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Full text of "Westfälische Grammatik. Die Laute und Flexionen der Ravensbergischen Mundart, mit einem Wörterbuche"

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Westfälische Grammatik. 



Die Laute und Flexionen 



der 



Ravensbergischen Mundart 



mit einem Wörterbuche 



von 



Hermann Jellinghaus, 

Dr. phil. 



„Alein si manger zungeii baut 
würgen, brechen unde binden 
vorne mitten unde hinden". 
Hugo von Trimberg im „Renner u 22, 299 f. 



Zweite Ausgabe. 




KORDEN 1885. 

Hinricus Fischer Nachfolger 

Verlagsbuchhandlung. 



Vorwort. 

Eine mundartliche Grammatik soll von zweierlei Leuten gelesen 
werden, von den Philologen und von denjenigen Landsleuten, welche 
die Sprache, die sie reden oder die zu ihnen geredet wird, in derselben 
Weise zu verstehen begehren, wie sie die fremden Sprachen zu be- 
greifen gelehrt sind. Für beide Arten von Lesern habe ich der 
Einleitung und dem Buche selber noch folgendes hinzuzufügen. 

Was von dem Sprachschatze des Ravensberger Landes auf den 
folgenden Blättern untersucht und dargestellt ist, wurde von mir in 
den letzten sechs Jahren aus dem Munde des Volkes gesammelt. Nur 
solche, welche nie Gelegenheit fanden, das Leben und Wesen einer 
lebendigen Volkssprache genauer kennen zu lernen, brauche ich daran 
zu erinnern, dass es immer nur ein Theil des mundartlichen Wort- 
reichthüms ist, welcher dem Sammler, auch dem fleifsigsten, zu Ohren 
kommt. Namentlich die zahllosen eigenthümlichen Ausdrücke, welche 
sich an jegliche Arbeit, die auf dem Lande gepflegt wird, knüpfen, 
kann kaum ein anderer als ein Mann vom Handwerk alle aufbringen. 

Zu den vollen Formen des starken Verbums, wie sie in der Tabelle 
§ 224 — 232 aufgestellt sind, werden noch Nebenformen existiren. Was 
in der Tabelle steht, ist von mir nach dem Gehör niedergeschrieben 
und seine Richtigkeit in der Weise geprüft worden, dass ich einem 
Landsmanne, dem der Dialect Muttersprache war, die hochdeutsche Form 
nannte, worauf derselbe mir seinerseits die niederdeutsche Form angab. 

Ueber die Bedeutung der einzelnen Schriftzeichen, welche die 
westfälischen Diphthonge und „Brechungen" wiedergeben, findet sich 
das Nähere bei der Behandlung der einzelnen Laute. Dass ich mich, 
wie es vom wissenschaftlichen Standpuncte dringend nothwendig war, 
der Sprache bestimmter einzelner Kirchspiele (Vgl. § 3) genau ange- 
schlossen habe, wird hoffentlich die Leser aus den übrigen Theilen der 
Grafschaft nur für einen Augenblick stören. 

Um doch auch eine Probe von der Sprache als zusammen- 
hängender Rede zu geben, wurden als Anhang II eine Anzahl länd- 
licher Räthsel und Kinderreime aufgenommen. Vor Gespensterge- 
schichten, welche man sich auch heute, nach dem völligen Verschwinden 
der Spinnstuben, noch hie und da erzählen wird, verdienten sie gewiss 
den Vorzug. Sagen und ernste Volkslieder sind wohl völlig ausge- 
storben, seit den Tagen Friedrichs des Zweiten und Napoleons. — 

Bei der Anordnung des ersten Abschnitts der Flexionslehre kam 
mir trotz der starken Verschiedenheit beider Dialecte K. Nerger's 



IV 

meklenburgische Grammatik Bebr zu Btatten. Die Durchführung der 
genauen Scheidung zwischen alter Länge und der Tonlänge em 
sich auf dem schwierigen Gebiete der westfälischen Vokalisation als 
ganz besonders fruchtbar und Lehrreich. 

Werthvoll waren mir die zahlreichen Aufsätze und Mittheilun- 
gen von Y. Woeste, namentlich in etymologischen Fragen. Meine 
Untersuchung über die ravensbergischen Vokale geht von der Woeste'schen 
Abhandlung über die Vokale der Mundart der Kreise Iserlohn und 
Altena in Kuhns Zeitschrift II, s. 81. ff. aus. 

Trotz allein, was Bich gegen die Verdoppelung des inlautenden 
Konsonanten nach kurzem Vokale sagen lä^st. cnNchloss ich mich. 
dieselbe strict durchzuführen, weil sie die Kürze des vorangehend' n 
Vokals und die enge lautliche Verbindung zwischen ihm und dem fol- 
genden Konsonanten doch noch am einfachsten und für das Auge ge- 
fälligsten darstellt. Ich müsste auch fürchten, dass ein einfacher 
Konsonant in dem K< nner des Westfälischen immer wieder die Vor- 
stellung erwecken würde, der vorhergehende Vokal solle auf westfälische 
Weise gebrochen, d. h. mit folgendem e, a, o gesprochen werden, so 
dass also statt KTdel (=Kittel) : KTedel (=Kessel) gelesen würde, 
während bei der Schreibung Kiddel— Kittel gegen Kiedel=Kessel jeder- 
mann richtig lesen wird. 

Nicht unterlassen will ich den Leser darauf aufmerksam zu 
machen, dass diejenige Theorie, nach welcher gotische i und u eine 
jüngere, die ihnen in anderen deutschen Sprachen gegenüberstehenden 
e und o eine ältere Lautstufe darstellen, in den ravensbergischen 
Vokal Verhältnissen keine Stütze findet. 

Schliefslich sage ich denen, welche mich durch Mittheilung von 
ravensbergischen Wörtern unterstützten, insbesondere den Herren 
Markart in Yilsendorf und Horstbrink in Eckendorf, bei Bielefeld, 
sowie Herrn G. Pleitner in Wallenbrück meinen besten Dank. 

Kiel, den 5. März 1877. 

Der Verfasser. 



Literatur. 



Firmenich. Germaniens Völkerstimmen. Berlin 1843—64. 

Frommann. Die deutschen Mundarten. Jahrgang 1854 — 59 und Jahr- 
gang 1876. 

Kilian. Etymologicum. Ultraj. 1623. 

(Mi). Wörterbuch der Meklenburgisch - Vorpommerischen Mundart. 
Leipzig 1876. o 

Mittelniederdeutsches Wörterbuch von Schiller und Lübben. Bremen 
1875—77. 

Nerger. Grammatik des meklenburgischen Dialects. Leipzig 1869. 

Nemnich. Polyglotten-Lexicon der Naturgeschichte. Hamburg u. Leipzig. 

Rumpelt. System der Sprachlaute. Halle 1869. 

Schanibach. Göttingisch-Grubenhagensches Wörterbuch. Hannover 1858. 

Stürenburg. Ostfriesisches Wörterbuch. Aurich 1857. 

Teuthonista von G. v. d. Schüeren. Leiden 1804. 

Weigand. Deutsches Wörterbuch. Giessen 1873 — 76. 

Wright. Provincial English. 2 vol. London 1857. 

Woeste. Beiträge aus dem Niederdeutschen in Zacher und Höpfner's 
Zeitschrift Bd. V und VI. 



Westfälische Mundart. Die Vokale und Konsonanten der westfälisch- 
niederdeutschen Mundart von Hoenkamp in Herrig's Archiv f. d. 
Studium d. neueren Sprachen B. IV, 157 f. u. XVII, 371 f. 

Diepholz. Kleines Idioticon aus Hassel bei Diepholz in den Annalen 
der Braunschweig.-Lüneburg. Lande. Jahrgang 1794, s. 590 f. 

Dortmund. Idioticon von Koppen. Manuscript im Besitz von Pro- 
fessor Kl. Groth. 

Hönnethal. Der Dialect im Hönnethal von Humpert. Programm des 
Gymnasiums zu Bonn 1876. 

Hagen - Wetter. Plattdeutsche Gedichte von A. Müller. 2. Aufl. 
Hagen 1876. 

Iserlohn und Altena. 1) Die Vocale und Consonanten der ndd. Mund- 
art der Kreise Iserlohn und Altena von Fr. Woeste in Kuhn's 
Ztschr. II, s. 81 ff. und 190 ff. 2) Volksüberlieferungen von 
F. Woeste. Iserlohn 1848. 3) Mittheilungen aus Westfalen 
von F. Woeste in v. d. Hagen's Germania B. IX u. X 1850 — 53. 

Lippe. Eigenthümliche Wörter im Fürstenthum Lippe-Detmold von 
J. B. H. Echterling in den Mundarten B. VI, s. 49 ff. 



VI 

Münster. 1) Frans Essink von F. Giese. Münster 1875. 2) Poetische 
Versuche in westfälischer Mundart von F. Zumbrook. \). Aufl. 
Münster 1*75. 

Osnabrück. 1) Idioticon Osnabrugense von J. Strodtmann. . Leipzig 
175G. 2) Klöntrup: Osnabrückisches Wörterbuch labgeschlossen 
im J. 1824), handschriftlich auf der Bibliothek des Rathsgymna- 
siums zu Osnabrück. 3) Lyra. Plattdeutsche Briefe. 2. Aufl. 
Osnabrück 1856. 4) J. Moser. Osnabrückische Geschichte. 
Einleitung. Osnabrück 1 76^. 

Paderborn. „Niu lustert mol a . Erzählungen in Paderborner Mundart. 
Celle 1871. 

Ravensberg. 1) Provincialwörter in Weddigen's Westphälischem 
Magazin 1788, s. 35 f. und 154 f. 2) Itavensbergiscbes Idioticon 
in Seemann. Die Grafschaft Ravensberg. Minden 1835 (aus- 
gezogen aus Weddigen's Westphälischem Magazin von 1788). 
3) Herforder Gedicht v. j. 16 r )6 in Radlof: Mustersaal tentscher 
Mundarten B. II, s. 220 f. 

Sauei'laiid(Brilon-Meschede). Die Schriften von Grimme: a) Schwanke. 
Paderborn 1*72. b) Galantrywaar. Soest 1873. c) Grain Tuig. 
Münster 1874. 



Inhalt. 



Seite 

Vorwort HI 

Literatur V 

Einleitung. § 1—5 1 

Gebiet des Dialects. Eintheilung der westfälischen Mundarten. Verhältnis 
der Mundart zum Altsächsischen und Mittelniederdeutschen. Verhältnis • 
zur hochdeutschen Umgangssprache. 

Erstes Buch. 

Lautlehre. § 6—191 5 

Erster Abschnitt. — Vokale. § 6—90. 

1. Kurze Vokale. § 9—21. 

a 10; i 11; u 12; e 13-U; o 15 ; ä 16 ; ä 17; ä 18; ö 19; ü 20-21. 

2. Tonlange Vokale. § 22—28 14 

Tondehnung und „Brechung" 22; ä 23; I 24; ü 25 ; ä und ä 26; 
5 27; ü 28. 

3. Lange Vokale. § 29—42 17 

ä 29; i 30; ü 31; ä 32; ä 33; ä 34; ü, e, 6, 6 35; är, Ir u. s. f. 

36—42. 

4. Zusammengesetzte Vokale 21 

Diphthonge und „Brechungen" 43; Zur Geschichte der westfälischen 
Zusammensetzungen. Ihr räumliches Gebiet 44 — 45 ; ai 46 — 50 ; 
äi (äi) 51—54; äu (au) 55—60; äü 61; iu (ü) 62— 63; uü 64-66; 
ui 67 — 69; eo 70—71; oe 72—74. — Die eigentlichen „Brechungen": 
ie 75—78; ia 79—81; ua 82-84; uo 85; üö 86; üa 87—88; üe 89—90. 

Zweiter Abschnitt. — Konsonanten. § 91—191 41 

Allgemeines 91 — 92. 

1. 1, r, m, n 93—114 42 

1 93—97; r 98—105; m 106—109; n 110—114. 

2. Labiales 115—140 47 

b 116—121; p 122—127; f 128—132; w 133—140. 

3. Dentales 141—163 ■ 54 

d 142—150; t 151—155; s 156—161; f 162; seh (s) 163. 

4. Gutturales 163—190 62 

g 165—170; k 171—176; qu 177; ch 178—184; j 185-187; 
h 188-190. 
Inklinationen und Attractionen § 191 69 



VIII 

Seite 

Zweites liiicli. 

Kloxionslebre. § 102-25!) 71 

Erster Abschnitt. — Declinattei 192— 219. 

1. Die substantivische Declinatiun 193—201 71 

I. Starke Declination 194-198 72 

A. M;ibculina 194—195; B. Neutra 196; C. Feminina 197—198. 

II. Schwache Declination 190—201 75 

A. Ma^culina 190; B. Feminina 200; C. Neutra 201. 
Die r-Stämme 202. 
Plural auf -s und -er. Declination der Eigennamen 203—204. 

2. Die adjectivische Declination 205—218 78 

A. Das Adjectivum 205—208; B. Das Numerale 209—210; C. Pro- 
nomina 211—217. 

a. und b. Persönliche 211—212; c. possessives Pronomen 213; 

d. demonstratives Pronomen 214; e. fragendes Pronomen 215; 

f. relatives Pronomen 21G; g. unbestimmtes Pronomen 217. 
Die Komparation 218. 
Interjection 219. 
Zweiter Abschnitt. — Die Konjugation. § 220—259. 

1. Die starke Konjngation 220—233 83 

Die altsächsischen und die ravensbergiscben Endungen 220—221 ; Be- 
merkungen 222—223; Die sechs Ablautreihen 224-231; Ehemals 
reduplicirende Verben 232 ; Bemerkung über den Imperativ Singularis 233. 

2. Die schwache Konjugation 234—255 93 

Paradigma 234; Die Bildung des Praeteritums 235— 23G; Sammlung 
schwacher Verben 237—251 ; Bemerkungen zur schwachen Konjugation 
252—255. 

3. Anomala 256—259 101 

Bringen, denken, häbben, dünken 256; Anomala der st. Konjugation: 

I. suin 257 ; II. giiun, staun, deon 258 ; III. Praeterito-Praesentia 259. 

Anhang 1. Etymologische Bemerkungen 103 

„ II. Räthsel und Kinderreime 110 

Wortregister 115 

Znsätze und Verbesserungen 157 



Einleitung, 



§ 1. Unter dem Namen „Ravensbergische Mundart" ist die 
Mundart derjenigen Landschaft zu verstehen, welche, von der Porta 
Westfalica und weiter westlich vom Wiehengebirge sich südwärts und 
westwärts bis über den Osning hinaus erstreckend, die preussischen 
Kreise Herford, Bielefeld und Halle umfasst. Angrenzende Gebiete 
sind also im Norden das Fürstenthum Minden (Kr. Lübbeke, Kr. Min- 
den), im Osten das Fürstenthum Lippe-Detmold, im Süden die Kreise 
Paderborn und Wiedenbrück, im Südwesten das Münsterland (Kr. Wa- 
rendorf), im Westen das Fürstenthum Osnabrück (Kr. Iburg und Kr. 
Melle). Genauer werden als die Endpunkte des Sprachgebietes, welches 
in Betrachtung zu ziehen ist, im Norden die Oerter Rödinghausen, 
Quernheim, Gohfeld, Vlotho, im Osten die lippische Grenze, im Süden 
die Senne, Isselhorst, Brokhagen, im W r esten Versmold, Bockhorst, 
Burgholzhausen, Rödinghausen bezeichnet werden können. Diese Grenzen 
sind nicht verschieden von denen der alten Grafschaft Ravensberg, und 
wenn einige angrenzende osnabrückische Ortschaften wie Dissen, Neuen- 
kirchen, Riemsloh und besonders Hoyel noch jetzt in den wesent- 
lichen Punkten dem ravensbergischen Dialekte zuneigen, so zeigt die 
Geschichte, dass eben dieselben erst nach dem Sturze Heinrichs des 
Löwen durch den Bischof Arnold von Osnabrück erworben worden 
sind. Die kirchlichen Gemeinden Börninghausen, Oldendorf und Holz- 
hausen gehören historisch noch zur Grafschaft Ravensberg. Es bildet 
aber ihre Mundart bereits einen Uebergang zu der Mundart der an- 
grenzenden westlichen osnabrückischen und nordöstlichen mindischen 
Landschaft. 

§ 2. Die Dialekte, welche sich in den genannten umliegenden 
Landschaften unterscheiden lassen, sind im Nordosten der Mindische, 
im Osten der Lippische, im Süden der Paderbornisch-Rietbergische 
und im Westen der Münsterische und Osnabrückische. Sie gehören 
sämmtlich zu den westfälischen Mundarten, so dass also bei einer 
rückwärts aufsteigenden Untersuchung derselben das Mittelwestfälische 
und im weiteren Umfange das Mittelniederdeutsche, die erste, das Alt- 
niederdeutsche und Altsächsische nebst dem Angelsächsischen die zweite, 
und das Gothische die dritte Stufe sein muss. 

Unter den heutigen westfälischen Mundarten, als deren unter- 
scheidendstes Moment gegenüber den übrigen niederdeutschen, die so- 

Jellinghaus, Grammatik. \ 



'1 

nannten westfälischen Brechungen, d. h. zusammengesetzte, diph- 
thongische Laute an Stelle einfacher Längen hervortreten, sind, wie «las 
bereits im l. Bande des Archivs für neuere Sprachen von Hoenkamp 
bemerkt ist, zwei Gruppen zn unterscheiden, die Büdwestfälische and 
die nordwestfalische, wie Hoenkamp sie nennt, die östliche und die 
westliche, wie es richtiger heissen mnss. Der ersteren gehört die 
sauerländische, die paderbornisch-rietbergische, die soestische, die lip- 
pisehe, die pyrmontische, die westmindische und wahrscheinlich auch 
die schaumburg-lippische, und bessisch-schaumburgische Mundart an,*) 
der letzteren die münsterische und osnabrückische.**) Die ravensber- 
gische liegt zwischen beiden Gruppen und ist ausserdem gegen Norden 
nur durch einen wenige Wegstunden breiten Landstrich von dem Nieder- 
sächsischen an der Weser unterhalb Minden getrennt. Sie gehört aber 
ihrer ganzen Natur nach entschieden zu der siid- oder ostwestfälischen 
Gruppe und hat also ihre nächsten Verwandten im Lippischen, 
Schaumburgischen, Paderbornischen, Soestischen und Saarländischen 
an der oberen und mittleren Ruhr und Lenne. Von der münsteri- 
schen und osnabrückischen Sprache dagegen grenzt sie sich durch 
durchgreifende Unterschiede in der Vokalisation scharf und unver- 
mittelt ab. Noch weit mehr selbstverständlich von der niedersächsischen. 

Man könnte in Anbetracht, dass die östlich-südlichen Mundarten, 
denen das Ravensbergische angehört, innerhalb der alten Angaria 
liegen, dieselben unter dem Namen engrische Mundarten zusam- 
menfassen und die westlichen dann westfälische nennen. Allein 
auch abgesehen von dem Doppelsinne, den das Wort „westfälisch" 
dadurch erhielte, wäre eine solche Unterscheidung augenblicklich schon 
deshalb nicht rathsam, weil die Dialektproben noch zu unzuverlässig 
sind und zu dürftig tliesseu, als dass man die Richtigkeit der Be- 
zeichnung „englisch" bereits genügend beweisen könnte. 

§ 3. W r ie innerhalb der westfälischen Mundart sich der Unter- 
schied von ost- und west-westfälisch entwickelt, so entsteht innerhalb 
des ostwestfälischen Mundartenkomplexes eine neue Scheidung, wonach 
das Ravensbergische, dann das Lippische, Westmindische und zum 
Theil auch das Schaumburgische und Paderbornisch-Rietbergische ge- 
wisse Eigentümlichkeiten für sich haben.***) Auch in der Landschaft 
Ravensberg hat. wie überall, jeder einzelne Ort in Vokalisation und 
Wortschatz seine Eigenthümlichkeiten. Diese sind aber bis auf einen 
Punkt nicht prinzipieller Natur, so dass ohne Schaden die Sprache 
einiger bestimmter Ortschaften überall der Darstellung zu Gruude ge- 
legt werden und jede Abweichung von derselben angemerkt werden 

*) Karakteristisch sind die Laute iu, uü, ui (ei, yi) z. B. in sliuden = schlies- 
sen, duüwel Teufel, nuiiii (mein) —- mein. 

**) Karakteristisch ist das einfache Ü, ü, i an Stelle jenes östlichen iu, uü, 
ui hei l'ehereinstimmung mit dem östlichen in den meisten ührigen Vokalen (slüden 
düwel, min). 

***) Besonders eö as. ü, soestisch-saueiliindisch au z. B. beok, hauk = 
Buch. 



kann. Diese Ortschaften sind die des westlich und nördlich von En- 
ger gelegenen Theiles des Kreises Herford. 

Nur die Stadt Bielefeld mit Umgegend zeigt eine in mehreren 
Vokalen konsequente Abweichung von dem Idiom des übrigen Ravens- 
berg (Kr. Halle und Kr. Herford) und es ist daher ihre Sprache als 
eine besondere Abzweigung zu betrachten. Dieselbe entfernt sich 
durch ihre Eigenthiimlichkeiten von dem ostwestfälischen Mundarten- 
Kreise und nähert sich dem Münsterischen. Es ist aber zu vermuthen, 
dass ihre Besonderheiten nur darin ihren Grund haben, dass der 
klevische Hof dort längere Zeit residirt hat, dass die Stadt sich in 
ihrer Verfassung an die Stadt Münster anlehnte, und dass die Leinen- 
industrie eine holländische Einwanderung verursachte und es ist des- 
halb auf dieselben bei der Beurtheilung des ravensbergischen Dialek- 
tes als eines Ganzen kein Gewicht zu legen. Wenn die Grenzdistrikte 
gegen Minden eine auffallende Abweichung zeigen,*) so darf das viel- 
leicht an die Thatsache erinnern, dass Karl der Grosse viele Franken 
in die Umgegend von Minden verpflanzt hat. 

§ 4. Schwieriger als die Erkenntnis der Stellung des Ravens- 
bergischen innerhalb des heutigen Westfälischen ist die Einsicht in 
sein Verhältnis zu den älteren, sächsischen Dialekten. Auf den ersten 
Blick wird vielleicht mancher in der folgenden Darstellung besonders 
ein Eingehen auf das ältere Ravensbergische und auf die mittelwest- 
fälische Sprache vermissen. Allein bei dem Mangel an Hülfsquellen 
auf jenem Gebiete ist ein solches zur Stunde unmöglich. Auch die 
mittelniederdeutsche Sprache muss mit grosser Vorsicht benutzt wer- 
den. Sie kann nicht ohne Weiteres als eine Quelle zur Erforschung 
der lebenden Dialekte, besonders nicht der westfälischen, angesehen 
werden. Denn sie ist durch Urkunden, Stadtrechte und gewiss auch 
durch die Dichtung von fremdher in Westfalen verbreitet und ist 
lediglich Schriftsprache, Sprache der Gebildeten geblieben. Es wäre 
übereilt, aus ihren Eigenthiimlichkeiten in Laut und Form auf die 
Sprache des westfälischen Landvolkes schliessen zu wollen. 

Die einzigen Zeugnisse, welche über die älteste ravensbergische 
Volkssprache vorzuliegen scheinen, befinden sich in Weddigen's 
Westfälischem Magazin von 1784 — 1788. 

Jahrgang 1788 enthält ein kleines ravensbergisches Idiotikon 
von unbekannter Hand. Die Sprache desselben ist zwar der heutigen 
Mundart auf den ersten Blick recht unähnlich, allein einzelne Stellen 
ergeben deutlich, dass daran nur die verunglückte Orthographie des 
Verfassers Schuld ist und dass die damalige Mundart ganz die von 
heute gewesen ist. So schreibt der Verfasser das jetzige Wort 
häup=Haufen „haeupe". 

Jahrgang 1787 enthält S. 713 ff. plattdeutsche Notizen, in wel- 
chen sich heutiges äffe=so, wie als „osse", heutiges kribben, dat.= 



*) Besonders das anlautende j statt ch = got. g in jeot : geot (spr. cheot) 
= gut. 



Krippen als „kribben", äugen, augen=Angen als „äugen", wut== willst? 
als „wut*, bäum, bäum Baum als ..bäum-, staut steh als „stond-. 
Paider Peter als B Peiter° wiederfindet. Und im Jahrgange 1784 
S. 115 Bchreibt ein Pastor von Coelln in Oerlinghausen (in der Nähe 
des Aiiniiiiusdtiikiiialsi. dass dort _<lie Vokale fast immer wie 
Diphthonge ausgesprochen würden.- Nach ihm lautet a wie 
oe (soll heissen wie 8 und a /.. B. al — Aal, PI. äle), e wie ei (soll 
heissen, i ; i z. B. stein Stein), i wie ie (soll heissen entweder ie oder 
ii. ui, /.. B. sieben- sieben, blaiben=bleiben, o wie aeo (soll heissen 
äu. ä;i. z. B. räut=roth), U wie ui (soll heissen uü, z. B. luüt= 
Mädchen, uüsse Kröte i. 

In einer schwierigen und unklaren Stellung befinden sich die 
ostwestfälisehen Mundarten dem Altsächsischen gegenüber. Sie sollen 
sich als ein direkter Abkömmling desselben, insbesondere der Sprache 
des Heland ausweisen, sind jedoch, wenigstens nach der Seite der Yo- 
kalisation, ausser Stande dazu. Man darf aber wohl, bo lange nicht 
das Gegentheil nachgewiesen ist, annehmen, dass da> Altsächsische 
eine Sprache der Herren und Gebildeten gewesen ist, wie alle Schrift- 
sprachen und man hat daher nicht nöthig, den jedesmaligen neuost- 
westfälischen Vokal auf den entsprechenden altsächsischen zurückzu- 
entwickeln. 

§ 5. Das Niederdeutsche ist im Ravensbergischen bislang die 
alleinige Umgangssprache der Bauern, der Landarbeiter, sowie der 
ländlichen Handwerker und Fabrikarbeiter. Im kleinen Bürgerthume 
geschlossener Oerter dagegen geht neben dem Niederdeutsch bereits 
ein allerdings sehr bedenkliches Hochdeutsch her. Hochdeutsch spricht 
der Pastor, die Polizei, der Fabrikant, gewöhnlich der Lehrer, der 
Jude, (wenn er nicht Viehhändler ist) und der hier seltene Gutsbesit- 
zer. In den Städten dagegen spricht nur noch ein Theil der Hand- 
und Fabrikarbeiter Niederdeutsch. Die Dienstboten neigen bereits 
stark zum Hochdeutschen. 



Erstes Buch. 

Lautlehre. 

Erster Abschnitt. — Vokale. 

§ 6. Die ravensbergische Mundart besitzt 10 kurze Vokale: 
a, i, u, e, o, ä, ä, ä, ö, ü. 

6 tonlange Vokale: 
ä, T, ü, ä, ä, ü. 

9 lange Vokale: 

AAA'o Sft AA ^i 

a. i, u, a, a, a, e, o, o. 

Dazu gesellen sich diejenigen Vokale, welche durch nachfolgende 
halbvokalische Auflösung des uvalen r eine scheinbare Länge an- 
nehmen: 

är, Tr, ür, er, ör, är, är, är, ör, ür. 

16 zusammengesetzte Vokale: 
ai, äi oder äi, äu oder au, äü, iu, uü, ui, eo, .oe, ie, ia, ua, uo, üö, 
üa, üe. 

§ 7. Sowohl von den tonlangen und langen Vokalen als von 
den zusammengesetzten Lauten fristen einige ihr Dasein nur in Natur- 
lauten und Interjectionen oder in vereinzelten Wörtern. Die Zusam- 
mengesetzen Vokale sind entweder alte Diphothonge wie z. B. das ai, 
das au, äu und das iu oder solche Laute, denen in den älteren ger- 
manischen Dialekten kurze, seltener lange einfache Vokale entsprechen. 
Daraus erklärt sich der Vokalreichthum, durch welchen die westfä- 
lischen Mundarten sich gegen die niedersächsischen und östlichen aus- 
zeichnen. Woeste fand, dass in der Iserlohner Mundart die Vokale 
nicht weniger als 38 Prozent der Laute betragen. Für das Ravensber- 
gische dürfte die Annahme von 35 Prozent Vokale nicht zu hoch gehen. 
Die Behauptung Ptiimpelt's (§ 10 S. 50) „dass die niederdeutschen 
Sprachen im allgemeinen die Diphthonge nicht liebten", muss des- 
halb dahin berichtigt werden, dass die Sprache des halben Stamm- 
landes des sächsischen Volkes die Diphthonge kräftiger ausgebildet 
hat, als irgend ein anderer lebender germanischer Dialekt. 



I. Kurze Vokale. 

§ 9. Von den Grundvokalen a, i und u hat sich u ausnehmend 
häufig erhalten, aber alle drei beharren kräftiger, als sie das in den 
niedersächsischen Mundarten thun. Der verbreitetste Vokal ist e. 



() 



a. 



§ 



10. a stellt in einsilbigen Wörtern erstens vor derjenigen 
einfachen Konsonanz, welcher auch inlautend nach tonlangem oder 
zusammengesetztem Vokale ein einfacher Konsonant entspricht: 

at- ab, bat, n.=Bad, dach, m. Tag, fak, n. Fach, fan=von, 
gram gram, liahä! aha! ajas!=pfui, lani lahm. <jiiat=böse, man= 
aber, nur. smal=schmal, stat. f.=Stadt, tal, f.: Zahl, tan, m.=Zahn. 

In den st. Verbalformen: 
at=ass, befal=befahl, fergat=vergass, gras=graste, gaf=gab, las 
=las, Iach=lag, nam=nahm, plach=pflegte, quam kam. sat=sa>s. 
Btal=stahl, sach— sah. Bchach=geschah, trat=trat, was=was ; mach, 
kan, sal. 

Zweitens steht a vor derjenigen einlachen Konsonanz, welcher 
inlautend Verdoppelung entspricht: 

blak, n.— Tinte, bak, m.=Oberleib mit den Armen, afdak, n.=Iteuiise, 
ham, m.=Hamen, gat, n.=Loch, klam=feucht, klebrig, lak=schlaff, 
pat, m.=Pfad, plak, m.=Fleck, rap, Adv.=geschwinde, schap, n.= 
Schrank, wan=wann?, was. n —Wachs, was, m.=Wachsthum und in 
den st. Verbalformen ran=rann, span=spann, wan=gewann. 

In der Mitte des Wortes steht a: vor Konsonantenverdoppelung, 
sei es, dass dieselbe älter ist, sei es, dass sie blos dazu dient, die 
Kürze des a zu wahren: 

anne=darinnen, adderkiln, f.=Verbindungskette am Pfluge, bracke, 
f.=Kind (Schelte), drawweln=zögern, gnaggen=nagen, iagedasse, f.= 
Eidechse, klawwern=klettern, plagge, f.=Rasenstück, quaddern= 
schwatzen, ragge, f.=junges Schwein, rammen=aus freier Hand kau- 
fen, smadderich=schmierig, sabbeln=geifern, snacke, f.=l) Fliege, 
leichtsinniges Mädchen, 2) Peitsche, wacker=schöu, wabbelich=be- 
weglich, von Fleisch oder von Lehmboden. 

In den st. Verbalformen backen=backen, gebacken, fallen=fal- 
len, gefallen, badde=bat, wassen=waehsen. 

Vor mehrfacher Konsonanz: 
anken=ächzen, batse, f. u. m.=Hinterbacken, fast=fest, gnatsich= 
geizig, lasken=schlagen, mangel, f.— Kerngehäuse, nask, m.==Kästchen, 
pranüen=vollstopfen, quant— verkehrt, spalkern— zappeln, wanken= 
gehen. 

In den st. Verbalformen: 
dranch=drang, drank=trank, fangen=fangen, gefangen, hangen^ 
hangen, gehangen, klank=klang, slank=schlang, sprank=sprang, 
wasken=waschen. 

Nach Ausfall eines folgenden r hat sich a in folgenden Wörtern 
erhalten oder aus i. e entwickelt: 

bassen=bersten, dasken=dreschen, daspen,f.=Trespe.fast,n.=Dach- 
first, gasse, f.=Gerste. wäderkasse, f.=Kresse, kaniude, m.=Kamerad, 
(Seh.), kajeolen=schreien. kassen=taufen, kaspel, n.=Kirchspiel, kaf- 
ber, f.=wilde Kirsche, mask, £=Marschwiese, slassen, Pl.==Pantof- 
fel ohne Hacken, twas=quer. 



a erscheint verkürzt aus langem oder zusammengesetztem Vo- 
kale z. B. wal=wohl, kaspeln=Fangball spielen. 

a fiel in den letzten 50 Jahren aus in Wörtern wie duks=Ge- 
fängnis, dummer Junge, laks=Schlaps neben lackfis. Klöntrup „he 
sit in'n dukas" er sitzt im Gefängnis. Es ist dukäs zu lesen, ä 
verkürzte sich zu a und fiel dann aus. 

§ 11. i besteht in einsilbigen Wörtern erstens vor organisch- 
einfacher Konsonanz in den Bildesilben -ik, -lik, -tich, in mi=mir, 
mich, di=dir, dich, wi=wir, ji=ihr, wenn diese Pronomina unbetont 
sind; in ik— ik, sik=sich, it=es, is=ist. 

In den Imperativen st. Verben : 
gif!, fergit!, krich!, nim! 

Zweitens vor einem Konsonanten, der sich inlautend verdoppelt: 

pik, n.=Pech, rik, n.=Stange, sprik, n.=trockenes Zweiglein, tip, 

m.=:Spitze, tip, tik, m,=Berührung mit einer Spitze, twik, n.=Zweig. 

Nach Abfall des Endkonsonanten in he fergit=er vergisst, he 
lich=er liegt, he sit=er sitzt. 

Inlautend vor verdoppelter Konsonanz, sei es, dass sie durch 
Assimilation entstanden ist, sei es, dass sie zur Wahrung der Vokal- 
kürze dient: 

bissen— wild umherlaufen, biwwerken, n.=Heidelbeere, bricke=Brett- 
chen zum Aufwickeln, fuddika=pfui !, gissen=mutmassen, hissen^ 
hetzen. Ibbäin=Ilse Benediktine, jiwwelich=schwatzhaft, kimmen= 
kämmen, ferklicken=verachten, kiffe, f.=baufällige Hütte, kinnen=ken- 
nen, licken— lecken, nibbeln=benagen, mit Schnabel oder Zahn, pickert, 
m.=Kartoffelkuchen, ribbet, n.=altes Weib (Seh.), siffen=zischen, 
daher silTemänken, m.=Sprühteufel der Kinder, stippen:=tröpfeln, ein- 
tauchen, slickup,m.^Schluksen,slickern=naschen,smicken=schmecken, 
sippe-sappe, f.=alberner Mensch, (Seh.) snigge, f.=Schnecke, sticke, f. 
=Schwefelhölzchen, smicke, swicke=Gerte, sckrinnen=beissen, von 
Wunden, tippen=berühren, wisse=gewiss, wibben=wippen, wicken= 
vorhersagen. 

In den st. Verbalformen: 
bidden, liggen, sidden, ik ligge, wi ligget u. s. f. 

Vor mehrfacher Konsonanz sehr häufig: 
fitken, n.=etwas, himp-hamp, m. =Hindernis, hingest, m.=Hengst, 
ichtens=irgend, minske, m.=Mensch, pinken=baumeln, richte, f,= 
der gerade Weg, schilwer, m.=Schorf, wifber, f. = Weichselkirsche, 
wispeltüete, Pl.=Wirbelwind, Possen, Mistel. 

In den st. Verbalformen : 
drinken=trinken, krimpen=krimpen, wringen=drehen u. s. f. 

Vor auslautenden Konsonantenverbindungen: 
drift, f.=Heerde, imt, n.=:Frühstück, kritsk=energisch, lebhaft, risk 
^aufgerichtet, sint=seit, wisk, f.=Wiese. 

In den st. Verbalformen: 
nims, gink, gifs, he bint, fint, gilt, fergit u. s. f. 

Verkürzung eines älteren i zeigen : 



sik billigen— sich verheirathen, hilge, m, der Heilige, nin— kein, 
tigge flügge, wit weiss und von st. Verbalformen die 2. und 3. 
Präs. Sing, der fünften Ablautreihe mit Ausnahme von duijjen- . 
deihen, deihen. Also blifl bleibt, aber be duijjet. 

i=u in Bchatiljer Schreiner (frz.). 

i kann ausfallen in den Adjektiven auf ich und in den Substan- 
tiven auf ik. khiteiYh zerlumpt, tipk. m. Spitze. — 

Ein auslautendes i findet sich in ranti-kanti— bis auf Kund und Kante. 

u. 

§ 12. Vor auslautender einlacher Konsonanz erhält sich u 
in dem Präfix — un, der Präpos. up= auf und je nach der Betonung 
mit in wechselnd in du=du. nu=nun; bisweilen gut-- gut. 

Ferner in: 
but=grob. unreif, buk, m.=Bock, ellenbut, m.=Iltis, dul=toll. füll 
=voll, viel, nnk, m.=Stoss, Zucken. 

Vor verdoppeltem Konsonannten: 
huddel.ni.. plattes Glas, buffeln=wühlen, anbucken=sich anlehnen, 
druffel, m Heerde, Menge, duiXeln=duseln, fuffel, m.=Fusel, fudden pl. 
=Lumpen, Ramsch, grummet, f.=Grummet, grummeln=fernher don- 
nern, hudderich=zum Verbergen kalt, hufl*en=lant bellen, kuJTelich= 
unsauber, kudde, f.=cunnus. knudde, £=Flachsknoten, knuffeln=zu- 
Bammendrücken,lu8sen,m.=Begierde, Lust. nunne,f.=Nonne, prudderich 
=sudelig. plussich=:gedunsen, prussen=niesen, puffelich=voll und 
rund, rudder, n.=Pflugsteuer, rulle, f.=Rolle, sunne, f.=Sonne, schum- 
mern=dämmern. 

Von st. Verbalformen in den Part. Prät. der 1. Ablautreihe, 
wie spuunen=gesponnen u. s. f. 

Vor Konsonant en Verbindungen: 
bunkern pl.=grosse Steine, buksen=stehlen, bulthäup, ni.=Erdhau- 
fen mit Kartoffeln oder ßüben gefüllt. dumpen=ersticken, hulbern= 
weinen, ulmerich— faul, uchte, f.=Frühgottesdienst, fermukt !, ein 
Fluch. 

Von st. Verbalformen: krumpen, sungen u. s. f. 

Am Schluss : 
buts=sofort, duls, m.=Beule, buebt, f.=Strauch, bupk, m.=Wiede- 
bopf. kump, m.=Trog, lucbt=links, lust, f.=Strauss, rutk, m.= 
Runde, räudige Katze, slump, m.= glücklicher Zufall. 

Verkürzt aus iu, ü: bedudde=bedeutete, budde=: versteckte. 
ludde=läutete, lustern=lauscben, ruutken— raunen, kosen. 

Durch Uebergänge entsteht u in: 
wult=will8t, kum=komm ! krump=krimpte. 



§ 13. e stellt zunächst als betonter Vokal, meist gleich älterem 
i oder a. Sein Laut ist dann ganz gleich dem französischen e und 
dem englischen e in head. 



Es steht vor einfachem Konsonanten in den einsilbigen Wörtern: 
et=es, en=ihn, em=ihm, en=und, in äin en twintich, bet=bis, 
wiederum. 

Vor auslautend vereinfachter Konsonanz: 
den=von dannen, her; let, n.=Deckel, Klappe, met, n.=Fleisch, 
met=mit, mes, m.=Mist, schrel=scharf, stref=straff, stel, m.=Stiel, 
schep, n.=Schiff, blanksmet=Goldkäfer. 
In mehrsilbigen Wörtern: 
denne=her, weg,fedder, m.=Onkel, Vetter, eller=älter, eller, f.=Erle, 
hedde=hätte, hewwen, pl.=Wolken, hegge, f.=Feld- und Wald- 
Lisiere aus Gebüsch bestehend, kellen=vor Frost schmerzen, ledder 
f.=Leiter, krekke, f.=hölzerner Riegel, sik ledden=verziehen, blesse. 
f.=weisser Stirnfleck, die Stirn, leggen=legen, seggen=sagen. 
In st. Verbalformen, besonders vor 1 und m: 
glemmen, quellen, ferschrecken, swellen, swemmen, trecken, sowie auch 
im ganzen Präsens derselben Wörter. 

Vor Konsonantenverbindungen, in- und auslautend: 
enkel, n.— Fussknöchel, gelstrich=spröde, keltern=.prasseln, pelten, 
m.=Fetzen, splentern=aufspritzen, weltern=wälzen. 

belt, n.=Bild, Esk, m =einst gemeinsames Feld oder Wiese, 
af ent an=ab und zu, gest, m.=Hefe, lecht=reif von Nüssen, petse, 
f.=Dirne. 

In den st. Verbalformen: 
smelten, schenken, se sent=sie sind. 

Auf Verkürzung beruht e in: 
bredde, f.=Breite, he bredde iut=er breitete aus, iutbred , t=ausge- 
breitet, denst, m.=L)ieiist, depte, f.=Tiefe, lecht, n.=Licht, spredde 
— rspriezte. 

In den ehemals reduplizirten Prät. : 
feil, feilen; fenk, fengen; henk, hengen; genk, gengen, 

in he het=er heisst, diu hes=du heissest, dunnerjetken!=ein 
Fluch, paderb., de joeten=die alten Weiber? 

§ 14. Das tonlose e, die Schwächung irgend eines der Vokale, 
ist weit häufiger als in den niedersächsischen und östlichen Mund- 
arten und selbst als im Hochdeutschen. Nicht allein in Dekli- 
nation und Konjugation wahrt das Ravensbergische das auslautende e, 
sondern auch in einer weit grösseren Zahl von Adjektiven, in Super- 
lativen und in anderen Fällen. Auch irrationale e sind häufiger. 
Beispiele sind: 

struade, f.=Kehle, scheppe, dat.=dem Schiffe, suige=niedrig, späihe 
—lauernd, swuie=stark, sehr, däude=todt, uile=eitel, nur, äwe=ab, 
Adv., äffe=sowie, mne=zu Hause, iude=aus, Adv., däranne=daran, 
ik knia-e=ich knete, he anferde=er antwortete, uppe, adv.=auf. 

In Superlativen ist die Erhaltung des e nothwendig nach mehr- 
facher Konsonanz: 

sülwest=selbst, lütkeste=kleinste, aber auch laigeste=schlimmste 
neben laig'ste, manges aus mangesten=oft. Ein irrationales e ist der 



10 

1. u. 3. ämgoL I'riit. angefügt in: badde— bat, bosse=barst, häide= 
hicss. wuoskc=\vusch, wuosse— wuchs. 

In Fremdwörtern wie hd. „neutral" schiebt der Konsonanten- 
anbäofungen hassende Dialekt ein e ein: nedderal— neutral. 

Das -er in unbetonten Silben ist selbstverständlich=ar, engl.=er, 
z. B. buisoekern=einschineiehelnd, buikuomern=einnehinend. 

Bei raschem Sprechen fällt das auslautende tonlose e zuweilen 
ab: o luü, luü=o weh! (eig. Leute, Leute!) 

Das tonlose e in der Deklination und Konjugation wird stumm 
in der Endung -en. Hierbei verwandelt sich das n der Endsilbe ben, 
pen in eine Art nasales m, das n der Endung „den" in ein nasales n, 
„gen a ist=g'n. bluiben=bleiben, buiden=beissen, laigen=lagen. Es 
erscheint nicht notwendig das Verstummen des e durch die Schrift 
zu bezeichnen. 

Ein stilles e ist das Endungs-e der 3. Sing. Präs. bei Verben 
auf d oder t zu nennen: 

he swaid't=er schwitzt, he red't=;er rettet, he sed't=er sezt, neben 
den volleren Formen wie he swaidet. 

e hält sich in he biddet=er bittet gegen he bit=er beisst. — 

In Bezug auf den Ausfall der inlautenden tonlosen e ist zu 
bemerken, dass derselbe stets möglich aber nicht immer nothwendig 
ist. Beispiele sind lengede und lengde, f.=Länge. niegede. niegde= 
neunte, füwede, fuiwde=fünfte. 

Ungewöhnlich ist er in den schw. Prät. He huapede=hoffte ne- 
ben huape, blojjedde=blühte neben blojje, nie blojde. 

Notwendig ist er beispielsweise in hauchte, f.=Höhe, ringsen, 
pl.=Wagenleitern. Noch vor 80 Jahren schrieb Weddigen's Archiv : 
ringesen. 



§ 15. Kurzes o, meist gleich altem u, steht in einsilbigen 
Wörtern vor einem einfachen Konsonanten z. B. of=ob, oder, not= 
Nuss. 

Vor nur auslautend einfachem Konsonanten: 
achterfot, f.=Hintern, dop, m.=Schale, Kuppel, hop, m. =Höcker, trop, 
m.=Trupp. top, m.=\Vipfel, Zopf. 

Inlautend vor Gemination: doste=wagte, dobbel. m.=Wiir- 
fel, donne=gespannt, fotse, f.=Dirne (Seh.), pogge, f.=:Frosch, tocken 
=locken. 

Von st. Verbalformen in den Part.: 
bossen=geborsten, glommen, quollen, swollen, swommen, ferschrocken, 
trocken=gezogen. Formen, welche bisweilen auch noch als Prät. Plur. 
vorkommen. — 

Vor mehrfacher Konsonanz in- und auslautend: 
bolse, m.=Kater, bost, f.— Brust, kolk, m.=:Wasserloch, Strudel. 

St. Verbalformen: 



11 

dosken=gedroschen, fochten, Loipen, molken, smolten, schonken= 
geschenkt, stont=stand. 

Kurzes o beruht auf Vokalverkürzung in: 

bodde=herzte, flodde=flötete, folde— fühlte, flokde^fluchte, hodde= 
hütete, modde=begegnete, ofde=uekte, betrog, sochte=suchte, spokde 
=spukte, spodde sik=beeilte sich, tofde=wartete und in dem Part. 
bot=geheizt u. s. f. 

he mot=cr muss, he moste=musste, hobben=hauen, wiarlocken= 
wetterleuchten. 

o entspricht altem a in den st. Verbalformen: bosse=barst, 
dosk=drasch, focht, flocht, molk, smolt, schonk, swol, swom, trog 
=zog. 

ä. 

§ 16. a entspricht meist älterem a. Es findet sich: 

In einsilbigen Wörtern: 
där=dahin. deren, gras. n.==Gras, gräs!=grase!, jäk, n.=Figur am 
Giebel, män=nur, aber, wän?=wen?, wär?=wer?, trat, m.=Tritt, 
wän=wenn. 

Inlautend Vor Doppelkonsonanz: 
äcker, f =Eichel, häbben=haben, lämmel, m.=Messer ohne Griff 
späckern=:scheuchen, wäller. pl.= Wälder. 

Vor Konsonanntenverbindungen in- und auslautend : 
äkse, f.=Axt, afäkstern=abhetzen. bälter. m.=Knittel, junger Bäum, 
bäfken, n.=Halsbinde mit Zipfel bei den Predigern, dächt, m.=Docht, 
fäntken, m.=Fant (Seh.), faste, adv.=stark, mälk, de lucht es mälk 
=es steht Regen bevor, näpse, pl.:=Possen, rängstern=umherschwei- 
fen, (engl, to ränge), rätsen=scbimpfen, (engl, to rate). tänger= 
schnell, tälge, f,=junger Baum. 

In den st. Verbalformen : 
gräfs=gräbst, drägs, fäls, wäs=wächst, wäskes=wäschest, sowie in 
der 3. Sing. Präs. derselben Wörter. 

Dagegen he mält,=er mahlt, he läet=er ladet. 

Bisweilen «ist ä=älterem i. So abweichend vom hochdeutschen 
in den st. Verbalformen : 

hälpen=helfen nebst ik hälpe u. s. f., dann in der 2. und 3. Sing. 
Präs. in äts=issest, bräks=brichst, dräps=triffst, befäls=befiehlst,- 
ferhäls=verhehlst, mäts=missest, stäls=stiehlst, spräks=sprichst, 
träts=trittst, bewägs-bewegst, was— wirst. Dagegen du fergits=du 
vergissest, so dass ä in den angegebenen Formen doch wohl auf ein 
älteres a hinzeigen könnte. Bemerkenswerth ist noch: älwer, f.= 
Erdbeere, läcker=wohlschmeckend, wach, m.=Weg. 

ä. 

§ 17. Kurzes ä ist sowohl Verdunkelung eines a als auch her- 
vorgegangen aus o=altem a. Es ist im Ravensbergischen bereits 
weit häufiger als in den südlicheren westfälischen Mundarten. 



12 

ä=altem u: 

Im Auslaute organisch einfacher Konsonanz: 
graf— grob, hat, in. — Hof. hal=hohl. hal. u. -Loch, intäch, m.=Quer- 
riegel. kAl, m.=:Kohle, stäf, m.=Staub, träch, m.=Trog, wä?=woV, 
wi» i?, w&l=wohl. 

Vor einfacher Konsonanz, der inlautend bei Wahrung der Kürze 
Verdoppelung entspricht: 

(iat Gott, käk. m.=Koch, kätsiige. f.=ein Spiel der Kinder, 
läk, n.=Loch, mäs, n.=M00S, rät-uis, Q.=Hohleis, slät, n.=Schl' 
poggenschät. n.— Froschlaich, räukschät, m.=Rauchfang, diubenschät, 
n.=Taubenkasten. 

Inlautend findet sich ä=älterm o seltener. 

Vor Doppelkonsonanz in dem Dat. Sing, der obigen Wörter, wie 
lacke, sladde, schadde. 

Vor Konsonanten Verbindungen: 
prätsich==hochfahrend, klauten. pl.=Lumpen, paus, m.=Bauch, 
smätk, m.^^pausbackiges Kind, bewächt=bewegt. 

a=älterm a: 
äl=schon, &wwer=aber, ach I=Interj. des Verdrusses, aller, n.=Al- 
ter, pras, m.=Brei, sält, n.=Salz. 

In den Imperativen gänk!=geh!, staut !=steh! 

Bisweilen entspricht dem ä ein altes au : dach=doch, dägder, 
dächter, f.=Tochter. 

Ferner in den Prät. Sing, und gewöhnlich auch Plur. der Ver- 
ben auf äü, äu, welche in jenen Formen Vokalkürzung erleiden : 

bächte=beugte, dächte=taugte, drätnde=träumte, käfte=kaufte, 
klafde=spaltete, läfde=glaubte, rächde=rührte, smäkde=rauchte. 
Ebenso die Part. bächt=gebeugt u. s. f. Dazu se städden=sie sties- 
sen, stät=gestossen. 

Verkürzt aus ä, in lat !=lass ! 



§ 18. Kurzes ä, der Umlaut von a ist nicht sehr häutig: Es 
findet sich 1. im Plural von Substantiven mit ä, vor Doppelkonsonanz: 
käcke=Köche, slädder=Schlosser. 

2. in der 2. und 3. Sing. Präs. und zuweilen im Prät. Plur. 
aller Verben, welche in der 1. Sing. Präs. den Stammvokal auf äü, 
äu haben, sowie auch von einst reduplizirenden mit dem Vokal ä und 
äu, äü z. B. bägs=biegst, dräms=träumst, bräts=brätst, häls=hältst, 
läps=läufst, rats=räthst, stäts=stössest, släps=schläfst, bläs=blä- 
sest, läts=lässest und ebenso he bächt=er biegt u. s. f. 

Bisweilen wi rächten=wir regten u. s. f. 

Andere Beispiele in denen ä altem au entspricht sind : 
äller=:älter, däf=taub, grädder=grösser, grädde, f,— Grösse, läslik= 
löslich, stäf, n. u. m.=das Stau, täf=zähe. 

An der Nordostgrenze des Gebietes vermeidet man das ä mög- 
lichst, indem man äü beibehält. Man hört läüker=Löcher, gräüde, f.= 



13 

Grösse. Es scheint fast, als ob einst das ä überall, das ä wenigstens 
häutig au gewesen wäre. Wie man noch überall maus, n.=Moos und 
äuwer=aber sagen kann, so könnte beispielsweise auch Gät=Gott 
einst Gäut. Gaut gelautet haben. 

ö 

§ 19. ö, Umlaut von o, steht, wie überall im ndd., in Flexion 
und Wortbildung auch ohne Einfluss eines i. 

bössen— bürsten, dösse=dieser, föddern=fordern, köpken, n.=Tasse, 
köstken, f.=Kruste, köllen, f.=schwarzer Stirnfleck bei Kühen, nöch- 
tern, 1) n.=Frühstück aus Mehl und Milch (zu uchte), 2) =nüchtern, 
göpse, f.=hohle Hand. 

Ferner in den als Prät. Plur. dienenden Optativ-Formen, wech- 
selnd mit o, i: 

bössen=barsten, dösken=draschen, föllen=:tielen, hölpen, mölken, 
swömmen. 

Manchmal auch in den synkopirten und dadurch kurzvokalisch 
gewordenen Formen der Flexion. So: röps=rufst, he röpt, söchs= 
suchst, he söcht. 

ü 

§ 20. ü ist gewöhnlich Umlaut zu u. 

In einsilbigen Wörtern erscheint es vor auslautend verein- 
fachtem Konsonanten : 

küp, m.=Ueberbau, nük, n.=Schlinge, prüt=böse, püt, m.=Ziehbrun- 
nen, snüs, m.=Schnauze, schüt, n.=Schutzbrett. snüf=kalt, süs=sonst, 
tüs! Interj.=pst! 

. Vor mehrfacher Konsonanz : 
küls, m.=Schädel, lüns, m.=Lünznagel, mülm, m.=Staub. 

Inlautend vor verstärkter Konsonanz: 
drübben, rn.=Tropfen, günnen=gönnen, mümmeln=mühsam kauen, 
nüdde=sehr, nücke, Pl.=Schlingen, Tücke, südde, f.=Lauge. 

schüllich=schuldig, snüssel, m.=Rüssel, ümme=um, wüsse=wüsste. 

Vor Konsonantenverbindungen : 
bütken, n.=Kalb, dem die Hörner ausbrechen, dünje, f.=Schläfe, 
hünkelbäin. n. ^Kerngehäuse, pülsken=plätschern, rüsk, n.=Binse, 
stünsken=Fässchen, tülken=mingere, betünteln=verwirren, betriegen, 
tünteln=zaudem. 

Als Optativformen sind anzusehen die Prät. Plur. der 1. Reihe: 
drünken=tranken, drüngen=drangen, krümpen=krimpten, spünnen— 
spannen, stünnen=standen, sprüngen=sprangen, süngen=sangen (ne- 
ben sungen), wünnen=gewannen. 

Auch in der 2. Sing. Prät. sind die Optativformen sünges, spün- 
nes u. s. f. gewöhnlich. Ebenso findet sich ü im Konjunktiv des 
Präteritums derselben Verben: 

stünne=stände, sünge=sänge u. s. f. Dazu noch hülpe=hülfe. 



u 

Oft beruht ü auf Verkürzung von altem iu, ü. So entsteht 
in der ganzen f>. Ablautreihe in den Bynkopirten Formen der 2. n. 
Sing. Präs., entsprechend alten iu, ü ein ü /. B. siuge=sauge, süchs 
=saugst. 

Hiervon sind nicht ausgenommen die, welche in den übrigen 
Formen des Präs. äi==mnd. e haben: laige=lüge, lüchs=lügst; fraise 
=friere, firüst=friert u. s. f. Eine Ausnahm»* macht t&ihe=ziehe, 
tuüs=ziehst, tuüt=zieht. Aehnlich front, m.=Ereund, lachten: leuch- 
ten, brüggem, m.=Bräutigam, glümkeholt, n.=leuchtendes faules Holz. 

§ 21. Durch Trübung aus altem i entsteht ü in drüdde= 
dritte, düsse, düt=dieser, dieses, füfde=fünfte, uiskückel m.=Eis- 
zapfen, sik rüppeln=sich beeilen, sülwer, n.— Silber, Bülwen=selbst 
twüntich=20, sünte=sankt. 

Von st. Verbalformen gehören hierher : 
güls=giltst, schüls=schiltst, gült, schult, ferner hünk=hing, hüngen 
=hingen, güngen=gingen. 

Hieran schliessen sich die Fälle, in denen ein u, w auf die Ent- 
stehung des ii von EinHuss gewesen ist. Es verdunkelt sich i zu ü 
in küms=kommst, kümt=kommt, sül, m.=Schwelle, süster, f.=Schwe- 
ster, tüsken=zwischen, woran sich Wörter reihen wie sik griiwwen= 
sich grauen lassen, knüwwel, n.=Knäuel, schüwwen=scheuen. triiw- 
wen=trauen. 



II. Tonlange Vokale. 



§ 22. Während die westfälischen Mundarten und besonders die 
südöstlichen im allgemeinen statt der tonlangen Vokale der nördlichen 
und östlichen Mundarten die Diphthongirung der ursprünglichen Kürze 
eintreten lassen, ist es karakteristisch für den ravensbergischen Dia- 
lekt, dass er neben der ihm gesetzlich zukommenden Diphthongirung 
bereits die Tondehnung des Stammvokals in einer ansehnlichen Zahl 
von Wortern aufzeigt. 

Alle diese Tondehnungen hat er gemeinsam mit der osnabrücki- 
schen, manche auch mit der münsterischen Mundart. Dagegen neh- 
men nach Südosten die gebrochenen Laute rasch zu. 

ä. 

§ 23. Das tonlange ä hat ungefähr folgenden Bestand: 
änt, f. u. n.=Ente. dal, n.=Hofthor, däl=hernieder, fäl=fahl, hfifk, 
m.=Habicht, käl=kahl, säl, m.=Saal. 

In der 2. u. 3. Sing. Präs., im Plural Präs. und im Partiz. Präs. 
von betälen=bezahlen, hälen: hält=holt, malen: inält=inalt, mäken : 
mäkt=macht; wäken: wäkt=wacht u. s. f. 



15 

In der Stammsilbe mehrsilbiger Wörter: 
dä-äne=^darin (Hüllhorst), äwel=unwohl, eklig, äwe=ab Adv., bläge, 
f.=Kind, bräke, m.=Arm einer Staude, Schlagholz, bade, f.=Vortheil, 
Hilfe, bäen=baden, bräken=brach liegen, bräken, dräke, m.=Ente- 
rich, fläwe, f.=Flöte aus Weidenbast, fäfelswuin, n.=Zuchtschwein, 
fäer, m.=Yater, grüben, in.=Graben, hänich. m.=Honig, hämer, m. 
=Hammer, hälen=holen, häfe, m.=Hase, häne, m.=Hahn, jänen 
=gähnen, gaffen, kläderich=zerlumpt, klage, f.=Klage, läde=spät, 
läken, n.=Lachen, läke, f.=Lauge, mäget, f.=Magd, mäken=machen, 
mänen=mahnen, mägen, m.=Magen, näket=nakt, näme, m.=Name. 
prätken=schwatzen. (engl, to prate), quäken=Wacholder, quäfen= 
schwatzen, räwe, m.=Rabe, räken=schüren, säke=Sache, sädel=Sat- 
tel, sehäpen— schaffen, stäken, m.=Holz-Stange, säge, f.r=Säge, släge, 
f.=hölz. Klöpfel, snäbel, m.=Schnabel, stäpel, m.=Rumpf eines Hau- 
ses, stäle, m.=Stuhlbein, stälenbeok, n.=Probenbuch, schäen=schaden, 
sänken=salbadern, säpen=salbadern, täder, m.=Zigeuner, fertäget 
met=eng befreundet mit, wäder, n.=W r asser, wägen=gehen, knäi- 
wäge, f.=Kniegelenk, wäwer, m.=Gespenst, wäwern=spuken, dazu 
ä! Interj. des Erstaunens, sälalä neben sälalä— so ziemlich. 

Ferner in st. Verbalformen und zwar in dem Inf., dem Präs. 
und dem Part, von gräfen=grasen, mälen=mahlen, läen=laden, jagen 
=jagen, gräben=graben, ferner in slägen=geschlagen. So auch in 
der Flexion der einsilbigen mit Tonlänge: 

fan däge=heute. dän häfke=dem Habichte, fäken=oft, de käle= 
der Kahle. 

Aber auch, wenn im einsilbigen Nominativ die Kürze gewahrt 
ist: 

täl: tälen=Zahlen, sal, m.=Blätter getrockneten Klees: sälen, gehört 
hierher, wenn man das Wort zu ahd. salo=dunkelfarbig zieht. Der 
Sing auch säl. 



§ 24. Die Dehnung des kurzen i zu T ist nicht selten. Sie be- 
wahrt der Sprache eine Anzahl alter i. Das folgende I wird aber an 
der Ost- und Südgrenze des Gebiets bereits sehr oft vermittelst ie 
vermieden, während der osnabrücker Dialekt zahlreichere T aufweist. 
blwen=beben, bIwerken, Pl.=Bickbeeren, dlgel, m.=Tiegel, togIwe= 
geschenkt, zur Gabe, Flke=Sophie, glwel, m.=Giebel, grTwelink, m. 
=Dachs (selten), hlger, m.=Heher, knlwich=muskulös, knlwel, m.= 
Knebel, kTwit, m.=:Kiebitz, klTwe, f.=Klette, kllben=kleben, krlgel= 
munter, krlf't, m =Krebs, llwen=leben, mlfe=übel, heikel, nlwel, m. 
=Nebel, pTgel, m.=pegel, plken=mit einer Spitze prickeln, rlgel, in. 
=Riegel, Querbalken, sllgen, f.=Schlitten, schTwe, Pl.=Flachssplitter, 
slge, f.=Ziege, sTrup, m.=Sirop, sTfen=zischen, tlwe, f.=Hündin, 
wlwel, m.=Käfer. 



10 

Ferner in zahlreichen st. Verbalformen. So hat die Mehrzahl 
der Verben der •"•. Ablautreihe die Tondehnung T im Prät. Plur.. der 
2. Sing. Prät., dem Optativ Prät. und im Part. Prät. 
bllben=blieben. bll\ves=bliebst, blTwe bliebe, bllben= geblieben, 
Ebenso drlben. stTgen, schrTben. BwTgen, wrtben u. s. f. 

Wenn bei den Verben dieser Klasse in den betreffenden Formen 
der Endkonsonant des Stammes, das d, ausfällt, so ist es die Dehnung 
des T, wodurch sich das entstandene Ten. les, Te von der Brechung 
ie=älterem i unterscheidet: sc dien— sie gediehen, dTen=gediehen, 
lTen=litten, rTen— ritten , strTen=schiitteu , snlen=schnitten, smlen 
=schmissen, schTen=schieden, spllen=zersplissen u. s. f. 

muien:=meiden hat die Tondehnung nur im Part. mTen. gTben = 
geben nur im Infinitiv, in der 1. Sing, und im Plur. des Präs. glwe, 
wi glwet. — 

Tonlang ist auch das mit i wechselnde T folgender Lockrufe: 
wlp, für Enten, mTs ! für Katzen, ftk! für Schweine, rix! für Gänse, 
nTp! nTp! für Enten. 

ü 

§ 25. Tonlanges ü ist nicht häutig, wiewohl die wenigen Bei- 
spiele sich fast auf dem ganzen Rav. Gebiete vorfinden: 

fügel, m.=Vogel, kügel, f.=Kugel und wohl auch süge, f.=Sau. Dazu 
triten=blasen ins Hörn, sü, sü! Wiegenruf, ü! Interj. der Entrüstung 
und Furcht. 

a 

§ 26. Ein ä, entsprechend einer älteren Kürze, findet sieh in 

den fremden Wörtern: 

päder, m.=Pater, Priester, päderwälsk=:kauderwälseh. paskäich, n.= 

Osterei, pläster, n.=Pflaster, plage, f.=Plage, präs, m.=Abschnitt beim 

Läuten, räch, räge=selten, soldäde, m.=Soldat, silat, m.=Salat, 

sträde, f.^Strasse, endlich säderdach, m.=Sonnabend, wenn es als 

Saturni dies zu fassen ist. 

i 
a 

Unter ä könnte man päsken=Ostern zu päsk erwähnen. So in 
dem Palmsonntagsreime der Kinder: 

Palm', palm" päsken! 
Schafen rufen die Kinder ein mä! zu. 

ö 
>$ 27. ö existirt nur in Fremdwörtern, wie gepöbel, n.=Pöbel. 

ü 

§ 28. Tonlanges ü findet sich nicht überall auf unserm Gebiete. 
Der nordöstlichste Theil ersetzt es durch üe. Wo es aber auftritt, 
ist es häufiger als ü: bügel, m.=Bügel, dügede=taugend. tugendhaft, 



17 

undfiget=unnütz, ftigel, Pl.=Vögel, hflvel, m.= l) Hügel, 2) Hobel, 
lügen, f.=Lüge, tügel, m.=Zügel und drüge=trocken. 

Ferner jedoch mit üe überall wechselnd, in den Präter. Plur. 
flügen=flogen, schüben=:schoben, sügen=sogen, tügenn=zogen. Nach 
Verdunkelung aus i in füwede=fünfte. 



III. Lange Vokale. 

A 

a 

§ 29. a entsprechend älterem ä kommt einzig in mesfäl, m. neben 
mesfal-— Mistfal vor. Dagegen entsteht ein ä bei Konsonantenausfall, 
äl, m.:=Jauche, äk, m.=Fingergeschwür, bämöer=Wehemutter, fäm, 
m.=Faden, häboeken, f.=Hagebuche, mäljäirch=gerichtsj ährig, räl, m. 
— Kornradeu, wäl, f.=Mondwechsel. 



§ 30. Langes i für ui kömmt im nördlichen Theile des Ge- 
bietes nur ganz vereinzelt vor. wip, m.=Strohwisch, pipen=piepen, 
dich, m.=Gedeihen und vielleicht iken=aichen. 

Südlich um Bielefeld herum dagegen tritt an die Stelle des 
nördlichen ui=älterem i ein i, welches aber durch ein vorgeschlage- 
nes, fast unerkennbares ü einen eigenthümlichen Ton bekommt, welchen 
man z. B. bei Engländern aus Westengland in me, we hören kann, like 
=grade, rik=reich u. s. f. 

Durch die ganze Grafschaft dagegen geht das i, durch Kontrak- 
tion nach Konsonantenausfall entstanden: 

dich=gedeihend, lich=leer, mik, m.=Regen\vurm, pik, m.=das 
Mark, tich=flügge, wik, m.=Enterich. 

A 

u 

§ 31. Langes ü, beruhend auf alter Länge, kommt im nörd- 
lichen Theile des Gebietes überhaupt nicht vor. Im Kreise Bielefeld 
erscheint dagegen ein ü überall an der Stelle von iü. büten=draus- 
sen, snüde, f.=Schnauze. Nur ist der Ton dieses ü wieder ein an- 
derer, als der des nhd. ü. Es ist, als ob vor dem ü ein Spiritus 
asper gehört würde, z. B. bhüten=draussen. 

8 

a 

§ 32. Weit häufiger als langes ä ist ä. Ihm entspricht aber 
gegen die Kreise Minden und Lübbeke hin, wie im Osnabrückischen 
bei Klöntrup und Lyra, ein äu, au ; die Stadt Münster hat hier ao. 

Das lange a ist=einer altern Länge, einem ä, got. e, as. ä, 
ags. ae, in : 

ämes, f.=Mittagsessen, al, m.=Aal, ämern, pl.=Funken, äwent, m. 

Jeüinghaus, Grammatik. 2 



18 

=Abend, Ine ohne, ;i<l<r. f. Ader, äs, n.=Aas (Seh.), bräen, m.= 
Braten, bäinbrän, f. :Wade, br&k, adj.==brach, bram, m. Geister, grälen 
=rollen, von Donner und Peitschenknall, kläwer, m. Klee, kram, 

in. Kram. lat. n. Gefäss, ferläden=albern, made, 1'- Mass. mäne, 

f.=Mond, mal. n. Mal. näwer, m. Nachbar, n.it. f.: Naht. nadel, 

f.=Nadel, pralen: prahlen, quäl: schwül, rät, m.=Rath, ral'en. rasen, 
Bchäp, n. Schat'. Bnät, f. :Grenze, Bat, f. Saat. Bpräke, f.— .Sprache. 
Bwäger, m.=Schwager, schräen gerinnen, schrät quer, wäge, f.== 
die Wage, wäne wüthend, wägen=wagen. 

In den st. Verbälformen : 
bläfen, fragen, Läden, Bläpen, sowie in den gleichlautenden Part, 
derselben Verben und in <1<t I. Sing, und im Plur. Präs. bläfe, bläfet 
u. s. f., fragen, Part, fraget. 

lauen besonderen Platz verdienen : awuisieh— albern, ädräügich 
==langweilig, äluiwich=hungrig, hämerken, n. Hummel, in welchem 
wenigstens theilweise Ausfall von r vorliegt. 

a bestellt ferner bei Konsonantenausfall in: am, m.— Athem. am, 
m.=Aehrenspitze. 

Fremden Ursprungs verdächtig sind: gräf, m.=Graf, stäl, m. 
=Stahl. 9 

& B 

§ 33. Langes ä, als Umlaut zu ä erscheint im Kreise Herford 
und Halle : 

äle^=Aale, äfe=Aase (Seh.), mäneken, n.=Mönchen, räsken=schreien, 
vom Kuckuk, (mnd. bräschen vom Esel,) schäpken, n.=Schäfchen, 
spane, Pl.=Späne, päle=Pfahle. 

In den übrigen Theilen der Grafschaft steht dafür meist äü. 



f. 
a 



§ 34. Langes fi bleibt ein fremdartiger Laut. In den Wörtern, 
die allenfalls hierher zu ziehen wären, ist nirgends mit Sicherheit 
altes ä oder e nachzuweisen, oder dieselben sind fremden Ursprungs 
verdächtig. Das wichtigste Beispiel ist nifife, f.=l) auus, 2) Baum- 
narbe. Da das Wort gegen Lübbeke hin maife lautet, so kann es 
nicht ahd. ars=anus sein. Wenigstens wäre ein solches Vergessen 
eines alten r von ars zu ais für unsere Mundart unerhört. — gäsk, 
m.=aegop. podagr. nebst wädergfisk, m.; schraken=kreischen. frfich 
=frisch. 

fi 
§ 35. Langes fi fehlt. 

Langes e fehlt, efa, m.=Epheu, lambet:=krank sind fremd. 



19 



Langes 6 fehlt. Fälschlich hört man öne— ohne für äne, äune. 



Es findet sieh mit einem langen ö fögesman, m.=Eheunter- 
händler. — 

är, Tr u. s. f. 

§ 3ß. Eine eigentümliche Länge ist diejenige, welche vor einem, 
vor Konsonanten, tonlosem und stummen e und am Ende halbvoka- 
lisch aufgelösten r den Vokal der Stammsilbe ergreift. Das r hat 
dabei ganz die Geltung des englischen r in hard. 

An der Nordostgrenze, sowie auch im Süden unseres Gebietes 
herrscht die Neigung das r in diesen Fällen ganz auszustossen und 
so dem Vokal seine Kürze zu wahren. Da wird härde, n.=Herz zu 
hatte, swärde=schwarze zu swatte. 

Von den Wörtern nun, welche vor r lange Vokale zeigen, einerlei 
ob aus alter Kürze oder aus Vokalverbindung oder aus Länge, sind 
folgende die wichtigsten : 

är 

§ 37. ärn, f.=Ernte, bärsk=barfuss, barbärsk=masslos, här- 
del, n.=Flachsstengel, kärn, m.=Kern, bodder-kärn, f.=Buttermaschine, 
märgenbleome, f.=bellis, Marienblume, nachtmär'n, f.=Alp, Gespenst, 
slärt, n.=Schlampe (Seh.), sär=trocken, swärn, f.=Schwäre, zuweilen 
tarn, m.=Thurm, wäinwärp, m.=Maulwurf, wär'n=hüten. 

St. Verbalformen: 
stärf, ferdärf, ferbärch, wärt=wurde. 

Auch dann findet sich die Länge vor r, wenn dasselbe älterem 
oder nhd. rr entspricht. 

So färn, m.=Farrenkraut, gnärsk=gnärrisch, när=Narr, när'n= 
necken. Dagegen äroedei— Arbeiter auf dem Edelgut, der areode, in 
der Aussprache fi-roeder. 

Tr 

§ 38. Das nnd. r führt bekanntlich eine Art Vorschlagsvokal 
mit sich, der gewöhnlich einem e, seltener einem o ähnlich klingt. 
Dieser Umstand macht die Verwechselung zwischen ie und dem Tr 
leicht und viele Schreiber des westf. Ndd. haben sich verleiten lassen, 
Wörter wie tieläüsken=gelbe Primel (tidloseken,) „tirloeschen" zu 
schreiben. Der äusserste Nordosten des Gebietes hat diese Zweideu- 
tigkeit dadurch vermieden, dass er, unter Wahrung der Kürze, das r 
ganz ausgestossen hat, so dass ihm z. B. die Birke bl-ke ist. Im 
Grossen und Ganzen herrscht jedoch Tr. 

Die Beispiele sind übrigens nicht häufig, und meist fremden 
Ursprungs: 

2* 



20 

blrke, f.=Birke, dTr, n.=Thier, dlrt, Q.=Unthier, Bestie, hlrn, n, 
=IIiin. stlrn, f. — Stirn, sTrki-1. m.=Zirkel; Ir-n=irren, Irlüchten, f.== 
Irrlicht, fllr'n, pl.=Grülen. Dagegen vor u gewöhnliches avales r in 
BTrup=Sirup. Vergl, auch ie. 



ur 






§ 30. Hier l)ringt r vor sich fast ein uo hervor. Jn vielen 
Ortschaften, sowie immer im Osten des Ravensbergischen und in Thei- 
Im des angrenzenden Lippischen wird das nr durch iur ersetzt. l)i< 
iur statt ür ist ravensbergiach überall wenigstens möglich. Osna- 
brückisch hingegen ist es nach Klöntrup und Lyra un gehört. 

luir. m.=Baner, Vogelbauer, dür, f.=Dauer, dür'n=dauern, lür. f. 
Lauer, lürich halbkrank lürk. m.=KrÖte als Seh., natür, f.=Natur, 
sür, m.=Essig, stür=trotzig, to schfir gäun=unter Dach gehen, wäh- 
rend dea Regens. Vergl. auch uo. 

er 
§ 40. f5rtich=40. Im Nordosten fettich. 

ür 

ür ist auch selten. Es kann dafür überall und mussam Wiehen- 
gebirge cor eintreten. Dagegen hat Klöntrup ür. 

Kört=Beiname des Hasen, kürt=kurz. ort, m.=Ort, ürlant, n.^= 
gutes Ackerland, norde, f.=Pforte, wörd, n.=Wort und in den st. 
Verbalformen: wört=wurde, wör'n=geworden. Vergl. auch eo. 

ar 

§ 41. Statt ar tritt überall häufig und gegen Minden hin stets 
äur ein: Kärl=Karl wird Käudel. färts=80gleich wird fäurts. An- 
dere Beispiele von ar sind: ärt, f.=Art, hart, m.=Bart, wärdel, 
f.=Warze. 

ar 

In den wenigen Wörtern, die hierher gehören würden, ist, unter 
Wahrung der Länge, das r ganz verstummt: 

haner=Hörner. mauern— mördern, quälen. Am Wiehengebirge 
hört man haürner. 

ar 

§ 42. Ar ist selten: kärl, m.=Kerl, märts, m.=März, parle, f. 
=Perle. Ferner entstand fir aus ar, iar nach Synkope das Endungs-e 
in den st. Verbaltbrmen: 

stärl't. ferdärft. f erbärgt und stärfs u. s. f. 

r fällt aus in äs, m.=Hintern. 

ör 

ör ist selten: görde, f.=(irütze, Behörde, f.=Schürze, körde. f. 
r=Kürze. Bisweilen wörde= Worte. 



21 



Ür 
Wörter wie würken=weben, stürben=starben vergl. unter üö. 



IV. Zusammengesetzte Vokale. 

§ 43. Nachdem es der deutschen Sprache in Folge der Ab- 
stumpfung der vollen Endungsvokale zu einem tonlosen e nicht mehr 
möglich war, kurze Vokale in offener, von einfachem Konsonanten ge- 
folgter Stammsilbe festzuhalten, schlug dieselbe von hier aus drei 
verschiedene Wege ein. Das Hochdeutsche wählte mit Vorliebe die 
Verdoppelung des folgenden Konsonanten und wahrte so die Kürze 
des Vokals in hochtoniger Silbe, aber nicht die Offenheit dieser Silbe, 
das Niederdeutsche des Ostens und Nordens zog im Ganzen die Ton- 
dehnung vor, d.h. es dehnte den kurzen Vokal hochtoniger offener 
Silbe vor tonloser Silbe und wahrte so die Offenheit der Silbe aber nicht 
ihre Kürze. Den Westfälisch-Niederdeutschen Mundarten aber wieder- 
strebte sowohl die Menge der hochdeutschen Kürzen, als auch die 
Schwerfälligkeit, die die niedersächsische Sprache durch die Menge 
der gedehnten und langen Vokale erhielt und sie zogen es vor, die 
Kürze und Offenheit der hochtonigen Silbe dadurch aufrecht zu 
erhalten, dass sie, wenn man es äusserlich ausdrücken will, dem ur- 
sprünglichen kurzen Vokale einen andern von gleichem Tonwerthe in 
der Regel nach- vielleicht in einigen Fällen auch vorstellten. Weshalb 
aber in den so entstehenden Vokalzusammensetzungen oder wenn man 
will „Brechungen" ie, ia, ua, uo, und üö, üa, üe im einzelnen Falle 
grade e und a und o dem ursprünglichen Vokale zugesellt worden, 
lasst sich mit dem jetzigen Material wohl schwerlich entscheiden. 

Dass der bezeichnete Vorgang bereits kurz nach der altsächsi- 
schen Zeit, also vor der Kolonisation des Nordostens begonnen hatte, 
dafür scheint das Analogon der Tondehnung und des Umlautes und 
der Brechung zu sprechen. Und es lässt sich die Frage aufwerfen, 
ob nicht die heutige arge Entstellung der Vokale in den Holsteinisch- 
Mecklenburgisch-Pommerschen Mundarten, nach welcher wir z. B. vom 
fugls glücklich auf den vägel gekommen sind, aus einer Unterwerfung 
der Sprache der westdeutschen Kolonisten unter das Mittelnieder- 
deutsche zu erklären ist und ob nicht die westfälischen Vokalzusam- 
mensetzungen häufig den Schlüssel zu den jetzigen mecklenburgischen 
und pommerschen Lauten bilden. 

Wo also in den nordöstlichen und nördlichen Mundarten die 
Tonlänge herrscht, da tritt in den westfälischen und ganz besonders 
in den süd- und ostwestfälischen an die Stelle der ursprünglichen 
Kürze in der Regel ein zusammengesetzter Laut, dessen Dauer zwar 
örtlich und individuell variirt, dessen beide Vokale aber nicht verhin- 
dern, dass er ein kurzer, einen einzigen Moment beanspruchender 
bleibt. Beide Vokale nämlich besitzen eine gewisse Abgeschliffenheit 



22 

und so geht bei gleichen Werthe beider die Sprache rasch von 

drin einen in den andern über. Efl ist. könnte man sagen, ein Schwan- 
ken zwischen dem ursprünglichen kurzen Vokale und einem anderen. 

Bei ein/einen dieser Laute freilich wiegt der erste oder /weite Vokal 
vor. immer aber mups festgehalten werden, dass neben der deutlichen 
Bestimmtheit jedes der beiden Vokale, grade das gleiche Recht beider 
diese westfälischen Doppellaute von den anderswo auf niederdeutschem 
Gebiete vorkommenden unterscheidet. 

Diese Natur der westfälischen „Brechungen" macht nun eine 
Unterscheidung zwischen ihnen und den ächten Diphthongen, als welche 
die jetzige Physiologie der Laute nur das ai, au (äu, äüj und ui gel- 
ten lassen dürfte, schwierig. Hinzu kommt, dass die unbezweifelten 
Diphthonge des Westfälischen bald, graphisch wenigstens, alten Diph- 
thongen, bald alten Längen, bald, unter konsonantischem Einflüsse 
enstanden, Bogar alten Kürzen entsprechen (z. B. ai=altem ai, e und i). 
Auch diese nach Natur und Ursprung zu gruppiren, scheint, für 
jetzt wenigstens, untbunlich. Es lassen sich vielmehr zunächst nur 
die unzweifelhaft alten Kürzen, mecklenburgischen Tonlangen entspre- 
chenden „Brechungen" ausscheiden und dann die übrigen zusammen- 
gesetzten Vokale aufstellen und behandeln. 

Was die Dauer der zusammengesetzten Laute angeht, so gilt die 
kürzeste Aussprache derselben für die beste. Am längsten verweilt 
der Ton noch auf dem ai=got. ai oder e, dem au, äu=got. au und 
dem Umlaute jenes au, dem äü. Schneller ausgesprochen werden 
diese Laute, wo sie vor r stehen. 

§ 44. Ueber Geschichte und geographische Abgrenzung der 
westfälischen Vokalzusammensetzungen lässt sich auf Grund des zur 
Zeit zugänglichen Materials noch einiges Allgemeinere bemerken. 

Dass die eigentümlichen westfälischen Vokalzusammensetzungen 
nicht so gar jung sind, hat schon Woeste (Kuhn, Zeitschr. II, 92) 
bemerkt. Theilweise bedeuten sie gewiss sehr alte Vokalverhältnisse. 
Das kräftigere Hervortreten der alten, sowie die Bildung neuer „Brechun- 
gen" oder Diphthonge begann, wie Woeste treffend, bemerkt, sicher- 
lich in der Zeit, wo durch das Ueberhandnehmen des Neuhochdeutschen 
das Schriftniederdeutsch (Mittelniederdeutsch) aus Westfalen verschwand 
und die Volksmundart ihres bisherigen Zügels entlassen war. Nur 
die Verschiedenheit zwischen dem Niederdeutsch der höheren Stände 
und dem der Masse der bäuerlichen Bevölkerung erklärt es ja auch, 
dass die Hochdeutsche Sprache im IG. Jahrhundert so rasch um sich 
greifen kennte. Die Volkssprache wechselte blos den Herrn und die 
Herrschaft des Mittelniederdeutschen wird in Westfalen wohl nicht 
weiter gegangen sein, als die des Hochdeutschen vor fünfzig Jahren 
ging. Bereits in Urkunden aus dem 13. bis 15. Jahrhundert finden 
sich übrigens Formen wie üarem=ihrem, waulde=Walde, suyt=sieht, 
neajentich=neunzig. — 

§ 45. Die in der Einleitung betonte Eintheilimg der westfä- 
lischen Mundarten in südlich-östliche und westliche beruht gerade 



23 

wesentlich auf dem Verhältnisse beider Gruppen zu den Vokalzusam- 
mensetzungen. Während nämlich die obenerwähnten, im Gan- 
zen den tonlangen Vokalen entsprechenden „Brechungen" 
(ie, ia, ua, uo, üö, üa, üe) überall in Westfalen zu Hause sind, 
so dass sie vom Siegerlande bis zu den Ausläufern des 
Wesergebirges jenseits Osnabrück, von Coesfeld bis zum 
Süntelgebirge herrschen, gehört ein Theil der übrigen 
Vokalzusammensetzungen nur den südlichen und östlichen 
Mundarten an. Innerhalb der südlich-östlichen' Mundarten aber be- 
steht wieder der Unterschied, dass von der saarländischen Mundart 
zur Paderbornischen, Lippischen, Mindischen, Ravensbergischen die 
Regel der Brechung an Stelle der Tonlänge (ie, ua u. s. f.), sich stetig 
abschwächt, so zwar, dass selbst für das Nordravensbergische die 
„Brechung" noch die Regel bleibt, die Tondehnung die Ausnahme. 
Am reichsten an Vokalzusammensetzungen ist also die sauerländische 
und Iserlohner Mundart. An sie schliesst sich, die durch Tonlänge 
verursachte Einbusse durch strenges Festhalten an Diphthongen gegen- 
über den Längen gut machend, die Ravensbergische nebst ihren näch- 
sten südlichen und Östlichen Nachbarn. Relativ am ärmsten an diph- 
thongen Lauten und daher am vertrautetsten an ein niedersächsisches 
Ohr klingend erscheint das Münsterisch-Osnabrückische. — 

ai 

§ 46. Ravensbergisches ai unterscheidet sich lautlich nicht von 
hd. ei. Es entspricht in der überwiegenden Mehrzahl der Beispiele 
dem gothischen Zeichen ai, an dessen Stelle altsächsisch und 
angelsächsisch die einfachen Längen e und ä treten. Auch weithin 
in den angrenzenden Gebieten findet sich dieses ai, im märkischen 
Süderlande ai, äi, Kr. Wiedenbrück als äi und ei, um Soest als ai, 
im Göttingischen als ei=ai fast ganz an der Stelle, wo es rav. steht. 
Selbst nördlich im Kreise Lübbeke bis ins Osnabrückische hinein, wird 
es als ai und ei (bei Klöntrup und Lyra ei=ai) gehört. Das Mün- 
sterische hingegen hat vorwiegend das einfache lange e (ee) und a. Da 
ebenso wie rav. ai=goth. ai, auch rav. au, äu=goth. au, dagegen 
rav. ui, i=goth. ei ist, so möchte die folgende Zusammenstellung der 
Beispiele von rav. ai und au nicht ohne Werth für die Frage von der 
Aussprache des Gothischen sein und der Auffassung, dass goth. ai 
und au Diphthonge seien, neuen Stützpunkt gewähren. Freilich müsste 
man um die besagte Uebereinstimmung werthschätzen zu können, an- 
erkennen, dass es bei der Beurtheilung von lautlichen Erscheinungen 
in den deutschen Dialekten einen grossen Unterschied machen muss, 
ob der betreffende Dialekt auf jungfräulichem niederdeutschen Boden, 
unter unvermischten, ältest angesessenen Stämmen, gewachsen ist, 
oder nicht. 

§ 46. 1) ai entspricht altem ai (goth. ai): 
alaine=allein, ailen=fürchten, aikem, aik, n. =Eichhorn, ai!=Interj. 
der Freude, faige=dem Tode verfallen („et soll' äiner faige wair'n"). 



24 

— gaigel, f.=Zahnfleisch, Graiwe, als Name=Vorsteher, hain, f.=H«(le. 
hiiiD. in. — I.» hm. laidgast, m.=Quälgeist, laige=schlecht, laipessunge- 
Balzen, oai=nein, raip, m.=Tau, Bwaigerf&er, m.=Schwiegervater, swait, 
m.s=Schwei88 1 Blai=atumpf, tain, tainen, m. u. f.=Zehe. Hier sind 
auch sra erwähnen: failt. a.=Feld, WestfailingerssWestfale, Iainen= 
leihen. 

Ferner ron st. Verbalformen im Prät. Sing. 1. und 3. der gan- 
zen 5. Ablautreihe: 

bait. blaik=bleichte, blaif, daih, draif, grain, grain, glait, hait= 
befahl, kaik, knaip, lait=leitete, litt, maieh. paip, prais, rait==riss. rait= 
ritt, pftip, schain. schraif. smait. snait, slaik. slaip. Btaich, splait=spal- 

atraik, >trait=schritt. BChrait=8chritt, swaich. ferwait=rerbot, 
waik. wraif und vor r in wair*n=werden. ik wair". \\i wair't. 

§ 4*. l'I ai entspricht in einer Anzahl >t. Verbal türmen einem 
goth. <•. as. «'■. ags. ae, ahd. ä. E> Bind die Präter. Plur. und Op- 
tative Prät., sowie die 2. Prät. Sing, von Verben der 2. u. 3. Ablaut- 
reihe: 

aiden=a8sen, baiden=baten, gaiben=gaben, fergaiden=: 
rergassen, Laifen=lasen, laigen=lagen, maiden=massen. 
uaimen=namen, -quaimen=kamen, Baiden=sassen, staiken= 
staclien. traiden=traten, nebst den dazu gehörigen Optat. ik aide 
=ich ässe, du aides=du ässest u. s. f. 

Da Diphthongirung von altem langen a oder e im Ravensber- 
gischen sonst selten nachweisbar ist, so ist dieses rav. ai möglicher 
Weise von hohem Alter. 

§ 49. 3) Auf Kontraktion nach Konsonantenausfall und Meta- 
thesis könnte ai beruhen in: 

harter, f.=junge Buche, naiger=näher, naigde, f. Nähe, pailen= 
das Land durchmessen mit langen Schritten. 

4) ai vor r: 
airn. f.=Erde. gairn=gern, hairräuk, in.=Molirrauch. mair=mehr, 
lair'n=lernen, lehren, stairn, m.=Stern, stairt, m.=Sterz, wairt, in.= 
Wirth, wairt=werth airl'k=ehrlich. bair. m.=Bär, hair, m.=Herr, 
kair'n=umkehren. spair. n.=Sparren, tvvairnt, m.=Zwirn. 

In den st. Verbal formen staik=staeh und kaiken=sahen beruht 
ai auf Uebergang in eine andere Konjugation. 

In dem fremden Paider=Peter ist ai=e, e. — 

ji 50. Bemerkenswerthe Beispiele von ai sind noch: 
baistmialke, f.=Beestmilch, flaimern=schmeicheln, maien=miethen, 
sik ferpaiscn=sich verfressen, von Kühen, die Trommelsucht kriegen, 
schraiben, graiben, pl.=die Grieben, taiwern=:umherirren. taitp, m.= 
Vater (veraltet i. kaife. m.=Käse, waigen, f.=Wiege, daimsk=schwin- 
delig, ik dai=ich that. ich gab. hainsk:=übelnehmerisch. — 

Im südlichen Theile des Ravensb. Gebietes gehören dem ai noch 
viele Wörter an. die nördlich und westlich unter ai fallen, z. B. snai, 
m.=Schnee. Umgekehrt fallen um Bielefeld eine Anzahl nordravensb. 
ai zu iii ab. z. B. bläif=blieb, L r äirn=trern. 



25 



äi Bielefeld äi 

§ 51. Die Aussprache des ravensb. äi ist durchaus eine diph- 
thongische. Es ist ai mit zu ä verdunkeltem a. 

Den Umfang, den rav. ai einnimmt, hat auf einem weiten Ge- 
biete, von der Magdeburgischen Börde durch Braunschweig. Hildesheim. 
Südhannover, hinauf bis zur mittleren Lippe, zur Ruhr und zur Lenne, 
selbstverständlich auch im Sauerlande, an der oberen Ruhr, und im 
Paderbornisehen der Laut ai inne. Lippe-Detmold hat äi, äü. 

Die Münsterische Mundart hat entweder ai z. B. klain=klein, 
laif=lieb. saih'n=sehen, oder seltener einfaches langes e, denselben Laut. 
welcher schon altsächsisch, im vollen Umfange aber mittelniederdeutsch, 
jenes ai vertritt. Was das Osnabrückische angeht, so schreibt Lyra 
ee, wo rav. äi steht. Klöntrup ebenfalls ee mit der Anweisung, das- 
selbe wie ei mit langem e zu sprechen. Dieses ei käme dann nahe an 
das äi heran, welches im Kr. Bielefeld und Halle und zwar bereits in 
dem sonst zum Nordravensbergischen hinneigenden Heepen statt des 
nordravensbergischen äi gehört wird. Es ist wichtig hervorzuheben. 
dasB das Ravensbergische äi von einem äü überall sorgfältig unter- 
schieden wird, so dass Verwechselungen zwischen diesen beiden rav. 
Lauten gar nicht vorzukommen scheinen. So heisst bäigen=biegen, 
bäügen=beugen. 

^ 52. 1) Nordra-vensb. äi ist zunächst=got. äi und nimmt man 
die betreffenden Formen ehemals reduplizirender Verben in Betracht, 
so kann man es =as. e, ags. e und eö setzen. 

Beispiele sind: 
äine=ein, äigen=verdienen, äie, f.=Ehe, äit. m.=Eid. äisk=häss- 
lich. häin, f.=die Heide, swäine, m.=Hirt. äikbäum— Eiche, äich, n.= 
Ei.fläisk, n.=Fleisch, — häit, hiushäime. f.=Heimath. häistrich=heiser. 
jäiuen=Schwaden, mäist=meist. räie=fertig, säiwer, m.=Ueifer, spräie, 
f.— Siireite, säiben, f.=Seife, schäiwe=schief, släif=hölzerner Rühr- 
löffel, Flegel (Seh.), wäin, f.=Viehweide, wäinich=wenig. wäide, m.= 
Weizen, fäih. n.=Vieh, 

und in Formen st. oder ehemals redupl. Verben: 
bläis=blies, bräit=briet, bräiden=brieten, gäis=gehst, häilt=hielt, 
häilen=hielten, he häide=er hiess, se häiden=sie hiessen, häiden= 
heissen, geheissen, läit=liess, läiden=liessen, läip=lief, läipen=liefen, 
räit=rieth, räiden=riethen, släip=schlief. släipen=schliefen. stäis= 
stehst, wäis=weisst. Dazu: 

schäihen=geschehen, säihen=sehen. 

§ 53. 2) Interessant ist das äi einer grossen Anzahl Wörter, 
welche got. und alts. in, io haben. Dieses äi ist südrav. und gegen 
Kr. Lübbeke ai. äi, ei. Osnabrückisch ee (Lyra) imd ei (Klöntrup), 
Paderbornisch-Sauerländiseh ai, äi, Iserlohn äi und selbst Münsterisch 
ai. Der Mittelniederdeutsche hat hier e, wie denn rav. äi auch in Fremd- 
lingen gern mittelniederdeutschem e entspricht, z. B. fäiwer, n.= 



26 

I Im r. späigel, in.. Spiegel, bräif, m. Brief, Gräitc: Margarethe, 
t&igel, in. Ziegel. 
r>. ispiele Bind: 

b&idel, m Meissel, dflinen=dienen d&if, in. Dieb, däipe= tief, 
fräisk friesisch, gnäifem grinsen, gräifen=Furcht haben, grausen, 
neben griufen, knäi, n. Knie, l&if= lieb, l&i mi mel läiwi läse mich 
zufrieden, r&it, n.— Riet, Bnäifich: lang und dünn, sai— -sie. twäi= 
zwei, 

wozu sich noch gäifich=bleich (swestf. fergüfet), knäist, m.= 
Schmutzlage, päikstäken, m.=gespitzte Stange, hinzufugen Hessen. — 
Von Bt. Verbalformen gehören hierher der Infinitiv und die 1. 
Sing., BOwie der I'lnr. Pias, eines Theiles der G. Ablautreihe: 

bäien, bäigen, bedräigen, ferdräiden, fräifen, . fläiden, fläigen. gäiden, 
läigen, ferläifen, genäiden, schaiden, täihen. 

ü 54. 3) äi=mnd. e erscheint noch in folgenden Beispielen: 

bäiwern, pl.=Heidelbceren, braigen, m.=Gehirn, jäiwe=leidlich 1 
jäider=jeder, Ilfebäin=I!se Benedietine. kraike, f. = Kriechpflaume, 
spräie, f.=Staar, tail'ink. m.=Kalb, nach Ausfall von g in säisse, f. 
=Sense und in den Fremdwörtern auf -iren mnd. eren z. B. koräiren 
=kuriren. endlich in starken Verbalformen: schäilen=schelten, ik 
schade, gäilen=gelten, ik gäile, släis=schlägst, Bläit=schlägt. 

§ 55. ai vor r bietet sich in bäir, n.=Bier, däir, n.=Mädchen 
(Seh.), däir'n=mit Milch auffüttern. fäir=vier, häir, n.=Heer, Häirm'= 
Heermann (Familienname), räir'n=rieseln, beim Kornreinigen vom Korn 
(ags. reosan=fallen.) 

äu. au 

§ 56. Wo das nordravensbergische (Kr. Herford und zumeist 
auch Kr. Halle) äu oder gegen da^ Osnabrückische und Lippische ver- 
einzelt auch ää hat, da hat der Theil des Ravensbergischen, welcher 
an das Fürstenthum Rheda und das Paderbornische stösst, BOwie auch 
ein Strich an der Nordgrenze gegen den Kreis Lübbeke (Hüllhorst), 
ein au. welches, kurz abstossend gesprochen, ganz dem hd. au, wie 
es Süd- und Mitteldeutsche sprechen, gleich ist. 

Dieses au findet sich, ziemlich in gleichem Umfange, in meh- 
reren angrenzenden Gebieten. Nicht allein im Lippischen und im 
Paderbornischen Sauerland, sondern auch im Fürstenthume Münster 
und im Osnabrückischen (bei Lyra und Klöntrup). Das äu kömmt 
auch im hündischen und Schaumbureischen vor. 

Das ravensbergische äu ist eine Trübung des au. welche jedoch 
mindestens hundert Jahr alt ist. Denn schon im Jahre 1782 schreibt 
Weddigen aus Bielefeld das Wort bulthäup, m.=Erdhaufen, „bult- 
haeupe". In einer rav. Urkunde von vor 1500 lautet das jetzige 
wäule=Walde (Dat.) „waulde." In einem Herforder Gedicht von 1654 
(bei Radlof, 2. 266 if.) findet Bich: graut, auk. ault. 

§ 07. Rav. äu und au entspricht zunächst dem got. und and. 
Zeichen au, also as. 6 ags. eä, afries. ä, nhd. ö oder au. 



27 

Man darf dasselbe nicht zusammenwerfen mit einem 
anderen au, welches=dem got. 6 oder auch=dem 6 in Fremd- 
lingen auf niederdeutschem und besonders westfälischem 
Gebiete weit verbreitet ist. Ravensbergisch und Lippisch steht für 
dieses letztere au fast stets der gotischem 6 entsprechende Laut eo. 
Nur im Kr. Bielefeld, seltener im Kr. Halle, finden sich Formen wie tau 
= zu, haut=Hut, im Anschlüsse an das osnabrückisch für rav. eo ein- 
tretende ou, an das paderbornische, soestische und sauerländische au. 
Sprachenklaven, welche dieses au=got. 6 meiden, existiren auch im 
Paderbornischen (Nordborchen, Driburg. Vgl. unter eo). Die sauerl. 
Formen kraune, f.=Krone, kraume, f.=Krume, raupen=rufen, slauch 
= schlug, dauk, m.=Tuch, lauten also rav. durchaus kreone, kreome, 
reopen, sleog, deok. 

Wie es nun auch um die Herkunft des rav. au, äu=got. au, 
as. 6, ags. eä stehen mag, das au=got 6, as. und ags. 6, ahd. uo, 6 
muss jünger sein, als jenes und niusste eintreten, sobald ein Dialekt 
das 6 nicht mehr ertragen, das eo aber nicht aeeeptiren wollte. 
Vergl. unter eo unten. 

Beispiele von rav. äu, au=got. au, as. 6 sind: 

äuk=auch, äuge, n.=Auge, äustern, pl.=Ostern, bläut=bloss, 
braut, n.=Brod, bäune, f.=Bohne, däut, m.=Tod, dräum, m.=Traum, 
flau, m.=Floh, graut— gross, häuchmeot, m.=Grossmuth, käupen= 
kaufen, kläut, m.=Hode, knäup, m.=Knopf, läun, m.=Lohn, läus= 
los, lauf, n.=Laub, gläuwe, m.=Glaube, näut, f.=Noth, quäus, m.= 
Faselhans, räut=roth, säut, m.=Brunnen, schaut, n.=Schoss, stäuf, 
m.=Staub, schäuf, m.=Schaub, schräut, n.=Schrot, smäuk, m.=Rauch, 
späun, m.=Span, staut, m.=Stoss, täum, m.=Zaum. 

kläuster, n.=Kloster (claustrum), päude, f.=Pfote. 
Von st. Verbalformen gehören dem äu, au an: 

die 1. und 3. Sing. Prät. der ganzen 6. Ablautreihe, also baut, 
baut, bauch, ferdräut, bedräuch, fläuch, flaut, fräus, gäut, kläuf, kräup, 
ferläus, läuch, läuk iut=entwurzelte, räuk, snäuf, släuk, säuch=sog, 
stäuf, säup, schräuf, schäuf, schaut, tauch, ? häuk=hockte, ? spräut= 
sprosste. 

ferner läupen=laufen, ik läupe, wi läupet, läupen=gelaufen, he 
twäuch=er bog, he stäut=er stiess, stäut!=stosse!, he däuch=er 
taugt, taugte, däun=gethan. 

Dazu gesellen sich, wohl als Uebergänger in eine andere Konju- 
gation: fergäut=vergass, gräuf=grub, schäuch=gescliab, ferschräuk 
=erschrak, wäuch=wog. — 

§ 58. au=altem a vor 1 und r bedarf einer besonderen Beach- 
tung wegen des ags. ea auch in diesen Fällen : 
a Vor 1.: 

äult=alt, bäule=bald, käult=kalt, wäult, m.=\Vald. Dazu st. 
Verbalformen, in denen man jedoch das au auch durch Uebergang in 
eine andere Reihe erklären könnte. fäulen=falten, gefalten nebst dem 
ganzen Präsens ik faule, he fault, wi faulet, ik fäult=ich faltete, se 



28 

faulen =sie falteten, häulen halten, gehaltn. späulen spalten, ge- 
spalten, nebst «Im Präsentien. Die nicht verkürzten Formen he fault 
=er faltet u. s. f. sind jedoch selten, gewöhnlich he fält. Ausserd<in 
he befaul er befahl, he gäult=er galt. he Bchäult=er schalt. 

hl Vnr r: 

Vor r findet sich ein au (äu) auch in älteren deutschen Mund- 
arten. Rav. Hurt, f Art. äurnt, m. Tauber (nord. aurn) äur, n.= 
Ohr. häurn, n.- Hörn, kaum, D.=Korn, bäur'n, f.=Barte, bäurt, m. 
=Bart, däur dort, gäor'n, m.=Garten, häur, n.=Haar, swäur= 
schwer, tiiiirn, m.=Thurm. — 

§ 59. Das u in au steht wechselnd mit au. anderweitigem w. 
v. in: 

flas-bäude, f.= Bund Flachs. fräuh=froh, käul, m.=Kohl, näu=nahe, 

nach, riiu: roh. Bau=SO, sträu. n.=Stroh. 

Ausfall von Konsonanten war von Einfluss auf die Entstehung 
di - au in: 

bäum, m.=Baum, gäus, f.=Gans, dräue, Adv.=schnell, bald, 
Bchräue=mager, träun, f. -Spur 
und in den st. Verbalformen: 
bräuen=braten, släuen=schlagen, stäun=stehen, räuen=rathen, so- 
wie in der 1. Sing, und im Plur. Präs. derselben Wörter. 

t'äunt=t'and. bäunt=band. wäunt=wand. erinnern an engl, found. 
bound, wound. 

§ 00. Im Anschluss an das entsprechende bei Klöntrup und 
Lyra durchgehende osnabr. au findet sich am Wiehengebirge, und auch 
anderswo bisweilen, ein au=altem ä, rav. ä z. B. frauge, f.=Frage, 
wauge, f.==Wage, gauwel, f.=Gabel, kaplaun=Kaplan. 

au 

§ 61. Den Umlaut zu au, äu bildet äü. Uebergänge von äi zu 
äü finden nicht statt, äü lauÜich=hd. äü in „Bäume" ist ein gemein- 
westfälischer Laut. Er findet sich im Ganzen in demselben Umfange 
im Osnabrückischen bei Klöntrup und Lyra. Ersterer bezeichnet ihn 
mit äü, letzterer mit äu. Die Münsterische und Lippische Mundart 
scheinen in ihm mit dem Ravensbergischen übereinzustimmen. Die 
betreffenden Proben bezeichnen ihn mit eu. Der Paderborner Mund- 
art fehlt er nicht. Dagegen vermisst man ihn bei Grimme (Saueiland), 
wobei aber vielleicht die Orthographie dieses Schriftstellers in Betracht 
gezogen werden muss. Iserlohner äi bei Woeste. Kuhn. Ztschr. II, 
204 ist vielleicht ebenfalls als aü zu fassen. 

Beispiele sind : bräüe=Brode, dräumen==träumen, druihaür'ch= 
trotzig, hart, borstig, hauger=höher, klauben, m.=Kloben. läüne= 
Löhne, Iaüwen=gehorchen, glauben, sandlaüper, m.=die Todtenuhr, mU 
räügen=sich rühren. schaün=schön, smäüken=schmauchen, tieläüsken, 
n.=Zeitlose. gelbe Primel, gäüfe==Gänse, bäüler=eher, bäurde=Bärte. 

Kürzung ist eingetreten in wäller=Wälder, eller=älter. 

Erwähnenswert möchten auch noch sein: 



29 

bäüse=böse, dräüge=trocken, ädräügich=verdriesslich, läüwerken, 
n.=LaubiVosch, luchtläüwerken, n.=Lerche, läute, Pl.=eine Krank- 
heit, räüden, m.=Flachsröteteich. 

Und von st. Verbal formen die meist aus dem Sing, gebildeten 
Prät. Plur.: 

stäüden=stiessen,ferdräüden==verdrossen,schäülen=schalten, säugen 
=sahen, schäügen=geschahen, wäügen=wogen. Dazu stäüden=stossen, 
ik stände, wi stäüdet. An der Grenze des Kreises Lübbeke finden 
sich noch äü in Wörtern, die sonst rav. ä haben, z. B. päüle=:Pfähle. 

iu 

§ G2. Für die Vokalverbindung iu ist zunächst festzuhalten, 
dass in ihr i und u gleiche Rechte haben. Nach einem kurzen aber 
völlig ausgebildeten i geht die Mundstellung in die eines u über, 
welches dann ebenfalls kurz abgestossen wird. — Es ist unmöglich 
dem iu eine zweisilbige Aussprache zuzuerkennen. Der Accent ist auf 
u zu setzen, weil ü in umliegenden Dialekten und schon südrav. statt 
iu angewendet wird und ihm im got., as. und ags. entspricht. — iü 
scheint ein Laut zu sein, dessen Gebiet sich mehr und mehr verengert. 
Er ist im Kreise Herford und im Kreise Halle noch allgemein gebräuch- 
lich, im Kr. Bielefeld aber hat zwar die Gegend von Heepen noch iu, 
mehren theils indessen entspricht dem iu hier schon jenes ü, welches das- 
selbe im Münsterischen und Osnabrückischen durchgehend, in der Graf- 
schaft Mark jetzt in der Regel ersetzt. Dabei ist aber festzuhalten, 
dass zwischen einem gewöhnlichen hochdeutschen ü und diesem 
westf. ü ein Unterschied in der Intonirung besteht. Lyra (Osnabrück) 
bezeichnet es deshalb auch mit Recht durch uu z. B. he duuket==er 
taucht, juue=euer. 

Es siud also auch hier wieder Lippe. Theile der beiden Schaum- 
burg, Pyrmont, das Paderbornische und das Sauerländische 
mit ihrem iu die nächsten Verwandten des Ravensbergischen. 
Einzelne Distrikte des märkischen Süderlandes (z. B. um Iserlohn) 
sowie das Hönnethal müssen hinzugethan werden. Wahrscheinlich 
noch andere zwischen Lenne und oberer Lippe. 

§ 63. iu entspricht prinzipiell einem ü, iü des As. und Ags. 
und theilweise des Gotischen. 

Beispiele sind: 
biude, f.=Bude, biuk, m.=:Bauch, briut, f. — Braut, biuden=draussen, 
briuken=brauchen, diume, m.=Daumen, diufent=1000, driuf, ra.= 
kleiner, untersetzter Kerl, diuwe, f.=Taube, diuduissel, f.=sonchus, 
diuwuoken=ein Unkraut, diuf, m.=penis, fiul=faul, gliupen=finster 
blicken, hiulen— heulen, hius, n.=Haus, hiuken=niederhocken, iule, 
f.=Eule, jiuchen=juchzen, kniuftiust, f.=geballte Faust, kliude, m.= 
Erdscholle, klius, f.=clausa, kiufe, f.=Backenzahn, kiule, f.=Grube, 
kium=engbrüstig, lius, f.=Laus, liuen=lauten, liuder, ad v.— lauter, 
miul, n.=Maul, afpiulen=absuchen z. B. Knochen, priume, f.=Pflaume, 
piussen=pusten, rium=geräumig, rium, m.=Raum, riufe, f.=Scholle, 



30 

rinde, f.=viereckige Fensterscheibe, striuf strenge, fest, rau, Bchium, 
m.=8chanm, Bünden, m. längl. Weissbrod, tiusk, m.=Haarbüschel, 
tiun.in. Zann,tinde, f. :Dfite, tiuden= ins Hörn blasen, siule, f.=Sänle. 

Von Bt Verbalformen gehören hierher: die Inf. und das Pr 
I. Sing, und IMur.. sowie die Imperative der Verben der 6. Ablaut« 
reihe, soweit Bie nicht äi -mnd. e erhalten haben: 

kriupen, twaichkniuben=zerknittern, iutliuken: =ausraufen, riuken= 
riechen, Biugen, siupen, Bliupen schlüpfen, sliuden, ßliuken, Bchrinben= 
schrauben, Bniaden=schnäuzen, Btiuwen=8täuben, schiuben. 

Vor r wechselt in mit ü: inr, f.=Uhr, biur, m.=Bauer, liur'n 
=laucin. siur — sauer, to schiur gäun=unter Dach gehen, schiur. n. 
=Regenschauer. — 

Ferner findet sich iu, nicht immer nachweislich altem n in: 
briufe, f. Brause, glium, m.=Feuerhaken, griupe, f.=Steckrübe, hink. 
m.- Zäpfchen, hand-iule, f. l'hle. karniude, m.=Spiel- und Sau: 
oosse, kriuke, f. Krug, linke, f.=Luke, piudel, m.=Pudel, piullaim, 
m.=Lehmstaub, stinke, f.=Baumstumpf, sniude, f.=Schnauze, schinde, 
i. Grabscheit. 

iu tritt ferner ein in: 
biunen=gebunden, tiunen=gefunden, wiunen=gewunden. — 

Je nach der Betonung wechselt iu mit u in diu=du, iufe=un- 
ser, jiue=euer, jiu=euch, niu=nun. 

uü 

§ G4. uü, der Umlaut zu iu besteht aus einem kurzen u mit 
rasch folgendem tonlosen ü. Es hat in demselben Theile Westfalens 
Geltung, in welchem iu herrscht, also im Ravensbergischen, mit Aus- 
nahme der Gegend um Bielefeld,, in Lippe, im Paderbornischen, Riet- 
bergischen und im Sauerlande (z. B. Meschede). Wahrscheinlich in- 
dem man es als ein umgekehrtes iu fasst, stellt man es meist durch 
ui dar. Der Laut ist aber deutlich von dem ui=i zu unterscheiden. 
Er wird auch von keinem Ravensberger mit ui verwechselt. Um Biele- 
feld steht statt des uü, entsprechend dem ü, uu=iu, ein Ü, eigentlich 
üü. wiederum nicht ganz identisch mit einem hochdeutschen ü. Dieses 
Bielefelder ü, üü herrscht nach Hoenkamp auch im Münsterlande. 
Ebenso gilt es um Osnabrück, und Lyra schreibt dasselbe üü z. B. 
düütlik=deutlicb, tüüch=Zeug. — 

§ 65. uü entspricht im allgemeinen älterem ü und iu: 
bruüen=necken, betrügen, buüken=mit Lauge waschen. duiitsk= 
deutsch, duiiker, m.==Teufel (in Flüchen), dnüster=düster, duüwel. m. 
=Teufel, huüen=verbergen, aufbewahren, huüne, ra.=Hüne, kuüle, 
f.=Keule, kruüs, n.=Kreuz. kruüpers. pl.=Z\vergbolmen. kuümich= 
engbrüstig, kuüken, n.=Küchlein, luüe, pl.=Leute, luüen=läuten, luü- 
nink, m.=Sperling, luünsk=missvergnügt. luüt, n.=Mädchen, nufiern 
=sch\\ eilen vom Euter. nuüdrk=niedlich, pluüstern=zerzausen, ruüe= 
Hund, sluüder, m.=Schliesser, sik snuüden=sieh schneuzen, klug sein 



31 

und werden, snuüfe, f.=Fleischstock, BUÜke= siech, stuüke=steif, stumpf 
von Temperament, tuügen=Zeugnis ablegen. 

Ferner in den st. Verbalformen: 
he 8UÜt=er sieht, et schuüt=es geschieht, he tuüt=er zieht, wäh- 
rend die der G. Reihe auf iu Verkürzung zu ü haben: he güt=er giesst. 

Neben selteneren Formen mit äi haben uii in der 2. Sing. Im- 
per. diejenigen Verben der 6. Ablautreihe, welche im Inf. äi als Stamm- 
vokal haben, z. B. bedruüeh— betrieg! ferluüs=verliere ! tuüh=ziehe! 
suüh=sieh! — 

uü vor r: 
kuür'n=reden, suürken, m.— Sauerampfer, fuür, n.=Feuer, duür= 
theuer, dnürde, f.=Theuerung, muür, f.=Mauer, muürker=Maurer, 
sluür , n=nachschleppen, z. B. von Frauenkleidern, sluiir, m.=Schlendrian. 

§ 6o\ uü ist=altem u in einer geringen Anzahl von Wörtern: 

In den st. optativischen Brät. Flur.: wi buünen, fuünen, wuünen 
=wir banden; fanden, wanden; du buünes=du bandest u s. f. 
Buüne, Ortsn. andd. Buginithi, j. Bünde; buüne, Pl.=Bündel; fruünt, 
m.=Freund hat im PI. ü: frünne, beschaut, m.=Z\vieback (biseuit). 

Vor r und 1 ist uü=älterem ü aber auch=ags. y in buürn— auf- 
heben, duür, f.=Thür, duür=durch, huür, f.=Miethe, pluürn=durch- 
rühren, schuürn=scheuern, kuüle, f-=Kühle. 

ui 

§ 67. An Stelle des got. ei, ags. i steht in einem beträcht- 
lichen Theile Westfalens von der Lenne nordostwärts durch das west- 
fälische Sauerland, das Paderbornische, Lippische und Ravensbergische 
bis zum Wiehengebirge, sowie auch in der Umgegend von Soest, ein 
zusammengesetzter Laut, der sich bald mehr als ei, bald mehr als 
ui karakterisirt, zwischen diesen beiden Lauten aber noch in mehre- 
ren Spielarten variirt. Woeste bezeichnet ihn durch y, ei und ui, 
Grimme (Sauerland) durch ey, yi, der Verfasser der Paderborner 
Anekdotensammlung mit ey, Echterling in den Mundarten Bd. VI 
mit ui. Für das ravensbergische Gebiet kommt die Bezeichnung ui 
der Wahrheit am nächsten. Freilich passt dieselbe wieder nur auf 
die Kreise Herford und Halle. Und zwar wird hier in dem ui das u 
gegen die Lippische Grenze hin in steigendem Maasse hervorgehoben. 
Lippisch, herrscht das u in dem Laute vor. 

Das Paderbornisch-Sauerländische ei findet sich im Ravensber- 
gischen zwischen der Lippischen Grenze und Bielefeld. An der Grenze 
des Kreises Lübbeke gegen Norden wird das u in ui nur ganz leise 
angeschlagen. Ein Theil des Kreises Bielefeld aber schliesst sich auch 
bezüglich dieses Lautes bereits an das Münsterisch-Osnabrückische an, 
welches an Stelle des ui ein langes i zeigt, das sich zu dem hd. I in 
„Liebe" verhält, wie das ü derselben Gegend zu hd. ü in „Ruthe." 
Lyra bezeichnet diesen Laut durch ii z. B. liike=grade. Bereits 
vor 100 Jahren muss man um Bielefeld dieses ii oder i gehört haben, 
denn Weddigen bezeichnet den Laut durch ie. 



32 

Welcher Laut ist der ursprünglichere, das ii (»der das ei, ui? 
I>a>- das Lippische mit seinem Di die entartetste Form bietet, möchte 
man ans Beinen sonstigen Abirrungen vom reinen westfälischen Vokalis- 
miis schliessen. Welches Verhältnis aber existirt /wischen dem ei 
und dem Rheinischen ei in mein=mein? Ist die rein monophthongische 
Aussprache des got. ei endgültig festgestellt? — 

§ 68. Beispiele des rav. ui, bielefeldischen ei, i=got, ei, ahd., 
mhd.. :b. und ags. i. ndl. ij, y sind: 

druiba8tich=zähe, fniwe=5, juimern=wimmern, kuipe, f.=Kiepe, 
luik, n.-— Leiche, riiuin— mein, nnipe, Adv.=diclit heran, nuifeln=sti- 
pitzen, nuipken, pl.=Enten, pluite, f.=schwer verwundender Schlag, 
puilpogge, f.=geschwänzter Frosch, quuinen=siechen, ruik=reich, 
suige=niedrig, suik, n.=kleines Thal, stuige, f.=20 Garben, swui- 
iiitii. m.=Schwindel, iutspniker, m.=Busen eines Baches,' tuit, f.= 
Zeit, uis, n.= Eis, wuimen, in.=Rauchfang, heonerwuimen, m.=Nacht- 
ruhestelle der Hühner, wuide f.= Weite, wuien, f.== Weide, wuife, m. 
=Weisel, wuit und Buit=weit und breit, wuile, f.=das Verweilen, wuip, 
m.=Strohwisch, 

Ferner die st. Verben der 5. Ablautreihe im Inf., dem Präs, 
mit Ausnahme der 2. und 3. Sing, und im Imp. /. 1!.: 

buiden, gruiuen, kruigen, muien, ruien, ruiden, spluien, wrniben, 
wnifen u. s, f. — 

§ 69. In einer beschränkten Anzahl von Wörtern ist es aber 
auch ein kurzes i, welches den Karakter des ui, i angenommen hat. 
So besonders bei Assimilation des d der Konsonantenverbindungen ld 
und nd: huile, f.=Hilde, Raum über dem Stalle, kuine, Dat.=dem 
Kinde. Ferner im Inf. und Präs. 1. Sing, und Plural von fuinen= 
finden, buinen:=binden, wuinen=winden. — 

Ohne Assimilation: kuint, n.=Kind, wuint, m.=Wind. — 

Vor Ausfall von inlautendem d: luilam=gliedlahm, swuie=sehr, 
suier=seit, sluie, f.=Stätte (as. stidi), wuier=wieder. 

In Fremdwörtern ist ui=betontem i z. B. Lowuife=Louise, 
quuit— quit. los, kruide, f.=Kreide. 

Vor r findet sich ui— i und i in: 
bnirbaum, m.=Birnbaum, fuier, f.=Feier, ferfuiren^=erschrecken, 
fuirkeoh, f.=nicht trächtige Kuh, huir=hier, schuir=rein, schuir'n^ 
abtheilen. wuir"n=wehren, spuir, n.=Spier, Halm. — 

Je nach der Betonung mit i wechselnd findet sich ui in mui= 
mich, dui— dich. wui=wir. jui=ihr, muin==mein, duin. suin, bui=bei. 
Zwischen ui und i schwankt wuinkäup, m.=Pachtkauf. — 

Endlich verdienen eine besondere Erwähnung: 
huigen=sinnen auf etwas (hugjan), nuiwer=hübsch, uibenkratse, f. 
=Eidechsentümpel, uiben, m.=Epheu, (Heepen) ags. ifig, nui-schuir'ch 
=neugierig, huigen=keuchen. twuibäinich— zweibeinig. 



33 



eo 



§ 70. eo=got. und as. u, hat sein Gebiet nur in den Kreisen 
Herford und Halle, während die Mundarten des Kr. Bielefeld dazu 
neigen, das as. 6 als ein au oder auch ou und selbst u vernehmen zu 
lassen. Es kömmt überhaupt von allen westfälischen Lauten 
dem Laute eo das beschränkteste Gebiet zu. Er ist ausser für das 
Ravensbergische nur noch für das Lippische (Schieder, Reelkirchen, 
Hörn) karakteristisch. Die Auffassung von Lippisch eo als äu in Kuhn's 
Zeitschr. XVIII, 271 ist falsch. Vereinzelt findet sich eo=as. 6 noch 
im Schaumburgischen, im östlichen Theile des Paderbornischen Landes 
(Nordborchen), um Büren und Driburg als eu und bei Rietberg. 

In allen jenen Wörtern aber, in welchen die Ravensbergisch- 
Lippische Mundart dieses eo hat, welches fast durchweg einem got. 
oder as. und ags. 6 entspricht, findet sich in dem grössten Theile des 
östlichen und südlichen Westfalens, sowie im Göttingischen (Schambach) 
ein meist als ächter Diphthong gesprochenes au: faut=Fuss, haut— 
Hut. sehau=Schuh. 

Dieses au taucht auch auf niederdeutschem Kolonisationsgebiete 
auf, bei Zempelburg und Natangen, um Oldesloh uud Segeberg, in 
Westschwerin uud im Reuterschen Niederdeutsch. 

Die engrisch-westfälischen Mundarten haben, nachdem es ihrer 
Natur wiedersprach, einfaches langes 6 zu halten, entweder den Weg 
von 6 zu eo oder den Weg von 6 zu ou. zu au eingeschlagen. In 
dem Herforder Gedicht v. J. 165(3 herrscht au z. B. maut=Muth, bauk 
=Buch, brauk=Brüch. Im Münsterischen bleibt, wenigstens nach 
einigen Darstellern, das 6. Osnabrückisch herrscht nach Klöntrup ou, 
„in welchem u nur ein Nachklang ist." Lyra schreibt oo. 

§ 71. Beispiele des rav. eo: 
beok, n.=Buch, Buchecker, bleot, n.=Blut, bleome, f.=Blume, 
breo-er, m.=Bruder, breok, n.=Brüch, beofem, m.— Busen, bleoen= 
bluten, eower, n.=Ufer, fleom, m.=trübes Wasser, fleot, f.=Klut, 
feot, m.=Fuss, feorn— füttern, freo=früh, geonsdach. m.=Mittwoch, 
geot=gut. gleot, f.=Glut, heosse, m. =Husten, heot, m.=Hut, heoi'n 
un sneor'n= „Huren und Bubeu", jeoleu=johlen, kreoch, m, ^Schenke, 
keoh, f.=Kuh, leoge, f.=Flamme. meut=Muth, meoer, f.=Mutter, 
meor, n.=Moor, neone, f.— Zeit von 12 — 2 Uhr Mittags, neost, m.=Ast- 
stumpf, neoch:=genug, pleoch, f.=Pflug, peol, in.=Lache. reofe, f.= 
Rose, reot, m.— Russ. steol, m.=Stuhl, sleom, m.=Sehlemmer, Schlaps, 
sclieo,m.=Schuh,teo=zu,teobastich=zähe,meole,f.=Mulde.mud molde. 

In Fremdlingen— 6: 
Franseol'e=:Franzose, kreone, f.=Krone, salmeon, m.=Richtspruch 
des Zimmermannes bei der Hausrichtung, scheole, f.=Schule, keoken, 
m.=Kuchen. 

St. Verbalformen: 
dreoch=trug, greof=grub, greos=graste, jeoch=jagte, leut=lud, 

Jellinghaus, Grammatik. jj 



34 

meol— mahlte, Bleoch=schlug, reoben rufen, gerufen, ik reope=ich 
rufe,wireopet==wirrufen,deon fchun,ikdeoe==ichthue,wideot==wirthun. 

Durch (Jebergang (aus a): 
dreop=traf, freoch fragte, befeoL befahl, meot=begegnete, ferheol 
=Terhehlte, Bteol — stahl, Bpreok=sprach, Bteok=steckte, beweoob= 
bewog. Bisweilen dreof=trieb (vergl. engL drove). Bemerkenswert 
sind noch: feolen, n.=Fohlen, kleok=klug, dreossel, f.= Drossel, 
gneostern=knir8cben, kreone, f.= Kranich (mnd. 6), reofich wiaer= 
kaltes Wetter (ahd. rosa glaeies), reowe, f.=Grind, Eofenbrügge=Osna- 
brück iandd. Osanabrugge). Man hört auch beode, f.=Bude neben biude. 

Vor r wechselt rav. eo mit ö besonders wenn es ehemaligem 
kurzen o entspricht: 

beort. f.=Bord, deor, n.=Thor, eort, ra.— Ort, auch ein Maass, 
keor, n.z=Chor in der Kirche, neorden=Norden, weort, n.=Wort, 
weor'n=geworden neben wörn u. s. f., feorman=Fuhrmann neben fürman. 

eo wechselt mit o je nach der Betonung in teo, to=zu, to-jäur 
^vergangenes Jahr, engl, to-year. 

oe 

§ 72. oe, vielleicht ebenso passend oi, ja nach der Aussprache 
im Kreise Halle oü zu schreiben, ist Umlaut zu eo und hat im Ra- 
vensbergischen im Ganzen dasselbe Recht, wie jenes. Aber das oe 
hat ein weiteres Gebiet als das eo. So kommt oi, oe vereinzelt im 
Sauerlande und im Braunschweigischen und Göttingischen (doit, foite) 
vor. Vielleicht ist diese weitere Verbreitung des oi, oe, zu der man 
auch die gewiss mit einer Eigentümlichkeit der westfälischen Dialekte 
zusammenhängende Neigung mnd. Quellen für oi=ö heranziehen könnte, 
ein Zeugnis, dass das westfälische au=rav. eo ein späterer Laut ist, 
so dass die Dialekte mit eo das ursprünglichere Verhältnis bewahrt 
haben. Das Herforder Gedicht vom J. 165G weist auf: noemen= 
nennen, moemen, Dat.=Mutter, froi=früh. 

Für oe zeigen Münster und Osnabrück ö. Lyra schreibt öö. Ech- 
terling bezeichnet seinen lippischen Laut mit Recht als oi. In der Graf- 
schaft Ravensberg selbst existirt der Unterschied, dass der Kreis Her- 
ford öe, der Kreis Halle öe, öü, der Kreis Bielefeld oe, öö hat. 

§ 73. Beispiele des oe=got. und as.ö, ags. e sind: 
boeden=heizen, boeker= Bücher, boeke, Pl.=Bucheckern, broeen= 
brüten. bedroewet=bekümmert, bedwoelen=verirren, foede. Pl.=Füsse, 
groesken, f.=Grasmücke, floemen=trüben, groen=grün, gialgoefe= 
Goldammer, hoeen=hüten, hoeken, Pl.=Trauermäntel der Frauen mit 
Kaputze, moeme. f.=Mutter. moee=müde, moede, f.=Begegnung, 
oewen=necken, oefen, Pl.=Nadelöhre, oelen=wühlen, ploegen=pflü- 
gen. roer'n=rühren, roeben, f.^^Rübe, spoedeu, sik=sich sputen, 
swoegen=seufzen, beswoegen=in Ohnmacht fallen, soede=süss, soeken 
=suchen, toemioh=ruhig, gelegen. toeben=warten. 

In der 2. Sing., dem Plur. sowie dem Konj. des Prät. der st. 
Verben, die im Sing. (1. und 3. Pers.) eo hatten, z. B.: 



35 

groewenr=gruben, du groewes=du grubst, wi moeden=wir begeg- 
neten, droegen=trugen, joegen=jagten, loeden=luden, sloegen=schlu- 
gen. Dazu kommen wi twoegen=wir beugten, du twoeges=du beug- 
test, ik bloes=ich blies, wi bloefen=wir bliesen, wi roepen=wir rie- 
fen, wi broeden=wir brieten. 

Ausserdem durch Uebergang: 
boeken=backten, ferboergen=verbargen, bedroegen=betrogen, fer- 
droeden=verdrossen, floegen=flogen, befoelen=befahlen, loegen=lo- 
gen, toegen=zogen, broeken=brachen, froegen=fragten, stoelen= 
stahlen, sproeken=sprachen, stoeken=steckten, woegen=wägten, be- 
woegen=bewogen. — 

§ 74. Vor r auch=o: 
boerde=Borten, oerde=Orte, woer'=wäre, woerde= Worte, kloerde, 
f. = Farbe. 

§ 75. Es bleibt die Behandlung der sogenannten westfälischen 
„Brechungen" übrig, das ie, ia, ua, uo, üö, iia, üe. 

Alle diese Laute sind, wie sie gemeinwestfälisch sind, gemein- 
ravensbergisch. Sie herrschen, kleine Schwankungen ungerechnet, im 
Norden und im Süden der Grafschaft in fast gleicher Stärke. 

Bezüglich ihrer Aussprache ist Nachdruck darauf zu legen, dass 
in ihnen allemal der erste Vokal deutlich aber kurz abstossend aus- 
gesprochen wird, wonach die Stimme in den zweiten Vokal übergeht, 
ohne dass der ganze Laut zweisilbig wird. 



ie 

§ 76. ie geht meist auf älteres i zurück. Es giebt einen klei- 
neren Theil seines Gebietes an tonlanges I ab. Am wenigsten tonlange 
T statt ie hat das Grenzgebiet gegen Kr. Lübbeke und das gegen 
Wiedenbrück und Warendorf. 

ie kommt bereits in Quellen aus dem 17. Jahrh. dann und wann 
vor. — 

Vor r geht das e gewissermassen in dem halbvokalischen r auf, 
jedoch weiss der Kundige ein bieke, f.=Bach und ein blrke, f.= 
Birke lautlich zu unterscheiden. 

§ 77. Beispiele von ie— älterem i, e: 
biefebäum, m.=Heubaum, biet, m.=Biss, blieken=bellen, diele, f. 
=Diele, fernien=neulich, mhd. vernent, fiele=viele, hiemel, m.=Him- 
mel jie=ach! hm! kiedeln=kitzeln, kriegel=munter, kriemel, m.= 
Kribbel. liefich=einschmeichelnd, liepel, m.=Löffel, liewern=liefern, 
lieben, n.=Leben, niegen=neun, niede=Nisse, piekel, m.=Pökel, pie- 
per, m.=Pfeffer, plieder, m.=Moder, pieken=stacheln, quiekstairt, m. 
=Bachstelze, quieke, f,=Quekgras, riepen=l) Flachsriffeln, 2) rut- 
schen, sieben=7, swieben, f.=Peitsche, siepern, f. = tropf ein, spiel, n. 
=Spiel, spriekel, m.rhamnus frangula, schiene, f.=Schiene, striemel, 
m.=Streif, sieker=sicher, Siegel, n.=Siegel, tielen=zeugen, twielen, 

3* 



36 

f.=Gabelast, triefeln=kreiseln, wiemeln=wimmeln, Wiefer, f.=Weser, 
wieke, f.=Woche. 

Ferner die b! Verbalformen: 
Fergieden, ik fergiede, Part. Fergieden, Diemen, ik oiemi 

die -'. >iii^ r .. der Plnr., der Optat. und das Part, derer von der 
Vblautreihe, soweit sie nicht, was seltener, Tondehnung haben: 
wi bieden, griepen, kicken, rieden, schienen. Btrieken, Bliepen, slie- 

ken. schieden u. s. f. 

Dazu uieden=gegessen. wieden=wis8en, wi \vied't=wir wissen. — 
g 78. ie vor Konsonantenverbindungen: 
gienten=dorthin. kieksteni=kichern, piesk, m.=()chsenziemer. he 
>)iielt=er spielt. tiepken=nccken. 
Bemerkenswert sind noch: 
giegent, f.=Gegend, iefel. m.=Ksel. kiedel. ni.=Kessel, niedel, f. 
=Nessel, Vpiek, m.=Eiter8tock, riekel, m.=grosser Hund (auch Seh.), 
sehiepel. m.=Scheffel, tieläüsken. n.=wüde Primel, tiegen=gegen, 
siemich=kräftig, dick, von Suppen. 

ia 

§ 79. Während für die Mundarten des Rgbz. Arnsberg die 
Schreibung ea in Wörtern wie breaken=breehen die Aussprache am 
besten bezeichnet, w r ählen Darsteller der paderbornischen, ravensber- 
gischen, osnabrückischen und münsterischen Mundarten mit Recht die 
Schreibung ia. iä. Im Rav. wenigstens hat das i gar keine Aehn- 
lichkeit mit irgend einem e. Das a ist ein reines, flüchtiges a. — 

ia hat im Ravensbergtschen. Osnabrückischen (als iä) und Mün- 
sterischen (als iä) überall ziemlich gleiche Verbreitung. Im Süderlande 
aber ist es häufiger, indem es dort ohne Bedenken noch in vielen einsil- 
bigen Wörtern und vor verschiedenen Konsonantenverbindungen an- 
gewandt wird, in und vor welchen nördlich und westlich 8 und ä steht. 
So heisst dän=den, sauerl. dian. Lippisch und Miudisch tritt statt 
ia bereits S und e auf z. B. steken=gestochen. lägen=gelegen. 

Rav. erscheint ia vor einfachen Konsonanten, vor lk, rm. m. 
rw (rf) und einmal vor ng mit nasalem n: 

;i 30. ia=got. as., ags. i, e: 
biadeln=betteln, biaen=beten, bediarwet=in Noth, dial, f.=Tenne, 
diagen. m.=Degen, fiafe, f.=Faser, fiaferlink. m.=Scllraetterling, friae, 
m.=Friede. fiaer, f.=Feder, gial=gelb. hiar=her, Hiarm=Hermann. 
hiarmken. n.=Wiesel, hiarbiarge. f.=Herberge. iar=ihr. iaben=eben, 
iawai, m.=Epheu. kiale. f.=Kehle, kniaen=kneten, uiskiakel, m.=Eis- 
zapfen, kiurke, f.=Kirche, mialke. f.=Milch, mia, m.=Meth, riaken, 
Adj.=wohlgemessen. tüchtig, (ags. ricene=confestim) Hangen. m.= 
Regen, schial=scheel, stiarke, f.=Rind, die Starke, swiawel, m.= 
Schwefel, twialk. m.=Taumellolch, tiar. m.=Theer. tiaren=zehren, 
tiargen=necken, wiame.f.=Pastorat. wiaer. n. =Wetter, wiark,n.=Werk. 

St. Verbalformen: 
briaken, driapen, befialen. ferhialen. iaden. liafen, miaden. pliagen, 



37 

spriaken, stialen, stiakeD, schiar'n, stiarben, ferdiarben, triaen, twiagen 
=beugen, wiagen=wägen, bewiagen. 

Ebenso in der 1. Sing, und im Plur. Präs. und im Imper. der- 
selben Verben. Dazu in den Part.: bian=gebeten, friaden, iaden= 
gegessen, Haien, miaden, siaden, trian=getreten, wiafen=gewesen. 

§ 81. ia entspricht aber auch älterem a. Es dient als 
solches in der Deklination und Konjugation gleichsam als Umlaut zu ä, är: 
bliar=Blätter, diarme=Därme, fiam=Fäden, fiar=Väter, griawens 
=Gräben, hiamels=Hämmel, gliaier=Gläser, griaier=Gräser, niagel 
=Nägel, stiae=Städte, sliage=Schläge, tiane=Zähne (tan=Zahn), 
wiagens=Wagen; biader=besser, briagen, m.=Gehirn, dial, f.=Tenne, 
hiafel, f.=Hasel, sik ferhiagen=sich verstecken, he Hagerer legte, 
iale, f.=Elle, iadel=edel, kiamerken, n.=Kämmerchen, miaken=Mäd- 
chen, niafe, f.==Nase, riadern=rasseln, schiamen=schämen, sialich= 
selig, siadigen=sättigen, sia=sagte, sian=sagten, tiamen=zähmen, 
sik betiamen=sich ein Herz fassen. 

Vor r und vor Konsonantenverbindungen: 
swiarme=Schwärme, iarmer=ärmer, wiarmer=wärmer, wiarmde, 
f.— Wärme, miar', f.=Stnte, miar kum!=Lockruf für Kühe (auch 
Hildesheimisch), miargel, m.— Mergel, iarfte=Erbsen, iarwe, m.:=Erbe, 
fiarwen= färben, fiarken=Ferkel, miarken=merken, schiarpen=schär- 
fen, iantke=Enten, miag'de^Mägde, hiamstern=prügeln, iakster, f. 
=Elster, riaknen=rechnen, tianken, n.=Zähnchen. 

St. Verbalformen : 
Bwiar'n=schwören, ik swiar', du swiar's, grial'en, ik griafe; driagen, 
ik driage, griafen=gegrast, driagen=getragen. 

Beachtenswert sind noch: 
biarch, m.=Berg, Hiargät=Herrgott, hiarm, m.=Bock (Seh.), priake, 
f.=Predigt, quialen=quälen, tiane=10 und twialwe=12 (nur südrav.), 
wialich=wohlig, wialmeot, m.=Uebermuth, wialdage=gute Tage, 
piart, n.=Pferd (neben päge), hiark, m.=Hederich, kliapern=klap- 
pern, kliadern=klättern. — 

Bemerkenswert ist an gleicher Stelle mit westf. ia, ea das eng- 
lische ea in westf. meal, engl, meal, mea=mead, breaken— break, 
eaden=eat, treaden=tread, leafen=lease, stealen=steal. 

ua 

§ 82. ua hat im Ravensb. überall dasselbe Gebiet inne. Mün- 
ster und Osnabrück haben an derselben Stelle, ersteres uo, letzteres 
ua, Woeste hat uä, welches aber ein weiteres Gebiet hat, als rav. ua, 
z. B. wuät=was, rav. wat. Grimme (Meschede) hat uä. Im Pader- 
bornischen scheint ua zu Gunsten eines oä oder gar ü uud ö, seltener 
zu werden und in dem Echterling'schen lippischen Wörterverzeichnisse 
in den Mdart. Bd. VI fehlt es gänzlich. Statt seiner steht ein langes 
6 oder ä, z. B. stowe, f.=Stube. Jedoch findet sich ua vor r z. B. 
duarp=Dorf (Schieder bei Pyrmont). 

Dem westf. üa entspricht altes u oder, besonders im as. und 



HS 



mini. o. Es ist daher, wenn auch bereits vor 1790 ein Idiotikon in 
Weddigena N. West Magazin „buaggen": -gebogen hat, in diesem 
Laute rückwärts ein iminei stärkeres Vorwiegen des u anzunehmen. 
Wenn das B statt ua, welches die nördlichen und östlichen Mundarten 
.11. /. B. fagel=fuogel= Vogel, lägen=westf. luagen=gelogen, be- 
reits in Osnabrück auftritt, so darf das an dem ursprünglichen Vor- 
wiegen des u nicht irre machen. Der stärkere lautliche Verfall jener 
Mundarten ist ja anerkannt. Existirt aber eine besondere Beziehung 
/wischen westf. ua und nds. äV Beachtenswert für die Behandlung 
dieser Präge wären Beispiele wie rav. häf=Hof, Dat. huawe, läf, n.= 
Lob, Dat. luawe, trach, m.=Trog, Dat. truage. 
BS. 1. ua=altem u: 
buaben=oben, duaer, m.=Dotter, gruawen, Dat.=groben, huapen= 
hoffen, knuake, m.=Knochen, luan, f.=Lode, puade, f.=Setzling, 
puaden=pflanzen, setzen, intruaen=ausreuten, Ruaker=Radewig, Orts- 
name, struade, f.=Kehle, suale, f.=Sohle, tuage, Dat.=dem Zuge, uake, 
f.=Junge, besonders halbwüchsiger. (Im Jahre 1656 in Herford „wocke a ). 
Vor r: 
fuar, f.=Furche, fuar, f.=Fuhre, kuarf, m.=Korb, tuarf, m.=Torf, 

St. Verbalformen: 
Alle Part, der 6. Ablautreihe: ferruaden=verfault, guaden, knuaben, 
iutluaken, kluaben, schruaden=geschrotet, suagen u. s. f. 
Von der 1. Reihe die Part.: 
befualen, schualen, gualen. 

Von der 3. Reihe: 
bruaken, druapen, ferhualen, nuamen, stuaken, spruaken, stualen, 
sehuar'n. swuar'n, wuagen; twuagen=gebeugt. 
§ 84. ua=einem o des As., Mhd., Engl.: 
buae, m.=Bote, buam, m.=Boden, hualen. Dat.=hohlem, kuade, 
m.=:Kotten. knuaden=kneten, kluaben, m.=Kloben, sluakern=schlot- 
tern, stuakern=stochern, schuaken, pl.=Beine, uapeu=offen, uawe, 
m.=Ofen. 
Vor r: 
buar'n=bohren, duarte, f.=altes Weib (Seh.), stuarkeln=straucheln, 
smuar , n=schmoren, schuarf, f.=Schorf, stuark, m.=Storch, tuark, m. 
=Pfropfen. 

ua=got aü: 
duarp, n.=Dorf, muargen, m.=Morgen, suarge, f=Sorge, tuagen 
=gezogen. gebuarn=geboren. 

ua=as. ör: he swuar=er schwur, wi swuarn=:wir schworen. 

uo 

§ 85. Weit seltener als ua ersetzt uo altes u und o. In dem 
uo ist an manchen Orten, besonders am Wiehengebirge, das u noch 
so vorherrschend, dass dasselbe fast wie ein u vor einfachem Konso- 
nanten in offener Silbe klingt, z. B. su°ne=Sohn, wu°nen=woh- 






39 

neu. Woeste hat uä=rav. üo; Klöntrup'sches uo scheint mit rav. 
uo identisch zu sein Lippisch und Pyrmontisch scheint lür uo be- 
reits u, o, ö zu stehen z. B. \vossen=gewachsen. 
Die Beispiele sind nicht häufig: 

suone, suon, m.=Sohn, tuok, m.=Zucken, Geschwulst, tuokern= 
verwirren, zerren, ferkluomen=steif von Frost oder Gicht, puok, m. 
Knirps, wuonen=wohnen, buoken=stampfen. 
St. Verbalformen: 

Unter Einfluss des u von qu in kuomeu— kommen, nebst Präs. mit 
Ausnahme der 2. und 3. Sing. : kuomen=gekommen, wuos=wuchs, 
wuossen=wuchsen, wuossen==gewachsen, wuosk=wusch, wuosken-=ge- 
wascheu. 

Vor r ist uo schwer von ür zu unterscheiden. Es verdient aber 
die Schreibung uor meist den Vorzug vor der Schreibung ür wegen 
des Vorhandenseins von uar. 

nuorf, m.=Narbe des Grases, buorch, m.=verschnittener Eber, nuor- 
ken=brummen, gnärren, luork, m.=Kröte (Seh.), puorken=porren, 
duortken=furzen, tuorkeln=taumeln, kuormel, m.=Haufe, uorsel, n. 
= Asche, Schutt, stuorben=gestorben, ferduorben=verdorben. 

üö 

§ 86. Als Umlaut zu uo dient üö: 
büöker, m.=Schlägel, süöne=Söhne, wüönlik=wohnlich, wüössen= 
wüchsen, wüösken=wüschen. 
Vor r: 
büörche=Eber, lüörke=Lorke, nüörkeln=kieinlich tadeln, stüörben 
=stürben, ferdüörben= verdürben. Vergl. üe. 

üa 

§ 87. üa ist— ua mit getrübtem u. Woeste schreibt den Laut 
üä. Derselbe hat aber bei ihm noch manche Wörter inne, welche im 
Ravensbergi sehen uü besitzt, z. B. sluür'n=schlenderii, nachschleppen, 
buür , n:=heben, duür=durch, muür=mürbe; auch kÖrder=kürzer, görde 
=Grütze, schörde, f.=Schürze haben südwestfälisch üa. Jedoch sind 
auch auf rav. Gebiete die Beispiele von üa nicht selten. 

An der Grenze des Kr. Lübbeke scheint üa zu fehlen und durch 
u und ua ersezt zu werden, üa muss auch bereits ein älterer Laut 
sein. In einer Urkunde von c. 1500 findet sich üarem=ihrem, auch 
jezt üarem und um 1400 in einer Höxterschen Urkunde uerem= 
ihrem. 

§ 88. üa entspricht altem u resp. o und findet sich besonders 
in Pluralen, Komparationen oder in abgeleiteten Substantiven und 
Verben : 

grüawer— grober, hüawe=Höfe, küale=Kohlen, küader=Kötter, 
knüaksken, n.=Knöchlein, küarwe=Körbe, tüawer, m.=Zuber, üawer 
über, üawste=oberste, gnüadern=gnöttern, güaweln=vomiren, hüalen 
=höhlen, snüakern=schnuppern, tüakstern=gackeln, schreien, stüakern 



40 






=8tochern, sik trüagen rieb zanken, iianern, m.— Naelmiittag, küake, 
f. = K 1 m ■ 1 1 • • . 

ü in üa scheint getrübtes i zu sein in t T awert=r=Eberhard, üar= 
ihr. üam, m.=Ohni, ags. eäm. 

üe 

B9, üe ist leicht mit üö zu verwechseln, muss aber doch 
wohl von demselben wegen seiner Herkunft unterschieden werden. 
Wocstr hat üe als l'mlaut eines ue. An der Stelle dieses üe steht 
rav. aber nur in einer Anzahl von Wörtern üe, sehr häufig wird das- 
selbe durch ü ifugel=Yogel), u (dulTelich— duselig), o (achterfot, f. 
=podex, donne=straff. not, f.=Nuss) und ü (undüget=ungezogen) er- 
t. Klüntrup bezeichnet in den entsprechenden osnabrückischen 
Wintern rav. üe mit üö. 

6 90. üe=altem u rindet sich in: 

büeker, m.=l) Schlägel, 2) Böttcher, bedrüelelt=duselig, düedel, m. 
=Stummel. penis. drüemel, m.=ungleich gesponnener Faden, drüeben= 
dürfen, flüede, f. kleiner Quellbach. füenich=:faul. flüede, Pl.=l) Flüsse, 
2) Rheumatismus, güelen=ergiebig sein, jüeken=jucken. jüe!=vorwärts! 
heim Fahren, küenink. m.=König, küedel. m.=Kothstüek, klüederruijje, 
f.=Bnmmelei, ji küent=ihr könnt, ji müet=ihr müsst, müegen=mögen, 
ji müeget=ihr möget, müeden=müssen, müele, f. 1) Maul, Gebiss, 
2) Mühle (gew. müelen), müen'k. m.=MÖnch, nüefel, m.=Lichtschnuppe, 
nüelen, nüedelen=kleinlich tadeln, klagen, nüede=Nüsse, nüekel. m. 
kleine Erhöhung, schüelen=trüben, süelen=beschmutzen, schüedel, f. 
=Schüssel, spüedern=spüttern. sprüeke, Pl.=Sprüche, slüedel, m.:= 
Schlüssel, snüedrich=rotznasig, krajjensnüeder, m. = Mistel, stüenen=l ) 
Btöhnen, 2) „stöuen", Besuch bei einer Wöchnerin machen mit einem 
Geschenke, fertüedern=verwickeln, betüenen=bestricken, bethören, 
tiienen=quälen, (ags. tynan), tüedeln=taumeln, wispeltüete. Pl.= 
Wirbelwind, Humbug, tameltüeten=Fabeln. 

Und in den st. Verbalformen den Prät. Plur. der 2. Sing. Prät. 
und dem Optat. Prät. von Verben der 6. Ablautreihe: 

büen=boten. büeges=bogest, ik büege=ich böge, se bedrüegen. 
ferdrüeden, früel'en. flüeden, krüeben. ferlüefen, lüeken iut, rüeken, 
schüeden, slüeden. süeben, slüeken u. s. f. Dazu se schüelen=sie 
schalten, se güelen=sie galten, se slüegen=sie schlugen. 



Zweiter Abschnitt. — Konsonanten. 



§ 91. Auch das Konsonantensystem der westfälischen Mundarten 
steht in einem geregelteren und treuerem Zusammenhange mit der 
alten deutschen Sprache, als das der übrigen, besonders der trans- 
albingischen ndd. Mundarten. Noch hat sich in Westfalen keine Kon- 
souantenverbindung mit seh fest an den Baum der Sprache ansetzen 
können, als Ausgangspunkt für eine unaufhaltsame Zerstörung des ur- 
sprünglichen niederdeutschen Konsonantismus, noch erklingt das sl, 
sm, sn. sp, st, sw rein im An-, In- und Auslaut, noch hat das inlau- 
tende sk seinen vollen Platz, noch wehrt sich die Sprache — freilich 
mühsam — durch ihr s-ch im Anlaute gegen die Verballhornisirung 
des sk in ein kakuminales s (seh). Mit dem grössten Theile von West- 
europa bewahrt sie überwiegend das scharfe anlautende s gegen die 
hochdeutsche weiche Aussprache und auch das anlautende alte ch 
(j£* und •£ bei Rumpeltj, entsprechend got. g, kämpft zwischen Weser 
und Rhein mit weit mehr Erfolg um seine Existenz als anderswo 
in Nieder-Deutschland. 

§ 92. An anderen Punkten freilich droht den westfälischen 
Dialekten ein eigentümlicher lautlicher Wandel und Verfall. Dahin 
gehört besonders der durch die Erhaltung des Endungs-e bewirkte 
sehr zahlreiche Ausfall von inlautenden weichen Konsonanten und 
die Erweichung von inlautendem harten t und p zu d und b. Durch 
beide Vorgänge werden die Stämme manchmal bis zur Unkenntlichkeit 
entstellt. 

Das Ravensbergische besitzt diese westfälischen Besonderheiten 
in vollem Masse. Es bildet bezüglich seiner Konsonanten, nicht etwa, 
wie man nach der geographischen Lage der Landschaft annehmen könnte, 
die Brücke zur Sprache der norddeutschen Ebene, vielmehr ist eine 
Neigung zur Ausstossung von inlautenden weichen und zur Erweichung 
von harten Konsonanten grade in ihm in besonderem Masse vorhanden, 
so dass es sich sowohl den südwestfälischen als den hannoverischen 
Dialekten gegenüber durch Weichheit, Geschmeidigkeit und Wohlklang 
auszeichnet. Der Uebergang p zu b und t zu d erinnert an das Dä- 
nische. Charakteristisch für die ravensbergischen Konsonanten ist ausser- 
dem das gänzliche Fehlen des Uebergangs von dd zu rr und die Vorliebe 
für jj=i, h, w. Die vor folgendem Vokal eintretende Erweichung des 
harten auslautenden Konsonanten, wonach f wie w, t wie d, ch wie g 
klingt, hat der Dialekt zwar mit vielen niedersächsischen, nicht aber 
mit jeder der benachbarten westfälischen Mundarten gemein. 



42 

I. 

1, r, m, n. 

1 

§ 93. Die Aussprache des 1 ist wie im Hochdeutschen, 
Anlautendes 1 bietet nichts Bemerkenswertes. 

Inlautend findet sich einfaches 1 sowohl Dach zusammengesetz- 
ten als nach tonlangen und langen Vokalen: ale^=Aale, BÜelich= 
schmutzig. Oft entstellt es hier nach Ausfall des zweiten Theiles 
einer mit 1 beginnenden Konsonantenverbindung: failer=Eelder. äule 
=alte, gailen=gelten. 

Geminirtes 1 entsteht entweder durch Assimilation, (»der es 
dient zur Bezeichnung vorhergehender Kürze. 
11 aus lj : fertellen=erzählen. 

ld stets zu 11: beller=Bilder, eller=älter. ballern=knallen, wol- 
len=wolten, eller, f.=Erle, mellen, f.=Grashalm. 
Auslautendes 1 bietet nichts Merkwürdiges. 
§ 94. In- und auslautende Verbindungen sind: 

lb: entsteht aus lvv nach Zusammenstoss des w mit dem n der En- 
dung en, 'n, z. B. sülben=selbst, kalben=kalben, salben, f =Salbe. 
Auch sonst ist lw bisweilen zu lb geworden. Man hört sülbern=sil- 
bern. 

lw: sülwest— selbst, alwem=albern, bulwern=brodeln, hälw'de, f. 
=Hälfte, kölwern=aufstossen (Stürenb. kölpen), wülwe=Wölfe. Bis- 
weilen auch vor en: salwen=salben. 

ld: steht=älterrn d wohl nur in fremden Wörtern wie melden=: 
melden, gülden, m.=Gulden. Bemerkenswert sind schulde, m.=der '2. 
Knecht der Grossbauern, kuülde. f.=Kälte (t, th) olde=wühlte. 

lt: altes lt hält sich inlautend, auslautend entspricht lt auch dem 
ld: stortern=stolpern, pultern=mit Geräusch fallen, stolt=steil, failt, 
n.=Feld, stilt, m.=Ende des Schinkens. 

lp: ik hälpe=ich helfe, hälp=hilf. 

Im: das 1 ist oft kaum hörbar, halm. m.=Halm. Ebenso steht es 
mit dem 1 in 

lf: hälfe, Dat.=Halse. Dngegen in 

ls lautet 1 wie im Hochdeutschen, z. B. dolse, f.=Puppe, Bals= 
Balthasar. 

lsk: äulske, f.=die Alte. falsk=falsch, holske. ni.=Holzschuh. 
Ist: qualster, m.=zäher Schleim, baistrich, balstuürch=ungestüni. 

Ik bietet nichts Bosonderes. 

lg erscheint nur inlautend z. B. felgen=wenden, graben, spelgen, 
Pl.=Art Pflaumen, bälgen, Pl.=PedaL 

lj auch nur inlautend und zwar entweder aus li oder frzs. ill /■■ B. 
lilje, f.=Lilie, paidersilje, f.=Petersilie. scliatiljer, m. Schreiner oder 
bisweilen verwechselt mit lg z. B. täije==junge Eiche neben tälge, 
hiljenbelt, n.=Heiligenbild. 



43 

If erscheint nur auslautend. Rolf=Rolf, wulf, ra.=Wolf. 

loh nur auslautend: balch, m.=Balg. Man hört auch mit Aurlösung 
von Ich: bailich; tallich, m.-=Talg. 

§ 95. Auf Lautwechsel mit r beruht 1 in älwer, f.=Erdbeere, 
kall'ber, f.=wilde Kirsche mnd. kersebere; twialk, m.=lolium tem, 
s. westf. twiark; kullern=rollen, ndd. kurlen; Paderborn, andd. Pathal- 
brunnon ; kolkräwe, m.=grosse Krähe, mnd. karok, f.=Dohle (?), klafun- 
kelstäin=Karfunkel. Wechsel mit d in mellesuin, f.=Medicin, kiln, 

f.=Kette. 

§. 96. Metathesis des 1 fand statt in: 
keltem=prasseln neben kliadern, pelten, m.=Fetzen neben pluiten, 
f. u. m.=schwere Wunde, blieken=bellen neben ags. beorcan, püls- 
ken=plätschem neben osnabr. plasken=spülen, kalbastern=poltern 
neben klabastern, kalbutse, kabutse, f.=baufälliges Häuschen neben 
klabutse. 

§ 97. Eingeschoben ist gewissermaassen das el in wiarkel- 
dach, m.=Wochentag, waskelstäin, m.=Waschstein, drügeldeok, m.= 
Handtuch u. a. 

Ausfall von 1: 
Vor k in wecke = welche? sak=soll ich? wik=will ich? wok=wolte 
ich. Vor t (d) und s: ji süet=ihr solt, wüt=wolt, wus du?=wilst 
du? du wos=du wilst, du sos, sas=du solst, ji süet=ihr sollt, äf, 
äffe— als, gleichwie. 



§ 98. Anlautend hat r denselben konsonantischen Wert wie 
im Hochdeutschen. Dabei ist es durchschnittlich guttural und ent- 
steht nur in einigen Grenzorten der Landschaft durch Anlegen der 
vordem Zungenspitze an den oberen Gaumen. 

Anlautendes hr wird kr in: krängel, m.=Art Backwerk und 
krink, m.=Kreis. wr hält sich z. B. wruiben=reiben, neben bruiben 
und ruiben. Vergl. unter w. Bemerkenswert ist r=h in ramstermius, 
f.=Hamstermaus. 

§ 99. In- und auslautend löst sich r fast stets vokalisch auf. 
Die Beschreibung dieses ndd. r bei Nerger § 185 passt auch auf das 
rav. r. Da das folgende Schwächungs-e von dem r absorbirt wird, 
so dass re und ren wie er und ern klingen (man hört ein früchtiges 
e vor dem r), so entsteht hier ein Widerspruch zwischen Schrift und 
Aussprache. Denn der Deutlichkeit halber musste das e und en hin- 
ter dem r wenigstens doch durch die Schreibung r' und r'n konser- 
virt werden. Also se woeren=sie waren, oder se woer'n; lair', f.= 
Lehre, hair'nk, m.=Häring. Im Auslaute ist die Aussprache des 
r ganz die des englischen r am Ende. 

r oder rr erscheint inlautend nie nach kurzen Vokalen, indem 
der vorhergehende Vokal durch das r oder rr allemal eine scheinbare 
Länge annimmt. 

wären=in Acht nehmen, liur 1 n=lauern. 



44 

Nach Vokalzusammensetzungea : 

huür'n=iniethen. fuir'ii=feiem, baür'n=hören, l;iii*n = l«*ln«ti . ler- 
lit'ii. wair"n=werden. iniiiir' f.=Mauer, air'n. f.= Erde, iniar'=Stut« . 
Nur aus Rücksichten der Deutlichkeit kann mau in manchen 
Wörtern lautliches r mit rr bezeichnen: 

närr" = Narr. knürr'n-- knurren, Trr'n=irren. 

§ 100. Das r ist halbrokalisches r in Bämmtlichen in- und aus- 
1 an teil den Verbindungen : 

rn: stairn. m.=Stern, täurn, m.=Thurm, am, f.=Ernte; die Bilde- 
BÜbe -«in. /. B, uifern=eisern; buikuomero=zuthunlich. 

rni: warm=wann, biarmken, o.=Wiesel, kuormel, m.=Gewimmdl. 

rl: parle, f.=Perle, Karl Karl, kftrl, in. =Kerl. 

rw nur inlautend: iarwe, m.=Erbe, färwe, f-=Farbe. 

rf nur auslautend und vor Konsonanten: nuarf. m.=Rasen, iarfte, 
f.=Erbse. 

rp: duarpe, Dat.= Dorfe, därp, Q.=Dorf. 

rg nur inlautend: iargcrn=ärgern, suarge, f.=Sorge, biarge, Dat. 
= Berge. 

rch: biarch, m.=Berg. Inlautend wird es zu rg, jedoch bleibt es 
in de büörche, pl.= die Eber, Buorchel=Familit ■nnaine. 

rk: wiarke=Werke, bärk, n.=Baumrinde. 

rd nur inlautend: woerde=Worte, pörde, f.=Pforte, harde, n.= 
Berz, tuordeln=taumeln. 

rt nur noch auslautend:, wairt, m.=Wirth, piart, n.=Pferd, Kört= 
Beiname des Hasen, airtruik, n.=der Erdboden, in der Bildesilbe er! 
z. B. sluijjert, m.=Schleie, ein Fisch, pickert, m. = Kartoffelkuchen. 

rs auslautend in du wärs=du hütest, nach Synkope das Endungs-e. 

rst: erste=erste, harst=Horst. 

rsk, aus r mit dem sk der Bildesilbe isk: gnärsk=gnärrig, bar- 
bärsk=masslos, klrske, f.=Kirsche, hlrsk, m.=Hir8ch (fremd). Ent- 
steht nach Konsonantenausfall in bärsk=bariuss. 

§ 101. Wechsel des r mit audern Konsonanten: Vergl. unter 1. 
Das in östlichen Mundarten und auch im Saucrlande häutige 
rr=dd existirt ravensbergiseh nicht. Auch um Osnabrück, in Lippe 
und um Paderborn scheint es ungewöhnlich zu sein. Für s ist r ein- 
getreten in ferluar'u neben ferluafen, se woer'n— sie waren, rdir'n= 
=rieseln, von Korn. 

S 102. Umsetzung des r ist häutig: 

drüeben=dürfen, drofte, draf, därtich=30, duormel, m.=Dusel geg< n 
drüömeln, görde. f.=6rütze, griddich=gierig, türdel, f.=Hexe (Seh.) 
gegen trüdel mhd. truta, präs, m.=Pause des Läutens. tu piäsken släbeu 
=ein Stündchen schlafen, (lat. pars?), tuorkeln:=strauche]n karjeolen= 
schreien gegen krijeolen. kuormel, m.==Haufegegenkriemeln=krimmeln. 
g 103. Eingeschoben scheint r in karnüfieln=knüffeln==niit 
der Faust stossen, fernuinich=giftig, bösartig 

§ 104. Ausfall des r findet statt in : bale—Bar&che, Tis. ra.= 
Arsch. bössen=bürsten, fuüdeok, m.=Schürze. fäsk, m.=Vers, födder 



45 

=fürder, fast, n.=Dachfirst, gasse, f.=Gerste, Hinnak=Heinrich, 
KallIne=Karoline, Käsken— Kaspar, kafbern=wilde Kirschen, gudden 
mäjjen!=guten Morgen! mask, f.=zMarschwiese, male— anus (?), ka- 
niude, m.=Saufgenosse, odder, f.=Befehl, putken, puortken=furzen, 
cacare, twas=quer, \Väder=Werther,Ortsname. 

Mit Metathesis: 
bost, f.=Brust, dasken, dosk, dosken=dreschen, dössen=dürsten, 
bassen, bosse, bossen=bersten, daspen, f.=;Lolch, wäderkasse, f.= 
Kresse, kosken, f. aus krusteken=Kruste, sik ferpaifen— zuviel fressen. 

Zum Abwerfen des r der Verbindung rt neigen besonders die 
östlichen und südlichen Grenzen. Hier ist swat=schwarz, fettich=40, 
swödder=schwerer, göttequern=Grützinühle. Dagegen hört man in 
gehobener Rede häufig das r vor Konsonanten palatal-konsonantisch 
aussprechen z. B. karniude, selbst karnalje, f.=Kanaille. 

Der Abfall von r in wuife, m.=Bienenkönigin geht wohl aus 
Verwechselung mit wuife=weise hervor. 

§ 105. r behält seinen konsonantischen Werth inlautend zwischen 
zwei Vokalen, von denen der letztere nicht tonloses e ist. 

slrup, m.=Sirop, äroeder, m.=auf einem Edelgute sesshafter Ar- 
beiter, kuüruijje, f.=Gespräch, däiweruijje, f.=Dieberei, koräir'n= 
kuriren. 

m 

§ 106. Von Interesse sind die in- und auslautenden mit m be- 
ginnenden Verbindungen: 

inb nur inlautend und selten: 

lambet=flau, matt, frzs. labete, lambertske nüede=:Lambertsnüsse. 
Sonst geht mb in mm über: ümme=um. 

mp: kämpe=eingefriedigte Felder, kump, m.=Steintrog, Schale, 
damper=sehr, hamp, m.=Hanf. 

mt: amte, Dat. := Amte, imt, n.=Frühstück, nach Synkope von e in 
he nimt, kümt u. s. f. 

ms: nur in Flexionen nach Ausfall von Konsonanten und Vokalen: 
slimse=schlimmste, nims=nimmst. 

mst: kumst, m.=Weisskohl, dümste=dümmste. 

§ 107. Auslautend erhält sich m in beofem, m.=Busen, 
bessern, m.=Besen, buam, m.=Boden, fäm, m.=Faden, dium=schwin- 
delig, brom-som=ein Spiel der Kinder. — 

§ 108. Durch Attraktion entseht auslautendes m mit folgendem 
stillen e in: 

wäm , =wenn man,* kam'=kann man, näm'=nach einem. 

Ein dem m ähnlicher Laut entsteht aus der Endung en, in dem 
nach Ausstossung des e, ein vorhergehendes p, w, b mit dem n zu 
einem bm, selten mit Beibehaltung eines p zu pm wird: wi gaiben= 
wir geben zu wi gaibm, glben^gegeben zu glbm, drübben, m.=Tropfen 
zu drübbm, sieben=7 zu siebm, huapen=hoffen zu huapm. Daher 
entsteht auch aus sülben=selbst die superlativische Form sümst. 

Nach w ist auch Beibehaltung des en statthaft: druiwen=treiben. 



46 

AI Zeichen der Zustimmung dient ein mit geschlossenen Lippen 
hervorgebrachtes in, m! 

6 109. Zum Wechsel des m mit anderen Konsonanten ist zu 
bemerken: 

m lullt Bich in naimen=nennen, swnimen, m.=Schwindel. Es entsteht 
aus n in h&merken, n.=Hornisse und wiinpeltüage=W'inkelzüge, m 
wechselt mit n in der Datirendung em /. B. den. dem—dem; wän, 
wäm=wem; geoen, geoem=gutem 

n 

§ 110. Anlautendes n findet sich oft entsprechend einem kn, 
gn, sn anderer germanischer Sprachen und Dialekte: 

n-— kn in napsak. m.=Tornister, nüökel, m.=kleine Erhöhung, nuck, 
m.=Stos8, Zucken, uücke, PL=Tücke, engl. knack=Streich, neost, 
m.=Knorren am Baum, zu kniuat ? 

n=gn: nibbeln=nagen neben gnabbeln. 

u=sn: nüefel, m.=Lichtschnuppe, l'nrath, mnd. oesel, nufleln= 
murmeln zu snüs, m.=Schnauze? napsak neben snapsak. — 
Bemerkenswert ist n in nuuYn=schwellen vom Euter. 
§ 111. Zu den in- und auslautenden Verbindungen mit n ist 
zu bemerken: 

lld wird entweder zu nn /.. B. hännich— handlich, Hink, slinnern= 
Eisbahn schlagen, kinner=Kinder, finmchkäult=beissend kalt (zu fin- 
den), oder mit Verlängerung des vorhergehenden Vokals zu einfachem 
n z. A. fuinen=finden, kuine, Dat.=Kinde, buüne, Pl.=Bündel, Buüne 
=Bünde, Ortsn. 

In t'uinde. Pl.=Feinde hält sich das d wohl zur Unterscheidung 
von fuine=feine. Man hört auch noch mende=meinte, lände=lieh, 
dende=diente. 

nt: bunte=bunte, plante, f.=Pflanze, gante. m.=Gänserich, splin- 
ternäket=splitternakt. Auslautend vertritt nt auch inlautendes nd: 
fäunt=£and. 

nl' nur inlautend : bünl'el, m.=Knirps, günl'eln=winseln, kranfe, Dat. 
=Kranze. 

lis steht inlautend in Fremdlingen wie dansen=taiizen, lause, f. 
=Laoze, ganse=ganze, kiünse=Kränze, kanse, f.=üelegenheit. 

Ferner ensteht ns dadurch, dass ein s von Bildesilben und En- 
dungen mit n zusammenstösst: 

pause, f.=\\'anst, (Seh. für Kinder), wanse, f.=Wanze, binse, f.=Stirn- 
binde, winßel, n =Gewinn, kans=kannst, fms=findest, maus neoch suin 
Mannsart genug besitzen um . . ., 

nst findet sich nur selten: misgünstich, dunst, küuste; inunstern= 
mustern. 

nsk: minske, m.=Mensch, luünsk=launisch, böse. 

§ 112. Als gutturaler Nasal erscheint n in den in- und auslau- 
tenden Verbindungen ng, nk und zwar dem frzs. Nasal in Tan ähn- 
licher vor a, o, u, mit mehr galataler Bildung vor e und i. 



47 

ng inlautend gesprochen wie im hd. : 
angel, f.=Hang, Art, lange=lange, tänger=geschwind, kungeln= 
heimlich verkaufen. 

nk inlautend, wie im hd.: 
wanken=gehen, runkelroewe, f.=Zuckerrübe, rinkein, Pl.=:Runzeln, 
pankeoken, m.=Pfannkuchen. 

Auslautend ist nk entweder echtes nk z. B. krank=krank, lank- 
wäge, m.=Verbindungsstange zwischen Vorder- und ' Hinterrädern, 
slink, n.=Hofthor, oder es entspricht inlautendem ng und wird dann, 
freilich seltener, auch auf rheinische Weise ausgesprochen, so dass das g 
oder k nach einem nasalen n stumm bleibt, z. ß. he san g =er sang. 
Gewöhnlicher ist aber sank=sang, dink, n.=Ding, küönink, m.=König. 

Vor -ken behält n seinen gewöhnlichen Laut: fänken=Bursch- 
chen, hoenken, n. =Hühnchen. Vor f bekommt n einen nasalen Klang 
in: munfal, m.=ein Mund voll und anfern=antworten. 

Ein Lautwechsel zwischen nn und ng ist rav. unbekannt. — 
ng entsteht nach Ausfall des e aus gewöhnlichem n in manges=oft 
früher mangesten. Es scheint aus nd entstanden zu sein in mängel, 
f.=Kerngehäuse, Osnabr. mändel. 

Umgesetztes und dann nasalirtes n findet sich in riangen, m. 
=Regen, et rianget, bisw. siahget=gesegnet. Gehört auch dinges- 
dag=Dienstag=dingsdach, divusdach hierher':' — 

§ 113. n wechselt mit m in snacke, f.=Peitsche gegen smacken 
'=klatschen. Vergl. auch oben unter m. 

§ 114. Auslautendes n=anderweitigem m in täurn, m.=Thurm, 
man— aber, rhein. mär. 

LInoranisches n findet sich z. B. in tainen, m.=Zehe. 

Ausfall von n: 
fiftäijeste=fünfzehnte, niegede=neunte, gäus=Gans, puilken, Adv. 
genau, täijede=zehnte, Amruijje=Anne Marie, äiwelt=einfach, sik 
fertoer'n=sich erzürnen, entzweien. es=einst, einmal. 

II. Labiales. 

§ 115. Das Ravensbergische hat vier Labiales: die ächten La- 
biales b und p, die scharfe Dentilabialis f und die weiche Dentilabialis 
w. Ein dem englischen w gleiches anlautendes w lässt sich schwer- 
lich festhalten. 

§ 116. Der reine weiche Lippenlaut b erscheint anlautend 
unverbunden z. B. bäule:=bald. Aus p erweicht in bisteor, m.=Pastor. 
Anlautende Verbindungen sind: 
bl z. B. blik, n =der entblösste Hintere. 
br: briut, f.=Braut. 



Anmerkung. Die Aussprache vou -Heu, -rren, -men, -neu ist rav. so wie sie 
Nerger § 188 für das Mekleuburgische angiebt. Also, mit gehaltenem m': kämmen- 
k;im'=Kämmen Dat., winnen=win'=gewinnen. Jedoch gilt das Aussprechen des 
en für fein und wird nach einfachem 1, r, n in len, ren u. s. f. beliebter : niemen— 
nehmen, grälen- knallen, süenen=Söhnen. 



48 

§ 117. In laute inl wird einfaches b=got. b, as. b, ags. f. 
grundsätzlich w /.. B. diawe, f.=Taube, ipitsbeowe, m.=Spitzbube, 
gläuwe, in. -Glaube, rftwe, m. Habe, ik glwe=ich gebe, Ileowe, (.= 
Hufe, (in Orten.) und nur Belten hört man rftbe, glbe u. s. 1. sprechen. 

Dagegen tritt \<>r dem Wortschlusse -en in der Regel b=as. b, got. I> 
ein, mit Verwandlung des n in "m /. B. glben, Bieben, Itben, druiben 
treiben. grftben=graben. 

Hier entsteht 1> aber auch=as. v /.. I». hüawe=Höfe, Dat. hüaben, 
uiben, Pl.=Eidechsen, aengl. evet; aaben, m.=Ofen, Btuaben, f.= 
Stube. Neben w erscheint b in Bchabheosse, m.=trockner Husten. 

Doppeltes b ist im Ganzen unter denselben Bedingungen wie 
einfaches in w, inww übergegangen: ik häwwe=ich habe, kawweln= 
räsonniren, grawweln=herumtastend, greifen. Bnawweln=schnabelD 1 
schwätzen. 

Das bh aber statt ww hat ein weiteres Gebiet, als das b statt 
W, indem dasselbe nicht allein vor -en, sondern auch vor -ern und 
bisweilen selbst vor -ein eintritt: Bpinwibben, f.=Spinngewebe, häbben 
haben. nibbeln=benagc n. dibbern=schwatzen, 8labbern=schlappen, 
tubbeii. n.=Zuber, stubben, m.=ein Rundwurf im Kegelspiel. 

Der Übergang von ww zu bb findet vor -en auch da statt, wo 
hd. u, oder in älteren germanischen Dialekten mit Vorliebe v steht. /. 
B. höbben=hauen. gegen ik höwwe, böbbeu=bauen gegen ik böwwe, 
lnbbenw&rm=lauwarm 1 mäbben, f.=Aermel 1 quebben, f.=sumpfige 
Stelle. 

Endlich findet sich bb auch wo sich ein englisches p oder hoch 
deutsches pf u. s. f. nicht nachweisen lassen in: 

libben, f.=Lippe, ribben, f.=Rippe, kübbunge, f.=Ausbau am Haus 
schrubben=scheuern. Bchubben=schupsen, dobbeln=würfeln, wibben 
=hüpfen. hülskrabben, f.=Stechpalme. — 

§ 118. Inlautendes b steht aber auch für p, sowohl einfach, als 
verdoppelt. Viele Substantivs und Zeitwörter verwandeln nämlich ihr 
p vor en in b. So heisst es bereits in der Regel: sniuben, m.== 
Schnupfen, kuiben. f.=Kiepe. swieben. f.==Peitsche, snäbben. f.= 
Schnepfe, uaben=offen, puiben, f.=Pfeiffe. kribben, f. — Krippe, klob- 
ben=klopfen, drübben, m.=Tropfen, tabben=zapfen. 

Selbst ohne folgendes n findet sich bereits b, bb für anderwei- 
tiges ndd. p: z. I>. kobbe, Dat.=Kopfe, nabbe, Dat.=Napfe. Stets 
dagegen noch scheppe=Scbiffe, liepel. m.=Löffel, Vergl. unter p. 

§ 119. Inlautende Verbindungen von b mit einem anderen 
Konsonanten giebt es nicht. 

Ein w nach 1 und r statt b steht unter denselben Bedingungen, 
unter welchen anverbundenes w für b stand. So heisst es älwern= 
Erdbeeren, schilwern=abschürfen. ik stiarwe=ich sterbe, salwe, f.= 
Salbe, halwe=Seit 

leber mb zu mm z. B. emmer, m.=Eimer. vergl. unter m. 

§ 120. Auslautend wird b nirgends sieber beobachtet. 

Wo as. b nach Synkope an t oder s stösst. wird es zu f. 



49 

Vergl. unter f. b und t werden durch stilles e getrennt in ji toe'b't 
—ihr wartet, drüeb't==dürft u. s. f. 

§ 121. Anlautendes b steht=einem w anderer Dialekte in: 
biefebäum=Heubaum, buffeln=wühlen, neben wulTeln, bulst, m.= 
Wulst, banteske=Esche neben wanteske, bantwuien=Weide neben 
anderweitigem westf. wandwihe. 
b=p in buts=sofort neben puts. 

Dagegen ist das südwestf. bo=wo? und bat=wat? raveusbergisch 
gänzlich unbekannt. 

bl=fl, wl, blom=trübe, (vom Wasser), westf. flom, mnd. glomen, 
blärren= weinen neben flärren. 

br— wr in bruiben=reiben, blicke, f. =Wickelbrettchen gegen wricken 
= drehen. 

Ueber den Wechsel des inlautenden b mit w, p vergl. oben, 
griuben, griupen, Pl.=Steckrüben ist pommerisch: wrüken. 

Abgefallen scheint b in räsken=schreien, vom Kuckuk, mnd. 
bräsken. 

P 

§ 122. Der harte Lippenlaut p ist anlautend unverbunden 
und verbunden nicht selten: 

päge, piart=Pferd, pat, m.=Pfad, grosser Schmutzfleck, puade, f. 
=Setzliug, pot, m.=Topf, polterich=zerlumpt, pidden, m.=penis, 
papich=verzärtelt, pik, m.=Mark. piulen=absuchen z. B. Knochen, 
piullaim, m.=Lehmstaub, pingel, f.=Schelle, pol, m.=Spitze, put= 
weich, püt, m.=Ziehbrunnen, peol, m.=Wasserlache, päl, m.=Pfahl, 
pan-äfen=jemand schwenken. 

Fremd sind wohl: paskäich, n. =Osterei, päsken=loosen, beim 
Ballspiel. 

Anlautende Verbindungen sind: 
pl : ploegen— pflügen, pliagen=pflegen. plagge, f.=Rasenstück. 
pluüstern=zerzausen, plunnern=käsen . 

pr: prätken=salbadern, prul, m.=Dolde, pramfen=vollstopfen, 
prätsich=hochfahrend, prange, f.=Pfahl. 

Fremd : priume. f.=Pflaume, prachern=betteln (?), prussen= 
niesen (?). 

§ 123. Inlautendes einfaches p=ndd. und engl, p, hd. f er- 
hält sich nach langen Vokalen und Vokalzusammensetzungen in der 
Regel, so lange nicht en, 'n folgt: äpe, m.=Affe, däipe=tief, siepern 
=tröpfeln, schaiper, m.=Schäfer, wi huapet=wir hoffen, nuipe=ge- 
nau, schiepel, m.=Scheftel, sträuwuipe, Pl.=Strohwische. 

Folgt aber auf ein ursprüngliches p ein en der Endung, so 
entsteht entweder ein p'm, welches gesprochen wird, indem von 
der Mundstellung des p ohne Oeffnung des Mundes in die Mundstel- 
lung des m übergegangen wird, z. B. diupen=tauehen lautet wie 
diup'in, huapen=hoffen wie huap'm, riep , m=rittlings rutschen, säp'm 
=salbadern, oder es wird aus pen das unter b karakterisirte b'm, 

Jellinghaus, Grammatik. \ 



50 

So hört man ganz gewöhnlich Blaben schlafen, Biuben=saufen, käu- 
ben kaufen, Lauben =laufen. In der gewöhnliche]] nachlässigen Aus- 
spräche hör! man nun aber auch bereits ohne folgendes -en ein b für 
ein p, /. B. ik Biube=ich saute, ik Blabe= ich Bchlafe. 

Gcininirtcs p hält Bich besser als einfaches, besonders in L r e- 
hobener Rede, /. I>. in Reimen. SteN heifst es sik rüppeln=sich 
regen, knüppel, m.=Knittel, kuppel, f.=Brautschmuck, Bnippeln klein 
schneiden, jappen= jappen, Bchüppen=schütteln, Bippe-sappe, f.=alber- 
nes Weib. Aber auch bereits; afschrabben==abkratzen u. b. f. Vergl. 
unter b. 

^ 124. In den Verbindungen lp, rp, mp, sp ist p gegen Er- 
weichung geschützt: 
hälpen=helfen, düarper= Denier. kümpe=Becken, wispe, f.=Wespe. 

Vor den Konsonanten k, B, t hält sich älteres p und wird b zu 
p, Bowohl in- als auslautend : 

Bchiepk, n.=Schilf, wipken, Pl.=Possen, tiepkeD=necken, snipke, 
f.=eine schnippische Schönheit. knipseln=knickern mit Kugeln, fipseln; 
he gript=er greift, he släpt= <-r Bchläft, he dräpt=er trifft, kopse, f. 
Spinne, mnd. kobbesen-feme =Spinnenfaden. 

§ 125. Auslautendes p ist überall erhalten. Inlautendes b 
wird auslautend p. 

raip, m.=Tau. hop, m.=Höcker, Jeofep=Joseph. hirap-hamp, m.= 
Hindernis. — 

§ 126. Abgesehen von dem Uebergange zu b wechselt p mit 
anderen Konsonanten inlautend in: 

hippe, f.=Ziege neben hitte, up tittentäiwen=auf den Zehen, engl, 
on tiptoe. 

Anlautend mit b in: päns, m.=kleiner Bube (Seh.) neben bans, 
petse, f.=Dirne ueben betse, pist=still! neben engl, whist!, patsich= 
kurz ab. neben batsich, pümmeln=baumeln. Vergl. unter b. Mit k 
in pIwit=Kiebitz, neben klwit. Inlautend mit k in wimpeltüage neben 
winkeltüage= Winkelzüge. 

pr neben br in prik=geschniegelt, neben brik, prüt=böse, neben 
brüt, praddern=brodelu. neben bräddeln. — 

lieber den Uebergang vou p in f in käft=gekauft, von käupen= 
kaufen, vergl. unter f. 

p wechselt mit k in diupen, diuken=tauchen. 

§ 127. p fällt aus in Käsken=Kaspar, kumst, m.=Weisskohl, 
(lat. compositum). 

Anlautendes p fiel ab in salm, m.=Psalrn. 



§ 128. Die dentilabiale harte Spirans f findet sieb anlautend 
unverbunden z. B. fäken=oft, fuür=vorn. for=vor, für. fuaget, m.= 
Vogt, lud in den Verbindungen: 

11 z. B. floeken=fluchen. fläge=Sehickt. iiaiir=rlau und fr z. B. fruich 
:=frei. — 



51 

§ 129. Inlautend findet sich einfaches f ausser in den un- 
zweifelhaft hochdeutschen Wörtern: gräfen, Pl.=Grafen, täfel, f.= 
Tafel, strafe, f.=Strafe, schoefel, f.=Wegscliaufel, auch in stroefeln 
=einherstapfen in Dreck, Getreide, koefeln=die Hacken hinten aus- 
werfen, nuifeln— Kleinigkeiten stehlen, in Jufeln, Ufeln, Ortsn. Uff'eln, 
und in waifen=prügeln. 

Die Beispiele von geminirten f aber sind so häufig, dass das- 
selbe schon lange in der Landschaft heimisch sein muss. So finden 
sich die Ortsnamen: Hüffer, Uffeln, Menninkhüffen, ferner: snüffeln 
=schnüffeln, druffel, m.=Schaar, müffich— modrig, de äffe, f.==der Buch- 
stabe f., duffert, m.=Tauber, puffert, m.=Art Kuchen, heffen=keu- 
chen, knuffeln=knuffen. Verdächtiger sind: äffen=necken, gaffel, f.= 
Gabel, ruffich— diebisch, kiffe, f.=verfallenes Haus, dän. kippe, naffel 
=Nabel, schüffei, f.=Wurfschaufel, käffen=£keifen, paffen=in starken 
Zügen rauchen. Sicher fremd sind : offern±=opfern, tüffel, m. =Pan- 
toftV'l, kartuffel, f.=Kartoffel. — 

§ 130. In den in- und auslautenden Verbindungen ft, fs, fst 
steht f entweder=b, b, w und p oder=n, g, w, eh. Beispiele sind: 
krlft, m.=Krebs, kraft=Kraft, drofte=durfte, du drafs— du darfst, 
tofte=wartete, drifs=treibst, gifte, f.=Gabe, käfte— kaufte, käft=ge- 
kauft, däftich=gediegen, tüchtig, plaggensift, f.=Plaggensichel. 

f und k treten aneinander in häfk, m.=Habicht, snüfken=pri- 
sen, bäfken, n.=:Befichen, hälfken, n.=ein Hohlmaass. — 

11' und rf kommen inlautend nicht vor Vokalen vor. Wohl aber 
vor Konsonanten und auslautend: 

iarfte=Erbsen, kalf, n.=Kalb, stärf=:starb. 

§ 131. Auslautend steht f für w. Nur ist festzuhalten, dass 
das f nicht nur vor vokalisch anlautendem Worte, sondern auch sonst 
lokal und individuell sich dem w sehr nähert. 

ik gaf=ich gab, däif, m.=Dieb, däf=taub, rüf=rau, snüf=kalt, 
stref=straff, of=ob, oder, af=ab, von, stäf, n.=Stau, Damm. 

§ 132. Zum W T echsel der f mit anderen Konsonanten ist noch 
zu bemerken: 

Man hört bisweilen fi=wir statt wi und ferhaftich statt war- 
haftich. Der Heher wird holtschräf, holtchräf genannt, meklenburg. 
holtschräch; stroefeln=strolchen auch strawoelen. 

Die Verbindung fr hört man bisweilen statt wr, br in fruiben= 
reiben, sik frangen=sich balgen. 
fl wechselt mit bl in blom=trübe. Vergl. unter b. — 

f fällt ab in lankäir 1 n=flankieren, läut=flach (auch ags. leät), et 
was en iur o dräi=es war ungefähr drei Uhr. 

w 

§ 133. Ein lautlicher Unterschied zwischen an- und inlauten- 
dem w, zwischen w und der weicheren Spirans v anderer Dialekte 
lässt sich für das Ravensbergische nicht feststellen. Eher noch könnte 



4 ; 



* 



52 

man Bagen, dass das anlautende \\ häufig ein englisches w ohne das 
vorhergehende Leise u ist (Vergl. Rumpelt, System der Laute § rj, 
s. B6). 

Anlautend steht w fast nur anverbunden: 
wftdi v. 11. Wasser, waifen durchhauen, wisk, f. Wiese, wik, m. 
Enterich, wapkenbräut, n. Brod aus Mehl. Blut und Speck, wä wie. 
irr halt sich in wringen =ringen, wrickeln=wickeln, wracken al>- 
brechen. 
\vl in mwestf. wlömen=trüben ist jetzt bloemen. 

^ 184. Inlautend Bteht einfaches w hinter langem Vokale oder 
Diphthonge vor tonlosem e=hd. b und bisweilen t - . as. b, bh, v. 
Hoenkamp (Herrig, Arch. IV S. 383.) behauptet, man höre die-, in- 
lautende \\ westfälisch nur noch Belten und oewen, kälwer laute oe-enj 
kal-er. Bayensbergisch ist das w deutlich und lautet wie hd. v in 
„Slave". 

Beispiele sind: 
5we=ab Adv. (a>. ava). äwent, m.=Abend, wi bluiwet=wir bleiben 
wi drüew«jt=wir dürfen, ik glwe=ich gebe, hüwel, m. aHobel, 
klaüwet- -wir spalten, he llwede=er lebte (as. libda), laüwen = 
horchen, nlwel, m.:=Nebel, EUlwensbiarch=Ravensberg (ahd. rävo, swm. 
=Sparren), siewede=siebte, reowe, f.=Borke, taiwern=umherirren, 
üawer=über, äiwelt=einfach, Graiwe, in Namen, ags. gerefa Graf. 
huawe, Dat.=Hofe, häwer, m.=Hafer, Heowe, f.=Acker, Hufe, stlwel, 
=Stiefel, twuiwel, m.=Zweifel, nuiwer=hübsch,benoewet=bekümmeri 
kläwer, m.=Klee, hüwel, m.=Hügel. 

Fremdlinge scheinen: äiwich=ewig, löwe=Löwe. 

In den zusammengesetzten Wörtern älwern=Erdbeeren, bäiwern 
Bickbeeren, näwer, m.=Nachbar entstand w aus b. — schandärwe. 
m.=Gensdarm. 

§ 135. Geminirt erscheint w in: 
hewwen, m.=Himmel, owwe, f.=Mutterschaf, ik häwwe=ich habe 
he snawwe an=er schnauzte an. 

Es wechselt mit häufigerem bb vor en, mit seltenerem bb vor 
el, -ein, -ert: 

grawweln=grabbeln, kawweln=zankeii, drawwcln-=zaudern, jawweln 
Raulen, towweln=zaudern, kriwweln=kribbeln. Vergl. unter b. 

Dazu die fremden Wörter : 
süww r el, m.=Pl'riem (b), duwwelt=doppelt (p), awwetdike, f.= 
Apotheke (p), awwekät=Advokat (v). 

§ 136. Eine besondere Erwähnung verdienen die Beispiele mit 
inlautendem doppelten w, in welchen .andere ndd. und hd. Dialekte 
g, h, j zeigen. Das Altsächsische hat in ihnen häufig w, das Neu- 
hochdeutsche gewöhnlich ein u. 

brüwwen=brauen, ik böwwe=ich baue. bläwwe=blaue, däwwen= 
thauen. sik fröwwen=sich freuen. drüwwen=drohen, sik grüwwen= 
sich grauen lassen, grüwwe=graue, grüwwelik=graulich, früwwe, f. 
=Frau, ik howwe=ich haue, knüwwel. n.=Knäuel, sik klawwen=sich 



, 



53 

kratzen, nüwwe=genau, luwwe=Iau, rüwwe, f.=Reue, rüwwe=rauhe, 
trüwwe, f.=Treue, trüwwen=traaen. 

In allen diesen Wörtern ist auch vor en ein bb möglich. 
Frübben=Frauen und lubbenwarm=lauwarm hört man durchgehende. 
Yergl. übrigens unter b, j und äu. 

§ 137. Verbindet sich inlautendes w mit einem folgenden 
Konsonanten, so kann es bleiben, wenn dieser ein weicher, pflegt aber 
in f überzugehen, wenn dieser ein harter Konsonant ist. Man hört aw- 
brännen=abbrennen, dro\vde=durfte, towde=wartete, käwde=kaufte, 
aber auch tofte, käfte, de üafste=der oberste. 

Ueber die inlautenden Verbindungen lw, rw, z. B. salwe, f. 
=Salbe. fruiwiarwer=Freiwerber, in welchen w=as. b. v ist, vergl. 
unter 1 und r. Ueber das w in qu=kw vergl. unter k. 

| 13S. Auslautend herrscht f. Bemerkenswert ist jedoch, 
da8S das auslautende f. wenn es einem anderweitigen u, h, j entspricht, 
oft noch durch ein deutliches w vertreten wird. So heisst es : däw, 
m.=:Thau. bläw=blau. grüw=grau. 

>: 139. Bezüglich des Wechsels von anlautendem w mit an- 
deren Konsonanten sind folgende Fälle interessant: 

wamfen=durchprügeln, Osn. baml'en, wiaske, f.=Base, Tante, wis- 
pelte, f.=Mispel, wispern=flüstern. neben pispeln, fispeln. Und w zu 
m in machollerbäum, m.=Wacholderbaum. Biefebäum, rn.=Heubaum, 
ist sauerl. wielebaum. 

Dagegen ist das im kölnischen und märkischen Sauerlande so 
bekannte b für w in bä=wie, bat=was? u. s. f. im Ravensbergischen 
und in den umliegenden Landschaften (Osnabrück. Lippe) gänzlich un- 
bekannt. — 

Dafür, dass das anlautende rav. w einst wirklich w (vergl. 
Rumpelt, a. a. 0.) gelautet habe, spricht der Uebergang desselben in 
eh. (/' und /") und in j z. B. günfeln=winseln (gesprochen chüni'eln), 
gönsken=wünschen, geonsdach. jonsdach. wonsdach=Mittwoch. Vergl. 
unter g. 

§ 140. Ausfall des w wäre in sül, m.=Schwelle, süster, f.= 
Schwester, früsminske, n. ^Frauenzimmer, diuduissel, f.=sonchus oler. 
eoschälen=Bachausterschalen, in Heepen noch owweschälen, in Schil- 
desche öpke. tüsken=zwischen zu erwähnen. Vergl. sw und tw. 

Anlautendes w scheint abgefallen zu sein in oelen=wühlen, 
eolf, m.=das Wühlen, suinen eolf häbben=im Vollen leben. 

Ausserdem wurde anlautendes wr meist einfaches r, z. B. räsken 
=schreien, von Vögeln; Osnabr. wränsken=wiehern, ist rav. ränsken. 
Vergl. unter r. 

W wechselt mit b in schäbheofse=trockner Husten neben schäw- 
heofse. w fiel ab in muür=mürbe. 



54 



III. Dentales. 



111. Die raveiisbergische Mundart besitzt fünf Dentale: die 
alveolare weiche Muta d, die alveolare harte Mnta t. die alveolare 
weiche Spirans r. die alveolare harte Spirans b und. in unvollkom- 
mener Bildung, die kakuminale harte Spirans g \<>r einem in cli über- 
gangenen k. 

Im w.eatf. Süderlande boII noch die interdentale Spirans dh=engl. 
weich th vorkommen. Thatsächlich hört man dort bisweilen dhri, 
dhräi=drei sprechen. Auf rav. Gebiete findet sich von diesem Laute 
keine Spur mehr. 






6 142. Die alveolare weiche Muta d giebt nicht allein älteres 
d, sondern im Ganzen auch älteres th, dh wieder. 

§ 143. Inlautendes d=as. d. th. dh bietet nichts Bemer- 
kenswertes. 

Inlautendes einfaches d=as. undmnd. d, dh, th fällt — 
nach langem Vokal oder nach Vokalzusammensetzungen — vor dem 
e der Endungen und Bildesilben in der Regel aus. 

Beispiele: 
bleoen=bluten, bäen^baden, bruüen=necken, breoer, m.=Bruder, 
dräue=scbnell, däue, m.=Todte. fäer=Vater, friae. m.=Friede, feoern, 
=futtern, huüen=verstecken. huüe=Häute, häi'n, f.=Haide. haien. f. 
=Hede, koek. m.=sinapis arv. (aus kodik), ruan=roden, ruüe, m.= 
Hund. räie=fertig, räuen=rathen, räue=rothe 1 schäen=schaden, swuie 
=stark, sehr, stuie, f.=Stätte, Süerlant=Süderland, wuier=wieder, 
wuie, f.=Weide. 

In hiark. m.=Hederich. luilam=gliedlahm, priake, f.=Predigt, 
tuok==Beule, uile==eitel, ganz, wacke, f.=Molkenwasser, prul. m.=Dolde, 
Quirl (aus pruddel?) fertuijjen==ein Nest verstören (fertuidigen), wiame, 
f.=Pfarrhaus (um 1G50 wedeme), ist nach dem d auch noch das e 
ausgestossen. 

In lich=leer, tich=flügge, pik, m.=Mark, mik, m.=R< enwurm, 
wik=£nterich, ist aus idi nach Ausfall des d langes i entstanden. 

Von st. Verbalformen gehören hierher noch die Trat. Plur. und 
Part, vieler Verben der 5. Ablautreihe z. B. rlen=geritten. Vergl. 
unten die Tabelle der st. Verben. Ausserdem trian=treten, getreten; 
bian=beten, gebeten: räuen=rathen, gerathen; läen=laden. 

Bemerkenswert sind auch die schw. Prät. von seggen, leggen, 
deon: 

§ 114. Ausnahmsweise verharrt d, unter anderen in folgenden 
Wörtern: 

däude=todt, biadeln=betteln, düödel, m.=Stummel, küödel. m.= 
thierischer Koth, luüdens, Pl.=Mädchen, gemoede, n.=Gemüthsart, 



55 

nadel, f.=Nadel, näüdigen=nöthigen, riude, f.=Fensterscheibe, sik 
snüeden (ags. snydjan) und sik spoeden=sich beeilen, siedel, m.= 
Zettel, sädel, m.=Sattel, tuidich=zeitig. twäide=zweite, wuiden neben 
w u ien= weiten stiude, m,— längliches Weifsbrod, vergl. engl, to 
stud.) 

In den st. Verbalformen: 
se räiden=sie riethen, se baiden=sie baten, genaiden=geniei'sen, 
se genüeden=sie genossen, genuaden=genossen, loeden=ladeten, broe- 
den=:brieten. 

Es bält sich ferner das d von -ede in Ordinalzahlen und schw. 
Prät. z. B. niegede=neunte, siewede=siebente, täijjede=zehnte, llwede 
=lebte, mäkede=machte. Dazu dügede= tüchtig aus dugende. 

In bäide=beide, häide, m.=der Heide, aide, Pl.=Eide, biude, 
f.=Bude, ferlieden=vergangen, fertüedern=verstricken, wäide, f= 
Viehweide, entspricht erhaltenes d altem et, th. 

Oft dient die Erhaltung des d zur Unterscheidung sonst 
gleichlautender Wörter: 

snuider=Schneider, snuier=Schnitter, bäiden=beiclen, bäien=bieten. 

In manchen Wörtern bleibt d bald, bald fällt es aus, z. B. bräüde 
=Brode neben braue, suider=seit neben suir, luüde, Dat.=Mädchen 
neben luüe=Leute. 

§ 145. Inlautendes geminirtes d=altem ndd. d, d, th, dj und 
d . . d ist ziemlich häufig : bidden=bitten, ledder, f.=Leiter, drüdde 
=dritte, adderkiln, f.=Verbindungskette (zu edor=Zaun) ädder=oder, 
griddich=gierig, pidde, m,==penis, quaddem=schwatzen, rudder, n.= 
Pflugsteuer, schüdden=schütten, hadde=hatte. Besonders nach Vo- 
kalkürzung in schw. Prät.: he bodde=er heizte, bedudde=bedeutete, 
hodde=:hütete, hudde=versteckte, ludde=läutete, bredde=breitete, 
ledde=leitete. Ebenso de bredde, f.=die Breite. Nach Ausfall von 
r in : födder=fürder, föddern=fordern, odder, f.=Nachricht. 

§ 146. Einen beträchtlichen Ersatz für das durch Ausstossung 
des ursprünglichen d, d verlorene Gebiet bekommt d durch die Er- 
weichung fast aller inlautenden altern t zu d. Diese Erwei- 
chung hatte bereits vor 1780 angefangen, denn Weddigen schreibt 
Saderdach, engl. Saturday. 

Beispiele sind: 
en bieden=ein bischen (as. biti, m.), kuaden, m.^Kotten, kiedel, 
m.=Kessel, moede, f.=Begegnung, niede=Nisse, puade, f.=Setzling, 
sik sniuden=sich schneuzen, struade, f.=Kehle, slüedel, m.=Schlüssel, 
wäder, n.=Wasser, biader=besser, gnade, f.=Gosse, bade, f.=Vor- 
theil, päder, m.=Pater, boeden, de reofe=die Rose besprechen.*) 

St. Verbalformen: 
buiden=beissen, bieden; sliuden=schliel'sen, slüeden, sluaden; moe- 



*) Anmerkung. Aber auch bereits dieses d=ächtem ndd. t, got. 
kann ausfallen iu: spluien=spleii'sen, to bäe=zum Vortheil, se smlen— sie 
schmissen, se spllen=sie splissen. 



56 

den=begegneten ; iaden essen, gieden g< q, häiden=heissen, 

laden lassen, Bt&üden Btossen, a, a. tn, 

1 1 emi n i rt es (1 älterem t . tt : 
tidde, f. Zitze, nioh das bidderste nichl das geringste, sil< Ledden 
=sich verspäten, kadde, f. Katze, radde, f. Ratte, kudde, f.=cun- 
Das, hidde, f. Hitze, hodde, f. geronnene Milch. Hd. neutral giebt 
Dedder&l. 

rtil bei Vokalausfall auch ;ms t . . d. 
he modde=er begegnete. Bedde=setzte, dadde= dass du. 

£ 147. Inlautendes d vor Konsonanten wird t. 
slafitk, m.=Schlagfittich, rutk, m —räudiges Thier, näunatken= 
„nachsagen . 

In wi liidd't für biddet=wir bitten, schützt das stille e das vor- 
hergehende d. 

Es unterscheidet sich spot=beeilt. Part, von spodd , t=gespottet. 

l'eber d in ld, md, nd. rd vergl. 1, m u. s. f. Bemerkenswert 
ist, dass auch nach 1 und r altes t zu d wird: 

Behörde, f.=Schürze, kärde, f.=Karte, schulde, m.— zweiter Knecht, 
im Jahre 1780 bereits schulde, hd. Schulze; tuordeln=taumeln. 

§ 148. Auslautendes d giebt es nicht. Für as. d, t und th, 
steht gleichmässig t. 

Beispiele: 
meot, m.=Muth, wit=weiss, wet mäken=ausgleicben, käult— kalt, 
wi segget=wir sagen, sächt=gesagt, he fint=er findet. 

Einem inlautenden doppelten d entspricht daher auslautend auch t; 
ledde, Dat.= Deckel, Nom. let, n.; bodde=heizte, Part, bot, spodde 
beeilte sich, Part. spot. 

§ 149. Ein Uebergang von dd zu rr ist gänzlich unbekannt. 

Anlautend wechselt t mit d in duls neben tuls. m.=Beule, 
Wulst, daks=Dachs, taksruüe, m.=Daclishund. daspe und träspen, f. 
=Trespe; dw wechselt mit qu: dwintwilsk=schwindelig, neben quui- 
nen=siechen. 

§ 150. Ein unorganisebes d findet sich eingeschoben in: 
moede, f.=Mühe. Kärdel=Karl, pärdel, f.=Perle, swaürdei— schwe- 
rer, duürdei— theurer, schiufsiedel, n.=die Siele. 

Ueber den Ausfall von d innerhalb des Wortes vor und nach 
Konsonanten ist noch zu bemerken: 

ld wird entweder 11 z. B. beller=Bilder. Oder es fällt nach lan- 
gem diphthongischen Laute d aus z. B. failer=Felder, kuüle, f.= 
Kälte, meole=Mulde. mnd. molde. Ebenso wird nd entweder nn, also 
finnich=findig. oder n mit Verlängerung oder Diphthongirung des vor- 
hergehenden Vokals, fuinen=finden. d fiel aus in gloenich=glühend. 
en munful=ein Bissen. Auch in rd fällt d häufig aus: airn, f.= 
Erde, gäurn. m.=Garten, bau rn,f.=Barte, fär'ch=fertig, äur"eh=artig, 
wnrn=:geworden, stoer"n=stürzen. intr. Vergl. unter 1. n und r. 

d fällt aus vor Konsonanten in der 2. Pers. Sing. Präs. du äs 



57 

=du issest, du räs=du rätlist, sis— sitzest, stäs=stöfsest, du dais= 
du thatest. 

Das de der Präteritalendung ede fällt bereits sehr häufig ab: 

he däine=er diente, niare=nährte, he moche=er mochte. Vergl. 
unten die schw. Konjugation. — fäun'k=fand ich, gegen ik i'äunt, 

teoken wieke=zukünftige Woche=teokuomende wieke; duürnajjen— 
durchtrieben statt duürnajjeden ; ik dai=ich that, iage. f.=neben 
iagede=Egge, snuüdeok=Schnupftach, achte=achte neben achtede. 



§ 151. Die alveolare harte Muta t steht anlautend unver- 
bunden z. B. tänger=schnell, triems, m.=blaue Kornblume, tüs != 
ruhig! und in den Verbindungen tr z. B. trauen, f.=Spur, tw z. B. twäi 
=zwei. ts (z) findet sich nicht einmal in Fremdwörtern. Hd. z wird 
s. z. B. sik sTren=sich. zieren, such, m.=Eisenbahnzug. Jedoch hört 
man ts in dem bekannten Hirtenrufe tso hoe! und in der Interj. des 
Anfeuerns tsu! tsuch! 

§ 152. Inlautend vernimmt man einfaches t zwischen Vo- 
kalen selten. Jedoch ist es in einzelnen Wörtern noch zu Hause, z. 
B. pluiten släun=tiefe Wunden schlagen, gruife Gräite=graue Grethe, 
eine Buttermilchsuppe, bauten, =Laub der Gartenfrüchte. 

Geminirtes t hört man in den Städten und in einzelnen Land- 
distrikten häufiger statt des herrschenden dd. Ueberall kann es ver- 
harren in Sprüchen und Reimen. So hört man Kinder, die sonst 
höchstens noch Wörter wie bitter, netten=netten. sitten=sitzen, mit tt 
sprechen, rufen: 

mäne, mäne, witte. 
gif min' moem' en titte! 
Die Ziege wird stets bitte mit tt neben hippe gescholten. 
§ 153. In- und auslautende Verbindungen: 
tk. d vor k wird zu t. t in tk also=t und d: 
bätken, n.=Dirne (Seh.) aus Elisabeth; kätken, n.=Kätzchen, bütken, 
n.=junger Ochse, dutk, in.=:Bretterverschlag. lütk=klein. 
ts. Auch vor s wird d zu t z. B. hunnertste=hundertste. 
Beispiele: kitse, f.— Etwas, rätsen=schwatzen (engl, to rate), put- 
Bich=komisch, patsich=kurzangebunden, butse, f.=Bretterhütte, gnat- 
sich=geizig, fitsen=mit Ruthen streichen, duütske=deutsche, puitske, 
Peitsche, schuts, m.=Schutz. 

Beispiele zu den inlautenden Verbindungen lt, mt. nt, pt, ft, st, 
kt, cht und den gleichen auslautenden nebst rt vergl. unter 1. m, n, 
r, u. s. f. 

§ 154. Auslautend steht t unverbunden und nach Konsonan- 
ten =altem t, d, th, d: 

reot, m.=Russ, net, n.=lS T etz, met, n.=Fleisch, püt, m.=Ziehbrun- 
nen. mest, n.=Messer (aus messed), muint=meins, jiuet=eueres, üart 
ihres, rait^riss, geot=gut, däut, m.=Tod, luüt, n.— Mädchen, räut 
— roth, rait=ritt, sint=seit, üni't ent=beinahe, fäunt=fand, folget 



58 

=gefolgt, hat bat, weort, n.=Wort, hiakt, m. Hecht, stolt=st<»lz. 
braki =bricht, tofl gewartet. 

Wenn, nach Synkope eines e, t mil d, oder d mit d auslautend 
zusammenstossen, Boentätehl einfaches t. z. B. bol geheizt, mot=be- 
gegnet, be bei er helfet, flol geflötet, hui versteckt, 

Anmerkung, Inlautend nach I, m, d finde! ein Schwanken zwi 
t mid il Matt, aber irelchea Folgendes zu bemerken I 

tl kann nach Konsonanten nur dann neben t auftreten, wenn an dar Stelle 
altes iidd. il geherrscht hat Daher verharrt dae t ron lt, nt, mt stets in Balten 
salzen, planten pflanzen, Bomten sammet, «eitern walzen, ebenso wenig wie in 
einem and demselben lokalen Idiome innerhalb der Landschaft holte, Dat Holze 
liehen holde möglich i>t. Dagegen hört man neben pt, lt. >t, cht, kt. in däipte, t. 
Tiefe, fofte fünfte, moste mnsste, h&nchte, f Hohe, rächte röhrte, Hokte= 
Buchte, auch pd, wd, ad, gd, kd : d&ipde, füwde, mosde, rägde, fiokde. — 

§ 155. Wechsel zwischen anlautendem t und andern Konso- 
nanten wird beobachtet: 

tubben, a.=Zuber, mnd. duppe=kleines Fass, tuorkeln=taumeln, 
hd. „straucheln", tuork, m.=Eork, troenen=dringend bitten, ndd. 
kroenen brummen. triefeln= kreifeln, tralte, f.=Wurzel, Zahnwurzel, 
lipp. talte=Zacke, Geweihende, trügge=zurück, twiele, f.=Bifurka- 
tion, mnd. dwelk=Zwillich, twilsk=schwindelig, auch dwintwilsk, osn. 
dwäl3k=irrsam, schwindelig, übel, mnd. dwelen=irren, twik, n.= 
Zweig, osn. quick; twiagen=beugen, osn. dwiagen; twas=quer, twiar- 
wuint, m.=Qüerwind, mnd. dwas=quer. — 

Auslautendem ursprüngliches d wird bisweilen dadurch vor der 
Assimilation an den vorhergehenden Konsonanten oder vor dem Aus- 
fallen bewahrt, dass es als t übergezogen wird z. B. af ent an=ab und 
an, rüm unt um=um und um, aitappel, m.=Karton"el gegen airn, f.=Erde. 

t resp. d=urspr. t fällt aus oder wird assimilirt in: fos- 
pern, Pl.=Fufsspuren, kaspeln=in zwei Parteien Fangball spielen, 
mnd. kaetsbal, m. --Fangball, stünsken, n.=Fässchen, von stunt, pause. 
f.=Wanst neben päntersak, m.=Bauch, wanse, f.=Wanze, praksäir'n 
=prakticieren, sik tluijjen— sich schmücken, ags. flitigean, du sis=du 
sitzest, spis=spitz. häissfipen=heifs athmen, holske, m.=Holzschuh. 

t fällt ab bisweilen in der 3. Sing. Präs. /., P>. he lich=er liegt, 
in nich=nicht, manges=oft, früher mangesten. Das t. eigentlich d. 
der 1. und 2. Plur. Praes. fällt ab in Fragestellung vor wi und ji. sen 
ji=seid ihr für Benl ji? 

Ein unorganisches t findet sieh angehängt in twairnt, m.= 
Zwirn, üanernt, m.=Nachmittag, ribbet, . n.=Bettelweib für ribbelt, 
tälli't. m.=verwegener oder alberner Mensch für tällert. fiagert, m.= 
„Feger", pärt, n.=Paar. 

§ 156. Zu den alveolaren Explosivlauten gehört als Frikativ- 
laut die weiche Spirans f (norddeutsch-hochdeutsches weiches s ir 
„sagen 8 ) und die harte Spirans s (engl.-frauz. s im Anlaute). 

s 

«$ 157. Da die Mundart den Uebergang des sk in seh nur ii 



59 

Anlaute und auch da nur in unvollkommener Bildung aufweist, so ist 
das Gebiet der harten Spirans s, des scharfen s, fast ganz das ur- 
sprüngliche geblieben. 

Anlautendes s. Rumpelt (§ 14 S. 73) behauptet, dass im An- 
laute vor Vokalen in ganz Norddeutschland s=weichem f ausgesprochen 
werde. Dem ist aber nicht so. Selbst norddeutsch-hochdeutsch hört 
man häufig scharfes s und was die Volkssprache betrifft, so haben 
grössere Landstriche sowohl im Herzogthum Schleswig als in Westfalen 
und selbst in Theilen des angrenzenden Hannover (z. B. um Diepholz 
sücke=solche mit scharfem s), anlautend scharfes s. Das ravens- 
bergische Niederdeutsch kennt gar kein anderes s im Anlaute. 
Nur nordöstlich gegen die Kreise Minden und Lübbeke z. B. in Uffeln, 
Eisbergen, Hüllhorst, ist das anlautende weiche f bereits im Vor- 
dringen. Die südlichen und westlichen Dialekte schliessen sich mit 
scharfem s an das Ravensbergische an. 

Anlautendes unverbundenes s steht=altem s, z. B. sunne, f.= 
Sonne, süelich=schmutzig, sieben=sieben, sucker, m.. —Zucker. Sein 
Gebiet wird aber erweitert durch hochdeutsch mit z anlautende Fremd- 
linge z. B. slge, f.=Ziege,sippe, f.=zimpferliches Mädchen , Ziege, such, 
m.=Eisenbahnzug, suipel, f,— Zwiebel, siedel, m.=Zettel, sinner, m.— 
Schlacke, bei Stürenburg sfinner, slrkel, m.=Zirkel, siddern=zittern, 
sik slren— sich zieren, fersaget=verzagt. sTfen=zischen ist wohl acht 
niederdeutsch. Dagegen findet sich das dem hd. z entsprechende t 
in täigel, m.=Ziegel, tält, n.=Zelt, täl, m.=Zoll, tins=Zins. 

Die alten anlautenden Verbindungen des s halten sich mit 
Ausnahme des sk (sc). 

sl z. B. slai=stumpf, sluüren=schleppen, slange=Schlange. 

sm: smiiüe, f.=Weichheit, smiagel, m.=Tischlerwinkelmaafs, smant, 
m.=Rahm. 

su : snibbe, f.=Schnabel, snäi, m.=Schnee, snäke f.=Fliege, snojjen 
=schwelen. 

sp: späckern=scheuchen, spuir, n.=Halm, sik spuüden=sich beeilen. 

spr : springsei, n.=Heupferd. 

sw: swäine, m.=:ein Hirt, swicheln=saufen, swoegen=seufzen und 
klagen, swuie=sehr, stark, swicke, f.=:Gerte. 

st: stüenen=:Beisteuer leisten, z. B. einer Wöchnerin, stiuke, f.= 
Baumstumpf. 

str : strank, m.=Strang, stroemer, m.=Bummler, striemel, m.=Streif. 
Anlautende Verbindungen, in denen s den zweiten Faktor bildet, 
giebt es im Ravensbergischen nicht. 

§ 158. Inlautendes einfaches s, (wegen der weichen Aussprache 
des hd s in „Hause" statt durch s durch fs bezeichnet) entsteht bei 
Konsonantenausfall (durch Assimilation): 

duifsen, f.=Deichsel, duifsen, f.=Dächse Flachs, säifscn, f.=Sense, 
vergl. sahs, segifna, uüfse, £.=Kröte, duifsel, f.=Distel, rüefseln= 
rascheln, Täifsen, Ortsname, mnd. Thedesen. 



60 

Geminirtee b ist häufig und entstellt meistens durch Assimi- 
lation: 

li n -lis: wassen wachsen, iagedasse, f.=Eidechse, wasse, Dat.= 
Wachse, flasse, Dat.=Flachse, fosse=Füchse, büsse, f. =Büchse, at 
f.=Achse, assel, f. Achsel, diesen, f. Dachse Flachs, basse, m.= 
Schwein (?) 

2) ss st: wusse wusste, Iäiweslussen, n.=Gelüste, güsse -keine 
Milch gebend, burchfässen Frohndienste thun, zu fast :fest; kisse, f. 
=Ki8le, sik res8en=rasteD, tassen =betasten, fissel, f.=Fistel. Nach 
Ausfall von 1 und r in wusse=will8t du! sosse=soltest du? bös 
=bürsten. bassen=b6rsten, kassen==taufen (kristenen i. gasse, f.=t lei 

3) ss=ts : his8en=hetzen, fissen, Pl.=Fäden, stussen, Pl.=Streiche, 
Blassen, Pl.=Schluffen, Bnüssel, m.=Rüssel, Bchüssel, m.=Brodschaufel, 
ru8sich=russig, plus8ich=gedunsen, pru8sen=Diesen, Btüssel, m.=Stütz- 
balken. 

4) Fremdlinge sind: küssen=küssen, misse, f.=Messe, missen= 
missen, masse, f.=Masse, kellerassel, f. = Kellerassel, dele! risse, PI. = 
Prügel. 

Dazu kommen: wisse=gewiss. ags. visse, düsse=dieser neben 
düfle. bessern, m.=Besen. 

§ lö!). In- und auslautende Verbindungen sind: 
sk. Es hält sich durchweg, z. B. nske=Fische. \vasken=waschen, 
käusker=ko8cher, dasken=dreschen. taske, f.=Tasche, gnärake=Yer- 
driessliche. lasken=schlagen. roinske, m.=Mensch. Nicht minder 
hält sich die Verbindung sk. wo sie durch äusseres Aneinanderstossen 
von s und k entstanden ist. z. B. hüönsken=beschwichtigen (einen 
Hund), luisken. Adv.=leise, gliasker. m.=Glaser, muüsken=Mufs, 
Mehlsuppe, kitsken. n.=Ktwas. inbelsk=eingebildet, h1upsk=läufisch, 
liksk=leckisch, rlaisk. n.=Fleisch, gäisk, m.=aegopod.. podagr., wisk, 
£.=Wieso, rusk. n.=Rusch, Binse, fliusk, m.=Flausch, Käsken=K 
par, wiaske, f.=Tante, kutske, f.=KntsChe. 

Ueber holske. m.=Holzschuh und bürskop, f =Banerachaft vergl. 
unter 8. 

Gegen die Porta Westfalica hin weicht das sk dem seh, z.B. 
waschen= waschen, tisch e= Fische. 

st bietet nichts Besonderes, laste, adv.=stark sehr, dümste=: 
dümmste. s<ste=sechste, mester, m.=Meister, vergl. unter t. mest 
n.=Me8ser, gienst=bis zu der Zeit, dass: gast. m.=Gast. 

str: gel8trich=spröde, balstrich=unbesonnen, aus balstuürch=ins 
Verderben stürzend. 

sp: klispern=räuspern, pispeln=fiüstern, wispe, f.=Wespe, wispel- 
tüete. Pl.=Narrenspossen. Aus rsp in kaspel, n.— Kirchspiel, daspen, 
f.=Trespe. Vergl. unter f. 

Ueber ps. ts. ks, ms, ns, chs (gs), ls, rs, vergl. p, t. k u. d. a. 

§ 1UO. Auslautend herrscht s gegenüber weichem f ausschliei's- 
lich. Jedoch ist das s kein sehr scharfes s. Es wird da, wo es 
altem einfachen s nach Vokalen entspricht, vor dem folgenden mit 



Gl 

Vokal beginnenden Worte als weiches f gesprochen z. P>. da waf ens 
=da war einst. 

Organisch einfaches auslautendes s: 
was=war, gras, n.=Gras, las=las, hius, n.=Haus. 

Auslautend vereinfachtes b: 
kruüs, n.=Kreuz, kläs, n.=Klotz, fias, n.=Flachs, quas, Adv.=schlecht, 
Nach Ausfall von Konsonanten steht s auslautend : sis=sitzest, 
snüs, m.=Schnauze, wäis,=weifst. Nach Konsonanten: wins, m.=Ge- 
winn, lüns, m.=Lünznagel, ärbäiders, Pl.=Arbeiter. — 

§. 161. Lautwechsel: sl gegen anderweitiges 1 in släif, m.= 

Kochlöffel, slickern=lecken, slump,in.=Glücksiäll, inhd. limfen=passen. 

sni : smadderich=schmierig neben madderich, smielen=schwelen 

neben swielen, smätk, m.— dicker, kleiner Junge südw. motke, f.= 

dickes, plumpes Frauenzimmer. 

sn: snacke, f.=Peitsche, engl, smack, südwestf. smacke, snuüi'e, f. 
=Fleischstange im Rauchfange, engl. noose=Schlinge. 

sw: w fiel aus in süster, f.=Schwester, sül, rn.=Schwelle. 
str: struade, f.=Luftröhre, Speiseröhre, engl, throat, ital. strozza. 
Die anlautende Verbindung sk geht in s-ch über. Vergl. unter 
s-ch. 

f 

§ 162. Die weiche Spirans f=hd. s in „sagen" erscheint an- 
lautend weder allein noch in Konsonantenverbindungen. 

Inlautend findet sich einfaches f zwischen Vokalen, wenn der 
dem f vorhergehende Vokal lang oder diphthongisch ist. z. B. driefen 
=tröpfeln, Eofenbrügge=Osnabrück, wiafen=gewesen, ? tüefeln=lieb- 
kosen, nüefel, m.=Lichtschnuppe, nüöfeln=murmeln, mlfe=übel, slfen 
=zischen, struüfer, Pl.=Sträufse. 

Nach Ausfall von r in Sie Dat. von äs=Arsch, bäfe=Barsche, 
PI. — Altes f hält sich in fräifen=:frieren, ferläifen=verlieren, oefen, 
Pl.=Nadelöhre, Ösen. Dagegen ferluar'n=verloren, fruar'n=gefroren. 

Geminirtes f findet sich nach kurzem Vokale: duffelich=duse- 
lig, büffeln, wuffeln= wühlen, piffe-mänken=penis, in der Sprache der 
Kinder, kuffelich=unsauber, knuffeln=zusammendrücken, duürnuffeln 
=durchsuchen, nuffelich=von undeutlicher Sprache. In diesen Wör- 
tern wird ff indessen häufig zu fs (s). 

Inlautendes f steht nach den Konsonanten n, m, 1. 
nf: günfeln=winseln, bünfel, n.=:Knirps, pinfel, m.=Pinsel, bis- 
weilen auch kränfe=Kränze, krüefeln=kräuseln. 

mf ist selten : klunifich=plunip, pramfen=vollstopfen. 
lf: hülfe, f.=Hiilse, hälfe, Dat.=Halse. 

In rf fällt r aus,z. B. bäfe=Barsche. 

Auslautend herrscht scharfes s. 

If fällt bisweilen aus in wian=gewesen, wenn man das Wort nicht 
als wiarn fassen will. Libbet=Elisabeth. 



62 



seh (s) 

§ 163. Die anlautende Verbindung sk (sc;, welche Büdwest- 
l'ülisi h Doch hie und da gehört werden boII, 1>< stellt ravensbergisch 
nicht mehr. An ihre stelle tritt nichl /.war das hochdeutsche kakumi- 

Dftle 8, sondern entweder spricht man Doch ein reines scharfes s und 
dahinter statt des k ein eh. die volare scharfe Spirans der (Juttural- 
reihe, so dass also s-chain=sehien und B-chult, f.=Schuld gehört 
wird, oder aber — und dies ist im ßavensbergischen augenblicklich 
bereits die gewöhnliche Form des alten sk — man spricht eine Art ka- 
kuminales s (sch) gleich dem Beb der feinen hochdeutschen Aussprache 
von „Stadt" und dahinter ein ch, welches selbstverständlich variirt, 
je nachdem es vor a, o, u oder vor e, i steht. Es mag sein, dass 
danchen auch reines hochdeutsches sch=altem sk auftritt. Im Gan- 
zen aber schliefst sieh der J)ialekt mit der richtigen Unterscheidung 
des alten sk als Konsonantenverbindung an die südwestliche münste- 
rische, südöstliche und östliehe lippische und paderbornische Mundart an. 
Der Unterschied aber zwischen Paderborn und Ravensberg besteht in 
diesem Falle darin, dass dort s-ch, ravensbergisch s-ch gesprochen wird, 
/.. W. rav. s-cheo, ro.=Schuh, paderb. s-chau. Das ravensb. s-ch liefert 
somit einen Beitrag zu der von Rumpelt § 15, S. 82 behandelten Frage, 
ob das hd. s (sch) ein einfacher Laut sei. Die rav. Mundart fasst, in- 
dem sie das ch=altem k nicht fahren lassen will, das s als einen 
einfachen Laut der Verbindung s-ch=sk auf. Der Uebergang von 
dem s zu dem ch=^ ist beim Sprechen ganz deutlich vernehmbar. 

Beispiele s-chal=soll, s-chäihen=geschehen, s-chobben, f.= 
Schuppen, s-chap, n.=Schrank. s-chäp, n.=Schaf, s-ehillen=schiilen, 
s-cheole, f.=Schule, s-chüel, m.=trüber Katfee. Von Interesse ist nui- 
s-chuir"ch=neugierig, wo das s-chuir'ch zu einem Stamme mit sik 
s-chiar'n üm=sich kümmern um gehören muss. 

Fremdwörter mit kakuminaler, weicher Spirans (frz. g, j) 
beginnend, werden ebenso wie altdeutsch mit sk beginnende behandelt, 
z. B. s-chalü=eifersichtig, s-chanair'n=genieren. 

Die Verbindung skr, welche im südlichen Westfalen noch bis- 
weilen beibehalten wird, ist rav. zu s-chr geworden. s-chrät=schräg, 
s-chrappen=schaben, s-chrel— scharf. Kinder sprechen gern sruiben 
=schreiben. Bemerkenswert sind: s-chraiwe, f.=Griebe, mnd. greve, 
neben graiwe und holts-chräf, m.=Heher. — 



IV. Gutturales. 



§ 1G4. Ausser dem n in „enge 14 und „danken" besitzt die rav. 
Mundart folgende gutturale Laute: 

1) die weiche palatale Muta g. 2) die harte palatala Muta 
k, mit dem qu=kw und die harte velare Muta k (kinnen, kunst.) 3) die 
palatale harte Spirans ch (ch in hd. „Frauchen" 4 ) und die velare harte 






63 

Spirans ch (ch in hd. „rauchen"), 4) die palatale weiche Spirans (Fri 
kativa) j, 5) den Kehllaut h. 

g 

§ 165. Die weiche palatale Muta g kommt im Anlaute über- 
haupt nicht vor und es wird das gotische und hochdeutsche anlau- 
tende g stets durch die palatale und velare harte Spirans ch {-£ und 
y"), gegen das mindische Gebiet auch durch j ersetzt. Die Schrift 
freilich muss anlautend für den Bereich des got. g das Zeichen g 
beibehalten, wenn sie nicht durch ein doch zu absonderliches Wort- 
bild beim Leser Verwirrung anrichten will, zu behandeln aber sind die 
mit ch=got. g beginnenden Wörter unter ch. Vergl. daher dieses. 

§ 166. Inlautend stehtg(=hd.gin „Tage") zwischen Vokalen: 

Einfach z. B. suige=niedrig, äuge, n.=Auge, swuigen=schwei- 
gen, fan däge=heute, bläge, f.=Kind (Seh.) driagen=tragen, sllgen, f. 
=Schlitten, fertäget=eng befreundet, fögesman, m.=Eheunterhänd- 
ler, huigen up=denken an, süge, f.=Sau. Mittelwestfälische Urkun- 
den schreiben dieses g meist gh. 

Inlautendes einfaches g entspricht aber auch einem hd. h in: 
hTger, m.=Heher, naigede, f.=Nähe, näuge=nahe, scliäügen=ge- 
schahen, säügen=sahen. 

Geminirtes g erscheint in älteren Denkmälern oft in der Form 
ggh. Im jetzigen Ravensbergisch hört man in der That oft hinter dem 
g vor -en ein j, häufiger aber reines g. Beispiele sind: 

leggen=legen, seggen=sagen, liggen=liegen, rügge, m.=Rücken, 
ragge, f.=Schwein, plügge, f.=Stift, poggensteol, in.=Pilz, brüggem, 
m.=Bräutigam, faggeln= „fackeln", legge, f.=Leinwandlegge trügge, 
f.=Schöpflöffel, ags. tryge, f.=Mulde; siggelich=albern, Egge, f.= 
Gebirgskamm. 

§ 167. Ueber die inlautenden Verbindungen mit g ist fol- 
gendes zu bemerken: 

Wurzelhaftes g kann sich unter Nachwirkung eines ausfallenden 
e vor d halten. So in den schw. Prät. lägde=legte, sägde=sagte, 
bägde=beugte, rägde=regte, iagde, f.=Egge, miagde, Pl.=Mägde. 

Zu lg, rg, ng vergl. 1, r und n. Beispiele sind galgen, m.= 
Galgen, biarge, Pl.=Berge, tiargen=hetzen, einen Hund; hingest, m. 
=Hengst, manges=oft, aus manigesten. — 

§ 168. Auslautend geht inlautendes g in ch (y' und ^) und 
das g von ng in nk über z. B. dach, m.=Tag. läuch=log, ;plach= 
plegte, wach, m.=Weg, he lich=er liegt, biarch, m.=Berg, balch, m. 
(mit ^')=Balg, du machs=:du magst, lächt=gelegt, sink=sing! selten 
sing! Vergl. unter ch und k. 

Beginnt das folgende Wort des Satzes mit einem Vokal, so tritt 
in der Regel die weiche velare Muta wieder in ihr Recht ein, z. B. 
lag-ik=lagich, dreog-ik=trug ich. Aber gewöhnlich etfenk an=es fing an. 

§ 169. Wechsel des inlautenden g mit einem j kann statt- 
haben. Man hört ploejen=pÜügen, huijen:=denken, rajje für ragge, 



64 

f. — Schwein (um Heepen). Zu dem ,i ueigl besonders der Nordosten, lg 
wird oft Ij gesprochen /. 1!. tälje, F. junger Baum neben tälge, hil- 
jenbelt, n. neben bilgenbelt. Vergl. anter j. — 

gg=ww ist r:i\ . nicht beliebt. paderbornischen Wörter 

käggeln— zanken, drüggen =drohen, Bnggel, m.=Pfriem lauten rav. 
kawweln, drüwwen, suwweL Bisweilen vernimmt man frugge, f = 
Frau, grüggeln =grauen. Vergl. unter w und j. 

g£— bb : pogge=Frosch ist pobbe östlich von Bielefeld. — Bemer- 
kenswert L8l pagenstiaker, m. Pferdekäfi c neben piarstiaker. 

§ 17<>. g ist ausgefallen in: släuen=schlagen, ik Bläue, he 
släit : aifen==fürchten, baister, f.=Buche, häboeken, f.=Hagebuchen, 
pailen=mit langen Schlitten durchmessen; Bchräüe=mager (?)•, Ha- 
bütkenlant=Hundetürkei, aus Hagebüttenlant ? — Enger Maine ein 
Marktag in Enger, aus „up Enger 1 Remigium". — pamwiewel -Mi>t- 
käfer, zu päge; Bia'=sagte, lia'=legte. 



§ 171. Die palatale und volare harte Muta k entspricht an- 
lautend altem k: 

kuade, m.=Kotten, kuiken=kucken, kaicheln=keuchen, kuür'n= 
sprechen, kamp, m.=umfriedigtes Feld; fremd: kassen=taufen, kaf- 
bern=Kirschen. 

Anlautende Verbindungen : 
kl: klam=klebrig, kleppen=die Glocke ziehen, klocke, f.=Glocke. 
kn : knäi, n.=Kniee. 
kr: kreone, f.=Kranich, krank=krank. 

§ 172. Inlautendes einfaches k zwischen Vokalen: bräken, 
Pl.=Schlagholz, faken=oft, näket=nackt, räken=raffen, riaken=or- 
dentlich, reinlich, quaken.. Pl.="Wacholder, miuken, Pl.=Abfälle beim 
Kornreinigen, suüken=siechen, stiuke, f.=Baümstumpf, stuüke=stumpf 
von Geist, slinken, Btv.=schluckeii, kleoke=kluge, kriuke, f.=Krug, 
büeker=Bbttcher, sieker=siecher, keoken, m.=Kuchen, küake, f.= 
Küche. 

Geminirtes k (k nach kurzem einfachen Vokale) ist im Ravensb. 
bereits häufiger als im Südwesttalischen z. B. läcker=Lücher, südlicher 
liiaker, auch rav. bei Löhne laüker ; bücke=Böcke, racken=:Flachs- 
brechen. bracke, f.=Kind (Seh.), späckern=scheuchen, wicken=wahr- 
sagen, sticke, f.=Schwefelholz, suckeln=saugen. kracke, f.= Art Pflaume 
neben kräike, schicker (jüdisch i=betrunken — 

§ 173. In- und auslautende Verbindungen: 
Nach Synkope eines e stufst k inlautend mit d, 1. r zusammen 
z. B. flokde=fluchte, de feriükde=der Verrückte. waklich=wacklich, 
drük'rich=schmutzig. 

Häufiger tritt k in- und auslautend vor s und t: luksen= 
ausraufen z. B. Ähren von liuken, stv.. äkse. f — Axt. läksen, f.= 
Schulaufgabe, lüiksebäune, f.=Vitsbohne, iakster, f.=Elster, slaks. m. 



65 

=Lümmel, baks, n.=Backhau8, niks=nichts, bräks=brichst, nüksk= 
tückisch, duks, m.=dummer Junge. 

kt: de hiakte=die Hechte, et spokte=es spukte, spokt=gespukt. 

kw vergl. unter qu. 

Die Verbindungen bk, pk, fk, lk, rk, mk, nk, sk, tk vergl. unter 
b, p u. s. f. 

sk ist durchweg erhalten. Nur gegen Minden und Lübbeke hört 
man bereits seh z. B. waschen=waschen. 

nk auslautend, kann organisches k sein z. B. slink, n.=Barriere, 
sank=sank, lankwäge, m.=Verbindungsstange am Ackerwagen, oder 
es ist die inlautende Verbindung ng z. B. strank, m.=Strang, sank= 
sang. Dieses k hält sich gewöhnlich auch beim Ueberziehen : he sank 
us— er sang uns. 

§ 174. Auslautendes einfaches k entspricht inlautendem ein- 
fachen oder inlautend verdoppeltem k z. B. : 

waik=wich, wäik=weich, luik, n.=Leiche, striuk, m.=Strauch, 
hiiik. m.=Thal, steok=stach, ik=ich neben icke, sik=sich, swak= 
schwach, nuüdlik=niedlich, blak, n.=Thite, fak, n.=Fach, quik=le- 
bendig, rasch, daneben fäken=oft, quieke, f.=Queke. 

Bemerkenswert ist das häufige auslautende k der Bildung -ik, 
ek, k: 

päitk, m.= Hode, tipk, m.=Spitze, dopk, m.=Eischale, putk, ni.= 
Podagra, prätk, m.=:Geschwätz, striepk, m.=Streif. schiepk, n.=Schilf, 
häfk, m.=Habicht, kolk, m.=Kolk. lürk, m.=Kröte, fitk, m.=Fittich, 
lütk=klein. 

§ 175. Zu erwähnen ist der Lautwechsel in folgenden 
Wörtern: 

klwit, m.— Kiebitz neben piwit, speckmius, f.=Spitzinaus, uüterbuck, 
m.=Zwitter, Osn. küterbuck, küls, m.=Schädel, engl, scull. 

kii : knuddenkäin, m.=Winkel für die Flachsknoten, aus knudden- 
knäi, n. (?). knuist, m.=Schmutzlage neben gnTst. 

kr : krecke=Drehriegel, krickhoenken, n.= Wasserhuhn neben trick- 
hoenken (Heepen), krispeln:=rascheln, Mispeln, krallen, PI.— Korallen, 
Bernstein, kiiffeln=kreiseln, kuormel, m.=Haufe zu kriemeln=wim- 
meln, krink, m.=Kreis. 

§ 176. Abfall der anlautenden k in nürren=knurren, neost, 
m.=Knorren neben kneost, kniust, nitsken neben knitsken=etwas, 
nuk, m.=Stoss neben knuk=Stoss, Ptuck. 

qu=kw 

§ 177. Von qu=got. q, ags. cv, as. qu bieten sich anlautend 
folgende seltenere Beispiele: quas=böse, quäus, m.=Querkopf, quuit 
=quitt, quäfen— schwatzen, quaddern:=zerdrücken, breitschwatzen, 
quuinsel, n.=Siechling, quackeln=scldecht schreiben, quik-quak, m.= 
etwas Ungeformtes und Bewegliches, quängeln=nergeln, quebbe, f.= 
unter dem Tritte zitternder Grund, quäl=schwül, (Heepen). 

Jellinghaus, Grammatik. g 



66 



ch 

§ 178. Die harte Spirans oh erscheint im ßavensb. anlautend, 
inlautend und auslautend. 

Anlautendes ch, bezeichnet durch g. 

Statt der weichen palatalen Muta g dos Hochdeutschen und der 
nördlichen und östlichen Mundarten, also des g des Gotischen, Altsäch- 
sischen u. s. f. erscheint im Uavensb. anlautend die harte Spirans eh. 
sir ist im Ganzen besonders vor a, ä, o, u, ü und in den Verbindun- 
gen gl, gn, gr von velarer (/') jedoch vor i, e, ä mehr von pala- 
taler Bildung (/'). Zu letzterem ch könnte das ähnliche ch in eini- 
gen Distrikten Schleswigs und im Göttingischen (/') verglichen werden, 
Was die Nachbardialekte angeht, so herrscht in der münsterischen 
und paderbornischen Mundart das bekannte westfälische ch — hd. ch 
in „lachen", das Fürstenthum Lippe steht zu liavensberg, hat ab« r 
Vorliebe für ch— y'. An der Nordostgrenze der Landschaft Ravens- 
berg. gegen Minden und Lübbeke geht anlautendes got. g geradewegs 
in ein achtes Berliner j über, welches j sich sogar in die hochdeutsche 
Sprache der dortigen Gegend eingeschlichen hat. Dort lautet rav. 
geonsdach, m.=Mittwoch, „jönsdach" und lautete nach Weddigen 
schon so vor 80 Jahren, he jift=er giebt, jät=Gott. Gegen Nord- 
westen im Osnabrücker Dialekte weicht das g =ch bereits dein n ls. g. 

Beispiele: 

a) ch=got. g vor a, o, u und Konsonanten: gat, n.=Loch, anus. 
galgen, m.=Galgen, goefe, f.=Kehle, görde, f.=Grütze, gülden, m.= 
Gulden, gät, m.=Gott, gäigel, f.==Zahnfleisch, güelen=:ergiebig sein, 
g&üfe=Gänse. 

Verbunden gl: gliupen=finster sehen, scheel sehen, glium, 
m.=Feuerhaken. 

gn: gnüadern=gnöttern, gnuücheln=schmunzeln, gneost rn=knir- 
schen, gnärsk=gnärrig. 

gr : grälen=knallen, rollen, grut. m.— Kies, grummeln=fern donnern. 

b) ch=got. g vor e, i, ä: geld, n.=Geld, glben=geben, gient= 
dort, gial=gelb, gistern=gestern, gäus, f.=Gans. 

§ 180. Eigentümlich ist der Wechsel des anlautenden g=ch 
mit anderweitigem w in günfeln,=winseln, geonsdach, m.=Mittwoch, 
sonst wodensdach, gönsken=wünsclien, fergülTelt=durchwüklt. 

gn=kn in knickern— gnikkern, knausern, knuist=gnuist=Schmutz- 
lage. knawweln=gnawweln, benagen. Vergl. unter kn. 
gr=wr: griupe, f. — Steckrübe. Pommerisch : wruke. 

g fällt bisweilen ab in der Verbindung gn z. B. naggen=gnag- 
gen. nagen, nüedern— gnöttern. nibbeln=mit dem Schnabel benagen 
neben gnawweln. 

§ 181. Inlautendes ch ist nach a, o und u velar (/"), nach 
e und i in der Hegel palatal (/'). Es steht unverbunden nach kur- 
zen und zusammengesetzten Vokalen. Beispiele, in denen es nach 
langen Vokalen auftritt, fehlen. 



67 

lachen=lachen, Stachel, m.=Stachel, achuilen=essen (jüdisch), swi- 
eheln=saufen, picheln=kneipen, kricheln=hü stein, lauf¥röehelmk= 
Laubfrosch (Heepen), ags frocja aber auch hd. rühling— grüner Was- 
scifroscli. huücheln=heucheln, gnuüclieln=vor sich hin lächeln, kai- 
cheln=keuchen, Swaicheln, Ortsname. käuchem=klug (jüd.), prachern 
=betteln. 

§ 182. Verbunden findet sich ch vor t— älterem h und g und 
oft entsprechend hochdeutschem f: 

ichtens=irgend, richte, f.=gerade Weg, stichte. n.=Stift, klöchtern, 
f.=Klafter z. B. Flachs, lüchten, f.=Leuchte, unsachte=ungesGhlacht, 
dächter, f.=Tochter, bächte=beugte. 

Bisweilen hält sich d nach ch z. B. achde=achte, sochde=suchte, 
aachde=dachte neben achte, sochte, dachte. 

Auffallend ist ch nach r in büörche, Pl.=Eber, Buorchel, Fami- 
lienname. 

§ 183. Auslautendes ch ist nach a, o, u velar, nach ä, e, i 
palatal. 

Unverbunden wird es dadurch häufig, dass sämmtliche inlau- 
tende, wurzelhafte g auslautend zu ch werden. 

lach=lag, fläuch:=flog, tauch, n.=Zeug, wach, m.=Weg, swaich^= 
schwieg, he lich=er liegt, -ich z. B. hännich— handlich, flink, -tich 
z. B. füftich=50. — 

Als Verhärtung von h und j: 
säuch=sah, täuch=zog, schäuch==gesehah, däch=doch, fräch=frisch, 
frank; hauch, n.=Heu, Dat. häüjje, kläich, m.=Lehm- und Kleibodcn. 
§ 184. In Verbindungen findet sich ch l)=wurzelhaftem g. 
Vor t z. B. bucht, f.=Biegung, tor bucht kruigen=unterwerfen, 
jacht, f.=Jagd, drächt= getrocknet, sächt=gesagt. 
Vor s: lüchs=lü-gst, süchs=saugst. 

2)=h, f, ch, k: 
schacht, m.=Schaft, flucht, f.=Spindel, lucht— links, lucht, f.=Luft, 
bucht, f.=Busch, ahd. huftdi; spucht, m.=kleiner schwächlicher Mensch, 
lacht=gelacht, dacht=gedacht, socht=gesucht. 
chs z. B. lachs=lachst, söchs=suchst. 

Auch nach Konsonanten entsteht ch aus wurzelhaftem g z. B. 
balch, m.=Balg, biarch, m.=Berg. Nur ng giebt nk, selten nch z. B. 
he dranch=er drang. 

j 

§ 185. Die palatale weiche Spirans j erscheint an- und inlautend. 

Unter den Fällen von anlautendem j sind bemerkenswert: 

j wechselt mit einem g anderer Dialekte: 
jient=dort, jänen=gähnen. jäinen, Fl.=Pteihen von gemähtem Gras 
oder Korn, jui=ihr, jiü=euch, jibbern=zwitschern, jawweln=jaulen, 
jäiwe=ziemlich. Aufserdem : jümmer=immer, juimern=wimmern, 
jichtens=irgend, jidder, n.=Euter, jest, m.=Hefe neben gest. 

Gegen Minden hin wird g, also rav. ch, zu j, z. B. jeot=gut. 



US 

§ L86. Inlautendes j bietet [nteresse genug für eine ausführ- 
lichere Behandlung. 

Einfaches j nach langen Vokalen oder Diphthongen findet sich 
selten und ist aus g entstanden, waijera weigern, ruije, f.— Reihe, 
naijer näher, suye= niedrig neben waigern u. s. f. 

Häufig ist dagegen verdoppeltes j. 

Die meisten Darsteller des Westfälischen schreiben dieses jj als 
gg. Besser als diese irreleitende Bezeichnung durch gg wäre die 
durch einfaches j oder y. wie sich ja auch innd. j und y, z. B, in 
gloyen=glühen, eijes: Eies linden. I>a aber vor dem ravensb. j 
sämmtliche Vokalzusammensetzungen nur kurz gesprochen werden 
können, so ist die Schreibung jj die angemessenste, indem sie jene 
Kürze des vorangehenden Lautes ausdrücklich hervorhebt. 

Die wichtigsten Beispiele von inlautendem jj sind: 

1) brojje, f=Brühe, blojjen=blühen, diajjen drehen, glojjen= 
glühen, krajjen=krähen, krajje, f. = Krähe, sik mojjen=sich betrüben. 
majjen=mähen, mojje, f.=Mühe, lojjen=laut singen. najjen==nähen, 
najjen=wiehern,sajjen=sähen, Bnojjen=sengen, wenn das Feuer „sucht", 
sik snojjen=mausern, wajjen= wehen. 

In den meisten von diesen Woltern entspricht dem jj ein j oder 
i in älteren deutschen Dialekten. 

Hieran schliessen sich : 
kojje=Kühe (bereits i. j. 1500 koye), fajjeln=fehlen (rom. illV). 
krijeol, in.==Geschrei, mnd. kraul=Stiinme ; 

2) jj nach den Vokalverbindungen ui, ai. aü verdient besondere 
Beachtung, ui, ai und aü werden zwar vor dem jj gegen ihre sonstige 
Natur stets ganz kurz abstofsend gesprochen, unterscheiden sich aber 
deutlich von blossem u und ä. 

a) ui: Amruijje=Anne Marie, bluijje, Dat.=Bleie, bluijjert, m.= 
ein Fisch, duijjen=deihen, die romanische Endung ie in däiweruijje, 
f.=Dieberei, kuüruijje=Geschwätz: kluijjen, f.=Kleie, nnijje=neue, 
profef8uijjen=prophezeien / spuijjen=speien, snuijjen=schneien, suijjen 
=seihen, sluijjert, f.— die Schleiche, sik twuijjen=sich entzweien, sik 
teofluijjen=sich aufputzen (ironisch). 

b) äi: aijjer — Eier, bäijjern=läuten, gaijjel=geil, gäijjel, m = 
Geile, holläijjen, f.=Allee, maijje, Dat.=Maie, mäijjer=Meier, bäuer- 
licher Titel, räijjer, m.=Ileiher, räijjen=rein, schraijjen— -schreien, 
täijjen=zehn. 

c) aü: häüjje, Dat.=Heue. — 

Hierher gehören noch die Namen Tuijjem. hd. Tiemann, Fami- 
lienname zu up'n Tuijje=auf dem Dorfplatze, vergl. Diefenbach II, 
701, Dräijjen=Dreien. Ortsname. Haüjjel=Hoyel, Ortsname. 

3) Ein w scheint ausgefallen vor j in: daijjen=aufthauen (gegen 
däwwen=thauen). sik frojjen=sich freuen, klajjen=kratzen, strojjen 
=streuen. 

4) jj statt g: bruujjem= Bräutigam, fertuijjen=ein Nest verstören; 



69 

nach Ausfall von r: gudden mäüjjen=gutcn Morgen ! Man hört auch 
sajjen für seggen, sagen und lajjen für leggen=legen. 

Von den benachbarten Mundarten theilt die paderbornische die 
Vorliebe für jj. Dort finden sich auch noch weitere jj, z. B. käjjeln 
=zanken, frujje, f.=Frau, grüjjjeln==grauen. Vergl. unter w. 
§ 187. Nach Konsonanten findet sich j inlautend: 
nj: sinjen=sanft, dünjen, f.=Schlaf, manjer=mancher. 
rj : matirje, f.=Eiter. 
lj: üalje, m.=Oel, foljede=folgte. Vergl. n, r und 1. 

Auslautend verhärtet sich j stets zu ch (hochd. ch in „Frau- 
chen") z. B. bluich, n.=Blei, twäich=entzwei, draich, m.=Drehung. 
Vergl. unter ch. 



v< 188. Anlautendes h: 
hampein=hapern, hiarm, m.=Bock (Seh.), hippe, f.=Ziege, hüns- 
ken=beschwichtigen, hot un hä=links und rechts, beim Fahren und 
Pflügen. 

Inlautendes h: 
wi säihet=wir sehen, laihen=leihen, dlhen= gediehen, fräuhen, 
Dat.=frohem. 

Auslautend ist kein h vernehmbar. 

§ 189. Anlautendes h scheint sich zu k verhärtet zu haben, 
in krink, m.=Kreis. 

Inlautendes h wurde bisweilen zu g, z. B. häuge=hoch, päge, 
Pferd (?). Vergl. unter g, sowie weiter zum Wechsel des h unter w, 
f, j, ch. 

§ 190. h fällt aus in täin=ziehen, säin=: sehen, schäm— ge- 
schehen. Ebenso du tuüs=du ziehst, suüs=siehst u. s. f.; näwer, 
m.=Nachbar, wullacken, wallacken =hart arbeiten von wall hacken, 
synon. mit bohviarken. 

h fällt ab: duür=durch. 



Inklinationen und Attraktionen. 

§ 191. 

anne=an der, häwwi=haben wir? 

dat't:=dass es, häjji— habt ihr? 

de't=der es, in't=in das, 

es'm=ist man. inne=in die, 

es't=ist es? in'n=in dem, in den, 

fäune'n=fand er ihn? kam'=kann man, 

frädde=frisst er? kanse=kannst du sie ? 

gimmi=gieb mir! müegi=mögt ihr? 

häk=habe ich? sok=sollte ich? 



70 



Bak=8oU ich? 
sink bin ich? 
BÜwwe Bollen wir? 

s=6oll8t du ? 
tom=zum, 

ub'm=auf dem, den, 
op't=auf dns, 
won=wo ein, 



wuk -wollte ich? 

wijji wollt ihr? 

wüwwen wollen wir ihn? 

wänne :wenn du, wenn er, 

wulle willst du! 

wuddr willst du! 

wu88e=willst du? 



Bemerkung: 

Zu § 108, 117. 118 und 123. In den „Beiträgen /. Gesch. d. 
deutschen Sprache u. Literatur" Band I. S. 163 bemerkt Paul: 

„Mit der endsylbe en verschmilzt dies (inlautende oieder- 
„deutsche und niederländische) w — ich weiss nicht ob in ganz 
„Niederdeutschland — zu einem sylbenbildenden in. z. B. ge-m für 
„gewen. Da dieses m auch von den hochdeutsch redenden nieder- 
deutschen gesprochen wird und diese sich dessen nicht bewusst 
„sind, vielmehr nach der schrift „ben a zu sprechen glauben, so ent- 
steht der irrtum, als Bpräche man in diesem falle auch plattdeutsch 
„ein b, was man sogar in mundartlichen grammatiken angegeben 
„findet, z. B. in Nerger's Grammatik des Meckcnburger Dialekts 
S. 189, 191." — 

Dieser Auffassung gegenüber ist festzuhalten, dass man im Ra- 
vcnsbergischen in Wörtern wie druiben=treiben, glben=geben, libben 
=Lippe, sieben=7 ein wirkliches b vor dem zu "m gewordenen en 
hört, gerade so wie man in dem r pen" von huapen=hoffen vor dem 
'm ein deutliches p vernimmt. Der in jenen Wörtern entstehende 
Laut „b*m" unterscheidet sich deutlich von dem silbenbildenden m, 
welches im nördlichen Westfalen beispielsweise in dem „'m, 'm!" 
einem Zeichen der Bejahung, auftritt. In ganz vernachlässigter Bede 
erscheint allerdings bisweilen jenes silbenbildende m statt des „b'm" 
(gfm=geben). Gewiss ist aber, dass das ,'ra" überhaupt erst durch 
ein wirklich existirendes vorübergehendes b möglich wurde. Das im 
Raveusbergischen nicht seltene „wen" z. B. llwen=leben, rlwen, acc. 
^verschwenderischen, bräiwen, Dat.=Briefen. schaiwen, Acc.=scJbie- 
fen ist lautlich ganz das gut ausgesprochene hochdeutsche „ven" in : 
die Slaveu. Es scheint, als ob da, wo in den entsprechenden hoch- 
deutschen Wörtern „fen" geschrieben wird, im Raveusbergischen „wen" 
herrsche, ben (b'in) selten sei. 



71 



Zweites Buch. 

Flexionslehre. 

Erster Abschnitt. — Deeliuatioii. 

§ 192. Von den vier Casusformen: Nominativ, Genitiv, Dativ 
und Äccusativ ist der Genitiv gröfsteutheils aufgegeben und wird 
durch die Präposition fan mit dem Dative oder, auf syntaktischem 
Wege, vermittelst des possessiven Pronomens (suiu, üar), ersetzt. Die 
Sprache bewahrt diesen Casus ungefähr in denselben Fällen, in wel- 
chen die hd. Umgangssprache sich seiner noch ohne afiectirt zu wer- 
den, bedienen kann. Das karakteristische des Ilavensbergischen ist 
gegenüber den östlichen und nördlichen Mundarten die durchgehende 
Erhaltung des e, en der Endung und als Folge derselben das Fest- 
halten der lautlichen Unterscheidung zwischen Dativ und Äccusativ. 
So ist z. 13. eine Abstofsung des Endungs-e des Dativs st. masc. Sub- 
stantive, wie sie jetzt von Norden und Süden her auch ins Hochdeut- 
sche so stark eindringt, im ravensbergischen Niederdeutsch unerhört. 

Wo der Plural sich nicht mehr durch Endung oder Umlaut vom 
Singular unterscheidet, wird in der Regel die Endung „s tf als Zeichen 
des Plurals verwendet. Der Nominativ wird sehr häufig durch den 
Äccusativ ausgedrückt, wie überall iin Neid. Auch schmilzt er in der 
Declination schw. weiblicher Substantive durch Ueberhandnehmen der 
Endung -en mit ihm zusammen. 

Die Adjective der zweiten Reihe bewahren in beträchtlicher An- 
zahl kräftig das auslautende e ihrer flexionslosen Form (prädicativ). 
Ebenso erhält sich das auslautende e in den Zahlen von 1 bis 12 mit 
Ausnahme von sieben=7 und niegen=9. 






I. Die substantivische Declination. 



§ 193. Indem die ravensbergischen Substantive, wie die hoch- 
deutschen, das auslautende e, en bewahren, gleichzeitig aber in eigen- 
thümlicher Weise der Pluralbildung mit -s und -ens zugeneigt sind, 
entstehen eine Anzahl von Flectirungs weisen, welche, bei ihrer schwan- 
kenden Natur, einer auf die alte deutsche Declination begründeten 



n 

Gruppirung sich nur schwer unterstellen, — Einigermafseu jedoch 
ordnen sich die Dechnationen der raTensbergischen Nomina nach Mafs- 
gabe der Geschichte der deutschen Substantive, nach ihrem Geschlechte 
und nach ihren Endungen in folgender Wei 

Erste Klasse. 

Stark«» l>< < Ii'mmI ion. 
A. M as c u 1 in a. 
g 194. Erste Reihe. I>ie Endungen sind: 

Sing. Num. — Plur. Nom. e 

( „ Gen. es „ Gen. e) 

„ Dat. e „ Dat. en 

„ Acc. — „ Acc. e 

ti>k. hske, nsk; uske, fisken, ti-ke. 
Der Nominativ Singularifl ist endungslos und der Stamm- 
vokal lautet im Plural nicht um. 

Beispiele: brink=Hügel, bil =Schnabel, but=junger Ochse, d&il 
=Theil, dach=Tag. ellenbut=Iltis, elk=Ilii>. ent=£ndtheil, ham= 
ein Fischnetz, küp— ein Ueberbau, piust= Blasehauch, raip=Strick, 
Btairt=Sterz, säut=Brunnen, slaif=hölzerner Kochlöffel, sprik=klei- 
ner Zweig. twik=Zweig, timp=Landspitze, wuip=Strohwisch 1 hummek 
=Hummel, haürn*k==ilornisse. holt ik= Holzapfel (gew. PI. höltke). tipk 
=Spitze, tiusk=Zipfel, dopk=Eispitze,küenink^=König,üanernt= Nach- 
mittag, glium=Feuerhaken, triems=die Tremse. wäinwärp=Maulwurf, 
mik=Regenwurm, pik=Mark, wik=£ntcrich. 
Ohne Plural: 
dich=Gedeihen, eolf=das Wühlen, flot=Rahm, fleom=Fetthaut der 
Schweine. gfisk=Geeskohl. 8chüöl=Boden8atz, sraant=Rahm, smul= 
Fett, Speck. 

Nur im Plural: 
wialdäge=lustige Tage, wäidäge=Schmerzen, päitke=Hoden ?on 
Thielen, wacke=Molken. 

Bemerkenswerth ist der Ausdruck: düT däges=dieser Tage, 
neulich. 

§ 195. Zweite Reihe. Diese Declination hat dieselben 
Endungen wie die erste, aber im Plural lautet der Stamm- 
vokal um. 

al=Aal, ale: dop=Eischale (halbe), döppe; feot=Fufs, foede ; 
häup=Haufen, häüpe; kump=die Kumme, kümpe; kniust=Knollen, 
knuiiste; bost=Borst, böste; kal=Kuhle, küale ; lask=eine Lasche 
aus Holz, läske: nask=Kastchen. näske ; po&t=Pfosten, pöste : pol 
=Baumkrone, pölle ; peol=Pfütze, poele; puk=Mehlsack, pücke: 
ram=Krampf, ramme; späun=Spän, späüne; sneor— die Schur, sno r': 
Bträns=hochtrabender Bengel stränse; top=Zopf, töppe ; toch. tucli 
=Zug. tüage, tüge; wäch=Weg, wiage. äurnt=Tauber, äürnde; 
bäs=Barsch, bilJ'e; duok=Beule, düöke; prul=Dolde, prülle; tuarf 
=Rasenstück. tüarwe. 







B. 


N 


eu 


tra. 






Sing. Nom. 













Plur. Nom. 


e 


- Gen. 


es 










( „ Gen. 


e) 


„ Dat. 


e 










„ Dat. 


en 


Acc. 


— 










„ Acc. 


e 



73 

Ohne Plural: 
balch=Balg (PI. bälgen=Pedal), slump=Glücksfall, duks=dummer 
Junge (Seh.), immedräs=die Hefe von Wachs und Honig, uolm, üölm 
=Dampf, däut=Tod. 
Nur im Plural: 
flüöde=Rheumatismus. 

Die Wörter der ehemaligen dritten (u-)Reihe haben sich an die 
zweite Reihe angeschlossen, z. B. tan=Zahn, tiane. 

Bemerkenswerth ist jedoch das e in de suone=der Sohn, süöne. 
Von friae=Friede erhält sich ein Dativ „friae" in „geot to 
friae suin"=wohl sein. 

schüöte=Schuss (eines Baumes), Acc. schüöte. 



§ 196. 



Karacteristisch für diese Reihe ist die Endungslosigkeit 
des Nom. Sing. Da sich aber nur wenige Wörter der alten zweiten 
und dritten Reihe in einer Besonderheit erhalten haben, die meisten 
hingegen zur ersten Reihe hinzugetreten sind, so bleibt im Ganzen 
nur diese eine Reihe starker Neutra übrig. 

Beispiele: breok=Brüch, däl=Hofthür, gäk= Verzierung am Gie- 
bel, hecht=Bund (Flachs), hek:=Pforte, häl=Loch, let=Klappe, lecht 
=Licht. lechte; luik=Leiche, luike; ref=Gerüst; rüsk= Binse, rüske; 
slink=Barriere, schap=Schrank, suik=Thal, schüt=Schutzbrett, schät 
=Taubenkasten, mest=Messer, twik=Zweiglein. 

Rüsk hat auch rüsken im Plural, twik ist auch st. m. 1., der 
Plural lautet auch twicker, twuiger. 

Ohne Plural: blak=Tinte, bärk=Baumrinde , blik=der blofse 
Hintere, tlas=Flachs, gat=Loch, fast=Dachfirst, fäih=Vieh, hauch 
=Heu, kaf=Spreu, luin=Leinsamen, met=Fleisch, stiek=das Steek, 
poggenschät=Froschlaieh, räukschät=Rauchfang. 

In den Wörtern auf r geht das Endungs-e des Plurals und 
des Dat. Sing, in dem r unter: 

häur'=Haare, jäui-'— Jahre, spuir'=Halme; häürn=Horn hat: 
häürn'=:Hörner (neben häner). 

Ein Umlaut findet sich in: 
braut, bräüe=Brod; bunt, bünne=Bund, punt, pünne=Pfund; beok 
=Buchecker, boeke; läun=Geldlohn, läüne; weort=Word, woerde. 

Beachtenswerth ist die Declination folgender Wörter : 
bedde=das Bett, PI. bedden. stük, stücke=das Stück, Sing. Dat. 
stücke. Plur.: stücke, stücker, Dat. stücken, stückern, Acc. stücke, 
stücker. glücke=Glück, ohne Plural. rämente=Lärm, ohne Plural. 



74 

Zu friapk=Werk, IM. wiarke und zu dink. PI. dinge und „din- 
ger* exi8tirt ein aus dein Gen. entstandenes „dat wiarks u :=der Stoff 
der Arbeit, und dat 9 dinges a =das Dingelchen. 

iriismiiisk.e = Frauenzimmer. Dat. u. Acc. -e, I'lur. -en, -er. 

C. V e in in i n a. 

§ l!)7. Keine st. DeclinatioD der Feminina, entsprechend den 
betreffenden altdeutschen Declinationen, existirt nicht. Statt derselben 
giebt es, im Ganzen in Qebereinstimnrang mit dem Neuhoclideutschen, 
folgende zwei Hauptformen» 

Erste Reihe: 

Sing. -e. Plur. -en. 
tiüede=Quellbach, PI. fiüeden. 

Es ist also der Singular stark, der Plural hingegen ist 
schwach geworden. Umlaut findet nicht statt. Von den schw. 
Femininen unterscheiden sich die Wörter dieser Reihe dadurch, 
dass sie weder im Nominativ noch in den obliquen Casus des 
Singulars ein n annehmen können. 

Hierher gehören u. a.: 
bieke=Bach, bläge=Kind (Seh.), bredde=Breite, brüöke=Bruch 
in Holz, Glas; buürunge=Ilausrichtung, diene=Thal, fiafe=Faser, 
iläwe— Pfeife aus Bast, fuilte=das Feilsel, hälfte=Hälfte. hegge= 
Waldsaum, Hag; hiushaiine=Heimath, imme=Bienenstock, Biene; 
knaiwäge=Kniegelenk, kübbunge=Yerlängerung des Daches über den 
Wohnzimmern, leoge=Lohe, maine^Meinung, moeme=Mutter, müele 
— Mft w l. neone=die None, putse=Scherz, richte=der grade Weg, 
stuige=die Stiege (20), stuie= Stätte, stanne=Fafs, snacke=Fliege, 
snuüfe=Fleischstock, stiuke=Baumstumpf, uchte=Dänimerung, wiaske 
=Tante, wispelte=Wespe; de ässe, ämnie=der Buchstabe S, M; äpe 
=Affe ist auch schw. Masc. 

Ohne Plural: mane=Mond, mäde=Mafs, z. B. de mäde niemen= 
das Mals nehmen; mialke=Milch, de Halle=Ortsname Halle i/W.; die 
Wörter auf -uijje, z. B. däiweruijje=Dieberei. 

In Wörtern, deren Endkonsonant r ist, geht das Endungs-e 
in diesem r unter, z. B. duür'=Thür, lair'=Lehre. miar'=Stute. 

In Wörtern auf -el fällt das Enduugs-e des Singulars ab: 
wärdel=W 7 arze, pingel=Klingel. 

§ 198. Zweite Reihe: 

Sing. — Plur. -e, Dativ -en. 
keoh=Kuh, kojje, Dat. kojjen. 

Der Singular ist unregelmäfsig, der Plural aber regel- 
mäfsig entwickelt und lautet um. 

Beispiele: änt, iane— Ente: flau, iiäüe=Floh; gäus, gäüfe=Gans, 
bucht. hüchte=Strauch; munt, münne^Mund; eort, oerde=Ort. Ecke; 
pleoch, ploege=Ptiug; not, nüede=Nuss: mäget, miagede=Magd, 
plaggensift=Plaggenseuse; wisk, wiske=Wiese; stat, stiae=Stadt. 

Munt und eort sind auch Masculina. 



75 

Ohne Plural: lust=Blumenstraufs, snät=Grenze, sclmcht=eiu 
Theil des Halses des Rindes. 

Im Plural: niede=Nisse. 

Wörter auf -häit haben -en im Plural, gewöhnlich mit hoch- 
deutschem t: laichbäiten:=Bosheiten, gemäinhäiten=der Gemeinde 
gehörige Grundstücke. 

iarl'te=Erbse, PI. iarfte; suit=Seite, PI. suiden; dial=Tenne. PI. 
diale. 



Zweite Klasse. 








Schwache 


Dccliiiation. 






A. Masculina 








Sing. Nom. e (en) 




Plur. Nom. 


ens, 


en 


( „ Gen. en 




„ Gen. 


ens, 


en) 


„ Dat. en 




„ Dat. 


ens, 


en 


„ Acc. en 




„ Acc. 


ens, 


en 



§ 199. 



häne, hänen, hänen, hänen. 
Plural: hänens u. hänen. 

Die schwachen Masculina unterscheiden sich von den 
st. Masc. durch das -en im Dativ und Accusativ. 

Bemerkenswerth ist die häufige Fndung -ens im Plural. In fol- 
genden schw. Masculinen ist ein Plural auf -ens fast ausschliefslich 
im Gebrauch : 

de hägens=die Hecken, Sing, häge; de hänens=die Hähne, Sing, 
häne; de häfens=die Hasen, Sing, häfe; de miagens=die Mägen, 
Sing, mäge; de stäkens=die Stangen, Sing, stäke; de ruüens=die 
Hunde, Sing, ruüe ; de wiagens=die Wagen, Sing, wäge ; de uakens 
=die Burschen, Sing. uake. 

Bei andern ist wieder ein Plural auf -en alleinherrschend, z. B. 
de minsken=die Menschen; kliuden=Erdschollen. 

Zu den reinen schwachen Masculinen gehören noch: 
äpe=Affe (auch fem.), basse=Schwein, bolse=Kater, diume=Dau- 
men, elefante=Elephant, gante=Gänserich, gialgoefe=^Goldammer, 
päge=Pferd, riune=W r allach, soldfide=Soldat, schuake=Fufs, Bein; 
stäle=Tischbein; swäine=:Hirt. 

In den übrigen schw. Masc. ist das n der obliquen Casus im 
Nominativ entweder bereits herrschend oder doch neben -e gültig ge- 
worden. So hört man: 

heofse und heofsen=Husten, kuade und kuaden=Kotten, knuake und 
-en=Knochen, rogge und -en=Roggen, wuime und -en=:Theil des 
Rauchfangs. 

Fast stets: balken=Hausboden, Balke; bollen=Hinterbacken, tim- 
pen=:Spitze eines Dreiecks (neben timp, stm.). 

Wörter auf re lassen das e in dem r aufgehen: 



76 

liiur' Bauer, hair 1 Berr. 

Xu dieser Declination auch rügge=Rücken und wäide Weizen, 



jetzt: 



B. 


Fe in inin a. 




§ 200. Das Paradigma 


der ehemaligen 


schwachen Feminina ist 


Sing. Nom. -en. e Plur 
„ (Gen. -en „ 

„ Dat. -en 

„ Acc. -en (e) „ 
Von den st. Fem. unterscheiden 


Nom. en (ens) 
Gen. en) 
Dat. en 
Acc. en 
sich die schwachen 



durch das -en im Singular. Da aber bereits Dative und Accusa- 
tive auf -e In schwachen Femininen auftreten, so Bchwindet die Mö 
lichkeit einer Unterscheidung. Augenblicklich ist -en im Dative und 
Accusative noch vorherrschend. Von der Declination der schw. Masc. 
trennt sich die der Fem. noch dadurch, dass bei den Femininen 
das -en alle Mal im Nom. Sing, angewendet werden kann und 
dass bei den Femininen ein „ens" statt „en" im Plural selten 
ist. 

a. Im Nom. Sing, haben fast stets n: 

aim=Erde, bäurn=JBarte, blessen=Stirn. büenen=Bühne, bössen= 
Bürste, brüggen=Brücke, dannen=Tanne, duüsen=Deichsel, frübben 
=Frau, fuchten=Fichte, fullen=Giefskelle, häi'n=die Heide. haien= 
Werg, Hede; kissen=Kiste, kiln=Kette; kiarken=Kirche. kabben= 
Kappe, käur'n=Kaire, Linnen=Linde, puiben=Pfeife, mellen=Gn 
halm. roer , n=Röhre, Bchair'n=±Scheere, schiln=Schale. stangen= 
verschnittenes Schwein. Bwieben=Peitsche, wuien==Weide, wäien= 
Viehweide. waltern=Walze, läüwern=die Laube u. a. m. 

-en steht also besonders dann, wenn r, 1. b, p vor der Endung steht. 

b. Die übrigen schw. Fem. haben im Nom. Sing, häutiger e, 
wenn man davon absieht, dass der Accusativ oft statt des Nominativ 
eintritt, z. B. fast stets in Sätzen wie: dat es en lügen=das ist eine 
Lüge. 

B e i s p i el e : 
binse=Stirnbinde > blfe=kurzer starker Regen, butse=Brettcrver- 
Bchlag, dünje=Schlaf (am Kopf), hoeke= Weibertrauermantel, huile= 
die Hilde. kiufe=Backenzahn, kiule==Grube, kreone=l) Kranich, 2) 
Krone. knudde=Flachsknoten, kölfe=schwarzer Stirnfleck, kubbe= 
schlechte Kammer. kudde=cunnus, kiffe=schlechtes Häuschen, kriuke 
=Krug, lüge=Lüge. lunge=Lunge, nachtmär'=der Alp, niafe=Nase, 
kuller'=rumle Scheibe. panse=Wanst, pörde=Pforte, pogge=Frosch, 
ragge=jährig - 9 hwein, ringse=Wagenleiter, 8äifse=Sense, sage= 
Säge, Bchiude=Grabscheit, siene=Sehne, smicke, swieke=Gerte, 
snuiläe=Schneidelade, stieke=Schwefelholz. Btruade=Speise- und Luft- 
röhre, sunne=Sonne, swalwe=Schwalbe, süge=Sau, taske=Tasche, 
tIwe==Hündin, tralte=Zahnwurzel mit zwei Enden, tredde=kleine 



77 

Walze, trecke=Schublade, träue=Spur, trügge==Schöpflöffel, tunge= 
Zunge, tunne=Tonne, uüi'se=Kröte, waige^Wiege, welle=Quelle. 
Von Pluralen auf -ens hört man: 
frübbens=Frauen, kiarkens=Kirchen, bössens=Bürsten u. a. m. 

C. Neutra. 

§ 201. Eine eigentümliche schwache neutrale Declination exi- 
stirt nicht. 

härde=Herz, Dat. härde, Acc. härde. PI. härdens. 
äuge=Auge. PI. äugen. 
hienide=Hemd. PI. hiemden. 

Declination der R-Stämme. 

§ 202. fäei— Vater, PI. färs, fiaer; breoer=Bruder, PI. broeers, 
broeer; süster=Schwester, PI. süsters; dächter, dägter, PI. dächters ? 
dagder. 

S und -er als Pluralendung. 

§ 203. Aufser den behandelten Paradigmen lassen sich noch 
andere, durch Uebergänge, Vermischungen und Abfall. von allen En- 
dungen entstandene aufstellen. Es sind dieselben aber sehr schwan- 
kend und zumal sie gewiss unter hd. Einflüsse stehen, ohne Werth. 
Beachtung verdienen dagegen „s" und „er" im Plural. 

a. Plurale auf er finden sich, abweichend vom hd. in: 
aiker=Eichhörncben, bäister=Bestien, dinger=Gegenstände. früs- 

minsker=Frauenzimmer, bölder:=Gehölze, struüfer=Sträufse, twuiger, 
twicker=Zweige, wichter=Mädchen, luüter=Mädchen. 

b. Plural auf s. 

Die Endung-s nehmen, aufser den schwachen Masculinen und 
Femininen, unter st. Masculinen und Neutren mit Vorliebe diejenigen 
an, welche bereits ohne andere Flexionsendungen sind. Das Schema 
ist dann 

Sing. — ■ Plur. -s 

appels=Aepfel, ärms=Arme, iefels=Esel, hämers=Hämmer, kärls 
=Kerle, täurns:=Thürme, nawers^Nachbarn, bäckers=Bäcker, up- 
räiers=Kämme. — Neutra auf -sei: äckernschiarsels=Maikäfer, 
springsels=Heuschrecken. — Neutra auf -ken: kindkens=Kinder- 
chen, kätkens=Kätzchen, ächelkens=Blutegel, flüchelkens=Schmet- 
terlinge, miakens=Dienst-mädchen, tieläüskens=wilde Primeln, 

Masculina und Neutra auf -el haben entweder -s, oder sie 
sind, mit Ausnahme des Dativ Pluralis auf -n flexionslos, wie im 
Hochdeutschen. 

a. Beispiele mit pluralern s: 
sliiedels, m.=Schlüssel, schüssels, m.=Brodschieber, witkawwels== 
Grünschnäbel, pümpels, m.=dicke Holzenden, hümpels, m.=Haufen, 



78 

stiissi-l-.. in. Stützbalken, hardels, n.= Herz des Flachsstengels, kntiw- 
wrK. n.=Knäuel, schinfsiedels, D.=Tragriemen des Kärrners. 

1>. Flexionslos (mit Ausnahmt' des Dat. Plnr.) sind u. a.: 
nftgel, niagel, m.=Nagel, fügel, tu gel, m.=Vogel, aitappel, f.=Kar- 
tott'fl. enkel, n.=Fufsknöchel, taiken=Zeichen. 

Aui'serdem zeigen einen Plural auf s u. a.: 
boddiT. 11. Butterbrod, bessern, m.=Besen, brüjjem, m.=Bräutigam, 
d&ir, n.=Dirne (Seh.), deor, n.=Thor, eower, n.=Ufer, laiers=die 
Wangen, Laken, n.=Leintach, luüt, n.=Mädchen, PI. luüdens, luüters, 
lauter; kinner s=Kinder! als Ausruf; munster, Q.=Muster, spair. n.= 
Spanen, üörgel, n.=Orgel, trummel, t".=Trommel. lümmel, f.=cunnus. 

Nur im Singular kommen vor und bleiben also undeclinirt: 
hinner, m^=Hindernifs, plieder, m.=Moder, sluür, m.=träger Gang, 
middach, n.=Mittagessen, nüchtern. n.=Frübstück. 

Diminutiva auf -ken können, im Angedenken an ihr Stamm- 
wort, auch Maseulina und Feminina sein. So kätken, f. = Kätzchen; 
muüsken, f.=Kuh; köski n, f.=Kruste; suürken, m.=Sauerampfer; 
fetmänken, m.=Engelling. 

Zu man, m.=derMann, welches wie im hd. nectirt wird, findet sich: 
maus neoch suin=Mannesart genug haben und, wohl ebenfalls geni- 
tivisch, niem's nich=niemand. De mäiste man=die Meisten, wird ein 
Plural von man sein. 

§ 204. Zur Declination der Eigennamen ist zu bemerken, 
dass Mädchen durch den Familiennamen mit angehängtem genitivischen 
s bezeichnet werden, so dass die kleine Tochter eines Mannes, der 
„Kassink" hiefse, Kassings, der Sohn hingegen Kassink genannt würde. 

Das genitivische s fehlt in den Namen der Wochentage: donner- 
dach und sä-derdach. 



II. Die adjeetivische Declination. 

A. Das Adjectivum. 

§ '205. Das Adjectivum tritt in einer starken und einer 
schwachen Flexionsweise und aui'serdem flexionslos auf. 
Erstens. St. Flexionsweise. 

M. 
Sing. Xom. e (en), — . 
„ Gen. — 
„ Dat. en 
„ Acc. en 
Plur. Xom. e 
„ Gen. (er) 
„ Dat. en 
„ Acc. e 



F. 

e 


N. 
et, -. 


en, (e) 
e 


en 
et, — 


e 

(er) 
en 


e 

(er) 

en 


e 


e 



79 

Beispiel: dum=dumm. 

Nom. dumme (-en); dumme; dummet, dum. 
Dat. dummen; dummen (e); dummen. 
Acc. dummen; dumme; dummet, dum. 
Plur. dumme, dummen, dumme. 

geoe; geoe; geoet, geot=gut, -e, gut. 
äule; äule; äulet, äult=alt, -e, alt. 
Der Nom. Sing. Masc. lautet auf -e, wenn der Nominativ als 
Vocativ steht: gräude ruüe!=grofser Hund! Für gewöhnlich steht 
das aus dem Accusative eingedrungene -en. Die Form des Nom. Sing. 
Masc. auf -en, -e und die Formen des Nom. und Acc. Sing. Neutr. 
auf -et sind die gewöhnlicheren. Die entgegenstehenden nackten For- 
men werden angewendet: 1) in leichter, rascher Rede, so dass sie 
der Sprache etwas lebhaftes oder trauliches geben. So heilst es: bis 
en dum luüt=bist ein dummes Mädchen; en schäün piart!=ein schö- 
nes Pferd! Et es en äult man=es ist ein alter Mann heifst es im 
Tone des Mitleids, mit Emphase. — Da 1 s mal 'n lank mest=das ist 
mal ein langes Messer; „en bluint man i '=ehi blinder Mann. Im Zu- 
sammenhange mit dieser Verwendung der nackten Formen steht ihr 
häufiges Vorkommen in Sprichwörtern und Gedichten. „Wit piart was 
nich wuis'„=das weifse Pferd war nicht klug. 2) stehen die nack- 
ten Formen in den genannten Casus gern bei mehrsilbigen Adjectiven, 
zur Vermeidung von schwerfälligen und misklingenden Silben und von 
Konsonantenhäufungen: Et es en fergnoeget, ffüntlik kuint=es ist 
ein vergnügtes freundliches Kind, „groen gräs"=grünes Gras. Das 
t (d) der Endung -et fällt ab in „et es laige wiar"=es ist schlech- 
tes Wetter; et was stille wia'r. 

Vor Femininen steht das attributive Adjectiv nie ohne Flexi- 
onsendung: en äule frübben:=eine alte Frau, nie äult frübben. 

Als Gen. Sing, sind wohl anzusehen: „wat nuijjes" neben wat 
nuijjet. „Soed's därin"=Süfses hinein. — Der Gen. Plur. findet sich 
in Redewendungen wie: ruiker luüe kuint=reicher Leute Kind. 

§ 206. Zweitens. Die schwache Form der Adjectiva bietet 
wenig besonderes. 

M. F. N. 
Sing. Nom. -e e e 

n Dat. -en en en 
„ Acc. -en en, e e 
Plur. -en 
Drittens. Ueber das prädicative Adjectiv ohne Flexions- 
endung vergl. § 208. 

§ 207. Man unterscheidet zwei Reihen von Adjectiven, solche, 
welche in prädicativer Stellung auf Konsonanten ausgehen, also ohne 
Endung sind, und solche, welche prädicativ auf ein Schwächungs-e 
endigen. 

Zur ersten Reihe gehören beispielsweise: 
bläf=blau, bluint=blind. but=grob, unreif, buisoekern=habsüchtig, 



80 

einschmeichelnd, buikuomern=zutraulich 1 Eräuh froh, lak=8chlaff, 
lucht link, Qnich=neu, nüt (adv. nüdde); Süchtig, rium=geräumig, 
t.ii :zähe; B&iks riech, aussätzig, Bluks=gef räXsig ; «li<- auf -ich, wie 
wialich wohlig, lich=leer; auf -ik, wie Lüt'k=klein, auf -lik. wie 
früntlik=freundlich, auf -isk, wie luün'8k=launisch, falsch; auf -er, 
wie Bchamper — scharf; auf -en, wie holten ^hölzern, auf -el, wie kri- 
gel=munter, auf -et, wien&kefc =nackt, duüt=tüchtig, brav, twuibäin't 
=zweibeinig; die Comparative auf -er, wie grädder=gröfser; die Par 
ticipien auf -ed und -en. 

Daran Bchliefsen sich, nachdem durch die Wirkung des halbvo 
kalischen r das Endungs-e nach r Btete untergegangen ist. alle auf -r 
z. 1!. Bwäur=schwer, wäur=wahr, muür=mürbe. 

Zur zweiten Reihe gehören folgende: 
alle, et es alle=es ist zu linde. däude=todt, dicke=trunken, donne 
=gespannt, däipe==tief, drüge==trocken, enge: "iig. faste=fest, glu\ 
=scharf von Gesicht, häile=heil, häuge=hoch, jäiwe=gesund, lang»' 
=laug. lichte=leicht, luike=gerade, läde=snät. laige=böse, laipe= 
lade, minne=schwach, rage=selten, räie=fertig, räükeläuTe=leicht- 
fertig, Bchäiwe=schief, 8muüe=8anft, soede=sül's, #tille=still, stuiike, 
stiuke=stumpf, suüke=:siech, Buige=niedrig, swanke=geschwind, 
Bwuie=8tark, heftig. trüwwe=treu, wuile=weise, wisse=gewiss, woeste 
=wüst. 

§ 208. Eine besondere Form für das Adverb, auf -en haben be- 
wahrt: 

luisken=leise, netken=ganz nett, puilken=peinlich genau, sinjen 
=sinnig, sacht; stilken=still, siudken, südken=sanft, (spin)dicken != 
der Ruf des Hänflings. 

B. Das Numerale. 

§ 209. Man zählt; äine, twäie, dräie. fair', fuiwe, sesse, sieben, 
achte, niegen, taijjen, elben, twialwe, drüttäijjen, fäirtäijjen, fiiftäijjen, 
sestaijjen, siemtaijjen, achtäijjen. niegentäijjen, twüntich, d&rtich, fer- 
tich, füftich, sestich, siemsich. achsich, niegentich. hunnert, diufent. 

Nebenformen: siebener=7. twälwe=12, nientäijjen=19, twin- 
tich=20. fettich=40, fiftich=50, siemtich=70. achtich=80, nientich 
=90. äin en twünticlr=21, selten äin im twüntich. 

äine flectirt ganz nach der Weise der Adjectiva. Das unbetonte 
en hat: 

Nom. en; en, 'ne; en 
Dat. en, 'nen; en, 'ne; en, 'nen 
Acc. en. 'nen: en. "ne; en. 
In Zusammensetzungen erscheint twui und drui z. B. twuihäür'ch 
^zwiespältig, druibäin, m.=Dreifufs. 

§ 210. Die Ordinalia werden von den Kardinalzahlen mit der 
Endung -de. -te gebildet. Bemerkenswerth sind: 

drüdde=dritte; achte. achtede=achte; füwede, füfde, fuiwede= 
fünfte; siewede=siebte, niegede=neunte, täijjede=zehnte. 









81 

Von „de drüttäijjeste" an werden sie von den Kardinalzahlen 
vermittels Anhängung von „-ste" abgeleitet. Vor dem -ste fällt n 
ab. Sie gehen nach der schwachen Adj. -Flexion. 

C. Pronomina. 

§ 211. a. Persönliches ungeschlechtiges Pronomen: 

I. Sing. Plur. II. Sing. Plur. III. 

Xom. ik wui diu, du jui, jt 

Gen. muine iufe duine jiae ? suine 

selten muiner selten duiner 

Dat. mui, mi, us dui, di jiu, ju sik 

Acc. mui, mi us dui, di jiu, ju sik 

du, mi u. s. f. stehen unbetont. 

§ 212. b. Persönliches geschlechtiges Pronomen: 
Sing. Masc. Fem. Neutr. Plur. 
Nom. „ häi, he säi, se et, it säi, se 



Gen. 



D 



Dat. „ am, an üar am, an, en en, üar 

selten häm 
Acc. „ an, en säi, se et säi, se 

Unbetont he und se. Üar als Dativ Plur. ist ganz gebräuchlich. 
Wenn es heilst: „Muine schurde? ik häwwe üar fergieden," so ist 
üar fehlerhafter Dativ statt des Accusativs ,,säi". 

In „et senter niegen"=es sind neun scheint „er" Gen. Plur. zu 
sein. Doch kann in dem „senter" auch das Adv. där=engl. there 
stecken, zumal man hört: et woer'n der (auch woer'n-er) nich fiele 
mär=es waren nicht viele mehr da. 

Das Weib, besonders das unverheirathete, heilst in der Volks- 
sprache „et", während die Yerheirathete meist säi, sai genannt wird. 
Der Ehemann selber sagt „et", wenn er von seiner Frau redet. Da- 
her die Piedensart: dat 's häi un suin et=da ist er mit ihr. Auch 
bei Lyra findet sich s. 56 „juue et". In dem mehrerwähnten Herforder 
Gedicht vom j. 1656 heilst es von einer Braut: „sien maur was"= 
ihre Mutter war. Diese sächliche Auffassung des Weibes ist in- 
dessen im Schwinden. 



c. Possessives Pronomen. 



§ 213. 






muin 


mume 


mum 


duin 


duine 


duin 


suin 


suine 


suin 


iufe 


iufe 


iufe 


jiue 


jiue 


jiue 



Die 3. Pers. Sing. Fem. und Plur. Fem. lautet üar, üare, üar. 
Die bis vor Kurzem gültige Anrede, welche namentlich stets von den 
Kindern gegen ihre Eltern angewandt wurde, war r jui=ihr". Wo an 
deren Stelle in den letzten Jahren das Säi=Sie getreten ist, tritt ihm 
ein Üar=Ihr zur Seite. Kinder sagen jetzt meist „diu" zu ihren Eltern. 

JeUingbau3, Grammatik. Q 






82 

Bemerkenswert!) ist: dat es limine, duine— das ist der, die mei- 
uigo. deinige; dat es muint=das ist das meinige. 

(1. Demonstratives l'rouomen. 

§ 214. 

1. Sing. Masc. Fem. Neutr. Plnr. 
Nom. „ de, dal de dat i de 
Dat. „ (Hin, däm de dän. dam dän 
Acc. „ dän de dal de 

2. düflb, düffe, düt =dieser, e, es. Plural: dü£fe=diese. Neben- 
formen sind: düsse, dösse, döffe. 

Bisweilen hört man einen Gen. Sing. Hase, und Neutr. „düffet." 
Vergl. dü£fetwiagen=deswegen, 

3. Gut. jains ist nur in dejienige, dejienichte=derjenige erhalten. 
jient=dort, gienten=dorthin, giensuit=jenseits. 

e. F ragendes Prono m e n. 
§ 215. 1. Sing. Masc. Neutr. 

Nom. war, wä, wän wat 
Dat. wän, wäm — 

Acc. wän wat 

wat en!=was für ein, z. B. wat en minske! Wat nrinsken!=welcbe 
Menge Menschen! 

2. Nach st. Adj. -Flexion geht wecke, wecke, wecket V=welcher, e, es? 

f. Relatives Pronomen. 

§ 216. Die Relation wird ausgedrückt durch de, de, dat und j 
durch war, wat. 

g. Unbestimmtes Pronomen. 

§ 217. jfdder=jeder, Fem. jäide, Neutr. jäidet. Dazu jäider- 
äine=ein jeder. 

mannich, manjer=mancher, Fem. manche, je, Neutr. manchet, jet. 
Dazu mannig-äiner=manch einer, auch manjer äine. Manges=oft 
aus mangesten. Nig-äine=nicht einer, keiner. 

Nin, ninne, nin=kein, e, kein steht adjeetivisch. Dagegen Niems 
nich=Niemand. 

Niks, niks nich=nichts. 

Ichtens, adv. =irgendwie bisweilen auch soviel wie „irgend etwas. u 

Man=man. 

Enanner=einander. 

Sük, -e, -et=solch, Plur. sücke=solche. 

San=solch ein; ohne Hauptwort alleinstehend säu äine=ein solcher. 

Sülben=selbst, superlativisch sülwest, sümst, süms. 

Desülwige=ebenderselbe. 

Wecke=einige, auch de wecke, z. B. de wecke segget=einig( 
sagen. 



*) Als bestimmter Artikel auch „et" z. B. et hius=das Haus. 



83 

De wat, auch blofs „wat"=einige, z. B. de wat mäket et säu=einige 
machen es so; wat luüe— einige Leute. Paderbornisch findet sich: 
woät=schriggeden=einige schrieen. „Wat" heilst sonst „etwas." 

Wär=irgend einer, z. B. Es der war wian?=ist jemand da gewesen? 
Aus dem Hochdeutschen drangen ein: etwas, etlik, käin, jemmant. 

Die Komparation. 

§ 218. Die Komparation des Adjectivs besteht in der Endung -er. 
Der Superlativ wird durch Anhängung von -est, -st gebildet, z. B. 
puin=fein, fuiner, fuinste. -est wird gemeiniglich nur nach Konso- 
nantenverbindungen angewendet, z.B. lütkeste=kleinste, aber schäünste 
=schönste, bluinste=blindeste mit Ausfall des d. st geht häufig in 
s über, z. B. bluinse=blindeste. 

Verkürzung des Stammvokals bei der Komparation zeigen: 
äult, Komp. öller, Sup. ölste, eiste; 
graut, „ grädder. „ grätste. 
Näuh=nahe hat naiger, naigste. 

Das Adverb hat -er und -esten, -sten. Endet das Adverb auf 
-ste, so fällt das -est des Superl. aus, z. B. druiste=dreist, Komp. 
druister, Superl. am druisten. 

Unregelinäfsige Komparation. 

geot—gut — biader — beste 
fier=viel — mair — mäiste 
de mäiste man=die Meisten. 

Minne heifst „schwach", minner=schwächer, minste=schwächste 
und „mindeste". 

Interjectionen. 

§ 219. Unter den gebräuchlichsten sind: 
ai! Freude, Verwunderung; hahä!=ahah!; hä! Abscheu; 'm! Zwei- 
fel; 'm, 'm! Bejahung, Zustimmung; 'n! Verneinung; o! Oh!; pist! 
still; tüs! lass! still!; ü! Furcht, Entrüstung. 
Ein paar bekannte Hirtenrufe lauten: 
Hoe tso, tso hoe! Hali, haleo! Tri hali, tri haleö! 

Geht eine Kuh auf fremde Weide, so rufen die Hirtenjungen: 
hoe, hoe! lät stille staun, . . sinne keoh es (hat) griafen gäun! 



Zweiter Abschnitt. — Die I£on j ugatioii. 

I. Die starke Konjugation. 

§ 220. Unter den ravensbergischen Zeitwörtern dürfen die star- 
ken ein lebhaftes Interesse beanspruchen, da sie in kaum erwartetem 
Mai'se alte Lautverhältnisse bewahrt haben. Man wird nach Betrach- 
tung ihrer Endungen sowohl als ihrer Ablautsvokale behaupten dür- 
fen, dafs von den im Volke lebenden germanischen Dialekten kein 
einziger ein starkes Verbum besitzt, welches sich mit gleicher Treue 



84 



an i »thische oder an dasjenige irgend einer andern altdeutschen 

Sprache anschliefst. 

W;is / Endungen des rav. Verbuma angeht, bo er- 

läutern sie ßich am besten durch eine Vergleichung mit den altsäch- 

sischcn. 





I >i<so lauteten : 














§ 221. Präsens 








Prätei 


•itum. 






Indic. Conj. 


Imper. 






Indic. 


Conj. 


Sing. 


I. 


-u e 








— 


i 


n 


II. 


-is 


— 






i 


LS 


•n 


III. 


-id e 








— 


i 


rhu- 


I. 


-ad en 








Uli 


A 

in 


f) 


II. 


-ad en 


ad 






un 


in 


» 


III. 


-ad en 








un 


in 






Infinitiv -an. 


Part. Pr 


ih. 


-and. 


Part. Prät. -an 




Die 


entsprechenden 


ravensbergi 


sehen 


Endungen 


>ind folgen 






Präsens. 








Präteritum. 






Indic. 


Imper. 






Indic. 


Conj. 


Sing 


I. 


-e 








— 


e 


- 


II. 


-es. s 


— 






es 


es 


7) 


III. 


ed. et, d. t 








— 


e 


Plur. 


I. 


ed, et. (e) 








en 


en 


n 


II. 


ed. et, (e) 


ed, et 






en 


en 


n 


III. 


ed, et 








en 


en 






Infinitiv -en. 


Part. Prät. -en. 






Beispiel: 














ik singe*) 








sank 


sünge 




diu 


singes 


sink ! 






sünges 


sünges 




häi, 


säi. et singet 








sank 


sünge 




wui 


singet 








süngen sungen süngen 




jui 


singet 


singet! 






süimen 


süngen 




säi 


singet 








süngen 


süngen 






Inf. singen. Part. 


Prät 


. sungen. 






§ 222. 


Bemerkun 


£en. 







Die 2. Sing. Präs. hat. gegenüber dem hochdeutschen st, noch 
ihr altes es, b, der PI. Präs. et, ed. In der 2. und 3. Plur. Präs. wird 
die Endung e angewendet, also t. d abgestofsen. wenn die Prono- 
mina wi, ji hinter dem Verb stehen z. B. singe ji?=singt ihr? 

Der Conj. Präs. fehlt. 

Die 2. Sing Prät. Indic. ist conjunetivisch und zeigt stets den 
Stammlaut des Prät. Plur. — Im Plur. des Prät. weisen die meisten 
Verben den umgelauteten Stammvokal, den des Prät. Conj. auf, z. B. 

Die 



wi sin. 



:\vir sangen. 



Doch hört man auch noch wi sungen. 



*) Diese Formen sind die regelmäfsigen. Die Nebenformen sind weggelassen. 



85 

Formen des Conj. Prät. haben sich regelmäfsig entwickelt. Ihr e= 
altera i u. i bewirkte den Umlaut des Stammvokals. 

Das Part. Präs. fehlt. Eine Spur von demselben steckt in 
dem Ausdrucke: teoken wieke=künftige Woche. 

Von einer Vorsilbe ge- im Part. Prät. ist jetzt nichts zu spü- 
ren. In dem Herforder Ged. v. j. 1656 findet sich: et esse wis- 
pelt=es ist davon gemunkelt. 

^ 223. Das Endungs-e der 2. und 3. Sing. Präs. wird meist 
elidirt. In diesen Personen bleibt gegenüber dem langen oder diph- 
thongischen Vokale der 1. Sing, und des Plurals der ursprünglichere 
meist kurze und einfache Vokal in der Ptegel in seinem Hechte. So 
lautet die 3. Präs. Sing, von buinen: bint, von giben: gift, von nie- 
men: nimt. In der 5. Reihe findet sich in diesen beiden Personen 
i gegenüber dem ui der 1. Sing, und des Plurals, also bluiwen: blift, 
buiden: bit, smuiden: smit, stuigen: sticht, schuinen: schint u. s. f. 

Interessant sind die 2. und 3. Sing. Präs. besonders in Verben 
der 2. und 3. und in denen der 6. Reihe. In den Verben aus der 
2. und 3. Reihe tritt hier ein zu ä gewordenes a gegenüber dem „ge- 
brochenen" diphthongischen Vokale der 1. Sing., dem ia, auf: iade : 
ät, liafe: last, wiage: wacht, pliage: plächt, stiake: stäkt, stiale: stält, 
auch befiale: befält. In der 6. Reihe zeigen diejenigen, welche in der 
1. Sing, altes iu bewahren, ü, also kriupe: krüpt, siuge: sucht, sliude: 
slüt. Bei denjenigen, welche in der 1. Sing, und im Plur. äi, äi an- 
genommen haben, verharrt trotzdem in der 2. und 3. Sing, das alte 
zu ü gewordeneu, also fräife: fräst, läige: lücht, ferdräiden: ferdrüt. 

Zu erwähnen sind in Bezug auf dieses Verhältnis noch: he schult: 
ik schäile, he gült: ik gäile, he kümt: ik kuome. Den tonlangen Vo- 
kal der ersten Person zeigen nur einige Verben der späten 4. Reihe: 
he malt, he läet, he wäket, sowie einige andere, deren Präsens viel- 
leicht als schwach aufzufassen ist: he schuiet=er scheidet (gegen he 
schit=cacat); he späulet=er spaltet. Ik täihe^ch ziehe hat: he tuüt, 
schäihen=geschehen: et schuüt. släue=schlage : he släit. 

In den südwestfälischen Mundarten finden sich zahlreiche Bei- 
spiele, in denen die 2. und 3. Sing. Präs. den (langen) Vokal der 
1. Sing. hat. So bei Grimme: he ferluiiet=er verliert. Iserlohn: 
he kruipet=er kriecht, du schreiwes=du schreibst. 

§ 224. Nach den Wurzel- und Ablautvokalen, in Vergleichung 
gesetzt mit den gothischen, altsächsischen und angelsächsischen Lau- 
ten an entsprechender Stelle, zerfallen die ravensbergischen starken 
Verben in folgende Klassen und Reihen: 

Erste Klasse. 

Erste Reihe. 

Die mit einem * bezeichneten Verben sind auch schwach. 
got. i a u , u 

as. i, e a u u, o 

ags. i, e, eo a, ä, ea u u, o 

Im Ravensbergischen gruppiren sich die Verben dieser Reihe so : 









86 

a) i 8 u. ü u 
Bpinne spinne span Bpunnen oder Bpunnen 
he spint; Spin! du Bpünnes Bpünnen 

Ganz ebenso gehen: bedingen, dringen, drinken, klingen, gelin- 
gen, rinnen, Binnen, Bingen, stinken, Bchrinnen, slingen, sinken, sprin- 
gen, Bwingen, twingen, winken, winnen, wringen, Nr. 1 — 19. 

b) iar ar iier aar 
stiarwe=8terbe Btftrf >tiierben Btnorben 
stallt; stärfl stüerwes 

Ebenso: ferdiarben. Nr. 20 — 21. 

c) i, e o ö ') 
:>uelle=:schwille swol Bwöllen Bwollen 
swilt swölles 

Ebenso: glimmen, «nullen. Bmelten, Bchenken mmen, fer- 

sehrecken=ersehreeken (auch ik ferschräuk=ich erschrak). Nr. 22 — 28. 

d) ä o ö o 
bälpe=helfe holp hülpen holpen 
hälpet; hälp! hölpes, (hülpes) 

Ebenso: mälken,* fachten, flüchten.* Nr. 29 — 32. 

e) a o ö o 
daske— dresche dosk dösken dosken 
be dasket düskes 

basse=berste bosse bossen, bössen bossen 

he bast büsses 

Ueber das unorganische e im Prät. Sing. 1. u. 3. vergl. oben § 14. - 
Nr. 33—34. 
t'i ui äu (au) uü iu 

buine=binde bäunt buünen biunen 

bint; buint! buünes 

Ebenso: luinen=finden, wuinen=winden. Die 3. Sing. Präs. von 
wuinen: he wuinet, zum Unterschiede von he \vint=er gewinnt. Vergl. 
zu diesen Wörtern oben § 59. Nr. 35 — 37. 
g) ai äu üe na 

schäile=sehelte schäult schüelen scbualen 

he schult: schäil! du schüeles 
Ebenso wie schaden gebt gailen=gelten. Nr. 38 — 39. 

h) Mit Uebergängen in andere Reiben: 

befiale=befehle befeol, befäul, befoelen befualen 

he befält lai: befial (ä)! befoeles 

Ebenso gehen: ferhialen=verhehlen, ferbiargen=verbergen. 
Letzteres zeigt: he ferbärcht=er verbirgt, he ferbärch=er verbarg. 

krimpe=krimpe krnmp krümpen krumpen 

et krimpt Conj. krümpe 

wair'==werde wärt, wört wüern wörn 

he wät, wart; wair"! du wüer's. Nr. 40—44. 



87 







Zweite Reihe. 






ner 


§ 225. 

got. i a 
as. i (e) a 
ags. i, e a, ä 
Im Ravensbergischen bewegen sich die Ver 
halb folgenden Schemas: 


A • 

e i 
ä e, (u, o) 
ä.ae e, (u, o) 
ben dieser Reihe in- 






i, T, ie, ia 


a 


ai 


I, ie, ia 


a) 




gTwe, giewe=gebe 
he gift; gif=gieb 
fergiede=vergesse 
et fergitmi=ich ver- 


gaf 

du gaiwes 
fergat, fergäut 
du fergaides 


gaiben gieben 
fergaiden fergieden 




Nr. 


gesse es. 
45—46. 








b) sidde=sitze sat 

he sit; sit! saides 
ligge=liege lach 
he licht; lieh! du laiges 
bidde=bitte badde 
he biddet; bidde! baides 
He biddet wohl wegen as. biddian=bitten, 

beifst, Nr. 47—49. 


saiden 

laigen 

baiden 

i dagegen 


siaden 

liagen 

bian 

he bit=er 


c) 


Nr. 
Mit 


iade=esse 

he ät; ät=ifs! 

liafe=lese 

he last; las !=lies! 

triae=trete 

he trat; trat! 
50—52. 
Uebergängen: 


at 

du aides 

las 

laifes 

trat 

traides 


aiden 
laifen 
traiden 


iaden und 
„gieden" 
liafen 

triaen 


d) 




miade=messe 
he mät; miat, mät! 
=mifs! 


mat, meot 
moedes 


moeden 


miaden 






wiage=wiege 

he wacht; wäch!= 


weoch 
du woeges 


wo e gen 


wuagen 



e) 



wieg! 
Ebenso bewiage*=bewege. 

säihe=sehe 



Nr. 53—54. 



Nr. 



säuch, sach säugen säihen 

he suüt; suüh!=sieh! säüges 

schäihen:=geschehen schäuch. schach schäügen schäihen 
et schuüt et schäüge=es ge- 

55 — 56. schähe 



HS 



Dritte R ei he. 



§ 226. 
got i 

as. i. 
ags. i. 



a e 

("' a ä 

<• a. ;i ä. ae 

Im Ravensbergischen fügen Bich die Verben « 1 i < • s e r Reihe, soweit 
sie nicht Uebergänge in andere Reihen zeigen, in folgendes Schema ein: 



u 
u, o 

U, 



a, 



lc la 

nieme=nehme 
he ii i in t : nini! 
pliage*= pflege 
plächt 



a 

natu 

naimes 

plach 
piaiges 



ai 
ai 



ua 

ua 



piaigen 



? 



8tiake=steche, stecke stak, staik, steok staiken Btuaken 



od.stoeken od.stiaken 

quaimen knomen 
od.kaiinen 

— scbuar'n 

— gebuar'n 



he stäkt : stäk=stich! du staikes 
knome=komme kam. quam 

he kimit: kum!= du quaimes 
komm! 

>i'liiar'=sclieere — 
he schiart 

*gebiHr'=gebäre — 
gebiart=gebiert 
Nr. 57—62. 

l)ie übrigen lebenden Verben dieser Reibe zeigen durchgehend 
Uebergänge in andere Reiben. 
b) ia eo oe ua 

stiale=stehle steol, stal stoelen stualen 

he stiilt; stäl! und stoeles 
stial=stiehl! 
Genau ebenso geben briaken=brecben, driapen=treffen, spriaken 
=sprechen. 

Endlich sind hier zu erwähnen: 
*trecke=ziehe trok 

he trekt. trecket du tröckes 



Nr 



trocken trocken 
ferkloementferkluomen 



a) 



63—68. 

Vierte Reihe. 

§ 227. 

got. a 

as. a 

ags. a 

Folgende Verben haben diese Ablautweise durchgebildet: 

a, ä, ia eo oe a, ä, ia 

gräwe=grabe greof groeben graben 



o 

A 

o 

A 

o 






a 


6 


a 


A 




a 



he gräft; gräf! 



groewes 



f) ferkluomen=steif geworden, von Frost, Gicht. 
202 verklamen=steif werden. 



Müllenhof. z. Quickhorn 



89 



*mäle=mahle meol 

he malet; nulle! ? 

läe=lade leot 

he läet; lä'; loedes 

släue=schlage sleoch 

släit==schlägt; släu! sloeges 
*backe=backe beok 

he bakt ? 

driage=trage dreoch 

hedrächt; driach=! droeges 

trag! 
*wäkeup=wacheauf weok up 
hewäketup; wäk! 
*jäge=jage 
he jächt, jaget 
*fräge=frage, 
frächt; frag! 
Nr. 69—77. 

b) wasse=wachsc 

he wäst=er wächst 
waske=wasche 
he wäsket; wask! 
*8wiar'=8chwöre 
he swiart 
Nr. 78 — 60. Vergleiche aufserdem die 

in diese Reihe § 225 u. 226. 



moelen malen 

loeden läen 

sloegen slägen 

boeken backen 

droegen driagen 



jeoch 
joeges 
freoch 
froege 


joegen (jaget) 
froegen (fraget) 


wuofse 


wuofsen wuofsen 


du wuofses 

wuoske 

wüöskes 


u.wüöfsen 
wuosken wuosken 
u. wuosken 


swuar 
9 


swuar'n swuar'n 



ahlreichen Uebergänge 



Zweite Klasse 

Fünfte Reihe. 



a) 



§ 228. 

got, ei 

as. i 

ags. i 

Ravensbergisch: 



ai 

A 

e 
ä 



bliben 



I 
bliben 



in ai 

bluiwe=bleibe blaif 

heblift;bluif=bleib! du bllwes 
Genau ebenso gehen: druiben=treiben, kruigen=bekommen, 
muigen=harnen. schruiben=schreiben, stuigen:=steigen, swuigen= 
schweigen, wruiben, bruiben=reiben. Nr. 81 — 88. 

Die Part. Prät. haben bisweilen auch ie statt I z. B. schrieben 
^^geschrieben. Von druiben:=treiben findet sich, vielleicht in Erinne- 
rung an dreop=traf, ein Präteritum dreof=trieb. 
b) ui ai ie ie 

buide=beifse bait bieden bieden 

he bit! buit! biedes 



!H> 



Ebenso gehen: bluiken=bleichen, fergluiken vergleichen, grui- 
aeo weinen, kuiken :blicken, knuipeD kneifen, ruideo reifsen, schui- 
iifii ^scheinen, Bluiken=schleichen, Btruiken=streichen, wniken= 
weichen, wnifen=weisen. Femer: 

duijjc duihe (lcihf daili dlh'ii dlhen 

heduijjel ergedeiht «iTlies 



grnipe=greife 


graip 


he gript: grnip! 
gluie=gleite 
glit: gluit! 
Bmnide=8chmeifse 


griepes u 

glait 

glles 

Bmait 


he smit: smuit! 


MnTes 


Bchnide 


Bchait 


he Bchit 


Bchiedea 


bekliben = anschla- 


beklaif 


gen, von gereiserten 
Bäumen; he beklifb= 


er schlügt an. 




luie=leide, leite 


lait 


he lit=er leidet 


lTes 


mnie=meide 


mait 


he mit=er meidet 


? 


nuige=neige 


naich 


he nicht 


•j 


puipe=pfeife 


paip 


puipet 
ruie=reite 


rait 


he rit; mit! 


rles 


*spluide=spleifse 
he split=er spaltet. 

spleiist 
struie=schreite, 


splait 

? splles 

strait 


streite 




he strit=er streitet 


? 


schruie=schreite 


schrait 


he schrit: schruit! 


~j 


snuie=schueide 


snait 


he snit; snuit! 


snles 


schuie, schaie= 
scheide 


he schaie (schw.) 


he schuiet 


? 


ferwuide=tadle 


ferwait 


he ferwit 


p 


läufiger als he strikt ist 


_he struiket*=e 



griepen 

grfben 

glleo 

smTen 



griepen 

glTen 
sraieden 



schieden schieden 
u. schTcii 



? 



lTen 



muifii 
(schw.?) 



bekliben 



lTen 



mTen 



rTen 



rlen 



splTen spllen 



strlen Strien 



schrien schrien 



snlen 



snlen 



schien schien 



ferwieden 



treichet. Auch he 
wuiket=er weicht. Zu luien=leiten ist das Part.-Adjectiv ferlieden 
=neulich, ferlieden jäur=vergangenes Jahr zu erwähnen. Nr. 89 — 118. 



91 



Dritte Klasse. 



Sechste Reihe. 



§ 229. 
Got. iu, 



u au u u 

as. in, io, ü o u o 

ags. eö, ü eä u o 

Ravensbergisch zerfallen die Verben dieser Reihe in zwei 
Gruppen, solche, welche im Präsens 1. Sing, und Plur., sowie im In- 
finitiv das alte iu bewahrt haben und solche, bei denen in den ge- 
nannten Fällen ein äi, ai an die Stelle des iu getreten ist. 

ü, üe (üö) ua 
krüeben kruaben 

o. kruapen 
lüekeniut iutluaken 



a) 



iu 



äu (au) 
kriupe=krieche kräup 

he kriipt; kriup! krüepes 
liuke iut=raufe aus läuk iut 
he liuket, lükt=er du lüekes iut 

rauft aus 

diiipe,diiike=tauche — 

he diuket, dükt 

Ganz wie kriupen gehen: twäichkniuben* 

riechen , schiuben=schieben, schriuben*=schrauben, siugen=saugen, 

siupen=saufen , sliuden=schliefsen , sliuken*=schlucken , sniuben= 

schnauben, sniuden ::: =schnäuzen, stiuwen=stieben. Ein st. Verb, luken, 

ptc. laken=ausrupfen findet sich auch im Herforder Ged. v. j. 1656. 

Nr. 119—132. 

§ 230. 



— duaken 

od.duapen 
zerknittern, riuken= 



b) 



äu (au) 



ue, uo 



ua 



gäut 



güeden gnaden 



äi (äi, ai) 
gäide=giefse 

he gut; guüt, gut! güedes 
Ganz ebenso: bäigen^=biegen, he bächt, bücht=er biegt, Imp. 
buüch!; bedräigen=betriegen, he bedrücht; fläiden^fliefsen, et flüt; 
läigen=lügen, he lücht, luüch, lüch:=lüge!; ferläifen— verlieren, he 
ferlüst, ferluüs!; schäiden=schiefsen, he schüt, schuüt!=schiefs! 

Wie bedräigen geht sik dräigen up— sich verlassen auf, he drücht, 
drächt sik; druüch di nich=verlass dich nicht! Vergl. Woeste bei 
Kuhn, Ztschr. II. s. 207. 

An diese Verben schliefsen sich mit kleinen Abweichungen: 



bäie=biete 


baut 


büen buan 


he büt; buüt! 


blies 




näige=fliege 


fläuch 


flügen fluagen 


he flucht; flimch! 


? 


seit, floegen 


fräifen=frieren 


fräus 


früefen fruafen, fruarn 


et früst 


früefes 




ferdräide=verdriefse 


ferdräut 


ferdrüeden ferdruaden 


et ferdrüt 


? 


auch ferdräüden, 
ferdroeden 



92 



kläiwe Bpalte 
he kl&ft; Imp. ? 
genäide geniefse 
he genüt; Im}». ? 



kläuf 

khiv 

genäut 

du genäüdes 



klüben 



t;ülie=zieln' 
he tuiit; tuiih! 

Von klaihen Präs. 
terbrot abschneiden und 



genüeden 
u. genäüden, 
genoeden 

"U 



tüg« 

and Inf. nur 
anrichten. 



kluaben 
uuaden 

tüagen 



in 



tauch 

sc lt.' u toegeii 

..tu bodder klaiben=ein But- 
Sonst gebraucht man im Präs. 
das Bchw. Verb klauben, kläfte, kläft. — Das Particip ferruaten=ver- 
rottel und das Prät, spräut up=8pros3 empor scheinen allein v.w ste- 
llen. De appel Bent ferruaten=die A.epfel Bind faul. Vcrgl. engL 
rotten. Nr. 133 — 1 K-. 






Für sich stehen: 



gras 



twäuch 

twoeges 

meot 

■j 



grail'en 

twoegen 

moeden 



§ 231. 
gräfe=grase 
he grast: gras! 
tuiage=beuge 
he twächt twächt 
*moede=begegne 
he möt=er begegnet 
Bchrinnen=schmerzen 
et schrint [(zur 5. R.) 

gräfen, bisweilen auch griafen im Infin., schliefst Bich der zwei- 
ten Reihe an. t\viagen=beugen z. B. einen jungen Baum hin und 
her biegen. Von moeden ist das Präteritum gebräuchlich. Häufiger 
ist indessen das schw. Verbum moede. modde. mot; schrinnen, von 
dem Schmerze unmittelbar muh einer Hautverletzung. Nr. 147 — 150. 

Ehemals rednplicirende Verben. 



schran. sclirain ? 



griafen 

twuagen 

moeden 

igelten) 
schrienen 



§ 232. 










fale=falle 




fei 


feilen 


fallen 


he fält; fall 




feiles 






häule=halte 




haut 


häilen 


häulen 


*fäule==falte 




fault 


faulen (schw.) 


faulen 


falt, fault: faul! 




? 






*salte=salze 




— 


— 


sälten 


he sältet; sälte! 










*späule=spalte 




späult 


späulen(schw.) späulen 


he späult. spält; 


späult! 


y 






fange=fange 




fenk, fink 


fingen 


fangen 


he fäng't, fänkt: 


fank! 


finges 


od. fengen 




hange=hänge 




henk, hünk 


Lengen 


hangen 


hehäng't. hänkt; 


hänk! 


hünges 


o. hüngen 




haide=heifse 




häide— hiefs 


liaiden 


häiden 


he het 




hehait=erbe 


fahl 








du haides=duliiefsest 




läupe=laufe 




läip 


läipen 


läuben, -pen 


he läpt ; läup ! 




läipes 







93 



stäüde=stosfe staut, neben 

he stät; staut, staut! schw. städde 
schrae, schräue=schrate schrait 



stäüden — 



(schw. stät) 
schräuen 



se schrät 






? 






reope=rufe 
he röpt ; reop ! 
släpe=schlafe 
he släpt; släp! 
läde=lasse 






räip, raip roepen 

du raipes, roepes seit, raipen 

släip, slaip släipen 

släipes 

läit, lait läiden 


reoben 
släben 
laden 


he lät; lät! 






läides 






bläfe=blase 






bloes 


bloefen 


bläfen 


bläst, blas ! 






bloefes 






bräue=brate 






bräit 


bräiden 


brauen 


he brät, braut 


| 




broedes 


od. broeden 




räue=rathe 






räit 


räien 


räuen 


he rät; räut, räu! 




räides 






Schräen= 


=schraten. 


, von Milch, 


welche, während 


. des Kochens, 


sich zersetzt , 


aber 


auch=schroten. 


Das schwache 


stät=gestosfen 



bereits im j. 1656; schaien=scheiden siehe 5. Reihe. Nr. 151 — 167. 

§ 233. Bemerkung. Der Imperativ Singularis zeigt in der 
Regel den Vokal der 1. Sing. Präs. Bisweilen indessen tritt der- 
selbe, wie die Tabelle zeigt, mit dem kurzen Vokale der 2. und 
3. Sing. Präs. auf. 

Dies ist besonders bei den Verben der 2. und 3. Reihe der Fall. 
Während von den Verben der 6. Reihe diejenigen, welche im Inf. auf 
iu lauten, auch Imp. Sing, mit dem Vokal iu haben z. B. sliuk != 
schlucke, zeigen diejenigen, welche an die Stelle jenes iu im Inf. und 
in der 1. Sing. Präs. ein „äi, ai" treten liefsen, sämmtlich Imp. Sing, 
mit dem Vokal uü, dem Umlaute zu dem ursprünglicheren iu. 



IL Die schwache Konjugation. 

§ 234. Die altsächsischen Endungen in der schwachen Kon- 
jugation gestalten sich günstigsten Falls im Ravensbergischen so: 



1) 



Präsens. 



Sing. 



Plur. 



Iudic. 

I. e 

II. 

III. 

I. 

II. 

III. 



Conj. Imp. 



Präteritum. 



es, s 
et, ed, 't 
et, ed, e 
et, ed, e 
et, ed. 



Infinitiv: -en. Part. 



Indic. 
ede 
e edes 

ede 
eden 
et, ed eden 

eden 
Präs. fehlt. Part. Prät. - 






o 

ü 

Ol 



Conj. 

ede 

u. s. w; 

wie der 

Indicativ. 



et, ed, 't. 



94 

Beispiel: lTwcn— leben. 

Präsens Indic. Präteritum. 

ik llwe=ich lebe ik Ilwede=ich lebte 

diu llwes diu llwedes 

liai llwet häi llwede 

wui lTwet wui Llwedes 

jui Llwet jui liweden 

b&j llwet ,ii liweden 

Conj. Präter. wän ik lTwcde=weim ich l<_l>te. Iniperat.: Ilwe, llwet! 

Part. I'rät. : llwet gelebt. 
Diese Kenjugationsweise ist bis heute bei der grofsen Mehrzahl 
der schwachen Verben anwendbar und ist in der gesetzten Rede er- 
wachsener Leute die Regel. 

§ 235. 2) Daneben aber besteht, besonders Im Munde der 
heranwachsenden Generation, eine andere, die sich von der ersteren 
dadurch unterscheidet, dass sie im Präteritum von der Endung 
-ede, edes, eden nur noch e, es etc. übrig lässt, so dass z. B. das 
Präteritum von ik huape=ich hoffe lautet: 

ik huape 

diu huapes 

liäi, säi, et huape 

wui hnapen 

jui hnapen 

säi huapen 
Es unterscheidet sich also die 1. und 2. Sing. Präter. nicht 
mehr von der 1. und 2. tSing. Präs. 

§ 236. 3) Deshalb wird denn auch in gewissen Fällen, der 
Deutlichkeit halber, statt dieser abgeschliffenen Form des Präteritums 
eine neue Zusammensetzung des Infinitivs mit dem Präteritum von 
deon=thun gewählt und es heilst z. B. statt wän ik huape=wenn 
ich hoffte: wän ik huapen daie. Oder: dat hc dat huapen dai, wuss' 
ik wäl=dass er das hoffte, wusste ich wohl. (Vergl. weiter unten 
das Präteritum von deon=thun.) Dieses dritte Präteritum kann 
natürlich nur da in Anwendung kommen, wo das deon=thun syn- 
tactisch hinter den Infinitiv zu stehen kommt, also in Nebensätzen 
oder in Wendungen wie huapen dai he dat=er hoffte das wohl, 
aber .... 

Die abgekürzten Präteritalformen oder die Zusammensetzung 
mit „ik dai" ziehen besonders die auf d und 1 endigenden Verbal- 
stämme vor, indem das d und 1 des Stammes mit dem d der Endung 
zu einem d oder 1 werden. Also: he swaide=er schwitzte von swai- 
den, he ärbäide— er arbeitete, he niagele=er nagelte von „niageln*. 
Auch nach ng wird das d der Endung mit Vorliebe „verschluckt". 
So he senge=er sengte, he lange=er langte. 

§ 237. Eine Zusammenstellung ravensbergischer schwacher 
Verben ohne und mit Ableitungssilbe, geordnet nach dem Vokale des 
Stammes, möge hier folgen. Sie wird namentlich die Einsicht in die 



95 

westfälischen Vokalverhältnisse fördern, aber auch in anderen Bezie- 
hungen interessante Momente darbieten. 

I. Verba ohne Bilclungssilbe. 

a) Stammvokal kurz. 

Stammvokal a: 
anken=ächzen , frangen , sik=sich balgen, happen=schnappen, 
jappen=jappen, klawwen=klettern, lachen— lachen , lasken=anein- 
ander fügen, peitschen; naggen=nagen, planten— pflanzen, racken= 
Flachs „raeken", rammen=aus freier Hand kaufen, salwen=salben, 
schadden=Steuer nehmen, tappen=zapfen, tassen^betasten, tippen= 
berühren; dajjen=auf thauen, drajjen=drehen, krajjen=krähen, klajjen 
=kratzen, klettern; majjen=mähen, sajjen=sähen; sajjen=sagen ; 
najjen— 1) nähen, 2) wiehern. 
Stammvokal ä: 
brännen=brennen, bürchfässen=frohnen ; käffen=keifen, päsken= 
wählen, beim Ballspiel. 
Stammvokal ä: 
däwwen=tkauen. 

Stammvokal e: 
heffen=keuchen; kellen=schmerzen, kleppen=läuten, kretten sik 
=sich zanken; ledden sik=verweilen, verziehen; leggen=legen, messen 
=misten, sedden=setzen, seggen— sagen, tellen=zählen. 
Stammvokal i: 
bicken=picken, bissen— wild umherlaufen, slenkfissen=faullenzen, gis- 
sen=muthmafsen, hicken=sich niederlegen, jippen=piepsen, kimmen= 
kämmen, ferklicken=vergeuden, licken=lecken, niissen=missen. nippen 
^schlummern, pinken=baumeln, siffen=zi sehen, smicken=schmecken, 
smitten=russig machen, stibben=emtauchen, wicken=wahrsagen. 
Stammvokal o: 
hobben=hauen, stoppen=stopfen , tocken=locken , wiarlocken= 
wetterleuchten, frojjen sik=sich freuen, lojjen=laut singen, rojjen= 
reuen; snojjen=leichthin brennen, strojjen=streuen; mojjen sik=sich 
grämen. 

Stammvokal ö: 
döppen=ausschälen. 
Stammvokal u: 
bücken— lehnen an jemand; bunken=schlagen, pochen, dullen= 
faulen, dumpen=sticken, huffen=dumpf bellen, nuffen=leise knurren, 
plunnen= gerinnen (Milch), schuppen=schupsen, schrubben=scheuern, 
tucken=zucken, uchten=in der Morgendämmerung arbeiten. 
Stammvokal ü: 
brüwwen=brauen, clrübben=tropfen, drüwwen=drohen, dünken= 
dünken, grüwwen=grauen, günnen=:gönnen, günnen=zu essen be- 
gehren (von Kindern), krüllen=kräuseln, küllen=den Rest geben, 
lüllen=saugen, püdden=schöpfen aus dem „püt a , schüppen=schüt- 



in; 

teln i Flüssigkeiten), Bchüdden=8chütten ) ferhakstücken=verarbeiten, 
durchsprechen. 

§ 2 
l)) Stammvokal tonlang (einschliefslich der R-Lange). 

St am m \ oka 1 a: 
baden=nützen, b&en ^ik =badeo, blarren plärren, bedärn sik= 
unklug handeln, jftnen=gaffen, näuflaen „nachsagen", maken=machen, 
m&len — malen. maiun mahnen, raken =raffen, Bftpen; salbadern, schaen 
=8chaden, betalen=bezahlen, wagen, wäen=verkehren, gehen ; wäken 
=wachen, wären=in Acht nehmen. 
Stamnn okal T: 
blwen=beben, Iren=irren, lTwen=leben, Blfen=zischen. 

Stamm vokal ü (ii n: 
dür'n dauern. 

Stammvokal Ü: 
drügen=trocknen. 
§ 239. 

c) Stammvokal laug. 
Hierher gehören : 
braken=braken, gruiiegralen=peitschenknallen , pralen=prahlen, 
ralV'ii=rasen, Bwanen=schwanen , wägen=wagen : rasken=8chreien 
(Kuckuck); panäfen=jem. den Hintern aufschnellen lassen, indem mau 
Kopf und Beine fasst; schräken=schreien (Vögel); iken=eichen ; 
pipen, sik=sich küssen. 
§ 240. 
d) Der Stammvokal ist ein achter oder unäcliter Diphthong 
(entsprechend altem Diphthong oder alter Lauge). 
Stammvokal ai: 
aifen sik=sich fürchten ; kaiin sik=sich kehren an ; lair n=lehren, 
lernen; maien=miethen, pailen=durchmessen (mit langen Schritten), 
ferpaifen sik=sich verfressen (Kühe), knäisailen=kniefesseln, swai- 
den=schwitzen. 

Stammvokal äü: 
räüden=rösten (Flachs). Alle übrigen schwachen Verben mit äü 
vergl. unter § 253. 

Stammvokal äi (äi): 
päiken=stehlen, spiefsen, däinen=dicnen, gnäifen=grinsen. gräifen 
= grausen, jäinen=reichen, mit der Sen^e, läiken=laiehen, afräien= 
absondern, snäien=Schnee wegschaffen, wäien=jäten (Flachs). 
Stammvokal ui (ii, ui): 
fuilen=feilen , luiken=gleichen, zielen; wuien=jäten; quuinen= 
kränkeln, huigen up=sinnen auf, huigen=keuchen ; ferfuir'n sik=^ 
erschrecken, kuir'n=fegen, wuir'n=~wehren ; iiuijjen=putzen, fruijjen 
=freien, ruijjen=reihen, 9nuijjen==schneien, Bpuijjen=speien, twuijjen 
=entzweien, fertuijjen=verstören (ein Nest), wuijjen=weihen. 
Stammvokal eo: 
Es finden sich bleoen=bluteu, jeolen=johlen. 



97 

Stammvokal 03: 
bloemen=trüben, bedwoelen=sich verirren, groeten=grüslen, hoeen 
=hüten, noemen=nennen (auch naimen), ploegen=pflügen, snoeen, 
sik=sich heraus machen, beswoegen=l) ohnmächtig werden, 2) be- 
seufzen, fertoer'n, sik=sich verfeinden, troenen=mit Bitten quälen. 

Stammvokal iu: 
briuken=brauchen, gliupen=finster blicken, griufen=grausen, hiuken 
=hocken, hiulen-=heulen, jiuchen=juchzen, liuen=lauten, liunen= 
übler Laune sein, liulen=lausen, piulen=wühlen in, siufen=sausen, 
sliupen=schlüpfen, ferstiuken^=verstauchen. 

Stammvokal uü: 
buüken=auslaugen, bruüen=necken, klamuüfern^grübeln, kruüen 
=jäten, pruünen=schlecht nähen, snuüden, sik=sich schnauzen, huüen 
=verstecken, suüken = siechen, tuügen = zeugen, tuünen= zäunen; 
schuüjjen=scheuen ; buür'n=heben, huür'n=miethen, kuür'n=sprechen, 
reden, nuür'n=schwellen (Euter), pluür'n=umrühren , schuür'n= 
scheuern, sluür'n=nachschleppen, stuür'n=steuern. 

§ 241. 
e) Der Stammvokal ist eine der westfälischen „Brechungen". 

Stammvokal ia (altes a): 
biaen=beten, ferhiagen=aufbewahren, kniaen=kneten, quialen= 
quälen, schiamen=schämen, tiamen=zähmen, wiawen=weben ; mit 
folgendem r: fiarvven=färben, miarken=merken, niaren=nähren, sik 
schiaren=sich scheeren um, schiarpen=schärfen, tiaren=theeren, fer- 
tiaren=verzehren, tiargen=hetzen. 

Stammvokal ie (altes i): 
blieken=bellen, driefen=fein regnen, lienen=lehnen, riepen=reffen, 
schielen=angehen, sliepen=schleppen, smielen=schwelen, spielen= 
spielen, strieken=leicht pflügen, striepen=streifen, tielen=zeugen. 
Stammvokal ua (altes u): 
huapen=hoffen, knuaden=treten , kuaken=kochen , puaden=be- 
pflanzen (Bäume), ruan=roden, stuaken=stochern ; buar'n=bohren, 
smuar 1 n=schmoren. 

üa: hüalen=höhlen, trüagen, sik=sich zanken. 

Stammvokal uo (altes u): 
buoken = stampfen , tuoken =zucken , zupfen; wuonen=wohnen; 
knuor'n=knurren , snuor'n=die Eisbahn schlagen , tuor'n=girren, 
uor'n= wühlen (Sau). 

Stammvokal üe, üö (altes u, y): 
güölen=ergiebig sein; jüöken=jucken , schüölen=den Bodensatz 
aufschütteln, stüenen=l) stöhnen, 2) einer Wöchnerin Geschenke 
bringen; süelen=beschmutzen ; tüenen=verwickeln, zaudern; wüerken 
=weben. 

Jellinghaus, Grammatik. 7 



98 



II. Verba mif iti hl iiii^<ii. abgeleitete Verba: 

g 242. 

a) Die Bildesilbe -i g scheint nicht vorzukommen, denn Verben 
wie künnigen=kündigen u. a. m. klingen unvolksthümlich. 

Das nd<l. Wort für künnigen wäre beispielsweise „upBeggen*. 

heifst „künnigen 4 ^ k i i i n 1 i i_c t » 1 1 auf gul Ndd. afseggen, upseggen, 

Dem kirchlich-plattdeutschen ausdrucke: ferkünnigen aufbieten steht 

drr acht heimische „fan de kansel gTben" zur Seite. Jedoch ist ein 

WOrt wie bännigen=bändigen ganz gebräuchlich. 

^ 243. !o Verba mit der I >il<liii]<j>>ilb<- en sind selten. Auch 
lallt das „in" in vielen Formen in der Regel aus x. 15. ki." n. kissen 
=taufen, aigen=verdienen, du aiges >liage— du verdientest Schläge. 
Jedoch kann das „en, n" \ erharren in der Ansprache von riaken'= 
rechnen. 3iang'n'=S6gnen, täik'n'=z<'ichnen. Man hört: he riakent, 
riaket und riaknet. 

§244. c) Verba mit der Bildungssilbe er: 
balleni=schallen. gallem=wund peitschen, hauen; hampern=hapern, 
klawwern=klettern, quaddern=schwatzen, sabbern=geifern, slabbern 
=schlappen, jackern=reiten zum Vergnügen. späckern=schwatzen, 
scheuchen ( Elstern) ; lustern=zuhören, horchen; präddern=brodeln ; kel- 
tern=pras8eln, splentern=umherspritzen. weltern=wälzen. walzen; gni- 
ckern:=kniekern. jibbern=pieps n. klispern=räuspern : schilwern=ab- 
schürfen , slickern==naschen ; stoltern=stolpern ; ioddern=fordern ; 
bullern=kollern , Bchummern=dämmern , pultern=polternd fallen; 
tSdern=schnattern, bTwern=beben. spüddern=spützen, aimern— sich 
abmühen, däir'n— auffüttern, mit Milch. baijjern=beiern; ferbuistern 
=verbiestern. juimern=wimmern; rlaimern=schineicheln, taiwern= 
umherirren: bekloekern. sik=sich belehren. kliadern=prasseln, klia- 
pern=klappern, riadern=rasseln 1 siepern=sickern. snüakern^schnup- 
pern, gnüadern=gnöttern; spüüdern— splittern. 

^ J45. d) Verba mit der Bildungssilbe el: 
dammeln=tandeln. dra\vweln=/.audern. grabbcln=grapsen, gassein 
=das Brod „gassein", gnawweln=benagen, jawweln=jaulen, krawweln 
=krabbeln. quaekeln=:schlecht schreiben. sabbelu=geifern, snawweln 
=schnabeliren, swabbeln=quappen, wabbeln^=quabbeln. vor Fett; 
quüngeln=nergeln. kräckeln— wortzanken. kricheln=hüsteln. nibbeln 
=benagen, mit (bin Sehnabel. snippeln=schnitzeln, rij>peln=sich rühren. 
wrickeln=drehen, wispeln=rlüstern : towweln=zaudern, dobbeln=wür- 
feln; buffeln=wühlen, dul'feln=duseln, fummelii:=betasten, grummeln 
=fernher donnern. knufleln==knittern, nuffeln— näseln, schummeln=: 
watscheln, „schieben", subbeln:=sudeln. suckeln==saugen, smuddeln= 
besudeln. wulTeln= wühlen : grüjjeln=gruseln. knüffeln=kneifen. sto- 
l'sen, raümmeln==mühsam kauen. pümmeln=baumeln, suüffeln=schnüf- 
feln. bäfeln=blind zu gehen. Bträkeln=straucheln, strolchen, gnuücheln 
=8chmunzeln , huücheln=heucheln , stroefeln=strolchen ; kiedeln= 
kitzeln, kriemeln=wimmeln, nüöfeln=näseln, rüeisehi=rascheln, trie- 



99 

feln=kreiseln, tüedeln=zaudern, tüöfeln=zerren; biadeln=betteln, 
drüödeln=säuinig sein. drüömeln=in die Lunge ziehen, bedrüefeln= 
beduseln; güaweln=sich brechen. 

§ 246. e) Verba auf -ken und -kern: 
knüfken = knuffein, padken = treten , gehen, prätken =schmusen, 
schwätzen, putken=mit kleinen Schritten gehen, puortken=furzen, 
runtken:=kosen , raunen; ralken=sich wälzen, sänken=salbadern, 
tiepken=necken, mit dem Finger, tülken=harnen; näuflätkern= „ nach- 
sagen", pötkern=mit den Kochtöpfen hantiren, snitkern=schnitzeln. 
§ 247. f) Verba auf -sken: 
gönsken=demüthig bitten, hüönsken=beschwichtigen , jäusken= 
seufzen, ächzen, pülsken, plasken=plätschern. 
§ 248. g) Verba auf -s e n, -fen: 
fitsen=mit Ruthen streichen, klänsen=plurap einher gehen, luksen 
=heimlich ausraufen, pramfen=vollstopfen, rätsen=räsoniren. 
§ 249. h) Verba auf -stern: 
hiarmstern— prügeln, kiekstern=kichern, rängstern=umherlärmen, 
tüakstern=gackern, biustern=bumsen, pluüstern=zerzausen. 
§ 250. i) Verba auf -wern, -bern: 
bulwern=Blasen treiben, hulbern:=schluchzen, kölwern=aufstofsen, 
schilwern=abschürfen. 

§ 251. k) Verba auf -äir'n, -äir'n: 
koräir'n=kuriren, lankäir'n=flankiren, probäir'n=probieren. 

§ 252. 

Bemerkungen zur schwachen Konjugation. 

1) Das. Part. Präs. fehlt. Reste scheinen zu stecken in Wen- 
dungen wie : he es nich dügede=er taugt nichts ; he es nich läübend, 
läübende=er gehorcht nicht. 

Die Vorsilbe ge- im Part. Prät. fehlt. Auffällig ist das aus- 
lautende e in : stoppede ful=gedrängt voll, stickede ful=zum Er- 
sticken voll. In den regelm. schw. Verben fällt das Endungs-e des 
Imp. Sing, bald ab, z. B. mäk!=mach! set!=setze!, bald verharrt es, 
z. B. schräijje!=schreü, schüdde!==schütte! 

2) Rücksichtlich des Endungs-e der 2. und 3. Sing. Präs. und 
des Part. Prät. ist folgendes zu sagen. Die meisten Verben ohne 
Bildungssilbe bewahren das e, oder lassen es wenigstens als ein stilles 
e fortwirken. He ploeget— er pflügt , he gliup't=er sieht scheel. 
Nothwendig ist die Erhaltung des e besonders in denen, deren Stamm 
auf f, sk, w, j, g, gewöhnlich auch bei denen, deren Stamm auf d, 
t, s endigt. 

He ail'et sik=er fürchtet sich, et sTfet=es zischt, he llwet=er 
lebt, he krajjet=er kräht, et dajjet=es thaut auf, he drüget=er 
trocknet, he wisket=er wischt, he rätset=er räsonirt. Nach r geht 
das e in dem r unter, z. B. he buürt=er hebt, trägt. 

Verba mit den Bildungssilben -er, -el, -en, -äir stofsen das e 
der Endung -en, -es, -et stets aus, z. B. quaddern=schwätzen, du 

7* 



100 



plieders du rührst durch, b&i lustert=er lauscht, mänert=zu Tode 
gequält, li;u pingell =er Idingelt, liäi täikeat <t zeichnet, koräirt= 
kurirt. 

jj 253. 3) Eine gröfsere Anzahl Verben ohne Bildungssilbe aber 
baben in der 2. and 3. Sing. Präs. und im Part. Prät. ächte Synkope 
des Bndungs-e und verkürzen ihren Stammvokal oder, wohl richtiger, 
treten mit kurzem 

Präteritum 

u 



Stammvokal auf in der '_'. und '■'>. Sing. Präs., im 
und im Part. Prät. Dieselben bewahren dann 
der Endung „ede". 
I - >iml folgende: 



ganzen 

Bämmtlich im Präteritum »las „d< 



Inf. 


3. Sing. Präs. 


Prät Part. Prät. 


bäugen=beugen 


he bächt 


bägde 


bächt 


boeden=heizen 


bot 


bodde 


bot 


braien=breiten 


bret 


bredde 


bret 


broeen=brüten 


bröt 


brodele 


brot 


dügen=taugen 


dacht, dücht 


dägde 


dächt 


däinen=dienen 


dent 


dende 


dent 


dräümen=träumen 


drämt 


drämde 


drämt 


drügen=trocknen 


drücht 


drägde 


d rächt 


beduüen=bedeuten 


bedüt 


bedudde 


bedut 


floeken=fluchen 


flökt 


flokde 


flokt 


fioeden=fiöten 


flöt 


flodde 


flot 


foelen=fühlen 


fölt 


folde 


folt 


ferhuüen=verstecken 


ferhüt 


fe rhu ekle 


ferhut 


hoeen=hüten 


höt 


hodde 


hot 


kläüwen=spalten 


kläft 


kläwde 


kläft 


lainen=leihen 


laut 


laude, läiine 


laut 


luüen=läuten 


lüt 


ludcle 


lut 


1 äüwen=gl auben 


läft 


lafde 


läft 


luien=leiten 


let 


ledde 


let 


termoeden, sik=vermuthen 


fermöt 


fermodde 


fermot 


moeen=begegnen 


möt 


modde 


mot 


mämen=meinen 


ment 


mende.menne ment 


he mogde=er wühlte 


? 




? 


oewen=necken 


oft 


owde 


oft 


oelen=wühlen 


ölt 


olde 


olt 


räügen=rühren 


rächt 


rägde 


rächt 


ruünien— räumen 


riimt 


rumde 


rumt 


smäüken=schmauchen 


smäkt 


smäkde 


smäkt 


spoeken=spuken 


spökt 


spokde 


spokt 


spräien=ausbreiten 


spret 


spredde 


spret 


stäüden=stosien 


stät 


städde 


stät 


toeben= warten 


töft 


towde 


toft 


käupen=kanfen 


käft 


käfde, käfte 


käft 


soeken=suchen 


söcht 


sochte, sogde 


so cht 



101 

Der Imperativ Sing, ist von der Vokalkürzung ausgeschlossen. 
Er enthält stets den Stamm des Wortes, steht also ohne Endungs-e, 
z. B. toef!=warte! floek!=fluche! läüf!=gehorche! 

§ 254. 4) Rückumlaut kommt nicht vor: bränuen=brennen, ik 
bränne=ich brannte; bränt=gebrannt. 

§ 255. 5) Seggen=sagen hat in der 3. Sing. Präs. he sacht. 
Im Präteritum ik sägde, gewöhnlicher ik sia' ; sächt=gesagt. Ganz 
ebenso geht leggen=legen. 

III. Anoinala. 

§ 256. 1) bringen=bringen, bringe, brächte, brächt. 

2) denke n=denken, denke, dachte, dacht. 

3) häbben=haben, häwwe, hadde, hat. 

Präs.: ik häwwe; diu häs; he hat, häfd; wui häw- 
wet, häbb't; jui häwwet, säi häwwet. Conj. Prät.: 
ik hedde. 

4) dünken=dünken. Mi dücht, seltener: mi dünket. 
Prät.: mi duchte=mir däuchte, aber gewöhnlich: 

he dünke sik=er dünkte sich. Mi häd ducht= 
mir hat gedäucht, selten dünket. Wat diu di wäl 
düchs!=Was du dir wohl einbildest! 



§ 257. 



Anoinala der st. Konjugation. 



I. suin=sein (östlich: wäfen). 

Präs.: ik sen, sin; diu bis; he es, is; wui sent, sint (aber sen 
wi?); jui sent; säi sent. 

Prät: ik was; diu woeres; häi was; wui, jui, säi woeren, woer'n, 
seltener: wair'n. 

Conj. Prät.: ik woere. 

Imp.: sui! bisweilen bis! z. B. bis stille !=sei still!; suit!— seid! 

Part. Prät.: wiafen, wian, wäst. 

§ 258. 

II. gäun=gehn, s täun=s tehn, deon=thun. 
Präsens: 



gäue 






staue 


deoe 


gäis 






stäis 


does 


gäit 






stäit 


doet 


Plur.: gäuet 






stauet 


deoet 


Imperativ. 










gänk 






stänt, stont 


deo! 


gäu't 






stäu't 


deo't! 


Präteritum. 










Sing.: gink, gi 


Link, 


gonk 


stont 


dai 


genges, 


gün 


ges 


stönnes 


daies, daides 


gink, gi 


mk, 


günk 


stont, stunt 


dai 



102 

Plur.: gengen, gangen o. Btönnen,8tünnen daienoderdaiden 
gongen 
Prät. Conjunctiv. 

gü] Btünne, Btönne daie, daide 

Part. Präter. 

gäun stänn dann 

§ 259. 

III. Pr ät er i t o-P r äs e n ti a. 

Präs. Präter. Pari Prät. 

1. u. 3. Pers. 2. Pers. Plural. Indic. OoBJ. 

1. mot most müet moste moste most 

2. sal, schal sos, sas süet, sehnet solle. Bcholle solle solt 

sost, säst 

:;. mach mache müeget mochte, mochemöchte,möchemocht 

4. kau kans küünt könne könne kitnt 

5. wäit w&is wietet wüste, wusse wüste, wüsse wüst, 

wieden 

6. wel, wil (wos, was) wüt wolle, woP wolle wolt 

7. draf drafs drüebet drofte dröfte droft 

8. gönnen ist schwaches Verb. 

9. dügen, diugen, dängen=taugen. 

Präs.: Ik dinge, däuge; he dücht, dächt, däuch. 

Plural: säi dinget, düget. däuget. 
Prät.: dochte, düge, däuch. 
Partie. Prät.: docht, düget. 

Die Infinitive sind: 
müeden, süelen, müegen, küönen, wieden, drüeben=müssen, sollen, 
mögen, können, wissen, dürfen. Die Uebrigen fehlen 

Diu „wos, wus" und „sos, sast a scheinen in das Präsens ein- 
gedrungene Präteritalformen zu sein. 

AVulle=willst du! wudde!=willst du! wüwwi?=wollen wir? 
söwwi?=sollen wir? wüjji, wojji!=wollt ihr? 

Endlich ist zu erwähnen: he doste (sik)=er wagte. 



Anhang I. 

Etymologische Bemerkuugen. 

äreode, f.— Edelhof. äroeder=auf einem Edelgute ansässiger 
Arbeiter. Moser. Osnabr. Gesch. Einl.: „arode=Edelgut". Wohl aus 
ar=Acker (an. ar. m.=das Ackern) und einem dem as. od, stn.= 
Gut verwanten "Worte. 

*bil, m.=Schnabel. Ags. bile. Damit hängt zusammen bille= 
Werkzeug des Steinhauers. In bill muss der Begriff eines spitzen 
Kegels liegen. 

Messe, f.=weifser Fleck vor der Stirn der Kühe, die Stirn. 
Davon „de bäume Wessen* =durch Abschälung eines Flecks Rinde be- 
zeichnen. Engl, to blaze. 

l)llt=grob. brutal, unbesonnen, unreif, „da bis diu nä to but 
teo=dazu bist du noch nicht reif. Bei Frisch I, 159 butt=was die 
rechte Gröfse nicht hat. Nach Strodtmann in Lemförde: butt=Kalb. 
Diepholz: butt=junger Ochse. Rav. bütken, n.=Kalb dem die Hörner 
ausbrechen und tittebut, ro.=Säugling. Wright. Prov. English I, 264 
bud=ein Kalb im ersten Jahre; engl. bud=Knospe. 

däir, n. Scheltwort für Mädchen z. B. dummed däir! Das Wort, 
welches ursprünglich „leibeigene Dienerin" bedeutet, ist in der nord- 
deutschen Ebene unanstöfsig. Vielleicht hat dieser Unterschied in den 
besonderen Rechtsverhältnissen des mittelalterlichen Westfalens seinen 
Grund. 

däir'n^ein Kalb wird „däir't" d. h. aufgefüttert. Ursprünglich 
geschah dies lediglich mit Milch. Altschwed. dia=säugen, dän. dägge 
=mit fremder Milch säugen, östreichisch (bei Lorika) daien=mit 
Milch säugen. Engl. dairy=Melkerei. 

deolaim, m.=Lehm. mit Tonerde gemischt. Engl. dough=Teig. 

drnihäür'ch=widernarig, synonym mit „druibastich". drni=dän. 
dröi, franz. dru=dicht, dick; südwestf drihaerich=nicht hören wol- 
lend, also „dickhörig". 

Egge, f. So heifsen verschiedene, meist waldlose Kämme des 
Osnings. As. eggia=Scheide des Schwertes. Osning, im Volksmunde 
nicht mehr existirend, aber in Denkmälern aus dem 10. — 14. jh. 



* Diejenigen Artikel dieser Auslese schwierigerer rav. Wörter, welche ein vor- 
gesetzter Stern (^kennzeichnet, sind Mittheilungen von Fr. Woeste, 



104 

„Osneggi", ist: „dfen-egge*, der Gebirgskamm der Äsen. Dazu auch: 
I Isnabrück. 

: ellenbut, elk. m. Iltis. In Iserlohn illekatte. Elk, aus ellik, 
muss ..dir stinkende" heifsen; but (vergl. üben but) ist Bcherzends 
Uebertragnng, 

eoschftlen, owwesch&len, pl.=Bachausterschalen kann an eine 
dem lateinischen ovnni verwante, aber verschollene deutsche Form er- 
innern, altmärk. eischaolen, bei Hildesheim utschenschalen. In Schild- 
esche heifsen sie „öpke". 6pen=kÜ88en, eig. öH'nen (osenlari). Davon 
käme opek. pl. öpke. weil sieb die Auster Öffnet wie ein Mund. 

fert&get met=eng befreundet mit. um Diepholz (Braunschw.- 
Lüneb. Annal. Jahrg. 17!» l. p. 52): verza(e)get tu hope=gut verstanden, 
gut Freund sein. Bescheid wissen. Dunkel. Zu tagel=Schwanz? 

fiienich=faul, schimmelig, swd. füna=faulen, a^ r s. fynig=modrig. 

fülle, f.=Schöpnoffel. Aus fülliepel? Ags. fiil, n.=Becher. 

fögesman, m.=Ehevermittler. engl, to fog=auf niedrige Weise 
etwas zu erreichen suchen, to flauer for gain. 

gallern=wund peitschen, bauen, hd. galle== wunde Stelle, engl. 
gall=wund reiben. 

:: giisse, de keoh es güsse^=sie giebt keine Milch, südwestf. güste 
fuhrt auf :: giusan=agitare, pellere. Daher altn. gustr— engl, gust— 
Windstois. Verwante Wörter sind ahd. keisan, ags. gasen=agitatus, 
sterilis. 

Häbütkenlant, n. So wird spottweise das Hochstift Osnabrück 
von benachbarten Ravensbergern genannt. Auch im Paderbornischen 
heilst eine gewisse unfruchtbare und triste Landschaft so. Vergl. 
Paderb. Anekdoten, Celle 1871, s. 16. Der Sinn kann doch wohl 
nur „Hagebuttenland" sein. Die Volksrede war, dass die Hannovera- 
ner nach einem Alarmrufe „hä-bü"! so genannt wären. Wäre hier 
engl. hip=Hagebutte und das „hip, hip, hurra!" zu vergleichen ? 

hairräuk, m.=Moorrauch. Osn. har=trocken, vergl. Klöntrup 
Wb. s. 329. Also=trockner Rauch, weil er bei trocknem Wetter in 
der Landschaft erscheint und nach dem Volksglauben den Regen 
vertreibt. 

hollern, pl., neben holduifsel und hülskrabben, f.=Stechpalme. 
Engl, holby, ags. holegn; ahd. hulis=Hülse. 

* bucht, f.=Strauch, zu heven, lieben (ch=f.) Kilian: hocht, 
ahd. huftdi=virecta. Oudem. bucht, struik ot" heester. 

huüne, m.=Riese. Ortsname „de Huünenburg" bei Riemsloh. 
Gehört „vor die Hüner gehn", welches westf.-hochd. „sterben* bezeich- 
net, hierher, etwa ähnlich wie „for de roeben gäun a =sterben sich 
aus as. hrev, ags hrä==Leichnam erklärt? 

*jäck, gäk, n.=Zierrath am Giebel. Eigentlich „das drehbare". 
Daher hd. Geck=verdrehter Mensch, Narr. 

kaspeln=Ball spielen zu zwei Parteien, mnd. kaetsbal=Fang- 
ball. Kil : kaetspel=ludus pile et sphaeristerium. " Gehört hierher 
auch kasmänken, n.=Zwölftelthalerstück? 



105 

kätsüge hoeen=die Grubensau hüten, ein Spiel der Hirtenkinder. 
Mekl. külslig. Grafsch. Mark: müttkenhaien. Im Ravensbergischen 
singen die Jungen, indem sie, ihre Stöcke in den „Kessel", das grosse 
Loch, haltend, den Umgang thun: 

„kiedel, kiedel, ürarae den deort! 

de nin läk hat, säihe teo!" 
kote, f., heifst mnd. die Klaue, Vergl. mnd. Wh. II, 550. 

* kiinddenküiii, m.=Trockenwinkel auf der Tenne für die Flachs- 
knoten. Entweder zu koje=Verschlag, oder wohl besser, aus knudden- 
knäi=Knie, Winkel, mit Metathesis des n. 

kolkräwe, m.=grofse Krähe. Mit dem „kolke" hat das Thier 
doch wohl kaum etwas zu schaffen. Aus mnd. karok, f.=Krähe, in- 
dem r zu 1 wurde? 

kräui, in den kram kuomen=niederkommen. kram war ursprüng- 
lich die Zeltdecke. Hier bezieht sich das Wort also auf die Gardine, 
hinter der die Wöchnerin liegt. 

küüren. Rav. noch das gewöhnliche Wort für „reden, plaudern". 
Gewiss zu kiufan=wählen, also „Worte wählen", und nicht zu mnd. 
köderen, rav. käddern=vomiren. Schwatzen heifst rav. quaddern. 
„Hochdeutsch keuern"=messingsch sprechen. 

läüwerken, gewöhnlich luchtläuwerken, n.=Feldlerche. Ursprung 
dunkel, läüwerken heifst im Ravensbergischen auch der Laubfrosch. 
Bei Heepen dagegen „lauffröchelink". Vgl. engl. frog=Frosch. 

linken, stv.=ausraufen, lupfen, z. B. Früchte, Bäume, die Haare. 
Dazu luksen=beim Aehrenlesen Aehren aus den Garben ziehn, stehlen; 
got. uslükan=ziehen (das Schwert). Gehört nicht hierher auch hd. 
locker? 

luiit, n.=Mädchen, das gewöhnliche Wort. Dasselbe mag wie 
luüe=Leute aus as. hliodan=wachsen stammen. Vergl. rav. luae= 
Schössling. Im Paderbornischen heifsen die Mädchen ,,schüätters"= 
Schösslinge. Paderb. Anekdoten s. 23. 

*mear kum, muüs kum, küs da! Lockrufe für die Kühe. Bei 
Hildesheim mär kum! mear wird wohl einen verschollenen Namen 
des Thieres enthalten. Ladinisch: muaglia. 

minken, Pl.=Abfälle beim Kornreinigen, w T ie ganze Aehren und 
Unrath. An. moka=zusammenschaufeln. 

nük, n.=Schlinge, um Fische zu ,,nücken", pl. nücke=Tücke, 
Liste. Rav. nuk, m.=Stofs, nucken=zupfen, nüekeln=zerren, auch 
bildlich, mit Worten. 

örlant, n.=Ackerland. Klöntrup Wb.: örland, ortland=rothe 
steinigte Erde im Acker. Dies zu engl. ore=Erz. Strodtmann 
hat oortland=Stück Land eines Privaten, so an die gemeine Weide 
stöfset. 

* ötke, (pl.?)=Mittelding zwischen Schlehe und Pflaume. Südwestf. 
bulke, von der runden Gestalt. Vielleicht zu ostfries. ötrig=schmutzig, 
südwestf. otterlaige=Faulschiefer. Bei Richey: ötje=alberner Mensch, 
jetzt hamburg. sotje. 



106 I 

pailen— mit langen Schritten gehen, besondere querfeldein. Auch 
afpailen=ein Feld mit Schritten abmessen. Zu peilen=die Tiefe 
messen? oder zu pat=Pfad? Engl, to paddle, rudern? Rav. „de 
iantke paddelt": die Enten rudern. 

forptifen, sik. z. r>. de keoh hat sik ferpaifet= die Kuh hat die 
Trommelsucht bekommen. Wörtlich „sich verprassen". Südwestf. 
verpraesen. Lippisch: peiaen. Von bras=Schmaus. Daher rav. pr&s, 
pr&s=Brei zum Essen, Frafs. Hd. „prassen". Rav. noch pramsen 
=„schlingen" beim Essen. 

pä8ken= wählen, heim Ballspielen, Vergl. „pasch" im Würfel- 
und Kartenspiel. P&8ken=Ostern dagegen aus lateinisch pascha. 

; pickert, m., auch BÜdwestf., ein primitives Gebäck auf der 
Ofenplatte. Es wird Ableitung von pik=Pech Bein, weil der Teig 
anklebt. Vergl. ostfries. pickerig=anbackend. 

piullaim, m.=Wegstauh. Die kleinen Knaben „piulen" (wühlen) 
darin, en' knuaken afpiulen=einen Knochen absuchen. Auch Klöntr. 
640 pülen=heta8ten 1 benagen. Müllenhof z. Quickborn: pulen=klau- 
ben, stochern, zausen. 

* piiilpogge, f.==Kaulfro8ch, Froschlarve, pil, eigentlich Pfeil, 
bezeichnet die Gestalt des Thieres. Mau sagt, sie regnen während 
des Gewitters vom Himmel herunter. Uebrigens pill auch=penis. 

putken=mit kleinen Schritten gehen. Auch bei Klöntrup. Ein 
Gerstenpudding hiefs vor 50 Jahren putkebuül. Engl, to pod=gehen. 
vergl. Wright. Prov. Engl. II, 751 und to put=setzen. Rav. findet 
sich puade=Setzling. Von putken verschieden ist ein anderes puort- 
ken, putken. 

puffert, m., bei Klöntr. puffer, ein Eierkuchen, der durch Hefe 
gebläht ist; engl, to puff=schwellen. 

räie=fertig. Got. garaids=angeordnet, hd. bereit, engl. ready= 
fertig. Aber auch rav. räie=steif. Zu franz. raide? 

Räwensbiarch, -bürch=Ravensberg. Aelteste Form: Ravinisberg. 
Gewiss in Anbetracht des rav. Wappens (drei Sparren) und der später 
erhauten Sparrenburg bei Bielefeld zu ahd. rävo, swm.=Sparren, 
ags. hrof=Spitze, Dach Also „Sparrenburg*. 

: ribbet, eig. ribbert mit unorganischem t; äult ribbet=altes 
Bettelweib. Bei Lyra 177 "n ault ribbett=ein altes Weib, Rappel- 
tasche. Mit Rappeltasche hat Lyra, vielleicht ohne es zu wissen, die 
Etymologie gegeben. Bei Philander II. G41 rippart, Seckel (als Sol- 
datenwort). Rheinl. ripert, 1) dicker Hauch, 2) Anhängetasche der 
Bettelweiber. Dem ibb kann ein ib, ip entsprechen. Verwant kann 
sein südwestf. riäp=Korbgerippe, altes Weib. Rav. ref, n.=Gerüst, 
worin der Glaser das Glas auf dem Hucken trägt, altes Weib, bei 
Kantzow und Göthe reff. Ribbert:=Seitentasche hängt wohl mit ribbe | 
(rippe) zusammen, entweder weil diese Tasche neben den Rippen ge- 
tragen wurde oder weil sie ursprünglich aus einem Holzgerippe, aus 
„spänen" bestand. 

säl, m., auch sal (Heepen)=die Blätter der getrockneten Klee- 



107 

staude. Vielleicht von der schwärzlichen Farbe so genannt („sachte, 
dat de säl der nich afgäit= Vorsichtig ! damit die Blättchen nicht von 
der Staude abfallen). Ags. salu— schwärzlich, südwestf. saul. Es 
werden aber auch die Blättchen des Flachsstengels sälen genannt und 
man könnte an ein ags. säl=Seil, Henkel denken. Hd. mundartlich 
saher, m.=die grünenden Spitzen des aufkeimenden Grases und Ge- 
treides. 

säderdach, m.=Sonnabend, engl. Saturday, ags. Saeternesdag, 
wird gewöhnlich als Tag des Saturnus aufgefasst. Weshalb aber sollte 
grade dieser einzige Wochentag eine lateinische Benennung erhalten 
haben? 

poggenschät, m.=Froschlaich. Weigand II, 635: der schotten 
=aus der Molke süfser Milch abgesonderter Quark. 

sluinn. m.=ein Glücksfall, slumpen=glücken, med 'n slump= 
auf ein Mal, „dat häwwi med 'n sl. krlgen". Fries, en slump=eine 
Menge, Müllenhof z. Quickborn: innen slump=in Bausch und Bogen, 
schottisch: by the sluinp=aHzusammen. Eigentlich „mit einem Griffe 
zusammengeraffte Menge u . 

snojjeii=brennen, wie Zunder brennt. Klöntr. snöggen=sengen, 
naschen, dän. snage=umhersuchen. Das Feuer „sucht" Nahrung. 

späckern = scheuchen , de iäkstern „späckert" = die Elstern 
„schwatzen". Vielleicht doch zu engl. speak=sprechen, indem rav. 
,,de airn späket" bedeutet: die Erde spaltet sich (vor Hitze) und so 
to speak, späckern=den Mund öffnen wäre. 

stiude, m.=grofses längliches Weizenbrod. Engl. stud=stumpf. 
Wohl soviel wie ..abgestumpftes Brod 1 '. 

stokflsk buoken. Sämmtliche Zimmerleute schlagen am Abend 
vor der Hausrichtung in tactmäfsigen Schlägen 1 — 2 Stunden lang 
auf die Sparren, die gehoben werden sollen. Man nennt das auch: 
hille bille släun. Im Ags. ist hilde-bil, stn. das Schlachtschwert, also 
ursprünglich ..mit den Schlachtschwertern aufschlagen". 

*struade, f.=Luft- oder Speiseröhre. Ital. strozza. Ursprüng- 
lich wird das Wort strota gelautet haben. Nach Abfall des schützen- 
den s verschob sich t zu th, daher ags. prote, engl, throat. Weiter 
verschoben lieferte es ein hd. drofse, woraus „erdrosseln". 

suik, n.=kleine Thalsenkung, feuchte Niederung. Gewiss zu 
sickern, siepern, weil durch das suik das Wasser ab sickert. Klön- 
trup slk, sinke=Thal, Fufs eines Hügels. 

swieben, f., ags. svipe, wird mehr und mehr verdrängt durch 
die slavische „Peitsche", rav. puitske. 

swuie=stark, als Adv. sehr, as. swidi=heftig, ags. svide, adv. 
=sehr. 

Täder, m., Zigeuner. Auch schwed. und jütisch Täter. Vielleicht 
Verwechselung mitTartare. Aber auch rav. tädern, taddern=schwatzen, 
schnattern. 

tällert, m.=Verwegener, unbesonnener Mensch. Schamb. tallard 



108 

=alberner Mensch, l»<-i Diepholz talle munter (von Hunden). 
deall=stolz. Zu Teil und Till? 

tiekebiane, f.=Pferdebohne, Buffbohne. Nicht zu tick 
(ein Insect), Bondern, wie * 1 i < - landschaftliche hochdeutsche Ueber- 
tragung andeutet, zu altengl. tyke Pferd, Rindvieh. Vergl. Halliwel] 
Dict. II. 874. 

tralte, f?=ein in unordentliche Zweige ausgehender Ast, oder 
eine gleiche Wurzel, auch Zahnwurzel von derselben Form. Auch bei 
Klöntrup 871. Lappisch talte Zacke, Geweihende. Dunkel. Rav, 
trille=Scheibä, engl. troll=in die Runde gehen. 

ti'ii^e, f.=Schöpflön f el, ags. tryge, welches wie trog ursprüng- 
lich wohl Hohlgeschirr bezeichnet, «loch wäre auch trügge (durch 
nicht mehr nachweisbares truwe)=trufel, truffel, engl, trowel, lat. 
trulla=Kelle denkbar. 

*twia^cn, stv.=beugen, z. B. einen jungen Baum. Wie driagen 
=dragen, su twiagen=twagen. Es ist kein anderes Wort als twahan, 
twagen=waschen. welches also ursprünglich ein Hin- und Herbiegen 
des zu reinigenden Gewandes ausdrückt. 

uake, m.=Junge. z. B. luüdens un uakens. Südwestf. haid-öksken 
=ungetauftes Kind. Klöntrup G03 (wahrscheinlich aus Gesmold) oake. 
5ke=ein grober, ungeschliffener Mensch. — „Das Wort muss aus (hin 
Part, eines „iukan" geflossen sein, was jedenfalls mit as. okan. ökian, 
mnd. oken (vermehren) zusammengehört" — bemerkt F. Woeste. 
Herforder Gedicht v. j. 1G5G bei Iiadlof Mustersaal II, 274 „is he 
nich en grofer wocke"-— ist er nicht ein grober Geselle. 

uchte, f.=Weihnachtsirühkirclie, auch noch Morgendämmerung, 
Frühstück. As. uhta=Morgendämmeruiig. Rav. dat nöchtern:=das 
erste Frühstück (veraltet). Auch ,.üchteir-=gebüren soll noch vor- 
kommen. Vergl. auch luxemburgisch: Oechtegailche=Nachtigällcheib 
Gewiss kömmt hd. nüchtern von uhta. Nüchtern ist rav. gewöhnlich 
„nüchtern - ; . 

uüterbiik, m.=Zwitter, neben binnenbuk. Der merkwürdige Aus- 
druck auch bei Schambach. Mit üt=aus? 

wiarlocken=wetterleuchten. w r iar=Wetter, hd. lecken, locken 
=springen. 

wik, m.=Eutericb, könnte aus wadik, wedik entstanden sein, 
wie mik aus madik. medik. Bei Diepholz: wähk. In der Yogelsprache 
der rav. Kinder ruft die Ente: „wad, wat!" Vergl. auch ostfries. 
waarte. 

* wispeltüete, f., auch südwestf. 1) Wirbelwind. Eine tüete, 
ein Trichter, der sich bewegt (wispelt). 2) unverständliches Gemur- 
mel. Blendwerk, aber im Plural. 3) Mistel. Bei Klöntrup 1125 „wispel, 
wispeltüete, eine Mispel, letzteres ist der gewöhnliche Ausdruck, der 
aber die Nebenbedeutung von Ränken, losen Händeln und Weitläufig- 
keiten hat." Vergl. noch rav. fämeltüeten=Fabeln. 

wäpkenbräut, n.=Wurstbrod. Klöntr. s. 1130 „wopkenbraut= 
gekochte Klöfse von Mehl, Blut und Fett", wäpken wird mit abd. 



109 

wabä=Wabe zusammenhängen und die Speckwürfel in den Klöfsen 
bezeichnen. 

wieptiukeii, Pl.=Hagebutten. Klöntr. weebke, hd. wiepe, mnd. 
hagewopeken, ags. hiöpe=Beere der wilden Rose, hd. hiefe. Tiuk, m., 
gebraucht man auch jetzt noch bisweilen für Stachel, Spitze. Stürenb. 
s 292 tüke=Widerhaken. Die Hagebutten heifsen auch ,,juckäüfe". 

welgen=oft, hei Weddigen. Auffallend ist die starke Einbufse 
an eigenthüm liehen Adverbien seit 1780. Damals gab es: härst=fast, 
hanerken=vorhin, albot=allemal, nür=ungern, nacdalling=nachher, 
Wörter, welche jetzt gänzlich verschwunden sind. 



Anhang* IL 



II ä 1 li s e 1 ii ii <l K i 11 <l e ri'ci in e. 



Anne suit, bin hiufe: 
krik, krak, kriulel 

Je duller as de sunne schint, 
krik, krak, kriul'e grint. 

Achter iufen biule 
stäid en bäum, 
huir en bäum, dar en bäum. 
Up den bäume sid en twik, 
huir en twik, dar en twik. 
Up dän twicke sad en nest, 
huir en uest, dar en nest. 
In dän neste laigen äijjer, 
huir en äich, dar en äich. 
Up dän ilijje Saiden stippen, 
huir en stippen, dar en stippen. 
Räut es teo, wat es dat.' 

Hümpelken, pümpelken up de bank, 
hümpelken. pümpelken unuer de bank, 
es nin dokter in Engellant 
de dat koräiren kan. 

Up iul'en acker 
sad en dink sä wacker. 
Hat sieben huüe, 
bid alle luüe. 



(Eiszapfen.) 



(Hohne) 



(Ei.) 



5. Ik wäid en man, stäit midden 
m krich gar ninne antwort. 



(Zwiebel.) 
röpt un 



in'n holde. 
(Pastor auf der Kanzel.) 



röpt, 



6. 



Ik wait en dink, 

dat es sä Hink 

un häd en flassen stairt. 

(Nähnadel mit Faden.) 



111 

7. Binnen glat, binden glat, 
glat for glat. 

Wat es dat? 

8. Ik wäid en dink. 

De't mäkt, behäld et nich, 
de't bestelt, de kricht et nich 
un de't kricht, de wäid et nich. 



(Glas.) 



(Sarg.) 



9. Taijjen tügel tilgen 

dän päntersak dän täuterbiarch henup. 

(Das Anziehen der Hose.) 

10. Fuür äfi" en süwwel, 

midden äff en knüwwel, 
achter äff en päikstäken. 



11. Fuür äff en siekel, 

achter äff en träunpullen. 
Rau' mal, wat es dat? 



(Elster.) 



(Gans.) 



12. Wacker sen ik wuofsen, 
bläwwe bleomen driag' ik. 
Wän ik niks mär wairt sen, 
Driag't se mui nä de kansel hen. 

(Flachs.) 

13. ßl, rä, rel! 
Fäier rüwwe fei, 
pütkebuül im kliapersak. 
Räut mal teo, wat es dat? 

(Wagen mit 4 Pferden. Pferdejunge mit Peitsche.) 

14. Se schurrt mi, se schälet mi, 
gräude luüe briuket mi, 

se gibt mi wat to siuben 
un läd't mi dämet läuben. 

(Gänsefeder.) 

15. Twuibäinken sad up druibäinken. 
Da kam fäirbäinken 

un woll' twuibäinken buiden 

Da nam twuibäinken druibäinken 

im woll' fäirbäinken dämet smuiden. 

(Milchmagd auf einem Dreifufs. Hund ) 

16. Up twäi stäkens stäid en tunnen, 
up de tunnen stäid en stäken, 
up dän stäken stäid en tunnen, 
up de tunnen gäut spatsiren : 
liuder härens un dämens. 

(Mensch.) 



112 

17. Spruch. 

De köeken an de kreomen, 
de b&iden r&ifen n,i Reomen, 
De köskni de Bprank iiawer'n tiun, 
de kriumeo blaif er for Liggen. 

18. Sprechübung. 

War hat dal sacht <lat diu dat siast dad ik dad soll* sucht 

häbben? Iliii'd he dad äl sucht? 

in. Beim Wetten: 

Pinke, pauke, mnine haut! 
FSer, moeme, Engellant! 
De mi wad inne haut gift, 
sal up smuiien bedde sl&pen, 
de mi niks inne haut gilt, 



häf up, häi" up, haf up! 

20. Beim Wetten: 
„Kruüs (rudder) for de porden!" — ,,,,Knäs! (manjesknaup)"" 

— ,,Wd fiel senter duine?" 

21. Am Palmsonntage singen die Kinder: 

Palm, palm, päsken! 

lät dän kuckuk räsken, 

ldt de füegel singen, 

lät de schäpken springen! 

ji äulen, fiulen begäiders, 

häjji nich wäder, dat ji us begdidet! 

22. Beim Fuchsspiel singt die Kette: 

Wut dän fos int holt jagen, 

muarn wüwwen wuier hälen, 

he bräkt, he bräkt, he bräkt! 

23. Spottreim auf den Schäfer: 
Schaiper, schaiper schuppen, 
kam de dial hen huppen, 
hadd' san langen stäken, 
woir dat fuüer räken!* 

24. Zauberspruch: 
Et sad en lütk mänken achter de Avant, dat was nich wit, dat 

was nich räut, dat was sä swart! Und nun, im Namen Gottes des 
Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes drücke ich dich todt. 

25. Zauberspruch gegen das Herzgespann: 

Herzgespan! 
Ik segge di man: 
fluüoh fan dän ribben 
äffe Jefus fan dän kribben! 



* Auch das häufig gedruckte Spottlied: Hänsken sad in'n schapstal u. s. f. 
ist bekannt. 



113 

26. 7a\ dem „Sonnenkinde", Coccinella Septem punctata, sprechen 
die Kinder, indem sie es auf die Zeigefingerspitze setzen : 

Sunnenkuint, mänenkuint! 
fluüg up, fiuüg up 
und säch din fär un moeme, 
dat't nmarn geot wiar wärt! 

27. Lügenlied: 

1k wol en 1 lügen läigen: 
Ik säuch nen ossen fläigen, 
ik siiuch nen räben graben, 
ik säuch de krajjen majjen, 
ik säuch de diuben 
achtcr'n foeer häüjje schiuben. 

28. Spottlied : 
Fritken Floetbiek es en man, 
de dat wüörksel drajjen kan, 
gink nä muinen frünnen, 

de woer'n en niks to günnen, 

sedden am fiulen schinken for. 

Fiulen schinken mag ik nich. 

Günk ik in de annern duür: 

Kälwer laigen in de duür, 

de ruüe wuoske bui, 

de kadde kraich de boddern iud de kärn, 

de ruüe läip in't holt, 

Da fäun' he'n stücke golt, 

käft' he sik en wit piart for, 

— wit piart was nich wuis — 

tauch dam et up't uis. 

Dat uis, dat breok, 

dat piart, dat schait 

küödel bet nä Bänninkhiufen.* 

29. t Spottlied: 
Äppelken, päppelken, piepermius 
kam gister ämt in iufe hius, 
woll'en stiuden stialen, 

kraich en de bäcker bi de kialen, 

henk en an de boeken, 

fenk he an to floeken, 

henk en an dän balken, 

fenk he an to spalken, 

henk en up de huilen, 

fenk he an to fuilen, 

henk he'n an de bierken, 

fenk he an to blieken, 



* In Benninghausen ist eine Besserungsanstalt. 

Jellinghaus, Grammatik. g 



111 

henk he'n an de klinken. 

fmk he :i 11 to pinken, 

henk en np de büenen, 

fenk he an to Btüenen, 

henk he'n in dän sunt. 

kraich he sninen däut, 

smait he'n innen duik, 

uns liäi'n qunit. 
30. De knckuk s;ul nb'm tiune 

un plücke sik ne priune. 
Ik sia am: sinuit mi aine ! 
da smait he nii med 'n staine. 
Nam ik muinen widden stok, 
höww'k en üawer dän kfilen kop, 
raip ik fedder Jäkop. 
Fedder Jäkop soll 1 mi sträu Bammeln, 
Sträu wok de muüsken glbcn. 
muüsken soll' mi mialke gTben, 
mialke wok nam bäcker bringen, 
bäcker soll' mi stnüdken backen, 
stuüdken wok de kätkeu glben, 
kiitken soll' mi muüi'e fangen, 
muül'e wok dän riiüeii gTben, 
ruüe soll' mi däiwe fangen. 
däiwe wok an'n galgen hangen. 
Pappa soll mi pännink gTben, 
pännink wok de briut gTben, 
b riut soll' mi kriut gTben, 
kriut wok de mamma gTben, 
mamma soll' mi tidken gTben. 
Dan wok Bingen. 



Wortregister. 



8* 



Wortregister. 



Die Zahlen beziehen sich auf die Buchseiten. Wörter ohne 
Zahlen wurden nachträglich aufgenommen. Die mit einem Stern (*) 
bezeichneten Wörter sind im Anhang I. besonders behandelt. 



ädder=oder 55. 

adderkiln, f.=Verbindungskette am 
Pfluge 6, 55. 

äder, f.=Ader 18. 

Idräügich=verdriefslich 17, 29. 

af=von, ab 6, 51. 

äfäkstern=abhetzen 11. 

afbrüöke, m.— Abbruch. 

afdak, n.=Remise G. 

äffe, f.=der Buchstabe f 51. 

äffen=foppen, anführen 51. 

aflängen=jem. einholen. 

äfpiulen=absuchen, abnagen , ei- 
nen Knochen 29. 

afräien— aussondern,dasUnbrauch- 
bare 96. 

afrackern, sik=sich abschinden. 

aftoeken^ablocken. 

afuüdern, sik=sich zwecklos ab- 
mühen. 

äch!=ach 12. 

ächelken, n.=Blutegel 77. 

achter=hinter, hinten. 

achterfot, f. der Hintere 10, 40. 

achterkamsel, kämerfak, n.=der 
bewohnte hintere Theil des 
Bauernhauses. 

achuilen=essen (jüd.) 67. 

ai!=ei! 23, 83. 

äie, f.=Ehe 25. 

äigen=eigen, absonderlich. 

äigen, sw. v.=verdienen, zukom- 
men 25, 98. 



äich, n.=Ei 25, 68. 

äikappel, m.=Gallapfel. 

äikbäum, m.=Eiche 25. 

aik, aikern, n.=Eichhorn 23, 77. 

aikern, sik-=sich freuen, mit Ge- 
berden. 

aimern=mit Händen und Füfsen 
streben 98. 

äine=eins 80. 

äinerwiagen=irgendwo. 

äins=:eins, einerlei, mal äins= 
einstmal. 

äirdägs=vor Zeiten. 

airl'k=ehrlich 24. 

airn, f.=Erde 44. 56, 76. 

airn=irden. 

airst=erst. 

airtruik, n.=Erde 44. 

aifen , sik=sich fürchten 24, 64, 
96, 99. 

äisk=hässlich 25. 

äisken=fragen. 

äit, m.=Eid 25, 55. 

aitappel, f. u. m.=Kartoffel 56, 78. 

äiwelt— einfach 47, 52. 

aiwich=ewig 52. 

ajäs!=:pfui! 6. 

äk, m.=Geschwür am Finger 17. 

äken=wiederkäuen. 

äcker, f.=Eichel 11. 

äckernkamp, m.=Eichengehölz. 

äckernschiarsel, n.=Maikäfer 77. 

äkse, f.=Axt 11, 64. 



118 



:'il, m.=.Iauche 17. 

;.l. m.=Aal 17, 18, 42, 72. 

al=8cboii 12. 

alaine, adj.: allein 23. 

alair=ehedem. 

all&ürn, pl.=Holunderbasch. 

alle, adj.=alle; Alle suin=all sein 

so. 
;111ens=alles. 
aller, n.=Alter 12. 
alter, n.=Altar. 
äluiwich=leer im Magen 18. 
älwer, f., älwerken, n.=Erdbeere 

11, 43, 48, 52. 
alwernr=albern 42. 
am, m.=Athem 18. 
am. m.=Ahrenspitze 18. 
ämern, pl.=Funken in der Asche 

17. 
ämes, ämäs, f. u. n.=Mittagessen 

17. 
ämme, f.=der Buchstabe m. 74. 
Amruijje=Anne Marie 47, 68. 
arat, n.=Amt 45. 
amt, äwent, m. Abend 17, 52. 
anbucken=den Kopf anlehnen, 
äne, äune, öne=ohne 18, 19. 
anfern=antworten 9, 47. 
angel, f.=Angel. Stachel, daher 

granne, Fischgräte ; Hang, Ten- 
denz, Art 47. 
anglben, sik=wachsen, vom Winde, 

von jungen Bäumen. 
anken=ächzen 6, 95. 
anne. an=an . annen hiufe— -im 

Hause, däanne , dääne=darin 

9, 15. 
annewäien, f-=Ackerrand. 
ansna\Y\ven=anschnauzen. 
änt, n.=Ente 14, 37, 74. 
äpe, f. u. m.=Affe 49, 74, 75. 
appel, ni.=Apfel 77, 92. 
ärbtüden=arbeiten 94. 
arm, m.=Arm 77. 
ärm=arm 37. 
ärn, f.=Arnte 19, 44. 
*äroeder, m =:auf einem Edelgute 



der areode, Besshafter Arbeiter 

1!». 45. 
äs. m.= Arsch 18, 20, II. dl. 
as, n. = Aas, fast nur als Seh. 18. 
asse, f.=Achse 60. 
alle, &f=SOwie 3, 9, 43. 
ässe, f.=der Buchstabe s 74. 
asstd, f.=Achsel 60. 
äuge, n.=Auge 4, 27, 63, 77. 
äuk, ak— auch 27. 
äulske, f. = die Alte 42. 
äult^ralt 9, 12, 27, 28, 4L'. 79, 83. 
aar, n.=Ohr 28. 
äur'cb=artig 55. 
äurnt, m.=der Tauber 28, 72. 
äurt, ärt, f. Art 20, 28. 
äustern, n.=Ostern 27. 
äwe=ab 9, 15, 53. 
äwel=eklig 15. 
äwuifich=albern 18. 
awwekät, m. = Advokat 52. 
äwwer=aber 12, 13. 
awwetäike, f.= Apotheke 52. 
babbe, m.= Vater (nur scherzweise), 
bade, bäe, f.— Förderung, Nutzen 

15, 55. 
baden, bäen— nützen 96. 
bäen, sik=baden 15, 54, 96. 
bät'ken, n.=das Beffchen 11, 51. 
bäi(h'=beide 55. 
baidel, m.=Meifsel 26. 
bäien, stv.— bieten 26, 27, 40, 

55, 91. 
bäigen, stv.=biegen 25, 26, 27, 

38, 91. 
bäijjen, to=zu zweien, alle beide, 
bäijjernr^beiern, läuten 68, 98. 
bäin-braen, f.=Wade 18. 
bair, m.— Bär, Eber 24. 
bäir, n.=Bier 26. 
bäist, n.=Bestie 77. 
baistmialke, f.=Biestmilch 24. 
bäiwer, f.=Heidelbeere. 
hak. m.=der Oberleib mit den 
. Armen, en bakful=eine Tracht, 

ein Armvoll 6. 
backen, st. v.=backen 6, 89. 



119 



bäcker, m.=Bäcker 77. 

baks, n.=Backhaus, Häuschen 65. 

balch, bailich, m.=Balg 43, 03, 
67, 73. 

bälgen, pl.=Windbälge der Orgel 
42, 73. 

balken, m.=l) der Balke, 2) Haus- 
boden 75. 

ballern=hart schallen 42, 98. 

balreofe, f.=Klatschrose. 

Bals=Balthasar 42. 

balstrich,balstuüVch=läppisch,un- 
gestüm 42, 60. 

bälter,m.=jungerBaum,Knittel 1 1 . 

bämeoer, f.=Wehemutter 17. 

bannigen— bändigen 98. 

bans, m.=kleiner Bube 50. 

banteske, f.=gemeine Esche 49. 

bantwuien, f.=Salweide 49. 

barbärsk=mai'slos 19, 44. 

bärk, n.=Baumrinde 44, 73. 

bärsk=barfufs 19, 44. 

bäs, m.=der Barsch 44, 61, 72. 

bäs, m.=der Beste, Meister. 

bäfeln=wüthig oder doch unbe- 
sonnen vorwärts gehen 98. 

basse, m.=Schwein 60, 75. 

bassen, stv.=bersten 6, 10, 13, 
45, 60, 86. 

bat, n.=Bad 6. 

bätken, n.z=liederliche Dirne 57. 

batse, f. u. m.=Hinterbacken 6. 

bäügen=beugen 12, 25, 63, 67, 
100. 

bäule=bald, beinahe 27, 28, 47. 

bäum, m.=Baum 4, 28. 

bäune, f.=Bohne 27. 

bäurn, f.=die Barte 28, 56, 76. 

bäurt, m.=Bart 20, 28. 

bäüfe=zornig, böse 29. 

bauten, f.=Laub derGarbenfrüchte. 

bedär'n, sik=thöricht handeln 96-. 

bedbuür'n, f.=die Zieche. 

beddesträu, iufer läiwen frübben b. 
=wilder Thymian. Am 1. Mai 
ins Bett gelegt, damit die Flöhe 
nicht hineinkommen 73. 



bediar\vet=in Noth 36. 

bedingen, stv.=bedingen 86. 

bedräigen, stv.=betriegen 26, 27, 
31, 35, 40, 91. 

bedrüeleln=betäuben 40, 99. 

beduüen=bedexrten 8. 55, 100. 

bedwoelen (sik)=sich verirren 34, 
97. 

beempten. „se süt sau beempten 
üt"=sie sieht so hochmüthig, 
zimpferlich aus (Schildesche). 

befialen, stv.=befehlen 11, 28, 34, 
36, 86. 

bek, m.=das Maul. 

bokliben , stv.=anschlagen (von 
gereiserten Bäumen) 90. 

bekloekern, sik=sich belehren 98. 

bekruigen, bekuomen, sik=sich 
erholen. 

belt, n.=Bild 9, 42, 56. 

benoewet=unwohl, ängstlich, be- 
kümmert 52. 

beok, n.^Buch 2, 33, 34. 

beok, n.=die Buchecker(n) 34, 73. 

beort, f.=Bord 34, 35. 

beofem, m.=Busen, daher Rauch- 
fang 33, 44. 

beschuatennot=Muscatnuss. 

beschuht, m.=Zwieback 31. 

bessern, m.=Besen 45, 60, 78. 

bestrTens=rittlings. 

beswoegen= 1) ohnmächtig werden, 
2) beseufzen 34, 97. 

bet=bis, wieder 9. 

betälen=bezahlen 14, 96. 

betiamen=l) wagen, 2) bet. laden 
=zufrieden lassen 37. 

betüenen=bestricken 40. 

betünteln=bestricken , betriegen 
13. 

bewandnisse, f. Bewandnis 60. 

bewiagen, stv.=bewegen 11, 12, 
34, 35, 37, 87. 

biadeln=betteln 36, 56, 99. 

biader=besser 37, 55. 

biaen=beten 36, 97. 

biarch, m.=Berg 37, 44, 63, 67. 



120 



bidden, stv. bitten 6, 10, IM. 55, 

55, 56, 87. 
bidderste, nich dat=nich1 das ge- 
ringste 56. 
bieden, d. das Bischen 55. 
bieke, f.- Bach :;:.. 74. 
biefebäum, m.=der Wiesbaum 35, 

53. 
biete, m.=Biss 35. 
bichten=beichten. 
bick&s, m.=Wolf, vom Reiten. 
bicken=pickeD 95. 
*bil, m.=Sdinahel 72. 
bihangen, f.=Schnabelzange. 
binse, f.=Stirnbinde der Frauen 

46, 76. 
blrke, f.=Birke 19, 20, 35. 
blfe, f.=starker, kurzer Hegen 76. 
bisst n, biffen=wild umberrennen 

7, 95. 
bisse\ventke,f.=Mädchen. das gern 

ausbäusig ist. 
binde, beode, f.=Bude 29, 34, 55. 
binden, büten=draufsen 17, 29. 
bink, m.=Banch 29. 
binr', m.=Bauer 30, 76. 
biustern=bumsen 99. 
blwen, blwern=beben lö, 96, 9S. 
blwerken (aucb i), n.=Heidelbeere 

7, 15. 
blaf, blaw=blau 52, 53. 79. 
bläue. f.=Kind (Seh.) 15, 63, 74. 
blak, n =Tinte 6, 65, 73. 
blakstairt, aucb blikst.=der blol'se 

Hintere, 
blanksmet, m.=ein Käfer 9. 
blärren=plärren 49, 96. 
Malen, stv.=blasen 12. 25, 35, 

93. 
blat. n.=Blatt 37. 
bläut=blofe 27. 
bleodich=blutig. 
bleoen=bluten 33. 54, 96. 
bleot, n.=Blut 33. 
bleome, f.=Blume 33. 
' Messe, -en. f.=\veiiser Stirnlieck. 

Stirn !), 76. 



Messen, pl. Stränge ungebundener 

Ilaare. 

Messm einen Baum „lachen . 
blieken=bellen 35, 13, '.»7. 
buk. n.=der entblöfste 1 1 int» 

17. 73. 
bloemen, ferbloemen =trüben, ver- 
blümen 97. 

blojjen=:blüben 10, 68. 

blom=trübe, von lebmigem Was- 
Ber 49. 

bluiben, stv.=bleiben 10, 16, 24, 
52, 89. 

bluieli. n =Blei 68, 69. 

blnijjert, m.=:die Bleibe 6 S . 

bluiken, stv.=bleichen 90. 

bluint=blind 79, 83. 

bluintbeon, n.=<iericht aus Mohr- 
rüben, Bohnen, Kartoffeln und 
Äpfeln. 

böbben. böwwen=bauen 48. 

bodder, f. ; als Neutrura=das But- 

• terbrod 78, 92. 

boeden, boeen=heizen; besprechen 
z. B. „de reole b. a ; stillen, aus- 
bessern, büfsen 11, 31, 55, 56, 
58, 100. 

bohai, westl.-hd. böhe, n.=Lärm, 
lärmende Festlichkeit. 

bollen. m— Knollen, Hinterbacken 
75. 

bolse, m =Kater 11, 75. 

bolsenbrät, n., scherzhaft für 
„binse". 

bolwiarken=hart arbeiten 69. 

bössen=bürsten 13, 44, 60. 

bössen, pl.=die Borsten. 

bost, f=Brust 11, 44. 

bost, m.=Boist 

bräen. m.=Braten. 

braien=breiten 9, 55. 100. 

br&if, m.=Brief 26. 70. 

braigen. m. Gehirn. 

brait=breit. 

bräk=brach 18. 

bräken=braken 15, 96. 

bräke, m.=Ast, Schlagholz 15, 64. 



121 



bracke, f.=l) Jagdhund, 2) Seh. 

für Kind G, 64. 
bräm, ra.=Giuster 18. 
brändäürn, m.=Brombeere. 
brandwäiden, m.=Braudweizen. 
bränne, up de br. smuiden=etwas 

absichtlich nebenbei erwähnen. 
brännen=brennen 95, 101. 
brauen, stv. =braten 12, 25, 28, 

35, 54, 93. 
braufen, briufen=kämpfen, anren- 
nen, 
braut, n — Brod 27, 28, 55, 73. 
bredde, f.=Breite 9, 55, 74. 
breoer, m.=Bruder 33, 54, 77. 
breok, n. u. m.=das Bruch 33, 73. 
briagen, m.=das Gehirn 73. 
briaken, stv.=brechen 11, 36, 38, 

58, 65, 88. 
bricke, f.=Wickelbrettchen 7, 19. 
bringen^bringen 101. 
brink, m.=Hügel, Rand 72. . 
britsen=ruthenstreichen. 
briuken=brauchen 29, 97. 
briufe, f.=Brause 30. 
briut, f.=Braut, junge Frau 29, 47. 
broeen=brüten 34, 100. 
brojje=Brühe 68. 
brom-som, ein Spiel 45. 
brüggem, bruüjjem, brüjjem, m. 

=Bräutigam 14, 63, 68, 78. 
brüggen, f.=Brücke, 76. 
brümber, f.=Brombeere. 
briiöke, f.=Bruch im Holz, Glas 74. 
brüwwen=brauen 52, 95. 
bruiben, stv.=reiben 43, 49, 51. 
bruüen=necken SO, 54, 97. 
buaben=oben 38. 
buae, m.=Bote 38. 
buam, m.=Boden 38, 45. 
buar'n=bohren 38. 
buddel, m.=plattes Fläschchen 8. 
büeker, m.=Böttcher 40, 64. 
büeker, büöker, m.=Keule zum 

Flachsboken; einPrahlhans(Sch.) 
büene, -en, f.=l) oberer Gaumen, 

2) Bühne, Bodenkammer. Wan 



de rogge int der schätbüenen 
kümt=wenn die Ähre aus dem 
Roggenhalme schielst. 76. 

bügel, m.=Bügel 16. 

bucht, f.=Biegung, tor b. krui- 
gen=niederbeugen, unterdrü- 
cken 67. 

buiden, stv.=beifsen 10, 24, 32, 
36, 55, 87, 89. 

buikräm, m.= Abortus. 

buikuomern=zutraulich 10,44, 80. 

buinen, stv.=binden 28, 30, 31, 
32, 86. 

buirbäum, m.=Birnbaum 32. 

buisoekern=einschmeichelnd, hab- 
süchtig 10, 32, 79. 

buisterbän, f.=Irrweg. 

buk, m.=Bock 8, 64. 

bucken=lehnen an jemand 95. 

buksen=stehlen (in die Tasche) 8. 

bullerbäune, f.=türkische Bohne. 

bullem=kollern 98. 

bulst, m.=Wulst 49. 

bulster, f.=Schale der Hülsen- 
früchte. 

bulthäup, m.=Erdhauf 8, 26. 

bulwern=brodeln, Blasen treiben 
42, 99. 

bumpers, pl.=grosse Stücke. 

bunge, f.=ein Fischnetz. 

bunken=schlagen, pochen 95. 

bunken, pl.=?grosse Steine, scherz- 
weise : die Läuse 8. 

bünfel, m =Knirps 61. 

bunt, n.=das Bündel 31, 46, 73. 

buoken=stampfeu 39, 97. 

buorch, bürk, m.=Eber 39, 44, 67. 

Buorchel, Familienname 44, 67. 

buorchpiesk, m.=penis suis ex- 
sectus. 

bürchfässen=frohnen 60, 95. 

bürskop, f.=eine Bauerschaft 60. 

büsse. f. =Büchse 60. 

büffeln, wu£feln=wühlen 8, 49, 
61, 98. 

*but=grob, unreif 8, 79. 

*but, m., bütken, n.=junger Ochse, 



122 



Kuli), dem dir Hörner aus- 
brechen 13. 57. 

buts=sogleich 8, ü». 

butse, £=Bretterhütte, Verschlag 

57. 76. 
buüken=auslaugen :>0. 97 
Buüne=Ortsn. Bünde 81, 46 
buür'n=hebeD 31, 39, 97, 99 
bttürunge, f =IIebung, Hausrich- 

tung 7 I. 
däf— taub 12, 51. 
däf. (law. m.— der Thau 53. 
däftich— gediegen, kräftich 51. 
dach, m.=Tag. „for'n dach krui- 

gen u =„zu Tage fördern'', fan 

däge, düe=heute 13, ü3, 72. 
däch=doch 12, 07. 
dächt. m.=Docht 1 1. 
dachter, -der, f.=Tochter 12, 67, 

77. 
däif, m.=Dieb 26, 51. 
däil, ra. und n.=Thei] 72. 
daimsk=8chwindelig , engbrüstig 

24. 
däinen=dienen 26, 46,57,96, 100. 
däipe=tief 26, 49, 80. 
däipte, -de, depte, f.=Tiefe 9, 58 
*däir, n.=Dirne, nur als Seh. 

..dumme däir a ! 26, 78. 
*däir'n=(ein Kalb mit Milch) auf- 
füttern 2G. 98. 
daiweruijje, f.=Dieberei 45, 68, 

74. 
dajjen=aufthauen 68, 95, 99, 
däken, „dat kaum däket"=das 

Korn legt sich (vom Regen). 
däl, n.=Hof-, Kampthür !4, 73. 
däl=herunter 1 4. 
dammeln=tändeln, auch adj. dam- 

melich=dämelig 98. 
damper, adv.=sehr, tüchtig 45. 
dannen, f.=Fichte. Tanne 76. 
dansen=tanzen 46. 
där=da 11. 81. 
därin=hinein 79. 
dasken, stv.=dreschen 6, 11, 13, 

45, 60, 86. 



daspen, f.=Trespe, Lolch 6, 44, 
L5, 56, 60. 

(laude todt 9, 54, 80. 

däue, m.=der Todte 54. 

däur da, dort 28. 

däürn, m.=Dorn. 

däut, m.=Tod 27, 57, 73. 

däwwen=thauen 6v 95« 

de, dai=der 82. 

denken=denken 67, 101. 

den, denne— her, weg, wädenueV 
—woher ? wä sc fan denne was 
=woher sie stammte 9. 

denst, m.=Dienst, de denste=die 
Dienstboten 9. 

deok, m.=das Tuch. 

*deolaim, m.=Tonlehm. 

deon=thun, en kruüs deon=ein 
Kreutz schlagen ; fan dinem 
deon=von gleichem Alter. 24, 
27, 33, 54, 57, 94, 101. 

deor, n.=das Thor 78. 

diagen, m. = Degen 36. 

dial, f.=Tenne 36, 75. 

diarm, m.=Darm 37. 

dibbern— schwatzen (jiid.) 48. 

diele. f.=Diele 35. 

diene, f.=Thal 74. 

dTgel, m.=Tiegel 15. 

dich, m.=Gedeihen 17. 

dich=gedeihend 72. 

dicke, adj.=dick, stark betrunken, 
'ne dicke stunne 17, 72, 80. 

dingen; stv.=dingen 86. 

dinges. n =Dingelchen 74. 

dingesdach, m.=Dinstag 47. 

dink. n — Ding 47. 74, 77. 

dir, n.=Thier 20. 

dTit, n.=Unthier 20. 

diu, du=du 6. 

diuwe, -ben, f.=Taube 48. 

diuduifsel, f.=sonchus olerac. Sau- 
distel 29, 53. 

diuf, m.=l) Bund (Stroh), 2)penis 
29. 

diugen, dügen, däugen=taugen 12, 
27, 100, 102. 






123 



diuk, m.=knollige Anschwellung. 

cliuken, -pen, st. u. sw. v.=tau- 
chen 29, 91. 

dium=8chwindelig 45. 

diume, m.=Daumen 29, 75. 

dius, n.=das Ass. 

diuwuoken . pl.=Ackerschachtel- 
halm, equisetum hiemale 29. 

dobbel, m.= Würfel 10. 

dobbeln= würfeln 48, 98. 

docke, f.=l) Puppe, 2) Kuhname. 

dolse, f.=Puppe 42. 

donne— gespannt 10, 40, 80. 

donnerdach, m.=Donnerstag 78. 

donnerläuk, m.=Donnerlauch. 

dop, m.=l) Kreisel, gewöhnlich 
pindop, 2) die (halbe) Eischale 
10, 72. 

dopk, m.=Eidop 65, 72. 

döpkenspieler,ra.=Taschenspieler, 
Schwindler. 

döppen=aushülsen 95. 

dort, m.=ein Ausdruck beim Sau- 
hütespiel. Bedeutung dunkel. 

dössen=dürsten 45. 

doste (sik)=wagte 10, 102. 

dracht, f.=Tracht. 

dräigen up , sik=;sich verlassen 
auf 91. 

draich, m.=Drehung 69. 

Dräijjen=Ortsn. Dreien 68. 

dräins=dreimal, 

dräisk==:brach, davon de draisken, 
m.=das Brachland. 

drajjen=drehen 68, 95. 

dräke, m.=Enterich 15. 

dräkrich=schnmtzig 64. 

dränerich— saumselig. 

drank, m.=Spülicht. 

drap, m.=Zufall. 

dräs,m.=Niederschlag von Oel etc. 
immedräs=die Drusen von Ho- 
nig und Wachs. Wird gegen 
Halsbräune angewendet. 

drät, m.=Draht. 

dräue, adv.=schnell 28, 54. 

dräum, m.=Traum 27. 



dräümen=träumen 12, 28, 100. 

drawweln=zöckeln, zaudern 52,98. 

dreofsel, f.=Drossel 34. 

driagen, stv.=tragen 33, 35, 37, 
63, 89. 

driapen, stv ^treffen 11, 34, 36, 
38, 50, 88, 89. 

driefen=tröpfeln, fein regnenö 1,97. 

dringen, stv.=dringen 6, 13, 67,86. 

drinken, stv.=trinken 13, 86. 

driuf, m.=untersetzter Kerl 29. 

drius, dreos, m.=der Teufel, „dat 
di de dreos \ u auch „dat di de 
ses diusent!" — Eigentlich „Pest- 
beule"? 

drübben, m.=Tropfen 13, 45, 4b. 

drübben=tropfen. 

drüeben=dürfen 40, 44, 49, 51, 
52, 53, 102. 

drüedeln=säumig sein 99. 

drüemel, drüömel, m.— aus Garn- 
fäden gedrehte Schnur 40. 

drüemeln (uö)=dick spinnen, in 
die Länge ziehen 98. 

druffel, drubbel, m.=Schaar-.Menge 
8, 51. 

drüge, dräüge=trocken 17, 29,80. 

drügeldeok, m.=Handtuch 43. 

drügen (ü)=trocknen 67, 96. 99, 
100. 

druibäin, m.=Dreifufs 80. 

druibastich=zähe 32. 

druiben. druiwen, stv.=treiben 16, 
24. 34, 45, 48, 51, 70, 89. 

*druihäürch=trotzig, borstig, hart 
28. 

druiste=dreist 83. 

druk suin. dr. häbben=mit Ge- 
schäften überhäuft sein. 

drüwwen, drüggen=drohen 52, 64, 
95. 

duaer, m.— Dotter 38. 

duarp, dfirp. n =Dorf 37,38, 44,50. 

duarte, f.=»ltes Weib (Seh.) 38. 

düenen=häufen. 

duffert. m.=der Tauber 51. 

dügede=i=taugend, brav 16, 54,99. 



124 



duiger=sehr. 

duihen, duijjen, Btv. gedeihen, 
deihen, 8, 16, 24, G8, Gl». 90. 

duik. m.=Teich. 

dllin— -dein 81. 

duifsel, f.; Distel 59. 

(hülsen, dissen, f.=die Dachse 60. 

duifsen, f.=Deichsel 59, 76. 

duiwisk=schwindelig (hd. sich 
„diebisch" freuen). 

duks, m.=l) Gefängnis (scherz- 
haft), um Diepholz „Winkel", 
2) dummer Junge (Seh.) 7. 65, 73. 

dul=toll 8. 

dullen=faulen !>5. 

duls, m.=Beule 8, 56. 

dum=dumm 45, 00, 79. 

dümke-forman, m.=das Reuterlein 
(im grofsen Bären) 34. 

dumpen=sticken 8, 95. 

düude, f.=I)ünnigkeit. 

dünje, -en, f.=Schlaf am Kopf 
13, 69, 70. 

dünken=dünken 95, 101. 

dunnerjetken ! ein Fluch 9. 

duok. m.=Beule 72. 

düödel, m.=Stummel, penis 40, 54. 

duormel, m.=der Dusel 44. 

dür, f.=Dauer 20. 

dür'n=l) dauern, 2)Mitleid erregen 
20, 90. 

düffe, düsse=dieser 13, 14, 00.82, 

du£feln=duseln 98. 

dülTetwiagen— deswegen 82. 

dustholt, n.=Unteiholz. 

dutk, m.=Verschlag, Alkoven 57. 

dutten, inne d. gäun=enzWei ge- 
hen, bes. bildlich ; holsteinisch : 
en dut=enzwei. 

duüker, m =Teufel (in Flüchen) 30. 

duümsk=<luseli" 

duür, f.=Thür 31. 74 

duür=durch 31, 39, 09. 

duür=theuer 31, 50. 

duür de, f.=Theuerung 31. 

duürnajjen=durchtrieben 57. 

duürnui!eln=durchsehnüffeln Gl. 



duiister düster 30. 

duüt — tüchtig, brav ,s0. 

duütsk=deutsch, treuherzig 30, 57. 

duüwel, m. Teufel, auch dreos, 
duüker. krambairnt genannt 30. 

duwwelt=doppelt 52, 

dwiar=quer. 

dwintwilsk=schwindelig 50. 

efa, m.=Epheu 18. 
Egge, f. =Ber grücken, auch Berg- 

Bchlucht 03. 
elk, ellenbut, ro.=Iltis 9, 42, 72. 

eller, f.=Erle 9, 42. 

emmel. m.=Mehlthau. 

emmer, m.=Eimer 48. 

empten, empel=empfindlich in Be- 
zug auf Reinlichkeit, Ordnung. 

en, ent=und 9, 58, 80. 

enge=eng 80. 

Engerraaine, ein Markttag in En- 
ger 04. 

enkel, n.=das Enkel 9, 78. 

ens=einmal, einst 00. 

ent, m. ü. n.=der Kopf eines Ge- 
genstandes 57, 72. 

eolf. m.=das Wühlen, „sinnen eolf 
häbben a =im Voilenieben 53,72. 

eort. f. = Ecke 74. 

*eoschäle, f. = Bachauster schale 53. 

Eoi'enbrügge=Osnabrück 34, Gl. 

eower, n.=Ufer 33, 78. 

esk, m.=ein Esch 9. 

et=das 82. 

et=es 81. 

fäer, m.=Vater 15, 37, 54, 77. 

faggeln=fackeln 63. 

fachten. stv.=fechten 86. 

faige=dem Tode verfallen 23. 

faih, n.=Vieh 25, 73. 

fajjel, m.=Fehler. 

fajjeln=fehlen 68. 

failt, n=Feld 24, 42, 56, 

fäiwer, n.=Fieber 25. 

fäken=.oft 15, 50, 64, 65. 

fakwiark, n. =die Fächer der Wand 
6, 65. 

fafcfalb 14. 



125 



fallen, 8tv.=fallen 6, 9, 11, 13,92. 
falsk=falsch, treulos, böse 42. 
fäm=Faden 17, 37, 47. 
fämeltüeten, pl.= Fabeln 40. 
fan äir=früher, ehemals 6. 
fangen, stv.=fangen 6, 9, 63, 92. 
fäntken, m.=Bursche, „bis en ned- 

den fäntken« 11, 47. 
fär=fern. 
fär'ch— fertig 56. 
färn, n.=Farnkraut 19. 
färts, färtens, fättens=sofort 20. 
farwe, f.=Farbe 44. 
fäfelswuin, n.=junges Schwein 15. 
fäsk, in. = Vers 44. 
fast, n.=Dachfirst 6, 44, 73. 
faste, adj =fest 6, 59, 80. 
faste, adv.=stark, sehr 11, 60. 
faulen, stv.=falten 27, 92. 
fedder, . m.=Onkel, Vetter 9. 
felgen=wenden, pflügen, graben 

42, 50. 
fellers, pl.=Pellkartoffeln. 
feot, m.=Fufs 33, 34, 72. 
ferbiargen, stv.=verbergen 19, 20, 

86. 
ferblikst=verblitzt, verflucht ! 
ferbuistern=verbistern 98. 
ferdiarben, stv.=verderben 19, 20, 

37, 39, 86. 
ferdräiden, stv.=verdriefsen 27, 

28, 40, 91. 
ferfuiren, sik=erschrecken 32, 96. 
fergieden, stv.=vergessen, et fer- 

git mi=ich vergesse 6, 11, 24, 

27, 81, 87. 
fergnoeget=vergnügt 79. 
fergüffelt=durchwühlt , verwirrt, 

erschreckt 66. 
ferhaftich=wahrhaftig 51. 
ferhakstücken=verarbeiten, durch- 
schwätzen 96. 
ferhiagen=aufbewahren 97. 
ferhiagen, sik=sich verstecken 37. 
ferhialen, stv.=verhehlen 11, 34, 

36, 38, 86. 
ferhuüen=verstecken 100. 



ferjägen, sik— erschrecken. 

ferklicken=l) verachten, 2) ver- 
geuden 7, 95. 

ferkluomen, ptc.=er starrt, steif ge- 
worden von Gicht oder Frost 

39, 88. 
ferkünnigen=proclamiren 98. 
ferläden=albern 18. 

ferläil'en, stv.=verlieren 26, 31, 

40, 44, Gl, 91. 
ferläüf, m.=Urlaub. 
ferlieden=vergangen,letzthin55,90. 
feiiuüs, n.= Verlust, das Verliefs. 
fermoeden, „dat was'k mi nich 

fermoeden"=das vermuthete ich 
nicht 100. 

fermukt != verflucht ! 8. 

fernien, ferniens=neulich 35. „dat 
sen'k mi nich fernien fan dui" 
=das lasse ich mir von dir 
nicht gefallen. 

fernuin. m.=Eiter, Hass. 

ferpaifen, sik=sich „verprassen", 
die Trommelsucht kriegen 24, 
55, 96. 

ferquackeln=vergeuden. 

ferruaten=verfault, „enf.appel"92. 

ferrükt=verrückt 64. 

fersäget=verzagt 59. 

ferschielt, et=es macht einen Un- 
terschied. 

ferschrecken , stv. = erschrecken, 
intr. 10, 27, 86. 

ferstiuken=verstauchen 97. 

*fertäget met, tohäupe=eng be- 
freundet mit, zusammen 15,63. 

fertaiwert— verirrt. 

fertellen=erzählen 42. 

fertelsel, n.=Anekdote, Neuigkeit. 

fertiaren=verzehren 97. 

fertoer'n, sik=sick erzürnen 47, 97. 

fertüedern=verwickeln 40, 55. 

fertuijjen=verstören (ein Nest) 54, 
68. 

ferwoemsken, adv. „dat dai gans 
ferwoemsken wäi=das that sehr 
weh. 



rji; 



ferwoemt, „et es en gana ferwoem- 

tcn kärl*=ein „höllischer 6 Kerl, 
ferwuiden, stv.=venveisen. tadeln 

24, 90 
fetmiinken, m.=Engerling 78. 
fi, wi, wui=wir 51. 
fingert, m.=ein „Feger" 58. 
Ba'r, f.=Feder 36. 
Barken, liarkel, n.=Ferkel 37. 
fiarwen=färben 37, '.)7. 
fiafe, f.=Faser 74. 
tial'erlink, in.: Schmetterling 36. 
tiel=viel 35, 83. 

t'ik, fik !=Locknif für Schweine Ki. 
tirkel, n.=Ferkel. 
filier, m.=Schinder. 
finnich käult=bitterkalt 46. 
fipseln=mit Marmeln Bpielen. 
liskblat, n.=potamogeton 60, 7 Li. 
tis|)eln=rlistirn. 

fiase, m.=feiner Flachsfaden 60. 
fissel, f.=Fistel 59. 
Utk, m.=Fittig 65. 
fitken, n.=£twas 7. 
litse, f.=Theil der Thürangel 
fitsen=mit Ruthen streichen 57,!>M. 
nul=faul 29. 
ilage, f.=Schicht 50. 
Mächten, stv.==fleehtcn 86. 
ttaiden, stv.=rliel'sen 26,27,40. 91. 
lläigen. stv.^fiiegen 17, 26, 27, 

35, 67, 91. 
fiaimern=schmeiclieln 24, 98. 
fläisk, n.=Fleisch 25, 60. 
flammen=schlagen, prügeln. 
flännern=laxieren. 
flas, n.=Flachs 59, 60, 73. 
flasbäude, f.— die Garbe Flachs 28. 
Maske, f.=Kürbis. 
flasmäppel, m.=Hänfling. 
flässeu=flächsern . 
rläu=unwohl, vor Hunger 50. 
tiauh, f.=Floh 27, 74. 
fläut=Mach, seicht, 
fläwe, rlärre, f.=WeidenbastMüte, 

-pfeife 15, 74. 
fleom, m.=l) Fett der Gänse, 



Schweine, 2) trübes Wasser 33, 

72. 
fleot, f.=Fluth; ümfleot, f.=Ne- 

benbett eines Baches 33. 
Met, n.=Raum um den Heerd 

herum. Mindiscli i. j. 1789. Noch 

lebendig ? 
tl ia gel . m . =1 )reschflegel . 
Hiagelmius, f =Fledermaus. 
tlir'n. pl.=Launen 20. 
ilitselmagen, m.=Armbrust. 
Minsk, m.=Flausch; witfliusk, m. 

weiXshaariger -hinge (Seh.) 60. 
floedeu=flöten 58, 100. 
floeken=fluch'en 11, 50, 58, 64, 

100, 101. 
tioemen=triiben 34. 
rlot, ra.=Rahm 72. 
Hüakst er ich— flatterhaft. 
fludderich=flatterhaft. 
flüede, f.=Quellbaeh 40, 74. 
flüede, Müode, pl.=Rhenmatismas 

40, 73. 
flüchelken, n.=Schmetterling 77. 
flucht, f.= l) die Flucht des Spinn- 
rades, 2) Vogelschaar 67. 
fluijjen=pntzen, schmücken 58, 96. 
flürk, m=Flügel. 
födder=fürder 44, 55. 
föddern=f ordern 13, 55, 98. 
foelen=fiililen 11, 100. 
föern, feoern=füttern 33, 54. 
foeern=fahreu. 
*fÖgesman, m.=Ehevermittler 19, 

63. 
folgen=folgen 57, 69. 
folk, n.=Volk, Volk Rebhühner, 

de fülker=das Gesinde. 
föllen, feolen, n.=Fohlen 34. 
fürman, m.=Fuhrmann. 
for=für, vor 50. 
fos, m.=Fuchs 60. 
fosswans, m.— Fuchsschwanz, Alo- 

pecura. 
fosper, f.=Fuisspur 58. 
fotse, f.=cunnus 10. 
fragen, stv.=fragen 18, 28,35,89. 



127 



frach (ä ?)=frisch, frank, keck 18, 

67. 
fräii'en, stv.=frieren 14, 26, 27, 

40, 61, 91. 
fräifen, pl.=die Frieseln. 
fräisk=friesisch 26. 
frangen, sik=sich balgen 51, 95. 
Franseofe, ni.=Franzose 33. 
fräuh=froh 28, 69, 80. 
freo, froe=früh 33, 34. 
friaden, stv.=fressen 69. 
friae, m.=Friede 36, 54, 73. 
frojjen, fröwwen, sik=sich freuen 

52, 68, 95. 
frübben, wwe, frugge, f.=Frau 

52, 64, 69, 76, 77. 
fruich=frei 50. 
fruijjen=freien 96. 
fruiwiarwer, m.=Brautwerber 53. 
frünt, fruünt, iii.=Freund 14, 31. 
früntlik=freundlieh 79, 80. 
früömt=fremd. 
früsminske, n.=Frauenzimmer 53, 

74, 77. 
fuaget, m.=Vogt 50. 
füar, for, adv. u. praep,=vor. 
fuar, f.=Furche 28. 
fuar', -r'n, f.=die Fuhre 38. 
fuddika !=pfui ! 7. 
fudden, pl.=Zeuglappen, Ramsch 8. 
fügel, m.=Vogel 16, 17, 38,40,78. 
füchten, f.=Kiefer, Fichte 76. 
fuiksebäune, f.=Vitsbohne, pha- 

seolus vulg. 64. 
fuikstäken, m.=Bohnenstange. 
fuilen=feilen 96. 
fuilte, f.=das Feilsel 74. 
fuinen, stv.=finden 28, 30, 32, 46, 

55, 57, 69, 86. 
fuint, m.=Feind. 
fuir, f.=Feier 32. 
fuirkeoh, f.=altinilehende Kuh 32. 
fuir'n=feiern=44. 
fuist=ekel. 
fuk, m.=Passlichkeit. „dat hat 

fuk." 
ful=voll, viel 8. 



fulhellich=vollblütig. 

♦fülliepel; fülle, f.=Schöpflüfr'el, 

Giel'skelle (ags. ful, n.=Becher) 

76. 
furnmel, f.=cunnus 78. 
furnmeln=betasten 98. 
*füönich=faul, schimmelig 40. 
fuffel, m.=Fusel 8. 
fuürdeok, fuüd. m.=Schürze 44. 
fuür=vorn 50. 
fuür, n.=Feuer 31. 
gafiel, f.=Heu-, Flachsgabel 51. 
gaffeltange, f.=Ohrwurm. 
gäiden, stv.=giefsen 26, 27, 31, 

38, 91. 
gaigel, gäigel, f. =das Zahnfleisch 

24, 26. 
gäijjel, m.— die Geile 68. 
gäijjel=geil 68. 
gäilen, stv.^gelten 7, 14, 26, 28, 

40, 42, 86. 
gairn=gern 24. 

gäifich=bleich (von Gesicht) 26. 
*gäk, jäk, n.=Zierrat (drehbarer) 

am Giebel 12, 73. 
galgen, m.=Galgen 63, 66. 
*gallern=wund hauen 98. 
gans=ganz 46. 
gante, m.=Gänserich 46, 75. 
gask, gäisk, m.=aegopodium po- 

dagr. 18, 60, 72. 
gasse, -en, f.=Gerste 6, 45, 60. 
gasseln=(das Brod) leise anrösten 

98. 
gast, m.=Gast Kind (Seh.) 
gat, n.=Loch, anus, 6, 66, 73. 
gat, a-gat!= Ausruf des Ekels. 
Gät=Gott 12, 13, 66. 
gäun=gehn 7, 12, 14, 25, 101. 
gäurn, m. Garten 28, 56. 
gäurn, n.=Garn. 
gäus, f.=Gans 28, 47, 66, 74. 
gebiaren, stv.=gebären 38, 88. 
gelingen, stv.=gelingen 86. 
gelstrich=ranzig, spröde 9, 60. 
gemäinhäit, f. = Gemeindegrund- 
stück 75. 



128 



gemachte, n.=Genitalien (männ- 
liche) 

gemoede. n. (iciiiütsiirt f>4. 
genäiden, Btv.=genielsen 20. 55, 92. 
gensten, pl. Gegenden, 
geonsdach, jeonsd., jönsd., m.= 

Mittwoch 33, 53, 65, 66. 
geot, jcot, gud, gaut=gut 3, 8, 33, 

15, 57, 67, 6 ( J, 73, 70, 83. 
•gepöbel, n.=Pöbel. 
gest. jest, m =Sauerteig 9, 60, 67. 
gewairen laden zufrieden lassen. 
gewölwe, n.=Gewölbe, 
gial=gelb 36, 66. 
gialgoele, m.=Goldammer 34, 75. 
gialsn&wel, m.=Gelbschnabel. 
giarkämer. f. Heichtkaminer. 
glben, -wen, stv.= gehen 6, 7. 16, 

24, 45, 48, 51, 52, 66, 69, 70, 

-7. 98 
giegent, f.=Gegend 36. 
gienst=bis gegen hin 60. 
giensuit, gients=jenseits 66, 82. 
gient=dort. 

gienten=drüben, dorthin 36, 82. 
gifte, f.=Gabe 51. 
gink, m. =40 Fäden eines Gewebes. 
gissen=muthmalsen 7, 95. 
gistern=gestern 66. 
gisterdach=gestern. 
gTwe, to g.=znr Gabe, geschenkt 15. 
gTwel, m.=Giebel 15. 
glas, n.=Glas 37. 
gläuwe, m.=Glaube (kirchl.) 27, 48. 
glemmen (i), stv.=glimmen 9, 10, 

86. 
gleot, f.=Glut 33. 
gliasker, m.=Glaser 60. 
gliepe, f.=Spalte. 
glium, m.=Feuerhaken 30,66, 72, 
gliupen=tückisch blicken 29, 66, 

99. 
gloenich=rotli glühend 56. 
glojjen=glühen 68. 
gluien, stv.=glciten 24, 90. 
gluiken, stv.=gleichen 90. 
gluikspel. n.=Gleichniss. 



glücke, n.=Glück 73. 
glfimkeholt, n.=leuchtendes faules 

Holz 14. 
glflren=glimmen. 
gluwwe=8charf hörend, sehend 80. 
gnaggen, naggen=nagen 6, 66, 
gnäifen grinsen 26, 96. 
gnftr8k=gnärrig, verdriefslich 19, 

1 I, 60, 66. 
gnatsich=geizig, neidisch 6, 57. 
gnawweln, knawweln (66) = be- 
nagen l(i. 66, 98. 
gneostern=knirschen 34, 6<>. 
gnickern, knickern =knansern 66, 

98. 
gnüadern, nüödern=gnöttern,mau- 

len 39, 66, 98. 
gnüödrich=verdriefslich. 
gnuUcheln=8cbmnnzeln 66, 67, 98. 
goel'e, f. = Kehle 66. 
gönsken=demüthig wünschen, von 

Kindern 53, 06, 99. 
göpse, f.=die hohle Doppelhand 13. 
görde, f.=Grütze, göttequern, m. 

Grützehandmühle 20, 39, 44, 

45, 66. 
graben, stv.=graben 15, 27, 33, 

35, 42, 48, 88. 
graf, n.=Grab. 
gr&f=grob 12, 38, 39. 
graf, m.=Graf 18, 51. 
gracht, f.=der Graben, 
graibe, f.=die Griebe 24. 
gräifen. griufen=grausen 26, 96. 
Gräite=Margarethe 26. 
Graiwe, als Hofname, eig.=Bauern- 

vogt 24. 
gralen=grollen, knallen, rollen 18, 

47, 66 • 
gram=l) heiser, 2) gram 6. 
gras, n.=Gras 11, 37, 60, 79. 
gräsbuiter, m. = halbwüchsiges 

Rind, scherzweise: „Presbyter". 
grliut=grofs 11, 27, 79, 80, 83. 
graüde, grädde, f.=Gröfse 12, 13. 
grawe, m.=Graben 37. 
grawweln=grapsen 52, 98. 



129 



griafen, gräfen, stv.=grasen 6, 11, 
33, 37, 83, 92. 

griddich=gierig 44, 55. 

griupe, f=Steckrübe 30, 49. 

griufen=l) prahlen, „etgriufe sä" 
=sie prahlte so sehr, 2) grau- 
sen 97. 

grlwelink. m.=Dachs (selten, wie 
das Thier selbst) 15. 

groen:=:grün 34, 79. 

groesken, f.=Grasmücke 34. 

groeten=grüfsen 97. 

griiggeln, grüjjeln=grausen, gru- 
seln 64, 69, 98. 

gruinen, stv.=weinen 90. 

gruipen, gruiben, stv.=greifen 24, 
36, 50, 90. 

gruis=greis. 

gruisegräite,f.=Buttermilchssuppe 
57. 

gruifegralen=prahlen , peitschen, 
knallen 96. 

grummeln=fernherdonnern 8, 66. 

grummet, f.=Grummet 8. 

grut, ni.=Kies, Schutt 66. 

grüw=grau 52, 53. 

grüwwelik=graulich 52. 

grüwwen, grüggen, sik=sich grauen 
lassen, sich fürchten 13, 52, 95. 

guade, f.=Gosse 55. 

güaweln=sich brechen 39, 99. 

guidel, gädetl, Ausdruck, der etwa 
besagt: Der Verschwender ge- 
räth in Noth. 

guife, to guife glben— zum Ge- 
schenk geben. 

gülden, m.=Gulden 42, 66. 

gum. „o gum, o gum! oh Wun- 
der! eigentlich o Mann! 

günnen=l) gönnen, 2) durch Mund- 
öffnen begehren (zu essen) 13, 
95, 102. 

günfeln=winseln 46, 53, 61, 66. 

güöde, f.=Guss (Regen). 

güölen (üe)=ergiebig sein, „der 
rogge güölt geot." 40, 66, 97. 

güölich=ergiebig. 

Jellinghaus, Grammatik. 



*güsse=nicht milch (Kuh) 60. 

guiide, f.=Giesschaufel, auf der 
Bleiche. 

hä!=pfui 83. 

habbeln=hastig und undeutlich 
sprechen. 

häbben, -wwen=haben 9, 11, 48, 
52, 69, 101. 

häboeken, f.=Hagebuche 64. 

häboeken, adj.=hagebuchen 17. 

*Habütkenlant, n. Scheltw. für das 
Stift Osnabrück , Hundetürkei 
64. 

häf, m.=Hof 2, 38, 39, 48, 52. 

häfk, m.=Habicht. „häfk, häfk, 
kuükendäif ! — hat sin' fäer un 
moein' nich läif!« 15, 51, 65. 

häge, -en, m.=Hecke, Hag 75. 

hägetuls, hägedrül, m.=:Drüse. 

haha!=aha! 6, 83. 

häi, he=er 81. 

häiden, stv.=heifsen 9, 10, 24, 
25, 56, 58, 92. 

häil, häile, adj.=heil 80. 

hain, haien, f.=Hede 24, 54, 76. 

häi'n, f.=die Heide, Heidekraut 
25, 54, 76. 

hamsk:=übelnehmisch 24. 

hair', m.=Herr 24, 76. 

häir, n.=Heer 26. 

Häirm 1 , hd. Heermann, Farn. -Name 
26. 

hair'nk, m,=Häring 43. 

*hairräuk, m.=:Moorrauch. 

hairt, m.=Heerd. 

häifsäpen=heifs athmen, keuchen 
58. 

haister, f.=junge Buche 24, 64. 

häistrich=heiser 25. 

hackelduür, n.=Gericht aus ge- 
hackter Leber und Lunge (ver- 
altet). 

häl, n.— Kesselhaken. 

häl, n.=Loch 12, 73. 

häl=hohl 12, 38. 

hälen=holen 14, 15. 

hali-haleo! Interj. 83. 



130 



hält'ken. n.=ein halber Ort (Hohl- 

mal'si 51, 

hälfte, f. Bälfte 74. 

Halle, de, f.=HaUe i. Westf. 74, 

halm, m.=Halm 42. 

halpen, Btr. :helfen 11, 13, 14, 
42, 86. 

hals, m.=Hals 42, Gl. 

halwe, f.=die Seite 48. 

hälwäch, m.=grofse Landstral'se. 

ham, m.=l) eine Wiese, 2) ein 
Fischnetz 6, 72. 

hämel, m.=Hainmel 37. 

hämer, m.=Hammer 15, 77. 

hamerken, n.=Hummel auch Hor- 
nisse 8, 46. 

hamp, m.=Hanf 4~>. 

hampern=hapern 69, 98. 

hanäirken, fan äir— vorhin, früher. 

hand-iule, f.=Uhle 30. 

häne, m.— Hahn 15, 75. 

hangen (ä), stv.=hangen, henken 
6, 9, 14, 92. 

hilnich, m.=Honig 15. 

hännich=handlich, flink 46, 67. 

happen=schnappen nach 95. 

liappen, m.=Bissen. 

härde, hatte, n.=Herz 19, 44, 77. 

härde, härt=hart, sehr. 

härdel, n.=das Herz des Flachs- 
stengels 19, 78. 

härst, f.=die Horst 44. 

häfe, ni.=Hase 15, 75. 

hasmunt, m.=;Hasenscharte. 

hasten=eilen. 

häuge=hoch 28, 69, 80. 

häuchmeot, m.=Grofsmuth 27. 

häuchstünferken, n.=Stutzer. 

hauch, n.=Heu 67, 68, 73. 

hauchte, f.=Höhe 10, 58. 

Häüjjel, Hoyel, Ortsname 68. 

haujänen=gähnen. 

häulen, stv.=halten 25, 28, 92. 

häup, haupe, n.=Haufe 3, 72. 

häur, n.=Haar 73. 

häür*n:=hören 44. 

häurnk, m.=Hornisse 72. 



häurn. Q.=HoTD 20, "• \. 

hftwer, m.=Hafer 52. 

heffen: :kenchen 51, 95. 

hegge, f. =WaldBaum, Hag 9, 74. 

hecht. n. — daa Bund 73. 

hek. hecke, n.=Pforte, Ilol'thür 73. 

hemstrich=hei8er. 

hengede, f.=Thürangel. 

heorn, f.=Hure ; „heorn un sneorn- 
=Huren und Landstreicher 33. 

heofse, m.=Husten 33, 75, 

heot, m.=Hut 27, 33. 

Heowe. Hufe (Flurname) 48, 52. 

hespe, f.=die Haspe. 

hessen, de bluinen h.=die Brems- 
fliege, Hessenfliege, tabanus. 

hewwen, m.=Himmel, Wolken 
(selten) 9, 52. 

hiakt, m.=Hecht 58, 65. 

hiar=her 36. 

hiarbiarge, f.=Herberge 36. 

Hiargät=Herrgott 37. 

hiark, m.=Hederich , rhaphanus 
raph. 37, 54. 

hiarm, m.=der Bock, Spitzname 
37, 69. 

Hiarm=Hermann; „Hiarmken- 
stairt" als Seh. 36. 

hiarmken, n.=Wiesel 36, 44. 

hiarmstern=prügeln 37, 99. 

hial'el, m.=Hasel 37. 

hidde, f.=Hitze 56. 

hidderich=hastig, bissig. 

hiemde, n.=Hemd 77. 

hiemel, m.=Himinel, auch de lucht, 
selten hewwen 35. 

hiewenschiaet, et=die Sonne steht 
hinter einzelnen Wolken. 

hlger, m.=Heher 15, 63. 

hicken, sik=sich niederlegen. 

hiljenbelt, n.=Heiligenbild 42, 64. 

hille=eilig. 

hille-bille släun, vgl. „stokfisk büc- 
ken". 

hilligen, hilken, sik=sich verhei- 
rathen 8. 

himp-hamp, m.=Hindernis 7, 50. 



131 



hingest, m.=Hengst 7, 63. 
Hinnak=Heinrich 45. 
hinner, m.=Hindernis 78. 
hippe, hitte, f.=Ziege (verächtlich) 

50, 57, 69. 
hlrsk, m.=Hirsch 44. 
hlrn, n.=Gehirn 20. 
hissen=hetzen 7, 60. 
hiuk, m.=das geschwollene Zäpf- 
chen 30. 
hiuken=niederhocken 27, 29, 97. 
hiulen=heulen 29, 97. 
hius, f.=Haus 29, 61. 
hiushäime, f.=das Heim 25, 74. 
hiut, f. = Haut 54. 
hobben, höbben, -wwen=hauen 

11, 48, 52, 95. 
hodde, f.=geronnene Milch 56. 
hoe!=ho heh! 83. 
hoeen=hüten 34, 55, 97, 100. 
hoeke, f.=Weiber-, Trauermantel 

(Kapuze) 34, 76. 
hoenken, n.=Hühnchen 47. 
holläijjen, f.=Allee 68. 
holdduissel, m. hollern, pl.=Stech- 

palme 
holske, m.=Holzschuh 58, 60. 
holster=der Ranzen, plumpe Dirne, 
holt, n.=Holz 58, 77. 
hölten=hölzern 80. 
holt-schraf, m.=Häher 51, 62. 
höltke, pl.=Holzäpfel 72. 
hop, m.=Hüfte, Höcker 10, 50. 
hot un hä=links und rechts 69. 
hüalen=höhlen 39, 97. 
huapen=hoffen 10, 38, 45, 49, 

70, 94, 97. 
hudderich=(zumVerstecken)kalt 8. 
huffen=dumpf bellen 8, 95. 
*hucht, f.=Strauch, Busch 8, 67, 74. 
huigen=keuchen 96. 
huigen, huijen up=sinnen auf 32, 

63, 96. 
huile, f.=die Hilde 32, 76. 
huir=hier 32. 

hulbern=heulen, weinen, 8, 99. 
hülke, f.=Kindermütze. 



hülfe, hülskrabben, f.=Stechpalme, 
Hülse 48, 61. 

hummek, m.=die Hummel 72. 

hümpel, m.=kleiner Haufen 77. 

hünkelbäin, n.=das Kernhaus 13. 

huokepot, m.=irdenes Gefäfs mit 
Kohlen, als Feuerstübchen die- 
nend; auch Seh. für einen wei- 
bischen Menschen. 

hüönsken, hü nsken=besch wichti- 
gen 60, 69, 98. 

hupk, m.=Wiedehopf 8. 

huppe, f.=Pfeife der Kinder aus 
einem Roggenhalme. 

huüen=:verstecken 8, 30, 54, 55, 58. 

huücheln=heucheln 67, 98. 

*huüne, m.=Hüne 30. 

huür'n:=miethen, heuern 21, 44, 97. 

hüwel,m.=l) Hobel, 2)Hügel 17,52. 

iaben, iam=eben 36. 

iadel=edel 37. 

iaden, stv.=essen 24, 36, 37, 56, 
87. 

iage, iagede, f.=Egge 57, 63. 

iagedasse, f.=Eidechse 6, 60. 

iak, m.=Eiter. 

iakster, f.=Elster 37, 64. 

iale, f.=Elle 37. 

iantke, pl.=Ente, Enten, vgl. änt 
37. 

iantkeflät, iantkeblat, n.= Wasser- 
linse, lemna. 

iarfte, f.=Erbse 37, 44, 51, 75. 

iargern=ärgern 44. 

iarwe, m.=der Erbe 37, 44. 

iawai, m.=Epheu 36. 

iefel, m.=Esel 36, 77. 

ichtens— irgend 7, 67, 82. 

ik, icke=ich 65, 81. 

iken=aichen 17, 96. 

Ilsebäin, Ibbäin=Ilse Benedictine, 
nach den Kirchenbüchern 7, 36. 

imme, f.=Biene, Bienenstock 74. 

immedräs, m.=Hefe von Wachs 
und Honig 73. 

imt, n.=Frühstück 7, 45. 

in, n.=das Heim. 

9* 



132 



inbel8k=eingebildet 60. 

inne=zu Baase 9. 

intäch, m.=Qaerholz 12. 

inwürpel, m.=Fen8ter- u. Thür- 
haken zum Verschliefsen. 

Treu, Irr'n=irren 20, 44, 96. 

Irlüchten, f.=Irrrlicht 20. 

iulc, f. Kule 29. 

iulenflucht, f.=die Abenddämme- 
rang. 

iufe=unser 30, 81. 

iut, iude=aus 9. 

iutnajjen— reislaus nehmen. 

iutruaen=ausroden 38. 

iutspuiker, m.=Ausbuchtung 32. 

jagen, stv.=jagen 15, 33, 35, S9. 

jacht, f.=Jagd 67. 

jäidei— jeder 26, 82. 

jäinen, ra.=Reihe von gemähtem 
Gras, so breit als die Sense 
reicht 25, 67. 

jäinen=reichen mit der Sense, 
„wuit jäinen" 96. 

jäiwe, adv. =leidlich, wohl, ziem- 
lich 26, 67. 

jäiwe, gaiwe, adj.= „gesund" 80. 

jäckern=reiten, keck , zum Ver- 
gnügen 98. 

jänen=gähnen, gaffen 15, 67, 96. 

jappen=schnappen 50. 

jas, a jas!=pfui! 

jäu, jä=ja. 

jäur, n.=Jahr 34, 73. 

jäusken=seufzen, ächzen 99. 

jawweln.jobbeln=jaulen 52, 67, 98. 

jemmant=jemand 83. 

jeolen=schreien, johlen 33, 96. 

Jeoljäger, m.=der wilde Jäger. 

jest, n.=Gest 67. 

jibbeln, jibbern=piepen, zirpen, 
zwitschern 67, 98. 

jiddejit!=pfui! 

jidder, n.=Euter 67. 

jie=hm! 35. 

jient=dort 67, 82. 

jichtens, vgl. ichtens 67. 

jippen=piepen von Vögeln 95. 



jiue=euer 29, 30, 57, 81. 
jiuchen— j ächzen 29, ( >7. 
jiwwelich==8chwatzhaft 7. 

joesken, m.~alte Münze, etwa 6 £>. 

juibern, pl.— Johannisbeeren, ribes 
rubrum. 

juimerh==wimmern 32, 67, 98. 

jümmer=immer 67. 

jüö, jüe !=vorwärte I 40. 

jüöche, f.=Brühe. 

jüöken, jüeken=jucken 40, 97. 

just=grade. 

kabben, f. — Kappe 76. 

kabutse, klabutse, kalbutse, f.= 
baufällige Hütte. Zimmerchen 43. 

kadde, f.=Katze 56. 

kädde, f. ^Spanferkel. 

käddeln— langsam kochen. 

kädderich=zänkisch. 

kädder ich=zum Erbrechen geneigt. 

käe, f.=Dohle. 

kaf, n.=Spreu 73. 

käffen=keifen, anbellen 51, 95. 

käggeln, sick käckeln=sich zan- 
ken 63. 

kaicheln=keuchen, kästeln 64, 67. 

käin=kein 83. 

kair'n=:umkehren, sich kehren an 
24, 96. 

kaife, m.=Käse 24. 

käk, m.=Koch 12. 

käl=zkahl 14, 15. 

käl, m.=Kohle 72. 

kalbastern=poltern 43. 

kalben=kalben 42. 

kalf. n.=Kalb 51, 52. 

Kalllne=Karoline 45. 

kam, m.=Kamm 47. 

kämerfak, n. vergl. achterkiamsel, 
üawerkiamsel. 

kämern, f. Kammer. 

kamp, m.=der Kamp, umfriedig- 
tes Feld, Wald 45, 64. 

kanalje, karnalje, f.=Canaille 45. 

kanse, f.=Gelegenheit 46. 

kante, f.=Ecke, Gegend. 

kapüt=entwei. 



133 



kärde, f.=Karbe 56. 

karjeolen=l) schreien, 2) spazie- 
ren fahren 6. 

kärl, m.=Kerl 20, 44, 77. 

Karl, Kädel=Karl 20, 44, 56. 

kärmialke, f.=Buttermilch. 

kärn, f.=Fasf zum Buttern 19. 

kärn, m.=Kern 19. 

kaniude, m.=Genosse 6, 30, 45. 

kafber, kali'ber, f.=wilde Kirsche 
6, 43, 45, 64. 

Käsken=Casparchen 45, 50. 

*kasmänken , n.=Zwölftelthaler- 
stück. 

kaspel, n.=Kirchspiel 6, 60. 

:i: kaspeln=Ball spielen zu 2 Par- 
teien 7, 58. 

kasse drup!=tapfer drauf! 

kassen:=taufen 6, 60, 64, 98. 

kätken, n. u. f.=Kätzchen 57, 77, 
78. 

kätsen=sich brechen. 

kätsüge hoeen=ein Spiel mit Och- 
senklauen 12. 

kattenkop, m.=Böller. 

käuchem=klug (jüd.) 67. 

käul, m=Kohl 28. 

käuldäif, in., ist bei den Kindern 
der, welcher ein Hosenbein im 
Stiefel hat. 

käult=kalt 27, 56. 

käupen=kaufen 12, 27, 50, 51, 
53, 100. 

käur'n, f.=Karre 76. 

kaum, n.=Korn 28. 

käusker:=koscher (jüd.) 60. 

kawweln, käggeln=kauen, zanken 
48, 52, 64. 

kellen=schmerzen (Zähne, Füfse 
vor Kälte) 9, 95. 

kellerküp, m.=Schrank über dem 
Keller. 

kellerassel, f.— die Kellerassel 60. 

keltern=prasseln 9, 43, 98. 

keoh, f.=Kuh 33, 68, 74. 

keoken, m.=Kuchen 33, 64. 

keor, n.=das Chor 34. 



kialen, f.— Kehle 36. 

kiamerken, n.— Kämmerchen 37. 

kiarke, -en, f.=Kirche 36, 76, 77. 

kiedel, m.=Kessel 36, 55. 

kiedeln=kitzeln 35, 98. 

kiekstern=kichern 36, 99. 

kiffe, f.=verfalleneHütte 7, 51,76. 

klgel, m.=Kegel. 

kiln, f.=Kette 43, 76. 

kimmen^kämmen 7, 95. 

kinnen (pract. kinne)=kennen 7. 

kindken, n.=Kindchen 77. 

klrske, f.=Kirsche 44. 

kisse, -en, f.=Kiste 60, 76. 

kitse, f., kitsken, n.=Etwas 57, 60. 

kiule, f.=Grube 29, 76. 

kium, adj.=engbrüstig 29. 

kiufe, f.=Backenzahn 29, 76. 

klabastern=einherpoltern 43. 

kläderich, kläter'ch=zerlumpt 8, 
15. 

klafunkelstäin, m.=Karfunkel 43. 

klage, f.=Klage 15. 

klächtern(ö),f.=Klafter(Flachs)67. 

klajjen, klawwen=klettern, kratzen 
52, 68, 95. 

kläich, m.=Kleiboden 67. 

kläiwen, stv.=spalten, „en bodder 
kläiwen"=ein Butterbrod ab- 
schneiden 92. 

klak, klakläüfich=nachlässig, un- 
ordentlich. 

klam=feucht, klebrig 6, 64. 

klamuüfern=grübeln 97. 

klänsen=plump einhergehen 99. 

klaute, m.=Fetzen 12. 

kläs, m. Klotz 61. 

klauben, m.=der Kloben 28. 

klauben, -wen=klauben , spalten 
12, 27, 52, 92, 100. 

kläuster, n.=Kloster 27. 

kläut, m.— Hode 27. 

klawer, m.=Klee 18, 52. 

klawwern=klettern, kratzen 6, 98. 

kleok=klug 34, 64. 

kleppen=anschlagen, die Glocke 
64, 95. 



134 



kliadcrn=prasseln 37, 98. 
kHftpern=klappern 37, 98. 
kllben=kleben 15. 

klingen, stv.=klingen 6, 86. 
klispern=räuspern 98. 
kliude, -en, m. ^Erdscholle 29, 75. 
kliüs, f.=Klause, Kapelle 29. 
kllwe, f., klTwerken, n.=Klette 15. 
kloerde. f. =Farbe( d.h. Färbung) 35. 
klocke, f.=Glocke 64. 
klösken, pl.=Holzschuhe. 
kluaben, m.=Kloben 38. 
klüederuijje, f. Zottelei, Lumperei 

40. 
klüftich=klug (Verstand), 
kluijjen, f.=Kleie 68. 
klump, m.=Klofs. 
klumpsät, n.=Rübsamen, Herbst- 
steckrübe. 
klumfich=plump 61. 
knäi, n.=Knie 26, 64. 
knäisailen=(ein Rind) kniefesseln, 

bildlich: unterdrücken 96. 
knäist, m.=der Gneist 26. 
knäiwäge, f.=Kniegelenk 15, 74. 
knap, m.=Hügel, Stiefelabsatz. 
knäs=? Yergl. Anh. II, S. 112. 
knäup, m.=Knopf 27. 
knelk=schwächlich. „de rogge is 

knelk=er ist eingeschrumpft von 

der Hitze. 
kniaen=kneten 9, 36, 97. 
knipseln=mit Schussern spielen 50. 
knitsken, n.=etwas 65. 
kniuben, twäich kn., stv.=zer- 

knittern, zerdrücken 30, 38, 91. 
kniuffiust, f.=geballte Faust 29. 
kniust, m.=Knast, Knollen 65, 72. 
knlwel, m.=grober, stämmiger Kerl, 

Knebel 15. 
knTwich— stämmig 15. 
knuaden:=kneten, auftreten 38, 97. 
knuake, m.=Knochen 38, 75. 
knüakel, knüaksken, m.=Knöchel 

39. 
knudde, f. = Samenkapsel des 

Flachses, Flachsknoten 8, 76. 



knuddenkäin. m.= der Winkel der 
Tenne, wo die „knudden" zum 
Trocknen liegen 05. 

knufleln=pulFen, kneifen, zerknit- 
tern. 

knüffeln, karnüffeln=kneifen, stof- 
sen, mit der „kniuffiust" 44, 

51, 98. 

knüfken=l) knuffein, 2) leise 
knurren 99. 

knuif, m.=Taschenmesser. 

knuipen, stv.=kneifen 24, 90. 

knuist, gnuist, knäist, m.=der 
Gneist 65, 66. 

knuk, m.=Bruch, Stofs 65. 

knülle=betrunken. 

knup, knüp, m.=Knoten. 

knüppel, m.=Knüppel 50. 

knuoren, knüren=knurren 44, 65. 

knuffeln=zusammendrücken, knit- 
tern 8, 61, 98. 

knuwwel, -bbel, m.=Geschwulst. 

knüwwel, n. u. m.=Knäuel 14, 

52, 78. 

koefeln=auf durchweichtem Wege 
die Hacken hintenaus werfen 51. 

koek, m. (aus kodik)=sinapis ar- 
venis 54. 

kölle, -en, f.=weifser Stirnfleck 
der Kühe 13, 76. 

kolk, m.=der Kolk, Strudel 1 1, 65. 

*kolkräwe, m.=Rabe, die gröi'ste 
Art der Krähen 43. 

kölwern=aufstofsen 42, 99. 

köpken, n.=Obertasse. 

kopse (von kobbe), f.=Spinne (ver- 
altet) 50. 

koräirn=kuriren 26, 45, 99, 100. 

körde, f.=Kürze 20. 

kördens=kürzlich 20, 39. 

Kört=l) Konrad, 2) der Hase 
20, 44. 

koste, f. kösken, n. u. f.=Kruste 
13, 45, 78. 

kräike, kracke, f=Kriechpflaume 
26, 64. 

krajje, f.=Krähe 68. 



135 



krajjen=krähen 68, 95, 99. 
krajjensnüeder, m.=(Krähenrotz) 

die Mistel 40. 
kräckeln=wortzanken 98. 
kralle, f.=l) Kralle, 2) Koralle, 

Bernstein G5. 
*kräm, m.=Kram, Wochenbett 18. 
Krambecker, Krambairnd, Spott- 
namen für den Teufel, 
krängel, m.=Krängel 43. 
krank=krank 64. 
krans=Kranz 46, 61. 
krawweln, vgl. grawweln 98. 
krecke , f.=hölzerner Drehriegel 

9, 65. 
kreoch,m.=Schenke, Wirtskrug 33. 
kreome, f.=Krume. 
kreone, f.=Krone 27, 33, 76. 
kreone, f. u. m.=Kranich 34, 64,76. 
kretten, sik=sich zanken, ärgern 

95. 
kribben, -ppen, f.=Krippe 48. 
kriemel, m.=das Jucken 35. 
kriemeln=wimmeln 44, 65, 98. 
krlft, m.=Krebs 15, 51. 
krTgel, kriegel=munter, lebhaft 15, 

35, 80. 
kricheln, kröchen=hüstelu 67, 98. 
krijeol, m. =Geschrei 68. 
krijeolen=schreien 44. 
krikhoenken , auch trikh. , n.= 

Wasserhuhn 65. 
krimpen, stv.=krimpen 8, 13, 86. 
krink, m.=Kreis 43, 65, 69. 
krlsken= kreischen, 
krispel, f.=Mispel 65. 
krispeln=rascheln 65. 
kritsk=energisch, aufbrausend 7. 
kritsiur=knirschend sauer, 
kriuke, f.=ein Krug 30, 76. 
kriupen, stv.=kriechen 27, 30, 

85, 91. 
kriut, n.=Birnenmufs. 
kriwweln, -bbeln=kribbeln 52. 
krop, krip, m.=Kropf. 
kruide, f.=Kreide 32. 
kruigen, stv.=kriegen 7, 89. 



krülle, f.=Locke. 

krüllen=kräuseln 95. 

krünielich=zerknittert. 

krünfeln=kräuseln. 

kruüen=jäten 97. 

kruüper, m.=Zwergbohne 30. 

kraus, n.=Kreuz 30, 61. 

küake, f.^Küche 40, 64. 

kuaken=kochen 97. 

kuade, kudden, m.=Kotten 38, 

55, 64, 75. 
küader, m.=Kötter, Käthner 39. 
kuarf, m.=Korb 38, 39. 
kubbe, f.=schlechtes Zimmer der 

kleinen Leute 76. 
kübbunge, f. = Verlängerung des 

Daches am „kämerfak" , ein 

Ausbau 48, 74. 
kudde, kütke, f.=cunnus 8, 56, 76. 
kügel, f.— Kugel 16. 
kuiken, stv. =schauen, gucken 24, 

36, 64, 90. 
kuik-inne-welt, m.=Baby (Seh.) 
kuint, n.=Kind 32, 46, 78, 79. 
kuipe, -ben, f.=Kiepe 32, 48. 
kuir'n=kehren 96. 
kuks, m.=Gefängnis. 
küllen=den Rest geben 95. 
kuller, f.=runde Holzscheibe 76. 
kullern=rollen, kollern, mit der 

„kuller" spielen. Eine Partei 

schleudert sie, die andere treibt 

sie mit Stöcken zurück, 
küls, m =Schädel 13, 65. 
kump, m.=Kumme, Trog 8, 45, 

50, 52. 
kumpel. So schilt man einen Kü- 
ster, 
kümpel, m.=Tümpel. 
kumst, m.=Weifskohl 45, 50. 
kungeln=heimlich handeln 47. 
kunne, f.=Kenntnis, „he es mi 

iut de kunne wuofsen"=er ist 

mir fremd geworden, 
küödel (üe), m.=Excrement 40, 54. 
kuomen, stv.=kommen 6, 8, 14, 

24, 39, 45, 88. 



136 



küönen=können 40, 45, G?, 102. 

kiiünink, m.=König 40, 47, 72. 

kuormel, m.=der Haufe, Gewim- 
mel 39, 44, 67. 

küp, m =Überbau, Schrank über 
der Kellerthür 13, 72. 

kuppel, f.=Brautschmuck. 

küs, auch käs! Scheuchruf gegen 
Hühner. 

küssen=küssen (hd.) 60. 

kullVlich=unsauber 8, 61. 

kül'feln=kreiseln 65. 

kutske, f.=Kutsche 60. 

kuüken, n.=Küken 30. 

kuüle, f.=Keule 30. 

kuülde, -le, f.=Kälte, Kühle 31, 
42, 46. 

kuüle=kühl. 

kuüme, kuümich=kränklich 30. 

*kuür , n=reden 64, 97. 

kuüruijje, f.=Gerede 45, 68. 

kuüterbuk, m.=Zwitter. 

laddern=loddern, bummeln. 

läde=spät 15, 80. 

laden, stv.=lassen 12, 18, 25, 
56, 93. 

läen, stv.=laden 11, 15, 33, 35, 
55, 89. 

läf, n.=Lob 38. 

lachen=lachen 67, 95. 

laidgast, m.=Quälgeist (zu einem 
unruhigen, muthwilligen Kna- 
ben 24. 

laie, f.=Schiefer, Schiefertafel (ver- 
altet). 

laiendecker, m.r=Schieferdecker. 

läif=lieb 25. 26. 

laidlik=schlimm, „he es laidlik 
wörn=ihm ist ein Unglück zu- 
gestofsen. 

laige=schlecht , schlimm 9, 24, 
79, 80. 

läigen, stv.=lügen 13, 27, 38, 63, 
67. 91. 

laihen, lainen=leihen, verleihen 
24, 46, 69, 100. 

laichhäit, f.=Bosheit 75. 



lAiken=laichen 96. 

laim, m.=Lehm, Leim 24. 

laipc:=ungesal/<'ii. fade 24, 80. 

lairs, pl.=die Wangen, „o gum, 
o gum, wat hat dat huüt for 
lairs I« 78. 

lairlecht=munter, von hellem Ge- 
sicht. 

lair', f.=Lehre 43, 74. 

lair'n^lernen, lehren 24, 44, 96. 

läiwe, f. „met 1. laden u =zufrie- 
den lassen. 

läiweslussen, n.-— Gelüst 60. 

lak=schlaff 6, 80. 

läk, n.=Loch 12, 13, 64. 

laks, m.=Schlaps 7. 

läke, f.=die Lake 15. 

läken, n.=ein Lachen, die Lein- 
wand 15, 78. 

läcker=lecker 1 1 . 

läksen, f.=Lection 64. 

lam=lahm 6. 

lambertske nüede=Lambertsnüsse 
45. 

lambet=erschöpft, matt 18, 45. 

lämmel, m.=Messer ohne Heft 1 1. 

landkadde, f.=Engerling. 

lank, lange=lang, lange 47, 79, 80, 

langen=langen 94. 

lankäir'n=herumflankiren 51, 99. 

lankwäge, m.=Stange. welche die 
Vorderräder mit den Hinter- 
rädern verbindet 47, 65. 

lanse, f.=Lanze 46. 

läslik=löslich 12. 

lask, m.=abgeplattet, aneinander- 
gelegte Balken 72. 

lasken=l) prügeln, 2) aneinander 
fügen 6, 60, 95. 

lat, n — Gefäfs 18. 

läüben, -wen=gehorchen, glauben 
12, 28, 52, 99, 100, 101. 

lauf. n.=Laub 27. 

*lauffröchelink, m.=Laubfrosch 67. 

läun, m. u. n.=Lohn 27, 73. 

läupen, -ben, stv.=laufen 12, 25, 
27, 50, 92. 






137 



läupsk=läufisch 60. 

läus=lofs 27. 

läut=flach 51. 

läute, pl.=Abmagerung, Grind 29. 

*läüwerken, n.=Laubfrosch 29. 

läüwern, f.=Laube 76. 

lawwerich=fade, schal. 

ledden, sik=verziehen 9, 56, 95. 

ledder, -ern, f.=Leiter 9, 55. 

legge, f.=die Leinwandlegge 63. 

leggen , lajjen=legen 9, 37, 54, 
63, 64, 69, 95, 101. 

lecht, n.=Licht 9, 73. 

lecht, reif, von Nüssen 9. 

lengede, f.=Länge 10. 

leoge, f.=Lohe 33, 74. 

let, n. =Deckel, Klappe 56, 73. 

Kar, n.=Leder. 

Hafen, stv.=lesen 6, 24, 36, 37, 
61, 87. 

libben, f.=Lippe 70. 

Libbet=Elisabeth 61. 

lieben, n.=Leben 35. 

lienen=lehnen 97. 

liepel, m.=Lön c el 35, 48. 

liefich:=langsam, schmeichlerisch 
35. 

liewern=liefern 35. 

liftunge, f.=Lindertmg. 

liggen, stv.=liegen 6, 7, 10, 24, 
36, 58, 63, 67, 87. 

lich=leer 17, 54, 80. 

licht, Kchte=leicht 80. 

licken=lecken 7, 95. 

liksk=leckisch 60. 

likmündken=:lechzen. 

lilje, f.=Lilie 42. 

linnen, f.=Linde 76. 

linnen, n.=Leinewand. 

Lips=Philippus. 

liuder=lauter. 

liuen=lauten. 

linke, f.=Luke 30. 

*iut-liuken, stv.=ausziehen, ent- 
wurzeln 27, 30, 38, 40, 64, 91. 

liunen— übler Laune sein 97. 

Hupen s=hinterlistiger Weise. 



Hur, lür, f.=Lauer 20. 

liur'n=:lauern 30, 43. 

Hus, f.=Laus 29. 

Hufemellen, f.=Spergula arvensis? 

Hufen=lausen 97. 

llwen, -ben=leben 15, 48, 52, 55, 
70, 94, 96, 99. 

loeksk, loe=flau, gedrückt, muth- 
lofs. 

lojjen=bellen, laut singen 68, 95. 

luan, f.=die Lode 38. 

lubbenwärm=lauwarm 48, 53. 

lüge, -en, f.=Lüge 17, 76. 

lucht=link 8, 67, 80. 

lucht, f.=Luft, Luke, Hausflur 11, 
67. 

luchtfucht , m. = ein (tapferer) 
Linkser. 

lüchten, f.=Leuchte 67. 

*luchtläiwerken, n.=Feldlerche 29. 

luien, stv.=l) leiden, 2) leiten 16, 
24, 90. 

luien, swv.=leiten 100. 

luif, n.=:der Leib. 

luik, n.=Leiche 32, 65, 73. 

luike, like=gerade 17, 31, 80. 

luikentrecker, m.=Lineal. 

luiken=zielen 96. 

luilam=gliedlahm 32, 54. 

luisken, adv.=leise 60, 80. 

luksen=heimlich ausraufen, steh- 
len 64, 99. 

lüllen=geifern, saugen (von Säug- 
lingen) 95. 

lüns, m.=Lünznagel 13, 61. 

lürich=halbkrank, veränderlich 
(Wetter) 20. 

lürk, m — Kröte (Seh.) 20, 39, 65. 

lussen, m.— Lust 8. 

lust, f.=ein Straufs 8, 75. 

lustern=laustern, 7, 98. 

lütk=klein 9, 57, 65, 80, 83. 

luüen=läuten 8, 30, 55, 100. 

luüe, pl.=Leute 10, 30, 55. 

luünink, m. =Sperling 30. 

luünsk = misvergnügt , launisch , 
falsch 30, 46, 80. 



138 






huinsla-n— heimlich nachforschen. 
*luiit, n. =Mädchen 4, 30, 54, 55, 

57, 77, 78. 
luwwe=lau 53. 
'm, 'm! Zeichen der Bejahung 70, 

83. 

'm! (langgezogen) Laut des Zwei- 
fels 83. 

mabben, f.=Ärmel 48. 

made, f.=das Mals 18, 74. 

mäge, -en, m.=Magen 15, 75. 

mäget, f. Magd 15, 37, 63, 74. 

machollerbäum,m.= Wacholder 53. 

maien=miethen 24, 96. 

m&ich, m.=der Mai 68. 

maine, f=Meinung 7 1. 

mainen=meinen 46, 100. 

mair=mehr. vergl. „fiel". 

maist=meist, vergl. „fiel" 78. 

niajjen, m.=Morgen, neben muarn 
45. 

majjen=mähen 68, 95. 

majjer, m.=der Meier 68. 

mak=sanft, weich, ruhig, beson- 
ders vom Wetter. 

mäken=rnaclien 14, 15, 55,90, 96. 

mal, n.=das Mal 18. 

mal (ä)=einmal 79. 

malen, stv.=mahlen 11, 15, 33, 89. 

mälen=malen 14, 96. 

mäljäir"cli=„gerichtsjährig" 17. 

mälk, adj.=milch 11. 

mälken, stv.— melken 11, 13, 86. 

mämma, f.=die Mutter. 

man, m.=Mann 46, 78. 

man=man 82. 

man, män=aber, nur 6, 11, 47. 

mäne, f. u. m.=Mond 14, 18, 57, 
74. 

mäneken, n.=Möndchen 18. 

mänen=mahnen 15, 96. 

mänern=zu Tode quälen 20, 100. 

mangel, mängel, f.=Kemgehäuse 
6, 47. 

manges=oft 9, 47, 58, 63, 82. 

manjer = mancher ; mannich = 
manch 69, 82. 



manjesknanp ? Vergl. Anh. II, S. 1 1 2. 

manken=zwi8chen ( veralb 

mftrgenbleome , f.=Marienbhun- 
chen, bellis perennis 19. 

mfirts, m.=März 20. 

nias, maus, n.=Moos 12, IM. 

male, f.= l) Hintern, 2) Baum- 
narbo ls. }.".. 

Mask, f.=Marschwiese 6, 45. 

masse, f.=Masse 60. 

mästert, m.=Senf. 

matlrje, f.=Eiter 69. 

matten=die ..Matte" nehmen. 

melden=melden 42. 

mellen, -e, f.=Grashalm mit Ähre 
12, 76. 

mellesuin, f.=Medizin 43. 

meoer, f.=Mutter (selten) 33, 81. 

meole, f.=die Mulde 33, 56. 

meor, n.=das Moor 33. 

meot, m.=Muth 33, 56. 

mes, m.=Mist 9. 

mesfäl, m.=Mistfal 17. 

messen=misten 95. 

mest, n.=Messer 57, 60, 73. 

mester, m.=Meister 60. 

met, n.=Fleisch, dat Mett 9, 57, 73. 

met, medde=mit 9. 

mia, m.=Meth 36. 

miaden, stv.=messen 1 1 , 24, 36, 87. 

miaken, n.=(Dicnst-)Mädchen 37, 
77. 

mial, n.=Mehl 37. 

mialke, n.=Milch 36, 74. 

miar', f.=Stute 37, 44, 74. 

*miar kum ! Lockruf für Kühe 37. 

miargel, m.=Mergel 37. 

miarken=merken 37, 97. 

middach, n. ^Mittagessen 78. 

middewieken, f.=Mittwoch, neben 
geonsdach. 

mik, m.=Regenwurm 17, 54, 72. 

min-ächtick=geringschätzig. 

minne=schwach von Körper, ge- 
ring, „dat es mi dach to minne" 
=das is mir doch zu verächt- 
lich! 80, 83. 



139 



minske, m.=Mensch 7, 46, 60. 

mis=verfehlt. 

inis, f.=Katze 16. 

mife=übel, fatal 15, 61. 

misse, f.=Messe 60. 

missen=missen 95. 

missink, m.=Messing. 

*miuken, pl.=l) Abfälle beim Rei- 
nigen des Korns, wie Halm- 
stücke, Ähren, 2) Torf 64. 

miul, n.=Maul 29. 

mius, f.=Maus. 

moede, f.=Begegnung 34, 55. 

moede, mojje, f.=Mühe 56, 68. 

moeden, moeen, st. u. sw. v.:=be- 
gegnen 1 1, 34, 35, 56, 58, 92, 100. 

moee=müde 34. 

moeme, f.=Mutter 34, 57, 74, 81. 

mogde=wühlte. Vergl. Strodtmann 
333: muggen. 100. 

mojjen, sik:=sich grämen, plagen, 
„et schüt mi int mojjen" =es 
reut mich 95. 

muarn, muargen, mäüjjen, m.= 
Morgen 38, 69. 

muddich=morastig. 

müeden=müssen 11, 58, 102. 

müegen=niögen 40, 57, 63, 69, 
102. 

müelen, -e, f.=Mühle 40. 

müele, f.=Mund 40, 74. 

müesk, m.=Waldmeister. 

müffich=modrig 51. 

muien, stv.=meiden 16, 32, 90. 

muigen, stv.=harnen 24, 89. 

muin=mein 32, 57, 81, 82. 

mul— locker. 

mul, mülm, m.=Staub 13. 

mülmerich=feinstaubig. 

mulstrich, müstrich=stockig, von 
Speisen und Getränken. 

mümmeln=mühsam kauen 13, 98. 

munful, m.=Mundvoll 47, 56. 

munster, n.=Muster 46, 78. 

munt, f. u. m.=Mund 74. 

müön'k, m.=Mönch 40. 

muts,m.=kurzeTonpfeife, Stummel. 



muür=mürbe 39, 53, 80. 

muür, f.=Mauer 31, 44. 

muürker, m.=Maurer 31. 

muüs, muüsken, n. u. f.=die Kuh, 
„muüs kum!" 78. 

muüsken, n.=das Mufs 60. 

nadel, f.=Nadel 55. 

nafiel, m.=Nabel 51. 

nägel, m.— Nagel 37, 78. 

naggen=nagen 66, 95. 

nachtmär', -'n, f.=Alp 19, 76. 

nachtmisse, f.=Abendbrod. 

nai=nein 24. 

naig'de, f.=Nähe 63. 

najjen=nähen 68, 95. 

najjen=wiehern 68, 95. 

najjerske, f.=Taumelkäfer, Gyri- 
nus. 

näket=nackt 15, 64, 80. 

näme, m.=Namen 15. 

nap, m.=Napf 48. 

napsak, m.=Tornister 46. 

näpse, äpsen, pl.=Possen, lächer- 
liche Geberden 11. 

när, m.=Narr, 19, 44. 

när'n=narren 19. 

nask, m.=die Schachtel 6, 72. 

nat, f.=Naht; Scheitel 18. 

näu, nä=nach, noch 28. 

näüdigen=nöthigen 55. 

näufläen, näuflätkern=hinterbrin- 
gen (unter Kindern) 56, 96, 99. 

näuh, näuge=nahe 24, 63, 68, 83. 

näut, f.=Noth 27. 

näutnäwer, m.=der Nothnachbar 
(bei Todesfällen etc.) 

nawer, m.— Nachbar 18, 52, 69, 77. 

nedderäl=neutral 10, 56. 

neoch=eneoch=genug 33, 46, 78. 

neone, f.=die Neone 33, 74. 

neost, kneost, m.=Knorren 33, 
46, 65. 

net, n.=Netz 57. 

net— nett, adv. netken 80. 

niageln=nageln 94. 

niaren=nähren 57, 97. 

niaiewuis=naseweis 37, 76. 



140 



nibbeln=nagen 7, 46, 48, G6, 98. 
oiede, pl.=Nisse 35, 55, 75. 

niedel, f.=Nessel 36. 
niedelküönink, m.=Zaunkönig. 
aiegenmaner, m.=Neuntödter. 
niemen, stv.=nehmen G, 24, 36. 

38, 47, 74, 88. 
niems, nieras nich=niemand 78, 82. 
uich=nicht 58, 82. 
niks, niks nich=nichts G5, 82. 
nin=kein 8, 62. 
nip!=Ruf gegen Enten. 
nippen=schlummern 95. 
nitsken, n.=etwas 65. 
niu. nu=nun 8, 30. 
nlwelkabbe, f.=Nebelkappe, eine 

weite Mütze, welche bis vor 20 

Jahren über der Haube getra- 
gen wurde 15, 52. 
noemen, naimen=nennen 34, 46, 

97. 
noenken=Mittagsschlaf halten, zu 

none. 
nöchtern, n.=Frühstück 13, 78. 
nöchtern=nüchtern 13. 
nört, neorden, m.=Norden 34. 
not, f.=Nuss 10, 40. 74. 
nuarf, nuorf, m.=der Rasen 39,44. 
nüdde, adv.=tüchtig, beträchtlich. 

sehr 13, 80. 
nuffen=leise knurren 95. 
nuienduür, f.=Scheunenthür des 

Bauernhauses. 
nuifeln=stipitzen, naschen 32, 51. 
nuigen=neigen 90. 
nuich=neu 68, 80. 
nuipe, adv.=dicht herangedrängt, 

genau 32, 49. 
nuipken, pl.=die Enten 32. 
nuischuir'ch^an Neuem theilneh- 

mend, neugierig 32, 62. 
nuitsk, adv.=sehr. 
nüiwer=hübsch, pfiffig aussehend 

32, 52. 
nuk, m. =leichter Stofs 8, 46, 65. 
*nük, n.=Schlinge 13. 
nüksk=tückisch 65. 



nunne, f.=Nonne 
DÜödern=verdrief8lich herum krit- 

teln. 
DÜÖkel, m.=eine Erhöhung 40, 46. 

nüiilcn --langsam sprechen, zau- 
dern 40. 
nuorcii (u)=knurren 65. 
nüöikeln=:kleinlich tadeln 39. 
nüöi'eln=:näseln, murmeln Gl, 98. 
uiiöst. m.=der Knorren. 
XürnbiargiT pat, de=die Milch- 

strafse. 
nulTclich=iindeutlich redend 61. 
nuiTeln=näseln 46, 98. 
nüt, nüdde=tüchtig 80. 
nütken, n.=Kälbchen. 
nuüdlik=niedlich 30, 65. 
nuürn=schwellen (vom Euter) 30, 

46, 97. 
nüwwe=genau 53. 
Odde=Otto 55. 

odder, f.=Befehl, Nachricht 45, 55. 
oelen— wühlen 34, 42, 53, 100. 
oei'en, f.=die Öse 34, 61. 
oewen=necken, anführen 11,34,52. 
of, o , =ob, oder 10, 51. 
offern=opfern 51. 
*öpke, pl.— Bachausterschalen. 
♦örlantj n.=gutes Ackerland 20. 
ort, eort, m.=ein Mafs (V* Kanne) 

20, 34. 
ofsen, f.=Fleischkammer(Heepen). 
*ötke (pl.?)=Mittelding zwischen 

Schlehe und Pflaume, 
owwe, f. ^Mutterschaf. 
*owweschälen, vgl. eoschälen. 53. 
päder, m.=kathol. Geistliche 16,55. 
Päderbörn=Paderborn 43. 
paderkabbe, f., auch käpken, n.= 

aconithum, Eisenhut. 
päderwälsk=kauderwälsch 16. 
padken=gehen, treten 99. 
päge, f.=Pferd, Schindmähre 37, 

49, 69, 75. 
pägenstiarker, piarst., in., auch 

pamwiemel, m.=Mistkäfer,Ross- 

käfer 64. 



141 



Paider=Peter 4, 24. 

paiderpil, m.=Schirling. 

paidersilje, f.=Petersilie 42. 

päiken=spiefsen, stehlen 96. 

päikstäken, m.=zugespitzte Stange 
26. 

*pailen=durchmessen, ein Feld, 
mit weiten Schritten 24, 64, 96. 

päitk, m.=Hode (bei Thieren) 72. 

packediufen, von packe dius! vom 
Geräusch der aufschlagenden 
Rosshufe gesagt. 

päl, m.=Pfahl 18, 29, 49. 

pän-äfen, einen Knaben schwenken 
so dass das Hintertheil vom Bo- 
den aufschnellt 49, 96. 

pankeoke, m. Pfannkuchen 47. 

päns, m.=Bauch, kleiner Bube 12, 
50. 

pause, f.=Waust, Kind (Seh.) 46, 
58, 76. 

päntersak. m.=Darra, Bauch 58. 

päpich= verzärtelt 49. 

päppe, f.=weibliche Brust. 

pärdel, parle, f.=Perle 20, 56. 

pärt, n.=Paar 58. 

päskäich, n.=Osterei 16, 49. 

päsken, n.=Ostern (dimin.) 16. 

*päsken=wählen (Ballspiel) 49, 95. 

päsken, m.=Pfirsich. 

pat, m.=l) Pfad, auch patwäch, 
2) grofser Schmierfleck 6, 49. 

patsich=batzig, kurz angebunden 
50, 57. 

päude, f.=Pfote 27. 

peckeln=Spafs machen. 

pelte, -en, m.=Fetzen 9, 43. 

peol, m.=Pfuhl, Lache 33, 49, 72. 

petse, f.=liederliche Dirne 9, 50. 

petsel, n.=Mützchen, bes. abge- 
schlissenes. 

piart, n.=Pferd 37, 44, 49. 

piarwTwel, päw., pamw., m.=Ross- 
käfer. 

piarstiaksel, n.=Mistkäfer. 

pidde, m.=penis 49, 55. 

piek, m.=Eiterstock 36. 



piekel, m.=:Pökel 35. 
pieperküönink, m.-=Bohnenkraut, 

Satureia hortensis. 
piepermius, f.=Pfen c erbrühe, irr- 

thüml. auch Pfeffernuss 35. 
piesk, m.=Ochsenziemer 36. 
plgel, m.=Pegel 15. 
picheln=weinkneipen 67. 
pik, n.:=Pech 7. 

*pickert, m.=Kartoffelkuchen 7,44. 
piken, pieken=prickeln, spiefsen 

15, 35. 
pik, m.=das Mark 17, 49, 72. 
pin-appel, m. Tannapfel, 
pingel, f.=Schelle 49, 72. 
pingeln=klingeln 100. 
pinholt, n.=Faulbaum. 
pinken=baumeln 7, 95. 
pinne=Kraft, „he hat pinne". 
pinfel, m.— Pinsel 61. 
pipen (sik)=l) piepen, 2) sich 

küssen 67, 96. 
pispeln=flüstern (Blätter). 
piffemänken,m.=penis(Kinderspr.) 

61. 
pist!=still! 83. 
piudel, m.=Pudel 30. 
piudeln=Pudel machen (beim Ke- 
geln). 
*piulen= abklauben (Knochen), 

wühlen in 49, 97. 
*piullaim, m.=:Lehmstaub 30, 49. 
piufsen=pusten 29. 
piust, m.=der Blasehauch 72. 
piwit, klwit, m.=Kibitz 15, 50, 65. 
plage, f.=Plage 16. 
plagge, f.=Rasenstück 6, 49. 
plaggensift,f.=Plaggensense 51,74. 
plak, placken, m.=Fleck 6. 
planten=pflanzen 46, 58, 95. 
plasken=plätschern 99. 
pläster, n.=Pflaster 16. 
pleoch. f.=Pflug 33, 74. 
pliagen, stv.=pflegen 6, 36, 49, 

63, 88. 
plieder, m.=Moder 35, 78. 
pliedern=durchrühren 100, 



142 



plik, m.:=der Flicken. 

ploegen, -jen=pflügen 34. 1'». »13, 

90. 
plocken (in-)=einbrocken. 
plügge, f.=Pflüokchen, Stift 63. 
platte, -en, f. u. m. = Schaden, 

tödtliche Wunde 32, 43, 57. 
plunnen, pl.=Lumpen. 
plunnen, plunnern=käsen (Milch) 

49, 95. 
plussich=gedunsen 8, <><>. 
pluür'n^durchrühren 31, 97. 
pluüstern=zerzausen 30, 49, 99. 
pogge, pobbe,f.=Frosch 10, 04, 76, 
poggenschät, n.=Froschlaich 12, 

73, 107. 
poggensteol, m.=Pilz 63. 
pol, m.=Spitze (eines Baumes) 

49, 72. 
polterich=zerlumpt 49. 
pörde, f.=Pforte 20, 44, 76. 
post, m. =Pfosten 72. 
pot, m.=Topf 49. 
pötkern=mit den Töpfen hantiren 

98, 99. 
präddeln.präddern=brodelu 50,98. 
prachern=geilen, betteln 49, 07. 
praksäirn=prakticiren 58. 
pral=straff. 

prälen=prahlen 18, 90. 
pranifen=vollstopfen 6, 99. 
präs, m.=der Brei, 
präs, m.=die Pause des Geläutes 

16, 64. 
prätk, m.=ein Schmus, Geschwätz 

65. 
prätken=breit und gemüthlich er- 
zählen 15, 99. 
prätsich=hochfahrend 12. 
priake, f.=Predigt 37, 54. 
prik=geschniegelt, nett 50. 
priume, -ne, pliume, f.=:Pflaume, 

Zwetsche 29, 49. 
probäir'n^probiren 99. 
profesuijjen=prophezeien 68. 
prudderich, pruddelich = nicht 

glatt, wirr, kraus, sudelig 8. 



pruicheln, pl.=Emporien. 

pruilen, Btv.=preisei] 24. 

prul, m— Dolde (Traube) 54, 72 

prümken=Tabak kuuen. 

in ussen=:niesen, prusten 8, 49. • ;<>. 

prüt=böse, empfindlich, widerlich 

13. 50. 
priit, m.=Ablagerung, Satz. 
prüünen=schlecht nähen 97. 
puade, f.=Setzling 38, 49. 55. 
pu;iden=potten, pflanzen 38, 97. 
pii<l(len=schüpfen, „wäder piid- 

den tt , aus dem rpüt*. 95. 
"puffert, m.=Kuchen aus Mehl 

und Eiern, 
puiben, f.=Pfeife 48, 76. 
*puilpogge, f.=der geschwänzte 

junge Frosch 32. 
puilken, adv.=peinlich genau 80. 
puin, f.=die Pein, 
puipen, stv.=pfeifen 24, 90. 
puiläcken=peinigen, durch Stock- 

stösfe. 
puitske, f.=Peitsche 57. 
puk, m.=Sack, gefüllter 72. 
pulle, f.=Flasche. 
pülsken=plätschern 13, 99. 
pultern=mit Geräusch fallen 42,98. 
pümmel, m.= l) Klöpfel, 2) penis. 
pümmelu=baumeln 50, 98. 
pümpel, m.=der Stösl'el, dickes 

Holzscheit 77. 
pünfel, bünfel. m.;=kleiner Bube, 
punt, n.=Pfund 73. 
puok, m.=Knirps 39. 
puoker, proeker, m.=Schüreisen. 
puorken=porren 39. 
puortken,putken=furzen39,45,99. 
puffelich=voll und rund 8. 
put=weich (von Obst) 49. 
put, m.=Ziehbrunneu 13. 49. 57. 
putk, m.=Rheumatismus, Podagra 

65. 
*putken=mit schnellen, kleinen 

Schritten gehn 99. 
*putkebuül, m.=ein Gerstenpud- 
ding (veraltet). 






143 



puts, m.=die Polizei (Seh.) 

putse, f.=Scherz 74. 

putser, m.=einBuch aus der schö- 
nen Literatur. 

putsich=drollig 57. 

quabbelich=breiartig, weichlich. 

quadderich=schmierig, weich. 

quaddern = zerdrücken, breit 
schwätzen 6, 65, 65, 98, 99. 

quäken, pl.= Wacholder 15, 64. 

quackeln=schlecht schreiben 65, 
98. 

quackler, m.=Pfuscher. 

quäl=schwül (in Heepen) 18, 65. 

quälen, pl.=Geschwulst, Blut- 
striemen. 

qualster, m.=zäher Schleim ; Zun- 
genkrebs 42. 

quängeln=nergeln 65, 98. 

quant— verkehrt 6. 

quas, adv.=schlecht, böse 61, 65 

quäfen=schwatzen 15, 65. 

quat, quät=böse, widrig 6. 

quäus, in.— Faselhans, Querkopf 66. 

quebbe. -en, f.=dieQuebbe, sumpfi- 
ges Erdreich 48, 65. 

quialen=quälen 37, 97. 

quieke, f.=Queke, trit. rep. 35, 65. 

quiekstairt, m.— Bachstelze 35. 

quik=lebendig, lebhaft 65. 

quik-quak, m.=bewegliche unge- 
formte Masse, z. B. Gallerte 65. 

quillen, quellen, stv.=quillen 9, 
10, 86. 

quuinen=kränkeln 32, 56, 96. 

quuinsel, n.=Siechling 65. 

quuit=quit 65. 

radde, f.=Ratte 56. 

rage, räch=rar, selten 16, 80. 

ragge -jje, f.=jähriges, mageres 
Schwein 6, 63, 76. 

*räie=fertig 25, 54, 80. 

*räie=steif, spröde (Gelenke). 

räijjen=rein 68. 

räijjenfäm, m.=Reinfarn, tanac. 
c vulg. 

räijjer, m.= Reiher 68. 



raip, m.=das Tau, Strick 24, 50, 
72. 

raipsliager, m.=Seiler. 

räir'n=rieseln, von Körnern 26, 44. 

räit, n. — Ried 26. 

räken=ran e en, zu sich reichen, er- 
reichen, schüren, „dat räket dui 
nich"=das geht dich nichts an 
64, 96. 

racken=racken, den Flachs 64, 95. 

räl, m.=Radel 17. 

ralken=sich wälzen 99. 

räm, m.=der Rahm, Sahne der 
Milch. 

ram, m.=Krampf 72. 

räme, m.=der Rahmen. 

rämen=nachsinnen. - 

ramente, n.=Lärm, Spectakel 73. 

ramenten=herumlärmen, sich wäl- 
zen. 

rammen=aus freier Hand kaufen 
6, 95. 

ramstermius, f.=Hamstermaus 43. 

rängstern=sich lärmend umher- 
tummeln 11, 99. 

ränsken=wiehern 53. 

ransken=den Männern nachgehen. 

ranti-kanti=auf Rand und Kante 8. 

rap=schnell 6. 

räfen=rasen 18, 96. 

räfekadde, f.=ein Spielzeug. 

räsken=schreien. Esel und Knckuk 
„räsken". 18, 49, 53, 96. 

rät, m.=Rath 18. 

rät-uis, n.=Hohleis 12. 

rätsen=räsoniren 11, 57, 99. 

räu=roh (Fleisch), aber auch „uppe 
räuen airn"=auf blofser Erde 
28. 

räüben=l) Räude, 2) Pferderaufe. 

räuden=röten (Flachs) 96. 

räüden, m.=Flachsröteteich 29. 

räuen, stv.=rathen 12, 25, 28, 55, 

57, 93. 

räügen, sik=sich rühren 12, 28, 

58, 63, 100. 
räükeläufe=leichtfertig,sorglos80. 



144 



riiukschat, n.=Rauchfang 12, 73. 
räut=roth 4, 27, 54, 57. 
rftwe, -1"'. m.=Rabe 48. 
H;i\v»'n>l)iarch, Kavensberg 52. 
redden=retten 10. 
ref, n.=Gestell, Gerippe 73. 
ivmster=Emporie. 
reopen, -ben, stv.=rufen 13, 27, 

33, 35, 93. 
reofe, f.=Rose 33, 55. 
reolich=kalt, „reofich wiar u 34. 
reot, m.=Russ 33, 57. 
reowe, f.=die Borke, Räude 34, 52. 
ressen, sik=rasten 00. 
riadern=rasseln 37, 98. 
Haken, adj.=richtig, reinlich, wohl- 






gemessen 



.riaken linuen u = 



Hausleinwand 30. 04. 

riaknen=rechnen 37, 98. 

riangen, m.=Regen 30, 47. 

ribben, f. = Rippe 48. 

*ribbet, n =Bettelweib (Seh.) 7, 58. 

riddern=zittern. 

riekel, m.=grofser Bauernhund 30. 

riepen=reffen, Flachs riffeln, ritt- 
lings rutschen, coire 35, 49, 97. 

rlgel, m.=Querriegel 15. 

richte, f.=die grade Richtung 7, 
67, 74. 

richte, adj.=grade; richtewäch, 
m.=der kürzeste Weg. 

rik, n.=Querstauge 7. 

ringe, adj.=gering. 

ringse, f.=Wagenleiter 10, 76. 

rink=rings. 

rinkel. f.=Runzel 47. 

rinnen, stv.=rinnen 80. 

rippeln (ü), sik=sich beeilen, sich 
rühren, regen 14, 50, 98. 

rir, rir! Lockruf gegen Gänse 10. 

risk=aufgerichtet, schlank 7. 

risse, pl.=Prügel. 

rissen, f.=die Riste. 

riuben, f.=Raupe. 

riude, f.=Raute, Fensterscheibe 
30, 55. 

riuken, stv.=riechen 27, 30, 40, 91. 



riuni, m.=Raum 29. 

rium, adj.=geräumig 29, 80 

riune, m.=der Wallach 75. 

riufe, l'.=die Holper, Scholle 29. 

riufich=hückerig. 

r!\ve=aufgänglich , verschwende- 
risch 70. 

roeben, f.=Rübe 34. 

roeben, „for de roeben gäun a = 
sterben. 

roer'n=umrühren 34. 

roer'n, f.=Röhre 76. 

rogge, -en, rn.= l) Roggen, 2) ein 
Graubrod 75. 

roggenbleome, f.=blaue Korn- 
blume. 

rojjen=reuen 95. 

Ilolf=Rudolf 43. 

Ruaker, hd. Radewig, Ortsn. in 
Herford 38. 

ruan=roden 54, 97. 

rüefseln=rascheln 59, 98. 

rudder,n.= l)Pflugstocher, 2)Kreuz 
8. 55. 

ruffich=diebisch, raffig 51. 

rügge, m.=Rücken 03, 70. 

rüggestrank, m.=Rückgrat. 

ruiden, stv.=reifsen 24, 32, 30, 
57, 90. 

ruien, stv.=reiten 10, 24, 32,54,90. 

ruige, f.=Reihe 68. 

ruijjen=aneinanderreihen 90. 

ruik=reich 17, 32, 79. 

rulle, f.=Rolle 8. 

rummel, m.=Rummel. 

runtken=kosen, raunen 8, 99. 

runt-ümme— rund um. 

rusk, rüsk, rüske, en, n.=die Binse 
13, 00, 73. 

russich=russig 00. 

rutk. m.=l) Räude, 2) der räu- 
dige Hund, räud. Katze 8, 50. 

ruümen=räumen 100. 

ruüe, m.=Hund (der allgemeine 
Name) 30, 54, 75. 

rüwwe, rüw, rüf=rauh 51, 53. 

rüwwe, f.=Reue 53. 



145 



sabbeln, -ern=geifern G, 98. 

sädel, m.=:Sattel 15, 55. 

sädelmäijjer, m.=ein Hof der einst 
Edelsitz war. 

*säderdach, m.=Samstag 10,55,78. 

sädrach, m.=ein böses Weib. 

säge, f.=Säge 15, 76. 

säiben, f.=Seife 25. 

saideok, suideok, n. ein Unkraut 
im Getreide. 

säideok=Sarsche. 

säihen, stv.=sehen 6, 22, 25, 28, 
29, 63, G9, 87. 

säikadde, f.=eine Sie-Katze. 

sailam, n.=ein Sie-Lamm. 

sail, n.=Seil. 

säiks=siech, aussätzig 80. 

säifse, f.=Sense 20, 59, 76. 

saitunch, f.=Zeitung. 

säiwer, m.=Geifer 25. 

sajjen=sähen 68, 95. 

säke, f.=Sache 15. 

säl, m =Saal 14. 

*säl, sal, m.=die Blätter des ge- 
trockneten Klees; sälen, pl.= 
die Blätter des Flachses 15. 

sälich, sialich=selig 18. 

salm, m.=Psalm 50. 

salmeon, m.=Zimmermannsspruch 
33. 

sält, n.=Salz 12. 

sälten, stv.=salzen 58, 92. 

salwe, f.=Salbe 42, 48, 53. 

salwen, -ben=salben 42, 95. 

samten =samm et 58. 

sandläiiper, m.=die Todtenuhr, 
anob. pert. 

sänken=salbadern 15, 99. 

sänkefat, - n. = ein Salbader (zu 
„Sahne"). 

san— so ein 82. 

sap, m.=Saft, Schweifs. 



säpen=salbadei'ii 15, 49, 
sär=trocken 19. 

sät, f.=:Saat 18. 

säu, sä=so 28. 

sä lalä=so ziemlich 15. 

Jellinghaus, Grammatik. 



90. 



säut, m.— Brunnen 27, 72. 

säutlant, n.=Brunnengeländer. 

sawel, m.=:Säbel. 

sedden=setzen 10, 56, 95, 99. 

seggen, sajjen=sagen 9, 37, 56, 
03, 04, 09, 95, 101. 

selskop, f.— Gesellschaft. 

schäen=schaden 15, 54, 96. 

schadden, -tten— schätzen, nam. 
von einem Hochzeitspaare Ge- 
schenke fordern 57, 95. 

Schacht, n.=Schaft, Ast 67. 

schäiden, stv.=schiefsen 26, 27, 
40, 91. 

schaien, schuien , stv.=scheiden 
16, 85, 90, 93. 

schäihen, stv.=geschehen. dat 
wärt schäihen=das geschieht 
6, 25, 27, 29, 31, 62, 63, 67, 
69, 85, 87. 

schäilen, stv.=schelten 26, 28, 
38, 86. 

schaiper, m.=Schäfer 49. 

schair'n, f.=Scheere 76. 

schäiwe^=schief 25, 70, 80. 

schalu=eifersüchtig. 

schamper=strenge, scharf 80. 

schanäiren=geniren 62. 

schandärwe, m.=Gensdarm 52. 

schap, n.=der Schrank 6, 62, 73. 

schäp, n.=Schaf 18, 62. 

schapken, n.=Schäfchen 18. 

schäpriwwe, f.=Schafgarbe. 

schärphäfe, m.=Zaunigel. 

schät, n.=Verschlag, Holzwand, 
Taubenkasten 12, 73. 

schätbüenen, vergl. büenen. 

schatiljer, m.=Tischler 8, 42. 

schaue, f.:=Schote. 

schäuf, m.=der Schaub 27. 

schäün=schön 28, 79, 83, 

schaut, m.=des Schofs 20. 

schäw-, schäb-heofse, m.=trock- 
ner Husten 48. 

schenken, stv.=schenken 9, 11, 86. 

scheo, m.=Schuh 33, 62. 

scheole, f.=Schule 33, 62. 

10 



14« 



Bchep, n.=Schiff 9, 48, 
schiae, m.=Scliatteii. 
Bchial Bcheel 36. 
Bchiamen=8chämen 37, 97. 
Bchiaron, Btv. Bcheroo 3, 97. 

Bchiaren=angehen, „aik schiaren 

äm*=8ich bekümmern um 62. 
Bchiarpen=schärfeD 37, 97. 
Bchiel, m.=Mangel, Fehler. 
Bchielen-=l) mangeln, 2) angehen, 

wat schielt dui datl 97. 
schiene, f.=Schiene 35. 
Bchiepel, m.- Scheffel .'50. 49, 
schiepk, n.— .Schilf 50, 65. 
schicker (jüd.)=betrunken 64. 
schilgassen. f.=Gerstengraupe. 
schulen, Bchälen=schälen 62. 
schiin. f.=Schale 76. 
Bchilwer, m.=8chorf 7. 
Bchilwern=absehürfen 4 S , 98. 
schiuben, stv.=schieben 17, 27, 30, 

91. 
schiude, f.=Grabseheit 30, 76. 
schiufsiedel , n.=das Schiebseil, 

die Siele 56, 78. 
schiurn, m.=Schaum 30. 
schiur, n.=Schauer 30. 
schTwe, Pl.=die Flachsschebe 15. 
schobben, f.=der Schuppen 62. 
schoefel, f.=Wegschaufel 51. 
Behörde, f.=Schürze 20, 39, 56, 

81. 

schrabben, -ppen=schaben, schar- 
ren 50, 62. 

Bchräijjen=schreien 68, 99. 

Bchraiwe, graiwe, f.=die Griebe, 
Speckwürfel, auch Schlacke von 
Kohlen 24, 62. 

schrfiken=schreien (von Vögeln) 
18, 96. 

schrät=quer, schräg 18, 62. 

schräue=mager 28. 

schräuen, schräen, stv.=l) schro- 
ten, 2) „schraten", von Milch, 
welche während des Kochens 
„körnert" 18, 93. 

schräut, n.=Schrot 26. 



schrei— scharf, trocken '.». 62, 

Bchrinnen . gewöhnlich sik sehr. 
(auch Bchrainen?) Btv.=8ich die 
Haut verletzen, westf.-hd. seh rin- 
den, geschrunden 86. 

Bchrinnen, Btv. auch schruinen= 
beifsen . brennen . von Haut- 
wunden 7, 92. 

Bchrinben, stv.=8chrauben 27, 30, 
91. 

schriuthäne, in. —Truthahn. 

Bchruaden, ptc.=geschrotet 38. 

Bchrabben=scheuern , schruppen 
48, 95. 

Bchruiben, stv.=schreiben 16, 24, 
62, «5, 89. 

schruien, Btv.=schreiten 24, 90. 

Bchuarf, m.=Schorf 38. 

schuake, m.=Bein, Fufs 3 N . 75. 

schubben, -ppen=schuppen 48, 95. 

schüdden=schütten 55, '.»i>. 99. 

schüel, schüöl, m.=Schöll, Boden- 
satz, trüber liest von Getränken 
62, 72 

8chüelen=trüben 4<>. 97. 

(fer)schüenen=verführen. 

schüffel, f.=Wurfschanfel 51. 

schlicht, f.=Halskamm der Kuh, 
vom Genick bis zum Kopfe 75. 

schuidhupk, m =der Wiedehopf. 

schulden, stv. 36, 85, .90. 

schuinen, stv.=scheinen 24, 36, 
62, 85, 90. 

schuir=schier, rein 32. 

schuir 1 n=theilen 32. 

schulde, m.=Zweitknecht derGrofs- 
bauern 42. 56. 

schulken=schnell laufen. 

schüllich=schuldig 13. 

schult, f.=Schuld 62. 

schummeln=watscheln, „schieben" 
98. 

schummern=dämmern 8, 98. 

schüödel, f.=Schüssel 40. 

schüöte,m.=Schuss (desBaumes)73. 

schüppen=schwanken , schütteln 
(Flüssigkeiten) 50, 95. 






147 



schuppe , -en , f. =Wurf schaufei, 

Hirtenstab mit Schaufel, Schöpf- 
kelle, 
schür, f.=Schutzdach 20, 30. 
Schüssel, m.=der Brodschieber 60, 

77. 
schüt, n.=Schutzbrett 13, 73. 
schuts, m.=Schutz 57. 
schuüjjen, schüwwen=scheuen 14, 

97. 
schuüke=schräg, abhängend. 
schuür'n, f.=die Scheune. 
schuür'n= sc heuern 31, 97. 
siadigen=sättigen 37. 
siangnen=segnen 47, 98. 
sidden, stv.=sitzen 6, 7, 24, 57, 

58, 61, 87. 
Siebenstairn, m.=Siebengestirn. 
Biedel, m.=l) Zettel, 2) Sessel 

55, 59. 
siegel, n.=Siegel 35. 
siekel, f.=Sichel. 
sieker=sicher 35, 64. 
siemich=:schleiniig, kräftig (von 

Suppen) 36. 
siene, f.=Sehne 76. 
siepern=sickern, tröpfeln 35. 49, 

98. 
slge, f.=Ziege 15, 59. 
sTgenfeoer=Farnkraut. 
siggelich=albern. Schamb. segelig. 
silät, m.=Salat 16. 
singen, stv.=singen 8, 13, 14, 47, 

63, 65, 84, 86. 
sinjen, adv.r=sacht, sanft 69, 80. 
sinken, stv.=sinken 65, 86. 
sinnen, stv.=sinnen 86. 
sinner, m.=der Sinder, Schlacke 59. 
sins, sint dat=seit dem. 
sint=seit 7, 57. 
siräinen, f.=die Syringe. 
slren, sik=sich zieren, kokettiren 

57, 59. 
slrup, m.=Sirop 15, 20, 45. 
slrkel, m. Zirkel 20, 59. 
sippe, f.=Ziege, albernes Mädchen 

59. 



sippe-sappe, f.=alberner Mensch 

7, 50. 
slfen, siffen=zischen 7, 15, 59, 

61, 95, 96, 99. 
siffemänken, m.=Sprühteufel (Br. 

Wb. VI, 424 Zissmänken) 7. 
siudken, südken=sanft 80. 
siugen, stv.=saugen 14, 17, 27, 

30, 67, 91. 
siule, f.=Säule 30. 
siupen, stv.=saufen 27, 30, 50, 91. 
siur=sauer 30. 
siufen=sausen 97. 
Siurlant, Sürlant, n.=Sauerland 54. 
slabbern=schlappen 48, 98. 
slafitk,m.=Schlagüttig,Rockn'ügel, 

Krips 56. 
släge, f.=Schlegel 15. 
slach, m.=Schlag 37. 
slai=stumpf (von Zähnen) 24, 59. 
släif, m.=Kochlöffel, Rüpel 25, 

61, 72. 
slackergäus, f.=wilde Gans, 
slaks, m.=Lümmel, schlottriger 

Mensch 64. 
slange, f.=Schlange 59. 
släpen, -ben, stv.=schlafen 12, 18, 

25, 49, 50, 93. 
slärt, n.=die Schlampe 19. 
slasse, f.=die Schlarfe 6, 60. 
slät, n.=Sehloss 12. 
släun, stv.=schlagen 15, 26, 27, 

28, 33, 35, 40, 64, 89. 
slenkfissen=faullenzen, von fisse 

95. 
sleom, m.=Schlemmer, Schlemihl 

33. 
sliepen=schleppen 97. 
slTgen, f.=Schlitten 15, 63. 
slickern=naschen 7, 61, 98. 
slik-up, m.=das Schluksen 7. 
slini=schlimm, schlau 45. 
slingen, stv.=schlingen 6, 86. 
slinnern=glitschen (Eis) 46. 
slink, n.=Hofthor, Barriere 47, 

65, 73. 
slinkappel, m.=Kartoffelbeere. 

10* 



US 



slippe , f. = die aufgenommene 

Schürze, der Schofs. 
sliuden, stv.=schlielsen 2, 30, 55, 

91. 
sliuken, stv.=schlucken 27, 64, 

91, 93. 
sliupen (stv.?)=schlüpfen 30, 97. 
sluakem=schlottern 38. 
slüedel, m.=Schlüssel 40, 55, 77. 
slucht, f.=ausgehauener Pass im 

Gehölz, 
sluijjert, m.=die Schleihe 44, 68. 
sluiken, stv.=schleichen 24, 90. 
sluipen, stv.=schleifen 24, 36. 
sluks=gefräfsig 80. 
*slump, m.=Glücksfall 8, 61, 73. 
slür'n, pl.=die Schlauben, Haut 

der Bohnen u. a. 
sluiir, m.=Schlendrian,trägerGang 

31, 78. 
sluür , n=nachschleppen 30, 39, 59, 

97. 
smadderich , madderich=schmie- 

rig, glatt (z. B. Wege) 6, 61. 
smächtich=hungrig, hager, 
smachträim, m.=Leibgurt. 
smak, m.=Geschmack. 
smacken=klatschen (Peitsche) 47. 
smal=schmal 6. 

smant, m.=Rahm, Sahne 59, 72. 
smätk, m.=Kind mit Pausbacken 

12, 61. 
smäuk, m.=Rauch 27. 
smäüken=schrnauchen 12, 28, 100. 
smelten, stv.=schmelzen 9, 11, 86. 
smet, m.=Schmied. 
smiagel, in. =be wegliches Winkel- 

mafs 59. 
smiar, m.— die Schmiere, 
smielen, swielen=schwelen 61, 97. 
smicke, swicke, f.=Gerte 7, Tii. 
smicken=schmecken 7, 95. 
smit, m.=Russ. 
smitten=russig machen 95. 
smuarn=schinoren 38, 97. 
smuddern, -eln=schmutzen , be- 
sudeln 98. 



smuiden, stv.=schmeifsen 16, 24, 

55, 99. 
smuie, f.=die Schmiede 
smul, m.=frisches Fett, Speck 72. 
smuüe=weich, sanft 80. 
smuiie, f.=Weichheit 5'.). 
sinuusterlachen:=schniunzelii. 
Bnäbbe, -en, f.=Schnepfe 48. 
snäbel. m.=Schnabel 15. 
snai, m.=Schnee 24, 59. 
snäien=schneen, den Schnee weg- 

Bchaffen 96. 
snaifich=lang und schmächtig 26. 
snak. m.=die Schnurre, Geschwätz, 
snacke, f.=l) Peitsche 47, 61. 

2) Stechfliege , leichtmüthiges 

Mädchen 6, 59, 74. 
snät, f.=Grenze 18, 75. 
snawwen— schnauzen 52. 
snawweln=schnabeliren 98. 
sneor, m.=die Schnur 72. 
sniagelhuüsken, n. = Schnecken- 
haus, 
snibbe, f.=Schnabel 59. 
snigge, f.=Sclmecke 7. 
snik, auch snak=sauber, schlank 

(von Mädchen), 
snippel, m.=Schnitzel. 
snippeln = schnitzeln , in spitze 

Stücke 50, 98. 
snipke,f.=schlankes, schnippisches 

Mädchen 50. 
snitkern=schnitzeln 99. 
sniuben, stv.=schnauben 27, 91. 
sniuben, m.=Schnupfen 48. 
sniude, f.=Schnauze 17, 30. 
sniuden,stv.=schnäuzen 30, 55, 91. 
snoeen, sik=sich „herausmachen" 

97. 
*snojjen=l) leichthin brennen, 2) 

e. Baum beschneiden; *snojjen, 

sik=mausern 59, 68, 95. 
snüakern=schnoberu 39, 98. 
snüeden, sik=sich beeilen 55. 
snüeden , sik = sich schmücken, 

schnatzen, auch snuüden (wohl 

Verwechselung mit „snuüden"). 



149 



snüedrich=frech 40. 

snüf=kalt (vom Wetter) 13, 51. 

snüffeln=schnüffeln ; snuckern= 
herum spüren 51, 98. 

snüfken=prisen 51. 

snuien, stv.=sclmeiden 16, 90. 

snuider. m.=Schneider ; Wasser- 
spinne 55. 

snuier, m.=Schnitter 55. 

snuijjen=schneien 68, 96. 

snuiläe, f.=Schneidelade 76. 

snuor'n=:auf der Eisbahn gleiten 
97. 

snüs, m.=Schnauze, frecher Bur- 
sche 13, 46, 61. 

snüssel, m.=Rüssel 13, 60. 

snuüden, sik=sich schnauzen; klar, 
klug werden; auch „snüeden" 
(wohl Verwechselung) 30, 87. 

snuüdeok, n.==Schnupftuch 57. 

snuüjjen, snoeen, sik=sich heraus- 
machen, schön werden. 

snuüfe, f.=Fleischstock 31, 61, 74. 

soede=süfs 34, 79, 80. 

soeken=suchen 11, 13, 34, 67, 100. 

soldäde, m.=Soldat 16, 75. 

späigel, m.=Spiegel 26. 

späihe=lauernd, argwöhnisch 9. 

spair, n. =Sparren 24, 78. 

*späckern=l) schwatzen, 2) um- 
herlärmen, 3) scheuchen 11, 59, 
68, 98. 

spalken, -ern=zappeln 6. 

späulen, stv.=spalten 28, 92. 

späun, spän, m =Span 18, 27, 72. 

spekmius, f.=Spitzmaus 65. 

spelgen. pl.=eine Art Pflaumen 42. 

spetten=spiefsen. 

spiel, n.=Spiel 35. 

spielen=spielen 36, 97. 

spülen, f.=Spindel. 

spindicken, m.=der Hänfling, wel- 
cher „spin dicke" ruft 59, 80. 

spinnen, stv.=spinnen 6, 13, 86. 

spinnewib. -bben, f.=Spinngewebe 
48. 

spint, n.=V4 Berliner Scheffel Saat. 



spis=spitz, hager 58. 
spitsbeowe, m. =Spitzbube 48. 
splentern=umherspritzen 9, 98. 
spliede, -en, m. = Stück Holz, 

Splitter, 
splieder, m.=kleinerer Splitter. 
splinternäket=splitternackt 46. 
spluiden, stv.=spleifsen, spalten 

16, 24, 32, 55, 90. 
spodden=religionsspotten. 
spoeken=spuken 11, 65, 100. 
spräie, f.— Staar 26. 
spräie, die Spreite 25. 
spräien=ausbreiten 9, 100. 
spräke, f.=Sprache 18. 
spräut=sprosste 27, 92. 
spriaken, stv.=sprechen 11, 34, 

35, 37, 38, 88. 
spriekel , m.=Sprekel , rhamnus 

frangula 35. 
sprlen=aufbersten (von der Haut), 
sprik, m. und n.=zerbrechliches 

Zweiglein 7, 61. 
springen, stv.=springen 6, 13, 86. 
springsei, n.=Heupferd, Gryllus 

59, 77. 
sprok=zerbrechlich (Holz), 
spruade, f.=der Spross. 
sprüöke, m.=Spruch 40. 
spucht , m.=schwacher Mensch, 

Schwächling 67. 
spuijjen=speien 68, 96. 
spuir, n.=Helm 32, 59, 73. 
spuit, m =Hohn, Sarkasmus, auch 

blofs durch Geberden. 
spuitsk=höhnisch , „he was sä 

spuitsk". 
spüödern, spüddern=spützen 40, 

98. 
spuüden, spoeden, sik=sich sputen 

11, 34, 55, 56, 59. 
stäf, stäuf, m.=Staub 12, 27. 
stuf, stäw, n.=das Stau 12, 51. 
r stägger=rsteil. 
staidel=steil. 
stairn, m.— Stern 24, 44. 
stairt, m.=Schwanz 24, 72. 



i:>o 



Btftke, -in, in.- Holzstange 1 5, 75. 

Bt&l, 111. Stuhl 18. 

Bt&le, -in. m.=l) Stüt/i'. Tisch- 
bein, -i Musterprobe l">. 75. 

Btangen, m. and f.=verschnittenes 
Schwein 76. 

Btanne, f.=ein Fasa 74. 

Btftpel, in.- der Stapel 15. 

Btäpeln: stapfen. 

stat, f.=Stadt 6, 37, 7 1. 

standen, st. und sw. v.=stofsen 
12, 27, 29, 56, .",7. 93, 100. 

staun, stv.=stehn 4, 11, 13, 11. 
25, 28, 101. 

Btäuthafk, m.=Stofsbabicht '2 7. 

stel. m.- Stiel !i. 

steol, m.=Stuhl 33. 

stiaken. stv.=stechen, stecken 24, 

34, 35, 37, 65, 88. 

stialen, stv.=stehlen 6, 11, 34, 

35, 37, 38, 88. 

stiarben, stv.=sterben 19, 20, 21, 
37, 39, 48, 86. 

stiarke, f.=die Starke (Kuh) 36. 

stibben , -ppen=punctiren , ein- 
tunken , tröpfeln , davon „de 
stibben", m. 7, 95. 

stiek, n.=Steek. frisches Schweine- 
fleisch 73. 

stieke. m.=der Stich, acc. stieke. 

stiekel=steil. 

stiebte. n.=das Stift (17. 

stikbern, stibbern, pl.=Stachel- 
beeren. 

stickede t'ul=übervoll 99. 

stiekeduübter=stockdüster. 

sticke, f.=Zündholz 7, 64, 76. 

stille=still 79, 80, 83. 

stilken, adv.— heimlich, still 80. 

stilt, m. = Ende des Schinkens 42. 

stinken. stv.=stinken 86, 

stltn, f.=Stirn 20. 

stiuben, stubben. m.=der Stubben. 
>tiude, -en, m.=Semmel 30, 55. 

stiuke:=stunipf 80. 

stiuke, f =das Wurzelende, Stumpf 
eines Baumes 36, 59. 64, 74. 



Btinwen, ^t\. Btäuben, stieben 27, 

30, 91. 
BtTwel, in. Stiefel 52. 
Btoeern: Btfirzen 56. 
>t<>kli>k bücken. Vgl. Anh. I, 

s. Ki7. 
Btolt= steil, btolz 42, ■ 
stoltern=stolpern 42, 98, 
Btoppede ful=gedrängt voll 99. 

BtÖDSel, ii. der Kork. 

strafe. f.=Stral'e 51. 

Btr&keln=straucheln, herumstrol- 
chen 9 

st rank. m.=der Strang 59, I 

Bträns, m.=hoch trabender Bengel 
72. 

strawoelen=strolchen. 

sträu, n.=Stroh 28. 

stref- -straff (bes. v. Gang und 
Wuchs) 9, 51. 

strieken=zum ersten Male pflügen 
97. 

striemel, m.=Streifen 59. 

striepen=streifen, streicheln 97. 

striepk. ni.=Streif. Striemen ii."». 

strippen=st rupfen. 

Btripse, pl.=Stock6chläge. 

striuf=stranbig, fest, enge. 

striuk, m.=Strauch. 

strius. m =Strauf8 61, 77. 

strocfeln=st reichen, einherstapfen 
(durch Dreck. Getreide) ' 

stroemer. m. — Strolch, Bummler 59. 

strojjen=streuen S . 

♦struade, f.=Lul't-, Speiseröhre, 
„de anrächte struade"— dieLuft- 
röhre 9, 38. 55, 61. 

struien, stv.=streiten, schreiten 
16, 24, 90. 

struiken, 8tv.=streichen 24, 36, 90. 

strullen=in Strahlen niederfliefsen. 

strumpeln=straucheln. 

Strunk, m.=Krautstengel. 

stuaken, stüakern=stochern, auf- 
reiben 38, 39, 97. 

stuark. m.=Storch 38. 

stuarkeln=straucheln 38. 



151 



Btuawe, f.=Stube 37, 48. 
stubben, stuaben, m.=Rundwurf 

im Kegelspiel 48. 
stuie, f.=Stätte 32, 54, 74. 
stuige, f.=Stiege, 20 Garben 32, 

74. 
stuigen, stv.=steigen 16, 24, 89. 
stücke, n.=Stück 73. 
stümpel. m.=Stumpf. 
stünsken, n.=Fässchen 13, 58. 
stüönen (üe)=l) stöhnen, 2) einer 

Wöchnerin Geschenke bringen, 

40, 59, 97. 
stiir=trotzig, stämmig, starr, 
stüssel, m.— Stützbalken 60, 78. 
stussen, pl.=üble Streiche 60. 
stuüdken, n.=kleiner Stuten. 
stuüke=stumpf , besonders von 

Geist 31, 64. 
stuür'n=steuern, abwehren 97. 
stuüt, m.=Schwanz des Feder- 
viehes. 
sü! sü!=schlaf! 16. 
suale, f.=Sohle 38. 
suargesteol, m.=Lehnstuhl 38,44. 
sübbel,süwwel,m.=Schusterpfriein 

64. 
subbeln, -wweln=sudeln 98. 
süclde, sütte, f.=Lauge 13. 
süelen=sollen 23, 43, 60, 62, 69, 

70, 102. 
süelen=beschmutzen 40, 97. 
süelich, süölich=:schmutzig 42, 59. 
süge (ü), f.=Sau 16, 63, 76. 
such. m.=Bahnzug, Luftzug 57. 
suchte, m.— Seufzer, 
suider, suier=seit 32, 55. 
suige, -je=niedrig, seicht 9, 32, 

63, 68, 80. 
suijjen=seihen 68. 
*suik, n.=Thalsenkung 32, 65, 73. 
suin, sin=sein 81, 83. 
suin, stv.=sein 6, 7, 37, 43, 58, 

60, 61, 69, 70, 81, 101. 
suipel, f.=Zwiebel. • 
suit, f.=Seite. 
sük, süeken=solch 82. 



suckeln=l) saugen, 2) langsam 

reiten 64, 98. 
sucker=Zucker 59. 
sül, m.=Schwelle 14, 53, 61. 
sülvven, sülben, sülwest=selbst 9, 

14, 42, 45, 82. 
sülwern=silbern 14, 42. 
sunne, f.=Sonne 59, 76. 
sunnenkuint, n.=Coccinella Septem 

punctata, 
suone. m.=Sohn 38, 39, 47. 
sünte=Sanct 14. 

sür=sauer, sür, m.=Bieressig 20. 
süs=sonst 13. 
süfen, süsken=einlullen. 
süster, f.=Schwester 14, 53,61,77. 
suüe, f.=der Sud. 
suüke=siech 31, 80. 
suüken=siechen 64, 97. 
suürken, m.=Sauerampfer 78. 
swabbeln=quappen 98. 
swäger, m.=Schwager 18. 
swaiden=schwitzen 10, 94, 96. 
swaigerfäer, m.=Schwiegervater 

24. 
swäine , m.=Gänse-, Schweine-, 

Kuhhüter. Vor 15 Jahren noch 

gebraucht, 
swait, m.=Schweifs. 
swak=schwach 65. 
swalwe, f.=Schwalbe 76. 
swänen=schwanen 96. 
swanke=biegsam, geschwind (vom 

Gange) 80. 
swärm, m.=Schwarm 37. 
swärn, f.r=l) Schwäre, 2) Schwarte 

19, 
swärt, swat= schwarz 19, 45. 
swäur=schwer 28, 45, 56, 80. 
swellen, stv.=schwellen 9, 10, 86. 
swemmen, stv.=schwimmen 9, 10, 

13, 86. 
swiar'n, stv.=schwören 37, 38, 89. 
swiawel, m.=:Schwefel 36. 
*swieben, f.=Peitsche 35, 48, 76. 
swicheln=saufen 59, 67. 
swicke, f.=Gerte 7, 59, 76. 



152 



Bwiokede-ful übervoll, 
Bwingen, Btv. schwingen S6. 

s\\m-gen=klagen, xiifzen 34, 59. 
♦awuie, gew. adv. Btark, heftig 

'.». 32, 54, 59, BO. 
swnigen, Btv.=8chweigen 16, 24, 

. 67, B9. 
Bwuimen, m. Schwindel 32, 46. 
taliWcit. ni.=Talar, langer Rock, 
tabben, tappen: zapfi d 18, 95. 
tabbeln=zanken. 
"Tftder, m.=Zigeuner 1."». 
tftdern, taddern= schnell, unver- 
ständlich schwätzen 98. 
tat- zähe 12, BO. 
tafel, f.= Tafel 51. 
taigel, ni.: X i i ■ u « ■ 1 26. 
taihen=ziehen 14, 17. 26, 27, 31, 

35, 67, 69, 92. 
täike=Ladentisch. 
täiken=Zeichen 78. 
täiknen=zeichnen 98, 100. 
tain, taihen, tainen, m. und f.= 

Zehe 24, 47. 
Taifsen, Ortsn. TlieeJ'sen 59. 
taite, täite, m.=Vater (veraltet) 24. 
taifink. m.=ein Kalb 26. 
taiwern=umherirren 24, 52, 98. 
taksruüe, täckel, m.= Dachshund 

50. 
t&l, m.=Zoll 59. 
tal, f. Zahl (i. 15. 
talberich=wie ein junger Hund. 
talle==munter (von Hunden), 
'tallert, tället, m.=ein verwegener 

oder alberner Mensch 58. 
tälge, -je. f.= l) junger Baum, 

2) spitz zulaufendes Landstück 

11. 4L'. tU. 
talch, m.=Talg 43. 
tält, n.=Zelt 59. 
tan, m.=Zahn 37. 73. 
tänger=munter. hurtig 11, 47. ".7. 
tänte, pl.=Possen. 
tänterbiarch,m.=Berg der „taute". 

im Räthsel. 
taske, f.=Tasche 60, 7<i. 



ta8sen=beta8ten 60, 95. 

täum, in. Zaum 27. 

täuiii. tarn. in. Thuini 19, 28, 
1 1. 17. 77. 

teilen zählen !».">. 

tin. to=zu 33. 

teobast, m. - ein zäher Bursche. 

teobastich=zähe 33. 

teofluijjen= aufputzen, „zurichten" 
i ironisch i. In Budein 68. 

teoglben aufgeben, ''ine Thätig- 
keit. 

teoken=künftig, „teoken wiel 
:-7. B5. 

teokuomen=angehören, „wän ktims 
diu ten y- = Wessen Kind bist du? 

teospriaken: besuchen. 

tiamen=zähmen, über's Herz brin- 
gen !>7. 

tiar, m.=Theer 36. 

tiaren=l ) zehren, 2) theeren ■>*>. '.>7. 

tiargen (oder tiagen ?) = hetzen, 
reizen 3<i, 97 • ' 

tidde. titte. f.=Zitze, davon tid- 
ken 56, 57. 

tiddebut (tt), m.=Säugling (Seh.) 

tiegen=gegen 36. 

*tiekebäune, f.=vicia faba (L.); 
hd. teckelbohne bei Nemnich II, 
592? Westf.-hd. Pferdebohne. 

tielen=zeugen, erzielen 35, 92. 

tieläüsken, n.=wilde Primel 19, 
28, 36, 77. 

tiepken=mit dem Finger necken 
36, ."Ki. 99. 

tigge, tich=flügge 8, 17. 54. 

tigges, m.=Epheu. 

ticheln=Ziegel streichen. 

tik. m.=die Berührung 7. 

timmer, n.=jedes bäuerliche Wohn- 
haus. 

timp, -pen, m.=Zipfel, Landspitze 
72, 75. 

tins, m.=Zins 59. 

tip, m.=Punct. 

tipk, m.=Spitze. Knopf eines Din- 
ges 7. 65. 



153 



tir, n. (hd.)=das Thier im Gegen- 
satz zum Menschen 72. 

tittentäiwen, up t.-=auf den Zehen- 
spitzen 50. 

tiude, f.=Düte 30. 

tiuden, tüten=ins Hörn blasen 16, 
30. 

tiuk, m.=Stachel, Spitze. 

tiiin, m.=Zaun 30. 

tiuf-up!=auf! zu Rindern. 

tiusk, m.=Haarbüschel, Zipfel 30, 
72. 

tTwe, auch tlwede, f.=Hündin 15, 
7G. 

tobben, m.=Pflock. 

toeben=warten 11, 34, 53, 58, 
100, 101. 

tocken=locken 10. 

toemich=ruhig, „dat es en toe- 
mich hius"=in dem Hause geht 
es ruhig her 34. 

top, topk, m.=Zopf, Wipfel, Dolde 
10, 72. 

towweln=zaudern 52, 98. 

trabanten, pl.=Kinder (Seh.) 

träch, m.=Trog 12, 38. 

*tralte, f. = Geweihende, Zahn- 
wurzel mit zwei Asten, über- 
haupt Wurzel oder Zweig mit 
Krümmungen 58, 76. 

trat, m.=Tritt 11. 

traue, -en, träun, f.=die Spur 
28, 57, 77. 

tredde, f. = Ackerwalze 76. 

trecke, f.=Auszug, Schublade 77. 

trecken, stv.=ziehen 9, 10, 88. 

triaen, stv.=treten 6, 11, 24, 37, 
54, 87. 

triems, m.=Tremse, blaue Korn- 
blume 57, 72. 

triefein, triffeln=kreiseln 36, 58,98. 

trihali-trihaleo !=Hirtenruf 83. 

troenen, tränen=flehen, mit Bitten 
quälen 58, 97. 

trop, m.=Trupp, Herde 10. 

trüagen, sik=sich zanken 40, 97. 

trügge=zurück 58. 



*trügge, f.=Schöpflöffcl 63, 77. 

trummel, f.=Trommel 78. 

trüwwe=treu 80. 

trüwwe, f.=die Treue 53. 

trüwwen=trauen 14, 53. 

tso-hoe!=Hirtenruf 57, 83. 

tsu, tsuch! Interj. des Anfeuerns 
57. 

tüakstern=schreien, von Hühnern 
39, 99. 

tuarf, m.=Torf, Rasenstück 38, 72. 

tüawer, m.=Zuber 39. 

tubben, f. und n.=Butte 48, 58. 

tudk, m.=Geschwulst. 

tüedeln=bammeln, zögern 40. 

tüedern=tüddern 

tüenen=l) quälen, 2) in die Länge 
ziehen, verwickeln 40, 97. 

tüel'eln (üö)=zerren, liebkosen 61. 

tüffel, m.=Panton e el 51. 

tügel, m.=Zügel 17. 

tuch, täch, toch, m.=Zug 38, 72. 

tuidich=zeitig 55. 

Tuich, dat. Tuijje, m.=I)orfplatz 
68. 

Tuijjem=:Tiemann, Fam.-Name 68. 

tuit, f.=Zeit 32. 

tucken=zupfen, zucken 95. 

tülken=pissen 1 3. 

tuls, m.=Beule. 

tunge, f.=Zunge 77. 

tunne, f.=Tonne 77. 

tünfeln=zausen. 

tünfemaife. f.=Baummeise. 

tüntel, m.=Zunder. 

tünteln=zaudern, herumzerren 13. 

tuok, m.=das Zucken, Beule, Ge- 
schwulst 39, 54. 

tuokebuül, m. =Ziehharmonika. 

tuoken=ziehen, zupfen, zucken 97. 

tuokern=verzerren, verwirren 39. 

tuordeln=taumeln 56. 

tuork, tuark, m.=der Kork 38, 58. 

türdel, trüdel, n.=alte Jungfer 
(Seh.) 44. 

tuor'n=summen, girren 97. 

türfläige, f.=Viehbremse. 



1T>4 



tii^! intrrj.=lass! rühr niclit an! 

13 
tüsken, unnertüsken=zwischen 53. 
tÜ88en= :beschwichtigen. 
tuügen=Zeugni8 geben 31, 97. 
tuüch. n.=das Zeug 30, 67. 
tuünen=zäunen 97. 
twai=zwei 57. 
tw&ich=enzwei 69. 
twairnt, m— Zwirn 24, ">8. 
twaa=qner 6, 45, 58. 
twasbr&ke, m.=Querkopf. 
Hwiagen, stv.=beugen 35, 37, 

58, 92. 
twialk, m.=l) Zwerg, 2) Taumel- 
lolch 36, 43. 
twiarwuint, m.=Wirbelwind 5 S . 
twiele, -en, f=Gabclast, Bifur- 

cation 35, 58, 
twiesken, pl.=Zwillinge. 
twik. m. und n.=kleiner Zweig 

58, 72, 73. 77. 
twüsk=schwindelig 58. 
twingen. stv.=zwingen 86. 
twuibäin't=Zweibeinig s < i. 
twuihäür'eh=zw'iespältig so. 
twuijjen (sik)=zweitheilen , sich 

entzweien G8, 96. 
twuiwel, m.=Zweifel 52. 
ü! Interj. der Entrüstung, Furcht 

16. 
uaben. -vre, m.=Ofen 38, 4 X . 
uabeu, -pen=offen 38. 
*uake, m.=junger Bursche 38, 75. 
üakste, f.=Ecke zwischen Dach 

und Seitenwand, 
üalje, m.=Oel 67. 
üam, ni.=Oheim 40. 
üanernt, m.=Mittag, Nachmittag, 

fan üanernt=heute Nachmittag 

40, 58, 72. 
üar=ihr 81. 
üawer=über 39, 52. 
Üawert=Eberhard 40. 
üawste=oberste 39. 
* uchte, £.=Fruhfltunde, Frühkirche, 

Frühstück 8, 74. 



achten= in der Morgendämmerung 

arbeiten 95. 
uiben, m. Epheu 32. 
aiben, pl.=Eidech8en 4-. 
uibenkratse, f.=eio Tümpel mit 

Eidechsen 32. 
aiie eitel, schier 9, 54. 
uil'ern — (,'isorn 4 1. 
uiskückel, -kiakel, m.=Eiszapfen 

1 l. 32, 36. 
ulmerich, olmerich=morsch 8. 
iinnne=um 13, 45. 
üms— jemand. 

ündÜget=ungezogen 17, 40. 
unducht, f.=Untugend, als masc. 

=Taugonichts. 
ungel, m.=Talg. 
unluü'ch=aufgeregt, exaltirt. 
unnerfuinsk=arglistig. 
unrast. m.=?Pendel. 
uni'elich=schmutzig, unordentlich. 
unsachte=ungeschlacht (i7. 
uolm. üölm, m.=Dampf 73. 
üorgel, n.=Orgel 78. 
uorsel. uofel, n.=Abhub, Schutt, 

Asche. Zunder 39. 
uoren=wühlen (von Schweinen) 97. 
up, uppe. -bbe=auf 9, 70. 
upbülken=raufstofsen. 
upfaihen=aufTüttern. 
upkuaker, m.= Verschwender. 
uppestunt=jetzt. 
upraier. m.=Kamm 77. 
uüfse, f.=Kröte 59, 77. 
uüi'senpat, m. — Geschwulst am 

Fufse. 
*uüterbuk, m.=Zwitter, vgl.kuüter- 

buk 65. 
wä?=wie, wo? 12. 52, 53, 70. 
wabbeln=quabbeln vor Fett, wab- 

belich 6, 98. 
wädergask, m.?=eine Pflanze, im 

Flachs wachsend 18. 
wäderkasse, f.=Kresse 15, 45, 52, 

55. 
wfien=verkehren 96. 
wägen=gehen. Ik wäe, wäge da 



155 



nich=ich komme dort nicht 15, 

96. 
wägen=wagen 18, 96. 
wäge, wägen, m.=Wagen 37, 75. 
wäge, f.=die Wage 18. 
wach, m.=Weg 11, 63, 67, 72. 
wäide, in.:=Weizen 25, 76. 
wäide, wäien, f.=Viehweide 25, 

55, 76. 
wäidäge, pl.=Schmerzen 72. 
waifen=prügeln 51, 52. 
waige, -en, f.=Wiege 24, 77. 
wäih=weh. 
waijern=weigern 68. 
wäik=weich 65. 

wäien, wäinen=l) jäten, 2) wen- 
den (Flachs, Heu) 26, 96. 
wäinich=wenig 25. 
wäinwärp, m.=Maulwurf 19. 72. 
wair'n, stv.=werden 11, 19, 20, 

24, 34, 44, 56, 86. 
wairt, m.=l) Werth, 2) Wirth 24. 
wairt=werth 24. 
wairwulf, m == Wärwolf. 
wajjen=wehen 68. 
wäke, f--=Öffnung im Eise. 
wacke, f.=Molkenwasser 54, 72. 
wäken, stv.=wachen 14, 89, 96. 
wacker=schön, geschmückt 6. 
wäl, f.=die Wahl des Mondes 17. 
wälmialke, f.=aufgekochte Milch. 
waltern, f.=Walze 76. 
wäl, wal, wual=wohl 7, 12. 
wan=l) wann? 2) dann, wenn 6. 
wän=wenn 11, 45, 70. 
wäne=wüthend, als adv. sehr 18. 
wäniens=wo, woher? 
wanken=wandeln; ferwank, m.= 

Spielraum, 
wanne. f.=Futterschwinge. 
want, n.=Tuch. 

wantlius, wanse, f.=Wanze 46, 58. 
*wäpkenbräut, n.=Wurstbrod 52. 
wär=l) wer, 2) wieder 11, 46, 

82, 83. 
wärdel, f.=Warze 20, 74. 
wärm=warm 37, 44. 



wär'n=in Acht nehmen 19, 43, 

44, 96. 
waskelstäin, m.=Waschstein 43. 
wasken, stv.=waschen 6, 10, 11, 

39, 60, 64, 89. 
was, n.=Wach8 6, 60. 
was, m.— Wachsthum 6. 
wässen=wächsern. 
wassen, stv.=wachsen 6, 39, 89. 
wastum, m.=Kraft zum Wachsen. 
wäult, m.=Wald 11,22, 26, 27, 28. 
wäur=wahr 80. 
wäwer, m.=der Spukgeist, 
wek, wecke ?=welcher? (de) wecke 

=einige 43, 82. 
wel, ik=ich will 4, 8, 42, 43, 60, 

70, 102. 
welle, f.=l) Quelle, 2) W T elle, 3) 

Umkreis 76. 
weltern=wälzen, walzen 9, 98. 
weort, wört, n.=Wort 20, 34, 44, 

58, 73. 
W r estfailinger=Westfale 24. 
wet mäken=gut machen, ausglei- 
chen, 
wiagen, stv.=wiegen 27, 29, 35, 

37, 38, 87. 
wialich=wohlig, muthwillig, „dat 

käurn es wialich"=das Korn 

steht frisch 37, 80. 
wialdäge, pl.=Muthwille, lustige 

Tage 37, 72. 
wialmeot, m. auch walmeot=Über- 

muth 37. 
wiame, f.=die Pfarre 36, 54. 
wiar, n.=W r etter 36, 79. 
wiark, n.=Werk, Weberstück 36, 

44, 74. 
wiarks, n =der Stoff der Arbeit 74. 
wiarkeldach, m.= Werktag 43. 
*wiarlocken=wetterleuchten 11,95. 
wiarmde, f.=Wärme 37. 
wiarmke, m =Wermuth. 
wiaske, f.=Tante, Cousine 60, 74. 
wiaAven==weben 97. 
wibben, -ppen, f.=die W T ippe. 
wibben=aufhüpfen, aufschnellen 7. 



156 



meden=wi8sen 13. 25, 36, 59, 
61, Ti». 102. 

wieke, f. =Woche 36, 56. 

wiemeln=wimmeli] 36, 6« 

*wieptinken, pl.=Hagebutten. 

Wiefer, f.=Weser 36. 

wicht, f.=Mädcheo 77. 
wik, m =Enterich 17, 52, 72. 

wicken— wahrsagen, zaubern, ik 
wil't di wicken=ich will dir 
Mores lehren 7. 65, ( .'5. 

willewas. m.=die Flechsen, beson- 
ders im Nacken von Thieren. 

wimpeltüage=Winkelzüge 4G, 50. 

winken, stv.=winkeii 8(i. 

winnen, stv.=gewinnen G, 13, 47, 
76. 

wins, m.=Gewinn 61. 

w ip, wik !=Lockruf gegen Enten 16. 

wipken, pl.=Possen 50. 

wilber, f. = Weichselkirsche 7. 

wisk, f.=Wiese 7, 52, 60, 74. 

wisken=wischen 99. 

wispe, wispelte, f.=Wespe 50, 53, 
60, 74. 

wispeln=fli stern, munkeln 85, 98. 

wispelte. f.=Mispel 53. 

*wispeltüete=l) Mistel, 2) Gau- 
keleien, 3) Wirbelwind 7, 40, 60. 

wisse, adj. u. adv.=gewiss 7, 60, 80. 

wit— weifs 8, 57, 79. 

witkawwel, m.=Grünschnabel 77. 

wlwel, m.=Käfer 15. 

woeste=w r liste 80. 

wracken=:abbrechen 52. 

wrensken=wiehern (mehr osnabr.) 

wricken, -eln=drehend wickeln 49, 
52, 98. 

wringen, stv.=ringen, ausringen 
7. 52, 86. 

wrist. frist, f.=Frist der Hand. 

wruiben. bruiben, stv.=reiben 16, 
24, 32, 43, 89. 



wuw !=Interj. des Schmen 

wuide, f.=die Weite 32. 

wuie. -eii, f.=die Weide (I'>aum) 
32, 54, 76. 

wuien. wniden=weiten ">5. 

wuien- jäten 96. 

wuier: wieder 32, 54. 

wuif, n.=Weib. 

wuijjen==weihen. 

wniken. Btv.=weicheo 24, (i5, Mo. 

wuil, wuils, wuis dat=während, 
weil, da ja. 

wuile, f.=das Verweilen 32. 

wuimen, m.=Theil des Kauchfangs 
32, 75. 

wuinen, stv.=winden 28, 30, 32, 
86. 

wuinefürsel, n.=Schaukel. 

wuinkäup, m.:=Angeld, Pachtkauf 
32, 

wuip, wip, m.— -der Wisch 17, 32, 
49, 72. 

wuir'n^wehren 96. 

wuile. wuis=weise, wissend 79, 80. 

wuile, m.=der Weisel 32, 45. 

wuilen, stv.=weisen 32, 90. 

wuit un suit=weit und breit 32. 

wolf, m.=Wolf 42, 43. 

wullacken, wallacken=hart arbei- 
ten 69. 

wullenpidden, rn.=der Rohrkolben, 
typha. 

wulst, m.=der Wulst. 

wulwerskläue, f.=Wolfsklau, lyko- 
podium. 

wuoken, m.=der Rocken. 

wuonen=wohnen 38, 39, 97. 

wüönlik=:wohnlich 39. 

würken (üer)=weben 21, 97. 

würksel, n.=Garnfäden, die an der 
Seite des Gew f ebes (wiark) über- 
hängen. 

wulTeln, buffeln=wühlen 98. 



Zusätze und Verbesserungen. 



Indem die deutsche Schrift des Mannscriptcs in lateinische Lettern übertragen 
wurde , entstanden einige orthographische Inconsequenzen , welche auszugleichen 
namentlich in den ersten Bogen nicht immer gelungen ist. So steht mehrere Male ss 
statt fs und k statt c. Ueber üö=üe vergl. § 89. 

S. 8, § 11 liegt in den Formen drift, schrift u. s. f. nicht. Verkürzung, son- 
dern ursprüngliche Kürze vor. Ebenso ist s. 8, § 12 das u in bedudde, hudde u. s. f., 
s. 9, § 13 das e in bredde, spredde u. a., s. 11, § 15 das o in bodde, fiodde u. s. f. 
und s. 14, § 20 das ü in süchs, lüchs etc. ursprünglich kurz. 

S. 3 älteste 

S. 9 spriezte 

S. 11 herzte 

S. 11 Bäum 

S. 13 wechselnd mit o, i 

S. 15 pegel 

S. 20 är aus ar 

S. 23, § 45 diphthongen 

S. 34:, § 73 ruhig, gelegen 

S. 35, § 75 das ie 

S. 39 duortken 

S. 44 präs 

S. 45 entseht 

S. 45, § 108 wir geben 

S. 47, § 112 munfal 

S. 47, § 114 Unoranisches 

S. 68, § 186, 4 bruujjem 

S. 89 fraget 

S. 89 frag 

S. 92 fale 

S. 112 schäpstal 

S. 121, a Giuster 

S. 129, a gädetl 

S. 137, b luchtläiwerken 

S. 140 nüiwer 
Zu dem Wortregister sind nachzutragen : 

äinwellich=gleichmäfsig. — bläüe=blöde. — Zu S. 120, a bleome : auch 
bleomen. — druiankel, m.=Dreieck. — elde, f.=Alter. ,,he häd de elde nich"=er 
hat nicht das Alter. — farm=straff, tüchtig. — fernüms, m.=das Verständnis. — 
ferswiar'n, sik=falsch schwören. — fiele, adv.=viel. — fillen=durchwalken, „ik wel 
'n fillen". — Zu S. 129 güölen : eigentlich rieseln, von Erde und Körnern. — Zu 
S. 129. b hainsk : auch hoensk, z. B. ,,de bäum es hoensk"=der Baum kann nicht 
vertragen, dass man ihm an die Wurzel kömmt. -- hübsken, adv.=hübsch. — 
kräken=krächzen. — muor'n, die Frösche „muor'n" im Frühling. — schannen= 
sehr laut schimpfen, „san schannen un schäilen". — Zu S. 155, a wäpkenbräut: 
auch mäpkenbräut. 



lies 


ältere. 


)> 


spreitete. 


)> 


heizte. 


5' 


Baum. 


}J 


wechselnd mit o, ü 


)) 


Pegel. 


5> 


är aus ar. 


)> 


diphthongischen. 


>) 


ruhig-gelegen. 


99 


des ie. 


5? 


puortken. 


J> 


präs. 


)) 


entsteht. 


>) 


wir gaben. 


)> 


munful. 


)) 


unorganisches. 


)> 


bruujjem. 


99 


fraget. 


5) 


fräch. 


)J 


falle. 


V 


schäpstal. 


5J 


Ginster. 


)) 


gädel. 


99 


luchtläüwerken. 


99 


nuiwer. 




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