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Full text of "Wissenschaftliche Ergebnisse einer zoologischen Expedition nach dem Baikal-See unter Leitung des Professors Alexis Korotneff in den Jahren 1900-1902"

er Leitung des Professors Alexis Korotneff in den Jahren 1900 — 1902. 




^xiier Zoologischen Expedition 

nach dem 



Baikal- See 



Erste Lieferung. 



Die 



1 



Oligochaeten des Baikal- Sees 



monographisch bearbeitet 



von 



Dr. W. Michaelsen 

(Hamburg). 



Mit 9 Abbildungen im Text. 




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Kiew und Berlin. 

Commissions-Verlag von R. Friedländer & Sohn. 

1905. i 





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Зоологическ1е Изс'л*дован1я Озера Байкала. 



Wissenschaftliche Ergebnisse einer Zoologischen Expedition 

nach dem 



Baikal" See 



unter Leitung des Professors Alexis Korotneff in den Jahren 1900 — 1902. 



Erste Lieferung. 



Die 

Oligochaeten des Baikal-Sees 



monographisch bearbeitet 



von 



Dr. W. Michaelsen 

(Hamburg). 



Mit 9 Abbildungen im Text. 



Kiew und Berlin. 

Commissions -Verlag von R. Friedländer & Sohn. 

1905. 



t 

:;i. 



Druck von А. Н Opfer in Burg b. M. 




Di 



'ie Oligocliaeten des Baikal-Sees sind in mehrfacher Hinsiclit von hervorragendem 
Interesse. Nicht nur in morpliologischer und systematischer, sondern auch in geographischer 
Beziehung bot das Studium derselben besondere Ul;eriaschungen dar. Die Haupt- Charakterzüge 
der Oligochaeten-Fauna des Baikal-Sees traten schon nach Untersuchung der ersten, aus dem 
Jahre 1901 stammenden Ausbeute der von Herrn Prof. A. v. Kokotneff geleiteten russischen 
Expedition hervor. Wenngleich die Ausbeute des Jahres 1902, die der vorliegenden Abhandlung 
hauptsächlich zu Grunde liegt, viele neue Formen, unter anderm auch spezifische Tiefenformen, 
zu unserer Kenntnis Ijringt. und damit die früher gewonnene Anschauung von dem faunistischen 
Charakter jedeutsam vertieft, so ergeben sich doch nicht eigentlich neue Charakterzüge. Es 
bedarf demnach hier nicht einer erneuten Prüfung dieser Verhältnisse, sondern nur einer zusammen- 
fassenden, die neueren Funde mit in Rücksicht ziehenden Darstellung unter Hinweis auf früher 
veröffentlichte Untersuchungen. 

Ich lasse zunächst eine systematische Liste der Oligocliaeten des Baikal-Sees folgen. 
Mit dieser Liste vereine ich 3 Kolumnen, deren erste die Anzahl der Fänge, in denen die 
betreffende Art vertreten war, angibt, während die zweite die horizontale Verbreitung der Art 
im Baikal-See (N. = nördliches Ende, Sw. = südwestliches Ende, mt. =^ mittlerer Teil des Baikal- 
Sees), die dritte die vertikale Verbreitung, das Tiefen -Л^огкоттеп in Metern anzeigt (die großen, 
300 m übertreffenden Tiefen sind durch Fettdruck hervorgehoben). 



• 


Zahl 

der 

Fänge 


Horizontale 
Л'erbreitung 


Bathy- 

metrische 

Verbreitung 

in m 




Zahl 

der 

Fänge 


Horizontale 
Verbreitung 


Bathy- 

metrische 

Verbreitung 

in m 


Naididae 

ühaetogaster 
C. diaphanus (Gkuith.) . . . 

Nais 
iV. obtusa (Gerv.i 

Ripisies 
R. parasita (0. 8снмЛ • • • 

Stylaria 
S. lacHstris (L.) 

Tubificidae 

ClitelUo 

C. Korotnefß, n. sp 

С nmltispimis n. sp. . . . . 


1 

ü 

1 
I 

U 

1 


N. 

N.-Sw. 

X. 

X. 

N.— Sw. 

N. 


? 

6 

•j 

6—207 
11 


Branchmva 
B. cocchica (Vejd.) var. nov. 
inaequalis 

j Lycodrilus 
L. scliizochaetns (Micm.sN.) . 
L. Dybowskü Geube .... 
L. phreoäriloides n. sp. . . . 

L. parvus 11. sp 

L. Grabel n. sp 

Limnodi-ilus 
L. baicalensis Michlsn. . . . 

. Tubifex 
T. inflatxis Michlsn 


1 

10 
(i 
4 
5 
1 

9 

36 


S. 

N.-Sw. 
N.- Sw. 

mt. 

N,— Sw. 
mt. 

N. -Sw. 
N.— Sw. 


7 

6>/2-Г)6 

61/2—74 

4—8 

1 1—96 

10 

4-30 

4—1200 





Zahl 

der 

Fänge 


Horizontale 
Verbreitung 


Bathy- 
metrische [ 
Verbreitung 
in m 




Zahl 

der 

Fänge 


Horizontale 
Verbreitung 


Bathy- 

metrische 

Verbreitung 

in m 


Enchyiraeidae 

Projxippus 
р. glandulosus n. sp 

Lumbriculidae 

LamproJr'dus 
L. satyrisciis Michlsn. f. typica 

f. (lecatheca Michlsn. . . 

f, tetratheca nov 

f. ditheca Michlsn. . - . 
L. Semenhewitschi Michlsn. . 

L. nigrescens n. sp 

L, pallidus u. sp 

L. polytoreutus Michlsn. . . 

L. Dyhowskii n. sp 

L. bythius n. .sp 

L. in flatus n. sp 

L. stigmatias Michlsn. . . . 

L. ammophagus n. sp 

L. Wagneri Michlsn 

L. pyymaeus Michlsn. Ltyplca 

var. glandulosa nov. . . 

var ''' . . 


6 

1 

2 

ö 
2 

1 

22 

2 

3 

1 

. 5 
4 

1 
1.5 
5 
5 
4 
1 


mt. — Sw. 

mt. 
mt. 

N. 

mt. 

mt. 
N.-Sw. 

mt. 
mt. — Sw. 

N. 
N.— mt. 
N.-mt. 

mt. 

N. 
N.-Sw. 
N.— Sw. 
N.-Sw. 
N.-Sw. 

N. 


2—8 

21 
21—4« 

IOV2- П 
9—150 
6-11 

53—55 

6—43 

420 

600 1150 

300—857 

27—107 

25 

84—640 

8—95 

6—148 

7^75 

11 


Teleuscolex 
. T. baicalevsis (Grube) . . . 
T. Korufneffi Michlsn. 

f. typica 

f. graciUs Michlsn. . . . 
T. Grubci Michlsn 

Ägriodrilns 

A. vermivoyus n. sp 

Styloseolex 
S. baicnle.iisis Michlsn. . . . 

Bythonowms 

B. asiatims (Michlsn.) . . . 

Hhyiiehdniis 
R. bracliycephala Michlsn. 

f. typica 

var. bythia nov 

Haploiaxidae 

Haplotaxis 
H. ascaridoides n. sp 


18 

6 
10 

1 

2 

12 

9 

19 
12 

35 


N.-mt. 

mt. — Sw. 

N.-Sw. 

N.— mt. 

N.-Sw. 
N.— mt. 

N.-Sw. 
N.-Sw. 

N.— Sw. 


200-1100 

6—43 

4—82 

50 

53 -58 

6—149 

42—84 

9V2— 800 
900—1650 

iov-2— 1300 


L. isoponis Michlsn 


1 





Die horizontale Verbreitung dieser Arten ergibt wenig Bemerkenswertes. Die 
meisten in einer beträchtlichen Anzahl von Fängen vertretenen Arten (nur diese können hier 
überhaupt in Rücksicht gezogen werden) sind über die ganze Länge des Baikal-Sees (N. — Sw.) 
verbreitet. Nur einige \venige dieser häutigeren Arten sind in ihrer Verbreitung augenscheinlich 
beschränkt. So scheint J-'rojyippus glandulosus und die typische Form von Teleuscolex Korotneffi 
im nördlichen Ende zu fehlen, wie Bytlamomus asiatiacus, Lamprodrüus bythius, L. inßatus und 
Teleuscolex baicalensis andererseits im südwestlichen Ende fehlen. 

Die Kolumne der li athy ш etr is ch en Verteilung zeigt, daß die meisten Arten in 
geringen Tiefen vorkommen. Sie steigen von hier aus verschieden weit in die Tiefe, einzelne 
nur in geringem Maße — so erreicht z. B. keine der 5 Lycodrilus- Arten die 100 m-Horizontale — , 
andere bis in die tiefsten Tiefen — ■ so Tubifex inßatus, Bhynchelmis bracliycephala (forma typica -\- 
var. bythia^ und Haplotaxis ascaridoides von der B-egion des Seichtwassers bis beträchtlich über 
die 1000 m-llorizontale liinunter — . Unter diesen letzten Formen ist Bliynchelmis brachycephala 
insofern bemerkenswert, als bei dieser Art die Tiefenformen (von 900 — 1650 m) morphologisch 
von den Seichtwasserformen etwas verschieden sind, während die Formen aus mittleren Tiefen 
(von 800 m) einen Übergang (von mir noch der Seichtwasserform, forma typica, zugerechnet) 
zwischen beiden Formen darstellen. Die Tiefenform der Bhynchelmis brachycephala führt zu den 
echten Tiefsee-Arten über, die im Seichtwasser fehlen und überliaupt nur in den Tiefen vor- 
kommen. Als typische Tiefseeformen sind die beiden nahe verwandten Arten Lamprodrilus 
bythius (600 — 1150 m) und L. inflatus (300 — 857 m) zu betrachten, ferner Teleuscolex baicalensis 



(200 — 1100 oder 1200 га). Ob auch Lavqyrodrilus Dybowskii (420 ш) diesen echten Tiefenformen 
zuzurechnen ist, muß dahin gestellt bleiben, da diese Art bis jetzt nur in einem einzigen Fange 
beobachtet wurde. 

Prüfen wir nun den Charakter der Oligochaetenfauna des Baikal-Sees, so ist zunächst 
auffallend die große Zahl der Arten. Die obige Liste führt deren 36 auf, von denen einige 
noch in verschiedene Formen zerfallen. Das ist für einen See eine sehr große Anzahl. Die 
tatsächliche Anzahl ist aber micliweislich noch größer. Das untersuchte Material enthält zahl- 
reiche jugendliclie und deshalb unbestimmbare und unbeschreibbare Stücke, die sicherlich keiner 
jener .36 Arten angehören. Wahrscheinlich ist sogar die tatsäcliliche Artenzahl beträchtlich 
größer als 36. Die Fangzeit der russischen Expedition l)eschränkte sich auf eine sehr kurze, 
etwa 2 Monate umfassende Sommerperiode. Die Geschlechtsreife vieler Arten der Familie 
Lumbriculidae ist aber vermutlich an eine gewisse andere Saison gebunden, so daß diese Arten 
von jener Expedition überliaupt nicht in geschlechtsreifem Zustand erbeutet werden konnten, 
und nur geschlechtsreife Exemplare sind determinierbar. 

In zweiter Linie ist die prozentische Zusammensetzung der Oligochaetenfauna 
des Baikal-Sees beachtenswert. Von jenen 36 Arten gehören 20, also mehr als die Hälfte, der 
Familie Lumbriculidae an, einer Familie, die in anderen Gewässern stets nur in einzelnen oder 
in sehr wenigen Arten vertreten ist; kennen wir doch vom ganzen nichtbaikalischen Gebiet, 
in dem überhaupt Lumbriculiden vorkommen, nämlich von Europa und Nordamerika, noch nicht 
so viel Arten wie jetzt vom Baikal-See. Bedeutsam ist fernei- die Zahl der spezifisch baikalischen 
Formen, der auf den Baikal-See beschränkten Arten und Gattungen. Von den 36 Arten sind 
3 1 bisher lediglich vom Baikal-See bekannt und wahrscheinlich auf ihn beschränkt. Nur 5 sind 
alt-bekannte, weit verbreitete Arten, und von diesen ist eine, Branchiura cucclnea (Vbjd.), auch 
nur durch eine besondere Form, var. nov. inaequalis, vertreten. Auch für die übrigen vier weit 
verbreiteten Baikal-See-Oligochaeten bedarf es noch einer einschränkenden Bemerkung. Die- 
selben gehören sämtlich der Farn. Naididae an. Nur eine derselben, Kdis obtusa (Gehv.), ist 
an verschiedenen Stellen im eigentlichen Baikal-See gefunden worden. Die übrigen drei stammen 
lediglich von einem gemeinsamen Fundort im nördlichsten, durch Inseln vom eigentlichen Baikal- 
See abgetrennten, vielleicht eher schon der , .oberen Angara", dem Zufluß des Sees, zuzurechnenden 
„Angarski-Ssor". Dieser Fund hat dazu noch etwas unsicheres, insofern ihm jede nähere Angabe 
über Örtlichkeit und Charakter derselben fehlt. Nicht nur die Zahl der speziell baikalischen 
Arten, sondern auch die der speziell baikalischen Gattungen ist auffallend groß. Die 31 speziell 
baikalischen Arten — nur diese können hier ja in Frage kommen — gehören 12 verschiedenen 
Gattungen an, und von diesen sind 5, Lyeodrilus, Teuleiiseole.x, Agriodrilm, Styloscoleoc und Pr(ypappw, 
lediglich im Baikal-See gefunden worden. Eine echt baikalische Oligochaeten-Gattung mit der 
großen Zahl von 13 speziell baikalischen Arten ist außerdem Lamprodrilus. Man kann dieselbe 
jedoch nicht ohne weiteres jenen 5 oben aufgezählten anreihen, da die 14. Art derselben, 
L. Tolli MiCHLSN., von 2 weit von einander liegenden Örtlichkeiten Sibiriens stammt, während 
sie im Baikal-See bisher nicht angetroffen wurde. Sie steht übrigens dem baikalischen L. isoporus 
MrcHLSN. so nahe, daß sie als eine wohl erst in jüngster Periode aus dem Baikal-See nach 
Norden hin ausgewanderte oder verbreitete Art angesehen werden darf. Jedenfalls kann diese 
eine in Nord-Sibirien gefundene Art den baikalischen Charakter der Gattung Lamprodrilus mit 
13 baikalischen Arten nicht wesentlich modifizieren. 



Prüfen wir den phy 1 e tischen Charakter der echt baikalischen Oligochaeten, so 
gelangen wir auch hier zu einem bedeutsamen Resultat, nämlich zu der Erkenntnis, daß die 
meisten baikalischen Oligochaeten-Gattungen ein phyletisch sehr hohes Alter repräsentieren. 
So repräsentiert die Gattung Lamprodrilus zweifellos die uralte Form, aus der die sämtlichen 
außerbaikalischen, die europäischen und nordamerikanischen, Lumbriculiden entsprossen sind. 
Die ebenfalls baikalische Gattung Teleuscolex ist entweder noch älter als Lamprodrilus und deren 
Stammform, oder wie die übrigen aus Lamprodrilus hervorgegangen. (^Agriodrilus schließt sich 
eng an Teleuscolex an.) Als Stammgattung ihrer ganzen Familie ist auch die Enchytraiden- 
Gattung Propappus anzusehen (siehe unten!). Nicht ganz sicher ist es, ob hierher auch die 
Tubificiden-Gattung Ijycodrilus zu zählen ist, die wohl gewisse Anklänge an andere, phyletisch 
ältere Familien, zugleich aber einen gewissen bisher für phyletisch verhältnismäßig jung 
erachteten Charakter aufweist (siehe unten!). Neben diesen phyletisch alten Formen finden 
sich aber auch einige jüngere und jüngste Formen, wie z. B. eine Rhynchelmis- und eine 
Bythotiomus- Avt. 

"Welche Schlußfolgerungen lassen sich aus diesen Charakterzügen der baikalischen 
Oligochaetenfauna ziehen? Der Baikal-See ist zweifellos ein Gewässer einziger Art. Er weicht 
von allen faunistisch durchforschten Süßwasser-Seen, auch von dem ihm verhältnismäßig nahe 
liegenden Telezkischen See im Altai (vgl. Michaelsen 1903a), durch die auffallend große 
Zahl endemischer Arten und Gattungen, sowie durch das phyletisch hohe Alter vieler dieser 
endemischen Foi'men ab. Er muß also als ein geologisch sehr alter See angesehen werden, 
und zwar als alter Süßwasser-See, denn die größere Zahl der ihm eigentümlichen Oligochaeten 
sind Lumbriculiden, einer Oligochaeten-Gruppe angehörig, die niemals im Salzwasser oder auch 
nur in brackischem Wasser angetrofi'en wurde, und deren Angehörigen auch ein geringer Salz- 
gehalt des Wassers tödlich ist. Der Baikal-See kann also niemals ,,in toto" ein echter Relikten- 
See, ein später ausgesüßter Meeresteil, gewesen sein, wie früher vielfach angenommen wurde. 
Will man nicht die unwahrscheinliche, gekünstelte Annahme gelten lassen, daß er aus der 
Verschmelzung eines uralten Süßwasser-Sees mit einem bereits ausgesüßten echten Relikten-See 
entstanden sei, so bleibt nur die bereits früher von mir formulierte Erklärung: 

,, Dieser See verdankt seinen Reichtum an Tierarten überhaupt und im besonderen an 
phylogenetisch alten Formen seinem geologischen Alter und seiner Beständigkeit im Laufe der 
letzten geologischen Perioden. Er jjat die im Laufe dieser verschiedenen Perioden entstandenen 
und zur Verbreitung gelangenden Tierformen, die in anderen, weniger beständigen Seen mit 
diesen Seen verschwanden, unverändert oder wenig verändert bewahrt, und zwar nicht nur die 
vielen echten Süßwasser-Formen dieser verschiedenen Perioden, sondern auch die hin und wieder 
zur weiteren Verbreitung gelangenden Relikten-Tiere. Er repräsentiert gleichsam ein zoologisch- 
paläontologisches Museum, in dem nicht nur rezente Tierformen, sondern auch die Formen aus 
verschiedenen vergangenen Erdperioden nebeneinander aufbewahrt sind." (Michaelsex, 1902b.) 

Diese Anschauung hat auch die Zustimmung A. v. Kukotneff's, zurzeit wohl des besten 
Kenners der Fauna des Baikal-Sees, gefunden (A. v. Korotneep 1904, p. 26). 



Гаш. Naididae 

Gen. Chaetogfaster К. Baer 
Chaetogaster diaphanus (Gruith.) 

Literatur und Synonymie siehe uutcr: 

1900. Chaetogaster diaphanus, Michaelsen, Oligoehaeta; in Tierreich, Lief. 10, p. 21. 

Fundnotiz: Nördlichstes Ende des Baikal-Sees, Angarskij Ssor (ohne weitere 
Angabe über den Charakter der Ortlichkeit, wahrscheinlich in geringer Tiefe). 

Gen. Nais Müll., emend. 

Nais obtusa (Gerv.) 

Literatur und Synonymie siehe unter: 

1900. Nais obtusa, Michaelsen, Oligoehaeta; in Tierreich, Lief. 10. p. 25. 

Außerdem: 

1901a. Nais obtusa, Michaelsen, Ölig. Mus. St. Petersb. Kiew, p. 189. 

Fundnotiz: Alle Teile des Baikal-Sees, Angarskij Ssor, beiKapPokojniki, 
bei dem Uluss Usuk im MalojeMore, bei List wenitschnoj , zwischen Algen und 
an Steinen, in Tiefen von ca. 6 m. 

Gen. Ripistes Dnj. 
Ripistes parasita (0. Schm.) 

Literatur und Synonymie siehe unter: 

1900. Ripistes parasita, Michaelsen, Oligoehaeta: in Tierreich, Lief. 10. p. 31. 

Fundnotiz: Nördlichstes Ende des Baikal-Sees, Angarskij Ssor (ohne weitere 
Angabe über den Charakter der Ortlichkeit, wahrscheinlich in geringer Tiefe). 

Gen. Stylaria Lam, 

Stylaria lacustris (L.) 

Literatur und Synonymie siehe unter: 

1900. Stylaria lacustris, Michaelsen, Oligoehaeta: in Tierreich, Lief. 10, p. 33. 

Fundnotiz: Nördlichstes Ende des Baikal- Sees, Angarskij Ssor (ohne nähere 
Angabe über den Charakter der Ortlichkeit, wahrscheinlich in geringer Tiefe). 



Farn. Tubificidae 

Gen. Clitellio Sav. 
Clitellio Korotneffl n. sp. 

Diagnose: Bimensionen: Länge 55- 65 mm. Dicke max. 1»/з— l' /з mm, Segnipntzahl 140—190. 

Kopflappen klein, sehwaeli geschweift kegelförmig, ungefähr so lang wie an <ler Basis breit. 

Segmente unregelmäßig viel- (ca. 8-) ringlig. 

Borsten schlanke, S-förraig gebogene, gabelzinkige Hakenborsten ohne deutlichi-n Nodulus und mit wenig längerer und 
wenig dünnerer oberer Gabelzinke, anteclitellial zu 11—6, postclitellial zu 6—4 im Bündel. 

Gürtel am 10.— 12. Segment, ringförmig, am 11. Segment ventral schwächer ausgeprägt. 

(S Poren am 11. Segment dicht lateral an den ventralen Borstenbündeln. 

Samentaschen-Po'-en auf Intcrsegmentalfurche "/ю in den Linien der ventralen Borstenbündel. 

Dissepimente '/s — "/ю schwach verdickt. 

Sanientrichter groß, flach, etwas gefältelt. Samenleiter kurz, imgefähr so lang wie die Atrien, im allgemeinen ziemlich 
dick, distal dünner, scharf abgesetzt in das proximale Ende der Atrialkammern einmündend; letztere weit, ungefähr doppelt so 
lang wie (exkl. Prostaten-Besatz) dick, stark verkrümmt, mit weitem Lumen und allseitig gleichmäßigem, dichten, zottigen Besatz 
birnförmiger Prostatadrüsen, die durchschnittlich nur wenig kürzer sind als die Atrialkaramer dick ist. Ausführgang der 
Atrien etwas kürzer als die Atrialkanmier, scharf abgesetzt, distal dünner werdend; Penis und chitinöse Scheide fehlen. Ventrale 
Borsten des 11. Segments in Geschlechtsborsten umgewandelt, ca. '/з mm lang und 7 ц dick, fast gerade, am äußeren Ende 
schwach S-förmig gebogen und au der konkaven Seite abgeflacht oder ausgehöhlt, distal einfach- und scharf-spitzig. 

Samentaschen mit dick eiförmiger Ampulle und etwa halb so langem, dünnem, gerade gestrecktem, scharf abgesetztem 
Ausführgaug. Spermatophoren werden nicht gebildet. 

Fundnotiz: Alle Teile des Baikal-Sees, Schlamm, feiner oder grober Sand oder 
Sand mit Kieselsteinen, in Tiefen von 6 — 267 m. 

Vorliegend zahlreiche Exemplare, die zum Teil gut konsei'viert, meist aber unvollständig 
sind. Nur wenige Stücke sind intakt, mit normalem Vorder- und Hititeiende versehen. 

Äußeres: Die Dimensionen lassen sich nach wenigen Exemplaren feststellen. Die Länge 
derselben beträgt 55 — 65 mm, die Dicke im Maximum, etAvas vor dem Gürtel, 1 ^/g — -l-ZgUim, 
die Segmentzahl ca. 140 — 190. Der Körper ist am Vorderende am dicksten, fast angeschwollen; 
postclitellial ist er gleichmäßig dünn. 

Die Färbung ist meist ein einförmiges oder etwas schmutziges, mehr oder weniges 
helles Grau. In wenigen Fällen sind die Tiere bräunlich. 

Der Kopflappen ist schwach geschweift kegelförmig, ungefähr so lang wie an der 
Basis breit, wenn nicht ein sehr geringes länger. Manchmal, und zwar in den Fällen, wo die 
Schweifung etwas deutlicher ausgeprägt ist, zeigt er ein spitzeres, zipfelförmiges Vorderende auf 
breiterer Basis. 

Die Intersegmen talfurchen sind meist deutlich. Die Segmente sind durch 
viele ziemlich scharfe Ringelfurchen unregelmäßig in eine Anzahl, meist 8, Eingel geteilt. 

Die Borsten der lateralen und ventralen Bündel sind gleichartig. Es sind schlank 
S-förmig gebogene gabelspitzige Hakenborsten. Ein Nodulus ist nicht deutlich erkennbar. Die 
Gabelzinken sind plump, die obere sehr wenig länger und sehr wenig dünner als die untere. 
Die Borsten sind — am 10. Segment gemessen — ca. 0,15 mm lang und 7 м dick. Die Zahl 
der Borsten eines Bündels ist im allgemeinen anteclitellial beträchtlich größer als postclitellial. 
Ich fand anteclitellial 11 — 6, postclitellial 6 — 4 Borsten in einem Bündel. Die folgende Reihe 
zeigt die Zahl der Borsten bei einem darauf hin genauer untersuchten Exemplar: 



6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. Segment 



89 10 10 9867 6 34554 lat. Borsten 
91111 810668 7 VII 6 5 4 5 ventr. Borsten. 

Die ventralen Borsten des 11. Segments sind zu Gre sohl eck ts b orsten umgewandelt 
(siehe unten !). 

Der Gürtel ist vorn und hinten nicht scharf begrenzt. Er erstreckt sich über die 
3 Segmente 10 — -12 und ist im allgemeinen ringförmig. Nur ventral am 11. Segment ist er 
schwächer entwickelt, und zugleich zeigt er hier zwischen den männlichen Poren eine mehr 
oder weniger deutliche Hache Einsenkung. 

Die männlichen Poren, kleine rundliche Löcher, manchmal auf der Kuppe von 
kleinen Papillen gelegen, finden sich am 11. Segment dicht lateral von den zu Geschlechts- 
borsten umgewandelten Borsten der ventralen Bündel, die zwar auch fächerförmig, aber nicht 
(|uer, sondern parallel der Sagittaltläche gestellt sind. 

Die weiblichen Poren liegen auf Intersegmentalfurche ^ '/le "^ clen Linien der ven- 
ti'alen Borstenbündel. 

Die Samen taschen -Poren, kleine Querschlitze, liegen auf Intersegmentalfurche ^/j^ 
in den Linien der ventralen Borstenbündel. 

Innere Organisation: Das Dissepiment 'Y^ ist vollständig ausgebildet, aber zart. Die 
Dissepimente */g — ^1^^ sind etwas verdickt, die mittleren derselben graduell etwas stärker, aber 
immerhin noch ziemlich schwach. 

Der doi'sale Schlundkopf ist mäßig dick und sehr breit, weit auf die Ventraiseite 
des Schlundes übergreifend, in starke und regelmäßige Falten gelegt. Speicheldrüsen sind 
spärlich vor dem Dissepiment '^|^ und im 4. Segment 
vorhanden. Der Oesophagus geht allmählich in den 
Mitteid arm über. 

Keines der l^ransversalgefäß e des Vorder- 
körpers ist deutlich herzartig angeschwollen. 

Ein Paar große, schlank gelappte Hoden ragen vom 
ventralen Rand des Dissepiments ^/^^ in das 10. Segment 
hinein. Ein unpaai-iger breiter, intersegmental ein- 
geschnürter Samen sack erstreckt sich durch mehrere Js_ 
Segmente, z. B. bis in das 1 8. Segment, nach hinten. 
Ein Paar große, flache, etwas gefältelte S а m e n t r i с h t e r 

,. T-\' • jIA/- 1/-ЧГ« iCi" 1 Fig- 1- CHteUiü Korotueffi n. s]). Mäuiilicher Ausführapparat. 

liegen vor Dissepiment ^L, im 10. Segment. Sie gehen, . ,.., . д. • , л. ■ ,i 

о "1 /11 о o-ag = Ausfuhrgang des Atriums ; ak = Atrialkammer ; ds = 

das Dissepiment ^"/„ durchbohrend, in ziemlich kurze, Dissepiment ">/„; gb = Geschlechtsborsten ; pr = Piostaten- 
^^ Besatz; sl = Samenleiter; st = Samentrichter. 

im allgemeinen verhältnismäßig dicke, etwas gewundene 

Samenleiter über. Die Samenleiter sind ungefähr so lang wie die Atrien. Am distalen 
Ende verjüngen sich die Samenleiter stark und treten dann in das breit gerundete jiroximale 
Ende je einer Atrial kam in er ein. Die Atrialkammern sind ungefähr doppelt so lang wie 
exkl. Prostaten-Besatz dick, stark verkrümmt, an beiden Enden breit gerundet. Ihr Lumen ist 
sehr weit, ca. 0,15 mm, ihre eigentliche Wandung sehr dünn. Die Wandung ist innen von 
einem ziemlich niedrigen, mit Flimmerwimpern versehenen Epithel ausgekleidet und außen 




allseitig gleichmäßig mit einem dichten, zottigen Prostaten -Besatz ausgestattet; derselbe 
besteht aus großen, durchschnittlich etwa 0,12 mm langen, wenig-zelligen, gleichmäßig und 
mäßig grob granulierten birnförmigen Drüsen. Distal geht die Atrialkammer in scharfem 
Absatz in den Ausführgang des Atriums über. Der letztere ist etwas kürzer als die Atrial- 
kammer, proximal ziemlich breit, etwa '-/^ so dick wie die Atrialkammer, während er distal 
allmählich enger wird. Diese distale Verengung des Atrien-Ausführganges ist nur an Schnitt- 
serien, nicht an freihändig präparierten Objekten, ohne weiteres ersichtlich, da der Ausführgang 
von einem Mantel lockerer Längsmuskeln eingehüllt wird, die ihn viel dicker erscheinen lassen, 
als er tatsächlich ist. Penis und chitinöse Scheide fehlen. Dicht medial neben dem 
Ausführgang der Atrien ragen die ventralen Borsten des 11. Segments hervor. Dieselben sind 
zu Greschlechtsborsten umgewandelt, fast gerade gestreckt, nur distal deutlich, wenn 
auch nur schwach, gebogen, und zwar im Siime der S-Form; sie sind bei einer Dicke von ca. 7 ц 
ungefähr '/g mm lang; ihr äußeres Ende ist an der konkaven Krümmungsseite abgeflacht oder 
gar etwas ausgehöhlt, distal einfach- und scharf-spitzig. Diese Geschlechtsborsten stehen zu 
ungefähr 7 im Bündel, und zwar fächerförmig nebeneinander; die Spreite dieser Fächer liegt 
aber nicht wie bei den normalen Borstenbündeln quer, sondern parallel der Längsrichtung des 
Körpers, und die Geschlechtsborsten liegen derai'tig im gemeisamen Borstensack, daß sie gegen 
das distale Ende konvergieren. 

Ein Paar Ovarien ragen voui ventralen Rand des Dissepiments '"/u i" ^^^ ü- Segment 
hinein. Winzige Bitrichter sitzen ventral an der Vorderseite des Dissepiments '7i2- Sie 
münden durch kurze, enge, gerade gestreckte Eileiter aus. 

Die Samentaschen liegen im 10. Segment. Sie bestehen aus einer dick-eiförmigen, 
fast kugeligen Ampulle und einem etwa halb so langen, dünnen, scharf abgesetzten, gerade 
gestreckten Ausführgang. Die x\mpulle der Samentaschen enthält unregelmäßig und locker 
zusammengeballte Samenmassen. Spermatop hören werden nicht gebildet. 

Erörterung: C. Korotneffl n. sp. unterscheidet sich in mehreren recht wesentlichen Charakteren 
von dem europäischen litoralen Clitellio, C. arenarius (Müll), ganz abgesehen von artlich wohl 
bedeutsamen, aber sonst nicht schwerer wiegenden Charakteren. Bei C. Korotneffl sind die 
Transversalgefäße des 8. und 9. Segments nicht herzartig angeschwollen, wohl aber bei С arenarius. 
Diese letztere Art bildet Spermatophoren, С Korotneffi nicht. Auch die Ausstattung mit 
Geschlechtsborsten mag als Charakter angesehen werden, der vielleicht für eine generische 
Absonderung des С Korotneffl spriclit. Zu beachten sind auch die innigen JJeziehungen dieser 
Art und auch wohl der folgenden zur (iattung Brancldura BedI)., emend. MlcilLSN., die sich im 
wesentlichen nur durch den Besitz von Haarborsten in den dorsalen Bündeln des Vorder- 
körpers von dieser Artgruppe unterscheidet. Ich lasse bis zur näheren Kenntnis weiterer dem 
C. Korotneffl näher verwandter Arten diese baikalische Form innerhalb der Gattung Clitellio. 

С Korotneffi scheint der unten beschriebenen Art С midtispinus naiie zu stehen. 

Clitellio multispinus n. sp. 

Diagnose: Dimensionen: Länge 57 mm, Dicke am N'ordeikörper З'.а- i mm, am Mit.telkiii-per ca. 2 mm, am Hiiiterende 
l'/j — 1 mm; Si'gmentzahl ca. lltl. 

Färbung bniunlieLi grau; zahlreiclie winzige Pigmentsprenkel in der Haut zerstreut. 

КорГ zygololjisch; Kopflappen klein, spitz kcgellormig, etwas länger als an der Basis breit; Segmente durch 2 — 4 zarte 
ßingelfurchen geteilt ; Int ersegmentall'u rchon scharf. 



Bürsten sämtlich gleichartig und an Größe nur wenig verschieden, schlank S-förmig gebogen, mit undeutlichem Nodulus 
am Ende des distalen Drittels, distal gegabelt, mit längerer, schlanker, an der Uuterseite etwas ausgehöhlter oberer Gabelzinke und 
kürzerer, dickerer unterer Gabelzinke. Borsten am Mittel- und Hinterkörper zu 5—6 im Bündel, am Vorderkörper bis zu 16 im 
Bündel; Borstenzahlen in den Bündeln der Geschlechtsregion verringert. 

Dissepiment ^/e bis ungefähr '-/n verdickt. 

Fundnotiz: Nördlicher Teil d es Baikal - Sees , Bucht Ajaja, Sandgrund, in der 
Tiefe von lim. 

Vorliegend 3 unreife Exemplare, von denen jedoch nur eines anscheinend vollständig ist. 

Äußeres: Die Dimensionen lassen diese Art als Riesen in ihrer Gattung erscheinen. 
Die Länge des anscheinend vollständigen Tieres beträgt zwar nur 57 mm, die Dicke erreicht 
jedoch am spindelförmig verdickten Vorderkörper bei den drei Exemplaren З'/о bis 4 mm. Am 
Mittelkörper sind die Tiere etwa 2 mm dick und gegen das Hinterende verringert sich die 
Dicke bis auf etwa 1 mm. Die Segmentzahl des vollständigen Stückes betraut ungefähr 110. 

Die Färbung der konservierten Tiere ist bräunlich grau. Bei mikroskopischer Be- 
trachtung der Haut erkennt man in ihr zahlreiche zerstreute, winzige Pigment-Sprenkel. 

Der Kopf ist z^^golobisch. Der Kopf läpp en ist klein, spitz kegelförmig, sehr wenig 
länger als an der Basis breit, durch eine mehr oder Aveniger deutliche Ringelfurche oder dorsale 
Einsattlung geteilt. Die Intersegmen talfur ch en sind scharf, die Segmente besonders des 
Vorderkörpers durch 2, 3 oder 4 zarte, mehr oder weniger deutliche Ringel furchen geteilt. 

Die Borsten sind sämtlicli gleichartig gestaltet, nur in der Größe etwas (sehr wenig) 
verschieden. Sie sind schlank S-förmig gebogen und zeigen etwa am Ende des distalen Drittels 
einen undeutlichen Nodulus; ihr distales Ende ist gegabelt, und zAvar fassen die Gabelzinken 
in der Profilansicht einen Winkel von annähernd 90" zwischen sich; die obere Gabelzinke ist 
schlank, fast doppelt so lang wie an der Basis dick, an der der unteren Gabelzinke zugewendeten 
Unterseite etwas ausgehöhlt; die untere Gabelzinke ist kürzer und plumper, nicht ganz so lang 
wie an der Basis dick, kaum halb so lang wie die obere Gabelzinke. Auffallend ist die große 
Zahl der Borsten in den Bündeln des Vorderkörpers, in denen sie bis 16 steigt, wähi-end sich 
am Mittel- und Hinterkörper imr 5 oder 6 Borsten im Bündel finden. Eine deutliche Ver- 
ringerung zeigt die Zahl der Borsten in den Bündeln der Geschlechtssegmente, zumal in den 
ventralen. Folgende Zahlenreihen, nach einem genauer untersuchten Exemplar festgestellt, 
mögen als Beispiel für das in der Geschlechtsregion unterbi'ochene Anwachsen der Borsten- 
zahlen gegen das Vorderende dienen: 

Segment: II III IV V VI \II VIII IX X XI XII ХИ1 XI\' XV XVI XVn XVIII 



laterale Bündel: 
ventrale Bündel: 



12 10 16 10 9 6 ö 5 3 -1 4 5 5 5 6 5 5 

12 13 14 10 8664311 4 55 5 5 6 

Von äußeren Geschlechts-Charakteren ist fast nichts zu erkennen . Als geschlecht- 
liche Modifikation ist aber die Verringerung der Borstenzahlen in der Geschlechtsregion 
anzusehen und wahrscheinlich auch eine andere Eigenlieit: Die ventralen Borstenbündel einiger 
dieser Segmente, besonders deutlich der Segmente 9, 11 und 12, stehen auf kleinen Erhabenheiten, 
die, wo sie deutlicher ausgeprägt sind, wie kleine Papillen aussehen. 

Innere Organisation: Die Dissepimente ^/g bis ungefähr '-/^^ sind deutlich verdickt, 
die nächst folgenden zwei oder drei mehr oder weniger undeutlich verdickt. 

Ein Paar breit bandförmige, zusammengelegte Hoden ragen vom ventralen Rand des 
Dissepiments "/^^ in das 10. Segment hinein, ein Paar große Ovarien vom Dissepiment ^^/^^ 

2 



10 

in das 11. Segment; die Ovarien bestellen aus einer großen Anzahl mehr oder weniger tief 
abgeschnürter rundlicher Zellgruppen. Weitere Geschlechtsorgane waren nicht erkennbar. 

Erörterung: Trotzdem nur uni'eife Exemplare vorliegen, die noch keine systematisch 
verwertbaren Geschlechts-Charaktere aufweisen, läßt sich diese Art meiner Ansicht nach genügend 
scharf chai'akterisieren. Schon die auffallenden Größenverhältnisse, zumal aber die große Zahl 
der Borsten in einigen Bündeln des Vorderkörpers, ermöglichen eine Wiederei'kennung der Art. 

Da die Geschlechtsorgane bei den vorliegenden Stücken noch nicht erkennbar sind, so 
ist die Zuordnung dieser x\rt zur Gattung Clitellio nicht ohne weiteres angängig. Man könnte 
sie zunächst ebenso wohl in die Gattung Limnodrilus stellen. Maßgebend für die Beurteilung 
der Gattungszugehörigkeit ist die augenscheinliche Ähnlichkeit dieser Art mit dem oben 
beschriebenen C. Korotneffi. С multispinus unterscheidet sich, soweit die unreifiui Stücke erkennen 
lassen, von C. Korotneffi nur durch ilii" enorme Größe, durch die etwas größere Anzahl der 
Borsten in einigen Bündeln des Vorderkörpers, soAvie durch die Gestalt der Borsten, deren 
obere Gabelzinke fast doppelt so lang wie die untere ist. 

Gen. Brancliiura Bedd. 
Branchiura coccinea (Vejd.) var. nov. inaequalis 

Litteratur imd Syuonymie siehe unter: 

1900. Branchiura coccinea, Michaelsen, Oligoehaeta; in Tierreich, Lief. 10, p. 40. 
Außerdem: 

190.3. Branchiura coccinea, Michaelsen, Hamburgische £lb-Untersuchuug IV. Oligochaeteu, p. 187, Taf. Fig. 8. 
Diagnose: (Tabelzinken der dorsalen Fäoherborstcn verschieden lang, dazwischen liegende Pächerspreite undeutlich. Haar- 
borsten nur am 2. — i3. oder bis i. Segment. Im übrigen wie die typische Form. 

Fundnotiz: Südlicher Teil des Baikal -Sees, bei S als an, in der Tiefe von 
ca. 7 mm, Sand- und Steingrund. 

Die vorliegenden Stücke scheinen in den meisten Punkten mit den früher von mir unter- 
suchten deutschen Exemplaren von Branchhird coccinea (1. с sub 1*J03) übereinzustimmen; doch 
fand ich bei den Baikalsee-Stücken die beiden Gabelzinken der dorsalen Fächerborsten deutlich 
verschieden lang und die dazwischen liegende Fächerspreite selir undeutlich; Haarborsten fanden 
sich nur all sehr wenigen — 2 oder 3 — der ersten borstentragenden Segmente. Ich glaube 
diese Form als Varietät von der typischen absondern zu sollen. 

Branchiura coccinea (Vejd.) scheint eine ungemein weit verbreitete, an den entfernten 
I'undstellen in etwas verschiedener Form auftretende Art zu sein. Neuerdings hat Benha3I 
eine hierher zu rechnende Form in einem See der Nord-Insel Neuseelands (im Taupo-See) 
entdeckt. Benham stellt für diese Form nicht nur eine neue Art — das möchte noch zu recht- 
fertigen sein — , sondern auch eine neue Gattung auf: 2\mpodriluf< -ninplex (Benham 1903, p. 209). 
Er begründet diese neue Gattung ausschließlich durch die angeblich abweichende Struktur des 
Atriums. Bei der offenbar nahen Verwandtschaft zwischen diesen Formen kann ich jedoch nicht 
glauben, daß hier ein so wesentlicher, prinzipieller Unterschied vorliegt. Es handelt sich bei 
dem Fehlen und Vorhandensein eines Prostaten-Besatzes am Atrium vielleicht gar nur um 
verschiedene Stadien geschlechtlicher Ausbildung. Ich halte es für annehmbar, daß bei den 
BEXHAM'sclien Stücken die Periode der geschlechtlichen Tätigkeit bereits verflossen, die Prostata- 
Zellen schon vollständig aufgebraucht, geschwunden waren. Auch die artlichen Besonderheiten 



11 

der BENHAM'solien Form scheinen mir nicht besonders wesentlich. Daß die Samentaschen der 
B. coccinea tatsächlich einen kleinen aber deutlichen Ausführgang besitzen, und daß sie dicht 
hinter Inters(^gmentalfurche '-^/j^ ausmünden, abweichend von den Angaben Stolc's, habe ich 
schon früher nachgewiesen (1903 c, p. 187). Die verschiedene Form der Geschlechtsborsten 
halte ich nicht für besonders wesentlich. Es handelt sich hier wohl nur um eine verschieden 
starke Abweichung von der Gestalt ncn-maler Borsten; fand Stolc (1888, Tab. IV Fig. 13d) 
doch schon innerhalb eines Bündels eine verschiedene Ausbildung. Die eine (1. с Fig. 13dj^) 
gleicht in der Gestaltung fast den normalen ventralen Borsten; eine andere (1. с Fig. ISd.,) 
weicht durch Einspitzigkeit des distalen Endes stark von denselben ab. Es bedarf nur einer 
geringen weiteren Abweichung, einer etwas geraderen Streckung und einer Verdickung, so 
erhalten wir die Geschlechtsborste des Tawpodrüus svmplex Bbnbam. Immerhin mag man hieraus 
Veranlassung nehmen, die neuseeländische Form als Varietät von der europäischen und den 
baikalischen abzusondern. Ich bezeichne sie als Brandiium coccinea (Л^е.ш.) var. shvple.v (Benham). 

Gen. LyCOClriluS Grube, Michlsn. emend. 

Diagnose: Borsten im allgeraeiiien einzeln oder paarig, höchstens an einigen Segmenten des Vordereudes mehr als 2 im 
Bündel, im allgemeinen distal einfach-spitzig, höchstens etwaige größere Borsten gabelspitzig; Borsten eines Bündels stets gleichartig, 
diejenigen verschiedener Bündel meist stark verschieden, selten sämtlich fast gleichartig. 

Samenleiter mehr oder weniger lang; Atrien mit je einer einzigen Prostata. 

Samentaschen vorhanden, mit Spermatophoren in der Ampulle (stets?). 

Das neu untersuchte Material aus dem Baikal-See bringt mit einer beträchtlichen 
Vermehrung der Artenzahl eine bedeutsame Erweiterung der Diagnose dieser Gattung. Lycodrilus 
ist nach Untersuchung dieser neuen Arten an geschlechtlich wohl ausgebildeten Stücken ein 
echter Tubificide, und zwar schließt er sich eng an die Gattung Limnodrilus an, so eng, daß 
es tatsächlich schwer ist, die Grenze zwischen beiden zu ziehen. Keiner der auf den Borsten- 
verhältnissen beruhenden Merkmale ist ganz durchgehend, wenn auch kein Lycodrilus wirkliche 
Limnodrikis-Borsten aufweist. So stehen, im Gegensatz zu Limvodrilm, im allgemeinen die 
Borsten der Lycodrilus- Arien einzeln oder in Paaren. Bei L. Gruhei aber vermehrt sich die 
Zahl der Borsten eines Bündels an einigen Segmenten des Vorderkörpers über die Zweizahl 
hinaus. In ähnliciter Weise finden sich andere Charaktere von Linmodrilns bei einzelnen 
Lycodrilus- Avten angedeutet, so die Gabelspitzigkeit bei den größeren Borsten von L. schizochaetus, 
die Gleichwertigkeit sämtlicher Borsten wenigstens annähernd bei Z. parviis. 

Auffallend ist die Verschiedenheit im Habitus der verschiedenen ryycodrilns-Avten, der 
zum Teil stark von dem gewöhnlichen Tubificiden-Habitus abweicht. Diese Eigenheit hat 
Lycodrilus mit der subantarktisch circumpolaren I'amilie Phreodrilidae gemein, der er sich auch 
durch gewisse Borstenverhältnisse nähert. Da die Familie Phreodrilidae mutmaßlich als Ahnenform 
der Tubificiden anzusehen ist, so wären die auf die Phreodriliden hindeutenden Charaktere von 
Lycodrilus als besonders alte, ursprünglichere Charaktere, und die Gattung als phyletisch alt 
anzusehen. Mit dieser Anschauung stimmt jedoch die Ausbildung des männlichen Geschlechts- 
apparates nicht gut überein. Wenigstens zeigt derselbe im Besitz einer einzigen großen Prostata 
am Atrium eine Spezialisierung, die bisher als Anzeichen einer höheren Ausbildung angesehen 
wurde, während die diffusen, einen allseitig am Atrium sitzenden zottigen Besatz darstellenden 
Prostaten als niederes Stadium galten. Die beiden Formen der Prostaten mögen aber schon 
frühzeitig nebeneinander zur Ausbildung gelangt sein. 



12 

Übersicht über die Arten der Gattung Lf/€4niritiis 

I An den Segmenteu des Vorderkörpers mehr als 2 Borsten im Bündel L. Gnihei n. sp. 

1 Borsten überall gepaart oder einzeln — 2. 

j Ventrale Borsten des \'orderkörpors ■/.. T. enorm vergrößert - - 3. 

I Keine Borsten enorm vergrößert — 4. 

I Vergrößerte Borsten distal gegabelt L. schizochaefus (Michaelses). 

i Sämtliche Borsten distal einfach-spitzig L. Dyboicskii Grube. 

) Dorsale Borsten einzeln, distal haartormig ausgezogen L. ph-eodriloides n. sp. 

1 Dorsale Borsten paarig, S-förmige Hakenborsten L. parvus n. s\). 

Lycodrilus schizochaetus Michlsn. 

1901a. Lycodrilus Dyboirskii var. schizochada, Michaelsen: Ölig. Mus. St. Petersb. Kiew, p. 184 Tab. I. Fig. 6. 

l!J03b. Lycodrilus schizochaetus, Michaelsen: Die geogr. Verb. Ölig., p. 49. 

Diagnose: Dimensionen: Länge >• 38 mm, Dicke max. 0,8 mm, am (üirtel 0,9 mm, Segmeutzahl > 150. 

Färbung weißlich. 

Iv opf zygolobisch, Kopf lappen konisch, ziemlich spitz, so lang wie breit. 

Borsten ventral am 2.— 3 , dorsal am 2. — 7. Segm. gepaart, im übrigen einzeln; Borstendistanz aa = "/s ad (bezw. bc), 
dd <^ ad; dorsale Borsten vorn zart, hinten ungemein zart; ventrale Borsten vorn sehr groß, im Maximum am 8. Segment (bis 
0,45 mm lang und 18 ц dick) hinten ungemein zart; große Borsten distal stark hakenförmig gebogen, gabelspitzig; oberer Gabelast 
etwa halb so lang wie der untere; kleinere Borsten S-förmig, mit undeutlicherer oder gar nicht erkennbarer Gabelung; Gestalt der 
Borsten etwas variabel, manchmal schlanker und weniger ausgesprochen gabelspitzig. 

Gürtel ringförmig, am 11. und 12. Segment. 

Geschlechtsporen dicht oberhalb der Borstenlinicn a; cJPoren am 11. Segm. in der Horstenzone, auf großen, um- 
gekehrt birnförmigen Penlssen; $ Poren auf lutersegmentalfurche ''/i-?; Samentaschen- Poren vorn am 10. Segment. 

Dissepiment '/4 — ^/9 von vorn nach hinten graduell stärker werdend, '/ю wieder etwas schwächer. Septaldrüsen winzig. 

Gehirn hinten tief und eng ausgeschnitten. 

Samenleiter lang, proximal dünne, distal allmählich etwas verdickt; Atrialkammer klein, fast kugelig, eine längliche 
Prostata distal kaum merklieh verengt, in ganzer Dicke der einen Seite der Atrialkummer aufsitzend; distaler Atria'teil von der 
proximalen Kammer scliarf abgesetzt, eng, geschlängelt, den Penis in ganzer Länge durchziehend, ca. 3 mal so lang wie der Durch- 
messer der Atrialkammer. 

Samentaschen mit dünnwandiger, zart riiigelstreifiger Ampulle und scharf abgesetztem, dünnem, gebogenem Ausführgang, 
der viel kürzer als die Ampulle, und dessen sehr enges Lumen geschlängelt ist. Dünne, lange, gebogene und gewundene Sperma- 
tophoren in der Ampulle der Samentaschen. 

Fundnotizen: Alle Teile d e s в а i к а 1 - S e e s , Bucht D а g а r s к а j а , Т s с h i г \v i к u j - 
Busen, bei Possolsk, List w enitsc li n oj und Kultuk, in Tiefen von 6^/, — 56 m, 
Schlamm-, Sand- und Steingrund. 

Es liegen mir außer mehreren unreifen zwei vollkommen geschlechts reife Stücke vor. 

Äußeres: Die DimensioncMi der geschlechtsreifen Stücke sind weit geringer als die der 
noch halbreifen Stücke von L. DybowsMi, zeigen die beiden reifen Exemplare von L. schizochaetus 
doch eine maximale Dicke von nur 0,8 mm in der Gegend des Gürtels. (die Gürtelregion selbst 
ist auf 0,9 mm angeschwollen). Da die beiden geschlechtsreifen Stücke nicht vollständig sind (das 
eine zeigt ein regeneriertes Hinterende, das andere scheint mit einem Bruchende abzuschließen), 
so können wir auf Länge und Segmentzahl nur nacli unreifen Stücken schließen; das größte 
vollständige unreife Stück besitzt bei einer liänge von 38 mm 160 Segmente. Die größte 
Dicke findet sich in der Gegend des Gürtels; nach vorn hin nimmt sie erst langsam, an den 
vordersten Segmenten etwas schneller ab; nach hinten nimmt sie ziemlich gleichmäßig ab; die 
hintei'e Hälfte ist meist sehr dünn fadenförmig, bei unreifen Stücken nur etwa '/, mm dick. 
Der Kopf ist zygolobisch, der Kopflappen konisch, ziemlich spitz, ungefähr so lang wie 
an der Basis breit. Die Segmente sind einfach, die Intersegmentalfurchen meist scharf aus- 
gepi'ägt. Die Borsten stehen wie l)ei der verwa.n<lteM Art einzeln oder in Paaren; während 



13 

jedoch bei jener die paarige Anordnung vorherrscht, findet sie sich bei L. schizochaetus stets 
nur in kurzer Körperstrecke. Bei dem genauer untersuchten gesclilochtsreifen Stück sind die 
ventralen Borsten nur am 2. und 3. Segment, die dorsalen Borsten nur am 2. bis 7. Segment 
gepaart, im übrigen aber einzeln stehend. Die Borstenpaare sind sehr eng (wie auch bei 
L. Dybowslii die Paare der kleinen Borsten der ersten Segmente — bei L. schizochaeius ist die 
Paarigkeit auf diese kleinen Borsten beschränkt, während die größeren, die bei L. Dybowskü 
entsprechend weitere Paare bilden, hier stets einzeln stehen; es ist also in der Weite der 
Borstenpaare nicht eigentlich ein Unterschied zwischen diesen beiden Arten festzustellen). Die 
Ventralmediane Borstendistanz ist am Mittelkörper etwa um ein Drittel kleiner als die mittleren 
lateralen; die dorsaknediane ist annähernd gleich den mittleren lateralen, höchstens sehr wenig 
kleiner (r?a = -/3 nd [bezw. bc], dd < nd^. Die Borsten der verschiedenen Körperregionen sind 
sehr verschieden groß. Das Maximum der Größe weisen die ventralen Borsten des 8. Segments 
auf (vgl. 1. с Taf. I Fig. 6); sie sind ungefähr 0,45 mm lang bei einer maximalen Dicke von 
18 ц. Ilir weit über die Körperoberfläche herausragendes distales Ende ist stark gebogen, 
hakenförmig; das proximale Ende ist fast gerade. Etwas distal von der Mitte zeigt die Borste 
einen Nodulus. Das äußerste distale Ende ist gegabelt. Die beiden Gabeläste sind einfach 
und divergieren in einem spitzen Winkel; der obere Gabelast ist viel kleiner als der untere, 
weniger als halb so lang wie letzterer. Nach vorn und nach hinten nehmen die ventralen 
Borsten an Größe al), nach vorn zu wenig, entsprechend der geringen Segmentzahl vor dem 
Maximum der Borstengröße, nach hinten jedoch allmählich ganz beträchtlich. Am Hinterende 
sind sie als winzig zu bezeichnen. Eine ventrale Borste vom zehntletzten Segment erwies sich 
als nur 0,02.5 mm lang bei einer Dicke, die auf 1 '/o M geschätzt wurde. Mit der Größen- 
abnahme ändert sich auch die Gestalt; die starke Krümmung des distalen Endes verringert 
sich und die Form der ganzen Borste sowie der distalen Gabeläste wird schlanker. Die feinsten 
Borsten des Hinterendes sind nur noch schwach S-förmig gebogen. Eine Gabelung ihrer distalen 
Enden ließ sich in keinem Falle mehr nachweisen. Die dorsalen Borsten sind schon am Voi'der- 
körper weit kleiner als die ventralen, an den ersten Segmenten ungefähr so groß, wie die 
ventralen am Mittelkörper. Sie haben dabei ganz die Gestalt dieser letzteren. Nach hinten zu 
nehmen auch die dorsalen Borsten noch an Größe ab. Am Hinterende konnten sie überhaupt 
nicht nachgewiesen werden. Die Schnelligkeit, wie die Veränderung der Borstengestalt in der 
Reihe der Segmente von vorn nach hinten vor sich geht, sowie auch die Gestalt der maximalen 
Borsten, ist variabel. Häufig erscheinen die maximalen Borsten etwas schlanker und der 
kleinere obere Gabelast ihres distalen Endes verschwindet eine kurze Strecke Aveiter hinten schon 
ganz. Diese Variabilität erweckte den Eindruck, als seien Übergänge zwischen L. schizochaetus 
und L. Dj/bowskii vorhanden. Ich bin jetzt geneigt, alle Tiere, die auch nur eine Andeutung 
der Gabelung der Borsten aufweisen, dem L. schizochaetus zuzuordnen; eine sichere Zuordnung 
ist wohl nur bei geschlechtsreifen Exemplai'en möglich. 

Ein ringförmiger Gürtel erstreckt sich über die beiden Segmente 11 und 12. Die 
männlichen Poren liegen etwas oberhalb der Stelle der fehlenden ventralen Borsten des 
11. Segments, bei beiden vorliegenden geschlechtsreifen Tieren an der Spitze weit vorragender, 
gerade abstehender P e n i s s e. Die Penisse sind umgekehrt birnförmig, distal zapfenf öi'uiig 
verjüngt, etwa 0,3 mm lang und im Maximum 0,18 mm dick. Die innere Oiganisation macht 
nicht den Eindruck, als seien die Penisse einziehbar, biin Paar weibliche Poren finden 



14 



10 



II 



sich auf winzigen Papillen etwas oberhalb der Linien der ventralen Borsten auf Intersegmental- 
furche ^7i2, ei" Paar Samentaschen-Poren in den gleichen Linien vorn am 10. Segment. Die 
sämtlichen Geschlec li tspor en liegen in gleichen Linien, die etwa den Linien der bei 
L. schizochaetus in dieser Region stets fehlenden, nur an den ersten Segmenten auftretenden 
Borsten Ъ entsprechen würden. 

Innere Organisation: Die Dissepimente des Vorderkörpers nehmen von -'/4 ^'is ^^/9 
graduell an Dicke zai; das Dissepiment **/,, ist ca. 24 м dick; das Disseitiment ''Z^,, ist wieder 
etwas dünner; die folgenden sind zart. Im 3. Segment findet sich ein kleiner dorsaler Schlund- 
kopf; vom Schlünde strahlen viele Muskeln nach der Leibeswand der Segmente 1 Ijis 3. 
Winzige Se])taldrüsen liegen im 4. und 5. (und 6.?) Segment. Der Oesophagus ist 
einfach, eng, vom 6. Segment an mit einem dicken Chlorogogenzellen-Besatz ausgestattet. Erst 
mehrere Segmente hinter der Gürtelregion erweitert er sich allmählich und schwach zu dem 
überall nur mäßig weiten Mitteldarra. Auffallende, stark angeschwollene Herzen sind nicht 
vorhanden. Das Gehirn ist hinten medial tief und eng ausgeschnitten; die Hinterlappen zu 
Seiten dieses Ausschnittes sind höckerig. 

Ein Paar ziemlich große Ho den (Fig. '2 h) ragen vom Dissepiment '^/^^ in das 10. Segment hinein. 
Ihnen gegenüber, vor dem Dissepiment '°/n> finden sich ein Paar große, flache Samentrichter (st); 
dieselben gehen nach hinten, das Dissepiment "'/n durchbrechend, in je einen anfangs (proximal) 
sehr dünnen, aber sich allmählich etwas verdickenden (im allgemeinen etwa 0,05 mm dicken) 

Samenleiter (sl) über. Dieser Samenleiter geht in einigen 
unregelmäßigen Schlängelungen durch das 1 1. und 12. Segment 
nach hinten und dann wieder nnch vorn; sich etwas ver- 
engend, mündet er hier im 1 1 . Segment in eine kleine, an- 
nähernd kugelige Atrialkammer (ak) ein. Eine Prostata 
( pr), die ungefähr doppelt so lang wie dick und etwas dicker 
и ■ • X ^^^ '^^^ Atrialkammer ist, ist der einen Seite der Atrial- 

Fig.2. х,оойп7,„ «ы.-ооь,в„„ ..Miohisn.). schem.tische каттбг aufgcpfropft ; sie geht in kaum merklicher Ver- 
Darsteiiung der Anordnmig der Geschlechtsorgane. guguug iii tUe Seitcuwaiul der x\trialkammer über und 

ak = Atrialkammer; h = Hode; o = Ovarium; 11 = Penis; . 1 • 1 i д j. • ij. -i 

pr=Prostata; si = Samenleiter; si. = Sameutasche; as= legt sich Ziemlich eng all (leu Verengten distalen Ati'iaiteil 

Saraensack; st = Samentrichter; 2 ^= 'i Porus. т>,. -i- . i д. •,ii.„;i ^v,*--,. ,„■„,>.<- 

an. Dieser enge distale x\trialteil entspringt m 
scharfem Absatz aus der Atrialkammer; er ist etwa dreimal so lang wie diese und beschreibt 
einige sehr enge Schlängelungen; er durchzieht dann den Penis (})), um an dessen Spitze aus- 
zumünden. Freie S а m e n m а s s e n finden sich im 10. Segment; ein Paar Samensäcke (ss) ragen 
vom Dissepiment '"/^ durch mehrere Segmente (bei dem untersuchten Exemplar bis in das 14.) 
nach hinten. Ein Paar Ovarien (o) ragen vom ventralen Band des Dissepiments '"/n i" das 
11. Segment hinein. Die weiblichen Ausführ ungsap i)ar ate scheinen auf kurze, enge 
Ausstülpungen des Dissepiments "/12 nach den weiblichen Poren (9) hin beschränkt zu sein. Große, 
dotterreiche Eier finden sich m der Körperregion dicht hinter dem Gürtel, anscheinend in 
dissepimentalen Eier sacken, die zugleich die Samensäcke umhüllen. 

Ein Paar Sam entas с lien (Fig. 2 sp) liegen ganz im 10. Segment, ihre Ampulle ist sehr 
groß, eiförmig oder fast kugelig, dünnwandig, zart ringelstreifig infolge von Ringfalten, die in das 
Lumen einragen. Der Ausführgang ist scharf abgesetzt, dünn, viel kürzer als die Ampulle, 




15 

gebogen und etwas geschlängelt; sein Lumen ist sehr eng und eng geschlängelt. In der Ampulle 
finden sich zahlreiche dünne, lange, gebogene und gewundene Sperm atophor en. 

Bemerkungen: Die Untersuchung des reichen neueren Materials führt mich dahin, die 
var. schizochaeta des Lyrodrilus Dybowskii Grube als selbständige Art von der typischen Form 
jener alten Grübe 'sehen Art abzusondern. Es lagen mir früher nur jugendliche Stücke dieser 
Gabelborsten-Form vor; das neuere Material enthält jedoch zwei geschlechtsreife Stücke, und 
diese zeigen, daß man es nüt einer besonderen Art zu tun habe. Ich glaube die angeblichen 
Überuangsformen sämtlich dem etwas variablen L. schizochaetus zuordnen zu müssen. 



'ö' 



Lycodrilus Dybowskii Grube 

1873. Lycoärllns Dyhoicskü, Grube: üb. unbek. Bew. Baikal-S., p. 67. 

1889. Rhynchelmis DyhowsMi, L. Vaillant. Hist. nat. Anneies, V. 3i p. 221. 

1001 a. Lycodrilus Dyboicskii, furnia typiua, JIichaelsen, Ölig. Mus. St. Petersb. Kiew, p. 183, Tab. I l'ig. 7. 

1901 b. Lycodrilus Dybowskii, Michaelsen, Fauna Oligocliaet' bajkala, p. 67. 

1902a. Lycodrilus Dybowskii, Michaelsen, Die Oligocli. -Fauna Baikal-Sees, p. 45. 

Diagnose: Dimensionen des unvollständigen fast reifen Stückes: Länge ^ 75 mm, Dicke max. am 10. Segment 0,95 mm, 
am Mittelkörper 0,4 mm, am Hinterkörper 0,22 mm: Dimensionen eines Jugendlieben Stückes: Länge 130 mm, Dicke max. am 
10. Segment 0,65 mm, am Hinterende 0,21 mm, Segmentzahl ca. 180. 

Färb u n g weißlich. 

Kopf zygolobisch, Kopflappen kurz, abgerundet kegelförmig. 

Borsten im allgemeinen in 4 Paaren au einem Segment, selten die ventralen Paare am Vorderkörper (z. B. am 2. — 12. 
Segment) durch eine einzelne Borste ersetzt. Paare um so enger, je kleiner die Borsten sind; aa <^ bc, bc = dd, im Maximum 
ab = Ч-ма. Dorsale Borsten vorn sehr zart, hinten ungemein zart; ventrale Borsten hinten ebenfalls ungemein zart, nach vorn zu 
gröLier werdend, besonders stark vom 11. Segment an, im Maximum, am 8. und 7. Segment, 0.6 mm lang und 25 ц dick, vom 
7. Segment an nach vorn zu wieder kleiner werdend, besonders an den ersten auf den Kopfi'ing folgenden Segmenten. Kleine 
Borsten einfach und schlank S-förmig; große Borsten distal stark gebogen, fleischhakonförmig, einfach-spitzig, mit starkem Nodulus. 

(JPoren an Stelle der ausgefallenen ventralen Borsten am 11. Segment. 

$ Poren auf Intersegraentalfurche ''/lä in den gleichen Linien. 

Samentaschen-Poren vor den ventralen Borsten am 10. Segment. 

Dissepimente der Geschlochtsregion etwas verdickt, besonders in den mittleren l'articn. in den Randpartien weniger deuHiich. 

Dorsaler Schlundkopf niedrig, unregelmäßig gestaltet, den Darm ziendioli w'eit umfassend. Oesophagus eng, mit 
unregelmäßigen Ringelfalten, allmählich sich zum Mitteldarm erweiternd. 

Hoden ün 10.. Ovarien im 11. Segment; Samen- und Eiersäcke im 11., 12. und 13. Segment. Reife Eier sehr groß, 
dotterreich. 

Samentrichter vor Dissepiment '"/n; Samenleiter proximal sehr eng; muskulöse Atrien birnförmig. 

Samentaschen im 10. Segment, mit ovaler Ampulle und etwas kürzerem, scharf abgesetztem, engem Ausfükrgang. 

Fundnotizen : В а i к а 1 - S e e , D YBOAVSKi leg. Nördlicher, mittlerer u n d s ü d 1 i с h e r 
T e i 1 d e s В а i к а 1 - S e e s , В u с h t D а g а r s к а j а , В u с h t В e z i m n а j а , M а 1 о j e M о r e und 
bei Possolsk, in Tiefen von б'/« — 74 m, Schlammgrund. 

Erörterung: Lycodrilus Dybowskii unterscheidet sich von L. schizochaetus (Michlsn.) haupt- 
sächlich durch die Einspitzigkeit der Borsten, die zugleich etwas schlanker und zu einem etwas 
umfangreicheren Haken gebogen sind. L. Dybowskii ist außerdem größer als sein Verwandter. 
Selbst Exemplare, die noch keine Spur von Geschlechtsorganen aufweisen, sind im dicken Vorder- 
körper deutlich dicker als die vollkommen geschlechtsreifen Exemplare von L. schizochaetus. 

Da keine vollkommen geschlechtsreifen Stücke von L. Dybowskii vorliegen, so muß es 
dahin gestellt bleiben, ob sich diese Art auch in Hinsicht der Geschlechtsorgane von L. schizochaetus 
unterscheidet. Nach den unvolliständig ausgebildeten Geschlechtsorganen zu schließen, scheint 
es nicht der Fall zu sein. 



16 
Lycodrilus phreodriloides n. sp. 

Diagnose: Dimensionen: Länge 2'з— 3 mm, Dicke max. 0,5—0.6 mm, Segmentzahl 21 — 24. 

Färbung weißlich bis grau; pigmentlos. 

Kopt prolobisch (?); Kopflappen winzig, samt dem 1. Segment und dem vorderen Drittel des 2. einziehbar. 

Borsten der verschiedenen Körperregiouen wenig verschieden, die des Mittelkörpers etwas kleiner als die der Körper- 
enden. Ventrale Borsten konstant zu 2 im Bündel, ca. 0,15 mm lang und 7 |a dick, nur am distalen Ende etwas verjüngt; distales 
Ende ziemlich stark gebogen, einfach und scharf zugespitzt. Dorsale Borsten einzeln stehend, viel länger als die ventralen, sehr 
weit über die Körperoberfläche hervorragend, ca. 0,26 mm lang und proximal 7 ц dick, distal allmählich verjüngt und ohne deut- 
liche Biegung in das haarfeine, ca. 2 ц dicke Ende übergehend; äußerste distale Spitze zu einem ungemein feinen Haken 
zurück gekrümmt. 

Gürtel ringförmig, am 10. — 12. Segment. 

c5 Poren an Stelle der ventralen Borsten des 11. Segments. Samen laschen -Po reu dicht vor der Horstenzone des 
10. Segments dicht lateral an den äußeren ventralen Borsten. 

Bin unpaariger (?) Samensack von Dissepimeut '"/ц nach hinten ragend. 

Samentrichter ziemlich groß, imregelmäßig getältelt kelohförmig; Samenleiter ziemlich lang, stark und unregelmäßig 
gewunden, fast geknäult, in das proximale Ende einer läuglichen Atrialkammer mit dicker Wandung und mäßig dickem Lumen ein- 
mündend. Eine längliche, ziemlich dicke und kompakte, bis in das 12. Segment nach hinten ragende Prostata mündet, distal zu 
einem sehr kurzen Stil sich verengend, dicht vor dem proximalen Ende seitlich in die Atrialkammer ein. Distal geht die Atrial- 
k^mmer in den kurzen und engen Ausführgang über. 

Ein unpaariger (?) Eiersack von Dissepiment "12 nach hinten ragend. 

Samentaschen mit großer, lang birnförmiger, bis in das 12. Segment nach hinten ragender Ampulle und ziemlieh kurzem, 
entrem. nicht scharf abgesetztem Ausführgang. Zahlreiche lange, dünne, stark gebogene Spermatophoren in den Samentaschen. 

Fundnotizen: Mittlere!- Baikal-See, Maloje More und bei Myssowaja, auf Steinen und in 
Spougien, in Tiefen von 4 — 8 m. 

Vorliegend ca. 15 geschlechtsreife Exemplare dieser eigentümlichen Art. 

Äußeres: Die Dimensionen sind wenig verschieden. Die Tiere sind 2'/з — 3 mm lang, 
im Maximum 0,5 — 0,6 mm dick und bestehen aus 21 — 24 Segmenten. 

Schon diese Dimensionen deuten auf eine ganz eigenartige Körpergestalt hin. Der 
Körper der Tiere ist auffallend gedrungen, kurz und verhältnismäßig dick, wie es der geringen 
Segmentzahl entspricht. Eine derartige Gestaltung ist für einen Tubificiden ganz ungewöhnlich. 
Gegen das Vorderende verringert sich die Dicke nur sehr wenig, etwas stärker, aber auch 
noch sehr mäßig, gegen das Hinterende. 

Die Färbung der konservierten Tiere ist, entsprechend der Pigmentlosigkeit der Haut, 
weißlich bis grau. 

Der Kopf scheint prolobisch zu sein. Der Kopflappen ist nicht deutlich erkannt 
worden; falls ich nicht durch eine zufällige Unregelmäßigkeit in der Form des 1. Segments 
getäuscht wurde, ist der Kopflappen winzig, quer-oval. Der Kopf ist bis zum ersten Drittel 
des 2. Segments einziehbar. Bei eingezogenem Kopf stehen die Borsten des 2. Segments hart 
am Rande der vorderen Körperöffnung und ragen von hier gerade nach vorn. 

Die Borsten entsprechen in ihrer Anordnung uml aucli in ihrer Gestalt denen der 
Gattung Phreodrilus (daher die Bezeichnung ,,L. 2)/ireoi/nl.oides^'). Die ventralen Borsten stehen 
konstant zu 2 im Bündel, mäßig weit von einander entfernt, die dorsalen stehen einzeln. Die 
dorsalmediane Borstendistanz ist ungefähr so groß wie die lateralen Borstendistanzen. Die 
Ventralmediane Borstendistanz ist nur etwa halb so groß. Die Weite der ventralen Paare ist 
uno-efähr 7з so groß wie die ventralmediane Borstendistanz. Die Borsten der verschiedenen 
Körperregionen sind wenig vei-schieden, die des Mittelkörpers etwas kleiner als die der Körper- 
enden. Die ventralen Borsten sind im Maxiraum etwa 0,15 mm lang und 7 ц dick. Sie sind 
nur o-egen das distale Ende etwas verjüngt. Das mäßig weit über die Kör])erobertläche hervor- 



o 



17 

ragende distale Bude ist ziemlich stark gebogen, einfach und ziemlich scharf zugespitzt. Die 
dorsalen Borsten sind viel länger und schlanker als die ventralen, im Maximum etwa 0,26 mm 
lang bei einer Dicke von 7 ц am proximalen Ende. Sie ragen mit dem größten Teil ihrer 
Länge über die KörperoberHäche hervor. Sie sind gegen das distale Ende allmählich und 
gleichmäßig verjüngt bis zu der haarfeinen Dicke von etwa 2 м, dabei im allgemeinen nur 
sehr schwach gebogen. Nur das äußerste distale Ende ist zu einem ungemein feinen Haken 
zurückgekrüiuuit. 

Der Gürtel ist deutlich erhaben^ ringförmig, und erstreckt sich über die 3 Segmente 
10 — 12. Bei der geringen Segmentzahl liegt der Gürtel ungetähr in der Mitte des Körpers, 
höchstens ein sehr geringes dem Vorderende näher als dem Hinterende, und verstärkt somit 
noch die Eigentümlichkeit im Habitus dieser Tiere. 

Die männlichen Poren liegen an Stelle der fehlenden Borsten des 11. Segments. 
Die weiblichen Poren sind nicht deutlich erkannt worden. Die Samentaschen -Poren 
liegen dicht vor der Borstenzone des 10. Segments dicht lateral von den Ijinien der äußeren 
ventralen Borsten (der Borsten b). 

Innere Organisation: Die Mundhöhle ist anfangs sehr eng, erweitert sich nach hinten 
aber stark. Der Schlund ist durch einen ziemlich dicken dorsalen Schlundkopf charakterisiert; 
derselbe ist in der dorsalen Medianlinie stark eingesenkt, so daß das Lumen des Schlundes im 
Querschnitt ein spitzwinkliges Dreieck repräsentiert. Der Oesophagus ist im 5.(?), 6. und 
7. Segment dorsal und lateral von zahlreichen großzelligen Speicheldrüsen umstellt, die in 
ihrer Struktur an die Septaldrüsen der Enchjtraeiden erinnern. Die Ausmündung dieser 
Speicheldrüsen ist nicht genau erkannt worden. Der О esophagus ist einfach, ziemlich weit, 
breit geschlängelt; sein Cylinderepithel ist sehr dick und mit auffallend langen Flimmerwimpern 
ausgestattet. Der Oesophagus geht allmählich in den noch weiteren, ebenfalls breit geschlängelten 
Mitteldarm über. 

Stark erweiterte, herzartige Tr ans versalgef äß e sind nicht vorhanden. Am stärksten 
scheinen die Transversalgefäße des 8. Segments zu sein, aber auch diese sind ziemlich dünn 
(ca. 30 M dick). 

Ein Paar kompakte Hoden ragen vom ventralen Rand des Dissepiments ^1^^ in das 
10. Segment hinein. Ein Aveiter, anscheinend unpaariger, den Darm dorsal und lateral etwas 
umfassender Samen sack ragt vom Dissepiment '''/^^ nach hinten in den ähnlich gestalteten 
Eiersack hinein bis etwa zur Mitte des 12. Segments. Vor dem Dissepiment "'/j^^ liegen im 
10. Segment ein Paar ziemliche gi-oße, kelcliförmige, etwas gefältelte Samen t rieht er. 
Dieselben gehen nach hinten, das Dissepiment ^^j^^ durchbohrend, in ziemlich lange, stark ge- 
wundene, fast knaulartige, ganz im 11. Segment gelegene Samenleiter über. Die Samenleiter 
sind in ganzer Länge gleich dick (ca. 24 ц). Distal münden sie in scharfem Absatz in den 
breiten Pol einer länglichen Atrialkammer ein. Diese Atrialkammern sind ungefähr 80 ц 
dick; sie besitzen eine ziemlich dicke Wandung, deren Dicke der Breite des Lumens durch- 
schnittlich gleichkommt und sie stellenweise übertrifft. Sie tragen seitlich vor dem proximalen 
Ende je eine- ziendich kompakte, etwas gebuckelte, längliche, kurz und eng gestielte Prostata, 
die bis in das 12. Segment nach hinten ragt. Distal verengen sich die Atrialkammern zu 
einem dünnen, ziemlich kurzen Ausführ gang. 



18 

Ein Paai' Ovarien ragen vom ventralen Rande des Dissepiments '"/n i" das 11. Segment 
hinein. Ein anscheinend unpaariger, breiter Ei er sack ragt von Dissepimeiit "/12 bis in das 
13. Segment nach hinten. Die großen, reifen Eier, die eine Dicke von 0,18 mm erreichen 
können, enthalten grobkörnelige Dottermassen. 

Die Samentaschen bestehen aus einer großen, lang birnförmigen, dünnwandigen 
Ampulle, die innerhalb des Samensackes bis in das 12. Segment nach hinten ragt und distal 
ohne scharfen Absatz in den engen, zieudich kurzen Ausführgaiig übergeht. Die Samentaschen 
sind bei dem untersuchten Stück von zahlreichen langen, dünnen, stai'k gebogenen Sj^erma- 
tophoren erfüllt. Die Spermatophoren sind ca. 40 ц dick. 

Lycodrilus parvus n. sp. 

Diagnose: Dimensionen: Länge 12—22 mm, Dicke miix. ca. 0,45 — 0,65 mm, Segmeutzahl ca. 65 — 75. 

Färbung weißlich oder grau. 

Kopf prolobisch; Kopflappeu gerundet, etwas länger als im Maximum breit, hinten etwas verengt; In tersegmental furchen 
mäßig scharf; Segmente des Vorderkörpers 2-riuglig; Riugel alternierend sehr verschieden lang. 

Borsten schlank S-förmig gebogen, mit Nodulus am Ende des ersten distalen Drittels, distal einfach zugespitzt, sämtlich 
annähernd gleich groß, höchstens die der mittleren Segmente des anteclitellialen Körpers ein sehr geringes größer als die übrigen, 
ca. 0,11 mm lang und 5 ц dick; ventrale und dorsale Borsten sämtlich mäßig eng gepaart; Borsteudistanz aa = '/5 bc, bc = ca. dd. 

Gürtel ringförmig, am '/2l0.--'/2l3. Segment (= 3). 

cJPoren hinter der Borstenzone des 10. Segments, der ventralen Medianlinie genähert, im Grunde rundlichei', ventralmedian 
verschmelzender Gruben. $ Poren auf Intersegmentalfurche "/12 (normal?) in den Borstenlinien ab. Samentaschen-Poren 
hinten am 8. Segment; etwas medial von den Borstenlinien a, in den Winkeln einer quer-ovalen, Ventralmedianen Vertiefung. 

Ventrale Borsten des 10. Segments zu Geschlechtsborsten umgewandelt, mit Borstendrüsen, zu mehreren im Bündel, 
ca. 0,2 mm lang und proximal ti ц dick, distal gleichmäßig verjüngt, schlank- und scharf-spitzig, besonders proximal einfach und 
ziemlich stark gebogen. 

Samentrichter mäßig groß. Samenleiter ziemlieh lang, unregelmäßig gewunden, proximal verhältnismäßig dick, distal 
düuner. Atrien lang sackförmig oder schlank birnförmig, stark gebogen, distal durch einen kurzen, engen Ausführgang ausmündend. 
Prostaten einfach, klein, mit Einkerbungen. 

Samentaschen mit dünnwandiger, unregelmäßig sackförmiger Ampulle und etwas kürzerem sehr dünnem, mäßig scharf 
abgesetztem, am distalen Ende ein sehr geringes verdicktem Ausführgaug. 

Fundnotizen: In allen Teilen des Baikal -Sees, in den Buchten Dagarskaja 
und Bogutschanskij, im Mal oje More, bei dem Uluß Byrkin und bei Kultuk, 
in Tiefen von 11 — 96 m, Schlamm oder Sand, bezw. feinkörniger Sand. 

Vorliegend mehrere geschlechtsreife Stücke. 

Äußeres: Der Habitus der Tiere ist dei jenige mittelgroßer, schlanker Enchytraeiden. 
Die Dimensionen zeigen verhältnismäßig große Schwankungen; das größte Stück ist 22 mm 
lang und im Maximum 0,6.5 mm dick, das kleinste ist nur 12 mm lang bei einer maximalen 
Dicke von 0,45 mm. Die Segmentzahl schwankt zwischen 65 und 75. 

Die Färbung ist weißlich oder grau. 

Der Kopf ist prolobisch. Der Kopf lappen ist gerundet, etwas länger als im Maximum 
breit, hinten etwas verengt. Die Inter segmentalfur chen sind ziemlich scharf, die 
Segmente am Vorderkörper mehr oder weniger deutlich zwei-ringlig; die Ringel sind alter- 
nierend sehr verschieden lang. 

Die normalen Borsten sind schlank S-förmig gebogen; sie besitzen einen deutlichen, 
wenn auch kleinen Nodulus am Ende des distalen Drittels und sind distal einfach zugespitzt. 



19 

Sie zeigen weder einen solchen Größenunterschied zwischen den ventralen und den dorsalen 
Borsten, wie am Vorderkörper von L. Dybowskii und L. schizochaetus, noch einen solchen Formen- 
unterschied dieser Borsten, wie bei L. phreodriloides, sondern sind sämtlich gleichgestaltet und 
auch annähernd gleich groß. Der einzige Unterschied zлvischen den Borsten verschiedener 
Bündel beruht darauf, daß die Borsten der mittleren Segmente des anteclitellialen Körperteils 
ein sehr geringes größer sind als die übrigen. Eine Borste des 8. Segments erwies sich als 
0,11 mm lang bei einer maximalen Dicke von 5 ц. Die Borsten stehen sämtlich zu 2 in einem 
Bümlel; sie sind mäßig eng gepaart. Die ventralmediane Borstendistanz ist etwas geringer als 
die übrigen, etwa ^/^ so groß wie diese letzteren. Die lateralen Borstendistanzen sind annähernd 
gleich der dorsalmedianen {<mi = ca. '/^ bc = ca. ^/. rfrf). 

Der Gürtel ist ringförmig, vorn und hinten undeutlich begrenzt. Er erstreckt sich 
ungefähr von der Mitte des 10. bis zur Mitte des 13. Segments, nimmt also ungefähr 3 Segmente ein. 

Die ventralen Borsten des 10. Segments sind zu Geschlechtsborsten umgewandelt; 
sie stehen zu mehreren im Bündel und sind ca. 0,2 mm lang bei einer maximalen Dicke von 
ca. 6 \x am proximalen Ende. Sie sind nicht S-förmig, sondern einfach bogenförmig gekrümmt, 
und zwar ziemlich stark, besonders in den proximalen zwei Dritteln, während das distale fast 
gerade ist. Sie sind distal schlank und scharf zugespitzt. 

Dicht hinter diesen Geschlechtsborsten, etwas weiter medial, finden sich zwei ventral- 
median miteinander verschmelzende rundliche Grübchen, in deren Grunde, also medial von den 
Borstenlinien я hinten am 10. Segment, die männlichen Poren liegen. Die Grübchen der 
männlichen Poren sind häufig von stark erhalienen Wällen umgeben, so daß sie ein saugnapf- 
artiges Aussehen erhalten. Die weiblichen Poren liegen etwas weiter lateral, in den 
Borstenlinien ab auf Intersegmentalfurche "/la- Ein Paar Samentaschen-Poren liegen 
hinten am 8. Segment, etwas medial von den Borstenlinien a, in den Seitenwinkeln einer quer- 
ovalen, Ventralmedianen Vertiefung mit drüsiger Modifikation der Haut, die jedoch nicht immer 
deutlich ausgeprägt ist. 

Innere Organisation: Der Schlund trägt einen ziemlich dicken dorsalen Schlundkopf, 
ähnlich dem der Euchytraeiden. Im 5. und 6. Segment finden sich mehrere kleine Gruppen 
großzelliger Speicheldrüsen, ähnlich den Septaldrüsen der Enchytraeiden. Der Oesophagus 
ist eng und einfach, ohne Kalkdrüsen, Chylustaschen und ähnliche Anhangsorgane. Er geht 
allmählich in den nur wenig weiteren, aber mit dickem Chloragogenzellen-Besatz ausgestatteten 
Mitteldarm über. 

Das llückengefäß entbehrt einen Herzkörper. Die Transversalgefäße sind 
ai;snahmslos ziemlich eng. 

Ein Paar Hoden liegen vorn ventral im 9. Segment. Ein unpaariger (?) Samensack 
erstreckt sich vom Dissepiment "/^j, durch mehrere Segmente hindurch nach hinten. Ein Paar 
mäßig große, unregelmäßig gestaltete S а m e n t r i с h t e r liegen vor Dissepiment "/^^ hinten im 
9. Segment. Die aus den Samentrichtern hervorgehenden Samenleiter sind ziemlich lang, 
unregelmäßig gewunden. Sie sind in der proximalen und mittleren Partie verhältnismäßig dick 
(ca. 32 |u); distal verengen sie sich bis auf eine Dicke von ca. 15 ц. Die Atrien sind lang 
sackförmig oder schlank birnförmig, stark gebogen, proximal gerundet, distal in einen kurzen, 
engen Ausführgang übergehend. Die Stelle der Einmündung der Samenleiter in die Atrien 

Э* 



20 



ließ sieh niclit feststellen (proximal?). Neben den Atrien liegen Urüsenmassen, die wenigstens 
zum Teil als Prostaten angesehen werden müssen. Zum Teil münden sie neben den männ- 
lichen Poren direkt aus, auf der 
Einsenkung in der Umgebung der 
mänidichen Poren. Zum Teil münden 
sie aber in die innere Partie der Atrien 
ein. liomolng den Prostaten anderer 
Lycodriiuf;- Arten. Die Prostaten sind 
klein und einfach, zeigen aber Ein- 
kerbungen und Vorwölbungen. 

Ein Paar Ovarien hängen 
am ventralen Rande des Dissepiments 




Fig. 3. Lycodrilus parius-a. sp. Schematisdie Darstellung der Anordnung des Geschleclitsapparates. 

ak = Ätrialkammer ; es = Eiersack; et =: Eitrieliter; gli = Geschleclitsboi-sten ; h = Hode; 

o = Ovarium; pr = Prostata; sl = Samenleiter; sp^: Samentasche; ss^Sameusack; st = Samcn- 

trichter; (? = (? Porus; 3 = 2 Porus. 



*/j(, und ragen in das 10. Segment hinein. Ein Paar Ei er sacke ragen von Dissepiment "/la 
durch mehrere Segmente nach hinten. Die reifen Eier in den hinteren Partien der Eiersäcke 
werden bis 0,28 mm dick; sie sind von mäßig grobkörnigen Dottermassen angefüllt. Ein Paar 
kleine, pantoffelförmige Eitrichter sind mit ganzer hinterer Fläche an die Vorderseite des 
Dissepiments ^'/12 angeheftet. Sie münden durch sehr kurze und enge Eileiter aus. Die 
Anordnung der verschiedenen weiblichen Geschlechtsorgane, wie ich sie hier geschildert habe, 
ist sehr auffallend. Es ist meines AVissens bisher kein Oligochaete bekannt geworden, bei dem 
die Ovarien und die Eitrichter zwei verschiedenen Segmenten angehören. Ich vermutete anfangs, 
daß sich ein zweites Paar Ovarien im 11. Segment und ein weiteres, vorderes Paar Eitrichter 
am Dissepiment ^"/ц müßten finden lassen. Ich konnte jedocli selbst bei genauester Prüfung 
der Schnittserie nichts desgleichen erkennen. Immerhin ist das vorliegende Material (ich habe 
nur ein einziges Exemplar in Schnittserien untersuclit) wohl nicht als genügend zu erachten 
für die endgültige Lösung des Problems. 

Die Samen taschen bestehen aus einer dünnwandigen, unregelmäßig sackförmigen 
Ampulle und einem etwas kürzeren, sehr dünnen, mäßig scharf abgesetzten, am distalen Ende 
schwach verdickten Ausführgang. Bei dem untersuchten Stück lag die eine Samentasche ganz 
im 8. Segment, während die andere, mit Ausnahme der distalen H;ilfte des Ausführganges, 
im 9. Segment lag und mit dem proximalen Teil der Ampulle sogar noch in das 10. Segment 
hineinragte. Das Dissepiment "/10 verursachte eine starke Einschnüriuig der Ampulle. In den 
Ampullen der Samentaschen finden sich zu dicken schupfartigen Ballen zusammengewickelte 
Samenmassen, anscheinend eingebettet in Eiweiß-artige Substanzen (Sper 111 atoph or en?). 



Lycodrilus Grubei n. 



SP. 



Diagnose: Dimensioneu: Länge 25 mm. Dicke max. 1 mm, Segmentzalil 8в. 

Färbung: einfarbig grau. 

Kopflappen sehr klein, zipfelförmig; einige Segmente des Vorderkiirpcrs mehr oder weniger deutlich 2-ringlig. mit 
kürzerem vorderen Kingel. 

Borsten am ilittel- und Hinlerkörper einzeln stehend, am Vorderkörper zn mehreren im Bündel, bis zu 6 am 2. Segment, 
nach hinten an Zahl abnehmend; Borsten S-förmig, mit gerundet-stumpfwinklig abgebogenem distalen Ende, einfach-spitzig; dorsale 
Borsten etwas größer als die ventralen, am 20. Segment 0,20 bezw. 0,12 mm lang und 11 bezw. 11 ц dick, mit Xodulus am Ende 
des distalen Drittels. Am Mittelkörper Borstendistanz dd <[ «n < ad. 

Gürtel ringförmig, am 11. und 12. Segment. 



21 

<5Poreu an Stelle der ventralen Borsten des 11. Segments; Samentaschen-Poren dicht lateral an den zu öeschlechts- 
borsteu umgewandelten Borsten des 10. Segments. Geschlechtsborsteu gerade gestreckt, hohl, bleistiftartig zugespitzt, in der 
Mitte ca. 3 ц dick. 

Dissepiment '/4 — ^/u verdickt, die mittleren derselben stärker. 

Samentrichter unregelmäßig kelchförmig; Samenleiter ziemlich lang, stark gewunden, in das proximale Ende der 
Atrien einmündend. Proximale Partie der Atrien birnförmig, mit einer großen Prostatadriise; Mittelstück der Atrien eng schlauch- 
förmig, allmählich in das zu einer Penistasche angeschwollene distale Ende übergehend. Penis zuckerhutförmig. 

Samentaschen mit unregelmäßig birnförmiger Ampulle und ungefähr ebenso langem, nicht scharf abgesetztem, engem 
Ausführgang, der dicht lateral neben dem Geschlechtsborstensack in den Querspalt des Sameiitaschen-Porus ausmündet. 

Fundnotiz : M i 1 1 1 e r e r T e i 1 d e s В а i к а 1 - S e e s , О s t s e i t e , В u e h t О n к о g а n s к а j а 
am Tscliirwikuj -Busen, Sandgrund in der Tiefe von 10 m. 

Vorliegend 2 geschlechtsreife Exemplare, von denen jedocli nur eins vollständig ist. 

Äußeres: Das vollständige Stück zeigt folgende Dimensionen: Länge 25 mm, Dicke 
im Maximum, neben dem Gürtel, 1 mm, Gürtelregioii noch etwas dicker; Dicke gegen das 
Vorderende schnell, gegen das Hinterende langsam und gleichmäßig abnehmend. Segmentzahl 86. 

Die Färbung des konservierten Tieres ist ein einfarbiges Grau; Pigmentierung scheint 
nicht vorhanden zu sein. 

Der Kopf scheint prolobisch, Avenii nicht zygolobisch, zu sein (nicht deutlich erkannt). 

Der К о p f 1 а p p e n ist sehr klein, zipfelförmig, vorn gerundet, ftist doppelt so lang wie dick. 

Die Borsten stehen nur postclitellial, am Mittel- und Hinterkörper, einzeln, ante- 
clitellial finden sich mehrere im Bündel, und zwar nimmt die Zahl nach vorn hin zu. Ich fand 
bei einem Exemplar am 2. Segment 6 Borsten im Bündel, am 3. bis 5. Segment je 5, am 
6. bis 12. Segment, nicht ganz regelmäßig sich vermindert, je 4, 3 oder 2. Die Borsten sind 
S-förmig gebogen, jedoch nicht ganz regelmäßig, insofern das distale Ende gerundet-stumpf- 
winklig abgebogen ist. Ein deutlicher Nodulus findet sich ungefähr am Ende des distalen 
Drittels; sie sind einfach-spitzig. Die Größe der Borsten verschiedener Bündel ist etwas ver- 
schieden; an den Segmenten des Vorderkörpers nehmen sie von vorn nach hinten an Größe 
zu; ungefähr vom 6. Segment an bleiben die Borsten jeder Borstenlinie gleich groß, doch sind 
die dorsalen Borsten deutlich größer als die ventralen. Am 20. Segment erwies sich eine 
dorsale Borste als 0,20 mm lang bei einer maximalen Dicke von 14 ц, während eine ventrale 
Borste dieses Segments nur 0,12 mm lang und im Maximum 1 1 ц dick war. 

Der Gürtel ist ringförmig, stark erhaben; er nimmt die beiden Segmente 11 und 12 ein. 

Die männlichen Poren, als tiefe, kurze Querschlitze erkennbar, liegen an Stelle 
der fehlenden Borsten des 11. Segments; die weiblichen Poren glaube ich in ähnlichen 
Querschlitzen gerade hinter denen der männlichen Poren erkannt zu haben; die Samentasche n- 
Poren liegen im Grunde ähnlicher, aber etwas längerer Querschlitze in der Borstenzone des 
10. Segments in den gleichen Linien. Die ventralen Borsten des 10. Segments sind durch je 
eine Geschlechtsborste ersetzt. Diese Geschlechtsborsten sind vollkommen gerade gestreckt, 
hohl, distal bleistiftartig zugespitzt, in der Mitte etwa 3 \i dick. Sie ragen dicht medial neben 
der Ausmündung der Samentaschen aus der Vorderwand der schlitzförmigen Einsenkung der 
Samentaschen-Poren hei'aus. 

Innere Organisation: Die Dissepimente 7^ bis *^/,, sind verdickt, und zwar die mittleren 
derselben graduell stärker als die äußeren. Die Verdickung betrifft hauptsächlich die mittleren, 
an den Darm anstoßenden Partien der Dissepimente. während die peripherischen Partien weniger 
stark verdickt sind. 



22 

Der Schlund besitzt einen nur schwachen dorsalen Schlundkopf. 

Ein Paar Hoden ragen vom ventralen Rande des Dissepiments ®/j,, in das 10. Segment 
hinein. Samensäcke finden sich sowohl im 9. Seo-ment, wie in einigen zunächst auf das Hoden- 

О ■ О 

Segment folgenden Segmenten. Ein Paar ziejnlich große, dünnwandige, unregelmäßig kelch- 
f örmige S а m e n t r i с h t e r liegen vor Dissepiment "'/„ im 1 0. Segment. Die Samenleiter 
sind ziemlich lang, unregelmäßig gewunden oder geknäult; sie münden unter scharfem Absatz 
in das dicke, gerundete proximale Ende der Atrien ein. Die proximale Partie der Atrien 
ist birnförmig, gebogen, und trägt eine große, unregelmäßig gestaltete Prostata, deren 
distales Ende als dicker Wulst in das Lumen des Atriums hineinragt und den größeren Teil 
desselben ausfüllt. Die kurze Mittelpartie der Atrien ist eng schlauchförmig und geht distal 
in eine viel dickere zylindrische P e n i s t а s с h e über. Die Penistasche enthält einen zucker- 
hutförmigen, axial durchbohrten P e n i s. Der Penis ist im innersten Winkel an der Penistasche 
befestigt. Zweifellos kann die Penistasche ausgestülpt und der Penis hervorgestreckt werden. 

Ein Paar Ovarien ragen vom ventralen Rande des Dissepiments '"/л in das 11. Segment 
hinein. Ein unpaariger (?) Ei er sack erstreckt sich bis durch das 14. Segment nach hinten. 
Die in ihm enthaltenen reifen Eizellen sind bis 0,6 mm dick, von gleichmäßigen groß- 
körnigen Dottermassen erfüllt. К i t r i с h t e r und Eileiter sind nicht erk annt worden. 

Die Samen taschen bestellen aus einer unregelmäßig birnförmigen Ampulle, die bis 
weit in das 11. Segment nach hinten ragt, und einem ungefähr ebenso langen, nicht scharf 
abgesetzten, engen Ausführgang, der in dem innersten Winkel der spaltförmigen Einsenkungen 
am 10. Segment ausmündet; in die Vorderwand dieser Einsenkung dicht medial von dem Sameu- 
taschen-Porus mündet der Gl e s с h 1 e с h t s 1) о r s t e n s а с к aus. 

Erörterung: L. Grubei unterscheidet sich durch die größere Zahl der Borsten in den 
Bündeln der vordersten Segmente von den übrigen Arten der Gattung Lycodrilus. Er nähert 
sich hierdurch der Grattung: Linmodrilus. 



'ö 



Gen. Linmodrilus Clap. 
Lymnodrilus baicalensis Michlsn. 

1901a. Limnodrihis baicalensis, Michaelsen, Ölig. Mus. St. Petersb. Kiew, p. 140 Taf. II Fig. 11, 12. 

Diagnose: üimeusioneu: Länge 25—38 mm, Dicke шах. 0,(j — 1,0 mm, Seg'meiitzahl !Ю — 190. 

Kopflappeii kurz, gerundet, kuppeiförmig bis kegelförmig. 

Segmente unregelmäßig geringelt, meist eine Ringelfurfhe etwa am Ende des vorderen Drittels stärker. 

Horsten sämtlich gleichartig, meist zu 4 — 6, am Vorderkörper bis zu 8, im Bündel, schwach S-förmig gebogene gabel- 
spitzige Hakenborsten mit schwachem Nodulus; obere Gabelzinke so lang wie die untere oder länger, bis mehr als doppelt so laug. 

Gürtel ringförmig, am '/з^О- — Vsl^. Segment. 

(JPoreu au Stelle der ausgefallenen äußeren (lateralen) Borsten der ventralen Bündel des 11. Segments. 

Samen taschen-Poren an Stelle der zurückgezogenen, zu Geschlechtsborsteu umgewandelten Borsten der ventralen 
Bündel des 10. Segments. 

Atrien exkl. Penis in ganzer Länge ca. 7mal so lang wie dick; etwa doppelt so dick wie die distalen Partien der Samen- 
leiter; Samenleiter laug, scharf von den Atrien abgesetzt, in deren gerundetes proximales Ende sie etwas schräg einmünden. 
Prostaten herzförmig oder wenig gelappt, mit engem, sehr kurzem Stiel (fast stiellos). Penis eiförmig, distal gerundet, ohne 
chitinöse Scheide, ungefähr so dick wie die Atrien. 

Samentascheu mit mehr oder weniger lang eiförmiger, etwas abgeplatteter Ampulle und kurzem, engem, scharf ab- 
gesetzten Ausführgang. Spermat ophoren in der Ampulle. Geschlechtsborsten einzeln, zart, fast gerade, bleistiftartig zu- 
gespitzt, distal hohl, ca. 0,1 mm lang und 4 fi dick. 

Fundnotizen : Südliche Hälfte sowie N о r d - E n d e des В а i к а 1 - S e e s , in Tiefen 
von 4 — 13, selten bis 30 m, Schlamm-, Sand- und Steingrund. 



23 

Die zahlreichen mii- jetzt vorliegenden Exemplare gestatten nicht nur eine Vervoll- 
ständigung der ursprünglichen Diagnose, sondern verursachen zugleich auch eine Erweiterung 
derselben. 

Äußeres: L. baicalensis scheint besonders hinsichtlich der Gestalt der Borsten etwas 
variabel zu sein. Beim Originalstück, bei dem allerdings die meisten Borsten abgebrochen 
waren, war die obere Gabelzinke mehr als doppelt so lang wie die untere. Bei den meisten 
mir jetzt vorliegenden Stücken ist sie nicht länger als die letztere, während einige Exemplare 
in dieser Hinsicht einen Übergang von einem Extrem zu dem anderen darstellen. Es erscheint 
mir fraglich, ob die Kürze der oberen Gabelzinke bei den meisten Exemplaren lediglich auf 
Abnutzung beruht; es macht wohl manchmal den Eindruck, jedoch nicht immer. Manchmal 
erschien auch eine kurze obere Gabelzinke scharfspitzig, also anscheinend intakt. Auch die 
Anzahl der Borsten eines Bündels ist manchmal größer — bis zu 8 — als bei dem Original- 
stück. Die Länge der Borsten beträgt ca. 0,8 mm, ihre Dicke ca. ЗУа М- 

Von der Inneren Organisation ist noch folgendes zu erwähnen : 

Der enge Oesophagus erweitert sich im 7. Segment ziemlich schnell zum Mitteldarm, 
der im 8. Segment schon eine beträchtliche Weite aufweist. 

Die Ampullen der Samentaschen enthalten einige große, drehrunde Spermatophor en. 

Gen. Tubifex Lm. 
Tubifex (Peloscolex) inflatus Michlsn. 

1901a. Tubifex inflatus, Michaelsen, Ölig. Mus. St. Petersb. Kiew. p. 141 Tab. I Fig. 8^10. 

1903c. Tubifex (Peloscolex) inflatus, Michaelsen, üligochacten, in: Hamburg. Elb-Untersuch. IV p. 197 — 202. 

Diagnose: Dimensionen: Länge 40 mm, Dicke max. am Vorderkörper 1,6—2,5 mm, am Mittelkörper 1—1,3 mm; 
Segmentzalil 120 — 140. 

Färbung grünlich oder bräunlich grau oder rostbraun bis schwarz. 

Kopflappen kuppeiförmig gerundet, samt dem 1. Segment vollständig einziehbar. 

Körperoberfläche mit Ausnahme des Kopilappens und des 1. Segments sowie ev-eutuell der üiirtel-Segmente besetzt 
mit zahlreichen, in dichten, unregelmäßigen Ringeln stehenden, 8 — 3fi ц großen Hülseupapillen and an jedem Segment mit 
2 Ringelreihen nicht zurückziehbarer, zapfeiifönnigen Sinnespapille n. 

Borstenbündel auf kleineren, helleren Tuberkeln, Hypodermis-Verdiekungen, stehend. Ventrale Büudel am 2., 3. oder 
auch am 4. Segment mit 4 oder 3, im übrigen fast konstant mit 2 Borsten; ventrale Borsten S-förmig, mit schwachem Nodulus 
"ungefähr in der Mitte, distal in 2 einfache Gabeläste auslaufend (ausnahmsweise einfach-spitzig); Gabeläste in spitzem Winkel auf- 
einander treffend, ziemlich zart, fast gleich lang, der untere kaum merklich länger als der obere; ventrale Borsten anteclitellial 
ca. 0,2 mm lang und 6 ц dick, postclitellial bei gleicher Dicke etwas kürzer. Dorsale Bündel am Vorderkörper mit 2—4 Haar- 
borsten von 0,2—0,4 mm Länge (davon nur etwa die Hälfte frei über die Körperoberfläche vorragend) und 8 fx Dicke am proxi- 
malen Ende (selten fehlend?), sowie ungefähr gleich vielen Fächerborsten von etwa 0,24 mm Länge und 5 ц Dicke; Fäeherborsten 
S-förmig, mit zarten, in spitzem Winkel divergierenden, gleichlangen Gabelästen, die durch eine zarte, etwas gefältelte (gerippte?) 
Spreite verbunden sind. 

Gürtel ringförmig, von der Mitte des 10. bis ans Ende des 12. Segments, zart inkrustiert. 

(5 Poren an Stelle der fehlenden ventralen Borsten des 11. Segments, Samentaschen-Pore u dicht lateral von den 
ventralen Borsten des 10. Segments. 

Transversalgefäße des 8. Segments herzartig angeschwollen. 

Samentrichter unregelmäßig sohüsseUörmig; Samenleiter laug, im proximalen Drittel sehr dünn, eng und dicht ge- 
schlängelt, im mittleren und distalen Drittel viel dicker, gewunden, mit ziemlich scharfem Absatz in das proximale Ende der 
Atrien eintretend; Atrien eine zuckerhutförmige, proximal verengte, distal abgerundete Atrialkammer bildend, in die eine ziemlich 
große, glatte, bohnen- oder eiförmige Prostatadrüse vermittelst sehr kurzen und engen Stieles einmündet; Mittelpartie der 
Atrien eng schlauchförmig; distale Partie nicht dicker als jene Mittelpartie; Penis klein, dünn, schlank kegelförmig, ohne deutliche 
chitinöse Penisscheide. 

Samentaschen mit sackförmiger Ampulle und ungefähr ebenso langem, engem, scharf abgesetztem Ausführgang; ventrale 
Borsten des 10. Segments nicht zu Geschlechtsborsten umgewandelt, nur etwas kleiner als die übrigen, ohne accessorische 
Drüsen. Sperma tophoren in der Samentaschen- Ampulle, von schlanker Gestalt, spangenförmig oder fragezeichenförmig gebogen. 



24 

Fundnotizen: Baikal-See, in Tiefen von 60 — '272 m; J. Wagnek leg. Alle Teile 
des Baikal-Sees, Sand- und Schlammgrund, seltener steiniger (irund, in Tiefen von 4 bis 
1200 m, am häufigsten in Tiefen von 40 — 80 m. 

Vorliegend Hunderte von Exemplaren. 

Erörterung : Tubifex (Peloscolex) inflatuft scheint der häufigste OHgochaet des Baikal-Sees zu sein. 

Die obige Diagnose weicht von der Original-Diagnose etwas ab. Es sind in ihr die 
Ergebnisse späterer Untersuchungen verwertet worden. Diese Untersuchungen, zwecks einer 
Vergieichung der nahe verwandten Arten angestellt, führten zu einer Zusammenfassung dieser 
Arten in der Untergattung Peloscolex und sind 1903 in dem oben zitierten Werk ausführlich 
veröffentlicht worden. 



Fam. Enchytraeidae 

Gen. FropappUS nov. 

Diagnose: Borsten eines Bündels gleich laug, S-tTirniig gebogen, distal gabelspitzig. 

Hiickenporen fehlen. 

Oesophagus im 8. Segment sich plötzlich zum Mitteldarm erweiternd. 

Hückengefäß anteclitellial entspringend. 

Gehirn hinten tief eingeschnitten. 

Nephridien mit locker gelapptem Postseptale. 

Samentrichter sehr kurz, flach napfförmig; Samenleiter nicht lang. 

Sani entaschen frei, nicht mit dem Darm verwachsen, ohne Divertikel. 

Erörterung: In der Gattung Propappus glaube ich einen Ur-Enchytraeiden, die phyletisch 
älteste bis jet>;t bek'annte Encliytraeiden-Form, zu erkennen. Die Familie der Encliytraeiden bildete 
bisher eine ungemein scharf umgrenzte Gruppe, die keinerlei Übergänge zu anderen Oligochaeten- 
Familien aufwies. Das ändert sich etwas nach Ansclduß der Gattung Propappus. Dieselbe 
zeigt in Hinsicht auf gewisse Organe, die im nllgemeinen bei den Bnchytraeiden eine ganz 
besondere Gestaltung aufweisen, eine Aniuiherung an die für die übrigen Oligochaeten charak- 
teristische Gestaltung. So weist Prop)uppus einen einfach napfförmigen Samentrichter auf, wie 
er für die Oligochaeten normal erscheint, während die Enchytraeiden im allgemeinen einen 
drüsig-dickwandigen, lang gestreckt-tonnenförmigen Samentrichter mit umgeschlagenem proximalen 
Rande besitzen. Propappus glandulosus läßt zugleich erkennen, wie ein derartiger Enchytraeiden- 
Samentrichter entstanden sein mag. Auch die Gestaltung der Nephridien ist bedeutsam. Bei 
den Enchytraeiden zeigen die Nephridien, wie bei keiner anderen Familie der niederen Oligo- 
chaeten bis zu den Lumbriculiden aufwärts, ein mehr oder minder kompaktes, von dem Flimmer- 
kanal in verschiedenartigem Verlauf durchbohrtes Postseptale. Nur bei Mesenchytraeus zeigte 
dieses Postseptale lappige Auswüchse oder Anhänge. Jetzt finden wir bei Projmppus Nephridien, 
bei denen das Postseptale noch lockerer gebaut ist und noch die ursprünglichere Gestaltung, 
die Entstehung aus einfacheren Schläuchen, verrät. Schließlich ist auch die Gabelspaltung der 
Borsten, die sich unter den Enchytraeiden einzig bei Propappus findet, als das ursprüngliche, 
als eine Annäherung an den bei phjdetisch älteren Oligochaeten, so bei den Naididen, vor- 
gefundenen Zustand anzusehen. 

Die Gattung ProjMiypus schließt sich eng an die Gattung Henlea an. Wie diese und die 
nahe verwandten Gattungen Buchholzia und Bryodrilus zeigt sie einen scharfen Absatz zwischen 



25 

dem engen Oesophagus und dem weiten Mitteldarm und im Zusammenhang damit ein ante- 
clitellial aus dem Darmgefäßplexus entspringendes, also sehr kurzes Rückengefäß. Die Betrachtung 
von Propappus rechtfertigt auch meine früher ausgesprochene Ansicht, daß Henlen von den damals 
bekannten Enchytraeiden-Gattungen der Wurzel des Enchjtraeiden-Stammbaunies am nächsten 
stände ^). Der betreffende Stammbaum (1. с р. 52) ist nun so zu vervollständigen, daß Propappus 
als Wurzelform noch vor Henlea gestellt wird. Zweifelhaft erscheint es mir, ob in jenem Stamm- 
baum die Gattung Mesenehi/traeiis die ihr angewiesene Stellung behalten darf. Vielleicht ist sie 
der Gattung Propappus viel nälier zu rücken, steht sie ihr doch in Hinsicht auf die Gestalt 
der Nephridien am nächsten. 

Die Untersuchung von Propappus bestätigt ferner auch die Richtigkeit der Anschauung, 
daß eine durch vollständige Verschmelzung der beiden Gehirn-Hälften entstandene Unpaarigkeit, 
wie sie das 7'r/(/t'nc/a-Gehirn aufweist, ;ils die höhere Entwicklungsform, die Paarigkeit als das 
Ursprünglichere anzusehen ist; denn bei keinem anderen Enchytraeiden ist die hintere mediane 
Einspaltung des Gehirns so tief, wie bei der Gattung Propappus, die sich aus anderen Gründen 
als Wurzelform dokumentiert. 

Propappus glandulosus n. sp. 

Diagnose: Dimensionen: Länge 4 — 5 mm, JJiuke шах. '/з — '^ ^im. Segmentzahl 28 — 32. 

Färbung: Tveißlicli. Pigmentlos. 

Kopf prolobisch; Kopflappen kurz, gerundet. 

Borsten meist zu 3, selten zu 2, im Bünriel, ca. 0,09 mm lang und 3'/ä ц dick, ziemlich stark S-törmig gebogen, mit 
undeutlichem Nodulus am Ende des distalen Drittels, distal gabelspitzig, mit kleinerer oberer Gabelzinke. 

Gürtel ringförmig-, am 12. — 14. Segment (= 3). 

c5Poren schräg vor und medial von den innersten Borsten der wohl ausgebildeten ventralen Bündel des 12. Segments. 

Jedes Borstenbündel ist mit einer dicht dahinter liegenden großen, kompakten, sackförmigen Drüse, einer Borsteridrüse, 
ausgestattet. 

Oesophagus im 8. Segment mit scharfem Absatz in den weiten Mitteldarm übergehend; Chyl ustascheu sind 
nicht vorhanden. 

ßückengefäß im 8. Segmeut, am Aufauge des Mitteldarms, aus dem Darmgefäßplexus entspringend. 

Nephridien mit kleinem trichterförmigen Anteseptale und lockerem, schmallappigen Postseptale, aus dem ziemlich weit 
hinten und unten ein etwas kürzei'cr, fast gerade gestreckter Ausführgang entspringt. Flimmerkanal eng. 

Snmentrichter von der Gestalt eines dickwandigen, flachen, etwas geschweiften Napfes. Samenleiter ziemlich kurz, 
in der proximalen Hälfte dick und drüsig, in der distalen Hälfte dünn, unregelmäßig gewunden, durch ein kleines, längliches, dünn- 
wandiges Atrium ausmündend. 

Samentaschen frei, nicht mit dem Darm kommunizierend, mit lang und dünn sackförmiger, bis in das 6. Segment 
reichender Ampulle und etwas küi-zerem, ziemlich scharf abgesetztem, engem, in der distalen Partie etwas erweitertem Ausführgang. 
Divertikel fehlen. Samenmassen in der Ampulle. 

Fundnotizen: Mittlerer und südwestlicher Teil des Baikal-Sees, von Kap 
P к j n i к i j an s ü d 1 i с h , besonders häufig im M а 1 о j e M о r e , an Steinen oder in Schwämmen, 
in Tiefen von 2 — 8 m. 

Vorliegend zahlreiche Exemplare. 

Äußeres: Die Dimensionen der geschlechtsreifen Stücke sind wenig verschieden. Ihre 
Länge beträgt 4 — 5 mm, ihre maximale Dicke Ya — Va ™™' i^'^'ß Segmentzahl 28 — 32. 

Die Färbung der konservierten Tiere ist weißlich, sie scheinen ganz pigmentlos zu sein. 

Der Kopf ist prolobisch; der Ko2)flappen ist kurz, gerundet. Die Segmente des 
Vorderkörpers sind mehr oder weniger deutlich zwei- oder drei-ringiig. Der postclitelliale 
Körperteil ist gegen das Hinterende pfrieinförmig verjüngt. 



') W. Michablsen: Die geographische Verbreitung der Üügochaeten, Berlin 1903, p. 51. 



26 

Die В Ol- st ей stehen meist zu 3 in den ventralen sowie in den dorsalen Bündeln. Nur 
in einzelnen Bündeln des Hinterkörpers findet man 2 Borsten. Sie sind ungefähr 0,09 mm 
lang und 372 M dick, ziemlich stark S-förniig gebogen, so zwar, daß der Wendepunlvt der 
Krümnningsrichtung dem distalen Ende näher liegt als dem proximalen Ende. Am Ende des 
distalen Drittels findet sich ein undeutlicher Nodulus. Das distale Ende ist gabelspitzig; die 
obere Grabelzinke ist etwas kürzer und etwas dünner als die untere. An den Borsten der 
hinteren Segmente ist die Gabelung der Borsten meist etwas deutlicher, da hier die Krümmung 
der unteren Zinke schärfer und infolge davon die Divergenz zwischen den l)eiden Zinken 
etwas stärker ist. Bei einigen größeren Tieren erschien die Gabelspitzigkeit der Borsten am 
Vorderende nicht ganz deutlich. Die distalen Enden der Borsten schienen hier abgenutzt zu 
sein; die obere Zinke war nur als schwacher Höcker oder überhaupt nicht deutlich zu erkennen. 
Am Hinterende war jedoch auch hier die Gabelspitzigkeit der Borsten stets deutlich sichtbar. 

R ü с к e n p r e n scheinen zu fehlen. 

Etwas oberhalb des Vorderrandes des Kopf lappens fand sich eine lochförmige Einsenkung, 
die bei äußerlicher Betrachtung ganz das Aussehen eines Kopfporus, wie er sich bei der 
Gattung Mesenchi/traeus findet, aufweist. An Schnittserien ließ sich jedoch kein Porus deutlich 
nachweisen; es schien sich vielmehr um eine Eiechgruben- artige Einsenkung zu handeln. 
Vielleicht aber liegt hier doch ein richtiger Kopfporus vor, der bei dem untersuchten Material 
nur in der unteren l'artie geschlossen ist. Es ist zum mindesten die Homologie dieses Organs 
mit dem Kopfporus anderer Enchyti'aeiden wahrscheinlich. 

Der Gürtel ist ringförmig und erstreckt sieh, vorn und hinten scharf begrenzt, über 
die 3 Segmente 12 — 14. Er ist stark erliaben. Seine sich im Haeniatoxylin stark färbenden 
Drüsenzellen sind in unregelmäßigen ßingellinien angeordnet, ziemlich dicht gestellt. 

Die männlichen Poren sind unscheinbar. Sie liegen dicht vor der Borstenzoue des 
12. Segments dicht medial an den Linien der ventralen Borsten, schräg vor und medial von 
den medialen Borsten der normal ausgebildeten ventralen Borsteidiündel des 12. Segments. 

Die weiblichen Poren sind nicht erkannt worden. 

Die Sam entaschen-Por en liegen auf Intersegmentalfurche '/j, zwischen den Linien 
der ventralen und der dorsalen Borstenbündel. 

Innere Organisation: Der L e i b e s s с h 1 а u с h gleicht dem der meisten übrigen Enchytraeiden. 
Die Cuticula ist zart. Die Längsmuskeln haben die Form breiter, dünner Bänder, die 
mit einer Kante gegen die Kingmuskelschicht gestellt smd. 

Jedes Borstenbündel ist mit einer Borsten drüse ausgestattet. Dieselben sind dick 
und kompakt sackförmig, distal schwach verengt, durchschnittlich etwa 0,12 mm lang und 
0,06 mm dick. Sie liegen gerade hinter den Borstensäcken und münden anscheinend dicht 
hinter den Borsten aus. Die Struktur dieser Borstendrüsen tritt bei Doppelfärbung mit Pikro- 
karmin und Methjlgrün recht deutlich hervoi. Ihre Außen})artie bestellt mit Ausnahme der 
distalen Partie aus einer meist einfachen Schicht großer, unregelmäßig gestalteter, meist spitz 
nach innen auslaufender Zellen, deren Protojdasma sich schwach rot und deren Kern sich 
dunkelrot färbt. Die innere und die distale Partie der Borstendrüsen besteht aus sich stark 
grün färbenden faserigen Massen, die von jenen Zellen gegen das distale Ende der Drüsen hin 
verlaufen und zweifellos die Drüsenkanäle darstellen. Zu erwähnen ist, daß sich auch die Borsten 
stark grün färben. 



U7 



Der Darm entspricht in der Hauptsache dem der Gattung Яеп/еа. P ер to n ephr i d i en 
scheinen nicht vorhanden zu sein. Die Speicheldrüsen im 4. Segment und einigen folgenden 
sind winzig und locker, nicht als kompakte, an die Vorderwand der Dissepimente 7s ^i- ^■ 
angeheftete sog. Septaldrüsen ausgebildet. Der enge Oesophagus geht im 8. Segment 
plötzlich in den weiten Mitteldarm über. Ch ylus taschen und verwandte Anliangs- 
organe sind nicht vorhanden. Auffallend ist das anscheinende Fehlen einer С hlor agogen- 
zellenschicht am Darm. AVohl finden sich stellenweise, sehr sporadisch, größere Zellen am 
Peritoneum des Darmes; es hat aber den Anschein, als seien das einzelne i)ostmortal an den Darm 
angeklebte Lymphzellen. Im allgemeinen stößt die feine Peritonealhaut mit ihren schwach 
polsterförmigen, von Kernen eingenommenen Erhabenheiten direkt an den Leibesraum. 

Das Rückengefäß entspringt im 8. Segment am Anfange des Mitteldarms aus dem 
Darmgefäßplexus. Zahlreiche meist isoliert stehende zerstreute kleine Zellen ragen von der 
Wandung in das Lumen des Rückengefäßes hinein. Es scheinen wie bei anderen Enchytraeiden 
nur wenige und einfache Transversalgefäße vorhanden zu sein. 

Das Gehirn ist ungefähr so lang wie breit, vorn konkav, hinten sehr tief, ungefähr 
bis zur Mitte, gespalten, so daß es hier in zwei sich dicht neben einander gerade nacli hinten 
erstreckende, hinten gerundete Lappen ausläuft. 

Eine recht charakteristische Gestaltung weisen die Nephridien auf. Das Anteseptale 
ist klein, schlank trichterförmig, proximal schräg abgestuzt. Das Postseptale ist nicht kompakt, 

sondern schmal gelappt, von der Gestalt eines unregelmäßigen, zusammen- 
geraften und zusannnengehefteten Bandes. Der ziemlich weit hinten und 
unten aus dem Postseptale entspringende Ausführgang ist einfach, fast 
gerade gestreckt, etwas kürzer als das Postseptale, distal etwas dünner als 
proximal. Der Flimmerkanal, dessen Verlauf nicht genau nachgewiesen 
werden konnte, ist eng. 

Ein Paar ziemlich kompakte Hoden ragen vom ventralen Rand des 
Dissepiments '7u i" ^^'^^ U. Segment hinein. In der Entwicklung begrift'ene 
Samen m а s s e n liegen frei im 11. Segment und in den vorhergehenden vom 6. an. S а m e n s ä с к e 
werden anscheinend nicht gebildet. Die Samen tri с lit er haben die Gestalt eines flachen, 
dickwandigen, etwas geschweiften Napfes. Ihre Iimenfläche ist mit einem Spermienschopf besetzt. 
Die Samenleiter sind ziemlich kurz. Ihre proximale Hälfte ist 
dick und dickwandig, aus Drüsenzellen zusammengesetzt, zu einer 
langen U-förmigen Schleife zusammengelegt. Ihre distale Hälfte ist 
viel dünner, stark und unregelmäßig gewunden, fast geknäult. Distal 
erweitert sich diese dünnere Partie zu einem kleinen, länglichen, dünn- 
wandigen Atrium, das unter schwacher Verengung direkt ausmündet. 
Diese Gestaltung des männlichen Ausführapparates weicht von der 
für die Enchytraeiden normalen Gestaltung stark ab. Ich halte die 
hier vorliegende Gestaltung für das Ursprünglichere, da der Samen- 
trichter dem der meisten übrigen Oligochaeten weit ähnlicher ist, als 
der eigentümliche Samentrichter anderer Enchytraeiden. Zugleich läßt sich aus der Gestaltung 
der proximalen Partie des männlichen Ausführappai:ates von Propappus glandulosus erkennen, 
wie jener eigentümliche Enchytraeiden-Samentrichter entstanden ist. Anscheinend ist nur der 

4* 




Propappns glandnlosHS ii. sp. 
Ne])liridium. 




Fi^ 



ds-' 

-j. Propappus gianditlosus u. sp. 
(J Ausfiihrapparat. 
ak = Atrialkammer ; ds = Dissepimeut'Vn 
sl = Samenleiter; st = Samentricliter. 



]2 



28 

proximale umgeschlagene Rand des länglichen Samentrichters der Enchytraeiden dem Samen 
trichter von Propappus und von anderen Oligochaeten homolog, während der drüsige, dickwandig 
tonnenförmige Hauptteil, trotzdem er wie jener eigentliche Samentricliter vor dem Dissepiinent "/ 
liegt, dem dickeren drüsigen proximalen Teil des Samenleiters von Propappus gleichwertig zu 
erachten ist. 

Die eigentliche Lage der Ovarien ließ sich nicht mit Sicherheit nachweisen. Im 
13. Segment fanden sich große Ovaria! massen, au die sich nacli hinten einige große, von grob- 
körnigen Dottermassen erfüllte reife Eizellen anschlössen. Meist hatte es den Anschein, als 
ob sich die vordere Ovarialpartie an die Hinterseite des Dissepiments ^'/la ansetzte. In einem 
Falle schien jedoch von dieser Partie ein Zellstrang noch weiter nach vorn, durch das Disse- 
])iment '"/]3 hindurch in das 12. Segment, den normalen Ort der Enchytraeiden-Ovarien, hinzu- 
führen. Eileiter sind nicht erkannt worden. 

Die Sam entaschen ragen frei in die Leibeshöhle hinein; sie sind nicht ])roximal mit 
dem Darm verwachsen, wie bei den meisten anderen Enchytraeiden, bei denen sich eine Kommuni- 
kation zwischen Samentaschen und Darm ausbildet. Die Ampulle der Samentaschen ist lang 
sackförmig, f;ist drehrund, und ragt bis in das 6. Segment nach hinten. Die Ampulle geht 
ziemlich plötzlich, aber ohne ventilartigen Abschluß in den etwas kürzeren, sehr engen Aus- 
führgang über; der letztere erweitert sich distal etwas. Divertikel sind nicht vorhantlen. Die 
Samenmassen sind in der Ampulle magaziniert. Auch besondere Drüsen, wie sie sich bei 
Enchytraeiden häufig im Umkreis der Samentaschen-Offnungen finden, sind nicht erkannt worden. 



Fam. Lumbriculidae 

Gen. Lamprodrilus Michlsn. 
Übersicht über die Arten der Gattung Lamprodrilus. 

\ ilehr als 2 Paar (5 Geschlechtsapparate L. satyriscus IIichäelsen. 

I 2 Paar (5 Geschlechtsapparate — 2. 

I Dorsale Borsten fehlend oder anders gestaltet als die ventralen. Ventrale Borsten fast haar- 

I förmig, 0,65 mm lang bei 8 ц Dicke oder noch schlanker — 3. 

' Ventrale Borsten nicht annliherud haarförmig. wie die dorsalen gestaltet — 4. 

Dorsale Borsten fehlen ,. L. bythius n. sp. 

Dorsale Borsten vorhanden L. inflatics n. sp. 

/ Läügsmuskelschicht in den Seitenlinien nicht unterbrochen, fast kontinuierlich — 5. 

\ Längsmuskelschicht in den Seitenlinien vollständig unterbrochen — 10. 

/ Dorsal an Segment 1 — 3 ein dunkler Pigmentfleck L. sügmatias Michaelsen. 

1 Kein Pigmentfleck dorsal an den ersten Segmenten — 6. 

( Ein unpaariges Pubertätsgrübchen ventralmedian am 12. (oder 11. ii. 12.) Segment L. mimiophagus n. sp. 

1 Kein Pubertätsgrübchen vorhanden — 7. 

( Intersegnunitalfurchen mäßig scharf - - 8. 

1 Intersegmentalfurchen äußerst zart, kaum erkennbar — 9. 

j (5 Geschlechtsapparate des vorderen Paares beträchtlich kleiner als die des hinteren Paares . L. Tolli Michäblsen 

1 c5 Geschlechtsapparate beider Paare gleich groß L. isoporus Michaelsen. 

( Länge der geschlechtsroifen Tiere 35 — 42 mm L. Wagneri Michaelsen. 

1 Länge der geschlechtsreifen Tiere 9 — 13 ( — 20) mm , , . , . L. pygmaews äIiciiaelsen. 



гэ 



IBliudgefäße vielfach verzweigt und gelappt, Fettkurper-artige Wucherungen liildeiid, die bis 
in die Kopfsegmente nach vorn rageu L. Dybowskii a. sp. 

Blindgefäße keine bis in die Kopfsegmente nach vorn ragende Fet.tkörper-artigo AVuche- 
rungen bildend — II. 

I Segmente einfach — 12. 

I Segmente des Vorderkörpers 2-ringlig - 13. 

( Dorsal am Vorderkörijer von 3. Segment inkl. an eine vorn scharf begrenzte mehr oder weniger 

12 , dunkle Pigmentierung; Länge 16 — 30 mm L. nigrcsceiis n. sp. 

' Vorderkörper pigmentlos, einfarbig. Länge ca. 55 mm L. Semenkeivitscki Michaelsen. 

Bliudgefäße schwach entwickelt, je 2 einfache (oder schwach verzweigte) in einem Segment; 

^- , Länge 20 — 30 mm • L. pallidus n. sp. 

Blindgefäße stark ausgebildet, in den Segmenten des Mittelkörpers ein Paar (iorsale mit 

vielen langen Verästelungen und außerdem seitliche spärlicher verästelte; Länge ca. 58 mm . L. polytoreutus Michaelsen. 



Lamprodrilus satyriscus Michlsn. 

1901a. Lamprodrilns satyriscus, Michaelsen: Ölig. Mus. St. Petersb. Kiew. ]). 151 u. Textf. Л. 

Diagnose: Dimensionen: Länge halbreifer Tiere 40 — 115 mm, D. max. 2 — 3 mm, Segmente 100 — 120. 

Kopf zygolobisch. Kojiflappen kurz. Intersegmentfurclien zart. Körperoberfläohe eben. 

Pigment los. 

Borsten zart, ca. 0,25 mm lang und 12 ц dick, schlank S-förmig, mit deutlichem NoduUis am Ende des distalen Drittels, 
distal einfach-spitzig, nicht besonders scharf zugespitzt, eng gepaart. Borstendistanz aa = Vo ", bc = ca. '/з n (1. c. Michäelsen 
ИЮ1 p. 151 laps.: „bc = ca. ''/з м") dd = ca. '/i "• 

(ieschlechtsporen in den Borstenlinien ab. (5Poren 3 oder -1 Paar, die hintersten hinten am 11. Segm., ? Poren auf 
Intersegmtf. '^/is, Samentaschen-Puren 1. — 5. Paar, die vordersten hinten am 13, Segm. 

Je eine quer ovale Pubertätspapi llo hinter jedem (JPorus, auf der nächstfolgenden Intersegmentfurche oder vorn am nächst- 
folgenden Segm. 

Cuticula zart, Längsmuskelschicht sehr dick. 

Im Mittelkörper jederseits in einem Segment 2 oder 3 (oder mehr?) einfach schlaucliförmige, unverästelte Blind gef äße. 

Samenleiter zart, in dem Segment der betreffenden Sameutrichter verbleibend. 

Atrien einfach, lang schlauchförmig, mit zottigem Drüsenbesatz, distal etwas verengt, ohne muskulösen Ausmündungsbulbus. 

Kompakte Koiiulationsdrüsen durch die Pubertätspapillen ausmündend. 

Samentaschen (in nicht vollständig ausgewachsenem Zustande?) birnförmig. 



forma typica 



1901a. Lamprodrilus satyriscus f. typica, Michaelsen: Ölig. Mus. St. Petersb. Kiew, p. 158 u. Textf. A. 
Diagnose: 4 Paar {^Poren hinten am 8. — 11. Segment, 4 Paar Pubertätspapillen vorn am 9, — 12. Segment, 4 Paar 

10 11 12 13 14 



Samentascheu-Poren vorn am 13. — Iti. Segment. 

Fundnotiz: Mittlerer Teil des Baikal- 
Sees, Westseite, beim Kap Ко bylj а go low а 
am Süd-Ende des Alaloje More, Schlamm- 
gruud, iu 21 m Tiefe. 

forma decatheca Michlsn. 



15 



18 




Fig. ij. Lamprodrilita aaiyriscua Michlsn. forma typica. 
Schematische Darstellung der Anordnung der Geschlechtsorgane, 
d — Kopulationsdrüsen ; h =; Hoden ; о =: Ovarium ; cj = cj Poren ; 
9 =: 2 Poren ; Q ^ Samentascheu-Poren. 



1901a. Lamprodrilus satyriscus f. decatheca, Michaelsen, 
Ölig. Mus. St. Petersb. Kiew, p. 153. 

Diagnose: 3 Paar c5 Poren hinten am 9. — 11. Segment, 
3 Paar Pubertätspapillen vorn am 10. — 12. Segment, 5 Paar Samentaschen-Poren vorn am 13.— 17. Segment. 

Fundnotiz: Mittlerer Teil des Baikal- S ees , West Seite, beim Kap Ко bylj а 
golowa am Süd-Ende des Maloje More und bei dem Uluss ,,Usuk" im Maloje More. 
feinkörniger Sand und Schlammgrund, in 21 — 46 m Tiefe. 



30 
forma tetratheca, n. f. 

Diagnose: 3 Paar cJPoren hinten am S). — 11. Segment, 3 Paar Pnbertsitspapillen auf Interseginentalfurche "/in — "/la 
oder, vorn am 10. — 12. Segment, 2 Paar Samentaschen-Poren vorn am 13. und 14. Segnienl. 

Fundnotizen: I^ördliches Ende des Baikal- Sees, Buchten Ajaja, Dagar- 
skaja und В ugutschanskaj a, feiner Sand bezw. Sandgrund, in Tiefen von lO'/^ — 17 m. 

forma ditheca Michlsn. 

1901 a. Lamproih-Uus satijriscus i. ditheca, Michaelsen: Oli». Mus. St. Pelersb. Kiew, p. 153. 

Diagnose: 3 Paar (JPoren hinten am 9. — 11. Segment, 3 I'aar Pubertätspapillen vorn am 10. — 12. Segment. 1 Paar 
Samentaschen-Poren vorn am 13. Segment. 

Fundnotiz: Mittlerer Teil d es Bai kal- Ö e es , Maloje More und Tscliir wik uj - 
Busen, Schlammgrund, in 9 — 150 m Tiefe. 

Erörterung: Durch das neue Material wird die Zahl der Formen dieser Art um eine, 
forma tetratheca, vermehrt. Dieselbe ist in sehr vielen Exemplaren bei mehreren Fängen an 
4 verschiedenen, aber sämtlich im nördlichsten Teil des Baikal-Sees liegenden Lokalitäten 
erbeutet worden. Diese Funde sind ,,rein", d. h. nicht untermischt mit Exemplaren der anderen 
Formen oder mit solchen, die Übergänge zu den anderen Formen darstellen. Diese anderen 
Formen stammen aus dem mittleren Teil des Baikal-Sees, die eine von einem Fundort der 
Ostseite und einem von der Westseite, die andern beiden von einem zweiten Fundort der West- 
seite. Es scheint sich bei diesen verschiedenen Formen also um Lokalformen zu handeln, die 
auf kleinere Gebiete des Baikal-Sees beschränkt sind, so zwar, daß einzelne Formen ein isoliertes 
Gebiet für sich allein besitzen, während andere ein kleines Gebiet gemeinschaftlich bewohnen. 
Es mag die Frage aufgeworfen werden, ob die beiden ein gemeinsames Gebiet bewohnenden 
Formen, die typische Form und forma decatheca, nicht etwa nälier mit einander verwandt sind. 
Bemerkenswert ist, daß sie sich durch eine verhältnismäßig hohe Zahl von Samentaschen, 
4 bezw. 5 Paar, von den beiden übrigen mit 1 bezw. 2 Paar Sa-meutaschen unterscheiden, und 
daß bei ihnen die Summe ,, Sanientaschen plus männliche Apparate" gleich ist. Vermutlich ist 
hierin ein Merkmal besonders naher Verwandtschaft zu erkennen. 

Lamprodrilus Semenkewitschi Michlsn. 

1901b. Lamprodrilus Semenkewitschi, Michaelsen, Kanna Ölig. Bajkahi, p. 69. 

1902a. Lamprodrilus Semenkewitschi, Michaelsen, Ülig.-Fauna, BaiUal-S., p. 47. 

Diagnose: Dimensionen: Lauge 55 mm, Dicke max. 3 mm, Segmentzalil ca. 150. 

Pigmentierung fehlt. 

Kopf prolobisch; Kopflappen breit und sehr kurz, kalottenförmig; Segmente einfneh: Intersegmentalfurchen scharf. 

Borsten schlank, S-förmig, einfach-spitzig, mit kleinem Nodulus, am 15. Segment ca. 0,36 mm lang und 8 ц dick; 
Borstendistnnz aa = 7* ^^7 '^'^ = V« ^^■ 

Gürtel am 10. — 13. (?) Seguient. 

(5Poren 2 Paar, hinten am 10. und 11. .Segment, die vorderen hinter der Jlitte zwischen den Horsten а und b, die 
hinteren ein sehr geringes weiter lateral, in den Porstenlinien h. $ Poren in den Borstenlinien ab auf Intersegmentalfurche '-/u, 
Samentaschen -Poren 1 Paar hinter den Borsten ab des 13. Segments. 

Cuticula und Ringmuskelschich t ilüniie. Hypodermis und Langsmuskelschicht sehr dick. Längsmuskel- 
schicht ventralmediau und in den Seitenlinien vollständig, in den Bfu-steulinion unvollständig unterbrochen. 

Blindgefäße vom 19. .Segment an, in einem Segment ca. 6 Stänuue, die sich mehrfach verästeln, Endäste lang. 

(5ürgane der vorderen Paare größer als die der hinteren. Atrien schlank schbuichförmig, mit dichtem, zottigem Besatz 
zarter, birnförmiger Prostatadrüsen, distal verengt, ohne Ausmündnngsbulbus \uul ohne deutliche Kopulationslasche, direkt ausmiiiuiend. 

Samentaschen mit großer ovaler Ampulle und wenig kürzerem, engem, scharf abgesetztem Ausführgang. 



31 

Fundnotiz: Im mittleren Teil des Baikal-Sees, Ostseite, Bucht Bezimnaja, 
in der Tiefe von 6^11 m. 

Da das jüngst untersuchte neuere Material keine Vertreter dieser Art enthält, so kann 
ich keine vollständigere Beschreibung dieser Art liefern und verweise deshalb auf meine kurze 
Oriainalbeschreibung. 



*&* 



Lamprodrilus nigrescens n. sp. 

1903 b. Lamprodrilus nigrescens (uom. uud.), Mic-haelsen, D. geogr. Verbr. d. Ölig., p. 61. 

Diagnose: Dimensioaen: Länge lö — ;J0 mm, Dicke max. 1 — l'^ /з mm, Segraentzahl 64 — 83. 

Färbung hellgrau bis grünlichgrau, dorsal am Vorderkörper vom 3. Segment an mehr oder weniger dunkel, manchmal 
selbst schwarz pigmentiert; Pigmentierung lateral und nach hinten abgetönt, manchmal sehr schwach oder kaum sichtbar. 

Kopf zygolobisch; Kopflappen kalottenförmig, weniger lang als breit, mit dorsaler Querfurehe etwas vor der Zone des 
Mundes. Intersegmentalfurchen scharf; Segmente einfach. 

Borsten gepaart, sehr schlank, S-förmig, durchschnittlich etwa 0,28 mm lang und ö |a dick, mit Nodulus. Borstendistanz 
aa = '/i bc = (Id. 

Gürtel am 10. — 14. Segment, ringförmig. 

Geschlechtsporeu sämtlich in den Borstenlinien ab. 2 Paar (JPoren hinten am 10. und 11. Segment, 1 Paar Samen- 
tasehen-Poren hinten am 13. Segment. 

Cuticula dÜLuie, Hypodermis dick, wenig dünner als die Längsm uskelschicht, ßingmuskelsehicht dünne. 
Längsmuskelschicht ventralmedian uud in den Seitenlinien vollkommen, in den Borstenlinien unvollkommen unterbrochen. 

Blindgefäße dorsal entspringend, 2 — 6 in einem Segment, einfach schlauchförmig. 

(JOrgane beider Paare gleich groß. Samentrichter in den vorderen Partien der Samensäcke, anscheinend im 11. uud 
12. Segment; Samenleiter mäßig zart, geschlängelt, in die distale Partie der Atrien einmündend; Atrien schlauchförmig, mit 
starkem, zottigem Besatz birnförmiger Prostatadrüsen, distal verengt, durch eine sehr kleine, ganz in den Leibesschlauch eingebettete 
flaschenförmige, einen winzigen, stiftförmigen Penis umschließende Kopulationstasche (Penisscheide) ausmündend. 

Samentascheu mit eiförmiger Ampulle und ungefähr ebenso langem, scharf abgesetztem, engem, mehr oder weniger stark 
gebogenen Ausführgang. 

Fundnotizen: In allen Teilen d es Baik al- S e es , besonders häufig im Südwest-Ende 
und im Maloje More, in Tiefen von 3 — 53 m, an Steinen. 

Vorliegend zahli-eiche zum Teil geschlechtsreife und mit einem Gürtel ausgestattete 
Exemplare. 

Äußeres: Die Dimensionen der geschlechtsreifen Stücke schwanken zwischen ziemlich 
weit voneinander entfernten Grenzen: Die Länge beträgt 16 bis 30 mm, die maximale Dicke, 
etwas hinter der Gürtelregion, 1 bis 1"/., mm; die verschiedenartige Konservierung verursacht, daß 
die längsten Stücke nicht zugleich die dicksten sind. Die Segmentzahl beträgt 64 bis 83-. 

Der Kopf ist zygolobisch, der Kopf läppen sehr kiuv. und breit, kalottenförmig, 
meist mit einer dorsalen Querfurche; das 1. Segment ist ventral etwas wulstig verdickt. Die 
Segmente sind einfach aber stark gewölbt, 1-ringlig; die Intersegmentalfurchen sind 
sehr scharf und tief. Der Körper erscheint bei stark kontrahierten Stücken sowohl ventral wie 
auch lateral etwas eingesenkt; besonders in den Seitenlinien tritt an jedem Segment jederseits 
eine tiefere Einsenkung auf. 

Die Färbung ist im allgemeinen hellgrau bis grünlichgrau; dazu kommt eine 
charakteristische P i g m e n t i e r u n g. Dieselbe beginnt mit ziemlich scharfer vorderer Begrenzung 
am 3. Segment, sodaß der pigmentlose Koyjf — Kopflappen, 1. und 2. Segment — scharf abgesetzt 
bleich erscheint. Die Pigmentier ung ist anfangs und dorsal am stärksten, bis tief schwarz, 
nach hinten sowie lateral ist sie nach Dunkelgrau und Hellgrünlichgrau abgetönt. An dön 



32 

ersten Segmenten, vom 3. bis etwa zum 8., ist die Pigmentierung bis nach der Ventralseite 
zu verfolgen; sie läßt liier nur einen schmalen ventralmedianen Sti'eifen frei. Bei manchen 
Stücken ist die Pigmentierung schwächer oder sehr schwach, kaum erkennbar, ausgeprägt. Die 
Pigmentierung beruht auf kleinen, schwarzen Pigmentzellen, die — ähnlich wie bei Teleuscolex 
Korotneffi MiCHLSN., — in die Ring- und Längsmuskelschicht eingebettet sind; da die Längs- 
muskelbänder in der äußeren Partie eng gegeneinander gelegt sind, so fehlen hier die Pigment- 
zellen, so daß zwei gesonderte Pigmentzell-Schichten erkennbar sind; da die Ringmuskelschicht 
intersegmental bis auf ein Minimum verengt ist, so fehlen intersegmcntal auch die Pigmentzellen 
der Ringmuskelschicht in sehr kurzen Strecken; auf die Pigmentzeichnung hat diese Unterbrechung 
keinen Einfluß, da diese Lücken durch die lückenlos angeordneten Pigmentzellen der Längs- 
muskelschicht ausgefüllt werden. 

Die Borsten sind sehr lang und schlank, bei einem mäßig großen Stück am 20. Segment 
gemessen, 0,28 mm lang und 5 ц dick, S-förmig, distal ziemlich stark gebogen, einfach und 
scharf zugespitzt, etwas distal von der Mitte mit einem Nodulus versehen; die Borsten sind 
eng gepaart; die ventralmediane Borstendistanz ist fast genau gleich der dorsalmedianen ; die 
lateralen Borstendistanzen sind etwa um den dritten Teil größer (annähernd : aa = 7^ bc = dd). 

Bei mehrei-en Exemplaren ist ein wohl ausgebildeter Gürtel erkennbar. Der Gürtel 
erstreckt sich, hinten und vorn scharf abgesetzt, über die 5 Segmente 10 bis 14; er ist ring- 
förmi"-, ventral nur wenig schwächer ausgebildet, und läßt den Körper an den betreffenden 
Seii-menten meist beträchtlich dicker erscheinen. Er beruht auf einer bedeutenden Verdickung 
der Hypodermis. Die Intersegmentalfurchen sind in der Gürtelregion fast unverändert scharf, 
aber nicht ganz so tief, da die Segmente hier nicht so hoch gewölbt sind. 

Zwei Paar männliche Poren liegen auf kleinen Papillen hinter den ventralen Borsten 
des 10. und 11. Segments. Ein Paar unscheinbare weibliche Poren finden sich in den 
gleichen Längslinien auf Litersegmentalfurche '7i3- Ein Paar Sam entasch en-Poren liegen 
in kleinen, queren Einsenkungen hinter den ventralen Borsten am 13. Segment. 

Innere Organisation: Die Schichten der Leib es wand zeigen am 30. Segnient folgende 
Dicken: Cuticula ca. 172 M, Hypodermis ca. 24 ц, Ringmuskelschicht ca. 6 ц und Längsmuskel- 
schiclit ca. 30 м. Die Längsmuskelschicht ist in den Seitenlinien und ventralmedian voll- 
kommen unterbrochen. Die in Ring- und Längsmuskelschicht eingebetteten Pigmentzellen sind 
oben erörtert. 

Das Epithel des Darmes ist in der Schlundregion etwas dicker als weiter hinten. 
Der Oesophagus und der Mitt eidarm sind mit ziemlich kleinen, grünlich-schwarzen 
Chloragogen Zellen besetzt; die Schicht der Chloragogenzellen zieht sich auch über das 
Rückengefäß und die Blindgefäße, sowie über die Muskelbänder hin, die vom Darm nach der 
Leibeswand hingehen. Das Rückengefäß trägt einen blasigen, segmental angeschwollenen Herz- 
körper. Blindgefäße sind etwa vom 19. Segment an vorhanden, anfangs spärlich, jederseits 
in einem Segment ein einziges, einfach schlauchförmiges hart neben dem Rückengefäß ent- 
springend, weiter hinten etwas stärker entwickelt, bis zu 6 in einem Segment dorsal aus dem 
Darmgefäßplexus entspringend; die Blindgefäße sind einfach schlauchförmig; Verästelungen 
konnten nicht sicher nachgewiesen wei'den. 



33 

Das Ge liii'ii ist fast hanteiförmig; es besteht aus zwei vollständig von einander 
gesonderti^n, hinten in regelmäßiger Rundung etwas vorspringenden Ganglien, die durch eine 
kurze, enge, anscheinend von Ganglienzellen ganz freie Querkommissur verbunden sind; aus 
jedem Ganglion entspringt seitlich-vorn ein nach vorn an die Kopflappenwandung gehender 
Nerv, seitlich-vorn-unten gehen die Sclilundkommissuren vom Gehirn ab. 

Zwei Paar H о d e n ragen vom ventralen Rand der Dissepimente "/ю i^nd '"/n i" die 
Segmente 10 und 11 hinein. Die Dissepimente '"/„ und ^'/12 sacken sich zu je einem Paar 
Samensäcken nach hinten aus; die Samensäcke der vorderen Paare scheinen sich in die 
des hinteren Paares einzuschmiegen ; diese letzteren ragen, segmental angeschwollen, inter- 
segmental eingeschnürt, durch etwa 8 Segmente nach hinten. In der vorderen Partie jedes 
Samensackes liegt ein großer Samentrichter ; die Samentrichter, morphologisch — wie das 
Lumen der Samensäcke, in denen sie liegen — dem 10. und 11. Segment angehörig, liegen 
scheinbar im 11. und 12. Segment. Die aus den Samentrichtern entspringenden Samenleiter 
sind mäßig zart; sie ziehen sich in Schlängelungen an der Voiderseite der Dissepimente '"/n 
nnd "/10 hinunter und treten, sich nach vorn wendend, an die Hinterseite der distalen xitrien- 
enden heran ; innerhalb der Wandung der Atrien gehen sie eine Strecke aufwärts, um schließlich 
noch distal von der Mitte der Atrien in deren Lumen einzumünden. Die Atrien sind schlauch- 
förmig, mit einem ziemlich starken Besatz birnförmiger Prostatadrüsen versehen, distal beträchtlich 
verengt; der proximale Teil der Atrien ragt (manchmal?) etwas in die zugehörigen Samen- 
säcke hinein; ihre Ausmündung zeigt eine sehr charakteristische Gestaltung. In die Leibeswand, 
die hier durch Verstäi'kung papillenartig aufgetrieben ist, zeigt sicli eine kleine fiaschenförmige 
Kopulationstasche (Penisscheide) eingebettet ; in den breiten proximalen Pol dieser 
Kopulationstasche tritt das Atrium ein, und zwar untei' Bildung eines winzigen, stiftförmigen 
Penis, der den größten Teil des Lumens der Kopulationstasche, die auch als Penisscheide 
bezeichnet werden könnte, einnimmt. Dem Anschein nach ist die Kopulationstasche zwecks 
Hervortreibung des Penis ausstülpbar. 

Ein Paar Ovarien rayen vom ventralen Rande des Dissepiments "/j.^ in das 12. Segment 
hinein. Anscheinend reife Eizellen finden sich eine ziemlich große Strecke weiter hinten, 
noch hinter dem Ende der Samensäcke, wahrscheinlich in E i ersä cken, die vom Dissepiment ^^/13 
gebildet wenlen ; derartige Eiersäcke sind zwar nicht erkannt worden ; wahrscheinlich ist entweder 
ihr vorderer Teil durch Pressung vonseiten der hier verlaufenden Samensäcke kollabiert, oder 
diese Samensäcke schmiegen sich eng in die fiaglichen Eiersäcke ein, so daß sie bei der Zartheit 
ihrer Wandung nicht zur Anschauung gebracht werden konnten. Den Ovarien gegenüber 
finden sich am Dissepiment '7i:j ein Paar Eitrichter von kurz pantoftelförmiger Gestalt; 
die längere Zunge des Eitrichters ist ganz mit dem Dissepiment '^13 verwachsen ; der untere, 
kürzere Trichterrand ragt etwas in das 12. Segment hinein; die Innenseite des Trichters ist 
mit Flimmerwimpern besetzt. Die Eitrichter gehen in sehr kurze, gerade gestreckte, ziemlich 
weite Eileiter über. 

Die ganz im 13. Segment gelegenen Samentaschen bestehen aus einer bei den unter- 
suchten Exemplaren von einem großen Spermaballen erfüllten, kurz eiförmigen, fast kugeligen 
Ampulle und einem wenig kürzeren, scharf abgesetzten, engen, mehr oder weniger stark 
gekrümmten Ausführgang. 



34 

Erörterung : L. nigrescens steht dem L. Semenkewitschi MiCHLSN. nahe. Er unterscheidet 
sich von diesem hauptsächlich durch die sehr viel geringeren Dimensionen — er ist kaum halb 
so lang und halb so dick wie L. Sentenkewiischi — , durch die Borstenanordnung — bei L. Se /лепке- 
witschi ist dd verhältnismäßig weit größer — und durch die spärlichere Ausbildung der Blind- 
gefäße — bei L. Semenkewitschi mehrfach verästelt, bei L. nigrescens einfach schlauchförmig. 
Mit L. Semenkewitschi, L. pallldus n. sp., L. Dybowskii und L. polytoreutus MiCHLSN. /Aisammen 
bildet L. nigrescens eine engere Gruppe, die durch scharfe äußere Segmentierung und eine 
vollständige Unterbrechung der Längsmuskelschicht in den Seitenlinien ausgezeichnet ist und 
sich durch diese Charaktere der Gattung Rliynchelmis nähert. 

Cocons: In einer Fangnummer vom Maloje More (beim Uluss Kurma unter Strandsteinen, 
anscheinend in Spongien erbeutet), die hauptsächlich von dieser Art gebildet wird und keine 
von ähnlichen Dimensionen enthält, fanden sicli zahlreiche Cocons, die ihrer Größe nach dieser 
Art angehören mögen und mit großer Wahrscheinlichkeit dieser Art zugeordnet werden dürfen. 
Dieselben sind etwa 2 mm lang und IV3 mm dick, etwas abgeplattet eiförmig, mit stummei- 
förmigen oder schlanlv kegelföi'migen Anhängen an den Polen. Sie werden von einer zarten, 
stark durchscheinenden, fast durchsichtigen Chitinmembran gebildet und enthalten 3 oder 4 große 
Eier oder Embryonen. 

Lamprodrilus pallidus n. sp. 

Diagnose: Dimensionen: Länge 20 — 30 mm, Diclie шах. 0,8 — 1,0 mm, Segmentzahl 55 — 64. 

Färbnng: Pigmentlos, weiß oder hellgrau. 

Kopf z}'golobisch; Kopflappen ungefähr so lang wie breit; Segmente vom 5. an 2-ringlig, mit kürzerem hinteren Ringel. 

Borsten zart, ca. 0,2 mm lang und 5 ц dick, am distalen Ende ziemlich scharf gebogen, im übrigen fast gerade, distal 
einfach und scharf zugespitzt, mit Nodulus fast in der Mitte, etwas weiter distal. Eng gepaart. Borstendistauz aa <C bc. hc ca. = dd. 

Gürtel am 10. — 13. Segment, ringförmig. 

Geschleohts-Poren sämtlich in den Borstenlinien ab. (5Boreu 2 Paar, hinten am 10. und 11. Segment; Samentaschen- 
Poren 1 Paar, hinten am 13. Segment. 

Leibesschlauch dünn. Cuticula sehr zart, Hypodermis ungefähr halb so dick wie die Längsmuskelschicht, die ventral- 
median und in den Seitenlinien vollständig unterbrochen ist. 

Darm mit sehr dicker Chloragogenzellenschioht. Blindgetäße sehr schwach entwickelt, je 2 (einfache oder ver- 
zweigte?) in einem Segment, kurz, mit engem (kollabiertem?) Lumen und dicker Wandung. 

Samentrichter manchmal im eigentlichen 10. und 11. Segment, manchmal im Anfangsteil der Samensäcke ; Samenleiter 
zart, Atrien ziemlich kurz, mit engem, schlauchförmigem Achsenteil und sehr dickem, dicht zottigem Prostaten-Besatz; Achsenteil 
der Atrien distal nur schwach verengt, durch ein kleines Drüseubüschel hindurch in eine winzige liopu lationstasche einmündend. 

Samentaschen mit ovaler Ampulle und ungefähr eben so langem, scharf abgesetztem, im allgemeinen dünnen, proximal 
etwas angeschwollenen (Samen-Magazin?) Ausführgang; proximales Ende des letzteren unregelmäßig wulstig in das Lumen der 
Ampulle hineinragend. 

Fundnotiz: Mittlerer Teil des Baikal-Sees, Maloje More, gegenüber der 
I n s e 1 и g u n g о j , u n d b e i d e n U s с h к а n i j - 1 n s e 1 n ; Sand bezw. feinkörniger Sand, in der 
Tiefe von 53 bezw. 55 m. 

Vorliegend mehrere geschlechtsreife, mit Gürtel versehene Stücke. 

Äußeres: Die Dimensionen sind etwas verschieden. Das größte Stück ist 30 mm 
lang und hinter dem Gürtel 1 mm dick, das kleinste ist 20 mm lang bei einer maximalen 
Dicke von 0,8 mm. Die Gürtelregion ist etwas angeschwollen. Die Segmentzahl schwankt 
zwischen 55 und 64. 

Die Färbung der konservierten Tiere ist rein weiß bis hellgrau; es fehlt jegliche 
Pigmentierung. 



35 

Der Kojjf ist zygolobisch. Der Kopf läppen ist ungefähr so lang wie an der Basis 
dick; sein Vorderende ist etwas vorgezogen, fast nasenförmig, aber nicht mit deutlich abgesetzter 
Spitze. Die Iiiterseg mentalfurchen sind scharf ausgeprägt, die Segmente ziemlich stark 
gewölbt, vom 5. an zweiringlig, mit kürzerem hinteren Ringel. 

Die Borsten sind zart, am 11. Segment ca. 0,2 mm lang und 5 м dick, am distalen 
Ende ziemlich scharf gebogen, im übrigen fast gerade; sie sind distal einfach und sehr scharf 
zugespitzt und zeigen fast in der Mitte, etwas distal von derselben, einen deutlichen Nodulus. 
Sie sind eng gepaai't; die ventralmediane Borstendistanz ist etwas kleiner als die lateralen 
(rtrt ■< bc), und diese letzteren sind annähernd gleich der dorsalmedianen (bc = ca. ckf). 

Der Gürtel ist deutlich erhaben, ringförmig, ventral etwas abgeflacht. Er erstreckt 
sich über die Segmente 10 bis 13. 

Die Geschlechts-Poren liegen sämtlich in den Borstenlinien ab. Zwei Paar 
männliche Poren finden sich hinten am 10. und 11. Segment, im Grunde tiefer, quer- 
schlitzförmiger Einsenkungen, die manchmal auch die Borsten а und b des betreffenden Segmentes, 
die gewöhnlich dicht vor diesen Einsenkungen liegen, in sich einziehen. Die weiblichen 
Poren liegen auf Intersegmentalfurche "/13. Ein Paar Samen taschen-Poren liegen wie 
die männlichen Poren im Grunde tiefer Querschlitze hinten am 13. Segment. 

Innere Organisation: Die Leib es wand ist dünn. Die Cuticula ist sehr zart, etwa 
1 |ii dick, die Ну po dermis mäßig stark, etwa 16 м dick, die Ring musk eis chi cht dünn, 
ca. 4 Ц dick, die Längs musk eis chi cht verhältnismäßig dünn, etwa 32 ц dick, also fast 
nur doppelt so dick wie die Hypodermis. Diese verschiedenen Dicken sind am 25. Segment 
gemessen. Es bedarf wohl nicht der Bemerkung, daß diese Angaben nur als Beispiel und zur 
Feststellung des ungeföhren Dickenverhältnisses dienen können ; bei verschiedenartiger Kontraktion 
resultieren auch etwas verschiedene Dicken. Die Längsmuskelschicht ist nur ventralmedian 
und in den Seitenlinien vollständig unterbrochen. 

Der Darm ist durch eine verhältnismäßig starke Ausbildung der Chloragogen- 
zellen -Schicht ausgezeichnet. Die Blind gef äße sind dagegen um so schwächer; sie 
wind nur kurz, ob einfach schlauchförmig oder etwas verzweigt, ließ sich nicht erkennen. Es 
findet sich in jedem Segment des Mittelkörpers anscheinend nur ein einziges Paar; sie entspringen 
jederseits in einiger Entfernung von dem sehr engen (nur kollabierten?) Rückengefäß aus der 
dorsalen Darm wand. Ihr Lumen ist eng (nur kollabiert?), ihre Wandung dagegen sehr dick, 
besonders an den basalen Partien ; an den blinden Enden ist sie dünner. Die Blindgefäße 
ragen verhältnismäßig wenig, etwa mit dem halben Teil ihrer Länge, über die Chloragogen- 
zellenschicht hinaus. Die Zellen ihrer Wandung unterscheiden sich in ihrem Aussehen kaum 
von den Chloragogenzellen der Darmwand. 

Zwei Paar Hoden ragen vom ventralen Rand der Dissepimente 7io und "/,1 in das 
10. und 11. Segment hinein. Zwei Paar (?, zwei unpaarige?) Samensäcke ragen von den 
Dissepimenten '"/ц und "/12 »ach hinten ; die hinteren wenigstens sind sehr lang und ragen 
etwa bis in das 25. Segment hinein. Die Samentrichter sind mäßig groß; sie liegen bei 
dem untersuchten Stück an der einen Seite im eigentlichen 10. und 11. Segment, an der 
andei-en Seite dagegen im Anfangsteil des betreffenden Samensackes. Die Samenleiter sind 
sehr zart; sie konnten nur zum Teil an wenigen Längsschnitten, nicht im ganzen Verlauf, zur 

5* 



Anschauung gebracht werden. Die Atrien sind verhältnismäßig kurz, ganz auf das Segment 
ihrer Ausmündung beschränkt; ihr Achsenteil ist sehr eng schlau chföinnig, distal nur wenig 
enger als im mittleren und proximalen Teil ; der Achsenteil ist von einer mächtigen zottigen 
Schicht birnförmiger Prostatadrüsen dicht besetzt, so daß die Atrien im ganzen sehr dick 
erscheinen, besonders im Verhältnis zu ihrer geringen Länge. Die Atrien münden durch ein 
kleines Büschel von Drüsen hindurch in eine winzige Ко p u la t ion stasch e ein. Es läßt 
sich nicht sicher feststellen, ob diese Kopulationstasche lediglirh als eine unwesentliche Ein- 
senkung der Leibeswand infolge postmortaler Kontraktion oder als besondeies Organ anzusehen 
ist; zu beachten ist, daß die Kopulationstaschen der verschiedenen Atrien des untersuchten 
Stückes etwas verschieden groß erscheinen. 

Ein Paar Ovarien mid iimen gegenüber ein Paar kleine Eitrichter mit kurzen, 
geraden Eileitern finden sich im 12. Segment bezw. am Dissepiment ^^/is- 

Die Samen taschen bestehen aus einer großen, unregelmäßig ovalen Ampulle und 
einem ungefähr ebenso langen, engen, scharf von der Ampulle abgesetzten Ausführgang. 
Der letztere ist proximal etwas angeschwollen und sein erweitertes Lumen ist hier von aus- 
gewachsenen Spermien erfüllt; sein proximales Ende ragt regelmäßig wulstig in das Lumen 
der Ampulle hinein. 

Erörterung : L. jMlHdus steht dem L. iiotytoreutus nahe. Er unterscheidet sich von letzterem 
hauptsächlich durch die viel geringeren Dimensionen und die schwache Ausbildung der Blindgefäße. 

' Lamprodrilus polytoreutus Michlsn. 

1901a. Lamprodrilus polytoreutus. Michaelsen, Ölig. Mus. St. Petersb. Kiew, p. lfi.3. 

Diagnose: Dimensionen halbreifer, gürtelloser .Stücke: Länge bis 58 mm, Dicke max. i mm, Seginentzuhl ea. 87. 

Kopflappen spitz kegelförmig oder in einen kurzen Tentakel ausgezogen, der etwa so lang ist wie der Kopflappen hinten 
breit. Intersegmentalfurchen scharf ausgeprägt; Segmente 2-ringlig. mit sehr kurzem vorderen Ringel. 

Borsten mäßig groß, ca. 0,36 mm lang und Ki ц dick, einfach-spitzig, leicht S-förmig gebogen, mit Nodulus; Borsten- 
distanz aa = 7з bc = '/з 'W. 

Sämtliche Geschleehtsporen in den Borstenlinien ai: 5 Boren 2 Paar, hinten am 10. und 11. Segment; Samentaschen- 
Boren 1 Baar, hinten am 13. .Segment. 

Cuticula sehr zart, Hypodermis und Hingni uskelschicht ziemlich dick, Längsmuskelschicht sehr dick, ventral- 
mediau und in den .Seiteidinien vollständig unterbrochen, in den Borstenlinien unvollständig unterbrochen. 

Blindgefäße etwa vom 20. .Segment an, anfangs einfach schlauchförmig, weiter hinten jederseits ein dor.sales verlängert 
und unregelmäßig gefiedert, schließlich mit vielen langen Verästelungen; dazu hier noidi seitliche, spärlicher, aber auch lang ver- 
ästelte Blindgefäße aus dem Darmgefäßple-Kus entspringend. 

Atrien schlamdiförmig, distal verengt, ohne Ausmündungsbulbus. 

Sanientaschen (in unausgebildetem Zustande) einfach birnförmig. 

Fundnotizen: Mittlerer und südwestlicher Teil des Baikal-Sees, Uschka- 
nische Inseln, Bucht Bezimnaja uml bei List w en it sehn oj , Sand- und Steingrund, 
in Tiefen von 6 — 43 m. 

Außer dem bereits früher untersuchten Material sind mir nur einige wenige Stücke zu 
Händen gekommen, die noch weniger reif waren als jene. Ich kann demnach die Original- 
beschreibung nicht vervollständigen. 

Lamprodrilus Dybowskii n. sp. 

Diagnose: Dimensionen: Länge ca. 35 mm, Dicke max. l'^/s mm, Segmentzahl ca. 110. 
Färbung: Pigmentlos. 

Kopf zygolobisch; Koj)fhip[ien kurz, gerundet; einige Segmente des Vorderkörpers vcun 3. an 2-ring!ig, mit kürzerem 
hinteren Ringel. 



37 

Borsten laug und schlank, ca. 0,35 mm laug und 7 ц dick, nur am distalen Ende schärfer gekrümmt, im übrigen fast 
gerade, mit kleinem NoduUis proximal von der Mitte. Eng gepaart: aa<^bc. 

Geschlechts-Poren sämtlich in den Borstenlinien ab; c? Poren 2 Paar hinten am 10. und U. Segment. Samentaschen- 
Poren 1 Paar hinten am 13. Segment. 

Leibeswand dünn; Längsmuskelschicht mäßig dick, ventralmediau und in den Seitenlinien vollständig unterbrochen. 

Blindgefäße ungemein stark entwickelt, vielfach verzweigt und gelappt, nur im Stammteil mit deutlichem, blut-erfüllteu 
Lumen ; sie füllen fast die ganze von den übrigen Organen freigelasseue Leibeshöhle aus und ragen auch, die Dissepimente dicht 
über dem Oesophagus durchbrechend, bis in den Kopf lappen nach vorn. 

Atrien einfach, dick-schlauchlörmig, mit dichtem Prostaten-Besatz, distal verengt (und. vvcuigsteus in halbreiiem Zustande, 
einfach ausmündend). Samentrichter unterhalb der Mündung der Samensäcke; Samenleiter zart, eine einfache Schleife bildend, 
dicht oberhalb des distalen Endes der Atrien in diese letzteren einmündend. 

Fundnotiz : Nördlicher Teil des В а i к а 1 - S e e s , Wo stseite, bei Kap Tolstyj, 
Schlammgrund, in der Tiefe von 420 m. 

Vorliegend nielirere halbreife, gürtellose Exemplare. 

Äußeres; Die Dimensionen sind annähernd gleich. Die Länge beträgt ca. 35 mm, 
die maximale Dicke ca. Г'/- mm und die Segmentzald ca. 110. Die Dicke nimmt gegen die 
Körperenden, besonders gegen das hintere, gleichmäßig und ziemlich beträchtlich ab. 

Die Färbung der konservierten Tiere ist schmutzig grau, glanzlos; es scheint jegliche 
Pigmentierung zu fehlen. 

Der Kopf ist zygolobisch. Der Kopflappen ist kurz, regelmäßig gerundet, annähernd 
halbkugelförmig. Einige Segmente des Vorderkörpers vom 3. au sind zweiringlig, und 
zwar ist der hintere Ringel viel kürzer als der vordere ; die Ringelung wird ungefähr vom 
16. Segment an undeutlich. 

Die Borsten sind selir schlank, a-m 11. Segment ungefähr 0,35 mm lang bei einer 
maximalen Dicke von nur ca. 7 ц. Sie sind im allgemeinen nur sehr schwach gebogen, nur 
am distalen Ende scharf gebogen, distal einfach spitzig, und zeigen einen schwachen Nodulus 
etwas proximal von der Mitte. Sie sind eng gepaart: die ventralmediane Borstendistanz ist 
beträchtlich kleiner als die laterale. 

Ein Gürtel ist bei keinem Stück zur Ausbildung oelanot. 

о О О 

Die Geschlechts-Poren liegen sämtlich in den Linien der ventralen Borstenpaare. 
•Zwei Paar männliche Poren finden sich dicht hinter den ventralen Borsten des 10. 
und IL Segments, ein Paar weibliche Poren auf Intersegmentalfurche ^'/is i"^*^ "^"^ Paar 
Sam en taschen-Por e 11 hinter den л^entralen Borsten des 13. Segments. 

innere Organisation : Die Leib es wand ist verhältnismäßig dünn, аЪег zäh. Die Cuticula 
ist sehr zart, am 20. Segment ca. 2 |u dick ; die Hypodermis ist etwas dicker als die Ring- 
muskelschicht (an demselben Querschnitt etwa 20 |ii:lß ц) ; die Längsmuskelschicht ist etwas 
dicker als alle übrigen Schichten zusammen (ca. 50 м), ventralmediau und in den Seiten- 
linien vollständig unterbrochen. 

.Der Darm ist mit einem sehr starken Chloragogenzellen-Besatz ausgestattet. Die 
Chloragogenzellen bilden nicht eine einfache Schicht, sondern schließen sich zu großen dick 
birnförmigen und dick stummeiförmigen Massen zusammen, die zum Teil das Aussehen von 
kurzen, dicken Blindgefäßen mit zusammengeschrumpftem Lumen haben. Das Rückengefäß 
enthält einen dicken, rosenkranzförjnig angeschAvollenen 11 e r z к ö r j) (> r. Die eigentlichen Blind- 
gefäße sind ungemein stark ausgebildet. Etwa vom 20. Segment (?) an entspringen dicht 



38 

hinter den Dissepimenten je zwei starke Blindgefäß-Stämme seitlich aus dem segmental stark 
angeschwollenen Rückengefäß. Diese Stämme verästeln und verzweigen sich vielfach, und die 
Endzweige sind unregelmäßig angeschwollen und verdünnt, vielfach auch gelappt ; all diese 
Blindgefäß-Massen füllen fast den ganzen von den übrigen Organen freigelassenen Raum der 
Leibeshöhle aus. Sie ragen auch, die Dissepimente dicht oberhalb des Darmes unter starker 
Einschnürung durchsetzend, weit nach voi'n hin, bis in die Höhlung des Kopflappens hinein. 
Es ließ sich nicht sicher feststellen, ob diese großen Blindgefäß-Massen des Vorderkörpers 
sämtlich von einem einzigen, dem vordersten, morj^hologisch dem 20. Segment (?) angehörenden 
Blindgefäß-Paar entspi'ingen. Ihrer Struktur nach weichen die Blindgefäße stark von denen 
anderer Lunibriculiden ab. Nur die ilicken Stämme enthalten einen dünnen axialen Blut- 
raum und auch nur die Wandung der basalen Teile dieser Stämme gleicht der normaler 
Blindgefäße, insofern ihre Zellen den (Jhloragogenzellen ähneln. Weiterhin schwindet der axiale 
Blutraum und schon etwas früher nehmen die Zellen einen anderen Charakter an ; sie werden 
größer und sind von einer grob granulierten oder schlierigen Masse erfüllt, die von dem Inhalt 
der Chlorai>'OQeuzellen durchaus verschieden ist. Das Ganze macht den Eindruck einer Fett- 
körper-ähnlichen Modifizierung und hat vermutlich auch die Bedeutung eines Magazins für 
Nahrungsmaterial . 

Die Geschlechtsorgane sind bei den untersuchten Stücken (anscheinend den von 
allen vorliegenden am weitesten entwickelten) noch nicht vollständig ausgebildet. Zwei große 
Hoden ragen vom ventralen Rande der Dissepimente "/i„ und"'/,, in das 10. und 11. Segment 
hinein. Die vom Dissepiment '"/^ und "/]o gebildeten Samen sacke sind besonders im 14. 
und 15. Segment stark erweitert; weiter nach hinten reichen sie nicht. Die Samentrichter 
liegen an der Vorderseite der Dissepimente ^"/n und "/12 unterhalb der Samensack-Ott'nungen ; 
sie ragen, wenigstens in dem vorliegenden Stadium unvollkommener Ausbihlung, nicht in die 
Samensäcke hinein. Die Samenleiter scheinen ebenfalls noch nicht vollständig entwickelt, 
lumenlos, zu sein ; sie ziehen sich in geradem Verlauf an ilem betreffenden Dissepiment hinunter, 
um dann an die Basis ihres Atriums heranzutreten und an dem letzteren etwas aufwärts zu 
steigen; sie münden in das distale Ende der erweiterten Atrium-Partie ein. Die Atrien 
sind dick schlauchförmig, mit zieudich dünnem aber geschlossenem Prostaten-Besatz ausgestattet; 
ihre proximalen Enden ragen in die Samensäcke hinein ; distal verengen sie sich und ihr im 
allgemeinen deutliches Lumen schließt sich hier zu einem feinen Kanal zusammen ; sie münden, 
wenigstens in dem vorliegenden Stadium der Ausbildung, direkt aus, ohne Vermittlung von 
Kopulationstaschen. 

Ein Paar große Ovarien liegen an normaler Stelle. Eiersäcke waren noch nicht 
zur Ausbildung gelangt. Die Ei tri с h ter sind schief zugeschnitten trichterförmig und zeichnen 
sich durch mäßig kurze und dünne, gerade gestreckte Eileiter aus. 

Auch die S am entaschen sind anscheinend noch nicht vollständig entwickelt. Sie 
sind einfach dick birnförmig, distal zu einem nicht scharf abgesetzten Ausführgang verengt. 

Erörterung: L. Dybowskii scheint dem L. pob/toreutus nahe zu stehen. Er unterscheidet 
sich von diesem letzteren, wie von allen übrigen bekannten Lumbriculiden, durch die enorme 
Ausbildung und Fettkörper-ähnliche Modifizierung der Blindgefäße, sowie durch das Vorragen 
derselben bis in die Kopfregion hinein. 



39 

Lamprodrilus bythius n. sp. 

Diagnose: Dimensiooen der gesclilechtsreifen Stücke : größtes Stück 56 mm lang?, im Maximum 8 mm hoch (dors.-ventr.) 
und 5 mm breit (horizont.), Segmz. größer als 92? (unvollständig?); kleinstes Stück 27 mm lang, im Maximum i mm hoch und 
31/2 mm breit; Segmz. ca. 90. 

Färbung weißlich oder fast wasserhell ; lebende Tiere walirscbeinlich durchsichtig. 

Körper in der vorderen Hälfte aufgebläht und mehr oder weniger deutlich seitlich komprimiert, hinten dünner 
und fast drehrnud. 

Kopflappeu hinten breit, vorn fast zipfelförmig ausgezogen, wenigstens mit der hinteren Partie in die Mundhöhle 
zurückziehbar. 

Intersegmentalfurchen zart. Segmente durch mehrere zarte Ringelfurchen geteilt. 

Borsten sehr lang und dünn, fast haarförmig, ca. 1 mm lang, proximal 10 ц, distal ca. 4 ц dick, sehr schwach gebogen, 
fast gerade gestreckt, mit dem distalen Viertel, wenn nicht weiter, aus dem Körper hervorragend. Dorsale Borsten fehlend. Ventrale 
Borsten in zwei mäßig engen Paaren ziemlich dicht neben der ventralen Medianlinie (an = ca. */io м.) 

c5 Poren 2 Paar, hinten am 10. nnd 11. Segment, auf großen, warzenförmigen Papillen, die in schräger Richtung dicht hinter 
den ventralen Borstenpaaren des 10. und 11. Segments und etwas lateral von denselben liegen. $ Poren auf Intersegmentalfiirche ''^Д,.) 
in den Linien der ventralen Borstenpaare. Samentaschen-Poren 1 Paar hinten am 13. Segment, auf großen warzenförmigen 
Papillen, die in schräger Richtung dicht hinter den ventralen Borsteupaaren des 13. Segments und lateral (etwas weiter lateral 
als die der cJ Poren) von denselben liegen. 

Hautmuskelschlauch sehr dünnwandig. Cutieula sehr zart: Hypodermis dicker als die Ringmuskelschioht. etwas dünner 
als die Längsmuskelschicht ; letztere nur unvollständig unterbrochen, im ganzen Körperumfang fast kontinuierlich. 

In den einzelneu Segmenten des Mittelliörpers (in allen?) je ein Paar einfache, unverästelte, sehr lang und dünn schlauch- 
förmige Blindgefäße. 

2 Paar Hoden vorn ventral im 10. nnd 11. Segment. 2 Paar vorn ofl'ene Samensäcke von Dissepiment '"/n und "/12 
in das 11. bezw. 12. Segment hineinragend (zum Teil durch einige Segmente hindurch nach hinten gehend?); dazu ein unpaariger (?), 
hinten offener Samensack von Dissepiment '/ю nach vorn in das 9. Segment hineinragend. Atrien schlauchförmig; im längeren 
distalen Teil dick, mit dichtem, kurz-zottigem Drüsenbesatz; kürzerer proximaler Teil schlank birnförmig, dünnwandig, ohne Drüsen- 
besatz, zu einem Samenmagazin umgebildet. Samentrichter flach schüsseiförmig, an die Vorderseite der Dissepimente '"/ц 
und '7i2 angelehnt. Samenleiter mäßig lang und dick, ganz in dem Segment ihrer Ausmündung verlaufend, in das dünnere 
distale Ende des dünnwandigen proximalen Atrialteiles einmündend. 

Ovarien im 12. Segment. Ein Paar vorn offene Eiersäcke (1 unpaariger E. ?) vom Dissepiment ''^/is durch mehrere 
Segmente hindurch nach hinten ragend. Eitrichter abgeplattet trichterförmig; Eileiter kurz, gerade gestreckt. 

Samentasehen mit fast kugeliger Ampulle uud etwas kürzerem, scharf abgesetztem, dünnem, etwas gebogenem musku- 
lösen AusfiUirgang. 

Fundnotizen: Nördlicher und mittlerer Teil des Baikal-Sees bis zur Höhe 
des Flusses Anga, Schlammgrund, in 600 — -1150 m Tiefe. 
Vorliegend 8 verschieden gut konservierte Exemplare. 

Äußeres: Die Dimensionen der vorliegenden, anscheinend sämtlich geschlechtsreifen 
Stücke sind sehr verschieden. Das größte Stück ist 56 mm lang, am Vorderkörper 8 mm 
hoch und 5 mm breit. Es besteht aus 92 Segmenten. Das Hinterende scheint nicht intakt 
zu sein. Vielleicht war das Stück in vollständigem Zustand noch etwas länger. Das kleinste, 
anscheinend vollständige Stück ist 27 mm lang, und am Vorderkörper 4 mm hoch und 3'/^ mm 
breit. Seine Segmentzahl beträgt ca. 90. 

Die Färbung ist bei Tieren, die mit Sublimat behandelt wurden, weißlich, bei solchen, 
die anscheinend nur mit Alkohol behandelt wurden, fast wasserhell. Die lebenden Tiere waren 
vermutlich durchsichtig. 

Der Körper ist in der vorderen Hälfte stark aufgebläht, seitlich mehr oder weniger 
deutlich komprimiert ; die dünnere hintere Hälfte ist fast drehx'und. 

Der Kopflappen ist hinten breit, vorn zipfelförmig ausgezogen. Er ist bei allen 
vorliegenden Stücken etwas in die Mundhöhle zurückgezogen, doch nur soweit, daß das vordere 
zipfelförmige Ende noch hervorragt. 



40 

Die In t ersegmen ta] für clien sind zart und die Segmente flach. Mit Ausnahme 
der drei ersten sind die Segmente anfangs durch eine, weiter hinten ihirch mehrere, im Maximum 
durch лаег zarte Ringelfurchen in mehrere l\ingel geteilt. Die Ringelfurchen sind ebenso 
stark ausgeprägt wie die Intersegmentalfurchen. 

Die Borsten sind sehr lang und dünn, fast haarföimig, nur sehr schwach gebogen, 
fast gerade gestreckt. Sie sind im Maximum ca. ] mm lang, am proximalen Ende ca. 10 ц 
dick, gegen das distale Ende langsam und gleichmäßig verjüngt bis zu einer minimalen Dicke 
von ca. 4 M am äußersten distalen Ende. Die distale Spitze ist einfach gerundet, nicht deutlich 
zugespitzt. Die Borsten ragen anscheinend normalerweise sehr weit über die Körperoberfläche 
hervor, durchschnittlich etwa mit ihrem distalen Viertel, manchmal noch etwas weiter. Ich 
habe keine Spur von dorsalen Borsten erkennen können. Dieselben scheinen vollständig zu 
fehlen. Die ventralen Borsten stehen in zwei mäßig engen Paaren der ventralen Medianlinie 
genähert. Die ventralmediane Borstendistauz kommt ungefähr dem sechszehnten Teil des 
Körperumfanges gleich («я = ca. '/lu ")• Manchmal sind die ventralen Borsten in ziemlich 
langen Strecken ausgefallen ; doch erkennt man dann die Borstenstellen noch an den punkt- 
artigen Borstenlöcherii. Ich vermutete anfangs, daß auch etwaige dorsale Borsten nur bei 
erwachsenen Tieren ausgefallen seien ; doch konnte ich trotz Anwendung verschiedener Unter- 
suchungsmethodeii keine Borstenlöcher oder andere Spuren ausgefallener dorsaler Borsten 
finden. Ich muß demnach annehmen, daß sie, wenigstens bei ausgewachsenen Tieren, vollständig 
zurückgebildet sind. 

Zwei Paar männli с h e P о r en liegen auf ziemlich großen, kreisrunden, warzenförmigen 
Papillen, die hinten am 10. und 11. Segment stehen, dicht hinter der Borstenzone und dicht 
lateral an den Borstenlinien b. Ein Paar weibliche Poren, winzige Querschlitze, liegen 
auf Intersegmentalfurcke '^/i^ genau in den Borstenlinien ab. Ein Paar Sam entas ch eu- 
Poren liegen auf Papillen, die denen der männlichen Poren gleichen, hinten am 13. Segment; 
diese Papillen stehen in schräger Richtung nach hinten zu und lateral von den venti'alen Borsten 
des 13. Segments, und zwar etwas weiter lateral als ilie Papillen der männlichen Poren. 

Innere Organisation: Der Hautmuskelschlauch ist sehr dünnwandig. Die Cuticula 
ist äußerst zart, die Hypodermis beträchtlich dicker als die Ringmuskelschicht und etwas dünnei* 
als die Längsmuskelschicht. Am Mittelkörper fand ich folgende Dickenverhältnisse: Cuticula 
ca. 1 M, Hypodermis ca. 40 м, Ringmuskelschiclit ca. S ц und Längsmuskelschicht ca. 50 м- 
Gregen das Vorderende verdicken sich die Schichten des Leibesscldauches etwas. 

Die D i s s e p i m e n t e sind sämtlich sehr zart. 

Das Sj^stem der Blindgefäße ist nur schwach ausgebildet. Ich fand in einzelnen 
Segmenten des Mittelkörpers je ein Paar einfache, unverästelte, sehr lang und dünn schlauch- 
förmige Blindgefäße ohne deutliclien Besatz von Chloragogenzellen. 

Das Gehirn l)esteht aus zwei fast vollständig gesonderten sj-mmetrischen Hälften von 
zwiebeiförmiger Gestalt. Die in Nerven auslaufenden Zipfel der beiden Hälften sind gerade 
nach vorn gerichtet; mit den breiten hintersten Partien stoßen sie hinten median aneinander, 
während die Schlundkommissuren lateral aus den hintersten Partien entspringen. 

Zwei Paar Hoden ragen vom ventralen Rand der Dissepimente 7io '^^"'^1 "'/n i" t^i^ 
Segmente 10 und 11 hinein. Zwei Paar vorn in das 10. und 11. Segment mündende Samen- 



41 

sacke ragen von den Dissepimenten '"/,, und "/12 in das 11. bezw. 12. Segment hinein und 
gehen anscheinend zum Teil, die folgenden Segmente durchsetzend, noch weiter nach hinten (nicht 
sicher erkannt !). Dazu kommt ein anscheinend unpaariger (?) Saraensack, der vom Dissepiment "/ю 
nach vorn in das 9. Segment hineinragt und hinten in das 10. Segment mündet. Durch jede 
der warzenförmigen männlichen Papillen mündet ein schlauchförmiges, distal etwas verengtes, 
aus zwei verschiedenen Teilen bestehendes Atrium aus. Der etwas längere distale Teil der 
Atrien ist ziemlich dick und dickwandig, mit einem dichten, kurz-zottigen Drüsenbesatz ver- 
sehen ; der etwas kürzere proximale Teil ist etwas dünner, besonders distal, dabei dünnwandig, 
proximal gerundet. Er stellt sich als schlank birnförmiger Blindanhang dar, der in seinem 
Innern zusammengerollte Samenfäden-Massen enthält, die durch die dünne AVandung deutlich 
hindurch scheinen. Er funktioniert zweifellos als Samenni agazin. Die Samentrichter 
sind flach schüsseiförmig, an die Vorderseite der Dissepimente '"/n und "/12 Aach angelegt. 
Der aus ihrer Hinterseite entspringende Samenleiter ist mäßig lang uml dick und verläuft 
in fast einfacher Schleife ohne deutliche Windungen an der Vorderseite des betreffenden Disse- 
piments ("/n "nd "/12) hinab nach dem distalen Ende seines Atriums und dann wieder aufwärts 
ziemlich eng an das Atrium angeschmiegt nach dem proximalen Abschnitt des Atriums, dem 
Samenmagazin, hin, in dessen distales, verschmälertes Ende er einmündet. Die ganzen männ- 
lichen Ausführapparate liegen also in dem einen Segment ihrer Ausmündung bezw. der zu 
ihnen gehörenden Hoden. 

Ein Paar Ovarien ragen vom ventralen Rand des Dissepiments "/,a in das 12. Segment 
hinein. Ihnen gegenüber, vor dem Dissepiment '^u, eröffnet sich ein Paar abgeplattet trichter- 
förmige Eitrichter, die nach unten-hinten, das Dissepiment '^13 durchbohrend, in je einen 
kurzen, gerade gestreckten Eileiter übergehen. Ein Paar vorn offene Eiersäcke (ein 
unpaariger Eiersack?) ragt vom Dissepiment '^/u, mehrere folgende Dissepimente durchsetzend, 
ziemlich weit nach hinten. Die reifen Eier sind groß, zum Teil über 1 nun lang, in Anpassung 
an den gegebenen Raum sehr verschieden gestaltet, anscheinend im lebenden Zustande sehr 
weich und schmiegsam. Sie enthalten grobkörnige, in Pikrokarmin sich nicht färbende graue 
Dottermassen. 

Die Samentaschen besitzen eine fast kugelige, dünnwandige Ampulle, die durch einen 
scharf abgesetzten, dünnen, etwas gebogenen muskulösen Ausführgang ausmündet; der Aus- 
führgang ist etwas kürzer als der Durchmesser der Ampulle. Die Ampulle enthält bei den 
untersuchten Stücken keine Samenmassen ; diese scheinen zunächst lediglich im proximalen Teil 
des Atriums magaziniert zu werden. 

Erörterung : L. bytldus ist ein Tier der Tiefenregion. Die vorliegenden 5 Nummern 
stammen sämtlich aus Tiefen von 600 und mehr Metern. Der Habitus der Tiere, bedingt 
durch die Pigmentlosigkeit und Zartheit des Hautmuskelschlauches, sowie durch die starke 
Aufblähung des Körpers, scheint mit diesem bythischen Charakter der Vorkommnisse zusammen 
zu hängen, denn ähnliche Verhältnisse finden wir auch bei dem ebenfalls aus recht beträchtlichen 
Tiefen stammenden Lumbriculiden L. inflatus. Über das Verwandschaftsverhältnis zu diesem 
letzteren verweise ich auf die ,, Erörterung" unter L. inflatus. 



42 

Lamprodrilus inflatus n. sp. 

Diagnose: Dimensionen der halbreifen Stücke: L. ca. 30 mm, D. max. 3 mm, Segmz. ca. 75. 

Färbung gelblichweiß bis durchscheinend. 

Körper mit Ausnahme des Kopfes und des Hinterendes stark aufgebläht, drehrund. 

Kopflappen hinten breit, nach vorn stark verschmälert, geschweift und abgerundet kegelförmig. 

Intersegmentalfurchen scharf ausgeprägt. Segmente durch je eine oder zwei ßingelfurchen geteilt, manchmal mit 
erhabener Mittelzone. 

Borsten in 4 mäßig engen Paaren au einem Segment. Borstendistanz aa = ca. Ч-г bc = ca. ^^з dd. Ventrale Borsten 
schlank, ca. 0.65 mm lang, proximal 8 |li, unterhalb der distalen Spitze 6 |Д dick, sehr schwach geschweift, am deutlichsten im distalen 
Drittel, mit undeutlichem Nodulus ungefähr am Ende des ersten proximalen Viertels, mit einfachem, mäßig scharf zugespitztem, 
distalen Ende, ungefähr zur Hälfte über die Körperoberfläche he:-vorragend. Dorsale Borsten plumper als die ventralen, ca. 0,2 bis 
0,35 mm lang, proximal ca. 12 ц, distal ca. 8 ц dick, leicht S-förmig geschweift, mit deutlichem, wenn auch schwachem Nodulus 
ungefähr in der Mitte der Länge und einfachem, mäßig scharf zugespitztem distalen Ende, zu ungefähr einem Drittel der Länge 
über die Körperoberfläche hervorragend. 

Zwei Paar (J Poren hinten am 10. und 11. Segment, ungefähr in den Linien ah, 1 Paar Samen taschen-Poren hinten 
am 13. Segment in den gleichen Linien. 

Hautmuskelsohlauch sehr dünnwandig. Ln allgemeinen Cuticula sehr zart, Hypodermis beträchtlich dicker als die 
ßingmuskelschicht, ungefähr halb so dick wie die Längsmuskelschicht. Längsmuskelschicht nur unvollständig unterbrochen, fast 
kontinuierlich. 

Segmeute des Mittelkörpers mit je einem Paar einfacher, langer, unverästelter Bliudgef äße oder mit einem Paar spärlich 
ästioer, ein- oder zweimal nahe der Wurzel dichotomisch verzweigter Büschel mit langen Endästen. Blindgetaße dick schlauchförmig, 
mit starkem Chloragogenzellen-Besatz. 

2 Paar Hoden und Atrien im 10. und 11. Segment. 3 Paar Samensäcke hinten am Dissepiment '"/n und "/12 und 
vorn am Dissepiment ^/ю. 

1 Paar Ovarien im 12. Segment. 1 Paar Eiersäcke hinten am Dissepiment "^/ig. 

Samen taschen mit blasiger Ampulle und scharf abgesetztem, ziemlich dünnem, etwas gebogenem muskulösen Ausführgang. 

Fundnotizen ."Nördlicher und m i 1 1 1 e r e r T e i 1 d e s В а i к а 1 - S e e s bis z ii m N о r d - 
eingang de« Mal oje More, Schlammgrimd, in 300 — 875 m Tiefe. 

Vorliegend zahlreiche Exemplare, unter denen sich jedoch kein vollkommen geschlechts- 
reifes befindet. 

Äußeres: Die Dimensionen der vorliegenden unreifen Stücke sind wenig verschieden. 
Das größte Stück ist 30 mm lang und 3 mm dick. Die Segmentzahl beti'ägt ca. 75. 

Die Färbung der Tiere ist fast wasserhell bis gelblich weiß; es ist keine Spur von 
Pigmentierung zu erkennen. 

Der Körper ist mit Ausnahme des Kopfes und des Hinterendes stark aufgebläht, drehrund. 

Der Kopflappen ist hinten breit, nach vorn stark verschmälert, etwas geschweift, 
vorn abgerundet kegellormig. Ein Zurückziehen des hinteren Teiles des Kopflappens in die 
Mundhöhle ist bei keinem Stück beobachtet worden. 

Die Intersegmentalfurchen sind stark ausgeprägt und die Segmente infolge- 
dessen mehr oder weniger stark gewölbt. Jedes Segment mit Ausnahme der vordersten ist 
durch eine oder zwei Ringelfurchen geteilt und die Mittelzone meist wallförmig erhaben. 

Die Borsten stehen in 4 mäßig engen Paaren an jedem Segment vom 2. an. Die 
ventralraediane Borstendistanz ist verhältnismäßig gering, nur etwa die Hälfte der lateralen 
betragend ; die dorsalmediane Borstendistanz ist etwa um die Hälfte größer als die ventral- 
niediane, etwa um ein Viertel kleiner als die lateralen (aa = ca. '/г b<^ = ca. 7з ^'0- ^^^^ Gestalt 
der ventralen Borsten ist von der der dorsalen verschieden. Die ventralen sind sehr lang und 
ragen mit ungefähr der Hälfte ihrer Länge über die Körperoberfläche hervor. Ihre Länge 
beträgt ca. 0,65 mm, ihre Dicke proximal ca. 8 |д, distal, etwas unterhalb des äußersten Endes, 
ca. 6 Ц. Sie sind sehr schwach geschweift, am deutlichsten im distalen Drittel gebogen. Sie 
lassen ungefähr am Ende des ersten proximalen Viertels einen undeutlich abgesetzten, schwachen 



43 

Nodulus erkennen und sind distal einfacL, mäßig scharf zugespitzt. Die dorsalen Borsten sind 
etwas plumper, ca. 0,2—0,35 mm lang, proximal ca. 12 ц, distal ca. 8 ц dick, leicht S-föi-mig 
gebogen. Sie sind ungefähr in der Mitte zu einem deutlichen, wenn auch schwachen Nodulus 
verdickt ; ihr distales Ende ist einfach luid mäßig scharf zugespitzt. Die dorsalen Borsten 
ragen ungefähr mit dem dritten Teil ihrer Länge über die Körperoberfläche hervor. 

Die Seitenlinien sind auch äußerlich meist deutlich zu erkennen. Sie stellen sich 
als schwache Längseindrücke an den einzelnen Segmenten dar. 

Zwei Paar männliche Poren sind durch undeutliche (unentwickelte) Papillen hinten 
am 10. und 11. Segment ungefähr in den Borstenlinien nh markiert. Ein Paar ebenso gekenn- 
zeichnete Sam entascli en- P or en liegen in den gleichen Längslinien hinten am 13. Segment. 

Innere Organisation: Der Haut muskelschlauch ist sehr dünnwandig, meist durch- 
scheinend. Im Leben scheinen die Tiere nahezu durchscheinend gewesen zu sein. Die Cuticula 
ist sehr zart, die Hypodermis beträchtlich dicker als die sehr dünne Ringmuskelschicht, ungefähr 
halb so dick Avie die Längsmuskelschicht. An einem Querschnitt durch den Mittelkörper stellte 
ich folgende Dicken für die Schicliten des Hautmuskelschlauches fest : Cuticula ca. 1 м, Hypo- 
dermis 9 |a, Ringmuskelschicht 4 ц, Längsmuskelschicht 24 ц. 

Die Dissepimente sind sämtlich sehr zart. 

In den Segmenten des Mittelkörpers entspringen aus dem Rückengefäß Blindgefäße. 
Dieselben sind ziemlich dick schlauchförmig, mit einem starken Chloragogenzellen-Besatz ver- 
sehen. Es finden sich stellenweise je ein Paar einfache, unverästelte Blindgefäße in einem 
Segment, stellenweise ein Paar spärlich, einmal oder zweimal mehr oder weniger nahe der 
Wurzel dichotomisch verästelte Büschel mit 2 bis 4 sehr langen Endästen. 

Zwei Paar Hoden liegen vorn in den Segmenten 10 und 11 und hinter denselben, 
hinten im 10. und 11. Segment, zwei Paar bei den untersuchten Stücken unentwickelte, dick 
und kurz stummeiförmige Atrien, die noch keine Si)ur irgendwelcher Sondergestaltung auf- 
weisen. 3 I'aar lange, ziemlich dicke Samensäcke ragen von den Dissepimenten '"/ц und "/^ 
anscheinend durch mehrere Segmente nach hinten, und vom Dissepiment "/ю nach vorn in das 
9. Segment hinein. 

Ein Paar Ovarien liegen vorn im 12. Segment. Ein Paar lange, schlank birnförmige 
Eiersäcke ragen vom Dissepiment ^^/^ anscheinend durch mehiere Segmente hindurch nach hinten. 

Die Sam entaschen liegen im 13. Segment. Sie sind bei den halbreifen Stücken 
verhältnismäßig weit entwickelt. Sie bestehen aus einer blasigen Ampulle und einem scharf 
von derselben abgesetzten, mäßig langen und mäßig dicken, etwas gebogenen muskulösen 
Ausführgang. 

Erörterung : L. inflatus ist ein Tier, welches auf die mittleren Tiefen von 300 bis etwa 
900 Metern beschränkt zu sein scheint, also mit seinen tiefer liegenden Vorkommnissen in die 
Tiefenregion des L. bythius hineinragt. 

Da sich unter dem vorliegenden Material keine geschlechtsreifen Stücke finden, so kann 
über die Verwandtschaftsbeziehungen dieser Art nichts Sicheres ausgesagt werden. Die Gestaltung 
der Borsten sowie der ganze Habitus erinnert stark an L.hythhis; doch muß es dahingestellt 
bleiben, ob in dieser Ähnlichkeit lediglich eine Parallel-Entwicklung, eine Anpassung an die 
Lebensverhältnisse im Schlammgrunde der großen Tiefen liegt. 

6* 



44 

L. inflatus unterscheidet sich von L. bi/thius vornehmlich durch das Vorhandensein dorsaler 
Borsten, die dem L. hythius vollständig zu fehlen scheinen ; ferner durch die etwas plumpere 
Gestalt der ventralen Borsten, durch die drehrunde Gestalt des Kör[)ers, die weniger schlanke 
Gestalt des Kopflappens und die schärfere Ausprägung der Intersegmentalfurchen bei geringerer 
Zahl der ßingelfurchen. Schließlich scheinen auch in der inneren Organisation Unterschiede 
zwischen beiden Arten zu existieren. Die Blindgefäße sind bei L. inflatus ])luniper und mit 
dickem Chloragogenzellen-Besatz versehen, bei L. bytläus schlanker, oluie deutlichen Chloragogen- 
zellen-Besatz. Ob L. inflatus dem /.. bythius nahe verwandt ist, kann erst nach Untersuchung 
reifer Stücke entschieden werden, nach Klarstellung des männlichen Ausfülu-apparates, der ja 
bei L. bythius die eigentümliche Modifikation der Atrien in Samenmagazin und Drüsenteil aufweist. 

Lamprodrilus stigmatias Michlsn. 

1901a. Lamprodrilus stigmatias, Michaelsen, Ol. Mus. !St. Petersb. Kiew, p. 154. 

Diagnose: Dimensionen: Länge 28— 32 mm, Dicke max. 1 mm. Segmeutzahl ca. 86. 

Färbungim allgemeinen grau mit starkem Irisglanz; ein dunklerer dorsalmedianer Pigmenttleck von der Mitte des 1. Segments 
bis zum 3. Segment. 

Kopf prolobisch; Kopflappen kurz, so lang wie an der Basis breit, gerundet, dorsal leicht ausgebuchtet. Intersegmental- 
furchen schwach ausgeprägt ; Segmente schwach gewölbt, undeutlich 3-ringlig. 

Borsten sehr zart, schlank S-förmig, distal einfach und scharf zugespitzt, mit Ncjdnlns, ca. 0,13 mm lang und 5 Ц dick, 
eng gepaart; Borstendistanz aa = '',i bc ^ ^/4 dd. 

(5 Boren 2 Paar, auf winzigen Papillen hinter den ventralen Borsten des 10. und 11. Segments; $ Poren auf Inter- 
segmentalfurehe "^/13 in den Borstenlinien ab; Samentaschen-Poreu hinter den ventralen Borsten des 13. Segments. 

Leibeswand dick und fest; Cuticula dick (am 25. Segment 6 [x), Hypoderniis und Ringmuskelschicht dünn 
(ebendaselbst '/2 bezw. 1 ц dick), Längsmuskelschicht dick (ebendaselbst 120 /a), fast im ganzen Körperumfang kontinuierlich. 

Im Mittelkörper vom 23. oder 24. Segment an jederseits 1 oder 2 einlach schlauchförmige Blindgefäße. 

Paarige Samensäcke von den Dissepimenten '''ii und ^'/i» nach hinten ragend. Atrien im unausgebildeteu Zustande 
einfach stummelförmig, mit zottigem Drüsenbesatz. 

Samentaschen im unaiisgebildeten Zustande einfach birnförraig. 

Fundnotizen : Mittlerer Teil d e s В а i к а 1 - S e e s , T s с h i r w i к u j - Ji u s e 11 , in liefen 
von 27 — 107 m, Sand- oder Schlammgrund. 

Lamprodrilus ammophagus n. sp. 

Diagnose: Dimensionen: Länge ca. 22mm, Dicke max. ca. 1 mm. Segmentzahl ca. 50. 

Färbung weißlich bis grau; pigmeutlos ; etwas durchscheinend; schwach irisierend. 

К opf zygolobisch; Kopflappen kegelförmig, ziemlich spitz, am Vnrderendc schmal gerundet, ungefähr so lang wie an 
der Basis breit. Intersegmentalfurchen vorn schwach, hinten stark ausgeprägt. 

Borsten am Vorder- und Hiuterkörper eng gepaart, am Mittelkörper ungemein eng gepaart, schwach und einfach 
gebogen, distal einfach- und stumjifspitzig. Borsteudistanz aa<C.dd<Zbc. Borsten am Vorder- und Hinterkörper ca. 0,12mm lang 
und 7 Ц dick, am Mittelköiiier viel kleiner, ca. 0,08 mm lang und 4 ц dick. 

Gürtel am 10. bis 13. Segment, ringförmig (?). 

c5 Poren 2 Paar am 10. und 11. Segment hinter den Borsten ab; $Poren in gleichen Linien auf Intersegmentalfurche '^,13; 
Samen taschen-Poren 1 Paar, dicht hinter den Borsten ab am 13. Segment. 

Ein unpaariges, quer-ovales Pubertätsgrübchen ventralmedian am 12. Segment dicht vor der Borstenzone; manchmal 
ein zweites in derselben Lage am 11. Segment. 

Hautmuskelschlauch dünn. Längsmuskelschicht fast im ganzen Umfange des Körpers kontinuierlich. 

c3 А usführapparate beider Paare annähernd gleich groß. Atrien sehr lang, mit dickem, zottigem Drüsenbesatz und 
engem Lumen, distal verengt, ohne muskulösen Bulbus, aber von zahlreichen birnförmigen Drüsen umstellt, die zu einem halbkugeligen 
Polster zusammengedrängt sind. 

Samentaschen mit großer, birnförmiger Ampvdle, die distal uhne scharten Absatz in einen sehr engen, kürzeren Aua- 
führgang übergeht. 



45 

Fundnotiz : Nördlicher Teil des Baikal -Sees, beim Kap Ко t elnik о wskij , 
in der Tiefe von 25 m, Sandgrund. 

Vorliegend 8 gescldechtsreife Exemplare, von denen jedoch nur eines vollständig, und 
einige wenige jugendliche Stücke. Die Untersuchung dieser Ait wurde sehr erschwert dadurch, 
daß der ganze Darm der Tiere mit groben, bis 7:2 ™m dicken Sandkörnern angefüllt war. Die 
Schnittserien, in die ich zwei Exemplare zu zerlegen versuchte, mißrieten fast vollständig, 
so daß auf eine vollständige Khxrlegung der inneren Organisation verzichtet werden muß. 

Äußeres: Die Dimensionen konnten nur an dem einen vollständigen der geschlechts- 
reifen Stücke festgestellt werden ; doch schienen die der übrigen nach Maßgabe der Dicke der 
vorhandenen Bruchstücke annähernd die gleichen gewesen zu sein. Das vollständige Stück ist 
22 mm lang, im Maximum 1 mm dick und besteht aus 50 Segmenten. 

Die Färbung ist weißlich bis grau; ii-gendwelche Pignientierung ist nicht erkennbar. 
Da die Haut etwas durchscheinend ist, so beeinflussen die zum Teil leuchtend hellen und weißen 
inneren Organe sowie auch der Darminhalt das Aussehen der Tiere ; dieselben erscheinen infolge- 
dessen fleckig. Am Mittel- und Hinterkörper kommt ein schwaches Irisieren hinzu. 

Der Kopf ist zygolobisch. Der Kopflappen ist kegelförmig, ungefähr so lang wie 
an der Basis breit, ziemlich s])itz, am Vorderende schmal gerundet und manchmal etAvas auf- 
gestülpt, sodaß er das Aussehen einer Stülpnase annimmt. Die In ters e g m en talfurch en 
sind am Vorderkörper nur schwacli, am Hinterkörper dagegen di^itlich ausgeprägt. 

Die Borsten sind im allgemeinen zart, am Vorder- und Hinterkörper ca. 0,12 mm 
lang bei einer maximalen Dicke von 7 ц. Am Mittelköri)er sind sie beträchtlich kleiner, nur 
etwa 0,08 mm lang und in der Mitte 4 ц dick. Sie sind einfach und schwach gebogen, gegen 
das distale Ende nur schwach verjüngt, einfach- und stumpfspitzig. Sie sind am Vorder- und 
Hinterkörper eng gepaart, am Mittelkörper, entsprechend ihrer geringeren Dimensionen, ungemein 
eng gepaart. Die ventralmediane Borstendistanz ist verhältnismäßig gering, viel kleiner als 
die dorsalmediane, und diese kleiner als die lateralen Borstendistanzen fwi < dd < bc). 

Ein Gürtel ist gar nicht, oder nur undeutlich ei^kennbar. Er scheint die 4 Segmente 
10 — 13 einzunehmen und ringförmig zu sein. 

Zwei Paar männliche Poren liegen auf winzigen, kreisrunden Papillen am 10. und 
11. Segment hinter den ventralen Borstenpaaren, jedoch ein Geringes lateral wärts verschoben, 
so daß ihr Zentrum fast in den Borstenlinien b zu liegen kommt. Ein Paar weibliche 
Poren, kleine Querschlitze, liegen genau (?) in den Borstenlinien ab auf Intersegmen talfurche '^i.h- 
Ein Paar Sam entasch en - Poren liegen dicht hinter den Borsten ab des 13. Segments, 
anscheinend ein sehr geringes weiter medianwärts als die männlichen Poren. 

Es findet sich konstant (bei allen geschlechtsreifen Stücken deutlich erkennbar) ein 
quer-ovales Pub ertätsgr üb chen ventralmedian am 12. Segment, dicht vor der Borstenzone. 
Bei drei von den acht geschlechtsreifen Stücken fand sich ein zweites Puljertätsgrübchen in 
der gleichen Lage am 1 1 . Segment. 

Innere Organisation: Der Hautmuskel sc hl auch ist dünn. Die Längsmuskel - 
Schicht ist fast im ganzen Umfange des Körpers kontinuierlich. 

Im Mittelkörper scheinen mit Chloragogenzellen besetzte Blindgefäße vorhanden zu 
sein; doch waren dieselben nicht mit Sicherheit festzustellen. 



46 

Zwei Paar Hoden ragen vom ventralen Rande der Dissepimente '/ю und "/n ^^ die 
Segmente 10 und 1 1 hinein. Es sind lange, durch mehrere Segmente nach hinten sich er- 
streckende Samen sacke vorhanden; doch ließ sich ihr Zusammenhang mit den Dissepimenten 
sowie ihre Zahl, ob paarig oder unpaarig, nicht klarstellen. Die männlichen Ausführ - 
apparate beider Paare sind ungefähr gleich groß. Die Samentrichter, vor den Disse- 
pimenten "'/u und "/i2 gelegen (am Eingänge der Samensäcke?), sind mäßig groß. Die Samen- 
leiter sind sehr dünne, nicht in ganzem Verlauf nachgewiesen; sie treten an die distalen 
Partien der Atrien heran ; ob sie sich an den Atrien proximalwärts noch weit hinziehen, wie 
es manchmal bei Lumbriculiden vorkommt, oder ob sie l)ald nach ihrem Herantreten in die 
Atrien einmünden, konnte nicht festgestellt werden. Die Atrien sind verhältnismäßig sehr 
lang, um'egelmäßig gebogen, im allgemeinen gleichmäßig und mäßig dick, mit engem Lumen 
und ziemlich dickem, dicht zottigem Drüsenbesatz. Distal verengen sie sich stark, um direkt, 
ohne Bildung eines muskulösen Bulbus, auszumünden. Das Ausmündnngsende der Atrien ist 
dicht umstellt von einer kreisförmigen Gruppe gedrängt stehender, birnförmiger Drüsenzellen ; 
dieselben bilden nicht nur die Hauptmasse der winzigen männlichen Papillen, sondern ragen 
auch noch als halbkugelige, von den Atrien durchbohrte Polster in das Leibesinnere hinein. 
(Die Drüsenpolster am distalen Atrium- Ende dürfen nicht mit den muskulösen Verdickungen 
der distalen Atrium-Enden, den muskulösen Atrialbulben, verwechselt werden.) 

An den P u b e r t ä t s g r ü b с h e n , kleinen Einsenkungen der Leibeswand mit Hypodermis- 
Verdickung, finden sich ebenfalls Drüsen p ölst er , die denen der Atrium-Enden ganz älmlich 
sind. Da sie ventralmedian liegen, so drängen diese Drüsenpolster den Bauchstrang etwas in 
die Höhe ; bei stärkerer Entwicklung dieser ventralmedianen Drüsenpolster erscheint der Bauch- 
strang etwas in dieselben eingebettet. 

Ein Paar Ovarien ragen vom ventralen Rande des Dissepiments "/ij in das 12. Segment 
hinein. Eiersäcke und reife Eier fanden sich bei den untersuchten Stücken nicht. Ein 
Paar kleine, einfach trichtei'förmige Ei tri cht er finden sich an der ventralen Partie des 
Dissepiments ''/j^ ; sie münden durch sehr kleine, kurze und enge, kaum deutlich von den 
Eitrichtern gesonderte Eileiter aus. 

Die Samentaschen sind sehr groß und ragen von dem Ort ihrer Ausmündung dui'ch 
zwei oder drei Segmente nach hinten. Sie bestehen aus einer sehr großen, lang birnföi'migen 
Ampulle mit sehr dünner Wandung und einem küi'zeren, engen, mäßig dickwandigen, nicht 
scharf abgesetzten Ausführgang. Die Samentaschen sind bei den untersuchten Stücken prall 
angefüllt mit Samenmassen, die teils unregelmäßige Ballen, teils regelmäßiger zusammen gelegte 
schopfartige Massen bilden. 

Lamprodrilus Wagneri Michlsn. 

1873 Euaxes (err. Enaxes) baicaloisis (parf. --- kleine Tiere, vermeintlich Bruchstücke), Grübe, Üb. iinbek. Bewohner (1. 
Baikal-S., p. 66. 

1889 Rhynrhelmis baicalensis (part.), L. Vaillant, Hist. nat. Anneies, Vol. 3 i. p. iJiil. 

1901a. Lamprodrilus Wagneri, Michaelsen, Ol. Mus. St. Petersb. Kiew, p. 157, Te.xtiig. 1) aut p. 17.5, ausschließlich d. 
Unterschrift (Cliches der Texfig. В u. D a. p. 159 u. 17Г> \'ertauscht!). 

Diagnose: Dimensionen der vollkommen geschlechtsreifen Stücke: Lauge У5 — 42 mm, Dicke max. 2'(з — 2'/г mm, 
Segmentzahl 60—70. 

Färbung gelb bis brauugrau, stark fett glänzend, schwach irisierend. 



47 



а-. 




Fig. 7. LamprodrilU3 Wiigneri MlfHLs:*. 

Sclieiiiatiscbe Darstellung der Anordnung des Gesclilechtsaiiparates. 

L = Atrium; et = Eitrichter; h = Hoden ; o^iOvarium; sl = Samenleiter; 

SS = Samensack ; st = Samentrichter ; (J=:(J Poren; § = $ Porus. 



Kopf zygolobisch; Kopflappeu stumpf kegelförmig, nicht ganz so lang wie breit. Körper di-ehrund ; Intersegmental- 
furchen sehr schwach ausgeprägt, meist kaum erkennbar. Habitus der eines kurzen, plumpen Ascaris. 

Borsten sehr zart und schlank, sehr schwach gebogen, mit sehr schwachem Nodulus etwas proximal von der Mitte, distal 
einfach und mäßig scharf zugespitzt, am 14. Segment 0,2-t mm lang und 6 |Д dick, eng gepaart; Borstendistanz aa = ''ja bc= ^fa dd. 

Gürtel ringförmig, логп und hinten undeutlich begrenzt, am 10. -13. Segment. 

(5 Poren 2 Paar, auf winzigen quer-ovalen Papillen hinter den Borsten ab des 10. und 11. Segments; $ Poren in den 
Borstenlinien ab auf Intersegmentalfurche '^/la; Samen taschen-Poren 1 Paar, dicht hinter den Borsten ab des 13. Segments. 

Hautmuskelschlauch kräftig; Uuticula am Vorderkörper fast so dick (9 ц) wie die Hypodermis (12 |uj, dicker als 
die Ringmuskelschicht (7 |li); Längsmuskelschicht 
sehr dick (ca. 140 ц), fast kontinuierlich. 10 Sl ^^ 

Im Mittelkörpcr etwa vom 28. Segment an lang 
schlauchförmige Blindgefäße, einfach oder einmal ge- 
gabelt, aul'angs nur 2 oder 3 einfache jederseits, weiter 
hinten bis jederseits 8 ßlindgefäß-Enden in einem Segment. 

Je ein Paar Samensäcke an Dissepiment '"/u 
und ''/i2, die hinteren ziemlich weit nach hinten gehend. 
Samentrichter innerhalb der vorderen Partie der Samen- 
säcke; Samenleiter zart, an der Vorderseite der Disse- 
pimeute '"/ц bezw. "/u in fast gerader Linie hinabsteigend 
und in die Basis der Atrien eintretend, um innerhalb der 
Wandung der Atrien bis etwas proximal von der Atrien- 
Mitte aufzusteigen und hier in das Lumen der Atrien ein- 
zumünden. Atrien mäßig lang schlauchförmig, mit dichtem, 

zottigem Drüsenbesatz, distal verengt und durch die niedrigere hintere Partie von mäßig großen drüsig-muskulösen Polstern 
ausmündend. 

Reife Eier mit grobkörnigen Dottermassen, bis 1 mm dick. 

Samentaschen bis in das 14. Segment nach hinten ragend, mit dünnwandiger, birnförmiger bis lang sackförmiger Ampulle 
und kürzerem, dünnem, mäßig dickwandigem, nicht scharf abgesetztem Ausführgang, der ohne besonderes Ausmündungsstück, 
sich etwas verengend, ausmündet. In der Ampulle finden sich unregelmäßig schopfförmige Samenmassen, anscheinend in eiweißartige 
Massen eingebettet. 

Fundnotizen: Baikal -See, in der Tiefe von 97 m; J. Wagner leg. Baikal-See, in 
der Tiefe von 50 m; W. Dybowski leg. lu 13 Fängen aus dem nördlichen und mittleren 
Baikal-See und in 2 Fängen aus dem südwestlichen Ende bei Listwenitschnoj und 
dem Dorfe Kultuk, in Tiefen von 84 — 640 m, Schlamm- und Sandgrund. 

Durch die Untersuchung des neuen, reichen Materials, in dem sich auch mehrere voll- 
ständig geschlechtsreife, mit Gürtel ausgestattete Stücke finden, wird eine Erweiterung und 
auch eine Umgestaltung tler früheren Diagnose dieser Art notwendig. Die Umgestaltung der 
Diagnose betrifft vornehmlich die Ausmün d ungspartie der Atrien. Bei den früher 
untersuchten halbreifen Stücken erschien diese Ausmündung ganz einfach. Bei den vollkommen 
reifen Tieren hat sich ein drüsig-muskulöses Polster an der Ausmündungsstelle gebildet. Diese, 
in das Leibesinnere hineinragenden Polster sind annähernd halbkugelig, nach hinten etwas 
abgeflacht. Die hintere, abgeflachte Partie wird von den Ausmündungsenden der Atrien durch- 
bohrt. Diese Bildung kennzeichnet L. Wagneri als zur Gruppe L. Tolli — L. isoporus gehörig. 
Zumal der letzteren Art, bei der die Atrien beider Paare gleich stark ausgebildet sind, scheint 
er nahe zu stehen. Er unterscheidet sich von beiden verwandten Arten durch die geringere 
Größe der Atrialpolster, sowie dadurch, daß diese Polster nicht zentral durchbohrt sind, sondern 
in der hinteren, abgeflachten Partie, so daß die Polster der Hauptmasse nach vor den Atrien- 
Enden liegen. 

Auch die Borsten sind bei L. Wagneri anders gestaltet als bei den verwandten Arten. 
Sie sind beträchtlich schlanker, kaum merklich gebogen, und ihr sehr kleiner Nodulus liegt 



48 

proximal von der Mitte, während er bei jenen distal von der Mitte liegt, bei L. Tolli, der 
zuo'leich die plumpesten und am scliärfsten gebogenen Borsten aufweist, sogar beträchtlich 
distal von der Mitte. 

Lamprodrilus pygmaeus Michlsn. 
forma typica. 

1901b. Lamprodrilus pygmaeus, .^Iichaelsen, Fauna Ölig. Bajkala, p. 68. 
1902a. Lamprodrilus pygmaeus, Michaelsp.n, Olig.-Kaiuia JHaikal-S., p. 46. 

Diagnose: Diraeusionen: bän>;e 9 -1У mm, DiL-ke max. 0..Ö- 0,6 mm, Segiuentzahl 38 — 50. 

Kopflappeu gerundet, UDgefähr so lang -wie dick. Intersegmentalfurchen äußerst zart; Segmeute ganz flach; Haut glatt. 

Borsten eng gepaart, zart, ca. 0,06 mm laug und 2— 13 ц dick, S-förmig, distal einfach zugespitzt; Borsteudistanz aa = 

ca. ä/, bc = ca. "It dd. 

Gürtel ringförmig, am 10. (?) —13. Segment. 

(JPoren 2 Paar, hinten am 10. und 11. Segment; ^Poreu auf Intersegmentalfurche 'Vn; Samen taschen-Pore u 
hinten am 13. Segment. Sämtliche Geschlechts-Poren in den Borstenliuien ab. 

Guticula mäßig dick. Längsnmskelschicht fast kontinuierlich. 

Blindgefüße fehlen. 

Samentrichter im Anfangsteil der Samensäcke; Samenleiter mäßig zart; Atrien lang schlauchförmig, mit sehr 
dickem, zottigem Drüsenbesatz, distal verengt, durch eine kleine polsterförmige, mit zottigem Drüsenbesatz ausge.stattete, nach außen 
weit offene Kopulationstasche ausmündend. 

Samen taschen mit unregelmäßig lang sackförmiger Ampulle und mäßig scharf abgesetztem, kürzerem, engem Ausführgang, 
dessen Lumen am distalen Ende verengt ist. 

Fundnotizen : 5 Fangnummern aus dem nördlichen, mittleren und südwest- 
lichen Teile des Baikal-Sees, В u ch t D agar sk aj a, Insel Charanssa im M aloj e 
More und beim Dorfe Kultuk, in Tiefen von 8 — 95 m, Schlamm- und Steingrund. 

Vorliegend eine Anzahl geschlechtsreifer Stücke. 

Äußeres: Die Dimensionen schwanken in geringem Maße. Die Länge beträgt 9 bis 
13 mm, die maximale Dicke 0,5 — 0,6 mm und die Segmentzahl 38 — 50. 

Die Färbung ist schmutzig grau (ider gelblich grau. 

Der Kopf läppen ist gerundet, ungefähr so lang wie dick. Die Intersegmental- 
furchen sind sehr zart und die Segmente ganz flach. Die Haut ist glatt. 

Die Borsten sind sehr zart, ungefähr 0,06 mm lang und 2 — 3 ц dick, schlank S-förmig 
gebo'>'en, distal einfach zugespitzt. Sie sind sehr eng gepaart. Die ventralmediane Borsten- 
distanz ist uno-efähr '^j, so groß wie die lateralen {aa = ca. 7з bc). Die dorsalniediane ist etwas 
kleiner als die lateralen {dd = ca. 7э ^^'). 

Der Güitel ist ringförmig. Seine vordere Grenze (vorn am 10. Segment?) ist nicht 
deutlich erkannt worden. Ьл- erstreckt sich bis über das 13. Segment nach hinten. 

Die Gesell le chtsp о ren liegen sämtlich in den Borstenlinien ab, die männlichen 
Poren, 2 Paar, hinten am 10. und 11. Segment, die weiblichen Poren auf Intersegmental- 
furche '7i2' diö Samenta schen-Poren , 1 Paar, hinten am 13. Segment. 

Innere Organisation: Der Hautmuskel schlauch ist mäßig dick. Die Guticula ist 
verhältnismäßig stark (am 25. Segment ca. Vj, м dick), etwa halb so dick wie die Hypo- 
dermis (am 25. Segment ca. 3 м dick), nur wenig dünner als die Rin gm u sk eis ch ich t 
(am 25. Segment ca. 2 м dick). Die L ängsm usk elschicht ist am Mittelkörper ca. 30 ц 
dick; sie ist ftist kontinuierlich. 



49 

Der Oesophagus ist sehr eng. Er erweitert sich allmählich /um Mitteldarni, 
der aber auch nicht besonders weit ist. Der Mitteldarm ist mit einer auffallend dicken Schicht 
von Chloragogenzellen ausgestattet. Blindgefäße fehlen; wenigstens war in einer 
beträchtlichen Strecke des Mittelkörpers in der Gegend des 30. Segments an einer lückenlosen 
Querschnittserie keine Spur von ßlindgefäßen zu erkennen. 

Zwei Paar Hoden ragen vom ventralen Rand der Dissepimente "/jo und '"/n i" '^ie 
Segmente 10 und 11 hinein. Samensäcke (paarig oder unpaarig?) erstrecken sich vom 
Dissepiment '"/и ^'^l^^ "/la nach hinten. Die Samentrichter ragen nach hinten in den 
Anfangsteil der Samensäcke Idnein. Die Samenleiter sind mäßig zai't. Die Atrien sind 
lang schlauchförmig, unregelmäßig gebogen oder gewunden, mit einem dicken, zottigen Besatz 
großer, birnförmiger Drüsen; distal verengen sich die Atrien und münden schließlich durch je 
eine winzige, nach außen weit offene, nach innen von einem zottigen Besatz kleiner birnförmiger 
Drüsen bekleidete, polsterförmig in das Leibesinnere hineinragende Kopulation st а sc he aus. 
An dem früher untersuchten Originalstück sind diese kleinen Kopulationstaschen übersehen worden ; 
ich habe sie jetzt aber auch an diesem nachweisen können. 

Ein Paar Ovarien ragen vom ventralen Rande des Dissepiments ''/.^ in das 12. Segment 
hinein. Eiersäcke (paarig oder unpaarig?) sind vorhanden. Die reifen Eier erlangen 
eine Länge von ca. 0,3 mm bei einer Dicke von ca. 0,18 mm ; sie sind von grobkörnigen Dottei*- 
massen erfüllt. Ein Paar dickwandig trichterförmige weibliche Ausführapparate, Eitrichter 
samt Eileitern, finden sich ventral am Dissepiment "/i^. 

Die Sam entaschen bestehen aus einer dünnwandigen, lang sackförmigen, unregel- 
mäßig eingeschnürten und gebogenen, bis in das 15. Segment nach hinten ragenden Ampulle 
und einem kürzeren, engen, nicht scharf abgesetzten Ausführgang ; am distalen Ende verringert 
sich das Lumen des Ausführganges etwas bei gleichzeitiger geringer Verdickung der Wandung; 
ein ventilartiger Ausmündungsbulbus ist nicht deutlich ausgebildet. Meine früheren Angaben 
über die Gestalt des Ausführganges beruhen auf Irrtümern ; die angebliche Erweiterung desselben, 
die mit Samenmassen gefüllt und proximal scharf von der Ampulle abgesetzt sein sollte, stellte 
sich bei neuerer Untersuchung als Teil der Ampulle heraus, der durch das durchsetzte Disse- 
piment besonders stark abgeschnürt war ; auch der angebliche birnförmige Ausmündungsbulbus 
beruht lediglich auf Bildern, hervorgerufen durch die starke Umbiegung des Ausführganges 
am distalen Ende. 

Erörterung : L. pygmaeus steht dem L. isoporus anscheinend sehr nahe, wie aus dem Vor- 
handensein der Kopulationstaschen hervorgeht. Dieselben sind jedoch viel kleiner tds bei 
L. isoporus und distal nicht wieder verengt, wie bei jenem, sondern weit offen. 

var. nov. glandulosa 

Diagnose: Dimensionen: Länge 18 — 20 mm, Dicke max. 0,85 mm, Segmentzahl ca. 48. 

Borsten am Vorderköi-per 0,1 — 0,14 iiim lang, ca. 5 ц dick, meist verhältnismäßig stark über ilie Körperobeifläche 
herYorrageml, am Mittel- und Hiaterkörper etwas kleiner. 

Gürtel am 10. — 13. Segment (=4). 

Ventralmedian am 12. und 13. Segmeat ist der Leibesschlaucli an der Innenseite mit einem dichten, jederseits neben dem 
Bauchstrang in die Leibeshöhle hineinragenden Besatz birnförmiger Kopulationsdrüsen versehen. 

Samentaschen: Ausführgang scharf von der Ampulle abgesetzt; Einmündungsraüd wulstig bis krausenartig verdickt. 

Im übrigen wie die typische Form. 



50 

Fundnotizen: 5 Fangnummern aus dem nördlichen und dem südwestlichen 
Teil des Baikal-Sees, in der Bucht Dagarskaja, bei dem Kap Kotscheri- 
kowskij und dem Dorfe Kultuk, in Tiefen von 6 — 148 m. Schlamm- oder Sandgrund, 
oder Schlamm mit Sand und Steinen. 

Es liegen mir zahlreiche mehr oder ■«"eniger vollkommen geschlechtsreife Tiere vor, 
die von der typischen Form des L. pygmaeus mehr oder weniger weit abweichen. Sie sind 
sämtlich etwas, zum Teil beträchtlich größer als die tл-|Dische Form und haben, besonders am 
Yorderkörper, größere Borsten. Es erscheint mir untunlich, diese Formen als besondere Art 
zu betrachten. Ich stelle deshalb die extremen Formen als var. glandulosa des L. pygmaeus 
hin und betrachte die übrigen als Zwischenglieder zwischen var. glandulosa und forma typica. 

Äußeres: Die Länge beträgt 18 — 20 mm, die maximale Dicke 0,85 mm und die 
Segment zahl ca. 48. 

Die Borsten sind besonders am Yorderkörper verhältnismäßig groß, etwa 0,1 — 0,14 mm 
lang; ihr distales Ende ragt beträchtlich über die Körpei'oberfläche hervor. Am Mittel- und 
Hinterkörper sind die Borsten etwas kleiner. 

Der Gürtel ist ringförmig und erstreckt sich über die 4 Segmente 10 — 13. 

DO О 

Innere Organisation : Yon der inneren Organisation ist besonders hei^vorzuheben ein Komplex 
birnfömiiger, dicht gestellter Kopulationsdrüsen ventralmedian im 12. und 13. Segment. 
Jedes der beiden Segmente hat seinen gesonderten Komplex oder die beiden Gruppen stoßen 
aneinander. Diese Kopulationsdrüsen ragen rechts und links neben dem Bauchstrang in die 
Leibeshöhle hinein. Die Hypodermis erscheint an der Ausmünduugsfläche dieser Drüsenmassen 
etwas modifiziert, noch dicker als die gewöhnliche Gürtelhvpodermis und etwas runzelig. Diese 
Kopulationsdrüsen fanden sich nicht bei den Stücken, die ich als Übergangsglieder zur typischen 
Form ansehe. 

Eine Besonderheit zeigt auch die Samen tasche der хах. glandulosa. Der Ausführgang 
ist scharf von der Ampulle abgesetzt und der Einmündungsrand erscheint mehr oder weniger 
stark wulstig verdickt, manchmal unregelmäßig krausenartig. 

Ln übrigen konnte ich keine Abweichungen von der tyjjischen Form erkennen. Erwähnen 
"nill ich noch, daß der Samenleiter im allgemeinen ziemlich dick (ca. 20 ц), proximal etwas 
verengt ist, und nach Beschreibung einer sehr kleinen Schleife zur Basis der Atrien hinabsteigt, 
sich in regelmäßigem Bogen an diese Basis anlegt und in die Wandung der Atrien eintritt. 
Er steigt innerhalb dieser Wandung ein kurzes Stück aufwärts, gegen das proximale Ende der 
Atrien hin, und mündet lange bevor er die Mitte der Atrien erreicht hat in das Lumen ein. 

var.? 

Fundnotizen: 4 Fangnummern aus dem nördlichen, dem mittleren und 
dem südwestlichen Teil des Baikal-Sees, in der Bucht Dagarskaja. bei dem 
Uluss Byrkin und bei dem Dorfe Kultuk, in Tiefen von 7 — 75 m, Schlamm und 
feinkörniger Sand. 

Unter dieser fraglichen Yarietät rubriziere ich die oben, bei der var. glandulosa erwähnten 
Zwischenformen zwischen der typischen Form und der var. glandulosa. 



51 

Lamprodrilus isoporus Michlsn. 

1901b. Lamprodrilus isoporus, Michaelsen, Fauna Ulig. Bajkala, p. <5. 

1902a. Lamprodrilus isoporus, Michäelsen. Ölig. -Fauna Baikal-S., p. 47. 

Diagnose: Dimensionen: Länge 30 — 40 mm. Dicke max. l^/j — 1% mm, Segmentzahl 45 — 52. 

К opl läppen spitz-kegeltörraig, sehr wenig länger als hinten breit; Intersegmentalfurchen mäßig scharf. 

Färbung grau, nicht glänzend. 

Borsten zart, einfach-spitzig, S-förmig gebogen, ca. 0,18 mm lang und 8 ц dick, mäßig eng gepaart; Borstendistanz 
aa = */.э bc, dd = '/ю м. 

Sämtliche Geschlechtsporen in den Borstenlinien ab; ij Poren 2 Paar, hinten am 10. und 11. Segment, gleich gi-oß, 
die Borsteidinie а und b medial bezw. lateral etwas überragend; Samentascheu- Poren 1 Paar, hinten am 13. Segment. 

Blindgefäße fehlend(?). 

cJGeschlechtsorgane beider Paare gleich groß. Atrien schlauchförmig, mit dichtem, zottigem Besatz birnförmiger 
Prostatadrüsen, distal etwas verengt, und durch je einen großen, fast kugeligen Ausmündungsbulbus, der zentrisch durchbohrt 
ist, ausmündend; Samentrichter in die Anfangspartie der Samensäcke hineinragend; Samenleiter zart. 

Samentaschen mit eiförmiger Ampulle und ungefähr ebenso langem, sehr engem, scharf abgesetztem Ausführgang. 

Fundnotiz: Nördliches Ende des Baikal- Sees, Bucht Ajaja, in der Tiefe 
von 11 m. 

Da das neuere Material keine Vertreter dieser Art zu enthalten scheint, so muß ich 
mich auf Wiedergabe der Original-Diagnose beschränken. 

L. isoporus ist zunächst verwandt dem L. Tolli MlCHLSN. von Nord-Sibirien und den 
Neusibirischen Inseln, der sich liauptsächlich durch den Größenunterschied zwischen dem vorderen 
und dem hinteren Paar der männlichen Geschlechtsorgane von dieser baikalischen Art unter- 
scheidet. Als nahe verwandt diesen beiden Arten sind dann noch L. pygmaeus MlCHLSN. und 
L. Wagneri MiCHLSN. zu bezeichnen (siehe die betreffende Erörterung bei diesen Arten). 

Gen. TeleuSCOlex Michlsn. 

Teleuscolex baicaleosis (Grube) 

1873 Euaxes (laps. Enaxes) baicalensis (part. — große Tiere), Geübe: Üb. unbek. Bew. Baikal-S., p. 66. 

1889 Bhynchelmis baicalensis (part.), L. Vaillant: Hist. nat. Anneies, Vol. 3i p. 221. 

1901 a. Teleuscolex baicalensis, Michaelsen, Ölig. Mus. St. Petersb. Kiew, p. 170. 

Diagnose: Dimensionen halbreifer Tiere: Länge bis 75 mm, Dicke max. bis 3' 2 mm. Segmentzahl bis 120. 

Färbung hell gelblich grau; schwach durchscheinend: schwach irisierend; stark l'ettglänzend. 

Kopf zygolobisch, Kopflappen stumpf, kurz kegelförmig; Intersegmentalfurchen sehr zart, kaum erkennbar; Segmente 
ganz flach; Habitus Ascaris-artig. 

Borsten sehr zart, am 8. Segment ca. 0,25 mm lang und 8 ц dick; Borstendistauz aa = ca. ^/e u. 

(5 Poren hinter den ventralen Borsten des 10. Segments; ? Poren in den gleichen Linien auf Intersegmentalfurche "/1-2; 
Samentaschen-Poren hinter den ventralen Borsten des 12. Segments. 

Am Vorderkörper Cuticula ca. 8 ц, Hyperdermis ca. 6 ц, Ringmuskelschicht ca. 5 ц und Längsmuskelschicht 
ca. 160 ц dick. Längsmuskelschicht im ganzen Körperumfang fast kontinuierlich. 

Bauchstrang im Vorderkörper mit kolbenförmigen oder dick-biruförmigen Wucherungen. 

Einfach schlauchförmige lange Blindgefäße dorsal neben der Mediane entspringend vom 24. Segment an, anfangs spärlich, 
weiter hinten bis 24 (und mehr?) in einem Segment. 

Atrien schlauchförmig, mit zottigem Driisenbesatz, distal verengt, direkt ausmündend (ohne muskulösen Bulbus). Ein 
Paar lange Saraensäcke von Dissepiment "/u durch mehrere Segmente nach hinten ragend. 

Samentaschen im unausgebildeten Zustand einfach birnfönnig. mit dünnwandiger Ampulle und dickwandigem Ausführgang. 

Fundnotizen: In 18 Fängen aus dem nördlichen und dem mittleren Teil des 
Baikal-Sees, südlich bis zur Höhe des Selen ga-Deltas, Schlammgrund, in Tiefen 
von 200 bis mehr als 1100 (bis 1200?) m. 

Baikal-See, in der Tiefe von 50 m ; W. Dybüwski leg. 

Auch in dem reichen mir jetzt vorliegenden Material findet sich unter vielen jugendlichen 
und halbi'eifen Stücken kein vollkommen geschlechtsreifes. 



_52 

Die Verbreitung dieser Art scheint auf den nördlichen und mittleren Teil des Baikal- 
Sees beschränkt und seine Häufigkeit nahe der Südgrenze dieses Gebietes geringer zu sein. 
Die beiden südlichsten Funde, in der Höhe des Selenga-Deltas gelegen, sind von den nächst 
nördlicheren durch einen ziemlich weiten Zwischenraum geti^ennt. 

Teleuscolex Korotneffl Mi(hlsn. 

1901 ;i. Teleuscolex Korotneffl, Michaelsex, (_>lig. Mus. St. Petersb. Kimv. [i, )()."> Tab. II Fii;-. Ki. 17. 

Diagnose: Dimensionen halbreifer Tiere: Länge bis 15 mm. Dii-ke iiiax. Iiis -1,5 mm, Segmcntzulil ea. 164. 

Kopf prolobisch, Kopflappen scblauk kegelförmig. Intersegment al furelien scharf ausgeprägt. Segmente 3-ringlig. 
mittlerer Jiiugel länger als die anderen, manehmid durch eine zarte sekundäre Hingelfurche geteilt. 

Pigmentierung: Segmente des Vorderkörpers sämtlich oder zum Teil mit queren schwarzen Pigment-Binden in der 
hinteren Partie lateral und dorsal. 

Horsten zart bis mäßig zart, S-förmig, mit »odulus, eng gepaart; . Horstendistauz «a = ca. '^,3 ic = oa. -j^ dil. 

(Tcschlechtsporen in den Borstenlinien ah, (5 Poren hinten am 10.. Samentasclien-l'oren hinten am 12. Segm.. ? Poren 
auf Intersegmtf. "/12- 

Am Vorderkörper Cuticula dick, Kingmuskelschicht verhältnismäßig sehr dick. 

Im Mittelkörper einfache, gegabelte oder sehr spärlich verästelte Bliudgefäße am Kiickengefäß. jederseits 2 oder 3 in 
einem Segm. 

Paarige Samensäcke vom Dissepiment '/,„ in das 9., vom Dissepiment '"/u in das 11. und die folgenden Segmente 
hineinragend. Atrien (in unausgevvachscnem Zustande!) schlank birnförmig, distal etwas verengt, in ganzer Länge mit zottigem 
Drüsenbesatz. 

Pubertätsdrüseu fehlen. 

Samentasohen (in unausgewachsenem Zustande!) einfach liirnförmig. 

forma typica 

1901a. {Teleuscolex Korofneffi f. typica) Micii-\elsen: Ulig. Mus. St. Petersb. Kiew, |). 167. 

Diagnose: Pigmentbinden vom 1. Segment an ununterbrochen an einer größereu Zahl von Segmenten. 

Fundnotizen: Südwestlicher und mittlerer Teil des Baikal- Sees, bei 
Kultuk, Listwenitschnoj , Barantschuk, Bezimnaja, Oharans und Byrkin, 
in Tiefen von б — 43 m, Schlamm-, Sand- und Steingrund. 

forma gracilis Michlsib 

1901 a. (Teleuscolex Korntneffi) var. gracilis. Mrhaelsen: Ölig. Mus. St. Petersb. Kiew, p. 167. 

Diagnose: Pigmentbinden vom 2. Segment an, an einer geringen oder etwas größeren Zahl von Segmenten, jedoch nicht 
ununterbrochen, sondern an einigen Segmenten ausgelöscht, so stets fehlend am У.. meist auch am 6. und 7. Segment, manclimal 
überhaupt nur am 4. und :>. Segment ausgebildet. 

Fundnotizen : Südwestliches Ende des В а i к ;i 1 - S e e s , M а 1 о j e ^1 о r e und nörd- 
liches Ende des Baikal-Sees, bei Kultuk, bei К u r m a, Usuk und der Insel 
Ugungoj, Buchten В о gu tschan s к aj а und D aga r skaj a, , in Tiefen von 4— 82 m, 
Schlamm, feinkörniger Sand oder Sand mit Algen. 

Erörterung: Die große Zahl der mir jetzt vorliegenden Stücke läßt die Abspaltung der 
forma gracilis von der tyi)ischen Form gerechtfertigt erscheinen. In keinem Falle war die 
Zuordnung dieser Stücke zweifelhaft und meist gehörten alle Exemplare von einer Fundnummer 
nur einer dieser beiden Formen tm, die sich demnach als lokal gesondert erweisen. Nur in 
dem Fang vom südwestlichen Ende des Baikal-Sees (bei dein Dorfe Kultuk) finden sich beide 
Formen vergesellschaftet. 

Die Reduktion der Figmentbinden bei der f. gracilis kamt so weit gehen, daß nur die 
beiden am 4. und 5. Segment übrig bleiben, konstant fehlen ji'docli nur die Pigmentbinden 
am 1. und 3. Segment. 



53 



In der geographischen Verbreitung zeigt T. Korotneffi insofern Bemerkenswertes, als er 
nur, und zwar anscheinend häufig, in den äußersten Enden des Baikal-Sees sowie im Maloje 
More vorkommt, in den dazwischen liegenden weiten Strecken jedoch zu fehlen scheint; wenigstens 
ist er an keine)- der vielen dazwischen liegenden Fangstellen angetroffen worden. 

Teleuscolex Grubei Michlsn. 

1901a. Teleuscolex Grubei, MiCHAELSEy, Ölig. Mus. St. Peteisb. Kiew, p. 173, Textfig. В auf p. 159, ausschließlich der Unter- 
schrift (Cüches der Textfigur B. u. D. auf p. 159 und 175 vertauscht 1) 

Diagnose: Dimensionen: Länge > 35 mm. Dicke max. 1'г nira, Segmentzahl > 1'2. 

Färbung hellgrau; glanzlos: pigraentlos. 

Kopf zygolobisch; Kopflappen kurz, gerundet-kegelförmig. Intersegineutalfurchen scharf ausgeprägt. 

Borsten mäliig groß, am Vorderkörper ca. 0,25 mm lang und 1 1 ц dick, leicht S-föi-mig gebogen, mit schwachem Nodulus, 
distal einfach zugespitzt, eng gepaart; Borstendistanz aa = 'jb bc = '/5 id- 

c5 Poren auf kleinen, quer-ovalen Papillen dicht hinter den ventralen Borsten des 10. Segments; ? Poren auf luter- 
segmeutalfnrche ''V^ in den Borstenlinien ab; Samentaschen-Poren hinter den ventralen Borsten des 12. Segments. 

1 Paar große, quer-ovale Pubertätspapillen mit großem Querspalt 
hinten am 10. Seg-ment scheinbar auf das 11. Segment übergreifend (Intersegmental- 8 910 ч 13 13 14 

furche '"/u im Bereich derselben nach hinten verschoben). 

Leibesschlauch mäßig stark. Cuticula mäßig zart: Kiugmuskel- 
schicht mäßig dick: Längsmuskelschicht fast im ganzen Körperumfang 
kontinuierlich. 

Im Mittelkörper (vom 18. Segment an?) einfach schlauchförmige, sehr 
lange, dünne Blindgefäße, bis zu -1 (oder mehr?) jederseits neben dem Rücken- 
gefäß entspringend. 

Je ein Paar Samensäcke am Dissepiment *',io und '"n, die vorderen 
kurz, nach vorn gehend, die hinteren lang, nach hinten gehend. Samentrichter 
unterhalb der Mündung der hinteren Samensäcke vor Dissepiment '"и; Samen- 
leiterzart: schwach gewunden, ganz im 10. Segment ; Atrien lang schlauchförmig, Samensact: cJ = rJPorus; 9 = 2Рогпз; Q^Samen- 
mit dichtem, zottigem Drüsenbesatz, unregelmäßig gebogen, distal etwas verengt, taschen-Poius. 

ohne muskulösen Ausmündungsbulbus. 

Zahlreiche plumpe, birnförmige Kopulationsdriisen münden an den Wandurigsflächen der Pubertätspapillen und in den 
Winkeln der Pubertätspapillen-Spalte. 

Samentaschen mit länglich sackförmiger Ampulle und etwas küi'zerem, engem Ausführgang. 

Fundnotiz: Baikal-See. in 50 m Tiefe: W. Dybowski leg-. 




Fig. 3. Te)atsco1ex Grubei MicBi?s-. Scbematische 
Darstellnug der Anordnung des GescMechtsapparates. 
: Kopulationsdriisen ; h=; Hoden; o=;Ovarinm; ss = 



Gen. AgriodrilUS nov. 

Diagnose: ^ Poren. 1 Paar, hinten am 11. Segment, ? Poren auf Intersegmentalfurche '*/'i3. Samentaschen-Poren. 1 Paar, 
hinten am 13. Segment. 

Oesophagus in ganzer Länge (etwa vom 2. Segment bis zur Mitte des 11.) muskulös, Muskelmagen-artig dickwandig, der 
Hauptsache nach aus einem Fleehtwerk von Hing- und Eadialmuskeln bestehend. 

1 Paar Hoden im H. Segment. 1 Paar Samentrichter und Atrien im Coelomranm des 11. Segments. 

1 Paar Ovarien und Eitrichter im 12. Segment. 

^Segmentzahlen um 1 zu hoch angegeben":") 

Typus: -^^^1. vermivorus n. sp. 

Erörterung : Die Gattung Ägriodrüus erinnert in der Anordnung der Geschlechtsorgane 
an die Gattung Teleuscolex; doch scheinen dieselben um 1 Segment weiter liinten zu liegen. 
Da die Zählung der Segmente des Vorderkörpers sehr schwierig war, so mag ein Irrtum vor- 
gekommen sein; vielleicht sind sämtliche Angaben über Segmentzahlen um 1 zu verringern, 
wodurch eine vollständige Übereinstimmung mit Teleuscolex erreicht Avüi-de. Agrioclrilus unter- 
sclieidet sich von Teleuscolex haupsüchlich durch die enorme Muskulatur des Oesophagus, der 
in ganzer Länge eine Struktur aufweist, wie sie sich nur in den dickwandigen Muskelmagen 
höherer Oligochaeten vorfindet, aber soweit bekannt niemals in einer derartigen Länge der 



54 

Erstreckung. Es mag fraglich erscheinen, ob ein solcher Charakter zur Gattungs-Sonderung 
benutzt лу erden darf; ist doch im allgemeinen bei den höheren Oligochaeten das Vorkommen 
oder Fehlen eines Muskelmagens im Bereicli des Oesophagus augenscheinlich nicht von generischer 
Bedeutung. Bei der Beurteilung dieses Falles ist aber andererseits zu beachten, daß es sich 
bei dem Fehlen eines Muskelmagens in einigen Arten gewisser höherer Gattungen nur um 
Rückbildung eines im allgemeinen auftretenden Organes handelt, bei Agriodrilus aber um Neu- 
bildung eines bei den Vorfahren nocli nicht vorhanden gewesenen Organes. Die Gattung 
Agriodrilus steht der Gattung Teleuscolex jedenfalls sehr nahe. 

Agriodrilus vermivorus n. sp. 

Diagnose: Dimensionen: Länge ca. 45 mm; J)ioko max. am Vurdeikörper 1,5 mm, nach hinten gleichmäßig bis auf 0.5 mm 
abnehmend; Segmentzahl ca. 61. 

Färbung der konservierten Stücke weiß; pigmentlos. 

Kopf zj'golobisch, Kopflappen kurz und ziemlich spitz kegelförmig; Körper annähernd drehruud. Intersegmentalfurchen 
am Vorderkörper kaum erkennbar, am Mittel- und Hinterkörper scharf ausgeprägt. 

Borsten eng gepaart, leicht S-förmig gebogen, am 20. Segment ca. 0.35 mm lang und 20 |li dick, nach vorn zu au Größe 
etwas abnehmend, nach hinten zu an Größe etwas zunehmend. Borstendistanz й« = ca. -/з Ьс = ca. '^ з dd. 

Gürtel ringförmig, am 11. — ^iAb. Segment (^4';'2), nicht scharf begrenzt. 

(5 Poren an der Spitze einziehbarer, zweiteiliger, proximal dick tonnenförmiger, distal in scharfem Absatz dünn zylindrischer 
Penisse, die dicht hinter den Borsten ab des 11. Segments stehen. 

9 Poren auf Tntersegmentalfurche '^/i.i in den Borstenlinien ab. 

Samen taschen-Poren in tiefen spaltförmigen Einsenkungen dicht hinter den Borsten ab des 13. Segments. Spalten 
der Samentaschen-Poren durch eine tiefe mediane Querrinne oder einen Querspalt verbunden. 

Ciiticula und Hypodermis ziemlich dünne; Ringmuskelschicht und Längs ш uskelschieht am Vorderkörper 
zieudich dick, am Mittel- und Hinterkörper mäßig dick. Längsmuskelschicht fast kontinuierlich. 

Mundhöhle kurz. Oesophagus in ganzer Länge, etwa vom 2. Segment bis zur Mitte des 11. Segments dickwandig 
muskulös, im allgemeinen aus einem regelmäßigen Flechtwerk von ßingrauskeln und ßadialmuskeln, in der äußeren Partie des 
vorderen Teils bis etwa zum 4. Segment von Längsmuskeln und Radialmuskelu gebildet, durch zahlreiche kurze Radialrauskeln mit 
dem Hautmuskelschlauch verbunden. Mitteldarm von der Mitte des 11. Segments an, dünnwandig. 

Leibeshöhle im Bereich des muskulösen Oesophagus auf geringe Spalträume reduziert. 

Rückengefäß mit Herzkörper. 

Ein Paar Hoden vom ventralen Rande des Dissepiments '",ii in das 11. Segment hiueinrageud. 

Ein Paar Samensäcke vom Dissepiment ''/i2 nach hinten gehend, im 12. Segment sehr weit, im übrigen ziemlich eug 
schlauchförmig (schlauchförmiger Teil dicht hinter Dissepiment "/12 ventral aus dem weiteren Teil entspringend?). 

Atrien schlauchförmig, mit sehr dickem, zottigem Drüsenbesatz, den erweiterten Teil der Samensäcke im 12. Segment 
ganz ausfüllend, distal unter schwacher Verengung in eine annähernd kugelige Peuistascho übergehend und durch einen hervor- 
stülpbaren Penis ausmündend. Penis zweiteilig, mit dick tonnenförmigem proximalen und etwas kürzerem, dünn zylindrischem, scharf 
abgesetztem distalen Teil. 

Ovarien vom ventralen Rande des Dissepiments "/12 in das 12. Segment hineinragend. Reife Eier bis 1,3 mm dick, 
mit grobkörnigen Dottermassen, in einem unpaarigen Eiersack (?, in einem Paar Eiersäcken?), der sich von Dissepiment "/13 durch 
mehrere Segmente nach hinten erstreckt. 

Eitrichter länglich schüsselföraiig; Eileiter gerade. 

Samentaschen mit ovaler Ampulle und ca. doppelt so langem, ungefähr \'з bis '/2 so dickem, mäßig scharf abgesetztem 
schlauchförmigem Ausfiihrgang. der in der Mitte etwas weiter als an den Enden ist und distal durch eine schwach verdickte, stark 
muskulöse Partie in die Hinterwand der spaltförmigen Samentaschenporus-Einsenkung einmündet. 

(Segmentzahl um 1 zu hoch angegeben? siehe oben!) 

Fundnotiz: Nördlicher Teil des Baikal- Sees, Westseite, bei dem Uluss 
„Byrkin", 53 — 58 m tief, feinkörniger Sand. 

Vorliegend zwei gut konservierte Exemplare dieser interessanten Art. 

Äußeres: Die Dimensionen der beiden Stücke sind annähernd gleich. Das näher 
untersuchte Stück ist 45 mm lang und am Vorderkörper 1,5 mm dick; nach hinten zu verjüngt 
es sich gleichmäßig bis zu einer Dicke von 0,5 mm. Die Segmentzahl beträgt 61, (Über 
eine etwaige irrtümmliche Zählung der Segmente vgl. die Notiz, oben p. 53.) 



55 

Die Färbung der konservierten Tiere ist rein weiß. Es ist keine Spur irgend welcher 
Pigmentierung zu erkennen. 

Der Kopf ist zygolobisch, der Kopflappen vollkommen mit dem Kopfring ver- 
schmolzen, klein und kurz, ziemlich spitz kegelförmig. Der Körper ist annähernd drehrund. 
Die Inte r segmental furchen sind am Vorderkörper bis zum Gürtel kaum erkennbar, 
weiter hinten jedoch deutlich, am Hinterende sehr stark ausgeprägt bei starker Wölbung der 
Segmente, so daß der Körper hier fast rosenkranzförmig erscheint. 

Die Borsten sind eng gepaart, leicht S-förmig gebogen, distal einfach zugespitzt. Am 
Mittelkörper (am 20. Segment gemessen) sind sie ca. 0,35 mm lang l)ei einer Dicke von 20 ц. 
An den Segmenten des Vorderkörpers sind sie etwas kleiner und schwer zu erkennen, da sie 
nur sehr wenig über die Oberfläche des hier sehr dicken Hautaiuskelschlauches hervorragen. 
Gegen das Hinterende nehmen sie etwas an Größe zu und zugleich ragen sie hier etwas weiter 
über die Köi-peroberfläche hervor. Die ventralmediane Borstendistanz ist ungefähr ^/g so 
groß wie die lateralen und die dorsalmediane {aa = ^з l>c = ca. ^/3 dd). 

Der Gürtel ist erhaben, vorn und hinten aber undeutlich begrenzt, sanft abfallend. Er 
ist ringförmig und erstreckt sich über die 4^2 Segmente 11 — 'Д^^. 

Die männlichen Poren liegen am distalen Ende zweier Penisse, die dicht hinter 
den ventralen Borsten des 11. Segments stehen. Die Penisse sind bei einem Stück vollständig 
ausgestreckt, bei dem anderen fast ganz eingezogen. Sie sind zweiteilig und bestehen aus 
einem dick tonnenförmigeii, ca. 0,5 mm langen und 0,35 mm dicken proximalen Teil und einem 
scharf davon abgeschnürten, dünn zylindrischen, ca. 0,35 mm langen und 0,12 mm dicken 
distalen Teil. Die weiblichen Poren finden sich als feine Querschlitze auf Intersegmental- 
furche '^/i3 in den Borstenlinien ab. Die Samen taschen-Poren sind nicht ohne weitei-es 
erkennbar. Eine ziemlich tiefe, enge Querrinne erstreckt sich dicht hinter der Borstenzone 
des 13. Segments über die ganze Bauchseite; in den Borstenlinien ab vertieft sich diese Quer- 
rinne zu je einem sehr tiefen Querspalt; an der hinteren Wand dieser Querspalte dicht unter- 
halb des innersten Winkels derselben finden sich die Samentaschen-Poren, die also hinten am 
13. Segment in den Borstenlinien ab liegen. 

Innere Organisation: Der Hautmuskelschlauch ist am Vorderkörper bis etwa zum 
10. Segment (inkl.) viel dicker als weiter hinten. Dieser Dickenunterschied beruht auf der 
größeren Stärke der Muskelschichten am Vorderkörper, während andererseits die Hypodermis 
vorn dünner ist als hinten. Die Cuticula ist überall annähernd gleich dick, ca. 4 ц. Die 
Hypodermis ist vorn 8 ц, weiter hinten ca. 16 ц dick, die Ringmuskelschicht vorn 50, 
hinten nur 10 \i dick und die Längsmuskelschicht vorn ca. 140 ц, hinten nur etwa 75 \x 
dick. Die Längsmuskelschicht ist fast kontinuierlich, in den Borstenlinien nur partiell unter- 
brochen, nur in den Seitenlinien durch Einschiebung der kontinuierlichen Zellreihen in ganzer 
Länge unterbrochen. 

Der Darm zeigt eine ungemein charakteristische Gestaltung. Die Mundhöhle ist nur 
kurz, nur durch eine auf grabenförmiger Einsenkung der Wandung beruhenden Erweiterung 
dicht hinter dem Mund gekennzeichnet. Der Oesophagus beginnt etwa am Anfang des 
2. Segments und reicht bis zur Mitte des 11. Segments nach hinten. Sein Lumen ist durch 
eine zarte, ca. 3 ц dicke Cuticularschicht ausgekleidet. Auf diese folgt ein ca. 14 ц dickes 



56 

Zylinderepithel, in welches eine große Anzahl großer, blasiger Drüsenzellen von ca. 25 м Dicke 
eingestreut sind. Diese durch einen deutlichen Kanal ausmündenden Drüsenzellen liegen etwas 
weiter in das Innere der Oesoi)bagns-Wandung zurückgezogen als die Epithelzellen. Die jetzt 
folgende Hauptmasse der Wandung des Oesophagus wird von einem ziemlich regelmäßigen 
Flechtwerk verschiedener JMuskeln gebildet und zwar im allgemeinen von Ringmuskeln und 
ßadialmuskeln. In der äußeren Partie des vorderen Teiles bis etwa zum 4. Segment werden 
die Ringmuskeln durch Längsmuskeln ersetzt, so daß hier eine verschiedene Lagerung der 
Muskeln zu erkennen ist, zunächst der Zvlinder-Epithelschicht Radialmuskeln und Ringmuskeln, 
zunächst der Leibeshöhle Radialmuskeln und Längsmuskeln. Die Dicke der Oesophaguswandung 
beträgt durchschnittlich ca. 300 ц, wovon allein ca. 280 auf die Muskelschicht entfallen. Von 
der Leibeshöhlen-Fläche des Oesophagus ziehen sicli zahlreiche kurze Mu^-keln gerade radial 
nach der Innenseite der Leibeswand bin. Die infolge des großen Umfanges des Oesophagus 
hier stark verengte Leibeshöhle wird durch diese dicht stehenden Muskelstränge in ein 
System enger Spalträume aufgelöst, die fast ganz von anderen Organen, z. Б. Blutgefäßen und 
Zentralnervensystem, ausgefüllt werden, so daß die Leibeshöhle hier fast ganz reduziert ersclieint. 
Der im IL Segment sich etwas verengende Oesophagus geht nach hinten in den sich stai'k 
erweiternden, dünnwandigen Mitteldarm über. 

Das Rückengefäß entliält einen unregelmäßig gewulsteten Herzkörper. Blind- 
gefäße sind nicht mit Sicherheit erkannt worden. 

Ein Paar große, ziemlich kompakte Hoden ragen vom ventralen Vorderrand des 
IL Segments weit in dieses Segment hinein. Ein Paar Samen sacke ragen vom Disse- 
piment "/i2 nfich hinten. Diese Samensäcke sind, falls ich die Bildei' einer Schnittserie richtig 
deute, zweiteilig. Sie scheinen aus einem umfangreichen, gerade bis an das Dissepiment '-/13 
nach hinten reichenden, ganz von dem großen Atrium ausgefüllten Sack und einem ziemlich 
engen, vorn ventral aus diesem Sack entspringenden mäßig weiten Schlauch, deuj eigent- 
lichen Samensack, zu bestehen. Die Art des Zusammenhanges zwischen Atrium-Sack und 
eigentlichem Samensack ist nicht ц-епаи erkannt Avorden. Ob man den ersteren als Teil des 

О О 

Samensackes oder als selbständige Bildung ansieht, ist wohl ziemlich belanglos. In dem vordersten 
Teil der eigentlichen Samensäcke, anscheinend an der Stelle, wo dieselben in den Atrium-Sack 
übergehen, findet sich je ein Sa m e n t rieh ter. Die aus diesen Samentrichtern entspringenden 
Samenleiter und deren Zusannnenhang mit den Atrien sind nicht erkannt worden. Die Atrien 
sind schlauchförmig, mit mäßig engem Lumen und sehr dickem, dicht zottigem Drüsenbesatz. 
Sie ragen, zu einer engen Schleife zusammen gelegt, in den vom Dissepiment "/j.^ gebildeten, 
in das 12. Segment hinein getriel)enen Sack (Atrium-Sack) hinein, denselben ganz ausfüllend. 
Distal verengen sie sich etwas, um schließlich in den von einer Penisscheide eingeschlossenen 
oder mehr oder weniger weit ausgestülpten Penis (siehe oben!) einzutreten; sie durchbohren 
diesen Penis zentral und münden an seinem distalen Ende aus. 

Ein Paar ziemlich kompakte Ovarien ragen vom ventralen Rand des Dissepiments "/la 
in das 12. Segment hinein. Die reifen Eier sind sehr groß, bis etwa 1,3 mm dick. Sie 
enthalten grobkörnige Dottermassen und scheinen im Lebeii ungemein schmiegsam gewesen zu 
sein. Sie liegen, in Eier sacke eingeschlossen, in den auf das Ovarialsegment folgenden 
Segmenten, bei dem untersuchten Stück das letzte im 18. Segment. Ob ein unpaariger Eier- 
sack vorhanden ist, oder ein Paar Eiersäcke, ließ sich nicht feststellen. Jederseits findet sich, 



о/ 



ventral an die Vorderseite des Dissepiments '-',3 angeheftet, ein länglich schüsselförmicrer Ei- 
trichter. der nach hinten in einen mäßig langen, engen, gerade gestreckten und gerade 
ventralwärts absteigenden Eileiter übergeht. 

Die Samentaschen ragen unter unregelmäßiger Krümmung des Ausführganges bis 
in das 14. oder 15. Segment nach hinten. Sie bestehen aus einer ovalen Ampulle und einem 
ungefähr doppelt so langen, ','3 bis ^.., so dicken, mäßig scharf abgesetzten schlauchförmigen 
Ausführgang, der in den mittleren Partien etwas erweitert erscheint und vermittelst einer 
schwach verdickten, stark muskulösen Partie durch den Samentaschen-Porus an der Hinterwand 
der tief spaltförmigen Einsenkung am 13. Segment ausmündet. Die Ampulle ist dünnwandio^, 
der Ausfübrgang dickwandig, unregelmäßig gebogen. Sowohl die Ampulle wie der Ausführ- 
gang enthalten Samenmasseii, die in der Ampulle unregelmäßige Ballen, in dem Ausführgang 
einen regelmäßigeren schopfartigen Besatz bilden. 

Biologisches : Gewisse biologische Verhältnisse lassen sich nach Maßgabe der an den 
konservierten Tieren gefundenen Tatsachen feststellen. Zunächst bemerkenswert ist, daß Agrio- 
driliis vermivorus ein Raubtier ist, das sich wenigstens der Hauptsache nach, wahrscheinlich 
aber ausschließlich, von kleineren Würmern ernährt. Im ilitteldarm des untersuchten Stückes 
fanden sich nämlich ein anscheinend erst kurz vor dem Tode des Tieres verschlungener, noch 
wohl erhaltener kleiner Lumbriculide, ferner die undefinierbaren Beste eines halbverdauten 
zweiten Üligochaeten und außerdem nur spärliche anorganische und pflanzliche Partikel. Auch 
diese letzteren scheinen lediglich vom Darminhalt bereits vollständig verdauter Würmer herzu- 
rühren ; denn sie waren größtenteils umschlossen von feineren, stark geschrumpften und kollabierten 
Cuticvda-artigen Häutchen. Mit der Haubtier-Ifatur dieser Art hängt zweifellos die stark 
muskulöse Beschaffenheit des Oesophagus zusammen. Der Vorderdarm kann zwar anscheinend 
nicht ausgestülpt werden ; das geht daraus hervor, daß lang nach hinten sich hinziehende 
muskulöse Retraktoren fehlen. Er arbeitet vermutlich saugend. Bei Kontrahierung der Radial- 
muskeln und gleichzeitiger Erschlaffung der Ringmuskeln wird er sich erweitern, bei umgekehrter 
Tätigkeit der Muskulatur zusammen ziehen. Diese Muskeltätigkeit mag partiell sein, etwa 
wellenförmig von vorn nach hinten fortschreiten und so eine saugende Wirkung hervorrufen, 
oder in ganzer Länge des Oesophagus gleichzeitig auftreten und damit einen glockenförmif 
sich öffiienden Fangapparat büden, der Art, wie wir ihn bei den vom Raube lebenden Olio-o- 
chaeten der Gattung Chaetogaster finden. Die im Bereiche des muskulösen Oesophagus stärkere 
Muskulatur des Hautmuskelschlauches dient vermutlich zur Verstärkung der Muskeltäti^keit 
des Oesophagus. 

Gen. StylosCOlez Michlsn. 

Styloscolex baicalensis Michlsn. 

1901b. styloscolex baicalensis. JIichaelsex, Fauna Oligochaef bajkala. p. 4. 

1902a. Styloscolex baicalensis. Hicbxelsbs. Oligoch.-Fauna Baikal-S.. p. 49. 

Diagnose: Dimensionen: Lauge 20 — 40 mm, Dicke mas. 0.56 — 1,00 mm, Segmentzahl 90 — 105. 

Pärbung: pigmentlos. 

Xopf undeutlich prolobisch: Kopflappen gerundet, ungefähr so lang wie hinten breit. 5. — 11. Segment 2-ringlig. mit 
kürzerem hinteren Kingel. 

Borsten einfach-spitzig S-fönnig, mit Xodulus, durchschnittlich ca. 0,16 mm lang nnd 6 u dick: Borstendistanz aa ^ ' ъ bc. 
dd = ' 10 bc = ' 5 «, ab = 1 5 aa. 

8 



58 

Gürtel am '/цТ. — '/nl2. Segment (= .12/,,), rinftförmip:. 

CJeschlechtsporen sämtlich in den BorstenUnien ab. 

Schichten der Leibeswand sämtlich mäliig dick. Kün gsmusketschi cht ventralmediiui imd in den Seitenlinien voll- 
ständig unterbrochen, in den Borstenlinien nnvnllständig unterbrochen. 

Samentrichter klein, am Eingang der Samensäcke: Samenleiter kurz, zart, in das distale Ende des ampullenartig 
umgewandelten proximalen Alrien-Teilcs einmündend; Atrien in der größten proximalen Partie zu einem lang schlauchförmigen 
Snmenmagazin mit dünner, driiscnloser, muskulöser Wandung und weitem Lumen umgewandelt; mittlere Partie der Atrien verengt, 
kurz; distale Partie eine ausstülpbare К opulalionstasche oder Penisscheide bildend, die etwas länger als dick ist und einen 
schlanken, fadenförmigen, gegen das knoplTörmig verdickte distale Ende gleichmäßig aber schwach verjüngten vorstreckbaren 
Penis enthält. 

Sament nschen mit lang sackförmiger Ampulle und viel kürzerem, engem, nicht scharf abgesetztem Ausführgang. 

Fundnotizen: Alle Teile des Baikal- Sees, besonders häufig- im südwest- 
lichen Ende bis zur Höhe von Myssowaja, außerdem nur beim Uluss Byrkin 
und in der Bucht Dagarskaja; Schlamm-, Sand- und Steingrund, in Tiefen von 6 — 149m. 

A^orliegend zahlreiche, zum großen Teil geschlechtsreife und mit Gürtel ausgestattete 
Exemplare, die eine genauere Feststellung der Organisation ermöglichen. 

Äußeres: Die Dimensionen der geschlechtsreifen Tiere sind ziemlich großen Schwankungen 
unterworfen. Das größte derselben ist 40 mm lang, im Maximum 1 mm dick und besteht aus 
105 Segmenten ; das kleinste geschlechtsreife Stück ist nur 20 mm lang bei einer maximalen 
Dicke von 0,56 mm und einer Segmentzahl von 90. 

Die F ä r b u n g der konservierten Stücke ist rein weiß oder einfarbig grau ; es fehlt 
jegliche Pigmentierung. 

Der Kopf ist undeutlich prolobisch ; eine zarte Intersegmentalfurche (?) ist in der 
Zone der Mundöffnung erkennbar. Der Kopf läppen ist gerundet, kuppeiförmig, migefähr 
so lang wie an der Basis breit. Das erste Segment ist durch eine Ringelfurche (?) 
in einen kürzeren vorderen und einen längeren hinteren Ringel geteilt (?). In meiner 
Originalbeschreibung rechnete ich den vorderen, kürzeren Ringel des 1. Segments zum Kopf- 
lappen, der danach länger als breit erschien und mit einer Ringelfurche ausgestattet sein sollte. 
Da aber die Mundöffnung genau in der Zone dieser Furche liegt, so ist sie wohl lichtiger 
als Intersegmentalfurche '/2 zu bezeichnen und jene weiter hinten liegende Furche als Ringel- 
furche des 1. Segments. Einige Segmente des Vorderkörpers, deutlich nur die Segmente 5 
bis 11, sind zweiringlig, und zwar ist der hintere Ringel kürzer als der vordere, die Borsten 
tragende Ringel. 

Die Borsten sind einfach-spitzig, S-förmig, mit Nodulus versehen, ziemlich schlank 
durchschnittlich etwa 0,16 mm lang und 6 ц dick (am 8. Segment gemessen). Sie sind eng 
gepaart. Die ventralmediane Borstendistanz ist weniger als halb so groß wie die lateralen 
((ja = ^/b bc), die dorsalmediane fast drei Viertel so groß wie die lateralen imd etwa gleich dem 
fünften Teil des Körperumfanges (dd = '/ю bc = '/a 11). Die Weite der Paare beträgt ungefähr 
den fünften Teil der ventralmedianen Borstendistanz (ab = cd = Y^ aa). 

Der Gürtel ist bei vielen Exemplaren deutlich ausgeprägt, stark erhaben. Er ist 
ringförmig, ventral etwas schwächer als dorsal und lateral. Er nimmt die 4 Segmente 8 — 11 
vollständig und die beiden Segmente 7 und 1 2 zum mehr oder weniger großen Teil ein ; die 
vordere Grenze ist nicht immer zonal, sondern nianclimal lateral weiter vorgeschoben als dorsal 
und ventral, manchmal bis an die Intersegmentalfurche "/7 j die hintere Grenze scheint stets 
zonal zu sein, ist aber auch nicht scharf. 



59 

Die Geschlechts poren Hegen sämtlich in den Borstenlinien ab. Die männlichen 
Poren liegen an rler Spitze schlanker, meist her vorgestreckter Penis se hinten am 8. Segment. 
Diese Penisse sind sehr schlank, fadenförmig, ca. 0,28 mm lang und an der Basis 20 u dick, 
gegen die Spitze gleichmäßig aber schwach verjüngt, am Ende knopfformig verdickt: in vielen 
Fällen sind nicht nur die Penisse herausgestreckt, sondern auch die Kopulationstasche oder 
Penisscheide ausgestülpt ; dann stehen die Penisse auf der Kuppe eines dicken, tonnenförmigen 
Basalstückes. Die vreiblichen Poren liegen auf Intersegmentalfurche ^lo) <üe Samen- 
taschen-Poren hinten am 7. Segment. 

Innere Organisation: Die Schichten der Leibeswand erscheinen sämtlich mäßig stark, 
keine ist verhältnismäßig stark verdickt, wie es bei vielen LumbricuHden vorkommt. Am 
25. Segment stellte ich folgende Dicken fest: Cuticula 1 д, Hypodermis 12 u, Ringmuskel- 
schicht 8 Ц und Längsmiiskelschicht 80 ц. Die Längsmuskelschicht ist in den Borsten- 
linien unvollständig unterbrochen, in der ventralen Medianlinie und in den Seitenlinien vollständig 
unterbrochen. 

Der Schlund ist durch eine besonders dorsal und lateral stark verdickte "Wandung, 
nicht durch einen deutlichen dorsalen Schlundkopf, markiert. 

Blindgefäße sind nicht vorhanden. 

Die Nephridien sind ungemein schmal und lang. Sie erstrecken sich, jederseits dicht 
an das Bauchgefäß angelehnt, durch die ganze Länge der Segmente. Ob die Nephridien der 
aufeinander folgenden Segmente mit einander in Verbindung stehen, wie es den Anschein hat, 
habe ich nicht festgestellt, ebensowenig die Art der Mündungen. 

Ein Paar Hoden ragen vom ventralen Rande des Dissepiments ',g in das 8. Segment 
hinein. Das Dissepiment ^j,, stülpt sich nach hinten in ein Paar lange Samensäcke aus, 
die durch mehrere Segmente (sich in die Eiersäcke einschmiegend?) nach hinten gehen, bei 
dem genauer untersuchten Stück bis in das 16. Segment. Ein Paar kleine Samen trichter 
liegen am Eingang dieser Samensäcke (etwas in dieselben hineinragend ?) vor dem Dissepiment ^/9. 
Die Samenleiter sind zart und kurz; sie scheinen nur eine einfache Schleife zu bilden und 
in das distale Ende des proximalen Atrium-Teils einzumünden. Die Gestaltung der Atrien 
und die Bedeutung ihrer Eigentümlichkeit ist in meiner Originalbeschreibung nicht richtig 
gewürdigt worden. Die Atrien zeigen eine von den meisten übrigen LumbricuHden stark 
abweichende Gestaltung ; ihr größter proximaler Teil ist zu einem lang schlauchförmigen Samen- 
m а g а z i n umgewandelt. Seine Wandung ist dünn, anscheinend stark muskulös : ein Drüsen- 
besatz fehlt ; das Lumen ist weit und bei dem näher untersuchten Stück prall mit Sperma 
gefüllt. Dieses Samenmagazin, in dessen distales Ende der Samenleiter einmündet, geht distal 
in ziemlich scharfem Absatz in ein ziemlich kurzes, sehr enges mittleres Atrium-Stück über; 
auch diesem mittleren Stück scheint der für andere LumbricuHden so charakteristische Prostaten- 
Besatz zu fehlen ; jedenfaUs sind derartige Drüsen, wenn überhaupt, nur spärlich vorhanden. 
Distal geht dieser mittlere Teil in eine kleine Kopulationstasche oder Penisscheide 
über. Im innersten Winkel dieser letzteren entspringt der oben geschilderte durchbohrte 
Penis. Die Kopulationstasche kann ausgestülpt und dabei der Penis herausgestreckt werden. 

Ein Paar Ovarien ragen vom ventralen Rande des Dissepiments ^/9 in das 9. Segment 
hinein. Ein Paar (?) in der vorderen Partie nicht genau erkannte Eier sacke ragen vom 

8* 



60 

Dissepiment 7io (?) weit nach hinten, bei dem untersuchten Stück bis in das 22. Segment. 
Sie enthalten mehi^ere große, dotterreiche reife Eier. Ein Paar kleine Eitrichter am 
Dissepiment ^j^^ münden durch sehr kurze, ziemlich weite, gerade gestreckte Eileiter aus. 

Die Sam entaschen bestehen aus einer lang sackförmigen, meist bis in das 8. Segment 
nach hinten ragenden Ampulle und einem viel kürzeren, sehr engen, nicht scharf von der Ampulle 
abgesetzten Ausführgang. 

Erörterung: Styloscolex baicalensis zeigt manche bemerkenswerte Eigenheiten. Die besondere 
Gestaltung der Nephridien erinnert an diejenige bei Teleuscolex Komtnefß Michlsn. ; die Gestaltung 
der Atrien besitzt, soweit bekannt, nur bei Lamj^rodrilus bythius n. sp. ein Homologen. Auch 
bei dieser Art ist die proximale Partie der Atrien zu einem Samenmagazin umgewandelt; doch 
ist hier die mittlere Partie der Atrien nocli normal ausgebildet, nicht nur größer als jene 
modifizierte Partie, sondern auch mit wohl ausgebildetem Prostaten-Besatz versehen. Bei Stj/la- 
scolex baicalensis erscheint diese mittlere Partie rudimentär, zu einem lediglich ausfülirenden kurzen 
Schlauch zurückgebildet. Die Ausstattung mit Penissen erinnert an die Gattung Stylodrilus; 
doch sind bei dieser Gattung die Penisse starr, nicht einziehbar. 

Gen. Bythonomus Grube 

Bythonomus asiaticus (Michlsn.) 

1901a. Clapariäeilla asiatica, Miciiaelsen, Ölig. Mus. St. Petersb. IvieAv, p. 181. 

1903b. Bythonomus asiaticus, Michaelsen, Die geogr. Vei-br. d. Ölig., p. 69. 

Diagnose: Diraen.sionen: Länge ca. 42 uim, Dicke innx, ca. l-.i шш, Segmeiitzahl ca. 114. 

Färbung: Pigmentlos. 

Kopf prolobisch; Kopflappeu kegelförmig, vorn .spitz, ungefähr so lang wie hinten breit; Segmente des Vorderkörpers 
2-riiiglig, mit kürzerem vorderen Ringel. 

Borsten zart, S-förmig, mit Nodulus am Ende des distalen Drittels, distal einfach und scharf zugespitzt. Eng gepaart. 
Borsteudistanz aa = ca. ^Д bc; cid <^ bc. 

Geschlechts-Poren sämtlich in den ßorstenlinieu ab; rj Poren hinten am 10. Segment; ? Poren auf Intersegmental- 
furche i'/ia; Samentaschen-Poren hinten am 9. Segment. 

Hautmuskelschlauch ziemlich dünn; Cuticula, Hypodermis und Kinguuiskelschicht dünne. Längsmuskelschicht mäßig 
dick, nur ventrahnedian und in den Seitenliiuen vollständig unterbrochen. 

Blindgefäße fehlen. 

2 Paar Hoden im 9. und 10. Segment; 2 Paar Samensäcke von Dissepiment "/ю und '"/ц nach hinten ragend, ein 
unpaariger von Dissepiment «',, nach vorn in das 8. Segment hineinragend. 2 Paar Samentrichter im 9. und 10. Segment; 
Samenleiter ziendich dick, in die proximale Anschwellung der Atrien proximal von deren Mitte einmündend. Atrien dick birn- 
förmig, proximal stark angeschwollen, distal zu einem kurzen Ausführgang verengt, nüt starkem, zottigem Besatz großer birnl'örmiger 
Prostatadrüsen. 

Sauientaschen mit großer eiförmiger Ampulle und kurzem, engem Ausführgang. 

Fundnotizen: Nördlicher und mittlerer Teil des Baikal- Sees, besonders häutig 
im nördlichsten Ende, in der Bucht von Dagarskaja, Bereja und Tukulakadja, 
sowje bei Bugutschan skaj e und Ka}) Ко t el n i к о wskij , Tschir w ikuj -Bucht, 
Schlamm- und Sandgrund in Tiefen von 42 — 84 m. 

Da auch das neue Material keine mit Gürtel ausgestattete Stücke enthält, so kann ich 
meiner Originalbeschreibung nichts wesentliches hinzufügen. 

Die Borsten sind am 13. Segment ca. 0,2 mm lang und 6 м dick. 

Die Schichten der Leibes wand zeigen am 25. Segment folgende Dicken: Cuticula 
ca. Im, Hypodermis ca. 10 м, Ringiuukels chicht ca. 4 м, Längsmuskelschicht 



61 

ca. 80 м. Die Längsmuskelschicht ist ventralmedian und in den Seitenlinien, wie stets bei den 
Lumbriculiden, vollständig unterbi'oclien, in den Borstenlinien dagegen nur unvollständig, dorsal- 
median gar nicht unterbrochen. 

В 1 i n d g e f ä ß e fehlen tatsächlich. 

Außer den paarigen Samen sacken der Dissepimente '/ю und '"/n ^^^ ^uch noch ein 
unpaariger am Dissepiment 7» vorhanden, der nach v.orn in das 8. Segment hineinragt. 



10 



n 



16 



Gen. RhynclielmiS Hoffinstr. 

Rhynchelmis brachycephala Michlsn. 

forma typica. 

1901 a. Rhynchelmis brachycephala. Michaelsbs: Ölig. Mus. St. Pctersb. Kiew, p. 176 n. Textf. E. 

Diagnose: Dimeiisioneu: Länge max. 120 mm, Dicke max. 4 mm, Segmentzixhl max. ca. 200. 

Kopf zygolobisch; Kopflappen breit, entweder kurz und einfach gerundet oder mehr oder weniger weit vorgezogen, im 
Maxiraum schlank zipfelförmig ausgezogen. Segmente 2-ringlig; Körper, mit Ausnahme des Kopfendes bis etwa zum 4. Segment, 
gerundet vierkantig. 

Borsten zart, am 18. Segment ca. 0,4 mm lang, schlank S-förmig gebogen, mit deutlichem Xodulus, eng gepaart; Borsten- 
distanz aa == ca. '/j bc = ca. ^/4 dd. 

(TÜrtel ringförmig, am 11. — '/-jlS. Segment (= 8V2). 

(3 Poren, ? Poren und S amen taschen -Poren in den Borsteulinien ab, die (J hinten am 10. Segment, die $ auf 
Intersegmentalfurche 11/12 "od f^^ der Samentaschen hinten am 8. Segment. Ein Paar KopulationsdrUsen-Poren medial von 
den Borstenlinien a, dicht vor der Intersegmentalfurche ^/ю- 

Cuticula zart, Hypodermis und Ringmuskelschicht müßig dick, Längsmuskelschicht sehr dick; die 8 Bänder 
der Längsmuskelschicht je an dem der Seitenlinie zugewendeten Rande spiralig eingerollt, im Maximum etwa eine einzige ganze 
Spiralwindung beschreibend. 

Blindgefäße vorhanden. Unpaarige oder undeutlich paarige, median versclimolzene Bl n tdrüsen ventral am Mitteldarm. 

Ein Paar dick schlauchförmige Samensäcke 
von Dissepiment '"/u durch viele Segmente nach hinten 
ragend. Ein Paar sehr lange, distal verengte, mit dickem 
zottigen Drüsenbesatz versehene Atrien innerhalb der 
Samensäcke weit nach hinten reichend. Ein Paar gr'^ße 
Samentrichter hinten im 10. Segment unterhalb der 
Mündung der Samensäcke, in lange, ziemlich dicke Samen- 
leiter übergehend, die innerhalb der Samensäcke gerade 
nach hinten gehen und schließlich in das proximale Ende 
der Atrien einmünden. Zugleich mit diesen normal ent- 
wickelten Samenleitern mündet in das proximale Ende 
der Atrien je ein rudimentärer, in der Leibeshöhle des 
10. Segments blind endender Samenleiter. Ein Paar 
schlauchförmige, distal verengte, mit dickem, zottigem 
Drüsenbesatz versehene Kopulationsdrüsen (rudimentäre Atrien) im 9. Segment. 

Ein Paar Eitrichter mit gerade gestreckten, kurzen Eileitern am Dissejjiment n/ia. 

Samentaschen mit sackförmiger, ausgebeulter Ampulle, die durch einen Auswuchs mit dem Oesophagus kommuniziert; 
Ausführgang etwas kürzer als die Ampulle, scharf von derselben abgesetzt, dünn. 

Fundnotizen: Baikal-See, in Tiefen von 60 und 180m; J. Wagnep^ leg. Baikal- 
See, in der Tiefe von 50 ш; "W. Dybowski leg. Alle Teile des Baikal-Sees, Schlamm- 
grund oder Sand mit Steinen und Algen, in Tiefen von d^j., — 800 m. 

Erörterung : Das neuerdings zur Untersuchung gelangte Material verursacht eine Erweiterung 
der früher gegebenen Diagnose. Die Gestalt des Ko])flappens ist nämlich sehr variabel. 
Bei den meisten Stücken ist er zwar, Avie in der früheren Diagnose angegeben, breit gerundet, 
sehr kurz ; bei anderen Stücken dagegen ist seine vordere Kuppe schlank zipfelförmig aus- 




Fig. y. Rhynrhelmjs brachycephttla Michlsn. f. typica. 

Scheraatisohe Darstellung der Anordnung des Gesclilechtsapparates. 

d = Koiiulationsdrüse ; h = Hode ; о = Ovarium ; sl* = rudimentärer, vorn blind endender 

Samenleiter ; ss — Samensaek : cT = (5 Porus ; ? = +> Porus ; c^ = Samentasohen-Porns. 



62 

gezogen, nicht zwar so lang und dünn, wie bei B. limosella Hoffmstr., aber doch immerhin so 
lang, daß der Art-Name ,,brachycephala" nicht mehr passend erscheint. Andere Stücke ver- 
mittehi zwischen den geschilderten Extremen ; bei diesen erscheint die Kuppe des Kopflappens 
schwach vorgezogen, so daß der Kopf läppen die Gestalt einer Stülpnase annimmt. Ich glaube 
annehmen zu müssen, daß hiei- verschiedene Kontraktionszustände vorliegen, daß der Kopflappen 
der lebenden Tiere ungemein kontraktil ist. Ich halte es für wahrscheinlich, daß die Art 
Euaxes obtimrostris Menge*) in einem gleichen \^erhältnis zu Bhpichelmis Итояейа steht, wie die 
kurzköpfigen Formen von R. brachj/cejihala zu den langköpfigen, daß jene Art also nur auf einem 
besonderen Kontraktionszustand beruht und folglich mit R. limosella zu vereinen ist. 

Bei zwei Stücken war ein Gürtel zur Auslnldung gelangt. Derselbe war jedoch 
lediglich durch eine dunklere Färbung, ein helles Graubraun, gekennzeichnet. Er ist ringförmig 
und erstreckt sich über die 8^/2 Segmente 11 — Va^^. Am 19. Segment ist er etwas weniger 
deutlich ausgeprägt, hinten undeutlich begrenzt. 

Eine Erweiterung der Diagnose verlangt auch die Absonderung der neuen var. bi/thia 
von der typisclien Form, nämlich eine genauere Angabe über die Längsmuskulatur und 
die Lage des Blindendes der rudimentären Samenleiter. 

var. bythia nov. 

Diagnose: Dimensionen: Länge max. 185 mm, Dicke max. 5 mm, Segmeutzahl max. ca. 300. 

Die 8 Biiiider der Ijängsmuskelsohi cht je an dem der Seitenlinie zugewendeten Rande spiralig eingerollt, im Maximum 
fast zwei ganze Spiralwindungen beschreibend; die beiden dorsalen Bänder im Vorderkörper auch am medialen, der dorsalen Siedian- 
linie zugewendeten Rande spiralig eingerollt. 

Blindenden der rudimentären Samenleiter dicht neben den Hoden bis an die Hinterseite des Dissepiments "/ю 
herangehend (bis an die Stelle der ursprünglichen Durchbohrung dieses Dissepiments). 

Im übrigen wie die typische Form. 

Fundnotizen: Alle Teile des Baikal-Sees, Schlammgrund, in Tiefen von 900 — 1650m. 
Vorliegend mehrere Exemplare. 

Äußeres : Die D i m e n s i о n e n der geschlechtsreifen mid halbreifen Stücke sind sehr 
verschieden. Einige scheinen nicht größer zu sein als die mittelgroßen Stücke der typischen 
Form, während andere, in geschlechtlicher Hinsicht nicht einmal ausgebildete Tiere viel 
größer sind. Das größte Stück ist 18.5 шш lang, 4 mm dick und besitzt ca. 300 Segmente, 
dabei zeigt es nur geringe Spuren geschlechtlicher Ausbildung. Dieses Stück ist der größte 
bis jetzt zu meiner Kenntnis gelangte Lumbriculide. 

In der Gestalt des Kopflappens zeigen die Exemplare der var. bythia dieselben 
Verschiedenheiten, wie die typische Form. 

Die Borsten sind bei den größeren Tieren entsprechend größei*. Eine Borste des 
20. Segments erwies sich bei dem zweitgrößten Stück als 0,45 mm lang. 

Innere Organisation: Der Hauptcharakter dieser Varietät liegt in der enormen Ausbildung 
der Längsmuskulatur. Wähi^end die 8 Bänder bei der typischen Form an dem der Seiten- 
linie zugewendeten Rande nur so weit zurück gerollt sind, bis ihre Untei-seite eben liie Ober- 
seite der mittleren Partie der Bänder berührt, sind sie bei var. bylliia richtig spiralig eingerollt, 
so daß ihr Querschnitt eine Spirale von Vj., bis fast 2 ganzen Windungen re})räsentiert. Außerdem 



') A. Menge, Zur Rolhwürmer-Cinttung Euaxes; in Arch. Xaturg. Bd. lli p. 31 Taf. 3 Fig. 1 — 13. 



63 

sind die beiden dorsalen Bänder bei var. bytlda im Vorderkörper auch am medialen Rande 
spiralig eingerollt, so daß ihr Querschnitt hier zwei gegen einander gerollte Spiralen aufweist; 
bei der typischen Form erscheint der mediale Rand der dorsalen Bänder auch im Vorderkörper 
flach. Diese sj)iralig eingerollten Partien der Längsmuskulatiir-Bänder überwiegen bei var. hythia 
die flachen Partien beträchtlich an Masse; sie bilden im allgemeinen 8, im Vorderkörper 10 
enorm dicke Länffsmuskel-Sträntje. 

о о 

Ein weiterer Sondercharakter der var. bytlda liegt in der Ausbildung der rudimentären 
Samenleiter. Während dieselben bei der typischen Form frei innerhalb der Leibeshöhle 
des 10. Segments blind enden, gehen sie bei var. bytlda nach vorn und unten dicht an den 
Hoden vorbei bis an die ventrale Partie des Dissepiments ^/i„, um hier anscheinend unter Ver- 
wachsung mit dem Dissepiment blind zu enden. Diese Verwachsungsstelle entspricht genau 
dem Orte, an dem bei vollständiger Ausbildung der Samenleiter des ersten Paares, wie wir 
sie noch bei R. limosella finden, die Durchbruclistelle liegt, wo das proximale Ende der Samen- 
leiter in den Halsteil des Samentrichters übergeht. Bei der hier in Rede stehenden Form fehlt 
den männlichen Ausführapparaten des vorderen Paares also nur der Samentrichter. Der Samen- 
leiter ist hier nur insofoiii rudimentär, als er proximal nicht in einen Samentrichter übergeht, 
sondern blind endet. Rhynchelmis brachycej^iliala var. bytlda bildet demnach ein verbindendes 
Glied zwischen den früher bekannten Rückbildungsstadien der vorderen männlichen Ausführ- 
ajjparate innerhalb der Gattung Rhynchelmis. R. limosella, repräsentiert den ursprünglicheren 
Zustand, bei dem die vorderen Hoden und Ausführapparate wohl ausgebildet sind, von dem 
ursprünglichsten, dem Lamprodrilus-TinstanA nur dadurch unterschieden, daß die Samenleiter 
des vorderen Paares ihr Atrium, die Kopulationsdrüse im 9. Segment, im Stich lassen und 
zusammen mit den Samenleitern des zweiten Paares in die Atiien des 2. Paares einmünden. 
Bei R, brachycephala var. bytlda sind Hoden und Samentricliter des vorderen Paares geschwunden ; 
die Samenleiter des vorderen Paares zeigen aber noch denselben Verlauf, beginnend an der 
hier geschlossenen Durchbruchsstelle am Dissepiment ^ю^ wie bei R. limosella. Bei der typischen 
Form von R. brachycephala haben sich schließlich die blinden Enden der rudimentären Samen- 
leiter des vorderen Paares von dieser Ausgangsstelle getrennt, um frei in der Leibeshöhle des 
10. Segments zu flottieren. 

Erörterung: R. brachycephala var. bythia ist eine Tiefen-Form, die lediglich in Tiefen 
von 900 m an gedredget wurde, während die typische Form nach den vorliegenden Fängen zu 
urteilen in den geringeren Tiefen von 9'/2 bis zu 800 m vorkommt. 



Fam. Haplotaxidae 

Gen. Haplotaxis Hoffmstr. 

Haplotaxis ascaridoides n. sp. 

1901a. Haplotaxis gordioides (part. : Exempl. v. Baika!-See), Michaelsen, Ölig. Mus. St. Petersb. Kiew, p. 201. 
1903b. Haplotaxis gordioides (part.: Exempl. v. Baikal-See), Michaelsen: Die geogr. Verbr. Ölig., p. 64. 
Diagnose: Diraeasionen der mit Gürtel versehenen Stücke: Länge 50 — 120 mm, Dicke 0,7 — 1,25 mm, Segmentzahl 1-17 — 205, 
Dimensionen der gürtellosen Stücke im Maximum: Länge 270 mm, Dicke 1,75 mm, Segmentzahl 330. 
Färbung gelblich weiB; pigmentlos. 



64 

Kopf zygolobisch: Кор flappua länglich kujjpeltormig bis breit abgerundet Uegelfnrmig, etwiis länger als hinten breit, 
dnrch eine seichte Ringelfurche geteilt. Segmente einringlig, 1. Segment stark verkürzt. 

Borsten einzeln stehend, jederseits eine ventrale und eine dorsale an einem Segment, annähernd Distanz aa = as 
(g = Seitenlinie!) = sä = ''j-iäil. Ventrale Borsten mit schwachem NoduUis, einfach spitzig, distal mehr oder weniger stark haken- 
förmio- gebogen, am Vorderkürper im allgemeinen sehr groß, gegen das Kopfende schnell, gegen das Hinterende meist langsam an 
Ш -öße abnehmend. Dorsale Borsten ähnlich gestaltet aber weniger dentlicdi gebogen, am Kopfende klein, nach hinten noch kleiner 
werdend, am Hinterende fehlend. 

Gürtel erhaben, lachsfarbig, vom 11.— 25., iil.. 32. oder 3.3. Segm. (15—23), am 11. — 16.. 17. oder 18. Segment sattelförmig, 
weiter hinten ringförmig. 

(5 Poren 2 Paar, dicht medial an den ventralen Borsten des 11. und 12. Segments, unscheinbar. 
5 Poren 2 Paar, vor den ventralen Borsten des 13. und I-t. Segments, unscheinbar. 

Samentaschen-Poren 4 Paar, auf Intersegmentalfurohe ''/о— '^e in den Linien der dorsalen Horsten, unscheinbar. 

Dissepimente '"/e — ''/9 ventral etwas verdickt, am Räude zart; übrige Dissepimente ganz zart. 

Bin Muskelmageu vor dem ersten deutlichen Dissepiment (^/,1). im 4.— 5. (?) Segment, in der mittleren Partie sehr dick- 
wandig, nach vorn allmäblieh. nach liinten scharf abgesetzt dünnwandiger. 

Samensäeke klein, auf geringe Ausbeulungen der Dissepimente "'/11 und "/12 nach hinten liiu beschränkt. Samen- 
trichter groß; Samenleiter kurz, last gerade gestreckt, proximal sehr schwach aufgebläht. 

Eiersäcke klein (?). Eitrichter dickwandig pantoffelförmig; Eileiter kurz, weit, gerade gestreckt. 

S am entaschen eiförmig bis sackförmig, mit kurzem, engem, nicht deutlich gesondertem Ausführgang. 

Gruppen unregelmäßig birnförmiger Kopulationsdrüsen ventral im 4. — 18. Segment. Ventrale Borsten des 12., 13. 
und 14. Segments mit je einer großen, einfach dick biruförmigen, oder durch eine mehr oder weniger tiefe Kerbe proximal geteilten 
Borstendrüse. 

Fundnotizen: In allen Teilen des Baikal-Sees, im Schlamm und Sand sowie 
zwischen Algen nnd Steinen, in Tiefen von lO'/a — 1300 m. 

Vorliegend zahlreiche Exemplare. 

Äußeres: Die Dimensionen der Tiere sind ungemein verschieden, selbst wenn man 
nur die nachweisbar vollständig geschlechtsreifeii, mit Gürtel versehenen Stücke in Betracht 
zieht. Da diese letzteren bei weitem nicht das Maximum der Größe repräsentieren, so steigert 
sich diese Verschiedenheit noch bedeutend, wenn man auch die gürtellosen Stücke berücksichtigt. 
Das kleinste mit Gürtel versehene Stück ist nur 50 mm lang bei einer Dicke von 0,7 mm ; es 
besteht aus 147 Segmenten. Das größte mit Gürtel versehene Stück ist dagegen 120 mm 
lang und 1,25 mm dick bei einer Segmentzahl von 205. Diese Dimensionen werden von gürtel- 
losen Stücken zwar nur selten — bei dem reichen vorliegenden Material nur in 2 Fällen — 
weit überschritten, in diesen Fällen aber auffallend weit. Das größte gürtellose Stück ist 
270 mm lang, 1,75 mm dick und besteht aus 330 Seomenten. Es wäre meiner Ansicht nach 
falsch, diese großen gürtellosen Stücke etwa als halbreif zu bezeichnen. Schon die Seltenheit 
der mit Gürtel versehenen Stücke in dieser Gattung (von tler nahe verwandten H. gordioides 
ist überhaupt noch kein derartiges Stück gefunden worden), ferner die Größenverhältnisse dieser 
Stücke deuten darauf hin, daß die Ausstattung mit einem Gürtel eine schnell vorübergehende 
Erscheinung ist. "Wie nachweislich auch andere Oligochaeten, scheinen diese Haplotaxis schon 
in sehr frühem Alter, lange bevor sie die mittlere Größe erreicht haben, geschlechtsreif zu 
werden. Während sie stetig wachsen, tritt bei ihnen von Zeit zu Zeit eine kurze, durch das 
Auftreten eines Gürtels gekennzeichnete Periode bestimmter geschlechtlicher Tätigkeit, der 
Eiablage ein. Ob auch die Periode der Begattung in diese Zeit der Gürtelbildung, oder vor 
dieselbe fällt, wäre noch festzustellen. Ob diese Perioden geschlechtlicher Tätigkeit an eine 
bestimmte Saison gebunden ist, erscheint mir fraglich. Da die mir vorliegende reiche Kollektion 
lediglich in den Sommermonaten, vom 6. Juni bis zum 12. August, erbeutet wurde, so läßt 
sich nichts bestimmtes hierüber aussagen. Die Fangzeit der wenigen mit Gürtel versehenen 
Stücke fällt auf die Zeit vom 21. Juli bis zum 3. August. Bemerkenswert ist jedenfalls, daß 



65 

diese Stücke in Gesellscliaft vieler zum l'eil ebenso großer oder größerer gürtelloser Stücke 
gefunden wurden, daß also sicherlich diese Periode geschlechtlicher Tätigkeit nicht für alle 
Stücke einer Gresellschaft gleichzeitig eintritt. 

Die Färbung der konservierten Tiere ist hell, gelblich weiß. Eine Pigmentierung 
ist nicht vorhanden. 

Der Kopf ist zygolobisch. Der Kopf läppen ist länglich kuppeiförmig bis breit 
abgerundet kegelförmig, etwas länger als hinten breit, durch eine seichte Ringelfurche geteilt, 
mit dem sehr kurzen 1. Segment vollständig verschmolzen. Die Segmente sind einringlig, 
die Int er s egm en talfurch en meist mäßig scharf ausgeprägt, nicht besonders tief ein- 
schneidend. Der Körper ist im allgemeinen drehrund, ziemlich gleichmäßig dick, an den 
Enden meist nur schwach verjüngt. 

Die Borsten beginnen mit dem 2. Segment und stehen einzeln, im allgemeinen zu 4 
an einem Segment. Die ventralmediane Borstendistanz ist ungefähr halb so groß wie die 
lateralen, etwa ^/j so groß wie die dorsalmediane {aa = '/2 (id = 7з ^^^У -'-^'^ lateralen Borsten- 
distanzen werden durch die Seitenlinien (im Schema mit ,,s" bezeichnet) in zwei annähernd 
gleiche Stücke geteilt {as = so?). Die ventralen Borsten sind im allgemeinen sehr groß, bei 
einem 1,2 mm dicken Tier am 18. Segment 0,75 mm lang und im Maximum 40 и dick. Sie 
nehmen gegen die Körperenden an Größe ab, gegen das Vorderende mäßig schnell, gegen das 
Hinterende sehr langsam. Die dorsalen Borsten sind viel kleiner als die ventralen, in den 
Gürtelsegmenten nur etwa 0,25 mm lang und 12 м dick. Gegen das Kopfende wie nach hinten 
zu nehmen sie noch etwas an Größe ab. Am Hinterende fehlen die dorsalen Borsten wie bei 
H. gordioides. Die Zahl der mit dorsalen Borsten ausgestatteten Segmente ist sehr verschieden. 
Bei einigen näher unterFuchten Stücken fand ich die letzten dorsalen Borsten am 84., 89., 
120. bezw. 124. Segment; doch standen dieselben meist sclion durch weite Lücken von den 
vorletzten, ihrerseits wieder isoliert stehenden getrennt, so daß diesen Zahlen gar keine Bedeutung 
beigemessen werden kann. Manchmal fanden sich schon vor der Gürtelregiou Lücken in den 
Reihen der dorsalen Borsten. Die Borsten sind sämtlich einfach-spitzige Hakenborsten. Ihre 
Gestalt ist etwas variabel. Die großen ventralen Borsten sind plump, in den proximalen zwei 
Dritteln fast gerade gestreckt, proximal deutlich verjüngt, im distalen Drittel sehr schwach 
zurück- und wieder vorgebogen, anfangs schwach, erst am äußersten distalen Ende stärker 
(nach Art einer Sichel, aber viel schwächer) verjüngt, zugespitzt. Ihr am distalen Drittel 
liegender Nodulus ist schwach ausgeprägt, nicht scharf abgesetzt. Manchmal erscheint die 
distale Spitze dieser großen ventralen Borsten gleichsam verkürzt. Die kleineren ventralen 
Borsten sind schlanker, und ihr distales Drittel ist schärfer gebogen, deutlich sichelförmig. 
Auch diese Borsten zeigen einen schwachen, aber noch deutlichen Nodulus. Der Übergang 
der großen ventralen Borsten in die kleinen ist manchmal ein ganz allmählicher, manchmal 
aber auch ein ziemlich scharf abgesetzter. Die dorsalen Borsten sind stets ziemlich schlank, 
gegen das proximale Ende stark verjüngt, gegen das distale weniger deutlich verjüngt, im 
distalen Drittel sehr schwach gebogen. Sie besitzen keinen deutlichen Nodulus, man müßte 
denn die nicht scharf abgesetzte Partie der ungefähr im distalen Drittel gelegenen maximalen 
Dicke als Nodulus ansprechen. 

Die Seitenlinien sind meist auch äußerlich ziemlich deutlich als zarte Längsfurchen 
erkennbar. Ich glaube auch die Nephridialporen auf ihnen erkannt zu haben. 



66 

Einige wenige Stücke besitzen einen scharf ausgeprägten, etwas erhabenen, durch seine 
zart oi'ange-rote Färbung (lachsfarben) ausgezeichneten Gürtel. Die vordere Grenze dieses 
Gürtels scheint konstant auf Intersegmentalfurche "/„ zu liegen. Seine hintere Grenze ist sehr 
variabel. Bei dem auffallend kleinen, nur 50 mm langen geschlechtsreifen Stück liegt sie auf 
Intei'segmentalfurche ^^sn^ bei den übrigen 6, 7 oder 8 Segmentlängen weiter hinten. Der 
Gürtel umfaßt demnach die Segmente 11 — ^25, 31, 32, 33 (= 15 — 23). In der vorderen Partie 
bis zum 16., 17 oder 18. Segment ist der Gürtel sattelförmig, ventral unterbrochen; weiter 
hinten ist er ringförmig. Er läßt Borsten und Intersegmentalfurchen unverändert deutlich. 

Die Geschlechtsporen sind sämtlich unscheinbar, einfach lochförmig. Die männ- 
lichen Poren liegen dicht medial an den unveränderten ventralen Borsten des 1 1 . und 
12. Segments, die weiblichen Poren gerade vor den ventralen Borsten des 13. imd 14. Segments, 
etwa in der Mitte zwischen den Borstenzonen und den vorderen Intersegmentalfurchen ihrer 
Segmente. Same ntaschen -Poren sind in 4 Paaren vorhanden ; sie liegen auf Intersegmental- 
furche 7o — 7э gerade in den Linien der dorsalen Borsten, also dorsal. 

Innere Organisation: Die Dissepimente 7б bis "/g sind in den ventralen Partien in 
der Umgebung des Oesophagus etwas verdickt, an den Rändern zart. Die übrigen Dissepimente 
sind ganz zart. Das erste deutlich ausgebildete Dissepiment trennt die Segmente 5 und 6. 

Der Oesophagus bildet sich vor dem Dissepiment 7б> anscheinend in den nicht voneinander 
gesonderten Segmenten 4 und 5, zu einem deutlichen Muskelmagen um, dessen mittlere Partie 
sich wie bei H. gordioides durch seine rein muskulöse Beschaffenheit von den übrigen Partien 
unterscheidet. Diese übrigen Partien sind jedoch nicht, wie bei H. gordioides, ebenso dick wie 
die mittlere, sondern kaum ^3 so dick. Die Hinterpartie ist ziemlich scharf von der dickeren, 
rein muskulösen mittleren Partie abgesetzt, während die vordere Partie, sich allmählich verdickend, 
bis zu der Stärke der mittleren Partie anwächst. Im ül)i'igen scheint die Organisation des 
Darmes, des Blutgefäßsystems und des Nephridialsystems mit der von H. gordioides 
übereinzustimmen. 

Das Gehirn ist kompakt, von oben betrachtet halbmondförmig, vorn halbkreisförmig 
konvex, hinten seicht ausgeschnitten, an den hinten-seitlich liegenden Ecken gerundet, etwa */, 
so lang wie breit. Ein Längsschnitt durch das Gehirn hat kreisförmigen Umriß. In den 
Segmenten 4 — 18 finden sich ventral Gruppen unregelmäßig birnförmiger Kopulations- 
drüsen; der Bauchstrang ist in diese Drüsenmassen eingebettet, scheint jedoch niclit mit 
denselben verwachsen zu sein. 

Zwei Paar ziemlich kompakte, nur schwach gelajapte Hoden ragen vom ventralen Rande 
der Dissepimente 7io und ^*/n in die Segmente 10 und 11 hinein. Freie Sam enm assen finden 
sich in den Segmenten 10 und 11. Die Hinterwände dieser Segmente sind dorsal etwas nach 
hinten ausgebeult und bilden dadurch kleine, kurze und breite, vorn weit offene Samen- 
säcke, die bei dem näher untersuchten Stück jedoch kaum eines Segmentes Länge durch- 
messen. Zwei Paar große, von der Hinterseite her aufgetriebene S а m e n t r i с h t e r mit zurück- 
gebogenen Rändern liegen ventral vor den Dissepimenten '"/ц und "Д3 im 10. und 11. Segment. 
Nach hinten gehen sie, jene Dissepimente durchsetzend, in kui'ze, ziemlich weite, fast gerade 
gestreckte Samenleiter über, die jeglicher Anhangsorgane und sonstiger Kopulationsorgane 
entbehren. 



67 

Zwei Paar ziemlich kompakte, mir зсЬлуасЬ gelappte Ovarien ragen vom ventralen 
Rande der Dissepimente "/i^ und '^/lз in die Segmente 12 und 13 hinein. Geringe losgelöste 
О var i almassen mit einzelnen mehr oder weniger weit entwickelten Eizellen liegen frei in 
den Segmenten 12 und 13; Eiersäcke scheinen noch nicht vollständig ausgebihlet zu sein; ich 
erkannte nur eine geringe Aussackung des Dissepiments "/15. Die größten beobachteten, noch 
an ihrer Ovarialmasse sitzenden, bereits mit zarten Dottergranulationen ausgestatteten, anscheinend 
nahezu reifen Eizellen sind etwa 0,1 mm lang und 0,07 mm dick. Zwei Paar dickwandig 
pantoffelförmige Eitricliter sitzen ventral an der Vorderwand der Dissepimente '^/lз und ^^j^. 
Sie münden, jene Dissepimente durchbohrend, durch kurze, ziemlich weite, gerade gestreckte 
Eileiter aus. 

Die ventralen Borsten der Segmente 12, 13 und 14 sind mit großen, einfach dick birn- 
förmigen oder durch eine mehr oder weniger tief einschneidende Kerbe proximal geteilten 
Borstendrüsen versehen. 

Es sind 4 Paar Samentaschen vorhanden, die von den Intersegmentalfurchen °/e 
bis ^/g in die Segmente 6 — 9 hineinragen. Die Samentaschen bestehen aus einer eiförmigen 
bis sackföi'migen Ampulle, die durch einen kurzen, engen, nicht deutlich von der Ampulle 
abgesetzten Ausführgang ausmündet. 

Erörterung : H. ascaridoides steht der H. gordioides (G. L. Hartji.) sehr nahe, so nahe, daß 
ich vor der Auffindung geschleclitsreifer Exemplare einige jugendliche Stücke der baikalischen 
Art der europäischen H. gordioides zuordnete. Den geringfügigen Unterschied zwischen den 
unreifen Stücken dieser beiden Arten glaubte ich als Л^ariabilität ansehen zu müssen. Der 
hauptsächlichste Unterschied, und zwar ein recht wesentlicher, ist nur an geschlechtsreifen 
Stücken erkennbar. Er beruht auf der Zahl der Samentaschen und auf der Lage der Samei- 
taschen-Poren. H. gordioides besitzt 3 Paar Samentaschen, die auf den Intersegmentalfurchen ^j., 
bis ^/э ausmünden, und zwar lateral, in den Seitenlinien. H. ascaridoides besitzt dagegen 4 Paar 
auf den Intersegmentalfurchen '/e — 7э ausmündende Samentaschen, und die Ausmündungen 
liegen dorsal, in den Linien der dorsalen Borsten. Auch scheinen bei H. gordioides die Borsten- 
drüsen im 12. — 14. Segment zu fehlen. 

Die Tatsache, daß unreife Exemplare dieser beiden Arten kaum voneinander zu unter- 
scheiden sind, läßt meine frühere Feststellung über die Synonymie der H. gordioides^) bedenklich 
ins Schwanken geraten, beruht diese Feststellung doch fast ausschließlich auf Zuordnung nach 
Angaben über unreifes Material. Geschlechtsreife und halbreife, sicher definierbare H. gordioides 
sind bisher nur aus Deutscliland bekannt geworden (Material von F. Leydig, R. Tdhi und 
W. Michaelsex). Ich bin nach wie vor der Ansicht, daß das Material aus Deutschland und 
den benachbarten Ländern einer und derselben, als H. gordioides zu bezeichnenden Art angehört ; 
sehr fraglich ist aber die Zuordnung der Stücke von weit entfernt liegenden Fundorten, zumal 
von Asien (Telezkischer See) und jSTord-Amerika (Phreoryctes emissarius S. A. Forbes von Illinois). 
Diese dürften jetzt nur fraglicherweise der H. gordioides zuzuordnen sein. 

Übrigens zeigen auch unreife Exemplare beider Arten einen gewissen Unterschied. 
Derselbe ist aber nicht scharf zu definieren, 'da die betreffenden Merkmale innerhalb jeder 
Art entsprechend den verschiedenen Altersstadien sich ändern. Dieser Unterschied beruht auf 

') Michaelses, W., Beiträge zur Kenntnis der Oligochaeten ; in Zool. Jahrb., Syst., Bd. XTT 1899, p. 105. 



68 

der Zahl der Segmente und den damit zusammenhängenden Größenverhältnissen. H. ascaridoides 
ist im allgemeinen, bei normaler Streckung, deutlich robuster als H. gordioides und besitzt 
zugleich eine viel geringere Segmentzahh Die größten von mir untersuchten H. gordioides 
— mäßig große Stücke — waren 180 mm lang bei einer Dicke von etwa 1,15 mm und besaßen 
dabei 440 bezw. 480 Segmente. Ein gleich langes Stück von H. ascaridoides besaß bei einer 
Dicke von 1,75 mm nur 238 Segmente und selbst das längste Exemplar der baikalischen Art 
wies bei 270 mm Länge und 1,5 mm Dicke nur eine Segmentzahl von 330 auf, kam also noch 
bei weitem nicht au die hohe Segmentzahl der mäßig großen, nur wenig mehr als halb so 
langen H. gordioides heran. Der Unterschied scheint aber bei sehr kleinen Exemplaren weniger 
scharf ausgeprägt zu sein. So hatte ein kleines, 70 mm langes und 0,7 mm dickes Exemplar 
von H. gordioides nur 175 Segmente; während ein etwas kleineres, 50 mm langes und ebenfalls 
0,7 mm dickes H. ascaridoides-^XQm^\a.Y schon 147 Segmente aufwies. Die Entscheidung über 
die Art-Zugehörigkeit wird also um so schwieriger, je kleiner die Stücke sind. 

Schließlich ist noch zu erwähnen, daß auch in der Gestalt des Magens ein auch bei 
unreifen Tieren (allerdings nur in Schuittserien) erkennbarer Unterschied zwischen beiden 
Arten besteht. 



Literatur. 



Benham, VV. B. 1904. On some new Species of Aquatic Oligochaeta from New Zealand; in: Proc. Zool. Soe. London, 1903. Vol. U. 

Grübe. 1873. Über einige bisher noch unbekannte Bewohner des Bail^al-Sees; in: 50. Jahresber. Schles. Ges. 

KoROTNEFF, A. de. 1904:. Eesultats d'une Expedition zoologique au lac Bailcal pendant Tete 1902; in: Arch. zool. exp. gen., 4. ser.. 

Vol. II. 
Menöb, A. 1845. Zur Kothwürmer-Gattung Euaxes; in: Arch. Naturg., Bd. 11 1. 
Michaelsen, Л¥. 1899. Beiträge zur Kenntnis der Oligochaeten; in: Zool. Jahrb., Sj'st. Bd. XII. 

— 1900. Oligochaeta; in: Tierreich, Lief. 10. 

— 1901a. Oligochaeten der zoologischen Museen zu St. Petersburg und Kiew; in: Bull. Acad. St. Petersb., Tome XV^ K. 2. 

— 1901b. Fauna Oligochaet' Bajkala ; in: SOjähriges Jubiläum der ostsibirischen Abteilung der Kaiserl. Russischen Geo- 
graphischen Gesellschaft, Jubiläums-Festschrift, red. von A. v. Kokotneff, Kiew (in russischer Sprache). 

— 1902a. Die Oligochaeten-Fauna des Baikal-Sees; in: Verh. Ver. Hamburg, 3. F., Bd. IX (Deutseher Urtext zu der vorher- 
genannten Schritt). 

— 1902b. Die Fauna des Baikal-Sees; ebenda,selbst 3. F., Bd. IX. 

— 1903 a. Eine neue Haplotaxiden-Art und andere Oligochaeten aus dem Telezkischeu See im nördlichen Altai, ebendaselbst 
3. F., Bd. X. 

— 1903 b. Die geographische Verbreitung der Oligochaeten, Berlin. 

— 19030. Hamburg. Elb-Untersuohung IV, Oligochaeta; in: Mt. Mus. Hamburg, Bd. XIX. 
Stolo, A. 1888. Monografie Ceskj'ch Tubificidu, Prag. 

Vaillant, L. 1889. Histoire naturelle des Anneles, Vol. 3i. 



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Zoologische üntersuchimgen am Baikal-See. 



Das Werk wird aus einer Anzahl von Monographien bestehen, welche in möglichst 
rascher Folge erscheinen werden. Text teils deutsch, teils russisch. 



In Aussicht sind genommen: 

Lieferung 2: Korotneff, A., Oamephorus — monographische Beschreibung. (Russisch.) 
3: Lindholm, Mollusken. (Deutsch.) 
4: Sovinsky, Gammariden. (Russisch.) 
5: Zernow, Plankton. (Deutsch.) 
6: Korotneff, Bryozoen. (Deutsch.) 
7: Sukatschef, Hirudineen. (Deutsch.) 
8: Berg, Ootiden. (Russisch.) 
9: Korotneff, A., Tricladen. (Deutsch.) 
10: Semenkewitsch, J., Isopoden. (Russisch.) 
11: KusnetzOW, Fischerei im Baikal-See. (Russisch.) 



Ferner verschiedene Monographien über Baikalsee-Fauna: 

Spongien, Isopoden, Entomologisches. 



Die für den Buchhandel bestimmten Exemplare sind durch 

R. Friedländer & Sohn in Berlin, NW. 6, Carlstrasse 11 

zu beziehen. 




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