808 

Die stat ist klein, der leoi sein vil, 

sein vertii ein ieder haben wil, 180 

daromb wirt es sein gar zu ¥oL 

Maria: 
Efy 6ot Wirt nns versehen woL 
Ich bitt, gee fort und dich nit sanm^ 
wir wollen etwo finden rann. 

» 

hdem geen sie dem Wirtshaus zue und der wirt redt und die 
Wirtin sein im haus. Joseph bitt um herberg und spricht: 

Herr wirt^ got geb eudi glfick ins haus! 18S 

Der wirt redet zornig: 
Ei lieber, heb dich nnr hinanß ! 
darf euer nit, ir petler gsem, 9 
ich glaub, daß mir das haus vol kem. 
6ee flugs und thue pald hinaußtretn ! 
ich hab wol leut in gülden kette. 190 

Troll dich! hörst nit was ich dir sag? 
gee fort, und hab dir alle plag! 2) 
hörst weih, nimbst du den petler ein, 
so 80I der schlag dein eigen sein! 

Maria hebt auch an und bitt die wirtin sprechend: 
Mein frau, secht unser elend an, 196 

bhalt uns heimlich vor euerm man! 
Durch Gottes willen ich euch bitt, 
versagt uns heut die herberg nit. 
Umb Gottes willen noch einmal, 
bhalt uns nur in dem küestal, 200 

wir wollen uns darein betragen. ^) 



BeUertaiiieii, Betlerpak. 

O Gewönllche yerwünschnng, Anwanschong aller Krankheiten , die oft be- 
teichAt werden. 

O welleti uns damit begnflgen; gewönUeher sich eines dlnges betragen; 
t. B. FMaaebtipiele 70, 26. ich wolt mich Ir gleich wol betragen, ebd. .375, 19 
solch pletswdflLB man Ich aich betragen. Ajtn opns theatr. 2, 127 wir wollen 
nna betragen der spUer gotslestrer etc. 



Die Wirtin. 
Jaja, daß mich meifl man sol soUagwi 
Lauft hin, ich kan ener nil pfleg en, 
ligt gleich im wind schnee oder regen ! 

Joaephus« 

205 Ach lieber Got, es Ist set- spat, 
darzue kain herberg in der stat 
wir armen leat mögen erbittn ; 
haiOt das nit not and jamer glittn ? 
Wd bleibst du nun menschliche treu, 

210 so man versaget stroh und heu, 
darauf wir möchten ruhen heut T 
Trollt euch ! der wirt und wirtln schreit. 
WQr nit gelts gnueg hat in dem peutl, 
des Sachen sein lurtsch 9 gaüz und eitl: 

215 Mein Got, was wil doch darauO wem, 
daß kain erbarmung ist auf ern!^) 
Wir armen leut haben vil menge! ; 
ja dacht ich nit an Gottes engä, 
der mir erschin in meinem träum, 

220 so würd ich mich erhalten kaum. 
Ich ließ es alles ligen und steen, 
möcht idi nit laufen, so wolt Ich geen. 
So mueß ich mein herz änderst lenken^ 
Got meines Herren wort bedenken, 

225 der sagt : Joseph, du son David, 
sei nur getrost und furcht dir nit ; 
dann das in ir empfangen ist, 
das ist der ganzen schrift bewist, 
wie auch der prophet deutlich weist. 

230 Es ist von Got und hailigem gaist, 
daß sie gebern wirt Gottes sun, 
des uam sol haißen Jesus nun, 



Inrtseh^ lart, ein S|^Mtoraiia4niok glMch matt and tebet, vgl. SekMriler 2, 
401; verwant dem rnkd. Innen liraen ^ sMdern stotteni, dem Mir. atMUflchen 
lori llnlu. rgi Orimni Oerah. d. dentseb« Sprache 8> Ml« 

Vgl. za ▼. 176. 



das ist ain sdigiiUN^er weit, 

der komen sol auf dise ert, 

auf daß er sein Tolk selig mach. 23S 

Diß ist fbrwar aiii große sach ; 

ja wenn ich solches nit hedecht, 

ich lief davon, wers gleich nit recht; 

so ganz ellendiglich hin ich. 

Maria. 
Mein Joseph, nit hekumer dich ! 240 

es Wirt, ob Got wil, beOer werdeq. 
Du weist wies zuegeet iez auf erden. 
Zu Got wir setzen alle ding ; 
wanns im gfellt, so macht ers ring. ^ 
Derhalhen hah kain schweren muet. 245 

Josephns. 
Maria^ dein herz ist vast gnet 
und dein bestendikait mich tröst ; 
sonst du mich gwifs verloren best. 
Ich bin deins gmüets im herzen fro ; 
kmnb, wir woln sehen nmb ain stro 250 

und ^e nacht schlafen fbr der thUr. 
Wann dann die leut wern geen ftür, 
vielleicht sie ain erbarmong bahn 
und uns mit ainer stuben labn. 
Gee, laß uns suchen stro und heu^ 255 

daß wirs bei zeit bringen herbei. 

Hie geet Joseph und Maria davon. 

Da knmbt des wirts magt, sieht sich umb und spricht : 

Magt: 
Got, wo sein die armen leut, 
die so ellendiglich der zeit 
von meinrai herm unbesint 

sein abgewisen worden gschwint, 260 

der in herberg hat versagt. 



LeleM. Tgl. sn 101. 



Ich thet es nit, bfai nur ein magt. 

Ach lieber Got, ein alter man ! 

solt doch seiner jar verschonet han ; 

265 auch hat die fr an ein großen paueh. 
Es ist aber meins herm branch, 
daß er allzeit die armen lent 
verachtet nnd in gar nichts geit, 9 
stoßts ab die stieg, schlechts fdr die thflr. 

270 Ach Got, sie thnen erbarmen mir. 
Wie oft mueß ich den jamer sehn 
und thuet im jar vielmal geschehn, 
so doch vil verbleibt der speis 
von fisch fleisch vögel mandl und reis ; 

275 die hebt er auf und thuets versperrn. 
Er thuets uns auch mit troen wem 
daß wir den armen nichts sein gebn. 
^ie fUert er ain so gottlos lehn; 
ja wer nur schier mein jarzeit auß ! 

280 es gschicht doch nicht götlichs im haus ; 
aln sttnd sich über die ander mert, 
das hausgsind hats vom malster giert, ^ 
thuet was er schaiTt, fragt wenig drumb 
ob es sei recht schlecht oder krumb. 

285 Das noch mer ist, hets schier vergeßen : 
wann oft die lent beim wein sein gseßen, 
hieß er mich bringen falsche maß, 
wiewol ich sollichs mit fleiß vergaß ; 
dann ich het gern icderman 

290 umb seinen pfennlng recht gethan. 
Es sein auch nit vil stund verlaufen, 
do mich mein herr hieß kreide kaufn 
und sprach, ich solt sie sparen nit, 
solt schreiben nach dem alten sit 

295 und ain kreuz für ain strichlein machn. 

Ich mueß gleich selbst der schalkhait lachn ; 



geit, mhd. |;ft^ gibt; andre Reimstenen erfreut: geit 800. seit: gelt 432. 
leren fAr lernen, im 15. und 16. Jh., wenigstens in oberdentKken Schrift« 
en, algemein. 



»07 

hieß mich raoh an die wand falsdi 8clurei))en« 

Ehe ich das thue, wil kain stund bleihn. 

In sollicher g^stali geets in dem haus 

and bei dem wirt, so nit eine laus 300 

ja nit eins kleinen flochs ist wert ; 

mich wundert daß in tregt die ert. 

Er hat zu zeiten guete wein, 

wann ers ließ bleiben wie sie sein, 

tauft sie mit waßer nit so ser ; 305 

es ist aber zu spat die 1er, 

er ist im geiz ersoffen gar, 

daß er nimbt kaine Warnung gwar. 

Er maint daß wir all Walhen^ ^^^^y 

die mit waßcr mischen den wein. 310 

Noch eins bringt im ain schlechten preis: 

man mueß die aufgehebte speis 

gewermbt geben auf den tisch, 

es sei von fleisch vögl oder fisch ; 

laßt ims als dreifach wol bezaln, 315 

obgleich Got dran hat kaiu gfalln. 

Ja wenn er hat vil große herrn, 

ich roain er kflun in d' rucken schern,^) 

daß in die äugen uberlaufn, . 

und sagt, er mfleß als theuer kaufn, 320 

er Schwert bei Got und seinem leib ; 

desgleich auch thuet sein fromes weih. 

Daß ichs beschleuß in ainer summen : 

es tuet kains in die kirchen kumen, 

dergleichen auch das fiausgesiud ; 325 

schaut wie er dahaimb scharrt und schind, 

denkt nit an Got, noch an sein er. 

Ich west noch vil zu sagen mer, 

es wil mir aber nit gebflrn 

daß ich hausmaid und arme diern 330 

von allem auß dem haus sol klaffn;^) 



Welacke, Italiener. 

*} Ist zu lesen: er kflnn sie trucken scheren? vgl. xa v. 1374. 

sehwazzen, plavdern; KlaiTer: Schwfizzer, Klatscher^ Angeber. — Der 



tos 

ich hab wol ander ding zu schafti« 
Das ich eoch iezt thet zaigen an^ 
hab ich nit mögen nnderlan^ 

336 danunb daß mein herr und die firan 
so unbarmherzig und so gnan 
gegen den armen lenten sein ; 
das schmerzt mich in dem herzen mein. 
wist ich die fran und den altn 1 

340 ich hab ein weni^ brot behaltn ; 

mein herr und firan die sein schon schlafen, 
wann sie das wistn, sie thetn mich strafen 
und sprechen, ich hets abgestoln 
das ich bekenn ganz nnverholn 

345 und hoff, Got werd mirs in dem lehn, 
so ich sein sUnd hab, ganz vergebn. 
Dann er den armen früe nnd spat 
zu helfen uns bevolchen hat, 
und gleichwie waßer feuer loscht, 

350 also almuesen die sttnd hinwescht. 
DiO macht daß ich zur diebin ward. 
Es Wirt doch oft umbsunst gespart, 
daß es erschimbelt in den kästen, 
so doch die armen mtteßen fasten ; 

355 möchten von soUichen stOcklein klain, 
so aufghebt werden, gsettigt sein. 
£7, wo sein hin die armen leut T 
mir thuet so wee ir ellenthait, 
mich kflmert ser ir großer jamer. 

360 Het ich ain pet, darzue ain kamer, 
ich wolt sie legen gern darein. 
So kan es warlich nit gesein, 
ich mueß selbs in der stuben lign. 
So blibs vom gsind auch nit verschwign : 

365 dann man find der fiichsfchwenzer vil, 
die manigs angeben in der still 



Begriff des fabehen and Iflgenhaflen Ugt in dem Worte. Dem kMXselien |^b 
nit seiner treu , tagt Salomon Pngnaclitf p. 527 , 4. falsch «nd Ueflseli FuaMP' 
624, 25. 



und liegen dreimal mer dazue ; 

dmmb schau ain ieder was er thne. 

Thet man micli vor meim herrn veridagn, 

er wnrd ims za dem haus aoDschlagn. 370 

Umb mich wer es ain scUechts getiian^ 

mich reuet nur der arme man, 

darzue die frau so schwanger ist. 

Poz ghiet ! was stee ich hie aufm mist T 

sei geen zum ochsen esel und viech, 375 

weil d' kerzen wert und ich noch gaich j 

so ligt des mists auch vil im stal. 

Ich wil mich furdern da zumal, 

wil eiln daß ich bald fertig wer. 

Sieh dort geen gleich die armen her $ 3S0 

wil alhie wartn und in das gebn, 

auch sondern fleiO haben darnebn, 

daß ichs mit mir in stall thue (tem, 

auf daß sie beide nit erfriern. 

Wie mich beduiikt, die kelt thuet wee ; 385 

drinn ists ja wermer dann im schnee. 

ffie kommen Joseph and Maria. Joseph trägt ein wenig stroh, 

hebt an und grüeßt die magt 

Joseph: 
Got geb dir glück und bhfiet dein er I 

Hagt: 
Got dank euch, mein lieber vater. 

Joseph: 
tochter schau an unser not ! 

Magt: 

Mein vater, da habt ir ain brot, 390 

es ist wol wenig und nit vil. 
lieben leut, seit nur gar still, 
daß mein herr und frau nit erwacht ; 
wil sehen daß ich euch die nacht 
behalten kan in diesem fal ; 395 

14 



ir mfleßt vergaet nemn in dem stal. . 
Ob ich euch gern was peßers thet, 
80 hat mein herr versperrt die pet ; 
derhalbn geet her wd machts nit laulL 

Maria: 

400 Mein jungfiran^ des habt imer dank. 
6ot Wirt euch for die gaettat gebn 
hie gnad und dort das ewig lebn. 

Hie geen sie mit der magt in stal, und die magt 

spricht: 

Ir armen leut kamt liieher do ! 

sechts, es ist wenig heu und stro. 
405 Behelft euch hie gleich wie ir kflnt 

Es ist die erden ja nit lind, 

iedoch das stro und auch das heu 

eur ober und unter petgewand seL 

Bewart euch vor dorn froste wol. 
410 dann heut ain kalte nacht sein soI, 

das glaubt mir bei meinen ern ; 

der himel steet vol liechter stem ; 

80 gfreurt es hart daß es gleich kracht. 

Bewar euch Got^ ein guete nacht ! 

Maria: 

415 Derselbig hab euch auch in acht. 

Joseph, es ist Got grecht und firumb, 

im zdanken sein wir schuldig drumb^ 

der uns durch sein gQtUche gnad 

ain herberg noch bescheret hat^ 
420 und daß im hauO die frumo mait 

ftlr uns hat tragen so groß lait 

und uns geholfen do herein. 

Got der wirt ir bioner sein, 

den ich wil bitten fiile und spat 
425 daß er ir fitr diese wolthat 

zeitliche narung hie wöll gebn 

und nach disem das ewig lehn. 



tu 

Jofepli! 
Der bH* wdll Got irit widerstrebu. 

Ead des etftea Aclu. 



!Der anber Kctus, 

Maria; 
Hör Joseph, du getreuer man, 
WM ieh dtr tozt thue zeigen an. 430' 

Es ist vwhainden schon die zeit, 
daß Got sein werk «n tag geit, 
dardnrch all menschen wem getrAst, 
von Sünden iod tenfl und höll erlöst; 
des frean wir uns^ daß es geschielit. 435 

Mein Joseph, gee b«ld und bring ein liecht.^ 

Indem geet Joseph' didiin und will ain liecht bringen, 
Maria wickelt das kind in windeln und legts in diekrippen 

und Joseph spricht in demgeeu: 

lieber 6o<y was sol ich macfan ? 

ich kan gar nicht zu soUichen sachn, 

wie man dem und disem thuet. 

Ach fiuid ich nur ain wenig gluet, 440 

daß ich ain lieclfct thet zftnd«n baldl 

Ach 6ot wie ists so grausam kalt, 

das pfind ioh an mein henden wol, 

die mir ersehwarzen wie ein koL 

Es schwizt mir auch vor keli die nasn ; 446 

kflnt ich doeb pald ain fear au^lasn! 

Indem plast er ain dreimal, und es wil nit.pald brinnen. So 

spriclit Joseph: 

Nun prinn, in Gottes namen prinn, 
dann ich soll eilent wider hin. 

Amh Ib. dem eiigUfeteii Spiel (Marriott nlricleplays 60) «nd In iem 
ftatiitocfcf bd Jablnal ttyvteni n. Ol holt Joaepli Feuer. UMerdeeseli eekikt 
Qett Mck dem frans, nyf tke (JsblMd IL 02) der k. JoagflM dwok OftkHel 
ead MMM breoaende Kevaen. üeker die qiokrypkleekett fiertekte rek deai 
wudeikira. IBMM^ iir die Bdl» MWIe, iU aeCoMMUi.Mbed Jee« S« IM^^A; 

14* 



Do er hat ansünt, kert er sich nmb, lanft fort; so erlischt im 
das liecht; da fort er mit der haiid in köpf vnd nyricht: 

Bhflet Goty bhflet 60 1, ists nit ain schandt 
450 das liecht mir ablischt in der hand. 
Es ist aber der alten sit, 
wer eilen thuet, wird gftrdert nit. 
Also mir auch iezund geschieht ; 
wil lanfen gschwind, so lisdit das liecht. 

Hie zündet er wideromb an, kert sieh wider nmb tmd lauft, und 
wann er schier hinzne kanAt, so sehnentt er im aber das Uecht 

und loscht wider auO and s|Hieht: 

455 Ej ej ejy was hab ich imglftck ! 

ach lieber Got, dein hilf mir schick. 

Pfuy dich aller rozigen nasen! 

mit meim schneozn hab ichs liecht abplasn ; 

sol ainer nit von unglftck hörn T 
460 vergiO auf dem ragg der latem« 

So geet es, wann man eilen sol ; 

mein 60t mein Got, giengs nur ir wol! 

Hie zflndet er wider an and ficktO das liecht in die latem und 
^ lauft fort zne dem stal and raft: 

Maria Maria wie geet es dir? 

Maria: 
Do leit die hOchst und ainig zier, 2) 
465 das liecht der ganzen weiten weit, 

darvon die scl^üft ganz klerlich meli; 
wellichs ich Ineg undr meinem herzn, 



mneioftoOeiiy Tgl.Frlfeh tentsdi-IateiiilMhes WOrterback l,265.8eteel-- 

ter I9 610. 

Nach dem nyit^re de la nailvite (Jabinal U. 66) wlfd Joseph nach der 
Mckker, als er das Feuer bringt, von Maria zu der Wirtin geseUkt die ihr hei- 
stdui soll. Nach den apokrTphlsehen Berichten war Joseph aaflgegangm, eine 
HebaauM an sachan; nnterdessen geschieht die Oebnrt lue Hebannan dienen 
mar als Zengen der schmen- nnd fleckettlosen Oebnrt Harii. vgL R« Hafh i a n n 
Leben Jesn nach den ApokrTphen S* 118. t nnd Werlihers Maria Faadignib. 1, 
1D0» XtBttitt Jani Hakn 7% 31 C JPhttippa Mariealebaa a00(h^9U7. 



«8 

hab ich gebem on allen sclmeneii. 

Joseph, nun leacht ain klains herbei, 

schaa da leit der Hailand im hen. 470 



ffie leaeht Joseph hinrae, seit die latern nider and facht an 

kniend zn beten: 

Herr aller herren, Jesu Christ, 

ain warer 6ot and mensch du bist. 

Wir sagen dir lob er und preis, 

daß du durch deinen rat so weis 

vom himel hoch auf diso erd 475 

zu uns bist komen unbeschwert 

und angenomen flaisch und pluet^ 

uns und der ganzen weit zu guet. 

Jesu, du lil kleines kind, 

wie ligst du hie im kalten wind^ 480 

im ra^en stro und dflrren heu 

mit windeln pundeo, sein nit neu. 

Durch dich all ding erhalten wem, 

noch hast du kainen ort auf em, 

da du dein haubt und zarten mund 485 

hinlegen mSchtst zu diser stund. 

wunder ttber wunder groß, 

daß Gottes son nacket und bloß 

geboren wirt in disem stal 

flir unser sllnden all zamal, 490 

des wir im billich dankbar sein. 

Maria: 

Joseph, gee ! koch ein mfleselein. 9 

Idi wfl das kind nemen in arm, 

auf daß es bei mir recht erwarm; 

wfl im die prust auch nit entwenden. 495^. 

Schau schau, wie zappelts mit den henden 1 

kuf hin, und rieht im zue die speis. 



Vgl. oben S. 1A3 daa Tordeinbeifer SpieL 



. • ^ 



• • • 



Josephus: 

Ich geo^ pfleg da des kinds mit fleiO. 

Mit nicliten väl ich iiBderlan, 
SOO ain mues zu kochen wie ichs kan ; 

obs gleich mir uhel thnet stan 

SU wils die not iez also hau. 

Der grieO ist schön und ziemlich gaet; 

aber die milch mir grinnen tlmet. 
505 Wenn ich ein koch oft werdei) »olt^ 

in sollichem fal ich des nit wolt^ 

wnrd meiner arbait schlechtlich glont ; 

des zimmern bin ich beßer gwont. 

Jedoch wo man hat beOers nit, 
510 mueO man mit dlem sein zufrid. 

Bfie treten die vier hirtenO ^hi. 
Der erste hirt Johel genant spricht : 

Ir Heben gselln, wie ists so kalt^ 
als nie gewesen ist so baltl 
Es ist ein recht frostig gewitter^^} 
mich freurt daß ich aller 3) zitter. 

515 Ich kan in d' long nii stille steen^ 

vor kelt mneß ich hin und her geen^ 
damit ich midi erwermen kan ; 
dann ich han bfise^) klaider an. 
Das Wetter laßt ain nit vil schwizen : 

520 Vor großer kelt kan ich nit sit^en^ 
das thnet mir nit ain wenig zom. 



Die Vlenal^der ffirten wird durch die legendAriflclie üebeiliefenuig nebe» 
oder über der Uvig b^gegnendeBDrelsal beettUgt. Hier ilnd #» Mamen Jeel, 
Sehely Schloiel, Foeel; io der Leftnde belOen eie MIsiMl, i^^Ml) Cyrialnf, 
Stepliaiu 

Gewitter y dem ein/achen Wettmr gleicHbedentend necb hemte In Ober- 
dlvtieUand ^branelit. 

VgL Öflaui deatfelwf WMeibttcb 1, 206. 

f) BQee io feiner aMn Bedeatug: gering, echlecbt: «ein leib Jm dardv^ 
sännet, er bette b^ee boeen swnr. Ambneer Liederb. von 1582 no* 139«. 

V^ Mck Sebneiler 1, 210. Benecke- Müller nittelbocbd. Wffitab. 1, 
2M. t 



«16 

' Der ander hlrt Schell genant: 
Ich bin f flr war auch schier erfirom^ 
mein hand nnd fiieß «ein wie ain eia ; 
weila nit kan anders sein, so seis. 
In armuet wir uns mtteßen nem ; 525 

ich thne ndch oftmals kanm erwern^ 
daß ich nit lauf von meiner herd. 
Mfte nnd arbait ist mir bschert^ 
nnd waiß nit wie ichs weiter mach, 
daß ich mechi haben peßer sach. 

Der dritt hirt SchimrCl genant: 
Es macht daß ich enr beder lach, 
ich glanb es gschech mir wol so wee ; 
mein har und part ist mir vel schnee, 
bin der zerrißner ander alln. 
Noch wil ich mein hom laßen schalin 535 

nnd wil mit nichten thnen verzagn, 
wil plasen und die wolf verjagq, 
wil mich darzue auch wacker sielin. 
Helft schreien, meine lieben gselln, 
plast munter in das hom frei, 540 

so kumbt verbeut kain wolf herbei. 
Pias ainer umb den andern schon ; 
schreit ir, ich will iez fachen an«^) 

Indem plest er ain mal oder zwier und die andern schreien: 
Weicht ab, weicht ab von unsem schafih, 
ir habt allüer gar nichts zu schafih. 545 



Fm^ 1b alra mrtenspleleii der Weümachtzelt komt dlete Forelit ror den 
WSIfen und der Yerrach eie absraweren vor. 8er begrellHeh* Ib Wien war ec 
biß In dae 16. Jh. Gebranch, In der Thomamaoht nnd In den Ranlmichten ge^ 
len die WOlfe Gewere absnerhieOen; ipiter wnrde dlea Verboten. SeUager 
Wiener SUssen 1836. 8. e. Aber weit länger, biß gegen Ende dei 18. Jb. 
bieit lieb ein andres Sebenchmittel der W01fe , der WoUbiegen , welcher In der 
IHttnaeht In der 8t. StephaneUrche nach dem Hochamt geenogen wnrde. Er 
bestand In Abelngnng dee über generätionls' Jesu Christi secnndnm KatthXnm 
^ einem absonderlichen Thon nnter Leitung der großen Olocken^^ Vgl. Schlager 
A. a. 0. 8. 25. Einige Wolfb^n, die beim avßtreiben des Viehs «her dasselbe 
gesproeben wvrdtn, thellt Scbmeller mit Im balr. W0rterb. 4, 67. 



Lauft hin wol in den finstern wdd^ : 
laßt uns die flchaf znfrieden bald« 

« 

Schimel der dritt hirt: 
Also seit wacker und frisch all^ 
so laufen die wölf perg und tal; 

550 ja wann wir munter sein und keck, 
so laufen die wölf alle weg 
zu nuz und fromen unser schaffn. ^ 

Ich glaub der Fo3el thue hie schlaffn t 
wie kann ers thuen, weils ist so kalt ! 

555 Johel ^ . lieber, weck in auf pald. . 
Soll er schlaffen und wachen wir, 
Tielleicht er in dem schlaf erfrier. 

Johel der ers€ hirt weckt in und spricht: 
Fosel, Fosely hSrhSr, sei munter! 
wilt nit hSmf ich stoß dich hinunter. 
560 Kanst du des schlaffens nit vergeßen? 
Es wurden die schaff alle gefreßen, 
daß du drumb gar wenig west. 
Ey lieber Got, wie schiefst so fest ! 
munter dich doch ! hoyscha^ hoyscha ! 9 

Fosel erwacht und spricht: 
565 Wie? was hanf wer ist aber daT 
ey wie hab ich so wol geschlaffen. 
Sags Johel, wie geets unsern schaffn T 

Johel: 
Wie wolts in geen f sie sein schon gfreßen, 
weil du so scUefliig bist hie gseßen. 
570 Du machst uns alle hie zuschanden ; 
wann wir nit waren da bestanden 



Vg^, hofcha Niki. Manoel S. 379 (flrflneUen) Ayrer «piu theatr. 2, 120. 
hoscha hoscha herr wirti Ajrers Lied In lelner Tra|:Cdie von der icliOBen Me- 
lusine op* tli. 1^ 349: Was w61in wir aber singen, das hosclia heya ho. Aeola- 
ftns. Eine Comedie Yonn dem veriornen Sun von Oeorg Binder. Zflifeli 1630. 
n. TEL TW, fiosciia! ein guten tag. Vgl. ancli Friscli 1, 470. 



217 

80 trofoliclieii bei nnsrer herd; 

du bist nit aines Vierers ^ wert 

Es warn so viel der wOlfe hie^ 

daß wir hettn arbait und mfte 575 

mit großem gschrei und plasens vil; 

noch schiefst du Iiie und sizst fein still, 

als wann wir weren deine knecht 

Du magst wol danken, daß es recht 

mit deinen schaffh hat ain gstalt, . 580 

die weil vil wölf sein in dem wald, 

die wir mit schreien han abkert. 

Fosel: 

Ir lieben gselln, ich habs nit ghOrt 

daß ir sq mnnter gwesen seit 

Ich wils verdienen mit der zeit ; 585 

wann ir einmal auch schlaffen thuet, 

will ich die schaf halten in huet 

und meinen pesten fleiß ankern, 

damit die wölf abtrieben wem 

von euem und von meinen schaffn* 590 

Die große kelt bracht mich zum schlaffh, 

und glaub daß ich on alls gefer^) 

in meinem schlaff erfroren wer, 

wann ir mich nit, der ich lag stumb, 

aufgwecket het so treu und frumb. 595 

Des ich eudi allen dankbar bin^ 

wil auch ganz munter sein forthin, 

damit die sach vergleicht werd ganz. 

Bhüet Got, was ist das fiir ain glänz T 

ach mein Got, wie ain heller pliz 600 

mit großem feuer, on ain hiz, 

so klar gleich wie der sunnenschein, 

daß ich gleich ftarcht des lebens mein. 



^^Wflsche und tlroUsche Mflnze , die vier Berner (veroneser Pfennige) 
plt. Auf den damaligen Kreiser giengea Ittnf Vierer/^ Sekmellfr 1, 681. 
uiTerselwtti. Schmeüer 1, 560. 



Ich glaub und nach mein sinnen ndt^O 
605 es Wirt sein ain betrieg^ait^ 

ain gspenst oder ain faniasei. 

Was mneß es sein, lieber 6oi^ ei ! 

bin erschrocken in meinem gmnet; 

der mich stech, glaub daß ich nit Unat. 
610 6ot bhüet uns Tor unrat und mengl! 

sechts was schwebt dort, ists nit ain eng^T 

Laßt uns zusammen steen auf ain selten, 

hilf 6ot, hilf 6ot, was wil das deuten? 

Der Engel tröstet sie und spricht: 

Furchtet euch nit, ir lieben leut, 
615 dann ich verlLflnd euch große fireud, 

die allen Völkern ist berait 

zu nuz und hail der selikait. 

Euch ist in dieser nacht gebom 

von ainer Jungfrau außerkom 
620 Christus zu Bethleem in der stat, 

wie der prophet gweißagt hat. 

Und diß sol euch zum zaichen sein : 

ir wert in windeln gwickelt ein 

finden das kind im dürren heu ; 
625 secht, merkt das eben auch darbei 

daß es in ainem kripplein leit, 

der ganzen weit zu trost und fireud. 

Hie singen die Engel das gloria in excelsis. 

Lob er und preis in der hOh dem herm, 2) 
der uns so weise sein gnad thuet aufsperm, 
630 daß er seim kinde laßt so zart und linde 
tragen unser sllnde. 

Fried auch auf -erden sei den menscheiddnden^ 
bei den wir werden gueten willen finden; 



reiten: rechnen, eraehten. Sclunefler Z, 154. 
I) Die Mrto4le •• Mf der Beilage. 



dann es Ist heute euch tU amen lente 

Christus nit weite. 625 

Ain klaines kindlein laßt er sich ansehauei, 
gewickelt in windeln von ainer jnngfraieii. 
Mit frend alsamen soll wir sein namen 
koch preisen« Amen. 

Fosel: 
Wolanf ir gsellen, laßt uns geen^ 640 

es ist nit zeit lang hie zu steen* 
Dem engel wir gehorchen wölln, 
wies bilUch ist und wir auch söUn. 
Laßt uns bald geen nach Bethlehem, 
auf daß ein ieder da vernem 
die zaichen, so zu diser stund 645 

▼cm engel i^ein uos worden.kand. 

hdem giengeii sie all mit einander hin, fallen alle vier auf 
die knie, loben 60 1, und Johel, der erst hirt, spricht: 

Got, der du hoch hast erfreut 

beut dise nacht uns arme leut, 

daß du fOr mich und alle nun 650 

in dise weit hast deinen sun 

gesant, auf daß er iaisch und hluet 

an sich nem, uns alln zu guet; . 

o wie groß ist dein gttetikait 

gegen der menschlichen plödikait! 005 

Jesu, der du her bist körnen, 

auf daß dein gburt inir möchte fromen 

sambt allen sondern auf der erd, 

ich bitt dich, edler sch(Spfer wert, 

laß sie an mir nit verlorn sein, OOO' 

bhflet mich vor der hellen pein. 

Schehel der ander hirt: 

du mein Got und schOpfer weis, 

der du mir hast das paradeis 

so zuegericht schOn herrlich nun. 



9M 

665 durch Jesiun Clirl9t dein liebra sun I 
Wie es da leit, das klaine kind^ 
ftlr mich und der ganzen weit sllnd! 
Mein Got^ wie hast dn uns so lieb ! 
Der tenfly der lose schehn und dieb^ 

670 j hat ans gefllert in schand und sllnd 
anß der uns hilft dein liebes kind 
mit der gebort^ so heut geschehn. 
Wer hat doch größer ding gesehn, 
wer hat doch größer frend erhört, 

675 dann sich in meinem gmüet iez mert? 
Darumb, o Jesu, warer 6ot , 
der du dich annimbst unsrer not, 
hilf mir, gib meinem glauben zue 
nach diesem lehn die ewig nie. 

Schimel der dritt hirt: 

680 reicher 6ot, himlischer herr, 
der du bist nachet^ und nit ferr 
heut worn deiner armen schar 
durch die gehurt deiiis sons so klar, 
der hie leit fiir das menschlich gschlecht ; 

685 ach mein 6ot wie thuest du so recht, 
daß du in laßt zu uns herkomen 
zu unser seien hail und fromen. 
Jesu groß ist dein diemuet, 
der du, des vatem höchstes guet, 

690 an dich nimbst unser flaisch und pain, 
zu trost uns allen in gemain ; 
ich bitt, o herr, dich mein erbarm 
und in mir ganz und gar erwarm , 
dann mein herz ist ser schwach und kalt. 

695 Jesu, du mirs werme palt, 

daß ich dein gnieß mit ganzem fleiß, 
dann du bist meiner seien speis. 



Baeket, nahet, noeh heute In dem (SfterreicUschen Dialeet ri nak« ^ ^ 
den Ton KeUer heranOgegebenen Fasnachtspielen begegnet die Fenn hiailg, S.B. 
2, b. 135^ ö. 274, 10. 333, 23. 361» 31. 505| 33. 014) 7. 



iii 

Dammb hat dich auch 6ot mir gebn^ 
durch dich za geen ins ewig lebQ. 

Fosel der viert hirt: 

Jesu^ warer Gottes sun, 700 

der du an dich hast gnumen non 

unser natnr und mensclüioh wesen, 

kumb mir zu lulf, daß ich mög gnesen 

vom tod Sünden und teufeis rat^ 

auch vor der hell durch deine gnad. 705 

Den alten Adam in uns stiU^ 

der in meim flaisch stäts hersdien wil^ 

daß ich der sllnd werd qoit und frei 

and forthin rain und sauber sei. 

Des bitt ich dich, her Jesu Christ, 710 

der du Gut heut mensch worden bist, 

des namen haißt Emanuel, 

hilf hie dem leib und dort der seL 

Ach edles guet und höchster schaz, 

mach dir in meinem herzen plaz; 715 

pett dir darin fein waich und warm. 

Am lezten nun dich mein erbarm 

und nimb mich, Herr, nach diser zeit 

zu dir wol in die ewig freud. 

hirten herr kombt und fragt nach seinen knechten ^ redt 
^ singt und pfeift: 

HOrt h«rt, ir knecht ! wo seit ir hin? 720 

das ist mir ja ain frembder sin, 

die weil ich kain bei der herd find. 

Pfhi dich, wie ain nachleßigs gsind ! 

ich kan mich nit verwundern gnueg, 

was es filr meinung oder faeg 725 

mit inen hab iez diser zeit ? 

die schaff geen irr hie auf der waid. 

Hilf lieber Got, wie gern ich wist 

wo ein ieder hinkomen ist. 

Ich mueß gleich selbst der knecht heut sein, 730 

damit nit irm die scheflSein mein 



an 

und sich vergeen heat diso naeht ; 

sie wurden schwerlich wider pracht« 

Wolher ir schefSein, all herbei ! 
735 der herr eudi gaete waid verleih^ 

damit ir faist und kreflig werdt 

und gaete wollen uns beschert. 

Ich will enoh ain hlains tanzel machen^ 

dann ich gleich mein selbst mneß lachen, 
740 daß ich heut mneß sein selbst der knecht; 

ich laßs geschehn, wanns nntr ist recht. 

Kombt her, ich will ain wenig pfeifen ! 

So hart freort mich an meine hend ! 

daß dich, poz darm ! 9 <ds 2) winters sehend ! 
745 Weil ich dann iezt iiit greifen km, 

wil ich znm ersten fachen an 

zu singen ain geseziein schon, 

darnach mein sackpfeif schallen lao. 

(singt:) 

Es ist iezt so ain kalte nacht, mich freuet gar ser;') 
7]B0 wiewol ich das iezt gar nit acht, noch wirts aiir schwer, 

daß ich mneß hüeten meiner herd. 

Mein knecht sein nit ains Vierers wert^ 

habs wol vernnmen. 

So mScht ich aber wißen gern 
755 und wo sie wern hin kamen. 

Der erste Hirt Johel genant: 
. / Wolaof ir gsellen, nit ienger peit 4) } ' 
zn nnser herd! daim tu dran leit, 



Die Bit pots gDX gito (gots) eingeleiteteB Fltl«he Blad gar flAiail* 

fUtIg und kriiftig. Hier zur Probe einige dem boU darm Teriraiite: botsliog' 
en I|ber und boti dann Ralfs Adam 1039. 4553. bots fftdlocli darm and oehiei'* 
grfea Ettet Heini 660. botiaehaaelkorbandlifinflentharm 2586. Box maoterdam 
2666. bots krflO and bots mllts. H. Sachs Vater Soa and Nair* pon bant Fai- 
nachtsp. 40, 20. pozpaaeh ebd. 61, 6. 

>) als anes, bei Flflchen gewanllcb, Tgl. Oriaun deolsoh« WIrtaib. if 
220^231, wo sieb aaeb dem Flache dieses Verses verwantes flndet. 

Dlo Melodie s. aaf der Beilage. 

Beitet, wartet; noch heate im 6sterr< bair.^ialecte bekant. rgl Sclail- 
Itr 1, 218. 



und za bsorgen ist, sie seia 

verlaufen in den wald hinein 

nnder die wöIf und wilde thier» 760 

Was steen wir da? flugs folget mir. 

End def andem Actos« 

Der brttt Actus. 

Caspar der erst känig 0* 
höchster Got, der du allain 
all ding erhaltest insgemein, 
der du beschuefest himmel und em ! ^) 
ach was hedeut dech dlser stern, . ^ 765 

der sich erzeigt mit seinem glast? 
Mein 6ot, wie freut er mich so fast, 
und darf wol sagen, bei meiner zeit 
daß ich nie hat so große freud. 
Der stem bedeut ain grofie macht, 770 

er scheint den tag gleich wie die nacht. 
Ja solt ich mich nit wundem drob 
und Got vom himel sagen lob, 
der mir dureh dises sterues glänz 
mein herz und gmuet erfreuet ganz, 775 

darzue auch meinen ganzen leib ? 
Derhalben ich mit nichten bleib; 
dem stem ich nacheil tag und nacht, 
des bin ich schon genzlich bedaidit, 
dann in mir ist das herz enizOnt 780 

Hör knecht, daß man gar gschwtnd einplnd 
alls was man zur rais bedarf. 
Und irmr der winter noch so scharf, 
so wolt ich mich nit laOen irm. 
IXarzue noch ein etlich pfiüid myrm, 785 



Bd Jnbinal myt t^ret U. 84 #. «iMgt das annreten dar drü KSnidie 
iaUcli wie ktor, nw ftten dort die Knechte. 

Ern-erdeii) Im Reime merDftch erscheinend, z. B. 21^ 484. 1022, let 
>W alt Saanmmenilehvng 9«fi erden sn faOen, nicht daß wir an das alte ero 
>« takcn hltleB. -* Dto oherdeaticha and nlederdeatehe Sf laeha vesteen te 
aiflfea ZaeaBunenzlehwicea aaf gau glelcho Welae« VfUS. 28»» . 



»4 

und bind die sach fein all zu häuf; 
was steest du lang? eil fort und lanf^ 
daß wir uns machen auf den weg. 

Der Knecht Roschel: 9 
Ja herr, der sach ich fleißig pfleg. 
790 Ich ninib alls was wirt sein notwendig, 
gehorsam und nit widerspendig, 
und wil die sach anflrichten wol. 

Kaspar: 
Ist gnet, nit änderst es sein sol. 

Melchior der ander kanie: 

Ei was ftlr groß unerhörter ding, 
795 der ich mich nit verwunder gring, 

und mag wol bei der warhait sagn 

daß ich bei allen meinen tagn 

ja sollich ding nie hab gesehn, 

auch nie gehört zuvor geschehn : 
800 daß solt aufgeen ein sollicher stern, 

so klar und liecht. so groß von fern ; 

das ist. ein sonderlich art und gschicki 

Je lenger ich den stern anpUck, 

ie mer sich mein herz drob erfreut 
805 und mir ein soUichs anzaigen geit, 

daß ich mich mach bald auf die fiiH 

und hie dißmal nit lenger wart. 

Diß hab ich gfaßt in meinen sin, 

wil gen wo mich der stern fBrt hin. 
810 Derhialben, knecht, hör du mir zue, 

merk was loh dir bevelchen thue. 

Mach ein, was man darf auf die rais ; 

es w»r so kalt oder gleich haiß, 

so bleib ich nit, das ist gwifs war, 
815 biß ich die Sachen recht erfar, 

was uns der stern guets neus thue bringet! ; 

Die Legend« llOt die drei KOnlge mit groHein Gefolge den I»g tlrafl« 
Hier werden drei Kneelite mit Namen genant ; In Pondoe WcUmaehtAemili« 
inden tlcli die nrel Namen der Kneoirte: Jonua vn4 Beiar« 



2«S 

• 

nach dem wil ich forschen und ringen. 

Dammb gee da bald hin, knecht Veitl ; 

drin wirst du finden etlich pentl 

in ainer großen tmhen schwer« 820 

Darin such fleißig hin und her, 

und daß ich dir dVarhait entdeck, 

ich hab verporgen in ainern eck 

des besten arabischen gold ; 

dasselbig ich mitnemen wolt. 825 

Fttrder diob^ bring es bald daher. 

Knecht Yeitl: 
Ich thues nach eur Gnaden beger, 
wil filrdem mich so herzlich gern, 
dieweil eur Gnaden w6Un nach dem stem 
ziehen und fragen was er bedeui 830 

Melchior: 
Lieber, gee fort, dann wir han zeit. 

Balthasar der dritt künig: 
Got, der du das firmament 
allain regierst biß an das end, 
in des gewalt ist sunn und mon, 
auch alle stem am liimmelstron, 835 

die du zu gnet dem tag und nacht 
erschaffen hast durch eigne macht 
so hübsch und fein, ganz wol formiert ! 
Doch ist kain stern dergleich geziert 
als diser so schdn liecht und klar, 840 

wie ich dann sich hie offlenbar. 
Und gwifs er etwas neues bringt, 
dann mein herz sich bewegt und dringt, 
daß ich hab weder rast noch me 
biß ich dem stern nachfolgen thue. 845 

Derhalben merk mich, knecht Emring I 
lauf Iiin, rieht zusam alle ding, 
was man wirt dürfen auf den weg* 
Fein munter diser Sachen pfleg> 

16 



850 dann du vaißt wol mein alten Ifrtndi* 
Mach ein golt Silber und veihranoh; 
gee hin, eü ^g»^ laß dir sein gach^ 
auf daß wir dem stern folgmi naidt} 
sanm dich nit, ich wil warten dein. 

Dfer Knecht Em ring: 
855 Gnediger herr, das sol sein ; 
ich wils anßrichten also schon, 
wie enr Gnad bevelch hat than ; 
sollichs bin ich ieder zeit verpfltcht. 

Balthasar: 
6ee doch fort und hinder didi nicht» 

Des Kaspars knecht hmM wider nuä spriehC: 
860 Gnad herr % ich thue schon kmnen, 

hab alle sadi z« ndr genunen 

nnd wil sie tragen unbeschwert, 

dieweil eur Gnaden das begert, 

ja nach zuziehen disem stern ; 
865 darumb thue ichs willig und gern ; 

dann nach dem stern ist mir auch gaoh. 

Nun raiset fort, ich volg euch nach. 

Des Melchiors knecht Veitl: 

Gnediger herr, ich bin bereit 

herkomen nach eurem bschaid, 
870 hab auch dl sach nadi eurem ghaiß 

zu mir gnumen auf die rais; 

und freuet sich mein herz ganz wo^ 

daß ich mit euch iez r^ism soL 

Der gtttige Got uns weg und steg 
875 behüet und unser treulich pfleg, 

daß wir in seinem schimi und glait 

die rais verrichten on alles laid. 

Des Balthasars knecht Bmring: 
Gnad herr , hie kumb ich schon daher 

6nad Herr, Onad Flmt, Im 10» — 17. Jh« Maflg^ Mtf t«a 8€tecl« 
2, 080 anO genadet Herr «• •• w. gedeutet 



und hab die sadLnskidnrtni beger 

fleißig veroehff wie» diuM mip sd. 880 

Weil ich hffh wnnmea wolv 

daß iv iP«H fest iMil iieheu liii% 

denDaßen ich geitetal hitt 

mit aUer sach iw^ enreni hegei^i. 

Der lieb 6ot hhüet viift all in eiü— 885 

auf weg und ateg, axät steig naA pfad; 

ist 6ot mit una> wer tb«ei noB adttd? 

achreit imer Sui, gaediger kenr^ 

ich trumpf 9 bin nach, wem »o^ ao fem 

Kasffar: 

In 6ot sol unser jrals gesohehii! tftt 

so wil ich doch gar g^ro sehn 

das große wunder dises stern. 

Sich knecht, wer knmM dort her von fem? 

Es ist fSrwar ein firfaer iuan! ^y 

6ot geby daß et mit um thmb ga» ; 895 

er sucht aMb an des steraes Mhetai, 

ich wil alhie tkoen warten sein« 



;,"■' 



Melchior: 
Got geb euch giftig auf disen wegf 

* 

Kaspar: 

Derselb auch euer all nit pfleg! 

Wo wollt ir hin, wo kumbt ir her? 900 

laßt euch mein frag nit sein zu schwer, 

daß ich euch hie ansprechen lliue« 



l^mpfen, mit traben yerwant; FrUeh teatsch-latein. Wb.2, 382«bslm:|< 
mS Ftrviidfborg einen Beleg. 

Nneh der Legende Job. t. fiildeeheim kamen die drei KOnigt erst an 
dem Kalrarienberge tot Jemsalem zusammen ^ vorber gegenseitig dorcb einen 
Nebel gedeiht. Sie wiOen ven Arer Rebe niebts und sind sieb fremd. In dem 
Bystbre bei Jnblnal U. 88 eitllkt Meleblor snerst den Baltbasar^ Caspar komt 
spiter Unzn; ancb kennen sie sieb mIiIui tob frttber* Naeb der Legenda aorea 
c» ZIV* Blebin lin gemeinsam ««a« 

16« 



Melchior. 

( ! Mein herz hat weder rast noch nie; 
wils euch anzaigen als meinem herm. 

905 Daß ich her rais^ das macht der steni^ 
und komb hieher anß Orient, 
hab disen stem dahaimb erkent 

;. ' an seiner zier and hdlem schein, 
den er von sich gibt klar und fein. 

910 Und wie er mich dafiir ansieht, 

so gibt er mir ain sollichn bericht, 
wie* daO ein großer kflnig nen 
im jtldisphen land geboren sei 
der allem volk sol helfen auß nöten. 

tl8 Danunb knmb ich in anzopeten 
nnd rais fordber diso straß. 

• 

Kaspar. 
Ei, mein herr, ist aber das 7 
ach lieber Got uns alle bhttet ! 
diß ligt mir auch in meinem gmftet. 

920 Der stem hat mich so gar erlencht, 
daß mich in aU mein sinnen deucht, 
ja die rais sei mir gar ring. 
Mir ligt nichts an^ bin gueter ding, 
spür auch kein mtlede in mein fließen; 

925 derhalben wir wol glauben mtteßen, 
daß diß sei ain gStiüdi sacfa« 

Melchior« 
Gnad herr, war folgt uns dort hernach? 
er eilt als ser und geschwind. 
Wer waiß wes er wirt sein gesint; 
930 villeicht er auch folgt disem stern^ 

er sieht im nach, dunkt mich von fem. 
Wir w5lln hie wartn, duet ir in fragn 
ob er uns etwas neus thet sagn« 

i' . Kaspan 

Gnad henv ir solt in finigea baUL 



« f 



. MeloHlor. 
EnrGnadiv^frAg^irseiideralt; mS 

ich thue nuieh kidos wegs mck Itbrpraclien«' 

Kaspar. 
Wolaiiy 80 wil ich in ansprechen. 

Balthasar, der dntfc ktbuur. 
6ot geh enm Gnaden gltlck und haii ! 

Kaspar. 
Dasselbig werd auch ench zu thidl. '' ^ ^' ^ 
Wie da T warmnb eilt ir so gschwihd t ' * ^^(f 
verzeicht mirs fragn, vre» seit ii^ gsintT ' .' * 

Bitt euch noch ainmal, habt ibirs verguöt; * 
ich frag euch nit auO ubermuet. 

Balthasar. 
Dieweil ir mich thuet fragu in 6m/ 
so wil ich euch der antwurt gwern. 94S 

Mein jrais, die ich iez vor mir hab, 
davon ich nit wil laßen ab, 
geet nach dem stem so vor uns stat^ 
der mich darzue beweget hat. 
Dann ich sich wol an seinem schein^ 95Q 

wie daß neulich geborn sol sein 
ain kttnig im jüdischen land, 
den anzubeten ich zu band 
herzogen bin so weiten weg, 
so rauhe straß und mangen steg. 955 

Hab auch nach unsers lands gebrauch 
mit mir genumen vil weihrauch, 
der sol zu einem opfer sein 
dem neugebomen kttnig rein ; 
das ist mein will und mainung ganz. 96Q 

Kaspar. 

Ach lieber Got, wie diser glänz 
des Sterns euch hieher hat bracht, 
das hat er an uns auch gemacht; 
dem ist also, wie ich euch sag. 



'B%li;lia«'ar. 

<905 Glaobs gerti^ äotk bei Icli noc^ «Ift Avif, 
wtmti ttiM mtt Bpg^n nit irferd diiiit t 
wie ir haiflt nnd von wium ir seit? 
Ich bitty ir wolt Bein unbesohwert 
za melden, was ichlial) begert. 

970 Doch daD Ir liatft kahi aebenchen A-an, 
so wil ich -maikvifr MigiHi an, 
wie mein nam haißt, mo ivh komb her. 
Und wißt, daO tob ihaiO Valtfuwer % 

I ^ komb 4ier von JSaha anO dem iaa^ 

978 wo efs da» bemr^a iat Jbekuih 
daiip Micbin Air 4i0er;«tem. 

KasjMMT. 

Das hör wir warlich alle gern 
daß ir alhie aeit so gane^gt 
nnd ganz goetwillig nas anzaigt 

980 wer ir seit, van wann ir äint knmenj; 
wie wirs dann haben iez yemiUEen 
und dises alles Rauben ^em. 
Hiergegen solt ir von mir hörn 
wo ich herkooib, wie jmein nam haißi, 

985 was nrsach sei daß ich herrais, 

nnd zaigs ench an bald und rbehend. 
Ich kam iez her van Orient, 
mein nam wirt Kasjpar ^emmt, 
den Stern hab ich idso erkant 

990 an seinem schein, den er gibt klar. 
Der macht mir kmit nnd offenbar 
wie daß den Juden wer geborn 
ain neuer künig außerkorn, 
den ich zu loben und zu ern 

995 auß frembdem land kumb her so fem. 
Bring im auch opfer und geschenk, 
halt auch fiir gwifs und guiz gedenk, 
mein gaben werden sein 6ot kirnt j 
ich bring myrren hie etlioh piuit. 

Oesterreielüscli-lMiirlfclke Form des Namens Balthasar. 



Gut maniireii perf loh rit und sttg lOOO 

zu lob und er diseni ktsAgy 

und ihaes aach i^ArlMra^cli genu 

Melchior. 
Nun hört metfne geliebte berm! 
was sol man nlt von wunder sagn, 
daß uns der weg hat zsamen tragn. 1005 

Ainer yom andern gar nichts wist ^ 
ihr war ein Rötlich ding das ist 
und bringt grolS freud dem herzen mein« 
Dann da mir erst der stem erschain, 
ist geschefben in Arabia^ 1010 

ach Got wie fro ward ich alda; 
und daß ich euch die warhait sag, 
es ist heut nun der zweUte tag 9 
da ich von dannen zöge anS ; 
hab noch ma dteer lais Jcain grau. 1015 

Diß ist das land^ da loh .knmb her j 
wolt ir von mir nach wißen mar, 
.so solt ir merkten da jra iiant: 
mit nam bin kek Meldiior geaast, 
und diser atom maoht mir kund 1020 

den rechten weg, d^ß ich verstund, 
ain kflnig wer geboro auf ern, 
des herljkait solt ewig wern, 
solt sein ain herr dem Jndentbumb $ 
derhalben ich auch hieher komb, 1025 

zu suchen in und auch zu sehn. 
Dameben sol ain opfer gschehn; 
hie bring idh, daß irs glauben solt, 
des besten arabischen golt, 
den kflnig damit zu begabn. 1030 

Wolt Got ich solt was beßers habn, 
ich raicht ims auch von herzen gern. 
Also ir meine liebe herrn, 

wir sein eines gmflets und sin. 



DrefsefanTage wareO) wie S. 122 enrUint ward, die drei KOnige unter Wege. 



1035 so wSIl wir iiit Got ziehen hin 

und fragen nach dem kleinen kiiid« 

Kaepar. 

Wolan des sein wir all gesint ; 

Got helf uns weiter noch in dem. 

Sechty dort wirt sein Jerusalem ! 
1040 es ist ain großmechtige stat, 
' darin es auch ain künig hat. 

Schaut liehen herm^ was wil das seinT 

der stem verleurt uns seinen schein ! 

mit aller klarhait liecht. und g^anz 
1045 von unsem augn verschwindt er ganz 

der uns so weit leuchtet hieher. 

Wo nemen wir nun ain weiser her, 

der uns den weg zaig zue dem kind? 

Balthasar« 
Gnad her, ich glaub daß man wol find 
1050 ja leut in diser großen stat, 

die uns wißen der sach ain rat. 
Bit, seit getrost in disem fall ; 
de&gleich wir auch sein wollen all. 
Got Wirt uns aus' 9 versorgen wol. 

Melchior. 
1055 Der kfinig hie ja wißen sol ^ 
alle geschieht in der revier. 
Drumb wölln nun in fragen wir, 
er Wirt uns ja der frag geweren. 

Kaspar. 
Sollichs gescheh mit Got den herrn. 
1060 Nun frag einer iez diser zeit; «> " 



allfl, alles , Immer. Grimm Wfirterbvch 1, 229. 247. 

s) Tgl. Jablnal mysteres H. 93. Melchion. Seignenrs^ an ponvolr Herode 
somes; e'est nn grant homs entre lex homes. Trons noas polnt parier A layT 
Sarolrsj scet ilan de celnjQae noiu qv^rons et neos adrederT Ceaeupoura 
blen arander. Blen croj qa'il boiu eiiBaIgnera. Jaepar. Atona f rMi qd 
nons dira; ne palt qoi n'en salche parier. 

Die alte Verbindiing iweier gleiehbedeatender Partikeln one Kepvte. 



Dort Bteen zwen nflimer) feine leiit, 
die werden uns* vißen zu sagn. 

Melchior. 

Gnad herr, ich wil sie danimb firagn. 

Ir herm, ich weit euch fragen was, 1065 

und bit ir wölt mir bschaiden das, 

und saget, wo doch sei gebom 

der Juden kllnig hoch erkom. 

Das wolt wir wißen gern znhand. 

Zwen knechtO Ischemünd SchmoL 
Ischem gibt antwort: 

Ich waiO kain kttnlg in dem land. 

Ir sagt, er wer gebom gar neu? 1070 

Das wer ain sekame bofserei ! 

Wir wißen kain künig, den es hat, 

im ganzen land dan in der stat, 

des diener ich bin, ain trabant, 

Herodes der ist mir bekant. 1075 

Villeicht nach disem thnet ir fragen, 

und wolt ir, so thue ich fbrtragen 

eor Sachen, seien vil oder weng ; ^) 

gebt mir nur her drei dicke pfenng, 

ich wil euch bringen gar bald ftr. 1080 



Die Nancli^ welche schon in den lateinischen DrelkSni^smlsterleii erschei|i- 
CB; gaben den AnlaO zu weiterer Anßbildnng, die In fidelpOclu Spiel am anO« 
K^flrtesten Ist Bei Jnbinal H. 93. hat der nie8sag:ter Trotemenn die Unterredung 
der Könige gehört und geht sogleich mit der NenigkeU za Herodes. 

Nach den apokryphen Berichten Aragen die Magier zuerst die Elnwoner Jer- 
ttslems, wodurch Herodes von ihnen eriart, die Schriftgelerten befragt und dann 
^ Könige holen liOt. So Ist auch der Verlauf in dem L^ben Jesu der Vorauer 
Mchte (Diemers Außgabe 234, 7 ff) und In Philipps Marienleben 3534 ff. In 
Poodos Weihnaehtkomödle S. 33. laßen die Könige durch Ihren Khecht die Hoh- 
enpriester (die wfsen des Vorauer eedlchtes) fk'agen, und nachdem sie von ihnen 
Khnöde Antwort erhalten, wenden sie sich an den Boten. Hier bei Edelpöck 
fn^n also die Könige zuerst die Trabanten; Herodes laßt die Schtlftgelerten 
aod dann die KOnlge holen, vgl. anch zu ▼. 1338. 

weng^ wenige bair. östeir. Verkflrzung, wing mltmdentsche» vgl nelne 
I)i«Iectrors€hiuigS.40. 



<lCeleli44i'r. 

Es ist on not/hafrt dai&lez ir. 
Ir herrn, wann ir mit vulgm wolt, 
iedoch cor ratschlsig gebB« rnUy 
so wer ich des sins «nd luedacht, 
1 085 wir bliben he«l; hier dise' nacht, 
dann es hat hie yH gierte leiit« 
Die wolln wir frage« waob die zjoU^ 
wann und wo er gehören is^ 

Diß gfalt uns wol m <kser Aist, 
1 090 die weil die naeht ist achom lier kmätti« 
So geen wir haM, in ainer raniM, ^} 
zu ainem wirt, h^w fiäs mt iw. 

Balt^a^ar. 

Es ist das pest daß «ans ao thue, 
ir habt die sach gau w«! bedacht. 
1095 Ir lieben freund, ain ifute nacht. 

Ischem ain trabant: 

Das sein nvbr wmderliobe mfir, 
die uns die luenner bringen her; 
ich kann mich nit verwundern gnueg. 
Wil schauen wo ich kan mit fueg 

llftO kuaen zu jueinem gnedign herm ; 
ich waiß er wirts vernemen gern 
und sefaenken mir auch was zu Ion. ^) 
Bann ich liab oft etwas bracht von, 
wann ich was neus zu heftet bringen; 

1105 ich hoff es sol mir auch hie glingeu, 

solUeh kunst tregt mir in d*kuchen wol. 
Was danket dich, mein lieber Scfamd? 



vn es kan sv machen, Tgl* 4*0 iclis btcUraO in «üKr mammm ▼« tt3b 

*) W«r nMen ind klaffen kan^ der ist sn hofe ein werter auMi. Fldird 
ArcUT Ittr lltere denteche Literatur 3^319. 



• • • I 



Schmol* 

Ich vaiO dein fttchsschwenzen 9 S^ ^ol. 

Du lABt wol schwach, wann ichs dfirft Mgüy 

auch klaindarzRe, und thueat schwer tragn. ^ 1110 

Mich wandert, daß du dich nit schämhat ; 

ich glauh daß du diöh zu tod nfimhst 

und fragest nit das grin^st darnach ; 

so gar ist dir nach dem gdt gach. 

Hast gnet bsoldnng nnd anders mer.; 1115 

villeicht mainst dn, es sei ain er, 

an dise menner fordern gelt, 

die erst herkomen über feld 

und thnen uns so freundlich hie fragn T 

Ei pfiü ! schäm dich in deinen kragn ! 1120 

Ich wolt daß du in meiner rot 

nit wärst, dann du thüest uns ain spot, 

delsgleich der ganzen gnardi ^) auch. 

Wie wol es ist dein alter brauch 

und bist ain rechter karger wanst, 1125 

hinderst die armen wo dp kanst, 

verklaffst verschwerzst das hofgesind. 

Das wißeu aixf der gaßn die kind, 

man merkt und spfirt wie du es treibst. 

Schau daß du lang bei gnaden bleibst, 1130 

daß sichs blat nit ainmal umbkert ; 

dann ich hab mein tag oft gebeert, 

wann «iuer wol dient dreißig jar, 



ItaeluMhwenEeiiy mit dem Faclusehwanz streicheln : mild mit eiaem «m» 
Seken, flm echmelelielii. Der Begriff der hinterlletlgeii , andern TerdtrbliolMn 
Sekmefeh^el Ugt soglelA darin. • Seb. Brant wünscht ein verdektes SchUT für 
die Honrenkneeht nnd andere, die zo Hof schleclten g;ehn^ die den Katzen ntrelehen 
«nd das iSüban Hoigat stKlgeln^Har (nach*) anter die Wolle schlagen, die sndAtteln 
ud dm Mantel gegen den Wind henken. Er glaubt nar daO einer einmal zaraah 
•tiigtlB^ «ad. Ihm der Hengst in Banch and Rippen schmitzen werde. YgLBrants 
BfarreMchif. (AoOgaberon Strobel S. 262. f) S. aach Job. Agrikola FAnfhnnd- 
Art gemialBtr aeaer tentschw SprAchw. 154B. fol. 62. 

O Tg^ tn y. 2209. 

■> WmnM ader QwardI war der dienstliche Name fir die erzhenogUche 
Leibwacke. Vgl. Horter Ferdinand 0. Bd. i^ 31. 



i, 1 



knmb oft ain stund, verderb es ga. 

1135 Und daß icli dir d'sach klarer stelle 

aih Sprichwort ist: laug zIlofla^gz hell! 
. , . Wirt nit dermaßen so gedeut^ 
daß in gemain alle hofleut 
von Got dem herm verworfen sein 

1140 und knmen in der helle pein. 

Man findt zn hof noch treue leut, 
die wol dienen zu ieder zeit, 
so Got lieben und auch sein wort, 
volgen seinem bevelch immerfort . 

1 146 und dienen treulich irem herrn ; 

den Wirt der himmel fllr d' hell wem, 

Jezt aber laider die hofleut 

sein nit wie zu der alten zeit 

bei kaiser kflnig forsten und herrn ^). 

1160 Wenn ainer nun wil hofgsind wern^ 
thuet ringen nach lob er und preis^ 
. fllrwendt auch seinen pesten fleiß, 
liebt Got und dient seim herren fein, 
der mueß iezt ain iuchsschwenzer sein. 

1155 Doch unbillich wirt er so genent; 
diß sein die rechten, wer sie kent, 
die ain guet wort gebu under äugen, ^) 
bald nemens den sack von der laugen 



Simrock deatsehe Sprichwörter ne. 4813. — Joh. AgtikoU Itnflnradai 
Gemainer Newer teutscher Sprichworter 1548. im Anfang der Dedication: E» 
ist ain femaine sag: Lang xa Hofe lang zn Heüe^ Vnd ala bald Patrni gen 
Bofe käme ward ain bnb dranO. — PhUanders ron Sittewald alebendet wand« 
eiOches vnd wahrhaftiges Gesichte: Anla orcns est expertls. Zu Hoff an HflL 
S. fil8. 1650. 

>) 2n dieser ganzen Rede Schmols rergleiche die an dreihundert Jare flt* 
ere Sehlldemng der hoTesehelke yoa Konrad ron Haslan in dem J^ngOag ▼▼• 
331.928 CHanpt Zeitschrift fOr deutsches Aiterthdm 8> 575-77.) — Interefiwit 
ist zu dieser SchUdernng EdelpficiLS die Vergleichnng der Hofordnnng^ weide 
Erzherzog Karl am 13. November 1664 seinem Hofgesinde zn Orfis gt^. Hvtef 
Ferdinand H. 1^ 30. ff. 

vater angen, iBsOealeht, wie unter den aogen^ Im Clealcht Wmm WArt* 
erbuch I^ 791—03. 



«87 

and schlalien hinden auf den rack; 9 

das ist ain recht fiichsschwenzer stuck. 1160 

Haniger gibt red stlß wie hSnig, 

im herzen aber ist es wenig ; 

maniger beweint ain in dem gsicht^ 

za mcks er im sein er ftbbricht ^ 

gelobt er wöli im helfen zu gnad, 1165 

wanns darzu kombt^ ist er sein schad; 

rät wie er sol kommen hcrftlr, 

geet selber hin, schlecht zue die tOr ; 

das ist : er redet mit dem mund, 

im herzen hat er gar kain grund. ^) 1170 

Wann schon ain armer was erbit, 

so bleibts im vor den gsellen nit; 

sie weren vast auf allen selten. ^ 

Diß aber war kain brauch vor zelten ; 

zu hof war fried und guete nie* 1175 

Jezt aber maniger böser pue ^) 

mit seinem liegn gibt ain hinan . . 

80 meisterlich, wie ers dann kaii^ 

ja vil peßer dann vasten und pete^h, 

das im doch vil baß thet von uöten. 1180 

Sagt man im vU vom predig hSrn, 

von kirchen ^een, thuen sies nit gern. 

Aber spiln schwem freßen saufen^ 

daß in die äugen überlaufen, 

da thuen sie sich rabiner schreiben; 1185 

truz^ thue sich ainer an sie reiben ! 

Vor alters war ain große er 

iucht meßikait ; iez gilt vflmer 

schwem freßn saufn und thue mir bschaid^ 

wellichs ist Got und sein engein laid. 1190 



Uatk halt nit HDr eyn redlich man^ Wer ejndn wffl zo nvk an gan Vnd 
cbiagen , ee dann eta Jm sag^ So er 3ich nit genOren mag. Seb. Brant Nacreii- 
«hiir S. 263 StrobeL 

O Anß der langen und nicht auß dem herzen reden. Agrlkola Fflnfhnndert 
;eiBainer newer tentscher Sprichwörter 1548. no. 87. 

O knmt dem herm ein ndtic man^ der firom und wirde erkennen kan^' tuet 
r im slnen komber knnt^ «s wendet sAn afn vaUclieir jnont^ odtrlAtsfllnaime]» 
iener stn. Konr. t. UaalAa JOngUng 897-001. 

^ koe^Bid^e, 



988 

Vor jaren pett man vor dem eOen^ 
iezt fluecht man^ darmit niedergpseOeiu 
Nit eOen, gfreOn nennt man das brot^ 
das trinke^ saufn. Ists nit ain spotf 

1195 wiewol sies billich nennen sanfen^ 
weil sie sich oft daramben raufen 
wellichs alls gebfirt hnnden und schvein ; 
noch wSllens gscbikte hofpneben sein* 
Schfindbche lieder kttnnens singen 

1200 und auf die nacht dem herrn was bringen^ 
diß ist ir gröste kunst und tugend. 
Wee dem der sollichs gstatt der jngend 
und wil solchs auch von in haben, 
lobt sie darzu die feinen knabe% 

1205 laßt sie on alle sucht aufwachsen 

gleich wie die ungezognen ax^ 9 
leben muetwillig, sein frech und frei, 
befleißen sich der fiichsschwenzereL 
Wann dann ain solcher mit der zeit 

1210 zu hof in aineu dienst einschreite 
so laßt er nit von seiner art, 
ob im schon wechst daher der pari 
Geet imer nach dem alten leben, 
Voigt kainem rat der im wirt geben, 

1215 darf wol herwider murren und sagen: 

was strafst du mich, bin bei mein tagen } ^} 
hab mer denn du ho£suppen gfreßen, 
bin oft bei großen herren gseßen. 
Ja wol, da man die oren streicht^ 

1220 und mit fiichsschwenzen umbhersoUeicht^ 
da man wflrfl und karten rttert. 
Das ist sein wandl den er hat gfUert, 
darmit dient er seim herren wol, 
wann er gleich ist tag und nacht voll« 

1225 Von disen sagt, mein lieber gseU, 



Ochsen; die AnOfpraclie des o neigt sich in der Uandnrt 4mm * >«- 

*) bei stlnan Ugen stli, beknitt« A«Odniek IVr ctwaoIimb aete« 0ri** 
dettsche RechUalterthtaer 412. 



das alt sprichvoft: Irag xlmf laag s haB. 
Ain solcher hU^ da auch, mei» na% 
der sich solchs aani von jagend an* 
Mein rat der wer, da ließt darvon j 
fhchsachwenzen bringt zlest schlechten Ion* 1230 
Hecaof^ kerao^ dann es ist Miil 

Isehem. 
Ei lieber^ da redst mirs mß seid. 
Nach dir ich nlt sovil thue fragen^ 
darf solchs aaeh wo! neim herren klagen ^ 
wiewol mich dein red niekis geet an^ 1235 

weil ich ain gnedgen^ kttilg hau. 

Jefas der dritt trabant. 
Isehem, Isehem, hast nit ghört t 
seist zom künig, hat dein begert* 
Ir habt alhie da aia geschwez 
gleich wie ain alster oder hez ^ Q ^^^^ 

da bist mit werten gar geschwind^ 
yerachst schier iedes hofgesindj: 
der kflnig hat es wol vernnmen. 
Was steest Isehem, da seist flags kamen ; 
gee fort, was machst beim ploderert 2} 1245 

Schttol. 
El, geetsnor hin, ir faelissehweiize»? 
ich kenn enoh aU bed gar wol, 
ir heachler, wann ichs sagen soL 

Indem giengen die ziven ab and 
Sekmel red^t fortt 

Sie Werdens alls dem kttnig sagen 

and vil mer lagen im filr tragen. 1250 

Frag nichts darnach, habs drum geredt 

aaf ddD der kflnig wißen tet 

wie es der zeit so arg and gschwind 



9 HiM, Hexe ; Eiclielhlher^ connu glandniaria. Frisch 1>430 erUIrt Hlie 
ud i3ster für eii^. 

9 floderer, PlMderer, Schwizzet, Schmeller 1|334 FauiMhttf . 2Mj3 dae 
Mem plodern und aoch schwadern* 



«10 

thet steen nnir seiin hofgeslnd. 
1255 Solt er nur wißen des ein drittel, 

er wfird finden ain ander mittel. 

Doch niemand ist ders sagen wil ; 

vll reden davon, schweign darnach stiU, 

niemand der kaze die schelle anhenkt 9 
1260 Ain ieder bei im seihst gedenkt: 

wann ichs dem kflnig tae fUitragen, 

so tuet man mir,d'warhalt auch sagen. 

Dnimb so schweig du, so schweig auch ich; 

verrätst du mich, was hilft es dich ? 
1265 Also kumht kain schalkhait an tag, 

truz aim ! ders vom andern sag. 

Wer iezt zu hof finanzen ^) kan, 

der ist ain feiner kluger man, 

kan zu markt sezn sein schrägen fein, 
1270 gschwind sein guet unter falschem schein, 

entzeucht auch oft der armen schar 

was vom kllnig verordnet war. • 

Manger kumbt an hof armer ^) heut, 

hat an dem hals kain guete p&it, O 
1275 mit klainer hsoldung Werdens reich ; 

wie sies hekomen ^t in gleich. 

Dann kttnigs gelt kumbt in zu henden, 

wellichs sie tuen an im nüz wenden. 

So Wirt mauger petler zum herrn, 
1280 wann sie die seckl dem künig lern. 

Sie Iftiichens auch auf Wucher hin, 
. fordern darvon aia großen gwin, 

des sich ain Jud biUich verwundert ; 

ja sie nemen zehn vom hundert. 



yyDtr Katxe die Schelle nicht anhangen wollen, ein Sprichwort ron einer 
Fabel, da die Mäuse vorgestellt werden, daß sie der Katze gern eine Schelle 
anhingen wollten, damit sie dieselbe eher hfiren konnten/^ FrUeh Wörterb. 
1,505 — Boners Edelstein^ Fabel 70 Pfeiffer. 

flnanzen: betrflgen, tlnschen; gleich alfanzen; finanz BetrAgereL Worte 
die dem 16. Jh. aer gewunllch sind. Vgl. Grimm WOrterb. 1,203—205. 

Aber die Flexion des prädikativen Adljectivs Orimn Oranunatik 4;4Ä«498*. 

Pf'^eit: Kemde) Oewaad. T§f, S. 160» Ada. 4. 



«41 

Wirt das lang bstaen, wil Ichs gern sehn. 1285 

Schau wunder zae, was wil da gsdielin, 

daß iezt der kflnig geet herauO T 

poz maus, ^) was wil doch werden dranO T 

Hie knmbt der kflnig Herodes mit den 
trabanten, fecht an und spricht: 

Merk mich trabant, der du baißt Hesl 

lauf bald hin, bring mir mein seOl^ 2) 1290 

sez mir in Ideher ftr die tbttr, 

und du Ischem, gee her zu mir^ 

gib mir bericht und frei herauO sag, 

was gschehen sei gestern den tag, 

ob sich was neus zuetragen hat. 1295 

Ischem. 
Ja klinigliche Majestät, 
ich bin sollichs schuldig, thues auch gern, 
eur Majestät anzeigen in ern, 
weils billich ist und so sein sol. 
Nechten stund ich und auch der Schmol 1300 

hie auf dem plaz an ainem eck ; 
daß ich die warhait recht entdeck, 
da kamen drei fein mfinner dar, 
wol klait $ 9} under in ainer war, 
der fragt mich eilends zuband 1305 

umb den neugebornenin dem land, 
der solt der J^den kOnig sein. 
Ich antwurt im liinwider fein, 
ich west kain ktlnig den es hat 
allain eur Gnaden Majestät, 1310 

dem wir nun sein mit dienst verpflicht. 
Eur Majestät sonst waiß ich nicht ^) 
das sich hat gestern zuegetragen. 



▼gt ▼• 744. vad : böte lof Raffi Adam 4639. böte f^ohs nflid has aacb 

1174. böte ftichs böte has böte todeiil«s 4475. 
O nerRelai ist nuuidarttioh gena«^ da fcharfes fi sanft aoOgesproehen uad 

das Ib ged0i|t wird. 
O «ddeUH. 
O sMita. SelMHer 2j674. 

16 



Herode«» 
Soli ainer nit von wunder sag^nT 

1315 ich bin hart komen ta drai reich, 
sol ies werdn verdrängen gieI6U t 
das wer mir ja ain eelzam Be^h I . 
danunb wil ich nit laßen nach 
und mein schriftgelerte fragi^v, 

1320 die sollen mir bericht hie sagen, 
wann oder wo der kttnig neu 
im Jndenthumb geboren sei. 
Lauf hin, Jachel^ schnell und behend 
und hab guet acht auf ort und end, 

132$ wo du mein schriftgelerte findet 

und mein bevelch mit kttrz verkündst. 
Sag in, mein will sei und beger 
daß sie eilent komen daher. 
Gee hin, rieht auO was ich dich haiß. 

JacheL 
i33Q Ja herr künig, dann ich wol waiß 
wo diso herren sein zu haus. 

Herodes. 
Gee fort und rieht die saeh bald auß. 

Jachel. 1) 
Got grueß euch all, ür hochgelerten 
verstendigen und wol geerten ! 
1335 Hört Alachim uud ir Aman^ 

solt eilent zu dem kttnig gan, 



Vgl. oben sa v. 1069. In dem FreisLnger nndOrleanser Spiel scUkt Her- 
odes za den aerihn, nachdem die KSnige schon darch den nuntlos sn ihn gefordert 
sind, ebenso in dem Bebedictbeareifschen sn dem arehlsf nagogos. Bei Jnblnal sj- 
steres n. 05 treten die Schrtftgelerten nicht anf, der Bote wird Mglelch ron 
Herodes zu den KOnigen geschikt. Den Schriftgelerten entspricht In dleaoa sy* 
•tere der Rat Hermes. 

Bei Pondo zeigen eleh die beMen Schrtflgelertea Mn MebiM felaOMi (B. 
M f.) eine Erinnetadg deften was legendarlseh ftber ioa Sehrtdteft der Ein- 
woner Jerasalems bei der Ankunft der Magier befehlet wMt. Tgl. Legende 
anrea c. XIV. (p. 90 AaOg. von Grafse) Wernhers) Maria Fondgr. O. M^imiipps 
Marienleben 2530. Snchenwlrts Freuden MarUl v. 482 mit 



t43 

ftrdert each aUe bede schier. 

Was bsint ir doch, geet straks mit mir ! 

Aman der erst hochpriester. 
Wolan so geen wir imer fort, 
weil wir vememen euer wort. 1340 

Was wil uns doch das bedeuten ? 
er schikt zu selzamen zelten 
nach uns, die wir sonst sein verseht 
nnd von dem ganzen hof verlacht. 
Giert hin giert her, schrift hin schrift her! 1345 
kan ainer vil, gilt er nichts mer. 
Der gwalt geet iez Air kunst und recht ; 
es ist heuer kramp, das fert 9 war schlecht. 
Zu hof 4ie schrift hfilt man in ern 
gleich wie ain schimbligen nußkern. 1350 

Darumb ich ganz verwundert bin, 
was doch dem künig kombt in sin ; 
fragt sonst gar wenig nach der schrift. 

Alachim der ander hochpriester: 
Ja freilich ist die im ain gifl, 
dieweil sein herz ist' so verkert; 1355 

ist in der schrift auch nichts gelert. 
Ich wil gern hdrn was er doch wil. 
Er frag mich wenig oder vil, 
sol ich im antwurtn auf sein frag, 
Got geh, was er darzue auch sag, 1360 

das sol er gwiftlich glauben mir. 
Secht, er geet gleich iezunt herftir. 

Hie komen sie zum künig, Aman 
hebt an zu reden: 
Got geh eur Majestät vil glück 

Herodes. 
Dank habt; ich kenn wol euer duck, 
ir gleifsner ; versteetmich iezt recht ! 1365 

b halts mit dem jüdischen gschlecht, 



O voriges Jar> ia den meisten Mundarten erlialten» 



16* 



244 



es ist euch aUen^ auf mein aid« * 
daß ich bin JdLDig herzlich laid. 
Ich bin vom kaiser eingesezt; 

1370 iraz ! daß mich eor 'ainer verlezt 

und mich von meinem reich weit briug^en^ 
er mnest hupfen über die klingen^ 
oder ich thets dem kaiser klagen, 
der wurd in laßen truckeii zwagen.^) 

1376 Wer wider mich thuet und gethan hat, ' 
den bring ich ins kaisers ungnad, 
weil ich dem kaiser thue gefelln. 
Warumb ir heuchler nit euch alln? 
ir mUeßt mich leiden in dem land ! 

1380 Derhalben ir Juden all zuband, 

schaut daß ir mich nun recht erkent. 
Und ir merkt warumb ich hab gesent 
nach euch, Alachim und Aman, 
auf daß ir mir iez zaiget an, 

1385 ^eweil die sach sich also trift 
und ir erfaren seit der schrift, 
' habt die propheten glesen all, 
versteet ir weißagung zumal ; 
so thuet mich iez auf mein begern 

1390 auß den propheten antwurt gewem. 
Wolt irs nit thuen,. so mfleßt ir wol, 
weil ich künig im land sein soL 
Es sol ainer in diesem land 
der Juden künig wern genant. 

1395 So er nit schon vorhanden ist, 
sol doch nit weit sein dise frist, 
daß er in diser weitn revier 
das ganze Judenthumb regier. 
Darumb ich von euch wißen wil, 

1400 wann oder wie, ort oder zil. 



Zwagen^ waacben. — Dem „trocken zwagen^' entspriclit 4m tonst tot- 
kommende trocken scheren : Tgl. der wirt der hat nns -trocken geschoren (Am* 
braser) Liederbflchlein von 1582 no. CXXX. wie meinst, knnt die jilt tnukn 
scheren Fasnachtspiele 332, 30» 



t48 

da diser sol geboren wern, 

es sei gleich nahet oder fem. 

Wolt ir soUichs thuen auf das ir wißt, 

so thuets, ich wird sonst ganz ratrflst. 

Schweigt nur nit lang, sagt ndrs iesnnd. 1405 

Alachim: 

Herr kftnig, das thu.e ich euch kund* 

Enr Btajestat mich recht verstee : 

es weiOagt der prophet Miche 

mit disen werten hell und klar, 

wie allen glertn ist offenbar : 1410 

Und du Bethlehem. Efirata 

bist wol ser klain, das sag ich da/ 

und wirst auch nit wie ander zelt^ 

under die großen ftlrsten stelt, 

so ligen in Juden zwar. 1416 

Dein wart alzeit vergelten gar, 

doch ist nit so gar schlecht dein er ; 

dann auß dir wirt komen her 

der ain regent und herscher sei 

über das ganz Israel jGrei. 1420 

Sein außgang, wie der prophet melt, 

Wirt vom anfang der weit herzelt 

von ewikait zu ewikait, 

von der ersten zur lezten zeit. 

Er wird auch, wie die schrift melt fein, 1425 

der warhaftig Messias sein. 

Also lautet die prophezei. 

Herodes: 

Hört Aman, kumbt ir auch herbei ! 

Was dunkt euch iez von seiner red? 

ist sie auch war, die er da thet? 1430 

Es wer mir ja ain selzams wesen! 

ir habt die schrift auch ganz durchlesen, 

zeigt mk* auch euer mainung an. 



Amin; 

Gnad herr, es ifit nit anderat dran f 

1435 mein red vergleidit aiek init der sein. 
Dann wie er iezt hat gfileret ein, 
das^iat mir alles wol bewiat; 
die Schrift aach gnngsam zengnifs ist, 
wie genesis am ersten buQch steet, 

1440 da Jakoh also reden thet 

in seinen altn erlebten tag;n. 
Merk); auf, ich wils aufs knrzlst sagn ; 
Israel, spricht er herzlich, 
man wirt nemen gewaltiglibh 

1445 von dir, Jnda, das scepter dein; 
kain ander herr sol über dich sein, 
so lang biß Got der herr wirt senden 
den, der die prophezei sol enden, 
and werd erlösen Israel, 

1450 des nam sol sein Emannel. 

Sedht nun, eor Migestat, geh acht l 
Den Jaden ist gnomen ir macht, 
weil ir im land regierer seit ; 
so ist vorhanden schon die zeit, 

' 1 455 daß aller beiden neid hör auf. 

Derhalben, kfinig, steet es wol draa^ 
daß diser von Got aoßerkom 
aoß Devids stam sei schon gebom. 

Herodes: 

Wie 7 das heb ich nit wol vemomen^ 
1460 sol er von dem stam Davids kamen T 

Alachim: 

Ja kUnigliche Majestät l 
wie Aman hie bewisen hat, 
also an vilen orten klar 
beweists die schrift and thaet dar, 
1465 daß von David gschleeht and stam 
her kamen sol sein geburt udA mrn^ 



' Her ade9i 
Die saeh Jinb ich vernomeQ woi ; 
wanns lenger weret, ward idi toll 
von solchem gschwez. Geet imer fort! 
ich darf nit weiter eurer wort. 1470 

Hie giengen die schriftgelerten hinweg, und Herodef redt 

f&r sieh eelba« 

Herodea: 
Sie sein bald über ain laist gaehlagn , 
was diser redt, thuet jener sagii} 
iedooh es sei im wie im sei, ' 

so denk ich irer wort darbei, 
mueß auch sehen wie ich im thne, 1475 

damit ieh bleib mit frid nnd me 
in disem meinem regiment. 
Trabant Hesl^ laof nnd frag behend 
wo die drei menner sein zu me ; 
eil flngs nnd bring i^e dann herzae, 1480 

sprich sie an züchtiglich in ern, 
bits nnd sag, ich thue ir begern^ 
daß sie herhninen in der stand. 

Hesel: 
Eor Majestät, ich lanf iezond. 
{ch wil das anderlaßen nicht, 14S^ 

biß ich die sach hab aoßgericht. 

Hie kert er sich nmb aud redt im gehn mit sieh selbst : 
Mein heir der ist entrüstet ser j 
dann neno zeitang komen her, 
ain neaer künig sei Torhanden ; 
daramb ^r bsorgt, er werd amschanden 1490 

and Yon dem reich gestoßn hindan. 
Ach Got, wo sein doch die drei man^ 
daß ichs bald fand and brecht mit mir. 
Sich, dort steens gleich ander 4er thflr^ 
. wUliin and in die sach erklern. 1495 

Aiii gMton tag ir lieben hem! 



Kaspar der erst kflnig: 
Got dank eiidi ! was wer eur beg^m? 
ir wolt Ulla soUidis zaigen an. 

Hesel: 

Das sol ich ja nit underlan. 
1 500 Die kliuigliclie Majestät 

ench all drei freundlich bitten lat, 

daß Ir, ir hefrn, mit mir lezond 

zn ir wert komen in der stand, 

versieht sich auch zn ench in en^ 
1505 ir wert sie dieser bitt gewern. 

Kaspar: 
Ja lieber freund, von herzen gem. * 
Thuet eurem kflnig gwilslich knnd^ 
wir wollen komen zu der stund, 

Qesel: 
Gnediger kflnig und auch herr, 
1510 nach eurej Majestät beger 

hab ich die sachen außgericht ; 
verhoff sie wern sich säumen idcht, 
wie dann ir zuesag glautet bat, 
sie kumen gleich, eur Majeaitat. 

• 

Die drei weisen komen zu Herodem. Kaspar feeht an und 

spricht : 

Kaspar: 
1515 Got geh euch glück in eurem reich ! 

Herodest 

Habt dank ir lieben herrn zugleich. 9 
Das seind mir in meim land frembd gest ! 
wann ich erfaren kunt und west, 



Jul^inal mfaihrea n. 07. Bien ylengniex-TOiu BoUe •etgndur. meta 
Boas, sj Tou Tient a plaUlr , Dont eites-tow et qie quhrlr VeMs-voai tf 
en ceste tenre? Estex-Tooi cliadM da gsenre? IHcIm le amu^ Jt Toum pife« 



wammb ir seit knmen Ueher ! . 

Ich bit^ sagt nrira on all beschwer; 1520 

dann noch das ganze jüdisch land, 

dergleichen auch die stat znhand, 

noch ich auch selbs, glanbt mir für war^ 

habn solcher lent vor gnumen war, 

seid uns auch firembd in dlser revier. 1525 

Es ist was neues, wie ich s pttr ; 

darumb bitt ich, macht uns bekant, 

was ir doch sucht in disem land. 

Melchior der ander kfinig: 
Gnediger kflnig, hSrtbericht! 
das anzuzaigen laß wir nicht. 1530 

Es ist in unsem landen gschehn, 
da haben wir aiü stem gesehn 
der auf ist gangen hell und klar 
gleich wie der sunnen glänz für war. 
Gar schön er uns geleuchtet hat; 1535 

biß wir sein kumen ili die stat, 
hat sich der stern wider verborgen. 
Derhalb wir steen in großen sorgen 
und bringt uns nit ain klaine pein, 
daß wir beraubt des sternes schein, 1540 

der uns hat gfllert hieher so weit. 

Herodes: 

Lieben herm, verkünt mir doch die zeit 

wann euch der stern erschinen ist, 

was er bedeut, daß ichs auch wist 

und darauß etwas lernen mag. 1545 

Balthasar der dritt künig: 
Es ist lieut der dreizehent tag, 
da wir sahen des stems schein 
und der uns hat gefhert herein ; 
darauß wir merken gwifs und frei, 
wie den Juden geboren sei 1550 

ain kflnig den sie vor nit hetn, 



« 



welchen wir jammk aambetn» 
Wann ir nsm wißt darvoa zu äugen, 
so dllrfen vir lUt veiter frayeo^ . 

Rerodes: 
1555 Lr herrn, ich merk sich vol und spflr 
enr fUmemn und eur herzlich gier, 
' vammb ir zu uns kernen seit 
and hergeralset also weit, 
dem nengebornen kttnig z' em. 
1560 Zieht imer hin, ir lieben herrn ! 

ich vaiA nit änderst^ dann ir fiudt • 
zu Bethlehem dasselbig kind. 
loh bit, forschet im fleU^ig nach ; 
es ist meim herzen auch ser gacL 
1565 Wanq irs findt, isagt mirs videmmb, 
damit ich auch zum kind hinkumb 
und pet es an^ gleich jne ir thuet 

Kaspar: 
Eur Majestät, es ist gar guet« ' 
Habt dank eurs rats und veiser 1er ; 

1570 vir vollen auch on alls beschver, 

vann vir mit unsem gschenk und gaben 
das klaine kind vereret haben, 
kamen zu euch und kundschaft sagen, 
vo ir im gvifslich solt nachfragen, 

1 575 auf daß ir es anbeten thuet. 

6ot nem euch indes in sein huet 

Hie gingens hinwek, Melchior redet: 
* • Lob er und preis sei unserm herrn! 
secht, dort kumbt uns vider der atern. 
Er virt, hoff ich, mit seinem schein 
1580 uns ftern und unsr Wegweiser sein, 
dann er erzeigt sich hell und klar. 

Balthasar: 
Ach lieber Got, ea ist ja war ! 
er leucht uns vie er vor hat thafe^ 



9H % 

Drmnb wftUA irir aeiii adbt l a nMhijMi 

und folgen iqi ait Gotto» 0Md, 1585 

Kaapar: 
Secht lieben herrea, dort leit «in «tut ) 
Ich hoff zu 6ot dem herren mein 
daß das Bethlehem werd sein« 
Fflr war sie ista, der stern stat sttU! 

Melchior: 
Dasselb ich auph gern glauben wiL 1590 

Es stat ob ain klain heusl der sterq^ 
das kind ist drin, ijr lieben herrn ! 
Laßt nns nun geen mit stiller rue 
diemfttiglich. Ibrknecht! rieht zne 
unser geschenk und alle gaben 1595 

langt uns hieher, auf daß wirs haben 
und opfern nach dem alten braaeh. 



Des Bfelchiors knecht Yeit: 
Secht herr, da habt ir den Weihrauch, 
des bestn, das thue ich euch bekant, 
so ir habt in eurem land. 1600 

Kaspar: 
Und du, knecht KSschl, laß dich niehts im, 
lang mir das gschirr her mit den myrrn, 
daß ich im bring und geh mein gscnenk. 
Thues bald und dich nit lang bedenk. 

Köschel: 
Ja herr, da habt ir alle Sachen, 1605 

nach eurem willen mögt irs machen ; 
handelt damit, wie es euch gfellt, 
dann euch zu dienen bin ich bstellt, 
das ich dann gern verrichten wolt. 

Balthasar: ' 

Knecht Emering, gib mir das golt ! 1610 

bidd ftrder dich, thue das geschwind, 



es ist Tarhandea sciHm das kbkd, 
auf daß an mir kain mangel hai 

Emring^ 
Was Ir hegertj da hats enr Gnad I 
1615 Weil wir das kind haben gefunden, 
des dank wir Got zu allen stunden, 
der uns mit fireaden her hat bracht. 

Kaspar: 
Ir herm, nembt meiner wort gaet acht! 
Es bring:t uns ja ain klaine mlle, 
1620 daß wir falln auf unsere knie 
und anbeten herzlichen fein 
das kind und auch die mueter sein. 

Maria. 
Lieber Joseph, es ist so kalt 
als es ist heuer nit gwejsen bald ; . 
1625 vor kelt krächn auf dem dach die schindL 
Mein Joseph, bring mir doch die windl!^) 
ei lauf doch flugs und volge mir, 
daß uns das kindlein nit erfrier. 

Joseph: 

Maria faß auf mich kain* zom ! 
1630 die windel sein noch alle gfrom, 

wie ichs dann nechten gwaschen han ; 

weist, daß ichs nindert trocknen kan. 

Wie thun wir dann, daß Got erbarm ! 

auf daß uns doch das kind erwarm 7 
1635 Sich Maria, ich denk erst dran, 

daß ich noch aine bei mir han, 

die hab ich nechtn in puesen gstekt, 

ist auch noch warm; riech wies nur schmekt! 

So hin, wickl fein das kindlein drein. 
1640 Ach lieber Got, was wil das sein? 



Bei Pondo (S. 90) Wimen die Engel die Windel und berdtek die ^tUt. 



3fe5» 

68 komen dort her gar Mm herni^ 
wfl gern seheo was wil wem. 
Maria halt das kind in hnet^ 
ich hoff zu 6ot die sach werd gaei. 

Kaspar raicht sein opfer: 
GegfrOOt seist du, o hailigs kind! 1645 

durch dein anblick ich ganz empfind 
im meinem leib gar kainen schmerz. 
Und du, zarts jungfrfinliches herz, 
hast uns gebom zu diser frist 
den sun Gottes, herm Jesiim Christ 1650 

Von dir ist er war mensch *gebom, 
dein jungfirauschaft gar unverlom. 
werder trost, du edels kind, 
bitt dich, vergab mir meine sünd, 
nimb an das opfer das ich bring, 1655 

wiewol es schlecht ist und gering. 
Myrren ich dir von herzen schenk, 
zur lezten stund meiner gedenk ; 
myrren dem menschen nuzbar ist 2) 
zu der begrabnus, wie man list; 1660 

darumb ich dir in auch thu geben. 
Tot in mir, herr, das sfindlich leben, 
erhalt mich nach dem willen dein 
hie und dort von ewiger pein; 
des bit ich dich auß herzens grund. 1665 

Maria: 
Ich wil zu aUer zeit und stund 
Got bitten in dem himelreich 
und meinen sun desselben gleich, 
daß er euch helfen wirt dermaßen, 
zu kainer zeit auch nit verlaßen. 1670 



vgl. Tor aliem die Anbetung der drei Könige in Pondoa Weüinaclitko«» 
»Mle 8. 44 C 

>) Ueber die njitlsehe Bedentnng von Oold Weilffancli Myrrhen rgi. die 
Ameifcwg m dem natMmr tfedes iteelKdiltt anOOMiC. 



Vv 



»84 

Velehtori 

herr, aller herni hSchsfer herr, 
dein gwalt der reicht so weit und verr 
im hfaml auf erd und alles das, 
in loft und waßer, laub und gras^ 

167^ Ach Gottes son^ ich bitt dich schon, 
du wOlst mich armen nit verlaa : 
nimb an von mir diß klain gesdienk 
und mein zu aller zeit gedenk l 
Weihrauch deut ain andechtigs gbet, 

16S0 darmit man 6at entgegen geet. 
Das ist nach Stelchisedechs weis 
daß man dich lob er und auch preis, 
als dem das höchste priesterthumb 
allain zueghSrt in ainer siynb. 

1686 D erhalb wir dich anbeten auch 
und diO bezeugen mit dem rauch^ 
der über sich stfits dringen thuet. 
Also das gbet ist nuz und gnet, 
wann es mO rainem herzen fleußt, 

1690 ist ungeferbt, vor stolzhait gleis^ 

schlecht grecht gefeilt allain dem herm } 
ders treoUeh maint, den wil er gern* 
Darumb so ist an dich mein pitt, 
du wOllst mich, herr, verlaßen nit 

169S und stets behüetn vor großer quel 
den leib alhie und dort die sei. 
Auch bitt ich dich, Maria rain, 
du wollest nimer vergeßen mein 
bei Got und deinem lieben sun. 

Maria« 

1700 Ach mein herr, ich sol flir euch nun 
gegen Got imer und auch stet 
fleUIig sein in meinem gbet, 
daß er euch all sflnd wirt vergeben 
und heraach fitera ins ewig leben» 



BftltbftsftrderdritlMiiig: 

kttnig aller künig groß, 1705 

der du dich auß des vatem schoß 

herab gibst ia diß jamerial 

der schnSdea weit fUr ans zonal 

und unser schwere missetat ! 

zne dir meia geist ain zuefluht Jiat 1710 

Jungfrau zart, o edeU weih, 

dein schöne frucht erfreut mein leib, 

erquikt mein sei, kftelt mir das herx, • • 

empfind in mir gar kainen sdimerz. 

Allain bekfiqtjurt mich gleiohwel 1715 

daß ich diß eilend sehen sol, 

daß mein 6ot ligt in heu und stro« 

falsche weit, siehst du nit d& 

mein und dein hailand gehoni 

von diser Jungfrau außerkorn T 1720 

Ach Jesu Christ, unschuldigs kind, 

das auf sich nimbt all unser sttud 

und stillt also 4es vaters zorn, 

fbr uns ain wmrer mensch geborn ; 

du trägst auf dir ja unser purd, 172S 

daß die weit durch dich selig wurd. 

Wie kuntst ims tbuen ain großem gfalln T 

wir machen schuld und du wllst zdn I 

Was sol ich doch mit guetem fueg 

dir schenken daß es sei genuegT 17S6 

Herr Got, weil ich nldits waiß der zeit, 

damit ich kam m, dir berMt, 

dann diß mein arms dankopfer ischlecht, 

an werten klein, im herzen grecht, 

so hab, o kerri mit mir gedvdd 1735 

und laß mir nach mein sttnd und schuld. 

Ich bring auch golt, das ist nit vil, 

damit ich dich vereren wil. 

Nimb hin das golt, es zimbt dir gleich 

als einem künig aller reich 1740 

im himel und auch auf der erd, 



856 

dammb bist d« der gtben wert 
6olt auch die christlich lieb bedett, 
die wir zu dir soUn habn aU zeit. 
1745 Difl gschenk ist Jdain, das ich hab bracht. 
Ach liebes kind hat) mein ^et ftcht! 
wann ich sei fam auß disem leben, 
wölst mir o herr das ewig geben 
und sdiOzn vor dem ewigen tod. 

Maria: 
1750 6ot der herr wirt helfn anO not; 
den wil ich bittn alzeit dermaßen 
daß er euch nimer wirt verlaßen. 
Fflr die gabn, die Ir schenkt meim kind, 
wirt euch vergeben 6ot all sflnd 
1755 und nach diser betrttebten zeit 
die unzerginglich ewig freud. 

Joseph: 
Ir herren, ich dank euch gar schon 
umb die gabn, die ir habt tlian. 
Es wer wol Mllich fein und recht, 

1760 daß ich euch armer koch und knecht 
was guts zuerichtet hie zne kochen. 
So geet es mir so ttbl die wochen, 
darzne hab ich audi iez kain fear ; 
es ist dias holz auch mechtig teur ; 

1766 iedoch hab ich ain wenig koL 

Wann die herra weiten thuen so wol 
und nidersizn, mich dunkt und halts, 
ich hab noch hie ain wenig schmalz, 
weit ich mich mflen in den Sachen 

1770 und euch ain 'wenig kflchlein poehen. 
Sonst waiß ich nichts zu diser zeit. 

Melchior: 
Habt dank| ir armen fromen leut ! 
Es ist on not, rieht uns nichts zue, 
wir wöUen geen zu unser rue. 



287 

Gottes gnad mhnz Mhim mid maeht 1775 

behflet euch all, ain guete nacht! 

Die drei weisen geen in ir hätten, so kambt der Engel and redt : 
h weisen mAiner alle drei, 
es hat mich Got gesent herbei ; 
der wil euch haltn in seiner pieg. 
Ir solt ziehen ain andern weg 1780 

in ener laod wider hin haim, 
fein in der still nnd in der ghaim. 
2äeht anch nit durch Herodis land, 
er maints nit recht ; thues euch bekant. 

Der Engel geet zu Josephs hätten, redet wider : 

Joseph, du vil getreuer man, 1785 

wann du wirst von dem schlaf aufiaitan, 

lafit dir Got sagn, daß du seist gsint, 

nembst Mariam und das klaine kind 

und fliehest in Egipten land ; 

bleibst auch darin biß dir bekant 1790 

werd widerumb von Got durch mich, 

wie du weiter solst halten dich. 

Dann es ist ainer verhandn, 

kfliug Herodes in sein landn, 

der dises kindlein suechen wirt. 1795 

Sein falsches herz hat Got wol gspUrt, 

daß er nach seim lebn thuet dringen, 

vermaint es gänzlich umbzubringen. 

Der Engel geet wek, die drei känig geen herfür. Kaspar redt : 
Ir herrn, wSUn wir nit auf die pan ? 
Got lob, iek hont wol gschlaffen han 1800 

on alle hindernns und mengel. 
Es traumbt mir auch wie daß ain engel 
k2m vor das pett und redt mit mir, 

Dt« Hütten oder Laaben tertraten auf der alten Bflna die spfiteren bloß 
an die SeltenkonUsten gemalten Häuser. Es waren recht eigentlich Laaben, 
Oertste ose Seitenwinde. Vgl Mono Schauspiele des Mittelalters 2, 158. 183« 
T. SchadL GeMhiohte der dnmat« Uterat ond Kunst in Spanien ), 123. 

17 



tS8 

er zaigt nir an daß liif thin vir . . 
1805 nit ziehen doroh Herodis land^ 

macht mir ain andern weg bekant. 
Diß traomet mir hent. Heben b^rrn. 

. Helebior. 

* 

Ferner glaubt mir bei meiner etn^ 
mir tranmet auch gleich selche aachn ; 
1810 drumb sagt an, was w6ll wir inaclMiT 
wo ziehn wir hin, aufweiche straO? 

Balthasar. 

Ach lieber Got, mir traumbt auch das. 
Dieweil un» dann in gleichem fid 
also getraumbt hat auf difi mal 
1815 und ist georndt von Gat dem herm^ 
so wöll wir den weg raisien gera, 
den uns der engl hat zaiget aiik . 

* 

Kaspar. 

In Gottes namen woll wir gan 
und der bcwar uns durch sein gflet 
1820 Wir geen dahin ; daß euch Got bhOet I 

Also geen die dreikünighinwek. 
Hie kumbt Joseph und Maria, Joseph redt: 

Maria, edle junkfraa rain^ 

mein herz ist aber in schwerer peio. 

Gottes engel mir erschienen ist 

heut in der nacht zu diser frlst, 
1825 der mir anzeiget solche sachu : 

ich solt mich auß disem land machD 

eilent in Egiptn hinab^ 

Weil ich dann das verstanden hab 

vom engel, daß es thue von nötn, 
1830 Her ödes sucht dein kind zu tötn, 

so mach dich auf und nimb die wind!, 

mach sie zusamen in ain pündl^ 

gib mirs, ich wil sie selber tragn* 



I 



gS6 

Maria. 
Ach lieber Got, was sol man Biign^ 
daß wir mI^aM maeOen darent 1835 

was hat im metii teeba kind ge<liaii ? 
es ist doch g^ar ^n alle schifld. 
treuer Got, gib uns ^eduld ! 
So kumb du her, nein lieber mm, 
weil es mueO scfin geraiset «un. 1840 

Du bist ain klaifi unnftndig idnd 
und muest durch regn sehne kelt und wind 
sobald in das pitter eilend. 
Ach lieber Got, dein hilf uns send, 
auf daß wir koneft aaß dem land. 1845 

Josephus. 
Maria, mach dich auf zuhandj 
zu raison hab wir große zeit, 
der weg wird auch sein zimbUch weit. 
Wir wollen geen fein imer gmach^ 
ich gee vom, vol^ du mir nacL 1850 

Maria. 
Wolan, so geen wir htai den weg, 
der liebe Oot mm unser pfleg. 
Got gsegn eudi alle irau und man, 
ir bleibt alfaie^ wir mfleßea gan* 
Der unser gfert ist durdi seiu gttet, 1855 

vor ungiiek evch «llsam behobt. 

find dei dritten Aefas. 

!Der oterf Kctus 

Herodes. 
Mein herz das ist entzflnt vor zorn, 
darumb daß iez sol sein geborn 
ain neuer kflnig in dem land. 

Es raicht mir ja zu großer schaud, 1860 

daß mein gebiet und regiment 
mit Schmach sol nemen sollich end. 
Zuedem so haben mich betrogen 

17* 



260 

die drei menner, sein hingezogen 

1865 ain andern weg in ire land. 

Wenn ich sie finden möcht zu band, 
wolt ich sie all erschlagen laßn 
nnd mit in handeln auch dermaßn, 
daß sie erfileren mit der that, 

1870 wie hoch hie sei mein majestat. 

Ain künig ich mich schreiben thae, 
wil den namn besreugn darzue 
ja mit der that, als war ich leb ; 
truz ainem ! der mir widerstreb. 

187S Ich laß nit zue, schwer ich ain aid, 
und solts mir selbp auch werden laid, 
daß ain neuer künig sol entsteen. 
Ischem, Jachel, ir die zwen^ 
nembt meiner wort gar eben acht ! 

1880 kumbt her, ich biu also bedacht 
Ischem nimb bald mer leut zu dlr^ 
und was ftlr knabn in der revier 
umb Bethlehem auf vier meil 
du finden wirst, dieselbn mit eil 

1885 erwürgen thue nach meinem rat. 

Stichs all zu tod, beweis kain gnad, 
schau brings alls omb, Schlags nider gar 
was drunder ist und bei zwai jar. 
Nimb ein kain gschenk gelt oder gaet^ 

1890 wann man dir gleich vil raichen thuet.; 
laß dich mit wortn nit überlisten, 
reiß inen die kinder von den prusten, 
schlauf in all winkel ort und eck, 
sich, daß man dir kain knabn versteck. 

1895 Ich wil den neuen künig finden 

und steck er noch so weit dahinden. 
Die krön wil ich im laßn aufsezen ! 
schau, thue dein wafTen tapfer wezen, 
verriebt diß recht nach meinem muet, 

1900 ich schenk dir reichthumb und groß guet; 
hab nur guet fleiß, lieber Ischem. 



IseheiB. 
Herr ktnig, ich bin guet zu dem, 
ich hab darzne ain freien mnet , 
was eor Majestät gfallen thuet ; 
bin auch frei ganz willig berait 1905 

and wers dem tenfl in der helln laid. 
Wann ich nnr enr Gnaden thue gfalln, 
frag ich nichts nach den andern alln ; 
wann ich hab euer huld und gunst, 
gilt mirs alls gleich, wie es geet sunst. 1910 

Darurab wll ich nach euerm gbot 
alls nidersohlagen, stechen ztod, 
prennen henken trenkn und wUrgen ; 
da liilß kain gelt, noch guet noch pftrgen. 
Hoff cur Gnad werd michs laßen gnießn; 1915 

entwiacht mir ains, so kan ich schießn 
von fem, so bring ichs umb das lehn. 

Herodes. 
Sech 9 kin, so wil ich dir iez gebn 
zwaitausend ungrische ducatn. 
Wann dann die saCh wirt wol geratn, 1920 

wil ich dir schenken dreifach mer, ^ 
wil ich dich auch sezn zu hoher er 
Nimb zue dir die andern trabanten 
und auch sunst mer deiner bekanten ; 
gib in besoldung gelt und Ion, 1925 

du solst forthin sein ir haubtman. 
So zeuch nun hin und gib guet acht ; 
kumb nit her, du habst dann verbracht, 
wie du verstandn hast meinen sin. 

Ischem. 
Wolan, weil ich ir haubtman bin 1930 

und mir iez geben ist der gwalt, 
so volg mir nach ain ieder pald. 



B9eh und sß C^^'^iOS) za d0iit mlid. $6 see (febe) gehörig, auch sonst 
Im 15« 16. Jh. nachzQweisen, z. B. in den Nürnberger Fasnachtsplelen^ in Bind«* 
ers Acelast) WlBiM SmIm. ^ se and «ich stehen mithin so neben einander wie im 
gotlu nl vnd saihT, im ahd. mhd. sd nnd sih. 



MS" 

Der künig geet in i^iie hfltten. Ischen 
geetmit seinen g^elleii fort «ad ^ediet. 

I s c H e m. 
Wann ainer noa vwhandeB wer^ 
der nit wolt volgei meiner ler, 
1935 wolt meinen wortea widarstrebn^ 
dem wolt ich gar bald Urlaub gebn. 
Kumb her, Jachel, hab dir mein treu, 
mein leutenambt ^ forthin du aoi 1 
Gsell, du taugst zu dem fendvich wol^ 
1940 aber kainswega selat du^ »ein Sakpol, 
von mir ain ambt bek^imen swar, 
wann ich schon haubtman wer vil jar. 
Weist wol warumb^ gedenl^at der «fü 

Schmol. 

Schaut wunder zue, ir schVn kriegsleut ? 
1945 seit ir der sach erfiirn so gachVlnd, 

daß ir umbbringt ain klaiaes kind, 

das sich nit schttaen noch werq lunf 

Wann ir sonst solt besteen ain mant 

der auf euch dringt mit gwerter hand^ 
1950 gebt ir die flucht mit großeor aehaa^i 

ir seit zum stherz die erstea draa^ 

wann ir keiner laufen kan } 

werft zu mit fersen daß es staubt 

Doch wo man morden thuet uaä laub^ 
1955 seit ir die fltmembsteii allzeit. 

ir neugebachnen kriegsleut I 

Pfui, schambt euch in euren hals^ 

daß ir so frech iez und dismak 

zieht wider das unschuldig bluet ! 
1960 darfBr ir in der hellen gluet 

mfleßt praten, das wirt sein der Ion, 

den ir für diso that werd han. 

Zieht imer hin, ich komb nit dran, 

gib euch auß kein solliehn kriegsman. 

leateaambt Ittr Ueatvaant Im 16. 17. A, MUr wnlftfe% s. !• W 
Opits Tgl. meine DUaeetforschiuig 8* 70. 



^68 

Hueß ick mit geen^ ao Mban idi zne , 1 965 

doch daß ich nim das uhl nit thae $ 
macht wa» ir wAU ; 'ag£dt njjr nit woL 

lachem. 
Da hast gar ytI irert, höratos Schmol? 
sie wem dir bringen kainen fnunen, 
durch dise redmaest vom dienst kamen. 1970 

Gleich als gschwind, du loser bue, 
zum dienst neulich bist komca zue, 
so gschwind wil ich dich darvon bringen 
und dich hindern in alln dingen ; 
des sei dir heut ain aid geschworn. 1975 

Schmol. 
br lieben narren, ists nit gfrorn ? ^) 
wann ich gleich sol geurlaubt wern^ 
so trau ich Got und meinem herrn, 
der Wirt mich ja verlaßen nicht. 
Dann er ist grecht in seinem gricht, 1980 

er Sicht und waiß auch alle ding. 
Es Wirt nichts gspunnen so gering, 
es kumbt die «eit, daß es wirt laut. 
Ich wolt mich schfimen In mein haut 
daßj«h thet wider Gottes gbot 1985 

der weit zu gfaUn vnd eurer rott. 
Es wil sa hoch vük aeia vonnötn ; 
Got gepeut mir, kain mensch zu tötn, 
unschuldigs bluet auch nit vergießn ; 
die sflnd mffcht ich nimer mer püeßn. 1990 

Wanns aber wider ander felud 
soll aein^ weit ich mich rflsten heunt. 
Dmmb sdiaat, wa» ir machen thuet. 

Jachel. 
Lieber^ wir haben aia frischen muet, 
weils der kflnig bevolchen hat. 1995 

Thiieii wir unrecht^ sei sein der schad ; 
die sünd er biUich tragen sol, 
M grat gleich übel oder wol. 



Ironiache Itag^i i«t da nicht guter Rat thener? TgL Schmeller 1,010. 



364 

Wir seind sein diener fime und spat 
2000 zu gueter und aucli übler that ; 

darumb wirs tapfer wAlln ergreifiu 
Wann wir nur betten trombl and pfeifii, 
das wer melns berzens frend Yuid will. 

flesel. 

Nit also, wir n^fießen sein still, 
2005 damit nit werd bie ain auflauf ; 

ain ieder secb fein fleißig drauf! 

Ir drei solln laufen in ain baus, 

damit kain kind entrinn herauß. 

Wolan, die erste scbanz ^) sul mir! 2) 
2010 dort sizt ainweib vor der baustflr, 

die bat ain kind g^eieb an der prust, 

darzue mein berz bat großen lust 

Frölicb so wU ieb binzue springen, 

mein schwort wol dureb das kind mueß dringen. 

Indem springt er hineue, reißt ir« 
vom arm und spricht: 
201 S Leich her weib^ das kind ghört mir ! 
wann es ist tot, ho gib ichs dir. 

Hie sticht ers, schlechts wider die erd, 
wirft irs wider zue und sagt: 
Nimb bin, da hast wider dein sun ! 

Das weih Rachel:^ 
Ach Got, ach Got^ was sol ich nun 
anfaben, ich betrübtes weib^ 

Schanz, Chance, Wurf Im WflifUspiel, dann Wagestick« vgl. Sehaelter 
3,374. In Steiermark noch gebraucht bei 4em KegdfchMea. 

>) Vgl* die lebendige and schöne Schilderang des Kindermordes In der Haifa 
Wemhers Ton Tegernsee (Fandgroben II, 209). Ferner die Freislnger nnd Od- 
eanser HIsterien, sodann Mone Schansp. des Mittelalt« 1,170« Haapt Zeitschr. f. 
deutsch. Alterth. 5, 32. Mastrtchter Osterspiel bei Hanpt a. a. 0. 2,310. Hist^ 
oire da th^atre ftran^als 1,143. Jobinal mysteres BL 190 f* ttwilott mlrade- 
plays 200 f. 

Rachel die Vertreterin aller Mdtter in apdera lOsteileQ, zig(eich Vertret- 
erin der Kristenhelt. Matth. 2, 17. 18. Jerem. 31, 15—17. Tgl, EMydck ▼. 
2320-48. 



«65 

daß mir meiii Idnd von neiBem lellb %nO 

so jimeiiichen ist emidrt ! 

wer hat ie aravor gehört, 

als ich iezt hab ain sollicha schmerzn T 

Ach dei: da lagst ander meim herzn 

und hat gesogen dise prflst^ 2025 

ach grimiger tod, wo aa bist, 

kumb her and nimb mir aach mein lehn, 

das wil ich freiwillig aafgebn, 

daß ich ^it sech den jamer mer. 

Ach 6ot, ist mir mein herz so schwer ! 2030 

Hesel der dritl trabant hat ains am 
spieß, kumbt getreten und spricht: 
br lieben gselln, wol her wol her I 
zu wflrgen steet nur mein beger , 

die kinder, so ich kan bekamen. 
Ich hab ir viln das leben gnumeo, 
darvon trag ich ains an meim spieß. . 2P3S 

Haut drauf, stecht tot, poz peul poz drfles ! ^ 
und laßt bei leib gar kaines lehn. 

Jachel der viert trabant 
Ich wü die sach erst recht anhebn, 
auf daß ich nur in gnaden bleib 
des künigs. Secht dort geet ain weih! 2040 

sie tragt ain kind haimblich verporgn ; 
daß sie entgee, darf niemant sorgn. 
Die fach kan ich ganz wol erspehn, 
ich wü ir undern mantel sehn. 
Laß schauen, weib, was du hie trfigst, 2045 

darflber du den mantel legst ? 
gib bald herfbr, idi hab ludn rue. 

Sara das ander weib. 
Was ich trag, das ghört dir nit zue, 
laß mich mit fiid und gee dein straß. 



O l>r^M9 «nd Be«le sind gnte eeseHeii, die Peitllci» kamt oft Mch hlaaa. 
Ivser Art dl« BM Htateh und JMu als drei perwnllldrte KraiAhettea ctf. 
Dad dich die drtel gelinflge VerwAnschuig. 



M80 dieweil iok Atk sn rue oadi laO. 

Bei mir hast du gar widkt m aohauen. 

J a c h e L 

Gibst du mirs nit, thne icb dich zhauen. 

Knmb mir z*hilf, Hesel^ lieber gsell ! 

ich glaub das weib sei auQ der heU^ 9 
2055 sie thuat sich wereu wie aiu mau, 

ich kan ir ja nichts gwinnen an. 

Lauf Hesel lauf, sie wischt darvon, 

sie het mir bald aid schand aufthaii. 

Nun w0lln wir dir sein mans genueg, 
2060 weil dns nit gibst mit guetem fiieg; 

leldi her das kind, dann du hast zeit. 

Sara. 
Ach helft durch 60t ! ir lieben leut, 
daß mir mein kind bleib bei dem lehn. 
Ich wil euch tausent gülden gebn ! 

2065 «ch 60t mein Got, thuet das doch nit, 
umb Gottes willen ich euch bitt. ' 
mort! mort über alle mort! 
jamer , trflebsal, kumers hortl 
daß ich nit dir nit sol sein tot 

2070 we, we der großen not, 

daß mich mein mueter hat gebom, 
die ich mein trost hab heut verlorn. 
Ach du nein kind und schOner siin I 
was sol ich doch anflihen nun? 

2075 Ach du vil unschuldiger knab, 

wolt Göt ich leg bei dir im grab i 
Wolt Got es solt der vater dein 
alhie bei uns gewesen sein, 



Aach In dem engUschen Spiel bei Marriott miraeleplajs 211 wM der eta« 
MSrder, Watkyn, Ton einer TerzweifeKen Mutter diirch|:eprA|:elt In dem ■jiter* 
bei Jitblnal U. 130 l«fl die eine Flrao, Bl^tris, den Mrdera sn: ■* h»jl Ms 
mewtriere, q«e Tonlei? Tonles Tons tner mon enfant? langluie Imans» inr* 
t0w piMBt, Je von« estraaglenif en Fonre. Nicht %n «berwben lai deS Ac*« 
PrtfBlMen« kondech wMea eett tei gnäm VMmaMm ra den U w il i r i « 
gaaseii. 



M7 

das nbel ftet er warlicfa groehen, 

villeicht werst du aueh Bit erstoclien ; 2080 

sein lebn het im mfleOn drflber geen.* 

^eseL 
Droh nit vi]^ vüt beim leben bsteea l 
Wann ich das wort von 4ir o^er b$rt^ 
80 stech ich durch dich aach das schwort j 
dammb schweig still und sag nichts mer« 30&5 

Secht zne, dort kumbt auch aine her l 
reißt ir das kind wol von dem arm^ 
kainer sich aber sie erbarm. 
Herr hanb|many die schanz euer bleib l 

lachen der erst trabant 
Gib her dein kind, du loses weib, 2090 

dann es sol nun wern erstochen, 
damit mein kilnig werd gerochen. 
Ja eure kinder mtteßen dran, 
was knSbleia aeini die müeß 9 ^^ ^W' 
Drum wer dich nit und machs nit lang* ; %09l5 

Das dritt weib Agar genani» 
Ach meines laids ain «nefang ! 
sol ich mein kind ie£ geben her, 
ich f)ircht ich gsoch es nlmer mer 
so fhsch und gaund mit meinen augn. 
Muest du dann sterfan, se thici vor saAgn! 2100 
nimb hin, mein lieber sun, die pmsi 
and trink nach deines herzen lust; 
hernach gib ich dirs nimer mer. 

Isehem» 
Was flolfl lang drinken, gibs nur her! 
meinst ich sol lang warten aaf dich T 2105 

se ^ hin, wie gfalt dir diser stich? 
hab ich sein gfelt, hast du groß glück. 



nsr iJ^ftofl der Pl«zieB In d« 1. ph M AjileBUf^ des Persouaproiioms 
Ut ilcli mS aM. Z«lt VIO la hevUge VolkfaiadwrtMi binetai «rMIcii. Vgl. 
Dii|leftfoiMh«Bg S«. 126. 
rt^ ra ▼• 1018. 



Agar das dritt weilh 
welt| wie groß sein deine dftck! 
Ist dann da se gar kain erbarmen 

2110 an meinem kind? we mir armen l 

Ich kan vor laid schier nichts mer sprechen. 
du mörder, der du thetst stechen, 
mein kind hat dir kain laid gethan. 
daß ich wer iez auch hindan 

2115 sambt andern freuen all zumal ' 
auß disem ellendn jamerthal l 
Ich wil haimb gcen, Got well mein p flegen, 
wil mich zu sterhn auch niderlegen, 
auf daß ich werd mit dir begraben ; 9 

2120 so darf ich auch solch angst nit haben. 

Ischem 
Ja magst wol geen, dann du hast zeit, 
eh daß man dir ain schmizen 2) geit. 
Troll dich, hab dir saut Urbans plag, ') 
oder ich gib dir auch ain schlag; 

2125 heb dich wek und nit lenger bleib. 

Secht Bsue, dort geet schon noch ain weih ! 
Jachel lauf ir eilend bald nach, 
saumb dich nit lang, schau daß mans ftch, 
eil flugs, daß sie dbr nit entlauf. 

2130 Thuet sie sich wern, Schlags all zuhauf 
die mneter sambt dem rozign kind, 
hau drein als seist du toll und plind ; 
solchs tfaue bei zeit und mit gewalt. 



Hea matrea iiiis«rae qna eoglanir teta vldere I cor Mtem natu ^attew 
fopereliie necatlf ? aaltflm morte pari nobU Ooet hoc »eonltail 
Das zweite FrelsUiger Spleiß oben S.05» 

t) schmix, mhd. smU smlz«, Schlag Hieb; soch hemte In vlelaa IfaBdaiiea 
erhalten. 

Urban Ist der heilige des Weins. Die Verwflnschnng lantet mmdk: 
ich wolt er solt Saact Urbaü han. H. Sachs Hester. — Ui%ans Flag« Ist 
die Traakenhelt: Angastenses et Vlnienses maginam habebant Aunfllarltmieai ; 
sed Urbaal p'aga hoe est ebrletas freqnens i^^nd eosdem Mora est Pregaeetiic 
ab Jacobe Henrlchnanno latlnltate donata. c< 20. 



JaekeL 
Wolaufy eilen wir sra ir pald. 
Hör merk mich weib, wo wilta hin ? jti)5 

siehst was ieh wü und wer ieh bin ? 
es hat kain andre gstalt noch handl, 
gib her das kind anQ deinem mantl, 
thnes nur bald, da hilft kain pitt. 

Das viert weib Lisa genantO 
Ach lieben herren thuet dasnit, S149 

laßt mir mein kind die arme fruchtl 
wer hilft mir, zu wem hab ich flucht, 
der mir errett mein liebes kind? 
nit nit, furcht euch der sQnd, 
laßt mein kind leiben, sclilagt mich ztot^ 2145 

das bitt ich euch herzlich durch Got I 

Ischem der erst trabant. 
Thues nit Jaehel, reiß irs herftür 
das klaine kind, und gib es min 
Ich wil in wol recht zwagn und lausen, 
wil mir darumb nit laßen grausen, 2150 

ob das sflnd oder nit sünd ist. 
Da hast dein kind, scharrs in den mist, 
machs mit im gleich wie du wilt ! 

Das viert weib Lisa. 
Ach güetiger vater so milt, 

bin nun verlaßeu ganz und gar I 2155 

ir allerliebsten nembt mein war 
ob iemant soUichn schmerzen trag 
als ich nun heut hab disen tag: 
mein armes kind leit da ermort I 
Ach thue clich auf, du liebe erd, 2160 

verschlick 2) die unbarmherzigen leut^ 
die mir han gnumen meine freud. 



O vier Weiber treten auch in dem Lichtmefsspiel bei Harlott mlracleplajs 
210 mMf. 

s) TerachUeken: ▼enehllagen vertcUacken* Sehmeller 3,453 — DaO euch 
TerschUnt die erdi FasnackUp« 179,4* 



we, we und imdr wt^ 
allzeit ich ja in tfUiera stee» 
^HJi Mein laid und Iwmw hat kain ead^ 
erlös mich, herr anfl dem eikendl 

Hesel. 
Wolan die sach ist schon TiBflrfacIrt, 
wir hahen than ain dapfre schlaeht 
und ist von uns noch kldner toi» 
jliT9 Secht mein wer iat von hhiet B«ch wäi, 
ich hab midh rittaiüeh gelwMitn. 

Sehmel. 
Ei ir schön krieg^sleat, ei ir alten^ 
pfm ! daß ench nun allr nnrat 
anknmb ! ist doch imet schad, 
2175 daß nit vom himel faH das fear 
und verprent euch so nngehenr. 
Das wer ain recht verdienter las 
ftr die arbait, so ir habt than ; 
ir habta laiderganz w«l getrofffa. 

Ifichem. 
2180 Schweig still, da hast nit lang in hoffn. 
Dem kftnig wll ichs aus ftrtragen, 
daß du nit hast ain kind erschlagen. 
Was gilts^ da muest wlaub drmb hau T 

Sehmol. 

Fürwar da leit gar wenig dran ; 
2185 mir ist lieber des kftnigs zorn 

dann daß seit sein mein sei verlorn. 

Got wil vor alln dingen sein geert, 

das hab ich oft und vil gehört. 

Dmmb heuchelt^ fucfasschwenzt wie Ir wölt^ 
2190 ich habs euch nach der leiig erzelt; 

wiewol es ist fast alls umbsunst, 

dann euch gilt mer des herren gunst 

dann warhait und gerechtlkait. 

Ir bleibt fiiphsschwenzer wie ir seit, 
2195 niemand euch änderst machen kau. 



Vit 

Das ah Sprichwort g^et dach auch an : 

Ain alter habd m kaifier frlst 

an die kein tn girSndn isi 

Also ir auch laßt fAi darvoii^ 

treibt imerfort was Ir haht than, i%99 

wann man eneh schon im gaeten sfraft» 

Bei euch haben die wort kain kr«ft; 

verrat verkauft verliegt die leut^ 

vermaint damit sein gar en gsdialt 

und hoflfl ir habts gana wd getroflfku 2205 

Es wer vil beßer, ir wftrt ersoflb 

in ainem hänfen tneoh znenal, 

damit nur kainer sich stod üüy 

weil ir so hart dl6 sttegn auftragt« ^ 

Diz hab ic^i euch oftmals gesagt; 2210 

dromb volget oder volget nicht. 

Hesel. 
Ei ja, wir fragn vil nach deim bricht. 
Woknf zum kttnig wider haim, 
da wer wir han güet er und raim. ^) 
Er Wirt nas vil guet und gelt scheidcen, 22 iS 

nit so vil wirt er dein gedenken^ 
dann du hast nichts gerichtet auß, 
bringst auch kain zaicheu mit zu haus 
und hast veracht des kftnigs gbot» 
Das Wirt dir sein ain großer spot ; 2220 

es sol dir auch kain gschenk nit wern. 



Ich faOe diese Stelle so : es wSre beOer IHr wfret gesickt als daß 
Ibr nun die Sttege hinanter fUIt^ Ale euch die schwel« Last ««rer Verriterel 
and I.age hlnabsiehen wird, -r Hart Ae Süegea auf tragen vgl. Joii. Agrikola 
Fflnfhiindert eemalner New« Te«tscheraprfiebwi(rter, 1548. ti.Ol. Sehwtr trag- 
en kfindea : Ist aach yntrew and verrhiterey ftben. Johann von MÖiOhaim : Ich 
tlherhebe mich meiner sterche dardurch ich mich geliebot mercke das Ich rü 
schwirer dan ain wagen Hab lent auff meiner znng getragen. N. 92. Bn hast 
ain starken Backen. Er kan XX.XXX. person die hohe stiege hinaoff tragen ; 
das Ist dem Torigen gieich. 

s) raim mir anverstindiich, w«na es nicht nnndarttteiH Font fb nun ist. 
Bairlach wenigstens hat nun die M«be»fonn ram CS#hmsller..%90)* Ber Reim 
wire also elgenUich: häm: «jjOf 



»7t 

JacheL . 
Da redst alles nach meim begern 

und kanst die sach fein zeigen an. 

Wolanf, wir wölln nun haim gan 

%%ti nnd dem kflnig all sach entdecken, 

Wirt fr0li^ sein and nit erschrecken, 

daß wir solch taten han getan. 

Ischem geet vor, ir seit haubtman j 

ziecht imer lort, denn es ist zeit» 

IschenL 
2230 Ja ir vil erlichen kriegslent, 

ziecht gschwind hernach munter und frei, 

alles in aim glit, drei und drei, 

biß wir kumen zus künigs haus* 

Secht zu, er.geet schon dort herauß, 

2235 ziecht fort, es ist nun eben spät 

Got grflß eur kflnigliche Majestät. 

Känig Herodes. 
Got dank euch, lieber diener mein« 
Wie steet die sach, wirts auch gut sein T 
sagt mir wie hat es euch ergangen, 
2240 habt ir vil erschlagen und gfiingenT 
dasfelb zu wlßn ist mein beger. 

Hes^l. 
Ja gnädiger kflnig und herr, 
das mag ich wol mit warhait sagen ; 
ich hab bei viertausend erschlagen 
2245 mit diser meiner aignen band. 

Herodes gibt im die hand. 
Des hab dank, du treuer trabant ; 
ich wU dich fflr die that begaben, 
vil guet und gelt solst von mir haben, 
dann ich hOr gern solliche mär. 
2250 Trabant Jachel, kumb du auch her ! 
sag mir, was hast dann du gethan T 

Jachel. 
Eur Majestät, das zaig ich an : 
achttausend ich ermort hab zwftr, 
bei mir kain gnad zu finden war. 



Was ich bekan das wttrgt ich tot, 2285 

derhalbn iat mir mein wer noch rot ! 
ich henk anrii aller ToHer plnet. 

^ Herodes. 

■ 

Hab dank, mein trabani, das ist guet ; 

wil dir wol loh mit reichem solt 

und wil dir sein mein lebtag holt, 2260 

weil dn mir ghorsam warst in dem. 

Komb dn auch her, lieber Ischem, 

S9ig mir an, was hast dn verbracht? 

Ischem. 
Ich hab noch than die peste schlacht, 
zwanzig tausend hab ich erstochn 2265 

und also euer Gnaden grochn, 
damit sie nit vom regiment 
vordrangen werd also behend. 
Ir mögt nun sein on alle sörgn 
und kaines andern kflnigs bsorgn, 2270 

der diser zeit sol sein im lebn. 

Herodes. 

Hab dank, ich wil dir vil golt gebn, 

wil dirs scheidui vor meinem end, 

seist auch ubr ain regiment 

ain obrister sein auf den sumer , 2275 

des seist du tragen kainen kumer, 

dieweil du dich hast ghalten woL 

Was hast denn du gmacht, hörstus Schmol? 

dasselb du mir auch verkünd. 

Schmol. 
Kfinig, ich forcht mich großer sünd, 2280 

solt ich toten unschuldigs bluet ; 
die such daucht mich halt noch nicht guet, 
kans auch mit nichten haißen fein. 

Herodes. 
Mein diener seist du nimer sein^ 
troll dich gschwind von meinem galcht, 22ft5 

IS 



t 



tT4 

• MftS ich darf Ob» BolBcfan dieiiera lAAt 
Ou bist; deaselben gsellea gleich, 
die mich wtäln treiben von dem feidk. 
Troll dich gar bald,, weil du hast zeit. 

Der Mtdg g^ht lo seine httte. 

Is ehern spricht: 
2290 Se hin, sei du mer so gschait, 

du hast d'sach laidenvoU anßgricht, 
iez hab wir dienst, du aber nicht ; 
dein maid hat dich bracht zne der sach* 

Schmol. 

Frag nit aiu pfifferling danuuch« 
.2^95 Ir seit ins künigs huld und gnad; 

wils noch erlebn daß auch end ha;t ; 

dann hermgunst und lege! ^ weia 

mOgn in d'leng nit bsttodig sein ^}. 

Sie reichen über nacht bald auß^ 
^ 2300 und die ftichsschwenzer zu TorauO 

mögn nit ewig bleibn in gnadn, 

gschicht es nit hie, wirt in dort schadn. 

Drumb bin ich nit euer gsell, 

fiichsscfawenzerei verdient die hell. 
2305 Die warhait wil ich haltn in em, 

wirt mir den Ion im himel mem. 

Got wirt auch helfen wo ich bin, 

zue dem sez ich herz muet und sin. 

Aide fuchsschwenzer, ieh far hin. 

End des vierten Actes. 

Der fünft Actus. 

Der Engel hebt an und redet: 
2310 Die heilige schritt klerlich vermelt, 
wer sich wider Guts willen stelt 



Legel, Ug^ena : lagen, lagl, langUclmindes Fifichen. Sckadler 2, 447. 
M. HOfer etymol. WOrterb. 2, 190. 

SImrock dentsche Spricliwfirter 4029. Lehman Florlleglaia pelMeo 
jttQtun 1662. l9 37S.n.4a E^fgomi wfeet efft eo laag ale Wein to derfÜMk* 



«75 

und widerstrebt seliii ktttigen uni, 

des selbigen gscUeoht und stam 

sol in die leng mit niehte biteen^ 

mueß mit der Mit su boden geen. 2315 

Ob 6ot im sdn» aiu weil sieht arae 

:sbia luMtviUen i^t und frue, 

so kumbt er doeh zu seiner .zeU 

und laßt sehn sein herlikait^ 

nimbt wek tyrannen, dto su wfletn ; 2S90 

damit vil er die seinen bhttetn, 

laßt sie auch Att in Aren nfttn. 

Herodes weit das kindlein tdtn, 

den lieben herren Jesu Christ $ 

doch hat im gfelt sein böser list . 292^5 

Vil tausent Idnd ließ er umbringen ; 

noch kunt dem wütrich nit gelingen^ 

auf daß <es gieng wie er vermaint. 

Rachel hat ir kind bewaint ; 9 

ir gschrai erhört Got in der hoch, 2330 

wist daß ir ganz unbiUich gschech ; 

sie wolt sich auch nit trösten laßn, 

dann ir nit mer warn dermaßn. 

Aber iezund spricht der herr : 

hör auf z wainen und schrei nit mer 2335 

und halt deine augn von trfihn^ 

deiner arbait sol blonung gschehn. 

Ich wil eur trauren alles wendn, 

vil freud und frölikait in sendn. 

Sie wern auß der feinde land 2340 

wider komen, sagt Got zuband. 

Dein naehkomen wern freuen sich 



O Jerenüas cap. 31, 15. So spricht der Herr : Man höret eine kleg;1iche 
stimme «ad bitteres welneD Auf der HAhe ; Bachel weinet tber ihre Kinder and 
wm «Ich nleht trftsten laOen Aber Ihre Kinder, denn es ist aalS mit ihnen. 16. 
Aber der Herr spricht also : Laß dein schreien und weinen nnd die TrAhaen 
^Mimr'Avgen, denn detne Arbelt wird wol betonet werden, spricht der Herr. 
flia aoUm wUer kemaca aaO dem Lande des Feindes 17* und deine NacUtonl- 
flieii habe» viel f«(as s» gewartdn, spricht der Heir> denn deine Kinder seilen 
wider in ihre Orense kommen, — Vgl« v* 2018« 

18* 



und deine kiflder aieherlioh 

sollen zu irem sfl und maß 
2345 wider kern. 6oi redet das 

durch Jeremiam tria und klar 

am ain und dreißig aton fiirwar. 
Der Engel kert sich sn Josephs hatten und redet fort 

Merk Joseph, du getreuer man, 

dir Gottes wiUn ich saige an. 
23S0 Stee auf und nlmb eilends zu dir 

das kindlein und* die mueter schier. 

Furcht dir vor keinem ungefeU ^} 

und zeuch in das land Israel ; 

sie sein gestorben, die dem kind 
2355 nach seinem leben gstanden sind. 

Josephus. 

Maria, was ich sagen sul, 

wie hab ich heint gschlafen so wol ! 

lag auch on alle sorg und schlief 

in einem träum so mechtig tief, 
2360 und ruet also on alle mengl. 

Im schlaf mir aber ^) Gottes engl 

erschinen ist ganz hell und klar 

wie vor in aller gstalt furwar 

zu Bethlehem im jüdischen land, ' 
2365 da er mir machet auch bekant, 

seit ziehen her in Egipten. 

Gleich soUicher mainuug und Sitten 

ist er mir aucb erschinen heunt 

und sprach zu mir: Des kindes feind 
2370 sein gstorben und iiit mer bei lehn, 

ich solt mich bald wider aufhebn 

ins land Israel so geschwind 

mit sambt dir und dem lieben kind. 

Dmmb Maria sei unverdroOen, 



UqgafeU : Unfall; Im 15. 16. Jli. oft OAcktiiWfiiiii,^ Tgl. liWBi 
■ekUr S. 154. Strobd. CtterHtUü ?.818. 2Q15(ABibmier)Ueta'b«eli rmlfBtm. 
154. 163. 168* daf gefeU:giac]dMer ZnhXL^ Olioky f^mmkUf. 839, »k 

Wiedemn, Giünm WOrM^«cli 1, 29» 



TTt 

wir han des engls wort vor auch gnoßen! 2375 

laß mus auch g lairiben seinem wort 

und nach Gottes bevelch geen fort. 

Bewttr das klnd fein warm und ded»^ 

es schlaft, ^ue gmaoh, sich me^ nlt schrecke^ 

auf daß es sieh gar nit manter. 2380 

So ziehen wir teer hinonter 

an die ort, die kond macht der herr 

dorch den engel, wie weis ist ferr, 

WeÜ wir soln geen und habn kein wagn, 

wil ich den plunder allen tragn : 2385 

schflßl toller plkm leffl nnd windl 

die laiem kerzn/ machs in ain pflndl, 

nteb brot und kfifif und ftlll das flaschl. 

Hab noch acht vierer i) in meim taschl, 

sonst weiß ich keinen pfenning mer. 2390 

Maria. 

Mein Joseph, nit plad dich so schwer 

mit schflßel ieller pfann und flaschn ; 

nteb nur die windln die sein schon gwaschen, 

diätem, ain käs und ain liebs brot ; 

das frag auch mit, es ist wol not. 2395 

Das ander wir auf dem weg findn. 

JoseplL 
Bhflet Get! laß das flaschl nit dahindn 
und solt ich gleich noch so schwer tragn. 
Ei mein Maria, thue das nit sagn ! 
bin nun ain alter scliwacher man, 2400 

und solt ich auch nit ziehen han 
mit einem kleinen drttnkel wein T 
Maria, das kan gar nit sein ! 
Wil eh was anders binden laßn, 
ich mnefl wein han anf der straßn I 2405 

derhalbn ftll mir das flaschl ganz wol. 



Q ygl. tv ?. 578. 



• «tria- • • 

Dieweil ea bü andeirst sefai sol^ 
so wil icli8 tkiien ait giietelii yriSbk 
und dir du flaschfl viJl aofÜln/ 
2410 damit da apttiat aiain gboraamikait. 
Nlmbs hin, gee fbrt, wir ludben aeit 
daß wir beim tagp ao d'barbarf kooMik 

Joseph. 

Der weiA brinft mir großen firomen, 
« wann icb wera müed, daß ieb mieb bib| 

2415 und also bald wider fort trab. 

Ain gueter wein halt mich beim gsun^ 
frischt mir d^ herz^ nezt mir den mund f 
wann er wirt sperr s)^ mach icb in naß« 
* Wer wolt znm argen deuten das T 

2420 Der wein macht frölich alte lent, 
ist ser gsund, ain stark auch geit^ 
wann man in zimblich drinkt mit maß. 
Wol auf Maria^ wol auf die strafl! 
dann es ist ja nun große zeit 

Maria. 
2I2S Ja mein Joseph, der weg ist weit 

Schau, nimb aus mliy was sich g«bllrt, 

ich hoff aber, nichts mangeln wirt 

auf diser straß und mberal. 

6ot hilft uns fort durch perg und tal, 
2430 wöll uns bewam auch allesamn. 

Joseph geet fort und sprieht: 
Das selbig gsdiech in Gottes nama 
Mein Maria, wir sein lang auß; 
ich bin gleich fro daß wir zu haus 
iezund raison und baimb kamen, 
fMS dann weite rais bringt schlechten ftumen, 



Der Oesund, Oesondheit, dem öftemich. bair. Dialect noch keste ge- 
Uiiflg. Tgl. Schmeller 3, 267. mbd. der gesant. 

Sperr trocken, SchmeUer 8, 675* « 



zavoraiiß dem der Ä&t 1»! gelt 

und sol weit üoken ulier feit; 

diO ist farvtt aki schwere saeh» 

Maria^ wie bin idi so schwaoh, 

Tor müedikäit miieO icli hiakn. 2440 

Rast wir ein weil und thnen wir tfeMcn^ 

sezen uns auch ain weil nider, 

alsdann so mögen wir geen wider. 

Indem sezi er sieh wid trinkt ■ n 

Wann ich die warhait sagen sol^ 

so schmekt mir der trank gar wol, 2445 

frischt mirs gemüet und kfleli mich fein« 

Mein Got, wie gar aia gaeter wein! 

se, Maria I thue auch ain drunk. 

Maria. 

Ich acht sein nit, dann ich bin jnnk; 

der wein ist jungen leuten schad, 2450 

vorauß wer sein z'vü tranken hat) 

gebflrt sich nit, steet auch nit wol 

wann sich Jungfrauen trinken vol. 

Ich hab gelesen in der schrift, 

den weibern sei der wein ain giß. 2455 

Es iist auch weder sucht nodi er 

daß sich ain frau mit wein beschwer ; 

es ist all erbarkait auch auß^ 

wann ain weib vol kumbt haim zu haus. 

Der wein ist schad der sei und leib, 2460 

zuvorauß wenn z'yÜ drinkt ain welb ; 

sie kumbt in große stUid irad sehand* 

Joseph, maoh dich bald auf zuband 

und faß uns wider geen gemach. 

Sich zue, wer volget dort httrottdi ? 2465 

wir wölln w»tn «ad hie still steen, 

villeicht §0 thuet er mit uns geen. 



• ^ 



Schmol. 

Ain gueten tag, ir lieben leut ! 



Joseph. 
6ot geb euch all vfl gneter zeit 
2470 Mein lieber frenod^ wo anß wo bin? 
verzeiht mir, was ist euer sin? 
was hört ir goets in disem landf 
sagt uns was nens alda zuband, 
wie iezond hie steen all sacL 

Schmol, 

<S475 Vater, die weil ir fraget nach, 

wil ich euchs sagn und zeigen an, 
als vfl ich sein ain wißen han. 
Ain kfinig war in disem land, 
Herodem bat man in genant ; 

2480 ain großer tyrann, wie ich sag. 
Er thet den armen auch vü plag, 
er forcht im auch gar kainer sflnd 
mid ließ ermordn tÜ tausent kind, 
sogar on alle schuld ombsnnst. 

2485 Bei im half weder bitt noch gonst ; 
doch bat sein tyrannei ain end, 
nnd ist gstorben. Das regiment 
ist ganz geerbt and komen nnn 
auf Archiselanm seinen snn ; 

2490 und wirt er auch ain wüetricb sein, 
so kriegt er auch der belle pein 
gleich wie sein vater, das ist gwifs. 

Joseph. 

Maria merk hie auf und lis 9 * 

Was sagt der guete beir und freund T 

2495 mich dflnkt, daß ers vom herzen maint 
Seit das denn auch ain mOrder sein? 
wie thuen wir mit dem kindelein ? 
Solt er uns bringen umb das lehn, 
welchs dann wol z'bsorgen ist damebn, 

2500 wer uns dasselb ain großer spot. 

WIßT . . 



Maria. 

Es Wirt uns bliüetn der liebe Got 

und miser in der aacli auch pflegn. 

Es flckelnt die sunn gern nach dem regn, 

also Wirt uns auch Got der herr 

nach diser zeit von aller bschwer 2505 

erlösen durch sein gfiüicfa gnad. 

Mein Joseph es ist eben spat, 

wir wOUn hie bleiben an dem ort 

und morgen ziehen weiter fort ; 

das wer mein mainung und auch sin. 2510 

Joseph. 
Maria, des gmftets ich auch bin. 
Mein lieber freund, bleibt heut auch da/ 
ich sich euch gern und bin eur fro ; 
wfillen hinziehn zu herberg ein. 

Schmol. 
Lieber vater, das kan nit sein, 2515 

bedank mich eur freundschaft und er ; 
wanns aber nit von nfiten wer, 
daß ich mflest fort in schneller eil 
und heut noch geen zwo großer meil, 
wolt ich euch gweren diser bit; 2520 

ich hoff, wert mirs verargei\ nit. 
Mein rais die mueß heut sein verbradit ; 
Got bhüet euch all, aiu guete nacht. 

Joseph. 
Derselbig halt euch auch in acht. 
Maria wir wOlln do hinein ; 2525 

wann nun der wirt het gueten wein, 
wolt wir eßen trinkn und uns legn. 

Maria. 
Daß mich der liebe Got gesegn I 
hast dann das flaschel schon gelertT 
ich dacht, es solt habn lenger gwert, 2^0 

seist gnueg habn ghabt diivon ^i tag. 



Josepjl» 
mein Maria, hab kain kUgl 
thue mirs trinkn Bit so verhebn ; 9 
ain gnets trttnkel halt mich beim leb% 
2535 des eOens acht 2) ich mich nit viL 

Maria. 
Joseph ich dirs iiit weren wil, 
trink weil es dir so wol dann schmekt, 
doch daß uns nnr die zerang kiekt; ') 
so bin ich anch ganz wol znfrid. 

Joseph» 
2540 Maria, kOmber dich gar nit. 

6ot der wirt ans gnueg beschern, 

dieweil wir leben hie auf ern, 

Knm mit mir, laß uns haben me, 

damit wir auf den morgen fine 
2545 mit freuden wider tbacn aofsteen, 

nnd forthin unser straßen geen. 

Da giengen sie hinein. Der Engel kombt und redt: 

Joseph seist dir nit fOrchten mer, 

es schiki mich Got iez zu dir her : 
' zeuch an die ort, merk mich zuband, 
2550 wol in das galileische land 

und WOB alda iif ainer stat, 

die Nazareth haißt, wie dann hat 

zuvor geweißagt der prophet, 

da er dso reden thet 
2555 und sich der wort auch thet beflelOn : 

er sol ja Nazarenus haißn, 

als im budi der Richter gsehrieben ist 

am dreizehenden wie man list. 

Drumb Joseph glaub Got, so wirst gnesn. 



Vorlialteii, Terwelßen, 
t) sich eines achten, Orinm Wflrterbneh 1, 160. 
*) Klecken : hiweleiNa , langen. M. mter Wdrtert». 2,. It9. l Maa M 
Haopt ZeiUchrift t 4$vitmä. AlUKth. 6, t8$. ff. 



leuch Idn wb Ai mrar bist gfwonL *' 2560 

Die gfitlich gnad wlrt dioh dermiAi 
mit sambt den deinen nit rerlaßn. 

Joseph spricht: 
loh hab geraet ganz sanft und lind ; 
Maria sag mir, wie hats kind 
geschlafen die vergangne nacht? 2565 

Maria. 

Gar guet, es ist beut nit erwacht ; 

iez thnet es gleich anfianntern sich. 

Was fach wir nnn an, dn und ich, 

weil Archesilaos im land 

das regbnisnt hat in der band? 2570 

Ich bsorg er tdt nns unser kind; 

drnmb Joseph ain gmeteu rat find, 

der uns nit bring zu schand und mengl« 

Joseph. 
Maria, es ist mir der engl 

abr erschinen heut dlse nacht, 2575 

hat mich getrost und frölich gmacht, 
sagt sol mich anfmacheu zu band 
nnd geen ins galileische land 
hin in die stat gen Nazareth, 
da ich dann vor gewonet bet. 2580 

Drnmb mach dich anf in Gottes nam. 



aria. 

Derselb der helf nns allensam, 
erhalt nns hie das zeitlich lehn 
nnd wfill nns anch das ewig gebn, 
des wir nns freuen allesamen. 2585 

Wer das begert, der spreche amen, 
das einig wort von seinem herzn. 

Joseph. 
Maria, ich hab gar kaln sdimerni, 



* ■ 



ich freu midi der gStUiAmi gnad. ' 
2590 Schau Maria, dort leit die atat, 
darin wir wontn ror laiig;er zeit, 
des sich mein herz nit wenige freut, 
und dank Got im höchsten thron, 
der nns sovil gnad hat than 
2595 und nns gftlert von Egiptn heranO. 
Maria kenst dn auch diß hans, 
da ich zuvor gewonet han? 
WoIauH wir wfiUen hinein gan 
und unsers kindleins fleißig pflegn ; 
2600 mit uns sei Gottes gnad und segn! 

Beschluß. 

Also ir Christen lohesan, 
hoch und niders Stands, frau und man, 
1a wes wUrdn und grads ir seit, 
habt in der kttrz da große freud 

2005 vemumen, die uns Christus hat 
durch sein unaußsprechliche gnad 
erzeiget, daß er uns zu guet 
an sich hat gnumen fleisch und bluet. 
Diß, sag ich, habt ir ghöret wol ; 

2610 was man aber drauß lernen sol, 
damit das neugeborne klnd 
sollichs zuehOrns ain frucht auch find, 
wil ich mit kttrz euch zeigen ah 
und diß spil also bschloßen han. 

2615 Als Adam und Eua das gbot 
übertrat, wellichs in von Got 
gegeben ward im paradeis, 
und also worden durch den fleiß 
und falschen list der schlangen zwar 

2620 auß Gottes gnad gefallen gär, 
damit sie vor warn uberschtttt, 
des in der teufl vergunnet nit, 
redet mit Eua also schon 
daß sie durch lieb betrog den man 

2625 und einen piß vom apfel thet. 



■tBS 

Des nHaßeii wir, weil die weit sleei^ 

entgelten und in jamer sein ; 

wflrn e^ig Uifcen in der peln, 

wann uns 6ot in dem hSdisten lapou 

het nit erlöst dnrdi seinen son, 2630 

der mensohlich nator an sick mb 

und zu nns hie auf erden kam^ 

flir ans ain Mensch gebaren ward 

von Maria der Jungfrau sart, 

auf daß er l^iweknemb die sflnd^ 2635 

die von den elt«m erbt das kind, 

und uns auch leret den gelaubn^ 

des uns der teufl tiiet beraubn. 

Darumb betracht ain ieder Christ 

was er zuTer gewesen ist. 2640 

Wir habea gfaabt vii mfth und angst^ 

darein uns der satan vorlangst 

hat bracht, ja in groß schand und sQnd $ 

das namb hinwek Marifi kind, 

welohs hat ftlr uns gar vil gethan. 2646 

Wann 9 nv ain ieder glauben kan, 

daß Gottes sun mensch worden ist 

und ftr uns gstorben, wie ir wißt, 

damit erworbn das ewig leben* 

Ir solt auch wißen mer darneben : 2650 

dem glauben gmeß man leben sei, 

des stet aim ieden Cliristen wol ; 

ain hanavater sei sein berait 

sein weih zu bschAzn vor allem laid, 

mit )r bsfden bds und guet, 2655 

sol nit thuen wie man iezund thuet : 

wanns im nit nach seim willen geet, 

von stund an er im hämisch steet, 

wil oben auß und nindert an ; 

geduld die zieret ainen man. 2660 

Ain weib hingegen sol dem man 

zu ieder zeit sein underthan, 



Bmi^ivta; «iidieim B^itpiele anft taalft. Jk» bei SihMlte 4^ 79« 






mit im Aaok gtt is niid bta Y#vAnig«n^ 
das best za dien dfaigea aagtii, 

2665 dann ain gnets wort int gaete slat; 
thnet sie das nit, ists nur ir jadtiad. . 
Sie sol aacli ire kinder zart 
lielfn zn nun sein nngespart, 
sol sicli daneben siifiAlg lialten. 

2670 Solchs war «in groOe er den alten^ 
des in dann ain schöns beispii ist 
die mneter des liem Jesv Christ^ 
Maria, ain Spiegel der sDocht, 
wie sie bezeugt in irer flucfat, 

2675 da sie irs lundlein pfleget fetal f 
ist mäßig ^ftefatig nnd anob rain, 
nicbt wie man ieznnd siebt «nd spflrt 
wie mangs wefliqiiid ir lebofi fllrt 
mit nnzncht obÜHraeb freOerei, 

2680 bell; irem man katn treu darbei, 
bat aucb der kinder weiüg aebt, 
ist nur geflißen auf den praebt, 
wie sie sieb mög anQ)flänzlen9 sdiAn 
und böflich auf der gaßen geen, 

2685 es stee im bans gleiob wie es woL 
Noeb eins iob bie aueb melden sol : 
da sie solt ire kinder wert 
zn gotsfordit zieben hie auf erd, 
so tbnet sies alle boflhrt lern ; 

2690 da sie soln peten, tbnen sie sobwem, 
und sezt an pelz also die leus, 

; die sclbs wol dran kriecben mit flelA f ^} 

diß^ sag' iob, ist ain große sttnd. 
Wo die eitern selbst ire kiad 

2695 auf boffart in der jugent gw5n^ 
wie wem sie dort immer bsteen, 



Aafptttsen^ schmftcken. SehneHer 1, 330. f. Orimm WSrter^Mdi 1, 700 
W. Wackernagel bei Haopt Zeltoclutfft 0, 344. 

t) Siiwock Sprichwörter 6222. FrlefUche Sprlcliirdrter n. 132 M Si^t 
ZeltscMa 8» «Mi Tl..lteMr SrttftaMHnft» 4MP*«S ltt3« d.;Q» m. t 



*■ 'J t 



a87 

wann sie wirt Christas unser herr 

fragn von irer kinder 1er, 

ob sie es haben auf sein wort 

und seinen willen trieben fbrtf 2700 

Was #irt alsdann dein antwurt sein, 

die du gibst fOr die kinder dein? 

mit in wirst du dann sein verlorn, 

auf dir bleibt auch doppelter zom. 

DiO nimb zu herzn, o frumer Christ! 2705 

dein leibsfirncht dir auO gnad gebn ist. 

Es sol ain junger gsell Ue auch 

lernen den rechten sinn und brauch, 

wann er zur ehe greifen wil, 

darin dann mfie und arbait vil 2710 

und mangerlai kreuz wont und ist. 

Der das nit *wol ztf leiden wfist 

und mit geduld nit möcht vertragen, 

der sol d^sem stand nii nachfragen. 

All zart jongfrauen groß und klain 2715 

die soln ir herz bewaren rain, 

keusch frumb erbar und ftlrsichtig, 

schambhaft mSßig und gotsfllrchttg, 

darzue auch ire jungfrauA^haft 

behfieten stets mit Gottes kraft. 2720 

Und wann eine nun treten sol 

in den ehstand, thue sie sich wol . -^ 

zuvor brttefen mit sonderm fleiß, 

ob sie auch kunt nach alter weis 

dem man allen ghorsam erzaigen 2725 

und mit diemuet gegen im neigen« 

So sie bei ir solchs findet nit, 

laß sie den ehstand ganz zufrid. 

Die hausmaid lernen in der zeit 

gehorsam und barmherzikait ; 2730 

den armen leuten gebn auß not 

ja zu zeitn ain sttteklein brot, 

obschon haimblich vorm herren gschicht 

und d' firau dasselbig auch nit sipht. i 



«88 

2735 Man sols za kainem cUebstal deivte, * 
was man haimblicA gibt arman lenta, 
KivorauO wenn der wirt ist gnau 
mid gibt nit vil umbsunst die fran* 
Wann schon ain magt oder der knecbt 

2740 baimblich gebn, ists nit unrecht, 

eh wan9 &s brot im jcastn erschimbl} 
afanuesen gebn erlangt den himl. 
Die Wirt die lernen auch hiebei, 
wie es so große stind nun sei, 

2746 daß sie die armen scUahen auß, 
die reichen nemen in ir haus 
und tragen in auf nach der schwer, 
ain petler laßen sie schon 1er ; 
das gfalt 6ot nit, ist auch nit recht. 

2750 Weh dem der einen ^rmen schmecht 
und in die herberg ti^uet versiQ;ny 
6ot der sieht wol anirklagn. 
Darumb seit milt gegen den armen, 
80 Wirt sich 6ot eur auch erbarmen 

2755 und wirt euch ja verlaßen nit, 

wo ir von herzen recht teilt mit; 
wirt hie gnneg geben in der zeit 
, und hernach dort die ewig freud. 
Darzue Got mich und] euch erweck, 

2760 das wünscht Benedict Edelpöck. 



In EdelpOcks WeihnachtkomOdie ist noeh einmal die 
epische Gattung cUeser religiftsen Spiele an uns vorflber- 
gagangen ; wir nemen Abschied und wenden uns dem pa- 
rabolischen Drama zu. 

In dem meisten, dasbißher behandelt wurde, erklfrte 
sich das gläubige Gemüt durch die Darstellung der Begeb-* 
einleiten unmittelbar vor bei und nach der Geburt des Er« 

wan, Tgl. Stlimetter 4, 78. ^ Facnactop. 41^ 21 <• fett sie €• w 'i* 
ftmkf wMi M dl« feHai. 



2»9 

iSsers befriedigt ; hdchatens wurden die prophetischen 
Stimmen eiogefBrt. In einigen filteren Dramen wurde indes- 
sen na^ dem Grunde der Erscheinung Christi gefragt ; so 
kam man darauf, den Sfindenfall und die Schepfung mit den 
Darstellungen des Lebens Jesu su verflechten , und zwar 
entweder mit der Geburt oder mit dem Tode, je nachdem die 
Ansicht überwog, daß die Erlösung schon durch die Mensch* 
werdung oder erst durch den Versöuungstod geschehen sei« 
In der bildenden Kunst sehen wir grSstentheils Sttndenfall 
und Kreuzestod verbunden. 9 Zu lebendigster Anschaulich*- 
keit wurden diese Vorstellungen in den lebenden Bildern 
erhoben, welche im 14. und 15. Jarh. bei weltlichen und 
geistlichen Festen auf Straßen undPlfitzen zur Schau stund- 
en und giengen. Bei der Schwertleite des Sones Philipps des 
Schönen im Jar 1313 sah man Adam und Eva, die drei Kön* 
ige 9 den Kindermord, das Kind Jesus mit seiner Mutter^ 
Herodes und Kaiphas, Pilatus der sich die Hfinde wfischt 
u. a.2} In der Fronleichnamsprozession, wie sie 1415 zu 
York statt fand, bewegten sich von den verschiedenen Ge- 
werken dargestellt folgende Gruppen : 1. Gott der Vater 
wie er den Himmel mit den Engeln und Erzengeln schafft; 
Luzifers Fall. 2. Gott der Vater wie er die Erde mit allem 
was darin ist schaflft. 3. Gott der Vater als Schöpfer Adams 
und Evas. 4. Das Verbot vom Lebensbaum zu eßen. 5. Der 
Sfindenfall. 6. Adam und Eva wie sie arbeiten. 7. Abel und 
Kain» 8. Noah wie er die Arche zimmert. 9. Noah in der 
Arche. 10. Abraham den Isak opfernd. 11. Moses und die 
Schlange; König Pharao. 12. Die Verkündigung und Heim- 



Vgl. SchnaaM Oeithlchte der biMendeii Rflnste 4, 380. Jakobs und Uk«rt 
BeiMge rar filtern Lttteratar 2, 17. 

^ E< slttd dieO Jedenfalls nnr lebende Bilder^ welche von Pantomimen nnd 
erUireadea Sprächen begleitet wurden, nicht wirkliche Dramen, wie man wol 
behaiiptet hat. Vgl. Jublaal mTsteres 1, XXH. Sandys Chilstmas carols IX. 



890 

fiuchwig:^ und nuu folgen in langer Reihe die Scenen anO 
des Heilands Leben biß zur HimmelfartMarifi. 9 Id Deutecb- 
land waren ganz gleiche Fronlelchnamsprozeasionen im 
Brauche ; eine Zerbster Prozessionsordnung vom J. 1507 
diene als Beleg. ^) Zuerst kmnen die Oelschlager mit der 
Weltschepfuiig, dann die Bader mit dem Sttndenfail, die 
Brauknechte welche den Tod Abels darstellten und die Be- 
wirtung Abrahams durch König Melchisedech ; die Regent- 
en (Inhaber von Altfiren) mit Isaks Opferung, die Drechsler 
mit Jonas im Walfische, die Lakeumacher mit König David, 
vier Mauermeister mit der kananitischen Weintraube auf 
den Schultern, die Lakenmacher mit König Salomo und 
seinem Hofstate, dann folgt die Heimsuchung und die Scen- 
en auO dem Leben Jesu biß zur Kreuzigung. Einö Reihe 
Mfirtyrer schließen sich daran, das jüngste Gericht folgt und 
den Beschluß machen die klugen und die thöricbtea Jung- 
frauen. Jede Figur oder Gruppe wurde durdi einen Sprach 
gedeutet» 

Diese Darstellungen, welche sich noch heute Mer und 
.da bei Prozessionen des Fronleichnamstages finden, wurden 
beim aufblühen der Oper auf die Büne verpflanzt. Die erste 
Hamburger Oper, im Jar 1678 aufgeftart, behandett die 
Schepfiing und Erlösung : „Der erschaffene gefallene und auf- 
gerichtete Meusch^^; ^ sie bewegt sich ganz in den Vorstell- 
ungen, welche wir bald noch genauer kennen lernen werden. 
Naher als sie steht den Fronleichnamspro^essionen eine 
englische Oper, die zur Zeit der Königin Anna aufgeftrt 



Marriott miracleplays XYIII-XXUI. 

*) Hitgethellt von Fr. Sintenis in Haupts Zeitschrift für deutsches Alterthn 
2, 27G— 207. T- Eine Pro Zessionsordnung; von Freiburg im Breisgaa aofi demJ. 
1516 bei Helnr. Schreiber Theater zu Freiburg 25 ff. 

0. J. und 0. Gottsched nötiger Vorrat 1^ 240. Freiesieben Nachfese zu Gott- 
scheds nötig. Vorrat S. 40 f. E. Devrient Geschiclite der deutschea Scbai- 
spielkunst i, 273. 



«»1 

Würde. Den bJiali bildete folgende Reihe Seenen: Adame und 
Etm Erschafiiuii; ; die List Lncifwe im Paradiese; Kainond 
Abel; Abels Tod; Isaks Opferung; die Anbetung der h. 
drei Kdnige ; die Flucht nach Egypten ; der Kindermord ; 
die Porabel von dem armen und reichen. Daran schließen 
sich weltliche Pantomimen und Tinze^ Pulcinelloseherse 
und die Darstellung des glorreichen Sieges den Sr« Gnaden 
der Herzog von Malborough Aber die Franzosen und Span- 
ier erfochten. 9 

Die Oper fBrt zu dem eigentlichen Schauspiele dieses 
Inhalts, wobei idi die Spiele ganz außer acht laße y welche 
nur die GSeschichte Adams und seiner nichsten Nachkommen 
behandeln. 

Die ilteste dieser Moralitäten, welche mir bekant ist, 
fklh nadi Frankreich ; sie wird dem Stephmi Langton zu* 
geschrieben und in den Anfang des 13. Jarh. gesezt. Adam 
wird darin von der Warheit und Gerechtigkeit wegen des 
SOndenfalles vor Gott verklagt; Mitleiden und Frieden legen 
aber Fflrbitte fllr in ein und Gott der Vater beschließt in 
Uebereinstimmung mit dem Sone, daß durch dessen Mensch- 
werdung der Streit geendet werde. ^) Im dreizehnten Jar^ 
hundert begannen sodann jene Misterienreihen in England, 
weiche mit wenig Unterbrechung biß in das sechzehnte ge- 
spielt wurden und in wirklichen Dramen darstellten, was die 
Fronleichnamsprozessionen nur äußerlich zeigten. Die Spiele 
von ehester und £oventry dauerten vier und zwanzig Tage, 
die von Towneley zwei und dreißig^) und siefilrten dasjenige 
drauAtisch auß , was sonst in ein einziges Spiel vom Sflnd«- 
enfall und der Erlösung gedrängt wird. Auß dem vierzehnt- 



9 SaMiyi Chilftiiias Canls XX. 

•) P« V, Sdiuk eewUchto der dmuittsebai Liteiat« wid Kustt in SpMiles 
1, 57. 

JiMiiott nlTMlSf 1*7» Xlr-XLIV. 

1»* 



«92 

en Jarhimdert beBitzen wir ein niderrheinisches Spiel dieser 
Gattung. Es begint mit der Weltschepfiing nnd dem Sttnd- 
. enfall durch Lncifers Neid. Barmherzigkeit und Warheit ver- 
handeln vor Gott wegen der Erlösung, und der Herr ihnen 
willfarend ISßt durch der Propheten Mund kund thun daß er 
seinen Son senden werde. Der Ecdesia wird hierauf durch 
BalaamlsaiasundVirgildie WeiOagung mitgetheilt Die Ver- 
kündigung schließt sich an mit den Scenen des Weihnacht- 
cyklus. Jesus zwelf Jar alt im Tempel lerend, die Taufe, die 
Versuchung, die Berufung der Jünger, die Hochzeit zu Cana 
reihen sich an; darauf folgt die Geschichte von Martha 
Maria Magdalena und Lazarus , der Einzug in Jerusalem, 
der Verrat des Judas und das Gebet am Oelberge. Hier 
bricht die Handschrift ab, welche die Leidensgeschichte 
zuverlSßig noch enthielt Von dem vorhandenen ist vieles 
nur kurz angedeutet ; der Zusammenhang mit den Prozess- 
ionsgruppen tritt augenscheinlich herauß. 

Nach den Niederlanden gehört femer eine außgeftrte, 
den englischen Misterienreihen entsprechende Folge von 
Stflcken „die sieben Freuden Marions'^ , deren erstes^ die 
oben erwfihnte erste blijscap van Maria, erhalten ist; es 
wurde 1444 von den BrOsseler Rederykern aufgeftrt. Das 
Spiel enthalt den Sünden&U, den Prozess der Warheit Ge- 
rechtigkeit und Barmherzigkeit vor Gott und sclilieOt mit 
der Verkündigung. Die folgenden sechs Spiele, welche je 
nach einem Jare sich folgten, mUßen dargestellt haben die 
Geburt Kristi, die Anbetung der h. drei Könige, die Aufer- 
stehung Kristi, die Himmelfart, die Außgießung des h. 
Geistes, die Himmelfart Marions. 2) 



AnO einer Handschrift der k. Bibliothek im Hag (Mher dem Slawanten- 
kioster in Mnetricht gehörig) bekant |pmaeht ron J. Zaeher In HanpU Zetteehr. 
für deatsches Alterth. 2, 802—350. 

t) Vgl. P. SnchenwirU Gedicht die «lebdn fread Mvli, In MmlMera Aaß- 



*W>rend siob hier der Sflndenfall mit der Gebort dea 
Erlösers verbunden zeigt, ist in der Resnrrection de Nostre 
Seignenr (Jnbinal mystdres ü, 312—379) das Leiden Kristi 
an die Vertreibung aoß dem Paradiese geknttpft , aoO dem 
Grande der oben angegeben ward. Die deutsche Ansicht gieng 
nach den Spielen zu nrtheilen vorzugsweise dahin daß durch 
die Menschwerdung die Erlösung hinreichend volbracht sei, 
und demgemSß wurde der Sflndenfall mit dem Weihnacht- 
drama verflochten. 9 Leider ist es mir nicht möglich die 
Reihe dieser Dramen ver dem 16. Jarh. aufzustellen; ich 
kann eben nur behaupten daß sie in dem 14. 15. Jh. auch 
in Deutschland vorhanden gewesen sind. Was ich auß dem 
16. Jh. in dieser Hinsicht kenne ist folgendes : 

Dialogus das ist tröstlichundlieblidiGesprech zwisch- 
en Gott Adam Eva Abel und Cain von Adams fall und Christi 
erlOsung, mit besonderem fleis gebessert gemehret und aus- 
gelegt. Und einem Erbarn Wohlweisen Rath zu Halberstadt 
zu ehren in drack gegeben durch M. Leonhardum Jacobi 
Nordiusianum. Pfarherrn zu Calbe. Leipzig 1555. (1559), 
Gottsched 1, 103. 2, 218. 

Comedia wie Adam und Eva durch Christum nach dem 
Fall widerum zu Gnaden von Gott sind angenommen worden. 
1565. Gottsched 1, 114. 

Comedia vom Fahl Ade und Eve biß auff den verheiss- 
enenSahmen Christum, auß fiUiff Historien zusammengezog- 
en und in eine kurtze Ordnung gefast durch Georgium Roll 
Breg. Siles. Königsberg 1573. Gottsched 1, 118. 

Der erschaffene gefallene und aufgerichtete Mensch« 



gftbe (Wien 1827) S. 123 — 142. Anders als g^wönUch werden die sieben Frend« 
en gedeutet In dem englischen Weihnachtllede The flrst god Joj onr Mary had 
bei Sandjs Christmas Carols 157. 

INe WeIhnachtsUeder der protestantischen vnd der katholischen Kirche 
gehen ebenflOls hiallg anf den Sflndenfall xnrfick. 



tu 

161^8. Die erste hambnrgtselie Oper, Teict von Rlditer, kom- 
poniert von Tlieil. ^ 

Ob in Job« Aescbelbaehs Comedie vom s^eUidhen 
Sllndenfall (1616.6ott8obcd 1, 175) auf die Erlösung Rfick- 
siebt genommen ist, dus Stflck also bierber gebSrt, weiß 
leb niebt. In Hans Saebs Tragedia von der ScbSpfimg Fall 
und Austreibung AdS, ebenso in Jacob Rnfls Adam und Eva 
gesebiebt es licbt. Merkwürdig ist in dieser Hinsicbt ein slkd- 
deutscbes von dem Benedlctiner Sebastian Seiler^) verftßt- 
es Banwnspiel : Adams und Evens Erscbaflungundilir Sllnd- 
enfall. Ein geistlicb Fastnacbtspiel mit Sai^ und Klang: 
aus dem Scbwflblscben ins Oesterreicbisebe versetzt 1783. 
(o. Dmckort. 87. SS. 4«). In dieser Bearbeitang ist keine 
Erwähnung der Erlösung; eine die im folgenden Jare er* 
sdiin, bat die Verbeißung derselben binzugefügt : Melodrama 
Adam und Eva im Paradeiß. Ein musikaliscbes Banem^el 
vom Jabre 1250 in vier Aufzflgcn, verfasset von Sebosttan 
Relies 0. S. B. verbessert und vermebret von M. H. und A. M. 
iur privat Unterbaltung, muslkaliseber Dflettanten, au dem 
Scbwäbiseben in die Oesterreicber Bauernspracbe^) ttber- 
setzet. 1784. (o. Druckort. SS. 61. 8<'0* Di® Folgen der 
Verheißung sind indessen niebt außgefB^. — Aueb auf die 
Marionettentheater Ist dieser Stoff übergegangen. 

Hierher gehört nun das ,^P a r a d e i s s p i e 1^ , welches 
ich im folgenden mittbeile. Es wird noch jezt alle Winter 
im die Weihnachtzeit in der Obersteiermark (Gegend von 



Gottsched 1, 240. Koberstein GnudrlO der Geschichte der deatschen 
Nfttionafllterator 8. 795. 4. And. 

s) Sebast. Sefler^ Benedictliier xa Marchthal, gestorben 1777. Er hatte weg* 
en dieses Stflckes Anfechtnngen zu erleiden nnd wurde bei dem Bischof ron 
Konstanz ▼erklagt. Als derselbe aber ron Salier selbst das gaaxe Spiel er- 
tragen, singen nnd nüt der Geige begleiten gehört hatte^ sprach er Ihn AeL 

Diese Worte idgen; die Mundart ist Im gaasen die sehwiMscbo der nr- 
■prtngllchen AbflUInng geblebcn ; von üsteirelehlsdMn indet sieh §• gnt wie 
nichts darin« 



i96 

Vordenibergf, und in Feistritz a. d. Mur) von herumziehend-* 
en Landlenteu gespielt; auch in Trieben bei Roitentnann in 
Obersteier (Paltenthal) warde frfiher alle zwanzig Jare ein 
Paradeisspiel auf einer Wiese anfgefilrt, das indessen den 
widerholten Bemühungen der Geistlichkeit und der Polizei 
erlegen ist. 

Unser Paradeisspiel hebt mit Erschafiung Adams und 
Evas an und wie ihnen das Paradies biß auf den Lebensbaum 
tbergeben wird. Lucifer Satan und Belial treten auf im 
Grimme über die Bevorzugung des Menschen, und Satan gibt 
den Rat , durch die Schlange und das Weib den Menschen 
zu verderben. Es gelingt und eine Triumphscene der Teufel 
folgt. Sache der Anmerkungen wird es sein, die Gemein- 
schaft oder die Abweichung unsres Spiels von den alten 
Misterlen in diesen Szenenrnachzuweisen. Hierauf folgt der 
Prozefs. Lucifer bringt den Menschen gebunden vor Gott und 
verlangt daß er ihn verstoße. Die Gerechtigkeit findet dieses 
begeren begründet , die Barmherzigkeit aber entschuldigt* 
den Menschen und fleht zu Gott um Gnade. Die Fragen 
werden hier behandelt, welche als Hauptsachen in den Dog- 
men von der Erlösung gelten ; unser Spiel zeigt die grSste 
Bekantschaft mit den verschiedenen dogmatischen Ansichten 
und mit der W^eise wie dieses Thema im Mittelalter abge- 
handelt wurde, so daß es Air uns dadurch besonders inter- 
essant wird. Obschon die alte Kirche aufstellte daß der 
Beschluß der Erlösung nicht in der Zeit entstanden, sond- 
ern von Ewigkeit her vorhanden war^}, so gehörte doch die 
Fttmng des Prozesses um die Gnade Gottes für den Menschen 
zu den beliebtesten Vorstellungen des Mittelalters. Die 
Liebe und die Barmherzigkeit oder Friede und Erbarmen 
wurden im Streit mit Warheit und Gerechtigkeit dargestellt, 



Heinr. Klee Lebrbach der Dogmengefchichte 2, 7. Mains 1838. 



theils in besonderen Gedichten 9 » theils eingeschaliet in 
größere erzfilende Werke, so in das Anegenge (Hahn Ge* 
dichte des 12. und 13. Jarh. S. 28. ff.)^ in Heinriohn von 
München Fortsetzung der Weltiironik Rudolfs von Ems^ 
und in jene biblische ,Geschichte9 von der Massmann Nach- 
richt gab (Haupt Zeitschrift 2, 137). Von den theologischen 
Tractaten, welche Aber diesen Stoff geschrieben wurden, 
ist der beJLauteste derBelialJakobsTon Theramo, von dies- 
em 1383 lateinisch abgefaßt und im 15. Jarh. öfters ins 
deutsche flbersezt, auch gedrukt. ^ Der Teufel ftrt hierin 
vor Gott seine Klage gegen den Menschen und erklfirt die 
Verdammung desselben ftlr ganz gerecht. Moses sucht ihn 
zu widerlegen. Warheit und Gerechtigkeit erklSren sich 
fiir die Verdammung. Barmherzigkeit und Friede wider- 
streiten dem. Gottes Son entscheidet, daß ein guter und 
barmherziger Tod die uneinigen Tugenden vermitteln solle. 
Die Warheit sucht nun durch die ganze Welt nach einem 
sttndlosen Menschen und findet keinen ; sie bittet deshalb 
Gottes Son um Hilfe. ^^Darumb antwurtGotes snnundsjj^ach: 
daz g6t über mich, wan all% muezet ich des menschen sund 
puezzen, den ich häb beschaffen. DarnAch kdmen die tngent 
mit dem rAt vur den vater und het diu drivaltikeit auch 
darüber rAt ; und nAch dem wolgevallen des vater und des 
heiligen geistes underwant sich der sun daz er wolt mensch 
werden und in lieb und barmherzikeit sterben ftlr den mensch- 



Vgl, llassmann bei Haapt Zeitschrift f. deutsch. Alterth. 2, 137. Aach 
cap. 65 der Oesta Romanomm komt In Betracht. 

O Jakobs und IJkert Beltrige zur filteren Uteratur 2, 245. 

T* Morr Journal 2, 380-<-305. — Vier deutsche Uebersetsangen beindea 
sich handschriftlich In der lu k. Hofbibliothek zu Wien (Hoffmanns Verzelchaisi 
n. CCCXm, 5. CCCLXVn, 1. CCCLXVm. CCCLXXI, 2) eine rom J. 1454 Mf 
der UnlyersItitsblbUothek m Grsez (f | fol.) ; anch zu Basel Uegt ein dentscher 
BeUal: W. Wackemagel altd. Handschr. der Basler UniversitItobIbL 02 f. — 
VgL Aber zwei Tcrwante Tractate W. Wackemagel Uteratnrgetchlch. S. 831. 
Ann. 11. 



en. — DA wurdm die tugeirt mit einander geeint und ver- 
lieht und wart erfiilt der ayrnch : 9 Barmlierzikeit und 
WArkett habent an einander begegent, Gerecbtikeit und 
Pride habent an einander gekufiset» (fol. 90. rw. Griezer 
Handachr.) Wie weit unser Spiel za diesen nnd andern 
theologisclien Meinungen stimt y werden die Anmerkungen 
nachweisen. 

Dieser Prozess wurde also auch in das Drama anfge« 
nommen; in dem niederrheiniscben (Mastrichter) Oster- 
spiel, in der ersten blijscap van Maria, in dem Mystöre de 
la Conception (Parfait histoire du tbeatre firan^ais 1, 63.flf.) 
kommen hierher gehörige Scenen vor. Zur Feier der Krön- 
ung Ferdinands von Kastilien zum König von Aragon dicht- 
ete der Marques von Yillena ein allegorisches Schauspiel, 
in welchem Gerechtigkeit Warheit Friede und Barmherzig- 
keit die Personen waren, 2) worauO sich schließen Ifißt daß 
es unmittelbar zu unsrer ganzen Klasse zu stellen ist. Auß 
dem Anfang des 16. Jarh. haben wir ein deutsches Spiel 
„ein Recht daß Christus stirbt,^^^) welches in etwas ab- 
weichender Weise den Gegenstand behandelt. Jesus wird 
von dem Vertreter der Menschheji aufgefordert vom Himmel 
zu kommen und die Menschheit zu erlösen ; dagegen erhebt 
sich Maria und begint einen Rechtstreit, worin sie ihre Be- 
hauptung durchzufllren sucht, daß der unschuldige nicht 
getötet werden dttrfe. Die Altväter werden um ihr Urtheil 



Vgl. auch (Atberti M.) Compendiam theo!. Yeiitatls IV, 5. Kngler de 
WerlDhero p» 40. Ilastrichter Ofltenplel Haupt 2, 308. M. S. Hagen 2, 385. — 
Ein tnaatMtehtB WelhnaehtUed (Les Noelf Bonrgolgnons de Bernard de la 
Monaoye pnbli^s — par Ferttanlt. Paris 1842. S. XXm. f.) «cliUdert wie wuer 
Hoppe die Verelnigvng des Friedens mit der Gerechtigkeit hinter denen Doneenr, 
Bont^, Concorde, Xis^ficorde , Charit^, Orice, divlne Providence schreiten nnd 
wie die Selbstopfemng des Sones Gottes dieß bewirkte. 

*) T. Sehack Geschichte der dramat« Literatur nnd Knnst in Spaatai i, 120* 

O FlcUer Drama des Mittelalters in Tirol 06—70« 



»98 

gefragt und entscheiden daß Christas das für Ae Erlösung ge- 
gebene Wort halten mftße. Maria beruft sich an die Gnade 
und Milde; aber Petrus und alle Apostel entscheiden auf 
den Tod. Der Richter bricht den Stab. Maria stimt ihre 
Klage an und der Engel sucht sie zu trösten. Kristus uimt 
Abschied von seiner Mutter und empfielt sie dem Vater. 9 

Auß der großen Neigung der Zeit zu dem Prozess- 
spiele dürfen wir auf zalreiche verwante dramatische Dicht- 
ungen schließen. Wie dieser Geist noch tief in das 17. Jb. 
hinein wirkte, ergibt sich darauß daß jene erste hambmrg- 
ische Oper von Theil (1678) den Rechtstreit Aber die Er- 
lösungin sich aufnam ; die Personen darin sind Jehovah, Sal- 
vator , Justitia , Misericordia, Angeli, Adam, Eva, Lueifer, 
Belial , Legio , Sodi , die Schlange , Köre von Engeln und 
Teufeln. Daß weit Aber 1678 hinauß, wenn auch nicht auf 
denBOnen der Höfe und State 2) aber doch unter Gottes 
freiem Himmel und der hölzernen Decke der Alpenhfttten 
diese Moralitfiten sich fristeten , beweist unser Paradeis- 
spiel. In demselben wird der Prozefs dahin entschieden daß 
Gott der Son durch seinen Tod die ewige Schuld des Mensch- 
en abbflße; den Menscheu trift die zeitliche Strafe. Adam 
«inß also sterben ; er macht sein Testament und wird vom 
Tode geholt. Hieraufmacht sich Gott der Son auf, das ver- 
lorne Schaflein zu suchen. 

Der zweite Theil des Paradeisspiels ist , anknl^fend 
an den Schluß des ersten, ein Spiel vom guten Hirten, und 
darin unterscheidet es sich von den oben aufgeftlrten Dram- 



Aach an Heinrichs von Neostat Bach von nnsres Herrn Zakmlt nag 
ertamerC werden, dessen erster Theil die Beratung der Natur mit den Tn gwden 
Aber die ErlGsnng behandelt 

Es war irol Jene TheUsehe Oper vom Falle Adams, welch« 4le Spiegel- 
berg-Dennersche Schansplelerbande, die sich 1710 von der Veltheaschea trcnte. 
In Schweden aafttrte anr grollen Erbaoang der Banera* £• Devfl«Bt Geschichte 
der Schaospielkunst 1^ 344. 



ea des gleioben Vorwwfes y in denen sieh die Geburt oder 
i§8 Leiden Kristi an den Beschloß zur Erlösung anknftpft. 
So ser auch das GleichnüGsi vom guten Hirten von der Kunst 
zu DarsteUongen außgebeutet wurde und zu lyrischen Er* 
gfifien Anlaß gab , so sind mir doch dramatische Behand- 
lungen desselben auO der deutschen Literatur nicht be- 
kanti). 

Daß diese Stoffe über die deutschen Bflnen des IS« 
und 17. Jh. giengen, Ifißt sich indessen nachweisen. Mir 
ligt z. Bb ein Theaterzettel auß dem Ende des 17. Jh. vor, 
welcher das Scenar einer.,,unvergleichlichen Haubt»Action^^ 
eathät, betitelt: das verlohrne Schfiflein oder die bttssende 
SOnderin Magdalena. Die Geschichte der Maria Magdalena 
gibt darin den lebendigen Inhalt fta die ParabeL Dieselbe 
wurde hiernach gewifs auf den Schultheatern des 16. und 
und 17. Jh. ebenso wie auf den Bflnen der Wandertruppen 
des 17. und angehenden 18. Jh. merfach behandeli Freilich 
versuchten sich keine solche Geister an diesem Gegen* 
Stande wie in Spanien , wo ihn z. B. Lope de Vega in zwei 
Stflckeo, der oveja perdida und der fianza satisfecha behand-* 
elte. Trotz dem drang die dramatisierte Parabel in unser 
Volk, wie außer diesem obersteirischen Spiele noch ein ober* 
kfirntoisches Passionsspiel beweist , von Liesing im Les- 
adithale (zwischen Friaul und Pusterthäl) dessen erster 
Theil ein Spiel vom guten Hirten ist. 2) 

Die Haupthandlung des zweiten Theiles unsres Para- 
d^spieles bewegt sich folgendermaßen. Das menschliche 
Geschlecht wird in Gestalt eines Mfidehens und zwar einer 



Freinch haben wir über dieses Thema das lateinische Drama eines 
Dentschen: Jacobl SchSpper Ovis perdita. Antverp. 1553. 

>) Aueh in dfim Spiele „ron dem Jangen Helden und MirtjrerS. Pangraz'S 
das 1700 zu Ambras in Tirol anfgefOrt wurde, trat der ^te Hirt auf and zwac 
als Sprecher des Prologs. VgL £d. DeTiient Geschichte der dentschen Schan- 
spleBLwist I, 400. Leipzig 1848. 



»00 

Scbfiferin dargestellt, deren liebe der gute Hirte ver- 
gebens sucbt y denn die Schfiferin zieht den als Schäfer 
(Jfiger) verkleideten Teufel vor, wodurch sie den drei Teuf- 
eln des Wollebens und dem Tode verftllt. Als sich diese 
ihrer bemfichtigen wollen, rettet sie der gute Hirt und Gott 
verzeiht dem Schaflein, das durch des Sones Blut gereinigt 
ist. Die drei Teufel, Lucifer Satan und Belial, die den 
Menschen im Paradiese verftrten, erheben nun die Klage 
daß Gott der Son durch seinen VersSnungstod die Menschen 
auO ihrer Gewalt befreite; noch geben sie alle Hoffnung 
nicht auf, allein der gute Hirt vertreibt sie mit einem Donner- 
strale. Wie auch dieser Schluß in unserm alten Drama ent- 
sprechendes finde, werden die Anmerkungen darthun. 

Ich habe das Paradeisspiel einer ganz jungen Hand- 
schrift in Quart entnommen ; sie hat den Titel : Exemplar 
oder das Buch des Paradeisspieles. 1847. Auf dem zweiten 
Blatte : Simon Reitercr vulgo Sommerer ^) gehörig. Am 
Ende der Handschrift hat der Schreiber seinen Namen ftber- 
liefert: Mathias Graf m. pr. Der Besitzer lebt in der Gegend 
von Vordemberg in der Obersteiermark. So jung die Hand- 
schrift ist und so deutlich geschrieben, so schlecht ist die 
Ueberliefemng; es gilt in dieser Hinsicht völlig das von 
dem Vordernberger Weihnachtspiel gesagte. Es war also 
fast tiberall nach der echten Gestalt zu suchen ; daß ich die- 
selbe flberall gefunden habe, kann ich nur wünschen. 

Die Reime beweisen daß dieses Paradeisspiel in jmsern 
Alpen entstund ; welchem Lande es ursprünglich angehört, 
ob Oesterreich oder Steiermark oder Körnten, wird nicht 
so leicht zu entscheiden sein, da die Mundart nur hinein- 



Dor zweite Name Ist der Ntme des Hofes, nach welchem der Besitser 
gewOnllch ffenant wird. Diese alte Sitte ist in Obersteier und ObeiUntea 
ebenso in linden wie im dentechen Norden. Vgl. Homeyer die Heimath nach alt- 
devtechem Recht 78. Bertin 1852. 



801 

spielt. Sein Fortleben in Obersteier rnSchte dafhr sprechen 
daß es hier auch geboren wurde, lieber den VerfaOer weiß 
ich nichts mitzutheilen ; es muß ein nachforschen darnach 
eben so vergeblich sein wie bei dem Volksllede. Daß der 
erste Yerfaßer ein Geistlicher war, Mßt sich auß der ge- 
nauen Bekantschaft mit den theologischen Fragen in voller 
Bestimtheit behaupten. Ich sage der erste Verfaßer ; denn 
es haben merere, wenigstens zwei, durch die Zeit getrente 
Hflnner an unscrm Spiele gearbeitet. Das Spiel vom guten 
Hirten ist, wie es vorliegt, bedeutend jflnger als der erste 
Theil und der Schluß ; es hat in neuerer Zeit eine lieber- 
arbeitung erfaren, befand sich aber warscheinlich schon in 

der ersten Anlage. Wie diese ,3^^^™^pl^l6^' ^^^ ^^1^ ^^ 
Zeit umgearbeitet werden, ist bei Gelegenheit des Am- 
merg^uer Passionspiels auch in weiteren Kreißen be- 
kant worden. 



M% 



Das ^TarabetsspteC 

Auß Vordernberg in Obersteier. 

Das erste Lied 9. 

Ihr Kristen all zasammen 
steht nur ein wenig still, 
und höret mit Verlangen 
was man euch zeigen wili. 

Gott Vater hat erschaffen ^ 
in sechs Tagen allbereit 3) 
den Himmel und die Erden 
samt ihrer Zierlichkeit. 

Ein Menschen hat er gsetzet 
zu herschen fiber all das, 
über Thiere Fisch und Vögel 
und aber das gräne Gras. 

Ein Baum war ihm verboten 
der mitten im Garten stand, 
der komt ihm groß zu Schaden 
und uns auch allensamt. 

Nun haben wir uns entschloßen 
euch dieses vorzustelln, 
in unsrer kleinen Komödien 
wir euchs anzeigen wöUn. 

Der Engel tritt auf und spricht: 
Ich tret herein ganz Abends spat, 
ein glückselgen Abend geh euch Got, 



Ueber die ErfiiTniiog dieses Spieles durch ein Lied nnd darauf fol^nden 
Proloi^ Tgl. die Anmerkung zn dem Vordernberger Weihnachtsplele S. 136. 

*) Vgl. das Sclilangeiilied weiter nnten. Anch an Martin Uylüns ,,Gott ia 
seim gemüet ewig bescldoß^' (Wackernagel das deutsche KIrchenUed no. 167.) 
mag erinnert werden. 

•) Grimm deutsches WArterbnch 1, 214. f. 

Der Engel als Sprecher des Prologs und der TerMndendAii Reden Ist oiM 



ein ^läckselgen Abend, ein fröliehe Zeit, 
gleich wie uns Gott von Himmel geit. 
Ihr ersamen groogflnstigeu weisen Herrn, 
ihr tagendsamen Frauen und Jungfraun in Em, 
ich bitt euch, ihr wollt mirs nicht für übel hau, 
ein geistliche Komödie zu fangen an, 
wie ich sie von Adam und Eva weio, 
wie sie wurden geschlagen auo dem Paradeis. 
Wer solches wöll vernemen in guter Ruh, 
der schweige still und höre zu. 

Das zweite Lied 9* 

Gott Yater in seiner Herlichkeit schwebt, 

er schuf alles was da lebt. 

So loben wir Gott schon 

im höchsten Thron 2). 

Er schuf die Erden mit samt dem Gewild, 

darauf schuf er das menschliche Bild. 

So loben wir Gott schon 

im höchsten Thron. 

Der Gott Vater spricht: 3) 

Im- Anfang erschuf ich Himmel und Erden samt ihrel* Zier 
und Herlichkeit. Den Himmel erfülte ich mit zwelf Kören der 



stehende Gestalt des Slteren g:elstllchen Schauspiels. In Spanien wurde in den 
antos vor 1550 der Prolog meist von dem Engel gesprochen. Zn dem Prologe 
vgl. die Anfinge der schlesischeii Krlstklndelsplele, namentlich das Reichenbacher 
BrellLönigsspiel S. 122. Der ganze Prolog trägt den Karacter des 15. 16. Jh. 

Dieses Lied erscheint als besonderer Prolog zu der ersten Handinog. 

Hfiaüge Formel^ der oberste Thron oder Ker ist der seluite (daz der 
zehende chdre der obriste waere Hahn 6ed. des 12. 13. Jh. 13, 75) er stehlt 
Aber den nenn KOren der Engel, deren Namen anter andern Voraaer Gedichte 
3, 10. 4, 0. ff. angegeben sind. Der hitchste von Urnen heißt trdn. Gleich in der 
folgenden Rede Gott des Vaters werden zwelf Engelkfire genannt, die sieh »ber 
durch den Fall Lozifers mit seinen drei Kören aof nenn zurftclufären. VgL aaeh 
W. Grimm zn Freidank 0) 3. 4. 

*) Für die lüachnng von Poesie und Prosa, die in der folgenden Rede and 
aach sonst .Öfter In diesem Spiele hervortritt, mosten die lateinischen MlfterleA 
in ihrer Zosanunensetzong aaO prosaischen Antiphonen and strophiseher Poesie 
ein Voitlld sein. Ein niederdentsehes Beispiel hat Mone Schasep, des Hittelaltei« 



801 

schönsten Engel, die Erde aber mit zwei großen Bimmelsliecht- 
em, nemlich mit Sonne und Mond und viel der Sternen, auch viel 

Waoer B&ume Kräuter und Thier 

brachte ich auß dieser Erde herfur. 

Diese Kreaturen sollen mich als ihren Gott und Herrn 

erkennen, alzeit. lieben loben dienen und ern. 
Unter diesen Geschepfen aber ist mir untreu worden Luzi- 
fer der schönste Engel samt seinem Anhang der drei Köre der 
Engel. Diese wolten sich wider mich setzen und empören. Ich 
aber habe sie auf ewig in den Abgrund der Hellen verstoßen; 
sie sollen auch in Ewigkeit nicht mer erlöset werden wegen 
meiner unendlichen Gerechtigkeit. Ihren Platz aber will ich er- 
setzen mit anderen Kreaturen. Darum so laßet uns machen den 
Menschen 9 der nach uns gebildet und der Sele nach uns 
gleichförmig sei, auf daß erhersche über 

die Vögel der Luft, aber die Fisch im Waßer und fiber die 

ganze Erde, 

daß auch im Himmel der Platz des Luzifer durch ihn erfäl- 
let werde ; 

den Leib mach ich ihm auß Kot und Erden 

dazu er auch letzlich widerum kann werden. 

haucht Ihn dreimal an. 

Adam nimm an den lebendigen Atem und fang an zu leben, 
tritt her auf deine Faß und sei lebendig und beschau alle 6e- 

2, 115 ff gegeben. Aoch sonst liegen Belege vor: einen vnmittelharen Ueber- 
gang anß prosaischen in gereimten Satz, wie unser Paradeisspiel ^ zeigt die 
PaTslo einer minnenden sele (Hone a.a.O. 1, 129—131). Für die Venrendang 
dieser gemischten Schreibart in geschichtlicher DarsteUong zeugt eine Pommers« 
felder Handschrift (Haupt Zeitschrift f. deutsch. Alter th. 5, 371). Wie sich diese 
Mlsehung auch In lerhafler Rede und in Predigten, in Rechtschrilten und Seg- 
ensprftchen und fiebeten findet, hat W. Wackemagel erwihnt deutsche Llterat- 
«rgesch. S. 318. 320. 

1) Daß der Mensch erschaffen sei, die Stelle der gefallenen Engel einzv- 
nemen, wurde von Augustin behauptet und nach ihm von verschiedenen Kircl^ 
envitem ; wir finden deshalb diese Ansicht Cfter in den geistlichen Qedichten des 
Mittelalters, z. B. Voraner Oedlchte 5, 6. 336» 13. Fundgruben O. 11, 40. Hahn 
Gedichte des 12. 13. Jh. 13, 10. Haupt Zeltechrift 5, 18. Auch die MysUker trat- 
en dieser Anname bei, PfeUfer Mystiker 1^ 380. Haupt Zeltsehr. 0, 10. nicht 
Bünder die späteren wie Jakob Böhme CMenschwerd. Jesu Christi I. c. 2* n. 0.) 
Gegen Augnstlns Ansicht trat auf Honorins Angnstodunensis in seinem llbellui 
octe questlonnm de angelte et komlne (jPei themnras aMcdol« H. !> 218— £N}« 



805 

schepfe, die ieh ana niehts erschaffen habe, und sage an wie 
sie dir gefallen 0* 

Adam spricht: 

Herr, es ist ser gut fiorwar was du in deiner Vorsichtig- 
keit erschaffen hast, ich will dir 

als meinem Gott und Herrn 
alzeit dienen in Furcht und Em. 

Gott Täter spricht: 

Adam, bau und bewar den edlen Garten in dem Paradeis. 
Du kanst auch eoen von allen Früchten und Speisen im Para- 
deis ; aber nur allein von dem Baum der Erkentnifs gutes und 
böses solst du nicht eoen. Denselben Tag, da du davon eoen 
werdest, solst du des Todes sterben. 

Adam spricht: 

Herr, ich bin bereit dein Gebot zu halten alle Zelt und zu 
folgen deiner Lere. 

Das dritte Lied 3). 

Gott lieo kommen ein Schlaf so säo 
wol aber. den Adam, dao er schlief. 
So loben wir Gott schon 
im höchsten Thron. 

Er nam eine Rippe auo Adams Leib, 
darauo formiert er dem Adam ein Weib. 
So loben wir Gott schon 
im höchsten Thron. 

Gott Vater spricht: 

Mich dunkts nicht gut zu sein 

dao der Mensch ist allein 
auf Erden, denn unter allen Thieren Viehen und Vögeln find ich 
keines, das dem Adam zu einer Gehilfin gleich wäre. Darum 



O In Jak. Ruft Adam ond Eva Ist hieranO eine lange Scene gebUdet; 
Adaa maO die einzelnen Thiere benennen. ▼▼. 730-970. 

t) Heber die Lieder in den Zwlechenfeenen rgl. die Amnerkiing sa dem 
VerteiBberter Weitoaehttplel 8. 148. 

20 



3(r6 

will ich ihm ao6 seinem eigenen Fleisch und Gebein eine 6«- 
hilfin macheu. 

Gott Vater steht aaf, greift dem Adam In die Seite, nimt eine Rippe heraoß. 

Eine Rippe nem ich auß Adams Leib, 

daraiio formier ich dem Adam ein Weib. 

Adam erwach vom Schlaf gar bald, 

sieh ! hier hast du eine Gehilfin nach deiner Gestalt. 
Seid fruchtbar, vermeret euch und erfüllt die Erden, denn 
euch sollen unterworfen sein alle Fische in dem Waoer, alle 
Vögel unter dem Himmel und alle Thiere auf Erden, und alle 
Kräuter sollen euch zur Speise sein. Bleibet nur in meinem Ge- 
horsam allezeit. 

Adam spricht: 

Das ist ein Fleisch von meinem Fleisdi und ein Bein von 
meinem Bein. Diese soll ich Männin oder Eva heißen , weil sie 
vom Mann genommen ist. 

Gott Yater spricht: 

Adam nimm war und sieh alle Thier, 

diese alle geh ich dir. 

Alle Thier die auf Erden leben, 

alle Yögel die in der Luft schweben, 

alle Fisch die in dem Waßer schwimmen, 

die sollen dir allesamt dienen. 

Ich hab dir auch das beste Ort bereit, 

da kanst du leben one Sorgen nnd Müh, 

solst auch keinen Mangel leiden nie. 

Wann du außgelebt wirst haben, 

werden dich die Engel in den Himmel tragen; 

dieß geschieht wenn du wirst folgen mir 

und halten wirst was dir gebär. 

Im Faradeis steht ein Baum, 

die Erkentnirs heißt sein Nam ; 

von diesem solst du eßen nicht, 

sonst aber von allen Bäumen die Fracht. 

Wirst du dich aber so vermeßen 



Gene^s 2, 23. Hans Sachs SdiöpAmg Fall wid A«ßtr«ibniig Adi ni.rv* 
C1560}.- Diese bibllsclie Haltung feit den entspreolie^dffn lraiii6«lacheB](y«lnv. 



von der yerbotnen Fracht zu eaen,' 

so solst da des Todes sterben. Hierbei erkenn deinen Gott 

sodann, 
der dir das Leben geben hat und auchwiderum nemen 

kann. 

Der Adam und die E v a gehen miteinander um 0- 

-Da spricht der Adam; 

Sieh, meine Eva, wie lieb uns Gott hat vor allen Kreaturen 
auf Erden, denn er hat uns alles unterworfen und in unsre Ge- 
walt gegeben. Sieh von allen diesen Fruchten können wir eoen, 
aber nur allein von dem Baum der Erkentnifs gutes und böses 
sollen wir nicht eoen« Denselben Tag, so wir davon eaen, 
werden wir des Todes sterben. Darum ist es auch billig, daß 
wir Gott lieben loben und eren und seine Gebote halten. 

Der Adam und die Eva stehen zu dem Baum, 
. da spricht die E v a : 2) 

Halten wir nur fleißig dieses Gebot, 
damit wir nicht erzürnen unsern Gott. 

Das vierte Lied: 
Gott hat erschaffen zwei Person 
und hats gezieret wunderschon. 
So loben wir Gott schon 
im höchsten Thron. 

Sobald der Teufel das inne war, 
so komt er heimlich geschlichen dar. 
So loben wir Gott schon 
im höchsten Thron. 



Dieses henimgehii^ one daß die Personen abtreten, beselclinet im alten 
Sciuutspiel öfters den Wechsel der Scene. 

t) Bei Jnbinal mysteres U. 6. 7. will Eva erst den Grand des Verbots Ton 
Adam wißen, and als Adam sa^t, aach one dieß za wißen werde er gehorchen, 
sagt sie : Et moy aussy Je ie feray ; mez moult volentiers en mengesse poar 
certain, se Je ne caidasse faire offence. In dem mystere de la resarrection 
(Jnbinal D. 320) sagt sie zalezt : Dlre voas Toell ma volente : de ce frait toI- 
entiers mengasse^ se point desobair ne caidasse. Certes volentiers Je censse 
ponrqaoy Fa falt ce Je peasse : ne S9ay pas sy l'a fait ponr moy. Darauf tritt 
der Teufel Belgibas vor and spricht: Je te dlray raison poorquoy 11 roas % ce 
fruit deffenda« 

ao * 



308 . 

Der Teufel war dem Menschen feind 
dao er solt kommen in Himmel hinein. 
So loben wir Gott schon 
im höchsten Thron. 

Der Teufel sezt sich wol auf den Thron, 
des Adams Fall zu stellen an. 
So loben wir Gott schon 
im höchsten Thron. 

Die dreiTeufel treten auf: der erste heiot Bel- 
ial, der zweite Satan, der dritte Luzifer. 

Luzifer spricht: 

Zeter, Mord, o Jammer und Not! 

Satan spricht: 
Ach grofies Leiden on End in Ewigkeit ! 

Belial spricht: 
Sterben mit verderben und doch leben ! 

Alle zusammen sprechen: 
Grisgramen, seufzen, weinen und heulen! ach wir armen! 

Luzifer 
Entsetzliche und häßliche, 

Satan 
geklemte und gequälte, 

Belial 
garstige und abscheuliche, 

Luzifer 
feueranospeiende und elende, 



Die erste bUJscap van Maria 1»eg;lut mit dem GesprScli zwischen NUt «od 
Lneifer, worin Nijt znr Rache ffir ihren Sturz den an ihre Stelle gesezten 
Menschen za verderben schwert. Lnzifer verheißt Hilfe and der NUt findet den 
Rat, durch die Schlange Eva zu beth6ren, welche ihren Mann fiberreden werde. 
Willems belgisch Hnsenm IX, 61 ff. In dem Mystere de la Natlvlte (Jabioal II. 7.) 
feit diese Zwischenscene nnd an die AenOerung des gezwungenen Gehorsams 
Evas schließt sich die Versuchung durch Belgibus in raschem Zuge an. In 
Hans Sachs Tragödie von der SchepAing treten dieselben drei Teafel wie Uer 
auf* 



9»9 

Satan 
vom Himmel verworfene, 

Belial 
in die Helle verstoßene, 

alle zusammen 
geschw&chte und überwundene Geister! 

Luzifer: 

Ach wir elende ! was haben wir gethan, dao wir so Inder- 
licher Weis in ein so großes Elend sind geraten ? Wir haben 
vorher Gott wollen gleich sein, aber anjezt sind wir uns selber 
nicht mer gleich ; wir haben zuvor Gott seine Ere mißgönt, 
aber ai\)ezt werden uns alle Kreaturen verspotten «nd ver- 
lachen und unseren Schaden vergunnen. 

Belial: 

großer Jammer, o ewige Rache, so Gott an uns verübet 
hat ! denn in alle Ewigkeit haben wir keine Erlösung zu hoffen, 
ja sogar der kleinste Trost ist uns versagt. Darum sei verflucht 
jene Stunde, in welcher wir sind erschaffen worden ; verflucht 
und vermaledeit sei jener Augenblick, in welchem wir wider 
Gott sind aufgestiegen I Ach wir werden in alle Ewigkeit ver- 
fluchte und vermaledeite Geister bleiben. 

Satan: 

Ei was nützet uns so viel klagen ? wir können doch den 
Jammer unsrer Pein auf das mindeste nicht lindem, sondern 
vielmer vergrößern und erbittern. Wir mäßen doch immer und 
ewig in der Helle als unglüclcselige Geister verbleiben. : 

Luzifer: 

Freilieh können wir es nicht mer ändern. Aber unter aller 
meiner Pein, was mir am schwersten filllt ist dieses, daß ich 
weiß daß Gott zwei Personen erschaffen hat mit einer so 
schonen Krone, die wir so lüderlicher Weise verseherzet haben, 
da sie damit gekröaet werden 0* Eben dieses erwecket in mir 
Zorn Haß Neid und allen Grimm. 



Freidaak 68^ 12—15. Oot mohte den tiavel niemer bas gehttnen, do er 
U höhe SM. dADM das dio 1»roede neiweiclieit, die er Terriet. dd kidne treit. 



Satan und Beli&l sprechen mitsanmen: 
Eben das ist nnsre Stimm. 

Satan: 

Ich weio aber auch, Gott hat den Menschen einen Baom 
verboten, von welchem sie nicht sollen eoen. Eoen sie von 
dieser Frucht, spricht Gott, so müoen sie sterben des ewigen 
Todes. Also werden wir diese Leute anreizen dao sie davon 
eoen, so sind sie schon in unsrer Gewalt. Wir sind Fürsten 
der Erden auch über das ganze menschliche Geschlecht Die 
Menschen müoen auch mit uns in die Helle verstoßen werden. 

Luzifer: 
Satan, ich heiue gut deinen Rat; geh hin und stelle das 
beste an, 

und mach dich zu einer Schlangen weis 
und verfure Adam und Eva auo dem Paradeis. 

Satan: 
Alles nach deinem Befelch. 

Satan gehet ab. 

Luzifer spricht: 
Und du auch Belial reize ihn dazu und spare keinen Fleiß, 
und dieses mache nur fein bald, eh wann sie Gott befestiget mit 
seiner Gnade, 

gleich wie man bei den Engeln sieht 
daß keiner mer sündigt nicht. 

Belial: 
Dieß soll also bald geschehen. 

Gehen alle zwei ab. 

Das Schlangenlied vor der Thflr: 
Gott hat erschaffen in sechs Tagen allbereit 
den Himmel und die Erden und alles zugleich, 
an Bäume Kräuter und grünes Gras 
Luft Erden und Feuer und die Waßer so groß. 

Alle Thierlein auf Erden, alle Fisch in dem Mer, 
alle Yöglein in Lüften und was anders mer. 



Vgl. das ente Ue4 dieses Spiels S, 302^. 



«II 

Den Menschen den Jmt firott aue Erdto bereit 
und die Eva auo Adam seinen Leib. 

Gott hat sie gesezt in das Paradeis, 
hat ihnen erlaubt von aller Speis; 
nvr einen Baum er verbieten that, 
durch ihn sie die Schlange verföret hat. 

Die Schlangle tritt auf 9 undderBeliaL 
Die Schlange spricht: 

Ich tret herein ins Paradeis 

geschlichen in einer Schlangen Weis ^. 

Gott hat geschaffen zwei Person, 

er hats gezieret wunderschön, 

er hats gesezt ins Paradeis, 

verboten ihnen eine Speis. 

Werd schaun ob ich sie kann betriegen^ ^ 

will ihnen gar so recht vorlägen. 

Die SchJange spricht xu Eva: 

mein Eva, Wohn ihr wüstet was ich weio, 
ihr wdrdet gewife ecen von dieser Speis. 
Hat Gott vielleicht gesagt , ihr sollet nicht eoen von allen 
Fruchten im Garten ? 

Eva: 

Gott sagt, wir können eoen von allen Fruchten im Garten; 
aber nur voa dem Baum der ErkeutniTs gutes und böses , hat 
Gott gesagt, sollen wir nicht eoen. In welcher Stund wir davon 
eoen, so werden wir des Todes sterben. 



nie Schlangle wird durch ein Mädchen mit langem Zopfe dargestellt. Ißt 
eliiem Fraaenkopfe oAer ^hzen Frauenleibe findet man sie hlnfig auf alten 
Bildern. In Hans Sachs Tragfldie ron der Schepftug heiCt esf die SeUang^ steht 
aar Jre FAß. 

O He. als eftte SeUange weis. - Vgl. daraml^ der ttvTel si betreue in 
eines slangoi wlae. ItaskatMit 3,3S [(AnOg. tob Onote.) -« Der tlnvel kam 
gekrochen — in einer slangen wise. ebd. 23)20. 

O Mi werd ■chana eb kh die Lent nicht kann b. Hs. 
4) In «e« V^t^iw de la Resnrreetlen (Jablnal n. 821) ist die Anknfipfiiag 
des Belglbns mit Era weit geschlkter. 



Die Schlange: 

ihr Leute, wie thörieht und unverständig seid ihr! von der 

allerschönsten Frucht nicht eoen, wAre ein Zeichen dao euch 

Gott nicht liebhatte. Eoet nur von dieser Frucht, ihr werdet nicht 

sterben des ewigen Todes. 

Eva: 

Eoen die Engel auch nicht davon ? 

Die Schlange: 

Ja freilich nicht, Gott selber nicht, sie bedürfen es auch 
nicht Wenn Gott wüste in welcher Stunde ihr von dieser Fracht 
eoet I ^ Dann werdet ihr alles hören und sehen, wioen was gnt 
und bös ist, alles alles alles. 

Eva: 

wie liebreich zart und schön 
die Früchte in dem Garten stehn I 
^s ist ja die schönste Augenweid, 
das erkenn ich mit grooer Freud. 
Ei so >vill ich mein Hand auostrecken 

Die Eva greift um den Apfel vnd wlU die Fraclit äbbreclieB 

ich will sie kosten alsogleich, 
>vie solche Frucht zu eoen sei. 
Wenn ich die Warheit sagen soll, 
schmeckt mir die Frucht von Herzen woL 
Nimm hin mein lieber Adam, iß auch davon, 
so werden dir auch deine Augen aufgethan. 

Adam: ^) 

Nun dann eo ich auch davon, 
wenn ich wie die Engel werden kann. 
Eva wie gedünkt es dich? ist denn noch alles war, was dir 
die Schlange sagt? 



T serpent in der enten bl^ecap van Maria t. 203—206: « ewelie fteet 
te lewene ende seit €Bc wetten lioe ende watte Tan aUen wUshelden. 

Oeneslfl 3,5. 

Eente bl^fcap ran Maria 254 €• t'dwen begeeme enwUtte ■! aiet pfi«a 
te weerne. Ic hebt gedaen. God liet ons te Tromen ende tteea allef« iaM 
Conen* 



81» 

Eva: 

Neiii, mieh dBnkt wir mäßen weichen ! 

die Schlange hat gar ein säoes Manl, 

sie ist listig und betrogen, 

drum mach ich mich von hier, sie mdcht uns haben vorgelogen, 

dazu W9r sie nicht faul. 

Der Adam und die Eva gehen ab. 

Die Schlange und Belial sprechen mitsammen : 

Jach Victoria ! jezt haben wir Adam und Eva betrogen **> . 
und ihnen so schrecklich vorgelogen ! 
Ja so werden wirs machen mit den andern allen, 
damit sie recht in die Sunde fallen. 

Juch Victoria! der Sieg ist erworben und das ganze mensch- 
liche Geschlecht 
in die Sclaverei als dienstbare Knecht 
gebracht. IGt Freuden wir jubelieren und springen 
und dabei Victoria singen. 

L u z i f e r tritt auf und spricht : 
Wer rufet um Sieg und Victoria ? 

Die Schlange: 

großer HellenfSrst , durch deinen Befelch haben wir er- 
worben Sieg und Victoria. 

Belial: 

Durch unser beider List und Reizerei 
brachten wir dieo zu wege frei, 
und äbergaben wir diese Leut 
in deine Botmäßigkeit. 

Luzif er: 

gläckselige Zeltung und fröliche Botschaft, die ihr mir 

habt gebracht ! 
ihr habt das ganze Menschengeschlecht zu Sclaven der 

Helle gemacht, 

Bei H. Sachs folgt dem ApfelbiO ebenfalls die Jobelicene der Tenfel. In 
derbUJseap van Maria komt nach dem Sflndenlall die Vertreibung anO dem Paradies 
«nd darauf die Scene awlschen Loaifer und N^t. Das Mjstere de la Nativit^ 
(Jnbinal II.) hat diesen TeofeUnbel nicht. 



814 

euch gebort viel Er und Rum, weil ihr habt so viel ano- 

gericht. 
Ihr habt den Menschen den Himmel verschlooen 
damit sie allsamt werden in die Hell verstoßen. 
Herwegen wir Teufel jubilieren triumphieren 
wegen dem erworbnen Sieg. 

Die fünf Personen treten auf: der Engel, die Barmherzig- 
keit, die Gerechtigkeit, Gott Son, Gott Tater. 

Der Engel: 

Damit alle Kristgliubige desto beoer verstehen möchten, 
was das för eine grooe Gnade sei dao Gott das menschliche Ge- 
schlecht angenommen und die Schuld auf sieh genommen, so 
wollen wir in unsrer Komödien solche Betrachtungen vorstellen, 
wie die Gerechtigkeit und Barmherzigkeit mit einander ia Gott 
gestritten haben , so dann kein anders Mittel gewesen als die 
Menschwerdung Gottes. >) 

Die Barmherzigkeit: 

Ich werde die Lieb und Barmherzigkeit Gottes genant, 

und bin anjezo so ser betrübet 

und gegen den Menschen so ser verliebet 

dao ich will wagen bei Gott eine Bitt 

und will haben mit dem Teufel einen Stritt. 

Darum o Luzifer thue dein jubilieren und triumphieren und 

victorisieren 
noch eine kleine Zelt verschieben 
und erwarte was ich bei Gott vermag, ich als die Liebe, 
da ich so mächtig bin dao ich Gott fast kann zwingen zu 

was ich will. 
Darum du Hellenhund, steh mit deiner Victoria still. 

Die Schlange g;eht ab. 



In der Hs. iteht: die Teufel stehen zn dem Banme und singen das Ued; 
aUeln das Lted ist nicht mltgethefit. 

^ Heber den hiermit beginnenden Proiefs der Entsfiniiag des Itancfcenvgl. 
meine Vorbemerkung su diesem Spiele S. 20o. f. 



tts 

Lnzifer: 

leh schreie nach der Gerechtigkeit um Räch und Straf 

und du, Liebe and Barmherzigkeit, 

solst mich nicht überwinden in Ewigkeit, 

Belial nimm hier meine Ketten 

(gibt dem Bellel die Ketten) 

binde Adam and Eva gar fest damit, 

denn auf ewig sollen sie mir verbanden sein. 

Binde sie mit Ketten and Banden, 

niemand soll sie reißen auo meinen Händen. 3) 

Belial; 
Das soll alsobald geschehen, (geht ab). 

Die Barmherzigkeit: 

Lazifer nicht poch so ser, denn ich werde 
einen Liebespfeil wagen auf den göttlichen Son. 
Mit Liebesfeuer will ich ihm sein Herz durchschießen, 
daraaß wird den Menschen die Erlösung sprießen ; 
deine Banden werden brechen dann, 
den Siieg und Victoria trag ich davon. 

Lozifer: 

Ich trag den Sieg davon. Herr, gerechter Richter, ich schrei 
um Räch and Straf wider Adam und Eva. 
Weilen sie dein Gebot haben gebrochen, 
so soll es ihnen nicht bleiben angerochen. 



hk dem Pariser Mjrstire (Parfalt histolre du tMatre firan9aU 1,65) findet 
tieh hier eine ganze Hellenscene. 

*) In der ersten blljscap van Merla schließt sich an die Jnbelscene Aber die 
Verfbung sogleich an, deß Lnzlfer und N^t Adam Tor Gott ffiren und Ton ihm 
▼erlangen daß er den Finch erfülle vltdem er den Menschen fQr den Ungehorsam 
Mroht hat* Gott maß die Gerechtigkeit der Fordemng anerkennen nnd die 
Teufel Jnbmeren^ sie ip.ßen die Helle erweitern nnd fSr die sa hoffenden An- 
kSm'lnge sarecht machen. Adams Tod. Seth geht zu dem Chemblm. Die Klagen 
in der Helle. Dann tritt das bitter EUinde auf Kracken auf; es will zum Hern 
gehn nnd holt anf das Innleh Gebet. Dleß komt, Elend trägt ihm die Not Tor 
wie die Altriter in der Helle liegen« Inn^ch Gebet sei en ihrer Stett ftnf der Erde 
gelaflen, es möge nnn auch für sie zum Herrn gehen, es sei schnell . Innich 
Gebet sagt: es könne nicht helfen wegen Gottes Zorn; Indefsen habe es eine 
Prenadin bei Gott, die Barmherzigkeit (Ontfermlchelt) die Ton Gott fiber alles 



3f 

Ich will sie herstellen vor das Ctericht, 
auf daß du strafst was ungerecht ist ; 
und wenn dieses nicht geschieht, 
bist du kein gerechter Richter nicht. 

Bellal fürt Adam und Eva gebunden herein, ^® Schlang;« geht hinten naek. 

Luzifer: 

Allmichtiger und gerechter Gott ! hier stell ich dir den er- 
vergeoenen Adam vor , weil er wider dein auodrückliches Gebot 
den Apfel von dem verbotenen Baum gestolen und gegeoen hat. 
Gleich wie du mich, o Gott, mitsamt meinen Mitgesellen von 
wegen meines hoffertigen Willen von dir und dem Himmel ver- 
stoßen hast, so ist es auch billich und recht daß du den Adam 
und Eva und das ganze menschliche Geschlecht von dir und dem 
Himmel verstoßest. 

. Die Gerechtigkeit: 

Allmächtiger und gerechter Gott! was der leidige Satan 
wider den sündhaften Menschen vorbringt , ist die gründliche 
Warheit. Denn der Mensch hat nicht allein wie die Engel, sond- 
ern er hat noch viel schwerer gesündiget als sie , welches ich 
also beweise. Die Engel haben gesündiget wegen ihrer Hoffart, 
weil sie Gott wolten gleich sein ; der Mensch hat eben darum 



geliebt werde. Zn Ihr geht Innig Gebet , beschreibt Ihr das bitter Clend , woher 
es komme^ nndgerflrt wendet sich die Barmherzigkeit an Gott; dagegen erhebt 
sich die Gerechtigkeit nnd weist die Bitte als gegen Gottes Warheit sorftck. Die 
Warheit wird Schiedsrichterin nnd erkl&rt eine Anßhilfe sei möglich^ wenn nfai- 
Ueh ein reiner fOr die Sflnde des Menschen freiwittig den Tod anf sidi neme. 
Die Gerechtigkeit aber sagt, nnter den Menschen sei keiner schnldlos; dra» 
wenden sie sich an die Engel. Von denen will Jedoch keiner den Tod aof siel 
nemen, dram spricht die Barmherzigkeit Gott selbst an. Die drei g^tüiclica 
Personen bereden sich fiber den Antrag; die Entscheidung wird aof Anlaß dei 
Friedens der Warheit ftberiaOen, welche erklirt daO der Son die CntsAnnng Aber- 
nemen mAQe. Der Son aber weigert sich anfingUch, blO er den GrAnden des 
Vaters, der Warheit nnd der Gerechtigkeit nachgibt Da kOfsen sich Friede aad^ 
Gerechtigkeit nnd bringen dem Sone Jubelnd Dank. (yv. 500—1400 ) 

UeberdieFeOelnng dnrch den Teufel vgl.MoneSchaaspiel des Mlttelalt 1,268. 
Grimm Mythol. 964. Vgl. auch Altdeutsche BUtter 1^209; dd sprach der tezfil: 
na habe ich den menschin fnndin met der deube in dem paradiTo und habe ia 
gebundin mit den strickin der snndin. — In dem Lieainger PaCiions Splde (vgl. 
weiter unten) wird das Schiflein von Astarot an einer Kette ror Pluto gefiii 



317 

gesandiget weil er auch Gott gleich sein wolte, weil er die Frucht, 
so ihm deine Majestit aufldräcklich verboten ^ gestolen und ge- 
geaen hat. Der Mensch kann sich nicht entschnldigen dao er 
nicht gewttst habe, dao es eine so grofie SAnde sein solte ; denn 
er hat es mit seinen Oren gehört: wenn er von dieser Fracht eoen 
werde, solle er des Todes sterben. Darauo folgt dao der Mensch 
keiner Barmherzigkeit sondern der ewigen Strafe wirdig sei. 

Die Barmherzigkeit: 

Almächtiger und barmherziger Gott ! es ist deine göttliche 
Majest&t mit den armen Engebi so streng verfaren dao ich es 
one Herzeleid nicht habe ansehen können. Wenn da nan mit 
dem armen sündigen Menschen auch also weitest umgehen, was 
würde nicht dieses für ein Herzeleid sein? Darum bitte ich deine 
göttliche Majestät , du wollest den Menschen nicht strafen nach 
seinen Verdiensten, sondern ihm die Sünde nach deiner grösten 
Güte gnädiglich nachlaoen. 

' Die Gerechtigkeit: 

Das will sich gar nicht gebären, dao deine göttliche Majestät 
wider dein eigenes Wort solle thun ; denn du es dem Adam ge- 
sagt : in welcher Stund er von dieser Fracht eoen werde , soll 
er des Todes sterben. Weil deine göttliche Majestät solches ge- 
redet hat, so muo es auch gehalten werden. 

Gott Vater: 
Nun denn, was ich gesprochen, das soll auch geschehen. 

Die Barmherzigkeit: 

Almächtiger and gütiger Gott! gedenk was du thust! wenn 
da den armen Adam verdammest, so verdammest du das ganze 
menschliche Geschlecht. Solleu denn so viele tausend und taus- 
end Menschen von wegen dieser einzigen Sünde verloren geh- 
en ? Dieses würde ein unbeschreiblicher Jammer sein. Denn der 
Mensch ist listiger Weise von der Schlange betrogen worden, 
sonst hätte ernicht so leicht gesündigt; er hat es auch nicht so 
vermeint dao ein einziger Apfelbio eine so grooe Sünde sein 
8olte. Darum bitte ich deine göttliche Majestät demütiglich um 
Gnad and Barmherzigkeit. 



Die Gerechtigkeit: 9 

Wenn da, o Gott, dem Menschen die Sünden one einige Sfarafe 
wurdest nachlaßen, so würdest du ihm Ursach geben , hernaeh 
desto freier zu sAndigen. Alsdann würde man sagen können, es 
sei keine Gerechtigkeit in Gott, weil er mcht einen Jeden belont 
oder bestraft, wie er es verdient hat. 

Die Barmherzigkeit: 

Ich begere nicht, daa Gott dem Menschen die Sünde on ein- 
ige Strafe solle nachladen ; sondern ich bitte nur daß ihn Gott 
nicht ewig «4rafe. Zeitlich kann er ihn «trafen so viel er will. 

Die Gerechtigkeit: 

Mit einer zeitlichen Strafe bin ich nicht zufrieden , dieweil 
dieselbe gar nicht giltig ist für die Sunde, die der Mensch be- 
gangen hat. So hat er ejne unendliche Strafe verdient. Gesezt 
aber dao ich mit einer zeitlichen Strafß wolte fürlieb nemen, wie 
kann er seine Kinder, die er in die Sünde gestürzt hat, recht- 
fertigen? wie kann ßin Sünder den andern rechtfertigen? wie 
kann einer geben was er selbst nicht hat? wie kann einer, der 
lang tot ist, andere wider lebendig machen? 

Die Barmherzigkeit: 

Ich muß bekennen daß Adam Cur sich und seine Kinder nicht 
genug thun könte, wenn er schon sein Lebtag Buße thate. Dar- 
um bitte ich dich o Gott, du wollest einen Engel 3) vom Himmel 
schicken, der für die Sünde des Menschen genug thue und das 
ganze menschliche Geschlecht auß dem Joche des Satans erlöse. 

Die Gerechtigkeit: 
Wie würde sich dieses schicken? gesezt aber dao es ge- 

Erste blijscap van Ifaria v. 1003-11^^3 die GerechUgkelt spricht: Ni 
dat ic gercreren rinde, sd es Gods wnriieit sonder inde, ende aldos dan na « 
verstsen, soe sonde de wierhelt Codes vergsen. Ontrermichelt , Taster, dan mack 
nlet sijn. — Ebenso in dem Mastrichter SpU 137^139 vader mtn, ded^s dt 
inbarmicheit, wi hlire dan die gerechtlcheU ? 

>) Die Frage Aber die Möglichkeit der Erldsang dnrch einen Engel wde 
in der alten Kirche besonders dnrch Photins bekimpft, flberhanpt rlel behandelt. 
Ebenso bescbXItlgten sich dieMjstlker mit Ihr. Vgl Klee DogmeBgeseUchte 2,8.4. 
\gi. nach Darid v. Angsbnrg bei Haapt Zeitschrift 0,0—14. 



»19 

sekehen sott, so wftren die Menschen sdioldig denselben Engel 
Ar ihcen Heiland zu erkennen und ihm auo allen Kräften zu dien- 
en ; und wfiren mer schuldig demselben Sngel ihrem Erlöser als 
Gott ihrem Erschaff er. 

Die Barmherzigkeit: 

Almichtiger und gätiger Gott! ich habe vermeint ich wolte 
dem armen sündigen Menschen helfen. Nuq sehe ich aber daa 
kein andres Hilfsmittel mer übrig ist', als dao du dich selbst des 
Menschen annemest und für seine Sünde genug thuest 

Der Gott Vater: 

Wie? soll ich für die Sünde des Menschen genug thun? wief 
8oU der Herr für den Knecht leiden? wie? soll sich der Richter 
für den Dieb henken? Das wäre ein Wunderding I Geseztaber 
daa ich es thun wolte, wie kann ich es thun? Adam hat durch 
seine Sünde eine schwere Strafe verdient, ich kann nicht leiden« 
Adam hat durch seine Sünde den zeitlichen und ewigen Tod ver- 
dient ; ich kann nicht sterben« 

Die Barmherzigkeit: 

Weil du, Gott, weder leiden noch sterben kanst, so will 
ich dich von Herzen bitten dao du die menschliche Natur annem- 
est und in derselben iur die Sunde der Menschen genug thuest. 

Die Gerechtigkeit: 

Das wäre ein Wunderding ! Adam hat die Strafe verdienet 
und Gott soll dieselbe bezalen? nimmermer werde ich dieses 
gestatten ; denn tausendmal beoer ist es dao der Mensch ewig 
leide als dao dem allerhöchsten Gott das geringste üebel wider- 
faren solte. 

Die Barmherzigkeit: 

Wo auo? wo hin? höchst betrübte Liebe und unterliegende 
Barmherzigkeit , daß du dich könnest erquicken und finden eine 
Freude ! Denn was nüzt es mir , dao ich die erste Tugend bin in 
Gott, dao ich Gott dem Vater einen Liebespfeil in das Herz ver- 



Herre got, dir ist der arme angevaUen, dem nieman gehelfan mac wan 
d4 aUelne. JOarid von Augsburg Uaapt Zeitschr. 0,10. 



aap 

setzet hab daß er den Ifenschen erschaffen hat sar ewi|;en ffim- 
melsfreud ! Und nun schwinget die Gerechtigkeit das Schwert 
in aller Schftrfe und bringet den Menschen in das ewige Leiden ! 
Dieses ist mir ein unerträgliches Herzeleid. 
Jedoch will ich mich hin verfügen zu der zweiten Person, 
nemlich zu Gott dem Son, 

und will sein Herz mit Liebesfeuer durchschießen, 
vielleicht wird allda dem Menschen die Erlösung entsprie- 
ßen. 
Ich bitt herum, ich ruf herum und bitte alle heilige, 

(sie kniet nieder ror dem Engel.) 

Engelein hilf mir bitten für den sündhaften Menschen I 

(Sie vrendet sich zn Gott dem Son.) 

göttlicher Son und zugleich Gott , der du mit dem Tater 
und dem heiligen Geist regierst her von Ewigkeit, du siebest 
und weist auch wol , daß ich dir obsieget halSe und durch meine 
hitzige Liebe dich fast kann zwingen zu was ich ^vill. Dmm ivill 
ich dir einen feurigen Liebesstral in dein Herz versetzen 

(bifist den Uebespfeil ab aofden Gott-Son) 

und bitte dich zugleich du wollest den armen Menschen als ein 

verlornes Schiflein 
suchen und f&ren zu deines Vaters Herde in den Himmel ein. 



Der Gott Son spricht: 

Die Liebe und Barmherzigkeit hat mir mein Herz erweicht 
und verwundet mit einem Liebesstral. Es erbarmen mich die 



Hea willie vriendelic doen bekinnen dat mi Ontfermlehelt h»ft ontstaet, 
vnericli dorscoten m^n liert m^n sinnen ende metten strale van mlnnangercct; 
dies wort ran mi de doet gesmseclLt. Eerste blUscap van Maria 1343—1347. — 
Daß der Logos oder die zweite Person In der Gottheit die ErICsnng volsiehen mosti, 
war fibereinstimmende Ansicht der alten KIrchenvfiter wie der Scholastiker. Ali 
Hauptgründe gelten daß durch den Logos die Welt geschaffen sei vnd er seine 
Schepfnng dem Teufel gegenüber behaupten mflOe^ sodann daß er als mittlere 
Person in der Dreiheit rum Mittleramt am geeignetsten war. vgl. KleeDogmei«- 
geschichte 2^ 3—5. Diese Ansichten finden wir in die mlttelalterliehen Gedichte 
aufgenommen nnd im einzelnen anßgefllrt. Unser Paradeisspiel behandelt des 
Fall ebenfalls. In der ersten bUJscap van Maria werden Jene beiden kirch* 
liehen Hauptgrflnde geltend gemacht, ferner daß er als die Wetohelt die schwere 
Aufgabe one wißen des Feindes am besten lösen kfinne ; durch seine StUe 
tttl er fiberdiefl mer als derb« Geist zu der Thatbefihigt. In dtai FiKtocr mriteft 



Ml 

armen Menschen ser; aber daa ich als Gott solte leiden, das 
wäre wider meine Ere. 

m, • 

Die Barmherzigkeit: 

Ob es zwar scheinet dao es wider deine göttliche Ere sei, 
so gereichet es doch zar sonderbarlichen Yermerung derselben, 
denn hierdurch werden alle Engel und Menschen Ursach bekom- 
men , Gott ewig zu loben und um das so wunderbarliche Werk 
unendlichen Dank zu sagen. Es wird auch hierauo deine gött- 
liche Gerechtigkeit desto klarer erscheinen, weil alle sehen 
werden dao Gott gerecht ist, dao er lieber die Sünde an sich 
selbst wolte abstrafen als ungestraft hingehen lacen. Es wird 
auch hierauo deine göttliche Allmächtigkeit Weisheit Freigebig- 
keit und Gdtigk'eit desto klarer erscheinen, weil alle sehen 
werden dao Gott solches Werk gethan hat welches wider allen 
erschaffenen Verstand ist. Ja ich weiß auch dao alle Menschen, 
die auf eine so wunderbarliche Weise erlöst werden, Gott Tag 
und Nacht danken und sich mit Leib und Sei werden verschreib- 
en laoen; ja dein verwundetes Herz und große Liebe werden 
alle Menschen zur Gegenliebe anreizen. Darum bitte ich dich, 
gfltigster Gott, nm deine grooe Ere und Glorie : nimm doch dies^ 
es Werk auf dich und willige in mein eifriges begeren. 

Der Gatt Son: 

Du Liebe, ich kann dir nicht abschlagen dein begeren, 
sondern ich werde dir deine Bitte gew&ren* 
Heorzliebster Vater, dich auch erbarme, 
wir wollen den Menschen iiicht auf ewig verdammen* 



bei Parfait hliteire da t}i<^atre ft'an9al8 1 , 103 sind die vier Gründe, weshalb 
der Son die ErlCsang fibememen mäste, seine Sonscliaft, dann daß er das Ab- 
bild des Taters Ist. ferner daß er der Logos sei, viertens weil er die mittlere 
Person Ist. In der teutsclien Theologey des Bischofs Berthold von Chiemsee heißt 
w cap. 54 S* 2. ^^0 nun menschlich geschl&cht in ewigs todes noeten lag imuI 
njemants vorbanden was, der dafselb geschlächt hlet moegen erledigen, dann 
der heechst mensch, den gotUcher San In sein p erson ward annemen — daranf 
hat got Un rat helliger Ifrinltat beschießen durch denseiblgen gotUchen menich-* 
en das abgefallen menschlich geschlächt ans seinen noeten zao erheben and z^ 
bringen zam ende dazao es beschaffen ist.^< Daß sich aach ansre mittelalterllchea 
Lyriker mit diesen Fragen beschäftigten, belege das Gedicht Reimars von Zweier 
Ich feite la gerne Ich welz wol waz, Minnesinger v. Hagen 2| 177^- 



Ber Gott Vater: 
Nun denn ! damit Himmel and Erde erkennen daa ieh anend- 
lich gfitig and barmherzig sei, so will ich dem Adam nicht allein 
verzeihen , sondern damit auch der Gerechtigkeit ein völliges 
genfigen geschehe , so wollen wir die Sfinde an ans selbst ab- 
strafen. Damm bewillige ich eine auo ans drei göttlidien Per^ 
sonen die Menschheit anzunemen and in derselbigen f&r die 
Sfinde des Menschen genag za than. 

Der Engel maß am das Kreaz gehen indem die Gerecht- 
igkeit spricht: 
Weilen da, o ewiger Gott, dich von der Barmherzigkeit also 
liflest fiberwftltigen imd von der liebe also liaest zwingen, so 
will sichs gebären daß da mir aach ein völliges genfigen leist- 
est. Denn weilen sich der Mensch an dem Baam vergriffen and 
versfindigt hat, so kann ich nicht zalaaen dao der Mensch das 
Leben 
an einem andern Ort als am Kreazesbaam solt geben. 

Die Barmherzigkeit: 
Damit der göttlichen Gerechtigkeit auch ein völliges genüg- 
en geschehe, daram bitte ich dich o Gott, da wollest die Kreaz- 
eslast aaf dich nemen, 

(Die SamlmnisiLelt nlmt ron dem Engel das Krem aad gibt ei dem Oott Soii) 

am das ganze menschliche Geschleckt za erlösen. 

Der Gott Son: 
Aao liebe gegen den Menschen will ich alles leiden , ich 
will das Kreaz aaf midi nemen mit Weuden , damit ich iha von 
dem ewigen Tode erlös^i könne. 

Der Gott Vater: 
Es ist mir lieb, mein lieber Son , aber es wird dir gar Abel 

Q vgl. ÜMtrlckfer Ostenpld bei Hwipt Zeiteclv. 2, 806. 

s) Dd mit dfnem tdde anfeni tot Biraortest an dem itamme^ damit «u la 
diiem wvoteUamme TerstleBe Adlmei gtte« Heinifchi Litanei Fandgra^es D. 
217, 46— 21Sy 8. Holx bracht auch ia aot, daramb sei aacb der ewig got aa 
dem holx aad ftaauaea aas nideram gaad erlangea. Eta Recht dafi Cteiitat 
•tirbtbeiPicUer Drama dei MIttdalten ia Tirol 8. 67. TgL UnraerHeaa Sehttssp. 
des Mittelaltere 1 , 807. 818. «ad aatea 8. 828. f. die Aamertaag la Adaau Ted« 
Veber die Verbiadaag des LebeaiiiaaBMi aad des Kreases ia ktasOertedMa nar- 
eteDaagea des Mltteiatten a. B» aa dea Egitersteinea s« Schaaase Geech« dar 



ns 

ergehen in deiner Mei|9ehhitt, denn du wirst ser viel mäßen 
leiden: Hunger nnd Domt^ Hita und Kitte, Yerfolgong und Yer- 
lehtang; ja den allerschmerzlichaten Tod ^virst da mäoen aofl- 
stehen. 



r ■. 



"Der Gott San: 

Mit diesem bin ich gar wol aafirieden, mein allerliebster 
Titer. Ja deine Gerechtigkeit za befriedigei^ and meine große 
Liebe and Barmherzigkeit vor allen Kreaturen öffentlich zu er- 
zeugen, bin ich auch bereit auf dem Kreuiesholz zu sterb^i and 
aldft dem sSndhaften Menschen die Freiheit und das Leben za 
erwerben. 

Lucifer läßt Adam und Eva auß den Ketten. 

Lucifer: 

Der Sflnder der gehöret mein 

o&d das gnze aensehliche Ctesddecht maß aut mir in die Hell 

hinein. 
Aao meiner Hand soll sie aiemaiid retten ! 

DerGottSon: 
Pack dich weg, du Hellenhund, 
tweil ifc so achindliche Worte liat ano deinem Schload. 

Ich mit meinem Leiden and Kreuzestod werde idiok scMageii 
in die Hell hinab. 

(SchUgt den Lucifer mit dem Krtnt aaf die Schalten. Lucifer and Bellal 

gelten ab.) 

DerGottSon: 
Ob idi adion die Strafe des Adam auf mich neme, so befreie 
ich ihn doch nicht ven der zeitlichen Strafe, So will ich ihm und 
meinen Kindern, so lang sie leben, die Sünde auf dem Hals liegen 
laßen; so will ich ihm die Kleider der Unschald abnemen, 
sie sich fttrchten and schämen und will sie auß dem 
verstoßen. 

Adam: 
Ach wehe, wie ist mir mein Nut verkert ! ach was habe ich 
Seflian? ich sehe Jezt daß ich nackend bin. Wo fliehe ich hin, 
mit was bedeck ich mich? auß Feigenblättern werden wir uns 
Schürzen flechten, damit wir unsre Blöße bedecken. 

(Adam und Era nemen Krinse .snA tofea de tber iSe SelmlteiB.) 

21* 



824 

Der Gott Vater: 
Adam vro bist? komm her zu mir! ^ 

Adam: 
Herr, ich höre wol deine Stimme, aber vor dein Angesicht 
zu kommen schäme ich midi» 

Gott Vater: 
Adam, warom schämst da dich? 

Adam: 
Weil ich bloo nnd nackend bin. 

Gott Vater: 
Wer hat dir gesagt daß du bloo und nackend bist? hast du 
vielleicht gegeoen von der Frucht so ich dir geboten hab : ftu 
Bolst nicht eoen ? 

Adam: 
Herr, das Weib, so du mir zu einer GehiUn gegeben hast, 
gab mir von der Frucht und ich ao davon. 

Gottvater: 
Eva, sag an, warum hast du dieses gethan ? 

Eva: 
Nein Gott, Mrie liat mich die Schlange so ser betrogen das 
aie mir den Apfel gab und ich ao davon. 

Gottvater: 
Weil du, giftige Schlange , dieo hast gethan , so solst da 
verflucht sein unter allen Tliieren. Auf deinem Bauche solst da 
gehen und Erde eoen dein Leben lang. Ich will Feindschaft setz- 
en zMrischen dir nnd dem Meuseken , denn auo des Menschen 
Samen wird wider ein Weib geboren werden so dir den Kopf 
zertreten ^vird. (Die scUange gM ab) Und du Eva, dir will ich 
viel Kummer nnd Schmerzen machen , du solst deine Kinder Bit 
Schmerzen gebären und unter deines Mannes Gewalt sein und 
er wird dein Herr sein. Du aber, o Adam, weil du die Stimme 
deines Weibes angehört hast und gegeoen von der Frucht wo- 

Diese Sceae ist fast wörtlich nach dem biblischen Teite: Oenee. 3, 9 ' • 
Es mag flberrascheo^ sie hier xa treffen; indessen sie ist in diesem Stiele toi 
Anfang an dieser Stelle gewesen nnd nicht verstellt. Der Vertreibong aafi ^« 
Paradiese schlieOt sich die VerheiOnng der Erlösung an, welche ent dem he- 
leito m ti c hted w Mn ItoMsae follgmi kontt« 



von ich dir geboten hab : in solst nicht eoen ! so soll die Erde 
verflacht sein aoo der du genommen bist. Mit vieler Aibeit solst 
du dich emftren, Distel und Bornen soll sie dir tragen, im Schweiße 
deines Angesichts solst du dein Brot genießen, biß du wider zur 
Erde werdest daranß du genommen ; denn du bist auß Staub 
und Erden und must wider zu Staub und Erden werden, (ruft 
den Engel) Engel Gabriel, komm her zu mir! 

Der Engel: 
Herr, hier bin ich, was schafst du mir? 

Die Gerechtigkeit gibt dem Gott Vater das Schwert, 

Gott Vater spricht zum Engel: 

Das scharfe Schwert das geb ich dir. das scharfe Schwert das 

solstu tragen, 

solst Adam und Eva auo dem Paradeise schlagen. 

Verbanne und beware den Weg zum Baum des Lebens i^it dies- 
em feurigen zAveischneidigen Schwert, 

anf daß derselbe biß zum End der Welt von niemandem gefund- 
en werd. 

Der Engel: 
Ich hab empfangen ein Gebot 
und das von dem allerhöchsten Gott. 
Das scharfe Schwert das soll ich tragen, 
soll Adam und Eva anß dem Paradeise schlagen. 
Also gehet hinauß auß dem Paradeis ! 
Adam, du solst bauen das Feld mit Fleiß, 
Eva soll sich ermüden nicht minder 
und mit Schmerzen gebfim ihre Kinder. 
Adam soll seine Sunden bdßen, 
in Schwitz und Schweiß sein Brot genießen. 
Eure Kinder siiid von Staub und Erden, 
zu den sie letzlich mäßen werden. 

Eva: 
Ach ich arme Frauen, 
jezt muß ich das Elend bauen. 

Adam mid Eva gehen biß zu der Thflr. 



nickt Minder, Mi der H, 



Adftm: 
Weib, komm her im4 bitten Mrir Gott 
daß er uns wider ruft aao der Not. 

Eva: 
Wir bitten Gott , er weil uns doch nicht ganz verlaoen. 

DerEngel: 
Eva, du darfst keinen Zweifel faoen, 
Gott wird eueh nicht verlaoen. 
Eva,^ere deinen Mann, erzieh dein Kind, 
so verzeiht dir Gott all deine Sftnd. 

Adam und Eva singen ein Lied Tor der Thttr« 

Eva singt allein: 
Schau, mein Adam, hörst den Engel 
:|:ttnd was er uns:l: hat gedrohet au. 

Adamsngt: 
Warum folgst dem Teufelsengel, 
der dich so gereizet an. 

Eva singt: 
Ach wir leiden groae Not 

Adam: 
Du bist schuldig des ewigen Tod. 

Eva singt: 
Wo sind denn nun jene Freuden 
:|: die ivir gnooen :|: im Paradeis. 

Adam: 
Der Apfelbio herßrbringt Leiden 
Janmier Trübsal uns zur Speis. 

Eva: 
Du verfluchter Apfelbio! 

Adam: 
Schau mein Eva, must leiden dieo. 

Eva singt: 
In die Trfibsal wir uns haben^) 
:|: tief gegraben :|: beide ein. 



Ann der Not, Mt der Bf. 

Hs. wir xau Tergmben mir luis beite fiBdea ein. 



8t7 

Adam: 
Sflnd und Laster mäßen wir tragen, 
weil wir ungehorsam sein. 

Eva: 
Aeh die Schlang ist schuld daran I 

Adam: 
Sehan mein Eva, das hast zmm Lon. 

Adam spricht: 
Ach weh ich armer Hann^ aeh weh was hab ich gethan, dao 
ich so ein grooes Gut mit einem einzigen Apfelbio verscheraet 
hab! Soll ich denn nimmermer die HoAiang haben, widerom 
in das Paradeis za kommen ? soll ich denn mein Lebtag in dies- 
em Jammerthal verbleiben? So wftre es ja kein Wunder dao ich 
mir vor Leid und Traurigkeit meine Aiigen auo dem Haupte 
weinen möchte. Ach liebster Gott, erbarme dich meiner, strafe 
mich nicht ewig wegen meiner Sttnde. 

Gott Vater: 
Engel Gabriel, komm her zu mir ! 

Der Engel: 
Herr hier bin ich, was schafst du mir? 

Gott Vater: 
Geh hin zu den Menschen auf Erden 
und sage ihnen dao sie erlöset werden. 

Der Engel: 
Nicht betrübe dich so ser Adaml auo deinem Samen wird 
widerum ein Keusch geboren werden , der Mird sein ein ge- 
rechter und friedsamer Held. Er wird seine Hand auostrecken 
und vom Baum das Leben nemen ; er vnrA seine Frucht fiir alle 
bringen die auf ihn hoffen. 

Das sechste Thronlied: 
Mensch, steh ab von deiner Sund, 
ridit dich zum sterben ! 
du kanst erwerben 
ein selig End. 



828 

r 

Adam der erste Mensch auf Erd,. 
must dich nun fugen, 
muß ja schon liegen * 
dein Leib in Erd. 

Bedenk, o Mensch, alls was du thust ! 
du kanst nicht weichen, 
und deinesgleichen 
auch sterben muo. 

Wilst du auf Erd gottselig sein, 
dein Leben beschließen, 
wirst wol genießen 
die Freude rein. 

Die Gottesengel mit großem Fleiß 
auf dein Sei warten 
im schönen Garten, 
im Paradeis. 

Dort wird man dich in Himmelsthron 
gar bald einfSren, 
Gott vnrA dich zieren 
mit einer Krön. 

Dort wirst du sehen, allezeit 
sein göttlich Gestalt 
und all sein Gewalt 
in Ewigkeit. 

Adam «ritt aufmacht das Testament s) und spricht: 
O ihr meine lieben Kinder, hört die Worte eures Vaters und 



6«. rieht dich siim fliieii. 

In der ertten blljscap van Maria sendet AdaM^ als er den Tod ■akenfflt<. 
feinen Son Seth zn dem Engel , welcher Tor dem Paradlese Wache hfilt , nm st 
fragen, wann seine Qnalen enden sollen nnd wie der SllndenfaU zn hflOen sei. 
Ehe Seth widerkomt^ stirbt Adam; der Chembim gibt Seih einen Zweig ▼<>■ 
dem Paradiesesbanme; durch diesen Zweig soll Adam ,ydio ende grtse'^ erlöst 
werden. Seth soU ihn auf Adams Grab pflanzen, anO ihm wird ein groflcr ■■' 
schöner Banm werden, tv. 642-716. In dem niederdeutschen Spiele von der 
Avferstehong CMone Schansp. des Mittelalt. 2^45 f.) ersIltSeUi, #to erTtnAdaa 



3ä9 

bewaret solche In eurem Herzen. Der Mensehen Jare sind kurz 
und vergehen wie der gestrige Tag, so nicht mer vorhanden ist. 
Ich hab zwar schon neun hundert dreißig Jare in diesem Jam- 
merthale verlebt, aber unser Leben auf Erden ist wie ein Schat- 
ten und wir haben kein verbleiben hier, denn wir sterben alle 
und verschliefen unter die Erden , gleich wie die Waoer die 
nicht wieder kommen. Unsere Tage werden verzert als wie ein 
Nebel in der Sonnenhit z. Mir hat es zwar der gütige Gott ver- 
sprochen, es werde aua meinem Samen ein Erlöser geboren 
werden, der uns den Weg ius Paradeis zeigen werde ; ich aber 
werde die Gnad nicht mer haben diesen Heiland zu sehen. Ihr 
aber meine lieben Kinder, lebet nur fromm und gottselig und ihr 
werdet die Gnad haben , den Heiland zu sehen. Ich gehe den 
Weg aller Welt und gehe zu der Erden, was mir zugehört; denn 
ich bin von Staub und Erden und muo wider zu Staub und Erden 
werden. (Adam kniet zu dem Baume). 

Der Tod tritt auf und singt : 

Ich Tod von Gott geschicket bin 

zu nemen dir das Leben, 

die Zeit ist schon verflo aen hin 

die Gott dir hat gegeben. 

Mach dich nur auf, bsinn dich nicht lang, 

du must auf fremde Straßen, 



zu dem Engel um das Oel der Barmherzigkeit geschlkt wurde, dieser aber (es 
ist hier HlchaeO ihm daffir das Reis gegeben : wen vtf ddsint J^ sint nmme 
harnen ant sechshnndlrt, dat maeh dinem vadlr vramen. In dem flranz. Mystere 
de la Nativite (Jnbinal n. 17 ff.) fleht Adam, qal venit trespasser, daß Gott mit 
■einer Sele, die in die Helle gehen solle, Barmherziglieit habe, und der Herr 
rerheiOt ihm nach fOnftansend Jaren EriOsnng. ,,C)' se volse Adam conchersnr 
one coQvertnre" nnd heißt seinen SonCep ins Paradies gehn nach dem Oel der Barm- 
hersli^eit. Der Engel welcher diesem anf Gottes Befel das Reis gibt, ist Raph- 
ael. In nnserm Spiele ist angenommen, daß dieser ErlOsangsbanm (der Kreas- 
banm) schon aufgewachsen ist. Von dem Holze des heil. Kreuzes handelt ein 
besonderes niederdeutsches Gedicht (Hagen Grundriß S. 207); auch Lintwin am 
Schluß seines Gedichtes von Adam nnd Eva (Hagen Grundriß 454. HolTmann 
Wiener Hfs. n. XLVU ) erwAhnt der Zweige des Lebensbaumes , die auf Adams 
nnd £?as Grab gepflanzt wurden. 

lu Ruifs Adam und Eva tritt der Tod gleich nach dem Apfelblß auf und 
hSIt einen Monolog: Ich bin der Tod in d'welt erbom, gemacht Ton der Sftnd 
Qiid ußerkom n. i, w. v, 1411—48. 



aap 

and ob es dir ward noch so bang, 9 
ich werd dich hier nicht laoen. 

Adam singt: 

nicht, nicht o Todesmann 
thu mich hinweg nicht reißen I 
ich hab gelebt auf Erden lang, 
neunhundert Jar und dreißig. 
Ach nicht, ach nicht, o Todesmann, 
laß mich noch hier verbleiben, 
soll ich von all mein Kindern dann 
Jetzunder auch schon scheiden ? 

Der Tod: 

Nicht mer ein Stund sei dir vergunt, 
was sagst von vielen Jaren ? 
es ist die Zeit verflooen hin, 
thu nur dein Sei bewaren. 
Die Ur ist schon gelaufen auo, 
du darfst ja nicht lang wanken ; 
bestehen must den Todesstrauß, 
du bist in meinen Schranken. 

Adam singt: 

Behüt euch Gott mein Kinder all, 
von euch muß ich jezt scheiden; 
gedenket meiner auch einmal, 
thut Saud und Laster meiden, 
habt Gott vor Augen allezeit, 
gedenket auf das sterben, 
damit ihr seid alzeit bereit 
den Himmel zu erwerben. 

Der Tod: 

Verlaße deine Kinder du, 
du must dich schon aufmachen, 
ich laß dir Ja kein Tag mer Ruh, 
thu nur dein Leben betrachten. 



da werd Ich dir schon bang. Es. 



Ml 

"W^ dieh am Bftnm vefbrodien hast, 
ist dort verwirkt dein Leben, 
du must gleich sein als wie ein As 
den Wflrmlein mitergeben. 

Adaa und dtr Tod gek«B aK 

Das siebente Thronlied: 

Adam erstnrbe der fromme Mann, 
verließ seine Kind in betrübtem Stand. 

So loben wir Gott schon 

im höchsten Thron. 

Es komt schon die Zeit des Erlösers herza, 
daß Gottes Son Mensch werden thnt. 

So loben wir Gott schon 

im höchsten Thron. 

Der Gott Yater spricht: 

Nan mein allerliebster Son, jezt ist die Zeit daß dn dich auf- 
machest und in die Welt hinunter laßest ; denn es erbarmen mich 
die armen Altväter so ser ^ daß ich ihr Elend nicht länger kann 
ansehen. Damm will ich lieber dich leiden sehen als die armen 
Menschen zu Grunde gehen laßen. 

Der Gott Son: 

Mein allerliebster Vater, wenn es dein göttlicher Wille ist, 
daß ich soll Mensch werden , so bin ich bereit (steht auf.) So 
siehe, ich dein eingebomer Son, ich gehe hin in die Welt, wo ich 
wol weiß daß mir alles übel widerfaren wird. So siehe, ich dein 
eingeborner Son gehe in einen schweren Streit, den ich mit der 
Sund und mit der Welt und mit dem Fleisch und mit dem Tod und 
mit dem leidigen Teufel werde füren mäßen. So siehe , ich dein 
eingebomer Son gehe hin zu sterben und mein so adeliches 
Leben auf einem so schmählichen Kreuzgalgen zu laßen. Das 



Auf Adams Tod folgt in der ersten blQscap van Maria eine Hellenscene. 
Lutfer nnd Neid frenen sich der vollen fleUe; Adam Eva nnd die AltvSter 
klagen; Isaias erinnert an die Prophezelang die er gelesen daß das Kind einer 
Jnngflran sie erlösen werde^ nnd Adam sagt: Verhncbt n vrlende ende bifft in 
hppen, die propliecie enmacli niet liegen. Willems belgisch mnsenm IX,8d — 89, 
Diese Sccne wird darch vnser siebentes Thronlied ersezt. 



332 

thne ich dem armen sündigen Mensdien zu fieb,' damit ich deinen 
Willen erfülle und die AUviter aao der Helle erlöse. 

Die Gerechtigkeit singt: 

Erlöser dieser Erden, 
muo denn gestorben sein ? 
kann dir nicht geholfen werden, 
allerliebster Jesus mein? 
Adam ist daran schuldig 
und du must gehn in Tod ; 
leidest alles so geduldig, 
du gerechter Gott. 

Der Gott Son singt: 

Schäflein wegen deiner 
trag ich das Kreuz auf mir, 
denn weilen ja sonst keiner 
auf Erd kann helfen dir. 
Denn du wärst sonst verloren, 
die Wolf zerrioen dich ; 
ich hab dich außerkoren, 
weil du erfreuest mich. 

Die Barmherzigkeit singt: 

Sünder nimms zu Herzen : 
der allerhöchste Gott 
als Mensch leit große Schmerzen 
und geht für dich zum Tod. 
Darum thu dich bequemen 
und lern Geduld von Gott, 
sein leiden thu erkennen 
und halte sein Gebot. 

Der Gott Vater spricht: 

Was die Gerechtigkeit und Barmherzigkeit schon vorlingst 
haben beschloßen, das soll endlich mit der Zeit erf&Uet werden. 
Denn es rufen und seufzen die Altväter schon über viertausend 
Jare. Himmel eröfnet euch und regnet herab den gerechten 

lMüas46«S. 



33a 

Bamm o allerliebster Son , verlao die neun and neansig wolge- 

weideten Schäflein und sache das . 
was verloren ist nnd bringe es zu meiner Herd, 
damit es sich bei mir erfreu und nicht ewig verloren werd. 

Gott Son: 

Mein allerliebster Vater, ich gehorsame dir gern , ich nem dieß 

Gebot gern auf mich, 

ich will das Schftflein suchen und werds auch finden sicherlich. 

Gott Vater: 

Es ist mir Heb , mein lieber Son. £s wird dir aber gar übel 
ergehen in deiner Schäferei ; denn du wirst ser viel leiden möoen, 
ja dein eigenes Schäflein wird sich wider dich setzen und em- 
pören und dich verfolgen über die maßen ser. 

Gott Son: 

AttO Liebe gegen das Schäflein will ich alles leiden ; ich will 
mich nicht widersetzen und empören , damit ich es vom ewigen 
Selentode erlösen könne. 

Neun und neunzig gerechte ich hinterlaße, 

das ist die neun Köre der Engel im Himmelssal, 

und auf die Welt ich mich hinunterlaße 

abzubüßen den Adamsfall. 

Ich verlaß die Himmelslust und Freuden 

und geh in die Welt ins leiden, 

in die enge Trauerstatt, 

mderbringen was verloren war. 

Alle Himmelsfreuden laß ich hier, 

du mein liebes Kreuz, wie bist du mir 

so lieb ! mit dir will ich leben, auf dir will ich sterben, 

mit dir will ich das menschlich Heil erwerben. 

uimt die Krön und das Tuch von der Schulter und sezt den Hut 
auf, nimt Urlaub vom Gott Vater und vom Engel und 

spricht : 

Nun Adieu, mein allerliebster himmlischer Vater, nun Adieu 
mein aUerliebster heiliger Geist; sieh ich gehe in die Welt ins 



leiden , welche« mir von Ewigkeit ist zabereit. Non Adieu ihr 
lieben Engelein I (geht ab.) 

Der Engel singt: 
Gloria in excelsis deo. 

Die Tier Personen gehen ab: der Engel^ die Barmhenlgkelt, die Gereckttgkelt, 

der Gott Vater. 

3iDeit€r SOeiC 

(Das Spiel vom guten Hirten) 9 

Der gute Hirt tritt auf und singtr 

Wo soll ich mich nun wenden hin ^ 
ich armes Schfiferskind, 
weil ich muß suchen Ja forthin 
ein Schiflein bio ichs And, 
welchs gelaufen ist von der Weid, 
die ihm mein V«ier hat bereit " 
in aHe Ewigkeit 

•" 

Ich klopfe hier an dieser Pfort, 

Schftflein mach mir auf! 

in dieser Au find sonst kein Ort, 

schon lang herum ich laaf. 

Ich bin ganz matt, glaubs sicherlich, 

die Herberg mir abschlage nicht, 

ich bitt herzinniglich. 

Ich bin ein Kind von hohem Stamm, 

edle Schäferin 1 

ich hab niemand nichts leids gethan, 

ganz fromm ich allzeit bin. 

Ein Schiflein ich verloren hab. 



Zusatz von mir« — Im flbrigen yergl« die VorbemerknngeH su dem Ptf- 
adeiaspiele» 8. 208. f. 

*) Vgl. Friedr. 8pee Ein Scliaflein aaOerkoren snch Icli so manchen Tag 
«aidnes Togendbnch TId. 2* Kap» 4. Ptflterieltt P« P» See* Jen 8. 200 «ad 
«cbiflein «ibOMkorea da lartei waUen Kind TratuaelOigaa 0N3) 3. W. & 



SS5 

das mao ich saehen Tag und Nacht, 
bia ich es find fortab. 

Mein Vater ist von Ewigkeit 
und ewig wirt sein Reich; 
sein eingebomer Son zugleich 
ich ewig bin und bleib. 
Ach Sander merk und mich anhör, 
dein arme Sei von dir beger, 
drum bin ich hier, schenks mir. 

ihr verlornen Schäflein aU, 

ach wendet euch zu mir I 

wol in den himmlischen Schafstall 

ich euch all fBren will ; 

hinauf wol zur himmlischen Weid 

und wo ihr all in Ewigkeit 

mich sehen wert alzeit. 

Der gute Hirt spricht: 

Dann ! J^zt will ich meine Stimm erheben 

in der Wildnifs in diesem Jammerthal, 

und will die SchAflein rufen, 

das sind die Menschen all, 

weilen sie durch den Adamsfall 

verloren haben das Paradeis. 

Dur eigne S&nd beineben 

schnurgrad der Hellen sie zuweist. 

Drum will ich nicht nachlaoen 

und will das Schftflein suchen, 

mit heller Stimme rufen : 

komm Schaflein, komm Schfiflein! (geht ab.) 



BaiibI steht Uer und in der folgenden Bede; die Bedentong entspricht 
te Tenttriiten woldani 

IMeeet aofTordenide dann g^be ich auch annemen xn mflOen Fasnacht- 
■piele (des 15. Jarh. Ton Ad. Keller) 252, 6. Nu gmeO euch 6ot an mit ein- 
«iiir! aüeh windeii daß ich an ench wander« Dann! schalt mich ab nach 
nitaMT peiioB. ebd» 841,S Bannt Uot bewar eich Ua als her. 



zu 

Die Schiferin tritt auf und spricht: 
Dann ! jezt bin ich eine Schäferin on Hirten auf dem weiten 

und tracht nach Freuden auf dieser Welt. 

Es ist viel schöner in Freuden leben 

als in Traurigkeit die Zeit verzeren. 

Man singt, man springt, 

man ist lustig und guter Ding, 

und ich solt solches nicht genieoen ? 

das fällt mir gar zu schwer. 

Ei so will ich mich ergetzen, 

in den Weltfrenden 

meine Zeit vertreiben, 

meinen fiinf Sinnen laßen freie Lust. 

Der gnte Hirt tritt auf und singt : 

Ach liebstes Schäflein mein, 
sag was soll dieses sein, 
dao du mich gar verachtest, 
nach andern Hirten trachtest? 
Bleib hier in meiner Weid 
bei schönster Seligkeit. 

Die Schäferin singt: 

Schäfer, verzeih mirs doch, 
zu schwer ist mir dein Joch. 
Ich seh bei andern Hirten 
die Schaflein nicht bebürden 
mit schwerer Dienstbarkeit, 
wie hier aaf deiner Weid. 

Der gute Hirt singt: 

Schäflein du irrest weit, 
wannst 2) gehst von meiner Weid, 
der fremden Lust nachgehest 
und dich zun Böcken gsellest. 



waanst neM« Ich anO der Hb. in den Text; wAnnstsranii An, »üt 
geschobenem eaphanliclicn «. Vgl« meine deutsche Di«leotfi>nckiui(« S. fil. 



337 

Da geratest ias verderben, 
den ewgen Tods wirst sterben. 

Die Sckfiferin singt: 

SchSfer, lao mir ein Freud 
nur eine kurze Zeit. 
Bei deinen stillen Herden 
möcht ich melancholisch werden. 
Drum such ich Lustbarkeit 
und mein Yergnägenheit. 

Der gute Hirt singt: 
Verfluchter Eigensinn, 
so nimm den Abschied hin ! 
heut wirst du noch zumalen 
in Sund nnd Laster fallen; 
dein Sei steht in Gefar, 
gar bald verloren war. 

(Gehet ab.) 

Der Engel tritt auf und spricht: 

Schäflein folge meinem Rat 
und bleib bei deinem Hirten; 
denn alle weltliche Freud 
wärt nur eine kurze Zeit. 
Was? gibt nicht dein treuer Hirt 
für eine kleine Zeit 
dir ewige Himmelsfreud ? 

Die Schäferin spricht: 

Dieo Joch ist mir zu schwer, 
das kann ich nicht ertragen. 
Es ist auf seiner Weid 
wenig Freud zu erfragen. 
Drum wend ich mich von ihm 
zu einem andern Hirten hin. 

Der Engel: 

Gott hat dir vorgelegt "Jeuer und.Waaer; strecke deine 
Hand aua nach welchem du wilst 



I / 



338 

Die Schiferin singt dieo lied allein: 
In der Prtth wenn der Tag zu leuchten anftngt 
und sobald die Sterne vom ffimmel vergehn, 
80 treib ich all mal 
die Schiflein aao dem Stall, 
weid sie auf grüner Heid 
mit großer Fread. 

Und wenn die Sonne zu scheinen anfSngt 

und sobald das Lerehlein die Liedlein anstimmt, 

wenn ich in d' Taschen greif 

mach ich ein Spiel und pfeif, 

das giebt ein Widerhall 

in Berg und Thal. 

Ich bin und bleib ein Schäferin frei 

weil mich auf der Erd nichts beoer gefreut. 

So liegt es mir im Sinn, 

weil ich ein Schäfnn bin, 

ich bleib auf grüner Heid 

in der Schäfrei* 

So will ich bleiben ein Schäfrin allein ; 
was könt auf dieser Welt lustiger sein. 
Laß mir auf gräner Aun 
ein kleines Hfittlein baun, 
daß ich kann wonen drein 
ja ganz allein. 

In der Fräh wenn ich d* SchlUIcto auf die Heid aufltreib, 
so komt zu mir ein Jiger, vertreibt mür die Zeit. 
Wenn ich dann schläfrig bin, 
leg ich mich ins Gras hin 
und druck die Äuglein zu 
in sußer Ruh. 



Vg^. die zweite Strophe des tcUesfschen SchSferliedet bei Hof Aaim v»i 
Richter Schlesiache VoIluUeder S. 310. „Wenn diuin firflh die Sonn anficeht Uli 
4er Than am Grase steht, Treib ich Ja mit CHockeoschaUe Meine Schifleln m^ 
dem Statte Anf die g^flnen Wiesen hin , Wo kh gau aOeiae Um.^ Vgl. «v^ 
4a8 oben 8* 176* U angeOrte Hütcnlled. 



Der Jäger gekt bei der ThAr hbieta und singt: 

Lastig ists auf grüner Heid, 
man thut mich Schftfer nennen, 
ich weiß eiif SehAflein ganz aUein 
das will ich 3chon bekommen. 
Im Winter war es in dem Wald 
in dem Sommer auf grüner Au, 
da hab ich ein schön Unterhalt 
bei einer Schifersfran. 

Die Schäferin singt: 

Und wenn da bei mir Schafersfraun 

willst eine Freude haben, 

so darfst herein zu mir dich traun, 

darfst weiter niemand fragen. 

Die SchAflein gehn aaf grüner Heid, 

wir tanzen so herum, 

gar lustig sind wir Jederzeit, 

drum sei mir nun willkumm 0* 

Der Jäger «ingt: 

Geliebte Schäfrin sei gegroot, 
Jezt sind wir schon beisammen 
wir habn zu trinken Wein und Bier, 
alls was wir nur verlangen« 
Und lustig könn wir immer sein, 
auch Musik haben wir, 
ich vidll dir schaffen Kleider fein, 
was dich noch schöner zier. 

Die Schäferin singt: 

W^m da mir schöne Kleider schaffst, 

das war nein gröste Freud ; 

die Hoffart ist ein schöne Sach, 

die haben £e meisten Leut 

So kann ich allzeit ummi 2) gehn 



O Ht. dl« MHfig wlttUUM. 



«»* 



340 

wol in der sdiönsten Pracht; 
hier wollen wir ein Hüttlein baun 
zn wonen bei der Nacht. 

Der Jäger singt: 

Geliebte SchAfrin sag es mir 
was machest hier allein? 

Die Schäferin singt: 

Ich will wähl ein Schäfer mir, 
der mich allzeit thut gfreun. 

Der Jäger: 

Und wenn du wollest Freude haben 
so bleib du nur bei mir 

Die Schäferin: 

Wenn ich alhier kann Kurzweil haben, 
so bleib ich schon bei dir. 

Der Jäger: 

Und hier kanst du schon Kurzweil haben 
wenn d^ bleibst allzeit bei mir* 

Der Jäger spricht zur Schäferin: 

Sei gegrüßt o Schäferin mein, ' 

sag was machst auf dieser Heid allein? 

Die Schäferin: 

Schön Dank mein Schäfer 2), ich bin alhier, 

mich zu ergetzen auf dieser Weid 

und einen Schäfer auozuwäln 

der mich stets weide in Lustbarkeit. 



Auch hier hatten wir in dem voraiiOgehendeii LIede daHielbe, was du 
im Gespräche verhandelt wird. So ist in der Jüngeren Faßang docli die Weiie 
des eiteren Schauspiels bewcxt worden. 

>) Die Es. hat Jäger ^ wie vorher und nachher in den Ceherschrilten. Ich 
habe hier Schäfer gesezt nnd aoch an einigen andern Stellen ^ wo die namittel- 
bare Beziehun«: anf das Hirtenleben waltet^ im übrigen Jäger stehen laOen, deaa 
der Jäger ist hier der verkappte Teufel, der dem guten Hirten ^egenftber sieht. 
Der Teufel erscheint nach weit verbreitetem und auch in Stetannark geläalg« 
eiaaben Torzfle^ch gern als Jäger. 



a4t 

Der Jäger: 
Ei 80 komm in meine Schaferei, 
da steht dir alles frei ; 
hast Lustbarkeit in Ueberfluo, 
so viel als nur dein Herz gelust 

DieSchfiferin: 
Der Pakt der sei geschlooen, 
ich komm in deine Weid, 
du versprichst mir Freuden 
und ich dir meine Treu. 

Der Jager: 
Komm Schäflein, komm Schaflein, komm her zu der Heid, 
schau was dir die Götter i) vorl&ngst schon bereit! 
komm nur in meine Weide, 
dort lad ich dich ein, 
in Wollust und in Freude 
stets lustig zu sein. 

Die Schäferin: 
Nun Schfifer, nun Schfifer, ich folge deim Rat, 
damit ich kann finden bei den Göttern die Gnad. 
Ich will mich ergetzeu 
in Wollust fortan ^, 
ich will dir auch schenken 
mein Herz zu eim Lon. 

Die drei Götter treten auf und haben die Kleider: 

der Schammeltenfel hat das Latzel, derSatan den 

Spiegel und der Belial hat den Hut. 

Der J&ger singt: 
Sieh wie dich Kupido ^) 

Die 60tter (I)^ die gemeint werden, sind Kupido Baclmi and Epikvr, die 
Jedocli niclit selbst aaflreten sondern durch den Schammeltenfel Satan und Bella! 
vertreten werden. 

*) Hs. sodann. 

*) üeber den Namen Schaaimelten&l weiß Ich nichts sleheres an sagen. Der Spieg- 
el als Lnxnssache Ist ein Werkzeug des Teufels, daher auch der Tenfelsname Spiegel- 
glanz. In den Pafsionssplelen hAIt Lncifer der Mafia Magdalena einen Spiegel vor : 
Alsfelder Pafsion bei Haupt Zeltschr. 3,494.496. Mastrichter Ostersp. Hanpt 2,829. 
Zn dieser ganzen Scene vergleiche die DarsteUnngen der Magdalena In den Pafs- 
iOBsvplelen: Fnndgnib* 2, 246. C Mone Schansp. des Mittelalt. l, 79. t 2, 187. C 

^ Hs« wie dich die Kablter* 



ut 

zum lieben ladet ein, 
Kupido nnd Frau Yenns 
zusammen gemein. 
Bachus er hat Ja 
die Tafel schon dekt, 
und Epikunis ^ 
sein Ffinlein auostekt 

Die Schäferin singt: 
Nun Schäfer, nun Schäfer, 
mich gfreuets so ser ; 
ich seh schon von weitem 
die Kurzweil gehn her. 
Allzeit voller Freuden 
leb ich in der Still, 
allzeit beim Hirten 
verbleiben ich will. 

Der Jäger sfpricht: 

Sieh an meine Schäferei, 

da steht dir alles frei, 

sieh was Epikums dir spendieret, 

wie die Welt auf Götterart dich zieret. 

Kupido ladet dich zum lieben ein ; 

was könt doch ergetzlicher sein ? 

Bfichus ladet dich zur Tafel dann, 

wo man frißt und sauft und sich ergetzen kann. 

Es sind auch verbanden allerlei Oespiel, 

man tanzt in nnserm Lande lustiger Tänzlein viel. 

Die Schäferin spricht: 

Ihr Herren Musikanten 

kommets herbei, 

machets mir aufi 9 

ein lustigs Tänzlein gleich, 

damit ich und der Schäfer mein 

können lustig und frölich sein. 



Hf . nttd eben der V* 

EbUmaeatHe.— Vgl.dae anfitteekea derKirehweiklliitefai. Sehaeltt 1,6S3. 

>) Ht, auf. 



tu 

Der Jiger und die Schäferin machen den TanzO 
und nachdem spricht der Jiger: 
Ei so komm auf meine H^d, 
da isto voll £rgezlichkeit; 
allda werde ich dich weiden 
meiae ganze Lebenszeit. 

.Der Satan^ spricht: 
Ei so komm her za mir, 
ich gib dir Freiheit auf der Welt: 
was kann doch schöner sein 
als Gut und Geld? 

(gehet ab.) 

Der Belial spricht: 
Ei so komm her zu mir, 
ich lade dich zur Tafel ein, 
wo man stets ißt und trinkt 
und auch kann lustig sein. 

(gieliet üb.) 

Der Schammelteufel spricht: 
Ei so komm in meinen Garten, 
der ist voller Sfloigkeit : 
die Lustbarkeiten auf dich warten, 
die sind dir alle zubereit. 

(gehet ab.) 

Der Jäger singt: 
liebste Schäferin der Schäferei, 
sag mir wie dein Herz gen mich beschaffen sei? 
ob du aufrichtiglich 
beständig liebest mich 
und bleibst mir treu? 

Die Schäferin singt: 
liebster Schäfersmann, was fallt dir ein? 
meinst daß ich dir so gschwind solt untreu sein? 
ich bin kein solche nicht, 
die gleich das lieben bricht ; 
bild dirs nit ein. 



^8^* ^ diesem Taue Moie Schaotp. d^ Ifttielalt. 2, Si 
O Gdtter Saitaa. 



Der Jäger sin^: 
Wenn es denn also ist, 
o Schäfrui wert, 
bin ich vergnüget schon. 
Komm z' meiner Herd! 
mein Herz zur Morgengab 
samt meinem Hirtenstab « 
sei dir verert. 

Die Sch&ferin singt: 
Dort ist das Blumenbett 
floriert bereit, 
wo wir zur Rah uns legn 
auf grüner Heid. 
Dort ist der Blomenqaall, 
wo wir die Schfifleiu all 
trenken zugleich. 

Der JSger singt: 
Wenn es dann Abend wird, 
treibu wir heim die Herd. 
Was könt denn schöner sein, 
Schfifrin wert? 
so sperm wirs Hüttlein zu 
und schlafen in süoer Ruh, 
biß es Tag werd. 

Die Schäferin singt: 
schönster auo aller Welt, 
von dir lao ich nidit ab, 
weil sich das Herzlefai mein 
vergnüget hat, 
und weil das Herzlein nein 
allzeit bei dir soll sein 
bifi in das Grab. 

Zwei Götter treten auf und füren die Schäferin 

ab, der Schäfer geht nach. 

Der Pilger tritt auf und spricht: 
die ungeheure Wüsten, o die erstaunliche Wildniss, so 
mich umgeben ! Meine Augen sehen nichts als den freien HmiBel, 



848 

erschreckliche Felsen Imd die tiefsten Thäler; meine Face 
auiaen einen raohen nnd anebenen Weg gehen wiegen der her- 
vorstehenden Steinklippen hohen Hügeln und tiefen Graben. 
Wolt wünschen dao ich nun bald das End erreichen könt, denn 
Hanger und Durst und Hitz und Kalt haben hier ihr Zelt aufge- 
schlagen. 

Der gute Hirt spricht vor der Thfir: 
Schäflein, Schiflein, Schäflein! 

Der Pilger spricht: 
Ach Wunder, ich verneme ja die Stinune eines Menschen 
allhier in dieser Wildniss, wo ich doch vermeinte, es selten 
nichts als wilde Thiere, Wölfe Löwen Leoparden und Tieger 
ihre Wonung haben. 

Der guteHirt tritt ein und spricht: 
Ach Schäflein komm zu mir! ach Schäflein kere um zu mirl 
ach Schäflein lao dich einmal finden ! 

Der Pilger: 
Ach mein Kind , was bedeutet dieses , dao du ganz allein 
aao dieser ungeheuren Wildniss kommest? und was ist dir 
leids geschehn, dao du so ser weinest und betrübet bist? 

Der gute Hirt: 
Ach solt ich denn nicht weinen und betrübet sein , weil ich 
gar so unglücklich bin dao ich dasjenige nicht finden kann, was 
ich schon so lang und eifrig ge suchet hab? 

Der Pilger: 
Was suchest du denn so eifrig ? 

Der gute Hirt: 
Mein Yater hat hundert Schafe; neun und neunzig sind 
gar wol versprgt, das hunderte aber ist davon verloren und dies- 
es suche ich schon lang. Weil ich es aber nicht finden kann, 
darum bin ich so ser betrübet, dao ich mir schier die Augen auo 
dem Haupt weinen möcht. 

Der Pilger: 
Mein Kind, wer bist du denn und wer ist dein Vater ? 



Mein Herr Vater, darchgliiglg in der Hs. 



346 

Der gute Hirt: 
Mein Yater ist gar ein grooer und reicher Herr, denn er bei 
seiner Hofhaltung mer denn tausendmal hunderttausend Diener 
hat und sein Reichthum hat kein Ende. 

DerPilger: 
Wenn dein Vater gar ein grooer und reicher Herr ist, was 
ist ihm dann an einem so unnutzen und reudigen Schaflein so 
viel gelegen? 

Der gute Hirt: 
Es ist 2war nichts daran gelegen ; ab^r weil er es so ser 
liebet, so kann er den Verlust desselbigen doch nicht ver- 
schmerzen. Darum hat er mich geschikt dasselbe zu suchen 
und anbefolen nicht eher vor seine Augen zu kommen , bio ich 
das Schäflein gefunden hab. 

Der Pilger: 
Hat denn dein Vater sonst niemand schicken können, als daß 
er eben dich seinen einzigen Son muste in dieses Elend jagen? 

Der gute Hirt: 
Freilich wol hat mein Vater genug Leut; aber %n zeigen 
wie lieb ihm das Schäflein sei, hat er mich als seinen einzigen 
Son dasselbe zu suchen geschikt. 

Der Pilger: 

Dein Vater hätte dir ja einen Diener können mitgeben , der 
dir aufwarte und dir das Schäflein suchen helfe. 

Der gute Hirt: 

Ich habe keinen Diener haben wollen, damit sich da^ 
Schäflein nicht solte Hirchten, sondern desto lieber zu mir kom- 
me. Denn ich gedenke bei mir , wenn mich das Schäflein solte 
sehen, dao ich der einzige Son meines Vaters, ein so adeliches 
Kind, halb nacket, allein und one Diener, in stäter Müd und Mat- 
tigkeit^ über rauche Berg und Thal, bei Sonn und Mond das ver- 
lorne Schäflein zu suchen herumlaufe , [so wurde es umkeren 
und zu mir eilen: znmalen wemi es sähe dao ich,10 weil ich es 



Da« eingeklammerte feit der H9« 



nicht finden kann, gar so ser betrübet bin daß ieh mir schier 
Augen aoo dem Haupte weinen möcht. 

Der Pilger: 
Mein Kind, wie lang ist es schon dac du dein Schäflein 
sochest? 

Der guteHirt: 
Mein lieber Freund, von der Zeit an da ich habe laufen kön- 
nen, hat mich mein Yater fort getrieben, hat mir auch keine 
Wegzerung noch Proviant gegeben, so daa ich mich ganz allein 
treulich behelfen muß. 

Der Pilger: 
Hast du in so langer Zeit dein Schäflein niemals angetroffen 
oder wenigstens verspürt? 

Der gute Hirt: 
Mieh danket zu Zeiten, ich sehe es von fem ; bin aber noch 
meaals in die NAhe kommen , denn es hat seine gröste Freud, 
daß es mich quälen und ängstigen kann. Diese Hartnäckigkeit 
treibt mir bittere Zähren auß meinen Augen und betrübet mich 
biß kk den Tod. 

Der Pilger: 
Mein Kind, wie wäre es aber wenn das verlorene Thier selbst 
in deine Hände liefe? woltest du es nicht ser strafen wegen 
seiner Mifshandliing? 

Der gute Hirt: 
Ja strafen! entgegen wolte ich ihm laufen und wolte es um 
den Hals nemen, ja ganz freundlich wolte ich es küssen und an 
meine Brust drucken; ja auf meine Schultern wolte ich es legen 
and zu meinem himlischen Yater tragen, und wolte die ganze 
Hofhaltmig rufen und wolte sprechen: Erfreuet euch mit mir, 
ich hab das Schäflein funden das verloren war. 

Der Pilger: 
erstaunliche große Barmherzigkeit, so du deinem Schäflein 
erzeigest! so verdienst du auch billich von demselben geliebet 
zu werden. 

Der gutf Hirt: 
Mein Freund , du solst Avißen daß ich das Schäflein so ser 
liebe : wenn ich e» auch unter einer Herde Wölfe solte finden, 



348 - 

so wolte ich mich hinein wagen, wenn mich aach schon die 
fräoigen Bestien solten zerreißen and um das Leben bringen. 
Ja wenn ich hundert Leben hätte, so wolte ich sie für das Schaf- 
lein geben, damit ich es von dem ewigen Tod erlösen möcht. 

Der Pilger: 

Mein Kind , vor lauter Mitleiden kann ich nicht mer langer 
mit dir reden. Der liebe Gott wird es geben daß du dein SchäGeiii 
bald findest. Gehab dich wol, ich muß meinen Weg weiter fort- 
setzen ! 

Der gute Hirt: 

Ach lieber Freund, wenn du mein Schäflein wo werdest 
antreffen, so sage ihm doch dao ich schon lange herumlaufe 
und wie schmerzlich ich es suche. Meine Fuß sind schon voller 
Blattern, daß ich kaum mer darauf stehen kann ; mein Haupt ist 
von Dömem ganz zerrißen, daß es voller Blut und Wunden ist: 
ja der ganze Leib ist abgemattet, dao ich sicher nicht mer fort- 
kommen kann. Ich bitte es inniglich, es wolle doch zu nur kom- 
men und soll mich nicht länger betrüben. 

Der Pilger:' 
Ach mein herzgoldenes Kind, alles um was du mich gebeten 
hast, will ich gar gern verrichten. Nun Adieu o Schifer wert! 

(gehet ab.) 

Der gute Hirt: 
Ach ich armer und ungläckselger Hirt, ich muß nun wider in 

den wilden Wald hinein ! 
Hitz und K&lte werden mich nicht abschrecken; Hunger und 

Durst wird mein Labung sein. 
Mit heller Stinune will ich rufen: komm Schfiflein, Schifleiii. 

Schüflein! 

Die Sch&ferin und der JAger treten aaf. 

Die Schäferin spricht: 
Wie lustig ists in diesem Garten 
alwo mich mein Schäfer weidt, 
die Wollüste schon auf mich warten 
mit Freuden und Yergnügenheit. 

Die Schäferin singt: 
Stets lustig frölich will ich leben, 
bin stets vergnägt auf dieser Heid, 



84» 

da will ich one widerstreben 

zubringen meine Lebenszeit ;0 

denn auf der Welt sind allzeit Freuden 

und ich weiß nichts von Traurigkeiten : 

in dieser Schäfersaun 

werd ich mein Hüttlein bacn, 

in dieser Schäfersheid, 

wo mich mein Schifer weidt^ 

dem ich versprochen meine Treu, 

die weil mein Herz vor Lieb thut brinnen 

und niemand mir wird löschen künneu. 

Er schießt auf meine Brust 

ein Pfeil voll Freud und Lust. 

Nach diesem Liede macht der Jäger und dieSchäf- 
erin den Menuettanz. Der Engel tritt auf, S^ht zu 

der Schäferin und spricht: 

Schäferin, ker um von deinem Sündenstand, 

sieh, dein Hirt sucht dich mit Schmerzen ach schon lang. 

Mach dein Wollust doch ein End 

und zum guten Hirten dich wend. 

Die Schäferin spricht: 
Was für ein Plaudermaul ist das*, das sich untersteht mich 
bringen zu wollen auf einen anderen Sinn? 

Der Jäger spricht: 
Das sind lere Einbildungen und ein leres Geschwätz, das 
dich will betrügen. Schlag dirs nur auß dem Sinn. 

Der Engel spricht: 
Sieh die Liebe die Gott hat bewogen 
und vom Himmel ihn herab gezogen! 
er will dich ja selbst begrüßen, 
thu ihm nur dein Herz aufschließen. 

Die Schäferin: 
Es ist war zwar, es thut mich schier reuen 
daß ich von seiner Herd bin gangen ; 
doch mein Schäfer thut mich auch erfreuen, 
und weidet mich nach meim verlangen. 

Da wiU leb stets zubringen meine gawe L* Hs. 



8110 

Der gnle Hirt: 
Mich danket, ich sehe mein Schaflein von wetten! 
da will ich es empfangen mit Freoden. 
Schäflein sei gegrüßt ! wie lang hab ich dich schon ge- 
sucht und niemals angetroffen ! wie viel Unbill hast du mir 
augethan ! Dieses will ich dir alls verzeihen , komm nur mit 
Boa und Reu zu mir. 

Die Schäferin: 
Was gehst du mich an, du fremder Mann? was frag ich nach 
dir? ich habe einem andern versprochen meine Treu, welcher 
mir gefallt. Es zeigt sich ja deine ganze Gestalt; du bist ganz 
traurig und betrübt Ein solcher gefallt mir nit, in ein viel 
schönem hab ich mich verliebt. 

Der gute Hirt: 
Schäflein thu dich nicht lang besinnen ; komm doch her 
und nimm den Trauring von mir an. 

Der JAger: 
Hör nicht lang an diese Wort, 
laß ihn predigen singen und sagen, 
bleib du bei mir auf dem lastigen Ort 
und spar deine Boo anf die lezten Tage« 
Drum folge meinem Rat sodann 
und stoß diesen Schäfersmann 
mit meinem Hirtenstab hindan. 

Der gnte Hirt: 
Schäflein, glaub es mir, 
ich bin die sichre Hlmmelsthür, 
•ich bin die Pfort der ewgen Seligkeit 
und will dich f&m zur ewgen Himmelsfreud. 

Die Schäferin: 
Du Plauderer, du Lerschwätzer, pack dich nur bald von mir, 
eh daß ich mit dem Scbäferstab mich rächen werd an dir. 

Der gute Hirt: 
Nun ist kein andrer Rat ! 
für das Schäflein muß ich sterben ; 
zu finden ist kein Gnadl 



381 

Der Jiger: 
R&ch dich nnr bald an diesem Mann, 
nimm im Hilf die sieben Gselien, 9 - 
^ schlagt ihn mit Roten und Geiseln dann, 
sezt ihm auf eine Dömerkron, 
prefst ihm auß den lezten Tropfen Blat, 
schlagt ihn ans Kreuz, verbringet euren Mut I 

Der gute Hirt, die Schäferin und der Jäger geh- 
en ab. 

Der EngeP) tritt auf und singt: 

Sander, wie thnst dich betrugen, 
wie lebst du so eitel und blind? 
du thust in der Wollust liegen, 
gar zu sicher in der Sund ; 
du thust in der Wollust schweben 
als wenn gar kein Hell nicht war, 
du hast dich der Welt ergeben, 
m*hchst dein Sei mit Sünden schwer. 

Heifit dieo nicht unrecht gehandelt 
wenn man so von Gott entflieht, 
und dem Satan so nach wandelt 
und verlftfit des Himmels Liecht? 
Wie viel tausend werden müaen 
dorten in der Hellenpein 
ihre Sdnden schmerzlich bäaen. 
Solt das nicht ein Thorheit sein ? 

Sieh Schiflein deinen Hirten, 
wie er dldi schon sucht so lang ; 
er will dein Sei freundlich küssen, 
wie die Braut den Bräutigam.^ 



t) Sind die sieben Oeselien die sieben todsfinden? 

Hs. BeroUkas, was anfi Prologas entstellt ist« Da der Engel die Rolle 
des Prologs in nnserem Spiel hat^ habe ich nicht gezögert, Engel hier zn schreiben* 

*) Auch hier verrät sieh Verwaatschall mit dem geistigen Krelfie Spees, 
wvMar das mittelalterilche mystische Bild der Brantsohalt der Sele mK Cfott 
ia aer als eiaem seiner CMicktt bshaadelte« 



358 

Damm tha deia Sei versorgen, 
greif Säader zu der Buß, 
lieber hennt und nicht erst morgen, 
eh dein Leib ins Grab hin muß. 

Der J a g e r springt hinein und spricht : 

Alloy, jezt hab ich meine Freud ! 
Ich hab das Schäflein fest gebunden 
mit dem Welt- und Sündenband ; 
die Gnade Gottes ist verschwunden, 
die Sund hat gnommen überhand. 
Jezt will ich die Helle hitzen, 
will das Schäflein füren drein ; 
aldort muß es ewig schwitzen 
und mit mir verdammet sein. 

(gehet ab und komt mit der Schfiferin znrAck.) 

Die Schäferin singt: 

Kein größer Lust auf dieser Welt « 

als ^s Schäferleben frei, 

ich bleib Hirtin, so lang ich leb 

auf dieser grünen Heid, 

Wird mir allein ^e Zeit zu lang, 

so geh ich zu meim Schäfersmann, 

der vertreibet mir all Traurigkeit 

und bringt mir große Freud. 

Der Jäger singt: 

Schäfriu, wilst ein Musik han, 
das kanst du mir gleich sagen ; 
ich rufe den Wachhannes her, ^) 
der kann die Harpfen schlagen; 
er machet Gspiel von allerlei , 
was deim Herz ein Vergnügen sei. 



Hs. Eio vergnOgier Lust aaf dieser Welt das Hirtenleben sey ich ^^ 
ein Schäferin etc. 

*) Erkondignngen nach diesem Wachhannes waren frochtlos; er istdea- 
schein nach ein in Obersteier bekannt gewesener Harpfenist; nie alte FM»JI^' 
Ist dem Osterreichlsch-stelerischen Diislect i^ttelieii. 



853 

Sag da mir nur was dahaben wilt, 
das wird dir gleich aufspielt. 

Die Schäferin singt: 

mir beliebt kein Musik mer, 
es ist der Tag vergang 
schau du nur um ein kleines Ort, 
dao ich bald ruhen kann. 
Und wenn ich halt soll schlafen ein, 
so must du bei mir wachbar sein ; 
Schifersmann, das sag ich dir, 
bleib du allseit bei mir. 

Der J&ger singt: 

ja, mein liebste Schftferin, 
das kann bei mir schon sein ; 
das Ort das hab ich schon bereit, 
daa du kanst schlafen drein. 
* Da sitzen wir auf gräner Heid, 
da kanst du ruhn so längs dich gfrent, 
da kanst du schlafen in sanfter Ruh 
bin morgen in der Früh. 

Der Jftger spricht:^ 

Komm her, mein liebste Schäferin, 
hier setzen wir uns in Schatten hin ; 
da kanst du schlafen ganz sorgenfrei, 
ich werd bei dir schon wachbar sein. 

Die Sch&ferin und der J ig er machen den Schlaf, 
vor der Thür wird das Lied gesungen: 

:|: Nur heunt schläfst du in Freud 
in voller Sanigkeit, :|: 
morgen must du scheidn. 



Bai abwerfen der Flexion im PartUlp. prlteritl der ftaiken Verba lit der 
Kandart eigen nnd 180t sich schon bei Ottokar im Reime nachweisen: dleswtae 
kteege Jnnc« dem kardlnlle was gelang 401 a. uns das dln ztt kom, df die dls 
iprache was genom 86. b« -^ Gerang: ergang* Sachenwirt XXV, 815. 

VgL welter nnten das Hosbarger Lied: Jach he hops he he! 

Abennali die Wiederholoiiig des Inhalts des 6esangef In dar Rede. 

23 



J 



354 

mast alle Wollast meidn 
wol in die Ewigkeit 

:|:Nar eins kanst da erwiln, 
nar jezt hast du noch Zeit,:|: 
ewig in dem Himmel sein 
oder in der Hellenpein, 
eins ist dir bereit. 

:]: Mensch nimm diea in Acht, 
auf daß dich nicht der Tod, :[: 
der Tod mit seinen Pfeiln 
er möcht dich fibereUn 
in deiner Sfinden Not. 

Der Engel tritt aaf und spricht: 

Ach liebstes Schäflein, tha dich bez&men 

und steh doch ab vom WoUostleben, 

und ker dich um vom Sfindenstand, 

der ewge Tod wartet dein schon. (geht ab.) 

Der Jäger steht auf und singt: 
Schifirin wach auf vom Schlaf, 
ich glaub es ist schon Tag ; 
mach dich auf, geh mit mir, 
die Musik ist schon hier, 
was dich bliebt, thue ich dir. 

Die Schäferin steht auf und singt : 

Ich hab ghdrt eine Stimm, 
mir will der Tod zudring ; 
geh du nur bald von mir, 
ich bleib nicht länger hier, 
geh gschwind weg^ geh 



Der Jäger singt: 

Dein Reu macht erst der Tod, 
dein Bua ist schon zu spat; 
ich geh nicht mer von dir. 



tha M difj Alt der B». 



do niiist schon Ueibeu lair, 
es luüft dir nichts dsftr. 

Der Tod tritt anf nnd singt: 

Wenn man Memento mori singt, 
das in den Oren klingt ; 
wenn man Memento mori schreit» 
dann ist es hohe Zeit 
Ich höre keine Bitt, 
Miserere nit. 



Die Schiferin singt: 
Wen hör ich vor der Thor? 
wer pocht mit Ungebiir ? 
wen hör ich dranoen singen, ^) 
wer will mit Gwalt eindringen? 
sag an Fremdling behend, 
was ist dein Ziel nnd End? 

Der Tod singt: 

Auf anf! es ist schon Zeit, 
es end sich alle Frepd. 
Gedenk dao du must sterben, 
die Helle seist da erben 
durch eitle Last nnd Freud; 
kernst mir au einer Beut 

Die Schiferin spricht: 
Tod, Tod halt ein^ 
und rede nicht so viel ; 
sieh an wie jung und starii ieh bin, 
vom sterben ich nichts hören will. 

Der Tod spricht: 

du schön Gstidjt und Bösen, 
dein Sttrke ich nicht acht; 
mag dich die laebe kosen, 
*' Welt mit ihrer Fhicht, 



Nr deiiMibeii der Hoeintelgt Ht« 

9 Feit der He ^ tob mir eiginsl. 

Bm. weaa diek ecboa die I4*i atlM. 



sa * 



sobald die Ur i«t abgelof en, 

80 hat dich schpii mein Pfeil getroffen, 

du must mit mir alagleich 

hin in das Toteureich. 

Die Schiferin apriehtt 
Ach Tod, aeh Tod, 
laß mich mfen im Gnad bei Gott! 
was man ich dir geben, 
wenn da mir schenkst das Leben f 

Der Jigeir nnd der Tod springen zusammen 

und sprechen: 

Was rufst um Gnad? 

es ist 2u spat 

Jezt in den testen Zügen ; 

hStst du bereut 

bei Lebenszeit! 

nun heiot es still gesehwiegen. 

Die Schiferin: 

Ach Gott, Jezt gehn mir meine Augen aufl 

ach weh, was hab ich gethan, 

dao ich hab verstoßen 

meinen werten Schifersmann. 

Ich hab mich in die sOndhafte Welt verliebt, 

zum Lon sie mir die Hell jezt gibt. 

Nun so will ich trauen auf die Bajrmlierzigk^t! 

meinen Schifer will ioh biitten^ 

dao er mein Sflnden mir yerseiJrt. 

Der Jiger: 

Zu spat ist deine Ben, ' 
umsonst ist alles hofen; 
von Kristi Schiferei 
bist du zu weit entloffen« 
i)a must in die Hell- lunein, 
deine Buße ist zu spat, 
ewig must gefangen sein^ 
lu finden ist keiflil&uid. 



1 1 



857 

Die Sehftferin: 
Ja Ja, ich habs zu grob gemacht in dem veHlvchten Snnden- 
stank ! meine Sänden sind so groo und viel ! Wer stellet mir den 
guten Birten her? ich bin verloren wegen der verflachten WoN 
lastsond, die ich niemals betrachtet hab. 

Der Engel tritt anfand spricht: 

Yerzage nicht , da zaghafte Sei ! weil noch die Gnadenzeit 
vorhanden ist. Wenn die Sei vom Leib noch nicht geschieden, 
ist die Boa noch nicht za spat. (gehet ab.) 

Zwei Götter treten auf mit dem Liecht und Spiegel und gehen 

zur Schäferin. 
Dann vrird vor der Thfir gesungen s 

Tranrigs Herz thu nicht verzagen, 
wenn du bist in Kreuz und Leid; 
thu dein Kreuz geduldig tragen, 
denn nach Leid folgt allzeit Freud. 
Wenn schon Unglfick dich umgeben . 
und ins Todesbett gebracht, 
suche nur bei Gott das Leben, 
denn bei ihm ündst allzeit Gnad. 

Alles geht zu seinem Ende, 
Freud und Leid auf dieser Welt; 
mit Geduld das Schiflein lende, 
so lang als es Gott gefällt. 
Durch das eitle WoUustleben 
komt man nicht zur Himmelsfreod ; 
wenn dir Gott ein' Kreuz gegeben^ 
ists ein Zeichen zur Seligkeit. 

Die swei OOtter gehen ab. 

Die Schäferin spricht: 

Ach Gott verzeih mir meine Sand, 
die ich hab begangen ; 



lenden mit der Bedevtnof lenken wenden. FHscIi 1,<M)9. SetartDtr Valr. 
Wb. 2,47S. f Hanpt Selteeh . f. denteeli AlterCh. BfiiB Aneh die Sehleeler dee 
16. 17. Jh. kennen dai Wort In solchem Sinne. Cnre« *Rilel (1607) 202.Opit* 
1,201 (1629) A. Grrph. Ulbeon. 582. 



35S 



steh mir bei an lezten 
Im mich Gnad erlangen. 

Die T e a f e 1 treten auf; L u z i f e r spricht : 

« 

Zu spat ist deine Reu, 
ewig bist du gefangen, 
m dVeU mnst du hinein, 
kein Gnad kanst mer erlangen. 

Satan: 

schöne Bitte der Rosen, 
in Hof art thatst dastehn, 
betracht nun dein schön Gstalt, 
sie wird dir bald vergehn. 

Belial: 

Du hast schon viele Jar 
die Welt mit Freuden gnooen, 
Jest must du leiden Pein 
und hast kein Trost zu hoffen. 

Der Schammelteufel: 

Dein Sflnden groo, und klein, 
die du hier hast begangen, 
bringen dich in d^Hell hinein, 
dort must du sein gefangen. 

(Die Tcaftl gehen ab.) 

Der Tod: 
Hast du gelebt in Eitelkeit, 
Jezt komst du mir zu einer Beut 

Die Schäferin singt das lied: 

Trttbe Wolken meiner Sele, 
gebet mir nur Seufzer gnueg ! 2) 
ilttcht mein Geist in d' Jammerhöle, 
decke dich But Erden zu ! 



mac, matii Sclwellar 1^288. 

ß) wir kitteil etreng gesoauMB gaikt su schreikeBj wodurch ier Bß^ ^ 
fse BMh der Miadart heisesteUt wird. 
B». decket odth. 



SS« 

Aek die Menge .meiner Sfinden 
klaget mich im Himmel an, 
so kann ich kein Ort mer finden 
daß ich mich verbergen kann. 

Aber ach! was hilft mein fliehen Y 
meine Sünden folgen mir ; 
8ölt ich in die WAste ziehen, 
eine Helle find ich hier; 
aolt ich mich ins Waoer senken, 
leschet doch nicht aao die Glut; 
solt ich mich in Gift ertränken, 
selbst der Tod macht es nicht gnt. 

Ach ich habe mifsgehandelt 
mer als ich erzftlen kann ; 
ich hab wider Gott gehandelt, 
mein Gewiaen klagt mich an. 
Doch hat Gott ein Eid geschworen : 
er will nicht des Sanders Tod ; 
bin Ja also nicht verloren, 
nor Bekerong ist mir not 

Ei 80 will ich wider keren 

und SU meinem Hirten gehn, 

weil ich weiß dao sein begeren 

thut nach meiner Buße stehn. (dagthtdtr Jigerab. 

Will bereuen was vergangen ; 

einen Yorsats mach ich mir, 

ein fromo) Lehen anzufangen : 

das mein Schluß, Gott helfe mir! 

(Die SchSferin und der Tod gehen ab) 

Der Engel und der Gott Täter und der Pilger 
treten auf. Der P i 1 g e r spricht : 

Da ich vor einem Jare eben diese Straßen gereiset bin, da 
erblikte ich einen wunderschönen Jüngling, der ganz eifrig ein 
verlornes Sch&flein suchte. Ich möchte gern wißen ob er selbes 
gefunden hat oder nicht, denn er hat mich ser erbarmet 



360 

Der gute Hirt ruft dreimal vor der ThAr: 

Schäflein , Sch&flein , Schaflein , wegen deiner geh ieh in 
den Tod. 

Der Pilger: 

Ach Wander, waa bedeutet Aeaes? ich verneine Ja widemm 
die Stimme des Jünglings (indem tritt der gute Eirt aaQ. 

ErstannnngavoUes Gesicht! was erblicken meine Angen? 
bist da nicht der schöne Jflngling, welcher vor einem Jare alhier 
in dieser Wflsten ein verlornes Schaflein suchte ? 

Der gute Hirt: 
Ach ich armer und unglückseliger, ich bin es selber. 

Der Pilger: 

Mein Freund, wie körnst du denn in dieses Elend und was 
hat dich also zerriaen? 

Der gute Hirt: 
Das hat alles mein Schäflein gethan. 

Der Pilger: 

Das ist Ja unmöglich, daß ein Schaf seinen Hirten also solte 
zerreioen! Ich kann mirs nicht bilden ein, denn das sind keine 
Schaf- sondern Hundsbio Wolfssäne und Btrenklauen. 

Der gute Hirt: 

Ba ist zwar war, gleichsam irger hat mich mein Schaf zer- 
riaen als wie ein Lowe einen Menschen zerreioen kann* Denn 
ich bin ihm drei und dreiaig Jare nachgelaufen , bio ich es end- 
lich unter den Wölfen gefunden habe. Ich wagte mich in die 
Bestien hinein ; so springet es aber gleich auf mich her und tn 
mich mit seinen Ffioen zur Erde. 

Das verstokte Thier 

war lieber bei den Wölfen als bei mir, 

und zenrio inich mit den Zftnen der Sündenlast und stooet mich 
sogar aua dem Weinberge des Herzens auo und laoet nicht nach 



Pritarltiuii^ ebeaio wie oben springet Belege dieser Form mO Mer- 
rtlcl, Mriiehea IMchtem des 18« Jh. gib LaehBaui ra Waltlmr 96^ 



m 

biß {es mich ans Krens brachte , aldorten ich in der Betrftbnifa 
muste meinen Geist aufgeben. 

Doch mfe ich zulezt : ach Schäflein 
hör nnd sieh all meine Wunden, 
die laden dich nur ein : 
du kanst noch Gnade finden 
und ewig mit mir selig sein. 

Der Pilger: 

erstaunliche grooe Barmherzigkeit, so du dem Schäflein 
eneigest. OSch&flein, mache es dir doch zu Nutzen , ehe die 
Sele vom Leibe abscheidet. 

Der Jiger und die zwei Götter treten auf und haben die 

Kette Ar. 
Die Schäferin springt herein und der Tod hintennach. 

Der gute Hirt singt: 
Du Schäflein komm zur Herd, 
es ruft der gute Hirt ; 
lieb Gott allein 4uf Erd, 
lang gnng gehst du schon irr. 
Ich suche deine Sei 
zu erlösen von der Hell ; 
gedenk an meine Ler 
und sandige nicht mer. 

Die Schäferin singt: 

guter Selenhirt, 

wie liebreich ist dein Stimm ; 

ich war zur Sand verfürt, 

verdient hab ich dein Grimm ; 

ich war von dir getrennt, 

hab mein Irrthum nicht erkennt. 

Ach leider meine Sönd 

hat mich gemacht so blind. 

Der gute Hirt singt: 

Idi rufe dich mit Gnad, 
hör mich an geschwind; 



sonst möchts bald werden spat, 
trau länger nicht, mein Kind. 
Ich reiß das Hellenband, 

(der Gatt Son scblajft die Ketten al>.) 

mit dem da bist gefang ; 
Schäflein flieh za mir, 
kann alzeit helfen dir. 

Die Schäferin singt: 

Ich war ein grooer Thor, 
dein Ruf and Onadenstimm 
hab ich gehört zavor; 
das ich za Herzen nimm. 
Mitsamt mein Leib and Sei 
mich gänzlich dir empfel. 
Hirt, bleib da nar mein, 
ich Schäflein bleibe dein. 

Der gute Hirt spricht: 

Ich werde dich in Himmel fären 
wo ein heiligs Jabilieren, 
alle Engel musizieren ; 
dort kanst da aach ewig sein. 

Die Schäferin spricht: 

trostvolle Wort, 

dao ich bei deiner Gnadenpfort 

noch kann finden eine Onad. Ich zerreiß der Welt ihr Band 

and leg ab die Hoffartkleider and verflach den Sfludenstand. 

Ich ^vill nicht anders schlafen ein, 

ich ^vill liegen bei deinen Fäoen : 

in deine Wanden schließ mich ein, 

meine Sflnden will ich büßen, 

daß ich kann ewig selig sein. 

Der Jäger and die zwei Götter springen zusammen 

and sprechen: 

Das Schäflein ist unser, die Bttß ist za spat, 
es ist auch nicht wirdig solch einer Gnad» 



863 

Der Engel spricht: 

Pakt euch fort ihr hellischen Bestien ; denn Gott hat auf 
dem Kreuz bezalt in der That — was Adam und Eva verschuldet 
hat — DasSchAflein aber durch sein Bua und Ren— seine Sünden 
bunt und beicht und Mdrd nun frei. 

Die Schäferin spricht: 

Sieh Herr, bei deinen Fäflen bereu ich meine Sfinden und 
bitte dich um 6näd. 

Der gute Hirt spricht: 

Steh auf mein Kind, deine Sünden sind dir vergeben. 

(er singt:) 
Dein Untreu verzeih ich dir, 
bereu es nur vom Herzen. 

Die Schäferin singt: 

Zerspringen möcht mein Herz in mir 
vor lauter Reu und Schmerzen. 

Der gute Hirt: 

Kein Sünder ich von mir verstofi , 
der sich wirft zu mein Füßen. 

Die Schäferin singt: 

Fürwar o Hirt, dein laeb ist groo, 
die du mir gibst zu gnieoen. 

Der gute Hirt: 

Ich hab dich gliebt biß an mein End 
und will dich allzeit lieben. 

Die Schäferin: 

Ich bfel mein Sei in deine Händ^ 
will dich nicht mer betrüben. 

Der gute Hirt: 

Noch eins ich dich ermanen ^vill, 
von mir thq nicht mer scheiden. 



SM 

Die Schäferin: 

Gib mir Onad daa ich dein Will erfSll 
und bleib in deiner Heiden. 

Der gute Hirt: 

Nimm hin das Kreuz zum Liebespfand, 
ans Kreaz will ich dich heften. 

Die Schäferin: 

Das lao ich nicht mer auo der Hand, 
gib mir dazu nur Kräften. 

Der gute Hirt: 

Zum Pfand der Treu will ich aufs neu 
mein Herz dir übergeben. 

Die Schäferin: 

Nimm hin das mein, gib mir das dein, 
will «Mag in dir leben. 

(Der gute Hirt und die Schäferin singen Jezt mitsammen die vier 
lezten Verse, deren lezter Jezt lautet: bei mir kanst ewig leben.) 

Der gute Hirt spricht: 

Wenn ein Ernst ist in dir, 
so erweise eine Probe mir. 

Die Schäferin spricht: 

Deinen Blutschweia will ich abwischen, 

in dein Angesicht und deine Wunden will ich mich ver* 

schließen ; 
ich hoffe da sicher zu sein. Ruten und GeisM soUen mir 

dienen (ür das Fleisch der BegerHchkeit , 
das Kreuz will ich auf mein Achsel nemen und wills tragen 

in Ewigkeit ; 
ich setze auf £e Domeriuron 
der Hoffart zu eim Lon. 

Der gute Hirt: 

Komm her mein liebes Kind, 
ich verzeih dir deine Sund, 



865 

komm her zu mir und za der Bimmelsfread 
und erfreue dich in alle Ewigkeit. 

Der Jäger und der Tod springen zusammen: 

großer Hirt und Gottes Son, du brichst aua den Pfeiler und, 
Anker , so groo ist deine Gewalt Lac uns von dannen packen 
triumphier sodann , setz dich zu deines Täters Rechten , deine 
Gnade sei erhdcht, 

wir sind auch des Herren Knecht. 

Der gute Hirt spricht: 

Fort durch meinen GewaIt!—wol hin in des Satans Reich f«- 
von mir seid gebunden und fiberwunden — in alle Ewigkeit Alte 
Schlange und Hellendrach ! — dich nur bald von dannen pack ! 
Tod, ich werde sein dein Tod ; Hell ich werde sein dein Ruo, wie 
bei Hosea geschrieben ist 

Der Tod «Bd JIger gehen ab. 

Die Schäferin singt: 

Ach was könt auf ganzer Erden 
doch liebreichers gfunden werden 
als der If am Herr Jesu Krist^ 
als der Name meines Herren 
den ich alzeit thu vereren, ' 
der mein. Hilf und Heiland ist >) 

Der gute Hirt singt: 

Sieh ich lao dich Gnade finden 
und verzeih dir alle Sunden 
steh dir bei am lezten End. 

Die Schäferin singt: 

Und ich hoffe mit Vertrauen 

da0 mein Sei niemand kann rauben, 

wo man deinen Namen kennt. 



Hoeea IS^I^« Aber ich will ele erlOeen anß der Belle «ad rem Tod erret* 
ten Tod, Ich will dir eine ein $9ia, EtVit, Ich will dir e^e PectUeiis ce}ii. - 
Die Bf. hat Jociia. 

*) Von nur erginst, 

O 8i- wo der Naae Jeioa lit 



866 

Der gute Hirt singt: 

Ich werde dich itt Himmel fftren 
wo ein heiiigs jabilieren, 
alle Engel musizieren ; 
dort kanst da nnn selig sein« 



Der gate Hirt spricht: 

Mein allerliebster Vater, hier bring idi dir das Sddfldn anf 
meiner Achsel, ^ welches ich schon drei and dreioig Jar gesacht 
and endlich anter den Wölfen gefanden habe ; das Schiflein, das 
mich sogar verfolget hat, doch endlich mit seinen goldenen 
Thrinen, mit Bao and Reo, meinen Blutschweiß ginzlich abge- 
waschen and sich zam völligen Heiligtham gebracht hat. 

Der Gott Vater: 

Nun ist alles vollbracht, die VerheiooQg erfikUet -« «nd mein 
Zorn gestillet, — die Gerechtigkeit vergnüget — die Liebe aafl- 
geübet ! 

Dir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und anf Erden; in 
deinem Namen sollen sich beagen alle Knie im Himmel and aaf 
Erden and unter der Erden. Daram o allerliebster Son, setae dich 
zu meiner Rechten and regiere mit mir and dem heiligen Geist 
von nun an bio in Ewigkeit 

Der gute Hirt: 

Erfreuet euch mit mir ! 
das Schiflein ist wider hier, 
das schon völlig war irr. 

DieSchüferin: 

Sieh Mensch, wies mir hat geraten ; 
sündige nicht auf Gottes Gnaden, 
es habens viel erfam mit Schaden. 

D.er gute Hirt: 
Mensch, verlaß dich nicht auf meine Gflte and «findige 



Vgl. dieselben Verse oben. S. 362. 

Ö D«r gvte Ort wird aaf BOdern gewOnllch so darf esteHt, im AnscbliUle 
aa den biblischen Vers: and wenn er e» geftmden h^ so legt er es aoC eeiae 
AehselB mit Preoden. Locae 16^6* 



867 

nicht auf Gottes Barmherzigkeit; Auch viel taasend Eflgel 
habens erfareu,wie Adam im Paradeis. Der Sündfla0 gibt eoch 
Zeagnifs von der scharfen Schlacht der Gerechtigkeit, wie aaeh 
Sodoma und Gomorha. Der stolze König Pharao konte mir auch 
nicht entrinnen. Damm o Mensch ! 

lieb und fürchte mich ingleichen, 
denn das ist das allerbest ; 
thu von mir niemals entweichen, 
so kanst leben wolgetröst. 
Die Schlüoel ich euch hinterlaoe 
aufzusperm den Himmelssal, 
in mein Stapfen thut mir folgen, 
alsdann werdet ihr selig all. 

Luzifer tritt auf und spricht: 
Komt ihr Teufel also bald! 

Die drei Teufel treten auf: der Schaiqimelteufel, 

Satan und Belial. 

Luzifer; 

entsetzet euch fiber Gattes Gewalt; sehet an des 

Menschen Son^ 
was üEbr eine grooe Gate er dem sündhaften Meuscheii 

gethan : 
er sehikt auf die Welt seinen eigenen Son 
sie zu erlösen auo unserem Bäun • 

Satan: 

Er nimt an das Fleisch der menschlichen Natur, 

geboren er auo einer Jungfrau wurd 

in einem Stall zu Bethlehem, 

von König und Hirten ward er ^kent 

Belial: 

Und gibt sich als Erlöser der ganzen Welt, 
wirkt auch viel Wunder und doch in Armut lebt. 
Als nun die Zeit des Leidens war, 
wurd zuvor bereitet das Abendmal, 



l^t 8iek in Brot »od Weingestalt ,* 
die Apostel sind des Zeugen all. 

Schammelieufel: 
Auch bei der Mefs im neuen Testament 
wird der Priester mit Gott versönt. 
Als ein YersSnongsopfer er sich gab 
in Priestershänd bei dem Altar. 

Lnaifer: 

Hernach gieug er vom selbigen Haus 

in den Oelberggarten auo ; 

aldort schMrizt er hiufig Blut, 

auch komt ein Engel der ihn stirken thut. 

Satan: 

Judas komt auch daher 

mitsamt einem ganzen Kriegesher; 

alda verkauft er seinen Gott 

um dreioig Öilberling, das ist ein Spott 

Sie fingen ihn, sie banden ihn, 

und fürten ihn zu Ananias hin. 

Belial: 

Zum Kaiphas haben sie ihn auth gefurt, 
aldort ward er schrecklich examiniert 
Zum Herodes haben sie ihn auch geschlej^t, 
' ein If arrenkleid wurd ihm angelegt ; 
er wurd verspottet und veracht 
und auch himisch auogelacht 
und spottweis biegen sie 
vor ihm die Knie. 

Schammelteufel: 

Zum Pilatus haben sie ihn auch gebracht, 

haben viel ürsach wider ihn erdacht; 

er wurd gegeifelt und gekrönt, 

Pilatus sich zum Volk hinwendt 

Er sprach: ich finde keine Schuld an ihm. 

Sie aber achiien all: kreuzige ihn« kreozige ihn« 



• • SatAti. 

Sein Kreuz mno er auch selber tragen, 

an welches er Wiirde gefiiGhUgeii . 

ganz nakend und gaiui bbo, 

an Hand und FAmh mit Nigeln grofl. 

Also hat er erlöset das ganxe meuaehliohe G#schlecht, 

Die Teufel springen alle zusammen und sprechen: 

Aber das ist uns nicht recht ! 

Ach wie ist es doch für die Menschen gut, 

für sie hat er vergooen sein Blut; 

er will sie all fiiren in den Himmel ein. 

Und wir sotten defsen beraubet sein ? 

Luzifer springt vom Thron herab, die andern Teufel stehen auf. 

Luzifer. 
Ei so will ich meinen Fleiß nicht sparen 
damit die Menschen in der Stind verharren. 
Drum hört mich an ihr Teufel all, 
daß den Menschen wir richten ein neuen Fall. 
Weil uns der erste Trost ist mifsluugen, 
so hajb ich mich auf einen andern besunneu ^). 

Sataii. 
Wir wollen nicht sparen kein Fleiß noch Macht, 
die Menschen zu versuchen Tag und Nacht, 
und alle Zeit beOiaen s«in 
dao wir sie bringen in die ^ell hinein. 

Belial. 
Mittel gibt^s genug zu Händen, 
die Mensehen zu bringen in Sünden und Schanden, 
denn sie sind ja selbst dazu geneigt ; 
ganz klar hat Adam dieß bezeigt. 



Vgl. anO dem LIede Ad. Neamanns ,,Adam hat Im Paradies'^ die Strophe : 
Nimst da nicht die Cbgti an, die sich aaeii von dir reriorenr was hat denn der 
Mensch gethan^ daß da nur für ihn geboren ? Vgl« aach Hone Scbansp. d.Ma. 1^20 

r) Vgl. die Spiele von ChrisU Aaferstehang (Mone Schaasp. des Mittelalt. 
2,19t* flüteft^^e ^Sckavip« 118 trO:wn die Teufet nach ChrisU Heilenfart anß- 
geschllLt werden^ die Helle niyu^r «n bevOlkfrnt.. . . 

24 



999 

Seine Kinder aach nicht beeer sein, 
das ist deutlich algemein. 

Schammeltenfel. 
Nun ist schon der Beschlttfl genaeht, 
viel tausend damit in die Hell gebracht ; 
viel tausend auf der Erd noch sein, 
auch die sollen all des Teufels sein. 

Luzifer. 
Der Beschluß den wir haben gemacht, 
ist nicht mifslungen, weil schier die halbe Welt 
ist in Ketzerei und Irthum gebracht. 
Ja fast in der ganzen christlichen Gemein 
ein jeder thut den Willen mein. 

Die Teufel springen all zusammen und sprechen : 

Ach Freude über Freud, 
die Freud thut sich vermeren^ 
eine große Zal der Welt 
die thut bei uns einkeren. 

Der gute Hirt 

Weil du, Luzifer, dem Menschen wilst denHimmet beneiden, 
so will ich dich mit einem feurigen Donnerstral von meinen 

Augesicht vertreiben 0* 

Jest spriagsii die Te^§ti tmA, dar gato Hirt geht a». 

Der Pilger tritt auf und spricht: 

Ihr geistliche iSuhdrer, unsre Meine Komödie ist zu Ende 

gekommen. 
Ich verhoffe, ihr werdet haben vernommen 
daß Gott alle Ding auß nichts erschaffen hat 
und den Menschen durch seinen göttlichen Rat 
Er hat sie ins Paradeis gesezt, 
die Schlange hat aber die Eva verhezt. 
Weil sie die Gebot Gottes gebrochen haben, 
sind sie worden auß dem Paradeis geschlagen. 
, Jesus der gute Hirt in N. N. 



Itt dm MUniichM Ottm^iil (PudgrataA S, MO vM i« TmM 
dwcli den Eneiigel MiciiAel eliezM i«riMig«wi( 



^71 

Cr wird eure Wiesen und Aecker segnen, 
ener Vieh das wird er weiden, 
wie eiA guter Hirt za aUeu Zeiten ; 
er wird auch das Haas und den ganzen Markt bewaren 
vor Unglück Feuer Wetter und Waoergefaren, 
er wird each allesamt glflcklich bewaren 0. 

Amen. 

Das lustige Lied 3). 
Mensch, hast nun vernommen 
des Schäfers greae Lieh, 
wie er von Himmel kommen 
zu suchen Sünder dich. 
Darum hetracht die Lieb, 
fall deinem Gott zu Füoen 
weil er erlöset dich. 

Ach Sünder thu nur eilen 
zum lieben Schäfer wert, 
er kann dir Ja ertheilen 
was dorten ewig wärt. * 
Die Freud und Seligkeit 
hat man aldort zu hoffen 
in alle Ewigkeit. 

Nun wollen wir beschließen 
wol jezt zu dieser Frist, 
viel Heil wird dir entsprießen 
darauß, o frommer Krist. 
Euren Schäfer liebt alzeit, 
so \yirA er euch hiuiiiren 
zur ewgen ffimmelsfreud. 

Ende. 



s> Aa«b hier am ScMiiOe die Riafang^ des Reimes^ worAber die Anmerk. 
SU dem Vordeniberger Weihnachtsp. S. 105. zu vergleichen ist. 

f) In den Siteren Mlsterien schließt sich an den Epilog gewQnlich ein Te 
denm landamos oder der Gesang eines Hymnus oder auch eines deutschen geist- 
lichen Liedes (bei den Osterspielen: Krist Ist erstanden) an. ffier haben wir die 
Erfnnemng daran; auch in pondos Weihnachtsplel folgt dem EpUog ein Lied., 
Ayrer« Phdnisia wird one Epilog bloß durch ein Lied beschloOen. 

u * 



.372 

Oben (S. 299.) wurde bemerkt, daß «ich der goto Hirt 
mit dem verlornen Schafleia auch ia demPafsionsspiele von 
Liesing im Lesachthaie in Kfirnten iBnde. Das Spiel, welches 
1852 nach Ifingerer Unterbrechung wider in der Karwoche 
auf dem Dori^Iatze aufgeftrt wurde, ist ziemlich umfang- 
reich ; es besteht auß dreißig Auftritten, die von sechs und 
ftlnfzig Personen gespielt werden. Nach dem Prolog begint 
eine Hellenscene ; Pluto „der Herr und Gott inStigis Reich'^ 
rUmt sich seiner Macht, ist aber doch in großem Zorn daß 
der Mensch Gnade hoffen dttrfe und befielt die Verfllrung 
der ganzen Menschheit ; an Judas und Kaiphas sei schon 
ein Anfang gemacht. Astarot behauptet, daß schon jezt 
die Menschen ganz unterworfen seien und filrt zum Beweise 
das Schäflein an einer Kette herein. Dieses hat einen 
schwarzen Mantel Aber, einen stolzen Hut auf, „tritt ganz 
aufgeblasen herfbr^^ ; es rflmt sich seines weltlichen Leb- 
ens, will von Himmel und Helle nichts wißen und nur ewig 
leben. Pluto ftlrt entzttkt darttber von seinem Throne auf 
und die Teufel schlagen aUe an die Brust mit dem Schwüre, 
nicht zu ruhen biß alle Selen verftlrt seien. Das Schäflein 
schläft ein und der gute Hirt komt, das verirrte zu suchen. 
Der Pilgram tritt auf und das folgende Gesprach ist des- 
selben Inhalts wie in dem obersteirischen Paradeisspiele; 
es ist nur kürzer und in Versen. Da erblikt der gute Hirt 
das Schäflein und wckt es. Erwachend sieht es die Teufel 
und erschrikt. Reue komt ttber sein Herz und ed wirft sich 
dem guten Hirten zu Füßen. Er macht es von den Band- 
en los und gibt dem Pluto mit dem Stabe einen Stoß. Er 
ftirt dann das Schäflein Aber die Vorbflne % wärend er 
singt : 



Ueber die Einrichtang dieser Bflde werde ich anderswo IGUiieQuifei 
maelien. 



«7» 

Komm geKebtes Schfifelein, 
ich will dich färn auf Jenes Ort, 
allwo man zu deinem Heil 
Gott von dannen fiirt zum Tod. 
Ja alldort kanst du betrachten, 
wie man Grott für dich wird schlachten, 
Isak war nur ein Figur 9, 
80 dir Gott selbst stellet vor. 
Mit dem dritten Aufiaitt hebt nun das Pafaionaspiel an« 



Zum Schlnße dieser Spiele ein par Worte ttber die so- 
genanten Bauernspiele in Steiermark und Kärnten. Sie 
gehen mit raschen Schritten ihrem Untergange entgegen } 
zwar sind sie in den lezten Jaren hier und da wider lebend- 
iger geworden, allein es scheint mer das lezte aufflackern 
eines erlöschenden Liechtes. Ihre Zeit ist vorüber. 

Die geistlichen Schauspiele, welche theils von den 
Jesuiten in ihren Schulen, namentlich in Graez und Klagen- 
furt, theils an besuchten Walfartorten, wie auf Maria Rast 
bei Marburg ^}, gegeben wurden, wirkten auf das gedeihen 
dieser Volks^piele in Steier und Kärnten begreiflich ein. 
In dem vorangehenden hajbe ich mannigfache Zeugnifse 
dieser dramatischen Yolksliteratur vorgefilrt. Obersteier 
war meist die Heimat derselben. Hier ziehen noch allwint- 
erlich kleine Banden dieser BauernkomSdianten durch die 
entlegenen Thäler, vom Rabthal biß an die kärntische 
Grenze, und bringen als Lon der Kunst Lebensmittel, nam- 
entlich Korn und Speck heim. Sie haben aber viel Ver- 
folgungen zu erdulden und sie fliehen die Mächte dieser 
Welt. 



Ceber Figur in solchem Zusammenhange Mone Schauspiele des llittel- 
alters 1, 31. 2, 187. 

SteiennirUsche Zeitschrift. Nene Folge. 2. Jarg. 1S35. Hft. 2. S. 30* f. 
£s wurde hier anf der Orinze der Sprachgebiete deutsch und windisch gespielt. 



m 

In Kfirnten erliegen die alten &pMe nsehends. In 
Mosbnrg bei Klagenjhrt wurde vor ftnf Jaren noeh gespielt, 
allein ein modernes Stück : der Ring der Treue von Bndik. 
Auf dem Krappfelde wurde noch iu neuester Zelt die Pafsion 
aufgefbrt und ^^as bairlsche HieselspieP^ d. i. die Ge- 
schichte des im vorigen Jarh. berOchtigten bairis^lien Wild- 
schützen Math. Klostermaier. Im Gurkthal war ein Goliath- 
gpiel auf d«r Bflne, im Möllthal ein DrefkOnigsi^iel and ein 
Armes Sünderspiel , das eine der vielen Marienlegenden 
dramatisieii;e, wie die h. Jungfrau dem Teufel eiuen Sünder 
entreißt, der ihr stets dienstbar blib. Im GaUthal muß das 
Volksspiel einmal ser geblüht haben. In Delach wurde 
früher im Walde oder in einem Stadel gespielt ; die jetzige 
Büne steht seit etwa siebenzig Jaren ; ihr Vorhang ist mit 
Drachen und Ritterlanzen bemalt. Die religiösen Stücke 
waren : die Pafsion, die Auferstehung, der verlorene Son, 
der egyptische Joseph, Genovefa; die geschichtlichen; 
Julius Cäsar 9» die Huldigung der kfirntischen Herzöge auf 
dem Zollfelde, Kunz von Kaufungen, der Ritter von Weiß- 
briach. In Mauthen und Reisach werden jezt meist muderne 
Ritterspectakel aufgeftlrt; die Büne von Hermagor hat sicli 
durch die Beamten in ein Liebhabßrtheater verwandelt. In 
Liesing im Lesacbthale wurden außer der Pafsion gespielt: 
der verlorene Son, der egyptische Joseph, Genovefa, Panl- 
inus von Nola, Hirlanda, Anderle von Rien, und die Pofsen : 
der krumpe Haxmarten und der bestrafte Fttrwitz. Die 
Spiele sind, so weit sie eine alte Grundlage überhaupt hab- 
en, ganz modernisiert. Nur weniges verrät dem kundigea 
die alte Faßnng. Alles hat seine Zeit. 

In Tirol blühen die Bauernspiele anscheinend noch 



]>io latareleheii Rteerienkmale im Laade brtage« 4te alte 6eMhiclte 
taft VoUm niher. Ite CailUial §r99zi Aberdiea aa FiImiI. 



ziemlich. 9 Das Nikolaiusispiel im Stanzerthal (Mittheilungen 
darftber im Phönix von Zingerle und Wildaner. 1851. 214 ff. 
222.ff.) IfiOt wflnschen, daß den änliohen Spielen das anfinerk- 
same Ange nicht feie, wuza Hofnong vorhanden ist. lieber 
das Passionspiel im oberbairischen Oberammergau brauche 
ich weiter nichts zu sagen, nachdem bereits eine Literatur 
darflber sich gebildet hat. Künstlerischen Genuß in diesen 
Spielen zu suchen und zu finden, ist mindestens zweifelhaft; 
von kulturhistorischem Standpunkte betrachtet, bleibt ilinen 
ein sicherer Wert. 



KrialtB Escyklopidle 141, 114 f. LewaM Tirol 1, 31 IT. Derrlent Otsdt. 
d. 4e«Uch«nS€hMitltltaHut 1, 100-407. 



39» 



Ehe wir die Samlung volksthümlicher WeihDachtlieder 
vorlegen^ welche die innige Yerbinduag des Volkslebens 
mit der heiligen Geschichte weiter beweisep, wollen wir 
uns mit kurzen Zttgen die Entwickelung des deutschen 
Weihnachtliedes vorfilren. 

Die kristliche Kirche hesizt an den Hymnen einen 
reichen Schatz religiöser Dichtungen, die namentlich der 
lateinischen Kirche entblttbten. Seit dem vierten Jwrhnndert 
angesammelt, war zur Zeit da Deutsehliind iler Tolstftid* 
igen Bekerung sich nfiherte, der gröste Theil der Hjmnen, 
die noch heute in Geltung sind, bereits vorhanden. Sie 
wurden also auch in den ersten deutschen Gotteshfiusem 
gebraucht und jene Geistlichen, welche in.karolingischer 
Zeit die lateinischen Formeln und Gesänge dem Volke zu 
verdeutschen strebten, wanten ihre Thätigkeit auch ihnen 
zu. Wir besitzen zum Zeugniss dessen die althochdeutsche 
Uebersetzung von sechs und zwanzig Hymnen ^ 9 die in 
knechtischem Anschluß an den lateinischen Urtext den 
Zweifel ihrer Singbarkeit erwecken mflsten, wenn wir nicht 
auß den späteren Zeiten ebenfalls Interlinearttbersetzungen 
von Hymnen hätten, die augenscheinlich zu kirchlichem 
Gebrauche bestimt sind. Ein solches Hymnar enthält eine 
Wiener, früher Gr»zer, Handschrift des 13. oder 14. Jh. ^) 
Wir finden in ihr auch eine Zal Weihnachthymnen 3), die in 



HeranO^g. von Jak. Grimm Hymnorom veteris ecclesi« XXVI. inter* 
pretaüo theotuca Gfittlug. 1830. 

t) mt der Meinmig, daß sie dem 12 Jli. angehCre^ ewh Abdnick besoi^ 
durch Jos. Keiirein Kirclien- and reiigiSse Lieder aus dem 12-15. Jb. Pad- 
erborn 1853. 

E> Bind folgende: Conditor alme sidemm, yerbmn svpemiim prodless. 



377 

der alAoehdentsclien Sandimg ganas mangeln. Besonders 
zalreich wurden diese Uebersetzungen im 1 4. and 1 5. Jarh. 
Beispiele geben zwei Wiener Handschriften (Hoflfiaiann alt- 
deutsche Handschriften der k. k. Hof bibliothek zu Wien. n. 
CCL. LXXXVI.) welche ebenfalls knechtisch dem lateinischen 
Texte folgen, da sie der Melodie nicht freier die Worte zu 
verbinden wnsten. Die Melodien sind Übergeschrieben. Aach 
die Univtrsitfitsbibliothek in Griez besizt ein solches Hym* 
nar aoO dem 15. Jh. (sign, f }. fol. Pap.) das zwar one Me* 
lodien ist, aber zum gottesdienstlichen Gebrauche bestimt 
war, wie das vorangehende deutsche Brevier bewei/^t. Die 
Uebersetzung ist in einigen Hymnen gewanter als in der 
Ambras * Wiener , in andern stimmen sie ttberein. Die in 
der Grffizer Handschrift flbersezten Hymnen des Weihnacht- 
cyklus sind : Conditor alme. Veni redemptor. Verbom sup* 
ernuffl prodiens. Vox clara^ A solis ortas cardine. Corde nat- 
US. Sancte dei pretiose protomartyr. Solemnis dies. De pat* 
re verbum prodiens. Christo redemtor. Hostis Herodes. 9 
Indessen entstunden schon im vierzehnten Jh. freiere 
Uebersetzungen der Hymnen, welche als Kern des almählich 
reich sieh entfiEdtenden geistlichen deutschen Liedes er-*- 
sehHnen. Auf Beger des Erzbischofs Pilgrim von Salzburg 
(f 1396) versuchte sich ein Salzburger Benedictiner Her* 
mann (Johann) in Gemeinschaft mit einem Weltpriester 
Namens Mariin an der Bearbeitung von Hymnen und Sequenz- 
en ^). Darunter findet sich ftlr Weihnachten der Hymnus A 

Vox Clara ecce intonat. Veni redemptor gentiam. Agnoscat omne saecnlam. 
Christe redemptor. A solls ortas cardine. Corde natas ex parentis. Hostis Her- 
odes. JesM renüslt. 

Deber eise andere Hs. dieses Inhalts ygl. Aufseß Anzeiger 1833. S. 05. lieber 
gedrokte Hymnarlen Hoff mann Geschiclite des deutschen Kirchenliedes biß 
auf Lnthers Zeit. Breslau 1832. S. VIII. 174. f. Bollens der deutsche Clioral- 
gesang der katliol. Kirche. Tübingen 1851. S* 81. 

Altdeutsche Blfitter 2, 325-349. Kehrein Kirchen- und relig. Lieder 
128— 192^ 



soEs ortas cardioe und die Sequenz Mittit ad virginein. In 
15. Jh. dichtete Heinrich von Laufenherg zu Freihurg in 
fireisgau in dieser Richtung ; sein Agnoacat omne aneulma, 
Veni redemptor, A soüs ortua kommen fllr uns in Betraehl. 
Außerdem wurden im 15., vielleicht schon im 14. Jh., über- 
aezt das Corde natua , Dies est lietiti», Conditor alme aid- 
erum, In hoc anni circulo ^). Auch das Lied ,,Quem pastorea 
laudavere den die Hirten lobten sere^^ ist damals inGebraucJi 
gekommen. In Joh. Leisentrits Catholischen geistiichen 
Liedern und Psalmen finden sich die Bearbeitungen folgender 
lateinischer Gesfinge : Conditor alme siderum, Veni redemp« 
tor zweifach, Dies est lietitiie, Grates nunc omnes zweifach, 
Puer natus zweifach , A solis ortus cardine , Corde natua, 
Nobis est natus hodie. Mich. Yehs Neu Gesfmgbachlein 
geistlicher Lieder bietet nur das Dies est latltin und Grates 
omnes, zwei Gesfinge die ungemein verbreitet waren und 
deren erster namentlich mit dem eingefiigten „Ein Kindelein 
so Idbelich^^ fast unzfiliche Bearbeitungen erfiir.^) Sonack 
besaßen die deutschen Katholiken im 1 6« Jh. nicht wenige 
freier bearbeitete Hymnen und Sequenzen, einen Schatz 
deasen Wert auch die filteren protestantischen Liederdickiw 
zu schfitzen wüsten. Außer Luther selbst haben nam«itiiA 
Mich. Weisse, Nik. Hermann, Job. Spangenberg und Joh. 
Hermann Hymnen bearbeitet. 

Wie angesehen diese Hymnen und Sequenzen in dem 
Volke waren, beweisen die ihnen zugeschriebenen Wunder- 
krfifte. In der Mflnchcner Handschrift der Lieder des Mönchs 
von Salzburg heißt es von dem Stabat mater : „swer die An 
tödsflnd mit andftcht etlichen zeit spricht, den Ifit unser liebe 
vraw in kain gröz herzenlait nit komen.^^ Bei dem Hymnus 



Ph* Wackernagel deutsches Kirchenlied n. 773. 134. 703. 184. 
^ Ein auf „die falschen evangeUschen^^ parodiertes Dies est ImUUm l> 
Hanf ts Zeitschrift Ittr deutsches Alterth. 8| 320. 



67t 

Cliriste qid lux es et dies vird bemerkt : ^^swer den mit an- 
jdAcfat pei der nacht spricdit, den mag der tievel nicht ange-* 
weigen 9 noßhkain swaerer tranm zugevallen/^ Der Pfingst«^ 
hymnns Yeni creator spirltns bei Tag undNacht gesprochen 
soll gegen allen Schaden durch Feinde waren, s) Ganz die« 
selben Krtfle wurden also den Hymnen zugeschrieben welche 
Hian biblischen Bttchern , namentlich dem Evangelium Job - 
aunis und einigen Psalmen zulegte und hier und da noch 
zulegt« Glaubte man doch jeder Schrift geistlichen Inhalts 
schfttzeude und rettende Kraft verbunden, so daß Wernher 
von Tegernsee sein eignes Gedicht von Marien Leben damit 
empfal ^ daß eim Frau rasch ihres Kindes genesen werde, 
welche es in der Not in ihrer rechten halte. ^) 

Nachdem wir die ZnflOße auß dem Quelle der lateinischen 
Hymnen bemerkten, mflßen wir die Schepfiing eines selbst« 
BtAodigen deutschen Weihnachtliedes zu verfolgen suchen. 
Da idi Ar die Behauptung daß Otfrieds Evangelieabuch eig^ 
entlioh einKircheßgesangbuch des Volkes sei, keineBerecht- 
igang sehe, so kann ich erst tan 12. Jh.^) ein auf Weihnachten 
bezttgUcbes deutsches Lied nachweisen : Spervogels Er ist 
gewidtlc unde stark (Minnesing. Hag. 2, 376.). Fäschlich 
wird es auß mereren Strophen zusammengesezt ; es kann 
der Zeit nach nur ein strophig sein. Uebrigens trfigt es 
die Weise eines religiSsen Liedes, wärend des Hardeg* 
gers Hiute ist der s»ldenrldhe tac daz Jösus wart geborn 



Anweigeo^ anfechten Schmeller 4, 47. Tgl. ahd. welgjan. — In Steicr 
bezeichnet oanawelgeln das gespenstische spacken and omgehn* 

Altdevtsehe BlStter 2, 327—329. 

«) Hofmaia Foiidgniben H. 183, 12-16. 

I>er ScUachtgesang der Deatschen, den sie im 12. Jh. gewOnlich aastimtea, 
Christas qoi natas, scheint auch ein WeihaachtUed mnd war yiell eicht deutsch. 
Indessen kann der Anfang, den wir allein kennen, auch sa algemeinereo Ge- 
danken flberieiten. Unter andern warde das SchlachtUed bei Tuskalom am sweit- 
en Fflngsttage (29. Mal) 1167 gesangen. 



886 

(MSH. 2) 136*) und Reinmars von Zweier Ich seite in g^rne 
ich weiz wol waz (MSH. 2, 177*-179^) Weihnachtbe- 
trachtnogen sind^ wohin wir auch allenfalls Waltiiers von 
der Vogelweide Krist hörre Iftz mir werden schin (Lach- 
manns AuOg. 24, 21—29) zälen können. Singbar wenn 
auch kein geistliches Volkslied ist Meister Alexanders 
Herre got dir sangen schöne hinte nacht vor dlnem trdne 
Chembin und Seraphin niuwez lob in höher wnnne (MSH. 3, 
26). Dasselbe gilt von dem ebenfalls ins 13. Jh. gehörigen 
Gedicht : Hör Jösas gftt im paradis , er glt den kinschen 
linten prls, mit demKerreim: Sttezer Jösn milter Jösn gnoter 
Jösn. 1) Es ist flbrigens nach lateinischem Texte gearbeitet. 
In dieselbe Zeit gebeert ein Ifingeres erzitendes Gedicht 
strophischer Form, in der Handschrift eine Tagweise ge- 
nant, welches die Geschichte Jesu von der Verkftndignng 
biß znm bethlehemitischcn Morde behandelt: Marien wart 
ein bot gesant vom himelrich in kurzer stnnt (MSH. 3, 
468"— 468^). Einzelnen Theilen läßt sich frisches Leben 
nicht absprechen, und das Stfick, welches den Stern und 
die Weisen in Jerusalem besingt , finden wir in der That 
abgelöst und mit einigen Aenderungen unter den Liedern 
des Mönchs von Salzburg. 2) Es scheint demnach wirklidi 
als geistlicher Gesang gehrancht worden zu sein. Ganz and- 
erer Art ist das Lied einer Münchener Hs. des 13. Jh. : Ein kint 
ze tröste ist uns gesant von verre tz der engel laut, in stip- 
ulis jacere vaut man den wönigen hörren. ^) Hier zeigt sich 
jene Mischung von lateinischen und deutschen Versen , die 
seitdem 10. Jh. in Deutschland auftauchte^) und namentlich 
gern bei frölichen Stoffen gebraucht wurde; sie bot sich 



MSH. 3^ 468^^ Altd. Blfitt. 2, 124. 

O^Altdensche Blfitler H, 342. f. 

•) AvfteO Anzei^r fOr Kande tentscher Vorzelt 1833« S. 275. 

HoiEmann Oeschichte des Kirchenliedes 151-^173. 



881 

darum auch Air das Weihnachtlied dar. Dieser Art iat auch 
das bekante biß in neueste Zeit gesungene j^ dnlci jubüo 
nu singet und seit fro^^, weiclies schon im 14. Jh. vorhanden 
war (Hoffinann 151). Diese Lieder waren begreiflich nidit 
fhr das Volk gemacht , sondern drangen erst almählich in 
dasselbe. 9 

Unter den WeUmachtliedern des 14. Jh. zeichnet sich 
besonders der Gesang auO: Uns komt ein schif gevaren, 
es bringt ein schcBnen Last, darfrf vil engelscharen und 
hftt ein grözen mast (Ph. Wackernagel Kirchenlied n. 729. 
BoUeas Choralgesang 62). Er wird dem großen Theologen 
Johannes Tauler (f 1361} zugeschrieben. Uebrigens ist er 
Umdichtung eines weltlichen Volksliedes und auß dieser 
Quelle ist ihm der volle warme Ton gekommen. Die Strophe 
y^MScht ich daz kindeÜn ktlssen an sin lieplichen munt, und 
wierich krank, vttr gewifse ich wflrd davon gesunt^^, ist ganz 
volksliedmäßig. Dazu stimt die Weise, die wir in der Me* 
lodie des Liedes : Es wolt ein Jäger jagen, wolt jagen in 
einem holz, wider finden. Von der weiten Verbreitung dies- \ 

es Weihnachtliedes zeugen seine mannigfiichen Ueberar«- 
beitnngen, die ihm jedoch nicht zpm Vortheil gediehen. 2) 
Ebenfieills allgemein gesungen und lange bewart wurde ein 
andres Kristlied des 14. Jh., das unter den Gesängen des 
Mönchs von Salzburg aufgezeichnet ist und sich jener S. 

Ein latoin. nlederifind. WeihMachtUed bei Hofftaiann Kirchenlied 153—156. 
Englische mit viertem latein. Verse bei Sandys Christmas carols 6. 7. Christ* 
mastide 226. weltliche englische Weihnachtlleder (^Eberlieder) mit lat. Verse bei 
Sandjrs Chrlstmascarols 10. ISO. englische gelstl. Weihnachtlleder mit lat. Ker- 
reim bei Sandys Chrlstmascarols 2. 15. 20. Ein Weihnachtlied anO regelmäßig 
wechselnden französischen und lat. Versen bei Sandys Chrlstmascarols 167. Do 
Merll, der es S. 101 f. seiner Pocsles popolalres latlnes (Paris 1843) mlttheilt^ 
sagt es sei noch popolär. 

*) Vgl. Wackernagel Kirchenlied n. 119. Eine hoUlndlsche Bearbeitung bei 
Hoffinann fiorae belglcse U. 10. Zu Tergleichen Ist Haskatblüt Ein rtch schlf- 
Tstrt bereitet wart (n. 19. Groote) und das englische I saw three ships come 
tallittg in on Chrlstmasday bei Sandys Ctailstmascarols 112. Christmastide 260. 



r 

49. 106. erwfihttten ritaalen Darsiellmig an der Krippe an- 
sohlbO* 9 ^^^ ^^^r waltenden Liedeston finden wir in einem 
andern Weilinaebtgedicht des Salzbnrger Benedietiners nicht, 
dem: Maria kiusche nmoter zart, wie lastlich was dln reinin 
ärt. Gesangwidrig gebaut, mit ganzem Anklang an die reli- 
giöse Kunstdichtung des 14. 15. Jh., mer verständig grüb- 
elnd ds herzlich empfindend ist es nicht geeignet vom Volke 
in seinen Liederschatz aufgenommen zu werden. ^ Was 
Hugo von Trimberg in seinem Renner v. 11080 fl: sagte, 
ist zutreiFend : „der leien leise durch tiutschiu lant sint ein- 
veltec und baz bekant danne manec kunst, üf die geleit ist 
gr4zin kost und arbeit,^^ Worte die zugleich fSr das deutsche 
geistliche Lied an der Scheide des 13. und 14. Jh. Zeugnifs 
geben. Einfachheit und warmes GeAll, inniges durchdmng- 
enseln von dem Glauben an die heilige Geschichte und die 
Warheit des Evangeliums, der frische Klang der Volks- 
weise , das waren und sind in Ewigkeit die Mächte des 
geistlichen Liedes. 

Auf dem Wege des 14. Jarh. schritt das 15. weiter. 
Ein kurzes Weihnachtlied „der himelkflnig ist geboren von 
einer raeit^^ bietet eine Broslauer Hs. auD den Jaren 1414- 
1423 (Hofiman Kirchenlied 103). Weniger volksmfißig und 
bedeutend länger ist das nicht viel jflngere Lied : „Ein 
kindleiu ist geboren von einer reinen meit^' 3). Ganz be- 
sondera anschaulich wird das Weihuachtlied dieser Zeit 
dadurch daß wir es gruppenweise beobachten können. 
Eine solche Gruppe finden wir unter den Liedern Heia- 



D«r vobUilidigere Teit in Moses Aflselfer 4, 45$ lii«r indet «Ick 4er 
Attfang: Na flrew dich liriatenliche schar. AaOerdem vgl Altd. Butt ty ML 

HoiMAan «Itd. Haadsehr. CLXXI, 8. AUd. Blitt. % S46. KehK«te Klrekca- 
«ad reli«. Ueder 180. Ucderb. der KL Bdtslerin 257. 

•) Bocea Miseellan. 2, 246. Hoteaaa KireiieBL 104. Wh. Wacknaagel aNd. 
UMb. 973. Ph. Waekeraagel Klielieal. n. 12& 



ridui von Liofeiberf , den wir sehen ala Hymnenbearbeiter 
kennen lernten. AnO den Anfflngen der W^nachtbymnen 
Beste er das Lied zusammen : Pner natos ist nns gar schon, 
wel uf mit sflßem engel ton (Wackernagel Kirchenl. n. 765) 
das latein. deutsch und leicht singbar ist. Wie hier so find* 
en wir den Kerreim anch in Lanfenbergs ,,Es saz ein edle 
maget sch6n in höher contemplation(Wackem. n.750) und in 
dem ,^n einem kripfli lag ein kind^^ (Wackeni. n. 751.743}. 
Beide Lieder sind erzfilend und einfach und wol zur Auf«- 
name vem Volke geeignet. Die andern Lieder dieses Dicht- 
ers, welche auf die Weihnachtzeit sich beziehen % sind 
theils zu kunsk^h im Bau, theils zu gelert, als daß sie 
In den Mund des Volkes hfitten kommen kSnnen. 

Eine andere Gruppe des 15. Jarh. enthält eine Hand« 
schriß des ehemaligen Frauenklosters zu Pfullingen, die 
jezt in Stuttgart aufbewart wird 2). Hier begegnen uns 
merwe Coukafaeturen oder geistliche Umdichtungen welt- 
licher Lieder; nfimlich nach demLiede: ,,Ich var dohin wend 
es muefi sin^^ das Weihuachtlied : Ich var zu dir Maria rein 
(n. 732) und nach dem Zechliede „Den Uebsten buolen 
den ich haa^^ das : „Den liebsten herren den ich han der 
ist mit lieb gebunden^^ (n. 735). Außerdem enthalt die 
Handschrift die Weihnachtlieder: Woluf gen Bethleem be« 
hend mit hwtz muot und sinnen (n. 733); Ein nflw geburt 
wttnsch Ich zwar (n. 734) und: Jesus du sfißer name, göt- 
lidher roinne flamme (n. 737). Man kann namentlich den 
ersten Singbarkeit und leichten Bau zugestehen, allein def 
Inhalt eignet sie schwerlich zu Liedern der Menge. Der 
spielende Ton der geistlichen Dichtung dieser Zeit läßt die 
kttnüge Einfachheit nicht gedeihen : es sind wol Lieder ftlr 



Wackernagel KlrchenUed no. 748. 747. 746. 757. 766. 
s) ?h. Wackernagel UrckenUe« ao. 730 - 746. 



»st 

Nonnen aber iM\^i filr das Volk. Am neibMen liDt sich das 
Contrafactum ^Qh var zm dir, Mariai rein'^ wüzeidmen. 

Weiteres gewSrt eine Kloaternenburger Handschrift 
(Cod. ms. 1228); sie ist zwar erst im 16. Jh. geschidehen, 
allein ihr Inhalt gehört anscheinend in das 15. hinauf 9* 
Von Weihnachtliedern bietet sie das In dulci jnbilo und 
die bekante Uebersetznng des Puor natus ,,£in kind gebora 
zu Bethlecffl, des fronet sich Jerusalem ;^^ ferner ein Drei- 
königslied ^^Sim ! Gpt so woln wir loben nnd ern^% und 
drei längere erzalende Weihnachtlieder. Das erste der* 
selben (n. 4 der Hs.) begint also: 

Well wir aber singen — gegen disem neweu jar — von 
ainem hailigen kiude — wie es geporen wart — von einer 
jnngfraw hübsch und fein — Jesus ist der name sein — den 
snlt ir hoereu — und sult in eren. 

Die lezte (29.) Str. lautet: 

Der uns das liedlein hat gemacht — und neu gesungen 
hat — er hats gar wol gesungen r— zu einem neuen jar— 
das well auch Got uns allen geben — und darnach das 
ewige leben ^) — tuet er begeren — Got well in geweren« 

Das lange Lied, welches nicht bloß die Geburt des 
Heilands crzält, sondern auch dem zwelfjfirigen Jesus im 
Tempel und dem Erlösnugstode merere Strophen widmet, 
war zum Gesänge bestirnt und ist auch vielleicht ge- 
sungen worden. Die Länge darf nicht dagegen eingewaot 
werden, da wir ebenso lange weltliche erzalende Lieder 
der Zeit besitzen und auch in dem Kirchenliedo spaterer 
Zeit ser oft die Breite statt der Tiefe bemerkeii. 



WoBß g9b Ihre Llederanfäsge und eiitlge voltftandige Ueder fa tefie« 
Anzeiger 1630} 347 — 3t54. Weitere Nachrichten und AuOzfige verdanke ich 
der OefälUgkelt des Chorherren Dr. Hartmann Zeibig^ d. Z. Cooperator In Naß- 
dorf a. d. Denan. 

*} Dieser Vers feit In meiner Abschrift Bttd ist tan mir eiiiMt 



^5 

Das zweite Lied (d. 31. der Hs.) begint also: 

Es ist ain kindelein geporn — es hat versoenet gotes 
zorn — gotes zorn vom himnelreich — nie geporn wart des- 
selben gleich — Maria. 

Ain klaines kind, ain großer got — der alle weit be- 
schaffen hat — der alle weit beschaffen hat — der ließ 
sich sehn in schlechter wat — Maria. 

Die beiden lezten (25. 26.} Strophen, welche in der 
Hs. nmgestellt sind, lauten: 

Zu Rom ain pmnn mit ol ersprang — er hat sogar da 
seinen gang — wol von der tief piß an den grant — wer 
bresthaft was, den macht er gsnnt — Maria. 

Gnedigs kint, Herr Jesu Krist — wir pitten dich heur 
zu diser fiist — -. daß du uns vergehst all unser schult — 
daß wir erwerben Gotes hult — Maria. 

Mit Außname der Länge müßen wir diesem Lied selbst 
heute noch Singbarkeit zugestehen und die Ffihigkeit Weih- 
nachtandacht in der Menge zu erregen. Sein Anfang erin- 
nert an andere Lieder, welche oben S. 107. Anm. 2. ange* 
fBrt wurden. 

Das dritte Lied (n. 33 der Hs.) will ich wegen seiner 
Uebereinstimmuiig mit einem holländischen des 15. Jarh. 
(Hofltaiann bor» belgic» 11. 4) ganz mittheilen. Welches 
von beiden Original ist, mag fraglich sein; die Form warf 
in Str. 5 Air w a r b kann nicht entscheiden. 

Da Jesu Krist geboren wart, 

do was es kalt ; 

in ain klaines kripplein 

er geleget wart. 

Da stunt ain esel und ain riut, 

die atmizten über das hailig kint 

gar unverborgen. 

Der ain raines herze hat^ der darf nit sorgen. 

25 



M6 

Joseph der nam sein eselein 

wol bei dem zaam, 

er fueret es ouder 

ain tadelpaum. 

,,EseIein du solt stille stan, 

Maria die wil geraet han, 

sie ist gar moede/^ 

Do neiget sich der tadelpaum su gotes gnete» 

Maria prach die tadeln 

wol in ir schoß. 

Joseph derselben weil 

doch nit verdroo. 

,^selein, du solt fOrpaß gan, 

wir haben noch dreißig meil zu gan, 

es wird zu spate.^ 

Do neiget sich der tadelpaum zu gotes gnade. 

Do zugen sie forhin paß 

wol in ain stat. 

Joseph gar treulich umb 

ain herberg pat. 

Derselbig wirt lebt in dem saus, 

er traip die gest widerumb auß, 

sie warn eilende. 

Maria spann das raine gam mit iren henden. 

Sie giengen ain wenig fürhin paß 

wol in ain darf. 

Joseph gar treulich umb 

ain herberg warf. 

,,Wirtin, liebste Wirtin mein, 

behaltet mir das kindelein 

und auch die frawe^^ 

Sie sprach: ich ml es gern thnn,welt irin ain strawe. 

Wolhin wolhin ! gen abend spat 
do wart es kalt ; 

alspald sie in die scheuem gieag, 
ins stadel trat 



S87 

Maria die nam ir kindelein, 

Joseph der nana sein eselein, 

sie lagen besonder. 

Do schauet wirt und wirtin xu dem groaen wunder. 

Wolhiu wolhin! gen mittemacht 

do was es kalt 

Der wirt zu seiner frawen do 

gar treulich sprach : 

,^rawe, liebste frawe mein, 

ste auf und mach ain feuerlein 

dureh gotes willen. 

Das kindleiu heint kaiu me gewan,esmöcht erfrieren. 

Die fraw stund auf gar palde, 

wasmans (f ) sie hieß ; 

wie pald sie in die kndien lief, 

ain fear aufylies« 

,,Fräwlein, liebstes fräwelein, 

trag herein dein kindelein, 

wol zu dem feure ! 

Dein kindlein heint kain nie nit hat, es möcht erfreuren. 



het ain pfändelein 
und das was klain ; 
da kocht sie irem kint ain müesl, 
was lauter und rain. 
Weil es verzert sein mneselein, 
Maria sang irm kindelein 
gar und gar taugen : 
„so bistn mir ain spiegel klar in meinen augen/^ 

Maria die kunt spinnen, 

des freut sie sich ; 

Joseph der kunt zimmern, 

des nerten sie sich; 

Jesus der kunt haspen gam. 

Der reiche wirt der wart do arm, 

der arm wart reich. 

So bit wir 6ot von himi, daß er uns helf in sein reich. 

«5» 



888 

Das f%liifzehnte Jh., in welchem die religiöse Lyrik aer 
zalreiche SproOen trib , gibt natflrlich noeh weitere Zeug- 
nifse fOr das Weihnaclitlied. Freilich dazu kOnnen wir die 
beiden Weihnachtgedichte Oswalds von Wolkenstein nicht 
rechnen: ,Jn Syria ain praitenhal h6rt man dorch gröz 
geschelle^^ nnd ,,Keuschlich gebom ain kint sA kuene von 
rainer mait^', 9 ^^^^ ®^ wenig die ziemlich zalreichen Ad- 
vent- und Weihnachtpoesien MnskatblQts, welche zu dem 
schwächsten gehören , das diser Dichter hervorgebracht 
hat. ^) Aber zu einem erbaulichen Volksgesang ist das 
schöne Adventlied geschikt AuO hartem wee klagt 
menschlichs geschlecht, ^ das durch eine herliche 
herzgreifende Weise getragen wird. Zu unterscheiden davon 
ist das Lied Auß hartem wehklagen wir mensch- 
en (Moue Schauspiele des Mittelalt. 1^,366), das an Gehalt 
ihm nicht gleich komt. Ungemein beliebt und nicht viel jflnger 
als dies Lied war der Gesang: Es ist ein ros ent- 
sprungen auß einer wurzel zart. Es ist häufig be- 
arbeitet und vielfach mit Zusätzen versehen worden ^) 
und seheint ursprünglich Umdichtung eines weltlichen 
Liedes. Echt liedmfißig scheint auch ^^Sich hat der 
schepfer aller ding genidert von des himels ring, als 
in der Jungfrau hochgeborn verkflndet Gabrielis hom^' ^ 
Anderes dagegen darf schwerlich zu den geistlichen Volks- 



' Dia Gedichte Oswalds von Wolkensteln, herausgegeben Ton Beda Weber« 
Innsbrack 1847. no 102. 104* 

>) Nor das Gedicht ^^Sdndiger mensch in diser sft gedenk das es dir harte 
Üt (Lieder Mnskatblflts. Erster Dnick besorgt von E. v. Groote« K51b 18&S. ■• 
20) will ich anOnemen. 

Wackemagel Kirchenlied n. 181 a. Der Text^ den Bone Cantate a. 14. 
gibt, Ist nicht gut überarbeitet. UeberdleO Ist der alte SIrophtBba« darch EntAn- 
ong eines Verses gestört. 

4) Hoffmann Kirchenlied S. 138. Waekeraagel Kirchenlied. 160. Bone D 
täte n. 28. 

>) Der ewigen wißhelt betbflchlin« Basel 1518. Hone Anseiger 9jm. 



38f 

liedern der WeÜmachten gerechnet werden* So urtheile ich 
Aber das Gedicht ; Ein reine meit verborgen lac biz tf den 
heilgen wlhnahttac (AufseO Anzeiger 1833. S. 278.), fer- 
ner aber das hölzerne Meistersfingedied des Martin Weiß : 
Ir solt loben die rejne meyt (Wadcernagel n. 178) nnd Aber 
des Martin Myllins Adventgedicht: Nachdom den menschen 
Chembin ndt schaden (Wackernagel no. 168) das im Tone 
des Hymnns Ut qaeant laxis^ also im saphischen Maße, ge- 
dichtet ist. 

Wollen wir uns über das vorreformatorische Weihn- 
achilied eine weitere Vorstellung bilden, so sind die kath- 
olischen Gesangbttcher des 16. Jh. zu berncksichtigon, 
deren Inhalt meist in das 1 5. Jh. hineinreicht. Ich kann nur 
Vehs und LeisentritsGesangbttcher benutzen, indefsen durften 
gerade sie ftr uusern beschrankten Zweck außreichen. Mich- 
ael Vehs New Gosangbttchlin Geistlicher Lieder 9 enthält 
wenig Weihnachtlieder, da esttberhaupt eine kleine Sam- 
lung ist. Außer der Uebersetzung des Dies est Isetitiie 
und des notkerschen Grates, so wie außer dem In dulci 
jubilo findet sich nur noch das trefliche Lied : „Gelobet 
seistu Jesu Christ daß du Mensch geboren bist.^^ Es 
gehdrte zu den verbreitesten und bltthte gewifs schon im 
15. Jh. Ursprünglich war es nur eiostrophig, wie alle die 
alten Gesfinge, welche die Andacht nur wecken weiten ; bald 
fanden sich mer Strophen hinzu. Bei Veh und Leiseotrit hat 
es sechs Strophen. Luther nam das Lied nach einiger Bear- 
beitung in seine Gesfinge auf und diese Recension ttbte auch 
auf den späteren katholischen Text Einfluß. 2) 



Ich benati^e die sweite AaOgrabe „Gedrackt xv Mejntz darch FrancUevm 
Behcm. Anno M. D. LXVH/^ welche sich auf der UnirersitStsblbllothek zu Grfiz 
flndel. Nach Sttp hjmnolog. RelMbriefe 2^78 Ut sie ancli In MAnchen, Ph.Wack- 
eraagtl kante sie nicht. 

«) VgL den Teit bei Bone Cantate n« 47 mit dem in Luthers EncUridion 
von 1534 (Waekeraagel 193) nnd dem bei Veh und Leisentrit. 



%9% 

• ♦ 

Das mnfangreiclie Gesangbuch des Johann Leisentrit, 
Thnmdechanten zn Bndifsin, bietet begreiflicher Weise einen 
deichen Strauß geistlicher Weihnachtblfiten. 9 Das Adyent- 
lied und das eigentliche Weihnachtlied sind zalreich ver- 
treten in kürzerer und längerer Gestalt, in Ueberseiznngen 
nnd Bearbeitungen lateinischer Lieder, wie in selbständigen 
deutschen Schepfongen. Auch Neujarslieder erscheinen mer- 
ere« Wir gewinnen also das Ergebntfs, daß in der deutschen 
katholischen Kirche das Lied des Volkes eine bedeutende 
'Stelle erlangt hat. Es sind nicht itaer Gedichte religiösen In- 
halts in Liederforra, in denen sich das einzelne GemOt auß- 
spricht , sondern der Glaube des ganzen Volkes strömt in 
dem Liede hervor. Die heiligen Geschichten und die Haupt- 
sfitze des Glaubens werden nach ihrer allgemein bewegen- 
den Bedeutung gesungen ; nicht Kflnstlichkeit und geist- 
reiche Auffaßung, fondern glfiubige Einfalt und warme Ueber- 
zeugung sind des Liedes Mfichte. Das geistliche Lied des 
Volkes war zu einem Diener am Wort auch in dem kathol- 
ischen Deutschland geworden, und dieß hatte die mystische 
Bewegung des 14. Jh. vorbereitet, die Reformation ent- 
schieden. Die Reformation zeigte der katholischen Kirche 
die Bedeutung des geistlichen Volltsliedes und diese pflegte 
es darum in den Zeiten der Gefar wenigstens in Deutsch- 
land 2) Im 18. Jh. sank das deutsche kathol. Ued, so daß 
heute Aber seinen Zustand Klagen gehört werden. 



9 Ich benutze den ersten TheU warschelnUch der dritten Anflgabe ; er Ut 
one Jarsal und Angabe des Dmckorts; der zweite Theil^ welcher nicht anf der 
Grizer ünlr. BibUothek Ist^ wdrde wol nach Wackemagel (Kirchenlied S. 78A) 
die Z* 1584 tragen 5 derselbe rechnete ihn znr zweiten AnOgabe. Ute erste 
AnOgabe erschln 1567, die zweite 1573 (Stip hymnolog. Reisebriefe 2, 59) die 
dritte also 1584. 

«) Zwei Anlflningen ano Synodalstataten mftgen weiteres andenten. la de» Stat. 
synod. Angnstan, a, 1587 heißt es: antiqnas vero et cathelicaa canttiwei 
prttsertim qnas pli nii^res nestrlOennanl majoribus ecdesitt festisaihlbaennty 
Tttlgo femittbnis et Ineceleilis Tel in processlonibns retinerl probaans. In das 



Worin die Bedeutung der Reformation fiir das dentsche 
geistliche Lied besteht, wurde eben angedeutet ; sie machte 
es zum Kirchenlied e. In der katholischen Kirche war es 
und blib es ein entberlicher Schmuck des Gottesdienstes ; 
der protestantische Ritus kann one das Kirchenlied nicht 
bestehn. Das ist ein Verdienst Luthers, welches konfefsion- 
elle Polemik nicht umzustoßen vermag. Kann man doch selbst 
seine Bedeutung als Kirchenlieder dichter nicht ableug- 
nen, so lange man ihm „Ein feste Burg ist unser Gott^^ ^ 
und das Lied von den zween Martirern zuBrtlfsel laßen muß. 

Der Stamm des protestantischen Kirchenliedes ist das 
allgemeine deutsche alte geistliche Lied. Luther nam die 
alten Lieder entweder unverfindert auf oder bearbeitete sie 
mit Benutzung des Anfangs und der Melodie nach seiner 
Glaubensansicht. Den Hauptpunkten seines Dogmas wurde 
die tönende Zunge des Liedes gegeben. Unter seinen Woih- 
nachtliedern finden wir die alten: Gelobet seist du Jesu 
Krist, Kristum wir sollen loben schon^ Nun komm der Heiden 
Heiland her (Uebersetzung von Veni redemtor gentium) und 
eine Uebersetzung des Hostis Herodes impie. Das Lied ,,Nun 
freut euch lieben Christen gmein^' scheint auf dem Grunde 
des alten „Nun feiret alle Christenleut und laßt uns frölich 
singen heut'' zu ruhen ; freilich hat es andern Ton und Weise, 
allein der Inhalt stimmt so, daß wir bei Luther nur weitere 

3. CSU. det cobc Bvrdlgalense von 1584 heißt es dagegen: VernaeiilA Un- 
gna publice psallere ant orare neminl nisi conclonatoii popalum ad devotlonem 
eicitanti liceat, ne inde temere Jndlcandl de sacris mysteriis et sensu scrip- 
tnr» cnlqnam detnr occaslo. Die erste Stelle steht bei Hartzhelm conc. Cferm. 
Vn. 164. Die andre bei Labbel. conc. XV. 14ö6. 

Zn Grande ligt der 46. Psalm, — Nebenbei mOge hier der kathoU Parod- 
iemngen des lather.: ^^Erhalt ansHerr bei deinem Wort^< gedacht werden. Die eine 
flirte SCIp auf In s. hymnolog. Reisebriefen 2, 03 ; eine swelte findet sich In 
Hnrters Ferdinand n. 3^521 f. gerichtet gegen die beiden lather. Prediger Zlm- 
nemann nnd Fischer In Orlz ^^Terfertlget xn Stockholm in Schweden den 14. 
Uaj Ao. 1604.^^ Wer FrischUns Phaama kent^ wird sich der dortigen Umdicht- 
ug eriiuieni. 



i 



\ 



AüßfBnmgen dieses liedes finden. Aueli das Lied ^^Vom 
Himmelhoch da komm ich her^^ 9 ^^S nur Bearbeitung eines 
fiteren vorreformätorischen sein, das sich bei Leisentrit 
erhalten hat. Luther selbst arbeitete sein Lied frei um in 
seinem ,,Vom Himmel kam der Engel schar.'' 

Unter den Ältesten Liederdichtern der lutherischen 
Kirche haben sich um das Weihnachtlied Verdienste erworb- 
en Erasmus Alberus, Johann und Cyriak Spangenberg, 
Johann Mathesius und Nikolaus Hermann. Reichlich ist das 
Weihnachtlied unter den Gesfingen der böhmischen Brfider 
yertreten, die dem Michael Weisse äuO Neifse zugeschrieben 
werden. Wir finden neben freien Bearbeitungen altkirch- 
licher Hymnen und Sequenzen eine Reihe selbständiger 
Dichtungen, deren Hauptinhalt wie im lutikerischen Liede die 
Freude und der Dank ist , daß Kristus kam den Sfinder 
durch seinen Versönungstod gerecht zu machen. — Wie reich- 
lich die Sat des protestantischen Kirchenliedes aufgieng, ist 
bekant; dieMafse wurde namentlich im 17. Jh. groß und zu- 
gleich meist {lach.Dem einzigen JohannRist schreibt man sieb- 
enhundert Lieder zu. Doch schwimmen köstliche Perlen- 
muscheln in dem Mere, welche neben altlutherischer Ein- 
fachheit und Strenge die tiefe Erregung der angstvollen 
Zeit, das Feuer der Prttfiing und die Stfirke unerschütter- 
lichen Glaubens außsprechen. Dazu komt der Fortschritt 
in Behandlung der Sprache und des Verses. Wenn wir dem- 
nach im allgemeinen die schönsten Erzeugnifse des evang- 
elischen Kirchengesanges im 17. Jh. ge waren, so aucli 
im besondern des Weihnachtliedes. Ich zeichne auß unter 
den Adventliedern : Johann Rists Auf auf ihr Reichgenoßen^ 
Johann Olearius Komm du wertes Lösegeld , Zacharias Her- 



Von Luthers Lied ^^Vom mmmel lioch'^ wurde Im 16. Jh. in Sebott- 
luid eine trene Uehersetzimi; g^esnngen: I come firom herin to teil The hest 
nowelUs that erer be feU^ Sandys Christmascarob 27—29. 



maniis Wo Uelbt mein Selenschatz, Samuel GroOers Lieb«- 
ster Jesu sei willkommen , namentlich aber Paol Gerhards 
Warum wilta draußen stehen und : Wie soll ich dich empfang^- 
en und wie begegnen dir. Auß der weit großem Menge 
der Weihnachtlieder hebe ich hervor : Martin Bohems König 
aUer Eren, Herr Jesu Davids Son ; Job. Rists Ermuntre dich 
mein schwacher Geist und trage groß Verlangen ; Paul Ger- 
hards Wir singen dir Imanuel, du Lebensftlrst und Gnaden- 
quell, und Ach alzuhartes Nest, ligt Jesus in der Krippen 
von Neunherz. Welche Theilname dem Weihnachtliede im 
16. und 17. Jh. im protestantischen Deutschland zugewant 
wurde, können auch die Neuen Weihnacht Liedleiu und 
Arien, weihnfichtliche Vesperstunden und wie sich diese 
Einzelsaralungen sonst nennen, beweisen, die damals er- 
schienen. 9 

Es ist bekant, daß gegen Ende des 17. Jh. die liederdich- 
tende Kraft in der protestantischen Kirche abnam ; das 1 8. Jh. 
bietet in dieserHinsicht wenig erfreuliches. Außer dem Kreiße 
der sogenanten Pietisten war keine hervortauchende Richtung 
befkhigt, ein echtes Kirchenlied zu schaffen, weder die starre 
tote Orthodoxie noch die nflchterne Aufkifirungspartei. Die 
Hernhuter hatten den warhaft poetischenGeist der böhmischen 
Brttder auch nicht geerbt. Und so bilden biß heute die Lieder 
des 16. und namentlich des 17. Jh. den Hauptkern des 
deutschen evangelischen Kirchenliedes, ftir welches viel- 
leicht eine neue Blflte sprießen wird in einer Zeit, die Anlaß 
genug hat sich des 16. und 17. Jh. krfiftig zu erinnern. 

Wir haben nun einer besondern Art des Weihnacht- 
liedes zu gedenken : des Kinder- und Hirtenliedes. Ihm 
wesentlich ist die naive Hingabe an das Erfiugnifs der 



Vgl. Sttp hjninologrUche ReUebriefe 1^32. 131-133. 2^05.016 salrelohen 
Welhna^lithymiien def 17. Jh. geboren nicht hierher. Vgl. ftber sie Oerrlniis 
Gesch. d. poet. NationaUiterat. d. Deutsch. 3,334. 3. Ana. 



8M 

Geburt Kristi , die unmittelbare Theilname daran und der 
demütig vertranliche Gang zu der Krippe. Das episcb dram- 
atische überwigt; die Yerkttndigong an die Hirten und ihre 
Anbetung bilden den Mittelpunkt, und die heilige Vergang- 
enheit wird zur unmittelbarsten Gegenwart. Das Volk sieht 
sich selbst in jenen Hirten der heiligen Nacht und die Kind- 
er begrüßen in dem Heiland ein Kind. Vertraulicher Ton, 
selbst ein Scherz vermShlt sich der Andacht, one daß eine 
nnstatthaflte Verbindung entstünde; die Göttlichkeit wird 
nicht durch kindliche Lust beeinträchtigt. 

Die Zeugen dieser Richtung finden sich unter den ält- 
esten deutschen und deutschlateinischen Weihnachtliedem. 
Das In dulci jubilo, das Quem pastores laudavere, der Wech- 
selgesang zwischen Maria und Joseph „Joseph liebster nefe 
mein^^ gehören hierher Unter den Liedern des 15. Jh. neigen 
sich die rein erzfilenden mer oder minder dazu ; je auOftr- 
licher sie sind und je mer sie in das Stilleben der h. Familie 
eingehen, um so eher tönt der kindlich naive Klang in ihnen 
herauß. 9 Die Reformation trat dieser Richtung nicht ent- 
gegen ; Luther selbst neigte sich im Weihnachtliede ihr zu 
und der Gesang an der Krippenwiege (vgL S. 49) hat sich 
in evangelischen Kirchen lange erhalten. 2) Job. Mathesins 
bearbeitete denselben neu „die Christen Kinder mit zu 
schweigen oder einzuwiegen" (Wackernagel n. 478) und 
dichtete noch ein anderes Wiegenlied „f)ir gottselige Kinder- 
meidlein" (Wackernagel n. 477) welches die Geburt Christi 
im Kindersinne darstellt. Ebenso dichtete Nicolaus Her- 
mann die beiden Lieder „Hort, ir liebsten Kinderlein" und 



Gleiches gilt toh dcD holländischen WeihnachtUedernJener Zelt: 
^ horse belglcse D. 2—5 

*) Zu S. 49 ist nachzutragen^ daß der Gesang ^^Joseph lieber nefe mein'' 
in Hambnrg im Anfang des 18. Jh. noch gesangen wnrde. Rambach üeber P* 
M. Lnthers Verdienst am den Kirchengesang, ITamb. 1813. S. 146. Nach Hoff- 
mann v.Fallersleben Ist so Jenem Branche zv vergl. J. Bocmtts de onntarn gent^ 
iam ritibos, Aag. Vind. 1520. U LVm, b. 



395 

,,Seid frölichmid jnbilicret^^ (Wackernagel n. 485.487) ganz 
in dieser Richtung. Indefsen der Ernst des protestantischen 
Gottesdienstes konte solche Lieder nnr außnamsweise zn- 
laßen ; Johann Mathesius hätte daher sein ,,0 Jesus liebstes 
Herrlein mein^^ außdrflcklich fßr das Haus bestimt. 

Eine freiere und reichere Entwickelung namen daher 
diese Kinder- und Hirtenlieder in dem katholischen Deutsch- 
land. Hier gestaltete sich Oberhaupt biß in die neueste Zeit 
das geistliche Lied außerhalb derKirche in bedeutendemGrade 
fort, angeregt durch die Kirche aber nicht von ihr gepflegt. 
Die Weihnachtzeit wurde besonders mit diesen geistlichen 
Volksliedern geschmtkkt, und von ihnen biete ich im folgenden 
eine Samlung. Zwei Hauptarten unterscheiden sich von 
selbst: eine ernstere höhere, und eine niedere frSlichc, 
welche auch in der Sprache sich zu dem Volksdialect herab- 
laßt. Ffir beide haben sich unter uns schon Samler gefiinden ; 
namentlich hat man in Westfalen die Aufmerksamkeit auf die 
höheren geistlichen Volkslieder gerichtet; Zeugnifs davon 
geben die „Geistlichen Volkslieder mit ihren ursprünglichen 
Weisen" (Paderborn 1850) und das Gesangbuch „Cantate^ 
von Heinrich Bone. Auß Schlesien theilten einige Weih- 
nachtlieder dieser Art nebst andern geistlichen Liedern 
Hofimann von Fallcrsleben und E. Richter in ihren schlesisch- 
en Volksliedern mit. Von der nachfolgenden Samlung gehören 
die Lieder n. XXIII— XLII hierher, welche mit einer einzigen 
schlesischen Außname (n. XXIX) auß Steiermark und KSm- 
ten sind. 

Geiler wurde die Aufmerksamkeit der niederen Gattung 
zugewant^ ^) die sich mer als Volkslied hervorthat. Auch 



Was Ton solchen Weihnachtliedern biOher gednikt wnrde^ ist meines 
wlOens folgendes. AnO Schlesien in den Schlesischen Volksliedern mit Melod- 
ien gesamm. nnd heraasg. von Hoffmann von Fallersleben nnd £. Richter Leipz. 
1842. n. 278. AnO dem Kuhlfindchen in: Alte tentsche Volkstteder in der 



am 

von ihr biete ich fiteieiisclie und kftrntisdie Belege. 
Namentlich in Kfirnten ist die Zal dieser ^^Hirtenlieder^^ ser 
bedeutend gewesen, und npch vor vierzig Jaren hatte fast 
jede Pfarre ihren Dichter, den Vorsänger der Gemeine, wel- 
cher den altenSehatz mit neuem stets vermerte. Heute scheinen 
sie nicht mer so üppig zu blühen, sind aber noch immer ser 
zalreich vorhanden. Von Steiermark läßt sich dalselbe sagen. 
— Diese Lieder werden theils in der Kirche theils in den 
Hiusern gesungen von der Ad ventzeit biß zumDreikönigutage. 
Die mundartlichen lustigen beschrfinken sich auf die Krist* 
nacht, wenigstens was die kirchliche Oertlichkeit betritt. 
In der Kirche stimt sie der Vorsänger oder der Mesner an, 
meist nach Beendigung des Gottesdienstes, wo einzelne an- 
dächtige zu einer Privaterbauung zusammenbleiben. In der 
Kristnacht werden sie aber allgemein gesungen und sind 
in Klosterkirchen auch vom Kor herab ertönt. In den HäuH- 
ern werden sie wärend der ganzen Weihnachtzeit von den 
Kirchensängern oder von jungen Bauerburschen vorgetragen, 
die zu sechs biß acht von Haus zu Haus gehen und zun Lon 
eine Gabe erhalten. Wogegen die Staträte des 14. Jh. schon 
einschritten, ^) das ist also biß heute trotz aller Verbote 
am Leben geblieben. Von diesem absingen in den Häusern 
rflrt der Wunsch für den Hauswirt her, der sich am Schluße 
einiger Lieder (n. XXVll. XXXIII) und auch des schlesischen 
(n. XXIX} findet. Lezteres beweist, daß diese Gesänge auch 
ittSchlesien vorkommen, und zwar müßen wir bemerken daß es 



Mundart des KaUfindchens herausg. von J. 0. Mcinert Wien and Hamb. 1817. 

S 260—280. AnO Nfedcrffsterrelch in: Oesterrelch. Vottstteder mit Uvea 
Sln^^welsen g^esamm. and heransg. von Tschiachka and Schottky. 2. Aul. Pest! 

1844. S. 30-50. AaO Tirol ein Lied bei A. PiclUer fiber das Drama des Mit- 
telalters in Tirol. Innsbruck 1850. S. 10. f. Aaß Kärnten ein Lied bei F. Sartoii 
Neueste Reise darch Oesterreicli ob derEns^ Salibarg a.s. ir. Wien 1811. 2^172. 
Einzelne Verse bairlscher WeilmachtUeder sind in SckmeUen Wdrterbock 
▼erstrent. 

*) W. Wackemagel deutsche LlteratorgesclUchte S- 75. Anm. 9. 



897 

aoD einer fast ganz protestantischen Gegend idt Die Knaben, 
welche die Kristkiudelspiele aoflteren, singen dort auch 
diese Lieder. 

Als ein Uebergang von den mundartlichen zu den hoch- 
deutschen finden sich nicht selten Lieder, welche in Sprache 
und Gedanken diese Mittelstellung verraten. Die Lieder n. XVU 
— XXn meiner Samlnng gehören hierher. Uebrigens gilt auch 
von den ersten sechszehn Liedern, daß sie nicht ganz mund- 
artlich, wenigstens nicht rciu kfirntisch oder steierisch sind. 
Worte und Wendungen enthalten sie, welche diesen Land- 
ern fremd oder Oberhaupt nicht volksthflmlich sind. Wir 
haben uns zu erinnern daß sie von den Mesnern oder von 
Vorsfingem gedichtet sind, die gern „schriftgelert^^ erschein- 
en weiten und hochdeutsches mit der Mundart oft seltsam 
mischten. Einige dieser Lieder mögen auß Nachbarlfindern 
herflbergekommen sein* 

Mit Außname zweier Lieder, die ich einem gedrukten 
liegenden Blatte <) entnommen, gebe ich diese Gesfinge 
nach handschriftlichen Quellen auß Graez, auß Mosburg bei 
Klagenfurt, auß Flattach im Möllthal in Kärnten und auß 
Liesing im Lesachthal in Kfirnten. Gedruktewie gescliriebene 
Ueberlieferung war verderbt ; bei der eigenthfimlichen Misch- 
ung vieler Stflcke war natttrlich mit Vorsicht zu verfaren.Ich 
wflnsche daß mir die Herstellung gelungen sei. 



Ich würde zum Schluß noch eine Nachricht Aber die 
englischen Christmascarols und die französischen Noels 
geben, wenn nicht die Beschrfinkuug des Raums mir es ver- 
böte. Auf der britischen Insel, selbst in ihrem keltischen 

Dieser flleg^ende halbe Bogen In 8.enthilt unsere Lieder m. VI. XL. (irobel 
Ich aber eine bandschrlfU. Quelle xa Omnde legtt) und einen Gesang zwischen 
Schiferln and SchSfer Aber die Botschaft der Gebort^ den ich nicht aofnam. Vgl. 
oben S. 162. Anm. 2. Solche Dmcke, deren Ich nur den einen sah, dienen den 
PrlraUuidMhten ia der JUrohe unter Leitung der Vorsinger« 



888 

Theile, und in Frankreich blühten and blfihen noch 
volksthümlichenWeihuachtlieder ebenso wie ioDentschlandJn 
England unterscheiden sich wie bei uns ernste und heitere, 
leztere namentlich fOr die Weihnachtgelage bestirnt und 
selbst an den HofTesten Elisabeths und der Stuarts gesungen. 
Das englische Weihnachtlied ertönt heute namentbch noch 
in den nördlichen Grafschaften. Man hat ihm sammelnde Auf- 
merksamkeit weit mer als wir dem unsem gewidmet^ und seit 
1521 biß 1852 reihen sich Samlungen an Samlungen der 
Christmascarols. Die neueste, die zugleich glänzend auO- 
gestattet ist, gab William Sandys in seinem Buche Christ- 
mastide, its history, festivities and carols. London (1852) 
nachdem er frtther denselben Gegenstand mit einer grosOem 
Zal von Liedern behandelt hatte in seinen Christmas Carols 
ancient and modern, induding the most populär in the vest 
of England, and the airs to which they are sung. Also spe- 
cimens of french provincial carols. With an introductton and 
notes. London 1833. In beiden Werken zält der gelerte Ver- 
faßer die übrige Literatur dieser Gattung auf j ich begnüge 
mich daher auf ihn zu verweisen. 

Auf die älteren englischen Weihnachtlieder der heiteren 
Richtung haben französische augenscheinlich eingewirkt; 
französische Verse und der Ruf Noel! begegnen öfter. lu 
Frankreich haben wir also auch ein Land des Weihnacht- 
gesanges ; ernste und heitere Lieder finden sich auch hier, 
die lezteren überwiegen. Sie laßen sich weit hinauf verfolg- 
en ; mit Vorliebe scheinen sie in der Provence und in Bar- 
gnnd gepflegt zu sein. Ein burgundischer Dichter des gol- 
denen Zeitalters brachte sie auch bei der vornemen Welt in 
Aufname ; es war Bernard de la Bf oiunoye, Gui Barözai^ geb. 
zu Dijon 1641 gest. zu Paris 1728 9 Wir Deutschen müßen 

Seine NoeU sind heranOgegeben zvlest vad mit Ue1>er»eti«Bg toh F. 
Fertlaalt: Les NoeL| Boorguigaoiu de Bemard de U Mooaoya. Parte i%§SU 



899 

aber in seinen Liedern den rechten Weihnachtton vermifsen; 
statt kindlicher Stimmung; und unschuldiger FrÖlichkeit be- 
gegnen uns ser oft platte Späfse und pikant sein sollende An- 
spielungen auf Zeitverhältnifse, natürlich mit knechtischer 
Schmeichelei gegen Ludwig XIV. gemischt. Die französischen 
Weihnachtlieder sind merfach Gegenstand von Samlungen 
gewesen, die von Sandys in den Christmascarols CXXXIY— 
CXLn und der Christmastide 190—198 verzeichnet sind. 



l 
Auf Nachpjir, erschrick not, i moan schier es brint, 
Die Nacht is so finster, i bin jo not blind. 
Es hat heont a liachten als war es schon Tag, 
I kans not ergründe wo^s herl^omen mag. 
Schaats, schaats, dort zu Wethlachem außer der Stat, 
Just wo halt das Marktviach sein Unterstand hat, 
Ton dort thuat herschiaimern an glänzender Schein ; 
I wett es mnaß dorten was sonderbars sein. 

Horts Buama! mein, losts nur, was klingt denn so fein? 

Dös muaß jo an englische Musik gwifs sein. 

So singen : „Excelsis, Gott sei Lob und Er ! 

Euch ist heunt geboren Mefsias der Herr. 

Im Stall werd ihr finden das göttliche Kind, 

In Windlein gewickelt bei Esel und Rind.^^ 

Hätt wol mögen fragen, i hab mi not traut. 

Daß Gott nach kana beßeren Wonung umgschaut. 

Hiazt nim i mei Ranzerl, ös gehts jo mit mir! 
An Ptttter und Höni log i ihm aft 2) für. 
Tragts mit weißes Kochmel 3), a Lampl ^) und Brot, 
Damit das kloan Kindl zu eßen was hot 



Ihr. Tgl S. 89. Anm. 1. 
>) meraaf, hiernach^ dann. Schmeller 1^ 34. 
Mel xnm Koch^ BreL Schmeller 2, 278. 
timleUi. Anm« u 



M 



400 

Seits aber not ongschikt und rärts Kindl an, 
ös möchts ihm wol weh thaan und schröcken darvon. 
Thuats enk fein tief backen nnd ziachts d^ Häat ab, 
After fallts vor ihm nider und opferts die Gab. 

Willkomm liabstes Schatzerl, du gettliches Kind, 
Wie ligst du verlaaen beim Esel und Rind. 
Da ligst in dem Krippel wies Lamperl im Feld, 
Zum leiden bist komen für uns auf die Welt. 
Du wüllst uns erlösen und achtest kan Not, 
Damit mir befreit sein vom ewigen Tod. 
Dein große Liab fand doch beim Menschen kan Trea, 
Muast in dem Stal ligen auf an Schuppel Beu. 

Du herzliabste Mnater, gib Acht auf dös Kind, 
Es is Ja gar frostig, thuas einfatschen s) gschwind. 
Und du alter Yoda, decks Kiudlein sehen zua. 
Sonst hats von der Kölden und Winden kanRuah. 
Hiazt nemen mir Urlaub, o gettliches Kind, 
Thua unser gedenken, verzeich unser Sund. 
Es freut uns von Herzen dao d^ ankomen bist ; 
Es hätt uns ja niemand zu helfen gewist. 

Gr»z, Ursulinerinnen. 

D. 
Auf Räpl auf! was wird wol dös werden? 
Es rauschet und brauset als ober der Erden. 
Stoffel, StölCel lauf! und darzue schau auf. 
Was sich im Feld halt für ane schene Gstalt '), 
Als wenn der Hinunel glei einfallen solt? 

Los JodI, los ! wie thuets so sehen pfeifa ! 
Rüpl und Stöffl künts k so sehen greifa? 
Geigen geigen thuets, grausla sehen thuets ; 
Das Ding is recht sehen, möcht allweil dastehn. 
Wie wirds nit anmal im Himmel zugehn l 



BfischeL Schmeller 3^314. 

Einwickeln; Fatsohenklnd : Wickelkind, ital. fascia, fa«ciare. 

>} Eb. was lieh aaf anaern Feld halt^ hat eine wimderschAne GiUlt. 



401 

Los Rflpl, los, los was mir derlöben ! 
Mir mfieoen uns alle von Feldern begöbeiu 
Zu Wethlachem sein sol unser Got gebom! 
Lippl i di bit, . nim a Zöpfl ^ mit, 
I uim a Lampl und trags zu der Hüft. 

lieber Got ! wie ligst in dem Kripplein ! 
Hier auf dem Stroh solts dir doch zu kalt sein. 
Eia so wolt Got, dao ich helfen kunt ! 
Da bring mir dir was, nim von uns alln das, 
Uns all einmal in den Himmel eiulao. 

Jesulein! wir thun dich schön bitten, 
So lao uns doch einmal dein eigen auch sein. 
Wenn wir in den Zügn auf dem Sterbbett lign. 
Wenn der Hellenhnnd uns zieht zum Abgrund, 
Nim unser Sei auf von unserem Mund. 

Liesing im Lesachthal, Oberkfimten. 

m. 

Bots hundert, liaba Bua, 
los mir a wengerl zua ! 2) 
I muao da was dazöln, 
wie i Nachts in da Fruah 
han meine Schöf geweidt, 
is gschechen auf der Heid, 
a Bot der is von Himmel gre nnt, 
i hau Jo mein Tag uia kennt. 
Bots hundert, lieba Bua, 
los mir an wengeri zua. 

A Botschaft hat a bracht, 
dao ihm das Herz hat glacht, 
dao unsers Herrgots Sun 
geboren is heunt Nacht, 



Hf. S«naielsftpil. 

Ztnat eiaeai Dracke entneme ch dieses Lled^ allein die Ueberliefernnjj; 
dlews aieg«ndAa Blattes Ist so schlecht wie die handschrlfUiche welche ich 
MDst benfttse. Es galt aach hier der Tersach der Herstellans. Ich gebe aach 
hier AV die irgiten Fder In den Anmeifcongen. 

26 



40> 

zum Heil fSr uns gebom O9 
sonst war ma all verlorn. 
Das kloane Kind der große 60t 
ligt in dem Stall, is schier a Spot 
Bots hundert, liaba Bua, 
los mir a wengerl zua. 

Mir snachn ihn fiberall, 

mir findn ihn in kkn, Sal; 

balds ^ nm and um is kemma, 

60 lag er in am Stall. 

Er hat a Büschel Ben, 

es friert ihn ft dabei. 

Das kloane Kind der große 60t 

ligt in dem Heu, is schier a Spot 

Bots hundert, liaba Baa, 

los mir a wengerl zua. 

Was hat a vor a Kload? 

was hat a vor a Pfoat? 

Ei jo, du wistests wol, 

wenn i dirs sagen that. 

Meinst denn, er hätt a Kload? 

a hat a schleißigs Pfoat ! 

das kloane Kind darein is gnftt, 

an schene Jungfer bei ihm steht ')< 

Botz hundert, liaba Bna, 

los mir a wengerl zua. 

Zwa Thier sein a dabei, 
beim Kindlein in dem Heu 0« 
Den Ochsen kenn i wol, 
woaß not was merers sei, 
is grad als wie an Röfs, 



Dftß «uen Herrn Gottes Sohn di henti Nacht gebohni lonit a. i. W. 

S) Nicht der Mondart gemio. 

>) Im Drache: meynst den er hat i schlelsiMhea F^jd, da» kkbi Uaii 
darein ist gnlt: bots n. s. w.— schleißig zverschlißen, abgenOBt Vgl, 
b. W. 3^ 450. 

Baim — U9U, ?oa mir erginxt 



403 

I ■ 

is aber bM m groa. 

Sein Yoda is a Zimmermann, 

er hat dem Kind gar oartla than. 

Botz hundert liaba Bna, 

los mir a wengerl zua. 

Gr»z. Fügendes Blatt 

IV. 
Bitt enk sehen, bitt enk sehen, 
Stehts nur bald auf, 
dThr hat schoan z weife gschlaga, 
Hurti nur drauf! 
Seits alle drei dao ? 
Losts nur brav zue. 
Hansa 9? muest vorana gehn, 
Joajoa, meiBue! 

Sich nur, wies funkeln thnet, 
Schau nur hinab ! 
Fliegn wie d^ Flödamftus 
Uebas Dach ab. 
Los nur, wies singen thoan ! 
Kan nix verstehn, 
I moan so soagn, mir 
Sditen gschwind gehn. 

Hausa, sich zue, dort 

Ligt a Sehens Kind, 

Glizalt und blizalt. 

Sein Herzl schier brinnt 

Und sich den alten Mann, 

A Sehens Weib dabei, 

^S Kind ligt in der Krippen drin 

Auf gspizten Heu. 

Hausa, gib Achtung ! 

Dfi Hansel isgrdbl 

Er mocht das Kind sehr öcka, 

Balttuar. 

26 ♦ 



404 

Das wAr ans ka L6b 0. 
D' Hüet mfiests auf t SeitB Idgn, 
D' Stöcken auf d? Erd, 
Müests soagen, mir keiia 
Ton unserer Herd% 

Mir arme Hirten hiez 

Kema daher, 

Und dir, kloans Kindl, gern 

A was verem. 

Hoan a weia Lampedl ^ doa, 

D' Hansa an Föll, 

W Hansl in au Sackedl a 

Weng waitzes Mol. 

Bhfiet di Göt, Uebes Kind, 
Hie wird schon Toag, 
Mir mueoen weiter gehn, 
Is uns a Ploag. 
Jesnlein, sdiens Kind, 
Herzliebster Bue ! 
Yatta, gib Achtang 
Und Mueda, hftUs zae! 



Mosbmrg bei Klagenftart 



V. 

Grfleo di 66t, Bruda, 
Und d' Nachbarsleut ! 
Mi gfrent von Herzen 
Die fröUehe Zeit. 
I kim hiez grad her 
Von Wethlachem, 



Vgl mO einem borgudUehM WeihaiMhtflede (NeeU be vgvIgBOiu de Ben. 
de la Moniioye pnbL per Ferttault. 1842 p. 217) den KemUn: Ne dieons aet 
Prendf garde que lea clons, Gros Talebot^ Lea dons lea dons les doni De tei 
sabots^ Les elons de tes sabots N^^TellloiC ee pettf. 

*) Liadeln; *— edl DeninntlTbUdnng der Mindart : Lmpedl, Sackedl Sidt- 
leln^ Uebedl Liebeben. — GewtaUcber let *• ari» wvtaaO dvcb Taatcb vea r 
and d edl entstanden let« 



405 

Wirts gwest & dabei, 
Wioets wag ^aeheehen sei, 
Losts nur a weng! 

Wunderscheiis Gflügelwerch 

Soach i herum 

Hopfen und springen dort 

Alls um und am. 

Tausadl was mag des sein, 

Denk ijbei mir, 

Des is Joa Engelsgsicht ! 

Tanz i halt k brav mit, 

Lttsti sein mir. 

Doa fangt a klane Bue 

Zue singen an : 

Grio glo glo glo glo glo 

61o gloria! 

Bald er des gsagt hat, 

Hat ^r ,qns glei gnenut: 

Kom herbei Sohifers Rot 9, 

Zu seehen euem 6öt 

In Wethlachem! 

Mei lieba Peata geh, 
Läf nur fein gschwind, 
Nim a fasts Kitz zu dir, 
Opfers dem Kind ! 
Geh nur fein hurti, 
'S wird di nit greun, 
Weils unser Heiland ist, 
Sein Kam hoaot Jesu Crist, 
Des thuet mi gfreun. 

A Laibl Kiezenbrot 

Hoau i mitbracht ; 

Bald mi ^s lUnd gsecha hat, 

Hats mi anglacht. 

Der Mueda gfiels wol, 



Rott«. 



40> 

Der Seppl schmuzt % 
I fall auf meine Knie, 
Weil ich saeh mein Got liie, 
Bat ihn am Schutz. 

Mosbnrg bei Klagenfurt. 

VI. 
Herr und Got, is des a Sach I 2) 
Under am so schlechten Dach 
Finden sich solch Wunderding. 
Sechts do ligt das kloane Kind! 
Schatserl mein, lao mich dein sein I 
Wolt i kunt di mit mir tragen, 
Daß i di gnue Hab kunt haben. 

Liaba Nachbar s&m di not. 

Bring färs Kind a Lamperl mit. 

Schauts die arme Muada an, 

Kan ka Schnittl Brot not han. 

Schwing di bequem nach Wethlachem! 

Bringts den Nachbarn neue Mir, 

Daß an Kind geboren wir. 

Ei du liaba alter Greis, 

Mir dein herzigs Schatzerl weis ! 

Bitt di sehen, verdenk mi not 

Daß i glei do eini trit. 

Laß mi a weng liabn ^s Kind in der Wiagn I 

Wäll dir aften 4) schon gar schnöll 

Zu am Näaserl ») göbn a Möl. 

Werla geht a rauher Wind, 
YfU zu kalt fürs kloane Kind. 



1) SchmntseD^ mhd. amntttn, ISchelo. 

s) Vgl oben S. Id2. Anm. 2. 

Ebenso wenig der Mundart gemäß wie manches andere Indletem Liede. 

Nachher^ dann. DerDmck: fifter. 

Aach nicht steirisch. 

Nicht steirisch. 



4(ff 

Sechtfl, do habts mein nipfenes Pfoat O^ 
Machts ihm gschwind daraua a Kload. 
Aft dektsn zua ! schlaf liaba Bua ! 
Thats mi halt derbarma frei, 
Wannst müast lign auf blooem Heu. 

henliebes Jesnlein, 
Lao ans dir befolen sein. 

Wann wir kommen vor dein Thron, 
Sich uns alle gnädig an, 
Arme Sander, Adams Kinder! 
Daß wir dich dann allzngleich 
Loben und preisen im Himmelreich. 

6r»z. Fliegendes Blatt 

m 

Horts ihr Henschn und laats euch sagn. 
Der Hammer der hat zwelfi gschlagn. 
Es is bei der Nacht so liecht. 
Als wies beim hellen Tag geschieht 
Das Ding geht mir gar not ein, 
Was denn muß sein. 

1 bin schier vor lachen hin. 

Und waio, mein Aidl not wo i bin, 
Daß a Kindlein also zart 
Sol bei solcher Kölden hart 
Schier vor Hiz zerschmelzen gar. 
Das is not war! 

Wie sol i das Ding verstehn. 
Daß 6ot sol selbst vom Himel gehn? 
Er wir Ja, mein Aid ! not gscheit. 
Wann er bei rauher Winterszeit 
Sol verlaßen seinen Sal 
Und gehn in Stall. 



Ralfen, tob grober (Werg) Leinwand. TgL aveh Schmefler b.W. 3^ 119. 
Steiilfck (wenigftesf «m ütmz) und 0sterrelcUach daa Pftit^ aonat die Pftlt 



408 



Ei was sagst da mir nur Ar! 
Das Ding deucht unmöglich mir, 
Daß diß Kind zum Tod soI gehn 
Und auch die Sünden von uns nem', 
Kumt zu uns ja gar so fer, 
Ain Got und Her. 



ITachtwftchterlied. 6r»z, 
Ursulinerinnen. 



vm. 

Ihr Hirten, laufts von eurer Herd, 
Laßt Schaf und Lampeln stehn ! 
I han heunt was seltsams ghört, 
Mei Lebtag nia so sehen. 
Do i wolt weiden meine Schaf, 
Wökt mi an Engel auf vom Schlaf, 
Er singt und klü^t, 
Vor Freude springt. 
Sagt, i solt mit ilmi gehn. 

I dacht ma, was muaß dises sein ? 

Bin recht daschrocken dran ; 

Er is Ja gwöst vol Glanz und Schein, 

Kunt ihn kaum sechen an. 

Er singt mit mir das Gloria, 

Yersprichet uns Yjctoria, 

Sagt i solt gehn 

Nach Wethlachem, 

An Kind zu beten an. 

Und da i aft aufs Engels Rat 
Gefolgt han seiner Stimm, 
Fürt er mi zuachi zu der Stat, 
Ton der i hiazt glei kimm. 
Alldort in anem wiilden Stall 
Yol Spinnawöten 2) überall 



Hüizii. 

Spiimenwett^ Spinnwebe 0. ScluneUer S, 570. 



4>9 

Traf i a zar^ 

tes Kindlein an. 

Sein Muader k bein ihm. 

Der Engel sagt, dös Kindlein sei 

Messias unser 6ot. 

I mein, ei wie ligst in dem Heu ! 

Mein Treu, es is a Spot. 

Sol denn koan Mensch zu finden sein, 

Der sein 6ot ließ ins Hans hinein, 

Dao er so li- 

gen muao im Stall, 

Und leiden solche Not ? 

In aner Krippen ligt das Kind 

Auf ^vulden gspizten Heu. 

Sein Muader schier kan Windel findt 

In diser Armutei. 

Der Sehne und Eis ligt vor dem Stall, 

Die Wind durchblasens äberal. 

Es zRterts Kind 

An Füaß und Hand, 

Und weint schmerzlich dabei. 

Aft gieng i zuachi, schaut es an, 

Verwundern muast mi recht, 

Dao unser 6ot vom Himmelsthron 

Bedient wird hier so schlecht. 

A wülda Esel und a Bind 

Sein unsers Heilands Hofgesind! 

Gehts, schauts na hin ! 

Er ligt dort drin 

Gleich anem armen Knecht. 

Wie i das Wunder gsechen han, 

Hab gmeint i war schon tot, 

Daa disen Stall stats Himmelsal 

Erwölt hat unser Got. 

Liab, du bist jo gwifslich blind, 

Weil Got durch dich ja selbst wird Kind ! 



410 

Und dennoch kert sich nifiml dm; 
Warhaftig s' is a Spot ! 

So gehts, ihr Hirten alzomal, 

Das Kin^eiu betets an! 

Lauf du, e Sonder, anch xnm Stau, 

Jesus wart deiner sehen. 

Durch Bnao wirm ihm sein Leibelein, 

Schenk ihms zerknirschte Herze dein; 

So gibt er dir 

Sich selbst dafor, 

Zolezt die himmlisch Krön. 

Gxmtj Qramlinerinneni 



Jn ho&a Bnema, was gibts denn hennt nens? 
daß d^Lent so schiesen, das Ding hat mi gfrent. 
Wer wird dann im Winter wol fenem in Krieg? 
Daß d^Lent seind gloffen, weils schieseu so schiech, 

80 schiech weils schiesen so schiech 

Dnser Nachbar Stöf el hat si a schoan lang gfirent, 
Daß anmal is komen die heiige Weihnachtzeit 
Es hat der König David schoan lang dervon gsagt, 
Es sol an Kind gboren werden wol am ein Mittemacht, 

nacht, nacht, wol am ein Mittemacht 

Der krampe Nachbar Urban woao a dervon za sagn, 
Daß er sich scheu anlegt ; der Engel wil es habn. 
Daß er scheu nacha geht and jachgazt was er kan, 
Ermöcht das Kind derschröcken, wann er gieng voran, vor- 
an, wann er gieng voran. 

liebreiche Maeter, han a noch was da. 
An kloane weiße Leinwand und das is mein Gab, 
Dem Ochslein a Futter, dem Eselein a Heu, 
Das Gloria iu excelsis , der Fried sei mit eo , mit eu, der 

Fried sei mit ea« 



9 Weil fle ao fBrchterilch f chleßen. 



411 

I hoan a no was gfimden bei mir auf der Stöll, 

An Kas und an Putter, an Kandl vol MüU 

An Schüoel und a Pfandl, an Teller drauf an Stranbn >) 

Hiez wöU mir dem Kind a Opfer zammenklaubn, klaubn, 

ein Opfer zammen klaubn. ^ 

Hiez reiten schon dorten drei Könige daher, 
Und hinten beinacher an grooe Armee, 
Es kan ihm der Fänkel nit singen genue. 
Er singet allweil Pipi.Hiezreitets herzue, herzue, hiez reit- 

ets herzue ! 

liebreicher Jesu, h&tt auch noch ein Bitt; 
Wann es kommt zum sterben, Verlane uns nit. 
Wann dus einmal wirst richten das Gschlecht Israel, 
liebreicher Jesu, verschone mein Sei, mein Sei, verschon 

meia Sei. 
Liesing im Lesachthal in Kirnten. 

X. 

Juch he, hops he he I 

Recht toll gehts ja he ! 

I bin ja schon gsprung. 

Recht d'Soldn 3) than mir weh. 

Dradl dadi didl dum de. 

Bald hinter, bald forsche, 4) bald uberwärts a. 

Recht lusti bin i gwösen 

Beim hop sa sa sa. 

Aft wie i so gsprung, ') 
Hats glei noacha gsung : 
Gloria in excelsis ! 
Recht liebla hats klung. 



MUch. 

f) Melipelse^ die in heißes Schmalz gfesprizt Ist. Die Strauben werden avf 
den Lande den Wfichnerinnen zuEren gebacken. 

<} Die Solen. — Die Anfdjping eines nnorgan. d an 1 zeigt sich anch sonst 
In der Mandart KSrntens^ z. B. dazöldn; erzalen, die KOlder Kolen C^iesing). 
üeber d an den Liquiden meine Dlalectforschang 76. 

^ fGir sich^ vorwSrts. ygl. Schmeller baier. W. 1^555. 
^ Vg^ oben S. 353 Anmerkung 1. 



412 

Hoan gschant umadom ; 

I schau wie an oanfalt, was das Diug möcht sein, 

Aft plazt hinta meina 

An Engel darein. 

I hoan ihn gschwind gfragt, 

A hats mir glei gsagt 

Dao^s drenten zu Wethlaehem 

Geboren heunt hat 

Gar dräust vor der Stat 

An engelschens Kindl, unsers Hergot sein Son, 

Zugleich in der Gotheit 

Die ander Person, 

Jodl auf auf! 

Und gschwind mit mir lauf, 

Thue di nit lang bsinna, 

A Opfer einkauf, 

Und gschwind mit mir lauf. 

Mei Gvoada is a Wirt, dem schick nur a Post, 

Sag daß a an Wein mit nimt 

Oda an Most. 

Du soag ihms k gschwind, 

Dao as Geigerl mit nimt ; 2) 

A kau die alt Mode 

Aufs neuge Kostim, 

Sein Maul darzu krim. 

Sein Gsicht is all krumpfet, die Hoar sein ge kraust; 

Mein Liebedl ! wirst lacha. 

Wann du ihn anschaust. 

So bist du schon doa, 

Wie bin i so froah ! 

Du bist a weng gschriftglert. 



Gevatter. 

*) Gaillot; prendfi ton tamboarin. Toi preiids ta fldte^ Robin : An soa de e» 

instrnment«^ Tnrtetarelo^ patapatapan) Au son de ces instrumenta Neu dirstf 

No« gaiement. B. de ia Monmoye Noels boor^^lgnons p. 15 (Paris 1S42) — 9 

daas la ergehe ii crie^ Mal vdta^ mal blanchi^ VoIctmaflAtechampdtre^ Je n'aarai 

qn'Ji Jomer p. 49. 



4ia 

Mein Aid giengst ma ab. 

Weil da nu bist doa, 

Hiez wöll ma das Opfer vereren gar gschwind, . 

Damit mir a Er aufliebu 

Beim liebeu Kind. 

Gelobt sei Jesus Christ! 

Mein Liebedl da bist, 

I bin halt herkema, 

Gelt hast es nit gwist? 

Gelobt sei Jesas Christ! 

I han a zwen Gspän mitbracht, die seind noch drAstO 

So thoan di sehen bitten, 

Daots eini laaeu thast. 

So kdmts na herein, 

Häbsch höfla mfleots sein. 

Zerst opferts die öpfel, 

Aaf d'lezt erst den Wein; 

Hübsch höfla mäeats sein. 

Da Hansl gib Achtang, da Jodl is grob. 

Er möcht das Kind schröcka ; 

Des war ans ka Ldb. 

Jesolein klein, 
Herzigs Kindelein, 
Bitt wöllst aaf ans denka, 
Uns ffim in ffimmel ein ; 

Jesalein klein I 

Und wann ans der Teafl wird wölln nnterdmckn, 

1 bitt di recht gar sehen, 
Doa schloagn aofii Raggul 

Mosborg bei Klagenfart. 

XI. 
Lieba firada, thae doch schauen 







414 

Was des Ding bedeutet doch; 
Dorten kommen vul Wanwanen, 
Seind schwarz wie an Ofenloch. 
Soag mir was des Ding bedeut, 
Dises Gfört 3) und dise Leut. 

Rnpl, du bist wol a Hörrer, 

Sigst denn nit daß Moren seind? 

Koana is ka Raufangkörer, 

Glaub es mfießen König sein. 

Der den Kranz tragt auf dem Grind, 

Reitet gwirs in Stoal zum Kind. 

Wart, i wer den Diener fragen, 
Der allda voran her reit: 
Schwarzer Rnpel thae mir sagen 
Wo komts her, dös ^ schwarze Leat? 
Sag mir nar die Warheit bloß, 
Snnst reiß i di rab vom RöISs. 

,,Lieber Baor, gsehwind wil ich sagen, 
Wir sein her aiic Morgenland, 
Dem Weltheiland nachzufragen, 
Der allhier sol sein bekant. 
Dem zu lieb sein wir hergreist. 
So lang uns der Sterren weist.^' 

Rätts, mein Aid, Ja bald nit gsecha, 
Daß dös a Windliecht mit enk fflrt, 
Dao man bei der Nacht kan secha. 
Daß der schwarze liechter wird. 
Wann das Kindlein enk erblickt, 
Woaß i gwifs, daß es erschrickt. 

„Lieber Bauer, thue doch sagen 
Wo ist dieser Heiland groß ? 
Wil dir etwas für bezalen, 



9 Popanse, vgl. Schmeller balr. W. 4^ 1. 

Oefert: Farwerk^ Reiteranfong. Schneller 1>567. 

Ela armer Tropf^Hascher. 

Kopf, Beneke-MflUer Mlttelhochd. Wörterb. 1^576. Sekmdlcr l^W^SylU* 

^ dftSj dB, Ihr. TgL oben S. 80 Anm. 1* 



415 

Wenn mich hinArst samt mein Rdfii. 
Wann da uns zeigst dises Kind, 
Gib ich dir ein Thaler gschwind/* 

4 

Sei nnr still und halt die Gtoschen 
Und lao mi a Moal mit Fried. 
Wannst mir gäbst an gelben Groschen, 
Zeigt i dir das Kindlein nit; 
Denn das wftr Jo gar nit gschelt 
Wann i hinbrächt schwarze Leut 

^i so wil ich onterth&nig 
Bei dem Herrn mich melden an, 
Bei Herodes eurem König, 
Diser wird es zeigen an. 
Wann kein Baaer ans dio sagt, 
Wird der Herr halt selbst gefragt'^ 

Bei mir kanst da nix derfroagen, 
Schwarzer Rfipel, soag dirs nit. 
Wolt dir lieber ane scMoagen 
In dein schwarzes Angesicht. 
Denn das Kindlein is gar sehen ; 
Schwarzer, darfst nit eine gehn. 

„Mein ! was maeo das Ding bedeaten 
Dao ans nicht der Sterren leacht? 
Da wir za Herodes reiten, 
Daß er ans nicht mer vorleacht? 
Weil der Sterren nicht mer brinnt, 
Zeig Baaer ans das Kind l^^ 

Hoab ka Wlndliecht angezonden 
Bei der gschlagneu finstern Nacht ; 
Hab den Heiland glei wol gfanden, 
Wie der Engel hat Botschaft bracht. 
In dem kalten Stoal vol Wind 
Ichs bei Ochs und Esel find. 

Geh nur hin zum großen König, 
Frag wo is der Herr Jesu Christ. 
A woaß grad wie da so wenig, 



4te 

Weil a nur a Spreizer i*^ 
Denn der Herr liebt arme Leat, 
Weil er selbst am Stroh da leit 

Schau, dort kämmt schon wider aner, 
Reitet vom Herodes y^eg. 
Schwarzer, sag nur her, Ziganer, 
Traust di wol und bist so keck 
Dem Kristkindlein unters Gsicht ? 
Wasch di zvor und trau di nicht 

„Lieber Bauer, wir sein gwaschen, 
Unsre Herzen sind schon rein. 
Denn in unsren Herzenstaschen 
Trachten wir nach 6ot allein. 
Dreizehn Tag sind w> schon greist, 
So lang uns der Sterren weist^^ 

Jo des w&r an anders Gsangl, 
Das i nit hab g\viist voreh. 
Is des, woag i noch a Gangl, 
Zeig enk wo is unser Herr. 
Bist du in deim Herz koan Mor, 
Laat a di gar gerne vor. 

„Nun mein Bauer, grad iezunder^^ 
Sprach zu ihm der feine Mor, 
„Schau der Sterren, o was Wunder, 
Leuchtet uns schon wider vor.^^ 
Hiez geh i geschwind mit enk 
Und mi ganz dem Kindlein schenk. 

Hosburg bei Klagenfori 

m 

Losts, Buama, i bin dorten gwöst, 
Wos kloane Kindlein leit ; 
I hoans betracht aufs allerböst. 
Es is uns grad a Freud. 



Spreisery Sprmiier: Pnler ^gl. SehmeUer 8^594* £a kMiekt äck aatlr' 
Mch «Bf HerodM 



• 4 



Die Engel sein ^hier alle dort 

Und musizieren sehen, 

Aft fallts ma ein und hmf gschwind fort 

Und wfils enk sagten fein. 

Das Kind is in der Krippen gligüy : 

So herzig nnd so rar! 

Mei klAner Hansl war nix dgögn, 

Wenn a glei schener Var. 

Kolsdiwars^ wie d' Kirschen d' Augen sein, 

Sunst aber kreidenweii) ; 

Die HAnd so fafibseh recht zart und fein, 

I hans angrOrt mit Fleio. 

Aft hats auf mi an Schmutza gmacht, ^) 
An Höscheza s) darzue ; 

warst du mein, hoan i gedacht, 
Werst wol a nlunter Bne. 
Dahoam in meiner Kachelstuh 
Ließ i brav hoazen ein, 

Do in den Stal kirnt fiberAI 
Der kalte Wind herein. 

■ 

Wann i enk als dazölden sölt, 
Wann wurd i ferti wem ? 
6ehts nur glei selber umme dort, 
Könnts alles sicher sehn. 
Und machts dös enk nur alle fort 
Und gehts mit mir a moal, 

1 wfil enk sölber umme fäem 
Nach Wethlachem in Stoal. 

Wanits aber alle ferti seits, 
Kömts alle her zu mir, 



(» 



wÄra. 

Lielelii. — Die vier ersteii Verse dieser Strophe stehn auch in einem von 
Sartori ReUe 2^ 173 mlCgethellten WeihnachUiede. 

H5fcheaer^ tiefer Seniteri höschasen, ttaf sea/iien nnd schtachxeir^ su« 
aul flr die Kinder gebrancht wenn sie geweint haben. tjI. mid; hSschen. 
wMest« '• :- * - - 

27 



418 

Und was dös ihm vom Opfer treitei 

Des i eiik sagen wer. 9 

Da, Maeta nimst an grooen Ha« 

Mit an schienroten Kaaip, 

Ans nimt an Pntta, Ans a MdL 

Der stirkste nbnt das Lamp. 

Und wann dös in dö Nfthe ktaita, 

So stellts enk, i woao wie; 

Die Haet gschwind ab, wuns eine kSsitSy 

Fallts nieder auf die Knie. 

Aft schreits mit mir nur alle umni O 

Gelobt sei Jesa Christ, 

Der lär ans SAnder auf dek* Welt 

Als Mensch geboren ist 

Wir schenken dir a wenig wi^s, 
WtUst mer, so sags nor kiek; 
Dafär mast ans versprechen viWt 
Sonst geh ma dir nit wog. 
Wann wir dir zürnen, sei nit AmU« 
Gib ans an etli >) Wix ; 
Aft sei nar wider freandli draqf, 
Sonst wöll ma weiter nix. 

Mosboi^ bei Klagentoi 



Mei Hansl, los was i dir sag, 
I kan dirs nit verschweigen, 
I hoan da inichst a Mo«k ghdrt, 
Wars Harpfen oder Geigen* 
Das Ding kam mir so artla for; 
I kan dir nit dasagen, 
Was si dort aft hat in dem Stoal 
Vor Wonda soegetragen. 



9 wcrdfl* 

^ suaamifa* 

an elll^ eine eCliDke«"tflchtige deiba HItb«« 



419 

A Schfippl Engels, a ganie Sdiar 

Fliegt amma z* tllen Setten ; 

Doa hoan i halt glei gaelmnt wi^ a Narr, 

Waa nit des mneo beiiMleB. 

Doa fangena hdt XII auigaii Mn 

,,Ehr sei CMt in der I«he, 

Wie aach den Menschen insgemein 

Der Fried auf Erd bestehe.^^ 

Das Herzl sprong nur auf im Leib, 

Wie i das Ding vernomen. 

Daß Gottes Son von Haumeiraieh 

Ist anf die Welt gekosten. 

Hansl Wolferl und da Lenz, >) 

Tnets kiner nit verweilen, 

Da Stoffel, Rflepl, Iktts und rennts, 

Nach Wethlachem thuets eilen. 



grüeoen di^h da hondgs Kind, 
Und bitten dich aUsanunen : 
Thue uns verzeihen unsere Sund, 
Dao wir nicht eh sein kommen. 
Wir bringen dir ein kleine Gab, 
Nim sie auo unsem Händen ; 
Und steh uns bei an Jenem Tag, 
Wann wir das Leben enden. 

Mosburg bei Klagenfurt 

XIV. 

Möcht wol wioem ww bedeut 
Daos so schene Nacht hennt geit! 3) 
Kaum hat d^ Uhr recht zwölfe gschlag, 
Ista hell Hecht wie um IGtlag; 
D^Lamplein haben a so geblirt, 
Dao ichs all mei Tag ni ghert. 



Es. A guiser ScUppel EngeUcharr — Sehftppal^ BaaOi Spkaaltor 3^314. 
WoUjiaog und LoresK. 

27* 



«0 

Husch, wie is nit heiint so kalt; 
Ka so Köldn woafi i nit bald ; 
So lang i an Sehafhirt bin, 
Denk i kaum a moal daliin« 
Und wauns k war noch so kalt, 
Sangen d' Yogi deckt 2) nit im WaUL 

Los! so gar schreit der 6agn! 3) 
Wie ers öppa moani, hä du? 
Wanns löstla im Summte wir, 
Hielt is far ka neige Mir; 
Afa bei so kiUler Zeit, 
Möcht i wioen woas bedeut 

Neila treib i durch das Thal 
Meine Lamplein wie all Mal ; 
Aft hör i von Himmelreich 
Musiciem, wie sehen nur gleich : 
Heilig, singt die himmlisch Rot, 
Ist der Herr 6ot Sabaoth. 

Aften sig i erst a Schar, 
D^ Engeln in der Luft sie than 
so sehen singn und imprimim, 
0, aner hat gar laut gschriern 
Gloria in excelsis ; 
Josel, sag mir was des isf 

mei Jöggedl «), du sei stnll ! 
Des aus wundert mi nit Tüll ; 
Afa daß von Himmelssal 
6ot is komm in an kalden Staf, 



Kilte - Vgl. bei Sartori Netteste RelM 4arcli Qeiterreleli il, «^ w. 2,172 dne 
fMt gleiche SteUe eines kimtlsohen WeihnachtUedee. 
*} docli. 

J'ajr ouy chanter le roMlgn«}^ Qa! chantoit an chant si noiiTeao, Sl bei 
8i beaa, Sl resonneaa etc. Les Nonels Bonrgaignons (Paris 1842} p. UU. 
lesttlch, letattdi : nqr. 
Ö al»er. Vgl. Grima deotsclies WCrterboch 1,29. 
«) Jakob. 



JIAl 

A kloanarKind is unser Herr, 
Bruda, des wundert mi mer. 

Los, wie laut an Engel schreit: 
„Ich verkfind euch grooe Freud, 
Und darob erschrocket nit, 
Gott sei Lob, den Menschen Fried, 
Allen Menschen insgemein, 
Die eins guten Willens sein.^^ 

mei Josel, wannst halt doch 
Nfimst a Mälch dem Kind zum Koch, 
Grieß und Mol so vüll ma ham ; 
Machts enk auf und richts euk zamml 
Nemts das böst Lamp von der Herd ^ 
das Kind is alls wol wejrt. 

ihr armen Hirtenleut, 
Die ihr so gläckselig seid ! 
Wann inir ringen mit dem Tod, 
Bittet doch fär uns bei Got, 
Daß wir auß dem Januuerthal 
KcTmmen in den Himmelssal. 

Mosborg bei Klagenfurt« 

Vi/ 

I schau Wunder groß, 
I mi schier verlos ! ^ 
Ein Steren vol Feuer 
Glänzt ober der Scheuer. 
Trompeten und Leier, 
Kamelthier und Röfs 
'Gehn auf den Stal los. 
Drei Herren sind drunter, 
Aner schwarz wie a Zunder, 
Sie gehn frisch und munter 



Hebtet eaeh sasammen : macht euch ferttg. 

^ sich verlosen^ tm anschanen oder In Gedanken starr rerioren sein. vgl. 
ahd. lofcen Graff 2^281. — Schneller balr. WOrterb. 2,500. * * ^ 



•:' 



Mit Pelzwefk Qiid Staii/en 
Im schensten An^tltieii 
Hiiiein in den Stal 
Mitsamt :|: ihrem Sehwal :|: 

I füreht mi^mein Aldi 
Dem Kind gsddcht a Laid ! 
Es laot sich int gspaTsen. 
Was sol dös Ding MBen? 
I MTül hingehn paben ; 
Dös Ding is verdr&t, 
Der 3tem all begleit, 
Von weiten seins kemma. 
Das thuet an schier gräma. 
WöUns ep(»a mit nema 
Das Kind In ihr fioamftt, 
Mit Zilien i kroamat, >) 
Von vollen ffids sehrie^ 
Als a 3i:aehildwaeht wie,:|: 

Doch änderst es stehts, 
Es gibt ab koa Ghetz. 
Die König und tiaschi 
Die haben brav Laschi ; ^ 
Secht ihre Pogasci! 
Sie göbn laotef Schätz 
Und knien aufs Flete 
Ganz hasen ^) demätig 
ZnchtvoU ererbietig. 
Das Kinderl sie gütig 
Und heilig anbeten^ 



D«r StQtien : lliiC 

i} kramen^ gramen: knlrieheD. vgU Seluneller 2,100. 

Slimlofe Unutellong ffir als wie. BieraoO wie aaO mererea anden 
Steüen dieses Liedes seigt sich die geringe Gewanthelt des VerfaOers. 

Gehetae^ Es. Keta : Streit. Sank. 

Seid Tgt SehmeUer b. W. 2,605* 

•) Bagage. 

FnOboden. SehmeUer 1^05. 

9 ghoasen, flrevndUch« ahd. hasan glatt, sehtfn. InUt. hasa. haaig schlaBk 
Ifatt. SehmeUer 2^244. 



Terflprechen vnd wetten 

Es 8ol als ihr Land 

Mit €k»t :|:weni bekant.:[: 

Schants was man kan segen, 
Was s*fBr Sckite hergeben I 
CtoM Weihranch und Mirlien 
Dem Kind sie spendleren; 
Das thnet mein Herii rtlrenl 
Dao mi d'Aranit plagt, 
Nix solches vermag I 
Ein Opfer doch z' stdlen, 
Schenk i Herz und Selen ; 
Die wiM abschelen 
Von Sünden nnd Makeln. 
I wil nimmer wackeln I 
I schwur Stain und Bain, 
Ilieb:I:diaUain.:|: 

Oot mi erhalt! 
Dein Hirt niderftilt 
Du trägst als derbarmen 
lütn Bettlern und armen, 
Die dich ummi schwärmen. 
Den schenkst du alsbald, 
Was ihnen gfefalt. 
Wanns dann geht zum £nde, 
Dein Ang zu mir wende ; 
Dann dein Oniid mir schenke 
Und lao deinen Erben 
In deiner 6nad sterben. 
Beim Gricht sprich mir zu 
Die |: ewige Ruh. :| 

Orm£, ürsalinerinnen. 

XV!. 
Was is dm zun Plander, 
Bei der Nacht hiazunder 
Fär a Metten nn^ * Singerei? 



9 Urm, OetOfc; Tgl. Sehmeller 1>Alr. W.3; 640« 



UM 

S' sein die MMÜäaHQi 

Heant schon all vorhanden 

Ja ZQ Wethkehem in imafeffcli iOai. i) 

So schlagen das Hackehretel 

Und bUsen das Kladnetel 

Und d#nn den groaen Mhtaeit Aamsasei. 

Das sein rechte LalTeft, 

Laoeiis d' I^nt nit seMaffen; 

I bin schon glegen gnetftf Meiner Streu. 

Nachba, mach fein Iflfti, >) 

Snusta machst mi gifti, 

Daß mer alle kemm beim Stall dort an. 

Dao mer unsre Sachen - ' 

• • • 

A glei ziäkunenmachen, 

Nimt a jeder was er liat und kän. 

I nim a foast Kizel 9 

Und an Putterstrizel, 

EtUch Taffetdpfel und an Brein. 

Und an Floaden Heni ^ 

Nim i & a weni, 

Und a Pitscherl «) roten sfiaoai } 

Du nimst Oar im Kerberl 
Und a Schmalz im Scherberl, 

Von Ziweben ä a Klözenbrot ^i 
Dao das arme Lajpperl 
HSm^ia 10) kriagt a Papperl 
Und biaweilen k a Zuzerl ^0 ^»f 



«<«> «an. 

BaOgalge. . . 

fchneO^ getciiwUid. 

; 2 ÄUtu iWeia. — Snlii, v. 3., HirM. 
Honig. 

El«"*' ^«^" MO Hol«, vgl. Uöttr etynolog. W5rterb. 2^7. 

imd LeSltSÄ" ^'••'*'"" ^^'^^>^^^ CZIbeb«) Feig« 
Nirrch«n* 

10) Buuieiimal; eDtstaiMini aia imamt eIniiiMT 
Zui'c? ^* ^^^^ «eflUlte» SaaglippclieD (sueln , saugen): MpfM Z^ 



4» 

WfH da nmmeltatel 

Hat Sil Träte 'm Schratel 

Af dö Wölt geschickt sein liabeu Sun, 

Der vom Süudenwösen 

'Wird die Wölt erlösen 

Und uns alle giflckli machen kan: 

Nachba, laß uns bitten 

Daß er unsre Hätten 

'GnSdi von der Feaersbrunst bewart : 

Daß mir kriagn in Sommer 

Yull und oni Kummer, 

Daß der Wolf not kämt zu unsre Herd. 

Daß ers Gras laßt wachsen, 

Recht an langen Flachsen 3), 

Und den waren Frieden uns beschert ! 

Aufl der Obersteiermark. 

xm 

Auf auf ihr Hirten. laufts mit Begierden, 

Gehts mit mir auf die Reis, zeigts auch groß Freud. 

Schants, es thuet brinna z^ Wethlachem drinna ; 

I bin nit so väl gscheit, was es bedeut. 

Schauts, laßt uns losen, wie sie sehen blasen, 

Trompeten Pfeifenschail ^ mit Freuden all. 

Wie sie sehen singa, wie sie sehen klinga, 

Als wenns im Himmel war so sehen und rar. 

du mein Simon, ^ weist da dann nimma, 

Was uns die alten Leut han gprofezeit? 

Yäl Jar und Wochen hat Oot versfirochen. 

Daß der Mefsias kimt als ein klein Kind. 

GrOß di Got Vater, schau nur! was thuet ir 

i disem schnöden Wind mit dem klein Kind? 



EisenUich ein Kobold, in Steler one weiters auf den Teufel flbertragen. 
Nicht mondartUeh. Flachs wird nicht gesagt, sondern Har. 
Hi. ich han a KnoU Patter. 



4t» 

Gehts dafBr weiter, is ja Tttl gsdriiUr 

Als wanns erfrieren aolt im kalten BtaL 

Er tragt an Zucker, i an KnoU Patter, 

Er tragt an Eir und Schmalz, das braucht ihr alls. 

I han a Lampel, hat an feins Wampel, 

Das is dem alten Greis ein rechte Speis. 

Wöllts vorlieb nema, kunts zu mir kema, 

Dörfts mir kein Zins göba, kunts dabei löba. 

Eins thue i bitten : thuets uns behteten, 

An unserem lezten End enk zu uns yrendt 

Uesing im Lesaehthal, Oberkimten. 

« 

xvni 

Heunt Nacht wach i im Feld 
Und schlag mir auf ein Zelt 
Bei meinen Schafen ; 
Hab mi glögt wol zur Rue, 
Gdruckt meine Augen zue. 
Könnt doch nit schlafen. 

Ja dort in meiner Hfitt 
Könnt i heunt schlafen nit, 
Hört i sehen singen. 
I woao das noch nit wie, 
Mein Lebtag hab i nie 
So sehen ghert klingen. 

Glei kimmt ein Engel her 
Und spricht freundli zue mir, 
I soll gschwind gehen 
Dorthin nach Wethlachem, 
Wo Rind und Esel stehn, 
Word eppas sehen. 

Dort wo der Steren brinnt, 
Solt sein ein kleines Kind, 
Hab i vemomen; 
Das solt Mefsias sein, 



4OT 

Ligt in ein Krippdein, 
Yd« ffimmel ktmeiL 

I dacht, was ligst im Stal, 
Ein Got vom Himmelssal? 
Wer tat dann gröoer? 
Kerst da nit ein in d^ Stat, 
Die achene Zimmer hat ? 
WAr ja Vül böoer. 

Dio hat die Liebe gmaeht, 
Hat dich vom Himmel bracht 
Zu uns auf Erden. 
Nit in ein Kinigssal, 
Nor in eim kalten Stal 
Wfilst gboren werden. 

Herzliebstes Jesulein 
Englisches Kindelein, 
Wül dirs Herz schenken. 
Wann wir in lezten Zugn 
Im Todbett werden liegn, 
Wallst auf ans denken. 

Hosbarg bei Klagenfort. 

nx. 

Ihr Hirten, auf, auf! thut aufstehen all, 
Und laßt uns hingehen zum Kindlein in Stall. 
Wanns nur nit etwan erfroren ist gar. 
So wölln wir wünschen ihm ein neues Jar. 

Es ist heunt fnrwar bei meiner Treu kalt, 
Dao eim die Rippen ja krachen schier bald, 
Unds Kind ligt dorten halb nacket und frei. 
Im Stall bein Viechern aufm spitzigen Heu. 

Wer weiß was ihm sonst noch alles abgeht, 
Es hat ja niemand, der ihm helfen thAt 
Das ist warhaftig wol ein armer Got, 
Der da man leiden viel Elend und Not. 



's 



Ich nun halt mit mir ein Henet Ars Kind, 
Die Mutter wirds ihm wol anlegen gschwind. 
Mein Nachbar muß mit aich tragen ein Lamb ; 
Mithin so gehn wir nur fort in Gotts Nam. 

Wir wünschen dir auheunt ein neues Jar. 

Es thut dir gfallen g\vifs, gelt es ist warf 

Ich han heunt für dich ein Hemd mit mir bracht ; 

mein 6ot ! schants nar^ wies Kindlein schon lacht. 

Mein Nachbar ein Lamb spendieren dir thnet, 
Laß dirs nur also bald zurichten gnet 
Wannst sonst was haben wilst, sags mir nur rund ; 
Ich will dirs bringen gleich in einer Stund.' 

Indersen thuu wir dich bitten, o Herr, 
Mit deinen Gnaden stfirk uns immermer, 
Thue uns behüten, uns alle bewar 
Vor Krieg Pest Hunger und aller Gefar. 

Laß uns beständig allbfolen dir sein, 
Daß wir nicht kommen zur e^vigen Pein. 
Ich sich, wie daß du fein schläfrig schon bist, 
Mithin gelobt sei der Herr Jesu Christ. 

6r»z, Ursulinerinnen. 

XX. 

Losts losts ihr Hirten, eilts geschwind, 

was i enk heunt erzöl ! 

geboren ist ein kleines Kind 

in einer steinen Hol, 

zu Wethlachem in einem Stal, 

der hat kein Thür noch Thor, 

das Oberdach von Stroh gemacht 

und gar kein Fenster vor. 

Die Mutter weint ein Stund dabei, 

sie war ein Jungfrau zart, 

das Kindlein bloß ligt auf dem Heu 

in einem Putterkorb. 

Ein Ochs und Esel war dabei, 



«9 

die hatten keine Roh ; 

ein alter Greis im Bart schneweia 

sol Yater sein dazu. 

Sechts sechts, wie acheint der ganze Stal 

von disem Wanderkind ! 

es scheint wie Silber und Kristall; 

man recht, die Hütten brint. 

Losts ^vie die Engel singen sehen, 

dao durch die Luft ersdialt ; 

zukts F&ea and BMnd. machts Kompliment, 

auf eure Knie falt. 

So gehts mit mir, nur eÜts g^chwind, 

von Herzen ich enk bitt ; 

zu sehen dises Wnnderkiad, 

und tragts ein Opfer mit. 

Ich will mein L&nüein mit mir nemn 

und eilen hin mit Fleia ; 

tragts Milch und Schmalz, auch Mel und Salz, 

dem Kindlein fär ein Speis. 

So sei zu tausend mal gegräßt, 
kleins Kindlein, grooer Oot, 
der da schon unsre Sttnden büßt 
in Armut Kalt und Not. 
Ach Josef und Maria rein 
nemts hin der Hirten Gschank, 
und sagts dem klein- en Jesulein, 
das sei ihm für ein Dank. 

Mosburg bei Klagenfurt. 

XXI. 

Steh auf, mein lieber Nachbar, 
Steh auf, du hast schon Zeit, 
Treib die Lämmer und die Schäflein 
Auoi auf die Weid. 

Was wird denn das bedeuten? 
Laßt mich heunt in der Rue, 



Ja» 

Will meine Schäfleia weiden, 
Hab noch nit gsehlafen gnne. 

So bist da dann ein solcher 
Der da so schlafen kan? 
Es bricht das helle SonnenUecht 
Mit aller Gwalt schon an. 

Der unser Nachbar Urban 
Was neues weia m sagi, 
Was aich die Nacht bei seiner Utt 
Fflr Wunder angetragn. 

Da et vom l^ten beim kam 
Und wolte sftlafen gehni 
Da sach er dort sn Wetittachem 
Im Stall ein Fenr aufgebn» 

Es that gar lieblich lotsen 
Und glanaen auch von terUf 
Als wie das liebe Sonnwüecht, 
Als wie viel tausend Stern. 

Und wanns dem Vater recht iv4r 
Und ihm zuwider nit, 
So bricht er von sein BteimM hf r 
Dem Kind ein Opfer mit« 



Mutter ist so Jung und schön, 
Dao mans nit glauben kann ; 
Sein Vater ist ein alter Greis 
Und doch ein steifer 9 Mann. 

Uf ^ng im Lesachthal, Kirnten. 

xxn. 

Wie leuchten heunt die Sternen, 

Wie schön glänzt doch die Nacht! 

Ich mein es will Tag werden, Tag werden, 

Ist kaum noch Mittemacht 



Stetf : itai^ ttchtif « Sctaatiler balr. Wb. Z, 618. 



In Wolke« hSr ich singen 

Excelsis gloria, 

Thut gar vor Freuden klingen, ja klingen, 

Thnt pfeifen geigen L 

Geh nur Spitzbartel, lappel, 

Nim mit dir Kas und Brot ; 

Das Kind ligt in der Krippen, Ja Krippen, 

Wir helfh ihm aoß der Not. 

Steffi, ich habs erblicket ; 

Ein Engel wandersoWte 

Der wird vom Himmel gschicket, Ja gsehicket, 

Weist nns nach Wethlachem. 

MelUas wird ons geben 
Von einer Jangfirau zart, 
Ber Vater stand daneben, Ja neben. 
Mann im granen Bart. 



Secht eine offoe Hätten, 

Dort ligt das schöne 

Wenn dia die Weibtf wflsten. Ja wüsten, 

Sie brichten Windeln gsckwind» 

Da hast nix guts zu hoffen, 

Das Kind erfrieret Ja! 

Trags mit nach Haas zam Ofen, Ja Ofen, 

Ist beoer als wie da. 

Geh Brösel, nim dn Kitzel 

Und filrs mit dir hinauf. 

Ich nim ein Weizenstrizel, Ja Strizel 

Und streich sin Bntter draaf. 

„Nim hin der gurten Gaben, 

liebes Jesqlein ! 

Wir geben was wir haben. Ja haben, 

Das Herz ist auch vol dein. 

Und wann wir werden sterben 
Und dl wint Bichter sein, 



43% 

Nim uns zu deinen Eriken, ja Erilien.* 
Ffir uns in Himmel ein. 

Dort wollen wir dich loben 
Mit gröster Herzensfread, 
Hoch in dem Himmel oben, ja oben, 
In alle Ewigkeit/^ 

Liesing im Lesachthal^ K&mten. 

c 



HU 



1 

Auf auf ihr Birtenlent, höret und singet, 

es ist warhaftig ein himmlischer Ton. 

Höret mit Trost and Freod^ höret was kUnget, 

welches kein Mensch anf £rd so machen kann. 

Hört nur wies himmlisch schön sprechen fein tknet, 

als ob selbst singet Got, das höchste Gaet. 

Denn wie ich es Temimb^ ist es so heilig, 
daß es mich recht in maim Herzen erfreut, 
indeme diese Stimm alln zu Yortheile, 
weil sie die Ankunft des Heilands bedeut, 
daa er nach tausend Wunsch kommen nun sei, 
von unsem Banden zu machen all frei. 

Darum sprachs inis gemein mit schönstem Schalle : 

es ist geboren der Heiland der Welt, 

Gottes Son, Jesulein, der für elieh alle 

sich in die menschliche Gstalte verstellt« 

Dieser ist heiint Nacht geboren für eueh^ 

ja fürs ganz menschliche Geschlecht zugleich. / 

Wollet ihr glauben nicht unseren Worten, 
80 kommt und gehet auf Bethlehem hin. 
Nemt aber Gschenkuifs mit allerlei Sorten, 
denn ihr werdt in einer Krippen dariü 
finden ein Kindlein ganz iärnüich aldort, 
welches Fleisch worden ist, das ewig Wort 



4»3 

Holdseligs Jeraiuiii, Maria, Joseph, 

ench bitt ich im Najnen der ganzen GemeSa : 

bschäzt unser Hab und Gut, Wiesen und Felder, 

allen die ivir hier beisammen nun sein. 

Ewig soll lobeii im Mmli^chen Reich 

Son, Yater, Mutter die MMischheit zugleich. 

» 
Immer und ewig dich wollen wir preisen, 

heiliger ewig unendlicher Gott, 
daß du dein einzgen Son den du verheißen 
heut Nacht uns schiktest in unserer Not. 
Drum lobt, ihr Engel und Menschen, heunt al) 
den himlischen Yater v^ götlichen Sal, 

Griez Ursulinerinnen. 

XXIV. 

Auf auf und komt all und lost was fiir Schall 

in Lfiften erklingt 

vom himlischen Sal : 

Ein Engel der singt, daa alles eiklingt ; 

ihr Hirten vor Freuden heunt alle aufspringt ! 

Frohloket ihr Kristen und singet zugleich, 

weil Gott ist ankommen vom himlischen Reich. 

Das einige Wort ligt in dem Stall dort 

ganz nakend und bloß 

an eim kalten Ort, 

selbst die Weisheit groß, in der Mutter Schoß 

von der Welt verlaßen und liget ganz bloß ! 

Joseph du Yater, so deck es doch zu, 

damit es kann schlafen das Kindlein mit Ruh! 

schönes Kindleiu, gibst dich willig drein, 

daß du leiden solt 

für uns große Pein. 

liebreicher Gott, hilf uns auß der Not, 

auf daß wir nicht werden der Hellen zum Spott. 

liebreiches Kindlein, o stehe uns bei, 

wanns komt zum sterben, dort gnadig uns sei. 

28 



4U 

Ihr Meuschen auf Erd, das Kinffleia yerert 

und betet es sm 

als gotliehen Son. 

Es wird euch alsdann mit dar Himmels Krön 

belonen zagleich, wänns komt in sein Reich. 

Wir bitten dich, Jesu, jeat intd aUeseit 

dao du uns wolst schenken die himlische Freud. 

Mosbarg bei Klagenfoil 

XXV. 

Auf ihr Hirten, nicht rerweilet, 
lauft nur hin in jenen fitall, 
nur anm Jesukindlein eilet, 
ihme nur zu Fuoen fall. ^} 
Sich wie hart er dort warti 
Nur geschwind, bewein dein Sund, 
er mit Freuden dich aufhimt. 

liebreiches Jesukindlein, 
sei gegrüot au tausendmal^ 
reiche mir dein Zuckermündlein, 
dir ich jezt zu Ffiaen fall. 
Sich wie Gott leidet Not 
Armut Elend Kalt und Frost, 
und wenns auch sein Leben kost. 

Himmelekind, o du Lamm Gottes, 
was zwingt dich vom Himmelssal? 
von deim Vater dich begibest, 
kernst zu uns ins JammerthaL 
„Menschlich Lieb, die mich trib, 
daa ich all von Adamsfall 
könt erlösen durch mein Qual.^^ 



Ein finliclier Aniangsvers in dem Liede: Auf aaf^ ihr Hirten, eii«fc nicht 
yerweilet! laufet mit FreadI (bei HolTmann und Richter schiesUche VoIUieicr 
n,282) daa sich aach in Oberkfirnten findet. 

Dieser Uebergang von der Merzal zur Elnzal Ist aneli in Nt. IV. 
nemen« 



435 

In dem Kripplein wir dich grüßen, 

« herzli^lMtes Jesakind, 

dnd lac ich viel Seafzer schießen, 

weil ich dich im Stall da find. 

Jesulein, schöns Kindeleiii, 

hier hast mein Herz, ^^^ l^g dich drein 

statt dem harten Krippelein. 

Thu doch uusre Bitt erhören, 

o hersliebstes Jesolein ! 

laß mein seufzen doch gewären, 

und wenn wir im sterben sein, 

wenn vom Leib die Sei abscheidt, 

f&r sie ein zur Himmelsfreud, 

dich zu loben in Ewigkeit. 

Mosburg bei Klagenfurt. 

XXVI. 

Da das Gebot ward angestellt ^) 
daß jeder in sein Land gezält, 
ließ ihm dieß Joseph auch gefalln 
seinen Tribut zu zaln. 
Da sprach Maria unbequem, 
da sie gehen nach Bethlehem : 



Jesu qui in casa friges Omnibusque membris riges^ Fage patens ventis 
tectam Madidumqae nive lectam: En me totum do in lectam Et cor meum do 
in tectam Qao qalescas melias . Uymtu Car relinquis Dens coelnm. — Pro stab« 
olo me dedo, Corpus pro Stramine^ Cor pro praesepi cedo Et pro solamine. 
Hjrmn. In BetUem transeamns. — Daß diese Gedanken häufig in Weihnacht - 
liedem begegnen^ ist begreiflich. Unter den Liedern der protestantischen 
Kirche m6ge P. Gerhards Warum wUt da draußen stehen etc. zum Belege an- 
geArt werden. — Von den hier mltgetheüteu Liedern vgU namentlich das 
Hosbnrger: wie ein so rauhe Krippen. 

Eins der filtesten Lieder, die ich in dieser Samlang gebe; es gehört 
woldem 15. Jh. an. Es ist mir nicht gelangen, es anderwärts aafzufinden- Manche 
Verg^eichangspancte bietet das englische When Csesar Aagustos had raisd a tax- 
atlon, He assest all the people that dwelt in the natlon bei Sandys Christmas 
Carols S. 76.77. Femer When Aagustos Cassar throaghout AU the worldhad made 
peace a. a« 0. 81--83f 

28 * 



436 

,^s schmerzt mich^ser euch dijea .zu sagen, 
mein schwere Reis euch Torzotrageii ; 
in Willn des Herrn gib ich mich dreyi.^^ 
spräche Maria fein. 

Sie machten sich wol auf die Reis 
bei groaer Kfilt and schafirigem Bi^9 
und kamen abends in die Stat ; 
Joseph um d Herberg bat. 
Da sprach der Wirt ganz nugesokeit: 
,,Seits arme oder reiche Lent? 
habt ihr brav Geld, nimm ich eaeh an, 
sonst wird ench hier nicht anfgethaa.^^ 
So findet denn der höchste Schatz 
alhier gar keinen Platz. 

So helfe mir o Gott doch auß, 

daß ich kann finden ein ander Hans ! 

Maria rein, geh nur mit mir, 

ich klopf bei dieser Thär. 

„Wer da, wer klopft, wer ist denn drauß, 

wer macht Unruh vor meinem Haus ? 

ich nimm nur an die reichen Leiit, 

kein solches Gsind nicht wie ihr se!d>^ 

Ach wo soll ich mich wenden hin 

daß ich ein Herberg find. 

Was fang ich armer iezund an, 

wann ich kein Herberg finden kann? 

So müßen wir auf freiem Feld 

aufschlagen unser Zelt. 

„0 Joseph mein betrüb dich nicht, 

groß Gheimnifs ist in dieser Gschicht: 

in Armut will geboren werdn 

der höchste Herr der ganzen Erdn.^^ 

Daran o Mensch lerne mit Fleiß, 

wilst komn ins Paradeis. 



abdU BdTaroht rauli. vgl. Mich Schmeller bair«. Wb. 3»83e« 



437 

Weil es denn also Gott gefall, 
8 gehn wir hin in jenen Stall, 
und wolln mit großer Erandacht 
zubringen diese Nacht. 
Erdfne dich o Felsenstein, 
erkenne doch den Schepfer dein! 
ihr Engel kommet oue Zal, . 
helft zubereiten diesen Stall, 
den ihm Gott selbst hat außerwilt, 
weil ihn nicht kent die Welt. 

Ihr Himmel thauet doch herab 
und theilet uns die beste Gab, 
erffiUet was ist prophezeit, 
z um Trost der Kristenheit. 
Auf auf und singt das Gloria ! 
geboren hat uns Maria 
ein Kind, so hinnimt der Welt Sund; 
in einem schlechten Stall mans findt. 
So kommet alle da herzu, 
hier findet Freud und Buh. 

Sunder, du doch dieo betracht, 
hast auch verschuldt in dieser Sach. 

Oft hat Gott bei dir klopfet an, 

hast dein Herz nicht aufthan. 
Nur Eitelkeit und Sündenlast 
bei dir oft eingeladen hast ; 

hast oft gerufen : komm , ach komm. 
Er Gut Wollust und Weltreichthum ! 

Gott und Herr verzeih es mir 
un d mach bei mir Quartier. 

Hosburg bei Klagenfuri 

xxvn. 

Drei Könige auo Orient 2) 
erkantens an dem Steren, 



Jesaiu 45,8. 

*) Dieses DreftSnlgsUed g;eh0rt auch zu den fitesten der Samlang and wird 
sfck seiner Entsteliiing nach auf das 15* oder 16. Jh. znrückfBren laßen« 



418 

und sind herkommen %n dem End 

Hessiam zu vereren. 

Was Balaam schon längst prophezeit 
( das ist nnnmer geschehen ; 
} den Stern auß Jakob propheseit ' 
^ in unserm Land wir sehen. 

m 

Er stund im Luft ganz hell und klar ; 
das ist ein gwifses Zeichen, 
daß jener Prinz geboren war, 
dem alle Macht muß weichen. 
Denn dieses lünd wegen unsrer Sind 
der Heiden Macht zerstöret ; 
diesen auß ganzem Herz und Sinn 
ist billig daß man eret. 

Den neuen König wollen wir 
alhier zu Land anbeten. 
Du Himmelssteren, uns hinfur, 
dir wollen wir uachtreten. 
Zeig uns des Königs Residenz^ 
der da vom höchsten Stammen ; 
diesem ein tiefe Reverenz 
zu machen wir sein kommen. 

Dem Himmelskind zu eim Prfisent 
soll sein Gold Weihrauch Myrriien ; 
der Weihrauch wird Gott znerkent, 2) 



4 Mos« 24^17. Der Legende nach waren die drei Magier die Naekfdklfcr 
BUeams. Legenda aarea c. XIV. (p. 80. ed. Orwsse.) 

>) Für diese mystische Deutung der Gaben der drei Weisen UeOen sich vid 
Belege bringen. Nach Beda brachten sie das Gold zur Untersttttzung^ den Welk- 
raach gegen den Gestank im Stalle^ die Myrrhe zur Kriftigang des Kindes end 
Vertrelbang der Wflrmer. Das Gold bedeate femer den Tribut desKfinigs, Weih- 
ranch göttliches Opfer^ M}Trhe die Sterblichkeil. Dorand* Ration. VI. 16. In d» 
Miisale gothicum heißt es: ilsdem maneribus declaratnr: oATertor, immaiat«, 
swnitar. Mabillonlltarg gallicana HI. 11. In fihnlicher Weise begegnet die De«taa|: 
ftberali; vgl. Legenda aurea c. XTV. Hymu. Quem non praevaleat pte^fia nad 
Nantiom Tobis fero de sopemis. Voraaer Ged. 235> 13--19 Fandgnibenn. 206, 
1—10. Kindheit Jesa bei Hahn Ged. des 12. 13. Jh. 62, 12 ff.HavptMtackr. h, 10. 



«9 

Gold thiit die KSnif e zieren, 
der Myrrhen zeigt sein Sterblic hkeit, 
weil er als Mensch geboren, 
sonst war die Welt in Ewigkeit 
in Smden ganz verloren. 

Ich Kaspar dir befilch mein Reich, 
und alles Gott verschreibe ; 
ich Melchior thu auch desgleich, 
A deo dein verbleibe. 
Ich Balthasar dich auoerwel, 
du Fersiens Scepter lllre ; 
auch unser Herz mit Leib und Sei 
samt allem Volk regiere. 

König Himmels und der Erd, 

nimm gnftdig die Geschenke ; 

wir sind mit Götzendienst beschwert, 

der Thorheit nicht gedenke. 

Hinfür wir dich als waren Gott 

erkennen und vereren : 

in dein Reich für uns nach dem Tod 

durch deinen Gnadensteren. 

neugeborner Gottes Son, 
durch dich wir auch ansingen 
ein erenwerten Hauspatron, 2) 
ihm neuen Jarwunsch bringen. 
Wir wünschen ihm samt dem Gemahl 
alhier glückliche Zeiten, 
durchs Jesukind, das ligt im Stall, 
. auch dort die Hiramelsfreuden. 

Flattaeh im MöUthal in Kärnten. 



F. SstthMwirt tlebea Frevden M«ri« ▼• 560 W. W«idLeni«g^ michenttedSS. b* 
Poa4o W«UuKU)htiLonA4ie S. 31. — David yon Augsborg tagt: der sterno Ist 
der gloabe der ans zaowfset zao dir; daz golt dia gaotenwerc, das wir ovchdta 
wire- mliwe^ dia mirre gedalt in angemache. Haapt ZeiUchr. 9^45. 

Vgl. die Bemerkang oben S 393 Zu vergleichen ist aach das engUsche 
WcibaacbtUed : Ood bless the master of tUs hoase and all that are therein bei 
Sandjs Cbristmas Carols S. 115. and ebd 160 der Lledschloß: 6od bless 70a 
all both great and small; And send joa a happy new year. 



4Mtv 



•mim 



xxvra. 

Ein große Freud Terkuiid ich euch 
und allem Volk auf Efden : 
Gott laßt sich von seine Vaters Schofi^ 
im Stall gebom zu werden. 

Zu Bethlehem in Davids Stat 

» 

ein Jungfrau hat geboren 

ein kleines Kind, vor Kalt und Wind 

ganz bloß und halb erfroren. 

Die Hirten schon nach Mittemadit 
thun ihre Schifleiu weiden; 
ein Engel komt, ermuntert sie, 
verkündigt große Freuden, 
das Gloria in excelsis singt : 
Erfreuet euch ihr Hirten, 
zu Bethlehem im offnen Stall 
ein Kindlein werdet finden ! 

Auf freiem Feld und überall 
thnt jene Freud erklingen, 
die Yoglein singen daß es schalt, 
all Thier vor Freud aufspringen. 

Die Blümelein auf freiem Feld 

thun alle grün außschlagen ; 

der Erde Band brach seine Hand , 2) 

der Hellenfeind ist gschlagen. 

Jesu, liebstes Kindelein, 
was hat dich so bezwungen, 
daß du sogar vom Himmels Sal 
in kalten Stall bist kummen? 



Vgl. die Strophe Hvnc Afitra teflus ttiivora^ Hme oniie qaoAcMl« B«l»cit, 
Sakitfe aoetorem ne^ft Novq sohltet caBtIco. Hjain. Cbriste redeutor. Aa^ dv 
Ofterfeyniias Iteneeteli ite nnbes ist zu ▼ergletehen. 

*) Feit der Hs.^ von nir ergänzt nach dem Vene Fraeta sera gaodet tc0» 
anß der Strophe Plaadant mpes et torrentes In dem Hymn. Ite noetei Iteavbes. 

Cur rellnquls devs coelnm Et in terrae yeni^ coenum und H«e «nter te 
▼ocavit Homaiii generis^ Hoc mei reelinavlt Te nexa seeleris Bynii. In Betiloi 
traueamiM. 



441 

MeMchenkind, nur deine Sind 
thnn mich so weit herziehen. 
Ich liebe dich, ich mfe didi,' 
willst noch von mir entfliehen ? 

Ö Jesakind im Krippelein, 

ich falle dir zu Füßen, 

ach laß mich armes Schfifelein 

doch deiner Hilf genießen ! 

Menschenkind o eil geschwind,'. 

ih Stall zum Krippeleine ! 

sieh, wie so süß die Gnad herfließt 

Tom liebsten Jesnleine l 

Mosbnrg bei Klagenfurt. 

XXK. 

Ein Kind ist uns geboren, 
das Gott und Mensch zugleich; 
eröfnet Herz und Oren, 
Kristen freuet euch ! 
Zu Bethlehem im Stalle 
kert unser Heiland ein, 
zum Tröste für uns alle : 
geliebet will er sein. 

Die Hirten hören singen 
die frohe Engelschar ; 
gekrönte Fürsten bringen 
Gold Weihrauch Myrrhen dar. 
Sie legen Herz und Krone 
zu Jesu Fußen hin, 
sie sehn in Davids Sone 
Gott Selbsten, preiset ihn ! 

Erfüll mit deinen Gnaden, 
Herr Jesu, dieses Haus, 
Tod Krankheit Selenschaden 
Brand Unglück treib hinauß!0 



So heißt es aoeli am Ende des Fasnacht-Spiels vom Berner und Wan- 
derer: Got frist eiiek «Hielt vor krankea* Der Schluß Tom Fftsnachtspitl n. 17. 



441 

Lia hier den Friedea grfiileii, 
verbanne Zank nnd Streit, 
daß wir dir trölich dienen 
jezt und in Ewigkeit 

Kolbniz bei Jauer in Schlesien. 

Ein Kindlein geboren, 9 
ganz 8chön annerkoren, 
von einer Jongfrau zart! 
Hast dir ein Sal erkoren 
bist in eim Stall geboren : 
du kernst auf die Erden 
daß wir selig werden, 
liebstes Jesulein. 

Zmschen Esl und Rindel 
ligt das kleine Kindel 
im Stall im Krippelein, 
und ist ein König worden 
des Himmels nnd der Erden, 
und ist für uns gstorben, 
hat das Heil erworben 
das liebste Jesulein. 

Die Hirten sind kommen 
das Kind zu empfangen, 
ihren liebreichen Gott; 
sie sahen auch von ferren 
gar einen schönen Sterren, 
sie fanden das Kindlein 
in eim kleinen Kripplein, 
das liebste Jesolein. 

Ihr Sonder, lauft alle 
mit Freuden zum Stalle, 



der Kellerschen Samlang: lautet: Got woU each nar gut and ere gewera, e«ck 
and ear gesind lang spar gesnnt auf erden manlg jar. Diese Worte 
steh MIer. 

Vgl. ebt» S» 107 AnmerlLiiiig 2. Aber iaUch bfgbia«»4e Uedcr« 



443 

betrfibte Henett all ! 

Zum Jesulein all eflet, 

daß keiner sich verweilet ! 

ihr findet alle Gnad, 

wann ihr mcht kommt zu spat ^ 

zum liebsten Jesalein. 

Liebreiches Kind Jesu, 
laß uns nicht verderben, 
wen wir im sterben sein : 
thu uns doch nicht verlaeen, 
für uns auf rechter Straßen 
zu dir in Himmel ein, 
wo alle Engel sein^ 
liebstes Jesulein ! 

Mosburg bei Klagenfort. 

XXXI. 

Eröfiiet die Pforten 
der Herzen voll Freud ! 
Das Wort ist Fleisch worden 
und ligt auf dem Heu. 
Er ligt in der Krippen 
ganz arm und veracht, 
in schneweißen Windlein 
ist er eingemacht. 

Er ligt schon gebunden, 
der alls binden kann. 
Die Sund ihn verwundet, 
das Kreuz tragt er schon. 
Er ist schon außgangen 
vom himlischen Sal. 



9 Psalm 24, 7. — Dorand. ration. divinl oflic. IIb. VI. c. 12. Quantus slt 

(domlnns), ostcndit psalmus qul ad Introltnm (vlgillee natalls domini) cantatnr^ 

«cUicet Domini est terra etc. de quo etiam dicitur olTerenda ToHlte por- 
taj eto. 



Nun laufet ihr Hirten 
nach Bethlehem all ! 

Dort werdet ihr finden 
ein wunderschön Kind; 
es ligt in der Krippen 
beim Esel and Rind. 
DerYater, der Joseph, 
der ist anch dabei ; 
ein wunderschöne Jungjßran 
die kniet auf dem Heu. 

Das Kindlein recht zittert 
vor Kälten und Frost ; 
muß in dem Stall li^en 
ganz nackend und bloß. 
Maria und Joseph 
sind voller Mitleid, 
daß anderstwo nirgends 
kein Herberg sich beut. 

Tedeum laudamus ! 
singt alle zugleich. 
Die Engel musiziren 
dem Kindlein im Reich. 
Es fangt an sein leiden, 
weils glitten muß sein^ 
weil alles durchs leiden * 
in Himmel geht ein. 

Nach dem achten Tage 
das Kindlein im Stall 
beschnitten ist worden 
für uns Sunder alL 
Sein Blut es vergoßen, 
die Zähren ganz klar : 
das will es uns schenken 
zu eim neuen Jar. 

Flattach im MöUthal in Kirntes. 



445 

xxm 

Erwachet nni steht auf ihr Hirten, 
laufet nur and eilt |;eschwind, 
begräoet und beschaut die Krippen, 
werdt findu ein wunderschönes Kind. 
Nach Bethlehem thut nur gschwind eilen, 
ein Opfer thut ihm auch mittheilen, 
uttd sdiauet an das herzge Kind, 
im Kripplein es vor Liebe brint. 

mein Gott, in was für ein Winter 
ligst dn in Stroh da und in Heu ! 
Seind kommen die einzigen Hirten, 
zu zeigen Liebe dir und Treu, 
i^e singen dir und thun frohldcken, 
' die Menschen wollen sie herlocken ; 
sie knien und beten Herr dich an 
und preisen dich göttlichen Son. 

Komm Stnder und sei doch zuhanden, 
lavf mit den Hirten in den Stall, 
zerreiß doch die teuflischen Banden 
.. und thu dem Kinde ein Fuofall. 
Ein Opfer thu du ihm auch schenken, 
es wird deiner allzeit gedenken. 
Es ist ganz sanftmütig und mild, 
ist allezeit mit Lieb erfallt. 

Mosburg bei Klagenfurt 

xxxm. 

Es hat der Prophet Balaam ^) weiagesagt : 
ein Steren Mrird aufgehn aua Jakob klar,^) 



E> wfire leicht gewesen dieses eehöne Lied lar Uebereliuilauiiaiig Ton 
BetoBong md Gewicht der Stt^en za bringen; ich habe es indessen anO gaten 
Gründen nicht gethan. 

Handechr. PaUoM» 

4 Mm* 24, 17. Es wird ein Stern anO Jacob anfgehen nnd ein Scepter 
(virga VolgO aaO Israel aofkommen und wird saschmettem die FOrsten der 
HofüilUr ia4 ventArea alla iünder Scüi. 



446 

eine Rat wird eiitspm|;eii aua Israel 
und schlagen die Fttrsten von MoabeL 

Viel hundert Jar haben wir den Steren erwart 
wol auf dem Berg YictoriO hei Tag und Nacht, 
weil doch kommen must die gnadenreiche Zeit, 
die Himmel und Erde und alls Volk erfreut. 

Nun wolltt wir mit den Hirten auf BetUehan gehn, 
das Kindlein anbeten und griioeagar,8cli6% 
weils fiir uns thut leiden viel Kälte'und Not. 
thu uns verzeihen, o gfitiger Gott! 

So grüßen wir die Mutter und JuiigfraQ sugleich, 
sie woll für uns bitten im himlischen Reich. 
Gott ist gütig, barmherzig, er lindert s0 vjM, 
verzeiht uns die Sünden w^m nur der Sin4<ur will. 

Bereun wir die Sünden und Feier zugleich^ 
so wird uns Gott aufiiemn ins himlische Reich. 
Dort woUn wir ihn loben und preisen en Eud, 
wir Kristen auf Erden im heiling^) SakraiMBt. 

Wir ^vünsehen euch allen ein glucklich teus Jar, 
und was wir euch >vünschen, das soll werden war. 
Man wünscht Glück und Segen, der Fried sei mit euch, 
und nach diesem Leben das himlische Reich. 

Flattach im Möllthal in Kirnten. 

XXXIV. 
Freu dich o Tochter Sion, ^) 
dein König kommet an ! 



Legenda aorea c. XIV. hi ergo per singolos aaiios fUl Meuea 
atcendebant saper Montem Victorialem. (p* 89. ed. Kraefiie). In der Lcgeide 
Johanns von HUdesheim heißt der Berg Vaus. 

MUag aueh in dem Uede : Frea dieh o Tochter Klon. ?gl. Schndir 
balr. firammat. f. 580. W. Schmeltzl Conuedia Judith. 16^. Wies. C. fii. 
gnaltlng. E. iij. rw. vnschnlding. 

,0 Zach. 0, 0. — Dieser Vers biidet den AaOgangspnkt aaeh ftr J« Rists 
Auf aaf, Ihr ReAchsgenoßen , M. Boheais KSnIg aller Ehren, nnä Seltfrmen 
Nun Jauchset ali ihr frommen* Vor allem aber ist onserem LIedt na ▼ergMcicft 
GhriaUan Weises Da Tochter Zlon Uent dich, Ma JUaig IWHt aa ik. -* Vgl^ 



447 

Bethlehem nicht mittder! 
komst nicht es sehen an? 
Der Tag hat sich geneigt ; 
den Abraham gesehen, 
er hat sich nns gesteigt 

Die Rate Arons Uüheti) 
and steht mit grünem Zweig : 
auo Jakob ist dem Herscher 
der Zepter znbereit 3) 
David ein Gärtnersmann, 
ein Gärtner von Jttdäa, 
ein Ros schön pflanzte an.^ 

Den Moses hat gesehen, 
ein Basch der fearig brinnt, 
er auf dem Heu moo ligen 
und weinet wie ein Kind. 
Das soD sein Rahstatt sein ; 
niemand hat ihn anfgnommen, 
im Stall mne kern er ein. 

Frea dich o grooer Sonder, 

bereue deUie Sand, 

knie nieder vor der Krippen 

und bitt das Jesakind. 

Her Freud im Himmel sein 

als wegen nenn and neunzig greohten, 

o Sünder, wegen dein« 

Das Wort das ist Fleisch worden, 
es wonet in der Welt ; 



aberdlefl das Klosterneaborger LM Vrea dich tohter von Syon Wackernagel 
altdeutsch. Lesebuch 806. 

Hs. ist. 1- 4. Mos. 17, 8. 

*) Hs. Auch Jakob von Jodiia den Z. -*- 4. Mos. 24) 17 — 10. 

*) üeber die hfiafigen Vergleichnngen der h. Inngfran mit einer Rose vgl. 
W. Grimm Goldene Schmiede XXXVI. f. XLII. Ihr Anherr David wird der 

R 

Girtner genant^ welcher die Rose pflanzt. Aach Jesos wird der Rose ver- 
gUcheUj welche die Jangfraa pflegt, vgl. Mnskafblflt 2, 80. 6^ 06 (Groote). 



418 

sein Heiligkeit za zeigen 
hat sichs zu uns geselt. 
Allen die dieo begem, 
den gibt er auch die 6nad 
Kinder Gottes zu wem. 

Einmal wir mäßen sterben, 

es kann nicht änderst sein ! 

Joseph und Maria , 

das bitten wir anhennt, 

daß wir das Jesukind 

in Fleisch und Blut genießen 

im heiling Sakrament. 

Flattach im HöUthal in Kärnten. 

XXXV. 

Lauft ihr Hurten zu der Krippen, 
eilet hin in jenen Stall ! 
Seht, in der so armen Hätten 
scheint es gleich im Himmelssal. 
Ach, was wird es doch bedeuten ? 
bei so kalten Winterszeiten 
findet man ein Kindlein zart 
ligen in der Krippen hart 

Hdi^et nur die Engel klingen 
einen jubelreichen Ton, 
Gloria in excelsis singen, 
loben Gott im höchsten Thron ; 
thun ein neue Botschaft bringen, 
thutt den Hirten Freud verkünden, 
sagen daß Gott als ein Kind 
ligt bei Esel und dem Rind. 

Komt ihr SAnder all mit Freuden, 
folget denen Hirten gschwind; 
thut zu jenem Kindlein eilen, 
das dort ligt in JjLSH un^ Wind^ 



449 

Eret Gott im höchsten Throne, 
weil er ans sein eigen Sone 
wegen unsrer Sünden all 
schikt in dieses Jammerthal. 

Alles Lob sei dir gesungen, 
liebstes Jesulein im Stall, 
daß du bist herabgekommen 
von dem hohen HimmelssaL 
Thu doch gnädig uns ansehen, 
die wir vor deim Kripplein stehen ! 
nimm o liebstes Kindleiu dann 
unser Herz zum Opfer an. 

Mosburg bdi Klagenfurt. 

XXX VL 

Liebreiches Kindlein, ligst in den Windlein, 

ist denn das Kripplein dein Wiegelein? 

die Lieb hat dieo gemacht, hat dich in Stall gebracht, 

laot nicht erfrieren das Jesulein. 

Drei Kdnig von feren mit einem Steren 
kommen geritten vor seinen Thron. 
Die Er erweisen dir, fallen auf ihre Knie, 
Gold Weihrauch und Myrreu sie opfern dir. 

Liebreiches Kindlein, thu dich erbarmen 

über uns Sünder all insgemein. 

Will dir auch schenken dann, nimm unsre Herzen an 

für deine Wiegen, liebs Jesulein. 

Mosburg bei Klagenfurt« 

XXXVD. 

Mit Freud des Herzens wir dich grüßen, 

neu gebomes Jesulein, 

und wir falln zu deinen Füoen, 

beten an im Krippelein. 

Die Engelschar mit stimt, 

29 



> • 

Gloria in excefois pingt, 
Jesuskiad. 

Freuden Freuden über Freuden, 

jttbelreiche Weihnachtzeit ! 

Gott sein Son hat gsaut zu weiden 

die irrenden Schftfelein. 

Er tauseht den Hinunelssal 

um ein zerrionen Stall 

im Jammerthal. 

Grooe Liebe hieß dich gehen 
von dem Himmel auf die Erd, 
Pein und Marter auozustehen, 
zu bezaln yfhs Adam gfelt 
Dardi d'Sehlang wir seind gefang, 
dem Satan unterthan ; 
Jesulein komm! 

Dich Gott Yater glorfizieret 
in dem Himmel und auf Erd ; 
ihr Altvftter jubilieret, 
Mefsias euch erlösen wird« 
Marie Liebesflamm 
die hat geklopfet an 
bei Gottes Thron. 

Liebster Jesu, wir dich bitten, 
allerschönstes Himmelskind, 
vor allu Gfam uns wolst behäten 
und verzeihen unsre Sand. 
Wenn wir im sterben sein, 
wolst du uns gnädig sein, 
Jesulein ! 

Mosburg bei Klagenfart 

XXXVHL 
sei gegrAot, mein Jesulein, 
du edles Kindlein zart! 
Mnst du denn in dem Krippelein 
da ligen also hart? 



ist 

In einem Stall geboren bist, 
kein Ortleiii dir verhüttet ist ; 
ZQ Bethleem in der ganzen Stat 
man dich verstoaen hat. 

Es heißt hinaiio ! bei jedem Haas, 
nur fort! ich Kcfnn euch nicht ! 
geht nur in jene HMt hinano, 
hier ist kein Ort Ar dich ! 
So geht niur vor die Stat hinauo, 
dort ist ein Stall gehauen auß, 
aldorten könnt ihr vor dem Wind 
einkeren mit dem Kind. 

Maria die edle Jangfran zart, 
die weinet bitterlich!, 
weilen sie sonst kein Ort nit hat 
als nur beim wilden' Yiedt, 
in einen Stall muß k^ren ein 
mit ihremliebsten Jesulein; 
das Wiegelein ein Krippelein, 
das Yiech die Diener sein. 

Jesulein, was zwinget dich 

daher in diesen Stall? 

„Die menschlich lieb die ziehet mich 

herab vom Himmels Sal, 

daß ich sie knnt erlösen all 

von der Erbsünd und Adams Fall 

und fären in den Himmel ein 

zu allen Engelein.'^ 

Mosburg bei Klagenfiurt. 

XXXIX. 

wie ein so rauhe Krippen 
hast du, Jesu, dir erwilt, 
zwischen Felsen Stein und Klippen, 
wilden Thieren zugesellt. 
herzliebstes Jesukindlein, 
ligst alhier im kalten Stall 



Vgl. obei S. 434. bo. XXV. Str. 3. 



( 



4» 

bei dem Esel imd dem Rindlein 
und verlaot den Himmelssal. 

Jesa allerhöchster König, 
hast da denn kein andern Sal 
als beim Esel and beim Rindel 
in dem stinkenden kalten Stall ? 
Engels Stimmen hört man singen 
in den Lflften weit and breit, 
thun uns neue Botschaft bringen 
und verkünden grofie Freud. 

Jesu, ich will sein dein Krippen, 
Jesu ich will sein dein Stall, 
lafl mich deine roten Lippen 
grünen küfsen tausend Mal. 
Nun, ihr Hirten, euch erfreuet, 
lobet Gott im Himmelreich, 
daß er uns sein Son gesendet, 
wird uns armen Menschen gleich. 

Eins, bitt ich, lao mich erwerben, 

gnadenreiches Jesulein ! 

wanns wird kommen zu dem sterben, 

wollest uns doch gnädig sein. 

Wann die Sei vom Leib wird seheiden, 

füre sie zum Himmel ein, 

lan sie ewig bei dir wonen, 

allerliebstes Jesulein. 

Mosburg bei Klageniort. 

XL. 
Still Erde, still o Hinunel 9? 
auch du Mer sei still dazu ^) ; 



Vgl. Bone Cantate ii.40 StlU geschwinde, still ihr Winde. Zu Tergteld- 
en ist auch der H}innns Dormi fiU, dormi! mater Cantat nnigenlto (Slmrock 
Laada Sion S. 76. f.) der indefren iinserm deutschen Liede nachsteht. S. femer 
dormi dormi blandole Jesu. Geistliche Volkslieder. Paderborn 1850. S. 106* 
Unser Lied findet sich gedrakt auf fliegenden Blättern, worüber das flrfther er* 
wähnte za vergleichen ist. Ich gebe die bedeutender abweichenden Stellen des In 
Oreez gebrauchten Textes in den Anm«rJcangen. £in älteres engUschet^Welk- 
nachtwiegenlied bei Sandys Christmascarols 32. 33. Vgl« auch dMelbst S* 122 
das Lied There is a child bom of onr biessed Virgin» 

Eaer Uott llgt Uk der Rvh» 



4sa 

stiU Welt mit deim GetAmmel, 
euer Herr schlaft in der Ruh ^. 
Yon dem Pfeil der Lieb getroffen 
ligt er da ganz unverhoffen ') 
als ein Kind im Stall ganz matt *) 
auf der harten Lagerstatt. 

Hast vielleicht, o herzigs Kindlein, 
ein Liebestrunk gnommen ein, 
dao du bei so kalten Windlein 
bist so sauft geschlafen ein ? ^) 
Es ist ja der kalte Winter 
sonst ein Feind der zarten Kinder ; 
doch du wälst die kalte Stat 6), 
weil dein Herz gebrunnen hat. 

Schlaf mein Kindlein one Sorgen, 
schlafe, jezt hast du noch Zeit ; 
wird dich heut schon oder morgen 
wecken auf der Juden Neid. 
Dann ^virst du vor harten Waffen 
wenig oder gar nicht schlaffen, 
wenn man dich mit gröstem Spott 
wird verdammen zu dem Tod. 

Laae dir vom Kreuz nichts träumen O9 
allerliebstes Jesulein ; 
von dem wirst du nichts versäumen 8), 
jezt bist du noch viel zu klein. 
Bist ein Kind, darfst es nicht wagen 
ein so schweres Kreuz zu tragen. 



i) Meer. 

s) SchlieOet «ort Schranken 2a. 

Dram ilgt er Jezt anverholTen, ist vom Pfeil der Lieb getroffen. 

Daram liegt er Jezt ganz matt. 

Daß da auf den harten Rindlein hast so bald geschlafen ela. 

Aber dir die Kalt nicht schadl. 

Aof alten Bildern sieht man an der Wand des Stalles ein Kreu htogen 
zum Vorzeichen des Todes des Erlösers. Vgl. Hone Schanspleie des Mittelalters 
2, 170. 

B) Man wird doch dich nicht verschonen. 



deine Watiglein seind zu weich 
zu dem harten Backenstreich. 

Schlaf mein Kindlein! dort im Garten 
wirst du mäßen wachbar sein, 
wo auf dich wird Judas warten 
dich zu füren in die Pein. 
In der Greislung wirst schon mfliseri 
diesen deinen Schlaf noch büßen. 
Du, o Herr, von deinem Knecht 
wirst noch haben saure Nicht. 

im 

Deine Hfindlein kreuzweis lege, 

neugebomes Kindelein ! 

in der Ruh dich nicht bewege, 

schlafe sanft o Jesulein. 

Jezt bist noch zu schwach an Kräften, 

daß man dich ans Kreuz könt heften ; 

deine Händlein seind zu zart 

und die Nägel viel zu hart. 

Schlaf, Jesu, bleib nur ligen, 
schlafe auf dem harten Heu ; 
aber wenn ich greif in Zügen O9 
dann wach auf und steh mir bei, 
daß ich selig mög entschlaffen ; 
schütz mich mit dein Gnadenwaff^n, ^ 
mir all meine Sund verzeih 
und die ewge Ruh verleih ! 



Hosburg bei Klagenfurt. 



XLI. 

Was Wunder entstanden anheunt heimt 
drunten zu Betlehem seind; 



In d'Ztgen. — In Zflgen greifen^ in den lezten Zügen liegen. 

>) Auch mit Sieg nemen die Waflfen^ streiten wieder meine Feind ^ weQcn 
der mar gnr Tiel lelnd. 

Vgl dM icUeslsehe nnd knlilindlflehe Lied: ,,Wa8 soll das bedeuten? es 
taget Ja schon^' Hoißnann nnd Richter schlesische Volkslieder S. 333. Xelsert 
alte tentsche Volkslieder In der Mondart des Knlüindchens 8. 275. 



4SS 

ZU Beüehem .drunten im Stall Stall 

leuchts wie ein himlischer SaL 

Ein glänEender Steren ist neulich aufgang, 

ein Kindleiu darinnen man gsehen hat an, 

scheinet von ferne daher her, 

leuchtet Je lAnger je mer. 

Was Wunder ! zu Bethlehem heunt heunt 
die Sonne um Mittemacht scheint! 
Geh sag mir, was dieses bedeut deut 
um Mitte der Winterszeit. 
Yom Himmel ist kommen der göUiche Son, 
die Hirten von fern kommen beten in an, 
kommet vom himlischen Sal Sal 
zu uns in stinkenden Stall. 

Ein himlischen Gsanten ich hör hör 
kommen in Lustbarkeit her, 
verkändiget uns grooe Freud Freud, 
die uns schon langst prophezeit. 
Das gloria in excelsis er singet daher, 
der Friede sei gschlooen, er saget, auf Erd, 
weil heunt dann vom himlischen Thron Thron 
schikt Gott sein einigen Son. 

Laudamus ! singt alle zusam sam, 
preiset das götliche Lamm. 
Dieweil es zu der Mitternacht nacht 
uns schon das Heil hat gebracht. 
Tedeum laudamus singt alle geschwind 
und helfet uns preisen das götliche Kind, 
dieweil es zu der Mittemacht nacht 
uns schon das Heil hat gebracht. 

Nosburg bei Klagenfurt 

XLD. 
Wol auf ihr Hirten, seid ihr schon beim Wald ? 
secht wie uns Gott geliebt im Himmels Sal ! 
Legt sich ins Krippelein, da er geborn, 
dao er uns bringete, was wir verlorn. 



456 

Was kann die Liebe doch, o großer Gott? 
daß sie dich tribe fort za solcher Not, 
dao du sogar verlast den Himmels Sal, 
and als ein Kindelein ligest im Stall. 

Wie mildreich zeiget sich dein götlich Gsicht, 
da dich verlaoet nnd beherbergt nicht 9 
das ganze Bethlehem in gröster Not! 
must in ein Stall einkern, o höchster Gott ! 

Kleinod auoerkom, götlicher Son, 
den uns Gott Täter schikt vom Himmelsthron, 
wo ist die Bürgerschaft, die nach dir gehn, 
dao nur die Thiere dir zur Seiten stehn. 

Begläktes Bethlehem, du stolze Stat 9, 
wilst nicht beherbergen so edlen Gast? 
wie tief erniedrigt sich der Schepfer dein, 
dao er vergnüget sich am Krippelein. 

kleines Kindelein, o großer Gott, 
thu uns doch gnädig sein in aller Not! 
verzeih uns unser Sund, ist unser Bitt; 
liebreiches Jesukind, verstoß uns nit. 

Mosburg bei Klagenfurt. 



Explicit. 
Des sein wir fro fro fro fro, 
benedicamus domino. 



9 Sed hen ^ hac nrbe tota Querant bosplUam^ Nee mente Um deToto Ef t 
idliu civlam Ut vlrginl mox dei Datarie filiam Vel uniiis diei Det dlTenoiiva. 
Cogant nt ruinosa Adlrent etabula. Hjmn. Est virg^o cttll rore. 

arbiam canctaram Re^a Bethlehem^ Exsarge tarn preclanmi Vlswa 
^oepitem, Hjmn, Est virgo c«bU rore. 




^.JtStZ. 




1 =1 ^ a 







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