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Full text of "Wien's kaiserliches Zeughaus: Zum ersten Male aus historisch-kritischem ..."

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1817 




AKTES SCIEMTIA VBI.ITA* 







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FlezUis InducÜB animatar lamina membris, 
HorribUis visu! credas simulacra moveri 
Ferrea cognatoque viroa spirarö metallo. 
Par vesUtus equia, ferrata fronte minantur, 
Fenratosque movenl aecuri vulneris armo». 



LUCRSTIÜ9. 



tyWinuk*»wlianiZtii4luiu.T«IV.TiIAfr. ITliffL 






248 t). 




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WIEN'S 



KAISERLICHES ZEUGHAUS 



AUS HISTORISCH - KMTISCHEM GESICHTSPUNKTE 

BETRACHTET, FÜR ALTERTHUMSFREUNDE UND 

WAFFENKENNER BESCHRIEBEN, UND 



HEBADMinaEBEM VOM 



FR. VON LEBBR, 



DBS KÖNIGLICH . SÄCHSISCHEN VEREINS FÜR ERFORSCHUNG UND ER. 
HALTUNG VATERLÄNDISCHER GESCHICHTE UND KUNSTDENKMALE ZU 
DRESDEN ORDENTLICHEM AUSWÄRTIGEN MITGLIEDE , ^ES HISTORI- 
SCHEN VEREINS VON OBERPFALZ UND REGENSBURG ZU REGENSBURG 

CORRBSPONDIRENDEM MITGLIEDS ETC. 



EBSTERTHEIL 



MIT EINEM TITELDILDE. 



LEIPZIG, 1816. 



BBl KARL FRANZ KOEHLER. 

WIEN, BRI BRAUMÜLLER V. SBIDRL. 



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^¥l5rf- a/3 



DERUMEI 

DES TEATKRÄFTIGEH KUPFERS 

GEGEN 

DIE TORTUR IN ÖSTERREICH 

PROFESSORS DER AN AT. AN DER WIENER -UNIVERSITÄT 

KAISERUCHEN RATHES UND LEIBARZTES 

WEILAND IHRER MAJESTÄT 

DER 

KAISERINN MARIA TBERESIA 

BTC. RTC. RTC. 



IM GEFÜHLE INNIGER ACHTUNG UND LIEBE 



GRWIDMRT 



VON SEINEM RNKSL 

DEM VERFASSER. 



VORREDE. 



Uas Bestreben, die vielen angekannt und un- 
genützt in Wien^s kaiserlichem Zeughause verborge- 
nen Reste früherer Jahrhunderte den Yaterlandsfreun- 
den bemerkbar zu machen, und hierdurch mittelalter- 
liche Forschungen zu fördern, bildete den Haupt- 
zweck des vorliegenden Versuches. 

Als ich die zu besprechenden Waffensäle zum 
ersten Male als Jüngling besuchte, betrachtete ich 
die vielen Harnische mit ungewissem Blicke, zwei- 
felnd, ob des Führers Aufzählung der vielen erlauch- 
ten Träger Glauben verdiene, deren heldenmässiges 
Wirken oft Jahrhunderte geschieden hatten, obschon 
ihr Eisengewand sich so ziemlich glich ; — ich sehn- 
te mich nach Licht — aber Niemanden traf ich , der 
mir die Räthsel gelöset hätte. Seit jener Zeit hat so 
Manches sich geändert — und nun bedarf ich des 
Führers nicht mehr. 

Eine genaue Kenntniss der Sitten und Geräthe 
des Mittelalters, insbesondere der Ritterzeit, ist zu 
einer eindringlicheren Würdigung jenes Zeitraumes 
überhaupt unentbehrlich, vorzüglich die Waffenkun- 
de ; da Kampf zu Schimpf und Ernst einen grossen 
Theil des Ritterlebens füllte, da Waffen des Mannen 
liebster Zeitvertreib, sein schönster Schmuck gewe- 
sen; dennoch waren Saintjs-palayjc und Klübbr> 
W£B£fi und BüscHiNG, so wie manch'' andere 



vin 

Schriftsteller fiber Ritterzeit keine Waffenkenner; 
manche Blosse wurde daher sichtbar, und es bleibt, 
ohne übrigens das Verdienst dieser wackeren Män- 
ner schmälern zu wollen , zu bedauern , dass dieses 
Hauptglied in der Kette mittelalterlicher Forschun- 
gen ihren sonst ehrenwerthen Leistungen gebraeh« 
Ihnen diente jedoch der damalige Mangel an Vorar- 
beiten als Entschttldigungsgrund, deren gegenwärtig 
schon so viele aufzufinden sind, dass ein kurzes und 
fassliches Handbuch der Waffenlehre des 
Mittelalters wohl ausführbar erscheint; und ich 
erachtete, da wir noch kein deutsches der Art besi- 
tzen , es für erspriesslich , in vorliegende Beschrei- 
bung mehrere geschichtliche Andentungen 
über das alte IVaffenwesen zu verflechten, 
um auf Jene Schätze die Aufmerksamkeit zu lenken, 
welche übersehn in ölfentlichen Räumen schlum- 
mern, ohne dass, ich will nicht sagen das Ausland, 
selbst das Heimatland sie gehörig zu würdigen ver« 
mag! Gedruckte Verzeichnisse überWaffensammlun« 
gen bewahret die Lesewelt in Mehrzahl, allein einen 
Catalogue raUonne hierüber war ich noch nicht so 
glücklich aufzufinden. Somit erscheint mein syste- 
misirtes Verzeichniss über eine der grössten Waffen- 
sammlungen Europa's als die erste Arbeit dieser 
Art, wozu ich mühsam selber mir die Bahn brach. 

Die in dem Buche fortlaufenden Nummern der 
verschiedenen Gegenstände wurden beliebig gewählt, 
um sich leichter darauf berufen zu können ; in der 
Sammlung sind keine vorhanden. Auch dürfte man- 
che nähere Beschreibung der Stelle, auf der ein be- 



stiraintes Stack zvfiaden sein sollte^ nun nicht mehr 
entsprechep; da in den Kammern eina^elne Gegen- 
stände nicht selten ihren Platz verändern mässen) 
wogegen die Happtordnnng wohl stets dieselbe bleibt* 

Die im Texte durch B, F. W. F. oder F. K* fÄe- 
merkungen für Waffenfreunde und Kenner) bezeieh-* 
neten Absätze sind zu grösserer Bequemlichkeit der 
Leser - Mehrzahl von der allgemeinen Beschrei- 
bung getrennt ; damit, wer nicht in's Einzelne zu ge- 
hen wünscht, selbe leichter überschlagen kdnne. Dass 
aber das vorliegende Werk bei Besehreibung der 
Harnische umständlicher, und aus allen bisher be- 
stehenden Waffenkatalegen der Erste systematisch 
zu Werke ging, mag Keinen befremden, welcher die 
Seltenheit solcher Kleinode jeder Waffensamm-* 
lung, die mit jeder Decade sich bedeutend steigert, 
und den W e r t h derselben zu würdigen weiss ; wor- 
nach es sich wohl der Mühe lohnte, Aber ein Stuck, 
dessen Preis selten unter 200 9 häufig aber mehrere 
1060 Thaler beträgt, ifai Paar Druckseiten zu liefemw 

Die mit gothique gedruckten Überschriften sind 
meist in jener alten Schreibweise der Rustmeister 
abgefasst, welche wir noch aus ihren Waifenfund- 
buchern ersehen. Manche Leser hätten die heutigen 
Waffenbenennungen lieber an solchen Stellen getrof- 
fen , allein Kenner werden mir beipflichten, dass ich 
recht gethan ^ weil man sonst leicht mit dem alten 
Ausdrucke auch den alten Begriff verliert, abgesehen 
davon , dass wir für viele alte Geräthe gar keinen 
neuen Namen besitzen, daher gezwungen bleiben, den 
alten aufzusuchen. Mit diesen alten Benamuogen 



X 

fibereinstiiiimend durfte wohl faglteh — nenne man^s 
immerhin antiquarische Spielerei — die übrige Spra- 
che der Aufschriften eingerichtet werden, um bei 
dem Leser nicht jenen Eindrucle zu verlöschen, wel- 
chen der Anblick eines alten Rustmeister - Fundbu- 
chM bei jedem Alterthumsfreunde erregt; leeines- 
wegs aber geschah es , um zur Meinung zu verlei- 
ten, als sei dies die Sprache des amtlichen, weit 
neueren Inventares. Solche Erörterung erschien nö- 
thig, um Missverständnisse zu verhüten. 

Damit jedoch meine Wahl der alten Benen- 
nungen gerechtfertiget erseheine, und der geneigte 
Leser deren langjährigen Gebrauch und Wechsel be- 
quem mit einem Blicke zu übersehen vermöge, war 
ich veranlasst, dem vorliegenden Bande ein Rüstmei- 
ster- Vocabular beizugeben, verschiedenen gleichzei- 
tigen Quellen entnommen, welche hier näher bezeich- 
net werden sollen, 

JLm Das erste, und zu unserem Zwecke hin- 
reichend 'alte 'findet man in ^er Anmerkung 18 be- 
sprochen. 

B und C« zwei gleichzeitige Ausforderungen 
zum Zweikampfe sind dem Werke: Spibss, archi^ 
Tische Nebenarbeiten^ entnommen. 

li« ist aus einem anziehenden Rechtshandel 
ausgezogen, welcher sich in dem geschätzten Wer- 
ke: Faeibbrg, Sammlung historischer Schriften^ 
8. Stuttgart 1836, abgedruckt findet« Zwei Ritter, 
welche einen Zweikampf beschlossen, und hierzu die 
Bewaflbung genau verabredet hatten, ritten, um ihn 
zu halten, in die Schranken, als der Eine gewahr 



XI 

wurde, duss sein Gegner weit schwerer gerüstet er* 
scliienen war, als ihm nach seiner Ansicht die Ver- 
abredung gestattete. Er weigerte sich daher zu käm- 
pfen, berief sich auf ihren Vertrag und erlelftrte, dass 
er die diesfallige Entscheidung eigenen Scliiedsrich- 
tem unterwerfen wolle. Dies geschah, und es be- 
greift sich leicht, dass hierbei, wie bei jedem Streite, 
alle Einzelheiten zur Spraclie kamen , über die zum 
Zweikampfe gewählten Hamischstücke , ober ihre 
Form, ihr gesetzliches Maas, was man eigentlich 
damals unter gewissen Benennungen ver- 
standen habe, welche Hamischstücke daher der Ge- 
klagte gegen damalige Sitte unverhältniss- 
mässig gross gewählt habe, u« s. w., Erörterungen, 
welche für unsern Zweck nicht leicht passender zu 
wählen gewesen wären* 

SS und Vm endlich findet man vollständig in 
Meidingbrs bairUch^n Hof- und Landlagen abge» 
druckt, jedoch mit einigen Unrichtigkeiten, daher ein 
besserer, und von der Hand eines Kenners berich- 
tigter Abdruck desselben zu wünschen bleibt« 

Die wenigen Sprachneuerungen, welche Man- 
chem vielleicht nicht zusagen dürften ^ sind in der 
Regel durch überwiegende Ansicht gediegener deut- 
scher Schriftsteller veranlasst , wie z. B* Tnypäen^ 
anstatt des älteren Trophäen ^3? Mundvorrath statt 



*^ Vom griechischen T^OTcaia oder rSmischeii tropäum abzalei- 
teil, wenn auch Franzosen, Italiener und Engländer trafßhie^^ 
trofeo und trophy sagen; dagegen Kaltschhidt (Fremd- 
wörterh Leipz. 18430 richtig bemerkt: Tropäeu, die (gr. 
richtiger als Trophäen) ph 



ProviADt, Sehiefbedarf statt Hanition n. d. m. Viele 
alte AusdrScke, wie z. B. Lieutenant, General, Ka- 
n^e, Bajonet, n. a. w, sind ohnedies der Verständ- 
lichkeit wegen beibehalten worden. 

Um das vorliegende Werli nicht über Geböhr 



Xtll 

wiederkehrendes Fortschaffen und Wiederbringen 
gangbarer Waffen so bedeutend leiden , dass der 
Verfasser Fahneninschriflen , die er noch vor drei 
Jahren ohne Mühe entziffern leonnte, n n n nicht mehr 
herauszufinden im Stande wäre. — Und so d^arfte 
nach einigen Decennien dies kleine Buch der ein- 
zige übrige Denkstein so vieler Spuren österreichi- 
scher Tapferkeit bleiben, welche der Zahn der Zeit 
rettungslos dahinraffte! 

Auch die Biographie jedes Helden, dessen Waf- 
fenreste das kaiserliche Zeughaus bewahrt, hätte ich 
beifugen können, unterliess es aber in Erwägung, 
dass kurze Andeutungen wenig gefrommt, und genö« 
gende diese Schrift zu bogenreich gemächt hätten. 

Noch muss ich bemerken, dass bei den Anfah- 
rungen des berühmtesten europäisch«! Waffenwer- 
kes, d. i* Samuel rvsh meyrick, A crüical inquiry 
into ancient amumr etc. allemal die erste Anflage 
V. J« 1824 gemeint ist. Die neue Auflage v. J. 1842 
scheint keine bedeutenden Abänderungen erfahren 
zu haben ; wenigstens ist das Zeughans-Mährchen von 
dem Corvinns - Harnische , welches die alte Auflage 
(in. p. 1 42) verunzieret, in der neuen Auflage wört- 
lich wieder abgedruckt zu lesen (Aufl. v.1842. III. VoU 
p. 1203? obwohl der Herausgeber selbe eine y^edition 
eon-ected and enlarged'' nennet. Ueberhaupt ist die 
dürftige Kurze, mit der dieses grösste Waffenwerk 
([drei dicke Folianten} — Wiens kaiserliches Zeug- 
haus in vier Zeilen abfertiget, eine betrü- 
bende Unbilligkeit. Allein W Meyrick kannte selbes 
nur von Hörensagen, und: „bei Wissenschaft- 



XIV 

liehen Untersuchungen darf man sich nie 
auf einen Dritten verlassen«. Das eigene 
Attge^ das eigene mühsam, mit Ausdauer und An- 
strengung erworbene Wissen, bleiben die sicher- 
sten Leitsterne bei antiquarischen Forschungem^^ Da 
nun der mit Recht berühmte Dritte nur vier Zeilen 
spendete, so erhält der geneigte Leser hier vorliegend 
K w e i B ä n d e , und da die Oesterreicher bisher über 
ihre Sammlung schwiegen, so möchten wir rufen r 

„Wie soll das Ausland an Euch wür- 
„digen, was Ihr selber nicht schätzet ?^^ 

Ich wünsche so geschrieben zu haben, als hätte 
ich kein Vaterland* Wenigstens hoffe ich — dies 
war mein Bestreben — die drei Haupttngenden wis- 
senschaftlichen Stiles, (^der streng, liurz und kalt 
sein S0II3 benrahrt zu haben ; denn nicht einseitige 
blinde Lobhudelei des Inländischen war mein Zweck, 
aber eine gerechte Würdigung österreichischer Alter- 
thümer ; und so mag jeder Waffenfreund das vorlie- 
gende Buch mit vollem Vertrauen zur Hand nehmen ; 
denn je mehr vermeintliche Autoritäten angegriffen, 
je mehr falsche Götzen von ihrem Altar gerissen wur- 
den, (^ wobei ich auch das ämtliche Inventar nicht 
schonen konnte, in wachem sogar noch römische 
Fasces und Kreuzzugsfahnen uogescheut paradir- 
ten IQ, desto höhere Würdigung gewinnen die un- 
angefochtenen Reste, deren historische Echtheit — 
keine Rüge zu treffen vermochte ! 

Wien, im Thaumonat 1845. 

üer Verfasser. 



INHALT BEIDER TUEILE. 



Vorrede VII 

Inhalt XV 

Sesehtehte des kaiserlichen Zea^haases . . . . i 

St&dtisclie Muserieen und Zeugst&del 3 

Von den herzogliclien und kaUierlichen Harnascliluuninern 8 

Scliluss, Cjria desideria) ti 

Des Hasses Äussere Aaslehl t5 

Eintritt in das ksiseiliche Zeughaus 30 

ERSTE LANGSEITE DES HAUSES. 

CSäulenhalle an der Renngasse.) 
Des laspeetors Kammer 33 

Erste Viemng. CK*t<>«r Frlderleha-Halle«) 

Der LuftbaU, die SUavenketten, die vier WelttheUe, das A. E. 

I. O. U. ; teteneiehisehe Fahnen , Petarden .... 44 

Zweite Vierung. 
Mörser, Petarden, firanxösische und italienische Fahnen ... 50 

Dritte Vlernug« 

Fransdsische Pnlverproben , deutsche Mörser, halbe Rüstungen , 

französische Fahnen 61 

Vierte Vieniiig. 

Österreichische und französische Fahnen, schwere Tnmierharni- 

sehe zum deutschen Gestech 63 

K«nlc L«dwlgs.Saal. 

Alle Gestechharnische, Bildnisse Österreichischer Herrscher, König 
Ludwig n., die LauerpfeiflTe 67 

ZWEITE LANGSEITE DES HAUSES. 

Erste Vierung« CBrster ArsenalsaalJ. 
Kaiser Franz f., französische Fahnen, Ross-Stirnen ... 69 

Zweite Vierung. (Die Eucens-Halle.) 

Französische spanische und italienische Fahnen, Fur.st Schwarzen - 
berg, Herzog Karl v. Lothringett, Prinz Eugen ven Saveyen, 
zwei Geschwindstücke 69 



XVI INHALT BEIDER THEILE. 

Der KaiterMMil (der Prunksaal de« Haiiaes}. 

Oesterrelchiscbe, franzAsische, italienteche, preuraisclie, rftmiaeke 
Fahnen und Standarten; Stadt- GJeberfalia) Sehlusael 
von Lyon, Troyes, Angres ; O r d e n I. MM. Franz I., Alexan- 
der I., Friderich Wilhelm III., Fürst Seh warzenbergs, Degen 
Colloredo*8, Denkmale I. MM. Maria Theresia, Franzi, und 
des Fürsten W. Liechtenstein ;Pracht hämische berühm- 
ter Regenten: Rudolf I., Frfderich HI., Friderich IV., Max IL 
Rudolf n., Ernst der Eiserne, 6. Castriota, Alexander Famese, 
Max. L, Karl V., Ferdinand L, Ferdinand n., Ferdinand m., 
und Ferdinand IV. 8t 

Dritte und vierte Vieruug^. (Zweiter Arsenal-Saal)* 

Italienische, franzi^sische, englische, polnische Fahnen, Graf Ferra- 
ris, Kaiser Josef L, Erzherzog Max DL, Kais. Karl VI. . • it6 

Ffinfle Vieraug* (Ole Corviaas-Halie.) 

Kaiser Heinrich I. , Kftnlg Mathias Corvinus, Kaiser Albrecht H.« 

Kftnig Ladislaus Posthumus 189 

Sammlung der Musteigewehre (NormalgewehrliJumBier) . 146 

Kammer für Gewehre fremder M&chte CAaaitederwaflNüuHnactr) 145 

OesehMsiiiodellluNBiiier ........ 147 

ANHANG. 

CAnmerkungen zum ersten Theile.) 

Gebrauch der Petarden 163 

Streitross des Kaisers Max I. 164 

Alter der Drathhemden 165 

Kaiser Frideriehs IV. Wahlspruch 167 

Die eisernen Männer bei Aspam . » . .167 

Anwendbarkeit der Geschwindstucke 169 

Prinz Eugens geweihte Waffen 171 

BUstinelaier-VoeAbalarlaiii 175 

Schluss« Ueber die Rustn^eister unjl das Rüsten des Ritters . . 199 
Berichtigungen und Zusätze zum ersten Bande der Rückblicke in 

deutsche Vorzeit t06 



Vorrede zum zweiten Theile, als Einleitung 913 

Ueber den dermaligen Zustand historischer Museen und mittelalter- . 

lieber Studien Si7 

Ueber die Echtheit der Harnische öffentttcher Sammlungen . SSO 

Kalserilehe Ambrttaer-SaauiliiiiS SSS 

Die Anforderungen der Gegenwart S36 



INHALT BKIDBA THBILK. XYII 

DRITTE LANGSEITE DES HAUSES. 

Kammer am Wall, einst Traunkammer genannt .... tl6 
Sammlung der Projektgewehre (ProbcwaSenkaniBMr) . tM 

Sammlung der LuxuawaflTen (LmaswJtoBlraMnicr) . t48 

Erste Ylernug* 
Doppeladler als Deckenstück, Prebenftrser, Mdrser, Petarde . . S8i 

Zweite Yiernug. CK^lser JoMfti - Waffea-HaUe) 

Bildnisse deutscher Herrncher, ital. u. franzds. Fahnen, Freiheits- 
kappe , Kafs, Josef I. , Kkiserinn Elisabeth, Turnierharnische, 
£rzh. Leopold Wilhelm, Ferdinand 11., Leopold L, Albert VI. 
Filipp II., Erzhensog Siegmund, Heinrich I., Turnierschilde . S8S 

Dritte Ylerong. 
Fransösische n. italienische Fahnen, Teichflinten .... 306 

Vierte Vierung. 

Portal mit Liechtensteins Tropäen, flransösische und Schweizer- 
Fahnen, Brenners Ketten, Aidringen» Hut, Gustav Adolfs Koller 310 

VIERTE LANGSEITE DES HAUSES. 

CSchottenkammer, ehemals genannt: Salzburgerkammer.) 

I«tba8sa-8aal« 

Libiissa, Wlasta, zwei Ritter im Anlauf, der greasa Adler als Dee- 

kenst&ck . . • ' 307 

Brate Vlerauü;. 
Oesterreichische« salzburgische, schwäbische Fahne, Oeckenatuck . 344 

Zweite Vieruug. 
Die Todtenorgel , die damascirte Kanone ; schwäbische Fahnen . 343 

Dritte Vierung. (CoUoredo's-Waflm-llaUe.) 

Regentenbildnisse, Denkmal Colloredo*si Fahnen, Kais. Bfax It., 

Herzog Karl von Steiermark, Kdnig Ottokar, Erzherz. Albert VII. 360 

Vierte Vieruug. 
Schwäbische Fahnen, venezianische Probemörser; seltene Haubitze 361 



XVUI INHALT BEIDER THBIL& 

FSufte Viernug. 

8eliwiUii8Che Fahnen — dsierreichisches Wapen .... d6S 

Die i^rosse TropAeahalie) da8 riesenmässfge Wapen Ungarns . 36a 

AtUla*8 Tropften . , 364 

Bouillon*s Tropäen 370 

Sterbembergs Tropäen 383 

Sobieskrs Trop&en 396 

BesehrelbaBc des groaaea Ariliierlehofes .... 404 

Seblcksale des kate. ZengliauBes i. J. 1805 407 

Ereignisse des Jaiires 1809 410 

Die Riesenkette . . . ' 416 

Gesciüchtliches über die Fortschritte deutscher Buchsenmeister 

und der Geschützkunst überhaupt 439 

Tabellarische Ueberslcht «Ammtllcher Zlerdegeaehtttse des 

kalaerilehen Zeachaases 443 

Gedrängter Ausweis der vorhandenen Geschütze .... 467 

ANHANG. 

(Anmerkungen zum zweiten Theile.3 

Die Herbersteine 459 

Bedeutung des Ausdruckes Muskete 460 

lieber das Wolfezeichen auf Schwertklingen 461 

Die Haiducfcen «... 466 

Zwei PatemosterkÜngen und Freimannsbräuche alter Zeit . 469 
Merkwürdige Annrüste der Ambraser-Sammiung . .471 

Erzherzog Leopold Wilhelm von Oesterreich 476 

Ueber Frauenhamlsche 476 

Schnabelschnhe der Ritterzeit 478 

Die Todtenorgeln der Vorzeit ........ 485 

Der Rang türklsclier Fahnen im XVIU. Jahrhunderte . 486 

Ueber das Gewicht der Harnische 488 

Hamlsehtraebt fies Hllttelalters« und Reschaffenheit der Drath- 

hemden von ihrem Reginne an, bis zu Ihrem Verschwinden . 49S 

Reginn mittelalterlicher Drathhemden '. 496 

Vollendetes Ringgeflecht CPanzerwerk3 499 

Abnahme und Verfall der Panzertracht * 603 

Zweidräthige und dreidräthige 506 

Gattungen mittelalterlicher Harnische 606 

Alphabetlaehea (Saeh- and Namen- VeraeleiiDlas .513 

Rerichtigungen und Zusätze . . .^ 5%i 



^^iSp*^ 



GESCHICHTE DES KAISERLICHEN ZEUGHAUSES. 



Ahgi 



gesonderte Ränme, um darin einen Vorrath von 
Waffen zu bewahren, hatte man schon in den ältesten Zei- 
ten. Schon im Beginne des Mittelalters befanden sich Zeug- 
häuser in Byzanz, nach welcher Stadt bekanntlich Kai- 
ser Constantin im Jahr 830 die Residenz verlegt hatte. 
I. RuEHS O9 nachdem er von Constantinopels , des neuen 
Rom's, herrlichen Mauern, Thürmen, Wasserleitungen , 
Theatern , kaiserlichen Palästen u. d. m. gesprochen, nen- 
net auch unter den öffentlichen Gebäuden die Zeughäuser 
(Ttt jii.aYYava, das armamentarinm) und die Vorrathshäuser, 

Als das Lehenwesen in Europa sich ausgebildet hat- 
te, war wohl Jeder kleine Machthaber theils darauf be- 
dacht, seine Söldlinge zu eigenem Schutze mit Waffen zu 
versehen, theils als Lehensmann verbunden, mit einer (in 
den Lehensbriefen) bestimmten Anzahl von Knechten, die 
er auf eigene Kosten ausrüstete, zum Heere seines Le- 
hensherrn zu stossen. — Im XIP^ und XIIl**" Jahrhun- 
derte hielten bereits Fürsten und Städte gleichmässig wohl- 
versehene Zeughäuser ^), ja selbst Grafen und Ritter be- 



RüEns Handb. d. Gesch. d. Mittelalt. II. t7. 

*3 Raumsr Hohenst. V. 436. u. df. — Man erinnert sich hierbei des 
EnEbischofs von Trier, Miliin Ct 1169), dieses klugen Fürsten, 
der, seine Feinde in Furcht zu erhalten, nicht nur seine Burgen und 
Schlösser befestigte (darunter das berühmte Ehrenbreitstein mit Jener 
tiefen Cisterne), sondern auch seine Zeughäuser mit alleh Arten von 
Waffen füllen liess. Vogt Rhein. Sag. III. SOS. In den Statuten des 
deutschen Ordens, 1120 von dem Papste. Cölestin III. genehmigt, wi<d 
im 4. Cap. 28, gesagt : „dass der Marschall die Aufsicht über das 
Arsenal führe, wo die Ballisten, Bogen und alle andern Waffen ge- 
maclit werden. 

1 



t OBS^'*^'^"* "^"^ ^' ZEVQBAU9E8. 

8«8seo oft »oiehnliche WatTeovorrlOie *}. Aknbas Stlviüs^ 
dieser berfkhinte Schriftsteller, spendet den deutschen Zeag^ 
bftasern des XV. Jahrhunderts namhaftes I^^b. y,In Deatsch- 
,,Iand,^ spricht er^ ,,wo die Knaben eher reiten als reden 
y^ernen, diese nnheweglich im Sattel sitsen, die Pferde 
),mOgen laufen, wie sie wollen, sie ihren Herren die schwe- 
„ren Lanasen nachtragen, und durch Kälte und Hitze früh-- 
„zeitig abgeh&rtet, durch keine Arbeit zu ermtiden sind, 
„wo kein Ritter unbewaiTnet eine Reise antritt, und die 
„Waffen ihm so eigenthfimlich sind, wie die Glieder seines 
„Körpers; wo nicht allein Edle, sondern auch 
«^Bürger ihre Rüstkammern im Hause haben, 
„und bei jedem Auflaufe oder Lärmen in den Waffen er- 
„scheinen; über deren Geschicklichkeit im Regieren der 
„Pferde, Pfeilschiessen, im Gebrauche der Lanzen, Schilde 
„und Schwerter und der Kriegsmaschinen jeder Beobachter 
„erstaunen, wo unwiderstehliches Lächeln Jeden 
„ankommen muss, der in ein Zeughaus irgend 
„einer andern Nation tritt, nachdem er vor- 
„her die Rüstkammern der Deutschen gese- 
„hen hat/^ 

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass eine Residenz^ 
wie Wien, selbst seit den ältesten Zeiten mehr als ein 
Zeughaus besessen habe; wir wollen uns jedoch, alle 
Muthmassungen beseitigend, nur an sichere geschichtliche 
Belege halten. Diesen folgend, erscheint zuvörderst eine 
genaue Unterscheidung zwischen den Zeugstadeln oder 
den Zeughaslen ^), welche die Stadt Wien zu eigener 



Tm Naclilafise des Grafen von Falkenstein C 11^03 befiuiden stell 
60 hattüia, 4 gtdeaey 6 tuhae, 15 loricae, 8 oereae ferreae, It fer- 
reae caligae etc. Monvm. Boica. Vn. 60S. 

O Zeuffiütadel , das ist : Krfegsger&thscheune. — Der Ansdnick 8tadi 
kommt in Schriften des XlVten Jahrhunderts häufig vor ; Kasten da- 
gegen deutete auf eine grössere Hütte zu wirthschafUichen Zwecken, 
daher das noch heute übliche Kastner : Wirthschaftsheamter. 



fiBSCHICHTB DES K. ZKUGHAÜSBS. 3 

Velrtheidig^og hielt, und zwischen den herzogliehen Har^ 
na$ehkammem wesentlich ; von ersteren soll hier zunächst 
die Rede sein« 

STÄDTISCHE MUSERIEEN ') UND ZEUGSTADELN. 

In den filteren Zeiten, vor verhreitetem Gehrauehe 
des Schiesspulvers, hatte gewöhnlich Jeder wehrhafte Bor- 
ger seine Leihrüstnng und Waffen in seiner Wohnung; 
dagegen hewahrte man die Waffen der Stadtsöldner, wel- 
che Thore und Thorthfirme bewachten, theils in den an den 
Rfligmauern gelegenen StadtthOrmen ®), theils in dem der 
Stadt eigenen Rathhause 0* Anders gestalteten sich die 
Verhältnisse nach Einführung des schweren und kostspie- 
ligen Geschützes und bei häufiger Anwendung der Hand- 
feuerwaffen« Denn nun erheischte die Aufbewahrung der 
groben Geschütze,* so wie des Schiessbedarfs (Munidon} 
gebieterisch geräumige Behältnisse, und ein neues Befes- 
tigungssy Stern verbannte die hohen Thürme von den Wäl- 



M u 8 hiess vor Alters anittfltw ferreus^ eine Panzermaschei maetüa 
loricae, darnach brauchte nianH für den Panzer selbst ; Mus-eisen, kH 
rica. Daher Muserie , armamentarium Cdas Zeughaus), T. III. Script. 
Brunsvic. p. 45S, wo die Panzer verwahrt wurden, wo die Muse-* 
Meister das Geld zur Muserie verwahrten u. a. m. Musemeister: Cw- 
raiores armamentarii Cvergl. Faiscn v. Mus). — Hierin liegt auch die 
Lösung des albernen Mäbrchens von Erzbischof Hatto*s Mftusethumi 
Caltdeutsch müs-turn) bei Bingen ; dessen historisch-kritische Wider- 
legung s. m. in: Armin, Taschenbuch für Teutsche auf 18S1. m. K. 
München. 8. p. 157. 

O Noch im XVIItea Jahrhunderte waren in dem ffiberthurm der Stadt 
Wien CpyfAtburm) . Armaturen aufbewahrt. Gsusau, Denkm. rühml. 
erf. Bürgerpf. i$ ; und andern Thorthurmen. Scbeigrr. Bürg. Zeug- 
haus p. 8. 

Bass das Rathhaus der gewöhnliche Ort gewesen , um den WalTen- 
vorrath der Stadt zu bewahren, erwähnen insbesondere von den Städ- 
ten Basel, Zürch, Bern u. a. mehrere Schweitzerchroniken. Diess 
war;auch der Ort, wo man sich vor den Augen des Rathes bewaff- 
nete, die nöthigen Befehle empfing, und dann unter dem Schall der 
Kriegshömer, unter frohem Getümmel dem Feinde entgegen zog. 

1* 



4 OBSCHICHTK DBS K. ZBTTeHAUSBS. 

ien« Demzufolge entsfanden allmfthlich mehrere Zengfstadeln 
innerhalb der Mauern Wien^. — Wir wollen nnn^ Alis»^ 
Verständnisse zu. beseitigen^ den Ort, an welchem die Bür- 
ger Wiens ihre Waffen aufbewahrten: Harnischkam- 
mern^ dagegen die grösseren Räume zur Aufbewahrung 
des HeergerätheSy z. B. der Sturmleitern, Rossmühlen, Hand* 
müblen, Gaisfüsse^ Steigbäume, Blechstürze) Steinkugeln 
u« 8. w.: Zeugstadeln benennen. 

Um das Jahr 1314 stand das Rathhaus Wiens auf 
dem Räume, welchen gegenwärtig das Schönbrunnerhaus 
(Nr. 563} einnimmt. Es hiess auch schlechtweg: die schran- 
nCy und die Harnischkammer ^) der Wienerbürger befand 
sich ebenfalls in demselben. Daher schreibt sich die aus 
grauem Alterthume erhaltene Benennung : das alle Zeug*^ 
hauSy wie selbe noch auf dem Plane Hirschvogels stehet, 
obwohl dieser Name niemals in den Grundbüchern der 
Stadt vorkommt. 

Am 13. Mai 1316 schenkte Herzog Friderich dem 
Rathe von Wien das Haus des geächteten Otto Haim in der 
Salvalorgassey aus dem das jetzige Rathhaus erwuchs, und 
schon im Jahre 1335 finden wir die Scfaranne nicht mehr im 
Sehönbrunnerhanse j sondern urkandlich auf dem hohen 
markt in das jetzige de Pauli-sche Haus (Nr. 534} fiber- 
setzt. Dass die Harnischkammer der Bürger nun in diese 
neue Sehranne y so ^vie in das Rathhaus (in der Salvator- 
gasse} übertragen wurde, ist höchst wahrscheinlich*}* 



*3 Schlager. Wien. Skizz. I. 151. 

*3 Dagegen finden wir das Haus , worin früher die Scbranne gewesen, 
d. i. das dermalige Schönbrunnerhaus bereits im Jahr 1381 In dem 
ftttsschliessenden Besitz eines Ulrich Rdssel, und in einer Urliunde 
von 1386 wird es bereits: das alt Rathhaus genannt. — Obwohl nun 
dieses Gebäude nicht mehr zur Aufbewahrung städtischer Waffen 
diente, so blieb es doch fortwährend ^wie diess mit vielen Häuserbe- 
nennungen zu geschehen pliegt3 im Munde des Volks : das alte Zeug- 
haus , und um das Missverständniss zu vergrössern , miisste es sich 
fugen, dass i. J. 1608 Bartholomäus Freysleben, röm. kais. Majestät 
oberster Hkuszeugmeister, um dieses Haus vergewährt wurde, wel- 



GBSCHICHTJE DBS K. 2KU6HAUSBS. ft 

Die letztenr&hnte Schraone war durch eine bedea«« 
tende Feuersbninst im Jahr 1437 in Asche i^legt wor- 
den. Dieser Unfall veranlasste die Erbauung einer neuen 
Schranue auf der andern Seite des hohen Marktes (gegen- 
wärtig Nr. 545), welche auch im Jahr 1440 zu Stande kam. 
In dieser nun, so wie in dem bisherigen Stadtrathhause^ 
wurden seitdem, wie oben angedeutet worden, die Waffen'« 
vorr&the der Stadt aufbewahrt, bis bald darauf Mangel an 
Baum ein eigenes Geb&ude nöthig machte^ wesshalb: 
im Jahre 1463 der Zenghauskasten am hohen 
Markte *®} an der Steile des in neueren Zeiten abgebro-» 
ebenen sogenannten alten Brunnhauses vorzüglich zur Auf- 
bewahrung des schweren Geschützes errichtet wurde ^'}* 
Anno 1485, in dem für Wien durch Corvins zweite Belage- 
rung und Einnahme der Stadt verhängnissvollen Jahre, er- 
wähnt die Kammeramtsrechnang des Zeugkastens hin- 
ter St. Lorenzen, nahe am Walle der Stadt, wie denn 
gewöhnlich die damaligen Zeughauser in dessen N&he gelegt 
wurden. Auf Übliches Plane Wiens von 1599 ist dieser Zeug- 
kasten (m. Nr. 198 bez.) ungefähr an der Stelle, auf wel- 
cher der aile FieischmarkC und der Sauwinkel (izt Auwin- 
kel gen.} sich vereinigen. Unfern davon lag damals die SL 
Lorenzenkapeile (bei Üblich 196} inmitten der Stirnseitei 
welche gegenwärtig das grosse Laurenzergebäude (der- 
malen Nr. 708) gegen den aMen Fleischmarkt bildet ^*}. 



eher es xwei Stockwerke hoch erbaute, unil mit Kriegs- Siiinbildeni 
schmiickte, und so hiess nun dieses Haus um 1528 selbst im Grund- 
buche: das Zeugmeisterhaus. Seine fernem Schicksale, und wie es 
sp&ter Cvon seinem zierlichen Ziehbrunnen?} das Schild zum schönen 
Brunn annahm, gehOren nicht hierher. Schlaokb. W. Sk. I. 149. 

^^ Ebend. I. 139. 

*0 Schon lim 143)1 kannte man: Kammerbüchsen, Hauffnitz, Terras- 
büchsen Odem c. Daressenbüchsen vergl. GorrscnALCK. VIII.~ 191.}y 
Klosserbüchsen, grosse Büchsen auf Scheiben, Rädelbüchsen, Büch- 
sen in Lad gefasst, Büchsen an Stil gefasst, Uackeubüchsen, Hand- 
büchsen u. a. m.' 

'0 ScuEiGKR, bürgU Zeugh. in den Beitr. z. Landesk. Osterf. tll. 7. 



6 6KSCH1CHTB DBS K* ZEÜGHAÜSBS. 

In der gleichzeitigen Rechnung, dann in den Jahren 1513, 
1518 und 1598 kommt wiederholt der Ansdnick Zeug9ta^ 
dei vor. 

Ans mehreren gleichseitigen magistratischen Vorschrei- 
hungen ist erwiesen ^'), dass im J. 1589 der Waffenzeng der 
Bürger in dem st&dtischen Bathhause in der Sal- 
vatorgasse, und der neuen Schrannen am Hohenmarkt 
aufhewahrt wurde; erst: 

Im Jahr 1589 trat eine Änderung ein, als man ein 
besonderes städti8che$ Zeughaus am alten Fleisehmarkt er- 
baute. Nach der ersten Belagerung Wiens durch die Tür- 
ken hatten die Waffenvorräthe aller Art sich so gehSuft, 
dass man hierzu einen grösseren Baum henOthigte. Schon 
in den Jahren 1441 bis 1444 war ein ehemaliges Badhaus 
am alten Fleischmarkt, gelegen neben der ScMesieröursa 
(Stifthaus f&r die Studenten aus Breslau), als städtischer 
Oetraidkasten hergerichtet worden ^^). Diesen Getraidka- 
sten nun benützte man, um daraus ein st&dtisches Zeug- 
haus zu schaffen, welcher Bau in den Jahren 1589, 1588 
und 1584 einen Kostenaufwand von 9000 fl. verursachte '^}. 
Doch auch damals, und zwar bis zam Jahr 1569 blieben 
die Harnische, wie später gezeigt werden wird, in dem 
Rathhause. Dieses st&dtische Zeughaus, auf Wolmubt^s und 
HiRSCHVOGEL*s Pl&nen angezeigt, nahm einen Theil des jetzi- 
gen Hauptmautbgebäudes in der ganzen Breite des alten 
Fleischmarktes ein. Es blieb jedoch nicht einmal volle dreis- 
sig Jahre daselbst ; denn schon im Jahr 1569 ist von einem 
am Hof neu zu errichtenden Zeughause die Rede, an des- 
sen Stelle früher ein öder Kasten gestanden hatte ^*). Aller 
Waffenzeug sollte blank und vollständig in dies neue Zeug- 
haus übertragen werden; daher arbeiteten durch eilf Wo- 
chen fünf Personen ausdauernd C^clbst bei Kerzenlicht) 



>0 SCOLAGBR. Wien. Skia. I. 161. '0 Ebend. h 140. '0 £beud. 
>*) M. Ytrgl. d. Anmerk. 13. 



GK8CHICHTE DKS K. ZBV6HAUSB8. 7 

an der Reinigang <tor Waffen, und im J. 1564 war dieses 
neue Zenghans, das ein Vorliaiis, nenn Kammern, mehrere 
Gvirölbe und Keller (in letzteren zwanzig Hand* und sechs 
Rossmühlen ^0 enthielt, schon vollst&ndig eingerichtet* Es 
stand nach urkundlichen Daten auf dem Platze des Jetzi- 
gen , und hlieb bis auf heutigen Tag das einzige bürger- 
liche Zeughaus der Stadt Wien. Dagegen erschien das 
Zeughaus am alten Fleischmarltt seitdem in den Acten zur 
Aufbewahrung von Wasserwftgen und st&dtischen Feuer- 
requisitbn verwetdet. — Die fernere Geschichte des Zeug- 
hauses am Hof, seine Wiedererbauung um 1739 n. d. m* 
gehört nicht hierher. Wissbegierige finden genftgende Auf- 
schlüsse hierüber in der oft Gemeldeten trefflichen Schrift 
ScHEiesR's. Uns genüget dieser Hauptumriss der st&dtischen 
Zeugh&user Wiens, höchst bedeutsam in einer Zeit, in der 
die Gebrechen dAr Milit&rverl^sung, und der Mat%el ge- 
regelter Kriegsheere, welche eigentlich erst Kaiser Maxi- 
milian I. gründete, nicht selten den Bürger als vorzüglich- 
sten Beschützer seiner Vaterstadt zu den Waffen rief« Wir 
wollen nun geschichtliche Angaben über die kaiserli- 
chen Waffenkammern aufsuchen« 

Wie bereits oben bemerkt worden, hielten Regenten 
und andere hohe Herrn, überhaupt die meisten Adelichen 
ihre Waffen in abgesonderten R&umen. Auch sie bestimm- 
ten für Stangenwaffen, Wehren des Fussvolks, grosse Büch- 
sen, Kugeln, Sturmleitern, Handmühlen und dergL grössere 
Hütten {Zeugstadeln) \ .dagegen bewahrte man die glän- 
zenden Harnische der Herren, ihre prachtvollen Armbrüste, 
Schwerter, Schilde, Turnierzeuge und Jagdwaffen in -klei- 
neren R&umen, ^yHarnaschkammern^' genannt, obgleich oft 
diese beiden Arten der Behältnisse, nach Gelegenheit des 
Ortes mehr oder minder vereiniget erscheinen* 



'*} Zu diesen unterirdischen Räumen führte gewöhnlich ein schiefge- 
senfcter, für Pferde und Esel brauchbarer Gang. — Die ftosamiihlen 
wurden meist von Eseln getrieben. Scbeigkb B. Z. 9. 



8 .GS8CHICHTJB DES K. 2BI7GHAVSES. 

VON DEN HERZOGLICHEN UNO ^KAISERLICHEN 

HARNASCHKAMMERN. 

Öesterreichs HerrHeher hielten , so wie ftlle grossen 
Herren des Mittelalters, ihren Waifenvorrath znm hequemen 
Gebrauche stets in ihrer Nahe, das ist in der Barg, welche 
eben ihren Wohnsitz Bildete ; 'dieser mochte nun in Mede- 
lik , Nivenburch , Wien , Neustadt oder wo immer aufge- 
schlagen sein , und so kommt es , dass wir in Österreich 
die erste herzogliche Waifenkammer, von welcher Vir um- 
ständliche Nachricht besitzen, im Jahre 1436 in der Her- 
«sogsburg zu Wiener-Neustadt antreffen ^^3. In diesem 
Jahre übergab s&mmtliche h^na$eh tmd %ewg der Har- 
nischmeister Hans Neydecker an den jungen Herzog 
Friderich — nachmaligeu Kaiser Friderich IV« Lange 
diente diese Harnaschkammer zum Gebrauche der österrei- 
chischen Herzoge, und noch Kaiser Ferdinand L liess 
hierzu ein zierliches Portal errichten ^'3« Als Herzog Fri- 
derich den Nachlass des Herzogs Ernst des Eisernen, somit 
auch dessen hernasch und %ewg übernommen hatte, liess er 
auch seinen Stechzeug ^®3, welchen er bisher im herzog- 
iichen Harnasohhause zu Wien aufbewahrt hielt ^ in die 
gemeldete* Harnaschkammer naali Neustadt schaffen , und 



^0 Das gan^e lidclist anziehende Veizeiciinifls aUer einzelnen Waffnn* 
stücke Cworunter Vieles zum Turnier geiiörig), das eine reiche Aus- 
beute für die gleichzeitigen Benennungen aller Rüstungstheile bietet, 
findet sich in Chmbl's Mater, z. österr. Gesch. 4. Wien. Rohrm. 1837. 
I. B. Regest, p. 38 u. ff. Es ist Jedoch für Nichtkenner ohne Com- 
mentar unverständlich. Die in selbem aufgezählten Harnischtheile, 
Büchsen u. s. w. sind aus dem Nachlasse des Herzogs £riist des Ei- 
sernen, f 14S4. 

1*3 ScnsiGBR, Andeut. z. e. Ausflügen im Viertel U. W. W. p. i 10. 

*^0 Stechzeug : das gesammte Geräth für Mann und Ross , das zum G e- 
stech, einer Gattung des TurnierkampCs erforderlich war. Vornehme 
Herren hatten nicht selten ein bis zwei Dutzend solcher Rüstzeuge, 
um sie bei Festlichkeiten den Kämpfern zu leihen. i>aher waren die 
Harnis^htheUe mit mehreren Stell-Löchern und Stell-Schrauben ver- 
sehen, um sie verschiedenen Mannsgrdssen anzupassen. 



6BSCHIGHTB DBS K. ZBÜGHAVSKS. ,• 

sonit wollen wir aueh die einzelnen Flnf^eneige berfth* 

ren,. welche uns von der ftltesten herzoglichen Waifenkam- 

mer zn Wien erübrigen: 

1343 stand das älteste bisher in Wien bekannte landep- 
forstliche Harnaschhaus an der, der Osterr. Kan- 
zeliei gegenüber liegenden Eeke gegen die Augusti- 
ner Kirche hin O^^^t Nr. 1157), und war (bis 1395?) 
Liechtensteinisches Eigen *0* 

1410 trat Johanna von Bayern, Herzog Albrechts IV. von 
Österreich Gemahlin, dem Hanns von Stubenberg für ihm 
schuldige 900 Pf. Wr. Pf. ihr Haus ,,das da haisst 
das Harnaschhaus gelegen gegen den Augusti- 
nern über" ab **). 

1490 jedoch war dasselbe bereits wieder landesfttrstiicliy 
und wurde von Herzog Albrecht V. wahrscheinlich 
«vergrössert. Denn im Wiener-Rathsprotokoll III. 189 
sprechen der Schaffer Herzogs Albreoht V. , Namens 
Oswalt Oberndorfer, und sein Diener Stephan Dienst- 
mann y^von dem Hofpato, auf das HarnaschkausJ' 

1498 werden daselbst foL 989 genannt: ^^der aUeHama$eh^ 
meUter Herzog JJöreehis Kunrat Eekraker und sein 
Nachfolger Remhart.^' 

1440 wurde hier laut der Stadtrechnvng d» e* a» der her- 
zogliche Stechzeug aufbewahrt, die Bürger zahlten 
n&mlich in demselben Jahre 10 Schilling einem Fahr- 
manne der yyvnseres genedigisten Herren Kunig Frie- 
drich den Stechzeug aus dem Harnaschhaus in die 
Neustadt gefOhrt hat.'' 

1441 erscheint dieses Haus als frühestes herzogliches Pul- 
vermagazin ^')* 



'0 HoiiMAYB*s Taschenb. für f 822, p. 44. — Kürz, Albrecht HI. n. B. 
301. — ScHLAGEB, Wien. Skizz. IV. 855, woraus diese Angaben ent- 
nommen worden. 

'0 Herrgott, Taphogr. n. il2. 

") Laut stftdtisclier Vorschreibung d. a. 1441. Schlager, Wien. Sldzi. 
I. ISS. 



10 GBSCHICHf B DBS K. ZBUGHAUSB8. 

1467 (ddo. Ofen 96, Dec) versobrieb LadislausPosU 
bumus yjVnser harnasehhaus gegen den Augusiinern 
zu Wienn eher gelegen^^ dem Ulricb, Heinrieb nnd 
Hanns von Rosenberg^, ^för ihre nuexpem vnd tleis^ 
sigen Dienst **)." 

1460 (17. J&nO verkaufte Jan von Rosenberg dieses Haus 
„das Harnascbbans genannt*^ wieder an K« Friderieb ^*}. 

1488 (13« ])|ai) schenkte K. Matbias Corvinns dem Stifte 
8t. Dorotbee jyVnneer hawSj da% man nennet das 

m 

harnaschhawe in der VerberiUra$$j doxmit einem 
theii das bemeU Closter mit dem andern unseres Heben 
getreuen Sigmunds MaroUinger haws berürt^ vnd gegen 
sand Augustins Closter vber gelegen ist ^")* 

IftM best&tigte Kaiser Maximilian I. diese Scbenkanif. 

1581 (31« Mai) verkaufte des genannten Stiftes Propst 
Hieronymos» der wegen seblechter Gebahrang .bald 
darauf sein Amt verlor, das (noch 1701 sogenannte) 
ungarische Haus an die Eheleute Carl und Anna 
Hirsohl. 

1547 erscheint es auf Wolmubt's Stadtplane als Eigen eines 
Herrn von Khuenring, „ohne Zweifel^^ fügt der ver- 
diente Verfasser der Wienerskizssen bei, ,Jenes stark 
verschuldeten Marquard von Khuenring, mit dessen 
|U)hne Ladislaus 1594 der Stamm der einst so über- 
mächtigen Chuenringe erloschen ist/^ 

Die jüngeren Besitzer dieses Hauses gehören nicht 
hierher. Wir ersehen genügend aus dem bereits Gesagten, 
wie es zuletzt sogar den Namen, das letzte Überbleib- 
sel seiner früheren Bestimmung verlor, und später nie 
mehr zu Kriegszwecken diente *^). 



•O HORMAYR's Wien 11. B. U. B. CXVI. 
>0 Cumel, Regest. Friedrich IV. I. 377. 
*•} Kirch!. Topogr. XV. 7«, S09. 

'0 Seine ferneren Schicksale , als EigenUium des ungarischen Croesus, 
des unglücklichen Grafen Franz Nadasdy , der unter des Henkers 



GKSCHICHT8 DES K. ZKUGHAUSB9. 11 

Das lllr damalige Zeiten ungeheure Geb&ade der Gra^ 
fen CUly hatte am die Mitte des XV. Jahrhunderts einen 
grösseren Flächenraum als die kaiserliche Burg (Schweiz 
serftof) ; es nahm nach Wolmubt's Plane die Hftlfte des ge- 
genwärtigen Bargplatzes ein. Nach dem Tode des Grafen 
Ulrich von Cilly im J. 1466 wurde es zum kaiserlichen 
Zeughaus bestimmt, und theÜMreise als solches benutzt **^); 
obgleich noch nebst ihm ein eigenen Mushans, d« i. eine 
Harnaschkammer zum Gebrauche der österreichischen Her- 
zoge, unmittelbar in der kaiserlichen Burg 
befindlich war, wie eine Urkunde vom 31. Mai 1468 
{über die Theilung der Burg zu Wien zwischen den Brft- 
dern: Kaiser Friderich, und den Herzogen Albrecht und 
Biegmand) an zwei Stellen bekräftiget : Item die gros Dür- 
nU% an das Musshauss vor der Kapellen u; s. ir. *^ ). 
Durch eine Reihe von Jahren diente das Gebäude Her Gra- 
fen Cilly als Zeaghaus , bis endlich Kaiser Ferdinand I« 
die Errichtung des kaiserlichen Zeughauses in der Jetzigen 
Stallburg (dermalen Nr. 1164 bezeichnet) anordnete ** ^). 
Doch blieb das Zeughaus auf dem Burgplatze nicht das 
einzige der österreichischen Landesfürsten, Der erlauchte 



Schwerte endigte (1671), — als H6tel der spanischen Gesandtschaft, 
als Eigen des Grafen M. J. von Althann u. s. w. findet man in 
Sculagbr's höchst schätzenswerthem Quellenwerke : Wienershizzen 
im IV. Bande, pag. 357. 

'* A3 So heisst es z. B. in einer magistratischen Vorschreibung des Jah- 
res 1464: Die Heerhütten (Kriegszelte) die man, von Vesenndorf au» 
dem Veld prachi, sind in des von Cylly Maus geführt worden, (Scdla- 
6bh]I. 108. 

''B) HoRDiATB's Archiv 1611, p. 405—406. — Hormatr's Wien. VII. 
Urk. B. CXIV und CXV , wobei Jedoch bemerkt werden muss, 
dass weder HoaMAYR's Erklärung des Ausdruckes „Z^drntto'* durch : 
Gesindestube, noch des ^^Musshauses^^ durch; Oratorium oder Vorge- 
mach, richtig erscheint. Eine stichhältigere Deutung von Bfusshahis 
s. m. im vorlieg. Buche Anmerkg. 5, und von Dürnitz durch ein 
gleichzeitiges Gedicht, in meinen: Rückblicken in deutsche Vorzeit. 
I. Band, p. 196. 

"C3 SCHLAGER Wien. Ski2sz. I. 143. Anm. iH. 



it .6ESCHICHTS DES K. SKUOllAUSKS. 

Sohn Kaisers Friedrieh IV., der ritterficke Max I. dgeh. 
t.4A&), hielt aach in den Proviaiseii (feines Reiches bedeu*- 
tende*') Zeagb&aser, über deren Ordnung lud Reinlieh- 
keit er mit besonderer Voriiebe wachte '**)♦ — Wie werth 
diese Vorr&the ihm gewesen, bewies. er dadurch, dass er 
s&mmtliehe darin enthaltenen Gegenstfinde zierlieh auf Per* 
gunent malen liess. 

In der jetaigen kaiserlichen Stallburg, in welche, wie 
bereits oben bemerkt worden, das kaiserL Zeughaus auf 
Befehl Kaisers Ferdinand I. übertragen worden war, blieb 
nun dasselbe während der ersten H&lft^ des XYI. Jahr* 
hunderts ; noch zu Birscbvogbl^s Zeit (ums JalK 1547) be- 
fand sich das kaiserliche Zeugwesen daselbst; das Haus 
aber, in welchem dermalen das kaiserl. Zeughaus in der 
Renngasse befindlich ist, hiess zu jener Zeit der Salz* 
burgerhof« 

Eine Änderung trat erst ein, als die jetzige Stallburg 
um das Jahr 1559 zur Residenz des Kaisers Maximilian II. 
bestimmt war; denn nun kamen die kaiserlichen Waffen* 
vorr&the an ihren gegenwärtigen Platz. Doch scheint in 
der Stallburg eine kleine Harnischkammer der österreichi- 
schen Landesfürsten bis auf die neueste Zeit bestanden zu 



**} Wie flink damals die Waffenschmiede arbeiteten, bezeuget M. Trbitz- 
saurwbin; dieser erzählt vom Kaiser Max I.: Vnd NenUichen, so hat 
dieser kunig in den kriegsharnasch ain Newe Kunst erdacht, das man 
in seiner platnerei (d, t. Harnischfabrik) auf ain mal dreissig vor- 
tertaü, desgleichen hindertaUj aufgeformbt hat, dadurch in seiner 
platnerey, in ainem Jar , ain gross Antzal harnasch, für die kints^ 
knecht, die zu Fuess gefochtn und gestritten haben, gemcuiht worden 
ist. Weisskunig p, 98. 

*^ „Er hat auch mechtige grosse Zewgheuser, in seinen Kunigreichen 
gehabt, mit hauptgeschutz, kriegssgeschutz, hausqeschutz vnd allerlei 
Hriegswaffen, vnd mit genügsamer zugehörung.^* Weiss-kunig iOO. — 
Bereits Schlager (Wien. Skizz. III. 34 u. d. f.} hat treffend bemerkt, 
dass Wien nicht der Lieblingsaufenthalt dieses Kaisers gewesen. — 
Wir dürfen daher nicht seine Harnischkammer in Wien suchen — Ja 
er scheint daran' erst in seiner letzten Lebenszeit gedacht zu haben. 
M. vergl. Max. I. Memorienbuch v. 1502. Hormayr, Taschenb. für 
18S7 p. S05 „ain Barnaschcamer zu Wienn zuzurichten J^^ 



OESCHIGHT« DBS K« ZBÜGHAUSBS. U 

haben , da Wsiskern (Topographie ni. Bd. $. 89) ereählt, 
„dass Anno 1760 die Harnische der römisehen Kaiser von 
Rudolf I. bis auf Kaiser Ferdinand in., auch jener Kaiser 
Josephs I. aas der Icaiserlicfaen 8tallbnrg ins Zeughaus in 
der Renngasse abgegeben worden sind ;'^ und dadurch einen 
doppelten Anfschlnss bietet; n&mlich über die Zeit, in wel- 
clier diess Zeughaus seinen reichsten und schönsten 
Schmuck erhalten, so wie über den Umstand, dass man 
schon in ftltererZeit diese prachtvollen Harnische 
Jenen berühmten Regenten zugeschrieben habe. Das zuletist 
zum Zeughaus erlesene Geb&ude (in der Renngasse) Mieb 
jedoch durch mehrere Jahre 4n seinem alten Zustande« 
Durch &mt]iche Belege des kaiserlichen hofkriegsr&thli- 
chen Archives zu Wien ist erwiesen , dass der Bau des 
jetzigen k* k. 'Zeughauses erst am 19* April 1584 ange- 
flingen, dann in den Jahren 1685, 1686, 1587 fortgesetzt, 
und bald darauf unter dem Feldzeugmeister Andreas Kiel^^ 
mann von Eielmannsegg unter Kaiser Rudolph II« , jedoch 
in viel kleinerem Räume, als itzt, vollendet worden ist. 

Kaiser Leopold I. erhielt einen Theil des Gartens von 
dem Stifte Schotten, und vergrdsserte und vollendete das 
Gebäude, wie es gegenw&rtig noch stehet im Jahre 1679. 
Sichere Zeugen dafar sind auch die, an dem Flügel gegen 
die Schotten in den Thorstein gemeisselte Jahrszahl 1569, 
und auf dem der Stiegenthür gegenüber liegenden Flügel 
die Inschrift einer Marmortafel : 



REGNANTE LEOPOLDO CAESARE RAIM . COM . 
MOKTECUCCOLI DN . IN HOHENECK ET OSTERB. 

EQVES AVR ♦ VELL . S . C . M . CONS . IXT . CAM. 

CONS . A V . BEL . PR AE8 . GEN * LOCVMTEN . CAMP. 

MAR . REI ARMAMEN . IN S . C . M . REG . ET PROV. 

SVPR . PRAEF . COL . ET CONF ♦ lAUR ♦ GENERALIS 

PARTEM HANC ARMAMENTARH EX FVNDAMENT. 

EREXIT« ANNO MDCLXXII. 



14 GSSCHICHTS DES K. ZSUGHAUSBS* 

Dieselbe Jahrszahl vriederholt sich aueh auf dem Thor« 
ateioe des g^osseo Mittelthores derselben Seite, wie aneh 
auf dem Brnnnenstein Iq der Mitte des Hofes, Wir wis- 
sen sooach , dass das Jetzige kaiserliche Zeughaas nnter 
Kaiser Maximilian II. gegrftndet, unter Kaiser Rudolph II. 
gebauet, und unter Kaiser Leopold I. vollendet worden ist* 
Wie die Ausschmückung der Innern R&ume gleieh nach 
des Hauses voUführtem Bau besohaffen gewesen ist, he» 
schreibet keine gleichzeitige Quelle. Dass selbe jedoch 
hundert Jahre sp&ter der jetzigen sehr fthnlich gewesen 
sein muss, best&tiget die obenerw&hnte Wiener-Topogra- 
phie vom Jühr 1770, welche in dessen Beschreibung eben- 
falls der W&Ue von kleinem Gewehre, die inwendig wie» 
der voll Gewehre sind; der Bekleidung der W&nde mit 
Waffen ; der Saaldecken worauf zwei kaiserliche Adler mit 
dem Wapen auf der Brust, ganz aus Säbelklingen, Piken- 
spitzen und dergleichen bestehend; der S&ulen aus Pisto- 
len verfertiget, deren Kapitaler aus Gewehrbestandtheilen 
gebildet sind ; oder der Brustbilder, die mit einem Arm die 
S&ule, mit dem andern die Decke halten ; endlich des präch- 
tigen Kaisersaales, h&uflge Erwähnung macht. Ganz ver- 
schieden aber von der heutigen , war die Einrichtung des 
mit dem Zeughause verbundenen, und gegen die Donau 
hin gelegenen Arsenals, über welches Zeilueb in Ms&ians 
Topographie (1677} Folgendes äussert: 

„Das Arsenal liegt an der Thonau, darin viel Galee- 
ren, Fusten, Fregatten, Galiotten, so auf der Thonau ge- 
braucht werden y allein sind sie etwas kurz, und nur auf 
17 oder 18 Bank lang/^ 

Wer die örtlichkeit nicht kennt, müsste sich nach 
dieser Schilderung einen viel zu ansehnlichen Begriff von 
den damaligen Kriegsschiffen der Donau bilden. 

Wenige Jahre nach Einrichtung dieses Zeughauses 
erfolgten hochwichtige, für Wiens Schicksale entschei- 
dende Ereignisse, wir meinen dessen zweite Belagerung 
durch die Türken. Schon am ersten Tage derselben (14. 



6BSCHICHTIE DBS K. ZSUGHAV8BS* IS 

Jnliiis 1683) drohte dem neuen Zeogbanse, und dadurch 
der halben Stadt g&nzlicher Rnin. Im Bchottenhofe war 
eine so fürchtbare Feoersbmnst entstanden, dass nicht nnr 
Kloster and Kirche samt dem Thurm, in welchem die Gio« 
cken schmolzen in einen Schatthanfen verwandelt, sondern 
auch die Gr&flich Trannischen , Auerspergischen und Päl- 
ffyschen Palädte elend zugerichtet wnrjden. Schon drohte 
die Flamme dem kaiserliphen Zenghanse, und die grosse 
Menge Pulvers und andern Schiessbedarfes, die da aufge- 
b&uit lagen, hätten nicht nur viele Gebäude zerschmettert; 
sie hätten auch den Türken einen Wallbruch erdffnet, gross 
genug, um die unglückliche Stadt zu stürmen. Doch die 
muthigen Vorkehrungen der Grafen Sereny und Star- 
hemberg, die rege Hilfe des Bürgermagistrats und Ober- 
kämmerers, und eine plötzüche Wendung des Windes ret- 
teten dies, gerade damals wichtigste Gebäude« 

Dass in alter Zeit ein kleiner Nebenarm der Donau an 
der Stelle des heutigen Salzgrieses floss, demzufolge noch 
vor wenig Jahren an einer Steinwand der alten Kirche 
Maria Stiegen (Maria am Gestade) die eisernen Schiffs- 
ringe, um Schiffe anzubinden , sichtbar waren, wurde bis- 
her angenommen, woraus jäich das ehemalige Arsenal, 
wovon noch Zbillbr redet (in der Gegend der heutigen 
Militärbäckerei), leicht erklären lässt '0* Denkwürdig Je^ 
doch und minder bekannt dürfte der Umstand sein, dass 
dessen Spuren noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts be- 
standen. Ein Hilfsbuch für Fremde vom Jahre 1797 
enthält unter der Aufschrift : „Das k. k* Zeughaus auf dem 
Salzgries oder Arsenal, mit der Militärbäckerei für die hie- 
sigen in Garnison liegenden Regimenter^^ folgende Stelle : 



*0 Den Hafen für die Fahrzeuge bildete Jener grosse tiefe Hof (Canonen- 
hof, — heutzutage zur Auf bewabriug von Geschützen, meist Festungs- 
und Schiffs-GesclMiitzen dienend — ) , der zwischen der Salzgrieska- 
serne und eintm ArtUleriemagazine gelegen ist, an dessen kühnge- 
wölbten Bögen noch die schweren SchiiTsringe sichtbar sind. 



16 GBSCHICHTS DBS K« ZBüGHAVSBS. 

)jDacr ErdgeschoHS enth&lt Kanonen, Hanbitzen, Mdraer^ 
und die dazu gehörigen Geräthachaften. Man kann in- 
dessen dooh den Canal besehen '*), durch 
welchen der General von St Hilaire im Jahre 
1619 mit seinem Regimente nnvermuthet in die 
Stadt, dem Kaiser Ferdinand IL wider die Unternehman«» 
gen der aufrührerischen Protestanten zu Hilfe gekom- 
men ist ")•" 

Eine neue Epoche in der Geschichte des österreichi- 
schen GeschtUzwesens begründete der in Österreichs Heere 
unter dem Namen ^^der Artillerievater^^ bekannte 
Patriot: Fürst Joseph Wenzel von Liechten- 
stein, der Millionen seines PrivatvermOgens dem Vater- 
lande opferte, und das dsterreichische Artilleriewesen zu 
höherer Stufe der Vollkommenheit hob; — an Reichthum, 
Ansehen, Edelmuth und Vaterlandsliebe eine der hervor- 
ragendsten Erscheinungen seiner Zeit. Ihm setzte die un- 
vergessliche Monarohin Maria Theresia ein ehernes Denk- 
mal im Kaisersaale, das seine Dankbarkeit mit zwei mar- 
mornen in demselben Saale (der Kaiserin, und ihrem er- 
lauchten Gemahl errichtet) vergalt* Seine Verdienste be- 
zeugen die W&nde dieser Waifenhallen an wiederholten 
Stellen , mit langen goldenen Inschriften , aber seinem 
Ruhme würden die Worte genügen : Tb arma loqvuntur ! 

Es verdient Erw&bnung, dass dieser Fürst, als Gene- 
raldirector der gesammten k. k* Artillerie, dies grosse Zeug- 
haus neu einrichtete und dessen Ausschmückung ansehn- 
lich vermehrte ; dies beweisen zwei lateinische Inschriften 



**) Neuester Wienerischer Wegweiser für Fremde und Inniftnder vom 
Jahre 1797; der neuen Bearbeitung S. Auflage mit Kupf. 8. Wien 
Camesina 1797. Dieselbe Stelle findet sich in Wien. Wegw. für 17919. 
Wien, Kurssböck; und mit wenig Abänderung in der »Neuesten Beschrei- 
bung Wiens* vom J. 1779, mit vielen Kupf. 8. Wien. Kurzböck 1779. 

**) Das Thor, durch welches er eindrang, damals „WcM^ertAÖrl'' genannt, 
ist noch vorhanden, obwohl in eine Schmiedewertstatt verwandelt, 
und liegt unter dem dermaligen Lottodirectionsgebäude. 



GESCHICHTE DBS K. ZEUGHAUSES. 17 

der Waffensftle '^ in grossen Goldlettern. Wir können 
also mit Grande annehmen 9 dass die jetzige prachtvolle 
Anfstellnng grosseifl^ilsrihm als werkth&tigen Maecen »u 
danken ist, und «m 1767 in^s Lehen trat, wenn auch ein«- 
zelne Jabrszahlen (»• B. jene am Adler des Einfahrts- 
Deekenstückes : Anno 1760} eine flrühere Zeit hezeiehnen. 

So. Manche meinen, die Franzosen hätten im Jahre 
1S05 die Zengh&nser g&nzlich verschont« — Es ist Jedoch 
erwiesen, dass sich die Feinde im Anfiinge des Decemhers 
aller in den kaiserlichen Zengh&usern, in dem Stadtgraben 
und den Bast^en vorrAthigen Armaturen, Geilrehre, Stücke, 
Mörser, Laffeten , Säbel , Pnlverwägen etc* bemächtigten, 
welche die Wiener selber mit eigenen Pfer* 
den w.egffihren mussten'*). Ein unersetzlicher Ver- 
last war auch der einer römischen Ballista, jenes fareht-* 
baren Wurftseuges, welches schwere eisenbeschlagene 
Spiesse schlenderte, manchmal auch Steine. ''^}. Sie war 
-^ wie noch lebende Augenzeugen versichern, welche sie 
um 1808 im kaiserL Zeughause gesehen haben — etwa 
6' breit und verhältiissmässig noch WMt langer '''}. Als 
im Jahre 1609 die französischen Heere sich der Haupt- 



'0 Im ersten Ecksaale nächst K. Ludwig 11. (vergl. nach Nr. 117) heisst 
es : Civium securitati, hostium terrori etc. haec aedes a Principe J. \V. 
a Liechtenstein summo rei tormentariae moderatore instaurata Anno 
MDCCLXvii., und ober der Ausgangsthür der dritten Langseite des Ge- 
bäudes (nächst Gustav Adolfs Koller): J. W. Prineeps de Liechten- 
stein etc. Sup. Armamontarii Praef; Panopliam Xartis etc. omavit et 
ordinavit. Die ausfuhrlichen Inschriften . s. m. a. bezeichneten Orte. 

^0 Gbusau, Denkmall. 303. 

^0 Kin getreues Abbild jener Wurfzeuge, von welchen Atbenaeüs. LV. 
»tLgii -Petraria machina, Jaciens lapidem trium talentorum CtSO Pf.) 
et hastam duodecim cubitorum (etwa 18 Fuss). 

'0 Noch war die grosse Winde daran sichtbar, um die riesigen Bogen- 
arme zu spannen — sie hatte ihren Stand im ersten Stock unfern der 

• Stiege gehabt; noch der Wien. Wegweis, von 1797 erwähnt ihrer 
p. 66 ~ und scheint Jener WurAnaschine sehr ähnlich gewesen zu 
sein , welche gegenwärtig im Pariser Artillerie-Museum aufJsestellt 
ist. (Notice abr. d.Musee d' Artillerie ä Paris 18*17, p. 78, Nr. 933.) 

9 



18 6BSCHICHTB DBS K. ZBUGHAUSBS. 

Stadt nftherten , hatte man viele Angriffswaffen , besonders 
Gewehre dieses k. k. Zenghanses bei Seite geschafft, da- 
gegen viele Harnische an Ort nnd a|elie gelassen, wäh- 
nend, letstere böten den fremden Kriegern nichts Anxie- 
hendes '*). Allein die nnwülkemmnen G&ste nahmen wider 
Vermuthen gegen 140 Harnische mit und Hessen die noch 
Torrftthigen Gewehre an den Deeorationen xurQck. Nahe 
der Aufgangstreppe hatten zwei volistiiodige Harnische fftr 
Ross nnd Mann, gelktut und vergoldet ihren Stand gehabt ; 
ebenso in der hintern Halle mehrere Harnische ans dem 
XV« Jahrhunderte 9 deren Jeder heatzntage als werthvoUe 
Seltenheit betrachtet za werden verdient — sie mnssten 
s&mmtlich fortwandern ; «^ niemand wagte sich zu wider- 
setzen. Nnr ein reicher Bekenner des mosaischen Glau- 
bens; ein Mann, der seiner Nation Ehre macht, ergriff da- 
wider das klügste Mittel» Was noch nicht verschleppt wor- 
den war, kaufte er den Feinden ab, Hess alles in die Waf* 
fensfile zurückbringen, hierauf die Thüren versiegeln um 
jeder kr&nkenden Deutung vorzubeugen , und die Bürger 
Wiens standen vor den geretteteir Sch&tzen trenlich 
Wache *^). Als 8e. M. weiland Kaiser Franzi, nach Wien 
zurückkehrten, übergab der wackere Mann seinen Kanf 
dem Kaiser als Geschenk. Es kann Jedoch nicht gel&ugnet 



*0 Die Plafonds blieben ebenfalls an Ort und Stelle. -^ Diene Hessen 
die Franzosen unberührt, und schonten überhaupt AUes, was niet- und 
nagelfest war. Kine andere mündliche Angabe behauptet : die schön- 
sten Harnische seien noch zeittlch genug verpackt, und tief in die Pro- 
vlnzeii geschickt worden. 

'0 Die LeiRtungen der Bürger Wiens w&hrend dieser Schreckensaeiten 
sind so allgemein anerkannt, dass sie keines Rühmens^ bedürfen. Der 
bürgerlichen Garde legte der Stadtcommandant Mo« and das 
wiederholte Zeugniss ab, dass nur ihr die Stadt Wien ihre 
Rettung zu danken habe. CDie Burger Wiens im fraiizds. 
Kriege 1805—1808, Wien, Rötzl. 1806.) Damals war aber auch 
Wiens bewaflhete Bürgermacht bedeutend. Bei dem feierlichen Te 
Deum in der Domkirche zu St. Stephan am 18. Deeenber 1805 gehal- 
ten, paradirten über achttausend Mann der bewalTneten Bürgerschaft. 
(Ebendas. S. 39 J 



GKSCHICHTE DBS K. ZBU6HAUSBS. 10 

werden, dass vieles sehon in dritte Hand ge- 
wandert, und daher an eine voUst&ndige Rückerstattanf 
nicht sn denken war. Oaher mnss Jedem UnbeAingenen der 
Mangel f^ewis^er Zierden eines solchen Ortes, s. B* von 
Pferdeharnischen anfinillea. Die eben berührten traurigen 
8chieksale flachen diess erklMich. 

SSwar kam nach dem europäischen Bef^iungskriege, 
als das stolze Paris die Sieger in seinen Mauern sah, die 
Rückgabe zur Sprl^cbe ; allein wo blieb da die Gegenhal- 
tnng? wo das Kennerange, welches genau das Ausge- 
tauschte von dem Echten schied? wajwaren da getreue 
Abbildungen vorzuweisen, ähnlibh Jenen im unvergleichli- 
che» Schrenck, vermöge welchen man rechtsüblich den Raub 
beweisen, und das Entzogene zurückfordern konnte? Man 
hatte früher die Verbreitung dieser Waffensehätze Vurch 
Bild ^) und Sprache vernachl&ssiget , und nun übte die 
göttliche Nemesis gewichtig ihr ernstes Amt. Nur ein klei- 
ner Theil des Geraubten wurde zurückerstattet, und gesetzt 
auch, man wollte Alles fordern, wie w&re es ausführbar 
gewesen, so manches Einzelne in Frankreich anftsuünden, 
welches bereits in ausschJiessenden Besitz etlicher Fremd- 
ling® gekommen ^'), oder unter Laienhände verschleppt 
worden war? 



*^ Noch kürzlicli habien angesehene Männer die BewiUigung für Künst- 
ler , fteltene Harnische dasellwt zeichnen zu dürfen , fruchUos ange- 
supbt. — 

^'3 Dem Gewinne zu I^iebe, gestand auch noch lange nachher ein Pariser 
Verzelchniss die bei den feindlichen Invasionen von 1805 und 1809 
gemachte Beute. So heisst es z. B. in des Docteur Hebray pomp- 
haften französ. Licltat. Catalog. v. J. 18.37 wie folgt: 

Nr. f. UarnaiSy de gtterre complet, attribue ä Ferdinand de Hon- 
grle, frere de MaximiUen d^ Autriche, Cetie belle et bonne armure en 
acier /lit, cannelee, a le pUutron double , ä poinie ventrtUe ; ü parte 
faigle a deux tetes^ grave et decoupe äjour; sur le dos de cuiraeee 
ee trouve la fleure ternaire de memefacture. — Knlevee äSchoen- 
br ünn C^ticO en 1 8 09! — Die sehr ähnliche Abbildung findet man 
in FiNKK^s MEYRICK, Tab. XXII. — Aus Wien geraubt war der Har- 



•0 OJBSGHICHTE DBS K. ZKUeHAUSBS. 

Der Rest scliiAückt Bua die weltgedehnten S&le, doch 
auch an diesen T heilen alter HerrlichIceU erkennet ma« 
ex un§ue leonem* Der Geschmack wetteiferte hier mit dei6 
plastischen Sinne, aus den einzelnen Waflfen: TrophScft» aas 
deren Bestandtheilen: eine Art metallener Mosaiks zu biK 
den, womit die schönen. Sri tiMecken reich geoiert erschei- 
nen; und so geflel sich der neuere Ordner darin, mit Todes- 
werkzeugen malend zu tändein, gleich Volker dem rit-^ 
terlichen Fiedler im Nibelnngen-Liedcn^ in dessen Händen 
das Schwert zum Bogen wird, womit er den Heunen zum 
Tanz aufspielt. Ist auch so Manches geraubt, worden, so 
bleibt doch das Vorhandenop prachtvoll, zahlreich, Ehrfurcht 
gebietend, des kaiserlichen Besitzes nicht unwerth ; . eine 
Ansicht, welche auch gerechte Ausländer theilen ^^). 

Was Ordnung, Erhaltung der Waffen, was Beinlich- 
keit betrifft, erscheinen in der That auch des Strengsten 
Anforderungen beft-iediget« Ihnen wlfd musterhaft entspro- 
chen, da mehrere Arbeiter das ganz^ Jahr hindurch mit 
Blankmachen beschäftiget sind» um am nächsten Bogen- 
gänge neu zu beginnen, wenn sie den vorigen zum Spie- 
gelglanze gebracht. Und gleichwie die Saaldecken aufs 
reichste geziert worden, so erglänzen auch die Winde 
ringsum mit einer solchen Masse von Waffen herrlich ge- 
deckt, dass die überraschten Beschauer leichtlich darüber 
vergessen, was einst in die Fremde gewandert. 



tiiücli — nur nicht der eines Ferdinands Cweloher nie existirte \) und 
nicht aus Schönbrunn. — Dennoch wurde er diesen Voraussetzungen 
gemäss um 3500 Franken verlcaufl. 
^0 The Imperial Arsenal , sagt das ,,handbook for travellers in Southern 
Germany^' (9. £dit Lond. Murray 1840) is one ofthe Hcheatand most 
extensive armouries in Europe. In the Upper rooms 150,000 stand of 
arms are tastefully arranged and disposed in figures with much 
ingenuity , so as to form decorations for the interior, but at the same 
time to be ready for imediate use. 



GBSOHICUTE DKS K. Z8UGHAU8BS. ti 

SCHLUS8. 

CPiadesideriaJ 

Bei Besiohtiipiiig dieser grossartigen y wahrliftfl kai- 
serlichen Anstalt dr&ngt sieh so manchem Kenner ein 
Wunsch, mehr als bei der irgend einer anderen auf, des« 
sen bescheidene Änssernng hier wohl eine flhssende stelle 
linden dOrfte: 9s ist der einer strengen Sonderung aller 
modernen Webren» — Bereits sind grosse Sammlnngen 
Europas, wie a« B. Dresdens Mstorisches Mnsenm, die 
Ambraser «- Sammlnng in Wien, die weiland -liondoner 
(im Tower), insbesondere die Pariser (moMee- d'artilleiie) 
u. m. a. mit tj^atem Beispi^e vorangegangen. Wenige S&le 
genügten, um eine vollst&ndige Reihe der alten Waffen- 
gattungen, so wie von voUkomme» gekleideten und gero- 
steten Kriegern, durch s&mmtlioiie flwftlf Jahrhunderte des 
Mittelalters, der Zeitfolge gemäss fortlaufend — vielleicht 
bis auf die neueste Zeit ^^3 aufzustellen. Dass nebstbei 
wünschenswerth und ausführbar erscheint, alle, auch 
die seltensten und werthvoilsten Stücke, unter Glasschran- 
ken der aligemeinen Besichtigung preis zu gebei^ bedarf 
kaum einer Erinnerung* — Kunstscb&tze und geschichtlich 
merkwürdige Überreste sind gewissermassen ein Gemeingut 
des Volkes^ sein Stolz und seine Freude» Wer selbe seinen 
Blicken entzieht und missgünstig unter dreifacher Sperre 
birgt, der schlügt dem Gemeinsinne, der VolksthOmlichkeit 
und Vaterlandsliebe des Einzelnen tiefere Wunden , als 
seine kurzsichtige Selbstsucht vermuthet. So manche kleine 
Stadt Österreichs hat ihr mittelalterliches Museum* — Wien 



**^ Wenigstens ertreckt die zeitgemäss gekleidete Gestalt des Musque- 
tiers aus dem XVII. Jahrb. (im bürgerlichen Zeughause Wiens) mit 
seinen Ladttugsbuchseu am BauduUer, einen eigenthamllcben Kindruck. 
SCHKIGER, burgl. Zeugbaus p. S8. Mail vergl. auch p. 59 Anmerkg., 
worin der kenntnissreiche Verfasser ähnliche Wünsche ausspricht. 



SS GK8CH1CHTB BKS K. ZKU6HAUSKS. 

allein besitzt noch keines — ja nicht einmal einen Gelehr* 
ten-Verein. — Und so müssen denn die Museen der Pro- 
vinzialst&dte zu Inngbruck und Pra^^ zu Grät% und Lin%y 
zu Brunn und Pe9lh der Hauptstadt Oesterreichs bemerk- 
bar machen, wie weit sie floch darin zurflckstehe. — 

Wenn man erw&gt, dass zur vollständigen Belehrung 
der WissbegierigeK vierzig bis sechzig gerüstete Gestal- 
ten genügten ^)y dass £uropa*s öffentliche und Privalsamm- 
luttgen 9 und die Literatur der bereits rüstig vc^rschreiten- 
den Waffenkundt hinreichende Ergänzungen und Auf- 
schlüsse bieten, so ist der Einwurf nicht von. Belang, dass 
die e^^tett Wehren und Harnische der ersten Jahrhunderte 
fehlen ^), — • denn hn sehiimmsten Falle Hesse sich durch 
naturgetreue, lleissig gearbeitete Nachbilder genug An- 
schaulichkeit und Belehrung erwirken. Hier wären nur 
zwei Kräfte vonnOthen: die Leitung des wissenschaftlich 
gebildeten Anordners, und die gefügige, lenksame, mit 



*^ „Zur Darstellung des Kriegswesens des christlichen Mittelalters^' sagt 
Klkmm (Phantasleen Hfter ein Museum etc. 8. Dresden 1S48, p. 13) 
„wird eine verhältnissm&ssig geringe Ansah! Waffen ausreichen/^ 

*') Ks ist nicht zu läugnen,.dass wir aus den früheren Jahrhunderten des 
Mittelalters Äusserst wenig Überreste besitzen, und dass selbst die gefei- 
ertslOTi Stuefce, wies. B. der KrOnungsornat des Kaisers 
Karl des Grossen Cdermaleu in der k. k. Schatzkammer in Wien) 
einer weit Jungeren Zeit angehören. Schon der gelehrte Murr bewies 
Cin seiner schätzbaren chronologischen Geschichte derReichsinsignien. 
M. vergl. Beschreibung der Merfcw. Numbergps. 8. Nürnberg 1778). 
dass dieselben nicht immer einerlei gewesen , sondern dass die Kai- 
ser sie nach Belieben neu verfertigen Hessen (1. c. p. 1 703 1 ^^d so 
zeigen sich folgende Angaben als die annehmbarsten: Die Katser- 
kröne aus dem XI. Jahrh. — K» Karls Schwert, höchstens aus dem 
XB. Jahrh. — Des h. Mauritii Schwert, höchstens aus dem XI. Jahrh. 
— Der Kaisermantel (pluviaU) mit der berühmten kufischen Schrift, 
welche die Jahrszahl Ciit63 enth&lt, aus dem XII. Jahrh. (Murr 
1. c. p. 155—286.) Selbst an K. Karls, berühmtem Schwerte, das 
Frankreich besitzt, Moutfaucon I. PI. 24, scheint nur Knopf und Kreuz 
echt, — obwohl diese Schwertknäufe in Pilzesform noch im 
XI. Jahrh. fortdauerten. 



GESCHICHTE DES K. ZEUGHAUSES. 83 

altem deatschen Fleiase getren mieMMldeiide Hand ; — mu 
beiden mdchte leicht Rath werden ^0* 

Hierbei dürfte eine 8ammlMijp der f^ebr&acblichfiten 
Starmgerftthe und Wnrlkeiige des MitteMttfN , wie selbe 
seit Karbi des CTrossen Zeit bis xar EiBfahrong des 8cliiess- 
pulvers bei IMagfernngen im Gebranehe gewesen, so wenig 
als die Farmen der ftltesten Gescbtttxe ^}- fehlen. Alkin 
rficksiehtlich ersterer bestehet in den neistM WalTensamm- 
Inngen nodi bis xnr 8tif nde eine solehe Ltibke, dass viele 
Gommentatoren, welche in altdentsehen Dichtern oder Chro- 
nisten die Benennungen: Ebenhoch, Katxen, Rat- 
ten, Boller, Tnmmerer, Petrer, MUngen, Bl^r- 
den, BOffeln CPfiffoln), Trybffeke, Igelswehr, 
G a-i 8 f ü s s e , und mehrere andere noch nbentenertichere 
lesen, eine grossere Unkenntnlss als Jene Gjnmnasiasten 
verrathen, die über den Bau und die Wirkung des mus- 
culnjs, scorpio, onager, aries, oder der terebra, 
catapnlta, balista, u. s. w. eine Prüfung Gestehen 
sollen* * • ^ 

Es bedarf wohl kaum der Erwähnung^ dass derlei 
Rügen keineswegs das kaiserliehe Zeughaus treffen kön- 
nen, als eine Anstalt, deren Hauptbestin^mnng die Aufbe- 
wahrung gangbarer Waffenvorräthe Weiht ^ und dessen 
alterthümiiche Wehren nicht zu wissensdiaftiichen Zwe- 
cken verbanden und geordnet, sondern nur als Schmuck, 
als Verschönerung des Ganzen erscheinen, -j Dagegen 



^0 »Jch bin überzeugt, dass es der Wissenschaft forderlicher ist, Abbil- 
dungen oder Nachbildungen neben den Origlnalien Mifirastell«ii, als die 
Lücken durch Doubletten oder anderweitige nicht hlnfe^rige Pracht- 
stücke zu verbergen/' klemm, 1. c. p. IIT 

*0 Genau nach gleichzeitigen Zeichnungen gebildet, mit Beifüsang ihrer 
alten Benennungen als : Schlangen (Feldstücke) , Versucher 
(halbe Karthaunen), Anschnarcher (Dreiviertel-Karthainien), P f e i f- 
fer (auch Trommeter genannt, ganze Karthaunen) ,« 9 ttirzer (dop- 
pelte Karthaunen), Haaptmetzenod. Haufnitven (FeidHchian* 
gen mit Kammerii) , B ö h i e r (schweres Kammergefchutz , ähnlich 
unsem MÖrserh) u. s. w. . * 



S4 SKSCBICHTE DBS K. ZVCeHAVSKS. 

mfisBeB stnmgvn AolbrderaBgrvD rr Jene Ssrnmlaii^en 
ergehen, welche mit dem BchOneii Nanen eines ,^i8to- 
rischen HneearaB" eder doch einer „Idstoiiflofa» Samm- 
lang" prunkend, Ihre hfikerewiHenecliafllioheBeatiaiHiDng; 
nn der SUrne tragen, deren gesammte AnorAmng nnd Ein- 
riclitang einsehen HiDBeni ") anvertrant woidMi, eigens 
gebildet fBr dieses Fsob, enthoben der Sorgen des Lebens, 
relerlloh beruftem, niebt desshall», dau sie das anvertraute 
6nt ver Staabtngnn nnd Hotten rfrw^uren, nnd ihr Lebe- 
lang hamBtertknllch Lesertitchte samneln, nloht allein, dasa 
sie den Floiss einen diUffentit palri» famiHaa (naefa rSml- 
sebeffl Rechte) daranf wenden, sondern mehr dazu, dasa 
sie wucbef n mit Ibrem Talente, wie's ImHattbaeas heisst *<*), 
daas sie, wertb der Ehre, eine tvinsenaehafllicbe Anstalt 
%a faliten, — ihren krSnigen WUlen nnd Ihre Befihignng 
durch Ihre Lelstni^n bew&bren. 



") But tehat of Motf your tnajeily and loc, tltat kme frte umU, « 
loutltsi IM 7W1; I(( Ikt gaUtdJaie uince, oar iriMcri ort utnrruag. 
Hunlet. m. I. 

*^ L. c. XXV. *T, und nicht gleichwie. Ibid. SS : tt UUeondt taltMm 
— i^ lernt, eeee habtt nKod tum t»t ! — 



ts 



0£S HAUSES ÄUSSEaE ANSICHT. 



WaiTenhallen, Zeagbftuser n. dgh wurden bei den mei- 
sten Nationen mit Vorliebe gebaut^ von aussen wie von innen 
zwecltniäBsig gescbmOcltt , und ihre Schödbeit und Grösse 
war oft bewundernswerth. Wir erinnern hierbd nur an der 
einst 80 furchtbaren Meereskönigin n — des alten Venedigs 
— riesiges Arsenal, das Tizian das achte Wunder der Welt 
nennt '0* In neuerer Zeit bestimmte man entweder alte 
passende Gebäude hierzu, so z. B. Londons Tower '^- 
oder man erbaute eigene Sllle, so z* B. Wiens bürgerliches 
Zeughaus, mit seinen riesenhaften steinernen Kriegssinn-* 
bildern an der Stirnseite ; — öderes wurden Geb&ude ge- 
wählt, welche, wenn auch minder den Kriegszweck verra- 
thend, denn doch durch ihre Räumlichkeit und innere Ein- 
richtung ihrer Bestimmung entsprachen, so z. B. die könig- 
liche Armeria zu Madrid ^0» ^^ ^* Zeughaus zu Berlin ^') 



*0 9e gii antichi Serittori che tanto f« merUamenie) s' offaHcarono di 
descriuere i setU miracoU del mondo, hauessero potuto vedere U pik 
che merauiglioeo Arsenale deUa Cittä di VeneUa; m* tufsicuro ehe V 
hauerebbono po$to in questo numere , e fatUgli oUo e non seUe .... 
Trouasi dunque neUa Cittä di VeneOa un luogo deUo t Arsenale , ehe 
gira due nUgUa di drcuitOj tutto eifeondato di mura co* suoi merli, e 
con le torrif ehe lo guardano. Dentro ä questo luogo lauorano del eo»- 
tinuo quatrocento persone, a* quali si dd ogni ogni settimana per lor 
pagamento iZOO Fiorini d* oro, C^^ESAHE VJECELLIO Degü habiU 
antichi etc. Venetia, MVXC, p. 118. b.J 

**'} Mit Ihren zelUitanlichen CavaUeristen-SchilderliftuRern am grossen 
Einfahrtsthore, eine in Osterreich nie geMAene , Jedoch lobenswerUie 
Einrichtung. 

**3 Mit den schöngearbeiteten Köpfen sterbender Krieger in den Fenster- 
nischen (in welchen der Todesschmerz auf merkwürdige Weise wech- 



%% DBS HAU8BS AVSSBBK ANSICHT* 

Q. a. m» Air dieses Schmucks entbehrend, erblickt der 
Fremde in einer ziemlich schmalen Strasse Wiens »der 
Renngasse *^3v ein unscheinbares, nur einen Stock hohes 
Gebäude (Nr. 140), dessen niedere, mit vorgekrfipften 
Eisengittern verwahrte Fenster wohl kaum vermnthen las-* 
sen, welche Schätze sein Inneres bergel Doch diese 
vernachlässigte Aussenseite dient als Mittel , die Neugier 
des Fremden xu fiberraschen , und seine Bewunderung zu 
erhöhen , wenn er die Pracht des Innern gewahrt. 

Die Stirnseite des Hauses zählt im ersten Stockwerke 
16 Fenster in der Reibe. Sie ist jedoch nur eine von den vier 
langen Seiten dieses gedehnten Gebäudes, das, ein schie- 
fes Viereck bildend, einen bedeutenden Hofraum gleich 
den Kreozgängen alter Kirchen umschliesst. >«- Die grös- 
sere Länge beträgt nach dem Hofe geiQessen 49 Klafter, 
2 Schuh; bie grössere Breite 37 Klafter^ die kleinere 34 
Klafter. Die inwendigen Gänge in den langen Flügeln 
haben 59, in der grösseren Breite 47, in der kürzesten 
44 Klafter. In der Mitte des ebenerdigen Geschosses ölfnet 



selnd, des Bildners Befälü^ng sprechend beurkundete). Der Oirector 
der kön. KunstAkademle zu Berlin, Christ. Beruh. Rode, hat sie mit 
geistreicher Nadel radfrt und herausgegeben: Zwanzig Blfttter Larven 
sterbender Helden von Schlütter, welche sich am Zeughause zu 
Berlin befinden, qu. 8. Hitbrr u. IIost. II. 177. n. 44—63. 
^*) Die Renngasse erhielt ihre Benennung von den ritterlichen Rennen 
(einer Gattung des Turnierkampfs), deren Bahn in Uirer Nähe lag. 
Wien hatte nämlich folgende Plätze , auf oder neben welchen Tur- 
niere oder einzelne Gesteche und Rennen gehalten worden sind: 

1. Auf der sogenannten «champflucken,* Kampflucken, vor 
der (damaligen) kAiserlichen Burg. S. Auf dem neuen Markt 
(heutzutage auch Mehlmarkt genannt). — 3. Nach Hiuwegr&umung des 
Hauses der Grafen von Cilly auf dem hierdurch beträchtlich vergrös- 
serten Burgplatze. 4. Auf dem heutigen Hof, damals Herzo- 
ge n h o f genannt (da einst die alte Herzogsburg nach neuster An- 
sicht, dort die Stelle nächst der päpstlichen Nunziatur eingenommen). 
5. Nahe der obenerwähnten Renngasse, und endlich 6. für die 
Burgerstechen die Brandstadt. — Dagegen wurde später der meist 
berüchtige Duellplatz Wiens (wenigstens unter Kaiser Leopolds I. und 
Karls VL Regierung) die Rofranigasse (nächst der Josephstadt). 



DBS HAUSES AUSSBRfi ANSICHT. tt 

aioli dM gerftamige Thor'der Einfuhrt^ mit den teiserllcheii 
Farben bedeckt, ohne weitere Veniieniiig* Nur ober sel- 
bem schwebt ein kleines Steinwüpen, worauf der kaiser« 
liohe Adler mit dem Osterreichisoben Bindenschilde. — 
Zwar ist der Stirnseite des Gebtades snr Linken (heral- 
disch verstanden) noch ein Einfuhrtsthor angebracht, wel- 
ches aber zu einem andern Hanse, nSmIich sn dem tiefer 
gelegenen kaiserlichen Arsenale flhrt, wie auch schon 
die besondre Nummer (141) andeotet« 

Ober dieser Pforte mit thnlichem Steinwapen, steht 
in einer geräamigen Wandnische, hinter dniflpfem Glase 
kaum kennbar — eine Jnngfhia Maria mit dem Jesukinde, 
— hier -^ wo doch Jedermann eher einen Ritter Sanct 
Jörg, oder richtiger die heil. Barbara gesucht * hätte '^). 
Wenn Maltb-bq^un , ein Pariser, in seinen jyAnnaieg den 
voyages^ de la geographie efc." *^) sagt : das Zeughaus sei 
das einzige sehenswürdige Gebäude in der Stadt , so be- 
gründet diese Äusserung den Doppclschloss : entweder hat 
Herr Maltb-brun als echter Martissohn nur die innere 
Einrichtung gemeint, oder — er ist gar nie in Wien ge- 
wesen. 

Wir stellen dagegen nicht in Abrede, dass das Innere 
des grossen Gebäudes bedeutende Schätze birgt; eine 
Wahrheit, welche nicht nur das Ausland in neuester Zeit 
gebührend anerkannte , sondern die auch der Besuch des 
Hauses selber jedem Kenner unwiderleigbar darthut* Als 
Beispiel möge nur die Bemerkung hier Platz ilnden : dass 
diese kaiserliche Anstalt allein an prachtvollen Turnier- 



^0 I>i0 beil. Barbara ist die Scfiutzpatronin der Artilleristen, da aie vor 
Jftliem Tode schützen soU. Sclion im XVI. Jahriiunderte wurde der 
Constafiler, nacb wolübestandener PrüAing, unter einem lateinischen 
Gebete zur heil. Barbara aufgenommen. (Stbin. Beitr. II. 33.) 

*0 £r lieferte in selben ein, etwa um 1800 von ihm verfertigtes TubUau 
de Vieaae, das gegen 50 Seiten füllt, worin es heisst: aaeun autre 
edißee remarquable que Vwsenal n'y (UÜre Us regar4s. — 



18 D88 HAU8KS AUSSBRK ANSICHT. 

haraischea ib^r dreißig BtOeia besiüit^ wovoa sehen 
zur Mteateny ^Rt&rkatea oad «chwerslea Gattuag gebOrea **}. 

Das gaaae erste Stoekwerk des grossea Gebftadea 
füllet die uageheure JMeage der altea aad aeuerea Waffea. 
Ilie Besucher dorohwaad^ daher sümmtliche vier Seitea 
desselbea ued gelaagea, aaohdem sie die Ruade gemaoht, 
wieder aar Auf^^aagstrepfie. 

Zwar habea Maaohe die aiedera 8&le getadelt uad 
bemerkt , dass das mit Waffen Überdeckte Geb&lk anf dea 
Beschauer etwas drückend wirke, allein sie übersahen dabei 
dea Eatschaldigungsgrandy der ihnea zum Vortheile ge- 
reicht« Denn eben dadurch wurdea die Gegenstände dem 
Auge so nahe gerückt, dass sie deutlich betrachtet werden 
können. Xichtsdesto weniger können wir dem Vorgeben^ 
die besprochenen Saaldecken seien einst höher gewesen, 
und nur der bequemeren Besichtigung wegen herabgerückt 
worden , keinen Glaubea schenken ; auch müssen wir ge- 
stehen, dass die Beschränktheit des Raumes überhau|>t, dea 
Aotheil der Beschauer an den zahlreichen , grösstentbeiis 
prachtvollen Harnischen und Wehren der 8agimlung noth- 
wendig schmälern muss. Daher sieht maa die wenigsten 
Regenten zu Pferde, wahrend noch vor kurzem in lion- 
dons Tower zweiuodz wanzig geharnischte Könige von Wil* 
heim dem Eroberer an ^^y in einer Reihe zu Pferde sassen ^*'), 
und in Stockholms Arsenale die schwedischen Könis:e von 



*''') Indem der, Annierk. 4i erwähnte Britte das k. k. Zeughaus be.schrei- 
het, Hpendet er deH^en Seltenhelteu gerechtes Lob, — nur zählet er 
unter dem Vorhandenen Stücke auf, die sich, zufolge genauer Erkun- 
digung, nicht darin befinden ; so z. B. Marlborough's mmu CO und im 
grossen Hofe : another tmai fi^d-frieee , called „die Amset^ ihe bUick- 
bktd. (— ?— ) 

*0 ^i« ^ <nft ^^ Echtheit der Harnische aussah , darüber vergleiche 
man Sam. mbyrick, Criticailnquiry uUo aneient armour. Vol, 111, 
p, 133. and th. fli. 

**) Ibid. p. 132. Genaue Beschreibung in: Tower of London ^ a particu- 
lar detail ofUs nutnerous curioeüiee etc. etc. 8. London 1837. — Jün- 
gere aber minder ausführliche Aufl. von 1840. Neueren Nachrichten 



DIES HAUSBS AUSSKRB ANSICHT. S9 

Gnstar Wasa angefuDgeB, in ihren wirklichen WafTea und 
Kleidahgen , auf ihren wirklicl^n ausgestopften Leibpfer* 
den reitend *®)y aufJi^esteUt sind, gleichwie in dem Paläste 
des unglAeklichen Waldstein Hensogs von Friedland ^0 
KU. Prag, in einem Saale des Erdgeschosses sein Leibross^ 
das ihn glücklich ans manchem Kugelregen getragen, noch 
heutzntage ausgestopft zu schauen is t. 

Doch wir woUen in gerechter Wtttdigung der kaiser- 
lichen Anstalt 7 uns nur an deren Glanzpunkten erflreuen. 
Der Zutritt ist leicht zu erlangen , denn Jedermann erhält, 
und zwar unentgeltlich, eine Eintrittskarte; um welche 
man in der Kanzlei des k. k. Wiener Garnisons-Artillerie- 
Districts-Commando (auf der Seilerstätte Nr. 958) ansu- 
chet. Doch dürfte auch, ohne solche, eine gewählte Ge- 
seUschaft, welche sich unmittelbar an den Pförtner, so wie 
an den Inspector des Zeughauses (Hrn. Oberfeaerwerker 
K***} wendet, um die Sammlung in aussergewGhnlichen 
Stunden mit mehr Müsse zu besichtigen , schwerlich eine 



Kufolge (Wien. Zig, v. 9. Nov, 18413 wurde der Tower in der Nacht 
vom 30. auf den 81. October 1841 durch Feuer theilweise verwüstet, 
und das Zeughaus mit fast allen darin befindlichen Armaturen zerstört. 
Der grosse M'^affensaal mit S8<l,000 FUnten lag in Asche, eben.<«o die 
Sftle mit so viel zahlreichen, in allen Theilen der Erde erbeuteten 
Trophäen , dagegen die merkwürdige Sammlung chronologisch geord- 
neter alter Harnische erhalten worden ist. Der Schade wird auf 1 M i 1- 
lion Pfund Sterling angeschlagen. 

*0 C^'sBBii.3 Das Ritterwesen und die Templer I. 1:^8. Auch im Tower 
waren die hölzernen Thiere mit jenen echten Pferdefellen überzogen 
gewesen, die noch von den Leibrossen der Könige herrührten. In 
Wiens kaiserl. Zeughause sitzen nur fünf Ritter auf hölzernen, ange- 
strMienen Pferden , In der k. k. Ambrasersamngung acht; dagegen 
zählt man in Dresdi;ns histor. Museum Cdie Rosse mit kostbarem Reit- 
zeug mitgerechnet) volle vierundsechzig Pferde. 

*0 Wa 1 d s t e i n nicht Wallenstein, T r c z k ä nioHi Terzky, 1 1 io nicht 
Ilow, N e u m a n n nicht Niemann, Z e n n o nicht Seni, und Waldsteins 
Tochter (aus zweiter £he) Maria Elisabeth nicht Thekla. — 
Diese Namensberichtigungen hat schon Nemetuy (i. s. Schloss Fried- 
land) genügend nachge>%iesen. 



n 



90 DBS HAUSB8 AUSSBRB AN.SICHT. 

Fehlbitte than. Die ordMangnn&ssigen Eialasetage Bind: 
Montags und Donnerstags von 9 — 11 und 1 — 4. Waffen- 
freunde w&hlen am besten einen sonnealiellen Vonnittag, 
an dem die Beleuchtung der S&le am vortheiihaftesten sn 
sein pflegt« 



EINTRITT IN DAS KAISERUCHE ZEUGHAUS. 



Die geräumige Einfahrt erscheint mit Waffen reich* 
lieh geschmückt y ihr Deckenstück trägt einen stattlichen 
Doppeladler mit der Jahrszahl 1760, und die bunte Zusam- 
menstelluDg von Bruststücken, Helmen, Schilden, Fahnen, 
Luntengewehren, Piken, 8chlossgabeln , Hiebern u. s. w« 
dürfte dem Schaulustigen vorerst genügen , nicht so dem 
Kenner, dessen kunstgeübter Blick flüchtig über das Be-^ 
kannte gleitet, indem er rüstig fortschreitet, denn er will 
Älteres, er will Seltenes sehen. 

Indem wir diese Ansicht theilen, vermeinend, es zieme 
sich zuerst das Wichtigste zu beschauen, durchwandeln 
wir sogleich den grossen "*) Hofranm , schräg gegen die 
Linke gewendet, und schreiten auf zwei mächtige Kano- 
nen zu, welche, auf ihren starken Laffeten ruhend, ihre 
Mündung drohend dem Nahenden entgegen kehren , beide 
durch Grösse und Arbeit ausgezeichnet. Zwischen densel- 
ben erblickt man die kleine Thüre, mit Waffen geschmückt, 
deren Überschrift : 

ihre Bestimmung genügend ausspricht« Bald sind die 



*0 I'er Hof und die ebenerdigen Räume des Hauses sollen , gleicUwie 
die grossen Kanonen am Eingänge, später besprochen wefden. 



BBSCHRBIBUNG DBS K. BBVeHAUSBS. 11 

2S Stufen der geränmigen Treppe erstiegen y und man be- 
findet sich in den herrlichen WalTenhancn, und zwar an 
jenem Pnnkte , hei welchem gewöhnlich der Führer die 
Erld&ning zu beginnen pflegt. 

ERSTBB STOCKWERK. 

Die Zwischenzeit bis zur Ankunft des Führers kann 
man fQglieh mit Betrachtung der kunstreich geschmückten 
Saaldecken ausfüllen, die mit einer zahllosen Menge von 
Sfibelklingen y Gewehren , Piken , Bajonneten und derglei- 
chen überdeckt erscheinen. Vor andern bemerkenswerth 
sind hier, vor dem ersten Querbalken der Saaldecke (drei 
Sehritte von der Aufgangsstiege entfernt) : 

1. ^mti ^tSni^t mf fixtdifditibtn befe^i^et Beson- 
ders stark ist der Rrduig geijj^ei* das Fenster zu. Beide dieuten 
zum Tnniiergebraache« Mau hatte iiämlich hierbei theils Spiesseisen 
mit e i u e r Spitze, gehörig zu deu meisten Gattungen der Re n n e u : 
yyRetmeiseny^^ theils Spiesseisen mit drei oder mehreren Spitzen^ 
y,Krönfyey Krötdein^' genannt, welche bei verschiedenen Gattun- 
gen der Gesteche in Gebrauch waren. Von letzterer Art sind 
auch die oben angeführten. 

8« Hur n^nneifitn m^ lixtä^ji^txhtn U^tp%tt Diese 

Renueisen, auch yyscharpfe «^»^n^^geheissen, sind sämmtlich Tur- 
nierspiessen entuommeu; nur verdient Erwähnung, dass die Breche 
Scheiben nicht etwa dazu gehören , sondern blos der Zierde wegen 
angebracht worden sind* Der Reunspiess hatte in der Regel keine 
Brech-^ sondern eine Schwebscheibe, wie deren mehrere in der 
k. k. Ambrasersammlnng vorhanden sind. 

3« JHel^rere 3ierlt4) %^^U pxtä^^i^txhtn tiiin tierf4)u- 

fetter (ßraße ^ ebenfalls an der Saaldecke gegen die 
nächste lange Waffenstrasse hin augebracht; einige mit vergolde- 
ten Aetzstreifen. 

4« Cin^ ItfaUßinU mit 1labfd)Uß. sie hat ihren stand 
dicht am Fenster, und ist in neuerer Zeit auf eine Laffete 
gesetzt worden. Bemerkenswerth ist hierbei die Vorrichtung, ihr 
mehr Elevation zu geben. 



SS BB8GHRKIBUX6 DBS K. ZKCGHAVSBS. 

BEMBIIKUNGEN FÜR WAFFBNFBEUNDB UND SABIM- 
LEB« Die Wallfliiiten , den alten HackeubficlMeu nicht unäbnlicli, 
Atandeu so wie letztere nrsprüngUch auf ei|[;enen Böcken. JBchte 
alte B<)cke der Art fanden sich noch vor weuij^ Jahren im alten 
Schlosse zu Steiersberg (im Brzherz. Osterr. Y. U. W. WO« Ab/i^e- 
bildet sieht man einen fthnlichen^ aus demAnflinge des XYI. Jahrh« 
im Theuerdank. Fijs:. LYII. 

Längs der Wand , welche an diese Wallflinte gr&ozt, 
stehe» drei merkwürdige Stftcke : 

5, Cßroße fd)mtxt Mfäantv-'Ptt^Ui mit zwei SchUd- 

zapfen und einem Delphin versehen^ worauf die Umschrift: 

WOLFGANG . NEIDHARDT G08 MICH 1699. 
Sie ist ans Stückgut gegossen, und ohne MadrUibrett* 

B.F.W. F. Petarden (allenfiills mit Sprengkes^et» zu ver- 
deutschen) waren schwere, aus StÜck^^ut oder Eisen /gegos- 
sene Kesseln, welche auf ihr Madrillbrett befestiget, dazu dienten, 
Thore zu sprengen. — (Nur ein altes Mainzer Inventar v. J* 1672 
erwähnt dreier bleiernen, eine grosse Seltenheit) jede wog 
sammt Madrillbrett 65 PfdO In der Regel kommen sie ohne Schild- 
zapfen vor , die der vorliegenden sind als Ausnahme zu betrach- 
ten. Ihre Erfindung dilrfte in die zweite Hälfte des XVI. Jahrh. 
fiillen, wenigstens wurden 1570 die Petarden bei Si. EmOion von 
den Hugenotten angewendet. (Mau vergleiche den Anhang.) 

6. «rJ^erer JHarfel aw im XVL Jal>rl|ttnl>ert 

So nannte mau die Wurfkesseln schon zur Zeit derHussiten; 
im XYI. Jahrhundert hiessen sie Mörser , Böhler ^ auch Narren^ 
weil sie, wie diese, Steine warfen. Er ist aus Stückgut gegos- 
sen und ruht auf hölzerner Schleife. Die Kammer ist ziemlich klein; 
die obere Aufsdirift lautet : 



WOLFG . PREPOSI- 

TUS . NBYBYRGEN. 

1547. 



unter selber sind drei Wapen in einem Kranze zu sehen , deren 
Beschreibung ohne Abbildung schwerlich geu0.f;en dürfte. Die wich- 
tigste Aufklärung, nämlich über Yaterlaind und Alter , liefern uns 



BBSCHRBIVUNO DBS K. ZCUßHAUSBS. U 

oüiieiitss «le bereiter erwftlittteu Worte; otar dmi Ztt»4l«e|ie 4ie 
Aufschrift: 



JÖRG PEUGER 
OOS MICH 1147« 



7. tfltl fUSStti auf fleiaem angegossenen Fasse mbend, 
aaff Stfickgiit, mit der Jftkresssbl ItSOb 

* « * 

EBSTE UNGSEITE DES HAUSES. 

CStOLDULLK AH DER UnCAIlEO 

VnfeTM tvon diesen OesehQtaeA birgt ein kleiner «nbe* 
nehta^ Ktai? grjosse SelteoheUen j doch wird derselbe, 
*i 0r dea Ihspektors Schreibstube bildet, worin' seine Vor- 
lüerfchftoherV Bechnongen n. a w. anfb0Wahrt werden, 
den.8chauia»tigeH in der Regel nicht vorge- 
w-iesen**), ., 



•• 



DES INSPEKTORS KAMMER. 

An der «nr Linken des Beschaners bellndiiohvn Wand 
bilden Waffen eine grosse Sonne mit vielfaohta gltasan«» 
den Strahlen; ihren Mittelpunkt füllet: 

8. tf ine nunbett , motanf ÜSebetieti mit ttffthUn lUtU 

Uxn W$U fiK^mmtt SLfbiVU Der zu besprechende 
Scliild, im XYI. Jahrlinii^ert R u n d e 11 geuaiiut (Jbrockierö Uargo), 
bestehet -ans einer diekea Btsenplatte / mit dunkelpotpuirdtliem 
scllw^'ren Sammt' ^benpsgen,. d^ ^Ider die Zeit schon selir ge- 
schHcftrzt hat. Er ist am Rande mit kurzen Fransen verziert und 
mit eisernen PIftttcheu beschlaj^n, welche grossere nnd'kTeiuet^ 
Medaillons verschiedener frorm Mldeiw Sie enthalten theils Feld- 
herrukfipTe , theils Waifensinnbilder in blankem Bisen auf golde- 



*') Der Verfasser erachtete als seine Pflicht, den WsAsnflPtiMden keine 
MerlKwiirdIgiBeK der Icmlserlicaen «aaunliing am ealeielMn '-• auch 
#ürfleit wohl einzelneKeanei' desshalb die besondere GeAlllg- 
iceit des Hrn. Inspectoni in Amiprueh nehmen. 

3 



U IXSPBCTORS KAJUBIEH. 

ncm Oninde^ • iitid lassen auf die pracMvolle Wirkung 4es Cansen 
kurz nach seiner Yerfertlj^iiijy^ seliliessen« 

B. F. W. F. Zo einer uäliern tJutersuGhimii^ der Arbeit fehlte 
die Gelegenheit. Dem Anscheine nach sind sAinliitliche Verzie- 
runii^eu der Eiseupiftttchen im €to«nik geschlagen, un4 etwa durch 
Ciseliren nachgeholfen. Eine nnverbfirgte Sage schreibt diesen 
Scktif dem Kaiser Maximilian !• zu, allein Kenner werden whMen, 
dass man in der Blfithexeit dieses Herrschers keine selchen Schilide 
führte; wie denn auch nach reiflicher Prfifking des Geschmackes 
in dessen Formen seine Verfertigung allem Anscheine nach in das 
letzte Viertel des XVI. Jahrhunderts zu setzen Ist. (Mau vergl* 
z. B. den Schild des ChnrfQrsteu Christian !• vimi Sachsen , der 
15M — 1501 regierte, abg. in BjauscH sächs. Rfistk. flg. ft9.) 

9. Ülartmtiian I. Uixtfdfex fiatfer« (geb. 1459, Kaiser 

seit 1493 t 1519 im jb*0. Lebensjahre, im f#. der Ite- 

g\erung.y SStxti f^tbmfi , OdiQt Cß«ßo(t Cr ft^ t« 
Qnityn j^atmf^ •«} auf nntm jelif {etteti dtrtit^spt« 

Ein Oelgeniälde auf LeiuM'and, 18 Wiener Seil breit, ttud 
it\^* hoch). Es zeigt uns den ritterlichen Held^ Theaerdaiik, das 
Haupt mit einer Pelzmütze, worauf ein hober Reigerbusch, den 
Hais mit bocbrothem Barte bedeckt *% Ähnlich dem auf dem iiflch- 
sten Bilde; die fibrigen Leibestlieile gflnzlicb in blanken Stahl ge- 
hüllt ; an' den Ffissen lange j^eiserne ScknabeUchuh^^ und goldene 
lai^SlIiilsige Aadsporeu. Sein Pferd ist ebenfalls gerfistet , jedoch 
nur bis auf die halben Schenkeln, so wie die damaligen Kriegs- 
pferde der Ritter (jdextrariij destriers) gewöhnlich aussahen. — 
Die Ueberschrlft lautet : 

3n fflcrl)fr ♦ farm ♦ ritt ♦ tin ♦ ^tx ♦ burri)lnrl]ttrt ♦ 
i|0rl)geborf * firft * tnajrimtlian * Don * ^oiee * j^enaben - 
fr* tTCj\}txt}0(i * ?tt eftf nrrirl) ♦ ?» pmr^nn ♦ }n prafun)^ • 
rr * in * ixt * ftat * lir^rlburjgi * am * fant * mtri)e($ ^ taf^ . 

im jjt$o ^- 



**') Unter dem Ausdrucke Harnisch wurde in ritterlicher Zeit der Helm 

niemals mit elnbegriflTen. 
*0 Her stählerne Bart war mit flammt überzogen. Derlei rothe Ueber- 

Ruge hatten schon in der ernten Hälfte des XIV. Jahrhunderts die llotiti- 

stinien der Turniergäule iieim Kolbeutnrnier. 



1KSP8CT0RS KAMIICR. SS 

Wir mtiieliBieii also, dass In dieser Ctoetalt^ d. U Aiurfistaii^, 
der darchlanchtige hochgeborue Fürst Maximiliauiiay Ersberaog s« 
Oesterreich, zu Bargmid, zu Brabant a. s. w. Im Jahre 14dS um 
8t. Michaelstage iu die Stadt I^aelbiirg eeiitett Blnrag hielt, vh4 
da derselbe wobi sä eineBi stieben Pmitkziige eiHsn dasMüs ibU«» 
eben Haruiscb Cuacb der letate« Mode, wie bvir sn sagen pflegen) 
wAblen suMbte, so gewAbrt ans dies OemAlde sugleicb einen 
wicbligen Beleg für die damals berrscbeu^ Hamischlracbt« ' 

10. jBnkIrer SithtHift, i^wcnüfdfmtifttt U$ €t3k(tj0tß 
ülarimUian I. wn ^tfktxtrid^. SStin iHtbn\^) tt 
fl jft nttf tlntm bb auf Mf jQttfe nttbtMtn J^tngft« 

Ein Oeigemftlde aitf I^einwaud^ 16 Wien. Zoll breit, and tt 
Wien. Zoll bocb. Es fahrt die Aufschrift: 

3n frlltcl)t • vxM * brrit - Itrr * btJfcinaiUn * \wMkt * aU 
brrrl) • mtints «jgn * Ijrr - Ijer^oi^* majrimUiand * Ijarnafrl)-^ 
maiftr - }^m - pftvtt * in in - ftalt • itama (sie) am * mit^ 
mctti * norl) * vnftv* Utbt * ftümn* tag « tr* $cpntlt- 

im jxs^ wr «0- 

Die Schrift besaget, dass am Mittwoch nach unsrer lieben 
Frauen Tag im Jahre 1480 der geübte Jnnker Alhrecht^ damals 
HaniiscRnieister *') des Erzherzogs Maximilian 1«, ein sotcbar Oe- 
statt gerüstetes {.verdecktes) Pferd zuritt, wie darunter gematt 
steht. Man erblickt auf dem Bilde den Junker iu seinem Hauskleide ; 
iiiur trAgt derselbe einen schwarzen Eisenbart, und sitzt in einem 
hohen Kirissattel, dagegen ist das Boss an allen Leibestheilen, 
Bauch und Kuiebeugeu nicht ausgenommen^ bis au den Huf iu Ei- 
blech gehüllt, das aufs reichste getrieben, verziert und vergoldet 
erscheint. Höchst anziehend wirket auf uns dies treue Bild aus 
der Jugendzeit eines der grüssteo Helden , die jemals Oesterrelcbs 



**3 btschaideu: der guten Bescheid weiss, Idug, erfahren. — nosia: nibs- 
lieb — i r Csebttrt) sonst so viel wie IXP. mit dem itriecbbiehen Ehe, 
des iMt Jesu Christi; wie denn die Absllelie Beseiebnsng sott dem 
Mindartenseieben des Kidsimi Constentin d. «r. XP. 4. 1. X^ ai«ht 
ttnff duffcli die hysanttnisehe Beit, sondern beinahe diirebs ganze M It- 
telalttft biiidurch läuft. Dass hier Mariae Geburt {S, Sept.;) gemeint 
»ei, wird durch die Stellung der Worte wahrscheinlich. 

*0 Von deren Oliliegenheiten soll spater ausrührllch die R^de' stein. 

8* 



U IN8r«CTOR8 KAiKMBR« 

TlMi»li ges^hmüekt , dleas . spveclieiid« - Goyiiide , das darßli alle 
SlOme der Z«U «bar vlertkalb Jalirliaiiderla laug iiiis 
sorn^Mii' erliält«ii wonleH; das aas zaif^t., wie aMii dea wieberiir 
den- sta1ilg:eribitetea Straiftbe»^ deai jaac^a H^ldea verrUt , uiia 
leMafr jfemahnead, wie aela thateiilechaeadfNi Ben bei desseu Au« 
blieke 'pocbea mocbte^ 

B. F.W. F. IT. K. Ton diesem merlrwffrdtgfea lloesbaniiecbe 
iribt die Alihilduiig hl S. Metricr's sroesem ^^feitwerke« Ph 
LV1|# liar ^ia acBiaraehea üad aarlcbHigea .YKd.* .Ple^ Raifaa 
(ülepliptr^feiL, ^ebreueu) laufe» an dea Beine». beiiuibe.bis a» de» 
Hnf, und die Fe»sel« aiud dnrcb beeile £ltreifea eines hachrotbea 
SlofTes (vermutlilicli Ledex mit Sammt fiberzon^e») bedeckt« tn der 
Reji^el fiilirteu die ^^geraisig pferi^* des böheu Adels nur y^eiae ste- 
helin stirna (roäskopp^ kanxy panzernen rosshatsjf&rbiegy tescken, 
vad g^tiegfr, vott. Kls^ii ; dai^frea Belae uud Baacb Neiiake ff^ 
bli«beii. £s ist hieruacli bejgreif licli , dass mau diese selbst ffii; 
dauiali/>:e Zeiten buchst seltene Ausrüstung' eines Bosses 
(itbirlicb jener der eguMes- caiapkracti eder daetsekeu lieiiir der 
Rf |^er> fiabe gleielizeitig abmalen lassen* ^owobl das lleissig ge- 
malte Wappen am Rossgel lege r^ als das goldene Vliess mit 
dem burgundisclien Feüereisen an dessen Verbug, bezeugen uu- 
Ulugbary.da8s..das Streltrc^s einem der gefeiertesten Helden seines 
JakrbuudeitSy dem juugeu T beuerdauk^ angebört babe^ der da- 
mals aeiu eiiiaudzwauzlgstes Lebensjabr zäMte, getreu dem Bild^ 
des J&ugllugs Im Horak: gaudet efuis etc* 

Mau vergU deu Anhang* 

11~-S4. Wtttitlfn Jltrißbritgeln Mit f4)9iter J3ltiHt. 

Zu beiden Seiten des unter Nr* 8 beschrfebeiieii 9ebitdes,' am 
Rande je^es l^reises y treTcben sftmmtHcbe Scbwertkuftufe bilden, 
sind vleneebn schSngearbeftete Streitkolben' befestigt, deren sebSnste 

wir lijer bemerkbar macheu* - 

.t . , 

B. F. W. F. Zur Rechten , von unten nach oben gerechnet, 
zeichnen sich der erste Ben gel dieser Reihe durch seines Kopfes 
geätzte und versilberte Blatter .(wovon eines aus Verseheu umge- 
kehrt eifigesetzt), der dritte uud vierte durch die ausnehmend 
schaue eiaeiiarbeU Ihres Schaftes — der f dufte durch seine un- 
geheure Dicke und ISctawere aus; der aecbate lal van Mesaliig, 
sein Griir von Holz, mit Bein eingelegt, der siebente endlich, 
mit kugiJIfCrmjgem Haupte, ein eigentliclier Buzogati, Den eben 
benannten Kirissbengeln entsprechend, befinden sich auch sieben 



iNSl^KefOHS KAMM KIU 37 

Stücke an der GegetiaeHe, wovon wlrMec mir dio swoi obcnteu 
als sehdiie Baxois*^iie erwiktflli woOcIi* *. • 

25. Ae<^tf Itii^flhrii; a« der Alitie.iler WmuI ki far 
HShe. Sie diente sowolil lielm C^rnler als MiA BniatJUmpr 
(ättcli rosskapftUtnm g«AaAiit>. Die vMladllcfco tot von hodealMi^ 
der GrQsse, geMrlo daher anf einen aftbütiseii flttfOHtoagaC, «ad 
weiset eliie liesonders seliOno Arl»eit aas« Slo aohelni aai Bilde de| 
XV. Jalirhunderts geschlajfen worden mm sein« 

aF. W. F. Auf der.StÜuo ailio kJei^e 8flAinsolieih# aUlVSpit^e. 
Die Augen weit vergittert, die Ohren felileu, die Bacfeiii i^iffelt, 
der NaseurHi^ett mit Jcleiuem Greifenkanm, wie er sclion im zweW 
ten Viertel des XV« Jalirhuiiderts^ jedoch iu weit grOssereui Masa- 
Stabe vorkomiat« 

S6— S7. ^mti txftxat ^attfi^tn mit 9ttgoI>etem Vdft^ 

Jttat 1Uat(e|t«l^. Dias« beJIdeo kleiaep Sahilde sind 
von der Art, wie auM sie.beia Healgestecliy einer im 
XVLilakrliBndert ftl^üdieu Gattauig desTarulerkampfSes, gehrauclitef 
Von ziemlich Ähnlicher Form waren die Roste, 4ie fraher beim 
Gestech im Beinharnlsch QbUch waren* 

B.F.W« F. Uabejr dem ursprünglicbeii. blauaugelaiifeiieit 
Grande ist. ein erhaben gearbeitetes vergoldetes EiseiigUter CrosO 
be|indli«b, und in jedem der hierdurch gebildeten Vierecke ist eine 
besondere Geslalf C«* B. ^lue Hjder, ein Lowe, ein Engel u. dgl,) 
in Gold gemalt zu sehen. Jede Tarti}phe enthält die nothigen I^ocher, 
um sie au die Bn^st au heften. Die vorfindlicbeu zwei Stücke ge- 
hdreu in die Blfltiiezeit des Erzherzogs Ferdinand von.Tyrol. 

»8. Aitftr JUarimthin L Cgeb. 14»9 1 1M9). tfhi latir 
0e0 Slfdimtt. 9a$ ^tft mit Meijfint, wtnfim iUftn 

1in> XOt^tm i^olj negiert Es befindet sich unti»* dem 
Bilde dieses Kaisers In dem durch ISchwerter geblMeten Kreise 
aar Reöhfen. Ahf dem messingenen Schnabel (oberes Bude) des Hef- 
tes (Grifes) ist das bnrgundlscbe Kreuz mit dem Fenereisen j|e- 
graben, und IXsst nicht unwahrscheinlich auf den eAauchten TrÄi- 
ger schttessen. Ob dessen Klinge echt, wollen wir dahingestellt 
sein lassen. 

S9. tf m 1ltttrrf4)mf rt 31t anbertfiallier Im^, unmittelbar 

unter der glänzenden Ross-Stirne (in der Mitte der Wand} senk- 
recht herab hängend; noch von jener einfachen und kräftigen Form, 
wie selbe im XIV. und XV* Jahrhundert üblich war. Die schöne 



$9 IN6PKCTOIIS KAMMEK. 

Kllitj^beskstzwel breite BIntriiiiieii. Das vorliegtiide StSck dHrHe 
au« den Beginne ^s XYI. JNdlrlHiii^Nrls tfUu 

30* lBtirf|tlfl>^tf4Kr ^9^ ^^ ^^ Jw^^k^pf. Am Fasse 
der dnrci Waüen gebildeten Sonne feeselt ein bnrgundincher 
Helm ibavTfuitniy von hCebst eeHener Fon» nnaere. AuAnerluafli- 
*keift. Sein HelmfBiwter bii*M einen Focbekoff. «- £r ist zu« TiieU 
greift «nd mit geätatcii «nd vergoldeten y^tricheu'' verziert. 
Gleich danieben erblickt man: 

31. JHc^fre tfirklf^f tiftxnt S^Ugniftn, «nd ober den- 
selben : 

32. Alf Iftnjrttf ^dbfpovtn, mit laog:eo^fl«l«cn, wie solche 

im XY. Jahrbaiidert getragen worden sind. 

33* «Kn (<l^3n{carbettete^ HttUxf^mtxt (binier dem 

Fuchskopfhelm befestiget). Die Klinge s weiscbueidig ; ihre 
ganze Stärke CAnfiing), so wie Heft, Kreuz nnd Knopf von Stahl 
blaiiangelaafen nnd gravirt, die Zelchirangen darauf vergoldet $ 
eine sehr schöne Arbeit. Zelt: letztes Viertel des XVI. Jahr- 
hunderts. » 

34. tfin langem 0iampf'Mtf[tt (einschneidiges körze- 
res Schwert) ist in der linken unteren Ecke befestigt. 
B.F.W. F. Die gerade Klinge Ist breit, ohne Btutrlmien, 

und hat einen breiten Rficken bis an die scharfe Spitze. ^'^ Der 
Griff ist von Holz, mit schwarzem gepressten Leder überzogen; 
au der geraden Parirstange sitat eine schmale Muschel von einfa- 
cher Form. Läugenmasse **) : Klinge V 9'% Griff 16^', Parir- 
stange 8ys'\ Die Waffe ist ans dem ersten Viertel des XVI. Jahrh. 

35. €in langem. 0iümpf*Mtf(tt. Mehr gegen den Mittel« 
punkt zu; schöner gearbeitet, als das vorige. Die Klinge 

nnmftstfg schwer. 

B.F.W«F. Die etwas gekrfimmte Klinge ist breit, an betden 
Seiten (dem Hfickeu nahe) mit einer schmalen Jtintriune versehen, 
welche, der ganzen Länge nach, tiis zur Spitze läuft. Der Griff 
mit schwarzer Seide bedeckt, worauf eiserne Knöpfe. — Diel^zt- 
genaunten, so wie dessen Schnabel, Parirstange und Muschel sind 
vergoldet. Längenmasse : Klinge ^ \¥\ Grifft V, Parirstange \%"y 
Zeit : Anfang des XVI. Jahrhunderts* 



•*} Die Längenmacifse ' Schnlii " Zoll, "' Linie , »lud nach dem Wiener 
Massstabe cenommeu. 



INSPVCTORS KAMMftlV St 

M. Hin jidl^i dem Fachskepflieline Ji*r LlakM« 9mm 
Heft mM. zitrück gewmideiier BrtMtaheHy di* mttaikmWamm 
voH der Art, welcke die . Frauzoaeii MiUei iieiuieiiy mit Gold^ 
Zeicbuuug^eii iiud Scbrifl fiberdeckt. Die Letzte lautet: 

a> auf der Aosseuseite, d. i. jeuer mit dem Parirriuge : 

SIECH . NICHT . YEM . 8CHAY . THU . NICHT * DAS • DIB . 
GEBAW • VBRBOnGEN GLUCKE * JERFREVET . MICH 4^ HALT 
MAS * GEDENKS . ENDE. # IN « DEINEN • NODT * BRAUCH . 
MICH «^ ASHR y WOL . BBOKNCKT . DICH. 

1^) auf der iniiereii Seite: 

ALLEN . DENEN . DE • MICH • KENNEN . #«DAS GIB 
GOTT. WAS» DIB » MIR • GOSNEN . « FIDB . SED • ANTE« 
VIDE . CVI (UTO) FIDraUL (lOS.) ^ LABOR . BT . »OLQR « 
Nf HUi SEMILIUS . INSAND QUAM . EBRIUS. 

Nacli Herstellung des Textes ist der Sinn etwa foljg^ender: 
Siich nicht fxnr Schauj Qbecor du gesehen^ weii). -w Tkme nickis^ 
was 4ich gereut — Verborgene* Qiüek erfreut micb. — Haite 
Maat, — Bedenke du* Knde. — In deiner NoUi gebrauche michf 
aber {joorher^ wohi bedenke dich, — RQclcseite : Aiien denen die 
mich kenneuy gebe GoU das, was die mir gönnen, Fide, se4 antea 
ride^ cui iiUo fldere fas iest), — Labor («) et dolor ieh — Nihil 
shnilius insano quam ebrius, — Seiner Form nach ist er aus der 
zweiten HAffte de« XVI. Jaturhunderts. 

37« tfin jPoll^/ nnfern von dem Letxtbesprocbenen. Die 
Klinge eiyenfalls reich vergoldet, mit verschiedenen Schrift- 
zftgeii. 

Wi( überge^n nun eiae grosse Zahl der sohdaste« 

und selteostea langeu Degen im Kampfe mit dem |,Pugkel- 

ler'^ gebrauch] icli, d. i. Rapiere Cspanlsche Degen mit hal-» 

bem ^aalkorb'Oy kurze Wehren, auageBeichnet aelidae 

Dolche y 8tockdegen , Kiriss-Schwerter , Fechtschwerter, 

Sweiniiwerte, Sweindegen *^ n* d. m«, deren mitunter 



*0 Di« elieren Parirknebeln fehlen an denselben. Es sind dies die zu 
Kaiser Max I. Zeit allbekannten JagdwalTen — von manchem Waffen- 
trddler, der nicht wei}(f(, was er daraus machen soll; „Lanzenschwer- 
ter'* genannt. Der französische Schwelndegen des Mittelalters 
besass noch eine namhafte Verbesserung. Statt des gewöhnlichen 



w«lilerlMl*eie Hefte M0 «#lle«fli» Dnhint^^ tfdd gtwwf^ 
4eM Umht-ArbeM ««fWelsM (swisdien wetohen okiige 
Malayische Dolche sondeitor abstechen), ued weodee nnn 
gegen das Fenster, das mit kleinen tflitischen Rosschwe^ 
Den vensiert erscheint. An den Selten sind einige Zeich- 
nongen anfgemacht, anziehend für den Vaterlaftdsfrennd, 

n&mlich : . 

• 

38. VtlTe «tel^rem j^SAr iitf> MUr, iia4i UmMi^ 
ftabe eigfni|ati>t0 ^or td^net m« SS. k. $« Um nad»- 

mligm lUtfet Alirl VI. (geh, 1«», seit 17H Beherr- 
scher von Oesterreich nnd dentncher Kaiser , t A740 Im 
56* Lebensjahre, im ff* der Begiemng).. 9ie siad iu naittr«' 
llcher Grösse, aufPapItr and mit Farben eat^varteii, and von d^m 
Krsherzoi;, wie eine Nachricht des ^mtlicheu luveutarea aaiscibt, 
quier Iieltung . des Obersliieuteiiauta KoUmann verfertigt worden* 

Dem Eingänge gegenftber gewahrt man in der Mitte 
IdeinerTlropäen eineii Drahtharnisch, dem Oeschichtsf^evnde 
nicht anwichtig. Ober einer kleinen Sonne, durch leichte 
Badschlossflinten, aas dem Zeiträume des dreissigj&hrigen 
Krieges gebildet, schwebet zwischen blanken Trompeten 
ein immergrttnender doppelter Iiorbeerkranz, bestimmt, die 
hier aafgestellten Waffenreste des edlen Ap af i au sohmfic^ 
ken , darch dessen Beschlass Oesterreich die Provinz Sie- 
benbürgen erwarb. 

39« JRi^det Jlpafi II. Jxitft wn SStAtnhixfm Cffeb. 

1677 — gest. 1713 hn 86. Jahre). Ctn yanjer^rmb 

mit ^lerUdKit Jfirfpangen (Bmstschiiessen); — '- babri 
f hie 'Panyxf)Mht mtt feinem yanjer-dßetfSng. 

B.F.W. F. Die Paiizerhaube , welche Haupt nnd Hals 
schätzte, ist nach Art der Pol^ie^avischeii Helme gestaltet. Eine 
kleiue ziemlich flache Schale von schwarzem Eisenblech deckt 



SchwertkopfeH nämlich, endigte das Heft in eine gegen den Jäger 
gekrümmte kurze Stange, um damit gegen das Knie anzusetzen. CCAüSb 
VI. C — Man vergl. TnisuzROANK f. XIX.J In Deutschland ist mir 
hiervon noch keine Probe zu Gesicht gekommen. 



de» SeiwH«»!« und um mIIw Iftiift «i«i Pamcrgehteg iroti b^wsii^ 
derttu^fs würdiger KeiiiteU, das N«ck«a «14 AoImwIm «mwAllei* 
PjM DraMheoid, von ip'dMcrcii ll|aj[;eu ^jimitrickety hat «iiMU hUi- 
neu ilher die Achsel ii hftttgeadeu Kra^ieii^ nnd ist an Brast .uad 
Hals mit niedlich verzierteH (aarNiette^prunde gravirtctt> ScUie»- 
seu versehen« Jfau vergl. den Anhang« 

Fttnit seit 1448, t 14M, Im 69. Ldbe»fl|f«ht«). CtH 

jPdutivmfirtte ei« jfUre«3 mik lHim»tt0e«4Hk «M Mute«» 

s 
B. F.W.K. Das zu besprechende Schwert besteht aus etiler 

sehr 1ani;;en, breiten, starkü^eln-flmmten (der ^irdsste Dnrchmesser 
dar KrfimaHiiii^ betraut 3'/«'') Klinge dllt hf^tem ROcktn, tu dessen 
Nfthe auf jeder Seite eine schmale BUKrinne von der Parirstange 
bis zur Klingenspitze läuft. An der Daumenseite sind mehrere Ver- 
zierungen von eingeschlagenem Gk>lde vorhanden, als: der Parir-^ 
Stange iiahe, ein gedeppeltes Kretu, das die HeraMiksr «Iil Pst r i- 
archenkreuz zu nennen pfegen; diesem felgt 4or alte Wolf 
Cschleobt gezeichnet) | diesem ein kftnstlloh verscbtaageiier'Kaoto« 
orientalischer Art ^ der in I#aubwerk und vielbl«Atrigo BIhsmh all- 
mAhlig schmftler ansiftnfl, imd in ein zweites Mtiues Krens endigt« 
Der Griff ist der eines Kampftnessers, voa sierlich gopresitem 
schwarzen Leder, mit stählernem Schnabel , ebea so gekehit , wie 
bei Nr. 35. Der ziemlich breite RQcken läuft bis an die Spitze. Das 
Parirkreuz ist eine glatte gegen beide Enden zu (die gegen die 
Klinge gekrfimmt sind) ,^at was anschwellend» StaHistMige^ Die 
Parirstange enthält an der Hamdseite eine Muschel, gltioliwIeNr. 34 
und 35. liängenmasse: KliHgentäii|:e 3' 13^', — CkiffüngelOS^,— 
Parirstange IVA", Die Wehr ist ein sch5ner Bidenhander, doch 
nach meinem Dafiirhalteu nicht von Skaiiderbeg herrQhreud. 

41* <Cine altt breite tVel^r (ssar Rechten der kleine« Tn^ 
päen) , eine kurze sehr breite Klinge, im XV« Jahrhundert ge- 



'0 Die ksisHrt. Ambnisersammlsng besitst ven Giit#ietA eine ftlurm- 
h « a h e (blank mit vergoldetem BockskopQ and- «In <6 eh w e r t , mit 

eiBgeHChlageuen türkischen Buchütaben. Aas V^rgL Pmiiiss. Ambr. 
Sammig. pag. 69. Mehreres hierüber in der Anmerkg. 111 des ver- 
liegenden Buches. 



4t IXSl^BCTORS SAMMBR. 

wüMlIeh jjkreMe Wekr^ g^euwiiit, nlcM vbMiii lieh dem Schwerte, 
welohes Kftrt der Kflhne von Biiri^iid in der Schlacht vor Nancjr 
im Jahre 1477 geführt haben soll *M. Doch flchehiea Griff «ud Pa^ 
ririitanice nnipaasend erfffftnst, und die Klinge dnrch vieles Schlei* 
feo and Putzen zum Gerippe- eingesunlcen. 

Unfern davon h&ngen zwei Palverhörner von weissem 
Bein , wie sie zu Ende des XVI. nnd AnAuig: des XVII« 
JabrhitBdert8 4blich gewesen sind. Ueherdiess ist die Kam- 
mer neeli mit einigen geitxten Consen, Radneiiloaslliaten 
and defgleiebtfa von minderem Wertiie geschmtteiit Ihr 
gegenfiber ist ein SBweiter verscblosaeiier Raam iieindiinli, 
der w^ig Seltenes birgt , wenn man die n&Ghstfolgenden 
StQclke ausnimmt: 

42. £HonU}nmü, jftSnig wn iHcrik^ (kam 1503 aar 

den Thron, getödtet 16TO), ULmttikatiifditX, mit ntX- 

B.F.W.K. Kr ist von Binsengeflecht, mit Tigerhant fther*- 
zogen , mit den güiizendsten Federcheii der Cotibri's geschnückt, 
und soll vom genannten Könige hernihren ; ist aber in seinem arg- 
zerAressenen Znstande zum Venertode reif« Daneben hängen Steig- 
MIgeln ans gerdthet^m Holz , eine schwarze Rundeii, hdlzerne ge- 
drechselte Pulverflascheu , ein Jaserin (lilosses Brustsificic y ober 
dem Fenster befestigt) u. a. m. 



"3 Dermalen in deAVaATensammlung der BemigMbfirg zu LudwigHbiirg -* 
ahgeh. In Wagnbii's Traehtenbuch IV. H. 6. Bl. II. Uebrigens war 
der Ausdruck noch zu Bnde des XVI. Jahrhunderts üblich, se z. B. 
Im Ambr.Invent. v. 1596 f. 3I$6: des tOten KaUtr Fridrichs Praite 
Wökr mtU ai» runde» Knopf u. s. w. Die Engländer nannten Klingen 
der Art jyonelaeeey 
?*HyVem diesem Inka bewahrt: 

zu WWW die KAUKRLICHK .\MBR ASSÜSAMMLUNG ; 
13 Kine Streitaxt, deren Keil und Axthelm von schwarz und 
grau gesprenkeltem Basalt; der Scliaft von braunem Rohr. 
PatMissRU pag. 75. Nr. 158. 
. zu LAXEMBUMI die KAMKRLICHK RITTBRBURO : 

t3 Des Königs vollständige Rastung. Bchmidi*. Wiens 
Usig. B. 11. p. 15i. 



KB8TC liANOSttlTB. 4S 

XMhtrajs: xn Nr. M. J«in 0etllfl^te J^II>3mlHlllll« 

0flt| dftrsteHend Kanonen in natürlicher Grösse, von des 

nachm. Kaiser Karl YL Hand. Noch ist seine Handschrift: Carl 
Erzherzo/;^ anf jedem der beiden BodenstAcke zu lesen. 

« 

Der Mittelranm zwischen beiden eben besprochenen 
Kammern, d. i. der Dnrchganj^, wird durch 7s wei W&nde 
be^rSnxet , deren jede eine Waffen-Sonne enthftif, 
wir meinen eine zierliche Zusammensetzang von Weh- 
ren, sammtlich ans demselbeo Mittelpunkte ihre gl&ojsenden 
Strahlen breitend, meist ans RadschlossHinten, Ladstdcken 
und Radschlosspistolen, aus der Zeit des dreisaiiciahrifren 
Krieges, gebildet. Den Eingang in den ersten langen 8aiu- 
lengang schmücken mehrere zierliche 8&alen aus 
glanzenden Gewehrlänfen zusammengesetzt, welche statt 
der Kapit&ler in geharnischte Gestalten endigen, mit kräf- 
tigem Arme das Geb&ik statzend, und dem Begriffe der 
Baukönstler weit passender entsprechend, als die griechi- 
schen Karyatiden« — Wir gewahren : 

43 — 48. SStdfs litJ^tt Itl^atnifdit mit tl^reii SStiiitn, 
aU: ^anptliarnxfd) , Urttft^ HüAcb^ Jlm^eng fm> 

jQtnj^tt, Die Schosse fehlen an allen; sie stammen aus 
jener Zeit, in welcher (obwohl die Ritterherrlichkeit schon zu 
Grabe getrajf^n war) die deutscheu KQrisser, auch ^yLanzer 
oder Spiesser^^ ie^enanut, noch immer in vollem ,,Harnasck vn4 
Wöhr^^ prunkten. Die sechs hier befindlichen Harnische scheinen, 
so weit ihr Standpunkt Betrachtunje^ znl&sst, der späteren Zeit 
des XVI. Jahrhunderts anzu/K^ehdren. 

B. F. W. F. Der y^Reuierische Harnisch** musste damals, um 
voUstftiidig zu sein, fol^f^cude Stficke enthalten: 1 gamzem Hanpi* 
harafsckj 1 Khrapeuy 1 Brusst^ 1 ßupkky die Brust entweder mit 
langen Schesßieny oder mit kkvrzen Schesslen, 1 Panizeren 
SchurtXy oder doch weui/^steus 1 Panizermt LaiZy 1 P. Armizeug 
(oder doch Panzerärmeln) , 1 Rwssiürndi mü angehe ften SchHU 
(%%'orauf oft das Landes wapeu) 1* P. Handschuech^ 1 P. Panizerne 
FUtngkharty 1 FauJfthhoiben (oder ein Fausthammer) und ain 
Schwert. So sah der Reuterische Haniisct\ um 1550 — 1560 ans, der 



n 



4« K1I6TB liA'NOSVlTB. 

emwHüt ein g^rewgUr^ oder ekf gUMer^ m;hmar%$r odtr Uech- 
ter war. 

Die Wand isar Linken decket die Stiege in die höhe« 
ren R&nme des Hauses« An beiden Wänden gieren die 
vier Ecken : vier österreichische Fahnen , und ober ihnen 
erblickt man: 

40-^2. Wer UediU 1la00|tär(n (anch sturln, stnmdln 

^eiianuO: blauke halbe Rosfl-Stiriieu, sowohl in der Schlacht, 
als auch iu jüngerer SSeit bei mancher Gattung des Turuierkampfs 

Itt Gebrauch« 

f 

Wir wollen nun die ermüdend langen Reihen der jetzt 
Üblichen Gewehre übergehen, nnd nur den hellen Räumen 
zwischen den Fenstern unsere besondere Auftuerksamkeit 
widmen, als welche die meisten Merkwürdigkeiten ent- 
halten : 

ERSTE VIERUNG : KAISER FRIDERICiflS-HALLE. 

iüer Luftbm, die SklavenkeUeih die vier WHUheUe, da$ A. B. l. 0. IT., 

österrwhuche FoAiMit, Petarden,) 

53. C^ttt jTnflbaU^ Un Jxan^^t'n im J« 1796 abgenom- 

metl. lieber einem kleinen hölzernen Schifflein (das 
Crerippe von Holz ist mit Leinwand Überspannt und einfach blau 
bemalt) sind die Bestandtheile eines grossen Luftballes, nämlich 
die gelblichweisse Taflhülle, sammt dem denselben scliutzenden 
gestrickten Netze, gleich einem Blumengewinde aufgehangen. Da 
an selbem unterhalb ein Stück fehlet, so w&re dessen Gebrauch im 
gegenwArtigen Zustande nicht möglich* 

GESCHICHfLICHBS. Während der ft-anzös. Revolution 
wurde zu Meudon unweit Paris ein eigenes aCrostatisches Insti- 
tut zur Bildung eines J^ronauten Corps augelegt , dessen Besthn- 
mung die Lenkung des LuftbaUes bei de^i Armeen war, mit- 
telst welchekn man des Feindes Stellung auszukundschaften ver- 
suchte. Die erste Anwendung des Luftballs zu Kriegszwecken ge- 
schah von den Franzosen 1794 bei der Belagerung von Charleroiy 
bald darauf In der Schlacht von Fierus, Jede Armee der Republik 
bekam t Luftbälle , womit sie den Feind beobachtete. Zu ihrer 
Bedienung hatten sie 8 Ctempagnien unter der Benennung: A^ro«- 
tü>r8 errichtet. Der Kriegsgebrauch dieser Bälle dauerte jedoch 



KRSTB TIBRUN& 4» 

kvrze Zeit. SdMn an 16. Ifftrz ITM verordnete 4tm Fariaer DU 
rectoriimi: y^Der ^atseu der linftballena bei den franaMeelien 
Armeen wofde In Betradit des daan erftNrderllohen ▲ufWaudM al« 
au. unbedeateud sefuiideu. Baa Direotorlum hat demnach la einem 
Beachlusae alle Laftschiffbr-Compai^ieu vom Sl. Min an ala anf* 
gtiiohea erklärt* Die dazu gehM^eu Maanachafle» und Oflisicre 
werden thells entlassen, t Heils aater andere Corf a geetedit«^ <— 
In demselhen Balle nan, der hier geaelut wird, reeeg ne e e ifte ein 
franadsiaohtrX>ffl8ler Cnech erblickt maa eelnMtabAnkleln In der 
Geqdet) mit j^em Femrehr», In einer Hdhe, jeder Kugel «hitr-* 
reiohbar^ Im Jahfe 1796 das fistmrrelohlsohe Lajfer* In dekaeltteit 
JahM aber hatte S. K. H« C^arl Iradic;^, Brsheraog zu Oeatarrhid», 
ah» RelchsffildaMkradiaU da» Commaado der dsterrelehlsehea Armee 
am Rhein 9 und der sogenannten Reichsarmee tMienima m cn, uiltt 
seine gläuaendeu Feldhernitalente entfaltet. Er schlug die Frau-« 
zoseu in mehreren Treffen, besiegte hierauf den ftanz5sischen €fe- 
neral Mareaa bei Rastadt, schlag den Oeneral JamrdaH beT Am- 
berg, Wfirzburg n. a* a. O., und verbreitete Im AranaQslaelien 
^eere, da seine Siege Schlag auf Schlag erfolgten, solche Besti&r- 
s^uug, dass Jourdan und Moreau ihre Truppen tiber den Rhein 
zurückzogen« Bei diesem raschen Vordriugeu der Oesterreicher 
del der besprochene Ball bei Würzburg in die Hände der Sieger. 

Rohe Arbeit. Eine daran hängende Tafel berichtet: 

\m QHaxtm'^t^U im >tt ttaUad^al, t»o et bmrd) >em 1. 1, 
^^tVbmat^d^atl ^xW\ >»om Go^ut^ ^tmtiu^d>ä^tU4) mit >tm 
ttrf^fdi^tm 4^mtta\ ^mteate^» ^t^d^a^tu l»ot^tm , fkt f^QOCI 
fOUmmVti^'^cMt.mim^it ^t^«tmtmfS^«lifUm||«5;di|!llt%fm. 

GflBSCHiCHTLIOffES. Der unvergesslkhe Kaiser Joseph II. 
hatte In Verbindung mit der grossen Katharina, Russlauds Kai- 
serin, die Ottomanen mit Krieg filMriogen. Im^ Beghine les 
Jahres 1769 eog der Prina^ von Koburg mit 18,600 Mann tius 
Choczim, und stiess mit seinen Truppen zu den 7000 Russen unter 
Befehl' des berflhmten Suwarow. Hiese vereinigte Macht schlug 
schon bei Focksiauy der TQrken Vorhut, und erbeutete deretriia- 
ger, Ctesehttfz und «Gepäck. Hiaranf rückte sie gegen die muSei-. 
mAnnIsche Haifptmacht vor, welche unter des Grosawjesiers An- 



4« EASTB LAN08EITE. 

faiviMif bU Rteiiitk Torseirnn/i:«!! war. Bi« i^linsender Sieg; 4er 
flhrisllloheii MAclite endigte den heiMeii Kaspf. Ali Pardon war 
niclit «i denkeii ; alles, wae nickt vereiirengt worden war, »aMite 
QlMr die Klinge sprinipen. La^er, GeecMts und hundert Fahnen 
und Staudarten fielen in die HAnde der Sieger. — Die Monarchen 
wetteiferten, die Feldherrn zu belohnen. S4 M. Kaiser Joseph II. 
ertheilte fllr den Sieg hei Foeksiany dem Prinzen Uhnrg das 
GroMikfeua den Theieaienordens , und dankte Snwarow In einem 
Schreiben , Ton einer Dose begleitet , worauf sein KaaMussog in 
Brillanten« Fftr die Niederlage desGrossweslers ward der Prins 
FeldniarsdiaB, nnd Snwarow Hekhsgraf. Beide HeerfOhrer erhiel- 
ten OegOH mit kfinstllchen I«orbeere«, und der Inschrift: „Dem 
Besieger des Grossvesiors.^^ Auch Ofiniere und jfaansfhsft bei- 
der Nationen wurden belohnt* 

55. JPeAenßuik. 

Hebt man den Blick empor, so gewahrt maa eine 
jener ^esehmaekvoll geordneten Saaldecken , »welche von 
hier beginnend, und durch die folgenden S&Ie in reicher 
Abwechslung fortlaufend, dem Auge die bunteste Auswahl 
kriegerischer Mosaik*s bieten. Die gegenwartige Decke ent- 
hfilt in ihrer Mitte den Wapenschild des Erzherzogthums 
Oesterreich mit den Buchstaben A. E. L 0. IT., Kaiser Pri* 
derichs IV. bekanntem Wahlspruche, umgeben mit einem 
Kreise von GewehrgrilTen , und einem farbigen Strahlen« 
kränze, durch Picken, Schiessgabeln und Säbeln mit blan- 
ken Eiseakörben gebiidet. Die Auslegung dieser Buchsta- 
ben bat vMi Jeher den Scharfsinn Mehrerer heseh&fllgt; 
Bie oieherste LOsnng bot endlich ein in der kaiserh Hof- 
bibliothek zu Wien vorhandenes, von Kaiser Friderich IV. 
eigeohAndig f^schriebenes Tagebuch mit den Wortes : 

Au$triae iist iiD|ierare Arbi iTnivcrso. 

lies Ardreich Ist Uesterreicb IJnterthan. 



Diese beiden Ldsungen scheint auch der sinnige 
Ordner der gegenwärtigen Siegeszeichen Im Auge gehabt 
zu haben 9 indem er die vier Pfeiler, welche diese Decke 
tragen, mit der Andeutung der vier Welttheile 



.KR8TB VIBRUNG. 47 

athmütkief deren Namen auf den Sehllden sn aehanea 
alnd. Insbesondere passt diese Huldigung aaf Oesterreieh 
zur Zeit Kaiser Karls V. , in dessen weit^fMehnten Bei- 
eben die Sonne Die unterging* Die vielen Länder 
und Inseln, welche Kaiser Karl V. in Aflrika, Amerika und 
Asi^n besass, kann der Freund der Geschichte in Olivamts 
Vrsdivs (ßigüla eamilum Fiandriaej cum nmlt, loh, aeneig. 
foLBrvffi». 1639. foL 167 et 155) umstfindlich aufgezfthU 
linden. 

Die Stellung der vier 'Pfeifar ist fblgende: 



AfllA 



EUBMP4 



AMSmiKA 



AFMKA 



EINGANG. 



Jeder der envfihnten Pfeiler Ist mit mehrere« Waf- 
renstlleken geschmfickt, deren bemerkenswerthe wir hier 
kurz berühren wollen; dagegen wir die Fensterntsehen, 
welche ebenfalls mit Schilden, Piken, Partiianen, Helm- 
harten, Spiessen und Gewehrgabeln geschmackvoll gedeckt 
sind, nur eines allgemeinen Ueberbliekes wftrdigen. — 

« 

50* ^ntertkn.. Dabei vier Helme der französischen soge- 
iiauiiteii „eUenieii Heiter,, oder „eisernen Mäuuer'^ Cblaiiker 
Stahl, dicke Kammqiiaste von liochrolbem Rosshaar); eiaa irri^ffe 
Meinung l^^te ilinen eine Art ritterlichen Häanisclies bpi, sie 
f&hrteu aber nur Brust- und Ruckenstück und Hf^m aus blankem 
Eisen. Au demselben Pfeiler siebt mau ein guterhaltenes Pan- 
zer h e m d (Drahthemd) mit Aermeli^ eine italienische Fahne 
roth und weiss mit der Aufschrift : DEM OCRAZIA. Zwei schöne 
Partisanen von alter reiner Form ragen neben dem schwarzen 
Schilde hervor. Die daneben beflndlichen zwei Weihwasserspren- 
ger Oo/i^f<7a(^«|'riMlr(p«) sind aus neuereu Schwertklingeu erzwun- 



48 BnSTB LANGSCITE. 

fiseii« IHegttefll* KUrde «teMs PMtora'bilifet efn 4iiif das Fanser« 
liewd befeskgtfr 3talil bogen (oAi 8MH), ahitr, 4er ^Itestcu 
dieear ffamnlai%. 

II. F. W. P. ^ Ende der laa^ea, achaiftthtigeii, zierllcb nd« 
flurW«»« Beitt%iHgelegteii i^4«ile ist der schön gearbeileie groeee 
Ste|s;reU befestigt. Uuter dem Bogen der niedliche Gfirtelba- 
ken. Die Sehne fasflt eine freisch webende beinerne Nitss. Sie 
DiH^ste mit englischer Winde (a windlass) gespannt werden. 
Letztere feblt. 0er Gestalt nach ist dieser Stahel \n die Jugend- 
zeit des Kaisers. Max I. zu setzen , ans welcher auch die k. k. 
Amhraser-Sammluiig eine Armbroat mit seinem (slebejiraal wie- 
derbolten) Wahlspruche ^,IIALT MAS'^ bewahrt. 

57. «SlfitI« Aiiiilleli verziert wie der vorige Pfeiler. Dabei 
ein Panzer wamms (Ringwamms ohne Aermeln); eine 
Fahne, deren «goldene Inschrift: REPUBLIQUE . FRAN^AISE 
— S0UMIS8I0N . AÜX . LOIX . MILITAIRES u. s. w. die Deu- 
rting erspart. Ueber dem Wamms ein gut erhaltener y,verpainter 
fUaUböifem^^ mittlerer Grösse, aus der ersten HÄlfle des XVI. Jahr- 
hnnderts. Die ddaf sehe Winde, welche «amCl^annen gehörte^ 
fehlt. DiS Sftule ohne Stegreif und Ring. 

58« tfltropa.* Verziert wie die vorigen Pfeiler. Dabei aber- 
ihahi elii IPaar tmechle Weihwaasensiprengery «In Paftzer* 
w.amitf s. (ohiie Aermebi) und eUie Armbrust aina etwas jfiugeref 
Zeit, dfch weit ficliöner und zierlicher gearbeitet, wie die vorige 
(die Sftule obuȣMegaeif and Ring). Unterhalb abermals eine Fahne 
der fk-auzösischen Republik mit der Aufschrift: 

PA£ISAGB . DU . TAGLIAMBNTO 
^ REPUBLIQUB . FRAN^AISE. 
SOUMiSSIOHr AUX LOIX MILITAIRES. 

59. Afrika. Den drei frfiher besprochenen PfeilerA fthn- 
ll«i geischnfÖckt. In der Mitte ein starkes wohTertialtenes 
Panz)Brhelhid mit Aermeln. Vor selbem eine schöne starke mit 
Bein eingelegte Iftallftster aus dem Anfänge des XVI. Jahrhunderts. 
Aus dei« Schilde „Afrikas** raget zur Rechten eine gefttztc Par- 
tisane v^ alter reiner Form hervor, zur Linken ein kleiner 
Ronsard Tön einfacher Arbeit. Unterhalb eine Fahne des 
ÖO. Regimenta-tfer französischen Repul!)Iik. 

B.F.W. F. Die vorliegende BaTläster war ihU dem ^.Gaisä- 



ERSTB VIERUNG. 40 

fu8^' £11 spauneu« Unter den acht Arten **) , alte Armbrfiate za 
spannen, war diese eine der allgemeinsten , besonders in Franlc- 
reich. — Per hlersu gehdrige Gaisfuss fehlt* Fflr ihr Alter spre* 
eben deatlich folgende Eigenheiten : Eine freischwebende bei- 
nerne Nnss nahm die Sehne auf, und durch einen Drncicnagel 
geschah das Abdrflclcen des Geschosses. Die Krümmung des Stahl- 
bogens und der Säule sind sehr klein. Ersteren fassen eiserne 
Anker» lietztere besitzt weder Stegreif noch Ring; die beiden 
Sftnlchen zam WindllEiden sind hoch« — Das Schiessen mit BallAs- 
tem war stets unsicher , ein Missstand y worüber schon Kaiser 
Max L in seinen AfemorlenbÜcfaern klagte: Der kamig soi nymer 
nter schiessen mit kaiHem mrmbru^ — «70 der p^ica nä ün ärmi 
0ei^ dann der polcx oder geucho^s schlecht uich^ 
vnd ist wider die natur dann Es ngmant trift* — U) HoBMüTa"« 
Taschenbuch für 1887, p. 864). Der kleine Ronsard, zur Linken 
des Schildes) gebdrt dermalen schon zn den seltenem Waffeu- 
stücken. Der Bunkha unterschied sich von der Partisane alter rei- 
ner Form nur durch die seitwftrta vorstehenden stumpfen Ohren. 
Waren dagegen die Ohren an der Oberseite scharfschneidend, 
80 hiess die Stangenwaffe : Wolfseisen (Spetumy Sponion). Man 
vergib FiNKB's Mbthick PI. IiXXXVII. Ueber ihren Gebrauch sagt 
PURBO MoBiTi Ci> s. artts milit. collectan. Mailand 1509): In der 
Rege) hielt mau beim AngriiTe diese Stangen wehr so, dass eines 
der Obren oben war — ausnahmsweise aber wurde sie auch als 
Spiess geworfen. 



'*) Den Waffenfreunden zu Dienste, will ich selbe nach ihrem Alter 
hersetzen, i) Mit der Hand; t3 Mit dem türspsn^ croekst de fer, 
im XIV. Jahrhundert allgemein; 3) mit dem Qaissfuss^ el crocp, 
piedL de bicke — go<Usfoot, crotcs-foot-lever; 4) mit der engli- 
schen Winde CFiAischenzugwinde) — eranequin avec cordage, cra- 
nequin ä double manioeUe^ in altengl. Invent. a windUus geheis- 
8en; 5) mit der deutschen Winde, eranequin ä treuü, motüinel; 
6) mit der spanischen Winde Cin der Sftule angebracht) ; 7} mit dem 
Säulenhebel C^'ie z. B. an eisernen Stellbögen), er mag nun auf 
der saule oder unter der SAide laufen Cvon letzterer Art ein un- 
gemein seltenes Exemplar in der k. k. Ambraser - Sammlung in 
Wien); 8) mit der Hehe^ dsterr. dem Drucker, wie selbe noch in 
Sachsen üblich. Der Umstand, dass die beinerne Nuss frei im 
Nussbrunnen schwebt, liefert stets ein bezeichnendes Merk- 
mal für das Alter der Armbrust; denn schon im ersten Viertel des 
XVI. Jahriiunderts beginnt das Durclizielien der Nüsse mit Blndfiiden. 

4 



M> BRSTB liANGSBITB. 

60—61. ^^ti iHttXtl^if^t Jü^ntn. Beim Eintritte xor 
nAcbiteii GewehrsIraMe, besonders ausiebeiid durch den Un- 
stand , dass 8e. Maj. der höchst verewijite Kaiser Franc I. selbe 
im JahM 1815 aus Paris surOcIibrachten. 

6S— 63. ^tne 9.k^tpttüxU titt> eine }ßali$$altuptUt^t. 

Jede auf ihrem Madrillbretle, jede aus S(flclcg;ut. 

B. F. W« F. Am Brette der letzteren sind die eisernen Klam- 
mern sichtbar 9 um die Petarde an jene Wand su spreisen, der 
sie Verderben bringen soll; eine neuere Verbesserung , wiewohl 
nicht die letste. Aehnllch ist die Welse mit vier Hftspen , welche 
In vier Bisenbttlsen endigen, um vier Hoisstangen von ungleicher 
Ukngt aufzunehmen. Von letzterer Art trifft man eine Petarde Im 
Zeughause su Ofen. Die Form der Petarde hinter Asla war in 
Deutschland um I6tft — 1690 fiblicb; Ihre Gebrauchsanweisung in- 
det man In: Fubtenbacb BAohsenmeisterei, 16t7, fol. pag. 100. 
Biuzelne Nachrichten auch in Hobmatb'8 Archiv f. ISS?, p* 59. 

Die geräamige Gasse, ifelclie man hierauf durchwao- 
delt, wird durch zwei lange Gewehrreihen gebildet, Brust- 
Wehren mit ihren Eckthürmlein darstellend, hinter wel^i- 
chen sich geschmackvolle Säulen erheben, letztere so reich 
mit Pistolen besetzt , dass sie den goldenen Fluten eiues 
senkrecht emporstrebenden Fenerstrahls zu gleicheu Schei- 
nes; zwischen beiden: 

64. Sin JPeAenßiidl^ von besonderer Schönheit. Insbe- 
sondere bietet seine Mitte, aus abwechselnd blanken 
und blauangeiaufenen Lnntenbahnschlössern und blanken 
preussischen Säbeln mit ihren gelben GefSssen zusammen- 
gesetzt, einen dem Auge wohlgefälligen Anblick. 

ZWEITE VIERUNG. 

CMörser, Petarden, fraiuMscke und UaUenUeke Fahnen,) 

65—66. ^tuet ftattjSfifdie laiftttn^ rotl)^ mi^, blan. 

Am Eiugauge zu beiden Seiten befestigt; beide von dreifar- 
bigem Wollstoff, auf der zur liiiikeu liest ^naii, von rothem Tii- 
cbe aufgenäht: 4 B' — Y B^$ die zweite ohne Aufschrift. 



ZWBITE VIERUNG. 51 

67-- 70« Iftet Meine Wttrfkeffeln. Sftmmtlich ans Guss- 

eisen, and In der nOthigeu Elevatlon auf ihre bdlxenie Schleife 
gescliraubt. Zwischen selben: 

71—72. 3tDet kleinere yetar^etit Jede ans Stückgut 

l^egossen und mit zwei flandhaben versehen, ruht auf ihrem 
JHadriUbrette. 

All den Fenstern sind , so wie an dm IHIherea, Stunasensen 
in reiche^ Zahl befestlgfet, deren K]in|;en mit weisser Oelihrbe 
fibertfincht worden shid« Za Anfang, der nAcbsten Ctowebrgasse 
cur Liulcen: 

73. ®r0^e italieiiifd)e lü^nti t^ftnfath^ mtx^, i)tU- 

0r5ff« Von starkem Seidenstoffe mit der Anftchrift: 

DIPARTIMENTO DEL PO — • BATTA6LI0NE VIADANA. 

74. <Eine Saline >er ftatiii^fdftn VepnbUk. Von schwa- 
chem Seidenstoffe, weiss mit himmelblauen Balken; in der 

Mitte das Lictoreubeil mit der Freiheitskappe und der Schrift : 

RJBPUBUQUE FRAN9A1SE. 

Auf der Kehrseite: 

DISCIPLINE BT SOUMISSION. 

Sl. 

Indem wir diese ViernQif verlassen, können wimicht 
umhin, unsere Blitze anf die acht schimmernden Stelen 
derselben zn richten, deren Köpfe (Kapital«*) ans Oe- 
wehrbügeln und Bigonetten, gleichwie die froheren, zier- 
lich gebildet erscheinen« 

DRIXVB VIEBUNG. ^ 

(Vranz&9%9eh€ Pulverpr&ben , deutsche M&rger , halbe Rüstungen ^ fron-- 

zMeche FahnenJ 

75. Itatiii^fi^t la^ntß afdutüu, mti^, voftntotli. 

Von Seidenstoff, mit der Aufschrift: 

LIBERTE, SGALITjiC 

31. 

RBPUBLIOUE FRAN^AISE. 

4* 



ftt RR8T£ LANOSBITB. 

Ihr gegeiiOber zur Llukeii ebie Mnlich^ Fahne nnmenr Zeit: 

76« ^raii3fflfil)e lal^tie; oet^^ mit ffhnmtikUmtn ]tit> 

t0ftnt0Ü)tn jtolktn. Von Taut; in einem Lerbefw 
krause die Worte : LE PEVPLE FRAN^AIS j noch ist oberhalb 
LIBEBTjfe XU eutzilTern* 

f 7 — 80. Vier fratt){flf4)e J^nhttptohtn. Jede tob stAek- 

gvtf mit augegeeeeueBi metallenen Fumo* Auf dreien: 
DOUAYy iSlS; anf der vierten folgende Worte: 

A STRAmOUnO • LE « FLORBAL 

L'AN 5 PAR C . M . 8 . D'ARTEIN . COM*» 

GEN^ DBS FONTES DB LUBTIU^ERIE. 

Bei aAmmlUchen vier M5rseni liegen die Probekngeln^ bei 
den Franzoseii gewöhullch aus StQckgut gegossen. 

81—82. J^mx gto^t Untf^t Mitftv. Von stflckgat 

Sie haben ihren Stand zwischen den kleinereu französischen 
erhalten, ruhen auf laugen hSIzenieu Schleifen und sind beide von 
gleicher Gestalt und Grösse. Jeder ist mit vier Wappen geziert^ 
fiberdiess hat der zur Rechten folgende Inschrift: 

1721 
GOSS MICH lOHANN BALTHASAR HEROLDT IN NVRM- 

BBRG. 
(und d. G. : 3 Z. 50 P.) 

Beinahe dieselben Angaben hat der dentecbe MdTaer zur 
Linken. 

83—86. Ifter l^albe Vtlßttnsem Sie sind auf Vieren von 
den acht Säulen zn schauen, welche das Gebälk dieser Vie- 
rung stOtzen« 

B. F. W.K. Helm mit seineiA Helmrost; Visir mit senkrech- 
ten Stäbeu; Brust undRficken, Armzeilg und Eisenhandschuhe sind 
vorhanden. Der Rest von deu Hüften abwärts fehlt. Gewöhnliche 
Arbeit aus des XVII« Jahrhunderts erster Hälfte. 

Am Ausgange dieser Vierung zeigen sich nns noch zwei Fah- 
nen; zur Rechten: 

87« Ixmii^fi^t lülfnty toftntot^, mi^^ (^hnmelUau. 

Aus TaffI; in der Mitte ein anfk^echl stehender Degen, darun- 
ter mit Goldbuchstaben : 

GARDBS NATIONALES — Z^ BATAILLON. 



DRITT» VIBRUNO. 5S 

Ihr gegenllber: 

88. Aüti^i^f^t Sai)nt. Aus schmalen blauen , weissen 
and roseurotlieQ Tafftstreifea zaaamaieiigesetst ; aach aaf ihr 
ist die Freiheitokafpe ober den Iiicterenheil sv sehen , nnterhalh 
feigende Worte: 

R«PUBL1QUS FRAN^AISK. * 

108. 

89. Ctn fdjSnee jPeAenftfidi. 

Indem wir die n&chste WaiTenstrasse durcbschreken 
und den Bliclt; em|N>rbeben , zeigt sich ans ein besonders 
ge8chn(iackyolles Geb&lk, dessen JMittelstück aas GriffbA- 
g^eln , Itolbendeckeln unb gekrOmmten Klingen so sierlich 
zusammengestellt worden , dass wir veranlasst werden, 
dem Gedankenreichthume des Anordners unwillkürlich un- 
seren Beiftdl zu schenken« 

VIBRTB VIERUNG. 

COtsterreiekiiehe und franxMtehß FeM«i , 9tkw€re TurnierharniMlie 

sifm deuUehen 0^UehJ 

90. Jftan}ififi^t la^nt} üm tueißm €ap^ mit xßftn- 
fathen nrCb blatten j^alken bnrd)300en. Am Eingange 

zur Liukeu. Ober dem Lictoreifbeit eine Freiheitskapjpe , und die 
Schrift: 

DISCIPLINE BT SOUMISSION 
AUX LOIX MILITAIRBfl. 

Ihr gegenfiber: 

91* ^tfittxtidtiföit £t$i0Wfa1fnt. Ans hlmmelbladen und 
gelben Tafl(fitreifeu t^rfertij^, und mit dem eiufhcheu dster- 
reidiisoheit Adler geschmflckt. Solche Fahaen fDhrteu jene liegiouen, 
welche unter Leitaug S. K. H* Erzherzoge Karl um 1804 errichtet 
wurden '•). 



'*) Nach mündlieher Ueberlieferung. 'Ihrer erwfthnt« die Reletion der 
Schlecht bei Aspem 1809. C^. Pesth, 1809 p. 9): Als die Reglmeii- 
ter Zieh, J. KoUoredo , Zettwits , Froon, und des t. Bataillen der 
LegionSrzherzogKerl ven dee feindlichen Cavellerie umsin- 



54 EHSTE Ij.ANQaBITK. 

92—93. ^tfttvttiöiifiit Jai^ntn} ao den beiden Sctten 

des Aus|g;aiig;e9 dieser Verzierujii: ausbracht. 

Wir gelangen nun,, der Ordnung nuch, su einigen der 
seltensten Kleinode dieser kaiserliehen Sammlung, n&mlich 
xa zehn Stttoken der Ältesten und schwersten Tornierhar- 
nische. Zuvörderst soll von den vier nächsten die Rede 
sein, welche sich auf den vier S&ulen befinden, die den 
eben besprochenen Raum stQtzen; (die übrigen sechs sol- 
len uvter Nr. 104 — 109 besprochen werden). Indem wir 
von der Linken zur Rechten fortwandeln, wollen wir sie 
bezeichnen wie folgt : * - ' 



b. 



c. 



a. 



d. 



BINOANO. 

94. a) 3HUt f4imem €ntttteri)arntf4) jum tunen >ent*- 

B. F. W. K. Der schwere Sf ecbbelm , Brust mit y^gerüsi^^ 
Rfickeu , und eiu Paar Amizeug sind vorhanden. Beide Armxettge 
gehören zu diesem Ctostech Cda sie sonst oft verwechselt vorkom- 
men); das linke, ein sieifer Unterarm, ist von merkwfirdigem und 
seltenem Bau; es ist besonders schwer gearbeitet und die gescho- 
bene Armbeuge sorgfältig geschätzt. Auch das rechte Armzeug ist 
von schöiier Arbeit. Auf den Gerüst (den Hüsthakeu) ist das 
burgundische Kreuz gravirt, und gemahnt uns u|iwillkilrlich an 
den hochgefeierten Helden Theuerdank. Die Schosse und der 
schwere ,yhinderhaken*^ fehlen. 



gelt und aufgefordert wurden , die Gewehre niederzulegen , antworte- 
ten sie durch ein wohlangebrachtes mörderisches Feuer auf diese 
schimpfliche Zumuthung , und die feindliche CavaUerie räumte mit 
Hinterlassung vieler Todten das Feld. 



VIVRTB VI1SRUNO« 5S 

95. b) JlUer fd^meret €tiniterfKititif4^ 3«tii 0etiiiiiien 

B.>\ W.K. Der schwere Stechhelm verdient unsere besondere 
Aufmerksamkeit/ An ihm lenien wir die vollendetste Klurichtunj^ 
kenneu y um ihn anf die zusammengesetzte „IViniayAattfr« %u 
richten^^ '•). Auf jeder Seite sind vier Riemeulftcher vorhanden^ 
und jedes mit seiner Messingrolle (Walze) versehen, um die Rie- 
men leichter gleiten zu machen **)• Das linke schwere Armzeug 
wahret trefHich die Armbeuge. Das rechte Armzeug ist aufs schön- 
ste getrieben. — Die Schosse , so wie der lange „hAiderhaken^* 
fehlen auch hier. Der Harnisch Ist von den vier zunSclMt beflndll- 
chen der Alteste. 

96. e) 3HUt fd^meut €nmier(Kinttf4^ jnnt 0e«iainen 
l^entfd)ett ^tfttdf. 

B.F.W.K. Der Stechhelm ist beinahe mit den abrigeu von 
gleicher Gestalt. Das hierzu gehörige Paar Stecharmzeuge ist vor- 
handen, der linke Unterarm steif, und der Hinter fing nach 
Art der FledermausflUgeln zierlich gezackt und geriifelt. Uebrigens 
besitzt dieser Stechhariiisch unter allen, in der Sammlung vorhan- 
denen, den schönsten Rücken ; denn der ist meisterlich geriffelt, 
„frit<{ an den Orten durchsichtig gearbeitete^ Cmit durchbrochenem 
Rand). Die Sporen seines Gebrauches zeigt der Hals; er trftgt das 
Maal so manches harten Lanzenstosses. Hinterhaken und Schosse 
fehlen. Der Harnisch dSrfte um 1475 — 1480 geschlagen worden 
sein. 



**> Ainen twruagham Coder eUenhud) auf die turnayhaabe Coder har- 
nasehkappe) richten^^ nannten die Rüstmeister Jenes Verfahren, wo- 
durch der Helm mit gehdriger Fütterung (Aelmettoler) versehen, und 
daher gebrauchsfähig wurde. 

'0 Ks nimmt uns Wunder, dass dem grossen Waffenkenner Sam. 
Mbtrick diese Beobachtung entgangen ist. Indem er einen schweren 
Stechhelm beschreibt (A critical inqiHry IL tl8) sagt er: at the 
ears are three rows of roUers , intended no doubt , tojurn of the 
point of the lance^ tohüe the appertures §ive air to the wearer (/ /) — 
Um die Lanzenstösse abzulenken, hatte man bessere Mittel, z. B. 
Schifftungeii) und die Luflidcher sahen ganz anders aus. — Doch ein- 
zelne Missgriffe begehen manchmal die grössten Gelehrten. 



46 KRSTK LANOSSITB. 

»f. «> JUtrr f^mtttx ^aniitrlianiif^^ ym grtiiatw« 

B.F.W. IL Der «cliwere Stechbelm iat auf Abuliche Weise 
darchbrocheu gearbeitet, wie der ecbSiie Stechbelm auf der vierten 
Sftule Cl>«i KSuig Ludwii;, m. ver^. Nr. 107. *% von dem wir bald 
sprecheu werdeu. Der HaUi tränkt die Spuren voa Lattseuetdssen, 
da bekaigitlicb ein ecbal|perechter ,ySticker^^ seine jJljo9t*'*' nur 
jf%wi9chen die vier nageie*'^ anbringen durfte ^O. Brust nudRuclien, 
nud ein Paar Stecharmzeug mit linker steifer Hand, sind seheus- 
werth. Die beiden Achseln aber, von gleicher schSner Arbeit, noch 
mehr das li^ke Armzeng, dessen yyW^euse^*^ sehr gelungen getrieben 
worden, bezeuget» die Meisterschaft des Plattuers* Der linke Hin- 
terilug beifttst geätzte Orte, deren Verzeichnung mit jeuer am 
Stechhamisch bei KQnig Ludwig CNr.107. ^*> genau ftbereiustiffimt, 
doch nicht durchbrochen ist. Die „HelmzageUckrambe*^ am Rücken 
ist noch vollständig vorhanden. Hinterhaken und ^jDiechhariuuch^^ 
fehlen. 

98—99. ^mx VXtxnt tX^txnt 9Hix\iX ^ aar ihren höl- 
zernen Schleifen, zu beiden Seiten am Fusse der Säuleu, M'el- 
che die vier Gestechharnische tragen. 



'0 So lautet die gieichseitige Unterweisung über die Haltung der Hüter- 
LMme im WiNsaau vra» sin svn, XV. 60: 

svB, nim des geia dir körnenden wAr, 

unt senke schoeue dinen schaft 

als ob er sl gemaiet dar. 

Las an dln ess mit mehiterschaft, 

Je bas vnt bas ruere im di kraft, 

ze naglen vieren uf den schilt, 

da sol dln spSr gewlnen haft 

oder do der heim gestriket ist. 
Eine ähnliche Stelle in Hartmanns Grbgor. Lachm. Berlin. 1838, 
V. 1445. 

gcjnstlert Ich le wider den man, 

di gevüte ich nie an, 

min merken wurde wol bewant 

* ze den vier nageln gegen der haut; u. a. m. 

Hierbei muss ich gestehen, dass loh der Efnthellttng des Tu r- 

nierens in fünf Stiche, n&mlich: i.) zem pnnelz, %,) ze 

triviers. 8.) ze rebter tjoste, 4) hurtecllche, und 5.) zer 

volge (Ziemann gloss. voce: tumieren), nicht viel Gewicht beilege. 



KÖNIG LVOWIOSSAAL. 



M 



KÖNIG LUDWIGS^AAL 



CAlte Gestecblumitoelie, BIMnisse tetemackiseher Herrseker, Kikiüg 

Ludwig II. , die LauerpfeUT.} 



El 



lintretend in diesen schöngeschmficl^ten Rania, sieht 
man sieh von glänzenden^ ans Gewehren gebildeten Bastio« 
aen umgeben, aas deren Schnss-Scharten Kanonen drohen» 
Auf jedem fiokthörmlein, aus Bajonette« erriehtet, schwcJbt 
als Dftchiein eine dreifuclie Bturmhanbe mit >Chreiffen>^ 
kamm^ i(m. vergl. den Anhang). Anf dreien dieser Basde« 
nen erblickt man zn oberst: 

iOQ— lOS. IPret ^alht 1loßttn0etl^ meist dem siebaehn- 
teu Jahrhuuderte augehdri^. Hinter selbeu TrepAeii, gFdssteii- 
theils aas tflrictscbeu WalTen bestehend, derea scbwacbe Bsleocb- 
tuug die Besichtiguug erschwert. - 

103. Ulan üetkeR^uck^ ans Gewebrgriflfbügeln, Pjkea 

und Lauten-Radschloss-Fliuteu gehUdet ^'D, jj^ewährt darch 
meisterliches Sbeiunass einen freundlichen Anblick. Melu-ere dster- 
reichische Standarten und Fahnen zieren die sechs Mauken SEu- 
leu dieses Saales 9 auf welchen sechs alte Turuierharuisclie den 
grössteu, obgleich minder iu^s Auge fallenden Schmuck des Ortes 
bilden« 



Aoflgaog 



Wir wollen dieselben iu obiger Ordnung (1 — 0) besprechen, 
mfisseu jedoch vorläufig bemerken, dass an allen Sechsen der 



'*) Den Luntenhahn noch nebstbei auf dem Radschlosse zur grösseren 
Sicherheit des Schusses anzubringen, war damals gewöhnlich. 



58 ALTE GBSTKCH-HARNISCHB. 

Dieckharnasch fehlt; auch dass Arme, Achselstücke und Haiidsclm- 
he uicht selten verwechselt sind, d. i. entweder von anderen 
Tarnlerhamischen enti^omnen, odei^ |far VOi| Feldharniscben ; da- 
m^lStn Helm, Brust nud Rfickeu in der Reg^el zusammen g^ehö- 
reu, und ihre ausschUessende Bestimmung zum Ctestech deutlich 
verrathen. 

104. ^»3 ^äjßtxtx ft]tnitrr|)atntf4) ysm oSlfiiieti ISe- 

ßf4). Der l^techhelm — unter allen Vorhandenen «ler 
Einzige mit gerade ahwArts laufender VIsirwand, und öffkinng für 
den grossen viereckigen (fehlenden) liuflgeher auf der rechten 
8elte — ein hdchst seltenes StQckl dabei schdue Armzeuge. Lei- 
der gehdrt die Bnist nicht dazu (weil man beim wAlscheu 6estech 
niemals einen y^Uinderkaken^*' führte). Der Unke steife Arm von 
ausgezeichneter Plattnerarbeit mit ^ydurchaichtigen Orten*'*' gehdrt 
zum Tnrnierhamlsch Nr. 4. (Man vergl. einen ähnlichen Luftgeber 
beim gewaltigen Turnierharuische Kais. Max I. in der kais. Am- 
bras. Smig. PRIMI88. p. 5S. Nr» 7.) Da beim wälschen Gestech der 
^ySUcker^*' bis an die Sohle in Elsen steckte, so ist ersichtlich, 
dass bei diesem Harnische die meisten Stücke fehlen. 

105. 2.} SSifmtttx^LntnUt^avnxf^ ium^tfktdf im ^txn-^ 

^dXXlxf^. Das rechte Armzeii^, von seltener Form und 
Schönheit, gehOrt eigentlich zu dem Tnrnlerhamische, den wir un- 
ter Nr. 97 *) besprochen haben. — Auch der linke Arm gehört 
nicht dazu; an dessen Stelle beHndet sich ein rechter Arm lEum 
Gestech im Beinharnisch. 

106. 3«) SSdfmtxtx 9Lntnm^üxni(i!^ 3um tfeßf 4^ im Itetn- 

Iflinttlltl« I^io Achseln mit zwei .Vprderflögen und zwei 
Brechrftnden verseben, dabei zwei lange eiserne Handschuhe; der 
Rechte, mit längerem Armstulp, ist gefingert, der Linke ein Fäust- 
ling. Die Armbeugen offen; das ganze Armzeug von seltener 
Form, und die Ellbogen von sehr plumper Arbeit. 

107. ^0 ^4>i^(ter ^ntnuxtfütnifi^ inm Qtmaintn UnU 

f4)f n tf f ßf 4). Die beiden Arme sind so , wie sie za 
Gestechrustungen eigends geschlagen wurden; das linke Achsel- 
stück ist von einem Feldharuisch entnommen. Dagegen ist das 
rechte Schulterblatt von ausgezeichneter Schönheit und Seltenheit. 
Es ist yfOn den Orten durchsichtig gearbeitet^' (am Rand durch- 
brochen), und eben so zierlich durchbrochen erblicken wir auch 
zu beiden Seiten des Helms die Gehörlöcher. Das linke Arm«eug, 



KRSTKB ECKSAAL. 5» 

das' d«E« pMAt , lliidet sich au Nr« 104. ^0« Ancli gfihM, der 
rechte Hand^ichah nicht dazu und der Rilsthakeii fehlt. Der Hals 
trUgi viele 9pnreii von LausenstSsseii. 

108. ^0 ^^tn^^tet ^rmtrliarmfd) 3ntn ® eßecb im llein- 

^airntf4). Der etwa.» schiankere *Helin am Halsrand mit 
Laubwerk g;eätzet; er ist, so wie die Brast und der geriffelte 
Rücken, von schöner Arbeit. Dabei befinden sich zwei bewegli- 
che Arme. 

109. «*} SStl^mtxtx ^nxnuxi)ütnifä) ittta fitmaxntn Unt^ 

ffifttl tftjSttd). Der Helm j^weiset durch manch* maii, 
äass er mü dabei gewesen y dd mit 9chwet*en gleven geschoben 
wart.^^ — Auf dem einen Feldhaudschuh befindet sich folgendes 
"pH Plattnerzeichen, das hier dem f^enndlichen Leser in iia-^ 
ry^ j tfirlicber Grösse geboten wird; die Zeichnung ist erliaben, 
^!Ly die Arbeit roh. Der linke Arm Cmit steifer Hand) ist wo||| 
ein Stecharmzeug, allein das rechte Armzeug gehört nicht dazu, 
und ist von einem Feldharuische des XVI. Jabrh. entnommen. 
Hinter der Säule 1 und S finden wir noch : 

ilO—lil.^mil^btltinfinnQtn, aus dem XVILJahrh. 

Sämmtllche Säulen sind überdies mit Bildnissen Ssterreichi« 
scher Herrscher, und deren Wahlsprüchen und Sinnbildern **) ge- 
schmückt, welche wir, wie in der ftüher bemerkten Ordnung, 
hier folgen lassen. 

112. An der ersten S&ule: HU^tlt^ Sf. JK. fiüiftx 
Sxan^ IL Cftls österr. Kaisers des I.) lUSTlTLi . RBG- 

NORUM.FXJNDAMENTUM. Sinnbild: unter dem Auge Gottes ein 
aufrechtes Schwert, mit Lorber umwunden, zur R. ein Hexagou, * 
zur Linken eine flammende Lampe. 

113. An der zweiten S&ale: 0Ubmß SS. M. giüxftX StX- 

binattb I. RECTA . TUERL Sinnbild : Wa^e im Gleiche 
gewicht, deren Zünglein ein Kreuz. 

114. An der dritten S&nle: jDlU^m^ J. iN.K jllatfnmtl 

JKarta Cf^erefla. iustitia et clementia. sinn- 



••3 über die Sinnbilder Österr. Regenten vergl. man: a) Serenissimorum 
Austrlae ducum, archiducmn, regum, Imperatorum Genealogia a Ru- 
dolphe I. ad Ferdinandum II. aöri incisa a Wolfoango kiliano, Au- 
guHt. Vindel. i#»3. C«nthftlt 48 schön gefttocheiie Portrait«. Fol.) — 
b) UnsBN, Leben und Thaten der rdm. deutschen Kaiser mit deren 
Portraits und Symbolis. 8. Leipzig 171 1. — 



60 KRSTB LANOSIITB. 

Mld : Eine aas den Wolkeu tagende Hand hilt die Wage der 
CFerecbttgkelt. 

115. An der vierten 8&ale: IKtl^ili^ SS. itt. jRaffer 
/ratt) I. (als deo(|9chen Kaisers). DEO ET IMPEHIO. 

Sluubild: unter der hoch schwebenden Kaiserkrone halten swet 
aus den Wolkeu reichende Arme Zepter und Schwert — darunter 
ein Reichsapfel. * 

116. An der fanften S&ule: jUtlhtt^ Sf. Ml. fiüiftt 

Jofepif0 IL VIRTUTE ET EXEMPLO- Sinnbilds An 
dem. umwöikteii Erdballe ruhen Schwert^ I^orber und Neptuns 
Ruder — darüber wacht das Auge Gottes. 

117. An der sechsten S&ule: |Kl>ttiß SS. JH. jftutfrr 
£tOpotb n. OPES REGUM CORDA lUBDITORUM. Sinn- 
bild: Reichsapfel^ hinter selben Schwert und Zepter gekreuzt, dar- 
über die Kaiserkrone. 

Da die I n s ch r i f t e n (goldene Lettern auf schwarzem Grun- 
de), welche auf grossen Tafeln Im oberen Räume dieses Saales 
angebracht sind, einige geschichtliche Winke enthalten, so dOrfle 
es manchem Leser nicht überflflssig dflnken, dieselben hier wie- 
der zu finden. Sie lauten: 

a) Zwischen der 4. und 5. Sftole: 

CIVIUM . SECURITATI . HOSTIUM . TERRORI. 

HAEC . MARTIS . AUSTRLACI . AEDES . AR . INCLITO . 

• PRINCIPE . JOS. WENZBS. A LICHTENSTEIN . 

SUMMO . REI . TORMENTARLAE . MODERATORB. 

INSTAUBATA . A. MDCCLXVn . ") 



") a) Zum Schatze der Burger, zum Schrecken der Feinde, wurde dies 
Osterreichische Waftnhaus von dem berühmten Fürsten Jos. Wen- 
zes. von Lichtenstein, General - Director der Artillerie, erneuert. Im 
J. 1767. 

b) Nah*st Du ein Feind dem Gebiet, so furchte diess drohende Rästaeug; 
Trigst dtt befreundeten Sinn, preise dann Bürger und Dich. 
Sieh I den Frieden beschirmt der Bfonarchin sorgende Vorsicht, 
Mutter Theresia's, treu pflegend die Lager des Heers. 
Keiner der blutigen Kriege vermochte au leeren dies Rüsthaus; 
Schöner gestaltete Sie's, mdurend die Wafen und Zier. 



«RSTER KCKSAAL. 61 

b) Zwischen der 3. nnd 4. Sllale: 

HUC ADES HOSPES . ^ 

SI ANIMUM lA'IMICUM GERLS, 

EXPAVE8CE HUXC RELLI APPAEATUM ; 

81 AMICUM, 6RATULARE TIRI ET CIVIBUS. 

HOC PACIS TÜTAMENTÜM, 

BEXEFICIUM AGNOSCE PROVIDENTIAE, 

MARIAE THERESIAE P. F. AUG. CASTRORUM MATRfS, 

QUA£ ^OT BELLIS ATROCISSIMIS IMPETITA 

ABMAJIIENTARIUM NON EXHAUSIT SED AUXIT, 

EN HAN€ FORMAM REDEGIT, 

TROPHAEISQUE ORNAVIT. 

c) Zwischen der 6. und 6. Sftnle: 

QUID NON EXPECTEMUS AB IMP. CAES. 
J08EPH0 II- P. F. AUG. EXERCITUUM PATRE, 

QUI BELLICABUM ARTIUM CULTU ET 

EXERCITATIONE PUB. SECURITATI PROSPICIT, 

MAXIMISQUE REBUS PRAELUDIT. 

JAM QUI MIRARIS HAC IN AEDE ARMORUM 

TERROREM ELEGAXTIA TEMPERATUM, SIGNA 

INTUERC ET SPOLIA HOSTIBUS DETRACTA 

ET DI8CE: NON IMPARATUM NON IMPUNE 

LACESSIRI MARTEM AUSTRIACUM. 

118. Voxhili ttner ^atV)ann( im jftUtnen^ genannt )te 

£ün(Vfftif[. Eine sehr zierliehe Arbeit ans dem' XVI« 
Jahrhuudert. Die y^üchse^*^ Cdaa Rohr) 90^' laug, die JHfiiiduiij^ 



c) Wohl hoffen wir mit Recht von Joseph Sieg und Ehre, 
Der seinen Kriegern stets ein treuer Vater war, 
Kr pflegt des Krieges Kunst durch wolilgeühte Heere^ 
Bewalirt des Landes Heil, wehrt iLanftiger Gefohr. 
Du, der Du scheu nach drohenden WalTen blickst von ferne, 
Obgleich des Ordners Kunst ein Rundlich Bild hier schafft, 
ErlLenne die Tropik'n, dem Feind geraubt, und lerne : 
Du reizest straflos nicht, nicht wehrlos Ostreichs Kraft. 



6t ERSTE LAN6SBITR. 

tf' Durchmesser; die Laffete, auf welcher sie niht, ist jedocli in 
jflugerer Zeit i^baut. 

B. F. W. K. Die Gestalt des Rohres ähtiett deijeni^ii j die Im 
Theuerdauk, flg. XXXIX, vorkömmt (wo Max eine Karthaoue mit 
dem Windlicht aosbrenut), und wirklich scheint es cur Zelt des 
Welsskunigs gegossen. Es Ist mit Laubwerk und Wappen bedeckt, 
und oft wiederholt sich darauf das burguudische Kreus und Feuer- 
elseu. Oberhalb erblickt man den kaiserlichen Adler, von zwei 
Greifen gehalten. Auf dem Deckel des Zündlochs ist ein "Pfeifer 
In altdeutscher Tracht dargestellt; Cman vergesse nicht , dass die 
ganzen Karthaunen auch : Pfeiffer genannt wurden). Eine zweite 
Anspielung auf ihren Namen liegt auch In folgender Eigenheit: 
Dem ersten Anscheine nach glaubt man das Rohr auf vier Schild- 
zapfen ruhen, und an den Ijaffetenwftnden ein Marschlager zu 
sehen. Allein letzteres ist das eigentliche Schildzapfenlager Im 
Bruchstfick; dagegen die voipdern Schildzapfeu eigentlich zwei 
Pfeiifen sind, welche etwaniger Probe den Dienst nicht versagend, 
In einem zweiten Lager näher gegen die Stirne zu, ruhen. Die 
Aufschrift des Rohrs lautet: 

ICH SIEHE VND LAVR 
ALS DER HAGEL VND DER 9CHAVR, 
VND HAIS DARYAIB DIE LAVRPFEIFF 
NIMB HINWEG WAS ICH ERGRBIFF. 
Diese Inschrift ist unfern vom Zündloche augebracht, und das Rohr 
besitzt anstatt der Traube ein Fruchtstfick als Hochbtld gearbeitet. 
Übrigens ist die LaiTete eine ziemlich plumpe Arbeit aus neuerer 
Zeit, welche, abgesehen von Ibrer sonstigen Form, schon durch 
die kufenfSrmige Gestalt des Protzstocks (wegen des Schlepp- 
seils *') sich verrälh. 



*') In Deutschland kannte man damals noch kein Schleppseil. Die eigent- 
lichen Laffeten sind wahrscheinlich eine französische Brindung. 
W&hrend In der letztern Lebenszeit des Kais. Max I. die grossen 
deutschen Büchsen noeh in ihren unbehilflichen „Laden *^ lagen, wa- 
ren in Frankreich die liafTeten Iftngst Ablich. Mo fährte Charles VIII. 
auf seinem Zuge nach Rom (14943 viele Geschütze auf Laffeten mit, 
wtfche zwei Wände hatten (ä deux fUuqaei) und eine Protze. Woll- 
te man feuern , so wurden sie abgeprotzt. Ja selbst die Benennung 
Laffete scheint vom französischen taffttt, und dies vom lateinischen 
affiffo zu stammen ; dagegen nicht in Abrede gestellt wird , dass die 
kleineren Buchsen in DeutscMand schon um 1480 Ihre Protze |be- 
sassen . So sind sie wiederholt abgebildet In einem : Büchsenmelste- 
rey-buch vom J. 1479 (MSpt. Smig. d. VerfASS.l. 



KRSTKR BCKSAAL. CS 

119—122. Ifier ftünjififdit JßtAt^ttpvohtn, aas stock- 

gut, jede mit Probekugel von iiieickeBi Metalle, und der Auf- 
schrift : DOUAY. 181«. 

Schiasfllich wollen wir die hier befindlichen Harnische be- 
sprechen : 

123. iTtibtuts IL, jftStiig non jQtttigatn (geb.i506, f 1526 

im 20. Lelbensjabre, im 10. der Regierung), tfailjer 

U^dtUt Itl^ütnifdi '*}| itttithtuMit utaolbtUm If er- 
iyati; iahti tin iRxti^htnitl mit rnnte« jRopf '*}. Kr 

sitzt auf elneiii ^schmackten kleinen RoMe, und 1ha sn beiden 
Seiten stehen iwel tfichtige g^Ostüe Gestalten — gleichsaai sei- 
ne lielbwache bildend. 

GESCHICHTLICHES. Bei diesem Kdnige geschah bekamtlich 
alles zu flrfihseitig. Er kam ohne Hant zur Welt, wurde im 9. Jahre 
zum KOnige von Ungarn, im dritten zum Kftnlge von Bdhmen ge- 
krönt, im 10. Jahre bestieg er Ungarns Thron, hatte im 14. Jahre 
vollkommenen Bart *0, heirathetelm 15. Jahre, bekam Im 18. Jahre 



"O Der Ausdruck „Aö#tiiitp,'' um damit des Ritters Sisengewand zu he« 
seichBe«, blieb dem gmizen Mittelalter fremd. Damals hiess Rüstung: 
jede Zugehttrzu einem Dinge, um selbes In gebrauchsAhigen Stand 
zu setzen , nur nicht Harnisch. Letzteren Begriff verband man damit 
erst um 1575 — 1580. Also nur Harnische , die nicht In ältere Zelt 
fallen, rechtfertigen allenfalls diese Benennung. 

*^3 In ScniiENK findet sieh ein ganzer Harnisch dieses Königs, PI. XI, ab- 
gebildet. Dass Jedoch schon zu Lebzeiten des Stifters nur eine Ach- 
sel in Ambras vorhanden war , beweiset der älteste gedruckte 
Katalog dieser Sammlung, vom Jahre 1593 Cherausgegeb. von H. Cus- 
tos BzaCMANN in dem 74. Bde. der Wiener Jahrb. d. LUterat. 1836). 
Übrigens ist die erwähnte Achsel so gross, dass sie auf einen tüch- 
tigen Mann schllessen lAsst, und das war denn doch der friihzeltige 
Ludwig — nicht, Erzherzog Ferdinand von Tyrol hatte Ja die Ach- 
sel auch nur auf Treu und Glauben als die Ludwigs aufgenommen, 
und da die historische Kritik jener Zelt beinahe noch Im Embryo pul- 
sirte — wer könnte Iftugnen, dass hierl>ei eine ähnliche Täuschung zu 
Grunde lag, wie beim Harnische Kaiser Albrechts I. (ermordet 1308, 
Paimss. p. 5S. Nr. 1.3, der annoch in der Ambraser Sammlung zu 
schauen ist, sattsam jedem Kenner die Arbeit des XVI. Jahrh. ver- 
rathend, ebenfalls im Schrknk und mit denselben Atxungsmustern aus- 
staffirt, gleichwie der Harnisch des grossen Trienterbauers , E. H. 
Ferdinands Trabanten! 

"0 oAito aeiaiis oeiam jam barba$u9, C— 9) sagt Hofmamn. lex. uuiv. 



•4 BR8TB LANQSBITB. 

schon ^raue. Hmut»^ und Mlcl» im 80. Ji^hre (lftt$) i» der Schlacht 
bei Mobaex, wo er im Sumpf erstickte, oder wie die gleichseitigen 
Chroutken erziUileu : y,der kunig verdarb in einem Massig J*^ 

B. F* W. K. Dieser scbftue ganse Haniisch ist an allen seinen 
Stücken getrieben, nämlich kleingegittert, und in jedem hierdurch 
gebildeten Felde ein Kreuz ans vier Blfttteru befindlich (jedes 
Blatt in die Tiefe getrieben, gravirt nnd vergoMet), die verliane- 
ne '*) Tracht jener Zelt zierlich darstellend. Anfflallende Ähnlich- 
keit der Arbeit bemerkt der Kenner mit der, an dem jngendliehea 
gansen Harnische CmitKampfiwhurz) des köjiigl. Philipp I. von Ka- 
stilien, f 1506 (Primus. Ambr. Smlg« Nr. 6). Der Heim., ein 
kmrgtUlu^i (FUfKB'aMnrBKK. p. 10 «liXXY}, besteht ans OStOcken 
CScheitel, Stülp, Stimstfick, zwei Backen und zwei Ytsiren), er 
ist am Kinn mittelst Hftkchen xa OAien und der Helmkamm von 
massiger H6he. Unter dem starken, beiderseits gelochten Vislr 
ist Msh ein zweites grossgegittertes (gleich dem doppelten An- 
gcadiede eines Vogels, eine merkwürdige Seltenheit, wohl nur der 
Bequemlichkeit wegen, nm mehr Luft einzulassen}, angebracht. 
Hals geschoben und geschlossen, wie bei allen Burguinots. Ach- 
seln, jede mit Brechrand| auch geschobenem Vorder- und steifem 



**3 verhauen — Sprachkenner mögen entschuldigen, dass Ich diesen sel- 
tenen Ausdruck dem im Mittelalter gewöhnlichen, Jedoch unanstftn- 
digen „gemMzerte KUidung^^ vonsiehe. Die FasH Limpurgenses ad 
ann. 1351 sagen: die alte Leutt trugen lange und weite Kleider; 
dieselben HQph waren um die Brust oben gemützert und gefat" 
ten^ mit engen Armen (mötee, altdeutsch: cunnus^ vulva^ und se ge- 
staltet waren die aufgebauschten Binsehnitte In den Kleidungsstüe- 
ken). Die Kassselredner und Satyriker Jener Zeit haben viel mit 
den auf sclrweizertsch, deutsch, wallonisch zerschlitzten und tausend- 
fiutig gezackten Wftmmsem zu thuen, mit den Hemden aus TalR, Atlas 
oder Goldstoir Im Winter, aus feiner flandrischer Leinwand im Som- 
mer, die fiberall aus den Schlitzen des Wammses hervorsehen. Rbgis, 
Rabelais, n. 41 u. 178. — Matthaeul Schwarz, ein reicher 
Kaufknannssohn damaliger Zeit, der so viel auf schöne ^Kleider hielt, 
dass er sich in Jedem neuen Anzüge, folglich alle Kleidermo- 
den, die er mitgemacht , von Meisterhand auf Pergament malen Hess 
(vom J. i6«0— 1560 in 137 Bildern. Rkichard : Matthaeus und Veit 
Konrad Schwarz Kleidertracftten, Magdeb. 8. 1786.) erzählt CP. 55) 
er habe sich im M&rz 15t3 ein barchatnes Wamms machen las- 
sen , „das hat 4800 schnitz mit samatin wilschlen , alles weis.** — 
In einem einzigen Kleide beinahe fünftausend Schnitte! — - wahrhaf- 
tig, man muss den alten Oewandtschnelder-Flelss bewundern I • 



BR6TKR BCKSAAL. «S 

Hiiiterllag* Armbeugen offen. Handschuhe: StahlflUisllIng» 
in Fiiigerform« Brust rundgewölbt, die gewöhnliche Hftmleeh-' 
form in der letzten Lebenszeit des Kais. Max I. Rfislhake» 
fehlt, (die 8 Löcher dazu sichtbar). Lange geschobene Schosse; 
Kniekehlen offen. Die Kiiiepii ekeln sind vorhanden nnd an be« 
sonderen langen Diechlingeu (Unterschenkeln) für Iteiter, als 
C^gensatz der y^kmäsknecktischen Schosse^^ befestiget. Bein- 
schienen und Bisensohuhe fehlen, und sind durch rothe le-> 
derne Stiefeln ersetzt, woran nenmodische Messiagspömleln 
prangen. — Der Kiriss-Sattel besitzt zwei sehöagetrIebeiM 
Stahlstege (Sattelbögen) die mit dem Harnische von glekohor 
Arbeit sind — allein St ei gl oder und 8 t.eg r e i f e n gehören 
nicht dazu. Harnisch und Sattel sind allen Anzeichen nach im er« 
steu Viertel des XVL Jahrh. geschlagen worden-, und die B»» 
hauptung, dass dieser Harnisch wirklich von König LudNirig IL 
von Ungarn getragen (daher nicht vor 15S0 geschlagen) wor^ 
den sei, hat viele Wahrscheiulichkett für sich. Der König biM 
einen eisernen Kirissbengel in der Rechten, dessen himfSrmi' 
ger blanker Kopf mit der zartesten goldenen Tauschirarbeit ver- 
ziert erscheint. Beachtung verdienen auch die Buchstaben H. S. ^ 
welche viermal wiederholt auf dem Harnische in grossen S&Qgeu 
angebracht sind, eben so schön gravirt und vergoldet, wie die 
andern Verzierungen; sie sind: a) auf der Brust des Hamisdwa: 
ein verschlungenes B und S. b) auf dem rechten BrechnuMlerS. 
c) auf dem linken Brecbrande: B. d) auf des Sattels vordertm 
Stege: B. S. e) auf des Sattels hinterem Stege: B. S. Wir fibor- 
lassen ungarischen Geschichtsforschern die Lösung die- 
ses Räthsels , da blosse Vermuthuugeu hier keinen Platz verdie- 
nen. Zwar wird das Wort SEMPER anf Harnischen nicht selten 
getroffen 'O? doch scheint hier B den *Anfftng zu bilden, nnd 
die Deutung eine andere, anforderst kommt nun der gehamischte 
Mann „mt der %Bswen htmt des kaniffs^^ (seiner Rechten) d. 1. 
dem Beschauer zur Linken stehend, zu besprechen: 

124. i$alber lied|)Ur €tirnUr|)amtf4) "3 aw nnf4|t4tt- 
0en ^titcKl^en aufgm4)t; kalbet nn lBt)eti|Kin>tr. 

Einzelne Harnischstiicke verschiedener Zeit sind hier zu einen 



*') So z. B* Rvf dem anfeblichen Harnische des Ritters Bsyard im Pari- 

ser-M«sevm : „SEMPER SVAVE<^ ^ 
*'J Bie Überschrift : ^yTurnierhainiisek''*' möge demhalh SnfseheMIgvng 

finden , weil mehrere «einer Stucke ihre ehemalige Bestimmeng aum 

5 



M EBSTER ECKSAAL. 

ßansen vereiniget^ um eiue Gestalt zn bekleiden. Sie flllni ein 
groflses Scillaciltschwert, das mit zwei Fänsteul^haiidliaibt wurde, 
vnd noch zu Ende de« XVI. Jaliriinnd. Iiftullg in Gebrauch war **)• 
B. F. W. K. Ob es rätlilich sei , aus vielen unvollstftudij^en 
Hamischtlieileu einen anachronistischen antiquarischen Popanz zu 
bilden, für den Kenner etwa gleich einer Harlekinsjacke wir- 
kend ~ wollen wir dahingestellt sein lassen — fitr die Be- 
lehrung des Volkes aber, ist es Gift; und den Halbkeuner ver- 
wirrt es gftuzlich. — — Wir wollen uns darauf beschränken , 
dies Gemengsei zu beschreiben. Helm mit Kamm, ans 4 Stücken 
bestehend y mit oAiem Halskrageu, etwa aus dem Ende des XVI. 
Jahrb. Das senkrecht aufstrebende Visir beiderseits gelochet und 
auf ein Doppelstück gerichtet — Brust, Rücken und Hals gefttzt, 
etwa Anflftngs der zweiten Hälfte des XVI. Jahrb. geschlagen, der 
fihrige Harnisch glatt. — Die zwei derben steifen Achselstücke 
mit hohem starken Brechrand wohl das schftnste am ganzen 
Mann , stammen noch aus der guten alten Maximiiianischen Zeit 
Celwa 1490 — 1510), llirden Kenner ein gar labender Anblick; auf 
beiden das Plattnerzeichen : 

Das Arm zeug und die gefingerten Handschuhe 
sind zusammengesucht. Der Rfisthaken fehlt, dic^ Brust 
mit tiefem Gamsbauch. Die Schosse plump, und 
statt der Beinschienen — hohe schwarze Stiefeln , ans der Zeit 
Peter des Grossen! — Wir wollen nun den Trabanten bei der 
y^temkem igi/ttken) hont des kunigs'^ betrachten. 

125. tfanjer lied)ter J^amtfid) aw atnfd)i4)tt0(n SSink- 

B. F. W. K. Bei diesem Eisenmanne gilt Vieles des beim 
Vorigen Gesagten. Der geschlossene He Im, aus der ersten Hälf- 
te des XVII. Jahrh. besteht aus vier Stücken, besitzt am Slirn- 
stfick einen Stulp^ und zeiget ein starkes Kugelmaal ^ Hiuter- 




Tumler deutlich verrathen, in seiner Jetzigen Zusammenstellung 
wurde er freilich keinem Zwecke genügen. 
**> Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, dass diese grossen 6—6' lan- 
gen Schwerter niemals Ritterschwerter, sondern die Waffe einer 
Gattung DoppelsOldner gewesen sind, der stärksten und versuchtes- 
ten Krieger des Heers , welche damals ungefähr das waren , 
was der R6mer triarU, eder unsere — Grenadiers. Jene Fechter die 
ihren Gebrauch lehrten, Messen „die Meister des langen 
Sohwerdts/* 



ZWEITE liANGSKITE. 67 

batipt. Die ▲«Jiseln mit kleinem Brecfcraud nnd geediobBen Vor- 
der- nn4 Qiuter -Flfigen. Die Cgereif teu) Armbeugen -Folgen 
fehleil. I^tahlhandschuhe gefingert. Brust und Rfickeu sind ans der 
Zeit des Weisskuuigs und haben ebenfalls das vorerwähnte Platt- 
uerzelcbeu. Unter den steifen Schossen liegen halbe Unterdielin- 
ge, ebenfalls nnrichtig zusammen gelesen. Die Kuiebuckeln, Bein- 
röhren und Eisenschuhe fehlen, und sind durch schwane Stie- 
feln ersetzt. Der Reisige führt einen gewöhnlichen Bldenhander 
in der Bechten. Das Alter dieser Harnischtheile ist höchst nn- 
gleich. Denn auf einer Brust des XY. Jahrh. sitzet ein Helm 
des XYII. Jahrh. au welchen sich Achseln und Arme aus dem 
XVI. Jahrhundert anreihen; und so belächeln wir — im beque- 
men Überblicke — drei Jahrhunderte au einem einzigen Manuel — 



ZWEITE LANGSEITE DES BAÜSES. 

(ERSTER AREEMALEAAL mit der EUmO-HALLL) 

ERSTE VIERUNG. 

CKaiser Fron» L, französische Fahnen y Koss-StirnenJ 



Wir dnrchwandeln die erste Gitterthfir ^ um die zwei- 
te Laogseite des weitlfiiifi|[^en Geb&udes za bei^onea. Der 
Harniscli ober der eisernen Pforte Yon innen befestigt, 
beschäftiget zuerst nnsern Blick. 

ISft, Iran} h 1l3mif4 - bentf^er ;ftatfer (geb. 1708. 

zum römisch - deutschen Kaiser gekrOnt 1. J« 1745, 
irest. 1766, im 67. Lebensjahre, im 20. der Regierung.) 

IBntßkuraß wn 0ef4)iiiarjtem ^\ftn, ^ttttm^Kiftbe mh 

fd)Wat}tm (Ctfm mit SSd)mbtL (Naseneisen.) 

B. F. W. K. Trotz der Gleichzeitigkeit des hier stehenden 
Kiirasses können wir doch wegen dessen unbedeutender roher Ar- 
beit der mfindlichen Überlieferung, welche ihn diesem Regenten 
zuweiset, keinen Glauben schenken. 

In der Nähe dieser Rüstung bemerken wir zwei FakneM am 
Eingange zur Rechten. 

6* 



t» ZWBITE LANOSBITR. 

1«7. J^hne Uv fnmjS^fdjni Htfuhixk. l» einem i-or- 

berkraiise das Llctorenbeil mit der Freiheitskappe und der 
Schrift : REPUBLIOVE FRAN^AISB. 4K. 

'^ISCIPLINB BT SOUMISSION AU^ LOIX BilLITAIRBS. 

Auf der Kehrseite **). : 

COMBAT DB MOTENOTTO. 

BATAILLB DB MILLBSIMO. 

BATAILLB DB MONDOVI. 

PASSAGB DU PONT DB LODI. 

BATAILLB DB CASTIGLIONB, 

COMBAT SUR LA BRENTA. 

BATAILLB D' ARCOLB. 

12 BT V^ BATAILLB DE RIVOU. 

BATAILLB DB ST. GEORGE. 

Ihr gegeuOber zur Linken: 

128. Sülftlt Ux ftm}i^fd)en üepnUtk. Der letzt bespro^ 
ebenen mianz gleich, nur dasa hier die Zahl 63 anf der Vor- 
derseite za lesen ist. 

Der schöne Säulengang enthält zierliche Bastionen ans Ge- 
wehreu gebildet, mit kleinen Eckthfirmlein , deren Dach allemal 
eine eiserne Sturmhaube mit dreifachem Greifenkamm aasmacht. 
Man zählt an jeder Seite sechs Fenster in der Reihe; ober jedem 
derselben ist eine Ross-Stinie aufgeipacht, von einem reichen Krau- 
se kuner Pandarengewehre umgeben, und so gewahrt man 
sechs ganze und sechs halbe Ross*Stinien, sämmtlich blank, zweck- 
mässig vertheilt. ' 

^99— 134. SStdtB Vxtdite fiilfittnt ««ßfttnta mit \kttn 
Wtvtn ntib SSäfHtin. 

Die schönsten sind folgende: 
Am t. Feutersar Linken ganze lichte Ross-Stlrn mitnin- 

dem SchiJtl, an den Orten schön geschnürt. 
Am 6. Fenster s. L. ganze lichte geriffelte Ross-Stirn, das Schiltl 

fehlt. 
Am 6. Fenster z. R. ganze lichte Ross-Stirn^ geriifelt. 



**) Die Vorderseite einer Fahne heisst diejenige , welche dem BeHchauer 
die Fiknenstange s« «einer Linken, die Flagge aber aar Rechten 
zeiget. Ausnahmen hieven trifft man hAuflg. 



ZWEITE VIERUNG. •• 

135 — 140. Sfti)^ lied)tf ftitflttut lH^^tln wn ttn- 

0letli)er jlän0. Die schönste Ist die am 6. Fenster 
z. li* befestigte; elue halbe blanke Rosa-Stirn mit breiten geätzten 
und vergoldeten Strichen. Die Ohren und Backen gleich schdn ge- 
arbeitet. 

Beim Ausgang ans der ersten Yierung folgende Fahnen : 

141. sfxanii^^il^e Saltnt. (snr Liokeo). Von weissem Sei- 
denstoff mit xwei rothen und zwei dunkelblauen Ecken. Im 

weissen Felde der einköpfige gekrönte Adler gegen L. gewendet, 

Blitze fassend 9 auf dessen Brust die Buchstaben G. N. f^arde 

nationaie T) 

Ihr gegenöber: 

14S* Jtaltmtfdje Sti^nt, Von weissem Tatrt, mit porpnrw 
rotbem aaflrechtstehendem Krens durchzogen. Auf der Vor- 
derseite die mit gelber Seide gestickte Schrift : 

REPA LIG« 4-^BAT*. 

Auf der Rfickseite mit verkehrten Buchstaben ebenflills mit 
gelber Seide gestickt : 

LIB^ — EGU^ iMbertä eguaylianzä). 

Die echte alte Fahnenstange mit gelbseideuen Borten benagelt. 



ZWEITE VIERUNG : DIE EUGENS-HALLE. 

CFranzösische^ spanische uHd italienisehe Fahnen, Fürst Sehwarzenberg, 
Herzog Karl von Lothringenj PrinM Eugen vontkwogen^ »weiOeeekwind-' 

Stücke.} 



Eingänge dieser zweiten Vierung zur Linken^ 

143. a) tfmße fcmiififdtt la^ru, Itxmmtiblan, von 

Tairt mit hellgelber Zeichnung) letztere aus Talit geschnit- 
ten und aufgeuähet. Zwischen zwei riesigen Lorberzweigeu 
schweben unter der Königskrone , die französischen Lilien. Eine 
feine Arbeit. 

Zur Rechten: . 

144« b) f6t0^t ftan^ififäft ^oi^ne. Von Taft. Breites weis- 
ses Kreuz mit zwei rothen und zwei blauen heraldisch ver- 



7% ZWBITB LANOSEITB. 

tbciiten Feldern. Iii der Mitte die grome blane rothverbrämte 
Freiheitskappe , nebenher fol|;ende Inschrift : 

NOTRE UNION FAIT NOTRE FORCE. 



VIVRB lilRBE (sie) OU MOURIR. 
C. T. DE RECEY •»}. 

Am Aw^ange dieser Yiemnif; tnr Linken t 

145. e) tfmße fpmifdi " iftexxtxd)ifi)t Sa^nt. Eine der 

schönsten nnd grösseren Fahnen des Hauses. (Sie misst 
beiläufig achthalb Schuh im Quadrat). Aus dem weissen Tafft, wo- 
raus sie besteht, sind alle die reichen Zeichnungen^ die man er- 
blickt , mfibsam heraus geschnitten, nnd von vielfarbigem Taflt 
wieder eingesetzt , so dass sie auf beiden Seiten gleich schön ge- 
arbeitet erscheint* Unter einer riesigen Reicbskroue schwebt ein 
In viele Felder getheiftes Wapen, dessen Herzschild drei Lilien 
Im blauen Felde zeiget, umgeben von der Kette des goldenen Vlles- 
ses, um welche die noch grössere Kette des französischen heiligen 
€ieist - Orden« läuft. Eine Arbeit von ausgezeichneter Schönheit 
riud ziemlich gut erhalten. 

146. d) ^to^t ttalientf4)e Sa^nt, totlf, tuttß^ (^eUgrum 

Prachtvoll, ungefähr mit der vorigen von gleicher Grösse, 
von Tafft; mit Malerei und goldener Schrift bedeckt. 

Vorderseite: Zwischen Lorberreisern hinter dem goldenen 
Dreieck (ßottesange) das Lictorenbeil und die Freiheitskappe mit 
der Schrift: 

DIPARTIMENTO DEL PO — BATTA6LI0NE I»«- 

Auf dem rotben Baude der Lorberzweige : 

6UARDIA NAZIONALE — SEDENTARIA DI CODOGNO. 

Kehrseite: Dieselbe Zeichnung, nur auf dem rothen Baude: 

I 

LIBERIA E6UAGLIANZA -> SOSTEGNO DELLE LEGGL 

Die Oeekenstfleke dieses Säulenganges aus Gewehr- 
bügeln, Bajonnetten und Säbelklingen zierlich gebildet, 
verdienen Besichtigung. Auch dürfte es für den Kenner loh- 

**3 Alle Sehriflfshler sollen getreu wiedergegeben werden ; sie gewiUiren 
ein -treues Bild der Zeit. 



ZWBlTfS VIBHUNO. Tt 

neod «ein, das zireite und dritte Fcosterpiiar (gegen den Kai* 
aersaal schreitend) genau zu betrachten; er findet hier viele: 

147. ^tlmpavUn am itx £txt its xnifmxtiättn 0iaiftx% 

S&ax I. Die meisten weisen die reine sehdne Form 
aus, wie selbe im Weisslciinig h&nftg ku finden ist. Einige 
darunter zierlich ge&tzt, aus dem XVII. Jahrb., sind durch 
ihre neuere Form sogleich kenntlich. Wir wenden uns zu 
den übrigen Merkwürdigkeiten dieser Vierung : 

148, 1ßx0^t$ 3Lxmtekxtny Es enth&lt 500 Armee- 
kreuze solcher dsterreichisoben Krieger, die vor dem 
Feinde ihren Tod gefunden. Diese besondere Art Ordens-Kreiice 
wnrde jedem Krieger ohne Unterschied des Ranges verlieben , 
welcher bei dem europäischen Befreiungskriege, der mit Napo- 
leons Stnrz endigte, mit im Feuer gewesen war. Diese allgemei- 
ne Anerkennung, offenbar eine höchst glQckliche Idee, theilten 
auch die Monarchen (M. vergl. 167, 176, 193 *•) und die Feid- 
herm (N. 149. N. 186) der verbOndeteu Heere *'). In der Mitte 
aller Kreuze ruhet das des ffliterreichischeu Feldraarschalls K. P. 
Fftrst von Schwarzeuberg, das er gewöhnlich trug (man vergl. 
Nr. 149 a.) dagegen wir sein goldenes spftter (Nr. 186) besprechen 
werden. Diese Militär- Decoration von 1813 — 1814, gewöhnlich 
„Armeekreoz*^ genannt , folgte im Range dem Civllehrenkreoz , 
von 8. M. weil. Kaiser Franz I. im Jahre 1814 gestiftet. Das 
gradiinigte, vom Lorber umwundene Kreuz enthält auf der Vor- 
derseite die Worte: LIBERTAT£ KVROPAB AfiSERTA 1813— 
1814, auf der Kehrseite: GRATI PRINCBPS BT PATRIA 
FRANCISCnjS IMP. AUG. Grund: grfine Bronze, Rand und Bach-- 
Stäben: erhaben und blank. Es wurde aus eroberten firanzösisohen 



*') In früherer Zeit war man manehmal über die Weise verlegen , viele 
Soldaten zu belohnen , welche sich sämmtlich ausgezeichnet hatten. 
So erzAhlt Stdow (der Soldat in Krieg und Frieden, Weim, 1839. 
p, 334) dass in den Rheincampagnen der neunziger Jahre ein öster- 
reichisches Dragoner-Regiment sich in einer Reihe von Gefechten so 
auszeichnete , dass man mehrere seiner Individuen zur Ordensver- 
leihung ausersah. Als es aber dazu kam , erklärten sie sämmtlich, 
dass sie dieselbe nicht ann ehmen könnten, indem sie 
nur ihre Pflicht gethan, und keiner ihrer Kameraden weniger als sie 
geleistet hätte. Der Erfolg dieser edlen Srklärung war, dass das 
ganze Regiment nur einen Orden erhielt, der an dessen Standarte 
befestiget wurde. 



7f ZWBITB LAN68BITB. 

Jteiioiien gegossen und an einem dunketgellien Bande mit schni'ar- 
ser Kiufkssuiig im Knopflocfie^ nur allein vom commaudirendeu 
General en Chefy Ffirst v. Schwarzenberg am den Hals 
getragen. ,,1fis soll ein ErinnernngskrenK f5r Alle sein, welche 
I81S —1814 vor dem Feinde standen, nnd jeder Inhaber kann sei- 
nen Namen anf den Rand des Krenses stechen lassen^^ Anfllugllck 
wardeu 100,000 StOck geprägt, 4000 grosse, 6000 mittlere, 90,000 
kleine. (Kubt ton dkb Aus, Ritterthom. Mersebnrg. 1895^ p. 134 
u. ff.) — Kurs nach ihrer Stiftung sah man sie hftufig erglänzen , 
als flreudiges Zeichen dentscher Wiedergeburt; — gegenwärtig, 
nach dreissigjftbrigerZwisolienzeit, ist eine neue Generation em- 
porgesprossen, die Ihre hohe Bedeutang nicht mit dem Auge jener 

Epoche an würdigen scheint. 

• 

149» A} Carl yifiUpp Mvfi wn SSdfwatjtnbtxi , kat- 
fetli^ - i^ttttidfifil^tx Ittbmaxföfali Cgeb« 1771 , 

ICeatorb. 18M. im 49. Lebensjahre), ^eilt metaUttteo 

Atmttkvtny Es ist dasselbe, das er gewöhnlich trug, 
fseln goldenes (Im Kaisersaale) soll später besprochen wer- 
den!, in der Mitte des anter Nr. r48 besprochenen Krenzes be- 
festiget. Die Wand, welche es trägt, ist in ihrer ganzen 
Höhe mit Säbeln von K* Napoleons mailändisc her 
Garde bekleidet, die eine höchst geschmackvolle Arbeit vor- 
weisen. Der ges<Anppte schwarze Griff endet in einen gravirten 
Adlerkopf ; in den blanken fitahlkorb ist die königl. Krone ge- 
schnitten nnd gravirt, und auch die Scheide von blankem Stahl. 

Unter dem frfiher besprochenen riesigen Armeekrenze er- 
blickt man noch Trompeten und grosse Pauken, gleichsam bereit, 
in den Siegesbymuus fär die tapferen Gefallenen mit einzustim- 
men, nnd mehr gegen die Mitte zu, franzftsische Pmnkbeile der 
Sappenrs •* •). An derselben Wand erblicken wir: 

149. b3 Sfd)mat}t fxattiififil^t SStnxm^anhtn. Auf sel- 
ben sind grosse fi-anzösische Lilien aus blankem Stahl ge- 
trieben zu sehen. Obschou ein ähnlicher Zuschnitt bereits in der 
Mitte des XVI.Jahrh. bestand, sollen doch die Vorliegenden um zwei 
Jahrhunderte jflnger sein^ und ihre grosse Zahl, die au vielen 

•* »3 AttgenpeuKeit der Vorgftnge von 1S09 erinnern sich noch Jener ma- 
jestätischen Gestalten , welche mit ihren schwarzen Patriarchenbär- 
te« , das gewaltige BeU auf der Schulter, in den Zügen franzönischer 
Krieger prunkten. Jede Cempagnie hatte derlei ,^8apeurs CZimmer- 
leute}." 



ZWVITB VIERUNG. tl 

Wänden des kaberl. ZeugHtmaen eralchtlich wird, soll TOii jenMi 
Awttsdsiaclieu Heere stamneii , das unter Marschall BeUe^iHe auf 
seiner Flacht aus Böhmen, im strengen Winter 174$, grossenthetls 
aufgerieben worden Ist.' 

GESCHICHTLICHES. Ein Arausöslsches Heer unter Mar« 
seliall Brogtio uud Beile-Isie hatte sich der Stadt Prag bemäch- 
tiget. Allein Prinz Karl von Lothringen, FArst Lobkowits und 
Marschall Festet iz rOckten mit bedeutenden Heoresmasseii heran, 
die Hanptstadt Böhmens allmällch timzlngelud, uud so war denn 
die Armee , welche noch vor einem Jahre Deutschland Gesetze 
gegeben, jene Macht, welche das Hau^ Oesterrelch zuYernichten 
gedroht hatte, in Prag's Mauern eingeschlossen. Bereits waren die 
Laufgräben vor der Stadt erdflTiiet worden , die Belagerung wurde 
mit unendlicher Thätigkeit betrieben, und der Mangel an Lebens- 
miltelu^ieg im Aranzftsischen Heere so hoch, dass die Solda- 
ten wochenlang nur von Wasser und Brot lebten , und selbst 
Pferdefleisch nur für die Hanpileute und Kranken anfgehobe« 
wurde. Als die Noth sich stets steigerte , so entwischte Marschall 
Brogüo verkleidet aus Prag. Marschall BeUe^IHe aber unternahm 
das Unglaubliche , wenn auch nicht das Unmögliche, nämlich: 
einen hundert Meilen langen RHckzug im tiefen Schnee , in einem 
fremden, von Gebirgen und Hohlwegen bedeckten , vou Feindes- 
schaareu durchschwärmten Lande. Auch waren die Franzosen durch 
Krankheiten geschwächt und ohne wärmende Kleidung. — Doch 
BeUe^Isle achtete kein Hindern iss l — Er hinterging die Bewoh- 
ner Prags, vereinte 11,000 Mann Fussvolk, 3000 Pferde und SO 
Kanonen in eine Heersäule, und zog in der Nacht vom 16. De- 
cemb. 1748 ab. Kranke und Verwundete iiess er unter Bedeckung 
zurück. Klüglich vermieden die Franzosen die vou Österreichern 
besetzten Hohlwege, gingen Ober gefl*onies Sumpfland und 
durch fast undurchdringliche Wälder, und erreichten nach 
zwölf Tagen Eger, ohne mehr als 100 Manu in Scharmützeln 
verloren zu haben. Doch über ihr Elend muss man böhmische Oe- 
schichtschreiber hören. Nie hatte ein europäisches Heer grösseres 
Ungemach erlitten. Die Soldaten hatten zur Nahrung nichts als 
geA*ornes Brot, zum Lager Schnee uud Eis, worauf sie sich 
ohne Bedeckung streckten. Durch Strapatzen und Kälte kamen 
unter Wegs über 18000 Mann um. Die Woge gewährten 
eineu grausigen Anblick, sie waren m It Leichen 
bedeckt. Man sah Haufen zu hundert, zweihundert, 
Hauptleute uud Gemeine durcheinander. Viele andere 
hatten Glieder erfroren , und mussteu sie sich in Eger abschnei- 



74 ZWKITB liANOSElTB. 

den lasMU* Unter d«ii Übrl|f;en richtet« ein bSsartlgfes Fieber 
flircliterliche Verwttstung an, BeUe^Istey der we^^n GiciitflnsMfl 
weder geben noch reiten konnte, lieM eich überall hintragen, 
zeigte alle Wege, führte über das Kleinste Aufsicht, and so hatte 
er trotx des Verlustes doch die Freude, den Kern der Truppen zu 
retten, alle Kanoden mit seines Herrn Wappen mitzunehmen, 
nnd dem Feinde beinahe nichts zu lassen, was ihm als Sieges- 
zeichen hätte dienen können. So endete der sonderbare Feidzng, 
den dieser General mit 40000 Mann begonnen, an deren Spitze 
er als Eroberer Deutschland betreten — das er jetzt als siecher 
Flficbtling mit 6000 Mann räumen musste **) I 

Ober dem bereits beschriebenen Armeekreuze in einer der 
Beschauung ungünstigen Hdhe : 

150. Adrl IIL )er tfr^^e^ i^erjn^ wn tcttfxxnfitn , 

Cgeb« 1643, gest. 1608, in seinem 66. Lebensjahre, 
im 49. der Regierung.) j^dlbet Ufd)ter j^amifd^ , i. i. 

tint ^ifdyiiit mit S^d^mbtl} Uru^ nni Vilckm fdntmt 
1§aU nrCb txn ^aar Qtfi^obtnt Jld)f(ln , j(0ltd)(0 ^tild 
mit 0(8^ten nrCb ptv^olMtn SSMi^tn. **). 

B. F. W. K. Die lichte offene Sturmhaube hat einen breiten 
geschobenen Genickschirm, zwei kleine Backenstftcke und ein 
Naseneisen. Das Himstflck ist geriffelt und mit geätzten und ver- 
goldeten Strichen verziert; auf dem Stirnband ein Strich mit gra- 



**3 Dieser berühmte Rückzug wurde sehr verschieden beurtheilt. Fried- 
rich II. scheint darüber mit wenig Worten das Nöthtge gesagt zuha- 
ben : y^Belle-Isle'g Anordnungen waren gut; der einzige etwaige 
Vor^'urf wäre: dass er auf dem Zuge seine Leute zu wenig ge- 
Hcbont/' Oeuvr. post. II. f. 

**3 Von diesem Herrscher besitzt : 
« BU WIEW die KAISERLICHE AMBRASER SAMMLUNG : 

Einen halben schwarzen Harnisch^ mit weissen Orten, 
ganzem Armzeuge, und kurzen Schossen ; den halbgescblosseneii Helm 
mit schwarzem Sammt überzogen. CPi^imisser 68. n. 51. Schremcm 
Ta. 573 Primisskr gibt hier irrig eine Sturmhaube an , doch findet 
man dabei einen leichten Feldhelm ; das Ambr. Invent. von 1596 
sagt ebenfiills ,,Jfeliii2ttt'* C^oi. 368 a.3 Nebstdem beging Primissbe 
bei der kärglichen Lebensbeschreibung dieses Herzogs den Febleri 
ihn Karl II. zu nennen ; dass aber Karl III. gemeint ist, beweisen 
die übrigen Angaben und der Umstand, dass der wirkliche Karl II. 
schon am 25. Jänner 1431 gestorben ist. 



ZWEITE VIERUNO. U 

virtem Laubwerk und Vdgelu. Rmid nma Haupt sind eilf Erons»r 
roseu bettatlgety jede orsprfluglich mit einem Steiuchen gesckmAckt« 
An der linken Seite der Stirn eine ffrosae Brottzerose, worin einst 
sechs Steine sassefn. Das Naseneisen and die getriebnen Backen 
von gleicher Arbeit. — Die beiden Achselstücke mit geschobeneu 
Vorder- und steifen Hinterflfigeu. Die Brust besitzt einen tiefen 
Hftngebauch, wie er um 1570 — 15d0 Mode war. S&mmtliche 
St&cke blank , mit breiten gMUsten und vergoldeten Strichen — 
eine schöne Arbeit; der ganze Harnisch echt. 

151. <Etn KUtnt0 ;ftftlft5ik; C^tfdimitCbßMi). Ea ist 

aus Stückgut gegossen 9 ruht anf einer Laffete, nndlstvon 
hinten zu laden; dergestalt, dass die Patrone in der Ckgeud des 
Zündlochs durch eine geräumige öiTnniig hinabgeschoben wird, 
wfTBiUf man den hinteren Handgriff emporhebet , nnd dadurch die 
Seele schliesst. Durch diese Viertels- Wen düng wird die Kammer, 
die vorher nach oben stand, nun nach vorne gerichtet und das 
Im Keil angebrachte Zündloch , das früher gegen die Traube hin 
stand, gelangt nach oben. Auf dem Rohr die Schrift; 

lOHAN GEORG PETRL KOYL. (sie) UND 
KONL^ ZEVGSCHLOSSERMEISTBR UND 
ERFINTER DISES STUCKH WIENN 1750. 

B.F.W.F. Die Erfindung ist nicht neu; schon im Jahre 
1498 hatten die Engländer 15 Geschütze vor Orleans, die von hin* 
ten zu laden waren; sie lagen zur Hälfte der Dicke des . Rohres 
in einem Schaft icharpenierie) der mit Bolzen und Riegeln ver- 
stärkt war; doch wir wollen dem wackeren Zeugschlossermelster, 
der wohl nicht sonderlich in der Kriegsgeschichte bewandert sein 
mochte, gerne zugestehen ^ dass auch er auf einen Gedanken 
kam , den schon Andere lange vor ihm gehabt hatten« Mehr hier«- 
fiber soll beim uiUsbsten Geschütz gesprochen werden. 

158« tftn iX0^t$ ;fteUßuik. (genannt: fS^tfi^wMftiäC)^ 

Das Rohr aus StHcIcgut gegossen, und seiner ganzen Länge 
nach , aufs zierlichste mit erhaben gearbeitetem Wappen , mit 
schueckenfSrmig gewundenem Laubwerk und pnuzirter Arbeit be- 
decket. Auf dem Läiigefeld folgende Inschrift: 

M. F. E. V. EISENSTEIN. R. K. M. 
KRIEGSRATH VD: ZEVGL. 

Um dieses Stück ebenfalls von hinten zu laden, ist das 
Verfahren folgendes : Man hebt den eisernen Hebel senkrecht em- 



76 ZWBITB LANGSBITK. 

^r, Csouaeli kann man durch die Seele durchsehen, da durch die- 
ee Bewejgvugder Keil (Kammerstfick) ahwftrts sinkt}. Die Patrone 
ii^.ird unn von hinten eiiigehraoht^ nnd hierauf der Hebel wieder 
hinahgedrfickt, wodurch das Kammentttok (d, I. der Keil) wieder 
In die rechte Lage kOmmt; auch hier Ist das Zündloch Im Keil 
angohraclit. 

153*- 166. ^ruti) tiim S^wui^enf itnannt flriii} tf tt^rn , 
€mftrtn} - Minifttt , J9iifkrie00rat|)0 - y rüflient , 
<S^eneraUfPt»t»i Ux Armeen ^e^ üatfer^ ttn^ U$%tiötP, 
Iuiiferlt4)er fS^ttuvaimcüxiUB in Jtalien^ (Dbri^ etne0 
1te(0iiieiit0 jPragimer , nni Httter Üb 0iil>eiien Vließen 

(geb. 1668 *0 seit 1698 General-FeldmarsGhall , gestorb. 
1786, im 78. Lebensjahre) AixM , mit ein }ßMX fltfll- 

3rr2rmelii, ItUxnts üojtrr^ ^ttc^meße mib ein IB5f4- 
lein jQanptJiaare. 

Der Kflras sanunt Rückenstttck Ist dunkelblau angelaufen. 
Auf der Brust sind zwei Kugelmaale sichtbar; die Anne schützen 
Panzerftrmeln. — So ruhet hier, in der Mitte türkischer Tropäeu 
an einer Wand, die mit vielen Säbeln von K. Napoleons mailäu- 
discher Garde geschmfickt Ist (mau vergl. Nr. 149 a) diese un- 
scheinbare Stück, werthvoller [als mancher prunkende Hämisch 
dieser Sammlung , der stumme Zeuge so mancher grossen Waf- 
fenthat. Das lederne Koller ist von sehr mürbem gelben Leder , 
das sich bereits wie Lüsehpapier zerreissen läset. Es Ist eng, 
irome offen, mit Knöpfen versehen, nnd reicht beinahe Ms an die 
Kniee. Es wurde sammt der grauen tücbemen Weste, mit Ar- 
Mein von der gröbsten Leinwand, Sr. Majestät Kaiser Franz L 
von dem prenssischen Hoflratbe ron Meckeln überreicht. Beide 
Stücke sind durch den Gebrauch sehr abgenutzt. — Am Fusseder 
Tropäeu sind sechs gewaltige blanke Beile mit schwarzem Stiel 
befestiget , welche flrauzösischen Cbasseurs abgeuommeu worden , 
kennbar durch das darauf gravirte Jägerhom mit der Nummer 4 , 
und auf der Kehrseite : Jlf«* di Brescia — PtMio Landi, Das 
Bflschlein Haupthaare befindet sich unter Glas; auf weiss atlas- 
senem Kissen in einer Rahme mit Bronzeverzierungen — wohl ist 
es nicht dasjenige , das dem Prinzen , als er über den Schlacht- 
plan von Szenta eifrig nachdachte — in einer Nacht ergraute* 



*0 Nach Andern I66S. 



ZWEITE VIBRUN6. 77 

157. £km) nm SSüw^tn, g^n^yrtnj Ctigen (geb.iMSj 
gest. 1736.) i^attiie wti xctiftm ^ammt mit gnU 

Otiten SSä)mttn. Die^e rothe Haube , hoeh ober dem Kfl* 
ras befestiget , sandte laut dem ämllicheii luveutare 8. H. Papst 
Clemens XI. dem Prinzen Eugen zu Geschenk *'}• Sie ist mit 
weisser Seide gefüttert und liat die Form eines abgestumpften 
Kegels. Ahnliclie Hauben trugen die Edelleute am frauzdsischeii 
Hofe in der zweiten Hälfte des XY. Jahrb. (1460) unter Lud- 
wig XI. 

B. F. K. Galerum origiuarium Improbns qnidam abstulit, non be- 
nedictiottisy mat^aritamm tameu cupidus. In spectantium solamen^ 
mitra facta, ^ae umbraculi locum obtiuuit. Der geistreiche Pri us 
DB LIGNE erwAhut dieses Geschenkes wie folgt: Jahr 1717. ^ 
Als der Prinz iu Javarin war, erhielt er vom Papste mit gros- 
sen Ceremonlen einen geweihten Hut und Degen; ich würde die« 
nicht erwähnen, wenn mir nicht hierbei iie witzigen Spöttereien 
Friderichs des Grossen bei Gelegenheit eines ähnlichen Geschenks 
vom heil. Vater, das der Feldmarschall Daum erhalten haben 
sollte, einfielen; „er mache sich ein Vergnügen daraus, ihn den 
päpstlichen General zu nennen^' ; — ich glaube nicht (fährt DB 
LIGNE fort) dass der Prinz dieses ehrwürdige Geschenk im Krie- 
ge mit sich führte; eben so wenig , als das mit Diamanten be- 
setzte CrucifijE, welches ihm Cari VI, verehrte — (aus: Feldzüge 
und Anecd. berühmt. Heerführer, von DE IjIGNB. Dresd. 1799.8. 
einer anziehenden und seltnen Schrift). Allein andl DB LIGNB 
irrt iu der Jahresangabe ; folgendes Ereigniss ist geschichtlich er- 
wiesen: Prinz Eugen erhielt von Clemens XI. indem Feldlager 
vor Temeswar , nach dem grossen Siege Über die Türken bei Wa- 
rasdin einen geweihten Hut , und ein grosses Schwert* Beide 
wurden ihm von dem Marchese Basponi und Don AhaUi — am 9. 
October 1716 überbracht. (Austria für 1845, p. 18.) 

Die genaue Beschreibung dieser beiden Stücke s. m. im 
Anhange. Die hier vorgewiesene Haube dürfte also nur iu so 
fern mit dem geschichtlich erwiesenen Geschenke eines Hutes in 



**) Das ämtliehe Inventar sagt: Papsl Clemens XT. habe im J, 1687 die 
Mütze hergeschenkt — allein dies ist ein Anachroirism , denn da- 
mals besass Innocens Xu. die dreifache Krone. Eine mündliche Über- 
liefenrog gibt dagegen das Jahr der Schlacht bei Szenta (11. Sept. 
1697) an, wax atrermals irrig erscheint, da Clemens XI. nur von 
1700—1791 regierte. 



7g ZWKITB LAN68VITB. 

Zusanmeiihange stehen, als mau nicht aelteu Hauben unter den 
Httteu trug. 

158. Wer kleine tSrktfd^e Ranken ^ mit JHenfcl^eti- 
^Mt Zbttiofitn. 

B. F. W. F. Die Untersuchung ob es Menscheuhant sei, hält 
schwierig^ letztere ist bekanntlich stärker als Hirschleder und ihr 
Gebrauch zu Kriegszwecken war in älterer Zeit nicht ungew5hu- 

lieh ••). 

Wir wollen diese Yiemng nicht verlassen, ohne hier 

noch eine eigene Art Pyramiden , ans Gewehren und Pis- 
tolen gebildet, zu betrachten, die an den vier Ecken ver«- 
theilt sind : Ein goldner Springqnell scheint sich hier zn 
erheben , dessen reiche Säule wieder in silbernen Fluthen 
abwärts gleitet. Die nächsten Vierungen enthalten ausser 
den sechs Fahnen, die wir nun besprechen wollen, nichts 
Ausgezeichnetes* Zur Linken: 

159* tfro^e itattenificbe lalfttt, grün itn) wxf^) von 

doppeltem Taflt; Vorderseite: Ein silbernes Richtscheit , 
darunter das Lictorenbeil in einem Lorberkranze, unten die Schrift : 

GVARDIA XAZIONALB CISALPINA. 

DIPAHTIMENTO DEL TICINO. 

LEGIONB pA BATTAGLIONB Nro. III. 



*0 So sind die Handschuhe des Obrinten Buttler, der sich bei Wald- 
Steins Ermordung so th&tig bewies, im gegenwärtig Baron v. Diet- 
rich'setiea (ehem. R. v. SehAnfeldVchen) Museum zu Wien , nach 
sorgftlliger Unteri«uchung für gegerbte Mensehenhaut erkannt wer- 
den. (SCHBiosB, Schönfelds tAchnol. Museum. Prag i8«4. p. 99'). Die 
Untersuchung wird noch erschwert, da mau auch die Haut verschie- 
dener Thiere dazu verwendet; so gibt z.B. auch weissgahres Wolfs- 
leder gute Pauken- und Trommelfelle. Wer sollte nicht glauben, die 
Girberei von Mensehenhaut zu Menden , sei eine Fabel? und doch 
ist nichts gewisser, als dass zu Anfang der Revolution ein gr&ssli- 
elier Speeuiant sie unternahm , und dass die Herren Mitglieder des 
Comite der Affeutlichen WohUkhrt die Ersten waren , welche Stie- 
feln von Menschenleder trugen. Kotzebub, der diese Nachricht Cim 
lit. Wochenbl. UI. B. p. Si4 a.3 mittheilt, macht hiebet die empö- 
rende Bemerkung t „vielleicht habe mancher Soldat Schuhe von der 
Haut seiner Anverwandten und Freunde getragen!*^ 



ZWEITE VIERUNG. 79 

Kehrseite : 
LIBERTA EGUA6LIANZA — SOSTEGNO DELLE LEG6L 

Ihr gegenüber zur Rechten : 

160. Stanii^fift £a1tnt, bUin, wtif^, ttttf, vob Tum, 

mit der goldueu Schrift: 

LA LIBERTE OTT LA MORT. 
Keiürseite: 

LE PBUPLE FRAN^AIS. 

Au der iiAchsteu S&ule zur Linken : 

161. ^tanjififöit Sal)nt. Von Taflft; im weissen Felde 

die Freiheitskappe mit dem Lictorenbeil y und: 

DISCIPLINE ET SOUMISSION AUX LOIX MILITAIRES. 
Kehrseite : 

REPUBLIQUE FRAN^AII^E ••. 

Ihr gegenüber zur Rechten: 

162» /ran39|lf4|e ia^tu^ ^'^ifip üfdiitüUf totlf. Yoa 

T^ttty auf der Vorderseite lesen wir in einem Lorberkraiize: 

56^ REPUBLIOUE FRAN^AISE. P^ B®*' 

Ae«« I BRIGADE 

D' INFANTERIiE DE BATAILLE. 

DISCIPLINB ET SOUMISSION AUX LOIX MILITAIRES. 

Kehrseite: Die Freiheitskappe mit dem Lictorenbeil von 
Lorl>erzweigen umgeben. 

Wir erreichen nun den Schluss dieses Säulenganges , eine 
neue Pforte, an welcher als Hüter des Eingangs zwei gerfistete 
Gestalten stehen. Ober ihnen noch zwei Fahnen^ zur Linken: 

163. $tülitmfd)t £ti\)nt, tcü), r»e\fi, 0run. vonTain, 

auch hier die Freiheitskappe mit dem Lictorenbeil und : 
DEMOGRAZIA O MOÜTE. 

164. Iaf)nt Ut fxm}ififd)tn UrpttUtk. Der vorl/^en 
gegenüber; von weissem Tafft ^darauf die Freiheitskappe , 
das Lictorenbeil , und die Schrift : 

1^3. REPUBLIQUE FRAN^AISE. 
BISCIPLINB ET SOUMISSION AUX LOIX MILITAIRES. 

165. i^alber lied)ter j^ariüfd)/ genannt ItxiUxüniv»- 

Kittet. Er ist unter der letztbeschriebenen Fahite 



80 ZWEITE |iAN68BITB. 

XU schauen. Seine Benennnnc; rRhrt von einem Crudfixe iier , das 
auf daa BrusUtOck ii^eätzt ist, dalier mau dalQr hält, er halte ei- 
nem der Trabanten des Kaisers Ferdinand II. (re^. v. 1617—1637} 
angehöret. Doch zeigt sich diese Meinung -^ wenn man nicht 
etwa-'fHIliere Harnische . für die Garde verwendete — eben so 
wenig haltbar, als die in Wiens bfirgerl. Zenghanse, wo mau 
alle Harnische alt derlei Cruciftsen auf der Brust (die übrigens 
häufig vorkommen) ffir Harnische der Kreuzritter liält CO **). « 

B. F. W. K. Der geschlossene Helm mit hohem Helmkamm, 
besteht aus vier Stßcken. Das cwnkrecht aufstrebende Vlslr ist 
beiderseits gelochet, am Helme sitzt ein offener geschobener Hals. 
Die Ächselstflcke haben geschobene Vorder- und Hinterllttge ohne 
Brechrand. Die Armbeugen sind offen , die Handschuhe gefingert. 
Brust und Rficken sind gefitzt; ffir den fehlenden RQsthakeu 
sind Löcher vorhanden. — Das grosse auf die Brust gefttzte Cru- 
clfix verrfith einen tficlitigen Zeichner uud ebie feste Hand. Ins^ 
besondere sind die Musculatur des Heilandes uud der Falten- 
wurf des flatternden Schamtuches Cbei den italienischen Malern die 
ffchwierlgen „#rola%«^^) mit einer Sicherheit behandelt , welche 
Alb. Dubbbbs Schule erkennen Ifisst« Hiernach ist die Brust in 
dem ersten Viertel des XVI* Jabrh. geschlagen; weU wohl ein 
Harnisch mindestens gleich alt mit der Atzung sein muss, obgleich 
nicht umgekehrt. — Der hohe Gamsbauch uud die langen gescho- 
beneu Schoose verratheu auch die vorgenannte Zeit. Übrigens ist 
die Geslalt ins Gespenstartige gestreckt, gleich auf einer Reck- 
Leiter, da doch der Harnisch auf einen sehr derben, aber nicht gar 
grossen Manu schliesseu Ifisst* Vom Knie an decken den Rest 
lauge schwarze Stiefeln. 

166« ^MtX lit^Utlttb^ütn^di. Dem Letztbesebriebe- 

nen gegenüber gestellt. Von diesem Harnische gilt das 
Meiste des vom Nachbar Gesagten. Er ist auch mit dem ersteren 
so ziemlich von gleicher Form und aus gleicher Zeit. 

B. F. W. K. Helm , Hals , Achseln , Armbeugen , Hentzen 
sind wie beim letztgeuannteu Harnische gestaltet | nur die Brust 
yerdieul Beschreibung. £inen „Grfist^^ besass sie nie, uud hat jene 
ausgezeichnete Form, welche Lubw. Mbitbick ^,aUecret'' beneu- 
net, und -die Franzosen y^armure avec ia pointe ventraie^^ heis- 
sen: folglich ist Ihr Geburtsjahr zwiscbeu 1535 und 1540 zu set- 
zen. Auf sie ist ein dicker Baum geätzt , zu dessen beiden Seiten 



**) M. yergl. SCHEian hörgl. Zeughaus p. A6. .\nmkg. 



DBB KAISEHSAAL. 81 

zwei Laudlskiiechte in ihren ^osseti Pomphosen sn sehen sind , 
der eine, eine Helmparte, der zweite einen Hnmpen haltend, — 
eine Traebt, die wir schon zur Zeit Karls Y. , aher auch bäollg 
in FaoNSPSBGER's Kriegsbncb, und in der spätem Zeit des A'ucbt- 
bareu Holzschneiders losT Amman erblicken. Die kurzen Schoose 
sind getrieben 9 die Unterschenkeln Cfreilicb nicht das« gehörig) 
meisterlich gravirt. Auch diese Gestalt endiget in den beliebten 
schwarzen Stiefeln. — Ein Blick sagt dem Kenner , dass die 
Brost älter ist als die Arme, 



DER KAISERSAAL 

Kst aliquid vestros y snnosii per atria vuUuh 
Ordine spectari ; finitaque bella triumphis , 
Kt geaus , et tltulos , et res , et nomina regum 
Subseribi stetuis. * 

Walld Herolc. IIb. II. p. 54. 

Wir betreten 9 angenehm überrascht, den schönsten 
Ranm dieses Hauses , welcher zugleich die werthvoUsten 
Gegenstände in sich schliesst. Die Pracht entspricht sei- 
nem Namen, denn was Reichthnm nnd Geschmack zu be- 
wirken vermögen, um einen Ort möglichst glänzend ein- 
zurichten , das wurde hier , mit wahrhaft kaiserlicher Mu- 
nificenz ▼(rwendet. Auf zwanzig massiven Saufen aus 
glänzendem Stahl erhebt sich die hohe Decke des Saales , 
nicht mit schweren Waffen drohend, sondern luftig und 
ftrei den Blicken entschlüpfend, an den vier Seiten mit 
schönen Malereien al f^esco geziert , welche , in fHschen , 
das Auge gleich des Frühlings jungem Grün erquickenden 
Farben , Allegorieen auf der grossen Kaiserin Maria The-» 
resias Schicksale enthalten. Der Obertheil jeder Säule ist 
mit einer grossen reich mit Gold und Silber gestickten 

6 



S% DER KAlSSnSAAL. 

PanketifaUne gedecket (in früherer Zeit bei der Ca- 
vallerie ftblich}. Man w&blte dazu grösstentbeils österrei- 
ebische, zum Theile auch prenssiscbe, (letztere ober Fürst 
Liecbtensteius Denkmal). — Die bunteste Farbenpracht , 
und die reichsten Goldverzierungen, Gold- und Silber- 
fransen , schwere Gold- und Silberstickereien, zum Theil 
mit firbigen aufgeheftete« Edelsteinen, kann man hier 
wahrnehmen. — Obwohl an einigen M. Theresias hohe 
Hand vermuthet wird , und die meisten sich mit höchst- 
derselben Namenszug geschmückt zeigen, so hat man 
doch nur bei zweien die Gewissheit, dass sie eigenhän- 
dig von dieser grossen Kaiserin gesticket worden waren. 
— Sie ^sind ober der Eingangs- und Ausgangsthür befe- 
stiget. Der Saal wird von fünf grossen hohen Fenstern 
erleuchtet , zwischen weichen sich so breite Pfeiler be- 
finden, dass an ihnen breite marmorne Denkmale ange- 
bracht werden konnten, woraus man auf den grossen 
Maasstab in der Anlage des Ganzen schliessen kann. 
Um die Pracht des Saales zu erhöhen , sind an dessen vier 
ftussersten Fenstern eiserne Tragschranken befestiget wor- 
den , welche eine ungeheuere Zahl der prunkvollsten 
Standarten aufnehmen , grösstentheils österreichisch , 
zum Theil aber auch polnisch, preussiseh u. a. N. aus 
den herrlichsten Damask-SeidenstoflTen , purpurroth , blau y 
weiss, gelb u« dgl. verfertiget und von der reichsten, 
schwersten Goldstickerei , Goldfvansen , Goidtroddeln etc. 
ergl&nzend, mitunter auch mit funkelnden Steinen besetzt. 
Drei marmorne Denkmalk umschliesset der Ort, 
das des Kaiser Franz I«, der Kaiserin Maria* Theresia, 
und des Fürsten Wenz. Liechtenstein, sämmtlich von den 
schönsten Siegeszeichen, zahlreichen, in blutigem Kampf 
errungenen Standarten und Fahnen umgeben, von welchen 
wir hier nur die wichtigsten andeuten wollen — denn um 
alle hier befindlichen mit ihren Wappen, Sticke- 
reien, Sinnbildern, Aufschriften, Wahlsprüchen u« s. w« 
aufzuführen , würde eine eigene Schrift erfordern. 



DER KAISERSAAL. 89 

Sechs WAFFBNPTaAMiDEN slod atts prenssischeM 
S&beln, Standartea, Kurzg^ewehren , Fabnen, n. »• Waf- 
fen gebildet, welche hoch empocsteigeod , metaJlne Sehil«- 
de tragen , worauf sich sinnbildliche Malereien , Inschrif- 
ten and Jahreszahlen befinden , die wichtigsten Biege der 
Österreicher über Preossen im siebenjährigen Kriege be- 
zeichnend. Oberhalb den beiden n&chst Liechtensteins Denk- 
mal sind vier kleine weisse prenssische Standarten 
befestiget , sfimmtlich im si Aenj&hrigen Kriege erobert. 

Jede Pyramide trägt vier preussische Fahne n, 
mit Ausnahme jener hinter Kaiser Karl V., welche allein 
sieben preussische Fahnen und eine preussische Standarte 
enthält. Es befinden sich also allein an diesen Tropien 
sieben und zwanzig eroberte preussische 
Fahnen und fünf preussische Standarten, Qhnt 
den meisten der gekrönte Adler im Lorberkranz ; oberhalb 
PRO GLORIA ET PATRIA , und auf der Pickenspitze das 
verschlungene F. R. (Fridericus Bex) *®®). 

Wir beginnen die Beschreibung des Einzelnen billig 
bei jener Seite, welche das Denkmal der unvergesslichen 
grossen Monarchin Maria Theresia enthält* 

Drei zierliche Glasstürze beschäftigen in dieser Reihe 
zuerst den Blick; sie enthalten theure Erinnerungen , an 
Europa's Retter, die verbündeten Monarchen Alexander L, 
Franz L, und Friderich Wilhelm III., und wie sie im Le- 
ben so oft vereint gestanden , vor Leipzig in der Völker- 
schlacht, zu Wien im Heldenvereine, und in dem erober-ni 
ten. Paris; so ruhen auch hier der Reihe nach deren Sie- 
geszeichen. Sie sollen hier in natürlicher Folge, von der 
Linken zur Rechten schreitend, beschrieben werden. 



'^ Mhü ist diese Angabe der Watirheit schuldig, da vor nicht langer 
Zeit ein Paar preussische OflTiciere im Zeughause behaupteten y 
f^ea sei keine einzige preussische Fahne da/' Anbei verdient Er- 
wähnung f dass Wiens bürgerliches Zeughaus zehn preussische 
Fahneu hesitst. SmEiOBii bürgt. Zeughaus p. 47. 

6 * 



M DER KAISBn8AAL. 

167. JlUrati^cr I. yamboittfd) jftnifer itit^ S^tlkft^ttt^ 

|folen (seit 1815) ^ibititlt n. f. m. (geb. 1777, gekr. 
1801, gest. 18W im 48. Lebensjahre, im 94. der Regier.) 

9t$ jftaifVr« Maxia-^fttttfitn ^tinkuu} mi ilcmee- 
kttny 

Am Fenster neben Kaiser Maximilians I. angeblicliem Har- 
nische mlit unter grossem Glasstürze, auf grünem Sammtpolster 
ein geschmackvall aus Bronze gearbeitetes, reich vergoldetes 
KAstcheu , dessen anfgeschlagnes Deckelstfick in seinem Innern, 
anf weissem Atlaskissen , zwei Kreuze erkennen lässt : das gol- 
dene (T) Armeekreuz, und das Maria-Theresien Kleinkreuz | (da 
die Bescheidenheit des unvergesslichen Monarchen nur das Klein- 
kreuz angenommen, die Ordens-Statute ehrend, welche das 
Orosskreuz nur Heerfßhrem bestimmten.) Beide Kreuze wurden 
von weiland S. M. Kaiser Alexander I. von Bussland in seinen 
letzten Lebensjahren getragen. 

Diesem Glasschranke zur Rechten : 

168. Stan^Sfifd^t JüifntUs 13. €^üf(tnt • UatüxUn$. 

■ Kleine Fahne von weissem Tafft. Auf der einen Seite der 
einköpfige französische Adler mit Goldfarbe gemalt. Auf der 
Kehrseite ein goldenes Waldhorn, worin die Nummer 13. Ihr 
zunächst: 

169. Jtal»ntf4)e Ja^m Ux (S^rena^tere tion Utapoleons 

ntatlSn^tf^er tfar^e* Auf rosenrothem TafTt, mit 
silbenien Grenaden und reicher Silbereinfassung gestickt, schwe- 
bet die eiserne Krone , in schwerer Goldstickerei mit funkelnden 
farbigen Steinen geschmficket. Darunter das bekannte N. Anf dem 
%eichgestickten Fahnenbande ist zu lesen : 

GUARDIA REALE — GRANATIERI. 

Ober dieser Standarte ist die berühmte schöne Fahne von 
Bassano zu schauen : 

1 70* $tMtnxfdft ^al^lte Wn fiaffano. Fahnenstange mit 
schwarzem Sammt fiberzogen. Die eine Seite, von gelbem 
Taflt mit schwarzer Randeiuf&ssuug, enthält in Silberstickerei die 
Zfige: W..G. D. BASSANBNSES — MDCCXCVIIl. Die zweite 
Seite, von schwarzem Tafft, mit goldgesticktem Rande, zeiget 
in herrlicher farbiger Seidenstickerei den grossen kaiserlichen 



DKR KAISBR8AAL. 85 

östemichiacbeu Adler, darunter um^beu vou Fahueii und Trom- 
peten das Wappen von Bassauo. Zu dessen beiden Seiten : 

W. / ^ ^' 

F. II. y y M. T. 

Ais im J. 1798 die. Stadt Venedig , saramt dem 'venetiani- 
schen Gebiete au Österreich fiel , wurde diese Fahne S. M. dem 
Kaiser Franz II* verehret. 

171. JvM} I. Untfdttv jftaber^ Cgfih. 1708, zum rdm. 

deutschen Kaiser gekrönt 1745, gest. 17^5 Im 57. 
Lebensjahre , im 90. der Regiemng)* Maxmovnt$ jPtltk- 

ntoi mit U$ Aatfitr« jtttriiRjcbußt. 

Auf zwei Stufen von rothem Marmor erhebt sich ein mäch- 
tiges weissmarmonies Fussgesteil mit schmalen eckigen Pfeilern 
CPilasteru), auf deren oberen Ende schwer gearbeitete Adler au8 
Bronze , das obere Scblussblatt zu stützen scheinen. Auf letzterem 
ruhet die lebeusgrosse Bronzebflste des verewigten Kaisers, wel-' 
che eine weissgiftnzende zu seiner Rechten schwebende Fama, 
eine Tuba haltend, mit einem Lorberkranze krOnet. Unter der 
Büste liegen die Zeichen seiner Würden, die Kronen vou Loth- 
ringen und Toscana, in deren Mitte die deutsche Kaiserkrone 
sammt Scepter , Schwert und Reichsapfel. Auf dem weissen mar- 
mornen Untertheile die Inschrift : 

IMPfiRATORI FRANCISCO I. 

PIO FELICI AV6VST0 

GERM. ET JERUSOL. REGI DUCI LOTHAR. ET BARII 

MAG. DVCI HETR. PATRI CASTRORUM 

MONU. HOC SECÜM IPSO DICAT 

DEDICAT DEVOVET REI TORMENTARIAE 

PRAEF. JOSEPH« WENCES. PRINC. 

DE LICHTENSTEIN. 

MDCCLX« 

An der SauJe zur linken Seite des Kmiserliehen 
Denkmales : 

178. 1t3mifd|c /ai|tte (i. i. U$ jftird)ett|iaat(63. Vom 

Papste Plus Yll. dem Husaren - Regiiuente Prinx- 



86 DKR KAISBR8AAL. 

Regent von England verehrt, das den heil« Vater aaf sei« 
ner Rückkehr nach Rom geleitete. 

Grosse Fabue von weissem Seidenstoffe, von beiden Seiten 
bemalet, au einer verzierten mit rothem Sammt überzogenen Fab- 
uensCauge. Auf der einen Seite ist der österreichische Adler ge- 
malet mit dem kais. österreichischen Wappen nnd allegorischer 
KiAfassung. -^ Auf der audern Seite die Mutter Christi mit dem 
Jesnkinde, wie sie dem Papste Pins VlI. die Hand reichet, um ihn 
wieder in sein Gebiet einzuführen. Unten folgendes Distichon : 

BVNGARIAE PATRONA PlUM COMITATUR AD URBEM , 
O FELIX TANTO, ROMA SUB AUSPICIO* 

B. F. W. F. und GESCHICHTLICHES. In der Feme ^kt 
man den Vatican und unterhalb zwei kleiue Engel, welche das 
päpstliche Familienwappen halten, und wovon laut der Erkift- 
ruugstafel einer einen Römer und der andere einen Hungar 
darstellen soll. (!) — Aus dem Bilde aber erhellet diess keines- 
wegs ; beide sind nackte Kinder. «— Nach dem Kriege mit Öster- 
reich 1805 zog ein französisches Heer durch den Kirchenstaat 
nach Neapel. Die Neuerungen, die Jhier ebenso wie in Deutsch- 
land erfolgten , und die Vorwürfe und |Drohungen des Kaisers , 
dass die Römer mit den Feinden Frankreichs verkehrten , weis- 
sagten das folgende Missgeschick. Am t. Februar 1808 wnrde 
Rom von französischen Truppen besetzt und das päpstliche Mili- 
tär entwaffnet. Am S* April vereinte ein kais. Decret^dle päpst- 
lichen Provinzen Urbino, Ancona, Macerata nnd Camerino mit 
dem Königreiche Italien. Pins VU. protestirte und drohte mit dem 
Banne. Der Kaiser dagegen vereinte durch ein Decret vom 17. 
Mai 1809 den Kirchenstaat mit seinem Reiche und erklärte Rom 
für eine f^eie kaiserliche Stadt. Am 6. Julius erfolgte die Abfüh- 
rung des Papstes nach Frankreich, wo ihm Savona, und 1819 
Fontainebleau zum Aufenthalte angewiesen wurde. Doch weder 
harte Behandlung noch erneuerte gütliche Anträge zur Ausglei- 
chung konnten ihn bewegen , in die Absichten des Kaisers ein- 
zugehen. 

Nach dem Sturze des französischen Kaiserreiches erhielt 
der heilige Vater seine Staaten wieder, und zog von Österreichi- 
schen und englischen Soldaten geleitet, am 24. Mai 1814 wieder 
in Rom ein; liei welchem Anlasse derselbe die obenbeschriebene 
Fahne dem Husaren - Regtmente Prinz -Regent von England 
verehrte. 



ÖBA KAISBR8AAL. 87 

Unterhalb dieser Fahne ; 

173* }ßtadiU>oHt fxmiififdit Sa^nt, hlan, mti^, totif. 

Ans dreifarbigem starken Seidenstoff, mit schwerer Gold- 
stickerei geschmückt, auf dreifarbiger Stange befestiget, worauf 
eine grosse, vergoldete Fahnenspitze prangett Erste Seite. 
Die breite Goldstickerei des Randes enthftlt die zierlichsten Ara- 
besken, in den vier Ecken den flranzösischen Adler, an dem obe- 
ren und unteren Rande eine grosse Zahl goldener Bienen , und 
in der Mitte die Inschrift : 

L' BMPEREUR NAPOLEON AU •"• BATAIIXOK 
DB VSTERANS NATIONAUX. 

Die Kehrseite enthält ähnliche Stickereien ; nur dass dort 
zwei Ecken den Adler, nnd die andern zwei die Krone Aisseu. 
Das bedeutungsvolle N im Lorberkranze wiederholt sich in den 
Randverzieruugen achtmal. — Die Fahne wurde mündlicher An- 
gabe zu Folge, im J. 1815 aus Paris gebracht. Unter derselben: 

174. iTan32flf4^t ft^xtn-I^nt U$ 33. jTttitni-lteti- 

meitto« Sie ist etwafl kleiner als die vorige, doch 
Form , Stickerei und Farben sind dieselben. Auf schwarzer Stan«- 
ge der elnkdpllge Adler ans Bronze , auf dessen Fuss-Stflck die 
Zahl 88. mit goldreich gesticktem Fahneubande. 

Die Fahne enthält auf der ersten Seite in schwerer Gold- 
stickerei, die aber durch Wetter und Zeit erblindete, die Nameii: 

AUSTERLITZ — JENA 
EYIiAU — EKMUHL — WAGRAM. 

Sie wurde bei Kulm erobert, nnd erhielt daher passend 
ihren Platz in der Nähe der Gold-Denkmünze von Kulm. Auf der 
Kehrseile die Worte :. 

Xj' EMPEREUR NAPOLEON AU 88!ü! REGIMENT 
D' INFANTERIE DE LIGNE. 

175. Ivan} h iptxtidiif^tx ^a\\tt, (geh. 1768, rd- 

mischer Kaiser seit 1798, dsterreichiscber Kaiser 
seit 1S04, in das eroberte Paris gezogen am 31. M&rss 1814, 
gestorb. 1835, im 67. Lebensjahre, im 43. der Regierang.) 

SSttn 3ixmttkxtn). 

Unter einem grossen Glassturze erblickt mau ein pracht- 
voll gearbeitetes, mit den kaiserlichen lusignieü verziertes, reich 



88 DBR KAISVRSAAIi. 

ilberji^oldetes BronzekOstcheii , worin anf kleiuttm carmoisiii- 
ffammtiieii Kissen das g^oldene Armeekreuz befindlich ist, welclies 
weiland S. M. Kaiser Franz I. an höclisteij^euer Brust getragen. 
S« M. der jetzt regierende Kaiser Ferdinand I. geruliten, diess 
tlieure Angedenken der Sammlung als Geschenk zu fibersenden. 

176. Wh <ßrniikfleinie0ttii0 >t« 9tnknaU0 ktt^nlm. 

Hinter diesem Glasstnrze in der Fensterblende, zur Linken 
des Beschauers, hänget ein Gkmftide in Wasserfarben , in goldner 
Rahme : Die Grundsteinlegung des Denkmales bei Kulm darstel- 
lend 5 unterhalb ist die schöne Denkmünze befestiget, welche znr 
Verewigung dieses Ereignisses in Gold ausgeprägt worden ist. 

GESCHICHTLICHES. Am 29. August 1813, als dem Vor- 
abende der siegreichen Schiacht bei Kulm , hatte eine Abtheil nng 
der kaiserlich - russischen Garden, und das kaiserlich - österrei- 
chische Regiment Erzherzog Johann Dragoner, so wie die erste 
Compagnie des k. k. Infanterie -Regiments Deveaux Cgegeuwär- 
ÜgTTrapp Nr. S5.) unter General Graf Ostermann -Tolstoi dem 
Feinde den rfihmlichsten Widerstand geleistet und auf solche Wei- 
se den wichtigen Sieg des folgenden Tages vorbereitet. 

S. Af. der jetztregierende Kaiser von öaterreich Ferdt*» 
nand I. geruhten, indem sie den Wunsch S. M. höchst deren 
verewigten Herrn Vaters erfSllte«, an dieser Stelle ein Denkmal 
errichten zu lassen , dessen Grundsteinlegung die drei mächtigen 
Monarchen, Nicolaus I., Kaiser aller Reusseu, Ferdinand I., 
Kaiser von Österreich und Friedrich Wilhelm III., König von 
Preussen am 29. September 1835 durch ihre Gegenwart ver- 
herrlichten. 

177—178. JBmtx SStavfbatUn Ut kSmglii^ - italteni- 

fl^en ^iktht f vor dem Denkmale des Farsten Wen- 
zel Liechtenstein aufgestellt. Auf der Stange, deren Spitze ein 
grfines Lorberkränzchen schmücket, ein versilbertes Querstäb- 
cheu, an dem ein purpurrolhes seidenes Fähnchen hanget, an 
die Osterfähnleins lebhaft gemahnend. Die reiche Silberstickerei 
desselben zeiget Grenaden, in der Mitte den eluköpfigeu gekrön- 
ten Adler und die Aufschrift: 

GUARDIA REALE ITALIANA. 

179. Ctti JßMt eiferne SS^l^dn itx SStait fanixe». 

Einfache rohe Arbeit, beide an einen Eisenring gereihet. 



DEH KAISSHSAAL. 



8» 



1 80« €in y aar eifernt ^4llu|reln >tr SStait ^rai^t». 

EbeufalU rohe Arbeit. Au der Eiseukette , welche beide 
2iuiamiiieuhält , hftugt ein dickes messini^ttes Merkselclien nit der 
Aufschrift: Tannerie 1655; was der Vermuthung Raum |;ibt^ das« 
diese Schlfisseln nicht zu einem Stadttbore von Troyes, sondern 
nur zum Thore eines Vorwerks gehöret habeu mögen , auf wels- 
chem sich eine Lohgftrberei CRothgärberel) befanden hat. 

m 

181« Iü\fnt Ut franjSflfdjeti MütionalfiütU. (An der 

Säule zur Rechten der Kaiseriuu Maria, Theresia.) 

Auf roCher Stange der einkdpfige Adler aus Bronze, auf 
dessen Fuss-Stfick die Nummer 1. — Die Fahne aus weissem Tafft 
mit blauen und rotheu Ecken, mit goldener Schrift bemalet: 



A 



-V 



Erste Seite. 



\>. 



FORIG 

A U LOT 

FIDEUTE A 

L' UPKREÜR^ 




V 



V 



Zweite Seite. 



/ 





6ARDE lATIOIALS 

DU 

OTARTEmr 

91 
L'An. 

L 




Ober dieser Fahne : 

18S. 3talum|<l)e ^tan)»artt^ 0011 VapoUon'B mailSn- 

^jl^ier ^axit* Auf rosenrothem Tafft , welchen wir 
mit silbernen Grenaden und zierlichen Randgewiuden geschmOcket 
sehen, ist die eiserne Krone in schwerer Goldstickerei angebracht, 
(an der inwendigen Seite mit dem^ berühmten eisernen Reifen, der 
ein StAck von dem Nagel Christi enthalten soll) und mit funkeln- 
deu färbigen Steinen verschönert, darunter das ehrfurchtgebie*- 
teude N. — Auf dem reichgestickten Fahneubande ist zu lesen : 
GUARDIA REALE — CARABINM: Eine ähnliche Standarte ha- 
ben wir schon unter Nr. 169 betrachtet. Wir schreiten nun zum 
zweiten Denkmale, zu dem der grossen Theresia, fortwährend 
von der Linken gegen die Rechte wandernd. 



•0 DKR KAI8BR8AAL. 

183. ülam ^txt^ gJbtvAfdft jftatfertnii^ jftflntginit 

9011 j^ttttgum nni »iltmtn, (geb. 1717, Regieran^s- 
aatritt der dster. Erblande 1740, K5nigina von Uogarn 1741, 
Kdnigian von Böhmen 1743, gestorb. 1780 im 63. Lebens- 
jahre, im 40. d<^r Regierang.) JHarmarite« JPtnkmol^ 
mit )er ^aiftxinn ^xonybnfU. 

Dies schöne Monument , auf dieselbe Weise aus ro- 
fhem und weissem Marmor, gleich dem flrflher unter 
Nn 171 angefahrten, gearbeitet, enth&lt auch fthnliche 
Versierungen ; daher eine n&here Beschreibung desselben 
unnöthig erscheinet. Auch hier wird der unvergesslichen 
Monarchinn Bronzebüste von einer Fama mit Lorbern ge- 
krönet; und unterhalb liegen die Zeichen der Herrscher- 
gewalt , wobei drei Kronen aus Bronze (die ungarische , 
böhmische, und der österreichische Herzogshut). 

Die metallene Inschrift lautet : 

IMPERATRICI MARIAE THERESIAE 

PIAE FELICI AU6USTAE 

GERMANIAE HUN6ARIAE BOHEMIAE REGIXAE 

ARCHID. AUSTRIAE MATRI CASTRORUM 

MONU. HOC SECUM IPSO DICAT 

DEDICAT DEVOVET REI TORMEXTARIAE 

PRAEF. JOSEPH WENCES. PRINC. 

DE LICHTENSTEEV 

MDCCLX. 

Die Geschichte der Errichtung dieses schönen Denk- 
males ist in Kürze folgende : I. M. die Kaiserinn Maria 
Theresia und Uöchstihr erlauchter Gemahl liessen dem 
Ffirsten Wenceslaus Liechtenstein, den man mit Reeht 
den Vater der österreichischen Artillerie nennet , als An- 
erkennung seiner grossen Verdienste um Staat und Heer 
ein prachtvolles Denkmal in diesem Saale errichten, dessen 
Beschreibung bald nachfolget. Der Fürst dagegen , bewies 
sein inniges Dankgefühl für diesen Ehrenplatz inmitten 
der grossen Helden seines Vaterlandes dadurch, dass er 



DBB KAI0ERSAAL. »t 

karase Zeit daraaf sowohl 1. M. der KaiseriaD Maria There-» 
sia j als S. M. dem Kaiser Franz I. jene zwei Denkmale 
erbauen liess, welche wir so eben betrachtet haben. 

Auf der Uiikeu Seite des Deukmales I. M. der Kaiserinji be- 
finden sich noch zwei bemerkeuswerthe Fahueu: 

184« ^t<ilienif4)e StAftit non Caflttftam«. sie Ist von 

gelbem Tafft, mit schwarzem Rande verbrämt , und etwas 
mit Silber gestickt. In deren Mitte befindet sich der sweikdpfige 
schwarze Adler, auf dessen Brust: W. FRANGBSCO II. — In 
den Scken das Wappen von Castelf^auco. — Diese Fahne wurde 
8. M. dem Kaiser Frans II. im Jahre 1708, als das venesianisehe 
Gebiet sammt der Stadt Venedig an Österreich fiel, als huldigen- 
des Gtoscheiik dargebracht, gleichwie die Fahne von Bassanp, 
welche schon unter N. 170. beschrieben worden ist. 

185. £^\flit )»er ftan33|lf(i)en Vattonaljfir^t j (unter je- 
ner von Castelflrauco aufgestellt.) Auf schwarzer Stange 
der französische Adler aus Bronze — aaf dessen Gestell die Num- 
mer 60. Auf weissem Tafft, mit rothen oud blauen Bcken y eine 
mit Goldfarbe gemalte Schrift: 



Brste Seite. 



Zweite Seite. 





FORCE 
A LA LOT 
«FIDELITE A 
L' EMPEREUB. 






6AUIB lATMALB 
DO 

HPARTBmnr 

DI lAÜTS 






186. /ne^ettd) 1ftlUI)jelm III. 1^H\% wn |ften^en^ 

(gebor. 1770, König seit 1797, gestorb. 1840 im 70. 
Lebensjahre , im 43. der Regierung.) (Cm Jltmeektenj 

tttii JHarta-€l)ete|leti JUemkreu}, 

Am dritten Fenster dieser Reihe neben Kaisers Rudolph I. 
von Habsburg angeblichem Harnische, ruhet auf schwarzem Samint- 
polster ein mit gothischen Versiernugen geschmücktes Kästclien, 



M UEH KAISKRSAAL. 

aiis BroiiJM alt reicher YergoMaiiis: , fthuUcb jenen , das scliou 
unter Nr. 17& beschrieheu wurde, iu welchem eiu weisses Atlas- 
Kissen zwei Kreuze trägt, ein Armeekreuz gewöhnlicher Grdsse, 
und ein Maria-Theresien-Kleiukrenz; beide weiland S. M. KSni^; 
Friderich Wilhelm III. von Preussen verliehen und nach höchstdes- 
sen Hinscheiden hieher fibersendet. 

Wir liehen sa den sobdaen Hämischen dieses Saa- 
les über , nicht mit Unrecht das Werthvoliste des erhöhten 
Oennsses willen, s&uletxt sparend. Der Zeitfolge gemäss be- 
ginnt gewöhnlich der Erklärer bei: 

187. Vtt^alpli L Mti i§üh$hmi, ^etttfi^er jftmffr. — 

(gebor. If 18 — im J. If73 zum römisch-dentscfi^n 
Kaiser gekrönt — gestorb. If91 im 73. Lebensjahre, im 

18. der Regiemng.) ^ün}tt Jßtnnklfüxntfdi , fummt^er 
11ttn)»tU p bdit mit Ifo^tvl^thUn /igitreti gejtett tf al- 
itntt ^vnixi mit wtifitm, ynm Cl^eil ttxQotbttvx fanh- 
merk , >abet ein tinfaÜ^ts ml^SnbtgeB SS^mttht 

Der ganze angeblich von diesem Kaiser getragene 
Harnisch sammt dem Schilde, ist eine aasgezeichnet schö- 
ne Arbeit ans dem letzten Viertel des XVI. Jahrhundertes« 
Leider fehlen die fiisenschahe y welche unpassend durch 
vergoldetes Holz ersetzt sind. 

B. F. W. F. Der Helm in Form eines 9ourgniuot^ mit ho- 
hem Kamm, besteht aus 4 Stücken. Das Ytsir ist ausser der Qner- 
ritze au der Stirn) nicht gelocht. Das Halsstfick des Helms ist 
offen doch nicht geschoben ; die Achseln mit tieft'eicheuden gescho- 
benen Vorder^ and Hinter-Flügen ohne Brechrand. Die Armbeu- 
gen offen ; die Hentzen gefingert. Zur Brnst , welche jene Form 
vorweiset, wie sie um 1590 üblich war, ist weder, noch war je 
ein Rfisthaken vorhanden. An dem tiefen Bauch sitzen zwei kurze 
geschobene Schosse, welche, da sie keinen Goldgrund zeigen, ge- 
tfen die übrigen Harnischtheile sonderbar abstechen ; sie schei- 
nen durch die ungeschickte Hand eines Harnischfegers verdorben, 
verrathen die weit minder gelungene Arbeit einer Jüngern Zeit 
und sind nur der Ergänzung wegen dem Harnische angehängt. Die 
Beinschienen ohne'Knöchelreifen CFolgen); die Eisenschulie feh- 
len. Die getriebene und gehauene Ruudell von gleich schöner Arr 
beit; in ihrem grossen Mittelfelde , dasein, reich mit Arabesken, 



DBR KAISltfRSAAl.. »S 

Wafen imd Medaillons veraterter Rand oflucblieMt, Ut in saiil- 
reiciier Zusammensetzung das Urtheii des Paria dargestellt. 
Dieses Bild allein enthält, ohne die Reiter am Rande in Ansclilag 
zu briiii^en , über zwanzig^ Figuren , von welclien die Vordersten 
z. B. die dreiGöUiuueu, jede sechs Zoll lioch, und so erhaben 
gearbeitet sind, dass sie gerechte Bewunderung erregen. Mit 
diesem Meisterwerke der Kunst , Hochbilder in Eisen zu treiben, 
weiche leider verschwand, mögen Waffenfkeaude vergleichen : a) 
Den Harnisch des Kaisers Rudolph II. In diesem Saale, b) Alexan* 
ders Farnese vollständige Prunkrfistuug in der k. k. Ambraser 
Sammlung , (Primiss. pag. 49. u. 4} mit Tanschlerarbeit verziert. 
"Rs wäre weit eher zulässig gewesen, als Träger den Kaiser Ru- 
dolph II. anzunehmen , wenn dieser Harnisch je von einem dent« 
scheu Ffirsten geführt M'orden ist. Wird er auch von jenem des 
Kaisers Rudolph II. in diesem flfeuile weit iibertroffen , so kann ihn 
diese kais. Sammlung doch mit Zuversicht der Farnesischen Rtt-^ 
stung der k. k. Ambraser Sammlung an die Seite stellen« 

Das einhändige Ritterschwert verdient wegen seiner schÖ-« 
neu Seheide Beschreibung. Auf einer ganz einfachen , viel zn jnn-^ 
gen Klinge sitzet ein eisernes vergoldetes Gefäss , mit gewürfelt- 
rundem Knauf, Handring auf jeder Seite , und Drahtgriff. Die 
rothsammtene breite Scheide besitzet ein herrlich getriebenes Mund- 
blech und Ortband, dem Anscheine nach Silber und vergoldet. Auf 
ersterem sind in einer reichen Einfassung von Arabesken drei 
hochgetriebene Figuren zu schauen:- Adam und Eva^ welchen 
der Schupfer den verbotenen Baum zeigt. — Auf dem Ortluiude 
sind 3 Reihen Darstellungen ftbereinander, zierlich getrieben und 
vergoldet. Unterhalb abermals das erste Menschenpaar am Baume, 
dabei Gott mit der Kaiseriu-one. Unterhalb der Sfindenflall , die 
Schlange , die dem Weibe die verbotene B'rucbt reicht ; darunter 
ein spielendes Euglein. 

188- Ixu}^t%di llLUx SSiiint , ieittf4)er Äalftr, (ge- 
bor. 1286. zum deutschen Kaiser gekrönt 1314 — 
^estorb. 1330, Im 44. Lehensjahre, im 5. der Regierung. *®'') 

^an)tt Ued^tet €ntnietl)amtf4 i^^ ^(pdi Sbet ia$ 
jPtU , mit gri^Utt nni otrgol^tttn ^trt(^ett* 9ahti tin 
^d)int$ Vappur. 



103) Wenn man seine Regierungszeit erst nach Aufhören der harten 
Trausnitzer-Haft zu rechnen anfiingt. 



t4 DKR KAISBRSAAL. 

Der zlerliobe HurniBOh , welcher fttsdiliGh diesem 
Herrscher zogeschriebeii wird , ist eine schöne Arbeit aus 
der Mitte des XVI. Jahrbnnderts. Unkundigen, welchen 
das Mäbrchen , dass sie von Herzog Friedrich III. stamme, 
wahrscheinlich dünkt , mdge die Nachricht genfigen , dass 
um 1360 noch die Kriegsheime der Ritter der Spitze ^nes 
Znckerhates glichen , and deren Hals und Oberarme in der 
Regel nnr mit einfachem Panxerwerk C^^s Drahtringen) 
bedeckt waren. Kennern diene folgendes Bild. 

B. F. W. K. Der Helm aus 4 Stfiokea bestehend hat einen hohen 
Helmkamm , und die Form eines fioarguiuot , jedoch ein offenes 
geschobenes Halsstfick. Das Yisir ist nur au der rechten Seite 
S:elochet. Jede Achsel besitzt eisen geschobenen Vorder- und 
Hinterilog und Brechrand. Der Unke Arm enthält 2 Schranblöcher 
ffir Doppelstftcke , welche fehlen. Handschuhe gefingert. Der Ge- 
rüst fehlt. Der Gamsbaach (mit einem Bauchreifen) ist nicht tief; 
geschobene Schosse , woranter halbe Diechlinge* Hinterschenkel 
und Kniekehlen offen ; schmale Stumpffässe mit Teilen am Zehen- 
anfiuig. Die Fersen zieren kleine, schöne Aufscbraubspome, mit 
eckig abwärts gekrümmtem Hals. Der Harnisch^ in dessen Atzung 
sich der herzogliche dsterreichisdie Adler fortwährend wiederholt, 
mag um die Mitte des XVI. Jahrhunderts geschlagen worden 
sein. Dabei ein spanisch ^^Ri^ipler'^ ; die schön geätzte leichte 
Klinge mit zweifacher Blntrinne* 

Zu diesem Harnisch gehören noch S Brechscheiben von 
gleicher Arbeit (hinter Scanderbek an der preussischen TropAe 
befestiget 9) eine jedoch durch Putzen verdorben * — Zwischen 
deren geätzten und vergoldeten Strichen sind drei Wappenschilds 
angebracht, und auf jedem die fünf Österreichischen Ad- 
1 eV (nicht Lerchen — folglich ergibt sich , dass der oft wie- 
derholte* Adler auf Friedrichs III. Harnisch (Nr. 188.) nicht deir 
tyrolische Adler, sondern der Österreichische ist y und dass dieser 
Harnisch einem österreichischen Erzherzog gehörte. 

189. Ixxtixxdi TV. itntfd^tt iRaiftt, (gebor. 1415^ zum 

deutschen Kaiser gekrönt 1468 , gestorb. 1493 im 

78. Lebensjahre, im 41. der Begierntkg.) tfanjet ludfUt 

^titnterliarntfdl) jnm Untfd)(n In^kampf^n SSd)mpf nni 
€xnft, mit deü^ten ttnb ttxQolbtUn SStxiditn. — IPa- 



DRÜ KAISERS AAL. ^' fft 

1n# rttir Vnti^eK mit l|0d)grtrtelieitem Ihiditlf^aM ^ twi 
tin 1lettfd)tDrtt 311 att^ettl)a(brr lanfi ^04^. 

Eioer der schönsten Harnische der Sammlan;. 

B. F. W. K. Der Helm eiu Bouri[[^uiuot, hat hoheu Ktuam^ 
und besteht ans drei Stücken. Baa Visir wagrecht gekehlt , an 
beiden Seiten gelocht« Der Hals geschoben und geschlossen* 
Die Achseln besitzen geschobene Flöge , (den rechten schm&ler) 
und zwei hohe starke y^Brechrttudt.^^ Die Armbeugen mit Raiffen 
geschlossen. Der rechte Fäustling Cnugefingerter Handschuh, auch 
Tatze geheisseu) ist ein mit Schraube geschlossenerHand- 
schuh 9 wie selbe bei Turnieren dfters vorkommen, um Schwert 
oder Lanze sicherer zu halten Celnen fthnlichen wwden wir belKd- 
nig Philipp IL gewahren, so wie an einem ganzen Harnische 
beim Ausgang des Kaisersaales Nr. S07) ; er ist eigc^jids zu diesem 
Harnische geschlagen worden und zeuget von trefflicher Arbelt« 
Der linke Handschuh ist von seltenem Bau, die Hand besteht ans 
Panzerriugen , worauf geätzte Blecbstriche QB'olgen ^**)» Als 
Fimskampfbarnisch besitzt er auch weder Rüsthaken noch Löcher 
dazu , nud an den Fersen keine Sporenlöcher ^ so wenig als der 
angebliche Harnisch des Kaiser Ferdinand 11. in diesem Saale, 
dagegen geschlossene Hinter Schenkel. Die Brust, woranf 
die Kette des goldenen Vüesses geätzt erscheint, bildet einen tiefen 
Gamsbaucft, woran ein herrlichgeschiageuer^ weit auswärts ge- 
schweifter , geschobener Kampfschurz festsitzt* Des Letzten 
Arbeit verräth hohe Meisterschaft. Die Hinterdiech- 
linge sind vollkommen mit geschobenen Reifen geschlossen, so 
auch die Kniekehlen; die Beinschienen mit Knöchelreifen (Folgen). 



'•«3 Von diesem Kaiser ündet man auch: 

Im EBBACHEB RITTBRSAALS im ODENWALDE : 
Einen ganzen Harnisch des Kaiser Friedrieh IV. iiammt dem ver- 
llegerten Hengst, (Krbss. Tab. VII.> Er stammt ausdemNärii- 
berger Zenghaus, wohin Ihn der Kaiser geschenkt hatte. — 
Doch Ist seine Echtheit In Zweifel zu ziehen ob Jüngerer Form 
— - Wohl mochte mancher Fürst Harnische schenken — doch 
waren sie nicht seine lieihharnische. — -^ Der Harnisch ist 
sch^ürs, mit weissen Siriehen; Rossrüstung: Stirn und ge- 
schobene Kanzvon Stahl, panzerner Rosshals ; Fürbiig, Teschen 
und Geliger von Leder. 
'^3 Striche in alten Waffeninventaren gleichbedeutend mit Strei- 
fen; 80 z. B. der Ausdruck „Panzerstriche'* MUifig. 



96>' DBR KAIS BKS AAL. 

Dltf.FiisapUseu kolbig ; die grosse Rundell von i^lelch schdiier Ar- 
beit mit dem Hariiisehe, tat aus einem einsigeu Stahlstflcke meister- 
haft getriebeil und reich verziert. Dieser prachtvolle Harnisch für 
einen iprossen starken Mann, in allen seinen Stficken trefflich er- 
halten, wurde wahrscheinlich einige Jahre nach der Mitte desXVI. 
Jahrb. von Augsbnrger Plattneru für einen Prinzen des Hauses 
Österreich, wie aus dem goldueu Vliess-Orden zu schliessen ist, 
geschlagen. Wenigstens enthält ein ge&tzter Kinderhaniiseh 
in der Modellkammer, der dieselbe Atzung vorweiset , das Augs^ 
barger Plattnerselchen. 

Das grosse, echte, alte Ritterschwert, zu atiderthalber 
Faust gerichtet , mahnet stark ans XV. Jahrh. und könnte allen- 
ffills von Kaiser Friedrich IV. gefBhrt worden sein. Sein Heft ist 
durchbrochen gearbeitet, mit schwarzem Drahtgeflecht zierlich 
flfoerspounen,. und durch selbes glänzt die blanke Schwertstange 
(Angel}) eine höchst gelungene seltene Arbelt. Auch die Vorrlch-* 
tuiig, die Schwertstange beliebig aus dem „Heft^^ (Schwertgriff) 
schrauben zu können, verdient Erwähnung. 

190« JRarimUtan IL ItntfJ^tx fHaxftv , (gebor. 1527, 

zum deaUchen Kaiser gekröot 1564, geatorb. 1576 
im 49. Lebensjahre, im 19. der Regierung.} (jßattj^lieil)* 

, ttt %tiniter(farntf4) i^m mUfäftn <9tßt4) / mit ^e^ttn 
nn^ tiet0olbetrn tilgen; tabti txn f^int$ ifVfpanxfif 

B.F.W.K. Der Helm, ein Bourguinot, besteht aus drei 
Stficken, hat hohen Kamm und zwei Doppelstficke, eines an der 
Stirn und ein zweites, das man selten antrifft, auf dem Gesicht; 



'^') Von diesem Regenten werden aufbewahrt: 

Xu WIKM in der KAISERLICHEN AMBR ÄSER-SAMMLUNG : 
1} Bin schöner g»nser Harnisch mit gefttsten und vergol- 
deten Strichen, mit geschlossenem Helm, und ieieisig ge- 
arhettetem Armzeug Cdie Armheugen mit Folgen geschlossen, 
„Aoeiii^ spUnU^*' nach Sam. Meybick^s Ausdrucke} dabei ein 
Schwort. PaiMiss. 58. N. 18. Scubbnck Tab. 8. 
Zu WIEN in diesem KAISERLICHEN ZEU6HAUSB: 

t^ Ein ganzer Turnier hämisch zum Realgesteeh; weiss 
mit ge&taten und vergoldeten Zügen, dabei ein Tumierschw^ 
mit doppeltem Maulkorb. M. vergl. die vorlieg. Beschreibung 
II. Band, Nr. e05. 



DRR KAISSBSAAL. §7 

letzteres mir rechts gelocbet. Das danmter beiirfllohe VIsIr be- 
sitst au lieideii Seiten grosse mnde Lieber; der Hals g escbt s s s ea 
und geschoben ; die Achseln ohne Brechrand, deren IMca mit ge» 
schoben^m Vorder- und steifen Hinterflug; das linke Hoppe^stfick 
darflber fehlt. Die rechte ist vorne eine offene (halbe) geschobene 
mit einem geschobenen Hlnterflug. Der Canfgeschraubte) linke 
Stechmeusel mit grosser SlnscheV (Blatt) ist steif ^^O* Die Am- 
beugen offen y die Stahlhenzen gefingert. Die Brust besitzt einen 
Gerfist (Rüsthakeu) zum Umlegen , und tiefen Gamsbauch (Hftn- 
gebauch) mit geschobenen Schossen; die Hiuterschenkeln y^plos'^. 
Die Beinrohreu au der iuueru Seite zum Schnftren eingerichtet , 
und mit KnÖchelreifen verseifen ^^')* Di® Fusspitzen kolbig, die 
Fersen mit SporenlScbeni und schdnen Binstecksporen versehen. 
Dieser ausgezeichnet sehdne Harnisch dfirfte wohl un 15M ge- 
schlagen worden sein, und auch seinen Verhältnissen nach (Kai- 
ser Max If. war von kleiner Gestalt) von dem genannten Herr- 
scher herrühren. — Das spanische Rappier ist von grosser Schön- 
heit. Sein halber Maulkorb, (Haudkorb]^ Kreuz und Knopf sind 



TaÜTT) iiratyowM-ev to «upvijMivov oicAov Vfff x^^ xc&oi«f4vi|V. to» 
TS yap *cD/it.ov ffxeTcaCet, xai tov ß^axcova xac tov fTQX^y ^^ ^o 
sxojui^oy T(oy vp^tcoy, xa< sxTecveTae ^e xac ffuvxocpLirTSTac. irpo; ^s 
TOUTOtg,' xae to ^aXerjrov tou ^oopaxo; vno Tri ii.a<jx«^''0 xaXuTrTSC. 

(HEN0#12NT02 nBpi IHHIKHS. AOrOZ) Xn. 5. Wussle 
man nicht , dass der berühmte Feldherr, der diese Stella geschrie- 
lien hat y* um SOOO Jahre froher gelebt habe, so könnte man giau* 
ben , er habe das linke Armzeng der Tunderenden im XVI. Jahrh. 
beschrieben« Sie lautet deutsch ungeflUir: da aber auch die linke 
Hand, wenn sie verwundet ist, den Reiter krallies SMCiiet , so er- 
achte loh für sie Jene lüstung für passend, weieh» man die 
Streithand nennet. Sie bedecket die Schulter, den Arm und den 
£Henlogen, und dasjenige womit die Zügel gebalten norden; l&sst 
sich ausdehnen und wieder zusammenkntmnMn. Oberdiess bedec- 
ket sie, was sonst vemPsazer unter der Achsel nicht bedecket 
werden kann. 
10*) Die an der Innern Seite zu schnürenden Beinröhren wasen theils 
alte Sitte, die man schon im XIIl. Jahrh. antrün, (buui veigieiche 
Wagnbr's Tracht. B. Graf Ludw. v. Ottingen d. a. 1979,) theUs 
konnten wunde Beine theils Bequemlichkeit des Trägers einen Ne- 
bengrund bilden. Ähnliche Einrichtung der Beinschienen werden 
wir an einem Barnische bei A. CoUerede's Denkmal nnd beim 
Harnische König Pbiiipp's U. von Spanien gewahren. 

7 



99 DKR KAISRRSAAL. 

nil Tsna^fofariieil überdeekt, deren Onmd Hilker, die Yenleniii- 
Heii MhtT von €kllde sbid| die leichte achöiie sweiscliiieidlge Klin- 
ge Ist m^ Aiisata gestärkt j in der Blatriuno der 

ersten Seite ist : TOMA . DB . AJALA. 



der zweiten Seite: JESUS* MARIA. 



zu lesen. 



191. Vn^MpIr 11. itntfittt fiaiftV (gebor. 155f, dent- 
Bcher Kaiser seit i576, gestorb. 1619 im 60. Le- 
bensjahre ^ im 36. der Regierung). ^än}tt mtifttvlid) d- 

feUtter |lrnnkl|arntrd)i tibetl^edit mit jietltdiem iTattboietk 
nn) vielen ügttten , Ixt arbeiten )e0 ;$erkitle0 wtfttl" 
itnif.lU VPttt mit )er feinen golbenen €atif4)terarbttt 
gf)tett. jPabei ein Ififpamfdt Huppitt, mf Ufftn ^tßf^ 
in geljanenem Cifen fteben llKi^er nn^ ^er Hibei io9^. 

Dieser Harnisch ist offenhar der schönste und werth- 
▼eUstey welchen dies^ Zenghans besitzt. Die Arbeit daran 
ist der j an dem angeblich von Kaiser Rudolph I. herrüh- 
renden Harnische einigermassen ähnlich, doch weit schö- 
•er, Wenn auch niclit^wie man vorgibt ^ von Benvenuto 
CellM, doeh wahrscheinlich italienisch, und kann nicht 
nur mit der berühmten Farnesischen Rüstung der k. k* Am- 
braser - Sammlung einen Vergleich aushalten , — wohl 
tritt sie auch siegreich aus den Schranken , we|in «laa sie 
gegen einen der schönsten Harnische Bnropa's hMty — 



'*0 Ven diesem Hemeher findet man:) 

Za OBBSDEIV im KdNIGL. HISTORISCHBN BfüSSmi ! 

i) Einen Säbel, <}uandt. p. 194. a. 9S9, 
2u WIHV in BARON DiEltUCH'S, (ebemais RITTBR V. SCHON- 

raiiDS) MVSttUM: 
' f } Des Raisera goldnen emailllrten Handring mit grossem rosen- 
rothen Steine, Cntteh Fladcng walirscheinlieh ein gebrannter 
-Quarz). 
S) Vraehlvolies Schaehsplel aus Elfenbein und Sbenbolz von Kais. 
Rudelpb It i. J. 1595 eigenhändig verfertiget. CScnmiGaa Kat. 
des Ri V. Schönt Mus. p. 59 .) 
4) Rudolphs selbst gedrechselte Farbenliflehse; 
6> Ras IMdmacherbUeh dieses Kaisers, mK 90 aoigeaelchnet 
schöiien MIgniaturen. CSnfRifiER p..(l5.3 



DER KAISBRSAAL« M 

wir meinen Alfons II. Herzogs von Ferara Pmnkharniaeh 
in Ll. Metrick^s Sammlung in England (iirelchen Fürsten 
Tasso durch die Dedication seiner y^Oerusaiemme iibera^ 
ial'^ unsterblich gemacbit hat* (Finke's Metrick PL XXXIII.) 

B. F. W. F. Auf matt/^rauem Eisengruude zeij[^et sich eiu 
verschlaugenes Gewebe der geschmackvolLsteu Arabeskeu und 
trefflich ciselirteu Figuren, aas blankem Stahle, wobei eiu.Theil 
^ des Laubwerks, d«r Faltenwurf u]id die Kleidung der Figuren ver- 
goldet erscheinen. Um den Rand jedes Harnischstfickes lAuft eiu 
fingerbreiter Streifen , mit der zartesten goldenen Tauschierarbei^ 
ausgelegt; die Darstellungen enthalten einige der zwdlf Arbeiten 
des Herkules wie folgt: In der Mitte der Brust, Herkules im gol- 
denen Schuppenrock auf die Keule gestützt; z. R. Herkules den 
Cerberus bändigend; z. L. Herkules die Lemäische Qyder be- 
kämpfend; auf den beiden Yorderfliigen der Kampf des Herkules 
mit dem Anteus. Am Rücken , in der Mitte : Herkules die beiden 
Säulen haltend, Cdie er bekanntlich um das Bude seiner Reisen zu 
bezeichnen , nachdem er die Meerenge zwischen Europa und Afri- 
ka durchbrochen hatte, auf den Bergen Calpe und Abyla aufrich- 
tete ; z. R, Die Einfangung des Greteusischeu Stiers ; z. L. der 
Kampf mit dem nemäischen Löwen. — Über die Zeit der Verfer- 
tigung ist bei Prunkharnischen weit schwerer ^als bei Feldbami- 
schen zu urth eilen. Zwar dürften Manche beim Anblicke der Krie- 
ger die Kamehle führen (Tauschierarbeit oben an der Brust) . und 
des Herkules mit den beiden Säulen, an Kais. Kaurl Y. denken, 
allein die Harnischform ist weit jünger. Er kann allerdings für 
Kais. Rudolph II. geschlagen worden sein , denn der ganze Zu- 
schnitt ne^t sich weit mehr gegen das Ende des XVL Jahrh. als 
geg^n dessen Mitte. 

Beim Harnische: ein hispanisch Rapyier.; di0Kling0 
sehr mittelfflässig, in der Blutrtnne a) IN VALENCIA — h) 
MBFBCIT — Cquis?) Auf dieser mtttelmässigen Oiacbgemaehten) 
Klftige sitzet ein Knauf und Kreuz von der schönsten gehauenen 
Bisenarbeit, mit einer grossen Zahl von Figuren und Laitbwerk 
geschmückt, um einen Begriff der Feinheit zu geben , folgen hier 
nur die Hauptdarstelluugen. Auf dem Knopf: 1) Judith mit des 
Holoferneis Haupt; 2) David vor Saul Harfe spielend. Auf dem 
Kreuz: 3) Loth mit seinen Töchtern zechend, in der Ferne Loths 
Weib als Salzsäule, und das brennende Sodoma. 4) Noah's Dank- 
opfer nach der Sündflnth , in der Ferne der Regenbogen ; z. L. 
6> Der Engel mit Tobias, der den Fisch fängt; z. R. 6) Jonas vom 



100 BKR KAI8BB9AAI.. 

Wallflflch ausgesplseii. 7) Sissera von Jael Mit dem Nagel ge* 

D<;r besprochene Haruisch^ eiu Meisterwerk, bietet eiiie 
werthvolle Probe jener Zelt, in welcher die Kunst erhobene Bild- 
werke in Bisen zu treiben , ihre Gipfelhöhe erreicht <hatte. Als 
ehrenvolle Zeugnisse des alten Fleisses gehOren noch hieher : a) 
in diesem Zenghanse, der schon beschriebene Harnisch angebl. 
Kaiser Rudolph I. b) in der k. k. Ambraser-Sammlung, Erzher- 
zogs Ferdinand schwarzer Kflrass sammt Schild CPrlmiss. p. 46. 
n. S.) dass grOsste Kunstwerk und Nonplusultra, welches 
Wien in der Art besitzt, c) Ebendaselbst die sogenannte mailän- 
dische ROstnng CPRimiss. p. 49. n. 8.) endlich d) die schon oben 
erwShnte Famesische Rüstung CPaiaass. p. 49. u. 4.) 

Die Gestalt des Pmnkhamisches Ist folgende : Der Helm, 
mit hohem Hehnkamm besteht aus vier Stfickeu , das Visir ausser 
der Qnerritze ohne Loch; der Hals offen, geschoben; die Ach- 
seln haben zweifache (d. i. Vorder- und Hinter-) Flfige, und kei- 
nen Stosskragen (Brechrand); die Armbeugen offen; Handschuhe 
gefingert; fSr den Rfisthaken ist kein Loch vorhanden; die Brust 
besitzt in der Herzgegend einen bedeutenden Riss, doch dass 
letzterer im Kampf entstanden sei, ist unwahrscheinlich; der 
Bauch ist sehr tief, ohne Vorsprnng, und von ihm bis zu den 
Knieeu dehnen slcfe lang geschobene Cspanische) Diechlinge. Die 
Hinterschenkel und Kniekehlen sind bloss (offen); die Beinschie- 
nen mit Zapfen zu schliessen, ohne Knöchelreifen. An den Fer- 
sen ist kein Loch für Sporen vorhanden. 

192. €xnfi L ber ttiftxnt, ^ttici wn VPtfittttv^, 

SfUittmatk tU. (gehör. 1377, einige Zeit Mitvor- 
muDd Albert V. in Oesterreich , gestorb. 1494, im 47, Le- 

bensjahreO tf attjet Ixtil^Ut ;$artttfd) mit fifwa^ tvam- 
ttn t^ttiotbtUn SSttxtl^tn ; iu <Drte mit anffleft^lagentr 
€anf4|ierarbrtt sediert. jPabei ein tinfad)tt 9e$en, » 

Der angeblich diesem Herzoge entstammende Bar- 
ntoeh tat eine gelungene Arbeit des XVI. Jahrbunderts. 

B. F. W. F. Ganzer weisser Feldharnisch , mit breiten 
blauangelaufenen und schwach gravirten Streifen, worin silberne 
nnd goldene Tauschierarbeit , und an der Innern Seite der Orte 
läuft eine Reihe aufgeschlagener Silberperlen *'^). Der Helm mit 



^>0 DieTause h ie ra r be i t, v«i des Italienern ^yTmirtay lorfre aW «niflif- 



DBB KAISBRSAAU 101 

hohem Kaui , beateht aus vier Stfickeu ; da« VUir iu Farm ei* 
jier seiikrecht ftafsteigeudeii Wand ist anf beideu Seilen i^elochek ; 
der Hals offfu und geschoben; die Achseln ohne Brechraud miß 



na, auch damasehino^^ genannt, besteht in dem Verfkhren, die Zeichnung 
Ins Eisen tief einzugraben , und die8e«Furchen mit Golde oder Silber 
ausssufullen. Im XVI. Jabrii. blühte diese Kunst im Mailftndischen 
▼omuglich , auch in Venedig ; ansgeneiehnete Künstler dieses Fachs 
waren: Figino, Ohinello, Pellinoni, Piattl n. a. m. Man 
nnteischeidet die eingeschlagene und die anfgesehlagene 
Tauschleniiheit. — Bei ersterer, welche dauerhafter Ist, steht das 
edle Metall nicht vor, sondern es bildet mit dem Sisengninde die- 
selbe Fläche — bei der zweiten aber bildet die Zeichnung erhobene 
Zierathen , welche sich noch schöner, gleich Perlen- und Sllber- 
stlckerel ausnehmen. Letitere Art bemerken wir am Harnische des 
SVneslus ferreus und sn den sehdnen Degengriffen der cwei 
Ferdinande (Terd. II. , Ferd. III.3 Letntere Art wurde nur in Silber 
und selten auf Hämischen angewendet , weil sie bei ungeschicktem 
Putzen leicht aussprang. Die eingeschlagene Tauschierarbeit wird (be- 
sonders in Golde) noch hftulg in der Türkei und In Griechenland auf 
den Klingen der Bitschak*s, der Jataghan^s, Chandschar*s , KUidsch's 
tt. s. m» bemerkt, und noch immer, wenn gleich nidit in alter Neis- 
lersohaft geübt. 

Die Kunst Eisen zu treiben, zu ciseliren , und die Tausehlerarbeit 
CTansia) erreichten In der Mitte des XVI. Jahrhunderts die höchste 
Stnfe der Veliendnng. So arbeiteten Ftlippo NIgroll und Gebrü- 
der für Frann I. von Frankreich und Kaiser Karl V. Harnische, deren 
hohe Knnst und Schönheit Erstaunen erregt; iFUippo Si§roU e fra- 
MU laooravamo artnaiure Btupende ai re di Franda ed a Carl» V, — 
CiooONAn^^ Tte. IL p. 437.> Berühmte Waffensohmiede dieser Zeit 
waren: Johann Ambrogio d. Oit., Antonio Binncardi, 
Bernardo Gl vo, die Brüder Piceinlnl, Bomejro, Pompeo 
Tureone, tt. a. m. CCicognaha. Storladella scultura Vol. n.} Dage- 
gen Ist der berühmte Schild Kaiser Karls V. In fdcyniGn's Waffen- 
sammlnng beindlich, etwa um 1550 von dem Mailänder Hieron y- 
mus Spacini gearbeitet. Auch Deutschland besass unter seinen 
Plattnem knnstrelclie MAnner ; so lebte zu Kaiser Max I. Zeit einer, 
LerennPlattner gebeissen, C^eln Klame erscheint schon um 1 470.) 
auf den der Kaiser sehr viel hielt, auch ihn genuT anf seinen Zugeu 
mit hatte , und oft reichlich beschenkte. Am Hofe Kaiser Karl V. 
und Ferdinands I. stand Wilhelm Senssenhefer Cf 15473 
In grossem Ansehen, Die Monarchen Hessen prachtvolle Harnische 
durch ihn verfertigen, wozu die Goldarbeit von Angsburger - Gold- 
schmieden gemacht wurde, und die Vermuthung Btbttbns d. J. 
dass mehrere Rüstungen des kaiserlichen Zeughau- 
hauses von Ihm gearbeitet worden, hat viel Wahr- 
scheinliches. Der berühmteste dieser Künstler in Deutschlaiul war 



10t DBR KAISEA6AAL. 

voHkonmeu geschobenen Vorderflflgeu, und stetfeu Hlulerfltlgeii ; 
die Handschuhe gefingert 5 der Rllsthaken zum Aufschlagen | tie- 
Uf Gamsbanch (H&ugebanch); die Schosse lang| lange tTnter* 
dlecfaliugt; Hinterschenkel und Kniekehlen offen $ die Beliirdb-^ 
reu mit KnSchelreifen. Die Fnssspitzen breitkolbig; die Fersen 
offen Cohne Sporen). Der ganze Harnisch, von schöner Arbeit, Cin 
den Verzierungen erblickt mau häufig die laudsknechtiscbe Tracht 
der Figuren, wie selbe in FaoNflPUiOBB^a Kriegsrechteu , Aufl. v. 
lM5y Holzschnitte von Jost Amman, häufig erscheinet) dfirfte 
in der zweiten Hälfte des XYI. Jahrh. geschlagen worden sein. 
Der dabei befindliche Degen, dessen Knopf und Kreuz versilbert, 
ist nicht von Bedeutung. Eine schärfere Untersuchung zeiget, dass 
die Verfertigung dieser Haniischverzierungen , und jener an 
Corvins (angeblichem) Harnische CVr, 941«) ungefähr in dieselbe 
Zeit fallen. — Die zu diesem Harnische gehärige Brechstheibe 
von gleich schöner Arbeit mit denselben aufgeschlagenen Silber- 
perlen , hänget hinter Alexander Faruese's Harnisch. 



Destderias Kollmsnn, Helmsehmled Gelber. HIB, lebte 
nocii 153S}. Er hatte für den spanischen Prinzen Filipp einige 
Stücke zu einem Harnisch zu machen, wefär ihm 600 Kronen 
ausgezahlt wurden. — Der königlichen Pracht der Hustungen im 
XVI. Jahrh. entsprach auch ein füx damalige Zeiten ungeheurer 
Preis. So stehet im königUehen Zwinger zu Dresden eine Rüstung 
für Mann und Hess, im Stahl gearbeitet und sehr reich vengoldet, 
werauf die Tlmten des Herkules vorgestellt sind, urelche in Augs- 
burg (vermuthlich von Kollmann} für den Chuifursten Chri- 
stian I. verfertiget worden, der dafür nach KiyssLu 14000 Tha- 
ler bezahlt hat. CKbtsslbrs Reisen II. ThI. S. i08S ; dagegen An- 
TOiv WzcK (Beschreibung der Stadt Dresden) nur 10000 Thlr., an- 
gibt, jedenfalls ein hoher Preis. Bei meiner Anwesenheit in Dres- 
den überzeugte ich mich von der hohen Sohftnheit dieses Kunst- 
werks, dessen Anblick einen unausIAsehliehen Eindruck hinter- 
liUMt. — CUmstAndl. Beschr. in QuAzmT*s histor. Mus. Dresd. 1834. 
p. lOi. u. uMtnr Nr. 8160 In dem kaiserlichen Lustschlosse La- 
xenburg nächst Wien zeigt man In der Waffenkammer der Rit- 
terburg den vonständigen Prunkhamisch des österreichischen Erz- 
herzogs Albreeht (Albrecht VII. des Kais. Max. II. siebenter Sohn, 
um 1696 Oberstatthalter der Niederlande^, welche i4060 ttrabaii- 
tergnlden gekostet hat. (Scumidl. Wiens Umg. IF. B. 150.) 

Die Kunst, erhabene Arbeiten In Eisen mittelst Hammer und 
Punze u. a. W. zu treiben, ist mit dem Verschwinden der Platt- 
ner in Abnahme gekommen, und gegenwärtig beinahe ganzlich 
verloren gegangen. 



DEli KAI8BRSAAL. lOl 

193. a) ^4(tiiar3rnber0 ^ iRarl y^pUtpp^ Jfixfi, wn, 
katferlid) ifittxtldixfditx Itlimavfdinti, (gebor. 1771, 

g«8torb. 1890, im 49* Lebensjahre). JBäaxfd)aHt^ft(ih, Vit- 

ntval$\)nt ttn) Wt^tn mit IPesenbatib. jDabet «uf^rere 
grßidiU (IDrbensperne. 

S&mmtlidie Stftcke in einem CHaaschraBk« aufbewalkrt; Die 
yoriiandenen Ordeuazeicheu sind, von der Linken Mr ReoMen 
schreitend 9 folg^eude : Cracbat des rothen preosslsclien Adlerer- 
dens; des schwarzen preussischeu Adlerordens; des rassischen 
St. Andreas-Ordens ; des russischen SU Georgs-Ordeus ; des pie- 
montesischeu d. St. Aunonciade ; des Osterreich ischen Maria The- 
resienordeus; des Ssterr. St. Stephausordeiis ; das Band deis golr 
denen Vliesses; das Österr. g^oldeue SÜIitftr-Ehreiikreuz ; Crachat 
des bairischen St. Hubertns-^Ordens; d!es bair. Maximilian-Joseph'» 
Ordens ; des sächsischen Ranteukron - Ordens ; des engHschen 
Bath-Ordeus; das Band der fi-anzftsischen Khrenlegion; Cracbat 
des französischen Heiligengeist-Ordens. Bs ist erslchtlieh^ dfm$ 
hier mehrere Orden fehlen, da dem verewigten Ffirsten, vier- 
n n d z wa u z i g Ehrenzeichen verliehen worden sind, j&rwfthnung 
verdient das obeubemerkte Armeekreuz , welches der Fürst , als 
besondere Auszeichnung er der Einzige, von Oolde erhielt. 
Es ist grösser als die gewöhnlichen Armeekreuze gearbeitet, und 
wurde vou dem berühmten Feldherrn nur bei besonderen Feier- 
lichkeiten getragen; gewöhnlich bediente er sich desjenigeU| 
das schon unter Nr. 149 *) besprochen worden ist. 

Auf schöuem Sammtkissen ruhen die zwei prachtvollen 
grossen übergoldeten Schlfissel der Stadt Lyon in einem 0las- 
schranke. Den Griff des Einen bilden zwei Delphine, die sich am 
Bohr , gleichwie au einem Merknrstabe umschlingen. Den Griff 
des Zweiten ziert ein Löwe ; auf dem Schliisselbarte liest man : 
Code dvile. Die in Metall gegrabene Aufl^rift des Glasschraii- 
kes erspart weitere Erklärung: 

%%t «Mut Vta\tHt • ^tu Stallet %ta«^ \^% ttt^tu 
i»eu ^t^ttttl^ , %bttt&a>m ^W^t <Sd)\^^t\ ^tx Sta^t %ieu 

^otnbut^i tee\d)tY aU Q^ommauHtteuHt >tt ^^^atmtt 



104 DKB KAISBR8AAL. 

Mau vergleiche fiber dies Kreigniss : N* Clbbjion Uisioire 
de LioHy Pmr, 1829—1885. 4 VoU 8. — Ober diesen Sehlfisiselii 
achwebt au eiuer Säule : 

193. e) tftne 0t0^e iftttttiil^xfiit lal^ntan^ Ux 3ett 

Jtaifet üatlü VI. sie ist von gelbem Taift mit dem 
grossen kaiserlichen Adler geschmückt; auf dessen Brust: C.VI. 
SU lesen , und wurde von dem Krakauer Insassen Beätrich Jalo^ 
wuuMi zun Zeieheu seiner AnhAuglichkeit au den k. k. Merrei« 
chtaehOB Hof tborlasseu« 

194. tfeotj Ca^rbta; Inxft wn SUhmxtn, (genannt 

Iskander — beg, gebor. 1403 y Fürst seit 1443 , ge- 
Btorb. 1466 , im 63. Lebensjahre y im 23. der Regierung.) 

^albtx Jfixnnk\)axnxfäi mit offtntx SStnxm\)mht fammt 
einer fcfymxm Unnitl, wn $lexc^ fcffintx Jltbeit; 
r((toar>er <£ifengrtini , mit j^iiener nn> fllberner Cm- 
e^ietarbeit nfcerbeikt ) bobei ein fel^merer ffcof^tx SSa^ 
bei i"). 

B. F. W. F. Dieser herrliche halbe Pruukharuisch, einer der 
schönsten dieser Sammlung^ verdient genaue Beschreibung. Je* 
denAüls ist er weit jünger, als Scauderbeg^ und fHihesteus an- 
gesetzt^ im letzten Viertel des XVI. Jahrhunderts, allein wahr- 
scheinlich noch weit später verfertiget. Die offene Sturmhaube, 
mit hohem Kamme hat zwei Backen und jene Form ^ die zur Zeit 
Ferdinands II. von Tyrol (des Stifters) üblich war. Der gescho- 
bene Hals , der von der Brust aufsteigt , ist (da der echte felilt) 
einfach ergänzt worden. Die Achseln sind offen, mit geschobenen 



u') Von diesem Helden findet man: 

*Zu WIEN in der KAISBRL. AMBRASER-SAMMLUNG: 

Bine weisse Sturmhaube mit eiserner Stirnbinde, worauf 

die Schrift: imupttatoubU Auf der Sturmhaube ein Bocks- 
kopf von vergoldetem Kupfer. Dabei ein Schwert; Kreua 
und Knopf von schwarzem Eisen; auf der geraden Klinge 
türkische eingeschlagene Buchstaben (Primissea 69. n. i5t), 
die «her ohne Sinn und blosse Nachahmung sind. — Helm 
aweifelhaft, Schwert unterschoben. (KoBULBRTab. 16.} Keyss- 
LSR, der dies Schwert i. J. 1799 in der Ambraser-Sammlung 
nächst Insprugg betrachtete, machte schon die Bemerkung 
„man «eigt aber auch dies Schwert zu Venedig!^^ 
KBTssLnk*s Reisen 4. 1V40. I. p. 33.3 



DBR KAISBHSAAL. IM 

Vorder- uud Hkiterflö^feu, ohiie Brechraiid^ die . Armheugeii eben* 
falls offen; die Haudschulie^ gefingert, ^le Brivit trägt keiueo 
Büsthakei;« Au dem tiefen Bauche sitzen kurse, aber fiberane 
breite Schösselji, stark au die Neige des XYI. /ahrb. genalHiend. 
DiechUuge mit Kuieeu scheiueu uicbt dasu geschlagen worden au 
sein ; die Uuterbeine der Figur stecken daher in schwarze« ha» 
beu Stiefeln. — — Die schwere BaudeU etwas gewdlbt, in eine« 
Mittelstachel auslaufend, uud mit . aoageseichnet sph^kier Arbaii 
überdeckt, ist gut erhalten, mit schwt^ran himoelblauen flam m t 
gefuttert , und mitgoldenen Bdrtlein besetzt. Rnndellen von glei- 
cher Gestalt trugen 1. J. 1A80 die Bilrgertruppen Antwerpens and 
zwar: der Capfteifnef ^^r LieuienwU anä die GenHU^k^mmes de im 
CompagtUe "')• Auf dem sehwanen Biseugmude des Hamiscbea 
und der Buudell zeigt sich theils goldene thells silberne Tan8«hler- 
arbeit mit solcher Zartheit und meisterlichen Veilendimg angebracbl, 
dass diese ausgezeichnete anbei tref flioh erhalte- 
ne Rfistuug in ganz Europa wenige ihres Gleichen treffen 
dürfte. Bitte fthnliche, obgleich minder schdne Arbeit weiset auch der 
Harnisch Nr* 948, angeblich jener Baiser Albreohts IL» welchen 
wir spAter besprechen werden. — Noch befindet sieh hierbei ein 
schwerer Säbel, au dessen Klinge man eine verstärkte zwei-» 
schneidige obere Schwäche , and an dar Handselte eine türkische 
Schrift bemerkt, welche so wie der einfache Holzgriff und dessen 
eisernes eiuflEiches Kreuz (Parirstange) sich als nachgemacht 
darstellen. Staunend horcht der Österreichische John-BuU der Br- 
Zählung des Führers: „Der riesige Albanier habe damit eines 
Streiches einen Ochsen geköpft.'^ — Bin ähnliches Schwert Ca- 
striota's in dieser Sammlung, wurde schon nuter Nr. 40 beschrieben. 
Nicht zu übersehen sind jene zwei Brechscheibe u, 
welche wir an der Wand hinter Castriota befestiget erblicken. 
Beide von gleich schfiuer Arbeit , aus Stahl getrieben und mit 



"0 Bie beiden ersten hatten zu diesem Behafe eigene Burschen mit 
reichbebusehten Beckelhasben geschmückt, die ihnen veiirateny am 
ihnen den prachtvollen Schild vorzutragen ; dagegen die Qentüs kom- 
mes de ia Compagnie letztern selber am linken Arme führten. Vergl. 
das seltene Costumeweric des Abr. Brüyn; Ommtoit fere gentium 
imagines. Fol. St. et ss. J^ee armes et hahit% des Bourgegi» <!' An- 
uers. 1580. — Obgleich Bürgermiliz, kann ihre Tracht dennoch, als voll- 
kommen mit Jener der regelmässigen Truppen übereinstimmend , hier 
zum Beispiele dienen. 



106 DBR KAISBRSAAL. 

Aetsnaff vertiert , eiitbäKen iu der wiederholten Darstellung den 
isterreichlschen Wapf^Msehlld CvH den ftkuf Adlern)» Sie gehö- 
ren sum Hamieche Nr. 168 Cangebllch Friderich III.)« Es verdient 
blebel Krwähnang , dass die Plattner j wenn sie einen Harnisch 
ven besonders flelssl^er and seUluer Arbelt an irgend einen gros- 
sen Merrtti lieferten ^ denselben auch mit vielen Bequemlichkeiten, 
Doppelstttcken , ScUftangen , Wecbselstlldten n* s. w« versahen. 
DIeee ganae Folgerelbe von • snsammeugehörlgeu Stücken (was 
bevtantage j^voIlsCändlge Gamltur^^ belsst) umfasste, wie wir 
nodi heute aus einer, mit höchster Genauigkeit für Srsherzog 
Ferdinand II. den Stifter der Ambraser-Sammlnng gezeichneten, 
und Ibm selber gehdrigen Rflstung ersehen (Ambraser-Sammlung, 
Folioband Nr. 195* H* 4.) über vlersig Stftcke, die alle auf 
glelebe Welse gearbeitet, getrieben, geätzet, vergoldet n* s. w. wur- 
den« — Zu einer selchen Garnitur eines Harnisches , gehörten In 
der Rbgel auch zwei bis drei gleichgearbeitete Brechschelben. 

195. 3^tpk ^^^i^^i^M Jntfk wn fttclfUnflitin, half. 
kSn. ^emtal-Itlimatfc^iJL ß (gebor. 1696, seit 

1745 6enelral->Feldmarsehal^and commandirender General in 
Italien, gestorb. 1779, im 76. Lebensjahre}. JÜatmot- 

nen JUtnkmai mit Us iÜt|ten jB^iIße att0 ^t&ckgttt 

Auf breitgedehoten Marmorstufen ruhet ein verh&It* 
Biasmfisaig hohes ^ reich mit Bäronze verziertes Mittelstück, 
das die metallene Büste des Fürsten tr&£t , damnter sein 
Wappen mit dem Fürstenhnte. Die ziemlich gedehnte Auf- 
schrift des Steinwürfels, aus derben Metallbuchstaben, 
lautet : 

IMP. FRANCI8CUS ET M. THERESIA. 

PII FELICES AVGG. PATRES PATRIAE 

8C1ENTIARVM ARTIVMQ* FAVTORES 

IVSTI MERITORUM ARBITRI 
VIRI TOGA ET SA^ßO AEQUE MAGNI 

JOSEPHI ^"EXCESLAI 

8. R. I. PRINCIPIS DE LICHTEXSTEIN 

OPPAVIAE ET CARXOVIAE DVCIS IN SILE81A 

AVR. VELL. EQ. 
SS. CAES. MAJEST. CONSILIAR. ACT. INT. 



DBR KAISfiASAAIi. Itt 

CASTROR. TRIBUNI 

8UPREMI VTRIVSQ. REI ARM AMBNT. MODERAT. 

LEGION. DIMACHOR. PRAEF. 

VIRTVTI RELIGIONI FIDELITATI PATRIAE 

AMORI AC IN REI. ARMAMENT. INYENTIS. 

RESTAVRANDIS PROMOVEND. AVGENDISQ. 

INDVSTRIAE INDEFBSSOQ. LABORI HOC 

MONVMENTVM PVBLICVM PONI JVSSERVNT. 

Eine Jahresssahl enthält dieses Monument keines- 
wegs — und jene, welehe Inder bekannten Biogra- 
phie des Fürsten der obigen Inschrift beigedrackt 
wnrde (MDCCLVIIIO bleibt blosse V^mmthnng. Am bei* 
den Seiten der Büste and auf den Stufen erbliekt man ' in 
malerischer Anordnung acht Fahnen, drei Sehilde, ein 
Paar Pauken, einen offenen Helm im Geschmacke der Cin- 
quecentisten verziert, und 6 grosse, .schön gearbeitete 
Kanonenrohre , wovon vier auf Laifeten ruhen ^ nigwwtU- 
che Gegenstände aus Stückgut; — mit den geniMiiiteaE 
Waifen im bunten Gemische mehrere echte Wehren« 
Liechtensteins grosse Verdienste um Tierreichs Ar-» 
tillerie fanden bei seinen Zieitgenossen gerechte Würdigung | 
wesshaib auch Friderich II* von Preussen ihn mehrmals 
difentlich rühmte. Wie Ihre Majestät die Kaiserin Maarift 
Theresia aus gleicher Anerkennung dem Fürsten da» b6 
eben besprochene Denkmal errichteten, und wie det Fürst 
für diene Huld seinen werkthätigen Dank beMfies, wurdf 
bereits oben CNr. 183) erwähnt. 

B.F.W. F. Etwas wirket bei diesem Denkmale, deaBltck 
des Künstlers verwuudeud, das aestbetische Gefühl beleidigend — ' 
wir meiueu die MischuiijB^ der Broiizetropäen mit wirklicbeii 
Waffen. Da erblicken wir denn rückwärts drei Fahnen ans schwe- 
rer Bronze nnd gleich darneben ein modernes Fusiliergewehr als 
ob dem nächsten Exercierplatz entnommen^ echte Schwertklingeu, 
Karzgewelire und dergleichen; hart darneben wieder eine Bronze- 
Fahne^ die hölzernen Laffeten zu erdrücken drohen^» weiche 
letztere unter der Last der allzugrossen Röhre seafzend, eiu,,vor- 
wichtiges^' Ausehen gewinueu« Auf zwei Bronzepaaken ruhet ein 



Iti DSB KA1SVR9AAL; 

nov-antlk gefbrarter BromeMni) duroyter wieder ebi echter 
Degen 4e0 XVI. Jahrh» Cmit der Jahreezahl IftM) a. a. w. Per 
Attordaer handelte hier gleich dem Koryphäen, der ein tabieau «/- 
9€uU auf seine Bühne stellend, lebende Gestalten mit manequins 
und Statuen untermischte; — die SchOpfangen der Kunst dulden 
nicht Leben In ihrer Nähe; — dalden wir's aber, dass letzteres 
sie umschHngty dann schlagen wir selber der Plastik die empfind- 
lichste Wände s alegrilch behaiiftet dann die Natur ihre Rechte, 
und die beechämtra Bildnisse starren uns an , gleich geschminkt 
ten Leichen» — Der obenerwähnte schdne Degen, verdient Be- 
schreibung. Auf der einfachen xweischueidigen Klinge ist in 
der Blutrinne beiderseits : IN VALKNCIA zn lesen* Aufo pracht- 
vollste tsl dagegen mit kunstreicher Gold- und Silber- Tausia 
auf schwarzem Stahlgmude das Gefftss geschmüpket. An der Ans- 
senseite enthält der Knop/: das XTrtbeU des Paris, der Griff; 
den Hilden ,,HBCTOR^^ im rdmlschen Costume, n. d. J. Z. 1555; 
der untere Parirring: ein grosses Reitergefecht m* d. W. 
RAPTUS HELENE ; derobereParirring: Troja's Belagerung, 
das mit Kanohen beschossen wird, undd. W*: TROOE INC. 
imdMmynnd auf dem Ansätze der Klinge: AUGVSTINVS BOKL 
MBI AVTHQR SST 1555. An der Innenseite, am Knopf : 
die Stadt Trflja und davor das Trojanische Pferd, als Tumier- 
ganl gerfistet; auf dem Griff den Helden: „ACHILLSS.^^ 

196—197. JBmti ftunjSftfdie JlMer. Za betaen Seiten 
des besprochenen JMonnmeutes. Auf schwarzer Stange der 
einkdpfige Adler aus vergoldeter Bronze. Auf den Fusstftcken die 
Nummern: M und 106. Ohne weitere Verzierung; das gewöhn- 
liche Feldseichen der ßrauzOsischen Infanterie. 

198. SiUtavlbtv Jaxntft, ^tt^oi wn Jfiatma, fgehot. 
1544 , gestorb. 1592.) Vbanyx Ited^tet ^nvnux^aV' 
n\fif 3tim inülfd^en Ißtfitd) , mit geölten ttn> i^trQolU- 
Un SSMäitn, Hhtl eine xot^t Handelt mit f4(arfer ^)it^e 
iin* ein fpanxfäitt jPeaen "3)^ 



'"3 Von dleHem Herzoge zeiget man : 

SU WIEN in der KAISERLICHEN AMBRASER-SAMMLUM6 : 
1) Einen schwarzen schussfrelen FeldliariiiHch ohne BeinHcbieneii 

Fbimiss. Kat. Nr. 108. 
f) Ebendaselbst, eine voliHtaiidige Prunkrustung mit TauHchierar- 



^D:BR KAISBR8AAL. IfNI 

B.F.W*F« Der blanke vellflitftiidijpe Harnisch tot dvrcii 
gvälBte nad theil weise vergoldete Streifbii verziert. 9er Bonrgai«- 
iiot aiit hohen Kaam ans vier StOekeii bestehend, nit L ul l g e h ar . 
Die Stirne besitzt ein Doppetotüok; Hber den geschebenMi Hals 
schliesst , (wie bei allen Boargninots) gtn$M der Helm« Die l»f- 
feiiau Chalbeii) Achseln sind ohne Brechrand and haben nnr Hin- 
terflfige. Die Armbeageu ofCeu; Cau der Muschel der linken Arm- 
benge fehlt ein Doppelstfick.) Handschuhe gefingert | der Rllstha^ 
ken nicht znm Aufschlagen gerichtet. Oberhalb an der Brust sind 
6 Löcher angebracht, je zwei und zwel^ um einen (fehlenden) stei- 
fen Bart aufzuschrauben. Der Bauch , wenn auch nicht Hänge- 
bauch, dennoch tief gesenkt; unter den geschobenen Schossen 
werden ein Paar Unterdiechlinge sichtbar. Kniekehlen nnd Hlnter- 
schenker offen; Beinschienen mit Zapfen zn schliessen, ohneKnö- 
Ghelreifen. Die Fusspitzen behakt. Obwohl zum Hamisdi sicher- 
lich Sporen gehörten , fehlen dennoch an den Fersen Ütersn dl« 
Löcher* Der Harnisch dttrfte kurz nach Mitte des XYI« Jahrhun- 
derts gescUageu word^ sein, also nicht für den damaligen 
Knaben Alexander F. Die reihe Riindell mit galdnen ZieratiMn 
und fatochem Mittelstücke von blankem Stahl, gehört «taibar 
nicht zum Harnische, sondern ist orientalisches Machwerk* Ihrt 
Verzierungen erinnern etwas an Radzivils Harnisch in der k. k. 
Ambraser-Sammluug (Primiss. p. 60« u. 74*) Doch halten slb da- 
mit keinen Vergleich aus. — Des möhsam gearbeiteten Degens 
Knauf, BOgel und halber Haudkorb bilden eine zferiiche Kette 
von durchbrochener Kisenarbeit, das Heft mit Drahtgeflecht. Auf 
der (nachgemachten) Klinge von apanischcr Ffficm ist <n lesen : 

HernanTez. 

<» . , 

JOAN. MARTINI. 

199. a) €0Vi0ttio, Vtaf Jofep^ ^^^p kaifetlt4i ^^- 
xttdixfiin ^elbmarfd)aU ^ Cg«bor. 1736, gestorb. 

1818 , im 83. Le1»eDBjahreO ^filt i3tnttal$\)nt «lit 0rfi- 

nm It^ttbnfäi, fpanxf^tf^ Ho^t, 9t%tn mit IPt^en- 

banb (Port ^pee} nnb lir^ttejC jftlt|ipel ^alter Form.} 



arbeit, sammt blauer Caperation (mit Wasserturkisen ge- 
schmückt.) L.c. p. 49. Nr. 4. 
zu PARIS im MUSEE DE L'ARTILLERIE : 
3) Einen uiivollst&ndigen Harniscli, der ihm zugeschrieben wird. 
CXotice n. 55.) 



110 DKR KAlSEBSAATi/ 

Mmmtlldie Gegenstftnde ruhen auf einem scIiwaReu mit 
OoM verbrtaten Kissen, in einem Glasschranke. Demselben hoch» 
yti4ienten Feldherrn Österreichs wurde ein marmornes Denkmal 
in diesem aienghanse errichtet ^ welches wir in dem letzten Sftu» 
lenisau^e Cder vierten Seite dieses Gebäudes) betrachten werden. 

199* h) 9^tpvvttd)xfd)t la^ntnfianit )e0 Hegittientd 

« Al4)} nächst dem Harnische Alexander Farnese's; ein 
theures wertbvoUes Stück; denn es ist dieselbe, welche einer 
der grössten Helden Europa's : Karl Erzherzog zu Öster- 
reich dem Regimentezum Angriffe vertrug^ und diese herrliche 
Waffenthat zu bekannt in Österreichs Geschichte, um weiterer 
Elrzählnng zu bedürfen. — Die Fabneustange, mit vergoldeter 
Pikenspitze geziert, ist ohne Fahne, nur unterhalb mit einem 
Zetlel versehen, worauf die Worte : 

Zur Zier ist auf selber ein grosses, reichübergoldetes Wappen 
und zwei Tafflfahuen befestigt , mit des österreichischen Erzher» 
seogthnms Croth und weiss) and den kaiserlichen (gelb und schwarz) 
Nationalfarben. 

800. JBartmUiatt L Untfdttv ^aiftv , (gebor. 1459, 

Kaiser seit 1493, gestorb. 1519, im 60. Lehensjahre, 
im «6. der Regierung), (ßatlitx lUdfUv ^ntmtv^dxnifdi 

inm wUfäitn fßtfltti), mit geS^tm mi PtxnclbtUn 
SSMi^ni >akü m fpmif^tx 9tB^n mit ^attfcl^Ur- 



"0 ^^^ diesem Kaiser sind vorhanden-; 

zu WIEN in der KAIS. AMBRASER -SAMMLUNG: 
O Ein Hairniseh für Mann und Ross. Der Hamisth ein- 
ftieh mit vergoldeten Orten. Das ganze eiserne Oelieger, Cfiir 
das Ro8s3 ausgezeichnet durch Sch^*ere, Grösse und Form. 
M. vergt. die gen. Beschrbg. in Pbimissrr. p. 50. n. 5. 
' f) Ganzer lieehier Harnisch, an den Orten mit Messing 
verziert mit langen eisernen Schnabelschuhen CPmmissbr p. 5f . 
n. 5. KOhlbr Taf. IV. mit Veränderungen, daher die Frage 
entsteht, ob dieser Harnisch wirklich von Kais. Max I. her- 
rühre, oder vielleicht Alter sei? im Inventar von 1596 ist er 
nicht erwähnt. 
3} schwerer starker Turnierharnisch zum wftlschen Ge- 
Htech, dabei eine Ross-Stirne und ein schwerer Krönig (Pai- 



DBR KAISBASAAL. 111 

B.F«W*F« Dieser ganze vollst Audii^ Harnlseh, Mit ge« 
radelaufei|4®ii y vergoldeten Ätzstreifen verziert , wbnd fftflMMIch 
dem Kaiser Max I. zugeschrieben ; stanunt jedock^ zaf»lge der 



MissBR p. 58. n. 7., wo aber irrigerweiAe ein Harnisch zum 
deutschen Gestech angegeben i8t3. 

4J) Des Kaisers deutsche Armbrust. Auf dem schweren reich 
übergoldeten Stahibogen steht mit grossen, prachtvoll geilsten 
Buchstaben viermal seinWahls^ntch: HALT. MAS.; awischea 
diesen ist der kaiserliche Adler angebracht und zwar achtoul; 
auf der braunen Säule noch dreimal derselbe Wahlspruch. 
Eiserner Stegreif — eiserne Anker — die beinerne Nuss schwebt 
frei im Nussbrunnen — die deutsche Winde l^hlt. Sehnenlftn-* 
ge ag'S SAulenlänge 8f , Sehnenweite 4", Spannweite 6*//^ 
Calso ein Bolz iSX'^ Wienermass). 
nächst WIEN in dem KAISERLICHKN LUSTSCHLQSSS SU I^AXXN« 
BURG: 

5) Ein ganzer Harnisch. Weidmann Ausfl. p. 841. . 

6} Jagdhorn von Elfenbein, zierliche Arbeit, das Mundstück 

« in dessen Mitte (?) l.c.346.SrHMiDL. Wiens Umgeb. 11. p. 159. 

1) Jagdsessel eigenhändig vom Kaiser aus Elendsgeweihea 
verfertiget. 

SJ Dessen Jagilarmbrust. 

9} Dessen Ring, ein Karneol mit türkischen Schriftzfigen, in 
einfacher Goldfossung; an der Hand der kafserliehen I^i^ha 
1768 gefunden. Schmidl. Wiens Umg.II* P« 160, 
109 Kin Krystall-Medaillon, 4'' hoch, »''breit, däsKais. 
Max zum Andenken an sein Abentheuer auf der Martinswand 
verfertigen Hess, und immer in seinem Schlafgemaehe bewahr* 
te. Genaue Beschreibung dieses ausgezeichneten Kunstwfurks 
in Schmidl Wiens Umg. II* p. 161, doppelt anziehend in .ge;-' 
genwärtigem Zeitpunkte, in welcljßm die Htsiortker diesen gan^ 
zen Vorfall zu bezweifeln anfangen. In der tkat stehet desse* 
Vertheidigung auf schwachen Füssen, und mit der ältestem 
Auflage des Theuerdanks reicht man nicht aus, Vergl. Tewr- 
dannckh'v. 1517, Fig. XX. Halt aus Theuerdank Elnl. p. 104. 
u. Ged. p. S8. HoRMAYR's Archiv 18« 1—8. Anastas. Gb^ 
letztem Ritter. München 1830. 4. Anmerk. S. f 04, und f 05. 
im ERBACHER RITTERSAALE im ^denwalde : 

11} Ganzer liechter gerippter (gereifter) Harnisch mit geschlos- 
senem Helme ; aus dem Zeughause zu Nürnberg , wohin ihn der 
Kaiser geschenkt (abgeb. Knsss. Tab. 13."), der Helm scheint 
einer jüngeren Zeit anzugehören, auch dürfte der Harnisch nicht 
von diesem Kaiser herrühren, zufolge der schon bei Kaiser 
Friderich IV. gemachten Remerkung, dass die schönen Har- 
nische, welche Fürsten zu Geschenk sandten, nicht immer ihre 
Leibbarnische gewesen waren. 



11t DER KAISERS AAL. 

nmf dMü Bniflsilicke eltigolteteii Kette des g^oldetien VUesses wahr- 
floMnllch VOM einem ffslerreIckischeH FOrsten. Der Heim mit ho- 
he» Kamm, besteht a»s vier Stücken. Die gerade aaftitelgetide 
Visirwaud ist nur rechts gelocht , die Stirne trftgt ein Doppel- 
stück ***)) der Hals offen mit geschobenen Reifen, die Achseln mit 
Vorder- und Hinterflügen^ ohne Brechrand CStosskragen)^ der rechte 
Vorflug wegen besserem Lauseneinlegen schm&ler , die Armbeu- 
geu«fl(Bu; derliiike F&nstling liat eine steife Hand, und ist nur 
ans zwei Stficken geschoben^ der rechte Handschuh gefingert, 
an der Brust die zwei Löcher fü{ den fehlenden Rfisthaken un- 
passend vermacht. Der Bauch nicht sonderlich tief; unter den 
kurzen Schossen liegen halbe CUnter-) Diechliuge; die Hinter- 
scheu kel sind „plos^S die Kniekehlen offen, die Beinachienen mit 
Häkchen «i schliessen , und an den Knödwln gesckoben (mit 
KiiCchdireifen) die Fasspitzen kolbig. Die'ser Taniierhamisch mag 
zwischen 1550 — 1560 geschlagen worden sein. — Der halbe „Maul- 
korb'^ (Handkorb) des spanischen Degens ist mit gehauener Slsen- 
arbeit und aufgeschlagener SUbertausia geschmfickt. Die D|gen- 
kliuge iplt breitem hoklgeschliff eueu Rficken, imd an 
der Spitze zweischneidig, besitzt einen Ausatz (hart am Gefftss) 
der mit €k)ld- und Silber-Tausia verziert ist. 

tOl. jfldri y. UntfiJ^tX jßatfer^ (als König von Spa- 
nien Karl L ; ^ebor. 1500, trat 1599 Oesterreich an 
Ferdinand L ab, entsagte der Kaiser- nnd Königskrone 
1556, und starb 1558 im 58. Lebensjahre, im 42. der Re- 

gierattg.> (Soitjer litil^Ut Jßxnnktfatnifdf p an itn (EDrtm 
mit ret4 vtx^otbtUn ^trtd^en ge^tert^ weidet föfSn 0e- 
axbtittU .$«i|(iiU^t fragen; ixt luöftt Vtitt^ell wn 
0(ei4) f^intx Sixbtit, iabd Utf fia%ftx$ Sf^txt ii«)* 



"O Stirndoppelstucke sind nicht selten, und älter, als man glau- 
ben sollte. So hat der schwere Stechhamisch Kaisers Max I. in 
d. Ambr. Smig. CPi^imiss. a. 7.) und auch Sonnenbergs C^st. 
1511, PRinnss. n. 80.) Harnisch auf der Stirne ein Doppelstuclc, 
desgleichen der merKwurdige Helm König Ferdinand des Ka- 
tholischen von Arragonien; gest. 1516, CPRIMI*s. Hr. 34.} der noch 
ülierdieM Jene Genicicsche ihe trügt, deren Bestimmung 
noch kein Alterthumsforscher entrathselt hati 

"') Mehrere Residenzstädte Europa's haben Überreste des Kriegs- und 
Hausgeräths Jenes grossen Monarchen anzuweisen. Es werden 
geaeigt: 



DBB KAI8BRSAAL. US 

Harnisch und ScMld von ausgexeicbneter 6oh9nbeit, 
Sie sind blank y und am Rande mit breiten , erhaben und 
darcbbrochen gearbeiteten Lanbwerl^en und Figuren ge- 
ziert ^ welche stark vergoldet sind* Harnische der Art 
kommen höchst selten von 



Zu Wn&N in der KAISERLICHEN AUBRASSR-SAMMLUNG : 

OfiinHarnIsch ohne Helm tarn seiner Jugendaeit. (Pauusflia 
p. 5S. n. 8. fehlt in KOhi«]».} 

t) Einfacher weisser Harnisch aus seiner Jagendxeit O* ^« 
p. 5«3, n. 10. fehlt in KObler.} 

3} Halber vollständiger Manns-Harnisch, weiss ^ mii 
geäUten und vergoldeten Strichen; auf der Brust die heilige 
Jungfrau mit dem Kinde ; auf dem Rucken die heil. Barbara. 
Pmmiss. p. 68. n. 9. KOhlbb Tab. V. Der geschlossene Helm 
mit abschlAchtigem Visir. 

4—53 Zwei spanische Armbrüste, welche wahrscheinlich 
für diesen Kaiser , als er noch Er»her|og war, verfertiget wor- 
den sind. CInv. Nr. 3S et 34.) 

6) Des Kaisers herrliche , mit Elfenbein eingelegte deutsche 
Armbrust, von Albrecht Düre r gravirt, mitdes Künst- 
lers Monogramm und d. Jahrss. löSt. Karl V. erhielt sonach 
das Geschoss in seinem Sl. Jahre; auch sieht man darauf sei- 
nen Wahlspruch: PLVS VLTRA. CPiUMiss. p. 939. n. t.) 

73 ,j:in spanisch Rapier** Kreuz, Knopf und Ortband aus 
emaillirtem Golde. Primisseh, der diesen Prachtdegen beschreibt, 
Q. c. p. SSI. n. 6.3 nennet Ihn den Triumph der Goldschmie- 
dekunsl und erblicket daran Cellin i's Meisterhand. 

83 Ein Degen, worauf das Jahr der Verfertigung O6S03 der 
Eigenthümer, CCAROLUS ROM. IMP.3 und der Verfertiger 
CAMBnos. GsMUcn. de Monaco.3 genannt. Auf der Klinge viele 
Schriften eingegraben. Die untere Hälfte der Klinge enthAU 
den ganzen Kalender, auf Jeder Seite sechs Monate — die 
Sonn- und Fest-Tage mit goldenen Lettern — eine ausgezeich- 
nete Arbeit. CUmständl. Beschreib. 1. c. p. 837 u. IQl 

93 Ein Schild von auserlesenem Eisen, darauf die schönsten 
Figuren getrieben. In dpr Mitte ein Kampf zwischen zwei Hee- 
ren von Wilden ; daneben kleinere kriegerische Darstellungen , 
in den Zwischenräumen grössere Figuren gebundener Krieger. 
Die ganze Oberfläche des Schildes mit goldenen Zügen att os- 
ztmina nn4 erhobenen Löwenköpfen geziert. O* c. p. f 38 u. flr.3 
10)KUPa»rSt«lgbasel k von Btee« , mit goldenen 

10 Bin P.ar Sporen } zogen und Figuren IncrusUrt 

1«; Knopf «Imes Befelilslia- | »^ ,_, 

berstabs ; 

8 



114 DBB KAISEBfSAAL. 

B. F. W. F. Der Helm mit hohent Kaitim , besteht aus vier 
Stücken. Die senkrechte Yisirwand ist auf beiden Seiten gelocht; 
der offene Hals ist geschoben. Die geschobenen , halben (offenen) 
Achseln sind ohne Brechrand, und besitzen nur Hinterflüge, slatt 



Zu DBE8DEN im KÖNIGLICHEN MUSEUM : 

133 £iu Kelchglas, dessen sich der Kaiser bedient haben soll ; 
darauf sein Bildniss und die Jahreszahl 1538 ; beide wohl spä* 
ter darauf gemacht (Quandt. p. 47. n. 36.) 
Zu DBEf^DEN in der KÖNIGLICHEN POHZELLAN-SAMMLUNG : 

143 Sechs Speiseteller mit dem österreichisch - spanischen 
Kaiserwappen und dem Doppelbuchstaben C ; am Bande wie an 
den Seiten mit Blumen und Fruchtranken geziert , welche Kai - 
ser Karl V. Cangeblich für den Kurfürsten Moritz von Sachsen) 
in China selber verfertigen Hess CB.Klrmm. kdnigl. s&chs.Por- 
zell.* Samml. 1834 p. 94.3 — Eben so selten als anziehend , 
und , nach meinem Dafürhalten , echt chinesische Arbeit I 
Zu LAXENBVB« dem KAISEBLICHEN LUSTSCHLOSSE n&chst der 
BesidenzRtadt Wien ; 

153 Elu weisser Sturmhut aus dem Arsenale zu Gent. 
(SCHMIDL. Wiens Umgeb. II. 162.3 

163 Ein Helm kunstreich getrieben, Scenenans der Aeneide vor- 
stellend; ein Meisterwerk. OVBmMAMN. Wiens Umgeb. 34 t. 
SCHMIDL. Wiens Umg. II. 152.3 

173 Bin steinerner Trinkbecher; auf der Aussenseite des 
Deckels In Metall gearbeitet das sehr ähnliche Bildniss des Kai- 
sers ; auf dessen innerer Seite das spanische Wappen. (Weid- 
mann. 1. c. p. 345. SciiMiDL 1. c. II. 160.3 

183 Her sogenannte Laternenschild (?3 schoji von Schmidl 
1. c. n. 152. bezweifelt. Derlei Schilde besitzt auch drei die 
Waffensammlung des Bar. Dietrich zu Feistritz, (nächst Neun- 
kirchen, Erzherzogth. Osterreich V.U. W. W.3 , einen die 
Waffensammlung des Königs Karl von Sardinien zu Turin (Vitt. 
Srtsskl. Armeria dl S.M. Carlo Alberto. Turin. 1840. Nr. 453, 
pag. 1 84 ; der ihn einem schottischen Clan zuschreibt3 , und 
einen die Sammlung der deutschen Gesellschaft zu Leipzig 
(ahgeb. im Bericht dieses gel. Vereins für 1828. Taf. IV. Fig. 
28. beschr' p. 62.3 Die Eigenheit dieser Schilde besteht haupt- 
• sächlich in den langen starken Eisenstacheln , die sich an der 
Elbogengegend und an der Hand befinden. Sie gehftrten of- 
fenbar weder zum Turniere noch zur Jagd , sondern zum Fuss- 
kampfe gegen den Feind : wobei man noch einen halben Har- 
nisch (bis ans Knie3 und ein Schwert führte. Ihr Gebrauch 
fällt in die Neige des XVI. und den Anfang des XVII. Jahrh. 
Zu MADRID in der ABMERIA REAL: 

lä^ Ein Degen (epee au mascaroiOi ein Meisterstuck von Cise- 
lirarbeitvon Benvenuto Cellini. (Jumnal. Tom. I. Tab. 8.3 



^ 



DER KAI8ERSAAL* 115 

der Vorderiiage aber Acbflelscheibeii , die Armbeugen offSeu , die 
Haudscbube gefingert; um die Bruet l&aft oberhalb die Kette des 
goldeuen Vliessea , aus starlt vergoldeter Bronze erhaben gear» 
beitet; wie denn auch s&mmtliche Orte des Harnisches and Schil'» 



803 £ine Rundell mit vier Medaillons CKämpfeder Lapithenund 
Centauren, und Vorstellungen aus der römischen Geschichte ent^ 
haltend , umgeben von breitem Rande worauf eine reiche Zahl 
von Flussgöttem}. £in Prachtstück von ausserordentlich schöner 
Arbeit, beinahe ganas fibergoldet ; von Benvennto Cellini 
clsellrt , offenbar der schönste Schild dieser königlichen Sanun- 
luug. — Kaiser Karl V., obwohl freiwillig den Thron mit der 
Kutte vertauschend , behielt seine Liebe für schöne WalTen, bis 
an seinen Tod^ Nach des Kaisers Dahinscheiden fand man 
zu St. Just in Estremadura,seinemfreiwilligen 
ExM, In der von ihm angelegten Sammlung schön 
gearbeiteter Waffen: Siebsehn Harnische die 
s&mmtlich ihm gehörten. Ovbvul, Armeria real. I. p. 
11.) Des Schiides böchstgelungene Abbildung s. m. 1. c. 1. 
Vol. Planche it. 

f I) Kaiser Karl V. Fahne. Jubinal. Vol. T. pl. 17. 

92} Die schöne Rundetl mil^dem Löwenkopf. JACOBUS 
PHILIPPVS NEenOLVS MEDIOLANENSIS FACIEBAT. 
M.V.XXXin. Csic, fürUDXXXIU. 4^geb. Juknal. To. I. p. t«.) 

993 Die Rundeir mit dem Medusenhaupt; einesehrschö- 
ne Arbeit: IS TREMOR QUOD VIRTVS ANIMO ET FORTVNA 
PARET. Abgeb. 1. c. To. I. pl. 97, 

S43 Ein Degen von wahrhaft prachtvoller königlicher Form. lu- 
srbrift der Klinge; erste Seite: PRO FIDE ET PATRIA — 
PRO CHRISTO ET PATRIA — SOLI DEO GLORIA — IN- 
TER ARMA SILENT LEGES. Zweite Seite: PVGNARRO 
Cpugna pro) PATBIA — PRO ARIS ET FOCIS; — NEC 
TEMERE NEC TIMIDE; — FIDE SISß QVJ VIDE— Xbgeb. 
I. c. To. I. pl. 35. 

25) Ein E s p a d n mit schön geätzter Klinge und Aufschrift: PLVS 
VLTRA. Abgeb. 1. c. To. II. pl. 12 et pl. 15. 
* M") Des Kaisers Helm der einen menschlichen Kopf nachbildet 
Cdefect) und schwarz lederne S&nfte. Abgeb. 1. e. To. II. 
pl. 80. 

273 Ganzer Harnisch für Mann undRoss. Qn der königl. Armeria 
pranget der Kaiser hoch zu Ross; der Rossharnisch ist eine 
ausgezeichnete Plattuerarbeit. Einer Sage zufolge war der Re- 
gent damit an dem Tage bedeckt, an welchem er in Tu- 
nis einzog. Abgeb. 1. c. Fo. II. planche 41.} 
Zu GOODBICH- COURT in LLEVEUN MEYRICK^S weltberühm- 
ter PRIVAT-SAMMLUNG: 

283 Die prachtvolle Rundell mit den Waffenthaten des Kaisers — 

8* 



t16 DER KAISBRSAAL. 

des mit erkalten und durchbrochen gearbeiteten und reich vergol- 
deten Verzientngen gescbmfiAt sind; eine höchst mühsame kost- 
spielige lind seltene Arbeit. Die zwei Löcher des fehlenden Rilst- 
haken s sind vermacht; der Oamsbanch ziemlieh tief ; unter den 
geschobenen Schossen liegen halbe Diechlinge; die Kniekehlen 
offen ; die Beinschienen ohne Knöchelreifeu ; die Ffisse schmalbe- 
hackt; nuter den Knöcheln sind eiserne Öhre angebracht , um da- 
ran Austecksporen zu befestigen, um den Rand der gleichschönen 
RondeJl läuft eine erhoben und durchbrochen gearbeitete, drei 
Qnerfinger breite Verzierung, von starkvergoldeter Bronze; ihre 
Mitte (das „Buckelhüs'O bildet eine kleine getriebene Spitze* — 
Dieser herrliche Harnisch dflrfte vor Mitte des XVI» Jahrhunderts 
geschlagen worden sein , wie ein am Rande der Rundell ebenfalls 
in vergoldeter Bronze ausgefTibrtes Hochbild zu bestätigen scheint, 
das einen Vorfall ans Kaiser Karls V. Zögen gegen Tunis dar- 
stellet* Zwischen Tunis und Goleth. nämlich fielen dem Kaiser, 
der gegen ßoleta ritt, einige Mauresken um Gnade bittend zu 
Fusse, und dieselbe Begebenheit hat auf gleiche Weise Hogbn- 
BER6H in seinem weitläufigen Kupferstich werke dem „fifc^ocAfeii- 
Contrafacturbuch^^ abgebildeU Auch bei ihm sieht man die knien- 
den Mobren Geschenke bietend , den Kaiser zu Ross , und die be- 
ladenen Kamehle; sonaah scheint der Harnisch nach dem ersten 
Zuge gegen Tunis , und vor dem zweiten, der unglöckllch ausfiel, 
also zwischen XA35 und 1540 geschlagen worden zu sein. Das 
dabei befindliche Schwert stehet röcksichtlich Kunstwerthes dem 
Harnische bei weitem nach, Knopf und Krenz sind ziemlich ein- 
fach, doch fleissig aus Bronze gearbeitet, und der Griff mit Fisch- 
Iraut öberzogen« Die Klinge ist gravirt, wie folgt. Krst e Sei- 
te; zwei Säulen auf dem Meere, und: FUND ATORI QUIETIS 
1530. Zweite Seite: IM. CAES. GAROLUS V. SEMP. F. 



ein «ntctnii — Cftbgeb. Finkb's Heybick. PI. 64—59) von Stiütf, 

mit himmelblauem Sammt besetzt etc. 
Zu PABIS noch vor kurzer Zelt Cvor Abhaltung der grossen Auctlon) 

in DU S0MMEBARD*8 PBIVAT-H AMMLUNG : 
f 93 Eiserne Boss-Stime ciselirt , und mit goldener Tausehierarbeit 

überdeckt, ein Prachtstuck (abgeb. in Du Sommuiard. Ists 

ari9 au mayen-dge, Attas Ckap, XIII, PI, 6.) 
Zu BERLIN in der WAFFEN - 8 AMMLUNG S. K. H. des PIUNZEN 

KARL V. PBEUSSEN: 
30) Harnisch des Kaiser Karl V* für die Sammlung erworben Im 

Jahre 1840. 



DSB KAISSRSAAIi. 117 

AUGUST« AN. AKT« XXX. •— Ctowdikiillcli wird dies Scliwert 
den Scbaalnstigen als jenes, des bei Pavia gefluigeiten KSaiii» 
Fraa^ols I« von Frankreich vorgewiesen, allein dagegen erheben 
sich mancherlei ZweiM ; nicht , daas Karl das Schwert seines 
überwundenen Feindes getragen habe (wie alieuflaill in altnordi- 
schen Heldenromanen filrflch) ; denn wir wissen, dass der Kaiser 
gerne die alten Rittersitten nachgeahmt sah , (man denke an den 
Binzertnmier 1549) insoweit ihm Klugheit solche Gebräuche ge- 
stattete , allein thells die Beschaffmheit unseres Schwertes au «iid 
für sich , theils die genaue Kenntniss der Schicksale , welche die 
echte Wehr erlitten, machen obige Sage gleich leichtem Nebel 
serfliessen. Unser Schwert trAgt kein einxiges Abzeichen fk-an- 
s5slschen Ursprunges, weder eine lilienartige Veraierung, noch 
auf der Klinge irgend einen ftuttzdsischen Spruch, Namen oder 
ein Wappen, dagegen : eine eigentliche Dedication an Karl V. 
(die er sich denn doch nicht bestellen mochte!) und die Jahreszahl 
seiner Kaiser-Krönung zu Bologna. Daher bleibt die wahr- 
scheinlichste Annahme, es sei das bescheidene Geschenk irgend 
einer kleinen deutscheu Korporation , oder eines einseinen Platt- 
ners an ihren erlauchten Fürsten gewesen. Dagegen mfisste man 
ein Fremdling in der neuem Literatur sein, um nicht die mehr als 
genug besprochenen Schicksale des echten Schwertes Franz I. 
zu kennen« Als dieser edle Kffnig sich vor Pavia 15t5 an den 
Stellvertreter des Kaisers ergeben hatte , leistete Ij a n n o y das 
Geldbniss ritterlichen Gelftugnisses, und reichte ihm den ei«- 
genen Degen, indem er des Ueberwundeneu Schwert 
an sich nahm ^^0» Letzteres fiberbrachte Antonio Caraciolo, 
Neffe des Marchese von Pescara, gleichsam im Siegeszuge dem 
Kaiser Karl V* , der es der Armeria real schenkte. Dort ruhte 
es, umgeben von den Tropäen, welche Bon Juan d'Austcia den 
Tfirken in der Schlacht von Lepauto 1571 entrissen, bis zum 
Jahre 1808, in welchem es auf Napoleons Befehl, Murat nach 
seinem Binzuge in Madrid von der Junta de Oobierno forderte , 
die es zu verweigern nicht wagte. Die Wehr wurde also der Arme- 
ria real entnommen und mit grosser Festlichkeit nach tkma Maria 
^Aragon in Mnrats Palast gebracht« Das Schwert auf einem 
Sammtkissen ruhend, ward zu einer der königlichen Karossen 
getragen, während der Marqnis von Astorga, Gross-Stalftneister 



in 



) Bartuold, Qeurg von FruiidMberg. Hamburg. i8Qa. p. Bilii. 



118 DBR KAI8BRSAAL. 

nnd der Graf d*A1taniira den Kutscbenschlag beseUf hielten. Vor 
mid hinter dem Wagten schritten die Leibgarden , wfthrend die 
Madrider Garnison Spalier machte, nudso wkederftahreuderWehr 
dieselben Bhren , als hfltte ein hispauisilMr König sie getragen« 
Diese Felerfichkeit nahm die Madrider noch mehr gegen Morat 
ein, und als einige Zeit daranf vor Ferdinand Yll. die Leichtig- 
keit znr Sprache kam, womit er das Schwert des ritterlichen Kö- 
niges hingeopfert , erwiederte er mit Bitterkeit : ,,Die Franzosen 
haben den Degen Franz I. znrftckverlangt «— got, waskfimmert 
nns dies? bleibt nna nicht jener des Garcia Paredes?^^ (Man 
hftlt In Spanien dafftr, dass Garcia Paredes deu Nebenbuh- 
ler Karls ¥• gefangen nahm, obwohl glaubwürdige Schriftsteller 
diese Shre dem Lannoy beimessen.) So gelangte dieses berfthmte 
Schwert wieder in französischen Besitz , und zwar durch Gewalt, 
da es frfiher seine Landsleute als Geschenk geboten , verschmä- 
het hatten. CW&hrend der Verhandlungen auf der Fasaneninsel 
hatte Don Lniz de Haro selbes dem Cardinal M a z a r i n ange- 
boten , doch dieser Kirchenfttrst lehnte das Geschenk ab , als eine 
Spielereil) Es blieb, in Paris angelangt, in den Tuilerieu, in 
den Gemflchern des Kaisers Napoleon bis 1815* In diesem Zeit- 
abschnitte fibergab es, auf Befehl des unglficklicheu Exkaisers der 
General Goargaud, dem Mus^e d^artillerie zu Paris. Eine ge- 
treue Abbildung dieses Schwertes lieferte Jubinal, Armeria real. 
I. Tab 9. — Wer eine l&ngere , kritische Abhandlung Qber diese 
Wehr europäischen Rufes zu lesen wünscht, dem empfehlen wir 
M« Rbt Histoire de to captivitä de Prangois L p. 15 ei suk*, 

SOS. ItvVmani I, UntfdftV ^aiftt, (gebor. 1503, Kai- 
ser seit 1666, gestorb* 1564, im 61. Lebensjahre, 
Ipn M. der Regierung.) j^albet ret^ ßtül^Uv pXUntJtax* 

nifd)^ wübtx ein 9t ^tn mit dfeiirtem MstL ^^O 



*^0 Von diesem Kaiser flndet sich : 

Ztt WIEN in der KAISERUCHEN AMBRASER-SAMIIILUNG : 

1} Sin ganzer Harnisch, weiss, mit geätzten, undamRanil 
. vergoldeten Strichen ; an den Elbogen die burgundischen Feuer- 
eisen, der Helm gesclilossen, dabei ein schwarzes wollenen 
Mänteleln ^,so er vber den Harnisch gefuert , als er sein Qe- 
mahl beclagt, vnd in den 8axischen Krieg gebraucht, als der 
Curfürst gefangen worden,^* Piumisseb p. 53. n. ii. Köhlbk 
Taf. 7. 



DSR KAISJSRSAAIi. 119 

ß.F.W.K. Diese halbe geschobene Rflatauig, obwohl sum 
Feld^brauche tauglich , dürfte zufolge der mfihsamen , darauf 
verwendeten Arbelt niemals dazu verwendet worden sein. Alle 
ihre Theile sind mit ge&(zteir und vergoldeten Strichen und ver- 
schlnugeneu Zügen überdeckt. Der Helm mit niederm Kamm be- 
steht aus drei Stücken. Sein Visir weiset ein stehendes Gitter, 
die Achseln besitzen zweifache Flüge ohne Brechrand ; Armbeugen 
offen f Handschuhe gefingert , das Gesftss ist durch einen breiten 
geschobenen Hinterschurz (^arVl^rdiSft^ , eine bezeichnende Kigeii- 
helt zur Zelt des dreissigj&hrigen Krieges) gedeckt. Der Stelle 
des Bauches ist bei dieser Arbeit, so wie bei allen Rüstungen der 
selben Zeit kaum gedacht; Hinterschenkel und Kniekehlen sind 
offen. Das Visir mit seinem stehenden Helmrost , Csenkrecht ab- 
wftrtslaufende Blecbstreifen) der offene geschobene Hals, die kur- 
ze platte Brust und die langen geschobentu Schenkeln, die vom 
Gürtel bis unters Knie reichen, (den übrigen Theil der 
Beine decken schwarze Stiefeln) gemahnen uns so laut an die 
Zeit des dreissigj ährigen Krieges, dass nur Nlchtkenner mit der 
goldeneu Unterschrift getäuscht werden können , welche sie dem 
Kaiser Ferdinand I. zueignet; die Rüstung ist wahrscheinlich ge- 
gen 16S0 — 16S5, also gegen sechzig Jahre nach dieses Kaisers 
Tode verfertigt worden. Wollte man sich aber eine Vermuthuiig 
erlauben, so wäre es die, dass sie für Kaiser Ferdinand II. ge- 
arbeitet worden sein könne* Volli^täudig erscheint dieser Har- 
nisch, da die Rüstungen jeuer Zeit Cselbst die der Könige z,B. 
Gustav Adolfs von Schweden, im histor. Museum zu Dresden) in 
der Regel weder Beinschienen noch JEisenschuhe besasseu. 

Der hierbei befindliche Degen mit Haudbügel, besitzt eiu 
durchbrochenes Stichblatt und einen Griff mit Drahtgeflecht , sein 
Gefäss ist versilberte Bronze, schön ciselirt; auf die Klinge sind 



zu liriElV in diesem KAISERLICHEN ZEUGHAUSE: 
f) Eine ausgezeichnet schöne Jagdarmbrust mit Eifenbeinsäu- 
le , deren Beschreibung in Jener der Luxuskammer folgeu 
wird Om f. Thie.) „des Kaisers prachtvoller Purschstahel , 
mit schöner deutscher Winde/* 

zu WUBIVEB.I¥EUSTADT im RATHHAUSE: 
3) Armsesse^und Teppich, worauf der hispanische Ferdi- 
dinand im J. 15S2 sitzend, den goldenen Scepter vor sich lie- 
gend, das Bliitgericht über die Wiener Afterregenten hielt, und 
das Todesurtli^ii unterzeichnete, wornach acht der vorzuglich- 
sten Empörer enthauptet wurden. 



HO 0BH KAISBRSAAL. 

nette Versieningeu uud Scbriftzfige gestochtn* Auf ihrer ersten 
Seite laufeu um einen gravirten Tilrkeukopf in der Huudaug die 
Worte: SOLI DEO GLORIA. HANS ÖLIG BfB FKCIT SOLIN^ 
GEN ANO 1647, PRO ARIS ET FOCIS. Anf der zweiten Seite 
oben: YINCERB, und unterhalb wiederholt sich die schon ange* 
führte Schrift. Des n^anzen Degens steife Vom erinnert — ohne 
ihn aus der Scheide zu ziehen — den Kenner an die Zeit Louis XIV» 

S03. ürrMttatt^ 11.^ Untfdtn Jtatfer J Ceebor. i67Sy deat- 

sober Kaiser seit 1610^ gestorb. 1637 im 59. Lebens- 
jabre, im 18. seiner Ref^emng Oesterreicbs.) tfanjer 

üti)Ut €ttrniet(fanttf4) , jttm itniffi^tn itißkiroipf 311 
Si^\mpf um €xttfk, wn poltrtem ^tol^l mit gtS^ten 
j^trt^^en , mtl^t^nm €^1 tiergobet f{ii%. ^xtxhti tin 
fdfituß iiapUvp beffetf tf rtf mit anfQtf^la^tntx €an- 
fikvttathtxt pttjUttt iß« 

B. F.W.K. Dieser treflnich erhaltene Harnisch , einer der 
schönsten und seltensten der ;e:anzeu Sammlaiig^, ist Cso wie der 
Ahnliche des Kaisers Friderich IV. in diesem Saale) nicht nur wegen 
seiner sch0n geätzten und vergoldeten Verzierungen^ sondern ins- 
besondere wegen der herrlichen Behandlung des Stahles durch den 
kunstgefibten Plattiier höchst werlhvoll. Der Helm mit niederem 
Kamm, bestehet aus drei Stucken^ a) ans dem Scheitelst Ock, 
welches den Hluterhals bildet (letzterer, so wie bei schweren 6e- 
stechharuischen 9 mittels Helmzagelklobeu an das Rfickeustfick 
angeschraubt) b) aus dem Kinustfick, das auch den Vorderhals 
bUdet (mit Haspe an der Brust befestiget) uud c) ans dem wag- 
recht gekehlten Visir, das1>eiderseits gelochet ist. Ihnlich ge- 
kehlte Visire haben die Helme zur Zeit der edelsten Hamischfor- 
men, d. i. 1500 — 1520. Die Achseln besitzen geschobene Vor- und 
Hinterflüge, fiber jedem Vorderflng steckt ein Doppelstfick mit 
Brechraud CStosskragen). Das rechte Achseldoppelstfick ist gescho- 
ben y mit Federzajp^n augesteckt, und besitzt einen kleinen Brech- 
rand, dagegen das linke steif ist, doch fälsche Folgen darauf getrie- 
ben, es ist angeschraubt und besitzt einen hohen starken Brech- 
rand* Die Armbeugen mit Reifen geschlossen ; die H&nde decken 
Stahl fftustlinge, welche Finger nachbilden. 'Das Bruststück, das 
(wie bei allen Fusskampfharuischen) keinen Rüs( haken besitzt, 
endigt in einem tiefen „Gamsbauch,^^ an welchen ein schffnge- 
schweifter geschobener Stahlschurz schiiesst , welcher rund um 



DIR KAISBBSAJlL. Itl 

4eu Leib l&ntt* Geschlosseu wird er^ iii4«n da« •Bude jedes ||ei^ 
feus eineu starken Federhakeu besitzt^ welcher iii das liOch des 
gegeuüberstelieudeu Reifeiis einschnappt. Bauch and Rücken sind 
zweimal |;eschobeu y die getriebenen Dieclilinge von ausnehmettd 
schöner Arbeit , die Hinterdiechliuge völlig mit ge&tzten Folgen 
geschlossen. Um den damaligen Modegeist getreulich zu bezeich- 
nen 9 weiset jeder Schenkel sammt Knie Cobwohl beide offenbar 
zu diesem Harnische geschlagen sind) eine andere Plattnenurbeit 
▼or. Während auf dem linken Schenkel und Knie die verhanene 
Haustracht jener Zeit nachgebildet erscheint, (getrieben aof ge- 
tttztem und vergoldeten Grunde^) zeiget der rechte Schenkel samnt 
Knie blanke getrietiene Schuppen auf geätztem and vergoldeten 
Grunde. Die Kniekehlen sind durch Reifen geschlossen, die Bein-' 
schienen besitzen Knöchelreift n, daran scUiessen breite ,,8tttmpr- 
fässe^^ mit spitzem Vorspmng zn beiden Seiten der SBehen. Die 
Fersen haben keine Sporenlöcher , so wie bet allen' Harnischen, 
dieausschliessend zum Fusskampf bestimmt waren. 
*-•- Der Kenner bemerkt auf den ersten Blick die Falschheit der 
Unterschrift; denn die ganze Hamischform Ist ans der älteren 
nnd schöneren Zeit« — Nichtkenner mag die am obeni Rande 
des Bruststttckes, ober dem Kloben CfOr den steifen StaUbart) 
gleichzeitig eiugeätzte Jahreszahll flSS9 enttäuschen, wel- 
che gewöhnlich durch den darflberlaufenden Stahlbart verdeckt 
ist^ woraus klar ersichtlick*^ dass der Harnisch t8 Jahre 
vor Kaiser Ferdinands IL Geburt geschlagen wor- 
den ist, oder ein halbes Jahrhundert flrfther, als er ihn zn tra- 
gen fähig gewesen wäre. Diese uns wichtige Jahreszahl , neben 
t welcher das Augsbnrger-Plattuerzeicheu ersichtlich, bewei- 
set nicht nur, dass die deutschen Plattuer CFerdiiiaud II. 
nnd Ferdinand IV. sind Augsburger Arbeit) um die Mitte 
des XVI. Jahrhunderts schon tiefe Gamsbäuche bildeten , - und 
doch immer ziemlich breit behackte Fasse; sie zeiget auch, dass 
die beiden zunächst stehenden Harnische , d* i. Ferdinand III. und 
Ferdinand IV. beiläufig um dieselbe Zeit geschlagen worden sind, 
da alle drei so ziemlich gleiche Form nnd gleiche Arbeit auswei- 
sen. Das beigegebene Rappier ist eines der schönsten in diesem 
Saale. Der Ansatz der langen biegsamen Klinge mit starker Mit- 
telrippe, ist geätzt und vergoldet, das Heft mit Silberdraht ge- 
flochten; Knauf |uud Kreuz sammt Faustbfigel sind von vergolde- 
tem Eisen , und mit der} schönsten aufgeschlagenen Silbertausia 
tiberdeckt, welche gleich Perleu flimmert. 



Itf DKR KAISKRSAAL. 

«04. Itx'iHmvlb Hl. ^^tttfdier fiaiftx, (gehör. I6Ö8, 

seit 1637 deatscMer Kaiser, gestorb. 1657, im 49. 
Lebensjahre, im 90» der Regierung.) fßan^tx luäfttt 

€iirnterif arntfd) 3ttm €nm»r 311 Ho^ , mit italfUn nni 
oer^olteten SStxiditn, Hhti tin fdjSnee SSd)rBtvt 

B.1P. W.K. Dieser aaif^ebUch von Kaiser Ferdinand III. 
leefrageiie Harnisch gehört einem ftrflheni Jahrhunderte au. Der 
Helm mit xlemlich hohem Kamm besteht aus vi«* SUickeu , und 
hat einen offenen geschobeneu Hals. Die gerade aufstrebende Vi- 
slrwaitd ist nur rechts gelocht. Die Achseln besitzen geschobene 
Vorder^ und steife Hiuterflilge, doch Iceinen Stosskrageu. Die 
Arniheugen sind offen, die Handschuhe gefingert. Auf der Brust 
ist oberhalb die Kette des goldenen Vliesses eingeätst^ die liöcber 
sum fehlenden Rilsl haken sind vermacht. Der tiefe einmal ge- 
schobene Bauch endet in kurze geschobene Schosse, worunter 
Chaibe) offene Uiiterdlechlinge liegen; die Kniekehlen bloss; die 
Beinschienen ohne Kndchelreifen, die Bisenschnhe schmal behackt ; 
die Fersen besitzen Aufstecksporen. Leider fehlen die zu diesem 
Turnierhamlsche uothwendig gehörigen Doppelstücke s&mmtlich. 
Der Harnisch dürfte nach Mitte des XVI. Jahrhunderts geschlagen 
worden sein. 

Das schöne kurze Sdiwert hat einen einfachen Griff mit 
gekerbtem Knauf und einfachem Kreuz. Sämmtliche Theile aus ver- 
goldetem Bisen mit schöner aufgeschlagener Silbertausia geziert; 
die Klinge ist am Ansatz geätzt ; auf ihr zeigen sich räthselhafte 
ZOge (entweder eine geheime Schrift , oder Fabrikszeichen). 

SOS. ^eritnan) lY. ÜSntg Don J^i^mtn nni ü^nn^atn, 

and) ximxfd)$t jftSntg ; Cgebor. 1633^ gest. vor sei- 
nem Vater 1664, im Sl. Lebensjahre,) Öattjer lltöfttx 

Cnrnierf^anttfii) jttm tfeßed) über ia^ Wtli, mit 0e&^- 
tett mi^ 0iit nergolbeten SStxU)tn, iabti ein fpanifdjer 
JPegen. 

B. F.W.K. Der burgundische Helm mit hohem Kamm eut- 
hftlt vier Stricke , nebstdem auf der Slirn ein Doppelstück; die 
gerad aufstrebende Yisirwaud ist nur rechts gelocht. Der Hals ist, 
wie bei jedem bnrguiidischeu Helm geschoben u. geschlossen; die 
offenen Chaibeu) AchseJu ohne Brechrand, Selten und inerkwiirdlg 
ist das Doppelstück an der rechten Achsel , so wie jenes ^ au der 
rechten Armbeuge y das auf die obere Hälfte der Muschel aufge- 



DBB KAI8BBSAAL. ItS 

steckt erscheint; leider fehlen die ttbrigen Oej^pelslftcke. Die 
Ambeu^eu sind offen; die linke Hand trll||;t einen sehr etarken 
langen Fäustling der nur aus drei Stftcken geschoben ist ; die 
rechte Heiitze gefingert. Auf die Brust ist die Kette des 
goldenen Vliesses geätzt und vergoldet. Der starke Rfist- 
hakeu ist vorhanden , und nicht zum Aufschlagen gerichtet. Der 
Bauch y einmal geschoben, ist nicht sonderlich tief, und endet In 
kurze geschobene Schosse , worunter halbe (offene3 XJnterdlechllnge 
liegen; die Kniekehlen sind bloss, an die Beinschienen ohneKuä- 
chelreifen schliesseu breite eiserne ,,Stnmpfschulie^^ Die Fersen 
sind mit Aufstecksporen geschmfickt. Auch dieser Harnisch wei- 
set eine meisterliche Plattnerarbeit aus, und ist (bis auf die man- 
gelnden Doppelstücke) vollständig zu nennen; er dfirfle etvas 
vor der Mitte des XVf . Jahrh« geschlagen worden sein, und zwar 
zn Augsburg, wie das mehrmals wiederholte Plattnerzeiehen dar- 
thut, und ist daher um ein Jahrhundert früher erschienen, als 
«ein angeUicber Träger. Noch gehört zn diesem Harnische eine 
schone Brechscheibe von gleicher Arbeit, an einer 
preussiscben Tropäe zur Linken Alexanders Famese befestiget. 

Der spanische Degen besitzt eine schöne Klinge mit An- 
satz, darauf die Weitkugel mit dreifachem Kreuz, und auf jeder 
Seite: SOLI DEO 6L0BIA« Knauf und Kreuz durchbrochene 
Bisenarbeit und vergoldet. 



SCHLUSSBEMEBKUNG. 



Nachdem wir sämmtliche Harnische de« Saales be- 
trachtet haben , dürfte eine Bemerkung über ihr Alter nicht 
unpassend scheinen. Man kann als Begel annehmen, dass 
man dpn Schnitt der dauerhaften kostspieligen Harnische 
nicht 80 oft änderte , wie die Moden unsers Flitterstaates : 
wenigstens zählt man im XVI. Jahrh. nur fänf Hauptver- 
änderungen der Harnischmode , und wir können die Dauer 
einer Harnischform so ziemlich auf 10 — 80 Jahre setKen. 
Der Harnisch des K. Ferdinand II. trägt die J. It 1560 und 
dieser Anhaltspunkt leitet uns bei der Altersbestimmung 
der übrigen. Der Harnisch Kaiser Friedrichs IV. , ist je* 



1t4 DBB KAISBBSAAL. 

Dem Kaiser FerdiDaddn II. in Form und Arbelt äbniieh, 
und der erstere ist Jenem des Kaiser Max I. aseitverwandt 
und ^enau von derselben Aetznng ^ aucb baben beide die- 
selbe Vliesskette an der Brost ^avirt, dieselbe Gebor- 
rose am Helm n. s. w* y kärz man ersiebt dieselbe Hand 
des Piattners. Ferner sind sieb die Hamisebe der drei 
Ferdinande (des II., III« und IVO sebr äbnlicb; alle drei 
xeigen bebackte Fflsse, dieselbe Ben^ng der Brust u« s. w: 
Caucb verratben Ferdinand II. und Ferdinand IV. sieb durcb 
dasselbe Plattnerzeicben als Angsburgerarbeit). Wir kön- 
nen daber ebne Scbeu bebaupten, dass die VerfeMignngs- 
jabre besagterfanfHarniscbe (Fried. IV., Max. I., Ferd. IL 
Ferd» III. und Ferd« IV.) nicbt einmal zwei Decennien 
von einander entfernt liegen, aucb eine meist deutscbe 
Plattnerarbeit seien, welcbe wob! zufOrderst fflr dsterrei- 
cbiscbe Prinzen (das goldene Vliess tragen Friedrieb IV. 
M|X. I. und Ferdinand 11.) gescblagen worden sind. Aucb 
dOrfte die Vermi|(bung Baum finden, dass dieselben, so 
wie vielleicbt aucb die Hamisebe Frledricbs III. und 
Max. II. bei dem berübmten Turniere zu Wien 1560 ge- 
braucbt worden seien, wovon wir Francolin eine Bescbrei- 
bung mit schönen Kupferstieben verdanken. Und so wir- 
ket der Anblick des Kaisersaales böcbst belebrend , weil 
er die Harnischmoden des XVI. Jahrhunderts im bunten 
Wechsel darstellend, sich absichtslos zum Museum gestal- 
tet ; die schärfste Combination endlich , bietet ups folgen- 
des Resultat: 



Namen 

der 

angeUidiem Hamteelitrftger. 


Wahrschein- 
liches 

Verfertigungs- 
Jahr. 


Todef|)ahr 

des 

vemelntllcheii 

Eigeiithümers. 


* Kar] V. .... 
Ferdinand IV. . . . 
Friderich III. 
Ferdinand IL . . . 


1540 
1546 
1548 
1550 


1558 
1654 
1330 
1637 



DER KAISKRSAAI.. 



<«» 



Namen 

der 

angeblichen Harnischtiiger. 


Wahrseheln- 

liches 
YeifertigungB- 


Tedeqlnhr 

de« 

venBeintUeben 

XigenttOnien. 


Alex. Faniese • • • 


I5&ft 


1598 


Ferdinand III. 


¥ 


^ 




1558 


165^ 


* Max II, 


• 






1559 


1576 


Friderich IV, 


• 


1 i 




1560 


1493 


Max I. • 


• 


• ( 




1560 


1519 


Bmestus ferreus « 


1 1 


\ 4 




1590 


1484 


Rudolph I. • , 


» * 


> 1 


► 


1598 


1891 


Skanderbeg . . 


) 1 


» • 


> 


1600 


1466 


* Rudolph II. . 


1 « 


■ 




1605 


1618 


Ferdinand h 


1 


4 




1680 


1564 



'^} Nur bei den mit Sternchen bezeichneten Harnischen ist eine 
Wahrscheinlichkeit vorhanden, dass sie von ihren angebli- 
chen Trägern herrühren. 

Dass bei den vorliegendea Angaben die bisher üb- 
lichen Namensträger , obwohl meist als unrichtig erkannt, 
beibehalten wurden, geschah theils um die Deut]ich1i:eit 
nicht zu gefährden , theils , weil dieser volksthfimliche 
Brauch in den Waffen - Katalogen anderer europäischen 
Sammlungen z* B. Madrid , London , Paris u* s« w. seine 
Rechte zu behaupten irusste. Sollte aber Jemand wähnen, 
dass ein älterer Harnisch wohl von einem jüngeren Fors- 
ten gefuhrt worden sein könne , so muss man dagegen 
erinnern, dass, um in einem Eisengewande sich rasch 
kampfgeubt bewegen zu können, selbes genau nach den 
Massen eines bestimmten Leibes gebildet sein musste, und 
dass der den Fürsten unentbehrliche Glanz erheischte, auch 
in der neuesten Harnischmode es den Übrigen vorauszutbun. 



W^ 



n 



in ZWBITB LAN08BITB. 



FORTSETZUNG DER ZWEITEN LANGSEITE DES 

HAUSES. 

(XVHTER AWBgiAf.MAI. HT lOR CORTUDSfUILE.) 
DRITTE UND VIERTE VIERUNG. 

Deo Ansgang^ ,'aas dem Raisersaale bewachen zwei 
gerfiBtete Gestalten , die wir zavörderst besprechen wollen. 
Zur Linken: 

S06« ^anyt litdfUt (eretfltr Jel^i^amtfil^ tints Vetfi- 
gen. 9abei eine jiea|te nnV oetjol^ete C0ufe. 

B.V.W« F. Dieser schöne Harnisch stammt ans jener Zeit, 
welche währenddes ganzen Mittelalters , die edelsten Harnisch- 
formen hervorbrachte , d. i. jene der spätem Lebensjahre des Kai- 
sers MazL; der Weisskunig (volieudet nm 1514) zeigt diese 
herrlichen Gestalten häufig. Aus dieser flrtiheu Zeit besitzt die 
Sammlung nur noch* j^uen ganzen Harnisch, jenen der Wla sta; 
der nun zu besprechende dürfte um 1510 — 1515 geschlagen wor- 
den sein; Brust und Rücken, Armzeug, Schosse und Diechlinge 
sind schön gereift und gekehlt. Der geschlossene Helm, obwohl 
nur ans drei Stöcken , dennoch aus der zweiten Hälfte des XVI. 
Jahrh. mit beiderseits gelochtem Visir und offenem steifen Halse, 
gehört nicht dazu. Der geätzte Haiskraffen ist jfluger; die offenen 
(halben) Achseln sind ohne Flüge und Brechrand^ an den offenen 
Armbeugen sitzen grosse Muscheln ; die glatten lichten Fäustlin- 
ge gehören nicht dazu; an der Stelle des fehlenden Rnsthakens 
gewahrt man zwei Löcher in der schön gewölbten Brust, an der 
zwei Schosse hängen. Statt der Unterdiechlinge werden ein Paar 
stattliche Diechlinge sichtbar, wie sie Reiter zu führen pflegten, 
und erweisen den Reiterbarnisch, was übrigens schon die Rüst- 
bakenlöcher andeuten, im Gegensatze des laudsknechtischen 
Harnisches. Anden offenen Kniekehlen sitzen grosse Muscheln; 
die Beinschienen sind ohne Knöchelreifen ; die breiten StumpffÜsse 
von charakteristischer Form, an den Fersen grosse Sporenans- 
schnitte. Der Knrisser führt in der Faust eine schön geätzte und 
vergoldete Conse mit dem verschlungenen M. M. und auf jeder 



DRITTE UND VIERTE VIERUNG. ft7 

Seite des Blattes: DEUS PROVIDEBIT. — Die Conae (Glftfe) 

entstand aas der Geltisclieii Gewolinlieit , ein Schwert mit hobleM 
Handgriffe ans Ende einer Stange zn stecken; daiier ist ilir Qt^ 
braucli sehr alt. Im XVI« Jabriu jedoch begannen sie trar eine 
Zierwaffe der Trabanten grosser Herren zn werden , nnd es er/^in^ 
ihnen, wie anderthalb Jahrhunderte später den Heinbarten; sie 
füngirteu nur mehr bei feierlichen Anlässen ^^*). Barten und Con- 
sen aber bewiesen durch neue geschmacklose Form, dass man ihren 
ehemaligen Gebrauch (zu Kriegszwecken) längst vergessen hatte« 

S07* ^an}n lied)Ut %ntniexi)atnxfdi ati0 einf4)t4)tt0eii 

B. F. W. F. Dieser Harnisch aus ungleichartigen Stficken 
zusammengesucht, deren Mehrzahl der zweiten Hälfte des XVI» 
Jahrhunderts angehört , weiset auch keinen bestimmten Charak- 
ter der Zeit aus — ehemals schön geätzt, ist er nun durch Schlei- 
fen und Putzen verdorben. Der Bourguiuot mit gerade aufstre- 



"0 Bei der Krönung des Kaisers Matthias I. i. J. 16it, zu Frank- 
fort a. M. erblickt man CBl^ctio et Coronatio Sereniss. etc. Princlpbi 
D. Mathiae I. eleeti Romani. Imp. Tabulis aeneis adumb. in offic. de 
BRY.3 unter der Leibwache nur wenige Cousentrftger ; die Mehr- 
zahl derselben führt noch Helmbarten ; dagegen schreitet bei der £rb- 
Huldigung Kön. Ferdinands IV. d. a. 1651 zu Wien ein Cou- 
senträger, hinter ihm ein Bartenträger, dann abermals ein Cousen- 
träger u. s. f. und bei der £rb-Huldigung Kaiser Leopolds I. 1. 4. 
1660 zu Klagenfurt erscheinen nur Cousen. Bei der Frb - Huldigung 
Kais. Karls VI. 1. J. 1718 zu Wien, ,,geleiten den feierlichen Zug 
über den Kohlmarkt und Graben*' an^der rechten Seite ausschlles- 
send Cousenträger, an der linken Seite «usschllessend IfeileAardle- 
rer, und dieselbe Ordnung herrscht im Ceremeniensaale. —* Auch 
bei der £rb-Huldigung der Kaiserin Maria Theresia 1. J. 1740 zu 
Wien, schreiten an der linken Seite der kaiserlichen SAnfte die Hei- 
lebardierer, damals „Trabanten'* genannt; dagegen zur rechten 
Seite^iesftmmtlichenCousentrftgery damals „Hatschi er er** geheis- 
sen, C^in in Jeder Beziehung Verstümmeltes Ueberbleibsel der al- 

' ten \jarchers da la garde du roi de France^* unter Louis XL, Char- 
les VIII., Louis XII. u. s. w. zuu&chst vom Ital. areiere absuleiten« 
Noch heutzutage heLsst die Leibwache S. M. des öster. Kaisers, xu 
Wien im Munde des Volkes „Hatscbirengarde** (richtiger ArtschU" 
ren^Garde) doch führt sie keine Cousen mehr, sondern geatzte Helm- 
barten, die ein buntes Gemisch verschiedener Formen, Jahreszahlen 
und Aetzungen darbietend, gegen ihre übrige Uniformirung wunder- 
lich abstechen. 



It9 ZWBITK LANG8KITE. 

beiMton nur rechte gelochten Viarlr, healtxt einen hohen Kamn. 
Das Halsstfick gesiAobeu; die offeu«i Achseln mit Hinterfltt- 
isen« Die HandsdMihe gehdren nicht dasu, der rechte ist eine Tnr- 
niertatze (ein aus drei Stttcken gescbobner Tumierhandschuh^ mit 
einer Vorrichtung, die Faust ziunschranben ; der Unke gefingert. 
An der rundlich gesenkten Brust, deren Rfisthaken fehlt, sitzen 
starke steife Schosse; die Schenkeln schirmen Diechlinge zum 
AbsetzenCd.!« nach Umständen lange Cgaiize) oder kurze (halbe) 
zu gebrauchen]. Die Kniekehlen offen, die Beinschienen ohneKnO- 
chelreifeu, SisenfÜsse schmalkolblg, an den Fersen grosse Spo- 
renausschnitte. (Der gesammte Beinhamlsch gehM nicht dazu.) 
Das Doppelstück des linken Tnrnierannzeugs fehlt; das Stand 
bild hält in der Rechten : 

^tlmbavU. sie weiset auf beiden Seiten den kai- 
jserlichen Adler und in reichem Laubwerke die Zfige : K. F. 1563. 
Die Wehr ist eine Arbeit der jfingsten Zeit, und dient als Probe, 
in welcher Weise man heutzutage alte 'waffen nachzubilden 
vermag. 

S09— SIS. Wut sMit iml> 3Uie{ Mb« 1l0^.Srttrneti ^ 

tbeilsau den Fenstern, theils an den Pfeilen» dieses Rau- 
mes Tertheilt. An letztern sind auch mehrere merkwürdige 
Fahnen aufgesteckt, welche wir der Reihe nach beschreiben 
wollen. Dem aus dem Kaisersaale Tretenden zur Linken: 

«13, Jtaifmffdje fa^nt, jrßn^ mtx^, voftntotln 

von Seidenstoff, in vier Felder getheilt, deren erstes (Vor- 
derseite der Fahne) rechts «uten Cheraldlsci verstanden) grün, 
das zweite schräg links oben rosenroth, die beiden übrigen weiss 
sind. Auf der Vorderseite erblickt man in der Mitte ein grosses 
schön gemaltes Liktorenbeil , und dartün auf flatternd gemalten 
Bftndem die Schrift: 

BAVTAGLIONB XII - Dl 6ARONAN0. . 
DIPARTIMBNT<» — DEL BENACO. 

'Anf der Kehrseite abermals ein Liktorenbeil, und die Schrift: 

LIBERTA — EGUAGLIANZA 
REPUBLICA CISALPINA — UNA ED INDIVISIBILE. 

«14, •) Jtaiuntfldje Mnt, jjrfiti^ mtx^, toftnxot^i 

von Seidenstoff, der vorigen ähnlich. Auf lieideu Seiten 



DRITTE UND VlfiRTB VIBRUN0. tM 

4m Liktorettbell mit dar f reihe itokappe« Anf der Vorderseite die 

Inschrift : 

LIBBRtA E6UAGLIANZA — GI7ABDIA NAZIONAL« 
DI BA60L1N0 DIPARTIMBNTO DBL M . . • . CxerstOrt.) 

Auf der zweiten Seite : 

RBPUBLICA CISALPIN4 — UNA BD INDIYISIBILB. 
BATTA6L10NE — S0STB6N0 DELLE LE66I. 

Am nächsten Pfeiler zur Linken des VorschreK enden : 

S15. ') ^t0^e %tMmfd)t Jüißt wnSSnUinl(bf, grun^ 

V0ftnfaxb p mti^ ; Benn Sohoh Img und fünf 8chah 
hoch. Auf der ersten Seite ein goldenes lUchtscheU, das Liktoren- 
heil and die Schrift : 

LIBERTA BGUAOLIANZA — SOSTEGNO DELLE LEG0T. 

Auf der zweiten Seite: das Liktoreub^l und die Schrift : 

6UARDIA NAZIONALB CI8ALPINA 

DIPARTIMBNTO DEL TICINO. 

LEGIONB P± — BATTAGLIONE N. I. 

S16* *^ JtaUemfc^e Ja\)nt von Sti^tnfioff. Dervorig:eii 

ge/|;enttber, beinahe mit denselben Sinnbildern, Inschriften 
und Farben; nur ist diese kleiner , besser erhalten, und vom 
zweiten Bataillon. 

tai^ hUn. in der Mitte der Lorberkrai»! , otierluilb : 

TRAVERSEE DU TIROL. 

Auf der Kehrseite : Rl^PUBLIQUE FRAN^AISE end das 

Liktorenbeil mit der Freiheitskappe, 

DISCIPLINE ET SOUMISSION 
AUX LOIX MILITAIRES. 

T. B. 93. 

Si8. *) (fngtifi^e Saline wn SBeibtr^ff. Der vorigen 

jj^^egenQber. Ein breites weisses stehendes Krenz, zwiscbeft 
vier schrftg;, in roth und blaa balbirten Feldern. (Gefunden im 
Tornister eines frauzSsischen Grenadiers; als österreichische Trup- 
pen zn Ende des XYIII. Jahrhunderts ein fk*anzdsischea Qfeni^ 
dier-Bataillon in den Niederlanden gefangen genommen nnd ent- 

9 



n 



lao ZWKITV LAN6SBITK. 

wftflkiet liatteiiO Am iiAchBteu Pfeiler A L. beiift Ansgaiige tar 
zweiten Vierung: 

«19- '> iranjJflfdje -fobne; tot\), hian, w«^; Yon 

Seidenstoff. 

Auf der Vorderseite ist in schöner goldener Schrift zu lesen t 

COMBAT DE M0|lTENOTTO 
BATAIIiLE DE MILLESIMO 

BATAILLE j \ DK MONDOVI. 

PASSAGB DU I "^ I PONT DE LODI. 

BATAILLE DE < LORRSH- \ GASTIOLIONB. 

COMBAT SUR 1 «^^- 1 LA BRENTA. 

TRAVERSEB ' ^ ' DU TIROL. 

BATAILLE D' ARC0l6. 

lü? BT »^ BATAILLE DE RIVOLI. 

BATAILLE DE ST. 6E0R6B. 

Auf der Kehrseite : 
59- REPUBLIOUE FRAN9AISB. T— B— 



DAS LIKTOKBNBBIL 

MIT 

FRBIHEITSKAPPB. 



DI8CIPLINE ET SOUMISSION AUX LOIX MILITAIRBS. 

Tse B^ ' 39. 

Dieser merkwfirdigeu Vahne gegenfiber z. R. 

ffO- •) iranjJflfaje Ja\)nt, vot^, tDtxfi , blau; voa 

Seidenstoff. Auf beiden Seiten der französische (goldene) 
Adler in einem Lorberkranze. Auf der ersten Seite: 

DEPARTEMENT DE L'AIN. 
LA LIBERTB ET PATRIE. 

Zweit« Seite: 
4*^ CANTON DE C0L06NE — DISfRICTB DB 6EX (sie) 

LE PEUPLE FRAN9AIS. 

In der Vierung , welche vier Ritter auf emporsteigenden 
Rossen enthftity z. L.: 



DRtTTE.UND VIERTE VIERUNG. ISl 

»«1. '^ Jßclmf ift Jai^ntf i^on pntpntttiiftm SStüftnfto^. 

Zwischen Lorbersweigeu (Cheuillenstickerei) schwebt un- 
ter einer goldenen KÖnigskroue der eiiikSpfige Adler in schwerer 
Silbers! ickerei. Die Kehrseite enthält in grossen Zügen das ver- 
scblnngene 8. P* R. in reichem Gold- nnd Silberslickwerk. 

828. *^^ Jßolnifdit £alintf van purpurrotl^eiii ^eitett^ffi 

der vorigen gegenüber. Auf der ersten Seile das verschlun- 
gene S. P. R. so wie an der vorigen, in Gold und Silber gesUckU 
Auf der zweiten Seite zwischen Lorberzweigeu das Landeswa- 
pen y worauf der polnische Adler , der Ritler zu Ross , und in 
Herzschilde der Stier^ eine schone Arbeit* Beim Ausgange aus 
dieser Vierung zur Linken : 

St3."^ Jßolmfdft Ja^ntfWti^tt SStYbtnynfi. Die schöne 

Stickerei bildet auf der ersten Seite das Landes wapen; 
wie es so eben erwähnt worden , die zweite Seite enthält das 
verschlungene S. P. R. in Silber gestickt. Ihr gegenftber: 

224. *'^ flülmf^^ lalftit, 0011 pitr|iitrr0tt)em SStiUn^fff 

mit farbiger Sammt schnür - Stickerei (CbeuiUen) verziert. 
In einem Lorberkrauze erblickt mau Lanze uud Sturmseuse ge- 
kreuzt, darüber schwebt eine volle Garbe. Oberhalb die Worte: 
ZYWIA* Y BPONIA (sie st. BRONIA), d. 1. NAhr- uud Wehr- 
Stand. Die Rückseite ist leer. 

GESCHICHTLICHES. Die Fahne mag aus Krakati, zu jener 
Zelt, als es österreichisch wurde, nach Wien gekommen sein, und 
rührt von Koscluszko*s "ö) Truppen (um 1704) her *"j. 
Thaddäns Kosciuszko, aus einer altadeligen Familie Lit- 
tauens entsprossen , in Warschau's Kadetten schule erzogen , in 
Frankreich ausgebildet, nnd bald darauf in Polen zum Hanpt- 
aiann ernannt, vertauschte einer unglücklichen Liebe wegen sein 



KO) Für WaflTenfreuude verdient ein Vorfall aus des Helden Leben £r* 
'M-abnung. Als Kosciuszko ^ch in Frankreich aufhielt, schickten 
seine Landsleute in der italienischen Armee an ihn den Säbel Jo- 
hann Sobieski*s, welchen sie i. J. 1799 xu L er et to entdeckt 
hatten. GegeinvArtig soll dies Kleinod sich im Besitze eines pani- 
schen Cavaliers befinden. (M. vergl. die Anmerkung bei Seht es- 
ki*s Tropäen im folgenden Bande. 8. S97. N. 6-3 

is 13 Einer mündlichen unverbürgten Angabe zufolge» wurden die«e 
polnischen Fahnen im Jahre 1809 erobert. 



13S ZWEITE LANOSKITE. 

Yaterlaud mit Nordamerika^ wo er Washlng^ou^s Adjalaut wurde. 
Nachdem er hier mit Atiszeichiiiiiig gedient^ kehrte er hx» Vater- 
laud zurück^ wo er mim Geueralmigor emantit, uutepdemPriuzeu 
Joseph Pouiatowski Dieuste uabm. Des Königs S t a ii i s I a u s 
Verfiigiiugeu in Folge Gebotes I. Htf. der Kaiserinu Katharina ver- 
anlassten seineu Abschied* Doch die zweite Theilung Polens^ durch 
Russlaikts Macht entschieden, rief ihn zurück. Er erschien in Kra- 
kau zu derselben Zeit, in welcher die russische Besatzung ver- 
trieben worden war; rasch erstand die Krakauer-ConfSderations- 
acte V. t4. März 1794 und Kosciuszko rief die Polen auf, die 
Constitution vom 3. Mai 1791 wieder herzustellen. Mit 4000 Mann 
zum Tbeile nur mit Sensen und Piken bewaAiet, ohne Geschütz 
schlug er bei H a c l a w i c e den 4. April 1794 gegen 18000 
Russen, verstärkte hieraufsein Heer, organisirte die Regierung 
in Warschau, und rückte der überlegenen preussischeu Macht 
entgegen; wurde jedoch nach tapferstem Widerstände beiScecze- 
kocini geschlagen, worauf die Preussen Krakau eroberten. Preus- 
seu und Russland hatten sich nun wider Polen vereinigt, ein 
Heer von 50000 Mann belagerte Warschau, und nnrKoscinsz- 
ko'sMnth vermochte die GemÜther aufrecht zu halten. Nach zwei- 
monatlichen blutigen Gefechten schlug er einen allgemeinen Sturm 
zurück, und nSthigte sogar den König von Preussen , die Bela- 
gerung aufzuheben. — Kosciuszko verwaltete die Republik mit 
unumschränkter Gewalt, doch strengstem Redlichkeitssinne; un- 
ermüdet war er auf Alles bedacht. Verpflegung der Truppen, 
AuschaifUng der Kriegsbedürfüisse, Eluualimeu und Ausgaben lei- 
tete er selbst. Seine Tage und Nächte, alle seine Kräfte waren 
dem- Vaterlande geweiht, und nachdem er viele nützliche Ein- 
richtungen getroffen, gab er der Nation in dem hoben, von ihm 
errichteten Nationalratbe die ihm anvertraute höchste GewaU 
zurück. Als Staf^tsmann und. Feldherr , als Regent und Unterthau 
glänzte er als unerreichtes Vorbild seiner Nation; hätte ers 
vermocht, alle Landsleute zu sich zu erheben, sein Vaterland 
wäre nimmer unterlegen. Aber selbst seine Heldenkraft brach 
die Riesenmacht der russischen Heere. Die vereinigten Russen, wel- 
che dreimal stärker waren, griffen am 10. October bei Maczcie- 
wice (zwölf Meilen von Warschau) das polnische Heer au , und 
dreimal zurückgeschlagen durchbrachen sie beim vierten Angriffe 
die Linie der Polen. Kosciuszko sank aus vielen Wunden blu- 
tend unter den Worten : Finis Poloniae ! vom Rosse , und fiel in 
Gefangenschaft. Mit ihm halte Polen alles verloren, und nach 
vier Wochen unterwarf sich Warschau« — Kosciuszkos fernere 



DRITTE UND VIBRTB VIBRUN6. 1S9 

ClGliicksale gehöreu uicbt hieher — seine sdidiie RoÜe auf vater- 
IftudiAchem Bodeii war för imiuer su Kude. 

VOt^ $ (am n&chsten Pfeiler ss* L.) v*n S^tdenstoit 
Zwischen vier französischen Lilien ein Lorberkranz, worin die 
Zahl 98, und die Schrift: 

DISCIPIilNB 

OBBIS8AKC£ 

liOL 

tiürtp tiott bian ttn> mx^tm S^tüftnpff, mit i^tit- 

nen jftlUn oegtert. Starkbeschadiifet. Aufdereineo Seite: 

DEPARTEMENT DBS* VOSGES. 

Darunter in einem Eicheukranze: 

.... BATAILLON 

ORME 

O . . • ♦ GNAL 

R 

IE 

Nr. S* 
Auf der Kehrseite: 

LE PBVPLE FRAN^AIS. 

LA LIBERTE OV LA MORT. 

««7. '*> (ftw^e ftan}iftfd)t £a^nt, hlan, wtt^, rofrn- 

xotiff von Seidenstoff, anf jeder Seite glfin^t die 

Goldschrift: DEPARTEMENT DES ALPES MARITIMES. 

228^ '*) /ran33|if4e Ia\)ni, mtx^ mit blatten Jlejeln; 

(heraldisch verstanden) ans Seidenstoif; Zeit : Regierung;»^ 
ende des unglücklichen Louis XYl. Anf jeder Seite liest man zwi- 
schen vier goldenen Lilien: 

DISCIPLINE 

IN SIKSM 

OBEiSSANCE | ^orberkraxzjb. J j^ j^^ 

LOI. *) 



. • 



«} Früher war bier eine itaittnifd^r ^af^nt aufgemacht, welche Erwäh- 
nung verdient. Sie enthielt die Aufschrift: BATTAGLIONE DELLA 
SPERANZA, und in einem Lorberkranze : DIPARTIMENTO D'OLO- 
NA. Darunter war die Freiheitskappe mit dem Richtscheit zu schauen, 
und die Schrift: NOI DIITEREMO 6RAKDI PER LA PATRIA. 



tu ZWSITE LAN68KITB. 

Nach Aofe&hlaog s&minUicber Fahoen dieser Lang« 
Seite, kehren wir zoin Ausgange ans dem Kaisersaale zu- 
rAck, am die ttbrigen Merkwttrdigfeeiteii eu betrachten, 
nnd »war s. R. 

2S9. iVrtam^ ^oftpi^^tafp kaife tU4 - 0perreid)tf4er 

fi^tnif (gebor. 1796, gestorb« 1807 im achtzigsten Jahre.) 

(ftn 00lbb0rbtrter Ve neralaliot mit %tnnim ^eterbnfd^^ 
itebfl dtoA^ l^t%tn wxi JHarta-€(^errfUti-^bni0iMiii>. 

Sftamiüiclie 8tficke unter einem Glas-Stnrse aufbewahrt. 

230. Cttt 0e2^te0 Utoßßudi^ fammt VuAen; (hinter 

Ferraris Hut an der Wand befestiget), ^^ssen schdiie Ar- 
beit Erwähnung verdient. Vorne erblickt man einen Ritter zn 
Ross, dem ein anderer folgt. Beide haben einen Jagdhund xur Sei- 
te. Am Rückeustflck ist ein Hellebardier nebst einem Fahnen- 
junker mit dem Banner von Nürnberg zu sehen ; nebenbei ist der 
blanke Stahl allerorts mit schön gefttzten Zierathen fiberdeckt. 
— Am zweiten Pfeiler gegenüber z. L. gewahren wir: 

S31. J0fe|i(i I.^ jftSnit 00n ;9ttii0ani; bentfdfrr jftatfer 

onb ^t3(fn300 yx ^t^tXXtX^ ^ (j^ebor. 1678 , Kai- 
ser seit 1706, gestorb. i. J. 1711 im 33. Jahre seines Le- 
beos y im 6. der Regierung.) tf ine (^ttn^atif^e ^tf^aeg- 

%t mit Vafenetffit^ ret4 tierjelbet^ tttib mit r0t||em 
^ammt (efitttrrt^ babet eine btanangelanfene Bnt^ mit 
jleid^em lludven. 

Einer Inventarsbemerknug zufolge wurde diese Sturm« 
haube sammt Bruststück von S. M. K. Joseph I. bei der Bela- 
gerung Landau's i. J. 170S getragen. CM. vergl. Nr. t8S0 

B. F. W. K. Die ungarische Sturmhaube besitzt Stülp, 
Genickschirm, Backen und Naseneisen. Die aftmmtli- 
chen breiten reichen Verzierungen , womit sie überdeckt ist, sind 
ins Gesenk geschlagen, oder theils gravirt, theils mit der Punze 
ausgearbeitet und reich vergoldet. Auf dem Scheitel ist ein nied- 
licher Adler mit dem Reichsapfel aus Bronze bffestiget. Oberhalb 
am Naseneisen ist die KSnigskroiie (also vor 1705 gearbeitet) 
und ein J. .(Joseph) sichtbar. Diese Sturmhauiie ist mit wattirtem 
schweren Purpursammt gefüttert. Brust und Rücken sind blau 



DRITTE UND VIBRTB VIBRUNG. i%% 

angvlanftn j and mit brelteu paucirt gearbeiteten und vergoldeten 
Strichen geschmfickt ; die Acliseirtenieu von gleicher Arbeit ^ alle« 
Riemzeug mit schwerem rothen Sammt fibenogen. Sämmtliche 
St&cke von unverkennbarer Echtheit und höchst werthvoll *'*). 
Ober dem zweiten Fenster z. 1^. 

S3S. jnanmilmn m*^ Cr3l)et3O03u ^tfitvxtxJ^, et- 
iD&li^Uer i^nt0 0011 ^oitn, ^o^mtxfUt >e0 UnU 

f4f n <IDr>en0 ; (gebor. 1658 , zum poln. König erwfthlt 
1587, seit 1595 Hochmeister des Ordens; gestorb. 1618 

im w. Lebensjahre.) Cifie geriffelte ^ fdfin geübte nni 
vtr^olUtt JHfd)iine fammt Uanker IHniß ^ an >eii ehr- 
ten mit Mtfxni heftet, nn> Hudien. '" 

Das Amtliche Inventar führt au 91 dass Erzherzog Bfaximi- 
lian III. diese Röstang bei der Belagerung von Kanischa getra- 
gen habe; die Probehältigkeit dieser Angabe soll die nachfolgende 
Qemerkuüg untersuchen. 

B. F.W. K. Die ungarische Sturmhaube, aus sehr leichtem 
Eisenbleche, ist geriffelt, mit schöner Atzung fiberde<^t und gans 
übergoldet; sie besitzt Geuickschirm und Stirnstnlp, doch das Na- 
seneisen tthlt ; die zwei rohgearbeiteten Messingbacken sind mo« 
derne Arbeit. Diese Zischftgge , von einer Form wie sie im dreis- 
sigjährigen Kriege auch bei Deutschen tthiieh war , fHlher nar 
bei Ungarn und Polen vorkam, scheint wirklich von diesem 



^ Ztt hedsuevif hleibt , dass selbe al\|iUirlieh zu einem militärischen 
Castrum ausgeliehen, wiederholt durch die H&nde roher Gesellen 
gleiten. Des Kaisers HuUe sollen nicht Taglöhner hetasten I 
11s «-^ y^ii diesem dsterreichischen Ensherzoge bewahrt: 

die KAISERLICHE AMBR ÄSER-SAMMLUNG : 

* Einen halben schwarzen schussfreien Harnisch mit halb- 

gesehlossenem Helm. Dabei eine rothe Feldbinde, worauf ein Kru- 
zifix gesticlLt. Die ganzen Annzeuge besitzen ganze gescholiene 
Oberarme CPRxmiss. 64. n. tO. Köhlbü, Tab. 64.3 — Der eehte 
alte Sturmhut, welchen Erzherzog Maximilian III. bei der Belage- 
rung von Kanischa getragen C^inem Bauenihute Ähnelnd mit run- 
der Eisenkappe und breiten eisehien Krempen) soll sich laut un- 
verbürgter mündlicher Angabe dermalen in Lazenburg befinden. ^ 
Der Hauptzweck solcher Hute war, beim Stürmen sieh vor den 
Wurffeuero und Steinen der Belagerten zu schützen ; nicht selten 
war ihre Eisenhappe von abschreckendem Gewichte , und der 
Durchmesser Ihrer Krempen betrug 18 bis 90 Zoll. 



19« ZWEIT« LANG8BITB« 

Krstenoge herxurQhreu, und vou ihiUy als er sich im Tftrkmkrie' 
ge besonders auszeichuete , geführt worden za sein. Sie fthiielt 
jener schönen Sturmhaube, die des Erzherzogs Zeitgenosse Karl 
III. Herzog von Lothringen (heschr. sab Nr. 150.) getragen hat. 
Dagegen ist das Bruststück aus blankem Stahl mit schneidiger 
Mitte , mit blankem Messing ger&ndert , mit Achselbftudern vou 
blankem Blech, eine rohe Arbeit, und seinem Zuschnitte nach 
etwa In die Zeit 1760 — 1780 zu setzen, daher erst lange nach 
des Erzherzogs Tode yerfertiget. Brustknöpfe an Kttrassen, nm 
daran die Achselriemen zu befestigen (wie sie unsere Kdrassiere 
Boch haben) bestanden noch lilcht zu Maz III. Zeit; sie begimieii 
erst zu Ende des dreissigjäbrigen Krieges. 

»33. üatl VI. jft9ntj wn SSpMitn, Unlfdttx iftatfer 
sn) tf r3(f €1300 jn dDeflerret^ } igebor. 1685 , seit 

1703 Köoig in Spanien, seit 1711 deutscher Kaiser; seit 
17111 nngarischer, seit 1798 böhmischer König, gestorb. 
1740 im 65. Lebensjahre, im 29. der Regierung.) jQttlbe 

f^m^Tit Vtißtmg mit ^tlben ^nipftn , ttn^ mit gelbem 
SSamtt attfbiytait 

B. F. W. K. Die halbe RAstung von httohst einfiicher Arbeit 
und dttrftiger Ausstattung , ist von dSunem Eisenbleche verferti- 
get (sie soll nur 15 Pftind wiegen), schwarz überstrichen , mit 
gelben Nieten beschlagen, und wohl schwerlich von dem grossen 
Monarchen getragen worden, der sie einer mandlichen Angabe 
zufolge aus Spanien gebracht haben soll ^'*). Ihre Verhältnisse 
sind für einen sehr grossen Mann herechnOt, CKarl VI. war nicht 
grossen Wuchses) und gewisse Merkmale (z. B. dass sie mit gel- 
bem Sammt vorgeschossen als kalserl. Doppelfärbe: schwarz und 
gelb,) sprechen dafUr, dass sie, etwa von einem kaiserlichen 
Reiteranffihrer gebraucht worden sei, jedoch mehrere Decennlen 
vor Karls VI. Geburt; (ähnliche Rüstungsform in Finkb's Met- 
niCK, PI. XXXVII. de anno 1680.) Der hohe Helmkamm ist mit 
Messingrand verziert; der Helm ans drei Stftcken bestehend (Stirn- 
stülp und stehendes Visirgitter vereinigt), besitzt einen steifen 



"0 Wohl trug Kaiser Karl VI. manchmal noch bei Audienzen einen 
. blauangelaufenen Brustkürass; allein wir haben keine historische 
Alldeutung aufenfinden vermocht, dass er irgeniwo im ganzen Har- 
uittoh erschienen sei. ^ 



DRITTJB UNB VIKHTE TIBBUNO. ftf 

•ff»iieD HtLltOamgen; die Acteeln, okne BrechraBd , selgeii Vor- 
der- und Hiiiterlliige ; die Ambeagmi sind offen , die Handschnlie 
Jiefiiigert; auf die Mitte der platten kanen Bmst (oiiue Rttethakeii) 
ist ein nessing^ener grosser kaiserlicher Doppeladler genietet, mit 
doppeltem Wapen. Am Brnststfkcke sitzen lauge gesobobeite spa* 
nlsche Diecliliuge mit kurzen Knieen und offenen Knlekeklen, so 
wie am RAckenstack eine Garäereüte Cgescbobener Hlnterschurz.) 
Den Rest der Figur decken lange schwarze Stieftln. 

Obwohl die vielen Deckensificke dieses Hauses Insgesammt 
durch kfinstlicbe Zusammensetzung aus Waffeubestandtheilen slck 
auszeichnen, so verdient doch die hier zu besprechende wegen Zier- 
lichkeit vorzugsweise Erwähnung. Zwischen vier, ans Gewehr 
reu errichteten Bastionen schwebt eine schöne Plafondrose ans 
Gewehrgriffbfigelu und Bajounetten bestehend; ihre Mitte schmückt 
eine Brechscheibe. Eine Decke von ähnlicher Schönheit kann man, 
wenige Schritte davon entfernt, gewahren. 

Noch sind uns einige Merkwärdigkelten ftbrig, die an der 
Wand z. R. in einer dem Beschauer ungiiiutigen Hölie aufgestellt 
worden sind: 

S35« Ctne \ifin gtamrte Bru^. Ober dem nächsten 
Fenster befestigt; der hierzu gehörige Rücken wurde durch 
Versehen davon getrennt, und beiludet sich an dem Harnische 
Karls III. ober der Eintrittspforte zum dritten Ecksaale (Nr. 567.1 
B. F. W.F. Die Brust ist herrlich gleich einer Knpferplatte 
durch die Hand des verständigen Stechers gravlrt Man bemerkt 
auf der rechten Seite in einem Medaillon einen allen bärtigen Mann 
und die Schrift : TVISCON ABORIGINARIYS GERMANORVM, 
unterhalb die Worte: ANTON HAVER PECIT 161«. Auf der lin- 
ken Brust ist, ebenfalls in Medaillon, ein ritterlicher König zu sehen, 
mit der Überschrift : MANNVS PRIMVS GERMANORVM REX. 

Auf der linken Brust , knapp unter dem Halsrande, stehen 
die Verse: 

DIE FLUECHTI6 ZEIT COAÜSCHT FLSISSI6 DRAUF 
WIE JEDER HELD Cnach) STAND UND LAUF 
WIE ES AUCH IST SO SCHREIBT SIEB AUF* 

Unterhalb: das Bild Saturus. Auf der rechten Brust ist zu lesen : 

FAiMA SCHALLT Cwaldli) CHT (wie) BEKANDT 

DAS GCelle)ND ROR {in irer) HANDT 
WAS C») SICHT UND HORT IN JDEN 8TANDT. 



US ZWEITE LAN68BITB. 

Vnlerlialb die Fana mit zweiAushmr Tuba; ganz oheu das 
Nilniber/s;er Plattueneicben and : I. W. 

Die offene Sturmhaube (mit Backen) Ist blank, mit 
JireitEten Strichen und gebdrt nicht sum Bnistbaruteche, Die grU" 
virten Schosse fehlen hier. Durch Verwechslaug i^laitgten sie au. 
einen Feldhamlsch vor dem Kaisersaale (Nr. 166.) 

Die halben offenen Achseln und der Rttcken sind mit 
Atznnip Aberdeckt, und j^hSren ebensowenig, wie die Sturmhaube 
xur ausgezeichneten Brust, einem unicum dieses Zeug- 
hauses ; da sie jedoch sehr zierliche Arbeit zeigen , so verdieueu 
sie Beschrelbang. Auf dem Rficken sind in drei Medaillons and sie- 
ben Arkaden zehn Darstellaugen, wie folgt: Erster obef«te 
Reihe: Maria mit dem Jesukinde in einem Strahlenkränze — der 
beilige Lukas am Tische malend, daneben ein Maler mit Pa- 
lette in der Linken, im Hintergrunde ein Farbenreiber — Ritter 
Sauet Jörg, den Lindwurm ertddtend. — Zweite Reihe: Ein 
Pfeifer and ein Trommler, (Kriegstracht anter Kaiser Rudolph IL) 
— Zwei anreitende Ritter. — Ein Hellebardier und ein Arque- 
busier. — Letzte Reihe: in vier Arkaden: drei Edeileute 
und ein Tärke, jeder zu Ross* 

236. iftarlin. (fr3(|et3ag 311 dDe^erretd) C»ftchmals Kai- 
ser Karl VI., gebor. 1686, seit 170» König von 
Spanien, seit 1711 dentscher Kaiser, seit 1719 ungarischer, 
seit 1783 böhmischer König, gestorb. 1740 im 65. Lebens- 
jahre, im 99. der Regierung.) (Citie blatte J^xfätMüt 

mit Vafenetleti , xtidt oerg^lbet tin> mit rot^tm ^ammt 
gefuttf rf , inbtx Hrn^ ntib V&dim« 

B. F.W.K. Bie augartsche Sturmhaube besitzt Stirustulp, 
Geuickschlrm, Backen- und Naseueiseu* Sie ist blau angelaufeu 
und mit reichen Verzierungen geschm&ckt, weichein breiten St ri- 
ehen abw&rts laufend, theils gravirt, theils mit der Punze aus- 
gearbeitet und reich vergoldet sind. Oberhalb am Naseneisen ist 
die Königskrone, darunter ein C. (CARL) bemerkbar. Sie scheint 
also vor 1711 gearbeitet, und da sie eine auffallende Ähnlichkeit 
mit K. Josephs Zischftgge (Nr. &31) ausweiset, so dürften beide 
zu derselben Zeit geschlagen worden sein* Sie ist mit wattirtem 
schweren Purpursammt gefüttert. Brust und Rücken slud blau an- 
gelaufen und mit breiten punzirteu und vergoldeten Strichen ge^ 
schmückt; die Achselriemen von gleicher Arbeit: das Riemzeug 



FÜNFTE VIXnUN«* tH 

ist nicht ilberzogeiu SAimtlicIie Stücke echt andMhr wertInrolU 
Ober dem uftchsteii (4*) Fenster: 

S37. tfcülte i^nnnl^anbe. 

B*F.W«F* Offene Stumiiaube, deren Backen felilen , mit 
scliön gefttxten and vergoldeten Strichen« In der Atsnng seilen sieh 
viele Adler, fenfljgend erweisend, dass sie snm Harnische Kaiser 
Friderichs Ell. CNn 188) als Wechselsttick gehörte* Diesem Fenster 
s. lU ober einer doj^pelteu Reihe von Lnutenschlossgewehfen: 

S38— S39. jQolber Ited^ter (latter jQamtf^/ >.l9nift 
nni Vtidieti fammt jftra jen ttn> tin paar Jlnn}eo|| 
iabet aii4 tia axnfdiii^txitx itfdthfftntt j^elti pm 
ActtttrnUr. 

B.F.W.F* Die halben Achseln haben geschobene FIflge; 
er mag aus der Mitte des XVI. Jahrb. herrühren. Au dem gegen- 
über liegenden , Fenster ist ein ähnlicher, jedoch unbedeutender 
halber Harnisch befindlich. 



. FÜNFTE VIERUNG: DIE G0RVINU8- HALLE. 

CÄibreckt h — MatthMU Corvinus, — JUbrechi IL — LadttiauM Pot tharsiir#.> 

Die za besprechende Halle iflt reich mit Waffen al- 
ler Art geschmückt , schade, dass sswei Hanpterfordernisse 
gflnstigen Eindruckes: Licht nnd Raum ihr gebrecbea* 
Die vier Ecken derselben , an welchen vier Vertical-POl* 
1er, (aas Stücket, mit angegossenem Fasse, womit man 
im XVIII. Jahrh. Signale zu geben pflegte) prangen, bil- 
den vier , aas Radschloss- nnd Steinschloss-Gewehren er- 
richtete Thore, aas welchen vier Ritter aafsich b&umeBdea 
Rossen zu reiten scheinen ; ober Jedem Harnische Ist aaf 
goldgeschmückter Tafel seia^C^ermeintlicher) Besitzer za 
lesen* Die Halle ist oberhalb mit den in Gold gemalten 
Bildnissen rOmischer Feldherren geziert; nnd nm Jedes Bild 
eine kleine Tropäe befindlich. 

«40* 3Ubxtd)tl. Itntfdftx giaxftt 311 Hoß. (gebor. IMO, 

Kaiser seit 11298, ermordet 1308, im 68. Lebensjahrei 



140 ZWBITE LAN6SBITB. 

im f 0. der Re^ernng.) jQ^lbet tttifUt ^eltf^nmifd) mit 

B.F.W. K. 1}ie Atzung ist ähnlich der am Harnische Kaiser 
Max I. Nr« t06. Der Heltti mit kobeai Kamm and offenem «escho- 
lieiien HalsstAck, zählt vier Stacke; das Visir ist nur rechts ge- 
locht , die Achseln besitseu gescholtene sehr schmale Vorderf fige 
«ud steife Hlnterlftjfgfe , die Achseischeiben fehlen, die Armlteagen 
offen, au den St^fäiotlingen Finger nachgebildet. Die Brust, wo** 
rauf die goldene' Vliesskette geätzt ist, hat einen Hüsthaken zum 
An fisch lagen ; der tiefe, schneidige Hängebauch erinnert au Kaiser 
Rudolphs II« Leibwache (die meisterlichen Kupferstiche Db Ghetn's) 
schiAnt aber jfinger. Die laugen geschobenen Schosse endigen in 
nachgemachte Kniee, welche ebensowenig als die schwarzen Bei- 
terstiefel aus der Zeit des Schlachtenmalers Filipp Augen das 
dazu passen. Der Harnisch mag im letzten Viertel des XVI. Jahrh. 
schwerlich vor 1570 geschlagen worden sein. 

Übrigens fällt die Angabe der eutscheideuden Merkzeichen 
dieses und der folgenden drei Harnische schwer, da nur ein ein- 
ziges Fenster den Raum spärlich erhellet. 

(gebor. 1449, im 16. Jahre a. 1458 zum König von 
Ungarn gekrönt, gestorb. 1490, im 48« Lebensjahre, im3f. 

der Regierung.) fS^anjtv ^iimterl^armfd)3ttm ^rtttttrnUr 
}n lio^, blau, mit vnQolMen M^tn nribfanbmtvk "*>• 



"*") Die k. k. Ambraser -Sammlung zeiget von diesem Regenten einen 
ganzen weissen Harnisch mit geätzten Strichen, Helm ohne VisIr, 
dabei zwei Brechscheiben und eine Roppelbrust mit gleicher Verzie- 
rung, (PRIM188ER n. i. KÖHLER. H. 1.) der aber eben so wenig echt 
iflt, als der oben zu besprechende. Überdies ist die Atzung auf dem 
Ambraser-Harnisch genau dieselbe wie auf dem dort bellndll* 
eben Harnische des grossen Trienterbaueis : Bartelme, Krähen. 
Ferdinands Trabanten , der noch auf dem Wienertumier d. a. 1560 
seine Rolle spielte; nur eine grosse Unwissenheit konnte bisher den 
Harnisch für jenen Kaiser Albrechts I. halten, und seine noch immer 
darüber prangende Namenstafel, die man lAngst hätte herabrelssen 
sollen, bleibt ein Schandfleck für die Ambraser - Sammlung. CVergl. 
fifCHBiGm, Burg. Zeughaus p. 98.3 

"0 Von diesem grossen Könige besitzt: 
Zu WIEN die KAISERLICHE AMBRASER-SAMMLUNG : 
O Ein Schwert. Auf der Klfaige liest man folgende Worte: (ers- 



FÜRSTEN ZU n088. t4t 

B.F. W.K. Der Helfliy mit sioilicli k0hmk KMm, bcatcM 
•na vier Stocken. AndeMeu SCulp-uud Stinietfidc e&ad sweigroe- 
ee SchraublScher sichtbar , wii eiu Cfeiüendee) DoppeUtfick so lie^ 
festigen; der Helmetarz ist beiderseits gelochet , das of^neHals* 
Stück steif. Der steife Bart vou derselben Arbeit f der das« ge« 
Mirte fehlt; er sollte eigentlich vor die Brust geschraubt sein (die 
Bwei grossen Schraublftcher sa diesen Bebofe auf der Brost sieht« 
l»ar.) Diese hoben steifen Barte worden in jftngerer Zeit, hesoa'* 
ders SU Anüang des XYII. Jahrhunderts bei Tomiereu Mhr heUeht, 
und swar bei solchen Kampfgattungen, hol welehON 
Man früher keine geführt hatto. Die beiden ofeueu hal- 
ben Achseln besitzen geschobene Vorder^ und Hiuteriüge^ auf det 
rechten sit«t ein Doppehitückniitkleiueni Brechrand» Noch ist hier 
eine sitiurelche Sründungsu beaerkeui utalich ein geochohones 



te Seite3 MATHIAS CORVINUS. B£X YNGABIAE. Csweite 
Selte3: PRO REGE DIVINA LEGE ET GREGE. (Piiimss. 
Seite 77. n. 3t.) Dass dies Schwert der KOnig selber geführt 
habe, wie Ricbtbr MifOhrt , ist durch die Inschrift keineswegs 
dargethan. 
Zu WIENfiB-NBUSTADT das RATHHAUI^: 
93 Den grossen silbernen Corvinus-Pekal, Cffsnas Btte 
8' iVl'% weitester Durchmesser 9'/") mit d. J. Z. 1469, ein 
GeBchenk des grossen Königs an die Stadt. 
33 Sein B i 1 d n i SS mit lorberbekr&nstem blossen Haupte, in schwur« 

zem Harnische vom Scharlachmantel umgeben. 
43 Seine Halsbinde von Silberdraht mit echten Perlen besetst. 
53 Sein Barrett von sehwarxem Samiul, mit goldreicher Binde. 
63 Sein Sattel «nd Reitseug, das grosse GsMss mit IsngM 
Stangen CAiizugen3 , dabei derbe stark vergoldete Steigbügol. 
Zu BVDWCIA einem STÄDTCHEN in BOHMEK das RATHHAUS: 
73 Einen schwarzseidenen Waffenrock dieses KOnigs und 
Reitzeug, welche et, damals eben in Geldnoth dort versetzt 
hatte. Leider ist ersterer sehr verwahrloset, ZieraUien, Perlen 
u. dgl. schon abgerissen. Um die 30000 Schock Groschen, Wel- 
che die Stadt damals darauf lieh, wärde das Pfand selbst der 
leldenschafllichste Sammler unserer Mitwelt sehwerlieh auslösen. 
Von Brandonburgisehen ChurfArsten aber sind nuBerlin in der 
Sammlung S. K. H. des Prinien von Preusson vor- 
handen ; 
Zwei Harnische, herstammend von einem Churfürsten von Bran- 
denburg, Burggrafen zu Nürnberg; beide von einem Grafen von 
Ziehin (.nie, etwa Sichy?3 übergeben, derselbe von einem öster- 
reichischen Offiailer erhalten hatte. 



n 



14t ZWKITK LAN6SBITB. 

KrigAiizuiigsstilck , für jeueu Ausschulte , der am rechten Vorder« 
Mmg wejfgfeu bcMerem Lauzeueiulegen gemacht war ; es ist mittelst 
swei Reibem iiefestiget. Am linken Elbogeu ist ein grosses Dop« 
feisttick igaräe de brat^ Stechmäusel^) aufgesteckt. Beide Hand« 
schuhe sind geflngert. Au der kurzen platten Brust (mit Ctorfist 
cum Aufschlagen verseben) ist der Bauch nur durch einen kleinen 
reehtwinkelichten Vorspmng beseichuet, daran kurze, sehr breite 
Ufeschobene Schdsselu und tTuterdiechling^e schliessen; Kniekeh- 
len und Hinterscheukel sind „ploss^^ Die Beinrfihren besitzen 
Folgen , die eisernen Scbubspitzen sind breitkolbig; für die (feh- 
lenden) Sporen sind die Fersen hoch aufgeschlitzt. Die Rüstung 
dürfte um 15M — 1600 geschlagen worden sein, daher selbe nicht 
dem grossen Corvinus zugeschrieben werden darf. Dagegen 
seigt sich bei schärferer Betrachtung ein zierliches Wapen von 
gleicher Stahlarbeit auf dem j^yereit^^ zufolge dessen wir — wohl 
mit grSsserer WahrscheinlicIUceit — diesen Harnisch einem deut- 
schen Ffirsten zueignen ^ tintlr zwar dem Johann Georg, 
Churffirsten zu Brand'enburg, geboren 11. September 
15t5 , gestorben 1598 im 73. Lebensjahre. Das lächerliche Mähr- 
cheu von dem hier beflndlichen Harnische Corvin*s, verdient 
schon dessbalb eine ausdrfickliche Widerlegung^ weil es nicht 
nur in vielen Reisebeschreibungen des Auslandes pranget, son- 
dern sogar S. BlBTRiviK sich in seinem berühmten Waifenwerke 
(it critical inguiry etc»; Vol. III. p. 14t.) darauf beruft. 

t4*. JXlbredjt n. Untf^n ^axftt, jtt Vd^; (mit dem 

Beinamen: der Elirwürdige; gebor. 1397, deutscher 
Kaiser seit 1438, geüDrb. 1439 im 43. Jahre seines Al- 
ters, im 98. der Regiernng.) fS^aUitV Jßtnnk^ÜVtA^il 

fi^oarji mit ^etbtntv ntCb filhtttut ^anfdfUvüthtit ein- 
ijefdjlajtn. 

Seltenes Prachtwerk; es enthält eine Arbeit von grosser 
Zartheit und hoher künstlerischer Vollendung. Auf duuklem Grun- 
de breitet sich ein glänzendes Gewebe der feinsten Tansia (lo- 
roro aU' azximina) aus, welches in Gestalt zarter theils golde- 
ner , theils silberner Schlingplänzchen alle Theile des Harnisches 
ftherstrickt* Schade dass dies Kleinod in einem der Beschauuug 
ungünstigen Helldunkel aufgestellt ist. 

B. F. W. K. Der Helm mit hohem Kamm , aus vier Stücken 
bestehend, zeiget ein gerade aufstrebendes beiderseits geloch- 
tes Visir; das offene Halsstück ist geschoben ; die Achseln ohne 



FÜRSTEN ZU ROSS. HS 

BreGbraiid mit geschobenen Vorder- un4 steifen HintertOgen. 
Der rechte Vorderflug wegen bequemerem Ijauzenelulegen weit 
mehr ausgesschuitteu. Die platte Brust ziert ein Rfisthaken snm 
Aufschlagen y der gesenkte Bauch zeigt nur eine kleine rechtwin- 
kelicht vorspringende Ecke. Unter den kiM'zeu ziemlich breiten 
geschobenen ,ySchOsseln^' sitzen Uuterdiechlinge; die Kniekehlen 
sind offen , die Beinschienen ohne Folgen CKnSchelrelfen), die ei- 
sernen Schuhspitzen breitkolbig, an den Fersen sind weder Spo- 
ren noch Sporenldcher zu sehen. Der Harnisch Ist offenbar Im letz- 
ten Viertel des XVI* Jahrhunderts geschlagen, und wir mdekten 
Ihn etwa zwischen I59S und 1M5 setzen. (Ahulii^e Zeichnaiig des 
I«anbes zeigt eine Partisaue der Leibwache des Hersogs von Par- 
vom J« 1A86., FiNXi^s Mbtrick, Tab* 88.> 



jft Jm0 ni^ti j^ttitgarti ntilr Ill3i|iiini (gebor. 1440, g«« 

storb. 1457, im 17. LebeBsjahre.) ^M^tt Ued|tet ^ttt- 

metfKitiitfd) 3ttiit milf^tn ^tfitä) iibtr bie IHalini ^ iiit 
pmtn ttnb vtxi^lMm SStxUiftn. 

B.F.W.K. Dieser ganze, augeblich von Ladislaus Posthu- 
mus herrührende Turuierharuisch, ist, bis auf die fehlenden Doppel- 
stficke, vollständig vorhanden. Der Helm, ein Bourguinot, hat ziem- 
lich hohen Kamm und besteht aus vierSttfcken. Die Stirne trftgt ein 
aufgeschraubtes Doppelstück. Die gerade aufsteigende Visirwand 
Ist gar nicht gelocht , nur hat sie auf der R. einen Luftgeber ^ der 
geschobene Hals Ist geschlossen } die offenen halben Achseln, ohne 
Brechrand, besitzen nur HiuterflÜge. Auf den linken Arm gehört 
ein Stechmäusel, der hier aufzuschrauben war, aber fehlt. Arm- 
beugen und Kniekehlen offen, Handschuhe gefingert* Die Brust 
trAgt einen Rüsthakeu und endet in einen tiefen Hängebauch. Un- 
ter den ziemlich kurzen geschobenen Schossen liegen halbe Diech- 
linge (einmal zum Absetzen.) Die Beinschienen sind ohne Knöchel- 
reifen, die Schuhspitzeu schmalkolbig; an den Fersen sind Löcher 
für die Cfehlenden) Sporen vorhanden. Der Harnisch Ist nicht vor 
dem letzten Viertel des XVI. Jahrhunderts geschlagen worden ^ 
und nähert sich der Zeit des Harnisches von Ernestus ferreus 
CNr. 19S); seine Geburt dürfte um 1585 fallen. 

Wir verlassen diese Halle, um das Ende dieser Lan^- 
seite zu betreten, ober deren vergitterter AusgangsthAre 
kleine Trop&en ; im Mittelpunkte steigt sich t 



144 ZWBITB LAN6SBITK. 

«44. tfttt smjet jftteb0; bubfi efti j^tlm mit eitirni 

B. F. W. K. Der Krebs besteht nur ans Brust- und Rücken- 
Stück, beide sind ganz geschoben, die breiten Leibreifen ohne At- 
zung , dagegen auf der Brust oberhalb folgende Schrift zu lesen: 

ADAM ^. GALL ^. RITTEB. ««• 
H • I ^ P (Rt) »M.D.H.G.e.S.M.M. 

Das fehlende Armzeng ersetzen ein Paar Panzerärmeln« 
Am Helm fehlt der Genickschirm , dagegen macht ihn sein Visir 
merkwürdig, eine TeufelslMnre bildend, welche die ZflhneblOcket. 
Ahnliohe YMre, die menschliche oder tblerische Züge nachbilden, 
kommen Öfters vor; so z« B« in dieser Sammlung der Heim der 
Frau Wlasta CNr* 570) der später besprochen werden wird, und 
der Helm mit dem Fnchskopf (Nn 30); in der Ambraser Samm- 
lung: derHelm des Wolf Dieterich von Bms CPbimiss.N.72) 
dessen Visir wie ein Menschengesicht gebildet Ist, derHelm Chris« 
tofs Herzogs von Würtemberg CP^^ias. N. 46) mit ei- 
nem ähnlichen Visir, der Heim ange|^ich von Friderich von 
Montefeltre^ Herzog von Urbiuo (Primiss. X. 105), wie auch 
der Helm des deutscheu Achilles: Albrech t's Markgrafen 
von Brandenburg, (Paimiss. N. 48 "•); in der Waifeusamm- 
Inng des Verfassers: eine Schallern aus dem Ende des XV. Jahr- 
hunderts; in Ll. Metrick's Sammlung In England: ein Bonr/^i- 
uot mit schönem Ritterantlitz, (abg. in Finkb's metrick, PI. 75. 
Fig. 8—4); in der königlichen Armeria zu Madrid: ein Helm 
Kaiser Karls V. (Jübinal, Tom. II. pl. 80), eine Sturmhaube 
mit Drachenkopf G. c» To. II. pl. 85.) und die scheusslichste Frat- 
ze von allen: ein japanischer, eiserner Helm O. c. II. pl. 13.) 
Der hier zu besprechende Helm scheint aus dem Ende des XV. 
Jahrhunderts zu stammen, dagegen die Brust dem ersten Viertel 
des XVI. Jahrhunderts angehören dürfte. 

Bevor wir diese Langseite des Hauses verlassen, 
werfen wir noch ein Paar Blicke auf zwei in dir Regel 
versohloasene Räume , nämlich in die Sammlung der Mus« 
fergewehre zur Linken , und in die auf der Gegenseite 
befindliche Sammlung der Waffen fremder Mächte : 



"•) Obwohl Ich Meinen ganzen Harnisch in der k. lt. Ambraser- Samm- 
lung für unterscheften halle, das Ist: erst ein Vierteljahrhundert nach 



SAMMLUNG DCR IIUSTBRGKWSHRB. HS 

DIE SAMMLUNG DER MUSTERGEWEHRE. 

(R0RUL6EWEHR - KAiniL) 

l^ie kleine Kammer enthält unter Glasschrlinken ei- 
nlg;e wenige Radschloss- und Lnntengewehre, so wieEad- 
schloss-Pistolen , mit lakonischen Erklämngszetteln : ^^aua 
dem XVI. Jahrhundert^^^ dagegen eine reiche ÄHsirahl von 
Steinschloss- and Kapseigewehren mit manoherlei Varie« 
tüten ; ebenso neuere Erindungen y k. B« schwere franisd^ 
sische Wallmnsqneten auf eiscgner Gabel zu richten^ die 
in einem verticAn Eisenzapfen endigend , sich um ihre 
Achse dreht, u« dgl. m. Der vorgesetzte Zweck vereinigte 
hier nur die normalm&ssigen Gewehre des österreichischen 
Heeres, meist — der neuesten Zeit; alter eine chronolo- 
gisch geordnete und ununterbrochen durch etlitdie Jahr- 
hunderte fortlaufende Reihe Scbiesswaffen Österreichischer 
Krieger sucht man da vergebens. — Wir rathen den Freun- 
den mittelalterlicher Wehren , diesen Raum nicht zu betre- 
ten y da er nur Kunstverständigen und Männern vom Fache, 
Gewehrfabrikanün , Büchsenschiftern u» dgi. Anzi^heni^a 
bieten dürfte. Gegenfiber lesen wir die Aufschrift : 

KAMMBB FÜE GEWEHRE FREMDER BfÄCBTE« 

(AlflUilDER -WAFVU-KUamL) 

In sechs grossen bis an die Decke reichenden Glas- 
schränken befinden sich, die dermaligen Waffen der ver- 
schiedensten Nationen Europa^s. Leider ist die Beleuch- 
tung auch hier so ungünstig, dass diese höchst anziehen- 
de Sammlung zur Besichtigung durchaus nicht geeignet ist. 
Ihr Hauptinhalt ist folgender: 



seinem Tode verfertiget. Die Darlegung der vielen trifttgen Grunde 
wurde hier ssu weit führen. 

10 



14« WAFFBN FRBMDBR MÄCHTB. 

I. Gl aas ehr an k* Oberhalb: westphällsche, badische, 
wfirtembcrgUchc ; unterhalb: dänische, schwedische, russische 
Waffen* 

II. Glasschrauk. Oberhalb hoUäudische, unterhalb en|[f- 
lische Waffen , dabei ein indisches Infauterie-€towehr aus der 
Fabrik Schehai Agiahi im Reich hdhqre (Gewicht Pf. S| Lth.) 
fibergeben vom Baron HuaeBL. 

IIL Glasschrank. Oberhalb prenssische ^ unterhalb 
bairische und spanische Waffen. 

IV. Glasschrank. Oberhalb spanische und italienische, 
nulerhalb ftranzdsische Waffen ; dabei ein französisches Ehren« 
gewehr, wie derlei die A-anz. Nationalversammlung Soldaten 
schenkte , welche sich in der Schlacht ausgezeichnet hatten ; nicht 
selten waren sie mit Silber montirt« Auf den^ Laufe des vorlie- 
genden ist in einem Lorberkranze an der Seite : yyAMsembläe Na^ 
tionale^^ und in der Milte „La Lof^ zu lesen. Der Xame des 
Tapfern ist nicht mehr leserlich, er wurde — wahrscheinlich 
durch seine eigene Hand, vielleicht noch auf dem Schlachtfelde in 
seiner leflten Stunde — ausgekratzt. Es ist nur in Eisen montirt. 

y. Glasschrank, (am Fenster) piemontesische Waffen«. 

VI. Glasschrank. Sächsische Wehren. 

Noch ist hier ein fiberaus schwerer Tiroler-Stutzen von 
grosser Tragweite aufgestellt , womit ein gefibter Schfitze seinen 
Mann auf 600 Schritte niederstreckt — eine Art unicum. Er ist 
auf einem Reff (das zwei Tragbänder besitzt, am es auf den Rfic- 
keu zu nehmen, gleich einer Batte, nach dem Proviuzialausdrucke. 
„Kraxen^O befestiget; auf diese Weise wird er, trotz seinem 
Gewichte auf die Schultern gehoben und aufs Gebirge geschafft, 
sodann zur Erde gestellt , und dasselbe Tragreff dient ihm nun 
auch als Schiessbock; eine ungemein sinnreiche Erfindung, die 
dem Tiroler-Scharfsinn Ehre macht. Er besitzt ein Kapselschloss 
und einen Feuerschirm (illeuduug von schwarzem Eisenblech we- 
gen besseren Zielens). Die Vorrichtiflig ihn zu eleviren und zu 
Stelleu, ist gut ausgedacht. Der Schütze kauert vor selbem, oder 
liegt auf dem Bauche; ist auch hinter der hölzernen Wand 
des Reffs unsichtbar, folglich um so gefährlicher. Diess Kunstge- 
schoss, von einem Einzelnen erfunden, diente ihm während der 
letzten französischen Invasion zur furchtbaren Wehr. Mit einem 
ähnlichen Stutzen, dem Vorbilde des hier befindlichen Stückes, er- 
legte der rüstige Tiroler, auf den Gebirgen lauernd, eine Unzahl 
von Franzosen. 



GESCBÜTZMODBLIi- KAMMER. 147 



GESCHUTZ - MODELL - KAMMER. 

(ABflOUL - WNIELL - Unm.) 

Wir betreten einen besonders reich geschmückten 
Raum, dessen Wftnde und. Decke wir mit einer Menge 
SchnsswafFeo, Stangenwehren, auch Hieb-, Stich- und 
Schlag- Waffen aller Art, gleichsam übersäet erblicken. 
Besondere Auftnerksamkeit verdienen die in die vier Ecken 
des Deckenstückes vertheilten Bidenhander , deren Kreuze 
und Parirringe jedoch oft zum Behufe bequemer Aufstellung 
auf klägliche Weise verstümmelt worden sind« 

Die Wände sind theils mit einer grossen Menge 
verschiedenartiger Radschlosspistolen überkleidet , theils 
mit einem Gitter kreuzweise übereinander liegender ,,R«ii/- 
schwerter^' des XVI. Jahrhunderts bedecket, deren Klin- 
gen beinahe sämmtlich mit Ansatz , deren schöne Gefässe 
mit den verschiedenartigsten Schwertknäufen auch ganzen, 
und halben Maulkörben (Handkörben} prangen, welche 
aber leider der gleichförmigen Anszierung wegen, sämmt*- 
lich schwarz übertüncht worden sind, wodurch den Ken- 
nern der Anblick manch schöner gehauener Arbeit an den 
Gefässen entzogen wurde. Ausnehmende Verschiedeiriieit 
herrscht in jener Masse von Schwertern, welche ober bei-« 
den Fenstern angebracht erscheinen. 

In den vier Ecken erheben sich thurmartige Gitter, 
aus alten Radschloss- Lunten -Gewebren gebildet, (da man 
noch im XVII. Jahrb. wegen sicherern Gebrauches häufig 
beide Vorrichtungen an demselben Gewehre anbrachte.) 

Auf den Stufen abwärts decken die Wände: 

t45, SStAfyfifU fi^tiiar3e Jlurof)>^ IHniß tnib^ Vuduti ; 
Qbtt jebtm eint ^dfwatyt 9vafimtv^mbt mit Va- 

ftntxfen. Die Brustharnische sind meist schwer gearbeitet 
und etliche besitzen die Kugelprobe , die Stormhanben sind leich- 

10 * 



t4d ZWBITJE LANOSBIYS» 

ter, doch ebenso eiufach g;esctila|[^eii, und Atammeu ans verscbie- 
denen Zeitrftumen her. Jene mit hdherem Hirns tfick sind 
älter, und wurden im dreissigjfthrigen Kriege sowohl von den 
Dragonern, als auch (mit geringer Veränderung) von den schwe- 
ren deutschen Reitern getragen , welche die Engländer von 
ihrer schwarzen Rüstung ^,Shwarirutters^^ Cffchwarze Reiterei) 
benannten. Die Form sehe man in Finkb'sMbtrick; CPl. XL. Fig. 1 
luid PI. Xlill. Fig. 9.) — Zu Bnde des XVII. Jahrh. hatte sich 
die Form der HaiU>en geändert , die Geuickfolgen wurden schaiä» 
1er und kürzer , doch das Naseneiseu blieb ; — ja ähnliche (ge- 
schmacklose wenn gleich erspriessliche) schwarze Blechhauben 
mit Backen und Naseneisen trugen die Österreichischen Kfirasslere 
noch im neunten Jahrzeheud des vorigen Jahrhunderts, zu Kai- 
ser Josephs II. Zeit, in den Kriegen gegen die Tfirken ; eine wohl 
Manchem sonderbar klingende Thatsache. Am 7. und 8. Octoher 
1789 erfochten diek. k. Truppen den Sieg bei IFifikfeii/ und Pore- 
xeui. Sin gleichzeitiger Kupferstich der in Wien bei Trattnern 
erschien , zeigt die dsterreichischen Kflrassiere gegen di* Tfirken 
anreitend« Die Mannschaft fiihrt dabei Blcchhauben mit Backen 
und Naseneisen , dagegen Offiziere und Trompeter dreispitzige 
bordirte Hfite. Die Sturmhauben halten sich seit der Epoche des 
berflhmten Schlachtenmalers 6. Filipp Rugwcdas » der um 1700 
dtoselhen so hänäg abbildete, wenig verändert. 

Noch sind hier au den Säulen befestiget : 

246— »48. ^md ifitxxeidiifdft Iat)nen mi eine SStan- 

'büxtt. Sie würden oebst noch vier andern österrei- 
chischen Fahnen , nachdem die Franzosen selbe in früheren Krie- 
gen eroMlvt hatten , in der Invalidenkirche zu Paris aufbewahrt. 
S. M. weiland Kaiser Franz I. von Osterreich nahmen dieselben 
nach Höchstihrenr Siegeseinzuge in Paris U J. 1815 wieder in Be- 
sitz^ und sendeten sie i. J. 1817 dem kaiserlichen Zeughause. 

t49. 9xt ttidf 0ef4imfidlte ^«llt^etfce trägt in der Mitte 
sieben metallene Schilde, bemalt mit den sieben Wapeu 
Österreichischer Provinzen, nämlich: von Österreich ob der Enus, 
Österreich unter der Enns, Steiermark, Breisgau, Kärnthen, Ti- 
rol und Krain. — Eine Masse von Radschlosspistolen , Biden- 
handem , Bldenhanderkl Ingen and deren Kreuzen , so wie Mor-^ 
gensteme und andere Wehren zieren dieses Deckgetäfbl. — Wir 
bezeichnen aus der Zahl von vier und zwanzig dnrcbbro- 
ebeu gearbeiteten schönen Helmharten nur zwei : 



GESCHÜTZ -IIODKLL-KAMMKR. lO 

f50— 151. ^mtx fäßnt ^ut4)|l4)ti0 igefid^lagene J^elm- 

patUn f Vit txnt geS^t, Diese zwei Helmparten, bei- 
de an der Decke nahe dem Fenster ober Vrzhersoji: Mazüiiliaufi Rüs- 
tung anfgeheflet y sind Me schönsten der hier voHIndlicheu, beson- 
ders diejenige, welche mit kunstreicher Ätzung überdeckt erscheint. 

S5S, (Geriffelte ^tnrmiiatibe mit Uin0eti Backen ; (ober 

der Ansgangstbüre) ; mit Genickschirm und Loch zum Na- 
seueisen y welches fehlt. Sie scheint ungarisch , ist von seltner 
Form , und verdiente besseren Standpunkt. • 

S53. V^txiplU SStnxmifünht o^nt IHadteti; ober dem 

Fenster, nahe an der lederneu Kanone — Backen und Na» 
seneisen fehlen — minder hübsch als die vorige. 

Die Benennung dieses Saales, „die Modell kammer^^ erklärt 
dem Besuchenden der erste Blick. Die vier Ecken derselben sind 
nAmlich mit treppenfürmig anfstelgendeii Bühnen verseben , wo* 
rauf gegen achtzig Stücke zierlich gearbeitete Gescbits -Modelle 
verschiedener Nationen^ und zwar ftmnzösische, engllscbe, ita- 
lienische, preussische, holländische, türkische und andere Mo» 
delte von Festungsgescbütz , Feldgeschütz und Schiffsgeschütz, 
als: Kanonen, Haubitzen, Wurfkesseln, Petarden u. dgl. die 
Neugierde der Fremden anziehen. Diese sind jedoch nur einzelne 
Schaustücke, ohne bestimmten Plan aufgestellt | dagegen sieh 
die eigentliche Modellkammer auf der Seilerstätte beündet. Wir 
wollen die vier Ecken der Aeihe nach nur, kurz durchgehen^ 
da eine genauere Beschreibung die Mehrzahl der Leser ermüden, 
und deuiiocb Kennern kaum genügen dürfte* 

ßRSTE ECKE (dem Eingänge zur Linken.) 

a) In der obersten Reihe: 

f 54. ttianitt iudjter , glatter jftin%ert^aniir4l f&r eitif ii 
fe4|0ja^ri9ett ünaben ; babei eine t^Uftt ^tttm- 
Idttbe tinb ktettie jipeliii|iarte. 

B.F.W. F. Die schüii geätzte Sturmhaube mit zwei Backen 
gehurt nicht dazu. Die Brust ist die eines aUecret, die Schien- 
heine besiUen KnOchelreifen (Folgen). — Das Machwerk ist in 
die Mitte des XVI. Jahrb. zn setzen. 

Sfift — SS 7. 9tm fraii3i|tf4K Amcntn, mohti 1l0||r, 

jCaftte mib lUibtt me Bril^e. Zwei hieven Bind 
Feidschlangen, die dritte eine Festungskauone. Metallne Lafeten 



IM ZWBITB LAN6SBITK. 

49ebraacMe Mau öfters, allein von Bronae-41 ädern dürfte seil wer- 
lieh eine geAChicbtIiche Nachricht aofzofindeu sein. — 

b) In der sweiten Reihe: 

»58— S59. ^mx fcaniifif^t dtlagentn^^gefi^il^e^ 
mobet Vit VSlrer nni bie invifhto^tn ^tüvhtxteU 

iTaffete wn llronje. Rohre Dod Laireten, sind von sehr flelsh- 
eiger, schöner Ansfßhmn^y und dfirfteu als Modell, auch aas stra- 
tegischem Geslchtspnnkte betrachtet, den Anforder auj^u geufii;[;en, 
da sie nach den gehörigen Verhältnissen gearbeitet scheinen^ eine 
Beschafenheit , die man in früherer Zeit leider vergebens sucht. 

560. MoitH iintt ^^otpttaxU anf i^xtm MaMUbxttt 

561, Moitli txntB ff4)0far^en JHSrfem« seeha Warf- 

kessel ans Stüokgat sind nebeneinander an eine gemeiu- 
sohaft liehe Achse gegossen, und die sonderbare ZusammeHsetsiing 
ruht anf Bronzerädem, und läafl nach hinten zu in eine Art bron- 
zenen ProtzstociL ans. — Jeder Mörser kann allein losgefeoert 
werden , oder auch alle mit einem Male« 

B. F. W. F. Der Binfall , LaiFeten nnd Achsen aus Metall 
zn verfertigen, wurde wiederholt ausgeführt* Die diessfälligen 
Versuche mögen hier stehen : 1691 versuchte man in Frankreich 
zu leichten Vierpfündern mit langer Kammer , stab- und gnssei- 
senie BocklaiFeten. — 1097 versuchte Fouard stabelseme Laf* 
feten mit vielem Glück für Feld- und Belagerungsgeschütz; die 
Achsen für das Feldgeschütz waren von geschmiedetem Bisen, 
die Räder von Holz; sie wurden In grosser Anzahl' bestellt« Fre- 
zell^res's Versuche mit gusseisemen Laifeten geriethen eben- 
falls. — Um 1797 hatte man in Frankreich Mörserschleifen von 
Holz , Stabeisen , Gusselsen und Bronze« Mehr hierüber, so wie 
Abbildungen von stabeisernen (fer baitn) Laffeten und gussei- 
sernen Rädern für ViernndzwanzigpfÜnder und dr<||er, kann man 
Tab. 97., auch Abbildungen stabeisem^r Laffeten und stabeisenier 
Räder sammt stabeisernen Protzen, etc. für leichteres Geschütz: 
Taf. 38.im 1. Bande der M^moires de Partillerie, von Su- 
RIRET DK Saint Rbmt. C4. Amsterdam. 170t.) üuden* 

Mit metallenen Achsen war mau minder glücklich. — Im 
Jahr 1826 wurden GardelTsche eM»erue Geschütze probirt. Sie 
hielten beim Beschiessen in grosser Kälte, während ihre eisernen 
Achsen sprangen : Ums J. 1684 sollen die Türken eiserne Achsen 
und blecherne Räder (?) gehabt babmi; — und 1717 schlug Cor- 



GKSCBÜTZ-MODKLL-KAMMKR. IM 

noiitftlgiie vor, MSrser auf Caiionen-Iiaffeteu M Bela- 
gemngeii auzaweiiden. Aber 177t kam nan «chou sar Überse«- 
gnngj dass eiserne Achsen trotz einer doppelten Probe auf ebe- 
nem Wejfgfe jserbrechen. 

96t. €tn Mivftt auf UUxt Art 311 eUlitrm. 

Der hier befindliche Broiize-M5ser wird durch einen eiser- 
nen vorne aiigebra|tten Quadranten elevirt, den eine vor der 
Schleife horizontal ruhende Schraube hfltt. (Eine ähnliche Vor- 
richtung beschreibt Brand, gründlicher Unterricht i. d. BQcbsen- 
raeisterei. 1713). Einen ähnlichen Mörser der Art ans dem sieben- 
jährigen Kriege werden wir unfern der Luxus-Kammer sehen. 

c) In der dritten untersten Reihe: 

f63— S64« 3wti XHxftxmoUVit mit 9ommivlfi)tn 

jftamilUirif« Jeder derselben dürfte allenfalls ein 
SechzigpfÜiider sein, Cobwohi aus Modellen , bei welchen der 
Masstab mangelt , kein sicherer Schluss zu ziehen Ist) und trägt 
die Sparen seines Gebrauches. Der Florentiner Petri erfttnd lu 
Paris die M5rser mit kegelförmigen Kammern C3 Kaliber hoch, wo- 
von der Flug zwei Kaliber einnahm; die Kammer schloss sich 
mit 7 Kai. ruud^ und die Richtmaschine war der jetzigen ähnlich). 
Da bei solchen Kammern, wie sie noch itzt in Sachsen Üblich sind, 
Cdagegen Preussen und England cylindrische Kammern haben), die 
oben in den Flug des Mörsers einlaufen, sich die Bombe allezeit 
fest anfsetzt und nicht verkeilt werden darf, so wird dadurch die 
Genauigkeit der WQrfe ausserordentlich befördert. Desshalb führte 
sie der Marschall Gdmm6r 1785 als Inspeetor der franz. Artille- 
rie eiu^ wovon sie seinen Namen erhielten , obwohl er auch Mör- 
ser mit spanischen Ckegelförm.) Kammern giessen Hess. 

265. ^xof^tB MoUH tintB ientfcf)tn Jfteilgtfftril^etf« 

Die Einrichtung ist ungefähr dieselbe wie bei jenem, das 
schon oben (bei Eugens Koller) Nr. 151, 159, beschrieben wor- 
den ist. — Nun ist hier der Keil von Eisen, und dessen Hebel 
fehlen. Auf dem Bodeustficke : das Augsburger Wapen ^ und auf 
dem Langefeld : PRIMUM DECUS IN ARMIS. 

S66« |lltntfd)e0 fUelagerttngdgefi^S^ >e0 XVL Jal^r- 

^lin)ert0. Eines der merkwürdigsten Stucke dieser 
Kammer, d^ genaue Beschreibung verdient. 

Das Rohr aus Bronze, ist höchst zierlich gearbeitet. (Mttn- 
duugsdurchmesser 1 Zoll 9 Lin., die Länge des Rohrs 18^' 9*'% 



Ut 2WB1TS LANGSKITB. 

Dftt Lftiifefeld reich mit Retfeu and JUamenfriesen , 
Arabesken y Weinlaiib a. a, w. umgeben. Der Kopf ein wenig 
verstärkt. Unter den Kopffriesen die Schrift : 

D£R . EWIG . GOT . SEI . MIT . VNS* 

Auf den» Laugfeld: s wischen vier Eugelsköpfchen der ein- 
köpdge Adler, umgeben vom Goldenviiess-Orden. Oberhalb in ei- 
ner nabmeneinfassuug folgende Aufschrift : 



DEM . ALLEROVRCHLEVTIG- 
I8TEN. GHOSSMECHTIGISTEN 
FVRSTEN . VND . HERN • HE- 
RN FERDINAND« DEN RO- 
MISCHEN . AVCH . ZV HVNGE- 
RN VND BBHAIM • KVNIGBN 
INNFANNVIBN. IN HISPANIEN 
E.Z.O.H.Z.B.G.Z.D.M.R.G.H. 



Zwei sierliche Delphine auf dem Mittelstück. Auf dem Bo- 
'denstiick nnter einem Engelskopfe das Sprichwort : 

EXPERIENTIA . EST . RERVM . MAGISTRA. 

ANNO . 1544. 

Darunter ein kleines Wapen mit dem (böhmischen?) Lö- 
wen. Am Boden fries ein Kranz von Epheu, und das Zfindloch um 
welches sich eine Schlange windet mit Pfanndeckel ^"'). 

Um den Stossboden laufend liest mau den Namen des Giessers : 

HANNS WINFFANG^ 
statt der Traube ist auf dem Stossboden ein Hochbild^^jSftrstellend 
das Kniestfiek einer Dame, mit Federbarrett in altdeutseher Tracht 
zu sehen, in der Rechten die Sanduhr, in der Linken die Giücks- 
kugel haltend, mit der Umschrift: 

IVDIT BEDREOG OLIVEHNVS. (Judith betrog den Holofemes.) 
In einem weiteren Kreise um die Figur folgfude Schrift : 
OMNB . FATVM . CONSTANCIA . ROTAT. 



"0 Ein ähnTifihes Madsll aus derselben Zeit befindet sieh in der Wsf- 
feii-SaniDiIuiig des Verfasserfi. Jedoch ist Winffang nicht rein ge- 
gossen, und bei der Dame nur der innere SchriftkreLs BEDREOG 
etc. vorhanden. — Dedloation, Wapen und Wahlsprüche fehlen. — 
Die Laffete aber sammt Rüdem, mit schwerem Eisen besehlagen, 
ist weit jUter als die des kais. Zeughauses. 



GBSCRÜTS'MODELli-SABiBlKR. U$ 

ZWEITE ECKE (dem Anaghngt lur Recbleu). 

t67. J^alber Ixtifttt , geS^tet jftfaitf r(Knmtfiti fBr H* 
iten tiietj^rtsen ilnaben^ mit j|efi^l0f|reneiii i§tlm , 
babet eine kltittt ^elmbarte. 

B.F.W. F. Der ganze Haniiach, aaf den da« Aug»bar||;er 
Plattuerzeicheu gestempelt ist , weiset dieselbe Atzung aas, wie 
der Friedrlclis IV. uiid des Kais. Max I. , scheint also swisoheii 
1540 andl5>0, vielleicht von dem berühmten Angsbarger Platt- 
ner WiiHelm Seussenhofer geschlagen. Die Brust hat tiefen Bauck 
und 9,knechtlsche^^ Gange geschobene) Schosse, Ms nuten Knie. 
Der ftelm besitzt einen offenen gescbobnen Hals, und ein holder« 
seits gelochtes VIsir. Die Riitsen geingert. 

Die Bühnen entbaHeu nebst ■ehreren sehdugegOMonen Ka- 
nonen und Mörsern, deren Laffeten groosentheils ausser YerhAlt- 
niss verfertiget sind, einige Merkwftrdigkeiten , als: 

S68« <Citl j9anMKJrfftC6ranateii-Miisqiie<oii)aMJ^iilk* 

tat mit iliiitenf4)l0^^ um (ßrenaten 3« fii^tlbnn. 

f 69. MoUlL tttus 0cf4^n%^lfc0 (Bogen. KeiMtkoka.) 

B. F. W. F. Die Bronze-Kanone deren Seele mit Eisen ge- 
füttert ist^ ruht auf einer Casematten-Lafete mit Blockrftdern. 
Die sämmtliche Einrichtung um hierbei von hinten au laden , ist 
folgende : Mittelst eisernen Hebels wird ein eiserner Kasten der 
die Kammer eulhfllt^ nach oben geschoben, und hierauf in die 
Kammer die Patrone durch die vordere ölHiung eingebracht, wo- 
rauf der Hebel den Kasten wieder abwflrts sinken Iftsst. Der 
Hanptvorwurf gegen diese Erfindung dfirfto die zu grosse 
Schwere des Bodenstiicks sein. Um die Artdieristen beim Laden 
gegen feindliche Kugeln zu sichern , verfiel man auf mancherlei 
Einfälle ; einer der sonderbarsten war folgender : die Franzosen 
erfänden Festungs-Laifeten, welche excentrische Rftder besassen, 
deren Nabe nicht in der Mitte stand, sondern auf der einen Seite 
40'^ auf der andern nur 18'' von den Felgen entfernt war. Beim 
Abfeuern ward nun das Rad mittelst grossen Durchmessers so 
viel erhübet, dass die Kanone über Bank schoss. — DuVfch den 
Rücklauf sank sie von selbst auf den niedrigen Durchmesser, 
und konnte völlig gedeckt , hinter der Brustwehr geladen werden. 
Freilich bedurfte man zum Transport anderer Rfider, und massto 



tu ZWmTB LANOSBITB. 

die exceutriflcheu besonders nachführen. Dagegen half man sich 
wie folgt: GoMsendi erfand ovale Naben mit zwei lidcheni^ einem 
eoncentrischeu und einem excentrischen. Das erste Loch diente 
cum Transport t das zweite znm C^ebranch des Geschützes. Im 
Jahte 1787 wendete man diese Erflndang zu Metz mit Vortheil 
an. (HoTSR, Gesch. d« Kriegsk. II. 900.) 

%1\. JHo^eU einer iSimmt^ meldte man fe^tjefin JHal 
abfentrn kann^ btti^r man mU^tr ya lalrtn bran4lt, 

B.F. W.F. Auf hdlzerner Laffete raht ein Rohr aus Stfick- 
gut, das am Ende des Bodenstflcks einen scheibenförmigen Kas- 
ten besitzt, worin sich sechzehn Kammern mit sechzehn Z&iidld- 
ehern beflnden. — Im Mittelpunkte des Kastens ist eine starke ei- 
serne Achse befestiget, welche mittelst metallnem Hebel beliebig 
gedrebet werden kann , theils um jede Ladung von hinten einzu- 
bringen, theils um die Eingebrachte vor die Seele zu schieben. 
Noch ist bemerkeuswerth , dass die Scbildzapfen hier nicht ans 
Bohr, sondern an einen Ring gegossen sind, in dem sich das 
Rohr nach Bedarf rund umdrehen lässt. — Letztres ist desshalb 
uOthig , weil acht Kammern oberhalb und acht unterhalb (um das 
Gewicht des Kastens zu mindern) angebracht wurden \ daher der 
Kasten nach achtmaligem Feuern gedreht werden muss, um die 
andern acht Ladungen loszubreunen. — Die Schwere dieses Ge- 
schützes und die Unbequemlichkeit beim Visiren, scheinen seiner 
Anwendbarkeit in den Weg zu treten. Seine Biurichtaug ist auch 
zusammengesetzt, und ohne Abbildungen kaum verständlich zu 
machen. 

BÜITTE B CICE (gegen die Rechte). 

Vit. tfanjer ludjter glatter j^arnifd)^ fSr einen 3ei|n- 
jabti0en jftnaben. IPabet eint kleine j^eimbarte. 

B.F.W. F. Der geschlossene Helm (Bourguinot) ist am 
Visir nur rechts gelochet, der geschlossene Hals geschoben. Die 
Achseln besitzen geschobne Vorder- und steife Hinterflüge. DiiD 
Brust mit tiefem Gamsbauch und geschobnen Schdsslein. Armbeu- 
gen und Kniekehlen oflTen, gefingerte Eisenhandschnhe, Bein- 
röhren ohne Knöchelreifen, Ffisse breitkolbig. Der Harnisch scheint 
zwischen 1560—1570 geschlagen. 

Die Modelle dieser Bühoen bieten keine Seltenheit dar. 



GESCHÜTK-BrODELL-KAMMSR. lU 

VIERTE E CKE Uem Slngange sor ftochtm). 

273. €^an3er lit^ttv plattet i^aniif^ fSt ehitn üJ^- 
ji\)UQtn jftnaben. jDabei eine KUttie ^tlmbattt. 

B.F.W.F. Der Helm besitzt einen geschobenen offanen 
Hals, das Yisir beiderseits gelocht. Amibeagen and Kniekehlen 
offen; Achseln mit geschobenen Vorder- und steifen Hintertflgen ; 
der Gamsbauch nicht tief. Geschobene Schosse, mit halben Unter- 
dielingen; die Beinrdhren ohne Knöchelreifin (Folgen); dieFftsso 
breitkolbig. Der Harnisch mag am 1560 geschlagen sein. 

Folgende Modell-eeschfitze durften Brwfthnnng verdienen* 

a) In der obersten Reihe: 

274. JPappel-jftanone auf vttiolMtr tafeU. Zwei 

Rohre ohne Delphine sind aneinander gegossen nnd rohen 
anf einer gemeinschaftlichen h9lzemen nnd vergoldeten Schiffs- 
Laffete. Jedes Rohr hat sein besonderes Zündloch, doch besitzen 
beide zusammen nörgeln Paar Schildzapfen. 

275. MpUH eiltet tnrKif4)eii SS^ip- ^Mpnt. Das 

Rohr ohne Delphine rnht auf vergoldeter Schiffs -Laffete; 
(bezeichnet : Can. Tarco da SO. d. i. ein Dreissigpfflinder). 

b') In der zweiten Reihe weiter abwftrtsr 

276—277. Jtiiet0toße fpanxf^ Si^if0$tf^Slf^M$UlU. 

Das erste und letzte Stfick dieser Reihe. Sie sind ohneDel^ 
phiue ans Stfickgnt gegossen, ruhen auf vergoldeten Scfaiff-Laffe- 
teu und anf das Bodeustfick des einen Rohrs ist der kaiserliche 
Adler, lungebeu von der Kette des golduen Vliesses gravirt. 

B.F.W. F. Der Mangel der Delphine charakterisirt ein 
Rohr nicht als Schiffsgeschfitz; wir haben in der zweiten Ecke 
melirere Feldschlangen kennen gelernt, die sftmmtlich die Del- 
phine entbehren, doch gibt er einen Anhaltspunkt. Weit deutli- 
cher sprechen seine gedrungene Kürze, Schwerp, und die Schiffs- 
Laffete für seine Bestimmung. — Übrigens diene die Bemerkung, 
dass die FeuersteinschlÖsser beim Schiffsgeschfttz sehr spAt (erst 
seit 17883 eingefniirt wor^u sind. 

278. ^i^ifokditone mit ^reifad^er SStdt. Das Rohr ohne 

Delpliiue, in welches drei Seelen, die Mfiudnngen ein 
Dreieck bildend, vertheilt sind, besitzt doch nur ein gemeinschaft- 
liches Zündloch; dies Iftsst schliesseu ,.;4^iss hiebei die Ladung 



l«i 0WKITB LANeSCITV. 

aar alte Art gMchali ^^}; of« raht aaf hSlserndr vcrigoMeter 
Schleife. 

B.F.W« F. Derlei Rohre mit mehrereu Seelen siud nicht 
aelteii: Im Castell S. Augelo zu Rom stand beim Klnganji^e ein 
Slttck mit fSnf Mttn4an|(ett In ein em Rohr, jedes zu einer Kaie^ei 
p. drei Pflind gebohrt , die alle ungleich und jedes einzeln abge- 
brannt werden konnten. Dies Stfick hatte das Mass der Bastard- 
Falkonete za 31 Kaliber LAuge mid 7 Kaliber Dicke. — Eine ahn- 
liebe nen gegossene Kanone war Im Jahr 17A5 zu Dresden ; in 
das Rohr waren sechs Seelen In die Runde und eine Im Mittelpunkt 
gebohrt» Die sieben ZAudlftcher waren im Bodenstttcke In folgen- 
der Einthellung: o 

O 

o o 

o o o 

in Näpfchenform aufgegossen. Jedes Rohr konnte för sich allein 
abgebrannt werden (sobald die fibrlgeu mit Pfropfen geschlossen 
waren.) Das Rohr hatte beiläuilg zehn F^ Lauge, und jede 
Bohrung war etwa auf zwei Pfund Eisen. 

Hierher gebdren aach die bekannten Rcbhühnermörs er, 
weloke der Florentiner Petrl zn Paris erfunden hat, und 
die vorzflglich bei der VertbeldJgnng von BauehaiH 170S, sowie 
in der Belagerung von Lilie 17418 gebraucht worden siud. — Sie 
bestanden aus einem 8 bis 10 zoll. Mörser mit konischer Kammer, 
unr dessen MAndaug herum IS kleine , zn Handgrenaden einge- 
riehlete Mdrser mittelst zweier eiserner Bänder befestigt waren. 
(Hona. Geschieh, d. Kriegsk. II. Bd. S. «6—28.) 

«79. €urktf(i)e0 Si(i)xpitfii)ntf anf oergol^eter ^d^Uife. 

Kurzes geschwächtes Rohr, ohne Delphine, auf dem 
Langefeld der türkische Halbmond und darunter ein Stern aus 
eingeschlagifnem Silber. — Am Ende des konisch zulaufenden Bo- 
deuslflckes ein eiserner Quadrant zum Richten. 

»80. Mivftt Hilf VttiülMtt SSfifltift. Br hat ähnliche 
Einrichtung wie der bereits N. 962. besprochene, nämlich 
vorne einen eisernen Quadranten ^^ zum Richten. 

c) In der dritten und untersten Reihe: 



"'} Anfangs lud man mit der l^sdschaufel , — hierauf gebrauchte man 
Patronen , die man , bevor man sie einbrachte , hinten aufBchnitt, — 
erat später eraefeeini 4iß Raumnadel. 



GESCHÜTZ' MODISLL- KAMMER. IST 

*«1. MeUH einet Meinen |fetmr>e« 

>atan0 tf ronaten jn tuerfen. Er ist mit RAdseiilofls 

versehen and aeln Bau , so wie seine ScIUlflanf deuten an , daee 
er sa Anfang des XVll* Jahrii« verfertiget worien ist. Einen ftbn- 
liciien aas der Zeit der Köuiglun Biisalietli zeiget Finte'» Manmi 
Tab. GXVII. F.^1. Wir lialien einen HandsiSMer ans jttngerer 
Zeit bereits in der zweiten Ecke snb Nr. 966 aufgesiUt. 

S83. &v0^n Untfii)t$ jftanonenma^ell mit Ut lottana^ 

B.F.W.F. Diese Kanone verdient wegen iirer scMaen 
Arbeit and ihrem Alter besondere Aufinerksaakeit« 

Das Rohr ist an mehreren Stellen mit erhabenem Laobwerk 
geschmficlKt. Auf dem Langefejd schwebt eine schöngebildete Fi- 
gur, die Göttin Fortuna aaf der K4igel. iu der Hand das Glflcks- 
rad haltend. Unterhalb ist aniBOdeustOdc eine B&reigagd, mit 
JAgem in altdeutscher Tracht, Hunden a. «. w. zu sehen , die als 
Fries um den Stossbodeu lAuft. — Has Rohr ist in die Zeit Kai«' 
ser Karls V. zu setzen ^ die Laffete jedoch von jüngerer Arbeit. 

%S4. JHontecnrcoU , Hatmnnb ^xüf, /firfl tum Melft^ 

Cgebor. 1608, aeit 1667 Geoeralnajor, seit I «64 Hof- 
kriegsraths-Pr&sident, gestorb. 1681, im 78. Lelienajalire.) 

Jetiie^ Ifanjerliemt , >aranf eine i^aUkette ün$ stlbtm 
JHetatt mit farlitfen Steinen , nn> mel^rere jelbe inter- 
ne genietet. jDabei ein lied^ter glatter Motian, an ^en 
Orten mit erijobenen Agaren äM nergoOeter f^nmje 
oerjiert "*). 

B.F.W.K. Das Drahthemd scheinet wirklich diesem tapfe* 
reu Heerführer zu eigen gewesen %ft sein, denn der Gebrauch der 
Panzerhemden reicht noch durchs ganze XVII. Jahrhundert herab ; 
(mau vergl. das hierüber bei Apaf I Nr. 89 Gesagte) und sowohl 
sein GeM'icht als seine Feinheit sprechen dafßr. — Allein die 
Sturmhaube^ gehört offenbar einer weit Alteren Zeit an. Auch ist 
Im ilmt lieben luveiitare nur von einem Panzerhemd die Rede. Die 



"0 Im PARIAEB-MUSKE DE L*ARTILL£RIE befindet sich: 

F.iii Hämisch, von dem nur bemerkt ist: Raymond de MontecuceoU 
generai de$ iBnii€«rimy»ei*ialtf«, morC Mi 680. Notlce etc. p. 19. n.79. 



1)8 SWSITB CANeSSITK. 

Form der Starmhaabe iiAhert sich sehr jener der Moriaiui , wie sie 
schon vor Alba^s Zeit bei hohen Herreu Qblich £;ewesen wa- 
ren, and wenn wir das reich mit Arabesken and LöwenkÖpf- 
oheu gesdunflckte Bronze-Stirnband betrachten , so dringt sich 
uns unlAn4i;bar die is^rosse Ähnlichkeit mit Kaiser Karl Y. schd- 
ne« Harnische im Kaisersaale auf; — ja es wird sogar wahr- 
s eh ei nlich, dass dieser Morian daxu gehörte Cwie denn 
die Harnische der Ritter h&afige Wechselstttcke besassen). Sturm- 
hauben auf dem Haupte hoher Herren , waren damals nichts Selte- 
nes ; mau vergl. s. B. die dreikammige Sturmhaube , mit welcher 
der nusterblicfae Tizian den Kaiser Karl V. lu ganzer Figur zu 
Bosse sitzend malte, welches (vemAlde noch heutzutage in Frank- 
reich aufbewahrt wird. C Abgebildet in dem Pracht -> Kupferwer- 
ke : die QaUerte wm OrieansJ) 

Noch sind zwei Stttcke an den Fenstern zu erwähnen : 

» 

t85. tfitu U>fme j(lan0ne^]iield)e >U SStait 3ini$' 
hnt§ im Ja||t 170* SS. M. bm jftatfet Jafefiii I. 

B. JM. Kaiser Joseph I. hatte im Jahre 170S zweimal Lan- 
dau eingenommen , nnd ulabei Proben seines militftrischen iSeistes 
und persönlicher Tapferkeit gegeben. Der grosse Bugen wirkte 
noch unter diesem JMouarcbeu mit voller Tbfttigkeit , kein Wun- 
der, dass damals die österreichische Macht in vollem Glänze 
leuchtete. 

Die genauute lederne Kaiioue ist mit vergoldetem Kupfer 
fiberzogen , mit zierlicheu Delphinen versehen , welche ein Paar 
Nereiden darzustellen scheinen , und ihr Zfindioch ist nicht ober- 
halb, sondern im Mittelpunkte des Stossbodens augebracht, wess- 
halb die Traube , unter der es verborgen liegt , zum Abschrauben 
eingerichtet ist« Sie ruht auf einfacher leichter Lalfete, nnd ihre 
L&nge betragt Schuh 4j- Zoll , der Durchmesser der Mttndung t 
ZoU 6 Linien Punkte, Wieuermass. Der Mangel der Richtma- 
schiue zeigt genOgend, dass sie nicht zum Gebrauche, sondeni 
nur als Schaustftck gedient hat. 

B.F.W. F. Man nimmt gewöhnlich au, dass die ledernen 
Bfichsen vom Könige Gustav Adolf erfunden, und zuerst gebraucht 
worden seien, weil sie wegen ihrer ungeheueren Leichtigkeit gut 
zu transportiren waren. Allein es finden sich fOr ihrfi*üheres Beste- 
hen, wenn auch in kleinerem Masse, uulftugbare Beweise; so 



GESCHÜTZ -MODSIiL'KABfMSR. Ut 

z, B. helsst es iu dem Landshwter-'HanUitekemner^IniMiUmrf de 
auuo 156S Cp* 36S N. mihi 45) s I» <l^ Camer $egem dem HanUtek^ 
Stuhl übeTf in ainem grauen versehiossn CaHen : JM Um$e Uäeme 
Puwn mü^ambt den Modi tmd Spornen At ainem Hdemen Sagkh. — 
Obwohl nun diese lange Büchse nicht sehr grostf gewesen sein mag« 
da sie in einem Kasten 9 (worunter man damals eine Art Truhe, 
oder Kiste verstand) aufbewahrt worden ; so kann doch insbesott« 
dere, da auch der Kngelmodel erwähnt wird, wohl kein anderes 
ledernes Rohr gemeint sein als eines zum Schiessen. Dass CkistaT 
Adolf die ledernen Bfichsen vervollkommnete, ist nicht sa leug- 
nen; er f&hrte sie 1696 bei seinen Truppen ein, und belagerte da- 
mit Wo rm di t. Allein als S rf ind e r darf weder dieser König, 
noch der firühereJlfolciUl9rtioii Warmbrandiy noch der nordbrittische 
Baron Robert Scot Cder sich mit 200 Mann in des Königes Gustav 
Adolfs Dienste begab) augesehen w^erden; die Erfindung ist 
offenbar weit Alter. — Übrigens rechtfertigten die ledernen Ka- 
nonen nicht die hohen Erwartnugen. Schon im J. 16S1 schaffien 
die Schweden die ledernen iSeschiitze wieder ab , weil sie sich 
in der Schlacht vor Leipzig so sehr erhitzten, dass sich die Schös- 
se von selbst entzündeten , und weil sie nur kurze Schussweiteu 
gaben. CSie hatten nur 7 kngelschwere Ladung). 

Bin lederner Mörser um Bomben daraus zu werfen , wird 
auch iu dem grossen Arsenal zu Venedig aufbewahrt. Er soll, wie 
man dort angibt, vom Jahr 1 940 herstammen, allein er ist weit 
jünger. Man erinnert sich hierbei auch der mancherlei Stellvertre- 
ter des Geschützes als: der Erdmörser, Eiskanonen, höl- 
zernen Kanonen, der hölzernen, leinwandnen und 
der strohernen Mörser, und der hölzernen Wurfffts- 
ser; von welchen aber nur die letzten sich als sehr wirksam be- 
wiesen, wesswegeu auch ihr Erfinder, ein Schmiedgeselle, zum 
Lieutenant bei der englischen Armee erhoben worden ist. Mehre- 
res hierüber, so wie über Verfertigung der ledernen Kanonen, fin- 
det man in Hendl. 4. 321 ^ wie sich lederne aus eiserneu bildeten 
ibid. 1. 870 — 278. anch Mater ad 1626. Hölzerne Kanonen sind 
schon wiederholt um 1525 — 1530 erwähnt; so erzfthlt eine kleine 
Wittembergiscbe Chronika d. a. 1553: Als der Kaiser Anno 1530 
in der Pfingstwoche auf München %u zog , kam ihm der Adel 
yyfast wohl gerHst mit Harnisch^ Spiessen vnd Federbüschen eine 
halbe Meile Wegs von der Stadt entgegen. Auch ist das FeUge^ 
schütz bey hundert stücken dahin gefurt worden y des gleichen 
ein hulzene Buchs bey achzehen schug lang , mit eisen ringen 
rberwundeny die man den Bawren vor Rastag (Rastadt) bep 



IfO ZWBITB LAN68B1TB. 

• 

Smiitkmrg genommen A«f. (l. c Fol. 118. b.) Die Chronik besielit 
sich liter auf jene« damals allbekannte Sreigules dea Jahres lj(t59 
In welcheni die aiifrflhrerlschen Banern aus 0olliiigy Rauris, 
Gasteiii n. a« O. eich gegen ihreu rechtmAssigen Landesberrii, 
den ErzUschof Mai tbAua Laun; von Salzburg aus Rache y 
weil er Blnlge vou Ihnen des Glaubens halber umbringen lassen, 
empört hatten , und sich anschickten , denselben in seiner mächtl^ 
gen Veste auf Hohensalzburg zu belagern. Sie benutzten zu 
dieeem Zwecke eine alte RftderbAchse, die sie in einem Hanse 
unter der Erde yergrabeu gefunden hatten, und eine h91zeme grosr 
se BAchse, aus Holz gebohrt, und rund um mit eiser- 
nen Ringen beschlagen, die zu Rastadt verfertiget woi^- 
den war; auch gebrauchten sie andere, theils„hdlzerue^* thells 
aus „dickem Leder verfertigte BAchseu,^^ um damit 
Steine In die Veste zu schiesseu. — Sie richteten aber damit nichts 
aus, dagegen der tapfere Brzbischof Matth. Laug (derselbe, 
dessen Harnisch in der k. k. Ambraser -Sammlung aufbewahrt 
wird) ihnen mit Doppelhaken, Falkonelrt9n und anderem Feld'ge- 
sehoss aus der Veste hart zusetzte-, und sich Aber 14 Wochen 
lang mit seinen Getreuen tapfer hielt , bis er von Herzog Lud- 
wig vou Baieru entsetzt wurde. — Die Bauern hatten diese gros- 
se BAchse vor das KAsterhaus auf dem Dornfk-eithofe zu Salzburg 
gefAhrt , ein Loch durch die Kapitel gartenmaner gebrochen , und 
schössen durch selbes nach der Veste. (!) Dies thörichte Begin- 
nen gab mehreren Zeitgenossen Aiilass zu wiederholten Witze- 
leien, und einer derselben Hisrontmus Anfang machte am 14. 
Julius 1A96 darauffolgende DIsticha: 

Aeuea quae füeram, fluxit Pinzgoia liguo, 

Pellere cum Dominum non bene sana cnpit. 
Ut(|ue soleut strummae circumdare rustica coUa , 

Ferro sie muUis orbibus arcta fui. 
Hiuc etiam fortes ferro diffludere muros, 

Turgida praesumpsi pulvere sulphureo. 
Sed mea cum s t r u m m 1 s merito justisslmns beros 

Servili pressit coHa superba jugo. 

Die gesammten Vorfälle dieser Empörung kann maii bei 
L. HülBNBB (Beschreibung der bochf. erzbisch. H. n. Resid. Salz- 
burg II. Bd. mit 3 Kupf. gr. 8. Salzb. 1793. im «. B. p. 11—68) 
umständlich beschrieben finden. Derselbe Verfasser erzählt auch , 
dass zu seiner Zeit noch auf der Veste Hohensalzburg im 
grossen Zeughause „einige lederne Si P f. Bisen seh i es- 



GESCHÜTZ-MODELL -KAMMER. 161 

sende, und si/^ei httlseriie Stücke, deren sich die Re- 
belleu wider Matlhäns Lang bedient hatten, and in den ftlret- 
lichen Zimmeni ein zwfflf Fuss langer Abrias eines 
hölzernen Stückes, dergleichen dieRebellen ffihr- 
ten^^ zu sehen waren. Q. c. I. p. 311— SK.) 

286. JRartmUtati (Y.) ^tjllttt^og von <B)rßerrei4^ 

(gebor. 1756 , seit 1784 Churfarst zu KöUo , gest. 
1801 in seinem 45. LebensjahreO j^albt blanke Vu^nnj 

aw^ltti^bU^, mit ituf|tti0tiien mt^imtn^en bef^la^rn; 

(neoerllcbe Spänglerarbeiti« Sie wurde Terfertiget, um S. K. Ho- 
heit Maximilian Erzherzog von Österreich im Jahre 1770 beim Rit- 
terschläge zu dienen. 

B. F. W. F. Bin Degen, der dabei befindlich, verdient Er- 
wähnung. Auf einer neuen Klinge sitzt das schöne alte Gefftss 
aus gehauenem. Eisen , reich mit goldner Tausia geziert. Die 
Rüstung, dies unbedeutende Spenglermach werk, für eine kurze 
Feierlichkeit, ohne die historische Form eines bestimmten Zeit- 
raumes festzuhalten, verfertiget, erhielt deunoch bleibenden Wertb. 
Einer der grössten Helden in Österreichs Geschichte : Karl 
Erzherzog zu Österreich (gebor. 1771.) ist in derselben 
zum Ritter geschlagen worden , und der Erzherzog — obgleich 
nur in unscheinbarem Biechgewande den Ritterschlag empfangend, 
— hat dieHeldeukraft, Ausdauer uud den Muth der alten Ritter-^ 
weit den Zeitgenossen tüchtiger bewährt, als mancher Ritters- 
maun, der in dem echten alten Stahlwamms hier die Säle 
schmückt. 

Bevor wir diese Kammer verlassen , wollen wir noch die 
Harnische ober den Thüren und Fenstern einiger Blicke würdigen. 

t87— Ü94. Ad)t ^albt lit^tt i^avni^^t, wt^bti mexft 
SStnvml^mbt, IHrtt^ nxib Vnckeit nnb ganjei» Amt« 
3en0 ^ m^ etlt^e J$tn^cif. ^tUt ^Ut in Uv Veiten 
ein ^^tuert. 

B.F.W« F. 1) Ober der Bingangsthfir zur Rechten des 
Eintretenden : Brust eines Allecret **^3. Zwei Mäuseln aus dem 
XV« Jahrh« Sturmhaube mit drei Greifenkämmen. Eine betrü- 
bende Erscheinung ist, dass bei der Mehrzahl der vielen dreikäm- 
migen Sturmhauben, welche das Jiais. Zeughaus besitzt, die Bac- 
kenstücke fehlen. 

>^') AUeeret: man vergl. Finkb's Mbyrick, PUtte XXV. 

11 



16S ZWKITS LANGSSITS. 

)) Zar Linken: Brust mit Leibreifeii (Seliarz) nud'MAu- 
sein f aus dem Ende des XV. Jahrli. Dreikämmige Hanbe. 

Beide Harnische lialten ^^Heutscliwerter'^ mit sojg:. „s c iio 1 1 i-^ 
sehen ManlkÖrbeu^' (gtLuttn enggegitterteu Handkörben) , 
deren besonders die dritte Ecke viele vorweiset« 

3—4) Ober der Ausgaugsthfir zu beiden Seiten: Ein Paar 
Bniststficke Csammt Rfickeu} mit kqrzen Schossen , sammt Man- 
sein aus dem Ende des XV« Jahrh. Über beiden eine dreikftmmlge 
Haube. 

5) Am Fenster ober der ledenien Kanone^ zur Linken des 
Beschauers: ein glatter Aliecret, sammt Sturmhaube mit drei 
Greifeukämmen. 

6) Ebendaselbst zur Rechten: Ein halber Harnisch. Die 
Brust ein glatter Allecret. Die beiden ganzen Armzeu- 
ge sammt Handschuh aufs schönste der Lftnge 
nach gereift. Von dem (geschlossen sein sollenden) Helme Ist 
nur das Hirnstttck vorhanden. 

T) Am Fenster ober der Rfistuug des Erzherzogs Maximilian, 
dem Beschauer zur Linken: Halber Harnisch. Der tiefge- 
streckte Gamsbauch sammt dem vorhandenen linken S c h o o s 
auch die Vorderfiflge und Armzeuge aufs schönste 
geätzt. Der Harnisch scheint Venezianische Arbelt und um 15S0 
geschlagen. — Vom geschlossenen Helm ist nur ein Hirnstttck 
vorhanden. 

Sowohl Nr. 6 als 7 verdienten besseren Staudpunkt. 

8) Schöner blanker Allecret^ an demselben Fenster 
zur Rechten. Brust, Flöge und Armzeug an den Orten getrieben. 
Dabei ein Eisenhandschuh. An Hauptes Statt ein Hirnstttck wie 
das vorige. 

Hier endet die zweite Langseite des kaiserlichen 
Zeughauaes. Die Hesclireibang der zweiten H&lfte, das ist 
der dritten Langseite des gcossen Gebäudes, der Lor^ 
xnswaifenkammer, des Libnssa-Ecksaales , und der vier«« 
t e n Langseite , wird im zweiten Theile geliefert werden. 



-cm»- 






(AnERKUMrlH ZUM ERSTEI THEILE.) 



CZiir Seite 5Ü. Nr. 50 



^tbtmdt Ut |fttar>eti. 



Im Jahre 1660 besass die gesammte prensBische Artillerie 
nur zwei Thor- und zwei Palissadeii-Petardeii, und im Jahre 1784 
besoldete die kaiserliche Feld-Artillerie nur eiueu Oberpetardier 
(Hauptmann) und einen Unterpetardier. So M^ie jede Erfindung 
sich allmäUch vervollkommnet , geschah es auch hier: zur Zelt 
Montecnccoli's kannte man bereits Thor-, Palissaden-, Ketten*, 
Gitter-, Fallgitter-, und Minen - Petarden. Abgebildet findet mau 
sämmtllcfae Gattungen und zwar im Durchschnitte in den Commett^ 
tariis bell, Raimundi Princfpis Montecuccoli, Fol. Vtennae 1718. 
p. 30. und vielen Artillerlebiicberu jener Zeit. Man kam endlich 
von deren Anwendung ab, weil das Aulegen der Petarde etliche 
Menschenleben uuuötblg in Gefahr brachte, und durch iünioueu , 
welche man in kurzer Schussweite auf die Hiegelu des Thores 
richtet y eine Ähnliche Wirkung zu erzielen ist ; endlich well heut- 
zutage die Festungen zu wohl verwahrt sind, um Petarden an- 
bringen zu können; — allein in. gewissen Fällen gewährten sie 
otTenbar Vortheil , als bei Mangel an schwerem Geschütze ^ oder 
bei sumpfigem Boden , zufolge dessen das schwere Geschfitz nicht 
vorwärts zu bringen ist. Dies zeigte sich in neuester Zeit. Als 
die Bugländer im Jahre 1841 einen Sturm auf Canton unternah- 
men, beschlossen sie das Nordthor mit einer Petarde zu sprengen, 
und zwar aus den oben angeführten Gründen. 

Die älteste Weise , eine Petarde zu gebrauchen war : man 
bohrte an das Thor, das fiber den Haufen zu werfen war, eine 
starke Eisenschranbe au , hing au selbe die Petarde , und gab 
hierauf Feuer. Da aber bei FallbHickeu, Wassergräben u. dgl. 

11 ♦ 



164 GEBRAUCH DER PETARDEN. 

dieae Art anausfQbrbar blieb , so gerieth man auf folgenden Ein- 
fall: aiia Ende eines langen Balkens, das mit starkem Stachel 
versehen war , wurde die Petarde befestiget* Der Balken M'urde 
auf einen Karren gesetzt , nud hierauf heftig gegen das Thor ge- 
schoben. Drang der Stachel ins Thor , so haftete auch die Petar- 
de, nnd mittelst Lauffeuer wurde sie losgebrannt. FLSfifMiNG 
(deuts. Sold. 446.) sagt: „die Petardiergage'^ sei eine gar 
ansehnliche Bedienung gewesen, sei aber nun Cd. i. 1726) abge- 
kommen, und werde nur noch von einigen Ffirsteu desshalb be- 
setzt gehalten , um selbe einem verdienten Krieger zu verleihen ; 
der Ckbraüch der Petarden sei veraltet , well man damit nicht 
mehr au die Thore gelangen könne , auch sei es mit Kettenpetar- 
den eine missliche Sache, denn sie gingen ja doch nach einmali- 
gem Gebrauche (d. i. fiber einem Flusse) verloren.^^ Man findet 
bei ihm eine genaue Anweisung zur Verfertigung der metalle- 
nen und hölzernen Petarden, wie sie geladen werden, der 
Brandröhren hierzu, wie sie angehängt werden, wie anch mehre- 
rer Gattungen als: Mauer-, Thor- oder Pforten-, Ketten-, 
Pallisaden- nnd Mienen-Petarden. Er schliesst damit: 
„Ob nun wohl vor Alters her die zwei Mittel (Petarden und Sturm- 
„leitenO beiden Surprisen öfters gebraucht worden, so ha- 
„ben doch solche zu unsrer Zeit gar wenig Credit mehr, nnd wer- 
„den gar selten gebraucht , als nur etwan bei einigen irreguia- 
„ren, mit alten Rundein und Mauern umgebenen Stftdten, item 
„die Petarden bei Schlagbäumen , Brficken , Gegattem und Palls- 
„saden, wenig mehr aber bei den Thoren, es sei denn 
„bei Städten, welche keine rechte Fortification haben , masseu die 
„heutige Art der Kriegsbaukunst nnd das Geschütze dergleichen 
„Mittel abgeschafft und für unnfitz ericaunt; daher auch ein er- 
„fiftbrener Mann gesagt, d as s mau heutzutage das Blut 
„der Petardierer so vergossen würde, könne in 
„Sieben wegtragen, um zu verstehen zu geben, dass der 
„Petardengebranch bei uns fast abgekommen sei.^^ 



(Zur Seile 36. Nr. 10.) 

^tmtraß U» Hatfer iUar I* 

Einen Beitrag zur Erklärung dieses Rosses liefert Fuggbr 
(Spiegel der Ehren), als er die Festlichkeiten jener Hochseiten be- 



STRCITR0S8 DBS KAISER MAX I, 16S 

schreibt, welche das uni^mrische, Mhmische nud SsterrelchisdM 
Regeiitenhaas nahe verkufipfen sollten. ^^Am 93. Julias 1515 
,,scheukte Kaiser MaximitUm i. dem Kduig Stgitmund zwei g^lie- 
,,j|^erte Pferde, deren eines bis an die Hufe so künstlich bedeckt 
„war, dass wenij[[; Menschen sich röhmen konnten, dergleichen 
„gesehen zn habeii.^^ 

Schon die Ägypter bedeckten die Rosse vor ihren Streit* 
karren mit gesteppten Decken, deren Kopf und Hals mit Brx; 
und dass die Griechen etwa 400 Jahre vor Christo ein ähnliches 
thateu , lehret uns Xeuophon in seiner Reiterknnst : tTttl irsp 
ilt/ n iraejj^Tfj o eTiTro;, ey Tiavrl xa/jüs/cd xal o oi/aßanj; 
ycyy>)rae, oTrXtlso/ Sd xou roy rrrTroy TrpojjLerwTreÄ'w xal 
Tipogspi/tJcw xal TiapomXtvptSiOi^. raSra yap apta xai reo 
ayaßanj irapapLi^pfJca yiyytrau itii/zd^v Si paXe^a roS Ittttoi/ 
roy xiyv2ya Sil (Txsiii^zt]/» i^aipttdraroy yap oV xal afoo/po^ 
rocroz/ e^e. Suyaxhv St (suv reo If eiiTiccd auxoy axzTzoLfsoii. yu^y^ 
Sk xol To enojjoy roeoSroy cppaipS'ae, (S5 ««rcpaXe^epoi/ re Toy 
niTrea xa9>i«i3'aej xal xy\v eJpco/ roS ?Ti7rou [xyj (TU/eS'ae. xaJ 
T« jxey Sy\ ol^ol xou cirrrowj o5rw xou, Ttttto; xa? tTTireö; 
«TiXwfjiyoe CO/ elei/. CSENO^ÖNTOS HEPI fflniKHZ. 

K£(p. XII. A. — 11.3 9)Da der Reiter selbst, wenn das 
Pferd beschädiget wird, in grosser Gefahr ist: so verwahre mau 
anch das Pferd mit den Stirn-, Brust' und Seiten-Decken. Denn 
diese Stücke bedecken zugleich des Reiters Dickbeiue. Am mei- 
sten verwahre man auch den Bauch des Pferdes. Denn da sind 
die Wunden nicht nur höchst tödtlich, sondern er ist auch der 
schwächste Theil. Mau kann ihn mit dem Sattel bedecken. Man muss 
auch den Gurt also zusammenmacbeu , dass der Reiter fester sit- 
ze , und dass die Sattelstätte des Pferdes nicht beschädiget werde. 
Und auf die Weise wird nun in Ansehung der übrigen Gliedmas- 
sen des I^rdes , sowohl das Pferd , als auch der Reiter bewaff- 
net sein können.'^ 



CZur Seite 40. Nr. 39.) 

Bereits die Römer kannten Drahtharnische, wenn auch von 
jenen des Mittelalters sehr verschieden. Eigentliche Harnische 



166 ALTBB DAR DR AHTHRMDBN. 

aus RiseiipUtteii jff^eschmiedet , begitiu^ii erst um di« Mitte des 
XiV. Jabrhuuderts allgemein zu werden; dageji^u fiuden wirRlug- 
bemdeu (Rtughaniische)^ Ringtioaen und Riiigkappen sclion iu der 
erste» Zeit des Mittelalters, etwa ftO— 60 Jalire uach Attila, histo- 
risch nachgewiesen. CM. vergib Vaülu-*fa, Bbowulp, Waltha- 
Rius ÄQUITANKNS. u. s. w.) B^iuc ausführliche Durchführung des 
Entstehens, der Ausbildung und des Abkommens der Panzerhemden , 
80 wie ihrer Gattungen , soll ein Späterer Aufsatz enthalten. Hier 
genfige die Bemerkung, dass im XYI. Jahrhundert die Panzerhem-p 
den noch hftufig von Kriegern geführt wurden, dagegen zu Anfoug 
des XVII. Jahrhunderts ihr Gebranch bedeutend abnahm, da in 
jener Zeit die Röcke aus BQffelleder oder Eleudhaut beliebt 
wurden , die eine Gattung deutscher Reiter , die Vorläufer der 
Dragoner schon unter Karl V. zu tragen begonnen hatten. Am Ende 
des XVII. Jahrhunderts bildeten die Pauzermacher in deutschen 
Städten kein zünftiges Handwerk mehr, und diejenigen Volker 
Europa's, die um 1700 noch häufig Panzerhemden trugen, waren 
die Polen, Ungarn, Slebenbürger , Tiirken und Russen; ja iu 
letztgenannter Zeit war noch die gesammte Leibwache des pol- 
nischen Königs damit bewaffnet , und dessbalb Panzer-Reiter 
geheissen. 

Hiervon ist wohl die Sitte zu unterscheiden^ ein feines Draht-r 
hemd unter den Kleidern verborgen zu tragen, wenn mau seine 
Sicherheit gefährdet glaubte. Ein ähnliches trug schon im XII. 
Jahrh. Landgraf Ludwig IV. von Thüringen , der Eiserne; 
Cderselbe, der mehrere zügellose Adelige je vier und vier vor 
einen Pflug spannen, und damit einen ganzen Acker umpflügen 
Hess, nachmals der Adelacker genannt, wobei er mit eigenen 
hohen Händen weidlich auf sie lospeitschte); der sich aber auch 
durch seine Strenge so vielen Nachstellungen aussetzte, dass er 
beständig einen verborgenen Panzer trug , daher er der Eiser- 
ne hiess; und so trug noch Marquis MonoMeschiy als ihn die 
unerbittliche Christina von Schweden^ diese rachsüchtige, selbst 
männliche Duldsamkeit anwidernde vfrago auf die empörendste 
Weise ClSt* Nov. 1657.) ermorden Hess, — die Hinrichtung des Un- 
glücklichen dauerte fast drei Stunden — ebenfalls ein Draht- 
hemd , das bis unter den Halskragen heraufreichte , und nenn bis 
zehn Pfunde wog. (Kotzbbue. Clio. IIL 44. u. d. ff.) 



DIB K18EBNBN MÄNNBR BBI ASPARN. Hl 



C2ur Seite 46. Nr. M.) 

fiatjir i(t>m4^ IV. Wü^fl^pxuif. 

Es ist wahrscli||ii1ich , dass selbst der Kaiser nicht immer 
denselben Sinn iu diese Bnchstaben legte, wie z. B. auf seinen 
Münzen der Wahlspruch zeiget: Aquila Blecta Jaste Omnia Vin- 
cet. ^^ Johannes Boschs ein Organ ist des Schotteuklosters, schrieb 
ein Bnch mit etlichen Hundert AiMleguugen wie z. B. 

Ausfria viiit «n g^tbe vTltim« 

Her Khren Ist llestenreieh Woli 

ustria •Uxtenditur In "rbem « niversum u. s. w, 

Ffir die erste dieser drei Lfisuugeu sprechen auch viel« 
deutsche Landsicnechtslieder jener Zeit mit dem Befkuin : „Öster- 
reich ohne Eudt I^^ Übrigens trifft man diese fQuf Selbstlaute iu 
den sonderbarsten Zusammensetzungen. Den Eingang des Waf-^ 
fensaales zu Haudnitz. (in Böhmen) zierten zwei als S&uleu auf- 
gestellte Kanonen , die am Bodeustftcke die Aufschrift trugen : 
PaTAoGINiuM ADLeCTIS; hier bilden die kleingeschriebeneu 
Vocale das Akrostichon des Kaisers, und zeigen dass die Ckschüt- 
ze unter seiner Regierung gegossen worden sind. Sie mögen etwa 
Dreipfünder sein, sind zwanzig Kaliber lang, und von einer Me- 
tallmiscfauttg, die au Farbe dem Golde gleicht. — Die k. k. Am- 
braser-Sammlung besitzt einen „crystallnen Hofpecher^^ von Kai- 
ser Friedrich IV* stammend, (Primi89. %tS* n. 3.) worauf in blauem 
Schmelz werk die Worte zu lesen : ai|tti(a . ejus . jit|le • smiiia . vincet i 
weichen Spruch PRunssBa's Katalog nicht erwAhnt. 



(Zur Seite 47. Nr. 56.) 

Ute dfernen JUinner bei Sifpaxn. 

Die sogenannten „eisernen JMänner^^ (geharnischten Reiter) 
spielten Ihre Rolle in der hartnäckigsten, blutigsten Schlacht seit 
dem Ausbruche der Revolution, wir meinen die Schlacht bei Asparu 
itU und t%, Mai 1809) welche bewies, dass die wttthendstea 



168 DIB BISKRNBN MÄNNBR BBI ASPARN 

Reiteraugriffe nichts gegen die Besonnenheit tapferer Infanterie 
vermögen. Napoleon sachte (am 81. Mai Pfiugstsonntag) durch ei- 
nen ungestfimmeu Cavallerieaugriff die Österreichischen Reihen zu 
durchbrechen. Zwölf Regimenter schwerer Cavallerie Cdie gehar- 
nischten Reiter) drangen zwischen Asparn und Bsliug hervor , 
warfen die Reiter von Klenan, Vincent undOreiliy, umzingelten 
die Infanterie s&mmtlich in Batainonsmas|en formirt , brachen in 
deren Zwischenräumen durch , und General Espagne forderte sie 
auf das Gewehr zu strecicen. Allein des Feindes Ungestüm 
scheiterte an der beispiellosen kalten Besonnenheit unserer Infan- 
terie ; auf vierzig Schritte hatten die Braven noch geschultert und 
eröffneten auf zehn Schritte ein mörderisches Feuer ^ Cvergl. die 
auth. Relation) worauf sie sogar mit dem Bajonnete auf die Ca- 
vallerie losgingen! In wilder Flucht lösete sich diese auf, die 
Begimenter Klenau und Vincent neu gesammelt , hieben tapfer ein, 
und die Fliehenden rissen ihre eigene Infanterie mit sich fort. Das- 
selbe Schauspiel wiederholte sich auf dem linken Flügel. Nach 
diesem glücklichen Erfolge gelang es den Österreichern , Asparn 
in Sturm zu nehmen , das 18000 Mann der besten feindlichen Trup- 
pen vertheidiget hatten. — Den zweiten Tag der Schlacht eröffkie- 
te ein so fürchtbares Artilleriefeuer , dass die ältesten Soldaten 
sich keines ähnlichen erinnerten. Abermals suchte die feindli- 
che Cavallerie durchzubrechen , doch wurde sie f Ü n f m a I 
zurückgeschlagen, bis endlich gegen die österr. dritte Co- 
lonne die feindlichen Hauptmassen vorrückten* Als hiebet ein Ba- 
taillon von Zach zuwanken anfing, ergriff Erzherzog 
Karl selber dessen Fahne, und führte das Bataillon wie- 
der vor. Ein wüthendes Handgemenge begann nun auf der ganzen 
Linie, wobei die Säbel- und Bajonnetangriffe der dicht geschlos- 
senen österreichischen Massen , eine i» der neuen Kriegsgeschich- 
te noch niemals gesehene Erscheinung bildeten. Eine eigentliche 
Schlacbtbeschreibung suche man in der authentischen Relation 
hierüber; hier nur das Wichtigste für unseren Zweck : das öster- 
reichische Centrum behauptete das Feld, und Mittags war die 
Schlacht bereits entscliiedeu. Aspani, das dreizehnmal ge- 
stürmt , gewonnen und verloren worden , blieb endlich den Öster- 
reichern. Die Kirche wurde in Brand gesteckt, die Kirchhoftaiauern 
niedergerissen. Nur noch in Esling behauptete sich der Feind mit 
der Kraft der Verzweiflung; fünf Grenadierangriffe miss- 
langeii. Als die österreichischen Grenadiere sich freiwillig zu einem 
neuen Sturme boten , gestattete es der Erzherzog nicht mehr, denn 
der Feind war bereits in vollem Rückzüge, Um drei Uhr hatten die 



ANWENDBARKEIT D. eESGHWINDSTÜCKK. Ii9 

Fransosen auch Baliiijg^«;:erfta«it9iind die fatemicblachen Batterien, 
anf beide Flanken des Feindes wirkend, anterbielten Mssnr Nacht 
ein mlirderiscbes Feaer; doch seine weitere Verfolgan^i; hinderte 
das schwere Geschütz anf der Loban* — Napoleon sass lani;« 
Zelt anf einem Banaistanime in der Loban, nnbewe^Uell, den 
Kopf in beide Hände gestützt , Indess seine geschlagenen Troppen 
unter lauten Verwflnschaugen defilirten. Lange Zeit sprach er za 
BerthieTy der mit ihm war , kein Wort ; nur einmal rief er ans : 
,,daran finde ich doch wahrlich nichts besonderes , dass mau anch 
einmal eine Schlacht verliert, wenn mau deren vierzig gewonnen 
hat l'^ Er fähr hierauf in einem kleinen Kahne, nicht ohne GeAthr ge- 
fangen zu werden, nach Bbersdorf zurück. So endete die Schlacht 
bei Asparn (von den Franzosen Schlacht bei Esling genannt). 
Ausser drei Kanonen und 17000 Gewehren fielen den öster'- 
reichern 3000 Knrasse in die Hftude, und Napo-» 
ieons eiserne Reiter waren vernichtet. 



(Zur Seite 75. Nr. 16t.} 



Dass diese Erfindung nicht neu ist, beweiset Speckle'sGe- 
schwindstfick vom J. 1580. (abgeb. Stein. Beitr. II. ad p. 30.3 uud 
schon FB0N8PBR6BR sagt (um 1555.D von den Kammerbttchseu : 
„Sie sind also gemacht , dass mau von hinten zu jeglicher drei , 
oder zum wenigsten zwei Ladungen oder Kammern hab. 
Also dass mau all wegen ein Kammer mit Pulver und Kugeln 
lad ,'^ (also wohl Kartätscheupatroueu ?) „dieweil man die andere 
abscheusst } darauf thut mau von Stund eine andere geladene Kam- 
mer dahinter , die verspejdelt man wie sich gebührt , damit mau 
ohne Sorg ist, dass sie uit hinter sich ausspringen.'' Was Frons- 
PER6EE gemeint hatte, das erklftrte Vater Daniel in seiner A/«- 
toire de ia miUce Frangaisey woraus ersichtlich, dass mau der- 
lei Geschwiudstficke , Kammerbfichsen genannt, noch zu An- 
fang des vorigen Jahrhunderts gebrauchte. Deville (in seiner Ai'«- 
toire de TancarviUe. Ronen 1834.) liefert die Abbildung von zwei 
Couieuvrines aus Gnsseiseu, die mau anf dem altem iUtterschios- 
se fand, und die Fbonspbroer's Angabe erklftreu. Ein gusseiser- 



170 ANWENDBARKKIT D. GESCHWINDSTÜCKK. 

nes Rohr (Feldschlange mtt schmAchtigem Laugefeld) lag mit den 
Schlldzapfen anf einer senkrechten Eisengabel auf, um es belie- 
big zu richten« Letzteres in erleichtern besass der Stossboden 
statt der Traube einen laugen eisernen Handgriff; das Bodenstfick 
war ohen offen, um eine metallne Bfichse (die Kammer) von oben 
eiucusetzeuy die nuten eine Handhabe hatte. Letztere nun iv:urde 
beim Einsetzen durch eine Spalte des BodeustÜcks gesteckt, und 
nuten festgekeilt« Solcher Kammern d« i« metallner Bfichseu hat- 
te das Rohr etliche , so dass wfthreud des Schusses die übrigen 
geladen werden konnten. 

Der Nutzen der Eisensieitt'achen Erfindung scheint nicht 
beträchtlich. Jedenfalls mnss, um die Patrone, (welche mit gross- 
ter Ctonauigkeit gearbeitet sein muss, und von hiuten eingebracht 
wird)^ mit der Raumuadel aufzustechen, erstere fest angesetzt 
werden, folglich dennoch eine Nummer (ein Mann) vor- 
ne stehen. Denu bei der vorliegenden Eiurichtung kauu die Pa^ 
trone nicht gleich auf den Stossboden aufstehu, souderu muss von 
hiuten etwas weiter vorgeschoben werden, damit das Versetzstück 
(der Keil) mit dem Zflndloche sich aufwärts heben lasse. Erst 
nachdem diess vollbracht, kauu die Patroue mit dem Setzer an den 
Keil fest angesetzt werden, der hier das hintere Ende der Seele 
bildet. Zum häufigen Grebrauch taugt diese Erfindung noch weni- 
ger. Denu wenn einmal das Zfiudloch und die Aandstellen der 
Seele ausgebraunt sind, so bleiben leicht kleine Stücke des wolle- 
neu Patronensäckels dazwischen hängen und erschweren das Auf- 
uud Abheben des Versetzstfickes. Die nächste Folge davon ist na^ 
tfirliclierweise, dass die Patrone nicht mehr ganz an dem Stoss- 
boden ansitzt. — Daher ist dann die Seele mit dem Keile entwe- 
der nur halb geschlossen, in welchem Falle das Stück hinten aus- 
brennt; oder sie ist nur nothdürftig geschlossen, mit derselben 
Wirkung, als wäre das Stück hohlgeladeu; ja noch mehr: die 
Raumuadel findet nun keine Patrone mehr ! — Nun ist das Stück 
für den Augenblick unbrauchbar, und die einzige Hilfe bleibt: 
die Ladung herauszuziehen, was hier nicht so schnell gethan ist, 
wie bei einer Flinte *■*)• 



*^0 „Derlei Kunstslücke" ÄUBserte ein Kenner „probieren sich gar behag- 
lich beim ArtUlerie-Maiiöver, — allein wenn das Wunderstiick dann auf 
der Batterie steht, während die feindlichen Chasseurs fortwahrend 
dieiSchiess-Schsrten beunruhigen, und es entsieht Jn der Geschütz- 



BÜGBNS GEWKIHTE WAFFKN. 171 

CZnr Seite 77. Nr. 157.) 

|friit3 Cn0ni0 jtiiietl)te Waftn. 

Nach dem /gössen 8iefi:e Qber die Tftrkeii bei Peterwardeln, 
erliielt Prinz En/Breti von Savo3'en vom Papafe Clewtetu XL einen 
geweiliieii Hut und ein g^eweiiites Scliwert. Hsbciunhahn iBeirn^ 
gerung Betgraäg, Leip%, 1788^ p. ISO) gibt folgende iifthere Um«- 
stände an : Der maHesische Ritter Basponi ward abgeschicitt, dem 
Feldherrn den Schmuck zu überbringen , und zu Raab auf der 
Reise nach Wien empfing Engen in des alten Heisters und des 
portugiesischen Inftinten Gegenwart vordem Altare am 8. Novemb. 
1716 den Degen nnd den Hut. Zu Wien stellte der Prinz dieses 
Merkmal der päpstlichen Gfite hi der Stephanskirche dem Volke zur 
Schau aus, und alles Volk pries das schSne päpstliche Geschenk. 
iLeben Clemens XL IIL TA. S. 465. Lambbrtt. T. IX. pag. 599. 
Bistoire du prince Etig^e. Amsterd. To, F. p, 91. Sanvitali. 
p* 880. — Engen^s HeldetUhaien, TA. IIL S. 889.) 

,,Der Hut war dnnkelviolet, mit Hermelin gefflttert. 
„Das Band, welches den Hnt umgab^ war roth, mit Gold gestickt, 
9,eben80 wie der Strahleuscheiu am Kopfe des Hutes. Hin- 
„ten, vorne und oben sah man drei kleine Perlenknöpfe, und von 
„eben solchen Perlen war der heilige Geist an der 
„Seite aufgestickt. Hinten hingen zwei rothe mit Gold gestickte 



bedienung ein Aufenthalt, eine Verwirrung, so kann man leicht 
meiir Leute verlieren , als hei gewöhnlichem Genehütas/ * — Nech 
ein Beispiel des Alters der Kammerbüehsen mag hier stehn. Aus 
eiaer Rentmeister- Rechnung für den Grafen Johann IV. v. Na8Hau 
erhellt, dass i. J. iJ-45 ein Büchsenmeister und Schmied CRH- 
prant genannt} diesem Grafen, und der Stadt Siegen dreissig ei- 
serne Buchsen gegossen hnt, Jede mit zwei Kammern, deren Jede 
über 555 Pfund wog. Die Worte lauten : /f. rechinden die Burge- 
meigUr unde ich von den Bussen , die HUprant CBussenmeisterunde 
sw§de) minen gn, Junckern und der 8tai zu Siegen gegossen hont 
etc. Die Bussen hant gewogen 98 stalen ysens: der Bussen waren 
30| unde ye zu eynen Bussen zwei Kameren. CArnoldi. MiscelL a . 
d. Diplomatik. 8. Marh. 1798. p. 103) Ein staln Eisen ist 170 
Pfund f daher Jede dieser kleinen Kanonen , vorausgesetzt, dass sie 
von gleicher Grösse und Form gewesen , ulier sechsthalb Zentner 
gewogen hat. — Dieselbe Rechnung erwfthnt auch eiserne Buchsen, 
die derselbe Schmied für den genannten Grafen schmiedete. 



in BU6KNS 6BWBIHTE WAFFE^r. 

^^Bflnder, gleichwie an einer Bisctiofsmfltze. Das Schwert %var 
^yiiugef&hr acht Spannen lang, wovon die Lauge des Gefässes al- 
y^lein zwei Spannen hetrng. Dasselbe war von vergoldetem fei- 
yyiieni Silber, sieben Pfand schwer, uttd<$nthielt ail der Stelle des 
^,Knopfes das päpstliche Wapeu und den Namen. Oben war die 
^,Kliuge drei Finger breit, blau angelaufen mit goldenen Zierathen. 
y,Die Scheide war von rothem Sammt,. dicht mit silbernen durch- 
„brocheueii and vergoldeten Ornamenten beschlagen. Das Wehr* 
„gehäuge warroth, mit Gold gestickt, und mit einer grossen vergol- 
yydeteu Schnalle versehen«'^ in der histoire d'Eugene (Ainsterd. 
1740. T. V. p. &S.) ist auch das Schreiben des Papstes abgedruckt, 
welches diese Geschenke begleitete. 

Die Sitte , dass der heil. Vater einzelne FOrsteii mit dem 
Schwerte des Geistes und dem Helme des Heiles beschenkte , ist 
sehr alt. Ihre erste Spur scheint sich im Jahre 1177 zu zeigen, 
wo Alexander III. den Dogen Venedigs Sebastian Ziano ^^awreo 
ense et umbreiia galero persimiU *' beehrte. Seit dieser Zeit trifft 
mau öfter Wiederholungen dieses Geschenkes , mit welchem auch 
zuweilen die Auszeichnung „d e r go l d e u en Hos e'Mu Ver- 
hittdung stand. Bemerkenswerth bleibt hierbei: dass die Form 
der geweihten Häte und Schwerter sich durch mehr als 
hundertjährige Zetträume stets gleich blieb, (wie fiberhanpt 
&ircheu und Klöster alte Formen am treuesteu bewahrten) , und 
dass der heilige Vater nicht etwa nur jenen Fürsten, die 
das Kreuz genommen oder gegen die TUrkeu gezogen waren, dies 
Geschenk verlieh ; sondern dass alle katholischen Fürsten, 
welche sich auf irgendeine Weise nra den päpst- 
lichen Stnhl verdient gemacht hatten, an dieser Aus- 
zeichnung Thell nehmen konnten ; auch, dass ein und derselbe Fürst 
dies Geschenk in einzelnen Fällen wiederholt erhielt, wie dies 
einige Belege darthnn. Die Weise der Verleihung war verschieden $ 
war der Fürst in Hom, so wurden ihm Schwert und Hut vom heil. 
Vater persönlich übergeben ; dagegen, wenn der Fürst abwesend 
war, demselben (wie wir dies bei Eugen sahen) übersendet. 
Das umständlich beschriebene Ceremoniel hierbei, kann man in 
pBfMissBR iAmhras, Sammi. Wien 1819. p. S40. n. ff.) nachlesen, 
woraus ich anch das nachfolgende Verzeichnlss mehrerer 
Fürsten aushebe, denen entweder der geweihte Hut oder Degen, oder 
beides verliehen worden ; das jedoch nicht als vollständig 
zu betrachten ist. 

1177* Sebastian Ziano, Doge von Venedig. 

ItOt. Wilhelm, König von Schottland. 



EUOEN8 GEWBIHTC WAFFKN. 17S 

1S04. Peter, KSnig von Arra/neiilett. 

1460. Albert Achilles , Markgraf vm BtaiiteriNurg. 

1460. Kaiser Friderich lY. 

1461. littdwig XI. y KSiii« von Frankreich. 
1468. Kaiser Friderich IV. 

1497. Heinrich VII. , Köui|( von Eng^land. 

1497. Derselbe. 

1497. Bogislav X. , Hersog von Poaunem. 

1510. Kaiser Maximilian I. 

15t5. Siglsmnnd I. , König von Polen. 

1A85. Andreas Doria. * 

1A87. Jakob V. , König von Schottland. 

1540. Sigmund Angnst, königlicher Prins von Polen. 

1568. Ferdinand v. Toledo, Herzog von Alba. 

1 570. Ferdinand , Erzherzog von Tirol. 

1574. Karl, Prinz von Cleve. 

1580. Stephan Bathory, König von Polen. 

168t. Ferdinand , Erzherzog von Tyrol. 

1586. Alexander Farnese, Herzog von Parma. 

1588. Heinrich, Herzog von Gaise. 

1593. Wilhelm , Herzog von Baiem. 

1617« Albert, Erzherzog von Österreich. 

16S6. Vladislans Sigmund, königlicher Prinz von Polen. 

1679. Michael Wisuiowiecky, König von Polen. 

1684. Johann Sobiesky , König von Polen* 

1690. Morosiui, Doge von Venedig. 

1716. Engen, Prinz von Savoyen* 

1795. Anton Emanuel de Vilhenna, Grossmeister v. Malta. 

1795. Friderich August, königlicher Prinz von Polen. *") 
Mehr hieröber enthält das seltene Bttchlein: Analectm hiäto* 
rica de Sacra in die Natalis Domini a Romanis Pontificibw guo^ 
tannia ttsitata caeremonia, Ensem et Piieum benedicendi eague 
munera Principibuä Christianis mittetidi, üt guibus exteramm 
nationum phtrfma , Poioniae omnia ewhibeniur exempia, praed-- 
pue vero exacta Relatio uUimae komm Benedicti XIIL P. M. 
munertan coUationis Serenissimo et Angusto Regio Poioniae et 



"*) und nicht 1796, wie Pbimiss. p.949 anfuhrt.— Denn auf der Kita* 
ge des geweihten Schwertes, das dermalen in Dresilens histor. Mu- 
seum (QüANDT. 1834. p. 186.} gezeigt wiril, steht deutlich: Bcne- 
dietus VUL Pont. max. Anno JubUasi MDCCXXV.Poniif.sui 11. 



171 ECGXN8 eBWBIRTE WAFFEN. 

eleetoraU Saaumlae prtne^i tiFriOerteo Augruto), Varsavitu 17t6. 
4.) Der VerfMaw iat AudrnM Zalitbki, des ^iiaiiiiteu Prinzeu 

Wer derlei geweiht« Waffeu genau zubeaEcbtigcuw6nschl, 
durch Pracht der Stickerei, Perle», des edlen Hetallei u.a. w. 
aDBgezeichiiet, und wohl erkalleu, der flndet drei solche pfipsl' 
liehe Schwerler und xwei gewellitB HBIe Im der k. k. Anhraser' 
SanualDiig in Wien , In aogen. Goldkabiiiete. CPbimissbr Anihr. 
Saaialg. p. CS»— 143.) 



Etiftmeifter 

wcobuiattum. 



j 



176 



Verzeichniss verschiedener Waffen und Geräthe 



Nftrh iMM WeiMt i A er Inventar 

ileii IlMuiMhmeiiiUra Jiaira« /Vim- 

dehfer de enno 

1436. 



B. 



AulFordeniBf Jf«imfeiw von De- 

ffemher§ mtim Zweikampf auf Leben 

«nd Todt de amio 

1464« 



Auflfordervnf de» Frönheryer 
Ha§ de anno 

1464. 



Harna9ch vnd zewg. 



Des ritters wer vnd v>at su 
roM, beim veehten zu enr 
de des Lebens, 



Zweikampf auf Lösung. mU~ 
telst Geld oder rUterUch 
Fanknuss. 



Anmerkung. Man sprach 
In alter Zeit der Zeug und 
auch d a 8 Zeug , so z. B. 
das Armzeug ; s. unt. „Ar- 
me'S dagegen donSleeh- 
seug , so X. B. pag. 9 des 
vorliegenden Buches ad 
annum 1440. 



Ain Joppen zwifaeh oder 
drifach von parchant oder 
leinbat vnderzogen, ainpar 
SHf^i vnd ainpar sporn 
vngeuer, und nichts da- 
runder noch darauffweder 
von plechharnasch 
oder ringkhar nasch. 



I 



Die wadt zu dem fechten soü 

sein, ain vngeuerliche par^ 
• ehante Joppen zwifaeh 

oder drifach f ein par TIo- 

sen^ ein par Stifel, ein 

par Sporn, vnd nichts 

mer; Item es sol auch in 

die wadt noch darauf noch 

darunder nichts gebraucht 

werden weder von p l at- 

harnasch^ Ringkhar^ 

nasch noch von äbgenet' 

ten Dingen vngeuerUchen 

(abgesteppteKleidungsstüc- 

ke waren verboten) Item 

vber die Joppen mag yeder 

nemen ein seyden einfach 

Hocklein, doch das es nU 

Ermet hob, und vberalan 

dent' Leib anlige, vnd sol 

bey einer spann zu dem 

knye nit geraiehen, 

Anmerkung I. Nach dem Ambraser - Inventar v. 1696 *war der Kuras manchmal 
mit Sammt oder mit Atlas ^^aufbrait^^ Caufgebreitet, voigeschoben, vorgeschossen). 
Bis zum Schlüsse des XVI. Jabrhund. wurde noch öfters ein Wappenrock über dem 
Khuriss getragen. — Das Wümmes, oder in kleinerer Gestalt: das Wammasl war 
eine Tracht der Tumierenden, Jenes für den Renner, dieses für die Stecher (^Stic- 
ker"). l\\ letzter Bedeutung erscheinen sie sammt dem Wapenrocke im Inventar F. 

Anmerkung S. Nach dem Ambr. Invent. v 1596 war der Harnisch entweder trei«« 
Cblank} oder gefärbt, z. B. blau oder braunangelaufen, schwarz oder schwarz und 
weiss gereift, angestrichen, mit Sammt überzogen, glatt, geätzt, geschoben, ge- 
schuppt, gereift, getrieben, geschmelzt, oäer vergoldet, geriffeU, mit Malergold bemaU, die 
Orte von durchsichtigem Eisen oder Messing (ausgehauen), d. i. durchbrochen gearbei- 
tet, gestempft Cd. i. Verzierungen mit Stempeln eingeschlageii} oder hoMgeschUffen, 



177 



zum Kriegs- TurnieN und Jagdgebrauch. 



D. 



Slreit$mehen de» Niklas, Herrn 
%u Abeiuperg etc. de anno 

14<>5. 



E. 



Vemaiehnisi der Hamatckkammer 

ftu LandtBknet und Bekhanninu$$ 

de» Harna$chmai»ter KhMerger 

4 .. 1500—1508. 



F. 



Jnventanf über die MamUekemmer 
im SeklQ$$ Lundakmet de «aao 

1562. 



Des BiUers wat und wer» 



Unter dem Harnasch otn 
zwifaches Warnas Oop- 
p«n} mit sUckler neteer 
lieinwal oder parchant vn- 
derzogen, — AinparHosen^ 
mit slecMer newer leinbat 
oder parchand vnderzogen 
idesgleich die Joppen^") sun- 
derlich zu merken, das in 
die Joppen vnd hosen da- 
rauf noch darunder nichts 
gebraucht werde, von ab 
näen Bingkhamasch u. dgl. 
Die letzte Vonnclirifk : das« 
weder Hose noch Joppe 
mit Panzerstrichen u. dgl. 
benäht sein sollen,' galt 
aber nurfurdenZweikainpf; 
für den Kriegsgebrauch ge- 
schah dies Unternähen häu- 
fig, und dauerte noch wäh- 
rend des dreiflsigjährigen 
Krieges. 



t,J)er Harnasch''*' war der ge- 
nerelle Ausdruck für eine 
wie immer gestaltete 
Schutzhülle des Leibes, 
aus Hörn , Drahtringen, 
Blech u» s. w. Der Trab- 
harnasch war ein leichter 
halber Harnisch zum Feld- 
dienst. Der Harnasch be- 
stand nur aus Bück und 
Brust, welche Öfters ein 
Krebs war. Manchmal be- 
sass sie einen C^emsspaueh. 
Der Chäress war entweder ; 
liecht, weiss, oier schwarz 
oder halbschwarz , glatt, 
gereufft, geätzt u. s. w. 
— Den Ausdruck „Hecht*'' 
gebraucht schon Kaiser 
Max I.: So sol der Halb- 
Spiesser auch mit li ech- 
tem Hauptharnasch ver- 
wappnet sein etc. Memo- 
rienb. Hobmayr^s Ta- 
schenb. f. 16S7 p. 909. 



Der ganze MChÜriss, wozu 
auch die Beine gehörten, 
der haibe Khüriss, der nur 
bis unters Knie reichte, — 
der Turnierharnasch mit 
seinen Toppelstuckhen und 
Schifftungsstuchhen , die 
schon vor Mitte des XV. 
Jh. üblich waren, nur nicht 
In solchem Uebermasse wie 
im XVI. Jh. 

Der Veld-KhAriss (der ganze). 
der Trab ^ Harniseh. (der 
halbe). — Der Reutterische 
Harnisch diente ausschlies- 
send dem Reisigen, dage- 
gen der Landsknechtische 
Harnisch dem Fusskrieger. 

Die Turnierharnische waren 
von mannigfacher Form, 
als : Rennharnisch , Stech- 
hämisch , Harnisch zum 
Freiturnier, zum Fusstur- 
nier u. s, w» Der Kfiriss 
war entweder Ueeht oder 
schwarz, glatt, gereift, ge- 
ätzt, geschmebU (mÜEmhil 
verziert.) 



Cdas vorgeschriebene Meisterstück eines Plattners) oder mit erhabener Arbeit Ceretrie- 
ben en basrelieQ oder geschmelzter Arbeit (email). Jeder Harnischreif 0>ehmtdeT 
Stahlstreif) hat seinen Fürfeü Cabschüssig gefeilten Rand), dagegen helsset der breite 
Rand der Harnischthelle : das Ort. Geätzte „Strich e**" laufen in gerader Rich- 
tung über den Harnisch. Gewundene Streifen dieser Art heissen „Zö g e'^ Schwert- 
klingen waren öfters von Damaskinarbeit; oder mit eingeschlagenem Oold verziert 

±2 



178 



(Buchstab«ii und dergl. angebracht), ihre Kreuze und Knöpfe öfters von ausgehauenem 
Eisen. 
Anmerkung 3. Eine neuere Vermengung der Begriffe hat den Ausdruck ganzer Har- 
nisch und halber (oder ganze und halbe Rüstung') sehr unbestimmt gemacht; wir dür- 
fen Jedoch den Begriff, welchen Kaiser Maxi, damit verband, als gältige Richtschnur 
annehmen. Nach ihm gehören zum ganzen Harnisch auch eiserne Beinröhren und 
Eisenschuhe. — Dagegen nennt das Ambraser Inventar v. 1593, z. B. des Christoph 
Mondragon (Köhlbb CXXIII), Brust, Hals und offene Sturmhaube zusammen eine 
ganze Büstung, und das Ambras. Inv. von 1596 nennet drei Jahre später die- 
selben Stücke dieses Anführers ,yhalbe Rüstung!" — Man sieht also, wie unsi- 
cher und regellos schon damals der Begriff schwankte. Der ganze Khueriss deckte 
vom Kopf bis zur Sohle, und mit solchem musste der sogenannte Khuerisser gewapp- 
net sein. Da die Benennung jKAffert^^er in den Chronikea des XVI. Jahrb., im Theuer- 
dank, Weisskunig u. s. w. so oft vorkömmt, so wollen -wir anfuhren, was Kaiser 
Max I. darunter verstand. (Kais. Max I. Memor. Buch Hormatr's Taschenb. f. 1827. 
p. SOI u. ff.3 Ain kurysser sol haben ain gannzen Harnasch, von Fuss au ff, vnd ver- 
gtigerten Hengst (m. vergl. im vorlieg. Vocabulario: des Bosses zugehör}, ain 
Puchsenschützen zu Boss, ij hatbspiesser, drey Wappener, darumb sol ainer Edl segn. 
Der Adelige brachte also sechs bewaffnete Männer zum Kriegsdienste mit, und hiess 
Khuerisser, keineswegs mit unserem lieutigen Kürassier zu vergleichen. Die Bewaff- 
nung dieser Wehrmämier ordnet der grosse Kaiser Max I. wie folgt: 

It, Der Puchsenschütz sol sein Hantpuchsen nemen aus dem Zeughaus, an sei- 
nem Said Im Jar abczuslahen, Er sol haben ein hundtkappen, und ain Welsche Schot- 
lern am Satlpogen, die sol der Wappenmeister am (so viel wie im} leder zuerichten. 
(Er mag di^ Schallern am Sattelbogen hängen haben , die ihm der Wappenmeister 
mit Leder futtern soll). 9o soll der Halb Spiesser auch, also auch mit liechtem 
Hayptharnaseh verwappant sein, vnd die Vedern von seyden gemacht, die in hueten 
eiuczustecken, damit 8y nit Erfawlen. (Straussfedern wären zu kostspielig gevi^esen, 
und zu gebrechlich; daher wurden die Ftderbüsche gemaclU, wie folgt: Seide oder 
Wolle wurde zwischen gewundenen Draht befestiget, nach Art unserer Tabakpfei- 
feiiburstcheii , und auf diese Weise künstliche Federn von übermässiger Länge er- 



A» 1436. 



Der Kopf» 



Unmittelbar über den Haaren 
trug der Ritter ain klei- 
ne bunthawbn, d. i. ei- 
ne mit Werch abgesteppte 
leinwandne BMbe, welche 
das Gesicht und in der Re- 
gel das Kinn frei Hess, und 
rückwärts bis unter die Oh- 
ren reichte. So trifft man 
sie schon auf Grabsteinen 
des XIII. Jahrhuud. D;ir- 
über band er den Helm oder 



Anmerkungen, i. In demselben Inventar A. kommt 
auch die Benennung «die Turnayhawbe'^ vor. Sie war 
eine dickgepoLsterte Kopfbedeckung, welche weit zusam- 
mengesetzter aussah, als die obenerwähnte bttnthatrbn. 
Denn erstere enthielt im vollständigen Zustande eine 
Wulst (Stirnbund} , zwei ScMafküsslin , drei starke Le- 
derriemen mit Doppelschnallen, und 18 Schnürriemen mit 
ihren 19 Stiften; (Jedoch kommen auch einfachere vor; 
ein Paar höchst merkwürdige Hauben der Art besitzt die 
k. k. Ambraser Sammlung ; eine in der Waffen-Samm- 
lung des Verf.). 



V 



179 



zielt; wollene Helmbuscbe der Art trifft man noch bisweilen in alten Rüstkam- 
mern. — 

Item der Wappener sol haben ain Clains vngefurtercz Bosliny vnd sol der 
Edl ain UeUnpart vnd die andern ztpeti yder ain Handtpuchsen, der ander ain La»- 
czen. Ir hauhtharnasch auch aiso. Ir sold sol sein In auswendigen lannden vOj gul~ 
din Sold vnd schaden CKrsatz) ainem hürisser, Aber ainem Wappner v^ , In diesen 
lannden ainen kürisser vj vnd ainem Wappener inj gülden, — Die Erklärung dieser 
Stelle ist eine der schwierigsten, und man darf nicht vergessen, dass das Memorien- 
buch auch des Kaisers flüchtige Entwürfe enthalten habe. Der GewaiTnete QWappe- 
ner, vir armatus, miles}, mag ein kleines unerzogenes, d. i. noch nicht gänzlich ab- 
gerichtetes ipngefurUrcz, vom alten füre, furen^ d. i. fbrdem, vergl. Frisch) Röss* 
lein reiten, und soll, ist er adelig, eine Reiterhacke C^uch die lange Mordhaeke wmr- 
de „Helmpartt'' genannt, und der Kampf mit beiden in den Fechtbuchern unter Einem 
begrilFen} und einen Rals-äpiess führen; die Nichtadeligen aber Handbuchsen. Alle 
sollen aber blanke Helme mit Federbüscben tragen, wie schon früher gesagt worden. 
Hiemach hatte der Khurisser in seinem Gefolge 6 Reiter, davon drei mit Handbuch- 
sen und drei mit Stangenwehren bewaffnet waren. 

Der Spiesser CSpiessreiter) im Gegensatze des Tartschners (auch Spies- 
ser zu Fuss genannt , eines Fussknechts mit Schild und Spiess , welcher doppelten 
Sold hatte} , war nach Hortlkdrr (deutscher Krieg p. 797} bewaffnet mit Hinter- 
und Vordertheil (letzterer mit einem Rüsthaken}, mit Kragen, Sturmhaube, Panzer- 
ärmeln, Blechhandschuhen, und führte an seinem Sattelbogen einen Fausthammer 
und einen Schürzer. 

Die französischen Qensd'armes entsprachen so ziemlich dem Begriffe , den man 
mit dem deutscheu Kürisser verband. Im Beginne des XVI. Jahrh. bestanden sie noch 
aus dem besten Adel Frankreichs (Lotz Leben Bayards. I. jS51}. Es galt als Aus- 
zeichnung, unter sie aufgenommen zu werden; anbei musste der Candidat trefflich ge- 
wappnet sein und gute Streitrosse besitzen (ibid. II. 36}. Zu Anführern der Gensd'ar- 
men endlich erwählte man nur die tapfersten und erfahrensten Ritter. So wird Bayard 
erst gegen Ende seines Lebens zum Anführer über iOO Mann Gensd'armen erwählt 
(ibid. U. 19S), da man ihm doch schon um 1508 tausend Mann Fussvolk antrügt. 



D» J465. 



E« 1500—1508. 



F. 1562. 



Ain harnaschkappen, d. i. die 
gesteppte Kappe von Lein- 
wand , oft mit Seide über- 
zogen, unter dem Eisen- 
hut getragen. — Bie Mar- 
naschkappen und der Ei- 
senhuet mussten auf ein- 
ander gericht seyn, d.i. al- 
le Riemchen der gesteppten 
Kappe mussten durch des 
Eisenhutes Löcher gezogen 
sein; sodann sprach man: 
y,Der Eisenhuet ist auf die 
Harnaschkappen gericht.* 



Auf den Kopf setzte der Rit- 
ter ain damaskeu Käppel, 
d.i. eine so wie die frülie- 
*ren mit Werch abgesteppte 
Leinwandkappe , die mit 
Damask überzogen war. 



Anmerkung. Jene Ätz- 
streifen, die in geraden Li- 
nien über den Harnisch lie- 
fen , hiessen »Striche,* 
dagegen die gewunden und 
eckigt laufenden Ätzstrei- 
fen «Züge:* — Der Rand 
der Hafiiischtheile wurde 
„das Ort* genannt. Dop- 
pelstücke waren mit- 
telst Reibern u. Schrauben 
auf den Harnisch befestiget, 
dagegen Schiff tungen 
nur mittelst eiserner Fe- 

1»* 



1(30 



A. 1136. 



di« Haube auf. Folgende 
Kopfbedeckungen waren 
damals üblicb: 

t . Da8 Helmlin, zum Scblacht- 
gebrauch, das bei hoben 
Herrn gekrönt war, oft 
auch mit Sammt überzogen, 
oder: 

t» AiH schelern<, d. i. eine 
eiserne Haube mit einem 
zum Abstecken eingerich- 
teten Ftftr, welche Haube 
ungefähr bis an den Mund 
reichte. — Kinn und Hals 
schützte Hodann der partL 
Um den Rand dieser sehe- 
lern lief öfUirs otn geheng, 
bestehend aus rinkhar- 
nasch, 

;). Ain hawbe. Die Haube, 
im XIV. u. XV. Jahrb. eine 
eiserne Kopfbedeckung der 
Ritter und Knechte, iiess 
das Gesicht frei ; an ihren 
Ranfi (Rand} war gewöhn- 
lich der Halsberg, aus rinh- 
harnasch bestehend, ange- 
heftet. 



4. Der Eisenhuet^ d. i. eine 
Art eiserner Mütze mit brei- 
tem, rund um den Kopf lau- 
fenden Rande. Zum Turnier 
gehörte : 

.>. Ain Turnayhehn, d. i. ein 
weit gegitterter kugelför- 
miger Helm zum Kolben- 
tumler, wie derlei in alten 
Turnierbdchern häufig ab- 
gebildet erscheinen. 



S. Das Helmlin hatte in der Regel niemals einen Helm- 
kamm. Oberhaupt erscheinen die Kämme auf Helmen erst 
in der t. Hälfte des XV. Jbrh. Von dieser Zeit an zeigte 
das Helmlin oder der Hauptharnasch häufig einen niedern 
oder hohem Kamm , der edtweder glatt oder geschnürt , 
oder Greifenkamm, gereift, geätzt u. s. w. war. 

3. Anstatt Visir kommt manchmal der Ausdruck: Heim' 
fenster vor; so im Ottokar v. Horneck und Hagknu 
CuRON. : «er stach ihn durch das Helm fenster;^ auch fin- 
det man: der Helmrost^ vergl. Frisch. Im XV. Jahrta. 
verstand man unter schelern per Synecdochen. das al- 
leinige Visir. Als Beispiel mag folgende Stelle Caus 
Gborgii Schamd. Chron. Oefelu Script, r. b. I. 3173 «d 
an. 1446 dienen : In der Zeit taydingt des Delfin (dau- 
phhi') Hauptmann Munchf der thet sein tschelern 
auf oder visier, dem warf ein Schweitzer mit aim 
Fauststein unter das antliz, das er am dritten tag starb, — 

Anmericung. 1. Die eiserne Haube hatte keinen wink- 
lieb vorstehenden Schirm (nach Art unserer Hutkrem- 
pen) , dagegen die Sturmhaube einen Stirnstulp , ein 
Genickstück und einen oder mehrere Kämpe CHelmkäm« 
me). — Die Eisenhaube ohne Kämme und Stülp hiess im 
XV. Jh. und Jüngerer Zeit auch Hirn ha übe. So er- 
wähnt Kaiser Max II. um 1609 in s. Memor. B. demel- 
ben : It. Streythelm vnd hirnhawb vnd Fusshnecht Spiess 
machen zu lassen. 



C. 1464. 



Anmerkung. In den Feld' 
Zügen der Wiener heisst es 
d. a. 1 444 CSnnLAGBR Wien. 
Skizz.I. 97.3 tOOSchwarz 
Eisenhat; und Wiens Bur- 
germeister scheint um 1487 
Cibid. I. 118.3 keinen bes- 
sern Eisenhut zu führen, 
als andere, da er ebenfalls 
1 Pfd. CnAch unserem Gel- 
de etwa 1 fl. CM.3 kostet. 



Ein Eisenhuet, der sol mit 
keinem Rinkharnasch be- 
hengt sein. Hier scheint ei- 
ne Schallern verstauUen 
zu sein, wozu das Magen- 
blech, passte. Auch in 
ScnKMEL's Turnier-B. virird 
nicht selten der Rennhut 
ein ^alter Eysenhuet^ ge- 
nannt. 



181 



E« 1500—1508. 



F. 1562. 



Der Hauptharfkasch Cdie da- 
malige gewöhnliche Benen* 
nung des Ritterhelms zum 
Schlachtgebraueh}. 



Kaiser Max I. verordnet in seinem Memorienbuch d. an. 
160t : der Pneheensch&cz %e Rose sol haben ain Welsche 
Schauern. Afljgebildet findet man eine Lurchesische 
Schauern von 1550 in Finmb's Mbyrick. LXXIV. fig. 10. 
eine englische ibid. fig. 4, 5, 6, 7, und eine deutsche ibid. 
fig. 8, 9. Was bei uns »Schallern«* hiess, nannten die Fn^- 
zosen: saiade, und zur Zeit des Kais. Max I. nannte man 
die Sturmhauben verschiedener Nationen «Schallem* Qz. 
B. in Max I. Memor. B. Hormayr. Taschenb. für 18S7. 
p. 911: It. ain Taterische Schalern zu machen,} 



Anmerkung. S. Der Ei- 
senhaube , die mit einem 
oder drei Kämmen verse- 
ben war, gab nur die Regel- 
losigkeit damaliger Spra- 
che den Namen Himhaube. 
Sie war eigentlich eine 
Sturmhaube, die bei hohen 
Herren häufig mit Sammt 
überzogen erscheint. 



d) Die Himhaube und drA- 
ber ein schwartzer huet, 

b") Die Sturmhaube, Nur wenn 
die £isenhaube ohne Käm- 
me und Stülp war, wurde 
darüber ein Hut gesetzt 
Cso noch im SOjähr. Krieg). 
War sie mit Kämmen ver- 
sehen, so liatte sie mehr 
Zweck und Gestalt eines 
Mfrtians, 



0« 1165. 



Ain Eisenhut wurde über die 
Hamaschkappe aufgebun- 
den. Auf dem Eisenhut 
konnte eine Schifilung sein, 
oder ein QeUng von Bingh- 
har nasch Cein Flecken aus 
Drahtringen, welcher rund 
herumlangte). 



Anmerkung. Im XVI. Jh. 
nannte man das um den 
Kisenhut befestigte Ring- 
harnisch-Stück: Panzerge" 
heng ; auch wurde der Ei- 
senhut zum Kriegsgebrauch 
manchmal am Ranft CRand) 
mit scharfen Eisendräten 
durchzogen vnd verzeint, 
was beim Zweikampf nicht 
geduldet wurde. 



dem angesteckt , daher sie 
oft heim Stoss« abäprangen. 

Das Helmlin, eine leichte 
Art des Feldhelms; etwas 
schwerer war der Haupt- 
hämisch, auch der ganze 
Hauptharnisch genannt, mit 
seinem Visir. 

Die schauern j welche swar 
noch um 1570 üblich war, 
Jedoch im vorliegenden 
Verzeichnisse nicht vor- 
kommt; (vergl. SCHRMBL*S 
Tuniierb. Mspt. der k. k. 
Ambr. Smlg. de anno 1568. 
fol. 188 a. bei dem Reiter- 
stücke genannt : Sunen- 
blichh, wo es heisst: so 
greif fir sich in sein schal- 
lern oder eisenhuet u. s. \v.) 

Die Sturmhaube mit ihren 
zweenPagkhn (Backen, d. i. 
ein Paar Wangenstucke), 
hiess eine Art olTenen leich- 
ten Helmes. 



Die Bttekelhaube y Puekhel- 
haube, richtiger: Beckel- 
haube (von bacinus, Bec- 
ken), in der Regel die 
Kopfbedeckung des gemei- 
nen Kriegers. 



18S 



Anmerkung. Den Helm schmiickte oftmals ein Feder- 
busch, daher schon im Invent. A. der pusch von Strdw- 
senfedern genannt wird, und in der Harnischlcammer vie- 
le ledige sirawsenfedern verwahrt wurden. Das Zimir der 
Osterreichischen Herzoge aus Pfauenfedern ist bekannt. 



A. 1436. 

6. Mn auchhdm^t ein gftnz- 
lich geschlossner Helm oh- 
ne Helmfenster, nur mit 
einem Querschnitte (jQuer- 
riss oder Querschranz) un- 
ter der Stirne versehen, um 
tiothdürftig durchsehen zu 
können. 

7. Ain Rennhawbn, 

8. Ain hunczkappen, 
Anmerkung. Die Hundvkappe war eine Kopfbedeckung des Kriegers, worüber man 

noch nicht im Klaxen ist Es scheint eine Ähnlichkeit des Begriflfes in dem Ausdruck 
^HundskugHn'^ zu herrschen , deren schon Faust in der Limpurg, Chron, en^^ähnt : 
Ums Jahr 1389 führten BÜter und Knechte, »Arger und reisige LeuU Hundskugeln. 
CMehr hierüber in Frisch voce Gugel), und noch Kais. Max I. verordnet in s. Me- 



A. 1436. 



C 1464. 



Der Hals. 



Den Hals schützte das Ool- 
lir^ entweder aus Panzer- 
ringen oder aus Leder ver- 
fertigt, dagegen das Gol- 
fer um 1600 aus Eisenblech 
gebildet war. Ebenso aus 
Eisenblech bestand : 

Der partt, auch Magen- 
plech^ Brustplech oder spä- 
ter Oberbrustplech genannt. 



Anmerkung. Als in Jüngerer iKeit der Helm sein Kinn 
gewonnen hatte, kamen dieBürte bei Feldharnischen aus- 
ser Gebrauch ; nur bei Turnieren hielten sie sich noch als 
Oberstück, wie es denn noch beim Münchner - Turnier 
1668 heisst: Zum Freiturnier zu Ross, Artikel 1: Jeder 
soU dazu ohne alle ToppeUtuckf in einem blossen Feldki- 
riss erscheinen , allein y da er ein Mains Feldpärtl brau- 
chen wollt, das wird ihm zugelassen. 



ain Qoller, 



Ain magenplech das sol segn 
ainer spann vnd Dreyer 
Zwerchen finger Lanck, vnd 
ain spann zwerch nach der 
brayt haben; vnd das ma- 
genplech sol vnder dem 
pantzer gebn^ßcht wer- 
den. 



A. 1436. 



D. 1465. 



Brust und Bauch» 

Erstere bedeckte, ain halb eisnein Platte, 
nur den untern Theil der Rippen schüt- 



Die prust heisset auch kürisprust, Platte 
oder Brustblech, und reicht voUkomtnen 
auf baiden seilten hinein , bis auf die 
näet in dem wamas , vnd hat 3 Htiffen, 



ISS 



F. 1562. 



Der Steehkdm , weit leichter 
aU der des XV. Jh., helimhi* 
in Form eines haurguinotf 
Im Qegensatse des ghnxücb 
verschiedenen BennhueU. 



Anmerkung. Die Rennbaube, In Scdrmbl's Tumb. B. 
stets Rennhttt genannt , welche einsig und allein beim 
Rennen, einer Hauptgattung des Tnmierkampfes , ge- 
führt wurde, hatte so ziemlich die Gestalt einer deutschen 
Schalleni, Jedoch war dl^ Theil, der sonst Visir helsst, 
an Ihr angeschmiedet, d. I. nicht zum Aufheben. Auf ih- 
rer Stirn war gewdhnllch eine »chifftuny angebracht. Die 
bezeichnende Kopfbedeckung bei den Rennen 
war C>n der Regel} vder Rennhuety*^ im scharfen Gegen- 
satze 9des StechhelmSy'*' bei den Gestochen, 
mor. B. 150t: Der PucksenscMtz (zu Ross) soi Aaben ein knndihairpeH und ein 
welsche Schauern, Nach meinem Dafürhalten war die Hundskappe eine Art leichten 
Helmes, welcher statt des Halses ein Panseigeh&ng besass, und trug seinen Namen 
grösstentheils von seinem gegen vorne zu keilförmig gestreckten Helmstune. (Man 
vergl. die Abbildung in FDOdt's Meyrick. PI. XIV. ig. 3, 4.3 



D. 14ß5. 



E« 1500-1508. 



F. 1562. 



Das Ooller mit Achselen, 



ein OberbrustpUch^ das ainer 
spann oder anderthaiben 
langk vnd ainer halben prat'l 
seyn soll. 

Anmerkung, Das Oberbrustblech war eigentlich ein eiser- 
ne! Bart (mentomUere), doch scheint die Bezeichnung de« 
Bartes mit «Oberbrustblech** unpassend , und gab schon 
dai^ls, wie noch Jetzt, Anlass zu Missverstandnissen. -— 
Das unter O« angeführte Mass scheint richtiger ; übrigens 
wechselte seine Grösse oft; so bat z. B. ein solcher Bart 
in der WalTensmlg. des Verf. zwar iOV^ Wiener Zoll Hö- 
he, Jedoch über IS Zoll Breite. 



E» 1500—1508. 



a) Der (blech} Khragen mit 
atn Par Achseln y oder 

b) Der Pantzere Halls, oder 
statt seiner 

c} das Pantzerkhrägl f das 
ebenfalls die Achseln deck- 
te: im Ambraser Inventar 
von 1596: «Ringkragen* 
genannt. 

Der Part jnur zum Tur- 
ner Rennpart j niergebrauch.^ 
Das Parti (Feldbartel), zum 
Gebrauche in der Schlacht. 



F. 1562. 



Manchmal war die Brust: ein Khrebs, und 
hatte einen Gemsspauch. Von kleinerem 
Umfange war: Das Prässtl (entw. ge- 
ätzt od. Üecht , oder schwarz , versilbert 



Die Brust (das Bruststück} halte dauials ' 
einen Gamsbaucb. Das Prästel war ein i 
verkürztes leichtes Bruststück. DerRughh 
(Rückenstück} schützte den Maiui von 



184 



A« 1436. 



£end, schmftler und kurzer, als: die gancz 
Eisnein Plattn. öftere waren Helm und 
Bniiit mit Sammt von derselben Far- 
be ulienBogen , wie es z, B. Iieisst : Ain 
rote »amadUin pUUtn, vnd ain rot samad- 
tein heimlin. Zum Turniergebraucbe führ- 
te der Ritter entweder: si) eine Turnay^ 
plattn , d. I. Bruststück zum eigentlichen 
Turniere ; oder b) eine stechplatte , zum 
Gestech; oder c) eine Rennplattn, zum 
Rennen. Der Ausdruck ^platte^ indet 
sich schon in Vlr. v. Li€htbnst., Otto- 
kar. V. HORNRK , PET. SVCBBNWXRTH U. a. 

80 häufig, dass eine nähere HinweLsung 
unnöthig erscheint. 

Das maylanische pancvir, eine Art Panzer- 
hemd von besonders guter ileissiger Ar- 
beit, wie denn überhaupt Italien schöne 
Waffen lieferte. Das siechte Pancxir^ das 
ist ein gewöhnliches einfaches schlichtes 
Panzerhemd. — Schon im Jahre 1338 er- 
scheint in einer in Unterösterreich aus- 
gest. Urkunde (Leber, Rückblicke, I. Bd. 
p. 150.3: Niclas der Panzcir (statt Pan- 
zirer), d. i. Paiizermacher , Drahthemd- 
verfertiger, von pancier, banxier, böhm. 
pattzifr, thorax, lorica, m. lat. panceria. 



Die Haften. 



Der8churczAeeKte die Lendengegend ; hier 
ist wahrscheinlich ein Schurz aus Ring- 
panzer gemeint. 

Anmerkung. Häufig erscheint in Ritter- 
gedichten der reichgeschmückte Gürtel, 
woran der Dolch hing — allein in vor- 
liegenden luventaren ist keiner ange- 
führt, da er zum Schmucke des Ritters 
gehörte, den nicht die Waffenkammer 
barg. Nur das Inventar £ nennet einen 
Leibgürtel ohne nähere Bezeichnung. 
Er war häufig mit Sammt überzogen , 



D» 1465. 

oben einen vnd an jeder Seiten einen — i 
ist auch : vnden fterausgebogen mer dan 
vmh ainen vinger, das man mit dem gurtl 
vnd schurtz darunder möcht» 

Diese ttust in solcher Grösite ist 
gehörig zu einem Küriss als Kürisspiat- 
te, vnd dient zu gerüst (d. h. ist für 
einen Rusthacken anwendbar). 



C» 1464. 



Ain pantzer oder Rinckharnaseh , der soi 
aüer an gewicht haben zweinlT^gk mun- 
cher pfunt vnd nicht mer, vnd sot freg 
vnd lediglich vber die Joppen angelegt 
werden, mit nichte czamgezogen noch auf- 
gepunden seyn. Item das pantzer soi gant% 
vnd forn nicht offen sein, auch kain Bruch 
haben, (Man vergl. Schenkeln.) 

Allein auch im Zweikampfe auf Le- 
ben und Tod konnte ein Ringharnisch Cin 
Folge Übereinkunft) geführt werden. So 
antwortet Ritter Eustach von Bon- 
gard auf des Drostes Jdhanns von 
Gronsfeld Herausforderungsbrief: (um 
1385—1388) „dae wiUe Jch dich in einen 
Wairff wisen gewapent mit eynen Pant- 
zier, mit eynre huyffen (sinnverwandt 
dem angelsächsischen hafela, dem m. h. 
d. hübe, d. i. Eisenhaube), ind mit Strich 
Hoyssen (d. i. lederstreiAchten Panzertau- 
sen, so schon in der Limpurg. Chron. ad 
an. 1351 : „Vnd furthen sie an jren bei- 
nen streichhosen,'^ vergl. im vorlieg. Bu- 
che, Anmrkg. 105): ^ind mit eynen Swer- 
de ind mit eynen Metz (breitem langen 
Dolch) as dütz begehrende bis.**' (Qmx. 
Schloss Rimburg. 1835. p. 65.) 



mit Silber beschlagen , sass auf der linken Hüfte auf, und senkte sich gegen die 
rechte, da an dieser Stelle der Dolch hing. 



IM 



E. 1500—1508. 



F« 1562. 



u. s. w.) , an dem öfters ei» 8eMteri% 
hing; es war ein leichtes kleines Brust- 
stück, bei leicbter Wappnung gebraucht. 
An der Brust sass: der Qer&eet Cder 
Rüstbaken). 

Damals gehörten, wenns zum Turnie- 
re ging, noch über den Harnisch: fünf 
geechiffU Stach, vnd aUg^ Turnierhandt- 
schueh, — Der Khrebs war entweder ein 
ganzer Krebs, d. i. ein von den Hüf- 
ten bis zum Halse aus Leib reifen ge- 
schobenes Bruststück , oder ein halber 
Krebs, d. i. bei dem nur die untere 
Hälfte geschoben war. 



hinten. Die Brust des Reisigen besass: 
einen Oerü$t (d. i. Rdsthaken) , um die 
Lanze einzulegen; zu einigen Tumiergat- 
tungen auch den schweren Hinderha§' 
khen; die 8techbrfßst diente zum Gestech, 
einer Gattung des Tumierkampfes. 

Anmerkung. Das Ambras. Invent. von 
1596 nennt unter den Harnischen auch 
den Koraxin; dies war ein Schuppen- 
hämisch, von aussen mit starkem (meist 
rothen oder grünen) Sammt überzogen, 
und mit vergoldeten Nigeln beschlagen. 



D. 1465. 



E. 1500—1508. 



F. 1562. 



Dvs geringe Panixier^ ein Da$ Paabserhemet. 
ziemlich kurzes Drahthemd, 
nur bis an die Scham rei- 
chend, da noch ein Draht- 
schurz, aus leichten dün- 
nen Ringen, dazu gehört. 
Anmerkung. Über das hohe Alter und die häufige Anwendung des Ausdruckes, dessen 
Ursprung im Italien, panziera zu suchen Cso d. Academ. della Crusca: gtieita parte 
deW usbergo ehe arma la ptmcia^ den Bauch, franz. pance, dahin zielend: Sancho 
Pansa etc.} finden Wafl'enAreunde Vieles in Ducangb Vocabularlo, voce Paneerea et 
Panxeria. 



Dae ganze Panaerkemd wur- 
de oftmals allein anstatt 
Blechhamisches getragen 
— theils aus Bequemlich- 
keit, thells wegen früheren 
verharschten Wunden. 



Der Schurz Cavs Bingh- 
harnasch ftabtier de tnail- 
tesj)^ ist entweder elnVor- 
derscburz oder ein umgc' 
hender Schurz. Letzterer 
deckt gantz vmb den Leib, 
vor, neben vnd hinden. 
Maiirhmal deckte er auch : 
hinden hinauf den Ruhen 
vnd Lendt (Lenden), vnd 
hat flug in den seitten an 
baiden ennden bis vnder 
die arm. 



Dae pantzergeheng , hinden 
vnd vornen am Harnasch, 
Der Pantzerschuerz 
sanUtt dem Latz; später 
wird genannt: Ain ciain 
Pantzerlatz zum geringen 
Turnier zu Ross, 

(Die hnechtische lange 
Schoss) mit ainem stäh- 
len Latz; dR nur bei Fuss- 
kampfhamischen der Latz 
aus Stahl getrieben sein 
konnte , dagegen er beim 
Reiterhamlsch stets aus 
Panzer bestand. 



Der geschobene Schurz: 
d) Vorderschurz mit Vor- 
derreifen; ö) Hinterschurz 
mit Hinterreifen. DerPant- 
zere Schuertz, Er war in 
der Regel , und zwar : der 
vordere an die Brust, der 
hintere an das Rückenstück 
angenäht ; häufig gehörte 
dazu : ain Panizerer Latz, 



18« 



At i486. 



D« 1465. 



Achseln. 

Zwo fing deckten die AchselhOlilen. Wa- 
ren sie mit einer aufreclitstelienden einer- 
nen Wand versehen, welelie Ran dt 
Cgarde-cott, engl, pass-guard') liiess; so 
nannte man sie aucli: Ein paar Rendtf 
welche man sowolü In der Schlacht , als 
heim Tuniiere trug. Sie waren nicht nur 
heim deutschen Gesteeh im XVI. Jahrh. 
uhlich Cahgeh. in Max I. Triumphzug. 
Bl. 46.) , sondern hei mehreren Tumier- 
gattungen dureh's ganxe XVI. Jahrh. 

Ein paar Spangawl (plural), eine Art Ach- 
sein mit Achseischeiben, die man sowohl 
XU Ross als SU Fuss führte. 



Die Achseln haben entweder : Einen obe- 
ren Armxeug mit vorderen Flügen vnd 
Scheiben C^or dem Achselgelenk}, wel- 
eke wappnen von der Achtet bis auf das 
Oelengk Cdes Slbogens) ; oder: ein Ober- 
armzeug vnd Unierarmzeug. — nDer 
Flug* hiess Jener Theil des Harnischen 
oder des Ilausgewandes, welcher am obe- 
ren Ende des Arms entweder die Achsel 
vorne, oder das Schulterblatt rückwärts 
deckte. So geschieht schon in Hanns Un- 
gnads Raittung, d.a. 1447 der Fläge an 
der Frauenkleidung Erwähnung: Vorerst 
meiner frawe gnad zu zwain Hohhen vn- 
der die fläg 30 Ellen swarczen ZandaJl. 
CSCHLAGRR Wien. Sk. II. 51., wo dieser 
Ausdnck viermal vorkommt.) 



A. 1436. 



Arme. 

Ein par Armzeug sammt ein par Mewsl. Das Armzeug schützte den ganzen Arm. Es 
llng etwa vier Fingerbreiten unter der Achsel an , und reichte bis an*s Handgelenk. 
Den Elbogen schützten die Meuseln , kleine aus Eisen getriebene Becklein , welche 
insbesondere anfeubinden waren. Die ganze Eisenbedeckung von der Achsel bis zum 
Handgelenk hiess auch der Arm, Die stuckh, die zu dem Turnay gehörent, hie&sen: 
Dm armcTiewg mit stechmewsl (^garde de brasj vnd stechhantschuch. Zum Feldgebrauch 
diente auch eine leichtere Bedeckung der Arme : Der Eisnein Erml (Panzerärmel). 
Anmerkung. An den Armzeugeu des XV. Jahrh. waren die Elbogen insbesondere ab- 
zustecken, gleich den Kniepuckeln. In der Regel hatten sie ein Paar Löchlein , wel- 
che gut mit Messing gebüchset Causgefüttert) waren, damit die Riemchen nicht Scha- 
den litten, welche am abgesteppten Ärmel festgenäht, durch diese Messingdhre ge- 
zogen wurden. Auf diese Weise, wurden die Meuseln aufgebunden. 



A. 1436. 



C. 1464. 



Hände. 

Ein par pleekkanntschuck. 



Kettenhantschuch. 



Anmerkung. Nicht Mos der Krieger, auch der Bürger im Hausgewande trug 
manchmal Panzerbandschuhe C^^nn auch mit Leder überzogen), um sicherer fech- 
ten zu können. So erzählt Veit Kourad Schwarz, der gräflich Fugger'sche 
Buchhalter, ad annum 1560, dass er oft bis nach Mitternacht in den Strassen her- 
umgeschwärmt habe, „mit dem glinggen CÜnken) Arm, da hielt ich die Wöhr in der 
Hand , die Hendtschuech waren banntzerin , ich huelt Chielt) mich also ledig Chlos 
darum), damitt wans an ein Schlagen gieng^ ich gerist wert* Rrichaao. p. 140. 



187 



E. 1500—1508. 



F. 1562. 



Unter den Achseln sassen: ain paar 
Herrnflanhen, d.i. Fluge aus Pan- 
zenverk, um Jene Stellen xu scbbmeii, 
welche der Blechhamisch nicht deckte. 

Ein par Spangerdis» 



Unter den eisernen Achseln schirmten ei« 
Par Pantzerne Flankhart di« 
Achselhöhlen. 

Ein par SpangerüU mü 9eMben, 



Anmerkung. Aus den verschiedenen Inventaren der k. k. Amhraaer Saamliing geht 
hervor, dass Spanger&is im XVI. Jahrh. eine Gattung von halben geschobenen Ach- 
seln waren, mehr für Reiter als für Ganger bestimmt, maachmal auch beim Tnmlefe 
gebraucht, deren Hinterseite durch sswei Hinterduge die Schnlterblfttter sehutxte, 
wahrend vorne die Achselhöhlen nur durch zwei insbesondere befestigte Stahlschei- 
hen gedeckt wurden. Man vergl. folgend« Angaben: Inventar de anno ft596: Sin 
par Spangeröd zur ReUerrüstung, Invent. de anno 16il. pag. 8. Post S4: Drey 
Spanner Eil Axlen^ darundter Aine zum Freyrennen. Invent. de anno 17S0. pag. 187. 
Post S9: Ain gesckobner Leib Harnisch sambt Ü schütter oder Spannen ÄsBeUn Vnd 
ein Cassget. Nicht bald ist ein Ausdruck so verunstaltet worden. 8o hat das Lands- 
hut. Invent. von 1479 Crecte 1500): Spangeröl; dasLandsh. lov. v. 156t: SpangerM; 
das Ambras. Invent. v. 16S1: Spanner- EU; Löhneisen: Spangaröhl, und das Am- 
bras. Inv. v. 1730: Spanner-Äxlein. Die wahrscheinlichste Annahme bleibt, dass der 
nicht corrumpirte Ausdruck: SpangoUr war, conform den Uinlieh auslautenden: Sa- 
lir, Spaldenir, Hurtenir, KoUir, Haersenir, Orokanir, Hufenir, achinnelir, SenlleBir 
tt. d. m. , sämmtlich Theile der Schutzwaffen bezeichnend. 



D» 1465. 



E. 1500-^1508. 



Ff 1562. 



Ein Oberarmzeug und Unter^ 
armzeug; an den £Ibogen: 
Menseln, d. i. offene £1- 
bogen aus Eisenblech. Im 
Abeii!<pergischen RechtH- 
streite scheint der Aus- 
druck liMeuseV*' gegen son- 
stigen Gebrauch: den ge- 
sammten obern Arm- 
zeug sammt Achseln 
zu bezeichnen. 



Ein par Armzeug , in den 
Armbeugen C^ittelgelen- 
ken des Armes), ein par 
Pantzerflechen. In der Re- 
gel waren die Achseln un- 
ter dem Ausdruck »Arm- 
zeug** nicht mitbegriffen. 
— Nicht nur Knechte, son- 
dern auch Herreil, wollten 
sie ring und bequem sein, 
nahmen : 

Ein Par pantzer Ermel. 



Ein Par Armzeug Cschwar», 
Hecht, gereift oder ange- 
strichen). Für die Unter- 
arme dienten : Ein par 
Armschienen mit ihren Td- 
zeln; in deren Ermange- 
lung führte man: 



Ein par Pantzerärmel. 



plechhandtschuech. 



Ein par pantzerhandtschuech. 
Ein par Turnier handschuech. 



Ein par plechhandschuhe. 
Ein par pantzer handschuhe, 

entweder gefingert oder 

Fäustlinge, 
Lederne Handschuhe mit 

pantzerstriehen. 



1S6 



A. 1436. 

SchenkelD. 

Ein par ganze payngewanU (im Wical. tsenliose} deckten Schenkeln und Scbienbeine 
bis an die Knöcheln. Ihr Gebrauch i»t alt; nchon vom Riesen Goliath heisst es: Und 
er hatte eherne Beinharnische an seinen Schenkeln. I. Samuel, 17, 6. Den Ausdruck 
npainkarnaseh* gebraucht noch Kaiser Max I. (Hormatr's Taschenb. 18127. pag. ISOO.^: 
It, kunig sol maieter niclausen Wundarzt die kunst nUt dem painkarnaseh lernen. 
\ Der Diechharnaseh deckte fifchenkeln und Knie. 

Der eisnein pruch hiess eine kurze Panzerhose, welche Haften und Dickbeine umgab 
iBrüehej ein alter Ausdruck, schon im latein. hraecae^ femoralia; bei den Rdmern 
braceati; im italen. Itrache; im engl. bricHee), Auch die alte HauHtracht kannte die 
Bruche als Kleidungsstuck der Beine; so werden in einer alten Bibel aus dem Ende 
des XIV. Jahrh. die Beinkleider nBräche'^ genannt CSchöbkr, Bericht von alt. Bibeln, 
p. 8t und p. 633; der Brokremen CBruchriemen} gehörte mit stim Heergewedde. 
Tom. 111. Script. Brunsv. p. 434.3, und schon die alten Gallier trugen nbraccas* 
as sxscvoc ßpoxa; TZ^ayo^iuatn, Diodor, vergl. Frisch voce Bruch. — Weit tiefer 
reichten die Eisenhosen des XII. und XIII. Jahrh. die iserholTne; (wohl dem ital. caize 
nachgebildet , da in alter Zeit die Beinkleider darunter gemeint waren ; so die modi- 
schen caixe quartaie des XV. Jahrh. , die mit Edelsteinen besetzten calze der prunken- 
den Ordeasritter deüa ealxa in Titians Trachtenbuch u. s. w.3 



Kniee^ Schienbeine und FQsse« 



Bin par under painrören. Der Ausdruck „Röhren* erweiset deutlich, dass diese Bein- 
schienen bereits Schienbeine und Waden umgaben. Ihr Gebrauch ist sehr alt; schon 
die Griechen trugen ähnliche, reich und geschmackvoll verziert, welche über das Knie 
hinaufreichten ; man musste vorerst Jene Theile schützen, welche der Schild nicht dec- 
ken konnte. Im Ambras. Inv. v. 1596 werden sie : Painschienen genannt. (Fol. 36S. b.3 
Ein par EUneine echuch deckten die Füsse. Ihre Gattung ist nicht ausgesprochen ; es 
könnten Jedoch damit, analog dem obigen „eisnein Bruch,^ Panzerschuhe gemeint sein. 
Die Sporen waren zu verschiedenen Gattungen des Kampfes verschieden, und das In- 
ventar £ unterscheidet: Khüreseporn, Stechsporn, Hennsporn u. s. w. 
Anmerkung. Zu Anfange des XVI. Jahrb. hatte der Vorfuss der Haus- und Harnisch- 
tracht eine unmässige Breite (gleichsam breit abgehackt3 und hiess Stumpfschuh. 
Sabellicvs (f 15063 nannte ihn Bärenfüss; die Franzosen: souiier & bec de cane. Übri- 
gens kommt der Ausdruck: ytStumpe schuch'* schon um die Mitte den XIV. Jh. in den 
Fastit» Liniburgens. vor, wo die damaligen Kleidertrachten beschrieben werden. (GrItrr 
Bragur, VI. B. 1 . Abth. p. 87.) Das Inv. v. 1562 nennet auch : ein par Aenn^cAuecA.. Dar- 
unter sind kurze Stiefeln mit langen Spitzen (Sctinabelschuhe3 zum Rennen gemeint, 
die damals (z. B. in Schbmel's Turnierb.3, auch „Wachtelstiefeln'^ genannt wurden. 

Schilde« 

1. Pte pavesen. Grosser schwerer, meist vierseitiger Schild der Fussgänger, eine böh- 
mische NationalwalTe, imWeisskunig und in K.Maxi. Triumphzug häufig abgebildet. 
H. Der steehsehild, zum Gottesgerichtskampf (abgeb. in Scolichtkciroll^s Thalhofer3. 



199 



D. 1469. 



E. 1500—1508. 



F. 1562. 



Der Dieckharna»eh mU ainer 
pruch, die »oh auch von 
Ringkharnaseh seyn. Der 
Diechhamasch deckte die 
Schenkeln, endete Jedoch 
ober dem Knie Cda die Knie- 
buckeln be80nder.H aufge- 
führt werden). D i e B r u c h 
war hier ein kurzes Bein- 
kleid aus Eisenringen, das 
nicht ganz bis ans Knie 
reichte, jenem kurzen Bein- 
kleide Ähnlich , das noch 
heutzutage bei den Tiro- 
lern In Gebrauch ist. 



Ein par DieehUng C^r den 'JBfiiPariKefinjr (lange Retter* 



Reisigen), im Gegensatze 
des langen hnechfischen 
Schosse» für den Krieger 
zu Fuss. 

Anmerkung. Im XVI. Jh. 
gebrauchte man für ^ehos- 
se oder Schössein'* auch 
den Ausdruck: ^Taschen, 
Beintaechen,* doch war er 
nicht allgemein üblich. 



schenkein, meistens nicht 
geschoben). 

Ein Par lange 8eh6»»eln zu 
Reuteriechen Harnischen, 
lange Schosse, meistens ge- 
schoben. 

Ein Par kurtee Schö»»eln, 
kurze ObenieheDkeln , oft 
geschoben. 

Ein Par Streifiartechen^ d. I. 
Dfilgen zam Rennen. 

Ein Par Renn»cho»»e, ond 

Ein Par Henn»chö»»ein, zu 
einigen Gattungen des Tur- 



niers. 

Anmerkung. JHechlinge oder Dielinge sind nicht mit DiUgen zu verwechseln Canch 
Streiftartschen genannt). Düigen aber nannte man ein Paar aus dickem Elsen ge- 
schmiedete Sehenkelwehren, welche der Ritter , ihres grossen Gewichtes we- 
gen, nur mittelst starken Riemen über den Satteiknopf hing, um wUirend des Ren- 
nens seine Schenkeln dadurch zu schützen. 



Zween Kniepuhel (Hnyepug- 
keO ainer spann langh. 

Ein par Stifal von Leder 
Cvom ital. stiveUi) mit ain 
par Sporen, 

Anmerkung. Stiefel trug 
der Ritter nur zum Kam- 
pfe, auf Reisen u. der Jagd, 
niemals zum Staate ; Ja bei 
Hofe waren sie als unan- 
ständige Vernachl&ssigung 
untersagt. So helsst es in 
den Statuten des Ritter- 
ordens della Banda, vom 



(Bein -Schienen"), Ain par 
Halbschien Cd. i. Beinschie- 
nen, die nur die Aussen- 
seite deckten) ; die Ambras. 
Sammlung bewahrt deren 
mehrere. Die Füsse ver- 
wahrten: ain par ploss 
Khüresschuech mit 
schwarzen rauhen Leder, 
darüber entweder Schie- 
nenschuhe oder Ein par 
Pantzerschuech, dazu Khü- 
ressporn , schwarz oder 
weiss. 



span. König Alpbons XI. i. J. 1313 erneuert: Dem Rit- 
ter , der Stiefel anthut über tuchene Strumpf, mags der 
Obrisl nehmen , und den Armen um Qptteswillen geben. 
CLiMNABi Jus. publ. Tom. II. de equltib.) 



Ein Par Schinen, d. i. B«in- 
röhren. Nur letztere und 
die des Unterarms hiessen 
Schienen, und ganz ir- 
rig ist heutzutage die Wei- 
se, Jeden Blecbbestandtheil 
eines Harnisches Schiene 
zu nennen. Das Mittelalter 
kannte nur Beinschie- 
nen und Armschienen. 
Dazu gehörten: ein par 
Schinenschuech, d. i. ge- 
schobene Blechschuhe (za 
den Behiröhren) oder PoiU- 
zerschuech, mit ein Par 
Khüressporn, 



Anmerkung. Das Custo- 
dier zum Sturme, das schon 
vor 1508 in Max I. Blemor. 
B. erscheint (Hormayr , 
Taschenb. 18124. p. 46.), | 



Tartsehen man Tarntert 

a) Die gäderte B£nntartsche 
(d. 1. gegittert). 

b) Die linke Tartsehe C^nm 



IM 



A« ]4d6. 

H. Die Tartsehe, ein zum Fusskampfe mit dem Kolben gehöriger vierseitiger Arm- 
schild. CMan vergl. Max Triumphzug. B. 390 

4. Das Ter t Schi, ein vierseitiger kleiner Faustschild, gehörig zum «Fusskampfe mit 

dem Messer.« C Vergl. Max Triumphzug, Bl. 38, und Mabozzo Arte deiV armi, 15660 

5. Die Renntartsehar, d. i. die Renntartsche, bei mehreren Gattungen des Rennens 

üblich, meistens mit Kinn versehen; allbekannt. 

6. Die targe, ein runder geflochtener Schild Cäbnlich den türkischen Schilden aus 

Weidengefleisht, mit Seide ubersponnen}« der mit Büffelleder überzogen war; noch im 
Don Quizote ervi^ähnt: un cavailero con una fori». Sie hatte beiläufig die Gestalt jener 
Schilde, die man sp&ter «Rundell* nannte. 

Anmerkung. Kaiser Max I. befiehlt im Memor. B. d. a. 150IS zu verfertigen: Lanng 
mtert vnd Streitaxt %a den Hderin pafesen ; und an einer andern Stelle : It. die lide- 
rin pavessin nieregket zu machen, wider die Lanntzen -zum Swerten vnd Streyt Axt. 
CHOBMATR Tascheub. f. 1627. p. 195 u. IS06.} — Man ersieht daraus, dass dazumal 
der Pavesenträger mit dem Schwert oder mit der Streitaxt kämpfte. Diese Schildgat- 
tnng war in Böhmen heimisch ; vorzugsweise die Hussiten gebrauchten die »Pooesa,*' 
obwohl die pedües pavesaU schon tan XIV. Jahrh. bei Franzosen und Italienern häu- 
fig vorkommen. (Tergl. Sam. Mzyrick's glossar.) Die höhmische PacezOy auch ^affe- 
9un^ genannt, zu Anfange des XVI. Jahrh. eine gefurchtete Wehr, war eine vier bis 
fünfthalb Schuh hohe nnd dritthalb breite Setztartsche CSchlagbr, Wien. Sk. I. It83, 
aus starkem Hulze gemacht , inwendig mit einer Kuhhaut überzogen, und mit Hand- 



StaDgenwehren« 



Für die lange StangenwalTe ist der allgemeine Ausdruck: der spiess, sie mag nun dem 
Ritter oder dem Landsknechte zu eigen sein. Sowohl die Ritterlanze als der 
Schweinspiess werden im Theuerdank Spies genannt, und in Kais. Maxi. 
Triumphz. wird auch die Rennlanze so geheissen; dagegen ist der Rays-Spiess 
der eigentliche ritterliche Spiess, und wir können diese echtdeutsche Benennung unbe- 
dingt statt der aus Frankreich stammenden: Lanze gebrauchen. Trefl*end bemerkte 
schon Frisch : Der Raisspies ist dem Landsknechtspiesse gerade entgegen- 
gesetzt; auch zeigen sich dieselben Begriffe in gleichzeitigen Quellen. Der Triumphzug 
des K. Maxi, zeiget Bl. 4i den Rais-Spiess als Ritterwaffe Cund bemerket hiebet, 
dass die Reisspiesse hier ausnahmsweise keine Scheiben haben sollen), so wie 
Bl. 48 den vollkommenen RaiS'Spiess als Gegensatz ; denn zum Fussfumier hatte der 
Reisspiess niemals eine Scheibe CBrechscheibe). Vergl. Schemel's Turnierb. Mscrpt. 
Bl. 80 b., Bl. 81 a. — Die Herleitung des Wortes ist leicht; der Reisspiess ist nichts 
anders, als der Spiess des Reisigen (im Gegeifitatze des Fussknechtspiesses), d. i. der 
Spiess des gewaffneten Reiters , und die Ausdrücke : «reisig sein , Einem eine Reise 
dienen* u. s. w. waren noch im XVI. Jahrh. allgemein üblich. Mehreres sehe mau in . 
Frisch und Duca«bb. 

Anmerkung. Der Alspiess (Schlager, Wien. Sk. I. ItS.), ebenfalls zum Kriegs-; 
gebrauche, ebenfalls im Weisskunige genannt , war dem Landsknechtspiesse ähnlich, I 
nur von kleinerer Gestalt,— etwa von 9 Schuh Länge. — Der Fusshnechtspiess,\ 

i 



V 



Ifl 



D« ]4ft9. 



E. 1500—1508. 



F. 1562. 



war wahrscheinlich ein 
stählerner Schildarm mit 
Stahlgeländer und langem 
Stachel auf Elbogen und 
Faust. Vergl. im vorlieg. 
Buche. I. Th. p. 114. Nr. 18 
und die Nachträge. 



Ein stählen Rundell mU Fran- 
sen Cum. RandiO. — Das 
Ambraser Invent. v. 1596 
nennet wiederholt die Run- 
dell, als z.B. Fol. 363 eine 
eiserne ; ebenso 366, 367 a) 
387 a, und f. 45. 



Gestech gehörig) , aus Ei- 
sen verfertiget. 
c) Die Stechtartsche (von 
Holz und beledert) mit th- 
rem Zopf zum Schiiten Cd. 
i. zur Befestigung). 



grilTen aus Ochsenziemer benagelt, auswendig mit zerklopftem Werg, drüber mit ge- 
firnisster Leinwand überldebt, und bunt mit Wappen, Heiligen u. dergl. bemalt; un- 
terhalb in eine eiserne Spitze auslaufend, womit man sie in die Erde stiess, iO — 25 
Pfund schwer. — Bei Jeder Truppenabtheilung war eine bestimmte Zahl Pafesner 
CSchildtrfiger), deren Jeder seinen nHächMer^ hatte C^velcber bei plötzlichem Angriffe 
die Schiide mit eisernen Haken zusammenhägte), und seinen Lichtschützen Cg&nss gt^- 
haniischten Mann) mit einem Ahlspiesse. Im Falle eines Angriffes zogen sich die 
Böhmen Cgewöhnlich auf eine Anhöhe) hinter ihre Pafesner zurück, welche Ihre 
Setztartschen in die Erde stiessen, die von den Häklern mit Eisenbaken oder Ketten 
beschlossen wurden , und drüber streckten die Lichtschütxen ihre langen Ahlspiesse 
vor; die hinteren Glieder aber schössen (das treue Bild unserer Carre*s). Der 
Paffesuner selbst vertheldigte seine Brustwehr mit dem Schwerte, oder Pusikan, oder 
der Streitaxt. CFniscn voce Paffesun). 



Der 8piess hatte von der 
Spitze bis an das hinderst 
ort (hintere Ende) folgen- 
de Bestandtheile : 

1 . Das spieseiseny bestehend 
aus: 

a) dem Blatt (Ambras. luv. 
V. 1596). 

b) Der TüUe, 

c) Den Federn (wenn er 
kein Reisspiess war). 

2. Die Stange. 

3. Die frrechscheibe. (Am 
Reissplesse , auch beim 
Zweikampfe üblich.) 



Der Khüresspiess^ auch 
Raisspiess genannt, mit setr- 
nerCBreGh-^ Scheibe; letz- 
tere öfters mit Fransen be- 
setzt. 

Aumerk, Schon vor MOS 
wurden die Spiesschäfte, 
gleich unsem Schraubspin- 
deln, der Dauer wegen und 
um das Werfen zu verhü- 
ten, in Ol gesotten, „ftom 
kun. Mt. sol üi*^ (300) Spies 
in 61 lassen syeden. (Max I. 
Memor. B. Hormayr, Ta- 
schenb. 1824. p. 48.) 



Der Reisspiess^ auch 
Lanze genannt, mit seinem 
Spiesseisen und der Brech- 
Scheibe^ diente zum Kriege 
und zum Turnier. Im letz- 
ten Falle war er: 

a) Turnierspiess, zum 
Freiturnier, oder 

b) StechstangeymitKröi^ 
lein und BrechsckeibSy oder 

c) Rennstange^ mU iA- 
rem Renneisen (Spitze) und 
Chirbeisen (auch corrump. 
Korbeisen ^ genannt), d. i. 
der Schwebscheibe, 



auch Landshneehtspiess genannt , war die Waffe des gemeinen 6öldnera , und bildete 
den geraden Gegensatz des Reisspiesses. Im Weisskuuige erscheint er oftmals ab- 
gebildet, und wird in K. Maxi. Mem. B. erwähnt: Item hirnhawb mtd Fusskneeht 
Spiess machen zu lassen (Hormayr, Taschenb. f. 18t 7. p. $05.). 



IM 



A« 1436. 

Ain »ehiffier^ kurzer Wurfepiess zur Webr, in Oötzen*8 des Berlicbingero und 8eb. 
Scbärtlin's Leben wiederholt vorkommend. 

SfriesseUen war der allgemeine Aufdruck für die Spitze des Spiesses. Renneisen dage- 
gen biesa die eiserne Spitze der Turnierlanze zum Rennen. 

Die awehscheibe hiess die grosse eiserne Scbeibe von dütenförmiger Gestalt, welche an 
der Rennstange eine Art Sticbblatt bildete. Der Ausdruck gewinnt hier besonderen 
Werth, da er die gänzliche Ausbildung der Rennen schon um 1436 darthut, obgleich 
eine scharfgezogene Grenze zwischen Gesteeben und Rennen schon um die Mitte des 
XIV. Jahrb. bestand, wie den P. SuCHRNwiRTn schon klagt, dass die Ritter seiner Zeit 
aus Bequemiicbkeit lieber stechen als rennen wollen. 

MHe Ueimpartte. Hier erblicken wir noch die richtige Schreibweise, d. i. eine Barte 
gegen Helme zu gebrauchen, daher »Helmbarte,«" im Gegensatze der späte- 
ren Verstümmelungen: Hellebarte, Haiebarte, Hellenparte u. dergl. 



Hanwaffen und Stosswaffen. 

Die mordhakche, d.i. die lange Mordaxt, und da» Mardkekl, ein Schlachtbeil. 
Der Kolben^ Faustkolben, Streitkolben, Kürissbengel. 



A. 1436. 



B. 1464. 



C. 1464. 



Das swert. Wahrscheinlich 

ist unter diesem Ausdrucke 

das gewöhnliche Schwert 

. oder Kurisschwert ver- 

standen. 



Item die wer sol seyn ein 
stoert, das man nennt ein 
pratspiess^ das sol nit 
sneiden — und Ain De- 
gen, mag Alles lanngk oder 
kurtz sein, wie es dan ye- 
der vermeint zu gebrau- 
chen. 



Item die were sol sein ein 
swert Degen, vnd sunst 
nichts In kainen Wege zu 
gebrauchen das stech oder 
sneyd. Unter Degen ist hier 
Dolch gemeint. 



A. 1436. 



B. 1464. 



Das perswert, in einem Ambras. Invent. 
mpärsehwerV^ ge.schrieben ; im XVI. Jh. 
mit dem Stecher häufig verwechselt, 
doch nicht gleichbedeutend, denn der ei- 
gentliche Stecher hatte eine andere Form. 
Man vergl. z. B. den langen, vierschnei- 
digen, hohlgeschliffenen Stecher des Ka- 
sehan Miehal Bei. Ambr. Samlg. Primiss. 
pag. 157. Es mag von boren oder von 
bor, d. i. empor (wie in borkirche) ab- 
geleitet werden, sein Zweck war, durch 
die Fugen der Harnische zu dringen ■ 



Der pratspiss (Bohrschwert}. Der Durch- 
schnitt seiner Klinge bildete ein gedruck- 
tes Viereck, keine der vier Kanten sclinitt, 
das Heft (der Griff} war zu anderthalber 
Faust gerichtet, und die Klinge nicht sel- 
ten weiches Eisen ; sie wurden auch zur 
Jagd gebraucht. (Ein Exemplar in der 
Waffen-Sammlung des Verfassers.} 



IM 



D» 1465. 



£• 1500—1508. 



F. 1562* 



Anmerkung:. Der Spiess 
zum Kriege, der Jagdspiess 
und die verscbiedenen Ar- 
ten der Partisanen und 
Helmparten hatten t, aucb 
3 oder 4 lange Federn C£i- 
seustreifen) t das Abhauen 
zu verbäten. An Reiss- 
sp Jessen dagegen sind Fe- 
dem höchst selten ange- 
bracht. 



Der lang SchefTeting , auch 
8chefftelin genannt, sowohl 
zum Kriegs- als Jagdge- 
brauche. 

Der eichene Heftpfeil, 
scheint dem alten deut- 
schen Azger nicht un- 
ähnlich, wie derselbe Ähn- 
lich lautend als Atiger 
Cstatt des Jüngeren Azi- 
ger), gleich dem Gabilot 
schon im Wigalois, Jedoch 
als eine des Ritters un- 
würdige WaiTe erscheint. 



Das Schäfflin, Wurfepiesa 
mit einem langen ledernen 
Riemen, gleich den Cafri" 
ken der ehemaligen polni- 
schen Uhlanen. 

Der eiserne UeflpfeU, ein 
kürzerer Wurfspiess. 

Die HeUenfHtrte f d. I. Helm- 
barte. 

Die Phartisan^ oder wie 
Fronsbrrgbr sie benennet : 
Barthensaune, 



Anmerkung. Im Inventar von 156t sind auch eigene 
Spiess rüstungen aufgeführt, darunter sind wohl 
Spiesständer gemeint , dazu dienend , die Stangenwehren 
aufzubewahren. 



Der Faustkolben, Kürissben- 
gel. Der Fausthammer. 



D. 1465. 



E. 1500—1508. [ F. 1562. 



Item 4j wer sol sejfn i8v>ert^ 
Degen vnd ain spies, doch 
das der 8pies meines Spiess 
leng hob , vnd darnach ge- 
messen werde. CUnter D e- 
gen ist hier Dolch zu ver- 
stehen, etwa i bis 1 Va Spann 
lang.) 



Das Khüressehwert. Das 
eigentliche Ritterschwert 
hiess noch im Ambras. lu- 
vent. V. 1596: das Reut- 
schwert zu ändert- 
halber Faust. Um 1500 
wechselte der BegrilF von 
Degen, denn von nun aa 
ward es so gemeint, wie 
heutzutage. 



Das Schwert, dessen Scheide 
oft mit Silberbeschligen. 

Das Khürisschwert , . be- 
stimmt für den Kürisser. 

Die Dusegkhe Cum 1510 auch 
der Ty sack he genannt. 
SCHLAGBR, Wien. Sk. II. 
056.3 



E. 1500—1508. 



F. 1562. 



Das Rappier, mit zweischneidiger, ziemlich 
schmaler und langer Klinge, mit Maul- 
korb CHandkorb), oder ohne selben. Heut- 
zutage benennen wir dieselbe^ Waffe : 
«lange spanische Stossdegen.* 

Ein knechtischer Degen (Umge fiftosswaffe) 
vnd Dolch. Dass hier die Bedeutung des 
Ausdruckes «D^yen* wechselt, erweiset 
der Beisatz ^vnd Dolch* zu Genüge. 



Das pörschwert. 

Der Degen, des XVI. Jahrh. länger und 
schmäler, auch viel leichter, als das Kü- 
risschwert, und nur zum Stossen be- 
stimmt. — Eine Waffe , welche unseren 
Degen glich, hiess damals Rapt^r. 

Der Schurtzer, noch dünner und w»it 
länger , als der Degen, eine Reiterwafl^. 

Der Dolch mit seiner Klinge. 



13 



194 



Anmerkungen, i. Die Duseghhe (der Ty$achhe^ war eine böhmische National walTe, 
im engeren Sinne ein schwerer kurzer Säbel mit breitem Rücken , Klinge und GrilT 
aus einem Stücke Eisen geschmiedet. Jene hölzernen Säbeln, welche in den Holz- 
schnitten altdeutscher Fechtbücher häufig vorkommen, und nach welchen ihre Hand- j 
haber «Federfechter* genannt wurden, hatten ungefähr dieselbe Form. Das Am-' 
bras. Invent. von 1596 nennet auch: Deutsche Dusaggen, 

S. In Götzen's des Berlic hingers Leben kommen folgende Ausdrücke vor:* i7af 
Schwert, mit seinem Schwerthnopf , dem Schwertschafft CGriiT) und der Schwert- 
stange CAngel3. — Nach dem Ambras. Inv. von 1596 hat die Schwertscheide 3 Ber- 
schlechte: das Mundplech, mitter e Pand und Ortpand, Dolchklingen sind manchmal 
durchbrochen, d. i. haben Giftzüge. Des Schwertes Kuppel bestand aus dem Ourtel 
Cniemen um den Leib) und dem Oeheng (dem Riemzeug, das die Scheide hielt}. 

3. In der Regel hiess der Dolch des XV. Jahrh. Degen. Vergl. z. B. das Mscpt. der 
Ambr. Smlg. : Meister Peter Falkners künste zu ritterlicher Were, Pmmiss. p. 284. 
n. 37. den Abschnitt: hie hebt an das degenfechten im hämisch C^O. SO, wo der 
Degen 0. e. Dolch, GrilT u. Klinge zusammengenommen} nur % Spannen Länge hat. 

4. Den Stecher betreffend, ist ein Irrthum zu rügen, der falsche Begriffe veranlasst. 
Frisch erachtet Stecher und Kordelatsch für gleichbedeutend, und diess ist 
gänzlich irrig. Das in den Waffeninventaren des XVI. Jahrh. häufig vorkommende 
Wort Kordulatsch oder Kordelätsch bedeutet ein einhändiges CKampf-} llles- 



A. 1436. 



B. 1461. 



C. U61. 



Des Rosses Zugehör« 

Ain Rosskopf von Stahl deck- 
te ;die Vorderseite u. Kinn- 
backen des Pferdekopfes. 
Es ist zu vermuthen , dass 
man damals, sowohl zum 
Freitumier als zum Ge- 
stech , die stählerne Ross- 
stirii gebrauchte. 

Ain Hossdehch^ oi) von 
Sammt oder von Seide. Sie 
heisst auch 

Der Sakch, sobald sie, aus 
einem Stücke bestehend, 
den Gaul von den Ohren 
bis zum Schweife deckt. 

Der Turnay Satt war in der 
Regel mit hoher Vor- und 
Riicklebne C Sattelbogen > 
versehen, allein: 

Der hoch stechsatl war der 
höchste, dagegen die Renn- 



Anmerkung. 

1. Ebenso wird in Kais. Max I. Memor. B. d. a. 150t der 
Bosskopf genannt. Hormayr. Taschenb. für 1827. p. 206. 

2. In H. Vngnads Raittung d. a. 1447: drei vberzogen mes- 
seinene ketenpis mit Stangen; (Schlager, W. Sk. II. 60.) 
d. i. drei Stangengebisse von Eisen, mit Messing überlegt. 

3. Das Stangengebiss reicht in die frühesten Zeiten des 
Mittelalters zurück, und war auch bei den gewaltigen 

'Hengsten nöthig. Seine Theile, «die Balken CAnzuge}, 
das Mundstück und die Kinnkette** blieben sich, 
wenige Änderungen abgerechnet, ziemlich ähnlich. 

4. Im Ambras. Invent. von 1596, p. 123 b. findet sich ge- 
nannt : Ain doplete Rosskapen zum teütschen Gestäch, 
wobei offenbar eine Rossdecke gemeint ist, und zwar ein 
sakch. — Der Ausdruck «Kappe*^, an cappa und coprire 
erinnernd, kehret öfters wieder, und in jüngerer Zeit 
trifft man für Rossdecke nKap&razion ,^ gleichbedeutend 
mit der couvertiurv des Nibelungenliedes und Tri8tan.s. 



Zwen geleich zugericht Se- 
iet wil ich dir furlegen, 



Sättel sehr nieder , unseni j magst du einen nemen, vnd 



Item wil ich zwen gleich Sät- 
tel furlegen mit aller zu- 
gehörung, der ainen 9oHu 



IM 



ser, mit einer einscliiieidigeii kurzen , breiten , geraden Coder schwach gekrümmten) 
Klinge, einfachem Kreuz, und geradem GrifTe mit Schnabel von Holz oder Hom, nach 
Art unMrer HirschiSlnger. Manchmal enthielt die Scheide auch noch ein Paar kleine 
Messerchen und einen Pfriem (zum Jagdgebrauch). Die Harleitung miche man vom 
italien. coltellaccio Cplumpes grosses Messer), und sprach- und sinnverwandt ist ihm 
das franz. eouitiag, so wie das engl. eutUu» (man vergl. S. Mbtrick's gioasnr.) Ihr 
Gebrauch ist sehr alt; so z. B. im ConcU, hispan, : Arma partani diDertomm femsrum 
et fignanUr costalarios et gladios. Aus dem Gesagten erhellet, dass der KordtUOsch 
des XVI. Jahrh. nichts anders ist, als die alte böhmische Dusägge, in einer gestreok- 
teren, feineren, veredelten Form. M. vergl. die Abbild, in Finkk*s Mcnucz. Tab. Cl. 
fig, 1, und Tab. CUI. fig. S. 

5. In der Regel führte der Ritter ztcei Wehren am Leibe hangend, entweder: da» 
KkuriSMckipert samt Dolch, oder: Degen und JMeh; frühere fremdartige, den Orien- 
talen nachJUTende Sitte (wie s. B. Parcival v. t748) , kommt hier nicht in Betracht. 
Nur ausnahmsweise haben die Ritter beim Freitumier zu. Ross t Schwerter anhän- 
gen (vergl. Wilhelm v. Bayerns Turnierfoueh). 

6. Um den Ritter gehörig zum Turniere zu rüsten, hatte man eigene: Anlegstöcke, 
AnleghänHeln^ Anlegstühle; der Ritter sass rittlings darauf, und ruhte auH, 
bis die Reihe an ihn kam, wornach er aufs Ross gesetzt und ihm die Stange einge- 
legt wurde. • 



L 1500-1508. 



F. 1562. 



Das Haubtstierly auch halbe 
Stirn genannt, Hess des 
Gaules Nüstern unbedeckt. 
Zum Streite wurde der Gaul 
mit einem Stangenxigl ver- 
sehen, der mit Ketten rnd» 
terfüetert war. Der Stech- 
zoMM und der Rennxaum 
dienten zum Turnier. 

Ain sehwarzliderne SaUel- 
deckh. Man fftrbte auch 
die Rossdecken; über die 
mancherlei Künste hierbei 
gibt Kaiser Max I. Finger- 
zeige, indem er i. s. Memor. 
B. sagt : die parsen die ge^ 
färbt, mit Seremoniah Was- 
ser (sal ammoniac?) zu 
waschen, vnd die färb da- 
mit abzumachen, so geet Sy 



Der ikoss • Zeug» 

Die (stählerne) R^ssstirn mit ihren Paghhn (Bac- 
ken, wie bei der Sturmhaube) Ohren und SchUU (worauf 
das Wapen, Schlagbr, 11.347.) deckte de» Gaules Kopf. 

Das Sturl war eine halbe Rossstirn; die Manz, von 
Sisenblech, und der Pantzerne Rosshals schirmten 
den Hals des Bosses. 

Der Zaum (Kopfgestell) mit seinem Püss (Gebiss, und sei- 
nem Stangenzügel) , beide oft mit Sammt ülierBogon , oft 
mit Stahl belegt, oder mit Messing (Schlagbr, U. 348.). 

Die Rossdekh, zum Kriegsgebrauch, wie auch bei eini- 
gen Tumiergattungen üblich, hiess Parscha^ Porsche, 
ParsSf und war entweder von Stahl, oder von Seide, oder 
von kostbarem Stoffe, z. B. Seide, Sammt etc. 

Der Steehsack, Sack, der durch seinen Ourt am Gaule 
festsass, verhüllte das Tumierross beim Gestech. Dage- 
gen war bei andern Turniergattungen der Pundt üblich, 
eine andere Art Rossdecke, deren Theile : Halstuch, 
Vorbug, Teschen und Kreuzgelieger hiessen. 

nit ab, (Hormatr, Taschenb. f. i8t3. p. 168.) 



Der MOhüress Sattel^ auch 
Fechtsattel genannt, war 
mit Leder oder Sammt über- 



Der Sattel hatte seinen ztoiefachen Rossgurt, und 
zwar den Kreuz- (Bauch- oder Sattel-) und Übergurt. 
Letzterer war oft aufs Schönste farbig gestickt» 2uui 

13* 



IM 



A* 1436. 



B« 1464« 



C. 1464. 



engltHoh. «Pritschen* nicht 
unähnlich, Terfertiget wur- 
den. Den hdchsten Yorbug 
( pavoinnej führte man 
beim Hohenseuggestech, u. 
letzteres findet man 
schon um 1390 er- 
wähnt, s. B. beim Tur- 
niere zu Strassburg ; C^bm- 
CEMBBB«!, Meditat. Jur. pub. 
am Ende.) 



den aUo vmterkert beMben 
lassen (d. i. ohne Irgend 
eine Abänderung}, auesge- 
nomen gurt vnd Sieg- 
rat ff machstu lennger 
oder kurezer fnaehen. Item 
das weder an wer , zatrm 
noch Saielj nicAto mer ge- 
braucht werde i das stech 
oder sneyde, dann allein 
die vorgenannten zwu we- 
re, d. i. Bratspiess und 
Degen. 

Item das dein ross NMt- 
nes ross hoch hab, vnd 
nichi h&her. 



nemen^ mit nichte verän- 
dern, Sunder also beleiben 
lassen. Item ist sunst nichts 
In kainen weg zu gebrau- 
chen, das stech oder snegd, 
weder an sattel, zawm, noch 
aller wadt. 

Es sol mein ross deine 
ross hoch haben. Ein höhe- 
res Ross hätte im Kampfe 
zu viel Yortheil gewälirt. 
Auch im Abensbergischen 
Rechtsstreite D wird zur 
Bedingung gemacht, dns» 
beide Rosse gleiche Höhe; 
haben sollen. 



Anhang« 



A, 1436. 



Das panyr, ebenso in Schlagbr 1. c. I. 1*3: der Spiess mit seinem Panier, Fahne 
hiess das Feldzeichen der Krieger zu Fuss, Banner hingegen das der ReiMigen, und 
noch Götz V. Berlichingen nennt die Standarte; das Rosspanner, obwohl in frühe- 
rer Zeit auch ^Banner* statt »Fahne* gebraucht wird. Panier dagegen war ein vier- 
eckigt Stück Zeug, worauf das Wapen entweder mittelst Holzstock gedruckt CSchlagkr 
1. c. II. 348.3, oder gemalt, oder gestickt war, und das nicht immer als Feldzeichen er- 
schien. Das Fendl war eine kleine Fahne für eine kleine Abtheilung der Truppen, so 
in SCHLAGKR ibid.: Der Spiess mit seinem vendiein; dagegen an den Trompeten : Tro- 
metter fendiein hingen. CSchlager II. 346.>. — Hier kömmt nur noch Einiges über den 

' Ausdruck: Blutfane zu bemerken. Wenn der Kaiser feierlich belehnte, so berannten die 
Ritter, welche Lehen empfiingen sollten, mit den Blutfahnen dreimal, nach alter Sitte, 
den Lehnstuhl. Hierauf geschah die Belehnung, nach M'elrher die Blutfabnen über den 
Lehnstuhl herab unter das Volk geworfen wurden. Chronica Wittenb. 1553. Fol. 114 b. 
So belehnte noch im J. 1630 der Kaiser zu Augsburg die Herzoge von Pommein. 

Die Eysne hantpuchsn, d.i. die erste Handfeuerwaffe, das Schiessgewehr in sei- 
nen ersten rohen Anfänge». Wie ein gleichzeitiger Schriftsteller, der gelehrte Billius, 
ein mailändischer Edelmann bestätiget, sind diese HatUpuchsn in Lucca erfunden, undi 
zuerst um 1330 (Finke's AIryrick. p. 31.) bei der Belagerung von Lucca mit vielem! 
Erfolge angewendet worden. Das Luntenschloss aber ist nach Baron Stein's CBeitr. z. ! 
Gesch. des Gesch. Wes. II. 9.} Angabe um 1378 in Deutschland erfunden worden. — ' 
SCHLAGER 0* c. I. 122.) gibt ad annum 1444 folgende kRjlnere Büchsen an: Die huph- • 
reine Uaghenbüchse ; die kuphreine Handpüehse, schon um 14S6 häufig gebraucht. Die, 
eissnein ttantpüchse, aus derselben Zeit, Jedoch weniger häufig. Der Preis eines Stückes . 
zu 3 Schilling Cungefähr S2 kr. CMO zeugt von ihrer EiufAChheit. > 



197 



Et 1500—1508. 



Ff 1562. 



zogen C<Ue Stege mit dem 
Küriss von gleicher Arbeit3. 



Stechsattel gehörten Stechstege (Sattelbögen), Steig- 
leder und Stegraiffen; zum RetmeätteUin die beiden letz- 
ten, allein zum Kübelstecheattel nur ein Bauchgurt. — De 
KhürisstUtel besass: Küriestege^ Steigieder undSfepratAe« 
Anmerkung. 1. In VIkgnads Ralttung d. a. 1447 werden 2 vberzogene Bieseein Steg- 
Taift genannt, und ebenso : IS meseein vberzogen Bynhhn in die Steygleder CSCHLAORn. 
Wien. Sk. II. 60.);^ darunter sind eiserne zu verstehen, mit Messingblech; belegt. 
Anmerkung 8. Nach dem Ambr. Inv. von 1696 besteht die Kaperazion aus Furbug 
und Hinterzeug; dagegen ist das G e r e i t eine Art Bedeckung des Kreuzes am 
Rosse, aus schmalen Riemen zierlich zusammengesetzt. Auch erwähnt dasselbe häu- 
fig der Sporen mit ihren Radien und Sffornledern; die Sporen verzinnt , schwarz, 
blank u. s. w., die Sporenleder meistens roth. 
Anmerkung 3. Die »zuegehör* zum Tumaysati war ain prustleder, d. 1. Vorbug, 
und ain gelieger (das Kreuz deckend). Der Ausdruck Ffirbug ist übrigens weit 
älter, 80 z. B. schon im Nibelungenlied CLacbm. Aufl. v. 1841. St. 1549.) : 
von einer starken tjoste hinderz ros gesaz 
Hagne der Kuene von Gelpbrätes hant. 
im brast daz fürbüege: des wart im striten bekant. 
Man nannte aber im XV. Jahrb. CP^r metonymiam) den ganzen Bund d.i. die 
Rossdecke auch das GeHeger; so z.B. in Georgii Scham». Chron. ad an. 1446 
CObfklii Script. rer. boic. Vol. I. p. 317.) : Der Qraff eprengkt auf aim verligerten 
Menget unter die Feinde; — uad in Kais. Max. 1. Memor. B. !• c. p. %0S, wird 
ebenfalls das Oeiiger oder Qliget genannt. Im XV. Jahrhunderte bezeichnete man 
auch ein mit einer schützenden Hülle (gleichviel ob von Metall oder von Leder) ver- 
wahrtes Turnier- oder Kriegspferd mit der Benennung : »JStn verdeckter Hengst,'*' So 
z. B. TscHDDi, I. 919: König Albreckt hat bi Inn ae Strassburg 600 Unger, aUes 
Bogenschützen, und 800 8peerknappen, auch viel Herren vnd EdeUät, die ob 1000 
verdeckter Pferd hottend. 



£• 1500— 150S. 



F. 1562. 



AtnPöcA^Ji mit verpaintem braunem Schafft. 

Eine vuoy fache Pürschpüchsn, 

Ain Pürschpüchsn mit einem seUbspannen- 
demSchloss, auch khunst-Schloss genannt. 

Atn grosse Zihlpüchsn, Ain lange Pürsch- 
püchsn, 

Faustpüchsn, einfache oder zwifache Cauch 
doppelte genannt)) wurden am Sattel be- 
festiget. 

Die Pulverflasche ^ das Zyndtftäschl y das 
Zyndtnörndl, 

Ain Pürschstekhen CSchiessgabel). 

Ain Pürschstuel , der öfters von Holz und 
^gehearendV' war C>nit Hom besetzt), 
manchmal von Eisen , zur Jagd , beson- 
ders auf den Anstand. 



Jede Büchse bestand aus Ror CLauQ, aus 
dem Feuer- (d.i. Schwamen- oder Lttn- 
ten-O Schloss, mit dem Hahn und der 
Fassung (.SchilFtung). Sie war entweder 
eine gewöhnliche oder eine Zwiefache 
Büchse CDoppelbüchse). 

Die gemeine Pürschbüchse Cmit Schwamm- 
schloss oder mit Feuerschloss^, 

Der Haken, mit Schwämme ctdoss. 

Der halbe Haken Cmit Feuerschloss}, 

Die lange Zielpüchse. 

Die lange Feuerpüchse mit ihrer Hulfter 
und die Faustpüchse mit ihrer Hulfter, 

Die Pulverflasche Czur Feuerbüchse gross, 

, zur Faustbüchse klein, von Bein oder von 
Holz, befichlagen oder unbesclilagen). 

Das Pulverhorn, 



198 

Jagdgerä t h. 

Im Inventar A werden genannt : Die Armbru$t , dtr Hanäbogeu, 
das SckiffeiMckwert ^ der Sehweitupies ^ das scKefftieTf der Schaft zum 
ffembseng^aidi^ und die Steigeisen; endüok der Jägerruf. 

Das Inventar £ führt an: 1. Armbruste; der Stahel^ zum 
Jagdgebrauche, zerfällt in folgende Arten: a") der Pürtehstahl , bj der 
Niederländisch Stahlf c) der wälsche Aenntnstahl, i. An- 
deres Gerath: Der Schweinspiess mit gepükhten Schafft, oder Qepikht 
Schweinspiess , so man zu Ross färt^ samt Ihren Hulften (gepikt idem 
cum gebuckelt). — Hetzstrikh. — Schellen vnd hauben zum Waidwerch 
(nämlich zur Jagd mit S|ossv5geln). Ebenso erwähnt das Ambras. Invent. 
V. 1596. Fol. 19. 8. : Sparbergeschieh Vnd hauben, so wie ibid. Fol. 96. 
a.: Sparberhauben Vnnd Schellen. — Ain Waidtwätschger mit seinem 
Hgng^ letzterer oft geätzt oder vergoldet. — Kleinere Jagdtaschen 
hiess man damals Schwedler, z. B» Quandt histor. Museum etc. p. 68. 

In dem Inventar F endlich ist das Jagdgeräth am ausfuhrlichsten 
aufgeführt, wie folgt: 

Armbrüste. 

Der Stahel sammt seiner Halft, der Winde, dem Köcher und 
den Pfeilen CHauspfeilen oder Harnischpfeilen') : a) der gemeine Stahel, 
b^ der Niederländische Stahel, c) die hornene Armbrust sammt ihrer 
Hulft,^ (In Max I. Memor. B. p. 191. ndie kirnen Armbrost^ genannt.) 
Zu Jeder Armbrust gehörte ein lederner Köcher (die hölzernen nind weit 
älter), der, wenn er auswendig mit Pelzwerlc überzogen war , «HaticAJkö- 
cAer*^ hiess. Das Schweinschmoertj — der Waidner (jensis venatorius, der 
Hirschfänger") , im Gegensatze der Waidpraxen (culter venatorius , das 
Blatt) ; so im Ambras. Invent. v. 1596 : Ain khurze Praite Praxen mit 
ainer schwartz samaten Schaiden auf die geiaider zu brauchen. Fol. 9i. b. 
— Der sächsische Schweinspiess mit seiner Hulft vnd ihrem Riem. Der 
Pernspiess (der Bärenspiess war im Blatte und Schafte noch stärker, 
als der Vorige.) Ein Par Fuess- oder Bergeisen (Steigeisen). Der Waid- 
wetschger. — Mehrere Pusche Windstrigkh (für die Windhunde). Das 
grosse Jägerhorn mit metallenen Spangen, d€Uf kleine Jägerhorn, mit Bie- 
men eingefosst; die Hundskuppel, welche damals aus Ketten bestand (M. 
vergl. Seb. SciUrtlin's Lebeiisbesch.), seltener aus Biemen. 



■ tM 

SCHLÜSS. 

Der Harnisch wurde iu der Regel, weuu er uicht in der 
Httstkaninier aufgestellt oder aofgeliftngt war, in einer Trabe 
aufbewahrt, und darein gepackt auf Reisen mitgeführt ; daher wird 
im Inventar B: am achwartzea Truchl %u einem Trabkartuuch 
erwähnt. Die Piattner^ Hamitchfeger und HnartUgchpiezer Cpie- 
ser von ptöcey so wie das Mittelalter anch seinen SchMoeMfüezer^ 
Schnhfticker hatte n* dergl.) , waren unentbehrlich f alles RQsl- 
zeag in gutem Stande zu erbalten; wozu ihnen ihr PiaUnerwerk^ 
zeug, Anibossj Werkstock y Wischbänke j Hadern, UanUnch^ 
schmier u. s» w. dienten. Sie befanden sich hAnllg Im CMolge 
grosser Herren y und durften auf Kriegszfigen und bei Turnieren 
nicht fehlen. Über die gesammte Mnserie endlich hielt der Mar' 
naschmeister strenge Aufsicht, das ist sowohl fiber die Waffen, 
als das übrige zweckdienliche Geräth der Hamischkammer, und 
dies Amt bestand schon in den früheren Jahrliuuderten ritterli- 
cher Zeit: »Das Gebot sollen meine Mannen Über all mein Reich 
»verküjiden,c spricht König Samson zu Salern in der Wilki- 
na-Saga ^**), »dass sie sich binnen 3 Monden zur Heerfahrt rüs- 
»ten; und in jeder Stadt will ich drei Männer bestellen, welche 
»die Rosse zureiten, die Sättel rüsten, die Schilde 
»fügen, nnd die Har|iische, Helme, Spiesse and 
»Schwerter blank machen, so wie sie vormals wa- 
»ren.« Der Haruischmeister führte anbei über das ihm anver- 
traute Gnt ein getreues Fundbach (Inventar). Diesem Umstände 
verdanken wir das Neustädte r -Inventar des Hamischmeisters 
Hanns Neudekger de anno 1 436 ; das Laudshueter- Inventar 
des Harnaschmeisters Hanns Friesshamer de anno 1479 Crecte 
1500) ; das Münchner- Inventar des Harnaschmeisters Joseph 
Khleberger de eod. anno, wie auch das Lands hat er-Inveutar 
de anno 1568 u. m. a. 

Mit dem Ausdrucke »Rüst meist er« hat es eine ähnliche 
Bewandtuiss. — Zuforderst hless so der Vorgesetzte einer Rüst- 
kammer oder eines Rnstbauses. CM. vergl. Adelung's W, B. ^**^, 
So erklärt auch Frisch : custos thoracum ferreommy und somit 
war er mit dem Haruaschmeister ein und dasselbe; — anbei 



>**) deren Abfossung in's XIH. Jahrhundert flUtt. Hacsn, Nordisch. 

Heldenrom. I. 98. Kobrrstzin, Grundriss. p. 43. 
'^0 Die Bedeutung als Bogener oder Annbrustmacfaer ist jünger und 

gehört nicht hierher. 



«00 DKR rCSTMEISTBR AMT. 

aber hatte er (mag man ihn mm Haruaschmeister oder 
Rfistmeister, oder Tnrneyer ueiineiO, die Obliegenheit, 
seinen Herrn vor der Schlacht oder vor dem Turniere vorsichtig 
zn wapnen, d. i. so in den Harnisch zn schnallen nnd zu 
schranben, dass er gegen Wunden wohl verwahrt war, dass der 
Hämisch ihn nicht drückte oder wund rieb n. dergl. So erzählt 
Banosn's thüringische Chronik ad annum 1807: »Als nun dem 
Landgrafen Friedrich (vor der Schlacht beim Dorfe Lu- 
ca) sein Rüstmeister den Helm auffgebunden, hat er 
(der LandgraO gesagt : Binde heute auf, drei Lande oder keins 
u. s. w.€ — Waren keine Rüstmeister vorhanden, so besorgten 
dies die Knappen, wie es z. B. in der unglücklichen Schlacht auf 
der Peyner-Heide 1553 heisset: 

Da schickt sich Jdermann aulb best, 

Mit was gewer ein Jeder west. 

Mit hämisch Schwertern und Sturmhauben 

Die Knecht die theten Jr Herrn anschrauben "'3* 

Die Rüstmeister hatten auch die Pflicht, ihren €tebieter beim feier- 
lichen Einzüge in die Schranken (der gewöhnlich dem Turniere 
voranging) zn begleiten. So z. B. beim ^Binzer Fussturniere (m. 
vergl. Fol. LXVII. b. und Fol. LXVIII. b.) anno 1549. Es rich- 
tete sich jedoch nach dem Stande des Herrn auch der des RÜst- 
meisters ; so ist auf dem früher besprochenen Ölgemälde des kais. 
Zeughauses des Erzherzogs Maximilian Rüstmeister (Harnasch-' 
meister) ein Junker Albrecht — in Schembl's Turnierbuche, 
Fol. 58, ist des Kaisers Max I. Turuiermeister Herr Anthany 
von Yffon "•), dagegen hier (Fol. 70), so wie in Hanns Burg- 
maier's berühmtem Triumphzuge des Kaisers Max f., Bl. 44, Herr 
WolfgangvojiBolhaim als Renn- und Gestechmeister genannt 
wird — ja bei der Hochzeit Wilhelms Herzogs in Baiern (1568) 
erscheinet beim Gestech über die Planken (Fol. 51) ^der durch" 
lauchtigst etc. Carl , Erzherzog zu Osterreich y mit Ferdinand 
Watzier und Furiö Molzo^ als Mantenadoren mit neun Trom- 
petern, einer Hörpauken und zweien Hennfahnen auf der Bahn^ 
und die Wappenmeister (unter welchem Ausdrucke hier 
Rüstmeister gemeint sind) sein gbv^est Erzherzog Ferdinand 



i>0 ]>te Historift ier ungluekUchen Schlacht zwisch. H. Albrecht z. 

Btaiidenb. u. H. Moritz z. Sachs. 4. DreHd. 1563. 
'^ ) Das Schlo8H YlToii (Yvan — it. ii>imo) liegt in Tirol, in der G«- 

geiiJ von Trieiit. 



DER RÜSTMBISfBR AMT. tOf 

in Tproi (der uiisterbliche Grflnder der Ambraser Sammlnnif;, Ge- 
mahl der bleudeiid schönen PhiHppine Weiser, anbei berflhmt durch 
seine Vorliebe für Turniere und seine unmässige Stärke)^ und 
Herzog Wilhelm in Bayern^ der fürstliche Brftuti^m, vnd 
nebenher loffen secHtzehn haggeien etc. Mau ersieht 
hieraus, welcV vornehme Rüstmeister zu Zeiten ihres Amtes 
ivarteteu. — Hatten dieselben Sorge zu tragen, dass ihr Grebieter 
tfichtige hiebhaltige Waffen uud einen wohldressirten Hengst über- 
komme, so mnssten sie wohl selber der Waffenfßhrnng und des 
Reitens kundig sein, — und so traf man^s auch. Sie waren meist 
tüchtige Tnrnierkämpen , verstanden das schirmen uud den 
puneis aus dem Grunde, nnd sassen oft mehr sattelfest, als 
ihre Herren; — häufig liest man, dass, wenn letztere es sich 
beikommen Hessen, mit ihnen im Turniere anzubinden, sie selbe 
ohne Scheu vom Gaule rannten. — So z. B. als im Jahre 1515 
Herzog Wilhelm von Bayern mit Hi'ltpntni Kitscher von Kit' 
sehen y sedier gnadenn Turhnaier (irr. w. Tnrhneter, d. i. Tur- 
niermeister), ein Scharfrennen hielt, rannte letzterer seinen 
Herrn derb vom Rosse herab, er selbst aber blieb sitzen (Wil- 
helm^s von Bayern T. B. B. XX.), uud bei einem andern Rennen 
mit diesem Kitscher brach der Herzog seinen rechten Unterarm 
entzwei. (Ebendas. B. XXVIII.) Der Wappen meister versah 
mitunter auch das Amt des Rüstmeisters , — im strengen Sinne 
aber war er derjenige, der an die Waffen die letzte Hand an- 
legte, um selbe gebrauchsfähig zu machen. So verordnet Kaiser 
Max I. in seinem Memorienbuche d. a. 150S. p. t03: >die Wel^ 
sehe Schallern sol der Wappenmeister ain (recte am) leder «t<- 
richteny< d. i. mit Leder versehen, beledern ^ und in diesem Sinne 
kommt die Bedeutung des Ausdruckes Wappenmeister mit der 
von Harnischmeister überein. 

J>ie Ordnung, in welcher der Ritter sich wapnete , war fol- 
gende: Nachdem er sich auf einen Stuhl gesetzt, begaun mau bei 
den Beinen "O9 und legte ihm Eisenhosen an; so z. B. in des 
MiCHKLSPEBG Ritterfahrt (gedichtet um d. J. 1280—1290): 

3t. Uf einem teblch der edelbam 
Mit vriem mute satzte sich, 
Do wart der helt ritterlich 
In ttine hoesen geschvt. 



'*') Nach dem alten französischen Sprichworte, dessen Fauchkt er- 
wähnt : c*€8t un vieux mot y que le ChevaUer commence ä ftarmtr 
par les chaussts, (KLtJBER I. Ml.) 



909 DB8 RITTERS WAPNUNe. 

Anch im Vrouweudieuest fäugt Ritter Uolrich vou Luhtbnsteine 
bei dcu Beiueii au, nur dass er eher das Spaldeuir luuuimmt, 
(was uicht wesentlich erscheint) : , 

S, 300. 13. Dö wapent sich manch biderbe man : 
min Ilp sich wäpen auch began. 
ich legt an mich ein spaldenir 
und euch zwd Isenhosen schir: 

F&glich lässt sich uau damit die Stelle verbliideu: 

S. 450. V. 13. die warn lieht, vor rost behuot: 
dar Ober zwin hurtenir von hörn, 
man strict mir ouch darumb sswSn sporn, 
der varbe lieht von golde schein. 
8Ü8 wim gew&pent mir diu bein. 

Hier erscheint auch ein Paar hurtenir. — Sie dürften das- 
selbe mit den DU Igen gewesen sein, die man noch im XVI. Jh. 
beim Rennen gebrauchte, jedoch mit dem Unterschiede, dass mau 
letztere nur über den Sattel hing, während erstere au den Schen- 
keln des Ritters befestiget scheinen. 

Der Ritter nahm nun das Spaldenir um Ceiue SchuUerbedec- 
kung von Seidenstoff oder Leinwand)^ hierauf den Halsberg, und 
über den Halsberg kam die Platte. So hei Michelspbbg: 

Vrefenlichen vf sprank der tdwer gast vil werde , herlicher geberde 

Tet der helt vil da schin: ein spaldenir gantz sidin 

Was im prislich da bereit. Darob im sclione wart an geleit 

Kin Silber wizzer halsperk. Daran lag meisterlichez werle 

Von kleinen sarringen; Den begonde twingen 

Ein plate meisterlich beslagen (37.) 

Und im Uolrich von Liertensteinb: 

Dd leit ich einen halspere an, 
vesten stark, lieht, wol get4n, 
dar über eine blaten guot. 

Erst wenn alle bisher aufgezählten Stücke angelegt waren, 
stülpte der Ritter das Waffenkleid über sich und band den Helm 
auf, (so im Vrouwendienest, Lachm. p. 310. v. 8 — 90). Von der 
Sitte, das Rüsten bei den Beinen zu beginnen, liefert auch die 
Wilkina-Saga ein Beispiel : 

»Da rief Dietrich hastig nach seinen Waffen; die wurden ihm 
»auch sogleich gebracht: Da fuhr er in die Pauzerbosen; 
»darauf nahm er den Harnisch, und warf ihn sich über, und setzte 
»dann seinen Helm Hilde^rimm auf sein Haupt $ sodann um- 



DES RITTERS WAPNUNO. fÖS 

»gürtete er sich mit seinem Schwerte Nagelriiig und iialim seiiieu 
»Scliild, und eudlicli fasste er seine Lanze. Indem war aacli sein 
»Hengst bereit^ der Iiiess Falke« u. s. w. CWllkina-Saga v. 
Hagen. I. 162. u. f.) 

Wir treffen in der Bliithezeit des Ritter^vesens eine Sitte, 
welche dem romantischen Aufschwünge jener Periode vollkom- 
men entspricht; wir meinen das Entwathien des siegreich vom 
Kampfe oder Turniere zurückkehrenden Ritters durch zarte jung- 
fräuliche Hände. — So erzählt Imtiin "•) : 

Unt vil SGhlere sach ich kernen, 
D6 ich in die hure gienc, 
Eine Juncvrowen diu mich empAene : 
Ich gihe noch, als ich dd Jach, 
Par ich nie schoener kint gesach, 
Diu entw4fente mich. 

d. i. sie zog die Riemen aus den Schnallen , und nahm ihm die 
Theile seines Hämisches ab, wobei er aufrichtig gestellt, dass 
ihm dies Geschäft viel zu schnell abgethan dttnkte: 

Unde einen scliaden clage ich 

(Des enwunder liiemen) 

Daz der wäfenriemen 

Alsd rehte lutzel ist ^>*), 

Daz sl niht langer vrist 

Mit mir solde umbe gän. 

£z was ze schiere getan : 

lehn ruochte, soldez iemer sin '^'^). 

Als Amadis sich wapnet, um gegen den Kdnig Cildadan in deu 
Kampf zu ziehen , besorgt dies Geschäft nicht nur sein treuer 
Knappe Gandalln — auch die zärtliche Prinzessin Oriane hilft 
ihrem geliebten Ritter die Waffen festschuallen , uiid bindet ihm 
unter Thränen den Helm auf. (M. vgl. Amadis v. Mjiiiis. I. ill.) 



'3^ I^\^iN, herausgeg. von Benkcke u. Lachmann v. 31i u. d. f. 

^^0 Dass der Hamischriemen so wenige sind — ein Wink über da- 
malige Bewaffnung. — 

"'O ISin^i ähnliche Stelle findet sich im Roman: Don Fiores de Orece, 
(Fol. 70 b. et 71 a.), wo einem Ritter, der in den Kampf zu 
reiten Willens ist, eine Junge unverheirathete Dame den Har- 
nisch anlegt : „qui , de ses blanches et delicates maiM , commen^ d 
nouer et lacer espiUettes et courroyes. Or demnexef*- — fügt der Ver- 
fasser hinzu, «cominent peUemment ü prenoit en gre tette faveur,*" — 



«04 DBS BITTBRS WAPNUN6. 

Biue Ähnliche Stelle findet sich im Heldeubuche CIL Th.): 

Da entstricket sie den Herrn, 
Die Frauwe lobesam: 
Schildt und sein Schwert mit Ehm 
Helm Halsberg sie da nahm u. 8. w. 

• 

Dieser Sitte wird zo oft einstimmig von mehreren Schriftstellern 
Brwähnung gethan, um an ihrem Bestehen zu zweifeln, und LA 
CURNB DB Saintb Palatb bat über ihren Ursprung und Zweck 
gediegene Worte gesprochen ^*0* 

Der witzige Cervantss, der keine Gelegenheit verabsäumte, 
die Bitterromane lächerlich zu machen, scherzte auch wiederholt 
Ober diesen Gebrauch. Br lässt beim ersten Abenteuer seinen Hel- 
den in einer Schenke nahe bei Sevilla, von ein Paar Dirnen (aus 
der Zahl der barmherzigen Schwestern} entwaffnen' ^*'} , die ihm 
aber den geflickten Helm nicht vom Haupte zu bringen im Staude 
sind, daher er selben die ganze Nacht hiudurch aufbehalten muss. 

In jener BlÜthezeit des Rltterthums nun war wohl die Ent- 
ivaffnung durch Damenbäude möglich — schwerlich aber in der 
jüngeren, als die Schutzwaffen des Ritters an Gewicht und kunst- 
reicher Zusammenfügung für Turnier- und Schiachtgebrauch so 
sehr zugenommen hatten, dass gleichviel Kenutniss und Kraft da^ 
zu gehörte, einen gleich dem Junker von Zedlitz vollkommen ge- 
harnischten Heiter aus seiner Hülle zu schälen ^*0« Dass in je- 



^0 I'^s Jeunes personnes apprenoient k rendre un Jour k 
leur mari tous les Services, qu'un guerrier distingue par sa 
valeur peut attendre d'une femme tendre et genereuse, et leur prepa- 
roient la plus sensible recompense , et le plus doux delassement de 
leurs travaux. Memoire» sur Tanc. chev. par la Curnk de S. Palais. 
Nouv. edit. par Nodier. Paris, 18i6. 8. Tom. I. p. 11. 

>*'3 Don Quixote von H. Heine. Prachtauflage. Stuttg. , 1837. I. Bd. 
S. %9 u. 30. 

^O Her Grosswesir Ibrahim hatte (bei der ersten türk. Belagerung 
Wiens 15i9) den FahneuJunker von Zedlitz, welcher zwei Tage vor 
der Umzinglung Wiens gefangen genommen worden, am zweiten nach 
aufgehobener Belagerung, nachdem er einundzwanzig Tage im türki- 
schen Lager geweilet, zurückgesandt. — Suleiman und Ibrahim, 
durch ritterlichen und genialen Sinn vor allen Sultanen und Gross- 
wesiren des Osmanischen Reiches ausgezeichnet, schätzten die Fer- 
tigkeit dieses schlesischen £delmanns in ritterlichen Übungen unge- 
mein hoch. Sie bestaunten den Mann von Fuss zu Kopfe in blan- 
kem spiegelnden Stahl. Als der Grosswesir den Kürass zu 
öffnen befahl, und kein Türke dies zu thun im Stan- 
de war, zeigte ihnen Zedlitz , nachdem er sich zuvor Sicherheit 



HOMANTIK UND NATUB. «OS 

Her telzlern Zeit die Eutwanioug des Herru durch avliieii HOst- 
melster g«achelieu sei — wDrde, ancb wenn die Chroulkeu 
ac^wiegeii, obuediess jeder Vemaudlge muthnasaeii. — 

Das deulache Kilterlebeu ISsst sich aas zwei sehr VOii eiiiau- 
der geiieigteu Gealchtspuuklen betracbteii, dem romaulischeu uitd 
dem wlrltlicheu. Keiu Allerihnmsforscher ^vird zu l&uj^ueu vermö- 
gen, dass wir zum Veratäuduisae des wirklieben — die mit- 
leib och den tsclie DIchlerwelt uuerläaalich beuSlhlgeii, weil wir die 
Scbildemug so vieler Bi uz el hei teu des damaligeu Lebeus, welche 
der Dichter iu klarer frischer Farbang vor uuaer Auge fOhrte, bei 
keiuem Chroulateu autrefeu; — welcher vou thueu venaOchl« 
auch , es aufzuiiebmeu mit deu beiden Karyatideu dea deulacbeu 
Epos, deu Nibelnugeu uud Gadrnu? — Keiner wird aber 
aucb tu Abrede atelleu, dass der Foracher über Sitten- und Cullur- 
geachichte deutacheu Rillerlebeua weit aicherer ftbre, es meist 
von der prosalacbeu Seile der wirklichen Welt zu betrachteu. 
Weuu auch deutsche Nachahmung mitunter iu proveufal lache Ga- 
lanterie hiuSber achillerte, so bildeten solche Belapiele doch nur 
Ansuahmen; weil ies deutschen Rittera reelle Lebensausicht slcli 
selteu zu solcher Schwindelhahe verstieg. Ihm blieb die greuieu- 
loae Selbatverl&ugiiuiig der frSiikischeu ServanU d'amour unr 
Form; — sie drang beluahe nie hi's Mark aeluM Lebeua. 



des Lebens mslchem lusen , Bwei Schrauben, welche den 
Harnisch zniammenhielten, Sie bewunderten die Behendlg- 
ketti mit welcher er Im vollen schweren Bsralsche nicht nur ohne 



Berichtigungen und Zusätze 

zsiii ersten Bande der 

Rflokblioke in deutsche Vorzeit 



Seite 39, Zeile 1 Ton unten, iet elnmiachalten : M. vergl. 4en Znuats des Anhnagea. — 
Die ft U e r e n Legeaden des heiligen Georg achweigen ginxlich vom Abenteuer 
mit dem Dracben. Die ilteste in Schriften auf nna geliommene Legende vom 
Kampfe mit dem Drachen ist die des Jacohu» de Vorragine, der im XIII. Jahr- 
hunderte Bischof in Genna war. Sie ist die Stammutter aller nach- 
folgenden BraShlnngen des vom Ritter Sanot Georg besiegten 
Ungeheuers, und noch die gereimte Legende des heiligen Georgs von 
REINBOT VON DORN, einem Dichter des XIII. Jahrhunderts , schweigt von 
diesem Abenteuer. £s Ist also leicht begreiflich , dass sowohl die Legende vom 
Drachenkampfe als dessen bildliche Darstellungen sich erst an Bnde den 
XUI. und Anfange des XIV. Jahrb. verbreiteten. (M. vergl. Einleitung des 
VON DER HAGEN su d. Ged. des REINBOT VON DORN : der heilige 
Georg in d. Deutsch. Ged. des Mittelalt. herausg. von VON DER HAGEN 
n. BUESCHING. B. I. 
Seite 59, Zeile 8 n. 7 von onten, staU : Hier dflrfton — erftbrigen. 1. in. Hier dfirften 
einige Andeutungen Aber die Bauperioden der Burg eine passende Stelle finden. 

„ 71, Z. 8 V. o. statt bescheidene 1. bescheidene. 

„ 83, Z. It V. u. statt II. t05. 1. I. tOö. 

„ 85, Z. 16 V. o. ist beixnsetxan: Doch soll die letatere Jahressahl wohl 1187 
keissen; »an vergl. unten d. J. 1187. 

„ 87, Z. 6 V. o. statt ältester Auflage l. Auflage vom Jahre 153t. 

„ 10t, Z. 8 V. n. ist „vermuthllch ein Bruder des Bunslo'' wegsustreicheu. 

,, 111 ist vor Zeile 6 v. u. einzuschalten: 

1365. 18. Nov. Wien. Herzog Albrechi bewilliget dem Hans Tnrso von 
Raubenek, dass im Falle seines unbeerbten Todes alle seine Lehen auf die 
Kinder seiner t Enkelinnen Agnes und Anna fallen sollen, (k. k. geb. H. 
n. H. Archiv. L1CHN0W8KY; IV. Reg. N. 698.) 

„ 161, Z. 18 v. o. statt 49 | 1556 lese man 49 | 1656. 

,, 17t, Z. 9 V. n. statt der Inne lese man dar inne. 

„ 199, Z. t V. u. statt MCCXXVIII lese man MCCCCXIIlllI. 

,, ttl, Z. 8 V. o. statt Verzieh lese man Vergieh. 

„ t41 ist nach Zeile 9 einzuschalten : die ffirmlichen Einschnitte der Turnier -Tart- 
schen wurden nach und nach allmihlich f 1 K c h e r , und mehr herabgesenkt, bin 
sie endlich (mit Ausnahme einer kleinen Einbiegung an der rechten Seite 
des Schildes, heraldisch gemeint), verschwanden. Die letzte Form fiesassen sie 
noch in der zweiten Hilfte der Regiemngszeit Kaiser Friderichs IV. , und ge- 
nau dieselbe Gestalt besitzen sie auf Tafel VlI. 

„ t4t, Z. 9 v. u. statt mag 1. möge. 

„ t55, Z. t V. o. statt dieses 1. des kärnthnerischen Set. Georgs- 

,; 300, Z. 6 V. o. statt Die 1. m. die 



s. 



Wlnis tiiseilidips Zfiufliaiis yonftvunl,*™ JLThfil 



SUCH). 



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li' ♦ .'U '.r 



WIEN'S 



KAISERUGHES ZEUGHAUS 



KUMBBSTEH BIAI.E 

AUS HISTORISCH - KRITISCHEM GESICHTSPUNKTE 

BETRACHTET, FÜR ALTERTHUMSFREUNDE UND 

WAFFENKENNER BESCHRIEBEN, UND 



HEB4VSfiE«EBEN VON 



FR. TON lEBER, 



DES KÖNIGUCH- SÄCHSISCHEN VEREINS FÜR ERFORSCHUNG UND ER- 
HALTUNG VATERLÄNDISCHER GESCHICHTE UND KUNSTDENKMALS ZU 
DRESDEN ORDBNTUCHBM AUSWÄRTIGEN MITGLIEDER DES HISTORI- 
SCHEN VEREINS VON OBERPFALZ UND REGENSBURG ZU REGENSBURG 

CORRESPONDIRENDEM MITGLIEDS ETC. 



ZWEITER THEIL 

MIT EINEM TITELBILDS. 



LEIPZIG, 1846. 

BEI KARL FRANZ K O E H L B R. 

WIKM, BRI BRAUMÜLLBR U. 8BI0KL. 



**■" "**''8* ft' maBiilgftchen Unterricht. Nur ein'« vermisst maii, An- 
stalten nemlieh , wo den Zöglingen, so treu and lebhaft wie möglich, nnsre 
Vorneit vor die Sinne gebracht und Liebe daftlr ihren Herxen eingeprägt wird. 
Wie dies nu machen ergiebt sich leicht, wenn man darfiber nachdenkt. Mit 
einem Prpfeeaor, der dentache Geschichten vorträgt, noch daxu wenn ihm die 
Gabe trener und beseelter Darstellung abgeht, ist's nicht allein gethan. Es 
gehört noch etwas mehr dasa. 

Th. Schacht. 



\ 



VORREDE 

ZUM ZWEITEN BANDE, ALS EINLEITDN& 



Indem ich diesen zweiten Theil der Beschrei- 
bung des grossen Wiener-Zeughauses ([welcher des- 
sen zweite Hälfte, wie auch die zahlreichen Zierde- 
geschutze seines Hofräumes besprechend, dies Werk 
schliesset39 der Lesewelt vorlege : nähre ich zuvör- 
derst den Wunsch, unter der reichen Menge des da- 
selbst Vorhandenen eine zweckmässige Auswahl ge- 
troffen zu haben. 

Der scharfe sichere Blick des Kenners, welcher 
mit ruhiger Bestimmtheit entscheidet , in welches 
Jahrhundert, ja oft in welches Jahrzehend ein Har- 
nisch, gehöre, ist wohl eine schöne Gabe, doch nicht 
so leicht, nicht so schnell erworben, wie Manche 
bedanken dürfte. Jahrelange Prüfungen sind nöthig, 
vorerst um die falschen Propheten kennen zu lernen, 
und abermals jahrelange Forschungen, um die Lü- 
cken im Quellenstudium möglichst zu ergänzen« Hat 
nun aber Jemand mit männlicher Beharrlichkeit darauf 
hingearbeitet, sich Licht in dieser chaotischen Masse 
zu verschaffen, so gelangt er denn — wie jedem 
redlichen Streben sein Lohn wird — zuletzt auf 
solchen Standpunct, von welchem aus er die ver- 
schiedensten Gebilde menschlicher Laune mit Si- 
cherheit zu bestimmen, ja selbst Niegesehenes durch 



914 EINLEITUNG. 

häufige Gegenhaliangen mit Bekannteni bald heraus- 
zufinden vermag* Der Verfasser hat diese mühsame 
Schule durchschritten; was sie gefruchtet, mögen 
Kenner entscheiden. 

Bei jeder grösseren Sammlung ist ohne grundlich 
prüfende Durchsicht des Einzelnen ein verlässlicher 
Catalogtie raisonne kaum denkbar. Bei der vorlie- 
genden war diese Möglichkeit dadurch gegeben^ dass 
Seine kaiserliche königliche Hoheit, der Durch- 
lauchtigste Herr Erzherzog Ludwig, die genaue 
Besichtigung des gedachten Waffenhauses dem Ver- 
fasser gnädigst zu bewilligen geruhten, wobei der 
Chef der Anstalt Herr Hauptmann E**v. D****** 
sein Unternehmen mit ausgezeichneter Gefälligkeit 
unterstützte. Allein trotz der Liberalität der Chefs 
bereiteten meist so manche untergeordnete Personen, 
([die etwa in dem Verhältnisse zur Sammlung stehen, 
gleichwie der Ki$laraga zum SeraiQ^ dem wissen- 
schaftlichen Forscher eine dornenvolle Bahn. Den- 
noch erreichte der Verfasser sein Ziel, und glaubt 
nur in Betreff jener Harnische, deren Echtheit er 
unbestritten liess, erinnern zu müssen, dass er da- 
durch keineswegs sein Glaubensbekenntniss abgelegt 
habe, sie seien wirklieh von jenen hohen Herren, 
welehen sie zugeschrieben sind, getragen worden; — 
er erkannte sie bloss für gleichzeitig ^^^3* 



144) ^4r kdnneii hierin nur jeuem Engländer beipflichten , der 
ohne eben Waffenkenuer zu sein, iu uatörlicher Einfalt sei- 
nes Herzens folgende Bemerkungen macht: There is Cim 
k. k. Zeughause) a great störe of ancient toeapons of va- 
rious daUs; and^ abave ail, a large coUectton of 9uUa of 



ZUM ZWEITEN BANDE. S15 

In den meisten Harnischen sind alte Zetteln vor- 
findlich, die ein früherer leichtgläubiger Aufseher der 
Sammlung hineingeklebt. Seine Nachfolger waren be- 
quem genug, sich an diese früheren Angaben zu hal- 
ten. Um diese Täuschungen zu vernichten, war eine 
streng historische Untersuchung nöthig, zu welcher 
sich der Verfasser, zufolge seiner Vorstudien, beru- 
fen fühlte. 

Da die Anlage dieser Schrift vorzugsweise die 
Beschreibung der merkwürdigsten Reste der Vorzeit 
bezweckte, so blieben, wie dies schon im ersten Theile 
bemerkt worden, alle Aufschlüsse über die 
heutige Gestaltung der Artillerie in Oes- 
terreich, und die jetzige Bewaffnung derk.k« 
Armee, als welche ausser deren Bereich lagen, aus- 
geschlossen* Eben so wurden die man- 
cherlei neueren Waffen der Ausländer, 
deren das k. k« Zeughaus eine bedeutende Menge in 
den mannigfaltigsten Formen besitzt, nur leicht- 
hin angedeutet; zumal, da der unterrichtete Lei- 
ter dieser Anstalt an einem Werke arbeitet, das die- 
sen Zweig der Waffenkunde vorzugsweise berück- 



armotir actuaUy worn hy iilustrious persans, thoug some 
of the stories , told hy the guide who shows this coUection, 
must not be entirely relied on* The suits of armours attri- 
buted to early Austriau Priiiccs are very fine ; though 
many of them, Uke those in the Tower (eine edle Aufrich- 
tigkeit I) certaüify did not helong to the persons to whom 
they are given, — (Bandbook for travellers in Southern Ger- 
many 1840). Die goldeue Unterschrift war bei manchem Har- 
nische wohl ebenso nötbig, wie das bekannte: outo; iqw 
Tiriro; der alten griechischen Maler! 

1 * 



816 ElNIifilTUNG. 

sichtigfet 9 und die Besucher des kaiserlichen Zeug- 
hauses auch hierüber gründlich aufzuklären verspricht. 

Bei den im vorliegenden Werke angegebenen 
Längemassen ist stets der Wienermass - Stab ge- 
meint ^^^}« Dass bei Bezeichnung der Fahnen man- 
cher Irrthum mit untergelaufen sei, ist wahrscheinlich, 
war jedoch kaum zu meiden. Der Umstand^ dass sie 
meist niet- und nagelfest, und die Beleuchtung höchst 
ungünstig gewesen, auch bei vielen nur Bruchstücke 
zu entziffern waren, dürfte derlei Versehen entschul- 
digen 14«). 

Auch möchte es den Anschein gewinnen, als habe 



145) ptfr Ausländer wurde dieses Läiigemass genau abgebildet 
und beschrieben in meinen: Rückblicken in deuiscke Vorzeit 
1. Bd«^ Taf. III. und pag. XII« Aninerkniig Z* 

146) Ueberhaupt ist die Aufstellung der Fahueu an diesem Orte 
nicht zu billlgeu. Fahueu passeu nicht in Waffeumagaziue, 
wo viel umhergeräumt wird, wo die Mannschaft von Zeit 
zu Zeit Gewehre zu fassen kommt , oder aufstellt u. s« w. 
Bs ist insbesondere bei uiedem Waffensäleu , (wie die des 
kaiserl. Zeughauses, deren Hohe zwischen IS und 13 Wie- 
nerschuh wechselt) kaum zu vermeiden, dass die mürben 
Tafftstficke so manchen liiss und Stoss erhalten; selbst bei 
der Besichtigung Schaulustiger beschleuniget das Betasten 
und Entfalten mit dem Stäbchen des Cicerone und dergl. 
ihre allmähliche Auflösung. Fahnen passen nur in hohe Säle 
(vorzugsweise in Kirchen), wo im gewöhnlichen Laufe keine 
mensehliche Hand sie erreichen kann, und zwar die Fah- 
nenstangen in horizontale Lage^ weil man da die Fahne 
am besten betrachten kann^ und der Staub am wenigsten 
emporsteheude Flächen antrifft. Auch ist es eine Idee, die 
durch die Romantik des ganzen Mittelalters durchgreift, dass 
man blutig errungene Siegeszeichen den Kirchen weihte ; 
ein schöner Gedanke, den nur die Yerflachnng religiösen 
Gefühls In neuerer Zeit verdrängen konnte. 



ÜBER HlSTOmSCHB MUSEEN. S17 

der Verfasser über manche Numnier zu viel gesagt. 
Allein, wer die Untersuchung alterthümlicher Reste 
selber erprobte, wird nicht in Abrede stellen y dass 
man hierbei Vieles vergleichen und sagen müsse, um 
auf ein Endergebniss zu kommen , sei es ein tüch- 
tiges , wie des Bibliothekar Wallin , der über des 
grossen Gustav Adolf magisches Schwert einen Quart- 
bapd geschrieben hat, oder ein nichtiges, wie des ra- 
schen Fr. y. HoBMATH, welcher über die 2 O^ictt- 
Mntes) römischen Schwerter in Baron Dietrichs Be- 
sitz neun yolle Druckseiten lieferte« 

ÜBER DEN DERMALIGEN ZUSTAND HISTORISCHER 
MUSEEN UND MITTELALTERUCHER STUDIEN. 

Es war eine Zeit, in welcher man unter „Alter- 
thum^^ nur die Antike begriff. Ein Alterthumsfor- 
scher war nur für Aegypten, Griechenland und Rom 
denkbar, und eine Alterthumssammlung bestand nur 
aus Geschirren und Bronzen der genannten Völker. 
Man kannte genau das Mass der römischen Koch- 
töpfe und Weinkrüge ; allein die Waffen , womit Ar- 
minius siegreich für sein Volk gestritten, kannte man 
nicht; man sammelte römische Theaterbillets (bei- 
nerne3 und vermeintliche Thränennäpfchen, Spiegel- 
griffe und Aschentöpfe, ja die eckelhaftesten Klein- 
lichkeiten , alSv Kastratenfibulas , Pflasterstreicher, 
Hautkratzer ^^^^ und dergleichen römischen Schund 



^^0 Strigilen aus den römisclieu Badehäuserii ^ Welche häufig 
vorkommeu. (Mebcvbial. de arte gyjuuast.) 



«18 EINLEITUNG. 

als werthvolle Seltenheiten, und mit geäbtem Blicke 
wasste man sie zu sondern ; allein wie Kaiser Karl 
der Grosse gewapnet gewesen, als er die Sachsen 
Kwang, und wie König Rudolf von Habsburg^ ald er 
des Böhmenkönigs Macht in den Staub gerungen — 
dass wusste man nicht ^^s} ! Die Zeiten haben sich 
geändert, und man bekümmert sich nun mehr ums 
liebe Vaterland. Mittelalterliche Sammlungen, histo- 
rische Museen sind in vielen Stfidten Europa^s er« 
standen, von denen wir nur Dresden, London, Köln, 
Koblenz, Berlin, Bonn, Brüssel, Madrid, Paris und 
St. Petersburg (^Tsarskoäselo^ erwähnen wollen. 
Insbesondere haben die beiden Letzten seit drei 
Decennien mittelalterliche Seltenheiten gehäuft, wel- 
che den erfreulichsten Erfolg hoffen lassen, wenn sie 
nicht brach liegen bleiben. Die zahlreichen Privat- 
sammlungen von Paris und London {in letzterm al- 
lein über vierzig3 und die mitunter sehr reichen 
vaterländischen Museen der deutschen Gelehrten- 
Vereine kommen hierbei ebenfalls in Betracht. Ih- 
nen rühmlich nacheifernd verdienen zwei Anstal- 
ten Oesterreichs Erwähnung: Innsbrucks Ferdinan- 



1^9) Ein Beispiel des modenieu Vaiidalismus (aus der Zeit der 
KiÖsteraalhebung unter Kaiser Joseph II.) mag hier stehu. 
Die Karthause zu 6 a m i u g, vou Kaiser Albrecht I. gestiftet 
und dessen Ueberreste bewahrend, wurde unter Kaiser Jo- 
seph 11. aufgehoben , und so der Schauplatz eines unglaub- 
lichen Attentats. Um den Hohn gegen Überflttssiges Kir- 
cheugut bis zum schändlichsten Eifer zu treiben, Hessen die 
Commissaire Kaiser Aibrechts Leiche aus dem 
Sarge werfen, und das Blei, woraus dieser be- 
stand, verkaufen. 



ÜBER HierroniscH« musbbn. sit 

deam und das histarische Musenm in Linz ; (Pr^ai-- 
cUco • Carotinum.') 

Auch für Sprachforschang, eine so wichtige Ver- 
bindangsbrücke zum wahren Verständnisse des Mit- 
telalters, geschah viel, und die Namen: Bbnbkb» 
DiBz, Ettm Olli» , Gaaff, Gbimm, Hagen» Hahn, 
Haupt, Hoffmann, Karajan, Lachmann, Lass- 
berg, Massmann, Mone, Schmelleh, Wackerna- 
GBL , u. a. m. prangen als frenndliche Sterne am hei- 
tern Himmel altdeutscher Literatur, deren Licht oder 
Lichtlein kein Neid und keine Scheelsucht, kein alt- 
griechelnder Zelot und kein nendentscher Zoilus zu 
löschen vermöchte! Das deutsche Vaterland bleibt 
stolz auf diese Namen , und noch scheidend werden 
wir's rufen: „Sie haben altdeutscher Forschung die 
Bahn gebrochen !^^ Erwägt man, welch mannigM- 
tige Sprachkenntnisse vonnöthen sind , um das Mit- 
telalter gehörig zu verstehen , als : des Mittellateins 
und byzantinischer Zunge, der Skaldensprache und 
jener der Angelsachsen , der Althochdeutschen, Mit- 
telhochdeutschen, Altenglischen, Altspanischen, Ro- 
manischen u. a. m«, so wird man der sogenannten 
klassischen Archaeologie (^ — was ist klassisch ? — 3 
mit Recht eine mittelalterliche entgegen zu setzen 
vermögen I Ueberdies fordern Sphragistik und He- 
raldik, Diplomatik und mittelalterliche Numismatik, 
Taphographie u. s. w. auch ihre tüchtigen Vorstudien. 

Auf die Frage, wozu Waffen- überhaupt, wozu 
Trachten- und Sittenkunde nütze ? dienet kurze Ant- 
wort: Sie sind unentbehrlich, um Denkmale zu er- 



nO EINLEITUNG. 

kläre». Denkmale ^^0 ^^^^ ^^^^ ^^^ Grund* and 
Scblusssteine zur Anfhellang der GeschiGhte einer 
Nation. Was endlich Geschiehte nützt, das dürften 
die grössten Heerführer , die grössten Staatsmänner 
aller Zeiten am besten erweisen, wollen sie anders 
anfrichtig genug sein, ihre Lehrmeister zu nennen. 
Es dürfte hier an seinem Orte scheinen, 

ÜBER DIE EGHTHEfT DER HARNISCHE ÖFFENTLI- 
CHER SAMMLUNGEN 

einige Worte zu sagen. Wohl kann nicht auf 
die mündlichen Ueberlieferungen in Zeughäusern ir- 
gend ein Gewicht gelegt werden, welche mittelal- 
terliche Reste nur der Zierde halber aufstellen, und 
deren L^ter mit Arbeiten und Studien über gangbare 
Waffen beschäftiget bleiben, — für die nächsten Le- 
benszwecke von grösserer Wichtigkeit, als die For- 
schungen über Geschichtsalterthümer. Allein stren- 
gere Forderung ergeht an jene wissenschaftlich ge- 
ordneten Sammlungen, Museen, Cabinete, Gallerien, 
oder wie immer genannt, welche einzig und allein 
die Belehrung der Nation, die Aufhellung der Ge- 



*^') Dass hier der Ausdruck ^^Deii kmale^^ im weiteren Siu- 
iie geuommeu ist, daher auch Grabsteiue^ Siegeln, Münzen, 
Miniaturen, Glasmalereien^ altes Kriegs- und Hausgeräth, 
knrzgesagt: alle Gegenstände der alten Malerei, Plastik 
und Technik^ somit alle gleichzeitigen Reste um- 
fasst, deren Echtheit der AUerthumsforscher zu prüfen^ und 
daraus die Echtheit der daran geknüpften geschichtlichen 
Ueberlieferungen darzuthun hat, bedarf wohl keiner ferne- 
ren Entwicklung. 



UBBBR ECHTHEIT DER HARNISCHE. tti 

schichte, den treuen Spiegel des Cultur- und sittli- 
chen Zustandes früherer Jahrhunderte bewahren sei- 
len, woräber eigene Männer gesetzt worden, welchen 
die Reinhaltung dieses Spiegels, die Entfernung aller 
seiner störenden Maale, Makeln und trüben undeut- 
lichen Stellen — zum Lebenszwecke gesetzt ist 

In dieser Hinsicht ist nun die Aufgabe , ob ein 
Harnisch aus einer gewissen Zeit oder von einem 
bestimmten Manne herrühre, von Bedeutung ; — abge- 
sehen von vielen anderen Gründen schon desshalb, 
weil sie, sobald der Waffen Echtheit und des Trägers 
Sterbejahr bekannt sind, ein richtiges Bild der 
Waffentracht seiner Zeitgenossen bietet, lieber den 
Leichtsinn und die Regellosigkeit, welcher man sich 
in dieser Beziehung vor nicht gar langer Zeit in den 
meisten Sammlungen Englands und Frankreichs, Ita- 
liens und Deutschlands schuldig machte, wäre gar 
Vieles zu sagen^ — Erst seitdem die Franzosen: 
MoNTFAUCON, DANIEL, Carre, Allou, der geistrei- 
che Genter De Vigne und die Britten Strutt, Grose, 
CoTTMANNy vor Allen der Nestor mittelalterlicher 
Waffenkunite, der hochverdiente Samuel Metrick 
nebst seinem Sohne Llev^hbltn Metrick den Freun- 
den ritterlicher Zeit theils kleine theils grössere 
Leuchten aufsteckten, wurde gar Vieles geprüft, ge- 
läutert, verworfen ; und im gegenwärtigen Zeitpuncte 
hat die Ausbildung mittelalterlicher Waffenkunde im 
kräftigen unaufhaltsamen Sturmschritte bereits eine 
Höhe erreicht, dass keine öffentliche, keine wissen- 
schaftliche Sammlung hinter dem Zeitgeiste zurück- 
bleiben kann, ohne sich selber lächerlich und ihre 



Stt BINLBITUN6« 

Leiter verächtlich za machen. Finkb's Mbybigk traf 
ich berdits in den Händen der Waffentrödler, und 
dass derlei Leute eben nicht ein Buch ungelesen 
lassen 9 wenn sie dafür zwanzig Thaler bezahlen 
mussten, ist begreiflich ; — sie studieren es, — frei- 
lich wohl nach ihrem geistigen Horizonte. 

Es gibt in Oesterreich der Privatsammlungen 
gar viele, in denen so Manches zu regeln wäre ; doch 
da sie dem allgemeinen Besuche nicht geöffnet, daher 
wenig benutzt werden, so hat ihre Besserung keine 
Eile. Ein anderes Verhältniss tritt bei öffentlichen 
Sammlungen ein, wir meinen z. B. jene La&enburgs, 
die kaiserl. Gewehrkammer, das bürgerliche Zeug- 
haus , so wie die berühmte 

KAISERUCHE AMBRASEItöAMMLUNG. 

Diese, als die wichtigste, als die besuchteste und 
belehrendste, mag uns als Beispiel dienen, wie we- 
nig man bei Anlage solcher Sammlungen kritisch zu 
Werke ging. Diese herrliche, ja die berühmteste 
Waffensammlung Europa^s wurde von dem unver- 
gesslichen Erzherzoge Ferdinand von Tirol gegrün- 
det« Vor seinem Tode erschien (1. J. 1593} ein kur- 
zergedruckter Catalog derselben, und im Jahre 1601 
das Folioprachtwerk des Schrenck von Notzing mit 
125 Foliokupfern und lateinischem Texte (^die deut- 
sche Auflage V. J. 16033; ^^® damals in der Samm- 
lung befindlichen Harnische abbildend. Dies gleich- 
zeitige Werk, von den Freunden der genannten Samm- 
lung als dauernde Aegide vorgehalten, sobald von 



DIK AMBRASimSAMMLUNO* tSS 

Authenticität der Harnische gesprochen wird, hewei*-' 
set aber nur, was die Sammlung i. J« 1601 wirklieh 
besass, und was man damals für echt hielt; da- 
her denn auch der unvergessliche werkthätige und 
für seine Zeit wohl ausgebildete Primissbb gewiss 
mit Unrecht (jp* ti) äussert: ,,dass Schbbnck's Werk 
eine beständige ControUe für die Echtheit der Har^ 
nische bilde ^^o}. Nun aber fordert der gründliche 
Sinn neuerer Geschichtsforschung jede Authenticität 
mit gleichzeitigen Urkunden belegt, einzelne Zeug- 
nisse mit echten Unterschriften der Stadtobrigkeiten 
der späteren Besitzer, der Auctionscommissaire (^das 
Letzte sagt in Oesterreich wenig3 u* s, w. versehen 
— woran die nöthigen Siegeln und Vidimirungen 
nicht fehlen dürfen ; kurz einen solchen Train vcm 
Beweisstellen, dass ein Betrüger, sei er auch ein 
zweiter Becker^ — bei dem heutigen Lieblingsstudium 
der Autographe, und den Sphragistikem gegenüber^ 
wenigstens einen sehr schweren Standpunct behält. 
Von air dem wollte aber die Vorzeit nichts wissen ; 
sei es, dass sie es nicht besser verstand, sei es, 
dass der treuherzige Sinn unserer Altvordern ein- 
dringlichere Kritik für Rabulisten-Verschanzungen 
hielt, und somit verschmähte, oder endlich — viel- 
leicht sahen sie weiter als wir : weil trotz aller bei- 



^^) Pbimissbb's Aiimerkaug p. 17. ist nicht uiibediugt gültig. 
Es m&sste fiberhaupt zuvörderst bei jeder Deukmüuze be- 
wiesen werden , dass sie kein nummus restäutvs sei , ins- 
besondere: dass sie vor Erscheinen des Schrenckischen Werks 
geprägt worden, somit Sgdbbnck^s Bilder darauf ohne Ein- 
fluss gewesen seien. 



ftU EINLEITUNG. 

gelegten Documente das Originalstuck durch einen 
schlauen Escamotenr dem Eigenthümer dennoch ent- 
fremdet worden sein kann, ohne dass er es ahnt. 
Einzelne Cessionsbriefe besitzt diese Sammlung wohl, 
doch reichen sie lange als Beweise nicht aus* — Wir 
wollen nun die vorzüglichsten Unrichtigkeiten des 
ehrlichen Schrenck betrachten , und ihm nicht zur 
Last legen, dass er ein grösseres Zutrauen in seine 
Mitwelt setzte, als sie verdiente. Hierbei soll uns 
die Reihenfolge Köhler's dienen ; theils, weil dessen 

Copieen (4^. Nürnberg 17353 ^ ^^^ "^^^^^ ^^^^ S^ 
lungen zu betrachten, theils weil sie unter den Lieb- 
habern mehr verbreitet, und zum Nachschlagen weit 
bequemer eingerichtet sind ^^9 ^"^ Schrbnck's Fo- 
liowerk. 

1, Kaiser Albrecht I. *j* 1 308 C^^öhler n^. i. 
Primiss« Nr« 1«} Sein angeblicher Turnier-Harnisch 
mit Doppelbrust um dritthalb Jahrhunderte 
jungen 

% Kaiser Fridbrich in. der Schöne *)* 1330. 
(KöHL« Nr« .2« fehlt in PRiMiSjä«} Sein angeblicher 
Harnisch um ungefähr zweihundertdreissig 
Jahre jünger. 

3. Kaiser Ruprecht Pfalzgraf am Rhein *)* 

1410* C^ÖHL. Nr. 3. PrIMISS. pag. 50. Nr. 6*3 SciU 

angeblicher Harnisch, ein gereifter Turnier -Har- 
nisch, gegen ein hundert und zwanzig Jahre 
jungen 



P^) Keiuier uud liiebhaber werdeu obuedies, glelcb dem Verfas- 
ser, beide Werke besitzen. 



DIE AHBRASSRSAMMLXTNG. tt5 

4» KÖNIG Ludwig IL von Ungarn rj- 1526. 
(KöHL. Nr« 11. fehlt in Primiss., der nur eine Achsel 
angibt, die ich aber auch für unterschoben halte^* 
Der ganze Harnisch unwahr und lückenhaft, 
wesshalb ihn auch Mbyrick in seiner Kritik der 
Ambraser « Sammlung gänzlich mit Stillschweigen 
übergeht. 

5» FiLDPP DER GüTB, Hcrzog von Burgund *{- 
1467. C^öHL. Nr. 17. der Harnisch fehlt im Pruoss« 
der nur (Nr. 144.^ eine Kaperation anführt. 

Sein vermeintlicher Harnisch über sechzig 
Jahre jünger. 

6. Ferdinand Consalvus v. Corduba*|- 1514. 
(^KöHL. Nr. 18. fehlt in Primiss.} Sein Harnisch im 
ein halbes Jahrhundert jünger. 

7. Albreght, genannt Achilles^ Markgraf von 
Brandenburg, *{* i486. ^Koehler Nr. 19. Primissbr. 

Nr. 48. 152). 



IM) Dieses Harnisches Eclitheit bleibt — was auch seine Ver- 
theidiger sagten mögen -— höchst zweifelhaft. Zwar finden 
sich derlei geschobene Achseln und Armbeugen {spUnts) 
schon an einem Harnische des nachmaligen Kaiser Max. I. 
(PBIMI88. Nr» 5O9 der um das Jahr 1480—1490 zu setzen ist^ 
allein die runde Brust, der lange, steife^ gefaitete Stahl- 
schurz, und vor Allem die Form der BärenfÜsse (Stumpffüsse) 
die in Deutschland erst um 1495 — 1500 beginnen (in Frank- 
reich um zehn Jahre Arfiher) erweisen, dass diese Harnisch- 
theile nach frühester Annahme, im letzten Jahrzeheud des 
XV. Jahrh» geschlagen sehi kötiuteu, in dem er nicht mehr 
am Leben war. Noch jünger ist der Helm^ er hat, das Ge- 
sicht abgerechnet, ganz die Form des Helmes von K u u z 
von Schott, der u J. 15S3 hingerichtet worden (aufbe- 
wahrt im Rittersaale zu Brbach, abgebildet in Wagner's 
Trachteub. II. Hft. 8. Bl. II, III,) und derlei Helme sind, be- 



tf6 EINLEITUNG. 

Der ihm zugeschriebene Harnisch um zwan- 
zig bis dreissig Jahre zu jung. 

8* Fmdbrich von Montkfeltrb Herzog zu 
Urbino *|- 1482. C^öhlbr Nr. ts« Primiss. Nr. 105.3 

Der Helm mit dem Gesicht um etwa achtzig 
Jahre jänger. Sein angeblicher Harnisch um volle 
hundert Jahre junger. 

0« FlUDBRlCH 6ONZA6A *|* 1484. (^KÖHL. Nr. «4. 

PRuass. Nr. 17« obwoM dort irriger Weise Erzherzog 
Ferdinand von Tirol genannt ist ; — allein dass der 
gegenwärtig mit Nr. 17. bezeichnete Harnisch dem 
Friderich Gonzaga zugeschrieben wurde, beweiset 
SOHRBNCK und nach ihm Köhler durch Nr. 24.) 
Dieser Tunierhamisch, wie es scheint eine Art Yer- 



i^onders mit solchen Verzierungen nicht vor 1510 zu suchen. 
Noch mehr verräth sich des Harnisches jflngeres Alter durch 
die Aetzungeu auf Brust und Rücken. Auf der Brust sind 
St. Cathariua und St. Barbara zu schauen; auf dem Hucken 
ein Ritter und eine Dame in Haustracht. Dass aber diese 
beiden eben der Kurf&rst und seine Gemahlin sein sollen, 
wie Primisur angibt, ist ohne die geringste Haltbarkeit. 
Die ganze Tracht der Figuren ist von 1A15 u. f. J, und die 
Aetzungen sind zu schön, um anzunehmen, sie seien nach- 
trftglich auf den Harnisch gemacht worden. „J/" tkis be his 
arwumr^*^ sagt Saimubl MiraiCK, ^/i wnut have been made 
ai the cio9e of hU ffavertunent. Its haviuff spUnis and no 
paas-^uardt^ and a baurgonot^ incline me^ to giee lY a stfU 
taier daieJ^ Allein gesetzt auch, dass alle diese Keuuerein- 
wflrfe beseitiget werden könnten, so würde es doch stets 
unwahrscheinlich bleiben, dass sich der Kurfflrst in seinem 
zweinndsiebzigsten Jahre habe einen Harnisch nach der 
neuesten Mode machen lassen, und so erscheint, wenn man 
nicht Möglichkeiten bei den Haaren herbeiziehen will, der 
Harnisch am 1500— lAlA verfertiget ^ mithin um ein Vier- 
teljabrhu ndert zu jung. 



DIB AMBRASBRSASIBlLüNe. St7 

mnnainiig^ Kam Gestech, dürfte um 1405 zu setzen 
seiiu Die linke Hand und der Helm besitzen jene 
räthseihafte Stielselieibe (die auch an den Helmen 
Albrechts, Pbimiss« Nr: i. Ferdin. CathoL Nr. u* Son- 
nenburgs, Primiss. Nr. 80. und andern zu finden ist^ ; 
Helm und Brust mit Doppelstück. 

Dieser Tumierhamisch scheint um zehn Jahre 
jünger; allein gesetzt auch "wir nehmen ihn um zehn 
Jahre älter an, so stammt er doch schwerlich von 
Friderich Gonzaga ; denn wesshalb wäre dann in je- 
dem Ohrstem ([Gehörrose^ des Helms ein zierli- 
ches Jk geschnitten ; über deren einen ein gelbes 9E 
genietet ist? — ? 

10. Franz Gonzaga *|* 1519- C^öhl. Nr. ts« 
Primiss. Nr. 93*3 Der im Sghrbnck abgebildete Har- 
nisch scheint gleichzeitig; doch der gegenwärtig in 
der Sammlung stehende ist aus ungleichzeitigen Stü- 
cken zusammengestöppelt, die von 1518 bis 1580 
reichen. 

11. Karl Herzog von Bourbon *)* 1527. 
KÖHL. Nr. 80. dermalen in Paris» — Die Harnisch- 
theile scheinen um wenigstens sechzig Jahre 
jünger — Sam* Meyrick setzt selbe sogar nach 1590* 

12. Johann Mbdicis *)* 1526. C^öhl. Nr. 31* 
Prihiss. Nn 99.) 

Sein angeblicher Harmsch um ungefähr vier- 
zig bis fünfzig Jahre jünger; der Marion um 
1550 zu setzen. 

13* Eitel Friderich Graf zu ZoUem -j* 1512« 
(KöHL« Nr. 75. Primiss. Nr. A8.3 Sam. M byhick nimmt 



SS8 BINLBITCN6. 

diesen Harnisch aber dreissig Jahre jünger, 
das ist um 1545 geschlagen aii. '-- Ich möchte ihm 
zwar die Echtheit nicht streitig machen, doch steckt 
dermalen ^n Helm auf dem Harnische, der nnläng- 
bar weit junger ist. Leicht wäre er zu beseiti- 
gen, da die Sammlung gegenwärtig C 18453 noch ei- 
nen zweiten gleichzeitigen Helm hierbei bewahrt. 

14. Johann Ziska -j- 1424 (Kohl. Nr. 7«. — 
nicht in Primiss.^ Der ihm zugeschriebene Harnisch 
gewiss über anderthalb Jahrhunderte jünger^ 

15« CAMiiiiiO Ursini *)* 1550, C^öhl. Nr. 85. 
PniMiss. Nr. 119.3 Die Brust nebst Handschuhen, und 
die hohe Sturmhaube, die Schhbnck abbildete, schei- 
nen mit Zugabe der äussersten Spielräume wenigstens 
um zehn bis zwanzig Jahre junger. In Primiss. 
ist eine schwarze halbe Röstung genannt; im ältesten 
gedruckten Inventare von 1593 eine ganze Rüstung, 
darunter mindestens ein Trabhamisch zu verstehen. 

16. Anton von Leva -|- ] 536. (Kohl. Nr. 86. 

PPRIMISS. Nr. 184.3 

Dieser schöne Harnisch ist um zwanzig bis 
d r e i s s i g Jahre jänger. 

17. HiLDBBRAND MaDRüZZI «j* 1547. (KÖHL. 

Nr. 88. Primiss. Nr. oo.} Er starb in blähender Ju- 
gend, daher der Harnisch zwischen 1540 und 1547 
fallen sollte, sein angeblicher Harnisch ist aber um 
fünfunddreissig bis vierzig Jahre älter, das 
ist zwischen 1490 und 1500 zu setzen. 

Einige der grössten Un Wahrscheinlichkeiten ent- 
fernte wohl längst das richtige Gefühl früherer Lei- 
ter der Sammlung , so z« B. die Nummern 2, 4, 5, 



DIE AMBRASERSAMMLUNG. Zt9 

6, 14; allein dennodi blieb genug des Verwerflichen 
übrig, wie das obige Verzeichniss zeigt. Sollte sich 
aber JemaDd aufgefordert finden, diese Ansichten zn 
bestreiten , so bleibe ich stündlich bereit, ihm Rede 
zu stehen; ja noch mehr: ich rufe ihn hiermit laut 
in die Schranken! Meine Waffen sollen Beweise 
sein, und der Sieg jener der Wahrheit. 

In unserem Jahrhunderte, das nach bitteren Ent- 
täuschungen früherer zu grosser Leichtgläubigkeit, 
über jede Anfuhrung einer Thatsacbe Beweise fordert, 
kann nur eine Bewahrheitung frommen: jene der 
historischen Kritik. Uns bleibet nur ein Mittel um 
die Echtheit der Harnische darzuthun,. nämlich jenes : 
zuvorderst ans plastischen und Maler-Werken die 
Gleichzeitigkeit der Waffen zu beweisen ; und dies 
fallt für jenen Zeitraum , dessen wir bedürfen , nicht 
schwer, da die gesammte Periode derjenigen Waf- 
fenmasse, welche unsere Zeughäuser und Museen 
füllet , sich auf einen zweihundertjährigen Zeitraum 
reducirt, — eine Epoche, aus welcher eine solche 
Menge von Grabsteinen und Sigillen, von Medaillen 
und Gemälden, von Holzschnitten und Kupferstichen 
auf uns gekommen ist, dass es nur grossem Mangel 
an Fleisse zuzuschreiben wäre, wenn wir nicht die 
genaue Trachtenkunde jenes Zeitraumes ex asse uns 
angeeignet hätten ! Allein bis hierher und nicht wei- 
ter reicht unser Vermögen, und wie weit ist von da 
noch bis zur Herstellung des Beweises, dass der 
Harnisch wirklich von dem bestimmten Manne her- 
rühre, dem er zugeschrieben wird ! Wenn hier nicht 
gewisse Nebenumstände, als : die Art seines Erwerbs, 



SSO EINLEITUNG. 

seines Fundortes, z. B» seiner langen Bewahrung in 
der eigenen Familie ^^^3 ^^^ Ueberelnstimmung der 
Körperverbältnisse mit jenen des Trägers, seiner 
Verzierungen mit dessen Rang und Vermögen, oder 



^^*) Und wie schwankend sind selbst diese Wahrscheinlichkei- 
ten ! So z. B* zeigt man die Helmbarte, welche dem unglfick- 
lichen Waldstein, Herzog von Friedland, den Todesstoss ver- 
setzte, neben seinem noch blutigen Spitzenhemdkrageiiy ge» 
stickten Handschuhen u* s. w«) in seinem Familien schlösse 
zu D u X in Böhmen^ und eben dieses Werkzeug seines To- 
des auch zu Eger auf dem Rathhause, und ebeudieses zu 
Pilsen. Beide erstgenannten habe ich im J. 1835 sorgfältig 
betrachtet, und halte jene in den Händen der Familie für 
falsch, und 'Ute weit zeilgemässere zu Eger fftr echt ! — Der 
gelehrte Murr bemerkt hierüber C^ie Ermordung AWreckt'Sy 
Herzogs t?. Briediandy m. i Kupf, gr, 8. HaUef 1806. p. 38 
u. /f.) anziehende Einzeinbeiten , nur verwechselt er fort- 
dauernd die Ausdrucke Partisane und Pike. Er erzählt 
Cp. 33), dass Deverotix, dem im Gefechte mit Tr%ka sein 
Degen in der Mitte abgesprungen war, einem der Soldaten 
im Schlosse seine Pike aus der Hand gerissen habe, dann 
dass derselbe mit 6 Hellebar die rem Cp. 36) in's Haus 
gedrungen sei, und hierauf Avieder Cp. 38)^ dass der Herzog 
den tddt liehen Stoss durch Deveroux mit der Partisaue 
durch die Brust empfangen habe. — Was soll diese Wider- 
sprüche einen ? — Stiess Deveroux mit einer Pike, oder 
mit einer Partisane, oder mit einer Helm harte den 
Herzog nieder?? — Ich halte dafür, dass hier, so M'ie in 
seiner hier nachfolgenden Aumerkuug allemal eine Helm- 
barte zu verstehen sei, welche Deveroux einem nahe- 
stehenden Hellebardierer aifs der Hand gerissen (denn mit 
Piken pflegte mau damals nicht in Palästen Wache zu 
stehen, und Partisanen waren in jener Zeit mehr in Offi- 
ziershänden). 

»Die Pike (r. Helmbarte), womit Wallensteiu 
»(r. Waldstein) ermordet wurde, Avird Avohl Deveroux ^ als 
»eine Avichtige Sache, entweder aufbeAvahrt, oder sie gar 
»mit nach Wien genommen haben. Sie könnte (sie) also, 



DIE AMBRASÜRSAMMLUNG. SSI 

etwa ang^ebrachte Wapen, Devisen, MoDogramme and 
dergL ein gänstiges Prognostikon stellen , so dürfte 
man schwerlich selbst mit einer annähernden Beglau-- 
bigung zn Stande kommen ! — 



»als Deveroux 1630 iii Praff starb, verkauft worden und in 
»die berilhmte Kunst- und Gewehrsammlung des Johann An- 
i^dretu Viaiis in Nttmberg gekommen seit|^ Der sei. Prof. 
>Rink kaufte sie (sie!) in sein Gewehr kabinet als eine 
»grosse Seltenheit, und durch seinen Eidam, Herrn von 
»Giafeyy wird sie wohl in die Dresduische Kunstkammer 
»verehrt worden sein. Man sagte, dass diese Pike (r. Helm- 
»barte) in der Pfarrkirche zu Freudenthal (polnisch und bOh- 
>misch Brunnthal, im Flirstenthume Troppau, an der Grenze 
»von Mähren, welches im Jahre 1764 fast ganz abbrannte), 
»zn sehen sei ; allein man weiss dort nichts davon. Solche 
»Sachen vermehren sich, um Käufer oder Neugierige zu lo- 
»cken. So ging es auch mit dem Degen und Kollet Königs 
»Gustav Adoif, die man in Stockholm, Wien, Dresden und 
»Aix zeigt, und wovon Wallin uud Olafey eigene Abhand- 
»lungen geschrieben haben. Ein Franzose, Cerisantes^ schriel> 
»sogar fiber den in Aix gezeigten Degen Verse, die er in 
»Stockholm der Tochter Gustav^s, Königin Christina, ge- 
»druckt überreichte. Und doch war dieser Degen nichts we- 
»uiger als echt. In der Kuustkammer des Schlosses zu D u x 
»in Böhmen , dem Sitze der Grafen von Waldstein , ward 
»den Heisendeu eine Partisane gezeigt^ womit Wallen- 
»stein erstochen wurde. Unter dem Spiesseisen, an wel- 
»chem man das angerostete Blut bemerken kann, sind drei 
»grosse griine, seidene (jetzt in das Gelbe verblichene) 
Quasten.« — 

Mir zeigte man zu Dux im Jahre 1835 eine Helm- 
barte, deren bellänfige Form jener üg. IS in Finke's mey- 
RICK, Tab. XG, glich; — mit dem angerosteten Blute ist 
fibrigens auch weiter nichts bewiesen, als — dass dies 
Eisen oxydirt oder höchstens früher mit Blut benetzt wor- 
den — ob mit menschlichem oder thierischem — und im er- 
sten Falle mit Waldstein ischem oder Nicbt-Waldsteinischem ? 
wer unterscheidet das?? — 

2* 



est EINLEITUNG. 

Vergleicht man die gegenwärtig in der Ambra- 
ser Sammlung befindlichen Harnische mit jenen in 
ScmiENCK's Werk, so gewahrt man', dass vierzehn 
in letzterem dargestellte oder doch er^vähnte Harni- 
sche sich nun nicht mehr In der Sammlung befin- 
den ^^0» und da dieselbe in dem verhängnissvollen 
Jahre 1806 durch die Franzosen, welche gegen die 
ausdrücklichen Bedingungen des Friedensvertrages 
nenn der schönsten Harnische mit nach Paris nah- 
men 1^43? Abermals neun, im Ganzen also dreiund- 



iM) Sie sind folgende: 



Kaiser Friedrich III. KöH- 

LBB S. 
Köuig Ludwijg; II. KÖHL. 1 1. 
König Karl IX. K. 14. 
Herzog Filipp. K. 17. 
Ferdinand Consalvus de 

Corduba. K. 18. 
Marc Anton Colonna. K. 50. 
Erzlierzog Matthias. K. 6S. 
Erzherzog Albrecht. K. 65. 
Karly Markgraf v. B. K. 60. 



Johann Zizka. K.7S. 
Jakob Malatesta. KAhl. 108. 
Johann Zamolsky. K. 116. 
Des Königsfelders Harnisch, der 
mit dem Hlesen zu Wilthan 
CWildon belGrätr?) gekämpft 
hat. (KÖHL. Vorrede.) ' 
Des Bargunders Claude de Batre 
Harnisch, der mit K. Max I. zn 
Worms kämpfte (nach Kbtss- 
LER noch 1730 vorhanden). 
Hierbei sind nicht einmal mehrere schon im ältesten In- 
ventar erwähnte Oregenstände in Anschlag gebracht, die 
ebenfalls verschwunden sind^ so z. B. die ganze ROstung 
des Herzogs Hermann inSchwaben^ Johann Zizka's Schwert, 
des Johann von Medicis Sturmhaube und Pusikan u. s. w. 
Auch verdient Erwähnung, dass zur Zeil der grossen Tiro- 
ler Insurrection im J. 1809 die Landes verl heidiger alle nur 
einigermassen brauchbaren Waffen der Vorzeit, als: Mor- 
gensterne , Helmbarten , Conseu, Isen, Partisauen , Haken- 
büchsen u. dergl. ans der grossen Rfistkammer des Schlos- 
ses Ambras nahmen. (Kriegsgemälde etc. des Jahres 1809. 
8. Pesth. Hartl. 1810. II. p. 69.) 
154;) 0|0s geschah durch den itispecteur generai ViUemancy uud 
den intendant Stassard. Sie waren nach Hrn. Gustos Bbrg- 
mann's Angabe folgende: 



DIE AMllRASBRSAMMLUNG. «33 

zwanzig (^meist in Schrenck abgebildete} Harnische 
verlor, so war ein anderweitiger Ersatz um so nö- 
thiger. Sie erhielt ihn aach durch nachträgliehe, 
mitunter werthvolle Erwerbungen« Herr Custos 
Bergmann weiset in seinem belehrenden kleinen 
Aufsätze: Der älteste gedruckte Katalog der Rüs« 
tungen der k. k. Ambraser Sammlung v. J. 1593 
(abgedr. im 74. Bande der Wiener Jahrb. der Litt, 
f. 18363 gegen dreiundfünfzig Nummern nach, theiis 
ganze oder halbe Harnische^ theiis einzelne Waffen- 
stücke berühmter Männer enthaltend, welche nach- 
träglich von der Sammlung erworben worden sind. 
Es dienet zum Tröste^ dass die Franzosen nicht auch 



Fran^ois I., König von Frankreich, KOuL. 10. Notice du uiu- 
s^e de rartillerie, J. 1837. Nr. 36. 

Karl, Herzog von Boiirbon. KÖHl. 30. Notice 31. 

Auuas de Moutmoraucy , Conuetable. Kohl. 36. Notice 49. 
Sein echter Harnisch mit Monogramm. 

Fraii^ois de Moutmoraucy. KöUL. 6t, Notice 50. Ein ausge- 
zeichnet schöner Harnisch jnit Monogramm. 

Heinrich von Montmoraucy. Kohl. 53. fehlt iu der Notice. 

Heinrich, Herzog von Guise. Kohl. 60. Notice 53. 

Karl, Herzog von Mayenue. Kohl. 61. Notice 63. Sein echter 
Harnisch (mit Monogramm) wiegt sammt Helm 86 Pfund. 

Marschan von Biron (nicht im Köhler.) Notice 56. 

Heinrich, Herzog von Montpensier (ist nicht im Köhler). 

Hierbei fällt auf, dass des Letztgenannten Harnisch 
weder iu KÖhlbr, noch in der Notice zu finden ist, dage- 
gen ein Harnisch des Königs Karl IX. von Frankreich im 
KÖHLER (14) abgebildet ist, nach Krbkwitz noch um 1685 
in der Ambraser Sammlung sich befand, allein nun darin 
fehlt; dagegen wieder in der Notice des Jahres 1839 (sub 
Nr. 48, T^armure toute doräe,<0 zu Paris erscheint, daher 
die Frage entsteht, ob nicht vielleicht auch dieser Harnisrh 
im J. 1806 nach Frankreich wandern musste ? — 



tu EINLEITUNG. 

die Pferderüstung König Karls IX. von Frankreich 
gewahr wurden, die glücklicher Weise als jene des 
Erzherzogs Ferdinand bezeichnet war; so bewahr- 
heitete sieh die paradoxe Behauptung, dass auch eine 
irrige Inventarsaufnahme ihren Nutzen haben könne. 
Diesem Irrthume danken wir's, dass die genannte 
Pferderüstung noch heutzutage in der Ambraser 
Sammlung zu schauen ist, so wie die Beintasche des 
Königs Franz I. von Frankreich (^Primiss. 149$ — 
dagegen ich die angebliche Sturmhaube dieses Kö- 
nigs (1. C.3 für untersdioben halte , obwohl sie die 
Jahrszahl 1547 vorweiset; nach ihren Verzierungen 
zu schliessen, gehörte sie eher dem Erzherzog Fer* 
dinand dem Stifter^. 

Ein Umstand, welcher öffentlichen Sammlungen 
nicht selten zum Nachtheile gereicht, ist der Mangel 
an Raum. Dieser zwingt die Ordner, merkwürdige 
Gegenstände oft in solch ungünstiger Höhe anzubrin- 
gen, dass sie den Blicken der Beschauer beinahe so 
gut als entzogen werden. Daraus erhellet,^ dass man 
ein und dasselbe Stück entweder durch die Kunst 
der Aufstellung berühmt machen , oder der Verges- 
senheit nahe bringen kann. Auch drängt sich hier 
den Waffenfreunden eine traurige Bemerkung auf, 
nämlich das Gewahrwerden einer an mehreren Orten 
Deutschlands überhand nehmenden — und die hö- 
hern Zwecke historischer Sammlungen, d. i. die Wis- 
senschaft geringschätzenden Sparsamkeit! 

Frankreich macht hiervon eine ehrenwerthe Ausnah- 
me. Allein an manch' andern Orten sind die solchen 
Sammlungen zugewendeten Summen viel zu kärglich 



DIB AMBBASBRSAMMLUNG. S35 

bemessen, um eine wissenschaftliche Anstalt zeitge- 
mäss KU fördern , welche zur Belehrung der ganzen 
Nation dienen sollte. Glaubt man vielleicht genug 
gethan^ indem man werthvoUe Harnische gleich alten 
Lappen in Klelderkammern hinhängt? — auch ein 
anständiger Gehalt für die Beamten der Museen thut 
Noth — alleiA an gemssen Orten Deutschlands ge- 
niessen die Custoden historischer Sammlungen einen 
Sold, den wir unseren höheren Domestiken zu rei- 
chen pflegen. Sollen sie vielleicht als hommeM de 
lettre ihren Zuschuss von den Gästen in die hohle 
Hand empfangen? — Oder anderseits: Ein einziger 
Mann soll zwei bis drei Dienste versehen, denn man 
will sparen; wie ist es möglich, dass er mit seiner 
Zeit, mit seiner Kraft ausreiche, und dass er (ne- 
mo potest pariter dominis s^/rvire duobusj nicht einen 
davon stiefmütterlich behandle ^^^3^* ^^^ ^^^ 
Zweck will, der wolle auch die Mittel; wer aber 
die Mittel verweigert, erregt der nicht gegründeten 
Verdacht, dass er auch den Zweck verschmähe ? ! — 
Noch ist eine Klippe zu erwähnen, nämlich : dass sich 
jede Sammlung vor willkürlichen Neuerungen zu 
hüten habe, welche oft ein einziger ehrgeiziger oder 
vorschneller Hüter derselben vorzunehmen sich für 
ermächtiget hält, ohne hierzu genügende Beweggrün- 
de aufzuweisen. Auch hier mag uns die oft berührte 
Anibraser Sammlung als Beispiel dienen, in wel- 
cher gewisse alterthümliche Reste zu Primisseh's Zeit 



IW) Als grasses Beispiel all' dieser Gcbrecheii dient die Ambra- 
ser Sammlauj^ — auf jetzigem Standpunkte. 



«36 EINLEITUNG. 

eine Taufe erhielten, zu welcher man die Motive 
in den früheren Sammlnngsinventaren vergebens su- 
chen dürfte. Wer berechtigte z. B. den verewigten 
Custos, die Rossdecke und das Rüstzeug dem Herzo- 
ge Filipp von Burgund zuzueignen (Primiss. Nr. 144), 
oder jenen Hirschfänger mit Rufhorn und Waidschnü- 
ren dem Herzoge Friedrich dem Altem, Grafen zu 
Tirol ([Primiss. Nr. 146) ? wesshalb wurde jener Tur- 
nierharnisch zum Gestech über's Dill dem Karl Schürf 
(Primiss. Nr. ss) zugeschrieben? oder jener um hun- 
dert Jahre jüngere Harnisch ([Primiss. Nr. 1053 dem 
Herzoge zu Urbino ? — Wir bitten , uns zuvörderst 
die diesfalligen Beweise aus den ältesten Inventa- 
ren der Sammlung herzustellen i^<>3 * 

DIE ANFORDERUNGEN DER GEGENWART. 

Denjenigen Leser, dem diese Rügen zu streng 
dünken, möchten wir auf sein Gewissen fragen: 
wie soll diesen argen Gebrechen Abhilfe werden, 
wenn man sie nicht zur rechten Zeit und am rech- 
ten Orte bespricht ? — Soll eine Residenz Ihre selbst 
geschlagenen Wunden jahrelang schautragen , ohne 
weiter etwas erwirkt, als unverdiente lethargische 
Siesten allzubequemer Musealbeamten geschont zu 
haben ? und haben sie schon die denkwürdigen Wor- 
te unsers grossen Monarchen vergessen: „Kriti- 



^^) Im Ambraaer Smlgs. Katalog v.J. 1593 ist nur ein :S'HeIm- 
liii« des Herzogs von Urbiuo geuauut, und Schbbngk keuiit 
keinen Harnisch von Karl Schürf! 



ANFORDERUNGEN DER GEGENWART. S97 

,,ken^ wenn es nur keine Schmähschrift 
,,ten sind, sie mögen nun treffen, wen 
,,sie wollen, vom Landesfürsten an bis 
„zum Unterthan, sollen nicht verboten 
„werden. (^Josephs IL Censurvorschrift $« 3.) 

Wollen sie^s lieber dulden , dass das Ausland 
über diese schmähliche Lethargie den Stab breche, 
Österreich verhöhnend, als welches in geistiger Cul- 
tur immer zurückbleibe; wollen sie lieber Ausfälle 
dulden, wie die folgenden: 

„ ein Museam ; ja wohl, ein neues ; denn 

„man hätte nicht zu kämpfen mit dem Eigensinne ftngstli- 
,,eher Stifter, die keine Ausmärzung dulden ', man könnte 
,^es jenen grossartigen Epochen der Weltgeschichte an- 
9,passen , die wir selber durchlebten, und leicht wäre ein 
„Xationalmuseum Österreichs neu zu schaffen, dass die 
„riesenkr&ftige Vorzeit der segensreichen Ostmark und des 
„treaen Tirols, des köhnen Böhmens und des wackeren 
„Mährens, des heldenmässigen Ungarns und der blühea- 
„den Steiermark im treuen Bilde vor unser Aoge führte. 
„Wiener, noch habt ihr kein Museum, jede Provinzialhaupt- 
„stadt eures Landes beschämt euch! euch fragt die Wis- 
„senschaft, euch ruft Clio vor Gericht! habt ihr etwa für 
„ein Museum keinen Platz? — In der That, es scheint, 
„eure sammtlichen R&ume seien zu Casino^s und Bierhal- 
„len , zu Gasthöfen und Tanzs&len , zu Strauss und Lan- 
„ner*s Tummelplätzen verpachtet, im grossen Wien, 
„das nicht einmal eurem herrlichen Mosaik * Epos : L e o- 
„nardo^s letztem Abendmahle, eine Wand zu gönnen ver* 
„mag ^^')! im grossen Wien, das sich von Sobiesky's gi- 



16''} Biue Auspielaiig auf jene bekannte Ausseraug weiland 8. 
M. Kaisers Franz IL von Österreich, HÖchstwelchem mau auf 
die Frage, warum das prachtvolle Mosaikbild (Christi \eixn 



SU SINLBITUN6. 

y,gtiitisoheili Schlass- and Denksteine, dem Kahlenberge 
,yaas betrachtet^ gleich wie ein meilennmgürteter Trümmer- 
„und Leichenhof eurer kleinlichen Freuden ausnimmt! be- 
,,sinnt euch, ihr Duodez- und Folio-Sybariten, es handelt 
„sich um ein Nationalmuseum und um Wiens Eh- 
„re, habt ihr etwa keinen Platz dafür? — für beide kei- 
„uen? denn beiden mOsst ihr ihn gönnen, oder beider 

„entrathen I 

Können wir auch diesen gallichten Erguss lei- 
denschaftlicher Journalistik, dies burschikose Haran- 
guiren im Geschmacke Hanns Normann's nicht bil- 
ligen y so müssen wir doch leider eingestehen , dass 
diese Rügen nicht nngegründet seien I Die gegebe-? 
nen Andeutungen zeigen , was neuere Zeit gebiete- 
risch erheischt. Sobald es sich um wissenschaftli- 
che Interessen handelt, muss noth wendig über alles 
Sagenhafte, Chronikenartige, ohne Beweise Nacher- 
zählte, ein unerbittlich strenges Gericht ergehen, da 
hier die Grenze liegt, wo Sammlertändeleien aufhö- 
ren, um wissenschaftlichen Bestrebungen Platz zu 
machen. Hier handelt es sich nicht um Befriedigung 
zielloser Gaffsucht, an den abenteuerlich geharnisch- 



tes AbeudmaM; nach Leonardo da VincVs weltberühmtem 
Freskog^emälde^ das Seine Kuustliebe erkauft hatte) ^ noch 
nicht aofig^estellt sei, antwortete: Es sei für dieses riesige 
Kunstwerk kein passender Ort vorhanden. »Das wäre trau- 
rig,« erwiederte der unvergessliche Monarch, »wenn ich in 
meiner ganzen Residenz dafür keinen Platz haben sollte.« — 
Des Kaisers Kunstsinn verewigt wohl vor allem jenes 
prachtvolle Monument , das er seinem grossen unsterblichen 
Oheime auf Wiens Josephsplatze errichten Hess — allein 
das Mosaikbild ist nun — über zehn Jahre nach obigem Vor- 
falle — noch immer nicht aufgestellt. 



n 



ANFORDERUNGEN DER GEGENWART. t^ 

tcn Standbildern irgend einer Marktbude, sondern 
um die Beiehrung der heranwaclisenden Genera- 
tion ^^^^j um ein Landesmuseum, das die Ehre sei- 
ner Nation vertreten soll, richtiger bezeichnet: ver- 
treten mnss! — Denn man betrachte die Museen 
einer Residenz; — die Stufe ihrer Vollkommenheit 
und Einrichtung wird auch die Bildungsstufe der Ein- 
wohner getreu bezeichnen. Manchem Unbefangenen 
aber drängt sieh hierbei die Frage auf, worein ein 
Staat seine Auszeichnung zu setzen wünsche? — 
n u r in seine Uniformen , n u r in^s Gepränge seiner 
Ambassaden , oder auch in die Pflege seiner wissen- 
schaftlichen Anstalten? — Warum sollte man nicht 
in dem grossen reichen, und was noch mehr, wir 
sprechen es mit voller Überzeugung aus, in dem 
grossmuthigen, freigebigen Wien, dem Sitze der Mu- 
sen und der Charitinnen , ein Plätzchen finden , das 
hinreichte, um die Jugend, um das Volk schnellen 
Überblicks in der Kriegsgeschichte vaterländischer 
Vorzeit zu unterrichten? warum sollte nicht irgend 
eine schmale Gallerie (^die hiezu am besten tangt3 



1^) lu der Uiiterhaus-Sitzuus vom 6. Mftrz 1845 begehrte Jlfr. 
Ewart die Erlaubuiss zur Eiubringuug eiuer Bill^ welche 
die Stadträthe zur Errichtuug von Kuust-Museeu befähigen 
sollte , um Abgüsse vou Kunstwerken des Mittelalters und 
der neueren Zeit darin aufzustellen. Er verlangte^ dass die 
städtischen Behörden ermächtiget werden sollen, mit- 
telst Erliebung einer Städtischen Steuer Museen, 
die hernach allen Einwohnern unentgeltlich offen stehen 
sollen, zur Aufnahme jener Kunstwerke zu errichten, und zu 
unterhalten, um den Kunstgeschmack zu nähren und zu för- 
dern. — (Wien. Ztg« v* 18. März 1845. Art. Grossbrit.l 



«40 EINLEITUNG. 

oder eine Halle vorhanden sein, um einige gerüstete 
Gestalten, zwei bis drei aus jedem Jahrhunderte (^et- 
wa vom YUI. — XIX. J. H.}, hinzustellen , so dass 
eine Reihe von beiläufig fünfzig lebensgrossen gerüs- 
teten Standbildern alles erschöpfend darböte, was 
über diesen mehr als tausendjährigen Zeitraum ^^'^ 
dem Lernbegierigen zu schauen nöthig, bei jeder Fi- 
gur drei bis vier Stücke der damals üblichen Schutz- 
und TrutzwaCen, Mordbeile, Spiesse, Schilde, Bar- 
ten u. s. w. ; anbei eine kleine Modellkammer der im 
Mittelalter, vor Anwendung des Schiesspulvers, üb- 
lichen Gewerfe ([Schleudermaschinen^ für Steine 
und Wurffeuer ([damaliges Sturmzeug, Steigbäume, 
Gaissfüsse , Steinkasten , Pechspritzen u. s. w.3 — 
endlich die originellen Formen der ältesten Donner- 
buchsen und Feuermörser, ebenfalls in Modellen — 
hierbei an dem Fussgestelle jeder Figur und jedes 
Modells Nummer und Jahreszahl angeschrieben, und 
somit wäre Alles geleistet , was den jungen Krie- 
ger in zwei Stunden unterrichten, den Laien ergöt- 
zend belehren kann. 

Über den Stoff, worein die geharnischten Män- 
ner zu kleiden, ob Holz, ob Pappe, ob Metall, be- 
darf s weniger Erörterung. Die Facsimile^s aus Eisen 
erfordern geschickte Blechschmiede, sind kostspielig 
und mühsam zu verfertigen, bleiben aber freilich die 
besten i^<>); Holz ist mehr Bildhauern dienlich und 



ift9) Einen passenden Zeitabschuitt bdte die Zeit des deutschen 
Kaiserreiches^ das tausend Jahre dauerte. (A. D. 800 — 1806.) 

i«<^) Ein Haupthinderniss hierbei bildet die SprSdigkeit des heu- 
tigen Stahlbleches, das sich — abgesehen von der geringe- 



ANFORDERUNGEN DER GEGENWART. t4f 

ebenfalls kostspielig; — ich wurde Steinpappe vor- 
schlagen. Man hat in Paris damit in neuester Zeit 
Wunder gethan, und den Waffenabgussen daraus 
eine so täuschende Metalloberfläche zu geben gewusst 
Qn Bronze spielende Versilberung} 9 dass Waffen* 
Sammler, diese falschen Wehren in der Höhe ih-» 
rer Waffensäle mit echten mischend, eine täuschende 
Wirkung erzielten. Wohlfeilheit, Leichtigkeit und 
schnelle Verfertigung empfehlen sie, wobei nicht 
einmal ihre makellose Bewahrung bei Betastung in 
Anschlag gebracht ist ^<^3* Auch verwunden sie das 



reu Übung unserer Kupferschmiede im Treiben (Spängier 
vermdgen M'eniger), — im Vergleiche mit dem alten ^ da 
doch die Plattner iu der Regel Stahlblech, nicht Eisen* 
blech, verarbeiteten, wenig zur Verfertigung der Harnische 
(zum Harnischschlagen) eignen dfirfte. 
'*0 Mau sollte heinahe meinen, dass die Augen neugieriger Gaf- 
fer iu ihren Fingerspitzen sässen; echte Waffeu leiden 
bei Betastung ungemein. Jedenfalls sollte man nie mehr als 
ein Dutzend Schaulustige in die Säle führen; theils, weil 
die Ausdünstung vieler Menschen , besonders bei feuchtem 
Wetter, dem Stahle Schaden bringt; theils, weil der Führer 
nicht leicht mehrere überwachen kann. Am Faschingmontage 
des Jahres 184S zählte ich bei einmaligem Herumführen iu 
den kaiserlichen Zeughaus-Sälen einhundert und fünf Per- 
sonen ! — aurt Sacra fames — nobis haec otia fectt ! 

Ich fühle mich bei diesem Autasse verbunden , die WaflTen- 
sammler auf ein neues, von Hrn. Gustav Büttner, Inspector 
des köuigl. historischeu Museums zu Dresden, erfunde- 
nes Rostmittel aufmerksam zu macheu, womit bereits 
die Waffen dieser kSniglichen Sammlung fiber- 
zogen worden sind. Waifenfrennde wenden sich am 
besten unmittelbar au diesen liebenswürdigen und erfahrnen 
Mann, welcher bereits auf galvanoplastischem Wege schöne 
Waffen-Nachbildungen lieferte, uud mir hierüber vor kur- 
zem schrieb: »Im vorigen Jahre erhielt ich den Auftrag, für 



%4% EINLEITUNG. 

Auge des Kenners weniger, als moderne Eisenwaf- 
fen, an welchen er, — sie mögen auch noch so rein 
gearbeitet sein — dennoch die rauhe, verwitterte, 
pockennarbige und doch anderseits wieder abgegrif- 
fene und abgeschliffene Eigenheit der echten Reste 
vermisst. 

£s handelt sich hier nebst Anweisung einer 
massigen Räumlichkeit, um die Kosten von ein Paar 
Tausend Tbalern, um welchen Preis ein solches Mu- 
seum glänzend schön geschaffen, und eine Unter- 
richtsanstalt gegründet wäre, wie Europa, zwei bis 
drei Sammlungen ausgenommen i^^^, keine ähnliche 
aufzuweisen vermag. 



»die Köuigiiiu vou Euglaud eiue grosse, im grüueu Gewdl- 
»be befindliche, sehr schöue Schale auf dem Wege der 
»Galvauoplastlk zu copireii, und es gelang mir, damit die 
»Zufriedenheit meines gnädigen Königs in hohem Grade zu 
»erlangen. Um dieselbe Zeit hatte ein Sammler mich aufge- 
»muntert, unsere kostbaren Schilde galvauoplastisch nach- 
»zubilden, und waren selbe so ausserordentlich gelungen, 
»dass sie in mancher Beziehung das Original übertrafen, 
»da mau bei dieser Bearbeitung im Staude ist, die am Ori- 
»ginal vorkommenden Mängel in der davon ge- 
»uommeueu Gips form zu reparireu. Ich erhielt für je- 
»deu dieser Schilde 200 Thaler, und stehe jetzt im Begriffe, 
»unsere schönste Rüstung für Mann und Boss, auf welcher 
»die Thaten des Herkules getrieben sind, auf diesem Wege 
»im treuen Abbilde zu liefern,« u. s. w. 
1^*) Unter diese seltenen Ausnahmen gehört vorzugsweise ein 
Kleiuod Europa's : die Sammlung LLewkltn Mbtrick's zu 
Goodrich Court in Herefordshire , worüber mir Hr. Gust. 
Büttner, luspector des köuigl. histor. Museums zu Dresden, 
vor wenigen Monaten schrieb : »Durch meine Empfehlungen 
»au unsere Gesandtschaften war es mir möglich, das mus^e 
»de Vartaierie zu Paris, und die Sammlung im Tower zu 



ANFORDERUNGEN DER 6E6EN\\''ART. «43 

Nicht jeder Sammlang stehen so grossartige 
Hilfsquellen zu Gebote, wie dem berühmten Mosenm 
zu Tsarsleo^selo, das unter den Gönneraugen 
S. M. des jetzt regierenden Kaisers von Russland, 
erstarkte, das einen der kenntnissreichsten Directo- 
ren ^^^^ an der Spitze zählt, und dessen reiche al- 
terthümliche Schätze gegenwärtig in einem glänzen- 
den Prachtwerke zu Karlsruhe erscheinen i«*). Al- 
lein, dass jeder Museumsbesitzer, seine Stellung im 
Leben sei welche sie wolle, nach Kräften wirke, 
dass er mit dem Zeitgeiste fortschreite 
(es gibt keinen Stillstand in Wissenschaft und Kunst), 
um nicht sich selbst tief unter den Alterthumströd- 
1er (^der wenigstens den ernsten Zweck des Erwer- 
bes verfolgt^^ und seine Sammlung zur Spielerei 



»Loudou genau keuneu za lernen, allein ich war 
»auch bei dem durch sein Werk bekannten Sir Samubl 
»Metrick in Goodrich Castle drei Tage laug wie sein Kind 
»im Hause aufgenommen worden , und war fiber diese 
»Sammlung, welche die im Tower weit hinter sich 
»lasst, überaus erstaunt.« Wichtig bleibt dies Urtheil 
eines Mannes, der Gelegenheit gehabt, die WalTenschätze 
zu Paris, London und Dresden in neuester Zeit zu prfifen. 

^^*} Se. Excelleuz F. von Gillb, kais. wirkl. Staatsrath^ Direc- 
tor der katserl. Museen etc. zu St. Petersburg. 

^^^} MusSe des armes rares anciennes de sa Majestä i'Empe^ 
reur des toutes les Russies. P^ Volume av. ISO Planches. 
yr. Fol. St, Petershourg^ Paris et Karlsruhe, chez Veiten 
Sdäeur, Wie viel man schon vor ein Paar Deceunien am 
kais. Russischen Hofe fand, bezeuget die Ally, deutsche 
Realencpclopddie vom Jahre 1820. CLeipz. Brockh.) »In Ko- 
penhagen sowohl, als in Stockholm, sind Museen, doch nir- 
gends im Norden sind so viele Kuustschätze aufgehäuft und 
zugleich so schön aufgestellt, als in der kaiserlichen Ere- 
mitage zu St. Petersburg.« 



U4 EINLBITÜNG. 

eines groBsen Kindes herabzuwürdigen, — bildet 
eine nnerlissliche Anforderang, die jeder Gebildete 
an dessen Verstand und Humanität zu machen be- 
rechtiget bleibt. 

Noch starren, indem ich dies schreibe, die Flüs- 
se von Eis (^22* März) ; noch dringt kein warmer 
Frühlingsodem in diese regungslosen Massen. — 
Wir aber legen dabei ruhig die Hände in den 
Schoss , denn was vermöchte der Erdengötter Ge- 
bot gegen den Despoten Naturkraft? — Ein treues 
Bild der eisigen Schlafsucht, die unsere wissen- 
schaftlichen Interessen befangen hält, — nur mit 
dem Unterschiede, dass bei letztem Ein warmer 
Lebenshauch von oben. Ein milder Wink höherer 
Mächte sie zu beseelen, den frischen duftigen Früh- 
ling herbeizurufen vermöchte, — und nicht ferne 
wäre dann die wurzige Blüthe, unfern die segens- 
reiche Frucht! 

WiBN, im eisii^^eu Leiizmoiial des Jahres 1845. 



Def Verfasser. 



DRITTE LANGSEITE DES HAUSES. 

(KAMMER AM WALL, einst TRAIMAMinR genannt.) 

Üiine abermalige Gitterthür weiset den Hingang zur 
dritten Langseite des Hauses, das ist, seinem Hinterbaue* 
An ihrer Schwelle sind: 

295—296. ^mtx 5finxtWxfd)t la^ntn befestiget, deren 
schwarzer Doppeladler auf goldgelbem Grunde sie 
wohl auch dem Fremden ohne weitere Besehreibung kennt- 
lich machet. Ober der Thiir: 

297. ^alhtx lxt(i)Ux glatter ^avnxfd). 

B. F. W. L. Eiu geschlossener Helm (aus 3 Stüclceii) ohne 
Kamm; eine Brust (aUecret) sammt Rücken und offenen Achseln. 
Die Brust ohne Rüsthaken, wie au allen Landsknechtharnischen. 

Wir wandeln zwischen zwei blanken Wänden hin, 
deren jede eine Art Sonne, aus einem doppelten Säbel- 
kreise bestehend, bildet. Der grössere ist aus preussischen 
Cavallerie- und der kleinere aus Artillerie-Säbeln zusam- 
men gesetzt, und mit grosser glänzender Metallschrift ge- 
schmtickt worden. An der linken Wand lesen wir: lUSTITIA 
ET CLEMENTIA , den bekannten Wahlspruch I. M. der 
grossen Kaiserinn Maria Theresia. An der rechten Wand : 
DEO ET IMPERIO, den Wahlspruch ihres erlauchten Ge- 
mahls. Am Ende jeder Wand eine Fahne , und zwar zur 
Linken : 

298. /rati33|lfri)( /aiine. Vtokty rotii; tnetß. Vorderseite 

IJMB ßON REpüBLIQÜE FRANgAlSE 39'*'' 

In der Mitte zwischen Eichenzweigen: 

80<"« BRIGADE 
D' INFANT^ DE BATAILLE 
DISCIPLINE ET SOÜMISSION AÜX LOIX MILITAIRES. 
II. 3 



«46 DRITTE LANGSEITE. 

Die Kehrseite enthält oberhalb ebenfalls die Brigade -Nummer: 

39MB — J^ME 

und zwischen Bichenzweigen das Liktoreubeil mit Freiheitskappe. 
Dieser Fahne gegeufiber: 

S99. Itanii^fdft la^t. HUatt; mx^, tofetit0t||. Erste 

Seite im blauen Felde: 

LA NATION — LA LOI. 
Zweite Seite: im blauen Felde zwischen Palmen und Lorbeer- 
zweigen : 

GARDE NATIONALE DE LA LANDE. 

Die beiden W&nde, die wir so eben besprachen, sehlies- 
sen zwei besondere Kammern ein, welche nicht gezei^^t wer- 
den dürfen ^^0 9 und die wir eben desshalb einer besonde- 
ren Beschreibung unterziehen wollen, damit Jedermann von 
ihrem Inhalte wenigstens eine leichte Kenntniss erwerbe. 

SAMMLUNG DER PROJECTGEWEHRL 

(FROBEWAFFEH- KAUERE 

Die hier aufbewahrten Wehren sind gröstentheils sol- 
che , die niemals im Gebrauche gewesen , und hier mehr 
als Versuche, als Proben mannigflftltiger Verbesserungen 
bei Schutz- und Trutzwalfen aufgestellt worden sind; und 
obgleich den meisten kurz nach ihrer Erfindung ein grosser 
Ruf vorangegangen , so haben doch die wenigsten sich als 
brauchbar bew&hrt, da sie sich theils zu kostspielig in der 
Anschaffung 9 theils zu gebrechlich , zu schwerf&lligy zu 
umständlich u« s. w. erwiesen. Man kann im Durchschnitte 
annehmen : das Beste davon bestehe bereits, und das Ein- 



164) Die ernfere bietet den I^ien ohnedies wenig Anziehendes, und 
greifet jsu tief in's innere Getriebe des Asterreichisehen Kriegswe- 
sens , um Jedem Schanlustigen offen ssu stehen , — die zweite aber 
enthält 80 viele Prachtstücke, Prunkwaffen mit edlen Metallen ver- 
ziert, und Meisterstucke der Büchsenschmiede und Böchsenschftf- 
ter , dass die Verordnung bestehet , dieselbe nur hohen Herrschaf- 
ten und einzelnen Kennern , zufolge insbesondere angesuchter Be- 
willigung, auizuschliessen. — 



PROBKWAFFKN -KAMMER. t47 

fachste sei hier das Beste. Man trifft hier Brnstküras- 
se, tlieils blank, tlieils schwarz, ans Steinpappmasse, an- 
geblich kugelfest, — Czako's nnd Matrosenhfite ans 
besondern Stoffen — die in Österreich für die Handfeuer- 
waffen üblichen Kngelmodeln — ein Oranatenpis- 
t o 1 e t mit kupfernem Robre , um daraus Handgranaten xa 
schlendern, — Granaten -Masquetons (moRcheti a 
braga^ richtiger wohl Granatentrombons zu nennen), mit 
eisernem, vorne beträchtlich verstärktem Laufe, um dar- 
aus Handgranaten oder Hagel zu schiessen ^^^), — lange 
Bajonnete mit Handgriff, welche zugleich einen Hirsel^ 
f&nger bilden, und die mannigfiftltigsten Erfindungen an den 
Gewehr- und Pistolenschlössern und Läufen. Besondere 
Erwähnung dürfte eine Espagnole verdienen, da man zur 
Zeit ihrer Erfindung so viei Wesens daraus machte. 

300. <Stne (6$pagnoli auf 18 SS(i)n^t. 

B.F. W. K. Der Lauf, nugeffthr 41 Schuh lan^, ist an der 
Mfludnng aufgeworfeu, und so eiugerichtet, dass man 18 Schüsse 
daraus abfeuern kann, ohne mehr als einmal zu laden. Zu die* 
sem Endzwecke läuft eine fflessiug;ene Stupiurdhre, die (weil sie 
nicht, gleich den papiemen bei Lustfeuerwerken, anf^latz^n kann) 
der Länge nach mit Löchlein versehen ist , an der rechten Seite 
des Laufes, vom Schlosse bis zur Mündung. Die Patronen hierzu 
müssen eigends gemacht werden , da alle 18 Stücke mittelst Slu- 
pine verbunden sind. Ist der Lauf damit geladen, wozu ein eiser- 
ner Ladstock vorhanden ist , so wird noch eine zweite Stnpine 
in's messingene Röhrlein eingeschoben, die vom Schlosse bis zur 
ersten Patrone reicht« Beim Abfeuern, wozu ein fhuizösisehes 
Schloss vorhanden ist (obwohl man , Im Vertrauen gesagt , dazu 
Öfters die Lunte zu Hülfe nehmen muss) , theilt sich das Feuer 
durch die Stupine der ersten Patrone mit, und diese holt nach- 
einander die übrigen Ladungen heraus« Die Verbindung der Pa- 
tronen ist also ähnlich jener bei der Versetzung der, jedem Lnst- 



165) Geiffsicr versuchte 1668 In Berlin, Handgranaten aus Muslteten 
zu schietfsen, indem er die Handgranaten auf einen Spiegel setzte, 
worfln ein Stab angebracht war. — Letzteren »teckte nifln in den 
Flintenlauf. (Mbyrr. Gesch. d. Feuerw.) 

3* 



848 DRITTE LANGSBITE« 

feuerwerker bekannten Perlschnurraketeu. — Die Fehler dieser 
gerühmten Erfindung , bei der man das bekannte »parturiunt 
montes^ gewahrt , sind unverkennbar. Vorerst ist das Geschoss 
so schwer und lang Cgegen 6"), dass es beim Gebrauche auf 
einem Bock liegen muss ; femer speiet es die ganze Ladung mit 
einem Male ans, der Schütze kann damit nicht haushalten; überdies 
fordert dessen Laden einen grossen Zeitaufwand , nud der wich- 
tigste Fehler bleibt der, dass nicht selten etliche Patronen stecken 
bleiben — wornach man dann beim Schussausziehen denselben 
Zeitverlust, wie bei dem Laden, zu gewärtigen hat. Wir mei- 
nen , dass den geneigten Lesern diese eine Probe der Project- 
waflTen genügen werde, um uns der übrigen Beschreibung gerne 
zff erlassen; — Cmuch ado ahout noihing). 



SAMMLUNG DER LÜXÜSWAFFEN. 

(LUXUSWAFFEH- KäHHER.) 
a> BESTE WAND (mit der Eingangsthür). 

301 — 302. J^mtx ^ttirmfenfen ati0 >m ^tnßtgjiiiingen 

;ftrU0e. Das Alter hat sie geschwärzt. Klinge und 
Schaft sind echt und wohlerhalten. 

303. IPa0 ttHappen >et jQetberftetne. in der Mitte der 

Thür, auf Blech mit Ölfarbe gemalt, altershatber kaum 
kenntlich. Oberhalb drei Männer in alter Tracht und die Um- 
schrift: Siegraund Friederich Freiherr zu Herberstain. 1571. 
Der Berühpiteste dieses vaterländischen Heldengeschlechtes, S leg- 
mnud Freiherr von Herbersteiu^ endete am 98. März 1566 
kinderlos sein thatenreiches Leben CAdblung p. 295). Wanim 
dieses Wapen Cvgl. die genaue Beschreibung des Herbersteln'scheu 
Wapens in Adelung pag. 439) fünf Jahre nach seinem Tode hier- 
her kam , verdiente Untersuchung. Der Heros des Geschlechtes 
scheint hier nicht in Verbindung, was schon die Jalireszahl 1571 
und die Namen: Sigmund Friedrich andeuten. Znlässige Ver- 
muthnngen enthält ein Aufsatz des Anhangs. Mehrere ausgezeich- 
nete Krieger verdankt Österreich dieser adeligen Familie; so 
z. B. erinnert die in Wiens bürgerlichem Zeughause aufbewahrte 
Flagge an den Maltheser Grossprior in Ungarn, Johann Jo- 
seph Grafen von Herberstein^ der zur Zeit Kaiser Leo- 



LUXUSWAFFBN-KAMMER. S49 

pold's I. der vereiuigteu päpstlichen nnd malthesischeii Flotte Ad- 
miral war. Im Jahre 1687 rief ihn der erwähute Kaiser za seinen 
Kriegsdiensten zurück, zu welcher Zeit diese Flagge in die Ste- 
phanskirche, und später in^s bürgert, Zeughaus übertragen wor- 
den. (Ogesseb, Stephanskirche p. 119. — Scheigkr, borg. Zeug- 
haus p. 47.) — Ein anderer Sprosse dieses mächtigen Heldenge- 
schlechtes , Graf Johann Joseph von Herberstein , 1760 Feldmar- 
schalt-Lieutenant, blieb 1760 in der Schlacht bei Torgan u. s. w. 

b) ZWEITE WAND (mit dem Fenster). 

An der linken Seite beginnend, gewahren wir fünf- 
zehn schöne Gewehre , worunter neun mit Radsdilössern , 
grösstentheils aus dem XVII. Jahrhunderte stammend; eini- 
ge mit besonders starken schweren Läufen, worunter wir 
fotgehde näher bezeichnen wollen. Neben einem Musque- 
ton in der obern Reihe: 

304—306. IPrei fti^mtxt SStanMlftt. Auf schiesstäd- 

teu zu brauchen, worunter zwei vierlöthige Doppelbaken. 

307. (Em ftatktf^ tutkifc^ee Uollt. Der Lauf geschmack- 
voll mit eingeschlagener breiter Silbertausia verziert. — 
Einen ähnlichen, doch werthvolleren türkischen Lauf werden wir 
weiter unten (396) kennen lernen. 

308—309. ^xn paar JHtt^keteit in fd)niat3er dd)if- 

tttng ^^^). Beide mit Radschlössern und alter Kol- 



166) Jenes Gewehr, das der Soldat damals (das ist zu Anfange des 
XVII. Jh.) ohne Auflage abfeuerte, liiess «das Rohr,*^ und sein 
Träger: «der Schütze.* Dagegen das schwerere und längere Ge- 
wehr Jener Zeit, das der Soldat nicht ohne Scliiessgabel handhaben 
konnte, die «Muskete* benannt wurde, und ihr Träger: «der 
Musketier.* — Ausführlich abgebildet findet man die damaligen 
Handgriflie damit, so wie die gesammten Commandowörter beim 
Ezerziren in dem prachtvollen Kupferstichwerke: Waffenhandlung 
von den Rören, Musquetten und Spiessen^ ntich der Ordnung des 
Fürsten Moritz Prinz zu Oranien etc. , abgebildet durch Jacob de 
Geyn, mit 117 Kupfertafeln. Fol, Gravenhagen 1608. Jedes Blatt 
enthält eine grosse Figur , trefflich geschnitten — Das Exercitium 
mit dem Rohre it, das mit der Muskete 43 , und das mit der Pike 
32 Blätter. Die ausdrucksvollen Köpfe, so wie die ganzen Gestal- 



S50 ORITTK LANCHSBITB. 

beutona, aus der Zeit des dreissigj&brigeu Krieges. Dazu gehdrte 
eiue ScbieMgabel. CMau vergl. deu Anhang.) 

310. <£tn alter €ri^mb0n mit Uv Jaf^rjaiil 1628 auf 
Um jfanf ttn> etnrm Va^fd^lo^. Die schäftung ist 

gleichzeitig. Der Mfiudungsdorchmesser des Rohrs beträgt tri ^oll. 
Bei mehreren Rdhren hangen passende Kugelmodei, wo- 
von der merkwürdigste: 

311. <£tn ^retarmtger ;fttt0elmo)el aw fUti^nje. Einge- 

- richtet, um achtundvierzig Kleingewehrkngeln mit einem 
Maie darein zu giessen. 

Gegen die Rechte fortschreitend, trelTen wir an den 
schmalen W&nden, welche die Fensterblendnng umgeben, 
folgende Stücke: 

3 IS. Ctn paar SSttivaxfft von t^tviotbtttm iHe||ttig ge- 

trUbttl. Eine herrliche deutsche Arbeit aus der zwei- 
ten Hälfte des XYI* Jahrb. Sie sind aus i^tarkem Messing gear- 
beitet, das mit meisterlich ciselirten Kupferplatten belegt ist. — 
Zwischen reichem Laubwerke erblickt man Flussgöttcr, Caryati- 
den, Vögel und dergl. Die innere Seite schön geätzt; der Tritt 
durchbrochen gearbeitet und mit Stacheln gesichert. — Das Ganze 
stark vergoldet. 

313. Cin 1l0^ ySß mit Stangen wn vergoldetem JRef- 

flng getrieben. Von gleich schöner Arbeit, wie die 
vorigen Stiicke, und aus derselben Zeit, wahrscheinlich dazu ge- 
hörig. Mundstück, Balken (Anzöge) und Kiunkette stark vergol- 
det; das Zuugenspiel gross, zusammengesetzt und durchbrochen 
gearbeitet, die beiden Mundstöckroseu herrlich verziert. 

314 — 315. (Sin 3anm wn farbigen lt(0rten^ mit iS^olU 

eingewirkt/ mit vergoldetem nn) getriebenem Silber 

htf^U^tn, nni mit %ntkx^tn befej^t; iabei ein fil)ma- 



teii , aus der Zeit des grossen P. P. IIubkns , haben offenbar Por- 
traitähnlichkeit. Kxerzler- Reglements von solchem Kunstwerthe 
gibt es wenige; des berühmten Franzosen Tiiisault Academie de 
Vepee. Fol. max. 16S8, mit Kupf., steht tief unter dem Werke des 
Prinzen von Oranien. 



LUXUSWAFPSN-KAMBOER. - S51 

let i^rliit0 wn gleti^et Sixbtit. Das KopljpreBtell und der 

Brnstriemeu hübsch vereiert, — die Brustrose fehlt. 

316. <£m p<i<it SSU^taifft wn tftfett^ mit iHe||tng 

uberjogen^ fitaotrt nni t^tx^otbtt. Unbedeutende Ar- 
beit ; doch alt ; — am Öhr des »Steij^leders« die verschlaiigeueu 
Buchstaben : A. F. 

317. Ctn paar Untfi)t Mtffxnifpottn mit langen jQSU 
fen von gei^anener 3ivhtxt Von hohem Werthe, 

rficksichtlich Arbeit , Alter nud Seltenheit. Sie stammen aus der 
ersten Hälfte des XV. Jahrh. , und shid ihrer ganzen Oberflache 
nach fleissig ciselirt. An jeder Seite des FersenbÜgels ist eine 
räthselhafte Gravirung, welche Buchstaben ähnelt, doch dürften 
diese Züge , M^elche vier Worten gleichen , kaum zu entziffern 
sein. Die achtstachlichten Sporuräder haben V 9'" Durchmesser. 
Die siebenthalb Zoll langen Hälse sind zierlich gravirt. Das 
Merkwürdigste sind vier Öhre, die, an der Unterseite jedes Hal- 
ses befindlich, dazu dienten, vier gothische Buchstaben als Berlo- 
quen zu tragen , die jedoch bis auf ein 1$ fehlen. Ein ähnliches, 
doch noch alleres und schöneres Paar besitzt die kaiserl. Ambra- 
ser-Sammlung. 

318. <Stn paar Mtffxnnfpoxtn mit knrjen ^alftn. Aus 

gehauenem Messing, das einst vergoldet war — mit Lauli- 
ranken und Figuren verziert. Die kurzen Hälse sind einen star- 
ken Zoll lang, das achtspilzige Rad hat 1 Zoll Durchmesser. Die 
Fersenbügel sind mit getriebenem Iiaubwerk und Figuren ver- 
ziert. — Ihre Form gehört iu's Ende des XVII. Jahrhunderts. 

319. Cin paav gro^e polnxf(i)t SSpoxtn wn Ued)tem 

(Stfen. Sie scheinen ans dem Anfange des XVI. Jahr- 
hunderts *®'). 

B. F. W. F. Die Schenkeln sind au der Ferse %*' 9*'* breit. 
Der Hals ist 8'^ lang , nud hat am breiteren Ende beim Hade 
^" Breite. Das Had mit 8 Stacheln hat 7*' 6"* Durchmesser. An 
der Ausseuseite der Schenkeln ist ein nach vorwärts gekrümmter 



167) Ein Paar ähnliche von Silber in der k. k. Ambras. Samml. In der 
Waff. Sämig, des Verfassers, unter mehr als vierzig Stück Sporen 
Cnormannisoh , byzantinisch, maurisch, ungarisch, schwedisch, 
deutsch u. s. w.) y findet Hich auch ein ähnliches Paar von Eisen. 
Doch sind beide Paare kleiner, als die obigen. 



%b% DRITTE LANGSBITB. 

Hakeu befestiget. Jeder Schenkel hat t Löcher. Die Ricmeiibaken 
fehlen. Einer unverbürgten Sage nach, soll der Scharfrichter einer 
sächsischen Stadt ^ in Folge obrigkeitlichen Befehls, verbanden 
gewesen sein, derlei zu tragen. Bestand ein solcher, so scheint 
die Ursache dieselbe gewesen zu sein , aus der ein Herzog — 
mich dftncbt, von Würtemberg — dem Scharfrichter befahl, Schwei- 
zer-Pluderhosen zu tragen; beabsichtigend, diese zwecklose plum- 
pe Tracht in Verachtung zu bringen. — Die in der Anmerkung 
erwähnten schweren silbernen Sporen der k. k. Ambraser-Samm- 
luug gehörten sicher einem hohen Herrn ^ und in Polen war 
diese Form im XVI. Jahrhunderte allgemein. 

320. ^xn tfolhu ^nftxftn t»on einem Viefenganl. Es 

hat beinahe die Form der jetzigen — nur ist seine Grösse 
befremdend. — Vier Löcher fiir die Nägel sind vorhanden. In der 
Mitte ist es augenscheinlich abgehauen, nicht abgebrochen. Seiue 
Länge beträgt 9'' 3'^'^ seine Breite 8'' 6'^' und seine Dicke in- 
wendig 5'''. Die linke Hälfte fehlt. An der Stelle der Trennuug 
CAbstemmung) ist noch die Hälfte des Nürnberger Wapeus sicht- 
bar (der Adler)^ und das Stadtwapen Wiens, ein aufrecht stehen- 
des Kreuz 9 das die Wiener von Kaiser Friedrich IV. um 1464 
empfangen haben. — Zu welchem Zwecke es geschmiedet wor- 
den , bleibt ein Räthsel y und da es keine Spur des Gebrauches 
trägt , war es vielleicht nur ein Aushängschild , von jüngerer 
Leichtgläubigkeit, als Seltenheit aufbewahrt. 

321 — 322. ^wtx gekrninmte|fluloeri^0rner. Das eine von 

schwarzem Horn^ das andere von schwarzem gepressteu 
Leder. CDio Form ersieht man in Finkes Meyrick. P. CXXIV. 
Fig. 7, der sie um 1685—1650 setzt.) 

323. <Stn itO^n ynloerlfOrm Von seltener Grösse (oh- 
ne Messingsperre 89'^ W. Mass lang) ^ wenig gekrümmt, 
von halb weissem halb schwarzem (Ochsen) Hörn. 

324—325. ^mx mx^e J(t0)»l)9rner mit |llbernen Klei- 

fetl. Beide aus weissem Ochsenhorn, mit breiten sil- 
bernen Ringen besetzt. Dem einen ist ein Messingmundstück ge- 
wöhnlicher Form beigegeben. — Wohl ein Paar Jagdgerälhe aus 
dem Aiifauge des XVllI. Jahrhunderts. 

326. ®roße6 ^i)orf(()laß Ux ItfimxQ lUelgral». Dies Vor- 

häugschloss (Schubschloss) , von roher Eisenarbeit, sammt 



LUXUSWAFFEN-KAMMER. 253 

den 3 sehr eiuf)ächeu Schlüsseln , wurde im Jahre 1688 ^^ , iu 
welchem bekauutlich der Korfflrst Maximilian Belgrad eroberte, 
von den Kaiserlichen erbeutet, und seit 1796 bei dem k. k. Hof- 
kriegsrat he zu Wien aufbewahrt, von welchem es am t4, Nov. 
1835 hierher gelangte. — Die Festung Belgrad wurde dreimal von 
den Kaiserlichen erobert: vom Kurfürst Maximilian im J. 1688; 
ferner unter Prinz Eugen von Savoyen im J. 1717, und unter An- 
führung des unvergesslichen Kaisers Joseph II. im Jahre 1789. — 

327. üarlllLy <Cr3i)er3O0 wn (^t^ttxtid) (geb. 1686, 

Kaiser seit 1711, gest. 1740 im 56. Lebensjahre). 
(Sin 3ittxtitXXt'^efitÖX. Erzherzog Karl III. , nachmaliger 
Kaiser Karl VI., war bekanntlich ein grosser Freund der Artille- 
rie. Sein Artillerie -Besteck, das hier zum Andenken aufbewahrt 
wird (gleich a. h. Seineu früher besprochenen Zeichnungen der 
Kanonen, Nr. 38 und Nachtrag zu Nr. 38, p. 43), enthält in braun- 
lederner Scheide, die an einer mit Gold eingewirkten Schnur 
hängt, sieben Stücke mit zierlich gearbeiteten Messinggriifen, als : 
3 Raumnadelu, 1 Zirkel, 3 Messer, 1 Feile, 1 Masstab. 

328. <£in ^un)»|lock mit fttbem^n vergoldeten dd)l<tn- 

0en nni filbernet ^d)teife. Wahrscheinlich demsel- 
ben Erzherzoge zu eigen. Der Stab ist, gleich dem Caduceus, von 
3 Schlaugen umwunden , die den Luntenstrick halten. Auf dem 
silberneu Bande das Distichon: 

PAX KT AMOR LUDVNT FLAMMIS, QVIBVS OCCIDIT HOSTIS. 
SIC MODO TELA SOIYNT^ YERTEAE PAX ET AMOR. 

Ein nicht ganz glücklich gewählter Vergleich zwischen der Lie- 
besflamme und Pulverbrand. 

389. IPa0 &alttCbtxfti)mtxt Der Griff von gelbem Flader- 
holz, mit Bein eingelegt^ der Knopf sammt Kreuz, FaustbÜ-. 
gel und halbem durchbrochenen Stichblatt von zierlich in's Ge- 
senk geschlagenem Eisen; auf die Klinge ist ein vollständiger 
Kalender geätzt, der, von der Innern Seite beginnend 9 auf jeder 
Seite 6 Monate enthält, d. i. die sämmtlichen 365 Tage des Jahres 



168) Relation von Eroberung der Festung (griechisch) Weisseuburg. 8. 
1688. — 



t54 DRITTE LANGSBITS. 

mit ihren Heilijg^eii; anbei die Berecliuaiig der bewegliclieu Feste 
u. dgh fQr die J. 1538 bis eiuschlttssig 154S. — Es ist also wahr- 
scheiiilichy dass die ganze rafihsame Arbeit im J. 153S verfertiget 
worden ist. Die Klinge ist t* 4'* laug und am Griffe \" V* breit. 

330. <Ctn |larme|fer i«^} jnm IHai^nierli^ >a9 iß : eine 
Zappelte lHai^praren^ aw )ein tiietjelinten Jal^r- 
(^nn^ert. IDie i^efte mit meinem ^ r0tl)em ^ 0rnnem nvCb 
f(()Qiat3em Keine bele^t^ in einer ^4)ei)e ti0n ftt^marjem 
gepreßten jTe^er. 

B. F. W. F. Eines der ältesten und werthvollsteu Stficke 
der Sammlung, von ungemeiner Seltenheit. In einer schwarzle- 
dernen Scheide, welche noch zwei kleine leere R&ume enthält 
(wahrscheinlich zur waidmännischen Spicknadel und dem Messer- 
lein, welche fehlen), stecken zwei grosse Jagdmesser mit breiten 
dännen Klingen , so ziemlich von der Form unserer Tafelmesser, 
nur an der Schneide mehr ausgebaucht. Der Griff eines jeden ist 
von weissem Bein , und mit bunten , in's Auge fallenden Verzie- 
rungen von hellgrünem, hochrothem und schwarzem Beine einge- 
legt. Die Scheide aber, von schwarzem gepressten Leder, ist das 
Merkwürdigste des Vorhandenen , weil sie Aber das hohe Alter 
des Ganzen Aufschi uss bietet. Die in's Leder erhaben gepressten 
Bilder sind von oben nach unten zu folgende: a) Ein geflügelter 
Drache, b} Ein altdeutsches Vi^'apen, worauf ein zimirter Helm, 
c) Zierlich verschlungenes Laubwerk mit Blättern und Eicheln. 
Der Wapenschild ist wagrecht halbirt, im obem Felde ein halber 
geg. R. aufgrimmender Ldwe , im untern drei wagrechte Balken 
zu sehen. — Auf der obern Spitze des dreiseitigen Schildes ruhet 
der alte Renuhut mit Helmdecke (Jambrequin) und Zimir ge- 
schmückt; letzteres bildet abermals der halbe aufgerichtete Löwe. 

Man könnte fragen, wann man auCjg^ehört habe, den Renn- 
hut auf Wapen zu setzen, um dafür den weit ansehnlicheren Tur- 
nierhelm zu gebrauchen ? — Die Antwort lautet : In der zweiten 
Hälfte des XIV. Jahrh. — Allein die lange scharfe untere Spitze 
des Wapenschildes veranlasst uns (da bald nach Rudolfs IV. Tode 
die Wapenschilde unterhalb mehr abgerundet erschienen), die Ver- 
fertigung dieser Scheide in die letztere Lebenszeit des Erzherzogs 



169) Schon In der Limburg. Curon. „Parrdclr«,** und Hans Sachs nennt 
den MeRRerschmid al8 Verfertiger der ParmesseTf Langwehr, Dol- 
che, Degen u. a. W. 



LUXÜSWAFFKN-KAMMBR. SSA 

Rudolf IV. Vau Österreich Cf 1365) zu setzeu, des Erbauers der St. 
Stefaiiskircbe , Stifters der Wiener Universität uud ersten dster- 
reicli. Erzherzoges, welcher auch die Stelle eines Srblandjäger- 
me isters neuerlich in's Leben rief. (KUBZ HtuioJlf /F. p. SO, 
und meine : Bückbiicke in deutsche Vorzeit. I. Band. p. 109 u. ff. 
Tab. VII n. p. S89~S45.) 

331. <Ctn aU)«tttf(^«r IDegen^ >aran )er Anopf^ >a0 

Knopf, Griff uud das gejs^en die vierschueidige Klinge gekrfimmte 
Kreuz von vergoldetem Silber. Die Gravirung deutet auf das letz- 
te Viertel des XVI. Jahrh.^ obwohl die Form des Ganzen ein 
grösseres Alter vermuthen Hesse. CMan vergl. z. B. die Schwert- 
form des letzten maurischen Königs von Granada d. a. 149t. Wag- 
NKR's Tr. Buch. V. H. 8. B1. fig^ 1; uud IV. H. 8. BU flg. 1.) Die 
beiden Enden des Parirkreuzes stellen Drachenköpfe dar. Die 
schwarze^ nach Art eines Stechers geformte Scheide ist ebenfalls 
mit vergoldetem Silber beschlagen , das Mundblech mit dem Hefte 
von gleicher Arbeit. Der Degen scheint deutsches Erzengniss; 
eine uuverbflrgte Sage schreibt ihn dem Kaiser Max I. zu, ich 
halte ihn jedoch ebensowohl fOr jünger, wie den prachtvollen 
Stecher , welchen IIbrr60tt CMouumenta I. Tab. XXII. lig. A.) 
als von diesem Kaiser herrührend beschreibt. — 

33S. (Eine )entfd)e knrje Wrl^r. Kurzes, schweres, zwei- 
schneidiges Schwert mit geradem dicken Griffe von Messing 
und breiter schwerer Klinge, der englischen Anelace nicht unähn- 
lich, doch an der Spitze breiter. (Finkb's Metricx, Tab. 6t, flg. S, 
zeigt eine verwandte Form, gleichwie der französische Couf^to« in 
CARRifi's Panoplie, PI. V. fig, H.) Das vorliegende Schwert dürfte 
aus der zweiten Hälfte des XV. Jahrb. stammen. 

333. <iße0r0 lüan £xoxi»iftt% ^ dßeneral aller katf. ^tnU 
f4)nt igeere in Jtalttn^ ttn)^ nberßer itlHattpt- 

mann tion €tr0l. (geb. 1476 , gest. 1628 im 63. Lebens- 
jahre.) J^t^tn SSi^mtxt. fS^mn^f \$eft nn) ^ttny mit 
filbitniier 9.M\di\txathtxX i^txytxX ^^o]). Ein sohönes und 



1703 Zu WIEM bewahrt die KAISERLICHE AMBRASER-SAMHLUNG 

von diesem Feldherrn einen halben weissen Harnisch mit 
geätzten Orten und offenem Helm. CP>^ui>^s* 69. Nr. M* KOhlbBi 
Tab. 78.3 NachtrAgllch zu S. 78 des I. Theiles mag hier eine An« 



S56 DBlTTfi LAN6SEITB. 

merkwfirdiges Stück y dessen fleissige , kostspielige Arbeit 
auch einen Zeugen für seine Echtheit liefert. 

B,. F. W« F. Der runde grosse Knopf uud das Parirkreuz 
mit Haudrlug sind aufs zierlichste gehauene Biseuarbeit^ die auf 
Goldgründe Männer- und Frauenköpfe in idealer Tracht darstellt. 
Sie sind zwischen verschlungenen Zügen Cmlt aufgeschlagener 
Silbertausia*) angebracht. Auf der Schwertklinge der alte Wolf 
und mehrere Yerse^ ais : 

Clnnre Seite.) 4^^ ^^^i ^^^ SrüM^tV^ moffibtkmU — 

ifatt mt4 0(fit^rt tnit^ man^ef £mtn 
3n ^rrp^efyn l>4lad)ten wol)i gemurtfy 
HktQofttt tote ot||l /(inbrfbluetti 

CAusaenaeite.;) Hoii /ran^ofciii Vn^ttVXf ^artam onb CJtrk^en 
IHfrcn nie treten oidl eri»fir0en| 
J(|onb t4 mi4 ^um /ribrn ke^r 
Wtii ^domaf iRoU tß je^onbt ^err. 

Die Schrift belehrt uns also , dass dies Schwert ans der sieges- 
kräftigen Faust des deutscheu Hannibals Cso nannten ihn seine 
Zeitgenossen) In den Besitz des Thomas Moll gekommen ist, 
und wann dies geschehen , wäre ebenfalls zu ermitteln , da die 
Schrift es nach dreizehn Schlachten in Molfs Besitz kommen 
lässt, da doch Georg v. Freandsberg bekanntlich fQnfzehn Schlach- 
ten gekämpft hat. — Ein Mikrologist wäre also vonndthen , der 
die dreizehnte Schlacht aufsuchte I — Grifft 7'^ laug, — Klinge 
Sl^^ laug und am Griff if breit, zweischneidig. — (Über die 
Wolfszeichen auf Schwert kl Ingen vergl. m. d. Anhang.) 

334. <6m kurzer (yalber ilammberg. Hin höchst seltenes 

stück, aus dem ersten Viertel des XVI. Jahrh. Knopf, Kreuz 



gäbe aus einer alten Beschreibung der Kunstkammer zu München 
stehen Cl6dft), wie man denn in den alten Kunst- und Wunder- 
kammem gar wunderliches Zeug durcheinander häufte: »Des Hann- 
sen von Frunsperg Wehr , deren Scheide mit eines Franzo- 
«sen Haut überzogen, mit welchem er sich gebalget, und 
«ausgedinget , dass der Übenvinder des Überwundenen Haut über 
»seine Wehrscheide ziehen solle.* CKrrkwitz. Totius regni Hung. 
descriptio. pag. 419.) 



LÜXUSWAFFEN-KAMMER. «&7 

und Haudbfigel verg^oldctes Eisen. CAhiilicIie Form des GefSs- 
ses in Finkb's Metrick um 1588.) Griff von gewundenem Drath. 
Die Klinge sägeartig, mit sieben grossen Zähnen, stau der 
Schneide, versehen ; die Spitze dick und schmal , in Form einer 
vierseitigen PiVieme. — Der starke Rficken wechselnd zur Hech- 
ten und Linken abgedacht. KUngenl&nge 84'' — der Griff 6'' ; — 
Klingeubreite 8|''. Jeder grosse Zahn bildet ein Rechteck, das die 
Spitze gegen die Schneide kehrt, und an jeder Seite 1^'' misst. 

335. €tn i$irfd)fanger in fßxafin €f^aka. Der Griff 

von Elfenbein, mit silbernen Nieten beschlagen, ebenso 
dessen Rücken und Kreuz; auch das Mundblech der ledernen 
Scheide von getriebenem Silber. Die Klinge , mit falschem Da- 
mask verziert , ist 82'' lang. Zur Zeit der dritten Theilung Po- 
lens hatte diese polnische Gräfiiin die Insurgenten angeführt, und 
genug Mnth und Verschlagenheit bewiesen. Allein im Jahre 1795 
wurde die liisurrection unterdrückt, und dieser Hirschfänger der 
Insurgentinn unweit Brodi abgenommen. Ihr fenieres Schicksal ist 
unbekannt. 

336—343. ^d)t ^aiinAtn-SSahtln. Der Griff von lich- 
tem Hörn, mit silbernem Kreuz, und«. rother, mit Silber 
durchwirkter Schnur. Mundblech, Ortbaud und Mittelbleche der 
schwarzen Scheide sind ebenfalls von gravirtem Silber. Auf die 
Klinge ist ein gegen die Sonne fliegender Adler gravirt, und die 
Jahreszahl 1703. Auf der Kehrseite das österreichische Wapeu 
und: C. ITI. (Karl III., nachmaliger Kaiser Karl VI). 

Geschichtliches. Die Haiducken bildeten damals eine Art 
Garde vornehmer Herren. Sie zeichneten sich durch Grösse und 
herkulischen Wuchs aus, und begleiteten bei festlichen Aufzügen 
geschmeckt und bewaffnet zu Fuss die Karosse ihres Herrn. — 
Nicht selten waren sie so gross, dass sie einander Über den Wa- 
gen anblicken konnten. Es hatte aber diese, ursprünglich unga- 
rische Sitte, wie manch^ andere, ihren guten Grund in der schlech- 
ten Beschaffenheit der ungarischen Strassen, zufolge der die baum- 
starken Haiduckeu auf der Reise verpflichtet waren, die Kutsche 
ihres Herrn vor dem Sturze zu bewahren, und aus mancher Pfütze 
zu ziehen; und vornehme Herren behielten diesen Gebranch auch 
in volkreichen Städten zum Prunke bei.— Ihre Tracht war: eine 
hohe schwarze MMze mit spitz herabhängendem rotheu Hauben- 
futter — eine blaue, reich mit silberneu Schnuren besetzte Jacke — 
ein enges rothes Beinkleid, das jeden Muskel abzeichnete — und 
kurze Schnürstiefeln. Au der Linken hing ein angarischer Säbel, 



tS8 DRITTE LANGSBITfi. 

an der Rechten ein zierlich g:efttztes, reich mit Silber beschlage- 
nes Beil, Czakan i^enanut Noch bei der Kr5uun{>: des hSchstse- 
lij^en Kaisers Franz II. (resp. Franz I.) von Österreich zu Prag: 
(9. Auii;;ust 1792) schritten am Staatswagen des Bischofs von 
Prag, und jenes von Olmfitz, an jedem vier Haiducken einher. — 
Dass der Ursprung dieser Sitte in Ungarn zn suchen, zeiget aach 
der Gebrauch ungarischer Reisenden , in den Gebirgen Begleiter 
zum Schutze mit sich zu nehmen, die »Haiducken^ hiessen. Diese 
echten and eigentlichen Haiducken aber bildeten in Ungarn eine 
Art Laudmiliz, das ist Soldaten der Gespannschaften, Städte und 
Herrschaften, welche nur zur Wache bestimmt waren und bloss 
vom Solde lebten. Ihre Nameusgeber waren die Bewohner der 
sogenannten sechs Haiducken- Städte in der Soboltscher Gespann- 
schaft, die vom KOnige Matthias I. als stehende Soldaten grosse 
Freiheiten erlangten , und noch jetzt im Genasse derselben von 
Ackerbau und Viehzucht leben. Um 1705 zählte mau im österrei- 
chischen Heere, das sich damals auf 130,000 Mann belief, auch 
3400 Mann Haiducken und Kroaten -Infanterie. Jene furchtbaren 
Räuber Dalmaziens , durch Stärke, List und unglaubliche Kühn- 
heit ausgezeichnet, und dem Volksstamme der Morlaken angehS- 
rig , welche besonders der Türken unversöhnlichste Feinde Maa- 
ren, hatten mit den ungarischen Haiducken nur den Namen ge- 
mein. (Man vergl. den Anhang.) 

344. jßarl Wn fot^nnien, ^niO^ (genannt Carl V. 

von Lotbringen, geb. zu Wien 1643 , Feldherr des 

Kaisers Leopold I. , gest. 1690). Wt^tn, >effcn <ißef3^ 

att0 0r)te0eiteiii ^olU. 

B. F. W. F. Knopf, GrilT, Kreuz und Stichblatt aus schwe- 
rem lautrem Golde, die Klinge an der untern Schwäche blau an- 
gelaufen und mit firanzosischen Lilien besäet. Am Innern unteren 
Ende ist in goldenen Buchstaben zu lesen : BouUfar. Mundblech 
und Ortband der braunlederuen Scheide ebenfalls reines Gold. 
Eine mündliche unverbürgte Überlieferung gibt an , dieser Hegen 
sei bei dem Entsätze Wiens 1683 vom Herzoge Karl von Loth- 
ringen wirklich getragen worden, späterhin im Besitze weiland 
S. M. des Kaisers Franz II. von Österreich gewesen, wel- 
cher ihn diesem Zeughause zum Geschenke sendete. Allein die 
Form desselben ist um ein Jahrhundert jünger, und entspricht 
ziemlich jener, welche Mie Franzosen zu Ende des vorigen Jahr- 
hunderts ep4e ä la fiwmcüre nannten. (CARiUfi Panopl. PI. VI. 
fig. M.) Wahrscheinlicher wäre die Annahme, dieser Degen stam- 



LUXUSWAFFEN-KAMMBR. S59 

nie von S. K. H. Erzherzog Karl von Österreich^ General feldmar- 
schall, geb. 1771. — Dieses Degengefftss, aus gediegenem Oofde^ 
mft nns ein anderes goldenes in's GedächOiiss, jenes am Degen 
Kaiser Karins V., der schon im I. Theile, Seite 118^ besprochen 
worden ist. Dies prachtvolle spanische Rappier wurde in jüngster 
Zeit, nebst noch füufnndzM'auzig Prachtgerätheu Cgröss- 
tentheils aus Gold, Edelsteinen und Perleu verfertigt) , der Am- 
braser-Sammlung , — wohin selbe laut ausdrücklicher Willeus- 
meinnng des erzherzoglicheu Stifters gehörten — entrissen , und 
dem kaiserl. Antiken - Cabinete einverleibt (man vergl. Arneth^ 
das k. k. Mfiuz- und Antiken - Cabiuet. gr. 8. Mit 4 Kupf. Wien, 
1845. Staatsdr. p. 61); und so ist jene Sammlung zum Magazi- 
n e herabgesunken^ dem man uugescheut entnimmt, was man eben 
M'iinscht, und das die wissbegierigeu Fremden M'ährend der Win- 
terszeit nicht einmal mehr besehen können, — denn während der 
kalten Zeit Csic!) hat man die Eiulasstage aufgehoben! Wir 
haben hierbei nur die Ansicht auszusprechen , dass ein Bisambär, 
ein Perlenzwerg, eine Smaragd-Taschenuhr u. dergl. Spielereien 
heutzutage ebensowohl in eine Antiken - Sammlung passen , als 
HÖmersteine und antike Bfisten — in die mittelalterliche Ambra- 
ser-Sammlung I ? 

345. ßtt SSihd mit Püttmofitt-Ülinit. An einem 

schwarzen Griffe mit einfachem Eisenkrenze sitzt eine Sä- 
belklinge von gewöhnlicher Grösse, die ihrer ganzen Länge nach 
mit runden^ symmetrisch vertheilten Grübchen bedeckt ist. Klin- 
gen der Art sind von grosser Seltenheit. 

B. F. W. F. Die angeheftete Tafel nennt sie :>spanische Klin- 
ge«; allein weit wahrscheinlicher ist die Annahme, dass man der- 
lei zuerst in Italien , und zwar schon zu Ende des XV. Jahrh.^ 
später auch in Deutschland, verfertigte. — Die unter Waffenlieb- 
habeni übliche Benennung »Patemosterkliuge« rührt daher, weil 
an solchen Klingen auf der Innern (Daumen-) Seite eine doppelte 
Reihe kleiner Grübchen befindlich ist , die einen Rosenkranz bil- 
den, wornach man später auch jene Klingen so benannte^ welche 
zwar Figuren (aus solchen Grübchen zusammengesetzt) enthalten, 
gleich obiger Säbelklinge, doch keinen Rosenkranz. Übrigens ist 
die Meinung jener, welche dafürhalten, dass die Eigeuthümer auf 
solchen Klingen (auch im Dunkel) ihren Rosenkranz beteten , in- 
dem sie die Finger in die Grübchen legten, von wenig Gewicht. 
Denn derlei Klingen gehörten meistens Scharfrichtern , von wel- 
chen eben nicht anzunehmen ist , dass sie im Dunkel den Rosen- 



1 



260 DRITTE LAN6SEITG. 

kränz beten. In der WalTeu-Smlg. des Verfassers sind zwei voll* 
kommeue Paternosterklingen befindlich, und beide weisen nnläug- 
bar jene Form aus, die sie zu diesem traurigen Gebrauclie befä- 
higte. Ihre Beschreibung im Anhange m6ge diese Behauptung er- 
läutern. 

346, €\n txitkxfditt JHatl>rak i''!). Dieser schöne Ste- 
cher wird gewöhnlich dem Kaiser Maximilian I. zugeschrie- 
ben, allein die gesammte Arbeit scheint junger. Der grosse Knopf 
und der 6'^ lange Griff, mit Silber überzogen, stark vergoldet und 
mit TOrkIssen besetzt. Die Klinge S^ 2\'* lang, beim Griffe V* 
breit, zweischneidig, mit zwei sehr hohen hohlgeschliffenen Rip- 
pen, ähnlich jenen an Osterreichischen Gewehrbajonneten. — Die 
Scheide von Silber, reich vergoldet , mit Türkissen besetzt , auch 
mit grossen grauen Achalen, worauf aufgelegte plumpe Goldtau- 
sia (ein echt türkischer Einfall und Türkisse befindlich sind. — 
Die innere Seite der Scheide mit türkischen Blumen und Ziera- 
then einfach gravirt. 

347.. ®in turkifd)er ^Utbfd). Dieser Säbel, auf ungari- 
sche Art gebaut, besitzt einen einfachen Griff ohne Faust- 
bügel; Kreuz und Scheidenbänder von vergoldetem Silber, und 
auf der Klinge eine türkische Schrift. 

348. (Ein Vtvfxfi)tt €tgl|. im Jahre 1839 verehrte der 
damalige persische Botschafter zu Wien, Hussein Chan^ 
dem k. k. Zeughause einen Säbel, dessen Beschreibung hier folgt; 
An einem weissen Griffe von Elfenbein sitzt ein Kreuz von 
schwarzem Elsen mit vergoldeten Zierathen. Die Klinge, von 
schönem Damask, enthält an der untern Schwäche bleiche golde- 
ne Schriftzüge mit arabischen Versen. Die Übersetzung lautet: 
^Schah Sultan Hussein , aus der Dpnastie der Sophiden; verfer- 
»tiget von EsseduUah in Ispahan, Dieser für auswärtige CFein-^ 
»de^ bestimmte Säbel ist ein echter Sohn Zutfekars, (Zulfekar 
»ist der Name des Schwertes Aly'a , Schwiegersohnes des Pro- 
»pheten Muhammed).« Die Scheide des Säbels ist mit schM^arzem 



1713 Chandsehar, coutelas, pugUAle, Dolch, eine ZierwalTe, im 
Gurte! zu tragen. — Jataghan^ eine KriegswalTe der Janitscharen 
und Albanesen; — Bitschah , couteau, coltello, Messer. — Das 
Schwert (auch der Säbel) hei.sst im Türkischen : Kilidsch , im Per- 
sischen : Tigh, im Arabischen: Seif. — Medoch ist der Staat«d«*gen, 
Mathrak, das Rappier. 



LUXUSWAFFBN-KAMMSB. $61 

^pressteii Leder fiberzogen. Muudblech, Ortbaud mid Mittelble- 
che von Eisen und leicht vern^oldet. — Die Schneide enthftlt ein 
Paar tfichtige Scharten^ verrauthlich in Folge unglflcklicben Ver- 
suches, damit einen eisernen Nagel zn durchhauen. 



in 1 4^ (4 



349. €5tMfd)rr llUfd^ak. Obwohl man unter diesem Aus- 
drucke auch Chandchars und Jataghan's begreift , so ist 

doch sein nächster Sinn eouteau, coUeUo^ daher wir selben vor- 
zugsweise gewählt haben. Der Griff ist von braunem Hörn , mit 
schmalen Streifchen messingner Filigranarbelt verziert. Das höl- 
zerne Parirkreuz mit derselben Filigranarbeit fiberplattet. Die Mes- 
serklinge au der untern Schwäche mit breitem Rücken uu^ mit Mes- 
singtausla, die fibrlge Länge zweischneidig. Klingeulänge: \t\**. 

350. Illnitficijer II0I4I mit Qt^iftjSjnt. Eine seltene scho- 
ne Arbelt aus der zweiten Hälfte des XYI. Jahrb. Knai\f 

und Kreuz von Eisen , punzirt und vergoldet. Griff von gewun- 
denem vergoldeten Draht. Die Klinge mit Ansatz, vielfach ge- 
rippt , enthält von der obem Schwäche an bis zur oberu Stärke, 
fleisslg gearbeitete Giftzfige ^'*}. Kliugenlänge : ll}'^; — der Griff 
Ai" lang. (Ahnliche Form s. m. in Finkb's Mbtrics, PI. CX. 
H' 1«.) 

351. Ü^rientilter IPold^. Zarte Arbeit, ans der Mitte des 
XYI. Jahrh. Knopf, Griff und das stark gegen die Spitze 

gckrfimmte Kreuz von blankem Eisen , mit der feinsten goldenen 
Tausla geschmfickt; glatte breite Klinge mit Ansatz. Einige 
Ähnlichkeit der Form hat ein Dolch in Cabbi^'s Pauoplie, PI. V. 



17t3 Dolch- und besonders Degeulclingen, welche auf einem Theile ihrer 
Länge Giftzüge enthalten, kommen öfters vor; dagegen sind diej«> 
nigen, welche solche der ganzen Länge nach besitzen, von 
ungemeiner Seltenheit. Eine solche von besonderer Schönheit befin- 
det sich in der WalTen-Smlg. des Verfassers. Sie ist zehnfach ge- 
rippt, 3' IW lang Cdie völlige Degenlftnge 4 Schuh 3X Zoll), 
und die Giftzuge laufen der ganzen Länge nach doppelt, an der un- 
tern Schw&che vierfach. — Das eiserne Gefäss, Knopf, Kreuz, Bü- 
gel, und das korbförmige, mit durchbrochnen Messingfeldern einge- 
legte Stichblatt sind punzirt. Der Degen stammt aus der Zeit des 
dreissiglährigen Krieges. 

II. 4 



SeS DRITTlfi LANCKSEITE« 

üg» M. Auch das Mmidblech uud Ortbaud der Seheide von g:lel- 
cher schdiier Arbeit. Kliugeulänge 9^''; g:aiize Lauge ldi*\ 

358. |lerf{fd)er Clfan^fidjar. Grllf und Scheide mit SU- 
berblech überzogen ; die Klinge zweischneidig. Klingeu- 
lange 8|''; ganze Länge 13'^ 

353. IDrntfdjer SSpvxnQioldl. Durch den Druck eines 
Fingers springen die beiden Schneiden des Dolches aus- 
einander, uud die platte Klinge bildet drei divergireude Sttacbeln. 
Der Griff ist unpassend ersetzt. Die glatte Klinge hat 1(4-'' Län- 
ge. Muudblech und Ort band der echten, mit schwarzem Tafft über- 
zogenen Scheide, sind von puuzirtem Eisen uud vergoldet. Eine 
ähnliche Klinge vergl. man in Finke's Metbick, Tab. XCII. fig. 7. 
Die vorliegende Form und Scheide sind in die Mitte des XVII. 
Jahrhunderts zu setzen. 

354. IPittttfdfer Hdtli). Griff und Scheide von braunem 
Holz, und mit grossen erhaben geschnitzten Figuren und 

Köpfen aus weissem Bein eingelegt. Auf der Scheide ein Wapen, 
das ein mit einem Pfeil durchstochenes Winkelmass zeiget. Die 
ganze Arbeit ohne Kunsiwerth, doch eigeuthümlich. An der Schei- 
de fehlen zwei kleine liesteckmesserlein. Die Klinge einfach. 
Ganze Länge sammt Scheide 17J'^ 

355. 3Ulix(Hfi)t €o0kvtt mit pol^atifil^tm ^tif. Ein 

Knimmschwert, eigentlich Kdpfsichel. (Einen etwas ähnli- 
chen Griff au einem Dolche zeigt Finkb^s Mstrick, PI. CXLL 
&g, 11.) Der Griff besitzt statt dem Knopfe ein mondförmiges 
Querstück. — Letzteres , so wie Griff uud Kreuz , sind von 
schwarzem luid gelbem Horu, mit Silber- uud Messingblech über- 
plattet und gravirt , ebenso die reich verzierte Scheide. Die si- 
chelförmige Klinge hat von aussen eineu breitgerippten Rücken 
(eine schöne uud seltene Arbeit). Das Segment ihres Bogens misst 
vom Kreuz bis zur Spitze 12''. Obwohl das Messer einer Gowrka- 
Cookree (Marhattenwaffe) ähnlich ist, so verräth es doch mehr 
den indischen Verfertiger. Mit derlei Kdpfsicheln traten die Skla- 
ven hinter den Sultanen einher, warfen auf dereu Geheiss den 
überwundenen Feind zur Erde, uud indem sie ihm, den Fuss auf 
seinen Magen stellend , dies Messer an den Hals setzten, trenn- 
ten sie wohlgemnth sein Haupt vom Rumpfe, dem Despoten ein 
erwünschtes Siegeszeichen ! — Die Falcarii der Römer hatten eine 
ähnliche Waffe, die fcUcula; bei den Franzosen : fauchouy dessen 
auch ihre Dichter erwähnen: 



— i 



LUXUeWAFFEN-KAMMER. «63 

»^u U fau40n je tc refntoafi« 

»^ to tue je famiiecat.« (Pelbrin dk l'amb.) 

356. JBalajtfdjer ^nß. Griff und Scheide einfache Holss- 
arbeit. Die geflammte Klinge mit zehn Wellen. Dieses aben- 
teuerliche Gespenst^ das die weite Reise von Malacca, jener sfid- 
licheu Spitze Asiens, bis hierher gemacht hat, wird im Inventar 
chinesisch genannt. Es ist jedoch offenbar malajisch. Zweifler ver- 
weisen wir auf die fibereinstimiiendeii Abbildungen in Finkb's 
Metrick, Tab. OXLVII. Ilg. t% et Hg, 13, so wie Francis Grosr, 
mßüarp antüfuities. Vol. II. PI. 5S. üg. 3, 4, 6 and 7, worin sämmt- 
liche Formen : Mulap cretses or daggersj geuanut werden. — 



357. VSmifd^eii SSi^mttt. FSIschlich Opfermesser ge« 
nannt; denn die römischen Opfermesser waren Dreiecken 
ähnlich^ mit zwei geraden und einer auswärts gekrümmten Seite. 
Es ist ans der altern Zeit Roms , in der noch die griechische 
Form vorwaltete, und man würde sehr irren, wollte man die rö- 
mischen Schwertformen nur nach der Colonua Trajana und jener 
Antonius beurtheilen. An einem kurzen Griffe mit ziemlich schei- 
benförmigem Knopfe ist die kurze zweischneidige Klinge mittelst 
dreier Nieten befestigt. Die ganze Länge beträgt 19^^ Griff und 
KHuge goldfarbene Bronze , leider gleich einem kupfernen Kes- 
sel blank gescheuert. Freilich hätte man die patina schonen sollen; 
doch, was fragt ein Zeughausarbeiter nach der (lerugo nöbüfs ! — 

Die schmale Fensterbl^ndung ist mit mehreren klei- 
nen Schildchen und militärischen Abzeichen geschmückt, 
meist von Kupfer und versilbert ^ die wir hier nur andeu- 
ten wollen: Schilde französischer Grenadiermützen; ähn- 
liche, worauf: guardia nazionale^ m. d. Jahresz. 1806; — 
vergoldete Ringkragen französischer Offiziere , vier- 
eckige Schilde^ welche die Tambour-majors am Arme 
trugen; ovale Schilde der französischen Tambours sammt 
ihren Schlegelhlechen ; fisanzösische Zimmermanns-Distinc- 
tionszeichen u. dergl. m. — Nahe daran: 

358—359. (Ein flaat teW^t tfirkifd)^ ftfeilfafiiiett. Eine 

grössere und eine kleinere; beide mit pnrpurrothem Sammt 

4* 



te4 DRITTE LANGSEITE. 

fiberseogeii, und mit gxoaaen Silberplatteu belegt^ welche vergol- 
det und theilweise gravirt sind. 

360 — 361. (fiti flaar QtUbt titkxf^t |lfriUafd)en. Eine 

grössere und eine kleinere; beide mit Sammt fiberzogen, 
dessen Farbe einst wohl rosenroth gewesen sein mag, allein ge- 
genwärtig, so wie die reiche Goldstickerei darauf, nur die Spa- 
ren ehemaliger Schönheit trägt. 

36S. €tttkif4ie filbetne ^thtW^ti^tn. Wir möchten die- 
selben »silberne Relgerbiscbe« ueuuen , so wie äbuliche 
noch hentxutage die köu. ungarischen Gardisten S. M. des Kai- 
sers von Österreich bei feierlichen AnfeAgen auf der Pelzmtttze 
führen. Die beigegebene Erklärung lautet ungefähr, wie folgt : 

«,^^a^\i^ mit Vtm ttm^^^tu fUttuxal ^x^\ ^t>% 0!M«t«ff 
„ttt, uu^ ^tit a^. mu^ii^ 11H9 Wt M^ti»a>tt.** 

Dieser türkische Orden ist nicht alt , da Hatnb ihn noch einen 
»neuen Orden« nennt. Er sagt: »In dem letzten russischen Tiir- 
»kenkriege bemerkte man noch einen besondern Orden des Yer- 
»dieustes unter ihnen. Es bestand dieser aus drei silberneu Spit- 
»zen, in Form langer Blätter, eine Hand lang, die unten in einen 
»silbernen Knopf befestiget waren , und solches trugen sie vorne 
»auf ihrem Dulband; bei Reichern oder Vornehmern war der 
>Knopf mit Diamanten besetzt. Nur jene, die sich besonders her- 
»vorgethauy trugen diesen Orden.« iKrfegskunst d, Türk, 1783. 
«. 189.) 

363. (S^nme flfetfenfacke Ut fvaniififäftn C^affittt». 

Sie sind mit grttnem Tuche überzogen, und mit versilberten 
Verzierungen beheftet, welclie den französischen Adler und das 
bedeutungsvolle "X, anbei flammende Granaten aus versilberter 
Bronze enthalten. 

364. €xn flaar fltßoUn^alfter mit itftiAUn ^tn^eln. 

Beide sind mit rothem Leder überzogen, ziemlich kurz, und 
scheinen aus Kaiser Leopolds I. Periode. 

365. (Ein tnrkifd)er 4l0pfbnn^ niit nid) ntfiiMtv §anht. 

Um eine Haube, reich mit Perleu und türkischen Blumen 
gestickt, windet sich in mehr als dreissig Umgängen ein hand- 
breiter Streifen weissen Kaschemirs, der vorne an der Stirnseite 



LUXUSWAFFSN-KAMMBR. «65 

mit eiuem Stnck GoldstolT besetzt ist. lu der That eine onbehllN 
liehe reizlose Tracht, welche Keuuer des Orieuts für den Bund 
eines angesehenen Tfirken erUftren, keines «regs, wie das Inven- 
tar M'isseu will , für einen Fraiieubund. Seine Form scheint sy- 
risch Caleppiuisch ?) Das Geschmackvollste daran ist nicht sicht- 
bar; wir meinen ein leichtes Unterhäubchen , das in dem Bunde 
steckt, und aus Goldstoff, durchwirkt mit bunten Blumen , in Ari- 
scher Farbenpracht glänzend^ besteht. Der Durchmesser des Bun- 
des beträgt einen Schuh, ein echt türkischer hSlzenier Sturz dient 
ihm als schätzendes Crehäuse« — Der vierfllssige Schemmel, wor- 
auf die Tfirken derlei bewahren, fehlt. 

Ober dem Feoster hani^eB, in einer leider nngänsti« 
gen Beleuchtung, sieben Armrüste und zwdlf Czakane, 
deren Beschreibung hier^ von der Linken zur Rechten 
schreitend, folgt: 



Jltm-1lii|le. 



366. 9entfditV ^tal^el. Mit weissem Bein belegt. Die 
beinerne Nnss schwebt im Faden. (Sehneuläiige <2'0- Dabei 

eine Art eiserner Winde, auf deren Rad-Gehäus ein Zifferblatt 
mit Zeiger. — Letztere scheint weder zu dieser, noch überhaupt 
zu einer Armrust gehört zu haben. 

367. (Ein 0eittetnet SSta^tL Die Säule oben und unten 
mit Bein belegt^ der Stahlbogen mit gelben Zierathen bema- 
let. (Sehuenläuge SOi'O« Dabei eine gewöhnliche deutsche Winde. 

368. SSd)intv Untfdftx flilrfd^ - ^a^el. Die Säule mit 

zierlich gravirtem Beine eingelegt, verdient Beschreibung* 
Auf der linken Seite: Eine Dame^ deren Tracht ans Thenerdank's 
und Weissknnigs Zeit; — daneben eine Wildschwein-, Hirsch- 
und Hasenjagd. Auf der rechten Seite: ein Mann in Schweizer- 
tracht; daneben ein von Hunden gehetzter Bär^ dem man den Fang 
gibt; davor ein fliehender Jäger mit Rufhoni. Auf der untern 
Seite ein Schweizer mit Couse , unterhalb ein Junker im Hausge- 
wand; auch ist hier die Säule der ganzen Länge nach mit erhobe- 
nem Bein- und Holzschnitzwerke verziert. — Die beinerne Nnss 
schwebt im Faden; CSehueuläiige S^^O* Dabei eine schwere deut- 
sche Winde, deren Zahnstange^ wie bei den 'ineisten fleissiger 
geschmiedeten Winden, eine Nuth besitzt. 



S66 DBITTB liANGMSWTS. 

369. ^er^itiim^ L^ Untfäftv Jlaifer (gebor. 1603; er* 

h&It Österreich 1691, König von Bölimen und Ungarn 
seit 1597; znm Kaiser gekr. 1656; gest. 1664 im 61. Le- 
bensjahre, im 43. der österr. Regierung.) Jle^ ftaifetli 

prat^ttiolter flnrfd^ßaliel mit fil^intx >ietttfd)er Winbe. 

Der starke Stahlbogen^ der mit AtzuujSi:eu fiberdeckt 
ist, entbAlt folgende Darstellaiigen : a) von Aussen: ein Fttrst 
im (befolge seiuer Trabauteu. Zwei Bitter cu Ross , im Schwert- 
kampfe; swei Ritter za Fuss, im deutschen Fnsskampfe begrif- 
fen. Zwei tumiereude Ritter, die ein Realgestech lialteu, an ihrer 
Seite die mitlaufeudeu Bahudiener, uud zum Schlüsse Trompeter 
und Pauker zu Ross. fr) An der Innern Seite: Dreizehn Wa- 
pen der dsterreichischeu Provinzen, welche mit Ungarn uud Böh- 
men beginnen , uud mit den fünf Adlern Cvnlgo Lerchen) schlies- 
sen. Die meisterlich gearbeitete Säule ist mit gravirtem Elfen- 
bein überlegt, das erhobene Schnitz werke enthält. — Obere 
Seite: mit flachem Bein belegt, worauf Thiere und Laubwerk 
gravirt sind; oberhalb ^wei allegorische Figuren, die Liebe ein 
Herz, und die Wahrheit einen Spiegel haltend. Untere Sei- 
te: mit flachem Bein belegt, worauf ein Adler gravirt, dasWa- 
peu der österreichischen Provinzen, uud auf dem Herzschild Ober- 
und Unter-Österreich. Die übrige Fläche: schön gravirtes Laub- 
werk. Rechte Seite: vorne Mars mit Fackel uud Schwert, 
weiter gegen rückwärts: Bärenjagden mit zahlreichen Hunden 
uud Jägern; erhabene Arbeit in weissem Bein. Linke Seite: 
in erhabenem Beiuschnltzwerk : Merkur mit dem Caduceus, und 
weiter rückwärts glatte Bifenbeinplatten (wegen bequemem An- 
satz an die Wange), worauf Bären-, Wildschwein- und Hasen- 
jagden gravirt erscheinen. Am Säulen fusse (Bodeustficke der Säu- 
le): das Wapen des Erzherzogthums Österreich, ein rothes Feld 
mit der weissen Ouerbinde. 

B. F. W. F. Alles Eisenwerk 9 ausser dem Stahlbogeu , ist 
vergoldet, die grosse Beiunuss läuft im Faden, die Sehne fehlt. 
Sehnenläuge $2^*; Säulenlänge Sa^^ Die Bogendicke beträgt 6| Li- 
nien und seine Breite in der Mitte 1|''. Im Einklänge mit der Schön- 
heit der Armrust stehet die schwere deutsche Winde. Ihr Kur- 
belgriff ist mit weissem Beine uud braunem Holze geschmückt, 
dio Zahnstange mit Nuth versehen, und das Gehäuse von seltener 
Schönheit. Mau erblickt darauf das grosse Österreich. Wapen, 
auf dem Herzsohild Ober- und Unter-Österreich, und darüber 
zwei Engein, die Krone haltend. Der Arbeit, Form und Verhält- 



LUXVaWAFFlBN-KAJIfiiBR. S67 

iiiMe infolge^ dürfte um 1540 — 1550 das Geburtsjahr der Armrast 
zu seUeii seiu , die allem Ansehen nach fQr Ferdinaud I. verfer- 
tigt worden ist, obwohl das amtliche Inventar darüber schweigt« 
Nach den Wapeu zu schliesseii, kann sie nicht vor 15t6 vollendet 
worden sein, da Ferdinand erst am Ende des Jahres 15t7 zum 
Könige Ungarn's gekrdnt worden ist , auch die zwei Engeln ober 
dem Wapen der Winde , die zwei (9ehildhalter Ungarns zu sein 
scheinen^ nicht nach 1556 , weil er damals die deutsche llaiser- 
würde von Kaiser Karl V. übernahm , folglich sodann darauf die 
deutsche Kaiserkrone und der Reichsadler erschiene. 

370. Wtntfi)tx |lurf(^ßai)e(. Braune Säule , mit gravir- 
tem Bein eingelegt, das verschlungenes Laubwerk mit Ei- 
cheln darstellt ^''). An der rechten Seite ein nacktes Mädchen, 
wohl als Frau Venus geltend; an der linken Seite eine Jungfl*aa 
in der Tracht zu Alb. Dtirer's Zeit, in der Linken einen Humpen 
haltend. Untere Seite: Vorne Maria mit dem Kinde, auf dem Halb- 
mond stehend; ein Lauzkuecht in grossen Pumphosen und Filz- 
kappe, dem Hurenweibel in Fronspergers Kriegsbuch nicht unähn- 
lich. Am Säuleufusse CBodenstück) das Wapen Cvermuthlich des 
EigenthiVmers), worin ein Wolfs- oder Hundskopf, und oberhalb 
die Buchstaben: P.V.W. Die Armrust ist in guten Verhältnissen 
gebaut, der Bogen stark , die Säule schlank , die beinerne Nuss 
schwebt im Faden. CSehueulänge: %d"; Säulenlänge: 25'^; Bogen- 
breite: tj*'; Bogendicke am Bund: i\'"J) Die grosse schdne, deut- 
sche Winde , deren Radgehäus durchbrochen gearbeitet ist (eine 
seltene Einrichtung), gehört nicht dazu; sie ist zu stark und die 
Krampen zu breit. Die Zeit der Verfertigung ist ungefähr diesel- 
be, wie bei der vorigen. — 

371. tfmeiner SSta^tL Einfache Armrust mit brauner 
Säule, die oben und unten mit Bein belegt ist. Der Stahl- 
bogen blank; die Nuss, die im Faden schwebt, ist abgesprengt. 
(Sehuenlänge lOi-'^) Die alte zierliche, leichte Winde, deren Gür- 
telhaken am Radgehäuse angebracht ist, und die statt hänfener 
Schlinge ein eisernes >wiitdipand€ besitzt, gehört nicht dazu. - 

378. (t^emetner ^tal^el. Gewöhnliche Armrust, wie die vo- 
rige gearbeitet. Sehne und Winde fehlen CSehueulänge WO* 



178} Unter den eilf Armrüsten in des Verfassers Waffen-Sammlong eine 
von Ähnlicher Arbeit , welche aber statt der beinernen Nuss eine 
eiserne Sehnalle besitst. 



tes DniTTE LANGSEITE. 

373 — 384. J^milf J^ai^ttdien-Cjaliane )er ^atU 

Sie gehören zu den bereits oben CNr, 336) besprocheueu Hai« 
duckeu-Säbelu. Sin blankes gravirtes Beil von Eisen steckt auf 
gewundenem bdlsenieu Schaft, der mit Fischhaut Überzogen ist. 
Die Fassung unter dem Axtbelm und am Handgriff ist echtes Sil* 
ber. A«f der einen Seite der gegen die Sonne steigende Aar, und 
oberhalb : PATHVM VIRTVTE ; auf der Kehrseite das vereinigte 
österreichische Wapen und: C« III. (Erzh. Karl III.^ nacbmal. Kai- 
ser Karl VI.) ; am Rücken der Axthelme sind verschiedene Jahrs- 
zahlen zu lesen, als: 1703. C«, 1708. CHI., 1710. C. III.; ein 
Beweiss, dass diese Czakane nach Bedürfniss vervielfältiget wur- 
den, und die Leichtigkeit der Beile zeigt, dass sie nur zu festli- 
chen Anflügen dienten. Durch ein Loch des silbernen Handgriffs 
läuft eine rothe, mit Silber durchwirkte Schnur, woran die Hai- 
ducken derlei Beile anhingen. Hierbei kömmt jedoch zu erinnern, 
dass die Ungarn mit dem Ausdrucke »Czakau« einen andern Be- 
griff verbinden. Sie heissen so gewisse Griffe oder Krücken zu 
einem tüchtigen Stocke, einer kleineu Axt nicht unähnlich, die 
mau noch heutzutage bei dem gemeinen Mann, und bei Gerichts- 
dienern, Stadt trabanten n. s. w. von Eisen , Messing oder Holz 
findet, und die zur Stütze, im Nothfalle auch als Waffe dienen. 
An die Stelle der Streitaxt trat bei den Kriegern der Buzogäny der 
zierliche Streitkolben jüngerer Zeit, der »Pusikan^ des XVII. 
Jahrhunderts. Die Axt ist nnlängbar eines der ältesten Werk- 
zeuge, auch bei dem rohesten Volksstamme zu finden, zu Hau- 
se und in der Schlacht gleich brauchbar. Bei dem gemeinen 
Szekler, der an Sitte und Charakter noch am meisten seinen Ur- 
vätern gleicht , ist die Axt noch heutzutage seine unzertrennliche 
Begleiterinu. Damit haut und wirft er, und zielt immer nach 
dem Kopfe , um, nach seiner menschenfreundlichen Äusserung — 
den Feind nicht lahm zu machen. Ein trauriges Beispiel liefert 
die Ermordung des Fürsten Andreas ßatkoryj welchen Blasiua 
Orddgf ein wfithender Szekler^ auf seiner Flucht nach der unheil- 
bringenden Schlacht bei Hermanstadt in den Gsikerwäldem, nicht 
weit von St. Thomas, durch einen Axtwurf an dessen Haupt 
tüdtete. 

Die Wand , welche nach dem Fenster zur Rechten 
folgt , enthält gegen dreissig Flinten , theila mit Lunten-, 
theils mit Rad- oder französischen Schldssern versehen, 



LUXV8WAFFEN-KAMBIBR. M9 

in den verschiedensten Verh&itnissen ; alle fleissig gear- 
beitet y die Sch&fte meist zierlich mit Elfenbein eingelegt 
und gravirt. Die ältesten , grossentheils dem XVII. Jahr- 
hunderte angehörig, hangen in der obern Reihe; dagegen 
jene mit Fenersteinschlössern , ans dem XYIII. Jahrhun- 
derte stammend, in der antern Reihe aafgemacht sind. Die 
merkwikrdigsten daraus dürften folgende sein: 

385—386. JBwtx fdfmüx^ntfi^iftttt laitge^ fd^nirrt hin- 
ten mit 1ta1»f4|(l(ßtm. sie stammen ans dem XYII. 

Jahrh. Die Bestaudtheile ihrer Radschlösser sind aufs mühsamste 
durchbrochen gearbeitet und mit Gravirung fiberdeckt; auf dem 
Schlosse ist zu lesen: OVID . MET AMORPH.^ vermutblich den In- 
halt der Darstellungen anaadeuteu. Jeder Lauf au der Mfindung 
aufgeworfen. 

387—388. ^ni^i IPoppel^inttlt. Vogeiflinten von beson- 
derer JLeichtigkeit. 

389—391. jPrei €fid)fltntf ff . Eigenthum S. kaiserl. Ho- 
heit des Erzherzogs LUDWIG , sämmtlicb durch ihre Län- 
ge ausgezeichnet. CDie längste misst achthalb Schuhe^ und zwar: 
6^ 3'^ der Lauf und 15'^ der Kolben.) 

392. JDamtnpntt ffiU j^aarjSgrn i?^). Der zierliche 

Lauf ist von bewundernugswfirdiger Leichtigkeit^ die Schaf- 
tuug von massivem Blfeubebi. Auf dem Seiteublech ist ein lie- 
bendes Paar gravirt, in einer keinen Zweifel fibriglassenden Stel- 
lung, hinter ihm Gott Amor mit dem Bogen. Vor ihm im Gesträu- 
che ein lauschender Manu, der mit dem Perspectiv nach dem Paare 
guckt. Länge des Laufes: 82| Zoll. 

393. Jii0l»fUntf; tion r8ifcfii9rt0 }n hitn. Dieses selte- 
ne Stück CNr.XXTI.) hat folgende Einrichtung. Am Schlos- 
se befindet sich eine Walze von Messing, worein die Ladung ge- 

than wird. An der linken Seite ist ein Hebel angebracht, mittelst 
welchem die Walze gedreht wird, um dadurch die Ladung in 's 
Rohr zu bringen. Durch diese Drehung spannt sich zugleich der 
Hahn, und die Batterie schliesst sich. 



174) Ausdruck der Büclisenmacher für die aufs feinste gezogenen Läu- 
fe ; der Vorliegende enthalt zwanzig Züge. — 



t70 DaiTTE liANOSBITB. 

394. ^))ll3Ur^0lfc mit |li^olrnlanf. Eis sierlieber Spa- 
zierstock von braunem Holz, mit gravirtem Bein eingeleg;t, 

«utbält au dem obeni Ende eiueu kleinen Pistolenlauf mit Rad- 
scbloss, das jedoch die Hand, welche ihn trägst, leicht bedecken 
kann. Eiueu ähnlichen Spazierstock eines Dogen von Venedig, 
der zugleich Schwert und Pistole enthalt, ans der ersten Hälfle 
des XTI. Jahrb., hat Finke^s Mjbtrick, PI. CHI. fig. 9, abgebildet. 

395. i$iilb|lmte in loxm tint» i^trfd^fänger^« In grön- 

sammtuer Scheide stecket, allem Anscheine nach, ein alter 
Hirschfänger; der Griff mit rauhem Hirschgeweih belegt. Zieht 
man ihn aus der Scheide , so zeigt sich ein Lauf mit Radschloss. 
Die grosse Leichtigkeit des Laufes bei einer Länge ist bemer- 
keuswerth. — 

896. Jvmi I.j CEr3fftr)00 von ^tfttxttidi Cgebor. 1768, 

deutscher Kaiser seit 1799, Kaiser von Österreich 
«eit 1804, entsagt der deutschen Kaiserwürde 1806, gest« 

1835). Cint pnid)t0ilttr tnrktfcl^e Jlintr. Dieses Fracht- 
stück wurde von weiland Sr. M. Kaiser Franz als Erzherzog bei 
Belgrad am 5. December 1789 erobert. Der verewigte Monarch 
zeichnete sich damals, nachdem der letzte Türkeukrieg Im Jahre 
1788 ausgebrochen, sowohl im ersten Feldzuge an der Seite sei- 
nes unsterblichen Oheims Kaiser Josephs IL, als auch im zweiten, 
wobei der berühmte Held London ihm zur Seite stand, so beson- 
ders aus, dass Letzterer dem Kaiser Leopold, seinem Tat er, 
schrieb: »dem Erzherzog Franz wäre nicht sowohl 
desshalb das Grosskrenz des militärischen Maria- 
Theresia-Ordens zu verleihen, weil er Erb- und 
Kronprinz wäre, sondern weil er es im erstgeen- 
digten Kriege durch sein kluges und tapferes Be- 
ll e h m eu verdient h ä 1 1 e ;« worauf Höcbstderselbe am 19. De- 
cember 1790 das Grosskreuz des gedachten Ordens erhielt ^^^). 
Per gezogene echte damasceuer Lauf ist mit eingeschlagenem 
Golde verziert. Der Schaft von Ahornholz, mit weissem Bein über- 
legt, und mit gravirtem Messing beschlagen ; auch darein zierli- 
che Rosen gesetzt ^ die auf niedliche Weise mit Perlmutter und 
Bein eingelegt wurden ; der Kolben mit orientalischen Steinen be- 
setzt. Das Ganze zeigt eine höchst mühsame, fleissige uud zierli- 



175) Gevsau, Geschlechtsf. p. 170 u. ff. 



LUXÜSWAFFEN-KAMMKR. $91 

cHe Arbeit. Die Form aber ist eigentlich Miatlsdi. (Man vevgl. 
Faancu aBOSB. Milit. Antiqa. II. PL ;»3 , die »nuttckiok fftm,€ 
Fig. 1.) 

397. (Sine alte Vmnliritft jttm jkltttrenttttt. ihre ausser- 
ordentliche Seltenheit, zu Folge deren sie dem Ver- 
fasser vorliegender Bl&tter nor dies eine Mal w&hrend 
seines Lebens vorgekommen ist ^^^), obwohl er sich so 
manche Waffensammlang fiaropa^s asa kennen schmeichelt, 
vermehrt den Werth dieses ausgezeichneten Stückes. 

B. F. W. F. Das Buudrennen , aach ^pundt Reimen , ^mU 
Reimen^ Pundt Rennen iiud der PundityH genannt, war jene Gat- 
tung des Tamierkampfes, bei welcher zwar das Herabstosseu des 
Gegners vom Rosse Hauptzweck blieb (wesshalb auch dabei auf 
Streu geraunt wurde), wobei man jedoch zugleich eine Art 
Scherz anbrachte, falls die Renner mit ihren Spiessen schlecht 
trafen. In diesem Falle sprang nämlich die ganze Tartsche fiber 
den Kopf des G^etroirenen in die Luft und fiel unbeschädigt zur 
Erde. Dies wurde durch eine eigene kQnstliche Einrichtung des 
Renuhamisches bewirkt, und wir würden von letzterer, bei der 
geringen Zahl und linkischen Ausführung gleichzeitiger, auf uns 
gekommener Haudzeichnungen , nur einen mangelhaften Begrlif 
bewahren , wäre nicht dieses unschätzbare Stück vorhanden , das 
uns belehret, wie sinnreich die Alten ihre Mechanik eingerichtet 
haben. Den inneru Bau derselben dem geneigten Leser ohne 
Abbildung zu versinnlichen, ist kaum denkbar. Wir wollen 
uns daher darauf beschränken , die Hanptwirkung dieser Mecha- 
nik zu beschreiben. Die Rückwand des grossen Barts (der hdlzer- 
uen belederten Tartsche, die abgestosseu werden soll) , hat ober- 
halb S Stifte. — Zwei davon stehen gegen rückwärts, und einer 
rechtwinklig abwärts. — Der letzte wird durch zwei eiserne 
Scheeren , ähnlich denen eines Schröters , empor gehalten. Ge- 
schieht nun der Stoss der Lanze zu weit oberhalb, — so wird die 
Tartsche zurückgedrückt, wodurch die beiden Scheeren den Mit- 
telstift loslassen, und der Bart frei wird. Er gleitet nun über 
3 Messingräder, wovon 8 an der Brust, das dritte am Bunde ^'') 



176) Eine Rennhniflt mit älmlichem Triebwerk, doch ohne Räder, ist In 
der k. k. Ambraser-Sammlung nächst Wien. 

177) Dieser Bund , von welchem das Rennen de?Namett hst , ist eine 
eiserne starke Gabel mit S oder 3 Armen» die an den Rennhai and 

f 



t7t DRITTE LANGSBITB. 

angebracht ersebelnen, und fliegt leicht Über den Kopf des getrof- 
fenen Reiters ^^^'). Vm den Schwung der Tartsche zu befSrdern, 
gleichsam ihrem Gleiten nachzuhelfen , sind die untern Rftder so 
eingerichtet, dass sie im Moment des Abprallens um einen Zoll 
vorwärts springen , und besonders diese letzte Erfindung ist der 
Triumph alles Plattuer- und Rfistmeister-Witzes. Die Kiiirichtuug 
scheint jedoch nicht aller Orts gleich gewesen zu sein ; so z. B. 
sind in einem bairischen Turnierbuche, das dies Rennen abbil- 
det, die nutern Räder nicht an der Brust, sondern an dem Bunde 
Cden Stangen) angebracht , und dasselbe erwähnt auch der Text : 

,,3Pa0 Mnpx bt'btit >a0 bnnt Hennen auf itn tiftn 
^jfianf^tn, bae Vit jDat^en anf Iteiltn Irinmedi Sanfftn 
yymo fQ mit Hei^t ainanter IPteffen* 8S0 mitgen fi andi 
y^faUtn vn'b bran^^to anf )em ftxatü Jn ^i^ranken ^^^y 

Nach »Dreffen« gehört ein Komma, wornach sich der Text berich- 
tiget^ der anführt, dass sie auch von den Gäulen fallen, sobald 
sie einander gehörig treffen. Dass das Rennen auf Streu und in 
Turnierschranken gehalten werden müsse, würde sich von selbst 
verstehen. Hier verdient auch die Erklärung eines andern ^^^y 
Turnierbttches Anführung : 

9m Jßnxibt Hennen mad)t man alfc, Irer mann tf{ angt- 
Üfon mit ainem aitenn Itenn j^n^tt^ mit ainem großen 
Hartt; Ux Jm ttefen abfpxm^tß mni bluffen arm^ onnb 
mit ainem großen %ifl\)aii$n , ba man bie ßangenn ein- 
legt^ andf baran ain graße fc^ebfibeiben ^ bie ben \)al- 
ben arm bedien^ anib feine ßraif bargen ane Dattel anf 
einem Mffelij anib 0epient tinnb bertt^ tmnb ge^iertt mit 
ainner ^eibin beckin bao Haß , Wxt bie vcxfltnit figur 
anßmeiß. 



die Brust augeschraubt wird , um beide zusammen au halten. Er 
besitzt in der Mitte ein Querstuclc , woran das dritte Messingrad 
befestiget ist. Leider fehlt dieser Bund sammt einem Rade an der 
vorliegenden merkwürdigen Brust. 

1'^) ytVnd sollen tartschen haben , die ledig vber den hopf springen,'* 
heisst es in Kais. Max I. Triumphzug ad Fol. 50. 

179) Dresd. Turnierbuch. Mscrpt. Bl. 35. pag. 1. 

i90y SCUBMEL. Tumierbuch. Mspt. d. Ambr. Sm(g. Fol. 68. k. 



.— ^ 



LUXUSWAFFEN-KAMMER. S79 

ERLÄUTERUNGEN. 

»biossen flrmy< d« i. ohue Eisenschatz. »Rigthaken,^ hier ist der 
»Hinderhaken^: zu uenneu vergessen worden , der bei diesem 
Rennen ebenfalls geführt wurde, jedoch bei der vielbesprochenen 
Brust leider fehlt. »Schwebscheibeiiy^ d. i. ein »Oarbeissen^i: gar^ 
debras flottanty drayoire. r^StnUffdartzen^^ d. s. die beiden »D(il- 
gen,« die fiber den Sattel hingen, um des Renners Schenkel zu 
schützen. »Kisselij,^ — den Sattel vertrat hier ein kleines Kissen 
von schwarzem Leder; das Ross war auch bei dieser Gattung 
des Rennens geblendet und gethört^ d.i. Augen und Olireu 
verdeckt. (Noch jetzt gebraucht das gemeine Volk zu Wien den 
Ausdruck »derisch« [richtiger: thörisch] für: taub.) 

Der Ausdruck »Bund« kommt aber in damaliger Zeit noch 
hl einem ganz verschiedenen Sinne vor. Man verstand nftmlich 
darunter auch den Inbegriff sftmmtlicher Theile des Rosszenges. 
So hat SCBEMEL den Ausdruck : Das feld Rennen , den bund Jnn 
siechUnn geUgem (Fol. 64 a)^ wo ^bund<^ sämmtliche Theile des 
Rossgeliegers bezeichnet. — Diese Einrichtung mit Rädern unter 
der Tartsche bestand aber nicht bloss beim Bundreuuen , sondern 
auch bei anderen, als z.B. beim 6es cht f trennen, Scheiben- 
renneu, Feldrennen, Seh weifrenuen, uud tüchtige Kennt- 
niss des Tnruierweseus wird erfordert , um bei Bestimmung von 
Tnniiergemälden nicht zu fehlen *®^). Dem minder geübten Auge 
dürften die kleineu Wahrzeichen entgehen, daher der französische 
Commeutator des Triumphznges Kaiser Max I. vom Bundrennen 
schrieb: on n*y trouve aucune marque caractiristique^ qui puisse 
äciaircir cette d^nomination, — Hätte er jedoch die Abbildungen 
des erwähnten Zuges genauer betrachtet; er wäre anderes Sinnes 
geworden. — Schlüsslich möge hier eine Bemerkung des ehrlichen 
JüSarx Treitzsaurwein über den Jung Weisskunig stehen Cpag. 5) : 
Er hat auch under den pundten vitmal gerennt ^ da im trefen 
baid Schilt in die hoech Sprüngen ^ das dann lustig ist zu sehen^ 
Aber sorgklich zu thun; u. s. w. 



tsi) Feine Unterscheidungsmerkmale gibt es wohl , als : die Stellung 
und Verhältnisse der Räder, Gestalt und Befestigung des Barts, 
der Tartsche u. s. w. 



tu BBITTB LANeSBITB. 

e) DRITTE WAND Cntt Tsehhikeii und »Faustbüch8eny4: seit 
dem XVII. Jahrb. »Pistolen« genannt). 

Die n&cbste Wand , welehe gegen achtzig der zier« 
lichsten, werthvollsten , durchgängig trefflich erhaltenen 
Schasswaffen enth&lt, fesselt mit Recht die besondere Auf- 
merksamkeit des Beschauers. Die oberste Reihe , durch 
fünfzehn Flinten oder Halbflinten gebildet, schmücken: 

398—407. 3tbn ^fdtmktn mit iittlx^b tinntltittn 

SSd)ifttn* Mit diesem Namen belegte man im XYIL 
Jahrhunderte eine Gattung leichter Vogelflinteu^ mit schlank und 
leicht gearbeiteten, oft reich verzierten Schäften. (Finkb's Mbtrick 
liefert ihre genaue Form, T. CXV. flg. 2.) — Sfan verstand aber 
in Deutschland unter Tschinken, Teschinken, hoUäud. Ziak^roer^ 
auch eine kurze Gattung von Halbflinten (bei Finke, T. CXIX. 
fl^- ^9 abgebildet), nur \\ Fuss lang, die mehr als eine lauge Pi- 
stolenart anzusehen sind, jedoch eben so, wie ihre längeren Ge- 
schwister, mit Radschlösseru versehen waren. Die deutscheu Büch- 
senschäfter jener Zeit erschöpften sich hierbei an Reichthum der 
Verzierungen , die aufs künstlichste von gravirtem Elfenbeiui 
Perlmutter, Messing, Korallen u. dergl. in die Schäfte eingelegt 
wurden, und auf ähnliche Weise sind auch die hier vorfiiidlicbeu 
geschmückt. Einer dieser Tschinken , der besonders schön gear- 
beitet ist, verdient Erwähnung: Sein Lauf ist der Länge nach mit 
Pnnzenarbeit überdeckt, and die eingelegten Figuren des Schaftes 
zeigen die Tracht zur Zeit des dreissigjährigen Krieges. 

408. iTangt /anflpnnt; m btr ^4lifttni0 naß vXti %9{'btnt 

Canf4|trarbtit. Mit Radschloss. Die Schäftnng mit 
Elsen überplattet, so, dass sie aus einem Stück Eisen zu sein 
scheint. Der ganze Lauf und Schaft mit prachtvoller Goldtausia 
überdeckt, am Schaft ein Gürtelhaken. Dieses Prachtstück 
dürfte um 1580 verfertigt worden sein. Fjnke's Meybick zeigt eine 
ähnliche Form (JPl. CXV. flg. 5.) um's Jahr 1550« 

409« £m%t iattflpurtt mit tx^txntx %t^Ux ^d)iftttn0. 

Die ganze Form und Grösse bat sie mit der vorigen ge- 
mein. Sie besitzt ebenfalls Radschloss und Gürtelhaken. Lauf und 



LUXUSWAFFBN^KAMMER. S75 

Schaft scheiiieu aus einem Stttcke Eisen, und sind mit aierUclier 
Atzung überdeckt, zafolge der dieses Stock etwa nm 1530—1550 
zu setzen ist. Auf dem Laufe ein nacktes Mftdcheu mit Spiegel 
Cdie Walirbeit) nud eine weibliche Figur mit zwei Biinderu Cdle 
Mutterliebe). 

410. fdtmt %txUtp\fblt mit VopptUmf. Die betdeii 

Läufe sind auf den zwei entgegengesetzten Seiten , einer 
hölzernen Schäftung mit geradem Handgriffe , angebracht, und 
an jedem sitzt ein eigenes Radschloss. Finkb's Mbtbick zeijg^ 
genau dieselbe Form (PI. CXXII. fig. 10), und setzt selbe in's 
zweite Viertel des XVII. Jahrhunderts. 

In der nächstfolgenden fdritten) Reihe verdienen als 
die bemerkenswerthesten Stücke Erwähnung: 

411. iRit\nttt lAtxUvpxfioit , Vit ^cf)iftttn0 mit txfttntt 

SdXQtünaxhtit Mit Radschloss. Der blanke dünne, 
sehr leichte Lauf (wie solchen die echten Lazariui's in der Regel 
haben) siebenfach gerippt, und darauf: LAZARINO COMINAZO. 
Die braune hölzerne Schäftung mit der mähsamsten eisernen Fili- 
grauarbeit geschmfickt. CLazarlno lebte um 1650 zu Brescia.) 

412—413. i^mei läa^i)lo^pxfi0ltn in ^fenbnnfcMf- 

tttn0. Beide , von massiger Grösse , besitasea massi- 
ve Elfeubeiugrlffe ohne weitere Verzierung. Die Läufe und Rad- 
schlösser blank. 

414. €{n ^dhflliibepi|l0l^ mit VomdttnriQ , ttm f(d)0- 

mal ^n fifXt^tn. An der brannen hölzernen Schäf- 
tung befindet sich nur ein Radschloss und ein Lauf. Die sechs 
Ladungen kommen daher in eiue besondere eiserne Patroneukam- 
mer, die zu diesem Zwecke sechs Bohrungen enthält. Durch eine 
leichte Drehung der Hand wird jedesmal diejenige Ladung vor 
den Lauf geschoben , die eben abgefeuert werden soll. CFufKS's 
Metrick hat eiue ähnliche Vorrichtung au einer Pistole, jedoch 
mit französischem FHuteuschloss, die er um 1700 setzt [T. CXXII. 
^g. 14]^ und einer Flinte mit Schnapphahnschloss [etwa um 1685— 
1650 zu setzen], welche acht Ladungen enthält [T. CXIX. üg. 6], 
deutlich abgebildet.) Beim vorliegenden Stücke ruht die blauauge- 
laufene Patronenkammer in einem durchbrochen gearbeiteten mes- 
singenen Mantel , darauf das vergoldete böhmische Wapen sicht- 
bar ist. 



t76 DRITTB LANGSEITE. 

415. Attr3e iatt^üm^ m (fifm gefd^ifttt. Mit Rad- 

scblOMi. Die Kappe bildet hier eine g^rosse Kugel von Eiseii- 
bltcb f welcbe in der Mitte zu öffnen ist. Die ganze tSchäftun/s: 
von glattem lichten Eisenblech ; etwa ans der zweiten Hälfte des 
XVI. Jahrhunderts. 

416—417. <Stn Jßaax "b^pptlU SMpfittn mit gr- 

l^llttenm finftn. Jede besitzt zwei nebeneinander 
liegende Läufe und zwei RadschlÖsser. Die untere Hälfte jedes 
Laufes ist mit gehauener Arbeit und Messingreifen verziert ; das 
Zeichen des Terfertigers ist in einem Wapeuschilde : V. 6. 

418—419. Ctnyaor JDamtnfkufilvm, ^n Vo^ 3« hxan- 

dftn. Beide schön gearbeitet, die Läufe lang, doch 

von ausgezeichneter Leichtigkeit, mit Mäuduugen von der Grösse 
eines Kirschkernes. Die Schlösser mit Messing verziert, die Läufe 
gerippt, auf beiden das Zeiclien des Verfertigers der vorhergehen- 
den Stücke. Der Lauf der einen zierlich mit Messingstäben und 
Messingreifen umgeben , auch darauf die Jahreszahl 1598. Das 
Radschloss mit offen liegendem Rade. 

Die unterste (vierte) Reihe dieser Wand ist 
die anziehendste. Sie enthält kürzere Pistolen, darunter 
meisterliche Arbeiten und Seltenheiten. Die vorzüglichsten 
dürften folgende sein : 

420— 4SI. €in faar JßificUn, >mtt ^ii)tftnti0 intt 

txftxntt SlUf^xmatbtxt. Schön. Achtseitige Läufe, 
worauf: LAZARI. COMINAZ. Die braunen Schäfte mit gravirten 
Eisenplättchen eingelegt, welche auf das kunstreichste durchbro- 
chen gearbeitet sind , gleich feinem Spitzengewebe. Die Samm- 
lung enthält deren mehrere. 

4Sff . tfint lanfipnxn mit 1tabfcl^l0ß , Vit ^d^iftung mit 
^Iftnbexn - iiiigranarbtit. Die Kappe bildet eine 

grosse Kugel. Eine ähnliche Form zeigt Finkb^s Meyrick^ Tab. 
CXXII. fig. 6, und setzt selbe nach Mitte des XVL Jahrb. Die 
ganze Scbäftnng flberspinnt ein Gewebe der zartesten eingelegten 
Beinarbeit von seltener Feinheit. 

4S3— 424. (Sin yaar fixo^t i^itxiin^t Jßificltn. in 

einfacher brauner Schiflung , jede mit vier Läufen und ein- 



LÜXUSWAPFKN'-K A M JHER. t77 

fächern Radachlosse« Ihre Schwere uud GrSsse dieut kehieswega 
als Bmpfebluiig. 

4S5— 426. €tn Jßaat üntt^pntnt mit Va^fd^U^^ tifttntt 
^cl^ifttiu0 atid^ lllberner n. fiotbtntt yia^ttir-Ar- 

bttt. Beide statt der Kappe mit grossen Kugeln. Ähnliehe 
Form iu Finckb's Mbybick, PI. CXXII. Fig. 4. Sowohl Lauf als 
Schaft uiig reich verziert, iiud mit einer Art silberuer uud golduer 
Plattirarbeit bedeckt. Die Graviraug euthftlt auf der eiueu Seite 
Jagden, auf der zweiten den Orpheus, der den wilden Thiereu auf 
einer Bassgeige vorspielt. Sftmmtliche Darstellungen in €kild und 
Silber. 

427. JßxadfUlanUpnm, Vit ^d^tftititg mit nolitntx €att- 

fdfUXüxbtiU Eines der schönsten geschmackvollsten 
Prunkstflcke der ganzen Sammlung. Eben so gebildet , wie das 
Gegenstfick , die unter Nr. 408 beschriebene lauge Reiterpistoley 
und wahrscheinlich dazu gehSrig^ ebenfalls mit Gürtelhakeu. Der 
Lauf uud die mit Eisen fiberplattete Schaffung mit herrlicher 
Goldtausia fiberdeckt. An der Kappe das Österreichische 
Wapen mit dem goldenen Vliesse gravirt. 

428 —429* €in Jßaax 0efpte0rlt( Jßxpltn mit vtxitA- 

Um ^d)laß. Beide in einfacher SchSfInng. DasRad- 
schloss ist (mit Ausnahme des Hahnes) im Schaft verborgen, was 
sie etwas schwer macht. Alle sichtbaren Metalltheile , mit Biu* 
sohluss dw Laufes , sind gespiegelte Slahlarbeit, von einer ffir's 
Auge sehr wohlgefftlligen Wirkung. 

430. <Eint 1tabfd)l0ßpift0le mit ii0Uk0mmen oer^^Atem 

SSdflof^, Der acbtseitige Lauf in einfacher brauner 
Scbäftung. Weder vom Rade , noch vom Hahne oder den Federn 
ist eine Spur zu sehen. 

431. 1tabfii)loßptfloU mit oierfadjer Ha^frung« Der vier- 
seitige (nicht runde, um au Gewicht zu ersparen) Lauf 

enthält vier Bohrungen, und gleicht, von der Seite betrachtet, 
einer gewöhnlichen Eisenstange. Die Schäflung und das Rad- 
schioss sind von einfacher Form. 

432. ftid)U ^üifdfiofiptpit. Kurze leichte Pistole mit 
Gfirtelhaken, einfachem Radschlosse uud auf dem Laufe die 
Aufschrift: LAZARL COMINAZ. Der Griffbfigel zierlich durch- 
brochene Eisenarbeit; Caus der Mitte des XVII* Jahrhunderts). 
II. 6 



t76 DRITTE LAN6SEITB. 

433. Sii^Uinfi^t ^aififh^pxfioU. Eine plmnpe Anord- 

nuii/^ von abschreckeuder Schwere. Sie tkast acht kurze 
LAnfe , deren Mittelster etwas grösser ist, und welche folgender 
Gestalt vertbellt sind : 




Sie sind sämmtüch in einem eisernen Gehäuse befestigt, und zeu- 
gen von gewöhnlicher Arbeit. 

d^ VIERTE WAND (mit Jagdgewehren). 

Die letzte lange Wand entlifilt in %wei Reihen gegen 
80 Rtfieke, g^rösstentheils Jagdflinten und Büchsen, meist 
dem XVn., einigte noch dem XVI« Jahrhunderte angehö- 
rig. Viele sind mit Radschlössern versehen , deren Mäntel 
(Gehäuse) vergoldet, die Schäfte kunstreich geschnitzt, 
oder mit schön gravirtem Elfenbeine und Perlmutter einge* 
legt sind. Die Darstellungen darauf sind treue Bilder aus 
jener Zeit : Kämpfe, Jagden, Schmausereien, Tänze u. dgl* 
bei Manchen eigentliche Kunstwerl^e von der Hand ge- 
schickter Kupferstecher; die Trachten der Figuren meist 
die des XVII. Jahrhunderts. Auf ähnliche Weise sind die 
Eisentheile, Schlösser u. s. w, mit Gravirung überdeckt| 
die Scbäftung ist mitunter ans kostspieligem Holze verfier- 
tiget , die Läufe erblickt man theils blank, theils mit gehaue- 
ner oder punzirter Arbeit, mit aufgeschlagener Silber- und 
Goldtausia geschmückt. An jedem Stücke hängt ein Täf- 
lein , das eine genaue Beschreibung der Scbiesswaffe ent- 
hält. Ihre Schilderung würde allein ein Heft fordern. Fol- 
gende sind vorzugsweise zu nennen : 

434* <Etn t&xkxfii)n 9.X0mbcu. Gewöhnlich „das Jani- 

tscharenrohr*' genannt. Den echtdamasctrlen Lauf schmücken 

breite eingeschlagene Silberzierathen. Er besitzt ein Lnntenschloss. 

Der braune Schaft ans Apfelbaumholz ohne besondere Verzierung« 

435. üugelrolir nne^ iftttttxi)xf(i)m Ctjberjog^. Von 

ausgezeichneter Schönheit. Der Lanf ist seiner ganzen Län- 
ge nach mit reicher aufgeschlagener Silbertausia geschmückt, 
daran ein zierliches Radschloss ; der Schaft mit geschmackvollem 



i 



LUXUSWAFFEN-KAMMER. t79 

SchuUzwerke fiberdeckt, iu welchem der böhmische L5we zu er* 
keuneu ist; auch enthält es Jagden mit zahlreichen Hasen, Hun- 
den und nachsetzenden Jä/g;eru. Am Anschlag ist der kaiserliche 
Adler von eingelegter Silberarbeit zu schauen. 

436. /tinf llotld)fangr5l)rf. Sie erhielten ihre Benen- 
nung von einem schornsteinartigen Aufsatze, der ober der 

Zfindpfanne angebracht war, um beim Abfeuern das Auge des 
Schützen vor Rauch und Glanz des aufzischenden Pulvers zu be- 
wahren. Sftmmtliche Röhre besitzen ein verdecktes Radschloss, 
bei welchem statt des Hahnes nur der Rauchfang (eine runde oder 
vierseitige Röhre, in welcher sich auch der Feuerstein befindet), 
angebracht ist. Vor dem Schusse wird Pulver aufgeschfittet, und 
der Rauchfang auf's Rad gesetzt, wodurch die Pfanne geschlos- 
sen ist. Zwei der vorhandenen Ra^chfangröhre besitzen Lftufe 
von besonderer Schönheit. Der eine ist mit Goldtansia fiberdeckt, 
und der zweite enthält von der Schwanzschraube bis zur Mfindnng 
gutgehauene Eisenarbeit. 

Wir übergehen eine Masse der aaf^s reichste ge- 
schmfickten Jagdflinten, um noch drei Stücken unsere Auf- 
merksamkeit zn schenken , die in der Mitte dieser Wand 
an/gemacht sind: 

437. <Ceot0 yrtti} wn ütttAUnbnrg-^treU^« (lebte am 

1760 — 1780) S^d^maxitV Jlnrae^. Bin schwarzes 
Braststück, mit schneidiger Brnst nnd weissen (plattirten) 

Orten, mit gelbem Leder gefüttert. 

GsscHiCHTLiCBBS. Zufolge mfindlicher Überlieferung wurde 
dieser schwarze Kfirass von Seiner Durchlaucht dem Prinzen Qeory 
von Mecklenburff'Strelii» getragen , welcher nur Titular - Herzog 
von M. St.y eigentlich aber General-Major S. M. Kaiser Josephs II. 
war, und kam später in den Besitz des Johann Ferdinand Gra- 
fen von Fünfkirchen (f 7. Febr. 1789). Der gedachte Prinz von 
Meklenburg-Strelitz aber ist derselbe, der dem berfihmten Schau- 
spieler Abt das Leben rettete, als dieser auf einer Lnstreise an der 
böhmischen Gränze am 7. Juuius 1778 angehalten^ und auf Befehl 
des Obersten von IFin/r^imoitJ» als vermeintlicher Spion durch 
alle Vorposten der Kroaten au Fuss geschleppt worden war i^*). 



ist) Sine kleine Sehrift, in welcher er seine Leiden sehUderte , und die 
Gefohr, sein Leben durch den Strang zu veilieren; auch den hart* 

6* 



«80 OHITTE LAXGSBITB. 

438. MütilfXM €0tvinMf üomg wn i^ttttgum ititb 

jlSi^mtn (geb. 1449 ; im 16. Jahre [1458] zum Kö- 
nig von Ungarn gekrönt, und gest. in dem von ifim erober- 
ten Wien 1490 im 48. Lebensjalire). 4Stne Htttlbtl mit 

Die ganze Gestalt dieses Schildes, äliiillch der Riiiidell bei 
Alexander Faruese Im Kaisersaal , kündigt sich uuläugbar als 
orientalisch an. Es ist höchst unwahrscheinlich , dass der grosse 
Corvlu jemals diesen Schild zum Gebrauche geführt habe, denn 
zu seiner Zeit gebrauchten die Ungarn keine runden , sondern 
vierseitige Tartschen , aus 3 geraden und 1 krummen Linie beste- 
hend; (FiNCKE^s AfEYRiCK. PI. LXIV. fig.4,5). Selbst als Geschenk 
an diesen König kann man ihn nicht gelten lassen^ denn er ver- 
rath eine jüngere Zeit *»«). 



herzigen Obersten an den Pranger stellte, widmete er seinen beiden 
Befreiem, den CSeneral F. Bf . L. Grafen v. Hie9e, und Sr. Dclilt. dem 
Prinzen v. Mecklenburg-Strtlitz, kaiserl. General -Mi^iir. Sie fülirt 
den Titel: Abt's unempfindsamt^ (eine Anspielung auf Lor. Stbiine*s 
[Ynrick*«] empf. Reise}, und doch sehr empfindliche Reise durch die 
Vorposten der Kroaten u. s. w., 1778, der Wahrheit gem&ss be- 
schrieben, kl. 8. 
ISS) Eh durfte Erwähnung verdienen, dass der Gebrauch der runden 
Schilde: BRundartsehen,*^ bei den österreichischen Soldaten lAnger 
. fortdauerte, als Manche vermutbeten. So heisst es bei einer Belage- 
rung Neuliäusels: «Den 27. Juni (1605} bat Herr Danhätuer mit den 
»Musquetirem und RuiidatKchireni vor dem Wiener Thor einen Aus- 
»foll gethan, da dann die Rundatschirer nrit ihren blossen 
ffRappieren auf die Schanssen zugelolTen, denen die Musquetirer auf 

»dem Fusse nachgefolgt, .sie urplötzlich überfallen, was nie 

«angetrotren, niedergehauen und niedergeschossen , etliche Köpfe %u- 
«räck in die Festung gebracht, und dieselben auf den £aun aufge- 
^Kteckt'* u. 8. w. (KBRKwiTst , Totius regni Hang, de»eript. p. 437.) 
Eine sehr schöne und genaue Abbildung eines solchen Asterreichi- 
schen Rundatsrhirers enthält db Gubyn's Meisterwerk des Grabsti- 
chels: Zwölf Soldaten aus der Garde Rudolfs II. auf dem 
5. Blatte. Im Vordergrunde steht der Rundatschirer mit Rappier 
Cd. i. tüchtigem Schwert mit Handkorb) und seinem Schilde, und 
wird in dem unterhalb befindlichen lat. Distichon Doppelsöldner 
genannt; im Hintergrunde erblickt man einen Zug Soldaten, vorav» 
die Rundatschirer, hintendrein die Musquetirer schreitend. Die 
schönen grossen Abbildungen sind C^ie die Jahreszahl des ersten 
Blattes anseigf) vom Jahre 1587. Den letzten Gehraueli der rwnden 
Schilde trafen wir zu Anfange des achtzehnten Jahrhunderts bei 



i 



EH8TB VIBRVN6. 981 

439« Jßtttt £t090tb L f ^o^litt)$$ wn 90$fcana (ge- 
boren 1747; seit dem Jahre 1765 Grossherssog von 
Toskana; seit 1790 (als Leopold 11.) denlseher Kaiser and 
Österreich. Regent; gestorben 1799 im 45. Lebensjahre). 
SS(i)V)(ltitt ;ftura00 mit Wtxf^tn ^vUn. Einer mündlichen 
Überliefernng zufolge pflegte er denselben zu tragen, wenn 
er Heerschau hielt; (obwohl die Sage geht, auch Kaiser 
Karl VI. hätte ihn getragen)* Er ist schwarz , and seine 
Orte, so wie der Mittelstrich der Brust, versilbert. 

Und somit hätten wir die merkwürdigsten Stücke dieser 
(Sammloiig der »Luxuswaifen« durchgegangen, die iu so kleinem 
Räume so grosse Selteubeiten birgt , und liei deren Besichtigung 
sich dem Unbefangenen nur ein Wunsch aufdringt: der, einer 
lichtvolleren Aufstellung iu einer grösseren, dem Werthe des Vor- 
handenen entsprechenden örtUchkett. 

ERSTE VIERUNG. 

CDoppel-AdUr ais DeckenstäcH, Mörser und PetwdeJ 

An den beiden^ der Lnxuskammer zunächst liegen- 
den Fenstern: 

440 — 441. ^mi fXiXn}ofifd)t ^xobtmotftx QnorUers- 
eprouveUes)^ je^et mit 3tDei |llr0bekujeln. Sowohl 

Mortiers als Kugeln aus Stückgut gegossen. Auf dem einen die 
Aufschrift: F^ pR BREZIN. PARTS; auf dem andern: DOÜAY 
1812. -* Jeder 7} Zoll Durchmesser. Noch steht zur Rechten: 



jenen Österreichischen Reitern, welche «uugarisehe Panzer- 
stecher* hiessen. Sie waren mit einer schwansen eisernen Hirn- 
haube , um welche ein Pauzergehäiig Chis an die Acliseln langend} 
lief, einem starken Panzerhemd, bis an die Scham reichend CEinige 
auch mit Panzerhosen}, gerÜ8tet. Die Linke hielt den runden hohlen 
Schild, die Rechte einen langen düni^en Stecher ; ungarische Stiefeln 
deckten die Beine bis an die halbe Wade. CM. vergU die Abbildung 
in Pat. Abraham a sta. Claaa; Neueröffneter Weltgallerie, Fol. 
mit 100 schönen Kupfern von Christof Wkigjsl. Nilnib. 1703. fig. 66.} 



88^ DRlTtK LANGSEITB. 

44S. Cin MStftx 0110 ^tilifcjtit^ mit "bm CHna^raitten 

3n ridlUtt. Er besitzt ein geschw&chtes BodenstAck, 
ruht auf hölzerner Schleife , und Ist mittelst eines eisernen i;e- 
sahnten Kammes zu eleviren, welcher an seinem Mundstftck vor- 
ne augebracht ist. Münduugsdnrchmesser af- Zoll. Der Mörser 
soll im siebenjährigen Kriege erobert worden sein. Ähnliche 
Richtmaschinen mit gezahntem Kamm an Mörsern versuchte be- 
reits Qeisster im Thiergarteu bei Berlin 1667; allein die Zähne 
sprangen beim Feuern entzwei. (METEa, G^esch. d. Feuerw.) 

443. J^M jPeAenfiudi mit dem kaif>diii)nf %^Ux. 

Das nächste Deckgetäfel verdient, seiner besonderen Zier- 
lichkeit wegen, Erwähnung. Es stellet den grossen kaiserlichen 
Doppel- Adler vor, mit Krone, Wapen und der Kette des golde- 
nen Vliesses , grössteutheils aus Waffenbestandtheileu auf sinn- 
reiche Weise zusammengesetzet, als: den Kopf^ Hals und Schwanz 
ans Pikeuspitzen, die Schwingen ans Säbelklingen, die Fänge aus 
Ladstockröhrchen , und das Scepter aus Gewehrgriifbfigeln ; die 
Kette des goldenen Vliesses aus 9ikenspitzeu, Pikenschuhen und 
Schiessgabelu ; die Krone endlich ans Pikenspitzen und blanken 
Hirnhauben gebildet , wie solche die Krieger in früherer Zeit, 
und zwar sclion im XV. , noch häufiger aber im XVI. und XVII. 
Jahrhunderte unter ihrem schwarzen Filzhute trugen, nm die 
feindlichen Schwerthiebe abzuhalten <^^}. 

Die lange Gewehrstrasse, die wir hierauf darchwan- 
dern, enthält Jägerstntzen ; die Deekenstücke darüber sind 
zierlich aus preussischeo Cavalleriepaliaschen , Gewehr- 
griflTbügeln und Luntenhahogewiehren gebildet. — Vor dem 
Eingänge zur nächsten Waffeohalle zur Linken : 

444. Cint dfirrr^tdlifdit J^tHx'tt auf 4 |lfun1» yuloer^ 

att0 ^tltdl0ttt. Sie ruht aaf ihrem Madrillbrette, und 
ist von neuerem Bane^ nm damit die möglichst kräftige Wirkung 
zu erzielen 4obgleich Petarden insgesammt bei unserem jetzigen 
Befestigungssystem zu den antiquarischen Resten gehören, die 
man mitleidig belächelt). 



184) So werden sie auch mit der gleichen Zahl Hute in den alten Waf- 
feninventaren au^efdhrt. So k.B. heisfit es In dem Landshuter Walf. 
Inv. de anno 4600: «Mer 9w6lf Hirnhauben nUt lUcMen Beyfen 
^vnd dar ob sehwartz Buet,'^ 



\ 



KAISBB JOSEFS WAFFBNHALLE. %%% 

ZWEITE VIERUNG. 

KAISER JOSEFS WAFFENHALLE. 

CBiidnisse deutscher Berr scher; UaUenische und französische Fahnen; 
FreiheUskoffpe; Kaiser Josefs und der Kaiserinn Säsabeih Jfenkmaie- 
Turnterhamische ; Erzherzog Leopold Wilhelm; Kaiser Ferdinand U.; 
Kaiser I^eopoIdL; Erzherzog Alhert VT.; König Füipp IL; Erzherzog 
aiegmund; Erzherzog Heinrieh L; TumUrschildeX 

N&chst dem Kaisersaale der schOnste and am reich- 
sten geschmückte Raum dieses Hauses. — Auf vierzehn 
starken, theils aas Gewehrl&nfen , theils aus Radschloss- 
pistolen gebildeten S&alen rahet die weitgedehnte pracht- 
volle Saaldecke , von Malereien , reicher Vergoldung und 
glänzenden Waifen starrend. In der Mitte pranget das ge- 
krönte goldene Brustbild des Gründers von Österreichs 
Grosse. 

445. lÜtu^tU bt0 iiaifer0 Itub^lf I. wn ^abf^bnxn. 

mit der Überschrift: RUDOLPHUS PRIMUSy INSTAURATOB 
JMAJBSTATIS AUSTAIACAE. Aasserbalb das Disticbou: 

HAEC EST ILLA DÖMUS QVAB PER TOT SAECULA REGNAT, 
QUAM BENB FELIGEM TB MODO FAMA VOCAT. 

Unterhalb schwebt des Kaisers (streng: historisch des Königes) Ru- 
dolf l. Sinnbild , wie es auch in Kilian's Genealogie zu schauen 
ist : ein gerflsteter Arm , den Streitkolben und Ölzweig bietend , 
mit den Worten : UTRVM LÜBET. — 

Die S&olenkn&ufe decken die in Gold gemalten Bild- 
nisse deutscher Kaiser, sammt Sinnbildern und Wahlsprü* 
cheu. Sie sind vom Eingange (dem Beschauer zur Linken} 
beginnend, folgende: 

446. ^ ) FRIDBRICUS IV. Ein aus Wolken reichender 
Arm h&lt ein Schwert; auf einem Fussgestelle die 
Worte : HIC REGIT ILLE TUETUR. 



S84 DRITTB LANGSBITEL 

447. ') CAROLUS V. Die zwei bekannten grekrönten 

S&ulen : PLUS ULTRA. 

448. ') FRIDERICUS Iff. Die Beine des Herkoles mit 
Keule: ADHUC STAT. 

449. ^') M AXIMILIAXUS I. Das Glücksrad mit Lorber- 
bl&ttern umwunden : PER TOT DISCRIMINA. 

450. ' ) ALBERTUS II. Ein Hund am BrakenseU : FU)fi 

ET CONSTANTU. 

451. *) FERDINAXDUS I. Auf einer mit Fähnchen ge- 
Bchmückten Erdkugel der kaiserliche Adler mit dem 

Kreuz auf der Brust: CHRISTO DVCE. 

45)1. ' ) ALBERTUS I. Ein römisches VexiUum, von xwei 
Armen gegen fGmf Spiesse gestreckt: FUGAM VIO 

TORIA NESCIT. 

458. *) FERDINANDUS IV. Die Weltkugel, worüber 

das Auge Gottes. Zwei Arme, aus den Wolken rei^ 

chend, mit Scepter und Schwert: CON0IL1O ET INDVSTRIA. 

Die weiter abwftrts an diesen Sftnlen , oder in ihrer 
N&he befestigten sechs und awansig Fahnen, Stan- 
darten etc. wollen wir so kurz als möglich angeben , und 
zwar beim Eingange zur Linken beginnend, und gegen die 
Rechte fortschreitend: 

454. ^') irambarbtfd)e Saline, ^xnn^ mi^ß pxxxpmtot^. 

Erste Seite: Die Freiheitskappe zwischen zwei emporge- 
richteten Dolchen; unterhalb das Richtscheit und: 

EGUA6LIANZA O MORTE. 

Zweite Seite: 

SÜBORDINAZIONE ALLE LEGGI MILITARL 
LEGIONE LOMBARDA. COORTE Nr. S. 

455. ') i&mbdrbtfdje £a^nt. Der vorigen gegenöber; 
genau dieselben Farben und dieselbe Bezeichnung tragend, 
nnr dass hier : COORTE Nr. 4 zu lesen ist. 



KAISER J0SBF8 WAFFBNHALLB. S85 

456. ^ ) Jvmiififift £a^nt an0 in ^tit Us JlaifetreN 

d)e0. Zar Rechten des Besebaners neben Kaiser 
Friderich IV. JllttO; ttiei^ lin> Xüftntct^. 

• i COHORTB DV I^R BAN 
0B LA GARDB NATIONALB. 

457. ^) iertan^urte »er franjSjlf^^en Cl^oftitre. Drei* 

f&rbig, mit Goldstickerei: 

DISCIPLINB OBBISSANGB A LA LOI. 

CHASSBURS. 

458. ^) <0ro^e ttalietttfd^e lo^nt m$ in Veti^UittirnB- 

3ett. Dreifarbig : rafetttatl); HnVr «nb Qiet^. mit der 
Freilieitskappe , ohue Aufschrift und Zahl. Die Fahueustauge iia 
rothem Sammt. 

459. ^) JtaUeiitf4>^ ialftu Ux 1litMlnÜ0M}tit Der 

vorigeu gleich. 

460. ' ) ^a(rne ber ftnrtntr Vatianalgatbe. Gleich der 

vorigen, aus roseurotheu, blaueu uud weissen Tafftstficken 
zusammengesetzt. Auf beiden Seiten gleiche Schriftzüge: 

LJBBRTA VIRTT BGUAGLIANZA. 

In der Mitte zwischen Eicbenzweigeu die Freiheitskappe auf dem 
Liktorenbeil nud: 

l/« B^ 2^ 

GVARDIA NAZIONALB DI TVRINO. 

B? »• 

461. ^) ^atbinrfd)e la^xu in Hattanalgarb^ tioii 

3Lltf[aniXxa. Die F&rbang^ wie bei den vorigen. 
Erste Seite: die Freiheitskappe mit dem Liktorenbeil^ nmgeben 
von Kornähren : 

GVARDIA NAZIONALB D' ALBSSANDRIA. 
QVARTO BATTAGLIONB. 

Auf der Kehrseite dasselbe Bild und die Schrift : 

LIBBRTA^ BGUAGLIANZA SOSTBGNO DBLLB LEGGI. 



t86 DRITTE LAN6SEITB. 

46«. *) SSax^vA^^t £(iknt >er Matwn^^atU von 

3Htf[ünixxa. Der letsstbeschriebenen &bnlich ; eben- 
falls von der GYARDIA NAZION ALE D' ALESS ANDBIA , nur 
ist hier: PRIMO BATTA6LI0NB zu lesen. 

463. " ) Ä^tatt^arte ber fcatg8flfd>en «aratintew. Par- 

purrother Seiden-Damast, reich mit Blumengewinden und 
Granaten in G#ld und Silber gestickt , m. d. S. : 

DISCIPLINE OBEISSANCE A LA LOL 
Unten: L CABABINIERS. 

Auf der Kelirseite die dreifache goldene Lilie im Lorberkranze and: 

TÖUJOURS AXT CHBMIN DE L'HONNEUR. 
L CARABINIERS l^«). 

Diese Standarte enthält viermal das dreifarbige Seidenband (fiber 
die französischen Lilien geheftet). 

464. ^' ) ^tattii^fdit £a^nt am Ut 3eit Ut^ jftatfer- 

md)0. HUan; mx^ ntib roti). Darauf mit Gold ge- 
druckt : 

^t"« COHORTB DU I^B BAN 
DB LA GARDE NATIONALE. 

465. ") ^dt>mtf4)e Jaifne itt MationaliaxU vm^Uf- 

fidttl^ndi. Wie die flrüher beschriebenen: 

GUARDIA NAZIONALE D' ALESSANDRIA. 
SECONDO BATTAGLIONE. 

466. ") ^arbtnifid)e £a\tnt Ut Hatianalgar^e ton 
3Lltf(anixxa. 

GUARDIA NAZIONALE D' ALESSANDRIA. 
TERZO BATTAGLIONE. 



185) Eine Beziehung auf die schöne Äusserung des edlen Kdnigs Hen- 
ry IV, Als dieser die Schlacht in den Ebenen von Joui liefern 
wollte, zeigte er dem Heere seinen weissen Federbusch und rief: 
Kinder! wenn die Standarten verloren gehen, so sehet hier das Zei- 
chen der Vereinigung; ihr sollt es immer auf der Bahn des Sieges 
und Ruhmes erblicken ! 



KAISBR JOSBFS WAFFKNHALLE. t87 

467. ^*') iran33|lf4ie ia^tu um >er 3dt U$ jftaifer- 

••MB COHORTE 1K>^ BAN 
DB liA GARDE NATIONALB. 

468. ^^) ^an^arte t^t franj^flfd^^n €1)af(tnt0. BUuer 

Seldeudamast, worauf goldene Blumeui^ewiude uud Jagd- 
hdriier gestickt. Beide Seiteu gleicli: 

DISCIPLINE OBEISSANCE A LA LOI. 

CHASSEURS. 

pnvvoVf. In der Mitte, zwischen Eichenzweigen, die 

Freilieitskappe auf dem Liktorenbeil. Erste Seite : 

6« REPVBLIOÜE FRAN9AISB T— B— 
DISCIPLINE ET SOVMISSION AUX LOIX MILITAIRI$S. 

Auf der Kelirseite: 

BATAILLB DB ST. GEORGE. 

PRISE D' ASSAYT DY MONT ST. OYIDE BN ROMANIB. 

BLOCUS ET PRISE DE MANTOUE. 

470. ^^) la^nt »er malpintfd)en lUpttUik. li^et^^ 

^rfitl; VOftntoV). Die Stange mit dreif&rbigem Leder 
umwunden. Erste Seite : Das Liktorenbeil mit der Freiheitskappe, 
Lorberzweigen, und der Schrift: 

BATTAGLIONE XII. DI GARGNANO. 
DIPARTIMENTO DEL BENACCO. 

Zweite Seite: 

LIBERTA — EGYAGLIANZA. 
RBPYBLICA eis ALPINA — UNA ED INDIYISIBILE, 

471. ^^) tfroße Saline Ut €itrin^r Mational^atU. 

Genau, wie die früher beschriebeueu verfertiget, nur dass 
hier die Schrift : 

GYARDIA NAZIONALB DI TYRINO. 
1/8 B^ l^ 

Die Fahnenstange mit rothem Sammt Aberzogen. 



t88 DBITTB LANOSBITB. 

472—476. **-••) Hur SfittuW%fd)( SitaniatUn U^ 
ilurap(r-1tte0tment0 flerUdfiiigen. sie sind an den 

Säulen zunächst den beiden Denkmalen des Kaisers Josef II. 
und seiner erlauchten Gemahlin befestiget^ und wurden dem k. k. 
Zeughause am 86. Auigust 1771 Übergeben. Sämmtllch von stroh- 
gelbem Seidendamast, mit reicher Gold- und Silberstickerei. Statt 
der Fahnenspitze pranget auf jeder der versilberte kaiserliche 
Doppeladler. Erste Seite: in farbiger Stiokerei Curtius, in den 
Abgrund springend; oberhalb zwischen Tropäen : PRO PATRIA. 
Zweite Seite : in schwerer Silberstickerei die versdilnngeneu 
Buchstaben: J. M. T. (Joseph, Maria Theresia), unter der Kai- 
serkrone. 

476. ") 3talunxfi)( Ia\)nt aw itx Ueooltttian^jeit. 

Den frülier Erwähnten an Farben und Zusammensetzung 
gleich, doch ohne Schrift und Sinnbild. 

477. •*) J^tu Ux Hotianal^atbe 0011 Vercellh Der 

unter Nr» 460. '0 aufgeführten sehr ähulicli, mit folgender 
Änderung der Schrift: 

GYARDIA NAZIONAIiE DI VERCELLI. 
Oberhalb : 

LIBERTA VIRTV EGUAGLIANZA. 

478. *') £tan}S^f(i)t £vtx\)txUk(ippt. Diese echte Kappe 

von Blech, an ihrer Spitze eine eiserne Pikenspitze, die 
Mütze roth, der Umschlag blau, war sammt dazu gehöriger drei- 
farbiger Stange auf dem Fort St. Louis in Elsass aufgepflanzt, 
als sie von den Österreichern im Jalire 1793 erobert und hierher 
gebracht wurde. Bin merkwürdiges Stück i®^}. 

479. •*) JtanjSflfdje ^adne am Ux Mi be5 franj»- 
^^Aitxi ilatferreid;e0. Kiatt; meiß; xc% 

•9MB COHORTS DU PR BAN 
DE LA GARDE NATIONALE. 



iss;) über Freiheitsbäume s. m. die höchst seltene Schrift: H. Gregouik, 
Essai Mstoriqu€ sur Us arbres Ae la Hberte. Paris, an II. 18. 



KAISER JOSBFS WAFFENHALLE. tg» 

480. J^frp^ (II.) ^er ®roße, ientfd^tt Jldfer (geberea 

1741; seit 1764 römischer König; seit 1765 Mitre- 
gent m. Theresiens; seit 1780 alleiniger Regent des Öster- 
reich. Staates als Josef IL; gest. 1790 im 49. Lebens- 
jahre , im 10. der AlJeinregierang). Henktltal tltt it$ 

ftaifer0 ^aiberbobnem fÜtnflbUV in ^xot^t. 

Zwischen vier Säulen, aus abwechselnd blanken und 
blauangelaqfenen Geweluriäufen gebildet ^ erhebt sich eine 
glänzende Pyramide, aus 8chwertklingen bestehend, aa 
welcher zwei Ritter im ganzen Harnisch das lebensgrosse 
Bronzebrostbild des grossen Kaisers zu befestigen schei- 
nen. Beiden ruhet ein polnisches Kurzgewehr aus des 
XVIII. Jahrhunderts erster Hälfte im Arm. (Man vergl. 
FiNCKE^s Mbyrick. Tab. ß2. flg. 7.) Oberhalb schwebt eine 
reich vergoldete Fama (j Lebensgrosse) mit der Tuba. 
Ihr zur Seite fliegt ein kleiner Genius, auf dem Kissen 
einen Herzogshut darreichend. Die schönen Tropäen ent- 
halten merkwürdige WafFenstöcke, deren schönste wir an- 
führen : 

481. <&ttxUbtnt ftfernt ^turmlfanbe. Diese meisterliche 
Arbeit befindet sich auf der Gipfelhöhe d(^r Pyramide, und 
enthält sechzebu Figuren, trefflich in Bisen getrieben, auf i^olde- 
uem Grunde. Auf der rechten Seite des Hirustüekes ein Couoerty 
dargestellt durch fünf Fignreu mit Geige^ Schalmei, Flöte, Bass- 
geige und Zinken. Auf der linken Seite abermals fiinf Figuren, 
mit Musik beschäftigt. Zwei aus Noteiibücheru suigend, dabei 
eine Maudor und eine Grosspfeife. Vielleicht ist die Idee dem De- 
eameroue des Boccaz entnommen. Die übrigen Gestalten zwischen 
einer reichen Zusammenstellung von Tropäen. Jedes Bild mit 
einem Rahmen der feinsten Goldtausia umgeben; mit ähnlicher 
goldener Tauschierarbeit sind auch die Orte geschmückt. Allem 
Anscheine nach ist diese Sturmhaube ein Wechselstfick , das xum 
Pracbthaniische Kaiser Rudolfs I. im Kaisersaale (Nr. 187) gehört. 

488—483. ^wtx kleine 1leUer|ireUI)aiken. Zn beiden 

Seiten der Haube. Die zur Linken, mit Gurtelhaken, saramt 
ihrem eiserneu Schafte, geätzt. Zur linken Seite weiter abwärts : 



nO DRITTE LAN6SBITE. 

484. JßnnjXtU ^tlmbatU. Mit der Jahreszahl 1694. 

485. ^AtfU nni tiergalbete yartifane. Aus dem xvi. 

Jahrhunderte herrührend. 

486. tff2^te yarttfane mit i^ptlttm iTanf. Dieses 

schöne seltene Stflck enthält einen doppelten Pistolenlauf 
und zwei Radschlösser. Auch die laugen Federn sind geätzt ^^0* 

487 — 489. 9ret tfirfctfdfe Vlc^fifWeife. Die Stangen mit 
buntem Rosshaargeflecht überzogen, die Schweife reich und 
buschig; wohl erhalten. — Zur rechten Seite der Pyramide: 

490. jQelmbarte mit 3ttiei iTSufen. Schöne Arbeit des 

XVI. Jahrhunderts. Das Beil von zierlichem Bau, mit zwei 
Radschlössern versehen , und mit dem früher erwähnten Gegen- 
stücke (Nr* 486) von gleicher Vollkommenheit. 

491 — 493. 9m turMfd)e 1tt0ßfd)ttieiff . Keiner Beschrei- 
bung bedürfend; die echten vergoldeten Silberknäufe fehlen 
auch bei ihnen. — Am Fnsse des Monuments: 

494. a) Cin Mhftx mit gefd^maciftem f^oitnfinik. Er 

ist aus Stückgut gegossen, und besitzt eine konische Kam- 
mer. Um das Bodenstück ist zu lesen : 

lOSEPH. SOLONATI. INSPECTOR 1747. 
MATHIAS CREYZ. K. ST. 6. IN WIENN. 

Beachtung verdienen auch die vier Probemörser in den 
vier Ecken des Saales: 



1S7) Erwähnuiig verdienen folgende Stücke • 
Zu WIEN im BÜR6ERUCHEN ZEUGHAUSE: 

Stephans Fadmgery des berüchtigten Bauernrebellen, Spiess mit drei 

PiAtolenläufen. CSchbiger. Bürg. Zeugh. p. 35.3 
Zu WIEIVER-NEIISTADT im RATHHAUSE: 

Der Spiess mit Pistolenlftufen von einem Adjutanten CO Stephan 

Fadinger*8. CBÖbeim. RaUih. zu Wiener Neust, p. 203 ; und 
Zu rOBCHTENSTEIlV im ZEUGHAUSE: 

Stephan Fadinger's Granatenpistolen C^ — Scbiodl. Wien*« Umgeh« 

n. p. 6073. 

Inwiefern Stephan Fadinger*8 eignes Panzerhemd und 

dessen Spiess, früher in Heiligenkreuz, Jetzt in LAXENBURG 

aufbewahrt, Spuren der Echtheit an sich tragen, hatte ich noch nicht 

Gelegenheit zu prüfen. 



KAISER JOSEF'S WAFFEimALLE. Sf 1 

494. ^) ^ran39|lfd)er J^vohtmixftv mit mitpf(tntm 

/n^e; aus Stückgut (bei Sigismund's Standbild). 
Flugdurchmesser 71 W. Zoll; auf dem MUtelstück ist zn lesen: 
Egaiitä Liberia} auf dem angegossenem Fasse aber ; 

NAMUR AU CREUSOT 

L'AN 9. 

494. ^) iran33|{fd)er JßtohtmSxftx mit angegoffenem 

/nße) aus Stückgut (bei Albert's VI. StandbUd). 
Flttgdurchmesser und Aufschrift so wie bei dem Ijetztbeschrie- 
benen. 

494. d) (Sin fxmiififii)tx JßxohmSxftx mit angego/jV- 

nem ^nße; aus Stückgut (bei Heiurich's I. Stand- 
bild). Flugdnrchmesser : 7j Zoll. Auf dem M nndstllcke ist nnter 
der Kaiserkrone in einem Lorberkranze ein N zu schauen. Auf 
dem Fasse ist zu lesen : 

TURIN PAR BOUQUERO CHEF 
DE B2? D'ART™ LE «. X»»»« 1808. 

494. ®) f£xn fxan^ifif^tx f^xchtmixfex mit atiitg$fftntm 

Snfitf aus Stückgut (vor Filipp's ü. Standbild). 
Flagdarchmesser: Tj- Zoll. Anf dem Fasse liest man; 

A STRASBOURG LB S4. JANVIER 

1784 PAR J. FELIX D'ARTEIN ECUYER 

COJM^ GENERAL DES FONTES DB L'ART»: 

An der Pyramide stehen: 

495 — 496. 3mei gaiije Ued^te geS^te furnier -j^arni- 
f(i)e 3ttm mUfdjen tf e/trd) über Vit flaUta. 

B. F.W. K. Sowohl diese beiden Harnische , als die zwei 
gegenüberstehenden beim Denkmale der Kaiserinn, haben dadurch 
IQr den Beschauer weniger Interesse, dass die Bestaudtheile aller 
vier Harnische nnter sich verwechselt und ebenso aufgestellt 
worden sind; und so mag hier die Beschreibung des Einen ^ zur 
rechten Hand von Kaiser Josefs Denkmal (oder heraldisch zur 
Linken) y der noch am vollständigsten erhalten worden , statt 
jener , aller vier genfigen. Geschlossener Helm OtourguinoiJ mit 
ziemlich hohem Kamme ^ gerade aufstrebende Ylsirwaud. — 
Das Ylsir blind, nur rechts mit Luftgeber, und das Stulpstfick 
mit Querschranx (Quer-Ritze). Der Kragen geschoben ; Brust mit 
tiefem Gamsbauch ; der Rfisthaken fehlt. Die Brust hat oberhalb 



SM DRITTB LAN6SBITE* 

4tt beiden Selten drei Löcher, um einen steifen eisernen Stechhart 
änfsuschrauben. Die Achseln ohne Yorderfliige, mit steifen Hin- 
terflügeu. Der linke Mäusel hat ein Schraub loch für das fehlende 
Doppelstück igardebnus), Steife Schosse^ halbe Diechlinge. — 
Beinröhreu ohne Knöchelreifen ; Füsse rundkolbig; für die Sporen 
weitgeschlitzte Fersen. Die Harnische mögen um das J. 1560 — 
1570 geschlagen sein. 

497. <Sltfabe% betitfdie jKaifmnn^ <ißemal)rm tuetlau^ 

S». iM. Änifer Jofefiö IL (gebor. 1741; vermählt 
1760 ; gest. 1763 im 22. Lebensjahre). IPenkmal mit ^tX 

üatfertnn ((alberlttfbenem lilrn|lbU)i in ^xcxiit. 

Grösse und Ausschmückung dieses Deukmales sind genau 
dieselben 9 wie bei dem zuletzt beschriebenen. Auch hier halten 
zwei vom Kopf bis zur Ferse in blanken Stahl gehüllte Geslalten 
das schöne lebensgrosse Bronze-Brustbild der verewigten Kaise- 
rinn. Die Anordnung des Bildnisses bringt dem Geschmacke des 
Bildners Ehre. Er vermied — gleichwie heutzutage die grössten 
Portraitmaler der Britten — die edlen Züge durch Auhängsel von 
Olirgehitoigeu, Halsketten, S^vign^'s u. dergl. zu verstellen» Nnr 
ein kleines Diadem schmückt die Stirue^ um welche das Haupt- 
haar ungezwungen in reichen Locken herabwallt; Spitzen be- 
schränken die Fülle des blossen Busens, welchen der kaiserliche 
Hermelin umgibt. — Die bemerkenswerthesten WaiTen der Tro- 
päen sind folgende: 

498. betriebene eiferne ^tnrmlfanbe. Eine prachtvolle 

Arbeit. Auf der rechten Seite des Hirnstückes : Curtiu^ in 
den Abgrund springend; auf der linken Seite: Horatius Codes, in 
dem Moment, als er von der vertheidigten Brücke mit dem Rosse 
in den Fluss springen will. An der Stirnseite: zwei goldge- 
schuppte Rosse Neptuns, aufs zarteste gearbeitet. Auf dem hohen 
Helm kämme, Stülp und Genickstücke Brustbilder römischer Impe- 
ratoren. Die zahlreichen Tropäen und Rahmen der Bilder mit ge- 
schmackvoller Goldtausia geschmückt; — eine Meisterarbeit, ver- 
muthlich zum Prunkharnische des Kaisers Rudolf IL im Kaisersaale 
(Nr. 191) als Wechselstück gehörig; leider fehlen die Backen. 

499—500. 3ti>ei i^ine|ifd)-tartatifii)e (ißiefen. Eine Art 

Sturmsensen ; die schön gearbeiteten Klingen, mit verstärk- 
ter Spitze und kurzer Blutrinne zierlich in Kupfer gefasst , daa 
im getriebenen Knauf und gravirten Rohr die orientalischen 



KAISER JOSErS WAFFKNHALLE. tOS 

Schiidrkelu vorweiset. Das harte Holz der schwarzen Schftfte von 
glasartigem Glänze. Beide sind ober einigen prenssischen, italie- 
nischen und frauzSsischeu Fahnen aus der Aevolutionszeit befes«: 
tiget. (Ähnliche Form in Fincke's Mbyrick. PI. CXLIV. üg. 13.} 

501, 'Pnnixttt j^elmbarte. Mit dem einköpfigen Adler 

und der Jahreszahl il(B4l« 

508. (£in geS^ter Vtinfca. Dieser schöne kleine Ronsard 
CRanceyr '®^), der von reiner alter Form and gut erhalten 
ist) dürfte ungefähr in die Zeit von 1480 zu setzen sein. (Die ähn- 
liche Form vgl. mau in Finckb's Metrick. PI. LXXXVII. Ilg. 9.) 

503. Ctne lxtä)U l)a(be $ft mit fctitjm fanf. sie ist 

mit Pistoleulauf und Radschloss versehen, und bildet eine 
Fortsetzung jener beiden zum Schasse eingerichteten Stangenweh- 
ren, welche bereits bei Kaiser Josefs Denkmal (Nr. 486 und 490;) 
beschrieben w^orden sind. 

504—505. ^ttiei ganje liedjte fleS^te Snmter-j^anti** 
fd)e^ l^et eine 3nm €^efle(i) fiber Wt yaflia^ ber 
andere 3ttm /wtnrnier yx Haß. 

B. F. W. F. Rücksichtlich dieser beiden gilt das bei Kaiser 
Josefs II. Denkmal (Nr. 495 — 496) Gesagte. Beide Helme sind 
nur rechts gelöchelt; der eine mit offenem geschobenen Hals-r 
stfick, and der zweite ein bourguinot. Erwähnung verdient der 
herrliche Qaa und die besonders schöne Ätzung an Helm, Kragen^ 
Brust and Rficken des Harnisches zur Linken des Beschauers. 

Ober den Fenstern (a, b, c, d) der Waffenhalle sind 
balbe Harnische mit ihren Helmen in einer leider ungüns- 
tigen Belenehtang aufgestellt , die , je weniger deren Be- 
trachtung erreichbar ist, desto mehr eine Beschreibung he- 
nöthigen. Am Fenster zur Linken des Eintrittes, vor Eli-* 
sabeth^s Denkmal: 



188) Aa/weur, rcoMon^ rhonca, roncie, verschiedene Benennungen ein 
und derselb^i Waffe , zu deutsch: »Runka* genannt; so z.B. im 
ftltesten Ambraser -Inventar, Hscpt. v. J. 1596. Fol. 365. a): Ain 
geOKmmUr Welscher SpieM, Vimd aitt Run k ha mü Rot sammeUn 
beschlagnen schafften. 
IL 6 



tM DRITTE LANGSBITE. 

506. ^) Stopolb HßH^tlm, CSt3^et30g jß ^tftttttxif, 

^xftifof ton |la|fait; SStxa^bntß n. f. m., i^^ennet- 

fler in itntfi^tn ^titm ntCb SStattlfalUt in mtitv- 

lattW (geb. 1614; gest. 1669 in seinem 48. Lebensjahre). 

(Sine blau angetatifene ^tfd^ägge, fammt fifwarytt llrn^ 
itn> Vttiken; mit gelben IlSgeln bef4>la0en nni mit nr- 
t^iem 9amt anfbl^rait. 

B. F. W. F. Die Starmhaube CZischllgge ^^ besitzt Nasen- 
eiseii , Stirnstalp , Geuicicschirm und Backen ; am Scheitel einen 
vergoldeten Knauf, und am linken Schlafe ein vergoldetes Feder- 
rohr. Sie ist blanaugelaufen, das Hmistück geriffelt mit gel- 
ben Nägeln beschlagen nud mit rothem Sammt vorgestossen ; die 
Fütterung besteht aus gelbem Leder. Die lange flache Bruirt, ohne 
Schneide^ zeiget in der Mitte eine Kugelprobe. Der Kflrass trägt 
noch die Spuren von Strichen aus gravirtem Laubwerk^ später 
wurde er gänzlich mit schwarzem Lack bedeckt, und an den Or- 
ten mit gelben Nägeln besetzt. Achselbänder und Orte sind mit 
rothem Sammt »aufyehreüet^ (gesäumt); Brust und Rücken mit 
rothem Sammt gefüttert, ebenso der Hüftriemen überzogen. Haube 
und Brust sind von verschiedener Arbeit , und nicht gleichzeitig. 
Kenner dürften die Sturmhaube , die keine Spur von Gravirung 
vorweiset; um 1645 setzen^ dagegen den Kfirass (Brust und Rüc- 
ken) um 1660. Dennoch scheinen beide zusammen angepasst und 
getragen worden zu sein, und ihre Echtheit ist annehmbar ^ ob- 
wohl AvANCiNvs , Leopold Wühelm's Biograph erzählt , der Erz- 
herzog habe den Kürass verschmäht. »Da er die Gefahren des ge- 
;>meiuen Fussvolks theilte, selber in der Schlachtordnung aushielt, 
»an alle Orte und Reihen theils ermahnend , theils kämpfend hin- 
>flog, ja selbst) um Befehle zu ertheilen, in die Laufgräben sich 
»begab, Und die gefährlichen Plätze nicht mied, so baten ihn seine 
»treuen Diener, sein Leben, das einzelne, von dem das Wohl 
»so vieler Provinzen abhänge, doch nicht so augenscheinlicher 
»Todesgefahr auszusetzen I — Aber der tapfere Erzherzog pflegte 
»zu erw ledern : »Noch hat keine Kanonenkugel einen Österreich i- 



t89) Ursprünglich verstand man unter Zischägge eine ungarische Sturm- 
haube ; allein spftter nannte man so alle Sturmhaaben von ähnlicher 
Form, welche im dreissigjährigen Kriege auch in Deutschland häu- 
fig getragen wurden. 



KAISER JOS er S WAFFENHALLS. M5 

»scheu PriiiEeu versehrt« i^); aud als mau ihu ennäbiite, er möch- 
te doch wenigstens einen Brastkfirass umschnallen, 
entgegnete Er den besorgten Kampfgenossen: >Uuser'Kfirass 
»ist Gott!« (Nicolaus Avancin vs. Leopoldi GuUielmi Archidu- 
eis Austriae gesta et virtutes. 4. Antwerp, 1665. pag. 142 — 144.) 
Man vergl. den Anhang. 

Oberhalb des Fensters zur Rechten von Slisabeth^s 
Denkmal : 

507. ^) ierbtnan> III. ^ CSrjljfrjirg ya <De|lfrtfid) (als 

Kaiser: Ferdinand IL; gebor. 1578, seit 1617 König 
von Böhmen, seit 1618 König von LTngarn, erhielt die deut- 
sche Kaiserwürde 1619 ; gest. 1638 in seinem 69. Lebens- 
Jahre , im 41. der Regierung '^0- f^t&jKt %t^U ^tttrm- 

^attbe^ tni^ Ited^tt geS^te IHtttß fammt Vfiiken mit ber 
Jai)re63al)l 1616. 

B. F. W. F. Offene blanke Stnrmhaube mit hohem Kamme 
lind grossen Backen ; reich , doch plump geätzt. Anf der linken 
Seite des Kammes der doppelte Adler (Österreich ob der Enns, 
das den schwarzen Doppeladler im gelben Felde fühlet); auf der 
rechten Seite des Kammes der Adler mit gekröntem Kopf (Burg- 
grafschaft Nürnberg). Auf dem steifen Genickschirm sind in einem 
länglichteu Kreise drei leere Wapenschilde geätzt, und daneben: 
A* F* 9 d. 1. Archidux Ferdiuaudus (denn erst 1619 wurde Fer- 
dinand deutscher Kaiser). Auf dem Rückenstück sind drei grosse 
Wapen eiugeätzt : a) der der Länge nach halbirte Adler mit den 
drei Schräg-Balken im linken Felde (Stadt Nürnberg) ; h) der Ad- 
ler mit Juugjßraueuleib und gekröntem Menschenhaupt (Burggraf- 
schaft Nürnberg) ; und c) der schwarze Doppeladler (Österreich ob 
der Euns)) zwischen diesen drei Wapen die JahreeMNihl IKIK« 
Auf dem Bruststücke sind oberhalb fünf Wapen in einer Reihe 
befindlich, darunter zwei allegorische Figuren, deren Erklärung 
sich daneben geätzt findet, und zwar: auf der rechten Brostsei- 



190) jfuüum Austriaca e famüia prineipem ta summU eliam hellorum 
a^UbuSf balistae majoris globo occubuUie; eine Äusserung, die auch 
dem Sieger bei NÖrdlingen, Ferdinand III. in den Mund gelegt wird. 

191) Von Meiner frühesten Regierung (in Steiermark) an gerechnet, wel- 
che sein Abschaffen alles protestantischen Gottendienste.« , dessen 
ÜbuDg sein milder Vater bewilliget hatte, naehdrücklicb bezeichnete. 

6* 



im IMilTTE IsANGSEITfiL 

te : IVSTICIA^ auf der linken Seite : PRYDENCIA. Hals, Brnsr, 
RQckeu und die halben Achseln mit geätzten Strichen. Die Ben« 
gung des Bauches von merkwürdiger und seltener Form. Die Ar-r 
beit zeiget, welche Rückschritte schon damals die Ätzkunst auf 
Stahl gethau hatte. 

Gegen Kaiser Josef's II« Bronzebild gewendet, fin- 
den wir zpr. Linken (des Denkmals rechter Seite) olier dem 
Fenster einen Harnisch befestiget: 

506. ^) jQntlier ixtöjUx ^axnifii^, mi^ atiifd)td)jtt0eii 
^tnAl^eu anfgrrid)!. 

B.F. W. F. Die Rüstung besteht aus geschlossenem Helm, 
Kragen, Brust und Rücken, und halben (olEenen) Achseln mü 
Vorder- vmd Hinterflfigen. Der Helm, ein bourgoiuot, besitzt eiiien 
hohen Kamm f eine gerade aufstrebende Visirwand , und ist nur 
rechts gelocht, der Hals ist geschoben und geschlossen. Die bei- 
den alten schönen Achseln, wozu die alten Armzeuge Cwie 
die grossen Armlöcher dartluiu) fehlen, sind licht, mit geätz- 
ten und vergoldeten Zügen, dagegen Helm, Hals, Brust und 
Rücken licht, mit punzirten und vergoldeten Zügen, zwar 
von derselben Zeichnung, allein weit gröbere Arbeit — sie sind 
also später dazu gemacht. Auf solche Art pnnzirte man aber in 
Deutschland die Harnische einige Zeit vor Josef I. und noch zu 
seiner Zeit (m. vergl. seine Zischägge und Brust Nr. 231*); folg- 
lich ist zu schllessen, dass die Achseln vorhanden gewesen , und 
dass mau Helm, Hals und Brust nachgemacht habe. Obwohl die 
Sage einen Harnisch oberhalb des nächsten Fensters, den wir* so- 
gleich besprechen werden, dem Kaiser Leopold I. zugeeignet, so 
wäre^ doch eher die Vermuthnng zulässig gewesen , dass mau 
diesen Harnisch fQr den Kaiser zurecht gemacht habe, in einer 
Zeit, welche bereits geschickter Plattner entbehrte, und in wel- 
cher geschmackloses plumpes Pnnzenwerk, die geistreichen Ätzun- 
gen verdrängte, d. 1. in der zweiten Hälfte des XVII. Jahrhund. 
Der Helm zeiget die Form des XVI. Jahrhunderts, dagegen die 
Brust jenen Zuschnitt, welcher in Deutschland in der ersten Hälfte 
des XVII. Jahrhunderts Mode war. Das Ganze bietet eine beleh- 
rende Probe der Plattnerarbeiten dieses Zeitraumes. Der Umstand, 
dass die Brust niemals einen Rüsthaken besessen, deutet genüg- 
lich an, "dass dieser Harnisch in seinem letzten Zustande nicht 
zum Turnier gedient habe , obgleich dessen .Helm nur rechts ge- 
lochet erscheint. Demi diese Siurichtung besasseu viele jüngere 



KAISER JOSBF'S WAFFeNfiALLB. 997 

Paradeheline , die wohl seltea auf dem Kopfe des Herrn' geses« 
seu, auch wenn derselbe deu Kürass trag. Ersterer dröckte hoch-* 
steiis den Kopf de» gemeiaeu Kürassiers, wenu er bm dem Lei- 
chenzuge seines Herrn in dessen Harnische mitritt. Auch stimmt 
der sclimale Ätzsaum auf bemerkenswert he Weise mit jenem am 
Harnische des damaligen Erzherzogs Ferdinand HI CNr. 507. b) 
übereiu, so dass wir diese Rüstung in die Zeit zwischen 1620 — 
1650 setzen und vermuthen können, sie sei für Kaiser Ferdi- 
nand lll. bestimmt gewesen. 

In der N&he dieses Harnisches t>erdienen einige Weh* 
ren ErwähniiDg, leider der Beschaaung darcfa ungünstigen 
Standpunkt entzogen: 

509. ^cmt i^ttmbattt C^^ur Linken des Beschauers). 
In der reichen Ätzung liest man die Jahreszahl IftOft und 

den Wahlspruch: VICTORIA CVRAlM AAfAT., darunter den schön 
verschlungenen Namenszug des Kaisers Matthias , Cs&mmtlicbe 
Buchstaben in sich schliessend)« 

510. fS^(a1fU ^dmhaxUß mit dem Wahlspruche: DONS 
PROVIDEBIT^ und dem doppelt verschlungenen M. Dar- 
unter der kaiserliche Adler mit dem Wapen des Erzherzogthums 
Österreich, schön geätzt. — Noch gehört hierher: 

511. (Sine statte iHammbitg-ülm^f ^ darauf die Worte : 

VERBYAI DOMINI MANET IN AETERNUM. (Ob^r dem 
standbilde mit dem Harnische des angeblichen Sigismuud I. be- 
festiget). 

Neben Kaiser Josefs II. Denkmale zur Rechten ober 
dem Fenster: 

512. d) gtcpotb I.; beutfdjet Äaifer (geb. 1640, König 

von Ungarn 1650, von Böhmen 1656 ; folgt 1657 dem 
Vater ; seit 1655 Kaiser ; gest. 1705 im 65. Lebensjahre, 

im 48. der Regierung). jtxtdfUt €nrnterf|arnif(i) mit ge- 
säten tinb mxf^olUUn SStxi^tn nt(b Mitn, batiati 
mei)cere ^tukl) feljien. 

B. F. W. F. Der Helm , ein bourguinot mit hohem Kamm, 
besteht aus drei Stücken , seine gerade aufstrebende Visirwand 
ist nur rechts geloclit. Der geschobene Hals ist geschlossen; die 
Rrust endet in einen tiefen Hängebauch. Zwei au der Brust noch 
vorhandene Löcher beweisen, dass sie einen Oiun fehlenden} 



tf8 DRITTB LAK6SBITE. 

RQsthakeii besessen hat; die fibrig^u Stücke des Haruiscbes, der 
ehi ganzer sein sollte, fehlen. Er dürfte um IMG — 1570 ge- 
sehlagen worden sein, nnd seine Form beweiset anwiderlegbar 
die Falschheit des inwendig anklebenden Zettels mit der Auf- 
schrift : >Kai9er heopoUVs /• BruHkarHischa n. s. w. 

Wir haben nun die vier gerüsteten Gestalten in den 
vier Ecken dieses Saales zu besprechen : 

513. *) Äibert VI. €x}^tt^oi 311 <f>efterm4)/ >tr 11er- 

fd)Wtnitti (regierte einige Zeit im Ensherssogthnme 
Österreich ; gestorben 1463 im 46. Jahre seines Alters). 

jQalber lui^Ut ^tirnterliatnifd) 3ttm ^vtHnmitt 3a Hio^p 
mit geS^ten nrib vergoldeten ^figen ; itx gefammte IHeiii- 
^riitfd) fel)lt. 

B. F. W. F. Ober der Figur der Wahlspruch : M AGNANI- 
MITAS BFFICIT INTRBPIDUM. Vor dem linken Arme ist ein 
moderner geschuSrkelter Blechschild mit der goldenen Schrift be- 
festiget: ^Albertus in. Born, Imperator.^ Dagegen führt das In- 
ventar an: »einen ganzen Turuierbaruisch (zu Fuss) mit nur 
noch schwach vergoldetem Zugwerke, nebst Helm von Albert VI.« 
Es bedarf kaum der Erinnerung, dass wir uns aus sattsamen 
GrOnden an das Inventar halten. — Auch wQrdeu Kais. Albrecht I. 
(f 1308) nnd Kaiser Albrecht II. Cf 1439) noch weniger hierher 
passen. Das Inventar nennet nun ausdrficklich Albert VI. den 
Verschwender^ der, nachdem er einige Zeit in Österreich ob- und 
4P&ter auch unter deV Enns regiert , und blalige Unruhen veran- 
lasst hatte, endlich im J. 1463 zu Wien am Schlage gestorben 
Ist; allein die Beschreibung des Harnisches mag jeden Kenner 
augenblicklich fiberzeugen, dass er um hundert Jahre jün- 
ger ist, als sein vermeintlicher Träger. Der burgundische Helm, 
der aus drei Stücken besteht (Stülp und Visir aus einem Stück), 
hat hohen Helmkamm und ein nur rechts gelochtes Visir ''*). Der 
Stimstulp auf der linken Seite mit Doppelstück , der Kragen ge- 
schoben , die rechte olFene (halbe) Achsel ohne Flüge , die linke 
mit geschobenem Vorder- und Hinterflug, die Armbeugen offen, 



19t) Noch ist im Helme das alte Helmfiiiter, mit Seide überzognen vor- 
handen , das in kleinen rautenförmigen Vierecken abgesteppt , dazu 
diente, des Helmes Druck zu mildern — möge Ja keine] unberufene 
Hand es entfernen. 



KAISER JOSSrS WAFFBNHALL1E. SM 

der linke Uaterarm und Handschuh geschoben; der rechte Hand- 
schub besteht ans Panxerwerk und gefttxten Blechstrichen (der 
Gefährte des bei Friderich IV« im Kaisersaale Nr. 189 beschriebe- 
nen linken Handschuhes); die Brust besitst einen steifen Rftstha- 
ken Yon gleicher Arbeit; der Bauch senkt sich tief, und endet in 
geschobene, massig lange Schosse« Leider ist dieser schOne Har- 
nisch unvollständig, denn der gesammte Belnharalsch fehlt. Die- 
sem Mangel ist durch Tallt, Leder und schwarse Stiefel abgehol- 
fen. Auch scheint so wenig, als die rechte Hentze , der linke ge- 
fingerte , lichte , gefttxte Handschuh, ohne Vergoldung, zum Har- 
nische SU gehdreu, welcher zwischen 1560 — 1580 geschlagen 
worden sein dürfte. Ähnliches Zugwerk zeigen auch jene beiden 
Harnische dieses kais. Zeughauses , welche dem Kaiser AI az II. 
zugeschrieben werden (Nr. 190 und 005). 

514. i>) |fl)Utppn. jft(fnt0tion Spanten; Cgebor. 1597, 

gest. 1598 im 71. Lebensjahre, im 49. der Regie- 
rang). ^an\tx litifUt ^nmur^arnifd) mit geS^ten ttn> 
ntv^olbtUn M^tn, 30111 Vealseßed) mit oeqiaUirteii 

€artfd)en i»3^. ober der Figur der Wahlspmch: CON- 

STANTIA MBRUIT SERVATQUB CORONAM. 



193) In folgenden europAischen Sammlungen werden Wafen dieses mäch- 
tigen Kdnigs vorgewiesen : 
Zu WIEN in der KAISERLICHEN AMBR ÄSER-SAMMLUNG : 

i. Ganzer weisser Harniscli mit geschlossnem Helme, wobei 
ein abschläctatiges Visir ; alle Stücke mit geätzten und vergoldeten 
Strichen verziert , aus dem Anfange seiner Regierung ; dabei eine 
Rosstime von gleicher Arbeit. (Primiss. 53. N. iS, abgebildel in 
KÖHLBB, Taf. lt.) 
Zu MADRID in der ARMERIA REAL: 

i. Blanker ganzec Harnisch für Mann fin4 Ross, mit ge- 
ätzten und vergoldeten Orten und Strichen. (Eine Arbeit von gros- 
ser Schönheit mit Anzeichen der Echtheit. Abgebildet in Ju- 
BiMAL. Vol. I. Tab. 40 — £r hat viele Ähnlichkeit vM dem im 
vorliegenden Werke unter Nr. SOO beschriebenen Harnische , und 
scheint um 1666—1660 geschlagen. 

8. Ein Schwert Cnbgebildet: Jubinal, Armeria real, II. Tab. 4). 

4. Ein Schwert (nicht abgebildet, doch beschrieben: 1. c. II. p. 3 
ad Tab. 4 ; — ein sehr ähnliches abgebildet : 1. c. Tom. I. pl. 30). 

6. Eine Rundell von HchOner Arbeit, 1. c. Tom. II. pl. 6. 

6. Ganzer Harnisch (ganzer Krebs3 mit sehr defectem Helme und 
grossem Stahllatz; 1. c. Tom. II. tab. 31. (stark beschädigt}; aus 
dem Ende äelner Regierung. 



MO DRITTA LA'NGSBITB:. 

B. F. W. F. Man hatte die Luftgeber sowohl cam Crestech 
^ber das Dill, als iu jfiugerer Zeit zu dem ans demselben ueugü'- 
schaffeneu Realgestech. Pass der zu besprechende Haruisch mil 
seinem Luftgeber zum letztgenannten Tarnierkampfe gehörte^ zei* 
get seine ganze Gestaltung. (Man vergl. der Hauptfbrmeu we- 
gen , apanische Harnische derselben Zeit , obwohl nicht Turnier- 
harnische, als: den KOnig Filipp'sIL ^ Pamiss. Nr. 18; Herzog 
Alba's, I.e. Nr. 132, und die Harnische KarrsV., I.e. Nr. 8, 9 
und 10, so wie die Abbildungen im Schrenck und KdHLKR. — 
Dieser schöne starke Hämisch zum Turnier zu Rqss ist leider 
nicht vollständig. Der Helm , aus drei Stücken , dessen Stirn ein 
Doppelstück trägt, das beiderseits bis an die Helmrosen reicht, 
besitzt einen hohen Helmkamm , und hat statt der gewöhnlichen 
Vordertheile (d. i. Yisir , Stülp und Kinureff) , ein einziges lan-* 
ges, starkes Stück, einen sogenannten :»steifen Hals,:» der an die 
Brust geschraubt ist , und auf der rechten Seite einen liUftgeber 
und einen Brechraud enthält. Die offenen Achseln , ohne Brech- 
raud, besitzen nur HiuterflÜge, die Armbeugen sind bloss. Merk- 
würdig ist der rechte Fäustling, zwar seiner Atzung nach, einem 
altern Harnische entnommen, doch von seltener Form. An den Fin- 
gerspitzen ist eine Art Verlängerung augebracht, welche au der 
Innern Seite des Handgelenkes mit Reiber zu befestigen ist, so 
dass diese festgeschlosseue Faust Schwert und Lanze auch mit 
Ehsenkraft umklammert» In Schlachten mochte es gelten, und er- 
innert au Götzen* s von Berlichüigen eiserne Hand, allein bei Tur- 
nieren gehörten derlei Vorrichtungen zu den verbotenen Vorthei- 
len ^^^). Der linke starke Fäustling, mit Stechmäusel^ ist aus 



7. Ein Harnisch, nicht abgebildet, aber erwähnt Jubinal, Tom« II. 
pag. 23 ad tab. 31. Auf dem Helme, neben dem Yisir, steht der 
Piattner verewiget; »Dbsidbrius Kolmanm 1550/ also zu einer 
Zeit, in der Filipp noch nicht König war. Über Desiderius KoU- 
mann, den berühmtesten deutschen Helmschmied, s. m. die Anmer- 
kung 110 des vorliegenden Werks, zu Ernst dem Eufernen. p. lOS. 
194) Obgleich ScnsMEif, der sein Turnierbuch im Jahre 1568 schrieb, den 
geschlossenen rechten Handschuh, den er «TtirnierAentoe*' nennt, 
unter den zum Fussturnier über die Schranken (mit Spiess 
und Schwert) erforderlichen Harnischstücken anfuhrt und ab- 
bildet CScnsMBL's Tum. Buch. Msciit. Fol. 80 b)» so waren doch 
diese ^geschlossenen Handschuhe^ oder ^Turnierhentzen'^ bei den 
Turnieren nicht gestattet, und die Cartele des XVI. Jahrb. untersag- 
ten den Turnierem wiederholt deren Gebrauch. So heisst es z. B. in 
dem Cartel des Münchner Turniers v. J. 1568: »Ztcm Fusstur- 



KAISER J0S£F'8 WAFFENHALLE. 801 

drei Stück-en geschobeu. Au der linken Seite der Brbst ist ein. 
Schraublooh angebracht, nm eine Gitter-Stahltartsche anfeaschraa- 
beu^ und souacb den Harnisch* zum Realgestech zu benützen. Für 
den fehlenden RÜsthaken sind vier starke Löcher vorhanden. Der 
kleine Hängebanch endet in kurze geschobene Schosse, worunter- 
halbe Unterschenkel liegen. Die Hinterschenkel und Kniekehlen 
sind bloss, die Schienbeine ohne KnOchelreifen , und haben die 
seltene Einrichtung^ dass deren innere Seite beim Anlegen des 
Harnisches zugeschnürt werden muss Cgleichwie beim Harnische 
des Kais. Max II. im Kaisersaale Nr. 190 und Nr. 605}. Leider 
fehlen die Eiseuschuhe, welche durch versilbertes Holz ersetzt sind. 
Der Harnisch dürfte um 1560 — 1570 geschlagen worden sein. 

Gkschichtlichbs. Filipp II. 5 dem die spanischen Geschicht- 
schreiber den Beinamen des Klugen geben, war durch Ausdeh- 
nung und Reichtbum seiner Staaten noch mächtiger , als Karl Y. 
Sein Vater hatte ihm die stärkste, ruhmvollste und disciplinir- 
teste Armee Europa's hinterlassen; ohne Biuführnug neuer Steuern 
bezog er 30,000,000 Dukaten von seinen Ländern , und der Ent- 
wurf einer Universalherrschaft keimte in seiner stolzen Seele. — 
Allein^ wie wenig er dieses Ziel gefördert, wie viel er in seiner 
langen Regierung verloren, ist bekannt 3 und diese traurigen Er- 



nfiier CArtikel 9.) soll in den Handschuhen kein Vortheil gehrauchi, 
^dessgleichen auf die Helmlin Hein Schiftung oder ander Vortel ge- 
ntnacht werden* — «Zum Freiturnier zu Ross CArtikel 7.) 
9S(dl kein Venturirer einen geschlossenen Handschuh oder 
^andern Vorteü gebrauchenj* u. s« w. So weit war die Verweichli- 
cliung der Ritter im XVI. Jahrh. gediehen ; welcher Abstand gegen 
die Fischbein-Turnierhandschuhe, womit sich die Turnie- 
renden im Xm. Jahrh. begnügten (d. i. Lederhandschuhe, mit Fisch- 
bein besetzt, um die Faust vor den heftigen Streichen zu sichern). 

t). 3798. jiTa vtxsM} ^ar^ontf acouvt — 
^ cntrc CM 4)(oatt0 üaillirt 
9xongonB hUBp6tB ttmUtf 
HtttvUxo romputf, tontiüUB bmits, 
€t baioM Xft fcr agutBBxt^f 
Wann tft balainne, trum(li^r(0| 
9taBVitBf wai^ntpantff n toiUxtn 
ÜEucIrr rn bm ti tn o^ronfl, 
<fft actaptt c<0 tBptxottB, 
jfa ftt U t0moi0 ^uxb rt at^ttB; %c, 

(Lrs T0URM0I9 OK CHAUVBNCi, dounes vers 1S65.> 



SOf 0RinB LANeSBITB. 

elgaUat lehren , dass elii KQnig mit der fürcktbarsten Macht , mit 
dem grSasteii Reicbtbume uicht auszulaugen vermag, wenn er 
»ieht auch MftMlgiiugy Gerechtigkeit, Menschlichkeit und die Lie- 
he der VOIker sich so bewahren versteht« Br verlor nach lang- 
jährigem Kampfe , der allein 564 Millionen kostete , die Nieder- 
lande, hinterliess eine Staatsschuld von 140,000,000 Dukaten, 
und der Verlust seiner uufiberwiiidlichen Flotte i*^) ko- 
stete ihm 100 Schiffe , 90,000 Mann und 40,000,000 Dukaten l — 
Seine Brrichtung des Inquisitiousgerlchtes, seine Auto-da-fe*s, so 
wie die WerluECug» seines Willens — mit blutigen Zfigeu stehen 
die Namen Grmirelki und Äiba im Zeitbuch der Geschichte — 
beflecken sein Gedächtniss ; weniger sein Stolz, weniger die Hin- 
richtung seines Sohnes i**).' Ein Regent , der nie l&chelte , den 



twy Von ihr das bekannte: affUxoU Dens, et ditsipaH sunt! 

IM) Der binkende Don Carlos und die einäugige EboU Cobgleleh sie die 
Gunst eines grossen Königs, des viermal Beweibten emuigen}, bei- 
de verdanken Ihre Unsterblichkeit nur Scbillbb's unerreichtem 
Dichtergenie. — Ein beissblütiger, rachsüchtiger Jungling, der durch 
einen Sturz von einer Stiege eine lebenslange Kopfscbw&cbe bebielt, 
der Spass daran fand, Kaninchen, die man ihm von der Jagd brach- 
te, selbst zu tödten , um sich an ihrem Todeszucken zu ergötzen ; 
der den Präsidenten Esjnnola mit dem Dolcbe umbringen wollte, 
well er einen Komödianten des Prinzen aus Madrid verbannt, und 
seinen eigenen Kammerherrn mit Gewalt zum Fenster hinauszuwer- 
fen sieb anschickte, weil der Schlafende die Klingel überhört hatte ; 
der seinen Schuster, der ihm zu enge Stiefeln gemacht hatte, zwang, 
die vorher in Stücken gekochten Stiefeln aufzuessen, wodurch 
der Schuster sich beinahe den Tod holte ; — der die Nächte in lü- 
derlichen Häusern verschwelgte , und den Herzog von Alba mit ge» 
zücktem Dolche verfolgte, weil dieser Flanderns Statthalterschaft 
erhalten hatte; — endlich, der über dem furchtbaren Entschlüsse 
brütete, seinen eigenen Vater zu ermorden, und seinem 
Beichtiwter, der Ihm die Absolution desshalb verweigerte, vor- 
schlug: am Weihnachtsabende, an dem der ganze^of das heilige 
Abendmahl zu nehmen pflegte, damit er Aufeehen verhüte, ihm eine 
un geweihte Hostie zu reichen! u. dgl. m. — verdient ein sel- 
cher Mensch Verewigung? »Die Inquisition,* sagtLLOBBNTB Cim 
III. Bd. s. Gesch. d. Inquis.J, »hat nie ein Urtheil über den 
»Prinzen gesprochen; dies that der Staatsrath. Nie hat 
»ein Vater grösseres Recht besessen , unerbittlich zu bleiben • als 
»Filipp. Es sind unzuverlässige Schriftsteller, welche dem Prinzen 
»einen liebens\vürdigen Charakter anlugen. Es ist falsch, dass er 
»mit seiner Mutter eine Liebesintrigue gehabt habe ; falsch, dass sie 
»an Gift gestorben. Sie hat nie ein Billet an Don Carlos geschrie- 



KAISKR JOSEFS WAFFBNHALLR. StS 

mau nur aaf den Knieeii.liei^tid sprach, konnte nicht die ^ebe 
seiner Vdlkererriiig;eu; auch seine Gfinstliuj^ durften ihm nur 
mit Furcht und Zittern nahen ; so wie er selMt seinem ruhmbe- 
deckten Alba, als derselbe einst unangemeldet iu's kdnigliche 
€kmach trat, entgegenherrschte: Eine solche Kühnheit, 
wie die ihrige, verdiente das Belli Mehrere Harnische 
bewahrt Europa von diesem berfihmten Monarchen; (er war von 
mittlerer GrOsse und gut gewachsen). Zwei derselben (m. vergl. 
Anmkg* 19S, Nr. 1 und 7) scheinen ans seiner Jngendselt zu stam- 
men, ein anderer O. c« 193, Nr. t), aus dem Jahre 1557, denn der 
Monarch war damit angethan , als er bei der Belagerung von St. 
Quentin, durch FÜiberi Emanuei, Heneog von Savoyen, geleitet, 
sich seinen Truppen vor dem Hauptsturme zeigte, 
der ihnen die Thore der Stadt dffiaete , nachdem CoUgny selbe 
durch siebzehn Tage mit bewundemswerthem Muthe vertheidiget 
hatte. Allerdings besass dieser K9nig mehrere Harnische, um 
nach Sitte der Zelt darin zu prunken, obschon er kein Krie- 
ger gewesen ist ; denn nie erschien er an der Spitze seiner Ar- 
mee, und selbst während der oberwfthnten Schlacht von St. Quen- 
tiu, der unglilcklichsteu, welche Frankreich verlor, befand er sich 
zwischen zwei MQuchen in einer Kapelle , und machte das Dop- 
pelgeinbde: wenn er die Sclilacht gewönne, nie wieder einem 
Schlachtfelde so nahe sich zu wagen, und — zur Ehre 
des heil. Laureiitius das prächtige Eskurial zu erbauen. — 

515. ^) ^te0man>>erilIimjret4)e^<Sr3^et3003tt<tD^ßer- 

Xtxiif fl^raf ja ^Qt^l (gebor. 14i7 , gest. 1496 im 

70. Lebensjahre), i^albtt |frank^anitfii); ^ä^v^^tif vxxl 
panjirten iin> oergolbeten ^n^eit nliertedit ^^^). Eine 



»ben, hat nie geheime Unterredungen mit ihm gehabt.* Ob ein reich- 
talentirter SchriftMteiler sich erlauben dürfe , Personen , welche die 
Weltgeschichte durch Verachtung braudmarict , mit einem Strahlen- 
kränze unvergänglicher Glorie zu schmüclcen — bleibt eine Gewis- 
sensfrage. 
197) Von diesem Erzherzoge bewahrt drei der schönsten Harnische 
Zu WIEN die KAISERLICHE AMBRASER-SAMMLUNG: ^ 

1. Einen ganzen weissen Harnisch, hier und da blau ange- 
laufen und vergoldet ; j^mit langen eifsnein schnäbelschuech,'^ (Ptd- 
MISS. p. 59. Nr. 4. 
S. Einen ganzen blanken Harnisch, zum Theile hohlgeschlif- 
fen , mit messingenen Verzierungen und ^eysnein scKnabeUchDeeh,'^ 
CPaimiss. p. 59. Nr. 3.) 



S«4 DRITTE IiANOSBITE. 

fleisiiSe Arbeit, jedoch die Vergoldang von minderem Wer^ 
the, nicht nnfthnlich der noch hentzutage auf Eisen übli- 
chen ; On Österreich erinnert an selbe die sogenannte 
,,Carl8bader Arbeit^O- 

B. F. W. F. Ober der Fi^r der Wablspruch : PBUDENTIA 
PROSPICIBNOO GAYET. — Österreichs Geschiebte keimt drei 
SIegmuude: SigUmund den dentseheu Kaiser (gebor. 1368 9 gest* 
1497); Siegmund den Mftnzreicheu, Erzherzog zq Österreich, Gra-i* 
feu zu Tirol (geb. 1427 , gest^ 1490} ; eudlicb Siegmund Franz, 
Erzherzog iu Österreich , deu Bischof und Oardiual (geb. 1630$ 
Regenten in Tirol und Vorder- Österreich seit 1669^ gest. 1665). 
Wohl keinem dieser drei in Rede stehenden Fürsten mag der be* 
sprocheue Harnisch gehört haben. Die Rüstung 9 welche nur bis 
au die Hüften reicht^ ist nicht vollständig; mindestens gobQrteu 
ein Paar Schosse dazu. Diesen Maugel zu decken , sind die .Bei- 
ne mit Tafft^ SilberborteUy Leder u. s. w. ausstaffirt. Der burguu- 
dische Helm mit hohem Kamme besteht aus vier Stöcken ; dessen 
Yisir ist nur rechts gelocht; — von seinem Gebrauche findet sich 
keine Spur — auch ist er von einem abschreckenden und für das 
XVII. Jahrhundert (dem er nach meiner Ansicht angehört) be- 
fremdenden Gewichte (er wiegt gegen 13 Wien^er Pfund , ohne 
Helmftttter genau 11 Pf. 34Lth.; dagegen jener König Filipp^sU. 
von Spanien Nr. 514 nur 8 Pf. 31 Ltb. hat, den steifen Bart mit 
eingerechnet 1 1 — beide wägte ich mit Genauigkeit selber). Der 
Kragen ist geschoben; die ganzen geschobenen Achseln haben 
HiuterflÖge^ die Linke auch einen Vorderflug mit Brechraud ; die 
Armbeugen sind mit geschobenen Reifen geschlossen , die Hand- 
schuhe gefingert; au der Brust ist weder , noch war jemals ein 
Rüsthakeu befindlich ; an dem ziemlich tief gesenkten Bauche mit 
kleinem Vorsprunge fehlen die Schosse. Die Zeit der Verfertigung 
dieser Rüstung bildet ein Räthsel, denn ihre Form gehört dem 
XVI. Jahrhunderte an , dagegen die ganze Technik der Arbeit, 
Vergoldung, Pnnzirung u. s. w. dem XVII. Jahrhunderte eigen 



3. Einen R«nnharnisch; die Handschuhe mit messingenen Ver- 
zieningen, dabei eine besondere Brust mit „gäderter Renntartschen.* 
(Primiss. p. 53. Nr. 3.) Gehörig zum y,Schiltrennen j*^ schon zu 
Ende des XV. Jahrhunderts üblich; woraus dann um die Mitte des 
XVI. Jahrhunderts das nSpiegelrennen'^ gebildet worden ist, und iu 
Sachsen das «Keal<7e«^«cA.* 



KAISER JOSEF'S WAFFENHALLE. SM 

war. Man erinnert sich hierbei des Bibelspruches: »Die Stinune 
ist Jakob's Stimme^ aber die Hände sind Bsau's Hände.« (I. Mos* 
27. 2%0 Dieses verdächtige Machweric sclieiut mir daher zur Zeit 
Kais. Leo|>old's I. fabrizirt^ vielleicht fQr den Kaiser selbst , of- 
f^ubar nur zum Pranke, und vom Helme gilt das scliou oben VCHI 
derlei Helmen Gesagte: dass sie schwerlieh jemals auf ihres 
Herrn Haupte gesessen. Die ganze Puns^iarbeit erinnert an die 
Rüstung Kaiser Josefs I. Nr. 231, und weiset auf die Zeit 1680— 
1710. Mau könnte sie daher als eine Probe der Plattnertechnik 
vor der Rüstung Josefs I. einreihen. Jedenfalls ist die Arbelt 
für jene Zeit des Sinkens und Verscliwiudens der Plattnerknnst 
so flelssig und prachtvoll als möglich. -— Dass aber dieselbe für 
den Bischof Siegmund Fr€mz geBchl&gen worden sei, dürfte schwer 
zu erweisen sein. Ihre Geburt fiele dann zwischen 1662, in wel- 
chem Jahre er die geistliche Würde niederlegte y um sieh zu ver- 
mählen und Tirols Regierung anzutreten^ und zwischen 1665, in 
welchem Jahre ihn ein Schlagfluss tödtete. <Geusau. Geschl. Fol. 
p. 110.) * 

516. *) ^elnnil) I.y ^erjag in »epemid); Ux jCtiit- 

fcUflC (ein Bruder Herzogs Friderich des Schönen; 

gest. 1327). ^albtt lw4)ter 'Pxnnkl)axnxfd^, mit bxtittn, 
}Uxlxä) jeS^ten nni tietjolieten M^tn. 

B. F. W. F. Oberhalb der Wahlspruch : FORTITÜDO MII4- 
LENA PERICIJLA SPERNIT. Das Inventar nennet eine Statue 
des Kaisers Henricus I. CHenricus Auceps , gest. 936) , und eine 
Btatne des Herzogs Henricus H. {Heinrich Jasamirgott, f 1177)5 
dagegen im Zeughause nur eine Figur vorhanden ist, mit der 
goldenen Aufschrift : Henricus L Archidux Austriaeß allein eineii 
solchen gab es nie. Denn der Babenberger Heinrich I. der Stark- 
bewaffnete (t 1018), anf welchen der goldene Wahlspruch : F^r^ 
titudo etc. zu deuten sciieiut, war nur Markgraf von Österreich; 
und Heinrich I. der Leutselige , der in der Schlacht bei Mühldorf 
1328 mit seinem Bruder, Herzog Friderich dem Schönen, gefan- 
gen worden, war nur Herzog von Österreich, dagegen die erz-^ 
herzogliche Würde bekanntlich erst mit Rudolf IV. beginnt. Da 
nun angenommen werden kann, dass zur Zeit der Abfassung des 
Inventars weder der Harnisch des Kaisers Henricus I. , noch der 
des Herzogs Henricus II. (Austr.) in der Sammlung vorhanden 
gewesen sind, so hätte das Inventar, statt: »St4aue des Kaisers 
Henricus I.« und »^Mue des Herzogs Henricus IJ. ,« räthlicher 
bemerkt: »Btandkiid mH dem Harnische des dsierreichischen 



306 DBITTB LANGSBITB. 

Herzogs Heinrich /., des heuUeligen.* Doch ein Blick fiberzeug^t 
den Kenner^ daBs der besprochene Harnisch um dritthalb Jahrhun- 
derte jfiug^er ist , als sein angeblicher EigenthOmer. — Der bur- 
gundische Helm bat hohen Kamm, besteht aus drei Stiickeu CVisir 
«nd Stülp in einem Stücke)^ und der beiderseits Cwie bei Max II. 
Nr. 190) gelochte Helmstarz besitzt au der linken Seite ein Dop- 
pelstiick. Der geschobeuf Hals ist geschlossen. Die offenen Ach- 
seln, mit zweifachen Flügen, sind ohne Brechrand (garde-^cau)} 
die Armbeugen offen, die Handschuhe gefingert. Man gewahrt we- 
der einen Rfisthaken, noch ein Loch dafür ^ der (Polichinell) Bauch 
senkt sich tief. — Die Rüstung besass niemals Schosse , ist also 
voUstftndig zu nennen ^^). Die Beine des Ritters sind so, wie 
die seines Nachbars bedeckt, — auch er stehet in den oftbemel- 
deteu schwarzen Stiefeln. Die Rüstung dürfte um 1585 — 1590 ge- 
schlagen worden sein. 

•Ober den vier so eben beschriebenen Standbildern 
sind acht Tarnierwaffenstücke befestiget. Wir wollen selbe, 
von der Linken zur Rechten fortschreitend, betrachten. 

ä) Ober Albrecht VI. 

517. CCtn VttfiatUtUx ^^») SSd^xlt (Stahltartsche) jnill 

Tütalitpif. Das Gitter blank, die Felder mit schön-- 
geätztem Laubwerk schwer vergoldet. Drei Löcher dienen , ihn 
an die Brust anzuschrauben. 

518. ^in vttiatttxttx Sid^ilb 3nm lUtai^tfltdi. Genau 

von derselben Form und Arbeit, wie der vorige, nur ohne 
Vergoldung. 

6) Ober Filipp U. 

519. CCtn tiergatterter SSi^xltinm Vealgeßed). 

B. F. W. F. Das Gitter blank , jedes der Felder mit geätz- 
tem und vergoldetem Laubwerk verziert^ in jedem die fünf öster- 
reichischen Adler (vulgo Lerchen). £r gehört zum Tumierharni- 



198) Rüstungen Jener Zeit kommen auch mitunter ohne Schosse vor (m. 
vergl. z. B. Bhuyn, habitvs vor. gent. 1581. Tab. 2: Eduard VI, 
von England ; Tab. 40 : Tribunus miiiium germ, u. a. m.) ; Jedoch 
gehören derlei Fälle zu den seltenen Ausnahmen. 

t99) Man trifft in allen Rüstmeister -Inventaren auch nvergaedert^ und 
uvergaderf^ oder f,gädert,'^ d. i. vergitteri, mit Gitter versehen. 



KAISER JOSBF'S WAFFKNftALLE. $•? 

s«be Kaiser Frfderich's III. (Kaisenaal Nr. 188), der, obwohl er 
eiseutlich suiii wUsohen Gestecli Ober das Oill gerichtet war (wie 
desseu liuke Doppelachsel satlsam beweiset, welche beim Real- 
gestech niemals in Auweudnug kam), dennoch zum Real ge- 
stech dienen konnte, sobald man die linke Doppelachsel abnahm, 
und den vergitterten Stechschild aufschraubte. 

5t0. CCtn »ergatterter ^4|Ut 311111 SS^ütxtnntn. 

B. F. W. F. Der Rost blank , die Atzung der Felder ent- 
hftlf'die reichsten Gewinde breiten Laubwerks, zwischen dem 
verschiedene wilde Tbiere, als z. B.: Löwen, Adler, Rehe, Jagd- 
hunde n. s. w« geschmackvoll angebracht sind. In der Mitte der 
zweiköpfige Ckaiserliche) Adler. Zeit der Verfertigung: erste 
Hftlfte des XVI. Jahrhunderts. Die ganze Ätzung von überra- 
schender Schönheit. 

c) Ober Siegmund. 

5t 1. CCtn tierflatterter ^d)iU 3am Vealgeße^. Mit ea- 

gem Gitter tiberstrickt *, auf jedem Felde der böhmische Lö- 
we gefttzt. 

58t. CCin »ergatterter 9d)Ut jnm Vealge^ed). 

B. F. W. F. In den Feldern zierlich geätztes Laubwerk mit 
verschiedenen, theils reissendcu, theils jagdbaren Thieren, welche 
von Hunden augefallen werden. Die Atzung licht, die Haupt- 
vorstellung vergoldet. Die Stechtartsche besitzt drei Löcher, um 
selbe an die Brust anzuschrauben, und gehörte wahrscheinlich 
zum Harnische des Alezander Famese G^aisersaal Nr. 198), wo- 
bei das unter Nr. 519 Gesagte gilt. 

d) Ober Heinrich I. 

5t3. <Sfn vergatterter ^djU^ 3ttm Vealgefted). Blankes 

Gitter; auf neunzehn stark vergoldeten Feldern verschie- 
dene wilde Thiere geätzt. Jedes Feld enthält ein anderes Thier; 
selbst der Elefant, das Einhorn, der Affe, der Greif uiid die nied- 
lichen »KiUemi: (Kaninchen) spielen ihre Rolle. Bine schöne ge- 
lungene Arbeit. 

5t4. <Sme linke IHoppeladjfel 3001 netten milfd^tn 4Be- 

fttdi Sber iM IBIUl. Liclit , mit geätzten Orten , und 
ebenfalls mit drei Löchern zum Anschrauben an die Brust versehen. 

In den vier Ecken dieser Halle sind vier schöne 
Tropäen errichtet, die ebenso wenig, als die ewanzig 



308 DBITTB LANG9BITE. 

wohlerbaltenen Panken y welche diesen Ranm sehmücken, 
einer Besehreifonng^ benöthigen ; nur envfthnen wir schlüss- 
lich die zwischen Filipp II. und Siegmnnd aufgestellten 
Harnische : 

5S5— 528. Wm i)alht ^atnifdit , blau angelattfett. 

Jeder besteht- ans is^eschlosseuem Helm, Brust uud Rücken, 
Ihrer Form nach stammen sie aus dem XYII. Jahrh. 

Wir verlassen diese herrliche Waifenhalle, nm durch 
eine Gewehrgasse^. aus Karabinern der österr. Kavalle« 
rie gebildet, zur nächsten (dritten) Vierung zu gelangen. 
Beim Austritte aus dieser Halle gewahren wir an den 
zwei nächsten Fenstern zwei Probemörser. Zur Rechten : 

528. *) JßxobtmoxfeXi ans Stückgut, auf hölzerner Schleife. 
Gewicht: 2 Ztr. .59 Pf.; Mfindungsdurchmesser: 7 W. Zoll« 
SSar liinken : 

588. ^) Ivanß^fd)ex ^XObtmdxftX } aus Stückgut , auf 
hölzerner Schleife. Miindnugsdurchmesser : Tj W.Zoll« Am 

Mittelstücke, die verzogenen Buchstaben : c/i» c^ Auf dem au- 
gegoaseneu Fasse ist zu lesen: 

A STHASBOURG L£ 15. BRUMAIRB 

L'AN C.?.) C. M. S. D'ARTEIN COM?? 

6^ DES FONTES DB 

L'ARTILLERIB. 

DRITTE VIERUNG. 

CPramöiUehe und üalimUselie Fahnen^ TeicMflitUeuJ 

An den vier Säulen, von der Linken zur Rechten 
wandelnd: 

529. ') Ixanii^fd)t lalfxie. Hi^fentMl); blatty mx^. 

In der Mitte, ober dem Liktorenbeile^ die dreifarbige Kappe 
in Gestalt eines Helras^ mit Eichenlaub umkrftnzt. 

DISCIPIilNE ET SOVMISSION 
AUX liOIX MILITAIRES. 



9II. (viermal augebracht.) 
Kehrseite: RflPUBLIQUE FRAN^AISB. 



DRITT« VIKRUNO. SH 

530. *) Itmii^f^t lültnt i pnxpnttfit^, niclhUm, met^. 

Erste Seite : 

REPUBLIQCJE FRAN^AISE. 
In der Mitte cwischeu Eichenzweigen : 



(»•"•i BRIGADE X 
D' INFANT« 1 

DE BATAILLE. / 



DISCIPLINE ET SOUMISSION AUX LOIX MILITAIRES. 

B weite Seite: Zwiecheu Eicheusweigeii dtci LiktODeubell mit 
der Freibeitskappe« 

531. *) ^talitnif ^t Ja^nti %xnn, wtx^, pnxpntxotk. 

Erste Seite : 

LEeiONE Nr. «• 
LIBERTA E6I7A6LIANZA. 

Uuterhalb in einem Eiclienkranze die Freiheitskappe mit Richt- 
scheit und: BATTAGLIONE SSL t.^ 
Swelte Seite: 

DIPARTIMBNTO DELL' OLONA. 

6UARDIA NAZIONALS CISALPINA 

S0STE6N0 DELLE LE66L 

der Torlgeu Ähnlich. Sinnbilder nnd Schrift dieselben, mit 
der AbAndemng : LEGIO^E Nr. «• BATTAGLIONE Nr. «• 

welche aber nach trAgl ich gemacht scheint. 

An dem Fenster znr Rechten: 

533. ^tidifUntt mit 1la>f4|laß. Der Lauf nüsst 6 Schnh 
1 Zoll Länge; die ganze Lftnge des Geschosses betrftgt 

7 Schuh t| Zoll» Die Arbeit stammt aus dem XVII. Jahrhuud. 
ihr gegeufiber : 

534. ^tidtpnU mit Vdbf^b^. Eine Aelimige noMne 

Arbeit des XVII. Jahrhund. Die LauflAnge beträgt 6 Schuh 
t Zoll, die fibrige (Kolben-) Lftnge 1 Schuh f Zoll;' daher die Lftnge 
des ganzen Geschosses : 7 Schuh %\ Zell. Der Schaft ist zierlich 
mit gravirtem Bein eingelegt und das ScUoss gefttst. 

535. ^Banjer tied)ttr £ttb1faxtiifdi fSr thtn Jttnk^cr 
wn 15 ^xtu. 
n. 7 



tl« DmnS liANMKITB. 

B. y • W. i*. Biu mvuammengßBwMts Stückwerk, ugelilioh 
Fi^fp dem Schönen (f 1506) gehörig; die FQmc aus dem An- 
fange des XVI. Jahrband. , die Brust aas dem Beginne des XVII. 
Jahrb. ; der Helm aas der Mitte, and das Armzeug aas der zwei- 
ten Hälfte des XVI. Jahrb.; das Ganze nnbedentend und werthlos. 

VIERTE VIERUNO. 

(Portai wdi Ueekieuftein'g Tropäen, fransösisehe «nil Bckwetur-Fahneit, 
Breimer't Ketten, Aldringen^s But, Onstav Aäotft Koller). 

Indem wfr xnr letzten Vterung dieser OeModeselte 
vorschreiten, begegnet nnsern Blicken 

536. (Ktn pta^twüt» Jßottülf jene eiserne Gittertlifir 
anfkiehmend, welclie den Anagang dieser GaUerie be- 
wahrt. Es bezeuget die nenerliche Einriohtnng nnd Ver- 
zierung dieses Zeughanses durch den österreicl&isehen Ar- 
tillerievater 8. D, Wenfieäiaue Fürsi v. Lieehiefulein. Zu 
beiden Seiten des Portales erheben sich zwei Pyramiden 
aus preusaisohen Kavalleriesfibeln^ mit Helmbarten, Piken, 
Radschlesspistolen, Knrzgewehren , Zündstdeken, Palla- 
schen u. a. Waffen umgeben. Ober ihnen schwebet zwi- 
seken zwei Genien, welehe eine kolossale Kette des gol- 
denen Vliesses halten, unter dem Fttrstenhnte das grosse 
Liechtensteinische Wapen in reicher Vergoldung. Ein lan- 
ger Zettel, der über demselben flatternd, von zwei gros- 
sen goldenen Adlern gehalten wird, enthält die Inschrift: 

I0SBPHV8 WBNCESIiAVS S. R. I. PRINCEPS DIE 

LICHTBNSTBIN AVR. VBLL. EQVBS S. C. MAJBST. 

CONS. INT. SVP. ARMAMBNTARII PRABF. PANOP- 

LIAM MARTIS AUSTRIAE DBFBNDBNDAB APPOSITAM 

■OMIBYSOUK OPPOSITAM ORNAVIT ET ORDINAVIT 999). 



tOO) Jageffh WemeeUme, des beti. rtm. Relcbes Fürst von Lieektenetetn^ 
Ritter des gUd. Vliesses, I. ktis. fUi^ geb. Retb UQd General Ar- 
Uli. Bireefor, bat dies Zeu^aus tiir VertheidigUn^ Osterretcbs und 
Bur Webr gegen dessen Feinde geziert und elii§mricb44t. 



i 



VIBUTB TIKRUNa nt 

AnslfiMleni, wvldie sloli etwa wuaiei» ioMteü, üat» 
eiaem einselnen Feldherrn solche AnwEeichBilDg In diesen 
Räumen em Theil g^eworden, diene die Erinnening, dsss 
Wenzel Fürsi eon Liechtenstein j welcher vor and in dein 
siebenjfihrigen Kriege die Direction über das österreiclii- 
sche Artiileriewesen ffihrte, die erste Grundlage znr heu- 
tigen Vollkommenheit des kaiserlichen Zeughauses gelegt 
hat ^^y. Diesem grossen edlen Manae, der MillioaeB sel^. 
nes Vermögens zum Dienste des Staates verwendet hatte^ 
mussten selbst seine Feinde das Zeugniss geben, dass er 
die Gsterreichische Artillerie anf eine glänzende Stnfe ge- 
heben ^^y und mit Recht nannte man ihn daher den 
Vater der Osterreichischen Artillerie! Die 
prachtvolle Einrichtung dieser ganzen Langseite (ä. I. der 
Kammer am WdU oder Traunkammeryy bestritt der Ffirst 
aus seinem Privatvermögen ; wornach sich die glänzende 
Ausstattung des Portales leicht erklärt Überhaupt liUt die 
schOne, bo<^ bis auf heutigen Tag bestehende Ausschmtc- 
kung des kaiserlichen Zeughauses grSsstentheils in die 
Jahre 1769 — 1771, und dem sinnreichen Fleisse des nach-p 
maligen Armatnrs - Inspectors Nikolaus Unterried- 
mfiller verdanken wir die Ausführung *^). 



toi) 80 sehrf eb Kftnig Friderkk selber nach 4er verlornen ScMaeai bei 
KoUn an einen seiner Freunde : «Die ftsterrelchlsclie ArtiUerie Ist 
avortrefflich, sie macht Liechtenstelnen %va]ire Ehre;* auch klagt er 
te seinea hinterlassenen Schriften daraber, dass Fi»! Wensei am 
ersten die ungehevre Zahl von Kanonen bei den Arncien ein^sfuiul 
habe. In der That hatte der Fürst Cbeilftuig um 1748) ein neues 
Ctescfaitssystem ftr Österreich geschaffm. — England begann 1V45^ 
Sachsen 1766, und hierauf Spanien, Sardinien und Meapol, flure 
Feidartillerien leichter su machon. 

tot) Man veigl. die Geschichte dieses kaiserl. Zeughauses. Seite 16—17. 

tOS) Nikolaus UnterriedmüUer, gebor. In Tirol Cuaweit HalQ im 
J. 17Sa, kam 1748 als Schlosser nach Wien, ward 1754 in das k. k. 
Zeughaus als Bachseamelster genommen, fing in J. 1759 an, das 
Zeughaus einzurichten , brachte die Einrichtung binnen zwOlf 
Jahren zu Stande, und ward mit dem Jah#e 177f zum Arma- 
turs-Inspector ernannt, (db Lvca's gelehrt. Osterreich, n. 365.) 

7* 



Sit DRITTB LANMCITB. 

M7. Cht f49iit# ^MH mit >ew mi^xif^tn W^ptn- 

^f^tb. Dm flcbOne Deckenstttck enthftlt in einer 8ea~ 

ue von preuMiflchen Säbeln, mit Gewebrgriffbfigeln umgeben, das 
Wapen von Mähreu , eine Anspielung auf die zahlreicbeu Güter 
des fürstlichen Hauses in dieser Provinz. Wir wollen einige der 
schönsten Waffen dieser grossen Tropäen näher bezeichnen ; 

ä) Zur linken Seite des Beschauers: 

&S8— 540. 9ret jQHmpatten. Zwet hiervon sind von 
alter reiner Form, d. i. aus der Zelt des ruhmreiolien Kai- 
sers Max 1. } die dritte , leider schadhaft , enthält in der Atzung 
das erzherzoglich österreichische Wapen und die Jahrzahl lAtt4^ 

541 — 54S. 3toei Ue4|te UttJ^fäiahtn, davon die eine 

mit geätzten Orten und Strichen, 

d) Zur rechten Seite des Beschauers: 

543—544. ^wti lirdjte geS^te J^vtiff^tihtn , davon 

die eine, mit geätzten und vergoldeten Strichen, viermal 
das böhmische Wapen zeiget. Diese Brechscheibe gehört zur Real- 
geatech-Tartsche mit dem Löwen* Cober Sigismund Nr. I^Si). 

Noch sind folgende Fahnen bemerkenswertb ; an den 
Tropäen nnter Liechtenstein^s Wapen: 

545—546. 3»et SSd^Wtxi^tt'Ja^ntn, von bleiohgelber 
Farbe. Auf der einen Seite ist der mit Feder geschmfickte 
Sek weiserhut, auf der Stange ; unterhalb : 

CONSTITVTION. 

Sie stammen aus der französischen Schweiz, zur Zeit, als das 
Waatland iPays de Vaud) mit Frankreich vereiniget war. Zwei 
äbuUche Fahnen sind bei Colloredo's Denkmal aufgenuicht. — 
Au den Säulen der Ausgangspforte zur Linken: 

547. IxanfififJ^t la^nt} gHb^ pnxpntxotitp (rum 

Srste Seite: ^ 

OBKISSANCB AUX LOIX. 

und in einem £icheukranze: 

!• BAT25 
DISCIPLINB MILITAIRE. 

Zweite Seite: LIBERTB E6AL1T< 

CONSTITVTION. 



VIEHTB VlERUNe^ 91S 

An den Säulen «ler Ausganji^sprorte sur Hediten : 

548. /ranj3flf4)e /a^ne^ der vorigen ähnlich, nar dass 
hier: 19»« BAT£^ zu lesen ist. Am Fasse der Tropäeu, 
nelien vier grossen Pauken, rohen : 

549— 55t. Wut f^marjr jftnraffe fammt Vßdifit. 

DIo BchwArEon Sturmhauben sind mit Schnabel (Nasen- 
•isen), Stttlp, Genickschirm und grossen Backen versehen. Sie 
wlpmmfm aus dem XVIL Jahrhunderte. 

553« Bit jftettf / tii0tati fl^eneral Urenner (tfefett In^. 

CFerdinaad Graf Brenner, iftS FeMmarscbäll^ gest. 
am 4. Angnst 1716 als KriegsgefSungeaer.) An Ihr sind 
fünf Halseisen heindlich ; ihre GesammÜfinfe beträgt fttnN 
sehn 8ohah« 

Gbschichtlichbs. Das amtliche Inventar enthält nur die 
Bemerkung: »Tdrkische Sklaveuketteu, womit der bei Peterwar- 
dein anno 1716 in Gefangenschaft gerathene General Breumer von 
den Tftrken gefesselt worden ist.c — In den Biographien PrM; 
KMffeti's von Savoyen nnd andern geschichtlichen Wericen wlid 
Breumer*8 Tod auf folgende Weise dargestellt : »Emgern war nicht 
»vällig halb so stark als die Tftrken , nach Peterwardein gegan* 
gen, wo er alte Verschanzuugen bezog, gegen welche die Tflrken 
Httter Anffthning ihres Grosswesirs AU Kumurdwchij Laufgräben 
erdfiieten und jene fruchtlos belagerten^ bis Euffenwm 4. Aug. 1716 
den Tfirken eine grosse Schlacht lieferte, welche sein vollständi- 
ger Sieg endigte. 30,600 Tftrken waren geblieben , nnd er hatlo 
nur 4001^ Mann verioren; die Beute im tfirkischen Lager war nn- 
trmesslich. Doch behielt der Prinz, der nach der Schlacht weder 
Kosten noch Mfthe scheute, um seine Verwundeten zu erquicken, 
abermals nichts, als das Gezelt des Grosswesirs , vor dessen Ein- 
gang ein grässlicher Anblick die Freude der Sieger störte. — Von 
den 3000 Manu, die Eugen vor der Schlacht abgeschickt hatte, 
die Bewegungen des Feindes zu erforschen, und die mit einem 
weit grosseren tftrkischen Trupp ein wftthendes Gefecht bestan- 
den hatten , war der General Ferdinand Qraf wm Breuner mit 
einigen andern gefangen worden. Ali Hess sie mit dem Halse 
Und den Ffissen au sein Gezelt fesseln. — Als er während der 
Schlacht seine Niederlage vor Augen sah, rief er : »Diese Hunde 
sollen mich nicht ftberlebenl« und befahl, ihnen die Köpfe abzu- 
schlagen, die ihre siegenden Waffeugenosseu noch warm in ihrem 
Blnte fanden. — Doch hatte der grausame Wesir die Opfer seiner 



KU IMUTTB LANCHSUHTB. 

Woth nur wtotgs Mlnateii ftberMt. JDle Nledtrlag» der Beinlgeu 
Sewahrendy batte er sich planlos auf die Sieger geetttrzti uud war 
nit seinen nächsten Begleitern erschossen worden *^^» 

554. Johann tfraf wn JUMnftn, kaif. tfeneralfel^- 
.»0rf4Kiä («est. 1634). ^etti j^nt, Ufftu MovUk- 

%U tint ^tSdlktl0el mejri^. Er niht unter eiasstaras 
mmt eiieni ceich mit Geldtreasen besetstes KlMen; doek 
sein Ansehen entspricht nicht der Brwartnng. Durch die 
Kaionenlnifel arg serfetzt, ohne Saam olwe Bosch and 
Band, mit seinen rand herahh&agenden Krempen, obwohl 
iFien Mnem Filase, ähnelt er sehr einem Banernhute und 
wMerstehC kam mehr dem scharfen ZiAne der Zeit. 



B. F. W. F. Keine Spar eines Bnges , wohl aber die 
aelnde Krempenbreite Terrälb seine ehemalige Form; aaoh weiss 
man dass, als an einen Generalshnt cur Zeit des dreissigjährlgen 
Krieges, ein scbäner Federbusch und breites Hut|mnd dasu gehör- 
tea. Jedenfalls bUdet seine runde Kopfform eine bedeutende Al^ 
welehang von der Aunäls üblichen Oestalt der Ofliziershäte. Sei«- 
ne Masse sind folgende: Durchmesser der Krempen 18^'; Krem» 
penbreite an der breitesten Seite ej^'', dagegen an der schmalen 
entgegengesetsten Seltr4^^; die Haube des Hutes (sein KopO ist 
rnnd gewdlbt, nur 4^^* bOGh, und bat am untern Bande V* und 
e b si b alb 5^ DnrchSMsser. 

Der bffittische Arxt BowAnoBnowN, von welchem mehr bei 
flns to e AäMTs Koller (Nr. SM) sn änden, schweigt von die» 
Hntew Allein in einer Beschreibung der Hauptstadt Wien 
Jahre 17«l *»y iadeC sich schon (als im dritten Zbnmer 



t04) scHMiTH, Imperaiarei OUomanici u$gue ad anmtm 1718. TfßfMV. 
n. Bd. Fol. Tom. II. p. 4S6. — San Vitali, Memmie istoricke, Fe- 
nes. 1786. 4. p. 814.— HsRCHKNUAHif, Belagerung BOgrade» J&e^. 
1788. 8. p. 118. 

Sil) JIEiirs-lcfMMvSrdipe BHsaerttSjr ooa Harrüknmg, Srbam- tisd Ba* 
$um9uag sie, wwakl in aU um die hay$, Haup^ u. Be w 'd tf S h w t a dI 
Wien in Ofsterreich ete^ klare Beschreibung der letzten türkisckem 
Belagerung; der kayserliehen Schatz^ und Kunstkam" 
mer, etc. int Jahre 170S, mit Kupf. Fol. Wien C^amer)» p. 67. 
Dies settene Bach gewinnt auch dessbalb besonderen Werth , weil 
sieh darin die beste Daretellung von 8obiesky*s Sntsstse 
Wiens heindet. Dieser Kupferslieh, liegend «u. fei. enibfttt «nier- 



vnoBnm viiritmo. tu 

4«r kaiMriloheu Sckati«- niid WvMierkMnaici' bein^lldi) aiige^ 
geken: 

Die Verletzung der flaf haube und Ihres Randes stud sichtbar | an 
erstrer aber haftet noch ein Alters halber vergelbter , uns wich- 
tiger Pergameutzettel, mit den Worten: 

Bedeutsam spricht auch diese Zahl fQr unsere unten 
folgende Ansicht. — In einer Beschreibung der kaiserlichen Schatz- 
kammer zu Wien, welche Antonio Bormastino im Jahre 1715 zu 
Wien in Druck ausgehen Hess (vergl. die genaue Anflihning bei 
Gustav AäolTs Koller), helsst es (p. 25t): 

^4ll<kU ^tV^ ^a tiutti $^ut ^t% ^tuttal ^ttltsi^et^ , i»«ta 

Und KücHKLBSCKBB's Beschreibung der Wieuer ScfaatzkamMar 
(Jiiachricki vom kaiserl. Hofe nebst historischer Besckrethmg 
12011 Wien , m. Kupf* %, Bd» 8. Kannov. 1730^ theilweise ueuerlick 
abgedruckt in Bittgbafv's histor. Antiquitäten* Wien^ 1815. 8. im 
II. Bd. p. 155). euth&lt den Beisatz: »doch so, dass es des* 
sen Kopf gar nicht beschädiget Acf.« Alle diese kitr 
aui^fSbrteu Augabeu bekrftftlgen unsere nachfolgende Auslokty 
dass der weltberühmte General den beaprocheueu 
Eul nicht vor Landshut, sondern drei Jahre vor fei- 
uem Tode In Baieru getragen habe, als ihn die Kauo- 
ueukugel streifte. Wann aber derselbe aus der kaiserU Schats- 
kammer in*a Zeughans übersetzt worden , dürfte schwer an be^ 
stimmen sein. Es scheint um dieselbe Zeit geschehe» zu sein, in 
welcher so viele prachtvolle erzherzogliche Hämische donselbeu 
überliefert worden sind« CVergl« 1. Bd. pag. 13.) 

0BSCHICHTUCHBS* Gewdhulich wird der Hut als jeuer ge- 
zeigt, welchen der General getragen, als Ihm eine Kanonenkugel 



halb die ganze ordre de bataUie Cdie Heerhaufen durch kleine Figfir- 
elMn dargestelli) , ebeiluilb die AttfiiehrHI: «VFien een fürten Ma- 
ifert den 4. (14.J Jiify, von Christen entselnt den t. (19.) Seißtesir 
her 1683.* — Die Zeichnung verfertiget von Danibi« Sdttingkr. 



91« DRinS liANMSITK« 

einen TMl 4ee Hntee nn4 eelii lieben ranMe« Allein &tu§ Inven- 
far BtLg^ nar: s^Bln zerschossener Hut vom General v, Aldringen, 
welche im Jahr 1631 (berichtiget 1694) in der Schlacht vor 
Landsbnt geblieben ist.« Wir wollen nun die näbem Umstände 
ans seinem militärischen Leben anfsnchen« Nachdem AMrin§em 
anf seinem Zuge nach Italien (1680) mehrere feste Plfttse (dar- 
nnter auch mit QaUas Mautna) eingenommen, nnd durch die dor- 
tige reiche Beute den Grund zu seinen naclimäls so ansehnlichen 
Glflcksumständen gelegt , fßhrte er seine Truppen wieder nach 
Deutschland, ging nach Baiern^ und vereinigte sich dort mit Ti'%, 
nm sich den Schweden am Lech entgegen zu stellen. Hier war 
es, wo ihn bei dem Gefechte, wodurch der Feind seinen 
Übergang über den Fluss erkämpfte, eine dicht am Kopfe 
vorbeistreifeude Kanonenkugel sinnlos nieder- 
streckte (1681). Nur in etwas hergestellt, eilte der tbätige 
General nach Böhmen, wo der Herzog von Waidstein den Ober- 
befehl fßhrte; ebenso folgte er ^em berühmten Friedläuder in das 
Lager vor NÜruBerg und nach Sachsen. Da jedoch die tTntemeh- 
mnngeu der Schweden in Oberdentschland (1632 bis 1633) Baiem 
bedrohten , eilte AidrAtgen dahin, besetzte mehrere feste Plätze, 
nahm andere, nnd vereinigte sich mit den spanischen Hilfstroppen 
des Herzogs von Ferkty mit welchen er, nachdem er Blsass ge- 
räumt, nach Baiern zog, und plötzlich — vor Landshut (1634) den 
Tod flaud, dessen nähere Umstände erzählt werden, wie folgt« ber 
Graf stand diesseits der Iser , während Weimar und Born jen- 
seits die Stadt bestfirmten , die bei dem Missverhältnisse der Be- 
satzung, die man bineiugeworfeu (3 Kavallerie-Regimenter und 
kaum 500 Fossgängerl) sich nicht halten konnte. Bereits brach 
der Feind in die Stadt, und das Getfimmel der Fliehenden wogte 
über die Isarbrflcke gegen das diesseitige Ufer , als Aidringem 
sich noch in der Stadt befiftnd , die nöthigsten Anstalten treffiend, 
die Zagharflen sammelnd , mindestens die Flucht ordnend. Schon 
sassen die Schweden den Kaiserlichen auf dem Nacken , und der 
wackere Feldmarschall musste auf eigene Rettung bedacht sein — 
leider zu spät. Der Graf, gewahrend, dass er ttber die durch 
die Masse der Flflchtigen verlegte Brücke nicht mehr zu drin- 
gen vermöge, suchte durch Schwimmen Ober den Fluss zu 
setzen ; doch hier traf ihn eine tödtliche Kugel , ob vom Feinde 
oder von seinen eigenen Leuten (er war durch Härte gegen den 
Soldaten und Habsucht berüchtigt) , war bei der schrankenlosen 
Vtrwirrttug des Augenblicks nicht zu ermitteln. 



GUSTAV AOOLF'S KOLLBR. 917 

Am den hier g«ll«l!Nteii Augaboi f rMII sur Ofiillg«^ ^Mtm 
der besprochene Hat, allerdlugs eiue bedeutende VerleUniig wei- 
send, eher vom Jahre 1631, aU vom Jahre 1684 stammen dürfte; 
ob jedoch eiue dicht am Kopfe vorbeistreifeude Kanonenkn|:eI 
einen Hut dermassen sa zerfetzen vermöge , ohne des Trigers 
Leben sa geffthrdeu, bleibt Sachverständigen sn entscheiden fiber- 
lassen •••)• 

555, tf »ßati II. 3ihQlff jftütitj wn SSfii^tUn (gebor. 

1594, übernahm 1611 die Regiemnc; geatlOdf am 
6. Nov; In der Schlacht bei Lütsen im 38. Lebenajahre). 

^etn jRolltr aw Cletibe^aut^ i00tiii er bei jfS^ett er- 
fd^a/fen iii0rben 207^. 



Mrie «es Kftmiffs Keller mmcli UVimm 

Der Graf von KHsvxNHÜLLUi bat una in seinen Jabr- 
bllcYiern j Tbl. XII. S. 199 , den Beriebt anfbebalten , der 
wegen des Königs Tode an den Kaiser ergangen , worin 
angef&brt wird ; ,,wie der König seinen fliebenden Völkern 
za Hälfe kommen wollen, babe ein kaiserl. Korporal einen 
Musketier bei der Hand genommen, mit Vermelden | weil 
er geseben, dass jedermann vor dem Könige gewieben, 
und ihm Platz gemacht: ,,Aaf diesen sebiesse ; denn dieser 



90«) In 4er Sehlaeht bei Wagnim durchbohrte eine Kanonenkugel den 
(nach damaliger Tracht hohen) Hut des F. Bl. L. Baren mmrMH 
Caic3, ohne diesen Offlnler su verletsen. -^ 

M') Folgende SUidte rahmen sieh, das echte lederne KeOer des grossen 
Königs zu iMsitsen : Weimar, Gotha, Alteahurg, Stoek- 
holm, WMn. — Dass in letstgenaanter das echte Ist, möge auch 
folgende Erz&hlung bekräftigen. Der KAnlg wurde durch eine Fal- 
konetkugel am linken Arme verwundet. Siner seiner Kriegsgenos- 
sen, des Königs naher Freund , bat sich dies StAek des Aimels aus 
und erhielt es; — wirklich ist auch im Wiener KeUer an dieser 
Stelle ein grosses Stück herausgeschnitten, und noidi das Blut an 
der linken Hüfte am KoUer uu sehen. Dies Stuck wurde In späte- 
rer Zeit an den Wiener Annel zur Probe angehalten, und siehe da — 
es passte genau I — Man uelgl von diesem grossen Könige : 

Zu DBEADKM Im KÖNIGLICH HISTORISCHEN MUSBUM: 

i. Sine halbe schussfreie Rüstung mit geschlossenem Hel- 
me, welche der König bei Paraden trug. Sie reicht bis unteres Knie, 
und kam aus Weissenfels , wo sie lange Zeit aufbewahrt gewesen 



918 DRlTfB LANCHSEITB. 

ist etWM Vörneiiiiiefi'^; tfaranf er ati;eftelilftg<eii «nd los^e- 
bmniit, and dem KSni^e xnerst den Arm darcbschossen, 
(so dass die ArmrÖhre darch's Kleid drang). Darauf eine 
kaiserliche Eskadron Reiter angesetzt, darunter Einer 



war» ia*s kOnigl. Museiun. Sie ist blau anselanfon, mil vecgoldeten 
Nieten ; Oberarme, Flflge , Schenkeln sind geschoben ; die Blech- 
kandschUhe gedngert; des Vlstrs Form mahnt an*s XVI. Jahrhund. 
Aaf dem ileb|ikra«ni iit eia rand«etrieli»enes vergeldeteaSeliUd^ea 
iwfestifet, darstellend den RiUer St. Georg. Pie Brmt trägt eia 
Schussmal , wahrscheinlich den Probeschuss. Dabei eine Scberpe 
▼on gelher Seide und ein schwarzer Kommandostab. CQi^andt, 
ai#lor. Mu», pag. 189, 143 N. 16. Abgebildet in BBimsni, 8äek9. 
m»9tk. Taf. 18. fig. 41.) 
Im EBBACHER RITTERSAAIiE im Odenwalde: 

f. Halbe Rastung mit geschlossenem Helme und langen gescho- 
benen BleehliBgen, woran Kniebuckeln, ungeflUur v<w derselbea 
Form wie die vorige ; ganze Armzeuge , gefingerte Elsenhandschu- 
he ; auf dem Visir sind , wie bei einer Maske , ausgehauene Quer- 
sclnranee für Augen und Nase. Auf der Brust des K4nigs Wapen 
Cdas wohl spftlere Arbeit}. -> CAbgebUdet in Kbbss, HUter$aal zu 
ErbacK Taf. 14.) 
2u STeCKHOIiM in der HtDDARHOLMSKYRKAN, (Kirche der Rit- 
teriasol, unter den GrAhem der schwedischen Ktoige, wo auch 
des grossen Qustat AdolT* Asche ruht}. 

8. Halbe Rüstung, blank, mit geätzten und vergoldeten Strichen 
und geschlossenem Helme (mit stehendem Helmgitter}. Ob diese 
Rdstung vom Könige getragen worden, ist nicht entschieden. 

4. Daa Koller, worin Qustav Adolf verwundet worden 
ClUiMO, Gustav Adolf. 168t. Anhang, p. 187}, doch nicht die Re- 
liquie aus der Schlaeht hei Litzen. Wallim, de giadio wutgieo, 
p. 61}» beiMrkte schon, das« Owtav Adoif darin nur in Preussen 
verwandet worden sei. 

8. Ein Schwert (bei Nr. 8 beindlioh}, das na* dem Urtheile 
■Mhrerer Sachkenner von ihm stammt , JMoch keine Spur des Ge- 
brauches neigt. Der Kdnig fährte es in der Schlacht bei lifltzen: es 
ward dam aaidi Stockholm gebracht, und bei dem feierlichen Lel- 
c h o n he g ingnlsne voa dem Freiherrn ffor» vorgetragen. (Ranuo 1. c.} 

8. Den Sporn des Königs hatte ein Trompeter des Ctoaerals 
Holfc eiheutel, and der General Ihn von diesem erkauft. SpMer 
ifurde er dem berühmten Olof Worm zu Thefl. (Ranao, 1. e.} 
Zu liEIPBI« in der RATHS-BIBUOTHEK : 

7. Des Königs Zauberschwert. Doctor Wallim in seiner 3VI- 
ga disBtri. de giadio wutgieo OusUnri AdolpH, 4. Lip$. MDCCXLVI. 
eraihlt: mBervatar gladiue itte et infame ferrum in fpereteganU 
»BMiMAeea Senatma Lipeiemis (1788}.« Er lügt auch eine getreue 



GUSTAV ADOLF'S KOLLER. $19 

io einer blanken RüetuQg, so der ObereUiente- 
Jiant yom florentinischen Reipment, von Fnlkenberg 
soll Seewesen sein, den König daroh den Kopf ge*- 
echosaen, dasa er von dem Bosa auf die Erde gelSallen ;^^ 



Abbildaag In naluriicher Grdsse bei Cman erbUekt eine Art S&bel 
mit plampem gekerbten Griff, 33 Wien. Zoll lang, auf dessen Klin- 
ge viele Bagische Zeichen und 8prä€he3, und bemiiiit sieh, m be- 
weisen: £iiMM ittum mofieum oamim €9U sißmium, mkarmOmm 
atque eonira ouhm ju9 et fas 8ueeorum rcyi Oustavo Magno ad- 
»criptum. Indem Wallin das ganze Vorgeben gründlicli widerlegt, 
füigt er seine Vermuthung bei, Mfthrchen und Zauberseliwert seien 
van de» Jaeuiten weist anliietlsolit weiden. Kine aadera, ebenfiOis 
genaue Abbildung dieses magischen Schwertes, doch in verkleiner- 
tem Masstabe, enth&lt Mittages Wunderwürdiget Lebe» und TkO' 
ten Qmiao Adolf». M. Kupf. 8. Haue, 1740. p. SSO, wo auch <ber 
des Königs Zauberschwerter ein Mehreres zu ilndea ist. 
Zu AIK in der PROVENCK: 

8. Bin zweites Schwert mit Talismanen, durch dessen 
geheime Kraft er mehr, als durch sein kluges Kosmiando ausge- 
richtet haben soll , zeigte man lange Zeit zu Aix in der Provence^ 
und MoRm in seiner iUfrolo^ gätticOt B. XX. Abschn. IV. p. 404, 
gedachte sogar eines dritten. Vielleleht ist es dasselbe, wovon 
Muvret JoUgvet eine Zeichnung an den schwedisciien Reichskanz- 
ler Axel Oxenetierna uberschickte. CS. AfunsratoLz, Memoire» de 
te reine CkrUUm». Tom. II. p. SiO et ss.) Das erat- «ad lotstge« 
nannte Schwert sind von verselüedener Fem« CR^^^^o !• c. An- 
hang p. 1973. 
Zu BERLINT in der königlichen KtTNSTKAMMER : 

0. Den Feldstuhl Gustav Adolfs. CWzh;., VUKt$f dmfcli d»$ 
KunetSammiuugen Berlin», lS4t. n. p. M. Mr. 360.) 

So hAtten ^ir nun drei Rüstungen eines Kdnlgs, der in den 
letzten Jahren seines kriegerischen Lebens gar keine Rüstung mehr 
trug Cfleiner dreizehn früheren Verwundungen wegen (Le Soldat 
«vedoie, Aoseii, 10S4. p. 081}, ohne för deren Behthelt in die 
Schranken zu treten. Man erinnert sich hieibei iuiwUlkiUirlich der 
Reliquien ein und desselben Heiligen in mehreren Stidtea, von^wal« 
chem Spötter «achgereohnet haben, er mussle im Le^ea aeehs Arno, 
acht Fasse u. s. w. besessen haben. -* Jedenfalls begünstiget hier 
der Umstand die Hoffnung der Aothenticitftt , dass ein und derselbe 
Mann wohl sechs bis acht eiserne Arme und Beine besessen haben 
kann, wie denn vorgerücktes Lebensalter, Anlage zum Fettwerden 
oder Änderungen der Mode wohl einen Rüstungswechsel häuBg 
machten. 

Die 8ttb Nr. 8 und 6 gelieferten Hittheilungen verdanke ich der 
Güte des Hm. Doctor Subduom aus Stockholm. 



SM DRITTB LANGSBITB. 

II. s. w. Der königliche Letehnam wurde — liieriii stimmeii 
die besten Oeschichtschreiber fiberein — sogleich seiner 
1632 Kleider beraabt. Sein ledernes Koller wurde vom 
Piecolomini noch ganz blutig dem Kaiser nach 
Wien überschickt und in der Kunstkammer 
aufgehoben. (KnBvsNei^LLBR, Tbl. XU. S. 196.) Vier- 
sig Jahre nach diesem Vorfalle (zwischen 1668 und 1673}, 
machte der englische Arzt Edward Brown auf Anordnung 
der fcftnigl. mediz. Oesttlschaft zu London, eine Reise durch 
mehrere Länder Europa's^ und sah zu Wien in der 
kaiserlichen Schatzkammer, die er umst&ndlich 
benehreibt und viele merkwürdige Stficke aufe&Mt , auch : 

Wtt« t^\^^ ^tt^tWt M^attt , aU «t iti ^tx 9m^t l^i 
%%1|cm uwüam. 

Edward Brown m. d. dmrch N^äeriandj Tewtsck' 
Umdj Ungarn^ Servien etc. Osterreich, Steier^ 
marhy Kärnthen etc. getkane Reisen, Mit vielen 
Kupf. 4. Nürnberg, 1686. p. t5S. 

Eine Beschreibung der Hauptstadt Wien , welche fan Jahre 
iTWIj mit schönen Kupferstichen geziert, in Folio zu Wien 
eraehieBen Cgenau bei Aldringen's Hut pag. 314 Anm. 905 
angegeben : Kurz: lesenswikrdige Erinnerung e(c.) nennet 
(p. 67) als im dritten Zimmer der kaiserlichen Schätz- 
end Wunderkammer beflndüeh : 

mit V Stu%e\u ^t% \^* %tttmVtl& (sie) \^%% \t^ %\^% et« 
(^o^ttü i»^^tm^ \M(t^ fi^oUtt i^ i»ou t«t%tm fttiVt, mit 
^li«tm nfitXtA ^ti^ttttt, xM \^ Ut tx^ Stm%tl ia ^% \Kxm 
tt« %tm, itü He SRittt Ht am*b«ttt, — iu My litrtatu ^itt« 
\m^ uu^b ^«t^ He Hitt€ au^ Ht xt^x ffttu%, ^ nu ^it 
Hettt tt^t iti Hm fliidem ^tttiu (^e^ntt^cm)* 

Das Koller blieb in der Folgezeit in der kaiseri. Schatz- 
kammer zu Wien ; denn auch Antonio Bormastino, welcher 
im Jahre 1715 die kaiserliche Schatzkammer ausfuhrlich 
schilderte, erzählt: 

1 Tl 5 Jt% l»it^ nUbn ^a^ St«Utt H& i»e\tVtt%A)mttti X^%\^^ i»om 
„®<^iPotHii, «m^aH %H\v^ aufVeVUem. \x tx aa%e>abt, 



GUSTAV ADOLF'S KOLLER. 3f 1 

,A^^ ^iSm ^^ ^^* IbtttmVft Csic) \ft«% %« %\%i% «>l»ltlt 
„%tlv%^^ ^itt Stu%e\ti <ku^ tUKtm 4^ti^«% C»ie) ^%^ ^t« %t% 

Ant. BoRMASTiNO , ktstoriscke Er^ 
Zahlung van der kaiseriichen He- 
sidenzstadi Wien. — Anno 1715. 
& ITi^. pag. S49 a. C 

Uud KucHBLBBCKBR sEgt nni das Jahr 1730 von der kaiserlicfaeii 
Schatzkammer: 

m"^«« ®^t»t*^tiStoUtt, ^«fitmtti «V Vti %ik%ni mit VM^i^ 
wtt^^^tu tp»0t^u« M \Sfi \tM:f^ t«t%t mü %A«tm WHittlk 
M%ti^tt«tt, (uu^ i%) Ht ftit Stu%e\ iu ^ta \iultia %tm. Ua 
nV^titt iu ^tu >o>\tia %tfV, ^ut^ Ht Wutt ®tltt ^«t^, ^it 
,>tlttt iu Wt tt^tt fftxu^ , uu^b Ht i»ltxte mltttta itt ^tm 

Die kleinen hierbei unterlanfenen Unrichtigkeiten thun der 
Hauptsache nicht Abbruch, und wir können, nachdem die 
grSsste Wahrscheinlichkeit vorhanden , dass die Kaiserli«- 
eben dies Koller anf dem Schlachtfelde erbeuteten , und 
nachdem glaubwürdige Bücher dasselbe zu verschiedenei 
Zeiträumen als in der kaiserl. Schatzkammer befindlich an- 
geben , so Brown um 1670 ; eine Besehreibung Wiens im 
Jahre 1709 ; Bormastino im J. 1715, und Kuchblbbckkr um 
1730 (dagegen Weiskern um 1770 schon im kaiserlichen 1770 
Zeughause]) ; wohl schwerlich zweifeln, dass Wien dieses 
Kleinod fortdauernd behalten habe. Selbst der geachtete 
schwedische Geschichtschreiber And. Frtxell gesteht den 
Wienern seines grossen Königs echtes Koller zu. 
„Sein wirklicher bei Lützen gebrauchter Degen,^^ so äus- 
sert er am Schlüsse seines geschätzten Werkes, „wird in 
der Riddarholmskirche aufbewahrt , sein Kollerlu 
Wien/^ CHombsrg, Leben Gustavs U. T. II. p. 917.) — 
Es kam (wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des vorigen 
Jahrhunderts) in das kaiserliche Zeughaus , und blieb bis 
zum letztverflossenen Jahre, an einem alten Kleiderstocke 



991 DBlTtB LANOSBITB. 

hangend minder beachtet j dem Staube und den diebischenr 
H&nden mancher Schanlustigen preis ge^feben *^), bis 
endlich die neueste Zeit seinen Werth gehörig würdigte; — 
die aorgsante Verwahrung unter Glasschrank Ist noch niefat 
sswei Jahre alt. 

Ein zierlicher Glasschrank von Mahagoniholz be* 
wahrt dieses Kleinod von gelbem » sehr dicken Leder, mit 
schmalem Halskragen, kurzen, sehr breiten Schossen, und 
langen, mftssig weiten Ärmeln. Der Halskragen besitzt vier 
kleine Schnftrldcher. — Vor der Brust sind 18 zierlich 
MWgenihte Knopflöcher hellndiich, doch die entspreeheiK« 
den Knöpfe, deren Spur noch sichtlich, fehlen insgesammt« 
Das Ende Jedes Ärmels enthält sieben auf gleiche Art mit 
Seide ausgenähte Knopflöcher, deren s&mmtliche Knöpfe 
abermals fehlen. Wahrscheinlich waren sie , nach damali- 
ger Sitte, von Silber, daher ihr Abhandenkommen. Die in- 
nere Seite des Rockes war, vom Halsrande bis an's Ende 
der Schosse 9 und ebenso die Ärmeln bis an den Saum der 
Hand', mit gelbgrünem Atlas gefüttert, dessen grösster 
Theil schon herausgeschnitten ist. Ebenso ist der Rand der 
Ärmeln bis an^s sechste Loch bereits weggeschnitzelt, und 
nicht besser erging es den hinteren Ecken der Schosse* 
Am linken Arme fehlet ein bedeutendes Stück Leder, da« 
aus dessen Mitte herausgeschnitten worden. Die Spuren 
jenes unseligen Schusses , welcher dem königlichen Hel- 
den den Tod brachte , befinden sich im Rücken. Die Kugel 
traf beiläufig ober der Stelle, wo die Leber liegt. Da« 
ovale Loch, das im kleinsten (wagrechten) Durchmesser 
6 Linien , im. grössten Csenkrechten) Durchmesser 7~ Li- 



t08) wie denn auch vor seranmer Zeit Jemand dem Verfuser ein Stdek- 
elien Leder dieses KoUera eu Kaufe bot -- vnd die grtssere HftlAe 
des grfintafftnen Unterfutters eolcben Angriffen zur Beute wurde. -* 
Anderseits litt es durch unberufene Verachönerer seines Ständers, 
und trügt itoeb die Spuren grüner Olfisirbe V) — 



GVStAV AUCÜLF'S KOUBR. MI 

nien h&lt, befindet sieh »n der rechteo Seite des RüelceBs, 
sswel Zoll voo der Mitte den Rfiekens entfernt, 19^ Zoll 
vom Anfange des Halskragens abw&rts , oder 1 Zoll über 
der Quernaht, welche nach vorne zu über den Hüften Iftoft, 
Zwar erblickt man diesem Loche beinahe gegenüber, an 
der Vorderseite des Kollers, d. i. der, rechten Brnsth&lfte, 
ebenfalls ein Loch im Leder, und zwar 3 Zoll ober der 
Hüftnaht, und 6^ Zoll von der Mitte der Brnst entfernt, 
das gewöhnlich den Unkundigen als dasjenige erscheint, 
durch welches die tödtliche Kugel, nachdem sie im Büc- 
ken eingedrungen , wieder den Ausgang gefunden ; allein 
dieses Loch bildet ein kleines Quadrat, dessen vier Sei- 
ten halbmondförmig gegen einander gebogen sind, also 
wohl kein Schassloch« (Auch gab ja der Apotheker Cagpa^ 
rti«, der den königlichen Leichnam (%xl Weissenfeis) ein- 
balsamiret an , dass er ausser 6 Schuss- und % Hiebwun- 
den auch eine Stichwunde gefunden.) Endlich «ei- 
gen sich noch unter demselben zwei schwarze Löchlein 
wie von starken Schroten, wovon das tiefere 8 Linien ober 
der Hüftnaht ebenfalls durch's Leder und leinwandene 
IJnterfütter gedrungen ist. — Ob der König meuchle- 
fisch, und zwar durch die Hand eines deutschen Her- 
zogs gefallen, ist noch im Dunkeln; — nach des Verfas- 
sers Ansicht und seiner gewissenhaften Prüfung 
mehrerer Quellen, ist die Frage zu verneinen. — Die Masse 
des Kollers sind nach dem Wienermasstabe folgende* Der 
Kragen V hoch. Der Brusttbeil vorne nach abwärts in eine 
Spitze zulaufend, vom ersten bis zum letzten Knopfloche 19". 
Von da an misst die Schosslänge 14'^ Vom Mittele , unter 
der Achsel bis zur Hüfte 4^''. Von da bis an*s Ende äen 
Schosses 16^'. Ärmellänge 24''. Das Koller ist von beiden 
Hüften an, nach abwärts aufgeschlitzt. Der linke Ärmel hat 
ah der Aussenseite, in der Gegend des Elbogens, nach 
vorne zu ein Loch von etwa 5 Zoll Durchmesser. An den 
Schossen ist das Leder am dicksten (über 3 Linien, d. i. 
über einen ViertelzoU) ; an der Brust 3'^' dick, dagegen 
dünner an den Armen (beiläufig 1^ Linie}. 



at4 miTTB LANG8BITB. 

lies Kftnic« Tmd. 

Obschichtlichss. Der Tod des Königs Gustav Adolf 
wird verschieden angegeben. Auch Coxe iiat darüier man- 
che Unrichtigkeit. Wir wollen die Erz&hlnng des schwe- 
dischen Geschiohtschreibers Frtxbll hören : 

,,Die schwedische Reiterei des rechten Flügels 

hatte noch nicht in grosser Zahl über die breiten und tiefen 
Gräben setzen können. Der König, welcher die Wichtigkeit 
des Aogenblicks erkannte, eilte hin, und übernahm das Kom- 
mando der Sm&lanningarne (schwed. Reiterregiment); Sten-- 
bock lag schon verwandet anf dem Schlachtfelde. — „Folgt 
mir, meine Tapfernl^^ rief der König, and trieb sein 
Pferd über den Graben ; nar einige von den Reitern hatten 
hinreichend gate Pferde, am seinem Beispiele tjjl folgen, 
der König bemerkte es nicht. „Dort steht unser ge- 
f&hrlichster Feind,^^ sagte er, and deatete aaf das 
Regiment Piccplomini. Ein österreichischer Korporal, der 
die Schweden ehrerbiethig dem Könige Platz machen sah, 
rief einem Masketier za: „Der mass ein vornehmer Herr 
sein, schiess anf ihnl'^ Die Kagel traf, and zersplitterte 
des Königs linken Arm so, dass das Blut herabströmte, und ' 
der Armknochen durch die Kleider sichtbar ward. „Der 
König blutet I^^ riefen die Schweden. „Es ist nichts, 
meine Kinder, nur rasch vorw&rts!^^ rief Oustav 
Adolf y und suchte durch ein heiteres Gesicht ihre Unruhe 
»u stillen. Aber bald, von Schmerz und Blutverlust über- 
wältigt, lehnte er sich gegen den Herzog von Lauenburg^ 
und bat ihn auf französisch, ihn unbemerkt aus dem Kam- 
pfe zu führen. Sie wichen zur Seite aus, um den SmM&n- 
dern ihren Rückzug zu verbergen. Kaum hatten sie sich 
einige Schritte entfernt, als die Kürassiere des Götz auf 
sie zustürzten , und an ihrer Spitze ihr Oberstlieutenant 
Moriz von Falkenberg, der den König erkennend, 
ihn durch den Leib sohoss, aosrufends „Dich habe ich lan- 
ge gesucht!'^ Falkenberg fiel in demselben Augenblicke, 



VIEBTB VISRUNG. St5 

▼on eioer r&chenden Kugel getroffen. DerKflnig sebwankte, 
bielt sieb aber ooch auf dem Pferde, nod sagte mit flchwa* 
eher StimiDe xam Lauenburger: ^^Bruderl rette dein 
Leben, icb babe genngl^^ — Dieser dagegen ritt 
ganz nabe an seine 8eite , and fasste den König am den 
Leib, um ibn aaf diese Art im Sattel su halten ; nnn aber 
stflnste die ganze kaiserliehe Reiterschaar über sie her. Das 
Pferd des Königs warde von einer Kagel am Halse getrof- 
fen, so dass es sich b&umte ; in diesem Aagenblieke ward 
eine Pistole gegen den Kopf des Herzogs abgefeaert^ and 
zwar so nahe dass, obsebon dieser mit der Hand die Pis- 
tole parirte , dennoch Locken and Gesicht ihm vom Palver- 
feaer verbrannt warden. In diesem Gedr&nge and der Ver- 
wirrang Hess er den König fahren and floh davpn. Cfustav 
Adoif sank sogleich vom wildgewordenen Pferde herab, 
warde einige Klafter weit in dem Stegreife geschleift, 
ward endlich ledig and blieb liegen. — Von seinen Be- 
gleitern war schon die Mehrzahl im Streitgetfimmel nieder- 
gehauen oder zerstreut; nar der Jange Leubelfingen war 
übrig, doch schon verwandet; von seinem Pferde herab- 
springend, bot er es dem Könige an« Gustav «4<io4f reichte 
ilim seine Hand , und der Jüngling versuchte ibn auteu- 
ricbten, aber vergebens. Einige kaiserliche .Reiter dies 
gewahrend , eilten hin und fragten , wer der Verwundete 
w&re; der König antwortete nicht, Leubelfin^^en schwieg. 
Im Zorne stiess der eine Reiter Leubelfingen nieder, und 
der andere schoss den König durch den Kopf, worauf sie 
und ihre hinzugekommenen Kameraden beiden noch inehre- 
re Schüsse gaben, ihnen die Kleider abzogen und die nack- 
ten Körper auf dem Felde liegen Hessen« heubetfingen lebte 
noch einige Tage, und durch ihn hat man die Nachricht 
von diesen, des grossen Ch*$tat> Adolf m letzten Augen- 
blicken erhalten *^). 



twy BeräUeUer utur Sveiuita BiHorien of AMDsas FaTxsLL. T^m. VI. 
Bioekhoim. 1894. 8. 

n. 8 



Sit DRITT« LANOSSm. 

Avf ihillohe Weise wte And. Fbtxill, ersKlhlten 
•«eh swel isbre iftch des i^oseeii Köni^ Tode seiae 
Keitfeeoesen diesen Vorfall **^. — Die Stelle , a«f wel* 
eher Ou9iar AdoiffLelj für dM Wohl der Protestanten iel, 
hfttte ein prachtvolles Denkmal seiner Zeitgenossen ge- 
rechtfertiget. Allein über zwei Jahrhanderte waren ver«> 
lessen, und noch bezeichnete nar ein einfhcher Stein den 
Platz *"). Der Reitknecht Jakob Erichsony derselbe der 
an des Königs Seite hart yerwundet worden^ war mit der 
königlichen Leiche in das Dorf gekommen, nnd daselbst ge- 
blieben bis er gehellt war. Mit Hilfe von dreizehn Banem 
wollte er einen grossen Stein an die Stelle wälzen, wo 
der König geflülen. Unter grossem Wehklagen vermocht- 
ten sie ihn aber nar dahin za schaffen , we er Jetzt steht 
Cder sogenannte ,,Sehwedenstein^O ? «Hein der rechte Platz, 
wo Oustae Adolf gestorben , soll vierzig Sehritte weiter 
davon sein, anf einem Ackerrain, wo ehemals ein Akazie»- 
hanm stand. (Gfrösbr. I. Anfl. p. 1030.) Das Jahr 18S7 
hraehte einen firüheren Bntschluss zur Reife, n&mitch: 
dem geAillenen königlichen Helden ein entspreehendes Mo- 
nument zn errichten. Reichliche Beitrage wurden geliefert, 
nnd am 0. November 1837 wurde das schöne gothisehe 
Denkmal (d. i. eine geschmackvolle gothiscbe Überdaehung 
des Schwedensteines) feierlich enthüUt *^*)- 



ttf) a« m. B. des feltnea Biiclies aoeh seltnere Aiugalie: ht Suldai 8ve- 
doUy Ott kisMre veriiaMe de ee qui s'eH paui depttis ia vemue dm 
Roi de Suede es Aiiemagne jueques ä »a wMrt, liouen. BertkeHmy 
iaa4. y. p. 474—477. Der VerOuser dee mit Wahmeitsllebe ind 
OräadUeakeil geechriebenea Werkes ist Fuo. SPANBSMiüe, senier. 

tll) Die Sazonu. (^Museum für »äehsitcks VaUrlandskunde. Nr. ti. 
Min ISS6. p. 110.) Hefert eine Abbtlduns dee Steine, — eines 
BftAI gnna wmnsbeaen HOeeis, ven Tier steinernen Sltsbtaken und 
einer Baamgrupiie umgeben. 

•It) Die Felerliehkeiten bierbel, so wie des Denkmals gelungene Abbil- 
dung findet man in: Spabpbld's Chuiav Adolf. JLeipstp, 1846; eine 
kleinere Abbildung in Prof. Flathb's Gustav Adolf u. d, dreissi^- 
jäkr, Krieg. Dreeden 184S, im IV. Bd. p. S77. 



YIBRTB LANG8K1TB. M7 



VIERTE LANGSEITE DES HAÜSE& 

OCHOmiKAKmi, ehemals genauit: lAIlWBMMKAWlBI,) 

LIBU8S A - SAAL. 

CLibuMa, VUuta, zwei Bitter im Aniauf, der grosse Adler 

als Deekemstttek,} 

Beim Eintritte in diese kleinere, reichgescbmüokte 
Halie gewahren wir xavOrderst an den S&alen des Ein* 
^nges vertheilt: 

556 — 559. Wer fdtmibxfdit SStM^^tUn. Jede von 

schwerem ig^elbeu Seidenstoffe , mit wechselnd (gelb und 
schwarz*) gef&rbten Fransen verbrämt, tr&gt anf beiden Seiten 
das Wapen: drei goldene Löwen im weissen Felde, oberhalb ein 
weisses Kreuz im schwarzen Felde, 

Die Winde dieser Balle stellen Festanf smaaern vor, 
ans Gewehren nnd Bajonneten g^ebildet; ans den Sehiess- 
loeken schauen Kanonen, and die Eckthürmchen sind ans 
Gewehrl&ufen zusammengesetzt, statt des Daches dreikftm- 
mige Schweizersturmhauben tragend **'}• 

560. 9a$ WtiitnftiA mit Um kaifnliäftn SLhltx. 

Einen ähnlichen kaiserlichen Adler hatten wir bereits im- 
fem der Luxuskammer (Nr. 448) bemerkt. Aach der zu bespre- 
chende, der von einem gewissen Standpunkte betrachtet, In der 
That einen schönen Anblick gewährt, verdient das Lob jedes Waf- 
feaftreundes; und in Bezug aufgerundete harmonische Vertheilung 
der einzelnen WaffeustOcke das, einer eigeutbflmllchen plastischen 
TolleudoMg, daher unbestritten vor de» frttber Oenanntea den 
Vorzug. Der kolossale Vogel ist aus geschwärzten Pifcenspitseu 
und Säbelklingen geschmackvoll zusammengesetzt, ober selbem die 
kaiserliche Krone; auf seiner Brust das grosse österreichische 
Wafen (das sämmtlicher Provinzen). Der übrige Theil des Decken- 



tlt) Sturmhauben der Art waren im XVI. Jahrh. nicht selten, and gehör- 
ten gewdhnlieh mi einer Gattung Harnische, die moUeerets* hlessen. 

8* 



3«S V1BRTB LAN08BITB. 

gtiä,te\B ist mit Piken und Bidenhaiiderkliugeii bedeckt, von wel- 
clien letzten das kaiserliche Zeughaus Überhaupt eine solche 
Menge besitzt, dass man ganze Fensterbleudungen, Wände u. dgl. 
damit bekleidet findet. 

In den vier Ecken dieses Saales, and zwar am Gip- 
felpunkte einer jeden , gewahrt man zwischen zahlreichen 
Trop&en vier Harnische, deren Beschreibung in Kfirze fol- 
gen soll. 

561—564. Vier Ued)te ^albt ^atnxfdit. 

ä) Dem Biutritte zur Linken ein geschlossener Helm sammt 
Hrnst und Rticken, ganzes Armzeug und ein Eisenhaudschnh (ans 
der ersten Hälfte des XVI. Jahrb.). 

fr) In der zweiten Ecke gegen rechts fortschreitend: 
halbe Rfistung ; Helm dessen Vlsir ein au frech (laufendes Blech-* 
gitter bildet, Brust und Rfickeu, ganzes Armzeug und rechte Hen- 
ze (erste H&Ifte des XVU. Jahrb.)« 

c) In der dritten Ecke, abermals gegen rechts gewen- 
det : halber Harnisch; Helm ans dem Anfange des XVII. Jahrb. 
von schöner seltner Form, abscblftchtiges Vislr; Bmst ans dem 
Ende des XY. Jahrh. (der Uuterreifen fehlt) ; Armzeug aus dem 
Anfange des XVI. Jahrh«, eben so die rechte Henze^ ein schöner 
Fäustling. (Helm und Tatze verdienen einen bessern Standpunkt.) 
Zur Rechten unter den Tropäen : eine derbe Helmbarte von aller 
und seltener Form. 

d) In der vierten Ecke: halber Harnisch ans dem XVII. 
Jahrb. Helm, Brust und Rflcken, ganzes Armzeug und rechter 
Eisenhandschuh, sehr ähnlich dem der zweiten Ecke. 

Unter den Tropäen zur Rechten eine grosse Partisane von 
alter reiner Form, mit hoher Mittelrippe. Noch bemerkt man in 
den vier Ecken acht glatte lichte Brechscheiben als Verzierung 
angebracht. 

565. ^oftptfVttnitBlüM Inxfi wn titdtUnfliin, Vttter 
U§ 00tofnai mU^tB, kaiftxL mirkl. 0e(feim. üatii, 
JtilmatfdiafJi, 9nieral-iltttiierte-9irert0r nn> ^nl^aber 
eilten |Pra^oner-1legtment0 (gebor. 1696, gest. 177) im 
76. Jahre). £xtdiU jereifle ^tnrmliattlie^ 'babti IHrnß 
]in> VfiAen. 

B. F. W. F. An der lichten gereiften Sturmhaube, (ober dem 
Fenster z. R. des Eingangs) , fehlt das Naseueisen. Die Haube 



LIBÜSSA-SAAL. tft 

und ihre breiten Backen sind zierlich geAtst, ' dai^egen 8tal|i oud 
Oeuicfcschinn sp&ter darauf genietet and von weit geringerer Ar* 
l>eit« — Die Haube stammt aus der ersten HlUfte des XYII. Jahr* 
hunderts ; dagegen gehören Brust und Rücken einer weit jflngern 
Zeity und zwar — was auch der eingeklebte Zettel vom FQrsten 
Wenzel Isiechtenstein fabeln mag — einem schlichten frauEÖsi* 
scheu Kflrassiere unsers Jahrhunderts an. (AI. v. lb Comte, Cosiu^ 
««f de ia Motuarchie frangaise, Tom. lY. T. d4d* CareUtinter du 
I. Regiment 1818). Brust und Rflcken von Eisen, sind mit Mes^ 
sing fiberiegt,' der blanke Stablrand mit Messiugknöpfen beschla* 
gen; die Achselbftnder mit Reihen fünffach gezackter Messing«* 
schuppen i>esetzt; ein Stfick von bedeutendem Gewichte. An der 
rechten Seite des eiserneu Bmstrandes findet sich A* P« einge* 
stAmpelt (vermuthlich der Name des Gewerkherrn (Fabrikanten); 
am untern Rande der Brust erblicken wir inwendig eingestemmt; 
XXX XCf:^. Die inwendige Seite der Brust ist mit einem 
Btrtcke umzftunt , der durch Schlingen gezogen worden , und mit 
der gröbsten Sackleinwand gef ü (ter t ; in der Magengegeud ist 
eine Tasche von demselben Stoffe befindlich, vielleicht zu gewÖhuU«- 
chem Gebrauch^, vielleicht als Stossdämpfer. Noch im Jahre 1813 
trug ein Theil der französischen Kavallerie derlei Brustkfirasse^ 
und nur ein arger irrthum konnte dieses unbedeutende Waffen- 
«tfick in dem amtlichen Inventare als jenes des FOrsteu Wenxei 
«• LiecMenstein bezeichnen ; gleichwie dort auch ^in Degen des 
«iivergesslichen HeerfQhrers angeffihrt wird, der sich au dessen 
marmornem Denkmale im Kaisersaale befinden soll; allein znfolg» 
genauer, bei dem eben so gefälligen ais unterrichteten liCitef 
dieser Sammlung, Herrn Hptmu. E**, v* D****** eingeholtem 
Srkundigungen, in diesen R&umen nirgends zu finden Ist. Die ein- 
sige am Fusse. des Deukmales befindlich» wirkliche Cd. i. nicht 
jiachgemachte) Waffe der Art ist ein scfaöngearbeiteter zwei«' 
•chneidiger Korbdegen des XYL Jahrhunderts Cvergl. p. lOS). 

566. Anton fortan Iixtfi wn ixtdiUnf^tin, Httttt Uf^ 
iotbntn VUeßeB^ kaif. Mn. t^trkl* geheimer Hiatk 
Mt(i ^can^ ti0n Spanten txfitx Cluffe ^b. 16M, geat. 
1791 im 65. Jahre). ffttdfUv Bmfüitixnifdfmtt 0ei|ten nnk 
wt0olieten Mitn fammt Vndim^ ^abri eine j^tnnti^ 
^anbe mit Breiten^ geilten nti^ \ vergoldeten ^ritt^en. 

B. F. l^F. In dem Brnstbarnis^ie klebt ein Zettel mit den 
Worten: Brusthamüch des Fürsten Anton v<m 



y^ 



Um llVfltBtMc bMitet «Inen tiefen HAngebMek CPvIleliinellbancli) 
gleicli de« Harnisch« Heinrich'« L (Nr. 516), ist ftt«# ns 1580— 
lifo geschlagen, «OMit nm 100 Jahre älter, al« «ein venwlnlli- 
eher Trftger. Die «chOnverschlnngenen, geacliniackToll geselchn«» 
ten Züge erinnern an dieselben Plattner, wie die Harnische Al- 
hr«cht's VI. (Nr. 513), Fllipp's H. (Nr. 514) nnd Heinrich's I. 
(Nr. 51ID* Die schOne Stnmüianbe Mit breiten Backen y ebenfalls 
ans der iwelten Hälfte des XVI. Jahrhanderts, gehOft nicht smn 
Bmststäcke. 

GBScncBTUCBis. Unter »itnloii FArH ro» LteekimuieMjt 
welchen das amtliche Inventar angibt , kann wohl kein anderer 
als Fflrst ilnlefi FImiäm gemeint sein; wenigstens Ist ausser ihm 
Mir ein *Jokatm Anion^ bekannt (gebor* 1709, gest. 17t4), also 
dem Alter unserer Waffen noch femer liegend. Allein Fttrst An- 
f«n Ft9rüm, obwohl durch seine Reisen und als treuer Begleiter 
Karrs Vi. berühmt, glänzte nicht als Feldherr; daher die Auf- 
stellung seiner Waffen In diesen Hallen schon an und für sich 
unpassend erscheint. Kurze Andeutungen seines Lebens mögen 
dies erhärten : Anten FUnrüm j Fttrst und Regierer des Hauses 
von und SU Liechtenstein , von Nikolsburg , Hersog su Troppau 
nnd Jägemdorf etc. etc. , am 98. Mai 1056 geboren , vermählte 
sich 1670 mit Kleonora Barbara, Gräin von Thun ; wolinte am 
11. Octoher 1087 der ILrdnuiig Josefs I. zum KOnIg von Ungarn su 
Pressburg bei, wo er an dem daselbst gegebenen Turnle» 
re mit seltener Pracht Theil nahm; und ging 1080 als ausseror- 
dentlicher Gesandter Kaiser Leopold*« I. nach Rom. Von Kaiser 
Leopold L im Jahre 1009 zum Obersthofmeister (Ajo) des junges 
■nhersogs Karl (nachmaligen Kaisers Karl Tl.) ernannt, blieb er 
In jedem Wechsel des GIficks der treue Begleiter dieses einzigen 
Sprossen Habsbnrgs$ welchen er auch im Jahre 1709 als »KOnig 
Karle mach Spanien fährte, und daselbst als Premier-Minister alle 
spanischen Angelegenheiten leUete. Erst im Jahre 1710 er^ 
scheint er auf dem Kriegsschauplätze, als er den KO- 
nlg Karl auf dessen Feldznge iu Arragonlen begleitete, und die 
Generalität mit seinen Ratbschl&gen unterstCItzte. Doch schon im 
Jahre 1711 führte er, nach dem unerwarteten Hintritte Josefs 1. 
seinen KOnig nach Deutschland snrfick , und trug nicht wenig zur 
Krwerbnng der rOmischen Kaiserkrone bei. Merkenswerthe Er- 
eignisse seines reichbewegten Lebens sind auch: 1005 die Ver- 
leihung der geheimen Rathsw&rde^ 1097 des goldenen Yliesses; 
1709 des spanischen Grandats erster Klasse, ffir ihn und seine 
■äonliche Dosceudenz; 1700 der Zufhil des Fürst Gnudacker^scheu 



Iil8Uä8A-SAAL. $$t 

M^ioratB, endlich 171t der Anfall des, fftrBtlicheii (Karo« 
linischeu) Hauptmajorats. Dies vergrÖsserte Besitzthum, (er 
kaufte anno 1681 die Herrschaft Rumbarg in Böhmen) , nud die 
1715 in Sfäliren wfithende grosse Pest j^hen ihm die schönste 6e- 
leg;enheit , sich als Vater seiner Unterthanen sn zein^en. Auch 
bleibt denkwürdig, dass anter ihm die beiden Herrschaften Va- 
dats und Schellenberg laut Diplom dd. tS. Jänner 1719 snm 
Reich sffirstenthnm Liechtenstein erhohen worden 
sind *!*). Allein alle diese angeführten Z6ge preisen ihn nar als 
FrledensfOrsten , während sein Bruder fitipp Er€umus als einer 
der Helden des Entsatzes von Wien glänzte, ein Schaler Kagen^s 
(seit 1998 F« Bf. L.) y der am 13. Jänner 1704 dea Degen In der 
Fansty an der Spitze einer Handvoll Tapferer äel, wider Tendome's 
Armee den Übergang des Österreichischen Heeres ttber die Bor* 
mida deckend. — Ob nun die Waffen der oben beschriebenen 
Form vom Jahre 1719 (d. i. aus dem Feldzage in Arragonien, de« 
einzigen j welchen der Färst mitmachte) , herrtlhren können — 
diese Frage so lösen, wäre fiberflOssig. 

567. Adrl IIL Co(|er)00 311 l^tßtxmdi Cnaehmala Kai- 
•er Karl VI.; geb. 1686, seit 1703 König in Spa- 
nien, seit 1711 römischer Kaiser, gest. 1740 im M. Jahre). 

j^urmfidtilie; Ardsm nnb Vudien^adi meifletlt^r fr«« 
otrt/ Hbti eine fitit^U Jlnt^. 

Diese Waffenstücke , «war nar angeblich vom Erz- 
herzog Karl IIL herrQhrend, allein strenger PrQAing za- 
folge über hundert Jahre älter, belinden sich ober der Ein- 
gangsthfir, durch welche man den Ecksaal betritt, als 
Mittel- und Glanzpunkt kleiner Tropäen aufgemacht, und 
yerdienten, da sie unter die schönsten Arbeiten dienar 
kaiserlichen Sammlang gehören , besseren Standpunkt. — 
Die Sturmhaube, der Kragen und der Rficken sind von 
einer und derselben Meisterhand gravirt, dagegen die 
Brust, welche nicht dazu gehört, nur ge&tzt erscheint. — 
Die wahre, zu diesen MeisterstQcken des Grabstichels ge- 



tU3 Nach besendtoi MitUieilangen aus dem fdisUich Lieehteaslein'sehen 
Archive au Wien. 



SSf VIBRTB LAN6SE1TB. 

hOiii^e Brost wurde schon unter Nr. 986 beschrieben, und 
tr&gt die. Jahressahl 1619. 

B. F. W. F. Die «chSu ipravirteu Unter-Dleliugey schon bei 
Nr. 166 beschrieben, zeigen Ahnliche Arbeit« nud d&rften x« die- 
sem Harnische gehOrt haben; eine bequeme Nebeuhaltung würde 
diese Ansicht ausser Zweifel stellen. — Die Sturmhaube besitst 
hohen Kamm und Backen; sie ist mit trelTlich gravirten Zeich- 
unngen fiberdeckt; den dazu gehörigen Kragen und RQcken sierte 
dieselbe kunstgefibte Hand. In der Mitte des Rfickens seigt sich 
eine geflOgelte» gekrönte Figur mit Zepter und Reichsapfel, und die 
Usuichrift: GERMANIA DOMITIX GENTIVM; sur Linken: ein 
Bügel, welcher Seifenblasen bildet f sn beiden Seiten unterhalb; 
swei Satyre in obscdnen Stellungen. Die ganze herrliche Arbeit 
ffirfle wohl für Kaiser Ferdinand II. bestimmt gewesen sein — * 
jedenfalls fehlt das Armzeug, das der Verfasser nicht so glfick- 
lieh war, in diesen WaffeubaUen zu entdecken. — Die reichge- 
fttzte Brust gehört nicht dazu; sie enthält viele allegorische Fi- 
guren ; in der Mitte den kaiserlichen Adler mit grossem undeutli- 
chen Wapen , in dessen Herzschilde des Brzherzogthums (Ober- 
nud Unter-) Österreich Wapen ; eine allegorische Figur zur Rech- 
ten stellt gerechte Regierung, eine ähnliche zur Linken die Macht 
dar; nuterhalb zeigen sich zwei Hellebardiere in der Tracht des 
dreissigjährigen Krieges. 

Unter den zahlreichen Tropften, welche diesen Har- 
nisch umgeben, verdient ein Stück, das zur Linken, vor 
zwei preussischen Fahnen aus der Zeit Friderich^s des 
Einzigen, (welche bessern Standpunkt verdienten}, aufge- 
macht ist, besondere Erwähnung : 

568. <S^r0^e0 ^pu^eifen ann Uv JMi jftaifctf /itrtt* 

tianl^ I« Die darfujif angebrachte ÄteoBg zeiget ober- 
halb: H.« F« t558«9 tmterhalb den Jcalserliehen Adler mit dem 
Herzschilde des Brzherzogthums österseich , umgeben vom gold- 
lien Yliessll. Eip merkwfirdiges 8tück, weil es im Todesjahre des 
Kaisers Karl V. geschlagen worden ist, und mit derlei Waffen 
vermuthlich Kaiser FerdlMid I. als neuer Kaiser seine Garde 
schmfickte. 

Wir wollen nun die vier in diesem Baume beflndli- 
chen, allerdings sehr merkwflrdigen geharirtschten Stand- 
bilder betrachten: . 



LIBUSSA-SAAL. $$9 

569. fibuffa, i§tt}0^n wn 9HlWn CMgto ihrem Va- 
ter Gracns II. in der Re^erang und herrschte nach 

Chr. o. 710 — t 735). (S^attjer Ureter jQotnift^i, t^tiU 
gertfelt; tf^eiU itkt^itp nni an itn ^xUn mit atif^e* 
lüutnm intdtß)txitn "^) illef|lti9 fit^uxt, m4) Me 
tiftxntu Joißtn an itxInxftH ^nr^i^tij gearbeitet *^*). 

Die Entscheidnng der Fragte, ob Libnefla Jemals 
gelebt habe, hat mehrere Gelehrte beseh&fliget. Il>ass 
der hier xn besprechende, besonders schöne Harnisch 
nicht ans dem VIII. Jahrhunderte sein könne, wird woU 
Jedermann, ohne eben WaflTenkenner kq sein, lebhaft ftth- 



tl5) So sonderbar es auch klingen mag, so Ist dies doch der alte Avsdniek 
dafür; so wird z. B. der Harnisch des Enhensogs Siegmund von Ti- 
rol in der Ambraser Sammlung CPeimiss. Nr. 33 genannt : Ain gtuM" 
%e Weisse Büsstungf mit ausgehawen durchsichtigen Messing. 
tl<> Kinige ähnliche Harnische von gleichem Alter und seltener Form 

verdienen hier Erwähnung, als : 
Zu WIlC!^ In der KAIS. KON. AMBnASEn-SAMMLUNG : 

1 . Erzherzog Siegmund von Tirol, «Turnierharniseh ohne Bein- 
taschen, an den Handschuhen mit Messing eingefttfst, dttrcham mit 
gothischen Spitzen venslert.* Dabei eine besondere Brust mit einer 
Tartsche zum Schiltrennen (PRimss. p. 6t. Nr. t), das schon im 
XV. Jahrhunderte üblich war. 
f. Derselbe. Ganzer lichter Harnisch, zum Theile holi|ge- 
schliffien, mit messingenen Orten, die Eisenschuhe mit langen Splt- 
* zen. (Primiss. p. 59. Nr. 3. Kobhlbr, flg. XXV.) 

3. Derselbe. Ganzer weisser Harnisch, hier und da blau an- 
gelaufen und vergoldet, auf Jeder Achselscheibe ein Stern ; auf der 
Brust ein vergoldetes Kreuz. Die Eisenschuhe mit fangen Schnä- 
beln. (pRiMissBR. p. At. Nr. 4.) 

4. Kaiser Maximilian I. Ganzer, an den Orten mit Messing 
gezierter Harnisch, mit eisernen Schnabelschuhen. CPnnuss. 
p, ftt. i^. A.) 

A. darnisch des bösen Fritzen (Frlderieh der Siegreiche, 
Pflilzgraf am Rhein). Ganzer blanker Harnisch mit kugelArmlgem 
Helm u. langen Schnabelschuhen. CPRIMISS. Nr. 87. Kobbl. tfg.XX.3 
Zu PARIS im MUSEE DE L* ARTILLERIE : 

6. Vollständiger Harnisch für Mann und Boss, ausgezeichnet 
durch die Zierlichkeit seiner Gestaltung, die Sonderbarkeit seiner 
Verzierungen, und Länge seiner Schnabelschuhe (iNNiie«x 
temünes en pointe d^une longusur demesuree. — Notice sur les Cot- 
Uetions etc. 1837. 8. Nr. 1). 



tu VIBRTB LANGtilClTB. 

Im. Mai ist lA^gst daiHlber eiaig , 4m8 tte Hantsehe je- 
•er Zeit ner ans Ring« oder Schnppenhemdea bestaaden 
haben, and IIa»eck*s Worte, das» man noch im Jahre 8M 
in Böhmen wohlge&derte Schilde , Pechw&maer aammt aa- 
derer Eftstnag, mit Namen: Zo^encze, Lnbenicse, 
Prosehowanicaey nad 8tarmhflte Ton Farreniiiotea» 
mit eisernen und atfthlemen Reifen verwahrt t getragen 
bähe *'0» beweiaen ebensowohl, dass das Leder bei Harni- 
achea . die grOsste Bolle gespielt hat $ als die mehrere 
Jahrhanderte ^lagere KOniginhofer Handschrift, in deren 
Epoa : , Za^ Siavqf und Luäiekj es heisst : 

Siehe Liidiek haut mit wncht'gem Schwerte, C 

Und darchhaat drei HAnf im Schilde etc. 

Hanka Qud SwoaooA. 81» 



JBs BEBUM in ier WAFFEN - 8A30ILUNG 8. K. H. des PBINZBN 
KABL V. PRBUSSRN : 
y. SclidiiTersierter Harniscli aus dem XV. Jali|lNiiid.y ftanücii 
Jenem 8isl«aHnds im K(whi.ib, lg. XXV. 
AI PABI9 In M. Wagtm-'s PRI VAT-SAMMLUNO : 

8«. Oanxer blanker Harniseh aus dem Knde des XV. Jaluk., 
mit lansen eisernen Scluiabelschulien, abgebildet in Cabolinb Nau- 
sbt's sehdnem Knpfersticliwerlie: Beateü ä^OttJeU dP Art, eic, lief. 
foi. Paris, 1887. Air. 18. 
Stt fcONDOlir im TOWKR OF LONDON : 

9. Sin ganzer Harnisch, der gewOhnUeh Kdnig Heimrich VT. 
▼on England xugeschrieben wird , allein wobl eher dem engUsehen 
KSnige Beinrick VIL (um 1486} geh«rt haben durfte. Kr ist ven 
ausgeseicimeter Schönheit, besitst statt des Helms nach damaliger 
Sitte eine Schallem; Brust und Rucken sind aus mehreren Stücken 
geschehen, und die langen Schnabelschuhe und grossen Sporen 
machen Ihn nochauflUlender. ^TkU piaU onnoffr,* sagt die HtsTonv 

AMD DKSCniPTION OV THK TOWSn OV LONDON, C^. 1837. p. 18.) »it Of 

tke moH heauHful form, parUcuiariy tke baeh plotef^tcA UMe tkai of 

ike kreoMtj i» made of sevoral pieces , lo be flexible the lott§ poüUed 

toee of tke eoUerete amd tke great epure cannot faU to attraet notice,* 

Noch im Jahre 1790 neigte man im bürgerl. Zeughause Wiens 

das Panzerhemd und das Mieder (I!l) der JLibueea. (OeeckiekU 

und Verfaeeung dee Wienerieeken bürgerlieken Hegimente u. dee Ar- 

tiUerie- und SckarfecMttxen-Korpe, lt. IVien, 1700. ökler, p. 45.) 

tl7> Womit man aber keineswegs die ealotte de fer verwechseln darf, 

die einer weit Jdngem Zeit angehdrt. Sie mOgen eher der mace- 

donischen xaue^ Ähnlich gewesen sein. 



Wie Mflpmohslos lautet diese Diditaag g^gee die Ükertvei- 
hmng des gefeierten HoMn, welofaer deo Geriier Tf eMw mm 
Cwnee ma den Sehilde des Ai^les sielbea der etiricetea 
und Miserieaensten Oebsenh&ute gerjben und liefen lAeet! 
Sine eehwierigere Frege wftre Jedeeli, ek dieser sehtae 
Haraisch ein Fraaenhnrnisoh gewesen sei; — wie denn 
des Mittelalter kriegerischer Frauen nicht ermangelte *^*). 
Die Antwort dürfte lauten, dass dieser Hamiseh wohl we- 
gen seiner Zierlichkeit nnd Leichtigkeit, minder fingen 
seiner KOrper-Verhftltnisse , einem weiblichen Träger m»* 
geschriehen werden könnte -*• wenn nicht eine besondere 
Vorrichtung an den Knieen, die später besprochen werden 
soll, den Fingeraeig lieferte, dass die Beinröhren fOr den 
Wachsthnm eines Jfinglings berechnet gewesen sind. Das 
M fthrchen endlich, dass die Grausame mit den langen eiser- 
nen Fusspitnen die Männer ermordet habe , trägt das Ge* 
präge der jOngsten Zelt *^*)« Abgesehen davon , dass ein 
8C0SS mit der gegliedertea Fasspitze kaum möglich wäre 
(als welche bei Hebung des Fusses abwärts sinkt); weiss 
Ja Jeder Kenner des Mittelalters, dass die langen Schna« 
beischuhe eine allgemeine Tracht der Ritter waren ; eine 
Mode, welche nicht, wie einige halbuntenichte Schrift- 
steller meinen, nur im XIV. und XV« Jahrhunderte, son- 
dern schon im XII. Jahrb. in Österreich übiieh **^} gewe- 
sen, nnd im XV. Jahrb. an den Harniaehen in 8tahl nach- 
gebildet wurde; gegen welche funnlose, höchst unbe^w 



tl8) Van vergl. über Frauenhaniische den Anhang. 

tlt) Obwohl schon Katsslbr, der sieh, gleich andern Reisenden, si» 
manches MAhrchen aufbinden liess (wie z. B, der tehdnen Flilppine 
Welser Tod Im Bade), Ansserte: »An vielen gansen Künumen der 
»dsterreichlschen Snheraoge bemerkt man eiserne Schuhe mit sehr 

»langen Spitsen etc vennuthlich hat man diese Spitxen mll 

»Gewalt In des Gegners Pferd getrieben, und hernach den Fuhs 

»zurückgezogen.* CR<^'f>®"- !• 04.) 
*M) So z. B. deutlich zu gewahren auf den Siegeln der ersten Baben- 
berger CHzanGOTT, Monum. I.), anbei auch auf englischen und ITan- 
ztolsehen. 



•M YIBETK LAN68B1TA. 

Tr»eht SitteacedMer und Forsten fVaehtlös eiferten, obwohl 
sie die Ritter sogar am Kriegsdienste hinderte; so dass es 
aieht selten sich zatmg , dass sie , bevor es «ur Schlacht 
kan, oder vor der Flacht, h&nüg mit dem Schwerte sich 
die Sehnbschn&bel abhieben j um besser retten »a können ; 
(mehrere Belege im Anhange). Im siebenten und achten 
Jahrzehend des XV. Jahrhunderts , ans welcher Zeit der 
sn besprechende Harnisch stammt, waren die Harnische 
hoher Hertren von grösster Zierlichkeit. Ihre Orte (Bftnder) 
waren oft ans dnrchbrochnem Messing, oder gar Eisen 
gearbeitet, and der deutschen Plattner Fleiss and Kunst 
neigte sich hier auf giftnsender Gipfelhöhe. Geschmack- 
voller konnte wohl ihr Zuschnitt werden (und er ward 
es, gegen das Lebensende des ritterlichen Max I.), dooh 
fiierlicher nimmermehr. Der mühsamen künstlichen Ar- 
beit solcher Harnische und ihrer grossen Seltenheit ent- 
spricht anoh ihr hoher Werth; sie bilden den Glanzpunkt, 
das Kleinod Jeder Waffensammlang, welche 
von Glücke sagen kann, wenn sie nur Ein derlei Stück 
auAEUwelsen vermag, und gehören unter die kühnsten 
Wünsche des leidenschaftlichen Waffen - Sammlers , dem 
diese durchbrochenen Messing- oder Stahlrftnder beilftuflg 
das gelten, was Blonden oder Brüsslerspitzen dem lüster« 
nen Auge der Dame. 

B. F. W. F. Eine ähnliche Arbeit foeaitst diese kaiserlich» 
Samnlnng uor au deu schweren SCechhaniischeu Nr. 06 und 07 1 
Nr. 104 nud 107. Die Gkstalt der >8ch^iern€ Usenhuoi) aud des »smi- 
0enpiechsy€ die eigentlich dazu gehören, aber hier fehlen, findet 
man in herrlicher Urform an dem prachtvollen Harnische des Erz- 
herzogs Sigismund von Tirol in der kais. Ambras. Sammlung Cab- 
geb. in KoaaLEB Nr. Sd9« Ihr Mangel wurde durch einen jungem 
Helm and Hals, ans der zweiten Hälfte des XVI. Jahrh. ersetzt. 
Der erstere , nach bnrgnndischer Art , bat zwei Backen , die am 
JKinn zu Sffkien sind , so wie am Helm des Königs f^ndwig II. 
(Nr. ISS), besitzt daher fünf Stücke; einen hoben Kamm , und 
sein Visir ist beiderseits gelocht , die LOcher der rechten Seite 
grösser. Der glatte , etwas geätzte Kragen ist geschlossen. — 
Die geschobenen Achseln mit glatten Vorder- und gereiften Hinter- 



LIBU88A-SAAL. 387 

f dgeu besiUeu keiueii Brechraud. l>ie AmbewgMi, obwohl nklit 
gänzlich geschlosBeii; begr&uzeii outen drei, oben vier geschobene 
Reifen y um den Arm 211 schirmen y ohne seiner Bewegung Ab- 
bruch zu thun. Die Cvou innen nach Sitte des XV. Jahrb. offenen) 
Mäuselu sind in eine Spitze getrieben. Die Stahlbenzeu sind. 
FänstUnge, woran Finger nachgebildet worden sind, mit messing- 
nen Spilzkuöcbeln und messingnen Fingernftgeln. Der kleine 
messingene Rusthaken Ist zum Aufschlagen gerichtet; aueh be- 
sitzt die Brust noch oberhalb das Öhr, um den Kloben des (feh- 
lenden) Stahlbartes aufzunehmen. Brust und Rücken sind zwei- 
mal geschoben y und daran vorne drei und hinten drei liCibreifeu ; 
die Schosse fehlen und sind unpassend ersetzt. Am schönen Diech- 
hamisch fehlen die öberu Folgen der Diechlinge; die Hinter- 
scbeukein sind >plM.« Der Harnisch hat keine >cuteUe^ (Biseu- 
gesäss) y wie jener angebliche der JenuMB d^Arc zu Paris. Die 
>KniepHkein<ii sind fSr den Wacbsthum bereebnet, daher sie mit- 
telst Federzapfen dreimal anders gesteckt (d* i. zweimal ver- 
längert) werden kdiiueu. Kuiebuckeln und >PaiHr&reH€ sind voll- 
stiliidig y letztere an der Innern Seite mit Federzapf eu geschlossen, 
ohne Knöchelreifen , überhaupt das ganze »pain§fewmnit4c gut er- 
halten; die eiserneu Waden besitzen vier (d. 1. jede zwei) Reifen. 
Die 9€i99^in SchnaheUchuech^n sind geschoben, jedoch nicht zum 
Abstecken, wieso manch andere dieser Zeit. (Z. B. Ambras. 
Smlg: Primiss« p. 58. Kr. 3, 4, und p. 56. Nr. 37.) Die FQsse 
sind von der Ferse bis zur Spitze 19 Zoll lang , dagegen die 
Schnäbel aliein 8 Zoll ; die eisernen Fersen ohne SporenlOcher. 
Die kleinen Waden, die breiten Vorfflsse, die schmalen HfUten. 
und breiten Schultern, dabei die Kniebuokelu auf zweimaliges Ver- 
längern eingerichtet, beweisen) dass der Harnisch für einen Jüng- 
ling von 16 — 18 Jahren geschlagen worden **'), sicher nicht vor 



SSI) Da, nach den Erfahrungen der Anatomen, die Länge der untern 
Körperhälfle (von der Sohle bis zur Scham) bei Weibern und Jüng- 
lingen unter 18 Jahren der obern Hälfte gleich ist, dagegen in den 
folgenden Jahren beim Jünglinge die Länge der Beine zunimmt, und 
daher die obere Hälfte kürzer erscheint. Obwohl hier nur normale 
Körperverbältniase ohne Rücksicht auf abweichende Individualität 
in Anschlag kommen, so hat denn doch die genaue Abnahme des 
Masses von der Sohle bis zur Kniescheibe, als einziger sicherer An- 
haltspunkt, — bei Grössebestimmung de«) Maiißequin^ der für den 
Harnisch eines historisch merkwürdigen Mannes zu verfertigen 
war, ^ schon oft ernpriessiiche Dienste geleistet. 



338 VIBJBtB LANeHSBCTE. 

ämm adbteii Deoeiutlo des XV. Jfthrhiuiderts. Der Bohnitt der Har- 
ulsokoreifeu in «olcheii langigedehate», eiuwftrts geechweifteu Zac- 
ken begann tu Dentsclilaud um 1460 — 1465, und erreichte die 
achdnste Stdfe seiner Anebildnng nm 1470 — 1474. (Man verirl. 
anoli das ansgezeicfauete Pracht werk fiber die englischen Ritter- 
grabsteine , CoTMAN KSQ. j Engraoütgs of Sepmickrai Braases in 
Norfoik and Sngbik etc. t. edüion. Fei. Londom , 1869. Vol. I, 
Plate 64 de anno I4689 P^* ^ ^ <"^>'^ t4»6f Fl. 60 de anno 1466, 
PI. 61 de anno 1470, PU 66 de anno 147t, PI. 64 de anno 1481, 
PI. 66 dp anno 1488, PI. 37 de anno 1400, PI. 40 de anno 1496, PI. 
44 de anno 1496, und Appendix^ PI. 6 de anno 1470, nnd i. d. Bras» 
969 of Sufbikj PI. 16 de anno 1479, als Kulminationspunkt dieser 
Harniscbmode.) Unstreitig waren um 1491^ diese Harnischformen 
in Deatschland sehr im Schwünge , nnd in diese Zeit fallen auch 
die praohtTolien Harnische Sigismund'sdesMfinsreicheniuderAm- 
braserw-SaflUBlnng. — Dass sie noch um 1480 Mode waren, bewei- 
sen die fthnlichen Harnische des letzten Ritters Max I. (man vergl. 
im vortiegeuden Werke Nr. 9, und pag. 666 Anmerkung Nr. 4.) 
Jedenfalls ist der angebliche Libussa-Harniscb, — denn auch das 
ftmtliche Inventar enthilt diese Benennung — von meisterlicher 
Arbeit. nnd ausgezeichneter Schönheit. 

570. Wlaßa^ Ux fxbnffa ^ZvUlmaQ'b, fo Un Wetlirr- 
attfrit^t in J^ji^eim txwtAttp ttnt Un fm^mtn^tX" 

iH f^i^ii^ htt^tl)titt (nacli Chr. G* 7d5— 744j. ^aVi^tX 

lUd^Ux, gereifter ttn^ ^tktkittx ^axnifd^ jum JfeU* 
kämpf) "bübti ein ^tlmp >ef|en ^dmftnfitx jeformbt 
aU tin SSdtimbaxt, mit aitio CenfeU Jlntlt| ***}• 

Obwohl Kammerfrauen in der Regel zu nnbedeatende 
Geschöpfe sind , als dass die Weltgesoliichte sich um ihre 
Thaten kflmmern sollte , so hat doch die Letztgenannte 



*M) Das seit 1818 bekannt gewordene Gedicht yjLibussa*s OericM^^ nach 
SCHAFFAiiiCK*s Und Palacky's Ansicht aus der zweiten Hälfte des XI. 
Jh. führte Libussa's Existenz ins historische Gebiet ein. Wlasta's MM- 
cbenkrieg wird von Cosmas Ct 1 iS5) dem glaubwürdigsten und ältes- 
ten Chronisten nur fluchtig berührt, erst durch den leichtsinnigen Ha- 
GBK et 165t) als Geschichte geltend gemacht, und getreulich von 
DuBiiAviüS (f 1563) und Balbinus Cf 1688) aufgenommen. Wer hier- 
über Belehrung wünscht, den verweisen wir auf Palacky's treflTiiche 
Gesch, Böhm.iH-ag^ 1836, I. 8t. auchDoBRowsKT, I. krit, Vertueke^ 
' die äUeste bohm, QtschichU von späteren Erfindungen zu reuU- 



LIBU98A-SAAL. Mf 

sieh darin einen Nmmen erwerben. Allerdinga sind fOr den 
böhmischen M&dchenkrieg als Thatsache, einige geschieht« 
liehe Fingerzeige vorhanden, obgleich viele Historiker sel- 
ben in Zweifel ziehen **'), und die Erz&hlang des Föh- 
rers , M^® Libussa's Kammer A*aa Wlasta nach dem To* 
de ihrer Herrin keinen Freier gefunden; darnach nnver- 
lllgbaren Hess gegen alle Minner gelbsst, und viele Wei- 
ber zn bereden gewusst habe , ihre Gatten bei Nacht zu 
tddten; bis sie endlich von einigen Mftnnern Aber hohe 
Felsen gestürzt , in der Tiefe ihre schwarze Seele aus- 
hanchte \^' beschftftiget genflglich den deutschen JoAii BuUj 
der gedankenlos die Tenfels-Maske am Visir begaüt Wir 
erkennen beim ersten Aniilieke einen schönen Manttshar- 
nisch ans dem Beginne des XVI. Jahrhunderts, der anf 
einen starken Reitersmann mit derben Gliedmassen schlies- 
sen l&sst, keineswegs auf ein Weib$ wie denn auch das 
Amtliche Jnventar von einer Wlasta nichts erwähnt* 
Dennoch scheint diese Sage in firöherer Zeit Anklang ge- 
flnnden sn haben» da uns bei öfTnnng des Visirs ein ziem- 
lich schlimmes Weibergesicht anstarrt. 

B. F. W. F. Der Helm, mit niederen Helmkamme , bestellt 
aas drei Stfickeu; sein HelmstorE bildet eine Satanslarve, beider- 



yeiiy Prag^ 18t 1. 8. u. a. m. — Auch Dtchter haben diesen Gegen- 
stand wiederholt gewählt, als i. B.: NAunUTt INe TöekUr Mr99t$, 
BöhmeM Fttrstiimen, t. ThI. m. Kupf. 8. Hohenz, 1798.— Abem- 
teuer OesHofmeist. ICH^ nebet 8a§e mm Wiaeta im Jmkre 7«5-*7d4. 
Bieenb. 8. 18t5. — BscHSTUif, IfWfMfiing der lAhueea* f. ThI. 
Stuttg, 18t9. — VAN nsR Vbldb, böhmischer Mädehenhrieg (histor. 
Rom.); des unvergessHchen Musaeüs liebliche Dichtung: Libueea, 
Im ni. Bd. s. Volksmährch. CGotha. kl. 8. 1883); des Prager Dich* 
tefs Kael snoN Ebbet Wlaeta , böhmieeh-^uUiiuuaee Heide m g e die ht ; 
Ptäg, 1889; wodurch er seinen poetisehen Beruf auf hohe Weise 
beurkundete; Lambbbcbt*s HfojJca (sie), i^ssia nach v. n. Vbldb. 
8. 1836. u. a. m. 
ttt) Wie 8. B. der geachtete Rubbs äussert : «Die Sagen ans der älteren 
»böhmischen Geschichte von Samo und seinem Reich, und von Krüh 
«und seinen TOchtem, der hibuesa u. s. w. sind sichtbare Fabeln, 
«die im Laufe der Kelten von den Ghronlkanten immer Bierlicher 
«aufgestatBt wurden." 



S4« VIBRTB LANGSKITB. 

Mito iselochC i daran schllesat ela offener Helm-Haie mit gescho- 
betten Hluterreifeu und ein geschobuer Kragen, Die echSiigereiflen 
Achseln 9 worauf zwei Brecbräude sitzen , sind mit steifen Vor- 
der- und Hiiiterflügen versehen; der rechte Vorderflug wegen dem 
Lanzeneiulegen schmal ; die Armzeuge mit grossen Muscheln. Die 
Armbengen sind mit Folgen geschlossen; die Stahlhandschohe, 
jeder von anderer Arbeit, von anedler Form und jftnger (geiugert 
mit langen Stülp), gehSren nicht znm Harnische. An der rnnd- 
gewdlbten Brost CForm wie am Harnische Nr. 906) haftet ein 
Bflsthaken älterer Art (ein krummer Haken zum Umlegen y ohne 
Stellfeder); auch vier Leibreifen und lange geschobene Schosse 
Bind daran befestiget. Die Schenkeln sind durch lange Dieöhlin- 
ge mit kleinen Muscheln am Knie verwahrt ; Hinterschenkel nnd 
Kniekehlen bloss; die Beinschienen ohne Knöchelreifen, mit Hik« 
«cben an sdiliessen. Die Fllase decken breite Stompfachnhe 
(BArenfRsse) ; au deren Fersen mangeln die Sporenldcher. Alle 
Thelle des Harnisches, ausser Hals, Handschuhe nnd Schienbeine, 
sind gekehlt. Diese schSne Arbeit, die mit Nr. 206 unter die äl- 
testen nnd schönsten Harnische dieses Hauses gehört , stammt 
aus der Blflthezeit der deutschen Plattnereien, der Epocffe der edel- 
sten Harnischformen 9 . und d&rfte um 1495 — 1515 geschlagen 
worden sein. Rficksichtlich des Gesichts, welches das Visir nach- 
bildet, wnrde bereits bei Nr. S44 Mehreres bemerkt. 

Die beiden andern Ecken dieses letzten kleinen Saa- 
les füllen zwei Ritter, jeder mit einem runden Schild and 
Spiess bewaffnet, die gegen einander heftig anlaufen. Wir' 
wollen erat den neben dem Ausgange zu unserer Rechtent 
hierauf seinen Gegner besprechen : 

ft71. <0an3tr lU^Ux glatter €tirnierl)arinf4) )nm18eai- 
geßei^ mit oergS^ettet €iirtfil)en« 

B. F. W. F. Die RÖstuug Ist ihrer gaiizeu Form nach zum 
Turnier gearbeitet, und verdient nähere Beschreibung. (Genau 
abgebildet nnd beschrieben ludet man eine Ahnliche Rüstung 
▼on 1586 in Finckb's Mbtbick. PI. X.) Der Helm trftgt einen 
Greifenkamm und besitzt keinen Hinterhals; denn der Rficken, 
welcher sich iu einen steifen Hals verlängert , ist im Geuick an 
das Scheitelstflck des Helmes geschraubt* Vor das Gesicht ist ein 
Stahlbart imenionnih'e} befestiget Ceiu langes Stfick, das beider- 
seits das Gesicht , das Kinn , den Hals und einen Theil der Brust 
deckt, an welche letzte es festgeschraubt ist). Br besitzt nur an 



L1BU»SA-8AAL. 341 

der reckt«!! Seite einen durdibroeheneii Luftgeber CFnrcift's Mbt- 
mcKf PI. IX u. X), nnd einen kleinen Breohrand. Die hallten (offe- 
nen) geflohobenen Achseln besitzen nur HiuterllOge (der linke ist 
MMy der reclite geschoben). Zwar hat der. linke Arm keinen stel- 
Uü £1 bogen ; allein dies entscheidet nicht. Mau ladet derlei Rtls* 
tungen theils mit **^), theils ohne **&) steifen Arm; jedoch bat bei 
vorliegender der schwergearbeitete linke FftustUng eine steife 
Hand (d. i. er ist aus swei Stdcken geschoben : der Hand nnd der 
Arardfare; der linke M&osel aber hat ein Loch fQr ein CfehlendesJ 
Doppelstficky (d«i gardekras) ; der rechte Handschuh ist gelingert. 
Die Brust trügt einen unbeweglichen RQsthaken mit doppelter 
Krümmung, um die l4ause auf zwei Arten einxulegeu, nnd iin der 
linken Seite ein Scbraubloch fQr eine (fehl^ide) vei^tterte Tart-* 
sehe xom Beälgestech. Au dem sehr tiefen Hängebaudi (Polichl- 
neUbaucb) sind kune geschobene »Schässeln^ befestiget, worunter 
halbe Diechllnge liegen. Armbeugen, Kniekehlen und Hinterschen- 
kel sind offen. — Die Beinschienen besitzen vier Knöchelreifen und 
sind an der Innenseite mit Leder geschlossen; die Fusspitsen sind 
stnmpfkolbig. Der Beweis, da^s die Beine zum Harnisch gehörten, 
möchte schwer fallen. Die Fersen besitzen Löcher, und in selben 
kleine Einstecksporen. Die Höstung dörfle um 1560 — liS^ gescida- 
gen worden sein. -* Die eiserne Rundeli mit dem darauf gemalten 
österreichischen Wapen passt eben so wenig dazu, als der Spiess. 

572. tf atijer lUd)Uv glatter ^ttmler^arnifi^ jttni mSl- 



fc^en tf eße^f über ba0 IPtU ***^ 



**A) Z. B. in der Ambrsser-SammlUBg: die Aüstung des Karl Schnif. 
CPEIMI88. Nr. 88. — FiNCKK*s Mktbick,. Fl. IX. d. a. 1585.) 

tt6) z. B. FlNCKB*S Mbtbick, PI. X. 

*M) Hamiaehe vom Qestech Über dasDiktt (od. «wälschen Gestech*) 
und zum Bsalgesteeh sind schwer zu unterscheiden; beide Ge- 
steche hatten in der Bewaffnung so viel mit einander gemein , dass 
sie selbst In gleichzeltigt^n Tumierbuchern nicht selten verwech- 
SSM werden. Die Unterseheidungfimeritmale sind iilgende. B«n 
Gesiech über das Dull gehörte eine llake Boppelaehsel and ein 
Unker Doppelm&usel, allein keine Tartsche; dagegen wurde das 
Realgestech mit eisernem Bost (ie grU) , d. I. vergatterter Tartsche 
nad ehne Doppelachsel gehalten. Besttst etat Harnisch daher den 
Luftgeber, das Schraubloch an der Unken Brust , und die Löcher Air 
den fest aufeuschraubenden Stahlbart, so kann man fünf gegen eines 
setsen, dass er sum Bealgefitech gehörte; (vorauKgesetat, daSs er aus 
Jener Seit stammt, in welcher maa Bealgesteehe hielt). 
II. 9 



34S VIBRTB LANMBITE. 

B. 9. W. F. Di« gaiue Rflstang glaCty ii«r der linke ecbwe« 
re Ffoetllns mit steifer Hand \»t geBüEt (welciier daher von einer 
aclidneni Rttstunif eutttom»en wurde , nud anf den Verloet einer 
scIidnig^eftUten SIeclirflstnngy die so selten vorkommt, slenÜcli 
sicher scbllessen lilsst). Er ist ans drei StQckeu ipescboben , und 
seine Atzung verwandt mit jener an den Harnisdien Ottokar's 
(Nr. 607) nnd Farnese's CNr. 198). Der burgnndisclie Helm , aus 
vier Stttoken , sitzt auf einem gescliobenen nnd geschlossenen 
Kragen 9 und das geradanfstrebende Tisir enthAlt einen bliadeu 
Lnllgeher. Anf der linken Seite sind Wange nnd Hals durch einen 
steifen Bart geschillzt, der auf der Brust aufgeschraubt ist, 
nnd die linke Helmrose deckte dagegen langet er anf die rechte 
Seite nur mit einem zwei Fluger breiten Rande herilher. Er besitzt 
auf der rechten Seile einen Brechrand. Die gescholtenen Achseln 
haben Vorder- undHinterflfige; der rechte Vordering istschmUery 
der rechte Handschuh gefingert. Die Armzenge mit offenen Arm- 
beugen scheinen nicht dazu zu passen ; auch fehlt am linken Mftu- 
sei das Schraubloch fttr ein Doppelstttck (0ardelMri$s), Der zwei- 
mal gekrümmte unbewegliche Rfist haken hat dieselbe Gestalt, wie 
bei dem letztbeschriebenen Harnische. Der tiefe CSamsbauch endet 
In breite kurze, einmal geschobene Schosse, unter welchen halbe 
Diechlinge liegen, auf einmaliges Abstecken gerichtet. Die innere 
Seite der Beinschienen ist mit Häkchen, geschlossen. Die Bein- 
schienen ohne Kudchelreifeu, die Fersen mit Löchern für die (feh- 
lenden) Sporen, die Fusspitzen stumpfkolbig, jedoch die VorfÜsse 
gleich den Beineu so klein, dass sie schwerlich zum Harnische 
gehOrt haben dflrften. Dass die letztbesprochene Rüstung, die 
weit schwerer gearbeitet ist , als die des Gegners , nnd auch um 
einige Jahre Alter zu sein scheint , wirklich benOtzt worden ist, 
lAsst sich nachweisen. Der Helm tr&gt mehrere Spuren von Lau- 
zenstSssen und Schwerthieben. 

Die Aaflstellang dieser beiden Tarnierhamische ist, 
da beide sam Turniere za Boas i^ehörten , höciiat nnpas- 
MAd — wiewohl fttr die Sebaar nnwiaaender Sebanlasti- 
%er besteebeod. Die Darstellong zweier Ritter In sebweren 
Gestecbbarniscben, wie sie gegen einander 
«n Pubs anrennen, ist wabrlicb für jeden Kenner des 
Mittelalters ein possierlicber Anblick. Die Ritter batten 
beim Fnsskampfe : a) an der linken Hand keinen steifen 
Stablfftnstlingy b) keinen Rüstbaken, c) keine Sporen n. 



' LIBV8SA-SAAL. 34»^ 

dergi, — Mir ist mnch unter den vielen Gattungen des 
Kampfes, welche im XV. nnd XVI. Jahrh. fiUich waren, 
wir mOgen nun die dreiundvierzig Gattungen des deut- 
schen Turnierkampfes ''O? oder die noch grössere Zahl 
der Kampfgattungen ausserhalb der Turnierschranken C^u 
Schimpf und Ernst) betrachten — nicht eine einsige vor- 
gekommen, bei welcher die Ritter zu Fuss, in einer 
Faust den Spiess, in der zweiten den Schild geführt 
hfttten ! ! — Es wftre zu wünschen , dass die WaiTenauf- 
Btellung in den Zeughäusern von sachkundigen Gelehrten 
überwacht würde, um solche arge Lächerlichkeiten zu 
entfernen, deren Abstellung, wenn sie einmal in einer 
kalserl. Anstalt das Bürgerrecht erlangt haben, auch dem 
einsichtsvollsten Leiter der Sammlung sehr erschwert ist. 
Die buntbemalten Rundellen, welche die Ritter am linken 
Arme führen, sind unpassend gewählt, sie gehören nicht 
diazu. — Zwischen Wlasta und ihrem Nachbar stehet am 
Fenster ein sonderbares Geschütz: 

573. <£tne alte 90fftU)akmhnd)ft ab fiaxvtnhnd^ft 

0eri(^tet. (Lauf: 5' 7\" lang, Mündungsdurchmes- 
ser l'O« Der fiber sechsthalb Schuh laii^e Lauf einer alteu Dop- 
pelhakeubfichse, die noch an dem abwärtssteheudeu , nach hinten 
gezackten Haken , (damit er beim Abfeuern den Rückstoss durch 
seinen Widerstand an der Brustwehr breche), als solche kemibar 
ist ; wurde auf einen Flintenschaft von neuerer Form geschäftet, 
und auf einen zweiräderigeu Karreu CKarreulaffete) gesetzt. Auch 
bat mau ein Radschloss hinzugefügt, welche s&mmtliche Verbes- 
serungen wohl nur als Versuch zu betrachten sind, das alte gute 
Rohr dem neueren Kriegsgebrauche anzupassen. Die ältesten Dop- 
pelhaken besassen kein Schloss, sondern wurden mit der Lunte 
abgefeuert, auch lagen sie ursprünglich auf Bdckeu. Ihre grosse 
Schoss weite nnd Kraft Ist genügend bekannt; allein ihre stärkste 
Art , der sogenannte »scharfe Tfindel« (zweifacher Doppel- 
haken, 8prfyigardä)j nach Hendl eine italienische Erfindung, war 



tt7) Vergl. die BiUerlmrge» Bmikeneck, Schar feneck und BMmhenetein, 
mü geeeh. And. After die Vemgeriehte und Turniere, von Fr. 
VON Lbbbb, mit 10 Steintaf. 8. Wien, 1844. Bniumäller ^ Seidel. 

9 * 



S44 VIEBTB LANGSHTB. 

v«ii u^eii gi^Mcrer Wirkung. Soiu Bohr, ans 8taric«m filsen g«^ 
Mtaiedety war siebenthälb Schuh lang, wog beilAulig l Ztr. und 
Bch088 1^ Loth Blei* Auch die acharfeii Tfiudelu wurden in der 
letzten Zeit ihres Gebrauches mit Radschloss versehen **®). 

B* F. W. F. Die rohe Unterseite des Rohres zeiget , dass 
die alte Schäftung wett mehr nach vorne reichte; so langet z. B. 
bei einer HirtcenMlcbse In des Verfassers Sammlung , deren Lanf 
mit elngestftmpelter Jahressahl 1614, beinahe dieselbe Form vor- 
weiset, wie der oben besprochene, die zierliciie SdiAftnng bis an 
die M Ottdung. Die Schildzapfen am Bohre sind ein neuerlicher Zu- 
satz zu selbem; ursprünglich besass es keine, ebenso wenig als 
jenes Steinschloss , und eine solche Richtmaschiue , womit wir 
dasselbe gegenwärtig ausgerfistet erblicken. 

Indem wir diesen Ecksaal verlassen, der so viele an- 
sdehende Seltenheiten birgt, um die letzte Langseite die- 
ser grossen Waffensammlung zu durchschreiten , muss er- 
innert werden, dass dieselbe, vorzugsweise der Aufbewah- 
rung gangbarer Waffenvorräthe gewidmet, eine geringere 
Zahl von historisch - merkwürdigen Überresten entb&lt. 
Auch hier soll, wie bisher geschah, kein einigermassen 
hemerkenswerthes Stück übergangen werden. 

ERSTE VIERUNG. 
574 _ 575« ^mtx iptttidfifdit ^al^ntni durch Form und 

Farbe genfigend bekannt, daher ihre Beschreibung überflässig« 

576« SSni^fhntiifiit lüifttt. 1iüftnt0% wtxfi, blutt ; aus 

Seidenstoff; zur Linken des Beschauers an einer Sflnle be- 



tts) Der Ursprung des Ausdruckes wird verschieden hergeleitet. Schbi- 
dB CßArgi. Zeu^kmu^ in den; Betrag, s. LanäeskuMde österreiek», 
UI. p. 93 gibt an , dass die deutschen Buchseameister das Italien. 
aerptnUtuUo in wSekarfeaUAndl* oder auch ^»dkartes Dirndl^ rade» 
brechten. Bei Fronspkrger heisst es theils Om BticA von d, Feuer^ 
werk, fol. 17. b} JScharfatinen ,'^ theils auch C^f^n Kriegsrüst, 
fol. 18. b) wSeharpfenUner ;* so auch bei Frisch: «Ein Oeschuts, 
«sechs oder sieben Schuh lang, schiesst eine Bleikugel Vx Pfund 
«schwer, wiegt der Lauf etwa swei Zentner, liegt auf kleioea Rik* 
«dem, dass man es auch auf die H6he und auf Th&rme bringen 
«kann, langt 500 Ms 600 Schritte weit.« 



ZWSiTC VIBRUN«. Mi 

inti|{et, vMi g rwu ^e tt Keistom lllr cum lAiwov«ffa«lflClw Fstee 
gelMlten» Oberhalb Ut 4ie heilige Agatb« z« edtaneHy 4eii Paln- 
sweig Hud auf einer ScIiflMel iiire Brflete trageiiA; ualerlialfo ein 
Wapea: unter einer Krone eine Burg mit drei ThQraien CMnter 
MaHeninnmi)^ swiecken swei kalben Adlern ale ScUidhaUer. — 
Nocb ist cur Linken CberaldUicii gemeint) der engliacke Gmee 
CMaria vor dem LiHenträger) an erkennen, der fibrige Theil der 
Fahne bereite nnkenntÜGh oder fehlend, — und eelbet die hier 
oben augeführten Bilder eind mehr au errathen ala an gewahren. 
All der Gegenseile: 

577. S^dtmihxf^t /a||IU. Wti^, wAt eineai gemalten 
Waj^eu, das unterhalb drei goldene Ldwen im weissen Fel- 
de^ auf der Vorderseite d^r Fahne (vergl. Aumrkg. 90. p. 68) ge- 
gen L. gewendet, oberhalb das weisse Kreuz im schwarzen 
Felde eutbfilt. 

Die lange WalTenstrasse, welche man hierauf darch- 
wandelt, ist aas Jiigerstatzea gebildet. Wir schenken nur 
dem zierlichen Deckenstücke, von vielen S&olen getragen, 
unsere Auftaierksamkeit : 

578. Ctn HeAen^uA an9 "bttx üreifm htfltlfttCii. Drei 

kunstreich aus Waffen und Waffeiitheilen zusammengesetz- 
te Rundungen scbmfickeu diese Saaldecke , und gewähren hier 
durch sinnreiche Vertheiluug, zierliche Anordnung und fleissige 
Ausführung einen überraschenden Anblick. Die ^beiden Ausseren 
sind aus Radschlossflintmi und leichten Helmbarten des XYII. 
Jahrhunderts gebildet, die mittlere und grüsste Rundung aber ans 
preusslschen Säbeln , welclie ein Kreuz blanker gelber Gewebr- 
Seiteubleche umgibt , um deu sich iu weiter Runde eine Kiufas- 
suiig von Helmbarten und (neu verfertigten) stachlichten Streit- 
keulen schlinget. 

ZWEITE VIERUNG. 

CDU TodUnorgei, — die damascirU lUuumeJ 

579 — 58S. Vier fdtx»ab^dit £a^ntn. An den vier Säu- 
len, welche die mit grossen Pauken geschmückten Kcken 
der Vierung bilden, befestiget , und den früher sub Nr. 556 — ^559 
beschriebeneu ähnlich ; zwei von weissem , zwei von gelbem 
Tagt , auf jeder das oben erwähnte Wapen , nämlich die drei 
goldenen Löwen im weissen Felde und das weisse Kreuz im 



846 VIERTE LAN0SEIT8. 

«chwanen F«ld6. — Mehrere fthuliche Fahnen werden wir in der 
Folge gewahren. Dae ftatliche Inventar erhält über deren Erwer- 
bung keine Andentnng^ mflndlicher Überlieferung zufolge dienten 
dieselben den Truppen einiger schwäbischer Kreise , welche sich 
in den FeldzOgen der Neuuzlgerjahre verleiten Hessen, heimlich 
den Franzosen Vorschub zu leisten, wesshalb sie von den Öster- 
reichern eingeschlossen und entwaffkiet wurden. Bei dieser Gele- 
genheit worden viele solche Fahnen und eine bedeutende Anzahl 
Gewehre in dies kaiserliche Zeugbaus abgeliefert. 

583. 9ie ftoMmorgel von jPanul ^Loimmn, wtld)t 

ffinj^tg SSdinfft auf etnmul ühftntxt. in einem zier- 
lich gearbeiteten metallenen Kasten ist auf einem zweirä* 

derigen Karren eine Sammlang vdn fQnftsig kurzen 6e- 
webrl&ufen in einer doppelten Reibe angebraebt, welcbe 
alle in demselben Augenblicke losgebrannt werden können, 
und durch eine sinnreiche Vorrichtung von hinten ein- 
zeln aufzuheben sind ; wornach sich das kurze Stück des 
Laufes, das geladen werden soll, herausbeben l&sst. Diese 
kurzen Stücke sind. aufs Genauestein gleicher Grösse ver- 
fertiget, so dass sie, willkürlich verwechselt, eben 
so genau in die entstandenen Lücken passen, als in ihrer 
ursprünglichen Ordnung; in der That eine meisterliche Ar- 
beit ! — Der Kasten hat eine Länge von 28 W, Zoll, misat 
37^ Zoll in der Breite, und seine Höhe beträgt am hoch"» 
6ten Punkte gegen 6 Zoll. Auf seiner mit spiegelblankem 
Messing überzogenen Oberseite ist zwischen zwei zierli- 
chen Delflnen der kaiserliche Adler zu schauen und die 
Jahreszahl: 1678« 

unterhalb die Aufschrift : 

HOC OPVS 

S4ft ffi PONi)0. INVBNTOR 

FEGIT. DANNIEL KOLMAN. (sic3 

CIVITATIS. VIENENSIS. 

ABMAMENTABII. PRAE- 

FECTVS. 

Die Aufschrift bezeuget, dass dies seltene Stück, ge- 
gen vierthalb Zentner im Gewichte haltend, im Jahre 1678 



TOOTBNOR6KL. 347 

la Wiea, von dem Vonteber des Zeagtumses (Ober-Zeag- 
w«rt ?) erfliBdeo and verfertigt worden ist '**). Seiner 
Bestimmnng zar Vertheidignng der Hohlwege, mOchte es, 
bei der Sebwierigkeit , so viele L&nfe scbnell wieder zu 
laden, and bei dem einseitigen Widerstände, welchen alle 
komplicirten and kanstreichen Vorrichtangen der Art dem 
flinken gewandten Vordringen des lebenden Angreifers 
entgegensetzen — nar theiiweise entsprochen haben; — 
als hdchst genaa gearbeitetes Schaastück dagegen gew&hrt 
es ein angenehmes Bild menschlichen Fleisses, and sei- 
nem Verfertiger Daniei Kohnann gebührt anbestritten das 
Verdienst des erj^iten Versaches, Orgelgescb fitze von 
hinten za laden; da die Geschichte der Kriegserflndan- 
gen keinen firfiberen derartigen aafzawelsen vermag; (vti 
Gegensatze der firübzeitigeren Versache mit Kammerbüeh- 
sen, Keilstücken and dergl., die schon in der ersten H&lfte 
des XV. Jahrhanderts vorkommen ; vergl. Nr. 161). 

B. F. W. F. Die Erfindung ist alt ; eine kleine TodCenorj^el 
von bdchst roher Arbeit, die Wieisi^e der Technik verrathend , be* 
findet sich in der Waffen - Sammlung des Verftosers. In eine 
dicke, mit Kisenblech fiherkleldete Bohle sind vier gusseiserne 
liAufe auf halbe Dieke versenkt. Jeder wird, thells hinten dnrca 
seinen In's Holz gestossenen Schwanszapfen ^ thells vorne darca 
ein nntefbalb angegossenes Öhr au's Brett /^ehalten. (Quer durch 
alle Öhre Ifinft ein eiserner Bolzen). Durch die Mitte des Brettes 
reicht senkrecht ein mit Elsen ausg^bfichstes Loch , um mittelst 
selbem die Todtenorgel auf einen eisernen Dom zu stecken , der 
auf einem flreisteheuden Pfahl befestiget, dem Geschütze zur DI- 
rection diente. Über sfimmtliche ZfiudlÖcher läuft eine Blechrinne 
um schnell gemeinsames Zfludkrant aufzuschütten. Die ganze Ar- 
beit verräth die Intelligenz des XV. Jahrhunderts ; denn in 's XV. 
und XVI. Jahrhundert fällt die Allgemeinheit des Gebrauches der 
»Schreigegckütze< COrgelgeschfitze). Man stellte sie im Treffen 
vor und zwischen dasFnssvolk, und im XVI. Jahrhnnd. waren 
sie bei allen europäischen Heeren eingeführt, 



tts) Eines OberatUeutensots KoUrntum geschah auch unter Nr. 98 Kr- 
wahanng. 



H8 VIKBTB LAK08KITE. 

man aDg;efluigeu bfttte, den KaYt&Uchettscba«« «i gritoserer 
YoUkommeuheit za briiigeii^ d. i. zu Sude dea XVI. Jahrb. *'0} 
b6rte man anf , die zum Laden höchst beschwerlichen Orgelge- 
schAtze dem Heere nachzuführeu , da man mit wohlaugebracbten 
KartStscbeB'*SchÜ8sen weit leichter zrim Ziele kam. 

584. Ctne "tamaHxxU jftanone wn fef^r feltnrr %xhtxtf 

meldte Jlngiift 11. iftSnig wn |loi)len ^r. JK. 

>nii jftdifer jßcirl VL dU tf^ef^ntk fettbete. An^^st ii., 

Grossfttrat und Herzog za Sachsen, bestieg Polens Thron 
im Jahre 1733 , und da Kaiser Karl VI. im Jahre 1740 
starb ; so mass dies Geschenk innerhalb des dazwischen 
liegenden siebenjährigen Zeitraumes gemacht worden sein. 
Das Rohr ist von ausgezeichneter Arbeit, aus geschmie-> 
detem damascirten E i s e n (nur die zierlichen Del- 
ilne sind von Bronze) verfertiget; die Seele sehr fleis- 
sig gezogen. In der N&he des Zündloches lautet die 
Aufschrift : 

J AKOB. TRIEBE LL.A. ZELL. 

Unfern des Zündloches befindet sich ein messingner Rah- 
men , in welchem man ehemals das wohlgetroffene Bild- 
ftiss des ruhmvollen Kaisera Karl VI., von dem berühmten 
Künstler Donnse in Perlmutter geschnitten, erblickte ***) ; 
dies ist Jedoch seit geraumer Zeit abhanden gekommen. 

B. F. W. F. Die Länge des Rohres vom Süssem Stabe des 
Bodenstflckes bis zur Müuduug beträgt 5 Schnh 8 W. Zoll. Die 
Mfindnng der zehueckig gezogenen Seele misst i\ Zoll. Gewöhn- 
lich wird dies seltene Stftck von den Schaulustigen keiner be- 
sonderen Aufmerksamkeit gewfirdiget; — nur der Kenner, der 
die ungeheure Leistung gewahrt , ein Kanonenrohr aus d a- 
mascirtem Bisen zu verfertigen, und dessen Seele gleich dem 



tso> Um 1597 wurde der Hagel sehen in hdlaeme eyllndrisclM Gerip- 
pe gepacltt, und man Icannte Traubenlcartfttscheii. C^byrr, 
Geschichte d. Feuerw.'}; aUein Fronsperc!kr*9 Kriegnbttch (15563 
zeigt noch nicht die Kartatschen in ihrer Ausbildung. 

tsi) Ostenrelehische Tepographie. Wien, i7T0. Kurzhdck. 8. m. Band, 
p. 96. S. 89 u. if. 



OAMASOBf K KANONS. M9 

Laufe eine« Jagdgewehre« su ziehen, heget bei dessen 
Allblicke gerechte Bewuudemiig. Übrigens fehlte es anch der Vor« 
zeit nicht an besonders weithvoUen Schiesswaffeu* Eine der 
kostbarsten Kanonen sah das XVI. Jahrhundert. Dies war jene 
herfthmte Feldschlange, ans Silber gegossen, im Werthe 
von 49,000 Dukaten, welche (nach Surinus, anno 1M4) dem 
Kaiser Karl V. ans der neuen Welt sum Oesebenke g e b tacl it 
worden **}. Sie bildet ein wtlrdiges Seitenstllck zu jener gros- 
sen Pistole von Gold mit der Jahreszahl 1700 , und dem Flin- 
tenlanfe ebenfalls aus reinem Golde, welche sich im Zeughause 
Mu Florens beinden '**)• In einem hdhem Sinne genommen, 
wurde nie zn einem QeschStze kostbareres Metali verwendet, als 
zu jener Feldschlange , welche Herzog Alfous von Ferrara aus 
der von Michabl Anoblo Bvonarotti verfertigten Statue des 
Papstes Pins II. glessen liess **^). 

Wir schreiten abermals darch eine Strasse, ans zwei 
Brüstungen von Gewehren gebildet, vorw&rts; über wel- 
chen ein schönes Deckenstück Betrachtung verdient. 

585. Cin fdiint^ IPedunfetafel^ atm Ua jRretfitti ht* 

fitiftni* Drei gl&nssende&undangen aleren gleich rie- 
sigeil Kränzen d^ Decke , deren mittlerer aus Badschloss-Flin* 
teu, Streitkenlen und Piken , die beiden kleineren aber aus 6e- 
wehrgriiT- Bügeln und Reitschwertern aus der ersten Hälfte des 
XVII. Jahrhuud. (welche mit ihren schdnen Grüfen, am gelbem 
Drathgeflecht, und zierlichem Faustkorb CMaulkorb) gut gegen 
den duükeln Gruud abstechen), blanken Pikenspitzen und Rähren 
mit Lunteuradschldssem zusammengesetzt sind; nach deren Be- 
sichtigottg wir zur dritten Vierung dieser Langseite gelangen« 



MS) Ein n&txiich v. l. aesfn-äche von aUM vnd Eisen, (VerAumer ist der 
siianisehe Arzt Honabdbz). 4. Leipsig M. D. C. XV. p. 17. 

SM) NOLLAiN, die lUMgl. Oewkr^aU^crie im Dresden, sitf JUihogr, 8. 
Dresden, 1835. p. 7. Voiy Flioteiüaufe dieses edlen Metslles versi- 
cherte man, seine tfchussweite erreiche das Doppelte der gewöhnli- 
chen Flinte. Diese AnfAhruBg scheint die Behauptung, dass welehss 
Bisen den Schuss verschärfe , zu bestätigen. 

SS4) strin CFrh. von), Beiträge zur QesehichU des Oesehüttiwesens, 
üfaij», ISag. 8. II. p. SO. Die Statue war durch die Belogneser 
bereits verstümmelt; allein auffallender ist folgender Vandalism. 
Das Modell der Statue des grossen Francesco Sforza, von 
Leonardo da Vnfci, diente den französischen Sehdtzen als 95iel. 



SM VIKRTB LANGSVITB. 

DRITTE VIERUNG. 

COLLOREDO'8 WAFFENHALLE. 

(Bs§mUenkiUUU9$€j IPeiUmai de$ 0raftm CoUoredo, Fahnen, denkwürüfe 

VTüftn f awgeteiehneU Harniseke : Kaiser Max IL ; Karl, Benog vom 

Krain; K&nig Ottokar; Albert VIL Srzhenog von OsterreiehO 

Beim Eintritte in diese besonders reich geschmOckte 
Halie, deren schOnes Gebälke acht mit Trop&en verzierte 
Säulen tragen, gewaliren wir zaförderst das einflM^iie 
doch schöne Granit-Denkmal , welches weiland S. M. Kai- 
ser Franz I. von Österreich dem Feldmarschall Grafen Jo- 
sef Kolloredo errichten liess> von welchem auch diese 
flchdne Halle den Namen führt. Die acht erwähnten Säu- 
len sind ans spiralförmig aufwärts laufenden Pistolenrei- 
hen gebildet ; und deren Kapitale tragen acht, auf schwar- 
zem Grunde in Gold gemalte Bildnisse österreichischer 
Herrscher, mit Wahlsprüchen und Sinnbildern. Sie sind 
der Reihe nach folgende: 

586. Jtaifet JKartmUttin U. deus providebit. Sinn- 
bild: Bin Adler löst die Bande der umstrickten 

Erdkugel. 

587. jftaifet Itn^olf II. fulgbt oaesaris astrum. 

Sinnbild: Ein Adler ober dem Thierzeichen des Stein- 
bocks; vor selbem ein Stern. 

588. üdtfet SSitAXlfiM. congordi lumine major. 

Sinnbild : Der Aar mit den Reichsinsignien , in der 
Feme die Krone \ beide von der Sonne beschienen. 

589. jftatfer /et>tttait> II. firmambnta regnorum. 

Sinnbild : Ein Adler, Wage und Schwert haltend. 

590. Hatfer /rrbtnant III. firmatum coelitus omen. 

Sinnbild : Die Zeichen des Herrschers durch himm- 
lische Hände gekrönt. 



COLLOREDO'8 WAFFBNHALLE. ZM 

591. jftatfet ^eopol> I. pibtate bt oonoordu. Dte 

deotsche Hauskrone über den Reiehsinsii^ien. 

598. jRatfrt Jofepd L amorb bt timore. Du Auge 
Gottes über dem lorberbekr&nzten Schwerte. 

593. jRatfer jftarl VI. constantia et fortitvdinb. 

Sinnbild : Die Erdkugel mit Wolken umzogen, darch 
welche der Sonnenstrahl bricht. 

594. jPeAnißndi; dessen Mittelkreis ans Pallaschen der 

preassiflcheu Kavallerie gebildet , welche mit ihren reich 
verzierten HaudkÖrben eine Art Sonne darstellen , ihre Strahlen 
Caus Piken, Musketen^ Bidenhauderkliugeu und prenssischen Ar- 
tilleriesäbeln) über das ganze Deckengetäfel breitend. 

Den Fnssbodeu zieren sechs Probemdrser von StIIckgat mit 
ihren Probekugeln, davon vier flranzdsische Arbeit sind. 

595. €0lioxtiüf tf raf ^oftpk wn, kaifttlvittt ifUtxti^ 

d)xfdftV /elbmarfidi^atl (gebor. 1785, gest. 1818 im 

83. Lebensjahre). €^ranttbenkmal mit >e0 iVOmutf^aKü 
9i\fit üM mtx^tm JHannor "'). 

Vor hohen Trop&en , durch zwei schwäbische Stan- 
darten, zwei türkische und zwei waadtländer Fahnen 
Cmit dem Schweizerhute auf der Stange) y zwei schwä- 
bische Fahnen und viele Waifen gebildet y erhebt sich auf 
zwei Granitstufen ein starker vierseitiger Granitblock , 
mit metallenem Laubwerk verziert, welcher die überle- 
bensgrosse Büste des gefeierten Helden , aus weissem 
Marmor gemeisselt^ trägt. Sie wurde von dem geschick- 
ten Bildhauer Andreas Schroth hn Jahre 1899 voll- 
endet, und verewigt das Andenken eines Helden, dessen 



tS5) Von diesem Heerführer befindet sich 

Zu WIEW im KAISERLICHEN ZEUGHAUSE : 

i. Bin Generalshut, Degen nnd Stoclc (yergt, Nr. 199 a). 
Zu FEISTBITZ in UNTERÖSTERREICH, V. U. W. W. , in BARON 
DIETRICHES WAFFEN-8ABIMLUN6: 
S. Gelungenes Bildniss des F. M. BnisthUd in farbiges Wachs 
bossirt. 

3. Dessen Degen, Stock und Hut. 

4. Dessen BlaUheser-CamisoI aus rothem Taffl. 



ttt VUR« I«AN86BiTB. 

gsBse aüHtiriflelie LsuflNÜm eiflrife« Forsehiuif m «nd 
ennüdliehen Vennelien a«r Verbesseruig des Oeschützwe- 
aeas gewidmet blieb. Die goldglftoxende Aufscbrift lautet : 

lOSBPHO.COMITI.OOLLORBDO 

IN.KXKHCITV.AV8T. 

SVPRKMO. CASTRORYM. PRABFBCTO. 

DB. VNIVERSA. RB. TORMBNT. 

CVI 

SVMMVS. PRABFVIT. MODBRATOR 

OPTIMB.MBRITO. 

FRANCISCVS I. IMPERATOR 

POSVIT. 

ANNO.MDCCCXXVIIL 

Die merkwürdigsten Fahnen dieses Raumes sind, am 
Eingange zur Linken beginnend, der Reihe nach folgende : 

&96. Ixan}ififdtt laifnt ; mttß , toftntcVf , blau. Vor- 
derseite: Die dreifarbige Freiheitskappe in Gestalt einer 
phrjgischeu Mfitze, mit Bichenlaub umkränzt, aaf ein Liktoren- 
MI gesteckt^ dabei die Schriftzllge: 

«!• RBPUBLIQVB FRAN^AISB. 

Aar der Kehrseite dasselbe Siuubild, und: 

DISGIPLINB ET SOUMISSION 
AUX LOIX MILITAIRBS. 

597. 3^lxtnxföit lalfnt } grun^ wti^, pnxpnxxot!^. Der 

vorigen gegeufiber; mit der Aufschrift: 

BGÜAGLIANZA O MORTE. 

darunter die Freiheitskappe iu einem Eicheukranze , und weiter 
abwärts ein Richtscheit mit dem Bleiloth uud den Worten : 

LBGIONB LOMBARDA. — COORTB Nr. f. 

Auf der Kehrseite wiederholt sich dasselbe Bild; nur sind dabei 
noch zwei omporgerichtete Dolche augebracht, und die Schrift: 

SUBORDINAZIONB ALLE LE6GI MILITARI. 

Diese Fahne, als eine der schönsten uud besterbalte- 
nen dieser grossen Waifeu-Sanimluug« verdient besondere Be- 
trachtung. 



COLLORVDO'S WAFFENHALLE. SSST 

598 — ^599. J^wtx iptttidtif^t la^Utn. An dea Biaäem 

des Aosi^anges befestiget. 

Bevor wir diese Halle verlassen , verdienen noch 
einige an den Tropäen befestigte Waffen^ theils durch 
zierliche Arbeit , theils durch ihr Alter erw&hnenswerth^ 
nähere Bezeichnung. 

600. tfea^te ipXXttifxfift €onftp mit den Zügen: 1677, 
AD91T^ darunter der kaiserl. Adler , das Wapeu des Era- 

herzogthums Österreich uud die Zalil f S9 die gause Zeichnung 
durch reiche Scbuörkelu verschönert. Diese schöue Arbeit , aus 
dem Aufauge der Regierung Kaiser Rudolf's II., ist an CoUore- 
do's Tropäen y dem Beschauer zur Linken, befestiget. Ihre reich- 
verschlnngeneu Zierathen, im XVI. Jahrhunderte T^Züge^ ge- 
heissen , haben genau dieselben Merkmale (Charakter) , wie an 
den Harnischen des Kaisers Maximilian II. CNr. 190 und Nr. f|0!() 
und des Königs Filipp II. von Spanien (Nr. 514), und liefern da- 
her einen Fingerzeig, dass die Atzung dieser Harnische im achten 
Jahrzehend des XYI. Jahrhunderts noch Mode gewesen ist. Wer 
den Charakter der Ätzzierathen in den verschiedenen Jahrzehen- 
den des XYI. und XYII. Jahrhunderts kennen zu lernen wünscht, 
der vergleiche die Atzungen der Cousen und Helmbarteu , weil 
er dort das Verfertignugi^ahr oft mitgeätzt findet. 

601. <S^ea|tr 0flrrret4)tfd)e Cottfe; mit dem Wapen des 

Brzherzogthums Österreich ; unterhalb die J. Zahl 1 VSft« 
desgleichen unter der Krone : 




und der Wahlspruch : YIRTUTB BT BXBMPLO. Dieser Wahl- 
spnicb, bekanntlich jener des onvergesslichen grossen Monarchen 
Josef 11., wie auch die Beceichnnug mit der durch ein S getrenn- 
ten rSmischen Doppelzahl, nennen uns den Hof, an welchen diese 
Wehr in eines i^ArUeh$eren€ Faust den Dienst veisab; nnfem 
davon: 

0OS. ^pattff^f jftltnge mit eifern^ m jQanikorb^ ans der 

Mitte des XYII. Jahrhunderts. Auf der Klinge die Worte: 
CONSILIO BT INDYSTRIA; bekanntlich der Wahlspruch Ferdi- 
nand's lY. CBin Schwert mit ähnlichem Handkorb, jedoch auf der 
schönen Klinge in der dreifachen , bis an die Spitze laulenden 
Blatrinne die Worte : ANDRBA FBRARO , befindet sich in des 
Yerfassers Waffen-Sammlung.) 



8M VIERTE LAN6SBITB. 

•03. ll^S^te Sßerrei^tfc^e ^tlmpatUp mit der Jahres- 
zahl t%Ü9, mitbin aus Kaiser Leopold's I. Zeit y welche 
ausgezeichuet schön geätzte, und besonders stattlich geformte 
Helmbarten (ftlr Trabanten) lieferte; (in der Mitte der Tropften 
hinter Colloredo^s Denkmal befindlich). 

604. (ßtilfU 3ftrtretd)tfd)r €onft} oberhalb: DEvs 

PROVIDEBIT , bekanntlich der Wahlspruch Kaiser JHaxi- 
nllian'sll.; unterhalb das österreichische Wapen und das dop*- 
polte verschlungene M« Schöne Arbeit aus dem siebenten Jahr- 
zeheBd des XVl. Jahrhunderts. 

Die vier schönen Standbilder dieser Halle , mit reich 
verzierten Harnischen des XVI. Jahrhunderts sind, vom 
Eingänge (dem Beschauer 9snr Linken) beginnend , der 
Reibe nach folgende: 

605. JKartmtticin H. bnitfttjrt jftatfet (geb. 1597, zam 

deutschen Kaiser gekrönt 1564, gestorben 1576 im 
49« Lebensjahre, im 19. der Regierung). fßan}tt €nmtet- 

(lamifd) jnm Utalitpdt ) meiß ^ mit %t^Xtn nxCb ner- 
00l)»eten Jungen; tabei ein €nmi(rf4)Q)ert mit I^oppel- 
Um JKatilk^rli "'). 

B. F. W. F. Der Helm mit hohem Kamm besteht aus drei 
Stficken : a) dem HirnstQck mit steifem Hinterhals, b) dem Stirn- 
stülp, €) dem steifen Bast. Demnach sind Hirnhaube und Hals 
aus einem Stficke geschlagen, das an den Röcken geschraubt 
ist* (Ähnliche Einrichtung der Stechrfistuug Nr. 571 , neben Li- 
bnssa's Harnische ^ und am Turnierhaniische Königs Filipp II. 
Nr. 914). Der Stirnstulp besitzt einen Querschrauz für die Au- 
gen. Gesicht , Kinn und Hals werden nur durch e i n SlQck be- 
deckt, das an die Brust geschraubt ist, und nur an der rechten 
Seite einen gelochten Luftgeber und einen Brecbrand besitzt; au 
den offenen geschobenen AcJiselu sind nur Hiuterflöge angebracht* 
Auf dem linken Blbogen ist ein grosser Stechmäusel (Doppel- 
stftck^ gardebras) aufgeschraubt; die Armbeugen sind offen, die 
Handschuhe gefingert. Jede Hand hat unter dem Daun^en drei Fol- 



tso) Hinsichtlich der übrigen von diesem grossen edlen Herrscher vor- 
handenen Waffen beziehen Mrir uns auf die Zahl 190 und die An- 
merkung 106. 



COLLORKDO'S WAFFBNHALLB. 95« 

gen. Die Bnist, welche eiueu RilsChakeu sam Aufflchlmfeii be- 
sitzt, eudet lu eiueu kleiueu Hfiuj|[^ebaacb. CHaruiscbe mit gros- 
sen lUugebfiacbeu besitzt diese Sammlung nur t, nämlich Nr. 
516 HeluriGh I. und Nr. 566 Anton F. F. v. Liechtenstein). Die 
linke Seite der Brust weiset ober der Herzgegend ein Scbraub- 
loch (für eine vergatterte Tartsche zum Realgestech bestimmt). 
Die Schosse sind, der rechte aus 4, der linke etwas längere aus 
5 Stöcken geschoben. Die halben Diechlinge sind auf einmaliges 
Abstecken gerichtet; die Kniekehlen offen, die innere Seite der 
Beinschienen ist zum Schnfiren eingerichtet, gleichwie am Hämi- 
sche Nr. 190 desselben Kaisers (im Kaisersaale). Die Beiuiöbren 
sind mit Knöchelreifen versehen , die Fersen mit Löchern ffir die 
fehlenden Sporen; die Fussspitzen enden breitkolbig. Dabei ein 
Turnierschwert mit vergoldetem Knauf und doppeltem Mant- 
korb (einem Handkorb ^ der die Faust zu beiden Seiten deckt). 
Der Griff mit vergoldetem Messingdrath ftberwunden. Griff samt 
Knopf und Kreuz haben zusammen 6^' Länge y die Klingenlänge 
beträgt 89%^'$ die Klingeubreite , welche sich oben und unten 
gleicht^ ist Vt'^ die Klingendielle aber unterhalb, d« 1. in der 
Nähe 4er Faust, gegen '/t^' — nach oben zu nimmt sie etwas 
ab ; — die Klinge besitzt keine Spitze , sondern ist , wie gemei- 
niglich die Turnierschwerter 9 am obern Ende etwas abgerundet, 
auch ist sie nicht zweischneidig, sondern zweirück ig, daher 
ans Ende des XVI. Jahrhunderts oder in den Anfang des XVII. 
Jahrhunderts zu setzen , in die Verfälizeit der Turniere , in wel- 
cher von einem Tnrnierkampfe mit scharfen Waffen (wie 
allenfalls noch zu Bajard's Zeit beim Turniere zu Ayre i. J. 
1493 "'') keine Rede mehr war, sondern die Turnierschwerter 
zwei breite Rücken statt zweier Schneiden besasseu* Man 
kleb sich damit tüchtig um die Köpfe, und wer am meisten Klin- 
gen zerschlug, der war der rechte Mann. Dresdens historisches 
Museum bewahrt noch viele Klingen der Art, worauf die Jabrs- 
zahl 1616 und die Reime : 

HALT DICH HVRTIG IM RITTBRSPIEL, 

SONST KRIEGST VON MIR DER SCHLÄGE VIEL* 

^ 

Der ganze, und zugleich vollständige *3®)^ trefflich er- 
haltene Turnierharnisch von ausgezeiehueter Schönheit weiset 



tt7) Mau vergl. meine: RüehbUche in deüUeke Voneii, Band I, p. 803. 
ttS) Sin ganser Harnisch deckt den ganzen Mann, bei einem voll- 
ständigen Harnische aber fehlet kein dazu gehdriges Stück. Kin 



1 



89« VIKETB LANGSBITB. 

dieselbe Arbelt ans , wie jener Uulgs Flll^p II. (Nr. 514) und 
Kaisers Max II. (Nr. 100) , scheint daker In dritten Viertel des 
XVI. Jakrhnuderts (etwa am 1560) geschlagen worden sn sein, 
und von Kaiser Max II. herzurühren. 

606. jftcirl n. Ct3l|<t3os jn ^tfittttxJ^p xtixttttibtx 
j^erjog pon SSUutmaxkp »itntiftn iin> iftrain; 

(gebor. 1640, wurde Landesherr 1664, gest. 1690 im 
60. Lebensjahre y im 96. der Regierung). Ißatl^er €lir- 

nittlßxnVfd) ym JxtitnxnUt jtt Vi^ , lirc^t^ mit ^tüf- 
ten iinb tiergolbeten SStviditni HM ein üaibner mit 
geästet niib nerjolbeter jRUtise '**). 

B. F. W. F. Der Helm mit hohem Kamm (zwar in Form 
eines bourguinot , doch mit offenem , geschobenen Halsstöcke ge- 



Malher Harnisch kann daher auch vollständig sein, and ein 
unvollständiger ein ganzer. 

tSS) Von diesem Herrscher besitzt : 

Zu WIEN die KAISERLICHE AMBRASER-S AMMLUNG : 

1. Einen ganzen schwarzen F^Idharnisch (ohne Eisenschu- 
he) , dabei einen offenen Helm mit Backen , und ein geschobenes 
nVMpartl;*^ die Annbevgen mit Folgen geschlossen. Um den Hals 
die geldene Vliesskette. (Peimisb. 54. n. 19. KOhlbb. Tab. 54.> 

2a «BAETZ das STANDISCHE ZEUGHAUS : 

t. Des Herzogs halben getriebenen Feldharnisch; 
schwarz, mit breiter i^eisser erhabener Arbeit* Cd. i. flach getrie- 
benem Laubwerk). Der offene Helm, mit hohem Kamm und offenem 
Hals , trigt ein Feldpartl. Die ganzen Cgcschlossenen) Achseln be- 
sltsen Doppelflüge ; die vordem Flüge sind geschoben. Oflbne Arm« 
heag en , geflngerte Handschuhe , bn^er tiefer Schnlherhauch (weht 
SB natorscheiden vom Polichinell- Bauch , der um etwa ein Decen- 
nium später herrschende Harnischmode wurde); lange geschobene 
(sogen, spanische) Schenkel, woran Kniee sitzen, mit welchen der 
Harnisch endiget (gleichwie der Harnisch Gustav Adolfs zu Dres- 
den); daher er als vollständig zu betrachten ist. Jede Achssl, Jeder 
Ethegtn «ad jedes Knie bildet einen blanken hochgetriebenen Thier- 
köpf. Dieser schöne Harnisch, der auf einen starken breitschultrigen 
Mann schliessen Iftsst (m. ver|^. des Herzogs Harnisch in der Am- 
braser-Sammlnng, Paimiss. 54. N. 19, KOnLni N. 54.) durfte um 
1570—1575 geschlagen sein, und hat viele Zeichen der Echtheit an 
sich. Herni Dr. u. Pr. Schrbinkr*s prachtvoll ausgestattetes neues 
Werk Aber GrAtz (acnaaiNBa, Ordfs etc. 6. mit viel. Stahlst. 1849. 
p. tt9.) erwihnt auch einer Prachtsease (sie), welche von die* 
sem Regenten herrfifcren seil, allein man konnte mir bei meiner An- 



COLLOREDO'S WAFFSNHALLIC. 957 

arbeitet) besteht aus 4 Stücken ; sein Visir Ist nur rechts g^elo- 
chet, nnd besitzt an der rechten Seite ein grosses Schraiibloch 
(fOr einen fehlenden steifen Bart). Die Achseln ohne Brechrand 
sind mit gescbobnen Vorder- nnd steifen Hinterflfigen gerffstet ; 
die Armbengen offen. Anf dem linlcen Klbogeu ist ein lilei- 
uer Stech mensel CgardebraSy Boppelstflck) anfgeschranbt ^ die 
gefingerten Handschnhe besitzen an der innem Seite des Danmens 
Folgen von filnf Reifen. Die Brust endigt in einen tiefen Gams- 
bauch, dessen Form au den Ausgang des XVI. Jahrhunderts mah- 
net ; noch sind an der Brust vier Löcher für den Cfehlendenf) Rtlst- 
haken CQerüsf) vorhanden ; die geschobenen Schosse beide voi 
gleicher liäuge , die halben Diechlinge auf einmaliges Abstecken 
gerichtet, die Kniekehlen ploss (offen); die Beinschienen ohne 
Kndchelreifen ; die Fusspltzen schmalkolbig. Der innere Bau der 
Handschulie ist als gleichzeitig mit jenem am Nachbar (Nr. 605, 
Max II.) anzusehen ; der Harnisch dürfte zwischen 1560 und 



Wesenheit im J: 1845 dieselbe auf meine Nachfrage nicht zeigen. 
Wohl ftind Ich aher eine herrliche Partisane mit silberner Taiischir- 
af1>eit vor, und der Jahrszahl 1698; mithin ach tu nddre issig 
Jalure nach des Hersogs Tode verfertigt I — 

Bei dieser 'Gelegenheit kann ich nicht ein Dutcend der dort anf- 
gestellten ritterlichen Gestalten mit Stillschweigen übergehen, an 
welchen kleine Tafeln mit den geschichtlich berühmtesten 
Ritternamen hängen. Wie wenig aber auf deren Echtheit zu po- 
chen ist, bedarf kaum einer Erinnerung. Obwohl in diesen grosHen 
Räumen eine ägyptische' Flnstemiss herrscht, überzeugte mich doch 
eine schnelle Durchsieht, dass die Harnische des A. Baumhircker, 
Wütfing von Stubenberg , Otto von Liechtenstein^ AnOreä von Orel- 
eenegg, Ulrich von Liechtenstein und Ottohar von UornecH, sämmA- 
lieh der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts; so wie die Harni- 
sche des Friderich von Stubenberg , Friderich von Peekau , Albert 
von HoUenech , Siegmund von Dietrichstein , Hanns von KatzianeTf 
und Heinrich von Pfannberg ., sämmtlich der zweiten Hälfte des 
XVI. Jahrhunderts angehören , und zwar so ziemikh nach der hier 
beobachteten Reihenfolge. 

An Homeck's Staehelhelm ist der stachlichte Helmrost 
eine Vorrichtung zur Erschwerung des Faustkampfes zu Ross (■>• 
vgl. Hchembl's Turnierbuch., fol. It9 a, beim Reiterstück, geiuinnt 
nder halbe Sunenblick^"' wobei des Gegners Faust an den Helm greift, 
fol. 171 a ^derOsKnzfi)SunenJblichh'^'j ebenso fol. 188 a, u. fol. S08a); 
und das Kleinod des ganzen Zeughauses ist ein vollständiger 
Harnisch fir Mann nnd Ross, aus der gnten alten Zeit des 
Kaisers Maximilian I. 

If. 10 



S58 VIERTE LANGSSITB. 

1580 geschlagen worden sein, und rührt nach meinem Dafürhal- 
ten nicht von Erzherzog Karl II. her; seine auffallend kleinen 
Verhältnisse lassen vermuthen, er sei für einen 18jährigen Jfiug- 
liug gerichtet worden. Des Waidners Kuopf, Kreuz und Griff 
sind aus gravirter und vergoldeter Bronze, gearbeitet ; das Kreuz 
bildet ein spanisches S^ so wie die Parirkreuze der Landsknecht- 
Schwi^rter zu Kaisers Max I. Zeit. Die breitrfickige Klinge ist an 
der Obern Hälfte zweischneidig , an der untern Schwäche zierlich 
geätzt und vergoldet. Klingenlänge: ZOV%^^; Cähnliche Form um 
15S8 in Finckb's Metrick, Tab. CHI. , Fig. 4). 

607. <S>ttoKar IL jRSnts von fii^mtnf in ^tesretd^e. 

Cgegen seinen Vater als König ansgemfen 1948, j^e- 
tOdtet 1978 in der Schlacht auf dem Marchfelde wider 
Kaiser (eigenü. König) Rudolf I.) ^axtitV mtX^tV Jttb- 

Ifütnifdi mit geS^ten ttn^ vtt^oiuttn SSttxiftn^ jPabri 
ein Knn^t4) f^taxhtxttt SSAimtxt. 

B. F* W. F. Vorläufig gewahrt der Keuuer mit Befremden, 
dass dieser Harnisch aus mehreren uicht zusammengehörigen Har- 
nisch -Stftcken verschiedeuer Zeitabschnitte zusammengesucht 
worden ist; so sind: 1) Helm, Achseln und Arrozeuge von einem 
Harnische etwa aus der Zeit 1560-— 1580; dagegen S) Brust, Leib- 
reifen und Schosse einem zweiten Harnische entnommen, und wei- 
sen dieseMie Atzung vor, wie Alezander Farnese's Harnisch im 
Kaisersaale CNr. 198, etwa um 1555 geschlagen); 3} allein Hals 
und RQcken sind glatt , und diesen Misstand suchen 4) ein Paar 
schöngeätzte gefingerte Hcutzen in etwas zu verbessern. Aber- 
mals eine andere Arbeit weisen 5) die zum Abstecken gerichte- 
ten Diechlinge samt Kniepukeln aus, deren Verfertigung in die 
Jahre 1580 — 1590 fällen dßrfte, und um die Verwirrung voll 
zu machen sind 6) ein Paar Beiirröhren mit breiten Stumpfschu- 
heu, etwa aus der Zeit 1530 — 1550, der Gestalt beigegeben. Dass 
man dies Standbild^ welches dem Kenner einen bequemen 
Überblick der Harniscbmoden des XVI. Jahrhunderts liefert, über- 
haupt anfertigte, möchte in dem Streben, mehrere au und für sich 
schöne Harnitchtheile bemerkbarer zu machen, in etwas Entschul- 
digung finden; allein dies Gemengsei »Ottokar II.« zu benen- 
nen, bleibt --gelinde gesprochen — unüberlegt. Den Cicero- 
ne triflft hierbei keine Schuld, er hält sich nur an die Angabe 
des am tu che u Inventar es. Der Helm, ein Bourguinot, 
besteht aus 3 Stücken CStirn und Wange sind aus einem Stuck 
geformt). Das Visir ist nur rechts gelocht; der geätzte Hals 



r 



COLLOBBDO'S WAFFBNHALLB. t$9 

fMt, daher naii einen glatten daasn gab; der Kragen ist gescho- 
ben und geschlossen, die offenen, geschobneu Achseln ohne Brech* 
rand besitzen steife Vorder- und HinterflGge; die offenen Armbeu- 
gen and die gefingerten Handschuhe sind insgesammt unpassend 
ergäifxt. Die Brust besitzt S Löcher ffür den fehlenden Rfisthaken, 
und endet in einen tiefen Gamsbauch mit ein Paar geschobenen, 
sehr breiten und kurzen Schossen. Die Diechlinge sind einmal 
zum Abstecken gerichtet ; die Kniekehlen offen , die Beinschienen 
ohne Knöchelreifen. An den Fersen sitzen zierliche Binsteckspo- 
reu; die Biseuschuhe bilden hreiie Stvmpffiksse, Das schöne 
Schwert verdient Beschreibung, iter durchbrochen gearbeitete 
Knopf und das Kreuz mit Haudringen von trefflich gehauener Bisen- 
arbeit weisen auf goldenem Grunde hocherhobene Figuren und Tro- 
päen. Der kurze ^Sclutfta (der Griff) wechselnd mit vergoldetem, 
und Silberdrath umwunden; die zweischneidige Klinge mit Au- 
satz hat die schöne, spitz zulaufende Form des XV. Jahrhunderts, 
in der Mitte eine flach auslaufende Rippe. — Untere Klingenbreite 
1^'^ ; deren Länge: SSy''; Länge des ganzen SchM'ertes: V 
t^^. (Ein Theil des Kreuzes fehlt.) 

608* Älbcrt VII. (bctiT0mmc) tftjfyrrjog uoti dDcflcc- 

r^id) (^eb. 1569 ; seit 1575 Cardinal ; seit 1583 Statt- 
balter in Portugal! ; seit 1595 Statthalter io deo spanischeo 
NlederlaDden^ le^ 1598 seioe Cardinalswürde nieder, und 

verm&hit sich ; gest. 1621). tfaiijer €nrntiert)artitf4) ywi 
netten wU^A^tn tfeßed) über )O0 jBKU ^ mit %tl^Xvx nn) 
tiergolbeten SSinA^trif ^abei ein €nrnterf4)ttiert >er al- 
tern Art •*'). 

B. F. W. F. Del* offene Helm besitzt einen hoben Karom^ 
ein Paar breite Backen und einen unbeweglichen Stülp; das ab- 
schiächtige *^0 Visir (in Gestalt eines Feldparteis) ist zum Ab- 
stecken gerichtet. Der Kragen ist geschoben; der steife Stech- 



t40) Von diesem österreichischen Khsheizoge besitzt : 
LAKEIVBVIMI , das KAISERLICHE LUSTSCHLOSS nftchst WIEN: 
Einen vell stand igen Prunkharnlsch) der S4,000 Braban- 
ter Gulden gekostet hat. CSchmidl, Wiens Umg. II. p. 15S.3 

t40 Derlei Visire sind aus etlichen Reifen geschoben, die durch Fe- 
derxapfen emporgehalten -vi-erden. Schon im XV. Jahrh. kommen 
grosse stählerne Schiaclitbftrte mit fthnlicber Einrichtung vor, die 
Kweimal bis dreimal geschoben sind; ein solcher In der WaflTen- 
sammlung des Verfiissers. 

iO* 



Mft YilEBn LAN€HS«IT8. 

bftrt feblty daeh aM an der Doppelbrast, die 6 LS^Aor hieis« 
vorhanden 9 gleiobwie aii drei Harnischen der Ritter in Kaiser 
Josefs II. WaffenbaUe (Nr. 49;^, 496, 504). Die olTeuen gescho- 
benen Achseln mit Hiuterflügen besitzen keinen Brechraud, die 
rechte jedocb ein Doppelstück. Auf das linke Armzeng ist 
ein steifer Steebmeusel aufiti:eschraubt^ die Armbeng^n sind 
offen. Die beiden achOugefttzten Stahlfftustlinge, die statt der 
Finger Panserstriohe besitzen, gehören nicht zum Harnische. Auf 
Hrnat und Bücken gewahrt man die geiUzte und vergoldete Kette 
des 0oldnen-VUess- Ordens. Über der Brnst (deren Rflst haken 
fehlt) sitzt eine starke Do^pelbrust ithe pUccaite) mit rechtem 
Brechrande, Leibreifen und starken steifen Stechschossen, von 
derselben Arbeit wie der Harnisch , der einen tiefen Gamsbanch 
besitzt. Die Diechllnge sind auf einmaliges Abstecken gerichtet, 
die Beiuscbienen mit KnOchelreifen versehen, die Fusspitzeu 
breitkoibig, die Fersen ohne Sporenlöcber. Über diesen ganzen 
aiemlich vollständigen Harnisch Ittult eine schdne Atzung Cver«- 
schhittgene Domenzweige darstelleikl). Die Arbeit ist genau df»- 
selbe, wie au den Harnischen des Kaiser Max I. (Nr« tOO) und 
Friderich IV. (Nr. 189), daher in dieselbe Zeit, d. i, um 1560 
zu setzen. (FiNCKS's Metrick zeiget einen ähnlichen vom Jahre 
1558, PI. XXIX.) Die Meinung, dieser Harnisch sei einem öster- 
reichischen Erzherzoge zu eigen gewesen, wird durch die darauf 
geätzte Kette des goldenen Vliesses bekräftiget) allein dass der- 
selbe Albert VII. gewesen sei , wie das ämtliche Inventar aii^ 
führt *^*) , dttrfto schwerlich zu erweisen sein , da die ganz« 
Form des Harnisches um 1560 zu setzen ist, und damals Al- 
bert VII. erst ein Lebeusjalir zälilte. Das kräftige schwere 
Turuierschwert ist eines der älteren Zeit, die bereits sel- 
ten zu finden sind. Der birnfSrmige Knopf und die gleich einem 
S seitwärts gekrümmte Parirstange, sind aus glattem lichten 
Eisen geschmiedet. Der Griff ist mit geschufirtem Kopferdrath 
umwunden; die zweischneidige Klinge mit Ansatz läuft bis 
an's Ende beinahe gleich breit (l'/4 Wiener-Zoll) aus, und be- 
sitzt in der Mitte eine kurze schmale Blutriuue; ihr oberes Ende 
ist haibkrelsfdrmig abgerundet, im Gegensätze der Riobt- 



t4t) Dm amtliche Inventar nennet nur einen Erz he rzeg Albert;* 
allein Albert VL (der Verschwender} starb sehen 14gd, und das 
XVI. Jahrb. — in dem doch dieser Hamiseh unUiugbar geschlagen 
worden ist —.kannte nur einen dsterrelehlschen Albert, aftmlich 
Albert VH. 



\ 



VIBBTB VIBRUN«. 961 

scfcwerter mit gedrfickfer Rundaiig. CKlIngeiiNliig« : 9V^; 6rifF- 
lauge: 5^^; Lauge des gaiizeu Schwerts: 8' SV^'^) 

Indem wir diese schöne Halle verlassett , fesselt un« 
sere Blicke keine historiscfie Merkwürdigkeit ; nur ein 
KMfliehes Deekenstnek oker der n&chsten ans Geweb- 
ren gebildeten Gasse, die wir nan darehscbreiten, ver- 
dient Betrachtung. 

609. SSifintf^ tf ^bSa am brrt ^xtiftn txxxi)Ut i>ie 

beideu äussern Randuugeu sind aus Radschloss- Karabi- 
nern^ doppelten Gewebr- Seitenblechen, leichten Helmbart eu und 
lladseblos8*M nsketeu, meist Wallta des XVit. Jlabrh., der mittle- 
re Kreis aber aus preassisch^i Artillerie-Säbeln, Gewebrgrifbil- 
gel», modernen Streitkeuleu und Helmbarteu zusammengesetzt. 

VIERTE VIERUNG. 

(Venezianische Probemörser. — Seltene Haubitze.} 



610 — 613* WxtK fd^oSbtfdyr /«^tien« Zwei von weis- 
sem und zwei von gelbem Seidenstoffe, anf jeder das Wa- 
pen mit den drei links schreitenden Ldwon , und oberhalb das 
weisse Kreuz im schwarzen Felde; (man vei^gl. die Andeutniig 
bei 579). M» darf nicht ungerftgt bleiben , dass die Biasonimug 
dieses Wapens nnrichtig erscheint y da die S goldnen I#5weii des- 
selliSN, sowohl auf diesen als den schon früher erwähnten schwä- 
bischen Fahnen, auf der Vorderseite der Fahne (vergl. p. 6S, 
Anmrkg. M) nach link« Cheraldlsch verstanden} schreiten , wäh- 
rend sie anf deren Rflckseite nach rechts gerichtet fldnd. Das 
glatte Steinpflaster zieren : 

614 — 617* mtX JßXQht - MoxftX , ans Stückgut; mit 
ihren Probekugeln aus gleichem Metalle. Zwei davon sind 
alte Venezianer, mit dem Löwen des heillgoH Markus auf 
dem angegossenen Fusse; die beiden anderen aber Franzosen. 
An der Wand Ist: 

618. 9a0 IVapprn Ux ianb^iategentrn 001t SSal^bnx^ 

zu schauen , aus Gewehrschloss-Bestandtheilen zusammen- 
gesetzt und übermalt. An der rechten Seite des längs (abwärts) 
getheilten Schildes, erblickt man im oberen Felde den heiligen Rn- 
pertus als Patron von Salzburg, unterhalb ein gi^denes Feld. Die 
linke Häine des Schildes ist längs halt)irt, darin zur Rechten der 
schwarze Löwe Salzburgs Im jefoldeneu Felde, zur Linken die 
weisse Querbinde im rotheu Felde. Das Ganze verdient nur der 



Ut VIERTE LAN0SBITB. 

Vollständigkeit wegeu hier Erwähnung. Noch hat in dieser Vie- 
rung ein Geschütz seinen Standpunkt: 

619. Ciue j^atiM^r mit btfcnitxtv 1ltd)ttna|jd)hie. Um 

den Stossboden läuft die Aufschrift: ANNO 179» GOSS 
MICH lOSEPH SCHM IT IN WIEN. Die ungewöhnliche und su- 
sammengesetzte Einrichtung der hierbei augebrachten Richtma- 
schine verschaffte ihr den dermaligeu Standpunkt. Die Elevation 
geschieht mittelst einer Kurbel y die auf einen gezahnten Qua- 
dranten einwirkt. 

Id der nächsten Waffeostrasse, abermals aus Geweh- 
ren bestehend, welche wir nnn durchwandeln, verdient ein 
zierliches Deckenstück unsere Aafmerksamkelt. 

6S0. €m fifintf^ fßtinH in ixtx jfttetfrn txvi^ttt Die 

mittlere Rundung besteht aus Säbelklingen, messinge- 
nen GewehrgriffbQgeln und Kolbenkappen^» woraus schöne Piken , 
liUntenmusketen , Radscbloss- und Steiuschloss- Karabiner, ihre 
weiten Strahlen breiten. Die beiden äussern kleineren Run- 
dungen sind besonders beachtens werth | denn die erste ist 
aus Pikenspitzen und einhändigen Reitschwertern zusammenge- 
setzt, mit blrnförmigen eisernen Knöpfen, und langen gegen die 
Klingenspitze zu gekrümmten Parirstangen; die zweite aber aus 
schönen deutschen Kürissch wertern zu anderthalb Hän- 
den, aus dem ersten Viertel des XVI. Jahrhunderts. CDie zHc^i- 
schneidige Klinge mit Ansatz , der Knopf geschmackvoll schnec- 
kenförmig gekerbt , der Griff schwarzes Leder oder Drathflecht- 
werk ; das lange Kreuz gegen die Kliugenspitze gekrümmt , mit 
kleinem (Finger-) Körblein ober dem Parirkreuz.) 

FÜNFTE VIERUNG. 

CSckwäMsche Fahnen^ — Österreichs Wape»0 

621—624. mtt f^UiSbifd^r £al)ntn. Zwei von gelbem 

und zwei von weissem Seidenstoffe, genau wie die bereits 
Nr. 610 — 618 beschriebeneu Fahnen verfertiget. An der dem Fen- 
ster gegenüber liegenden Wand : 

625. IHa^ Wnpptn Ut^ <Ct3(fet}0gtt)]tm0 H^tfittmif^ 

aus Gewehrbestandtheilen zusammengesetzt^ und von fleis- 
sig gemalten allegorischen t^iguren umgeben , welche Künste und 
Wissenschaften, den Bergbau, die Fischerei ^ die Jagd und den 
Ackerbau darstellen. 



6R0S8B TROPÄBN-HALLK. S6S 



DIE GROSSE TROPÄEN-flALLE. 

(Die grosse Saaldeche mU dem rieseamässiifen tmgarisehen Wapen, 
Die grossen Tropäeni Attila*s, Gottfrieds von Bouillon^ 
Starhember^s und aehieshy's^. 



Wir betreten die letzte grosse Halle dieser kaiserli- 
chen Sammhing, durch manch Merkwürdiges ausgezeich- 
net, und gelangen hierdurch wieder zur breiten Aufgangs- 
treppe zurück, nachdem wir die vier langgedehnten Seiten 
dieses weitläufigen Gebäudes durchwandert haben. Die 
Abtheilung in Vierungen und Waffenstrassen endet hier, 
und eine einzige geränmige Halle dehnt sich von den letz- 
ten Gewehr-Brustwehren bis zum Ende dieser Langseite, 
um den Blick frei über eine grosse Saaldecke mit riesenhaf- 
ter Wapen-Z^ichnnng und über vier hohe Tropäen schwei- 
fen zu lassen, welche wir der Reihe nach besprechen 
wollen. 

626« (ßxo^u 9^(kenflu(k mit Um ttnganf^^n IHatiti^n. 

Das Gebalk ist durcli Darstellung eines Wapeus in einem 
so riesig^en Masstabe verziert , dass eine drei- bis vierfache Hö* 
be der Halle erforderlich wäre, um die Entfernung des Auges 
von dieser g^rossartigen Anlage, nur in einiges Verhältuiss mit de- 
ren Ausdehnung zu bringen. Auf drei grfinen Hügeln schwebt über 
der grossen flimmernden Köuigskroue das ungarische Doppelkreuz 
aus ungefähr 600 eroberten spanischen Säbeln *^) mit ihren 
eisernen Hand korben gebildet, und dehnt sich, so weit die Län- 
ge des Saales reicht. Zur Linken streckt sich der kolossale böh- 
mische Löwe silberglänzend mit goldener Krone empor, mit der 
linken Tatze die Wapeu von Mäliren und Schlesieu haltend. — 

Wir übergehen die sechs französischen Probemör- 
ser dieser Seite, an die sich ein österreichischer der 
neuesten Zeit schliesst, und beginnen bei den grossen 
Wand-Tropäen. 



t43> Nach mündiicher Angabe des geföUigeii Inspektors. 



344 



VIKI^TK liANCWUTS« 



ATTILA'S TROPiaEN. 

An der aAchsteD Wand erbebt sieb eine reieb mit 
Fabnen und Webren mannigfacber Art ausgeschmückte 
Spitzsfiale (Pyramide) aas spanischen Säbeln, deren Gipfel 
eine balbe Rüstong trägt (Helm, Brust und Armzeng), die 
dem berühmten Welteroberer Attila^ dem Hunnenkönige 
sngesebrieben wird. Zwei scbwarzlacUrte Eisensebilde, 
mit Goldlettern bemalt, enthalten laiig^ lateinische In- 
schriften, welchen wir gerne ihren Platas in Berüeksicliti«- 
gung eines kleinen geschichtlichen Fingerzeiges gönneq, 
der besagt, dass diese Rüstung früher im ungarischen 
Schatze zu Pressburg aufbewahrt worden, aber bald nach 
der Krönung Ihrer M. der Kaiserinn Maria Theresia (±741') 
in dies Zeughaus abgeliefert worden ist *^0« Allein diese 
Rüstung stammt nicht von AttUa^ sondern ist um eilfhun- 
dert Jahre jünger. Die grösstea WaiTenkenner und die ge- 
lehrtesten Alterthumsforäcber dürften schwerlich eine be- 



t44) Die beiden Insclirifteii, in einem scIi wulstigen Latein, dessen Inter- 
punktion Iiler besserer Verständliclikeit willen berichtiget beigefügt 
worien, lauten buchstiibiich getreu wie folgt: 



I. 

WSTOBUn FiniM TBSTOa/ QiTIA 

U>SA LAPSÜRITAI 8.4L£CULOBUflf 

TBSTIS EST. 

ATTILAB I. HUNNORUM RX6I 

UABC STnJSiOS CAPUT INCINXIT, 

AlAVIS DICSBK CORONA FKRRSA. 

FERUNT ALU 

FLA6BLLUM EX BO PENDULUM, 

QUIA FLAOBLLUM 

DXI SB DUOT BT FUlT. 

NAM QUOQUB GRADIEBATUR, 

HIANTIA VULiniRA IMPRE8S1T; 

RBONA IN BU8TUM, 

FLVMINA IN SANQUINEM 

CONVBRTIT; 

HUMANI CRU0RI8 DILUVIO 

1N8ANI8S1MAB INSTAR BELMTAB 

FUREBAT, 

NISI LEO IN VIA 

CCJRSUM SUTI8SBT. 



II. 
DUM 8BPT1C0LLBM UaBBM, QUAB 
ORBiS CAPUT EST, ROMAM DBSIG. 
NAT EXCIDIO : OBVIAM HABUIT LEO- 
NEM I. SUMMUM IN TERMS CHRIS- 
TI YICARIUM; SED NON 80LUM MB- 
TUBBAT TORVUM PBTRI VULTUM 
ET C»» ^3 ETIAM PAUU EN8BM BT 
TUMOREM POSÜIT. POSONIUM, APOS- 
TOLICI MODO RE6NI URBS, PR1N. 
CBP8 COBONAB HUNUAniAB TBB. 
SAURARIUM VINDOBONAE SUBMl. 
Srr HOC FBRREUM SABYISSIMI CA- 
PIT48 TEGUMENTUM, INTBR TERBI- 
FICOS BELLI APPARATUS REPONEN- 
DUM, NBQUB ENIM COMPONI POTE- 
RAT CUM CORONA 8UA AURRA, 
QUAE SACRATISSIMUM VERTICEM 
DECORAVIT CLEMENTISSIMAB RB. 
GINAE MARIAS THERESlAB, AERAB 
XNAB (christiMiM) MDCCJUUUU. 



r 



de« HMTAiflehes 2« c^ben te Stende ueiu y welohen JMim 
Cetr»g0B hat *^) — nacli des VerfiMsers beadieideiiefli 



t45) Sinige Orte rtUimen sich, von diesem StadtezerstOrer WalTeii su be- 
sitaea, welche Jedo<A eben so wenig echt sind, als tfe sben lie* 
sprociMneB : 

Zu PABIS im MUSiE DE L*ARTILLERIE : 

i. Der Helm Attila's C^oHce sur les CottectiOM etc, pag. 17. 
K. 184). Spitziges Binterliaapt , die Vensierusg vea vergirtdeltfli 
SiH»er auf braunem Bisen ; elwe Visir ; — selieint peisiscli «s^ 
niclii von holiem Alter. 

JEu VENEDIG im ARSENAL: 

S—3. Bin Helm und eine Rssstlrn, beide von AMU her- 
rührend. COuida pm- V Arsenale di Vetuzia. 8. 18t9. p. SO. •<« 
roKiO lavoro ehe ia tradizione vuol credere di AtUla re degii [Ziuti,*** 
entschuldigend setzt aber der Führer bei : ^Bisogna conceder quai- 
eke toOeramM aOa iradisioae medeeima, imperdoeeke i nuM reeoH 
da quei harbero e daUe di lui orde, iaedarono um« traceia taniß 
sfavorevole, per cui ogni ogetio dUgustoso ei erede a ha apparte- 
nere,* Der Helm konisch, mit konischem Visir CHundSkappe), 
hftchstsns dem Ende des XIV. Jahrh. einzureihen; die gaaa eigen- 
thümliche hübsch gezeichnete Rosstirn ebenso wenig von Attila 
stammend Cwie denn überhaupt eine eiserne Rosstim, älter als aus 
dem XIV. Jahrh. , in Europa schwerlich anfeuwelsen sein dArf- 

le I wies man doch noch vor wenig Jahren in einem gewifi* 

sen Zeughause Attila's Pistolen bona fide vor, (Schbigrb, 
bürgl. Zeugh. p. S) — einen gewöhnlichen Gestechhelm als Straf- 
helm u. s w. und zu Paris einen Harnisch zum Fiissturnier an» 
der Mitte des XVI. Jahrhunderts Cabgeb. Caabib Panoph PI. XXVI. 
man vergi. Musee de VArtiU, pag. 1. Nr. 1 bis) als die Rüs- 
tung des rasenden Roland, Nelfen K. Karins des GrossentI — 

Zu JASMS-BBRKNY« einer Stadt Unganis: 

4. Attila's Trinkhorn, das noch die meisten Spuren der Bcbt- 
lieit zeigt, obwohl der Beweis, dass es von Attila herrühre , sehr 
problematisch bleibt. — Nach des Verfossers Ansicht könnte es 
auch um ein Paar Jahrhunderte Jünger sein CO -^ Bs wurde zu 
Jass-Bereny in der Szolnocker Gespannschaft ausgegraben, und 
noch 18S1 dort aufbewahrt, als Merkwürdigkeit dieser Raizen- 
Stadt , in der historisch erwiesen König Attila besonders glhnzen« 
den Hof hielt. — Beschrieben wurde es theils in einer Monogra- 
phie: Jaez Bering varaeeaban leoo Leel Kärthema vassg Ztu»- 
K&rthnek esmerete etc, Pesten 1808. — Leel s. Lelis undecimus 
dux Hungarorum ; de eo : Bonfinius, Scr. rer. Hung, Dec. I. Lib. 10. 
Pblcz, Hungaria euh Vaivoidis et Bucibus Sempron. 1755), theil.s 
in VuLnus Curiosit, IX. Band. p. S96 ff. mit getreuer Abbildung 
Taf. VIU., darnach abgeb. in Waoneh's Tr^cldeakueh. Heft III. Bt. 8. 



SM VIBRTS LAN69BITB. 

DafarbBlten magf dies ein Sohuppenwamms gewesen seio, 
entweder von gesottenem Leder oder Metall, nicht nnftbn- 
lieh Jenem der dacischen Reiter (equUes eataphraeU) der 
Römer — anoh d&rfte ein dacisoher Helm des Län- 
derverwüsters unförmliches Haupt gedeckt haben; offen, 
ohne Visir, ohne Stirnstulp. — Ein Harnisch aus dem 
V. Jahrhunderte aber hat sich — insofern dem Verfasser 
europäische Waffensammlangen bekannt sind — bis auf 
unsere Zeiten nicht erhalten. Waffenfrennde haben gewiss 
die betrübende Erfahrung gemacht, dass man in Europa 
auch aus einer sechs bis sieben Jahrhunderte 
Jüngeren Zeit keinen mittelalterlichen Harnisch aufisu- 
linden vermag , Ja , dass erst mit dem XV. Jahrh. unsere 
gesammten Waffenreste in Zeughäusern und Museen be* 
ginnen — wenige weitgerühmte Ausnahmen abgereehnet. 
Dass aber der vorliegende Harnisch, welcher nicht vor 
dem XVII. Jahrh. geboren worden, gerade dem fünf- 
ten zugeschrieben wurde, (auch im ämtlichen Inventar 
als Attila'B Kürass erscheint) , bildet eine belächelnswer- 
the Antithese des Lebens, in dem nicht selten Endpunkte 
sieh berühren. Eine kurze Beschreibung mag dem Ken- 
ner genügen. 

6S7. ilttUa jftdnig "btx Joannen (bu t&t\^ti €hittee) 

Cherrschte seit 434 n. Chr., ward mit einem Heere 
von 500,000 Mann im Jahre 450 n. Chr. geschlagen, und 
starb 453 im 36. Lebensjahre , im 19. der Regierung). 

jQaliiet iVlbi)armf4)^ blank mit gerippten S^tti^en^ ttti^ 
ge^empftett iBlnmen; j^elm^ $ruß, Vadien nnb Jlrm- 
itVLif Glitte j^en^en. 

B.F.W. F. Der gescblosseue Feldhelin, ans drei Stücken 
bestehend, besitzt eiueii hoheu Helmkamm und eiu geradlluig 
aufstrebendes Visir, das beiderseits klein ij^elochet erscheint. 
Der hohe Helmkamm zeigt an der Kante den umgeschlaae- 
neu Blechrand, das HirnstOck besteht also aus zwei Eaif- 
ten, und deutet hierdurch genügend die neue schlechte Ze^ der 
Plattuereien au. Sonderbar genug ist auf jede Seite dieses l^elui- 
kamms der Merknrstab mit seinem FlQgelpaare gravirt , in der 



GROSS« TROPABN-HALLB. S#7 

Form, welche naii noch henUotage aaf jedem Wechsel briefe er« 
blickt. — All der spitz abwärts lanfeudeu Brust (mit flachem 
Hättgebaach, der In eine kleine Bcke vorspringt), Ist kein Rfist- 
haken angebracht. Die Achseln besitzen Vorder- and HinterflQge, 
die Armbeugen sind offen. SchSsseln und Hentzen fehlen. Statt 
der ersten besitzt der Harnisch einen feinen Pauzerschurz. Alle 
Theile des Helms und Harnisches CBrnst, Rflcken und Armzeug) 
sind flach gerippt und mit punzirteu Blumen bedeckt. Die Zeit^ 
in welcher dieser Harnisch geschlagen worden, fftllt nicht vor den 
Auflang des XVII. Jahrhunderts. Der Zuschnitt der Brost, mit 
plattem kleinen Häugebaach und einwärts geschweiften Hfifteu, 
stammt unläagbar aas der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts. 
FiNCKB's Mbtrick zeigt solchen um 16S5 — 1635 (Taf. XXXVIII 
und XXXIX) , und Plwinbl In seiner prachtvollen Reitkunst 
einen ähnlichen zwischen 16S5 und 16S8. CABaic aber in seiner 
PanopUe weiset eine ähnliche Brust des Vicomte de Tu renne 
vor, die, wenn sie wie es scheint, wirklich ihm gehörte *^), 
allenfalls zwischen 163S— 1635 zu setzen ist. (JPanopt. PI. XXIII, 
E). — Dagegen beweiset db 6hbin*8 herrliches Waffen werk; 
Wafenkandivmg von d. Rören^ Jüusqueiten eic, wohl das pracht- 
vollste Ezerzier-Reglement^ das vor dem dreissigjährigeu Kriege 
erschienen, den Beginn der scharf und platt vorspringenden 
Bmstecken schon im J. 1608 ; — der Verfasser glaubt daher, nach 
reiflicher Prüfung, diesen angeblichen Harnisch Attila's frühestens 
zwischen die Jahre 1610 und 16S5 setzen zu können, wobei er 
den Verdacht nicht bergen kann, dass die gesammte Punzierung 
um sehn Jahre jfinger sei. 

Die an diesen Tropäen bemerkenswerthen Waffen 
dürften folgende sein: 

6S8 — 630. 9xtx geS^t^ ifttxxtidi^i)t j^^lmpartm. Eine 

davon trägt das grosse österreichische Wapen und das dop«- 
pelte Mi* — Die beiden andern, besonders schön geätzt, zeigen 



tM) Turenne CHenry de la Tour), Generalmarschaü des Kdnlgs ven 
Frankreich, geb. 1611; erliielt sehen 1634 ein französisches Regi- 
ment, und starb 1676, beim Recognosciren durch eine Kanonenku- 
gel getödtet. Die lieruhmten Züge zwischen ilun und MonUcuc- 
coU bewUirten ihre beiderseitigen Talente. Das Pariser Musee de tar- 
UUefie besitzt von Turenne einen Trabhamisch (Aeisaig abgebildet : 
Cabrb. pl. XXIX3. Notice etc. p. 19. Mr. 78. Armure legere omee 
de handee aUemaUvement bronzees et dorees. 



Sit VnUTB IiAJN€NSin»B. 

4ie zIerUeh ▼nflchhuigtuen Baehatftlwft flf.A.T.H.I.A.Sy du 
STMse 09terreichiMhe Wapeu, und um selbes den Wahlsprnoi: 
AMAT VICTORIA CUAAM; auf dem Haken die J. Z. CiA)Mft. 

631 — 632. JBmn ßtfiammU f^SngeS^U ^ttntarte» 

lu der Form eiuigermasseu jeuer iu Finckb^s Metbick PI. 
LXXXIII. Fig.l. älmlichy doch zierlicher; die Schneiden der gan- 
zen li&nge nach geflammt, beide Cuach dem Stile der zierlich ge- 
Atzten Zeichnung) um 1530 — 1550 zu setzen. 

B. F. W. F. Die Bitterzeit brachte die Warfhacfee, MaU*- 
hadiey lauge Mordhacke, den laugen Streithaaimer und die Streit- 
axt beim Kampfe in Anwendung. Auf logisch richtige Anwen- 
dang des Wortes darf man in damaliger Zeit nieht bauen; dedi 
dürfte folgender Umriss dem alten Begriffe entsprechen. — Wurf- 
haoke: die kleinste beilartige Waffe mit Stachel an BOokeM 
des Axthelms, der Stiel endigte oben in eine Spitze. — Mord* 
hacke: etwas grösser, mit einer Faust geflUirty unsem häusli- 
chen Hacken zum Holzspalten an Grösse nahe kommend, doch 
leichter. — Lange Mordhacke: beinahe wie die allgekauute 
Helmbarte, doch in gedrungener Form, ohne lange Zacken und 
Spitzen, der Schalt 4 bis 5 Schuh lang. — Langer Streitham- 
mer: abenteuerliche gespenstisch gestreckte Form eines Ham- 
mers, an Gewicht und Lftuge iu den verschiedensten Abstufun- 
gen. — Endlich die Streitaxt, durch Schwere und Grdsse 
aohreckead, mit S — 4 Schuh langem Stiel, stets mit zwei Fäue- 
ten gefOhrt, an Wucht unserem Fleischerbeile ähnlich. Es ver- 
dient Erwähnung, dass iu der 2. Hälfte des XVI. Jahrhunderte 
diejenigen schweren deutschen Beiter, welche »Schwarzreiter« 
genannt wurden, weil sie einen schwarzen Harnisch mit weis- 
sen (d. i. blanken) Strichen fObrteu , auch mit einer klei- 
nen kurzen Streithacke bewaffnet erschienen, de« 
reu EUsen halbmondförmig gelurttmmt war. iEquänm de$criptio 
quamodo equestrea capime nostra kac aetaie in sua armatwrm 
etc. sese hahenty per Abrah* de Brutn 4^ 1576, Tab. 7: »Der 
teuUche Reyter üi schwarzer Rüstung.iO 

633. €iit SSd^laä)liiammtx mit (an^ftn Sittflad^eL 

Er Ist ober den Streitäxten befestigt, und verdient Betrach- 
tung. Ähnliche Hammer, doch mit kürzeren Stacheln, fOhrten 
tbeils (mit kürzerem Schaft) die Beiter, tbeils Cmit längerem 
Schaft zu beiden Händen) die damaligen Offiziere des Fussvolks. 
Auch der ko eben beschriebene gehörte walirscheiulich einem Krie- 



6R0S8K TROPÄKN-^AIiLB. lü 

ger HH Faas ier ersten Hilfle dst XVI. Jahrhunierte, und sein 
wiir^wdkiilich gestreckter Axiatachel miMt t5Vi Zoll LAuge. 
(Äbiilklie Form iu Finckb's Mstbic» PL XCI. ji. 5.) 

634 — 636* JPm tnxkxfä)t lAo^fäimtift mit ixxlUnm 

jftnanf« Schön gearbeitet und wohl erhalten, die 
Stange mit herrlichem bunten Haarflechtwerk umgeben. 

637 — 640. JBwtx lederne tnrk{fd)e flfeUtafdyett itn) 
3ttiiei xnnit tx\xkxfd)t ^5d)tt ton fd)maxitm ftiex. 

Die türkische Pfeiltasche zur Linken zieret farbige Stickerei; die 
zwei ledernen tftrfcjischen Kdclier sind von efafudier Arbeit. 

641« Ctne kUxnt ttirktf^e ^ef[dpankt am Fasse der 

Tropäen, zwischen zwei festen Dratbhemdeu, wie solche 
in den Zeughäusern häufig vorkommen, und französischen Zfmmer- 
naimshacken uusers Jahrh. befestiget. Vor den Tropften stehen: 

642 — 643. JBmex ifalhe, lUdiU, Qlaüt USflanflen^ jtU 

mit (inem HÜibenlianber. Beide mit geschlossenem 
nur rechts gelochtem Helme ^ au beiden fehlt der Rüsthaken. — 
An der einen sind geätzte (daher fremde) Schosse angeschnallt. 
Beide Harnische , aus der zweiten Hälfte des XVI* Jahrhauderts 
stammend, sind weder durch Form noch Arbeit ansgeeetchttet. 

644. tf ine alU oßerretd)ifd)r xotlft Urtinfat^ne. sie ist 

an der Säule zur Rechten der besprocheneu Tropäen befes- 
tiget, zehn Schuh lang, rosenroth, mit Fransen verbrämt, mit ro- 
tben Fiänmchen bemalt, und trägt das Wapen des Brzherzogtbmns 
öst«rteicb , muthmasslich aus der Zeit des Kaisers flfatthlas. 
CÄbnlicbe Venierung hat eine purpurrothe Fahuei Nr. 6540 

645. /ai^ne itt itngarif^en Jnfnrredton. Qeib mit 

sehwarzem Saume; auf beiden Seiten der kaiserKehe Adler, 
und noter der Krone da« Patriarsben- Krens mit der Umsebrift: 
IN HOC SIGNO VINCES. Auf der Brust des Adlers eibliekt man 
statt dem Landeswapen folgende Schrift: 

COMANDU 

INSÜRGENU 

FONTANA BONA 

(E L) 



370 VUBRTB LANGSKITK. 

Uiiter den Tropäeu am Rande der Flagge ist auf den zeiv 
trümmerten französisdien Trommeln eine rothe Freiheitskappe, 
Can die Jakobiner -Mützen gemahnend), zu bemerken, vermuth- 
lich um den siegreichen Erfolg der kaiserUcheu Waffen gegen die 
feindlichen Jftächte dadurch zu bezeichnen. 

BODILLON'S TROPÄEN. 

Äbnlich den zuletzt besehriebeiien Trop&en ist ihaen 
zor Linken eine ans KUng^en znsanuneng^esetzte Spitzsäule 
errichtet , deren Gipfel mit feinem yjPan%eru)erhf^ bedeckt 
erscheint. Auf ihm ruht ein Hut, welcher einem der edel- 
sten und ritterlichsten französischen Helden, dem berfihm- 
ten Gottfried van BouUian zugeschrieben wird* Zwei 
schwarze Eisentafeln, den bei Attila^s Harnisch erwähn- 
ten ähnlich, enthalten in goldener Schrift die Schicksale 
Bouillon*» und dieses Hutes» Wir entnehmen daraus, dass 
dieser Hut früher zum kaiserlichen Privatschatze gehörte, 
und zu Arba aufbewahrt wurde, doeh nach der Krönung 
Sr. Maj. Franz des I. als römisch-deutschen Kaisers, d. i. 
nach 1746 diesem k. k^ Zeughause als Geschenk zu Theil 
wurde. Die vielen Fehler des lateinischen Textes aber las- 
sen vermuthen, dass jyAröa^^ nicht für jene bekannte Stadt 
und Insel Dalmatiens zu halten , sondern dass dafür Alöm 
zu lesen sei; wornach Alba regalU gemeint sein dürfte, 
d. i. Stuhlweissenburg in Ungarn, in früheren Zei- 
ten Ungarns Hauptstadt ^^^j in der die ungarischen Kö- 
nige gekrönt und begraben worden sind *^)* Das amtliche 
Inventar nennet bloss einen Hut des Herzogs Bouillon, 
ohne Beisatz über seinen Erwerb. 



t47} So z. B. rühmt der VeHasser der Inscliriften an dem grossen Stamm- 
baume der Habsburger On der Ambraser Sammlung}, auf Befehl des 
Kai8ers Max I. gemalt, von diesem Regenten: AJbam regalem Uli- 
gariae regni metropolim ante inviciam expugnavit, 

148) Die langen lateiniHchen Inschriften mit ihren vielen Schreibfehlern 
vollständig 9SU liefern, verlohnte nicht der Muhe; wir fuhren nur 



GROSSE TIH>PAEN'HALLE. 971 

646. ^cttftiti wn IHotttUm^ ^tt^^i ti^n üu^er-^Totfi- 
nngen nvCb etfkn d)ttflltd)rr iftSnig non JerttfaUm 

Cgeb. um die Mitte des XI. Jahrhunderts, regierte seit 1076 
im Herzogthume Bouillon, seit 1099 König; gest« 1100). 

Wtx^tt iiljtint mit bxtxttm imitfaif anfgef4)la0nem 
lHaniß V0n innen mit ^ammt gefuttert^ von an^tn mit 
eintm Cifrngatt^t nni Maftmxftn intitvnffl, andt ^^^^b 
5tir Meti tin vxtfmQ ^xmq tin^ ein |litf4) mit j^tram- 
fcnfe^ern "0- 

B. F. W. F. Eiu Pilgerhat von weissem Filz , mit breiten 
beiderseits auf|g;escli1agenen Krampen, die mit Pnrpursammt ge- 
flittert siiid^ der Rand mit GoldbSrtchen eiugefasst, Cau einer Seite 
uocli die Seidenschuur mit Häkeben am Hutkopfe sichtbar, um die 
Krampen emporznhalten) ^ der Kopf mit orangefarbigem Sammt 
gefüttert, dessen feste Wattirnng in Form kleiner Rauten, gleich 
den Helmfuttern des XVI. Jahrhnnderts abgesteppt ist ; an jeder 
Seite in der Gegend des Schlafs ein schmales Seidenband, am 
den Hut am Kinne festzubinden, daneben zu jeder Seite ein gras- 
grüner gedoppelter Schleier gefaltet augenäht, so dass er sich 



ihren Schluss an , da er einige Aufklärung über die Schicksale des 

Hutes bietet : «Z^tti latuit hoc nobile tegumem (en) invictUsi- 

mi Capitis inter aulae caes. Thesorarium privatum, quot Ccujus?3 
Arbam C Albae ?3 domicilium est. Divtivs lacre Clatere) non potuüy 
dum ptenissimum Stern. Cpotentissimam sedem?} Ceu Soli Cceu 
8oI?3 aseendit serenissima familia sua Franc, J. Dux Lotharingie 
Cgiae) Rom, Imp, tdem et Bex etiam Hierosolimarum, quae CQua?} 
in Pupiice Cduplici?) luce constitui debuit in Armamentaris CioV]) 
hoc Caes. victoriarum et testis et prodeo Cproles?). 
t41»3 Angebliche Waffenreste dieses Helden zeigt man : 

Zu PABIS in dem MUS^E DE L'ARTILLERIK : 

i. Einen vollständigen Prunkharnisch für Mann und.Rüss 
von ungemeiner Schönheit, genau abgebildet in CARRi PI. 
XXXAnril, welcher mit oberflächlichem Leichtsinne ihn wirklich von 
diesem Könige Jerusalems herrührend annimmt Cg^nau beschrie- 
ben; Notice sur les Collect, p. 3. n. 6), obwohl die hohe Meister- 
schaft der Reliefarbeit die grösstenKunsüer desXVI. Jahrb. verräth. 
f. Kleine Partisane, angeblich von Gottfried von Bouillon; 
CSotice u. 412); höchstens aus dem XV. Jahrhunderte. 

Zu LAXENBUB«, dem KAISERL. LUSTSCHLOSSE nächst %VIEN: 
3. Einen schönen Helm. CSchmidl, Wien's Umgeb. U. Bd. pag. 
152.) 



in VIBRTS LAKGSBIT8. 

usegen al^wftrt^ »«wliiuiier zieht, 9%*' lang and It^ breit. Om 
HutM ganzer DuicbneMer bis an den Krftmpeiiraiid: 16%^'; die 
Breite der KrAmpe: 4y»''; die Höhe des Hatkopfes: 4'% welcher 
jfegeu oben etwas spitziger zuläuft und ziemlich rund gewölbt 
endigt; — dies ist die genaue Beschreibung des Hutes, der etwa 
im XVI. Jabrh. ein geistliches Haupt gedeckt haben mag; Spuren 
des Gebrauches trAgt seine innere Sti rnseite. Durch 
diesen Hut ist eine plump gearbeitete eiserne CäMte gesteckt 
mit 9 KisenspresseB; nftmlich S blanken Eiseastaiigen nach ver- 
ne, t nach hinten, und % an jeder Seite, wozu no«h cfu Na^- 
seneieea kommt, dessen Querbflgel fehlt. Graf Sbtmki«- D^\iz 
iArmeria di S, M. Carlo Alberto^ g. 8. coit X. to«. Torino 1840.) 
zeiget pag. 139 Nr. 337 flg. U, eine caiotte mit acht Stangen, 
allein seine :^capeli6Mt€ hat Glieder, die das Emporschlageu der 
Kisenstaugeu gestatten, und ist jeuer caiotte sehr ähnlich, wei- 
che liUcwKLTN AlJtTBiCK iu seinem grossen WaflTen werke M Cri^. 
Ucat Inquiry< etc. PI. LXXI. ad annum 1(^5 in der Vignette 
abbildet, ebenfalls' mit neun Bisenstaugeu , deren vordere mit- 
telst Gliedern zum Aufschlagen gerichtet sind. Unser Eisengit- 
ter gleicht mehr jeuer caiotte de feVy welche Cabbjb iPaw^lie 
PI. XVIII. B) caiotte ächancräe nennet, und beisetzt: ^quand 
Ofi la veut moins ligh'e , «on hord n'est pas ouvert maia plehu 
— No8 cavaUers C179;^) en temps de guerre ne quütent pas la 
ealoHey que aouvent pour plue de Ug^et4 ils forment d'une 
m^che tortiUäe exceUente contre le tranchani.^ Ober dem Schei- 
tel des Hutes schwebt eine messingne Scheibe, auf welcher 5 
kleine Federrobre mit etlichen rothen Straussfedern befestiget 
sind ; in der Mitte ein aufrechtsteheudes Messingkreuz , in dessen 
vier Winkeln vier kleinere Kreuze angebracht erscheinen. Auf 
dem Hanptkreuze wiederholt sich der Spruch: IN HOC SIGNO 
VINGBS '^ mit Buchstaben, wie wir sie noch jetzt gebrauchen, 



t50) Man vergl. Nr. 646. — Fungirte dieser Hut etwa bei der ungarl- 
sehea InsurrectionV Verschiedene Umst&ode, wie z. B: dass er 
ans Ungarn oder D&lmatien kam, dass er dort im kaiser- 
lichen Sehatze aufbewahrt worden , Jedoch nach i 745 , d. i. 
kurz nach der InsurrecUen, gegen Wien gesendet worden, — ehen- 
vm das darauf beändllche Kreuz mit dem Wahlspruche der Insur- 
genten ete. erregen allerdings diesen Verdacht. — Hätte er auch 
nur dem blinden £iferer Paul Tomori gedient, dem es gelungen 
war, vor der unheühringenden Türkenschlacht, worin Ludwig II., 
König von Ungarn, den Tod fimd C16<6)» dessen Heer zu fiwatisi- 
ren, — er wÄre der Aufbewahrung werth I — 



GROSSE TROPÄEN-RALLB. 378 

und eine ähnliche Fonft des Krenzes war noch im XVIII» Jahr- 
haiidert modern. Dass die e^9,nze caiotte nicht daza ^ehörte^ 
zeigt der Augenschein; denn mit roher Hand sind in den Filz 
und Saramt grosse Löcher gestossen^ ohne an ein Binsänroen za 
denken, um die Stangen des Elsengitters durchzustecken. Der 
Hut selber aber , der weder dem thessalischen petasuSy noch der 
rdmischen causia *^*), sondern eher einem Pilgerhute ähnelt, ist 
von jüngerer Form als die Cardinalshüte, welche letztere erst 
unter Papst Innocenz IV. (Im Jahre 1S44) begannen. Was die 
caiotie anbelangt, so ist selbe eine Erfindung jüngerer Zeit, unt 
die Bequemlichkeit eines leichten Hutes mit der Sicherheit gegen 
Schwerthiebe zu vereinigen; schon ihr Zweck zeigt ihren neue- 
ren Ursprung. Dass mau im zehnten Jahrhunderte, und auch noch 
später weit rohere Mittel anwendete, um den Kopf zu schützen, 
weiss jeder Geschichtskeuner *^*). VTas endlich die Helme des 
XI. Jahrhunderts betrifft , so bestanden damals in der Regel nur 
zwei Hauptformen, welche die Franzosen casque-^basvoUet und 
casque pot^de-fer neuneu, beide eine Art eiserne Mützen, bei- 
de den edlen Helmformen des XVI. Jahrhunderts ungefähr so ähn- 
lich , wie die plumpe Lappläuderinn der blendenden Circassieriun. 
Die wahrscheinlichste Meinung bleibt , dass ein geistliches Ober- 
haupt des XVI. oder XVII. Jahrhunderts, das — vielleicht weltli- 
cher Zwecke willen — in den Krieg eilte,- schnell diese ctUotte 
eines gemeinen Kriegers durch seinen Hut stechen Hess , selbe 
zum Andenken aufbewahrte , und später das messingene Kreuz 
darauf setzte. Eiu einziger Schalk durfte gleichzeitige Leicht- 
gläubigkeit benützen , und das seltene Kleinod war für die 
Nachwelt autorisirt. — 

Die merkwürdigsten Waffen dieser Trop&en sind 
folgende : 

647. <Ctn fdjnetMg^r Vnnkiia (Wclfmftn) mit 00l)e- 

Utt 'i,(iVifdliitXütbtxt0 zum Zusammenlegen gerichtet. 
Seine beiden Ohreu schieben sich gegen einander, ebenso Iftsst 



t513 Sine Art Hot, mit einem nach vorne und ruckwftrts breiter ge- 
schnittenen Hände , den man im Amphitheater auftietzte , wenn der 
Wind nicht erlsabte, die Decken über selbes au ziehen. 

•&t) Les forces SOthon CA. D. 946} reunies ä Celles de ses confederes 
montaient ä 18,000 hommes , qui ious hormis Vabbe de Corbien en 
Saxe portaient des chapeaux de foin , sans doutes pour parer les 
coups ttestramassan, et pour se garaatir du fmid. CHbssrrat.) 

11 



S74 VIBRTB LANGSBITB. 

Aldi anok seine Klinge mitleUt Gelenk, zü^aaunenlegett. Klinge, 
Obren und Seliuii mit herrlicher Ooldtaueia bedeckt) der Schalt 
geechnackvoU yersiert. Laut mflndlicher Angabe stammt dieser 
schöne RoMord ans der Waffeukammer Waldsteius, des Herzegs 
von Friedland. Üeber den Gebrauch dieser Wolfseisen und Ann- 
ka^s vergleiche man das am Schlüsse der Nummer 59 Gesagte. 
Die schOne Klinge, mit % Blntriunen, hat sammt Hfilse S' SV%" 
LAnge. Zusammengelegt misst die Waffe 8' 10" , dagegen in ih- 
rer ganaen Länge 7 Schuh 6% Zoll. Einen ähnlichen Ronsard 
seigt JUBINAL in seiner Armerfa de Madridy Tom. II. f|. t%^ au- 
geblich von Peter dem Grausamen (8. Hälfte des XIV. Jahrh.) 
herrührend, allein der Arbeit zufolge wohl ins XV. Jahrhundert 
SU setzen. Die obere Hälfte misst 8' 5" 4'", dagegen jene des 
Schaftes 8' 9V^'') daher die ganze Länge beiläufig V %** beträgt. 

648—651. Vier tnrktfd)^ €tmari - ial^nen CVafaOen- 

falyntn^« nie eine von rotber Seide, die andere 
von' rother Leinwand, die beiden oberen mit dicken messingnen 
Fabnenspitzeu , von Biuigeu für Reliquien-Kapseln gehalten *^')y 
die beiden unteren von einfacherer Arbeit und verschiedener Far- 
be. Jene zur Liuken weiss, mit grünen Verzierungen; die zur 
Rechten roth, mit gelben Zieratbeu und Schriftzflgen. Sie sind 
Von Leinwand^ und sftmmtliche Blumen und Buchstaben aus Seide 
oder Leinwand ausgeschnitten und aufgenäht. — Diese Fahnen 
stammen von den »Timariot en,« auch ;»Timar- Späh i's« 
genannt, bei den Türken eine Art Lehensleute, die eine Nutz- 
niessnng CT i mar) von gewissen Leheusgriteni erhielten, und da- 
gegen in Person mit einer Anzahl Soldaten beim ersten Aufgebot 
in's Feld ziehen mussten. Timari-Sandschaks kommen häufig vor; 
80 B. B. eroberten die Russen während des ganzen Feldzugs von 
1769 nicht mehr als drei Janitscharen -Fahnen, dagegen bei 
400. Tlmari - Fahnen. (Hatne, Krfeysk, der Türken^ p. 97.) Man 
vergleiche den Aufsatz des Anhangs : Rang türkischer Fahnen. 

65» -^»653. 3mei gro^e Sai^ntn aw )^en ^ttn))nfitn. 

Aus purpurrothem Seidendamast, mit vielen goldenen Flam- 
men und Punkten bemalt, und mit religiösen Darstellungen ge- 
sehmfickt,- welche die Hand eines tfichtigen Malers verrathen, Bs 



tss) Der Gedanke , in die Fahne Reliquien zu schliessen , zeuget von 
psychologischem Takt ; allein wir würden irren , die Türken als 
dessen Urheber zu betrachten — der Gebrauch ist weit älter. 



6R088B TROPAvN-HAUJB. 9» 

IM sn bedauern, da» au beiden bedeutende filtttoke an Bande 
fehlen. Auf der Fahne cur R. ist die gresee Figur des Welterlfi* 
eers jeu schauen y auf jeuer sur L. in einem goldeneir Strahlen«- 
glänze die gebeuedeite Jungfrau mit dem Jesukindlein , unterhalb 
das bShmische Wapen. Durch die Verwendung dieser Fahnen 
zur Ausschmftckung der Tropften ist ihre Besichtigung erschwert | 
daher ScIiaulusUge besser thun , die Fahne an der nächsten Sftnle 
zur Linken zu betrachten» welche den beiden vorerwähnten sehr 
ähnlich und ans derselben Zeit ist. 

B. F.W.F. Die Brzählnng, dass diese Fahnen ans den 
Krenzzflgen stammen , bildet ein lächerliches Mährchen* Wohl 
haken sich verschiedene Seiden- oder Leinwaadstoffe aus uralter 
Zeit bis auf unsere erhalten, se s. B. die berühmte Ta* 
p.ete von Bayenz, die Hauptquelle aller Alterthumsforschnr 
(abgeb. in Momtfaucon , JuuN al u« vielen Trachtenbftchern) ans 
dem XI. Jahrhunderte, die beiden Messornate ans den Braut- 
gewändern des heil. Leopold's, des ästerreich. Landespatrons 
and der Kaiserstocbter Agnetj so wie ein Stfick ihres Schleiers *^) 
aus dem XII. Jahrhunderte u. a. m.; — allein mau muss hierbei 
auch die äusserste Sorgfalt in Anschlag bringen, mit^welcher 
man derlei Kleinode dem zerstörenden Einflüsse der Zeit entzog. 
Fahnen aber, meist schon durch den Gebrauch mOrbe gemaeht, 
und in Kirchen und Zenghäusern dem Staube und der Witterung 
preisgegeben, kann man in der Regel höchstens eine dreihnn- 
dert jährige Lebensdauer zusprechen. Bei den vorliegenden bezeu- 
get überdies die ganze Darstellungs weise (Stil) der Malerei, 
dass sie nicht vor dem Ende des XVI. Jahrhunderts verfertiget 
worden sein können. 

An der nächsten 8äale, zar Linken des Besehaoers : 

654. Mütt\ixaBj Untfi^tt Aaiftx, ^inin wn iQttit- 

garn tin)^ »dj^men (geb. 1M7 , Regent von Öster- 
reich und König von Ungarn 1608, König von Böhmen 
1611; Kaiser seit 1612; gest. 1619 im 62. Lebensjahre). 

%0t^t }ßxad)tfa^nt. 

Eine der schönsten nud ältesten dieses fcaiserl. Zeughauses, 
von welcher leider ein bedeutendes Stück an der rechten Seite 



•M) Aufbewahrt in der Schatzkammer des Stiftes Klestemeubvrg nächst 
Wien. (ScnMioi., Wiens Tsipe». I. pag. tSS u. WJ) Die Erhaltung 
eines achthundertjfthrigen Brautschmucks ist denn frei 

II * 



StE§ VtBRT« LANGSBITE. 

iM lUndM (von Torne gesehen) fehle!. Sie besteht ans s^^n-e- 
ren PurpardaaiMt , der nit vielen goldenen Flammen und Punk- 
ten bemalt Ist. Anf der Vorderseite erblickt man den gekren- 
sigteu Heiland) von dem grossen kaiserlichen Adler getragen, 
darunter das grosse Wapeu von Österreich, von der goldenen 
Vllesskette vmgeben , nnd vom 5sterr. Erzheneogshnte begrenzt. 
Den Band umschtiesst eine breite reichvergoldete Einfassung 
eckig verschlnngner Zttge, In deren Mitte den kOnstlich ver- 
schlungenen Naraenszog des Kaisers : CM.A.T.H.I.A.S) 
•vthattend. Auf der Rfickseite der Fahne ist im goldnen Strah- 
lenkrance die unbefleckte Jungfrau zu schauen , mit dem gSttli- 
eben Kindlein, auf dem Halbmonde zwischen Wolken sltzettd; 
ober ihr die Worte: PATRONA HUNGARIAE; unterhalb das ge- 
krönte ungarische Wapeii. Eine breite Einfassung goldner, kfinst- 
llch verschlungener Zfige umgibt auch hier den Rand. 

B.F.W. F. Bekanntlich erhielt Erzherzog Maithias zuerst 
die Statthalterschaft In Ober- und UnCer-österrelch; im J. 1594 
das Kommando In Ungarn wider die Törken , und wurde 1606 
«an den missvergnfigteu Ungarn zum Statthalter begehrt , ja so- 
gar im Jahre 1608 von den Ungarn und Österreichern 
einmflthig zu Ihrem KSnig und Herrn erwählt. Hier- 
auf zog MaiitUäs mit einem Heere nach BOhmen, und zwang den 
«nthätigeu Rudolf, ihm die ungarische Krone sammt den 
Übrigen Relchslnsignien auszuliefern, und ihm Ungarn 
und Österreich abzutreten. So erklären sich die Bilder 
der Fahne, die hiernach in den Anfang des XVII. Jahrhunderts 
einzureihen sein dttrfte. Eine aufmerksame Betrachtung der Jong- 
firan Maria auf dieser Fahne, und des grossen Christuskopfes 
auf der einen Fahne der Tropäeu führt zur Vermuthung, diese 
Malereien dürften von einem Jünger der zaiüreichen Schule Cag~ 
Uarfs (fa^lo Veronese) herrühren. 

655—660. Sftii)B SStnö^ Cjakane nn)^ )^entfd)e Vttter- 

lyantmer. im XVI. Jahrhunderte führten die nnga- 
risehen, russischen und türkischen Reiter häufig kleine Rei- 
terhacken, aus Mielchen in jüngerer Zeit die Czakane der Un- 



lieb eines der glänzendsten Beispiele der Art. Der Grund des Stoffes 
war wolü weiss und mit bunten Gebilden aus Blumen und Vögeln 
gestickt, offenbar byzantinischen Ursprungs. CAbbiidungen bei Hrrr- 
GOTT, Jfottvm. T. I. pag. 5. Tab. Xn. 4--6. und der Schleier, ibid. 
Tom. ni. p. 1.) 



GROSSE THOPÄBN-HAIiLR. 977 

garu entstanden. (M. vergl. das bereits Nr. 379. — 984 »ber Cza- 
kaue Gesagte). Den Buzogdn jener Zeit triift mau mehr bei der 
polnischen und ungarischen Kavallerie^ als der dentschen ; dage- 
gen scheint der Streithammer vorzugsweise dem deutschen 
Heiter eigen gewesen zu sein , obschon auch AuslftndCr ihn führ- 
ten; so z. B. Franz M. Herzog va9t Vrhino um 1538 (PaunflS. 
Nr. 104). Man findet um 1575 auch die »deutschen Reiterjungen^ü 
damit bewaffnet, und in den deutschen Harnischkammer-Inventa- 
ren wird, sobald »Reuterische Harnisch< aufgezählt werden , bei 
jeglichem insbesondere auch »ein Fausthammeroi oder ein »Fanst^ 
kolben^ aufgeführt. (Vergl. Inveniary über die Hamisckcamer im 
Schioss Landskuet^ 1.5.6.9.) Die hier zu beschreibenden WaiÜBii 
enthalten theils Hammer und Hacke , theils Stachel und Hacke, 
wovon wir nur den ersten, kleinsten, mit seinem dreizackigeii 
Krdnleiu statt Hammer, den ältesten hier vorhandeueu 
aus dem letzten Viertel des XV. Jahrhunderts, und 
den letzten, ganz von Messing, auszeichnen. 

661 — 663. ^mei attt fd^tuere flartifantn mit ^ttx 

milllf. Beide sind ober den Trop&en befestiget, wei- 
sen noch die alte, reine , einfache Form vor , und enthalten das 
bekannte Wolfszeicben. 

663^-665. Urei gr^^e fd^'nt turktf^e V^ßfdiVKife. 

Zierlich gearbeitet, deren stets wiederkehrende Form kei- 
ner Beschreibung bedarf. Zur Linken befindet sich : 

666. tftne Meint Jfe C^isamuf); in dieisem Zeaghaase 
eine Seltenheit (vergl. Fincke's Metrick. PI. LXXXIV 
fig. 7) , dagegen sich in Dresdens historischem Museum wohler- 
haltene, zierlich geätzte Isen zu Dutzenden vorfinden. 

Die übrigen Wehren sind weder durch Schönheit 
noch durch Seltenheit hervorstechend. Erwähnang verdie- 
nen allenfalls noch ein Paar schöne alt^ Sturmsen- 
sen, runde türkische Köcher von buntbemaltem 
Leder, und einige türkische Handbögen, welche 
diese Tropäen zieren. Diese Siegeszeichen bewachen zu 
beiden Seiten ein Paar geharnischte Gestalten. 

667—668. JBmti l^albe litd^U Unfim^tn mit Hiben- 

Ifanbern. sie verdienen, da sie aus einsselnen Har- 

uischstiickcu zusammengelesen sind; keine nähere Beschreibung. 



tTt VimTB LANGSStTE. 

All der nichste« 8iale mat Linken eine merkwilr- 
(ßge Fahne: 

669. Jftt^Kitl Apa^ IL /ut^ wn SSUhttAStgin (geh. 

167f ; gent 1713 im 36. Lebensjahre). 9.ntk%f^t 

INftlenfaffite mb t0|>iir0t(|er SStibt. 

Au dieser gescbichtlicb sehr merkwürdigen Fahue (von eilf 
Scliali vier Zoll Lauge, uud sechs Schuh vier Zoll Breite), befin- 
det sich ein Zettel mit folgeudeu Worten: 

Oiffe 9a|iie ifl wn Um Mtflfdj^cii ftnifet htm inn^tn 
WlM^ütln Wl^fh i^ Hgnum Prineipaius Transyivaniae 
gfdelbeii, »Oll il^itte Vf^afp^ aber %n ffnefTeii 31^tp tXi^iitffdJ^« 
Vfttf« 99laieflAt cum plena reHytiatione aller ftnf oebad^teti 
^fttfientl^niti S^iehettbfttgen innehabenden Praetennonenj 
Vnno 1 90S deleot tnotben« — - 

Diese nuscheinbare Fabne bildete also das Symbol, womit der 
juuge Fürst , uuffthig seine Ansprüche auf Siebeubürgeus Besitz 
cn behaupten, seine gesammten Hoheitsrechte dem röm. deutseben 
Kaiserhanse abtrat, nnd wodurch Siebeubürgeu zur Österreichi- 
schen Provinz erhoben worden ist. M, Apaffiy welcher ein sor- 
geiifk:ai|M angeneimea Leben zn Wien der uotbgedrnugenen Stel- 
lung eines türkischen Vasallen vorsog, wurde mit Ertheilnug der 
Reichsffirstenwttrde und einem JahrgehaU^ vott 10,000 i. ent-^ 
schädiget. — Br starb kiuderlcfH in^ seinem 36. Jahre wi Wien. 
Sein Panzerhemd sammi, Paiizerhaube wurde unter Nr. 39 be- 
schrieben. 

670. irtebrt4l ^tt Streitbare; i^ei300 wn CDe^erreid); 
Steiermark ttnb j(ra% ber ie^te Habenberjer ; 

(geb. 1211 ; in der 8cblacht geblieben 1S46 im 35. Lebens- 
jahre), tftn Jtorajtti wn rotl^em Samt jierlid^ mit 
eifernen 1la0eth befe^t. 

B. F^W. F. Der Koraziu (Jaxerin) ist von der Art, wie 
mau sie noch im XVI. Jahrhuuderte trug , uud auch auf dieselbe 
Weise gemacht. Die Blechschuppen, deren jede nach einwärts, 
d. i. nach dem Leibe gekrümmt ist, sind an die inwendige Seite 
des Sammts , der mit grober starker Leiuwand uuterfüttert ist, 
genietet, und von beiden Achselhöhlen abwärts bis au deu untern 
nand Cd. i. die Hüften) läuft ein zwei Finger breiter Streifen von 
^Panzerwerk« (Panzerriuggeflecht). Sin ähnlicher »stricke (Streif) 



GROSSE TROPABN-HALJLB. 976 

tief um Achselldclier uud Hat«. Jedes '»ScMsseH. (Beiiitasche), 
elienfiftlls AU9 Scbnppen bestehend, ist durcli drei Schnallen an 
das »wambeis* {fvambesck, gambesimmy gnunboiMn^ später: wo- 
mmsj teamb9}y befestiget, das an l»eiden Seite» offen war, jgleich 
dem Messgewande der katholiscben Priester, und durch Schnür- 
riemen geschlossen wurde. Die Brust bat acht Heihen Schuppen, 
nn^ jeder der beiden Schosse fBnf Reihen Schoppen. Jede Schup- 
pe )st mit sieben in einer wagrechten Reihe liegenden Nieten an 's 
Fntter geheftet, manche Schuppe trftgt auch 14 — 14 Nieten; hier- 
4irch erschien der Harnisch als zierlicher , mit eng aufeinander 
folgenden Reihen zahlloser , giftuzender Stahtpuakte besäter 
Sammtrock, dessen Nieten nicht selten vergoldet waren; ja man 
gab selben auch im XVI. Jahrhunderte eine gefälligere Form, 
c. B. jeM vergoldeter Röslein oder Sternchen , und wählte 
manchmal als Überzug statt des hierzu Qblichen Purpursammts 
sogar Goldstoff. Prunkend waren derlei Harnische wohl —^ 
aber nicht dauerhaft. Des hier zu besprechenden Jazeriu*s Innen- 
seite war nnr mit grober Leinwand gefüttert. — Gegen die Echt- 
heit des besprochenen Jazerins aber Iftsst sich theils aus histori- 
schen,- theils ans archäologischen Gründen Vieles einwenden. Aus 
historischen, weil es sonderbar klingt , dass, während uns 
von sämmtlichen Herzogen und Erzherzogen Österreichs ans dem 
XIII. und Xl^. Jahrh. nicht ein Waffenstfick erhalten worden 
(mit Ausnahme einiger von Rost zerfressener Schwertreste, ab- 
gebildet in Hbrroott's AfoniMi.), man gerade dieses Stfick sechs 
Jahrhunderte lang bewahrt haben sollte ; — weil überdies der 
unglückliche Herzog auf dem Schlachtfelde von den Ungarn aus- 
geplündert wurde *^^), folglich die Österreicher schwerlich seinen 
Harnisch besitzen mochten, welclieu die Feinde mit sich ver- 
schleppt hatten. — Aus archäologischen Gründen lässt 



td4) Der Schriber Htfiiirich al zeliant 

Den riehen fünften ligende vant. 

er vant in ligeiit jaemerlich: 

ez het der edele fürste rieh 

an im niht wan ein spaldenier 

und einen schuoch, geloubet mir, 

und niht wah sin linin kleit u. s. w. 

Vrouwen Dienest. Lachmann. 5(8. 13. 

So beUagte der gleichzeitige Ritter Vlriek der IstecMeHsUiMr, 
ein glaubwürdiger Zeuge, die Ermordung seines unglücklichen 
Herrn. 



380 YIBRTB U4N6S&ITB. 

siebt die Schthelt noch scbärfer angreifeu; d«un cur Zeit FrMe" 
rieh's des Streitbaren war diese Art des Paiixerwerks irittk" 
hamitsch'), die sich hier unter beiden Achseln zeigt , noch gar 
nicht erfunden; damals lianute mau auch noch nicht die Ko- 
raziue iJazerins") , die erst gegeu 80 Jahre später aufkamen, ob- 
wohl mau die Brigantinen *^) schon im eilften , Im XII. Jahrb. 
und zu Anfange des Xlll. häufig trug, besonders in Engl4^id, 
wo sogar die Tempelritter auf ihren Grabsteinen zu London darin 
abgebildet erscheinen (vergl. Cotqaan's JEsq. SeptUchrat hrasses^ 
Wagnbb's Tracktenh. u. a. m.) Auch spricht die ganze Form, 
der Zuschnitt fUr's XVI., nicht fiir's XIII. Jahrb. Schadhaft genug 
wäre übrigens der Rock f&r so hohes Alter, und in eben a» 
schlechtem Zustande, wie des uuglftcklicheu Herzogs Grabstein 
zu Heiligenkreuz. — Wäre ersterer echt — er verdiente euien 
Glasschrank mit goldener Fassung I — Der roseurothe Korazin 
Friderich^s des Babenbergers , so wie der grflnsammtne und die 
zwei rothsammtnen ^ die weiter gegen d* L. aufgemacht sind, 
stammen alle aus einer Zeit, und zwar höchstens ans dem Ende 
des XV. , wahrscheinlicher aus dem Anfange des XVI. Jahrhuud. 
Noch im letztgenannten Jahrhuud. tfeag man häufig Korazine, 
wie die Jazeriu's der kaiserlichen Aoibfaser - Sammlung *M), 



M5) Der Jszerin hat die Blechschuppen inwendig, dagegen die 
BriganUne^ wie Dbvignb richtig bemerkt, dieselben auswendig. 
(Dass Finckb's Mbtrick, PI. XXXIV, die DratlUacke der englischen 
Bogenschützen n^rigantine* nennt, veranlasst falsche Begriffe3. 
Überdies sind Jazerln's gewöhnlich Qso auch Jene des kaiserlichen 
Zeughauses^ mit grober Leinwand gefüttert. Man darf nicht fürch- 
ten, dass ein unwissender Mäckler einen Jazerin etwa verkehre, 
wie heutzutage bei manchem Drathhemde geschieht. Denn da 
sammtliche Schuppen nach dem Leibe , also nach innen gekrümmt 
sind , so würden sich , wollte Jemand die Brigantine zum Jazerin 
machen, alle Schuppen sträuben, und der BfissgriiT wAre in*s Auge 
springend. 

t56) So trug noch der unsterbliche FerdintMd von Tirol , der Stifter der 
Ambraser-Sammlung , einen solchen Harnisch , wie das iUteste ge- 
schriebene AmbraseMnveotar des J. 1596 bezeuget« Dort heisst es: 
^fiol. Hb): Mer in ainer mit Eisen beschlagnen Niedern Truhen: Irer fr. 
Dt, Leibharnisch Corazin Vnnd Wöhrn , Innmassen ess dieselbe al- 
zeit auf den Raisen über Lannd fäern , Vnnd neben das Pet stellen 
lassen. — An mehreren Stellen werden aber noch Korazine ge- 
nannt, so z. B. : 



6BOS9B TROPÄBN-HAIiLB. 961 

nMuichnal auch Schuf peuhariiische i>kri0aMiiHeSf€) wi« die 
italienischen 9 englischen und französischen Schnppenhaniische 
jener Zeit deutlich zeigen; so der Schuppenhaniisch des FiroHz 
Maria Herzog von Vrbino in der Ambraser Sammlung (Pbimiss. 
Nr. 104), auf dessen Helm zu lesen, dass ilin der Mailänder Fi- 
UiPjms JSigroli im J« 15SS verfertiget hat; aach eine hr^amUme, 
jedoch ohne Beintascheu, iiu Grosb's Es^. Miläary amUquMies. 
II. PI. SO. lig. 3, genau abgebildet)^ deren Schuppenhau dem der 
oben Besprochenen so ähnlich ist, dass man glauben könnte, sie 
seien von derselben Hand verfertiget. Sie soll dem englischeii 
Könige Heinrich VIII. gehört haben, hing damals (1801) in einem 
Kaffeehanse zu London, und bestand aus schmalen auf Leder 
genieteten Blechschuppen. Carb^ zeigt iPamopitep PK XXXIII. D) 
eine ähnliche »frr^ojiilAie« einer französischen Waffen-Sammlnug. 
Eine, Stelle in einem Memorienbudfae des Kaisers Maximilian L, 
zwischen 1505 — 1508 geschrieben, CHormatr, Taschembuch für 
1824. pag. 6i^) , scheint den 6^ebrauch der BriyantAten noch im 
XVI. Jahrhuud. zu bestätigen. Sie lautet : tf . der SeyeeiUMfer 
eol das Pickardiach Pantzer machen mit den HiempUeken, — 
Ob der hier genannte Plattner mit jenem Wilhelm Seussen« 
hof er ein und derselbe sei, welcher am Hofe Kaiser Karl's V. und 
Ferdinand^s I. in grosser Gunst gestanden , (erwähnt im I. Weil, 
S. 101), ist nicht bestimmt — dass aber unter dem püuurdiscken 
Panxer (-Wamms) eine Brigantine aus Homschuppen ventandeu 



Fol. 801 a)r Jacob von Ems: Ain Corasdn mit CrothemJ 8amH ükerwo^ 
gen durehaut mU verguUen tUslen (Bdslein) besehiagen, ewnlH eeh 
nem SiumUutet, auch mM Miot Swnat Überzogen (PaiMiss. N. <9, 
8CHRBNCK. fig. 84), aus dem Ende des XV. Jahrh. stammend. 

Fol. 389 b) : Augustin Barbarigo : Ain Corazin von Rotem eamet^ Vnnd 
durchaus mit VerguUen Negelen beschlagen, (In Primiss. N. 1 lö und 
SCHRKNCK fig. 99 ist JedoGli nur ein ganzer Krebs angegeben.) 

Fol. 864 b): Ain Cortztn mit guidem stnhk überzogen Vnnd vergällten 
Neglen, 

Fol. 876 a) : Drei Überzogene Corizin b^ der ainen ain hauben. 

Fol. 382 a) und 388 6) : Sebastian Vbniero. Ain Corazin Vnnd hauben 
von Rotem Carmasin samet Allenthalben mit Vei-gulten Rosten be- 
schlagen, (In Primiss. N. 114 und Schrbnck fig. 55 ist Jedoch nur 
ein Piattharnisch angeführt und dieser Korazin niciit mehr erwihnt.) 
Diese angeführten acht Korazine einer einzigen Sammlung 
mögen als Belege genügen , dass man noch im XVI. Jahrhunderte 
Korazine trug. 



^8t VIERTB LANeSBITB. 

sei (aas hürnen Blechielii od^ Blättlein) , selieint so ziem- 
lieb klar. — 

Ober diesem Schnppenharnische ist eine furchtbare 
Wehr aufgemacht: 

671. Cin ftfmtftx (eine Müjibthmtßv ^ Sftntmftnft). 

Die kaiserliche Sammlnn; besitzt drei dieser ftarchtbaren 
Waffen, wovon sich das zweite Stttck nächst der Aufj^augsstiege^ 
das dritte neben MustaghaV Blutflihne befindet. Dieses grässHche 
Starmzeng , bestimmt am Breschen zn vertheidigen , wurde zn 
Lyon erfunden^ daher die Franzosen es den Lyonois, dagegen die 
Bnglättder Lyonor blossen. (Abgebildet in Fhancis Grosb , Müt^ 
tmrp mUiqHiiies^ Vol. II. bei den Belagerungsmaschluen.) Ihr 6e- 
brauch war folgender. Anf die Hinterseite eines zweiräderigen 
Karrens wurde dies Eisen dergestalt befestiget, dass seine beiden 
sensenfSrmigen Klingen wagrecht und dem Feinde entgegenge- 
kehrt standen^ die Deichsel des Karrens aber, die nach hinten 
gerichtet und mit Handhaben versehen war, diente den Belager» 
ten, selben in Bewegung zu setzen. In Fällen, wo kein Karren 
vorhanden war, besass d^r mächtige Schaft etwa In seiner Mitte, 
znr Linken und zur Rechten eine armlauge Kette mit Wirbel, 
die Ih einen grossen Bisenring endete, um ihn kräftiger schwin- 
gen zu kdnneu. Jede Kette fasste ein znr Seite stehender Mann, 
zwei starke Männer lenkten den Schaft , und anf diese Welse 
wurde die Wehr von den vier Kriegern in oscillirende Bewegung 
gesetzt. Dem Verfasser ist ein solcher Ljoueser, mit zwei Ketten 
versehen, in einer Privat -Rüstkammer zu Steyersberg im Erz- 
hermegthume Österreich V. U. W. W. vorgekommen, dessen Tfille 
sich zierlich gearbeitet wles^ nur war die Krftmmung der Klingen 
nicht rein moudfOrmig, sondern au' den Enden handscharartlg. — 
Bei den Lyouesern des kaiserlichen Zeughauses bemerken wir 
ungefähr in der Mitte jeder halbmondförmigen Klinge ein rhom- 
boidalea Lech, daneben zwei kleine runde Ldcher, deren Be- 
stimmung aiM gleichzeitigen Abbildungen erhellet. Häufig wur- 
den nämlich vier solche mondförmige Klingen mit einander der- 
gestalt verbunden, dass sie, aus einem gemeinschaftlichen Mit- 
telpunkte auslaufend, die vier Vierteln eines gegen den Feind 
gekehrten Kreises bildeten. Der Gebrauch war der oben ange- 
zeigte (m. vergl. die Abbildungen in Gbosb 1. c). 



6H088K TROPABN-BALLB. ftM 

I^ARHEMBERGTS TROPÄEN. 

An der Wand ist eine Spitss&ole ans eroberten apMÜ- 
sehen S&belküngen errichtet, reich mit tttrlcischen Fahnen, 
Rosschweifen, Köchern nnd gl&nzenden Stangenwehren 
geschmückt; anf deren Gipfel Starhemberg^$ schwarzer 
Helm und sein schwarzes Brust- und Rücken- 
stück ruhen. Ein Paar Panzer&rmel statt der Arme und 
ein Paaaersohurz sind daran sichtbar« Zwei runde sehwar- 
■o Eisenschilde , deren Schriftzüge diese Waffenattteke 
Wiens unvergessiichem Stadt -Kommandanten zusebreiben^ 
enthalten keinen Fingerzeig über deren firwerb *^. 

9ti. tf m^ %vi\\%tx tf ruf 3» ^turl^eiitbergy kaiftrlt^er 
/eUmarfdruO; ^txtxtt %a% J9ofknr||0rat||0prii* 

nm 1fKe^e0 (geb. 1635, gest. 1701 im ßS. Lebensjahre). 

Cin ^ä^max^tt j^tlm tin^ txxit fd^warje IHrnß fammt 

B. F. W. F. SUrhemherg'9 angeblicher HMn wiegt t7 K 
%l Lth., die Brust sammt Riemen 19 B M Ltb., Rttckenstllck and 
Achselbäuder tt ft It Lth.; Summa 59 9b t9 Ltb. Somit betrAgt 



t57) Sie lauten, getreu wiedergegeben, wie folgt : 

I. 

HAnc 6ALKA 

B1A6NVM BELLI TSXIT CAPUT 

IMO CAPUT URBIUM 

VINDOBONAM TEXIT 

DUM A MABOMBTB IV. 

TUnC. TTRAN. INNUMMBnAULl 

BXSRCITU C1N6ERBTUR. 

SUDAVIT SUB HAC 6ALEA 

MAGNUS URS» PROPUGNATOR 

RÜDMERUS COMRS A 8TAHRBNBBRG 

SUDAVIT QUIDRM 

SUB HAC GALBAj 

•58) Zu POTTENDOBF , der alten Wasserfeste nächst WIEN , seigt 
man die Rüstung eines Starhembergers; doch von wel- 
chem Helden dieses Geschlechtes herrührend , bleibt zweifelhaft. 
(SCHMIDL, WieM Umgeb, n. 484.) 



II. 

SBD SITDOBBM 

AB8TBR8IT FIDBLITAS 

BBLLI ARDOR SICCA VIT. 

PROSPEXIT 

INFRA HANC IN 

HOSnUM GASTBA 

VIGIL 0CULU8, 

BT QUEMADMODUM 

SOL MAGNUS 

COBLI 0CULU8 NIVBS, 

«IC TUC. iiwN^nm) 
OBSIOIOBfEM SOLVIT. 



984 VIBET« LANCHSBITB« 

das gauze Gewicht (die Wfiguug geschah nuter den Angeu des 
Verfassers) gegen viernndfflnfzig Pfand. Der Helm ist 
aus geschmiedetem Bisen, das Hirustücli aus zwei Hftlften zu- 
saoiniengenietet, das Visir das (mit Ausnahme des Qoerscbranzes 
au deii' Augen) kein liOch besitzt, ist auf das Kinnstllck genietet, 
so dass man den Hals auseinander drängen muss (so wie bei je^- 
dem Bourguinot) , um das Gesicht A-ei zu bekommen, — Dieser 
sonderbare Hauptharuisch entbehrt jedes Helmfutters, besitzt auch 
weder die RaudkuÖpfe, um an die Ortriemen das Helmfutter auza- 
nfth'en, noch Oberhaupt jene sonst so bftufigen Lftcher, 
um die Schnfirriemen des Helmftatters durchzuziehen. Zwei grosse 
tiefe Eagrtmale, eines an der linken Backe, und eines rechts 
am Hinterhaupt, etwa von f&nfldthigen Hakenkugeln herrfihrend^ 
bekräftigen eben uleht die Sage, dass er von Starhemberg getra- 
gen worden sei. Insbesondere ist das hintere Mal von solcher 
Tiefe, da^s der Träger des Helmes dennoch unter das Boss ge- 
schlagen worden wäre^ falls ihn ein derlei Schuss getroffen. 
Auch ist der unmässig dicke, drei Finger breite Lederriemen, der 
an jedem Schlafe angenietet worden, nicht als Sturmband zu be- 
trachten, dazu wäre seine Befestigung unpassend. Die geschlos- 
senen Schlachthelme der Ritter wogen in der Regel 6 — 10 Pfund, 
und die schweren Stechhelme zum Turniere 17 bis 18 Pfund (man 
vergl. den Anbang). Wozu soll Starhemberg einen Helm von 
nehr als achtundswanzig Pfund Gewicht (das Heinfut* 
ter mitgerechnet) getragen haben, einen Helm von solch rober 
Arbeit^ und ohne Spur eines gebrauchsfähigen Zustandes — M -— 
Dagegen trägt das gegen 14 Pfund schwere Bruststück *^*), das 
mit Hirschleder gef&ttert und mit rothem Tuche vorgestossen ist, 
auch einen mit Purpursammt überzogenen Gurtriemen mit vergol- 
deter Brouseschualle besitzt , die Spuren der Echtheit , gleichwie 
der gegen drelzehnlhalb Pfund schwere Röcken , dessen Achsel-* 
bänder ebenfalls mit rothem Sammt Überzogen sind. Brust und 
Rücken weisen eine einfache, doch gute reine Arbeit, und sind auf 
eine zeitgemässe Welse geschwärzt worden; dagegen der Helm, von 
weit gröberer Arbeit, eine roh überstrichene Oberfläche zeigt« 
Dass Büdiyer G. t?. Starhemberg diesen Helm ausserhalb den 
Mauern Wiens getragen, ist nicht wahrscheinlich, denn die 
Einrichtung des unbeweglichen Halses (Kopf, Hals und Kragen 



•ft9) Noch JetjBt wiegt das BruststücX der österreichisclien Kürassiere 
10— It W. Pfund. 



6R0SSB TROPABN-HALLB. 985 

aHs eiuem Stück gescbmiedet) nacht den HelK wohl zun Ge- 
steche tauglich , doch nicht znr Schlacht. Aber Starhemberff kam 
aach nicht ausser die Stadt. Schon am «weiten Tage der Belage« 
mng erhielt er eine gefährliche Kopfwunde *^<0 9 und später von 
der epidemischen Ruhr ergriffen, war er todesmatt, von Schmer-' 
zen girpeintget (Hormatr, Gesch. Wiens. IV. 181.)^ obscbon er 
fortdauernd seine tftgliche Rnude hielt. Trug nun der Mann mit 
der Kopfwnnde^ mit dem von der Ruhr matten Körper, der nicht 
ausser die Mauern Wiens kam, diesen achtundzwanzig-pfQndigen 
Helm ? — ? Allein der geneigte Leser will noch eine Frage be- 
antwortet haben^ nAmlieh , wozu dies plumpe rohe Machwerk ge- 
dient haben mag. — Die Lösung dieses Räthsels bietet uns 
Carr^ in seiner Panoplfe. Dort beschreibt er einen 29 Pfund 
schweren Schauzgräberhelm^ welchen er im Jahre 1784 selber ab- 
zeichnete^ und in seinem Werke (PI. n. 20, flg. B u. F ad p. 410 
et 405) aufnahm, wie folgt: »Po^ du pt'onnier: CeM-ci iqui a äU 
donnS ä i^auieur^ est formS de deux ^paisseurs de fer haUUy ei 
ces deux doubies unis paar des cious äcrouäs; ü est si tourdy gu'U 
p^se 29 Uvres; Ü eonserve encore des traces d'un mmieiassS Ai- 
tSrieur. La structure du pot tient de celle du k4aiume et de la 
saiade; sa crSte tC est gu*un cordon ou bourlet ; car son äpais^ 
seur et sa destination lui rendent cette defense superßue. ha vi- 
sihre aussi ipaisse que le thnbre , davance en forme de toit aw 
dessus d^une vue tres-large et la garantit du haut de toute in- 
suite. Le pionnier courbäy attachi aux pieds du rempart, n^ ayant 
ä redouter que las pierres^ ies matras et les dards qui tombaient 
perpendiculairement sur sa tite^ et rien du bas; mais au contrai" 
re obligi de voär son travaii^ devait nScessairement porter un 
casque dont la calotte^ la visiere et le gorgerin fussent de ri- 
sisiance. — La pesanteur singuli^re de ce casque n' ätonne plus 
dks qu*on en sait Zusage; et que ni dans les marches ni dans les 
grands mouvemens des combats ü ne fut emplogä. Pour monter 
la tranchee y visäer les traoaux des paralleles ^ reconnattre les 
fortificationsy attaquer de la pioche Vescarpe^ etc. Vinginieur^ le 
mineur et le pionnier continuent de se couvrir du pot.^ — Bs ist 
übrigens der von Carre abgebildete Helm darin von dem Star- 



*0O) jfUnd Ikro ExceUenz Herr Commendant in embsiger visUirung der 
nPosten von ainem 8tain durch einen StücHschuss auf dem Cavtüier 
mdess LöweU an das Haubt beschädiget, dessentwegen Sie 
ncUiche Tag zu Hauss sich innenhalten müssen,* (Hocke. «19.3 



9fM vamtm lanosbitb« 

hcabtrgiMhen MCerscIilBdett , 4m8 er vorne, iu der Mitte des Ge- 
siehts eick. öfiiet, und nvch für den Mond einen kleinen Qaer- 
acimns Ibesitmt; — doch Jet Misonebmett) dase die Formen ancli 
hei dienen Helmen in yerecbiedenen Zeiten wecluielten. Uns ge-- 
nflict die Nachricht j daoe derlei der Sappeur bei der Scbanxarbeit, 
«nd der Ingenleor bei Besichtigung der Lanfgräben u. s. w. ge- 
hrauchten $ ihre Geetalt und Schwere erinnern swar an die Tur- 
nierhelme, allein der Kenner dfirfte dadurch schwerlich irre zu 
ffthren sein, da ihr ans swei HAlfteu bestehendes Hirnstfick die 
neue SKelt verrftth. 

An der Waffenslliile selber sind folgende Wehren 
bemerkenswertb : 

673. ^il)»trtkUti0e mit tf 0lb- nnb SSilbtt - ftauf^ier* 

arbrit ; in der Mitte der S&nle befestiget. Ein ans- 
getelchnet schftnes Stfick; die Klinge von der Angel bis zur Spitze 
mit der feinsten Gold- und Silbertausia reich verziert, die ge- 
schmackvollen ZOge des Laubwerks in orientalischem (tfirki- 
nehemf> Geschmacke; die vordere Seite **') ohne ScbriftzQge. 

674 — 676. JDxti 0efjd)abtgte turktfd)^ Vof^fd)mtxft. 

Der eine im Mittelpunkte, die beiden andern zu beiden Sei- 
ten der Spitzsäule befestiget ; die um die Stange laufenden Rin- 
ge und Kugeln sind hier nicht aus buntem zierlicheu Haarge- 
iechte geferllget, sondern der Ergänzung wegen nur aus Holz 
geformt und Übermalt. Eben so sind die abhanden gekommenen 
echten (meist silbernen und vergoldeten) Knäufe durch blecher- 
ne oder hölzerne ersetzt. 

677 ^—^y J^mti knxit SStxtxtifammtx für Veifijie« 

Zur Linken des Beschauers. Der kleinere von besonders 
sierllcher Form , mit gewundenem Elsenstiele, und sechseitig ab- 
gestalten Messingringen; seiner Form nach aus dem XV. Jahrh. 

678 — 679. 3t0H lange ^tmtlyammer für Vottmeißtr 

U$ /n^ttolk0. Zur R. der Waffensäule befestiget ; 
beide von Eisen und mit auffallend langeu Axtstacheln versehen. 

680 — 681. ^mtx glatte JR^rHacken fnr VttfiBe. 



tei) Die Klinge ist, so wie alle Wsfen, an den Ständer genagelt Cdaher 
nur eine Seite asu sehen) ; diese verzugliche Arbeit verdiente Jedech 
Anfbewahrnng im Glasschraiil^e. 



GROSS« TROPlKN-HAI«LB. 98? 

6SS — 683. ^mtx $t0^t BtfLmmlt unk geo^e dtrieit* 

iftt* Die Ätzung^ eRthftIt in grossen Zfigen ver** 
scblnugenes Laabwerk ; schdn« Arb^^ ans der ersten Hälfte des 
XVI. Jahrbuudertfl. 

Den gefeierten Kürass Starbemberg's umgeben meh- 
rere Fahnen und Stangenwehren ; Erw&bnnng verdienen 
folgende : 

684. 9v0^t tnrkifjd)e €tman-Ja()ne; Blait/ t0% mtt^} 

mit dicker messiiiguef Fabiieuspitze ; gleich ihrem Nachbar 
zur B. aus LeiueustolT. Mehr nach aiiteu: 

685. jRleme JaitUfd^arenfaf^nt von neißem SStiUnfiofl. 

Sie ist zierlich gearbeitet , mit grossen violeteii nud pur- 
purrothen Sternen besetst^ anch mit grüueu Monden und andern 
Figuren verziert. Alle Zeicbnougeu darauf sind aus dem weissen 
Stoffe geschnitten , und von fftrbig^er Seide wieder eingesetzt , so 
dass beide Seiten der Fahne gleiche Bilder zeigen. Z. tU oberhalb: 

686. tfroße tnxkxfdft SSanifi^ükfaltnt) toftntct^. Aas 

Leiuenstoff, mit vielen mObsam darauf genähten , bunten 
Sternchen , SchriftzQgeu und Blumen , ebenfalls mit ttcker mos* 
siuguer Fahueuspitze versehen. Weiter abwärts : 

687. jfiletne tntkxfi^t ^xmütUJalfntf ifodftotif; Idtim. 

Auch hier finden sich viele Scbriftzüge, Blumen und ande- 
re Zierathen verschiedener Farbe aufgenäht. 

688—689. ^oei 0r^ße iitdiU platte flartifawii. 

690. ^e|terret4)tfd)e ^tlmpattt mit Um JPopptlabUr; 

Czur Linken des Beschauers). Das Blatt mit zierlicher 
Ätzung überdeckt, an der Vorderseite die Jabrszahl ttttttt, so- 
mit unter Kaiser Leopold's I. Regierung geschlagen. Weiter afv 
wärts zur Linken : 

691. Wt^txttxdilfd)t ^ümpavU mit btm üoppelaMtr. 

Die zierliche Atzung zeiget unter dem kaiserlichen Adler 
einen Hellebardierer in der Tracht des dreissigjährlgen Krieges ; 
eine besonders schöne Arbeit. 

Zur Rechten der Waffensäale, von ohen abwärts zählend : 

69S. CDt|terreid)if4)^ ^tlmpaxU mit ifattbmerk 0eS(^t. 

Auf dem Blatte ist «f. unter der Königskrone zu erkennen. 
Das darunter geätzte Sinnbild: ein lorberbekränztes Schwert, 



S88 VIERTE LANGSEITE. 

vmft Auge 0eü«8 bestrahlt, noch mehr die Unuichrifl: AMORB 
BT TUMORE, zeigen uns nubestritten diese schOne Wehr als Tra- 
banteiiwaffiD aus der Zelt des Kaisers Josef I. (f 1711). 

693. ÄUine findig jea^te ^tlmpaxU. Eine gelungene 
Arbeit des XVI. Jahrhunderts'. In den Zweigen des reich- 
blftttrigeu, zierlich verschlungenen Laubwerics wiegen sich spie- 
lende Vöglein. 

694^ JUtitie ifittxtW\f^t j$elmparte 110m Ja||r 1563. 

Sie enthält in der zierlichen It^nng den Icaiserlicben Dop- 
peladler, die genannte Jahreszahl, auch die Buchstaben H.» F*9 
d. 1. Kaiser Ferdinand I. (f 1564). 

695—696. ^wtx turMfd)e ^avCtbo^tn ntCb ^mx flftil- 

tafd^en. Die zur L. von grünem Seidenstoffe, mit 
Silberflor fiberzogen ; jene zur R. mit reicher , besonders zierlich 
verschlungener Silberstickerei. 

697 — 698. imti tfirkifd^e HmUn mit 1lab|Vi)t9|fern. 

Beide von fleissiger Arbeit ; vorzugsweise ist jene zur R. 
wegen Stahlverzierung des Radschlosses erwfthnenswerth. 

699. jfttiftne turMfd)e jRe|feltrommtl ^ am Fasse der 
Tropften , neben einigen französischen Zimmermannsbeiten, 
tfirkiscben Pfeiltaschen u. dergl. befestiget. 

700. tf r0ße0 iftttttiiixfi)t$ Jßxobtfindi , atif metaUiur 
SSii)ltxftf um IHran^bomben mttUl^ flercttllton jn 

WtxftU. Daneben ihre acht eisernen Brandbomben, die einen 
Begriff ihrer furchtbar zerstörenden Wirkung geben. Die Perkus- 
slons-Vorrichtung ist, um sie nicht jedem Fremden zur Schau zu 
stellen, hin weggenommen. Daneben ein geharnischtes Standbild. 

701. f^Mtx litiiiUXp glatter ^axnxfdt mit fmtn^anUx. 

Helm und Kragen, Brust sammt Rücken , ganzes Armzeug, 
geflngerte Stahlheuzen; lange geschobene Schosse, schwarze Stie- 
fel. Unbedeutende Plattnerarbeit aus dem Beginne des XVII. Jahrb. 

70<. ^ülhtx lied^tf r J^arntfd) mit ge&^teti ttti^ oerj^l- 
ten SStxxii)tn, Hbti txnt geübte C^ttfe. Der sehons- 

te Harnisch dieser Reihe. 

B. F. W. F. Der Helm , ein Bourguiuot mit hohem Kamme 
and gerade aufstrebender Visirwaud , besteht aus vier Stücken ; 
der geschobene Hals von gleich schöner Arbeit. Die offenen 
Achseln besitzen geschobene Vorder- und steife Hiuterflfige. Die 



GR08M VROPABN-HALLB. S8t 

htmb&ug9n 4m AnuMogs sind offen ^ die Stahlfeandsek«!» ge- 
fingert. An der Brust ist die Spar des fehlenden RQetkakeiie 
noch SU entdeeken. Die Fom des mndUch gesenkten Ban- 
cbesy der elunal geschoben ist, erinnert an's dritte Viertel des 
XVI. Jahrhunderts. Der Harnisch endet mit kurzen geschobenen 
Schossen, und den Rest der Figur decken lange schwane Stiefeliu 
Die schdngeätzte Couse seigt auf der einen Seite den kaiserl. 
Doppeladler) oben Ii« !• CLeopoUku J.), nnterbalh ±BÜ^^ auf 
der Kehrseite abermals das gekrönte Ii« !• und darunter das 
Auge Gottes, die gekrönte Brde bestrahlend, und Schwert und 
Zepter durch himmlische Hände gehalten. 

Ab der nftehsten aus Oewehrlfiaf^n gebildeten Säule 
ist eine merkwürdige Türkenfahne aufgemacht. 

703. ^axa'Mnftüfapaf^a, IßtC^Wt^t (hingerichtet um 

1683)« (Ein SSanif^ak-SSdimf, ton ^nvpnxiamaft, 
mit a^U^nf t SSiftxft *^*). 

Die grosse rothe Fahne CgewShiilich die »grosse tQrki- 
sehe Blutfahue« geuauiitD war während der zweiten Belage- 
Cttiig Wiens durch die Türken im J. 16S3 im liager der Feinde 



tot) Von diesem heniehtigten Oiesswesir bewehrt: 

«a WISN die KAlfi£IIUCH£ AHBBASER-SAMMLUKS: 

1* Kinre sehr grosse Fahne aus rothem, frAnverbKimten Da- 
mast mit geMsen Zigen und gleicher Schrill. • 

a« Bieen Rosschweif CTHSTA} sa eiser gemaUen Stange. 

3. Des Greflsweslrs Pusikan mit aUbemen u. vergoldeten Blattern. 

4. Seinen K<^ch<er von blaimm Sammt, mit vergoldeten Silberplätt- 
eben beaelEti nebst den sierüch laefcirten PfeUen. 

5. Seine» Bogen CPsun»*. Am^. Stmig, p» 73. N. 154}. 
Ztt Wi£N das BOneERIJCHK ZEUGHAUS : 

•6» Den vertreekneten Tedtensebädel des ungiueklichea Feld- 
hem , in einem aiaskästchen , den Hals mit einer rothen Schnur 
nmwwnden. CSCHfUGsa. MffflrlL M^ugh. pag. S9 u. df.} Ober die 
AuthentieltAt des SchAdels vei^l* nsn die Urkunde des Cardi- 
nais von Cellonla d, a. 1333, worin weitl&ufig enE&hlt wird: 
«mie die. s<e>e» Mns^fiuartirer in dte^ JßrcAe brccAen, n» mit dem 
todUm 3hrees Fester JCMder sn tottreten, imd da» U^kHe.was der 
3frea# Vester hei steh nehobl» d. i. den Mopff des Mara Mustafa 
dmiem.ff, PaHribus snekeai^en tatee».«' CHAjgMBn, Wiens erste iärk, 
Belof enrng* . psg. 113.3 Mehrere Jahre, nachdem dieser gelehrte 
Orientalist, die Sierde nnd der gereohle Stein Ostenrc^ch's, das ge- 
nannte Bii^ gelieiert hatte, erhiell ders^be von Konstantinopel 

II. IS 



300 VIBRTK LANCH9BITB. 

vor MMtafftV GtuoU aufgepflanzt. Das äattlohe luTUitar «üiyut 
nur den BeUats: »Beim Stttsatse Wiens am IS. Septeiriber li6S 
erokert.c Über deu Umstand, dass mir der Jdeluere neil dersel- 
ben vorbanden ist, fehlen fantliche AufscfalAsse. Nur eine unver- 
bürgte mfiudliche Überlieferung ersfthlt, es sei der fehlende Theil 
dem damaligen Papste auf seinen ausdrücklichen Wunsch sam 
Andenken jener drohenden Schrecknisse übersendet worden. Al- 
lein warum sollte der Papst ein Stück begehreui lAchdem Job. 
Sobieski, Polens siegreicher König, dem heiligen Vater so- 



ein hAchst schAtsbsres Werk, enUisltend eine Gesehlehte aller Me- 
•cbeen Konstantinopels, nebst Kunde des Todesjahres und der Grab- 
stätten ihrer Stifter. Aus diesem Werke nun , verbunden mit den 
auf Veranlassung dieses unennüdeten Farschers an Ort und Steile 
durch sach- und spraclikundige Männer vorgenommenen Untersu- 
chungen erlMllet folgendos Endergebnim: Kara Mustafa Pa- 
scha starb XU Adrianop^, Dort rollte sein Kopf vor die Fdsse den 
Sultans , und wurde an der Moschee 8$arid8ehepa$duCs liestattel. 
An dieser Moschee war noch vor wenig Jahren die Inschrift seines 
Grabsteins mit Monogramm, und der noch num Überfluss in 2ifl^m 
beigesetsten Jahresmihl seines Todes su lesen. »Dies lisst* (fl* 
schliesst der gelehrte Freiherr von HAMiunn seine merkwArdIge 
und sciUUsenswerthe Aufklftrung (Job, v. hammbu, OesckicAle des 
osm. AstcA«. f. Ausg. gr. 8. PeHh 1886. IV. Bd. p. 6Y9 u. C) : 
»keinen Zweifei übrig, dass Kara Mustalhpaseha wirklich mi Adria- 
nopel und nicht su Belgrad bestattet worden ist. Dieser Grabstein 
wurde im Jahre der Enthauptung Kara Mustalh's gesetat, und also 
Bwftif Jalure flrulier, als der angebliche Kopf Kara Mustafh*s nach 
Wien kam. Die nwei Jesuiten, AlaUius Braun und JITooer Bersnpf- 
kofen^ welche den Schhdel von Beigrad nach Wien brachten, hän- 
digten denselben als Kara Mustalh's Kopf dem Kardinal Cbllenjte 
ein, weil Kara Mustalh wfthrend der Belagerung Wiens gedreht ha- 
ben seil, die Vomehmslen der Stadt, wenn sie in seine Binde fe- 
ien, kftpfen SU lassen. »Es scheint, dass die beiden Patres wohl ge- 
»wusst haben mochten wessen der Grabdom an ihrer aus einer Me- 
»schee verwandelten Kirche au Belgrad, und dass sie nüt der TAr- 
•kenrellQttio bloss, um beim Kardinal steh elnnuschmeiehel% einen 
»flammen Betrug gespielt. Wie dem auch sein möge, se nerfUlt 
»durch die geschichtitehe Glaubwürdlglcelt des Werkes über die 
»Moscheen, die auf das Zeugniss von nwei JesuHon ge gr ünd ete des 
»Dip l o m es ven Celleniti. Der seit hundert finftinddreisBig Jahren 
»(dermalen sehen 150 Jahre) In Wiens bürgerlichem Seug- 
»hause als dmr Kopf Kara Mustnlhpaseha*s aulbewahrte und bor- 
»geneigte Sehüdel ist der eines unbekannten tnrki- 
»sehen Grossen, aber nicht der Kara Mustafapaseha's, 
»welcher m Adrianopel an der Moschee Ssaridschopaseha*s ruht.* 



GROSSE thopAen-halle. Stl 

gleich nach dem Siegle die prftchtigBte Fahne des I^a- 
gersi eine Hauptfkthne, die ihm sa Tbeil geworden , durch BIr. 
Tal eil ti nach Rom fibenchickt hatte , die noch heatsutage im 
Vatikan '^D pranget? — Unsere Fahne ist von parpnrrothem 
schweren Seidenstoffe^ mit vielen eingewirkten goldenen Sternen 
und Blomen, auch einem geschlossenen Monde versiert, und ein 
grosser vergoldeter Knauf schmückt die Fahnenstange. In der 
N&he der lotsten ist, mit ihr parallel laufend, ein Stdck gelber 
Seidenstoff eingesetzt, worauf sich mehrere mit Ckild eingewirkte 



V. Sein lalismanlBches Hemd. Die genaue Besehfeibaag eie« 
ses mit den krütigeten Gebeten , Besehwdrungsfermeln and talis- 
nmnischea Zahlen gefeieten Hemdes s. m. in HABuma 0* e. p. tat 
u. d. iro — (£in zweites selches, minder prttchtlfes, docli mit weit 
sshlreieheren Inschriften versehenes Hemd, in der Seltenheiten- 
Sammlung des Stiftes Neuklester suW. Neustadt, indet suin 
im XLV. Bande der Jahrb. d. IMeratwr besprochen.) 

8. Das Bildniss des Kara llustafiipascha, unähnlich Jenem la 
HoRMATR*8 Oeschiekie Wien», und einem bald darauf erschienenen 
Kupferstiche. CSchbigeb 1. c.) 
MS) Han indet die genaue Besehreibung und gresse Abbildung dieser 
Fahne in Fsion leimderb. Adiertekunmg, 4. Wien, 1094. m.v. Kpf. 
II. Th. p. 94. — Die Fahne trug viel erhebne Seldstiekeret Rund 
, herum lief ein breiter grüner Rand mit vieler» erheben gesttekter 
QeldschriA ; innerhalb dieses breiten Rande« lief ein weit schnüUe- 
rer Saum mit erhoben gesticktem silbernen Laubweric und Blumen« 
Der eigentliche Grund der Fahne (ß, i. ihr grosses Mittelstöclc) 
war purpurroth und mit Gold eingewirkt. Auf ihm befiinden sich 
Bwei grosse goldne Schriftseilen, und mehr gegen die Spitie m 
ein Mond und swel Sleme. Die ganse Flagge war 19^ lang und 
S' breit , der grüne Rand aber 14^' breit. Auf der Slange saas ein 
Knopf von übergoldetem Kupfer u. s. w. In der Mitte der Fahne 
stand zweimal der Spruch: Es ist kein Outt als Gott, und 
Muhammed ist sein ProphetI — Wegen dieser übersende- 
ten Hauptlkline erhielt der König vom Papste den Titel : Der Be* 
sehirmer des Glaubens. Baron Tott ^IViochriciWeA e. d. TMten eftf. 
Fnmkf. 1Y88 im H. Bande, p. 996. N. 9) liefert die Beschrelbttng 
und Abbildg. einer türkischen Hauptftihne, denen Farben und Auf* 
Schriften Cm. s. das Kupfertafelverseiehn. des Werices) Jenen auf 
der Sobieskischen Fahne vollkommen gleich sind , — der Zeichner 
mag auch Tottis Abbildung füglich als Bild der an den heiligen 
Vater vom PelenkOnige geschenkten Faline betrachten, dodi dem 
Spraehkenner mochten wir nur die Abbildung In Fmen Aäitr 
sckwung empfehlen , well nur sie allein alle Srhrlftaflge vollstän- 
dig wiedergibt. 



SM TIBRTE LAiraSEira. 

Sohdftsftg« htütiAmiy die wieiqrlioll d^ anf mtihaDMdRiilMlieii 
Fahiitfu 86 h&utlgmt Spruch eiitlMlteii: »B« ist kein Oott als 
OOH, und Maiiammed ist «ein ProphetI« Die Sehiiflsfl- 
ge sind genau dieselben, wie anf der türkischen Blntfahnevon 
Harn sa heg, die ein Jahr später ven den Kaiserlichen erohett 
w<Hrden ist. Ober diesen Zttgen fhhlt an Stoffe ein etwa swel 
Sciah breiter Streil^ ; ebeuse ist zur L. nnd snr R. eine nnbe* 
stimmte Breite des Damastes abgerissen. Der vorhandene Rest 
misst mir 6' ft'^ Breite «nd beilftn<g 6^ Liuge, daher nach ähnll-^ 
eben tftrkischeu Blutfahueii zn schliesseu (so s. B. jener bei 
Hamsabeg ero1>erten nnd im bftrgl. Zenghanse aufbewahrten, von 
bellänig la^ Brolte nnd 18' Lftnge); bei unserer Fahne, wenn 
sie auch mrsprflngllch kleiner gewesen, unbestritten ein beden- 
t^irdes Stück fehlt. War sie ebenso gross, so fehlen ^ ihres 
ürsprfinglicbeu Fläcbeumasses, 

B. F. W. F. Unter Wiens türkischen BlntfUnen dOrfte 
wohj die im hllrgerllchen Zenghanse vorhandene, im Treffen bei 
liamsabtg eroberte, am besten In Fncn Aäiersekwtmg ^ unrich- 
tig bei Ogessbr abgebildete, rfickslchtlich GrSsse, Schönheit 
nnd Erhaltung den ersten Rang verdienen. Sie wurde unweit 
Ofen unter Kommando des Hersogs von Lothringen im Jahre 
IMd erobert. Nachdem sie lange Zelt in der Stefanskirche ver- 
hüllt In einer retben Decke aufbehalten , nnd nur alljährlich bei 
dem Dankfeste *^) wegen des Entsatzes von Wien entfaltet 
worden war, (ein Muster schonender Aufbewahrung!) wurde sie 
nach dem Jahre 1779 in Wiens bürgerliches Zeughaus übertragen, 
in w.elchem dermalen zweinndzwansig türkische Fahnen auf- 
bewahrt werden. <Scmftnu BOrgl. Zewph. pag. 4S.) Diese Fahne 
«elgt zwischen Stange und Schrift drei reichverzierte Rosetten, 
dagegen zwischen dem Schrifibalken und der Flaggeuspitze zwei 
bffenii Doppelmonde, fünf Sterne nnd drei reichverzierte Roset- 
ten, in der Mitte aber den Sulfakar , d. i. das grosse doppelklin- 
ei^9 Tou Muhammed geerbte Schwert Ali's. Man würde frucht- 
|as diese Schwert fbrm in der Kriegsgesehiehte sndien; die aben* 
teiierllche Gestalt scheint nnr die Folge der Bemühung, die Auf- 
schrift der Klinge auf beiden Seiten der Fahne lesbar zu machen. 
Denn da die im Stoffe eingewirkte Goldschrift auf beidien Seiten 
zu seb^n ist (ä jour) , so musste der Spruch , welcher auf der 
eincMi Seite regelmässig gesebriehen eracheint^ anf der Gegeu- 



tS4) GBÜ8AV, D^sMisl rOhmKeh erf. Bürgerpflichten, 1606. I. p. 106. 



6R0MB THenllSN-HiJjLE. 'MS 

s«it9 ^«^kebrt ftidRbar bleibe». Die Tttrkfii aiO||eil sich d«- 
4aMch aus dieser Veiie^euheit ^ das« sie die Küu^g^e des 
Siilfakar zweimal abbildeten, einmal iu der richl}- 
geu Ansicht^ uud einmal verkehrt. Kliiiig^e und Schrift 
sind also aaf jeder Seite der Fahne einmal regelrecht zu gewah- 
ren, und einmal en eontrepartie, — Dieselbe Beschaffenheit hat 
anch die Schrift auf dem grossen 4)tterstrelfen der Fahne, 
in der NAhe der FahaeasUHge. Dieser enthält vierPaqallelogram- 
me neben einander , worauf man törkisohe SofariftsAg^ mit GMd 
elagewirlU erblickt, des Inhalts: Es ist kein andrer Crott 
als Oott (allein) und Mubammed ^eiti Gesandter. Da 
diese Goldwirkerei auf beiden Seiten siehtbar ist , wie eben 
bemerkt wurde , so ist dieser Spruch zweimal zur Rechten 
des Beschauers auf der Fahne regelmässig, und symmetri- 
scher Versiemog wegen» zweimal zur Linken e» cemire$Hir» 
tie eingewirkt , folglich auf jeder Seite zweimal zu lesen und 
viermal zu sehen. Die Schriftzöge aber sind ganz genau die- 
selben, wie auf der eben beschriebenen Fahne des kaiserlichen 
Zeughauses, und wahrscheinlich besass letztere ebenfUls vier 
Vierecke mit Schrift, mithin dieselbe Breite, wie die Fahne von 
Hamsabeg. — Diese endigte ranteufSrmig , und ihr Ende zierie 
eine grosse Quaste. Auch unsere Fahne scheint ähnliche Form 
besessen zu haben; ob einen Sulfalcar, ist aus dem kleinen noch 
vorhandenen Stficke nicht abzusehen. Wer über türkische Fahnen 
AufschlAsse sucht , der vergl. des geistreichen Orientalisten Fr. 
von Hamubr Aufsatz ftber die tftilcischen Inschriften der Blntftth- 
nen von Neu hau sei und Hamsabeg {.Wiens ertie Htrk, 00- 
iageruHp. p. tS3); OOBSsna, Bletrepotitankireke 'zu Si. Sfefnn. 
p. 117; PsmiaoBR, Ambr.Smiff. p. 73; Qüanbv, Dresdens kisiar, 
Museum, Dresd. 1884, p. 179 u. ff.; Torr, Nachriefen v< d. TCi*- 
ken ff» Taiaren. II. B. m. Knpf. gr. 8. Frankf, 1787 ; Fsion wuH" 
derbar. Adimrschwung. 4. Wien^ 1694. p. 94 u. 143 ; — dort Ist 
auch auf einem Foliokupferstiche (14'^ lang und 6'' breit) die 
sehr getreue und grosse Abbildung der Fahne von 
Hamsabeg zu finden, worauf alle Soiirtftatge goMUi wMoT' 
igpgeben worden, dagegen die Oktav-AbbUdnng im OcBsssa 
hjichat ungenau, ohne Proportion und wegen unver- 
zeihlicher Willkfihr der Schriftzflge ffir den histo- 
rischen Forscher gänzlich unbrauchbar erscheint. 

An der folgenden Säule gewahren wir eine niciit 
minder merkwürdige Faline: 



704. £tmi U. {^mi Stüpolb) VokoQil ; JIrfl tioti 

n%i 0011 JßoUn it^h. 1676, verhaftet 1697, im J. 1704 
svm Fürsten Siebenbfirgens , Herzog Ungarim und König 
von Polen erwählt; gestorben 1735 im 69. Lebensjahre). 

Chie 0roße {rfine ia^ne mit thtfa^em ilbier *^). 

sie Ist ans Seldeustoir, von einer steingrtkuen (wohl durch 
die Zeit verblelcbteuD Farbe, mit dem einfltchen schwarzen Adler 
geziert y der im rechten vergoldeten Fange einen kurzen Sibel 
hftlti «-- oberhalb der Fftratenimt, nuterhalb ein halbes Rad auf 
Felsen ; die Anfschrlft lantet : 

F.R. de F.y.C.B.H.fi.D. et T.P. das Ist: 

FRANCISCVS BACOCZl DB FBLSÖ VBRDACZ. 
COHORTIVM RB6NI HVNGARUB SÜPRBMVS DTX. 
BT TRANSILVANIAB PRINCBPS. * 

GwcBiCBTUCHis. Froitz Leapoldy Sohn des Ffirsten Frmix 
Rdkocxißy lebte, nachdem Kaiser Leopold I. sich Siebenbttrgen un- 
terworfen hatte, auf seinen Gütern im Privatstande, als er 1697 
geheimer Unterhandlungen mit Ludwig XIV. und der Pforte be- 
schuldigt, verhaftet, und nach Wiener-Neustadt gefangen gesetzt 
wurde. Allein Im Jahre 1701 entkam er durch Hilfe seines WAch- 
ters, wurde geächtet, und beschloss nun aus Rache, Ungarn der 
dsterrelchischen Herrschaft zu entreissen. An der Spitze eines 
ansehnlichen Heeres Oder MalcontentenD erschien er schon 1703 
an Österreichs Grenzen, und im Jahre 1704 bedrohten seine ro- 
hen Schaaron sogar Wien. — Da die Stadt des spanischen Suc- 
oessienskrleges wegen von Truppen entbldsst war , so mnssteu 
schnell die Festungswerke ausgebessert und ein IS Schuh hoher 



iOS) Von diesem berficMigten Rebellen findet man: 
S« WIEWEB IVECSTAOT im RATHHAUSE : 

1. Bin sehr Umliches Blldniss Frans Rskocay*8, wdeher 

ans der dertlgen Burg seiner Haft entkam. CBOhbim, d, Mufkkgut 

Stt Wien«r Neustadt^ p. tlO 

2tt PE8TH, noch Im J. 18tl in der SAMMLUNG des Herrn von JAN- 

KOWITZ Cdermaien vermuthUch im ungarischen NaÜonalmusenn} : 

S. Bildniss Franz n. Rakoczy*s und seiner Gemahlinn, gleichzeitig 

von Ritter gemalt zu Eperies. CHosmaye^s Tmehenb, für lOai. 

P«g. 843.) 



GR088B TRO#ÄKN-]IALLK. HS 

' Wtll iüe sog«tiaiiiileii Liuieii Wiens) um alle VoMtttACe gctto- 
1^ werden 9 vertheidiget durch mehrere Redouteu. Schon hatten 
xahlreiche Scharen der Ungarn die Vorst&dte umschwärmt und 
mit Feuer und Schwert die Umgegend verheert, als am 9. Juni 
Rakoczy's Feldoberster, Graf Karotyi^ mit mehr als 5000 Rettern, 
eine Unsahl jammernder L andiente vor sich bertreibend, erschien, 
nnd mit einigen WaghAlsen bis vor das Stnbentbor sprengte. In 
dieser dringenden Noth griff schnell die Wiener-Bargeraehaft sn 
Mxk Waffen, besetste die liliiienwAlle, und sog mnthig dem Fein- 
de entgegen. Dies rasche Vordffngen brach die TollktthufaeU der 
vegellos verbreiteten Horden, welchen nan die Zelt mangelte, die 
Vorstädte in Flammen sn /wtsen; daher sie den Rüidung began- 
nen, dessen Riehtnug Verwftstung nnd Brand boseichnete. 8o 
sefstdrten nie das kaiserlicbe Lnstschloss NengebUnde bei 
Simmering, welches sogar die Türken 160S verschont hatten, 
wfirgten die aaslftudischeu Thiere der dortigen Menagerie, nnd 
schmfickten ihre Anführer mit den H&nten der «rschlagenen Lö- 
wen, Tieger und Panther. Der am S6. Dezember 1704 vom kais. 
Feldherrn Siegbert Grafen von Heister erfochtene entscheiden- 
de Sieg beseitigte zwar jede Gkfahr für Wien , allein fast ganz 
Ungarn nnd Siebenbürgen blieb in Rakoc%y*s Händen; ja er 
wurde in rascher Zeitfolge zum Fürsten Siebenbürgens, zum 
Herzoge Ats conföderirten Ungarns, und zu Lubliu 
sogar, doch ohne entspriessenden Vortbeil, zum Könige Po- 
lens erwählt. Doch dies war auch der Höhepunkt und Wen- 
depunkt seines Ruhms. Mit Kaiser Josefs i. Thronbesteigung be- 
gann das Gestirn seines Glückes zu sinken , verlorne Schlachten 
nnd Pest rieben sein Heer auf, mehrere seiner Festungen gingen 
an die Österreicher über, und firuchtlos blieben seine Bemühun- 
gen, die Türken nnd den russischen Kaiser für sich zu gewin- 
nen. Als 1711 die versammelten Stände Ungarns bei Szathmar 
mit dem Kaiser einen Vergleich gesdiiossen, begab er sich nach 
Frankreich, und von da nach der Türkei, wo er auf einem ihm 
gehörigen Landgute bei Rodosto in Rumilien am 8. April 1735 
starb. Fruchtlos versuchte sein einziger Sohn Josef mit Hilfe 
der Pforte im J. 17S8 die flrüheren Vorgänge zu enienern , mit 
dessen Tode C17ft0) der männliche Stamm dieses alten Helden- 
geschlechtes erlosch. 

Zwischen den beiden hier besprochenen Fahnen sind 
Schuppenliarnische aufgestellt. 



•#6 VBRTB hAXBtmnm. 

706^ 70« «^^). p^iipp ^eQ00 311 UnrgiMk; bet ^M^t 

(gehör. 1896, gest 1464 im 68. Lebensjahre). Cm 

Jl0ra3m| mit grSnem ^ammt 5t<t300ni; )abd no^ 

VorlMuidett Aind: 1. Biu roCher Jaserinrfickeii saaMt 
elimr retheii Beiutaache, zlenlich got erhalten (die hlerxa g^didrt- 
ge BitMt wurde echoa bei Nr. 4t erwUiat). 8. Sine retbe Ja- 
serin -Jacke 9 Brost and Rfiekeu, ohne Betataschen, woUer- 
halten» S. Grfine Jaserin- Jacke, Brast, iücken nnd beide 
Beintaschen sehr schadhaft. Von den hier aufbewahrten Kera- 
ain's gilt das schon hei Nr. 670 Oesagto. Le i der sind sie hier dhr 
rettend seretdrenden Vand jedes «nwissenden Arbeiten preisge- 
geben, and der dem Herzog von Borgand sngescbilebene Behnf- 
. fenreck ringet nar noch schwach mK dmä alles serstdrenden 
Zahne der Zeit. Ober ihnen ist sa schaoen: 

707. Ctn jfQontfer (JKasbebttr ^er - ^turmfenfe) , an 

GrOsse und Gestalt dem auter Nr. 671 beschriebenen ähn- 
lich und §us derselben Zeit stammend. 

SOBIESKrS TRiOPAEN. 

Grösse und Einriebtang des yierten vifd letzten Waf- 
fendenkmals dieser Wand sind Jenen der fraher bespro- 
chenen ähnlich. Der Gipfel einer aus Säbelklingen erbau- 
ten Spitzsäule trägt auch hier die Waffenreste des gros- 
sen Polenk6nigs '^^) , d. i. einen offenen polnUehen Helm 
(2Uschägge) und ein eisernes Brliit- and Bflckeastflek; 
auch hier sind die Arme doreh ein Paar Panxerännel dar- 
gestellt, nur fehlt die Aufschrift auf den beiden eisernen 
Schilden 9 welche den Säulenknauf umgeben; einige dar- 
auf gemaite Waffen ersetzen ihre Stelle. 



f66) Ven diesem berühmten Könige zeigt man: 

Zu DBESDEN im KÖNIGLICHEN HI8T0RISCHSN MUSEUM : 

i— 3. Ben Königs Hchupyenharnisch nebst Schappeniiftubey Sä- 
bel und Sattel, sämmtiiphe Stucke von ihm bei dem Entsatjse Wiens 
gebraucht; ein Geschenk an Kurfürst Johann Georg III. — Oie 
Ziachftgge CSturmhaube} mit Naseneisen ; der ganze Harnisch blau 



GROS« nidPAClMIALLl. 9i7 

708. yo^ann TU. Ii9n{0 11011 JßiAtn , gmannt SfMttAix 

Cgebor. 1694; Krong^ossfeldherr, König in Pollen 
und Grossberzog in Litthanen seit 1674 , starb 1696 im 
79. Lebensjabre, im 89. Jabre seiner Regierang), tftnt 

fragte ttn) uxf^oluU Mf^iMt, %abei tint Utnfl nut 
tm VSckiti attf Uankoii ^iftn^ an itnj^tttu »U Jftef- 
fins befe^t tmk wit JftefPtttgiiiuktht oer^ktt 

B. F.W. K. Siue 18 Zoll hohe, achtieitlg in eine Spitze zu- 
laufende Zischägge (polnische oder ungarische Sturmhaube) ohne 
Ctenickachirm, ohne Backen und ohne Naseneisen, welche sAmmt- 



•agelaufeB. Auf jeder Schuppe den Leibes Ist ein kleines elnsnuis, 
vergoldetes Bbiltheserkreuz auffenietet. Auf den kleinen Achsel- 
Scheiben sind Löwenkftpfe angebracht. Die Unterarme besitseii 
Armröhren auf türkische Art, die über den Slbogen reichen. 
CQüAioiT, HHor. Mtu, p. 148; D. Bisouonr, tUüse durch Sach- 
sen, Lap%, 1885, p. 98. •— Haruiseh und Sehvert abgeMldel In 
Rkuisgh sdeAs. Jidslft. Tab. 9 J 

4. Sin lebeBSflrosses Pertrftt des Ktoigs, ven la Gboi^ genMlt. 
Zu PABIS, dermalen im KRONSCHATZK : 

5. Einen prachtvollen Säbel, der vom Könige Johann III. 
Sobieski herstammt, und später von Napoleon getragen worden 
war; vielleicht identisch mH demjenigen, welchen Kesciuske, 
als er sich in Frankreich m^Aielt^ ven seinen Landsleuten hei 4er 
italienischen Armee zum Gesebenke erhalten hat, nachdem sie sel- 
ben im J. 1799 zu Loretto entdeckt hatten Cvergl. Anmerkg. 180 
zu Nr. 884). Am 4. Junius des Jahres 1840, in welchem die feier- 
liche Übertragung der sterblichen Überreste Napoleon*s von St. He- 
lena nach Paris beschlossen worden, übergab Cienefal Berlrand, 
der ehemalige Grossmarschall des Palastes Napoleon's, dem Köni- 
ge der Franzosen, Louis Filipp, die Waffen NapoIeon*s: einen De- 
gen , ein Schwert , zwei Paar Doppelpistolen , einen Dolch und 
einen Säbel, welcher Johann Sobieski gehört«. 
{Wien. Zeug. e. 18. Juni 1840. Nr. 103.3 SftmmtUche Waffen 
wurden, in Gewärtigung des Baues des Grabes Napoleon's, In dem 
Krottschatze hinterlegt. 

In POLEN t 

6. Einen schönen S&hel, weichen Johann Sebieskl heim Sntsat- 
ze Wiens führte, dermalen Im BesUae des Forslen Lnbemirskl, 
der selben als Familien -Vermächtniss hesonders «art; «M hiel 
feierliciien Anlässen trägt. — Da Ich ihn vor mehimmi Jahren 
sah, 80 will ich, was mein Gedäehtnlss iiehieit, wiedetgehen : Griff 
schwarzes Hom, mit Bubinen und Tuikiseu beselcl. Auf 4er Klin- 
ge eine lateinische Schrift mit der JahresiuM des BniiutgoH ven 



H6 VlBRIfB LANMBITB* 

llck ra fehUn stMuen, Ist nit einen aidit daaa gehdrifen SCirn* 
»tvlp sienUch gIfickUch ergäuxt, dessen Atznng etwas h Oberes 
Alter verrftth« Die Stiirmhaabe, mit blanker Atzmig auf goldenem 
Grunde Überdeckt, enthält in acht Feldern wechselnd^ entweder 
eckig verschlungene Ztlge^ oder geschmackvoll gewundenes Laub- 
werk , In dessen Zweigen folgende Thlere zu erkennen sind. 
Feld 1? Adler n. Einhorn; Feld 3: L5we u. Windhund^ Feld 5: 
Greif and Fucb»| Feld 7 : Falke und Hirsch. Besonders sierlkh 
sind der Sdelfalke und der Greif bshandelt, und wem bewusst 
Ist, wie tief die Harnisch-Ätzkunst zu Sobieski's Zelt gesaaken 
war^ der wird keinen Anstand nehmen, diese schdne Arbeit nicht 
jAnger als aas dem dritten Viertel des XVI. Jahrhunderts zu er- 
klären, daher um hundert Jahre älter halten mttssen, als Sobles- 
kl's Zeit. Dagegen tragen die Brust und der Rficken das Gepräge 
■einer Lebensepoche , und die Behauptung , dass beide von dem 
Könige geführt worden , hat viel f flr sich. Brust- und Rficken- 
stfiok sind von blankem Stahle. Bei beiden läuft an den Orten 
ein ingerbreiter, dagegen in der Mitte der Brust und des Rfickens 
senkrecht abwärts ein zwei Finger breiter Streifen von blankem 
Messing, worauf eine Einfassung von Blumen und Blättern gra- 
virt Ist; der Rand beider Stficke ist mit einer Reihe konisch zu- 
laufender Messingbuckeln beschlagen. Unterhalb ist auf die Brust 
eine Messingplatte in Grdsse einer ausgespannten Hand genietet, 
welche in Gestalt verschiedener Tropäen gravirt und aasge- 
schnltteii ist. Auf ihrer rechten Seite ist : 

1723. 

SO lesen, das eine spätere Hand darauf stach , ohne dadarch den 
Werth des Stückes — zu ändern. Am Rückenstücke sind zwei 
breite Achselrlemeu befestiget , jeder mit vier breiten gravirten 
Messinggliedeni fiberplattet, welche mit mehreren, Turnierhelme 



Wien. Schwanledeme Scheide, deren Mundblech und Ortband ver- 
geldetes Silber mit Edelsteinen befsetast. ~ Zwei Säbel fOhrte der 
Ktaig bei Wiens Sntsatse sehwerUeh; eb nun Nr. i eder Mr. 6 
der echte, sMkgen Kenner entscheiden. •*- 
EU BAMEMOJB-SBLO im KAISERUGH. RUSSISCHEN MUSEUM : 
T. Eine tdrkisehe Standarte, erobert von Johann SoUeski, dem 
KAnige der Polen, im J. 1683 in der Entsaties-Schlaeht vor Wien 
C s bg e b ttdet im Musee des armes rares etc. de S. M. fJBmperear de 
cenle* les Aiwsist. I. Vd. pl. Uy. 



GROSSE TROPÄSX-HALLB. ••• 

darsfellendeii Rndpfen gMehmfickt, di<$ uMlgen SMl-IiOeker •ni- 
hatten ,. am sie an deu beiden Meeeingiuidpfeu de« BruAtottlckes 
fest zn stecken. (Ahniiolie Einriclitong noch au den lieutigeii 
Bnistktlrasseu der Österreichischen schweren Kavallerie). Das 
Ganze weiset eine zierliche gleichzeitige Arbeit ans* 

Die bemerkenswertben Waf«ii der TropAea dttrften 
folji^eBde sein: 

709. €xnt i099tiU t&rkifd)^ ^tfitart (blpennis). Unter 

dem Azthelm eine lange messingene Hülse,' der schwanbe- 
lederte Stiel reichlich mit Messingnftgdn beschlagmi» die beiden 
blanken BUUter ohne besondere Verslening. — Die Form scheint 
neuerer Zeit anzugehfiren* Mau vergl. fthnliche Formen unter den 
türkischen Waffen in Finckb's Metbick. Tab. GXXXIV. lig. IS. — 
Dass die Francüca der Frauken anders aussah , beweiset Du- 
CAN6E i. s. Gloss, ; auch war die in KSuig Childerich's Grabe 
gefundene eine einfache Axt. (GHlFurr , AnoHMii CkOderici M. 
abgeb. in Montfaucon, üfentiM. de ia mon, francJ) 

710 — 711. killet große itntfd^t SBtxtxtitU, baoon thu 

0f&^. Beide sind von gleicher Grösse, beide blank, 
doch jene zur R. durch die schftiie Ätzung des Alattes ausgezeich- 
net, und mit langeu geflammten, eiserueu Federu verseben. Die 
grossen Zfige des zierlich geätzten Laubwerks enthalten auf der 
einen Seite einen Schweizer iu seiueu Pluderhosen, auf der zwei- 
ten eine Dame; beider Tracht ans Jost Ammans Zeit. 

71S— 714. Jim tüxkifdft 1bß|il|tiirife mit nbn^$iiU' 

ntn i^tangen. Alle drei wohlerhi^ten — und wftk- 
rend die meisten der übrigen ihrer zierlichen Staiigeurohre «ad 
Stangenringe beraubt erscheinen, noch mit dem echten alten 
Flechtwerk geschmückt, das aus buutf&rbigem Rosshaar mflbsam 
zusammengesetzt , ursprünglich derlei Stangen fiberkleidete. — 
Bei den fibrigen sind diese Lfickeu meist durch bunt übermaltes 
Holz ergänzt. 

7 i 5— 716. ein HtxUtliammtx ntib txnt ktirjr Strtit- 

(>adu fSr Hei^gt. Das Beil glatt und ohne beson- 
dere Verzierung ••^). 



*<0 Hdnllg erzählt man , dass die Belterhämmer den Namehssug ihres 
Herrn in tiefen Zügen eingeschnitten besassen, so dass ein kräfti- 
ger Schlag damit, eine Art Stämpel auf des Feindes Harnisch schlug. 



717. ffitf^xnU^fdft (Kl^te jftlwyarte mit ^r Ji^if- 

3aifl 1564. Zar Linken »n den Tropfen befestigt. 
Oberlialb ist das verschlangeiie H • A« gefttsty aaterlialb der ical- 
serlicbe Doppeladler^ der Wahlsprach: DOMINYS PHOVIDBBIT 
Qiid: tll€4« Welter abwSrts : 

718. tfr0^e geS^tt j9^^P<<rt<^ ^^^i Ja^^r 1694. Das 

moudfbrmlge Barteueiseu ist mit reichlitiher Atsnng vou 
aJjideneni Wertbe bedeckt ; neben dem einkdpfigeu Adler ist zu 
lesen: I094. 

Zvr A. sind me fcssre Barten keindlioh y «war doEreii 
OrOsse und Abweeiislnng der Fennen, doob nleht dnroli 
Atssung ausgezeichnet. Viele Helmbarten , Partisanen^, 
Starmsensen, Kurzgewehre n. s. w. an diesen Tropften, so 
wie mehrere Pikelhauben, Drathhemden, türkische Geireh- 
re von minderer Arbeit, und die vielen Pallasche mit ihren 
blanken MessiagkArben wallen wir übergehen, vnd nur 
das Htandbild im Yordergrande betrachten. 

71«. tfr0ßer litdftn (laU^r ^xnxfdi^ aw myltun 
^adil^en nufseridyt; bniiei ein Mütfitnftttn. Es 

ist dies der Harnisch, welcher bei einzelnen Vorfallen änsgelie- 
ben wurde, um s. B. bei Lelchenzfigen der Generftle, bei militft* 
rischen Castris, Offiziersbftllen n. dergl. zum Staate zu dienen. — 

B. F. W. K. Helm und Brost mit schSuer Atzung, etwa aus 
der Mitte des XVI. Jahrhond. Ani der Atznng der Brest ist der 
kaiserlitbe Doppeladler so schauen; dagegen stammen Achseln , 
Afmsengy Handschuhe und die langen geschobenen Schosse awt 
ihren Kalebuokeln aus jftngerer Zeit , d. i. der ersten Hälfte des 
XVn. Jahrb.; die Uateibeine bedecken lange schwarse Stiefels. 
Die (testalt hAlt in der rechten Fanst einen zierlich naehgebilde- 



■fornaeb sahen die Bitler su Hause naeh, wie viel und ven 
wem sie die SclilA|pe bekommen hatten — eine Art Prflgellcontroi- 
lel — So Instig dies HIstArchen auoh lautet, so sehelnen Ihm doeh 
die noch vorhandenen StreitlOüamer, so wie die Teehalk des flMm- 
peius SU widersprechen. Wenn mau auch Im Mittelalter Mausen 
aus freier Hand schlug, d. i. prAgte, wie dies noch der Welsskunig 
und die Holssehnltte gleichaeltiger technelogischer Handbueher ;Mi- 
gen« so wirkte doch bei Mensen Stahl au/ w ei ehe» Metall, und 
aUesuü scheltelrecht. 



(eti W^lliwas8<er«'Sprenger (JM^'fpa^tfr-iiwMrla)) tei tai 
Alten auch Morgenstern geuaniit, nit langer KliD^a **?). 

720—792. 9tet fxmii^fd)t 'Pxohmixfn, aas Stückgut, 

mit vier Probekugelu von gleichem Metalle; alle drei tra- 
gen auf dem angegossenen Fasse die Aufschrift : DOUAT. 1819 ; 
zwei davon ruhen auf bSIzernen Schleifen. Der Mflndungsinivli-»' 
messer aller drei wechselt zwischen 7*' S'" und 7" 4'**. 

728. ^van^ififdin 'PxfibtmitftVß aas Stückgut; ebeafalls 
mit Bronze - Probekugel und einem Flugdurchmesser von 
7*' b^'\ Auf dem Fusse ist zu lesen: 

A SnPRAISffiOURG LS %. FRVC™2£ L*AN 4. PAR. C. JH. S. 
O'AKVmN CX)MHÜ 6^ 11118 FONTES DB L'AHTILLEMB. 

724—725, imtX ftanjSftfdie fltobrnStfet ; aas Stück- 
gut; auf ihrem angegossenen Fusse ohne Schleife ruhend. 



t<8} Nach der alten bildlichen Redensart: «Weihwassersprenger* für 
»Blutvergiesser.« Eine derb^ Art , über blutige Auftritte zu scher- 
zen, ünden wir im Mittelalter öfters. So rief nach des Dauphins 
Siege bei Basel C1444) Herr Bnrkard Mdncfe, mit andern Rit- 
tern über das in Blut getr&nkte Schlachtfeld reitend: Heute ba- 
den wir in Rosen! und Agnes ^ die Tochter des ermordeten 
Kaisers Albrecht I. rief bei der Hinriehtung von dreiundseelH 
zig Lehensmännem Palms: Jetzt bade ich mich im 
Maienthaul (Coxb , Gesch, Osterr, 1. 1 06.) — Der Ausdruck 
»Morgenstern,* die Wehr bezeichnend , meinet Im allgemein- 
sten Begrilfe nur eine stachlichte Kugel; diese mag nun an 
einem Stiel oder an einer Kette befestiget sein. Da man Jedoeh, 
um Stacheln an einen Schaft zu befestigen, eben nicht einer Kugel 
bedurfte, sondern dies kürzer durch eine stachlichte Keule abthat, 
80 wurde man*s in Jüngerer Zeit gewohnt, die stachlichte Keule 
«Streitkolben* zu benennen, dagegen nur die stachlichte Kugel 
an der Kette «Morgenstern.* In alter Zeit hiess aber der Deutsche 
den englischen hoiy- water -sprinkU ebenfalls Morgenstern, und In 
diesem Sinne erscheint die Waflte in alten deutschen Lehensbriefen. 
Darin bezeichnete der Morgenstern einen Krieger su Fusse, 
wie selben kleine Lehensgüter geringeren Betrages In's Feld stellen 
mussten, dagegen grössere Vasallen : ein Ritterp ferd, d. i. einen 
vollkommen gehamischten Reisigen zu schicken verbunden blie- 
ben. Nun rechnete man von Jeher drei Krieger zu Fuss auf einen 
zu Pferde, und wirklich beträgt der Anschlag der Rittergüter, die 
auf einen Morgenstern gesetzt sind, nur das Drlttheil des An- 
«Chiages Jener, die ein Ritterpferd zu entrichten haben. CMi» 
BiAU, Tatchenb. der deutsch, Vorzeit fikr 1Y»#. p. tiS u. ff.) 



4M VIKMB LAMCnSlTB. 

beMe olme AnAwkrift, bei jedem die Brottse-ProMnigel. Der 
FlagdarchmeBser eines jeden betrigt 7f ^ 

Abulicbe YerbAUniBse haben aach d!e S. 851 kurz erwähn- 
ten eecbs ProbemOrser, deren genaue Beschreibung wir hier nach- 
tragen, aie: 

«) Bin ftrausSsiacher Probemdrser mit Bronse- Probekugel , ohne 
Schleife; mit 7'^ ^*" Fittgdurchmesser, auf dessen Mittelstfick 
das verschlungene R. F.; auf dem Fusse stehen dieselben 
Worte, wie bei Nr. 783, jedoch eine andere J. Z. : AN. VII. 

h) Bin französischer ProbemSrser mit Bronze • Probekugel , ohne 
Schleife, mit V 3'^' Flugdurchmesser; auf dessen MittelstOck 
unter der zierlich gravirten KSnigskrone ein mit seinem ver- 
kehrten Doppelgänger verschlungenes Ii* ; am Fasse: A 
STRASBOUBG 1778 PAB I. DARTBIN BCUTBR COM- 
MISE! GBNBRAL DES FONTBS DE L^ARlS?. 

c — d^ Zwei Aranzösische Probemdrser mit Bronze - Probekugeln, 
auf Schleifen. Flugdurcbm. T' V*', Aufschrift: DOUAY. 1813. 

e-^f) Zwei kleine deutsche Probemörser aus Stfickgut, ohne Auf- 
schrift, beide mit 6'^ V* Flugdurcbmesser. Bei jedem eine 
eiserne Probekugel. 

7S6— 727. 3tDet Kßerrei^tf^t ytiloer|it0littl mit ihren 

Probekugeln, aus Stftckgut, vor Gottfried von BonUlon's 
und vor Attila's Tropäen aufgestellt. 

7S8. tEtne hiettiit £^^x^ \tx Carbünari. Von Arans- 

blauem Seideustoife, mit weissem Felde und der Aufschrift : 

VIVA IL RB 

VIVA LA COSTITVZIONB DI 8PAGNA. 

INDBPBNDBNZA ITALIANA 

O MORTB. 

GsscBiCHTLicms. Die Pläne dieser hochverrätherischen Köp- 
fe wurden zeitlich genug entdeckt, ohne die öffentliche Ruhe ge- 
fährden zu können. Der Ursprung der Sekte ist in Neapel zu 
suchen , obwohl sie von 1818 bis 1831 auch in Ober-Italien ihr 
Unwesen trieb. Ihre Ordensgebräuche waren (daher der Name C.) 
vom Kohleubrennen entnommen; die Grundlage ihrer S3inbole 
war: Reinigung des Waldes von Wölfen, d. i. Kampf gegen Ty- 
rannei. Unter Napoleon's Regierung verstanden die Carbonari 
darunter nur Befreiung von ausländischer Herrschaft, allein spä- 
ter entwickelten sich daraus demokratische Grundsätze, welche 
die Sicherheit der Staaten geOIhrdeten , und Massregelu zu ihrer 



GROSSB TROJPAEN-HALLB. 4n 

AufbebuQg erheiscbten. Demnach wurden seit Unterdrfickaaig der 
neapolitauUchen und piemontesischen Revolution im J. 18S1 die 
Carbonari in ganz Italien für Hochverräther erJd&rt, und als sol- 
che gesetzlich bestraft *^'). 

Hiermit erscheinen die vorzüglichsten Merkwürdig- 
keiten des ersten Stockwerkes dieser wahrhaft kaiser- 
lichen Waffensammlnng beschrieben. Leieht bitte 
sich dieser kurze Abriss anf das Vierfache ausdeh- 
nen lassen^ h&tte nicht der Verfasser seinen Versach 
von der Einrichtung eines ^^ämtlicben Stückrerzeich- 
nisses^^ auf günstige Weise zu unterscheiden gewünscht. 
Eine &hnliche Kürze schien auch bei der nachfolgenden 
Beschreibung des grossen Artillerie-Hof- 
raums erspriesslich, und die Benützung der amt- 
lichen Inventare, welche Seine kaiserliche kOniguchb 
Hoheit, deb Durchlauchtigste Herr Erzherzog Ludwig von 
Österreich , als k. k. General - Feldzeugmeister und Gene- 
ral-Artillerie-Director dem Verfasser gnadigst zu gestatten 
geruhten, diente mehr dazu, ailf&llige' Lücken zu ergän- 
zen, als eine vollständige ermüdende Aufzählung zu lie- 
fern. Freunde und Kenner des Artilleriewe- 
senBy welche eine bis in die kleinste Einzelnheit genaue 
Angabe der Zierde-Q^eschütze zu lesen wünschen, finden 
selbe in den am Schlüsse folgenden Tabellen; dagegen in 
der nachfolgenden Schilderung nur die anziehendsten und 
seltensten Stücke besprochen werden sollen. 



te9} Aufklftrende Schriften über diese gebeimen Verbindiuisen : ToMblli, 
P. Breve idea deiia Carbon4sria^ sua orffrine nei regtio M NoftoKf 
suo «cofw, MM perBtenwUmey e emua ehe fe' nascert la mUs de* Cuh- 
derarL Neap, IStO. 8. — PenkwikrdigkeUen der gOieimen QeeeU- 
eekaften in Unter-ItaUen, insbesondere der Carhönarif mu d, lUA. 
ikberaei%i durch H. Dobeimg. Wlrimitr, IStt. S. DEine «aiere Übw- 
setsttüf desselben Werkes erschien unter 4. Titel: Mfenkeekriften. 
iSnnitgarty IStS. 8.) ~ de Saint-Somb, ConstUution et Organisation 
des Carbonari. Par. IStt. 8. — Canosa, n. n. J. Pi(teri di Mon^ 
tagna. Jhibi. 16t0. 8. Csibt vielen Aufecfaluss über ilie Verbindunc 
der Cslderari) u. a. n. 



1 



«« DKR «lUMMK AÜHLLMUn^BOF. 



nOIREIBIlG DES GROSSEN ARHLLERIElIOrES. 



Wi 



ir verlassen befriedigt das erste Stockwerk, nm 
abermals den grossen Hoflranm za betreten , von welcbem 
8ieh der bedeutende Umfang dieses kaiserlichen Gebftndes 
bequem überblicken lässt. Es dürfte, bevor wir die Be- 
schreibung desselben beginnen, an seinem Platze schei- 
nen, einige Worte über die Bestimmung der ebenerdigen 
Rfinme des Hauses und die früheren Schicksale der in des- 
sen Mitte aufgestellten Zierdegeschütze vorauszusenden. 

Wie bereits erw&hnt, bildet das Hans ein gedehntes 
Viereck, dessen vorderer, gegen die Renngasse ge- 
kehrter Qu erbau (des Hauses Stirnseite) ebenso, wie 
der gegenüber liegende Trakt C^essen Hinterseite} am 
Ende des Hofes, geräumige Werkstfttten enth&It, dagegen 
seine beiden Seitenflügel meistens grosse Yorrathshallen bil- 
den, um die zugesendeten Waffen vorrfithe, Karren, Kisten, 

f 

LaiTeten, Schleifen, Hebzeuge u. s. w. zu bewahren , und 
die weiteren Verpackungen vorzunehmen. Noch befindet 
sich zu beiden Seiten der Einfahrts -Halle die Kanzlei 
des Hauses und des Pförtners Wohnung. Die grossen 
Werkstfttten des Erdgeschosses sind theils dazu bestimmt, 
einige gangbare Schiesswaffen-Oattungen neu zu verferti- 
ge», tbeils und zwar vorzugsweise, um die vielen von 
Prfvat-^Brseagem eingesendeten Gewehre vor dem Kaufe 
sorgfftitig zu prüfen, etwaige Gebrechen zu heben, und 
des Srwerbenen die letzte Vollendung ap geben *^% 



tro) Zwwt befindet sica eiae Art Oewehrfabrik in der Akiervorstadt (an 
Aaluife der WihringersMse), aUein sie reicht fär den grcMuea Be- 
darf bei weitem nicht aus ; daher sich einzelne Unternehmer mit 



DER 6R0SSB ARTILLERUB-HOF. 40» 

Der nngeheare Hof des Hauses, der selbst fttr die 
Abhaltung^ eines alten fleierlichen Tarniers mit etlichen 
biandert Pferden liinreichenden Raum böte, ist zur Aufbe- 
M^ahrnn^ theils einer grossen Anzalil Zierde - Geschütze 
bestimmt, das ist solcher meistens eroberter Bohre, deren 
Alter, geschichtliche Merkwfirdlgkeit oder prachtvolle Ar- 
beit die Einschmelznng widerrfith; theils einiger inlftndi- 
sehen gangbaren Geschütze aus Stückgut, welche bis 
zur weiteren Verfügung hier zeitweilige Aufnahme finden* 

Es bleibt beklagenswerth , dass mehrere, durch 
Grösse, Aller und Gestalt merkwürdige Stücke, welche 
dieser Hof einst in sich schloss, wahrscheinlich um deren 
Metall anderweitig zu venv:enden, eingeschmolzen worden 
sind, und so möge hier wenigstens die wörtliche Beschrei- 
bung einiger seltenen Stücke stehen , welche im J. 1770 
noch als daselbst vorhanden aufgeführt wurden *^^')i 

1. »Oleich beim Eintritte in den Hof liegt ein ungeheuer 
»grosses tfirkisches Stack, welches in der eroberten Festaug 
»Belgrad gefunden , und ^eu 9. Dezember 1717 nach Wien ge- 
^bracht worden ist. Es ist 88. W. Schuh 10 Zoll laug, schiesst 
»184 Pfund Eisen und wiegt 179 Zentner. Es hat eine türkische 
»Inschrift, welche dem Leser nicht unangenehm sein mag, weil 
»sie das Lächerliche der Absicht entdeckt, warum mau in jenen 
»Zeiten so schrdckliche und eben darum fast unbrauchbare Ma- 
»schiuen verfertiget hat; sie heisst : »Nachdem der Ruhmwfir 



deren Verfertigung im Grossen beschftftigen , und selbe dem Aerar 
gegen bestimmten Preis und xwar biUfger liefern, als es die kai- 
serliche Anstalt im Stande ist. Noch vor kurzem stand der Preis 
eines Gewehres, nebst Bi^onnet und dessen Scheide, zwischen 
18^16 S. CM., hnd seine Dauer war Cnaeh der neuem Xinriebtung 
.und bei m&ssigem Gebrauche) auf 60 CD Jahre berechnet. Die Ge- 
sammtzahl der nun vorhandenen Gewehre Ist ungeheuer •— allein 
das Vorgeben Jener zu beleuchten, welche deren Zahl im hiesigen 
k. k. Zeughaiise auf 400,000 , und in den gesammten ZeughAusem 
der dsterreicUschen Monarchie auf 9tt,t00 Stucke sehMzen. — 
hierzu fühlt sich der Verlhsser weder berufen noch ermAcktiget. 
S70 WsissKUiM. österreichische Topographie. Wien, 1710. M. III. 
pag. 96. f. 89 u. r. 

II. 13 



4M 1>BR OaOSSB ARTILLERIE-HOr. 

»digste und Vortrefflichste des Oti0maiil8cheii Hauses, jener Jiel- 
»denjBÜthigste und tapferste Bestreiter und Eroberer der Lftuder, 
»Sultan Soleiman Cban^ die Regierung angetreten y bat er dieses 
»Stück, welches Festungen und Länder in blossem Ansehen über 
»einen Haufen werfe, zu giessen befohlen im Jahre 928; (d.i. 
»nach unserem St^'l tfttH).« 

t. »Diesem gegenüber liegt ein anderes, nicht so lang, aber 
»stärker im Metalle, scblesst 60 Pftind Eisen und wiegt 117 Zent- 
»uer; darauf siebt man die Jabreszjahl i|^9#«« 

3 — 4. »Gerade gegenüber, am andern There, sind zwei 
»metallene türkische Steinbüchsen , in der letzten Belagerung 
»1683 von den flüchtigen Türken zurückgelassen , ebenfalls 
»von einer schrecklichen Grüsse. Eine schiesst 400 , die andere 
»t40 Pftind Eisen.« 

5. »Unweit von diesen ein zwSlpfündiges metallenes Stück, 
»wegen seiner ungemein künstlichen und niedlichen Ausarbeitung 
»sehenswürdig, welches dem Kaiser Joseph L au seinem VermAh- 
»lungstage vom Herzoge von Würtemberg geschenkt worden ;< 

6. »dann ein metallener Polier, welcher in seinem Durch- 
»messer t5| Zoll hat, und 500 ft Stein oder 800 & Eisen 
»schiesst; mit der Umschrift: MEGlIilJlVD EmZHEBSO« IM 
»ASTEBBEICH. ANMO 1404 *''•}. 

Eine Berichtigung dieser Nachrichten liefert Baron Stein 
iBeitr, %ur Geschichte des Geschütxw. 8. Mainz, 1836. II. p. 46 
u. ff.} 9 welcher anführt: »Im Jahre 1683 Hessen die Türken 
»drei übergrosse metallene Geschütze vor Wien zurück. Das eine 
»hatte den Kaliber von 10 Wiener Zoll, oder 148 S Eisen, und 
»war 27-n- Kaliber lang. — Das zweite, ohne Delfine, war auf 
»480 & Stein iZt\ W. Z.) gebohrt, die Länge der Kammern war 
»5^ 7|-'^, jene des Fluges 6^ 8|''. -— Das dritte war auf 856 % 
»Stein asi W. Z.) , die Kammer war 6^ der Flug V 3'^ W. M. 
»lang. Sie wurden 1806 eingeschmolzen.« 

Ein gleiches trauriges Loos hatte Jene 
sechs Paare silherne Pauken Qode iS^er 40 Pfund 
schwer) getroffen , welche unter der Regierung der 



•f t) Da Sigismund «est 14t 7 gehören worden ist , muss diese Salil an- 
dere JSiilßni enthalten haben ; wahrscheinlich war die 6 halbser- 
BÜkri, uni statt ders^hen 6 «der 8 sn lesen; — Jedenfklls ein altes 
merkwürdiges Stuck. 



SCmCKSALS DBS KAIS. ZSU0HAU8BS. 4»7 

rahinreioheii Kaiseriaii Maria Theresia aiu dem Heiagei? 
des Königs von Prenssen erobert worden waren, und 
von der Garde Friderich'a des Einsigen stammten; die- 
selben , welche mehrere Jahre zuvor den Kaisersaal ge- 
sehmftekt hatten , und noch im Jahre 1809 dnroh zeitige 
Versendong der Aranzdsisehen Plündemag des Zenghan* 
ses entgangen waren. 

SCHICKSALB DES KAIS. ZEUGHAUSES IM J. 1805. 

Glaubwürdige Mftnner entsinnen sich der Hast, mit 
welcher im Jahre 1805 Wiens Einwohner bemüht waren, 
beim Herannahen des französischen Heeres mehrere Ka- 
nonen aus der Hauptstadt nach dem sogenannten „Spitz^* 
Cam linken Donauufer} zu bringen. Damals mussten alle 
vorhandenen Gespanne, Herrschafts- und Fiakerg&nle* zu 
schneller Hülfe dienen. Doch kaum war ein Theil der Ge- 
schütze dort angelangt, als die feindliche Armee, dasselbe 
Ufer gewinnend^ s&mmtliche Kanonen in Beschlag nahm, -r 
Unverholen spricht sich hierüber eine genaue Schilde- 
rung *^'} der damaligen Drftngnisse aus: 

„Übrigens dauerte diese Tage hindurch C^. bis 19. 
November} das Flüchten der Habseligkeiten ununterbro- 
chen fort. Doch konnten viele Kanonen und Mörser aus 
den Zeughäusern, dem Arsenale und dem Stadtgraben, und 
die vielen Tausend Gewehre, Pistolen und andere Watfen- 
stücke aus dem kaiserl. Zeughause, welche schon lange 
vorher am meisten die Auftnerksamkeit des Feindes auf 
sich gezogen hatten, nicht mehr gerettet und sicher gestellt 
werden. Ebenso ward auch die Baumung des Militär- 
Montursdepot auf der Landstrasse nicht vollendet, von 
welchem erst am letzten Tage vor der Einrückung des 
Feindes ein Theil auf ein Paar Schiffe geladen ward, die 
aber in die Hände der an der Donau streifenden Franzosen 



t7S) Gahbis, DenkiDÜrdigkeiten Wiens während des Krieges %. Ö. ti. Vr. 
im J, 1805. Quart. I. Bd. p. 157. 

13 * 



406 ' DKR GROSSE ARTILLKRIB-HOF. 

j^erJethen/^ Man hatte auf diese Schiffe auch eine bedeu- 
tende Menge Gewehre and Pistolen, nach Ungarn bestimmt, 
geladen, und der gleichseitige Bericht fährt an, dass dies 
nor einen Tag vor dem Einmarsch des Feindes geschah. 
Schon glitten die Schiffe auf den spiegelnden Flathen da- 
hin, als die Franzosen sie beim schwarzen Stocke 
Cnnfern des Lnsthauses im Prater) ertappten und als gnte 
Prfse behandelten. 

Olücklicher Weise entgingen damals durch besonde- 
re Veranlassung 8000 Gewehre aus dem kaiserl. Zeug- 
hause der feindlichen Beschlagnahme. Durch Dekret vom 
10. November 1805 waren der Bürgerschaft aus dem kai- 
serl. Zeughause 8000 Feuergewehre, 100 Ztn. Pulver und 
40 Ztn. Blei von dem General -Kommando bewilliget wor- 
den ; diese mussten schnell in^s bfirgerliche Zeughaus ge- 
schaiTt werden, die Sache hatte Eile. Ungeachtet dieser 
Befehl an einem Ruhetage C^onntag 10. Nov.} erschienen 
war, wurden doch noch an demselben und folgenden Tage 
gegen 6000 Gewehre in's bürgerliche Zeughaus über- 
bracht ''^O 9 ^^^ a1<9 ^^ ^^' Novembsr noch eine grosse 
Zahl fehlte ) und kein Fuhrwerk auftsubringen war, da er- 
boten sich 500 Mann der Bürgerschaft sogleich zur firei- 
willigen Dienstleistung und trugen bei 9000 Gewehre in^s 
bürgerliche Zeughaus. So retteten die Wackeren einen 
Vertheidigungsvorrath, der in der Folge zur Aufirechthal- 
tung der öffentlichen Ruhe so unentbehrlich ward. 

Um einigennassen bemerkbar zu machen, wie Vie- 
les dem kaiserlichen Zeughause in dem verhfingnissvol- 
len Kriegsjahre 1805 entzogen worden ist, dürfte ein Aus- 
zog der bezüglichen Steilen aus dem genauen Tagebu- 
che eines Augenzeugen *^^) am besten dienen, der dem- 
nach hier eine Stelle verdient : 



t74) Gaubis, DenkwürdigkeiUn Wiens, I. 108, 134, 168. 
*'5) GBUSAU, Anton rittbb von, Mstorisehes Tagebuch aUer merkwürdi- 
gen Begebenheiten , welche eich vor dem Einzüge der kaie» franzöe. 



SCHICKSALE DES KAIS. ZBI70IIAUSBS. 409 

x^Am 11. November 1805^ als Kaiser Napoleou iu St. Pötten eiu- 
gerfickt 9 und Prius Murat bell Hütteidorf^ St Veit, Scböubruuu 
u.^ s. w. vorgerückt war , kam Nachmittags auch ein frau- 
söslflcher General mit einigen Offizieren und Kommissären in 
die Stadt und besachte das Iiandhaus und Arsenal.« 
0*c. p. 141.) < 

:>Am 81. November 1805 begannen die Franzosen^ nachdem sie 
von dem kais. kdu. mit allen Gattungen von Armaturen so 
reichlich als zierlich ausgeschmückten Zeughause einen ge- 
nauen Abriss genommen hatten , Kanonen und Munition 
sowohl aus demselben, als auch aus den Kasematten fortzufüh- 
ren. Das Loos traf zuerst die von dem Successionskriege un- 
ter der Kaiserinn Maria Theresia aus dem eroberten Mönchen 
herabgeführteu bairischen Kanonen) die folgenden Tage 
ward damit fortgefahren.« (1. c. p. 186.) 

:i>Am 14. Dezember wurden wieder sehr viele 16- und 24pfiiiider 
mit 8 und 10 Pferden aus dem Arsenale trausportirt. Aus dem 
Kanonengnsshause auf der Wieden wurde Alles , selbst die 
Bibliothek, die physikalischen und chemischen Instrumente 
u. s. w. eingepackt und fortgeführt.« (l. c. p. 848.) 

:»Am 16. Dezember bekamen schon viele Menschen kein Rind- 
fleisch mehr^ mancher Bürger mit seiner Familie darbte, wäh- 
rend das schönste Fleisch durch die Franzosen verschwendet 
ward. Ebenso ging es mit dem Weine, den sie in Gefässen al- 
ler Art von der Austheilung im Arsenale durch die Gassen 
schleppten.« G. c. p. 848.) 

»Am 17. Dezember ward mit der Transportirung des Geschüt- 
zes aus dem Arsenale eifrigst fortgefahren.« (1. c. p. 849.) 

»Am 18. Dezember wurden wieder viele Kanonen, theils durch 
eigenes, theils durch requirirtes Fuhrwerk ans dem Arsenale 
fortgeführt.« (X. c. p. 851») 

»Am 80. Dezember lagen vor dem Arsenale die Pistolen wie 
Heuhaufen zusammen geworfen, um auf Wagen trausportirt 
zu werden. Überhaupt, je wahrscheinlicher der nahe Friede 
wurde , desto mehr nahm eine systematische Ausleerung aller 
Mund- und Kriegsvorräthe überhand.« G* c. p. 859.) 



Truppen in die h,h. H. u, R. 8. Wien vom Sept. 1806 etc, bis tiach 
ihrem Abzüge, vnd nach seibem bis 1. Febr. 1806 zugetragen haben. 
JU. 8. Wien^ 1807. (377 S.) 



418 mm cmosoB artillmiib-H(^. 

»An Sl. DMMaber mtiMt^ti auf« Nene viele Mdrier, tMst 
Stücke auf einem Waiden, ueM einer groseen Mens« Fener- 
ge wehre ans dem kaleeri. Zenghanse wandern.« 0» c« p.S61.) 

»Am 9S. Dezember wurden mehr als IAO bedeckte Wagen , mit 
Montnrsetflckeni Pistolen und Kfiraeeiereäbeln ge- 
packt, aus dem Arsenale Über Mariahilf fortgefRhrt.« Cl* c. p. 803.) 

»Am t8« December stand die ganze Strasse vor dem k. k« Zeug- 
hause wieder voll von Kanonen und MOrseru. Man hatte 
die leisten auf Pontonswägen geladen f Aber welche Tragbftu- 
me gelegt wurden , auf denen die Pratzen der Mdrser ruhten« 
G* c p. %u,y 

»Am tO. Dezember ward mit der Ausleerung des Arsenals und 
Fortscbaffking der kostbaren Mordinstrumente Tag und Nacht mit 
der eiligsten Thätigkeit fortgefahren. — Das bfirgl. Zeughaus 
hingegen blieb nnangegriffen. Nur liess Kaiser Napoleon eine 
bairische Kanone^ eine 48pfüudige Karthauue, welche 60 
bis 70 Zentner wog^ und wovon noch eine Kugel im Zeughause 
vorhanden ist , nebst einigen bairisoben Fahnen abfordern , die 
er dem Kurfürsten v. Baiern zurückstellte; flEtlsch ist es aber, 
wie ein gewisser Schriftsteller angegeben hat, dass es zwei 
dergleichen Kanonen waren y und dass Kaiser Napoleon dage- 
gen die Bürgerschaft m i t zehn Kanonen aus dem kais. 
kün« Arsenal entschädigt hfttte, nachdem die Laffeten der 
Letztern znvor mit Weiss und Roth Cden Farben des Stadtwa- 
pens) bemalt worden wären.« Q, c. p. 278.) 

»Da am S9. Dezember wahrscheinlich keine schweren Fuhrwagen 
vorhanden waren , oder vielleicht die Bespannung mangelte, 
wurde eine ganze Reihe Lohnwagen , ordentlich vorrückend, 
ganz mit Säbeln angefüllt, die anfangs hineingelegt, 
endlich aber bei den hinabgelassenen Fenstern hineingesteckt 
wurden, bis nichts mehr hineinging.« 

»Am 81. Dezember fuhren wieder vom f^hesten Morgen bis zum 
späten Abend vier- und sechsspännige Frachtwagen mit h o c b- 
aufgethflrmten Kisten aus dem wienerischen Arsenale 
der Linzerstrasse zu« (!• c. p. 8111) n. s. w. 

EREIGNISSE DES JAHRES 1989. 

Das für Wien verhängnissvolle Jalir 1809 schien 
neuerdings bestimmt, dem kaiserl. Zeugbanse unbeilbare 
Wanden zu scblagen. Bekanntlich waren, um Wien gegen 



SCHICKSALS DBS KAIS. ZSUGHAUSES. 411 

4»9 hemirQckeiide yygrosse Armee^^ sa vertfaelü^eii , die 
ftiuaersten Mittel ergriffen worden, vtmd der Umstaiidy dass 
nan znr Haltung ^eses gedehnten Terrains nnr über ein 
Inflinterie*, ein Hnaarenregiment and einige Kompagnien 
Landwehr nnd Wienerfireiwillige (meiatens Handlungsdie- 
ner) verfügen konnte, lieas die Lenker der Vertheidigaag 
ausserordentliche Massregeln ergreifen. Daher wurde der 
Landatonn im W^ehbilde der Stadt aufgerufen, und dem 
streitlustigen Volke das kaberliche Zeughaus geölTnel. 
Ungestüm drängte der Haufe in die Säle, und da die gang- 
baren Waffen schon für die disciplinirten Scharen entnom- 
men worden waren, so schleppte nun das Volk, was es vor- 
fand, Helmharte und Sturmsense, Morgenstern und Haken- 
hüchse aus den Sälen, wodurch das Zeughaus abermals 
sehr viele Stücke einbusste, wenige wieder xurüGkeihielt 
Die Anzahl der damals ausgetheilten Waffen verschiedener 
Art helief sich, zuverlässigen gleichzeitigen Nachrichten 
zufolge, auf siebzigtausend Stücke. (Gbusau. HUtor. 
Tagehueh xoährend der fran%. Invasion Wiens i. J. 18W, 
8. Wien, 1810. p. 99.) 

Noch leben einige im Dienste ergraute Arbeiter, 
welche Zeugniss geben von der Masse des durch die 
Feinde Geraubten. Noch beklagen sie den Verlust von 
ein h ändert zweinndvierzig Harnischen, von vier 
vollständigen Harnischen für Mann nnd Ross (worunter 
sich auch eine mit Gold eingelegte Rü:$tung zu Ross befun- 
den hatte, die gewöhnlich „Kaiser Friderich Barba- 
rossa'^ hiess), und einer riesenmässigen Balista *'^). Eilf 



•76> Die jedoch naeh Ausrnrung eine» alten Weaerwerken eine mtttelal- 
terUche Beckannbrust gewesen sein soll. — M. vergl. 4ie ^eseliicli- 
te des kais. Zeughauses, p. 17 u. ff. , deren Angaben nach den hier 
gegebenen genaueren Nachweisuqgen zu berichtigen sind. Auch wird 
die 1. c. erwähnte grossmuthige Handlung des reichen Hebriers von 
einem noch lebenden Augenzeugen, der damals die Verpackung vie- 
ler werth voller Stücke des Zeughauses Cum sie vor Feindesüber- 
macht durch Versendung in die Provinzen zu retten) zu besorgen 
hatte, stark in Zweifel gezogen — ihm wurde von diesem Vorgänge 



4iS DIA GROSSE AHTILLSRIKHOF. 

prenMiseli« Kanoaeii (die zwölfte yrur in die Moldau ver- 
senkt worden), deren Jede über 60 Zentner wog, alle von 
prachtvoller Ausarbeitung, und einige bairisohe Kano- 
nen mnssten ebenfftlis, vom Feinde entdeckt, fortwandem. 
Die Weise , auf welche das Zeughaus so viele Geschütze 
verlor, bleibt bedauernswerth. Man hatte im Jahre 1800 
das schnelle Vorrücken des Feindes gegen die Hauptstadt 
kaum für müglich erachtet, als Eilboten mit durch Furcht 
beflügelten Schritten die traurige Kunde in Wiens Mauern 
brachten. Nun ward denn ftreilich in müglichster Eile ge- 
packt, und die Oeschütze des Hofraums schnell auf Wa- 
gen geschafft, um sie vor den Franzosen zu retten ; allein 
an einer kleinen Verspfttung scheiterte der besonnene Ent- 
wurf. Schon standen die Wagen mit den aufgeladenen 
Gesehfltzen zur AbfSshrt bereit , als zwei der beauftragten 
Inspeetoren Hr. Unierriedmülier und Hr. ^aliek. mit den 
Fuhrleuten nicht über den Frachtlohn einig werden konn- 
ten, und nur um etliche Kreuzer wurde noch gefeilscht, 
als das letzte Bestehen karger Frist verronnen war , wor- 
auf die Franzosen in die nur eine Nacht (±B, — 14. Mai) 
belagerte Hauptstadt drangen! — Fröhlich, die bequem 
zum Transport gerüsteten Rohre schon auf den Wagen zu 
flnden, dankte der artige Franzmann für bewiesene Auf- 
merksamkeit, und die guten Wiener mussten mit eigenen 
Pferden ihre Geschütze dem Feinde zuführen I 



nie etwas bekannt; — aucb bleibt es schwierig, über Jene Vorf&Ue 
besttmmte Nachrichten zu eriangen, weil das sAmmtliche militäri- 
sche Aufirichtspersonale des Zeughauses in Jener Schreckensseit 
von Wien entfernt worden war. Ich habe hierüber nur einen Fin- 
genseig in einer gleicMeitigen FlttgschriA (Hie JPransoMa «« Ifie». 
6. 1800. p. 903 gefunden, der, wenn auch nicht als Beleg dienend, 
doch beachtenswerth bleibt. Dort heisst es : »Den Fransosen lagen 
die erbeuteten Kanonen und f Unten näher am Herzen. Der Trans- 
port von t785 Feuerschianden und 100.000 Stuck Flinten, die ihnen 
in die Uande gefallen waren, verlangte so viele Zeit und Muhe, dass 
sie — nicht einmal damit zu Stande waren, als der Feind sie über- 
eilte. Indessen vergassen sie nicht, sich Alles, was sie nicht hatten 
fortbringen fcdnnen, mit 60,000 Gulden baar beaahlen ku lassen.* ^ 



SCHICKSALB DBS KAIS. ZBÜGHAUSES. 419 

Zwar hatte man kurz vor dem Eindringen des Fein- 
des gegen ICN) Kanonen im Zenghause auf der Seilerstadt, 
und melirere alterthümlich verzierte Feuerschlünde CZier- 
degeschütase) in dem Gnsshaase aaf der Wieden versteckt 
(Geusau I. c. p. 939); sie wurden aber gleicli Anfangs von 
einigen Übelgesinnten verrathen, und wie KOnig Gustav 
Adolf die 140 vergrabenen Kanonen zu Mfinchen zur Ur- 
ständ gerafDn (±7. Mai 1639) , so thaten auch hier die 
Franzosen; — insgesammt wurden die Stücke fortgeführt. 

So war denn das Zeughaus bedeutend geleert, und 
den Wienern blieben nur die Waffendekorationen der Win- 
de und — beilftufig 60 — ^70 hOlzeme Gliedermfinner übrig, 
die, ihrer schimmernden Hfillen beraubt, noch einige Zeit 
die Böden des grossen Gebfiudes hüten mochten, bis kalte 
Resignation über das unwiederbringlich Verlorne sie dem 
Feuertode überlieferte. 

Wenn aber auch die Wiener den Verlast des Ent- 
zogenen bitter empfanden , so dachten sie doch zu bieder, 
um nicht anerkanntes Verdienst selbst am Fein- 
de zu ehren. Ein gleichzeitiges, unparteiisch und gut 
geschriebenes Büchlein äussert hierüber : 

»Die franzSsischeu Offiziere waren, der Mehrzahl nach, 
»g;ebildete, feiiiinhleude *") und edeldettkende Feiude, sie hattea 
»durch ihren Geist, ihre feine Lebensart aud ihre Talente sich 
»gleich Anfangs Acbtoiig und Beifall erworben, und genossen 
»deren Früchte iu den Familien , bei welchen sie eiuquarürt wa* 
»reu , in vollen Masse. Schon ihre grosse Kinderliebe , die man 
»auch beim gemebieii Manue gewahrte, flösste Zatraneu ein. Je^ 



977> Sin Vorfan, dessen Zeuge der VerüMser gewesen, verdieat der 
Vergessenheit entrissen zu werden. Im Jahre 1809 war ein franzd- 
siacher Offizier (ttVtuyr hiens der Edle} dureh mehrere Woehen au 
Wien in der Wohnung des verreiseten erafen W^^*^ einquartirt. 
Die BAeherglasschränlEe in dessen Zimmern reizten seine Wissbe- 
gierde. Unter den schönen Lederbtaden fesselte besonders eine 
Aufsehrift seine Aufmerksamkeit, ein in Frankreich streng verbote- 
nes Werk gegen Napoleon ! — Sr bat den Hauseigenthümer, meinen 
Vater, aufs Höflichste, ihm dies Werk su leiben — denn in Frank- 



414 DBR GAOSSfi ARTILLERIB-HOF. 

»denuiuu verhfillte dM Aqge vor den Waudeu, die d«r Krieg 
»geschlagen, nud sah im artigen Gallier nur den Manu, der vom 
»Glflck und von erfahreneu Anf&hrern begünstiget, seine Pflicht 
>mit Ruhm erf&llte« u« s. w. 

Ein österreichischer Augenzeuge der Drangsale, 
welche Wien im J. 1809 getroffen, entwirft von den Er- 
eignissen, unmittelbar nach der Schlacht bei Asparn, fol- 
gendes lebhafte Charakterbild: 

»Nun erschien der 2S* Mai, an dem das Thermometer des Tu- 
mults den Siedepunkt erreichte. Alle Last-, Wirthschafts-, Mieth- 
wagen, alle Fiaker mnssten hinaus, die Tansende von Verstfimmel- 
teu hereinsoschaffen, und das Wiener Publikum erhielt den schreck- 
lichen Nachgeachmadk der mörderischen Schlacht, deren bedenkli«- 
cbe Folgen die Franxosen mit sichtbarer Unruhe erfQUteu* Drei 
Tage und Nächte unausgesetzt wfthrte diese blutige Lougchamps- 
Fahrt, und häufte die Opfer au in den öffentlichen Gebäuden, Klö- 
stern, verlassnen Kanzleien, in der k. Reitschule, den Redouten- 
säleu — welch^ ein Abstich zwischen Feldhospital und Masken- 
ball t Jetzt ging dem Wiener das warme Gemftth weit auf, und 
Ihr Ansserstes that die Barmherzigkeit« Alte und neue Wäsche 
wurde gesteuert , zu Verband zerschnitten , zu Charpie zerzupft ; 
Betten unter dem Leibe weggegeben an die Leidenden; Freund 
und Feind ohne Unterschied liebreich gepflegt, und sich mehr 
aufgelegt, als gefordert wurde. Aber das muss man sagen, 
dankbar ist der Franzose, und versteht sich dar- 
auf, es zu beweisen. Nicht allein die Anschlagnugeu an 
allen Ecken mit Danksagungen von Offizieren und Soldaten, die 
öffentlichen Anerkennungen des Gouvernements, das Attachemeut 
der Binquartlrten an ihre Wirthe, sondern mehr als alles dies: 
die Zuvorkommenheit, Delikatesse und Achtung, 
womit im Allgemeinen der Mllltair den Birger be- 



releh werde et*8 wohl nie erlimfen — doch da dieser sieh durch 
Mangel an VollmacH se wie der Schlüssel eDtschuldigte , so drang 
der Fiansose nicht welter in Ihn« Wochenlang bewohnte der Offl- 
aler dies Zimmer; bei Jedem Erwachen fiel sein Blick auf den 
Schlank; ^ ein DnieK in*8 Glas hatte Ihn an*s Ziel seiner Wun- 
sche gebracht ~ er «nterlless es. Endlich, nachdem er von seinem 
freundlichen Hanswirthe vnd dessen Familie hersUehen Abschied 
genoBunen , nnd AUe , selbst Kinder und Dienstboten , relchUeh be- 
schenkt hatte, reiste er ab ^ ohne den Schrank berührt an haben! 



DBE OROSSB ARTLLUHUB-HOV. 4U 

handelte, sprachen es deotllch aus, wie der Feiad von den 
Pabliknm denken gelernt hatte.« — 

Doch w^aden wir den BHefc Ton dieaan f etrtUite« 
Bildera einer gewitteraoliwaii(ereQ Zeit in des Hofea Uek* 
te R&nme, welche daa Ijrenadliclie Grfln alter, an die 
Wände gepflanzter Kaatanienbanme versehdnert, und eine 
Zierde eigener Art schmückt, wir meinen : 

729. Wit 0t0^ Cfitfceniiettf; tn^iittt >ie Mfirimim M 

CDfen Vit Wonan fpttxtn moUen. SSit tfl filier 

>retbttn>ert aift Alafter laxiß, mie^t ihn fSnf^ttn^ert 

Zentner ^ utib toir) fett Um Ja^r 1627 in Witn attf- 

btWüfyxU (Angabe nach bisherigem DafOrhalten«) 

Diese riesige Kette, welche gleioh einem Blumenge- 
winde nm die gesammten vier Wände des Hofranmes lAnfl, 
und mehr als dessen ganze Länge ausreicht, bildet ein 
Wahrzeichen des grossen Zeughauses ; man würde die- 
sem in seiner Art einzigen Schmucke des Gebäudes frucht- 
los einen ähnlichen irgend einer andern Residenz an die 
Seite zu steilen trachten. Ober den Fenstern sind Trau- 
benkngeln aufgehängt, welche mit ihrer Kettenverbindnng, 
eine Art dunklen Netzes bildend, in Verein mit der Tür- 
kenkette als passender Schmuck des Hoflraumes dienen. 
Eine messingene Tafel, welche neben dem grossen Ein- 
fahrtsthore an diese Biesenkette befestiget ward, enthält 
deren genaue Messungen, wie folgt: 
KBTTENIilNGB 808« 1' 4"' 

ANZAHL DER GLIEDER I ^^^^^^ ' • • ^ ^' 

KLEINE . . . 2891 » 



ZUSAMMEN t972 » 

^^ I GROSS. GLIED 81 S ZUSAMMEN 26^11 ft 

' j KLEIN » 16j» > » 4 77,0 2 » 

GANZES GEWICHT 502,13 » 
ANNO 1830 GEMESS. VON FWRK. PAWEL. 

Wir wissen sonach , dass diese Kette 308 Klafter 1' 4'' 
lang ist, dass sie 81 grosse und 2891 kleine Glieder, d. i. 
eine Gesammtzabl von 2972 Gliedern besitzt; dass ein 
grosses Glied 31 Pfund, dagegen ein kleines nur 16| Pfund 



416 DBR GROSSE ARTILLKRIB-HOF. 

schwer ist^ ond dass die ganze Kette M9 Zentner und 
13 Pfunde wieg^ *'"). Dankbar mtkssen wir diese Messnb^, 
welche der Feuerwerker Pawel im Jahre 183t vornahm, 
anerkennen, indem sie alie fHlheren irrigen Angaben, die 
hierflber sowohl das ftmtliche Inventar, als einige Wiener 
Topographien enthielten, in verdienter Blosse darstellte. 

Die Augabe des amtlichen Inventars weicht bedeutend von 
den obi/^n Bestimmnngeu ab. Dort helsst es, dass die grosse tfir- 
klsche Keüe aus 8600 — I7" starken Gliedern bestehe , wovon 
fOnf Glieder einen Zentner, mithin alle zusammen 780 Zentner 
wieg;en, und dass sie in 43 Theile su zerlegen ist. Man kann je- 
doch diese lakonischen Angaben , als z. B. : dass 5 Glieder einen 
Zentner wiegen, dass die grossen und kleinen Glieder nicht un- 
terschieden worden n. s. w. ; ebenso , dass dies Riesenwerk nur 
knusweg darin »die grosse türkische Kette« genannt wird , ohne 
ferneren Beisatz Über deren Ursprung oder Erwerb, ob sie in 
Semlin oder in Ofen gespannt worden , oder bei Gran , oder bei 
Wien, in welchem Jahre u. s. w. nur als Folge einer oberfläch- 
lichen ungenauen Inventars -Auftiahme betrachten; denn gesetzt 
auch, die Kette hätte bei damaliger Zählung wirklich volle 3600 
Glieder besessen , und ein Theil derselben wäre bei dem letzten 
Gebrauche der Franzosen verloren gegangen, so stimmt dennoch 
die angegebene Gliederzahl nicht mit dem angegebenen Gewichte 
zusammen. Waren wirklich 3600 Glieder da, so mussten, wenn 
wir hiervon nur die 81 noch vorhandenen grossen Glieder in Ab- 
zug bringen, wenigstens 3519 kleine Glieder da sein, deren Ge- 
wicht, das Stück zu I67 Pfund gerechnet (wie die noch vor- 
handenen erweisen), zusammen . • 580,687 ft betrug. 
Mndestens mussten also 81 grosse Glieder 
dabei sein, da sie noch jetzt vorhanden sind 
(obwohl mau auf 86 schliessen könnte); die- 
se wogen (zu 31 S gerechnet) zusammen 85,1 i R 

wornach sich nur ein Gesammtgewicht von 505,74? ft 
keineswegs aber von 780,00 S ergibt! — 



trS) 0ie grossen Ankerketten der. Fregatten eraeheinen dagegen nur «Is 
Kinder, obwohl die Kette, woran der über 70 Zentner schwere An- 
ker eines Elndeekers (anstatt dem 10^ dicken und 180 Klaf- 
ter langen Ankertaue) hanget, über 300 Schritte lang und gegen 
eeee Pfunde schwer ist. — 



DBR GROtSNSB ARTILLVRIB*HOF. 419 

Ähuliche Bewaudtuiss obwaltet rOduiichtlicli der 43 dort 
augegebeueu Abtheilungen, Die vorhandene Kette hat uach nei* 
iier, im Januar 1845 vorgenommeueu Zählung 4S Abtheilnugeiit 
und zwischen jeder Abtheiluug liegen (im Durchschnitt gerecl^ 
uet) 67 kleine Glieder; Cobwohl diese Zahl sehr wechselt, so 
z. B. 75 9 61, 6S, 77, 53 , 76 n. s. w.) Waren also damals 
8600 Glieder vorhanden , so mussten auch 5S Abtheilnngen sein^ 
oder waren 43 Abtheilnngen, so mussten 8881 Glieder vorhanden 
sein (I— I) Dass dieser Überschlag ziemlich richtig ist, zeiget 
die wirklich noch vorhandene Zahl von t891 kleinen Gliedern, 
und daher scheint obige Inventars -Annahme einem ungenauen 
Zfthler ihren Ursprung zu danken , und damals die Kette nicht 
Iftnger gewesen zu sein , als noch jetzt. Bin bemerkeuswerther 
Umstand bleibt, dass an der Stelle, welche man nAchst dem 
girossen Magazinthore mit der Jahreszahl MDCLXXII zur Rech« 
teu des Beschauers aufgemacht erblickt, ein grosser Bin« 
hftughaken zu fehlen scheint, daher eine neuere Hand 
hier die Kette mit einem dfinnen (in Form eines Achters gebo«* 
geueu) Bisengliede an einander geheftet hat , und diese Abihei- 
lung, die nur 41 kleine Glieder zftblt, offenbar sich als abge- 
rissen zeigt. Auch ist ein grosser Binhftugring (grosses Glied) 
beilftufig ober dem Falkonet des Propstes Hausmannstetter 
(Nr. 745) , In ein altes kleines Glied verkehrt eiugeschmiedet, 
und diese mit der Verfertigung der Kette gleichzeitige Arbeit lie- 
fert den Beweis, dass die Kette ihren ersten Anferti- 
ger n, gleichviel ob den Tfirken oder den Ungarn unter Matth. 
Corvinus schon abgerissen, folglich von ihnen ge- 
braucht worden ist. 

Das Vorgeben mehrerer Wiener Wegweiser, »es sei hier 
nur ein Theil der Kette aufgehftugt, und der Rest befinde sich 
im Ofuer Zeughause,« weichen Wahn Weisskbbn's Topographie 
(1770) verbreitete, ist gänzlich grundlos. Nicht allein der Ver- 
fasser gewahrte hiervon , als er vor zehn Jahren das Zeughaus 
zu Ofen besichtigte, keine Spur; auch die kürzlich bei der Direc- 
tion des Ofuer Zeughauses eingeholten genauen Erkundigungen 
lieferten das Eudergebniss : dass über ein früheres Vor- 
handensein dieser Kette im Ofeuer Zeughause kei- 
ne amtliche Nachricht vorliege. — Als Beispiel, wie 
unrichtig die Wiener Topographen über diese Kette urthtfUteu, 
möge fihr Alle nur der fleissige Bobckh {Wiens SehriftUeUer und 
Sehenswürdiffketien, 8. Wien^ 1881. II Bde.) dienen, welcher an- 
fuhrt : »dass sich die grosse eiserne Kette, womit die TUrken bei 



4ld I^SR GROSSB ARtlLLBRIE-HOF. 

Of«B 4le Doiian siperrten, seit dem Jahre 1697 Csic) Im Wiener 
aSeilgbäiise beftuder,« und filier deren Gfrewlcbt, GHederzaU n. s^w. 
liokerllche Mährclien heMgt, als z. B. dass sie 8000 C ! ) Glieder 
beslUe, 1600 ( I ) Zentner schwer sei n. s. w. (1. c. I. Bd. p. 295.) 

OiscHiCHTLiCBKs. Deu BluMl , die Denan , einen der reis- 
sendsten Ströme *'*) , mit Ketten zu sperren , hatten nicht allein 
die Türken; mehrere Nationen waren dessen Zeugen. Als Had- 
mar III. der Knhnrlnger (Sohn Hadmar's III., welcher 1S19 
aof dem Kreuszuge starb), im Vereine mit seinem Bruder Hein- 
rich I. (zu Weitra) sich erfrechte, auf seinen hohen Felsenvesteu 
Dfirrenstein nnd Aggsteln dem LandesfQrsten Herzog Fri- 
derich dem Streitbaren zn trotzen , die Kirchen zn berauben , das 
Land zn plfindern y und Dörfer und Schlösser von Weitra bis 
Krems In Flammen zn setzen, da sperrte, so geht die Sage Had- 
mar (nm 1S81) bei Aggsteln die Donau mit einer eisernen 
Kette, und plfiuderte nach Belieben die Kanfknanusscfaiffe. 

Kurze Zelt darauf, so meldet uns Deutschlands Geschichte, 
wurde die Mosel mit einer Kette gesperrt. Unweit von Trar- 
bach , einst dein Hauptorte der hinteren Grafschaft Sporheim, am 
Fuflse der Staricenburg , die nun in Trflmmern liegt, unternahm 
es Lauretta von Sponhelm, geborne Gräfinn von Salm , den Bru- 
der eines deutschen Kaisers, den Ohm eines Königs der Böhmen, 
den mächtigen Balduin, Erzbischof von Trier, gefangen zu neh- 
men. Er war, einem Waffenstillstände vertrauend, mit wenigen 
Begleitern in einem Nachen die Mosel hinab gegen Koblenz ge- 
fahren. Am Fnsse der Starkenburg hatte die Gräfin mit einer 
dicken Eisenkette , die von einem TJfer zum andern reichte , die 
Mosel gesperrt. Zugleich brachen, ehe des Knrffirsten Nachen die 
Kette erreichte, mehrere bewelirte Schüfe aus der Bucht hervor, 
und Balduin sah sich gefangen , und mit deu Seiiiigeu den steilen 
Fehienpfad hinauf nach Schloss Starkenburg geführt ^^}, 



tT*) Bie Cesckwindlgkelt betrigt in einer Sekunde bei niedrigem Wasser 
3' 4", bei mittlerer Höhe 4' 6'S beim Anwachsen des Stromes «her 
7 bis It Pubs. Die Tiefe des Wassers ist tO bis S4 Fuss. 

t80) Die That war frevelhaft, zumal da sie den Waffenstillstand brach, 
und der Papst säumte nicht, die Gr&finn zu exeommuniciren, well 
sie an einen Gesalbten des Herrn Hand gelegt. Aber er absolvlrte 
%ie such wieder, und zwar auf die eigene Verwendung Baldulns, 
dessen WehlwoUen sie , wahrend er in ihrer Buig geikngen lag ^ 
au erwerben gewusst. — Sein Lösegeld verwendete sie zum Baue 
der Gr&fenburg, deren Ruinen bis heute das Andenken der kühnen 
Grunderinn bewahren. (Simrock, malerisch, Rheinland, p. 400.3 



DBR GROSSE ARTILLKIUB-HOF. 41# 

Avf fthnlicbe Weise wnrde die Mol 4a« geepeirt. Ale 
Ziska der Siu&ugige mit aeiiiett gefOrcbtetea Scharen BA* 
meu iu Schrecken setzte^ und wiederholt die bedeatend fiberlege-* 
neu Heere Siegmund's iu die Flucht schlug, finden wir bei einem 
im Jahre 1480, kurz nach der berfichtigteu Niederlage am Ziska- 
Ber^e , vorgefallenen Kampfe , dass die Prager die Moldan durch 
Ketten nud Balken sperrten *®^}. 

Auch Ungarns Geschichte liefert Beispiele der Ah- 
sperrang des mficbtigen Isterflosses mit Ketten, Wir wel» 
len zuvörderst derjenigen gedenken, welche die Tti^ 
ken im Jahre 1543 hei Ofen vornahmen, und der 
wahrscheinlich die noch jetzt gangbare Sage: „unsere 
Riesenkette rfihre von den Türken her,^^ ihren Ursprang 
dankt. — Zwei Decennien nach diesem Ereignisse be- 
schrieb es ein Zeitgenosse, wie folgt: 

3inn0 43 ftc. ^ahtn hie €urtken 9tftn Dti^ fftfi htnge- 
^abt, in \ft ora Um Wmxfä)tn Und) jRrtegßtidUi naif 
lindern it^oitn, mi vox }ßtfi (eUjen; (laben ftd) Vit 
Ö^nrken it^ wxtktxU gebratt^yt^ tinh m ^ttUn mu 
CDfen U^ gen ^tfi über Vit IHraaum f^tmaift, yx fir- 
Kommen^ 'büB titentatth Vit IHmtattm iyinob m34lt komiiini^ 
Uli) wM gefagt vmt nUen^ "bM ein je^er Hing olbtt 
^lie> an herfelbtgen jßetten^ b^^b fTmf pfnnh itmo^tn, 
in fein) ^nrd) )te ^ttUn ivofft flUd) Sema4)t gemefen; 
ein jegiid) (Ring ?D bat fein eigeli |llii4 gel^abt^ alfn ho^ 
>ie gan^ iletten im Waf[tv pmbber gefii^miimmen^ anif 
batnit anff Um iTan^ imherpn^t geoefen (etwa eine Art 

schwimmenden spanischen Rekers ?), fcldttv HdrtffeU ilft- 

>en noif b^t^S^ tag^ ml bei| >en €nrdien gebrani^t ^*). 

Diese Kette ruhte also auf vielen schwimmenden 
Blöcken (Stücken unbehauener Baamstftmme) Aber dem 



991") HMirai. VON Brandt, OeschichU des Kriegswesens. I. Bde. f. Ahthli^. 

BerUn, 1830. p. 477. 
t8t) Fbonspbrgbb, von KaiserUchem KriegsreehUn eic. mU viel Molzsc^. 

fol. Frankf, a. M. 1506. fol. 193 b. Om VII. Buch »von Besatzung 

vn gebäuw der teekrliehen Befestungen elc) 



4i« DSR GROSSE ARTILLKRIK^HÖF. 

Wftsser; ein Beleg ihrer geringen Schwere, die aneh »ns 
dem Gkiwichte eines Gliedes mil: 6 Pftand erhellet — folg- 
lich scheint sie mit der noch vorhandenen nicht identisch. 

Eine andere Absperruug der Douaa mit Ketten geschah in 
Uugaru im X 1595 bei der Festung Gran. Schon hatten die Tür- 
ken durch zweiundfflnfzig Jahre diese wichtige Festung besessen, 
welche durch Verrätherei in ihre Hände gespielt worden, als Erz- 
herzog Matthias von Österreich im Jahre 1594 beschloss, sie wie- 
der zu gewinnen; leider in diesem Jahre ohne Erfolg. Erst im 
folgenden Jahre 1505, als Ffirst Karl von Mannsfeld mit dem gan- 
zen Heere heranrückte ^ gelang es nach einer hartnäckigen acht- 
wöchentlichen Belagerung, diesen wichtigen Platz wieder zu er- 
obern, obwohl die Christen beinahe nur auf einem Steinhaufen 
ihr Siegespanier aufpflanzten, so sehr hatte Feindes- und Freun- 
desgeschütz darin gewüthet. Ein umständliches Tagebuch dieser 
blutigen Vorfälle finden Wissbegierige bei Krekwitz *^); uns 
genüge, die unserem Zwecke dienenden Umstände herauszulie- 
ben. — Am 81. Junius 1595 war das christliche Heer vor Grau 
angelangt, und hatte die nöthigen Schanzen und Laufgräben mit 
solcher Eile hergestellt, dass am 25. die ernstliche Beschiessung 
der Festung beginnen konnte. Die nächstfolgenden Tage wurde 
den Belagerten mit grossem Geschütz und Feuereinwerfen hart 
zugesetzt, als am 7. Julius die Türken von Ofen aus einen wie- 
derholten Versuch wagten, mittelst zwei Schiffen die Donau auf- 
wärts zu fahren, um Grau zu. entsetzen, oder doch Muudvorrath 
hineinzubringen. Zwar misslang auch dieses Wagniss, allein um 
ähnliche Versuche zu vereiteln , wurde von den Belagerern ein 
neues Verfahren gewählt :** man warf jenseits und diesseits der 
Donau zwei Schanzen einander gegenüber auf, und besetzte sie 
wohl mit grobem Geschütz, so dass man bequem den Strom be- 
streichen konnte ; dessgleichen v e r f ejr tigte man Ketten, 
welche unter der Donau verborgen hingen, und so- 
bald einige Galeen es gewagt, durch die Schanzen zu dringen, 
wurden stracks diese Ketten emporgezogen, so dass 
nun die Schiffe weder hinter sich, noch vor sich konnten, wor- 
uach es ein Leichtes war, sich ihrer zu bemächtigen. — C^e- 
schichtlich ist dieser Vorfall ; allein dass die Kette des kaiserli- 



t83) KnzKwiTz, Totius regtU Hung. descript. 8. mit viel. Kupf. Frankf» 
16SÖ. p. $99— 94t, 



DER 6R0SSB ARTILLERIE-HOV. 4tl 

eben Zeughauses mit den Granerketten identisch sei, bleibt eben- 
falls unwahrscheinlich. — 

Zar Zeit des Bauernkrieges in Ober-Österreich im J. 16S6 
war abermals die Donau bei Eugelhartszell mittelst Kelten, wel- 
che fiber den Strom, neben einem grossen (überzogenen) Seile ge- 
spannt worden waren, von den Bauern gesperrt worden, allein 
zu geringMi Frommen der Empörer; denii sechs baiilsche Schiffe, 
unten gut mit Eisen beschlagen^ damit sie durch die Ketten nicht 
Schaden litten, und gerfistet mit 400 Musketiren , 17 St&ck Ge- 
schützen, nebst allerlei Mundvorrath und Schiessbedarf, sprengten 
die Ketten; der Rest wurde abgehauen und die Schiffe gelangten 
glücklich nach Linz. Doch Wolf Madlseder, gewesener Stadt- 
richter zu Steyer, der die Ketten zu machen angegeben, >danebeM 
dem dänischen Gesandteu ScuUeto aiisgeholfeu,c wurde enthaup- 
tet, und der Kopf nach Steyer gebracht, »allda er auf den Thurm 
Cauf einen Spiess) gesteckt worden *^^}.c 

Im Jahre 1706 wurde eine Absperrung der Donau mittelst 
grosser Kette neuerdbigs in Ungarn unter Fdldvdr (südlich von 
Ofen) durch Rdkoczi's aufHthrerische Schaaren versucht. Die 
Bestätigung dieser Nachricht findet sich in J. El. Millbr*s Be- 
schreibung Ofens *^<^. Unter der Überschrift: »Wie sieht Ofen 
heutzutage ausc (d. i. im J. 1760), erzählt der Verfasser, dass 
sich in der künigl. Burg zu Ofen sowohl die königliche Residenz, 
als auch das königliche Zeughaus befindet, »und dem letzten ge^ 
»genflber ist das Haus des königlichen Baudirectors gelegen, 
Hdomus regia pro aediU regio)^ an dessen Festungs- oder Riug- 
»mauer jene grosse Kette in doppelter Reihe von 
»Ringen Cgrandis caiena duppUci serie annulorum appensa') 
»aufgehängt ist, womit Räkoczi's Anhänger unter 
»Földvär die Donau zu sperren Willens gewesen, 
»die ihnen aber entrissen, und im Jahre 1706 im Trlomf nach 
»Ofen gebracht worden war.« — Die Existenz dieser Ofuerkette 
ist demnach ausser Zweifel; auch wird sie gewiss an dem be- 
zeichneten Orte gehangen haben , wenigstens wollen Jetztlefoende 
alte Leute selbe noch bis zum Baue der erzherzoglichen Slallnn- 
gen (1708) an der alten Mauer, neben der einst der Czonkathurm 



t84) Kürz, Beiträge zur Besch. d, Land, österr, o, d, Enne, I. Bd. S8d, 

t97, 447. 
Mft) Jon. E. Fbrd. Miller , Efntome vieUsOudimtm et rerum mcsioraM- 

Hum de üb, reg. ae metrop, urbe Budensi etc. cum tob. aeneie, 4. 

Btr<fae, 1760. p. St. 

II. 14 



4S» DBR GROSSE ARTILLBRIK-HOF. 

gestanden, jg^esehen haben ^ unr war es nicht unsere Wie- 
nerkette. Dass aber die Sage — ein Theil der Kette sei za 
Wien und ein Theil zu Ofen — sich verbreitete, wird ganz 
einfach durch den Umstand erkiftriich, dass Fremde, Reisende, die 
zu gleicher Zeit zu Wien und zu Ofen eine Flnss-Sperriiette ge- 
wahrten, sowohl geschichtiiche Angaben, hierfiber, als die Ge- 
wicht- und Längenverhältnisse beider Ketten nicht gehörig vou 
einander schieden. (M. vergl. das Geschichtliche Nr. 704.) 

Als Beispiel regelmftssigeu Gebrauches einer ähnlichen 
Kette in unserem Jahrhunderte mag die Sperrung der Etsch bei 
Verona dienen. Dort wurde noch, vor zwanzig Jahren jede Nacht 
eine starke Kette Ober den»FJuss gespannt, um den Schw&rzern 
die nächtliche Durchfuhr zu vereiteln; bei Tage dagegen Hess 
man die Kette nach , um die Schiffe ft*ei ziehen zu lassen. Au 
der Stadimauer stand zu diesem Zwecke ein Thurm mit einem 
ungeheuren Windeurade. 

Diese verschiedenen Flass-Spermn^en mittelst Ketten 
wurden hier vorzagsweise desshalb angesehen , um zu 
zeigen, dass deren Gebrauch za verschiedenen Zeiten und 
an verschiedenen Orten herrschte, nnd dass daher die 
Verfertigung mehrerer Ketten angenommen wer- 
den müsse, um die ziemlich verwirrte Ubication der riesen- 
misBigen Türken-Ungar-Wiener-Kette festzustellen, aliein 
sie lassen uns üher den Ursprung der hier hesprochenen 
Riesenkette in Zweifel. Die einzige urkundliche Nach- 
richt, welche hierüber zu erhalten mir glückte •*•), bie- 
tet uns auffallend genug einen bisher nicht vermutheten 



t863 Ich verdanke selbe dem um Wiens mittelalterliche GescMchte hoch- 
verdienten Alterthumsforscher J. SrnLAGKR, welcher mir edelmü- 
thig diese wichtige Aufklärung, die er im Wiener Stadt -Archive 
aufgefunden, aus dem Mscpt. des V. Bandes s. Wiener-Skizzen mit- 
tbeilte: «Ich zweifle nicht ,* so schliesst dieser geachtete Schrift- 
steller sein Schreiben an mich — «dass dies dieselben Ketten sind, 
«die sich im kaiserl. Zeughause befinden , sonst würden sie Cd. i. 
«die Corvinischen) im bürgerlichen Zeughause vorhanden sein; der 
«Stadtrath lieferte sie ohne Zweifel Max I. aas. In den folgenden 
sCschr lückenhaften3 Stadtrechnungen des XVI. Jahrh. findet sich 
«keine weitere Kettenausgrabung mehr.* — Dass die hier ge&usserte 
Ansicht, nugleieh Jene des Verfassers sich als die glaubwürdigste 
herausstellt, da sie mindestens sich anf urkundliche Anhaltspunkte 



DER GROSSE ARTILLERIE-HOF. 4S3 

Fingerzeig, und scheint dftrzathun, dass wir sie nicht von 
den Türken 9 sondern von den Ungarn erhalten haben. -<- 
Eine Originalanfschreibung in der Wiener Stadt rechnung 
vom J. 1501 lautet folgendermassen t 

1501. Siwf^tbtn attf 3iHtxlai) 3eatn|t0e ttaj- 

merd). 3mt1) ta j Cd. l. ^swei Tage hindurch) iletUtl Wn 
ber ^ttnam btt) ber Hettbrttk (hegend der jetzigen Aagar- 

tenbrücke) fo ttietlent Jlttm0 MVLat^XM al0 tx bte jtat be- 
It^tttf vbtx bte ^ttnatu iafdb^ io^tn Qtl)abt Ifdt, 0e- 
mttnttni; r)tUn €aj 6 $a0nier4)er 18 itmv 

factt 1 CK 84 Un. 
iTtta0 natli mnftvtv Ixarntttta^ €onctptxom$ (14 De- 

zemb. 1501, und wahrscheinlich bei sehr niederem 

Wasserstande) an4l ^ttUvL 0efnd)t t^ttb 0ettnben (ge- 
flanden) 8 ^OfiWtxiftxn 4 ^d)tUm0 S4 beitar. 

Und 80 scheint es, dass diese ungeheure Kette, welche die 
Schaulustigen noch jetzt im kaiserl. Zeughause anstaunen, 
von dem berühmten Ungarkönige Matthias Corvinus im J. 
1484 wirklich angewendet worden, um bei Wien die Do- 
nau, ungefähr in der Gegend der heutigen Augartenbrüc- 
ke, abzusperren , und somit den Wienern jede Zufuhr an 
Lebensmitteln abzuschneiden. — Den letzten geschichtlich 
erwiesenen Gebrauch derselben machte ein ihm verwand- 
ter Geist — NAPOLEON I — 



stütaet, bedarf keiner Er&rtemiig. — Alle aodern, vieificli abwei- 
ebenden Srs&blungen entbebren aller Naebwelsungen und gründen 
sieb nur aufs Hörensagen. So bebauptet man, die Kette sei nacb 
der Eroberung Belgrads durcb den Prinzen Eugen in defisen Gewalt 
gefaUen, und im J. 1717 babe er sie nacb Wien gesendet. Abermals 
eine andere Meinung Äussert Gbusau C^ageb. der Mstor. Begebenh, 
wäkr, d, firanz, Invas, 1809. p. 179^. Nacb ibm wurde diese Kette 
am 8. JAoner 1687 von Pestb nach Wien gebracbt. AUein da seine 
übrigen Angaben über diese Kette unricbtig sind, so ist aucb seiner 
ersten über did Zeit ibrer Herbringung wenig Glauben beizumessen. 
Über die Verwirrung, die derlei obeiH&ebiicbe Auskünfte veranlas- 
sen, nur ein Beispiel: Gkusaü 0* c.3 sprlcbt aucb von einer 
kleineren Turkenkette, die nocb su seiner Zeit (d. i. 18103 

14* 



4S4 DER GROSSE ARTILLBRIB-HOF. 

Als derselbe nach der merkwttrdifeii Bebiftcht bei 
Aspam (91. und 99. Mai 1809) sein Hauptquartier zn 
Ebersdorf genommen, und um seiner Armee den Übergaaif 
aufs rechte Donaunfer möglich zu machen , wiederholt 
Brücken Ober die grosse Donau geschlagen hatte, welche 
beide Male wieder zerstört worden waren : so gerieth er 
auf die Idee, eine Pfahlbröcke zu bauen, und mittelst 
dieser Kette das Pfahlwerk zu verbinden, da- 
mit es den SchilTmühlen und schwer beladenen Fracht- 
schiiTen trotzen könne, welche S. k. H. Erzherzog Karl 
herabschwimmen Hess, um die feindlichen Schiffbrücken 
zu zerreissen. Wer diese ungeheuren Arbeiten sah, staun- 
te über die Schnelligkeit ihrer Ausführung. Über den brei- 
ten Strom (von ungef&hr 400 Klaflern) wurde eine feste 
Ffahlbrücke gebaut. Sieben grosse Rammen arbeiteten Tag 
und Nacht fortdauernd, und eine Brücke von sechzig Joch, 
über welche drei Wagen in der Breite fahren konnten, 
nebst einer kleineren (8' breiten) weiter oberhalb für In- 
Ainterle errichteten , wie auch die weiter abw&rts schon 
fi*üher errichtete Schiffbrücke waren binnen 14 Tagen ge- 
l>rauchsf&hig hergestellt, so dass der Feind in drei Kolon- 
nen über die Donau gehen konnte. — Wenn auch Caesars 
Brücke über den Rhein in acht Tagen geschlagen worden 
ist, so hat sie doch nicht die St&rke besessen, beladene 



zu Gumpendorf, einer Vorstadt Wiens , in der ehemaligen »Domlni- 
kanennülile* za aehen gewesen, und Jedermann scaileaat hiervon 
auf eine Fluaa-Sperrkette^ Allein schon aas FumMAMf C*»- 
ior. Beseht, v. Wi&u, 1706, I. p. 344 — 845}, hfttte er entnehmen 
kftmien, dasa dort nur türkische Sklavenketten gewesen sind, mit 
angehangenen Ringen, um daran Christen -Sklaven su kuppeln. 
Noch gegenw&rtig ist eine solche in gedachter Mühle vorbanden 
Cwo sie der Verfasser vor Kurzem selber gesehen hat), und gleicht 
so ziemlich den im kaiseri. Zeughause aufbehaltenen Turkenketten 
CS. 313, Nr. 653 und S. 45, Nr. 54). An ihr hangen noch sieben 
BChiebbare Halsringe, und ihre Ltage hetrftgt beilauflg 14'. -^ Wir 
möchten ebenso dafürhalten, dass Prinz Bugen nach seinem grossen 
Siege über die Türken bei Peterwardein, wohl türkische Skia- 
venketteii nach Wien gebracht — doch keine Flusskette. 



DBR GROSSB ARTILLERIB-HOF. 4SJ» 

Wafea zu tragen. Sie war anch nicht in &hnliclier Weise 
gegen absichtliche Besch&dignng geschützt. Dagegen wa- 
ren die genannten drei Brücken mittelst C^wischen den 
Inseln eingerammten) Palissaden, von weichen die entfern- 
testen 1600 Fnss von den Brücken abstanden, gegen alle 
Zerstörungsversuche , selbst gegen Brander verwahrt und 
durch Brückenköpfe vertheidigt, deren jeder 1600 Toisen 
im Umfange hatte, und aus palissadlrten, mit Wassergräben 
umfangenen Redouten bestand. Die Insel Lobau selbst war 
in eine uneinnehmbare Festung verwandelt worden. Un- 
geheure Vorr&the waren hier aufgehäuft, und rings starr- 
te sie von einem ehernen Gürtel von Feuerschlünden. Man 
hätte diese, weder im Alterthume noch in der Neuzeit je- 
mals erreichten, noch weniger übertroffenen Meister- 
stücke der Feldbrücken-Baukunst für ein Werk 
etlicher Jahre halten müssen , hätte man nicht gewusst, 
dass sie in 16 — W Tagen vollendet worden ! -— 

Wir kehren zu den merkwürdigsten Geschützen zu- 
rück, durch hellen Glanz das Aug' erft'cuend, da sich in 
diesem Hofraume beinahe ausschliessend Geschütze aus 
Stückgut befinden, dagegen die eisernen Robre (gröss- 
tentheils Belagerungs- und Schiffsgeschütze) in einem 
anderen, dem tiefer liegenden Arsenal -Hofe (nächst der 
k. k. Stadtkaserne auf dem Salzgries) aufbehalten werden. 
Xeben der Einfahrt an der Hofseite stehen : 

730—731. 3ioet ^xan}ififä)t lOjaUtsr jUambmmürfet 

MB SStÜfk^Utf auf ihren starken Schleifen, deren 
Seiteuwäiide ebenfalls aus Stückgut gegossen sind; eine dauer- 
hafte, doch kostspielige und schwerfällige Einrichtung. Jener am 
linken Thorpfetler wiegt 1660 S, und sein Nachbar 1640 E. Die 
Aufschrift auf dem BodeustÜcke des Bineu lautet : 

A STRASBOURG LK 30 MATI 1789. 

PAR MM. POITEVIN BARONS DU ST. EMPIRE 

DIRECTEURS 6BNERAUX DES FONTES DE L'ART^Ü- 

Die Aufschrift des Zweiten ist dieser his auf den Datum gleich, 
hier mit »LK 18 JUILLST 1780 augesetzt. 



4S< DER 6R0SSB ARTILLBRIB^HOF. 

Zu beiden Seiten des kleinen Eing^ani^s, welcher zu 
den Waffena&len des ersten Stockwerkes führt , sind zwei 
grosse Belftgeruni^s- Geschütze »iif ihren Lftffeten aufge- 
stellt y die einzigen dieses Hofes , welche in gebraachsf&* 
higem Zustande (doch ohne Protzen und Ladzeug) diese 
Rftume zieren. 

732. €tn 3ßerrei4)tfid)^t llientnl»3Qian}i j - ^fSn^et anf 

fitiiur iTaffete. (Nr. 919.) Diese schöne Batteriekano- 
ue wiegt 5605 Pfkiiid^ aiid enthält am Bodeustficke die Aufschrift: 

GOSS . MICH . LEOPOLD . HALIL . K . S . 6 . IN . WIEN . 1786. 

Ciiach der gewQhullcheii Formel : »Mit Gott goss mich« u. b. w., 
welche beiden Aufangsworte jedoch auf dem Rohre nicht za ent- 
decken waren). Der Kopf des Rohres bildet ein Säulenkapital jo- 
uischer Ordnung; darunter ist unter Grafeukrone das Wapen des 
F. M. Grafen von Dann zu schauen , mit dem goldenen Vliess- 
Orden umgeben^ darunter in einem mit Helm geschmückten Schil- 
de die Schrift: 

WIR, ICH, DES HEILIGEN RÖMISCHEN REICHES GRAF 
UND HERR VON UND ZU DAUN, FÜRST ZU DIANO, RITTER 
DES GOLDENEN VELUS, DER RÖMISCH. KAIS. MAJESTÄT 
WIRKLICHER GEH. RATH, F. M. OBERSTER LAND- UND 
HAUSZEUGMEISTER, OBERSTER, OBER (sie) UND EIN 
REGIMENT ZU FUSS, STADT -GARDE OBERSTER UND 
COMMANDANT ZU WIEN (vergl. die Aufschrift Nr. 741). 

Auf dem Bodenstücke erblickt man das grosse römische, kai- 
serliche Wapen, darunter ist auf flatterndem Baude zu lesen: 
C.R*](*S*A* CCarolus Romamis Imperator Semper Augus- 
tu8). Die Delfiue bilden Donnerkeile, woraus Blitze schiessen, die 
ZQudlochmuschel zeigt einen Kopf mit strappichtem Haar und 
Bart, und die Traube einen Adlerkopf mit fleissig gravirtem Ge- 
fieder. Hart neben diesem schönen Geschütze : 

733« €m Snbtiitt Aöitnnidmyii-^fnnUx auf feinet 

fapU. (Nr. 991.) Mao kann dieses mit Hocbbildern 
überdeckte, eilf Wiener Fuss lange Batteriestück wahrlich ein 
Prachtslück nennen, das genaue Beschreibung verdient. Es wurde 
den Franzosen im J. 1814 zu Paris abgenommen , und so musste 
dieses in mancherlei Beziehung merkwürdige Geschütz, von der 
vornehmsten aller Hauseestftdte herrührend, mludesleus Cüber Pa- 



DBR GROSSE ARTILLBAIB-ROF. 4S7 

ris nach Wieii) eiueu Weg von mehr als 300 Meilen macheu, um 
an seinen jetzigen Standpunkt zu gelangen. Es wiegt 7990 Pfund. 
Um den Rand des Stossbodens stelieh die Worte : 

ALBERT . BBNNIN6H . ME . FECIT . LUBECAE . 1009. 

Der Kopf des Rohres bildet ein korinthisches Säulenkap ifal. Zu 
Anfange des Langefeldes: Merkur auf seinem aus Fässern, 
Kisten und Ballen errichteten Throne, in seiner R. ein segelndes 
KanfTahrteischifr, in der L. den Caduceus und ein Füllhorn , um 
ihn her huldigende Halbgötter, deren einer ihm kniend einen Ko- 
rallenzweig reicht ; ^ringsum Bücher und mathematische Instru- 
mente. Zur R. ein mit Geldstfickeu gefülltes Fass ; zur L. Nep- 
tun in seinem Meereswagen, mit der R. seine Rosse zfigelnd; in 
der L. den Dreizack, im Gefolge schwimmender Halbgötter. Zur 
R. Mars im Trinmfwagen , von bäumenden Rossen gezogen , mit 
Schild und Schwert. Gegen das Mittelstfick zu erblickt man, theils 
erhoben, theils gravirt, zahlreiche wohlgeordnete Tropäen mit 
den Wapen der damaligen Artillerie- und Giesserei-Directoreu 
(deren eines sieben Sterne , das zweite eiueu Doppeladler ent- 
hält), unter dem bebuschteu Helme. Die Umschrift lautet : 

lOHANN. BLEMANN. GEORG HASSELAER» 
REI ARMAMENTARIAE PRAEFBCTL 

Die Wapen ruhen auf einem Kugelhaufen mit zwei gekreuzten Ka- 
nonenrohren, dazwischen ein Meduseukopf. Zur L. eine Victoria 
mit Palmzweig und Siegeskrauz. Zur R* eine ähnliche weibliche 
Figur mit FflUhoru und öhlzweig. Ober dem Ganzen fliegende 
Genien mit Blumengewinden. Hierauf umschliessen das Rohr ein 
Laub -Band und eine zierliche Verstäbuug, und darunter ist ein 
Seetreffen au^ hohem Meere dargestellt, wobei mau die Admiral- 
schiiTe mit dem Landeswapeu bezeichnet findet, deren eines zwei 
gekreuzte Schwerter, das andere die Lilie, das dritte das Lübec- 
ker Wapen, und das vierte den Mond enthält. — Neben den Del- 
finen in naturgetreuer Nachbildung, erblickt man das Lübecker 
Wapen , mit Tropäen umgeben , woran Sklaven gekettet sind. — 
Auf dem Bodenstücke: das grosse gekrönte Wapen der 
freien Hanseestadt Lübeck, mit dem gegen R. (heral- 
disch gemeint) aufgri mm enden Löwen im Schilde, dessen 
Mantel fliegende Genien halten, und der Umschrift: VIGILATE 
DEO CONFIDENTES. Die beiden Wapenhalter sind: zur R. Her- 
kules, zur L. ein Geharnischter, den Speer mit einem darauf ge- 
steckten Freiheitshute fassend, um das Ganze ein weitgedehuter 
Lorberkrauz. Weiter abwärts ein Ruudstab mit Tropäen und Lü- 



4S8 DBR GBOSSfi ARTILLKBlB-HOi*« 

beck« Stadtwapen. Zu beiden Seiten der viereckigen Z&idloch* 
nuschel sindy nm sie sn sclilieMeu^ zwei Zapfen angebraclit. An 
Stossboden-Raud eine laabfSrmige Sinfaseung, otierhaib Lfibecks 
Wapen, von Genien gehalten, ringsumher Sinnbilder des Krieges 
und des Handels. Unterhalb thront Belloua, von Fahnen und 
Flaggen umgeben, in der L. eine Lanze, woran Lorberkrauz und 
Freiheitshnt prangen , in der R. au einer Kette zwei demüthig 
kauernde Sklaven haltend. Die Traube bildet ein bebuschter Helm 
mit geschlossenem Helmsturze. 

Wir verfolgen nan den Weg l&n^s der Wand, und 
treten mehr gegen daa finde dieser Abtheilnng. 

734. €m taxkxfi^tt ^mtmniimaniXi''pfanUt. (Nr. M8.3 

Diese tOrklsche Batterie-Kanone, im Gewichte von 4300 R, 
obwohl nur von 18 Spannen Lftnge, ist, wie ihre Aufschrift an- 
zeigt^ im Jahre der Hedschira 1816 gegossen. Auf ihrem Lauge- 
feld erblickt mau einen Stern , der in der Krümmung eines Vier- 
telmondes schwebt. Auf dem Bodenstficke ist der verschlungene 
Namenszug des Sultans SELIM 111., eiues Sohnes Mustafa's au- 
gebracht. Das Gewicht der hierzu gehörigen Kugel beträgt 9 Okka 
Cl Okka etwas fiber tj S}. Das Rohr besitzt keine Delfine. 

735 — 786. 3ttn turkifdje ^maxtiXfi'JßfnnUt. (Nr. «06- 

907}« Diese im Jahre der Hedschire 1S17 gegossenen Roh- 
re fBhren auf dem Langefeld den Nameuszug Sultan Selim's HI. 
und schiessen eine Kugel von sieben Okka. 

737. €in tufifd^tx J^mHfpfnnUt. (Nr. 134) ; 818 & 

schwer. AmBodenstfick findet sich buchst&blich getreu folgen- 
de Umschrift : 3ABA44EHIfl TEOPrHfl nETPOBHHA I: 
rO: BEPXOBHATO BOHC^ CEPBCKA HAPO^A. i812 
rO^ CtHTB BEarPA^y. CBrobemug von Georg Petro- 
witsch f., obersten Heerflihrer des Serbischen Volkes. Im Jahre 
181S gegossen in Belgrad.) Neben diesem Rohre ruhet: 

738. <Ctn ntfptf4)er 3el^npfun)er (Nr. 133); im Gewichte 
760 Ej welcher im Jahre 1813 zu Belgrad gegossen wor- 
den ist. Die Umschrift 9 die sicjh mit schwachen ZQgen um den 
hintern Visirreif eingestemmt findet, lautet: 3A BAA^^- 
Hlfl TEOPrifl HETPOBIHA: I. PO. BEPXOBHAro 
BOm^AIK. CEPBCKA HAPO^A 1813 PO PO^A CaiT'b 
y BEOPPA^y« (sie! — Die Deutung ist der vorhergehenden 
gleich^ nur dass hier 18U zu lesen.) 



DER GROSSE ARTILLBRIE-HOF. 4St 

An dem der Aufi^angspforte en den WaffensAlen ea- 
nächst gelegenen grossen Thore, dessen Schlnsstein das 
erzh. dsterr. Wapen and die eingemeisselte Jahrszahl 1569 
trägt, sind zwei alte venezianisehe Mörser aafgestellt: 

739—740. 3oiet ISjStttge alte 9ene)tatitf4ie Hamketi- 

mirfer auf tiirm ^ll^letfm. Den r^cher Verzierten 
und Altereu aclmiftckt s^ner ganzen Länge nach aufgegOAseues 
Laubwerk, am Mundstücke der Markasldwe, am Mittelstücke die 
Schrift: tll90 FRANCESCO MAZZAROLI F. — Der zweite 
Mörser CNr. 276) ist durch flammende fliegende Bomben geziert , 
zwei grosse Schlangen umkreisen das Zündloch , am Mundstücke 
ist abermals der geflügelte Löwe von San Marco zu schauen, dar- 
unter ein zwischen Eidechsen flatternder Zettel mit den Worten : 
IL MAZZAROLI F. — Ober dem Zflndloche findet sich (wohl 
von späterer Hand) schülerhaft die J. Z. 1763 eingestemmt; al- 
lein dieser schöne Mörser scheint mit dem vori^^en von gleichem 
Alter, was auch schon der Name des Giessers andeutet« 

Wir übergehen nun eine Menge aasländischer 6e-* 
schütze, welche grösstentheils Franzosen und Italie- 
ner sind, obwohl man auch Preussen, Russen^ Tür- 
ken, Spanier, Schweizer^ Engländer n. a. m. 
Nationen hier trifft, (wie denn die am Schlüsse folgenden 
Tabellen auch einzelne Stücke von Moden a, Vene- 
dig, Neapel, Piemont, Ragusa, Rom, Baiern, 
Sachsen u. 8. w. ausweisen), und nähern uns einem 
zweiten grossen, eisenbeschlagenen Thore dieser Wand. 
Indem wir nun unsem bisherigen Pfad verlassen, und mit 
ihm die zunächst der Wand liegenden Geschütze, um die 
vor ihnen ruhende Reihe näher zu betrachten; treten 
wir zum letzten Stück dieser neuen Abtheüung, womit 
wir den Rückweg beginnen. 

741. <Ctn nniCitxfd)tx ui^oegtertet UtettttibjTiiaiijij- 

JßfnnitV (Nr. 3). Diese österreichische Batterie- 
Kanone, von ausnehmend zierlicher Arbeit, wurde von ZEHBNT- 
N£H im Jahre 1724 zu Ofen gegossen. Auf dem Laugefeld ist 
das Daum'sche Wapen zu sehen; der Kopf des Rohres ist mit 



410 DKR OROSSB ARTIIiLBRIE-HOF. 

Laubwerk verziert; am Bodeii«tficke ist der Namenszng S. M. 
Kaiser Karins VI. mit dem kaiserllcheu Wapeu augebracht. Auf 
dem Laugefeld steht folgeude Aufschrift : 

WIR, ICH PHILIPP GRAF VND HERR VON UND ZV DAUN, 
RITTER DBS 60LDNEN VLIESSES S5 KAIS. MAJESTÄT 
OBHBIMBR RATH 6BNBRALFELDMARSCHALL OBERST 
LAND VND HAVSZEVGMEISTBR, OBERST INHABER EINES 
REGIMENTS ZV FUSS, STADTQVARDIA- OBERST VND 

COMMANDANT ZU VITIEN. 

An vielen Aranzösiscben oder italienischen Rohren 
von untergeordneter Schönheit wandeln wir vorüber, um 
wieder zu den beiden Belagerangs-Geschützen 
der Stiegenpforte zu gelangen, und von hier aus 
geraden Weges die gegenüber liegende Ecke des Hof- 
raumes zu erreichen, wo noch einige Seltenheiten Be- 
trachtung verdienen. 

742. Wu Im^t TAaßnfmtx-IdifdilanQt (tin IPutjelin- 

llfSn^er). Weit berühmt durch ihre ungewöholiche 
Lftiige (von sechzeheuthalb Schuh WienermassD welcher selbst die 
weltbekannte Ehreiibreitsteiner - Kauoiie weichen muss *^^. Die 



WT) DieEhrenbreitsteiner-KuioBe, auch »der Greif* (Griffon) genAnntt 
ist 14' 4'' ^'*' Pariser Mass lang. C^tbin, Beitr. I. 9S, 96). Der 
Mündungsdurchmesser dieses im Jahre 1578 gegossenen (Jeschützes 
betrftgt nach Gassbndi IC 6 bis 7 Linien, und der Durchmesser der 
Kammer 8" Pariser Mass. Dies Stücli war eine vierfache Kar- 
thaune, und schoss eine Kugel von 166 Nürnb. Pf. [Nach Meter 
hält die Kammer 50 Pf. Pulver (V ~3 , das Rohr wiegt 86,000 Pf. 
(?) die Laflfete 11,000 Pf.] Ob die längsten Geschütze auch die grdsste 
Tragweite hätten, darüber wurden zu verschiedenen Zeiten Versu- 
che angestellt. Unter die ersten gehören die von Kaiser Karl V. 
im Jahre 1581 zu Brüssel angestellten, über die beste Länge der 
Karthaunen. Er liess dazu eine 48pfündige, eine 36pfündige und 
eine S4pfündige, Jede mit fünf hintereinander liegenden Köpfen gies- 
sen, und diese allmählich abschneiden. Die 48pfündige gab mit 18, 
die 36pfündige mit SO , die 84pfündige mit %% KaUber die grOsste 
Schuss weite. Man entschied sich für 18 Kaliber. (Meyer, Geschich- 
te der FeuerwJ — CoUado liess in Neapel um 1585 einen 47 Ka- 
liber langen 48pfünder zuerst um 18, dann um 7 Kai. abschneiden, 
um Versuche über die Tragweiten zu machen. Wahrscheinlich gab 
Zufall die Veranlassung , wie auch Simienowitz (Büchsenmeisierei. 



DER GROSSE ARTILIiBRlB-H<»P. 41t 

Läi]g:e des Rohrs beträgt 14^ 1^^'; die Uuge der Traube 1^^*, 
zusammen 15' 6'' W. M. Sie enthält die Aufschrift: 

HAE Csic) NOVA RHAGYSAE FINXIT BAPTISTA TVSNDAi} 
NVBIBVS ERUMPÜNT QVALIA TELA CAVIS «»3. 

Ober den Schildzapfen ist zn lesen : A • S . M . D • V. (aiiuo aala-» 
tis 1505). Ober den Delfiuen ist ein Kranz zn sieben, in welchem 
sich das Bild eines Bischofes in ganzer stehender Figar^ mit S. B. 
bezeichnet (vermnthllch Sanct Borromäas) befindet« 

Der rieseumässigen türkischen Kanone, die beinahe drei- 
nndzwauzig Schuh Länge besessen, und noch im J. 1770 in 
diesem kais. Zeughause vorhanden gewesen, wurde bereits in der 
geschichtlichen Übersicht dieses Artillerie-Hofes S. 405 gedacht. 

743. <Ctiie Carrona^e (Hfetnrr Jl4)ttin>tiui3t0-|Pf Sn^er). 

Ein kurzes eisernes 7YZÖlIiges Schiffsgeschtttz Ceiner Hau- 
bitze ähnelnd) in der Nähe der Ragusauer-Feldschlange ruhend« 
Die Form solcher Gteschfitze entspricht ihrem Gebrauche auf 
Schufen^ und ihre Benennung stammt von den Bisenwerken zu 
Garron in Schottland, wo die Garron-Geselischaft selbe seit dem 
Jahre 1760, in welchem ihre Eisen-St&ckgiesserei zu Garron ge- 
gründet wurde, giessen Hess. Um 1779 wurden die Garrouaden 
bei der englischen Marine eingeführt, und schon um's Jahr 1789 
führten auch die russischen Schilfe Garrouaden. (Mbybb 1. c.) 

Doch wir wollen eine der grösaten Merkwürdigkei- 
ten, ein altes Wahrzeichen dieses Zeughauses, d. u jenem 
ungeheuren eisernen Wurfkessel betrachten, welchen^ ge-^ 
dankt sei seinem cyklopenhaften Verfertiger , weder die 
zernagende Zeit, noch die alles zerstörende Gewinnsucht 
anfocht, sie, die Geschütze und Kronen, Waffen und Par- 
tikeln mit gleichem Vandalismus zerstört, wenn davon 
nur gutes Metall zu gewinnen ist. 



II T. Cap. XYII.) erzählt, dass bei einer anhaltenden Kanonade von 
einem langen Rohre S/,' abgesprungen wären, der Büchsenmeister 
aber , welcher das Stück nicht entbehren konnte , fortgcfeuert und i 

gefunden habe, dasa er eine grössere Tragweite erlange. 
(88) jVett hat Johann dies Oeschoss zu Ragwa's Schütze gegosseny 
Furchtbar fßeich dem BUtz, bricht er aus hohlem OewölH. 

I. J. 1505. 



4Sf man OROs« aetillvrib-hof. 

744. Per 9r»|e eifemt Sii^itntnmixfn , Un iie Cur- 
Ken im Jaf^re 15S9 niir >er ^taM Wien 3nr6ck- 
gekffhi M^tn. Wirft 1650 Jßfnni SSUin. 

B. F. W. F. Seine ganxe Langte betragt 8 Schuh 1 Zoll, die 
Uttge des ResseU oder Flngee Z'il'^Z*''; jene der KAminer 
aber r 5'* 9"', wonack IBr die SCArke des StOMbodeiie 8'' flbrig 
blelkeo. Der Flog ist koaiech (daher die Beneuunng Bombea- 
kesMl), kat an der Mttadmig r9''6% an der Wdlbui^ aber S' 6'' 
DorckmeMer. Er Ist aua vier Zoll starken Bisenschienen zusam- 
awttgeeetst, welche an der MQndung durch einen, nftchst der Kam- 
Mer aber durch drei V dicke eiserne Reifen xnsammengehalteu 
weiden. Die SisenstArke der gegossenen Kammer ist vorne 
4'' 10''', hinten aber 6" 6'" ; — sie hat nächst des Fluges 6" 8'" 
im Durchmesser, an dem halbkngelflSrmlg abgerundeten Boden 
aber 5'% und fksst S4 Pfliud Pulver. Dies Greschfttz, das keine 
Schlldsapfen , und anstatt der Delfiue starke Haken und Ringe 
besitzt , wirft eine eintansend-sechshundert-und-fOnfEigpfOndige 
Bteluenie Kugel *^. Unter dem Zftndloche ist das Wapen des 
Brxherzogthnms Österreich gegossen, an dessen unterer 
Spitze eine Art Ordenskreuz zu sehen ist. Ob jedoch das letzte 
nicht vielmehr als Rest regelmässiger Furchen zu betrachten sei, 
nrsprllnglich dazu dienend , eine Art Pfanne oder Muschel unter 
dem Zllttdloche festzuhalten, mdgen Kunstverständige entscheiden. 

GnacncmuoBBS. Die Schicksale dieses Stftckes sind merk- 
wfirdlg. In der Stadt Steuer geschmiedet, und zum Geschenke f&r 
den Kaiser bestimmt^ wurde es von den Tfirken geraubt; erst 
nach deren Besiegung kam es wieder in österreichischen Besitz. 
Blne mfludliche Überlieferung lässt dies 11^89 geschehen. 

Ahnliche Riesengeschfitze kennet die alte und neue Zeit. 
Rbdubics beschreibt eine Bombarde von Schmiedeeisen (um's Jahr 
1487), die sich gegen die Mfiuduug erweiterte. Der Fing war 
acht Kugeldurchmesser lang, die Kammer sechzehn, CMsrna, Ge- 
Mchickte der Feuerw.; Stein, Beiträge. II. 1«.); im Jahre 144& 
wurde zu NQrnberg eine Bfichse von 519 Ztn. gegossen, (Stein, 
BeUräge, I.'89.), und der bei der Belagerung der Aiitwerpuer 



t893 Nach den genauen Messungen des kaiserl. kdnigl. österreichischen 
Artillerie-Hauptmanns Baron v. Stein ; denn das Amtliche Inventar 
nennt dieses Riesengeschutas «einen tauseudpfündigen Steiumdrser.* 



DBR OnOSSB ARtlLLBRIK-HOr. 4SI 

Citadelle im Jahre 18SS gebrauehte Lfitticher Mörser (mor* 
tier monstre) hatte eine Lätti^ von 5' S'' Wiener Mase, die Ka«-* 
mer tässte 54 Pftaud 88 Loth (Wiener Gewicht) StIIckpalver, vnd 
das Projektile war eine sogenannte 456pfQndlge Bombe *'^). 

Über die Wirkung eines Schaeaes ans einem ao vngeheti- 
ren Geschfitze mag die Erzählong eines ftanadsischen Offisiers -^ 
ihrer Sonderbarkeit willen — hier stehen : 

»Die Tfirken hatten,c so eraählt Baron von Ton ^^O »an« 
ter dem Geschfltz der SehlSsser anch ein nngeheores BleinstQck^ 
dessen marmorne Kugel 1100 Pfund wog. Dieses metallene 6e*- 
schfitz^ welches unter Amnrat's Regierung gegossen worden war, 
bestand aus zwei Stficken, die an dem Orte y wo Pulversack und 
Mundstfick sich scheiden, wie ein englisches Pistol mittelst einer 
Schraube C?) zusammengehalten wurden. Das ungeheure StOcky 
dessen Hintertheil an einer Stelnwand anlag, ruhte nur auf rund 
ausgeschnitteueu Balken, die in einem kleinen Gewftlbe, worin 
das Stück eigentlich lag, befestiget waren. Diese Kanone wurde 
mit SSO Pfund Pulver ( ! — sie — ! ) geladen. Ich beftind mich auf 
der Steinmasse hinter dem Stück, als es losgebraant wurde. Eine 
Bewegung, so stark als ein Brdbeben, ging dem Schusse veraaa. 
Jetzt aber sah ich die Kugel In ein« Butfemung von ungeflUir 



teo^ Die obigen Beftlmmungen wurden aus Baron v. Stsin I. e. II. p.M 
entnommen, de BIsykr^s Angaben, so s. B. dass der BembentricMer 
acht Schuh Durchmesser gehabt habe, Jeder Warf 500 Franken kos- 
tete, die Kammer nur 30 Pfund Pulver fasste u. s. w. , jpicht stick- 
hftUig erschienen. — 

tei) (ToTT, Fr. V., Nachrichten von Türken und Tataren, t. B. m.Kupf. 
8. Frkfrt, 1787. I. p. 304). Der französische Offizier Fr. v. T&H 
CSohn) lebte um 1770—1775 am tdrldsebett Bofe, und machte sieh 
um Verbesserung der türkischen Artillerie verdient. Unter seiner 
Leitung wurden die^ türkischen Stücke, Kugeln und Lafeten gere- 
gelt, und Versuche im Schnellfeuern mit günstigem Brfolge ange- 
stellt. CHammkr, Geschichte des Ostnanischen Reiches. II. Ausg. 
Pesthn 1836. Bd. IV. p. 618 und 65S, wo dieser gelehrte Orienta- 
list T0TT*s Werk wohl mit Grund «die berüchtigten Memolreu* 
nennt). — Blnen Auszug von Tott's Beschreibung dieses Riesenge- 
schützes hat Busen CJBrflnd. Vn. aS7) in sein wissenschafUiehes 
Werk aufgenommen; — allein ein ähnlicher ist auch In Baron 
Münchhauseh's Reiseabenteuern (Neue Orig. Ausg. m. 16 Feden. 
V. Hosemann. lt. Oötting. 1840. p. 96) zu finden. Ob Busen oder 
Bt^ami, der geistreiche Verfifisser des beliebten deutsehen Volks» 
büehlelns , durch die Auftuüune dieser Birzahlung gefehlt haben — 
dürften Sachkenner leicht entscheiden. Ich habe übrigens einen sehr 



4U DSB GOiOSSB ARVILLSRIE-HOF. 

300 ToiMO in drei Stücke zerspriugeu^ und diese Steiiiklampen 
Ikihren Aber den Kanal, prallten von dem Wasser empor au die 
j$ecenfii>er liegenden Berge, und machten die gauze Oberfläche des 
Meeres, so breit der Kanal ist, schäumen. Diese Probe fiberzeugte 
mich von der ffirchterlichen Wirkung einer so ungeheuren Kugel.« 
Das Schäumen des Meeres ist in Folge eines Gell-Schnsses 
mit solch* einer riesigen Kugel allerdings erklärlich, und dass 
die Tfirken sich Überhaupt ungeheurer Geschfitze bedienten, be- 
stätigen auch andere Augenzeugen, »üß« baUeriet de ctfto,« sagt 
JUCHKHKAU *^), »äiaient annäe* de canons monstrueux^ dont 
ikqu^ques-'uns sans aff&Uy sans turiUonsy sans boutoms de cuUuse, 
»el ne fHMwant Sire remuäSf servaient a iancer des boulets 
:^de granit de cept ä huit cent livres. La prfncipaie 
>dSfetue des remparts de ieurs viUes de guerre^ consistaä dane 
:^des ctmonSf qui placäs sur des aftUs longs et massifsy langtUewt 
»des bouiets de cetU vütgt Uores^ et näcessUaient Vemploi de pius 
»de vingt camnmiers pour ^e rewUs en batterie,< 

Höchst anziehend ist die Erzählung desselben Schriftstel- 
lers fiber die Wirkung dieser tfirkische» Riesengeschfitze , als 
•ine englische Flotte im Kanal des Hellesponts erschien Cim Jah- 
re 1807) und Konstantinopel bedrohte *^*) : 

»horsque la flotte angiaise reparut dans le canal de t*Hel~ 
iespontf pour rentrer dans l' Archipel, les nouvelles batteries 

9? itaient pas encor en ^tat de servir; mais les canons 

des baiteries bassesy dont quelgues^uns portent des bouiets de 
granit de sept ä huit cent Uvresy n' avaient pas it4 n4gligis , et 
itaient prits ä porter la destruction dans les vaisseaux ennemis* 
Les Anglais favorisis par le vent et par les courants, passdreat 
rapidement , et s'occupärent peu de räpondre au feu des Turcs. 
Mais ce passage fut pinible. Les änormes bouiets des 
batteries basses firent sur quelques vcUsseaux anglais des 
effets terribles et desastreux, Le vaisseau ä trois pontSy le 
Windsor-CastlCy regut un de ces bouiets y qui fit une large 
bräche, et coupa le grand mdt dans le premier entrepont. Un de 



aebtungswerthen österreichischen Offizier gesprochen, der mich ver- 
sicherte, ein Ähnliches Rieseogeschütz in der Turlcei nicht nur gese- 
hen XU haben, sondern selber in dessen Flug gesessen zu sein. 
t9t) A. DK JucHEREAU de SAINT -Dbnys, Revolutions de Constantinople 
e» 1807 et 1808 etc. II T. 8. Paris, 1819. Vol. I. p. 61. 

t9S) JUCUBREAU DK SAINT-DENYS, 1. G. Vol. 11. p. 90 et SS. 



DER GROSSE ARTILLERIE-HOF. 435 

ces ftrofectües frappa ieStandard^ rai^seau de Moixante-qua- 
torzBy p^netra par la pottpe , renrersa tout dans son passagey et 
ne fut arrHi dans jes bondissements gue par le mät de misaine, 
he choc de cette masse yraniUgue contre ies bandes de fer du 
mät fit nattre des mfUfers d'itiihceUes, Ceiies^i mirent feu ä 
des caisses de münitions qui se trouvaient pres du mät paur le 
Service de la batterie^ et caush'ent une eoBplosfoHf qui dätruisit 
une Partie du pont supMeur, Pr^s de so ix ante l^ommes 
furewt mis kars de cambat par ce seul bautet, Mais la piupart 
de ces inormes prafectileSf qui laissaient sur la mer une 
trace blanche par le choc violent de leurs nambreux rico~ 
chets^ furent lanc4s en vain^ parce que Ies bauches ä feu qui Ies 
vomissaienty Staut d* immenses cönes tronquäs de bronze , sans 
bouton de culasse y sans bauriet et sans tourUlanSy couchäes ä 
terrCy arrities dans leur recul^ et entiärement immobiles^ ne pou- 
vaient Stre chargSes qu' avec lenteur, Leur Anmabilitä abliyeait 
Ies canonniers d\tttendre , pour faire feu^ que Ies tiaisseaux en- 
nemisse montrassent dans la directian immSdiate de leurs pidces,^ 

745. 9a$ lltf^eitflndi ntte0 Wttinn'bftdiitQ^ßtibtti^. 

Noch ist darauf die Aufschrift xn erkeuueii ; 

OPVS BAPTISTAE AHBENSIS. 

Das Schicksal dieser Kanone verdieut Erwähnung. Sie wurde, so 
wie die unter Nr. 742 beschriebene Ragusauer Feldschi aiige, aus 
Dalmatieu hierher gesendet. Schon war sie vor ein Paar Decen- 
nien zum Umschmelzen, gleich manch' anderem werthvollen Über- 
reste älterer Zeit , dem Gusshause fibergeben und entzwei ge- 
schnitten worden , als weiland Seine Majestät Kaiser Franz I., 
zufällig dessen Werkstätten besuchend, sie erblickten. Seine 
Majestät, ein Kenner und Schätzer der durch Alter ehrwürdigen 
Reste^ befahlen, das Rohr sogleich wieder in die Stadt zu brin- 
gen; aber schon war die eine Hälfte geschmolzen, und so wurde 
nur das Bodensliick gerettet, wie es noch heute im Hofe zu sehen 
ist. Mau kann, nachdem allein das Bodenstück sieben uudfOnfzig 
Zentner wiegt , auf das einstige Gewicht des ganzen Rohfes 
schliesseu t Sowohl dessen Verzierungen, als der Name des Gies- 
sers : BAPTISTA, geben der Vermuthnng Raum, sie dürfte gleich 
der nuter Nr. 742 beschriebenen Feldschlange eine Ragusaner- 
Arbeit sein; da Arba, jene bekannte Stadt und Insel Dalma- 
zieiis, nur des Giessers GUsburtsort anzudeuten scheint. 



436 . DER 6B0SS« ABTILLBRIB-HOF. 

746* «tn 3m91f39ilt0er froiijdflfdjec lHiimbenmSrfcr. 

(Nr. MO}, merkwfirdig wegeu seiner Beschädiguu|i: dnrclt 
eine feindliche Bombe, welclie den Delflu (Henkel) abschlug, und 
auch einige Zolle abwärts eine Höhlang grab, gleicli als hätte 
man sie in weichen Lehm geworfen. Angenommen auch, dass diese 
Beschädigung durch österreichisches Geschütz bewirkt worden, 
80 kann man dieselbe , ohne die ausgezeichnete Geschicklichkeit 
österreichischer Artilleristen in Abrede stellen zu wollen ''^), 
doch nur als Werk eines glGcklichen Znfälls betrachten. Auf 
der Obern Seite des Mörsers erblickt man das französische Wa- 
pen mit drei Lilien und die Aufschrift: 

A. STRASBOURG LE 15. JUILLfiT 
t1"»S. PAR L BH D'ARTEIN. 

Der Name D'ARTEIN^ der auf so vielen französischen Kanonen, 
Mörsern, wwrtieT'äprouvettes u. s. w. dieses kaiserlichen Zeug- 
hauses erscheint , spielt in der Geschichte der französischen Ar- 
tillerie auch unter den Schriftstellern eine Rolle. (Man ver/^1. 
z. B. D^ABTRiN, Traitä Clement, pour la fabrication de bouches a 
feu d'artiUeriey etc. gr. 4. Strassb. 1811, av. 64 planches. Ein fiir 
die Geschichte der Stfickgiessereieu- Technik wichtiges Werl(). 

747. «ttt rufifdjer ^toolfpfunber («Inljorn, Nr. 136.) 

Er wiegt 680 S, ist sammt Traube 461- W. Zoll laug, und 
gehört anter jene Gattung Rohre, die man »Geschwächte« nann- 
te. Seine Traube bildet den Kopf eines Einhorns, und die Delfine 
stellen zwei galopirende Einhörner vor. Das Zfiudloch ist nicht 
am Bodenstiicke , sondern am äussersten Rande des Stossbodeiis 
augebracht , untd zu diesem Zwecke eine Muschel an die Uuter- 



t94) Die Fälle sind nicht unerhört, dass österreichische Artilleristen in 
die feindlichen Scharten zielend, in die Mündungen der feiudliciien 
Geschütze trafen , namentlich thaten sie dies wiederholt vor 
Kegensburg bei Demontining einer französichen Batterie {Kriegsge- 
mäide des Jahres 1809. 8. Wien, Moesie, 1810. Heft IV. p. 45), 
und bekannt istt Napolron*s Äusserung : „hätte er Oesterreiclis Ar- 
tillerie und dessen Hussaren, so würde er bald die ganze Welt sein 
nennen.'* — Des scliarfen Gegensatzes willen mögen auch ein Paar 
Pröbchen ungeschickter Schützen hier Platz finden. Im Jahre 
1634 wurde bei Regensburg ein Artillerist gehenkt, weil er S4 Mal 
einen Thurm gefehlt hatte , und 1637 sprangen nicht nur vor LaU" 
dreey die Bomben im Mortier — sie wurden auch so unrichtig ge- 
worfen, dass sie über die Stadt weg, in die eigenen Jenseitigen 
Truppen gingen. CMbtkr, Cteschichte der FeuerwJ 



DBR GROSSE ARTILLERIE-HOF. 437 

Seite des Stossbodeus angelesen. Leider ist das Rohr vernagelt 
und die Seele mit einem Klotz verkeilt. 

B« F. W. F. Hall>niiterriclitete Sdiriftsteller haben nicht sel- 
ten die Ansdrücke EinhOrner nnd Schawalows verwechselt, 
wesshalb es passend sein dürfte , hier den Unterschied näher su 
bezeichnen. Im J. 1744 fOhrten die Rassen neue Geschütze CBin- 
hörner) unter dem Namen »Jedinaroks« ein; und im J« 1757 
führte die rassische Armee mit sich: SO ISpfOnder, S6 8pfQnder, 
10 OpfOnder, 6 Mörser, 50 Schuw^alows, tO Haabltzen, fernere 

IS 48pfüudige j 

SO S4pftndige I Bi^hörner^ 

SO ISpfündige | 

S8 6pfündige ) 
jedes Bataillon S SpfÜndige Kanonen, jedes Dragoner - Regi- 
gimeut . . • S SpfOndige Einhörner. 

Diese Einhörner unterscheiden sich von gewöhnliclieu Haubitzen 
durch grössere Länge des Rohres CtO — 11 Kaliber) und hinten ab- 
gerundete kegelförmige Kammern, die sich vorne in den Flug 
verlaufen , and zwei Kaliber lang sind. Das Zündloch ist , wie 
bei den übrigen rassischen Geschützen^ sciilef eingebohrt. Sie die- 
nen, nm Granaten zu werfen, und haben alle Vorzüge nnd Män- 
gel, welche mit langen Haubitzen und kegelförmigen Kammern 
verbunden sind, (von der Luhe, Milü, Cfonv. Lex. 1833.) Aach 
werden sie, abweichend von den übrigen Haubitzen, nach dem 
Eisengewichte benannt. Die Russen theiiten sie in Einhörner 
vor 1, ^ nnd -J^Pad^ (1 Pud enthält 40 russische oder S^ bairi- 
sche Pfund *^) , obwohl auch kleinere Kaliber üblich waren. Im 
Jahre 1758 thaten die russischen Einhörner der preussischen Ca- 
vallerie vielen Schaden , dagegen die rassischen Generale Über 
die geringe Wirkung der Schnwalow« klagten. Es wa- 
ren aber diese Geschütze äusserlich rund , und hatten eine Seele, 
deren Durchschnitt ein Rechteck bildete, dessen zwei zur Rech- 
ten und Linken liegende Seiten >uach aussen gedrückte Gur- 
ven< bildeten, dagegen die obere und untere Seite gerade Li- 
nien waren. Die Kammer war cylindrisch und sehr lang; die 



t95) Bbm Josbf, Erfahrungen Über die Congrev'schen Brand^Raketen ete, 
in der königL polniedben ArUllerie gesammelt , und an 8. hais. Ho- 
heU den QrosstAreten ConstanÜn berickUt ete, mit Abbildungen. 4. 
HVeünar^ 18S0, in welcher Schrift man auc|i Mehreres über die 
Wurfweiten und Bedienung der Einhörner findet. 

IL 16 



438 DBB 6B0SSB ABTILIiKBIK*HOF. 

Granate besä» im Darchflchnitt die Form eines Beolitecks, des- 
sen schmale Seiten sphärisch sind. Sie waren sehr stark im 
Bisen. Die Projektile dieser rätfaselhaften Geschütze waren meist 
Kart&tschen^ dann auch eiserne Brandbomben mit mehreren Lö- 
chern 9 die viel Schaden anrichteten; endlich^ doch seltener Gra- 
naten. Man hielt ihre Binrichtnng so geheim, dass. sie Cnoch 1805) 
mit versperrten Mflndangen transportirt wurden. — fichuwa« 
low war bemüht , die Yorwürfe , die man seiner Brfiuduu^ 
maclite, zu beseitigen, und erhielt schon im J. I76O sehr günstige 
Besultate. Bin Breigniss uusers Jahrhunderts, ebenfalls mit Ein- 
hfimern , verdient noch Brwfthnung. Im J. 1819 nämlich wurden 
in Bussland Versuche mit Bisenbronze -Geschützen ge- 
macht. Bin Binhorn der Art, halb so stark im Metall als ein ge- 
wöhnliches , hielt 750 Schnss ohne Schaden , während ein ge- 
wöhnliches von einer gleichen Zahl Schüsse zerstört ward. (Hbr- 
VK, Docum. 91, nach ihm Meter 1. c. p. 233.) 

748. <Eine kleine JHatterbud^fe aw Cifett 0e00|feti; 

welche etwa acht Loth schiesst } ein anziehendes Überbleib- 
sel aus alter Zeit, die Primordien deutscher Schiesskuust in ihrer 
Blosse zeigend, die wir nun, stolz von errungener Höhe blickend, 
mitleidig belächeln. Kaum sollte man's glauben, dass derlei Bücb- 
sen nicht selten in die Brustwehr gemauert wurden, 
folglich von einer Änderung der Bichtung keine Bede war , uud 
dass der Ladende jedesmal seinen Feinden als Zielpunkt dienen 
musste , indem er bei dem lebensgefährlichen Geschäfte sich mit 
halbem Leibe über die Brustwehr vorbog. Dagegen halfen sich 
nun die deutschen Schlangenknechte wieder durch ihre dicken 
»Schirmen CBreterdächlein}, die über der Büchse aus der Schiess- 
scharte hervorragten. — 

749. €tn ^alht0 /alkmet^ ia» QtQtn 9 |ifnn> fdfU^t 

Blues der ältesten Stücke dieses HoA-aums , aus Stückgut 
gegossen , das wahrscheinlich einem geistlichen Herrn sein Da- 
sein verdankt. Bs zeigt oberhalb die Inschrift: 

HAVSMANNSTBTTBB 
PBOBST. 

worüber dessen Wapen mit der Jahreszahl tllS9 angebracht 
ist, und oberhalb: 



LBOPOLD MABBHOFBB 
GOS . MICH . 1587. 



i 



DBR GROSSE ARTILLERIB-HOF. 439 

Mau bemerkt bei diesem belehrenden Stüdce bereits die Vervoll- 
kommnung deutschen C^schützes; die Fliegte, das Absehen, die 
Schildzapfen und die Delfine. Diese kleinen Verbesserungen be-* 
währen die längst anerkannte Behauptung , dass die deutsche 
Bfichsenmeisterei des XVI* Jahrhunderts sich auf vortheilhafte 
Weise von jener der übrigen europäischen Nationen unterschied, 
und CoLLADO gab im letzten Viertel des XVI. Jahrhunderts, ob- 
wohl er die Aranzäsischen metallenen Geschütze wegen ihrer 
Scitönheit rüMnte, den deutschen Stflckgiessern vor al- 
len den Vorzug. 

Geschichtliches. Schon !m XV. Jahrh. standen die deut- 
schen Büchsenmeister in gutem Rufe, und der Visirschuss, 
Elevations-Schuss und Kernschuss wurden, wie dies ein 
Büchseumeisterei-Buch des Martin Mercx vom Jahre 1471 (Mspt. 
Smig. des Verfäss.) darthut, schon damals gekannt und geübt *^}. 



t94t> So viele kenntnissreiche Offiziere der grossen dsterreich. Armee, 
welchen sftmmtUche nachBtehemle Bemerkungen zur Genüge be* 
kannt sind , mögen dem Verfasser deren Beisetzung, Behufs besse- 
ren Verst&ndnisses für Laien, vergeben. 

1. In den Visirschuss ist eine Kanone gerichtet, wenn eine gerade 
Linie »übei^s Metall*' (d. i. über die höchsten Metallreifen) gezo- 
gen, verl&ngert in's Ziel trifft. 

%. Mit Elevation ist die Kanone gerichtet, wenn die Schussiinie 
die Horizontale übersteigt, und hierzu hinten auf die Kanone ein 
Aufsatz gesetzt wird, womaeh man über den Aufeatz und vordem 
Visirreifen visirt. Erst mit % Grad Elevation heisst eigentlich der 
Schuss: Bogen- oder Elevations-Schuss. Der Aufsatz 

. aber, für Kanonen und Haubitzen angenommen, ist ein in Zolle und 
Linien abgetbeilter und am Bodenstücke der Kanone aufgestellter 
Masstab, welcher den Grad der Elevation bestimmt. 

3. In den Kernschuss oder Horizontalschuss ist die Kanone 
gelichtet , wenn die Seelenachse mit der Visirlinie parallel läuft. 
Daher wird, um derlei Schüsse zu thun, auf den Kopf der Kanone 
ein Kern aufgesetzt, und sodann über den Visirreifen des Boden- 
stückes und über den Kern visirt. 

Bei der Richtung von % Grad Elevation wird die Kugel weiter, 
als im Visirschuss gebracht. Die Richtung von 45 Graden imii dem 
Horizonte) verschafft der Kugel die grösste Weite, die sie durch 
einerlei Ladung zu erhalten im Stande ist. 

/4. Zum Gellschusse wird das Rohr mit der Erdfläche beinahe pa- 
rallel oder horizontal gerichtet, damit die Kugel möglichst am Erd- 
boden kollere. Bei diesen Schüssen macht die Kugel nach dem ers- 
ten Aufschlag noch verschiedene Sprünge, die man Geller nennt. 
Man kann durch Geller die Kugel eines S4pfänders Cvorausgesetzt, 

16 * 



440 DER GROSSE ARTILLERIE-HOF. 

Sbeuso wurde der Gellschuss angewendet , welcher bei der 
damaligen Coustrnction dea schweren GeschfiUes, das in seiueu 
nnbebilflichen :^Laden< am Boden lag, ohnedies leicht zu erzie- 
len war« :^WiU du einen schreckenden Schuss machen< heisst es 
in derselben Schrift :^da$s er warnt er von der büchuen fert, 

vber hundert spring thui^ so rieht die buche inn gleych^ 

0ewichi€ (horizontal) n. s. w.' (Man vergl. Flav. Ysgbt. Renati, 
vier Bücher vom der RiUerscIutft^ mit Holzsch. fol. Augsb, 1599. 
R. ^. b.) Eine glaubwürdige Nachricht sagt nns, dass schon IMt 
die Spanier den Eufilirschuss (das Bestreichen , Beschiesseu 
der L&nge nach), vor Bfarlem gebrauchten , und obwohl AIetbb 
aiifKhrt, dass im Jahre 1644 die erste Anwendung des Bricole- 
Schusses vor Gravelines (von Puisegur vorgeschlagen) ge- 
schah , so sind doch uniftugbar Beweise vorhanden, (worauf der 
verdiente dsterr« Artillerie -Offizier weiland Baron Stun zuerst 
aufmerksam machte; Stein, Beiträge. I. 64), dass schon Kaiser 
Maxi, den Brlcole-Schuss kauute, uud empfahl, »wie man 
»bei Beitelstein mit einer Nothbüchse übereck schtessend, die 
»Küche treffen könne.« Diese merkwürdige Stelle findet sich iii 
GÜBLBR's Chronik **''). Dort ist eine Instruction des Kaisers fQr 
seinen obersten Feldhauptmanu Erich Herzog zu Braunschweig 
etc. in den Kriegen gegen die Venezianer und Franzosen (d. d. 



das» der Boden eben und fent ist) bis auf 4000 Schritte bringen, 
jedoch ohne Wahrscheinlichkeit des Treffens. Besonders auf Was- 
serflAchen sind Gellschüsse ftusserst vortheilhaft CFi<ammbnstbrn, 
Waftenlehre, l&fS. p. 186, Sf9, 886). Die gefAbrUohsten und ivirk- 
samsten Schüsse sind die sogenannten raslrenden, wenn nftm- 
lieh die Kugel über den Erdhoden beinahe parallel hinläuft, indem 
hierdurch ihre ganze Bahnlinie unsicher wird. 

5. Der Bricole-Schuss bezweckt, dass die Kugelbahn einen hori- 
zontalen Winkel beschreibe, oder populär gesprochen , dass die Ku- 
gel von einem harten Gegenstand , z. B. einer Stef nwand , abpralle, 
und übereck treffe. Kr wirkt unsicher und wird daher selten ange- 
wendet. (Ähnliches zeigen die Double-Stösse der Billardspieler.) 

6. Der Ricochet-Schuss wird eigentlich nor von den Belage- 
rern gegen eine Batterie der Belagerten angewendet, um dieselbe 
zu demontiren. Der Schuss muss daher mit grosser Elevatlon und 
kleiner Ladung geschehen, damit die Kugel kurze hohe Sprünge 
mache. Die Belagerten haben dagegen nur ein Mittel, nftmlich 
häufige Traversen auf den Wällen ; aber dem ungeachtet bleibt ihre 
Lage bei gut geleiteter RIcochet-Bescblessung misslich. 

997> GöBLERi Chronika der Kriegshändel des Kaisers Max J. fol. Christ 
Kgenolfs Erben ; 1566. fol. I. b. 






BEB OROSfi« ARTILI«KRIK«HOr. 441 

4. März 1508) abgedntckt, worin der Kaiser auch eraalmety die 
Teste Pekelstein im Pnstertiial sa erobern« '— Nach melurereii 
Rathschlftgeii , wie Hau den Peitelsleiii ohne Beschiessen gewin- 
nen könnte, mit T^LehnbäHken^€ Untergrabet^* JMa^89t%en u. s. w. 
da sie keine ^Streichwehr ,< sendem nur eine »MImtim Hi^M- 
wehrt hätten, befiehlt der Kaiser: mau solle xwei Schlaugen und 
eine Nothbflchse hinter Körbe stellen, nud hinanfsdiiessen« 
>item,x fährt er fort , »auf tUe recht Seiten ist am (ßXnt) Bmi^ 
»in das Thaiwert% ab (abwärts) gegen Hegden^ da mag ein noth^ 
»Imchse oder karthaun *^®) auffstehn, vnd vber den holen weg 



t98) Die sogenannten Hauptstucke, die sich im XVI. und der ersten 
Hälfte des XVH. Jahrh. zo ziemlich gleich blieben, waren : 
I. Die Scherpfmetze, scharfe Metze C^atzikana, Magadania, von Moc- 

Uca: die ein weites Maul hat), schoss iOOPftind £isen. 
n. Der Basüisk Caucta rana, d. i. Frosch}, schoss 75 Pfund Eisen. 

III. Die Dappeüsartkaune idupplieana) oder NaehÜgaU und Singerinn, 
schössen ungei&hr 60, 40 Csvch 80} Pfund JBisen. Die Nachtigall 
war um zwei Fuss länger, als die Sängerinn. 

IV. Die Karthaune (jnuartana), auch Stüeh genannt, schoss S5— S6 Pf. 
Eisen. 

Diese vier Gattungen hiess man die «e»er grossen OesclUecMe.'* 
Alle kleineren BAchsen wurden zum Feldgeschütz gerechnet. Die 
sonderbaren Namen aber, welche Kaiser Max I. seinen Cteschützen 
gab, als: der Weckauf von Österreich y der Burlebaus, das Turn- 
käutzlein und das Kätterlin CiC&thelein}, sämmtlich vor Hohenkrähen 
gebracht, um es zu belagern; oder auch: Kitzlerinny Kuniginn, Lew- 
pardt^ Murnassimij Purasserin», Humserinnj Narr, Närrinny Fin- 
ken, HirngrUieny Pulerinn, wunderlich Dirn , Rosskopf, Verwurre- 
rinn, Brummerinn , Laurpfeifn, Wyldhirtinn u. s. w. waren belie- 
bige Benennungen ohne Beziehung aufs Gewicht. Vor und nach 
Kaiser Maz I., in verschiedenen Jahrhunderten und Ländern, hatten 
ausgezeichnete Geschütze besondere Namen. Wir erwähnen nur : 

1377 die faule Orethe zu Erfurt. 

1378 bei- den Venezianem la Trevisiama mit IdOPAind, und la 
Cantatriee mit iS5 Pfund. 

1390 la Bourgeoise, König Karins VI. Hauptstück, und 

1495 la Diablesse in Flandern, eine Feldschlange, die auf 9000 (?) 
Schritte schoss. CStbin, Beiträge, H. IS.} 

1478 die zwölf Pairs in Frankreich Cdavon einer beim Probe- 
schusse sprang.} 

1585 die zwölf Aposteln Kaiser Karl's V. , zwölf dOpfunder, die 
er zu Malaga giessen liess, das Gegenstdek der sieben Cätir* 
fürsten. 

1550 den berühmten Jagdteufel mit nageheurer Schussweite, und 
dergl. mehr. 



44t DBR OBOSSB ARTILLBRIUHOF. 

»Mf/f 4ie nUen im da» SehHom scMessem. Vher eck da trifft 
wman ihr Küchen dau sie «M bleiben mögen , da igt die 
»Motcr nit Hark (uAmlich di* Kttdienwand) es gehet ein Nath^ 
:^bikchsen durch mnd darch.€ 

Der jftu^terftuidene sdMlHt daher der Ricochet-Schass 
Bu seiu, niid wir wollen eiuige der wiciitlgsten Daten betrach- 
ten ^ welche die Fortschritte dieeer Schiessart bezeichnen: 

167S g:ab Thotnas MoreUi^ ein italienischer Ingenieur, den Rico- 
cbet-Schnss an, allein 1688 mass man dem Vauban die Erfin- 
dung dessell>en zu, — 1(191 bediente man sich in Frankreich 
ZUM Ricochetiren mit gutem Erfolge 8'^ Mörser mit Blocklaffe- 
ten , die man statt Haubitzen anwendete. — 1097 geschah die 
erste vollständige Anwendung des Ricochet-Schnsses 
vor Ath; die Geschfitze der Festung waren demontirt^ ehe noch 
die Demoutir- Batterien errichtet worden. — 1718 zeigte sich 
die grosse Wiricuug des Ricochet-Schusses vor Le Quesnoy. lu 
S4 Stunden war die Festung demontirt. — 1778 betrug bei den 
Ricochet - Versuchen auf dem Bise des Steinhndermeeres jede 
Sprungweite einer Kugel Immer nahe die Hälfte der vorherge- 
henden. — 1813 ricdehetirte man vor St. Sebastian mit Grana- 
ten aus Carronaden n. s. w. 

Wir schliessen mit den vorstehenden Andeutungen fiber 
Ricochet -Scfafisse, deren Erfindung dem AngrilTe auf Festungen 
den letzten Grad der Überlegenheit fiber die Yertheidi- 
gung derselben gegeben. 

Die wenigen oben beschriebenen Gtosohütze dfirften 
wohl ffir die Mehrzahl der Beschauer die anziehendsten 
sein; for einzelne Kenner bietet Jedoch der ungeheure 
Hof, der gegen siebzehnhundert Geviert -Klafter in sich 
fasst, noch manches Merkwürdige; und so mag, auch 
ihrem Wunsche zu genftgen, eine erschöpfende tabellari- 
sche Übersicht s&mmtiicher Zierdegeschütze dieses Rau- 
mes die vorliegende Schilderung der kaiserlichen Waffen- 
sammlung beschliessen. 



TABELLARISCHE CBERSICHT 



sAmmtlichkb 



ZIERDE-eESCHÜTZE 



DES 



KAISERLICHEN ZEC6HADSES. 



444 



ZIEBDB-6ESGHÜTZ-TABBLLEN. 






Nr. lOattung 
des 



de« 

wicht« Tob welcher 
«[ Blaeht. 



Name 
des 
I e 8 8 e r 8« 



<l«S8ort« 



Jahrs« 



Stil 48pf. 



ti9 



SSpf. 
BattJKa. 



t4pf. 
BaSt.KA. 



7990 
$495 



5645 



918 



BIT 



94pr. 
BattKa. 



Tenedis. 



Frankreleh. 



5105 



Bit 



916 



il5 
914 

913 



94pf. 
Batt.KA. 



94pr. 
BaU.KA. 

94pf. 
Batt.Ka. 



4750 



Fraakreleh« 



ALBERT 
BENNIHGH. 



LAbeek« 



ANTOINE DES 

BEREAU 

COBOnSSAIRE 

DE FONTSS. 



Strasboargw 



1669 



1714 



Modeiia* 



5695 



4658 



3 



16 



t4pf. 
Batt.Ka. 



Ösierreleh« 



Frankreleh. 



HARIVEL FON- 

DEUR DE S. A. S. 

DE MODENA. 



5588 
5566 



5680 



LEOPOLD HALIL. 



JEAN BAPTISTE 
D' ARTEIN COM- 
MISSAIRE DES 
FONTES DE L* AR- 
TILLERIE. 



1730 



Wien. 



Strasbenrs« 



5735 Östorreleh« 



5895 



J. BERENGER. 



ZEHENTNER. 



1759 



Daaay« 



OfBB. 



1796 



94.Sep- 
tember 
1768. 



98. Juni 
1769. 

7. Au- 
gust 
1771. 

1. Jour 

eompl. 

ran 4. 

d. 1. rep. 

franc. 
1794 



1738 



ZIEBOB-GBSCHÜTZ-TABKLIiBN. 



445 



Name 

des 
l o li r e 8« 



Besehrelbans der Tersleransen 



auf dem Langefeld. | am Bodenatück. 



L£ PARFAIT. 



l*assur£. 



FOLCO. 



LE REGU- 
LIER. 



PUBLICOLA. 

L'IMPATI- 
ENT. 

LE MARO- 
QUIN. 



Wurde bereits oben unter 
Nr. 733 beschrieben. 



Der Kopf säulenfbrmig ver- 
ziert, weiter unten : ULTIMA 
RATIO REGUM; dann das 
Wapen des damaligen Art. 
Directors : 3 Lilien im Schil- 
de führend , unten Tropäen ; 
ober denselben d. Überschrift : 
LE DUC DU MAINE. Am 
Ende des Langefelds oben ei- 
ne laublftrmige Verzierung. 

Der Kopf säulenförmig ver- 
ziert. Weiter unten eine In- 
schrift, dann ein Wapen, und 
unter diesem eine andere In- 
schrift. Am Ende des Lange- 
felds ein laubfftrmiges Band 
um das Rohr herum. 

Vorne die Inschrift: A. CO- 
MES SABATINI; am Ende 
des Langefelds eine bandför- 
mige Verzierung. 



Wurde bereits oben unter 
Nr. 73S beschrieben. 



Das Daun'scbe Wapen. Die 
darunter stehende Devise fin- 
det man bei Nr. 741 abge- 
druckt 



Das Wapen der Stadt 
Venedig. 



Ein Bild der Sonne 
mit der Überschrift: 
NEC PLURIBUS IM- 
PAR; unter dieser das 
königliche Wapen mit 
Lorberzweigen umge- 
ben, oben die Krone. 



Ein Bild der Sonne 
mit der Überschrift: 
NEC PLURIBUS IM- 
PAR, so wie oben. 



Das herzoglieh mo- 
denesische Wapen mit 
dem goldnen Vliesse; 
daneben: FRANCIS- 
CUS in. DEI GRA- 
TIADUXMUT.ETC. 
Wahlspruch : NON 
AEMULATUR. 



Verzogener Name 
des Königs , oben die 
Krone. 



LIBERTi EOALIt£. 
darunter die Jahres- 
zahl. 



Der Namenszug Kai- 
ser KARL'S VI. mit 
dem kais. Wapen. 



Sonstige 



OhneDelfine, am 
hinteren Visirreif: 
C. A. , am Stossbo- 
den: 95. 

Die Delfine natür- 
lich vorgestellt; die 
Zündloch - Muschel 
erhoben und ver-* 
ziert, diente statt 
des Au/!9atzes zum 
Visiren. 



Die DeUne wie 
bei der Vorigen. 
Am höchsten Me- 
tallpunkt durch das 
Wapen u. die Kro- 
ne ein Einschnitt, 
um Visiren zu kön- 
nen. 

Am rechten Schild- 
zapfen tt. am Kopfe 
demontirt. 



Die Krone 

gefeilt. 



■^•— 



446 



zibrdb-gbschOtz-tabellen. 






Nr. i Gattung 


Ge- 
wicht. 


des 
GeschAtses. 


a 



Ton welcher 
Macht. 



1 
1 
1 



19 



96 



97 



t09 



908 



906 
907 
910 

911 



94pr. 

Batt.Ka. 


6865 


94pf. 
BattKa. 


6796 


94pf. 
Batt.Ka. 


6040 


99pr. 

Batt.Ka. 


3600 


99pf. 
Batt.Ka. 


4300 


90pf. 
Batt.Ka. 

90pf. 
Batt.Ka. 

90pf. 
Batt.Ka. 


1095 
1760 
3665 


94pf. 
Batt.Ka. 


6835 







Österreich. 



Preussen« 



Türkei« 



Venedijs« 
Hallen. 



Name 

des 

Glessers. 



Gnssert. 



ZSHENTNER. 



REIG. 



ISMAEL. 



HIERONYMUS 
VITALIS. 



OfBB. 



Grats. 



Cremona« 



Jnhrs- 
snhl« 



1744 



1686 



I. J. der 
Hed- 
schlra 
1901. 



I. J. der 

Hed- 

schlra 

1916. 

lSi7 

lSi7 



1571 



Z1BRDE-6ESCHÜTZ-TABELLBN. 



447 



IVame 

des 
I o h r e 8. 



Besehrelbnns der Versleraiigeii 

auf dem Langefeld. | am Bodenstück. 



Sonstige 
Bemerkansen« 



Mit einem \Vapen und Tro- 
päen, dann der Devise : JO- 
SEPH LOTHAR, DES HEIIi. 
ROM. REICHS GRAF VON 
KÖNIGSEGG RITTER DES 
GOLDNEN VLIESSES ZU 
UNGARN U. BÖHMEN KÖN. 
M AJ. GEHEIMER R ATH (U. 
CONFERENZ) FELDMAR- 
SCHALL OBERST -LAND- 
UND HAUSZEUGMEISTER 
GENERAL DERi.WIND. U. 
PETRIM. CRAM. OBERST, 
INHABER EINES REGI- 
MENTS ZU FUSS. 

Mit dem Dietrichstein'schen 
Wap^n, mit zwei gebogenen 
Messern und der Überschrift: 
F.A.G.V.D.R.K.M.G. 
R.Y.I.O.H.C.P. ; dann 
einem andern Wapen mit P 
und der Überschrift : V . 1 . 6. 
V.V.Z.R.R.K.M.C.I.O. 
H.C.R.V.M.V.H.Z.F. 

Mit einem preussischen Wa- 
pen , worin ein Adler gegen 
die Sonne fliegt, und der De- 
vise : NON SOLI CEDIT. 

«Sultan ABDUL HAMID 
CHAN, Sohn des Siegers 
ACHMED CHAN.« 



Ein Stern, in dem Ausbu- 
ge eines Mondesvierteis be- 
findlich. 



SULTAN SELIM III. 

SULTAN SELIM III. 

Das Wapen der Stadt Ve- 
nedig. 



Die Traube stellt ei- 
nen Adlerkopf vor. 
Am Bodenstücke mit 
dem königl. böhmisch, 
und ungarischen Wa- 
pen Kur Zeit der Re- 
gierung derKaiserinn 
Maria Theresia. Die 
Deifine stellen ausfah- 
rende Blitze vor, und 
der Kopf ist mit Laub- 
werk verziert. 



Die Traube stellt ei- 
nen Drachenkopf vor, 
der eine Kugel im 
Munde hält. Am Bo- 
denstück der kaiserl. 
Adler und ein It* in 
dessen Mitte. Die Dei- 
fine stellen geflügelte 
Drachen vor. 

Mit einem Wapen 
und den Buchstaben : 
F. R. Die Deifine stel- 
len Vdgel vor. 

«Gegossen unter Is- 
mael, dem K^U^C Vor- 
steher) der Stückgies- 
serei.* 

Verschlungener Na- 
menszug des Sultans 
SELIM lU., Sohnes 
des Mustafa. 



Ohne Deifine, am hin- 
tern Visirreif : F. A. 
und die Nummer 64. 
Das Bildniss des 
heiligen Anseimus als 
Bischof, in der linken 
Hand die Stadt Cre- 
mona und den Stab 
haltend, die Rechte 
zum Schwur empor- 
hebend ; unter die- 
sem: LXXXIII. 



Das Gewicht der 
Kugel 9 Okka; die 
Länge des Rohres 
IS Spannen, ohne 
Deifine. 

Das Gewicht der 
Kugel 9 Okka; die 
Länge 12 Spannen, 
ohne Deifine. 

Die Kugel 7 Okka 
Cl OkkazstViPf.) 



An der Traube 
8809, und weiter 
unten: Nr. 9 de 18. 
Am vordem Visir- 
reif von einer Ku- 
gel gestreift. 



448 



Z1BRDB-6KSCHÜTZ-TABBLLBN. 






Nr. 1 Gattung 


Ge- 
wicht. 


des 
CtesehAtBes. 


& 



Macht« 



1 
i 
i 
i 
1 
1 



1 
i 
1 
i 
i 



B04 



tos 



SOS 



BOl 

BOO 
1»9 
198 
197 
196 
19d 



194 
906 
180 
184 
181 



IRpf. 
Batt.KA. 



18pf. 
Batt.Ka. 



18pf. 
Kauone. 



488« 



1 



4000 



• • • • 



8610 

413S 
4145 
4190 
3670 
4184 
4046 



SaehseB« 



Frankrele h* 



16pf. 
Feldg. 



3991 
3819 
1899 
1789 
1680 



Seihvelis. 
Frankreieh* 



Name 

des 
i e 8 8 e r s< 



Gnssori» 



JOHANN 
GOTTFRIED 
WKINHOLD. 



ANTOINE DE 

BERCAN 
COMMISSAIRE 
DES FONTES. 



JEAN BAPTB 
D' ARTEIN COM- 
MISSAIRE GENE- 
RAL DES FONTES 
DE L' ARTILLE- 
RIE. 



ANTOINE DE 

BERCAN 
COMMISSAIRE 
DES FONTES. 



ANTOINE 
DE BERgUEN. 



J.BAP.D'ARTEIN. 
J. BERENGER. 



Strasboors. 



Douay. 



J. D* ARTEIN I Strasbourg. 
ECÜYER etc. COM- 
MISSAIRE etc, I 



Jahrs* 



1741 



1714 



1773 



1774 

1780 
1785 
1786 
1787 
179» 
1733 



1733 
1680 
1766 
1767 
1785 



ZIERDE-aSSCHÜTZ-TABELLEN* 



4411 



Name 

de» 
Bohre». 



Besehrelbans der Terslemnsen 

auf dem Langefeld. | am Bodenstuck. 



Sonstise 
BemerknBsen« 



LE MIGNON. 



LA 
SAL AM AN- 
DRE. 



LINSTIGA- 
TEUR. 

JUBA. 

L'ESSQUF- 

FLE. 
LE FILS. 

L'HYDRE. 

LE FOUD- 

ROYANT. 

LE POSTIL- 

LON. 



LE TROUBLE 
FE8TE. 



In dem Wapenmantel der 
vensogene Name des Her- 
zogs ; AUGUSTUS 111. REX, 
ober dem Namen die Krone. 



Der Wahlspruch: UI^TIMA 
RATIO REGUM, dann ein 
Wapen (ausgefeilt). Am Fus- 
se des Wapens sind zwei 
Kanonen auf LalTeten. 

Das kdnigl. franzdsiscbe 
Wapen. 



LA MUSETTE 

LE PROCÜ- 

REUR. 
LE DROIT. 



UI.TIMA RATIO REGUM, 
darunter das Wapen des Art. 
Direct. mit der Überschrift: 

LOUIS AUGUSTE DE 
BOURBON DUX DU MAINE 
GRAND MAITRE DE L' AR- 
TILLERIE DE FRANCS. 



Verzogener Name des Kö- 
nigs, oben die Krone. 



Das grosse sftchsi- 
sche herzogliche Wa- 
pen im doppelten Ad- 
ler, mit der Inschrift: 
FRIDERICUS AU- 
GUSTUS DEI GRA- 
TIAREXPOLONIAE, 
DUX SAXONIAE I.C. 
MON. A. W. S. R. I. 

ARCHIDUX ET 
ELECTOR IN PROV. 
JUR. SAX. PROVIS. 
ET VICARIUS. 

PLURIBUS NEC 
IMPAR, darunter die 
Sonne. Das königl. 
franz. Wapen Cmib- 
gefeilt}. 



Verzogener Name 
des Königs , oben die 
Krone. 



Verzogener Name 
des Königs. 



Das königl. franz. 
Wapen, mit Tropäen 
umgeben, ober diesem 
das Abbild der Sonne 
und die Überschrift; 
PLURIBUS NEC IM- 
PAR. 



Die Delline stel- 
len Adler mit Kro- 
nen vor , woran 
der Name des Für- 
sten verzogen an- 
gebracht ist. Die 
Traube sftulenför- 
mig verziert. 



Das Zündloch zum 

Auflodern. 



450 



ZIBRDV-GBSCHÜTZ-T ABELLEN. 



'S 

tu 



Nr. I Gattung 



Ge«chtttce9. 



Ge- 
wicht. 



a 



¥on weleher 
Macht. 



IV 



G 1 e • • 



m e 

des 
e r 



8. 



Gnssorft. 



Jahrs- 
sahl. 



188 
185 

187 

191 



19S 
189 

183 

186 

190 
189 
193 

137 



138 
136 

136 



16pf. 
Feldg. 



ISpf. 
Feldg. 



134 



1810 
1640 

1576 

1653 



1558 
186S 

1849 

1810 

1555 
1585 
2615 

1600 



1575 
860 

680 



818 



Fraakreleh. 



Prenssen. 



Bnssland* 



Bassland* 



Bnssland« 



J. BKRSNGER. 
PKRQBR FRERES. 

J. BERENGER. 

BREZIN. 



PERIER FRKRES. 



M. S. D'ARTEIN. 



J.BAP.D'ARTEIN. 



J. BERENGER. 



Donay. 
Pari«. 

Donay. 



Arsenal 
de Paris. 



Paria. 



AtraabonrK« 



179t 
1793 

1793 



1 1.6er- 

mimü 
an6.de 
la rep. 
1797. 
detto 
1793 

la rep. 

17.Ä«r.| 
an 6. de! 

la rep. | 
1797 

tltHer- 

midord. 

larep. 
17fi5; 

1779 

1759 



1799 



i787 



Rcl|icrad. 



1811 



ZISRDB-GBSCHÜTZ-TABELLBN* 



451 



Manie 

des 
I o h r e 9. 



Beschrelbans der Verxleransen 

auf dem Langefeld. | am Bodenstuck. 



Sonstige 
Bemerknngen* 



MARS. 



L'HISTORIEN 



LKTHEBAIN. 



LE TREMB- 
LEUR. 



I.E FULMI- 
NANT. 
EUTERPE. 



ASSEMBL^E NATIONALE,, 
darunter liest man : LIBERT]^ 
KGALITE. 



ASSEMBLEE NATIONA7 
LE , darunter : LIBERTE 

EGALITE. 



ASSEMBLKE, NATIONA- 
LE LIBERTE EGALITE. 



ULTIMA RATIO REGUM, 

darunter: ein Donnerkeil. 



Das kdnigl. Wapen sammt 
Krone und der Überschrift: 
PRO GLORIA ET PATRIA. 



Das russische kais. Wapen, 
ober diesem die Aufschrift: 

CAHKT'b nBTEPB8Pr'b. 
CSanct Petersburg.) 

Dieses msslsehe Einhorn 
wurde bereits unter den 
Merkwürdigkeiten des gros- 
sen Artilleriehofes Nr. 747 
beschrieben. 



ASSEMBLEE NA- 
TIONALE, darunter: 

LIBERTE EGALITE. 



REPUBLIQUE 
FRAN9AISE. 



Verzogener 
des Königs. 



Name 



Das kdn. franz. Wa- 
pen , darüber das Ab- 
bild der Sonne ; PLU- 
RIBUS NEC IMPAR. 

Die kön. Krone und 
der verzogene Name : 
FRIDERICUS WIL- 
HELMUS REX. Der 
Wahlspruch : ULTI- 
MA RATIO REGIS. 



Ausgefeilt. 



Am Stossboden M. 
14. Die Delline bil- 
den Adler, am Kop- 
fe des Rolirs C. F. 



DieDelfine bilden 
zwei Adler. 



Die russische Umschrift : 3AB^A/^EHIfl 
rEOPFHÄ nETPOBHHA I: TO: BEPXOB- 
HArO BOIK/^A CEPBCKA HAPO/^A. 1812 
ro/^A CJIHTB BE^rPA/^y. (Eroberung 
von Georg Petrowltsch, obersten Heerfüh- 
rer des Serbischen Volkes. Im Jahre 1812 
gegossen in Belgrad.} 



45» 



ZnERDV-OBSCHÜTZ-TABBLIiBN« 



JMk.«. 



*9 



Nr. 1 Oattang 


wieht. 


d60 


S 



Von weleher 
Macht. 



N am« 

de8 
1 e 8 • e r 



Gatsart. 



Jahn- 



1 
1 
1 
1 
i 
1 



i 
i 

i 

1 

i 
i 
i 
1 
i 
1 



176 
177 
168 
169 
160 
161 

166 

17t 
173 
174 
167 
166 
163 

163 

168 
164 

169 
176 

170 
171 
166 
161 
150 
16t 



Itpf. 
Feldg. 



Itpf. 
BattKa. 



It4i 

lltO 
8900 
8486 
81tl 
8951 



8tlO 
8330 

3800 
1606 

3786 
3613 

3736 
3830 
• • • > 
3836 
3830 
3530 



Frankreleli. 



Frankreleh. 



J. BERENGER. 



ANTOIME 
DE BERQUKN. 



D^ARTEIN CHEV. 
FRERSJBAN. 

D'ARTEIN. 
CRÜCY. 

D' ARTEIN. 



D' ARTEIN. 



BERENGER. 
MARITZ. 



Tarin* 



Slrasboars* 



Pontde¥anx. 



Strasbaarg. 



Strasbourg. 



Republ. 
1680 

17:» 

1734 
1735 

1774 

1780 
1785 
1785 

1780 
1780 
1780 

1780 

1770 
1809 

177? 



1778 
1778 
1787 

Republ. 

Republ' 

174t 



i 



ZIEBDB-6VSCH0TZ*TABVLLEN* 



453 



Name 

de» 

B o h r e 8. 



Beschrelbans der Venlenuiseii 

auf dem Langefeld. | am Bodenstäck. 



Sonstige 
Bemerkanseiit 



LBTONNANT. 

L£ MODERE. 

1.E CURIEU. 

I.E CHASSE- 

COUSIN. 

LKMALPLAI- 

SANT. 

LE SOUTE- 

NEUR. 



HTLUS. 



HenEogÜches Wapen mit 
drei Lilien im Scbiide, oIl>en 
die Aufschrift: LOUIS AU- 
GUSTE DK BOURBON, 
DUX DU MAINE, GRAND 
MAITRE DE L'ART. DE 
FRANCE. ULTIMA RA- 
TIO REGUM. 



Verzogener Name des Kd- 
nigs LOUIS, ober demselben 
die Krone. 



LAMPOS. 
I/EFFRONT. 

GERYON. 

COREBE. 
DEXAMENE. 
LEGLANEUR 

FABRICIUS. 

LE DESTIN. 

LE CRUEL. 



. Verzogi^ner Nane de« Kö- 
nigs LOUIS. 

Die AufsGbrifl: LIBER- 
TY EG alit£. ASSEMBL^E 
NATIONALE. 

Der verzogene Name des 
Königs. 

Der Name NAPOLEON im 
Lorberkranze. 

Der Name des Königs. 

Das Wapen der Stadt Ve- 
nedig. 



König!. Wapen mit 
drei LiÜen im Lorber- 
kranze, oben das Ab- 
bild der Sonne ; NEC 
PLURIBUS IMPAR. 



Der verzogene Na- 
me des Königs. 



REPUBLIQUS 
FRAN9AISE. 



Das königl. Wapen, 
die 3 Lilien im Scbii- 
de, das Abbild der 
Sonne; NEC PLURI- 
BUS IMPAR. 



Am hintern Vl< 
sirreif C. A. I. Oh- 
ne Delline. 



II. 






16 



454 



ZIVRDE-GBSCHÜTZ-TABELLVN. 



u 

>9 



Nr. I Gatlung 

4e8 
Qeselittme«« 



wlelit. 



Von welelier 
Hacht. 



i 

1 

1 
1 
1 
1 



163 



1 
% 



165 
164 

149 
167 
147 

148 

ld3 



Itpf. 
BaitKa. 



1 
1 

i 
9 
1 

2 



145 

139 
140 

141 
14S 
143 
144 

178 

97 



100 

116 
124 
114 



77 

78 



lOpf. 
Feldg. 



Itpf. 
Batt.Ka. 



6pf. 

Batt.Ka. 

8pf. 

Feldg. 



6pf. 



1810 



1830 
1763 

1335 
1330 
1445 

1300 

760 



Fraakreieh. 



1530 
1690 

• • • • 



1610 



• • • • 



• • • 



• • • • 



860 

858 



Ilasaiand. 



Scliweis« 
Prenasen. 

öaterrelch. 



Frankreleh. 
öaterreleh. 
Frankreich. 

Venedig. 
Frankreleh« 



N am« 

des 

eieaaera« 



Qasaort« 



J«hn> 
ukL 



Prensaen. 
Preaaaen. 



HARITZ. 



BSRENGER. 



BOUQUERO. 



Doaay« 



Slrasbonrg. 



Tnrin. 



174« 



GEORG MVKCH, 
AUS DRESDEN. 



DITTRICH. 



D'ARTEIN. 

Unbekannt. 

BEREN6ER. 



Belgrad« 



1760 
1759 

1601 

m 

RepvM. 

RepikL 

181) 



1715 



mekellnlee. 



JAQUES ET BAL- 
THASAR. 



Strasboarg. 

Unbekannt 
Poaay. 



I<yon* 



m 
i76r 

17W 



■ » 
8 



17B1 
1711 



ZIBRDB-GESCHÜTZ-TABVLLVN. 



455 



Nam« 

des 

Rohres« 



Beselirelbans der Terxleniiigen 

«uf dem Langefeld. | am Bedenatdek. 



Sonstige 
BemerkoBceii« 



LA CIRXIINB 



I.K PLÜTON. 
La D^KSSE. 

L*ASSOCliE. 

LE CHAT. 

MEDiE. 

LA BRUNET* 
TE. 



Ein Donnerkeil mit aus- 
sehlessenden Blltxen und der 
WaUspnicIi: ULTIMA RA- 
TIO RE6UM. 



Das kftnlgL Wapen, 
die 8LUlen im Schil- 
de, das Abbild der 
Sonne : NEC PLURI- 
BUS IMPAR. 

Der Name des lU- 
nigs LUDWIG. 



Name NAPOLEON 
Im I^orberkramse. 



NAPOLEON, dann 

die Kaiserkrone. 



INACHUS. 



Die russische Umschrift: 3A B^A/l'UHM FBOPriff 
nKTPOBIHA: L PO. BBPXOBHArO BOttlAIK. 
CEPRCKA HAPO/^A 1813 PO PO^A C^ITl» H 
BEOFPA^^y. Csic I — Die Deutung, wie bei Nr. 134, 
nur dass hier 1813 zu lesen.*) 



KAnIgl. prevss. Wapen mH 
der Schrift: PRO GLORIA 
ET PATRIA. 

Herzoglich Lothringisches 
"Wapen mit dem goldenen 
Vliesse ; der k. k. doppelte 
Adler mit der Kaiserkrone u. 
den Wapen der Provinzen. 

Verzogener Name des Kö> 
nigs LUDWIG. 

Mit einem unbekannten Wa- 
penschilde. 

Name Ludwig. 

REPUBLICA ITALIANA; 
Wapen Venedigs. 



Siulenafftlg. 



Auf dem Langefeld das 
kön. Wapen , ober demsel- 
ben : PRO GLORIA ET 
I PATRIA. Beide Stücke oh- 
ne Delfine. 



KAn. Krene n.Name 
FRIEDRICH WIL- 
HELM REX. 



Gr&fl . Daun'sches und 
E. H. dsterr. Wapen. 



Ein feuerspeiender 
Lindwurm. 



Am VIsirreif F. A. 



Ambln^mVlsir- 
reif 2937. T. Id47. 



LEGION SCI POLSKI POD KOMENDA 
GEN. DABROWSKIKGO ZDOBYL TE 
ARMATE NA PRUSAKACH POD TCZE- 
WEM, DNIA 23 LUTEGO 1807 ROKU. 
CDie 8. polniscbe liOgien, unter dem Com- 
mandu des General Dabrowsky, eroberte 
dies Stück von den Preussen«inter Toze- 
wem den 23. Tag des Monats Juli Im 
Jahre 1807.) 

16» 



456 ZnCBDB-eESCHÜTZ-TABELLEN. 

I Stück iSpfunderBatteriekanoiie. Osterreich. HU dem grossen österr. 
Wapen, S unbekannten Wapen Cdavon eines vennuthlich das des Ar* 
tili. Directors} tt. der Umschrift: SPECIMEN VIRTUTIS AYITAK. 
It Stuck 6pf. Cfranzösische), mit der Kaiserkrone und dem Namen NA- 
POLEON, vom Jahre 1810 und 1813. 

8 Stuck 6pfünder, Italien, wie die eben Genannten, 1 St. von Neapel« 

6 Stück 6pf* Holland, vom Jahre 1773—1800, von Haas, das Wapen 
der Republik Holland: CONCORDIA RES FARVAE CRESCUNT. 

8 Stück Kpf- England, vom Jahre 1788 und 1790; GEORGIUS lU. 
und 1 Stück mit dem Wapen Hannovers. 

i Stuck 6pf. Bassland, 1801, BPflHCK'b. CBrJansk}. 

4 Stuck 6pf. Prenssen, vom Jahre 1781—1808, zwei von Berlin* 

% Stück 6pf. Preossen, vom Jahre 1804, mit den Namen SCHWERIN 
• und SCANDERBEK, mit dem Fürstenhut und M. I. 

5 Stück 6pf. Frankreich, von Paris und Mets« 1813. 
1 Stück 6pf. Balera, 1785, CARL THEODOR. 

% Stück 6pf. Plenifont, mit d. Jahreszahl 1780 und 1761. 
1 Stück 6pf. Venedig, mit dem Wapen; REPUBLICA ITALIANA. 
81 Stück 4pr. Frankreleh, 1767— 179S, 1 Stück vom Jahre 1730. 
1 Stück 4pf. Bassland, 1812, Belgrad. Die russische Umschrift: 

aXBJiAftfiHia rBOPFH« HETPOBHHA: I. rO: BEPXOBH 

CRA HAPO/^A 1811 ro^A CaHTl BB.trPAy. (Deutung wie bei 

den früher besprochenen. Geschütz Nummer 62.) 
1 Stück 4pf. Neapel, 1796. 
8 Stück 4pf. Italien, 1792. Malland, Pavia« 

6 Stück 4pf. Spanien, 1788, aus Sevilla und Bareeloaa« 

6 Stück 8pr. Italien, 1792, 1793, 1794; 1 Stück 1767, 1811. 

1 Stück dpf. österreleh, 1746. 

2 Stück 3pf. Bnssland, 1812. Die russische Umschrift : SABJA^EHIfl 

rEOPPHR HETPOBHHA: I: TG: BEPXOBHAPO BOJK^A CEPBCRA 
HAPO^A. 1812. rO: TOfl,A CAITY BKOPPA^y. Csic.) Auf dem 
zweiten ist: BB.ArPA. zu lesen. Cl^ie Deutung wie hei den früher 
hesprochenen.') 

2 Stück 8pf. Hit dem Wapen von Venedig, ohne Jahreszahl. 

1 Stück 3pf. PApstllehe, mit dem päpstlichen Wapen, ohne Jahreszahl. 

1 Stück 3pf. Österreich, vom Jahre 1637, das pröbstliche Wapen, 
darunter: GEORG HAUSMANNSTETER PROBST. 

1 Stuck 3pf. Sehwels, ohne Jahreszahl. 

1 Stück y^pf. Feldschlange. Nchweln. Ein Wapen, vor welchem der 
L&nge nach die Jahreszahl QJähr 73 angebracht ist. 

1 Stück ISpf. Feldschlange, Republik Bagnsa, Jahr 1506; nebst einem 
laubfftrmif^n Bande; der Länge nach die Inschrift: HAE Cl><^cc} 
NOVA RHAGUSAE FINXIT BAPTISTA TUENDAE NUBIBUS 
ERUMPUNT Q1JALIA TELA CAYIS. Am Mittelstück ein Heili- 
genbild in einem Kranze ; das Rohr selbst ist ungewöhnlich lang. 

6 Stück 6'X2dlllge Haubitzen. Frankreich, BetB und Turin, 1807, 
unter NAPOLEON. 

8 "Stück 6V;zftllige Haubitzen. 1 Stück m. d. J. Z. 1779. Frankrelrh« 

8 Stück 6y,zöllige Haubitzen. Italien, 1808, 1810, 1813, PavIa, mit 
der AttlBChrlft : DIO ME L'HA DATA, GUAI A CHI LA TOCCA. 



HBCAPITULATION. 457 

1 Stuck 5/2ö]fige Haubitze. EnglaDd, 1788, OEOBaUI. 

t Stück S'/KftHige Haubitze. Preassen, FRIDKRICH, ULTIMA RATIO 

REGIS, Wapea und Krone, PRO GLORIA ET PATRIA. 
7 Stuck 6zdllige Haubitzen, Pari» und Strassbarg« 179X^1793, in der 

Zeit der Republik; eine unter NAPOLEON J813. 
1 Stuck 6zöllige Haubitze. lUllen, i79S. REPUBLICA IT ALI ANA. 
1 Stück ezöllige Haubitze. Preassra, 1793. FRIDERICH WILHELM. 

König!. Wapen sammt Krone; PRO GLORIA ST PATRIA. 
t Stück 7zöUige Haubiteen. Osterreieh. Wien, 1799. POITEVIN, zu 

beiden Seiten des Zundioches: REPUBLICA ITALIANA, weil da^ 

Rohr von der itaüeuisclien Artillerie gebraucht wurde. 
I Stuck 6zAllige Haubitze. Spaalen, BareeHona« 1803. CARL IV. 
3 Stück 6zöllige Haubitzen. HoUand, 1785, 1796, das holl&ndische 

Wapen. VIGILATB DEO CONFIDBNTS8. 
6 Stück SzöUige Haubitzen. Fraakreleh, 1 Stück mitNamon: LUDWIG, 

1781, 1778. 
1 Stück Szdllige Haubitze« ohne Zeichen; am hintern Visirreif : V. und 

vorne : LERUBIUM. O) 
1 Stück 6zölliger Bombeu-Möraer 

-- _ \ Frankreleh, 1771 bis 1808. 



8 


1» 


8 


4 


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10 


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9 


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13 


1 


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7 



Dresden« 1769. 
¥enedls, 1670, 1763 C?) 
7'/zAllige Carronade. fiasiand, aus Elsen gegossen. 

1 Stück 1650pründiger SteinmArser , angeblich türkisch , eigentlich au» 
Osterreich. Aus eisernen Schienen zusamniengesetzt und mit derlei 
starken Reifen verbunden. Das Kammerstück ist gegossen, und un- 
verhftitnissmässig dünn gegen den übrigen Körper des Poliers ; ohna 
Schildzapfen; statt der Delflne mit starken Haken u. Ringen versehen. 

1 Stück lOpfündiger Bomben- MArser. 4kelerreleli. Die Schildzapfen am 
Bodenstücke. Links: R. 14 . 23, rechts: R. 1+9. R. I.; am Zünd- 
loche ein Thierkopf, auf dem Mittelstücke das Wapen Sr. Mi^estät 
Kaisers Karl VI. , links und rechts % Wapen , DIR. CEO ; am Kopf 
ein Deliin und: DE 248, an der Mündung: Nr. 1 S Ztn. 48 Pf. , 
die Kammer bimfdrmig. 

1 Stück 63pfünder, nur das Bodenstück einer Kanone, wiegt 57 Ztr. 



RECAPITÜLATION. 

1 stück 48Sder Iiübecker« CArtil. Hofs-Beschrelb. Nr. 733.) 

1 Stiick 63Ed^r, iiiibekaMiit, bloss das Bodeiistiick. (Nr. 745.) 

1 Stiick 63)der, uiibekauut. 

1 Stfick 6Sder und I Stiick Sftder, beide nubekamit. 

1 Stück Haubitze, uiibekauut. 



458 RECAPITULATION. 

138 Stfick Kanonen von verschiedeneu Kalibern. 
21 Stück Hanbitzen von verschiedenen Kalibern. 
18 Stfick Bomben-Mörser von verschiedenen Kalibern. 

Italien« 
14 Stack Kanonen von verschiedenen Kalibern. 
4 Stock Hauhitzen von verschiedenen Kalibern. 



13 Stfick Kanonen von verschiedenen Kalibern. 
t Stfick Haubitzen von verschiedenen Kalibern. 

Russl»nd« 

5 stock Kanonen von verschiedenen Kalibern Cverg^l. 737, 

738, 747). 

Spanien« 

6 Stack Kanonen und 1 Stock Haubitze. 

Seltiveix« 

3 Stfick Kanonen und eine ganz kleine Feldschlange. 

TenediiT« 
8 Stfick Kanonen und % Bomben-Morser (vergl. 739, 740). 

SSnipland« 
t Stuck Kanonen, 1 Haubitze, 1 Carronade (Nr. 743). 

Rdmiseher Staat« 
1 stfick Kanone. 

Asterreielt« 

14 Stfick Kanonen älterer Art, % Haubitzen und 3 Mörser. 

Holland« 
5 Stfick Kanonen und 3 Haubitzen. 
THri&ei« 

4 Stfick Kanonen CNr. 734—736), und Cvermeintlich) 1 Stück 

Mörser (Nr. 744). 

UTeapel« Hlodena« 

9 Stfick Kanonen. 1 Stuck Kanone. 

Piemont« Ra^nsa« 

4 Stuck Kanonen. i stfick Kanone. 

Baiern« Sachsen. 

1 Stfick Kanone. i Kanone, 1 Mörser. 

In Allem 293 8tück Zierde-GeschütKe. 



^53 22^53 Ca; 



amiKUMu im iwiiru nuLU 



(Zur Seite S48 Nr. 303.) 

9xt jQerberßeine. 

über deu Bigenthümer des in Wieus kaiserlichem Zeu;^:- 
hause aufbewahrten alteu Herbersteiu'scheu Wapeus, mit der 
Aufschrift: Siegmund Friederich Freiherr zu Herber- 
ste in 1571, eutbält KUMAR auzieheude Audeutuugeu CKumar, 
Geschichte der Burg und Familie Herherstein. 8. Wien^ 1817. 
III. Th. p. 70); sie lauteu: 

louikowltetoelie Uale« 

Siegmund Friderich, Georg Siegmmid's mit Margäretheu 
von Pötschach erster Sohn, Erbherr zu Länkowitz und Krems, 
Erzherzog Karl's von Innerösterreich, dann Kaiser Ferdinand's II. 
Kämmerer und geheimer Rath , auch oberster Erbkämmerer und 
Truchsess in Kärnten ; wird als ein gar eifriger Patriot und Bie- 
dermann eines wahrhaft deutschen Herzeus in den Chroniken 
geschildert. In dem Turniere Erzherzogs Karl in Wien 1571 ge- 
wann er den ersten Preis im Ringel renneu , wovon Heinrich 
WiRRB in dessen Beschreibung sagt: 

3Dei ^tt&i\t&ii\% iin^ jltamm bon HtxhrtfuXti^ 
0etiionn ttn 9anK, nie id) nermainf 
lUrl^rr jum bcflrit ful^rt frtn i^ptt^, 
Den jDattK man jm (rumb geben ^e^.« 



460 BKDKUTCN0 DBS AUSDRÜCKBS MUSKBTB. 

wonol er das hohe Brautpaar nach OrftU begleitete **^. Er 
starb Im Jabre 16S1 , und li^t im Franciakanerkloeter zu Lau- 
kowiti begraben. 

DaM dies Wapen des Siegera iu dem im Jahre 1571 gehal- 
teneu Wieuertamiere auch in demselben Jahre in's Wleuerseog- 
haus gebracht worden sei, nm dort, vielleicht mit seinen fibrigen 
TomierwafeB Cwelch^ aon nieht mehranfknflnden) etne passende 
Zierde des Ortes sn bilden, erscheint allerdings annehmbar. 

Wer über das genannte Heldengeschlecht nihere Aafschlfisse 
wünscht, dem empfehlen wir, ausser dem oberwähnten anxiehen- 
den Werke Kumab*8 auch: Adkluno, Friedrich Siegmtmd Frei- 
herr vom Herberstein mä besonderer Bücksicht auf seine Beisem 
im BusHamd 8. mit S Knpf. ond 1. Karte. St. Petersburg 1818. 
Gretsch (513 nnd XXX. S.:); HoRMATBa's TaschetOuch f9r 1816, 
den Aufsatz: Die Herbersteine p. 336— $6$ und den Anssug in 
CucANN's nnd Gbabfsr's :) Österreichs Nation. Emcgclopädiey 1835. 



CZur Seite S49. Nr. 308.) 

Ile^ttitiitig U$ ^M>ntdi0 „SAmktU^^. 

Aus jener Zeit, in welcher endlich die mit Bajonnet verstärk- 
te Schiesswaifo des Fuss-Soldateu Ihre volle Ausbildung erhalten 
hatte, mflssen wir auch die Erkl&rung des Ausdruckes sch5pfen. 
Um das Jahr 1700 nnterschied man : 

1. Die Wallmuskete Cmousquet de rempart}j flUschlich 
»Wallfliute« genannt, mit Luutenschloss. Sie hatte oft gegen 
8 Fnss Länge und schoss Kugeln 13 — 16 Stflck auf 1 Pfuud. 

S. Die gewöhnliche Muskete (Jie mousguet ä Vor^ 
dinaire). Weit kfirzer und leichter als die vorige , ebenfalls mit 
Lunten-Schloss, womit man die leichte Infanterie vorsfiglich dess- 
halb bewafiiete, um bei Belagerungen iu Treusch^eu ein fortdau- 
enides Feuer su unterhalten. In Frankreich hatte der Lauf 3' 8'% 



tM) WmRi, HinauoB. OrdMttehs Bssehrdbun§ dss ete. sie. fBrstUeken 
Beyiags oder HockuUy so da gshaUen ist vforden durch ete, etc. 
Herrn Ctn^ien tSrmhermatf %a Österreich etc. etc. mit FrMwiein 
Moria g^bornen Hertzogin zu Bayrn den S6. AugusU f 1571} ts der 
kaysertichen Statt Wienn etc. in teutsche Caruuna gestellt, mit 
viel. Wapen u. Holsschnitten. fol. Wien, 1571. Biotins Bberi 
Cfol. Q< 5. b.3 Ein hOchst seltnes Werk. 



ÜBER DAS WOLFSZBICnBN. 4M 

die ganze Lftiige 5 Schuh ; die Schäfluug war Nnrabaiuihols und 
sie schössen SO — 12 Bleikugeln auf 1 Pftind. Diese Muskete^ 
welche schon zu Anfang des XVII. Jahrbundertes in Gebrauch 
erscheint^ konnte der Krieger nur mittelst Schiessgabel hand- 
haben. (Vergl. die Anmerkung 166. pag«S49)* 

9. Die Flinte mit dem Bi^onnet und Aransöslscbem Schloss 
oderSteinaehloaBOefusiiard&taite, pouvtmt re^evoir bt^nnette). 
Etwas leichter gearbeitet als die Muskete, flbrigens in den Länge- 
Verhältnissen und im Kaliber gleich* Man bewaffnete damit die 
Fusüier^f die au der Spitze des Bataillons anrfiokten.. 

4. Die Flinten-Muskete Cte fuMÜ numspiei ou maus-' 
quet^fusiO" Eine Erfindung des M. Vauba». Von gleicher Länge 
und gleichem Kaliber mit der vorigen, Wozu man noch ein Mh- 
renbajonnet fugte ihoyonneHe ä doniUe), um auch mit aufgesteck- 
tem Bi^onuet feuern zu können^ obwohl noch um 1700 die Spund- 
hajounetefjbajonnette a mange de buis) häufig in Gebrauch waren. 

Abgebildet und erklärt findet man diese Gattungen , nebst 
ihren einzelnen Theilen in des Surirbt db st. Bsbct M^moHret 
d^ArtiOerie. 4. Amaerdam. 170S. Tom. I. Tab. 79-64. 



(Zur Seite S5d« Nr. 88S.) 

läAtt 'ba» Wolf^iAd^tn auf SSd^mtttfdmitn. 

Dieses Klingenschmled-Zeicheu, jedem Waffenkenner zur 
Genüge bekannt, wird gewöhnlich seit undenklichen Zeiten »der 
Wolf« genannt; wflrde jedoch in seiner unvergleichlichen Roh- 
heit der Zeichnung ebensowohl sich auf jeden VierfQssler deuten 
lassen. Ohne eben das Alter dieser Sitte bestimmen, oder die 
Mitte des XIV. Jahrhunderts dafür angeben zu wollen, scheinen 
denn doch die Verse einer alten Passauischen Chronik Erwähnung 
zu verdienen^ welche beiläufig lauten, wie folgt: 

3ii9 1, 3| 4 un^ 9 mon i&^itf 

Hat mon |)o|fou lar »el^l iniiMt; 

$ttcs0§ SlUirf4it umJi Hefe 3ett 

IKe Miin^fd^mUtt ^at btfctiif 

jUcjiaiit mit htm IVeifi^^ea: 

Mtbrm Viemont fel^' Wtl^u fi^orf 

Jn ^fftcrrn^ f^nft ma^en ^srf 



n 



MI ÜB« DAS WOLFSKBICHBN. 

Bter wAre aonftch der datemiclüsche Herzog Albrecht IL 
der Weise Cder lAhme) gemeint (reg. 1S90— tld58) uud es kauu 
den eeechiehtskiittdigeH nicht heflremdeu, deriei Privilegien den 
Klingensehfflieden ertheilt, xa lesen ; weil man die Gunst kennt. 
In der sie bei dea Grossen der Srde gestanden ; sie , die deren 
Leib sichrer wahreten, denn der leibliche Arst. 

Diese AcMnng der KUngeuschmiede war sehen in den 
alemännisolieu Oesetten begründet. Bekanntlich f&hrten schon die 
Franken und Alemannen ein Schwert sa beiden Fäusten » bei 
Ihnen spaia genannt^ nnd wer einen fabrum^paiarimn (Schwert- 
schmied) umgebracht, der mnsste selben am 40 Solides gleich 
einer adelichen Person bfissen. CConf» de spaia h.J*Alemmm» 
43^ 55. 83). 

im Jahre 1S95 lernte €horg SpringetüOee zn Passan als 
Messerschmied, eines Bergmanns Sohn, von Kuttenberg in Böhmen 
gebürtig; nahm darauf kaiserliche Kriegsdienste, und that sich 
sowohl im Kriege als auch vor dem naclimaligeu Kaiser Karl IV. 
In Kampfspielen hervor, worauf er suerst kaiserliciier Trabant, 
dann in den' Adelstaiid erhoben wurde, und die Hauptmannschaft 
der alten Stadt Prag fiberkam. Hierauf gestattete C1350) Kaiser 
Karl IV. auf Spriugenklee^s Vorbitte den Messerschmieden einen 
rubiufarbuen Schild, worauf 3 Schwerter mit einer golduen Krone 
umgeben, als Wapeu zu führen. Kaiser Sigismuud (1410—1437) 
vermehrte es wegen des tapferu Spriugeuklee noch mit einem 
offenen Helme und zweien den Wapeuscbild haltenden Löwen* 
(Busch Qesch* d. Erfind, voce Messer)* Bben so erzählt Fribsb 
(varH* KiUist. u* Handw» Cerenu m. 31 Holzschnitt Lpz. 1708 — 16.) 
dass die Messerschmiede von einem hochedlen Rathe der Stadt 
Nftmberg die Freiheit erlangten, den Schwerttaiiz aufzuführen, 
welchem noch 1570 der römische Kaiser Miuimilian II. mit Ver- 
gnügen zugeseben. Dem Gesagten zufolge scheinen die Passauer 
Klingenschffliede sich vorzugsweise des Wolfiizeichens auf Ihren 
Klingen bedient zu haben, und ihr Zeichen mag in der Folge durch 
viele Stümper nachgeahmt worden sein; — geschah doch ein 
Gleiches mit den Toledaner und Sollin g er Klingen, jenen 
des Andrea Ferraro, Tema de Ajala, Hernandez 
u. a. m. Was endlich die verrufene Jahreszahl 1414 betrifft, die 
man auf so vielen Schwert- und Hirschflbiger-Klingen der jünge- 
ren und jüngsten Zeit findet; so erscheint sie uns nur als gewöhn- 
liches Fabriksseichen eines Klingengewerkes , das damit wahr- 
scheinlich sein Stiflungsjahr ausdrücken wollte. 



ÜBER DAS WOLFSZEICHEN. 4M 

Obscbpu die Araber daa Scheidewass^Br gekaimt sa liabe« 
scheinen^ Cim Jahre 779 nach Chr. Geb. ersftafte sieb, iMMdi Busch, 
Ha kein oder Barka iu einen Faas ß} voll Scheidewaaaer); so 
ist doch die Ätzkaust eine dentsche Erfindung^ flfau 
dürfte schwerlich den Andreas Mantegna Cgeb. 1451 f 1517) als 
Erfinder erweisen — and mit Grand lAsst sich anuehmeu, dass 
Michael Wolgemuth Cgeb. 1434 t 1519} und sein Schüler AOrecJ^ 
IHarer (geb. 1471 f 1588) diese Kunst suerst gefibt haben. 

Die Kunst auf Schwertklingen und Harnische zu fttzen» 
welche um die Mitte des XVI. Jahrhunderts ihre Gipfelhöhe er^ 
reichte, (dagegen auf Waffen des XV. Jahrh* nur spärlich und 
hdehst selten getroffen wird), übten Plattner und Kltagenschmied« 
nach den Vorzeichnnugen geübter Maler aus. Damals, wo die be-p 
ruhmteston bildenden Künstler des Jahrhunderts nicht verschmäh^ 
ten, eigenhändig Waffen zu gravireu, oder für Goldsc|imi«de und 
Plattner Arabesken und Friesen zu stechen, (wie z, B. ein Albbbcht 

ALTORFER, SSBALD BEHAM, JOST AMANN, uud VOr Allen HSINBICH 

ALDBGRBVEB, dcr allein eine Menge Arabesken, Vasen, Vignetten, 
Verzierungen u. s* w«^ für Goldschmiede etc. verfertiget hat); 
damals mussten auch aufHaruischen, Schilden und Klingen pracht- 
volle Atzbilder entstehen, deren markichte Formen uud geschraack-v 
vollen Schwung wir noch heute bewundern« Jene Männer, welche 
sie auf Stahl übertrugen, nannten sich Atzmaler und setzten 
als solche ihren Namen bei. Als Beispiel des Gesagten diene ein 
merkwürdig schönes Richtschwert auf dem Wiener - Neustädter 
Rathhause (beschrieb, durch Fbonnbb pag« 21. Nro. XXXI) womit 
ein Freimauu sich wieder ehrlich gerichtet hat 
und das, uebst vielen Bildern von Heiligen und lateinischen In< 
Schriften auch die Schrift trägt : 

4aitn0 Jakoh Stumpf 

Alitinntfc^mU^ itntr €f maier 5U iSoi0(nrtmtt 

;3lnna 9otnint 1682* 

Waffenfreuudeu aber uud Kaust beflissenen, welche sich mit dem 
Gegenstaude uäher vertraut machen wollen, rathen wir das be- 
reits seltene Schriftchen an : Kunstbüchleiny wie man auf Mar-- 
meistein f Kupfer, Messing, Zihn, Stahl, Bisen ^ Harnisch vnd 
Waffen etc. etxen und künstlich vergülten sol, etc. Durch Andream 
UeimreiehfWM Eissfeld, Bechenmeister f>nd Stulschreiker sm HaUe 
^ 9achsen. kl. 8. Leipzig 1567 C78fifetf.). firwähUnng verdient, 
dass der Autor pag. 61 von einem gelben dünnen Bantzer«* 



4M 8CimiFTZÜ0B AUF KLINGEN. 

firniflfl redet; ein "Wlnki dase sehen die Alten sich eines Fir- 
nisses auf Harnischen bedient haben. 

Mit der Sitte, so sahireiche SchriflsQge anf Schwertklbigen 
an fttaen, ist nicht die weit ftltere Gewohnheit sn vermeugeUy 
anf Schwertklinn^n einielne Worte sn hauen oder su graviren. 
So standen schon anf Kaiser Karls des Grossen Schwerte die Wor- 
ter Deeem Praecefßiamm Custos Caroius a Deo ConstUuius (ein 
in der Folgeseit canonlsirter Cnstos); so steht anf dem Parir- 
krense eines alten KrSnnngsschwertes der deutschen Kaiser: 
CkrUhu vincüy Christus reanaty Christus imperai; im XIV. Jahr- 
hundert nnd in jüngerer Zeit war anf WalFen der Sprach der 
englischen Rosenobles üblich: Jesus autem transiens per medium 
l Uorum ibai^ Cso auf einer Rennbmst der Ambrasersammlang); 
und weltbekannt Ist das Schwert des Konrad von WMerstetten, 
jenes ritterlichen SAngers des XIII. JAhrhnuderts im historischem 
Maseam in Dresden, mit seinen Versen: 

CHVNRAT • VIL • VERDER • SHENKE • 
HIE'BI «DV •HON «GEDENKE • 
VON • VINTEllSTETEN • HOHGEH VT • 
LA • GANZ * DEHAINE • ISENHVT • 

CKonrad viel werther Schenke, hierbei da mein gedenke; von 
Wlnterstetteu hochgemuth, lass gani keinen Eisenhat!) Genaa 
abgebildet und gediegen beurtheilt in Hauptes Zeitschrift für 
deutsch. ÄUerth* 8. Leipz* 841. I. B. 1. H. p. 194. 

Allein wenn man diese Schriftzfige Alterer Jahrhunderte 
streng prflft, so wird mau sich meist davon fiberzeugeu^ dass sie 
gehauen worden, und dass nur eine jüngere Eiurostung nnd wie- 
derholtes Abschleifen Ihnen das Ansehen einer Atzung verschaffte. 
Bflr ist eine einzige ftrflhzeitige Schrift, die einer Atzung fihnelt, 
anf einer geflammten breiten Dolchklinge vorgekommen, (derma- 
len In Baron Dietrichs Walfensammlang in der Ritterburg 
zu Feistritz) mit den Worten: 

iriff^ tftt an mi4 ali i4 ^^ ^i4i 
Crift« (sie) hn mtin fo bin t4 ^ein. 
4an« 3u il^tpaben 1386. 

Kehrseite: )4 ^^^ gehculit nnb iildb habet 
J4 r^^vetf htc bei meiner bret. 

Der fdrchtbar schwere Dolch stammt olFenbar von einem Schnapp- 
habne, der sich ans dem Stegreif ufthrte. Ohne adeliges Prft- 
dicat sehrieb er sich nnversch&mt : Hanns zn Schwaben, vielleicht 
well er ein Schwabe war, (da sonst nur die höchsten Herrn sich 



SCHHIFTZÜeB AUF KLINGEN. 4M 

vom Laude schrieben). Die ersten zwei Verse tragen das CkprKge 
der m. h. d. Dichtungsweise eiuer schöneren Zeit^ und sind viel- 
leicht einer stattlichen Ritter -Wehr entnommen — die letzten 
scheinen sein Machwerk. Die Redensart : gedeubt, gedieht, war 
damals so fiblich, wie >gebubt, geh*"^* « etc. Er bekennet sich 
nicht nur ganz frech zum Diebshandwerke, er macht noch obendrein 
gute Vorsätze. — Leider sind Knopf, Griff und Parirkrenz die- 
ses denkwürdigen Dolches falsch. Die Klinge gäbe zur BrSrterung 
folgender Fragen Veranlassung: 1. ob mau um 1986 etwa schon 
auf Klingen ätzte ? — 2. ob nicht die ganze Schrift gehauen oder 
gravirt worden? — 8. oder endlich, ob nicht die gaase Schrift 
höchst täuschend nachgebildet wurde? — 

Ähnliche Verse auf Klingen werden im XVI. Jahrb. häufig; 
so z. B. auf der Parirstange eines Schwerts in Lliv« Minucxa 
Sammlang CFinckb Tab. ClI.) um 1495 von Dübib gravirt: 

5lin nunier lioiUd ^ot«t t^roMon 

3i Wliefi (den will jetzt) fiten ie^enmra. 

und auf einem deutschen Schwerte aus den Aufttng des XVI. 
Jahrhunderts (Fingkb's MBtrick. Tab. CUI.) : 

^Ut (hfite) ^idif l^ab a^t auf ml4 
traf t4 ^i4| i4 wxf^nti^ %i^. 

Kehrseite • fno^ nn^ |14 ^4 <^^n P 

1^0r alm Uv ^ir il^a^en tfan oiä 
Vnbreio t«t je^t wfi fit 

(Schau um dich, und hüte dich vor Jedem, dw dir Schaden thun 
will. Falschheit ist jetzt sehr häufig«) 

Diese Liebhaberei übertrieb man im XVI. Jahrhundert so 
sehr, dass man öfters auf Schwertkliugen ganze