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Full text of "Wörterbuch der elsässischen Mundarten, bearb. von E. Martin und H. Lienhart. Im Auftrage der Landesverwaltung von Elsass-Lothringen"

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WÖRTERBUCH 



DER 



ELSÄSSISCHEN MUNDARTEN. 



ERSTER BAND. 




WÖRTERBUCH 



DER 



ELSÄSSISCHEN MUNDARTEN 



BEARBEITET VON 



E. MARTIN UND H. LIENHART. 



IM AUFTRAGE DER LANDESVERWALTUNG VON ELSASS-LOTHRINGEN. 



ERSTER BAND: 

A E. I. O U F V G H J K L M N 



STRASSBURG. 
VERLAG VON KARL J. TRÜBNER. 

1899. 



^ - NOV 2 7 1968 



G. Otto's Hof*Buchdruckerei in Darmttadt. 



WÖRTERBUCH 



DER 



ELSÄSSISCHEN MUNDARTEN 



BEARBEITET VON 



E. MARTIN UND H. LIENHART. 



VORWORT. 



Das Wörterbuch der elsässischen Mundarten soll den Wortschatz der heutigen 
Volkssprache in den Bezirken Ober- und Unterelsass — abgesehen von den kleinen 
Gebieten mit romanischer Sprache — wissenschaftlich bearbeitet zusammenfassen"; es 
soll besonders die von der Schriftsprache abweichenden Wörter und Wendungen dieser 
Dialekte verzeichnen und in aller Kürze erklären. Soweit sich Erzeugnisse der Volks- 
poesie, Lieder Sprüche Rätsel u. a. an einzelne Wörter anknüpfen lassen, sollen sie 
mitgeteilt werden, ebenso Sitten und Gebräuche, Aberglauben und Sprichwörterweisheit. 
Der heutige Bestand an solchen Überlieferungen ist nur ein Teil des früheren, in älteren 
Quellen bezeugten; und wo immer der Besitz der Gegenwart an solchen Äusserungen 
des Volkslebens und der Volksrede sich litterarisch schon in früherer Zeit nachweisen 
lässt, suchten wir die Zeugnisse hierfür zu sammeln und zu verwerten. Gelegentlich 
haben wir allerdings auch, jedoch mit besonderer Bezeichnung, Ausdrücke aus der 
älteren Litteratur aufgenommen, welche heute fehlen. Im Ganzen aber durften und 
mussten wir die Darstellung der vergangenen Sprachverhältnisse der Zukunft überlassen, 
wel'che namentlich die jetzt noch ungedruckten Litteraturquellen der älteren Zeiten 
l/ichtcr und reichlicher wird benutzen können. Dagegen die elsässischen Mundarten 
sind unzweifelhaft gerade jetzt im Begriff durch die innige Berührung mit der deutschen 
Schriftsprache ihre Eigenheiten abzuschleifen und zum guten Teil aufzugeben: es ist 
hohe Zeit, wenn diese wenigstens für die Wissenschaft erhalten werden sollen. 

In dem angegebenen Sinne Sprache und Sitte des Landes sorgfältig und über- 
sichtlich dargestellt zu sehen, war ein Wunsch Seiner Excellenz des Staatssekretärs für 
Elsass-Lothringen. Herr von Puttkamer wandte daher, als er von unserem Unter- 
nehmen Kenntnis erhielt , diesem seine Fürsorge zu und seinem lebhaften Interesse 
für die Sache haben wir es zu verdanken, dass dem Werke die Unterstützung aus 
Landesmitteln gewährt wurde, welche allein eine Ausführung in würdiger Weise 
möglich machte ; er billigte auch unsere Beschränkung auf das Elsass, da die Sprache 
und Volksüberlieferung Deutsch-Lothringens wegen der grossen Verschiedenheit von 
der elsässischen, sowie wegen des Mangels an älterer Litteratur und selbst an wissen- 
schaftlichen Vorarbeiten eine eigene, hoffentlich später nachfolgende Behandlung verlangt. 

Wir hatten uns im Jahre 1887 zur Herstellung eines elsässischen Idiotikons, 
welches Herr Trübner in Verlag nehmen wollte, mit dem Oberlehrer Dr. Wilhelm 
Mankel verbunden, dessen Wörterbuch der Mundart des Münsterthaies in den Strass- 
burger Studien II (Strassburg 1883) erschienen war. Eine Arbeit der gleichen Art über 



IV Vorwort. 

die Mundart des mittleren Zornthaies, seiner Heimat, hat der mitunterzeichnete Dr. 
Hans Lienhart im Jahrbuch für Geschichte, Sprache und Litteratur Elsass-Lothringens 
II — IV (Strassburg 1886—88) veröffentlicht. 

Umfassende Vorarbeiten für ein Wörterbuch der elsässischen Mundarten waren 
schon weit früher von August Stöber angelegt worden, den die elsässische Philologie 
dankbar als ihren Begründer zu nennen hat. Ausser einzelnen Proben, wie sie schon 
in den Elsässischen Neujahrsblättern 1846, besonders aber in den Beigaben zu Adam 
Maeder, Die letzten Zeiten der ehemaligen eidgenössischen Republik Mülhausen 
(Mülh. 1876) erschienen waren, lag im handschriftlichen Nachlasse A. Stöbers eine um- 
fängliche Sammlung vor, deren Verwertung seine Verwandten mit hochherzigem Ent- 
gegenkommen uns überliessen. 

Aus diesen Papieren haben wir etwa 6000 Zettel abgeschrieben, die wir freilich 
mehr für die litterarischen Belege als für die heutigen Mundarten benutzen konnten, 
weil in den letzteren Fällen die Ortsangabe meist fehlte und die Aussprache nur 
in ganz allgemeiner Weise angegeben war. Doch waren uns auch in solcher 
Fassung die Aufzeichnungen Stöbers höchst wertvoll als Hinweise auf das, was wir zu 
suchen hatten. 

An Stöbers Arbeiten schlössen sich die seines Vetters, des Pfarrers Lieb ich 
an, auf weiche Stöber in der Vorrede zur 2. Auflage seines Elsässischen Volksbüch- 
leins (Mülhausen 1859) hingewiesen hat. Liebich weilte damals schon im inneren 
Frankreich und ist später nach Algerien übergesiedelt. Auf seinen Antrag veranlasste 
die -deutsche Regierung in Elsass-Lothringen 1874 die Lehrer an den Volksschulen 
des Reichslandes Fragebogen zu beantworten, wodurch Laute, Formbildung und Wort- 
wahl der Mundarten in allen deutschsprechenden Gemeinden ermittelt werden sollten. 
Die von Liebich danach bearbeitete elsässische Grammatik, welche von der französischen 
Regierung mit einem Preise gekrönt worden ist, haben wir später zur Benutzung erworben. 
Wir konnten aber auch Liebichs Fragebogen einsehen, von denen das vollständigste 
Exemplar hier auf dem Ministerium, ein zweites auf der Landes- und Universitäts- 
bibliothek , ein drittes auf dem germanischen Seminar unserer Universität auf- 
bewahrt wird. 

Zu lebhafter Thätigkeit für unser Unternehmen sind wir erst 1890 gekommen. 
Dr. Mankel war 1889 gestorben, Dr. Lienhart schon 1887 in den preussischen Schul- 
dienst übergetreten. Gleichzeitig mit seiner Rückkehr eröff"nete sich die Aussicht auf 
Staatsunterstützung für unser Wörterbuch, auf welches Herr Geheime Regierungsrat 
Dr. Albrecht hingewiesen hatte. Der Landesausschuss, dessen Präsident, Herr Staatsrat 
Dr. J. von Schlumberger auch für diese wissenschaftliche Arbeit im Landesinteresse 
lebhaften Anteil bewiesen hat, bewilligte die beantragte Summe. Für die unseren 
Wünschen stets entgegenkommende Verwaltung dieses Zuschusses sind wir dem Präsi- 
denten des Oberschulrats, Herrn Geheimen Oberregierungsrat Richter zu Danke 
verpflichtet. Auf sechs Jahre bemessen, sollte der gewährte Betrag zur Hälfte den 
Sammlern des Materials und anderen Mitarbeitern zu gute kommen. 

Die Teilnahme an der Stoffsammlung regten wir nun an, indem wir eine ge- 
druckte Anweisung versandten, Aufsätze in öffentlichen Blättern und Zeitschriften er- 
scheinen Hessen, endlich auch an geeigneten Stellen Vorträge hielten. Unter diesen 
erwiesen sich besonders wirksam die von Dr. Lienhart vor den Lehrerseminarien in 
Colmar und Strassburg sowie vor der Lehrerconferenz in Saarunion abgehaltenen. In 



Vorwort. V 

Colmar fanden wir die kräftigste Unterstützung durch Herrn Regierungs- und Schulrat 
Dr. Stehle, der als Direktor des Lehrerseminars I seine Schüler methodisch zur 
Teilnahme an unseren Sammlungen heranzog. 

In wenigen Jahren kam so die von vornherein in Aussicht genommene Zahl 
von mehr als looooo Zetteln zusammen. Je etwa 5000 Zettel gingen uns zu von 
den Herren: Lehrer Lamey, damals in Rappoltsweiler, für Sulzmatt; Fabrikaufseher 
Obrecht in Ruprechtsau für Dürrenenzen bei Colniar; Kutt, ehemaligem Lehrer für 
Benfeld; Pfarrer Spieser in Waldhambach bei Diemeringen, welcher auch die Angaben 
Mankels für das Münsterthal ergänzte und berichtigte, und dem wir ebenso wie Herrn 
Menges, Lehrer an der landwirtschaftlichen Schule in Rufach für die Teilnahme an 
der Korrektur noch besonders verpflichtet sind. Von dem zuletztgenannten erhielten 
wir Angaben über Rufach, Reichenweier und Niederbetschdorf. Endlich hat uns Herr 
Dr. med. Kassel in Hochfelden seine reiche Sammlung und zwar völlig ohne Entgelt 
überlassen. Da nun auch für Hirsingen eine sorgsame Vergleichung mit Seilers Wörter- 
buch der Baseler Mundart durch Herrn Lehrer Obrist in Mülhausen geliefert wurde, 
standen uns für mehrere einzelne Gebiete im Ober- und im Unterelsass sowie im Süd- 
und Weststreifen gründliche Darstellungen zu Gebote, welche aus anderen Mitteilungen 
zu bestätigen oder zu ergänzen waren. 

Die Namen unserer übrigen Stoffsammler, soweit sie nicht ungenannt zu bleiben 
wünschten, sind die folgenden (ein L hinter dem Namen bedeutet Lehrer oder 
Lehrerin, ein S Seminarist, die letztere Angabe natürlich auf die Zeit der Einlieferung 
bezüglich) : 

Abtey S. Ackermann S. Adam S. Andlauer S. Aron L. Baldeck S. Baum- 
garth S. Beck, Oberamtsrichter in Offenburg i. B. Bettinger S. Bitsch S. Brand 
S. Carl L. Cassel S. Cossmann S. Dreyer S. Drönlen S. Dürr L. Eber, 
Notariatsgehilfe in Oberbronn Ehret S. Ehretsmann L. in Illzach Faber, Professor 
in Mülhausen Fischer S. Fischer S. Frl. Friedolsheim L. Friedrich, Archiv- 
schreiber in Strassburg. Früh S. Gaisser S. Gall Oberlehrer in Metz Geiss S. 
Gerber S. Gless S. Lic. Grünberg, Pfarrer in Alteckendorf, jetzt in Strassburg 
Guthapfel S. Haberer S. Haberer S. Häffele S. Hagenmüller in Winzenheim 
Harter S. Heimann S. Hemmerlin S. Dr. Hertel in Strassburg Herzog S. Hir- 
schinger L. Holl S. Issler S. Jopp S. Joseph S. Kanitzer S. Kauff'er S. Kieff'er 
S. Klein L. Klein S. Klingler S. Koelbert S. Kessler L. Kritter S. Kühn L. 
Laagel S. Landwerlin S. Letz L. Dr. Levy Linder S. Litschgy S. Ludwig S. 
Macher in Oberhergheim Mangeney L. in Colmar Mathes S. Mathis, L. an der 
Realschule in Rappoltsweiler, jetzt in Saargemünd Merglen S. J. Meyer S. (aus 
Ingersheim) V. Meyer S. (aus Henflingen) Meyer S. (aus Banzenheim) Frl. Mugler 
L. in Lützelstein Naffzger S. Nast S. Neu S. Noack S. Obcrthür, Garderobier 
am Bahnhof in Strassburg Ortlieb S. Probst S. Reinhart S. Rieh S. Rieh L. in 
Heiligkreuz Rink S. Rodenbusch, Katasterkontrolleur in Strassburg Ruff L. Sandel 
L. in Pfulgriesheim Schilling S. Christian Schmitt, jetzt Bibliotheksbeamter in Strass- 
burg Schneider L. in Aschbach Schröder S. Schwarz S. Sengelin S. Dr. Seyboth, 
Museumsdirektor in Strassburg Sontag S. (Weckolsheim) Sonntag S. (Winzenheim) 
Sprauel S. Stengel L. in Dehlingen Stöcklin S. Storck, stud. phil. Stürmel S. 
Süffert, Oberlehrer in Rappoltsweiler Thomas, ehemaliger L. in Bischweiler (Wingen) 
Treiber S. Ungerer, Pfarrer in Masmünster, jetzt in Kürzel Vogt S. Walther L. 



VI Vorwort. 

in Riifach L. Weber S. M. Weber S. V. Weber L. Wehrung S. Weiss L. in 
Heiligkreuz Welter S. Wendling S. Wetter S. Wissniewsky S. Wuest S. 

Durch Beiträge aus litterarischen Quellen, deren Ausbeutung wir uns selbst zur be- 
sonderen Aufgabe gestellt hatten, oder durch sachkundigen Rat unterstützten uns Dr. 
Besson, Professeur de la facultd inGrenoble, Dr. Erdmann, Oberlehrer am protestantischen 
Gymnasium in Strassburg, Dr. theol. Erichson, Stiftsdirektor in Strassburg, Professor 
Krug in Buchsweiler. Ein Wörterbuch der Pflanzennamen, besonders aus altelsässischcn 
Schriften, von dem verstorbenen Professor Fischer in Stralsund besitzen wir durch die 
Güte seines Sohnes Ernst Fischer, jetzt Direktor des Gymnasiums in Saarbrücken. 

Für die lebenden Mundarten brachten uns die zuletzt einlaufenden Zettel we- 
sentlich nur Bestätigungen des schon zur Genüge bezeugten Stoffes. So schlössen 
wir die Sammlungen ab, deren Leitung und Ordnung uns inzwischen beschäftigt hatte, 
und gingen zur Ausarbeitung der einzelnen Artikel über, wobei uns Dr. phil. Oskar 
Hertel mit rüstiger Kraft zur Seite stand. 

Zum Muster diente uns das 'Schweizerische Idiotikon, Wörterbuch der schweizer- 
deutschen Sprache', das seit 1881 in Frauenfeld erscheint und gegenwärtig über den 
dritten der in Aussicht genommenen sechs Bände hinaus gediehen ist. Die Begründer 
dieses Idiotikons, Friedrich Staub und Ludwig Tobler, nannten ihrerseits als Vorbild 
das unbestritten vollkommenste aller Dialektwörterbücher, das 'Bayerische Wörterbuch' 
von J. Andreas Schmeller, in 2. Aufl. mit den Nachträgen von G. Karl Frommann, 
München 1872, erschienen. Wie die Schweizer indessen einige Änderungen an 
Schmellers Plan vorgenommen haben, sind auch wir in mehreren Punkten nach reif- 
licher Überlegung von dem ihrigen abgegangen. Bei der Vergleichung unseres Werkes 
mit dem Schweizerischen wird man übrigens billig darauf Rücksicht nehmen, dass das 
letztere, seit der Mitte unsers Jahrhunderts vorbereitet, mit einem ganz erheblich grösseren 
Aufwand von Kräften, Mitteln und Zeit rechnen durfte, und schon durch den Umfang 
und den Reichtum seines Gebietes viel vor dem unsrigen voraus hat. 

Im Anschluss an die Schweizer und Schmeller haben wir zunächst die Reihen- 
folge der Artikel bestimmt. Hierfür war das Konsonantengerippe der Stammsilbe 
eines jeden Wortes massgebend, so dass also, wie die Kolumnentitel unseres Werkes 
zeigen, z. B. FaCH FeCH ViCH FuCHS FaCHT . . . FaDe" u. s. w. auf einander 
folgen, zu FuCHS aber auch die Ableitungen FuCHSen, verFuCHSen, FuCHSer u. s. w. 
und die nach dem letzten Bestandteil geordneten Zusammensetzungen DübelFuCHSer, 
PfennigFuCHSer u. s. w. gestellt werden. Die Vokale bilden gegenüber den Konso- 
nanten den flüssigen, veränderlichen Bestandteil der Wörter und sie sind dies noch 
mehr in der Zusammenfassung mehrerer Mundarten, wobei z. B. Jahr im Elsässischen 
mit den Vokalen 0, u, üo auftritt. In dieser Weise von den Vokalen abzusehn und 
das Konsonantengerippe der Stammsilbe herauszuschälen ist übrigens jedem geläufig, 
der stenographieren gelernt hat. 

Die Stammwörter werden nun durch fetten, die abgeleiteten durcli gesperrten 
Druck ausgezeichnet, j steht vor abgestorbenen, \ vor gegenwärtig absterbenden 
Wörtern. 

' Angeführt werden die einzelnen Wörter in einer Form, welche die Grundform 
vertreten soll und sich vielfach mit der Wortgestalt in der neuhochdeutschen Schrift- 
sprache, noch mehr aber mit der mittelhochdeutschen deckt. Auf letztere haben wir 



Vorwort. VII 

da zurückgegriffen, wo das Neuhochdeutsche mit seinen Diphthongen au, ei, cu und 
seinen Monophthongen 7i und ic (gesprochen i) sich weiter von der Grundform mit 
fi, t, 171, no, ic entfernt hat als die elsässischen Mundarten. Dagegen haben wir durch 
kleine Buchstaben über der Linie nicht nur die Konsonanten angedeutet, welche im 
Elsässischen weggefallen sind, wie in der Infinitivendung -e", sondern auch die neu- 
hochdeutschen Dehnungszeichen, z. B. in Ja''r. 

Die Anführungsform hat demnach nur einen Ordnungswert; das wirklich ge- 
sprochene, im Übergang von einer Mundart zur andern oft bunt wechselnde Wort ist 
hinter der Anführungsform in eckigen Klammern und mit phonetischer Bezeichnung, in 
wissenschaftlicher Lautschrift zu finden. Über diese ist etwas eingehender zu reden. 

Wir gebrauchen die Lautschrift des frühverstorbenen Sprachforschers Joh. Friedrich 
Kräuter, der in Strassburg geboren war und sich auch mit der Grammatik der elsässi- 
schen Mundarten erfolgreich beschäftigt hat: vgl. den ihm und Mankel gewidmeten 
Nachruf im Jahrbuch des Vogesenklubs 1889, V 141. Seine phonetischen Grundsätze, 
die er namentlich in Frommanns Zeitschrift 'Die deutschen Mundarten' Bd. VII, Halle 
1877, S. 305 — 332 dargelegt hat, sind wesentlich die folgenden: 

Für einen Laut gibt es nur ein Zeichen, alle Lautfolgen werden in ihre Bestand- 
teile aufgelöst. Wir schreiben also nicht x, sondern ks; nicht z, sondern ts; aber 
auch nicht ?«^, sondern ^; nichts://, sondern;^; x\\(^\. seh, sondern 's. F unterscheiden 
wir nicht von f. Doppelkonsonanten werden in deutschen Stämmen nicht als solche 
ausgesprochen und daher auch nicht geschrieben. 

Bei Vokalen wird die Länge durch den Akut bezeichnet; also z. B. hö)^^ für hoch. 

Der Gravis dient zum Zeichen der offenen, nach a zu geneigten Aussprache; 
dadurch wird die Anzahl der unterschiedenen Vokale verdoppelt, indem sich ihre 
Stufenreihe folgendermassen gestaltet: 

i \ e e ce a ä 00 h ti, 
wobei CB ein breiteres e, a ein dunkleres a bezeichnet. Lippenstellung für und 
Zungenstellung für e verbindet ö, geschrieben 0, und etwas dunkler 0, breiter ce; Lippen- 
stellung für u und Zungenstellung für i verbindet ü, geschrieben y, und bei Annähe- 
rung an ^: j;. 

Der Gravis verbindet sich mit Akut zum Circumflex, zur Bezeichnung eines langen, 
offenen Vokals. 

Allen anderen Vokalen steht in Nebensilben das schwache e gegenüber, ge- 
schrieben -3. Die Annäherung dieses Lautes an a, wie sie besonders in der Gegend 
von Colmar üblich ist, haben wir nur selten dureh a bezeichnet (besser wäre v). 

Nach Vorsilben mit schwachem Vokal hat die nächste den Hauptton ; wo eine 
Vorsilbe mit vollem Vokal vorangeht, ist die hochtonige durch fett gedruckten Vokal 
ausgezeichnet. 

Die in einigen Strichen des elsässischen Sprachgebiets, besonders im Münsterthal 
und am Kochersberg auftretende Nasalierung wird durch untergesetztes polnisches ^ be- 
zeichnet: Fq'ßtJr Fenster. 

Die Lautschrift Kräuters vermag namentlich auch die Manigfaltigkeit der Diph- 
thonge in den verschiedenen Mundarten anschaulich darzustellen. 

Um so einfacher ist der Konsonantent)estand. Das Elsässische unterscheidet nicht 
zwischen harten und weichen Konsonanten, es stellt b und p, d und / völlig gleich, 
auch g und k vor anderen Konsonanten. Dies steht fest, auch durch das Zeugnis der 



VIII Vorwort. 

französischen Grannmatiker, sowie durch manche Wortspiele der Elsässer selbst: s. An- 
zeiger zur Zeitschrift für deutsches Alterthum XX iio ff. Die fraglichen Konsonanten 
sind schwach, aber stimmlos. Sie werden von manchen Sprachforschern als Lenes be- 
zeichnet, b und / durch b u. s. w. Wir bleiben bei Kräuters Auffassung, wonach die 
Stimmlosigkeit diese Laute den französischen Tenues nähert, und setzen also /, t, k auch 
für nhd. b, d, g. Allerdings ist Pät für Bad auffallend ; aber auch düd für thnt u. ä. 
wird nicht leicht gefallen. 

Mit diesen Konsonanten verbindet sich nun zuweilen ein Hauch, der durch // 
ausgedrückt wird: in Thee, geschrieben Ty, Peter, geschrieben Phctar. Dieser nach- 
stürzende Hauch unterscheidet k vor Vokal von g: kann wird geschrieben khan, geben 
ist eis. kan. 

Wo velares ch besonders zu bezeichnen war, dient dazu /, z. B. in yiri Kind 
im Südstreifen des Landes. 

Der Aussprache war natürlich immer die Örtlichkeit beizufügen, für welche 
sie uns bezeugt ist. Dabei nannten wir, wenn Zeugnisse für eine Reihe von Ortschaften 
vorlagen, meist nur die Endpunkte. Diese Angaben lassen zugleich einen Schluss auf 
das Vorkommen eines Ausdruckes zu; doch sind naturgemäss solche Schlüsse auf die 
Grenzen der Verbreitung nur mit Vorsicht zu ziehn, da unsere Einsender begreiflicher- 
weise nicht gleichmässig vorgegangen sind. 

Folgende Orte sind in unseren Stoffsammlungen vertreten: 

Kreis Altkirch: Aspach Ballersdorf Bendorf Biederthal Carspach Dammer- 
kirch Dirlinsdorf Fislis Friesen Hagenbach Heidweiler Henflingen Hirsingen 
Hirzbach Liebsdorf Oberlarg Ober- und Untersept Oltingen Pfetterhausen Pfirt 
Rädersdorf Roppenzweiler Steinsulz Strüth Tagolsheim Wolschweiler ; 

Kr. Mülhausen: Attenschweiler Baldersheim Banzenheim Battenheim ßlotz- 
hcim Brunstatt Burgfelden Dornach Eschenzweiler Habsheim Hegenheim Illzach 
Kembs Kingersheim Klein-Landau Lutterbach Mülhausen NifFer Obersteinbrunn 
Pfastatt Riedisheim Rixheim Sierenz Uffheim Wittenheim; 

Kr. Thann: Altthann Bitschweiler Dollern Felleringen Geishausen Gewen- 
heim Hüsseren Masmünster Mitzach Mposch Oberbruck Ober-Burnhaupt Ober- 
und Niederburbach Ober- und Untersulzbach Ranspach Sewen Steinbach Urbis 
Wattweiler ; 

Kr. Colmar: Arzenhcim Balzenheim Biesheim Colmar Dessenheim Dürren- 
enzen Geiswasser Grussenheim Heiligkreuz Horburg Illhäusern Jebsheim Logeln- 
heim Metzeral Mittlach Mühlbach Münster Neu-Breisach Sondernach Stoss- 
weier Sulzeren Türkheim ; 

Kr. Rappoltsweilcr: Ammerschweier Bebeinheim Hunaweier Katzen thal 
Kaysersberg Rappoltsweilcr Reichenweier ; 

Kr. Schlett Stadt: Barr Breitenbach Dambach Heidolsheim Hilsenheim 
Kestcnholz Markolshcim Meisengott Müttersholz Scherweiler Sundhausen Wanzcl; 

Kr. Erstein: Bcnfeld Boofzheim Erstein Gcispolsheim Gerstheim Hindis- 
heim Hipsheim Illkirch Kerzfeld Limersheim Nieder- und Oberehnhcim Nord- 
hausen Ostwald Plobsheim SchäfTersheim Sermersheim Uttenheim Witternheim; 

Kr. Molsheim: Avolsheim Bischofsheim Dachstein Haslach Holzheim 
Molsheim Mutzig ; 



Durch ein Versehen ist auf S. VIII des Vorworts vor Z, 13 v. u. der fol- 
gende Absatz ausgefallen: 

Kr. Gebweiler: Bergholz-Zell Bollweiler Ensisheim Geberschweier Geb- 
weiler Hattstatt Hirzfelden Isenheim Niederhergheim Oberhergheim Orschweier 
Osenbach Rufach Sulzmatt Westhalten. 



Vorwort. IX 

Kr. Strassburg: Alteckendorf Berstett Brumath Diinzenheim Eckwersheim 
Geiidertheim Giinbrett Gingsheim Gugenheim Hochfelden Ingenheim Lampert- 
heim Minversheim Mittclhausen Mundolsheim Neudorf Neiihof Pfulgriesheim 
Reichstett Reitweiler Rüprechtsau Säsolsheim Schiltigheim Strassburg Suffel- 
weyersheim Truchtersheim Weyersheim Wilwisheim ; 

Kr. Zabern: Altweiler Bettweiler Buchsweiler Büst Dehlingen Dettweiler 
Dossenheim Drulingen Durstel Ernolsheim Eschburg Furchhausen Griesbach 
Harskirchen Hirschlanden Ingweiler Keskastel Kirrweiler Lohr Lorenzcn Lützel- 
stein Mühlhausen Ober-, und Niedermodern Örmingen Prinzheim Rauweiler 
Rosenweiler Rosteig Saarunion Schillersdorf Tieffenbach VValdhambach Zabern; 

Kr. Hagenau: Bischweiler Gundershofen Hagenau Kindweiler Merzweiler 
Niederbronn Oberbronn Ofifweiler Reichshofen Rohrweiler Roppenheim Roth- 
bach Sesenheim Sufflenheim Uttenheim Zinsweiler; 

Kr. Weissen bürg: Aschbach Bühl Hatten Höfen Hunspach Kröttweiler 
Kühlendorf Lobsann Mothern Münchhausen Niederbetschdorf Niederlauterbach 
Niederrödern Niederseebach Oberrödern Oberseebach Rittershofen Schleithal 
Schönen bürg Selz Surburg Weissenburg Wingen Wörth. 

Diese Ortsnamen sind meist in verkürzter Form wiedergegeben worden: A bedeutet 
Alt-, b. = bach, bg. = bergoder bürg, br. = bronn, brunn; d. = dorf, f. =r feld, fn. = 
felden, h. =:heim, hsn. = hausen, i. =• ingen, k. = kirch, N. == Neu-, Nd. =^-- Nord-, 
Ndr. = Nieder-, Ob. = Ober, st. = Stadt, t. = thal, U. = Unter-, w. = weier, weiler. 

Weitergehende Abkürzungen verwenden wir fiir besonders häufig citierte Ortsnamen : 
Bghz. ^Berzgholzzell, Bisch(ofsheim), Brum(ath), Co(lmar), Dü(rrenenzen), Geisp(olsheim), 
Geud(ertheim), Han(auerland), Hf = Hochfelden, Hi(rsingen). Hlkr. =r Heiligkreuz, 
Mb. = Mühlbach, Meis(engott), Mittl(ach), Mü(lhausen), M(ünsterthal), Mütt(crsholz), 
Rapp(oltsweiler), K(ochersberg), Rchw. =r Reichenweier, Ruf(ach), Sier(enz), Str(ass- 
burg), Su(lzmatt), Wh. = Waldhambach, Z(ornthal). 

Dazu kommen O = Oberelsass, U = Unterelsass, N = Nordstreifen, der durch 
eine Linie von Selz bis Wingen und die Landesgrenze eingefasst, bereits pfälzische, 
fränkische Dialekteigenheiten, namentlich ei und au für i und ü zeigt; S = Südstreifen, 
durch eine Linie von Pfetterhausen nach Kembs am Rhein und die Landesgrenze 
umschlossen, mit schweizerischen Merkmalen, besonders Ch anstatt K im Anlaut; end- 
lich W =z Weststreifen, vom Donon ab meist am Ostrand des Gebirges bis zum 
Wasichenstein abgegrenzt, mit fränkisch-lothringischen Neigungen, z. B. mit dem früher 
auch in N vorhandenen / anstatt pf. 

Diese und innere Sprachgrenzen (zwischen Ober- und Unterelsass scheidet der 
dort geschwundene, hier vorhandene Nasal hinter langem Vokal; dort si, gsi, hier 
sin, gsin oder gewän) hat Dr. Lienhart auf einer Sprachkarte verzeichnet, welche er 
vor dem historisch-litterarischen Zweigverein des Vogesenklubs im November 1892 
erläuterte und später herauszugeben gedenkt. 

In die eckigen Klammern unserer Artikel ist auch meist aufgenommen worden, 
was sich von sonstigen grammatischen Verhältnissen lexikalisch verzeichnen liess: bei 
Substantiven die Pluralform, wo sie nicht mit dem Singular übereinstimmte; bei Verben 
das starke Participium und sonstige Abweichungen von der gewöhnlichen Formbildung. 
Für diese u. a. grammatische Verhältnisse haben wir die allgemein üblichen kurzen 
Bezeichnungen verwendet. 



Vorwort. 



Dann folgt die Angabe der Bedeutungen, erläutert durch Beispielsätze. 
Diese geben wir in der Schreibung der Anführungswörter, nur etwas mehr der Aus- 
sprache genähert. Also z. B. mver anstatt über, jo für ja. Dabei setzen wir als be- 
kannt voraus, dass ö und ü im Elsässischen durchaus die Lippenrundung verloren haben, 
also wie e und / gesprochen werden; ebenso eu wie «'; dass andererseits langes u fast aus- 
nahmslos zu ü geworden ist. Mit e bezeichnen wir den offenen Klang des Vokals, 
der auf dem Lande, abgesehen von W und Teilen von O geradezu als a erscheint. 
5 vor / ist durchweg zu seh geworden; Brust also zu \Prmt\^ auch vor dem später 
weggefallenen: du has' zu \ty häs., hes\ er is' zu \pr is\. 

Genau in der Schreibung der Quellen erscheinen die Belege aus der gedruckten 
oder geschriebenen Litteratur, welche durch Häkchen '— ' eingefasst sind. Diese 
Quellen sind in Kapitälchen angeführt; indem wir die hierbei gebrauchten Abkür- 
zungen aufzählen, fügen wir gleich die in der gleichen Schriftart vermerkten gram- 
matisch-lexikalischen Hilfsmittel ein. Ein beigesetztes ST. bezieht sich auf Stöbers 
Auszüge. 

Alem.^ Alemannia, Zeitschrift für Sprache, 
Litteratur und Volkskunde des Elsasses 
und Oberrheins hrsg. v. A. Birlinger, 
Bonn 1873 ff. (votn ig. Band an fort- 
geführt von F. Pf äff.) 
Als, = Alsatia, Jahrbuch für elsässische 
Geschichte, Sage, Altertumskunde, Sitte, 
Sprache und Kunst hrsg. von A. Stöber, 
Mülh. 1850— 18 S 5 (12 Bde., mitteil- 
weise abweichendem Nebentitel , der 
Schlussband als Neue Alsatia). 
Altswert = Meister Altswert hrsg. von 
W. Holland u. A. Keller. Tüb. 1850 
(Lit. Ver. 21). 

Balaam = Balaams eselin . . durch Mat- 

this Wurm von Geydertheim MDXXIIIJ. 
Baldner =-- L'Histoire naturelle des eaux 

Strasbourgcoises de L. Baldner (1666) 

trad. par F. Reiber, Str. 1888 (ver- 
glichen mit den Hss. der Strassburger 

Landes- u. Universitätsbibliothek, daher 

die Citate ohne Seitenzahl). 
Basel = G. A. Seiler, Die Basler Mund- 
art. Basel 1879. 
Bayer. =: Bayerisches Wörterbuch . . von 

J. A. Schmeller, 2. Ausg. bearb. von 

G. K. Frommann, München I 1872, 

II 1877. 
Bergmann = Strassburger Volksgespräche 

erläutert von F.W. Bergmann, Str. 1873. 
Bock Kraut, ^rrr Kräutterbuch weylandt 

des . . Herren Hicronymi Tragi genant 

Bock . . . gemheret vnd gebessert durch 

Melchiorem Sebizium . . sampt ange- 

hencktcn Speisskammer Str. W. C. Glaser 

(1630). \Das Register dazu stammt von 



Moscher osch, nach Mittcihingen von Adolf 
Schmidt in Darmstadt7\ 

Brant = Sebastian Brants Narrenschifif 
hrsg. von Friedrich Zarncke, Leipzig 
1854. Narr. = Narrenschifif. Fac. = 
Facetus. 

Brem. =1 Versuch eines bremisch-nieder- 
sächsischen Wörterbuchs ... V, Bremen 
1767 — 1771- VI 1869. 

Brucker = Strassburger Zunft- und Polizei- 
Verordnungen des 14. und 15. Jahr- 
hunderts. Aus den Originalen des Stadt- 
archivs ausgewählt und zusammengestellt? 
von J. Brucker nebst einem Glossar zur 
Erläuterung sprachlicher Eigenthümlich- 
keiten von J. Brucker und G. Wethly. 
Strassburg 1889. 

Burger- GESPRÄCH = Burger-Gespräch über 
die Abschaffung der deutschen Sprache 
bey der Verhandlung der öffentlichen 
Geschäfte in Strassburg, gehalten den 
25. Angst 1790, hgg. von C. Löper, 
Str. 1886. 

Chron. = Die Chroniken der oberdeut- 
schen Städte. Strassburg I II. (Closener 
und Königshofen) Leipzig 1871. {Die 
einzelnen Stellen sind im beigefügten 
Glossar verzeichnet). 

CS. r= Wörterbuch der Strassburger Mund- 
art aus dem Nachlasse von Charles 
Schmidt . . . Strassburg 1897. \Be- 
sonders wertvoll sind darin die Atis- 
züge aus Urkunden und Reformations- 
schrift eri\. 

Dankr. :— Das heilige .Namenbuch von 
Konrad Dangkrotzheim herausg. von 
K. Pickel, Str. 1878. 



Vorwort. 



XI 



Dasyp. = Dictionarium latinogermanicum 
et vice versa germanicolatinum . . auc- 
tore Pctro Dasypodio . . denuo . . locu- 
pletatum . . Argentorati (1537). 

DWB. = Deutsches Wörterbuch von Jacob 
Grimm und Wilhelm Grimm, fortgesetzt 
von M. Heyne, R. Hildebrand, M. Lexer, 
K. Weigand, E. Wülcker . ., Lpz. 1854 ff. 

EiFEL. = J. H. Schmitz, Sitten und Bräuche, 
Lieder, Sprichwörter und Räthsel des 
Eifler Volkes nebst einem Idiotikon. 
Trier 1856. 

Elsass = Das Elsass. Illustrierte Wochen- 
blatt, Strassburg 1878 ff. 

Erw. = Erwinia hgg. von Aug. Stöber 
1838. 39. 

Fisch. Bin. = Binenkorb des Heyl. Rö- 
mischen Imenschwarms . . durch Jesu- 
walt Pickhart . . Getruckt zu Christ- 
iingen ; am Schluss: M. D. LXXXI. 

Fisch. Flöhh. =: Der Flöhhaz von Johann 
Fischart. Abdruck der ersten Ausgabe 
(1573). Halle 1877. 

Fisch. Dacm. = De magorum daemono- 
mania . . durch Joh. Bodin . . durch 
Joh. Fischart auss Frantzösischer Sprach 
in Tevvtsche gebracht . . zum andern 
mahl . . vermehrt. Str. Jobin 1591. 

Fisch. Dicht. = J. Fischarts sämmtliche 
Dichtungen hgg. v. Heinrich Kurz, Lpz. 
1866. 67, m. 

Fisch. Ehez. — Das Philosophisch Ehzucht- 
büchlin . . J. F. G. M. Strassburg 1578 
(cit. nach J. Fischarts Werke hgg. von 
A. Hauff en, Sttittg. 0. J. III, Dtsche. 
Nat. litt. 18, zvo auch das Podagram- 
misch Trostbüchlin . . durch Hultrich 
Elloposkleron 1577). 

Fisch. Garg. = J. Fischarts Geschichts- 
klitterung (Gargantua) hgg. v. A. Als- 
leben, Neudruck. Halle 1891. 

Fisch. Prakt. -= Aller Praktik Grossmutter 
von Johann Fischart. Abdruck der ersten 
Bearbeitung (1572). Neudruck. Halle 
1876. 

Fran^ois Husm. = D' Hüsmittel. E Co- 
medie wo au ebbs vun de Hexemeister 
un der respektawle Schlofer vorkummt. 
Uffgesetzt vun d'r Frau Bärwel vun 
Blappermül (Dr Henri-Alfred Frangois, 
181 2 — 1872). Strassburg 1886. 

Frey = Jacob Freys Gartengesellschaft 
(1556) hgg. von J. Bolte, Tübingen 
1896 (Litt, Verein 209). 



Friese Nat. ■= Oekonomische Naturge- 
schichte der beiden Rheinischen Depar- 
temente für die Jugend. Als ein An- 
hang zur Neuen Vaterländischen Ge- 
schichte ... 2. Aufl. Str. 1807. 

Frisch ^ Joh. Leonhard Frisch Teutsch- 
Lateinisches Wörterbuch . . Berlin 1741. 

Froelich Holzh. ^^ Jules Froelich, Stros- 
burjer Holzhauerfawle . . Nancy 1885. 

Gart D. G. = Gart der gesuntheit zu 
latein Hortvs Sanitatis . . . Getruckt 
zu Strassburg bei Mathia Apiario nach 
Christi geburt M. D. XXXVI jar. {ge- 
naties Register). 

Geiler, alt. Sehr. = Die ältesten Schriften 
Geilers v. K. ... hgg. v. L. Dacheux, 
Freiburg i. B. 1882. (Darin auch die 
genaite Bibliographie der im folgenden 
hirz bezeichneten Schriften Geilers). 

Geiler Bilger = Christenlich bilgerschafft 
zum ewige vatterläd . . gepredigt durch 
. . Joh. Geiler gnät von Keiserßbergk 
(Basel 1512). 

Geiler Granatapfel = Das Buch Granat- 
apfel . . merers teyls gepredigt durch . . 
Joh. Geyler (Str. Rnobloch i 5 1 6). [Darin 
auch: Geistliche Spinnerin, von dem 
Hasen im Pfeffer, von syben Schwertern 
und scheiden]. 

Geiler Arb.hum. = Das buoch Arbore 
humana . , geprediget von . . Doctor 
Johannes Keysersperg . . des holtzmeyers 
des dotz frölich zu warten. Str. Grie- 
ninger 1520. 

Geiler BS. = Des . . doctor Keisersperg 
Alphabet in XXIII Predigen . . geordnet 
. . an einen bäum XXIII est vfzesteigen 
zu ewigem leben [Baum der Seligkeit] . . 
Str. Grieninger 15 18. 

Geiler Brö's. = Diebrösamlin doct.Keisers- 
pergs vffgelesen durch Joh. Pauli . . sagt 
von den XV Hymelschen staffeln . . von 
dem vier Leuwengeschrei. Auch von 
dem Wannenkromer . . Str. Grieninger 

1517- 
Geiler IVIC. — Wannenkromer s. Brö's. 
Geiler L. == Vier Löwengeschrei s. Brö's. 
Geiler Em. = Die Emeis. Das buch von 

der Omcissen . . Str. Grieninger 151 7. 

(Aiiszug von Stöber Zur Geschichte des 

Volksaberglaubens im Anfange des XVI. 

Jahrhunderts . . Basel 1856). 
Geiler HK. = Her der Küng ich diente 

gern . . XV predig . . Johannes Geiler 



xn 



Vorwort. 



. , neuw ausgangen . . (von J. Pauli . . 
vftgesamlet) . . Str. 151 6. 

Geiler, /. Seh. = Das irrig Schaf. Sagt 
von klcinmiitikeit vnd verzvi^eiflung. Ge- 
bredigct vndgedeütscht durch . . Johannem 
Geiler von Keiserßberg mit sampt den 
nach volgenden tractaten. (0. O. u. J. am 
Schluss : getruckt durch magistrum Ma- 
thiam Schürer). - - Stöber cit. nach 
der Arisg. Str. Grüninger 15 14. 

Geiler LK. = D. Keiserspergers Passion 
. . in Stückes weiß eins süssen Leb- 
kuchen . . tranßvertiert durch Joh. Adel- 
phum . . Str. Grüninger 15 14. 

Geiler, j iJ/. =■ An dem Ostertag hat 
doctor Keisersberg gepredigt von den 
dry Marien . . Str. Grieninger 1520. 

Geiler A^rt:rr. = doctor Keiserspergs naren- 
schiff . . (von J. Pauli) . . Str. Grieninger 
1520. 

Geiler P. — Doctor Keiserspergs Postill 
. . Strassburg, Joa. Schott 1522. 

Geiler P. S. = Dis schon buch genant 
der Seelen Paradiß . . hatt geprediget . . 
Joh. Geiler (Str. M. Schürer 15 10). 

Geiler 6". M. = Das Buch der sünden des 
munds Von . . Doctor Keisersperg . . 
Str. Grieninger 1518. 

Geiler SP. =^ Ein heilsam trostliche Predig 
Doctor Johan Geilers [Synodalpredigt]. 
durch Jacobum Wimpflingen . . trans- 
feriert . . Str. 1513. 

GoL. = Onomasticon Latin ogermanicum 
in usum scholae Argentoratensis collec- 
tum a Theophilo Golio c. praef. Joan. 
Sturmii. 1582. 

Heeger := G. Heeger, Der Dialekt der 
Südost-Pfalz. I Die Laute. Progr. des 
Gymn. zu Landau 1896. 

Herrad =: Glossae Herradinae in E. Stein- 
meyer und E. Sievers, Die althoch- 
deutschen Glossen III Bd. (Berlin 1895) 
405 ff. [Die Seitenzahl wird citiert 
nach Engelhardts Ansg. des Hortus 
deliciartim Stuttg. ti. Tüb. 1818 S. 177 
bis 200). 

Hertzog Chronicon Alsatiac, Edelsasser 
Cronick . . durch . . Bernhart Hertzog, 
Strassburg 1592, 3 Bde. 

Hess. — Idiotikon vonKurhcssen, zusammen- 
gestellt von A. F. C. Vilmar, Marburg 
und Leipzig 1868. 

HocHZ.= G'spräch s Basel Lissels un's Basel 
Bärbels über's Herr Künasts Hochzyt. 



(Strassbg. 1687) hgg. von J. Froelich, 
Les Joies du mariage, Paris 1889. 

HoRSCH Hiissje = D'r Hüssj^. Luscht- 
spiel in i Act von D. G.. Ad. Horsch. 
Strassburg 1897. 

JB. = Jahrbuch für Geschichte, Sprache 
und Litteratur Elsass- Lothringen hgg. 
von dem historisch-litterarischen Zweig- 
verein des Vogesenklubs. Jg. I — XII, 
Str. 1885 ff. 

Ingold =: Das goldne Spiel von Meister 
Ingold, hgg. V. Edward Schröder, Strass- 
burg 1882. 

Kettister GvH. r=r- Guet vun Hie, Meiselo- 
keriade vun Ch. F. Kettner (1894). 

Kettner, Mais. = D' Maiseiocker. Lust- 
spiel in drei Acten von Ch. F. Kettner. 
Strassburg 1877. 

KiRSCHL. = Flore d'AIsace et des contrdes 
limitrophes par Frdd. Kirschleger . . 
3 vol. Strassburg, Paris 1852 — 1862. 

Kloster = Das Kloster Weltlich und geist- 
lich. Von Scheible. I— X, Stuttg. 
1845 — 48. {Darin Vieles von Mnrner, 
Fisehai'-t u. a.) 

Kluge rt= Etymologisches Wörterbuch der 
deutschen Sprache von F. Kluge, 5. Aufl. 
Str. 1894. 

Kur = E Radikal-Kuur. Lustspiel in zwei 
Uffzüg, in elsässer Mundart un in Vers 
von D. H. in B. Strassburg 1886. 

Landsman Lied. = E. F. [Eugen Fallot] 
Landsman, Liäderkranz üs dr Haimät, 
Mulh. 1882. 

Lauterb. = J. Bentz, Description histo- 
rique et archdologique de Lauterbourg 
et de son territoire, Strasb. 1844. [^-^-J 

Lexer = Mittelhochdeutsches Handwörter- 
buch von M. Lexer, III, Lpz. 1872 — 78. 

L. KB. = Kochbuch . . . durch einen 
geistlichen Kuchen-Meister deß Gotts- 
hauses Lützel beschriben und practiciert. 
Mülh. bei Joh. Heinrich Meyer 1672 
(1017 Nummern, ohnePagination). \ST.^ 
vgl. auch Ch. Gerard, L'ancienne Alsace 
h table 130, 294. V/r. war B.Buchinger.] 

Lustig ■=^- A. Lustiges Sämmtliche Werke 
gesammelt und herausgegeben vom 
Comitt^ zur Errichtung eines Lustig-Denk- 
mals. Mülhauscn i. E. 1896, II. 

MA. =^ Die deutschen Mundarten. Eine 
Monatschrift {später: Vierteljahrschrift) 
für Dichtung, Forschung und Kritik, 
hgg. V. K. Frommann, Nürnberg {später 



Vorwort 



XIII 



Nördlingen) I— VI 1854— 59 ; VII Halle 
1877. 

Mangold Colm. Kom. = Colmererditschi 
Komedi vo J. Mangold, Pastetebeck . . . 
Colmar 1878. 

Martin Coli. = Les colloques frangais et 
AUemands de Daniel Martin . . . Frantzö- 
sische vnd Teutsche Gespräch D. Mar- 
tini . . . Strasb. 1642 (vielmehr 1628). 

Martin Pari. N. =^ Parlement nouveau 
ou Centurie interlineaire de deuis face- 
tieusement serieux et serieusement face- 
tieux . . New Parlement . . . par Daniel 
Martin . . . Str. 1637. 

Mat. = Matdriaux pour les Biblioth^ques 
populaires par Dollfus - Ausset , Nr. 4 
Avril 1868: Mühlhuser-Ditsch's Wörter- 
Büchle; 5, 1869: Allerlei inn Millhüser 
Ditsch. 

Meininger = Üswahl von Fäwla vom La 
Fontaine in Milhüserditsch iifgsetzt. Mit 
emAnhang's Maria vom Wi. Mülh. 1879. 

Merklen = M. Merklen, Hist. de la ville 
d'Ensisheim II, Colmar 1841. 

Merswin = Das Buch von den neun Felsen 
von dem Strassburger Bürger Rulmann 
Merswin 1352. Nach des Verfassers 
Autograph herausg. v. Carl Schmidt. 
Leipzig 1859. 

MiEG Chron. = Chronologische Auszüge 
über Mülhausen. Vom J. 1220 bis 1848. 
Mülh. 1848. 

MiEG Mü. = Der Stadt Mülhausen Ge- 
schichte bis zum J. 181 6. II, 4*^. Mülh. 
- 1816. 1817. 

Mosch. I tmd II = Wunderbarliche War- 
hafftige Gesichte Philanders von Sitte- 
wald, das ist Straffschriften Hanß Michael 
Moscheroschen von Wilstädt. Erster 
Theil. Strassburg Bey Johan - Philipp 
Mülben und Josias Stadeln (um 1640), 
Ander Theil 1650. 

Mü. BauR. -=■- Baurecht der Stadt Mül- 
hausen 1742. fol. \ST?\ 

Mü. ErbR. =-- ErbRecht der Stadt Mül- 
hausen 1742, fol. \ST\ 

Mü. FeldR. = FeldRecht der Stadt Mül- 
hausen X744. foi- \ßT\ 

Mü. GerichtsO. = Statuten und Gerichts- 
ordnung der Stadt Mülhausen, 1740, 
fol. \ST.\. 

Mündel, Volksl. -- Elsässische Volkslieder 
hgg. V. Curt Mündel Str. 1884. 

Murner Bad. =1 Ein andechtig geistliche 
Badenfart des hochgelerte Herre Thomas 



Murner . . (15 14) cit. nachdem Ab dr tick, 
Strassburg 1887. 

Murner Ltith. Narr. = Th. Murners Ge- 
dicht vom grossen Lutherischen Narren 
[1522] hgg. von Heinrich Kurz. Zürich 
1848. 

Murner Mühle = Die Mülle von Schwyn- 
delßheim vnd Gredt Müllerin Jarzeit 
(15 15) cit. nach dem Abdrtick von P. 
Albrecht, Strassb. Stud. 2, i. 

Murner Schebnz. = Der Schelmen zunfft, 
(o. O. u. J.) cit. nach dem Facsimile 
von W. Scher er, Berlin 1881. 

Murner Ul. = Dr. Thomas Murners Ulen- 
spiegel hgg. von J. M. Lappenberg. 
Lpz. 1854. 

nat. ^= Scenen aus dem Leben der Strass- 
burger Nationalgarde (183 1). 

not. 1671 = Ars Notariatus von Joh. 
Philipp Braun 1671, handschriftlich, mit 
genanem Register (im Besitz von Prof. 
Martin). 

Not. Urk. 1745 = 'Designation inhaltend 
Was S. T. Frauen Susannen Salome 
Mosederin [geb. Spielmann] . . erblich 
zugefallen" 1745. 

Oberlin =^ J. G. Scherzii Glossarium 
Germanicum n^edii aevi potissimum dia- 
lecti Suevicae ed. J. J. Oberlin II, 
Argentorati 1781, 1784. 

CELiNGER:=Underricht der Hochteutschen 
Sprach (Str.) 1574. 

Ord. = Ordonnances d'Alsace . . . avec 
des observations par M. de Boug, premier 
President du Conseil souverain d'Alsace. 
Tome I 1657 — 1725. Tome II 1626 
bis 1770. Colmar 1775. 

Pauli = Schimpf und Ernst von Johannes 
Pauli hgg. V. H. Österley, Stuttgart 1866 
{nach der i. Ausg. von 1522). 

Petri =r Der Stadt Mühlhausen Geschichten 
von Jac. Heinr. Petri, Stadtschreiber, im 
Anfang des 1 7 . Jahrhunderts geschrieben 
hgg. V. M. Graf, Mülh. 1838. [Vgl. 
aJich Jacob Henric Petri Der Stadt Mül- 
hausen Historien . . Mülh. 1896). 

Pfm. = Der Pfingstmontag , Lustspiel in 
Strassburger Mundart von J. G. D. Arnold 
[cit. nach der Ausg. Str. 1891). 

Pharm. = Journal de Pharmacie von Elsass- 
Lothringen. 17. — 19. Jahrg. Str. 1890 
bis 92. Darin: Vocabulaire alsacien- 
lorrain des expressions allemandes et 
frangaises usitdes en pharmacie, i. liste, 
Colmar: 17, 320; 2. Barr: 18, 125; 



XIV 



Vorwort. 



3. Mülhausen : 18, 186; 4. Hagenau: 
18, 187; 5. Weissenburg: 19, 23. 

Pick Buch. = 's Ys're Manns Büechel. 
Str. 1873. 

Pick 1975 = Anno 1975 ufifg'sctzt von 
Alph. Pick (Str. 1875). 

PickJ/ö. = Alph. Pick, Der Tolle Morgen. 
Lustspiel. Mit Wörterbuch und Bemer- 
kungen über den Strassburger Dialect. 
2. Atifl. Str. 1877. 

Rasser Hochz. = Comoedia Vom König 
der seinem Sohn Hochzeit machte . . 
durch Joh. Rassern (Basel 1575). 

Rathgeber = J. R. Alsaticus, Achthun- 
dert Sprichwörter und sprichwörtliche 
Redensarten aus dem Elsass. Str. 1883. 

Reiber Küch. = F. Reiber, Küchenzettel 
und Regeln eines strassburger Frauen- 
klosters des XVI. Jahrh. Str. 189 1. 

Reisseisen = Strassburger Chronik von 
1667 — 17 IG. Memorial des Ammeisters 
Franciscus Reisseisen hgg. von R. Reuss. 
Str. 1877. 

Rugraff = Im Finele sini Hochzeit. Lust- 
spiel in vier Akte un in Schlettstädter 
Mundart. Strassburg 1886. 

Scherz s. Oberlin. 

ScHK. — Elsässer Schatztcästel. Sammlung 
von Gedichten und prosaischen Auf- 
sätzen in Strassburger Mundart nebst 
einigen Versstücken in andern Idiomen 
des Elsasses. Mit einem »Schlüssele 
zuem Schatzkästel« von Ad. Stöber . . 
Strassburg . . 1877. 

ScHLETTST. Chron. = 1530 Schlettstedter 
Chronik des Schulmeisters Hieronymus 
Gebweiler hgg. von J. Geny, Schlett- 
stadt 1890. 

Schwab. = Schwäbisches Wörterbuch mit 
etymologischen und historischen An- 
merkungen von J. C. V. Schmid, Stutt- 
gart 1831. 

Schweiz. = Schweizerisches Idiotikon. 
Wörterbuch der schweizer - deutschen 
Sprache . . bearbeitet von F. Staub und 
L. Tobler, R. Schoch, A. Bachmann und 
H. Bruppacher. Frauenfeld 1881 fgg. 

Spangenbekg = Ausgewählte Schriften von 
Wolfhart Spangenberg . . Strassburg 188 7. 

Stöber Firohe = E Firobe im h Sundgauer 
Wirthshüsvon A. Stöber . . 3. Aufl. Mülh. 
1891 (mit einer Erklärung der vorzüg- 
lichsten Idiotismen). 

Stöber Fürst. = D'Gschichte vom mill- 
hüser un basler Sprichwort «d'r Fürste- 



berger vVgesse» in Rime brocht vo 
. Aug. Stöber . . ; Mülh. 1882. 
Stöber Mädcr = Die letzten Zeiten der 
ehemaligen eidgenössischen Republik 
Mülhausen. In Sprache und Sittenbil- 
dern geschildert von Adam Mäder . . . 
hg. V. Aug. Stöber, Mülhausen 1876. 
Stöber Petri = A. Stöber, Die bürger- 
lichen Aufstände in der Stadt Mülhausen 
am Ende des 16. Jahrh. Nebst Auszügen 
aus Jacob Heinrich Petris hslichen No- 
tizenbüchlein von 1593 — 1627. Mülh. 

1875. 

Stöber Sagen = Die Sagen des Elsasses 
getreu nach der Volksüberlieferung, den 
Chroniken und andern gedruckten und 
handschriftlichen Quellen, gesammelt 
von August Stöber. Neue Ausg. besorgt 
von Curt Mündel II, Str. 1892. 1896. 

Stöber Volksb. = Elsässisches Volks- 
büchlein von August Stöber. Zweite 
Auflage. Erstes Bändchen. Mülhausen 
1859. 

Stöber Daniel = Daniel oder der Strass- 
burger. Lustspiel mit Gesängen in zwei 
Aufzügen zum Teil in elsässischer Mund- 
art von Ehrenfried Stöber. Strassburg 
1887. (i. Aufl. 1823). 

Stöber, E. = E. Stöber's sämtliche Ge- 
dichte . . III, Strassburg 1835. 

Stosk. = Luschtigs üs'm Elsass. Ge- 
dichtle von G. Stoskopf. Mit 51 
Illüschtratione. Strassburg 1897. 

Str. Pol. Corr. =^ Politische Corre- 
spondenz der Stadt Strassburg im Zeit- 
alter der Reformation. I von H. Virck 
1882. II V. O. Winkelmann 1887. 

Str. Stud. ^=r- Strassburger Studien, Zeit- 
schrift für Geschichte, Sprache und 
Litteratur des Elsasses hgg. v. E. Martin 
und W. Wiegand, III, Str. 1883— 1888. 

Str. Üb. = Urkundenbuch der Stadt 
Strassburg. Str. 1879 fgg. (I — V). 

Str. Wibblc = Strossburjer Wibble (von 
Karl Bernhard) i. Bdch. Strassburg 
1856. 

Str. Woch. = Strassburger Wochenblatt 
(Affiches de Strasbourg). 

Th. Chr. = Annales oder Jahrs Ge- 
schichten der Baarfüseren ... zu Thann 
. . . durch P. F. Malachiam Tschamser, 
(1724) Colm. 1864, IL 

Ulrich = Complets Dixionnaer vom 
Strosburjer Dialect un Hochditsch . . . 
von G. Ulrich 1880 {dazu eine frühere 



Vorwort. XV 

Bearbeitung: Dixionnaehr . . . 1863; i Zwinger ;= Wahre Beschreibung und 
beide Msc. attf der Kais. Universitäts- j gründlicher Bericht Von dem Ursprung, 
und Landesbibliothek: Alsat. 981. 982). Anfang, Zustand, Anstellung und End- 



Wahl. == E VVahlgespräch zwische vier 

Bekannte 1840. 
Westerw. = Westerwäldisches Idiotikon 

. . von K. Ch. L. Schmidt, Hadamar 

und Herborn 1800. 
Wickram Roll. = Das Rollwagen büchlin 

. . durch J. Wickramen . . 1555. {cit. 

Neudruck von Ktirz hgg. Lpz. 1865.) 



Schaft der wunderbaren Retterey, bür- 
gerlichen Tumult und mächtigen Uebel- 
standt der Stadt Mülhausen im Oberen 
Elsass. Anno 1586 angefangen usw. 
beschrieben durch Davidum Zwingerum 
Dieneren der Kirchen daselbsten, in 6 
Teilen. {Msc. fol. ohne Pagination. 
im Besitz von G. Zetter). [ST.] 



Den Schluss der Artikel bilden, durch Gedankenstriche — abgetrennt, die Ver- 
weisungen auf die wissenschaftlichen Bearbeitungen des älteren Elsässischen und der 
verwandten Mundarten der Schweiz, Bayerns, Kurhessens, der Eifel u. a. Gern hätten 
wir fiir einzelne Wörter auch die poetische Litteratur der Nachbarländer angezogen, 
welche z. B. für Darmstadt (Niebergall, Dramatische Werke, Darmstadt 1894) eine 
grosse Übereinstimmung der Volksrede mit der Strassburgs beweist: doch wo wäre 
da die Grenze zu ziehn! In den von uns angeführten Wörterbüchern ist meist auch 
die Ableitung der einzelnen Wörter auseinandergesetzt worden, ohne jedoch uns zu 
eigenen Untersuchungen die Gelegenheit ganz vorweg zu nehmen. Ausführlich den 
meist offen liegenden Ursprung der deutschen Wörter zu erläutern verbot schon die 
Rücksicht auf den gestatteten Raum. Die aus fremden Sprachen entlehnten Wörter, 
wobei das Französische natürlich besonders zahlreich vertreten ist, gaben wir kurz an, 
glaubten aber nur die wirklich in den Volksgebrauch übergegangenen Lehnwörter be- 
rücksichtigen zu müssen. So hielten wir es auch mit den Entlehnungen aus dem 
Hebräischen: die auf jüdische Kreise beschränkten konnten wir um so mehr bei Seite 
lassen, als sie durch C. Th. Weiss JB. XII zusammengestellt worden sind. 

Übergangen haben wir ferner die rein hochdeutschen Ausdrücke, welche je 
länger je mehr auch in die elsässische Volksrede eindringen. 

Aus anderen Gründen mussten wir selbst einiges altüberliefertes Sprachgut aus- 
mustern. Derbe, zuweilen auch witzige Ausdrücke ftir sittlich unsaubere Dinge haben 
wir nur dann mitteilen zu müssen geglaubt, wenn sich sprachlich etwas daraus lernen 
liess. Auch so wird unsere Sammlung noch manches enthalten, was Anstoss erregen 
mag; aber diesen Bestandteil der Sprache gänzlich zu vermeiden, heisst die Volksrede 
selbst entstellen, welche natürliche Dinge unverblümt ausspricht. Es ist zudem kein 
Zufall, dass die derb volkstümliche Litteratur des 16. und 17. Jahrhunderts gerade 
im Elsass ihre Blüte erlebt hat. 

Diese Entschuldigung und Bitte um Nachsicht wird nicht die einzige sein, deren 
wir bedürfen. Wir sind uns der Unvollkommenheit unserer Leistungen wohl bewusst, 
wie denn namentlich ein gewisser Mangel an Gleichförmigkeit durch das Zusammen- 
arbeiten Mehrerer an solchen Werken fast unvermeidlich ist. Die einmal durchgeftihrte 
Verarbeitung unseres Materials wollten wir nicht länger zurückhalten. Zu Nachträgen 
wird das vom historisch-litterarischen Zweigverein des Vogesenklubs herausgegebene 
Jahrbuch den erwünschten Raum darbieten ;' die zu den ersten Lieferungen vermerkten 
können ja noch am Schlüsse unseres Werkes angefiigt werden, dem wir auch wo- 
möglich eine alphabetische Wortliste beigeben wollen. 



XVI Vorwort. 

Jetzt lag uns daran, wenigstens die Anfänge unseres Wörterbuches zu dem Feste 
darzubringen, welches die fünfundzwanzigjährige Thätigkeit der Kaiser-VVilhelms-Uni- 
versität abschlicssen soll. Von einem Lehrer und einem ehemaligen Zuhörer dieser 
Hochschule verfasst, möge es den Beweis dafür ablegen, dass die Universität auch 
diesem Teile ihrer Aufgabe sich ernstlich hingegeben hat. 

Strassburg, I. Mai 1897. 

ERNST MARTIN. HANS LIENHART. 



AEIOU. 



(Wortstämme die mit Vocal anfangen). 



A der erste Buchstabe im Alphabet. Spw. 
Wer A seit, muess aü'=^ B saje" Bf. Über 
ich bin a, der erste beim Spiel, s. an. 

A B C [ä po tst§ Hf\n. das ABC. 
Vielfach im Kinder Spruch [A pd ts(5, T 
Khäts leit cm 'Sn^, Tor 'Sn6 ket gwak, 
T Khäts leit em Trak Rchw. Du. Ndhsn. 
Str. Ingw. Botb.] Stöber Volksb.'^ Nr. 279. 
[A pe tse, T K. ket em 'Sne, Tor Hunt 
em Trak ün pist tor K. to VVätol owak Z\. 
Abzählvers: ABCD, D Katz lauft in d^r 
Schnee, Der Hund lauft no'^'^ , D Katz schreit 
mordjo! Hi. Stöber 280. In Zinsw. sagt 
ein Kind zum andern ABC, D Katz het Flö*^, 
Du hes' noch viel mc*^"" (D^r Hund het n. 
V. m. Ndrbctschd.) — Urspr. wohl eine Be- 
segnung gegen Schmerzen Schweiz, i, i. 

a |ä U.^^ Interj. der Verwunderung: so? 
[Mörn {oder mörm) khomt min Ur^kol! — 
ä! oder ä so!] sof Z. — Schweiz, i, i. 

a[ä] f. nur in Bachnamen und davon ab- 
geleiteten Ortsnamen: ['Stokä, Wolmsä Mi\ 
— tnhd. ahe = lat. aqua. Schweiz. 1,1. 

a[ä M. U.] = ab. 

a[ä ö. ; a M.^ = an. Schweiz, i, 2. 

a [ä Liebs d. bis Zinsw. ^ und aa [äa zwei- 
silbig mit absteigendem Ton Du.] i. Laut, 
mit welchem kleine Kinder das liebkosende 
Anschmiegen des Gesichtes an das Gesicht 
Anderer zu begleiten pflegen\ 2. w. Kuss 
kleiner Kinder. Gib m'r enA! mach m'r a! 
Hi. Wi'i'^t en A? 

A-bäckele dass. [Khüm, prei]^ mar on 
Apaekolo lVh.'\ — Schweiz, i, 3. 

a [ä Z.] Interj. der Freude. [Hent ket 
s Krümperosalöt heut Abend gibt es Kartoffel- 
salat. — ä! IIf.\ 

Wb. d. eis. Miiiidnrten 



Demin. agele [äkolo Horbg?\ Ausruf 
freudiger Verwunderung bei Kindern. Hut 
derfs^ mit. — Ägele! 

a ihn, s. ina. 

a [ä N/.] Interj. bei Eintritt eines un- 
erwarteten Ereignisses oder Hindernisses: 
[hälto! tö t^rf memo nei|! — ä! Hf.\ 

— Schweiz, i, 2. 

a [ä Hf^ Interj. des Verneinens bei Ant- 
worten: [es tes wör? — ä! Hf.\ s. auch 
aba und jo. 

ä [ae iS*«.] Interj. des Erstaunens: (se 
äwor seht doch! ae lyoko nur tohe Su.] 

— Schweiz, i, 3. 

ä [e Wh.] Conj. auch. 

ä [ae Hi. Str.^ ää [aeae, ««^/^aa, mit Kehl- 
kopfvers chluss dazwischen Du. Lohr] in der 
Kinder Sprache: Notdur ft\Mky^ a a! Ingersh.\ 
Da^ 's*^ ä! das ist etwas Unsaitberesl Hi. 
Vgl. bä. 

ä [ae Dü^ abschlagende Antwort der 
Kinder auf eine Bitte oder einen Befehl. 
Gi'' '^em Schwesterle aü*-'*^ e Stückle vu" 
di"*m Apfel! — ä! Nein, ich will nicht. 

ä [d Hi. Rufl\ Verneinung. — Schweiz. 

I, 3- 

ä ä [ae ae oder e h mit absteigendem Ton, 
dazwischen Kehlkopf verschluss Logelnh. Rapp. 
[/.] Verneinung. Bis' du s gsi"? — ä ä! 
Gilt für unmanierlich. 

jAu [CEy Ingenh.\ f. Aue, nur noch als 
Flurname: in der Au Ingetih., oder in zu- 
sammengesetzten Ortsnamen: Kurwau, Musau 
u., a. bei Str. 'Mer sehn die brächdi Licht 
drus uf der Kurrwau Pfm. I 4. 's Danne- 
bäumel uff der Kurwau Friedhof zu St. 
Urban K. Bernhard Schk. 74. Krutenau 

1 



als Stadtteil Str. die Krauten aw da die 
Schiffleuth wohnen la prairie aux herbes' 
Martin Pari. N. 230. 

E'' [E Sa. Dil. Str. Z. ; tM.;E Wh.'] f. 
Ehe. [En Ainaro t E f3rspra;^a Du. Su.] 
Eppes i" d E*^ bekiimme" etwas als Mit- 
gift bekommen. Der Schluss eines Kinder- 
liedchens, das beitti Schaukeln gesungen wird, 
die Frage von den Umstehenden, die Antwort 
von dem oder der Schaukelnden , lautet: 
[Was pokhüms en t E? — A Pär n^ji 
'Sya. — Was no^- tartsya? — A firöti 
Khya Balzenh.']. — Schweiz, i, 6. 

e^ [ß Z. Prinzh. ; \h M.] Adv. i . früher, 
eher. Wenn i'^r e bissei e'> wärde" komme", 
(so hättet ihr etwas bekommen) sau je" d 
Strossburjer, sprichwörtlich auf dem Land, 
aber scherzhaft zu einem unerwarteten 
Besuche , der nach der Mahlzeit ein- 
trifft. '& a's nit höchst wahrscheinlich. 
Du mues' z erst anderi Hose" ant'^uen, 
e*^ weder ''ass d" mich packe" wi'^'t 
bevor du mich bezwingen willst Prinzh. 
2. lieber: Bli" du e'^ dheim! 'Nun glaubt 
man ofiftermals viel ehe einem verlogen 
vnd ehrlosen menschen, der einem andern 
sein ehr hinderwertig abschneidt' Geiler 
Narr. 2g. s. auch eb undcnder. — Schweiz. 
I, 10. 

wanne'' [wand Str. K. Z. Obbr. Tieffenb. ; 
won6 IVh.] wann? Wanne'' kumms' zue üs 
(uns)? P'' weiss nit wanne'' Obbr. Tiejfenb. 
ßitz wanne''? bis wann? K. Uf wanne'' 
soll i'^'' s Z^morje^esse" rüste"? Ingenh. 
'wane, wanemügen wir von hinnen komen?' 
Alts wert 18, 13. 

e [e Wh^ verstärkendes Anhängsel 
mancher Adverbien: \\kr\plang, iki^^xQ schnell, 
päle bald, file viel, wite weit: s es wite 
füart ksprün^; 6 hat stets den Wortton']. 

e [^ Du. M.] Tnter j. des Erstaunens: 
eil bes. verdoppelt: [E, lya tu, was es tan 
täs? E e, hes tu khert? Du.] Zur Ein- 
leitung einer Antwort: Was soll i='' mache"? 

— E, mach was de wi"n! Soll i<='' das 
Dingkaüfe"?— Ejo,kaüfs! Dil. JB. V 129. 

— Schweiz, i , 11. 

e na[dnä, onä Du. mit leichtem h wie 
in franz. hein; h na M^ Ausruf der Unge- 
duld, der Verwunderung: nun, na! wohlanl 
[Wet net met? — Nai, i k6 net met. — Ena, 
sa kdw i alai. Ena, was e§ j^ts? I hä fil 
Nüso ün Epfol pikhumo, lya na Mül! — 
Ena! Du.] — mhd. inä, bei dem sog. Sei- 
fried Helbling i, 464 ein Kennzeichen der 



Schwaben, die mit den Habsburgern nach 
Oesterreich geko7nmen waren. 

e, en [e M.; vor Vocal: aenj Cönj. i'. eb. 

e [o Str. Hf] Vorschlagssilbe in eleider, 
erecht; verkürzt aus al in eso, elein, s. d. 

— Schweiz, i, 12. 

e [a] aus dem unbestimmten Artikel ein, 
s. d. 

e [9] aus der abgeschwächten Präp. in, 
mhd. en-: eweg weg, e Gots Namme" in 
Gottes Nameti (Stossseufzer) U. , [o Kots 
li^wo Nämo! Hf:]. 

e [9] aus der abgesch7v ächten Copulativ- 
paräkel und in gewissen formelhaften Ver- 
bindungen, s. und. 

Ei \ßS. fast allg.; Pl.-'^x] n. i. Ei. Eps 
vu" Eier" Eierspeise Dil. Eier im Anke" 
leckere Speise Hi. ; 'frixa ova Dasyp. Herte 
Eier, linge (weiche) Eier Hi. Rda. Si^ sin" 
Eier un*^^ Schmalz engbefreundet Ingw. Uf 
(wie ut) Eier" ge'^n, Eier tripple" behut- 
sam, geziert gehn Ruf. Bisch. Barr Str. 
S is' notwendig, °ass me'' d Eier wendt 
ironisch für etwas Unnötiges Su. Do will 
s Ei g'scheiter sin a's d Henn von vorlauter 
Jugend. E Teil Lüt meine", i''ri Eier hä" 
zwei Dutter von eingebildeten Menschen. 
'Dine un mine Eyer henn nur ei Dutter 
Mil. Mat. 44. Sich um ungeleiti Eier be- 
kümmere" nach Dingen fragen, die einen 
nichts angehn. 'Menge gescheite Huhn legt 
d' Eyer näwe 's Nest' Alter schützt vor 
Thor heil nicht Mtt. Mat. 58. Eier picke" 
das gegen Ostern stattfindende Spiel der 
Kinder, gefärbte Eier auf einander zu 
stossen, wobei der Besitzer des ganz bleibenden 
das zerbrechende gewinnt Str. Als. 1851, 
136 ff. 'zwei wolten mit eiern klucken' 
Alts wert 90, 20. Wird einmal ein Marder 
gefangen, so tragen ihn die Kinder im Dorfe 
umher und sammeln Eier, indem sie singen : 
Eier ''erus oder m'r schicke" (len lassen) 
d'r Marder in s Hus Du. Sitte des Eier- 
springens am Ostermontag von den militär- 
pflichtigen jungen Leuten geübt S. JB. II 191. 
Ein Springer hat zerstreut gelegte Eier zu 
sammeln, bevor der andere nach einem Ziele 
und zurück gelaufen ist. Vgl. das Eier- 
lauf e?t am Pfingstmontag Als. 1852, 138/". 
Volksrätsel für das Ei: me" wirft s wiss 
uf s Dach, s kunt gel*^ abe Hi. Frage an 
ein Kind: Wo"ts' liewer breit gschlagene" 
Waie" (Kuchen) oder hoch gepoppclte Eier? 

— Antwort: Keins von beiden! das eine ist 
Kuh-.^ das andere Pferdemist Olli. Krummi 



ei 



m 



Eier Kot des Hahns Obhergh. 2. Hode des 
Menschen Dil. — Schweiz, i, 13. 

Ameiseneier n. PL Atneisenlarven 
Su. — Schweiz, i, 15. 

Nest ei n. das Ei, das der Henne 
im Nest belassen wird, damit sie ihre Eier 
nicht an einen andern Platz legt. Rda. 0''ne 
N. legt nit bal'^ e Huen wo nichts ist, 
kojnmt nichts hin O. — Schweiz, i, 17. 

Osterei n. Osterei, meist gefärbt. Ucber 
das Farben, Aufsuchen u. s. w. der Oster- 
eier und andere Ostergebräuche s. JB. II 
184; III 125 f; IV 114; V 153; VI 166; 
VIII 163. Verschen auf O. in althanau- 
ischen Dorfschaften stehen verzeichnet ERW. 
1839,224.0. werden w//Ostermaic" {s. d.) ge- 
färbt Obbruck. Am Oster sam^tag gehn die 
Kinder von Haus zu Haus und betteln : Gi*^ 
m'r o"'^*' en Ei oder zwei oder e Su oder 
e Grosche" Witienh. Am Ostersonntag holt 
man sich das Osterei beim Paten U. Osterei : 
Ostergeschenk Rapp. — Schweiz, i, 15. 

Pfingsteier am Pfingstmontag gesammelt 
Ndrmagst. 

Speckeier Speck und Eier zusammen- 
gebacken Obsteinbr. 

Ei Name des Buchstaben y M. 

ei Ausruf der Verwunderung, der Ent- 
rüstung: [Aiai! oder Aiaiai! was häs tan 
kmä;/t?] w rd etwa ein Kind gefragt, weuhes 
leicht verwundet nach Hause kommt Dil. 
yEi ze bais, ei ze schlaa ei so schlag {der 
Donner hinein) l Str. 'Ey se schlaa' Pfm. 
II I. 'Ei Hern, Interiectio corripientis' 
Dasyp. — - Schweiz, i, 19. lieber ei ja 
wo*^], s. wo*"]. 

eie bubaie [aia püpaia Rotb. Oermi.^ 
Lalhüörter in Wiegenliedern, s. Stöber 
Volksb. Nr. 8. 11. 12. Kinder Spruch: eie 
bubaie, s Bibbel hat e Gaggel geleit, der 
{das Kind wird beim Namen genannt) is' 
fro'' Oermi. JB. V 140. — Schweiz, i, 19. 

euer [aejar Su.-, eior Du. Str. Wörth 
Ndrbetschd.; üiar M.; ©yjar Geisp.; ©yjar K. 
Z.] Pron. poss. der 2. PL euer. Eüri die 
Eitrigen, eure Angehörigen: sin"^ Eüri schu" 
dheim? Unsri sin'^ no^'* nit do Dil. — 
Schweiz, i, 618. 

i [i] der Buchstabe I. s Tüpfele uf 
''cm i derf nit te'Oe" die Arbeit muss voll- 
ständig, genau gemacht sein Str. K Z. 

i [i 0.\ abgekürzt aus dem Adv. in, s. d. 

i [i] abgeschwächt aus ich, üch, s. d. — 
i [i bes. (9.] in Ableitungen: i. Deminutiv- 
formen in der Kinder spräche: Näsi, Betti; 



Nüni Schläfchen; 2. Tiernamen: Biesi Kätz- 
chen, Schnaüzi Hund, Munni Stier, Schäki 
geflecktes Rind, Rolli Kater; 3. Personen- 
namen mit derbem Beigeschmack: Alberti, 
Berti, Alberi, Beri, Luisi, Lüwisi, Wisi; 
4. Gattungsnamen aus ursprünglichen Vor- 
namen: Nazi einfältige Mannsperson, Dreck- 
bawi unsaubere Weibsperson; 5. oft Ab- 
leitungen von Ztw.^ die eine lächerliche, ver- 
ächtliche Thätigheit ausdrücken: Schlappi 
träger Mensch, Gluri der schielt, Zitteri, 
Nätschi dummer Schwätzer, Polteri unbe- 
holfener Mensch; 6. absolut stehende Grund- 
zahlen: s is' e Viert 1 ab fimfi. Mir sin'' 
unseri fu^fzehni Co. s. Menges JB. XI bis 
XIII. 

O [ö Su. Str. K.; 6 Z.] Ausruf des 
Bedatierns: \ o krewe! {frz. creve), o ja 
Gott! o Jere, o Jerum! Str. O liäwer 
gestert, wärs' hette {heute) kumme" Stoss- 
seufzer ohne Sinn; o Elend! Su. 

oha [öha Hi. Su. M. Da.; ö^a Dü7\ 
bedauernd zu einem Kinde: Zeig m'r s VViwi 
{den Ort, wo es weh hat); oha, s heilt 
wider Dil. 2. Fuhrmannsruf zum Anhalten 
der Zugtiere: halt! Ebenso ola, öha, öla! 
Der Halteruf o la ba [frz. oh lä-bas) 
wird f?teist zu Kindern gebraucht, die in 
einem Wägelchen sitzen Geud. 3. Interj. des 
Widerspruchs: oha, do we'^^" m'r luege" 
einschreiten Su. Bei Tische zu dem, welcher 
eingiesst oder die Speise reicht: öha, gnunk! 
Ndrbetschd.;ohc\ulinks! Tiefenb.— Schweiz. 
I, 22. 

ö [e Banzenh. Molsh. K Z. Wörth 
Ndrbetschd. Wh^ Zuruf an Zugtiere: halt! 
jüstrum ö! linksu?n {und halt)! hott num ö! 
rechtsum {und halt)! öha, öla! haltet ein! 
öla, so könne" m'r nit witers"^ mache" Lobs. 

oi [öi] Interj. des Schmerzes [Oi, täs 
het mi äpar kstö^o in tar Sita Liebsd.^ 

— Schweiz, i, 23. 
o, oi, s. au'^*'. 

oi für au in der Gegend von Colmar; 
Spottphrase: [Ts Khölmar en tar Krytanöi 
es a Fröi, het ploji Oija Augen Dü.'\ Die 
Mundart spricht eigentl. Öika aus. 

u [ü Sil. Z.] Interj. der Freude , der 
Verwunderung', in tieferem Ton [ü M^ 
Interj. des Schmerzes: [ü H^raJdsas! Z.]. 

— Schweiz, i, 24. 

ua [üä Hf7\ Interj. des Schmerzes, auch 
uawele [üäwala, tes tyat äwar we!]. 

ui [üi Su^ Interj. der Freude und der 
Angst. 



aB 



4 — 



aB 



ü [y Z.J Ausruf der Verwunderung: 
[y, ly^ tö! Ingenh.~\. 

ab [äp] Präp. nur O., doch auch Bf. 
von, von — zf/<?^, von — herab. Gang ab 
dem Wage" geh von diesem Wagen herunter ! 
N/kr.; [Ar is wea äp tr Khet mutwillig 
Türkh., vgl. ar mä^t wia äp Steinbr. Ar 
is äp ix 'K.rknii'dl'd er wohnt auf dem Gehöfte 
Kranzele; ar is äp tr Hart er wohnt auf 
der Hardt Liebsd.~\ Der Wind het d^r Schnee 
alle" ab d^r Stross era*^ gwäjt Du. Ge^ ab 
?>itgeh bei Seite! Ich kumm ab d^r Mü'^l, ab 
der Fabrik Bf. Gang m'r ab d*=r Hut! Ruf. 
V^ komm ab d'^r Post, ab "^^m Jo^rmärk' 
Bf. E Ziegel is' ab ''^m Dach gfalle". 
E Viertel ab {nach) de" viere" Mü. Ruf. 
\JL€ mar äp to Repa lass mich in Ruh! 
Äp am Poim orä Dil. ; äp to Wülplyama 
trei|^ka Wollblumenthee trinken. Dü.^ 'ab uns 
lache' über — LusTiG I 58. 'vnd grausst ym 
ab ym' Gart d. G. II"^. 'Nausea das eckel 
ab der speiss' Gol. 272, 'Augur ein war- 
sager ab der vögel gesang fliegen oder essen' 
Gol. 1 2 ; jenem Philosopho, der sich ab 
eins Affen Bossen gesund lacht' Fisch. 
Garg. 12. . Dies u. a. Bsp. DWB. i, 7. 
— Schweiz, i, 25. 

ab \^^ Bitschw. Su. Dil. Mutzig; ä Hlkr. 
M. Brum. ; 6 iT. Z.] Adv. ab, hinab, herunter. 
Duge'^s^a^ du machst einen Umweg Siöbek. 
Ein vom Mähen Heitnkehr ender wird gefragt: 
Scho" ab? Antw. Ja, uf '^'"ereSite" {die Halme 
sind ja oben nicht angewachsen^ Kembs. Ab 
jja,beii fertig sein {mit dem Pflügen eines 
Ackers) Du. [I hä s äp] sagt der Weber, der 
ein Stück Tuch fertig hat Bitschw. 'Es wischt 
sich wayer d' Aue-n-aa' Pfm. I i. 'basche 
Si als aa!' ebd. II 3. 'aa gschitt' ab ge- 
schüttet II \. 'aa schinde' abschinden I 5. De" 
Huet ab! Bf. [Tsi;^ ta Hyat 6 nimm den 
Hut ab! Tsi;j amül 6 was i sülti pen! Se 
t6ka s 'Tbix ö sie decken das Dach ab Geud.^. 
Ab si" {von der Kette) los sein, toben Gebw. 
'Er isch ganz ab d. h. vom Verstand, im 
Rausch oder Irrsinn , auch vor Freude 
Stöber Mäder 63. Ab rede" irre reden, 'die 
Metz wer sein gern ab gewesen' ihn los 
geworden Pauli 333; 'er isch ab' (g^'dankt) 
hat im Meckerlespiel verspielt Lustig I 2 3 2 ; 
'dernawe g'schla isch ab' 2^^', 'Wenn ich 
doch nur die Gast ab hätt' los wäre 128, — 
Schweiz, i, 29. 

drab [träp Geberschw.~\ herunter, weg', 
darüber, deswegen Stöber. 'De Mägd 



hüse drin ass es eim grüst drab' Lustig 

I 439- 

obe" drab [owa träp SuP^ oben hin- 
weg. Nimm owe" drab. 

•^ e r a b [arä Hlkr. Co. Brum. Lohr 
Tieffenb. ; aräp Mutzig', ro K. Ingenh.'\ 
herab, herunter. Kumm vo" d^r Bü^n era''! 
Komm vom Heuboden herab Co. Kumm 
e Mol e bissei era^ in de" Hoft! Komm 
einmal ein wenig auf den Hof herunter 
Brum. Do cra*^ (ra*^) da, hier herab Du. 
'I blumbs vom Himmel 'raa' Pfm. II 2. 

oben ^era*' von oben h^rab, auf den 
Kopf, z. B. schlagen, Rapp. 

''in ab [na, anä Hlkr. Du. Hf. Lahr', 
no K. Ingenh.\ hinab, hinunter. Ge*" na'' 
in de" Keller un'' hol Win eruf! Brutn. 
[I kh^i s füm Wäja nä] ich werfe es vom 
Wagen hinab. Na'' kumme" herunter kom- 
men in der Schule'.^ [s ket tr Parik nä met 
am] es geht mit ihm bergab, er geht zu 
Grunde Du. Bis dort ane lauft vil Wasser 
de" R''i" na'' Bf. 

mir ab [nier äp Su7\ meinetwegen, etwa. 
We"" du, mir ab, e" mim Platz gsi" wärs' 
wärest du etwa, zum Beispiel, an meiner 
Stelle gewesen; — falsch gedeutetes mir a", 
s. u. mir an. 

neben ab [napan äp Pfetterhsn.^ in der 
Rda. n. a. ku™™^" zu kurz kommen, ein 
Ziel verfehlen. — Schweiz, i, 32. 

oben ab [owan äp Su.', owan k Hlkr.\ 
von oben herab, oben hinweg. Nimm s owen 
ab ! z. B. Holz, Futter : nimm es, ohne lange 
zu wählen. — Schweiz, i, 31. 

über ab [ewar ä M^ über etwas herab: 
der Bue'' is' vom Kirsebaüm üwer a'' gheit 
M. 'und feist alsbald über ab (vom Pferd) 
in den Kot' Geiler Bilg. 43''. 

von a'': [sa haeta te;^ kaer fön ä] sie 
wären dich gern los Wh. 

{-vor ab, fra'' [föräp iV^/r/^^/^^>^^/. ; fräp 
Ruf.; frä Hlkr. Du. Rapp. Str. ; frü Geud. ; 
fro Dunzenh. Ingenh^ unverstanden und ver- 
altend. Adv. besonders, zumal, um so mehr, 
geschweige: s Geld is' bi uns gor ori« ror, 
fru dato ganz besonders jetzt Geud. Fra seile' 
geschweige denn dieser Logelnh. [tes es jets 
a Hetz Hitze kawän, frü ünikest zumal vor- 
gestern Geud.~\ Do t'^uet m^r no'^'' fra in s 
Gereds kumme" da kommt tnan gar tioch 
in's Gerede Str. 'der Abrelle ist vorabe des 
loubes geselle' Dancr. 118. 'Vorabe sol nie- 
mens barfuss gon' 227. 292, zgl. 331. 356 



aB 



5 



aB 



Sust sint hie der chnr vnnd fiirsten rät von 
Saxcn Pfaltz Trier vnnd Coln vorab {ins- 
besondere, namentlich), auch andere mer 
Boner Brief 1541. 'Gott verleihe E. VVyss- 
heit vorab vnnd allen Inwonern der statt 
Colmar sin gnad vnnd schirm' ebd. "Vorab 
wann das Ampt wurd vollbracht' Fisch. 
Flöhh: 262. 'Wenn fra noch d' gscheide 
Lyt kurrios wie Rinder sin' Pfm. I 4. 
'Jez versteh i 's guet, fra wyl Si gscheidi 
Sache hen gsait* ebd. 'Do stehn schun vier 
(Buewe), der kleinst no fra, 's isch nix von 
Marzepan* E. Stöber Schk. 2 1 . 'Mich 
wunderte aber dass er nichts von den 
Weibern gesagt hatte, bevor ab weil sie 
rechte dieb (seind)' Mosch. I 36. Oft 
vor wil oder wenn: P*' ka"" nit mit ge*^", fra 
wil s noch Te]^"t Du. Fra wenn noch 
dis t^ät arriwiere" namentlich wenn auch dies 
geschehen würde Bghz. — Schweiz, i, 31. 

vornena'' [förnanä Rapp.~\ nach vorn 
hinunter. 

abe, s. (ab)hin. 

aba, amba, mba [ä pa Hi. Bf. Str. ; 
apä K. Z. ; ämpä, ampä, mpä Hf?^ ab- 
weisende Interj. nein, ach was! P'^mein, 
s gi'^t Reje". — Aba ! Bf. Ausruf des 
Erstaunens: Aba, is' s möjli'^^? Ar.' Abba! 
diss isch doch gspässi' Pfm. I 6. Appa, 
isch 's wohr!' Hirtz Ged. 169. — frz. 
ah bah! Der weiche Anlaut des 2. Be- 
standteils wird durch den nasalen Vorschlag 
in amba bewiesen. Die 2. Silbe ist betont M. 
Wh. Bas, äppä {kopfschüttelnd) so auch 
Hi. Verstärkt: 

Aberlaba! Interj. Nein, ich will nicht Str. 

Abaschur [Apasür Hi. bis Rapp. ; Apa- 
öyr Ensish. bis Str.^^ m. Lampenschirm, 
Milchglas. — frz. abat-jour. 

Abatasch [Apatäs Co. Ingersh.] n. Ball- 
spiel in zwei Parteien, auch 'Ball auf detn 
StricK genaiint. — frz. abattage. 

abä, ebä, awä, abeng, abing, awing 
[äpd, äw6 ; äpei|, apir|^ Dehli. ; awir^ Rauw. ; 
epae Brutn. Str.^ Interj. also, nun denn, 
nun erst. Abing, ich sin s sefride" Dehli. 
— frz. eh bien! Doch spielt auch enfin 
hinein {s. afäng) und Anlehnung an ab 
Eng = Ende. — Schweiz, i, 46. 

Abbe , Labbe [Äpe Isenh. Logelnh. ; 
Läpe U^ m. kath. Vicar; auch Herrabbe : Bi 
weF^em Herrabbe ge'^st in d Christe"le^r? 
Unser Labbe. Ndhsn. Detnin. Rabbe- 
ncle [Räpenalo] n. der kleine Herr Vicar. 
Obhergh. 



Abe"d [Öw9t Mütt. Str. Hf Rauw.', 
Owat Lohr, Ndrröd. Wh. \ Opa Roppenztu- 
Liebsd. Hi. ; Owo Lutterb. Su. Ruf. Geisp. ; 
0w3 Co. Lobs. ; Uw9 Hlkr. Logelnh. K. Z. 
Bühl Zinsw. NöwQ Breit enb. Nyowa Miihlb. 
Abend. Gruss: Guete-n-Owe! Antw.: Dank 
ü^^'Gott! Moosch, Hältst. Hlkr. Lobs. Bhüet 
n"^ Gott! Wittetih. Goten-Owe! Sej"« ü=^^ 
Gott ! Ndhsn. Saarunion. Guete"-zOwe ! 
{scher zh^ Ruf. Dene" Owe, am Nowe heute 
Abend UrbisHf. [heta-n-Öwa Su?\ Allen Owe 
Su. z Owe, z Owes, z Owe^% Prinzh. Gestert 
z Obe Heidw., morn z Owe oder morn zen 
Owe Hf. z Owe esse" Suinbr. Wörth, 
Weissenb. z Owen e. Su. Bf. Brutn. 
Sauermilch vnd Bratwurst mit dem Apollo 
zobezehren' Mosch. II 25. 'ame Z'owen 
Esse' Lustig I 104. z Owet e. Vesper brod 
um 4 Uhr: Wein, Brot, Käse, Obst; ver- 
schieden vom zNachtesse" AEckend. Als ein 
Wort gefasst, daher eps zuem zOwetesse" 
ha^'^n. 'Gerüescht isch euer Zowe' Hirtz 
Ged. 172. Bauernregel: am Palmenowe 
esst me" s erste Mol z Owe vom Palm- 
sonntag bis St. Gallus, am 16. Oct. Su. 
Wetterregel: Was der Sunntig t"r Wetter 
wil ha*'^", zeigt er am Fritig z Uwe schu" 
a" Dil. Owe rot, morje guete'' Ta^ ge- 
rot Molsh. "Vom oben sytzens an den mor- 
gen' Murner Mühle 1135. — Schweiz. 

I, 34- 

Brendewitenabe"'* [Prdntawitanuwo 
M.\ m. Christnacht, eig. Abend des brennen- 
den Baumes. 

Firabe"^ [Firöwa Ensish. Su. Logelnh. 
Rapp. Mutzig K.Z. ; Firyowa M.Danebenauch 
Firöfa Geisp. K. Z.; Fir6w9t Ofibr.] m. Feier- 
abend, Ruhe. F. mache" die Arbeit einstellen. 
Grussam Abend: Han i''r F.? (F. gemacht?) 
Zuruf an spät Arbeitende: Alle, mache' F.! 
Geiswasser Lobs. De" F. bekumme" vom 
Meister entlassen werden Obbr. Firowe"*^- 
büschele das letzte, meist etwas kleinere 
Büschel Du. Rda. Wenn dc"^ Kopf eweg 
is', het s Füdle (s Loch Z.) Firowe"^ 
Geberschw. Der spot F. die Krätze. 
Scherzhaft: Firowe un'^ Rauch unde" Du. 
Spw. Am Morje" muess m'^r de" F. sueche" 
wer früh anfängt, kann auch früh auf- 
hören Hf., ähnl. A/l JB II 167. Feierabend 
im Wirtshaus: d Schandarme" ha***!! F. 
gebotte" U. M^r han nur noch e halb 
Ämele {Ohm) Wi", derno'^'^ is' F. dann hat 
das Trinken ein Ende O. — Schweiz. 
I, 36. 



aB — eB 



- 6 



eB 



äbele" [6wl9 S^M.] tmpers. allmäh- 
lich Abend werden: s het grad gäwelt, 
wo-n-i zue-n-i'^m kumme" bi". — Schweiz. 
I, 34 äbelen; äbelen Appenzell. 

aber [äwar Ndrbetschd.^ Präp. herab von: 
Mach di"^ Deck a. "^em Bq\X nimm die Bett- 
decke weg! D Blätter falle" a. de" Bä"m. 
Er schämt sich a." eim er schämt sich mit 
einem zu gehn. - aus ab her. 

aber [äpar Olli.; äwar, äwar Su. Hlkr. 
Dd. U. W.\ Conj. aber. Gegensatz: s gc^'t a. 
nit grad w'e me" meint Hlkr. A. au'^*' 
nit! doch nicht Str. Aber o"'^'^! Interj. des 
Bedauerns Hi. Gel' a.? nicht wahr., doch 
Hlkr. U. G. a., was dis e schöns Kind 
is'! Str. Hf. Spw. S is' allewil e Awer 
d^rbi Bf. Jo a. ! ja gewiss. Ausruf der 
Entrüstung: E a. ! Hi. Co. A. mei"! Olli. 
Gest haw i'^^ mine" Hund tot gschosse". 
— Awer! Hf. A. der is' voll! der ist 
einmal betrunken\ Z. — Schweiz, i, 40. 

f Abiwest [Äpiw^stZ^.]/r0. habit-veste, 
eine Art Frack mit Stehkragen, zwei Reihen 
Knöpfen und kurzem Unterteil mit zwei 
äusseren Seitentaschen \ wurde vor jo, 40 
Jahren von Herre"bure" getragen und wird 
noch vereinzelt angetroffen. Der Stoff ist 
Bumesin, s. d. 

Abuschur [Apüsyr Mutzig\ f. Mund- 
stück eines Blasinstriiments. — frz. em- 
bouchure. 

Äbizel, Äheksel, s. Egedechse. 

eb Sjillg.; <§w vor Vocal Hf.., ew Wh\ 
Conj. eher, bevor. [Ew \)^ s kowest häp 
ehe ich es wusste Hj. \y pi t^rt ^p ty ich 
bin vor dir dort Liebsd. To pats {betest) 
^p to en s P6t kds Ruf. !£w ar Hö;^tsit 
khät hat lVh.'\ 'Kinder werde Litt ebb me 
si's versieht' Stöber Mäder j^4. Neben- 
sätze werden dahinter auch durch dass oder 
weder dass eingeführt: fEp täs ar khomon 
ei ehe er kam Hf.., ^p äs to haim ktfs, 
trerj^ks nö;^ o Litar met mor Coi\ 'ebbe 
[ehe) got einnen menschen liese virlorn 
werden' Merswin 5, 8. 10 ; 'ebbe er sich 
ie wollte drin gegeben' g, 17. u. 0. 'ebb 
ihr weiters gehn' Lustig I 50. "Vor ebb 
Bescheide thicn vonander' Lustig I 37 5. — 
Schweiz, i, 53. Schwab, i, 163. Aus 
e ob, was in einem Lied von 1443 bei 
LiLiENCRON sich findet: Schweiz, i, ig. 
'Item es söllcnt alle die salmen oder lehsse 
snyden wellent, vor und ce ob sie snydent 
. . sweren . .* (1469) Brucker 221. 



eb [^p Ltebsd. Hi. Su. Ruf. Du. Brum. 
Z. Hf. wo auch hw oder öw vor Vokal, 
^^NWh. ; e, acn M. Conjunktion der abhängigen 
Frage: ob. Lueg eb si kumme" Su. 
Lützelstn. [E;^ waeis net ew i ken sei etor 
nit Hf. Ep to wet ätor net ob du willst 
oder nicht Du. I w^is net sen or (e so) s 
komä;x't het i^.] Eindringlich auffordernd 
ohne das regierende Verbum: [6p to kWy 
häro kdä komm sogleich her! Hf.] 'Ich 
weiss nit eb mi Geld wird länge' Lustig 
I 216. 'Luoge umbe dich ebbe die beb- 
beste . . ut me sorge hant gehebet* 
Merswin 20. — Schweiz, i, 53. Lexer 
2, 127. 3, 333. DWB. 7, 1050. Schwab. 
163. Alis ahd. ibu, vgl. engl. if. 

ebeländ [ewalant Barr^^ voll bis ziwi 
Rand: Gläser u. ä. 

ebeländ ig [ewolantik Dü^ Adv. e 
voll bis Zimt Rand gefüllt. — aus eben- 
lendig ''gleich dem Lande nach dem Bilde 
eines angeschwollenen Flusses? 

ebe" [t3pa Hi. ; ewa Banzenh. Su. Du. 
Str. Hf. Han. ewa Ndrbetschd. ; ewa Hlkr. 
Logelnh. Rapp. K. Lngenh.'\ Adj. i. eben. 
Der Tisch is' ewe" Logelnh., ste^t nit 
ewe" wagerecht Rapp. E eweni Stross. 
[Üf om ewana Pöta Hf.~\. Mit ebene" 
Füess mit gleichen Füssen Hi Spw. M r 
kann nit alli Beri« {Berge) ewe" mache" 
Avolsh. 2. untadelig: [ar wel to;^ älfüet so 
ewa sen (ken), ün jetsat mbyX, ar tes! Wh^ 

— Schweiz, i, 43. 

unebe" [ünewaÄ/. Du.; ür|^ewaM] Adj. 
nicht glatt, rauh: [a ünewanar Wäi Weg Z>//.] 
Im Spiel sind die Teilnehmer ewe", wemi 
sie gleich viel zu bezahlen haben, sonst unewe". 
Volksscherz: D'^r Evvc" un*^ d^r Unewe" han 
e Laib Brot mit enander gesse" verschiedene 
Atiforderungen lassen zuletzt nichts übrig Du. 

— Schweiz, i, 45. 

ebe" [epa Roppenzw.:, ewa Banzenh. Su. 
Ingersh. K.; dwa Du. Rapp. Str. Tieffenb.'\ 
Adv. I. eben, genau, gerade., soeben. Ewe" 
du bis' s gsi" Logelnh. Do is' ewe" der 
Hokc"! Bf. Zeitlich: Ewen is' er bi-n- 
ü"s gsi"; verstärkt ewen un"^ ewe" grade 
in, vor diesem Augenblick Hf. Grad ewe" 
haw i'='' s erfa'^re" Barr. 'Do kummt der 
Pfarrer ewwe , un dene müesse mer ryn- 
lokke-n-un glych hewwe' Pfm. V 8. Vor 
Adj. und vor andern Adv. : Ewe" voll voll 
bis zum Rand Du. S is' ewe" guet gange" 
über Erwarten gut Obhcrgh. Das Kleidle is' 
i^'m ewe" recht passt ihm ganz genau Su. 



eB — oB 



— 7 



oB 



Du komms' m'r ewe" recht ironisch: Ab- 
weisung und Drohung. Ewe" so Banzenh.; 
ewe" ze mär j-. unter Mär. Erklärend: 
Du wurs' ewe" nit gfolgt ha" Bmizenh. S 
is' ewe" nim {nicht tnehr) änderst z mache" ! 
Bf. V"^ ka"" s ewe" no<='' nit glaüwe", 
awer s soll wo^r si" Ingersh. Zustimmung: 
Wenn er dis nit get^'on hätt! . . Ewe", 
ewe"! Hf. Drum ewe"! Z. 2. etwa^ 

vielleicht: Hes' s i'^m ewe" nit gseit? Rapp. 
{hier aus eppe verdreht, s. d.) — Schweiz. 
I, 44. 

Ebene, Ebeni, Ebenung [Ewana «5*2^. 
Rapp.; Ewani Ensish.; Ewanii]^ Lützelstn. 
IVh.] f. Ebene, weite Fläche. Du bis' c 
Kerl uf d^r E. ein Prahler, der im Gebirg, 
d. h. vor Schwierigkeiten, zurückschreckt. 
E Teufel uf d^r E. imitwillig Ruf. — 
Schweiz, i, 46 Ebni. 

Ebe"hcit [Ewahaet Wh^f. scheinhart 
Tadellosigkeit., Rechtschaffenheit. [Taem haet 
c/ tes net tsükatrewt met siner E.] 

Eber [Ä par Ffetterhsn. Niffcr; ^wcr Str. ; 
k^'^x Ingersh, Barr, Hf.Rotb. Aschb.k'firM.] 
m. männliclies Schwein. Schimpfwort für 
einen Unreinlichen, so auch Söuewer, Wil"^- 
söuewer Z. — Schweiz, i, 46. 

Ki beber [Xipäpar Fisl.\ m. Scheltwort 
für einen zornigen, zanksüchtigen Menschen. 
— Schweiz, i, 46. 

Ebert [Awart Ndrbetschd.'] m. Wild- 
schweineber. 

eberi« [äwari K. Z.] brünstig {vojn 
weibl. Schwein) . 

Ibisch [iwis Mütt. Bf. Z. Ndrbetschd.'] 
m. Eibisch, Althaea officinalis Pharm. 2. 
Die Ibischwurzle, aus denen ein Sy?-up ge- 
kocht wird, wie aus den Blüten der Ibisch- 
thee, wendet die Volksmedicin gegen Hais- 
und Brustschmerzen an, so auch die I bisch- 
salb gegen Geschwüre. 

ob [öp Olti. Gebiv^ Präp. nur noch 
in under ob si'^'^ verkehrt, auf den Kopf 
gestellt. [Ta heps s jo ür[^aröpsa du hältst 
es Ja verkehrt Olti.] Do is' alles zu. o. s. 
in Unordnung Gebw. 'ob sich sursum'DASYP. 
Stöber Mäder 104. — Schweiz, i, 50. 

obe" [öpa Hi.; öwa Steinb. Hl kr.; 
owa Su. Du.; öwa Str. K. Z. Han. 
Ndrbetschd. Lohr'\ Adv. oben: s Brot leit 
Owen im Korb Du. Owen am Wald ober- 
halb des Waldes, am Wald owe" am Wald 
dort oben Steinb. [Tö es Plaesir öwa da 
ist grosse Freude Lohr.~\ Er is' owe bi-n- 
i'^m gilt viel bei ihm Du. [Sr setst owa 



an am sitzt über ihm in der Schule Dü.'\ 
Unden owe das Untere obenhin, durch- 
einander: [Mä;^ mar nit älas iij^anowa Rauw.\ 
'Got . . leit mit uns recht unden oben' 
legt sich zu uns Gefallenen Murner Bad. 
6, 52. Zöwerst owe ganz oben Hlkr. Er 
wo^^nt Owen uf im oberen Stock Dil. K. Z. 
Owen hera'' ! sagt der Kartenspieler, wenn er 
nichtabhebenlassenwill Hf. S macht alls owen 
era'' es regnet immer zu Du. Owen eweg 
mit folgender Negation: durchaus. [Tes es 
öwan awak net wör; ty törfs tes Ma;itan 
öwan awak net hiröta Hf] Wer owe nus 
{mehr, höher als er kann) will, fallt unde" 
dure Bf. Owe" dusse" ausser sich: [3r es 
kli^- öwa tysa gleich aufgebracht Hf.^ Owen 
^erum in, an der oberen Hälfte des Körpers: 
s fe*^lt m'r o. ^erum ich bin brustkrank. 
Sich o. erum us t^uen die Kleider bis zur 
Hüfte ablegen Hf. O. rum auf den Bergen 
M. Obe use un'* niene" a" sollen die Hexen 
sagen, wenn sie auf ihren Besen sitzend zum 
Kamin hinaus fahren Hi. , ähnlich Str. — 
Schweiz, i, 50. 

dobe" [töpa Sier. Roppenzw.; töwa 
Heidw. Ensish. Ingersh.; towa Ruf. Du.; 
töwa Horbg. K. Z.] Adv. dort oben, droben. 
Wie ge''t s dobe"? im oberen Dorfc. 'der 
hutmacher, so auch doben wachte' Str. 
1546 JB III 95. 

drobe" [tröwa Rapp. Str. Wörth 
Ndrbetschd. lohr Tieffenb^ Adv. oben. 
Drowe" uf d^r Bü^'n auf dem Heuboden. 

höbe", ahobe" [höwa S.; höwa U. 
W. ; ahöwa Co. Ingersh?^ Adv. hier oben. 
— Schweiz, i, 50. 

über obe" [ipar öpa Liebsd. Steinb.; 
ewar öwa Su. Cö.^ Adv. oben, im oberen 
Stockwerk. — Schweiz. 1,50. Schwab. 522. 

doben e [töwana Obbruck~\ Adv. oben. 
Dort dowene möcht ich si" dort oben möchte 
ich sein. 

hoben e [howana /'^//^r/. M.~\ Adv. hier 
oben. Howene dra". — Schweiz, i, 51,. 

ober [^war Z>//.] Adj. ober, [t 6war 
P(fn die obere Bühne, der obere Dachraum 
Du.; figürl. der Kopf: s es ^ps net rä;ft 
en tar 6wra Pen er ist nicht ganz bei Verstand 
Z>w.J 'seines beichters oder öbrens' Vor- 
gesetzten Geiler /. Seh. (c III. 'Do were 
-n-awwer d' Qualle gar ketsch vom ewwre 
Laum' Pfm. III i. Als i. Glied in Zss. 
s Oberdorf der obere Teil des Dorfes; 
s Öwerland das Oberland, das weiter oben 
am Rhein, in südlicher Richtung vom jedes- 



oB 



ÜB 



8 - 



ÜB 



maligen Standort gelegene Land] der Öber- 
wind Südwind; so schon Geiler F. 3, 36. 
Oberländer [Eworlantar U.~\ m. Be- 
wohner des Oberlandes; oberelsässischer Wein: 
Dis is' Öwerländer! Merzw. Super l. 

Oberst [dparst Olti. Liehsd, Roppenzw. 
Pfetterhsn.; dwarst Heidw. Lutterb. Su.\ 
6warst Urbis Du. Str. K. Z. Han. Ndrbetschd. 
Lützelsin.'\ ober st. Bis*^ hüt d^r ö. kumm 
in der Schule der erste geworden ? Lützelstn. 
s ö. klimme" bcitn Eingen obsiegen Rotb. 
[tes Tei|^ leit s ^warst liegt zu oberst Tieffenb.'\ 
'Do isch merr in der Midde vom ewwerste 
Gebir'j Pfm. V. 9. zöwerst ganz oben; 
er is*^ zö. in der Schuel Dil. zunderst (zunder, 
zunderst un^) zöwerst alles durcheinander, 
verkehrt, drunter und drüber ü. Zu. zö. 
gheie" umstürzen U. Du kuns' zu. zö. in 
dHell mit dem Kopf nach unten Orschw. Su. 
Bf. Lülzelstn. 'kehret die Feder umb, das 
Oberst zum underst retournant la plume 
c'en dessus dessous' Martin Pari. N. 724. 
'alles zu vnderst zu oberst' Mosch. I 518. 
'S' isch nämli uff der vierte Sit vun der 
Zitung e Schiffahrtsannonce g'sin mit der 
Zeichnung vum e Dampfschiff", un wil der 
Bur d' Zitung z'unterscht zöwerscht het 
g'hebt, sin d' Mastbäum noch unte g'stande' 
Str. Wochenbl. 1883, No. 61. 'Doch zun- 
tersch zewerscht dueht er stehn' FRAN901S 
Husm. 9. — Schweiz. 1,52. 

O b r i k ei t [Owrikhait Du. ; Owrikhaeit Z.] 

f. Obrigkeit {wenig gebräuchlich). ['Strai^i 

0. rdkiart net lär[] Spw. bezüglich auf das 

Wetter, hauptsächlich auf starke Kälte Du. 

E-n-0. muess sin! Ingenh. 

erobere" [arowsra Bf. Str. K. Z.] 
gewinnen, sich aneignen. Was hes' durch s 
Hiroten erowert? Bf. Do is' nit vi'l ze- 
n-erowere" Ingenh. — Schweiz, i, 52. 
Bayer, i, 17. 

übel [ipl Liebsd. Roppenzw. ; m\Banze?ih. ; 
iwl Ensish. Dollern, Hlkr. Bf. Str. Lohr ; 
ewl Su. Du. M. Rapp. K. Z. Han. Ndrbetschd.] 
Adj. schlecht. De"" Bue** wurd alle" Tag 
üweler böswilliger Dollern. Er is' ü. (ü. uf) 
gefährlich krank, sterbenskrank Hf. [Ys 
ewl erjar mä;^9 Z.] 'Keiner bcy dem ich 
nicht vbel ärger machete' Mosch. I 131. 
'Vnd also vbcl ärger macht' ders. II 
856. Bes. verneint, um ein Lob auszu- 
drücken: de"^ Wi" is' nit ü. ist gut Su. 
[täs kh6 ewli Fröi das ist eine hübsche oder 
tüchtige Frau Z>«.] Ironisch: [Täs net ewl 
das ist Pfiffig l oder: das ist eine saubere 



Geschichte Du. S is net iwl, äwor waemar 
s o Wil änlyjt, würt s aim iwl Str.'\ — 
Schweiz, i, 55. 

Übel n. Uebel, körperlicher Fehler . [Wan 
ar täs Ewl {Gebrechen) net hat, war ar a 
natar Pya Rapp?^ Spw. Vo" zwei Üw^le" 
wä'^lt m^r allewil s kleinst Rapp. 

übel Adv. I. übel, schlecht. Er hört 
ü., er s'e^'t ü. us. ^ [1 pe hält ewl 
trä tsetar äs i kh^ Arwat me ha Z>/7.] 
'Diese Leute müssen vbel hören' Mosch. 
I 202. S is', wurd eim ü. man ist, wird 
unwohl, [^m eps ewl üf nama, en ewl 
nama Hf!\ Ü. oder wo'^l han i'^'' müe^'^'^n 
ge*^n es blieb mir nichts übri^ als zu gehn 
Bghz. Nit ü. tüchtig: er is' nit ü. ver- 
witscht getäuscht, geprügelt wor^e" Su. 
s het nit ü. us g^ge'^^" einen reichen Er- 
trag geliefert Dil. Ironisch: Du kumms' 
m'r nit ü., du bis' nit ü. verrisse" {oft mit de^n 
Zusatz: aw^r bös ze flicke" Z.) dein Vor- 
schlag ist schlau, frech, aber du irrst dich 
doch Str. '(er hat) nitt iwel nicht wenig 
Mieih g'ha' Lustig I 314. Dis war üw^l 
gseit, das %väre schlimm, we"" m^r dis nit 
mache" könnt Z. '(es) wirde manchem vbel 
gesagt sein' Mosch. II 151. 'Wann Krieg 
noch länger wurd, wär's mancher {Jung- 
frau) übel g'sagt' Str. 1749 JB. IV 134. 
2. steigernd, sehr: [Ewl sdn ausnehmend 
schön, verstärkt kör e. sdn Ingenh., e. ri;^' 
sehr reich, e. fi^l sehr viel Hf.^ Synon. 
wüest viel. Gesteigert: 'Was isch mier's 
doch so dootsterwesiwwel' Pfm. IV 5. 

üblich [ewli;^ Hf.'\ Adj. heftig, gewaltig: 
[ewli^^i 'Smartsa heftige Schmerzen , an 
ewli;fS Fir ein getualtiges Feuer; auch ew- 
X\y[\ stäriki 'Smartsa]. 

Hör übel [Hdrewl Z^.] z«. schwerhöriger 
Mensch. — Impcrativbildung . Schweiz. 1,57. 

Surübel [Syripl Olli.; Syriwl Str.; 
Syrewl Bghz. Su. Hlkr. Katzent. Obbr.^ 
m. I. finster blickender sauertöpfischer Mensch. 
E Surüw^lsgsicht ein finsteres Antlitz Str. 
2. Mensch fnit Ausschlag im Gesicht Bghz. 
j. = Suremus, s. d. 

surübelig [syrewl ik Horbg.^ Adj. satter 
sehend. 

üb''le" [ipla Liebsd.; iwla Banzenh.'] 
refi. sich verschlimmern {von einer Wumle) 
Stöber Mäder 1 1 5 üewele. — Schweiz. 

I, 56. 

verübele" [farewla Bebelnh.'] übel auf- 
nehmen. 



ÜB 



ÜB — üeB 



do übe", d-übe" [tö iwa IV/i. ; tewa 
Ingersh. Z.] da drüben y jenseits. Düwe" am 
'Q2,c\i. jenseits des Baches \ düwe" am Husy. 
des Hauses. [3r es fön tewo] er ist von jen- 
seits des Rheins, aus Baden oder Württem- 
berg, ein Altdeutscher Hf. 

drübc" [trcwo Wörth Ndrbetschd.ZinsitK 
Lohr Tieffenb.'\ drüben: drüwe" üwer der 
Stross au/ der anderen Seite der Strasse U. W. 

dort üben [tert evva Z.J dort drüben 
Geiler Narr. 23. Stöber. 

h-übe" [hew9 K. Z. Ndrbetschd. ; hi\v9 
Lahr', hiwa Wh.~\ auf dieser Seite. [3r hht 
t Lür^onantsentüri hewon ün tewa auf 
beiden Seiten Hf^ 

do hübe" [tö hewo Geisp^ diesseits: 
de hiwe" a" der Matt auf dieser Seite von 
der Wiese. 

. ahübe" [sihevi^ Big er sh.~\ hier auf dieser 
Seite. 

über [cepar Hi. ; ewar Su. Du. U.^ 
Praep. \.mit Dat. D Supp is"^ üwer "^em 
Für Bf. [ewar m Hyfa leija auf einem 
Haufen liegen, [von Heu, Holz, Lumpen u. a.) 
Ew9r m Khösta^hän beköstigen H/.^ Wäh- 
rend: üwer ''^m Esse"; üwer dem während 
dessen; üwer "^^m Studiere" is' er e Narr 
wor'^e" Hf 2. mit Acc. üwer s Feld; üwer 
Feld ge'^n in ein anderes Dorf U. Luej 
üwerschi sieh in die Höhe {über sich)! Bf.\ 
üwer der Waje" na^ gheie" Du. Er het 
noch nix Warms üwer s Herz awe gelo*^^" 
nichts Wartnes gegessen Su.; üwer s Jo^r 
im nächsten Jahre ; [ewar ä^-t Toe Hf. ; 
ewar Na;ft Z>«.] V-^ weiss nix z klaje" 
üwer de" ßue'^ Du. [Se saei kowes 9so kär 
krop ew9r 59] sie sind, wie man sagt, sehr 
grob gegen sie Mühlb. Das ge^'t doch üwer 
s Bo''ne"Iied Du. \Mx\ Mol ewar s äntar] 
in einem fort Hf. [Ewor aen Mol] plötz- 
lich Z. Üwr eins Mol Str. ÜW^r e Hufe" 
gheie" et) auf einen Haufen werfen \ b) über 
den Haufen werfen, umstossen, z. B. einen 
Beschluss Su. Übersi'^'', j. sich. — Schweiz. 

I, 56- 

über [ewar Du. U7\ Adv. über'. Is' s 
Fläsch üwer? steht das Fleisch über dem 
Feuer '^ Eps ü. ha''^", t^ue" Speisen auf dem 
Feuer haben Bf. Hf; ü. lo"''*^" übrig lassen 
[h6s niks ew9r klü? Dü.'\ 

über^'nand*"" [ewarnänt Z.] verrenkt, 
nur prädicativ: [ar het tan Arm ewar- 
nänt Hf:\ 

drüber [trewar Steinb. Su. U.\ tri war 
Str. Lohr~\ Adv. darüber. D. kumme" 



über etivas geraten, an et^vas naschen Steinb. 
Do ka""s' nit d. das kannst du nicht ver- 
meiden Su., nicht ändern Z. ; Rda. Do 
springt ke'" Gas d. das ist sicher wahr 
Barr. Gang doch drüwer hinüber l Katzent. 
Drüber un'^ drunter in Unordnung: [s k^t 
älas tr. ün tr.] von ordnungsloser Flucht 
oder Eile Hf. Presbyterialprotokoll Mittelhsn. 
I. J. IJÖ8: 'Dass es die abgewichenen 
Osterfeyertage drunter und drüber gegangen 
ist! Er macht alles dr. u. dr. bringt 
in Unordnung Obbruck. Drüber drusc" aus 
dem Häuschen, verrückt; [trewr nys khomaj 
überschnappen Z. — Schweiz, i, 60. 

Drüber nüber [Trewar newar Rif^ 
n. Uebertreibung , Missbrauch in Essen, 
Trinken, Kleidung. 

^^rüber [rewar U.; arewar Hlkr. Co. 
Ingersh. \ ariwor W^ herüber. Do üwen 
erüwer dort herüber Dehli. Der Perpe- 
dickel a" d^r U'^r ge'^t allewil rüw^r un*^ 
nüw^r Bf. 'Gleichwol gehet es zuweilen 
auch rüber vnd nüber, drunder vnd drüber' 
Mosch. I 254. 

•^ 'nüber [newar Co. Rapp. Nbreis. U.\ 
aniwar W.'\hinüber. Kinderlied: Reje", Reje" 
ge^ niwer, Sunn, Sunn, kumm eriwer! Str. 
'Jez wurrum henn si mi nit gschikt ins 
Dytschland niwwer , uf Mannem oder 
Spyr' Pfm. I 2. Bi der schriftdeutschen 
Form [hinipar] nur in hinüber ge'^n sterben 
Hf. — Schweiz, i, 59. 

vorüber [fo rewar] Logelnh. vorüber, 
vorbei. Bis der kommt, is' früej vorüw^r 
un*^ spot do Rda. von einem langsamen 
Menschen Bf. — Schweiz, i, 60. 

dübere,düberte [tewarta ; ZT/z&r. tewaro 
Obbruck M.'\ drüben. — vgl. Schweiz. 
I, 60 drubert. 

übe rieh [epari^ Geb7Cf.] Adv. oben 
hinaus: ü. luege" schielen. 

übrig \ß\vx'^ Lutter b.\ iwri Ar. ; cwori 
K. Z. ; ewari;i^ Wörth Ndrbetschd^ übrig. 
Ü. lo" übrig lassen \ ü. blibe" eine alte 
Jungfer werdeti Lutterb. ; ü. sin nichts mehr 
gelten U. Brueder Übrig unnützer Mensch. 
Wenn d alte Lüt emol nimme*"^ schaflfe'^ 
könne" , sin^ se bal'^ üwri^ maji ist ihrer 
müde Str. 

üebe" [iawa Logelnh. Gcisp^ reß. sich 
üben. — Schweiz, i, 61. 

usüebe" [ysiawa Su. U7[ ausüben'. 
a" eim de Zorn, Nid u. an einem seinen 
Zorn auslassen. 



üeB 



aBS 



aBS 



aCH 



U e b 11 n g [ Yewüix Z. ; ^wüij^ Str. Wörth ; 
iwür| Ndrhetschd.\ Iwür^ Lobs.\ 0wür|^ K7\ 
f. Lärm, Durcheinander, Unordnung. Do 
is' e Iwung gewenn in dem Dorf, *^ass d" 
din eije" Wort nimmi ghört hes' Lobs. 
Aw^r e-n-Ue. ! wenn durcheinander stehendes 
Gerät u. a. den Weg versperrt Hf. — Vgl. 
7nhd. uoben. Schweiz, i, 62. 

Äbhaü, Äwäi, Häwäi, Äbheid, Äwe- 
heid, Äweit, Ebich [Aphai Hi. Heidw. 
Ensish. Hüsseren, Dollern Su. Ruf. Co. Dil. ; 
Apai Sierenz, Hi. Henfli. Osenh.\ Aphasi 
Günsb.', ^pai Str.; Äwsei Barr, Mutzig 
K. Z. Lngw. Rotb.; Häpai Horbg.; Häw^i 
Mühlb. ; Häphai Hlkr. ; Aphait Türkh. 
Rapp.; Äphaeit Äwaeit Kaysersbg.', Awohait 
Mü.; Mvi^\\?i\iObbr.; Äwait Wörth; Awset 
Lobs.; Ewi/ Lützelstn. Lorenzen Wh. Dehli. 
m. {n. Henfli. Hüss. Dollern Ensish. Hältst. 
Nbreis. Co. Türkh. ; f. Jngersh. Z. Wörth) 
Epheu, Hedera helix. Sp7v. Der Äwei 
blüet schön, s gi^'t vil Win Mutzig. 'Eboi' 
Herrad 192^. Ebhew Hedera' Dasyp. 
'weltlich wiszhcit verwicklet sich mit zcyt- 
lichen dingen, als ein spinn in einer 
spinnwepp oder ein hun in ebhow' Geiler 
P. III 65. 'ein Hebheu' Fisch. Garg. 
96. 189. 'Hedera ebhew' Gol. 392. 'Bisch 
mer an's Herz gewachse wie Ebbheu an 
e Muur' Pfm. I i. 'Umspönne bdsch so 
schön , M^t Abhei rdngserum' Mangold 
Colm. Korn. 77. — Schweiz, i, 47; 
2, 1816. 

äwig [äwik Mü.~\ Adj. von Epheu. 
Stöber, 

ablang [äplär[, Bf. Mutzig Str. Z.] 
Adj. länglich, oval: e ablongs Fass. — 
frz. oblong. 

Ablang [Aplätj^ allgem.; Dem. Aplar]^li 
Heidolsh.; Aplai|]o Ruf.; Aplar[^l Scherw.~\ 
n. I. Fass, welches höher als breit ist, 

mit ovalem Boden. P^ will das A. mit 
Wi" fülle" Kaysersbg. 2. Fass, das ^4 

Ohmen hält Kaysersbg. 

Ablässei [Äplasl Hindish.'\ n. Medaille 
mit Heiligenbild. 

Abrasse" [Aprasa Horbg.'] f. Flur. 
Binden zum Zurückhalten der Fenstervorhänge. 
— frz. eml)rasses. — Schweiz, i, 333 
Ambrassc. 

Absang [Apsär|_ Hältst.] m. Absinth, 
Schnaps. 

a^salwicke" [äsälwiko Ingw.'\ -= ab- 
salviere" [äpsälfiaro M. Bf.; äpsälfi^ra 



Ffast^ absolvieren: i. fortschicken', 2. 

scher zh. prügeln (^Anlehnung an salben f). 

absolümang [äpsolimär]^Ä//m. Bischw. 
Meiseng.] Adv. durchaus, unabänderlich, 
mit Gewalt. — frz. absolument. Schweiz. 

i> 43- 

absolut [äpsölyt Hlk. Bf. Hf.; äpsalyt 

Roppenzw. Su. Du. Obbr.\ Adv. durchaus, 

unbedingt: lat. absolute. [Tes iswitsraKsets 

äpsölyt] gegen ein unverbrüchliches Gesetz 

Geber schw. 

Obs, Obst [Ops/izj/ a//^. ; Ops z/;?i'/Opst 
Hf\ n. Obst. Spw. Vil Duft vi'l Obs Du. 
Bf. 'Ops' Fisch. Ehez. 128. 

Kernobs [Kharnöps K. Z.] n. Kern- 
obst, Äpfel, Birnen. 

Risobs [Risöps Heidw.] n. herunter- 
gefallenes Obst, vielfach zu Schnitze" ver- 
wendet. ^ 

Stein obs [Staenöps K. Z.] n. Stein- 
obst, Zwetschen, Pflaumen. 'Dz Steinobs hats 
gern kiel' Str. 162s JB. VII 112. 

obsenat [opsan^t Su. Ruf. M. Wh.; 
öpssnät Winzenh. Bebelnh. Str. Hf. Geud. 
Lobs. Wörth ; äpsanät Bischw. Dunzenh. 
Lngenh. Brum.] Adj. eigensinnig., nicht zu 
befriedigen, bes. wählerisch {im Essen, auch 
Kleidung u. a.), lecker, empfindlich. Ich 
bin nit o. Hf. [Te pri;^t oe nit sü ö. tso 
sen] die brauchte auch beim Freien nicht so 
wählerisch zu sein. [Tes es kör on öpsa- 
näti] Geud. M^r dörft nit o. mit i^m si" 
man hätte nicht nötig so feinfühlig gegen 
ihn zu sein Horbg. 'Er isch gar obsenat 
un will s' soll ales danze noch syner Pfyfif 
Pfm. I 6. 'UfiF einmol kummt awwer so 
e-n-obsenater Wind' E. Stöber Schk. 
397. 'D' Madam isch gewiss e respectawli 
Frau, awwer ze-n-obsenaat. An de Märk- 
rechnunge derf kein Dibbele fehle Pick 
Mo. 4. . . . un derby isch er noch 
wunderli un obsenaat ders. ig. Selten die 
dem Lat. nähere Form obstinat Str. 
obsenat er dass. Die Endung stammt hier 
wohl aus frz. opiniätre. 

Observation [OpserwatsiQn Osenb.] f. 
Bemerkung, Vorwurf. Mach xxfr ke Ob- 
servatione"! 

-ach Endung vieler am Wasser ge- 
legener Orte: Illzach, Brubach, Sonder nach; 
Jetzt in der Mundart -a und -i gesprochen : 
[Sütarna] Sondernach, [Metlä] Mittlach, 
\^\:\\rm] Dornach JB. VIII 136, IX 213. 
Stöber. — Schweiz, i, 63, 



aCH 



äCH 



eiCH 



ach [k/ allgenu, Nhf. a;^ Z.] Interj. 
I. des Schmerzes und Mitleids'. Er het nit 
ach un"^ nit we** gseit Hf. Ach e leider 
ach und leider l wozu ein Spötter hinzu- 
fügt: un'* ke'" Sprosse", als ob er Leiter 
verstanden hätte Z. 2. der Ungeduld, der 
Zurückweisung: Glaübs' du, dass er hent 
{heut Abend) no'^'^ kommt? — Ach ! Hf. 
Ach, ge^ mT doch e^weg! Hf. 'Ach ley- 
der Ah, heu, interjectio dolentis' Dasyp. 
— Schweiz, i, 64. 

ache" ach rufen: mit a. un'^ krache" 
mühselig, widerwillig Hf. — Schweiz. 
I, 65. Hess. 3. 

Ache \J^x'^ Scherw. Zinsw. Wh^ m. 
Nachen. — rheinisch: Kluge 3. 

achelik [a;^ilik Roppenziv. ; ä;^elik Z. 
Ingwl\ in der jüd. Rda. s is' m^r a. voll- 
ständig gleichgültig ; s. hei lieh. 

\ Acher m. Apfel, in Grünacher poma 
ein bugtj {Bottich) vol v den vendebantur' 
1278: Ann. de Colmar 74. — Vgl, 
Schweiz, i, 65 ; s. auch Äckerle. 

Acher, Ar [O/jar Lützelstn. Tieffenb. 
Wh.\ Oy^x Lorenzen; Ox'^x Altw.; YjX Hi. ; 
Ar Wittenh. Hlkr. Logelnh. Katzent. M. 
Du. Hf. Wörth Ndrbetschd. ; Ör Geisp. K. 
Ingenh.; Or Breitenb.; ky Nbreis. PL; — 
0; Äri Hirzfn.; Eri OltiT^ f. {n. Hi.) 
Ähre. E Büschen Are" so viel einzelne auf- 
genommene Ähren als man mit einer Hand 
an den Halmen fassen kann Ndbetschd. 
S is' e Pracht wie d Ochere" am VVäse" 
{Weizen) so gross sind Altiu. A. uthewe" 
Ähren auflesen; in d. A. geS. 'Aeher, 
Spica, Eher oder aher' Dasyp. 'Spica äher 
GoL. 405. 'Die Aehern am Korn' Fisch. 
Garg. 228. 'Es soll auch dz Korn ufif 
S. Jürgentag in arren gehn' Str. 1^625 
JB. VIII 112. Dentin. Arie [Ärlo Aroig 
Dü^ — Schweiz, i, 69 Ächer. Schwab. 
12 Aher. Bayer. 1, 54 Äher. 

Brenna^'re" [Pranära Horbg.'] f. Fl. 
Brand in der Gerste. 

Gerste"a''r, Korna^r, VVeisse"a'^r 
Geisp. Hf. 

achere", are" [äro Bebelnh. Wörth 
Ndrbetschd.-, o^^tq Wh.l^ i. Ähren lesen -^ 
in s A. ge^'n zum Ährenlesen gehen. Dene" 
arme" Lüt \^x^ Kinder han d ganz Erne 
gart Ndrbetschd. Wellen '-i^x a"'=>' a. ? 
Wörth. 2. stehlen. — Schweiz, i, 70. 

achiere" [ä/ira Lobs. Str. Tieffenb.; 
ä;^iero Z.] lebhaft gesticuliereti : eine" a. 
nachahmen, bes. in der Sprache; nachäffen 



Ulrich ; mit harten Worten behandeln, quälen. 
Mit eim a. umgehn: mit dem is' bös a. Z. 

Ächinger [A;<;e]:|9r Molsh7\ Spottname 
für die Deutschen, eigcntl. Hechinger s. d. 

z.^x'^^, o""^*^ [ö Liebsd. Lutter b. ö Baldersh.; 
äy Banzenh.; oi Ruf. Co. Dil.; oei Geisp.; 
au Str.; oei, oey, oe Z. Ndrbetschd.; oe K.; 
ä Selz. Ndrröd. Bühl; ä Ritters ho. Hatten; 
6.y Weissenb. Jüd. Die volleren Formen am 
Satzschluss.~\ Conj. auch. Au*^^ ! als Widerrede 
gegen eine irrige Behauptung , bes. von Knaben 
gebraucht Str. A"'^'' noch [ä no/ Str.^ 
I. Ausdruck der Entrüstung , wenn eine 
Arbeit getadelt oder ein Auftrag als unmög- 
lich zurückgewiesen wird; 2. der besonderen 
Bekräftigung: [Hes prüf kfär|9? näml. 
Fische. — ä wby Ar.] Wenn 0'"=^ Su., 
wenn au'^'' Z. in trotziger Widerrede. Kees 
e Brot un*^ Ra^msupp is' a"'^'^ gut damit 
neckt man die Bewohner von Rittersho. wegen 
ihrer breiten Sprache Ndrbetschd. 

Echelter [E/altr Rauw.~\ nur PI. 
Früchte der Eberesche, Sorbus aucuparia. 

Eich [Ai/ Hältst. Dcssenh. Str. Wörth; 
JE\/ Hf. Han. Ndrbetschd.; JEy Barr 
Saarunion; PI. — o] /. Eiche. Zuo der 
Eich Marien - Capelle bei Str. Murner 
Badenf. XXXV 144. Häufiger die Zss. 
Eichbaum. K. Z. Demin. Eichele n. kleine 
Eiche. — Schweiz, i, 72. 

Tru reich [Tryrai;^ Hindish7\ f. ge- 
köpfte Eiche. 

Eichel [Ai^la Olli.; hxy} Str. Wörth; 
JE\y\ K. Z. Lngw. Ndrbetschd.; My\ Barr 
Saarunion ; PI. -a] /. {it. Z.) Eichel. Rda. 
Gsund wie en Eichel kerngesund: vgl. 
DWB. 4, I, 1288. Spw. S het au'='^ 
schun e blindi Söu en E. gfunde" Str. — 
Schweiz, i, 73. 

Eicher, Eichert ^ [Ai;.r ä/. Mühlb.; 
Ei/r Sondernach; ^/xt Lorenzen\ m. 
Eichhorn. Synon. Eichhälmcl ; Eichhäsel 
Z. Demin. Eicherli/^w/. Heidolsh., Eicherle 
Sier. bis Bf. Eichhörnchen. Flink wie ne 
E. O. — Schweiz, i, 73. Eifel Aecher. 

eichen [aci/9 K. Z. ; sp/o Barr^ Adj. 
eichen. Eicheni Schälwelle" Faschinen 
aus geschältem Eichenholz. 

eich ig [ai/ik Olli. Hi. Obbrtick\ eichen, 
aus Eichenholz. 

g-eiche", [kai^s Henfli.] Part, geicht 
und gliche" [ki/a Ndrbetschd?^ eichen, ein 
Gefäss amtlich messen. Rda. [Ter es nik 
ki/a] der ist nicht geeicht, ist nicht zu 
fiillen, nicht zufrieden zu stellen: vgl. die 



euCH — aCHS 



äCHS 



oCHS 



Wendung: [tes es 9-n älts Tsäpfspetal, t^r 
es nit tso fela] Z. — Schweiz, i, 73. 

euch, uch, üch [h\y Hi.; ei/ Dil. Str. 
Wörth Ndrbetschd.; seia/ Su. ; ü/ Ä'. Z. Lohr; 
unbetont i/, i Str. K. Z.] euch D. und A. 
Das ge''t eiach nit an Su. Eich han sc 
vergesse"; si han ich {euch) vergesse" Dil. 
Lo^^n ü=^ nit störe" Sir. — Schweiz, i, 74. 

ich, ichele \iy., i/ola Wh7\ schön 
[Kinder Sprache^: [kae], tes es i;f9la!]. 

ich, ech [1/ .S*. Su. Ruf.; i/, cy Du. 
U. W.; unbetont auch x.^ bes. (9.j ich. Dat. 
mir [mdr Su. U ; mier Hf. ScMvindratzh. ; 
unbetont mr], Acc. mich [mi/, mi/, me;c ; un- 
bet. mi Dil. Str. K. Z.~\ Fl. m i r [mer ; mier 
Hf. Schwindrat'oh.; unbet. mar; Dat. Acc. 
uns, (^ns K.'^ yns Gimbr. Mittelhsn.; un- 
bet. is, 9S Z.] 'wan mir zu vil essen vnd 
trincken, so werden mir von im {detn 
Teufet) gefangen' Pauli 365. 'dass mir 
hetten das spil verloren' 1592 Als. 1858, 
77. Abzählvers-. Ich un"^ du Un^ s Becke" 
(Müllers Dunzenh..^ Müllerseppels Bisch.) 
Kiie^ Un*^ s Müllers (Becke" Dunzenh.^ 
Becke"seppels Bisch.) Stier Sin ere (unsere 
Ingenh.) vier Hf. (mache" zsamme" vier 
Berstett). Auch Ich un'^ du, Un's M. K., M. 
Esel das bis' du Rtf. Stöber Volksb. 141. 
Wird auch gebraucht, um Kameraden ihre 
Ausgelassenheit vorzuhalten. — Schweiz. 

I, 74- 

Ich [I^ Obhergh.] n. Fläche von jo Ar 
Feld, Wald oder Wiese; von 24 Ar Ruf. — 
wohl abgekürzt aus: 

Ichert, Icherte [I/arta Eschenzw.Ruf.; 
I/art Obhergh. Ingersh.; lart Obhergh.\ 
f. Ein Stück Land, Feld, Wiese oder Wald, 
von etiva 4^ Ar, von j6 Rufach. Halb- 
ichert etwa 20 Ar, Viertzel 10 Ar, Schatz 
5 Ar. Ichert Mü. Rat-Frot. i6j4 Stöber. 
Aus Juchartf 

achle" [ä/lo Ruf. bis Lobs.] essen, bes. 
gierig und viel. Scherzhafter Ausdruck aus 
hebr achal entnommen. Die achle" zu alle" 
Zite' Dehli. A. wie e Holzhauer Rotb. 
'Klopft au e Subrod un e Wurst Un lost 
sich's wohlbekumme. Allwil er achclt' . . . 
Ch. Hackenschmidt Schk. 456. 'I glaub, 
i ha zc viel müen achle' Kettner Mais. 
39. Mosch. Soldatenleben führt das Wort 
als zur Feldsprach d. h. Gaunersprache ge- 
hörig an CS. — JB. XII 130. Hess. 3. 

Achler m. Fresser Ingw. 

Achsel jAksl Geber schw. Co. Scherw. 
Bisch. Str.; 0^\ Geisp. K. Dunzenh. Lngcnh. 



Prinzh.; Äsl ILf.; /y.-o] /. Schulter. 
Er hct d A. us enand Hf. Breiti Achsle" 
Co. Ufde" A.trauje"Z'ra^^;2j5z.$-^/;.'derCristum 
uf sinre achseln trcit' Dancr. 221. 'alae, 
axillae die achselen oder üschen under den 
armen' GoL. 96. 'lipft me d' Achsle drab' 
Lustig I 19. Uf beide" A. Wasser traue" 
es allen recht machen wolleti Str. 'Falsch 
Lüt die zuo beiden Achselen künnen Wasser 
tragen' Pauli 286 CS. üwer d Achsle" nus 
lueje" verächtlich ansehn Bf. 'über die 
Achseln ansehn' Geiler Bilg. 24* CS. Er 
werft alles üwer d link A. nimmt alles leicht. 
'dass du . . alles hin auff die leichte Axel 
nimmest' Mosch. I 60. 2. Seitenschoss 
eines mindestens zwei Jahre alten Reb- 
stocks: an dem Stock will ich e A. lo'"'^" 
Geber schw. — Schweiz, i, 75. DWB. 
I, 163. Zahlreiche Beisp. aus der älteren 
eis. Litt, bei CS. 

Kuttenachsel [Khütanosl Z7\f. über 
die Schultern gehender schmaler Frauen- 
rockhalter. 

Ächs [Aks Su. Co. Z. Ndrbetschd. \ ^ks 
Avolsh. Dehli. ; PL — o] f. Achse d. Wagens : 
uf der Ä. schicke" {Gegensatz: zu Schiff). 
CS. citiert Fischart, Pauli, Mosch., Umgeld- 
Ordnung von iö8g: Landwein zur Aex und 
zu Schiff. 'Axis die ächs' GoL. 57. 'ein 
solch einreuten von Wein zur Aechßt und 
Schiff' Fisch. Garg. 85. 'auff der ächfs 
bey gefuhret' Mosch. II 237. 'auf der 
äx/ oder auffm Wasser führen mener par 
charroy ou par eau' Martin Coli. 191. 
'Die ächß zu schmieren pour graisser 
r aissieu Martin Pari. N. 209. — 
Schweiz, i, 74. Bayer. 1, 25 Ächs. 

Schissächs ['Sisaks Roppenzw. Heidw. 
Su. Obhergh. Du.] f. derbscherzhaft die 
Beine als Fahrwerkzeug: Hes' dörfe" fa'^re"? 
Ja, uf dr S. Du. L'" bi" per S. ane ku""*" 
ich bin auf den Beinen, zu Fusse hinge- 
kommen Heidw. 

Ochs [Oks Su. Du.', ÖksZ. Han. Wörth 
Ndrbetschd.; PI. — a] m. Ochse. Der 
Ochse" Wirtsliaus zum Ochsen. E Joch 
Ochse" ein Paar Ochsen U. Rda. Do steH 
er wie *'ne (d^r Z.) O. am Beris Su. Ochs, 
schau uf s Buech! da heisst es: atfgepasstl 
Str. ''S sorrjt niemes doch for mich, un do 
dueht 's werzi haisse: Ochs, schau uf's 
Buech' Pfm. 18. ''S haisst au: Ochs 
schau ufs Buech, wemmerr e Frau will 
nemme. ebd. II 6. Vo" "='"^me Ochse" 
ka"" m«r ke'n Kalbfleisch bege'^re" ein 



oCHS 



aCHT 



13 



aCHT — eCHT 



grober Mensch muss grob sein. Von einem 
Unempfindlichen, Halsstaryigen sagt man: 
s is*^ grad wie, s nutzt grad so viel a's wenn 
m^r imen (einem) O. in s Hörn pfetzt Su. 
Du. Z. Si''sS dort fliagt e O. ! scherzhafte 
Unterbrechimg eines unglaubliche Dinge Be- 
richtenden Gebw. Kinderreim: Icboeufder 
O. , la vachc die Kue^ , ferme la porte, 
die T''ür mach zu! Nbreis., mach d T^'ür 
zu Z. De?nin. Öchsle [Eksla Roppenzw. ; 
Eksl <7.] — Schweiz. 1, 76. 

Nebe"tsochs [Newatsöks Prinzh.; Nä- 
watsoks Ndrbetschd. ; Naeworoks Wh7\ m. 
der Ochse auf der rechten Seite von der 
Deichsel, Du bis* dummer a's '^em täuwe" 
Teufel sine*" N. schrecklich dumm Prinzh. 

Stade"ochs ['Stotaöks Z. Prinzh^ vi. 
■ der Ochse auf der linken Seite von der 
Deichsel. 

Zimmerochs [Tsimaröks Ar.] Spott- 
name der Zimnicrleute. 

ochse" [öks3 Hlkr. Bisch.~\ mit Eifer 
und Mühe studieren. — Aus der Schul- 
sprache. 

Acht |A|'t O.; Ä/t Bf. Wörth Ndr- 
betschd. Lohr~\ f. Acht, Auffnerksamkcit. 
In A. ne''me", A. ge'^^n uf oder zue eps auf- 
merksaffi sein; beobachteti, hüten. [E;^ hon 
s het A:^t kotön nicht bemerkt Wh^ Rda. 
Der Achtge'^^ner is' au schun d Stäj runter 
gfalle" auch der Vorsichtige kann einmal 
einen Fehltritt thun Str. Vgl. D^r Sorj- 
hew^r is' in d Bach gheit Z. — Schweiz. 

i> 79- 

Obacht [Opä;ft Roppenzw. Hlkr. Bf.; 
Öwä;;t Str. Ndrbetschd.'] f. Acht. O. ge^^^n uf 
oder zue eps, sich in O. ne^^me" aufpassen, 
sich hüten. O. ! als War?tungsruf =^ Ach- 
tung! Ndrbetschd. — Schweiz, i, 80. 

achte" [ä)^t9 Sier. Geber sc hw. Su.; ä/to 
Du.; ä.y\.Q Horbg. M. Bf. Hf.; ö;ft9 Ingenh.] 
Part, gachte" Sier. Geberschw.; gachtet 
Su.; gacht Z>zV.; gocht Ingenh. l. tr. be- 
achten, bemerken. Ich ha^ ne nit gachtet 
nicht befnerkt Hi. Su. 'So hat se mich do 
äne g'achtet' hier bemerkt Lustig I 119. 
'da, hat sich viellicht o scho g'achtet' der 
hat vielleicht bemerkt Lustig I, 325. [I ha 
nits ka;y't J/.] Su eps acht m^r bi uns nit 
darauf legen wir keinen Wert Z. 2. refl. 
bemerken. P*" ha^ mi<=^ nit gachte" ich habe 
nicht gemerkt {Geberschw. bis Ingersh., gacht) 
dass er nus gange" is' Horb^ — Schweiz. 
r, 83. 



ung«acht Adv. unbemerkt. Der is' m'r 
jetz^ ungacht mit der Zech us gewitscht 
Bf.; Ad;, 'vngeachtet inopinabilis, inopi- 
natus' Dasyp. 

verachte" [farä/to Bf. Str. Wörth 
Ndrbetschd. W. ; f3r6_;fta Ndhsn. K. Ingenh?\ 
I. verachten: du mues' de" Tubak nit v. 
Der Win is' nit zue v. Erstein., Molsh. 
[farai^ta sät mr, wön mr aepr sp^tis önleyt 
Wh^ 2. bemerken: \\y hon s net farä;ft 
Wh^ j. verläumden: Si ha" mi*^*^ ver- 
acht bi mim Herr" Bf. 

Achtung \_c^/t\k Sier.; kxiviX\Co.Bf.; 
A;^tir[ Ndrbetschd., Wingen b. W. Büsi] 
f. Acht, Aufmerksamkeit: A. ge'^^n (uf eps). 
— Schweiz, i, 81. 

Obachtung [Owä^tür| Str.] dass. 

acht [ä^t Ruf.; kyt und a.yt Du.; Siyt 
Str. Bf. Man. Wörth Ndrbetschd. W. ; oy\. 
K. Dunzenh. Ingenh. Furchhsn.~\ Zahlwort: 
acht. Am acht (9., am ochte" K. Ingenh. 
um acht Uhr. In e Tag achte" Ruf.; 
halwer achti Dil.., h. ocht Ittgenh. Hut 
ocht Nocht heute in S Nächten Furchhsn. 
Hut ocht Taus^ Dunzenh. am morgen zu 
ächten' Geiler J. Seh. i}^. — Schweiz. 
I, 81. 

achtzig [a;ftsi;i;- Str. Wörth Ndrbetschd.; 
ö;Ktsik K. Dunzenh. Ingenh. Furchhsn.] die 
Zahl 80. 

Brunnenachtziger, e" [spasshaft)'. 
Wasser Ruf. Co. vgl. Schöpfe" sechziger Z. 

Achter [Ä;^t9r^ Str. Hf. Han. Wörth 
Ndrbetschd. Lohr; O^y^x K. Dunzenh. Ingenh. 
Furchhsn.] Zahlwort, Ziffer: Achter. En A. 
ein 1808 Geborener. — Schweiz, i, 82. 

echt [a/t O.; a/t Bf. Geisp. K. Z. 
Han. Wörth Ndrbetschd. ; ^-/t Str. W.] 
acht. Das isch jetz"^ e. Kirschewasser; echter . 
Win Geisp. [tes es j^ts en a;ftr 'Spetspyoj 
Geud. — eig. ndrdeutsch =:^ mhd. ehaft. 

echt [a^t Olti. Mü. Co.] Adv. etwa, 
in Fragesätzen: Hes' du echt eps ghört? 
Co. Bis' echt nit gscheit? Olti. [W^it 
tr a/t äna/neia h\x net?] wollt ihr wohl 
niederknien! [Befehl) Olti. [Was wet a/t 
wetr? Würüm pen e^ a^t so ür^kleklik? 
ZT/.] 'der wein an im selber ist gut; 
trynckt in acht ein mensche ziemlich und 
mit mas, so scherfft er die Vernunft' Geiler 
Berg d. Seh. Leb. 28, — ebd. 2,2.— Seh. der 
P. ir. 72. Bilgersch. 38. 'so er echt 
vnderstat siquidem nititur, tendit' Geiler 
Seh. J. E Illb. 'wenn es echt sunst gleich 
ist' ebd. IV. 'ist echter das er nit heisset 



eCHT 



aD 



— 14 



aD 



das wider gott ist' ebd. G Illb. 'wiltu echter 
war sagen' ebd. H II. 'so muiste Christ 
auf ein neues sterben von deiner suinde 
wegen; wolt er dich achter selig haben' 
Seh. d. P. 83. — id. 3. — Schweiz. 
I, 82. Schwab. 8. mhd. eht, ahd. ekkorodo 
bloss, nur, wenigstens; Adv. zu ekkorodi 
dünn, schwach. 

e c h t e r s (t) [a;^ trs Olti. ; a/ trst Pfetterhsn. 
Hi. Mü. Lutterb. Su. Hlkr. Co. Balzenh. 
Nbreis.; äktstor Kapp^ Adv. ifi zweifeln- 
den Fragesätzen : vielleicht , etwa , wohl, 
eigentlich. \%^ er e. dheim? Su. Kummt 
er e. hinecht? Co. Wer is' e. do Herr 
un^ Meister? [Häw i a;^t9rst tor Khalor 
pslösa? Z>«.] 'VVellä soll er ächterscht 
jetz hirothä?' Meininger, Fawlä 21 (Der 
Mann zwischä zwei Alter un sinä zwo 
Liäbschtä.) 'Was machsch noch ächterscht 
uf dr Kopf?' Lustig I 133. s. ästers. — 
Schweiz, i, 82. Stöber Müder 76. Hess. 
290. 

-echt [ä;Kt M.\ ae;^t Str.; at Z.] Bildungs- 
silbe für Adj. : -icht, -ig [hütlat , termlat, 
lekrat, fatsat, winnlat, mötlat Hf.; wislat 
ifis Weisse scheinend Ingenh. ; p]äsä;Kt ein 
wenig blass, nkrAyt närrisch, tätsä^t breit- 
gedrückt J/.j 

ada, ade [ätä Rapp. Molsh. Z.] in der 
Kindersprache: Adieu l a. ge''n fortgehn, 
spazieren gehn, a. mache" den Abschieds- 
gruss geben. Spiel mit kleinen Kindern: 
guckus! — ada! sieh (nach dem sich ver- 
steckenden) da bin ich Rapp. , U. dafür 
dada! 

Adalie [AtäljaZ.; Atäljo Zinsw.; Ätäljä 
lVörth~\ f. Georgine. 

Ade [Ata Büst Lohr; Oto Vendenh. 
Geud. ^ Ingenh. ; l&ta Rauw?^ Demin. Adel 
[Atl; Otl Geud. Ingenh?^ Koseformen des 
Namens Adam, s Ödes Hofname Pful- 
griesh.; s Odels Dunzenh. Ingenh. 'Der 
alt Adam lebt noch' Spruch Geilers ALS. 
1862/67, ^^y '^^ 'iü^VX. uns aber der alte 
lasterhafftige Adam so tief in dem buesen' 
Mosch. I Vorrede. Rda. Der Herbst heisst 
Ade, un'' wer s versumt, hat de" Schade" 
Rauw. Hans Ade. s Hansodes Hofname 
in Dunzenh. Demin. Hans Adel Lützel- 
stein , Geud. ; Hans Adel Dunzenh. — 
Schweiz, i, 85. 

Edelsäss m. 1 6 1 1 Alem. 4, 1 9 1 . j. Elsass. 

Adelsasser nämlich Wein, Elsässer 
Oelinger 77. 



Ader^ [ütr Pfetterhsn. Osenb. K. Z. 
Han.; Ütr Logelnh. Du. Breitenb. Geisp. 
Kindw.; Ötr Bf. Str. Obbr. Ndrröd. 
PI. — 3] /• 2. Ader. S is* m'r en Oder 
angange" (versprunge" Breitenb.) Hf. z 
Oder (z Odero" Steinbr.) lo" zur Ader 
lassen Str. K. Z. D goldc-n-0. Hämor- 
rhoiden Hf. Kindsodere" Krampfadern; 
2. Brunnader; Erzader. j. Charakter- 
zug: es is' ke'n bösi Oder an i'^m er ist 
ein grundguter Mensch Bf. U. Er het ken 
O. vun si"'m Vater ist seinem Vater ganz 
unähnlich Obbr. Demin. Äderle. Zss. Ader- 
lass. — Schweiz. 1,86. -{-'SpasmusKrampfiF, 
einstrupffung des geäders, gicht' GoL. 268. 

j'Lacertosus aderechtig' GoL. loi. 

Spannader ['Spänötr öjv/z^^.] y. Sehne 
an den Hinterbeinen des Rindes, mit den 
Spannadern des Daumens' Fisch. 6^ar^. 365 
'Nervus senn oder Spannader' Gol. 87 
'ein Spannader un nerf Martin Coli. 150 

adje, j-adjes [atje Su.; atje Du. Brum 
Ndrröd.; atje Hf; ätjes Hi. Bf. K. Z. 
Kindiv.; atjes Dü.\ Abschiedsgruss. Adj es 
jetzt nur noch bei älteren Leuten üblich. Adj es, 
lewe" als gsund ! — Un** i'r aii'^^ ! Z. 
A. ''em Herre"! Str. Land. A. binand, 
mit nander beim Abschied von mehreren Hi. 
A. sage" Hi. Bi ei"'m A. ne^'me" Z. A. 
g&v\ fort spazieren gehn (^Kinderspr.) [Wän 
t9r Knä;jt wetar föl haem khomt, nö ätje! 
dann wird er fortgeschickt Hf.^ Adje 
Madrid! sagt ein Fischer, dem der Fisch 
durch geht Str. Er gei^t a. stirbt {roh.) 

Zss. Adjehändel n. Händchen zum 
Abschied Hf. — Schweiz, i, 90. 

Adjunt, Adjung [Atjünt K. Z. Rotb.; 
Atjür^ Kindw^ Beigeordneter des Bürger- 
meisters, s. Adschüä. 

Adler [Atlor fast allg. ; Otlor Brcitenb7\ 
7n. Adler. Häufig Wirtshausschild. — 
Schweiz, i, 90. 

Adresse [Atras9 Sierenz; Atras O. U.; 
Atrües Str. W.^ f. ^ Adresse. 

Adschedant [Atsotänt Bf. Z.~\ m. Ad- 
jutant. 

Adschetek [Atsot^k i?/". Z.] m.Architect. 

adschusche [atsyst3 Z.] abgefnachtlfrz. 
adjugd, Schlusswort bei Versteigerungen. 
[als a. fort damit! Zuweilen der nach- 
klingende Reim: ta-n-Ara en t H6!] 

Adschüä [Atsyoe Sier. Steiftb. Co. Bisch.; 
Atiiya Ruf. ; Atsya Kerzf; Atswä Mittlacli] 
m. Beigeordneter des Bürgermeisters. Der A. 
het Firowe"'' geböte" Bf. Wenn jemand 



aD 



eiD 



— 15 — 



eid 



oD 



niest, so ruft man, als schallnachahtnenden 
Heilspruch ihm zu: Adschuä ! Ruf. — frz. 
adjoint. 

Advent [Atfant K. Z. Han. Wörth 
Ndrbetschd.; Ätfaent Str. IV.'] m. Advents- 
zeit, lieber Gebräuche in der Adventszeit 
s. JB. IV II.J5; VI 161. 

Advocat [Ätfakät Hlkr.; Äfakhät Bi. 
Z.; Äfgkät Wh.; Äpfokhöt Su. Osenb. M. 
Rchw.] m. Advocat, Rechtsanwalt. Der 
het e Mul wi en A. kann gut und leicht 
reden Z. — Schweiz, i, 89. 

ädeis [ätais Ruf^ nackt {Kindersprache) : 
[ty pes a.] 

Äderling, Eiderling [Atrlii| Roppenzw. 
Pfetterhsn.; ^"itrliij Ndrbetschd^ m. Pilz, 
essbare Schwammart. s. Agerling. 

Ädling [Ätlci| Su. Ruf. Jngersh.] m. 
eine Fadenlänge Faden, abgerissenes Stück 
Faden; soviel als man in die Nadel ein- 
zieht {aus Nädling mit Abfall des N). 

Audienz [GEytjants Hf. ; Ateants Dunzh.^ 
f. das Anhören: ei"^m e schlecht! A. ge'^^n 
schelten, abfahren lassen. 

Edagang [Etakär| Ingersh7\ ?n. einer, der 
für einen andern einen Gang thut. — frz. 
aide-de-camp. 

Edel m. Edelwein: Guetedel [Kyatetl 
IngenhT] weisse Silsstraube; Syn. Rischli. 

Rotedel [Rötetl Rapp.\ Rötetl Z.] jn. 
Traubensorte , woraus roter Edelwein ge- 
keltert wird. 

Süessedel [Siesetl Bisch^ m. Süssling, 
süsser Wein. 

Wisse dal [Wisdtl Rapp.] fn. Trauben- 
sorten mit mittelgrossen, weissen Beeren. 

Edikazion [Etikhatsjön Rapp.] f. Bil- 
du?ig. Anstand: er het gar ke'"'= E. — frz. 
^ducation. 

, Eid [ Ait O. Str. W. ; JE\t K. Z. Ndrbetschd ; 
Mi Barr, Wingen b. W.; At Büht] m. 
Eid. En E. ableije" einen Eid schwören. 
E-n-Eid will i'^'^ schwöre", E Dieb will i*^*^ 
si", Wenn me^'- als si'be" Chnabe" t^ Kiffis 
si" Beginn einer Neckstrophe auf Kiffis 
Als. 1856^57, 196. — Schweiz, i, 91. 

Meineid [Maenaeit K. Z.; Maenaet 
LorenzeTi\ m. Meineid. 

meineidig [mainaitik Wittenh. bis Rapp. ; 
maenaeiti Molsh. bis Zinsw.; mänäti;^ Bühl 
Wingen b. W.; menätik Tieffenb.; menaeti;^ 
Dehli. Altw.] Adj. i. meineidig Ruf. Bf. 

2. böse: du meineidigs Büewle! Bghz. E 
meineidiger Satan Rapp.; e m-er Ketzer Du. 

3. ausgelassen, lustig: du bis' awer doch 



m.! Zinsw. 4. ungeheuer: e m-e" Fisch 
fange" Ingw. E m-er Kerl ein grosser, 
dicker Mensch; e m-s Ding U. Adv. {wie 
in Adj. 4 7nit betonter Mittelsilbe) : ungeheuer, 
ausserordentlich: m. viel Urbis. Dis t^at 
mir m. guet gfalle" Str. M. schön Su. M. 
kalt Rapp. M. stark Du. M. rieh Z. M. 
dihsch.miQ.re^furchtbardurchpriigelnObhergh. 
M. wachse" sehr rasch wachsen Geud. Du 
bis' m. druf v'^rsesse" Geisp. V^^ ha" m. 
Hunger Banzenh. Molsh. Z. 'Es hewwe gar 
viel d' Nase mainaidi hoch in d' Heeh'. 
Pfm. II 6. 'Er het erst gest noch ghet 
e Hahne , wo er gelibft muess hann 
mainaidi' ebd. III 2. 'Un's Elsass, unser 
Ländel, Es isch meineidi scheen' E. Stöber 
II 133. "Meineidi viel Gold' Stöber 
Daniel 2 1 . {In dieser Bede^itung wie in 
Adj. 4 wohl abgeleitet von mein Eid, auf 
meinen Eid ; aller ding s ist dann der Diphthong 
der ersten Silbe nicht elsässisch.) — Schweiz. 
I, 93, wo auf Frommann MA. j, i8j ver- 
wiesen wird. 

b^eid'ge" [paeitja Inge?ih.~\ Part, ge- 
beidi^t [kapaeitit] vereidigen. D'r Reb- 
bangert kann noch ke'n Proc^s - verbal 
{Protokoll) mache", 'r is' noch nit g. 

Idee [Itd, Ite und Ite je nach der Be- 
tonung allg.~\ m. {selten f.) \. Begriff, Ein- 
sicht, Ansicht; Neigung, Einfall: der Mensch 
hat ke'n I. von der Sach Rotb. Loss emol 
dine" I. in dereSach höre"! Brum. Do hes' 
d" e gueten I. ghet Bf. Des war emol 
miner I. {mein Geschmack) nit Molsh. Ich 
hätt de" I. schun für, uf dis, zue dem, 
Bf. Hf. 2. Kleinigkeit: s is' um en I. 
ze gross Z. Er het ken I. gschafift Hf. 
ken I.! kein Gedanken daran! Hf. — 
Schweiz, i, 95. frz. id(5e. 

Idio [Itjo Ruf.~\ m. Blödsinniger. — 
frz. idiot. 

öd \€t Roppenzw. Liebsd.~\ Adj. i. öde, 
leer, brach: de"' Acker ligt öd; s is' m'r so 
öd im Mage". 2. \hässlich, abscheulich; so 
Murner Schz. der öd und schentlich man'; 
Gäuchmatt: 'öde böse wyb'. — Schweiz. 

I. 95- 

-|-Oedheit _/. n. Oede, Leerheit Geiler 

J. Seh. 2 1 . 

oder, öder [^tr Olli, bis Wingen b. W.; 
selten ötr Bf. Hf.; ätr Dü7[ Cotij. i. oder. 
"Wx sa^t gucke" öder luche" Wingen. Öder 
weis' eppis angers? kannst du einen andern 
Rat gebend Olli. 2. wenn nicht: Du ge''s' 
nit e^ fürt öder ich sa^s nicht eher als bis. 



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aF 



— i6 — 



aF 



Nit enter bekomms' eps öder bis' brav 
Molsh. [S tsit net etr s Fanstar es öfa Hf. 
Ty hols khen Epfl etr cy kd met Z. 
Myas net hflo, ätr ta pes kslajo Trostwort 
an einen im voraus Ja?mnernden Z>«.] 
Wi"*t ge'^n öd^r nit? jvillst du gleich gehen! 
Drohung Ingenh. — Schweiz. 1,97. Ueber 
das aus oder hervorgegangene -er s. unter 
dieser Form. 

Odermennig 'Odermännel Herba Agri- 
monia' Pharm. 4, 'Ackermennig' ebd. 2. 
KiRSCHL. I 239 'Agermund und Rüben- 
kraut' Fisch. Garg. 131. Eupatorium, 
Agrimonia Odermeng' GoL. 423. — 
Schweiz, i, 97. Bayer, i, 36. 

Odili [Oteli], Uödili [Yetili Str.; 
Yeteli Ilf^ weibl. Vorna?ne: Ottilie; frz. 
Form Odile [Otil GeberschrnJ] 'santeUtilie' 
Dancr. 371. 'Am andre Daa geht 's 
Raise uf de-n- Uedilje Berj.' Pfm. 'Uedill 
dued merr's haise' E. Stöber II 137. 
Koseformen: üdel [Utol Lob.'\ Dilli [Teli 
Hf] Demin. Odillele, Dillele. Udel be- 
zeichnet ein unordentliches Mädchen: d^^ is' e 
rechti U. Lobs. Dis is'e-n-alts Dreck u edel 
schmutziges Frauenzimmer Z. Ndrbetschd. 

Edmu"'* [Etmü Scherw.Str.^ i.männl. 
Vorname'. Edmund. 2. Ziegenbock Scher w. 

Äff [Äf allg.; PL —9] m. I. Affe. 

2 . eitles, modesüchtiges, geziertes Mädchen ; 

3. Spassmacher : d^r A. mache" Gebw. 

4. Rausch: der het en A. Urbis Mü. Rda. 
De"" meint 0"*^'', der (gross j A. lust ('/(7?i!5'/) i''m 

'(mit dem goldige" Tope", mit siwe" Tope") 
ist stolz, eingebildet, besonders auf vornehm 
Bekanntschaft Su. Ingw. Er meint, d'^r 
Künig si sin A. Er macht e Gsicht wie 
e brägeltc"" (gebratener) A. Dil. Du machs' 
e Gsicht wie ne kranke"^ A. wenn er üwer 
Feld rit Horbg. Schimpfwort: du Äff! du 
Aflc"gsicht! Z. Rda. Hori'* wie en A. stark- 
bärtig Str. Hori« wie der A. am Arsch 
bartlos Str. D*r A. melke" urinieren Str. 
Du wi''^ en alten Affe" le'^re" (irimassc" 
mache" (tanze") Abweisung einer Beleh- 
rung Str. 'Den äffen lernen gigen schon' 
MüRNER Mühle 95. 'D^r blöj Äff' hiess 
die jetzt 'Krokodil' genannte Wirtschaft in 
der Schlauchgasse Str. 'uff d Affen ban 
füren' äffen Warnung des Rohraffen s.u. 19. 
Dem. Äffele [Afla Su.; Afl K. Z. Wörth 
Ndrbetschd.; ^Efl Str. Loh-] n. Äfchen, 
geziertes Mädchen, Kind. — Schweiz. 
1, 99. 



B r ü 1 1 a f f [Preläf Kindw.~\ plauderhafter 
Bursche. 

-|-Fröidaffen, eitle Freude, Afterfreude 
Geiler P II 94. 'eynen auff den Freud- 
aflen setzen lactare aliquem vana spe' 
Dasyp. 

Galaff [Käläf //>/. Liebsd. Wh.] Gaffer, 
Einfaltspinsel. — Schweiz, r, 100. 

Geig äff [Kaikäf Attenschw.] dh?n?ner 
Mensch, s. Teigaff. — Schweiz, i, 100. 

y Richtet sich auff wie ein Gin äff 
Fisch. Garg. 373. 

Goldäffle [Kültafla Liebsd.] n. putz- 
süchtiges Mädchen. 

j'Hornaffen tn2ing\e?,{dreieckigeFenster)' 
Martin Pari. N. 593, 

-j-'Jaaf fen, Schmeichler, kutzenstreicher, 
die niemands widerstreiten, aiit, ajo; negat, 
nego Geiler /. Seh. 23. 

-|- L o b - a f f e einer der sich gern loben 
kört Geiler J. Seh. 23. 

fMalaffe Zierbengel 'die sich malen, 
zieren und uffmutzen" Geiler J. Seh. 23. 

7 Mo raffen, brasser, Schlemmer, die da 
als more fressen , sauffen, füllen' Geiler 
J. Seh. 27. 

f'Muaffen, die neidig, hessig, gon 
grummen mit iren nechsten' Geiler J. Seh. 
23 -.gr ähnliche, mürrische Menschen, ('muelich' 
gräfnlich et hodie ein muelich Wib'). 
Stöber. 

Mulaff \M.y\M Liebsd. Attenschw. Hlkr. 
Co. StrT] m. Dummkopf: e rechter M. Er gafft 
d Lüt a" wie so ne M. Bf.; doch ftieist 
in der Rda. Mulaffe" feil ha'^^n tnüssig 
hermnstehcn. — Schweiz, i, ioi. 

jSimia Prasiana Münaff GoL. 302. 
Du M. Dwmnkopfi Fisch. Kurz 2, 229 
230. — Schweiz, i, ioi: eig. Mondaff. 

jRoraff, PI. Roraffen Geiler J. Seh. 
a VI'', der das Wort von Rohr ableitet. 
In Wahrheit ist es soviel als Brüllaffe, 
von röhren, das 7'om Schreien des brünstigen 
Hirsches noch jetzt bekannt ist: DVVß. 8, 
I, 129. Vgl. engl, to roar. Der Roraff 
war eine {oder zwei?) groteske Figur unten 
an der Orgel des Strassburger Münsters, 
welche beim Bälge treten das Maul auf riss und 
aus der bei der Pfingstprocession ausgelassene 
Bursche die andächtigen Bauern anschrieen, 
s. Schnee gans Als. 1852, 213 ff. kurz wieder- 
holt von Zarncke zu Brant 434. Geiler 
alt. Sehr. Jj eiferte ij)Oi dagegen. Die 
Neigung des Volkes schmälerte diesem Kunst- 
werk der Hahn auf der Uhr , daher ein 



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17 — 



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Lied Der Kampf des Roraffen vnder der 
Orgeln im Münster zu Strassburg mit dem 
Hanen daselbst auf dem Uhrwerk von 1 580 : 
Als. 1873, \\\ ff. Von J^g2 und von 
katholischer Seite stammt Ein lustigs ge- 
spräch des Strassburgischen Rohraffens vnnd 
Pfennig Thurns Als. 1858, 52^. wogegen 
sich richtet ebd. 8g Warnung des Rohraffens 
zu Strassburg an seinen vnruhigenPasquillum. 
Auch eine berühtnte Kanone^ die das Bild 
des Roraffen trug, war danach der junge 
R. genannt ebd. 117. Stöber Sagen^ 2, 
216. 353. Ein älteres Geschütz des Namens 
Geiler alt. Sehr. 37. 

Schlaraff, Schluraff ['Släräf Hältst. 
Bisch. K. Z. Wörth Han. Ndrbetschd.;''S)\i\xM 
IVeyersh.] m. Verweis : e S. verwitsche" Hallst, 
f. Y.Maske: für Fasnacht e S. kaufe '^ Bisch. 
K. Z. Han. Wörth Ndrbetschd. 2. häss- 
liches IVeib Bisch. Schluraffenschifif Brant 
Narr. 108; Geiler Narr. 216 Seh. narren 
sind die inen kein ander end und selikeit 
setzen dan dise weit. — Schweiz, i, 102. 

Tal äff [Taläf Str. Ingw.^ m. Dmnm- 
kopf, eingebildeter Mensch. — Schweiz. 
I, 102. 

Teigaff [Taikäf/^'i'/. Ingersh. Str. Wörth 
Su.Urbis; TaeikäfM Z Rauw.; 'YäkM Biihl~\ 
m. Einfaltspinsel, eingebildeter Mensch {auch 
Mädchen); Spottnamen für Bäcker Kettner 
Gvh. 31, für Städter überhaupt; bleicher 
Mensch. '1 lach mi bukkli krumm, was 
diss e Daigaff isch' Pfm. I 4. Def/iin. 
Teigäffle n. blasses, stolzes Mädchen 
Obhergh. — Schweiz, t, 102. 

afäng, afä [äf^r| Str.; äfe Lutter b. Su.; 
äfe Rauzv.^ Interj. wohlan denn! kurz; 
also; es ist gleichgiltig. Afa salu! nun also, 
lebe wohl! Lutter b. — Schweiz, i, 103. 
frz enfin ! 

Affäre [Afära Lutter b. ; Afär Geberschw. 
bis Rotb. ; MäxRchw. ; Afaer Str. Lngw. Ndr- 
röd. W.; PL -a]/. Geschäft. Er is' nit bi d-r 
A. passt nicht auf Lngw. Das is' sin A. 
das thut er am liebsten Ndrröd. S is' e A. 
vun e par Su kostet etwa einige Sous, vu^ 
100 000 Mark kostet die Kleinigkeit von. 
Von hie bis uf Strossburj is' s e A. vun 
8 Stund Lngw. S gi^'t e wüesti, (ironisch) 
schöni A. eine schlimme Geschichte! {auch 
von Krankheit u. ä.) Su. Han i^r noch 
nix vo" dere A. ghört? Lutterb. Me"^ 
meint, was für e A. "^ass es war! Geberschw. 
PL Umstände, Streitigkeiten: Schau, wie 
der Mensch Affäre" macht! Rchw. Ich hab 

Wb. d. eis. Muiul;irlcn. 



Affäre"* ghet mit i*'m Z.[]'was sie fer Affäre 
mt^t ehre Wiwer hänn' Mangold Colm. 
Kom. 8. — Schweiz, i, 103. 

afele" essen. Guet a. Str. — Vielleicht aus 
judendeutsch ach 1 e " ? 

afer [öfr M^ schneefrei: s Feld is' o. 
— Bayer, i, 13: Franken aefer; aus lat. 
apricus. 

Affisch [ Afis Hi. Logelnh. Dunzenh^ 
f. öffentlicher Anschlag am Gemeindehaus. 
PL Affische" Anschlag von Gerichtswegen 
über angeordnete Auspfändung: Si^ han A. 
bekummc" die sog. frz. affiche jaune 
Dunzenh. 

Affüsi [Afysi Mütt. Kerzf. Barr'] m. 
Dummkopf, Schalk. O du A.! 

Ev* [Ef Bf. bis Lngenh.; P^fa Ndrbetschd.] 
Demin. Ev-1 [Efl Bf. bis lngenh.] weibl. 
Vornamen Eva. Koseform [Efi Su. Efala] ; 
Scheltform [Ufa Hf.~\ — Schweiz, i, 108. 

Gageleve [Käkalefa Lobs^ zerstreutes 
Mädchen. 

Mariev, Meiev [Märief Ruf. Mei(5f 
Pfulgriesh.] 1 . 7veibl. Vorname Marie Eva ; 
2. eitifältiges Weib. Kosefortti Marjefi Fislis. 
Demin. Meievel ; Mariuvel kath. Ndrbetschd. 
s Meievels Hofna?ne Ndrbetschd. 

T u b a k e V i [Ty päkefi Roppenzw.] Schelt- 
name: dummes Weib. 

Evangeli [Ewär]^keli Ruf.; Efajdi 
Logelnh.; Efanelja M.; Efö.nilja MittL] oder 

Evejelje \yÄ^\€^]:iBf.Barr.Hf.; Efejili 
Geisp. Dachstn.] n. Evangeliwn. Dem si" 
Mul is' ken E. der sagt nicht immer die 
Wahrheit. Aberglaube: We"" s ins E. schlä-t 
(wenn die Kirchtur?nuhr schlägt, während 
in der Messe für einen Verstorbenen das 
Evangelium gelesen oder gesungen wird), 
so stirbt bal^ epper (folgt bald ein anderer 
nach) Bf. — Schweiz, i, 108. 

Effect [Efakt Ingersh. K Hf; Efaekt 
Sir. Lohr ; PI. -a] m. Erfolg, Wirkung; 
im median. Sinn bes. der PL s het ken 
gueti Effecte" gemacht. — lat. effectus. 

efFect [Efaekt Ä/-.] betrunken. — frz. 
infecte? (Ein ganz neuer Ausdruck.) 

Evel [Efl 0I\ Defnin. Kosef. des weibl. 
Vornamens Genovefa {neben Fefl). 

Efensere [Efansara Geberschw^] f. 
dummes Frauenzimtner . Wohl zu Allefan z 
gehörig. 

Ifer [{.{x Obburnhaupt Logelnh. Du. U.~\; 
m. Eifer. I. für die Arweit, zum Ler"e", 
überm Stricke". Im I. in der Ueherstürzung 
het er nim g^seh", was er gemacht het Du. 

2 



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oF 



'des ifers zit ist nit die best' Brant Narr. 
89, 19. — Schweiz, i, 107. 

ifrig [i'frik O.; ifri Str. K. Z. Han. 
Lützelsin.; ifri/ Wörth Ndrbetschä.~\ eifrig. 

erifere" [arifgrg Bf.^ refl. bei der Arbeit 
immer eifriger werden. 

verifere" refl. dass. Bf. Z. 

verifert [fariTit Su. Geber schw. Z.; 
far^ifart Wh.]\ allzu eifrig; ze v. Su. 

Ofe" [Ufa Su. Geber schw.] Öfa Bf. Z.; 
Ofa Ndrbetschd. Ows Lohr Lorenzen, Altw. 
PL Efa; bezw. Ewa] m. Ofen. Im Elsass 
waren vor etwa 2^0 Jahren bloss Kachelöfen 
im Gebrauch. Später kamen sog. Bmmneröfen 
auf , welche aus grossen eisernen Platten 
zusamfnengemauert sind; diese tragen oft 
Inschriften, Blumen, Embleme: s. Biblische 
Szenen auf Oefen im alten Hanauer- 
land von Aug. Kassel Strassburg 18Q4. 
Der untere Teil des Ofens steht mit der 
Küche in Verbindung, der obere (Überofe") 
wird in der Stube selbst geöffnet. Spw. 
Me° suecht ei"^m nit hinder'^em O., we"" 
m^r nit derhinder gsi" is"^ Geberschw. 'offen* 
Geiler alt. Sehr 24. 'in einem glüenden 
Offen' Mosch. II 484. Spzv. Man weiht 
Priester 'do einer kan nit ein Hund uss 
dem Ofen locken' Geiler Post. 2, 94*^. 
CS. Einer thut gross, 'der doch mit all 
seinem Verstand kaum einen Hund könnte 
aus dem Offen locken' Mosch. I 72 CS. 
'hinderm Ofen ist es warm' Beispiel einer 
kahlen Ausrede Murner Narrenbeschw. 
II, 119 uö. DWB. 'hinderm O. zärtlich 
auferzogen' Fisch. Ehez. DWB. Gassen- 
hauer: Henger m Ofe" ben i'=*^ gsesse" 
Bime" warme" Äpfelmues, P*^ ka°° mi" 
Schätzle net vergesse", Wenn i*^*^ s o"'^'^ 
verlasse" muess Hi. Dem. Öfele [Efala 
Su. Hlkr.; Efola K. Z.] n. der Bratofen 
im Küchenherd. Zss. Ofe"gucker, Ofe"- 
stättle. — Schweiz, i, 109. 

Bachofe" [Pä/öfo M. Ndhsn.; Pä/öfa 
Str. K. Z. Kindw.; Päköfg lobs^ n. 
Backofen. Er raucht wie e B., er raucht 
stark. 

Z?^z«. Bachöfele [Pä/6f9lo ^«/.] n. e B. 
mache" sich hinkauern, tadelnd von Frauen- 
zimmern, die beim Sitzen die Knie empor- 
ziehn Z. Han.; sich begatten Ruf. — 
Schweiz, i, 112. 

Beckenofe" [P^kanöfa] m. Backofen 
Str. Es ist allgem. Sitte in Str. , am 
Sonntag Vortnittag die Mittagsmahlzeit in 
den B. zti tragen und dieselbe nach Schluss 



der Kirche wieder zu holen, wenn sie gar 
ist. 'vor den beckhen offen' 1789 JB I 
108. 'Mier brode nix am Spiess, der 
Bekkenoffe" isch uns guet genue for diss' 
Pfm. III i. 

Brate"sofe" [Prütisöfa Dollern Winzenh. 
Logelnh.~\ m. Bratofen, Warmhalter im 
Herd. 

Demin. Bratensöfele [Prötist^fala Hi.'\ 
n. — Schweiz, i, 112. 

Brennofe" [Pranöfo Zins7v.^ m. Ziegel- 
ofen. — Schweiz, i , 112. 

Buchofe" [Py/öfa Dü^ m. Ofen mit 
Waschkessel (Buchkcssel). — Schweiz. 
I, 112. 

Bummerofe" [Pümaröfa K. Z. Han.~\ 
m. eiserner grosser Stubenofen mit grossem 
bauchigen Teil\ jetzt nur noch auf dem 
land. 

Burenofe" [Pyranöfa Bf^ m. = Bum- 
merofe". 

fEitouen, caminus. Herrad 197, 6. 

Kachelofe" [Khä/löfa Logelnh. Du.; 
Khä/löfa K.; Khä/löfo Z. Han.~\ m. Ofen 
aus Backsteinen: doch wird auch einer mit 
gusseisernen Platten so genannt; auf der 
Decke befindet sich meist noch ein Aufbau, 
glasierte Konsole aus gebranntem Thon. 
— Schweiz, i, i i i. 

Kunst öfele [Khustefla M.; Khünst^fal 
Bf. ; Kheynst^fala Dachstn.^ n. Kochvor- 
richtung des Heer des: Eisenplatte meist mit 
zwei runden Öffnungen, die sog. Brille 
zum Einhängen der Töpfe. — Schweiz. 
I, 112. 

Kuppele f e° [KhüpolöfQlVinzenh.Zinsw.] 
m. r. Schmelzofen für Eiseti, Erz usw. 
Zinsw. 2. grosser eiserner Ofen mit kuppei- 
förmigem Aufsatz Winzenh. 

Rötofe" \^&ibS.'d K. Zl\7n. grosser, läng- 
licher aus Backsteinen aufgemauerter Ofen, 
über welchem stufenweise auf breiten Hürden 
Röte, eine Kulturpflanze, aus der die rote 
Farbe zum Färben der Militärhosen ge- 
wonnen wurde, zum Dörren ausgebreitet 
war. Die Röthüser oder Rötschüre" waren 
in den Herbstnächten die beliebten Sammel- 
plätze der männlichen Jugend. 

Stubenofe" ['Stüwanöfa Su.; 'Stüwöfa 
K. Z. Ndrbetschd^ m. grosser Kachel- 
ofen in der Stube: er is' so dick wia na 
S. ; in neuerer Zeit auch der gusseiserne 
Ofen U. — Schweiz, i , 112. 

Zwische"öfele [Tswiäadfalo Hi^ n. 
Brat- u. Backraum im Ofen. 



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- 19 — 



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offe" [öf9 allg.; öwo Saarumon\ Adj. 
offen. En offeni Kutsch Bf. [wcieja wit 
öfa sten so weit offen stehn, dass ein Wagen 
durchfahren kann Z.] D T^'ür is' wite" 
Wauje" o. Ndrbeischd. — Schweiz, i, 113. 

offen 1 11'='' [efgntli Ndhsn. Geisp.; efatli 
Z.; efontli;^ Wörth^ Adv. öffentlich. — 
Schweiz, i, 114. 

Öffnung [Kfnüri^ Z.~\ f. Öffnung, 

Leibesöffnung, Stuhlentleerung ; scherzhaft 

für Hoffnung Hf. — Schweiz, i, 115. 

offeriere" [öfariera Olti. Hi. Su. Du. 
Hf.; öfrira Str. Buchsw.; Part, köfariart 
Heidw.~\ anbieten, bes. aufwarten; dann 
öfters : an o. Du. Er hat m'r si" Herbst 
a" offriert sein Erträgnis an Wein zum 
Kauf angeboten Dil. — Schweiz, i, 115. 
frz. offrir. 

Offerte" [Öferta Geber schw7\ f. PI. 
Vorstellungen : O. mache". 

uf [yf Sicr.; ixi fast allg.~\ Prüf, mit 
Dat. u. Acc. auf: P'' sitz uf der Bank ; 
uf der Tisch leije"; nach: uf Strossburi, 
uf Amerika; 'vnnd meinen Weg durch 
Nancy vfiF Pariss nam' Mosch. I 7. auff 
CoUmar' 1789 JB. I 108. uf s Tanzhus, 
uf de Messti ge'^n Hf. ; [ar wyünt üf Melpa 
er wohnt in Mühlbach M.] ; gegen : uf d^n 
Owe"d, (sc/ion in Sterbeacten Mittelhsn 16 jy 
auf den Abend'), uf de" Mitta?, uf d 
Ostere" ; dies auch : am Ostertag. Uf i'^n und 
uf ne auf ihn los! Uf Doctor studiere" 
Medizin studieren, uf Schnider ler"e" das 
Schneiderhandwerk erlernen Banzenh. K. Z. 
Ebs uf eine" hole", trinke" auf Rechnung 
von Jemand Hf.; uf e par kummt s 
m'r nit an Du. Auf die Frage: wieviel 
Uhr} wird geantwortet: Drei Viertel uf 
Glocke", wenn der Hund seh., gi'^tsMocke" ; 
drei Viertel uf kalti Schnitz, wenn s nit 
glauwe" wi'^t, so blitz so geh fort! e'° 
Viertel uf kalti Wacke"; wenn s schlaft, 
schlaft s d'r an de" Backe" ; e'" Viertel 
uf alti Döwe" Dauben; wenn s nit gla"bs', 
kanns' ge'^n löwe" lugen, schauen Rauw. 
Rda. Uf d acht U'^re" ge'^n an Winterabenden 
um 8 Uhr die Spinnarbeit unterbrechen 
und auf die Gasse gehen, um sich zu er- 
frischen und zu unterhalten, von jungen 
Leuten Lohr. Uf d halwer nüne ge'^n 
um halb neun in der gleichen Absicht auf 
die Gasse gehen; um g Uhr läutet es in 
der Kirche, dann wird die Arbeit wieder 
aufgenommen Ingenh. Dunzenh. Ei" Mol 



uf (um) s ander immer wiederholt Hi. — - 
Schweiz, i, 116. 

u f Adv. I . auf: uf ste'^n ; der Salat 
geht no'='' nit uf; de" Huet uf tuen atif- 
setzen Z. ; uf ha''*" aiif dem Kopf tragen 
Hi.; s leit m'r uf es ist mir angelegen 
{ironisch: es ist mir gleichgültig) Str.; d 
Socke" gehn schu" wider uf Du. 
2 . offen : d T'^ür is' uf Su. ; uf ha''*" {den 
Laden, die Verkaufsstelle) offen haben 
Hi. 'Auge uff oder der Geldsack' Mü. 
Mat. 40. 'ler bilde -n- ych gar yn dass 
merr for's Gsind soll d'Händ Johr us Johr 
yn uf han' Pfm. II i. 3. zu Ende: eisere 
Herdäpfel sin^ uf unsere Kartoffeln sind 
zu Ende Liebsd.; sin Geld is' uf; uf ha''*" 
aufgegessen haben {auch vom Vieh) Hi.: uf 
un"^ dervo" eilig fort; er is' uf u. d. hat 
sich aus dem Staube gemacht Su. Hf.; uf 
un*^ nider i. völlig: s ist uf un'^ nider der 
nämlig (nämli Hf.) wie sin Vater Du. 'ein 
hebräisches Wort ohne Punkten . . ist auf 
und nieder wie eine Pflanze ohne Staub- 
laden' Hebel Br. 20. — Schweiz. 1, 118. 

druf [trüi] Adv. darauf. Druf ghockt 
Spielerausdruck im Kartenspiel: nur ge- 
stochen! Hf. Druf, s is^ e Jud! Barr; 
früher im Münsterthal : druf, s is' e Wälscher! 
Hau nur druf, wenn er nit zfride" is' Ruf. 
Druf ge''n zu Grunde gehn Bf., aufge- 
zehrt werden Hf. Druf sin darauf erpicht 
sein Hf. P'^ wett druf K. Z. ; druf komme" 
auf etwas zu sprechen kommen. Als druf 
immerfort: du bis' als druf numme duse 
du bist nur immer draussen Roppenzw. 
Wie s druf \\w^ dran ist komme" als es 
auf die Entscheidung atikam Hf. Jo wenn's 
druf un*^ dron kummt, is' s gor nit wo''r 
Dunzenh. Ich pfif d'r druf! verächtlich 
Dunzenh. — Schweiz, i, 119. 

^^T\xi Adv. herauf Hlkr. Str. Weyersh. 
Wörth; verkürzt ruf ^. Z. Ndrbetschd. 

•^'nuf [nüf Du. Co. t^.] Adv. hinauf. 
D Stej nuf die Treppe hinauf. Spw. We"" 
m*r nit hoch nuf ge^^t, gheit m*r aü='' nit 
hoch ''era'' Du. 'D'Mueder isch ewwe 
nuf un d'Christine isch o' derby' Pfm. 
II 8. Bis' n. kumme"? in der Schule 
einen höheren Platz bekommen U. 

nufzusig, s. zu. 

ufe, s. hin. 

obe"* '''nuf [öwo nüf Su. bis Schleit.'] 
I. Adv. oben, bes. in die Oberstube, im 
obern Stockwerk. 2. f. n. Du babbeis' 
von dem Ding wie e Ku*** von *'" ere O. 



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— 20 



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D'^ Alte wo^'ne" em O. Wk. [En taem Hys 
es khaen Owenüf. 0w9r (euer) O. hön e^ 
nö/ net ksin gesehen JV/t.^. 

Afrikaner [Afrikänr Obsteinbr.'\ jn. 
ehemaliger Fremdenlegionär. 

AfFrunt [Afrünt Hi. Ruf. bisNdrrödern^ 
m., meist PL [-9] Beleidigung, Schimpf, 
Vorwurf. Ei"^m A, mache" Hf. Alli A. 
ant^uen Z. Eine" in A. stelle" ebd. Wenn 
einer ein Geschenk nicht annimmt, sagt 
man: Wurs' m'r doch die A. net mache" 
Du. Ironisch bei einem Glücksfall: Dis 
is' dir allewej e. A. dies ist wahrschein- 
lich eine Beleidigung für dich Rtif. 'Er 
het mer e-n-Affrunde gemacht, der Schand- 
flek der' Pfm. III 2. — frz. affront. 

Zss. Affriinteg^sicht (Schimpfname). 

affruntlig tmverschämt , beleidigend 
Hi. Basel 5. 

affr Untiere" [äfrüntiQra Hältst, bis 
Bf^ beschimpfen, tadeln. 'Do bly't der 
Batschbue dhaim im kan druf fürt spikkliere, 
wie merr d' honnedde Lyt recht kann 
veraffrundiere' Pfm. III 7. 

-|-after alte Präp. erhalten in Zss. After- 
mäntig , Afterschlag, Aftertenn , s. den 
2. Teil. 

jdar affter, contr. draffter, hin tind 
her; auch dor affter, um tmd um; zti- 
weilen ; oft; immer, hin und wieder, s. 
KöNiGSHOFEN 66 «. aftcrwegen. 

A f t e r »/. Mastdarm Scherw. Vgl. Näfze". 

oft [oft ///:] Adv. oft. 

öfters [6ftrs Hf7\ Adv. oft. Nit ö. 

Agalunere" [Akalynara Dollern'] f. 
Scheinheilige , Pietistin, s. Joggaluner. 

Agat, Agate, Agater [Äkät Hi. Isenh. 
Rapp.; Akäta Feller i ; Akätar Tagolsh.] 
m. (Horbg, Beblenh. Rapp. Scherw. f.) 
grössere Schnellkugel der Kinder aus Agat, 
auch Glas oder weisser Erde. Synon. 
Gstuns, Boler, Märmele. Denan. Agätel 
Agätele [Akätala Co.] n. — Schweiz. 
I, 125. 

Agele, Agel [Akala Fisl. Banzenh.; 
Aklö Hi.; Äkl Su. bis Logelnh.; Äjl Z. 
Lobs. ; meist PL Äkb Hältst. Heidolsh. ; 
Ajl9 Du. Geisp. K. Z.; Ay/la Aschb.; 
AJ9rl9 Ingw^ f. (n. Z.) Granne, Spelze 
der Getreideähre, besonders Gerste; die 
holzigen Teile des Hanfs, die sich beim 
Brechen ablösen, Splitter, die bes. zum 
Feueranzünden dienen, s. auch Age". 'Die 
Ameissen samlen holtz hewbliimen vnd 



eggelen* Geiler Em. 32, ders. /*. 3, 51. 
L. 15. Br. 22''. Auch bei Tauler und 
Murner Stöber. 'das sie allemal das äglin 
fil ehe ins nechsten aug dann den balken 
in dem ihren sehen' Bucer an H. Ernst 
von Lüneburg 1^32. 'Festuca ägle, 
spriessen, Splitter' GoL. 350, ägel' 406. 

— Schweiz, i, 127 Agne. Schwab. 9 
Ageln. Bayer i, 47 Agen. 

Dazu? Ratägele, Rakägele [Rakä- 
kala Attenschw. ; Rätäkla Ndrsept. Liebsd. 
Hi.; Rekäkalg Roppcnzw?\ n. Ackersenf, 
Sinapisarvensis ; Ackerhornkraut, Cerastiiim 
arvense; Ackerrettig. 

Aglete [Aklata Roppenzw.~\ f. bes. 
PL Kornspelzen. — Schweiz, i, 128. 

aglig [äklik Logelnh.] reich an Grannen : 
de'' Waise" is' a. 

Äge", [Eja Lützelstn.; Aia Wh7\f. PL 
Abfall von Hanf. [Mar hön hit kekwetst, 
jets wel fj(^ nö;^ ken t Aie höla Wh.]. 
'Den Meidlein die Agen schütteln' Dienst 
der Burschen in den Spinnstiiben Fisch. 
Garg. 359. ^ 

Agent [Akant Heidolsh. ; A;^ant Z.] 
m. Agent. — Schweiz, i, 127. 

Aget, Agert [Akat Habsh. bis Katzent. ; 
Akat Geberschw. ; Akart ///.] Agatha, weibl. 
Vorname. Wegen des Kalendertags , ^. 
Hormmg, an welchem die Erde oft auf- 
geweicht ist, heisst es: s Aget is' e Dreck- 
loch JB. XII loi. Koseformen: Agi, Agati ; 
Demin. Agel, Agetle. Agathazettel (Bild 
der Heiligen tmd Inschrift) wird an jede 
Haus- und Stallthüre angeschlagen zum 
Schtitz gegen Hexen Pfetterhsn. ; s. Als. 
1856/57, 326; gegen Feuer nach JB. 
IX 41, 44 ^., wo ein lateinisches Gebet 
zur h. Agatha mitgeteilt ist. Alem. 2, 145. 

— Schweiz, i, 125. 

Agnes, Angenes [Arianes Geberschw. ; 
Ax\jdv\6?,NBreis. Ruf.; k\\^mt%Mb.] weibl. 
Vorname Agnes. Am Agnestag schwärmen 
die Bienen ; daher Angenes macht d Imme" 
bös. Koseformen: Angenesi Stt., Nes Z., 
Nesi O., Näsi [Näsi 0.] d Neks [N«fks 
Dunzenh., Neks Ar.]. Demin. Angencsle 
Urbis, Nesle. Der Name dient, auch in 
seinen Koseformen, zur Bezeichnung von 
beständig klagenden, jammernden, nörgeln- 
den Frauen und Mädchen , auch von 
Kindern , die beständig mit Wünschen 
plagen JB. XII 98. So bes. die Angenes 
in der Leime"grueb! die Janimerbasel 



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Ägerling [Akgrlir^ Attenschw. Ruf. 
Sicrcnz\ vi. cssbarcr Gdhschwarnm, Pilz. 
Bi dem Rege"wetter komme" d A. hufe"- 
wis use. Ägerling macht d Meidli gering 
Kinderlied Bmtzenh. s. atich Äderling. 
— Bayer, i, 942 Egertling, Egerling, 
wo ans Geiler citiert wird: 'solche 
Schwammen hören ufT solliche Egerden.' 

Ägerste [Äkarsta Liebsd. Sierenz Ob- 
burnhqtt.pt Banzenh. Ruf.; Akasta Mii. 
Hi.; Akarst Ensish. Bollw. Hirzfn. Su. 
Hlkr. Obhergh. Balzenh. ; A;K9rtsto Dollern; 
Ajorst Logelnh.'\f. i. Elster, pica caudata. 
Rda. Verstole" wie ne Ä. Sierenz. Wenn 
d Ä. bi me Hus ratscht (schreit), gW s 
Strit drin Hi. s. atich Atzel. 2. spass- 
haft: Schulschwester Ruf. 3. ^ Deji Statt- 
läuffer von Basel nanten die Gross- 
häufigen 1^86 spottweise Aegersten, 
weillen er sehr schlank war, auch eine 
lange ausgespitzte Nasen hatte' Zwinger 
b. Mieg I, 167. W. 57. 'Aegerst Pica' 
Dasyp. — Schweiz, i, 125 Agelstere; 
Zs. f. vergl. Sprachforschung 34, 344. 

Dornägerste, [Törnäkarsta, Ternä- 
karsta Olti. Fisl. Attenschw. ; Törnäkarst 
Ensish. Su^ f. rotrückiger , gemeiner, 
grosser Würger. — Schweiz, i, 127. 

Aug [Ayk Steinbr.; Aik Steinb. Sn. 
Ruf.; OWMb.; 6\k Logelnh. Co. Du.; Äi 
Bebclnh.; Oiy K. Z. Ndrbetschd.; Aü Ar. 
Hagenaji Zinsw. Dehli. Lohr ; PL Oika, 
Äika O., Aja Scherw. ; CEyjg K. Z. ; Aüa 
und XvfüStr.; CEwa Wh.; Awa Mühlhsn. 
Lützelstn. Lohr; G. Sg. Aüas- in Aüas- 
plik 71. rt.] n. Auge. Auge" wie ne Pflueg- 
rädle gross Hi. (wo es von einem Wald- 
gespenst gesagt wird), wie ne Kralle 
(Koralle) schöne, grosse. A., me" könnt 
uf ei"s kneije" un*^ s ander ab säge". P^ 
ha^^ hinge" ke'"^ Auje" K. Z. D Auge" 
sin«! i'^m überlofife" er hat geweint Hi. 
*Un 's isch do' wundersam, dar Mann 
sycht an de-n-Oige ke Stich' (Colm. 
MA.) Pfm. II 6. Er het ein Aug im 
Hose"sack un^ s ander im Hirn er 
schielt. Er ka"" mit ei"*m A. in d^r 
Rochhafe" luege" un"^ mit '^em andere" in 
s Kami" mif Katzent. 'Sie guckt mit vier 
Auje üs'm Bett erüs' sie ist niederge- 
kommen U. JB. VI 142. Dem sini 
Au^e" sin** mit Dreck in gsetzt er kann 
nicht sehn, nicht begreifen Str. Der macht 
Auje" wie e Side"künjele ist betrtmken ; 
wie e Katze"roller uf ^'"^me Saümage", wie 



e Roller am Speck sieht zornig drein. 
D Auje" sin** grösser a's d'^r Mauje" (Magen) 
er nimmt sich eine grössere Portion als 
er essen kann K. Z. Do gab (gä'^t) als 
eins en Aug drum, s ander hätt keins 
da herrscht die grösste Missgunst Aschb. 
'Also sein noch vil neidiger Menschen, 
die gern eins Augs manglen, damit ein 
anderer gar' blind sei' Pauli 367. (Anek- 
dote, woraus die Rda. abgeleitet wird). 
'Sie wagen lieber ein aug dass eyn an- 
derer zwey verlier' Fisch. Bin. 87. Das 
passt wie e Fust uf en A. Es gi^t uf d 
Auge" Schläge Ruf. s t^uet m'r in de" 
Auge" we*^ ich kann und mag es nicht 
ansehn Hi. Er macht was er i^m a" 
den Auge" a"gsi*^t ist ihm völlig zti Diensten ; 
'Geh i derr nit uf 's Winke un due, was 
i derr nurr am Au als an kann sehn' 
Pfm. IV 4. Der hat nimme*^"^ eso viel 
Vermöje", <*ass i^m we** i" ^'""^me Aus 
t^ut Dehli. vgl. Bayer, i, 49. Dem 
Kälbel, der Katz in d Auge" schlage" 
Jemand, an dessen Gunst gelegen ist, be- 
leidigen ; s. Mosch. I 2 i 6. Under vier Aüje" 
saje" Bf. Er het en Aug uf dene" er passt 
ihm auf (aus Liebe oder Hass) Sti. Ken 
A. voll schlofe" die ganze Nacht nicht 
schlafen können Banzenh. U. Uf s A. 
ohne zu messen (Handwerker spr.) vgl. 
Bayer, i , 49 nach Augen. Am A. ! 
neinl Str. {vgl. frz. ä l'oeil). Ein^'m (eme" 
Blinde" Banzenh.) e A. us trete" in einen 
Kothaufen treten Lutterb. 'ich ha-n-ihr 
in d' Auge gä' in die Augen gestochen : 
frz. donn6 dans l'oeil. Lustig I 119. 
2. Knospe der Rebe, bevor sie zu treiben 
beginnt, allg. 3. Punkt auf Würfel oder 
Domino. Er macht uf sine" nun Auje" fort 
ist eigensinnig Rauw. 4. Fettbläschen : 
do löwe" au^*^ me^' Awe" in d Supp a's 
erus W. Demin. Aügele , Aüel, Ajel, 
weniger gebräuchlich als Gickele. Ironisch : 
A. we Kralle" awer nit so schön , e 
Köpfelc wie e Äpfele un** e Näsele wie e 
Kann Steinb. -^ Schweiz, i, 131. 

Aber aug [Awaröik Geber schw. Hlkr. 
Du.'] n. Nebenschoss an Reben, junge 
Triebe an den Gelenken, da wo die Blätter 
stehn; sie werden abgebrochen. 

Ägerste"aug Hühneratige am Fuss, 
Leichdorn Olti. bis Ingersh. 'Aegersten 
äugen Morticini Clavi' Dasyp. — Schweiz. 

! I, 135- 

; Bolaug ;«. spöttisch: PI. grosse, stark 



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auG — eG 



hervortretende Augen, Glotzaugen; Mensch 
mit solchen Augen Olti. bis Dil. 

Bolaügi ;;/. dass. 

bolaügig [pölöikik Dü7\ grossäugig. 
— Schweiz, i, 137. 

Fischaug [Fisäik Obhergh/\ n. Fisch- 
auge; eine Frau niit solchen. 

Frösche"äu geler [Fr^s3aik9l9r 7?'/r/^/5.] 
n. PI. Vergissmeinnicht . 

Glotzaug [Klötsäikö//'/. Co7\ n. grosses, 
stieres Auge. — Schweiz, i, 136. 

jGluraug: 'Paetus dem ein aiig kleiner 
ist dann das ander, glauraug, vbersichtig' 
GoL. 104. 

Guckaug I. n. Küchenschelle : e Struss 
vo" Guckauje" Bisch. 2. m. Gaffer. Das 
Mä'de" is' e wahrer Guckau^^, das muss 
alles gesi^n Dehli. 

Hüe'^n eräug n. Hühnerauge, Leich- 
dorn Steinbr. s. auch Krä'^enaug. — vgl. 
Schweiz, i, 136. 

Kaffeeaug n. Übername eines Mäd- 
chens Obhergh. 

Kasan g [Khäsäik Su. Co.^ n. Auge 
mit verhärteter Augenbutter, Triefauge; 
(oft Schimpfwort). 

Katzenaiig [' A'ätsaäik Olti. ; Khätsanäik 
Co.] n. I. Katzenauge. 2. Ehrenpreis, 
Gamander, Veronica campestris, Demin. 
Katze"äugle n. Vergissmeinnicht , Myos- 
otis Liebsd. — Schweiz, i, 137. 

Krä^enaug [Kränäik NB reis.; -äi 
Bebelnh. ; Krdjanoei-ö'rtirr; Kräjanoey K. Z. ; 
Kraejanaü Str. Lützelstn. ; Kräjanai Wörth; 
Kraengnaei Lorenzeri^ n. Hühneratige am 
Fuss. (Krähe ist sonst nicht gebräuch- 
lich). 'Clavus Kräyen aug' Gol. 283. — 
Schweiz, i, 137. 

Ochse"aug n. 1. Sg. Gefängnis 
Kientzh. 2. 'Fünffrankenstück in Silber 
Str. Ulrich. 3. PI. Eier in Butter ge- 
backen Ltitterb. Str. — Schweiz, i, 135. 

Passaug [Päsoei Barr'\ n. i. scheles 
Auge; 2. schielende Person. 

Pflöigsrädleaug n. grosses Auge. 
Strüth. 

Spatze"aug ['Spätsaäik Battenh.'\ n. 
PL kleine Eiterbläschen an den Mund- 
winkeln; s. auch Spatzenecke". 

Stierenaug ['Stiaronäyk Olti. Friesen'] 
n. Wiesenskabiose, Gartensternblume, Gar- 
tenaster, Aster chinensis. — Schweiz. 
I, 138. 

Tapelaug [Täpoläi NB reis. ~\ n. ge- 
schwollenes Auge. 



Üle"aug [Ilooik 71/.] n. Eidcnauge, 
grosses Auge. 

Zig er aug [Tsdkoröik Liebsd. bisLogeln- 
heini\ n. =^ Käsaug, Triefauge, Auge mit 
Schmalz, ungewaschen oder krankhaft; 
Schimpfwort. — Schweiz, i, 139. 

ei" äugig [aiaikik Logelnh.~\ einäugig. 
'Unter de Blinde sinn d' Eiäiger König* 
Mü. Mat. 66. 

witaügig Adj. die Augen tief im 
Kopf habend. [Tor soel Pü es so witocje;/ 
im so moewsr Wh.] 

äugle" [aikla, aikala Roppenzw. Mü. 
Su. Hlkr. Du.; aejla Molsh. K. Z. Han.] 
octdieren, Bäiime und Sträucher veredeln. 
— Schweiz, i, 141. 

Äugler m. Apfelart, sehr schmack- 
haft u. beliebt. Su. 

Eräugnus n. Ereignis; [a wiast 3r- 
aiknüs Katzent^ ein grosses Ereignis. 

Äugst [Äikst Sti. ; Aykst Ruf. Osenb. 
Kerzf.; Oikst Du.; CEykst K. Z. Ndr- 
betschd. ; Aükst Str. Wörth Lützelstn. 
Lohr~\ m. Monat August ; seltener [Arnt- 
mönot] Erntemonat. Was der Äugst nit 
t'^uet g^rote" (kocht), ka"" der Herbstmonet 
nit brote" die im Aiigtist nicht süss ge- 
wordenen Trauben werden es auch im 
September nicht Hi. Du. Der A. ist der 
Herdäpfelmonet ; wenn der z trocken is', 
git s keini Dil. 'Und wan er erst im Äugst 
käme* Fisch. Prakt. 4. 'Äugst soll sein 
ein Augentrost, Macht zeitig Korn vnd 
Most* ebd. 20 — Schweiz, i, 153. Bayer. 

I, .54- 

Äugstier [Aikstlar Blotzh^ m. Traube, 

die schon im August reift. — Schweiz. 

I, 154. Schwab.. 31 'Äugstelen Atigust- 

birnen . 

egal [ekäl Olti.; ekäl Logelnh7\ (ein 
netteres Wort) gleich, einerlei. Vgl. älteres 
gli(ch), eins, einerlei. 

Egedechse /., Eglas /. (m. Urbis), 
Eljas y., Enge las n.; die Demin. n. 
[-|-Ektas Avolsh. ; Ätaeks Ndrröd. ; Ataks 
Wingen b. W. ; Hätaks Sc hie it. ; Ataksl 
Bühl ; Ekotakslo Hi. Tagolsh. ; Aitaksla 
Steinbr.; Aitdksli Banzenh.; Haitaksli 
Sundhsn j Haeitaksl Ndrbetschd. ; Artaksl 
Lobs. ; Ekaleksa , Eklesa Mü. ; Ekaläsa 
Wittenh. ; Eklas Dessenh. Urbis Co. ; Eklas 
Osenb. Su. ; Eklas Hüss. ; Eklds Mb. ; Eilas 
Ingersh. Bebelnh. Rapp.; Ekalässlg Lutterb. 
Ensish. ; Ekläsla Olti. Feller i. Ruf. Mitt- 
lach Wolf ganzen ; Ekläslo Lsenh.; Ekläsl 



eG 



23 



eG 



Büst ; Ejaläsb Hlkr. Logelnh.; Ailasl 
Kaysersbg. ; Ekleisl Lützelstn. ; Eklaesl 
Wk.; Elklasla Sierenz Obhergh. NBreis. ; 
Ailäsr Obbr. Wörth; ^iläsr Uttenh. Ost- 
hsn. Bisch. Geisp. Dachstn. K. Z. Han.; 
Ailaesr Str. ; Ail^sr Kindw. ; Hailäsr Du. 
Mütt.; H6iläs9r Scherw. Kerzf. Nhof ; 
Hoeylesr Ostwald; Eljas Ingersh. ; Eljasla 
Winzenh. Co. M.; Eij^kslas Obbmck; 
Ewisl Dehli.; ^pitsl, ^haeksl Altw^ 
Über den Strassburger Ausdruck Jungfer 
Sara s. Sara. i. Eidechse. Wusselig, flink, 
mager wie e E. Volksglaube: Wer eine 
Eidechse berührt oder gar beschädigt, ver- 
liert an dem Tage etwas Str. Wer eine E. 
sich über die Hand laufen lässt, lernt schön 
schreiben Büst Hangw. Grauft. Schönbg., 
geschickt nähen Dunzenh. — 'Egdess, 
Egeless Stellio' Dasyp. 'Die Kinder legen 
etwan Eglesen in die geren und schimpfen 
(scherzen, spielen) darmit' Geiler Arbor 
humana iio''. 'mit der egless' Gart 
D. G. IX'*. 'Lacerta Eydechs, Eggles' 
GoL. 325. 'die Haidochsen' Fisch. Ehez. 
155 (C 5^). 'Im Laub am Bode hört 
me gschwind D' Eglässle -n- ummenander 
springe' Lustig Schk. 439. 2. Blind- 
schleiche Geisp. — Schweiz, i , 94. 
Schwab. 155 Eggäs. Bayer, i, 51. MA. 
6, 471 — 475. Über die Namen im Elsass 
s. Als. 1875,332. Bazii[NhxSLlais Dollern], 

Egel M. Egel. 'Aegel Hirudo' Dasyp. 
'Hirudo ägle' GoL. 328. — Schweiz. 
I, 131 Ägle. Bayer, i, 52. 

Blutegel, Blutigel Geiler SK 7. 6. 

Rossegel [Rösejl/Ä^fcTJ-/^.] m. grosser 
Egel. — Schweiz, i, 131. 

Sauegel [Söi^jel Co.] m. Blutegel, Ross- 
egel. 

Vollegel [Földkl Hlkr.; Földjl Du. 
Hlkr. ; Fölejl Rttf. Geberschw. Co. Ingersh. 
Rapp. ; Fölejl K. Z.] m. Trtmkenbold, 
Säufer, Lump. 

volleglig trunksüchtig Horbg. 

Ege [fik Su. NBreis. Mb. ; t\ Ingersh. 
Rapp. Barr Hf. Lützelstn. Wh. Ej Ndr- 
betschd. ; Ej Ingersh. Geud. ; JK] K. Ingenh. 
Furchhsn.; Ai Erstn. Osthsn^f. Egge. s. 
auch Egete. — Schweiz, i, 142. 

ege" [eka Hi. Sti. Banzenh. ; äj9 Er- 
stein; eJ9 Dil. Hf. Roppenh. Zinsw. 
Wörth; 6]^ Ndrbetschd. ; ^p K. Ingenheim 
Furchhsn^ eggen. 'Antonius Puis eget' 
eggte Fisch. Garg. 293. in, undre ege" 
durch Eggen hinunterbringen, z. B. den 



Hanfsamen. Du. — Schweiz, i, 142. 
Bayer, i, 51. 

Egete [Ekata Roppenz. Tagolsh. Fislis 
Hi. Heidw. Ensish. Steinbr. ; Ejt Dü.^ 
f. Egge. Rda. Ma" ge'^t m'r mit ^'"ere 
E. dur"^*' d*r Mage" (von starken Leib- 
schmerzen) Steinbr. — 'Egde Egg' Schwab. 
155; mhd. egede , eide. 

Egerde, Eger m.; Egerst»/.; Eger- 
\t.n. [Äkrt9 Olti. Roppenzw. Hi.; Äjrta Hf. 
Geud. ; Ajrt Katp-ent. Bisch. Bf. Dachstn. 
Achenh. Lobs. ; Äjr Molsh. ; Äjrst West- 
halten M.; Demin. Ajrla Bebelnh. Z. Ingw. 
Hf.~\; unbebautes Land, wenig fruchtbare 
Wiese im Ackerland , unbebaiite Land- 
strecke, auf welche die Schweine getrieben 
werden, s ge^t zuemen Ajert es geht zum 
Ende, er wird bald sterben Barr. Er 
het nix a's e par Egerste schlechte Äcker 
Westhalten. Dann Adv. [eig. in egerde) : 
e. leie" tmbebatit , brach liegen. Auch 
von einem Mädchen : die bli'^t e. kommt 
nicht zum Heiraten Z. 'Egert, Ergert' 
Alem. I, 277. 'wenn nun der rebmann 
dieselbe reben nit buwete , und weder 
hackt, noch schnydt, noch ruirt, so wurdet 
sye zu einer agerden , u. wuichs kein 
wein' Geiler P. II, 8, vgl. ebd. III 41. 
'Schwarzajerle = der schwarze Egerd^ 
Buchsw. Als. 1850, 59. — Schweiz. 
I, 129 Ägerte; Bayer, i, 941 Egärt; 
Schwab. 12 Agert; Frisch Ägerte oder 
Ägete ; Lexer egerde. Vielbehandeltes, 
aber noch nicht befriedigend erklärtes 
Wort. Es erscheint zuerst in den Gloss. 
S. Hildegardis Steinmeyer 3, 398, 42 
egerda und auf diese Grundform weisen 
nicht nur die alten Belege, sondern auch 
die heutigen Mundarten zjirück ; erstere 
bestätigen vielfach die Verbindung in 
egerde ligen. Vielleicht hängt das Wort 
zusammen mit lat. egere, egenus, egestas, 
deren g durch das griech. u^V^ dürftig, 
d/i^via Mangel als ursp. gh atisgewiesen 
wird : egerde wäre ein Subst. der Eigen- 
schaft wie got. diupij)a von diups u. ä. 

eger ig [äkori^ Roppenzw^ brach. Der 
Acker ist scho" dri Jor a. glegc". 

Egidi Ägidiustag, i. Sept. Wetterregel : 
Wenn s am E. rejt (regnet), wer'^e" Viel 
Matte" nit gemäit, viel Äcker nit gsäit, 
viel Trüwel nit ziti^, so spricht Egidi 
Ostwald. Wenn s am E. rejt, wurd emanichs 
Matt 1 ni' gemäjt un** e manichs Stück*! 
ni' gsäjt Ingenh. 



aG — iG 



— 24 ~ 



iG — aGR 



eige" [aika Su. DU. M. ; aeja Barr 
K. Z. Han. Ndrbetschd. ; aj9 Rchw. Str. 
Wörth Lohr\ i. angehörig. Mi" eige" 
mein eigen 0. V-^ gib d'rs f^r e. ich 
schenke es dir allg. E'" Eigener Ange- 
höriger , Familienglied M. E. Gewächs 
selbstgepßanzter Wein. Scherzhaft: Is' 
das e. Gwächs uf dem Maidle sim Kopf? 
eigenes Haar Du. E. Ruam , e. Lob 
stinkt Du. 'Eigener Wille" Eigenwille 
Str. Ulrich. Er redt uf sini e. Mü*"] 
spricht zu seinem Vorteil Su. S is' si" e., 
das ist seine Art, er losst si'^'^ s nit neme" 
Hlkr. 2. eigenartig, sonderbar. E eiiene"^ 
Kerl ein Sonderling Rchw. E-n-eijener 
Kopf Trotzkopf Z. — Schweiz, i, 145. 

eige"s [aikas Olti. Licbsd.'\ Adv. ge- 
flissentlich , absichtlich. [Jets mä;^ i s 
aikas. I pe aikas waka tarn yxx Olti.~\ 
— Schweiz, i, 146. 

eige"lich, eige" tl ig [aikalik Hi. Heidw. 
Su. Obhcrgh. Co. Mütt. Rchw. ; aikantli 
Ruf. ; aikatlik Du. ; aijatli Bf. Str. ; aeijatli 
//f. ; aeikli Ingenh. ; aijatli;/ Tiefenbach 
Lützelstn. Lohr ; aeiatli;^ Wh^. Adj. 
I . genau, gewissenhaft, empfindlich, eigen- 
sinnig, launenhaft, geizig. [Taer es kär 
aeijatli;^, taer loyt üf sin Sä/ Wh\ Is' 
dis e eige"ligi Frau: si het der Putzteufel 
im Lib Rchw. En Eije"tlicher ein Pedant 
Hf. Qer Fall is' ganz eijetli'^*' ein ganz 
besonderer Str. 2 . eigentlich, wirklich : 
der eigelig Grund Heidw. Adv. 3. genau, 
bestimmt: e. lueje" genaii zusehn; [i;^ 
häp s am aeijatli eksplitsi^rt genagt ausein- 
ander gesetzt Hf.~\. Er seil e. (sicher) 
kumme" Ingenh. Si müen (müssen) m'r 
minne" Mandel ganz e. am dritte" Juli 
schicke", ich verreis Str. S ist für e. 
wo''r es ist ganz sicher wahr Barr. Ich 
will e. wisse" Hf. 4. eigentlich : Was het 
er jetz aü"='' e. gseit? Hf Ich soll di'=^ e. 
gar nimme gern han Str. Was glaübs' 
e. vu" m'r? Ruf. — Schweiz, i, 146. 

Igel [Ikl Fisl. bis Heidolsh. ; tk\ 
Steinbr. Su. Du.; Ekl Mb.; Ejl Du. Rchw. 
bis Rotb. ; Ejl K. Ingenh^ m. Igel, Erina- 
ceus Europaeus. Andre struppige Wesen : 
da* 's' e I. von ""ere Soü ein struppiges 
Schwein Roppenzw. ; bes. ein ungekämmtes, 
freches Kind Du. — Schweiz, i, 52. 

Butigel [Putikl Geberschzv.'] m. kutzig 
wie e B. verworren. 

Fotzenigel = Hahnenkamm, bidens 
tripartita. Kirschl. i, 501. 



Harigel [Hürejl Rapp. Kindw.; Hörejl 
Katzcnt. Str. K. Z.] m. i. Mensch, bes. 
Mädchen mit tmgekämmtem, struppigem 
Haar. 2. Haarwust. Harigel bei 

Fischart Zwiebelstinckende Harigel' 
(Küchenmägde) Garg. 66 tmd in Ala modo 
monsiers 1628: i'. 3. Ergänztmgsband zur 
Ztsch. f. dtsch. Unterr. S. 12g ff. 'S 
isch e scheni Zyt gsinn wie noch in unsere 
Stuwwe-n-iseri Oeffe gestände sin mit em 
Abselon, wie er mit sim Horreil do hängt' 
E. Stöber Vorr. zwu Ncujahrsbüchl. 18 18. 
Er war 'mit sim Horreijel am e Baum 
uff em Wal hänke gebliwwe' Stöber 
Daniel 19. Vgl. Horheuel. 

Hornigel [Hörn^jl Bisch. Geisp7\ m. 
f. Hornisse, Wespe. 

Hundsigel [Hünsejl Rchw7\ Igel mit 
Hundekopf (ztmi Unterschied von Sauigel). 
— Schweiz, i, 150. 

Kropfigel Fisch. Garg. 17. 

K u t z i g e 1 [Khytsej 1 Horbg. Ingersh. ; 
Khytsökl Du. ; Khytsaekal Su.^ i . ;«. 
Struwelpeter, Knabe od. Mädchen mit tm- 
gekämmtem , zerzaustem Haar. 2. f. 
Waldkauz, bes. als Kinderschreck: wenn 
ein Kind Nachts hinaus will, sagt man 
d Kützeila fresse" di'^'^ Horbg Ingersheim. 
Demin. Kützeilala Käuzchen. 

Rupfigel [Rypfejl] m. s. Rüpfel. 

Soüigel [Söiikl Heidw. Hattst. Ober- 
hergh. Heidolsh.; Söiikl Fislis ; Söi^jl 
Rapp.; Seyejl K. Z.] m. i. Igel O. 2. 
schmutziger Mensch, Wüstling. 3. Mauer- 
assel Ingersh. — Schweiz, i, 150. 

Surigel [Syrikl Roppenzw. Hi. Atten- 
schiv7\ m. I. Griesgram, zänkisches Weib; 
2. mageres, struppiges Stück Vieh. — 
Schweiz, i, 150. 

Zännigel [Tsanikl Lutterb.^ m. un-^ 
artiges Kind, welches beständig weint. 

Zornigel [Tsörnejl Z.; Tsarnijl Altw.; 
Tsörijl Dehli^ m. Jähzorniger : mer mänt 
grad, dene Z. hat e wüeticher Hund ge- 
biss Altw. — Schweiz, i, 151. 

Egüt is' e Gänsloch ! Str. — Verdreh- 
ung von frz. öcoute! welches -- dgout 
gefasst wird; s. auch eckig. 

Agraff [Äkräf Osenb. Fl.-o] f. Spange. 

7 Aggrest 'Fische, in frischem Butter 
mit Zusatz wenig Aggrest gekocht^ L. 
Kbch. 429. 'agrest verjus' Martin /V^r/. N. 
351. — 'Agerst Essich' Schwab. Agrass, 
Agrest Bayer, i, 53. 



aH 



aK 



— 25 — 



aK 



aha [ähä ang.~\ Interj. der Befriedigimg 
über die Aufklärung eines Zweifels. Aha, 
jetz' verstew- x'^^ s Hf. Aha, was haw-i- 
gseit? Ingenh. Aha, how i<=" recht öd^r 
nit? Dnnzenh. — Schweiz, i, 161. 

ähä [6h^ Logelnh. ; oha oder rnhm mit 
absteigendem Ton tmd geschlossenen Lippen 
Rapp. K. Z.] ja (Kinder spräche). Bist das 
gse gewesen > ähä ! Logelnh. Rapp. — 
Schweiz, i, 162. 

Ahorn [Ahorn Hi. ; Ahorn Osenb. Bf. ; 
Ahorn Z.] ;;/. Ahorn, Acer pseudoplata- 
num ; auch Ahornbaüm. 'Ahorn Platanus' 
Dasyp. 'Anhorn' ebd. 

ahornen, ahornig [ähörnik Osenb.; 
üherna Breitenb.; äh^rna Bf.^ Adj. von 
Ahorn. — Schweiz, i, 161. 

Aihorne [Aihörna Attenschw^ Puppe 
der Schmetterlinge. 

oha, öha [öha Hi. Obhergh.; 6ha, öha 
K. Z. Ndrbetschd.~\ i. halt! Ztiruf an 
Zugtiere. 2. Lnterj. des Widerspruchs Hi. 
Obhergh. — Schweiz, i, 162. Hess. 290. 

oho [oho und öhö allg^ Lnterj. des 
entriisteten Einhaltthuns . Oho, ge^ts do 
dura? zielt es daraif hinatis (dann muss 
ich einschreiten) Su. — Schweiz, i, 162. 

Ijel [IJ9l; ] fast ^ Wh.'] n. Lilie; s. 
Jilje. — Schweiz, i, 179 Ilie. 

W i s i j 1 e ° PI. weisse Schwertlilien. Zss. 
Wissij^lt'rstock [Wisijltrstoic Wh.] weisser 
Schwertlilienstock. 

B 1 o i j e 1 [Plöijl Wh(\ blatte Schzvertlilie. 

Akazi(e) [Akätsi Stt. Hattst., -ia Lngersh. ; 
Äkhätsjg K. Z. Wörth Ndrbetschd(] f. 
Akazie, wilde Robinia, Robinia pseuda- 
cacia L. — ^ vgl. Schweiz, i, 163. 

Acker [Akr allg. ; PI. meist ebenso ; 
iEkr Ar.] m. Acker i. im allg. z A. 
fa'^re" pflügen allg. Der Vater is' inn 
zA. f. Z. Uf d^r A. ge^n atif das Feld 
zur Arbeit gehn O. z A. welle" zum Pflügen 
gehn O. [Wit in t9n Akr ?] Grussfrage 
an den mit dem Pfltig Atisziehenden 
Ndrbetschd. Mit eim z A. f. einen dtirch- 
prügeln Gebw. 'mit den Ketzern zu acker 
faren' (übel verfahren) Fisch. Bin. 203^. 
'arare ackern, zu acker fahren' GoL. 47. 
(vgl. Schwab, i , 113 m. e. z. A. gehn 
rauh, streng mit ihm verfahren). Bayer. 
I , 32. z A. triwe" die Tiere beim 
Pflügen antreiben Du. Lngenh. Spw. [Wf 
tr Akr, so t Ry^wa; wi tr Fätr, so 



tPy^wa Bf. Hf.] 2. Feldstück von einer 
bestimmten Grösse (ohne diesen Nebenbe- 
griff heisst es Stück), meist 20 Ar Bisch. 
Str. K. Z. Han., J2 Obbr. ; schwankt 
zwischen 18 tmd 27 Wh. ; Wiesenäcker 
haben bis ^o ArBf. — Schweiz, i, 66. 
Acher. 

Dentin. Äckerle [Akarstlo Sti.; Akrig 
K. Z. Ndrbetschd^ n. A. un** Ländle 
der Boden in der Nähe des Dorfs, der 
zum Gemüsebau verwendet wird Ruf 
Meist verächtlich: E por liederlichi Ä. Z. 

Brachacker [Pro;^äkr Steinbr^ m. 
Brachland. 

Fu lacker m. unbearbeitete Stelle im 
Getreidefeld. Wenn beim Schneiden einer, 
namentlich ein jüngerer Schnitter, zurück- 
bleibt, so lassen ihm die andren seinen 
Jun, Teil in der Breite, stehn, tmd schneiden 
dann, wenn sie ein Stück voratis sind, 
den Ztisammenhang ab, ztir Verspottung 
und Ansporntmg des Trägen Du. Dentin. 
Fuläckerli dass. Auf ein tmbearbeitetes 
Fleck im Reb stück übertragen. — Schweiz. 
I, 67. 

Gottesacker m. Kirchhof, Friedhof: 
Logelnh. lngersh. Mütt. Str. Alteckend. 

Halbacker [Hälwäkr Bisch. K. Z. 
Han7\ m. Feldstück von etwa 10 Ar, 
von 20 Ar Rapp. Zss. Halbackerarsch 
dicker, tmbeholfner Mensch Rapp. 

Hubacker bester Ackerboden in der 
Nähe des Forts von Illkirch. 

K ei be" acker m. Schindanger Ensish. 
Su. 

Milchsuppenacker bei Mülhausen : 
nach der Sage für eine Milchstippe dem 
Spital verkauft StYÖBEVi Sagen i, 29. 125. 

Pflanz acker m. Gemüsefeld Hi. 

Stupfel"acker m. Stoppelfeld Ober- 
hergh. Co. Sj>n. Stupfelstück U. 

ackere" [äkara Steiitbr.] pflügen. 
Weit hätiflger tmd allgemein gebräuch- 
lich ist 

zackere" [tsäkora] pflügen, oder z" 
Acker faf^re" K. Z. 

ab zackere" die letzte Ftirche fahren. 
— Schweiz, i, 69. 

Acker er [Akaror Alteckend. ] tu. die 
gewöhnliche Bezeichntmg des Landmanns 
in den Kirchen- tmd Gemeindebüchern, 
sonst kaum gebrätichlich. 

Ackere" [Äkora MittlT] PI. Buch- 
eckern. 



aK 



aKT 



26 — 



aKT 



eK 



Äcker [Ekr Dchli.'\ f. Eichelmast. 
Wan s vil Echle" git, tribt mer de Söü 
in de E. (Andreas) 'bringt uns uf dem 
ecker die swin' Dancr. 351. — vgl. 
Schweiz, i, 70 Acheren, Hess. 88 Eckern. 
Schwab. 162. 

7 A c k e r i gf. Eichel- oder Buchelmastung 
der Schweine. 'Wegen der Schweinen so 
in die A. getrieben werden, solle die den 
i6. Dez. 1705 gemachte Ordnung beob- 
achtet werden' Mülh. Feldr. 13 Stöber. 
— Schweiz, i, 71 Achering. Hess. 88 
Eckerig n. Bayer, i, 32. 

Äckerle in 

Rossäckerle [Rosakrla Kaysersbg. 
Rapp.'. Rosa. Rchw.'\ PI. Äpfel einer bes. 
Art; rot und satter. 

%\!ir'i.cY^x\^\^^x2kx\äKaysersbg.Rapp^ 
PI. Braunapfel. — vgl. Acher. 

ackere" [akara Lobs7\ Obst stehlen. 

veräckert [farakort] diebisch Lobs. 

ackerat [äkarät Hf^ Adv. genau, 
ganz: s ge*'t mir wejer a. so. — Schweiz. 
I, 164. 

Akerstei [Akrstei Ilf.'] n. Sakristei. 

Akkord [Akhört allg.'] m. Pausch- 
vertrag über die Ausführtmg einer Arbeit; 
im Gegensatz zum Tagelohn : im A. (— im 
Verding) schaffe" Hi. Z. Mer meint, i^'r han 
s im A. sagt man, wenn jemand etwas 
schneller verrichtet als nötig z. B. schnell 
Karten oder Billard spielt, atich wenn 
jemand so rasch geht, dass die Begleiter 
kaum mitkommen. — Schweiz, i, 163. 

akkordiere" [äkartiara ///'.] sich ver- 
gleichen. 

verakkordiere"[faräkarti6ro;faräkatira 
Ingenh. Lobs. Du. Hf] eine Arbeit, z. B. 
einen Hausbau, nach einem bestiimnten 
Vertrag ausführen lassen ; häufiger ver- 
dingen. 

Äcke" [Aka Fisl. Olti. Liebsd. Stcinbr. 
Banzenh.'\ m. Nacken [Rdi em ^ält Wäsar 
en tr Aka 6>///.] bespritze seinen Nacken 
mit kaltem Wasser (beim Nasenbluten). 
P" setz d'r s Gsicht in d'r Ä. ! scherz- 
hafte Drohung gegen Kinder Steinbr. — 
Schweiz, i, 164, wonach zu mhd. Anke 
Gelenk am Fuss , gr. dyxcov gehörig. 
Schwab. ^13. Bayer, i, 31 Äck n. 

Akt [Akt Bf. Str. K. Z. Ndrbetschd. 
Wh. ; PI. -a] m. in der Rda. Eim e-n- 
A. mache" Z. oder en A. in leie" eine 
Klage (bei Vorgesetzten) einbringen. PL 



Akten, Zivilstandsregister. [Sa hon khaen 
Akt] sie leben in wilder Ehe Wh. — 
Schweiz, i, 165. 

Aktion [Äktsjön Hf^ f. Actie — frz. 
action. PL auch [Aktsja] aber nur in 
den Redensarten : [WI st^n t Aktsja ? t 
Aktsja 4teja] die Aussichten bessern sich. 

acceptiere" [äks^pti^ra Osenb. Logelnh. 
Mutzig\ annehmen, bes. eine Einladimg 
zu einem Glas Wein oder zu einem Tanz. 

Eck [Ek allg. Eka Ruf. ; PI. ebenso und 
-a] n. (m. Sti. Ruf. Wh.) Ecke. Er leit imen 
(in einem) Eck un** schloft Du. Sel'^ Hus 
macht s Eck bildet die Ecke der Gasse 
Dil M'r han di^** i" alle" Ecke" gsuecht 
Su. [öm an Ek irgendwo = öm an ALt[\^ 
Wh."]. 'In einem Eckh . . . sähe ich 
einen Menschen allein sitzen' Mosch. 
I 502. Sprechübzmg der Kinder : s Ecke"- 
becke" (des an der Ecke wohnenden 
Bäckers) Deckbett het vier Eck (ghet). 
Vier Eck het (ghet) s Ecke"becke" Deck- 
bett Weilert. Str. Stöber. Volks b. 207. 
Demin. Eckle O. — Schweiz, i, 1.155. 

Afrik-ecke [Afrik^ka NBreis7\ m. 
der Stadtteil in NBreisach , wo das 
Lumpengesindel wohnt. 

Blinden eck [Plei|anek Geiid7\ Blind- 
eck, eine dtirch die Krümmung der Zorn 
verdeckte, von der Landstrasse aus nicht 
sichtbare Wiese. 

-j-Büweneck im alten Strassburg ein 
Winkel, links vom Kauf hause, wo die 
Packknechte, Ausläufer tmd Kärrner zu 
stehen pflegten Stöber. 'Bubeneck coin 
des fripons' dort stehn die Kärchelzieher 
Martin Pari. N. 557. 

Katze" eck [Khätsa^k Prinzh.'] n. 
Stubenecke, wo zzvei Bänke zusammen 
stossen. Scher dich ins K. geh mir atis 
den Augen! 

Kr ü zeck [Krits^k Su.'j n. Rda. M'r 
han e" i" alle" Krüzecke" gsuecht überall, 
in allen Winkeln. 

Schirm eck ['Sirm^k Bisch7\ n. Kinder- 
spiel: S. mache" Vcrsteckspiel. 

Spatze"ecke" ['Spätsa^ka Steinb. 
Horbg. ; 'Spätsaneka Lutterb.'] PL zvunde 
Mundwinkel; kleine Hitzbläschen an den 
Mundwinkeln Stöber Mäder. 

Spiesseck ['Spi^s^k Hf. ; 'Spisek 
Ndrbetschd^ n. schiefer Winkel. Dis 
Hus het e S. ist schiefwinklig gebaut. 
— Schweiz, i, 158. 



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— 27 



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W i n d e c k Strassennarne in Ruf. ; Name 
eines Forsthauses bei Grandfontaine, Kreis 
Molsh. 

Überecks [ipreks Liebsd. Roppenzw. ; 
iwareks Bghz. Obhergh. Zinsw. ; ewreks 
Steinbr. Hüss. Bisch. Geud- K. Z. ; ew- 
rekst, ewer^kstar Str. ; iwariks Dehli^ Adv. 
I. verkehrt, schief, krumm, qiier ; ü. ste'^n, 
ge''n, sitze", laufe". 'Mit dem verhexde 
Trudle geht ales iwwereggs' Pfm. II i. 
'De schickst dich üewerecks genue dVzue 
verkehrt Hirtz Ged. 242 ; ü. lueje" 
schielen Kaysersbg. Dehli.; s is' alles ü. 
es ist alles verkehrt gemacht ; ü. im Hirn 
überspannt, verrückt, dumm, ungeschickt; 
auch für sich und dann Adj. E üwer- 
eckse'' Mensch Horbg. E. Stöber im 
*Lob des Handwerkers i- fScHK. 6". 5/) 
sagt vom Gelehrten : 'Un d'Krytter weiss 
er, ackerat Nennt er latinisch de Salat ; 
Sunsch isch er, par Dje, o min sechs, 
Sunsch isch er gar ze-n- üwwerecks'. 2. über- 
stürzt, eilig. Das Bild ist vom Würfel 
genommen, der über seine Ecken fällt. — 
Schweiz, i, 158. Bayer, i, 33. 

bunt Überecks Adv. überstürzt, in 
Unordnung, btmt durcheinander, drunter 
und drüber. E" Arbeit b. ü. mache" 
oberflächlich und in der grössten Eile. 
Do ge^ts a's b. ü. da geht es immer 
flott darauf los K. Z. Bi dere" Hoch- 
zit is* s b. ü. zue gange" da erlaubte 
sich jeder was und wie es ihm beliebte 
Bf 'Si sott sich schamme dass Si bunt- 
iwwereggs d' Lyt glych so duet ver- 
damme' Pfm. III 2. 'Geht alles pontdw'- 
rex dm Hüs' Mangold Colm. Kom. 97. 

— Schweiz, i, 158. 

überecksig [ewreksi;^ Ingw. Rotb. 
Lobs.l^ verkehrt, verdreht, linkisch, komisch. 

Eck, Ecke" [Ek K. Ingenh. ; Eko Hf:\ 
m. I. im Kartenspiel: Carreati. Auch 
Eck oder Eckstein Hf. Scherzreime beim 
Ausspielen von Carreau : Eck ! verreck ! — 
Ecke" ! spiele" se in's Becke". Eckstein ! 

— Streck s Bein ! Hf. 2. Der vorderste 
Kegel Olli. Liebsd. — vgl. Schweiz. 
I, 156. 

eckig, ecki-^ht ^^x, ekit K. Z.] 
eckig. Auch im Kartenspiel beim Aus- 
spielen von Carreau : [dkit es net rünt ! 
oder ^kyt es an Antalö;^, wobei an das 
franz. dgout, in elsäss. Atissprache dky, 
gedacht wird Hf7\ — Schweiz, i, 159. 



dreieckig [trejekit Z. ; trejdki;^ Rauw.^ 
dreieckig; d. lueje" schielen. 

nun eckig [nln^kik NB reis. Kerzf.; 
nfndki;^ Rauw.'\ Adj. hinterlistig, boshaft, 
heimtückisch, geizig. 

spiessecki'^^t schief winklig Hf. — 
Schweiz, i, 158. Bayer, i, 33. 

vierecki'^^t [f irdkat Str. ; f iarekat 
Dunzenh. ; f idrdkit Z.] i . viereckig : [jets 
lauf \y^ sün a 'Stünt in tr käntsa iir^kata 
Waelt arüm ün %^y \\y 6"/r.] 'auf zehen 
grossen viereckichten Säulen' Mosch. II 8 7 3. 
2. quadratisch Hf. 

Ekaliber [Ekalipr Ruf^ n. Gleich- 
gewicht ; s E. verliere" von einem Be- 
trunkenett JB. IX 122. — franz. equilibre. 

Ekar [Ekär Logelnh. Bf. Ndhsn. 
Hf.^ m. I. Ein Kartenspiel, dcartd. E. 
leije" Bf. 2. Die beiden Karten, welche 
der Geber ablegt, frz. cartes dcartees. Eim 
den E. blose" bewirken, dass der Geber 
keinen Stich macht Hf. 'De-n- Eckar dät 
i gern au widder laije sehn' Kettner 
Mais. 65. 

Ekel [Ekl Hi. ; Y±\Mb. Str. K. Z. Wörth 
Ndrbetschd. Lohr\ m. Ekel. En E. han 
an eps Ekel vor etwas empflnden. Er het 
e E. drab gfasst O. — Schweiz, i, 165. 

ekelhaft [^klhäft Hf:\ widrig. 

eklis [dkalik Hi. Katzent. ; ekli Z. ; ekli;^ 
IVö'rth'] I. Ekel empfindend Hf. 2. ekel- 
haft 'eckelicht desgoustd' Martin Pari. N. 
157. — Basel 97. 

ekle" [^kla Bf K. Z.] tmpers. s ek'lt 
eim ab dem Mensch ; s het m'r schier 
g^eck^lt Ingenh. 

jEckerle, wohl Benennung eines Ko- 
bolds, Zwerglein : 'Eckerle, kumm ! Schla 
m'r di Drumm ! Fiähr m'r das Biäwle-n-im 
Gitschle-n-erum !' a?is einem Wiegenlied- 
chen Rchw. Stöber Volksb. 14; Var. 
Häberle Ndrenzen Volksb. 24. 

jekkümig in der Frage: isch's ich 
äkkimmi? seid ihr nicht wohl? Strubel 
Msc. Zu etkum = Hektik Dasyp.? 

eklüsiere'' [eklysiera Dü.^ ein Schiff 
durch die Schleuse {frz. ecluse) durch- 
lassen. 

Ekstanze" [Ekstantsa t?/.] PI. For- 
malitäten, Utnstände. 

Ockele, Oppele in der Zss. 

Me'^lockele, Me^loppele [Mälök- 
hala, — öpala 60.] n. PI. schlechte Zucker- 
erbsen von der geringsten Sorte, die der 
Pfetter bei der Taufe auswirft. 



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28 



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AI [Äl^ Achenh. ; tue ist Ol Heidw. bis 
Geisp.; Ül Hattst. bis Kerzf.; Öl Str. 
Rupr. Z. ; PI. -aj tu. {f. Hattst. Ingersh. 
Westhsn. Achenh.) Aal, AngJiilla vidg. 
'ein kluogen grossen ölen' Dancr. 431. 
'Ja der isch g'rad wie e-n-Ool so glatt' 
Kur 24. — Schweiz, i, 167. Bayer. 

^' 55- , . 

AI [AI Dil. ; Ol K Ingenh. ; Ol Breitenb. 
PI. -0] f. Schusterahle: 'mit der Alen' 
Pauli 379. 

all [äl allg.; flektiert äli und äli Hlkr. 
Du. Str. Ndrbetschd. Lohr; äl K. Ingejth.~\ 
all, jeder, ganz. Der Käs is' aller gesse" 
Bf. Uf alli Fäll Hf. [älg *Sret, ab 
hüntart 'Sret ; älo Toe, -Stüri^, Jor, Nä;^t 
täglich, stündlich, jährlich, allnächtlich 
(diese Ausdrücke fehlen in der MA.) älsn 
CEJ9splek, ab Kapöt, ab Wil, ab Tyr, 
ab Kalta Rapp. U. ; äl Ksis Hi. ; ab 
Tsük Rapp. jeden Augenblick, immer (das 
W. fehlt) ; über äbwäj s. Weg]. 'Ach 
got, es gschicht ietz allen tag' Murner 
Mühle 937. alle jähr' Wattw. 16. Jh. 
JB. III 71. G. PI. allerhand, allerderhand 
allerlei, mancherlei; allergattig für Lüt 
Hi. ; G. Sg. aller Welts als ^ erster Teil 
von Zusammensetzungen wie [Abrvvaltsnär 
Hf\ Am Alle"tag in der Woche (Gegens. 
zu Sonntag), dAlle"tagskleider Werktags- 
anzug. — Schweiz, i, 167. 

Dazu n. alles [äbs allg., auch^l^sDü., 
als, äs Z. Wh. ; äs Ingenh.'] Alles. S is' 
a. dass . . . nit es ist ein Wunder, dass 
nicht Hf. 'Me sieht schint's alles as (nur) 
kei Blätt!' Lustig I 79. S is' alles eins 
es gilt gleich. Gassenhauer : S is' m'r 
a. e. Eb i'^^ Geld hab oder keins. 
Wenn i*^'' Geld ha'', bin i=^ lustig! Wenn 
i'^'^ kens ha»', bin i<='^ durstig ; S is' m'r 
a. e. Eb i. G. h. o. k. Du. Alles zsamme' 
verstärktes alles. Adv. i. immer, jedes- 
mal. Alles grad fürt immer grad aus 
Rchw. Er is* als (immer) noch ledig Su. 
Wenn er als (so oft er) lacht, könnt er 
sich alli zwei O^'rläpple" abbisse" Su. 
Wenn i"*^ a's uf de Füess stc*', haw i als 
vi&^Hf. Er foli«t als (oft,gezvöhnlichj nit 71/. 
S is' als lustig zue gange", wo m'r noch 
in d Schucl gange" sin"^ Ingersh. Er 
kummt als (gewöhnlich) am Sunnti« zue-n- 
üs. Er spannt a's im Lewen (Wirtshaus 
zum Löwen) us (}cud. Als ersetzt beim Perf. 
dasimpcrfcct: [se saej als V\\\\xn^:=lat. veni- 
ebantTl/.] JB. VIII 141. M'r seit a's stehende 



Einführung eines Sprichworts. Er wurd 
als stolzer; es rej"^t als ärjer Geud. [E/ 
wr'cis nit wy te Nüb äl änakhüma wo 
diese Nadeln alle hinkommen ; äbn iepa- 
tsito khoeyfg mar tö;^ äs von Zeit zu Zeit 
kaiifen wir doch immer welche Z.]. Bis* 
a's am nämliche" Platz? in derselben 
Stellung Ingenh. ; s. allewil i . 'Da er 
(K. Friedrich I) her zu Würtemberg was, 
da zugen als die Buren von einem dorfif 
in das ander' Pauli 294; 'der gesell auch, 
so sich alss verstiften und verführen 
lassen' Str. lößg JB. III 88. 'Mier 
könne-n-es e Bissei meh als uf unsre Sohn 
ynbilde' Pfm. IV 6. 'Als redd Er sich 
mier an, grüen un gehl' Pfm. IV 6. 'Er 
het doch d' Bueweschue nonnit verlofife 
-n- als' Pfm. IV 7. 2. früher: se han 
als besser owe" g&^o^T\i sie wohnten früher 
weiter oben Su. 3. sicher, gewiss : Hes' 
du dis gemacht ? — Als ! Str. S is' als 
noch wo'^r. 4. immerhin : als het er doch 
nix verlöre" wenn er auch nichts gewonnen 
hat, so — Hf. S gi''t a's vil Trüwel dis 
Jo^r Z. 5. vor Adv. der Bewegung : S 
rej"*'t als fürt immerzu Du. Als fort! als 
nus ! als in d Schuel ! U. 6. vor Zeit- 
adv. Er het als gest welle" kumme", 
eig'"'li (bestimmt) als hüt Z. Als gemach 
allmählich O. — Schweiz, i, 170. Bayer. 

I, 56. 

all Adv. immer, beständig. P'^ ha 
d'r all gseit; i'^r hocke' all dheim Du. 

— Schweiz, i, 170. 

überall [ewaräl Stc. Ingenh. Hf.; 
eworäl Co. Schwindratzh^ Adv. überall. 

überallig [twaräli;^ Lützelstn?] Adv. 
überall. [S es iwaräle;^ küt Prot aeso, wo 
mar s hat Wh7\. 

alatanta [älatantä6"/'r. ; älataqtär|i?^//.] 
unterdessen, einstweilen ; indessen, doch. 
A. hest du noch lang Zit zuem Hirote". 

— frz. en attendant. 

alle [äld Stt.; äle Du. Bf. Str. K. 
Ingenh.; äl^ Olti. Rapp. Prinzh. Ndrröd.; 
äle, ale, ab HfP] Interj. zvohlan, mm! 
A. kumm, gang! wiederholt: alle alle, 
verstärkt alle hopp! Hi. Ingersh. U. A. 
hüpp zum Antreiben der Pferde Hf. A., 
ge''s' mit? Rapp. A. fertig zusammen- 
fassend: a. f., s is' e rechter Wackes Hf 
A., was bin i'^'* jetz schuldig? beim Ab- 
schied: a. jetz, adjes einstwilo" un"* mache" 
s bal"^ wett! Ahzvehrcnd: a., mache" 
ke'" Dings ! Hf. A. denn ! Ausdruck des 



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Unwillens tiitd des Unglaubens Z. = frz. 
allez. A. do = frz. allez donc ! Steinbr. 

— Schweiz, i, 171. 

allesi [alesi Brunst. ; älesi ///. ; äläsik 
Ob/ierg/i.] Atisru/: wohlan l A., m'r gc'^n! 

— frz. allez-y ! 

allo, alla [älö Str. ; äla Bü. Bettw-I 
Intcrj. I. vorwärts. Alla, mach e Mol 
vora° ! Du. Oft verdoppelt. 2. abschliessend : 
allojäst^j' bleibt dabei Str. 3. abwehrend, 
wenn man etwa gestossen wird : allo ! 

— frz. allons.^ Schweiz, i, 173. 
[-Alefanz [Al9fänts Str?\ i. altkluger 

Pinsel. 'Der wurd sich wundre drus . . 
der malzicht Allefanz' Pfm. I 4. 2. Ge- 
spött : Sie triwen A. mit uns Str. CS. 

— Schweiz, i, 171. Bayer, i, 56. DWB. 
I, 203. 3, 1320. Danach i. Grundbe- 
deutung: hergelatifener Schalk, Land- 
streicher: al aus got. aljis, lat. alius und 
nhd. vanz = nordisch fantr Ftissgänger, 
Btirsche ; vgl. frz. fantassin. Gloss. zu 
Prüden tius (Diut. 2, 341) advena elevenz. 
Sachsenheim Spiegel {Altswert 143, 24) 
'Den selben keysern dri (Hass Neid Hoff art) 
VVonent vil diener by Die allenfentz sind 
genant'. 2. abstract: Betrug, Schwindelei, 
Bestechung : 'die richter und die sakpfeiffen 
sind geleich, wan die sakpfeiff müs allweg 
plaust haun und der richter allenfantz, 
anders ietweders dont nit' Ingold 37. 'Nun 
wellen wir zu des Künigs von Engeland 
lügen und allefanzen antworten' Murner. 
Beispiele aus den elsässischen Reformatoren 
bei CS. 'Es were ein unredlicher alle- 
fantz wa ieman understünde Keys. Maj. 
wort u. schrifften weiter oder enger zu 
deutlen' : G. V Etliche gesprech aus göttl. 
u. gesch. Rechten von Chunrad Trewe 
(M. Butzer) 1539. 'ich wolt nit gern fil 
alfantze u. Sophisterei treiben' ebd. K 6. 

Allegaschi töpelhafter Mensch, der 
sich tmgeschickt trägt oder hält Btichsw. 
Stöber. — frz. gächis Mörtel, Koth, zss. 
mit aller? oder deutsch all? 

alleger , allegen, allegro [älekr 
Rauw. ; k\€^T//f. ; klekiö//f. Ingw. ; älekan 
Alteckend.~\ munter, gut aufgelegt: er is' 
ganz a. es geht ihm ganz gut. — frz. 
allegre, ita[. allegro. Schweiz, i, 172. 

Aleks [Aleks Ar.] f. Abteilung für 
syphilitische Krankheiten im Bürgerspital 
zu Strassburg : — wohl von frz. annexe. 

alert [älart Hf. wo auch älat und äla/t 
mit Anlehnung an die Adj. atcf -lat, 



-la;ft; älat K. Dunzenh. ; älaert Bf. Tieffenb. 
Rauw. Wh. ; älert Liebsd. ; älet Steinbr."] 
Adj. I. wach. Morgengruss : Sin ir aü'^'^ 
schon a. ? Dil. Hf. 2. munter (fehlt in 
der MA.) , aufgeweckt , lustig, gesund. 
Des is' en alerts Büewel, der allertst vu" 
sine" Brüeder-^ Oscnb. Rda. A. wie e Wissele 
Hf. Bis' jetz wider a. gesund? Du. Is' 
alles dhaim a.? Orschw. Antreibwort zur 
Arbeit: Alla a. ! frisch dran! Du. Dehli. 
— frz. alerte. Schweiz, i, 172. Bayer. 
I, 56. Eifel. 

e G s t i f f a 1 1 e r t e "■ ungeschickter Mensch, 
der sich vergeblich bemüht, lustig und 
tmterhaltend zu sein Ruf. 

Alis \_kM% Ndrmagst. Ruf \Mannesname : 
Aloysius. Kosef. Älisi Hf. Säsolsh. ; Demin. 
Alisala Sti. Spottvers: Alis, chridewiss, 
choleschwarz, Kaffesatz! Ndrmagst. 

Alitzel [Alitsl Horbg. Ersteht Mtitzig 
Z.] n. schwefelsatires Kupfer, Kupfer- 
vitriol, ztim Beizen der Weizenaussaat 
gegen den Pilz und Mäuse fräs s verwendet. 
'blauer a. Cuprum sulfuricum crudum, grüner 
a. Ferrum s. c, weisser A. zincum s. c' 
Pharm. 5 (2 hat Galitzel) — atis Galitzel 
s. dass. 

Aliwe [Aliwe Hf7\ Geschl.} Aloe. 
'Aloweh' Ulrich. — Schweiz, i, 174 
Alowe. 

Alun [Alyn Su7\ f. Knabenspiel, wobei 
man Knöpfe oder Geldstücke auf einen 
Stein legt und mit Steinplatten danach 
wirft; die herabfallenden Knöpfe oder 
Stücke gehören dem Werfer, wenn sie 
seiner Platte näher liegen als der Alun. 
Das Spiel heisst auch Alunalis spile" Su. 

Alun [Al^n Osenb. M. Hf. Str. 
Tieffenb. ; Alyn Ingenh7\ m. (n. Hf.) 
Alaun. — frz. alun. 

El« [El9 Hi.', El Su. Bf. Hf. K. Z. 
Ndrbetschd.; El Du. Geisp.; El Mb.; PI. — 
a] f. Elle. I. Werkzeug: nur noch als 
Stock beim Kis- spiel (Str. Mtitzig Hf. K.m6; 
in Dunzenh. Dinehl); MA. 4, 40. 2. Mass, 
im Elsass von 0,^4. Meter, nur in Loth- 
ringen von 0,60; längst verboten und 
nur von Leinewebern tmd Näterinnen 
genannt und gebraucht. Zwei Ellen bildeten 
einen Stab =^ i M. 20. Er is' kum c 
E^l hoch von einem kleinen Menschen Du. 
Vgl. Käs. Do is' de E^^l länger a's der 
Kröm die Ausgaben grösser als die Ein- 
nahmen Dehli. Soll i''*' d'r d E. onmesse" ? 
Drohung Dunzenh. Ingenh. 'Ulna ein 



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elen' Gol. 470. 'ein Elen une aune' Martin 
Call. 191. 'die Ehl l'aulne' ders. Pari. N. 
246. 'Die guten Herren haben eben das mit 
jhrer Ehle oder stab wollen aussrichten, 
was Moysis gethan' Mosch. I 402. 'alle 
Ehlen in der Welt' ders. I 74. 'die Ehl, PL 
Ehlcn' Not. Urk. 1745. 'Soll i d'r ebbs 
verzähle Vun de lange-n-£hle, Vun de 
kurze Wuche? u. s. w. Str. Stöber 
Volksb. 80; vgl. auch 81. — Schweiz. 
I, 175. Bayer, i, 60. 
-{-3. eilen, Ellenbogen Geiler Par. d. 

s. 153. 

-j-Pis Ellen: »10 Ellen pis Ellen 
des besten schwarzen Tuchs« Brief von 
1445, MiEG II 72 erklärt es mit: Spitz 
= Maass. Stöber. 

Element [Elamant Hi. ; El^mant Steint. 
Bf. HfP^ n. Element. Sin E. die Be- 
schäftigung , die er kennt und liebt; 
flüchtig E. corrumpiert atis f. Liniment, 
Linimentum ammoniatum (Apotheke) Hf. 
'Fliegende Elemente' PHARM.3. ; Fhichwort: 
Kreuz Element! Hf. — Schweiz, i, 175. 

Elend [Elant Banzenh. Su. Bf. ; ßlaent 
Str.; tlant Hf.; t\z.x\^ Mb. K. Brtmi. 
Ingenh. ; Elaent Wh^ n. Elend, Jammer, 
Unglück. Die Familie is' im E. Winzenh. 
P** muess noch lache" zue allem E. Du. 
Str. S is' e E. wie er trinkt Banzenh. 
S is* e E. mit i''m er bereitet vielen 
Kummer Su. Ndrbetschd. O E. un** ken 
End! Str. O E. renn d Wand nuf! 
scherzh. Atisdruck des Bedauerns Bf. 
Kinderlied : Hätt i nit e Mann genumme", 
War i*=^ nit ins E. kumme". Goldige 
Ring, Taffete Band, Haw i getrauen im 
leddige Stand Str. JB. VI 1 59. XII i r o. 'Et- 
liche {betrunkene) weinen das truncken E.' 
Geiler SM. 9". — Schweiz, i, 175. 
Bayer, i, 59. 

Krüzelend [KritselantÄ.] n. schweres 
Unglück. Von einem ungeratenen Sohn 
sagt man S is' a K. mit dem Bue^. 

elend [elant ///".; elar]^ K. Z.] und 
elendig [elanti Logelnh. Ndhsn. Hf.; 
§lanti;K Wörth Ndrbetschd.'\ nichtswürdig: 
Du elender Tropf, elendiger Keib! S is* 
m'r so e. hüt Ndrbetschd. 'dass manch 
Ehrlich Gelehrter Gesell . . . sich so 
elendig muss herumer schleppen' Mosch. 
I Vorr. — Schweiz, i, 178. 

b'elende" [p(f lanta Sierenz bis Katzent. ; 
pölanta Du. Wörth; pelai^a Mittl. K Z. 
Zinsw. ; pelaenta Str. Lohr JVh.^ Part. 



gebelengt M. Ingenh. betrüben, wehmütig 
ergreifen, Kummer erregen, rühren. Die 
arme" Kinder b. mi'^'^ datiern mich. S 
het mi*^*^ ganz beiendet ich wurde hier- 
über ganz niedergeschlagen Logelnh. S 
belendt ne einen Kranken, der Gesunde 
froh sieht Szi., ein Kind, das scharf ge- 
tadelt wird Obhergh. Dis belendt mi'='^, 
•^ass i'^'' de" Krueg verbreche" hab Sier. 
S belendt (rührt) mi'^'^, wenn i°^ dra" denk, 
wie die enander im Unglück bigstande" 
sin'* Mittl. Meins', so eps beiengt eine" 
nit? Ingenh. Refl. V-^ belend mi'^^ mache 
mir Kummer darüber Zinsw. Selten: be- 
dauern : P*^ belend di'^'^ Roppenzw. 'be- 
eilenden' Mitleid erregen durch sein 
Elend Geiler P. II 7'», 94*^. 'Was het's 
mi nit b'elendt, wie myn gelehrdi Azzel 
verunglükt isch' Pfm. II 5. — Schweiz. 
I, 177. Bayer, i, 60. 

Eller [Elsr Büst Dehli. ; PI. -a] /. 
Erle. Zss. Ellerholz: E. un** rote Hör 
wachse" uf ke'"^m gute" Bode" Dehli. — 
Bayer, i, 60: ahd. elira tmd erila. 

Elisa [Elisa Ammerschw. Bischw. ; frz. 
Form Elis Ammerschw^ weibl. Vorname 
Elisabeth. 

IP [11 Wittenh. Bf. Str.; II K. Z., 
aber selten^ f. Eile. P^ ha'' II. In d^r I. 

— Schweiz, i, 179. Bayer, i, 61. 
ile" [ila Hf7\ eilen. P'^hab g'^ilt Spr. 

Ile" ti^uet ke'" guet. 

ile" ''s [ilats Bf.; ilas M7\ Adv. 
eilends, sofort. Er het i. fort müe^*^" 

ilig [üi Gcisp7\ Adj. u. Adv. eilig. 

Ol, Öl [61 K Z. Rotb. ; t\ Su. Mittl. 
M. Du. Str. Ingw. Wörth; Öl Ndrbetschd.'] 
n. Öl; auch Petroleum. Öl verdampfe" 
Öl sieden Su. Bi ei"^m s Ol verschütt han 
bei jemand durch absichtliche oder unab- 
sichtliche That in Ungnade gefallen sein 
Du. Er het Öl a" d'r Kapp M. (am Huet 
Lobs.) ist betrunken Mü. 'mit 0hl vnd 
Kertzen vntrewlich in der Kirchen vmb- 
gangen' Mosch. I 340. Vielfach im 
Apothekergebrauch : 'grün Öl Oleum Hyos- 
cyami', 'Spicköl Oleum Spicae' u. s. w. 
Pharm. — Schweiz, i, 182. Bayer. 1,61. 

Berg^'mattöl [Parikmätel Ingenh^ n. 
Bergamottöl, Haaröl aus der Apotheke. 

Brennöl [Pranel NBreis^ n. Rapsöl. 

— Schweiz, i, 182. 

Eckere"öl [Akarael iI//V//.] n. Eckern- 
öl, Öl aus Bucheckern. 



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Fischt^'rancl [Festrael Steinbr. ; Fes- 
trönel Mutzig, Bnun. Hf. Roth. Wh.; 
Festronel K. Ingenh7\ n. Leberthran. 

Gängetöl [Kai^atel Wh.; Kari^kata^l 
Hi.; Kari^katel Mütt. Molsh. K. Ingenh. 
Wörth ; — 61 Getid. ; Kaer^katel Str^ n. 
gereinigtes rauchloses Rapsöl , bes. für 
Nachtlichter , frz. huile de Quinquet, 
welches Argand erfand und der Fabrikant 
Qiiinquet von lyS^ ab vertrieb. Der in 
Ingersh. bezeugte Name Gänginaöl ver- 
wechselt diesen Namen mit franz. quin- 
quina Chinarinde. 'Genkette-n- Öl' lustig 
I 81. — Schweiz, i, 181. 

Gasöl [Käsel Henßi^ n. Petroleum. 

Jiljenöl [Jeljael Dü^ Ol aus Lilien- 
blättern, für Wunden, bes. Brandwtmden 
gebraucht. — Schweiz, i, 181. 

Klauenöl [Klöjanel Matten. Klajien- 
öl zum Einschmieren der Schuhe. 'Oleum 
pedum tauri' Pharm. 2. 

Lampe"öl [Lämpael Wej/ersh.'] n. 
Petroleum. 

Laxier öl [Läksi^rel ObbrucJi\ n. Rici- 
nusöl. 

Lewatöl [Lewätel Heidw. Su. Co. Mb. 
Hilsenh.~\ n. Repsöl zum Kochen. 

Linöl [Linel Bf. Z. Ndrbetschd^ n. 
Leinöl, Ol aus Flachs s amen. 

Lüsöl [Lis6l Bisch^ n. Läuseöl, scherz- 
haft : Geld für L. Geld zum Notwendig- 
sten. 

Nu SS öl [Nüsel Su. ; Nüsol K. Ingenh^ 
n. Ol aus Wallnüssen. 

Repsöl [Rapsöl K. Z. ; Raeps^l Str.] 
n. Repsöl. 

Steinöl ['Stainel Mutzig; 'StaenelZ.] n. 
Petroleum. 

Trueböl [Tryapel Hi?\ n. Abschatim 
des Repsöls. 

Wissharzöl [Wishärtsel Mittl.l n. 
Terpentinöl. 

Ol ich [Oli/ Äse hb. Sc hie it. Wingen 
b. W. Büst Tieffenb. Lohr Lorenzen Wh], 
n. Ol. ['Sit O. in s Li;ft in die Lampe 
Aschb.] O. für Küchle" ze bache" Büst. 
Nur NW. ; auch hier heisst es : Knochenöl, 
Fischtronöl. 'das h. Olich' 1525 in Str. 
abgeschafft: Imlin'sche Familienchronik 

ALS. 1873,403. 'Olei'1390 BRUCKER20I. 

— Pfalz. Ölich, Oulich Heeger zg. 

Bucholich [Pii;f6li;^ Lützelstn.] n. 
Buchenöl. 

Flachssamen olich n. Leinöl Dehli. 

Nussolich n. Ntissöl Lützelstn. 



Salatolich it. Salatöl Saarunion. 

Stinkeroli'^^ [Stir^karöli Aschb. Obröd. 
Kröttw.] n. Petroleiim. 

öle" [ela Hi. Stein b. Su. Du.] i. Öl 
pressen; 2. schmieren (Maschinen). — 
Schweiz, i, 182. Bayer, i, 62. 

ölele" [elola Hi. Obhergh.] nach Öl 
riechen. — Schweiz, i, 182. 

Öler [ßlor Pfetterhsn. Obhergh?^ m. 
Ölmüller, Besitzer einer Öltrotte. — 
Schweiz, i, 182. 

Ölung []&lür[ Bisch. K. Z.] f. Ölung, 
Sterbe Sakrament der kath. Kirche. Es 
het d letst Ö. bekumme" sagt man von 
einem gewaltsam getöteten, geschlachteten 
Tier Bisch. — Schweiz, i, 183. 

Ölig, Öli [Elik Z)«. ; tX\ Hi. Strüth] 
f. Ölmühle, Ölpresse. Nur O. ? Obhergh. 
Du. M'r sin'^ an der Ölig gsen wir 
haben Geld. — Schweiz, i, 182. 

ölig [elik Dü?^ Ädj. ranzig (von 
Nüssen, deren Kern wässerig, glasig statt 
weiss ist). — Schweiz, i, 182. 

ölzich [eltsi;^ Lützelstn^ Adj. ranzig 
(Butter, Käse, Milch, Speck u. a.). 

fOleib, oleybe, oleybete Überrest, 
Überbleibsel, 'do sye nun gesettigt seind 
worden, do sprach der herr zu seinen jungern : 
leszent vff die stuck oder oleybeten' Geiler 
P. II 79; III b. 'Oleib' Brucker. 'Oleybe 
Reliquiae plur. tant.' Dasyp. 'Invitari ad 
sportulam zu der oleyb geladen werden' 
GoL. 362. 'vber die gestrigen Olleiblen 
oder Rollwagen = frz. sur les reliefs 
d' hier, die Überbleibsel des Mahls Martin 
Coli. 73. 

Ül« [11 Mittl. Du. bis Dehli.; II K. 
Z.; Ail Ndrröd.; PI. -a] /. Eule. Rda. 
Am Mimmelestag, wenn d Eile" bocke" 
Ndrröd. Der is' uf mich gefall wie de 
Vöuwle (Vögel) uf en II Dehli. 'Er ist 
under inen nit anders — wie ein Kützlin 
oder ein üll under andern vögeln' Geiler 
Em. 14. 'Niemol hekt e-n-Yl e Zysel 
us'. Pfm. V 6. Denan. Ülele. — Schweiz. 
I, 183. 

Harül [Hyoril M.; Hörfl Bisch. Lobs.; 
Höril K. Z.\ f. I . Schleiereule. 2 . Mäd- 
chen mit ungekämmtem Haar. s. zu Har- 
igel. 

Hörnerül [Hdrnarü Su\ f. Waldohr- 
etde. 

Nachtül [Nä;j^til Su. Hlkr. Bf.; Nötü 
Geispolsh. ; N6;^til Geud. ; Nö;ftil K. 
Lngenh.] f. i. Nachtetde, Eule überhaupt. 



üL 



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32 



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eLF 



Wollen Kinder noch spät hinatis, so sagt 
man droheitd: Wart, d Nachtüle" fresse" 
di-'' Sil. Der macht e Gsicht wie e N. 
Gciid. Wenn e Nachtül brüelt, gi'^t s 
ander Wetter Rapp. Volksglaube : Wenn 
eine N. auf dem Dache schreit, stirbt 
bald jemand aus dem betr. Hause K. Z. 
2. finstrer Mensch Rapp. 

Wal'iül [Wäilil M.] f. ^Uhu. 

Üle"spiegel, Uresp. [Yrgspiakl Ruf.; 
Ilaspejl K, -spidjl Z.] m. Eigenn. Der 
macht s wie der Ü. Dehli. Du bis' üwer 
d'r U. machst die grössten Dtimmheiten 
Ruf. Was guet is' für d Kälte, is' aü'^'^ 
guet für d Wärme, het d*r Ü. gseit sagt 
einer, der geneckt wird, weil er bei ge- 
lindem Wetter einen Überzieher trägt Z. 

Üöli [Yoli, Yali Olti. Orschw. Co. 
Ingw.; Yöli, Yeli K. Z.] m. i. Geiz- 
hals, bes. eine Person, deren ganzes Dichten 
u. Trachten auf Erwerb von Grundbesitz 
gerichtet ist und die deshalb, wenn es 
eine weibl. Person ist, den Hajishalt ver- 
nachlässigt um dratissen im Felde zu 
arbeiten. 2. Dreckspatz, unordentlicher 
Mensch, bes. in Sprache tmd Arbeit nach- 
lässig; 3. Rda. ^em Uali rüefe" sich er- 
brechen, bes. bei oder nach Trimkenheit. — 
Schweiz, i, 183; ursp. Demin. z^ö^Uolrich. 

Dorfüäli Übername für Bauern, Dorf- 
bewohner. 

Drecküäli schmutzige Person. 

uole", üele" [yala; yela Ingw?^ sich 
abplagen, bes. arif dem Feld herumwühlen. 

Uöler, Uol [Yülör M.; Yül Sonder- 
nacJ{\ f. Regenwtirm. 

Uöler ei f. Schinderei Getid. 

Albe [Alwu Logelnh.^ f. Alba, das 
weisse Gewand des Priesters beim Messe- 
lescn: 'ein bischoff der hat ein umler ufF 
ein alben an' Geiler LK. 62,1 Br. 15. 6. 
— Schweiz, i, 185. Bayer, i, 63. 

-{-Alber Pappel ; * Bäume auf dem Stadt- 
graben in Mühlh. Nuss-, Äpfel-, Birnen- 
u. Kirschb., Eychen , Linden , Buchen, 
Aschen, hohe Aspen, Erlen, Albern« Zwinger 
bei Mieg 184, W. 83 Stöber. 'Populus 
alber bäum' Gol. 389. — Schweiz. 
I, 186. Bayer, i, 66. 

Albert, Albert, Alber' [AlpM, Alpart 
Dil.; franz. Form: Alper, Alper Du. Oseftb.] 
Koseformen Beri Pfetterhsn. Lictterb. 
Co. NBreis. Rapp. ; Berti Steinb. Wittenh. 
Demin. [Alpaeri 6"«.]; Ber'l, Bert^l Rotb. 
Personenname : Albert. 



albig [älpik Liebsd.] albeg U., al- 
berzu U., albets S., falbes, jalmes 
Hi. falb et Fislis. Adv. i. immer. Du 
bis' jo albig bi-n-em. 2. atif jede Weise: 
d Sach is' albig guet. t^. früher: Er is' 
albig vil Mol züe-n-is chu"""*", un"^ jetz 
chunnt ^r nimme er ist früher oft zu tms 
gekommen, ti. jetzt kommt er nicht mehr 
Liebsd. S is' albet lustiger gsi" im Dorf 
Fisl. 4. so eben : er is"^ albig fürt gange". 
Albets Als. 1853 6". 166. — Aus alweg 
s. Schweiz, i, 208 f. Vgl. auch ammet 

Elbe^brunne'', Elbe"trutsch, s. Brun- 
ne", Trutsch. 

'Elbling , weisser Weintraubensorte 
Schlettst. 

Alfuns [Alfus, Alfus Geberschw. 6"«.] 
Mannesname : Alfons. Demin. [Alfüsi 
Sri. ; Alfur|_si Sti. ; AfeslJ auch Funsi, 
Burzi. 

elf [61f9 tmd elfi O.; elf und ^laf O. 
U\ elf. No='' de" elfe"; halwer elfi. Rda. 
Do losst m^r emol elf grad si" stimmt es nicht 
so genau Banzenh. Du. Lützelstn. Dehli. 
Do ka"" m"=r de" Dreck uf elf Schüli"^ 
bringe" dabei plagt man sich ab, ohne 
etwas zu verdienen Ingw. So sicher a's 
drei un*^ acht elf is' NBreis. Entschei- 
dungswiirf beim Würfelspiel , bes. der 
Verlosungsbuden auf dem Jahrmarkt : 
Elfi, der Lebkueche" is' mi"! E. het d^r 
Leffel (gewunne'^)! Ausrufe der Freude 
über ein Ereignis oder eine Nachricht 
Ruf. 'der geknipfft würffei (würd) auf! 
elff fallen' Fisch. Prakt. 19. {Elf als 
Glückswurf weist Zarncke zu Brant Narr. 
54» 33 <^wch aus Burcard Waldis Parabel 
vom verlorenen Sohne nach). Der Teufel 
het e. g'worfe" Ausruf über den Fchl- 
schlag einer Hojfntmg oder Absicht RuJ. 
Der het elfe g^worfe" (getroffe") hat etwas 
gethan , was ihn geretien wird Su. Bi 
dem het s elf geworf der ist entrüstet, 
jähzornig Dehli. [Ty mä/s als füart üf 
tino h\i CEwa] kehrst dich an nichts Wh. 
Brant Narr. 30 , 18 'Der meynt das 
er sy sicher gantz So eilfT und vnglück 
ward syn schantz' ; 54, 33 '(Ein Narr) ab 
syn eilff ougen kumbt er nit Vmb keyn 
stroff, 1er er etwas gitt'. Do ste'^t er wie 
drei un'* e. ratlos Z.; 'Jetz steh ich do wie 
drei -un- elf, Wie c gebrüeihti Henn' Pick 
Buch. 8. 'Wie d' jetz do anne stehsch, 
wie drei un elf!' Hirtz Ged. ijß. Luege" 
wie d. u. c. dumm Steinbr. • Schweiz. 



aLG — aLM 



33 



aLM — aLS 



I, 283. Bayer, i, 8y. Schwab. 415 er 
hat ölfc geworfen ist stark berauscht. 

Algäyerle [Älkaeiarla RoppenJi\ n. All- 
gäuer Kuh. 

filgere'* stumpf zverdcn (der Zähne), 
die eigentümliche Empfindung nach dem 
Genüsse sauren oder unreifen Obstes Str. 
Stöber. 'es ist ein frucht die hie nit 
zeitig ist, bissest du darin, die zen würden 
dir ilgern' Geiler B. 5, 21. — Bayer. 
I, 67. Lexer I, 1420. DWB. 3, 108. 

Elje, Äle [Elja Steinbr. Su.Z.; ^lo 
Horbg\ Koseformen des fuännl. (jüd.) 
Vornamens Elias. Schimpfwort : du fiile'' 
Elja! 

Ilje [Elja M. Z. Lobs.] f. Lilie. Wissi 
un"^ blöji J. Lobs. s. Jilge. — Schweiz. 
I, 179. Bayer, i, 67. 

Bl a u i 1 j e [Pleyelja Dunzcnh. LngenhT^ m. 
blaue Schwertlilie. 

Alkof [Älküf Bisch. Kindw.; Älkhöf 
Ingersh. Miitt. Hf. ; Äliküf Geisp. ; Älkhüf 
Dtmzenh. Ingenh.] m. die Schlaf abteilung 
des Wohnzimtners in der Bauernstiibe, von 
dieser durch einen Holzverschlag mit Vor- 
hang getrennt. 

Alkol [Älkhöl Ö.] m. Alkohol. — 
Ausspr. wie im Frz. 

fUlk [Ulk 71/.] /. Feuersbrunst. — 
aus ahd. urlac Schicksal, Krieg? 

Almgnd [Alomant Pfetterhsn. Baldersh. 
Obsulzb. ; Almant Sier. Hlkr. Horbg. Kapp. 
Scherw. Miitt. ; Almant Orschw. Ruf. 
Ingersh. Jichw. Bebelnh. ; Älmar^ Olli. 
Heidw. Almer| Wh. ; Olmer|^ Lorenzen ; 
^mw^Lohr Tieffenb . ; Olma Mutzig Ingenh. 
Hf. Prinzh. ; Ajmo Liebsd. Steinbr. Lobs. 
Ndrbetschd. ; Olms Geisp. ; PI. -9 ; -ar 
Ruf^ f. (n. Pfetterhsn. Ruf. Z. Han. 
Lohr Lorenzen) Grundstück im Gemeinde- 
besitz, welches zur Benützung als Weide, 
oder dessen Ertrag an Obst oder als 
Wiese verpachtet wird, das aber a7ich 
von Jedem betreten werden kann. Ein 
Acker, der längere Zeit brach liegt , leit 
do wie e A. Du. Er boüt uf d Almend 
scherzhaft von dem Besitzer eines dicken 
Batiches Bf. 'Almeinde compascuus ager' 
Herrad 181. ''Und ist der selbig Blatz 
der statt oder Kilchcn frey Allmenden' 
Supplik d. Vogts d. St. Ensish. 1532. 
'Baum u. Holz so uff den Allmenden 
wachsen Stöber. Demin. Almen die Platz 
im Gemeindebesitz O. Zss. Almendhof 

Wb. d. eis. Mundarten. 



gemeinsamer Hof, auf dem mehrere kleine 
Eigentümer wohnen ; Alme" matten ; Al- 
mendwald Rapp. Almendweg allgemein 
zugänglicher Weg O. — Schweiz, r, 190. 

almend Adj. der Gemeinde gehörig. 
En allmen'^cr Platz Alteckend. E allmengi 
herrenlose Katz M. Mer mänt grad, dis 
Obs is' alme dieser Obstgarten wird von 
Jedermann geplündert Lobs. D Schofweid 
is' alme Str. De"" Brunne" is'^ almend 
diesen Brun7ien darf Jedermann benutzen 
Horbg. In dem Hus is' alles a. es wird 
atif nichts acht gegeben, jeder Fremde 
kann nehmen, was er will Rti.f. 

Almende r.y. Anwander. 

Almuese" [Almyaso Winzenh. ; Älmyasa 
[Irbis Breitenb. Bf. ; Olmyssa Geisp. ; 
Almyaso Logelnh. K. Hf. Ingenh. ; Älmysa 
Str.] n. Almosen. Er het gesse" , nit 
emol für en A. Brot d. h. sehr wenig 
Hf. A. ge'"'" macht niemen arm Bf. 
Freili soll merr barmherzi sin un gern 
Almuesse genn' Fem. III i. — Schweiz. 
I, 192. Bayer i, 68. 

Olmere schzvarze Johannisbeere, ribes 
nigrum. Kirschl. i, 297; s. VVändel- 
beere. 

Ulm I Ortsname: Ulm. E Pariser 
von Ulm eingewanderter Deutscher Str. 
Ziingcnprobe : In Ulm, um Ulm un'^ um 
Ulm herum Rixh. 

Ulm II [Ulm Ndrbetschd.] Fätdnis 
im Boden des Waldes, darinnen Larven n. 
Maden, die herrühren von Holz, das an 
der Stelle verfazdte. In dem Bode" do 
steckt U. , do ge*'n d Söü gern anne 
v/eide". — Bayer, i, 68. 

ulmig [ülmi;^ Ndrbetschd.] fett, vom 
Boden, namentl. infolge von Holz, das in 
Fätdnis übergegangen ist. Ulmiger Bode" ; 
Syn. Wide"grund Z. 

Ulrich [Yalri Winzenh. ; Yülari M. ; Ylri^ 
Ruf. ; Ylri Str. ; Yalari Z.] Personname. 
I" "^^m U. ruefe" sich erbrechen {onomato- 
poetische Ableitung des Ausdrucks : Bayer. 
I, 63; vgl. Jedoch^^EiGATüD). 'er hab dann 
Ulrich gerufifen pas sans rendre compte' 
Martin Goll. 66. Pfm. II 3. 'Im Ulri riefe' 
sich im Ratisch erbrechen Mü. Mat. 49. 
s. auch Üöli. Ältere Koseformen eben- 
falls in dieser Verwendung: 'S. Urgen 
gerufen hat" Fisch. Bin. 203. 'vnd ruffen 
dann dem Vtzen' Fisch. Garg. 'J2; r. den 
San Utzen an' 147. 

als, as s. alles. 

3 



aLS 



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— 34 



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also, eso [also higcrsh. ; qsö, osü K. 
Z.] Conj. I. in voller Form: also. Wenn 
s i'^m also so is' voenn es sich wirklich 
so verhält Ingersh. 2. in abgeschwächter 
Form: so. Gassenhauer: Nit eso un*^ doch 
eso, wie s die Meidle mache" : wenn s'e 
gfresse" un"^ gsoffe" han, ge^'n s'e heim 
un*^ lache" K. Z. — Schweiz, i, 200. 

jElszle zveibl. Kosename: Elisabeth. 
Brant Nsch. H 2>2. 'ein rechtes Elsslin 
vm vnnd vm* (Mädchen für alles) Fisch. 
Bin. 177^. 

Elsass [Elsas Hi. ; Elsas M. Ingejth.^ n. 
Elsass; s krumm E. die westliche Gegend 
des Kreises Zabern Ingcnh. 'Elsass' Dasyp. 
'Elsess' Pauli 296. 'Elsass' Martin Call. 
162. — Schweiz, i, 202. Bayer, i, 60. 

Elsässerle n. Erdeichelschwärmer , 
Zirkelmotte, Zygaena filipendula Str. 
Stöber. 

alt [alt allg.\ alt. Dis is' e -n- alti 
Muck das ist eine alte Geschichte, eine 
längst bekannte Sache Su. E -n- alte"" 
Kracher, e -n- alti Metz Hexe Su. Bei 
Schimpfwörtern : alter Simpel, alti Mästsöü 
K. Z. Er kommt hingeno'^'^ wie d alt 
Fasenacht Hi. Hf. Bi den Alte" is' m«r 
guet ghalte" Barr. Mit de" Alte" muess 
mer si'='' halte" Z. Der Jung kann, un'^ 
der Alt muess Z. Wie alt si" m'r? Frage 
nach der Zeit Str. D alte" Küe'^ \y}^'^ 
ge^«n d Milch, un"* d junge" Hüener 
lege" d Eier Liebsd. De" riche" Lüt i^ri 
Töchter un'^ de" arme" Lüt ihri Kälwer 
(Käs Bf) sin<^ bal'* alt genue^ Lützelstn. 
We"" me" so alt wurd a's e Kue^, ler"t 
me" nit genue^ Geberschw. 'uflf alt un'^ 
nej ;;/// dem Endigen wieder anfangen 
Str. Ulrich. Neujahrsgruss : Es soll 
bim alte" bliwe"! Obbruck. Vor altem 
früher Hi. Was gi^'t's Nöüj's? Ich hab 
genue« am Alte"? Z. Compar. älter. Spw. 
Wie älter der Bock, wie härter s Hörn 
alte Sünder sind die schlimmsten, Alter 
schützt vor Ihorheit nicht Ruf. Dunzenh. 
— Schweiz, i, 203. Bayer, i, 70. 

alt Adv. in Werktagskleidern. D 
Kirch is* us, un*^ ich bin noch alt an ge- 
thon Z. 

Alte, der i. Vater Su. ; s. auch Ält*st. 
2. Mann, Gatte. 3. Meister, in der Ge- 
sellensprache. 4. Hauptmann in der Sol- 
datensprache. 5. Freund. 6. das alte Männ- 
chen oder Weibchen der Vögel im Gegen- 
satz zu den Jungen Banzenh. Katzent. 



7. ein Fabelwesen, vermutlich der Herrscher 
über das Tiergeschlecht, dessen Gefangen- 
nahme grosse Gewalt gibt. Wenn man 
einen Fischer verspotten will, so fragt 
man ihn, ob er den Alte" noch nicht ge- 
fangen habe Hf. De(r) wurd dr A. gfange" 
ha''^" der wird etwas Besonderes geleistet 
haben (ironisch) Su. Lützelstn, 'Er (der 
Fischer) hat halt g'meint, dr Alt schint's 
zfange' Lustig I, 146. 'Den Alten in 
dem Neste Dörft man finden aufs Letzte, 
Nun heisst's: Messieurs, wo dran?' (1631) 
Opel u. Cohn, joj. Krieg 288. De" 
Alte" fange" nichts thun, während man 
arbeiten sollte Str. — Schweiz, i, 205. 

e Alti, di^- Alt i. Mutter. 2. Gattin. 
J. Meisterin, Geschäftsvorsteherin. 4.. Ge- 
liebte. 5. Freundin Ltitterb. Hf. — 
Schweiz, i, 205. 

Ält*=st, flekt. Ältester, Ält^sti [Eltst 
Bitschw. Ltitterb. Steinb. Rapp. Molsh. 
K. Z.] m. Vater. Was macht d^r Ä. ? 
Dunzenh. di" Ältester? ebd. D^r Ä. unsere'' 
Ingenh.; Gemahl; f. Mittler — g}'ob und 
spasshaft. Ajtch = d^r Alt, d Alt. — 
Schweiz, i, 206. 

Alte [Elt9 S71. Du. K Z. Lobs.; 
Elti Sier. Banzenh.] f. Alter. D King 
Kinder sitze"^ noch d^r Ä. Er het d Ä. 
derzue Sier. Fufzig Johr is' noch ke" Ä. 
Lobs. Katzent. Er gse'^t nimm vor Ä. 
Sti. Wenn amol der Wi" die** Ä. het, 
soll er guet si" Du. Si^ sin*^ ungfä^r in 
der nämliche" Ä. Lobs. Protocoll des Pres- 
byteriums zu Schwindratzheim lyjgNo. i 
'Die Kinder hätten die Aelte noch nicht, 
dass man dieselben in die Schule schicken 
könne. 'Aelte vetustas, granditas, Aelti 
aevitas' Dasyp. 'Canities elte greuwe* 
GoL. 103. 'Auss der alte des Adels einen 
ehrlichen Mann zu erweisen , würde 
schnauben geben' Mosch. I 412. — 
Schweiz, i, 207. Bayer, i, 70. 

alten altern LH. Geiler L. K. %. — 
Schweiz, i, 206. 

ältele" [dtalo Obhergh. Katzent. ÄL] 
I. altern, vorzeitig alt werden ; 2. säuer- 
lich werden: de"" Butter ältelet Katzent.-, 
auch von Wein, Kartoffeln u. a. — 
Schweiz, i, 206. Bayer, i, 70. 

ältze" [eltsa Wh. Dehli.'] dass. 

ältzlc" [dtsla Str. Hf] dass. 

alti echt [ältlä/t Horbg. ; KiÜSiX. Ingcnh.'] 
ältlich : s is' scho" e altlechte"" Mensch 
Horbg. Er het m'r noch nit so a. g'"- 



aLT 



aLW 



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schunne" geschienen Ingeiih. — Schweiz. 
1, 206. 

Zss. altschaffe" alterschwach, hin- 
fällig M. 

Alter [Ältr Sn. Hf. CAmbrctt Wh.'] m. 
(n. IV.) das Alter. Er het si" A. er ist 
alt Su. Er het e nette" A. ist sehr alt 
Su. Er het der A. er ist alt genug Su. 
Do is' nimm vil ze helfe", der A. is' ze 
gross. Hf. [Mar sen fön aem Ältr Z. 
IVh.l Spw. s A. soll m^r e^re" Bf Er 
het e hoche" K. dMebt Ingenh. — Der Alter 
pfetzt mich' Geiler Bilg. 32 a. 'Der 
Alter klimmt' oft bei den elsäss. Schrift- 
stellern aus dem Ende des 75. u. An- 
fang des 16. Jahrh. Stöber. — Schweiz. 
I, 207. 

Alterle [Altria Ruf. Str. Z. Zinsw. 
Tieffenb.\ m. Kamcrad,Fretmdchen, scherzh. 
und schmeichelnde Anrede. 

Altertum ;«. Antiquität: ein hmstvoller 
Schrank ist e schöns A. Str. Hf. — So 
nennt Gottsched die Marienburg : Nach- 
richt von einem preussischen Alterthum: 
Neuer Büchersaal VIH. IJ4^. Vgl. auch 
Heyne D. Wb. 

Altar [Altar Str. Wörth Ndrbetschd. 
Lohr; Altor Breitenb. K. Dunzenh. Ingenh?^ 
m. Altar. Spw. Wer am A. dient, soll 
aü'''^ vom A. lewe" Bf. 

Hochaltar Hatiptaltar. — Schweiz. 
I, 207. Bayer, i, 72. 

veralteriere" [f3rältorier3i%r<^^.] refl. 
sieh aufregen. — frz. s'alterer. 

Iltis [Eltis M. Obbr. K. Z.] m. Iltis. 
'Du Illtes!' dummer Kerl. Stöber Daniel 
ig. — Schweiz, i, 179. Bayer, i, 60. 

alwer Adj. albern Str. En alwri 
Gschicht. Kettner Gvh. ji. 

Alweri [Olwaro Ruf.; Älwari Barr\ 
m. alberner Mensch. Qi& ''"weg, du A., 
du ka""s' nix! Barr. 'ein Hudler, ein 
Halunck, ein Alber' Mosch. II 72. — 
Schweiz, i, 211. 

alwer ig [älwarik Geber schw. Du.; 
ülware;^ ff7/.] albern, tinbeholfen, plump, 
grob. — Schweiz, i, 210. 

alwert [ölwart Lützelstn.] ungehobelt, 
grob. — Schweiz, i, 210. Vgl. Bayer. 
I, 65 Alber. 

ulwer [ülwar Ingw. Obbr. Wh.] Adj. 
phimp, tmgeschlacht., grob. Der Kerl is' 
so u. Vome ulwere" Mensch is' nit me'^'' 
ze verlange". — Vgl. Schweiz, i, 210 
alwar. 



Amm [Am Olti. ; PI. -o] f. Amme. — 
Schweiz, i, 211. Bayer, i, 74. 

Hebamm, -ann [Hdwäm Ensish. ; 
H^wäm U. ; H^wän Kerzf. ; H6wär| Büst] 
f. Hebamme. Was frogs' du noch der 
Hewamm, du bis' jo uf der Welt: be- 
kümmere dich nicht darum ! Geberschw. 
Scherzh. auch Hewütz Z. — Schweiz. 
I, 212. 

Säugamm(e) [Sajäma ö///. ; Sajäm 0. 
Str. Wörth ; Sejäm Kerzf. ; Soejä.m Barr 
K. Z. Han. Obbr. S^ikäm M7\ f. Amme. 
Fett wi= e S. Z. E por Düttle" {Brüste) 
wi* e S. Dunzenh. 'Demm Reinhold het 
gewiss d' Sayamm emol 's Trueldüchel naa 
gstopft in syne Hals' Fem. III 2. 

A"mal, A^mol, j-. tmter Mal II. 

amass, j-. Mass*. 

Amedisle [Ämatisla Pfast. Mü. Stri\ 
n. PL Pulswärmer, kurze gestrickte wol- 
lene Handschtüie ohne Finger oder mir 
mit Datimen. 'Amedissle stricke' Lustig 
I 91. — frz. amadis. Schweiz, i, 214. 

ammel, s. allemal und einmal 2.. 

amig (zvohl = eine" Weg) einmal, ge- 
wiss. Es losst sich a. net angerst mache" 
Ndrmagst. 

Arne" [Oma Strüth Su. Ingersh. ; Yüma 
M. Üma Hlkr.^ Du. K. Z. Han. Wörth 
Ndrbetschd. ; Oma Hi. Bf.] m. Ohm, 
Weinmaass = ßo Liter. 'Amphora 
(Romana) ein omen' GoL. 463. 'vnnd 
kamen mit einem Ohmen rothen Wein' 
Mosch. II 686. Spw. Vil Some", weni? 
Ome" wenn die Trauben viel Samen 
haben, gibt es wenig Wein Bf. Scherzh. 
Missverständnis s des Grzisses Gueten 
Owe ! Jo, i=" ha'' ke'"*" Ome" Sejith. 
Oder : Hätte" m'r nur e Liter Hüss. Hlkr. 
Kaysersbg. Demin. Ämel(e) [ÄmlaZ^Ä.; 
Eml K. Geud. Ingenh^ — Schweiz, i, 211. 
Bayer, i, 74. 

Truebame" m. der ß2. Liter, beim 
Most ztigesetzt, tim das durch Gährung 
als Hefe abgehende aufzufüllen. Du. 

am ig [ämik Hi. Co.', ämi K. Z. 
Ndrbetschd. ; semi Str.] Adj. ^o Liter 
fassend. E fümfamig Fass Mittl. 'das 
öhmig Fässlein* Martin Pari. N. 779. — 
Schweiz, i , 211. 

Amet, Ämet, Om(e)t, [Amt Pfast. 
Ensish. Su. Obhergh. M.; Emt Olti. 
Fisl. Dollern; Umat Bebelnh. Rchw. 
Erstn.; Ömat Schlettst. Str.^Wörth; Ümt 
K. Z. Zinsw. Lützelstn.; Ümt Logelnh. 

3* 



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- 36 



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Hlkr. Roth.] Amt Sfrüth; Ömt Tieffenb. 
Wh. ; Amt A/fw. ; Ämat AscM.] n. Nach- 
heu, zweiter Grasschnitt, Grummet. A. 
mache" ; davon Ometmachet m. f. Arbeit 
oder Zeit des Grutnmetschneidens : An- 
fange" September is' O. Mit dem Be- 
scheid s O. wurd nit vor "^em Heu ge- 
macht ! zvird der um die jüngere Tochter 
Freiende abgewiesen, so lang die ältere 
noch ledig ist Z. 'mege omet' Dancr. 
257. 'Emde foenum secundarium' Dasyp. 
'Faenum cordum Omet, Herbstheu' GoL. 
355. 'Ee das gras gewächszt, so ist das 
Omath schon vergangen' Geiler Narr. 
114. — Schweiz. 1,213. Schwab. 20. 
Hess. 291. Bayer, r, 72. 

Esperomet [Asparümot Dü7\ n. zweiter 
Kleeschnitt bei Esparsette. {Der andre 
Klee wird dreimal geschnitten). — Schweiz. 
I, 213. 

ömte" [ämta Su.; semts OltiI\ das 
Gras der zweiten Ernte dörren und ein- 
bringen. — Schweiz, i, 213. 

Amt et [Ämtot Liebsd. Fisl.; Ämtat 
Su. Geberschw. ; Amtat Strüth'\ m. Nach- 
heuernte, Zeit dafür. — Schweiz.^ i, 214. 

Amen [Am^n Rtif. ; Äma Su. ; Ama M. 
Unfertig: Jetz istus nn^ A. zur Bezeichnung 
eines endgiltigen Schlusses : es ist nichts 
mehr zu ändern allg. S is' A. mit i^'m 
es ist aus mit ihm, er ist tot. Dis is' 
so sicher a's A. in d^r Kirrich Z. — 
Schweiz, i, 218. 

Ammer in: 

Gol'^ammer, Galammei [Koelämar 
I/f. ; Kälämar Dachstn. ; Kcibläm Dunzenh. 
Ingenh.; Kälämal Geud.~\ f. Goldammer, 
Pirol, Emberiza citrinella. Gaulhammer 
Strassb. nach dem Züricher Vogelbuch 
von 7557. 

Gel''gaulammer [Kaelkoeilämr Ingw^ 
f. dass. — Schweiz, i, 218. Atis lat. 
amarellus. 

Amerell [Amor^l Str. ; Ämaral Obhergh. 
M. Iff.'^ PI. -o] f. Sauerkirsche, gross, 
mit kurzem Stiel. Eine schielende Person 
wird gescholten : du scheli Amerell ! auch 
spasshaft, wenn jemand ein saures Ge- 
sicht macht. 'Cerasa Aproniana Amarellen' 
GoL. 399. — Mlat. amarellus, amarellum: 

DlEFENBACH GloSS. S. 2/. 

Ameriske [Amareska Du.'] f. Tama- 
riske. — Das fremde Wort wurde als 
zusammengesetzt mit dem Artikel d'^ auf- 
gefasst. 



Amierikaner [Äm^rikhänar Scherw. ; 
M^rikhänar Ingenh.'\ m. rote Kartoffelart 
mit massig grossen Knollen. — Schweiz. 
I, 219. 

-|- ammet Adv. ehemals Fisl. s. albig. 

— Schweiz, r, 220, 

Ameise, Em(ei)s [Ömaisa ///. ; Ömais 
71/?/. bis Su. ; Aumais Wittejth. ; Ümais 
Hlkr.JDü.; Ämais Obbruck Urbis ; Omis 
Co. ; Umses Meiseng. ; Ämaeis K. Z. Wö'rth 
Ndrbetschd. ; Emais Lützelstn. ; fimaes 
Bühl; ^mäs Büst; Haemais Saarunion ; 
C)mces Ndrrö'd. ; Äms M. ; Ams Mittl. ; 
Ems Wingen b. W. Schleit. Dehli. ; PL -a] 
f. Ameise. D Ameise" bisse" Hüss. 
s hat mi<=fa e A. a" gseicht Mittl. Es 
wiwelt u"*^ wawelt a's wie imen Ämeise"- 
hufe" Geud. ; Ameise" under s Füdle 
mache" fortjagen Gebw. V-^ mein grad, 
i'^^ ha^ Omeise" in de" Füess beim Ein- 
schlafen des Fusses Du. Er hockt uf de" 

0. sitzt wie auf Dornen Du. Die Kin- 
der singen, wenn sie einen Ameisenhaufen 
sehen: Ameise", d Ditsche" (Schwowe") 
kumme", welle" euer Eier hole" Z. ; die 
Ditsche" sind die roten, welche kriegs- 
histiger sein sollen als die schwarzen. 
Emeis Überschrift einer Predigtreihe von 
Geiler, 'die Omeissen' Gart. D. G. 
'Aumeysen' Fisch. Garg. 159. 'ein 
Aumäus' Ehez. 158 {C 6^) 'Omeysen* 
Garg. 32. Emsiger a's e Omeis Rtt.f. 

Demin. Ameisele [Ömaisala Fisl. 
Getid.; U- Du.; Emsl Dehli\ und Amutle 
[Amütla Urbis~\. 

Zss. Ameise"könig i?^rt!. Einem den 
Ameisenkünig zeigen anführen Geiler. 

Ameise" muck geflügelte Ameise im 
Bau Dil. 

Ameisen"ritter grosse Ameise Büst. 

— Schweiz, i, 216. Bayer, i, 73. 
Pfalz. £)ms Ims fmös Heeger 24. 

Klammerameis [Klämaremäs Lobs^ 
f. grosse Waldameise. 

Ritterems/". Waldameise, Formica rufa 
Dehli. 

Ami ;;/. Freund: er is' nimm A. 
mit ''em Mär er steht nicht mehr in der 
Gtmst des Bürgermeisters Bf. 

Amors [Amors Pfast. Logelnh. Co.] f. 

1. Knallpille für Kinderpistolen. 2. klei- 
nes Fischchen, welches als Köder an der 
Angel ztim Fischen der Raubfische ge- 
braucht wird. J. schlechter Schnaps. — 



äM — iM 



37 — 



iM 



franz. amorce Köder. Demin. Amorsle n. 
Du. 

Arnes, Arne, Äime [Em9(s) Str.; 
Eima Z.] Angst. Ä. han. — Atis dem jü- 
disch-deutschen eime, hebr. emä Schrecken, 
Furcht, PI. emoth JB. XII 141. 

-emus in Sürämes [Syremas Ingersh. 
Str^ m. saurer Wein (scherzhaft). 
'Knittbrüej Suuremes so' Pfm. III 7. Die- 
selbe Ableittmg in Dürrämes. 

Dazu vielleicht Sürimel [Syriml Ob- 
heygh.] m. i. satires Brod. 2. Sauer- 
topf: 's isch mancher sin Lebda e Sur- 
immel' E. Stöber, Vorr. z. Neujahrs- 
büchl. 1824. 

Amus [Ämys Z.] f. Vergnügen, Unter- 
haltung: do is' Amus! da gehts lustig zu. 
Do ham m'r awer en Amus ghet! 

amüsiere" [ämysi^ra Hi. Heidw. Hf.; 
ämosi^ra Su. Du. Ingenh. Brum.; ämasiro 
Str7\ belustigen, bes. sich a. Aw^r im 
Kamedi ham m'r ü"s amesiert! Brtwi. Part, 
auch gamesiert Du. Z. — frz. amuser. 

veramusiere'\ sich (anklingend an 
sich vergnügen) Z. 

amusierli*^'' [ämasi^rli Bf. Z.] tmter- 
haltcnd. Er is' a. Adv. s is' a. zugange". 

Emmer Reisdinkel, Triticum dicoccum. 
KiRSCHL. II, 357. ^. Ammeikorn. — 
Schweiz i, 218. Bayer, i, 73 Amer- 
kern. 

Eimer [Aimar Hlkr. Bf. Str.', ^mar 
Meiseng. Barr K. Z. Ndrbetschd. Wh.; 
Y.vci'^r Dehli., Lützelstn. Tieffenb^ m. Eimer, 
Kübel. Rätsel: Es sin** zwe" Brüeder, 
ge'^n für nander ane un'^ se'^n enander nit, 
kc'ne seit nix zum andre" Eimer des Zieh- 
brunnens Obhergh. — Schweiz, i, 221. 
Bayer, i, 75. 

Füreimer m. i. Feuereimer. 2. grosse 
hohe Stiefel Z. 

Hakeneimer m. Hakeneimer, Eimer 
die an einem Haken in die tiefen Brunnen 
hinabgelassen zvurden, als man in der 
Ebene weder Schwenket- noch Ketten- 
brunnen hatte. 

im, em [em, am Jtnd €u\ Dil.; em, m 
U. ; öm, abgestuft um Wh. Dehli^^ ihm. Dat. 
Sg. m. Die betonten Formen heben die 
Person hervor: [s khönt am sla;ft ke. — 
(?m? würüm?] refl. D. sich: Er het i^'m 
de" Hals abgsoffe" Bf. Er het '^m e scheen 
Kleid kauft Ingenh. 'dreit vff im (sich) 
ein grossen hört' Murner. Bad. 7, J^. 



Imm(e) [Em Hi.; Em Du. Rapp. 
Brum.; Im Su. Geud. Wörth Zinsw.; 
Ema K. Ingenh.; ^ßma Scherw.; Eim M.; 
Eima Hindish.; Ema Wh.; PI. — a] /. 
{tn. K. Z. ; n. Hi.) I. Biene (das W. fehlt). 
Spw. Halt Imme'' un*^ Schof, Lej di*^'' nider 
und schlof! Awer nit z lang, Dass d'r s 
Glück nit entgang Ingw. Geberschzv. d. h. 
Bieneitzucht gibt viel Ertrag tmd ohne 
Mühe, ist aber unsicher, 'einer von den 
ymen . . het im ein Angel geben' 
Pauli 373. '. . als solt man imen fassen' 
Brant Narr, iio^ 34. 'die stieben zuo- 
her wie die immen' ebd. Vorr. 21. 
'Die Immen , Binlin, apes .... haben 
ein künig' Geiler Em. 13''. 'der Imen 
stich' Fisch. Ehez. 128. 'um der Immen 
willen, wenn dieselben stiessen' schwärmten 
Garg.TfO']. 'Apiarius der Immen zeucht' 
GoL. 52. 'da eine Imme den Monsieur 
Cupidon einesmahls in den Finger ge- 
stochen' Mosch. I 125. 'E-n-Imm diss 
isch e Biehn' Pfm. I 2. 'jez stosse's Judde- 
n-Imme' ebd. III 4. 2. Malzbonbon mit 
einer gedruckten Biene atif dem Umschlag 
Co. Rapp. Demin. Immeli, — e [Empala 
///.] Kinderspruch: Immele, I. hei, Rot 
un*^ wiss is' gel'' Geberschw. 

Imme", Imm [Ema Ruf. K. Z.; Ima 
Su. ; Ima Roppenzw. Mü. Geberschw. Zinsw. 
Aschb.Dehli.;YjVa.'ä Wh.; Eim'ä 31. Hindish. ; 
Im Urbis; Em Dü.^ m. i. Biene K. Z. 
2. Bienenschwarm, Bienenstock. Der I. 
stosst der Schwärm fliegt aus Du. U. 
^'ne'' I. fasse" den Schwärm einfangen. 
D^r I. steche" den Honig aus dem Stock 
nehnen Str. ''Sampson fand das in 
dem Lewen genistet hatt ein gantzer ym 
(Examen apum)' Geiler Brosäml. 49''. 
'Apiarium Immen oder Bienenkorb' Gol. 
326. 'der Immen soll der (den) Hummel 
ußstossen, er frist sonst Honig und Waben' 
Mü. 1587, Alieg II 170; 3. Abtritt 
Roppenzw. d'^r I. fasse", us ne'^me" den 
A. leeren Ingw. 

Zss. Imme"bank, — hus, — hüsel, 
— korb, — stand, — stock Bienen- 
korb allg. — Schweiz, i, 233 Imb. 
Schwab. 299 imme und immen. 

Bruetimme" m. Drohne Geberschw. 
bis Obröd. 

Brummelimme" tn. Hummel Z. 

Dreckimmele n. Drohne Westhalten. 

^immers Adv. 'Nun sehen sie jmmers 
(atlf jeden Fall) wol' Fisch. Bin. 122. 



iM — oM 



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Immes, Ims [Imos Liebsd. bis Ruf. ; 
Imis Baiizenh. ; Imas Obhergh. ; Ernas //t. ; 
Ernas Szt. bis Rapp.; Eimas Geisp.; Eims 
M.; Ims Sier. Mü. Ndhsii. Str. bis 
Wörth; Ems K. Dunzenh. Fnrchhsit.~\ 
m. [Kim^ f. M.) Essen, Mahlzeit, Mittags- 
mahl: Hanseli am Bach Het liiter guet 
Sach, Hct Fischli für z Immis un^ Krebsli 
für z Nacht ///'.; was auf einmal gegessen 
wird: s is* genue§^ für en I. reicht zu 
einer Mahlzeit; e I. Herdäpfel eilte Portion 
Kartoffeln Du. E Stück Speck un** Sur- 
krut is' mi" liebster I. Barr; bes. Gast- 
mahl, Festessen. Si han ufgschla'^" {ein 
Gebäude atifgerichtet) wvfi- sin'^ jetz bim 
I. Da. En I. ge'^n (seltener als e Gastrei 
ge^^n). E gschmclzter I. ein flottes Festesseit 
Str. 'Ims' Geiler SM. ^. 'Imbiss Pran- 
dium' Dasyp. 'Imbes 'Brucker. 'Prandium 
jmbiss, mittagmal' Gol. 360. — Schweiz. 
I, 236. Schwab. 299. Hess. 184. Bayer. 
I, 80. mhd. imbi^. 

Henkerims letzte Mahlzeit an einem 
Ort Rapp. 

Herbstims Schmaus nach der Wein- 
lese Geberschw. 

Hochzitims Ilochzeitsschmaics Z. 

Lichte" ims Rapp. Z. Wh. und 

Toten ims Su. Begräbnismahl, Leichen- 
schmaus. 

Pompje-ims Mittagsmahl für die 
Feuerwehr. 

Sängerims Sängerfestmahl Bisch. 

ieme, iemes [i^ma Geisp. K. Z.\ emas 
Brum. ; ^mats Wh. ; iamas Bf. ; ima(s) Str. 
Ndrbetschd^ jemand', mit nachfolgendetn 
Adjectiv im Neutrum: [i^man Alts] eine 
alte Person Z. 'So hören si den Schlüssel 
trähen Im Schloss, vnd imans zu in nähen' 
Fisch. Flöhh. Kurz 1245/46. 'Doch still! 
'S kummt jemes de!* Pfm. I 7. s. auch 
Mann. 

nieme, nemes niemand U. 'es möge 
niemans geben und behalten' Geiler alt. 
Sehr. 13. niäme' Berdelle. 

'rO''"macht Z., O'^'-machte" PI. Ili. in 
d' O- e" falle". 'Onmacht Defectus animi' 
Dasyp. Andre Bsp. aus älterer Zeit CS. 
— mhd. ämaht. 

o^"mächtig. 'Das Schwcissbad hat ein 
starcke Art Da manchen in omechtig ward' 
Murner. Bad. Schcrzh. abgeleitet: s wird 
m'r omelchterig (von Melchtre Kübel zum 
Schweinefutter) Hi. 



um [um allg7\^ Präp. mit Acc. : Um de" 
Hals, um s Hus Dil. ; um enander hin tmd 
her laufe" Bf. ; um de" Mittat, um d viere 
7ingefähr zu Mittag, u. um vier Hf. Ab- 
wechselnd: eine" Ta^ um de" andere" alle 
zwei Tage Hf.; eins um s ander Dil.; ein 
Mol um s ander mehrmal schnell hinter 
einander Du. Zweck, Ziel, Preis bezeich- 
nend: s ge'^t um s Geld man spielt um 
Geld Su.; um Geld un"^ gueti Wort 
Steint. Spw. um s Geld schindt m^r den 
Esel Bf. ; um s Verrecke" nit tim keinen 
Preis Steinb. s is' um s Luege" z f^ue" 
man braucht n7ir hinzusehn Steinb. ; um 
s Härele (beinahe) is' er z spot kummc" 
Dil. s is' m'r nit um s Esse" ich habe 
keinen Appetit Su. 'Miner Meinung noch 
isch's allemol ebb's Nett's umm e 
Schmützele von so-m-e Kirschemielele !' 
Stöber Daniel 12. Er nimmt sich nit 
um d Sach an Steinb.; um s Lewe" 
kumme" Bf. U. Um dass damit (in der 
Sprache der Halbgebildeten) Bf. Vor dem 
Inf. steht nicht um wie in der Schrift- 
sprache, sondern wird dttrch für ersetzt: für 
ze schaffe" tim zti arbeiten allg. Doch 
auch: m*r lebt nit, um ze esse" Bf. — 
Schweiz, i, 224. Bayer, i, 76. 

um [um allg^ Adv. um. De"" Baum 
muess m'r um muss gefällt werden 
Steinb. E guete"^ Wej is' nix um Bf. Der 
Geisshirt esst um wird von den Bauern 
abwechselnd beköstigt M. Verdoppelt um 
und um [ümatüm Mü. Molsh. Str. Wh., 
auch ümastüm imd ümastüms Z. Gimbreti\ 
an verschiedenen Orten, allenthalben. S is' 
um ed um s nämli'^''* ganz gleich Molsh. 
'um und um' Geiler BS 36^ Stöber. 
'Wie wohl sie faren vmb vnd vmb' Brant 
Narr. 103, 5-7. 'ich war mit Giflt vnd 
Lastern vmb vnd vmb vmbgeben' Mosch. 
I 519. 'Hans umb und umb' Hans in allen 
Gassen Mosch. I 155. CS. zvo noch andere 
alte Bsp. Vgl. Bayer, i, 77. — Schweiz. 
I, 226. 

ringsum im Kreise herum: uf '^em 
Tanzbode" is' m'r s im Kopf alles rings- 
um gange" Steint.; ringelsi'^'^ um Heidw.; 
z Rings um Hi. Er het rings si<=*' um gluegt 
Liebsd. — Schweiz i, 229. 

•^erum, rum [orüm Roppenzw. Du. 
Rapp. Bf.; rüm K. Z. Wörth] Adv. herum. 
Kumm erum komm her] Du. Vor <*cm Hus 
erum, um e ze^'ni erum ungefähr um 10 Uhr 
Du. D Zit gc^t erum vorüber Bf. Der 



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39 — 



uM 



aMB 



Acker is' erum ist gepflügt. Wortspiel: 
was i'erum is', is' ghackt Lützelstn. S is' 
eriim mit m'r ich bin verloren. Erum fa'^re" 
zerstreut, in Unordnung liegen; (von Per- 
sonen) in schlechter Gesellschaft tiniher 
ziehen Rapp. Drum erum rede'* seine Ge- 
danken tmdeutlich ajisdrücken. Hinten erum 
ijn Geheiineit Ingersh. Er kummt immer h. 
e. ist schlatt, falsch. Der is*^ do rum gfo^^re" 
wi^ e Furz in ere Lorzern Z., wi« e Pfönd 
Lömpe" Dimzenh. Er is' niene" erum ist 
nirgends Z7i finden Bf. Rings erum Rop- 
penzw. Logelnh. Schnipp, Schnapp, Schno- 
rum, s Johr is' rum! ein Kai-tenspiel, wo- 
bei das Ausspielen einer Karte immer 
unter Begleittmg eines der erzvähnten Aus- 
drücke geschieht; mit 's Jo'^r is"^ rum!' 
wird der Stich eingezogen Dunzenh. 

g rings erum Stöber'; grings rum 
Wörth : rings um her. 

gringels erum Stöber, gringels rum 
Ndrbetschd. : im Ring, Kreis herum. 
Dem gehört der Hals im Gringel ^erum 
gedrejt Altiv. 

har um! Zuruf an Zugochsen: links 
umkehren! Prirtzh. Oft erweitert har 
um 6 K Z. — Schweiz, r, 228. 

har-widerumb, vice versa, umgekehrt 
Stöber. 

•^'rum her. 'S dick Annemeyel, wo 
e Bukkel wie e Sester im Wämstel rummer 
ketscht' Pfm. V6. ^^rum^ärts [rümarts 
K. Gimbrett Pfulgriesh. Z.J Adv. herum. 
\Vu r. ? wo herujn? in welcher Gegend? 
Wu r. lijt jetz Zawere" ? in welcher 
Richtung liegt jetzt Zabern von hier aus 
gesehen ? Ingenh. 

^'num [nüm allg.; onüm Lohr\ hin. 
Ghei das Holz dort num lege das Holz 
dorthin Du. Um s Eck enum i7t die 
Ecke Lohr. Was is' denn dort, si laufe" 
alli zsamme" : lauf gschwind num hin- 
über Du. Üwer num über die Berge 
hinüber Mittl. Ja, dsel'' is' num ! daran 
ist nicht zti denken Z. Dunzenh. DseP 
is' awer num ! Verneinung der Aussage 
eines andern Du. Num! Zuruf an ein 
Tier, nach einer Seite zu rücken Brum. 
Hott num, jist num! rechtstim (Ztiruf an 
Zugtiere) Prinzh. Rum un"^ num in jeder 
Richtung, hin und her Ingersh. Str. 
'Es sind viel . . seltsame Practicken hin 
und wider rum und num gangen' Fisch. 
Progn. theol. 3, 70'' CS. Um eins r. oder 



n. attf eins mehr oder weniger (kommt 
es nicht an) Dil. R. oder n. so oder 
so Z., ungefähr Str. R. o. n. mache" 
unentschieden handeln Hf. 

darum, drum, dadrum, disdrum 
[türüm Du. ; törüm Bf. ; tötrüm und tes- 
trüm Z. nachdrücklich hinweisend ; trüm 
allg?\^ Adv. I. da herum. Ge** dorum, 
dort erum" kanns' nit Dil. Drum erum 
rings um Hf. 2. deshalb. Du hes' mi'=^ 
a" geloje", dorum glaüw i'^^ d'r nix me^"^ 
Dil. Spw. S is' ke'" Worum o^'ne Dorum 
jedes Ding hat seine Ursache Bf. Auf 
die Frage worum? antwortet man grob: 
dorum/ Su., mit dem Zusatz um s Loch 
herum Katzent. Er weiss wo**!, ''ass ^r 
gebost het, disdrum is' "^r jetz au'^'* so 
dubo (zahm) Ingenh. J. dazu (geneigt) 
Dem is' s allewil drum der ist immer 
gut aufgelegt allg. S is' m'r nit drum 
ich habe keine Lzist dazu Hlkr., es ist 
mir nicht wohl Logelnh. ^. deshalb, weil. 
Worum het er s Gretel nit ghirot? — 
Dorum is* er e Stier gewe'^n Hf. 5. ohne 
das. Der kann nit schaffe'* o^'ne Bier; 
ich kann s mache" drum; ich kann drum 
sin Dil. Drum komme" etwas verlieren 
Bf. — Schweiz, i, 230, 

warum [worum; würüm Ruf. Gimbrett 
K. Z. Furchhsn., abgeschwächt warum, 
abgekürzt früm Hfi\ wanmi? Zuweilen 
als Einleit7ing einer Begründung : I . . 
geh elain, wurrum? i haa kcn Frau' Pfm. 
Schlusszeile. 'Warumb? Darumb, die forcht 
treybet sie' Geiler Häsl. a IIP. — • 
Schweiz, i, 232. 

handke^'rum [häntkh^rüm ///. Steinb7\ 
Adv. im H. im Handtimkehren, schnell. 
— Schweiz, i, 229. 

umme, ^. (um) hin. 

Ummel \{]m\Tagolsh. Ingersh. Katzent. ; 
PI. Ümala] f. Himmel. [Ümla em Ars 
ha] sehr unruhig sein Ingersh. — Schweiz. 

1, 232. 

Ambarra [Amparä Str. ; Amprä Rjif. 
Bebelnh. Mutzig Lobs.; Amprä Ingenh. 
Hf7\ m. I. Verlegenheit (fehlt), Klemme, 
Störimg: im e grosse" A. sin Co. Hf. 

2. Umstände, Aufwand: A..m?ic\ic^ prahlen, 
Ruf . Rapp. Mutzig Str. Lobs. Ambarra- 
m ach er Wichtigtimer. — frz. embarras. 
Schweiz, i, 233. 

ambaschieren [ämpasiara Rapp.'] 
verhindern, abhalten. — frz. empecher. 



aMB 



aMP 



— 40 — 



aMP 



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Ambaschür [ÄmpasyrT^Z/^r/. Su.Rapp.\ 
VI. f. Mundstück eines Blasinstuments. — 
frz. embouchure ; s. auch Abaschür. 

ambetant [ämpotäntZ/tr/^i-^. Sit. Horbg. 
Dü.^ verdriesslich, äj-gerlich, fatal; c 
ambctanter Mensch ein Pedant. — frz. 
cmbetaiit. 

ambetiere" [ämpati^rs 6"?^. Co. Rapp. 
Getid.; ämpgtira Str.^^ langweilen, belästi- 
gen, stören : du ambetiers' mi**^ ; i^*' hab 
mi'^'^ 'ambctiert Str. — frz. embeter. 

ambetierlig [ämpatiarlik Geberschw.'\ 
langweilig, widerwärtig. 

Ambos [Ämpüs Du. Breitenb. U. ; 
Ämpos Hi. Bf. Str.; PI. -9] m. Ambos. 
Er sitzt zwische" Hammer im" A. in übler 
Lage Bf. Demin. [Ampesla ö.] 

embere"." Von dem werd er nit viel 
embere iticht viel erzählen. Dehli. — 
Vgl. 'ambern, embern' in Oberhessen : die 
gewöhnliche Form für antworten. Rda. 
"Das kann er nit embren nicht verweigern! 
Hess. 9. 

[-Ämb'^rt [Apart M:\ f. Antwort. 

Imber | Empar Rtlf. Co. Rapp. M. 
Bebelnh.; PI. -0] f. Himbeere; Rubus 
idaeus. Geiler SM. 38'". 'Ampe' 
Hess. 10. 

imfam [impfäm Ruf. Geberschw.^ 
niederträchtig ; anch von tmf olgsamen 
Kindern : e impfame'' Ketzer Geberschw. 

Amlet [Ämlet Logelnh. Rapp. Rotb. ; 
Omlet Ar.] Eierkiichen mit Schnittlauch, 
Pfannkuchen. — frz. Omelette. 

Amlopp [Ämlöp Rotb^ f. Brieftasche. 
— frz. envcloppe. 

Amlung Str. Stärkemehl. 'Amylum, 
Amlung, Kraftmeel' GoL. 230. Kettner 
Gvh. 14; hätifiger ist Ammelme**! bezeugt 
CS. 9. 

Ampele [Ampala Hi. Sier. bis Dol- 
lern ; Ämpol Hirzfn. bis Str. ; Ampi 
Geud^ f. Lampe, bes. cylinderloses Oel- 
licht in Blechgestell, Oellämpchen in La- 
ternen oder bei Ilhiminationen. Vers, den 
eine alte Frau darunter gesetzt haben 
soll: Ich alti Schlambambcl Stell her mini 
Ampel, dem Koni« zen E^re", s kann 
m^r s nieme verwc''re" Str. D ewigi A. in 
den katholischen Kirchen Heidw. Rda. 
Dem sini A. brennt nit hell der hat nicht 
viel Verstand Rapp. 'ampulla ampellc 
Herrad 184. 'ampul, Ampel, Leuchter 
Geiler P. ii. 15. b. Noch andere Bsp. 
s. CS. 'vnd dass sie zu zeiten die Ampel 



fortschüren mochte' Mosch. II 294. 'D'r 
Seppel mit d'r Ambel Zücnd't zue dV 
Stubbthüer nyn' Hirtz Ged. 214. Demin. 
Ämpele n. — Schweiz, i, 239. Schwab. 
19. Bayer, i, 80. 

Zss. Ämpelemacher Blechschmied, 
Klempner Mü. Rchw. Stöber Macder. 
Mi" Vaf^r is' ke'" A. zu jem., der einem 
das Licht versperrt Rchw. s. auch 
Glaser. 

Geistampel Spirituslampe Obhergh. 

Judenampel, Schawctsampel Oel- 
leuchter der Jtiden Hf. 

Nachtampel Nachtlicht Rapp. 

Ölampel Oellämpchen Steinbr. 

Petrolampel Obsteinbr. 

Stellämpele n. kleine Stellampel Ob- 
steinbr. 

Usputzampel/. Lampe, worauf Eisen 
gewärmt werden, itm den Schnitt neuer 
Schuhe zu glätten. 

Amplochierte(r) [ Amplö/i6rto(r) 

Lutterb. bis Lützelstn. ; Amplatörto ö///.] 
m. Beamter, bes. von der Eisenbahn. — 
frz. employe. 

impeniere" [impani^ra Steinb7\ foppen : 
eine" i. — Atts nhd. imponieren. 

Imp^r [Empr Hf?^ m. Lngwer. Ge- 
backener I. appetiterregendes Mittel bei 
den Juden. 

impertinent [impartinant Olli, bis 
Bisch?^ Adj. u. Adv. unverschämt, un- 
erhört, bes. i. liege" ; en impertinente"" 
Süffer ein unverbesserlicher Säufer Mü. 

Impertinenz [Impartinants Pfast. 
Heidolsh.^ Unverschämtheit. En I. Kerl 
ein witziger Bursche Heidolsh. 

Ampfer, Amp^rt [Ömport Wh\ m. 
Ampfer. Sur wie A. — Schweiz, i, 240. 

Surampf'r [S^rämpfr M. Ndhsn. ; 
S^rh — Su.; Syrämpftr NB reis.; Syrc\m- 
par Tieffenb., -t Lützelstn. Rauw\ m. 
Satierampfer, Rumex acetosa. 

Surampfe(l)te [Syrämpfota Attenschw. 
Lutterb. Ensish. ; — alto Tagolsh. Hlkr. 
Obhergh.\ f. (m. Obhergh.) dass. — 
Schweiz, i, 240. 

Geisesuramf^r;;/. gemeiner Sauerdorn, 
Berbcris vulgaris Osenb. 

Hecke" surampf^r Bisch, dass. 

Krotte"surampfer, -ampftcr iV- 
Breis., -ampfelte Hlkr. m. wilder, 
unessbarer Sauerampfer. 

Soldate"surampfer m. Tragopogon 
pratensis L. Scherw. 



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impfe" [impfa Mü.~\ oculiercn. — 
Schweiz, i, 241. 

jYmpffler eine gute Art Aepfel. 
Geiler Brös. 32. vgl. ertberdötling. 
Stöber. 

Amsel , Amstel , Amalse [ Ämsal 
Geisp.; Amstl Z. Lützelstn.; Amis M.; Amalsa 
Dollern ; Omsal JVk. ; Fl. -9] f. Schwarz- 
amsel, viel in Käßgeit gehalten. We"" 
d Amsle" boüe", kommt s Früe^jo'^r Bf. 
Die Amsel singt: 'D'r Schnider isch c 
Fadedieb!' Hlkr. Stöber Volksb. 278. 
Als. 1853, 169. — Schweiz, i, 241. 
Bayer, i, 81. 

Goldamsel /. Pirol, Oriolus galbula 
Horbg. Z. Kindw. 

Haramsel f. Mädchen mit unge- 
kämmtem, zerzatistem Haar Du. 

Mueramstel f. Singdrossel Zinsw. 

Schwarzamstel f. Schwarzamsel, 
Turdus merula Dunzenh. Z. 

Wasseramstel /. Eisvogel Su. 

emsig [amsik Wolschw7\ eifrig bei 
der Arbeit. Morgengrus s an Arbeitende : 
Numme nit z emsig! Antwort: s het ken 
Gfo^r! — Schweiz, i, 242. Bayer. 1,80. 

umselig [ümselik, ümseli Z.j gebrech- 
lich, schwächlich, kränklich. — atcs mhd. 
unsaelic? Bayer, i, 97 üsalig, üslich 
ängstlich, erbärmlich, schlecht Franken. 

Amt [Amt Su. Hf; Ömt Wh.'] n. 
I. kath. Gottesdienst. 2. Gericht [so 

es no/ nd for Ömt kewaen Wh^ — 
Schweiz, i, 242. 

Hochamt Gottesdienst mit Fredigt an 
Sonn- u. Feiertagen Su. 

Levitenamt Gottesdienst, bei dem 
mehrere Friester mitwirken Su. 

Totenamt kirchliche Begräbnisfeier. 

Demin. Ämtle n. kleine Anstellung als 
Bannwart , Weibel usw. (das einfache 
Amt in diesem Sinn ist nicht gebräuch- 
lich ausser Bf., man sagt dafür Stellung). 
E jeds Ämtel is' heiike"swert Bf. 

an [an] ; mit dem zsge zogen : am, mit 
einem: amme; tnit mir, mich assimiliert : 
amm'r [ämr Du., aber an mer Hi\ am- 
mi*^*^, aber betont an mich. Fraep. mit 
D. und A. an. Bes. Verwendungen : s is' 
{die Reihe ist) an i'^m für Wasser z hole" 
M. Er is' an mi*^*^ kumme" ist an 
mich gestossen Hlkr. U. \^^ bi" an i^n 
(^jj^mmen j^^-j^ ^/^ ^^^ ^'^^ 2?/ Sprechen ge- 
kommen Liebsd.; anenander kumme" in 



Streit geraten. Am Winter im W. Str. 
Z. D Murer sin*^ an dem (beinahe) ferti^ 
Ndrbetschd. 'Es ist ietz an dem (so weit) 
dass wir sie wo müglich gantz abschaffen 
wollen' Mosch. I 30. — Schweiz, i, 249. 
Hess, i, ig. 

an \z. Hi. Sit. Hlkr. Du. Co. Rapp.; 
a,M.; an Str. Z. Han. Wörth Ndrbetschd. ; 
6n R. Gimbrett Dunzenh. Ingenh. Furchhsn.] 
Adv. an : zu Verbis : a"klopfe" u. a. 
Ei"'m eins an mache" i7i Ungunst setzen 
Str.; bes. am Hus an in unmittelbarer 
Nähe des Hauses ; dran an dicht daneben : 
de bis' dra" a" gsi" ganz nahe dabei ge- 
zves'en Su. ; anenand an dicht nebeneinan- 
der Hf. Ich bin a" der erste beim Spiel 
Rapp.; ebenso Wer wirft on? Ingenh. 
ich bin an, ich bin der nächste j'ay la 
boule, je suis le plus pr^s' Martin Coli. 
205. Er is' an bi i'^m steht in seiner 
Gunst Str. An allem a" allem Anschein 
nach Hlkr. Ich hab ne hal'^wejs Schwing'^lse 
(Schwindratzheim) an wor'^e" angetroffen. 
E Has an wer^e" begegnen Hf. — Schweiz. 
I, 255- 

dor an [türä Dü^ Adv. hieran. Dura" 
s'e^t m*r, eb das einfachi öder gfüllti 
Schirofle gi'^t. 

dra" Adv. daran. Du mues' d. denken ! 
P^' denk d'r d. ich werde dir es vei-- 
gelten ! Sii. S li'^jt m'r nix d. Ltitterb. 
Ich bi" jetz d. an der Reihe Su. Druf 
un*^ d. si" im Begriff sein Su. Mues' 
nix me^r mache" d. Co. — [E;^ pen äs 
tron kowän, s es hit Metwü;^ ich stand 
immer in der Meinung, es wäre heute 
Mittwoch K. Z.] 'mit uns isch 's üs un 
nit meh dra' Lustig I 276. — Schweiz. 
I, 258. 

ene" dra" auf der andern Seite, jen- 
seits Olli. Heidw. 

füra" [fera Ltitterb. Hlkr. Scheriv^ 
vorwärts. Mach f.! — Schweiz, i, 257. 

hinte" dran I. hinten: s hockt epper 
h. d. es hat sich jemand an den Wagen 
gehängt Co. s henkt ieme hinge" dron 
K. Ingenh. 2. dahinter: er is' allewil 
h. d. passt (auf die Arbeiter) auf Co. 
j. hinter den andern zurück (im Geschäft, 
im Lernen) er is' allewil h. d. er ist 
immer der letzte Logelnh. 

mir an, s. mir i. 

nebe" dra" Osenb., newe"ds dron K. 
Ingenh. daneben. 



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obe" a" Adv. zu oberst. Er is"^ o. a. 
der erste in der Schule. O. on sitze" 
bei einem Festessen den Ehrenplatz oben 
am schmalen Tischende haben Ingejth. 
Attributiv: der o. a. Biie^, s o. a. 
Meidle M. 

obe" dra" oberhalb Su. K. 

oma" [ymä Rapp.~\ der zweite beim 
Spiel. om aus 0*^0? vgl. umselig aits 
unselig. 

übeldran /. Adj. verlegen, ratlos. En 
üw^ldrani Frau Hf. Er is^ noch üwel- 
draner a's ich. Ich bin doch der üwel- 
dranst Mensch von der Welt Hf. 'Ihr 
seyd nicht übel dran vous n'avez pas 
mauvaise raison' Martin Pari. N. 216. 
2. subst. [tr Iwltron] üble Lage Wh. 

übe" dra" Co.; düwe" dran Hf., 
-dron K. Ingenh. Adv. atif der andern 
Seite, daneben, gegenüber. 

undena" Er sitzt u. tmten am Tisch Sti. 

vorne"dra" Adv. vorn, an der Spitze 
Co. -jHinte-n-eweg un"^ v. d. ein altes 
Strassburger Spiel Pfm., wird bisweilen 
auch noch in Spinnstuben gespielt Du. 
Der muess allewil sin^ Nos v. dron han 
von einem naseweisen Menschen Ingenh. 

ane, s. (an)hin. 

fUrann Geiler J. Seh. CG. IV. 
'Proavus Uränc' GoL. 109. 

an attanda [änatätä Horbg. ; änatätä.i| 
Rapp. Str7\ vorläufig, einstweilen, tmter- 
dessen. Du bli*'s' a. do. — frz. en atten- 
dant. Vgl. auch alatanda. 

Anebadästerle, Anabadätscherle n. 
Mensch von alberner Umständlichkeit, der 
sich atif lächerliche Weise mit Kleinig- 
keiten aufhält, Kleinigkeitskrämer ; nur 
Str. 'Herrdecke ! spott noch d'r Bue, e 
räechtes Anncbadästcrle' Hirtz Ged. 235. 
Aus Anabaptist. 'Annebaddätscherle, Eyer- 
margreedel, du!' Pfm. V 8. 

Annemarie, 'Ammer eile Subbeseile 
(Suppensätichen als Schmeichelwort)., Gang 
mV üs de Bohne; Wenn d'r Vedder 
Michel kummt, Wurd 'r e Weckele krome' 
Riedish. Stöber Volksb. 161, 19. 
Andre Lieder auf Anna Maria s. Jß. 
XII 86. 

anno [änö Hf. ; äna Sit. Du.] im Jahre. 
A. Tuwak eine unbestimmte Zeit; das 
durt bis a. T. dauert noch lange Du. 
Anno Griesmues Bf.; Anno elf, wu der 
Teufel e Buab gsi" is' vor unvordenklich 
langer Zeit Liebsd. 'Anno Sündfluth' jadis 



Mü. Mat. 40. Wird man gefragt, wann 
man geboren ist, so antwortet man spass- 
haft: Anne achtze'^"hundert, spring '•ar- 
unter! NB reis, (spring ab un*^ loss mich 
druf Gebw.) — Schweiz, i, 264. 

Änert [Mnri Mjitzig ; AnartÄr.] m. der 
erste beim Spiel, der Vornehmste. Er 
isch überal Änert ; 'lieb, wert' Str. Ulrich. 
EiFEL 28 Anert. 

Änez, Änes [Änots 0.; .^2nots Str.; 
Anas K. Z.] m. Anis und Fenchel, 
Anethum foeniculum , auch Pimpinella 
anisum; daraus bereitetes geistiges Ge- 
tränk, in Str. auch Bezeichnung des ge- 
meinsten Branntweins. [Anas äns^tso] 
Anisbranntwein ansetzen. S schmeckt 
nu'^^ Ä. es stinkt Du. 'Eniss anisum' 
Dasyp. 'anis vnd Mäusstreck für Gara- 
man tischen Pfeffer' Fisch. Garg. 298. 
'Anisum Eniss' GoL. 380. Äniss anis' 
Martin Coli. 194. Zss. 

Anessat m. Frucht des Anis, officinell 
Fructus anisi. 

Anesbröd^l n. Gebäck aus Anis, 
Zucker, Mehl u. Eiern, etwa Thaler grosse 
Kuchen. — Schweiz, i, 264. 

Stern an es, -z m. Frucht von Illicium 
anisatum, officinell Fructus anisi stellati 
Osenb. Hf 'Sternänets au dernewe' 
FRAN901S Hism. 13. 

enaiwe, änaiwe, änaima, naime, 
eaiwe, aiwes, änaiwets, änaimes, 
änaimets, aimets [^naiwo Sier.; anai- 
W3 Geberschw. Hlkr. Obhergh. Logclnh. 
Ingersh. ; anaima Su. Ritf. Obhergh. ; 
enaimo Liebsd. Lutterb. Ruf. ; na aima 
Osenb. ; naima Roppenzw. ; o^iwo, a^iwos 
M.; anaiwats Geberschw.; enaimos Mü. 
Ruf. ; onaiwas Mü. Heidw. ; anaimots 
NBreis.; aimots Ingersh^ Adv. irgend 
wo, irgend wohin : anaime si" ; [s het nä;^t 
Qemd kopraent M.'\ Ausweichende Ant- 
wort, bes. unter Kindern: wo ge'^s' ane? 
anaima! Dil. 'E-n-aime bi Burzwiler' 
Lustig I, 78. — mhd. \'^'^ ne, ich en- 
wei^ wä. 

ene" [äna Fisl. bis Ruf.; ano Rapp7\ 
Adv. drüben, jenseits, auf der andern 
Seite. Ene" am R^i" is' Neüe"burg 
Banzenh. Er is' vo" ene" am Bächle, am 
R'^in ein Altdeutscher Hi. Mü. s ge*^t 
ene" awe (abwärts) mit i^'m er tnacht 
schlechte Geschäfte, oder: er wird bald 
sterben Su. Do ene" is' e Spektakel 
gsi" da drüben war ein Lärm Ruf. 



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Königshofcn Chr. goß enent. Compar. 
witer ene, Superl. z enerst ene ganz zu 
äusserst Hi. — Schweiz, i, 266. 'ehnc 
Schwab. 165. Bayer, i, 92. 

dene° Adv. dort drüben. Hi. bis Rapp. 
JB. VII 157. — Schweiz, i, 267. 

über ene" jenseits des Berges. — 
Schweiz, i, 266. 

eneweg, s. Weg. 

Enne, Anfangswort in Abzählversen 
zum Fangspiel: Ene dene dummi Kät 
(Duderkät Ingw.^ ; we"" m'r metze", ha^^" 
m'r Speck; we"" m'r bache", ha^^" m'r 
Brot; we"" m'r sterwe", si" m'r tot West- 
hofen Ingw. Hf. Ene dene dezi, d Mueter 
kocht Schnetzi; hab se wolle" lecke"; 
kummt s'c mit d^m Stecke" Illz. Ene dene 
Schlitzle, d Mueter kocht Schnitzle, han 
ich welle" schlecke", kummt si mit '^em 
Stecke**, bin i°^ zu d^r Magd, hat si mi^** 
verklagt, bin i'^^ zum Knecht, hat ^r gseit, 
s gschi^^t d'r recht ; bin i*^*^ zum Gross- 
papa; het r gseit: aha ha Hlkr. Ene dene 
dübie, kumme" drei Familie, Fasenacht vun 
Josef: Zuckerbrot, Zuckerbrot! Du bis' dus 
Ruf. JB. XII 81. Ene dene do, Kapernelle 
no (s trappen alli no*^** Obhergh^^ disepelle 
(Ise" fasse" Obhergh.) Pimpernelle, ene 
dene weg! Ltitterb. Ene dene Wassergras, 
ene dene weg ! NB reis. Ene dene Tinte"- 
fass, ge** in d Schuel un*^ lerne was, wenn 
du was gelernet has', kumm geschwind 
un'* sag m'r das! (halbhochd.) NB reis., oder 
kumms' m'r haim un*^ ka""s'^ mir nit, nim 
is Rüetle un*^ wichs di'^'' mit Ltitterb. vgl. 
auch JB. VII 157 Barr. [Ena, tena, tepatäm, 
miar föran üf Aij^alänt, Ar^alänt es tsyka- 
slosg, ynsar 'Slesl es 6kaprö;^9; ä d i 6 y 
oeys Getid. Ina tina syplasina (sypasino 
Katzent.) wil ti Idra (lina Katzent.) was qx 
wela, Asor pä (tasa Katzent.') Klirj^almän, 
'Starnarafola (rapala Katzent.) Ayskäi}^, ty 
pis trys Hunaw. Katzent.^ Ene dene de- 
bände, Hejel nuf, mach domine U. Stöber. 
Äne, däne, disse. Wer hett g'schisse, Ich 
oder du ? Dis bis' du Str. Molsh. Ene du 
bela, du rip du rop, du bola ! Ruf. 

®'" [a fast allg. ; 9 , vor Vocalen an 
Str. Hf.; h Ndrröd.; na Su.; na Geber- 
schw. Wh^ unbestimmter Artikel, wenn 
tmbetont; im D. Sg. m. n. eme [oma Dil., 
ima Str. Lohr, ema Hf., zusammengezogen 
aus in ama ; üma Wh. ; ma Su., ma Str. Hf. 
Ndrbetschd^ meist hinter Präpositionen, die 
davor ein n verlieren : vo"me, a"me ; neben 



von eme, an eme; f. ere [ara Su.; enara 
Bü. Str. K. Z. Han. Wörth Ndrbetschd.'] 
Is' das vume (von einem) Ross? — Jo, s 
is' vu" eim Du. 'Ze-n-isch mer's wohl 
Wie imm e Fisch' Pfm. I 3. 

en, e" ein: vor Gatttmgsnamen, auf 
die eine Zahl folgt, die als eine ungefähre 
bezeichnet werden soll: das Notnen hat 
dann er hinter sich, wenn es nicht schon 
attf er ausgeht: hinter sonstigem r steht e 
(n vor Voc): e TaJ'^r [Tdejar Z.] acht 
etwa acht Tage, e Wocher sechs, e Moler 
flinf imgefähr fünf Mal; e Liwer ze^n 
etwa 10 Franken, en Acker drei tmgefähr 
drei Acker; e Jo^re fufzig circa ßo Jahre, 
en Uren acht imgefähr 8 Uhr [a 'Stekar 
ä^'t Tä oder a Tä ä;^ta 71/.] j-. auch -er. 
Der tmbest. Artikel erscheint vor einem 
Adj. und dem dazu gehörigen Adv. Dis 
is' e zue en alerts Büewel Hf.; 'S isch 
e gar e lustjer Bue' Pfm. III 1,10. Vgl. Du 
seist so ein gütig man' Murner Bad. 5, 56. 
'Wie hast du so gar ein groß . . Gorgei- 
strosen' Fisch. Garg. 161. — Schweiz. 
I, 272. 

ein [ain Su. Str. ; aei M. ; sein Rapp. ; sen 
K.Ingenh.Hf.; &s\Geud.Gimbrett; ■kx\Bühl 
Wingen b. W.] Zahlwort und betonter tm- 
bestimmter Artikel. [iV. Sg. m. substanti- 
visch : aina ; ainar Sti. Str. ; aenar Hf. ; enar 
Geud. Gimbr. ; änar Bühl Wingen b. W. ; 
f. aini, seni, sen, en, an. D. Sg. m. n. aim, 
enaim Su. Du. Str. ; aeim Osenb. ; aem Hf. ; 
em Gimbr. — f. ainara Dil. Str. ; aenar 
(-a, -an vor Voc.) Hf.; enra Gimbr. Acc. 
aina Su. Du. Str.; aena(n) Hf. ; ena Gimbr. ; 
äna Bühl Wingen b. W.~\ i. ein (im 
höchsten Grade, unsagbar) : in eim Jast, in 
eim Wuet Du. [i;^ pen en aenaran Ar|^st 
in der höchsten Angst Hf\ 2. ein (und 
dasselbe; mir ein): s is' ein T^'uen es ist 
dasselbe, einerlei, gleichgültig Su. S ge^'t 
jetz in ei"*m hin es kommt jetzt nicht 
darauf an Str. In en Loch bo^'re" immer 
dasselbe reden Dehli. Eins Mols, uf ein 
Mol plötzlich Z. J. elliptisch: [Wet oey 
aenr?] willst du atich einen z. B. Apfel 
Geud. Dis is' einer! ein wunderlicher, 
böser Mensch. Der het eine" (Rausch) wie 
hunderttöusig. Mann Z. Das is' wider ein 
eine Lüge Roppenzw. P^ gib dir eini 
(Ohrfeige), ^ass de meins', s sin zwo Su. 
4.. Gegensatz zu ander: Eine*" für d^r and'r 
(einer oder der andre) het s gern Stc. 
Eine"" für d^r and^r vor dem andern Ruf. 



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5. subst. [Tu myas ynsar afenar owak pliwo 
f-z'^^^r z'ö« unsrer Art Geud.~\ 6. D. vertritt 
Casus von man : s t'^uet ei"^m we"^, we"" 
m*r sich haut wenn man sich schneidet 
Da. Er losst ei"*"!!! (mir) ke Rue'^ Osenb. 
M*r vergunnt s eim missgönnt es uns Du. 
Der Dat. auch für den Acc. 'Fiehrt er 
eim so dur's frische Grün' Lustig I 454. 
'Ne steiler Pfad fiehrt eim derzue' 455. 

eins n. i. ein tmd dasselbe, s is' m'r 
eins gleichgiltig Hlkr. Spw. s Ste'^le" 
un'* s Sack hewc" (halten) is' eins Bf. 
Zue der T^ür eri" kumme" un'^ um gheie" 
is' eins gsi" geschah in demselben Augen- 
blick Dil.; eins wer^e" übereinkommen : [ar 
es met um Höntals oens wör Wh7\ ''Sisch 
air ains, (Herriste oder Jurriste) i wurr 
mcr nit for fremdi« Wörtlc so 's Muul sperre- 
n-ale Ritt' Pfm. V 5. 2. elliptisch: M'r 
han numme eins (ein Kind) Dil. Eins 
bekumme", mit ei"®m ge^n schwanger sein 
Z. Eins trinke" (ein Glas), e. schlofe" ein 
Schläfchen machen Du. Eim eins bache", 
bringe", putze", länge", stecke", fange", 
zünde" eine Ohrfeige geben Str. Su. 
'wann mir einer eins gibt, so soll ichs jhm 
widergeben' Mosch. II 501. j. Gegensatz 
zu ander: eins um s ander nach der Reihe. 
^. ein Uhr. S is' glich eins; Spw. s ka"" 
nit wenjer a's eins schla^^" ich kann nicht 
mehr verlieren als ich habe Bf. Halw^r 
eins Du. (Dat. PL nach den übrigen Zahl- 
wörtern) : drei Viertel nu'^*' de" einse" nach 
eins Du. 5. Anno Eins Zeit, die niemals 
kommt: GeP, du meins*, ich will warte" 
bis anno Eins? Str. 6. Numero Eins atis- 
gezeichnet allg. Der kan laufe" Numero 
eins! Ruf Der spilt dir uf der Klarnet 
N. e. Z. Dis is' e Gläsle Wi" N. e. Du. 
Er het Wiks bekumme" N. e. Du. Eins 
zwei drei (schnell hinter einander ge- 
sprochen) Schlag auf Schlag, sofort, wo 
möglich, am Ende gar : E. z. d. wurs^ du 
uf d^r Nas leie" Str. Hf. E. z. d. (wahr- 
scheinlich) is' er nimm do, wenn i*^'' kumm 
Su. Jetz haw i"=*' mi<^'' eso «»tummelt, ^ass 
i*^'^ heim kumm, un^ e. z. d. wenn i'^'^ 
heim kumm, is' s doch nit früej gnuc? Du. 
E. z. d. bringt er gar ke'n Geld heim, un*^ 
gä'^tc" s (wir würden es) doch eso not- 
wendig bruche" Du. 'Eins, zwei, ^xexu.s.w. 
mit folgenden Ketten reimen als Kinder- 
scherze Stöber Volks b. 65. 67. Atiszähl- 
verse: Eis, kcis, Knddle, Bedle, Zinke, 
Binckc, Schnelle ß^lle, Buff! Remmedi, 



Bemmedi, Haselnus, D6 do isch duss!' 
Stöber Mäder S. 25. Abzählverse : Eins 
zwo: Es bisst mi*^^ e Flo*^. Drei vier: P'^ 
hän e" schier. Finf sechs : P'' hab ne ge- 
metzt. Siwen acht: P^ hän e" geschlacht. 
Nin zeh": P*^ hab ne nimmeh. Elf zwelf: 
E Blatt voll jungi Weif Str. Stöber 
Volksb. J7, mit zahlreichen Varianten iw 
Olti. Illz. Ruf. Hlkr. Co. (in Olti. wird 
fortgefahren drize*^" vierze^": i*^'' ha se 
^&m Stier ge'^'^". Fufze^" sechze"^": i'=^ ha 
se "^em Knecht ge*"^". Sibeze*"" achtze''": 
i'^'^ ha se d^r Magd ge''^". Nünze**" zwan- 
zig : i'^'' ha^ se zöb'rst in 's Cheme" ufe 
ghenkt). Eins zwei drei : du bis' frei Co. 
's isch e Herr in Garte gange. Wie mäng' 
Vögel hat er g'fange. Eins, zwei, drei. 
Du bisch z'allererscht duss, frei !' Lustig 
I 301. Ei"s zwei drei, du bis' frei, s 
Schnüerli zöge", s Fälleli glüpft, de'' un'' 
de"^ is' use pfipft (heratisgeplatzt) Hi. 
Eins zwei drei, Bicke backe bei: Anfang 
eines Abzählspruches beim Fangspiel Olti. 
Ruf. Str. fährt fort Bicke backe Hawer- 
mues, d Gans gehn {auch gris) barfuess. 
Barfuess ge^n si. Hinterm Ofe" stehn si. 
Eins zwei drei, du bis' am erste" frei! 
Str. Anstatt der 2 letzten Verse fährt 
Dil. fort: d Katz leit d Stifel a". Springt 
in der Brunne" na'', Hult e klein Kind 
•^eruf. Wie soll s heisse"? Alti Mudel- 
geisse". Wer soll Pfetter si" ? Der Schni- 
der un*^ der Wewer. Wer soll d Windle 
Wäsche"? Die alti, alti Lumpe"täsche". 
Hf. hat nach V. 4. Barfuess ge^'n de 
Gans D Hammel han langi Schwänz, 
Langi Schwänz han d Hammel, Sitz ich 
uf meinem Schemmel, Uf meinem Schem- 
mel sitz ich, D Nodl is' spitzig. Spitzig 
is' d Nod<=l, D Katz het e Wad-^l, E 
Wad^l het die Katz, Di Ramme" (Raben) 
sin schwarz, Schwarz sin di Ramme", 
Schön sin di Damme", Di Damme" sin 
schön: wer will mit mir in s Kumödi 
ge''n? oder auch: Ans zwei drei, Hicke 
hacke hei, Hicke hacke Löffelstiel, D 
alte" Wiwer fresse" viel, D junge" müe^'^n 
faste", S Brot leit im Kaste", S Messer 
leit dernewe". Der Butter is' vergewe", 
S sitzt e Vöjelen uf m Dach, Het si'^^ 
schier de" Buckel voll gelacht. Varianten 
in Ruf. E. z. d. B. b. bei, Bicke backe 
Hämmerle, DerKünig sitzt im Kämmerle, 
Het e steinig Hüctele uf, Kummt e Bur 
un^ schläft i^'m druf; in Ingw.: Eins 



eiN 



— 45 



eiN 



zwei drei Uf der Polizei Is' s Kind ge- 
bore". Wie Solls heisse" '? Katrin der Rum- 
pelkaste". Welle" m'r d Windle wasche"? 
Ich oder du? Dis bis* du. Oder: Ans, zwai, 
drei vier, Der Knecht holt Bier, Der 
Herr süfft's us Und du bis' druss Str. 
ähnlich Co. Eins zwei drei vier, Han e 
schön Murmelt'^ier, S ka""t schön tanze", 
Frisst Pummeranze", Aprikose", Scheisst 
in die Hose, Gang eweg, gang eweg, Du 
bis' Dreck Ruf. E. z. d. v., Es ste'^t e 
Engelejvor der T^ür, Het e Gaggele in 
der Hand, Möcht s ger" esse", Het ken 
Messer, Fallt e Messer vum Himmel era*", 
Schlät ''em Engel e Handele ab, S Engele 
ge^t in s Docterhus, Ist nieme" dheim a's 
d Katz un'i d Mus. D Katz fejt d Stub 
US, D Mus tras^t de" Dreck nus. Alli Flö^ 
hupse" zum Fenster nus. Es sitzt e 
Vöjele uf '^em Dach Dis het sich schier 
de" Buckel voll gelacht Ingw. Eins zwei 
drei vier fünf sechs siewen : Mini Mueter 
kocht hüt Rüewe", Mini Mueter kocht hüt 
Speck — du bis' am allererste" weg Co.; 
ähnlich Ruf. i , 2 . . . nun Fa'^r üwer de" 
R'^in, Zipfle zapfle Bunte"loch, Hätti mini 
T^'aler noch ; We"" m'r bache", ha" m'r 
Brod; Wenn m'r sterwe", si" m'r tot Hlkr. 
1,2.. nun, Der Teufel wo^'nt üwer m 
Rhin, D alte" Wiwer fresse" viel, D junge" 
müe''^*"n faste", D alte" mit "^em Bese" stiel, 
D junge" mit der Kelle. Eins zwei drei 
Du bis' frei Illz. i , 2 . . nun Es ge>t e 
Bürel üwer de" R^in, Het gel'^i Hösele an, 
S stosst an e Pföst^l; S Pföst^l kracht, s 
Bür<=l lacht. Du bis* e alter, dicker Söu- 
sack Westhof en. 1,2.. nun, Bne'' hol 
Win, Knecht schenk ein, Herr sauf aus! 
Wer will eraüs: Ich oder du? Was s Käl- 
wele schisst, das friss' du Ndrher gh. i, 
2> 3j 4» 5. 6, 7, 8, nun Der Bäre"dreck- 
Jud is' din Ingw. i — nun Ge*» (Ge^'t 
Hf.) in s Gäss^l nin. Im Gäss'^l is' e 
Garte" (is' e Hus, Hinterm Hus is' e 
Hof, hinterm Hof is' e Garte" Str.), Im 
Garte" is' e Baum, Im Baum is' e Nest 
(Uf m Baum is' e Ast, Uf m Ast is' e 
Blatt, Uf m Blatt is' e Nest Str.) Im 
Nest is' en Ei (Pflum Im Pflum is' e 
Vöj^l, Unterm Vöj^l is' e Ei Str.), Im Ei 
is' e Dutter, Im Dutter is' e Pflutter, Im 
Pflutter is' e Has, Der schisst (schläft ///"•) 
dir grad uf d Nas Ingw. Str. Hf. Eins, 
2, 3, 4 . . . zwanzig, D Soldate" ge^'n uf 
Nanzig, Nanzig fangt a" brenne", D Sol- 



date" fange" a" renne" Ruf. Hlkr. Co. 
Eins, zwei, do, fini (firli u. s. w. Wanze/) 
fini fo, Fini fini fini fini fini fo, Meins' i"^** 
ka"" nit (ke'" Wanzel) zwanzig zäi'le". 
Zwanzig ste^n scho" do (Do ste'^n se 
gschriwe do Wanzel) Illz. Vgl. Stöber 
Mäder 2 1 . Redensarten beim Würfel- 
spiel : Ans, zwei, drei. Der het e gueti 
Trefferei. Ans z. d. vier Dis gi'^t Geld 
für Bier. Ans, z. d. v. fiinf, Dis g\H Geld 
für Strumpf, Ans, z. d. v. f. sechs, Dis 
gi't Geld für i" d Metz ; Ans, z. d. v. f. 
s. siwe", Dis is' e bissei üwertriwe". Uf 
fufze''" gschwindi Kumme" siwe" Blindi 
Bisch. Zahlendetitung : Ei"s is' nit gern 
elein, Zwei sin'^ gern bi enander. Drei 
Zinke" an der Gawle, Vier Räder am 
Wage", Fünf Finger an d^r Hand, Sechs 
Tag in d^r Woche, Siwe Sterne'^ am 
Himmel, Um achte is' Nacht, Um nüne 
is' s Bett gemacht. Um ze''ne ge'^t mer 
dri", Um elfe rueft der Wächter, Um 
zwelfe muest s si" Illz. 'An d'=n Eis gang 
i uf d Reis, An de zwei kumm i heim . . 
An de Zwelfe bin i mus-mustodt' Mii. 
Stöber MA. 2, 558. 'Eins, Keins, Zucker- 
brüej ! Wenn d'r Baum blüejt Hamm'r 
Brüej ; Wemm'r backe Hamm'r Brod ; 
Wemm'r sterwe Simm'r dodt' Sri. Stöber 
Volksb. 35. 

o'^n eins [onaens Z.; onaens Wh^ ohne 
eins, eins abgezogen. Dis oneins (= dis 
letst) netdich. D^r onains letst der vor- 
letzte. D^r oneins öwerst der zweitoberste 
in der Schtde. D^r oneins jüngst der 
zweitjüngste Z. 'Die sechst und on eins 
die letst Ursache ist die' Geiler Ev. mit 
Ussl. 180^ CS. 'Der ohn eins letzte le 
penultieme' Martin Coli. 200. 

über eins kumme" eines Sinnes sein 
oder werden, sich vertragen. M'r kumme" 
scho" mit nander ü. e. Su. bis Geud. 

uneins [ünaens Z.] uneinig, nur prä- 
dicativ, sonst uneini^. U. sin mit eim mit 
jemand zerworfen sein ; aber uneinigi Lit 
hadernde Leute Hf. 

einst [ainst Du.; senst Ingenh."] Adv. 
urspl. Gen. ein Mal. 'nit allein ainest 
sunder offt'. ■ Geiler Seh. d. Pen. 68. 
[Wan s ainst m^ilik es] wenn es irgend 
wie möglich ist Dil.; ähnl. Ingcnh. Wenn 
s ainst si" ka"" Du. 'wo ich einsen . . . 
hätt mögen meister werden' MoscH. II 30. 
— Schweiz, i, 276. 



eiN 



- 46 



eiN 



Einser [Ainsr Su. Bf. Str. LoJir; Aisr 
Lutterb.; Mwvc K. Z. Ndrbctschd^ vi. 
I. die Ziffer Eins; 2. ein im Jahre 1801 
Geborener. — Schweiz, i, 285. 

Deinin. Einserle n. Ziffer pins; ein- 
schläfriges Bett Bf. — Bayer, i, 90. 

einsächt, einsächtis, -zig [ains3c;^t, 
ainsae;jti;^ Str. Zinsw. Lohr; sensäp^ti Molsh. 
Roth. Z; änsa;^ti Bühl Wingen b. IV.; 
sensa;^tsi;^ Lobs.^ einzeln (meist Gegensatz 
zu Paar). E änsächtiger Hänschi ein 
Handschuh, zu dem der zweite fehlt. Allg. 
si hänn alles einsächtig, d Kleider, d Mäntel, 
d Hüet von jeder Art mir eins. En e. 
Tüwle ein junges Täubchen , das allein 
ausgebrütet ist Bf. Ich kann Pne" 
wechsle", ich hab einsächtigi Pfennig Str. 
Der Bäm steht ganz änsächzig Lobs. Sei 
nit so einsächtig einseitig Str. Trinke" 
m'r e Schöppel? Ja, awer nur en einsächts 
Str. — Bayer, i, 89 ainzecht, -ig. 

eint^ [aint Du. Bf. Str. Lohr; änt 
Wingen b. W. ; eent Wh. K. Z.] d'=r e. der 
eine (von zweien; Gegens. d^r ander). D'^r 
eint seit eso, d^r ander änderst Bf. 'B. 
Rauch (war) bald von der einten , bald 
von der andern Parthey gewesen' Zwinger 
bei Mieg I 201. Nr. 107. 'das Einte 
Lustig I 31. — Schweiz, i, 269: nach 
Analogie der Ordinalzahlwörter gebildet. 

einig [aini(/); Str. aeni Barr K. Z. 
Ndrbetschd.; eni Gimbr.~\ i. einig. Üwer 
dene Punkt si" m'r jetz e. 2. allein, ein- 
sam, einzeln, einzig. 'Der einige Unter- 
scheid la seule difference Martin Pari. N. 
689. 'ein ainiges Leben, vita solitaria 
Geiler B. d. Schaw. L. S. j j. irgend 
ein. 'mannichs einigs mal (oft) Fisch. 
Bin. 196''. -|- ^. irgend wie. 'in einicher- 
ley weiß' Geiler J. Seh. Cc. ij. J/^- 
2ä///z'^r^; Einige beinige Taflewand Is* nit 
wit vo" Engelland; Engelland is' zuge- 
schlo.sse",der ober Schlüssel is' abgebroche". 
Eins zwei drei, du bis am allererste" frei 
Illz. E. (Ennige ///.) b. Tinte"fass ti. s. w. 
Illz. Horbg. — Schweiz, i, 286. 

feinikeit Einsamkeit Geiler J. Seh. 
J. U»'. 

einfältig [aenfaelte/ Wh.; aenf&lti/ Ndr- 
betschd^ wunderlich, empfindlich, einseitig, 
keinen Widerspruch duldend, namentl. von 
Grosseltern in Bezug auf die Kinderer- 
ziehung. [jTr e§ kär ae. met t^na Khen 
er hat die Kinder gar gern Wh.^ Dis is' 
jetz e-n-einfölticher Mann! Ndrbetschd. 



einzig [antsik Lisi. Liebsd. Hi. Ruf.; 
aintsik Su.; aintsi Str.; aentsi Barr K. 
Z. 3entse;^st Wh^ allen , einzig. Ich 
bi" der ainzig vo" alle" ze''ne", wo zue 
de" Soldate" muess O. Du bis' e. un'* 
allei" d Schuld Su. Er trinkt de" Wi" e. 
unvennischt mit Wasser Rjif. Er het ken 
(nit en) änzi^s gseit, gschnuft, gepipst 
LLf. (näml. Wort). Zählvers, jetzt ab- 
gängig: Einzige, beinzige, dibande, Difidafi 
domine, Häkelebrot In der Not, D Kessel 
un*^ d Pfanne dusse glo^"**^" Obhergh. — 
Bayer, i, 89. 

einzigwis [aentsiwis 7:^.] Adv. in kleinen 
Teilbeträgen. [6r potsalon [ihr bezahlt) ae., 
wi ar krät kh^na Hf^ 

überenzig [ewarantsik M.; ewaraentsi 
K. Dunzenh.; -entsi Gimbrett; eworantsi 
Z. ; iwarentsi;^ Z^t"////.] /. übrig, überflüssig, 
überschüssig. Ü. sen von alten Letiten: 
zur Last fallen, lästig sein Z. 'überentzig 
gut' Geiler 114''. übrig: 'Da nit mer 
übereintzig war dann der Felder Bodden' 
Ringmann Cäsar 22^ CS. 'Vberentzig 
roliquus' Dasyp. 'Imm iwwerenzije gar 
guet' E. Stöber II 176. 'Es isch noch 
iwwerenzi Fett gebliwwe-n-in der Blatt' 
Pfm. II I. 2. einzeln, von einem Stück 
eines Paares Ingenh. Adv. ü. gross zu 
gross, so dass ein Teil überflüssig wäre, 
von Menschen z. B. in der Musterung, 
tmd Sachen. — mhd. übereinzic, überenzic. 
Schweiz, i, 359. Schwab. 166. Westerw. 
276. Hess. 420. Bayer, i, 89. 118. 

Verein [Faraen Ingenh. Hf^ n. Verein. 
— Schweiz, i, 276. 

Bengele"verein n. Spottname für 
Jimggesellenvereine Molsh. 

vereinbaren [farainpära Bf. Str.; 
faraenpara K. Z] refl. sich versohlten. 
Wo si sieh enander gebritscht hä"" ghet, 
hänn sc sich wider vereinbart Bf. 

jEinige [Enja] m. Strafanzeige, nur 
in Weinbuig bei Ingzveiler erhalten, wäh- 
rend sonst in franz. Zeit proc^s-verbal 
und jetzt Protokoll dafür gebraticht wird. 
Der Bannwart musste alle Anzeigen in 
das Einungenregisterlein eintragen: s. 
K, Letz, Geschichte der Stadt Ingweiler, 
Zabern i8g6, S. IJ. — mhd. einunge Über- 
einkommen; vereinbarte Strafe. 'Einung' 
Vereinigung, angesetzte Strafe Brucker. 
.y. auch Eniegrabe". Über Einunge s. 
Hanauer, Les paysans de l'Alsace au 
moyen äge 1865 6". 219. 220. — Vgl. 



ciN — iN 



— 47 



iN 



Lexer I, 529. Schweiz, i, 280. Bayer. 

1, 90. 

einige" [^nja] Strafanzeige juachen 
Ingw. 

ze äninge [s9 senirj^a Dehli.~\ vorsätz- 
lich, vgl. zeninge, zenje. 

allein [olain, alai L^itterb. Banzenh.; 
olai(n) Da.; alain Str. Lohr; olsen K. Z. 
Ndrbetsckd.~\ Adj. 7md Adv. allein. Der 
Hafe" is* alei" abe gheit der Topf ist von 
selbst herabgestürzt Lutterb. Nit a. sin 
betrunken sein Z. — Schweiz, i, 274. 

alleinig [alainik Du. Hlkr. Katzent.; 
slaeni^- Ndrbctschd7[ allein. Er is' ganz 
a. dhaim. 'die wullentücher alleinig zu 
färben' Str. i6jg JB. III 86. *ier hän de 
Verstand elainigg gfrasse' (ironisch) Pfm. 
II 6. 'wil wir grad alleinig sin' Lustig 
I 47. — Schweiz, i, 275. 

mueterselig allein [cijich n\yst\\k olai 
Steinbr^ ganz allein, von aller Welt ge- 
trennt (wie im Mutterleib) Sti. Bf. Z. 
Tieffenb. — Schweiz, i, 275. 

in [en, e bei Anlehnung an das folgende 
Wort: e (a K. Z.) Kots näma Du. in 
Gottes Namen, e mr in mir, em in ihm~\ 
Praep. mit Dat. u. Acc. Im Sunnti^, im 
Messti^, im Achte" Hf.; in drei Ta? 
nach drei Tagen Str. Eps in si*^*^ han 
bedeutungsvoll, bedenklich sein : d^r Ho'^''- 
földer Messtis het s in si'^'^ die tmgebundene 
Freiheit der Jtigend auf diesem Feste ist 
für jtmge Mädchen oft gefährlich Z. 

2. Er is' in s Frankrich, in s Dütschland 
gange". 'Der König (ist wieder) in Franckh- 
reich gezogen' Petri 336. In de" zwanzig 
etliche zwanzig Stück. Hundert un*^ in 
de" vierzig loo und einige ^o Hf. Eins 
ins ander dtirchschnittlich. Der Butter 
het mich ein Pfund ins ander 23 Sü gkost 
Hf. — Aus der Verwechsebmg von em 
= im (in dem) tmd em = dem e7tt- 
wickelte sich wohl die Vorsetzimg des in 
vor jeden Dativ: im Vater, in d^r Mueter, 
in dene" Müetere"; in viele", in alle", in 
nieme" Niemandem K. Z. (Nicht in Wh.) In 
wem is' das Kind? Du. 'Die sage wohl in 
wem's will höre' jedem, der es hören will 
Lustig I 112. Se gliche grad in wälsche 
Hahne' ^^r^. I 59. 'I weiss ganz güet In was 
me sich üssetze thüet* welchen Dingen ders. 
I 99. Schon im 16. Jahrhundert: 'Hie 
gibt das zwerg in dem Bern er eynen edeln 
stein' Dietrich von Bern (Sigenot) hgg. 



von P. Heitz, Str. 18^4. — Schweiz. 
I, 286. 

inn, inne" [en, eng /??/.] Adv. da- 
rinnen. Drin in: s is' nit ussewendig gsi", 
ganz drin in(ne) Dil. — Schweiz, i, 290. 

dinn, dinne" [ten Ruf.; tena K. Z7\ 
Adv. darinnen. Dinn un'* duss Ballspiel 
der Knaben. Rttf. S gilt nit, ich bin 
schun dinne" (im = am Ziel) gewen 
Dunzenh. Ingenh. Furchhsn. Kumms' us 
d^r Stadt? Was giH's Nöüs (Nezies) dinne"? 
Pftdgriesh. — Schweiz, i, 294. 

drinn [trin Liebsd^ Adv. darin. S is' 
nüt drinn es ist nichts darin. — Schweiz. 
I, 291. 

i" [i O.; en Du. Barr; In Str.; ei|^ K. 
Z. Zinsw.; in Saaj-union~\ Adv. ein, hin- 
ein; vor Verbis: i"schlupfe". Hest d Hose" 
in (ing K. Z.) ziigeknöpft} Du. Henk ''^m 
ing! hau mit der Peitsche auf ihn (den 
Gard) Ingenh. Do ge'^t s a's us an^ ing 
a's wü ime Dawe"schlag Djmzenh. — 
Schweiz, i, 291. 

dri" drein, hinein, über die Zahl: dri" 
ge'^'n, bekumme" ; dri" rede". — Schweiz. 

1, 292. 

^'ni" hinein. Er ist in d Stub ni" 
gange". Ge^'s' morn uf Kolmer? Nei"; 
jch ggh j^j). j^jn j)fi j) Hüener ni" jage", 
s Vie'' ni" t^ue" in den Stall Du. We''«n 
i'^r drdurch ni" ins Thal hinein} Mittl. 
Als ni" ! s is' noch Platz drinne" Bf. Dri" 
ni" kumme" hinein geraten Katzent. Do 
könnt m^r in e bösi Sös'^ (Sauce) ning 
kumme" Ingenh. 

über'^'ni" Adv. i. über eine Anhöhe 
hin. Grad han i*-*^ ne se*^" ü. ge^" M. 

2. über den Kopf : I*^^ schlaf d'r ei"s ü. M 
•^erin, hcj-jn Ji^rein. Kumm rin! Eri", 

wer eps Schöns se*»'" will ! Bf. Alle (frz.) 
kumme' ring un'^ trinke' eins! Ingenh. 

zwische" ni" dazwischen hinein Du. 

inne, .y. (in)hin. 

inne" [ina Steinb. Su.; ena Dil. K. Z. 
Ndrbetschd. Lohr\ Adv. innen, drinnen: 
s ist nit use" am Hus, s is^ inne" Dil. 
Inne" dra" weiter hinein, nach der Mitte 
des Dorfes zu, näher ans Dorf; inwendig 
dran Dil. I.wer'^e" bemerken (fehlt), wahr- 
nehmen (fehlt) : ich bin s i. wor^^e" und 
ich hab s i. wor^e" Hf. 'Was Er mer do 
nit saat. I bin 's doch worre-n-inne, hyt 
Nohmedaa Pfm. IV 6. — Schweiz, i, 293. 
Bayer, i. 94. 



iN 



ieN 



48 



ieN — aND 



dinne" Adv. drinnen. Zell dinne" ist 
er recht in dieser Beziehung ist er, wie 
er sein soll, darin mtiss man ihn loben 
Z. 'din darinnen Murner Bad. 4, 4. 

drinne" Adv. darin. Was is' do drin- 
ne"? — Wiinderfitzle ! Abfertigung für 
neugierige Kinder Bf. Str. Lohr. 

hinne" [hcna K. Z. Wh^ hier innen. 
'wann sie hynen werent, so kouftent sie 
das Korn am Kornmerckt' Str. /^. Jh. 
Brucker 115. 

ahinne" hier drinnen Ingersh. 

über inne" drinnen Stöber. 

z innerst innen ganz darin, z.B. in 
einer Höhle Osenb. 

innerst: Z i. ganz drin, tief drin. 
Mi" So^n is' zinnerst in Amerika Bf. — 
Schweiz, i, 295. 

erinnere" refl. sich erinnern Bf. 

innert [tnart Ar.] binnen, innerhalb. 
'Kein Kaufmann ist befugt innert 4 Meilen 
herum, Wolle zu kaufen' Mü. Rathsprot. 
1666. Stöber Mädcr. 

ina [betont dna Dil. ; ene Orschw. ; aena M. ; 
cx\qU.; unbetonte. Du. ; na Orschw. U. Wh., 
auch a Hf7\ ihn, Acc. Sg. m. des Pron. 
pers. der j. Person. 'in allen . . . ge- 
heimnussen, so ahn ihnen gelangen' 
Wattw. 16. Jh. JB. III 71. \lx wel 9 
nemi; i/ hä m a kän; h^s a ksän? ke m 
a! gib ihn ihm! Hf?\ Het a der Hund 
bisse"? Nei"! ihne" net, awer si" Kind 
Dil. S het ■'^ne ^^pickt getroffen, geärgert 
Orschw. Das is^ i"n nit der ist es nicht 
Hi. ''s isch ne' Lustig I 37. 'Isch en 
jetz das o, Di Mann?' das. 42. 'jne' Acc. Sg. 
m. Fisch. Ehez. 170, 25. 'so lang soll er 
jhne ehren' Mosch. I 554. Peß. : Er het 
s welle" für in (sich) bhalte" //i. Er het 
s für i^ne lo^'^n mache" Z. 

i^ne" [^na, und unbetont, nach anderen 
Wörtern na tmd no Dil. ; ähnl. ena und 
na U^ ihnen, D. PL des Pron. pers. der 
j. Person. S ist i'^ne" gsi" es gehörte 
ihnen ; s is' ne e"* Unglück passiert Dil. 
Hes' s i'^ne" selwer ge'^^n? Ja, ich hab s 
ihjjgn ge^cn ! Ingenh. 'Ich lueg end nitt 
ungern zue' Lustig I 38. — Schweiz. 
I, 295. 

iene", ienes, ienets [i^na i'?«//. ; lana 
Du.; \diX\oi'&IIorbg. Scherw. auch Dil.; ianas 
Bf.; inas Str^ Adv. irgendwo Du bis' 
ienets gsi"; i. hi" gange"; du mues' hüt 
noch i. ane Bf. [Wan iana eps för khümt, 
so waist or s älawil tserst /?//.] 'iencn' 



Geiler J. Seh. BB. VI h, P. III 43 ^. 'Ich 
weiss e Plätzel ineds' Hirtz Ged. 239. 
Jo mergehnienedshien'PFM. I 4. . . . 'myn 
Duub muess ieneds e Kytter han' . . . Pick 
Anno 1975, II. — Schweiz, i, 296. 

n ienes nirgendwo: Wo bis' gsin? 
Nienes! Str. [niena J/.] 

o''ne [üna Dil.; öna Str. Wörth Ndr- 
betschd. ; öna, seltener öni, vor Vocalen 
önan Z. Han. ; öna Wh^ i. Präp. mit 
Acc. O. dich Dil.; o. das ohne das Hf.; 
o. dis [öna tes 6"//.] ohne dies, so wie so, 
ohnehin. One dis ka""t me" s mache" ohne 
dies kann man sein, leben Su. P^ war 
one dis kumme" Su. O. Müej ke'n Brüej! 
Z. 2. Negation vor Participien : ne 
geloge" [kaloejaj ohne zu lügen ; oni 
gesse" nüchtern Hf. J. on eins, s. eins. 
- Schweiz, i, 261. Bayer, i, 83 

der one [taröna Obhergh^ ohne das. 
Ich ka""s der one mache", ich bruch jetz 
s Messer nit. — Schweiz, i, 263. 

uni- [üni Z. Offw., yni Geisp7\ Nega- 
tion, als erstes Compositonsglied in unigest 
vorgestern, uninächt, unitnächt vorgestern 
Abend; vgl. uneinsletst vorletzt. — Aus 
o'^ne? 

un- [ün ; vor Kehllauten ür|^, vor Lippen- 
lauten um ///".] Vorsilbe der Negation; 
vor Participien: ungesse", ungetrunke", 
imgfröjt ohne zu fragen, ungebet ohne ge- 
betet zu haben ; ungschlofe". Ungversucht 
schmeckt nit M. JB. II 168. 

and [änt, änt Ndrbetschd. Bühl Lobs. 
Stöber ; an Str. ; a M. ; a.Mü. Ruf 7^ leid. A. 
t'^uen leid sein, bekümmern, Sehnsucht be- 
reiten : s t^'ut i^'m doch a., wenn s fort 
muss es thut ihm (ihr) weh, wenn er (sie) 
fort muss Ndrbetschd. Wart emol , bis 
de fürt kumms' ; mäns', wie wurd dir noch 
die Kost a. tun wie wirst du die Kost 
hier schmerzlich vermissen Lobs. ; 's thüet 
mir g'wiss a' Lustig I 169. 'Es that ihm 
so and und wehe' Fisch. Garg. 411. — 
Schweiz, i, 300; mhd. ande Scherz. 
Schwab. 20. Bayer, i, 97. 

fanden schmerzen : 'Kein pflaster ward 
so lind, es andet den Verwundten' Butzer 
an Bla7irer I^JJ Thom. Arch. 

ander [äntar Dil. Str. Hf. ; ärj^ar Heidw. ; 
|,nar Geisp. ; atar M. ; oentr K. ; antiDun- 
zenh. ; antr Säsolsh.^ i. ander, verschieden: 
En anderi Kapp Dil. Imen andere" Stand 
sin schwanger sein Hf. Vorzug bezeich- 



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49 — 



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neiid : der het en anderi Kue'' a's wie 
du eine schönere, bessere Z. Jetz is*^ a. 
Wetter im Land weht ein anderer Wind 
K. Z. Was macht d^r a. ? oft gehörte 
Scherzfrage unter jungen Leuten U. 2. 
zweit, folgend : Eins um Sander eins nach 
dem andern. Spw. Ein Wort trifift s a. 
beim Sprechen kommt man auf verschie- 
dene Dinge zti reden Bf. Z. S anger zum 
zweiten Mal (z. B. läuten) ; das vorige 
Mal Hi. En a. Mol Hf. 'by der tagzit 
oder an dem andern (nächsten) tag' Str. 
75. Jh. Brucker 139. D a. Woch in 
der nächsten Woche Str. U. 'Die ander 
Woch' Str. 1749 JB. IV 134. En ander 
Jo^r (im nachsteht Jahr) könne" m'r alle- 
we^ unser Wüschel (Füllen) au*^** anspanne" 
Rauw. Ironisch : Ja , da. Wuch , awcr 
nit glich am Monta? niemals Str. U. Am 
andere" Monta^ nächsten Montag; s a. Jor 
im nächsten Jahr Wingen. s anders*, dis 
a., je"s a., zell a. neidich (vgl. s letst) Z. 
s a. bin i'^'^ au*-"^ ze Bruemt gewe^^n Ingenh. 
'Die a. (zweite) Natur' Geiler Narr. 14. 
Wenn er s nur emol het , für s a. is' 
i^m nit bang er bezahlt die Waare nicht. 
Si sin^ Brueder a. wie Brüder gegenein- 
ander Avolsh. '^^s andere" Kinder mit 
e'nander si" so verwandt sein, dass die 
Grosseltern Geschwister zvaren Du. — 
Schweiz, i, 302. Bayer, i, 99. 

anders(t) [atrs M. ; äntrst Hi. Du. 
Bf. Hf. ; äntarsta Hf. ; äntrstar Hi. Str. ; 
äntrs Str. Ndrbetschd. Lohr; csntrs K. 
Gimbrett Pfulgriesh. ; ©ntrs Lamperth?\ 
Adv., eigentl. Gen. anders. S is' halt 
eso, mach s a. ! Du kannst es nicht än- 
dern Du. Der kann s a. besser Str. 
An di"*'m Platz hätt ich s i^m noch a. 
gseit an deiner Stelle hätte ich ihn noch 
schärfer getadelt Hf. A. sin berauscht, 
schwanger sein; s wurd m'r a. es wird 
mir zveh, übel, ich erschrecke; wo i"^*^ 
aw^r dis Gspengst gse*^" hab, is' m'r s a. 
wor'^e" Bf.\ s wurd m'r a., aw^r nit 
besser Ausdruck der Entrüsttmg. 'änderst 
socus'Dasyp. 'Aber ich sähe es doch änderst 
alss geschrieben stunde' Mosch. I 2, — 
Schweiz, i, 311. 

allander [äl äntr Du. Z.] jeder zzveite. 
Alle-n-andere" Ta? einen Tag um den 
andern Z., all ander Jo'^r je in zwei 
Jahren; all ander Hus jedes Mal das 
zweite Haus. All ander Tur wenigste"s het 
er gewunne" von zwei Spielen hat er wenig- 

Wb. (1. eis. Mundarten. 



stens eins gewonnen Da. — Vgl. Schweiz. 
I, 302. 

Jen ander Woch übernächste Woche 
Str. 

enander, enand [^näntr ä^. ; anäntr 
Hlkr. ; onäntr Bf. Bnun. Str. ; anänt 7ind 
anänt Mutzig K. Z. Zinszv7\ Adv. ein- 
ander. E. gern han, verschmutze" küssen; 
e. schlage" ; e. eps sage" ; e. no'^'^laüfe". 
— Schweiz, i, 304. 

enander nach, j-. nach. 

ab enander, ab elander [äp anäntr 
Steinb. Du. Bf. ; äp näntr Banzenh. Hlkr. ; 
äpaläntr Lutterb.^ Adv. entzwei, aus ein- 
ander, zerbrochen, zerschnitten, zerrissen : 
a. breche" Horbg.., schlage". D^r Hafe", 
Rock, Stock is' a. Su. Wenn zwei Bal- 
gertde sich am Boden wälzen, ruft man 
ihnen Z7i : Ge^n i^r a. ! Du. — Schweiz. 

I, 305- 

an enander(t), annander, anenand 
[änanäntr(t) Du. ; änonän^r Liebsd. ; anäntr 
Su.; änanäntr Str. Ndrbetschd. Lohr; 
änäntar, änänt, änonänt Z.] /. ungetrennt, 
zusammen : a. ste'^n, henke", gewachse" 
sin. Satt a. dicht beisammen. D^r Fade" 
is' nit a. nicht ganz. A. lo^^^n ganz 
lassen ; a. a" fa'ire" zusammenstossen (von 
Wagen) Bitschzo. Zwei Ichert a. 2. hin- 
tereinander, ununterbrochen: s rej"^t schu" 
fünf Taj a. Du. J. a. komme", gerote" 
in Streit geraten U. 4. an nander fa^re", 
ringe", rite", sufFe" ein Wettfahren, Wett- 
ringen, Wettreiten, Wetttrinken veranstalten 
Hf. — Schweiz, i, 307. 

bin an der [pinäntr Hlkr., betont pinänt 
Z.] zusammen : b. bliwe". — Schweiz. 
I, 309- 

durch enander, dur'^'' elander 
[türnäntr Su. ; türanäii^r Liebsd. ; tür;<9näntr 
Du. Bf. Str. ; türi^anäntsr Z. Ndrbetschd. ; 
tyraläntr Lutter b.^ i. tmter sich: sie d. 
han s US gemacht Su. 2. dtircheinander, 
in Verwirrung: d. leije", ge^n. Substant. 
n. (m. Geud.) Verwirrtmg, Unordnung. 
E schön D. (schöner Geud.) inmisch : 
eine arge Unordnung, eine grosse Auf- 
regung, 'durnander' Lustig I 48. — 
Schweiz, i, 308. 

für enander, für nand /. für ein- 
ander, zusammen. Die zwe" sin jetz f [far 
il/.] ' e. halten zusammen Obhergh. 2. für 
[fdr 71/.] enander ane ge^" an einander 
vorübergehn Banzenh. Si^ sin"^ a's f. here 

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gange" einer vor dem andern Z. — 
Schweiz, i, 307; vgl. Bayer. 1, 100. 

hinder enander, h. nand tinter 
einander, verwirrt; in Streit: h. ku*"™^", 
sin. Si* sin"^ lang h. gewe^^'n Ingenh. — 
Schweiz, i, 307. 

mitnander mit einander. Eps m. han, 
beku'"""^" streiten, in Streit geraten Geisp. 
Was han '''r wid^r m.? weshalb streitet 
ihr euch wieder? U. Di^^^^ kumme" jetz 
nie üw'reins m. Ingenh. 

na*^** enander i. nach einander. 2. 
schnell: g& n. ! Du. — Schweiz, i, 308. 

über enander Adv. durcheinander, in 
Unordmmg U. Lützelstn. Ü. sitze" dicht 
gedrängt seilt Avolsh. Nidig ü. einander 
feind Obhergh. — Schweiz, i, 306. 

uf enander auf, nach einander. Z dick 
uf e. zu häufig Banzenh. Di^^^ Setzli"^' 
ste^n viel ze not (nahe) ufenand! Ingenh. 

um enander [ümanäntr Banzenh. bis 
Bf.; ümanäri^r Liebsd. ; ümanatsr 7l/.] 
Adv. umher, da und dort, hin und her: 
u. gheie" herumwerfen Horbg. 'Nur 
Einer isch noch dert bim Ofe wo blutt- 
fuess ummenander steht' Lustig I 214. 
U. laufe" Hlkr., gucke" Molsh. Wit u. 
weit im Umkreis; w. u. kumme" weit 
herum kommen Su. Do u. bin i*^^ guet 
bekannt Sti. Er het s u. grüemt an 
vielen Orten Banzenh. — Schweiz, i, 306. 
Bayer, i, 100. 

under enander Adv. untereinander, 
vermischt. [Si sen eij^ar onänt streiten 
sich Illk^ 'Und alles vndernander kracht' 
Mosch. II 787. Substant. e" U. n. i. Un- 
ordmmg; Widerstreit der Meinungen. 
2. verschiedenes Gebäck. Ne Vierli"g U. 
Sil. Für e Su U. Katzent. Syn. Allerder- 
hand U. — Schweiz, i, 307. 

von enander, vonnand(er) entzwei 
Ingersh. Z. Tieffenb. — Schweiz, i, 

307. 

Salbänder, zhalbander, haibanger 
[sälpär^r Olti.; sälwäntr Barr Scherw. 
Tieffenb. ; tsälwäntr A^«/. Illkr. Rchw. ; 
tshälwäntr Ruf. bis Bebelnh.; shälwäntar 
Osenb.; hälwärj^r Hi\ selbander, zu 
zweien: s. schaffen" Horbg., s. im Bett 
leije" Barr. 'Drum geht er als mit sym 
Schwär gern salwander' Pfm. III 7. 'Mer 
kannsalwander imKüehle g^\vx\ Aug. Stöber 
ScHK. 78. s. si" berauscht sein Osenb., 
schwanger sein Obhergh. — (Das urspr. 
selb ist als zhalb, halb umgedeutet worden ; 



vgl. zhalb dritt, viert Ingersh. Rchw.) — 
Schweiz, i, 309. 

ändere" [antora Bf. Z. Wörth Ndr- 
betschd.; aentara Str. Lahr; ainora Geisp?\^ 
ändern, s Wetter ainert si'^'' Geisp. Sider 
'^ass er Saldat is' gsi", is' er ganz gändert 
Bf. — Schweiz. I, 309. 

verändere" dass. Bf. Er het si*^*' 
ganz verainert Geisp. 'wird sich sonder 
seines Vaters Wissen nit veren deren' ver- 
heiraten BuTZER an Blaurer 1531. Thom. 
Arch. 'so ir euch in eelichen Stand ver- 
andern' EcKARD ZUM Treubel, Ein vatter- 
lich zucht 1528 C i''. 

Ändrung [Antrik ///. ; kntrixri Ensish. 
Du. ; Antarüq^ Z. Ndrbetschd. ; ^"ntarür^ 
Str. Lohr\ f. Anderimg. Ä. im Wetter, 
in erc Kranket; iji diesem Fall meist 
vorsichtig gesagt für Besserung Du. 
Dis Ding muess e Ä. neme" das muss 
anders werden U. S könnt noch e-n Ä. 
gschehn es könnte sich wider Erwarten 
noch ändern Ingenh. Wenn s ni' bal"^ 
e-n Ä. gi^t, no (dann) is' "^ letz Dunzenh. 
— Schweiz, i, 310. 

andrig [äntrik Bebelnh.^ dem Andern 
gehörig. Uf en andrigs spile" jnit 
einer Spielkugel die des Anderen zu treffen 
Stichen. 

Andivi(g) [Antifi Hi. Heidw. Su. ; 
Äntifi Wittenh. ; ^ Antifi Str. K. Z. Wörth 
Ndrbetschd. ; Antifik Katzent. ; Äntifi;^ 
Tieffenb^ m. Endivie, Cichorienwegwarte , 
Cichorium endivia, als Salat viel ver- 
wendet. Es gibt breiten tmd gekräuselten 
[praeita ün kakrysaltan Äntifi Hf.^ Davon 
Andifisalat. — Schweiz, i, 312. 

Hebelandivi [H^wläntifi Molsh.'] 
Schläge mit einem Stock. H. un*^ Stock- 
salat Rupr. 

Stockandivi dass. Z. 

Andorn m. Kirschl. r, 619. 'Marru- 
bium Andorn' Gol. 411. 

Andress jAntras Fisl.] f. Adresse. 

Andres [Äntrds Hi. Ruf. Du. Kerzf. 
K. Z. Ndrbetschd.; Ataris M.; Äntr^s 
StrT] männl. Vorname. Zaubersprtich gegen 
Hexen: 'Sant Andreas, mache weichen Und 
Sant Helena mit dem Kreuzzeichen Treib 
all Hexerei von diesem Hausgesind Und lass 
es fromm leben ohne Sund! Amen' Als. 
1856/57, 327. 'Andres, Macht der Santi- 
klaüs bös' Ruf. tispr. wohl auf den 
Andreastag, jo. Nov. bezüglich, jetzt aber 



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als Spottvers auf die Träger des Namens 
verwendet JB. XII 100. 'Aendres, Bidder- 
bes! Offegawwel, Katzeschnawwel!' Hage- 
nau Stöber Volksb. 163. Spottvers: An- 
dres, wia gi^'s^ di° Käs? Der Vierli"^ 
um e Grosche". Wenn d"* ne nit wi'^t 
änderst ge''*^", Schlag i'^^' d'r eins uf d 
Gosche" Ilh. [Ty taets aino-n ewarreta, 
tar Teifal haist Antres] Abfertigung 
eines Lügners Str. Am Andrese"taj 
z Nachts laufe" d Gspengster un*^ d 
fürige Männer ^erum Bf. Am A. z" 
Nacht is' d'^ unghürst Nacht im Jo^r 
Ostwald. Ueber Braiitstandsorakel und 
das Wundern in der Andreasnacht s. Als. 
1851, 157 ff'\ 1852, 145. JB. V 155; 
VI 170; VII 114. 

andresle" am Andreastage um Mitter- 
nacht abergläubische Gebräuche vornehmen 
s. Als. 1851 ^. 157 ff- I^n Weilerthal 
sagt man : wer dann ausgeht, wird g"- 
andres9lt. 

Andülli, Andülie, Andüdel [Antyli 
Felleri; Äntyljs Dollern; Äntytl Rauw^ 
f. geräiicherte Fleischwtirst. — frz. an- 
douille; Eifel Andtdgen. 

End [Ant Su. Du. Hf. ; Ai^ M. Mittl. 
K. Z.; ^nt Str.; Nä^ Lohr Wh.; tv^ 
Rauw.; PL Anta tmd kwX.'^xRuf. Ndhsn.; 
Kry K. Z. ; ^r|^9r9 Wh?\ n. Ende. Jetz 
sin m'r am E. S nimmt alles an E. 
Geud. Hat s noch ke"' E. mit dane" 
Dummheite"? Rtif. 'Standare un ken 
End' Pfm. I 6. Dorf teil: im Öwereng, 
im Nidereng Geud. Er hat gemänt, ar 
hat de" Himmel an aim E. Bezeichnung 
übermässiger und voreiliger Freude Hf. 
S ge'^t zuem E., uf s E. zum Sterben. 
Im letsta" E. leija" im Sterben liegen allg. 
I" epr^m s E. lüte" für jemand die Sterbe- 
glocke läuten Su. Eim uf s E. passe" 
des Ablebens gewärtig sein Hf. Am E., 
am E. vom Lied zuletzt, schliesslich , wo 
möglich, vielleicht Ruf. Hf. S kummt 
am E. ge**" rej"e" (es wird vielleicht noch 
regnen) eb m'r fertig sin Dil. Bis' du s 
am E. gsi"? Logelnh. Am E. gar! [Am 
her^arstan M\\^ schliesslich Wh.] WM 
Häng hai glich a Eng M. JB. II 167. 
2. Ort, Platz überhaupt (vgl. an allen 
Orten tmd Enden) ich hab an zwo Enge" 
Hawere" stei^n, emol an dem E., emol 
an zellem bald hier, bald dort Hf. [Aman 
&\\\ irgendwo Wh. Auch bildl. Was 
'^r an eim E. variiere", könne" ^'r amen 



andere" wider gewinne" Z. — Schweiz. 
I, 314. Bayer, i, 100. 

Fuassenend [Fyasanar[ Felleri. Z. ; 
Fesanant Ndhsn.; Fysanaent Str.; Fyüsai]^ 
71/.] n. Fussende des Bettes, s. attch Fuesste. 

Kopfe nend n. Kopfende des Bettes 
Ndhsn. s. auch Köpfte. 

Salbend, s. S. 

Stückend n. Ende eines Ackerfeldes 
Zinsw. 

Weberend n. fehlerhaftes Stück am 
Anfang tmd Ende eines Ballens Ttiches 
Mittl. 

endli'^'' [aij^li K. Z.] Adj. praed. 
eifrig, eilig, tüchtig. Der is' nit so 
e., ''ass er us d'^r Gstall ge^'t der fühlt sich 
nicht bewogen von der Stelle zu gehett Z. 
Gen. Sg. endli'^'^s endlich Hf. — • Vgl. 
mhd. endelich. Schweiz, i, 317. Bayer. 

1, lOI. 

endli^'' [antli M. Ndhsn. K. Z.; aentli 
Str^ Adv. endlich, verstärkt: e. un*^ e. 
is' er kumme" Z. — Schweiz, i, 317. 

ender [entr Fisl. bis Rotb. ; entr 
Geber schw.; ientarJ/. ; entar Du. Brtmi. ; 
entr Hlkr. Barr Molsh. Z.] Conj. i. 
eher, früher. Worum bis' nit a. kumme"? 
Logehth. Ich bin e. kumme" a's du 
Prinzh. Je e. ''ass du komms', desto 
liew^r is' mir s Lobs. Nit a. bekomms' 
eps, oder bis' brav Molsh. Scherzrätsel : 
s hat a. e Ross e Sester Haber gfresse" 
a's e Huen (näml. als es ein Htihn frisst) 
Hi. 2. lieber: P** hau e. dera" Huen 
d^r Kopf ab, eb i'^'' sie um dis verkauf 
Hlkr. So blib ich e. dhaim Banzenh. 
E. geb ich s dir a's amen andere" Nhof. 
Nit dass der Krueg verheit (zerbricht), mach 
na e. aweg stell ihn lieber bei Seite Z. 
E. a's nit wahrscheinlich Hi. Banzenh. 
Du. Str. V^^ kumm e. a's nit Bebelnh. 

2. Tatifbtich Dtmzenheim 29. 2. 1708 
'ahandar.* 'S'wurd aim jo dürmli ehnder 
dass marr so viel erroth' Pfm. I 6. 'Un 
dass ar ahnder wegg von hie in 's Dytsch- 
land giengt' ebd. IV 6. — Schweiz, i, ig. 
Zti mhd. end, bei Otfrid enti, vgl. lat. ante 
Lexer I , 549. 

Enderli, Enderle [Antrla Ulk.'] n. 
Engerling. 

und [ünt, ün fast allg. ; yn Ltitterb. ; 
i\M.; at, a, ast Z. ; an K. Gimbr. Dtmzenh. 
Fttrchhsn7\ Conj. tmd: und steht bes. in 
religio seit Formeln : unser Gott und Herr, 
Jesas, Maria und Josep ; aber auch hien 

4* 



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52 — 



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und wider, uf und nider, Ta^ und Nacht, 
ewen und ewc", Dunder und s Wetter; ed 
in dann ed wann, nach ed nach, [ast in 
ümastüm] Z. Sonst zwischen Wortpaaren 
e: Käs e Brod, Ra^m [Räm] e Brod, 
Butter e Brod, Sirop e Brod, Schnaps e 
Brod; zwische" Für e Licht, Hals e Bein 
breche", Zit e Wil han, Kritz e Fane, Mül 
e Nas; Rotz e Wasser hüle , Got Low e 
Dank ! über ledig e lut [ewor leti^ 9 lyt 
Hf^ ; ach e leider ! sechs e zwanzig. 
Sonst un. An '^^'no''»? tmd dann} K. 
Furchhsn. An ich? Antw. wenn jemand 
gerufen wird Dunzenh. — Schweiz, i, 
320. Bayer, i, 103. 

unde(n) [üii^an Olti.; i\x\^^ Hi.; ünta Su. 
Du. Str. Wörth Ndrbetschd. ; aer]^9 M.; 
ir|9, er]^9 Z. Lahr Büst~\ Adv. unten. U. an 
de"* Füess rmten an den Füssen und un- 
ter den Füssen Du. Do ge'^t s Benz 
inge" Benz owe" übereinander, dtirchein- 
ander Z. Über die Entstehung dieser 
Rda.vgl. Als. 1856, 139. Zunderstunde" 
ganz unten Sti. Hf. 2. nördlich. U. am 
Dorf nordwärts vom Dorf Du. U. durch 
auf der unteren Strasse Dil. U. in von 
unten, Norden herein Du. U. us unten 
hinaus. U. drunder ganz unten; i*^*" ha"^ 
noch e Hemb^ u. d. a" Dil. — 'unden 
infra' Dasyp. — Schweiz, i, 323. 

dunde", drunde" [tür^a Roppenzw. ; 
tynt9 Lutterb.; tünt9 Rtif. Hlkr. Dil.; 
trünt9 Co. vS/r.] Adv. drunten, nördlich. 
D. si" wirtschaftlich zu Grunde gerichtet 
sein Du. 

(a)hunde" [hünt9 Str. Ndrbetschd. 
Lützelstn. ; ahüntg Ingersh^ Adv. hier 
unteit. 

überunde" untett, im untern Stock- 
werk, im Erdgeschoss Su. Co. — Schweiz. 

I, 324- 

undene \i\vi\.^w^ Feller i.; ii|9na Geisp^ 
Adv. unten, hier tmten. — Schweiz, i, 
324, mhd. undenän. 

ander \ym!i\Bf. Str. Ndrbetschd^ Adj. 
unten gelegen. Der u. Stock a" dem Hus 
is' vo° Stein Bf. 

Superl. underst; z u. Adv. ganz unten. 
Z u. kumme" in der Schulklasse der 
letzte werden Roth. Z u. (un*^) z öwerst 
durcheinander, verkehrt, kopfüber Bf. Wh. 
— Schweiz, i, 323. 

under [ür|^r Hi.; üntr Du. Str. Han. 
Ndrbetschd. Wörth; t,x\f Ulk. K. Z.; \x\x 
Lützelstn. Lohr~\ Praep. mit D. imd A. 



tmter. Under m Tisch. Stell dini Klum- 
pe" (Holzschuhc) inger den Owe" Lützelstn. 
Er ge^t u. d Soldate". Er is' noch nie 
u. de" fremde" Lüt gsi" Du. 'Er lebt 
nim lang, ^r losst alles inger si*^^ laufe" 
er {der Patient) ist nicht mehr imstande 
die Absonderungen anztihalten K. Z. 
Inger dere Zit unterdessen. D^r Briefbot 
is' inger d«r Kirch do gewe^*'n Z. 'starb 
vnter der Ampt-Predigt' Sterbeakt am 
26. J. IJIJ Mtttelhsn. 'Abendts zwischen 
4 vnd 5 Uhr oder vnter der Nacht Glock' 
ebd. 2g. 12. lyij. 2. ohne. [Mr kh^ng s 
mä/9 üntr ti;/] wir brauchen dich nicht M. 
Adverbiale Verbindungen mit dem Gen. : 
u. Tags im Laufe des Tags 0. ; u. Wegs. 
Das kanns' u. W. lo^^^en d-h — Schweiz. 

1, 324- 

under e, s. (under) hin. 

drunder [trüntr Sti. Str. Han. Ndr- 
betschd.; trür^r Roppenzw.; trer|^r K. Z.] 
darunter. Stell e Pfoste" d. Mutzig. 
D. un'^ drüw^r in Unordnung Str. Hf. 
Dringer an drüwer K. Do d. {unter 
diesen^ sen vil Pflume", wo nit zitig sen 
Du. — Schweiz, i, 326. 

mit under Adv. zuiveilen, öfters Lutterb. 
Bf. Mutzig. 

durch nunder [türi;^ nüntr Zinsw^ 
hinunter. 

Inventar!, Invetari [Infantäri 
Ndhsn.; Enfatari Mutzig Str. K. Z. Han. 
Lützelstn^ n. Inventar. 

invetiere" [inf9tir9 Bf. Ulk. Ingiv. 
Mtitzig Ndrbetschd. Lobs. W. ; enfatiara 
Ä'. ; enf9tier9 Z.] /. einladen : 'Es duet 
sunst d' Finger dernoch schluzze dass merr 
's nurr infediert' Pfm. III 7. — frz. 
inviter. 2. das Inventar machen, bes. 
bei Sterbefall eines Gatten, der unmündige 
Kinder hinterlässt : si t^uen i. Ingw. 

angaschiere" [äqkaaidrg tmd ärj^kasiera 
Liebsd. bis Hf. ; äqkasirg StrT^ refl. 
sich freiwillig zum Militär stellen. Im 
Inf. wird zuweilen die erste Silbe als 
das detitsche Adv. an aufgefasst u. daher 
vom übrigen Wort getrennt: Er het si*='' 
an Ion gaschiere" Z. Selten ist noch eine 
andere oder allgemeinere Verwendung: 
Ich hab se für e Walzer angaschiert Str. 
Er het mi'^'' angaschiert, e Schoppe" mit 
'•'m ze trinke" Bf. Er het mi'^'' welle" 
a. für mit em in Amerika z ge**^" Liebsd. 

Angel [Arj^l Lutterb. bis Rotb.; Ar^l 
Wittenh. Logelnh. Hlkr.; Ör^l Wh.; PI. 



aNG 



— 53 



aNG 



cNG 



ebenso, — a fF.] m. i. Stachel der Bienen, 
Wespen u. a. Insecten. En A. ge''^n stechen, 
bildl. tadeln. En A. bekumme", krieje" ge- 
stochen werden Prinzh. (in der Bedeutimg 
Bienenstich f. Wh.). 'Ein Scorpion ist wie 
ein klein krebslin, hat hinten ein angel' 
Geiler Brös. 2, 90. 'Angel der Immen 
Aculeiis', 'den Angel geben aculeum im- 
mittere' Dasyp. 'Oder jhm {dem Floh) sonst 
den Angel nemmen' Fisch, Flöhh. 1934. 
'der den Angel schon hat hin' Stachel, Stich} 
ders. Ehez. 128. 2. Htumuel Z. Pass 
uf, do fliejt e'n A. ''^rum! Ingenh. j. 
Fischangel, Angelhaken (dies auch f. Str. 
Hf. W.) Ich hab d^r A. verlöre". ^. Thür- 
angel {f. W.). Der sperrt s Mul uf, dass es 
i''m noch us der A. ge'^t Dehli. 

Deniin. Angele [Ar^ala Heidw. Bebelnh. 
U}^ — Schweiz, i, 328. Bayer, i, 105. 

sperram angel Adv. meist mit nach/. 
wit : so zveit als möglich, sperrweit: die 
Tür is' sp. uf Winzenh. Scherw. Str. S. 
wit Ingersh. ; sperrangel wit Bf. 'Mache d' 
Düere sperrangelwyt gschwind uf for neui 
Hochzytlyt' Pfm. V 9. s. auch wit. — 
Bayer, i , 1625. 

witamangel weit offen: die Tür stet 
w. uf Obhergh. Logelnh. Bf. D junge Veil 
(Vögel) sperre" d Schnäw^l w. uf, wenn ene 
d Alte" s Fresse" bringe". 

B r u m m a n g e 1 /;/. / . Hummel; 2. Mensch, 
der vor sich hin brummt Bisch. Achenh. 

Dreiangel [Treiär|^l Sier. bis Hf.; 
Treiäij^l K. Dunzenh. Furchhsn.]^ m. i. drei- 
eckiger Riss in einem Kleidimgsstück. 2. ein 
Musikinstrument. 

Fischangel [Fesär|l Osenb. bis Bühl] 
f. tmd m. Angelrute mit dem Hamen 
(Angele). 

Gresseleangel m. Angel für kleine 
Fische Hf. 

Lusangel [Lysäi]^! Olli, bis Z.] ;«. Latcs- 
bube, lüderlicher Kerl, Spitzbube, Schlingel. 

Nun angel, Nünangler [Ninäi|^l Ndr- 
betschd. Dehli. ; Noeinär^lar Bühl Ndrröd.\ 
m. (f. Dehli.) Hornisse. 

Schmierangel m. Schmutzfink Hattst. 

Stellangel;//. Leg angel, die über Nacht 
mit einem lebenden Köder, Frosch, kleinem 
Fisch ausgehängt bleibt Geud. 

T'^orangel m. Gerippe eines Scheunen- 
thors Steinb. 

T'^ürangel m. Zapfen, in denen eine 
Thüre hängt Stcinbr. 



Wo 1 f (s) a n g e 1 [VVölfsär]^! Geberschw. ; 
Wolf — U?^ m. Haken an der Kette, das 
zwischen dem Knebel tmd der eigentlichen 
Kette befindliche 'ü-förmige Glied. 

angle" [äi^la allg.; ör^lo Wh^^ i. stechen 
von Bienen u. a. 2. hart tadeln, strafen; 
J. fischen ; auch bildl. die het noch e" 
nette" Mann, g"angelt Osenb. — Schweiz. 
I, 329. Bayer, i, 105. 

t'^ürängle" [tirär^b Obhergh.; teraqla 
71/.] plagen. 'Do muess merr sich thier- 
engle-n-in dem Hus' Stöber Daniel 26. 

Angler [Aqlor Hlkr\ m. stechende 
Biene. Vgl. Angel 2. — vgl. Schweiz. 

I, 329- 

Ang-stalt [Orj^kstält Z\ f. Anfang, An- 
stalten. S gi^'t gor ken A. hüt heute kann 
es gar nicht zu einem Anfang kommen. 

Angelst [Ari^lst 71/.] /. bunter Besatz- 
streifen an einem Kissenüberzttge — a7is 
Endelistc? 

eng [ai]^ Sti. bis Hf.; srcy Str. W.^ 

1. eng, schmal. E enge'' Gang Katzent. 

2. engbrüstig , kurzatmig, beklommen: 
e. sin, e. han, e. bekumme", mir is' s e., 
mir wurd s e. Dem is' s e. wie im e 
alte" Jude"ross Z. — Schweiz, i, 330. 

Engikeit [Ai^ikhaeit Z.] f. Brustbe- 
klemmung, 'Die het ghet so Engkaide, ' 
dass si gekirchelt het, wie wenn si wott 
verschaide' Pfm. III 4. 

Engel [Ai|l fast allg. ; Mx\i Str. W] 
m. Engel. [Owan am Tänapdem es an 
Ai|l] oben am Christbaimt ist ein Engel 
angebracht Geud. Ich hab gemeint, ich 
hör d Engel im Himmel singe", pfife" 
schildert den Schmerz einer starken Vcr- 
letzimg, einer Operation. Demin. Engele 
vielgebrauchter Kosename für kleine Kinder 
und für die Geliebte. S sitzt e Engele an 
d^r Wand, Het e Äpfele in d^r Hand: 
Gä^t s gern esse", Het ke'" Messer; Der 
liewer Herrgott gheit i^'m eins vom 
Himmel i^erab, S gheit i'^m s Füessele 
enzwei Co. In Illz. ausführlicher: Es 
ste^'t e Engele a. d. W. H. e Gackele in 
d. H. Möcht s gern siede". Hat kei" 
Glüete", Möcht s gern esse". Hat kei" 
Messer, Fallt e Messer owen awe. Haut 
em Engele s Handle ab. S Engele ge''t 
zuem Schari (Karl), Der Schari is' nit 
dheim, S Kätzle fegt d Stowe" use", S 
Müsele treit d^r Dreck use". Es sitzt e 
Tüwele ufern Dach, Lacht sich schier das 
Büchele ab. s. auch unter Eins zwei 



eNG 



uNG 



— 54 



uNG 



aNGST 



drei und vgl. JB. XII 1 1 1 . In Illz. atich : 
S hängt e E. a. d. W. Het e Äpfele in 
d'^r Hand S möcht s gern brote", Will 
i'^m nit gerote", S kommt e Mus un'* bisst 
i'im dri", S kommt e Mus un'^ nemmt s 
i''m drus, S komt e Kue** un"^ luegt i'^m 
zue, S kommt e Igel un*^ bringt s i'^m 
wider, S kommt e Geis un^ losst e grosser 
Bure"sch. Kinderreime {beim Abzählen): 
Engele Bengele, loss mi*'*' lewe"! Ich will 
d'r e" schöne" Vogel gewe", Vogel m'r 
Straü ge*^^", Straü in d-^r Kue> ge^^", D 
Kue*" m'r Milch ge'"'", Milch in de™ 
Becke" ge^^", Becke" m'r Leiwele ge''^", 
Leiwele in d^r Mueter ge^*=", Mueter m'r 
Su ge''^", Su han i'^*' verlöre", Du bis' ge- 
bore" Ruf. Koselied, bei welchem man 
das Kind auf den Armen wiegt: Engele, 
Engele, fli^s! Schöppele, Schöppele Wi", 
Schöppele Schöppele Anke", M'r le'^^n ü"s 
gar schön bedanke"! Hnnaw. — Schweiz. 
i, 332. 

Gasse" engel tn. Persojt, welche vor 
andern Leuten als sittsam, gebildet und 
sogar fromm erscheint, zu Hause aber sich 
als das Gegenteil erweist. Rda. G., Hus- 
teüfel. [A Hyst^ifl es kawenlik a Käsoaij^l 
Rapp.'\ — Schweiz, i, 333. 

englisch [aij^lis Hf.] englisch: e. Für 
Jodtinctur: s e. F. ge'^^n mit Jod ein- 
pinseln. — Schweiz, i, 335. 

f 'Enger Frohne Brucker. 'zehen fuder 
oder enger hew (wagen voll) dix charrees 
de foin' Martin Pari. N. 171. — von lat. 
angaria Frohndienst, im juristischen Ge- 
brauch erneuert. Y^isca 1,227 'beladener 
Batiernwagen . 

Zss. 'Engergroschen' Fisch. Garg. 

345; 

f 'engern frohnen Brucker. 

Enger, Engerig [Ar^ar Rapp. ; Ai|(o)- 
rik Ensish. bis Heidolsh.; Ar^ari Hüss. 
Matt. Ndrbetschd.] m. Engerling, Larve 
desMaikäfers. — Schweiz, i, 335. Bayer. 
I, 107. 

Engerich [Ar^ari;^ Roppenzw. Hi.] m. 
PI. Kuhblattern. 

flnges, Ingos Inlett, der erste Bar- 
chentüberzug eines Federbettes. Mü., in 
einem alten Protokoll von Colmar. Stöber 
Maeder 6". 89. — Vgl. Indelt (Sachsen). 
Bayer, i, 96. 

fUnger [Ürior] w. Lagerplatz für Vieh, 
f. Mittagsmhc des l'ichs. Stöber. (für 
under! Vgl. Hungerberi« Ingenh., Ungers- 



berg = Untersberg bei Salzbiirg, 'Undern- 
platz, Undernstatt Ruhestaft für das 
Weidevie/i Hess. 425. 

Saüunger/". SchweinelnUplatz Lobs. 

ungere" Mittagsruhe mit dem Vieh 
halten Stöber. 

Ungere /'. ein Stück Feld von unbe- 
stimmter Grösse, so viel man auf einmal 
bearbeitet: l'^^ ho'' hüt schun en- Ungere 
vor m zMorjenesse" erum gemocht K. — 
atis Under; vgl. Underspan, Underzug. 

Ungerland Ungarn, s kummt ne Bettler 
US m U. do her Mittl. 

ungrisch Wasser Kölnisch Wasser 
Mittl. Pharm. 2. Ü. Wasserkrut wohl- 
riechende Zierpflanze Ingenh.; s. Wohl- 
gschmäckel. 

Angläs [Äri^kl^s Blotzh. bis Rotb.; Ör|- 
kles Wh.; PI. ebenso iind — o.] /. ;;/. (n. 
Bf. Molsh. Bisch.) : Männerrock aus 
schwarzem Ttich mit langen Schössen als 
Festkleid für die Kirche, bes. zu Hoch- 
zeiten und Taufen; Festtagsweste Obhergh. 
Bisch, 'un zej de -n- Anglees us' Kettner 
Mais. 14. 2. f. (m. Molsh. Ingw. K. Z.) 
weitbauchige, starke Glasflasche, Cham- 
pagnerflasche , etwa "*/4 Liter fassend; 
als Geschenk init Edelbranntwein gefüllt 
Hf. Letztere Bedciitung ist in O. kaum, 
die erstere in W. wenig bekannt; daher 
entstehn Missverständnisse : \Lothringer 
Lehrers frati : I;^ hän wela frewo (fragen) 
ew mar net an Ai|kles fän ü^ khenta hän 
für a phär Tä? — Pfarrfran aus dem 
Oberelsass: Näi, s tyat mar kwcs lait, äwar 
mi Man het nüman aina, ün täna myas ar 
mörn salwar älaia, ün tarnü main '\x, ar 
war e eiaram Man fil ts smäl ewar t Äksla 
Schönbu}'g\. Demiit. AngXe'iQln. Fläschchen. 
— 'Schweiz. 1,330. frz. anglaise. Mode in 
der Revolutionszeit. Vgl. die Kleidcrord- 
nung des Wilhelmitanum in Strassburg 
lygo: Wer eine Anglaise tragen will, muss 
sie von der nämlichen Farbe, welche der 
Rock der gewöhnlichen Uniform hat tragen : 
s. Erichson, das theologische Studienstift 
Coli. Wilh. Str. 1894. Nebenform Gles, 
j'. d. 

Angst [Ai|st Su. bis Kindzv. ; PL Ai^sta 
fast allg. ; ^>|sta Str. W. ; Aqstar Ndhsn. ; 
Aistjr (ieisp?^ f. Angst. Er het A. wie c 
jud('"rüss, wie e Jud vor ''em Krütz [Krits], 
wie e wüetige"" Hund vor •'em Wasser, wie 
d'^r Teufel vor "^em Wichwasser. Er het 
A. vor sich selbst ist ein Feigling. Zel*^ 



aNGST 



aNK 



— 55 — 



aNK 



uNS 



haw i*^^ ken A. davor ist mir nicht bang 
Z. S is' m'r angst e (und) bang Ingenh. 
'Es ward merr Angst e Bang' Kettner 
Mais. 28. Eim A. (Ängste") i"jage", mache" 

0. In de»» Ängste" lewc" jeder Zeit etwas 
befürchten Du. \^^ hob Ängster us 
gstande" Ndhsn. Vor Ängster" krank 
wer^e" Geisp. — Schweiz, i, 337. Bayer. 

1. 105. 

Himmelangst f. grosse Angst Sti. — 
Schweiz, i, 338. 

Judenängste f. PI. die Beeiferung, 
mit welcher die Ztigtiere bei der Vorfüh- 
rung durch den Händler Eigenschaften 
zeigen, die sie später nicht bewähren; 
dann auch von Menschen gebraucht, die 
aus Scheti vor Vorwürfen oder Strafen 
etwas thtm Du. 

Todesangst, Himmelstotenangst 
grosse Angst. Er het "^"^s Tods Ängste" us 
gstanden S21. S is' m'r H. Hf. 

angst (er)lig [ar^^stlik Co.; ar^starli Hf. 
aistik tT/.] ängstlich. — Schweiz, i, 339. 

angste" [ör|^st9 Wh?^ grauen: s angst 
m'r gar nit for erus ich fürchte mich nicht 
hinaus zu gehen. 

-]-Angster m. i. Pfetinig. Geldwert s. 
Berler Chron. 39. (Code diplom.) kleine 
Münzstücke =^ 2 helbling. DWB. i, 361. 

2. Flasche. Unterschied zwischen 'Flaschen , 
Angster und Gutteruflf', der letzte ist 'eng 
geseckelmeulet am Weidengewundenen 
Kranchshals' Fisch. Garg. 150. 'Bombylius 
gutter, angster' GoL. 343. 'Engster oder 
Gutter flir die Weingürgeln Gargouilles 
pour les biberons' Martin /'«r/. TV. 597. — 
Zu I s. Schweiz. 1, 339; 'angster' Trink- 
gefäss mit engem Hals Schwab. 24. 
Bayer, i, 105. 

ung \ivci M7\ Adj. tüchtig, [ta pes 9 
üi|^3r Pyü du bist ein wackrer Knabe; s 
es 9 ün^i Laei|^9n9 kär|^9 es ging eine arg 
lange Zeit; 9 üqgr Pretikar Stdzeren.^ — 
Vgl. Schwab. 524 es hat mich un {sehr) 
gefroren, es regnet un. 

Ungkät biete" ernstlich warnen. \\i( pit 
tir Ü., nö^" 9m6l tür^" mina Kärt9 tsa k^n] 
ich warne dich ernstlich davor, noch ein- 
mal durch meinen Garten zu gehen 
Dehli. 

Anken, Anker [Äqk9 Olti. bis Wörth; 
Äi]^kor Prinzh7\ m. Butter: I. frische, 
süsse in O. und bis Hindish. 2. atisge- 
lassene, gesottene in U., aber schon in 
Rtif. In N. ist Butter fast allein gebräuch- 



lich wie in IV. A. us lo'^^^n Hf. E Ei in 
d'^r A. schla?^" Ochsenaugen backen Horbg. 
Eier un'^ A. £ier in Butter gesotten oder 
gebacken Olti. 'Das essen gern die nerri- 
schen gecken mit baumöl und mit ancken 
schon' Murner Luther. Narr. 652. 653. 
'Das Sacrament der Messe schmeckt einigen 
als ancken oder Butterschmaltz Geiler 
Schiff d. Penit. zerfliessen wie Anken an 
der Sunnen' Butzer an Blaurer 1531 
Thom. Arch. 'die ding, die sü also zu 
merckete bringent, es sy brot .... kese, 
ancken' Brucker 49. 'Ancken, Schmaltz 
Butyrum' Dasyp. 'Ancken =^ frz. beurre' 
Martin Coli. 41. 'e Hafe voll Anke' 
Mangold Colm. Kom. 36. Zss. Anke"- 
balle", A-blüemle, A-brod, A-hafe", A- 
häfele, A-schärrete, A-schnitte, A-schum, 
A-supp, A-troster. — Schweiz, i, 343. 
Bayer, i, iio. 

j'Anckel, Diechter Nepos , Nepotulus' 
Dasyp. 'mein Enckel . . mein Encklin mon 
nepveu . . ma niepce' Martin Coli. 115. — 
Bayer, i, iii Enenkl. 

'Encker, Schiffhaack Anchora' Dasyp. 
'Zum Encker Stras s burger Hazisname 1398' 
CS. 

Unkel [Ur[_k9l, Ori^kal Winzenh. Hf. 
Oermi7\ m. Onkel. U. zue eim sen tmd 
über eine" sen Hf. 'Unkle' Stöber Mäder. 

— Schweiz, i, 341. 

Götteunkle m. Onkel, der zugleich 
Pate ist, 'Geddeunkle' Stöber il/(i;^fc'r 116. 

ähnlich [änli;^ Bf. ; aenli(;^) Str. ; änli 
Geisp. K. Z.] ähnlich : weniger gebrättch- 
lich als enander glich se''". 

anmäre" [änmaerg Str7[ {ein Schiff) 
anbinden, verankern. — frz. amarrer. 

Insle 0., Ins^l U. f. Insel. 'E-n-Insle- 
n-isch's' Lustig I 22. 

inselent [ensälant A'ör/^^.] unverschämt. 

— frz. insolent. 

uns [yns Sier. Gimbrett Mittelhsn. 
(^jsHifzdish. ; i\sM. ; imsfastallg.; ©nsA'! 
unbetont is Riif. Osenb. Du. Str. ; 9S M. Z. ; 
i Su^ tms D. Acc. PI. des Pers. pron 
der I. Person . [Heni;^t es is äl9s f9rfr6r9 ; 
uns es h. ä. f.] Du. Er meint uns, aber 
[s h^t nis kfrait, äs sr khüm9 sin dass 
ihr gekommen seid'\ Ruf. — ■ Schweiz. 

I, 346- 

unser [ünsor Hi. Str. Z.; ens9r K. 
Dunzenh. ; ynsgr Gimbr. Mittelhsn. Brum.; 
oisgr, eisgr 6".] unser. Gen. PI. des Pron. 
pers. der i. Pers. unsereiner, unsereins 



iNSCH 



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uNST 



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Leute von unserem Vermögen, Stand, Alter. 
Poss. unser, unseri, unsri Sti. Die Kue'' 
is' unser. Das is' unsera unserer, der 
unsrige DU. In i'Ta Müeter i^'ra Vater un'^ 
unsera Müeter S^i2. Vater sin Brüeder gsi" 
Dil. Unseri imsere Eltern, Angehörigen Du. 
— Schweiz. i,347-, 

Inschenierer [Inssni^rar Heidzv. Z.] 
m. I. Wegemeister. 2. Landmesser Ulrich. 
'Ingenierer' Mosch. Gumpelshamer 6". 261. 
267. 268. 

Strosse"inschenierer ['Strüsai. — Z.] 
dass. I. 

Unschlig, Unschlit \\3v\k\\VRoppcnzw. 
bis Ingersh. ; Üslik 71/.; Ünslet III^. Brtmi.; 
\}wl^\\. Büst; UiisletTl/.A'.Z.; 0\l\^l Fisl . ; 
Anslet Olti. ; Ünsli Str. ; Ünsalt WA.'] m. 
(n. Z.) Talg. D Schue^ mit U. schmiere" ; 
U. uf d Schrunde" tropfe" Z. 'Vnschlit 
Seuum' Dasyp. 'Wie Unschli bleich schwebt 
do e G'stalt' E. Stöber II 131. 'Wenn sie 
nit ihri Hand z' Naacht's guet mit Unschly 
schmiere' HiRTZ Ged. 236. Zss. Unschlitt- 
liecht. — Schweiz, i, 348. Schwab. 525 
Unschlicht, Inschlicht. 

ünschelen nach Talg schmecken, von 
der Butter gesagt. Stöber. 

Anspruch [ An s pr ü;^ Str. Ndrbetschd. ; 
Önsprü;^ KZ. Wh.] m. Bitte. [Her Phäro, 
e/ h^t on Onsprü/ ön S9 Wh.] 

Anstett, Heiligennamen : Anastasius. 
lieber S. Anstett, den Patron der Be- 
sessenen s. Stöber. Als. 1875, 289 ff. 
'Sant anstets futerfasz' Geiler Em. 4. 
Reliquien des h. Anastasius. 'nun wenn 
wir lang gemachen und gemutzen, so wuirt 
der leib kum huibscher denn sant anstets 
inicxidiSS ders. H. d. Ktm. 82. 'S. Angstet' in 
Fisch. Garg. Auch in Imlins Familien- 
chronik: Als. 1873/74, 394- 

Instant [Instant Strüth] m. Augen- 
blick. — frz. 

Instrement [Instramant ///. Urbis Doli. 
K. Z. Ndrbetschd. ; Instramaent Str. Lohr; 
PI. — ar] 7t. I. Mtisikinstrument. 2. chi- 
rurgisches Instrument. — Schweiz. 
I. 349- 

fU"selig [usQlik Mittl.] zornig, vor Zorn 
ausser sich (nur noch von älteren Leuten 
gebraticht). — mhd. unsaclic? oder un- 
sinnic? von Sinnen, s. auch umselig. 

unsenig [ünsoni/ Wh^ von Sinnen, 
zornig. — mhd. unsinnic. 

Unst [Ust, wohl auch Üs 71/.] m. 



Zorn. [I pe for Üst fä§ esalskroi wora 71/.] 

— tnhd. unsite {oder von unsinnede?) 
funstc" [ust9 71/.] zürnen, sich zornig 

gebärden. — mhd. unsiten. 

Antak [Äntäk Ilf., Ön-Ingenh.; Ätäk 
Hf. AEckend.; PI. Antak Hf.; Ätäka 
Scherw.] m. und f. Krankheitsanfall. En 
A. bekumme" vgl. Andacht. — frz. 
attaque. 

antachiere" [änta;^iera Hf.] angreifen. 

— frz. attaquer. 

antetiere" [äntatiera Ilorbgl] aufbrin- 
gen, reizen, belästigen. Antetier das Kind nit 
so, si^s' jo, dass es s nit will ha" rege das 
Kind nicht so auf, du siehst ja, dass es 
das nicht haben will. 

antetiert, an tertier t [an tati^rt7V5r^w. 
Co.; äntetirt StrI] eigensiitnig, trotzig, 
starrköpfig. En antetierts Köptel, en an- 
tetierte Keib. — frz. entett^. 

Antoni [Xntöni, Äntoen Ammerschw.; 
Änty^ni Sti.; Äntyani Geber schw.; Antyän 
Ruf^ Koseform des inännl. Vornamens 
Anton. Hohnspruch an Bäckerlehrlinge: 
Antoni Becke°bue^, Seh. in d Hose un br. 
in d Schue'' ! Str. Kinderspruch beim 
Suchen von etwas Verlorenem : Heiliger 
Antonius vo° Padua, Hilf m'r sueche", was 
i'^'^ verlöre" ha*^ ! Banzenh. 'S. Anthonius 
kan das Feuer meystern' Fisch. Bin. 184. 
Vgl. Geiler 3 Marien 54. 'Sant Töniges 
Feuer' Gesichtsrose Fisch. Garg. 210. 
'S. Anthoni raach oder fewr kool, Anthrax, 
sacer ignis' Dasyp. 'Erysipelas rotfleck, 
schöne, S. Anthony fewr* GoL. 280. j'. 
auch Anth enger ferlin 2inter Thenigerferlin. 
Dcmin.frz. Antoinle [Äntyanla Gebcrschiv.; 
Antyanli] ; auch Toni, Lonel. — Schweiz. 
I, 940. Schwab. 22. 

antrapiere" [änträpiero Hf^ erwischen. 
— frz. attrapoT {an an treffe" angelehnt}) 
Anträng [Atroe Str^ im Gang. — 
frz. en train. 

Antree [Äntre Co^ m. Metallplättchen 
vor einem Schloss, damit das Holz nicht 
durch das Einschieben des Schlüssels ver- 
letzt wird. 

Äntekrist, Äntekriste [^^ntakrist Str. ; 
.^^ntokrest K.; Antokreat Z. Lobs.; Anto- 
kre§ta Bebelnhl] m. Antichrist, Spitzbube, 
Tetifelskerl (Schimpfwort). E. ist eine be- 
liebte Anrede der Surburger unter ein- 
ander. S. auch Steinhuffe"dunderwetter, 
Wuet, wüetis. — Bayer, i, 102. 



eNT - eNZ 



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Ent [Ant Ensish.^ Rtif. Z. Han. ; ^.nt 
Sff-.; A:it Geisp. ; JEnt K. ; Ent Ginibr. 
Reichs fett; PL — a] f. Ente. Er wackelt 
wie ne E. S ge^^t ke'" Schritt gschwinder 
a's e E. es geht langsam Ruf. Rätsel: 
Es ge^n zwo Ente" z knappe" (wackelnd) 
Uf bodeMose" Matte", Uf bode"lose'" See: 
Wenn d'r (ihr) das rötet, Rötet d'r no'^^ 
me'*'' {Sonne Jind Mond) Liebsd. Scherzhafte 
Verwilnschting : dass dich (oder dich solle") 
d E. vertrete", vertreppele" Str. Lobs. 
Spasshafte Rda. Er lebt vo" de" Ente" 
{Renten) bis d Gans gross sin Lntterb. 
'Enten gehn Barfuß' Fisch. Bin. i66. 
'Antrach {Enterich) und Enten' Fisch. 
Garg. 318. Zss.: Ente"vogel, Ente"loch, 
Ente"rätscher , Ente"wackele ; Ente"lach 
Ortsbez. Hf. Hag. — Schweiz, i, 354. 

Tuch ent f. i. Tauchente. 'Der will 
halt gern vilmol ebs guets Gebrodes esse: 
E Nierebrädel ball, . . . ball Duchentle' 
Pfm. III I. 'Mergus Dauchendt, Merch' 
GoL. 316. 'spilt des Tauchentlins' Fisch. 
Garg. 282. 2. scherzhaft: kleine Frau. Str. 
— Schwtjz. I, 356. 

Glutterent [Klütarant Obhcrgh.~\ f. 
ein irdenes Spielzeug, welches einer Ente 
gleicht : an einem Ende befindet sich eine 
Öffnung, in welche Wasser geschüttet wird, 
danach wird hinein geblasen. 

'Querquedula Trösslein, kriech Endt' 
GoL. 317. 

Entläre [Antlära Horbg7\ f. weibliche 
Ente; vgl. Gänsläre, Katzläre. Demin. 
Entlerle. 

interessiert [entrasiart Ruf. Du.; 
entresiart Kerzf. Hf. ; entraesirt Str. ; 
er^tresiert Ndrmodern ; er^katrasi^rt /«^t'/^/z.] 
selbstsüchtig, geizig, genau, sparsam, 
latmenhaft. — frz. interesse. Schweiz. 

I, 357- 

Interessierer [Intrasieror Rädersd^ 
m. eigennütziger Mensch. 

interessant einträglich Wh. 

unten, unter, s. unden, under. 

'untür, gering, umvürdig, unredlicJi 
Brucker. 

untür lieh [üntirli Str. Z.] Adv. rück- 
sichtslos und gleichgiltig : u. mit eps um 
ge^'n. 

Enzione [Antsiöna Sier. Su?\ m. {f. 
Hi.^ I. Enzian , Gentiana lutea ; 2. 
Branntwein, der aus den Wurzeln dieser 
Pflanze gebrannt wird tmd auch als 
Wundheilmittel dient. Bitter wie E. sehr 



bitter Hi. 'Entian' Dasyp. — Schweiz. 

I, 358- 

überenzig, s. (über) ein-zig. 

apart [äpärt Steinbr. Szi. ; äpärt Hi. 
bis Rapp. [/.'] I. Adv. bei Seite. Gspass a. 
{scherzh. Zusatz un^ Kurzweil im Bett 
Du.) ohne Scherz. Für sich, besonders, 
getrennt: a. lege", t^'ue", schlofe". Du 
bekumms' di" Sach a. 2. Adj. besonder, 
seltsam, originell. En Aparte"" ein Sonder- 
ling, tmgeselliger Mensch Su. Hlkr. D^r 
A. mache", spile" besondere Ansprüche 
machen , sich absondern. Eps Aparts 
etwas Besonderes: e. A. ha''^" welle". 
Du hes' e. A. an dir eine eigene Manier. 
Mach m'r nur nix Aparts! keine besondere 
Speise 0. ä. Du. Y^ ha'' nix A. gse^" 
nichts Ungewöhnliches Su. S is"^ nüt 
Aparts mit i'^m es ist nichts an ihm Hi. 
Er het eps A. er weiss etwas, was er 
für sich bchcdten möchte. — Schweiz, i, 
361. DWB. I, 532. frz. ä part. 

ap artig [äpärtik Ruf. Hlkr. bis Mütt.; 
äpärti Z. ; ämpärti Hf. ; äpärti/ Wörth 
Ndrbetschd.; äpärte^ Rotb. Wh.] i. Adj. 
besonder, getrennt, eigen. [an äpärtis 
Kläs, Tsemar; ty kophoms an äpärtis 
Hi^nal {oder Werstal) kaprota man wird 
besondere Rücksicht auf dich nehmen 
(ironisch) Hf.'\ Dis is' en aparti^s 
Büewel, dis spielt gar nit wie d andere" 
Brum. Er is' gar a. sonderbar, anspruchs- 
voll Str., en apartiger Narr Z. Dis is' 
nix Apartigs nichts Ungewöhnliches , Vor- 
zügliches Ruf. 2. Adv. D guete" kummen 
a. un*^ d schlechte". A. mache" absondern 

Wh. Er is' a. (eigens deshalb') uf Stross- 
buri gfa'^re" Hf. [ar hat tby^ sel9 wärta, 
äpärti wy {besonders weil) ar kawest het, 
äs i khüm Z.] A. we"" m*=r schun ver- 
schraüen is* schon in schlechtem Rufe 
steht. 'Demm wurd's abardi schmecke, 
dass er for Eyerbrüej kriejt yngschenkt e 
Burjaz' Pfm. II 3. 'Er isch a. nett' ebd. 
I 3. — Schweiz, i, 361. Bayer, i, 
406. 

Appel [Apal Str. Ostwald'] weibl. 

Vorname Apollonia, auch Ploni. Demin. 
Appele. Du pluudersch alles us wie alle 
alte Abble' Fraubasengespr. 2. Der Name 
wird albernen, schwatzhaften , unflätigen 

Weibspersonen gegeben. Dis is' e rechti 
A. Du verfluechti A. Lobs. Apel frz. 
Apollonie' als Name einer Dienerin 



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58 



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Martin Pari. N. 515. Scherz 'Appel- 
dwaljes convicii genus, alberner Mensch. 
Estor.' — Schweiz, i, 361 Appele. 
Bayer, i, 406. 

appelhaft schwatzhaft, s. Aug. Stöbers 
Anm. zu Schk. 314. [Alsatica 1874, 78.) 

Dreckappel, Schmutza. schmutziges 
Weib. 

Pritschappel Waschweib. 

Schelappel schielende Person Buchsw. 
Stöber. 

Za^nappel [Tsänäpal Str?[ ni. i. Kind, 
dem noch die Zähne fehlen ; 2. scherzh. 
Zahnarzt. 

Apethek [Apotek Roppenzw. bis Oermi.~\ 
f. Apotheke. 'Wie mer d' Määüd henn 
fürt in d' Abbedeek noch geschikt' Pfm. 
IV 3. [Tes es 9 wäri A. ein Geschäft mit 
hohen Preisen Z.] 2. spasshaft : Ab- 

tritt. — Schweiz, i, 363. 

Apetheker [Apatekr] Apotheker \Rda. 
nfnanlntsi;/ wi on Ä. Z.~\ Rda. Vi& is' 
noch üwer '^'ne'^ A. von einem teuren 
Kaufmann Su. Ungeschickter Mensch: 
du stells' dich do an wie en A. Brum. 
[Kai, t9 wit mi fir a Nära ha?- — I^ä ti 
tö;^ nit fir 9 Äpötekr ha Antwort auf 
einen Zweifel Liebsd.^ 

apethekerisch [tu smäkt s asü äpa- 
tekaris hier riecht es wie in einer Apo- 
theke Z.] 

apethekerle" nach der Apotheke riechen 
[to hena äpatekarlat s Bf?\ 

Appetit [Apatit allg.'] Es s Inst, frz. 
appötit. Guete" A. ! Wunsch vor tmd 
bei dem Essen, scherzh. Antw. Merci! 
wenn i'^r au"^'' eps welle", sitze"* und*r 
de" Tisch! Str. 

appetitlig [ä-lik Ö., -li U., -% N. 
W.^ I. appetiterregend, z. B. Senf, Meer- 
rettig Hf. 2. reinlich, zum Gemisse^ ein- 
ladend. — Schweiz, i, 362. 

u n a p p e t i 1 1 i g unsauber, ekelhaft Dil. 

Äpe" ( Äpa M^^ PL Kartoffeln (Kindersp.). 

reppel [^pal Sfr^ Adj. und Adv. 
schlecht, gering, elend. E. anget^'on ärm- 
lich gekleidet; e. gschafift, e. usgfalle". 
Dis ste*"! e. do! 'en eppler elender Str. 
'der Herr Eppel Niemand'' Str. Ulrich. 
— verwandt mit Q,\\\)\^., ebich, ahd. abich 
verkehrt} DVVB. 3, 580. Hess. i. 

cppe, eppen, epper, eppes, ^. etwa, 
etwer, etwas. 

Opel m. Tölpel. [Ty pes äwar an 

öpi! wh:\ 



opponiere" [öpaniara Fisl. Roppenzw?^ 
refl. sich aiif lehnen, widersetzen. — Schweiz. 

I, 365- 

Äpfel [Epfl Hi. Rtif Du. Co. AI.; 
Äpfl U.; Äpl W.; PI. Epla W.^ m. 
Apfel. Y^ iss e-n A. for de° Durst. In 
e" sure" A. bisse". 'Bittere Äpfel Fructus 
Colocynthidis' Pharm. 5. Abzählvers: A., 
Birn, Nuss: du bis' dus Ruf. Obhcrgh. 
Co. 'Der Epfel fallt nit wit vom Stamm' 
Mü. Mat. 45. 'Öpfel' Pauli 318. 'Oepffel, 
eyn jetliche baumfrucht die eyn weiche 
rinde oder haut hat Pomum Malum' Dasyp. 
Demin.k^i&\z. Zss.: Apfelbaum, Ä-kueche", 
Ä-mues, A-papp. — Schweiz. 1,366. Bayer. 
I, 119. DWB. I, 532. 7, 1293. 

Adamsäpfel m. i. Citrus pomum 
Adami, von den Jiiden in den Laub- 
hütten aufgestellt Bf. 2. der obere Teil 
des männl. Kehlkopfs Bf. — Schweiz. 

1, 367- 

Augäpfel m. Augapfel, Liebling Su. 
W. 

Baderäpfel m. Apfelart Obhergh. 

Baräpfel m. Apfelart, gross und 
sauer Attenschw. — Schweiz, i, 373. 

Biräpfel [Pirepfl Mittl.\ m. saure 
Apfelart, Reinette. 

Bumelionäpfel [Pümaljönepfl At- 
tenschw^ m. Art grosser Apfel. 

Ernäpfel, Erntäpfel [Arn^pfl 
Pfetterhsn. Hi. Mü.; Arnaäpfl Z.; Ärnt- 
epfl Steinb.\ m. Ernteapfel. Kleiner 
weisser Apfel mit roten Streifen. Art, 
die zjir Erntezeit im Juli schon reif ist. 
Stöber Mäder. — Schweiz, i, 368. 

Erdäpfel, Herdäpfel [Ärt^pfl 0. ; 
als PI. mir in Bed. 2 U.; Härt^pfl 
Sier. bis Kerzf^ m. i. Kartoffel (O. ; 
in U. Grumbeer = Grun'^bir"; in Hlkr. 
Rapp. beide Namen). Gschwellti H. ge- 
sottene Kartoffeln ; brägelti Hi. ; gebroteni 
Bf. geröstete, gebratene K. ; us gschumti, 
US zogeni in Scheiben geschnittene, aus 
dem Wasser gezogene und gefettete K. ; 
verdämpfti ganz gekochte K. ; verstickti 
gebratene in Butter Su. ; schwarzi H. an- 
gefatdte K. 'H^rddpfel' Stöber Mäder. 

2. E. oder wälschi H. PI. = Helianthus 
tuberosus, frz. topinambour, in Blume 
und Kraut der Sonnenblume ähnlich; die 
Knollen als Schivcinefutter verwendet K. Z. 
Lobs. Ndrbetschd. [^rt^pla Wh\ 'Erdöpfifel 
Chelidonium, Rapum terrae' Dasyp. *Erd- 
äpffel des toupinambous' Martin Coli. 



äPF 



59 — 



äPF — oPF 



44. KiRSCHL. I, 502. 'dass obs undt 
herdöifel meistentheils in den Rällern ver- 
frohren' 1789 JB. I 108. Die Kartoffel 
erscheint in vielen Rda. und Verschen. 
Auf die Kinderfrage : was gibt es heute ? 
antwortet die Mutter : Suri H. un'^ Stieleler 
dra" Horbg. Anfang eines Liedchens Mü. 
MA. 5, 112. Kinderliedchen : o Jere, 
Frau Märe [frz. Maire^., was koche" m'r 
z Nacht? Geschwellti H. un'^ Siirmilch, 
''ass es rappelt un^ kracht Du. Hlkr. 
Stöber Volksb. 197. Von Leuten mit 
spärlichem Bartwuchs sagt man : d Mueter 
het i'^m H. dri° gsetzt. Einen, dem die 
Ferse aus Strumpf oder Schuh sieht, 
fragt tuajt : Hes' H. feil ? Zss. Erdäpfel- 
miier, E-weg. Demin. Herdäpfele n. 
[Häparla Du. Kinderspr.'] Auch gebrannte 
Mandeln Niffer. - - Schweiz, i, 379. 
Schwab. 168, wo andere Bedeutungen. 
Bayer, i, 139. DWB. 3, 745. Schon 
mhd. Wegen des anlautenden H vgl. 
ajich 'hartfall' Fall zur Erde, Totschlag 
tind das Adj. 'härtfellig* Wattw. 16. Jh. 
JB. III 70. Zss. Herdäpfelkrut, Herdapfel- 
kueche", H-püree, H-brei, H-pflütte" Kar- 
toffelklöse, H-salat, H-supp, H-schälte^* die 
Haut der Kartoffeln, H-stück Kartoffel- 
acker, der H- setzet die Zeit des Kartoff el- 
pflanzens, H- usmachet Kartoffelernte. 

Fastenäpfele kleine gelbe Rüben, 
welche über Winter in der Erde sind 
Mü. 

Franke"äpfel grosse, feuerrote Apfel- 
art Rapp. 

Galwiäpfel [Kälwiepfl Su?\ grosse 
lilagefärbte Äpfel. Syn. Galwiner(t) 
Ndrbetschd. — frz. calville. Schweiz. 
I, 368. 

Ghanstiherdäpfel /;/. Kartoffeln, 
die Ende Juni zti Johanni reif werden. 
Kerzf. 

Gumpistäpfel [Kümpistepfl Blotzh. ; 
Kümp9rst6pfl Olti. ; Kümforstepfl Fisl.^ 
m. eingemachte Apfel; Apfel, die in ein 
Fass Sauerkraut gelegt werden Roppenzw. 
— Schweiz, i, 382. 

Hagäpfel [Häköpfl Sier. Urbis ; 
Häjepfl Du. Bf. ; Häkiepfl Rtif ; Häüepfl 
Str. ; Hoeyapfala Z. ; Hceyepfl Prinzh. ; 
Häkatoepfl Steinbr. Heidw7\ m. meist 
im Demin. gebrattcht : Hagäpfele, die 
rote Frucht des Weissdorns, Hagebtitte, 
Crataegus oxyacantha. 'Vnedo Hagapffel 
oder Eltzbeer' GoL. 403. 'hag Apffel 



Arbiitum' Dasyp. Un sueche Bromere, 
Hauäbfele un Schlee' Pfm. III i. — 
Schweiz, i, 382. 

Holzäpfel m. i. wilder Apfel, wie 
er im Wald wächst 'fructus mali immaturi' 
Pharm. 2. daratis wurde früher Holz- 
äpfelessig gezvonnen. 'Süri Holzäpfler, 
Stieleler dra ; Freu di, min Schätzel, Muesch 
au d'rvo ha!' M. Stöber Volksb. 26. 
2. wilder Apfelbaum. J. sehr grosser 
Mann Roppenzw . ^. hoher Hut Roppenzw. 
5. uneheliches Kind, bes. Knabe Banzenh. 
bis Str. Frech wie ne H. Rapp. 6. Prahl- 
hans; zu einem solchen sagt man : du 
machs' dich wie d Holzäpfel im Lieje", 
d. h, du bist für jetzt noch ungeniessbar. 
Oder ist ein Wortspiel mit Lügen dabei} 
Str. — Schweiz, i, 370. 

Jakobsapfel [Jokhopsäpfl Z.] ;//. 
früh reifer Apfel. — Schweiz, i, 370. 

Jungeräpfel m. Apfels orte Mutzig. — 
Schweiz, i, 370 Junkeren ä. 

Lederäpfel m. eine weisse, geringe 
Apfelart Pfetterhsn. ; dunkelroter Apfel 
Gebersch. Bf. K. Z. Ndrbetschd. — 
Schweiz, i, 372. 

Mai her däp fei ;//. Frühkartoffeln mit 
langen weissen Knollen Scherw. 

Muserdäpfel m. Frühkartoffeln von 
länglicher Gestalt Mittl. 

Rossher däp fei m. Sonnenbhmie , He- 
lianthus annuus Bf. 

Saüherdäpfel |Söihart^pfl Co. N Breis. 
Obhergh. ; Süiärt^pfl Mittl^ m. kleine Kar- 
toffel, womit die Schweine gefüttert werden. 

— Schweiz, i, 381. 
Schapanieräpfel ['Sopanierepfl Rä- 

dersd^ m. Apfelart, Champagnerapfel. 

Schmalzäpfel [Smältsepfl 6"?^.] m. 
Art Apfel. — Schweiz, i, 372. 

Streimapfel ['Strämäpfal Ndrbetschd^ 
m. grosser gestreifter Apfel. 

Striffelapfel [ Strefaläpfl] m. grosse, 
wohlschmeckende Apfelart K. Z. -- 
Schweiz, i, 317. 

Süessäpfel m. Apfelart Su. K. Z. 
Ndrbetschd. — Schweiz, i, 372. 

Opfer [Öpfr allg7\ n. Kirchenalmosen. 
Ze O. ge*>" zum Altar gehn und Geld 
auf die Epistelseite niederlegen (kath.) 
Er het ''em Herr Pfarrer s. O. gstole» 
scherzh. wenn jemand viel Kleingeld hat. 

— Schweiz, i, 384. Bayer, i, 119. 
opfre"^ [öpfra Su. bis Mütt. ; öpfora 

U.^ Kirchengeld geben, beim Utngehen 



aPR 



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60 



aR — eR 



des Altars (kath.), auf den Opferteller 
iprot.) — Schweiz, i, 378. 

April [Äprel Hi. Str. K. Z.; Awar^l M. ; 
Awrel Stt-. Dü.~\ m. April. Bauernregel: Der 
A. is' nit so guet, er schneit dem Bure" 
(Schäfer) uf de" Huet ///. Mü. Su. DU. 
Z. 'Ein dürrer Aprill ist nicht der Baiiren 
will' Fisch. Prakt. 18. Wenn s der A. 
nit im Kopf het, ze het er s im Wadel: 
regnet es im April nicht zu Anfang, 
dann gewiss gegen Ende Molsh. Am 
ersten A. schickt m^r de" Narre" ane wo 
m^r will allg. Rda. In de" April schicke" 
schon 162^ üblich JB. VII in. Ueber 
Gebräuche am i. April s. JB. V 153. 

Zss. [Äprelanär, hacts net kolyejt, 
waers khen När] singen die Kinder dem zu, 
der auf ihren Ruf [Kyk, t^rt fldit on 
Elafant !] aufgeschaut hat Str. 

Aprille"gschirr = Aprille"narr Ä7««. 

Aprille"rute, s. Riit. 

Aprille"grölle", s. Gr. 

Aprill erlaub n. Rda. Märze"staub, 
A., Mailache" sin<^ drei schöni un'^ gueti 
Sache" A'. Z. 'Märzestaüb Awrilelaüb'. Lustig 
I 362. — Schweiz, i, 364. Bayer, i, 119. 

Apropo [Apröpö Liebsd. Sti. Str?^ 
Rda. bei dieser Gelegenheit, frz. ä propos. 
A., was haw i^*> di'^'^ fröje" welle" Bf. 
Daraiif fällt man spasshaft mit der Ant- 
wort ein: Apropo is' e Bettladstolle", (e 
Dudelsack, e-n- Abtrittsdeckel) Str. Ältere 
Rda. 'es regnet mir ins Apropos' es wird 
mir ein Strich durch die Rechnung ge- 
macht, es misslingt mir Stöber Mäder 
aus Zwinger, Bürgerl. Unruhen Iß86 
Msc. — Schweiz, i, 365. 

Ar [Ar Co. Bf. f/.] Ar, Flächenmass. 

Ar, Er, s. Acher. 

Ar [Ar M. Mittl.l f. m. PI. Are", 
Detnin. Ärle [Ärlo] Ahorn. Zss. Are"- 
holz. — 7gl. Schweiz, i, 386 Lein Are". 

arran schiere", ran schiere" [ärär|sier9 
///.; räqsiera //Ihr. Katzcnt.; ränsira Str.; 
ränsiara K.; ränsi^ra Z.] in Ordnung 
bringen, umändern. Ich ha'' mini Ko- 
missione" alli garranschiert. Da^ 's' guet 
arrangschiert g7it eingerichtet //i. Rda. 
Arranschc wu {frz. arrangez-vous !) is' e 
welschi Hochzit Ausdruck der Gastlichkeit 
ohne Umstände Str. — Basel 15. 

Arrest m. Arrest in der Schule Co. Str. 

arretiere" [äratiara Du. U. ; äratira 
Str.] verhaften, aufhalten; ^"x Tewolte 



Schorschel het mi"^^ ungerweje" arretiert 
un^ het m'r e Ku*'' welle" anhenke" 
verkaufen Dil. 

Arigel [Ärikl Roppenzw7\ in Ordnung. 
Es is' alles' in A. — frz. en r^gle. 

Arikele [Ärikala Z.] n. Deminutiv 
Aurikel, Primula auricula. Kirschl. 1,564. 
— Schweiz, i, 389. 

arriwiere" [äriwiera //i. Bf. //f.; ära- 
wiara Co. /ngersh. ; ärawira Str. ; ärawiera 
Sier. ; ärwiera Lutter b. Lobs.] geschehe?^, 
sich zutragen, ereignen. Wenn das no*^^ 
mol arriwiert, so muess ich s anzeige" Sier. 
Eim a. begegnen, zustossen {oft gebraucht): 
ein Unglück oder ein Spass. — Schweiz. 
r, 388. ^ 

Aro [Arö S2i7[ n. allgemeiner Auf- 
lauf. Do is' e Aro ! das ist ein Aufrjihrl 

frz. haro! 

jAron, Arn, Aronswurz Kirschl. 2, 
207. 'Aron, Pfafifenpint, teutscher Imber' 
GoL. 429. — Schweiz, i, 388. 

Arösle, s. Rösle. 

Arunkele [Arür^kala //^., attch Närür^kl 
Str^ n. Demimitiv : eine Zierpflanze, 
Gartenrammkel, Aster, Ranunculus asiati- 
cus. Kirschl. i, 20. — Schweiz, i, 388. 

Ar \^Mx Str.^ n. ein aus Garn zu- 
sammeitgebundenes, nicht gedrehtes Seil, 
welches unten am Schleppnetz befestigt 
das Blei und die Steine zum Versenken 
in und an sich trägt. — Schweiz, i, 388. 
Bayer, i, 138 Archen. 

Ärl [^rl Miitzig\ n. ränkesüchtiges, 
hetzerisches Weib: Loss^ mi*^*^ bal'^ ge^'n, 
drecketsÄ. ! — von Erel, Orel, hcbr.\xtX 
unbeschnitten, Schimpfname für Nicht- 
judeji r 

K^r [Er allg.] f. Ehre. Eppes z E'^re" 
bringe" gut anwenden, gut benützen //i. 
Eim E. ant'^uen Ehre erweisen, höflich mit 
Jemand sein Str. K. Z.; 'vor einem 
grawen haupt soltu aufstehn und jhm ehr 
an thun' Geiler 5. Narr. Zue vil E. is' 
halwer e Schand sagt man, wenn man 
Jemand nötigen nmss, dass er beim Essen 
ordentlich zugreift Z. S is' aller E^'re" 
wert ironisches Lob, wenn Jemand nach 
langem Säumen zahlt oder seine Arbeit 
notdürftig fertig macht Str. Vil Ehr het 
sunst vil Bschwehr, hyt duet si d' Fraid 
verdopple' Pfm. V 9. — Schweiz, i, 389. 
Bayer, i, 124. 

f erber ehrbar, 'doch sollen erber frouen 
mir verzeihen' Brant Narr. Vorr. 123 — 



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-- 6i 



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124. 'Do lebt mer erwer frumm, waiss nix 
von neie Mode' Pfm. 16. — Schweiz. 
I. 395. Bayer, i, 125. 

e'^rberlis [erworli ü/.] /. höflich, ge- 
sittet. 2. s. erblis. 

e'^rlig, -li(ch) [erlik Du. Mütt. ; 6T\i 
K.Z.; €x\\x JV.'] I. ehrlich. D^r e. Name'' 
wider ge*^"^" eine Beschimpfung zurück- 
nehmen, was früher nach einer Verhand- 
lung vor dem Bürgermeister beim Atis- 
gang aus der Kirche geschah Dil. ßrueder 
E. nennt man einen, der sich etwas zu 
Schulden hat kommen lassen und noch 
ein unschiddigcs Gesicht machen will Mütt. 
'Ehrlig duhrt ewig' 71/«. Mat. 45. \2. ge- 
ehrt, von hohen Ehren 'der allererlichst' 
Geiler P. i . XXV. j. ehelich : e e. Kind 
Du. Mütt. 

u n e ^ r 1 i g jmchelich : ein Kind Du. Mütt. 

— Schweiz, i, 393. Bayer, i, 125. 
e^'ren [erg Mütt. U.~\ ehren. — Schweiz. 

I. 397- 

vere^'re" [farera Su. bis Tieffenb.'\ 

schenken, besonders einer weibl. Person : 

e Kleid, e Struss v. — Schweiz, i, 397. 

Bayer, i, 126. 

V e r t u n e ** r e ° z« Schande bringen N Breis. 

— Schweiz, i, 397. 

er [är Bf. Hi. M.; aer Str. Wh. wenn 
betont; gr, r unbetoni\. Pron. der J. Sg. 
m. er. Wer is' s gsi"*? du oder er [är]? 
Du. Spricht die Hausfrau oder spricht 
man mit ihr, so ist er [är] ihr Gatte: 
Wo is* er [är] Ihr Mann} Er mein 
Mann will s öu'^'' nit hon Geud. Von Kin- 
dern über den Vater gebraucht, gilt Er 
nicht für anständig Hi. Atif die veraltete 
grobe Anrede mit Er wird geantwortet : 
Er is' e Hundsdreck Str. 'Waiss er's, wyl 
er mer doch er saat. Er soll z'erst lehre, 
Wie merr so Lyt wie ich tidliere duet un 
ehre!' Pfm. II 6. — Schweiz, i, 400. 
Bayer, i, 121. 

-er wird anGattungsnamen vor stark- 
betonter Cardinalzahl angehängt, s. en, e". 
Dies er ist aus oder hervorgegangen : 
Ich hab ein predig oder fier von im ge- 
hört' Pauli 298. 'einen Thaler oder vier- 
zig une quarantaine de risdales' Martin 
Pari. N. 409. DWB. 7, 11 52. Bayer, i, 
123. s. auch oder. 

er-, ert- als Vorsilbe bei Verbis be- 
zeichnet ausser dem Hervorgehen, wie in 
der Schriftsprache, das Vollbringen, Voll- 
enden, züclches dann meist gelettgnet wird. 



I ha'' das Fleisch nit alles eresse" könne" 
es war zu viel. I ka"*" dir nit ersa?' ■^, wie 
schön ^ass das gsi" is' Du. Erhampfle" mit 
der Hand Jtmfassen Hi. Die Form ert- 
steht bes. vor 1, s : [artloifa entlaufen M. ; 
artläss auslesen Hi. ; grtslöta pelzig sein 
Hi. ; grtslä ermüdet M.] er für hochd. en- 
zV« [artswei entzwei M. ; artsita M. mhd. 
enzit], für her- [orfi6r hervor M.] für 
ver : die erarmte, betrübte Statt Mülhausen' 
1587. MiEG 2, 211. 

-erie [ari Hf] bildet Adjective von Ver- 
bis, um die Ljist oder Neigung zti der 
darin bezeichnetest Thätigkcit impersonell 
auszudrücken: s is' m'r tanzeris ich habe 
Lust zu tanzen ; s is' m'r nit esseris, s is' 
mir kotzeri^. 

erecht, s. recht. 

(Eren n?ir in der Zss.) : 

Husere" [Hysera U. W. ; Hausera IVdr-^ 
rö'd. ; Hoeysera Bühl'\ f. (m. Obbr., n. 
Ndhsn. Stf. Z.) Hausgang, Hausfltir 
(Fhir fehlt) : s H. feje'* den Hausgang 
kehren. 'Haußöhr le porche' Martin Coli. 
171. 'Ich kann jo 's Huusehre gar nit 
finde' Hirtz Ged. 181. Synon. s Hus, d^r 
Gang K. Z. — Schweiz, i, 462. Vgl. 
Schwab. 169 Eren, Öhren. Bayer, i, 129. 
Hess. 94 Ern. lat. area, frz. aire. 

ere" [era Avolsh. K. Z.] pflügen. E 
Stück e. 'Item 1 9 ß ^ ist wegen der Markh, 
da man die Anwandfurch gehrt hat, ver- 
zehrt worden' Gemeinde-Heimbutger-Rech- 
nung 161 2 Gimbr. Meist in Zss. an e., 
erum e., us e. Uf ere" im Frühjahr die 
anzupflanzenden KartofFeläcker aufpflügen. 
Under e. den Dünger durch das Pflügen 
zugleich unter den Boden bringen. Unter- 
schied zwischen ere'' 7ind z Acker fa^'re" : 
die 'geerten' Feldstücke bleiben den Winter 
über liegen, während die 'gefahrenen' Fel- 
der noch geeggt und wohl auch angesät 
werden, 'eren' Chron. 'im schwarzwald 
wecket einer zehen ochszen in ein pflüg, 
das seind fünff par, die müssend zu acker 
faren, u. das feld ören' Geiler P. III. 44. 
'Wer mit derselben eren will Der machet 
krumber furchen vil' Brant Narr. 32, 23. 
'Man ert den wegyetz zu der furch' 102, 40. 
'eren oder zackeren arare' Dasyp, — 
Schweiz, i, 404. Schwab. 170. Bayer. 
I, 128. Hess. 16. 

e^weg ere" beim Pflügen von des 
Nachbars Acker eine Furche zu seinem 



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— 62 



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eigenen herüberpflügen Ingenh. s. ab- 
wandere". 

Überären den Grenzstein, Markstein 
verrücken Geiler J. Seh. 57''. — Schwab. 
1 70 {Ulm IT 21). 

'arvum ein vmbgeehrter Acker zur 
Saat' GoL. 46. 

i^T \beiont €r Du. K. Ingenh. Furchhsn. ; 
iäv Hf. }€x Völlerdi.; unbetont ^x.^ r] NPl. 
des Pron. der 2. Person: ihr ; Höflichkeits- 
form anstatt Sie. s. auch dir. — Schweiz. 
I, 406. 

i^re", i^Tze" [ira ///. ; ir tsa Banzenh . ; 
{^rtsa Z.] mit ihr anreden, 'sie wollen die 
andern Edlen nit iren und dören dürfen 
sie auch nit dutzen' Geiler Narr. 137''. 
— Schweiz, i, 408. Schwab. 301. 

i'^re" [ero, /. dri; unbetont ero, f. eri 
Dil. Str. Ndrbetschd. ; ero, f. er K. Z.] 
Pron. poss. der J. Pers. Sg. f. oder PI. 
^aller Geschlechter : ihr. Ira Vater un'' iri 
Mueter sin verreist. Is' das in dinera Froi 
ire"^ Vater oder dine""? s is' ire ire [(^ra 
era] es ist der ihrige Du. — Schweiz. 
I, 408. 

Ire** [era, ira Bf.; i^ra; erana K. 
Gimbr. Dunzenh.; i^rans Z^-] D. Sg. f. 
und GPL des Pron. der j. Pers. : ihrer. 
I. vier vier an der Zahl; [ira tsena sin 
farsofa Steinb. Se sen i^rana Mr kawän 
Hf^ 'Es waren iren drei' Pauli 356. 
Fisch. Ehez. 174, ^ti- '^"^ j^^n' {auf ihr) 
Fisca.Phez. 160, 5. ' jren näml. dem Weib 
ebd. 167, 12. 'daß jren {ihr) nichts man- 
gelte' Fisch. Bin. 17^. 

irr' [er allg.~\ irre {nicht im Sinn von 
verrückt). I"^*" bin jetz ganz i. ganz ver- 
wirrt; auf einem falschen Wege. [Er sae 
sich irren M. 1/ kloi, 1/ pe er tyo im 
unrichtigen Hause M.^ Einen irr mache" 
stören, aus dem Zusammenhang bringen. I. 
ge*'n Z. ; i. laufe" den Weg verlieren Su. 'bisz 
jm etwann einer begegnet, der sagt jm, 
das er jrre gehe' Geiler Narr. 75. — 
Schweiz, i, 480. Bayer, i, 131. 

Irr* [Er /^.] f. nur in: us der Irr 
{aus der Fieberhitze) rede" Hf. 

irre" [ira Geber schw. ; era M. Z.] stören. 
S irrt ne alles; d Muck an der Wand irrt 
ne er ärgert sich, tobt über jede Kleinig- 
keit. 'Der arm man het ein bäum der irt 
{störte) den riehen man' Pauli 343. 'wer 
. . . die Büchsenschützen irret' Rchw. 1568 
JB. II 164. — Schweiz, i, 408. Bayer. 
I, 131- 



Irrung [Erüi| Hf7\ f. Irrung, Inium: 
s is' en I. gsche^'^n, bes. von Rechen- 
fehlern {selten gebraticht). — Schweiz. 
I, 410. 

verirre". Er is' verirrt gsi" im Wald. 
\Fj/ sen tes farkör|^a neulich faraert em 
Krtfnawält] ifn Grünwald Wh. Spw. We"" 
me" d Lüt kennt un'^ de" Wej ( Weg) weiss, 
verirrt me" nit ein Erfahrener ist nicht 
so leicht zu betrügen Bf. — Schweiz. 
I, 409. 

verirrlig leicht zu verfehlen. E ver- 
irrliger Weg Geberschw. — Schweiz. 

^' 410- ^ 

O^r \OxLiebsd. bis Co. Str. Bf. ; Ur Du. 
K. Ingenh.; Yor M.; \]^x Sttlzern ; Or Su. 
bisHf. ; Öar Wh. ; PI. — a] n. Ohr. An eim 
O. hört er nit un'^ am andere" is' er taub 
{scherzh.) Bf. 'wir hören an dem Or nit' 
wollen davon nichts wissen Fisch. Bin. 46. 
Sich uf en O. lege" schlafen gehn Ob- 
hergh. P^ hau d'r e'n O. ab scherzhafte 
Drohung gegen ein Kind. Er rennt, mer 
meint, er will im Teufel en O. abrenne" 
Du. ['^em T. en O. oläsa rasch lesen 
Bisch\ Der redt, schwätzt im T. en O. a'', 
e"weg schwätzt viel und zudringlich Z. Er 
verspricht im Hund en O. eweg Str. Im 
O. hon betrunken sein Wh. S ge^t d'r bi 
eim O. inne" un'^ bim andere" use" dti be- 
achtest nichts, was man dir sagt. PI. fini 
Ohren gutes Gehör Geisp. d Ore" hüle" 
(sengle", lüte") m'r, s redt iemes vo" m'r 
Szi., und zwar Gutes, wenn es im rechten, 
Schlechtes, wenn es im linken Ohr klingt 
Z. Ingw. Eim eppis z O'^re" trage" hinter- 
bringen Ili. Eim d O^'re" voll mache" 
auf stiften, reizen Dil. Eim in den O. leie" 
beständig bitten oder an ein Versprechen er- 
initern. Eim d O'^re" lire" an den Ohren 
ziehn Sü., d O^'re" riwle" die Ohren rei- 
ben Rauw., d O'^re" hüwle" [hiwla] K. Z. 
Er spitzt d O'^re" hört gut, passt scharf 
auf. Er wurd d O. spitze" überrascht, 
entrüstet sein Dil. Wart, i^** loss d'r d 
C're" ste^'n scherzhafte Drohung gegen ein 
Kind Du. Wart, i'^'' setz d'r d^r Kopf 
zwische" d Ohre" dass. Liebsd. U. D 
O^'re" hen Wisit ghet, d^r halb Kopf is' 
ab sagt man zu oder von einem unmässig 
Lachenden. 'Die Ohren frewen sich, sein 
Maul gehet zu ihnen zu Stuben il est bien 
embouche Martin Coli. 155. Hinter d 
O^'rc" schriwe" sich merken, an etwas 
denken Du. Sir. Er het s (dick, fustdick) 



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hinter de" O. ist schlau Su. Str. [zuweilen 
mich ironisch^. Der het noch Knüppe" 
hinter de° O. ist hinterlistig Su. Er is' 
no'^'' nit trucke" hinter de° 0''re° ist noch 
zu jung und unerfahren Dil. Hf. Eim 
Flöh in d O^re" setze" /. tmwahre Dinge 
glauben machen ; 2. schmeicheln , eitel 
machen Str. 'Die oren lassen melken sich 
schmeicheln lassen Murner Seh. 40. 'Wer 
mir freüntlieh milckt ein or Und sagt mir 
dass ich hab schön hör Auch sagt mir als 
das ich gern hör Der kan der orenmelcker 
1er' ebd. 40. 'Wahrheit sagen bringt vil hasz 
Oren melcken kumpt ja basz' ebd. 41. Us- 
stiidiert bis üwer d O^'re" unterhaltend, 
witzig. Er steckt in de" Schulde" bis üwer 
d O. ist tief verschtddet Da. Z. Die Frage : 
wo is' er? wird scherzhaft abgefertigt: 
er steckt in der Hut bis üwer d O^^re" ; 
wenn er nit dort is', is' er verlöre" Str. 
Z. 'er aber inn sünde, schandt vnnd laster 
steckt bisz vber die Ohren' Geiler 2. Narr. 
'ob du schon im closter steckest bisz 
über die oren' ders. Häsl. alll". Demin. 
Ö*>rle, Ö^'r^l [Erlo Co.; Erl Str.; Eral 
K. Z. Ndrbetschd.'\ Rda. Jo, heb s am 
O. ! halt es fest (was du nicht halten, 
nicht bekommen kannst: scherzhafte Ab- 
fertigung^ Str. 'Jo heb's am Oerel!' Pfm. 
V 9. Zss. Oi'rfei? Wh.; O^^rläppel Ohr- 
läppchen ; 0^re"schlicher ;;/. Oht'wurm Hf. ; 
0'»re"watschle grosse, breite Ohren. — 
Schweiz, i, 412. Bayer, i, 132. 

Dummo^'r [Tümür Geud^ n. Dumm- 
kopf. E rechts D., e taubs D. 

Eselsohr [Esolsör Steinbr.; Esalör 
Hlkr.^ n. I. "s Esel-Ohr luegt usse' das 
ist thöricht Mü. Mat. 45. 'Darauß man 
spürt die esels ohren' 1592 Als. 1858, 89. 
2. umgebogene Ecken in einem Btiche allg. 

— Schweiz, i, 414. 

Hase"o**re" [Häsaüra Dü.'\ n. PI. ein 
Unkratit, eine flache Statide mit langen 
Blättern in der Form von Hasenohren tmd 
blauvioletten Blüten Kirschl. i , 311 fg. 

— Schweiz, i, 414. 

Lango^'r n. Spzv. Es schilt ein Esel 
den andere" L. Bf. 

Lappo'^r [Läpür Z)«.], PI. Lappo'^re" 
n. herabhängendes Ohr, bei Schweinen, 
Hunden u. a., scherzh. auch bei Menschen: 
Ohrläppchen. Syn. Schlappohr K. Z. — 
Schweiz, i, 415. 

Lappores [Läpörys Ar.] m. Dumm- 
kopf. Du L., du dummer. 



Müsö^'rle [Miserla Zinsw.; Mysdrla 
WörtJi^ n. PI. Habichtskraut, Hieracium 
pilorella, wachsen vorzugsweise in Reben 
Weigand II 53. 

Rosso^re" [Rosür9 Z>?/.] n. PI. Un- 
kratit wie Hase"ore°, aber mit grösseren 
Blättern. 

Säuo'^r [Säiör Attenschw.; Soyör 
Schleit.^ n. breitblättriger Wegerich, 
Plantago major, viel als Vogelfutter ver- 
wendet. — Vgl. Schweiz, i, 416. 

Schleckori ['Sl^köri Rapp\ m. Töl- 
pel. — Vgl. Schweiz, i, 415 Legori 
Hanswurst. 

Taubo'^r [ToeywörZ.; Töewör Weyersh?^ 
m. halbtaubcr Mettsch. 

Ö^'rling [Erleij^ Lutterb?^ m. Uebel- 
höriger: [täypar E.] — Schweiz, i, 418. 

Orejel [Örejl Hf.\ n. Ohr; Einen am 
O. packe" bei den Ohren fassen. — frz. 
oreille. 

Orel [Örl Meiseng. Bisch. ; Url Barr 
Bischof, [auch it.) grösserer Kübel, wo- 
rin gewaschen oder dem Vieh das Ftitter 
gebracht wird. 

d Orelje Kirch, d Rellje Kirch: ^. 
Aurelienkirche in Strassburg. Bergmann 
Volksgespr. i^j. 

ore" [öra Ndrsept.; öra Ingw. Wh.] 
beten [jüdisch), leise sprechen, flüstern. 
— Bayer. 1,134 '^'^ch Weigand 2 , 276: 
aus lat. orare. JB. XII 167. 

U''r [Yr Ensish. bis Zinsw. ; CEyar 
Aschb. Stundw. Bühl; 0w9r Rosteig; 
PI. -9]/". /. Stunde (nicht in M.). Bei derFrage 
nach der Tageszeit und deren Angabe 
wird der PI. gebraucht; mir [sen Yr 
Wh?[ [Wifil Yran es (s)? Hf. S es sen 
Yr9 oder aens Hf. \ S is' halwe.r ein 
Uhre" oder h. eins ; [hälwar fenaf Yra = 
43° Wh?\ S is' e Viertel bitz ein U^re" 
Z. En U'^ren" sechs tmgefähr 6 Uhr Hf. 
Ndrbetschd. Scherzantwort: S is' drei 
Viertel uf kalti Erbse". Um wie viel 
Uhr? um (am oder im) w. U. oder weP*" 
Zit? Antwort: am Einse" oder am ein 
U'^re", ame Viertel uf Einse", am halwer 
zweie" Hf. Am d halwer fünfe", um d 
halwer fünf U^'re" ungefähr um halb fünf. 
[äman Yrg s^ks tmgefähr um 6 Uhr.\ 
Ziter am (im) achte" oder acht U^'re" 
seit 8 Uhr. Bitz am (oder imj nüne" 
oder nun U^re". Ze^n Minute" üwer 
sechse" nach 6 Hf. 'zu drei uren' (um 
drei Uhr) Fisch. Bin. 79^. 'Nachts 



uR — aRB 



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eRBS 



vmb zwölff vhren' Mosch. I 162. 'nach 
neun uhren den gasten kein wein mehr 
uflftragen' Wattw. 16. Jh. JB. III 76. 
In den Pfarractcn von Dnnzenh. von 
i6ßO — 172^ findet sich durchweg 'um 
. . . Uhren'. 2. Uhr. Scherzh. Mi" U^'r 
ge**! 5 Mark ze spot ich habe sie für 5 
Mark versetzt Str. Die Aufforderung 
zeij ! wird abgewiesen : s is' ken Zeijer 
dran, suns' war s en U'^r Str. Zss. 
U*'re"kett, -macher, -Schlüssel. Dernin. 
Ürle [Irals Co.; Irl Hj. — Schweiz, i, 
419. Bayer, i, 132. 

Sacku^'r [Säkyr Hirzfn. Str. C/.] f. 
Taschenuhr. — Schweiz, i, 419. 

T o t e " u '' r [Tötonyr Bf^ f. 7ind häufiger 
das Denan. Totenürle [1 otai'rla Obbrjick 
Hi.; Tütai'rlg Dü}^ n. Klopfkäfer, Ano- 
bium pertinax, der Holzwurm, dessen 
Picken im Holz nach weitverbreitetem 
Glauben das baldige Sterben eines Fa- 
miliengliedes bedetitet:, bei Berührung 
stellt er sich tot. — Schweiz, i, 420. 

urig [ürik Liebsd. bis Hi. Strüth.^ 
lauter, rein: Gold; urige"" Schnaps, Waise" 
Weizen. Mir trinke" numme n urige" 
nur reinen , tmvermischten Wein Olli. ; 
u. neue" {Weift) Hi. Es is- u. VVismel 
Roppenzw. — Schweiz, urchig. 

Arbedetel [Ärpatetl Mutzig; PI. -o] 
m. Pomeranzenapf cl == Ertberdötling ? .y. 
Impffter. 

Arbeit, Ärbet [Ärpat Hi. ; Ärwaeit, 
Arwot Hf ; meist Arwat Ensish. Su. ; 
Arwat Du. K. ; Ärwait und ^rwot Str. ; 
Erwat Zinsw. ; Erwat W. ; PI. -a] /. Ar- 
beit, Beschäftigimg ; Gegenstand und Er- 
gebnis ; kom zue-n-es mit der A. ! Er 
liefert schöni Arweite" Su. S is' en A. 
ein schweres Stück Arbeit Hi. Do han 
i^'r A. ! Sil. In d A. neme" zum besten 
haben, bekritteln. In der A. han in der 
Mache haben Hf. Ich hab dort ke'n A. 
ich habe dort nichts zu schaffen {umge- 
kehrt heisst das nhd. arbeiten in der 
Mundart schaffe".) Er hct A. mit dem 
Wasser der Urin macht ihm zu schaffen. 
Et hct noch e VVil A. der Kranke braucht 
noch geraume Zeit zur Erholung Z.. 'erbeit, 
arbeit' Chron. — Schweiz. 1,422. Schwab. 
25. Bayer, i, 136. 

Fudelarbeit [Fütlärwat Geber schiv. 
Rapp^ f. I. oberflächliche, schlechte Ar- 
beit; 2. geringe, nicht schwierige körper- 
liche Arbeit. 



Heide"arbeity". schwere ArbeitDessenh. 

— Schweiz, i, 423. 
Hundsarbeit f. schwei'e, langweilige 

Arbeit Su. Hf. 

Keibenarbeit f. langweilige , er- 
müdende Arbeit Sii. Basel 16. 

Krage"arbeit [Kräüaarwot Ndhsn.~\ f. 
Streit, Händel. 

arbeitli*^** [ärwacitli Hf.] an Arbeit 
reich: s is' jetz en aerweitlichi Zit es 
gibt in dieser Jahreszeit viel zu ihun. 

erbe" [erwa allg.; aewa Wh.] erben. 
Rda. Wenn alli Hirte" sterwe", se-n-erw 
jch keinen gteckc" Bf. Einen e. beerben 
'Ein Burger von Strassburg erbt {beerbt) 
nit synen Bruder der in Frankrich stirbt' 
Geiler die alt. Schriften 8 ; durch Ver- 
erbung oder Ansteckung eine Krankheit 
bekommen : dis {das Mädchen) het d 
Schwindsucht von der Mueter gerbt. Ich 
hab de" No^schnuppe" von d'r gerbt 
Ingenh.; abs.figürl. Schläge bekommen Str. 
'Contagio Kranckheit die erbt' Gol. 264. 

— Schweiz i, 428. 

erblis [erplik Liebsd. bis Du.; ^rpli 
K. Z. ; ^rwli M. ; erwarlik Riif. Katzent.] 
ansteckend {von Krankheiten) : Herr Dok- 
tor, is' s erbli"''? S Schlimfiewer {Typhus) 
is' e erberligi Krankhet Su. — Schweiz. 
I, 428. 

Erbschaft [Erpsäft Ruf. Bf] f. Erb- 
schaft. — Schweiz, i, 428. 

Er^ber, s. Ber. 

Urbe [Ürwa Riif. Co.; Orwa Ingersh.] 
männl. Vorname Urban, bezeichnet auch 
einen Grobian, Halbnarrcn, Dreckspatz 
Su. bis Ingersh. JB. XII, 93. An den 
Heiligentag (25. Mai) knüpft sich die 
Wi7tzerprophezeiung San et Urban o^ne 
Rege", Gi''t s grosse" Wi"sege'*. Bei 
Basel: Het Sankt Urwe Sunne"schin, 
Git s im Herbst e guete" Win Ruf- 
Vgl. Fisch. Garg. g. Noch bis 1886 
etwa gingen in Katzenthal die Messdiener 
um und sangen. Über S. Urbans Plag, 
Feuer Podagra vgl. Siöber MA. VI, 5. 

— Schweiz, i, 431. 

burig [ürwig Hlkr.] dumm. 

Erbs [Arps Sier. Ensish.; Arps Ruf. 
bis Hf. ; Mr^s Str. ; PI. -a] /. Erbse. 
Kinderreim: Erbse", Bo^'ne'*, Linse" Esse" 
(das han Du) nit alli Prinze" Rchw. Rda. 
Eim sage" was drei Erbse" für e Brüej 
ge'^'n einem tüchtig die Meinung sagen, 
ausschelten Str. U. Einem Pockcnnar- 



eRB — eRD 



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oRD 



bigen sagt man : Der Teufel het Erbse"^ 
uf dim Gsicht gedrosche" Str. 'Man 
hat Erbsen auff ihrem Gesicht gedroschen' 
Martin Coli. 156. 'Zu Speck und Er- 
weissen' 1257 Strassburger Hausname 
CS. 'erwcisz' Chron. 'ein gekröpflecht 
musz mit gersten und erweiszen under 
einander' Geiler J. Seh. 26'^; daneben 
bei Geiler 'Erbiss, Erbs' CS. 'erbbeissen' 
BrijCker 304. Erbiss noeh i68g. ijög 
Umgelds- und Zollordmmgen CS. 'Pisum 
Erweyssen' Gol. 425. Dentin. Erbsle; 
grüeni E. — Schweiz, i, 428. Schwab. 
167. Bayer, i, 135. Hess. 95. 

Zss. Erbse"laub, s. L. 

Erbse"strau das troekene KraiU der 
Erbsen DU. 

Erbse"triller Oekonom {scherzh.) Str. 
Ulrich. 

Erbse "Zähler Geizhals, genauer Mensch 
Str. 

Kr ach el erbs tn: Du alti K. ! Schelt- 
zvort für eine weibliche Person Str. 

Zuckererb s y".; Denan. Zuckererbsie 
[Tsükrarps M. K. Z.;Tsükrarpsla S21.; Tsükor- 
ärpsla Hi. Logelnh. Scherw?^ n. Zucker- 
bohne, gewöhnlich bei Kindtattfen von 
den Paten ausgeworfen, die Kinder utn- 
ringen diese mit den Worten : Pfetter, 
Pfetter, Bo^'ne»! Sit. — Schweiz, i, 431. 

erbsle'' Erbsen werfen. Die in der 
Spinnstube versammelten Mädchen ziehn 
tim g Uhr ins Dorf und werfen Erbsen 
an die Fenster eines anderen Hauses, wo 
auch eine Spinnstube versammelt ist Lobs. 
— Schweiz, i, 431. 

Erbsele, ^. Erbseieholz. 

7(Erde) unvolkstümlich : dafür Grund, 
ßode°. Zss. Pfiffenerd 2; vgl. auch: 
Erdn uss, Erdrauch. Für Arzneien gilt noch : 
'Bittererd , Magnesium carbonicum , Füli 
Erde' Pharm, i. 

erde" [ärta Du. Rapp. M. wo zwischen 
ärtgni Pfif und ertanar Häfa unterschieden 
wird'\ irden, aus Thon : erde" Gschirr, 
e erdene'' Teller, e erdeni Schüssel, nur 
von Töpferwaren. S. auch irdere". — 
Schweiz, i, 437. 

erdig [ärtik Hi. Heidw. bis Heidolsh^ 
irden. E erdige'' Hafe", Krueg. Wie 
viel erdigi (braune Spielkugeln) hes'? 
Obhergh. 

irde", irdere" [erta Katzent. ; ertara 
K. Z.] irden, von Thonerde. En irderer 

Wb. d. eis. Mundarten. 



Hafe", en irderi Platt. 'Irderes Geschirr' 
CS. K. Z. Gebildet nach silbere", isere".^ 

Orde" [Örta Str^^ m. Orden. Im siwe"de" 
O. blödsinnig, an fixen Ideen leidend. — 
Ist 'im siebenden Himmel zu vergleichen} 
Schweiz, i, 438. 

ordinäri? [örtanärik Heidolsh. ; sonst 
örtanäri Liebsd. Urbis bis Hf.\ i. Adj. 
gewöhnlich. ' E ordinärigi Sach ; e guets, 
ordinärigs Esse" ; meist prädikativ : d'^r 
Appetit is' o. Hf. Gemein : die Frau is' 
e ganz ordinärigi Person Str. 'die Holle 
selbst welche doch der ordinari sitz vnd 
Wohnung aller vnordnung . . . ist' Mosch. 
I 525. 2. substantiviert: s Ordinari das 
Gewöhnliche, besonders die gewöhnliche 
Kost: allen Owe"*^ fünf Schöpple Bier 
is' min O. mein gewöhnliches Mass. Im 
Sommer is' Surmilch un"^ Grumbere" zuem 
Nachtesse" min O. meine gewöhnliche 
Kost Hf. S Ordinari das aus 6 — lO 
Gerichten bestehende Mittagessen der 
Batiern, wenn sie an Markttagen in die 
Stadt fahren oder ihren Tabak abliefern 
Hi. Dil. j. Adv. gewöhnlich. Erkummt 
o. um die Zit Geberschw. Vgl. lat. 
Ordinarius, Adv. -e. — Schweiz, i, 442. 
Bayer, i, 140. 

ordiniere" [örtani^ra Hf?\ i. befehlen, 
einschärfen. 2. ärztlich verordnen. Noch 
häiifiger: 

an ordiniere" Hf. — Schweiz. 1,442. 
Hess. 291. 

Ordenanz [Örtanänts Rapp.] f. Vor- 
schrift. S is' eso O. ~ Schweiz, i, 

443- 

Order [Ortr Logelnh. U.] f. Befehl 
{fehlt). Eim O. ge'^^n befehlen; eim O. 
schicke" jemand kommen lassen; eim en 
O. usrichte" einen Befehl überbringen. 
Bitz uf witerschi O. K. Gimbr. — frz. 
ordre. 

Ordnung [Örtnür| Su. M. U.; Örnik Olti. 
Fisl. Liebsd. Hi. Roppenzw. Heidw ^ f. 
Ordnung, oft ironisch: e schöni O. Lisi. 
Is' alles in O. ? Bis' i" dr O. sei ordent- 
lich ! Mach s i" d^r O. mach es gut. Das 
is' ke'" O. das ist unztdässig Sti. — 
Schweiz, i, 441. 

ordlis, orderlich [örtla Olti.; ortlik 
Liebsd. bis Bebelnh. : örtlik Fisl. Urbis 
Sti. Du. Mittl. ; örtli K. Z. Ilan. ; örtarli;^ 
Ndrbetschd. ; arntli Wingen b. W7\ Adj. 
ordentlich, brav, bescheiden, artig {Ver- 
schmelzung mit artlig), ziemlich, gut, statt- 

5 



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lieh : e ordli^er Bue'', e ordli^s Wiw^l. E 
prdli-er Win ziemlich guter Wein; e o. 
{ziemlieh grosser) Hufe" Schnee ; o. Wetter 
gjites Wetter Ndrbetschd. Wingen. Adv. : 
ordentlich. Das hes' jetz o. gmacht ; 
ziemlich : s ge'^t o. guet ; e o. grosser 
Mann Liebsd. Ziemlich viel: dis Jo'^r 
gi^'t s o. Win Hf. Si han o. mit brocht 
DU. Mir han schon o. gschafft ziemlich 
viel, tüchtig gearbeitet Z. Eine" o. 
zuerichte" misshandeln Hi. Synon. brav. 
— Schweiz, i, 438. 

Ar™fel [Ärfl Olli. Liebsd. Hi. Strüth 
Co.; Ärfl Dollern Ruf.; Öarmafol WJi.; 
Ärmföl Du. ; Örmföl K.] f. {m. Olti. 
Strüth K.) so viel als man auf einmal in 
die Arme nehmen und wegtragen kann: 
e A. Holz, Stroi», Fueter. E A. Brustthee 
scherzh. ein weibliches Wesen [für einen 
Mann), ein Bursche, Mann {für ein Mäd- 
chen). Arflewis eine Armladung nach 
der andern Hi. : er hets a. fürt treit. — 
Schweiz, i, 443. Schwab. 26. 

Demin. Ar feie [Arfolo Liebsd. Hi.^ 
Daneben : Ärmle voll [Arm(a)la föl Dü!\ 
jch jj^b gseit, e Ärmle voll ; jetz' brings' 
e Armvoll! Du. 

erf, eref [erof Z.] Bürgschaft. \¥.y pen 
tar t. tarfer, oder kurz e. Z.] ich stehe 
dir gut dafür. Weiss JB. XII 131, 142 
nach hebr. 'arebh Bürgschaft leisten, 
'orebh Bürge. 

arg [ärik M.; ärik Su. Du.; kny Str. 
Ndrbetschd. Rauw. ; äri, äri Hf. ; öri K. 
Ingenh. Furchhsn. Getid. ; öri Schwind- 
ratzh. Prinzh.; ^i\y Dehli7\ Adj. geizig, 
genau Z. ; schlau, listig, gescheit Dehli. ; 
geistig geweckt M. ; toll, drollig, stark : 
s is' doch ziie a.! Su.; arg, böse; er 
macht s zen a. Ndrröd. ; schlimm : en arger 
Brand, en argi Wund Hf. Ich hab en 
ari^s Krütz viel Kummer. S is' eps args 
{ein Elend) mit dem Bue^, er will gar 
nit folge» Du. S is' m'r eps ari^s es ist 
mir peinlich, es thut mir sehr leid, ärgert 
mich sehr Hf. Auf ein Lob abwehrend: 
s is' a. es ist {nicht so) schlimm. Hes' 
viel verdient? Jo, s is' a. ! nicht viel. 
S g\\ guet warm do hinne". Jo, s is' a. ! 
es ist kalt. Comp, ärger: us üw*l ärjer 
mache" eine an sich schlimme Sache noch 
verschlimmern Ingenh. Super l. [^rikst M. ; 
erkst Str.] Adv. i. schlimm: arg t'^uen 
sich wie verzweifelt gebärden; a. dri" 
schla«"»; a. hüle". Er is' ärjer uf e 



Pfennig {er sucht begieriger einen Pf. 
zu gewinnen) a's der Teufel uf e armi 
Seel allg. 2. sehr : fast nur in U. 7md 
W.) arg we**, a. dreckii^, a. gere" Geud. 
selbst a. schön Buchsw. ; a . gsalze" 
Ingersji. Anstatt des Adv. steht auch das 
Adj. en ari^s gross Unglück Hf. Ver- 
stärkt: üw^l arg : ich hab m'r ü. a. gemacht 
Hf — Schweiz, i, 445. Schwab. 26. 
Bayer, i, 141. Eifel. 

verarge" [farär;^o Wh.'] verderben. 
[E;^ hon älfüat ksat tsü ta Khena: *ar 
meso neks hen mä^-o, ar meso neks foröo^/o']. 

— Schweiz, i, 446. 

Ärger [Erjar Rapp.] m. Ärger. 
ärgere" [^rj ara Rapp.] refl. sich ärgern . 

— Schweiz, i, 416. Schwab. 170. 
{schlechter machen ?) 

ierge"ds, ierigs [ieriks Molsh. K. ; 
eriks Prinzh. Brum. ; erjats Hf. Str. Wh. ; 
erjants Str.] Adv. irgendwo. Wo bis' 
gsinn, gewe^'^n? Ierigs {kurze Abfertigting) 
Brtmi. Schonst i. ane, schonst i. here 
sonst wohin, woher Hf. 'Do hinte erix 
isch e Dorf' Stosk. 61. 

nirge"ds, nierigs nirgends {wie bei 
ierge"ds, ierigs). 'niergen hin' Geiler 
Narr. 26; 'niern' 6". M. 56. 'Dis haw i 
nierix g'sehn' Stosk. 31. 

Orgele [Orkala Liebsd. Hi.; Aurkla 
Wiitenh.; Örkl Su. ; Ürila M.; Öryl Str.; 
bnx\ K. Z. Ndrbetschd. ; Q^x^ Wh.] f. 
Orgel: d O. spile", schlaf'" Su. Demin. 
Orgele [Erkala Liebsd. ; Örkala ///. ; 
Erkala Attenschzv. Co. ; Erkali Hi. ; Ärkili 
Sundhsn. ; Erjala Katzent. ; Erjarla Str. ; 
Erijl^ala K. Z.] n. Drehorgel, Harmonitim, 
Mundharmonika. — Schweiz, i, 447. 

Handorgel [Häntörkl Roppenh.] f. 
Harmonika. — Schweiz, i, 448. 

Mulorgel [M^löa/al Wh^ f. Maul- 
trommel. — Schweiz- r, 448. 

orgele" [orkala Hi. ; orkla Su. Ruf. 
Westhalten Obhergh. ; öri;^la K. Z.] i. 
Orgel spielen. 2. Schläge bekonmien. j. 
[rüm ö9/Iq überreden Wh.] — Schweiz. 
I, 448. 

Orgalist [Orkalist Pfetterhsn. Su. ; 
Orkaligt^ Hi. ; Ör/alist Z.] m. Organist. 
Syn. [Urilaaläkr i\L] — Schweiz, i, 448. 

Örkele [Erkla Wittenh. Su. Ruf. Du. 
Mittl. M. ; Erikla Horbg. ; Erikl Co. Jebsh. 
Markolsh.] n. kleiner, hölzerner Wasser- 
zuber mit zwei Handgriffen. 'I will do 



ÖRK — aRM 



— 67 - 



aRM 



drus e-n-Erkle gschwind ryhole' Pfm. 
IV 5. — Schweiz, i, 447. lat. urceolus. 
Schwab. 170. 

Söüörkele n. Saukübel Ingersh. 

VVasserörkele n. Wasset-kübel Mittl. 
Ingersh. 

VVäschtenörkele n. Wäschekübel, wo- 
rin die Wascht anfbewahrt wird Su. 

Erle [Erl M.; firls Z.] /. Erle. 
'Dcssgleich viel junger Ehrlin zweig' Fisch. 
Flöhh. 521. 'Alnus ehrlen bäum GoL. 389. 
— Schweiz, i, 451. Bayer, i, 143. 

erl ig [erlik Olti\ von Erlenholz. — 
Schweiz, i, 451. 

Erline [Erli Urbis ; Erliri Bollern ; ßrlei| 
Co. Wh.^ m. [n. Dollern) Gründling ; 
Edelritze, Ellritze; von den Kindern mit 
der Angel gefangen. Spitzname der Be- 
zvohner von Isenh. 'hürlingil' Murner 
Mühle 672. 

ürle" [yrla EnsishI] rollen, fallen. 

arm [arm Co. Du. Str. Hf. Ndrbetschd. 
Lohr;öxm Geisp.; arm M. K. Z.] arm. A. wie 
e Kirche^mus, Kirche"ratt, wie Lazarus 
B/. So arm, dass er nimm hört lüte° 
läuten Str. U. E armer Teufel, Tropf 
Gejtd. Jetz [oder no"** darnach) het d 
arm Seel Ruej jetzt, dann ist es aus, 
fertig Hf. Jetz gi'^t s ken armi Lüt me'^M 
(wenn jemand unverhoffter Weise gewinnt 
oder am Zahltag mit ironischer Ueber- 
treibung Hf.) Nur gmach mit de" arme" 
Lüt, si za'^le aü'^^, wenn si Geld han 
nur nicht so schnell l Dil. Zss. armselig 
Dil. — Schweiz, i, 454. Schwab. 27. 

Armuet [Armyat Hi.; Armyt Str?^f. 
Armut. Er hört nimm lüte" vor A. ist 
ganz verarmt Bf. Mü. Mat. 51. Herr- 
gott in deinem Reich, wie ist die A. dem 
Bettle" gleich! Str. — Schweiz, i, 457. 
Schwab. 27. 

Armetei [Ormatei Ä. Ingenh.^ f. 
Arnmt: Dis is' en A. in dem Hus! 'das 
ist nichts dan Armadei im Bauren Läger' 
Fisch. Bin. 39. — Schweiz, t, 457. 
Schwab. 27. Bayer, i, 144. Hess. 16. 

armüetig [ärmietik 71/.] armselig, elend. 
e armüeti^e Hushaltung, e a. Lewe". — 
Schweiz, i, 457. 

j-ärmtlis [armtli Molsh.'\ widrig. Dis 
schmeckt a. riecht widrig. — Schweiz. 

I, 458. 

Arm(e") [Arm Banzenh. Co. Dil. Bf. 
Str. Hf. Ndrbetschd. Lohr ; Orm Prinzh.; 
Arm Hf. ; Orm Breitenb. K. Z. ; Ärma 



Büst Dehli.; PI. Arm, Arm] m. i. Arm. 
Ich riter (zittere) \xx\^ lottel an A. un'^ 
Bän {Bein) Hf. Eim unter d Arm grife" 
unterstützen. E langen A. han viel Ein- 
fltiss habest Hf. Leck mi*^^ am Arm ! 
Min A. is' ken Schild sagt man einem, 
der einen mit ausgestrecktem Arm ange- 
botenen Gegenstand nicht abnehmen will 
Hf. Der ke*>rt i", wo unser Herrgott den 
A. rus streckt in jedem Wirtshaus Bf. 
Nimm s Kind uf den Arme" ! Dehli. Ich 
han e ganzen Arme" voll Ochere" Ähren 
ufghebt Büst. 2. Hopfenzweig, der von 
der Hauptranke aus wächst Geud. Demin. 
Ärmle O., Ärm^l U. n. Armchen. Zss. 
armsdick mit der scherzhaften Fortführung: 
\\x\^ noch ärmer ! Ruf. Armvol, s. Arfel. 

— Schweiz, i, 452. 
ßecke"ärmel [P^kan^rmala Ingw?^ n. 

Demin. kleine, volle, runde Armchen der 
Kinder (bras potelds). 

Ärmel [Ermol Roppenzw. Hi. ; Erml 
Co. Dil. M. U. W.; PI. ebenso, -a W.] m. 
I. Ärmel, bildl. : Er, si het Ä. ist gross, 
stark, tüchtig. Hut haw i*''' e Par Rottele" 
gfange", aber die hän Ä. ! Dis Ding het 
Ä. Str. Das is* ein us ''em Ärmel das 
ist eine handgreifliche Lüge ! 0. In aim 
dr Ä. verrisse" einen nötigen zitm Essen 

0. ä. Du. Du kanns' m'r in Ä. lange" 
grobe Abweisung Roppenzw. 2. Demin. 
Ärmele n. PI. Vorärmel aus Wolle, Stau- 
chen; Pulswärmer : schöni Ärmele Ingenh. 

Gottesärmel m. Aushängschild eines 
Wirtshauses Str. 

Hemdärmel [Hamp^rml il/. Co.; Hamt- 
^rml K. Z.; Haemt- Str. — Schweiz. 

1, 458. 

[■Packetärmel m. eine Art Ärmel an 
Frauenkleidern, am Handgelenk ganz weit 
(jetzt ausser Mode) Dil. — frz. baquet 
Kübel, Ztiber. 

Puffärmel m. bauschiger Ärmel Du. 

— Schweiz, i, 459. 
Schuelerärmel m. nur im Plur. 

Vorärmel der Schiller Katzent. 

Stossärmel m. Vorärmel für Schüler, 
Fratien ti. a. zum Schutz der Ärmel, 
Pulswärmer Hi. Steinb. Sti. Ruf. Logelnh. 
Du. Demin. ['Sti^slo M?\ Syn. Stüchele 
['Stijlo] K. Z. — Schweiz, i, 460. 

Streifärmel m. PtUswärmer. — vgl. 
Schweiz, i, 460. 

Armenie, Härmenie [Ormanl Olli. 



cRN 



— 68 



aRN 



aRSCH 



Attenschw. ; Härmöni M. ; Harmani X. Z. 
Ndrbetschd^ f. Ziehharmonika. 

Ern(e) [Arn Liebsd. bis Molsh. ; Arn 
M. ; Ärna ///. Schwindratzh. Brum. ; 
Arno^.'K. Z. Ingenh. Geud. Furchhsn. ; 
^'ra Lorenzen Wh^ f. I. Ernte des Ge- 
treides, bes. des Weizens (die Heuernte 
heisst Haümachet , die Kartoffelernte 
Grumber"e"usmachet, die Hopfenernte Hop- 
fC'zopfet B7'um. Ndrbetschd.) Von d'r 
Er"e bis zum Rupper von der Ernte bis 
zutn Atisrupfen des Hanfs Durstel. 'erne' 
Chron. 'die erne (: gerne)' Dancr. 202. 
'Nit wellest in eins andern ern Mit dyner 
sichlen^schnyden kern' Brant Fac. 293 
'in . derj_^ ern seyen {säen)' Murner Bad. 
20, 29. 'Ern' Geiler P. III. 44. ^Zss 
Erneapfel, Ernepfliim, Ernegans, Erne 
tanz, Ernezit. Ueber Ernte gebrätiche s 
Jß. III 140, VI 170, VIII 166, X 230 
2. Ergebnis der Ernte: e schöni E. Hes^ 
d E. scho" dinne" ? Ensish. D JE. heim 
mache" einbringen Hi. In d E. ge'^n für 
die Ernte sich verdingen, wie bes. die 
Lothringer dazu nach dem Elsass kommen, 
als Erneknecht und Ernemaud Hf. 
Kinderlied: O haie, war s Maie, war s 
Heüet, war s Ern ! wie esse" die Schnitter 
die Küechli so gern ! Hi. — Schweiz. 
I, 462. Bayer, i, 145. Hess. 94. 

Na ehern [Nyoarn 71/.] f. Nachernte, 
Gelberüben u. a. Rüben ins Getreide ge- 
sät ttnd nach dessen Ernte in der Herbst- 
zeit eingeheimst. 

erne" [ärna Hi. Ensish. bis Brum.; 
arna M. K. Ingenh^ ernten. — Schweiz. 
I, 464. Bayer, i, 146. 

i" erne" einernten Bf. 

Ernt [Ärnt Ruf. Hattst. Alieckend ^ f. 
Ernte. 

Gerste"ernt Gerstenernte Ruf.; -erne Z. 

Kornernt Roggenernte Ruf. 

Waise"ernt Weizenernte Ruf.; -erne 
Z. — Schweiz, i, 464. Hess. 94. 

Erntet [Arn tot Heidw.'] m. Erntezeit. 
— Schweiz, i, 465. 

Ernst [Arnst Banzenh. Su. M. Hf. ; 
Arnät K. Ingenh.; J^xwki Str.; M-dwlX. 
Wh.'] m. Ernst. S is' i^m E. Hi., s gi4 
i^m E. Su. Er hat E. Banzenh. Wh. 
er gibt sich Mühe, arbeitet ße issig. 
E. anleje" Hf. Is' s Gspass oder E. ? 
Du. Für E. im Ernst Z. — Schweiz. 
I, 465. Bayer, i, 147. 



Arpant [Arphant Hf. Ndrröd. Selz\ 
m. Feldstück von ^2 Ar. — frz. arpent. 

Ursel, Urschel /. weibl. Vorname 
Urstda. 'Er het 's in 's Krembe Maaud, 
im Urschel, uf der Gass, jo gsait' Pfm. 
III 2. 2. dummes, unbeholfenes Mäd- 
chen: du taubs U. Ingenh. JB. XII 97. 
Koseform : Ursi, Urschi, Ursch. 

Kabetursi ['Xäpatürsi Räder sd^ alte 
Frati. 

Kuttelursi [Khütlürsi Logelnh. Rzif.~\ 
dicke, untersetzte Frau; unreinliches 
Mädchen. Du kumms' do her wie e K. 
sagt etwa ein Vater zu seiner Tochter 
Ruf. 

Ursi, Ursele [Ürsi Olti. Roppenzw. 
Nif er; Ürsala Pfetterhstt. Mü. Logelnh.; 
Ursi Ensish. ; Ürsala NBreis. Du. ; 
Yrsi Lutterb^ n. Dentin, kleines Ge- 
schwür am Augenlid, Gerstenkorn. — 
Nach Schweiz, i, 468 vom Eigenn. 
Ursula. Besser Stöber Mäder von frz. 
orgelet, lat. ^ hordeolus. 

Arsch [Ars, PI. Ars allg7\ m. i. Af- 
ter, Gesäss. 2. der tmtere Teil des 
Hopfens, wo sich viele Blätter, aber 
wenig Dolden vorfinden Wörth. j. das 
dicke Ende des Eies: beim Eierpicken 
schlagen die Knaben zuerst Spitz uf Spitz, 
dann A. uf A. Rda. E Gsicht wie mi" 
A. ein hässliches Gesicht. E A. wie e 
Wann ein breites Gesäss Z. Rotb. Am 
A. is' finster Str. Am A., Madam! grobe 
Abweisung einer Behaupttmg. Si*^ henkt 
alles an den A. verwendet alles auf Ptitz. 
Am, im A. (wie s Pumpe" Hund Ingw.) 
verloren, entzwei, fallit oder dem Tode 
nahe Z. Die Stiefel sin** im A. entzwei 
Str. K. Z. S nit im Kopf ha''^", awer 
im A. leidenschaftlich, trotzig sein. Hert 
am A. abgeneigt zu geben oder schenken ; 
das kanns' dir am A. abfingere" das ist 
selbstverständlich Du. Der A. ge'^t eim 
mit Grundis er ist in höchster Angst; 
Er hebt de" A. zuem Fenster nus er hat 
Bankrott gemacht. E ganzen A. voll 
ein grosses Quanttim Str. Halts Mul zuem 
A. sei still (wie ein rtihender Hund) Hf. 
Eim der A. schlecke", in d'^r A. schlupfe", 
d Nas i" den A. stecke", am A. kratze" 
schmeicheln, schmarotzen Obhergh. Bf. 
Eim am A. klebe" immer- bei ihm sein 
Obhergh. Er is' verliebt in s Gretel wie 
en A. in e alt Par Hose" Ingw. P^ lang 
nit emol an d'^r A. derfor schere mich 



aRSCH 



eRST 



69 



eRST — aRT 



nicht drum Hi. Zss. Arschbacke", A.-kerb, 
A.-krott, A. -lecker, A.-loch. — Schweiz. 
T, 466. Schwab. 28. Bayer, i, 148. 

Biossarsch [Plösärs Du. Bisch. Str. 
U. ; Plösörs A".] m. derbe Abfertigimg 
auf die indiskrete Frage Wer ? der B. 
(Blaser oder Blasius) vom Münster Str. 
Andre Antworten : s Schleckfüdele oder dr 
alt Mär un^ der jung Bot un'^ "^em Teufel 
sini Mot Bisch, oder dr Herr Pfarr vo" 
Trütersche" Truchtersheim. 

Brüelarsch [Prilärs Ar.] m. Schreier, 
von Kindern oder schimpfenden Männern. 

Düppärsch [Typaers Ar.] „das gilt 
nicht" in Kinderspielen Str. — aus Tont 
beau ? j-. dubo. 

Flattierärschel n. kleines Kind, das 
seiner Mama schmeichelt Str. CS. 

Fleddrarsch, aus frz. fleur d'Orange 
(Volksetymologie) Str. 

Klapparsch m. Schwätzer oder 
Schwatzbase, welche weiter erzählen, was 
sie nicht sollen Ruprecht sau. 

Krätzärsfhel [Krötsaersl Dehli7\ n. 
HagebiMe. [Ocskraetsorla Wh7\ 

La^marsch [Lämärs Lutterb. Ban- 
zenh. Ensish. Str. ; Lämors Ingenh.'] m. 
träger, unbeholfener langer Mensch. — • 
Schweiz, i, 467. 

la^^marschig [lämärsik Liebsd. ; läm- 
aersi Str.'\ trag, steif. — Schweiz, i, 
467. 

Materiärschel [Mät€riaersl Str.~\ m. 
Johanniskäfer : Syn. Brochkäfer Du. Z. 

Nackärschel [Näkaersl Büst Lohr 
Dehli. Lorenzen Kauw.^ n. i. kleines 
nacktes Kind. 2. Herbstzeitlose, Colchi- 
cum autumnale. 

Pecharsch [Pae;^ärs Str.; Pa;^6rs K. 
Dunzenh. Ingenh.~\ m. Schuster (volkstüml. 
Scherzname). 

pumperärschig seh r beweglich, keine 
Ruhe haltend Co. 

Urschlecht ^ [Ürslä/t Ruf. Logelnh. 
Horbg. Du.; Orsla;Kt Co7\ f. fast stets 
PI. [-0] Impf Pocken : d Urschlechte" in- 
setze" impfen, i"gsetzt bekumme" geimpft 
werden Ruf .;\sN(i\X\{wilde)\]. 71/.] Pocken. 
— Schweiz, i, 470. Hess. 427; eigent- 
lich — Ausschlag. 

erst [erst O. Str.; erst K. Z. Ndr- 
betschd.~\ l. Zahlw. erst. D''r erst(e). 
Auf die Frage, ob man denn noch nichts 
von einer Sache wisse, die eben besprochen 
wird, wird geantwortet : S is' s erste Wort. 



2. vorzüglich : [or es sn erstar 'Säfar, 
Wh., an ^rstar Ritor Hf?^ — Schweiz. 
I, 470. 

Erster [Erstar Str."] der Wein, der 
aus der Trotte nach dem Vorlauf aus- 
ßiesst. 

erst, ererst, ererster, erersterte, 
rerst, rest [erst Roppcnzw. O. Str.; erst, 
srerst Wh'.; arestar, orerstart, ar(5rHtarta 
Hf. ; h\% M.; r^rs Rotb.; rest Z.] Adv. i. so 
eben erst, vorhin. Er is' e. do gsi" 
Roppenzw. Der Apf"! , wo ich rerst 
gesse" ha^, is' recht gschlacht gewe'^^n 
Rotb. 'I geh in 's acht e fufzi'st Johr 
ererst' Pfm. II 2. 2. gerade, erst recht, 
ganz .recht: erst noch! Mü. 'Das ist 
erst billich' Fisch. Garg. 355. — Schweiz. 
1,470; ererst 472. Verstärkung durch er. 

zerst [tsdrst Hi. Lutterb., auch sdrst 
Hf^ Adv. zuerst; auch zallererst, saller- 
erst. Spw. Wer zerst kummt, ma'^lt zerst. 
— Schweiz, i, 472. 

erster \trhtQr Lützelstn. Lohr Tieffenb. 
Wh.^ Adv. eher. Ich sin e. do gewe'^^n 
dass du Altw. [Häs net 6rstar khena 
khüma ? Tieffe7tb7\ 

Erste [Ersta Su.; Erst Z.] f. Anfang. 
In der E. anfangs, anfänglich : in d^r 
E. is' s gange". — Bayer, i, 122. 

Erstele, Erstling [Erstala Sierenz 
Geberschw. Du. Bf.; Erstali Blotzh. Hi. 
Felleri. Banzenh. Heidolsh. ; Erstl^rj^ M. ; 
Erstleij^ Bebelnh. Z. NdrbetschdT^ n. Ktih, 
die zum ersten Mal trächtig ist oder ge- 
kalbt hat. Seltener von Schweinen ua. 
Von einem Mädchen, das schon geboren 
hat: die is' ke E. me^*" Blotzh. Detnin. 
Erstlingel Bebelnh. — Schweiz, i, 472. 

473- 

Art [Art fast allg. ; Ort K. Gimbr. 
Pfulgriesh. Ingenh. Furchhsn. ; PI. -0] 
/. Art. Was is' dis für e Art Bir"e"? 
(gtites) Aussehn: Mach das Ding, ''ass 
es e A. het Du.; Anstand: Is^ das e A., 
we"" m^r de" Leffel mit der linke" Hand 
hebt ? Du. Das het ken A. (un"^ ken Gattung) 
ist unansehnlich, unerlaubt Olti. Du. M. 
Singe" ua.^ dass es en A. het gehörig, 
tüchtig Horbg. Hf. Uf en {oder ein) A. 
het ^r recht er hat nicht ganz Unrecht 
Z. S war besser uf an A. Ausdruck, der 
oft bei hoffnungslos Kranken gebraiicht 
wird: es wäre besser, er stürbe Hf. Uf 
ken A. keineswegs, dtirchaus nicht Str. 
Ich kenn ''^ne so d^r Ort noch nach dem 



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70 



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Aussehn, dem Faniilienzug Ingenh. 'Art, 
aratio' Herrad 181^. 'Schanbetiss be- 
tracht sini Toilette un get sich stolzi 
Arte' Mangold Colm. Koin. 49. — 
Schweiz, i, 473. 

Rede"sart [Rdtasärt Su. ; R^tasärt Str.^ 
f. Redewendung, Wort. Er het esc 
wüesti Rede"sarte" an sich er gebraucht 
viele tmpassende Worte. Das is' ke'" R. 
so spricht man nicht Su. 

artig [ärtik Hi. Ruf. Horbg. Du. 
Rapp. ; ärti;^ Str.'\ i. mürbe : ärtigs Land 
Hi. 2. fruchtbar: en artige"" Baum Hi. 
J. ordentlich, tauglich, fügsam ; meist in 
negativen Fällen gebraucht: nit vil Artigs 
nichts Ordentliches, geringe Ware (Stoffe, 
Geräte, Früchte u. s. w.) S is' n. v. a. 
uf '^em Mark' gsi" keine grosse Auswahl 
Rapp. Sin'* noch Äpfel do? Ja, noch 
artich 3^a, noch ziemlich viele Str. — 
Schweiz, i, 476. Bayer, i, 149. 

fulärtig/cz/^/, /m^^; efulärtige'' Mensch; 
bi dem Wetter wurd mer f. Lobs. — 
Schweiz, i, 477. 

\s.OQ.\s.z.xX.\g hoff artig: die han's h. im 
Kopf leben über ihren Stand Pfast. 

unartig ungezogen, flegelhaft Du. Bf. 
— Schweiz, i, 477. 

artlig [ärtlik F'fetterhsn. Mütt. Scherw.; 
ärtli M. Str.Brum. ; ärtli;^ Wö'rth ; örtli R. 
Dunzenh. Ingenh. Furchhsn.~\ Adj. i. 
ordentlich, brav, höflich. En artligs 
Büew^l; e artlicher Mann Wö'rth. 2. atif- 
fallend, seltsam [lyük, was sali Keis fer 
ärtlia H^rnar h^t 71/.] Adv. ziemlich. 
Hes' artli Geld? A. vil Äpf«l. Er het a. 
Appetit Alteckend, 'artlich adelich vnd 
zur Sach bescheyden' Fisch. Ehez. 145 
(B 7"). 'Wann auch schon Bonauentura 
artlich also argumentirt' Fisch. Bin. 38''. 
'Mechanicus ein artlicher, kunstreicher 
Handwerksmann' GoL. 201. 'mit erzählung 
lieblicher geschichten und artlicher bey- 
spielen' Mosch. I Vorr. 'Siehe doch, 
mein lieber Leser, wie artlich u. curios 
zu dieser Zeit (1548) die Policy allhier 
(Thann) bestellt war' Thanner Chr. 36. 
'gelt, was er artli isch?' Pfm. I 3. — 
Schweiz, i, 478. Schwab. 26. Hess, 
16. Eifel. 

Artifife" PI. verkehrt Raddefife" Art 
Schwarzwurzel CS. 'Artifiven, Artifis, 
Salsifis' Martin Pari. N. 59. 429. — 
Bayer, i, 150. 

Artikel [Artikl Du. Hf] m. i. Zei- 



tungsartikel. 2 . Handelsgegenstand : denen 
A. halte" (kaufen) m'r nit. J. Gegen- 
stand einer Gerichtsverhandlung : s is' 
e andere"" A. zerst gnumme" wor'^e" Du. 
/j.. Sache : s is' e böser A. eine dumme 
Sache; s is' e A. vor kumme" es ist ein 
Stückchen passiert. 5- euphemistisch 
Geschlechtsneigung: er is' stark uf den 
A. Si'^ han vom A. gercdt. — Schweiz. 

1,479- 

Artschick [Ärtsik Ltitterb.~\ m. Feiicr- 
heerd: [aus hcTt-schm? oder frz. artistique? 
vgl. Kunstofe"). 

Irte [irta Hi. ; Irt Hlh\ Obhergh. 
Logelnh. Jebsh. Heidolsh.~\ f. Juchart, 
Acker von ungefähr ^5 Ar Logelnh. 
Hlkr. Obhergh. ; ßo Ar Hi. Heidolsh. ; 
von 20 Ar Jebsh., halb Irt = lO Ar 
Jebsh. — aus Jtichart. 

Ort [Ort Du. Bf. Z7\ m. und n. Ort, 
Stelle (selten, öfter Platz Hf.) Sprich- 
wörtlich : e guets Wort findt e gueten 
(guet Bf. Ingenh.) Ort Hf. n. I. das 
Ende eines Ackers : Sin i'^r bal*^ am 
Ort'? Jetz haw i'^'^ mini Kleider am en 
andere" O. leie" meine Rleider liegen 
auf der andern Seite Du. Jebsh. 2. Ende 
überhaupt: das Ding muess e Mal uf en 
O. gmacht wer'^e" Su. J. Ortschaft, 
Dorf. Er is' nit us unserem Q. Du. 
Wi* heisst dis Ort do vorne"? K. Z. 
'Wann man kam an ein frembdes ort' 
Fisch. Flöhh. 250. 'Welches Ort habt 
jhr mit ewerem Gotteslästeren . . . nicht 
erfüllet?' Mosch. II 50. 'in bemeltcs 
ort' Str. 1659 JB. III 83. f^. Vierter Teil 
eines Guldens : 'fünf Gulden und ein Ort 
cinq florins et un quart' Martin Pari. N. 
547. vgl. Schwab. 415. Zss. Ortfleisch, 
Ortspeck die Ratichseite am Fleisch M. 
— Schweiz. 1,480. JBayer. i, 151 #. 
Hess. 291. 

Urtel [Urtl allg7\ n. Urteil. Beim 
Vorbeigehen an schwatzenden Wasch- 
weibern ruft man ihnen zu : Gnädig Ur- 
teil ! Kingersh. 'nach dem rechten Recht 
Vrthel sprechen' Mosch. II 158. — Schwab. 

527- 

urtle" [urtla Felleri.; ürtlo M.~\ ur. 
teilen, eine Ansicht mit einer anderen ver- 
gleichen. 

Orte" [Erta M,; Irta ///. ; Irta Bf] 
f. I. Zeche, gemeinsamer Schmaus in 
einem Gasthaus. V^^ ha'' d ganz Ü. 
jjjügssen bezale" Bf. Ürten, s. Anm. zu 



üST 



uRZ 



71 — 



aS 



Dancr. 133. Geiler S. M. 9. 76. Sc/i. 
70. P. II. 375. Äf. 9. 'Er sähe in einer 
ürten bei einander sitzen u. trincken' £v. 
mit Ussleg. 162 a. 'Für ieden seine 
yrten gyt' Murner ü/ä/z/^? 1107. 'Hieher 
Fraw Wirtin, trinckt eins für evver Irrtin' 
Fisch. Garg. 143. 'Symbolum yrtin, zech' 
GoL. 360. 'deine Ürten oder Zech = 
frz. ton escot' Martin Coli. 60. 'die 
Irten gemacht ohn den Wirth' Mosch. 
II 193. 'Irten' Rechmmg Strassbtirger 
Hochzcitsordming 166^. 'mit der irden 
nicht erfahren oder übernehmen' mit der 
Wirts re c hmcng , Zeche nicht überlisten 
Wattw. 16. Jh. JB. III 75. 'urtin Zeche 
Brucker. 2. eine Reihe Strohbündel 
auf ciitem Strohdache M. — Schweiz. 
I, 488. Schwab. 301. Bayer, i, 152. 
Hess. 292. 

Nachtürte" [Nä;.terta M7\ f. Nacht- 
essen im Wirtshanse bei Hochzeiten tiä. 
— Schwab. 301. 

Arzt im Sinne des nhd. ist ungebräuch- 
lich, dafür Dokter ; doch ist es erhal- 
ten in 

Mü'^larz' [Milörts Hindish. K.; Mdlärts 
Pfetterhsn. bis Hf. ; Melärtst Hipsh. Rotb. ; 
PI. -9] m. Mühlknecht, Müllergeselle, der 
das Mehl ins Dorf fährt. 'Mülartzt' Fisch. 
Garg. 296. Gemeinde-Heimbtirger-Rech- 
nung 161J Gimbr. 'Einem Miel Artzen 
von Thränen (Tränheim) geben i /^.' 

Öberarz"^ Obermühlknecht. — Schweiz. 
I, 496. 

Arzenei [Artsanei Hf.; -r\h\ Str.~\ f. 
Mixtur in einem Glas. — Schweiz, i, 

497- 

Arzinal [Artsinai NBreis^ n. Zeug- 
haus. 

Arzint [Artsint Lützelstn.] f. Hyazinthe. 

Arzise [Artsisa Dettw^ f. Narcisse. 

Erz- [Arts- Z.] nur in der Wendung 
uf em Erzgrundsbode" : dies is' der lieder- 
li'^'^st, wii uf ^'em E. rura lauft. — Schweiz. 
I, 498. 

Erzkimo [Ärtskimo Logelnh.~\ m. kleiner 
Mensch (Scheltwort). — eig. Eskimo mit 
Anlehnung an das steigernde Erz-, viel- 
leicht auch an Erdkime'. 

Urze'' [Urtsa Wh?\ Speiseüberreste, die 
auf dem Teller bleiben oder im Küchen- 
schrank [Khe;f9sär|^k] herumfahren. Er 
macht U. Auch das Vieh lässt U. in 
der Krippe. — vgl. Schweiz, i, 468 
Ursi ; vielmehr von uress der Speise über- 



drüssig s.^l^ss. ^26 Oerzchen. Schwab. 
527 uress. Bayer, i, 134 urässen. 154. 
Westerwald Ores. Englisch the orts 
bei Shakespeare. 

As [Os Ar.] n. Aas. Stinke" wie en 
Os. Häufiger ist das Synonym Keib. — 
Schweiz, i, 497. Bayer, i, 155. 

S c h i n '' as | 'Sinös Str. ; 'Sinus Getid. ; 
'Sinäs Dehli. ; nur U. W.\ f. nichtsmitzige, 
einfältige, eigensinnige, falsche Weibs- 
person. Du bis' e rechti Seh., dich kann 
m-r ä (atich) for niks gebruche" Lobs. 
Dere" Seh. ka"'* m^r doch nit tröue'^ Geud. 

(Äss) in 

Gäss [Kes Roppenzw. ; Käs Barr~\ n. 

1. F7itter der alten Vögel für die Jungen. 

2. Stelle, wohin die Alten kofnmen, um 
die Jungen zu füttern. Häng s (den Käfig) 
in "^^s Gäss Roppenzw . J. unordentliches, 
schlechtes Essen, unordentliche Art zu essen 
Barr. — Schweiz, i, 499. Bayer, i, 157. 

f ä z e n speisen Geiler P. i i , 25. 

gässe" [kesa Fislis Roppenzw \ füttern, 
die Ernährung der fingen Vögel dtirch 
die alten. — vgl. Schweiz, i, 500 ässen. 

ässig [äsik ///. Hlkr. Co. M. Bf. 
Ingersh. ; cBsi;^ Str. Ingw7\ l. schmack- 
haft, appetitlich, z. B. Brod. 2. esslustig. 
Das Kind, die Kue^ is' ä. Str. Er is' ä. 
druf, a7ich bildl. ä. uf dis Platz '1 nach 
dieser Stelle begierig Ingw. 'darumb er 
uns dester lustiger und ässiger ist' Geiler 
Seh. d. P. 58. 'Eeßig esculentus, vescus; 
edax; eeßige Ding Edulia' Dasyp. — 
Schweiz, i, 501. Bayer, i, 157. 

kurässig [khüräsik //ör*^^. Meisengott; 
khöräsik Ingersh. ; kheräsik Ammerschw. ; 
khier- M.] wählerisch im Essen, lecker- 
haft. Synon. schleckerig. — Wohl ein 
mhd. küraezic? vgl. Schweiz, i, 501 
Kogäss. 

madrässig [mäträsik 71/.] kränklich. 

schmädrässig [smätaräsik Co.] wähle- 
risch beim Essen, immer etwas am Essen 
auszusetzen findend. — Schweiz, i, 502. 

unässig [ünäsik Hi.; ür[_äsik M.\ i. un- 
essbar, unschmackhaft, wenig zum Essen 
reizend ; Geiler (Stöber). 2. wenig zum 
Essen geneigt, wählerisch im Essen, bes. 
von Kindern M. 

wurmässig, -ätzig [würmaesik Fisl. 
Liebsd. Heidw. Sierenz Roppenzw. Hi. ; 
-äsik Barr; wurmsesi(/) Str.; würmaesi;;^ 
Lobs. Lützelstn. ; würmäsi Ndrbetschd. ; 



aS 



72 — 



aS 



würmatsik Kerzf. ; würmatsi Molsh. Mutzig 
Geispolsh. K. Z. ; würmaetsi/ WA. AUw.'] 
I. wurmig, wurmstichig; 2. kränklich, 
mager, bes. von Kindern; ztmi Militär 
untauglich. J. Witzbold. Er is* w. su gross 
a's er is^ ein Spassvogel dtirch und durch 
Geisp. Geiler Post. II 64''. 6". ö. 5 . 6". il/. 4 1 . 
— Schweiz, i, 502. Bayer, i, 157. 

Ass [As Du. Str-. U.\ n. Ass im Karten- 
spiel. Rda. Ass! Dis is* ken Gspass. 'so einer 
zwei esz bedörfte (im Brettspiel), zwei sesz 
dafür würft, damit das spiel verspielet' 
Geiler Narr. H. ^. 'das Äß l'as' Martin 
Parl.N. 634. Zss. Herzass, Krützass, Eck- 
ass, Schübbenass Z. — Schweiz, i, 503. 
Bayer, i, 156 Äss. 

''ass [äs Lutterb. Orscliw. Hlkr. Du. 
K. Z. Wh.'] Conj. dass. V-^ weiss, ^ass i*='' 
sterwe" muess. Tummel di*^'', ''ass d" heim 
kiimm^'. Wann der eps verzählt, nemmt 
er Mülere voll, *^ass m^r mänt, er well e 
Kue'' filtere" Wh. ^ass i^"^ d'r jetz sa^, 
'^ass d heim ge'^s'' (zti der Ellipse vor 
''ass s. dass) Str. Nit ''ass de doch fiirt 
ge'^s' ! Katzent. Zuweilen nur ein vorher- 
gehendes Pronomen oder eine Partikel auf- 
nehmend : Ich weiss nit fiir wene" ''ass es 
is', ''ass i*^'' schaff. Kanns' komme", wenn 
"^ass de wi"*t. Ich will dir saue"^, worum 
''ass ich do bin. Wü ärjer ''ass er gebrüelt 
het, wü ärjer han sie gelacht Z. [gr h^t 
kfryokt, wer äs täs k9mä;^t h^t 71/.] 'Bis 
asz du kasch Adschwang w^rde, Schlof 
ich gwiss sehe in der Erde' Mäder Mü. 
Ged. 39. (Vgl. englisch when that, if that, 
how that.) Die beiden ass (-— dass und 
= als) werden oft verwechselt beim Hoch- 
deutschreden und -schreiben : Ich thue 
euch zu wissen, als ich morgen kommen 
werde; ich bin grösser dass du. [me täs 
hüntrt Wh:] 

a's [äs Steinbr. Lutterb. Du. M. K. Z. 
Dehn:] I. als bei Vergleichen : er is' so 
ful a's e Hund Hf. So lang a's es gc'^t 
Steinbr. Er macht (benimmt sich) a's wie 
wenn er noch nix eso gse**" hätt Du. Er 
het s (hält es) a's wie d Jude" //f. Bisch 
in s verliebt ass wie e Durdeldiwelskidder' 
Pfm. I 8. Nach Comparativ: ich bin 
grösser a's du Dil. [äs we ty WhT] 
Bei Ausnahmen (ironisch) : Das we'ss 
Niemand a's de Kirche"lüt un'^ de 
Märk^üt Jedermann Dehli. Vgl. 'Die 
Mannslytt sinn eso, si rcdde nix 
als Laoue' Pfm. I 2. (Das temporale 'als' 



wird dtirch wo (wü K. Z.) wieder ge- 
geben : wo i*^*" noch jünger gsi" bi" Du.) 
2. Zusatz zu Zeit-, Mass- tmd Zahlbe- 
stimmungen: Er kummt a's morn ; |ar es 
9 myol äs trei (dreimal) tyo ksae 71/.] 

— Schweiz, i, 197. 

asa [äsä Bf 7] Interj. der Anrede : Asa, 
wenn beza'^ls' mi'^'^ emol? — frz. 
Ah ga! 

'Asand Asa foetida' Pharm. 2. 

a'se [äs9 fast allg. ; äsi K. Z.] Adv. 
so wie es ist, ohne weiteres, ganz von 
selbst: a. ghirot (obschon verheiratet) is' 
er uf alli Tanz gange" ; a. jung is' er so 
gscheit gsin Barr; a. frisch Katzent. 
Eps a. kalt esse" ohne es zti wärmen Ob- 
hergh. ; a. nüechter" Hi. Du. ; a. nass un- 
getrocknet. Er frisst de" Speck a. raü ganz 
roh; a. warm noch ganz warm Ruf.; atich 
bildl. Pack s a. warm fang an, ohne dich 
lange zu besinnen ! Ingersh. Wo-n-er s 
erfa'^re" gha'^' het, is' er a. [äs9 fäs so- 
gleich 71/.] warm zue mir kumme" un'^ 
het m'r s gseit Obhergh. P'' ha'' die Bir"e" 
ase (soeben, frisch) gebroche" Stöber. 
S is' m'r a. we** wor'^e" ich bekam eine 
plötzliche Ohnmacht. 'Jo wenn me s Geld 
nur fand so äsen uff der Gass' Hochz. 
1687. Von ase von selbst: d Bloter is' vo" 
a. uf gange" Ingersh. De"" Eise" is' vo" 
sich as elei" kumme" Rtif. Rotb. Er 
kummt von a. wider wir brauchen ihn 
nicht zu rtifen Scherw. S ge^'t v. a. ohne 
Hilfe Str. Das verste'^t sich v. a. Ingersh. 
S is' vo" a. eso gsi", ''ass d Krotte" ke" 
Wäd'^l han es war von jeher so, dass die 
Kröten keinen Schwanz haben Türkh. 
'Verdriessli bin i halt, von aasse nidder- 
gschlaue' Pfm. I i. 'Eso e junger Mann, 
der springt mier nix dier nix vun aasse-n- 
uf ebd. II 2. 'Von aase schlupfe d' Vers 
nit zue d'r Fedder nuss!' Hirtz Ged. 171. 

— aus mhd. alse, also; vgl. ztc von ase 
kumme" : s is' so (eso) kumme" von selbst 
Wh. Nib. 944 ez hiez Hagene tragen 
Sifriden also töten {tot wie er war) für eine 
kemenäten da man Kriemhilde vant. 1002 
der kirchhof also wit (so weit er war) 
was von den lantliuten wcinens also vol 
(ganz erfüllt von dem Weinen der 
Landesbewohner). Schweiz, i, 197. 201. 
Bayer, i, 6.9. 82, wo schwäbisch ansdc 
warm angeführt wird. MA. III 187, 11; 
VII 506. Die gewöhnliche Ableitung aus 
dem lat. a se hat keinen Grund. 



aS 



73 



eS 



ase /. adjectivisch : imvermengt, ohne 
Ztithat: er het a. Fleisch, a. Brot gesse" 
K. Z. D ase Wo'^rhe't Str. 2. stibstanti- 
visch : ein Nichts : um en Ase war i''^ 
gfalle" um ein Nichts, ein Kleines Stöber. 

asis [äsik Du.; äsi K. Z.; äse/ Wh^ 
Adj. rein, besonders, getrennt. Er trinkt 
de° Kafe a. schwarz. Dene" Win kann 
m^'r fast nit a. trinke" den Wein kann man, 
seiner Stärke wegen, fast nicht nnge- 
wässert trinken Geud. Dis is'^ asichi Mist- 
lach reine Jauche; asichi Grumbere" Kar- 
toffeln ohne Zuthat Hj. Dis is' jetz asi? 
Wissmel das ist nun unvermischtes Waizen- 
niehl Geud. Uf ''em asige*^ Bode" schlofe" 
auf dem blanken Boden Hf. Ich iss s 
Fleisch asi^ un'' s Gemües au'^'^ ich esse das 
Fleisch für sich tmd das Gemüse ebenso 
Z. [E/ sen äse/ alaen üf T(5m9rei|9 kör^ 
Wh^ 

Assone [Asöno Roppenzw^ PI. Arten : 
de'' het vil A. Kafe. — (Z^'^- fa^ons?) 

Assurans [Asyrans Du. Str. ; Asyräs 
Rapp. ; Asoras Ndhsn7\ f. Feuerversiche- 
ru7tg [die älteren Leute sagen meist in d 
Brandkass tuen) ; Versicherimgsgesellschaft. 

Assura'^sler [Äsyräslar Ndhsn. Z.] jh. 
Versicherungsagent. Sjn. Bran'^kässler. 

assuriere'' [äsyriara Z>?/. ; asQri^ra i¥/.] 
in der Feuerversicherung versichern (nicht 
häufig). 

6s [as Orschw. Du. Geud. ; tmbetont 
9S, s Dil. Geud7\ n. des Personalpron. 
der J. Person. Subject impersoneller Sätze : 
s is' Zit, s rej'^^t regnet. Bes. ztir Be- 
zeichmmg von Mädchen oder Frauen, dies 
von Seiten der Gatten, wie timgekehrt die 
Gattin vom Manne er gebraucht. Es het 
m'r s äü'-'' schun gseit meine Frau hat 
mir es auch schon gesagt. Du mues' s 
ge^^n lu^'^'^n Du mjisst sie gehn lassen, [as 
scheinbar zu sa umgestellt in 1/ waeis 
nö/ net ^p s-ase/ sekt ; kest h^t sa si/ 
srprö/o Hf^ Für es erscheint auch ens : 
'ich weiss . . dass der Typ . . ens (= s 
Emilie) doch nit nimmt als Frau' Stosk. 82. 
— Schweiz, i, 509. Bayer, i, 163. 

-es {die lateinische Endtmg us) in 
Sozies, Notarjes ; ifi Eigennamen : Ludo- 
wikes, Wendelines Hf. Dann in abge- 
kürzten Nomina appellativa : Barückes =r 
Perückenmacher , Heches = Hechingcr, 
Wackes Vagabtind ; vgl. auch Beches, 
Kneckes, Rueches, Schlappes, Staches, 
Lappo^'res, Moschges, Scherebones, Wat- 



sches Prügel Str. Die Klassebuewe'' pflegen 
die Namen ihrer Kameraden und Lehrer 
so abzukürzen: Rines^wr Reinhart, Heljes 
für Heiligenstein ti. s. w. 

-es und -is Genitivendung zur Be- 
zeichnung von Spielen [Pälis spiela Ball 
spielen; Sältätlas, Pär|3rtas, Fäij^as, Häslis 
{Hase) Hf] 

es, üs s. u"s. 

Esel [Esl Steinbr. Su. ; Esl Bf. ; Esl 
Molsh. Rotb. Str. K Z. Ndrbetschd.] m. 
I. Esel {selten Bezeichnung des Dufumen, 
dafür dient Stier). Doch : de"" is' der 
dümmst o"*^'* nit, wenn er nebe" 'me E. 
ste^t Steinbr. Über den Esel in Vergleichen 
s. Stöber MA. 4, 466 : 'D Wisheit kummt 
m, err isch ball so gröu wie en E.' Ste^n 
wie e storre"" E. tmbeweglich stehn. Uf 
''em E. sin, hocke", sitze" zornig, störrisch 
sein Obhcrgh. Der sitzt glich uf "^em E. 
ist jähzornig Dehli. 'die zornmütigen . . 
sitzen bald aufif dem Esel' Martin Pari. N. 
156. {wohl von einer militärischen Straf e 
noch des iS.Jahrh. Bayer, i, 159). Eine" 
uf den E. setze" hänseln, ztim Narren 
halten, einen dmmnen tind eingebildeten 
Menschen durch Lobsprüche zu Thorheiten 
verleiten Str. {vgl. Spiessruten laufen 
lassen = atishöhnen). Rda. S is' m'r liewer 
a's e Tritt vo" ^'"men E. sehr angenehm 
Str. U. Dich het jo en E. an d Wand 
gp furzt, US d^r Wand geplotzt dti bist von 
dunkler, niederer Herhmft U. M*^r stupft 
de" E., no*^^ {danach) geH er Molsh. En 
alter E. is' bös le^'re" tanze" Avolsh, s 
schilt ein E. den andere" Lango^'r Bf. 
Wenn die Kinder einem Kameraden etwas 
unversehens angehängt, angeklebt oder in 
die Tasche gesteckt haben, so rufen sie 
alle : der E. träjt, er weisst nit was Su. 
Bisch, d. E. t. un*^ weisst s nit, er is' e 
Narr un'* seit s nit Hi. Ruf. bis der Be- 
treffende es heratisfindet. Verse, womit die 
Kinder den Esel begrüssen : Esele i a ! 
streck s Näsele (VVädele Obhergh. Rtif.) 
wit na'' ! Was hammer z Mitta- ? Grum- 
bere°salat. Was noch? E Tritt ins Loch 
Ruprechtsau. Esele i a ! wer hat di"^** 
gschla?""? Im Müller si" Bue'\ S is' e 
Spitzbue'^ Lutterb. Esel gügag, wenn 
lütet s z Mittag? Wenn s elfe schla^^t am 
steinige" Hag Hi. Bes. werden die Be- 
wohner von Westhalten b. Stdzmatt zvegen 
ihres Reichtums an Eseln geneckt. Du bis' 
z Westhalte" uf der Akademi ("^'m Kollesch) 



eS 



— 74 



eS 



gsi", wo s ABC mit I a"fangt Gebw. Da- 
her darf man dort nicht durchs Dorf 
gehn mit einem Eselsohr, d. h. einem her- 
aushängenden Taschentuch. Bleibt ein 
Gruss ohne Antwort, so ruft man wohl 
dem Unhöflichen nach : in Ewigkeit ! S is' 
e Esel dure un'' hat nit {Nichts) gseit 
Kingersh. 'essel' Murner Tl/w/z/t- 1485 uö. 
Zss. Eselsfurz, Eselswurst. 2. vernmmmter 
Bursche, der am Weihnachtsabend ein 
weiss gekleidetes Mädchen, das sog. Christ- 
kind, von Haus zu Haus begleitet Rosenw. 

— Schweiz, i, 514. bayer. i, 159. 
Burgunder Esel m. mtr in der Rda. 

furze", schisse" wie e B. E. Sti. Bisch. 
K. Z. 

jMceresel Stockfisch : 'Das meerschwyn 
der fressikeit, die geisz der unlauterkeit, 
derM, der fulikeit' Geiler Seh. d. Heils. 5. 

Mistesel m. Gestell in Dreieckform, 
auf welchem beim Misttragen der Rück- 
korb aufgeladen wird Molsh. 

Mulesel [M^lesl Str. Rotb. ; Mylesl K. 
Z.] 7u. Maulesel. 

Muresel [Myresl Str. Rtipr7\ m. Keller- 
assel. 

Palme°esel [Pälmaesl Obhergh, Hlkr. 
NBreis. Ingersh.~\ tn. i. Derjenige, der 
am Palmsonntag zuletzt mit dem Pahnen- 
zweig in die Kirche kommt; ihm werden 
auch die Palmen auf den Kopf geschlagen 
Hlkr. JB. II 184. 2. Die Person, welche 
zu Ostern zidctzt beichtet. Von einem, der 
immer der letzte ist , sagt man : De'' 
kummt o''' so wie sel^'e"" mit '^cm P. — 

— Schweiz, i, 520. 

Pfingstesel vermummter Junge, der 
bei den Pfingsttimzügen der Schidjitgend 
als Hauptperson neben dem Pfitigstmaien 
einhergeht Schar rachbergh. JB. III 128. 

Pickesel, Pickeresel [Pik^sl Stossw. 
Miitt.; Pikargsl M. Mittl. Du.'] m. Der 
durch einen grösseren Knaben dargestellte 
Esel, auf welchem das Christkindel am 
Abend vor Weihnachten oder an einem 
der vorhergehenden Sonntage zur Thüre 
einreitet: auch ein mit Stroh ausgestopftes 
Aschentuch, worauf Augen, Ohren, Maul 
und Nase mit Kohle aufgemalt werden. 
Die Kinder werden durch die Drohung 
eingeschüchtert, dass sie auf dem Esel 
reiten oder der Esel sie mitnehmen soll ; 
sie halten schon ein paar Tage vorher 
etwas Heu für ihn bereit. Die Schreck- 



gestalt heisst anderwärts, bes. U., Hans 
Trapp JB. II 188, III 131. 

Essle [Esla Olli. Attenschw. ; Esl M.~\ 
f. Brennnessel. — Abfall des anlautenden 
N- wie in Acke ti. a. 

Zss. Esselsucht [Es3lsu;Kt7l/.]/. A^^^j-^/- 
sucht. 

Brennessel [Prenesl Urbis~\ f. Brenn- 
nessel. 

Sengessel, Sengessele, Seng- 
esseite, Sengelessel [Sar^^sl Molsh.; 
Sari^^esl Ingersh. Beblenh. ; Sar|^6slQ Mitt- 
lach; Saij^eslta Kerzf. Osthsn. Zinsw.; Sar^l- 
6sl Z. Wörth Ndrbetschd. ; Ser^esl Rauw^ 
f. Brennnessel, Urtica dioeca. Knaben- 
witz : D Sengessele sengle'^ dene" Monet 
nit (wobei Monat als Ohject verstanden 
sein soll) Ingersh., ähnl. U. Wildi S. 
Bienensaug, Tatibnessel, Lamium Kerzf. 
'Sengessie Flores Lamii' Pharm. 5. 

Sugessle [Sykesla Heidw7\ f. Taub- 
nessel. D Sugessle ge'^^n The. 

Taübnessle, Tagessie [Täipneslo 
Osenb. Rjif.; Täi^sb Mittl. MP^f. Bienen- 
saug, Lamium (taub, weil sie nicht 
brennen). 

gsse'^ [as3 Liebsd. Co. Dil. Bisch. Hf. 
Ndrbetschd. ; äs9 Geisp. K. Pfulgriesh. 
Gimbr. Furchhsn. Dunzenh. Hf. Wej>ersh. ; 
aes3 Str. Roppenh. Lützelstn. Lohr\. Part. 
gesse" [kasa, käss; kaes W7] essen. Mit 
''^m Beck e. sein Brot beim Bäcker 
katifen; Gegens. selber backen Hf. '^'ni" e. 
gierig essen Bf. V'x t'^äte' mich zuem 
Land nus e. sagt eine Mutter spasshaft 
zu den Kindern, die einen guten Appetit 
entwickeln Str. Der isst eim arm ei"s 
Ta?s O. Der isst eim d Hör vom Kopp 
^era^ Rauw. E. wie e Bürstc"binder. Rda. 
Iss un"^ trink, ''ass de weis', wurum d^r 
Vater s Hüsle verkauft het : Aufnuntcrung 
zum Essen Co. Iss un*^ trink was d'r 
gschmackt un"* steck nix in de" Sack! Z. 
Mittagsgruss : Han i'^r scho" gesse"? Co. 
We"'"n i'^r gc^n z. Mittag e. ? Moosch. Gruss 
zu Essenden : Sin i^r am E. ? Antw. : Jo, 
kummc , wenn i^r eps derbi han Geis- 
wasser. Auf die Frage : Wann essen i'^r 
denn z Mitta«? antwortet man: wenn s 
5<=kocht is'! Gewenh. Spw. Me" soll esse'^ 
un*^ vergesse" (?eberschw. Inf. substanti- 
visch : s E. trage" dcjt Arbeitern auf den 
Arbeitsplatz. Z Morjen e. Frühstück, z 
Mitta? e. 'Mer mache jo 's Z'middauesse 
dcrt im freye Wald' Pfm. I 6. z Owen^ 



eS 



— 75 - 



eS 



iS 



e. Vesper, z Nacht e. Abendbrot (ein z 
Nach' ess Urbis). Ze^ni e. kleiner Im- 
biss zwischen Frühstück und Mittagessen. 
'wan es bald Essens zeit war' Mosch. II 
928. 's Esse-n-unn 's Trinke halt Lyb und 
Seel z'samme' Stöber Daniel 2^. Zss. 
Essenspis s. Spis. — Schweiz, i, 522. 
Bayer, i, 161. 

ab esse" zu Ende, den Rest essen. 
Ei°'^m a. essen, wovon jemand schon ge- 
kostet hat Bf. — Schweiz, i, 525. 

überesse", Part, überesse": 7'efl. zu 
viel essen Hf. — Schweiz, i, 525. 

ufesse" aufessen, nichts übrig lassen. 
U. mit samt ''em Teller; rumpes un"^ 
stumpes u., de"^ thät e Ross uf e. mit samt 
''em Gschirr, mit samt '^en Ise" Bf. Volks- 
glaube: We"° mer uf esst, gi'^ts guet 
Wetter. 

ungesse" [üi^kasg] Part. i. ohne ge- 
gessen zu haben. Du mues' fiir d Strof 
u. ins Bett Str. U. un'^ untrunke" Du., 
unggetrunke" Bf. K. Z. D arme" Kinder 
leije" viel mol un-z-Nacht-gesse" i"s Bett 
Bf. 'Er gieng mol drei Tag ungessen' 
Geiler Ev. mit Ussl. 72''. 2. (scherzh.) 
itoch nicht gegessen. Was bekumme"^ m*r 
hüt? — Eps Ungesse"s Prinzh. — Schweiz. 

I. 524- 

Suresse" Saneressen, Metzelstippe, beim 

Schweineschlachten aus Leber, Lunge, 

Füssen, Ohrlappen u. a. kleinen Stücken, 

die in einer braunen Mehlsauce gekocht 

werden, bereitet Betschd. — Schweiz. 

I, 528. 

Esser m. Esser, jemand der viel isst; 

f. Essere" [Asarg] Hf. — Schweiz. 
I, 528. 

Mitesser [Metasar Urbis NB reis. 
Beblenh. Bf. K. Z. Prinzh.'], auch Mit- 
fresser Dimzenh. Ingenh. m. schwarze, 
verstopfte Hatitporen. Demin. Mitesserle. — 
Schweiz, i, 531. 

Essig [Esik O. Su. Dil. ; Esi X. Z. ; 
Esi;^ Wörth Raiiw.~\ m. Essig. De Kar- 
wätschle (Quetschen) sm^ noch sur wie 
Essi^ Geud. M^r meint, er het (unserm 
Hergott sin Str.) E. gsoffe" von einem 
verdriesslich aussehenden Riif. Dil. Rauw. 
We"" me" guete" E. will ha, soll men '^'n 
amme Fritig a"setze" Hi. — Schweiz. 
I, 529. Bayer, i, 161. 

Holzessig m. Essig aus Holzäpfeln 
oder Holzbirnen Hi. 

Husessig m. im Haus aus Weijt be- 



reiteter Essig (Gegens. Krämeressig); viel 
als Heilmittel verzvendet Katzent. 

Spitzbuewe"essig 'Acetum aromati- 
cum' Pharm. 2. 5. 

es sie" [esl9 J/.J nach Essig schmecken 
oder riechen, vom Wein. Mankel citirt 
'Maaler 121 esselen fast sauer oder 
esscchtig sein, peracescere.' — Schweiz. 

i> 530. 

Eise" [Ais9 O. Str. Han. Wörth; 
Eis, Eisa M. ; Eisa M. Bisch. Prinzh. ; JEiso 
K. Z. Ndrbetschd. ; Äsa Bühl Lobs. ; 
i^s9, Barr Wh.] m. (n. Mü. Molsh.) [Eis 
f. M.] I. eiterndes Blutgeschwür, Fzi- 
runkel. En E. usdrucke". Aberglaube : 
Wenn m'"r am Karfrita^ Bo'^ne" isst, be- 
kummt m^r E. Ndrbetschd. Rda. Wenn 
i'^*' so fil E. am Arsch hätt, a's i*^*" Roier 
(Reue) ha**, könnt i*^*^ nimm sitze" Dil. 
'Herpes ein eiss der vmb sich frisst' GoL. 
279. 'was gelts, man wird euch den 
Eissen aufflhun' euch die Wahrheit zeigen 
Fisch. Garg. 343. 'deszgleichen wann 
der Mensch nit leiden kann, so man ihm 
den Eysen rührt und ihm sagt, was ihm 
vbel anstehet' Dannhauer K. M. I, 278 
Alem. 13, 48. 'ayssen, geschwär clous, 
apostumes' Martin Pari. N 146. 'das 
heisset den Eyssen recht geriihret* Mosch. 
I 226. 2. vorspringende Verdickung an 
einem frischgebackenen Laib Brod Hf. 
Demin. Eisele. Zss. Eise"jockel, Eisen"- 
patilier. — Schweiz, i, 530. Schwab. 
161. Bayer, i, 158. 

Blueteise" Blutgeschwür Z. 

Is [is Banzenh. Co. ; Is ^ 71/. Str. K. 
Z. Han. Ndrbetschd. W. ; l's Strüth Olli. 
Hi. Pfetterhsn. Heidw. Fislis Roppenzw. ; 
Ist Liebsd.l n. Eis. Bauernregel: Mathis 
(2^. Februar) bricht s Is, findt er kei"s, so 
macht er ei"s Sti. No"*^ Mathis ge^t ke" 
Fuchs me üwer s Is Du. Sprichwörtlich : 
Wenn s '^em Bock z wol is', geH er ufs 
Is Dil. Do ste^t er wie der Bock uf 
'^em Is steif, unbeholfen Dil. Uf s Is 
füere" mit verfänglichen Worten in Ver- 
legenheit bringen Str. 'das iß sol . . starg 
sin' Brucker i 7 1 (14. Jh.) Zss. Iskärchel, 
Isklotz, Isschueh, Istanzer, Isvogel, Iszapfe", 
Iszwirwele. — Schweiz, r, 534. Bayer. 
I, 162. 

Glaris ;?. Glatteis Obhergh. Horbg. Du. 
— Schweiz, i, 534. 

Glattis, Glättis [Klätis Str. K. Z. 
Ndrbetschd. ; Kletis Kindw.'j n. Glatteis. 



iS 



76 



iS 



jglattise" 'es glätteisst oder es ist 
glasurt il fait verglas' Martin Coli. 138. 

Grundis [Krüntis IngwT^ n. Grtmdeis. 
S ge''t G. es ist sehr kalt. Der wickelt 
sich in, mer meint, s G. ge'^t. — Schweiz. 

I, 535- 

isig [i'sik Banzenh. Co.; Isik Olti. HiT^ 
eisig , eiskalt , s. aiich hinter Ise". — 
Schweiz, i, 536. 

ise" [isa Ruf. Logelnh. Du. Molsh. ; 
1S9 Olti. Hi.; isa Str. K. Z. Ndrbetschd. 
Han^ Eis brechen für Br atiereien. — 
Schweiz. ,1, 535. 

Ise" [Iso allg^ n. i. Eisen. Der is' 
von (oder wie) I. un'^ Stal ist hart, kann 
viel vertragen Str. Er het e Herz von 
I. ist tmb armherzig. D Not bricht I. 
M^r soll s I. schmide" so lang ''ass es 
heiss is' Obbr. Alt I. kraft- und wert- 
loses : zsamme"schlas'=" wie s alt I. Liebsd. 
Drohtmg bes. gegen Kinder im Spass. 
Der ghört bald unter s alt I. ist alters- 
schwach Du. Die Händler, welche für 
Geschirr altes Eisen und Lumpen nahmen, 
riefen früher: Wer will Gschirr kaufe", 
der soll an {den Markt oä.) laufe" : alt 
Ise" un^ alti Lumpe" ! Du. 2. Bes. Huf- 
eisen., s. Rossise". S het au*^^ scho" ne 
Ise' abgerennt (von einem Mädchen ge- 
sagt) sie hat ein tinehliches Kind; 'ge- 
stampffite Frawen und Jungfrawen die 
etlich eisen abgeworff'en hatten' Fisch. 
Garg. 437. 'Sie hat ein Eisen abgerent 
(verloren, abgeworffen) Elle a piss^ des 
os' Martin Coli. 143; auch 'ein Hufif- 
eysen abgerennet haben' Pari. N. 516; 
von einer männlichen Person: er ist 
schon im Gefängnis gewesen Banzenh. 
Eim uf d Ise" ge^n [lyüka M.; Iowa 
Wh7\ scharf beobachten Illz. Str. 'da 
ein mensch im selber uff" die Yszen 
luget was er thu' Geiler Emeis 23''. 
Zss. Ise"ba''n, Ise"bisser. 

Dentin. Iscl [Isl] n. kleines eisernes 
Gerät: s fürig Isel das Glüheisen (Heil- 
kunde) Hf. — Schweiz, i, 536. Bayer. 
1, 162. 

Abke''rise" ;/. Eisen am Pflug, vorn 
mit einem Haken, woran die Pferde an- 
gespannt werden ; nach rechts gestellt, er- 
gibt es eine grössere Furche Obhcrgh. 

Bügelise" n. Bügeleisen, Plätteisen 
allg. 'Bögel Bissen' Str. Not. Urk. 1745. 
— Schweiz, i, 542. 



Glättise" n. Bügeleisen Illz. 'Glätt- 
isen- un Hewammetasche' Lustig I 49. 
Demin. Glättisel , kleines Bügeleisen, 
Spielzeug für Kinder. — Schweiz, i, 

539- 

G u 1 1 i s e " ;«. Schusterwerkzetig aus Eisen 

zum Glätten der Sohlenkanten Hi. 

Hebise" n. Stemmeisen, Brechstange, 
namentlich zum Brechen der Steine oder 
ztim Fortschaffen schwerer Lasten ver- 
wendet. — Schweiz, i, 539. 

Ho^lise" n. Hohlmeissel (Schreiner- 
werkzeug) Steinb. — Schweiz, i, 540. 

Jätisele n. Werkzeug zum Jäten 
Witten h. 

Klätterisle n. PI. spitze Eisen an den 
Schuhen zum Klettern Hlkr. — Schweiz. 

I, 54^- 

Krakelise" n. [Rrakdliso Gebw. Osenb. 

Su^^ Kragen, Hals. Pass uf oder i<=^ pack 
di-^^ am K. ! 

f'Phlebotomum lasseisen' GoL. 290. 
'Lasseysen Lancctte' Martin Parl.N. 168. 

Lottise" n. meisselförmiges Werkzetig, 
das an seinem oberen Ende einen Ring 
trägt ztmi Befestigen einer Kette ; es wird 
vorn in einen Baumstamm geschlagen, 
und eine Kette daran befestigt, an wel- 
cher das Zugvieh den Battm fortschleift 
Su. — Schweiz, i, 541. 

Ochse" ise" n. Ochsenhufeisen Ob- 
hergh. 

Pfa^'lise" n. Eisenpfahl atis langem 
Schaft und mit tmten spitzem Kopf, mit 
welcltem die Löcher für die Rebpfähle 
gebohrt werden. 

Pfluegise" n. Pflugschar Hlkr. — 
Schweiz, i, 542. 

Pikierisc" n. Glätteisen der Schuster 
zum Ebnen der Nähte Hi. 

Plattise" n. Glätteisen der Schuster 
ohne Fugen an den Seiten Hi. — Schweiz. 
I, 552 Blattisen. 

Plag ise" Jt. Bedrücker. Da bis' e PI. 
Roppenzw. 

Rappise" [Räpisa fast allg.] n. Ras- 
pel aus Blech zum Zerreiben von Kar- 
toffeln, Zucker u. a. U.; im 0. meist 
bildl. starkes, zanksüchtiges Weib. Das 
R. gunnt si'^'^ nit cmol s Esse" Liebsd. 
De"" het wider e Hut wie e R. eine 
Gänsehaut Co. Sjyn. Ribise", s. d. — 
Schweiz, i, 543 Rabisen. 

Reiise" [R^jfsa Ndrbetschd.] n. Reih- 
eisen, Richteisen auf den 2 Wagenbacken 



iS 



— 77 — 



iS — üS 



rechts mtä links auf der Höhe der Vor- 
den'äderspeichen . 

Ribise" [Rewi'sa K.Z.; Rmis'S Rotb.'\ 
n. I. Reibeisen. 'Radula reibcisen' GoL. 
348. 'Reibeisen ratissoire' Martin Coli, 
178. 2. Bed. wie Rappise"* K. Z. 

Dentin. Ribisel n. Querholz hinter 
den Vorderrädern des Wagens, welches 
sich an dem Langholz reibt und das 
Umwenden des Wagens ermöglicht Um- 
gegend von Str. — Schweiz, i, 543. 

Rossise" n. Hufeisen. 'Rossyse holt 
der Buur bym Schmid un nit bym 
Glaser' Pfm. I 5. — Schweiz, i, 543. 

Ruebise" n. kreuzförmiges Eisen zum 
Schneiden tmd Zerdrücken von Rüben, 
Rettichen u. ä. Steinbr. Su. 

Dem in. R u e b i s e 1 n. Rübhechel Rapp . 

Rupise", Rupe"ise'' \Ky^i%'^ Logelnh.; 
Rypai'sa K. Z.] n. Raupeisen, Eisen an 
einer Stange, womit die Raupennester 
von den Bäumen herabgeholt werden. 

Rutschise" n. Bügeleisen Liebsd. 
Katzent. 

Sächise" n. Messer am Pflug, welches 
die Erdschollen oder die Wurzeln der 
Kleeäcker zerschneidet Westhalten b. Ruf. 
Obhcrgh. — Schweiz, i, 544. 

'das Schabeisen und der Hobel' Fisch. 
Bin. 68. 

Schäricrise" ['Sariarisa S2i?\^n. ein etwa 
10 — Iß cm. breiter Meissel, den der 
Steinhauer gebraucht, ttm den Stein ztc 
schäriere"^, d. h. ihm die gerippte Ober- 
fläche zu gebe7i. — frz. charni^re. 

Schlagise" ['Släkisa Su?\ n. Meissel 
mit einer Schneidefläche von ca. 2'/2 — j'/'-^ 
cm. (Steinha7ierwerkze2ig.) 

S ch 1 i f f i s e 1 e ]^^X\ivi'ä\'iiPfetterhsn.Hüss^ 
n. Schlittschuhe. — Schweiz, i, 545. 

Schönise" ['Senfso Geberschw.] n. recht- 
winklig gebogenes Eisen, das Z2im Klären 
des Weines gebraucht wird. 

jSchrotison emunctorium' Herrad 
185^ 

Spitzise" n. spitzer Meissel der Stein- 
hauer Su. — Schweiz, i, 545. 

Stampfise"* n. ziis ammenge setzte eiserne 
Schneide an hölzernem Stiel, womit man 
die Rüben u. s. w. zerstampft Obhergh. 
— Schweiz, i, 545. 

Stechise'' n. dreizinkige Gabel zum 
Fischfang Bf. — vgl. Schweiz, i, 545. 

Steckise" n. Eisen, das an den rech- 
ten Fuss geschnallt wird und mit welchem 



man die Rebpfähle in den Boden drückt 
Steinbr. Rtf. Ensish. — Schweiz, i, 

545-, 

Stigise" n. hakenförmig gekrümmte 
Eisen, die zum Ersteigen von Bäumen 
angeschnallt werden Hi. bis Bf. Demin. 
Stigisele. — vgl. Schweiz, i, 545. 

Stossise" n. Stampfeisen, eine am 
vorderen Ende scharfe Eisenschaufel, die 
ztim Zerstampfen der Runkelrüben dient 
Bebelnh. K. Z. ■ — vgl. Schweiz, i, 545. 

ise^mässi'^ eisenfest, z. B. Ttich K. 
Z. Ndrbetschd. Dehli. 

isig [isik Liebsd. bis Rapp?\ eisern. 
E. isige'' Ofe", isigi Stang, Natur, 'dr 
isig Mann . . z Milhüse' Lustig I 97. 

'yssnin* eisern Geiler J. Seh. D IIL 
'die rechte aufgeworfene Nass in einer eise- 
nen stirn' Fisch. Bin. 67. — Schweiz, i, 

547- 

isere" [isaro Bf. U^ eisern: Balken, 
Glockenstu/tl. Der isere Mann in Strass- 
burg, Stattie eines Gepanzerten mit Helle- 
barde, IJ28 aufgerichtet, iSyj eriteuert; 
s. A. Pick, s Ysere Manns-büechel. Ge** 
zum iser"e" Mann ! Abweistmg einer Re- 
klamation Str. 

iserig eisern. D Gfangene" han iscrigi 
Köjle" (Kugeln) a" de" Füess Barr. 

Iserole" [Isaröla Roppenzw.'\ m. PI. 
betrügerischer Krämer. De"" ghört zue de 
I. — aus Israel? 

fösenig [esonik 71/.] nach dem Stier 
verlangend = stiörik. — Schwab. 416 
osnig. 'osng rindern, Oskhue' Fischer, 
Geogr. d. schwäb. MA. S. lO. 

oiser, eiser [öisar Pfetterhsn.; eisar 
Olli. Liebsd. Roppenzw7\ Pron. poss. unser. 
Eiseri unsere Eltern, Familienangehörigen. 
Oiseri Buebe" sin'^ rechte Buebe"; Si= hän 
Chnittel unger de Chittel Un "^R^'^messer 
in de" Säck^" Verschen, um die Sprache 
der Bewohner von Pfetterhsn. zit ver- 
spotten, namentlich wegen oiser an Stelle 
des eiser der Umgegend. 

ü"s [unbetontes is, 9s Du. U.^ Dat. Acc. 
der I. Pers. PI. : zms. Hinicht is' ü"s 
alles verfrore"; aber Uns is' h. a. v. Dil. 
'Der Herr Pfarrer soll ess cbs vun synre 
Liebste singe' Pfm. V 8. 'S word mar 
erbracherigt dass ier üss bludd aasehn wee 
Esel un wee Stier' Pfm. II 3. 

US [ys allg^ Präp. mit Dat. aus. Er 
is' US ''em Beris, Gebiri^ er ist im Gebirg 
daheim. Er is' us d^'r Mül er wohnt in 



uS 



78 - 



uS 



der Mühle allg. Er is' us ^em Hüsle 
{Hüs*^l U.) ausser sich; auch besonders 
gut gelaunt, mutwillig Du. Ich komm 
nit US dem Gschribs ich werde a7is dem 
Geschriebenen nicht klug Hf. M*r kommt 
nit US i^m man weiss nicht, was er sagen 
will Su. Us Ise" von Eisen Su.; us Weg(s) 
azis dem Wege Hi. O. P^ ha'' das us mir 
selwer (ohne fremde Hilfe) geler"t Dil. 
Er t'^uet nüt (nichts) us i'^m selber atis 
eignem Antrieb Hi. — Schweiz, i, 550. 

US [ys allg?\ Adv. atts, bis zu Ende, 
fertig; oft als Bestimnmng bei Verbis : 
US mache" (das Licht) löschen, (Kartoffeln) 
ernten; us näjc" fertig nähen Katzent. En 
US getriwener Satan ein vollendeter Böse- 
wicht Geud. Hes' us gebrüelt bist du 
fertig mit Schreien} Dil. D Schuel is' us 
U. Jetz is' s Liedel us Dil. S is' us 
mit i^'m es ist zu Ende mit ihm, er ist 
tot Su. S is' US und us mit d'r Roppenzw. 
Do is' US un** ame", us un<^ fertig Sti. Hf. 
Jetz' is*^ US un'* nüt me dra", d'^r Bettel- 
mann het Hochzit gha*" Reimsprttch, wenn 
die Kinder noch mehr haben wollen Bghz. 
Gruss beim Vorübergehn an Arbeitern bei 
der Kartoffelernte : {G'iH s) wol us? Kembs. 
Er weiss weder us noch a" weiss sich 
nicht zu helfen Hi. Wo us wohin? Hi. 
s Dorf US. De" Monet us diesen Monat 
durch Hi. — Schweiz, i, 551. Bayer. 
I, 158. 

rund US Adv. durchaus, mit aller Ge- 
walt. Er het s rund us nit welle" lide" 
Sil. Er will rund us noch Amerika Bf. 
Er will jetz rund us e Su for e Pfif z 
kaufe" Dil. 

dus [tüs, tys 0.'\ Adv. draussen. D. 
schaffe" Feldarbeiter sein Steinb. Eine" 
d. lo" überspringen; d. bliwe" aus- 
bleiben. Vor der T^ür is' d. sagt man 
demjenigen, der ztt einer verschlossenen 
Thüre herein will Hlkr. 'duss zu Schwin- 
delssheim' Murner Mühle 1485. duß 
draussen ders. Bad. 8, 28. dus ebd. 10,4. 

— Schweiz, i, 561. Bayer, i, 159. 

drus [ixys Hlkr. Katzent. Hf.; imsRapp.] 
Adv. daratis, draussen, auf dem Felde, 
in den Reben. Ich bin d. kumme" aus 
dem Zusammenhang Katzent. Ich komm 
nit d. icJi finde mich nicht zjirecht Hf 
'der Schinder kummt nit drus' Pfm. I 2. 
do drus daraus: do drus wurd nix Barr. 

— Schweiz, i, 557. 



hus Adv. hier aussen. Scherzh. Morgen- 
gruss: Hus gschlofe"? Antw. Nei", im 
Bett Witternh. 'bistu huß in der Welt' 
Geiler Häsl. c IUP. — Schweiz. 1 , 
560. 

ah US [ahüs GeberscJiw?^ Adv. heraus. 
I bin fro'', ''ass i*^"^ de" Za^'n a. ha^. 

her US, er US, rus [arys Gegd. v. Colm. 
Geisp. ; arys Aliw. Str. Hf.; rys K. 
Ingcnh. Ftirchhsn^ Adv. heratis. H. 
bekumme'* etwas Verborgenes erfahren 
Geisp. ; (Geld) heraus bekommen. S 
kummt nix derbi e. es hat keinen Ntitzen 
Geisp. Wenn beim Spiel der eine atif- 
f ordert : erus ! antwortet der Andre: e 
Russ is' ken Türk Hf. ^erus, Zucker- 
ebsle erus! rufen die Kinder dem Tauf- 
paten zti. 'Sieh do, just hinter'm letste 
Buurehuus Springt kisti unser Flüssel, 
d'Ill erus' A. Stöber Schk. 5. 

'^'nus [nys U7\ Adv. hinaus. N. ge^n 
atifs Feld, in die Reben gehn. D^r Acker 
n. ge"" atif dem Acker entlang gehn. 
Wellen i^'r au*^'' nus? Morgengruss Z. 
Prinzh. Ge''n mitenand, un'' nit einer 
do nus un*^ der ander dert nus ! Vgl. 
'und nicht einer hie nausz der ander dort- 
hinaus' Geiler Narr. 10. Er brüelt 
üw'^r alli nus schreit lauter als alle andern 
Du. S henkt mir jo baP zum Halsch 
nus Altw. Nit wisse", wo n. un*^ wo na'' 
Bf. Hudee, als nus! Sche^tchruf für 
Enten tmd Gänse. 

obenus [owonys Ruf. Hlkr. U^ Adv. 
oben hina2is : d Milch is' o. grennt über- 
gelaufen. Er is' glich o. gleich auf 
das Höchste atifgebracht Rief, 'so wollen 
wir Wiber alle oben auss vnd nienden 
an vnd eyn jede eyn sonder recht haben' 
Fisch. Ehez. 319, 16. s. auch zu an. 

— Schweiz, i, 555. 

drüber nus [trewar nys Du. Z.~\ Adv. 
darüber hinaus. Gi'' a bisle Acht uf 
sePe" Stein, nit '^ass de d. n. gheist da- 
rüber fällst Du. Ja, do is' jetz nix ze 
mache", du kanns' nit d. n. springe'^ das 
kannst dti nicht vermeiden, umgehen Z. 
Das is' schlecht gemacht, s is' nur d. n. 
gstrud^lt oben hin geeilt. Er is' nit un- 
gattig, er luegt e bissle d. n., wenn eine' 
e kleine" Feier macht Du. 

überus Adv. überaus, meist in der 
Verbindung überus gnue^ reichlich gemig. 

— Schweiz, i, 555. 



uS 



— 79 



uS — äSCH 



vor US [förys Liebsd.; betont iorys Stc^ 
Adv. voratts. V. gange" voraiisgegangen. 
Dis sag 1'='" dir zum V. im Voraus Su. 
— Schweiz, i, 556. 

f'von dem vor u sslin der geweitigen' 
Essen vom Ertrag der Glücksspiele 
Geiler alt. Sehr. 21. 'der schleck den 
man nennet ein vorusslin' 22, 

usse" [üs3 Sierenz Steinb. Urbis 
Su. Gebersehw. Du. Co.] Adv. draussen, 
aussen. Am Bach u., im Wald u. Hi. 
S is' im Dorf u. arrewiert Urbis. Üwer 
u. drattssen Mü. Vu" u. von aussen Su. 
Er wo'^nt ganz neben u. abseits, abge- 
legen Hi. Vor u. vor dem Hatise Steinb. 
Gebersehw. Er is' z usserst u. so 
weit draussen als möglich, z. B. auf 
einem Aste Su. 'über naht usse sin vor 
der Stadt' Chron. 845. 'das ander aber 
aussen lassen' Mosch. I 95. — Schweiz. 
^» 559' {ffihd. uzen.) 

drusse" [trüsQ Co.; trys9 U.'\ Adv. 
dratissen. Owe" d. atisser sich, zornig, 
hoffärtig. P'^ bi" zusserst d. gsi" ich 
war sehr gefährlich krank Bf. 

dussc"» [tüsa Ruj. Logelnh. Du.; tysa 
Ltitterb. Ingersh. M. Geisp. K. Z7\ Adv. 
dratissen, vor der Thüre, auf dem Felde. 
D. schaffe". Eine" d. lo'*"" überspringen 
Du. VVit d. sin dem Tode nahe sein. 
Glich owe" d. sin leicht aufbrausen Hf. 
'wir hant vil Brüder dussen glon' Brant 
Narr. 108, 155. 

husse" [hüsa Co.; hysa Du. U. W^ 
hier draussen. Der het s h. ! hat seine 
Arbeit gut fertiggebracht, hat sein gutes 
Einkommen und Atiskommen ; ironische 
Ablehnung einer Zumtittmg: du hes' s h. ! 
Dti hast deine Meinung, deinen Wtmsch 
gesagt, aber es wird nichts daraus. S 
is' h. es ist her atis gekommen , bekannt 
geworden Bisch, ahusse*^ hier draussen 
Ingersh. do husse" da dratissen Str. 

ussewen'iig, ussewenzig [üsawanik 
Du. ; ysawoenti;^ Str. ; ysawani K. Dtm- 
zenh. Gimbr. Furchhsn. ; ysowantsi Wörth 
Z. ; -j-ysowoeni;^, ysswaentse;/ Wh7\ Adv. 
atiswendig. Das ka-w-i u. Du. 

usser [ysr Hf.; i\%x Dehli7\ Präp. mit 
D. atisser. u. si<='' ausser sich, von Sinnen, 
verrückt; atich i<^^ bin usser si'=^ neben 
usser m'r Hf. Ich bin schier gor u. si'^'^ 
wor'^e" Dunzenh. Ingenh. — Schweiz. 
I, 561. 



usser [üsr Liebsd. Urbis Su. Du."] 
Adj. der äussere: der u. Baum der 
weiter dratissen stehende Batim Sti. 

Stiperl. usserst [ysrst f/.] dr u. Pris 
der höchste (oder niedrigste) Breis Stt. 
S is' z u. usse" mit '•'m er steht ganz am 
Ende (vor dem Bankrott, vor dem Tode) 
Banzenh. Bf. Er ste'^t z u. an der Rei*^ 
Heidw. — '■ Schweiz. 1, 562. 

usserlig, üss erlig [ysrlik Logelnh.; 
isrlik Bf.; isrli Str. f/.] Adv. äusserlich, 
von aussen. — Schweiz, i, 563. 

usserwärts [ysrwaerts Wh.] Adv. atis- 
wärts, verreist. 

füssere" 'sich issere sich schauervoll 
entsetzen Str. Ulrich. 

düssere" [tisora Ingeith.'] dass. Ich 
hab mi"^'' ganz gedüssert. 

Usele [Ysol9 Niffer'] f. junge Gans. 
Das sin*^ schöni U. 

Usele [Us9l3 Ndrbetschd.~\ n. schmutzi- 
ges Kind. 

Dreck usele n. kleiner Schnierfink 
ebd. — Vgl. Au"sel 7. Betätibtmg, 2. 
Umnut, böse Latme Schwab. 32, zvo 
auch Armut unsel iammer Vocab. 1^82; 
Bayer, i, 158. MA. IV loi. Vgl. mhd. 
unsaelde, got. unsels. Thüringische Rda. 
'Ein Häufchen Unglück' = Dreck. 

user [ossr Bf. U7\ jüd. wahrlich, 
wahrhaft, [s is osor nur tsya wor]. 
— • nach Weiss JB. XII 163 ist user jüd. 
Schwtirformel für nein, hebr. asür ge- 
bunden, verboten. Daraus: 

User [ysQr Obhergh.~\ m. Schimpfname 
für Jtide. 

usiere" [ysiro Str. Mutzig'] abnützen. 
Die War is' leids schnell usiert der Stoff 
ist schnell abgenutzt. — frz. user. 

'Eskimo zwergartiger Mensch' Str. 
Ulrich, .y. attch Erzkimo. 

Asmeiele n. Robitiia, Robinia pseuda- 
cacia Rtif. 

Espes [Esp^s Str. Hf.] f. Art. En E. 
Wackes eiit richtiger Lümmel, en E. Sim- 
pel ein halbverrückter Mensch. — frz. 
esp^ce. Schweiz, i, 572. 

Astiko [Astiko Str. Benf] n. (>) meist 
PI. Maden, Würmer, die sich an faulem 
Fleisch entwickeln und als Köder beim 
Fischett viel gebraticht werden. — frz. 
asticot. 

Äsch ;«. Fischart. 'Aschia, Thymallus 
äsch' GoL. 321. 324. 



äSCH 



cSCH - aST 



Äsch« [As fast allg. ; ALs Str. Ndr- 
röd. Lützelstn. Wh. Dehli.~\ f. Asche. 
Brüchen \^r eiri Ä. all für buche" brmicht 
ihr alle eitre Asche, um mit Laiige zu 
waschen } Lützelstn. Zu ableitenden Fuss- 
bädern wird eine Hand voll Asche und 
eine Hand voll Salz ztigesetzt Hf. Gang 
ge^"Ä. grüttle" wühlen! (Abweisung). Ge" 
heim un'^ lej i" d Ä., ''ass di'"'' d Mucke" 
nit Verschisse*^ pack dich fort! Hindish. 
Zss. Äsche"grittel. 'Und mit den Leim, 
äsch, erd und mist' B rant TVhirr. 54, 15. 
'Wenig sich zu der äschen nahen' ebd. 
iio'', 60. 'esch' Geiler P. III, 44. 'Die 
eschen von dem herd vff rumpt' Murner 
Mühle 418. 'cinis äschen' GoL. 349. 'lehrt 
sie, wie man spricht, inn die äschen . . 
blasen das sie sich selbs darob plenden 
und bemasen' Fisch. Ehez. 3, 120. Vgl. 
Walther v. d. Vogelzveide 38, 7. 8. 'Die 
supp all in die äschen lieff Flöhh. 658. 
'in die Äsch legen reduire en cendres' 
Martin Coli. 137. 'staub vnd iische' 
Mosch. I 339. — Schweiz, i , 564. 
Bayer, i, 166. 

Potäsch^ [Potaes Ndri'öd. ; Potas 
Ingenh^ f. Pottasche. — Schweiz, i, 566. 

Reitäsch [Raeitas Z.] /. Reitasche, 
Rückstände der Bhitlaugensalzfabrikation 
auf der Reidt in Buchsweiler. 

-|-Weidesch Pottasche, 'weidesch, senf, 
milch' Brant Narr. 102, 16. 

äs che" [asa Sti. Ruf. f/.] äschern, 
Asche auf einen Acker, eine Wiese streuen. 
M'^r muess ä. wenn ken Wind ge'^t Ruf 

Äscher, Äscherig [Asar Su. bis Hf; 
Asorik Su. Orschw. Du. ; Asori Bf. ; ^sar 
Str. Wh.'] m. i. Die zum buche"* ver- 
wendete Asche, die ausgelaugte Asche. 
'der äsch er erbeißt die Hasenhaut geiler 
Häsl. c VI. 2. Rebenkrankheit, Oidium, 
wobei Blätter und unreife Beeren wie mit 
Asche bestreut sind ; sie werden daher ge- 
schwefelt. — Schweiz. 1,566. Schwab. 30. 

Zss. Äschermittwoch U. 'Aescher Mit- 
woch' Fisch. Bin. 20. 

1" Äsch, Esch, Name eines Feldbezirks 
in Rixh. (Rixheimer Dinghofb.) 'in der 
Asch.* — Äsch bezeichnet: i. einen Feld- 
bezirk mit stehender Saat ; 2. die Gemeinde- 
weide, Almende. Flurstrecke. — mhd. 
ezzisch. 'Ezzisch (Sat vel Wase) seges' 
Herrad iSi''. — Schweiz. 1, 569. 
ScHWÄiJ. 29. Bayer, i, 167. Hess. 95. 



Esch'^ [Esa Hi. ; Es Katzent. ; Is Wh.] 
f. Esche. 'Fraxinus äschen bäum' GoL. 

389. 

c s c h e " , i s c h e " [iss Wh7\ Adj. eschen : 
ische'^ Holz. — Schweiz, i, 568. 

Esch'= [Es Ensish.'] f. Espe. 

Esche"rösel, Esche"grisler, s. 
-rösel. 

Ischa [ls9 Strtlth 60.] ;//. Jude, 
Jüdin. — Bayer, i, 168. 

Aschkenes [Askanas Str. Hf7\ m. 
nicht im Reichsland geborener Deutscher 
(jüdisch). — JB. XII 131. 

Äsper [^spar Lohr Wh.] m. Grauen. 
S is'^ cn Äsper gewe'^n es war gräidich. 
— mhd. eisbaere, egesbaere? (Oder zu 
Schweiz, i, 571 unasper unansehnlich}) 

a i s p e r 1 i c h [aisparli;^ Rauw. ; aesparle;^ 
Wh.] Adj. u. Adv. abscheulich, schreck- 
lich. Er hat ganz a. gemacht, wo er dis 
ghört hat. — Vgl. mhd. egesbasric. 

Esp, Espe [Fip Hi. Du. M. Bf.; 
Aspa Hlkr. K. Z. Geud. Lobs. Ndrbetschd. ; 
Asp Ndi-rödern] f. (m. Geud.) i. Espe, 
Populus tremula. 2. Esche, Acer cam- 

pestre Ndrröder'n. Geud. 'Aspenbaum Po- 
pulus nigra' Dasyp. Zss. Espe"holz. E.- 
laub. — ScHw;eiz. i, 571. Bayer, i, 168. 
Hess. 95. 

Flauderespe/". Espe, Populus tremula. 
Er zittert wie e F. Horbg. 

Steinespe ['Stainäspa Lohr; 'Stänäsp 
Ndrrödern] i. m. Pappel Lohr. 2. f. 
Steinesche, Acer campestre. 

Espele [Aspala Strüth Stt. Oscnb. Co. 
Geud.] n. (f. Strüth!') i. Mispel, M&%^\\\\s 
germanica (Frucht, Obst). Holz vo" me 
E. Osenb. 2. Fnuht der Eberesche Strüth 
Co. — Schwab. 29 Äspelen , Aispein, 
Näspein PI. Bayer, i, 168 Espel. Vorn 
ist der Nasal abgefallen, der in ital. 
nespola, frz. n^fle als n erscheint. 

espe" [a§pa Lobs. Ndrbetschd^ aus 
Espenholz: espe" Holz, espe"s Holz 
Lobsann. 

Esper, Espesett, Espasek, P3sper- 
sek, Espazck [Aspar Horbg. Dil.; 
Eäpaset Kerzf. ; E§pas6k Heidw. ; Espars^k 
Geberschw. ; Espats^k Su^ n. Esparsette, 
Onobrychis sat., Klecart. — Schweiz, i, 

Ast [Ast Str. ; Ait Ndrröd. PL MX 
StrT] m. Ast. 2. ausgewachsener Buckel 
s. ««c// Nast. — Schweiz, i, 572. Bayer. 
I, 168. 



aST 



oST 



oST — äT 



ästig ästig, mit Asten versehen Ndrröd. 
— Schweiz, i, 577. 

a bastle" abästen, einem jttngen Baum 
die tinnützen Äste abhauen. — Schweiz. 

1, 577- 

Aster [Astor f/.] f. Zierpflanze aus 
der Familie der Compositen, Aster chinen- 
sis. Man hat Summerastere" tmd Winter- 
astere". Dänin. Asterle. — Schweiz, i, 

577- 

aschtere" ka7i.fen, altstrassburgische 
Verderbnis von frz. acheter. Eijte Gärt- 
nersfrati in Strassbtirg soll einen Fran- 
zosen zum Rübenkaufe eingeladen haben 
mit den Worten : Wälscher, aschter, wenn 
d a. wi"'*t, Biss drin, pfetz drin, dräj ne" 
de" Wadel eriim! Mini Ruewe", sin'^ so 
bung [frz. bon)'? Tummel di*^*", suns' 
klimmt e femme de bourgeois, Git"! e 
Gröschel dawantasch: No'^'' , Wälscher, 
icanns' Dreck fresse". 

ästers [astars Mütt^ Adv. eigentlich. 
Wo bis' ä. gsi" ? s. ächters. 

estimiere" [astamiara Olli, bis Dil.; 
estamiera Sier. Hi. bis Lobs. ; ^stamira 
Str. 1 /. achten, schätzen, hochachten : 
D alte" Lüt muess m^r e. Neuhof. Ge'' 
e bissei ziie ne, dass se doch se"n, dass 
d" se estemiers' Brum. 'O ! ler Herzkäfer 
ier ! I gsychs, err estemiere mi ali zwai' 
Pfm. I 4. 'So e Dochtermann, wo d' 
ganz Stadt estemiert' ebd. III 2. 2. 
schätzen, vermutungsweise Inhalt, Ertrag 
oder Wert angeben (selten) : P^ estimier 
mir eso zwanzig Ome" Dil. j. beachten 
(stets negativ) : I ha*^ m'r de" Fuess ver- 
renkt, awer das e. i'^'^ nit Su. Bf. 4. 
schonen (nur negativ) : d Kleider nit e. 
unsauber halten Lobs. Part, gestimiert, 
seltener estimiert : angesehn : arig g. hoch- 
angesehen Dil. Er is' gar nit gestimiert 
in siner Frindschaft er ist unter seinen 
Verwandten gar nicht angesehen Ruf. — 
Schweiz, i, 578. Bayer, i, 168. 

Auster [Aüstar Str7[ f. Atiswurf beim 
Spucken (ebenso holl., frz. huitre). — vgl. 
Schweiz, i, 578. 

Ostre^ [0st(9)ra allg^ f. Osternfest. 
d O. is"^ (sin*^ Wh.) dis Jo"r spot, sie is' 
erst mittle" im Awril Dil. Hut vierzehn 
Tas ist O. Wh. An der O. am Oster- 
tage Hf. Uf d O. gegen Ostern Hf. 

2. österliche Komnmnion der Katholiken: 
d O. mache" Dil. Er macht d O. mit 
de" Müller" beichtet zuletzt Bf. Hes' 

Wb. d. eis. Mundarten. 



d O. schon gemacht? Ne'", ich hab se 
au'-''^ nit verheit zerbrochen (scherzh.) 
Wilwish. — Schweiz, i, 580. Bayer. 
I, 170. 

Zss. Osterbrod, Osterei, Ostertag. 
'Es ist euch auch nit allzeit wie einem 
Pfaffen am Ostertag Vous n'estes pas aussi 
tousjours en vos bonnes* Martin Pari. N. 
771. 

Osterluzei [Öötarlatsei Ensish.'\ f. 
Pflanzenname, Aristolochium. — Schweiz. 
3, 1569- 

Atem, Ate"' [Ötm fast allg. ; Öta 
Roppenzw. Hi7\ m. Atem. Der O. is' 
'^'m usgange" er ist gestorben Obbr. Y^ 
ha'' fast ke'" O. me'^'' bekomme" Su. 
Der O. a"hewe" den Atem anhalten Du. 
E kurze"" O., e schwere"" O. Osenb. In 
eim O. hersaue" Obbr. Er ka"" zwei Mol 
lieje" (lügen) in eim Otemzug Dil. 
'Si werden engbristig dar von, das sie 
kein otem mögendt Ion' Murner Mühle 
622. 'Athem' Dasyp. — Bayer, i, 35. 

atme" [ötma Winzenh. Bf. f/".] 
atmen, i" otme"* Bf. 

Attake [Atäka Olli. Ruf. Co.'] meist 
PI. Anfall von Tobsucht, Epilepsie, co7t- 
vtdsivischem Zittern, s. Antak. 

autöntisch, atentisch [äitantis Bf.; 
ätantis Meisengott ; ätantis Z.] recht : s 
war m'r a. es wäre mir recht; s is*^ e 
atentischer Kerl ein tüchtiger Kerl Meisen- 
gott. Dis Meidel will e Köche" sin un*^ 
ka"" nit emol en autentischi Kachelmues 
koche"! Bf. -^ Schweiz, i, 589. 

Attestate [Atestäta Ingw7\ Zeugnis. 
Rda. Er het m'r ken A. ge'^^n er hat mir 
kein Gehör geschenkt. 

Ätte, Ätt [At9 Liebsd.; At il/.] m. 
I. (Kindersp.) Vater; s. auch Datte. 2. 
Grossvater M. (hätifiger Grosätt). 'Atte 
Grossvater IJ08' CS. So atcch Closener 
ttnd Königshofen Chron. — Schweiz. 
I, 583. Bayer, i,. 171. 

Ette [Et9 Liebsd. Bf. Hf. Tieffenb.'] 
m. Vater (jetzt bes. jüdisch) ; übertragen 
auch und häufiger: Grossvater; seltener 
Ehemann. Scherzhaft im Kartenspiel: 
wenn jemand Trümpfe hat, sagt er : wenn 
Etten is', haw i'^'^ Memme Hf. 'ir alten 
minnen und etten' Dancr. 139 Anm. 
'Es ist ein nüw gewonheit hie uff gestan- 
den, da oben im land sprechen die kind: 
wo is mein muoter, oder wo ist unser 

6 



äT — iT 



iT 



muoteroder mein vater; aber hie so sprechen 
sie : wo ist der ete, wo ist die muoter ; 
und darumb, das ir die Kind nit leren, 
so muos sie der hencker leren ; sie leren 
nüt giiots und werden galgenschwenkel 
daruss; die kind sind vater und muoter 
vndankbar und auch Gott dem herrn' 
GmiSER Evangelibuch Bl. 3 (15 15). 'Ette' 
auch für Mann, Gatte ds. P. i. 22. 
'der ett {alte Vater) muss unden am tisch 
sitzen oder hinder dem offen' Sund d. 
M. 44. 6. P. I. 64 K 'dem Vatter . . . 
Ette ruffen' Fisch. Garg. 99. 'Der Ette 
rennt, es rennt der Suehn' E. Stöber II, 
128. — Hess. 95. 

Grossätt, G-iitt, Grossätti [Krosat 
Dunzenh. Hf. ; Krüsyt Geud. ; Krosati 
Brum. ; also nur U.^ m. Grossvater 
(häußg, aber niir bei Bauern). Eim de 
G. zeije" grössere Knaben pressen den 
Kopf von kleineren zwischen die flachen 
Hände und halten sie so in die Höhe, 
um ihnen den Grossätt zu zeigen. Dentin. 
Grossüttel [Krusytal Geud.~\ — Schweiz. 
I, 586. ^ 

Attig [Atik Sti.'\ Attich, Sambucus 
ebulus. Attich wächst nur auf guter 
Erde; deshalb sagt man auch : Wenn e 
Blinde"" ne Acker will kaufe", sc seit er, 
me" seil '"'m s Ross an e Attigstud binde". 
'Ebulus Attich, Feldholder' Gol. 429. 
Zss. 'Attichwurzel, Radix Ebuli' Pharm. 2. 
— Bayer, i, 172. 

Etel in Vorätel [Foraetl Lorenzen ; 
För6tl Wh.~\ n. Ende eines Feldstückes, 
das zu nass ist ztmi Pflügen und mit 
Gras bewachsen bleibt. Syn. Fürhäubel 
K. Z. 

jFebris hectica der Etichen oder 
Etkum' Gol. 280. 

etlig [^tlik SuT^ PL etliche, einige. 
S is' scho" etligi Mol passiert. De' het 
sini etligi verwitscht der hat gehörig viel 
Ohrfeigen, Streiche bekommen. — Schweiz. 

I, 59°- 

^Etter Feldgränze, Markscheide (alt. 
Mü.) Stöber. — Schweiz, t, 597. Bayer. 
I, 174. 

Eiter [Ätor Bühl Ndrrödern\ m. Eiter. 
Nur N. ; daneben das sonst allein gebräuch- 
liche Materi. 'Eyter' Dasyp. — Schweiz. 
I, 602. Bayer, i, 172. 

[-Italiener, Taljen er {Str. Ulrich, 
Kettner GvH. 12) m. Spezereihändler. 
Diese kamen in früheren Zeiten meist 



aus Italien, handelten mit Gewürz (daher 
auch im 16. Jh. Wurzkrämer genannt 
z. B. der Vater Fischarts), Salbe, Pomade, 
ajich Brillen, Thermometern, Barometern 
ti. s. w. Abkömmlinge von ihnen noch 
jetzt in Strassburg an den ital. Namen 
kenntlich: Sagliö Martignoli ti. s. w. 
'S"" Peneos, dem Italiener allhier' Str. 
Not. Urk. 1745. 'Dnoh for e Muschket- 
nuss drei Su 'ne halwi. Frau Dorothe : 
Na! do het merr ych betreaue. Bryd: 
Der Idaliäner het merr si jo vorgeweaue' 
Pfm. II I. 'S geht jetz . . . zuem 
Idaliener grad um Bäredreck ze kaufe' 
HiRTZ Ged. 171. 

itel [itl Ulk. K. Z. Lobs. Zinsw. ; 
Nebenf. ytl Hf.l^ Adv. eitel, lauter, nur. 
Dis soll Win sin, es is' jo itel Wasser 
Lobs. Der (dieser) Mensch is' jetz i. 
Bosheit Lobs. I. Pfenni"« nichts als 
Pfennige Hlkr. ; s sin i. von dere Sort 
K. Z. Zinsw. ; i. Rots lauter rotes Reben- 
gewächs Hf. Dis sin"^ i. gueti Grumbere" 
Ingenh. Nttr U. 'itel Golt, itel Seiden' 
Chron. 'Man soll die Dächer decken 
mit itelen Ziegeln' Strassburg 13(^4 'CS. 
'von itelin Zucker one Ammelung' 1470 
CS. 'Niemant mag sicher sein in disem 
leben, das ytel anfechtung ist' Geiler L. 
K. 40. — Schweiz, i, 602. Bayer. 

i, 175- 

itlis [itli M. Z.] Adj. unvermischt. 
Im itli^e" mitten im, im vollen : im itli*^e" 
Reje" het uf ä' mol d Sunn gschine" ; 
[em itlig Fora es üf 6mül s Pfärt sten 
kaplewg mitten im Fahren ist atif einmal 
das Pferd stehen geblieben Geud.] ; der 
het is (uns) grad usem itli^e" Babble*» 
vertriwe". — Schweiz, r, 602. Bayer. 
I, 176. 

item [itom Hf^ Adv. kurz (zusammen- 
fassend am Ende einer längeren Er- 
klärung) : item, er is' e rechter Lump. 
Rda. bes. jüdisch : item so viel ! das ist 
immerhin, wenigstens so viel Hf. — 
Schweiz, i, 602. Bayer, i, 176 lat. 
item. 

Item [Itam ///. Str. Hf. Rotb. Lobs.; 
Itüm Wh\ m. n. i. Grtindstück, Stück 
Land. Er het e par I. gekauft. Sini 
I. wer''e" versteijt seine Grundstücke wer- 
den versteigert Bf. Dis is' e guets I. 
ein gutes Fl'ld Stöber Mäder. 2. Posten 
in einer Rechnung: s ste^t noch en I. 
vom vorige" Jo^r ze beza^^le" Hf. {In 



iT 



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— 83 



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älteren Acten, Verträgen n. ä. wird bei 
AufzähUmg der einzelnen Grundstücke 
und Posten das lat. item vorgesetzt, so 
auch zuweilen vor der ersten Position^ 

— Schweiz, i, 603. 

Ittene [Itono Str. ; Itno A'. Z.~\ Orts- 
name : Iticnheim westl. von Strassburg. 
Rda. Er si*^! us wie d'^r Tod von I. Str. 
(Vgl. Hess. 412 aussehen wie der Tod 
von Ypern ; ein Ereignis von l'jgs wurde 
als Bewährjing des Sprichworts angeführt.) 
Er sie^t us wie der Propst von Ittene ist 
ein dicker Mensch Str. 

itere", i"trücke" [itora Wörth; Itreka 
71/.] wiederkäuen. — mhd. itrücken, ahd. 
itaruchan. — Schweiz, i, 603. Lexer 
I, 1463. 

'Otter Lutra' Dasyp. 

Fischotter [Fisiitr Dollern; Fesötr 
Z.] m. (n. Z.) Fischotter. — Schweiz. 
I, 604. 

Otoritätel [Ötörit^tl Str.'] n. Kind, 
das im Hause befiehlt. 

Uter [Ytr allg.\ PL -a] n. {f. Barr 
Dflllern Wh.) I. Euter. 2. ironische 
Bezeichn7ing eines Verlustes : De'' macht 
e nette" Üter der hat grossen Verlust im 
Geschäft Dollern. Demin. Üterle [Itrla 
Felleri. Ingersh^ kleines Euter, Euter- 
fleisch. 'Uter Mamma, über' Dasyp. — 
Schweiz, i, 606. Bayer, i, 173. 

Geise" üterle [Kaisoitrla 71/«.] n. 
scherzhaft : die Ziffer ii, wegen der zwei 
Striche am Euter der Ziegen. 

K neunter n. i. Kuhetiter. 2. Pflanze, 
Colchicum autumnale Bf. — Schweiz. 
I, 606. 

Schafuter tn. f. Dummkopf Obhergh. 

— atis frz. Jean foutre. 

Schlamp uter f. langes, herabhängen- 
des Euter Obbruck. — Schweiz i, 606. 

utere" [ytaro Ruf. Attenschw. Heidw. 
Sieinbr. Obhergh. KerzfT] melken (mehr 
scherzhaft). Grussformel: Wi"^t ge*'" u. ? 
gehst dti zum Melken} — Schweiz. 
I, 607. ^ 

ätschi [atsi Fislis\ Ausrtif des Abschetis 
in der Kindersprache. Ghei das eweg, das 
is' ä. ekelhaft. — Schweiz, i, 608. 

(etwa), eppe [epa Sierenz Liebsd. bis 
Lobs. Roth. ; epo Dehli. ; bv/3 Obhergh. 
Hlkr. Ingcrsh. Mittl. Rapp^ Adv. etwa, 
U7tgefähr, hin und wieder, von Zeit zu 
Zeit, vielleicht, hoffentlich, doch. Er het 
e. zwanzig Mark v=rlore" Logelnh. Der 



is' e. hundert Mol komme", aw*^r s het 
nix gnutzt Hlkr. Lueg gschwind, ob cwe 
s Vi*^'"^ z Schade" (arif fi'cmder Wiese) is"^? 
Er kummt e. e Mol (hier und da) zue 
m'r. Du wurs^ e. (doch wohl) gnue^ ha" 
Du. Se kumme", se poltere" e. sie machen 
gehörig Lärm Steinb. Bis' de e. 
gschosse" bist dti vielleicht verrückt} Lobs. 
'Sinn ebbe ' myni Vers nit hochdytsch uf- 
gebunde' Pfm. V 8. [Er waeat to;^ eps 
(hoffentlich) khümg, e;^ hon na jo kalät 
Wh^ Ich ha*^ mi" Sach e. (gewiss) guet 
(ge)macht Steinb. Bf. E. o"'^''? 

hoffentlich Steinb. War s nit e. besser, 
we"" m^r mit Erdäpfel delwe" e wenig 
t'^ät warte", bis es hübscher Wetter gi^'t? 
Jo e. Ja wohl Mittl. E eppe, E. denn 
allerdings, natürlich. Meins"^ e., hä? Was 
glaubst du denn} Sier. Verstärkend: hes' 
du e. eppes dervu" gseit? Szi. Is' e. epper 
dus ? Du. Scherzspruch : Het eppe epper 
in epperm eps gseit? Rapp. 'Hat der ebbe 
ebber ebbes gseit?' hast du Wind von 
der Sache} Mü. Mat. 49. 'Hat d'r ebbe 
ebber ebbes tho?' ebd. JB. II lyi. — 
mhd. etewä. Schweiz, i, 590. Bayer. 

I, 173- 

(etwan) eppen, eppene [^pan, epana 
Olli, bis Hf.] Adv. = eppe. Ich ge'' as 
eppen {von Zeit zu Zeit) e Mol ins Wirts- 
hus Hf. Eppene zehn Liwer Z. ; eppene 
fufzig Jo^r ungefähr (hier könnte auch 
vor der Zahl e'" vorgeschlagen sein) 
[dpana tswäntsik -= a 'Stekar tswäntsik Z.]. 
Er is' eppene so schwer a's ich ziemlich 
so schwer Su. 'etwan nonnunquam' Dasyp. 
— mhd. etewenne. Schweiz. 1, 594. 
Bayer, i, 174. 

(etwer) epper [epr Olli, bis Wingen 
b. W. Tieffenb. Altw.; eprt Wh.; fehlt 
K., ist selten Z.] Jemand. S is' epper do, 
dusse". Ge^, löj emol, eb den e. fings', 
wo uns morje" könnt de"* Garte" erum- 
schüwle" Lützelstn. E. Arms eine artne 
Person. Gi^t der Gizhals epperem eps? 
Bf. Ich ha*" epprem dr Uftrag ge''^", er 
soll m'r Me*^l bringe" Hlkr. ''S kummt 
epper. Wer kann 's sinn?' Pfm. II 6. D-r 
Herr E. vo" Zelle"berig (Dorf bei Rchw.) 
jemand, den man nicht nennen will, 'etwar 
aliquis, nescio quis, ullus' Dasyp. irgend 
wer Oelinger 83. — Schweiz, i, 594. 
Bayer, i, 174. 

(etwas) eppes, cppis, eps [6pas 
Sier. Liebsd. bis Co. ; 6pis wird nach N. 



eTW 



eW 



84 



aX 



zu allmählich von dpas verdrängt Ruf.; 
^ps Dil. Rapp. Molsh. K. Z. Wörth Ndr- 
bctschd. Hau. Altw. Saarun.~\ etwas. G\° 
m'r eps! Saartin. Hann i^^r m'r noch eppis 
z Mittagesse"? habt ihr noch etwas zum Mit- 
tagessen für mich Ruf. Ich ha'' eppes bekum- 
me" ein Geschenk, ein Geschwür, Prügel be- 
kommen Katzent. P** ha'' eps gfunde" Du. 
Was? E eps, ^'^ sa? d'r s nit Du. Nit 
fil eps nicht viel. Za^'ls' eps? nämlich zti 
trinken im Wirtshaus Du. Eps oder nix! 
Ausruf beim Spielen oder wo sonst etwas 
gewagt wird : va banque! atich bei Sachen 
von geringem Wert Str. Der het jetz alle- 
wil eps der ist beständig leidend Str. 
Is' das eppes, wenn me"s het! das ist 
doch gewiss nicht viel. Dis is' eps! iro- 
nisch : wenn es weiter nichts ist Str. 
Ziemlich viel, oft: er het schon eps Geld 
verwäsche" eine ziemliche Menge Geld 
durchgebracht Molsh. Z. [I ha s am sü 
epss kseit, äwr s pät nit M7\. Dis Jo^'r 
het s eps Grumbere" ge^'^n Hf. Der lauft 
eppes (oft) zuem Doktor Su. Der macht 
e Par Auge" wie eppes Böses der Teufel. 
'ein teils epps minder, ein teil epps 
mehr' Mosch. II 500. 'noch ebs' Hochz. 
1687. 'Er isch jez wie er isch, un ebs 
isch meh als nix' Pfm. V 7. 'wo-n-im 
Gang gsi isch siter ebbes Zit !' seit einiger 
Zeit Lustig II 569. 'etwas' Dasyp. — 
Schweiz, i, 595. (mhd. etewaz.) 

awal [äwäl Hf^ Adj. nur prädicativ : 
sich nach vorn senkend, abwärts geneigt. 
Di**^ Stej is' a. die Treppe ist atisgetreten. 
— frz. ä val. 

aNvertiere'' [äw^rtiera Hf. Dehli7\ war- 
nen, in Kenntnis setzen (häufig in der 
Gerichtssprache). — frz. avertir. Schweiz. 
I, 608. 

Äwalider [^wälitr Mutzig'] f. kleine 
schwarze Wildkirsche. — frz. invalide? 

Ewerfinz [Kwarants Ingersh.~\ f. Knie- 
beugung, Reverenz: in d^r Kirch macht 
m'r e E. 

ewig [dpik Fislis; dwik Sti.; dwi Str. 
K. Z. ; 6vfi^ Wörth] ewig, sehr lang. 
De' macht e. der lässt lange auf sich 
warten. Adv. Das hebt c. das hält lange 
Zeit. 'Tag un Nacht sinn ewig' Mü. Mat. 
64. — Schweiz, i, 609. Bayer, i, 179. 

Ewigkeit [Epikhait Fisl.; Ewikhait Ä^. 
Du. Str.; Ewikhaeit K. Z. Ndrbetschd.] 
f. Ewigkeit, sehr lange Zeit. Er is' en E. 



fürt bliwe". Er is' e E. nit kumme". Dis 
durt jo e-n-E. ! Z. s. auch Esel i. — 
Schweiz, i, 612. 

Ax, Äx [Aks Hi. bis Ndrbetschd. ; Aks 
Rchw.; Eks Avolsh. Wh.; .^ks Str.; Fl. 
— a] f. Axt. Hergott, Vater, lang d Ax ! 
scherzhafte Drohung gegen zudringliche 
Kinder. Hausname 'Zur Ackes' 1257 CS. 
{Die Brauerei zur Axt in Strassburg 
wird d Äx [t ^ksj genannt; ebenso er- 
scheint Axt als Wirtshausname bei Stephan 
von Btdlhaym i§2j : Liebich.) Ax Berg 
südlich von Gebweiler. 'Axt' Dasyp. 'Agst' 
Geiler 6". d. M. 5'' {Gloss. agkes) Stöber. 
'des Vulcan Achßt' Fisch. Garg. 159. Zss. 
Axe"helm. 

Demin. KxqI [Aksla Hi.; Aksl Dollern 
U.] n. grösseres Messer, Rebmesser 0. ; 
kleine Axt U. — Schweiz, i. 617. 

Breit ax f. breite Axt der Zimmerleute 
Winzenh. — Schweiz, r, 620. 

Dunderax ;;/. Donnerkeil. Schwefel- 
kies, nach dem Volksglatiben vom ein- 
schlagenden Blitz erzeugt. 'Donnerstraal, 
Donneraxt la foudre' Martin Call. 138. 
'Wurrum e Dunderax gern fallt bym e 
Gewitter' Pfm. III 4. 'Wenn 's Dunderaxe 
dät räje, kämt er her' Pfm. V 6. • — DWB. 
2, 1253. 

Für<=^ax [Feräks Mü^ f. Hacke mit 
einer Axt, die zum Atifmachen von Fur- 
chen dient. 

Grabax f. Wiesenbeil ztmi Herstellen 
der Wasserleittmgsgräben der Wiesen. 
Rixh. Dollern. — Schweiz, i, 619. 

Handäxle n. Demin. eine kleinere 
Axt mit kurzem Stiel, die man mit einer 
Hand führt Su. — Schweiz. 1, 619. 

Klopfax, Kopfax Dollern Su. Rapp. 
f. Axt mit starkem, nicht breitem -»Haus^, 
wie sie der Fuhrmann gebraucht, tim 
Lottise" {s. d.) in die Baumstämme zu 
schlagen. Auch zum Fällen der Bäume. 

Schlegelaxy. Queraxt, Axt zum Ein- 
treiben von Keilen, keilförmig, schwer und 
stark Logelnh. Du. — Schweiz, i, 620. 

Schrotaxy. Axt zum Baumfällen Su . 
Rapp. 

Spaltaxy. /Ixt mit breitem Rücken, 
also grossem Keilwinkel, wie sie die Holz- 
hauer im Walde gebrauchen, um Holz in 
Scheite zu spalten Su. Rapp. Bf. — 
Schweiz, i, 620. 



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85 - 



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eXP 



Stümmelax kleine Axt zum Abhauen 
von Asten Rapp. 

Zimmerax f. Zimmermannsaxt zum 
Beschlagen des Bariholzes Bf. — Schweiz. 
1 , 621. 

Zvverchax _/. Axt mit zwei Armen zum 
Löcherschlagen Bf. 'zwerch Axt Bipennis' 
Dasyp. — Schweiz, i, 620. 

äx [eks Liebsd. Hi. Strüth Dil. Molsh. 
Tieffenb. ; ekos, ikas Ingersh. ; seks Str. 
W. ; äks K. Z.] Inierj. der Kinder, Spottrtif, 
wobei sie mit den Zeigefingern nach dem 
Verspotteten hin eine schabende Bezvegung 
machen. Äx äx, us gelacht ! Btgzv. auch 
mit dem Zusatz : der het ins Bett gemacht ! 
Str. Äx, hes' gemeint (de verwitsch^' mi"^^) ? 
so verspottet ein Knabe den andern, der 
ihm etwas weis machen will Str. Hf. 
Eim e Äx mache" auslachen Liebsd. Rtif. 
Rda. De"" Rock macht äx erweckt den 
Neid Stöber. Vgl. auch Volksbüchl. J5. 
Spruch: Ikes Gäwele, Dreck am Schnäwele! 
— Schweiz, i, 160. Schwab. 12 ägschägst, 
ätsch. 

usäxe" [yseksa Horbg^ verklatschen. 

äxere", extere" [aksara Hf.; aeksorg 
Wh. Dehli. ; ^kstarg Ingersh^ auf sticheln, 
durch Worte ärgern, necken, auch einen 
Hund aufhetzen. Vgl. äggsen. — Schweiz. 
I, 621. 623. 

exakt [6ksäkt allg^ Adj. genati, pünkt- 
lich. Er is' arg e., gar en exakter Mann 
kommt inuner zur bestimmten Stunde, sieht 
bei Untergebenen darauf, dass sie genau 
zur Zeit kommen und das ihnen Atifge- 
tragene ausführen Du. Str. Von Speisen : 
gut tmd schmackhaft zubereitet: exakter 
Schnaps, exakter Hase"pfeffer Hf. Adv. 
genau. Die U'^r ge^t e. uf d Kirche"u^r. 
S hct e. drei Sack voll ge'^^" Dil. — frz. 
exact. Schweiz, i, 621. 

exäktelig [eksaktalik Dü^ peinlich, 
genau, ordentlich. 

Exame" [Eksäma Su.- Mütt. Ar.] m. 
I. Früfimg {dann ajich als n. gebraucht) : 
der E. passiere", mache" ; 2. Confir- 

mandenunterricht,Religionsunterricht(nach 
den Uebungen von Philipp Jacob Spener?) 
Mütt. Str. — Schweiz, i, 621. 

examiniere" [eksamaniora Sti. Mütt^ 
examinieren, prüfen. — Schweiz, i, 622. 

Exempel [Kksampl Su. Logclnh7\ n. 
Beispiel, Vorbild. Eine" zuem E. ne'^""'". 
Schöni E. ge'^^n (ironisch) ein schlechtes 
Beispiel geben. — Schweiz, i, 622. 



exerziere" [aksartsi^ro Hlkr. Geud.; 
aksotsi^ra Hi. Su. Barr Ndrbetschd. ; 
dksatsi^ra Bf. K. Z. ; ^ksatsira Str.'\ exer- 
zieren, turnen, üben. Ich hab zuegeluejt, 
wie d Soldate" gexerziert hon. Eine" e. 
drillen, qtcälen. Du mues"^ dich e bissei 
me^"" e. (in der Musik üben) Geud. Spw. : 
Wer komma"diert, exerziert nit. — Schweiz. 
I, 622. 

Exerzierer [Aksotsidrar Hlkr7\ m. 
Übender, exerzierender Soldat. 

Exequent [Eksakwant Bf. Z. Obbr^ m. 
Steuereintreiber , Beamter, der die rück- 
ständigen Steuern einzieht. 

j'Ox/Box oder Täschenspiler joueur de 
gobelets' Martin Coli. 117. 'Possen von 
ox pox tours de passe- passe' ds. Pari. N. 
605. 

Oxecrozium[OksQkrötsiüm71/«.A^^rt7.y. 
vS7r.] bes. in O. -Pflaster. /. Heilmittel 
gegen Rheiunatismus . 2. Schimpfwort. 
'Die Rda. stiff wie O. wurde verdreht zu 
stiff wie Ochsegebrote"s' CS. — lat. em- 
plastrum oxycroceum. Bayer, i, 25 
Ochsekruzipflaster. 

Exkursion [Ekskhyrsjön Str. Biuhstv?^ 
f. Ausflitg einer Gesellschaft, Schüleraus- 
fiug. — frz. excursion. 

Exkus [Ekskhys Horbg. Str. Hf. Ingenh\ 
m., f. U. Ausrede, Vorwand (fehlt). 
Zuem Exküs het er am Kaste" ^erum- 
gschaffl um seine Absicht zu verdecken, 
machte er sich am Schrank zu schaffen 
Horbg. Für e-n-E. Vorwand U. — frz. 
excuse. 

Zss. Exkusekörwele n. Visitenkörb- 
chen, das bei Frauenbestichen mitgenommen 
wird Horbg. 

Exküse [^kskyse Su. Dil. Hf.; eks- 
khyse Str. Rotb.; akskhysi Olli. Hi.'] bitte 
um Entschuldigung! Scherzhaft: Tadel 
für einen Zugreifenden : M^r seit zerst 
exküse! eb m^r nimmt Dil. Beliebte Ver- 
drehung des Wortes, welche dem mit ex- 
küse ! sich Durchdrängenden nachgerufen 
wird: sechs Kü'^füess und e par Ochse- 
fdess! Str. Auch wohl Oxküse! Katzent. 
— frz. excusez! 

exküsiere" [^kskhysiara Hi. Alteckend. ; 
^kskhysira Str.] entschuldigen. 

verexküsiere" refl. sich entscJmldi- 
gen Hf. 

expliziere" [eksplitsiera ///. Lutterb. 
bis Hf.; eksplitsira Str^ auseinander- 
setzen, erklären ; sich e. sich erbrechen 



eXP 



aZ 



86 



aZ — eZ 



CS. — {lat. explicare, durch das Hoch- 
deutsche vermittelt, nicht dttrch das frz. 
expliquer). Schweiz, i, 623. 

Explikation [Eksplikhätsjün Sit. Barr 
Str^ f. auch PL Auseinandersetzung, Er- 
klärung. — frz. explication. 

expröss, expressiv [ekspras Su. Ruf. 
Hlkr. Bf. K. Z. Hau. Wörth Ndrbetschd. ; 
^kspraes Str. W. ; ^ksprasi Gelferschw.~\ 
Adv. eigens. Ich kiimm e. wege-n-em Geld. 
Absichtlich, vorsätzlich, mit Fleiss : er het 
s e. gemacht. Erst recht, zum Trotz: wil 
mer mir s verbiet, mach i'='^ s e. Noch 
besonders, extra : jetz muess i"-''^ de Weg 
e. mache". Davon das Adj. en expresser 
Bot Bf. Str. — frz. expres. Schweiz. 
r, 623. 

ex'^ellent [eksalant, ^ks^lant, ^ksglant 
Lutterb. Su. M. Du. Bf. Hf.; ^ksalaent 
Str. W^ Adj. I. ausgezeichnet, vortreff- 
lich: Exsellenter Wi" O. 2. gleich, ähn- 
lich : m'r han der e. Tisch wie dis eine"" is' 
Obhergh. (Verwechselung mit exakt?) Adv. 
e. guet ganz vortrefflich. — Schweiz. 
I, 622. 

extere", .y. äxere". 

gxtra [aksträ Sti. Dil. Bf. ; ^ksträ Str. 
U. W7^ Adv. ausserordentlicher Weise, 
eigens. Er is' e. uf Milhusa zuam a Doktor 
er ging noch besonders deshalb nach M. 
zu einem Arzt Sil. Meins', s gi''t eps e. ? 
noch etwas besonderes, nicht in Aussicht 
gestelltes} Adjectivisch flectiert : Du müas' 
immer eppes Extras ha''^" NBreis. Zss. 
Extrabot, Extrapost, Extrawi" vorzüglicher 
Wein. — Schweiz, i, 624. Bayer, i, 179. 

f Atz Speistmg. Zss. Atzordnung 
{Hagenati 1526)., Atzgeld Stöber. — 
Schweiz, i, 623. 

atze" [atS9 Hf^ essen {derb). — 
Schweiz, i, 624. 

wurmätzig, j-. wurmässig. 

7 ätzen amorcer' Martin Pari. A^. 335. 
vgl. ätzen einem {Menschen oder Tiere) 
zu essen geben Bayer, i, 180. 

Atzel [Ätsl allg. ; PL — 9.] /. i. Elster, 
pica caudata. Bild der Frechheit: frech 
wie en A. Mütt. Altw. ; der Geschwätzig- 
keit: er het e Mundstück wie e A. Der 
päppelt französch wie en A. fliessend 
Rauw. ; 'wiewohl er vber alle massen 
als eine Atzel beschwatzt ist' Mosch. I 7 2 ; 
der Unruhe : 'hupffetc . . . auff dem Stul 
herumb wie ein Atzel die legen will' 



Mosch. II 215; der Dieberei : versto^le" 
wie en A. Ingw. Rda. Wenn d A. im 
Wald brüelt {schreit)., so kummt d^r Förster : 
sie warnt die Holzdiebe und Wilderer Str. 
'der het ein Atzel' Pauli 371. 'Atzel' 
Geiler Narrensch. 67''. 'eyn Atzel oder 
Kräy' FiscH. Bin. 45^. 'Atzein oder Hetz' 
Martin Pari. N. 560 ; Str. 1 554 JB. IV 54. 
'Pica Atzel, Aglaster, Alster, Hetz' GoL. 31 7. 
'Was het's mi nit b'elendt, wie myn ge- 
lehrdi Azzel verunglükt isch' Pfm. II 5. 
2. Star Heidolsh. J. Amsel, Turdus merula 
Kerzf. Str. ^. Schimpfwort für Frauen : 
alti A., scheli A. Brum. 5. Perücke Str. 
Er het en A. uf {vgl. Schwab. Hazel). 
Zss. Atzeisnest ; Atzelswadel Frack Pful- 
griesh. Hf. {veraltet). — Schweiz, i, 625. 
Bayer, i, 180. Die unter eis. Bezeich- 
ntmg steht der obcrels. Agerst gegenüber. 
Über Vorkommen und Ableitung s. Bruinier 
Z. vgl. Spf. 34, 344. 

-|-atzelet, atzelecht wie eine Elster 
geschwätzig, 'du solst nit haben ein atzelet 
gemüt, wann der ernst soll mit gon' Geiler 
Haas im Pf. cc 8. 

jAtzelheit Geschwätzigkeit , auch 
Leichtsinn überhaupt Geiler Bilgersch. 
10; 26. — 

jatzeln viel schwätzen, 'du must ge- 
azelt hon' Bilgersch. 26. 

Käsatzel [Khäsätsl Kerzf. Osthsn. 
Geisp. Dachstn. Z. Zinsw.'] m. f. Elster; 
abgerichtete Elstern werden gelockt durch 
den Ruf : Hansel, Käs ! weil sie den Quark 
sehr lieben Z. 

Mai atzel [Maiätsl Ar.] f. Maikäfer. 
Dem fliegenden Maikäfer singen die Kinder 
nach : Maiatzel, Dreckspatzel (Speckatzel 
Str?j Drei Elle" ! guggugg ! Es komme" 
drei Herre" (Fräue" Schiltigh.) \it\^ fresse" 
Surkrut Str. Schiltigh. M., flie^ uf, Mach 
in dinre Mucter d Schür uf ! Heide" kum- 
me" , Jude" kumme" Un^ welle" dini 
Mueter z tot steche" Str. 

Muratzel Kellerassel, Oniscus asellus 
Str. 

f'Scolopendra lange oh r atzel, ohren- 
mützel' GoL. 328. 

Etzel [Etsl Wh. Altw. Harskirchen 
Lorenzen Saarimion ; PL — o] n. leben- 
diger Zaun, der eine Wiese rings um- 
schliesst; ein von einem Hag oder Bach 
oder Mauer an drei Seiten umgebenes 
Stück Land, in das man nur von einer 
Seite gelangen kann ; meist Gartenland in 



eZ — uZ 



17 — 



11 Z 



der Nähe vo7t Ortschaften. Durch dene" 
Ba'^nböu gi^t s vil Etzle" im Tal. Vgl. 
'Tabelle über die in annis 1768 et 1769 
vor eigen an die Unterthanen versteigten 
herrschaftl. vacant- und acquirirte Güther 
im amt Neusaarwerden etc. 666 Morgen 
j Vtl. j6 Rth. Gärthen, Etzeln tmd Wiesen 
Wh. 

etze" [ets9 71/.] hetzen. 

Utz [Yts Hf. Ingenh^ m. Scherz, Ge- 
schäftskniff: für den (e-n-) Utz zum Schein, 
unter Anwendung eines Geschäftskniffes, i 
— Das von Weigand angeführte hebr. 
uze 'eng sein mag eingewirkt haben ; doch 
ist zunächst an die Koseform von Ulrich 
zu denken , welche spöttisch verzvendet 
wtirde : 'halt den Kopf dem ützen' Fisch. 
Garg. 147. Das davon abgeleitete Verbum 
vergleicht sich mit henseln : Kluge. 

utze" [yts9 Osenb. Bf. Bisch. Str. K. 



Hf. Han. Ndrbetschd. ; ytso Z. Tieffenb."] 
zum besten haben, foppen, necken; über- 
listen, bes. im Kartenspiel. Er wurd nit 
guzt ist schlau Ingenh. Sich u. mit ei"^m 
Jemand attf ziehen. Eine" an eps u. einen 
Unerfahrenen zti einem schlechten Geschäft 
verleiten. Se han ne an dis Ross guzt ihm 
dies Pferd angehängt Hf. ''S gitt alegelde 
so von dene-n-ebs ze lehre wo merr als 
nonnit waiss un wo merr wisse sott, dass 
merr von ander Lyt nit g'uuzt wurd' Pfm. 
I 8. Eim eps a''uze" durch Redensarten 
abschwindeln Hf. Syn. fuchse'\ — 
Schweiz, i, (i^)^. Bayer, i, 182. Hess. 
428. 

Uzer m. Spötter Str.; dazti f. Uzere'\ 
Hebuz [H^wyts Geisp. Ingenh.'\ f. 
meist scherzh., Hebamme. 

Gebirg utzel [Kgperiytsl Kerzf.; PI. 
— oj m. Gebirgsbewohner. 



ß s. Pj Cs. IvoderZj D. s. Tj JE. s A. 

F.V. 



F [af M. K. Z. ; ef Sfr. Ndrbetschd. 
Wörth Lohr\ n., Z. auch m., verdoppelt 
FF : hoher Grad, Gediegenheit, Vollstän- 
digkeit. Dis is' einer us "^^m FF der ver- 
steht seine Sache aufs beste, Pfiffikus Z. 
Eps US '^^m FF könne" un'^ verste'^n Bf. 
Dehli. Der kann sin Sach us im FF 
^erus Lützelstn. Dem han ich ufgezä'^lt 
US um FF Dehli. 'E gitt for Jümferle 
wie ier, nit ale Daa Hochzydder. Jer 
meechte sie derzue noch us em Eff' Pfm. 
II 4. 'Us em EflFeff sinn hie d' Fisch' 
ebd. V 8. 'ich hab min Roll ganz us em 
Effeff gspielt' Kettner Mais. 34. — 
Schweiz, i, 631. 

Fayence (frz. Ausspr.) n. Halbpor- 
zellan, Steingut Str. 'd' ßurjerslytt sinn 
so ungfähr wie Fayence' Str. Wibble 18. 

faiangsig [faciän^sik Olti. Ili. S^^.^^ 
Adj. aus unechtem Porzellan, aus Fayence 
verfertigt: s is' e'" faiangsige"" Ofe". — 
Schweiz, i, 633 fiangsig. 

feie [feia Mittl.'] Adj. präd. feind, 
feindselig gestimmt: Er is' m'r f. 

Feiel fast allg. [Fejl Ensish.; F^jl 
Geberschw. Obhergh. Logclnh. Ndhsn. 
Geisp. Str. Zinszv. ; Fejl Alois h. K. Z.] ; 
Fiele [Fi^lo Olti.] ; F i 1 c [Flla ///. Steinbr. 
Fil Sicr.]; Fi gl [Fikl Pisch.'jf i. Feile. 
2. jüd. Lineal Avolsh. — Die ahd. Formen 
fihala, frla, mhd. vTle, feiel, vigel sind im 
Eis. sämtl. vertreten. PL 'die figelc' 
Chron. 87, 22. 'Lima Feyhel' Gol. 205. 
Schweiz, i, 779. 

Halbrundfeil /. Feile von halbmond- 
förmigem Querschnitt Geberschw. 



Holzfil f. Feile, mit der man Holz 
feilt Obhergh. 

Ise"feil, Ise"fiiy". Feile, mit der man 
Eisen feilt Obhergh. 

Sägefil f. Feile, mit der man die 
Säge schärft Obhergh. — Schweiz, i, 

779- 

feile" [f6jl9 Ndhsn. Str. Zinsw. ; ih]\o 
und fiklQ Bisch.; fejla Molsh. K. Z.]; 
fiele" [figla Pfetterhsn.]-, file" [filo 
Sier.^ feilen. — Schweiz, i, 779. 

a(b) feile" abfeilen, zveg feilen Bf. 
Ndhsn. 'ein feiel damit man den rost 
abfigelet' Geiler S. M. %2. 

durchfeile" durchfeilen , entzwei 
feilen : D^r Dieb het s Gräms durch- 
gfeielt Bf. 

jAbfeiletey. 'Scobssägmel, abteyleten' 
Gol. 206. 

7 Feiel m. schnmtziger, kotiger Mensch 
Geiler J. Seh. 85. — Stöber vermutet 
= pfeiel von pfei Pfuhl} 

Veiol [Feijl Liebsd. Hi. Sier. n.; 
F^ijol Lützelstn. Lorenzeit f. ; PI. -0.] 
Veilchen. PI. wildi V. Hundsveilchen, 
za'^mi V. wohlriechende Veilchen. Mi" 
Brueder het gester" e grossi Buschle Vcielc 
gha'" Sier. \^\ han Veijole" in d'^r Stub, 
ich schmack s'e Lützelstn. 'fyol färb' 
Geiler P. III 82. Demin. [Fcialo 6". ; 
F^isla Ruf. 6"«.] — Schweiz, i, 633. 
Bayer, i, 833, 

jBurenfeyel m. Kothaufen, 'ein pu- 
ren feyel gehört in die profey' [Abtritt) 
Geiler J. Seh. BB III^ Der Name 



Fi 



Faß 



FieB 



stammt mis einem Schwank, der an 
Neidhart sich geheftet hatte. 

Märze" viol [Mertsafejl m. Lobs. ; 
Matssfaei^-la n. Schleif^ wohlriechendes 
V. Märzenveilchen. Kirschl. i, 79. 

Tote"veiele n. Hjmdsveilchen, wildes 
V. d Tote"veiele stinke" Attenschw. 

Violat [Feiglät Rjif. bis Mittl.; 
Feilät M. Dil. Miltt.; Failät Bebelnh. 
Schcrw.; Feilat Bf. Barr ; Feilöt Ndhsn. 
Bisch. Str. Brum. Kindw. Rotb.; Feiolöt 
Obbr. ; Filöt R. Z. — Fl. -9. Denan. 
Feiglatlo, Feilätl, Feil^tl Mütt.; Feiatl 
Ratiw?\^ f. Veilchen, Viola odorata, tmd 
die übrigen Arten, s. Zss. An dem 
Plönle sin^ alle Jo^'r d ersti Veielatte" 
Rtif. We"=" m''r ge*^" Veilette zupfe"? 
NBreis. Komm, mer hole" Veilatte, 
i"^*^ weiss e ganze" Plön voll Ingersh. 
Im Z. wird Veilchenauf guss tmd Veilchen- 
syrup als atiswurf beförderndes Mittel 
gebraucht. Dato blüeje" d Vilotte schon 
üweral Geud. 'Un d' Veijelotte, dief im 
Moos, Lueje mit blauue Gick'le ras' Str. 
Wibble /f.2. 'ein schöner garten, da vil 
violaten, gilgen, rosen und andere schöne 
blumen in sind' Geiler ^. M. 2g. 'Veye- 
lotten violettes' Martin Pari. N. 762. 
'Dief US em Grüen grüesst d' Vejjelott' 
K. Bernhard ScHK. 74. 'Veielate (: Matte)' 
Lustig I 429. 'wilde, zahme Veillaten* 
Kirschl. i, 79. — Schweiz, i, 635. 

Gel'^violat [Kälfilöt Dunzenh. Ingenh.; 
PI. Kselfeiltr Wh^ f. Goldlack, Gelbveige- 
lein Cheiranthus cheiri. 

Hundsveilott /. Hundsveilchen, wil- 
des, nicht riechendes V., Viola canina 
Dunzenh. Z. D Hundsveillotte" schmecke" 
(riechen) nit Brum. 'Waldveilaten, Hunds- 
violen' Kirschl. i, 83. 

J u d e " V e i e 1 e n. Pfetterhsn. Hi. 
Ensish. ; -veialatt f. Osenb. Logelnh. 
Stiefnütterchen, Viola tricolor ; Immergrün; 
in Pfetterhsn. und Osenb. identisch tnit 
Hundsveilchen . 

Karviliott/". wohlriechendes V, Viola 
odorata Geisp. 

veielett [faeialet , feiolet S.; f^il^t 
Mittel Eis. ; f^iölet 7ind feislet Str. U. ; 
feiglet K. Z. ; f^iolet JV.'] Adj. violett, 
veilchenblau. Das King het netti veieletti 
Strumpf a" ; e veieletti Nase rote Nase 
eines Sätifers Sierenz. Kauf d'r nur 
ke'n^" veielette" Rock, d Färb schiesst 



so ab, dass m^r me'nt, es is' e'n Äsche"- 
tuch Lützelstn. — Schweiz, i, 635. 

veielettig Adj. violett, ins Violette 
schimmernd. 0. tmd Mittel Eis. 

7 'Fabian babions' (Paviane) Martin 
Pari. N. 540. — Schweiz, i, 635. 

fable" [faplo Hi. ; fäwb Mittl. U., 
seltener fäfla Hf. Minversh^ 'faafle' Ul- 
rich. /. im Fieber reden, phantasieren, 
lispeln ; in der Fieberhitze Fingerbe- 
wegungen auf der Bettdecke machen: s 
het bol"* ne Eng mit '^'m, er fangt a" ze 
f. Mittl. 2. ungereimtes, sinnloses Zetig 
schwatzen Str. — Schweiz, i, 635. 

Fabrik [Fäprik vS. ; Fäwrik sonst allg. 

— PI. -a. Demin. Fäwrikli Banzenh.; 
Fäwrekla Su.; Fäwrekl U.^ f. Fabrik, 
Gebäude oder Anstalt für industriellen 
Grossbetrieb, namentl. auf dem Gebiet 
der Baumwollspinnerei und Weberei. Uf 
d F. ge**" in der F. arbeiten Su. In 
dem (diesem Mädchen) fe**lt nur noch d 
F. sagt man von einem Mädchen, das 
schon halbwegs sittlich verdorben ist Co. 

— Schweiz, i, 636. 

Fabrikler [Fäpriklar 6". ; Fäwrikor tmd 
Fäwriklar Banzenh. ; Fäwrekar Sti. Co. ; 
Fäwreklar Du. U.'\ PI. ebenso; Demin. 
[Fäwriklarli Banzenh^ m. Fabrikarbeiter, 
vielfach mit der Nebenbcdetcttmg von 
lockerem Lebenswandel, so in Pfetterhsn. 
Das is' e rechter F., oder in Du. : Was 
will m^'r halt saje", *=s sin*^ nix a's F., 
derno'-'' is' scho" g^nue«. Zss. Fabrikler- 
corps. — Schweiz, r, 636. 

Fabriklere [Fäpriklaro S.; Fäwrikara 
tmd Fäwriklara Banzenh. ; Fäwreklora Dil. 
ü^ PI. ebenso, f. Fabrikarbeiterin. Syn. 
Fabriklermeidli Hi. 

fabriziere" [ß.writsiar3 O. ; fäwratsi^ra 
^.] Part, gfawreziert [kfäwratsi^rt f/.] /. 
fabrizieren, fabrikmässig herstellen, zti- 
bereiten. 2. verfälschen : Wi" f. Wein 
verfälschen, Kunstwein bereiten Sti. — 
Schweiz, i, 636. 

Fieber [Fiawar O. ; Fewar Str. K. 
W. ; Fewar tmdFiew^r Z. ; Fidwar Bischw.; 
Ft^for M?^ n. Fieber : E Rusch is' besser 
a's e F. Z. Ringer e Dampf a's e F. 
Rtif. Alle-n-Owe"'* am sechse kumme" 
d F. die Fieberanfälle Z. In dcne" 
sump*^ige" Geje"de" herrscht gewö''nlich s 
F. Dehli. s hitzig F. Nervenfieber Bischw. 
'Feber Febris' Dasyp. 'Die blühet von 



FieB _ FaCH 



— 90 — 



FaCH - FiCH 



Kohrnarcn abgestreifft vnd gessen unbe- 
ruoffen soll gut für dz lieber sein' Str. 
162^ JB. VII 112. - Schweiz, i, 636. 

Fulfieber n. scherzhaft für Faulheit, 
Trägheit Bf. K. Z. Er ka"" nit 
schaffe", er het s F. Bf. — Schweiz. 
I, 637. 

Galle "fieber «. meist s hitzig G. Bf. 

Hirnfieber n. Gehirnentzündung, Fe- 
bris cerebralis Bf. 

f Kellerfieber n. 'welcher jnen biss- 
weiln ein solch Kcllerfeber, oder Grimmen 
oder gegicht inn Busen jaget' Fisch. 
Bin. 89. 

Kindbetter fieber [Khentpetarfiawor 
Du. ; Khempetfewar Str. U. ; Khempetfewar 
IC.] n. Wochenbettfieber. 

Loch fieber n. spassh. Dtirchfall, 
Diarrhöe Obhergh. 

Milchfieber n. beim Menschen sowohl 
das eigentliche Milchfieber als auch das 
gefährliche Puerperalfieber , bei der Ktih 
nur das letztere Z. s. Milch. 

Nerve" fieber [Narfafiawar ./^Z". ; Naerfa- 
fiwar Str. Lohr ; Narfafewor K. Z.] 71. 
Nervenfieber. 

Scharlach fieber n. Scharlachfieber 
Bf. K. Z. 

Schlim fieber ein leichter Grad von 
Typhus Bf. Str. K. Z. 

Starige" fieber scher zh. bildl. Erektion 
Su. ; Syn. Geisbocksgedanke" Z. — 
Schweiz, i, 637. 

Fach, Gefach [Fä;^ allg. ; K% Wh.; 
PI. Fa;f9r ; Fae;^ar Str. W.'] Demin.' Fächli 
Banzenh., Fächel Str. U., n. i. Ab- 
teilung eines Kastens, Schrankes, Gestells, 
einer Schublade u. s. w. Syn. G halt. 
2. Abteihing im Weinberg zwischen zwei 
Zeilen Weinstöcken Katzent. j. (mit der 
Nebenf Fach Ingersh. Scherw. Bf.) Mass, 
Hohlmass. In das F. ge^t e Liter Horbg. 
Demin. Fächle Ilalblitermass Ingersh. 
s F. ni'-*'t ha'^'" das angegebene Mass 
nicht haben Rapp. .^. Bastteil an einem 
Seile M., s. Facht. 5. Handwerk, Be- 
schäftigung: der Mann kennt si" F. Bf. 
6. f Vorrichtung zum Aufstauen des 
Wassers und zum Fischfang : 'Wer ein 
fach machet nidcn für ein gewende, der 
bessert 7 /^J' Str. 14. Jh. Brucker 173, 
188. Zu j vgl. 'Facht, das bestimpt 
Mess, Demensum Dasyp. — Schweiz. 
I, 637. Bayer, r, 685. 



jGrundfach n. Mü. 14.81, Rotbuch 
i^i Stöber. 

füber fachen übermässig mit Fachen, 
Flechtwerken ztim Fischfang besetzen. 
Mü. 1481, neues Rotbiich i^i Stöber. 
— Schweiz, i, 641. 

einfach, einfacht [aiß,/tÄ<.; ^\fky{t) 
M; ain%{' Str.; aenfä/ K. Z. Ndrbetschd.; 
ainf^;^ Wörth W7\ Adj. i. einfach, leicht, 
nicht schwierig: Das is^ ei"facht z" ver- 
steh*" Sti. 2. Beschaffenheit von Körpern, 
z. B. nur diirch einen Knoten verknüpft; 
in dieser Bed. wird das Adj. in attrib. 
Stellung erweitert zu einfachener, ein- 
facheni : Mach e'"*n einfachener Knopf! 
E'n* einfacheni Flint ein Gewehr mit ein- 
fachem, nicht doppeltem Laufe K. Z. 
Adv. kzirz, kurzweg: Das macht ma° 
eifacht eso Szi. — Schweiz, i, 640. 

vi er facht aus vier Strängen zu- 
s ammengeflochten Hi. F'' schlag di'^'' mit 
•^'"eme vier fachte" Seil Hi. 

fache", .y. fachte". 

ung'^foche", s. ung^fochte". 

jFech n. Hermelin 'die Beltz von 
gutem Fäh' Fisch. Garg. 450. 'Glis 
fennicus Veeh' Gol. 300. 'Mus ponticus 
Hermlein oder vech ders. 300. 'Föch 
ermine' Martin Coli. 198. 'Polimito vech; 
Polymita varia 1. multicolor gikkelvech 
rok' Herrad Gl. 3, 412, 52. 67. — mhd. 
vech: Lexer 3, 36. Schweiz, i, 643. 
Schwab. 187. 

jGunterfech 'electrum gunterfech' 
Gol. 73. 

feche", s. förchte". , 

verfecht, s. verförcht. 

fechig, s. förchtig. 

Vieh, Vie*' [Fia Liebsd.; Fla Lutterb.; 
Fd allg. ; Yi^ N\ n. Vieh. i. das tmver- 
nünftige Geschöpf, doch vorzugsweise nur 
das Nutz- oder Stallvieh, Rindvieh : 
Hes* s Vie'' schon getränkt Hast du das 
Rindvieh schon getränkt} Z. Die Form 
[F6] ist im Z. und meist auch sonst 
ledigl. Sammelname; im einzelnen setzt 
man streng scheidend e Ku'', e Kalb, e 
KälWl u. s. w., oder man stellt das 
Wort Stück davor: dis is' e schön' s 
Stück'^l V., so auch im PI. : Mir han zehn 
Stück Ringvieh. V. is' ke'" V., Fueter 
is' V. nicht die Rasse, sondern das 
Futter ist die Hauptsache Bf. 2. übertr. 
auf Menschen: starker, flegelhafter Kerl 
Lutterb. ; meist vergleichend od. scheltend: 



FiCH 



91 — 



FuCHS 



s V, mache" Dummheiten machen allg. 
frz. faire la bete; mit derselbeti Bedeii- 
tnng s V. ablo'^*^" jtnd s V. verkünde" 
6"«. Mache" wie s V. imbändig, wild 
thun, lärmen. Als Schelte bisw. im PI. 
Die Vie^ han ke'"^ Rue^ gha'^' , bis alles 
verdeifelt gsi" is' Dil. Allgejuein ge- 
bräuchlich als derbe Schelte ist Stück 
Vieh: Loss doch die Kinder ge**^", du 
St. V.! Du. Bis' e rechf^s Stück Vieh 
dumm wie das Vieh Wingen b. W. Zss. 
Vie'idokter 7«. Tierarzt Hi. U. — 
Schweiz, i, 647. Bayer, i, 836. 

Federvi^*" n. Federvieh. Wenn e 
Bnr verderbe" vi^ill un'^ weiss nit wie, 
so halt er recht vi^l F. Hi. — Schweiz. 
I, 648. 

Gustvie^ n. Vieh, welches keine Milch 
gibt, z. B. Kälber, Ochsen, oder träch- 
tige Kühe in den letzten Wochen vor 
dem Kalben Roppenzw. — Schweiz, i, 
648. 

Hornvie^ n. mir als Schelte für 
einen dummen oder einen ganz groben 
Menschen Su. Geberschw. Du bis' e H. 
erster Klass Geberschw. — Schweiz, i, 
649. 

Hose"vie^ werden scher zh. Männer 
und Jünglinge genannt Su. 

Murervie** ;z. Spitzname der Maurer O. 

R i n d vi e ** [Rentsfö Su. ; R^nfe Bisch.; 
Rerj^fö K. ; Rentfe und Rer|^f6 Z. ; Rentfe 
Str. Betschd. Wörth W7\ n. i. Rindvieh 
als Nutzvieh. 2. ilbertr. Schelte für einen 
dummen Menschen. 

Vie'^heit [Fiahait Sier.; Fehait Su.; 
Feheit M.; Fdhaeit Z. ; Fehaet Barr K. ; 
Fehait Str. ; Fihait Rothb.'] meist als PL 
-e" gebräuchlich : Dummheiten, Roheiten. 
Vo" dir ka"" me" ni'^^'t^ angers erwarte" 
a's V. Sier. Mach ke'"'^ V. ! 6"?^. 

vie^'nnässig [fiamesik Liebsd.; femäsik 
Hi. Su. Co. Du. ; femäsi Bisch. K. Z. 
Haft.; femaesi^" Str.; femäsi;^ Wö'rth 
Betschd.^ Adj. und Adv. i. viehisch, roh, 
grob, unveriülnftig : E vie^rnässiger Mensch 
Liebsd. Er is' gar v. in alle" Sache" ; 
wenn ^r ka"" mache" , '^ass eine" eps 
gheit, het *r sini grösst Pla'sier Dil. \ 
Mach nit so v. ! Brum. 2. Adv. der \ 
Steigerung ausserordentlich. V. rieh, 
stark, dumm allg. Er is' v. voll gewe'^'n 
Z. Er het v. gebluete" Hf. Er het v. 
s'^brüelt! s schint, ''ass ^r guet ^^drescht 



{gedroschen = geschlagen) is' wor^'e" 
Dil. 

Fuchs [Füks allg.; PL Fiks, Feks ; 
Demin. Fiksla O.; Fiksl, Feksl U. fF.] 
m. I. das Raubtier. Der F. ist der 
Typus der Schlauheit, List, Verschlagen- 
heit, Unztiverlässigkcit : Gschlaü, listig 
wie e F. Dil. Schmeck, F., Rüewe"supp ! 
(Ruebsupp Ruf.) indirekte od. verblümte 
Rüge Su. od. Schm. F., s is' e Saumage" 
[Seymäüwa Str^^ Schmeck's Füchs-1, s 
is' e Ruewesüpp^l sagte der Schulmeister 
und hielt der Schuljugend einen Stecken 
unter die Nase Str. '^em F. bichte" 
beichten, wenn einer anvertraute Geheim- 
nisse weiter erzählt Su. Will man den 
F. fangen, so beisst er grimmig um sich, 
vgl. fuchswild Hi. Str. Beim Kinderspiel 
F. US d r Hö^l stieben die Kinder wild 
auseinander, sobald der F. aus seinem 
Versteck herauskommt. Vermutlich hängt 
mit diesem Spiel zus. die Frage : Wie 
schmeckt d^r F. ? indem damit ein Schlag 
gemeint ist Hagedorn Wack. LB. 2, 6gg, 
25. Der zannt wie e hülzerner F. Dehli. 
Trotz seiner Schlaulieit wird er oft ge- 
prellt : s geht d'r grad wie '^um F. ; wie 
der uf's Bir"blatt gsprung^" is' un^ hat 
geme'nt, s is' e Bir"'= , hat ^r gsa^t : Ich 
hätt dich doch nit gfress^" un'^ wenn de 
e Bir"^ gewenn wärs' Dehli. Auf seine 
rote Farbe spielt die Rda. an: Wenn 
m^r Rüewe" kocht, soll d^r F. d^r Wadel 
drüwer schleife" d. h. die Rüben sollen 
nicht mehr weiss sein , sondern dzirch 
ganz leichtes Anbrennen gelblich werden 
Du. 2. rotes oder braunrotes Pferd 
allg. 'Do muesch no mol absitzen unn wirst 
ä Fuchs atreffe' Oblarg Als. 1852, 92. 
J. übertr. Mensch mit xotem Haupthaar, 
pleonastisch e rote*" F. Gebw. ^. Gold- 
stück : Der het Fuchsie ist ein reicher 
Mann Molsh. Str. K. Z. 5. aiisgemitzter 
Acker Roppenzw. 6. ein nicht beabsich- 
tigter Treffer beim Billardspiel allg. 
7. zum Schnellsprechen : s lauft e blutte'' 
F. der Berg ufe Ohhergh. 8. hä7ifig als 
Spitzname von Ortschaften mit Waldungen 
od. Steinbrüchen, g. der F. als böser 
Geist in dem Ensisheimer Malefiz-Pro- 
tokoll vom 75. März 1616 Als. 1850, 
45 f. — Schweiz, i, 655. Bayer, i, 
886. 

fuchse" [fükso allg.; Part, kfükst] /. 
intr. geizen, geizig, knauserig sein. An 



FuCHS 



92 



FaCHT 



so ^'"^me Fest mues' nit f. ! Liebsd. 
Noch e Schoppe" ^erum, s ward nit 
gfuchst! Du. II. tr. I. persönl. necken, 
foppen, zum besten haben, hänseln, ärgern, 
verhöhnen, meist mit Acc. : De" ha-n- i*^** 
nit schlecht gfuchst! Banzenh. Ensish. 
Du mues' mi"^** nit welle" f. Osenb. 
Bietet ein Freund einem andern auf- 
fallend wenig an, z. B. mir ein halbes 
Glas Wein, so sagt man : Er fuchst 
d Bettellüt Bitschw. 2. obsc. coire M. 
j. unpersönl. allg. Es fuchst mi*^'' es 
ärgert, reut, wtirmt mich, ich schäme 
mich. Es f. mi'-*^ verdammt, '^ass i^^'' zue- 
n-'^'m gange bin, s het jo doch nit 
gnutzt Geberschw. 'eins diss fuchst mi 
numme' Stosk. 49. Es f. a (ihn) doch! 
Scherw. Es [od. dis Ding) f. mi"^^ grüser- 
Ü*^*" Syn. biskiere" 0. Bf., vom frz. bis- 
quer. Fuchs mich, scherzh. für fu"fzig 
im Kartenspiel Hf. — Schweiz, i, 659. 
Schwab. 207. Bayer, i, 686. 

ver fuchse" eine Arbeit schlecht ver- 
richten, verpfuschen, verderben, namentlich 
wenn einer an einem fertigen Gegenstand 
Verbessertmgen anbriitgen will, z. B. 
an Kleidungsstücken S. O. Mit si"^m 
Mäje" (Mähen) het er d ganz Matt ver- 
fuchst Ndhsn. Bi dem Schnider loss i*^'' 
ke'"= Kleider me*"" mache", er het m'r 
das wider ganz ver fuchst Du. M'r han 
welle" uf d Kilb, awer bi dem Reje" is' 
jetz' alles verfuchst Du. Loss dis Eich- 
bäumle lije", du bruchs' s nit z spalte", 
denn du t''ät*=s' s nur v. Geberschw. 
'we me-n-als ebbes (beim Kochen) verfuchst, 
so ka me's jo selwer esse' Lustig II 243. 

F u ch s e r m. Spötter Heidw. ; Geizhals : 
Das is' e rechte"" F., in sine" Arweiter" 
gi^'t er kum gnue*^ z" esse" Horbg. — 
Schweiz, i, 659. 

D u b e 1 f u c h s e r [Tüplafüksar Hi. ; 
Tipylof. Geberschw. Dil.; Typlf. f/.] m. 
Geizhals. 

Pfennigfuchser m. Geizhals, Nörgler, 
kleinlicher Knauser, immer feilschender 
Mensch allg. — Schweiz, i, 659. Bayer. 
I, 687. 

Rappe" fuchser m. Geizhals, hab- 
süchtiger Mensch Fisl. — Schweiz, i, 

659. 

Ver fuchs er m. Pfuscher, der eine 
Arbeit schlecht verrichtet Ndhsn. 

Verfuchserei f. Verpfuschen Obhergh. 

fuchsig [füksik 0.~\ Adj. i. ärgerlich, 



störend: Es is' f., we"" m^r bi andre" 
is' un*^ ka"" nit mit mache". Denk nur, 
jetz' müess i*^** noch emol zuem Fri«dc"s- 
richter weje" dem Kind, da^ 's' e fuchsigi 
Gschicht Du. 2. geizig: E fuchsiger alter 
Jud. — Schweiz, i, 660. 

Facht [Fa^t n. Fisl., f. Hi.'] Bestand- 
teil eines zsgedrehten Fadens oder Seiles, 
Garnfaden : Wie vil F. nimms' z"samme" ? 
s. auch Fach 4. 'facht in einfacht, zwie- 
fach! hat Oelinger Gramm. 8' DWB. 3, 
1226. — Schweiz. 1, 637. 

fachte'^ mit dem Licht unvorsichtig 
hin und her laufen Hi. — Schweiz, i, 
663. 

Facht [Fa;.t Mittl.'] in der Rda. nit 
ze Fachte" komme" nicht zur Gelegenheit 
kommen : ich bi" nit ze Fachte" komme", 
dass i"^'' ha''^ könne" mit '^m rede". Vgl. 
zu Faden schlagen = etwas zu Stande 
bringen. — Schweiz, i, 661. Schwab. 
184. 

Gfächt [Kfa^t Banzenh^ n. die Hohl- 
masse, die ein Wirt in der Wirtschaft 
führen mtiss. — Schweiz, i, 661. 

fachte", fache" [fa^ to Banzenhm . Su . 
Co. ; ia^tQ Dil. ; fa/o Mü. ; fa/Q AI. Ingersh. 
Kapp. ' Rchzv. Bf] ; Part.' gfoche" M., 
gfochte", gfächt. /. Gefässe mit den ge- 
setzlichen Massen in Übereinstimmung 
bringen, bezw. sie danach bezeichnen, 
aichen, und zwar die Glasgefässe durch 
einen Ätzstrich, Holzgefässe (Fässer, Frucht- 
masse) durch aufgebrannte Zeichen; die 
Küfer bezeichneten früher den Inhalt von 
offenen Bottichen oder ihrer Weinkübel, 
die im K. und im Z. Stütz ['Stets /".] 
heissen, durch einen eingetriebenen Schuh- 
nagel. E gfächte Fläschkann Mü. S gfoche"' 
Mess das geaichte Mass, auch das gut 
gemessene Mass M. S gfochte Gschirr 
Banzenh. Is' das Fass gfochte"? Katzent. 
Seit Einfilhrtmg des Aichzwanges für 
Verkehrs f äs 'icr heisst es von letzteren 
aiche" Rchw. 2. messen: der Krämer 
facht guet Bf. Vechten aichen Brucker. 
In einer Verordnung des Rates der Stadt 
Münster ajis dem 16. Jh. heisst es: 'Es 
sollen auch alle würt in Statt und Thal 
ir kanten fechen lassen, so zu den gestcn 
gebraucht werden und wenn er oder sein 
gesund den gesten wein uflftregt, so soll 
es in gefechten khannen mit nageln be- 
schehen, und soll er sagen: gott gesegne 
euch den wein, so vil habt ir maß und 



FeCHT 



FüCHT 



93 



FüCHT 



FaD 



so vil habt ir brot' Mankel. — Schweiz. 
I, 66i. Bayer, i, 687. Aus nihd. 
phahten, lat. pactari. 

ungfochte" Su. , ungfoche" Bf. 
iingcaicht: Us de-n-ungfochene" Gläser" 
ka"" men aü'^^ trinke" Bf. 

Gföcht [Kfa^t Heidw^ n. Gefecht. 
Rda. In s G. ko"'"""" in Händel geraten. 
P^> will nit mit i'^m in's G. ko™"''=". 

fechte" [fa^ta Heidw. Banzcnh. Ensish. 
Gebw. Su. Dil. ; fäp^ta Feller. Ingersh. 
Bebelnh. Nhof. K. Z.'U.; iA/J.Q Str. IV.]; 
Part, gfochte" Heidw. Banzenh. Su. Dil. 
Bebelnh. ; gfochte" oder gfechtet Ensish. ; 
gfecht U. 1. fechten, mit dem Säbel, dem 
Bajonett, einem Stock. 2. betteln Hi. Er 
is' ''crum un^ het gfochte" Bebelnh. Hes' 
gfochte" ? fragt man einen, der viel Klein- 
geld hat Su. — Schweiz, i, 663. Bayer. 

1, 687. Hess. 100. 

Rotfecht [Rütfe;^t Bebelnh. Kerzf. 
Bisch. ; Rötfe;ft Bf.'\f. die Röteln, Masern; 
di^ kleine" Kin'*" sterwe" vil a" d^r R. 
Bisch. ( — wohl aus Rotfüchti?) 

Flechte [Fia^ta ö///.] /. Fichte, aber 
nicht im S. von Rottanne, pinus abies, 
sondern von Föhre, Kiefer, pinus silvestris. 

— Schweiz, i, 668. Bayer, i, 688. 
Focht, in der Zss. 

Wind focht [Wentfo;jt Du.; Wentfökt 
Hf.; PL -a] f. (m. Hf.) Fächer, leichter 
Gegenstand, z. B. steifes Papier, mit dem 
man durch Hin- und Herbewegen Wind 
erzeugt, tt-m etwa das Fetter anztifachen. 

\¥ och ie.\ f. Fuchtel, Rtite. Mit einer 
Elenlanghandhabigen Fochtel' Fisch. Garg. 
122. — EiFEL 'Fuchtel Rjite\ 

S u n n e " f o c h t e 1 m. Sonnenschirm 
Betschd. 

Windfochtel/. /. Wetterfahne Uttenh. 

2. n. Fächer: 's Windfeechdel un 's spitz 
Näsel erzaye 's Berwel glych' Fem. III i. 

— Schwab. 198 föchte. 

fücht [fi/t allg.; Hyt W. ; daneben 
fi/ta Wh. Altw.] Adj. feucht: e fliehte'' 
Keller. E füchti Nas Steinb. Do is' füchte"' 
Bode" Ensish. In derre Stub is' s f. 
Hlkr. F. Wetter, e füchti Wu^^nung Rapp. 
Jetz' durt dis f. Wetter schon vierzehn 
Ta^^; ke'n Wunder, dass ^'* so vil Kranki 
gi^'t Lützelstn. S Kle'd is' noch füchte 
Wh. M^r kann dis Amt (Ohmet) unmöj- 
lich zamme mache" , s is' noch ze f. 
Altw. 's Kanton Ficht ist Strassburger 
Scherzausdruck für den Stadtteil Fink- 



weiler (feucht wegen der dort aiif ge- 
stauten III) ; auch die Gegend des Fischer- 
thors wurde früher so genannt. 

füchtlecht Adj. etwas feticht Obhergh. 
K. Z. 

Füchti [Fi^ti Roppenzw. Hi. Obhergh.; 
Fi^'ti K. Z. Betschd!], Nebenf. Füchte 
Su. Hlkr. Geber schw. Wh.., Füchtig- 
keit [Fi;^ti;j^khaeit U. , -khait N. und z. 
T. W], daneben Füchtenung [Fi;^- 
tanei]^ Wh.] f. Feuchtigkeit, feuchter 
Raum. D Mur is' vo" d^r F. ganz kaput 
gange" Obhergh. Leg de" Tuwak in d F. 
Geberschw. 'Feuchte der erden vligo' Dasyp. 
— Schweiz, i, 670. 

f ü c h t e " [fi;;ta Obhergh^ Part, gfüchtet 
befeuchten : Du mues*^ s Papier e wenig 
f. — Schweiz, i, 669. 

a"füchte" anfeuchten Su. Rapp. D 
Lewer a. trinken Rapp. 

"fuchtle" [fü^tla Hi. Su. Hlkr.] i. hin- 
und herfahroi, z. B. mit den Händen, 
einem Stock tmd drgl. 2. langsam ar- 
beiten : De'' Mann is' scho" lang krank, 
aber d'^r fuchtelt doch e bissele umme 
Hlkr. — Schweiz, i, 669. Bayer, i, 688. 

umenanderfuchtle" J. hin tmd her 
schlagen. 2. umherziehen, iimherstreifen: 
De"" ist d ganze Nacht ume'nandergfucht^lt 
Obhergh. 

Fuchtles [Füpftlas Banzenh.], Gfuch- 
t^ls Dil. n. das Hin- und Herfahren mit 
den Händen, einer Rute, Gerte oder einem 
sonstigen Gegenstand, beim Vieh das Peit- 
schen und Wehen mit dem Schweif. Was 
hes' für e F.? Banzenh. Das is' e G., 
hes' ke'"^ Rüej ? sagt der Melker Z7ir Kuh, 
die ihm bei seiner Arbeit beständig mit 
ihrem Schwanz um die Ohren schlägt 
Du. 

fächze" [fae^-tsa Lützelstn.] schimmlich 
riechen. Wenn das Getreide nach dem 
Dreschen nicht gut besorgt wird, bekommt 
das Mehl tmd auch das Brot einen tm- 
angenehmen Geschmack, es föchzt. 

fach zig [fae;^tsi;j' Ingw?^ Adj. schimm- 
lich, alt, verlegen, vom Mehl gesagt. 

Fade" [Fäta fast allg. ; Foto K. und 
nö. davon bis Z.\; PI. allg. Fäde" [Fäta ; 
Faeta Str. W.] ; Demin. Fädele Co. Du. 
Bf, welches im U. tmd W. als zweite 
Verkleinerungsform von Fäd^l K. attfge- 
fasst wird. m. I. Bestandteil von Ge- 
spinnst und Gewebe, Zwirn : Gi^ m'r e 



FaD 



94 — 



FaD 



F. Nähts ein Stück Nähfaden M. Ke'n 
trocke"^s Fäd'^1 uf si'^'' han ganz dtirch- 
nässt sein, von Regen oder Schweiss Bf. 
K. S. Es is' ke'" guete'" F. me^"^ an '''m 
sein Kleid ist ganz zerrissen Banzcnh. 
Er losst ke'" guete' F. an ■'^m scJwnpft 
ihn tüchtig aus, zerzattst ihn gewisser- 
massen ebd. Fäde" ziehn vom Wein, wenn 
er schal wird U., Syn. weich (lang Hi.) 
sin. Er het e Fade" ebf. vom schalen 
Wein Du. Es {das Leben) is' nur noch 
a" '=""^me Fädele ghenkt Du. Es hängt 
numme (mir) noch a" ^'""^me Fäd*^!, z. B. 
das Leben, die Existenz eines Mannes 
Hf. D^r F. geht us es geht zu Ende, z. 
B. Geld, Geduld Hf. Do bisst ke"n° Mus 
ke'"'^n F. e"weg das steht unabänderlich 
fest K. Der {jmd de") F. han, frz. avoir 
le fil, eig. den Faden von etwas haben, 
das Richtige treffen, das beste Mittel 
haben, übtr. auf der richtigen Bahn sein, 
die richtige Handlungsweise kennen, gute 
Geschäfte machen. Glück haben U. Der 
F. het *r, awer de" Klöjel (Knättel) nit 
er merkt etwas, aber doch nicht alles, oder 
er erwartet etwas, wird es aber nicht be- 
kommen Rtipr. Die Arbeiter sagen so von 
einem, der nichts körperlich arbeitet, auch 
wohl scherzhaft zu einem Kranken, der 
spazieren geht Zinsw. 'Die hän de Fade 
drinn im Land' Hirtz Ged. 227. 'Keiner 
hett de rechte Fade ghett' Str. Wibble 35. 
Auch ironisch wird die Rda. gebraucht, 
um zu bezeichnen, dass jemand falscher 
Meimmg ist oder eine Sache verkehrt an- 
greift Lützelstn. Vom F. bis an d Nod^l 
von A — Z, Anfang bis Ende Horbg. Z" 
F. schlage" a) eine Näharbeit vorläufig 
mit weiten Stichen heften, um sie nach- 
her sorgfältig ausführen zu können: Zu- 
erst ward d^r Kitt'l z" F. gschla^'^", d^r- 
nC^'' ward er erst a"prowiert Co. b) ir- 
gend eine Arbeit anfangen, entwerfen ; 
den ersten Entwurf einer Arbeit machen, 
sie einleiten, vorbereiten. Hes' dini Leiter 
bol^ ferig? Antw.: Bol'»? a"fange z" F. 
gschla^«"*! d. h. das nötige Holz ist zu- 
recht geschnitten, aber damit ist sie noch 
lange nicht fertig Du. c) an etwas lang 
und bedächtig arbeiten, langsam essen 
Horbg.; vor der eigentlichen Mahlzeit etwas 
essen CS. 2. fadenartiges, dünnes Metall- 
blättchen, das sich bei zu langem und 
ungeschicktem Schleifen der Werkzeuge 
an der Schneide bildet und durch das 



Abziehen mit einem Stahl oder einem 
feinen sog. Mucke"stein^l (s. d.) wieder 
entfernt werden muss Steinbr. Banzenh. 
Im Messer de" F. 116"""=" das Messer ab- 
ziehen Sier. Steinb. Su. Dil. K. Z. 'fad- 
men' Geiler LK. 67''. PI. fedmen : 'wan 
ein muck oder flig in ein spinnweb kummet, 
so sie dann in den fedmen behangt, und 
wan sie also verwickelt ist, so zucht dann 
die spinn hinder sich in das löchlin, do 
sie ir hat gewartet' Geiler Br. 39*^, 15 St. 
'Fad, nätz Linamentum'DASYP. — Schweiz. 
I, 672 Fadem. Bayer, i, 690. 

Nähtsfade" tn. Nähfaden, Faden, 
Zwirn Heidolsh. Bf. Str. K. Z. S Herz 
henkt m'r a" ®'me N. ich werde fast ohn- 
mächtig vor Htmger Bf. 

Prisonerfade" m. Zzvirn in kleinen 
cylinderförmigen Kapseln, an deren einer 
Seite der Faden nach Bedarf durch eine 
kleine Offmmg herausgezogen wird Co. 

Röllelefade" m. Faden auf der Spule 
Winzenh. b. Co. 

Side"fade" m. Seidenfaden Heidolsh. 
Westhsn. K. Z. Mit einem S. umbindet 
man die Warzen, damit sie allmählich 
absterben K. Z. S. um das Hus, 's luege" 
schöne Dame" drus! S. um das Hus, 's 
luege" schöne Knawe" drusi Lllz. Vgl. die 
symbolische Umzäjinung des Rosengartens 
im Heldenbuch durch einen Seidenfaden. 
aus seydenfaden gespunnen sein' Murner 
Schlz. 95. — Schweiz, i, 674. 

Stränglefade" m. Zwirn, der nicht 
aufgewickelt ist, sondern einen Strang 
bildet : Verhau (schneide durch) de" St. ! 
Winzenh. b. Co. — Schweiz, i, 675. 

abfädle" [äpfätlo Baldersh.] in der 
Wendwig Bo*^ne" a. die Schoten von den 
Fäden befreien. 

in fädle" [ffätla Banzenh. bis Bf.: in- 
faetb Str. W. ; er]^fätl9 K. Z.] i. den 
Faden in die Nadel fassen, durch das 
Nadelöhr ziehen : T''ue m'r i. ! Banzenh. 
Se, fäd^l m'r de" Fade" i"! Urbis. Fäd^l 
m'r i" ! Geberschw. 2. bildl. Vorbereitungen 
treffen, um ein Geschäft einztdeiten : S'e 
han s scho" lang i"gfäd^lt gha'", **ass *r 
das Maidia muess hirote" Katzent. Eine" 
i. verlocken, z. B. dass er oft in ein Haus 
kommt Su. Gib nur Acht, si^ we"^n di*='' 
i. ! Hlkr. — Schweiz, i, 675. 

fädle" [fatlo Horbg.'\ Junge werfen, 
votn Schwein : d Mo'^r het gfad^lt. — Ge- 
hört zu Ferkel mit Uebergang von rl zu 



FeD 



95 — 



FeD 



FiD 



d] wie in Kornfadl (s. unter Ferelj, Fädel- 
märk. 

Feder(e) [Fätara Banzenh. ; Fätr J^jif. 
Katzent. Co. Winzenh. Du. Heidolsh. Bf. ; 
Fatr Dollcrn Geisp. K. Z. Betschd. ; Faetr 
Str. IV.] ; PL ■ — e ; Demin. Federli Banzenh. ; 
sonst Federle f. i. Feder, als Bedeckung 
von Haut und Flügeln der Vögel: Mc" 
kennt d'^r Vog*^! an de" Federe" Hi. 
Banzenh. Er is' noch mit de" Gäns^" im 
Prozess (bezügl. des Bartes), er weisst 
na'^'^ nit, g-^X. \ Flum ad^r Fedre" Du. 
M^r weisst nit, gi^t 's Hör od^r Federe" 
R7if. Me" rupft nur, wo Federe" si"'^ man 
nimmt, wo man findet, eine Rda., welche 
namentlich nach fetten Prozessen atif 
die Gebührenberechnungen der Advokaten 
angewendet wird Bf. 2. Bettfeder, PI. = 
Federbett. Er is' scho" in de" Federe" 
Banzenh. K. Z. Er steckt noch in de" 
Fedre" Du. 'Sie leyt schunn lang dief in 
de Feddre' Pfm. IV 5. Es is' jetz' zehn, 
ich ge'' inger d Federe" Büst. Mit inger 
d Federe" ne^me" ebd. Syn. Bett(e")huse", 
Getüech, Korb, Kratte". Jetzt ge^" m'r 
noch Betthuse" , Federe" schüttle" Str. 
'vnd jhm die zeit fast lange wird biss er 
in die federn kommet' Mosch. II 175. 
Lebensregel : E Maide" soll in •^'"ere Feder 
üwer e Zun noch soll einer Feder nach- 
springen, weil sie ein Bett mit in die 
Ehe bringen niuss Ingcnh. J. Schreib- 
feder: Die F. ge^t nit guet diese F. schreibt 
schlecht allg. — Schweiz, i, 677. 

Bluetfeder f. nicht völlig ausge- 
wachsene Gänsefeder, in deren Kiel noch 
Blut steckt Obstcinbr. 

Flumfeder f. Flautnfeder , Daunen 
Steinbr. 'Pflunfeder' Pauli 341. 'pflaum 
Fäder Dasyp. — Schweiz, i, 678 
Pflum. 

Gans fe der [Karj^sfatar Z.] f. Gänse- 
feder zum Schreiben hergerichtet. 

Glas fe der f. entfettete Gänsefeder, 
die zum Schreiben bemitzt wird ; früher 
zvaren bes. die Hambiirger Glasfedern 
beliebt Str. 

Hüe''nerfeder f. Feder eines Htihnes 
K. Z. 

Klei(n)feder f. Stahlfeder, Schreib- 
feder Logelnh. Hf. Syn. Schnaw"! Ingenh., 
Federschnäwele Han. 

Malis se"fe der f. bunte Feder aus 
dem Malisse"struss , dem Strauss des 



zur Mtistenmg einberufenen Burschen 
Obhergh. 

Pfaufeder [Pföfatsr K. Z.; Pfeifatar 
Rothb.] f. Pfauenfeder. 

Springfeder y. Sprungfeder der Ma- 
tratze Su. K. Z. 

Sta^'lfeder ['Stolfatar Geisp. K. Z.] f. 
Stahlfederchen zum Schreiben. 

S t o c k f g d e r f. grösste F. an Schwanz 
und Flügeln der Gans, Schwtmgfcder an 
Flügeln Obsteinbr. Z. Di*^^'^ Huen het 
ke'"® Stockfedere" me*"" Dachstn. 

VValdfedere" f. PI. Straussfarn, 
Struthio pteris germanica, auch Aspidium 
filix imd Polypodium vulgare Horbg. 

federe" [fätara Bf.; fataro K. Z.] 
sich in Schwingungen bewegen wie eine 
Feder. s Schloss federt nim'"*^'' das 
Schloss ist lahm Bf. Do federt's awer! 
wird gesagt , wenn man sich auf eine 
Sprtmgfedermatratze legt tmd dabei ein- 
sinkt, auch wenn jemd. flott in einem 
Kremser vorbeifährt Pfulgriesh. 'gfäddert 
gescholten Str. Ulrich. — Schweiz, i, 
679. 

ab federletzen, umme f., 5. letzen, 
litzen. 

fedrig [fätrik Ingersh. Kaysersb^ Adj. 
mit Federn bedeckt od. behaftet, voll 
Federn. Friss Dreck, '^^'^na'^'' wurd d'r s 
Mul (d Gösch*" Kaysersb.) nit f. sagt 
man zu einem, der nicht essen zvill, weil 
es ihm nicht mundet Ingersh. — Bayer. 
I, 692 fiderig. 

Föderi*^^ [Fätri Türkh^ m. Wegerich. 
Plantago, aber mir als spitze F. s. Wede- 
ri"^*", Wegeri'^'^. — Schweiz, i, 679. 

Fidel [Fitl K. Z7[ m. Name eines Hun- 
des. — frz. fid^le treti. 

Fidel [Fitl Illk.~\ m. i. Rotznase, 
burschikos und in der Kindersprache: 
s Kind het e F., s bekommt aü'^'' ke'n*'" 
Schmutz (Kuss). 2. s. Fodell. 

Fid"lität [Fitlitdt Hf. ; Feklat(5t Ingenh., 
meist mir PI. -a] f. Streiche, Schelmen- 
streiche, im Sinne des burschikosen Fidu- 
lität : Alli F — e mache" alle möglichen 
Schelmenstreiche verüben. — Vgl. Schweiz. 
I, 681. 

Fiduz [Fityts Str?\ f. Vertrauen, Ztt- 
tratien , mir in negat. Verbindungen: 
Welle" m'r nit e Schöppel trinke" do 
hinne"? Nein, ich hab ke'n' F. für do 
''■nin! — Schweiz, i, 681. 



FoD 



FiiD 



- 96 - 



FuD 



FiF 



Fodell [Fütöl Geisp.; Fot^il Bf.; 
Fötal Ulk. K. Z. AEckend.; Fotael Str. 
Saaruniori\ m. Lehnstuhl, gepolsterter 
Stuhl mit Rücken- und Armlehne; scherzh. 
Nebenf. Fidel Z. 'Im Fodell dort im 
Eck isch d'r Grossbabbe g'sesse Hirtz 
Ged. 174. 

vodrig, s. vordrig. 

Fud [Füt Geberschw^ f. Wunde an 
einem Baum : D^r Baum het ke'"^" nette" 
Stamme", er is' ganz voll Fiidde". — 
Vgl. Schweiz. 682 Harzfud. 

Fud [Fyt Str. K. Z. U. bis an den 
Selzbac]i\ f. i. Herbstzeitlose, Colchicum 
autumnale. In Str. nur als PL fuli 
Fude" : 'Wenn kiiiim noch d' Fulefude 
stehn .... Diie i gern nooch de Maise 
jaaue' E. Stöber Schk. ioi. Kirschl. 
2, 191. Nackende Fude Betschd., und 
in dem etwa 8 km nö. davon jenseits des 
Selzbaches gelegenen Bühl nackige Hure". 
2. Strauch mit vielen Stämmchen Kerzf. 
— Schweiz, i, 682. Ursprünglich = 
lat. Vulva. 

Hundsfud [Hüntsfüt allg.; Hüntspfüt 
Mutzig\ m. Feigling, nichtswürdiger 
Mensch, Taugenichts, wortbrüchiger 
Mensch. Er is' ke'" Mann, er is' e H., 
su"st hätt er das nit a"gnomme" Dil. 
E Mann, e Wort, oder e H. Du bis' e 
H., du halts' ke'" Wort Co. 'Ferner zeigt 
er [Th. Biegyssen, Mü., itu Verhör i^Sj) 
an : do habe er von Georg Moser (der 
dem H. Burger-Meister v. Basel den wel- 
schen Hanen hat genommen) gredt , er 
frässe wol Hundsfut' Mieg 2, 179. — 
Schweiz, i, 682. Bayer, i, 694. 

hun dsfüddisch [hüntsfets Ar.] Adj. 
miserabel, Syn. hud'^lecht. — Schweiz. 
I, 682. 

fudle" [fütlo Geberschw. Hlkr. Horbg.; 
futla Rapp7\ eine Arbeit langsam ver- 
richten, oberflächlich arbeiten. Er is' alt, 
jjjcj. ka""t a nur noch zum F. bruche" 
Horbg. Dis is' ni'^'^' gschafft, s is' gfud^lt 
Geberschw. 'fodle iimhertändclnd Un- 
ordnung machen Ulrich. — Schweiz. 
I, 682. 

•^erumfudJc" kleine, unbedeutende 
Arbeiten verrichten., z. B. von Männern, 
wenn sie zu Hause bald dies, bald jenes 
machen ; Frauenarbeiten verrichten, bes. 
in der Küche Du. Bf. P*" ha^« nit 
könne" ufs Feld, s is' m'r ze dreckig gsi", 
jetz' haw= i'^'^ d'r ganze" Taj erumgfiid'lt 



Du. Er het d'r ganz Morje" an dere" 
Arwe't ''erum gfud'lt Rapp. 

'Fo d ele m. emsiger , pünktlicher MenscJi 
Ulrich. 

Fudler /;/. der sich gern mit kleinen 
Arbeiten abgibt, vielfach weil er zu 
grösseren, wichtigen Arbeiten nicht die 
erforderlichen Kenntnisse besitzt Du. 
Syn. Bäs'ler. 

Küche "fudler m. Topfgticker, Mann, 
der Küchenarbeiten verrichtet Bf. 

fud'l, mir in der Verbindung i. Dings 
leichte, schlechte, wertlose Gelegenheitsarbeit 
NBreis. 

-|-Fudel n. Mädchen. S. Timotheus, 
der 2J. August, der tuot das fiidel früge 
uffston' Dancr. 244. — vgl. hochd. 
Vettel? Bayer, i, 693. DWB. 3, 393 
altfrankftirterisch födel. 

Füdle, .y. Fudloch unter Loch. 

jFeiffel f. Darmgicht der Pferde. 
'Dass sie die Feiffel bestand !' {Fluch) 
Fisch. Garg. 323. 'die Feibel schneiden' 
ebd. 39 y. — Schweiz, i, 685 mhd. fivel, 
mlat. vivolae DWB. 3, 1432. 

fvivele [fi'fala Ndrbetschd?\ alter Sol- 
datenausdruck, Imperativform = frz. 
vive, mir gebr. in dem Ruf vivele l'Em- 
pereur ! 

Fifi m. Liebling, Muttersöhnchen; in 
der Schülersprache meist die Bezeichnung 
für den besten, ersten Schüler einer Ab- 
teihing, im weit. S. der Bevorzugte Heidw. 
Ruf. Bisch. Str. — frz. 

[■Fifitz m. Kiebitz. 'Was hamm'r hit 
z' Midda? Fifitze-n- im Essi geblotzt un 
e ingebaizdi Kellerdier mit friggassierde 
Schnokezunge' Erstein Stöber Volksb. 
196. 'Fifitze, Schnokezung' Hirtz Ged. 
227. 'vifitze' Str. 142^ Brücker 183. 
226. 230. Vogelbuch JB. IV 55 Ur- 
kunden von Ij8i 7ind I4^C), s. CS. {bei 
GoL. 318 Gyfitz, Martin Pari. N. 560 
Gywitz). Demin. Fifitzel [Fffetsl Str. 
Ingw.^ n. abweisende Antwort für einen, 
der sich neugierig an Sprechende heran- 
macht und nach dem Gegenstand ihrer 
Unterhaltung fragt : Was gibt's Neü's ? 
— Fifitzle! od. Fititzle im Essi- geplotzt! 
Ingw. - Wart nur, du bekomms' noch 
drei Fifitzle im Essi« gebrote" ! sagt man 
zu einem Kind, das nicht recht essen 
will : eine leere Versprechung Str. s. auch 
Wunderfitzle. 



FoF — FeG 



97 — 



FeG 



fofuliere" [föfyliara NBreis^ verloren 
anheften, anreihen. — frz. faufiler. 

Fagäng [Fäkä Roppenzw.; Fakae allg., 
bes. in Städtett\ m. l. armer Mann: Gib 
dem F. ne Stückli Brod ! Roppenzw. 2. 
Geck, SfjUzer, Gigerl. Der (ö.j, de" (U.) 
F. mache" sich stutzerhaft kleiden tmd 
auffallend vornehm halten, den Gigerl 
spielen. F. ä la mode frisst gern Kom- 
misbrod ist vielL dahin zn erklären, dass 
der F. trotz äusserer Eleganz oft mir so 
viel Geld besitzt, um sich Konimisbrod 
zu kaufen Str. j. Schwindler 0. ^. 
f Flöhe Str. — frz. faquin. Basel 102. 

Stöckelfagäng spöttisch = Fagäng 2. 

Fagotte" [Faköto Su. Osenb.'] f. PL 
läppisches Zeug, Grimassen, wunderliche 
Gebärden und Bewegungen beim Sprechen. 
Er het alli F. gmacht Osenb. De"" macht 
Scheste" (Gesten, Bewegungen) un*^ F. 
Su. — vgl. frz. PI. fagots in ders. Bed. 

[•fagottiere" reß. sich geschmacklos 
kleiden Str. Ulrich. Du bis' awer emol 
gfagottiert ! — frz. fagoter. 

fege" [föka ^. bis Rtif.; fäja von Co. 
ab allg. ; faeja Str. W^ i. reiben, scheuern, 
wischen, kehren, putzen; mit Sand oder 
trockenem Mörtel (sog. Sofer(t) Z.) und 
einem nassen Strohwisch Holzgefässe, 
Kübel reinigen; mit Lappen, Bürste oder 
Besen den Fussboden und die Wände, 
den Schornstein reinigen. Hes' de" Chü- 
b*l tscho" gfögt? Roppenzw. Gang, fej 
d°r Küw^l ! Die Bed. scheuern ist nur 
dem O. bis Co. eigen. D Stab f. allg. 
Alli neie" Bese" f. wo*^] Bf. Feg vor 
diner T'^ür bekümmere dich um deine 
Sachen l Su. Z. 'Fej sie vor ihrer Thür!' 
Stosk. 91. 'Sie sieht die bleiche Schatte 
fäje' ders. 61. Di'= [Frauen) feje" d 
Gass od. d Stross von Frauen, die ihre 
Röcke schleppen allg. 2. fortjagen. Denne 
ha" m'r awer gfejt! Z. j. schnell und 
besonders gut tanzen. Die könne" s awer, 
lue? wie die f. ! Du. ; wild tmd atisge- 
lassen tanzen K. Z., vgl. wäje". ^. den 
Herren spielen, elliptisch: has' '^ne 
wieder gfegt? Steinb. 5. (unehelichen) 
Beischlaf ausüben allg. 6. schlagen, 
Menschen und Tiere bes. aber Zugtiere. 
Fej ''^ne (den Ochsen), wenn er nit ge^'n 
will Hf. 7. atis schelten M. — Schweiz. 
I, 686. Schwab. 187. Bayer, i, 696. 
'die conscienz fegen' Geiler J. Seh. 17''. 

Wb, d, eis. Mundarten. 



'und sol sü noch dem bade wieder fegen 
und weschen reineclichen' Str. 75. yh. 
Brucker 58. 'electus purgatur wird der 
gerecht getagt' Fisch. Bin. 116. 

abfege" atis s ekelten , Verweise geben 
Mittl.; Syn. abputze", abrossle". 

jerpanzerfegen reinigen, abreiben 
bildl. Fisch. Bin. 194. 245. Goethe Ephe- 
merides (1771) 6". 28 notiert 'Panzerfegen 
zwingen und dringen'. 

in fege" [er[^fäJ9 K. Z.] ein Tier oder 
einen Menschen tüchtig diirchprügeln ; je- 
mand moralisch züchtigen. 

ummefege", ummenanderfege", 
•^erumfege" umherstolzieren, timherziehen, 
ttmherschwärmen, hertimstreichen, herum- 
streifen. Er fegt d'r ane ummen.Tnger er 
zieht überall hertim Roppenzw. Es (das 
Mädchen) fejdidi jetz' noch ^erum, wenn s 
nit krank wor'^e" war Co.; doch ist diese 
Conjtmctivform nicht mehr sehr gebrättch- 
lich. Er fejt d'r ganz Morje" im Dorl' 
•"erum Du. 

usfege" fegen, kehren. Hes' d Stub 
usgfegt? Hlkr. 

Feg [Fäj Bf.~\ f. eine Vorrichttmg in 
Mühlen, tim minderwertiges Getreide beim 
Hertmterrtitsclien von dem bessern zti son- 
dern. — DVVB. 3, 141 2. 

Feg er [Fäkar vS. O. bis gegen Co.; 
Fäjar sonst allg. ; Faejar Str. W.^ m. i. 
tüchtiger, starker Bursche oder Mann ; 
ein Meister in seiner Beschäftigung. Er 
is"^ e F. im Zeichne" Pfast. 2. ein reicher 
Mann. De"" F. het Münz Geld Roppenzw. ; 
oft mit vorgesetztem Adj. stolz, rieh : du 
bis' e stolze'' F. Steinb. ^""s Marigg^'l het 
'^^m Schorsch^l e Korb ge'^^n, s passt alle- 
wej uf e richer F. Ulk. J. ein schön ge- 
kleideter Herr, übertr. ein eitler, hoch- 
mütiger Btirsche. Lueg, do kennt e F. 
Pfast. ; Sj/n. Fitzer. 'Do isch au glich e 
grosser Fäijer kumme' Str. IVibble 10. /f.. 
Mädchenjäger ; verdorbeiter Kerl, der sich 
bei schlechten Weibspersonen hertinitreibt : 
E gueter F. Hf. 5. ein Ratisch Steinb. 
— Schweiz, i, 687. 

Fegere" [Fäkara Olti. Ensish.; Faejara 
Str^ f. I. schlechte Weibsperson. Gang 
m'r nit mit der F. ! Ensish. 2. geiziges 
Weib Olti. — vgl. Schweiz, i, 688. 

Gasse "feger m. Strassenkehrer Str.; 
s. Bese"gard-. 

Gasse "fegere^y. Strassenkehrerin Str. 

7 



Fc(; 



98 



FeG — FiG 



Kamin feger [A emifäkar Liebsd. ; 
Kh^mifäkor Karsp. ; H^mifäkar Attenschvo. ; 
Khamifäkar Lutterb. Banzenh. Su. Ob- 
hcrgh.; Khamifäjar Logelnh. Ingersh. Dil.; 
Khämifäjar Rapp.; Khäminfaejar Str.; 
Khäminfäjar K. Z. U.] m. i. Schornstein- 
feger. 'Schwartz wie iie Kemmifäger' Mii. 
Mat. 62. Den Kindern, namentlich auf 
dem Lande, wo man ihn selten sieht, ist 
er ein Gegenstand der Furcht: wart, d^^r 
K. holt di"^^ ! Betschd., und wenn er weit 
von ihnen weg ist, rufen sie ihm Spott- 
verse nach : K. mit ^ m Bese", mit ***m 
Stumpe", Macht di'= alte" Wiwer z" gum- 
pe" Karsp. H., mit d'm Stecke", mit de" 
alte" Lumpe", macht die alti Wiber z" 
gumpe" Attenschw. (zvahrscheinlich urspr. 
mit Bezug auf Hexen, die bei der Ankunft 
des K. zum Schornstein hinausfahren). 
K., mit d^m Dege", mit d''m Lumpe", 
macht die alti Wiwer z" gumpe" Banzenh. 
K., putz m'r s Loch, übermors'^n sin*^ d 
Ruewe kocht ebd. Weiter nach N. zu be- 
ginnt der Spottvers mit: K., Steckele- 
träger oder Steckelträger, in Ruf. Steckele- 
feger, dazu kommt dann: Aepfelbisser, 
Hose°schisser Obhergh. ; Kübelebinder, 
Lochstinker Türkh. ; Lochbinder, Ziwele- 
stinker Horbg. ; Küwelebinder, drei El'e"- 
stinker Du. ; Lochputzer, Z^iweleschmutzer 
Rapp. ; Lochputzer, Küwelfurzer K. Z. ; 
Lochputzer, Ziweleschlutzer Str. In Geber- 
schw. lautet der Vers folgendermassen: 
K., Steckcleschlenker, Küwelebinder, Rock- 
stinker, und in Rchw. : K., Butze'träjer, 
Küweleschinder, Lochebinder. — Mit '^'"m 
K. macht m'=r d Kinder förch'e" un"^ mit 
'^'m Teifel d grosse" Lüt Dil. 'Doch ich 
kain Kämmetfeger gab, So schreien vom 
schornstain herab' Fisch. Flöhh. 1207/8. 
'Kjimmetfäger in Churwalen' Prakt. 27. 
2. Traubenhyazinthe , Hyacinthus botryoides 
Sil. — Schweiz, i, 687. 

Schor"ste'"feger ['Sorstofsejar Loren- 
zens m. Schornsteinfeger. 

Strasse"feger ['Strüsafäjar Logelnh?^m. 
Strassenkeh rer. 

Feg et e [Fäkto Ruf. Logelnh.; Fäjta 
M. Ingersh. Dil. Bf. K. ; Fäjöt Geisp. ; 
Faejat Str. W. ; Fäjat und Fäj Ilf ; Fdjat 
Ingenh. Wörth Betschd.] f. Kehricht. V^^ 
ha" mc*"^ in d«r F. a's du im Vermöje" 
Du., a's du in d^'r Tischlod'^ Lobs., Schüf- 
lod*^ Schublade Eckzversh. Der het me'"' 
i" d'r F. leje" a's mir üwerall ha" Bf. 



'die feget der sünd' Geiler J. Seh. (allll'*). 
'auß der Fägct der alten Vätter' Fisch. 
Bin. 58. 'Vegotte' Urk. 1311. 1423 CS. 
'Feget Dejectamcnta, purgamenta' Dasyp. 
'auB Fägeten' ebd. — Schweiz, i, 688. 
Schwab. 187. 

'Feiert, die' Mündel Volks l. Nr. 24.2 
Marlenh. Kehricht. 

-{-feig Adj. frech, eigentl. verzweifelt, 
verrucht; in dieser Bedeutung oberrheinisch. 
Oft bei Geiler 'feyg vnkeusche geberd' 
y.Sch. dV"; 'feyg protervus petulans' Dasyp. 
tmd so schon bei Otfried veigi: ZfdA. 
29, 467. 'halb und halb geistlich und 
weltlich, andächtig und faig' Geiler Iläsl. 
a IUI''. 'der feigen Juget' Rappoltszv. 
Schtdordnung ca. 1^62. — Schweiz, i , 
688. Schwab. 174. 'pös vnd vaige' Bayer. 

1, 696. 

Fig [Fik Ensish. Hlkr. Hattst. Mittl. 
Co. Westhsn. ; Fej Barr Str. W. ; Fej 
K. Z., wo häußg auch Fi, namentl. in 
Zss?^ f. I. Feige, Frucht des Feigenbaums. 

2. Auswuchs am Hals eines Kalbes. Mit 
was könnt m^r o'^'' die Fige" vertriwe"? 
Mittl. j. Schlag auf den Kopf: dem han 
i^"^ e F. ge'^«" Hattst. — Schweiz, i, 
688. Bayer, i, 697. 

0''rfig(e) [Örfiko Pfast.; Örfik Su. Co. 
Dil.; Örfej Bf. Str.; Örfi K. Z. Kindw.] 
f. Ohrfeige. Im Dreck e O. ge"'^" ver- 
kehrt handeln, sich ungeschickt benehmen, 
eine thörichte Aussage machen, Antwort 
geben, die einem den Spott anderer zu- 
zieht Du. Bf. *Jetz hesch widder emol 
Im Dreck e-n-Ohrfej genn' Kettner Mais. 
47. 'So het unser Gemeinroth jetz im 
Dreck en Ohrfej gewe* ds. GvH. 61. — 
Schweiz, i, 688. 

7R0 SS feigen /. PI. Pferdemist Fisch. 
Garg. 309. — Schweiz, i, 688. 

Fige, Fig \^\V.'^ Roppenzw.;^^ Lobs^ 
f. Weibsperson mit rotem Haar; meist 
mit dem attrib. Adj. rot. Di'^s is' emol e 
roti F. Lobs. 

Figger, Figges [Fikar Liebsd. Mü. 
Obhergh. M ; Fikas Rothb:] m. Dieb Mü. ; 
nur in Verbindimg mit dem Adj. rot: 
Mannsperson mit rotem Haar. 'Roder 
Figger, di' Hoor brännt a, Schitt e Drepfle 
Wasser d'ra!' Mü. Stöber Volksb. 142; 
s. auch die dazu gehörige Anm. auf 
Seite ijg. — Schm^eiz. Fuggor: Stalokr 
I 368, 402. 



FiG 



FoG 



99 — 



Fo(i 



figg^rig [fikrik Roppenzw7\ Adv. feu- 
rig; bes. vor rot. Das Papier is' f. rot. 
j-. fürig. 

Figur [Fikyr Mittl.'\ m. Konfekt. — 
abgek. aus frz. confiture. 

^imbe^rfigur m. Himbeerkonfekt : das 
Jo'^r hamer (haben wir) no"^'' brav (ziemlich 
viel) I. bekomme" Mittl. 

Vogel [Fökl — PI. Fdkl — Demin. 
Fekalg Banzenh. Su. Ruf. Geberschw. ; 
Fükl — Fdkl — Fökalg Logelnh.; Föjl 

— F^jl — Fejala Winzenh. ; Fökl — 
Fekl, Fejl — Fekala, Fejola Bü. ; Fäjl — 
Faj9l9 Bebelnh. ; Foejl — Faejla — Fasjala 
Meis. ; Foejl — Faejl — - Faejala Barr 
Geisp. Bisch. K. Z. Geud.; Föjl — Fejl 

— FejalQ Bf; Fejl — Fejl — F^jab 
Sir. ; Fajl Kirrw. ; Föjl — Fejl Kindw. ; 
Fejl — Fdjl — Fejalo Zinsw. ; Faul — 
Fajl — Fajala Rotb. ; Fö^l Dollern ; Fö;fl 
__ Yhy\ — Fe^ala N.; Fejl — Fejl 
Lützelstn. ; Föwl Lohr Tieffenb. ; Fewl 

— F(§jle — F^J9l6 Ratiw. Hirschland ; 
Demin. Fekali Banzenh. ; F^jali Heidolsh. ; 
Feksla Roppenziv. Ruf. ; Fdkalo Dollern 
Hältst. Obhergh. NBreis. s. auch JB. 
VIII, 152, 16.] m. I. Vogel. Er lebt 
wie ^'nc' V. im Hamfsome" Stt. , wi^ 
d"=r V. im Homfsöt K. Z.; dem is"^ 's 
wi^ '^um V. im Hanfsome" Rauw. : ein 
fröhliches, lustiges, glückliches Leben 
führen, s. auch Fisch i. Jäj (jage) d V. 
von öwrum Fla'^^s ! Hirschland, s guet 
Vögele sorge" lo^'*'=" sorglos dahin leben 
Mü. 'ließ das Vögelin sorgen' Fisch. Garg. 
200. 'Vnd nur die foegly lassen sorgen' 
Murner Mühle 98. We"" m'^r V. will 
fange", dorf m«r nit mit Hew^le" inger 
s'e werfe" Z. Do pfife" anderi V. hier 
sind die Verhältnisse anders, ungünstiger 
K. D V. pfife" s vo° de" Dächer» Du. 
M^r kennt dT V. an de" Fed'^re'' Du.; 
ich kenn"= mini Vöjele an i"re" Federlc 
Str. ; d^r V. kennt m^r an de" Federe" K. 
Z. V., friss oder verreck {^fAxh Geberschw. )\ 
wenn man vor einer harten Wahl zzvischcn 
zzvei Uebeln steht Hf. Dunzenh. 'Friß, 
Vogel, oder stirb' Titel einer Controvers- 
schrift des eis. Jestiiten Joh. Nie. Weiss- 
l inger, Str. lyzö. s is' m'r Vögele wo'^l 
Steinbr. Hi. Vögele, flieg us: zum erste", 
zum zweite", zum — letste" Mol! Atif- 
forderung, beim Spiel den Platz zti ver- 
lassen NBreis. Ein Auszählverfahren 
beim Spiel der Kindsr latitet : Es is' e 



Herr in d^'n Gorte" gange", Wi'^ viel V. 
het ''r gfange"? Das betr. gefragte Kind 
giebt dann eilte Zahl an, meist nicht über 
10, und mm wird ausgezählt Geud. — 
Er meint, er heig s Vögeli gfange" glaubt 
(irrig) im Vorteil zu sein Hi. 2. Laus, 
Filzlaus Str. K. Z.: der het allewej Vö- 
jele im Hemb'* Bf. J. durchtriebener 
Mensch, in sittlicher Hinsicht nicht unge- 
fährlicher Mensch, oft eupheni. für Huren- 
vogel K. Z.: dis is' m'r noch e glatter 
V. ! Str. Ausschweifender Bursche Bisch. 
D-r V. (der gesuchte) is' usgfloge" Ruf. 
3. Gel^i Vögele Roppenzw. Hi., goldigi 
V. Obhergh., e gel^ Vögeli Banzenh. oder 
atich ohne das Adj. einfach Vög*=l PI. 
Hattst. Goldstücke. 5. als Familienname 
[Fäjl Bebelnh., Fce}l De ttw. Lngenh.]; die 
Frau oder eilt Mädchen dieses Namens 
heisst s Vöjele [s Fsejab Ingenh.~\ 6. Brett 
mit zwei atcf den Schidtern ruhenden 
Armen, auf welchem der Matirer den 
Mörtel trägt Geberschw., Mörtelkübel Dehli. 
Wh. Mi" V. is' verkracht Geberschw. 7. 
einer, der nichts bezahlen kaiin, der nichts 
mehr hat, oder übertr. ein schwächlicher, 
gebrechlicher Mensch ist e umseliger V., 
jüd. Ausdr. ; Syn. Dallesvojel. 8. Vögele 
[Fdkala NBreis.^ Frucht des Ahorns, g. 
Glimpf rda. für coire : Muess (soll) i'^'' d'r 
zeige", was d'^r heilig Geist für e V. is'? 
Olti. 'Der Vogel hat ein böse art Der 
sein aigen nest nit spart' Murner Schz. 
71. 'Der Vogel kan nit sein der best Der 

seh in sein eigen nest' ebd. 72 ; vgl. 

auch die j letzten Verse 73. 'Jacgg, Vöge- 
lin, Margtris, Streublin, Petterlin, Rosslen' 
Namen des Teufels Ensish. Hexenprozess 
Merklin II \^T^. — Schweiz, i, 690. 
Bayer, i, 834. 

Bei de vo gel m. Pappelschwärmer, 
Smerinthus populi, ein Nachtschmetterling, 
desse7t Raupe auf der Pappel lebt O. 

Blivogcl m. Vogel von Blei, nur in 
der übtr. Bed. langsamer Mensch Gebzv. 
— Schweiz, i, 695. 

Dreckvogel m. Wachtel Co. Demin. 
Dreckvögele n. Btuhfink, Fringilla coelebs. 
Wenn s D. pfift, so kommt s ge''" regne" 
Westhalten. 

Ente"vogel ju. Enterich: Horch, wi" 
d''r E. gäxt Geud. 'es sint vasant, velt- 
hünre, antfögel, brofogel, tritfögel, mur- 
fögel' Str. 1425 Brucker 183. 'Antvogel' 
Fisch. Bin. 178. 'Antvogel Canards' 



FoG 



lOO 



FoG 



Martin Coli. 44. 'Er het us dere-n-Ente- 
bruet e Jungs Antveejele gekrypsst' Pfm. 
III 4. 'Do wurd begehrt, dass der Ant- 
veauel z'erst bezahlt wurd' ebd. III 4. 
— Schweiz, i, 693. 

Galge"vogel ni. Rabe; übtr. mich in 
dem Anzählspnich [Ainiko painika Typ- 
ontö, Tifis täfis Tömind; 'Sn^ls, P^lts, 
Häsolnüs, Tor Kälkofokl is tserst tys 
Hagenb7\. — Schweiz, i, 693. 

Gerste^vogel [Kärstofökl Su.; Kärst- 
fökl Osenb^ m. Goldammer , Emberiza 
citrinella. Hörs' **" das Gerstevögele: 
We"" d" mi" Nestele find*=s', is' " di" 
Osenb. — Schweiz, i, 693. 

Ghannsti(g) vögele [Khäntsti;j;'fejolo 
Wörth; Khänstifejolo Zinsw.; Khänsfajolo 
Rotb^ n. Johanniswürmchen, Glühivürm- 
chen, Lampyris noctiluca. 

Gnade"vögele n. Marienhähnchen, 
Siebenpunkt , Coccinella septempunctata 
jüd. Avals h. 

Herrgottsvögele«. Marienkäferchen, 
Coccinella septempunctata Horbg. Str. K. 
Z. Durch Anhatichen und Anstossen mit 
dem Finger suchen es die Kinder zum 
Fliegen zu bewegen; dazu singen sie es 
mit folgendem Liedlein an, wobei man in 
jeder Zeile deutlich ^ Hebungen durch- 
hört: Herrgottsveijele, fli^s uf ! Mach Vater 
un'^ Müeter d Schür uf! D Müeter sitzt 
im Gorte", Spinnt e lange" Fode"; D'^r 
Vater sitzt im Wurtshus, Suft alli Gläser 
US Z. Dasselbe Liedlein wird mutatis 
mutandis auch dem Maikäfer gesungen. 
Metrisch interessant wegen der 5 Heb- 
ungen in der Schlusszeile ist die Var. 
aus Lngw.: Herrgottsvcjele , fli^j fürt, 
Mach d^r Müeter s T^'ür^l uf; D Heidc° 
kumme" mit ''^m Reche", Welle" dini 
Müeter tot steche". 

Herre"vogel [Herofejl, PI. Heraf^jlo 
Dehli7\ m. Eichelhäher, Garrulusglandarius. 
Der H. is' schädlich. — Schweiz, i, 
694. 

Hexe"vogel ;;/. L^ibelle mit blauen 
Flügeln, Wasserjungfer, Libellula Achenh. 
Sj/n. Auje"stecher Du., Hexe"nod^l JVolf- 
ganzen, Nodelschisser Str., Schnider Z. . 

Hüenervogel m. Hühnerhabicht Dol- 
lern Co. — Schweiz, i, 694. 

Isvogel ;;/. /. Eisvogel, Alccdo ispida; 
übtr. jeder Vogel, der das Herannahen 
des Winters durch sein Erscheinen an- 
kündigt Bf. 2. Strassenschimpfwort, s. 



Wackernagel Fisch. 55. 'Du Yssvöujel !' 
dummer Kerl Stöber Daniel 19. — 
Schweiz, i, 693. 

Kanarie"vogel [Khänälfökl Du. ; 
Khänälfewl Wh. Dehli.; Khänälifekolo 
Obhcrgh.; Khänälofaejola Ndhsn.; Khä- 
nänafajolo Heidolsh. ; Khänänafaejolo Dach- 
stn.; Rhänärjosfejola Ar. ; Khänänisfacjolo 
Z. ; Khänänisfejl Prinzh. Kindw. ; Khä- 
närjofejl Zinsw. ; Kürnäriföjl M. ; Khärti- 
nälorfekolo ///z.] ; /. Kanarienvogel. In 
dem Käwig sin"* me*^"^ a's zwanzig Kanal- 
vöjele Dehli. Müeter, was sin*^ das für 
Vögele, Wo so geli Wädele han? Das 
sin'^ Kardinalervögele, Wo so geli Schnä- 
wele han Lllz. 2. Scherzhaft wird auch 
eine Kröte oder sonst ein hässliches Tier 
K. genannt Dil. j. Wasserjungfer Ob- 
hcrgh. — Schweiz, i, 694. 

Kath^rine"vögele n. Marienkäfer 
Baller sd. Ransp. K., flieg üwer der Rhi", 
Un*^ bring im liewe" Gott e Fässele voll Wi" 
Ballersd. K. flieg, Di" V^ter is' im Krieg, 
Di'" Müeter is' im Pommerland, Pommer- 
land is' abgebrannt Ransp. 

Kotvogel /;/. Goldammer, Gelbfink 
Rupr. 

Krammetsvogel [Krämotsfokl Rop- 
penzw.; Krämisf. Hi. Du.; Krämotsföjl 
Bf?^ m. I. Krammetsvogel. 2. lustiger, 
ausgelassener Knabe : das is' no'^'^ '='ne'^ K. 
Roppenzw. — J. (PI.) schlechte, unleserliche 
Buchstaben : du hes' jo nix a's K. gmacht 
in dinere Schrift Heft Du. Hi. 'Kromet- 
vogel' Geiler 6". M. 4'\ — Schweiz. 

1, 695- 

Krüzvogel m. Buntspecht, Picus Su. 

— Schweiz, i, 695. 
Lieberhergottsvögele n. Marien- 
käferchen, Siebenpunkt O. Ulk. Lobs. L., 
flieg in dini HöM! Bebelnh. L., fli<=g fürt! 
Mach '^em Vater un*^ '^^ Meter d Schür 
uf! D Heide" kumme", d Judde" kumme", 
Welle" Vater un"^ Meter tot steche"! Ulk. 
L., fli"=j üwer de" Rhin, bring mir un'^ 
dir e Schöppcle Win Lobs., oder den 

2. Teil des Sprüchleins in der Var. bring 
m'r c Fässele voll Win Kerzf. 

f Martinsvogelin Altswert 77, 19. 

— Schweiz, i, 6()i,: danach Marienkäfer; 
an der obigen Stelle ist es eher einer der 
vielen zveissagendcn Vögel des Namens s. 
zu Reinaert I 1047; Grimm Mrth. 3, 423. 
Kl. Sehr. 4, 328. 



FoG 



FoG 



FoGT 



fMurvogel in. Sumpfvogel Str. 1449 
Brucker 226. 

Nachtvogel ;;/. Käuzchen, Nachtetile; 
unartigen Kindern droht man : wart, d^r 
N. nimmt di*^^, wenn de nit brav bis', 
wobei an ein unbestimmtes gespenstisches 
Wesen gedacht zvird Obhergh. Dentin. 
Nachtvögele ;/. Nachtfalter. Hinecht 
fliege" wi"^der vil N. um s Liecht umme 
Ruf. — Schweiz, i, 695. 

Paradiesvogel ;;/. Marienkäfer Ruf. 

jPfingstvogel ?«. ein hölzerner Papa- 
gei auf einer Stange als Ziel des Wett- 
schiessens, 'den Pfingstvogel herab schiessen' 
Fisch. Bin. 122. — DWB. 7, 1703. 

1433- 

Raubvogel m. Raubvogel: mach ni'-^'t, 
^ass i'^'' d'r eini gib, ^ass de meins', d^r 
heilig Geist is' e R. Rda. wenn man 
einem mit einer tüchtigen Ohrfeige droht 
Oscnb. 

Rege"voge] [Räjoföjl Bf7\ m. Regen- 
vogel, ein bekannter Brachvogel, der durch 
sein Geschrei Regenwetter ankündet, eine 
Art Schnepfe, Numenius phaeopus. 'Item 
als vormols ein regenvogel umb 6 Ö ge- 
schriben stot* Str. 1449 Brucker 187. — 
Schweiz, i, 696. 

Reckholdervogel m. Wachholder- 
drossel, Turdus pilaris Sji. — Schweiz. 
I, 694. 

Riipe"vogel [Rypafojl Dainb.~\ m. 
Schmetterling. 

Schissdreckvogel m. Wiedehopf 
Prinzh. Syn. Kotha'^n. 

fSpeyvogel m. Spottvogel Ras s er 
Hochzeit. — Schweiz, i, 696. 

Stossvogel m. i. Ratibvogel, Hühner- 
habicht, Astur palumbarius U. W. 2. übtr. 
für einen habgierigen Menschen. Wi^ e 
St. is' er druf los! Ingenh. Di^ kleine" 
Stossvöjle" sin*^ nach (noch) gfährlicher 
a's d'e grosse** Dehli. s. auch Stossfalk. 

— Schweiz, i, 697. 

Summer vogel ;;/. Schmetterling O. 
'Summervögele' Lustig I 396. 'Vill Damme 
gehn als Wurm zur Toilette un kemme 
wie ne Summervogel z'ruck' Mü. Mat. 66. 

— Schweiz, i, 696. 

Tote"vogel m. Zwergeide, Käuzchen, 
Strix passerina, auch noctua Henfli. Geisp. 
Dehli. — Schweiz, i, 697. 

Wettervogel ///. /. Vogel, der den 
Regen ankündigt , Numenius phaeopus. 



2. krankes Glied am menschlichen Körper, 
welches bevorstehende Wetterveränderung 
ditrch Schmerzen ankündigt, Rheumatis- 
nms M. Bf. — Schweiz, i, 697. 

yZ weif alter vogel m. Schmetterling. 
'ein pfeiffholter oder zw. v., der fleugct 
ausz freyem willen inn das fewer oder 
liecht' Geiler Narr. H. 293. 

-[- vögeln Vögel fangen: 'und sol ouch 
nieman kein losz nehmen, er welle denne 
selber vögeln* Str. 14.. Jh. Brucker 178. 

vögle" [feklo Olli. Ensish. Du.; fejla 
Str.; fejla K. Z.; föjla Ingzv\; Part. 
gvögel' Ensish., sonst -t; coire. Di^s is* d 
Bettellüt gvögelt wenn einer für seine 
Wate zjc viel verlangt Su. — Schweiz. 
I, 698. Schwab. 208. 

jVogeler m. Vogelhändler, Geflügel- 
händler. 'Wer under den vogelrn sine 
zinse nüt het geben' Str. 14. Jh. Brucker 
178. Martin Pari. N. 548. Chron. ich, 
27. — Schweiz, i, 699. 

Fueg [Fyak Logelnh.; Fyük M.; Fej 
Str. ; Foj K. ; Fyej Z. ; Fy w Lohr'\ f. Ftige : 
s ge^^t alles us de" Föje" Dunzenh. 'Füge 
oder fuge junctura commissura' Dasyp. — 
Schweiz, i, 699. 

Standfuegy". Flächen, mit denen Ge- 
wänder, Sturz und Bank ztisammen stossen, 
ein Steinhauer atisdruck Su. 

fliege" [fisja /ngersh.] mit Sachobj. 
Bretter so aneinanderpassen, dass jedes 
folgende in eine Falz des vorhergehenden 
eingreift. — Schweiz, i, 702. 

i" fliege" einfügen, ineinander ein- 
lassen und befestigen. De" Diele°bodc" 
(Fussboden) will x"^ i"grüejt ha^^^" Bf. 

Vogt [Fökt allg.; PI. Fekt] in. Vor- 
mund, zvelches W. in den eis. Mda. gänz- 
lich fehlt. D^r V. het d Hand in mi"^m 
Vermöge" gwäsche" hat sich am Mündel- 
gut bereichert Banzenh. We^''^'' is' di" V.? 
Katzent. V. üwer eine" sin jemds. Vor- 
mund sein Hf. Die Wittfrau kriegt noch 
e V. für ihri Kin''*'', dann di* zwei kle'n- 
ste" sin'* noch ni'^'^t majrin Lützelstn. E 
Vogt mache" Vormund einsetzen M. 'der 
armen lüt vogt' Bettelvogt Str. 1473 
Brucker 136. 'Tutor Vogt, Vormünder' 
GoL. 112. 'Praefectus Vogt' ebd. ir6. 
Dass i nit leweslang do bly' mym Vogt 
zuer Last' Pfm. I 8. ''S Wort, diss haa 
ich ze genn, ich bin der Vogt' ebd. V 9. 
— Schweiz, i, 703. Bayer, i, 835. 



FoGT 



FaK 



— I02 



FaK — FiCK 



Bettelvogt m. begehrliches Kind: du 
bis' awer^e ewige"" B. ! Urbis. — Schweiz. 
I, 707. 

Bivogt m. Nebenvornmnd, zweiter Vor- 
mund Liebsd. bis Molsh. 

Stritvogt m. Nebenvornmnd, Gegen- 
vormund U. W. 

jTaubenvögt m. PL vendeurs de 
pigeons Martin Pari. N. 548. 

bivogte" einen Vormund setzen. Mor- 
gcjj gghn jyjij. gphii )^ Banzenh. — Schweiz. 

I, 710. 

Vogt ei [Föktei Logelnh. Du.; Föktei 
Z.]y. Vormundschaft, Amt des Vornmnds. 
M'r hän Gschäfte weje" d*=r V. vom Mich'l 
sine" Kinder" , ^r is' gstorwe" Du. — 
Schweiz. 1, 711. Bayer, i, 836. 

V o g t i e r e n [föktiara Ingersh^ (mit Dat. 
Pers.) jemd. bevornmnden. M'r hän gestert 
'^^m Cousin gvogtiert. 

fajole" [faijola fast allg. ; faejola JV.'] 

1. laufen, eilen, sich aus dem Staub 
machen, ausreissen, sich schnell bewegen, 
von einem geworfenen, fliehenden oder 
laufenden Gegenstand, timherstreifen : er 
fajolt de" ganze" Tau (Tag) •^erum Z. 
'erum fajohle wollüstig tmiherziehn\]'LRiCH.. 

2. werfen, schlagen. Hingerschi nus f. 
hinten ausschlagen, vom Pferde Z. In d 
Hose" f. in die Hosen seh. ebd. Fajol 
■''m eins! Ulk. Ndrröd. Komm m'r nit 
cso no (nahe), sons' f. ich d'r e'ni Altw. 
— Schweiz, i, 633 und 686, wo fagölen 
atis lat. vagare imd gölen gaffen abge- 
leitet wird. 

abfajole" laufen, sich schnell davon 
machen; Syn. allg. usrisse", usrucke", ab- 
fa^'re^, abfüre" [äpfiro], usfüre" [ysfira], 
abkratze", Pech kaute". Has' e'"mol solle" 
gese^'n, wi* der abgfajolt is'! Altw. 

usfajole" sehr schnell laufen, fort- 
laufen Kerzf. Ulk. Z. Fajol "''m eins, 
derno'^'* wurd er schon usfajole" hati ihm 
eins runter, dann wird er sich schon aus 
dem Staub machen Ulk. 

Fajolere f. schwärm£nde Dirne Str. 
Ulrich. 

Vakanz [Fäkhänts Str. Lützelstn.; 
Fi- Prinzh. ; For- Logelnh. bis Z. ; 
Forkhänts Ingersh.; Farkhänst Su. Hlkr. 
Bisch. Z.; Farkhänt Z.; Fä- Büht\ f. 
Schulferien. Demin. Verkanztle Hlkr. s. 



auch Kafanz. — Schweiz, i, 732. 
Vokänz. 

Fackel(e) [Fäkala Fisl. Hi. ; Fäkl Su. 
Dil. Rapp.'\ f. J. Fackel, Pechfackel. 2. 
übergrosse Kerzen- oder Lampenflamme 
Su. Dräj doch e bissle an d^r Lamp, 
lues wie e'"^ grossi F. '^ass si* het Du. 
j. kleines Schnürchen, das man am tmteren 
Ende einer Peitschenschnur befestigt; 
Syn. Tribschnü&rel. D''r Rieme" klopft 
j^jchj- o^'ne F. die Peitsche knallt nicht 
ohne F. Rapp. 

fackMe" [fäkla Mittl. Co. Du. 6"/r.] 
/. ein Licht tcnvorstchtig hin und her- 
bewegen. Fackel ni'^'^t eso mit dem Liecht, 
de könn^^st eps anzünde" Str. 2. übertr. 
irgend einen Gegenstand tcnruhig hin- 
und herbewegen : fack^l m'r ni*^^t eso mit 
dem Stück Papier vor den Au^e" *'erum! 
Str. J. Frösche fangen, die durch ein 
Licht herangelockt wurden : d'r Himmel 
is' verwelkt, m'r könne" ge"?" f. Mittl. 
^. in hellen Flammen brennen : di's Hus 
het awer gfack'^lt! Mittl. 5. lügen, atif- 
schneiden : fack^l m'r nix vor, ich glaub 
d'r doch nix Str. — Schwab. 175. Hess. 
97. Bayer, i, 689. 

•^ e r u m f a c k 1 e " i. mit dem Licht schnell 
hin- und herfahren Co. Dil. Bli'' doch 
e bissle rüewig, i*='^ si*^*" jo nix, wenn de 
allewil eso ^erumfackels' Du. 2. umher- 
laufen, herumstreichen Co. 

Vikari [Fikäri Liebsd. Banzenh. ; Fekhäri 
Su. ; Fikhari Hlkr. Du. Rchw. Molsh. 
Z.] m. Pfarrvikar. Im nö. Eis. Syn. 
Helfer. D^r Herr Vikari is' e Tralari 
dummer Mensch Molsh. — Schweiz, i, 

732. 

Ficke [Feki und Feko Olti., sonst allg. 
Fik, Fek] f. i. im Mühlenspiel, das im 
O. Nün^'lstein [NinIstainJ, im U. Nünerstein 
[Ninorstain, Ni'norstsen] heisst, diejenige 
Stellung der Spielstücke (in der Regel 
Bohnen), vermöge welcher zwei Mühlen 
(je drei auf einer geraden Linie liegende 
Steine) so verbunden sind, dass man beim 
Ziehen eines derselben, des mittleren od. eines 
äusseren, jedesmal eine Mühle öffnet und 
gleichzeitig die benachbarte schliesst. Im 
U. dafür allg. Fickmü^'l {s. d.). Hat 
man eine F. und eine M.ÜH., so gewinnt 
man immer. E F. un*^ e Mü^'l ha" Ban- 
zenh. Rapp. Bf. 2. übtr. Vorteil, gün- 
stiger Fall, Glücksfall. Jetz' het 'r e 
F. wenn einem günstige Verhältnisse ztim 



FiCK 



103 



FiCK 



FoCK 



Vo}wärtskomnien verhelfen, od. wenn er 
zwischen mehreren angenehmen Dingen 
die Wahl hat und dieselben alle versuchen 
oder atismitzen kann Banzenh. Dil. 'E 
Ficke iin e Mihle' doppelter Vorteit Mü. 
Mat. 46. j. Frende, Spass, Vergnügen. 
s Sophie het als sini F. mit ''^m Ulk. 
Ü F. triwe" Spass treiben, sich belustigen 
Str. ^. sittlich verkommene Weibsperson, 
Hure Ensish. Obhergh. Katzent. Das is' 
avver e schlechti F. Ensish. Wich der F. 
iis! Obhergh. alti Fick altes, noch ver- 
liebtes Weib' Ulrich. — Schweiz, i, 
712. 

ficke" [feka vS. ; fikg, fek9 0.; feka 
Z7.] reiben, jucken, kratzen, u. zzv. meist 
von Körperteilen an Bekleidungsstücken : 
s Hem'i fickt Su. D Schuö'^« f. mi'^'' 
Ruf. Di*^^ Hose" f. mi=i» Mittl. Was 
hcs' '^" denn z" f., hes' '^^ denn eFlo^? 
Du. Er fickt allewil, ma" thät meine", 
er is' rüdig Bf. Auch obscö'n allg. Von 
der Reibung toter Körper an einander: 
Mc" ka"" die Thür nit zue mache", s'e 
fickt gar viel Bitschzv. Im Wand^lwaje" 
(Möbelzvagen) han di^ be'de" Tisch uf 
e'nander gfickt Rchw. 2. mit einer Peit- 
sche oder Gerte kurz aber energisch 
treffen S. 'ficke schmitzen Ulrich. J. 
unruhig sein, hin- und herrutschen, 
namentlich von Kindern : Was hes' '*" 
aü* z" f.? Banzenh. De"" fickt mir alle- 
wil a" de" Bei"*" umme Su. Beim Mühlen- 
spiel den Gewinnstein hin- und herziehen 
Steinb. /f.. abschreiben, in der Schüler- 
sprache. Hes' din Exerzizium schon gfickt? 
ß. angehen, betreffen, berühren, anfechten : 
Das fickt mi'^*' ni'^'^t Banzenh. Fickt's 
di'^^'? We""'s di^»» fickt, so kratz! Mittl. 
Banzenh. Noch derber ist die Abfertigtmg 
in der Rda. : Ka""s' mi*^*" f. ! Ingersh. 
6. auf die Probe stellen , hintergehen. 
Ja, Männle, du wi"^t mi*^** niimme f. ! Olli. 
Du ficks' mi"^*^ no'^*' ni-^i't ! Rief, 'die 
Schwein fickten sich an die Pfosten' Pauli 
363. 'ficken fricare' Dasyp. — Schweiz. 
I, 713. Schwab. 192. Bayer, i, 689. 
Hess. 101. 

ab ficke" abreiben, abpicken, abmitzen 
Su. Ruf. Mittl. Hlkr. Du., namentl. lang 
getragene Kleider durch Reiben abnutzen, 
so dass sie fadenscheinig werden. Das 
is' e abgfickte/ Kitt'l Su. Der Zug 
{das Z.eug, der Stoff) is' uf dem Ecke" 
abgfickt Ruf. Fick nur dini Hose" ni'^^'t 



ab! Hlkr. Du ficks' jo d Wand ganz ab! 
Du. An dem Buech is' d Deck<"te ab- 
gfickt Du. 'Intertrigo aufifgcribene oder 
auffgefickte haut' Gol. 283. 

ver ficke" durch vieles Reiben ver- 
derben, Kleider zerreissen Liebsd. Su. 
Hlkr. Rchw. Di" Kittel is*^ ganz verfickt 
a" de" Elle"böge" Su. Di^s Klavier is' 
newe"ds ganz verfickt Rchw. — Schweiz. 
i, 714. 

Gefick(s) [Kafik Dollern; Kfik Ban- 
zenh. Obhergh. Bf.; Kfeks Dü.^ n. fort- 
gesetztes Reiben, Jucken. Sj>n. Fickerei 
[Fikerei Banzenh.'\ Was is' das für e 
Gefick am Wache" (Wagen)? Dollern. 
Das is' e G^ficks mit dem Hund, «r het 
der Pelz uf '^^m Buck'l ganz abgfickt Du. 
Was is' das für e G., bis' eppe rüdig? 
Bf. — Schweiz, i, 714. 

Fick er m. kurzer, aber meist scharf - 
gezogener Streich mit der Fuhrmanns- 
peitsche Str. K. Z. G\^ '^xn e F., '^^m 
Satan (dem Pferd), ^'''no"^ lauft ^r wieder 
besser Dunzenh. 

Arschficker m. Bezeichnung für 
einen, der sich ohne Erfolg hei jungen 
Mädchen einzuschmeicheln sticht NBreis. 

Fickel, 5. Fiel, Feiel(e). 

fickle", s. fiele", feile". 

Fickele PL, mir in dem Ausdruck 
Fickele - Fackele(s) Str. Rupr. ; F.- 
Fackels Bf. Narrenpossen. Mach m'r 
ke'n« F. -F. ! Str. Ni^^'t lang F.-F. mache" 
nicht lange zögern, kurzen Prozess machen 
Rupr. — DWB. 3, 161 7 fickelfackel im 
Handumdrehen ; fickfack Rtitenstreich ; 
diese Bedeutung stimmt zum eis. Wort, 
wenn eine drohende Bewegung vor dem 
Schlagen gemeint ist. 

Vokativus [Fökatifos Str.; Fekoti'fas 
Dtmzenh. ; Fikstifas Dehli^ m. schlimmer, 
zvitziger Mensch, eingebildeter Halb- 
gelehrter, Pßfßkus. Du V., sei still! 
Str. Di^s is' e roter V. Dehli. 'Unseri 
guete Vätter hän awwer dem schlimme 
Fokketyfes nit eräecht getröut' Hirtz 
Ged. 2^'j. 'Schlimmer Vogedifes' Mü. 
Mat. 62. — Schweiz, i, 732. Danach 
aus der Grammatik hergenommen, da 
man früher deklinierte : Nominativus — 
Hans ; Vokativus — du Hans ! und 
diese Formel auch zji vorwurfsvoller An- 
rede verwendete. 

Fockol [Fököl Molsh.; Fökhöl Str.; 
Fökyl Hi.~\ m. abknöpfbarer, nicht fest 



FuCK — FaL 



— 104 — 



FaL 



an das Hemd aufgenähter Kragen. — 
frz. faux-col. 

fuckere" [fükra Sti., sonst O. und U. 
W. fükara] Tauschhandel treiben, bes. 
unter Kindern, die geringwertige Gegen- 
stände verschenken und andere dafür an- 
nehmen, meist mit dem Nebenbegriff 
des Gewinnsuchens. Fiigg*re-n- '' r schon 
wieder? ruft man drohend den tauschen- 
den Kindern zji Str. 'Bym Fuggre un 
bym Handelsschmus' Str. Wibble 16. 
— Wird vielfach abgel. von Fiigger, dem 
alten Augsburger Patrizier ge schlecht, das 
dtirch seinen Handel einen Weltruf 
und unermessliche Reichtümer erlangte. 
Schweiz, i, 733. Schwab. 208. Bayer. 
I, 698. DWB. 4, 362. 

abfuckere" einem etw. durch Ueber- 
redung od. Betrug abkaufen od. abge- 
winnen Dil. ; mit List ti. Ränken eines 
anderen Geld an sich bringen: mues' 
dr <^^s Geld ni'^^t so a. lo^^^^» Horbg.; 
wegstehlen; durch schmutziges Feilschen 
abhandeln, erkattfen Hf. 

verfuckere" heimlich vertatischen, ver- 
handeln Su. Osenb. Ndhsn. ; durch Tatisch 
vergeuden M. Du ka'^^s^ aber nix im 
Sack b*'halte°, alles mues' v. Osenb. E 
Matt V. Ndhsn. 'I habb min Herz ver- 
gewes halt verfuggert, I bin verhext !' K. 
Bernhard Schk. 150. 

Fuggi m. einer, der besonders in ge- 
ringeren Dingen seinen Vorteil sucht Mü. 
Stöber Mäder yg. 

Fegte", s. Fettich. 

fahl, fa»>llecht [fäl, fälse/t Wh.] Adj. 
rötlichgelb, gelbrot. Morje"* gi't's ke'n gut 
Wetter, d Sunn is' so fa^'l ingergang*^". 
'falb gilvus' Dasvp. — Bayer, i , 706 
'fal' blass, gelb, welk; dann überh. ver- 
dorben. Geiler J. Seh. 43 b. 

Fall [Fäl fast allg. ; Fäl Steinb. Ban- 
zenh. Hlkr.; PI. Fal; Fael Str. W.] m. i. 
sinnlich a) wie nhd. das Fallen: wenn 
'*'m numme de"^ F. vo" d^r Stej nix macht 
Rchw. Er het e böser F. get^on Dunzenh. 
6) Gefälle eines fliessenden Wassers : 
s Wasser stellt si<='' , s het nit F. genue« 
Ingenh. Das Hohlken'^le {flinne, Abfluss- 
röhre) het z" wenig F., s Wasser ka°" nit 
ablaufe" Du. Knall e F. plötzlich, un- 
erwartet allg. Er is* K. e F. abgschnappt 
gestorben Mittl. 'Gepfönd't so Knall un 
Fall?' Kur 17. 2. bildl. a) Todesfall: 



es könnt e F. ingtrete" K. Z. b) möglicher 
Weise eintretendes Ereignis, besonderer 
Umstand, Zufall: zum F. ztim Beispiel 
Geberschw., vorkommenden Falls Ruf. 
G setzt d^r F. Hi. Lutte rb., sonst allg 
(Ich) setz d''r F. ich nehme an, dass . . 
Uf jede" F. neben uf alli Fäll, od. abgek 
jede"fall allg. s. auch Fe'^ler. In dem F 
ka""w-i'^'' nit komme" Rchw. 'Es däd mi 
reecht verlange Ze wisse, wie — uff alli 
Fehl Hett d' Landwehr Aengste g'hett in 
Kehl!' Nat. 6. — Schweiz, i, 734. 

A b f a 1 1 ;;/. I. Abfallstoffe, übriggebliebene 
tmd meist unbrauchbare Reste von Klei- 
derstoffen, roh zubereiteten Gegenständen, 
zugerüstetem Gemüse Hlkr. Str. K. Z. 2. 
[ÄfälT)/.] = Überfall. —Schweiz, i, 736. 
^ Anfall [Äai Bf. Ndhsn.; Änßil Str.; 
OnM K. Z.] m. Anfall bei Krankheiten, 
bes. Histenanfall, Krampfanfall. Er het 
e'"^n A. vo" Schwind'^l bekomme'* Bf. 
Syn. Attack. — Schweiz, i, 738. 

Durchfall [Türfiil Banzenh. ; Türi;^fäl 
Str. U^ m. Diarrhöe, Rtthr. Syn. Durch- 
bruch U. 

Flohfällele n. Flanelllappen Str. 
Ulrich. 

In fall [iai Bf.; Infäl Str.; Er^fäl K. 
Z.] m. Einfall, Gedanke; Einsttirz, 
scherzh. in dem Wortspiel E I. vum e-n- 
alte" Hus = dummer Einfall Str. 'Sie 
hän doch Ynfiill wie e-n-altes Huus!' 
HiRTz Ged. 210. 'Er hett Ynfäll wie's 
Ylebecke Hinterhus' Als. 1850, 29. — 
Schweiz, i, 738. 

f'Kirchenfehl' PI. das Recht der 
Kirche von Ensisheim, das beste Kleid 
der verstorbenen Beamten und Bürger 
zu nehmen (Privil. K. Ferdinands Ißjo) 
Merklen I, 235. 

f Leib fall m. 'Parentare Leibfall begehn' 
GoL. 16. 

Schau fall m. äussere, ziir Schau aus- 
gelegte Seite einer Ware. Loss di*^** nit 
verwitsche" durch de" Seh., der Butze" 
{s. d.) steckt inne"wen'^i8 ! Bf. — Schweiz. 

I» 743- 

Tropfe" fall m. etwa jo bis J5 cm 
breiter Streifen Erde an der Längsseite des 
Hauses, gewöhnlich die Hälfte des Schlup- 
fes (s. d.). Der Bauer beanspriicht das 
Anrecht auf den T. Landkr. Str. 

Überfall [IporRil Liebsd. ; EwsrM 
AEckend. ; Iwarfäl Wh^ m. i. Obst, das 
über die Grenze azif das Grundstück des 



FaL 



105 — 



FaL 



Nachbars fällt tmd diesem zukommt, 
ZV eil er durch den Schatten des Bajimes 
auch Schaden hat. In Liebsd. wird ein 
Ueberfall von Steinobst nicht anerkannt, 
sondern nur von Nüssen, und hier zvird 
derselbe in gleiche Teile geteilt zzvischen dem 
Eigentümer tmd dem Nachbar. 2. übtr. 
Er bekommt Üwerfall, zaenn jemand un- 
versehens von Wasser, Schmutz tmd der gl. 
von irgendzvoher betroffen zvird AEckcnd. 
'ßöm vnd vber fal belangend . . sol was 
vber iedes guott langtt demselben ver- 
bliben' Wattzv. 16. Jh. JB. III 62. — 
Schweiz, i, 737. 

Wasserfall m. i. Wasserfall, ziüie im 
Nhd. allg. 2. die nach aussen hin ab- 
geschrägte obere Fläche des Grundquaders 
eines steinernen Fenstergerüsts Su. 
Schweiz, i, 744. 

Windfall allg., PI. Windfäll [Wintfel 
Dollern ; Wentfal und Wentfäl Du. ; Wintfal 
Bfl^ m. I. grössere Aestc, die der Wind 
abgerissen, oder atich Bäume, die der 
Sturm entzjüurzelt hat, bes. im Wald. 
2. Obst, das zwr der Reife vom Sturm 
abgezveht züird und so verloren geht; im 
zveiteren Sinne dann überh. von Abgang 
und Verlust gebräuchl. : s gi*"! allewil W. 
meinte ein Bauer, als er in Bezug auf 
Ferkelzucht von dem Verlust durch Kre- 
pieren einzelner Tiere sprechen zvollte 
AEckend. — Schweiz, i, 744. 

Fallet [Fälat Str^ f. Epilepsie, eig. 
Part. Praes. vgl. d falle"d'^ Krank^e't 
unter falle". 'Het d' Falletkrankheit schun 
kuriert' FRAN901S Husm. 28. 

alle" falls Adv. beispielszveise, mög- 
licherzjüeise, je : wenn i*^^ a. komme" 
könnt. Wenn ^r a. nit warte" will Du. 
— Schweiz, i, 745. 

glichfalls [klaeio;iffäls Su. ; kli^-föls 
6"/r.j ebenso, ebenfalls, als Antzvort bei 
Glückzjoünschen, bes. auch beim Abschied. 
Guete-n-Appetit ! — Merci, gl. ! Sti. 
(der Vocal der i. Silbe bezveist für 
Su. Einführung aus dem Hochd.) — 
Schweiz, i, 745. 

Fall(e) [Fäla >S". O. bis Banzenh. 
Katzent. ; Fäl sonst allg.^f Demin. Fällele. 
/. Thürklinke, allg. D T^'ür is' nit in 
d'r F. nicht geschlossen, nur angelehnt 
Rapp. • 2. bezveglicher Hemm- und Ver- 
schlussteil an verschiedenen Gerätschaften, 
so z. B. der Haken, der in das Zahnrad 
einer Winde eingreift, oder in die eiserne 



Zahnstange an einer Kanalschleuse, der 
Abzug eines Geziuehrschlosses : zieh am 
Fällele! Z. ; an einer Uhr der Einfall- 
hebel beim Vollschlag, s Schnüerli erzöge", 
s Fälleli glüpft, de"^ un'^ de'' is' usegwitscht 
(use pfüpft Hi.) Anzähl Spruch bei Kin- 
derspielen Banzenh. s Fällele lüpfe" 
einen Wind lassen O. J. selbstthätige 
Vorrichtung, ztim Fangen von Tieren. 
E F. stelle" allg. auch in bildl. Sinne = 
einen auf die Probe stellen, in Ver- 
suchung führen Rapp. /f.. ein balifälliges 
Haus. In d'^'em Hus wo"t i''*' nit wu^ne", 
s is' e alti F. ; i'^'' hätt Angst, s gheit emol 
zsämme" Du. 5. Einsenkung eines We- 
ges, Thalsenke. In der Falle het s m'r 
d^r Wage" verschlage" ist mir der Wagen 
zu Grunde gegangen Roppenzzv. 6. be- 
trübtes Gesicht: de"" macht e F. ! Hi. — 
Schweiz, i, 747. Bayer, i, 705 Fallen, 
706 Fälle. 

Lötterfall(c) f. baufälliges Gebäude, 
altes verlottertes Gerät, überhaupt ein 
alter mit der Zeit lose und unbrauchbar 
gezjüordener Gegenstand, Wagen, Kutsche 
u. s. ZV. Su. Obhergh. Logelnh. 'die alte 
Lotterfalle (en Ühre)' Lustig I 289. — 
Schweiz, i, 748. 

M a r d e r fa 1 1 ^ \y[kx\.'äx^\M.Bf.; Mörtsrsfal 
K. Z.] f. Marder falle. 

Mulwel fersfall j. eine cylinderför- 
mige etzva JO cm lange Holzröhre ohne 
Ausgang, an deren Eingang sich eine 
nach innen öffnende Blechklappe befindet; 
diese M. ziüird in den unterirdischen 
Gang des Matdzvurfs gelegt. Solche 
Fallen, die jeder leicht selber herstellen 
konnte, zverden neuerdings durch zangen- 
artige eiserne verdrängt K. Z. 

Musfall(e) /. Mausfalle allg. — 
Schweiz, i, 746. 

Ratte"fall(e) /. Rattenfalle ; scherzh. 
nennt man auch R. eine Vorrichtung am 
Webstuhl., um Bildarbeit mit einem Sche- 
mel zu machen U. — Schweiz, i, 748 
Ratzenfalle. 

Scher falle f. eine bes. Art unter- 
irdischer, zangenartiger Maidzvurfsfalle 
Henfli. 

S patze" fall /. Spatzenfallc, im zve- 
sentl. eine ■ rechteckige Vertiefung in der 
Erde, über der ein Ziegelstein od. ein be- 
schwertes Brettchen lose aufgestellt ist; in 
die Vertiefung wird Futter, Weizen od. 
Gerste, gelegt und um dieselbe Spreu ge- 



FaL 



— 106 



FaL 



streut, um die Spatzen anzulocken ; sobald 
sie in die Vertiefung hineinspringen, fällt 
die Klappe zu K. Z. 

Stell fall(e) f. einfache Schleusenvor- 
richtung in einem Wässerungsgraben, 
meist auf Wiesen Sier. Lautenb. Mittl. 
Ingersh. Pr müe'^^'nt e neüi St. üf eüri 
Matte" mache", sehnst bekemme-n- '^r alles 
Wasser ins (jräs Sier. — Schweiz, i, 
748. 

falle" [fäl9 Illz. Co. Du. Bf. Str. 
Ndrbetschd. Wh. ; fela Bisch. Breitenb. 
Z.] Part. allg. gfalle" ; gfalP" W. i. 
fallen, zu Fall kommen ; sehr häufig wird 
das synon. gheie" dafür gebraucht, s 
Kind is' gfalle", s het sich we^ gmacht 
Co. D*r Epf^l fallt nit wit vom Baum 
Bf. D Lieb fallt grad so guet uf e Kü«*»- 
plapper {Kuhmist) a's uf e Rose"blatt die 
Liebe macht blind Ingw. Wi^ m'^r fallt, 
ze lejt Tcfx wie man sich bettet, so 
schläft man Ingw. s fallende We^ Feller i., 
d fal]e"de (falle(n)di \\& Su. NBreis.) 
Steinb. M. ; d falle"«^^ (falle"d^ Katzent. 
Bf Str.) Krankhe't Fallsucht K. Z. Der 
is' nit uf de" Kopf gfalle" er versteht es, 
Spöttern zu antworten. 2. übtr. in einen 
andern Zustand geraten. D*"r N. is' guet 
gfalle" mit ^^m Hirote" Du. Str. P^ bi" 
nit guet gfalle" habe kein Glück Bf. Us 
de" Hose", us de" Kleider" f abmagern 
M. Hf. s is' ganz uf mich gfalP" es hat 
mich sehr angegriffen Wh. — Schweiz. 

1, 749- 

abfalle" /. von einem Baum abfallen, 
von Obst. Die**^ AepPl feile" d° Breitenb. 

2. belohnt werden : s fallt eppis ab, wenn 
de ge''s' //Ikr. j. abmagern Hf. Bebelnh. 
Syn. zsamme"f. — Schweiz, i, 752. 

gefalle" [kfälo Du. Str.; Hf. aber 
meist kfelo] i. gefallen im nhd. Sinn. 
Das Hüsle gät m'r aü«^*" gf., do gät i*^*» 
aü'^h gern drin wui'ne" Du. Dis gfällt 
m'r nit a" '''m ! macht mich bedenklich 
Z. 2. ironisch : Du bis' wieder nett voll, 
du gfalls' m'r! Du. Str. Du gfälls' m'r 
nit üw*l sagt man zu einem, der eine 
übertriebene Forderung stellt Hf. — 
Schweiz, i, 756. 

i n f a 11 e " /. einsinken , zusammen- 
schrumpfen, tnager werden Bf. Str. Z. 
Ingfalleni Au^e" Str. Pgfalloni Hacke" 
Bf. 2. plötzlich, unvermutet eintreten, 
bes. vom Wetter, (ilich druf is' Reje"- 
wetter ingfalle" Str. — Schweiz, i, 754. 



uf falle" 7. auffallen, auf harten Bo- 
den fallen und sich dabei verletzen. Er 
het sich s Knei ufgfalle" Str. 2. heftig 
erregen, erschüttern : s is' '^m ufgf es 
hat einen erschütternden Eindruck auf 
ihn gemacht Z. 

druffalle" auf etw. konuncn: d Red 
is' grad druf gfalle" das Gespräch lenkte 
sich unvermutet auf diesen Ptmkt Str. 
jch j^a^be \^x^g a" dem Ding ^erumgstudiert, 
endli-^i» bin i^'' dr ufgfalle" Bf. 

US falle" I. aus dem Gedächtnis ent- 
schwinden Da. Str. Siner Namme is' m'r 
usgfalle" Du. 2. abfallen, von Blüten 
und Blumen. D Rose" sin^ verbei, si* 
falle" jetzert e'nand^' noch us Str. — 
Schweiz, i, 755. 

use" falle" herausfallen Illz.; Kinder- 
lied: Fall use", fall ine", D kleine" Kin- 
der grine", D grosse" lache", D Becke" 
bache", D Schnider näjc", D Ha'^ne" 
kräje" : Kikeriki, Bendclc dra", D Mamme 
is' Meister, Un^ nit d^r Papa Illz. 

verfalle" i. durch Hinfallen zu 
Grunde gehen, verderbt werden, zerfallen 
allg. Er het s ganz Gsicht v. Str. 2. 
fällig sein. An d*r Martine {10. Novem- 
ber) is' s erst Termin verfalle" K. Z. 
D Zit is' V. die Frist ist vorbei Su. 
Hlkr. j. verloren gehen : D^r halb Tajlo'^n 
is' V. sagt man scherzh. beim Essen zu einem, 
der Löffel, Messer od. Gabel fallen lässt 
Du. — Schweiz, i, 758. 

z"samme"falle" /. zusammenstürzen, 
einbrechen NBreis. Str. Dis Hus wurd 
a" •''"^me schöne" Tas z. Str. 2. ab- 
magern. Er fallt immer me'^' z. NBreis. 
Dis Maid'"l sie*"! awer bös us, s is' zit'^er 
vorigem Johr ärig z"samme"gfalle" Str. 
J. plötzlich sterben, namentl. bei Epi- 
demien. Wo d Cholera gerengliert het, 
sin** d Lüt z"samme'^gfallc" wi'= d Mucke" 
Str. Syn. z"samme"g^hcije" ländl. 4. in 
eins zusammenfallen: Ostere" un'* d''r 
Jörjc"taj f dis Jo^'r z'^sammc" Bf. — 
Schweiz, i, 757. 

Gffallc" ;;/. /. Gefälligkeit: Jemen*' 
e G. t'Hien U. 2. Wohlgefallen ebd. 
Jeme"'' ze G. ge^'n einem nachlatifen, 
ihn aufsuchen, z^erfolgen, z. B. der 
Kranke geht dem Arzt ze Gf., der Bur- 
sche einem Mädchen, der Jäger einem 
Hasen Hf. — Schweiz, i, 757. 

g«fane"haft, (-ig) Adj. gefällig Wh. 



FaL 



FeL 



107 



FeL 



f G*fäll n. Einkünfte, 'mit allen den 
rehten und gevellen, die darzü gehörent' 
Str. ijgo Brucker 199. 'Ouch als et- 
lich gevelle dem gericht . . . bishar zu- 
gefallen sint' Str. 14-J3 Brucker 137. 
'Was? Alle Daa nommehnder an Gföll 
ass e Deblon?' Pfm. I 6. 

f fellig Adj. schuldig erkannt Str. 
75. Jh. Brucker. 

abfällig [äpfalik HlkrJ] Adj. was ab- 
fällt. Dis abfällige Dings ka""s' ne^^me". 
'ab Fellig caducus' Dasyp. — Schweiz. 

I, 763. 

bufällig [pyfelik 6". O. bis Osthsn.; 
peyfeli;^ Str. W. ; poyfeli Dunzenh. Z.] 
Adj. I. wie nhd. baltfällig, von alten 
Gebäuden. 2. übtr. gebrechlich, kränk- 
lich, vom Menschlichen Körper. Mit dem 
währt's ni"^'" me''' lang, der is* jo gar se^'r 
b. Dehli. — Schweiz, i, 764. 

g-^ fällig [kfaelik Sit.; kfelik/)«.; kf^li 
K. Z.] Adj. dienstbeflissen, ^'ne"^ gfällige'' 
Mann Su. Das sin*^ arig gfölligi Lüt; 
we"° m^r bi dene" um eps frojt, is' nit 
nei", wenn si*^ s halwer mache" könne" 
Du. — Schweiz, i, 763. 

Valentin [Fälotin Hlkr. K. Z. ; Felatin 
Pfetterhsn^ 

Välte" [Falta Kerzf. Damb. K. Z.; 
Faelto Str.; Falti Ltitterb. Ruf.] männl. 
Vorname Valentin, Koseform Tin^l. 'Aufif 
Sant Viiltins tag, ist der früling nach' 
Fisch. Prakt. ^. 'was lamm ist und nüt 
sol, so sprechend sye, es würt gutt in 
ein Kloster, es ist nit zu der weit ge- 
schickt, es gibt ein gutter münch, ein 
gutte nun; und thund die glich als die, 
die sanct Veitin pfifftzige hühner und 
sanct Althengen bössze schwin gebent' 
Geiler P. III 66 b. 'Epilepsia der hin- 
fallend siechtag, S. Veltins Rranckheit' GoL. 
268. Des Anklangs wegen ward der 
Heilige der Schutzpatron der Fall- 
süchtigen. MA. 6,5. 'dass di der Veite 
hohl!' Hochz. i68"j. Zur Erinnerung 
an die Rettung Gebweilers vor den 
Armagnacken 'an Sanct Valentini Abendt' 
des Jahres 144^ wird dort zu Ehren 
des h. Valentinus eine Messe gesungen 
Stöber Sagen I 50 ff. Demin. Vale"tinele, 
Velt^l, Veltele. 

falliere" [faliora Lutterb. Bf. K. Z. ; 
fälira Str. Betschd. JV.^ missraten, schlecht 
ausfallen, verunglücken. Siner So^n is' 
gfelliert, 'i^'^no'^'' is' "r uf Amerika Hf. 



M^r muss sich in Acht ne'^me", s is' 
einejn glich e Stück Vieh gfalliert Lobs. ; 
sich irren. 'E mancher Dokter luejt wohl 
scheel, dass ich nie dueh f.' Fran^ois 
Husm. 5. — Schweiz, i, 766. Bayer. 
I, 702. 

Falliment [Fälimant Co.; sonst fast 
allg. Fälgmant ; Fälamaent Str^ n. i. 
Bankerott Lobs. 2. scherzh. Fall, Sturz. 
Ist z. B. eine Mauer eingestürzt od. ein 
Korb voll Eier umgestossen worden, so 
sagt man : Do het s e F. ge'^^n ! Hf. 
Vgl. auch Infall. In Strassburger Ord- 
nungen von Iß<j0. 1624 CS. — ital. 
fallimento Bankerott. 2 ist an falle" 
angelehnt. Schweiz, i, 766. 

Fallit \^b\\lRoppenzw.; Fallt Logelnh.; 
Failit Bf^ f. Bankerott. F. mache". — 
frz. faillite. Schweiz, i, 766. 

föhl[fälisr.Z.;facl Wh.]Adj.undAdv. irrig: 
f. ge'^n den unrichtigen Weg einschlagen ; 
an eine falsche Thür geraten, niemand 
zu Hause treffen. Halt, du bis' f. ! 
Ingenh. Zss. E Fe^^ljo^'r ein Jahr mit 
Misswßchs Hi. — Schweiz, i, 768. Bayer. 
I, 702. 

unfehlbar /. [ünfälpär K. Z.] Adj. 
wie nhd. tmfehlbar. D^r Papst is' u. 2. 
[ünfälpär K. Z.] Adv. unbedingt : du 
Solls' u. hint noch komme'* Ilf^ — vgl. 
Schweiz, i, 768 feibar. 

fe^le" [fäla allg.; faelo Str. JV.] i. 
mangeln, fehlen: Er wo'^f^ schun, aw^r s 
föi'lt ii^m am Geld K. Z. s ka""t '^-m 
nimm***' f. Su. Was is', wo fe'^lt's? Str. 
Er het eppene drissig Mark Wurtschulde", 
viel wurd nimm**" f. etwa jo Mark Wirts- 
hatisschtdden K. Z. Dis {od. d^^sel*"") 
fe''lt si'^*' nit! sicherlich, das wird sicher 
der Fall sein, die Sache wird sich ge- 
wiss so verhalten M. Z. Wh. Vgl. MA. 
3, 214. 'Es fehlet sich nicht, man wird 
dessen allemahl zuvor wol innen' Mosch. 
I 451. Zuem Fe^'le" war ich o*^*" do 
für den Notfall wäre ich auch da (um 
zu helfen) Szi. 2. missraten, von Er- 
zeugnissen des Landbaues, der Viehzucht, 
der Koch- und Backkunst : s Obs is' dis 
]d^x gfe'^lt allg. s is' '^m e Kue** gfe'^lt. 
D-^r Kugel'^upf is' gfe^lt NBreis. j. 
ein Ziel verfehlen , bes. bei Kinder- 
spielen , beim Ballspiel , auch beim 
Scheibenschiessen. D*r Michel het d Schib 
gfe^lt! 4. fehlschlagen. Scherzh. Do 
kann's nit f., öder es müesst mankier^« 



FeL — FeiL 



108 — 



FeiL — FiL 



K. Z. Jetz' is' gfe'^lt! fehlgeschlagen, 
Syn. jetz' is' letz! 5. sterben. We"° m'r 
d*"! Mann fe^ltit, war i'^'^ e'n'^ armi Fraii 
Bf. — Schweiz, i, 768. Bayer. 1, 
702. 

verfehle" /. verfehlen, nicht t reffe Ji, 
weil man zu spät kommt Dil. Bf. U. 
De" Zug V. Z. 2. refl. einen FeJdtritt 
begehen, von ledigen Frauenzimmern : 
s het si'^^ verfe'^lt Bf. Hf. Ingenh. 

Fe ''1er [Fälar fast allg.; Faelar Str. 
JV.] m. Fehler. Ei'*'"m e F. wisse"* hinter 
Androhung einer Strafe auf einen F. 
hinweisen Dil. Str. 'Rächt han 'r ghet, 
sunscht hätt' e Fehler ich gewüesst !' Kur 
22. Wenn i*^^ heim kunnim, un'* du bis' 
nit ferig, se weiss i*^^ d'r e F. Du. Gross 
un"^ nix nutz sin'^ zween F. Z. Du. 
'Grüoss u"**^ licderli'^^ sei"^ zwei FeMer 
M. JB. II 167. Uf alli F. auf alle Fälle, 
jedenfalls, unbedingt: s rej'"°t allewej 
wi^'der morje"! Antzv.: Jo, ufalliF. ! Str. 
Im F. sin irren, unrecht haben Str. Brum. 
s wärt ke'n F., wenn '^r emol verwitscht 
t^'ät wer'^e" es wäre ganz recht, ganz am 
Platze Z. Du kumms' awer, o^ne F. 
unfehlbar, sicher Z. D^r F. bezo^^lt si*=^ 
dismol wenn etwas trotz eines gemachten 
Fehlers gelingt Ingenh. — Schweiz, i, 
769. 

Fell [Fal Su.] n. Fell. — Schweiz. 
I, 770. 

Kalbsfell n. Kalbsfell Su. Syn. Käl- 
werhüt Z. — Schweiz, i, 771. 

Rei^fell n. Rehfell Sil Z. 

Fei, s. Feld. 

feil [fail S71. Hlkr. Str.; fael Barr Z. 
Betschd. IVh.'] Adj. und Adv. feil, käuf- 
lich. Dis is' m'r nit f., nit um ke'n Geld 
Z. Im Wirtshause hört man unter guten 
Freunden auf die Frage: Na, za^ls' eps? 
oft die Antw. : Du bis' m'r um e Schoppe" 
noch nit f. Z. Hes' Glocke"seiler f.? 
fragt man einen, dem der Rotz zur Nase 
heraushängt Su. Di^ Lüt han Some" f. ; 
wann de wi"'t, zc sum dich nit, denn s 
ge^'t arig drüwer enin Lützelstn. Ei'"'m 
Schelme" f. halte" einen foppen Geberschzv. 
s hat newcnander f. es kommt auf das- 
selbe heraus Wh. — Schweiz, i, 773. 
Bayer, i, 707. 

übel feil [ewlfeil vi/.] in schlimmer 
Lage, leicht zu strafen, krank, elend. Di* 
Grüosslc is' ü. — Alem. 2, 171. Schweiz. 
I, 773- 



wolfeil [wölfail Str., das für vor- 
nehmer gilt als das sonst allg. gebr. wölfl ; 
wolwl Wh7[ ; Komp. wölP'ler allg., neben 
wolP'ler; Superl. wölf^'ligst Roppenzw., 
jü«^/ wölfe'lst ««^ wolfe'lst Adj. und Adv. 
billig, niedrig im Preise. Date is' alPs 
w. Roppenzw. V^^ gib's w. gebe es billig, 
es ist mir nicht besonders wert tmd teuer 
Banzenh. V^ ha'^^ d^r Schnuppe'' scho" 
vierze''" Täj, i'^'' gä^'t a w. Du. 'geben sie 
es so schandt wolfeil' Geiler Narr. 48. 
'sie Stupfen zesamen, das keiner ein ellenn 
des thuchs, oder was es ist, wölfler geben' 
Geiler Wannen Kr. 94. 'würd man den 
Rocken wolffeler messen' Fisch. Prakt. 24. 
'do kumm i wollfel uff" Strossburg' Str. 
Wibble 43. — Schweiz, i, 773. Bayer. 
I, 707. 

spottwolfe'l Adj. imd Adv. sehr 
billig allg. Er is' sp. verkauft seilte 
Sachen sehr billig Su. 

\V o 1 f = ' 1 i [ Welfli Banzenh. ; Welfla Du. ; 
Wölfli Z.] f. Wohlfeilheit, Billigkeit, bil- 
lige Zeit. D^r W. nochge^'n atif einen 
billigen Preis sehen, der Billigkeit den 
Vorzug geben Hf. — Schweiz, i, 774. 
Bayer, i, 707. 

Feil, s. Feld. 

Veilatt% Veilott% s. bei Violat. 

vil [fil Liebsd. Banzenh. Gebw. Su. 
Geberschw. Du. Bf. Str. W.; fei K. 
Ingenh. Betschd. ; fi61 Iff. Schzvindratzh.'\ ; 
bei nachdrückl. Hervorhebung tritt . im U. 
Dehmmg des Vok. ein ; Komp. in der 
Kinder spr. viler [filar, fielar] viel. i. Adj. 

a) wie nhd., im Sing, stets unßektiert ; 
N. tmd Acc. PI. vili [tili, fieli] nur in 
der Kinderspr., sonst unflektiert ; Dat. PL 
meist flektiert. Vil Duft, vil Obs Du. Nit 
vil Zit. E Teil d^rvo"» is* {oder war) z" 
vil Ernmhmmg zur Mässigung Gebw. V. 
Hung sin'' '''"s Hose" Tod Z. s sin'' vili, 
vili Saldate" do '"'nuf gange" ! — Ja, awer 
mir han noch viler gse*"" Du. Wo v. 
Schuelmeister si"'', wurd schlecht gsunge" 
an Patronstagen lud früher der Lehrer 
seine Amtsgenossen der Nachbardörfer 
zum Feste ein; nachher wollte jeder am 
besten singen können, tmd so gab es jedes- 
mal Wirrwarr Bf. Wo v. Hirte" si"'', 
wurd schlecht ghüet*' ebd. In vile" Lüte" 
vielen Leuten K. V. fress, v. schiss Kerzf. 

b) .subst. We'=" m<"r lang lebt, kann ei'^'m 
V. passiere", wo ei"''m ni' gfallt Str. Wo 
V. is', will V. anne" allg. 'Wo vil isch 



FiL 



TT- 109 



FiL 



FoL 



soll au viel hien, dofor isch 's Geld ge- 
macht' ein Reicher erbt oder heiratet mich 
reich Pfm. V 2. Wer v. red^t, «weiss oder 
lüegt V. Geberschw. Wer v. e"weg gi*^*!, 
bhalt wenig ebd. Vi^l u"^'' güiit is' nie 
bina°der M. JB. II 167. Jo, du weis' v. 
weisst nichts! Sn. S is' v. von ''^m, "^ass 
^T mi'gange" is' ist ihm hoch anzuschlagen 
Dunzcnh. 7.. Dis is' v. gseit eine schwer 
zn beweisende Behauptung Dunzenh. Ze 
V. u'*'^ zc wenis gi''t s Spiel uf sagt man 
zu jem., dessen ungebührlichem Auftreten 
man Schranken setzen will Barr; JB. II 
168. s könne" v. de" Rhin ^'no*^ ge^n 
un'^ se'^n dis nit Ingenh. s gi'^t v., wo dis 
gar nit estemiere'^ beachten Betschd. 'Viel 
stellen sich nicht also, sinds aber doch' 
Mosch. I 5. 'Viel wurden kranck nach- 
mahlen' vS/r. 1465 Als. 1850, 86. 2.Adv. 
a) zur Steigerung eines adj. Begriffs 
nach ze, zu =- allzu. Er is- ze v. mast 
allzu fett Hf. D Liederli<=''keit is' ze v. 
gross Z. M'^r kann fast nit ge'^n druss(e") ; 
s is' ze v. glatt Wh. Vor Komparativbe- 
griffen mit unbest. Art. ; E v. e besserer. 
E v. e schöneri. |-Vil e'n anders ein ganz 
anderes Z. b) oft. Ze v. Ich kumm v. in 
d Stadt Pftdgriesh. In zweifelhaften Fäl- 
len wird dem Wort v. immer die Bedeu- 
tung oft beigelegt, z. B. hört man als Arzt 
nicht selten die Verbindung: Er brunzt 
V., awer s gi^t nit v. d. h. er uriniert 
hä7ifig, oft, aber wenig auf einmal Hf. 
s. atich ful 3. — Schweiz, i, 774. 
Bayer, i, 837. 

sovil [söfal Illk.~\ so viel. S. a's du 
how" i*^*" aü'^'' noch so reich als du bin 
ich atich. — Schweiz, i, 776. 

gradsovil ebensoviel. Y^ ha'"= g. d='r- 
vo" ich habe ebensoviel davon, d. h. nichts 
oder mir sehr wenig Su. 

wi^vil wie viel, wie viele Str. K. Z. 
W. sin'' '''r öuere? und öuere w. sin'' '''r? 
wie viele (euer) seid ihr an der Zahl} Hf. 
— Schweiz, i, 777. 

vilig [fi'li;. Str. Betschd.; {€\\x K. Z] 
vermittelst der Endung -ig erweiterte adj. 
Form von vil, wird nur nach dem best. 
Art. gebraucht. Man sagt vil Mensche", 
aber do betrachte' nur di"" vilige" Men- 
sche" Betschd. Was machs' nur mit dem 
vi^lige" Geld ! Str. Vi^lich'^s Dings Kollektiv- 
bezeichnung für viele Sachen, die irgendwo 
zus. liegen, auch von massenhaft bei ein- 



ander stehenden üppigen Feldfrüchten 
Betschd. 

jvilen vervielfältigen, vermehren: 'der 
thor vilet und menget seine wort' Geiler 
^. M. 7 5^ 

g^vile" [kfib Fisl.] unpers. nicht be- 
hagen: s gvi It mi'^'^ für use" z" ge*"" es 
bchagt mir nicht hinauszugehen. — mhd. 
geviln. 

Vile/. Vielheit, Menge. D Herdäpf^l 
sin*^ dis Jo'^r nit gross, awer s gi'^t d-'r V. 
/';/ Menge Geberschw. 'mit der viele . . 
koufen* Str. i^.'iö. Jh. Brucker 261. 
'vile Menge Chron. 269, 22. 306, 14. 
'vmb file willen der anfechtungen' Geiler 
y. Seh. B IL 'die vile der bücher' Geiler 
Narr. H 3. 'die fyli der fest und hoch- 
zeiten ist des gemeinen folcks Verderbnis, 
an Leib unnd Seel halben' Geiler Em. 
13. Wannen Kr. 89^. — Schweiz, i, 
777. Schwab. 192. 

jWistviljes m. einer, der viel zu wis- 
sen glajibt oder behauptet, dünkelhafter 
Klugredner. 'S isch e Wistviljes so, e 
zwazzlicht frecher Burst' Pfm. III 2. 'Der 
üwerg'scheid Wißfilius' Kettner GvH. 83. 

File"fänzel [Filofaensl Str7\ n. albernes 
Frauenzimmer. 

File* I [File, File Hi. Str. U. W.] n. 
Mürb stück, Rückenstück eines Ochsen. — 
frz. filet. 

File' II [File ///^.] n. Haarnetz der 
Frajien 2ind Mädchen; Syn. File*- 
kapp' K. 

Filete" [Filetg Bf 7^ PI. Filetenstetnpel, 
verschiedenförmige Metallfigtiren zum Ver- 
zieren von Bücherrückejt und -decken. — 
frz. filet. 

Filibus [Filipys Bfl\ m. und n. Fidi- 
bus, zusammengefaltete Papierstreifen zum 
Anzünden der Tabakspfeifen in vielen 
Schenken. 

filiere'^ [filiaro Geberschw. ; filira StrT^ 
qualmen, von der Lampe. — frz. 
filer. 

jPhilister m. Pedant. 'E rechder Lift- 
ling isch der Büecherschaftphilister' Bücher- 
zvurm Pfm. IV 7. 

Filu \¥\\i\ Mtitzig ; j-Fily A'.] m. durch- 
triebener Mensch. — frz. filou. 

voll [föl, fol allg^, flekt. voller, volli, 
volPs neben unfl. voll wie in der dichte- 
rischen Sprache des Nhd. ; Komp. voller 
und völler [fölor], im O. fast durchweg 
nur die umgelautete Form, sonst beide 



FoL 



I lO 



Fol. 



unterschiedslos und schwankend neben 
einander; Supcrl. vollst und vollst Adj. 
und Adv. I. angefüllt. Wenn s {das Ge- 
fäss) nit V. is', brüel't s nit um anzu- 
deuten, dass es auch nicht vollständig ge- 
füllt zu sein braucht Dil. Ge*" wieder nus, 
dohinne is' alles v. sagt ein in einen be- 
setzten Eisenbahnzvagen tretender Reisen- 
der zti seinem Begleiter, wobei man nicht 
selten in Bezieh, auf Bed. 2 die Erwide- 
rung hört : Wer is' v. ? Mir sin^ nit v. ! 
Zab. D Hut is' ganz v. Pl'ützle Geschwür- 
chen Str. Do is alles v. Schissmelde 
überall auf dem Acker steht dieses Un- 
kratit Melde Betschd. S is' alles dick v. 
es ist alles angefüllt, z. B. mit Menschen, 
Blumen allg. Han '^r e Waje° v. ? grüsst 
man die mit einer Wagenladung aus dem 
Feld Heimfahrenden allg. D^^r Bode° lejt 
schworz v. von abgefallenen oder abge- 
schlagenen Nüssen K. Z. Si'=''s' nit, ''ass 
d^r Hafe" ghuftig v. is', halt emol mit 
Dr^i"lere" Geberschw. Rda. G^schisse" v. 
wi* ''^s Wächters Brönzkach^l Dunzenh. 
E Hafe" v. Milch, e Kann v. Wein, aus 
einem Pfingstmaienlied JB. VIII 165. Ich 
trink au'-'' liewers' us e'°"=me volle" a's us 
e'"^me lere" Str. Ke'" Aügs v. bekumme" 
gar nichts erhalten Steinb. Toüsig Mark 
is' e Mul V. Bf. Das Örkle is' platsch v. 
V. zum Überlaufen Su. Ewe"ländig v. 
ßach V. bis zum Band Geberschw. Im 
volle" Schin Z7tr Zeit des Vollmonds Wh. 
Dis Fass is^ punte" v. Logelnh. Barr. 
D^r Korb is' geross^lt v. Nüsse" mit An- 
lehnung an ross'^le" rappeln, Schweiz. 
g'kroslet =■ dicht voll, von Obstbäumen, 
Reben {eig. so, dass es einem vor den 
Allgen wimmelt). Graglig v. dicht, von 
reichlich mit Obst behangenen Bäumen 
Su. Uf dem Stück ste^t awer emol Weise", 
alles gedrückt v. K. Z. 2. satt, gesättigt. 
Ich kann nix me*"^ esse", ich hab de" 
Buch V. Z. Dismol sin'' dine Küh awer v. 
Dehli. Dis Kalb is' ze v., am Eng 
müe''"n m'r's steche" dies Kalb ist auf- 
gebläht, hat Verdaimngsstörungen K. Z. 
Betrunken allg. Völler a's e Lump sehr 
betrunken Steinbr. D^'r Mon'' is' e Narr 
geje-n-'''m ; 'r is' nur alle" Monet emol 
V., awer der alle" Taj Du. 'Voll esch 
voll, des esch egal' Stosk. 22. 'Denn meh 
wie voll kann kenner sen' ebd. 'ich bin 
am Messti Sundi waijer drej Mol voll ge- 
wahn' ders. 99. du bist alwegen fol' 



Pauli 359. 'Vnd wie voll gewesen sey 
ihr Man' Fisch. Flöhh. 340. Er is' v., 
ganz V., komplet v., v. wie *'ne Kanon'', 
kanone"v. , v. wi' *'ne Bumm (Bombe), 
bumme"v. , sternhagelv. Rttf., s. JB. IX 
119. 'Bis dass ich, bummevoll, uflPs Plas- 
ter hien bin g'sunke' Kur 38. Er is' so 
V. a's e Ratt Su. V. wi' e Söu, söuvoll, 
strackvoll, v. wi' töusig Mann Z. V. wi« 
e Zapfe" Hf., wi*^ e Zeck Schaßaus 
Betschd., wi« e Nachtstui'l Wh. Mit 
Abschwächimg des Begriffes: v., awer 
nit toll Z. 'Allzeit voll macht endlich 
doli' Mosch. II 220. 'als er voll und 
toll gewesen' Weier aufm Land 1582 
JB. III 78. 'Wan er ist doli vnd voll' 
Mosch. II 123. j. ganz beschmutzt. 
jch {jjii ganz V. wor'^e" v. Schmutz, Unrat 
allg. Heb Sori, du machs' jo alles ganz 
V. ! Ingenh. P'^ ha*^*" d Kleider v. Dil. 
^. Adv. Ei"^m de" Buckel v. schlaue" 
Str. 

voliendg ^//^ vollends. Trink dis Glas v. 
US Zab. Mach de" Korb volls voll 
Mutzig Ingenh. VVi"='t ''•' dini Hose" noch 
V. verrisse"? Du. Hän ihr's bol*^? gruss- 
artige Frage an Arbeitende ; Antzv. : Bol'' 
volls! O. Esse' dis v. Hf. Mach '''ne v. 
hien [hi^nj gib ihm den Todesstreich ! 
ebd. 'und das ambaht volles usz' Str. 
75. 3^h. Brucker 43. 'volles' Gen. Adv. 
völlig Chron. 268, II. 'Wenn diss (Ber- 
wel) noch fol's syn rychi Grossei erbt, do 
kennt sich's nimm' vor Graddel' Pfm. III i . 
Nebenform vollsch : mach din Arwet nur 
vollsch fertig, m'r ge''n na'^'' nit fürt 
Betschd., und vollest [fölost Wh^ oder 
vollster [fölstar ebd.']. — Schweiz, t, 
779. Schwab. 199 vollister vollends. 
Bayer, i, 838. 

Voller (Föla Banzenh. Dollern Su. 
Du.; sonst Fölor] ;;/. Volli allg. f. Be- 
trunkener, Betrunkene. Do husse" lejt e 
V. im Strossgrawe" Du. D Volle" un'' 
d Kinder saje" d Wo''r''e't Bf. — Schweiz. 
I, 784. 

Harn p fei, s. unter H. 

Hose" voll m. furchtsamer Mensch 
Rapp. 

Vollheit [FcMhait 0. Str.; -hxt Barr ; 
-haeit A'. Z. Betschd.] f. Trunkenheit, 
Zustand des Betrunkeitseins. In dr V. 
hct 'r nimm***' gewüsst, is' «r e Bue'' 
öder e Maid'l Str. 



FoL— FuL 



II I 



FuL 



Vollertät [Fölartdt Geberschw^ f. 
Ueberfluss. Die^^ riche" Lüt stecke-n-in 
d^r V. 

fFölle /. Trunkenheit, Vollheit Geiler 
^. M. 7 b. 

völlig [föle;^ Wh^ Adj. i. beleibt. 
Er is' noch völliger a's ich. 2. über- 
gross. D'^r Rink (Fingerring) is' m'r e 
bissei V. gewe^^n, ich han '•'ne zwei Mol 
verlor^". 'fellich' völlig, vollkommen 
Geiler /. Seh. 34. 'ein becherfölge kanne' 
^von dem Inhalt eines Bechers Str. 75. 
Jh. Brucker 32. — Schweiz, i, 785. 

ful [fyl, Komp. filar, Sup. filst ^S". 0.; 
fyl Komp. fylar, Sup. fylst Mittelels. K. 
Z. und nö. bis Buchsw. W. ; fyl, Komp. 
fyl9r, Si(p. fylst Str. Wörth Betschd. Han. 
nö. V. Buchsiv. ; ful, fular, fülst Urbis 
b. Wesserl.^ Adj. i. fatil, in fauler 
Gährung od. Auflösung begriffen. E fuler 
Äpf«l macht zehn f. Geiid. M. JB. II 167. 
Fuler Käs alter, fetter Käse Betschd. 
Syn. firner Käs Str. K. Z. Jo, heb di'*' 
an "°ere fule" Wand ! (an de" fule" Latte" 
Ruf^ aussichtsloser Versuch, ausstehende 
Gelder einzutreiben bei einem Schtddner, der 
nichts mehr zti eigen hat K. Z. 'Keinen 
fulen, verdorbenen visch' Str. 75. Jh. 
Brucker 215. 2. von krankhafter Be- 
schaffenheit. Dis Ross het aw^r de" 
Kötzer (Husten)., dis muess inne"wen'^is 
ganz f. sin Pfulgriesh. j. träge, arbeits- 
scheu. E fuler Keib, Hund, Satan Schelte 
für eine männl. Person, ein Pferd, einen 
Ochsen; fuli Söü, fuli Mästsöü Schelte für 
eine weibliche Person, atich für eine 
schlecht ziehende Kuh Z. So ful a's Dreck 
///. F. wie Mist allg. F. a's Mist Urbis 
Hlkr. NBreis. Rapp. F. wie e Hundiv'a//. 
Molsh. Str. Z. F. wie e Jud Rapp. K. 
Z. Alle" fule" Hunde" geht's wo^^l faule 
Menschen haben gewöhnlich mehr Glück 
als die thätigen Bf. Er is' z" f., um 
z" luege" Banzenh., für z" luege" Hi. 
Steinb., zuem Lueje" Rapp. Er is' ze f., 
''ass ^r schisst ztir Bezeichmmg eines hohen 
Grades der Trägheit Su. De"" is* jo z" 
f., ''ass "^r d Bei"^ no^'^treit nachträgt 
NBreis. E so '^'ne'' fuler Mensch han 
ich mi"^r Lebtig no'^'' nie gse^" Co. Er 
het e fules Hemd an od. Er zejt am 
fule" Rieme" Rauzv. s. auch Fleisch. Er 
is' so f., (d)ass ""r stinkt Z. Nit f. sin 
fleissig sein, flink ausführen allg. Un'' 
er, nit f., haut '*'m eini uf d Gückle, "^ass 



^r s Für im Brisgaü (Var. im Schworzwald 
K. Z.) gse'^" het Rapp. Hi. 'Der Grav 
von Appermunt nicht faul, sprang von 
seinem Ross' Mosch. II 278. 'Ich nicht 
faul, vnd so bald von Leder ebd. ']^i. 
Atif Missverständnis beruhende sprachl. 
Anderimg: un*^ er nit vi^'l M. De"", nit 
z^ f., haut '''m eini Banzenh., längt '^'m 
eini Su. Scherzhaft werden in der Heu- 
ernte die tnit dem Grasdörren beschäftigten 
Arbeiter von Vorübergehenden begrüsst: 
gjj^d ihj. recht f.? namentl. wenn sie ge- 
rade eine Pause machen, und als Antwort 
erfolgt dann in der Regel: Jo, ''ass "^s 
dürr wurd Z. s. auch Fud, frässig. 5. 
übertr. 'fuli Fisch leere Atisrede Ulrich. 
'faule Sach' schlechte Sache, verlorener 
Prozess Geiler J. Seh. i. — Schweiz. 
I, 786. Bayer, i, 707. 

britful [pretfyl Geisp. K. Z.] Adj. 
durch und durch faul. D'\&^ Äpfel sin^^ 
b. Geisp. — vgl. Schweiz. 1, 790 
brandful ? 

brutschful Adj. ganz verfault. Das 
Stro^ is' b. Dehli. 

morschful Adj. durch imd durch 
faul Bf. K. De-- Sparre" is' m. Bf. 

fulächtig [fyla^tik Obhergh:\ Adv. 

fatd, träge und nachlässig in Gang und 

Haltimg. Was ge^'s' wieder so f.? Syn. 

fulärtig Mü. Geberschw. M. — Schweiz. 

I, 790. 

Fulheit [Fylhait Su. Ruf Str.'] f. Träg- 
heit: Er si'^'t nit zue de" Auge" use vor 
F. er ist sehr faul Ruf. 

Fulke't [Fylkat Hi. Banzenh.] f. Faul- 
heit, Trägheit. Das macht nur d Fulket 
daran ist nur die F. scJmld. 'der Faul- 
keyt pflegen indulgere ocio' Dasvp. {neben 
Fauiheyt). 'Ignavia faulkeit' GoL. 493, 
'Faulkeit' Mosch. I 77. - Schweiz, i, 
791. Bayer, i, 708. 

fule" [ful3 Urbis Felleri.; fyla Du. 
Bettw.] faulen, in Fäulnis übergehen. 
Spw. Wachst m'r s Krut, fult m'r s Hau 
Regen in der Heuernte befördert das 
Wachstutn des Kohls, ist aber nachteilig 
für das Heu. 'fulen verfaulen Chron. 
i2yi, 28. 774, 17. — Schweiz, i, 790. 
Bayer, i, 708. 

ab fule" abfaulen allg. In dem Reb- 
stück sin'i alli Pfähl abgfult Bf. 

a"fule" anfangen zu faulen Urbis 
Bf. Bi dem lange" Rejc" weiter fult s 
Obs' alles a" Bf. 



FuL — FüL 



112 



FüL 



durch fule" von Fätilnis durch und 
durch ergriffen sein. Die Schwell is' 
ganz diirchgfult Bf. 

er f nie" verfatden Urbis. — Schweiz. 
I, 790. 

usfiile" ausfmden, von kranken Zähnen 
Du. 

verfule" verfmden, verwesen allg. 
Er is' schon ganz verfult Z. D schöne" 
Tote"bäünn v. wie d wüeste" Bf. — 
Schweiz, i, 79c. 

Dur^^'^füli [Türfili Roppenziv.; Tiirfilo 
M.\ f. I. Klatiensettche, Fäulnis zwischen 
den Klauen des Rindviehs. Die^^ Kü"'' 
[Khia] het D. 2. = Mundfüle M. — 
Schweiz, i, 793. 

Mundfüle [Mimti'ÜQ f. //o7'l>g. ; Munfil 
Bf; Müntföjl n. Sir.; Müntfil 7iel>e7t sel- 
tenerem Müntfejl n. Hf.; Müntfil Ingw. 
Lobs.; Munfil n. Ingenh.^ Mundfäule, 
Krankheit im Munde von Kindern. 'Krämf 
un Mundfyl sinn gar beesi Breste halt' 
Pfm. III 4. 'Diss isch 's Mundfeijel, liewi 
Frau' Fran^ois Husm. 21. — Schweiz. 
I, 792. 

fülele" [filgla KatzeJtt.~\ nach Fäulnis 
riechen : s fiilelet am Summer in d'^r Metzig. 
— Schweiz, i, 791. 

Fulenzer [Fylantsar allg., Vokal- 
quantität wie bei ful ; Fylaentsar Str. W7\ 
m. Müssiggänger allg. 2. ein Buch, 
dessen sich die Holzhändler bedienen, in 
dem tabellenmässige Berechnungen von 
Baumstämmen aller Grössen enthalten sind 
Steinbr. — Schweiz, i, 790. Bayer. 
I, 708. 

Fulenzia [Fylentsia NBreis.; Fylantsia 
Heidolsh.; Fylaentsjä Str.; Fylantsjä Z.] 
f. so wurde die Krankheit Infltienza bei 
ihrem ersten Auftreten i88g vom Volks- 
mund bezeichnet; heilte meist scher zh. für 
ein Unwohlsein, das auf Faulheit beruht. 
*D' Fulenzia' Kettner Gvh. 42. 

G«fü4 [Kfil Su. K. Z.] n. i. Tast- 
empfindung. Ich hab ke'n G. me*"' in de" 
Finger" Hf. 2. Mitgefühl. Er het ke'" 
G. Su. So Lüt han gor ke'n G. PfrU- 
gricsh. — Schweiz, i, 796. 

EhrgefQh] [Erkfial Zinsw\ n. Ehr- 
gefühl. 

Mensche"g"^fü''le [MaensakHlo Sti^ n. 
PL Anstand. Er het gar ke'"* M. benimmt 
sich unanständig, flegelhaft. 

g '^ fü '•! i g [kfnik.SVr/«<^.] Adj . gefühlvoll . 



De' Mann is' g., er hat famos ghiilt am 
Grab vo" siner Frau. 

Fular(e) [Fyläro /. Olli.; Fylär m. 
Sier.; Fylär n. Obhergh., f. Hältst. M.; 
n. Co.; Fylär f. Du. Heidolsh. Bisch. 
Ulk. K.; n. Z. Zinsw.'] buntes seidenes 
Halsttich, entweder karrieri oder geblümt ; 
einfarbige F., u. zw. schwarze, die früher 
allg. als Halsbinden getragen wurden, 
aber ebenso gross waren wie die jetzigen 
F., Messen schlechthin Halstuech. Schäms' 
di=^ nit, am heisse" Summer e F. a"z=- 
lege" ? Sier. E roti F., de" Huet uf 
einere Sit : e rechter Wackes ! Strolch 
Ulk. — frz. foulard. 

Side"fular n. seidenes Halstuch Geud. 

fülle" [feb allg.] Part, gfüllt /. tr. 
füllen, voll machen. Gfüllti Knöpflc 
Klose mit feingeschnittenen gescJwiorten 
Zwiebeln gefiült K.Z. Kuttle" i. Schweins- 
därme f. und so Blutwürste herstellen; 
übertr. tüchtig essen und trinken. Die'^ 
Kutt^l {oder noch derber die'*^ Söukutt^l) 
is' nit ze f. dieser Vielfrass ist nicht zu 
sättigen K. Z. Er het der Dud^l gtiillt 
den Bauch gefüllt, tüchtig gegessen Du. 
— Schweiz, i, 793. 

uf fülle" auffidlen. D Stross u. die 
Strasse mit Sieinen od. Kies belegen, 
wohl iirspr. die schadhaften Stellen, die 
Einsenhmgen atisfiUlen und einebnen 
allg. 

fülle" //. übertr. mit starkem Part. 
gfulle" [kfulo M. Str. K. Z. Han. Wörth 
Betschd. PVh.] Wasser in das Schuhzeug be- 
kommen, z. B, wenn man über eine ge- 
wässerte Wiese, durch einen Sumpf oder 
einen Graben geht. Ich hab gfulle". 
Auch in dieser Bcd. sagt man gfüllt M. Du. 
De mues' nit üwer sel'^i'" Mis {Sumpf, 
Moor) laufe", de könnt 's' f. M. — Zu 
holl. vollen stampfen, walken} Schweiz. 
I. 793- 

Füller [Felar Kerzf^ m. wenn man 
unvorsichtiger Weise in Wasser tritt, 
dass einem dasselbe oben zum Schtdi- 
werk hinein dringt, so bekommt man 
einen F. 

Fülle I in der Verbind, stille F. [stila 
Filo] f. Krankheit des Rindviehs, wobei 
die peristaltische Bewegung des Darmes 
aufhört und das Vieh die Nahrung nicht 
mehr wiederkatien kann. Die'*^ Kue*" hat 
d stille F. Heidw. — Basel i, 124. 



FüL 



FeLCH 



113 



FeLCH — FeLD 



Fülle 11 _/. ein Stück Fleisch, das 
mit Petersilie, Lauch, geschmorten Zwiebeln 
und dcrgl. gefüllt tmd gekocht wird 
Steinbr. s. auch Füllctc. — Schweiz. 

i> 795- 

Fülletc, Füllsel [Filta Ruf. Hlkr. 

Logelnh. Katzent.; Felata Rapp. Osthsn.; 
Filot Bf.; FclDt Geisp. K. Z. Wörth 
Lützelstn. ; Felsol Lorenzen\ f. (Ruf. Wo. 
Lützelstn. Lorenzen n.) Füllsel, Ausdr. 
aus der Rochkunst. s. auch Fülle II. 
'Füllet Farsilis' Dasyp. 'Füllet Farce' 
Martin Pari. N. 55. 

Trocke"sefüiii«:s n. Art Wurst, aus 
Mehl 7ind Nierenfett bereitet Ingiv. 

Fülli, Fülle" [Feli Olli.; Fili Heidw.; 
Ftli Ensish. Su. NBreis. Dessenh.; Fila 
Hältst. Du. Rapp. Ndhsn. Str. Betschd.; 
Fei Hf.; Fila Lorenze'it\; Demin. Füllcle, 
n. I. Füllen, Fohlen. Kleini Ross* bli'^^n 
lang F. behalten lange ein jugendliches 
Aussehen, übertr. auch von kleinen Leuten 
Hi. Rapp. 'ein schon Fülle' Mosch. I 
413. Lustig si° wie c Füllele Hi. 2. 
scherzh. für einen munteren, mutwilligen 
Menschen. Ja, ich bin ke'n F. me*''', ich 
hab 65 {Jahre)\ Betschd. j. Schelte für 
Erwachsene: Alfs F., ka""s' die^^ Kinder 
nit ge*"" lo"! Du. Da" *s* e alt^s F., 
spielt mit dene" Kinder"! ebd. Syn. 
Wütschel, Wüschele, Mütschel. 'Fülle 
Eqiuilus' Dasyp. — Schweiz, i, 795. 
Bayer, i , 710. 

füllerc'' [felar9 Hlkr. bis Ndhsn ^ ein 
Füllen zur Welt bringen. Wann fiillert 
eüri Mä*'rc? Hlkr. Het euer Fuchs scho" 
gfüllert? Na*^** nit, awer ^r muess jetz 
entwederi-e" Taj f. Du. M'r könne" de" 
Schimmel nit a"spanne", er fiillert bol"^ 
Bf 

Falch [Fäli;^ Betschd. Lobs.; Fäle/ 

Wh^ m. Ktih oder Ochs von blassgelber 

Farbe. Syn. Falk K. Z. — Schweiz, i, 

797. Schwab. 175. Bayer, i, 706. 

Pfalz. Heeger 29. 

befe'^le" [pafäla Ligenh.] befehlen, vor- 
schreiben. Du hes' m'r nix ze b. Ganz 
bekannt ist die Verbindung hoch b., in 
der Regel mit folg. Verneinung = ver- 
bieten. Ich hab ^m hoch befohle", «r soll 
ke'n Wort me'^'' mit '*'m (dem Mädchen) 
rede". — Schweiz, i, 799. 

anbefe'^le" [änpafsela Str.; onpafäla 
K. Ingenh.; änpafäla Hf.^ einschärfen, 
eindringlich befehlen. Ich hab '''m noch 

Wb. d. eis. Mundarten. 



anbeföhle", dass ""r eijetli"*' (unfehlbar) 
hint heime kommt Hf. — vgl. Schweiz. 

1, 800. 

Feld [Fal Olli. Fisl. Pfetterhsn. Rop- 
penzw., sonst fast allg. Falt; Fail inBed. 2 
Mittl. M.; Faelt Str. W.'\ n. i. Ackerfeld, 
Ackerland im Gegens. zu Wald, Wiese, 
Weinberg. .Uf ^^m F. schaffe" Landwirt- 
schaft treiben, die Feldarbeiten alle 
kennen und verrichten Hi. Banzenh. Du. 
s (das Mädchen) bege'^rt {mag) nit im F. 
ze schaffe", wenn s eine" {näml. zum Manne) 
bekämt, wü e Gstell {Stelle, Beamten- 
stelle) het, d^^sel^^ wärt '•^m liewer Lngenh. 

2. Wiesen- oder Weideland S. M. Z" 
F. ge*"' od. fa^'re" das Vieh auf die 
Weide treiben. Hinecht gang i*''* mit 
oüsere" Küe*"^" z" F. Pfetterhsn. Matthias, 
trib s Vie*» nuf uf s F. Bergfirste, imbe- 
waldete Hochebene in den Vogesen Mittl. 
s is' w'e uf e'"*me F. duo von einem 
Orte, wo starke Zugluft herrscht Mü. 
J. häufig als Orts- und namentlich Fhir- 
name, besonders in Zss., auch als Be- 
zeichnung von ganzen Getnarkungen od. 
Teilen derselben. In weP^em F. is^ ^r? 
In de" Fuchslöcher" Dil. od. Im Lenge"f , 
im Odersche"f. Lngenh. Im Rohrer F. 
in der Gemarhmg von Rohr Dtmzenh. 
Über F. ge^^n verreisen, in ein fremdes 
Dorf gehen allg. 'Derr Herr isch iwwer 
's Feld' Stöber Daniel i. Wer mit Stock 
od. Schirm das Dorf verlas st , wird 
grüssend anger7i.fen: Wait '*'r über F. go? 
6".; Wellen '''r üwer F.? Z. ; ein ähnlicher 
Gruss wird an diejenigen gerichtet, die 
hinaus ins Feld an irgend eine Arbeit 
gehen: Wait '•'r in's F.? Sier. Well^'n '•'r 
in's F.? K. Z. Wer i" d Früejmess*^ ge'^t, 
ge^t üwer F.; wer i" d Vesper ge^'t, het 
ke'" Geld Bf. 'Der Dokter Hilz isch 
üwwer Fäld' Str. Wibble 25. „Das 
weite F." = die unbestimmte, fernliegende 
Zukunft. Dis is' {od. ste^^t) noch im e 
wite" F. die Entscheidung ist noch fern 
und ungewiss allg. — Schweiz, i, 806. 
Bayer, i , 711. 

Brachfeld [Prö;ffal Roppenzw.; Prö^- 
falt Bf. K. Z.j n. l. urspr. unbebautes 
Feld. Vor der franz. Revolution war 
das dritte Jahr frei von Abgaben, Gülte 
und Zehnten, weil bei der Dreifelder- 
wirtschaft der dritte Teil der Gemarkung 
brach liegen blieb Bf. 2. das mit 
Sommerfrüchten, wie Kartojff^eln, Tabak, 

8 



FeLD — FeLG 



— 114 — 



FeLG 



FoLK 



Raps, Kohl, Hanf bepflanzte Feld allg. 
Geradezu die Bedeutung 'Kartoffelfeld' 
hat Br. in Roppenzw. 

Gerste" feld n. Gerstenfeld, allg. Rda. 
in's G. luege" schielen, 'mit den Ge- 
danken im Gerstenfeld herumb fahren' 
zerstreut sein Mosch. I 483. 

GoberfeT' [Koparfal Olti.'\ n. das 
oberhalb des Dorfes liegende Feld, Teil 
des Oltinger Bannes. 

Lewatfeld n. Raps feld. 'An alle 
Büsche blüeje Dolde, Un d Lewatfelder 
stehn so golde' E. Stöber Schk. 63. 

Lügen feld, s. Ochsenfeld. 

jManschette"feld n. ältere volks- 
tümliche Bezeichmmg des Promenade- 
platzes, zvelcher jetzt Contades heisst; 
ursprünglich ergingen sich dort nur vor- 
nehme, manschettentragende Letite Str. 
CS. 72. 

Matte"feld it. Wiese. 'Jetz dämmerts 
of de Mattefälder' Mangold Schk. 423. 

Mordfeld«. fName einer Melkerei ttnd 
Bergmatte [Myorfalt], früher Sonnenberg, 
zwischen dem Hunds- und Storkenkopf 
atif dem Belchen i6j2. 'Mordfeld oder 
Morfeld wird heute noch in den notariellen 
Belehnungsurkunden als Sonnenberg, ge- 
nannt Mordfeld bezeichnet' JB. IX 70. 241. 

Ochsenfeld n. grosse Ebene bei Thann 
und Sennheim, wo auch der Verrat der 
Söhne Ludwigs des Frommen geschehen 
sein soll, s. Stöber ^Sa^^« i, 48. 129. 
'^Es ist ^ Stunden lang und J Stunden 
breit . . also geheissen, weilen vor Zeiten 
der grosse Ochsen- und Rinder- Markt 
allda gehalten worden Thanner Chron. 
24.. Syn. Lügenfeld. 

Stijffelde" ['Stafalt9 fast allg. U.\ 
'Staefaslta u. seltener 'Stae^j/faelta Str.; 'Stäfal- 
falto Ltitterb.~\ Bezirksirrenanstalt Stephans- 
feld bei Brumath. 

Tubakfeld n. Feld, das mit Tabak 
bepflanzt ist K. Z. 

Feldi [Falti Roppenzw^ m. untaug- 
liches Pferd. Das Ross is' e F. — vgl. 
Schweiz. 1, 808, wo Feldi L eine Ktih 
mit weissem Rücken, IL einen Jagdhtind 
bezeichnet. 

feige" [falko ///.; f^lko Obhergh. 
Hlkr. Logelnh.; f^ljo Horbg.; felika Du. 
Ndhsn.; f^ljs Bf. Kerzf. Bisch. Ingw. 
Tieffenb.; Wh., daneben auch fele/9] 
/. einen Acker pflügen, um ihn nachher 
brach liegen zu lassen, nanientl. einen 



Kleeacker Hlkr., auch Gerstenäcker 
Logelnh., oder Stoppelfelder Wh. 2. einen 
Acker zum zweitenmal pflügen Horbg. Bf. 
Der Acker muesst m'^r z"crst f., eb m^r 
eps ka"" dri"saje" Horbg. In Du. wer- 
den die abgeernteten Weizen- ^lnd Roggen- 
felder möglichst bald nach der Ernte 
gstürzt und iju Spätjahr gfeligt. Einen 
Acker im Herbst timpßügen, damit während 
des Winters die Ackerkrume zerfalle 
Ingw. — Schweiz, i, 808. Schwab. 
176 falgen, fälgen. Bayer. 1,713 feigen, 
falgnen. Engl, to fallow. 

Felge" [Faelk /. Su.; F^lk /. Hlkr.; 
F^lk ;;/. Logelnh.; Fejlja f. Ingersh.; 
FalJD PI. Bf., n. Mutzig; Fali /. n. K. 
Z., f. Rothb., PI. Faljg; Faeli /. Str. 
Lützelstn., PI. Faeljo] Bezeichmmg für 
die einzelnen gebogenen Stücke Holz am 
Umfang eines Wagenrades. Wi- d'r 
Wagner Felje" kri'^^t für unseri Räder ze 
mache", werd d^r Wawe" fertig Lützelstn. 
D^r Wajner haut Felje'' Bf. 'Feig absis' 
Dasyp. — Schweiz, i, 810. Bayer, i, 

713- 

über feige" [eworfälika Z)//.; ew9rfaljd 
Ingenh^ ein Rad teilweise mit neuen 
Felgen versehen. — Schweiz. 1, 810. 

folge" [fölka Fisl. Banzenh. Su. Hlkr.; 
foliko Du.; följa Rapp. f/.]; Part, gfolgt 
[kfölkt, kfölikt, kfölit] gehorchen, folgsam 
sein. Wi"n gschwing f.! Fisl. l"^ hätt 
di*'*' noch so gern, wenn de f. gäts' Dil. 
s is' e böser Bue'\ ''r folit eim gar nit 
Hf. We°° de-n-aü«*^ folgtits' ! Bf. — 
Schweiz, i, 811. 

Na'^'^folger [Nüföljsr Rapp.; Nüföl;^or 
K. Z. Betschd.^ m. Nachfolger. 

Falk [Fälik Str. K Z.] m. falbes 
Pferd, blassgelbe Kuh. s. Falch. 2. 
Falke, Raubvogel Bf. — Schweiz, i, 

797. 

Gel''falk ;;/. falbes Pferd Scherw. 

S t o s s f a 1 k , Demin. Stossfälk'^1 m. Hühner- 
habicht, Taubenhabicht, Astur palumbarius 
Kerzf. Str. s. Stösser und Stossvogel. 

Volk [Föl^ Pfetterhsn.; Fölk Sti. Ob- 
hergh.; Fölik Str. K. Z. Betschd. Wörth] 
PI. Völker [F^lkar Str.; Felikar K Z.] 
n. I. Kollektivbezeichmmg für Gesindel, 
tueist mit entsprechendem Attr. Das is' 
nii liedrig V. Stt. 2. Im- PI. oft ange- 
wendet auf das Kindervolk. Die"** Völker 
mache-n-e Lärme" ! AEckend. J. Kriegs- 
volk, Soldaten. Unsri Ba'^n, gradso wi' 



FoLK — FeLS 



115 



FaLSCH — FaLT 



di'^ von Süfliim (Siiffelnhehn) is' für 's 
V. geböiie", nit für uns Betschd. — Schweiz. 
2, 80 r. Bayer, i, 841. 

Diebsvolk n. Dicbsvolk, verstohlene 
Leute Co. U. 

jEhevolk n. Eheleute: 'ein lieb par 
chevolck' Geiler Narr. 25 b. — Schweiz. 
I, 803. Bayer, i, 840. 

-i-Hecke"volk n. Lumpengesindel, 
{Schimpfwort) Pfai. II 5. 

-{-Hörvolk n. Heervolk, Kriegsleute, 
Soldaten Geiler LK. 62. 

Hudelvolk n. Gesindel 0. — Schweiz. 

1, 803. 

Kesselvolk, Kesslervolk n. Lumpcn- 
gesindel, herumziehende Kesselflicker O. 
— Schweiz, i, 804. 

Kutte"volk n. Weibsleute, namentl. 
solche, die das Regiment zu führen pflegen 
Bf. Bisch. 

Lumpe" volk n. schlechtes Gesindel 
Bf. K. Z. 

Mannervolk, PI. Mannervölker n. i. 
die Gesammtheit der erwachsenen männ- 
lichen Personen überhaupt oder einer 
Gemeinde, eijter Familie O. Das is' doch 
e Mannervolch, alle" Tag sin*^ si^ voll! 
Pfetterhsn. s is- eM., s is' scho" gnue" ! Su. 

2. einzelne Mannsperson. Es sin"^ zwei 
Mannervölker für mi°*' ane es sind zwei 
Männer neben mir vorbßi gegangen Ob- 
hergh. — Schweiz. 1, 804. 

Ratze"volk n. Gesindel Co. Rapp. 

Soüvolk [Söifölik Co.; Seyfölik Str.; 
Soyfölik K. Z.\ n. schmutziges Gesindel, 
schmierige Leute. 

Wibervolk [Wi'parfölk Steinbr.; Wiwar- 
fölk Sier. bis Co. J/.] n. i. die Gesammt- 
heit der erwachsenen weiblichen Personen, 
entspr. Mannervolk. DWiwervölkermüe^**=n 
grätscht ha" (plaudern), sust sin'* se 
krank Sier. (nicht M.). 2. einzelne Weibs- 
person. Das is' e recht W. eine in gutem 
Ruf stehende Frau, s is' e W. gstorwe« 
Hüss. We°" men enaime ane will un'' 
zuerst im e W. bigegnet, so macht me" 
schlechti Gschäfte Banzenh. — Schweiz. 
I, 805. 

Felse'' [F^ls9 allg7\ m. i. Felsen. E 
Kerel wü e F. Z. 2. Stein. P** wirf 
d'r e F. üvver'^ni" M. F. mache" beim 
Kinespiel nennt nian einen gewissen Vor- 
teil für den Schlagenden, wenn der Kine 
tmgünstig liegt Ilf. — Schweiz, i, 814. 
Bayer, i, 715. 



falsch [fäls all g\, Komp. falscher, Adj. 
I . tretdos, nicht aufrichtig in Liebe und 
Fretindschaft. F. wie e (od. ^'ne) Katz 
vS". Gebw. F. wie e Jud Gebw. Du fal- 
sche"" Jud! Gebw. häufig. E falscher 
Keib allg. Fälscher a's d^r Teif«l allg. 
Fälscher a's Judas, er gab d^r Herrgott 
nit so wo'^lfe'l Rtif. F. wi= e Geisbock 
Pftdgriesh. F. wie Galge"holz Mü. 
NBreis. Z. 'S (s Berwel) isch e rechdi 
Ketsch un falsch wie Galjeholz' Fem. III 
I. F. wi^ e Mameluk Lngw. Syn. ver- 
dre'^t. 2. zornig, aufgebracht, böse, 

ärgerlich. Er is' so f. gsi", '^ass er si'^'' 
schier nimme^' gkennt het Sier. Er is' 
f. wör'^e" Hi. Steinb. 'Schwcy still, du 
Rosselbubb, i saa der 's, I wurr falsch' 
Pfm. I 8. Eine" f. mache" ärgerit Ban- 
zenh. Steinb. Su. Ruf. Hoi'bg. Mach 
mi«*» nit f.! M. j. tmecht. Falsch Geld 
un"* falschi Hör gibt's alle Jo^^r Bf. — 
Schweiz, i, 815. Bayer, i, 715. 

Falschheit [Fälshait Ruf. Str.; Fäls- 
haeit K. Z. Betschd^ f. Falschheit. D F. 
luegt '^m zue de" Aüge-n-us Rtif. 

f fälschen Bed. wie das jetzige ver- 
fälsche", '(die win) mercklichen geweschet 
und gefälschet . . . mit, wasser zügefüllet' 
Str. 14g 2 Brucker 567. 

verfälsche" verfälschen, mit tmechten 
oder schlechten Bestandteilen vermischen 
Bf 

Falt« [Fält Hi. Steinbr. Su. U. W.'] 
f., neben [Fält Katzent.; Fälto Hf.^ m. 
Falte, wie nhd. Das Kleid macht (od. 
ziegt zieht) Falte" Su. D=r sur Win lejt 
ei" m s Mul in Falte" Bf. 'Falt am 
Kleyd ruga vestis' Dasyp. — Schweiz. 
I, 817. 

Manigfalt [Mänikfölt y%r^^.; Mänifält 
lngw.; M.\x\\y{k\\. Betschd^^f. Blättermagen 
des Rindviehs. Giebt man den Kühen 
nur Wasser zu saufen, so wird die M. 
hart, was den Viehhändlern Anlass zum 
Betrtige giebt Horbg. 'versultzt manigfalt' 
Fisch. Garg. 120. Mieg II 66 Stöber. 
'Bryd: Es sinn Brofessers Blezzer gewese. 
— Fr. D.: 'S isch nit wohr. Der Kutt- 
ler isch e Kezzer. 'S sinn Immehysle 
gsin un Stükker Mannigfalt' Pfm. II i. — 
Schweiz, i, 817. 

Fifalter, Fli«^gfalter , Fli'^gholder 
[Pfiföltar Barr; Pfifhöltar Betschd. ; Fli/- 
fältar Geud.; Fli;i;'hölt9r Str. K. Z.] m. 
I. Schmetterling; Syn. Summervogel. 2. 



FaLT - FaLZ 



— ii6 



FaM — FuM 



Nachtfalter , der um das Licht kreist 
Str. Betschd. J. Spitzname für einen 
unruhigen, unsteten Menschen tmd dann 
Schild einer Wirtschaft 'Zum Pf.', die der 
betreffende betrieb Betschd. — Schweiz. 
I, 820. Schwab. 175 baiifalter, weifalter. 
Bayer, i, 716. 

D r e i f a 1 1 i « k e i t e l[TreifäItikhaitlvS"<:/z^rze'.; 
TrcitMtikhaeitl 7Vrf7/^;«. K. Z.; Tr6ifälti;^khätl 
Büst^ n. Stiefmütterchen, Viola tricolor ; 
wird am Dreifaltigkeitssonntag in die 
Kirche getragen Scherw., gleichzeitig mit 
Salz Ndhsn. 'Un wott e Stryssele! . . . 
E Bummeranzestengel, e Reesele-n-un noch 
Dreifaldikaitle gar" Pfm. V 3. Sehr be- 
liebt noch jetzt auf dem Land. — Schweiz. 

1, 821. 

ei^fält [aifalt Obbriick^ Adv. 7mver- 
mischt, rein, einzig, pur. Er het e. Schnaps 
getrunke". Syn. a'se U., urig M. — 
Schweiz, i, 817. 

einfältig [aifaltik Gebw. Su.; ainfi^lti/ 
Str.; aenfdlti Bisch. K. Z.; aenf(^lti;jf 
Betschd?[ Adj. und Adv. i. einfältig, 
thöricht. E. wie e Hüe'^nerhüsle Gebw. 
s is' e e. Äffle thörichtes Mädchen Su. 

2. verliebt: [td sen äwr aenfelti;^ met nöntar 
Wh^ j. eigensijtnig K. Z. — Schweiz. 
I, 818. 

Velteliner [Faltalinor Rapp.; Faltingr 
Riif.; Faltlinar Z.] m. Veltliner Traube, 
grosse rote Traubensorte. 'Veltliner vom 
Chumersee' Fisch. Prakt. 27. 

Fei wie [F^lwla ObherghT^ n. verstell- 
bares Querholz über der Achse des vor- 
deren Pßugradpaares mit einem runden 
Einschnitt für den Pflugbalken. Dis F. 
is' lotfrig. 

Falze [Fältsa m. Hi.; Fälts /. Bf:\ i. 
Rinne des Fasses, in welche der Boden 
eingefügt wird Hi. Syn. Gargle. 2. 
Kehle an einem Thürgestell, in welche die 
Thüre einfällt Bf. J. Falz an einem 
Buche, in welchen die Deckel eingesetzt 
werden Bf. — Schweiz, i, 823. 

falze" [föltsa Bf^ l. Drtickpapier zu- 
sammenlegen. 2. mit dem Falzhobel 
Rinnen in die Dielen hobeln. — Schweiz. 
1,823. 

i" falze" den Boden eines Fasses in die 
Falze der Dauben einziehen Bf. 

f filzen ausschitnpfen. 'mit mir zu 
balgen, mich filtzen me crier' Martin 
Pari. N. 88. — Bayer, i, 717 ausfilzen. 



Famili« [Fämeli allg.; Fämelja Wh7\ 
f. I. Familie. 2. Verwandtschaft Wh. s 
Familie°dach grosser Regenschirm Hi. — 
Schweiz, i, 824. 

famos [fämös Heidzv. Geberschw. 
Hattst. Hlkr. Logelnh. Ndhsn. K. Z. 
Pfast.; fämös Banzenh. Katzent. Bf. Neu- 
hof Str.; fümös Su.; fümüs Du. Hf^ i. 
Adj. trefflich, vortrefflich, ausgezeichnet, 
tüchtig. Famose"" Wi° Banzenh. Katzent. 
E fumos Glas Wi» Su. Das is' jetz emol 
f. Bier Bf. Das is' '^'ne'' famoser Ar- 
beiter Heidw. E famose'' Kerli tüchtiger 
Bursche Banzenh. Du bis' e famose"" 
Kerl Hattst. Dil. Elliptisch: Eim e par 
famosi •'era'^haüe" einen tüchtig durch- 
prügeln Nhof. s is' f. gsi" es war sehr lustig 
Hi. 'famos avanciert fir si Alter' Lustig 
I 330. 2. Adv. zur Bezeichnung einer 
Steigerung, eines hohen Grades. F. lustig 
si'^; s het f. e^dunnert 0. Eine" f. weiche'» 
jem. tüchtig durchprügeln Hf. E f. schöni 
Frau ebd. — frz. fameux; der lateinische 
Vocal der Endtmg auch in furios, kurjos. 
Das Wort hat sich erst neuerdings, aber 
sehr weit verbreitet. Basel 102. 

Fimmel [Fiml Roppenzw. Heidw. 
Aschb. ; Faeml M. ; Fdml Lobs^ m. männ- 
licher Hanf, der nach der Blüte zuerst 
atisgezogen wird. Riss d^r F. us! Rop- 
penzw. 'Faemella' Kirschl. 2, 56. — 
Schweiz, i, 826. 

fimm^le" I [fdmla Lobs?^ die männ- 
lichen Hanfstengel ausziehen. Hanef f. 
— Schweiz, i, 827. Bayer, i, 718. 

fimm'^le" II [fimlo Kerzf7\ einem Mäd- 
chen die Ehre nehmen. — wohl aus nhd. 
fummeln. 

fimme" I [fima Obhergh.'] eine Ohr- 
feige geben. De*" het d'r eini, eins 
gfimmt ! 

fimme" II, s. fume". 

Fummel [Füml Hi. m.; Ruf. Du. 
Rapp. Hf.f.] I. Glättschiene des Schtisters, 
aus Holz verfertigt, dient zum Glätten 
des Leders, namentl. an den Schnitträn- 
dern Hi. Ruf. Rapp. 2. obsc. Dirne, 
Hure Str. Hf. ; als Schelte Str. — Schweiz. 
I, 827. Bayer, i, 719. 

fumm'le" [fümls allg.'\ i. hin und 
herschieben, reiben, z. B. beim Scheuern 
des Fussbodens, Reinigen der Fenster- 
scheiben Hf.; putzen, reinigen, vom Ge- 
schirr, von Stiefeln. Jetz' will ich aw<=r 
f., dass s glänzt ! Str. 2. betrügen, hinter- 



FuM — FaN 



117 



FaN 



FiN 



gehen, schwindeln, ztcm besten haben. 
De" hai s'e wieder gfummlet ! Liebsd. 
De'' fummlet wieder! Roppenzw. J. obsc. 
coire; vgl. fimm^le" II. — Schweiz, i, 
827. Bayer, i, 719. Hess. 112. 

ab fummele" abreiben Str. 

Fiimmler vi. Schwindler. 

fume" [fyms Co. Mütt.; fima Kerzf\ 
rauchen. — frz. fiimer. 

Fa'^n, Fa'^ne" [Fan ni. Pfetterhsn., n. 
Littterb. ; sonst Fäna ;;/. fast allg. ; Fono 
K. Z.] ; PI. [Fäna Pfetterhsn. ; sonst allg. 
Fäna; Faen9 Str. fF.]; Detnin. Fä'^iile, 
Fä^'n^l \^^.v{['^ Pfetterhsn.; F Anoli P anzenh. ; 
Fänia Su. Hattst. Winzenh. Du. Orschw. ; 
Faenl Str. ; Fanl K. Z. Pctschd. IVörth'] i. 
Fahne beim Militär. j-Er is*^ fürt inger 
de" F. K. 'zum fahnen schweren* Mar- 
tin Pari. N. 139. 'ein Fendli Knecht' 
100 Kriegsknechte Mü. Mieg 2, 179. 
'Aphistre der fahnen auff dem segelbaum' 
GoL. ig8. 'acht fahnen schwedischer 
Soldaten' Co. i6j2. Als. 1851, 50. 2. 
Fahne bei kirchlichen Prozessionen. D^r 
Cölestin het d^r F. s^treit Pfetterhsn. 
Mit Krüz a F. ge**" mit der Prozession 
gehen Su. Logelnh. Wortspiel : Die Lüt 
hän alle" Sonnti? Prozession ; d*=r Mann 
treit de" F. {Bed. 8) un'i d Frau s Krüz 
Bf. Dri" luege" (usse^n Bf.) w'e d^r Tod 
am F. bleich, erschreckt dreinschauen, 
Anspielung auf das Bild des Todes mit 
der Sense, das bei Beerdigungen auf 
einer Fahne herumgetragen wird Orschw. 
j. zerrissenes Kleid Katzent. /f.. Wetter- 
fahne, bes. hl der Denmiutizform Bebelnh. 
Z. : s Fä^'n^l ste'^t uf Ni^derwind/;«^^'«/^. 5. 
Blütenstengel am Mais. D Fä^nler schlup- 
fe" am VVelschkorn Du. ; Schilfrohr : d 
Fä^'nle blüeje" Henfli. ; Farnkraut Betschd. 
6. Mähne des Esels M. 7. schlechte 
Weibsperson : de"" F. ziejt in de" Buewe 
no"^*" Katzent. 8. Rausch allg. Er het 
e F. gha"" Su. Er het e Millionsf. mit 
heim gebrocht Hf. 'So e Fahne haw i 
an kaim noch gsehn' Pfm. III 2. — ahd. 
fano a7is lat. pannus. Schweiz, i, 828. 
Schwab. 176. Bayer, r, 719. 

-j-Handfanc mantile Herrad 185''. 

Malisse^fa'^ne", Milisse"-, »/. Fahne 
der Gestellungspflichtigen Obhergh. 

Wetter fä'^n^l oft auch ab gek. Fä''nel 
Z. n. Wetterfahne U. — Schweiz, i, 
831. 



Windfahne" [Wjeitfäna il/.] PL Feder- 
wölkchen. 

F ä '^ n r i ch [Fänri Lutterb.; Fsendri;^ Str. ; 
Fänari K. Z.] m. Fähn(d)rich. 'Venre 
signifer' Herrad 194". 'Wie uns ange- 
zeigt wird, der Fenner sig uf den Tod 
verwandt' 1531 Mieg 2, 140. — Schweiz. 
831. Bayer, i, 720. 

j V o r f en n e r m. Vorfähndrich Mieg 
2, 140, 141. 

Fa''ne"reich [Fänarei/ Mittl^ in der 
VerivttnderungsforjHcl Votz¥.\ A: Meine^ 
sin'' das hübschi Erdäpf=l? B : Potz F., 
das sin'^ Stücker ! grosse Kartofl^eln. 

Kornfän^l, s. tmtcr Ferkel. 

Fanori [Fanöri Lutterb. Ruf^ als An- 
fangswort in dem Kinderreim F., Simiri, 
Kastori, Trompetle, Kukuk! Wahrschein- 
lich ein Hundename wie auch das zweite 
Wort Simiri ; beide kommen als solche 
vor in Dunzenh. in der Form [Fanör 
und Simi'rl], das letztere tmzweifelhaft 
eine Abkürzung aus Casimir, das erstere 
wahrscheinlich nach dem frz. Eigennamen 
Phanor. 

fin [fin O. Wörth Betschd. ; fin Geisp. 
K. Ingcnh. ; ffn und fin Str. Z.J AdJ. 
und Adv. i. dünn, von Faden und Ge- 
weben. F. Tuech allg. Fina Sida feilte 
Seide Su. Fini Sid U. Einer Zü^ Geud. 
F. spinne" einen feinen, dünnen Faden 
spinnen Geisp. Syn. rein. 2. scharf, 
schneidend, vom Wetter: s is' e fini Kälte, 
fin kalt Hf. J. klug, schlatt, berechnend, 
durchtrieben. Du bis' f. Sti. Das is' e 
finer Satan Co.; e finer Spitzbue^ Du., 
e finer Buger K. vom frz. bougre, e finer 
Kerl Hf. We"" m«r dich heischt (heisst) 
mitesse" , bruchs' nit wille" de" Eine ' 
mache" Harsk. Rauw. F. was f. heisst 
sehr schlau Zab. 'O du fine Mucke, 
du schlaue!' Lustig II 623. = frz. fine 
mouche. 'Fyn sinn si dert owwe {in Colmar) 
nit' Pfm. II 6. 4. schön, vortrefflich, 
fein ausgeführt. E fins Maid""! Geisp. 
Die^^ Arwe't is' f. gmacht Co., fin gschafft 
kunstreich Ulrich. E finer Huet Htit 
aus feinem, weichem Filz Buchsw. 5- Vom 
Feingehalt der Edelmetalle: 'achtzehn grat 
fyn' Str. 14.82 Brlcker 243. 'von fyncm 
Silber und fynem golde' ebd. 'fini grete 
Trigonella foenum graecum* Kirschl. i, 
183. — Schweiz, i, 831. Bayer, i, 721. 

Finele n. feines Persönchen, gewöhn- 



FiN 



ii8 



FiN 



FoN 



lieh scherzweise tadelnd Mü. Stöber 
Mäder jS. 

Finer m., Fini f. allg., mit Vokal- 
quantität wie bei fin : feiner, schlauer 
Mann; schlaue Frau Olli. Am nüne 
ge*"!! d Fine" utti g Uhr gehen die Feinen, 
nänil. zu Bett Str. Betschd. ; s. acht. 
'Feiner Mensch Lepidus homo' Dasyp. 

Finess I [Fines ^.] m. geschickter 
Mensch FisL; gescheiter Mensch Roppenzw.; 
schlauer Mensch. D" bis* e dur''''tri^bene'' 
F. Attenschw.; histiger und attch geistig 
schlagfertiger Jüngling Steint r.; listiger, 
pfiffiger Mensch Banzenh. — Schweiz. 

1, 837. 

Finess II [Finas Hältst. Katzent. Dil. 
Bebelnh. Bf.; Fin^s Meis. Str.; Finas 
und Fin^s K. Z.; Finas Lobs7\ meist im 
PI. Finesse" gebra^icht, f. Tücke, List, 
Verschlagenheit ; Lüge, Täzischung Kat- 
zent.; Witze, Ränke, L^aunen. Er steckt 
ganz voll F., s is' nit guet mit i*'m 
gschirre" Du. Nimm dich in acht vor 
dem, der het F. im Kopf! Lobs, s is' 
nix üwer d Finesse" es geht nichts über 
die Schlauheit , schlau muss man sein 
Bf. Mach m'r ke'n F. keine Streiche \ Z. 
— frz. finesse. 

finessig, finessisch [finasik Felleri. 
Weckolsh. Katzent. Du. Bf.; finasis 
Geberschw.\ Adj. i. recht lustig Felleri. 

2. witzig, schlau, pfiffig, durchtrieben, 
ränkevoll. E finessige"^ Wackes ein schlauer 
Strolch Katzent. Er is' e finessige"" Keib, 
m'r is' allewil hinte" dra" mit '•'m man 
zieht immer den kürzeren Dil. Was de"^ 
Knopf {kleines Kind) eso f. is*', s will 
licwer vo" d^r Müetcr Brod gschnitte"* ha" ; 
s weisst, ''ass s e grösser Stück bikommt 
ebd. Er is' verdammt f. sehr schlau 
Geberschw. — Schweiz, i, 837. 

'Finesche' f. eine Hausfrau, welche 
das Essen fein und pünktlich aufgetragen 
haben will, überhaupt atif Ordmmg hält 
Mü. Stöber Mäder 78. 

Fi nett [Finet «//§-.], /Y. Finettler J/ä. 
n. Unterjacke, Kamisol aus leichtem ge- 
köperten Wollstoff , der auf der linken 
Seite gerauht ist. 'mc kann nitt emol 
riehig si Finctt changiere do' Lustig 
II 259. 

Spitzfinigc"^ m. Schlaukopf. Das is' e 
S., de"^ findH" alles ''erus Westhalten. 

Fino [Finö und ¥inö allg.~\ m. listiger 
Mensch, Schlaukopf, Pfiffikus; Hunde- 



ScHWEiz. I, 837 : 



Co.] f. dünne, 
Mamsell het ke'"^ 



name Hi. Syn. Funk. - 
frz. finaud. 

Finnai'i^ [Fintaj 
schlanke Taille. Die*^ 
F. — frz. fine taille. 

Vinedig Ortsname Venedig. Wann de 
numme in V, (Var. im Himmel, um ßast- 
berg bei Buchsw.) wärs' ! Vei wünschungs- 
formel Dehli. 

finnig [fmik Ensish7\ Adj. hmgenfatU. 
Die Küc'^ is^ f. — Schweiz, i, 839. 

von [fü vS. 0. ; fä M. ; ioME. vor Kons., fün 
undi.bx\ vor Vok. ; fön Str. K. Z. ; fün Betschd. 
mit Assimil. an folgendes m] /. a) räuml. 
Entfermmg , Trenmmg. Siner Mauje" 
(Magen) vertreit's nit, ^r muess alles von 
si-** schütte" (erbrechen) K. Guet von d-r 
Kratz kumme" glimpfiich davon kommen 
Ingenh. Bös von "'nander kumme" sich 
nach argen Zwistigkeiten trennen, von 
Verwandten , Freunden , Geschäften 
Dtmzenh. Von ® nander mache" Zankende 
trennen Z. Er is' vo" '^^s Schriners Schür 
^'era'' gfalle" Bf. b) zeitl. Abstand. Von 
d^s Morjc"s bis d*=s Nachts Str. Vom 
Ghann'^sti (2/}.. Juni) bitz am Michelstaus 
(2g. Septbr.) K. Z. 2. Herkunft. Er is' 
vu Mülhuse" Liebsd. Wenn i*^*^ nit vu Di- 
dene bin, Se bin i'^'^ doch vu Senne {Senn- 
heim); Wenn i'^'' schu" ke'" Dätte {Vater) 
ha, Se haw i*^*" doch e Nänne {Mutter): 
Spottvers auf die Bewohner von Diden- 
heim b. Mü., s. Aug. Stöber 'Das vordere 
Lllthat 67. Vgl. Schweiz, i, 697 Distel- 
vogel. Von nun Schüre" e Latt sehr ent- 
fernter Verzvandtschaftsgrad K. Z. Di"=*^ 
Supp is' nit vom Für so hciss wor'^e" 
(Wortspiel mit Bed. i d) — awer üwer '^^m 
Für fügt dann ein anderer berichtigend 
hinzu K. Z. j. Stoff. E^ps vo" Me*"! eine 
Mehlspeise Z. Von Gold golden, oder 
Wortspiel mit Bed. i a Str. K. Z. /f. Ur- 
sache, Kraft. Von Hand gemocht Dunzenh. 
Dis is' besser a's e Tritt vom-e-n Es«^! Z. 
5. Objekt. M^r han grod von d'r ghet von 
dir gesprochen Gimbr. We"" m^r vom 
Wolf red't, ze kummt '^r K. Z. 6. Teil. 
Dis is' einer von dene", wo m^r d andre" 
mit fangt Str. K. Z. N. Er is' allewil 
einer von de-n -Erste" Str. K.Z. N. 7. Um- 
schreibung des Genetivs, zvenn er dem 
regierenden W. nachfolgt. D Höche vum 
Hüs, vu" d^r Mur die Höhe des Hauses, 
der Mauer Du. s Geld vum Vater, vu" 



FoN 



FiND 



— 119 — 



FiND 



Fünf 



d^r Mueter; d Kleider vu" de" Männer" 
allg. — Schweiz. 1, 83g. Bayer, i, 841. 

darvo(n) /. im Sinn v. von i. Er is' uf 
un"^ d. hat sich rasch und weit entfernt 
U. D. klimme" eine Krankheit überstehen, 
etwas aushalten Z. Der kummt nimm^^"" 
d. er niuss sterben, od. übtr. von einem 
gesagt, der sich sehr stolz und hochmütig 
benimmt. Bli^ m'r d. eweg! Str. 2. i. S. 
V. von 6 : Gi*^ m'r o'"^*^ d. Liebsd. Ingersh. 
Kei"^ Red d. ! Blotzh. Hes' eppes d., 
we"" de als uf H. ge'^s' ? wirst dti, dafür 
bezahlt, wenn du nach H. gehst? Su. — 
Schweiz, i, 843. 

Fenchel [Fan;/1 Benf.; Facni;^! Str.; 
Fani/1 K. Z.; Yz.\\\y\ tmd Fani/lt ///".] 
m. Fenchel, Anethum foeniculum. Wohl- 
riechende Arzneipflanze , aus welcher ein 
Thee bereitet wird, der besonders den- 
jenigen Kindern unter die Milch gegeben 
wird, die nicht mit Muttermilch genährt 
zverden Bf. — Schweiz, r, 845. 

fe''ndrig, s. ferndrig unter fern. 

find, Find [fent ///. Logelnh. Bf. Str. 
Ingenh. ; üutBetschd. Lützelstn. ; fein Geisp.; 
fönt Dunzenh. Säsolsh. ; fint Bruni. Gimbr. 
Mittelhsn.] Adj. und Subst. m. feind, 
Feind. Eim f. sin Ingenh. Ich weiss nit, 
wie's kummt, dass euer Schulmeister so 
vil F. hat Lützelstn. 'nienan stat ge- 
schrieben du solt hassen deine vigend' 
Geiler P. II 9. 'Ich glaub, dass du vnd 
der böß find {der Teufel) Warlich seyen 
geschwisterkind' Murner Narr. 52. 'einem 
Feind sein Simultatem exercere cum aliquo' 
Dasvp. — Schweiz, i, 846. Bayer. 

1, 724- 
Er b find ;«. Erbfeind Bf . — Schweiz. 
I, 846. 

Giftfind m. arger Feind, der einem 
Gift geben möchte. M'"r soll si"*'m G. ver- 
zei'^e" Bisch. 

spinne" find Adj. feind in verstärktem 
Grade, todfeind Hlkr. Su. Dil. U. Si^ 
sin"^ e'nander sp., si^ gä'^te" e'nander Gift 
Dil. — Schweiz, i, 846. 

todfind präd. Adj. feindlich gesinnt 
in verstärktem Grade. Er is' m'r t. Bf. 
Findschaft f. Feindschaft U. Dis 
hct d^'^se"^ m^ls damals e F. ge^^n mit dere 
Teilung, o, gor grüserli! Dunzenh. 'Agent- 
schaft' Geiler P. II 79''. — Schweiz. 
I, 847. 

V e r f i n d e " [fa r fen ts Su. Str. Ingenh . ; 
forfento Dunzenh.; forfinta Gimbr ^ ver- 



feinden; refl. Feinde bekommen dtirch 
irgend etwas. P*^ verfind mi'^'' nit gern ich 
möchte ihn nicht gern zum Feinde haben, 
deswegen schweige ich. — Bayer, i, 725. 

finde" [fenta Str. Wörth Betschd.; 
fei^a K. Z. Prinzh. Wh. Rauw^ ; Part. 
gfunde", gfunge",gfung, üingW.flnden. Wer 
suecht, der find'^t Str. Es het au'^'' emol 
e blingi Henn^ e*n^ Erbs gfunge" Dunzenh. 
Qfggbcj-,^ geggbejj^ nimmi g'^gc^'^n ! Gfunge", 
gfunge", wiederum g^ge'^*'n ! sagt ein Kind 
zu einem andern, welches von jenem wieder- 
verlangt, was es ihm vorher geschenkt 
hat Dunzenh. E Gfundener od. e Gfun- 
de"*s ein uneheliches Kind. Jetz' heiratet 
si« au^^ noch e Gfundene" Betschd. F. uf 
den ungfejte" Bank"" auf den mtgefegten 
Bänken finden, euphem. für stehlen Str. 
— Schweiz, i, 847. 

empfinde", in Verbind, mit guet: eps 
guet e. tmd eps für guet e. oder sich bi 
eps gut e. etwas itach abgelegter Probe, 
bes. Kostprobe, für gut halten, insbesondere 
von Arzneien eine gute Wirkung ver- 
spüren Hf. — Schweiz, i, 848. Bayer. 

I. 725- 

spitzfindig Adj. spitzfindig, schlau 
Westhalten. Vgl. Spitzfinige"' tmter fin. 

fusfindig, usfindisch [ysfentis Z.] 
Adj. atisfindig, 'und wo es usfiindig wurde' 
Str. 1478 Brucker 223. 

Fundel, s. Wantel. 

Fundement [Füntamant fast allg.; 
Füntomaent Str. fF.]; PI. Fundementer n. 

1. Ftmdament, Grundlage zu einem Bau, 
auch ilhertr. E guets F. leie" tüchtig 
essen, damit man nachher im Trinken 
etwas leisten kann K. Z. Eps us '^em F. 
verste**" etwas gründlich verstehn Hi. Du. 

2. Plintere Ulrich. — Schweiz, i, 851. 
fünf(e), fümf(e) ^sAiSier.; faeif 71/.; feifa 

Walb.; femf ?/«(/ femfo Su.; üm^NBreis.; 
femfi Dil.; femf Geberschw. Dil. Rapp.; 
fenf imd fenaf U. W.^ Zahlwort fünf. 
Es hat f. gschlage" Walb. F. grad si" lo" 
sich zufrieden geben Su. Z" salb f. zu 
fünfen Geberschw. Halwer fümfi, fümfi, 
no'-'' de" fümfe" Dil. Am d halwer fünefe 
Z. E Gsicht mache", a's könnt m^r nit 
bis uf f. zähle" ein unschtddiges, schein- 
heiliges Gesicht machen, od. E Gsicht ha", 
dümmer a's f. Taj Reje"wetter Rapp. Vgl. 
nun, Fümfi, zehni, zwanzig un'^ d''rno''' 
gghn jjjij. gj-gj jjjt ^f Nanzig! zählt der 
Krämer NBreis. Feif mol sibe" is' feife- 



Fünf 



FaNG 



drissig, Is' d*^! Mann o'"^'' no*^'' so flissig, 
Un^ die Frau is' liederlich, Ge'^t doch 
alles hinder sich Sicr. 'An de Fiimpfe 
Koch i d' Linse* Sennh. Als. 1856/57, 
198. 'des morgens zwüschent fünfen 
und sechssen' Str. 1439 Brucker 93. — 
Schweiz, i, 852. 

Fünfer [Feifar Olti. Fish; Feifor Rop- 
penzw. ; Femfar Su. Osenb. Co. Horbg. 
Rapp.l^, Dentin, entsprechend [F^iforli, 
Femfarlg ; Fenfarla Bisch. Ndhsn. Str. K. 
Z. Betschd.~\ m. Fünffrankstück. Nit emol 
um e hölzige" F. ! ablehnende Antwort 
Su. Osenb. Hes' aü'^'' ke'°^" F. am Frack 
du bist nicht so reich, wie du scheinen 
möchtest Co. In Rapp. auch jFümfliwer- 
thaler. — Das Demin. hat die Bed. 
5 Pfennigstück in Horbg., sonst allg. 
20 Pfennigstück aus Silber = 5 Soustück, 
in Rapp. auch Fümfsustück*l dafür. Se, 
do hes' ne F. für s Neüjo^'r Osenb. Gang 
ge^*^ F. schwitze" ablehnende Antw. Gebw. 
F. spütze" sehr trockenen Gatmien haben 
Bisch. — Schweiz, i, 854. 

Bure" fünf er m. Bauer, mit dem 
Nebenbegriff des Dummen, Ungeschliffenen, 
Tölpelhaften. Lüeje', wi^ zeller d Lüt z"- 
samme"rennt, dis is' noch e'n ächter B. ! 
'Haltsch, Buurefünfer du, glich din un- 
gschliflfe Muul !' Str. Wibble 59. — Schweiz. 
I, 854. Bayer, i, 726. Zshängend mit 
der Zahl der fünf Richter in den Bauern- 
gerichtenl 

fünfere", fünferle" [femfra Obhergh.; 
fenfara Illk. Betschd. Ingw.; femfarb 
Pfetterhsn. N Breis. Co.; fenfarla Bf. 
Bisch. Str. Z.] bei derben Abweisungen 
gebraucht. De cha""s' mi='' f. ! Pfetter- 
hsn. Du kanns' mi(ch) hinte" f.! Str. Du 
kanns' mi'^*' f., *'"no'='* bis' am sechs(i) 
fertis! Co. Illk. Ingw. Betschd. Z. Ka""s' 
vmF^ f., ''ass de am sechsi Firowe"^ hes'! 
NBreis. Du ka""s' mich f. bis um d 
Sechs, um d Siwe"*= hes' Firowe"^! Bf. 
— Schweiz, i, 854. 

fünft [femft O.; faejft M.; fenaft U. 
W.'] fünft. Er gilt, was s f Rad am 
Wauje" Barr, od. Er gilt so vi*! wi^ s f. 
Rad am Waujo" K. Z. — Schweiz. 
I, 854. 

fünftle" [fcnftlu Rapp7\ Bed. wie 
fünfere". 

fu°fzig [füftsik K., teilw. auch Z., da- 
neben füftsi;^ und seltener fü;^tsi;^ Hf. ; 
füftsi;^ Str.; füftsik Lützelstn^ fünfzig; 



Zählwert von ^ aufeinander folgenden 
Karten, im Tärtele spiel Hf. Vgl. fü;Ktseii 
Wh. — Schweiz, i, 854. Bayer, i, 727 

fange" [f^r|^^9 allg\ in der 2. tmd 
J. Pers. Sing, ohne Umlatit ; Part, gfange", 
im W. gfang, daneben in Roppcnzw. eine 
Form [fen, Part, kfeno] /. fangen, er- 
wischest, ertappen, einholen. Du bis' o"'^^ 
ein^"" vu" dene", wo me" d ängere" mit 
iängt Liebsd. und ähnl. allg. D'r Alt f O., 
den Alte" f. U. Gewinne machen. Glück 
haben, einen guten Zug thttn ; in Ruf. 
sagt man auch so, wenn jemd. schnarcht. 
Du hes' e wi'=der gfange" hast wieder 
nichts gearbeitet Ensish. Eine" f. schlafen, 
ein Mittagsschläfchen halten Hlkr. Ingersh. : 
P** gang jetz' eine" ge''" f. Ingersh. E 
Fisch f. einen Vorteil haben Ruf. Hes' 
>''ne noch gf. ? eingeholt Stt. K. Z. 2. be- 
kommen, in gtttem tmd üblem Sinne, 
Schläge, Prügel bekommen. P*^ ha''* wi'"der 
eppis Schönes gfange" Heidw. Do is" nüt 
{nichts) z* f. ! Abweisung Gebw. Eim eini, 
ein'' f. jem. eine Ohrfeige geben allg. 
Fang '^m e par! Du. Ich fang d'r e par, 
'^ass de ^*rüwer un"^ '''nüwer gheis' Ndhsn. 
Wart, du fangs' eini von dene", wo nix 
koste" Str. P'> bi" gf. uf der Brust habe 
Brustbeklemmtmgen Bf. j. refl. Ein Pferd 
fangt si'^'^, wenn es beim Trab mit den 
Hufeisen der Hinterfüsse an die Vorder- 
füsse schlägt K. Z. Part, gfange" ver- 
legen, bekümmert : 'wenn er dernoh nimm 
so g'fange-n-im Gemüet isch, se verzählt 
er es hoffetli noch ebb's' Pick Buch. 1 1 . 
— vgl. Schweiz, i, 716. Schwab. 176. 
Bayer, i, 727. 

abfange" schelten Lützclstn. Dis is' 
e rechter Grobian ; der hat mich abgfang*", 
dass ich ni'^'^' me'*'' gewüsst han, wu ich 
anne will löje". 

anfange" [äfär^a Su. Winzenh. O. ; 
üfär[9 Breitenb. ; änfär|^o Str. Hf. Wörth 
Betschd. Lohr ; onfär^a K. Ingenh.] an- 
fangen, beginnen ; in Verbindung mit Adv. 
anfange""*. Jetz' fangt's o"fangc"^ ön zc 
lüte" jetzt fängt es endlich an zu läuten 
Dunzenh. Sin*^ i'^r bal'* fertig? grüssender 
Ztirtif an Arbeitende, zvorauf als Antwort 
erfolgt : Jo, kum ongfange" ! K. Bei fol- 
gendem Inf. häufig ohne zu : s fangt an 
rej"e", od. M'r wellen a. trinke" Hf. — 
Schweiz, i, 717. 

anfange"''(s) [ofäri^a Olti. Sier. Hi. 
Lutterb. M. ; äfäi^s M. ; afär^^a Heidw. 



FaNG 



FaNG 



FiMG 



S?(. OrscJiw. Horbg. Dil. ; afärj^ko NBreis. 
Bcbclnh. ; äfärj^o -R71/. ; änfärjo Sfr. ; än- 
fär|o ///. ; äfäij^s Orschw. ; önfärj^as, öfär^os 
7mä öfär^^o A'. Z. ; af^n ///.] Aäv. für 
den Anfang, vorerst, vorlätfig, zunächst, 
bereits, einstweilen, allmählich. Sind '^r 
sehn" verwaclit? — E' jo, e. uf! ^. D^r 
Kaiser has' e. emol gse^° ? Lutterb. 
Komms' a. endlich? allg. Das is' a. z" vil, 
wic-n-er s eirn macht das ist nachgerade 
Z7t toll, wie er einen behandelt Rjif. s 
wurd a. kalt es fängt bereits an kalt zu 
werden allg. A"fangs de" Monet zu An- 
fang dieses Monats Orschw. Der weiss 
o. gor nimmi, wi* er si*^^ trauje" (kleiden) 
soll K. Er het o. genue'^ hat es nun 
bald satt K. Z. Jetz' is' o. einer do ! 
ebd. Kanns' o. ge'^n, ich kumm glich noch 
nach ebd. Er is^ afen alt ///. 'Fr. Rosine: 
Er wurd schiin flyssi were. Fr. Dorothe: 
'S isch doch anfanges Zyt. Er isch acht 
Johr alt' Pfm. III i. 's isch, weiss Gott, 
Zyt anfange!' Hirtz Ged. 181. ''s isch 
jetz efange doch züe arg' Lustig I 59. 
MA. 3, 215. - Schweiz, i, 718. Schwab. 
176. 

Fang [Fär] Zinsw. Betschd.~\, nur im PI. 
Fang [Far|] m. i. Schläge, Prügel. F. 
kri^je". 2. Witze, Listen: der het Fang 
im Y^^o^i Zinsw. — vgl. Schweiz, i, 851. 
Bayer, i, 727. 

Anfang [Anaföri Mitzach; kS^v^ O.; 
Änfäri Str. Hf. Wörth Betschd. Buchsw. 
Lohr; Onfär]^ K. Ingenh.'\ m. Anfang. 
Vu" A. machs' s so ! Mitzach. Es het 
alles e-n-A., awer au'^'' wi^'der e'n End 
sagt man, tim einen Streit zu schlichten, 
der grösseren Umfang anzunehmen droht 
oder zti Kindern, wenn ihr Spiel anfängt 
attsztiarten U. Do is' d^r A. wi^ d^r Us- 
gang immer dieselbe Geschichte Hf. Aller 
A. is' schwer, numme der zuem Fresse' 
un<i Sufe" nit ebd. 

Wildfang [Wilpfai^ Attenschzv^ m. 
Wildfang; wilder Fruchtbaum, der djirch 
Umpflanzen und Ohiliercn veredelt wird. 
Im Wal'^ sin"! vi^ VVilpfäng. Wilder 
Obstbatim : 'wil man aber das der selb 
wildfang süss öpffel trag' Geiler 6". 71/. 62. 
ein jung mensch muss man ziehen wie 
ein wildfang; ein wildfang das in dem 
wald stodt, tregt sauer obs ; wen man sie 
iszt, so ziehen sie das maul zesammen' 
//. K. 89''. — Schweiz, i, 858. Bayer. 
2, 900. 



Dilldappe°fanger ;;/. recht dummer 
Mensch Felleri. 

G r o s c h e " f a n g e r m. Schimpf name für 
Polizist Bitschw. Rapp. ; Marktschreier, 
Schwindler Ruf. ; Oktroiempfänger Ob- 
hergh . 

Schlange" fanger m. langbeiniger 
Jude Lutterb. 

Fange"s, Fangerlis, Fange"disscls 
[Fär|^3s Co. Schcrw. Weiler b. Schlettst. ; 
Fär[^iks Bebclnh. ; Fär|^arlis Liebsd. Hi. 
Heidw. Mü. Lutterb. Hattst. Du.; Fär^or- 
lis und Fär[orli9s Co. ; Färj^arlys Dollern, 
Fär^alys Obbruck ; Fär|9rl3s für Mädchen 
Ingw., s. Nochlauferles ; Fä.r[^lis Hi. Su. 
Hlkr. Ritf. Obhergh. Bf. K.; Fär^lis 
Osenb.; Fär^otisgls Str. Z. ; Fäi|^lis9ls Wörth; 
Fär[^la Roppenh7\ ; abgek. [Lysi M7\ n. das 
Fangespiel der Kinder ; in Heidw. Co. Wörth 
Roppenh. in der Verbindung F. spiele", 
sonst allg. F. mache". Ln Obhergh. wird 
dabei folgcnderm. angezählt: s het e Gans 
ins Küwele (Kübelchen) gschisse". Wie 
vil Löcher het's gerisse"? Üter (Etiler) 
oder Speck, D'r Hans ge''t e"weg. 'Do 
henn si als im Hof ier Tryewes un ier 
Gspiels: Kinnee's . . . Fangedissels' Pfm. 
III I. Diss heisst merr Fangedissels' 
Kettner Mais. 66. 

Gotfanglis, dasselbe zvie Fange"s 
Djinzenh. 

Krupfanglis Fangspiel, wobei man 
sich durch Niederkauern (frz. Croupe) vor 
dem Gefangenwerden sichern kann Ob- 
hergh. 

f'Gefängknuss Carcer' GoL. 64. 

fängere" [far^org Sondern. Mülb7\ i. 
fechten, mit einem Stock od. auch mit der 
Hand in der Luft herum fahren. 2. um- 
herstreifen. Der is' schu" üwcral' ^^rum- 
''er gfängert Sondern. [Maem Lie;ft rumor 
f. MülbT^ 

Finger [Fer^or allg. yFoer^ril/.] PL ebenso, 
nur W. teilw. Fingere"; Demin. Fingeric; ;;/. 
Finger. Langi F. han stehlen allg. Rda. 
'durch die Finger lachen' Murner Schz. 
79. 'durch d F. luejc übersehen'' Ulrich. 
D^r letschte" (letzten) F. verbinde" Bitschw., 
sonst allg. d^r letze" F. verbinde" sich 
irren, im Irrtum sein, sich verrechnen. 
D F. verbrenne" in eittem Unternehmen 
Schaden erleiden; sich irrtümlich an 
fremdem Eigentum vergreifen ; beim Spiel 
voreilig den . Gewinn an sich ziehen, 
während er einem andern zukommt. V'^r- 



FiNG 



FiNG 



FiNK 



brenn d'r d F. nit! Dii. D F. dervon 
e"weg Ion sich von etw. fernhalten, nicht 
dara2tf einlassen Z. Er het si*^'' in F. 
bisse" vor Zorn Hi. D F. d^rno'^'^ schlecke" 
bis an d^r Elle"boje" begierig nach einem 
Genuss verlangen Du. Er t*'ät sich e'^nder 
e F. abbisse" ztir Bezeichming des Geizes 
allg. Er is' eso geduldig, ^ass ma" ''^ne 
könnt um d'^r F. wickele" Sn. We"" m^r 
dem de" kleine" F. gi'^t, will er glich d 
ganz Hand Barr. Alle" Fingers \zx\g jeden 
Augenblick, öfters; Syn. alle Gebot Ruf. 
Bf. Z. De'' F. lang im Loch ^''rum dräje" 
(im Hintrc" ume lire" Rtf.) sich lange be- 
sinnen, ehe man etwas ausführt O. F. 
wi*' e Hewamm lange, dünne und zarte 
F. Str. D F. uf hewe" müesse" einen 
Eid leisten müssen. Die Beschäftigung 
der einzelnen F. wird in einem allg. ver- 
breiteten Kinderreime scherzh. in folgender 
Weise dargestellt : Das is' d^r Dume", der 
schüttelt Pflume", der hebt si uf, der treit 
si heim, d^r klein seit alles daheim Bf., 
Var. \\x\^ der klein Scheissteif'l {od. Stum- 
pe", Stumpe"nick^l) seit alles dheim K. Z. 
D. i. d. D., De-^ fresst gern Pflume", De"" 
seit: wu no? De"" seit: in s Herre" Garte". 
De"" klei" Spitzbueb ge^t s ge*^" '^cm Herr 
Pfarrer sage" Hi. 2. penis : e stifer F. 
han Str. K. Z. Spiel mit den Fingern 
und der Hand und dabei gebräuchliche 
Sprüchlein s. Stöber Volks b. 41 — 48 und 
die entspr. Anm. S. 119. JB. VII 162 f. 

— Schweiz, i, 86r. Bayer, i, 731. 

L a n g f i n g e r ;;/. Dieb ; weniger gebräuch- 
lich als die Rda. langi Finger han Bf. 

Teüf^lsfinger m. Belemn it Obb r. ; 
Sjn. Teüfelsze*> Z. — Schweiz, i, 865. 

fingere", Fingeries spiele" stehlen 
Str. — Schweiz, i, 865. 

abfingere" eig. an den Fingern ab- 
zählen, nur in der Rda. Dis kanns' du 
dir am Arsch {od. Rucke") a., oft mit dem 
Zusatz ohne Klavier das versteht sich 
ganz von selbst Str. -- Schweiz, i, 865. 

fingerle" /. schnell mit den F. ar- 
beiten, die Finger schnell bewegen, mit 
den F. schnell und öfter betasten, z. B. 
beim Klavierspiel Katzent. Du. 2. mit 
den Mädchen unanständig spielen Olli. 

— Schweiz, i, 865. Bayp:r. i, 731. 
ab fingerle" Bed. von abfingere". Das 

ka""s' d'r am Hintere" a. ! Du. Hes' die 
Rechnung no'*^ nit abgfingerlct? an den 
F. ausgerechnet Bf. — Schweiz, i, 865. 



jFingerlin n. Fingerring: 'gülden 
spengelin, vingerlin und ander cleynötter' 
Str. 1482 Brucrer 243. 'und hiesz im 
ein guldin fingerlin an die handt stossen' 
Geiler P. II 52. 

Fingerling m. l. Ueberzug für einen 
kranken Finger, atis Tuch od. Leder B/ist ; 
Syn. Dümling. 2. das gelbe Hahnen- 
kämmchen, Hirschschwamm, Ziegenbart, 
ein essbaj'er Pilz Ingw. Obbr. Büst. Hut 
han ich F. mitgebrung, es ward grad ge^'^n 
für e Kochet Büst. Kirsche, i, 484. — 
Schweiz, i, 865. 

Fink I [Fer^k Du. Str. K. Z. Betschd.'] 
f. Fink, Fringilla. Gig^l, Gig'^l, ratze", 
Morm (morgen) komme" d Spatze", Üwer- 
morm d Finke", Alli . . . stinke" Neck- 
vers von Kindern gebraucht Dunzenh. E 
lustige'' F. ein munterer Btirsche. Du bis' 
e schöne'' F. ein sauberes Früchtchen Hi. 
— Schweiz, i, 867. 

Bluetfink /. (Dehli. m.) Blutfink, 
Gimpel, Pyrrhula rubricilla K. Z. 

Buechfinky. (Str. m.) Bitchfink: das 
Männchen hat einige rote Federn an Kopf 
ttnd Brtist Dil. 'Zuem Winter saat der 
Buechfink so : ,,Die Zit isch do ! die Zit 
isch do!"' Ad. Stöber JB. III 113. Der 
Blichfink singt: 'Zit, Zit, Zit! s isch dänne 
Lit ä wenighle z'früej !' Hlkr. Stöber 
Volksb. 278. — Schweiz, i, 868. 

Dis'elefink [Tcsalifer|k Heidolsh.] n. 
Distelfink. Syn. Dis'elzwis. 

Dreckfink m. l. Btichfink, Fringilla 
caelebs Horbg. 2. unsäuberliches Kind 
Rädersd. Hlkr. 

D ü 1 1 1 e f i n k ;«. kleiner, lustiger Mann, 
der sehr attsgelassen ist NBreis. 

Flachs fink [Fläksfei^k Molsh. m.; 
Fl6sfei|k Dunzenh. Ingenh. f7\ Flachsfink, 
Hänfiing, Fringilla cannabina od. linaria. 

Gel^fink m. (Dil. f.) Grünfink Ob- 
hergh., Goldammer, Emberiza citrinella 
Horbg., Gelbfink mit gelben Federn an 
der Unterseite Du. Syn. [Kuslämy. Dunzenh^ 
Der Gelbfink singt: 'Biäwelä, Biäwelä, di 
Kirseler sin nit di !' Hlkr. Stöber Volksb. 
278. — Schweiz, i, 867. 

(i r ü n f i n k , 'ClilorisCirünfinck, Kuttvogel' 
GoL. 313. 

Kirschfink m. l. Keru.hcisscr, Loxia 
coccothraustes. 2. Junge, der nach dem 
Genuss von Kirschen im ganzen (Jesicht 
beschmutzt ist : du dreckctcr K. ! Bisch. 
— Schweiz, i, 868. 



FiNK 



FuNK 



123 



FuNR 



FeNST 



K n o 1 1 ® " f i n k ?«. grober, tingeschliffener 
Mensch Str. 'Der K. soll mcr doch syn 
Debbedat dervor noch krieje' Pfm. III 2. 

— Schweiz, i, 868. 

Mistfink m. Mensch, der sich gerne 
im Kot herumtreibt, schmutzig gekleidete 
Person Obhergh. — Schweiz, i, 868. 

Schmi^^rfink m. schnmtziger Mensch, 
Sudler Obhergh. Syn. Schmi^rmich^l. — 
Schweiz, i, 868. 

Spitzfink m. listiger, schlauer Kerl 
Bisch. De" S. mache" den Lustigen 
spielen. 

spitz finkisch Adj. spitzfindig Str. 

Stockfink m. gemeiner Fink, Baum- 
fink Geberschw. 

Fink II [Fer^k f. Rädersd., m. Rop- 
penzzv. ; Fir^ka m. ///.] meist nur PI. 
Finke", daher auch Schwankung des Ge- 
schl. : wollener Hausschuh, alter Schuh. 

— Schweiz, i, 869. 

Funk [Füqkh M.; Für^k Bf7[ m. i. 
schlechter, verkommener Mensch, Schelm, 
Schlaukopf, Pfiffikus. Das is" e schlim- 
mer F. Bf. 'die Oberkeitcn soltcn solche 
Funckcn (ä la mode Narren) an dem 
Leben abstraffen' Mosch. II 154. 'Derr 
Ciisäng isch eFunk!' Stöber Daniel 2%. 
2. fAusfiticht, Spitzfindigkeit, List, Lüge. 
'Secht wie bald find er einen funckh' 
Rasser Hochzeit I. Teil, 2. Akt; ebd. 
5. Akt. 'Sagt her ohn allen funckh' ebd. 
I.Akt. — Nach Schweiz.:, 867 zusammen- 
zustellen mit Fink I ; i : u wie in Schinken 
und mda. Schunke", od. Fisch tmd lothr. 
Fiisch. Bcd. 2 wohl eher aus mhd. fimt 
Kunstgriff : 'nuwe fünde' tmerhörte Kniffe 
Chron. 783, 2. — Bayer, i, 726. 

f Ausflink /;/. Ausflucht List. 'Wie da? 
habt jr dann keinen trunckh Wie bald 
habt jr einen auszfunckh' Rasser Hoch- 
zeit L. Teil, I. Akt. 

Funke" [Für^ka Su. Hlkr. Dil. f/.] 
Demin. Funkele ;;/. I. Funken, Feuer- 
funken. Do is' ke'n F. Für mc*^"^ Ingenh. 
Funkele blose" ein Kunkelstttbenspiel Du. 
2. Bezeichnung für eine geringfügige 
Kleinigkeit: s is' kc'" F. wo''r dra" Hi. 
Hlkr. Ruf. Er het ke'" Funkele Verstand 
Hi. Su. — Schweiz, i, 869. Bayer. 

I. 732. 

f ü n k '^ 1 e " [fer[^kl3 Geberschw. Katzent. 
Mittl. U7\ I. Ftmken sprühen, s Ise" 
fünk'^lt beim Hämmern Dunzenh. 2. Ge- 
fühl von Ameisenlatifen, Finge schlaf en- 



scin bei gezvissen Krankheiten des Nerven- 
systems, beim Anstossen des Ellenbogen- 
nervs, ein Gefühl in den Fingern haben, 
das dem Sprühen der Funken zu ver- 
gleichen ist und besonders dann entsteht, 
wenn sie in kaltem Zustande plötzlich in 
die Nähe des heissen Ofens gebracht 
werden oder zvenn man lange mit Schnee- 
bällen geworfen hat. Di'^ Häng f. m'r 
Mittl. Mini Hand f. m'r. Ja, dis is' 
weje" {zveil) de jetzt in d warm Stub 
kumme" bis' Str. s funkelt m'r am Za^n 
beim Kauen, wenn die Zähne infolge des 
Genusses von sätierlichen Speisen oder 
Früchten stumpf geworden sind Betschd. 
j. votn vereinzeltest Fallen von Schnee- 
flöckchen. P^ gJaüb, s fünk'^lt! Geberschw. 
'So Meerkazgsichtre gunn i Schmedder . . . 
un wott, merr dät sie jesse dass ne d' 
Hut finkle dät' Fem. II 5. 'Hu, wie füenkle- 
n-eim d' Hand, wenn sie gepfeffert als 
sinn' wen7i man Stockschläge auf die 
Fingerspitzen bekommen hat Hirtz Ged. 
2JJ. vgl. auch Tape". ^. Irans, sieden, 
braten (rotwälsch) MoscH. II 632. 5. 
mit dem Feuer spielen Str. 

finsilig, fienselig [finsilik Roppenzzv.; 
fenslik Horbg. ; fensorjik Du. Rchzv. Bf.; 
fanslik Scherzv.; fiaensalik Fisl.; fiantsalik 
S?(. ; fianslik Ingersh. | Adj. fein, dünn. 
De"' Fade" is' eso f., m^r ka"" schier nit 
näje" mit Du. Rchw. Da"' 's' f. Tuech 
Roppenzzv. De"" het ganz fienselige Hör 
Fisl. F. Papier Roppenzw. So-n-e fin- 
serligs Gschrib is' nit z** lese" Rchw. 
Der Notari het f. gschriwe" Bf. E fiens- 
ligi Schrift Lngersh. Von mageren, dünn- 
stieligen Feldfrüchten: de"^ Klee is' eso 
f. Du. Finserligi Gerst ebd. -- Schweiz. 
I, 877. 

fins^le" [fenslo Horbg.; fiansla Sil; 
fionslo Hlkr.] I. sich mit feiner, nied- 
licher Arbeit beschäftigen. Ka""s' f., bis 
''" das Hemb"^ gnäjt hes' Horbg. *2. un- 
deutlich, dünn, fein, ohne Grundstriche 
schreiben Sti. J. fein regnen. Jctz' ficn- 
s*l"s scho" d^r ganz Tag /«'//^r. vS/«. rüsle", 
seiche" U. 

Fienselte [Fianslto Hlkr.] f. Regen, 
der mehr schadet als nützt, s is' doch 
nur F. ! 

Fenster [Fäistor Pfetterhsn. Roppenzw. 
auch Y -Vorschlag im oberen S.; Ff\st9r 
Liebsd.; Fänstor Friesen; Fanstor von 
Hi. bis Barr; Fäistor Geisp.; Fsenstr 



FeNST 



FiNST 



1 24 



FiNST 



K.; Fanstar Str. Z. Wörth Betschd. Han. 
Lohr; Faer|§t9r Weyersh.; Fai|8tar Reich- 
steti\ n. I. Fenster. Mach s F. uf, dass ^r 
(der schlechte Witz) use" ka"" Gebw., nus 
ka"" Ruf. Abergl. : Wer zum Fenster 
hina7issteigt, wächst nicht mehr Dtmzenh. 
Ingenh. 2. scherzh. für Auge. P^ schlo*?^ 
d'r ei"s uf's F. Roppenzw. Bloji F. han 
Du. Blöji Fensterle Str. Eim blöji F. 
schlauje" K. Z. Von den Brillengläsern: 
nimm di'^*^ in acht, suns' werfe" m'r d'r 
d F. i"! M. Er si^'^t vor Dreck nit ziie 
de" F. nus Bf. Fensterle nennen die 
Kinder die kleinen Quadrate auf dem 
Butterbrod, die dadtirch entstehen, dass 
man mit dem Messer eine Reihe von 
parallelen Linien zieht und darüber eine 
zweite solche Reihe, die jene rechtwinkelig 
schneidet Ingenh. F. in de" Hose" auf- 
gesetzte Flicken Stöber. F. mäch ! Z. 
oder F. mo ! Co. rufen die umherziehenden 
Italien. Glaser auf den Strassen. — 
Schweiz, i, 871. Bayer, i, 731. 

Dachfenster n. i. Dachfenster, Giebel- 
fenster Str. 2. scherzh. für Auge Rop- 
penzw. — Schweiz, i, 873. 

Katze" fenster n. Schindeln in Form 
eines Fensters zusammengelegt. — Schweiz. 

1, 872. 

Kirche "fenster n. i. Kirchenfenster. 

2. Bei dem Spiel Kirche"fensterlis wird 
ein K. auf die Erde gezeichnet, in roma- 
nischer Form, und durch Quer- und 
Längsstrichc in mehrere Felder (Scheiben) 
geteilt; flache Steine in die einzelnen 
Felder geworfen, werden hüpfend mit 
dem Fuss wieder hinausgestossen, wobei 
man nicht auf die Striche der Zeichnung 
treten darf Rupr. 

Vor fenster n. Doppelfenster Ingenh. 

Winter fenster n. Doppelfenster, Vor- 
fenster Furchhsn. 

durchfenstere" eine Zeichnung an 
der Fensterscheibe durchzeichnen. Du hes' 
durchgfenstert, suns' war s nit so exakt ! 
Ulk. 

finster [fejstor Liebsd. ; feistar Fisl. 
Pfcttcrhsn.; feistor Roppenzw.; facistor M.; 
finstjr Sier. Dollern; finstyr Gimbr. Mit- 
telhsn.; fenstar ///. Su. bis Barr U. W.; 
faenätar Bisch.; fcistar Geisp.; fcnstar K\ 
Adj. und Adv. finster, dunkel, s is' f. 
wie in ere Chue Kuh Fisl. F. wie im e 
Sack von Sier. ab allg. Mir sin^ schun 
in d^'r Matt gstang®" (zum Mähen)., wxv^ 



es is' noch f. gewe^^n wi^ im e Sack 
Büst. s is' so f., m^r könnt eim in e'n 
Au? reiche" K. Z. Was machs^ for e 
finstri Fratz ? Co. Der hiejt f. in's Wetter, 
m^r meint, es sin*^ '•'m alli Lüt Geld 
schuldi" Ingenh. F. löje" wi^ e Morder 
(Marder) Dunzenh. D^r Himmel (od. s) 
macht si"^'" f. dohinte" Betschd. Scherzh. D^r 
Grete Loch macht si'^^ f. der Himmel be- 
wölkt sich Z. Die fei"stere" Nacht die 
Nächte vor Neumond M. Die in diesen 
Nächten geborenen Haustiere dürfen nach 
dem Glatiben tuancher Thalbewohner nicht 
aufgezogeu werden , da sie nicht ge- 
deihen. — Schweiz, i, 873. Bayer, i, 

732. 

kride finster [^ritofqstar Roppenzw \ 
Adj. stockfinster. 

lochfinster Adj. stockfinster Roppenzw. 

Sterne" finster Adj. stockfinster, keine 
Sterne am Himmel Roppenzw. 

stockfinster Adj. sehr finster Su. 
K. Z. 

Finsteri [Feistari Fisl.; Feistori Rop- 
penzw.; Finstari Sier. Banzenh ; Finstara 
Hi. Pfast. Hältst. Dü.'\ (Im U. wird in 
der Regel das Adj. zum sächl. Subst. 
erhoben : s Finstere) f. Finsternis, Dunkel- 
heit: de cha""s' nit use" bi der F. 
Fisl. Gang doch nit fürt in d^r F. ! 
Banzenh. Nimm doch e Liecht, was 
tapps' denn a's im Finstere ^«rum? Z. 
'in der Finstere vor Tag' Mosch. II 624. 
'Finstere der hellen Orcus' Dasyp. — 
Schweiz, i, 873. Bayer, i, 732. 

finsterlecht [f instarla^t Obhergh. ; 
fenstarlä;j;'t Scherw. ; ft^nstarläj^t Pßdgriesh.^ 
Adj. etzvas finster, düster, dämmerig : s 
is' f. gsi", wo s (das Mädchen) heim 
kumme" is' Obhergh. — Schweiz, i, 874. 

finsterlinge", finsterlings [fenstar- 
lei], S7C.; fmstarliri Geberschw.; fgeistarlocr^ 
M.; fenstarlens Du. Str. Ilf.; finstarli 
Brum. Mittelhsn. Gimbr. ; fenstarli Ingenh. 
AEckend.; fenstarli K.; finstarlir^a Lobs.; 
fenstarlen Wh^ Adv. im Dunkeln. De 
bruchs' ke'" Liecht für in de" Keller, de 
finds^ s Fass f. Gebcrschzv. Zünd m'r e 
wenig, i*^'' find mini Hülschuo [Helsya -^ 
Holzschuhe\ nit f. Du. Nacht is^ *r wi*'- 
dcr spot heim kumme", i'e''no'='^ is' "r 
heimli'^^ d Stej nuf gschlichc un*^ f. ]in's 
Bett Ilf. Er het si<^^ f. usgczöje" ausge- 
zogen, entkleidet Brum. Züng s Liecht 
ön, "^ass d^r Jerri si^^t zuem Esse"! — 



FiNST 



FoP 



— 125 — 



FoP — FaR 



VVeje" mir nit, ich fing s Miil f. Ingenh. 
'On ein liecht gestu finsterlingcn hin und 
weist nit wohin' Geiler Bilger. 161''. 
Chron. 755, 16. 'fand das maul finster- 
ling' Fisch. Garg. 200. 'Dass si demm 
Reinhold syni Tracht Schläj dert finster- 
lings anmesse" Pfm. III 7. - Schweiz. 
I, 874. Schwab. 192. Bayer, r, 732. 

Finsternuss f. Finsternis, Dimkelheit 
Obhergh. — Schweiz, i, 874. 

Fantast [Fäntäst Hi. Steinb7\ in. i. 
störrischer Mensch Hi. 2. Schmeichler, 
Heuchler. I" dem F. is' nit z« troüe" 
Steinb. etlich sagen er {Christus) hab 
einen fantasten körper' Scheinkörper Gei- 
ler LK. 59''. — Schweiz, i, 874. 

fantastig [fäntastik Liebsd. Fisl. Hi. 
Du.; fäntastik Obsidzb.~\ Adj. eigensinnig, 
verzärtelt., störrisch; Sinmlant, verstellt. 
Das is' e fantastiger Bueb eigensinnig 
Liebsd. E f. Ching verzärtelt Fisl. 
V^ glaub nit, '^ass ®r krank is', ^r is' 
numme f. er verstellt sich nur (um aus 
der Schule bleiben zu dürfen) Obsulzb. 
Pferde, denen man nicht trauen darf, 
die leicht scheu werden, hinten ajisschlagcn, 
beissen od. sonstige derartige Eigen- 
schaften haben , nennt man auch f. 
Auch als Schelte gebraucht: das is' e 
fantastige"^ Keib Du. — Schweiz. 1,875. 

fantastisch Adj. munter, histig, fröh- 
lich: das is' e fantastische'' Bue'' Steinb. 
— Schweiz, i, 875. 

fienzle" [fiantsla Katzent^ schnell da- 
vonlaiLfen, sich ajis dem Staube machen: 
wo d«r Bangert {Flurschiltz) kumme*^ is', 
gjnd jjjij. gfienz^lt. — ztt, fins^le*^? 

na<=^fienz]e" [nöfiantsla Katzent?^ 
nacheilen, nachlaufen. D^r Bangert is' üs 
no^'^gfienzelt. 

fuenze" [fyüntsa 71/.] knickerig sein. 

foppe", Demin. föpp(e)le" [föpo 
Roppenzw. Hi. Lutterb. Banzenh. Bghz. 
Sil. NBreis. Co. Str.; f^pala Hi.; faepla 
Su. ; f^pl9 Roppenzw. Geberschw. Du. 
Kapp. Bf.~\ auslachen, verhöhnen, necken, 
sticheln, spötteln. Er foppt eim d ganz 
Zit Su. Er het allewil z" föpple" un'' z" 
Stupfe"; er het ke'"'' Ruej, bis er emol d 
Gösch verhaue" bikummtZ*«. vS/^. hänsle", 
in d®r Klums ha" Rapp. Für das derbere 
Necken gelten als synon. Begriffe ufzie'^e", 
uslache", für d^r Narre" halte", am Narren- 
Seil ''crumfüe^re" Rapp. 'un duesch oft 



d' Mannslyt föpple, die drinne, ze viel 
schöpple' Pick Buch. 26. — Schweiz, i, 
878. Bayer, i, 736. 

F o p p i w. der andere gern auslacht, neckt 
Roppenzw. Föppler m. dass. Logelnh. 

G-^fahr [Kför allgT^ f: Gefahr. Wer d 
Gf. liebt, kummt drin um Osenb. We"" 
m®r uf '^®m Wasser is', is' m^r allewil in 
d®r Gf. für z® versufe" Du. Gefahr des 
Irrtums, des Nichteintreffeits , in der 
Formel: s het kein Gf. ! {s. gfä^'rlich) allg., 
neben s is' ke'" Gf. Sit., od. ellipt. ke'" 
Gf. Du., überall mit der Bed. 'ihr könnt 
euch drauf verlassen, das ist nicht zu 
bezweifeln. Mei"s' '^■', ge^'t «r? — s is' 
ke'" Gf.! Su. Di" Bue'' het m'r e par 
Ziegel vom Dach ^era^ gworfe" ; s gät 
villicht nix schade", wenn de ne e wenig 
abschmi'^re" gäts'. Antw. : Ke'"^ Gf., ®r 
fasst si*^, wenn ®r heim kummt ! Du. Hut 
kommt d^r Inne^'mer; awer s het ke'"® 
Gf., s Geld is' gerüst®^ Barr. 'S het ken 
Gfohr dass merr by euch schnarrmuult' 
Pfm. I 6. 'For zell het 's noch ken 
Gfohr, dass d' Liss so Faxe macht' ebd. 
IV 3. — • Schweiz. 1,878; z;^/. Schwab. 
178. Bayer, i, 740. 

ung^fa'^r, ung^fä^r [ür|^kf6r Liebsd. 
Heidw. Su. Rtif. Geberschzo. Logelnh.; ür^far 
HL; üij^kför tind ür|^kfär Du. Bf.; üij^kfär 
Sil.; ökfär Geisp.; ür^kfser Str.; ürj^kfär 
Pfulgriesh. Dunzenh. Z. Betschd. Wörth 
Han.^ Adv. i. ungefähr, nahezu, an- 
nähernd, etwa: er is' u. zeh" Jo^'r alt 
Liebsd. Dert u. (dort herum) lejt's 
Geberschw. Bisweilen verstärkt durch so: 
ich hob's so u. gewüsst Dunzenh. 'Das 
kunt nit vo Ungfär Das kunt vo allerlei 
här' Mü. Mat. 43. 2. etwa, vielleicht, 
zufällig: wann d" u. wieder zuem N. 
kumms' , sau^s' {sagst) '''m e schöner 
Gruess Hf We"" d" ''»ne u. sö"tes' a"- 
trefife", se . . . Su.; obenhin, überhaupt, in 
Bausch und Bogen. M'r we"®n nit lang 
messe", m'r ne^me" s u. Dil. — Schweiz. 
I, 880. 

g«fär [kfär allg.; kfaer Str7\ präd. Adj. 
I. feindlich gesinnt, drohend: er is' m'r 
gf. sucht mir Schaden zuzufügen Banzenh. 
Du. D Hund sin^ in de" Katze", 
d Ratze" in de" Vöjle" gf. Hf. 2. 
versessen, erpicht auf etw., Liebhaber von 
etw. Er is' im Schnaps gf. Banzenh. Hf. 
Im Kaffee is' ®r nit gf., awer in d'^r Äpf^l 



FaR 



126 



FaR 



Horbg. D Spatze" un^ d Wesple" sin^ 
de" Trüwel" {Tratiben) gf. Bf. Ich bi" im 
Surkrut nit gf. Kerzf. 'warumb ist der 
teufel . . . geistlichen Menschen also gefer' 
Geiler J. Seh. a V''. 'Katzen ... die 
gar geferd vnd aufsetzig sind dem . . fleisch' 
Geiler J. Seh. aVb. 'das die Kriegs- 
knecht den Klöstern so gefähr seind' Fisch. 
Garg. 403. 'das eine {Magd) dem Wein 
gefähr ist que l'une est subjecte au vin' 
Martin Pari. N. 81. — Schweiz, i, 
881. Schwab. 178. Bayer, i, 741. 
Hess. 98. 

g ^ f ä "^ r 1 i c h [kferlik Lieb sei. ; kfdrlik Pnf. 
Du.; kfärli M. Geisp. K. Z. Betsehd.; kfaerli;^ 
Str. Buehsw\ Adj. und Adv. i. gefähr- 
lich, gefahrbringend, mit Gefahr ver- 
bunden. In dem Wal' is^ 's gf. Liebsd. 
Er het sich vum Awegheie" we'' -^to", awer 
s is' nit gf. Ruf. E gfä^'rlige'' Wej, Mann; 
e gfä^'rligi Sach, e gf. Wasser Dil. Im 
U. latiten die flekt. Formen: gfä'^rlicher, 
-chi, -s. E gfä^'rlicher Kerl Geisp. Gfä'^r- 
lich krank sin Str. 2. mit Verneinung 
iron. nicht schlimm, nicht arg, nicht viel 
an der Sache. Je"^r (dein Schatz) het di'-^ 
nacht au'-** wi'^der heim gfüe^Tt ! worauf das 
Mädchen erwidert: Jo, s is' nit so gf. ! 
— M*r welle» 's hoffe", '^ass «« nit gf. is' 
mit Anlehnung an Bed. i. Z. Du hes' 
z" vil Geld usgewe" ! — s is' nit so gf. ! 
Ruf. — Schweiz, i, 882. 

schnaüzerg® fä^'rlig Adj. eig. dem 
Schnurrbart gefährlich: es is' verdammt 
sehn, es ist thatsächlich sehr gefährlich, 
man könnte leicht in das Gefängnis kommen 
{wo einem der Schnurrbart abgeschnitten 
wird) Obhergh. 

fa^^re" [fära allg. bis auf K. tmd den 
südl. Teil des Han., wo föra, so auch in 
Weyersh\, Präs. Ind. ohne Umlatit: fa'^rs', 
fo'Ts'; fa^rt, fo*>rt; Part, gfa^re", gfo^'re". 
/. fahren, sich von einem Ort zum an- 
dern begeben, ohne Fahrzeug. Is' d^r Hirt 
schun nusgfo''re"? Ingenh. Jetz' fahrt m®r 
bal'* wieder uf d Weid Z. Von Bienen: 
aus- tmd einßiegen M. s fa'^rt alles 
herum, wie wenn's in nieme"^ ghöre" gät 
Du. Der is' do rum gfa*'re" wi" e Pfund 
Lumpe" bei einer Prügelei Str. In e'n 
Eck f. in eine Ecke taumeln, nach einer 
Ohrfeige Hf. Was is' d'r jetz' wieder 
in's Hirn gfa''re"? ebd. Eim mit de" 
Finger" in s Auj® f. ebd. F. lo" gehen 
lassen, vernachlässigen, nicht mehr be- 



rücksichtigen Geberschw., abspeisen Str. 
Eine" (Wind) f. Ion Str. Syn. schnerre". 
In Verbindung mit lo''*^(n) : aufgeben, in 
den Wind schlagen ; nachlassen : 'die bes- 
serung (Strafe) nit faren lossen' Str. 1459 
Brucker 230. Guet, schlecht mit eppis 
f. Glück, Unglück haben mit etwas Ili. 
Beitn Mühlenspiel : die Steine ziehen M. 
2. fahren mit einem Fahrzeug od. Gerät. 
Wanne f. d Bure-n-am liebste"? Wann s'e 
stecke" bli'"'n ! jüd. Avolsh. Um^^ke^rt is' 
o"'-'*' gf., awer ni' grad (strack K. Z.) fürt, 
aitch übtr. bei Abwehr einer falschen Be- 
hajcptzmg Sit. Du bis' krumm {od. letz) 
gf., auch übtr. du hast dich geirrt Gebw. 
s is' besser schlecht gf. a's guet {od. hof- 
ßirtis) gange" allg. F. wi^ e Spitzbue'' 
Hf., oder f. wi® e Söutriwer Schweine- 
händler = sehr schnell fahren, namentl. 
von gewerbsmässigen Fuhrleuten Dunzenh. 
Schmiers' guet, fa^'rs' guet M., od. Wer 
guet schmi<^rt, fo^rt guet Z. 'Wa man 
schmirt, da fort man gern' Murner >S<://2. 
63. Speziell: tnit dem Pflug im Acker f., 
pflügen, wofür auch z" Acker f. gesagt 
wird. Hes' tscho" ferig gf. ? Fisl. P*" 
gang ge^" z" Acker f. Su. P^ ha" de" 
Dunderschlaj (Name eines Geländes) gf. 
Bf. Zwische" Himmel un'^ Erde durch f. 
so pflügen, dass das Pfljigeisen tmd das 
Sech kaum den Erdboden berühren Bf. 
Gruss : welPn '^r in's Zackerfo^re" ? Han 
'^^r z" Acker gfo''re"? K. Z. 'Ne Birle 
hat flissig z'acker g' fahre' Lustig I 394. 
Den Acker use'nand""" f. die Furchen nach 
links stürzen Betsehd. — jist rum f. {od. 
ere") K. Z. De" Acker zamme f. die 
Furchen nach rechts sti'wzen Betsehd. = 
hott rum f. {od. ere") K. Z. Das Stick 
is' so bis (böse) se f., dass nimand dran 
will Dehli. z" Mark" fa^'re" Su. — Schweiz. 
I, 891. Bayer, i, 736. 

abfa^'re" /. intr. mit'' sein : fortfahren, 
wegfahren, sich auf den Weg machen. 
D®r Zug is' grad ewe-n-abgfa''re" Str. 
Fa^'r ab! od. auch Mach, dass d abfa^'rs'! 
scher dich Sti. Do bis' nit vil o''gf. in- 
dem du den kürzeren Weg eingeschlagen 
hast Ingenh. 2. Irans, mit "^ haben : einen 
Acker fertig pflügen Du., s. usfa^'re". — 
Schweiz, i, 892. 

*"nabfa*'re" hinunterfahren: der is' 
do no''gfo''re" wi« d«r Teiif«l Z. 

anfa^'re" anfahren, heftig, barsch an- 
reden. De' Grobian hat mi*^'' a"gfa''re" 



PaR 



127 — 



FaR 



Bitschzv. De"" Metzjer is' e rechter Schlif- 
f-1, er fa'^rt d Lüt a" wie «'ne"" Türk Bf. 
— Schweiz, i, 894. 

durchfa''re" sich fahrend hindtirch- 
bczvegcn, djirch (das Dorf) f., vorbei f. 
Do ka"" kc'n Heüwaje" d., s T'^or is' ze 
eng Bf. 2. sich heftig hindurchbewegen, 
durchschlagen, von einer Kugel, dem Blitz 
u. s. w. Se'^n '"^r, do is' d^r Blitz durch gf. 
Str. — Schweiz, i, 901. 

erfahre" /. in Erfahrung bringen, 
dtirch Hörensagen erfahren allg. 2. durch 
eigenen Versuch kennen lernen. P*" hab 
erfa^^re", was s is"^, Kinder iifzie*^" Bf. — 
Schweiz, i, 895. 

erfa'^re" Adj. erfahren, weltkundig. 
Er is' e. hat schon vieles durcJigemacht 
Su. ^'ne"" Erfahrene'' is' üwer e Gle^rte"* 
Sü. od. D®r Erfa^'re"® is' me'*' wert a's 
d«r Gle^'rt Ruf. — Schweiz, i, 896. 

E r f a '' r e " h e i t [3rfärahait Steinb. Hlkr. ; 
3rfär9hacit Ndhsn7\ f. Erfahrung. — 
Schweiz, i, 897. 

für»>i"fa*'re" = vorfahre" i K. Z. 
Betschd. 

i " f a •• r c " du rch allzu heftiges Anfahren 
einstossen : s Schürt''or i. Bf. — Schweiz. 
I, 895. 

^'ninfa'^re" [nifäro Bf.; ni'nfara Ar. 
Betschd. ; neri^förg A'. Z.j schnell und 
heftig, auch zahlreich irgendwo hinein- 
fahren, fallen, fliegen: do sin'' awer d 
Kanone"kojle" i° d Stadt ni°gf. wie d 
Schneeflocke" Bf. ''S isch nmer in ali 
Glidder nyn gfahre' Pfm. II 3. 

losfa'^re" abspringen, z. B. Stücke von 
einem Stein, aicf den man hämmert ; auch 
von andern Gegenständen, die plötzlich, 
oft unerwartet schnell vor einer bedeuten- 
den Kraft weichen Du. Hf. Ingenh. 

nachfa''re" [nöfäro Sii. Hlkr. Katzent. 
Dil.; nü;^för9 K. Ingenh.; nö^^färg Str. 
Betschd^ i. nachfahren, hinterherfahren, 
einem vorauf aJwenden Wagen folgen. A's 
nochgfo''re"! K. Ingenh. 2. beim Lesen 
das ungeübte Aitge durch Nachfahren mit 
dem Finger unterstützen ; beim Schreiben, 
Zeichnen die auf dem Papier befijidlichen 
oder dtirch dasselbe sichtbaren dünnen 
Striche mit Feder od. Bleistift nachziehen 
Du. Dtmzenh. Ingenh. — Schweiz, i, 
900. 

übcrfa''re" [iwarfära Lützelstn. Bet- 
schd. ; ewarföra K. Z. ; ewarfära Str. JVört/i] 
I. überfahren, über etw. hinwegfahren, 



wie nhd. ; s. auch verfa^'re". 2. bildl. 
flüchtig über etw. hinwegeilen. Geschriebenes 
schnell durchlesen. Wü kanns' du jetz' 
wisse", was do d'^inne" ste'^t, du hes^'s jo 
numme ü.? Ingenh. J. einen heftig an- 
fahreit. Dis is' awer e grower Mensch, 
der soll mich üwcrfa''rc" han Lützelstn. 
— Schweiz, i, 893. 

ulTa''re" l. aufprallen, von eijtcm ge- 
worfenen Stein oder einer abgeschossenen 
Kugel allg. 2. aufbrausen allg. 'Wie 
were die uffahre, wenn i 's nc stek un saa 
was diss e Gaudieb isch' Pfm. III 8. 

'^ e r u m f a "^ r e " /. U7Jiherfahre7t (jind etw. 
kaufen od. feilbieten). Er is' mit eme 
Waje" voll Quetsche" im Dorf e. Du. 2. 
sich herumtreiben. Wü fa'^rs' denn e.? Hf. 
Der is' schon in alle" liederliche" Hüser" 
^erumgfa''re" Str. J. von Sachen, un- 
ordentlich durcheinander liegen. Do fo'^rt 
alles rum, wü wenn's ke'n*^" Wert hätt 
Dunzenh. yf.. pflügen. Der Kleeacker is' 
nix me*^', "x muess •'erumgfa^re" si" Du. 
Ellipt. ohne f. Hes"s bal*^ rum? Gruss 
an einen, der ein Feldstück bald zu Ende 
gepflügt hat Ingenh. 5. bildl. vorschweben, 
von Gedanken : s fo'^rt m'r fiir '^^m Mul 
rum ! sagt einer, der nahe daran ist, sich 
wieder atif etw. zu besinnen. Mach's uf, 
herjiQch fohft's vcrlicht '"ning ! erwidert ihm 
dann ein anderer Dunzenh. 

u m m e f a •* r e " ////V denselben Bedeutungen 
wie ''erumf. Olli. Steinbr. Su. Er fa''rt i" 
d®r ganz Welt umme Su. s fa'^rt alles 
umme ebd. In zwo Stung®" muess i"^'' de" 
Acker ummegfa''re" ha" Liebsd. s fa^'rt 
m'r im Mul umme {s. ''erumf. 5) Steinbr., 
mit dem Zttsatz aber i"^*^ bring's nit use" 
Olti. 

ume'nanderfa'^re" herumfahren, sich 
bald hier bald dort aufhalten Sti. 

underfa''re" [üntrafära Sti.; er^arföra 
Ingenh. Dunze7ih7\ unterpflügen, bes. Kar- 
toffeln, statt dieselben unterzuhacken. 

usfa^re" Part. usgfa''rt Obbr. i. die 
Herde zum Dorf hinaustreiben auf die 
Weide Hi Obbr. Su. Mittl. M. ; das Vieh 
hüten Obbr. Ich ha" usgfa'^rt Obbr. 2. 
die letzte Furche am Acker pflügen Hi. K. 
Z. J. etwas durch heftiges Anstossen mit 
dem Pflug aus der Erde reissen, z. B. 
Rtmkelrüben, den Markstein ; die Körner 
der Halmfrüchte durch Ueberfahren mit 
dem Wagen atisraufen Ingenh. — Schweiz. 
I, 897- 



FaR 



FaR — FeR 



Usfa'^rens n. HatttausscJilag. D'*=''es 
Kind hat so U. im Gsicht Wh. 

usfa^rig [ysfaare^ WJi7\ Adj. mit Hatit- 
ausschlag bedeckt, Sjni. [khürste;/]. 

'^'nusfa''rc" /. hinmisfahrcn, namentl. 
ins Feld, oft ellipt. in der Griissformel : 
WelFn ''^r au=^ nus? K. Z. Mit der Herde 
ins Feld od. aiif die Weide f. Is' d'r 
Hirt schun misgfa''re"? Hf. 2. üwcr eine" 
n. einen anbrüllen : er is' üwer mi'^'' nus- 
gfa'^re" wie e'" böser Hund Bf. 

usefa'^re" hinausßiegen, hinausstürzen 
Steinb. Sn. Gib '*^m e paar Tritt, *^ass er 
zue d*r T'^ür usefa^'rt Sn. — Schweiz, i , 
898 ushin f. 

verfa'^re" /. überfahren, dnrch Ueb er- 
fahren vernichten, Jims Leben bringen Su. 
Bf. Hf. Si« hän e'" Kind v. Su. Miner 
Hund is' vom Ise^ba^'n v. wor'^e", wäh- 
rend bei üwerfa^ire" der Betreffende keinen 
Schaden genommen zu habest braticht Hf. 
2. zerplatzen, zerfallen, in Stücke aus- 
einanderplatzen allg. Y^ verfa'^r vor Wuet 
Pfetterhsn. Im Zorn: P^ wirf de" StueM 
in e Eck, '^ass ®r verfa*»rt Dil. Er is' 
jjgljendg ß^jg gfohre", ich ho'' gemeint, er 
verfo^rt Mundolsh. Er het e Glas uf de"» 
Böde" gheit, ''ass s ze tausig Stücker" ver- 
fa^'ren is' Hf. — Schweiz, i, 898. 

vorfahre" /. von Strecke zu Strecke 
vorfahren, weiterfahren, beim Aufladen 
der Garben, die auf Haufen zusammen- 
gesetzt sind, und beim Abladen von Mist 
auf dem Acker Bf. ; s. für''i"fa''re". 2. vor 
einen andern fahren : wenn d Bure" ge- 
trunke" un"^ d Ross gfresse" hän, f. si® ein- 
ander vor Bf. — Schweiz, i, 899. 

e^wegfa^'re" /. intr. wegfahren, auf 
die Seite fahren. 2. trans. vott des Nach- 
bars Acker eine oder mehrere Furchen zti 
dem seinigen pflügen Du. K. Z. Er het 
m'r allewej zwo Furiche" eweggfo^'re" 
Reitw. 

z"*amme"fa''re" intr. i. heftig er- 
schrecken. Ich bi" ganz zammegfa''re", wo- 
n-i"=*' ghört ha*'«, ^ass s bi uns brennt Co. 
Ich bin verschrocke", dass i'^'' ganz zam- 
megfa^Te" bin Hf. 2. zusammenstürzen, \ 
niederfallen infolge von Unwohlsein od. \ 
einem Schlage Su. J. mit Wagen anein- 
ander fahren, aneinander rennen im Lauf: 
s sin zwei Ise"bä''n zämmegfa*'re° Co. tr. 
J. mit einem Wagen während der Fahrt 
umstossen, umrennen: er het de" Stecke"- 
hufe" zämmegfa''re" Katzent. E Pfoste" z. 



Du. ^. im Ackerbaji: wenn man den 
Acker in der Mitte zu pflügen anfängt, 
so dass die mittleren zwei Fttrchen auf- 
e inander fallen jmd die übrigen sich dann 
daranlehnen, rechts herum pflügen, Syn. 
e Stück hottrum f. K. Z. 

z u e f a '^ r e " zti Ende pflügen, den Acker 
fertig pflügen. Hes' scho" zuegfa'^re"? 
Hlkr. — Schweiz, i, 901. 

Infa''r [Ifär Liebsd.~\ m. Thorweg, 
djirch den man mit dem Wagen in den 
Batiernhof fährt, s. Infuer. 

f E r f a '^ r n u s s f. Erfahnmg, Kenntnis. 
'erfarnusen vnd Wissenschaften' Fisch. Ehez. 
277, 29. 

G^fai'r, G«fahr«"s[Kfär;j/. Geberschw., 
lieben Päras ; Kfars Du. Bf. Str. Betschd. 
Buchsw. ; Kfär Dil. Ndhsn. ; Kförs A'. 
Ingenh7\ n. Hin- und Herfahren. Do is' 
e Gf. un'^ e Gf. i" de" Stadt«" mit dene" 
Kutsche", Omnibusse", Sidadinle, Tramwäj, 
dass m^r glatt o^"mächtig wurd Bf. 

7 Nachfahr ;;/. Nachfolger ; vgl. Vor- 
fahr. Antoninus der Milte oder dessen 
nachfahr der Weyse Petri Mü. Gesch. 18. 
— Bayer, i, 738. 

fLandfa^'rer m. Reisender Geiler 
P. I, 3. 

ver- [far- fast allg. ; fir- Mü'.\ Vorsilbe 
I. =. nhd. ver. 2. vor franz. Lehn- 
wörtern : verruinicre", verranschiere", sich 
verexküsiere", sich veramüsiere", verscham- 
meriere". j. zer- (welches im E. fehlt) : 
verbreche", verhaue", verrisse", verspringe", 
vertrette", verkrümmle". ^. er- : vernidere", 
verwache", verwurge", verzä'^le", sich ver- 
kälte", versticke", sich verzürne", verwit- 
sche" , vermüede" , vertrage" , verstümt. 
5. miss-: vergunne" od. vergönne". 6. 
aus- : verbrüe'le". 7. ent- : verstellt. 8. 
be- : vergrawe". 8. verstärkend vor an- 
deren Vorsilben : verg^hebt, ver®"tleid®t, 
verg^wülkt, verg°schweige", verg ringere". 
g. in Neubildungen von Adj. und Partiz. 
zur Bezeichnung einer Geivohnheit, Tüch- 
tigkeit, Leistungsfähigkeit [vgl. nhd. ver- 
liebt) : versto'ile", verschleckt, verschafft, 
verfö''cht, versöffe". 10. statt der hd. 
einfachen Form: verrote", verwende", ver- 
wecke", versiede" Als. 1852, 83. 

Gferraj [Kfacraj Mutzig] n. altes zer- 
rüttetes Werkzeug od. auch Haus. — ■ 
frz. ferraille altes Eisen, Abfalleisen, 
Brucheisen. 



FeR 



— 129 — 



FeR 



FieR 



Ferel [Fterl Sfr. ; Färlo J/.] n. Ferkel; 
ist ausser in M. nur erhalten als erster 
Bestandteil in der Zss. Ferelmärk' {s. d.) 
sozvie in den beiden unten folgenden Zss. 
Sjm. Heizöl, Hutzel. s. a2ich Ferkel, 
'oiich dchein verlin oder desglich essende 
spise' Str. 1^82 Brucker 212. 'solliche 
verlier oder svvine' Str. 143^ ders. 93. 
'ferlin' Geiler J. Seh. A II''. 'ein 
inor macht ferlin' Bros. 28. 'ein siiw 
mit X ianger ferlin' Murner Ulensp. Hist. 
18. 'Ferlin Porcellus' Dasyp, 'das Fär- 
lin' Fisch. Bin. 226. 'Porcellus Troianus 
ein gebraten färlein, mit vöglen gefüllet' 
GoL. 370. Die Schweine der Antonitis- 
briider durften frei herum laufen : 'Item 
ist nit not, das man hnnd, fliegen, vn 
tenger ferlin aufif die hochzeit lad, sie 
klimmet on das' Geiler y. Seh. D P. 
— Schweiz, i, 921. Bayer, i, 742. 

Kornferle, -ferel [Khörnfärla £fi- 
sish. bis Horhg.; -iärl Bebelnh. bis Geud. ; 
-fgerl Str.; -ferl Ingw.; -fänl Brum.; -fätl 
Hf?^ n. Hamster, Cricetus frumentarius; 
wird im Frühjahr von der Sc/mlßcgend 
als schädliches Tier gejagt , und neuer- 
dings werden auch Prämien zur Ver- 
tilgung desselben ausgesetzt. Wahrschein- 
lich wegen seiner rüssclartigen Schnauze 
tmd der Eigenschaft des Wiihlens 'Ferker 
genanjtt. Von einem bissigen Menschen: 
der schnuzt [snytst] wie e K. Bisch. 
Item auch die K.ornfährlen und Maulwerfifer' 
Str. 1625 JB. VII 115. 'Kornferkcl' 
Friese Nat. 23. — Schweiz, i, 921. 

Spanferel, -ferkel [Spänfarl Bf.; 
'Spänfaerkl Liitzelstn^ n. Spanfej'kel, Saug- 
schweinchen Bf. ; ein kleines mit Kar- 
tojfeln und Zwiebeln gefülltes Schweinchen 
im Alter von j — 4 Wochen; es wird auf 
ein Bratblech gelegt und im Backofen 
schön gelb gebraten Lützclstn. Syn. 
Spa"fes]e Henfli. — Schweiz, i , 921. 

ferle" [färlo Obhergh. bis Barr^ fer- 
keln, junge Schzveine werfen : d Soü het 
drei Jungi gfer^lt Obhergh. I" zwei 
Woche" fer'^lt unseri Mo"r Barr. — 
Schweiz, i, 921. 

ferig [faerek Olti.; ferik Oblarg bis 
Schäjfersh^ daneben ist die Form fertig 
aber auch belegt für Su. Gebw. Ruf. 
Du. Bf., jedoch nur in vereinzelten Wen- 
dmigen und in Bf. auch nur von jüngeren 
Leuten gcbraticht ; erst von Barr ab ist 
fertig allein vorhanden: fertig, zu Ende 

Wb. d. eis. Miind.Trten. 



mit der Arbeit. Bis' bol*^ f. mit Schwätze"'? 
Mü. Mit f. ! fertig damit, ich zvill nichts 
weiter davon hören Hi. Befindet sich 
jem. an einer Arbeit, die er noch lange 
nicht fertig hat, so grüsst man im Vor- 
beigehen scherzh.: W sin'^ bol^ f.? worauf 
der Gegrüsste erzvidert: Jo, i*^*^ ha'® bol'* 
a"gfange" Uffh. Machetf, sis' Fürowe"*^! 
Sier. s is'^ f. mit ''^m es ist aus mit 
ihm Sier. Sagt jem. : P'^ bi" f. so wird 
ihm oft erzvidert : Jo, awer schlecht grote"! 
Du. 'wo 'n er f. gsi isch' Oblarg Als. 
1852, 78. Er is' bol'^ f. {hat bald aus- 
gewirtschaftet) mit sine" Äckerlcr; noch 
e Jo^r, derno"='* het •'r nix me*^"^ ebd. 
'fecrik isch de Gspass' Str. Wibble 62. 
— Hebel ferrig. s. auch fertig. Schweiz. 
I, 918 mhd. ferec. 

Verle [Forlo Co.\ Ferla Rchw^ m. 
Schimpfname für elften langsamen Men- 
schen. Der Gesang vom V. ist eine humo- 
ristische Dichtung, in der eine Prüfung 
vorkommt , ähnlich der in Kortums Job- 
siade, übrigens Studentenlied tind in den 
Commersbüchern zu finden. — Wohl =^ 
(Xa)verle. 

fire"' [firo cdlg.^ i. feiern, festlich be- 
gehen : hüte f. m'r di"®" Name"stag Lutterb. 
'Un for so de Daa ze fiere Trinkt mit- 
nand m'r e Budell' Stosk. 97. 2. ruhen, 
sich schonen : de dörfs"^ vierze''" Tag f. 
Attenschw. 'und sollend viren untz sante 
Marie Magdalenentage zum tagehorne' Str. 
14. Jh. Brucker 172. — Schweiz, i, 
922. Bayer, i, 743. 

vier [f lar Obhergh. Dil. ; ficr M. ; fer Ulk. 
Rupr. ; ivcStr. Betschd. Lohr; fiarA'.; fiar, 
fibrZ.; fer Wh.^ das Zahlwort vier. Ich un'^ 
du, Un*^ s Müller's Kue'', Un'^ s Becke"* Stier 
Sin'^ unsere vier Z. Stöber Volksb. 43. Wenn 
nichts folgt: vieri. Gas. obl. viere". Mit 
alle"^ viere" d Wand ufe, eine Vexieratif- 
gabe beim Pfänderlösen : man stellt einen 
Stuhl mit den vier Beinen an die Wand 
und schiebt denselben immer höher an 
der Wand hinauf Obhergh. Von der 
Tageszeit: vieri, e Viertel uf vieri, halwer 
vieri, drei Viertel uf vieri, no'^'* (od. ab) 
de" viere" O. Vier, e Viertel uf v., hal- 
wer V., e Viertel für de*^ viere", üw®r vier 
Z. 'Wer geht nie heim vor de viere?' 
Stosk. 54. 'An de Viere Gang i vor d' 
Diehre' Sennh. x-^ls. 1856/57, 198. 
'zwüsent vieren und fünfen' Str. 143^ 
Brucker 93. — Schweiz, i, 922. 

9 



FieR 



— 130 — 



FieR 



Vierer m. die Vier Z. Schrib m'r e 
V. vor ! sagt ein kleiner Jtmge zu seinem 
älteren Bruder Ingenh. \Demin. Viererle 
kleine frz. Silbermünze im Werte von 
16 PJg. Hlkr. Z. — Schweiz, i, 923. 

V i e r 1 i n g- [Fiarlik Bend. ; FiQrlik Ban- 
zenh. Geberschzv. //Ikr. ; FiGrlik M. ; Fierlik 
Co.; Fiarlik NBreis. Logelnh. Ingersh. Dil. ; 
Fiaerlik Rapp. ; Fiorli Felleri. Mütt. Bf. 
Barr ; Ferli Ulk. Rupr.; Firli Str. Betschd.; 
Fiarli K.; Fierli Z.; Fiarlii]^ Hattst. Su.; 
Ferlerj^ Lohr Wh7[ fast allg. m., in Ge- 
berschw. und Rapp. n. i. der ^. Teil 
eines Pfundes : hol ^'ne" V. SchwiUerkäs 
Geberschw., e V. Kaffibo^'ne'* Ingenh. 2. 
der zf.. Teil eines Sesters (Scheffels = 
20 l). Wenn d** in d Stadt kumms', los' 
im Schimmel e V. Howere {Hafer) ge'^'^n, 
ich bezo' l's Pfulgriesh. 'Dr erste wieght 
ke Vierligh' Als. 1856/57, 196. J. ein 
Viertelhundert, bes. von Äpfebi, Birnen, 
Nüssen, Kohlköpfen, Setzlingen, Zticker- 
rüben, Holzwellen : von NBreis. bis Ulk. 
Von eym fierling (wellen) 2 J' Str. 75. JJi. 
Brucker 148. ^. Fass von etwa 12 bis 
i^ Ohm (zu 50 l), das atif den Wagen 
geladen wird, um verschickt zu werdest 
Ingersh. 5. übtr. in der Rda. Dem will 
i"^'' sage", was d®r V. kost die Meinung 
sagen Banzenh. Quadrans vierling von 
einem Pfand = 24 lot' GoL. 462. 
'Sextans vierling von einem Mark = 4 
lot' ebd. 'Vierling qiiarteron' Martin Coli. 
ig2. welher nit kompt der sol bessern 
ein vierling wahsz' Str. 148"] Brucker 84. 
- Schweiz, i, 924. Bayer, i, 844. 

Hal'^vierli*"-' m. i. die Hälfte eines 
Vierlings vorwiegend von Hohlmaassen 
für Früchte gchrazicht ; Syn. Messel U. 
2. ein Achtclpfund ebd. 'wer das breche 
. . . der bessert ein halben vierling wahsz' 
Str. 1481 Brucker 83. 

Geviert n. das Geviert, nur gebr. in 
der Wendung in's Gviert od. im Gv. im 
Quadrat Dil. Hf. Die Stub het vier 
Meter un"* e halwe" ins Gv. Du. — 
Schweiz, i, 926. 

Viertel n. i. Getrcidemaass von 5 
Se Stern, nach dem alten Maass I/4 Mal- 
ter; Sack voll Getreide mit lOO l Inhalt, 
namentl. Gerste, Weizen; -- 6 Sester od. 
120 l Betschd. Fümf Sester sin"^ e V. 
Dil. So vil Livres (Franken — 80 Pfg.) 
s V. Weise", so vil Su d^r (sechspfündi'°) 
Laib Brot Z. 'Item ein vierteil weissen 



S ß d' Str. 1455 Brucker 94. 2. Demin. 
Viertele eine Flasche , die 0,2^ l fassen 
kann, sodann der Inhalt einer solchen 
Flasche. Ge'"^^ m'r e V. Wi"! Obhergh. 
J. der vierte Teil elftes geschlachteten 
Ochsen od. einer Kuh, bes. in der Zss. 
Hindervierf'l U. 4. ein kamnier artiger. 
Raum, imgcfähr der vierte Teil der Ge- 
samtfläche , welche von einer Scheune 
bedeckt wird, der sich neben der Tenne 
hinzieht und gewöhnlich ztir Ajifnahme 
des eingeheimsten Getreides dient allg.; 
auch landwirtschaftliche Geräte, wie Re- 
chen, Dreschflegel, Heugabeln, Hacken, 
Körbe und dergl. werden darin unterge- 
bracht Getid. s. auch Vierz^l. 5. von der 
Tages- und Jahreszeit : drei Viertel iif 
zwei ein Viertel vor zwei Uhr. Auf die 
Frage Wx" vil Uhr od. weP*^« Zit is' ^«V 
erhält man ojt den scherzh. Bescheid: 
Drei V. uf Bo'^ne'stecke" Banzenh., oder 
Drei V. uf kalti Bo''nc". tecke", mit dem 
derben Zusatz: un'* wenn's nit glaubs', 
kanns' mi""^ am A. lecke" K. Z. in cim 
vierteil jors nit wider in die stat zu kommen' 
Str. 75. Jh. Brucker 135. Für die 
Bnichzahl 1/-1 wii'd sonst allg. de' vierte 
Teil gebraucht . 

vier tl ig Adj. ein Hektoliter fassend. 
E' viertlig'e'^ Sack Obhergh. 

viertle" die Viertelstimden schlagen: 
s het erst gviertlct Banzenh. 

Vierter m. Quart, vier aufeinander- 
folgende Karten im Piqttet spiel Hf. 

Vierz''! [Fiortsl Jebsh.; Fiaertsl Rapp.; 
^i^rtsl Bisch. Barr; Fe^rtsl Ndhsn. ; Fertsl 
Illk.; Ftartsl K.; Fiertsl Hf. Obbr.; Ftfrtsl 
Wh7\ Demin. Vierzeli Heidolsh. ; Vierzele 
Logelnh. n. (f. Z.) i. Feldstück von 5 Ar 
Heidolsh. U. W., von etwa 8 Ar Obbr., 
von 10 Ar Jebsh., von II, Jj Ar Logelnh. 
2. Weinbergflächc von 10 Ar, d. i. V4 
Acker. Vo" jedem V. Rewe" hacke" het 
m®r e Löj^l Win Barr. — Schweiz, i, 
1022 Viernzel; pfälz. Fernsl Heeger. 

Frichtvierz*! [F'r^;^tfidrtsl Dunzenh. ; 
Fre;^t- Z.] in alten Bannbüchern : Fröcht- 
Viertzel f. der vierte Teil einer Fricht 
{s. d.), also etwa ^,§0 Ar. 

Halbvierz^l [Hälfi^rtsl Dunzenh. In- 
genh. f. ; Hälw- Obbr. n.] Ackerfeld von 
etwa J bis 4 Ar Flächeninhalt. 

vierzig [fiortsik Roppenzw.; fiartsik 
Sit. K. ; f irtsi;^ Str. Wörih Betschd. ; fier- 
tsik Z.] Zahlwort vierzig. 



FieR 



iPoR 



i3i 



FoR 



Snbst. E Vierziger in. i. Zweifrank- 
stück, frz. Silbermünze im Wert von i,6o 
Mk. allg. Zieg m'r de" V. us '^"'m Aüg! 
wenn einer lügt Geberschw. 'mach mr 
da Vierziger doch drüs' Lustig I ii6. 
2. Mann von ^O Jahren Olti. K. Z. — 
Schweiz, i, 926. 

nünevierzig ZaJil ^g. Ausruf des 
Erstaunens: potz n. ! Roppenzw. Fluch- 
züort : Herrgott n.! Sn. — nun ist wohl 
das in franz. Flüchen vorkommende nom 
(de dien). — Schweiz, i, 926. 

For [For Saaru7iion], PL Fär [Faeor] 
m. Zuchtstier, Farrc. Zss. Farrwad*^!, .y. d. 
— Schweiz, i, 903 Farr. 

fär ig [fseri;^ W.\ Adj. nach dem Stier 
verlangend, stier ig, von der Kuh : d Ku'^ 
is^ f. Wh. 

vor [för, for, in betonter Stelhmg gedehnt 
for, förj allg., atisgen. K. Z. und südl. 
Teil des Han., wo die Präp. für (s. d.) 
statt V. gebraticht wird. l. Präp. vor. V. 
''•'m Hus Bf. V. "^^m Hiis dure an dem 
Hause vorbei Su. V. '^^m Hus ume vor 
dem Hause herum ebd. V. d^r T'^ür is' 
drusse" Str. Eim d T^'ür v. d^r Nas zue- 
schläuwe" ebd. V. s Hus ane an dem 
Hause vorbei Su. V. s Hus usse vor das 
Haus ebd. V. '^^m Jo^'r voriges Jahr 
Liebsd. Du. Vor der Woch vorige Woche 
Co. Bctschd. 'Conus vor die garnison' 
1789 JB. I 108. 'Was mag das vor eine 
bedeiitung haben?' Mosch. I 258. Vor 
ze mit folg. Inf. {s. atich für 4) ; 'siine 
Exame gemacht forr Dokter ze wäre' Str. 
Wibblc jj. 2. Adv. voraus, vorgerückt. 
V. sin zveiter sein als andere. Im Mäje"^ 
{beim Mähen) is' er allewil zehn, fu"f- 
zehn Schritt vor, un'' so is^'s au"^^ im 
Hacke'» un'* im Rüe^'re" Z. Eim v. komme" 
ihn im Marsch od. im Laiif überholen 
K. Z. Vor od. d^vor vorhin : ich bin 
dvor bi '''m gewen Hf., vgl. vergange". 
Vor g e '^ "^ n im Spiele, namentl. beim 
Billardspiel, eine gewisse Anzahl von 
Punkten vorattsgeben, beim Wettlatif eine 
Anzahl Schritte U. De hes*^ wenig vor! 
es fehlt nicht viel! sagt man beim Attdrohen 
von Prügeln Hi. V o r s i n 2';« der tmpers. Ver- 
bindung s is' m'rgsi" wi* v.,verstä7'kt s is' m'r 
grad wi= v. vorschwebend als bevorstehend 
allg., od. auch als schon vollzogen Str. 
Hf. s is' m'r gsi° wi® v., '^ass ®r kummt 
Su.., ''ass eps in d^r Wej kummt Du. s 
is^ m'r grad wi^ v., ich hab unde" d 



T^ür höre" ge^'n Str. s is' m'r grod wi« 
v., a's wü wenn i"''! dene Kerl schon ieri- 
gendg gs(ihj^ '\xix\. K. Z. Vor han itn 
Schilde führen , beabsichtigen. Was 
hes* vor ? U. Er het eppis vor im Sinn Hi. 
Vor komme" i. den Vorrang ge- 
winnen. Er het e Mul, m^r kummt ''»m 
nit V. er behält imtner Recht, das letzte 
Wort Du. 2. vor Gericht verhandelt 
werden. Morm kummt di'' Kos ( frz. cause) v. 
Ingenh. Vormüe'^'^'^n vorGericht erscheinen 
müssen K. Z. Als erstes Glied von Zss. 
a) vor Subst. : Vorfür Feuer vorn im Back- 
ofen ; -lauf ztierst durch die Destillierröhre 
laif ender, sehr starker Branntwein ; -riwer 
Verschhtssvorrichtjmg an Fensterläden ; 
-fenster Doppelfenster ; -tanz erster Tanz 
am Kirchweihfest U. b) vor Verben : 
vorschmuse" vorspiegeln ; S_yn. -mache" Z. 
c) vor andern Adv.: vorgest vorgestern; 
-nacht vorgestern abend; -ab zumal. — 
Schweiz, i, 926. Bayer, i, 846. 

d^rvor Adv. I. dafür: ich kann nix 
d. Str. ; s. dafür. 'Mit eurer Hyroth, 
Claus, soll's nit lang währe ; i sor'j derfor' 
Pfm. V 8. 2. d. si" verhüten. Ja, do ka"" 
m®r nit d. si" Geberschw. Mühlb. Denk 
nur, jetz' het d«r N. si"«" Wi" scho'' alle" 
e"weg! Ja, was will d. si", «r is^ jo d^r 
ganze" Taj gloffe" mit "^"m Krüsle [Krisla 
Krüglein] Du. Scherzh. wird der Aicsdr. 
manchmal verlängert: was will d. si", wenn 
s Hemb** e"weg is' ? ebd. J. vorhin : Wu 
bis^ d. gsi"? Rtif. — Schweiz, i, 933. 

vores [foros Lützelstn. Büst Wh.] Adv. 
vorhin, vor kurzer Zeit. Ich sin v. vur d 
T'^ür gang un'* han gelöwt, üb de*" Bot® 
bal** kummt Büst. 

vori(cht) [f6ri;^t Str.; fori/, förit K. 
Z.] Adj. vorig. D vori'^''t Wuch, sonst im 
Z. vergange"« Wuch. 

■vorig I [förik O., daneben auch einf. 
för Du.; föri;^, tmd tföri Hf7\ Adv. vor- 
hin, soeben, eben erst. V. is' eppcr do 
gsi" Logelnh. Grad v. is' «r fürt gange" 
Du. s. auch vorhin. — Schweiz, i, 934. 

d*''rvorig Adv. vorhin, kurz vorher. 
P*» bin scho" d. dert gsi" un'* derno'-'' gang 
jch wieder Geberschw. 

gradvorig [krätföri Olti. ; krätförak Co\ 
Adv. gerade vorhin, vor ganz kurzer Zeit, 
eben erst. 

vorig II, s. fürig II 2. 

Fürs i'^*' forte [Firsiförta Steinb^ f. 
Nachgeburt, Syn. Trage, Tragsack [Troey- 

9* 



FoR — Für 



132 



FüR 



säk K. Z.] Hat d Kue*' d F. scho" use- 
gheit? 

Vortcl, s. Teil. 

ForelP [Foralo Dollcrn; Frab Fisl. ; 
Förael Str. ; Föral Z.] f. Forelle. 'Forel 
oder Forcht truta' Dasyp. 'rot Forhel 
aurata ds. — vgl. Schweiz, i, 935 
Forene". Bayer, i, 752 Förchcn, För- 
chel, Förch. 

Schue'^machersforell" f. Knack- 
wtirst Str. 

Für, s. Furche. 

Für [Fi'r allg. bis aiif iV., wo Füeior 
Ndrröd. ; F6ir Rosteig~\ ; PI. schwankt 
zwischen [Fir ] tmd [FirarJ ; erstere Form in 
Dollern WinzcnJi. Mutzig; letztere in Ban- 
zenh. Ilirzf. Ruf .Du. U.; Demin. Fürli, -le, 
Für«! [Firli Banzenh.; Firlo Ruf. Win- 
zenh. Dil.; Fi'rl U. Han. W.^ n. Feuer, 
d) als gefährliches Element : s F. (der 
Blitz) is' in de" Stall gfo^^re" od. het in 
de*» Stall gschlauje"» R. Z. Das is"^ "'ne^ 
gross F. ! Feuersbrunst Hirzf. s is' alles 
ci(n) F. ! allg. s is' e F. usbroche" Lo- 
gelnh. Dis is' e Fürle! Ruf. Bildl. s 
is' F. im Dach er ist im Zorn, mit der 
Nebenbed. 'jetzt ist es höchste Zeif Ban- 
zenh. Su. VVe"" me" dem eps sait, wo 
'^m m' gfällt, is' gli"^ F. im Dach Bf. 
s is* gange" wi" s laufig F. Äfutzig, wi® 
s wil''^ F. R. Z. =z es ist sehr schnell 
gegangen, so schnell wie das laufende F., 
eine schnell tim sich greifende Rrankheit. 
b) F. im Dienste des Menschen: F. in 
de*^ Ofe" mache" einheizen U. Wo Roüch 
is', is' oü*'*' F. Du. \vassertragen das 
für zu löschen' Str. iß. Jh. Brucker i 53. 
'Mach kein für, forchstu den rauch!' 
MüRNER Mühle 989. 'üss der Pfanne 
in's Fir falle* Pech haben Mü. Mat. 66. 
'Brennte Kinder fürchte s Fir' ebd. 42. 
Fürele brenn, so gern a's ich in de" 
Buewe" no'^'^renn singt ein älteres Mäd- 
chen beim Feucranzünden Ruf. Fürele 
brenn, Süppelckoch, dMüeter sitzt imOfc"- 
loch Dunzenh. Löschet Feuer und Lich- 
ter aus ! Nachtwächterruf K. Eige"* 
F. c (und) Liecht ha" eigene Haushaltung 
haben Du. Zwische" F. un"^ Liecht in 
der Abenddämmertmg O. bis Barr; Syn. 
zwische" Tau [Tag) un'^ Liecht U. Ge- 
brauch: zwische" F. un'^ L. werden die 
unehelichen Rinder getauft Steinb. c) F. 
als Ueberrest alter Gebräuche, s. d. Zss. 
d) F. beim Schiessen: wit vom F. gi*^t alti 



Saldote" R. Z. e) rein bildl. F. spoie" 
vor Zorn, sehr zornig sein Co. Ich hau 
d'r eini, "^ass de mcins', du si'^'^s' s F. im 
?>c\ma.rz\\?dABanze7th.,ähnl. U. Rathgeber 
19. 'Glych siehst 's FyV im Schwarzwald, 
Raffel du!' Fem. II 3. DerKunzlucjtiicc Will 
an, dcrno bachtcr im Benz e Dachtel, wie 
nur e Metzjer so eini gen kann, so dass 
der Benz 's Fir im Schwarzwald sieht' 
Str. Wochcnbl. 1882, No. 95. Eim uf d 
Gückle schlaje", ''ass er s F. im Ikisgaü 
si^'^t Rapp. Nit lang F. mache" kurz ent- 
schlossen sein Dil. Durch s F. laufe" od. 
durch s F. Laüferle"s spi*'Ie" eine gemilderte 
Form des Spiessrtiteitlaufens : auf den 
zwischen den zwei der Länge nach auf- 
gestellten Rindern Durchlaufenden schlägt 
jedes einzelne mit einem Plumpsack, d. i. 
mit einem verknoteten Taschentuch Mutzig. 
Eim F. inger d Hose" [od. s Loch) mache» 
jem. zti rascherem Handeln antreiben, in 
Schrecken jagen, von seinem Platz ver- 
treiben Z. Bilst; in derselben Bed. F. inger 
de" Schwanz leje" Dehli. 'Die VViewcr die 
rätsche-n-unn dätsche, unn wenn sie heim 
kumme-n-isch nicn eke Funkele Fir' Stimme 
der Schwalbe in der Mda. von Co. Als. 
1853, 169. 6. das Demin. Für'-'l hat auch 
die Bed. ^Irrlicht' Hf. Dtmzenh. 'Mancher 
zündt aim ain fürlein an , das an sein 
zünden selber bran' Murner Schz. 50. — 
Schweiz, i, 940. Bayer, i, 743. 

Fas'nachtsfür [Fäsnä^fir Olli.; Fäso- 
nä;ftsffr Dil. Balzcnh. Arzenh^ n. Fast- 
nachtsfetter , das atn Sonntag Estomihi 
vor dem Dorfe auf irgend einer Er- 
höhung im Beisein der meisten Einzvohner 
abgebrannt wird. Die schulpflichtigen 
Rnaben haben das Holz dazu gesammelt 
mit dem Sprüchlein: s fliegt e Vögele 
üwers Hus, Ge'^'^n' e VVellele Holz erus; 
Qgbej^t ihj. i^g jjg^ gQ igt g ß Schand, s steckt e 

Zinke" in d'=r Wand ! Balzenh. Dünne 
Scheiben aus harzigem Holze, auch aus 
Erlenknüppeln werden an einen langen 
Stock gesteckt und iju Feuer glühend ge- 
macht ; dann werden sie in die Nachtluft 
geschnellt mit den Worten : Schiwog, 
Schiwog, Di- Schib hob i-*" gemocht; 
S'e fo''rt üwer de" Rhin, Klimmt wi d'=r 
■"erin ^'^m N. N. in 's Läd'^l nin ! Obhas- 
lach. Als. 1851, 114 ff. JB. II 183; 
III 118; IV 114; V 152 ; VI 165; VIII 
160 ; X 222. 

Feg für [Fäkffr Ensish.; Fäjffr Ndhsn. 



Für 



133 



Für 



K. 7..; Faejfir Str. Obdr.'\ n. Fegfeuer: 
Kumms' i" s F., vve"" d" bös bis^ Ndhsn. 
Wenn zwei Personen in demselben Atigen- 
blicke denselben Gedanken haben und auch 
aussprechen, so haben sie eine" us "^^m 
F. od. aber auch e Nonn^ us "^^m Klos- 
ter erlöst K. Strafen des F. s. JB. IX 
13. — Schweiz, i, 944. 

Fix für n. SchzvefeUwlz Tieffenb. 

Freude" für [Fraeitafir K.Z.; Frätofaeior 
Ndrröd.~\ n. Freudenfeuer. 

H ö 1 1 e " f ü r n. grosses Fetter, 's brennt 
jo c Höeliefyr' Kur 6. — Schweiz, i, 
946. 

J o h a n n e s f ü r [SäntihänDsfir^"«.; Khänsti- 
fir Hipsh.; Khänsfi'r Bisch7\ ;«. Feiier, das 
am jfohannesfag, 2^. Juni, ausserhalb 
der Dörfer, gewöhnlich auf einer Anhöhe, 
angesteckt wird. Die schulpflichtigen 
Knaben sammeln zu diesem Zwecke an 
dem betr. Tage Holz, Scheite oder Wellen, 
Rebwellen , bei den Bürgern mit dem 
Rufe: Welle" use", Welle" iise"! Stür 
zuem heilige" S. ; oder: Sankt Kole, 
Sankt Kolc, Ich ho**^ na'='' nieme" nix 
gsto''le" ! Biitell, ßutell, Ge"^«" m'r e-n-alti 
Re^vell, oder Sankt Vit, Sankt Vit, Ge^^" 
m'r aü'^'' e-n-alts Schit Bisch. J. Grimm 
Myth. 5832^. Aitg. Stöber Als. 1851, 
148 f.; Ludw. Schneegans Als. 185 i, 
\%\ff. und die poetische Verwebung dieses 
alten Gebrauchs in Göthes Sesenheimer 
Erlebnisse von Alb. Grün in seinem 
SchauspieV Friederike III 14. Die Sitte, 
Johannisfeuer abziibrennen, ist noch vieler- 
orts erhalten, s. JB. II 187, III 12g f., 
V 154, VI 169, VIII 167, X 229. s. 
auch Fas'nachtsfUr. — Schweiz, i, 944. 

Streif feuer ['Straififaior Raiiw7\ n. 
Zündhölzchen. Ge^, hol e Lad St. ! Syn. 
Fix. 

Vor für n. das kleine Feuer im Back- 
ofen, zvelches vor dem Brot angesteckt 
zvird unmittelbar vor Ofenschluss Ili. 
Banzenh. Str. — Schweiz, i, 944. 

Wildfür [VVelfir Weyersh.; Welfi'r K. 
Z.; Wiltflr Wörth Betschd. Dehlil^ n. 
Gesichtsrose. Das brennt wi^ s W. Dehli. 
'das wildt feur' Gart. D G. P. s. auch 
Für I. Mittel gegen das W. s. Alem. 
X 220. — Schweiz, i, 948. Bayer. 
I, 743 (Blitz). 

Fürjo [Firjö Liebsd. Str. Hf.; Firjö 
Pfetterhsn. Logelnh. Du. ; firjö M. ; 
firjö R. ; firö Wh.] Interj. 1. Warmmgs- 



; rtf bei einem atisgebrochenen Brand, so 
j lange die Sttirmglocken noch nicht läuten. 
i 2. Begleitrtif bei heftigen Schmcrzens- 
\ empßndungen. V^^ ha^^ mi'^'' ^^klemmt, 
• aw'^r das het m'r wc^ s^to" , i«'' hätt 
i könne" F. brüel'e" Du. 'so balde man 

also uf dem münster gerichtio oder fürio 
: schreyet und stürmet' Str. 75. Jh. Brucker 

26. 'Damit schrey er feüre jo' 1497 JB. I 
I 58. s. auch -jo. — Schweiz, i, 20. 
j Bayer, i, 742. 

j Fürste [Firsta Hi. Roppenzw.\ Firsta 

I Tagolsh^ f. Feuerheerd. D Katz hinger 

I der F. het nit d^rvo" gschmeckt so still 

und armselig ging es bei der Hochzeit 

oder einem andern Fest zu Hi. ' Fe vvr statt 

Foculus' Dasyp. 

füre" [fira allg?[ i. Feuer machen, das 
F. unterhalten durch beständiges Nach- 
legen von Brennstoffen, heizen, F. schüren, 
stark heizen. Füret doch nit wie d Heide"! 
Fisl. 2. Empflndjtng des Brennens haben : 
s fürt ! bei Wunden, Geschzvüren od. in- 
folge von Schlägen Du. D 0*^16" hän '''m 
gfürt entweder nach Olirfeigen od. atich 
nachdem sie durch Kälte beinahe erfroi'cn 
waren und nachher sich wieder erwärmt 
haben Dil. J. eiligst fortlatifen, nament- 
lich in der Zss. abfüre" Roppenzw. ./. 
heftig schlagen, hauot. Ich will d'r gli'^'^ 
eine in's Gsicht f. Ljitterb. We"" de nit 
rüewig bis', se für i"'' d'r eini Osenb. P** 
ha'"' e par Mol herz'^aft druf gfürt, derno"** 
is' ^r gange" Du. Dem how 1*='' ei"s gfürt! 
Geisp. 5. fettern steht bei Fisch, für 
eine Behandhtng des Weines : 'Und daselbs 
werden die arme Seiecken so jämerlich 
gefeurt, geflammt, geraucht und geröstet, 
als obs dürre Hering, oder Westfalisclie 
Schuncken weren, die sibcn Jar im Rauch 
gehengt haben: oder als wann man im 
Flsass inn Kellern den Wein feuret iJ^So 
Bin. 1 1 2^. vielleicht = fitze" I, s. d. — 
Schweiz, i, 948. 

a b f ü r e " davonlattfen , schnell fort- 
latifen allg. M'r sin*^ abgfürt über 's 
Fel'^ Fisl. ; schnell fahren N Breis. 

an füre" [afirg Olli, bis Bf.; an- U.; 
6n- Ä'.J /. Fetter auf dem Herde, im 
Ofen anzünden. Channs' l^^,mmell ^ Olti. 
Für a" un'^ koch de" GaflFee! Sier. 2. 
heftig anrrnnen. Er het d^r Dolder 
{Kopf) a"gfürt Geberschw. — Schweiz. 
I, 949. 



Für 



34 



Für 



An fürte [Äfirto Illkr.^ f. Reisig zum 
Anzünden des Feuers. — Schweiz, i , 

951- 

in füre" [ifira Liebsd. bis Bf.; i'nfira 

U. ; ei|^fir9 K. Z.] /. einheizen. Morn wai 

(wollen) m'r d Stuben i. Liebsd. 2. schlagen, 

priigeln, dttrchprügeln. Ich will d'r i., 

wenn i'^'' di*"'' bekumm Obhcrgh. Dem 

haw i*^*^ c par ingfürt ! Str. — Schweiz. 

I, 949- . 

'" n i n f ü r e " ins Gefängnis oder in 
Arrest stecken. Er is' ni"gfürt wor'^'e" 
Rapp. 

nach füre" [nofi'ro Bf.; no^'firo Str.; 
nü_;j;'fir3 K. Z.] nachlmifen, nachrennen. 

u s f ü r e " ausreissen, sich atis dem Staub 
machen allg. Er weisst, worum ''ass ^r 
usfürt Obhergh. 

j-Kopfinfürer [Khöpfinfiror Ar.] m. 
Wein, der das Blut zu Kopfe steigen 
lässt. 'Un was sinn nit d' Wyn so guet? 
Sinn diss Kopfynfyrer !' Pfm. V 8. 

für ig I [firik 6". bis Bf.; iixiy Geisp. 
Str. Betschd.; fi'ri K. Z., fleht, firi/or, 
-;ji, firis; firi;ft Lützelstn.^ Adj. i. feurig, 
glühend. N-e f. Ise" Liebsd. E füriger 
Mann Irrlicht, Irrwisch; dass man es mit 
wirklichen feurigen Männern zu tlmn 
habe, wird noch ziemlich allgemein ge- 
glaubt. Ein in ME. und U. verbreiteter 
Sprtich beim Erblicken des Irrlichts latitet : 
Fürichcr Mann, Lochwisch, Kumm (doher) 
un'* küss mich! Geisp. Ingenh. In letz- 
terem Orte soll in den ßoer fahren ein 
f. M. auf jene Atifforderung von seilen 
der Kunkelstubenmädchen hin denselben 
vor dem Dorfe bis an das erste Haus 
nachgelaufen sein und die Brandmale 
seiner glühenden Finger auf der vor ihm zti- 
geschlagenen Hausthür hinterlassen haben. 
In Bf. behaupten alte Leute, fürigi Männer 
beim Versetzen von Grenzsteinen gesehen 
zu haben, was für manchen Markfrevler 
eine Warnung wurde. 'Firi's Männel uf 
'm Hau (Haag)., Gib m'r din Ladernel 
au !' Schlusszeilen einer Strophe an den 
Leuchtkäfer Str. Stöber Volksb. j^J. 
E füriger Drach Meteor, Irrlicht, Irr- 
wisch Bf. Nach dem Volksglauben fliegt 
er durch die Luft und bringt Schätze in 
die Häuser Ilan. Hf. Stöber Sagen 2, 
II 6. Di"= Supp is' noch ganz i. Ingenh. 
Dunzenh., od. is' f. heiss Hf. F. rot 
feuerrot ebd. s fürich Is 1 in der Heil- 
kunde, das Glüheisen Hf. Kinder, die 



eine Schnecke finden, singen: Schneck, 
Schneck, streck d Hörner *'erus, ader i"-'' 
wirf di'"^ üwer siwe" fürigi Mure" nus ! 
Du. 'Firige Kugle üwer 's Bett awc!' 
Schwamm drüber! Mü. Mat. 46. 2. scharf, 
brennend atif der Zunge od. im Gaumen, 
namentlich von Branntwein K. Z. j. 
zoriiig , a7if brausend, heftig: das is' e 
füriger Teufel Co. D N. N. hän alli e f. 
Schit (Holzscheit) im Loch, wenn 's nit 
brennt, se raucht 's doch von Familien, 
die sehr leicht aufbratcsen Du. F. druf 
lüsge^n O. E fürige*" Güller ein feuriger, 
guter Hahn, auch übertr. von einem 
Manne; von einem solchen sagt man. oft 
kurzweg atich s is' e Fürige""! Du. 4. 
fürigi Madam nennt man den Klatschmohn, 
Papavcr rhoeas Türkh. — Schweiz, i, 

951- 

für [f ir 6"., sojist allg. fer ; betont bis- 
weilen fer M.; für Str. ^ Wh.^ I. Präp. 
I. mit Accus, vor, vor etwas hin. Ke'n 
Brett f. s Mul ne^'me" K. Z. Fürschi 
gc^xx vorwärts, nach vorn gehen U. Fürschi 
mache" sich beeilen ebd. F. s T^or ste''n 
K. Z. Nimm 's f. di"'' trag es vor dir! 
ebd. Luc' f. di"*^ schalt vor dich ! ebd. 
F. si*''^ ane vor sich hin Stcinb. 'ine 
sicher gcfenglich füren für den ammeistcr' 
Str. 75. Jh. Brucker 30. 'für das mün- 
ster' Str. 1454 Brucker 124. 2. mit 
Dativ vor. F. d^'r T'Uir is' dusse" Dun- 
zenh. F. eim here ge^n K. Z. F. ''*'m 
Ghannsti {Johannestag, 24. Juni) wurd 
ni' gemäjt Ingenh. M'r sin^ f. '''m heim 
kumme" Pfulgricsh. K. Z. Einer f. ''^m 
andere" (f. d«r ander Su.) le*"rt besser 
einer lernt leicht, ein anderer schwer Z. 
Einer f. ^*m andere" het d^r Zit Z. Dis 
Kind is' f. '^''m Jo'^r uf d Welt kumme" 
voriges Jahr, daher Adj. fürmjä'^rie K. Z. 
Ich kann ne nit f. Auje" se'^n Gimbr. 
'die gantze weite weit mit allem ihrem 
thun fnr äugen wird gestallt' Mosch. I 
Vorr. J. causal. vor. Ich bin schier ver- 
sprunge"* (geplatzt) f. Lache" Hf. Der 
verreckt schier f. Zorn K. Z. Do is' m' r 
fast nit durichkumme" f. de" Lütc"* Dun- 
zenh. Er hct f. luter Pläsier nim""'**"" gc- 
wüsst, was "r mache" soll Ingenh. 4. mit 
Acc.für wie nhd. im Sinn v. Bestimmung: 
s is' f. mich Str. K. Z., f. d'^r Vater 
allg. Das Stückle spare" m'r f. an d*=r 
Ostcre" Du. Mach du s f. mi«*^ M. Der 
is' nit, dis is' nix f. uf e Bursdorf Ingenh. 



Für 



— 135 



Für 



E Gschäft f. sich selvvcr anfange" Hf. 
DarjiQoh }^q^ ^oii gQ f_ j^jch selwcr gedenkt 

Reiizv. K. Z. Nix is' guet f. d Aujc" 
[Wortspiel mit verdaue"); awer nit f. de" 
Mauje" fügt dann gewöhnlich ein anderer 
hinzu ebd. Für de" Tod is' ke'n Krut 
gewachst Lützelstn. F. nix 7imsonst, un- 
entgeltlich. Ich nimm nix me'"^ ing {ich 
nehme keine Medizin mehr ei^t)., s is"^ doch 
f. nix K. Z. Halt. Ich hab f. nix dörfe- 
n-ins Kumcdi (Komödie = Theater) ge^n 
Hf. Verstärkt: f. nix un*^ wieder nix 
U. F. was? wozu, warum? Str. Ich 
wüsst nit f. was zu zvelchem Zzvecke K. 
Z. Dis is' nit f. worm un'^ nit f. kalt 
zzvecklose Verrichtung Dunzenh. Eine" 
f. e Küefcr, f. e Dokter han jemand zum 
Küfer, Arzt haben Z. Wenn dis ni' guet 
f. d Wandle [Wanzen) is', ze weiss i°^ nit, 
was besser is' sagte eine Frau, die, um 
die Wanzen zu vertreiben, Kleider und 
Bettzeug in den geheizten Backofen steckte, 
zvo dieselben verbrannten : Umgebung von 
Str. F. z^ mit Inf . jun zufast allg. Meins', 
m^r is' nnmme do f. ze esse" un'' f. ze 
trinke" ? 6^. s is*^ jetz' an eis uns f. ze spiele" 
Liebsd. Er kummt nur f. z" lucge" Su. 
F. mir 's ze zeige" Du. E Zettel (Fahr- 
karte) f. uf Mülhuse'\ Zawere" allg. F. 
''ass damit M. 5. i. S. . v. Gleichwertig- 
keit, Geltung, Schätztmg. Eine" f. e 
Narre" hewe" zum Narren halten, f. e 
letze-n-anse^'n für einen andern halten U. 
F. Gspass spiele" beim Kartenspiel nicht 
um's Geld spielen, Gegens. f. Ernst 
spiele" U. Dis gilt numme f. e Prawierrant 
beim Spiel, Probelaiif, Probewurf ti. s. w., 
Gegens. Jetz' gilt's f. Ernst od. f. recht 
Dunzenh. Se, hcs' ''" f, s Murre"! da 
hast du nun den Lohn für deine Wider- 
spenstigkeit, etwa einen Hieb, Schlag, 
Fusstritt, auch Todesstoss, den man einem 
schädlichen Tiere gibt U. F. dis kennt 
m^r ''^ne dafür ist er bekannt, das ist 
ihm schon zuzutrauen Dunzenh. Gimbr. 
F. sicher un*^ gewiss, od. auch ja, f. sicher 
zvofür oft ja, versichert ! Z. Ja, f. e 
grundlichi VVo'^ret /«^^-^z/^. F. de" Koste" 
schaffe" K. Vcrkaufs^'s nit? Antw. Nit 
cmol f. [od. um) c scheli Geis Dunzenh., 
f. e rot^s Küc'^j^l Ingcnh. Nit f. unguct! 
O. 6. mit vorausgehendem Fragefürw. 
was. Was f. Dings? Z. Was f. c mit 
nachfolgendem Subst. Was f. e Stück 
hätt %^ gere"? fragt der Metzger seinen 



Kjmden Dunzenh. Was f. einer, ein(i), 
eins U. ; wrs für ner, ni, nes Wh. //. 
Adv. betont und mit gedehntem Vokal, 
neben zsges. tmd verkürztem füre und 
füri r= für'^i" [s. d.)., mit schzvankendcr 
Quantität, und zwar oft an demselben 
Orte, bes. O. I. vorwärts, nach vorn 
hin, in Vcrbindtmg mit Ztw. der Be- 
wegung. I"^ ha''* gse'^n, '^ass "r vorne 
is*, derno"'' bin i«^ aü«*> f. Du. Gang f. ! 
Hlkr. F. ge^'n die erste Komnmnion 
machen ; f. füe^'re" zur ersten Komnmnion 
führen Hi. Zss. Fürgangsplunder Kon- 
firmationsanzug S.; JB. IX 25. 2. übrig, 
überschüssig, vorrätig, im Vorrat ; Sjm. 
fürig. F. ha" 0. Vu" dem vi^le" Geld 
hes' du nit me*"" f. ? Liebsd. Mir hän 
noch vil Brot f. Obhcrgh. De hes' weni^ 
f., i"!» schloß« d'r ei"s um d O'^re" es fehlt 
nicht viel, so gebe ich dir ein paar Ohrfeigen 
Liebsd. Is' nit (nichts) f. ? Banzenh. Er 
is* f. gsi" überzählig Steinbr. — Schweiz. 
i, 952 Bayer, r, 744. 

da(r)für \\.^\iix Steinb. bis Barr; torfer 
Str.; tafer U.; \xii\xWh.; tofür Saar7inio7i\ 
Adv. I. davor. Do ist "r d. gstange" wi*^ 
e Ku** für eme nöuc" Schürt^^or Dunzenh. 
'Körbe darfür henckenVS'/r. /^. Jh. Brucker 
173. 2. vorher. Ich hab grod d. •'rest 
mit *m gered*' Ingenh. Jo, d. het's alle- 
wil gheisse", s is' nit wo'*r Pfulgriesh. 
J. dafür, i. S. v. Zweck, Bestimmung. Nix 
d. könne" ait etw. unschuldig sein, etw. 
nicht verhüten, verhindern können. Er 
ka"" nix d., dass d KrÖte" (Frösche" Z.) 
jjgine vVädel ha" er ist ei^t dummer Kerl 
Bf. Ich kann morje" nit kumme", defür 
sas« ich d'r jetzt glich alles Str. D. 
bruche" Quacksalbermittel, oft tmter Be- 
gleitwtg von Zatiberformeln, gegen eine 
Krankheit anwenden Ingenh. Eim d. t'^uc" 
einem etw. unmöglich machen. Er is' alle- 
wil in d'^r Keller an d«r Wi", aw«r i""^ 
\\a>^ '^m d. gn''o" Du. D Hüc^'ncr ver- 
leie" {legen die Eier a7isserhalb) m'r alle- 
wil, aw^r jetz' will i'^'' '•'ne" d t'^üe" Bf. 

— Schweiz, i, 966. 

'^e''für Adv. hervor, von hi7ttcn hervor. 
Er is' vu" hinte" e. kumme" a7is der west- 
lich gelegene7i Gebirgsgegend hervor in 
die Ebene. Eps e. bringe" etwas, das 
schon vergesse7i war, wieder a7ifbrii7gen 
Dil. 'harfüren, harfür' Geiler P.\ 33. 

— Schweiz, i, 965. 

hindc"für, hinderfür] hir|^9f ir Liebsd. 



Für 



FueR 



136 



FucR 



Fisl. Rapp. Heidw. ; hii]^orf ir ö///. Heidw. 
Mittl. ; hintarf ir Geberschw. Ruf. Hlkr. 
Logclnh. Kaizent. ; hentarsfer Scherw. Barr 
Bisch, {neben häufiger cm\iQ.\\^x'5i^x)\ hen- 
torfer Illk. Str.; her|orßr ///".] oft mit 
vorgeschlagenem z" Adj. und Adv. i. ver- 
kehrt, in verkehrter Lage oder Stellung, 
das Hintere vorn und umgekehrt, rück- 
wärts. Du hes* di"^" Huet h. a"gleit 
Liebsd. Mach d^r Wage" h., '^ass mer a 
ka°" umkehre" Geberschzv. s ge^t alles h. 
Logclnh. Du fangs* die Rechnung ganz 
h. an Barr. Wenn eine Kuh in eine enge 
Sackgasse hineinläuft und sich darin nicht 
timdrehen kann, muss sie h. herausgehen 
Hf. Kinderspruch: D Sunne schint, s 
Vögele grint, D Mamme sitzt im Garte", 
(Si") spinnt grüene" Fade"; D^r Babbe sitzt 
im VVirtshus, Suft («r) alli Gläser us. (Z 
Nacht) kummt ®r heim, Het e Scholle" 
Dreck am Bei", Hockt "r hinder d T''ür, 
Is' alles hinderfiir Ruf. 2. irrsinnig, wahn- 
sinnig, geisteskrank, zerstreut. Das Un- 
glück het '^n ganz h. gmacht LJebsd. Do 
chännt ein*^" h. werde" Olti. s Käthrini 
is^ h. Mittl. s is* hüte nit {nichts) mit 
d'r a"z"fange", du bis' wieder ganz z" h. 
zerstreut Sier. — Schweiz, i, 963. Bayer. 

I. 745- 

niene"für Adv. zwecklos, vergeblich, 

runsonst. Di" Hüle" un'^ Jomere" is* n. 

unde"für, -für^i" [ürj^af ir ÄVr., ünta- 
fero Su^ Adv. unten hervor. Wurum luegs' 
so finster u.? Sier. — Schweiz, i, 952. 

für ig II \i\xQk Olti. Sier. Hi. Obhetgh.; 
förik Du.; feri;^ K. Z.] Adj. und Adv. 
I. übrig, überflüssig, im Vorrat 0. M'r 
ne*'me" was m'r we^^'n, un^ was f. blibt, 
is' für dich Sier. Fürigi HerdäpPl Kar- 
toffeln im Vorrat Obhergh. V^^ muess 
mache", "^ass 1"=^ furtkumm, i^^^ ha ke'"" 
fürigi Zit, od. kc'"® Zit f., od. atich nix 
Fürigs Dil. 2.wa.s £üng von welcher Art? 
[Was ferikor (näml. Wein) es täs? J/.] Was 
fürige? grosse öder chleine? Liebsd., sonst 
was fürigi? O. 'S Gebirgg isch in der 
Nääche, do sinn vil Schlösser druf. — Chri- 
stine]: Was fürrigi?' Pfm. II 7. 'was weiss 
ich was er noch vorrigi erabgschnurrt hett' 
Str. Wibble 20. — Schweiz, i, 967. 

allerhandfürig[äbrhäntferikZö§"^/;z//.] 
Adj. verschieden : s sin'' allerhandfürigi 
kumme" verschiedene Leute. 

Fuer [Fyor Rädcrsd. Ensish. Bghz. 



BarrMolsh.Z.; YyhxM.; Fyar Su. Logclnh. 
Co. Bf. Geisp. K; Fyr Str. ;¥\xr Ndrröd:] 
f. I. bespanntes Fuhrwerk, Fuhre. Pass 
uf, um's "^rumhieje" könnt dis Kind inger 
e F. kumme" Ingcnh. 2. Fahrt, bcladener 
Wagen. Gruss : Machen '''r e F.? Rädcrsd . 
Wie vi^l Fucre" hes' gemacht {od. gfüertj? 
Str. J. Fuhrlohn Bf. ^. Schzvierigkeiten, 
Umstände. M'r han e F. gha^', bis ^r i" 
d®r Schuel gsi" is* Su. 5. Spass, Scherz, 
lustiges Treiben, Fretide, Heiterkeit allg. ; 
wildes unbändiges Treiben Ndrröd. 
Das is' e F. gsi" mit dem Pfingste"pfluder 
Bf. D F. mache" od. triwe" durch ein 
unbändiges Treiben sich vor anderen aus- 
zeichnen Str. D F. han mit eim sich über 
jem. lustig macheit Hf. Nur für d F. ! 
nur zum Scherz Str. Als. 1850, 31. 'So 
ebbs kann merr nur sauije von weije der 
Fuehr' aus Spass E. Stöber Ncujahrs- 
büchl. 1824, 19. 'Diss isch forr mich e 
Fuehr, vorr d'Andere e Jux' Str. Wibble 
51. 'das isch e Füer' ein Spass l Lustig 
I III. Als verbindender Uehcrgang zu 
einer Aenderung des Gesprächs : mit dere 
F. über diesen Dingen, tinterdesscn, wäh- 
rend dieser Zeit, bei diesem Spass, z. B. 
mit dere" F. wurd nix get^on ! Str. 6. 
Jahrmarkt. Uf d^r F. sin vil Komedi Co. ; 
zvahrscheinlich aus frz. foire. — Schweiz. 
i, 970. Bayer, i, 747. 

Durchfue'^r [Tür;^fyar Bf.; Türip^fyor 
Z. ; Turi;j;'f0r Prinzh. ; Turi^for Kindw. ; 
Tür;/ für Lützelstn.~\ f. i. Ort, wa man 
durchfährt Bf. 2. überbaute Einfahrt 
eines Bauernhofes. 

Gaukelfue'^ry. i. Spass, Scherz, Mut- 
wille, Posse. G. triwe" Lobs, 'der fünffl 
der bulet und hat sein gugulfuhr mit hüb- 
schen Mägdlen' Geiler Narr. G. 56''. 
'selczam Gugelfur treiben' Fisch. Bin. 237. 
2. Posscnreisser, Witzbold. Mit ^'"ere G. 
is' nix anzefange" Rothb. — Schweiz. 
1, 972. 

H o 1 z f u e *• r f. ein aus dem Walde heim- 
kehrender mit Holz bcladener Wagen. 

Infue^r [Ifyar Du.; Infyor Dachstn.; 
Er|fyar K. ; Ei|fyor Z.] f. Einfahrt in 
Hof oder Scheune, Tho?-dui'chfahrt: s is' 
e nett Höftle, äwer s het gar e schmali 
I. Du. 

L e i d s ■ F u e '' r y. verstärkend zu Fue'^r 5 
Str. 

fUnfuhr f. Unordnung Geiler Narr. 
H 18. 'umb das dannc dasselbe husz nit 



FucR 



FücR 



137 



FücR 



ler und ostür (ohne Leitung) stände 
kein unfiire darin beschec' Str. /j 
Brucker 38. 'Er soll 
noch unfertig leben uf 



und 

beschec' Str. iß. Jh. 

ouch kein unführ 

dem hofe tribcn' 



ebd. 6^. 149. — Schweiz, i, 971. Schwab. 
183. Bayer, i, 748. 

Usfue^'r f. Atisfuhr von Waren nach 
dem Ansland. M'r pflanze" unser®" Du- 
wack nur f. d U., un'' nit für d Reschi 
[frz. rdgie). Utn den Quälereien und 
Plackereien der Regie nicht unterworfen 
zu seilt, wurde früher viel Tabak für die 
A. gepflanzt, namentlich für die Schweiz 
Bf 

fuerhaft Adj. nahrhaft, vom Fleisch. 
— Schweiz, i, 776 fuerhaftig: im Titel 
einer Murnerschen Streitschrift. 

fuerig I, fuericht, fuerisch [fyri/ 
Nhof Str. ; fyori Z. ; fyri;^t Str. ; fyaris 
Molsh^ Adj. -und Adv. komisch, ergötz- 
lich, einfältig, dtimm. E fuerichtcr Kerl 
Spassvogel Ulrich, e fucrichi Gschicht 
Str. Dis kummt m'r f. vor ebd. 'Es kommt 
eim im Lewc doch fuericht Dings vor' 
HoRSCH Hüssje 27. -- Schweiz, i, 976. 

fuerig II [fyjrik ///.] Adj. sättigend. — 
Schweiz, i, 976. Bayer, i, 748. 

fuere" \iy^r^ Hi.^ schnell sättigen. Das 
Brot fuert. — Schweiz, i, 975. Bayer. 

1, 748. 

füe''re" [fiera Bghz. ; fiaro Su. Du. 
Scherw. Bf. Geisp. K. ; fearo Ndhsn. ; f iro 
Str. Lohr ; fiera Z.] /. etw. von einem 
Orte nach dem andern bewegen, führen, 
an der Hand, einer Leine tmd dergl., od. 
auf einem Fahrzeug : d Kue"^ zuem Stier 
f., d Mo'^r zucm Ewer f. K. Z. Eine" 
hinder s Liecht f. hintergehen, übertölpeln 
Bf. Spez. am Sonntag Abend seine Ge-- 
liebte im Arm vom Numärik {s. Abc"d- 
märk*^) durch das Dorf nach Hause be- 
gleiten; in diesem Sinne auch heim f. Wer 
het denn s Kät^^l nacht gfüert? Ingenh. 

2. fahren, attf einem Wagen fortschajfen. 
Gruss : \Vi"*t (od. PI. we]le-n-'*'r, od. auch 
sind ii^r am) Mist f.? K. Z. D Notari f. 
(kontraktmässig) den Notar in einem Wagen 
nach den Nachbardorf ern zu Versteigerun- 
gen oder zttr Auf naJmie von Urkunden fahren 
Geisp. De" Dokter f. Hatten Betschd. 
brot harin [in die Stadt) füren' Str. 1447 
Brucker 120. 'was in dann über blibct, 
das mügent sie . . wider heim füren' ebd. 
j. zurechtweisen. Dene ' will ich schun f. 
Pfulgriesh. /f.. mit dem Obj. Wort in der 



Rda. s gross Wort f. im Wirtshaus od. 
in einer Versammlung prahlerisch, gross- 
thtierisch reden Ndhsn. K. Z. Segunde f. 
Alto singen Olti. 5. refl. sich benehmen, 
sich richten nach. M^r muess si"=^ f. no'='' 
de" Lütc", M^r muess ii"^ f. no°^ d'^r Zite" 
Scherw. — Schweiz, i, 977. 

abfüe''re" /. wegfahren, dtirch Fahren 
foi-tschafl'en, wegführen Winzenh. Breitenb. 
2. durch heftiges Fahren gewaltsam weg- 
reissen Z. J. durch Abführmittel Un- 
reinigkeiten aus dem Leibe schaffen Du. 
Bf. Str. /f.. Part, verschmitzt. De bis' doch 
I e abgfüc^ite/ Kerl Logelnh. — Schweiz. 
I, 978. Bayer, i, 749. 

A b f ü e '^ r i " g /. Abführmittel für Blut- 
reinigung Olti. 

anfüe'^re" [äfiaro Olti. bis Geisp.; än- 
fira Str. Lohr; önfiara K.; onfioro, -fiera 
! Z.] 7. heranfahren, herbeifahren. Grung 
I (Erde) a. Olti. E Wauje" a. Geisp. 2. 
anführen, befehligen Co. Geisp. j. zum 
Beweis herbeibringen Geisp. ^. hinter- 
gehen, betrügen, überlisten, täuscheit allg. 
Das is' e elende'' Kcib, ^r het das arme 
Maidli a"g(üe'^rt Sier. Der Krämer het mi*^^ 
dismol wüetie a"gfüe''rt, er füe^rt mi'^'' 
awcr ke'"= zweimol a" Bf. — Schweiz. 
I, 979. Bayer, i, 749. 

durchfüe'^re" durch einen Ort führen. 
D Gendarme" ['Säntärmo] hän hüt e 
Transport Zeginer durchgfüe'^it Bf. 

heimfüe'^re" [haemfiero Ä'. Hf.; häm- 
firo Str^ spez. vom Burscht, der das Maide" 
nach Hause begleitet, z. B. nach dem 
Owe"dmärk', nach dem Tanz, überhaupt 
nach jeder Gelegenheit, wo er mit ihr allein 
sein kann ; Nebenbed. co'ire Hf. Z Nochts, 
wenn d^r Mond schint, Böbl^^lt's uf de"" 
Brücke", Füe'^rt d^r Hansel s Gret*'! heim 
Mit de"" rote" Kutte" K. oder Var. : 's 
Nachts wenn d^r Mond schint, Trepp^lt's 
uf de'' Brücke", Füe^'rt d^r Hans'^l s Grefl 
heim Mit '^^m krumme" Rucke"; Pfift d'^r 
Knecht, ze danzt di® Magd, AUi Esele 
drumme", Alli Müs, wo Wädclc han, Dör- 
fe" zue der Hochzit kumme" Str. 

infüe'^re" [i'ftara Pfetterhsn.^ Getreide 
oder Heu in die Schetme bringen. W'c vil 
Mol hän ^''r no'^^ i"z"f.? — Schweiz, i, 
979- 

^•ninfüe^re" [nifiara Bf.; ninfira 
Str. ; nerj^fiaro K., -fiera Z.] hineinführen, 
hineinfahren. Wer, zucm Teifel, het denn 



FüeR 



138 



FüeR 



FaRB 



dich do ni"gfüc'^rt? Antw. D Gleje"heit! 

n a '^ '' f ü e "^ r e " wiederholen, immer wieder 
erzählen. Das werd schun long nogrü*''^rt 
Wh. 

'^'nusfüe''re" /. hinausführen, aus 
einem Rautue hinausbringen. Er het ne 
am Ärm^l (Ämtchen) nusgfüert Z. 2. tr. 
hinaus fahr-en. Grussformel : WelPn '*'r 
Mist n.? f/. 'Wein ^^-^^m^ {auf den Schlit- 
ten) hinaus zu führen' 1789 JB. I 108. 

überfüe'^re" [iporfiorg Eschenzzv.'], 
Part, üherfüe'^rt eine Fläehe mit irgend 
einer Masse bedecken, namentlich eine 
Strasse mit Steinen : d Stross is' mit Grien 
(Kies) überfüe'^rt. — Schweiz, i, 978. 

usfüe'^re" /. ausführen, durchsetzen, 
trotz aller Hindernisse seinen Zweck er- 
reichen; der Prozesssüchtige sagt: s muess 
usgfüe'^rt sin ! Hf. 2. aushalten. Der Kerl 
macht m'r so vil Onleije"s (Anliegen, Kum- 
mer) , s is' bal'^ nim uszef. mit '''m 
Dunzenh. Ferti§^, ich kann's nimmi u. vor 
Schmerz Hf. j. euphem. für stehlen, weg- 
nehmen allg. Ganzi Kiste" voll Saches 
het si als usgfüe^rt Str. ^. in der evan- 
gelischen Kirche : konfirmieren Kreis Molsh. 
Pfulgriesh. — Schweiz, i, 980. 

usfüe'^rlig Adv. ausführlich Su. 

verf üe^'re" /. verführen, verleiten, zuir- 
gend einer Vermutung, Handlung veranlas- 
sen allg. s Kät^'ele het si'^'' vum '^"dresi v. lo" 
Du. Dishet mi''*»v''rfüc*'rt/;^^£';«/l. Alte Leute 
schreiben das Verführtwerden bösen Geistern 
zu, Witzbolde der Trunkenheit Bf. 2. in 
bestimmten Verbindungen: ein auffallendes 
Betragen zeigen. *^'ne" Spe'^tak^'l v. Su., 
c Lärme" v. Du. K. Z. Di"'« han e Lär- 
me" verfüe^'rt, ^ass m^r sin eije" Wort nim 
ghört het Dunzenh. Ingenh. — Schweiz. 
I, 982. Bayer, i, 749. 

zuefüe''re" in der kaih. Kirche, die 
hl. Kommunion spenden Ingersh. Mittl. 
Het d^r Herr Pfarrer scho" zuegfüc'^rt? 
Mittl. — Schweiz, i, 983. 

Füe''rer [Fi^ror Z.] m. Führer eines 
Mädchens am So7tntag Abend nach dem 
Owc"dmärk' {s. heimfüerc"). Was hes' denn 
nacht für e F. ghct? Ingenh. Syn. Hcim- 
füe''rer. — Schweiz, i, 983. 

Brutfüe^'rcr [Prytf— allg7[ m. Braut- 
führer, Ehrenbursche bei Hochzeiten. In 
Hlkr. ist es gewöhnlich der Taufpate der 
Braut; anderwärts der vertrauteste Freund 
des Hochziters, der am Ilochzeitsmorgen 



die Braut vom elterlichen Hause abholt, 
sie in die Kirche führt und vor der Trau- 
ung am Altar sie dem Bräutigam über- 
gibt, der sie dann nach dem Gottesdienst 
selber nach Hause führt K. Z. Han. Dentin. 
Brutfüererle als Spottname Hlkr. Scherzh. 
wird der B. auch KrutfUerer genannt 
NBreis. Obhergh. Z. — Schweiz, i, 984. 

Heimfüe^rer m. Schatz, Geliebter Z. 

Rädlefüe'^rer [Rätlafiarar Geberschw.; 
Rätlsfiaror Ileidolsh. Geisp.'] m. Rädels- 
führer, 'der redleinfürer einer* Rasser 
Hochz. 2. T., j. Aufz. 'Redlinführer' ebd. 
j. T, 2. Aufz. — Schweiz, i, 985. 

Zolke"füe''rer m. Feuerwehrmann, 
der die Ausfiussröhre des Wasserschlauchs 
zu führen hat Obhergh. Syn. Ha^'nhalter. 

Füe^rung [Ferün^ Wh^ f. First. 

Furi [F^ri Meis7\ f. Lustbarkeit, Freude : 
Do ha" m'r e F. ghet! s. Yw&v 5. — 
Schweiz, i, 986. Bayer, i, 744 Furi •= 
frz. furie? 

'Furie Wüterich' Ulrich. 

j-furios [fyrjös Horbg. Avolsh7\ Adj. 
heftig, jähzornig. 

Färb [Färp Banzenh.; ¥kx^ fast allg.; 
Förp Meis. K. Ingenh.']; PL Farwe", 
Forwe" /. i. Farbe, Gesichtsfarbe, Aus- 
sehen. E schlechti F. han allg. D F. 
schanschiere' erröten K. Z. E-n-anderi, c 
besseri F. han besser aussehen (als früher) 
Ingenh. Du bis' mit F. am West {frz. 
veste) du hast Farbe am Kittel Meis. 'de- 
heyn glass das von farwen den edeln steynen 
glichet' Str. 1482 Brucker 244. 2. Farbe 
im Kartenspiel allg. Die F. haw i"** nit 
Du. Wü vil hes' ^'" von dere F.? Pful- 
griesh. J. Confession, Familie, Kamerad- 
schaft; Ansicht. Er is' vu" d*r nämliche" 
F. Du. D F. is' e 'Poler wert dieser Ar- 
beitgeber gibt od. würde einem Arbeiter, 
der die gleiche Confession hat, wie er 
selber, einen Thaler mehr Lohn geben als 
einem Andersgläubigen Ingenh. /f.. Färberei. 
In d F. t'^uen färben lassen U. Die so"t®s' 
in d F. t^'uen un'^ s Zeiche" verliere" diese 
(näml. deine — hässliche — Frau) solltest 
du in die F. thun und die dafür aus- 
gehändigte Erkennungsmarke, das Zeichen, 
verlieren (damit du sie nicht mehr aus- 
lösen könntest) K. Z. — Schweiz, i, 987. 
Bayer, i, 750. 

Dreckfarb f. Dreckfarbe, so bezeich- 
net man alle diejenigen Farben, die ins 



FaRB 



FuRCH 



— 139 



FuRCH 



Grane, Braune, Schwarze spielen, also 
nicht so leicht schmutzig werden Str. 

Eichel färb f. Anstrich wie die Farbe 
des Eichenholzes K. Ingenh. 

Eier färb f. blatte od. rote Leimfarbe 
zum Fäi'beii der Ostereier Djinzenh. Z. — 
Schweiz. 1, 988. 

Laub färb f. Farbe des dürren Laubes, 
vorzugsweise von der braunen F. des Weins 
Dunzenh. 

Lim färb y. blatt od. rot gefärbter gal- 
lertartiger Leim zum Färben der Oster- 
eier Z. 

Perl färb [PärolförpP/'w/g-r/Vi'//. [ngcnh.~\ 
f. Perlfarbe, weissgraue oder blassblaue 
Oelfarbe zum Anstrich von Zimmerdecken, 
Thüren, Fensterflügeln. — Schweiz, i, 
988. 

Schiirk färb f. bunte Ostereierfarbe. 
Vgl. schlirgge unsatiber streichen Basel 

255- 

färbe" [farwa Dil. K. Z. Wörth Betschd. 
Han. ; faerwo Str. Lohr\ färben. M'r len 
(lassen) d'r d*r Arsch bloü f., d^rno'"'^ 
bruchs' ke'"® Kleider me'' sagt man 
drohend zu Kindern, die viele Kleider zer- 
reissen Du. 'mit deheiner . . . ander far- 
wen ferwen' Str. 1482 Brucker 244. - 
Schweiz, i, 990. Bayer, i, 750. 

abfärbe" die Farbe beim Waschen las- 
sen, nicht halten, nicht waschecht sein. — 
Schweiz, i, 990. 

farbig [färwi;^ Str.; förwi K. Z. 
AEckend^ Adj. biint (welches fehlt). — 
Schweiz, i, 991. 

laubfärbi*^ Adj. von brauner Farbe 
wie das dürre Laub, namentl. vom Wein 
Ahitzig. 

Ferch [Pari/ Horbg. Ingersh. M. Be- 
be In h. Rapp^ n., in Rapp. m. I. Kern- 
holz. Die'« Eich het vin F. Bcbelnh. 2. 
Bast am Holz Rapp. — Schweiz, i, 992; 
DWB. 3, 1527 Ver-Eiche. 

ferchig [far;/ik Kaysersb?^ Adj. keck. 

For'='-e [Fora Obhcrgh. ; För, Fl. Fora, 
Demin. Feili Dessenh.; Für, Demin. Ferlo 
Hlkr. Logclnh. ; Föro, Demin. F^rlo Dü?^ 
f. Föhre, Kiefer, Pinus silvestri?. Ln Dil. 
ist statt des einfachen Wortes F. die Zss. 
Fore"baum gebrätichlicher , andere Zss. 
ebd. j'/Vz^/Fore^holz, Fore"nod]e". 'Forhen, 
tiechteiibaum Pinus' Dasyp. — Schweiz. 
I, 992. Bayer, i, 752. 

Furch [Für^ Steinbr. ; Fit/ Wittenh.; 
¥i\n/ Dil. M. Geisp. K. Z. ; Fiiri;j't Geud. 



Betschd. ; Für Wh. neben Yu^y Dehli. 
— Fl. ¥\xx Wittenh.; Fany M. Du. K. Z.; 
Feri;y't Gend. Betschd. ; Fir Dehli. — 
Demin. Feri^^lo Dil.; Fcri^l K. Z.; Feri;>;'tl 
Geud. ; Fdri/1 Z.insw?\ f. Furche, der mit 
Pflug, Hacke oder Spaten gezogene Ein- 
schnitt in die Oberfläche des Erdbodens 
zum Zweck der Bebauung, Grenzfurche 
zwischen zwei Feldstücken. Der is' nit 
im Stand, dass "r e grade Für fa^irt ; all 
sine Für sin^ krumm Dehli. 'Krummi 
Furche" ge'^^n a"*'*^ Früchte' Str. Von 
einem, der weder Grund noch Boden be- 
sitzt, sagt man : Er het ke'"' eijcni F. 
a's die am A. Geisp. Mit der Deminutiv- 
form bezeichnet man besonders die F. 
zwischen den Gartenbeeten K. Z. Geud. ; 
Saatstreifen im Walde Zinsw. — Schweiz. 
I, 935 Füre". 

A'' wandfurch , A" wandfurch [O- 
wäntfüri;^ Dunzenh. Lngenh.^ f. Abwand- 
furche, Furche, welche vom Gemeinderat 
im Herbst nach vollendeter Aussaat des 
Weizens tmd im Frühjahr nach der Aus- 
saat der Gerste durch die ganze Gemar- 
kung um die betr. Felder gezogen wird. 
'Item 19/j -<% ist wegen der Markh, da 
man die Anwandfurch gehrt hat, verzehrt 
worden' Gemeinde-Heimbtirger-Rechnung 
Gimbr. 161 2. — Schweiz, i, 938 An- 
Furi. 

Fl ÖS furch [Fli^sfüri/ 71/.] /. F. auf 
einem Wäsy, dtirch zvelche das Wasser 
geleitet wird beim [Fliesa] des Stalles auf 
den Melkerbergen zum Wegschwemmen 
des Düngers. 

VV a s s e r f u r c h f. die quer durch einen 
Acker gezogene F. zur Ableitung des 
Wassers Roppenzw. Dunzenh. Ingenh. 
'Fürätze, wasserfurch Aquarius sulcus alias 
Elix' Dasyp. — Schweiz, i, 958. 

fQj-chgn l^f^sj-g 71/ J Wassergräbe7i auf 
den Wiesen machen oder reinigen ; zum 
Durchhauen des Rasens dient ein [Ferpcil], 
eine Doppelhacke, deren eine Hälfte die 
Form eines breiten Beiles hat. — Schweiz. 
I, 938. Westerwald föhren. Schwab. 
211 furren. 

fürichle" [feri;<lo Zinsw. ~\ im Walde 
kleine Furchen ziehen, in die man Säme- 
reien streut. 

anfürche", -te" [äf 1 r^o Roppenzw. ; 
änferi;^t3 Betschd. Bühf\ die erste Ftirche 
auf einem Acker ziehen. Syn. onföro, 
önero K. Z. — Schweiz. 1, 938. 



FüRCH 



FuRCHT 



140 



Furcht 



FoRD 



drittfürche" den Acker zum dritten ' is' gor grüserli«''* v., sider ''ass s'e -n- '^t 



Mal pflügen. Ich will ge''" d. Obhcrgh. i 

— Schweiz, i, 938 drifuren. 

Furcht [For;^t Hi.; YöyX. M.; Füri;^t 
Ingenh.] f. Furcht, Angst. Wü ke'n^ F. I 
is', is' au°'' ke'n® Scham Ingenh. — ''■ 
Schweiz, i, 993. 

förchte", förche", fö''che", fö''ch- 
te", fö''«''te" [faer;jf9 Olti. Strüth; fer^o 
Lutterb.; faer^ta Sier. ; fer^o Ensish.; 
fer/tö Gebw. ; i^xdi^i^ Sti. ; för;fO ///kr. 
Geberschw. //attst. /^ogelnh.; ftri;^a Co.; 
ihxiy^ Du. Uttenh. //f. ; {xryto /llk. ; 
feri;;t9 Str. //f. ; fe/o //ipsh. K. /ngenh. 
//f.; fe;).t9 7I/. ///. ; foer;ft3 Wh.; feta Geisp. 

— Part. kfacr_;|;'tot Sier.; kfer;jt Ensish.; 
kfer_^t //Ikr. Geberschw. //attst. Logclnh.; 
kferli^'t Co.; kföri^t Dil. Uttenh.; kfserp/t 
/llk. ; kfe;^ t M. K. Z. ; kfet Geisp ^ fürchten, 
Ftircht empfinden. Förchts' di'^'^ nit z" , 
Nacht use" z" ge>" ? Mci, wenn d«r Nacht- | 
kütz könnt! Sier. Er förcht, er troüt nit 
er ist ein Feigling Gebw. Ruf. Kc'n'^" 
Teufel f. sich vor niemand fürchten allg. : 
De förcht d^r TeüPl nit un^ wenn '^r 
lewendig kam Ruf. Eine" nit f. es mit i 
ihm atif nehmen allg. Kinderspiel: wi"^t ! 
oü"** mit in d^r Wald? — Ja! - Förichs' ! 
di^'' nit, wenn d®r Boüm umgheit? Nai" ! 1 
//ierauf fährt man schnell mit der //and, \ 
einem Schreibheft oder etivas Ahnlichem 
vor dem Gesicht des Gefragten vorbei; 
zwinkert er mit den Augen, so förcht ®r 
si®'' Dil. Es is' e kuraschierf^s Maid^l, es 
förcht si*'*' vor nix /llk. Bringe' ^s doch 
do her, dass i'^r's nit so wit ze trage" 
bruche' ! rufen die Arbeiter azif dem 
Felde eine Frau an, die ihren Schnittern 
in der Erntezeit das Mittagessen hinaus- 
trägt; sie antwortet dann: Ich fö^ch*®, esis* 

i (e'«f//) nitguetgeniie? //ipsh. Bruchs' di"^ 
nit zc fö''ch'c" Dunzenh. /ngenh. 'förchten' 
Dasyp. 'I haa mi schunn als Kind stark 
for em Wauwau gförcht Pfm. V 6. 'wann 
sie nicht ärgeres gefürchtet hetten' Mosch. 
I 490. 'I förcht glich d' Binse wachsc- 
n-eim im Buch' Str. IVibble J. — Schweiz. 
I, 993. Bayer, i, 7 53- 
förchtij»:, fö'chig [för^tik ///. ; fe^ik 
Felleri^ Adj. i. furchtsam, zu Furcht 
geneigt Felleri. 2. fürchterlich //i. — 
Schweiz. 1,964. Schwab. 210 fürchtig. 
ver förcht [forferi;Kt Str. Betschd. //f. 
(selten) ; fjrfe;^t K. Z.] Adj. furchtsam, 
ängstlich, feig {welches fehlt). Der ßue^ 



dis letst so Angst gemocht han Dunzenh. 

f ö r c h t e r 1 i g [f;Er|-t9rlek (9///. ; foera;^t9rlik 
Su. ; fer;/t3rlik //Ikr. Logclnh. ; f(^ri;^t9rlik 
Co. Rapp^ Adj. Adv. i. fürchterlich; sehr 
oft verstärkend vor Adj. und Adv. inderBed. 
ungeheuer, gewaltig, sehr gross: s het f. 
awe gmacht sehr heftig geregnet Su. 
F. kalt Logclnh. ; f. vi^l, Syn. hirnwüetig, 
erbärmlig vil Rapp.; f. gross, e förchterlige"^ 
Hufe" Rapp. 2. furchtsam //Ikr. — 
Schweiz, i, 994. 

Verdoria [Fartoriä R7if. Dü/\ gelindes 
Fluchwort, anstatt {Gott) verdamm mi'='^ ! 

vorder [förtar Dil. Str. Betschd^ da- 
neben die umgel. Form vorder [fertor 
Dil. //f.^ und im Superl. vörderst 
[faetarst Olti. ; fertarst Banzenh. ; förtarst 
Obhcrgh. Ruf. Logelnh. Dil. K. Z. Lüt- 
zelstn.]; neben v. auch vordrig Dil. Adj. 
vorig, letzt, vergangen : d v. Wuch Betschd. 
Die umgel. Komparativ form bes. in Zss. : 
s Vorderteil najnentlich von geschlachtetem 
Vieh, atich Vördervierf^l im Gcgcns. zu 
Hingervierf'l K. Z. s V-^örderhämle der 
(kleinere) Vorderschinken Dil. Vörder- 
fleisch Z. ; aber auch als Adj. s v. Mol, 
im vordere" Monet //f. 'in dem vordem 
artickel' Str. i^. Jh. Brucker 47. D 
Nase z" vörderst vorne" ha" überall dabei 
sein Olti. Banzenh. Umgestellt vorne" 
z" vörderst Dil. Er hockt s vörderst in 
d^r Schuel //f. Er ma(rjschiert s vörderst 
im Rcjement Z. We"" m^r nit üwral z" 
hinderst un'* z" vörderst is', sa geht's nit 
Du. z" hindervörderst Str., z" hniger- 
vörderst Lützelstn. M^r kann dcne Hut 
gut z. uft'^un, er is' hinge" wi® vorne 
Lützelstn. /n der älteren Spr. auch zur 
Bildung von zgs. Ztw. verwendet : forter 
zu setzen fortzusetzen B. Jobin 1857 j-. 
Alem. 6, 181. — Schweiz, i, 996. 
Bayer, i, 848. 

vordrig [förtrik Su. bis Rapp.; fötri;^ 
Kühlend^ Adj. vorhergehend, vorletzt 
Osenb. Hlkr. ; vorletzt, letzt Katzent. ; 
vorig Su. Dil. Rapp. Kühlend, s v. Tur 
[Tyr] die vorige Tour, das letzte, vorige 
Mal Rapp. In de'' vo-^drichc" Wuch«" 
Kühlend. D vordrig od. d vorder Wuch Dil. 
'die forderig' vorige (iEiLER alt. Schriften. 
Subst. Vorgänger '(Pabst Clemens) track- 
tirte Rayscr Ludwigen härter denn seiner 
Vordriger kcincf' Zwinger IV. — Schweiz. 
I, 998. 



FoRD 



FoRL 



141 



FoRL 



FoRM 



fordere " [förtara Bf. Str. K. Z. Zinsw.; 
fötora Bctschd. Bühf\ fordern, verlangen ; 
inständig bitten, betteln. Jetz' muss ®r 
*'crumge^n fo''(lcre" Betschd. Syn. hei- 
sche" Z. - Schweiz, i, 998. Bayer, i, 753. 

i" fordere" einfordern, Schulden ein- 
treiben Bf. Scherzh. Bachöfe"zins i. betteln 
gehen. 

fördere" [fertora Betschd.; focrtara, 
faeotara Wh7\ helfen, nützen, voranschreiten. 
Wenn s gut Wetter is', fördert s üwerall 
Betschd. Wirklich fördert's nit jetzt (bei 
schlechtem Wetter) kojnjnt man nicht voran 
mit der Arbeit Wh. [Mar sen nümo 
saeltret (zu dritt), s foertart tarnö net so 
fil Wh.'\ Syn. [kleka] M. 'Fürderen 
prodessc' Dasyp. — Schweiz, r, 1000. 
Bayer, i, 753. 

ab fördere" [öfertara Z.j abfertigen. 
Dene" hes' awer o''gfördert! Ingenh. 

jFerg m. Fährmann. 'Lintrarius ein 
ferg mit einem weydling' Gol. 200. 

ffirglen suchen, forschen. 'Auss so fil 
firglens' Geiler J. Seh. G 1 1 1 1 ''. — 
EiFEL frickelen, freckelen etwas Geheimes 
zu erforschen suchen. 

ferke"' [ferka il/.] schleifen, rutschen: 
[a Säjplo/ f. 71/.] — Schweiz, i, 1002. 
Schwab. 190. 

G*^ferk [Kferk J/.] n. etwas schwer 
oder mühsam zu Schleppendes. — Schweiz. 
I, 1002. 

Ferkel [Fuerkl Lützelstn. Lohr; F^arkl 
Ra7iw^ n.pmges Schwein, Ferkel: d Ferkle" 
han '^ne gewäscht un^ d Mo^r hat '''ne ab- 
getruck"^t Raum. Ferkle" mache" sich 
erbrechen (Hcizle" mache" K. Z.), Syn. 
gerwe", e Sach van sich gin, nix bi sich 
bhalte". s. ajichY'exol. — Bayer, i, 755. 

Spanferkel, s. Spanferel; vgl. auch 
Spa"tcsle. 

fPurk [Fürk Riif.~\ f. kleine Person. 

Firlefanz [FerlalFäns ///".] n. Albern- 
heit, dummes Zeug, Ungehörigkeiten, über- 
flüssige Verzierungen: dis is' alles F.! 
Demin. Fi'lefänz®! albernes Frauenzimmer 
Str. 'Diser Firlefans' Hutfeder Fisch. 
Garg. 181. 

Forle [Förla 71/.; Forla/. Bf; Fürl/. 
Mzitzig; Fürla m. Ulk. Geud. ; Füriy. Zinsw. 
Ndrröd.; Färla /. Schleit.; Fori/. Büst; 
Forla ;;/. Wh.; Foaarla Rauw.^ Demin. 
Färlelich [Farlali;^ SchleitJ], Förele [Firala 
Zinszvl^ Föhre, Kiefer, Waldflchte, pinus 
silv. Bisivcilen auch zsgs. mit Baum; 



Forle"baum Ulk. Die Fruchtzapfen heissen 
Furlebible Ulk. Str. Obbr., Furlebummer 
Ndrröd., Furlebübbe Wh. 'Forhen fiechten- 
baum, pinus' Dasyp. — Schweiz, i, 992 
Forch, züozu Forle eig. Demin. Bayer. 
I, 752 Forchen. 

ferm [ferm Liebsd. Olli. Roppenzw.; 
ferm Strüth bis Logelnh. ; faerm Sier. ; 
faerm Str. W. ; feam Rauw. ; farm im 
übrigen Els7\ Adj. und Adv. tüchtig, 
standhaft , fest, stark, sehr : er het '^m 
e ferme O'^rchappe ge'^^" Liebsd. ^'ne 
fermi Kist ein tüchtiger Ratisch allg. E 
fermer Kerl K. Z. De kri^^s' Schläg% 
awer fermi Wh. Das het m'r f. we'' seto« 
Roppenzw. Osenb. F. in d Kur ne'^™*'" 
streng behandeln Banzcnh. Obbr. s het 
f. dunnert, gr^j'^'t, gschneit Du. F. drut 
los schaffe" allg. Eine" f. weiche" tüch- 
tig prügeln. F. esse" un'^ trinke" Z. F. 
laufe" Prinzh. F. schelte" Lobs. F. 
schaffe" Rauzv. 'I glaub, er bringt mV 
do e ferme Dämbes mit' Hirtz Ged. 181. 
— Schweiz, i, 1014. Bayer, i, 756. 

Ferm® f. Melkerhütte auf den Bergen; 
häufiger Schopf od. Melkerhütt 71/ — frz. 
la ferme. 

firme'^ [ferma StrütJi\ i. das Sakra- 
ment der Firmung empfangen. Has' '^" 
gfirmt? 2. prügeln. — Schweiz, i, 1015. 

cLbfiTmc" prügeln Geberschw. vS/;«. ab- 
schmiere", dur'^'^jäte", dur'^^wichse", peit- 
sche", pritsche". 

Form [Fürm Sti. K. Z.; Form Bf. — 
Demin. Fürmle [Firmla Obhergh. ; Fermi 
K. Z. Lützelstn^ f. i. Form, Gestalt, Aus- 
sehen. 'E Meng brillant erleuchteti Ballons 
schwärme-n-erum unter alle möejliche 
Furme' Pick 1975, 47. 2. Modell zum 
Giessen Su., namentl. um Bleikugeln zu 
giessen, dann oft Zss. Köjelf. K. Z. 'So 
wenni der Kaiser Karl V. zwei Uhre het 
d'accord bringe könne, ewwe so wenni 
losse sich alli Menschehirn in ein Furm 
giesse* Pick 1975, 50. j. gedrechselte 
runde Holzstücke der Bortenwirker ; die- 
selben werden mit Wolle oder Seide über- 
zogen Bf. /f.. Hutform für Frauen tmd 
Mädchen Su., in dieser Bed. auch in der 
Demimitivform Obhergh. ; sonst hat das 
Dem. die Bed. Backform. Le^'ne* uns 
doch e par F., m'r welle" Küjelhoppe" 
bache" Lützelstn. s. auch Furn. — Schweiz. 
I, 1015. Schwab. 211. Bayer. 1, 756, 

Kugelform, .y. Form 2. 



FoRM — FeRN 



142 



FeRN 



FoRN 



Formalität f. Förmlichkeit Bf. Str. 
We"" m^r hirote" will, het m«r e Hufe" 
Formalitäte zc-n-erfülle" Bf. 

Furm, s. Fiirn. 

Farn [Farn n. Su.; Farn M.;¥orf. Bf.; nur 
PL Fano Bctschd. ; Far f. Lützelstn. ; Färt 
f. Lobs. Obbr^ Farnkraut, in den ver- 
schiedensten Gattjtngen, wird oft als Streu 
und zum Schutz der Ställe und Keller 
gegen die Kälte verwendet: d F. is*^ gut 
für ze straue", awer si® is' au'=^ schön in 
de" Strüss Lützelstn. In der Christnacht 
wird Farnblustsamen gesammelt tmd das 
Jahr über als Hattsmittel gebraJicht Stossw. 
JB. II 188. — Schweiz, i, 1017. Bayer. 

f'Reinfarn Tanacetum' GoL. 415. 

Saufarre" [Süifärn i^/. ; Seyfäro ö^^'.] 
Sauf am , Osmunda regalis, wird den 
Schweinen als Heilmittel eingegeben. 
KiRSCHL. II 399; ^. Maitrübel. 

Ste infam ['Steifärn Mittl.~\, meist rüdi- 
ge'' St. m. lanzettförmiger Schildfarn, bei 
dem auf der unteren Seite die Samen zu 
sehen sind: ^s is' fas' alle"" St. rüdig, m®r 
ka""t '•'ne nit bruche", s Vi'='' frisst '^^ne 
nit. — Schweiz, i, 10 18. 

fern, ferne, fernt [färn O. bis Mütt. 
und z. T. Bf. ; farna M. ; farnt Mietesh.'] 
Adv. vor einem Jahre, im vorigen Jahre, 
letztes Jahr. F. sin"^ si^ in Amerika greist 
Rzif. F. het ^r scho" müesse" fürt zu de" 
Saldate", jetzt das Jo^'r wi'^der Co. s is' f. 
gsi" Rapp. 'Es kam fernt einer in den 
chor lauffen, der was berömt und be- 
schissen' Geiler Em. 10, 'hür als fern' 
J. Seh. H III''. s. firn. — Schweiz. i, 10 19. 
Schwab. 190. Bayer, i, 757. 761. Hess. 
I o I fert. 

vor fern Adv. vor 2 Jahren Banzenh. 
Co. Dil. Rapp. V. is' d^r Winter nit so 
hert gsi" a's wie das Jo*»r Co. — Schweiz. 
I, 1019. 

vorvor fern ^^z;. vor ^ Jahren Banzenh. 
Rapp. — Schweiz, i, 1018. 

fern ig, fferndig [färnik Mütt.; färni 
Scherw. Bf. ; farnik 71/.] /. Adj. vorjährig, 
letztjährig, Sjn. ferndrig. Der f. Win is* 
guet Mütt. 'sagt vom fernigen schnee, 
wie ers vom Grossvatler Hackcleback ge- 
hört hat' Fisch. Garg. 201. 'Im verndigen 
Hcrpst' Zab. Hexenprozess 1620. 'ferndig' 
vorjährig Gemeinde - Heimburger - Rech- 
nungen Gimbr. 1667 bis 1687. 2. Adv. 
im vorigen Jahre. F. hct's weni^ awer 



guete" Win ge'"^" Bf. F. sin'' d Herd- 
äpf«l gerote' ebd. 'färni' Ulrich. — 
Schweiz, r, 1019. Bayer, i, 757. 

fern der ig, fenderig [färntarik Olli.; 
fäntarik Heidw. Mü. ; fantrik ///. ; fantrik 
Steinbr. S71. ; färntrik Hi. Banzenh. NBreis. 
Horbg. Katzent. Du. Rckw. Rapp.; färn- 
trik Mü.~\ Adj. vorjährig, letztjährig. 
Rda. Wo is' d^r f. Schnee? alles ist ver- 
gänglich allg. 0. Mü. Mat. 69, od. wenn je- 
mand ajif eine Frage keine Antwort zveiss, 
so stellt er diese Gegenfrage Banzenh. ; 
atich fragt man so, wenn man etw. suchen 
soll, das man schon lange nicht mehr ge- 
sehen hat Sil. Jetz' kummt ®r wieder vum 
ferndrige" Schnee! wenn einer längst Ver- 
gessenes wieder zur Sprache bringt; Syn. 
dis is' e'n alter Käs U. D«r f. VVi" is' 
vi*l süesser a's d^r disjährig Rchw. 'der 
Herbst- und Fuhrlohn ist dem ferndrigen 
durchaus gleich gemacht worden' Colmarer 
Ratsprot. 1679, i'^S"- — Schweiz, i, 
1019. 

fernse"^ atis der Ferne schön erscheinen. 
'S (das Lissel) isch raan un zimberli un 
bleed. Es fernsst eso* Pfm. IV 7. — 
Schwab. 190 fernen, fernelen. 

firn [fern U^ nur in Verbindung mit 
Käs, alt, dtirchgereift, abgelagert, fett: e 
firner Käs im Ggs. zu weicher Käs K. 
Ingenh., od. wisser Käs Hf., od. Bibbeles- 
käs Str. 'gfirnter Käs steifer Käse Str. 
Ulrich. I71 der älteren Spr. vorjährig, 
letztjährig 'ob man Newen oder Virnen 
schencke' Geiler 44. Narr, 'virne' Chron. 
117, 7 uö. 'Firnerwcin bihornum vinum' 
Dasyp. 'virnen win zu schenken' Str. 
Iß. Jh. Brucker 585. 'was firner, fuler 
böser heringe sint' ds. 216. .y. ful i. — 
Schweiz, i, 1020. Hess. 102. 

vorne" [förna allg.'\ Adv. I. vorn, vorn- 
hin. Er hat hinde"^ un^ v. nix besitzt gar 
nichts Su. Do is' nix hinge'^ un'* nix v. 
K. Z. Hinden c'^weg un^ vorne dran ein 
altstrassb. Gesellschaftsspiel, drei Mann 
hoch Pfm. I 6. vornen Ave, hinden Cave* 
Mosch. I 263. 'ich sitz vornan in dem 
Schif Brant Narr, i, i. 'die vornen 
leck, und hinden kratz' ebd. 39, 18. 2. 
der vordere nach der Strasse zu gelegene 
Teil des Hauses, zvo von den beiden Fa- 
milien (den Alten und den Jungen) in der 
Regel diejenige wohnt, welche die Meister- 
schaft führt K. Z. Vorne dure auf der 
vorderen Seite Hi. 'vornan' Chron. 274, 



FoRN — FeRS 



— 143 — 



FeRS 



Forsch 



15. vorncn 284, 12. vorne 275, 20. — 
Schweiz, r, 102 1. 

d^vornc" Aäz>. vom S71. Co. Geber schzv. 
Wörth Betschd. M"r gsi^^'^t e Sach d. besser 
a's do Co. — Schweiz, r, 102 1. 

übervorne" [evvarförna Ä^] Adv.vor7t, 
im vorderen Zivinier. — Schweiz, i, 102 i. 

z"vörderstvorne" Adv. ganz vorne, 
ganz zuvorderst S21. 

Furn, Furm [Fürn/. Str. Bf.; Fürm 
in. Horbg. Dachstn., f. Avolsh. — Dentin. 
Firnl Str. ; Firmla Horbg. ; Firnil Dachstn. 
Heidolsh.'] Weissfisch. Firnle" schleisse" 
junge Weissfische zerteilen und als Köder 
für Hechte an die Angel befestigen Str. 
'Leuciscus furn' GoL. 323. Balüner 73. 
'Forne, Abbelen, Heiirling, Spitzling' L. 
KB. 454. wenn er mit eme jede Schwoob 
nur ein handelangsFürneleschlenze (fangen) 
dät' Str. Wibble 62. 'zwische dene Hechte- 
n-Ole un Furne-n-isch bali's Laid vergesse' 
Frcelich Holzh. 26. — Schweiz, i, 1021. 
Schwab. 193. 211. 

jVValtfornen 'Waldforellen H. Boner 
Brief 1530. Baldner 68. 

furniere" [fürni3r9 Felleri.; fürniraÄr.] 
/. liefern, frz. fournir Sti. 2. ausstatten 
zur Hochzeit Felleri. J. tannene Möbel 
mit dünnen Platten Eichen- oder Nuss- 
baumholzes so überkleben, dass sie das 
Aussehen von massiven Eichen- od. Nuss- 
bamnmöbeln bekommen Str. 'ein gefor- 
nierter Gewanthkasten' Not. Urk. 1745. 

Ferpar [Ferpär, Ferphär allg. in Städten^ 
nt. schriftliche, hätfiger gedruckte Todes- 
anzeige ; Syn. Leidbrief Ingenh. — frz. 
faire part. 

Fars [Fars Hi. Su. Heidolsh. Scherw. 
Meis. Ndhsn. ; Färs Co. Str. Lobs. — PI. 
Farso 0., Fars bezw. Färs von Heidolsh. 
ab~\ m., Co. Str. f. Streich, Scherz, Witz, 
Posse; grobe Unwahrheit Scherw. Si^ hän 
■''m e F. gemacht un ' hän '^m sin Z"- 
morjenesse-n-e'^weg geputzt Str. — frz. 
farce. 

Farsör [Farser Olti.Su-.Str^ m. Spass- 
macher, Possenreisser; Syn. Farse"macher 
Lobs. — frz. farceur. 

Vörs [Fars Hi. Su. ; Färs Du. K. Z. Wörth 
Betschd.; Faers Str.; Faerst Lohr Wh.] m. 
Strophe, ^'ne'^ V. singe" Su. — Schweiz. 
I, 1022. 

G'^sangvers m. Strophe eines Kirchen- 
liedes Du. U. Kanns' de" G. für in d 
Kindcr]c''r? Dtmzenh. Insrenh. 



Ferse", Ferste" [Färsto m. Olli. ; Färsa 
f. Sier. NBreis., in. Heidw. Osenb. Su. 
Katzent. Barr ; Färsa m. Hi. Bitschw. En- 
sish. Hlkr. Co. Du. ; Farso 71/.; Färsi m. Bf. 
Kerzf. Uttenh.; Färs /". Geisp.; Färd _/. 
Bisch. Gimbr. Dtmzenh. Lngenh.; FärSt f. 
?««^ FarstQ m. Hf. Rothb.; Faersta m. Str.; 
Färsta m. Brtim. ; Fersta f. Offzv. Uhrw. 
Kindw.; Faerst y. Wh., m. Dehli.\ 'Färste 
Ulrich /. Ferse. Hes' ''" Scholle"bir"e" 
feil, d F. luegt d'r zuem Strumpf usse" ! 
Sier. Eim uf d Ferse" (uf d Ise") gi**" 
Bitschw. Er si^^'t liewer d F. a's s Gsicht 
Bisch. Rathgeber 19. Di« Kin'''='' strecke" 
alPde" Ferste^' zu de' Strümp'"^"'^erusZ'fc7///. 
2. Fersenstück am Strumpfe. A" de" Fer- 
sche" verrisse"^ d Strumpf am erste" Barr. j. 
Zahnkrankheit der Schweine Du. — • 
Schweiz, i, 1022. Bayer, t, 757. 

Fors [Fors allg^ f. Su. Geberschw. 
Du. Bf. AEckend. Tiefi^enb., m. Nhof, f. 
und m. mit Verschiedenh. der Bed. Hf. 
Kraft, Stärke, Gewalt, Wucht. Mit F. ka"" 
m^r eOchs am VVad^l ummelüpfe" Geberschw. 
Durch de" F. vom VVueste" haw i*^** de" 
Bluetsturz gepomme"^ Hf. Dis is' sini F. 
Talent, Spezialkenntnis ebd. Far ioxco, frz. 
wird hälfig gebraucht, bes. im O. Er 
is' p. f. in d Stuwe^ ine er ist mit Ge- 
walt in die Stube eingedrungen Banzenh. 
Bisweilen mit voratif geschicktem pleonast. 
mit: mit p. f. han si* mi'^'» welle" ine- 
schleife" hineinschleppen, z. B. ins Wirts- 
haus Su. — Schweiz, i, 1023. Bayer. 
I, 757. frz. force. 

forsiere" [försiara Banzenh. bis Bf.; 
försera Str.; försi^ra Hf7\ i. erzwingen, 
durchsetzen; überanstrengen Ruf. S losst 
sich nix f. Hf. 2. notzüchtigen. — frz. 
forcer. 

i" färs che", .y. infäsche''. 

förschle", förstle" [ferstla Banzenh.; 
f(^rstla Rtif; fersla M. Hlkr. und nö. davon 
allgT^ forschend aushorchen, atisforschen, 
geschickt ausfragen, vorsichtig nachfor- 
schen. Hes"- a gförsch'^lt? Hlkr. Er is' 
gejjununen gghn f^ Bauzcuh. Er duct dcr- 
glichc", wie wenn ®r an nix denke" gät 
un'^ försch^lt als fürt, bis ''ass «r alles 
weisst Dil. Do is* nix z' f. ! Rtif. — 
Schweiz, i, 1023. Bayer, i, 757. 

nach förschle" [nöfersla Geberschw.; 
nöferstla Scherw. ; nö;^f^rsla Str. K. Z. ; 
no^fersla Lobs^ heimlich, eifrig nach- 
forschen. 



Forsch 



FaRT 



144 



FaRT 



usförschle", usförstle" ausforschen, 
a7issnc]ie7t, miskund schaffen, ein Geheim- 
nis entlocken allg. Si** ha" mi^'^ welle" u., 
awer i"^*^ havv e "iie"^ Bärc-n-a"gobunde" 
Bf.; Syn. d Wurm us der Nas^" ziejo" 
Rapp. 'die Bettler vnd armen bis auff das 
hinderstauszförschlen'GElLER 53. iVijtrr. 'alle 
Heimlichkeiten außforschleji' Mosch. I i 7 7. 

F ö r s c h 1 e r w. einer, der alles ergründen 
und züissen möchte Katzent. 'Förschler 
Inquisitores' FiscH. Bin. 237*^. 

First [Ferst Obhergh. M. Mittl. Mutzig 
Geud. ; Ferst m. Dunzenh^ f. i. Giebel- 
balken, Dachträger, Dachfirste: d Schür 
is' bis ingcr d^r F. voll Hau Mittl. 2. 
Giebel Mutzig. J. häufig Name von hoch 
gelegenen Gemarkungen : uf'^m F. Dunzenh. 
Im M. hohe Ber^weide mit dazugehörigen 
Sennhütten, 'die Fürst' Hochkamm d. Vogesert 
ScHLETTST. Chron. g. s. auch]^.Y\, 151, 
Nr. 177. Ratsprot. der Stadt Münster i ^ ^o : 
'ein ieglich haupt (Stück Vieh) so uf die 
fürst gat'. Zss. Firstmiss ein stunpfiger Berg- 
grund M. — Schwab. 193. Bayer, i, 
758. Hess. 103. 

Forst [Forst U.~\ m. Forst, spez. der 
Haujenaujer F. Ilagenauer F. Eimerforst, 
Eimerforstberg Wald und Berg bei Was- 
selnh. Zss. Forstbrill. Wenn jem. schlecht 
sieht, so sagt man scherzweise zu ihm : 
Ich miiess {oder will) d'r, glaiiw i^*", d 
Haujenaujer Forstbrill hole" Cl. — Schweiz. 
I, 1024. Bayer. 1, 758. 

Förster, Förstncr [Ferstnar Osenb. 
Ruf.; Festar Logelnh.; Ferstor M.; Ferstor 
U.; Firstar Lützelstn.; Fusrsnor Altw.~\ m. 
Förster, Waldhüter. — Schweiz, i, 1025. 

Ftirste"berger Familienname in der 
Rda. 'Er hat dT F. vergesse"' die Rech- 
nung ohne den Wirt gemacht Mü. Als. 
1856/57, 338. Danach eine poetische 
Erzählung von A. Stöber s. Vorwort. 

Fa'^rt \¥^i\.allg.; vereinzelt ¥ ort Meis. 
Pfulgriesh. ; Fort Ä'. Z. ; Fürt Bisch. — 
Fl. F6rt Ilirzfn. Gcberschw. M. Mittl. 
Scherw., sonst Farto — Demin. Fartoli 
IIeidolsh.~\ f. I. Ladung, Traglast auf 
dem Rücken oder Kopf. E F. Holz, Fucter, 
Trubel ti. s. w. Trägt jemd. eine Last 
nach Hause, so zvird er allg. von solchen, 
die ihm begegnen, grüssend angerufen : 
Hes' c F.? Sei'' scho"! Orschw., od. Jo! 
allg. Im U. bezeichnet F. eine mit der 
Gegend wechselnde Menge geherbsteter 
Trauben, sowie das Einhcitsmass, nach 



welchem der Ertrag der Weinlese ange- 
geben wird; in Hf. enthält die ¥. ^o Liter. 
Wi= vil Fallit han '•'r dis Jo'^r gherbst*'? 
Was gilt d F.? Hf. 2. Mal: di= F. diesmal 
Str. j. viel, Syn. Wisch K. Z. P'' ha" e 
rechti F. ze bichtc" Osenb. — Schweiz. 
I, 1026. Schwab. 179. Bayer, i, 760. 

A"fa^rt [Ofört Breitenb^ f. Anfahrt, 
Auffahrt vor Heusehobern, von wo aus 
man das Heu bequemer abladen kann. — 
Schweiz. 1, 1032. 

Hoffart [Höfort Geberschzv.; Hüfort 
Dil. ; Hofärt Str. ; Höfört Ä'. Ingenh. ; 
Höfärt Hf.; Hofart Harsk?\ m. J. Hofart, 
Stolz, übermässige Prachtentjaltung in 
Kleidern tmd in der häuslichen Ein- 
richtung. Alles an de" H. henke" K. Z. 
D^r H. muess Not lidc" Geber schw. Dil. 
Wenn ein Hatts alt und baufällig ist, so 
ist es kc'n H. zzi bauen AEckend. 2. f. 
Kindtatife tmd Kindtauf schmaus Ilabsh. 
M. Wer werd do H. sin? Harsk. J. 
stinkigi H. Co., stinke"di H. Str., stinke"- 
der Hoffart Harsk. Ringelblume, Calen- 
dula ofücinalis, Gartenblume von unange- 
nehmem Geruch. -- Schweiz, i, 1032. 

hoffärtig, ho ff er ig [höfrik Pfetter- 
hsn. bis NBrcis.; höfortik Urbis ; höfrik 
Su. bis Bf. ; höfaerti Str. ; höfärti K. Z. 
höfarti;^ Harsk^ Adj. i. hoffärtig, hoch- 
mütig, stolz Pfetterhsn. bis Z. Das is' 
emol e hofriger Narr Pfetterhsn. Du 
bis' afange h., de grüess' nit emol me*"^ 
NBreis. 2. schön gekleidet, aber nicht 
hoffärtig Heidw. Su. Ruf. Osenb. 
Geber schw. Obhergh. j. als Pate od. Patin 
stehen, wobei man natürlich die schönsten 
Kleider anzieht Ili. bis Rapp. s M^'"ei 
un'* d-r Hans sin^ h. gsi" Osenb. Sin"^ 
'^r h. gsi" ? Illkr. ^. verlobt Rapp. — 
Schweiz, i, 1033. 

dreckighofrig Adj. äusserlich geputzt 
und geschmückt, sonst aber sehr unreiji- 
lich; oben hui und unten pfui Ilorhg. 

Uffa*>rt [Yfart ^. 0.; Üfort Urbis 
Htlss^ f., in Urbis und Hüss. m. Himmel- 
fahrt Christi. Ueber die Gebräuche 
im Steinthal am Tage vorher, s. JB. V 153. 
In der älteren Sprache heisst die U. 'non 
tag' Brucker 207. 

W a 1 1 f ah r t [Wölfjrt Pfetterhsn:] f. Wall- 
fahrt. Fern hän i"'' e W. uf Ei"si"=dle" 
gmacht. - Schweiz, i, 1037. 

wallfa''rte" [wölfärto Eschenzw. Bf.; 
wölförto Ä'.] jneist mit folg. ge''n : eine 



FeR 



— HS 



FeR 



FoR 



Wallfahrt machen, zu Fuss oder auf 
einem Wagen. — Schweiz, i, 1037. 

Fert [F^rt Ingw.~\f. Gezvohnheit. Von 
einer Hausfrau, die hätifig herumlätift 
tmd klatscht, statt ihre Haushaltung zti 
besorgen, sagt man: Si^ is' wieder ganz 
von d<=r F. — Schweiz, i, 1038. Bayer. 
I, 760. 

G'^fcrt [Ivfert, PL Kfertor Du.; Kfert 
Rchzv. Bf Barr Molsh. Hf. ; Kfacats Wh. 
— Demin. Ivfertla Dil. ; Kfertl Rchw. 
NdhsnT^ n. Gefährt, Wagen, Fuhrwerk, mit 
Pferden bespannt und zu Spazierfahrten 
bestimmt, also so viel wie Chaise, Break. 
6) '«. Scharre bang AVdvy/j't'r. De Biir miiess 
s im Reine" ha" ; er het e Gf. wie '^'ne'^ 
Baron iin^ Ross* wie *'iie'' Jcneral Bf. 
VVonn c Gf. kuinint, un'^ derno°'^ ge''s^ 
uscr \vc(\ VVej Wh.; Fahrzeug, Kahn ztim 
Fischen ausgerüstet : 'und blybe ein ge- 
fert minner oder mc über' Str. 75. Jh. 
Brucker 218. — Schweiz, i, 1038. 
Bayer, i, 760. 

Gierts [Ivterts ///.] n. unnütze Um- 
stände, unruhiges auffälliges Gebahren. 
Er macht alle Tur e so e Gf. Was hestu 
für eG.? Zu was die vielen Umstände? 
Stöber. 'Gefert consuetudo' Scherz mit 
Stellen aus Geiler. 

fertig [foertik Su.; fertik Gebw. Ruf. 
Logelnh. ; ferti Bisch. K. Z. Geud. Hf. ; 
ferti;; Str. Wörth Betschd. Han. ; faeote^ 
JF//.] Adj. I. bereit, bes. zur Abfahrt od. 
zum Weggehen: Alle {frz. allez), bis' noch 
nit t., ich ge*^ ! Dunzenh. 2. vollettdet, 
beendigt, zti Ende gekommen od. gebracht, 
erschöpft, aus. Arbeitsgruss : Sin' '''r bal-' 
f. ? worauf die verschiedensten Antworten 
erfolgen: Jo, s is' nit t^ früej ! Gebw., od. 
Anfange a"gfange'' ! Riif., od. Jo, bis uf s 
Usputzc" Dunzenh. P** gang nit, un*^ do 
is' US un'* f. Su. Ellipt. als Ausdruck 
des Unwillens: F.! ich kann's nim (tticht 
mehr) usfüe'^re" Hf. F.! oder un^ do is' 
f., ich bli*^ nim Ingenh. s is' us un^ f. 
unabänderlich Su. s is' f. un^ ab Ruf. 
s is' f. mit ''m er ist tot U. 'Ich sieh, 
myn End steht mir bevor, S isch ferti mit 
mir jetz' Stosk. 13. F. ge^n sterben Hf. Fix 
c f. allg. Rathgeber 19. Ich wur^ mit f. 
e^'weder a's d Katz e Ei Icit, u"'^ wenn s'e 
sehn" sechs Wache" uf *^^m Nest sitzt Getid. 
J. versorgt: s Vi'** is' f. Wh. Eine" f. 
mache" jemd. mit den Sterbesakramenten 
versehen, Sj/n. verse**"; jemd. umbringen: 

Wb. d. eis. Mundarten. 



Du t'^ät^s' mich ganz f. mache" zzc Tode 
qtiälen Hf. Sich f. mache" sich durch 
übermässige Anstrengung umbrijtgen ebd. 
s. auch ferig. — Schweiz, i, 1040. 
Bayer, i , 761. 

fbossfertig schlagfertig, zum Schlagen 
bereit. (Durch Entfernung Peter Zieglers 
vom Bürge rmeisteramte haben die schwachen 
Rattsherren von Mü. Ij86) 'ihren boss- 
fertigen khinderen das messer in die hand 
gegeben' Petri 395. 

licht ferti*? Adj. und Adv. leicht, zier- 
lich, schlank, biftig, bes. von Gebätiden. 
Do kann niemole" nix passiere", der is*^ 
gar 1. gcböue" vom Eijfelturm in Paris 
Schwindratzh. 'leichtferitg wie ein blcyenes 
Vögelein' (scherzh.) Martin Pari. N. 156. 

nacht fertig Adj. i. nachtzvandelnd, 
schlafwandelnd. Vgl. Hebel, Merkwürdige 
Geschichte eines Engländers : der nacht- 
fertige Condtikteur. 2. einer, der wenig 
schläft, der sehr früh aufsteht, um seiner 
Beschäftigjing nachziigehen U. W. 

free ht fertig Adj. in Ordnung, recht- 
mässig, 'es ist als rechtfertig gewesen' 
Pauli 299. — Schweiz, i, 1041. 

f'ringfärtig' beweglich Fisch. Ehez. 
{D2°). — Schweiz, i, 1042. Bayer, i, 761. 

weg fert ig Adj. reisefertig. P^ ha '•'ne 
nim verwitscht, "^r het si"** w. gmacht er 
ist auf und davon Geberschw. — Schweiz. 
I, 1042. 

abfertige" ahiveisen. Si* het welle" 
Geld le^ne", awer i«^ ha*** si* abgfertigt 
Du. Syn. abfördere" K. Z. 

-{-Fertiger?«. Versender, Verkäufer Str. 
75. Jh. Brucker. 

•{-Fertigung f. gerichtliche Urkunde 
Hegenh. 17 13 Ord. I 425. 

fort [fiirt allg^ Adv. fort, weg ; Verben 
der Bewegung, vorzugsweise gehen, werden 
danach weggelassen. Er is' vu" sinere 
Froü f. hat sie im Stich gelassen Dil. 
Bis'' schu" f. gsi"? bei der Beichte gewesen 
Pfetterhsn, Gruss an einen Reisenden: 
Wenner f.? Hattst. F. mit dene", wo 
j^ginen Huszins za^lc'* ! sagt eine Person, 
die Flöhe von sich wegtreibt Hlkr. F. 
mache" in seiner Beschäftigtmg fortfahren 
U. — Schweiz, i, 1052. Bayer. 1,761. 

allsfort, all fort [älfürt Olli. FisL; 
älsfürt Dil.; äfürt Bisch. K.; älsfürt Str. 
Hf. Wörth Betschd., Nebenf. älfürt Hf.; 
älfürt Lützelstn. Sek Ndrröd. ; älfüat und 
äfst Wh. ; älsfürt Dehli.'\ Adv. immerfort, 

10 



FoR 



FuR 



146 — 



FuR 



FaS 



in einem fort, immerwährend, nnatifhör- 
lich, fortwährend, beständig, immer. In 
Olti. häufig dafür auch alsdruf. Wort- 
spiel: s rej"^t a. ! Antw. : s is* besser 
wenn's fürt rejt, a's wenn's do gät rej"e" 
Du. Verächtlich zurückweisend : Was dis 
für e Gschiss is' a. ! Syn. mit dem Ge- 
mach a. ! Ingenh. 'Het alsfiirrt ebbs ze 
tadle g'het' Hirtz Ged. 165. Do is' m^r 
a. hinge" wider da trifft man immer auf 
ein Hindernis Wh. Der will a. ruwe" 
un^ nix schaffe" Dehli. 's muess alsfurrt 
Neues genn!' Hirtz Ged. 210. S blei'^t 
nit a. so wie alleweil nicht immer so wie 
jetzt Selz. 'I förcht er wurd noch alsfurt 
kränker' Pfm. V 6. — Schweiz, i, 1042. 

Scherdi^'^fort ['Sartifürt Bf\ m. plötz- 
liche Entlasstutg : de" Seh. bekomme" 
fortgejagt werden. — Schweiz, i, 1042. 

Fortun(e) [Förtyn Hlkr. m., Ingersh. 
n,, Rapp. m., Str. f.; Förthyn K. Z.; 
Foaortyns Raiiw^ Geschl. schwankend, 
weil meist ohne Art. gebr. De'' Mann het 
F. gha in sim Gschäft Ingersh. Er will 
uf Strossburich ge'^n F. mache" Rauw. — 
Schweiz, i, 1043. 

Fürte, Fürti, Fürtle, ^. Fürtuech. 

Furz [Fürts Horbg. U. ; Pfürts Ruf. 
Horbg. — PI. Ferts allg. — Demin. Fertsl 
Hf^ m. Wind aus dem Unterleib. E 
herter F. ein hörbarer, e heimlicher F. 
ein lautloser Ingenh. E nasser F. wenn 
etwas Darminhalt mit entweicht Hf. E 
F. Ion entweichen lassen K. Z. 'Ein 
grossen furtz darzü sie Hess' Fisch. Flöhh. 
438. Trocke" wi^ e F. allg. Ke'n F. 
wert Hf. Ummeschiesse" wie n-e F. (bezw. 
Pf.) in ''"'^re Latern O.; s schlottert (fa^'rt 
Barr) do dran {od. drin) "^erum wi* e F. 
in *'"ere Latern von einem Gegenstand, 
der lose an einem andern befestigt ist und 
hin- und herbaumelt , auch von einem 
Menschen, der beim geringsten Stosse um- 
hertaumelt allg. Ist etwas zii kurz, so 
sagt man Bind e F. dran, derno*='' is' 's 
um e Scheiss länger Str. Alle" F. lang 
jeden Augenblick Hf. Verächtlich für 
Kleinigkeit : e F. im e Lumpe" od. Lüm- 
p*l; wenn jemd. als vermögend tmd be- 
gütert gepriesen wird, fährt ein anderer 
neidisch und wegwerfend dazwischen : Was 
het *r? Nit emol e F. im Lumpe" (Lap- 
pen = Taschentuch) Ingw. s. atich Dreck. 
— Schweiz, i, 1046. Bayer, i, 762. 

G'^furz n. i. wiederholtes, häufiges 



Farzen Katzent. Du. 2. schlechte Musik 
mit Blasinstrjimcnten Katzent. 

Es eis furz ;«. Eselsdistel, Flockenstäub- 
ling, Onopordon acanthium, ein Pilz, der 
im Herbst einen schivarzen staubartigen 
Inhalt hat; drückt man ihn zusammert, 
so fliegt diese Masse heraus, und wenn 
sie in die Augen dringt, so wird man, 
nach dem Glauben des Volkes, blind Z. 

Wolffurz m. Bed. wie Eselsfurz Bctschd. 

furze" /. lauten Wind von sich geben 
allg. Syn. das derbere schisse" K. Z. F. 
wie e Burgunderes^l allg., wi^ e Steines^l, 
wi^ e Stabstrompeter Hf. 2. aus dem 
hohlen Blütenstengel der Zwiebel blasen 
Dunzenh. 'vorzen' Chron. 342, 2. 'fartzen' 
Dasyp. — Schweiz, i, 1047. 

Furz er m. schlechter Musikant mit 
einem Blasinstrument. 

R ü b e 1 f u r z e r ;«. Spottname des Schorn- 
steinfegers, s. Kaminfeger. 

Pas [Fäs ///".] f. abgeschrägte Kante 
am Holz, techn. Ausdruck der Schreiner. 
— Schweiz, i, 1047. frz. face. 

Fass [B"äs Su. ; Fäs und Fäs Geberschw. ; 
Fäs Du. U. — PL ebenso bei voraus- 
gehender Zahl, daneben aber auch das 
sonst übliche Fesor ; Fasor Su. — Demin. 
Fasli, Fasla O.; Faesl Str. W.; Fasl 
fA] n. I. Fass, hölzernes Gefäss, das 
meist zur Aufnahme von Flüssigkeiten, 
bes. von Wein, bestimmt ist. 'in vassen 
oder in körben' Str. 1469 Brucker 208. 
'in halben fudern oder in vesseln' ds. 572. 
2. Euter der Säugetiere : Di'= Ku^ het e 
meineidig F. sehr grosses Filter Lobs, s 
Kalb het schun e nettes Fäss^l Geud. 
Übertr. auch von der Brust der Frau: s 
is' e Fässle vorgebunde", König un'' Kaiser 
hän drus getrunke" Du. — Schweiz, i, 
1048. Bayer, i, 766. 

Essig fass Wh., Demin. Essie^fässel Z. 
Gefäss aus Holz oder Steingut zur Aitf- 
bewahrung von Essig. E Gsicht wi'^ e'n 
E. Wh. — Schweiz, i, 1049. 

Fueterfass n. hölzernes Gefäss, in 
welchem der Mäher den Wetzstein mit sich 
trägt S. Mach e bitzi Wasser ins F. ! 
Rädersd. ; Syn. Kumpf Z. 'so würt er 
(der Leib dtirch die Pflege) kum hübscher 
denn sant Anstetz iütcrfaiV (hier wohl 
Ranzen}) Geiler HK. LXXXIP. In der 
Em. O. iiij wird noch zugefügt schwartz 
und ungestalt. Die Reliqtiien des h. Ana- 



KaS 



H7 



FaS 



stasius zvnrdcn nach Spccklin 1^2^ nach 
Str. übertragen: Scherz 52. — Schweiz. 
I, 1050. f 

Heri"'fässel n. Fäs sehen, in detn 
Heringe eingelegt zvaren U. Syn. Heri"^- 
tönn"^! K. Z. 

Käsfässcl n. i. Gefäss, in welchem 
Käse bereitet wird. 2. scherzh. Bezeich- 
nung für einen Cjdindcr oder runden, 
hohen Hut Kindzv. — Schweiz, i, 1051. 

Küc'^lfass n. Krife mit kaltem Wasser, 
durch zvclche die Abßussröhren des De- 
stillierapparates geleitet zverden Bf. 

Leitf'ass n. l. Fass, das ungefähr ^ hl 
aufnehmen kann und zum Transport von 
Wein gebraucht wird Mutzig. 2. Grosses 
F., das während der Herbstzeit zur Auf- 
nahme der Trauben bestimmt ist und zu 
diesem Zwecke eine zveite viereckige Öjf- 
nung in der Mitte hat Z., oft aber auch 
aufrecht steht mit herausgenommenem 
Boden Dunzenh. — Schweiz, i, 1051. 

Mistfässel n. hölzerner Trog, in den 
man den Kehricht aus den Zimmern und 
die Abfälle aus der Küche th7it Str. CS. 74. 

Putsch fass n. Butter fass, Fass oder 
Kübel zur Zubei'citung der Btitter Olti. 
Pfetterhsn. Syn. Plotzfass, -fäss'^1 K. Z. 

Plotzfass, s. PJitschfass. 

Plunkfass, Punkclfass [Pür|^klfö.s Ä^ 
bis Bebelnh. ; Deiuin. Piu|kliasl^ Banzenh. 
bis Du.; Plüij^kfäs Wörth Betschd.; Pliimp- 
ik% Roppenh.; Pleyr^fasl Weyersh.; Plüi|k- 
fesl Kindw.'\ n. hölzernes Gefäss, in dem 
der Kahm 2u Butter verarbeitet zvij'd; 
dasselbe hat entweder die Form eines 
Fäs Sehens und liegt auf einem Schrägen 
und die Butter wird durch Drehung eines 
Doppelflügels in dem Fässchen gewonnen, 
oder es hat die Form eines abgesttimpften 
Kegels, in dessen Höhenachse ein Kolben 
auf- tmd abbewegt wird, d. h. hier wird 
die Biitter gestossen. 'e Paar Waade wie- 
n-c Bunkelfässlc Mangold Colm. Kom. 
14. 

Reis fass n. Transportfass Gebersehw. 
— Schweiz, i, 1052. 

R u m p e 1 f a s s n. grosses zerbrochenes 
Fass Avolsh. — Schweiz. 1, 1052. 

Salz fass n. Salzgefäss in der Küche, 
aus Holz und neuerdings auch aus nach- 
geahmtem oder echtem Porzellan U., etwa 
^ Pfund enthaltend Su., oder auch kleiner, 
für etwa 2 Pfd. 'ein , saltzfass' Str. /f. 
Jh. Brucker 32. — Schweiz, i, 1053. 



T i n t e " fa s s n. Tintenfass Rapp. Str. ; 
Denan. Tinte"fassle M. Äne, däne, T. 
Anfang eines Kinderreims O. JB. VII 
157- ^y^^- Tirite"g]as, -gläs^] K. Z. Str. 

Win fäs sei n. i. Weinfässchen allg. 
2. Meerzwiebel, Scilla bifolia Kerzf. — 
Schweiz, i, 1054. 

-|-Fäselen PI. 'Phasioli fäselen, oder 
welsche Bonen' Gol. 425. — Schweiz, i, 
1063 Fasöle. 

fasle" I [fäsb Hlkr. Bf."] 'faasle Ulrich. 
ungereimtes Zeug schwatzen, bes. von 
einem Kranken in der Fieberhitze ; Syn. 
fawle" Bf. 'err faselt, un us de Hitze 
redd er, singt er, naaselt' Str. Wibble 2g. 
— Schweiz, i, 1057. 

fasle" II gefajtgen nehmen, verhaften, 
arretieren. Er is' gfas^lt wor'^e", od. si"" 
han '"ne" gfas^lt, wo ''r zuem T^'or nüs 
gewellt het Str. - Schweiz, i, 1058 
fasen II 2. 

[-Fasel [Fösl Dunzenh. Ingenh.; PL 
Fosla Bisch., Fesla Dehlil] f. aus einem 
Gewebe abgelöster Faden. 'die fasen' 
Fisch. Garg. 210. 'Fimbriae Zoten vel 
Vasen' Herrad 191^. 'Trama extrema 
pars vestimenti traben (/. traden) vel vasen' 
181''. s. atich Faslet. — Schweiz, i, 
1058. Bayer, i, 762. 

fasle" III, aber nur in der Zss. us- 
fasle^ [ysfäslo Str. Hf.; ysfosla Bisch. K. 
Ingenh. ; ysfäslo Lützelstn.] ausfasern, 
sich in Fasern auflösen, namentl. an 
Kleidern, wenn der Sajim oder die Naht 
aufgeht, aber auch an unverarbeitetem 
Zeug. Üwerstech nur di^ Noht glich, dann 
d^r Zeij fass'^lt gar ger" üs Lützelstn. s. 
atich nsfasere". 

Faslet [Fäslot Hf.; PL Fäsolto TJ/.] 
f. aus dem Gewebe gelöster aber noch 
daranhängender Faden, Faser, Franse; 
Charpie Hf. Dehli. s. a^ich Faser. 
Fäs'^lte Fasern der Bohnen M. 

fasenatig, j'. unter nacket. 

fasse" [fäso allg.~\ i. fassest, anfassen, 
ergreifeit, festhalten. Fass "'ne! beim 
Hetzen eines Hundes Dunzenh. 2. in 
Empfang nehnen, bes. Sold, Montierungs- 
stücke, Ration, ein Ausdruck aus der 
Soldatensprache. J. zu sich nehmen. 
'dis isch alles was i weiss. Kumm mit 
mer, e Schoppe fasse' Pick Buch. 23. 
'do will der Werzina noch hurdi e Schoppe 
fasse' ds. Mo. 19. ^. in ein Maass 
fassen, füllen. Korn f., Gerst^ f. allg. 

10* 



FaS 



— 148 — 



FaS — FeiS 



E-n-Imme" f. einen Bienenschwarm, der 
sich irgendwo, z. B. an einem Baum, 
festgesetzt hat, durch Abschütteln in einen 
Bienenkorb oder -kästen sammeln Bf. 
Dunzenh. Ingenh. De" Dutter f. den 
Dotter f. ; von einem kräftigen, starken 
Menschen sagt man: der het de" Dutter 
guet gfasst, aber auch ni' guet gfasst von 
einem Schwächling, von kleinen Hühnern, 
Gänsen K. Z. ß. Prügel bekommen : dis 
Mol het ^r (si^) gfasst allg. Er het gege" 
m'r gfasst er hat die Hand gehoben, ttm 
mich zti schlagen Su. 6. annehmen, atif- 
nehmen, befallen werden von : Ek4 ab 
eps f. D'^ Dokter dörfe" ko'n'^" Ek-^l ab 
nix f. Bf. — Schweiz, i, 1058. Bayer. 

I, 765- 

anfasse" [afäso Bf. Kerzf. Schaff er sh . ] 
an einander reihen, bes. Tabakblätter an 
einer Schnur zmn Aufhängen und Trock- 
nen. Kralle", Morchle" a. Bf. Düwak 
a. Schaf ersh. Syn. uffasse" Btmzenh. 

in fasse" [jfäsa Bf.; infäsa Str. Hf. 
Han. Betschd.; er^fäsa K. Inge7th.~\ ein- 
fassen, mit einem Rahmen umgeben. — 
Schweiz, i, 1060. 

uffasse" /. auffassen, fassen in der 
Bed. von fasse" 4, an einander reihen = 
anfasse". 2. zu Herzen gehen, sehr nahe 
gehen : er het's so ufgfasst es {der Tod 
seines Freundes, Verwandteri, die tmglück- 
liche Nachricht) ist ihm sehr zu Herzen 
gegangen Hf. — Schweiz, i, 1060. 

zamme "fasse" vereinigen, zusammen- 
thun Hlkr. Fass die Gerst zamme"! 

Faser, Gfaser, Faserte, Gfaserte 
[Fösary. Roppenzw.; Fösaroy. Hi.; Fusor 
m. Logelnh.; Kfäsar Steinb.; Kfösar n. 
Obhergh. Geberschw. ; Kfosar Katzent. ; 
Kfüsar und Kfüsors Du.; Füsarta Hlkr.; 
Kfösarta Co.; Kfosarta f. Banzenh^ atif- 
gerissene tmd herabhängende Fäden von 
Kleidern, Webestoffen und drgl. s. atuh 
Fasel tmd Faslet. 

faserig [fösarik Roppenzw^ Adj. zer- 
rissen: da* 's' e foserige"" Chitt^l. 

US fasere" zerschleissen, sich abfasern 
Wörth. s. auch usfusere". 

ver fasere" [forfüsoro Horbg.~\ Bed. wie 
usfasere". 

Fasi Gervasius, in 

Narre" fasi m. verrückter Mensch 
Obhergh. 

Fasino [Fasinö Obhergh^ vielleicht 
fälschlich für fa, si, de als Notenbezeich- 



nung in dem Volksreim: Ena, dena, F., 
We"° m'r bache" hä"m'r Brot, VVe"" m'r 
metzge" hä" m'r Speck, We"" m'r luege" 
hä"* m'r Dreck. Var. zu F.: Kasino. 

Fason jFäsön allgi\ f. i. Aussehen, 
Form, Gestalt: de'' Huet hat gar ke'"^ F. 
me'^'' Pfast. Mach's no*^*" {nach) dere"^ 
F.! Logehih. De"" het e netti F. Aus- 
sehen Hältst. Er het gar kc'"® Fasone" 
feine Lebensart Rchw. Mach, dass dis 
Ding me'*'^ F. bekummt besseres Aussehen 
Hf. Er meint's guet, aw^r *r kann '*'m 
ke'n® F. ge'^^n er besitzt kein Geschick, 
seine Ideen anztibringen Ingenh. Die 
wisse" si'^'' no^*" e F. z" ge''®" ///. 2. 
Schnitt eines Kleides, Faltenwurf : d F. 
VC" dem Kleid kost*=t 20 Franke" Rchw. 
D^r Zü^ {das Zeug) wärt [wäre) nett, aw^r 
s is* ke'n^ F. dinne" Ingenh. J. aufge- 
arbeitete Holzmasse im Wald, entweder 
100 Wellen, oder ^ Ster Knüppel, Scheite, 
oder 4. cbm Stangen u. s. w. Der Akkord- 
lohn wird per F. berechnet, wobei freilich 
die Bedingiingen oft wechseln ; früher 
galt ein ausgegrabener Baum für eine F. 
ohne Rücksicht ajif seinen Kubikinhalt 
Dil. 4. Umstände, Verkehrtheiten, Un- 
gereimtheiten, aber nur im PI. Fasone" 
mache" Hlkr. Rchw. 5. in d F. ne''me" 
ztim besten halten, bekrittehi Str.— Schweiz. 
I, 1063. f^^- fa^on. 

'fasonniere atisarbeiten Ulrich. 

Faüsel, Faüser [Fäisl Roppenzw.; 
Fäisar Rädersd.~\ m. Bestraf er, Voll- 
zieher der Strafe, Mann, der Prügel atis- 
teilt. Gib acht, d*r F. chunnt! Rädersd. 

— Schweiz, i, 1067. 

faüse" und faüsle" [fäisa , föisla 
Roppenzw. ; föiso Fisl. Hi.] schlagen, mit 
einer dünnen Rute züchtigen: de" han 
1°'' gfaüslet ! — Schweiz, i, 1066. Bayer. 
1 , 766 nur das Subst. Fausen = Fl. 

Faüse" [Föisa Hlkr. Bebelnh.] f. PL 
Possen, Dtimmheiten, dumme Streiche. — 
Schweiz, i, 1066. 

G=fäss [Kfes Roppenzvo^ n. Uhrkette. 

— mhd. vezzel m. Tragband, Fessel. 
Schweiz, i, 1068 Gefässi. 

Spa'^fesle fSpufesla Ilcnfli^ n. Span- 
ferkel, Braten eines noch jungen Schweins, 
s. auch Spanförel. 

feissig [f^isik Mittl. M.Ji Adj. feist, 
fett. N-e feissigi Sui. D Supp is' zi'^mlig 
f. J-. auch feisst. — Bayer, i, 773 
faisstig. 



FeiS 



FiS 



149 — 



FiS 



-j- f e i s s z e n fett sein und nach Fett 
riechen Geiler P. 2, 114''. 

jBechfisel Schimpfname. 'Hochmütig- 
ten sie noch darzii, vnd schalten sie . . . 
bcchfisel' Fisch. Garg. 311. — mhd. 
visel oder -=^ fässel? 'Pechfisel m. Schuh- 
macher, scherzw! Schwab. 193. 

fHundsfisel' Feiglinge, Schwächlinge 
Fisch. Garg. 407. 

Käsfissel n. irdenes, durchlöchertes 
Gefäss auf J od. /j. Beinen, das zur 
Atfnahme der Sauermilch bestimmt ist., 
aus welcher man nach Abtropfuig der 
Molken Käse bereifet Wörth. Syn. Käskar 
Betschd. — Z7i. Fass? 

fistle" [flsla Türkh.^ ungern hergeben, 
beim Spiel sehr genau überlegen und be- 
rechnen, dass man nicht verliert. Lue^, 
de'' fis^lt! Mit der Verneinung: de'' fis^lt 
nit dem kommt' s nicht darauf an. — vgl. 
Schweiz, i, 1076 fisele" mit einer Gerte 
rasch hin und her fahren, klein und un- 
deutlich schreiben ? Schwab. 211 fiseln, 
ieiseln zart regnen. Hess. 103 ebenso. 
Bayer, i, 767 fiseln kleine Bewegungen 
machen. 

Fisell^ "^'vihlfast allg.; Fisel K. Dun- 
zcn]i7\ O. m., U. n. i. dünne Schnur, 
Bindschnur. Bing noch e F. um dis Päck^l 
Rajiw., wo der PL Fisellere. 2. Kau- 
tabak in langen dünnen Schnüren zu- 
sammengedreht und aiif gewickelt , Roll- 
tabak 0. F. schicke" Tabak katien. — 
frz. ficelle. 

Bin gfi seil n. Biitdfadcjt, Schnur zum 
Binden bestimmt Rauw. 

Schnerrefisell n. Treib schnür an der 
Peitsche Rauw. 

fisliere" [fesliara Horbg^ ankleiden, 
in die Kleider einschnüren : das Kind 
is' cmol gfisliert, d Knöpf sin'' nit i" un'^ 
d^r Rock hängt n unter. — frz. ficeler. 

Phisik [Fisik allg.'\ Geschl. schwankend 

1. Zauberei, Schwarzkunst; Grimassen ; 
Dummheiten, Unsinn, Spässe ; Turnen 
Strüth. Loss a lo'ifc", ®r macht nix a's 
Ph. Ingersh. Mach m'r ke''"^ Ph. ! Heidw. 

2. D®r Physik Übername eines Strass- 
burger Witzboldes gegen 18^0. 

phisike" [fisiko Bofzh^ eilfertig und 
nachlässig arbeiten, eig. hexen: dis hes' 
du awer gfisikt ! 

Phisikus [Fisikys Hattst.'\ m. pfiffiger 
Mensch. — vgl. Schweiz, i, 1079 Phy- 
siker. 



Fisigunggus [Fisoküi|^k9s Z. Lobs.'\ 
m. Fisigugges Stöber Mäder, wo erklärt 
wird: Halb gelehrter, Mensch mit ver- 
worrenen Begriffen; Naseweiser y atich 
einer, der sich mit Kleinigkeiten abgibt, 
anscheinend geschäftig ist, sich bei Leuten 
djirch geringfügige Dinge einschmeichelt; 
jetzt meist mit vorausgehendem Adj. rot: 
Du roter F. ! Schimpfname für einen 
Menschen mit rotem Haar. 'Ihr mfisst 
warlich auff Erden ein .... Lächerlicher 
Fisigunckuss gewesen sein, weil jhr die 
Schnaken vnnd Grillen auch biss hieher 
behalten !' Mosch. I 477. 'einem so hirn- 
schelligen Esel und Phisikunckuss' 11 205 
206. — Schweiz, i, 1078 Fisigäuggis ; 

2, 369 F. gunggi Halb gelehrter, Querkopf. 
Schwab. Mörike, Schöne Lau. DWB. 3, 
i6yo. Bayer, i, 768. Aus Physicus 
weiter gebildet; vgl. auch Bayer, i, 924 
Filigunkes. 

Visikator [Fisikälor Urbis Bf. Bisch. 
Str. K.; Fisikätör tmd Fesikätor Hf.-\ m. 
Blasenpflaster. E V. ufleie" Hf., ufsetze" 
0. — lat. vesicatorius, frz. vt^sicatoire. 

Fisitnatente" [Fisamätanta ///".] nur 
PI. Faxen, Flausen. — vgl. visepetent 
nieder d. nichtig: Höfer Z. f. Wiss. d. Spr. 

3, 212. 

fisimickere" [fisimikra Katzent.^ etw. 
künstlich herstellen wollen, ohne es zu 
können. 

fisenickere" lügen , aufschneiden, 
schwindeln Felleri. 

Visit [Fisit Str. Wörth Ingw. Lohr ; 
Fesit K. Z.] f. I. Bestich, Krankenbesuch. 
Eim e V. mache'* Hf. In d V. ge^n zur 
Abendzusammenkunft gehen, wo man 
strickt oder häkelt Lohr, Syn. in d Kunkel- 
stub ge^n K. Z., in d Maistub g&v\ 
Betschd., z" Liecht ge*'n NBreis., ze Kwelte 
gie**" M. 2. Musterung Hf. Ingw. Dis 
Jo^r kumm ich in dV. Hf. — frz. visite. 
Schweiz, i, 1080. 

visitiere** [fesatiaro 0. K.; fesott^ro 
Nhof Str. Lobs. ; fesatiero Z.] i. ärztlich 
untersuchen. Herr Dokter, visitiere' mi=''! 
Hf. 2. durchstichcn, jemandes Taschen 
und Kleider atif etw. Verdächtiges hin 
attssuchen. Eim d Sack v. 0. 

durchvisitiere"* genau djirchstichen : 
d Schandarme" han s ganz Hus durch- 
gvisitiert Lobs. 

usvisitiere" Ä'rf". ee'zV visitiere** 2 allg. 
Si^ hän alles üsgvisitiert , awer si® hän 



FieS 



FüS 



150 - 



FüS 



FiicS 



nix gfunde" Dil. — Schweiz, i, 1080 
frz. visiter. 

ffyesz, fiesz Adj. vorsichtig: 'die 
weltl. menschen sehent in diszer finster- 
nisz scharpff und seind klug, listig und 
fiesz, zeytlich gut, lust und eer zu über- 
kummcn' Geiler P. III 64, 65. 'callidus' 
DWß. 3, 1628. mhd. viez Lexer 3, 345. 

jFyeszheit f. Vorsichtigkeit: 'er (der 
Herr) lobt in seiner fycszheit oder für- 
sichtigkeit halb, daz er fürsichtigklich ge- 
handlet hat' Geiler P. III 64''. 

Fus [Fys allg.; Deniin. Fisl StrT^ f. 
Du. Hf., m. Matt. Str. K. i. Ratisch: 
er het schu" ®'ne menggi F. gha*^' Du. 
'Diss isch e Fuus' Hartmann Schk. 148. 
'I wurr sin Meister, i gspür e kleini Fuus' 
Hirtz Schk. 185. 'Kommt z' Owes spoot 
d'r Mann noch heime mit 'me Füs? Kur i 5. 
'M'r meint jo grad, sie het e Fysel' Hirtz 
Ged. 223. 2. Regenschauer Alütt. 

Schnapsfus m. Branntweinrausch Str. 
'E Schnapsfüiis' Kettner GvH. 61. 

Fusel [Füsl Co.; Fysl Kerzf.; Fysl 
Molsh7\ m. geringer, schlechter Brannt- 
wein. Syn. Holzspalter, Tapete"v^''risser, 
Wandufekrebser Co.; Gas, Fade", Giges 
Molsh. ; Petrol, gedrejter (gedrehter, näm- 
lich Schnaps), Eckmausche (genannt nach 
dem Verkäufer, der in Hf. an einer 
Strassenecke wohnte) Z. s. auch JB. IX 
125. - Schweiz, i, 1084. 

fuss^le" [füsb Rothb.~\ betasten, be- 
fühlen, an etwas mit den Fingern spielen, 
auch in obscönem Sinn. Jetz fuss^lt der 
Jud d ganz Zit dem Kälw^l am Blich 
''erum ! 'I heer ebs wisple drus, was fuselt 
dort der Bue?' Pfm. V 7. — Schweiz. 
I, 1084 fusle". Bayer, i, 769 fuseln 
'^mit Kleinigkeiten beschäftigt sein. 

Küche"fusscl m. Schelte für einen 
Menschen, der oft ungerufen in die 
Küche kommt, um zti sehen, zvas gekocht 
wird. Eine Frau wird so genannt, wenn 
sie die ganze Zeit nur in der Küche ver- 
bringt. — Schweiz, i, 1082 Chuchifosel. 

usfusere" [ysfüsara Ruf. Hlkr. Du.; 
ysfusora Horbg. ; ysfisora Lobs.^ faserig 
werden, atisfasern, zerfetzen; Syn. us- 
fotzle" Horbg. Der Zeij (Zeug) is' jetz' 
emol vum Deifel nix nutz, ^x fissert üwer- 
alich US Lobs. s. auch usfasere". 

ftlssere" [ffsro Su. ; f fsora Hlkr. ; fisro 
Dü^ schnell davonlaufen. Si'= sin*^ in de" 
Rewe" gsi" un^ hän wolle" Trüw^l boise" 



(stehlen), derno'^'^ is' d^r Bammert kum- 
me", do hättest si^ aWr solle" se^" f. Dil. 
s. auch füre" 3 nebst Zss. 

abfüssere" [äpfisra Su. Hlkr.; äp- 
fisaro Hattst.~\ schnell fortlaufen. 

nachfüssere" [nöfisra Sti7\ nach- 
springen so schnell man kann. 

usfüsscre" schnell laufen Su. 

Fuess [Fyas O. K; Fys Str.; Fyos 
Miltt. Z. ; Füs Betschd. Hatten Lützelstn. 
— PI. Fias 0. K.; Fis Str. Betschd. 
Hatten; Fias Miltt.; Fi^s Z.] m. i. Fuss 
als Körperteil : Schlecht (od. nV- guet) ze 
F. sin allg. Ofifeni F. han wunde F. 
haben NBreis. Z. Uf de" letste" F. ge'^n 
allg., scherzh. wenn jemd. unpässlich ist, 
worauf in Du. gewöhnlich die Antwort 
erfolgt: wenn ^r nit noch hölzerni be- 
kummt. Ke'"^ Schue^ a" de" F. han arm 
sein Miltt. Ausweichende Antwort, wenn 
man sich nach dem Aufenthaltsort jemds. 
erkundigt: Er is', wo d^r Kaiser z" F. 
hi"ge*'t Rtif. Der losst si<=^ nit uf d F. 
trete" schlagfertig und seinem Gegner ge- 
wachsen Str. 'ainem auf den fusz treten* 
Murner vSr//t'/»/0. 34. Worum tritts* m'r uf 
mein bös Füss^l? Anfang eines Kinder- 
spieles Bühl. Jetz' heischt's (heisst es) 
aw^r de" hingerste" F. z"erst ufghebt nun 
aber vorwärts l Lützelstn. Uf eim F. 
ge'^t m®r nit Ermunterung bei Wein oder 
Bier, nicht beim ersten Glase stehen zii 
bleiben K. Z. Oft bezeichnet man mit F. 
das ganze Bein. (I") eim Füess mache" 
zjir Eile anspornen, einem Beine machen 
allg. 'ich will dir Füss machen je te 
hasteray bien d'aller' Martin Pari. N. 469. 
'Füess krieje weggenommen (gestohlen) wer- 
den Ulrich, 'auf den fuess' Zab. Hexen- 
prozess 1620. s kummt m'r in d Füess 
näml. das Tanzen, wenn man Musik hört 
Katzent. Z. We"" m«r ke'n« Gedanke" 
het, het m^r Füess sagt man zum Ver- 
gesslichcn U. Er het de" F. (das Bein) 
gebroche" U. Füess wi^ Rebstecke" so 
dünn Z. 'Füess wie e Ländeltreter Platt- 
füsse Ulrich. Um Fuss und Bein ge- 
hörig zu unterscheiden, hilft man sich 
dtirch Zss. oder Umschreibungen ; so ist 
Fürfuess der Ftiss, d*r F. ingen am Kni*^ 
der Unterschenkel, d*'r F. am dicke" Teil 
der Oberschenkel Hf. Übtr. Bi eim e 
guete" F. han an jemd. einen starken 
Rückhalt haben, bei ihm in Gunsten 
stehen. Abergl. : Wenn man über ein am 



Fues 



151 



FueS 



Boden kmierndes Kind den gehobenen 
Fnss (das Bein) hinzvegführt, so wächst 
es nicht mehr Dnnzcnh. Bigenh. Dis Ding 
hat weder Hand noch Fiiess ist schlecht 
gemacht, unbrauchbar Str. Miil e F. (salat) 
Ochsenmanlsalat, 'fasse köpfe' Str. 75. Jh. 
Brucker. 2. B}iss am Strumpfe K. Z. 
j. B?iss eitles Gefässes : 'der Fuess vom 
Glass' Mosch. II 724. ^. im Tärtelespiel 
5 auf einander folgende Karten : d^r 
sechst* F. 6 auf einander folgende 
Karten, ähnl. d®r sewet, d®r acht F. "^Der 
Achterfuss Oschniann ScHK. 298. — 
Schweiz, i, 1085. Bayer, i, 769. 

bar fuess, barfüessi§^ [pärfyas 6"/t'/;z<^r. 
Winzenh. ; pärfyas Su. ; pärfyas Obhergh. ; 
pörfyas Geisp.; pörfyas Dunzenh.; pör- 
f lesi Ingenh. : pärf lesi Hf. ; pärf isi Str. 
Betschd.] Adj. barfuss. Scherzh. B. bis 
a" de" Hals ganz nackt Bf. E barfüessi- 
cher Biie'' Hf. 'D' Gans gehn baarfuess' 
und Umstellung, in einem Anzählvers 
Stöber Volksb. 65jf., 311. 

bl litt fuess Adv. barfuss 0. Man sagt 
b. laufe" Logelnh., ge*"" M., renne" Co,, 
und so ist es auch bei barfuess. [Mr seit 
nct parfyüs, mr seit plütfyüs, s hf^i jo äli 
Lit 3 Pär Fies Mühlb.~\ 'Blutfüess' Lustig 
I 44. — Schweiz, i, 1093. 

Dreifuess m. i. dreieckiges, eisernes 
Gestell mit j Küssen, auf welches die 
Bratpfanne über dem offenen Feuer auf 
den Herd gesetzt wird. 2. Stuhl mit j 
Beinen, in dem an das Nhd. angelehnten 
Rätsel s war emal e Zweifuess, der saß 
auf einem D. un'^ aß an einem Vicrfueß. 
Aufl. : ein Schuster, der an einem Schweins- 
knochen nagte Dunzenh. Z21 l vgl. 'Tri- 
fuss Chytropus' Dasyp. — Schweiz, i, 
1094. Bayer, i, 769. 

Drudefüsz m. Bärlapp, Lycopodium 
clavatum Kirsche. 2, 372. 

Feder fuess m. Hahn oder Huhn mit 
gefiederten Füssen; Syn. Baster ^ Z. — 
Schweiz, i, 1090. 

Flach fuess m. Flattfuss. 

flach füessig Adj. dazu. — Schweiz. 
I, 1091. 

Flussfuess, j-. Fluss. 

Für fuess ;//. /. Fuss im nhd. Sinn 
Du. Hf. Er bracht breiti Schue'', ^r het 
gar grossi Fürfüess Du. 2. der vordere 
Teil des Strumpfes Olli. Liebsd. Roppenzw. 
Su. Du. Bebelnh. — Schweiz, i, 1090. 



fOeis fuess ;;/. ein Kriegswerkzeug. 
mit . . geyßfüssen' Fisch. Garg. 317. 

H a '' n e " f u e s s m. Ackerhahnenfuss , 
Ranunculus arvensis. Im 0. meist im PI. 
gebraticht. — Schweiz, i, 1091. 

Hinderfuess 7n. Hinterfuss , Hinter- 
bein U. Du hes' e böse" (kranken) H. 
Kindw. Rda. : sich uf d Hinderfuess stelle" 
sich wehren, vei-teidigen, bes. in einem 
Wortstreit. 'Denn 's steckt m'r dick im 
Kropf, i steh uff d' hintre Füess!' Hirtz 
Ged. 181. 

Honisfuess m. i. F. mit offener 
Wunde, eiternder Fuss Ingw. Lobs. 2. 
Scheltwort: schzvacher, elender Mensch 
Stöber. 'Un zeller Hunnifuess, wo for 
d' Lyt im Herbst als Wysskrutt howwelt' 
Pfm. IV 5. 

I s e " f u e s s tu. eiserner Leisten des Schus- 
ters Geberschw. 

Kaste"fuess m. unterer Teil eines 
Kleiderschranks Steinbr. — Schweiz, i, 
1092. 

Kratzfuess m. bes. PI. übertriebene 
Höflichkeit verbündest mit Knixen und 
Verbeiigungen, die das eis. Volk weder 
liebt noch übt Bf. Str. Z. ; Demin. -fdess^l 
Scherw. 

Plattfuess m. F. mit flacher Sohle; 
Mensch mit solchen Füssen, namentl. als 
Schelte Banzenh. 

P 1 a t s c h f u e s s m. Platt fuss, Schelte für 
einen Menschen mit flacher Fusssohle 
Ingenh. 

Plotzständelfuess meist im PI. gebr. 
m. tmf ärmlich dicke Beine wie ein Biitter- 
fass Scherw. 

Schärrfüessel ['Serfisl Rauzv7\ n. über- 
triebene Höflichkeit. Schärrfüessle mache" 
schmeicheln, ein Speichellecker sein. [Wän 
t^r tsü hxn khümt, vdkyX. or 'S^rfislo trir^^or 
ün triwar]. P^ denk, m^r wurd d'r z"erst 
na<^'^ (noch) lang mücsse" Schärrfüessler 
mache"! M. s. Kratzfuess. 

Stelz fuess ['Stelsfy9s /»z^^rj-//. Ingenh.; 
'Stelsfjras A'.] m. i. hölzernes Bein. 2. 
Mensch mit einem hölzernen Bein. — 
Schweiz, i, 1094. 

Fuessete [Fy asato Olli. ; Fyosto Heidzv. 
Su. Du.] f. Olti., sonst das Geschl. nicht 
angegeben, in der Regel verbunden mit 
zu : z" F. am Fussende des Bettes, s Bett 
is' nit guet gmacht, s is' z" F. höcher 
a's z" Köpfte Du. — Schweiz, i, 1095. 



FiieS 



FeiSST 



152 — 



FeiSST - FäSCH 



Schwab. 2 1 1 Fasset , Fussnet. Bayer. 
I, 770. 

füessle" /. schnell gehen, laufen, 
schnell mit kleinen Schritten gehen allg. 
'Mer füessle dnoh un gaise nuf uf 's 
Landsperjer Schloss' Pfm. V 9. 2. sich 
unter dem Tisch mit den Füssen begegnen 
und anstossen, die Fusssprache der Ver- 
liebten. S'e han a's gfüess^lt mit ^'nand^' 
ingcr '^^m Tisch Ingenh. Dunzenh. — 
Schweiz, i, 1096. Schwab. 211 fusselen, 
füsselcn. EiFEL fassen schnell gehn. 

abfüessle" schnell davon latifen, schnell 
in kleinen Schritten davon eilen allg. 
Ha (frz. hein), da bis' abgfüess^lt, wo 
d«r Fel^bammcrt (Bannwari) kamme-n-isM 
Orschw. 

scharr füessle" schmeicheln, Verbeu- 
gungen 7nachcn. Seh. is' nit mini Sach ! 
Horbg. 

Füessler m. i. eiiter, der mit kurzen 
schnellen Schritten geht. \ 2. Fussgänger: 
Vnd hant erschlagen vjm 6000 Fiissler 
vnd viel Reyssig' 151 2 Mieg II 123. — 
Schweiz, i, 1096. 

Bar füessler m. Mensch, der barfuss 
geht. 'Barfiessler brache keine Strampf- 
bendel' simplicitd a pea de besoins Mü. 
Mat. 41. 

Gel''füessler;;^. Schwabe, eingewandter 
Altdetttscher, bes. Badenser. Der Aus- 
druck weist auf das alte Volksbuch von 
den sieben Schwaben hin. 'gelb FOss' 
{der Schwaben) Fisch. Garg. 180. 'zae 
den-Andere hemmer gsaad: Hankele, Cieel- 
fiessler, Schwowe (an do isch 's Eins, ob 
sie vun Linz, van Itzehoe odder Klaaae- 
fart sinn)' Str. Wibble jp. — Schweiz. 
I, 1096. Schwab. 226. Bayer, i, 895. 

festonniere" [fdstonira Str.; faestaniara 
Su.^ zierlich ausschweifen, mit wellen- 
förmigen Krausen versehen, namentl. 
Damenleibwäsche Str. Gfestanierti Teller 
Zinnteller, deren Ränder mit Graviertmgen 
versehen sind Su. 

feisst [faist O. bis Bf. ; f^ist Katzent. ; 
faest Barr^ Adj. fett, beleibt, zvohlgenährt, 
gemästet. E feisti Soü Banzenh., auch 
als Schimpfname für eine starke Frau 
Katzent. F. wie n-e Ol, wie n-e Soü, 
wie n-e Ochs Sti. 'Selwer esse macht 
feist' Mü. Mat. 63. De'' is' cso f., ''ass 
*'r fast verknellt zerspringt Hlkr. D feisti 
Lüt schwitze" gern im Sammer Co. N-e 
feisti Matt Su. P*" ess nit gern f. Mü. 



'Feist wie e 0hl' gras comme un moine 
Mü. Mat. 45. Er is' heimlig f. wie e 
Geiss Katzent. Türkh., Syn. innerli*^*^ fett 
wi^ e Geissbock Z. 'Der . . macht's mir's 
zu feist' Bucer Brief vom g. Jidi ißJJ. 
s. auch feissig. 'Ein jeglicher brotbecker 
mag wol zwölf magere und zwölf veistcr 
swine haben' Str. 143C} Brucker 93. 
'Feißt pingais' Dasyp. — Schweiz, i, 107 i. 
Bayer, i, 773. 

bare" feisst Adj. fett zmd plump. S 
is' so n-e bare"feiste'' Knitf^l Kerl Ge- 
berschzv. 

he rre" feisst Adj. fett mit zarter Haut 
Geberschw. 

lotfeisst Adj. sehr fett Roppenzzv. Syn. 
lottelfett Z. 

macke"feisst Adj. mager Mü. 

Heim lieh feiste"" [Haimlikfaisto Rop- 
penzw.^ m. Duckmätiser. — Schweiz, i, 
1072. 

Feissti [Faisti Banzenh^ f. Fettigkeit, 
Fettheit, Wohlbeleibtheit. 'Feyßte Pingcdo' 
Dasyp. — Schweiz, i, 1073. 

Niere" feisstey". Nierenfett. M^r gsi^^'t 
glich, wenn mit N. gschmutzt {zii der 
■ Speise gethan) is' , d^r Schmutz (Fett) 
gstockt Horbg. 'an statt Nierenfett wüstes 
Nasenschmalz' MoscH. I 399. — Schweiz. 
I, 1074. 

Fäsche [Fäsa Liebsd. ; Fasi Blotzh^^ 
f. Wickelband für Neugeborene : d Heb- 
amm het im Ching d F. a"gmacht Blotzh. 
— lat. fascia. Schweiz, i, 1097. Bayer. 
I, 779 Fälschen. 

in fäsche" [ffäsa Liebsd. Fish Rop- 
penzw. ; ifäslo Olli. ; i'farso Steinbr.~\ i. 
Neilgeborene sorgfältig in Leinen und 
Windeln einwickeln, einbinden Fisl. Steinbr. 
Früher wurden allg. auch die Armchen 
fest mit eingewickelt, damit sie gerade 
wüchsen. De Mueter fäscht s Ching i" 
Liebsd. D chleini Ching werde-n-igfäscht 
Fisl. 2. einwickeln- Fäsch das Baech 
i"! Roppenzw. — Schweiz, i, 1097. 
Schwab. 174 fätschen, 

Fäsche, Fisch [Fes Rauw. Bcttw. 
Lorenzen Dehli. ; Fhk Wh. Büsi~\ f. Rei- 
sigwelle, Holzwelle, Holzbündel. Nimm 
d Heb un'' ge'' Fäsche" mache" Rauw. 
E Supp o^'nc Brocke" is' wi'' c Fisch 
o''ne Bengcl Bettw. — Schweiz, i, 1098. 

Faschine [Fäsino ///. ; Fäs6n L^ogelnh.] 
f. grosses Holzbündel zum Eindämmen der 
Flüsse Hi. ; Geflecht Logelnh. 'viel Taussend 



FäSCH 



FiSCH 



153 



FiSCH 



VcSP 



faschönen und schantz Körb' Co. i6j2, 
Als. 1851, 48. 

Faschinat [Fäsinät Obhergh.~\ n. ein 
von Holzgeflccht ningcbcner Erddarnm. 

Fisch \fast allg. Fes Sing, und PL ; 
Fiis Tieffenb. Rauw. Lorenzen Saartmion 
Dehli. — Demin. Fisli Banzenh. ; Fesla, 
Fesob Du.; Fesl U. W.'] m. i. Fisch, 
wie nhd. I"'^ ha'' Durst wie n-e F. der 
eigenil. falsche Vergleich rührt wohl da- 
von her, dass man beobachtete, wie der 
F. das zur Atmung benötigte Wasser be- 
ständig einströmen lässt Horbg. s is' '^'m 
wo'ü wie im F. im Wasser Bf., wi^ im 
e F. im Wasser U. ^^ dem is' 's wi'' um 
Vog^l im Hanfsome" Rauw. , s. auch 
Vogel I. D F. müen (we"^n Rtf.) 
schwimme" sagt einer, der nach dem Ver- 
zehren von gebackencn Fischen tüchtig 
trinkt = d Heizle" mü'^^^en suffe" wenft 
eijicr, der auf dein Markt junge Schweine 
eingekauft hat, jtachher zu viel trinkt K. 
Z. Der werft e kl ine" F. ins Wasser, für 
e grosse" se fange" Dehli. Was is'? Antw. 
Me^r Wasser a's F. ! grobe Abfertigung 
allg., bisweilen mit dem Zusatz, den ein 
dritter macht : jo, schuns' könnte" s'e nit 
schwimme" Z. Stöber Volksb. 178. 'sie 
vohen ihre visch aber selber' Str. izf.. Jh. 
Brucker 204. 'derselben kleinen vischel 
keiner' Str. T^i8 ebd. 211. 2. feste 
Bestandteile , die in eiitem vorgesetzten 
Getränk umherschwimmen , z. B. Pech im 
Bier und dgl. Do schwimmt, glauw i, 
e F. dinne" rum K. Z. J. in einem 
Sturzmodell geformtes beliebtes Gebäck 
aus Kugelhopfteig von der Gestalt eines 
F. K. Z. ^. e Fischöl der Zuckergast 
lepisma saccharina, ein in Kleiderschränken, 
Bücherji , eingerahmten Bildern vor- 
kommendes Insekt. Di^ Fischle han das 
Buch ganz gefress Dehli. Sjm. Trocke"- 
fisch^l Dunzenh. 5. Beschlag an Thüren, 
Thürangel, Fensterangel. — Volksglaube : 
Gelberüben im Zeichen der Fische gesät, 
werden glatt JB. II 190. — Schweiz, i, 
1098. Bayer, i, 771. 

Mcifisch: 'Eltzen oder M.' Alosa vulg. 
Baldner 72. 

Sohnotfisch [Snötfes Bf.; 'Snetli Bai- 
zenh.; 'Snotsor Str., ä. Spr. 'Snotfis] m. 
Hasel, Squalius leuciscus, eine Art Weiss- 
fisch. 'So der snotvisch zu leuche got' 
Str. i^. Jh. Brucker 171. 'was dann 
virkummt von snotvischen , nascn und 



jenen geliehen' Str. 1478 Brucker 211. 
Baldner 81 Schnotfisch. — Schweiz. 

1, 1104. 

Schuepfisch ['Syapfes Obhergh. Dü.~\ 
m. eine Art Weissfisch, Aland, Göse, 
Leuciscus jeses, in Str. Furn genannt. — 
Bayer. 2, 361. 

Stockfisch m. i. Stockfisch, wie nhd. 
Su. Geberschw. U. Blindi St. ein Brot- 
gericht, ähnlich zubereitet wie St. Ge- 
berschw. 'zybel visch oder stock visch* 
Reiber Küch. 19; = melange? 50. 'der 
gut Stockfisch' Thor Wickram H. P. 

2. Geizhals Kindzv. — Schweiz, i, 1104. 
Trocke"fischel = Fisch 4. 
fische" [fes3 allg^ i. fischen, Fische 

fangen. 2. erhaschen, gewinnen; auf- 
fangen, hören ; iron. : 'du wursch s fische ! 
du bekommst nichts Ulrich, 'im trüewe" 
f. in der Unordnung stehlen ebd. Wo 
has' das Maidle gfischt? Lutterb. Wo 
hes' de" Schwind*^! wieder gfischt wer hat 
dir das zvieder atif gebunden , vorgelogen ? 
Obhergh. s gi^'t eppis z" f. Hlkr. Wo 
nix ze f. is', gc^'t ^r nit dra" Bf. 'Unseri 
Fammilli het do e wiiest 's Untädel gfischt 
Pfm. IV 4. 

für'*i"fische" herausbringen. Gel', 
ich ha's füregfischt? Obhei'gh. 

uffische" erfahren, erhalten. Wo hes' 
die^^ Lug [Lüge) ufgfischt? Vo" wene 
(wem) hes* dis Messer ufgfischt? Obhergh. 

zamme" fische" zusammensuchen Fisl. 
s. Supp^. 

fischele" nach Fischen riechen Hi. 

Fischu [Fisy Felleri. Str7\ n. grosses, 
wollenes, gestricktes oder gehäkeltes Hals- 
ttich oder Kopftuch für Frauen. — Schweiz. 
I, 1 109. 

7 Fiscal m Polizeirichter, 'die fischgal 
des Kaisers die soltn der ding warnemen, 
damit es gestrafft würde' Geiler WK. 
95. 'Jez muess i zuem Fischkai, er freaut 
mi ebs um Rooth' Pfm. II 6. /;/ der 
Strassb. Polizeiordnung 1628 heisst F. 
der Bettelvogt. Moscherosch war Fiscal in 
Strassbtirg. — Schweiz, i, 1190. 

Vesper [Faspar allg.; Facspor Str7\ 
f. I. katholischer Nachmittagsgoitcsdienst. 
E Vesperle kurzer Abendgottesdienst Hlkr. 
Do kummt au"^** d V. vor '^em Amt sagt 
man, wenn bei einer Frauensperson der 
Unterrock nicht ganz durch den Oberrock 
bedeckt wird Rupr. ; vgl. Magnificat. 2. 
Abendzeit. Vo" V. bis Firowc"'* hält 



VeSP — FaST 



154 



FaST 



FeST 



etwas, das schlecht gemacht ist, d. h. 
mir kurze Zeit Ingersh. — Schweiz, i, 
1009. 

vespere" /. die Vesper halten Fisl. 
2. den Nachmittagimbiss , das Abendbrot 
verzehren. Gruss am Nachmittag: Hän 
'•"r schu" gvespert? Rtif. j. mit den 
Armen tinruhig hin und herfahren , ge- 
stikulieren Fisl. ^. umherlaufen: Wo 
vespers' wieder umme? Su. De"" ves- 
peret als druf Roppenzw. — Schweiz. 
I , II I o : zti ^ u. 4 vgl. Basel fispere" ; 
ebenso Schwab. 190. 193. Bayer, i, 772. 

fast [fäs Fclleri. M., sonst föst allg. ; 
im Z. fäs vor Gutturar\ Adv. i. fast, 
beinahe. Fas' gor beinahe K. Z. F. is^ 
ni' gdiV Nhof. Str. F. z sage" so zu sagen: 
me° verdient an der War f. z s. aü'^^ gar 
nüt Hi. F. un"^ gar beinahe: i hätt i^'n 
f. u. g. eetroffe" Hi. 2. sehr: er is' e 
Zit lang nimm fas' gewa'='»se" M. [Khümt 
ar fil myol tsyü tor? — Net fäs 71/.] Ze fas' 
zji sehr M. 'er fiel fast übel' Geiler 6". 
M. 40. 'als er den Herren ersach, da 
freuwet er sich gar vast L. K. 60. 'die 
dochtcr hiesz mit namen Dina, die war 
vast hüpsch' P.W 112. — Schweiz, i, 
1 1 II. Bayer, i, 772. 

a'sefast [äsaföst Strüth Co\ Adv. bei- 
nahe, fast. 

Fast [Fast Dil. Geisp. Str. K. Z.] f. 
Fasten, Fastenzeit. In d^r F. macht m'^r 
ke'"* Hochzit Dil. Hat eine Person eine 
Geschwtdst an der Hand oder ein wundes 
Bein, so wird das als F. erklärt, d. h. 
die behaftete Person niuss tnehrere Jage 
fasten, sie darf kein Fleisch, sondern mir 
leichte Speisen gemessen; kann sie nicht 
selber fasten, so tJrnt es eine andre für 
sie Geisp. Frau Faste ist elsässischer 
Ausdruck für Frau Holle, s. Grimm 
Myth. 3, 742. Über Gebräuche in der 
Fastenzeit s. JB. VI 165; VIII 161; X 
222. — Schweiz, i, 1113. Bayer, i, 

773- 

Bure"fast-" y. Sonntag nach Fastnacht, 
an welchem auf dem Lande die Fast- 
nachtsküchlein gebacken werden K. Z. D 
B. is' ocht TauS'= noch Herre"fast'" Ingenh. 

Frau fast, Fron fast [Fräifäst ///. Su. 
Ruf.; Froifäst Du.; Frulast Bisch.; Frun- 
fäöt K.; Fryünfäst 71/.] /. Fronfasten, 
Quatember. Ste**! d F. hoch {d. h. gegen 
Ende des Monats), sa gilt d Frucht e nette" 
Pris, steH si^ awer nider, sa gilt d Frucht 



nit vil Dil. 'zu fronfasten.' Str. 75. Jh. 
Brucker 242. 'Fronfast Quatre temps' 
Martin Coli. 135. Die vor der Zeit Gestor- 
benen {Erstochenen, Erhcnkten u. s. w.) 'die 
laufifen allermeist in den fronfasten und 
vorauß in der fronfasten vor weinnachten 
das ist die heiligest Zeit . . Also redt der 
gemein man darvon' Geiler Eth. 38''. 
Daher stehen wohl auch die in den Fron- 
fasten geborenen Kinder mit den Geistern, 
Hexen u. s. w. in Ziisammenhang. Aber- 
glaube : [ti Fryünfästakhein san tr T^ifl ü 
tr Waeit WindM^ Über das Fronfastentier 
und die Fronfastenkinder s. Stöber Sagen 
l Sl f Über Gebräuche in der Fronfasten 
s. JB. VI 166. — Schweiz, i, 1113. 

Herre"fast^" f. Fastnacht sonntag, Es- 
tomihi K. Z. ; in der älteren Spr. auch 
'pfaffenvastnaht' Str. 146^ Brucker 190. 

Mittel faste" Mitt fasten S.; über Ge- 
brätiche an M. .y. JB. III 123; X 223. 

Fest [Fast O.; F^st <7.] n. wie hochd. 

Lauwerhütte"fest [Loey warhetafest 
Mutzig K. Z.] n. Laubhüttenfest der 
Juden. 

fest [facst Sti., sonst fest allg7\ Adj. 
I. gesund. Er het e festi Natur od. s is' 
e fester Mann, Kerl Hf. Han. Betschd. 
E fester Kamerad Str. 2. verstopft, keinen 
Stuhlgang habend Hf. J. Adj. und Adv. 
fest, befestigt, tüchtig. F. wi^ Brisach 
Hunaw. F. bluete", schaffe", brüel'e" Su. 
s het f. grejt Dil. Eine" f. treffe" prügeln 
Hf. ; f. leijc" ans Bett gefesselt sein. 
T^uefs d'r weh? — Nit so f. Hi. — 
Schweiz, i, zu 8. Bayer, i, 774. 

bick^lfest Adj. sehr fest, hart ge- 
froren, vom Erdboden. De'' Bode" is' b. 
gfrore" ; Syn. bick^lhert Banzenh. — 
Schweiz, i, i 119. 

bumme^fest Adv. ganz fest, bomben- 
fest (eig. fest gegen Bombenschüsse) 
Geberschw. Du. Yy& Pfoste" ste^'t jetz* b. 
Geberschw. B. schlofe" Du. — Schweiz. 
II 19. 

büt^lfest [pitlfdstJ/.], viell. Abkürzung 
von kapital fest. Adj. und Adv. fest. I 
stand b. Einer, der das Trinken gut ver- 
tragen kann, ist b. 

kapital fest sehr fest, dauerhaft, kern- 
gestmd U. Er is' nimm^*^"^ ganz k. er ist 
kränklich, wird beim geringsten Anlass 
krank; s. auch büt^lfest. — Schweiz, i, 
1 119. 



FeST — FaT 



— 155 



FaT 



Landvest n. Schutz gegen das Wasser 
durch Flcchtwerk u. ä. 'Am Landvest 
mintcr klettert glich Der Fritz, langt nooch 
cm Huet' Bernhard Schk. 2.79. '(mit) 
lantfesten und allen wegen jnne und usz- 
wcndig der stat' Str. 148^ BRUCKER131. 
— Schweiz, r, 11 22. 

Festung f. i. Festung, befestigter Ort. 
Er is' so dumm, ''ass me" könnt e F. i"- 
stossc" mit '"^m Ruf. 2. harte Kotniassen. 
Jetz is' d F. vcrgange", e ganzi Kachel 
{Nachttopf) voll Hf. — Schweiz, i, 
1 122. 

Fust [Fyst allg., PI. Fist] /. Faust. 
Passe" wie n-e (e U^ F. uf e Aug allg. 
Der hat Füst wi= d^r Ri«^s^ Goliath Delhi. 
I wirf d r d F. in's Gsicht spassh. Rda. 
unter Kindern Liebsd. Eim e F. mache" 
drohen mit erhobener Faust allg. Mach 
e F., wenn de ke'"^ Hand hes' wehre 
dich, wenn dti wehrlos bist: ironische Ab- 
weisung eines Rates Gcberschw. Du., ähnl. 
Bf. Geisp. 'M^r muss ke'"^ Fust welle" 
mache", we"" m^r ke'"*^ Häng het' M. 
Jß. II 167. E F. im Sack mache" ohn- 
mächtig zürnen, seinen Zorn verbeissen, 
nicht auslassen dürfen allg. Eps us d^r 
F. esse" [scherzh. packe" U.) ohne Gabel, 
nur mit {im Notfall auch ohne) Messer 
essen, wie es z. B. die Jäger auf der 
Jagd thun Du. Rapp. Bf. Hf. Dehli. D 
F. nit in de'' Sack bringe" od. mit d^r F. 
nit in de" Sack kummc" geizig sein, Syn. 
mit d^m Elle"bauje" nit in de" Sack kum- 
me" Z. Er het dis in d'^r F. kann die 
Sache verfertigen Str. Darno^h lacht ^r 
sich hinge" no'^*' in's Füst^I ist schaden- 
froh Altzv. Str. — Schweiz, i, 1123. 
Bayer, i, 774. 

Fusterle [Füstarlo Felleri.~\ n. Trink- 
gefäss in Form eines Fässchens, von Ar- 
beitern gebraucht ; nach Schweiz, i, 1124 
wahrsch. so genannt, weil man es in der 
Hand trägt. 

jFäustling ein kurzes Handschwert 
Zwinger bei Mieg i , 172, Nr. 66. — 
Bayer, i, 774. 

füstlc" [fistlo Liebsd \ prügeln, mit der 
Faust bearbeiten. Mci", de" Nitnutz hai 
m'r gfüstlet! — Schweiz, i, 1125. 

fatal [fatal allg7\ Adj. schlimm, ärger- 
lich, verdriesslich: e f. Ding Fisl., e fa- 
tali Gschicht ////^r. Mutzig Hf. — Schweiz. 
I, 1 126. 



'Fatalität Verhängnis Ulrich. 

Vater [Fätar allg., nur Fätor K. bis 
Z.; PI. Fator; Denan. Fatarlo Ruf. Ob- 
hergh.'] m. Vater, der leibliche Vater, syn. 
Koseform Däde. D"r recht V. zum Unter- 
schied vom Stiefvater Liebsd. K. Z. Ke'n 
V. han uneheliches Kind sein Bühl. Das 
is' alles i" dem Kind si" V. nit, Syn. das 
is' alles i" dem Mann sini Frau nit das 
ist nicht das Richtige Su. D^r heilig V. 
der Papst Bf. itnd allg. in kathol. Orten. 
E'ner V. ziejt sechserlei K.in** uf Dehli. 
Kinderscherz : Man kneift einetn in den 
Arm 2ind fragt gleichzeitig : \N\' heisst 
di" V. ? Loss gc"" ! ruft der andere NBreis. 
V. vor'm So''n Huflattich, Tussilago far- 
fara, Syn. Hüflatsche Lobs. Väterle Knabe, 
der sich wie ein Mann benimmt Ruf., od. 
einer, der im ledigen Stande schon Vater 
ist: s V. will jetz' hirote" Obhcrgh. 'noch 
vatter noch mtiter' Str. ij. Jh. Brucker 
33. 'Darumb ich zu meim Vatter kam' 
FiscK. Flöhh. 127. — Schweiz, i, 1126. 
Bayer, i, 849. 

yAltvetter patres, Kirchenväter (j eiler 
J. Seh. 11; 12; 19; 20; 22. LK. 89; auch 
ein alter Mönch oder Einsiedler ; so oft 
in S. M. 

Gevatter, PI. G^vattere" Du., m. Tauf- 
pate Hf. Du. G. ste^^n Hf., z" G^vattere" 
ste''" Du.; z" G^vattcre" bete" ist Auf- 
gabe des Vaters eines tieti geborenen Kindes, 
die Taufpaten für dasselbe zu bestellen 
Du. s. auch G^vatterlüt. — Schweiz, i, 
1 128. Bayer, i, 850. 

Grossvater [Krosßitor Su. NBreis. 
Dil. Molsh.; Krösfätor Obhcrgh.; Krös- 
fator Str. ; Krüfätor Bisch. Dunzenh. ; Kros- 
fätar und Krofötor Hf.; Krüsfätor Ingw.; 
Krofatar Tiefenb. Wh.'] m. Grossvater, 
Syn. Grossätt K. Z. Im Gr. si" Nastuech 
nemme" wenn man die Nase mit der 
blossen Hand schneuzt Su. Eim de" Gr. 
zeige" einem kleinen Jungen die zwei 
flachen Hände auf die Ohren legen und 
ihn so schwebend in die Höhe heben, so 
dass an dem Genick das ganze Gezvicht 
des Unterkörpers hängt allg. 'Der ander 
hebt mi am Kopf in d'Heeh, wie wcmmer 
aim de Grosvadder zayt' Pkm. IV 5. Bis- 
weilen will man dem Jungen so auch den 
Papst zeigen Z. — Schweiz, r, 11 29. 

Z.ss. Grossvaterstuel L^ehnstiihl Hi. 

Geje"grossvater [Koej 0-///". ] m. Gegen- 
grossvater, vgl. Geje"schwer der Gross- 



FaT 



Fet 



156 



FeT 



vater der anderen Seite ; so sagt z. B. 
irgend ein Verwandter der einen Ehehälfte : 
dT N. N. is' d r G. von dem Kind, wenn 
er den Vater der andern Ehehälfte meint; 
ebenso Gcje"grossmüeter. 

Urgrossvater [Yr- Rtif. Z. Betschd7\ 
m. Urgrossvater :. d Urgrossvater sin*^ mit- 
nander in d Schnei gange" wenn jem. sich 
der (entfernten) Verwandtschaft eines 
anderen rühmt Ruf. 

Jude"väterli [Jütsfatrli Heidolsh^ 
Mann, der viele Schiddcn hat. 

Knabe'^vater [Knäwafätar Ruf^ m. 
alter Junggeselle. 

Küngelevater [K.hir[kol9ß,t9r ö(^/^^r§-/^.] 
m. Kaninchenvater, Spitzname für einen, 
der viele Kaninchen hält. 

Schwervater ni. Schwiegervater allg. 
Syn. Schv^^er U. — Schweiz, i, 1130. 

Stiefvater m. Stiefvater allg. 

Väterlich [Faetarle;^ Wh?^ n. das väter- 
liche Vermögen: der hat sin V. jn e'm 
Jo^'r verkloppt ghät. Ähnl. Mütterlich. — 
vgl. Schweiz, i, 1131. 

fatigiere" [fatikiaro Bari-\ ermüden : dis 
is' e herti Arwet, wo-n-eine" fatigiert. — 
frz. fatiguer. 

fett [fat l/.; faet Str. W.] Adj. fett, 
Sjn. feisst O.: dis macht m'r d Supp nit 
f. wenn bei einem Geschäft, einer Erb- 
schaft das Erhoffte sehr gering azisfällt 
Geisp. Innerli(ch) f. wi^ e Geissbock 
iron. von einem sehr mageren Menschen 
Str. Lützelstn. Dis haw i""** f. es liegt 
mir nichts an der Sache Str. Wortspiel: 
Was is' lichter a's e Feder (Fetter)? — 
E Maujerer (Magerer) jüd. Avolsh. — vgl. 
Schweiz, i, 1132. Bayer, t, 778. 

oleTett [ülofat vSr/z^rze'.] Adj. fett wie 
ein Aal. 

lotf^lfett Adj. sehr fett, so fett, dass 
alles lottelt {sich bewegt) K. Z. Di"^^ Söu 
is' usgemäsf't, si" is' jo 1. — Dir werd 
cps fe^lc", du bis' jo 1. ! Lobs. s. auch 
lotfeisst. 

Fett n. Fett. Rda. 'Sunst het mer 
glich kriej't sin Fett' seine Strafe. Boese 
ScHK. 193. — Bayer, i, 778. 

Lende" fett n. Lendenfett, das innere 
Fett einer Gans. s L. is' s best Fett 
Ndhsn. 

Niere "fett n. Nicrenfett allg. 

Schwine"fett n. Schweinefett, das man 
aus dem geschlachteten Schwein heraus- 



nimmt, das also noch nicht zerlassen ist 
Str. 

fete", 5. förchte". 

Vetter [Fetar allg.] m. i. Oheim von väter- 
licher od. mütterlicher Seite , meist i^i Verbin- 
dung mit nachfolg. Vornamen: d^rV. Hannes 
M.; wi« ge'^t's, V. Veite"? Z. De-^ Diinz- 
ner V. Hans Onkel Hans atis Dunzenh. 
Ingenh. V. Jerri Georg Dunzenh. Das 
nhd. W. Vetter wird wiedergegeben durch 
Gschwisterkind , seltener tmd fast nur 
in höheren Kreisen durch das frz. cousin 
U. 2. auf dem Lande jeder männliche 
Verwandte, namentl. in weiteren Graden 
tmd solche, die durch Heirat in die Fa- 
milie kommen. J. Fürsprecher. E V. im 
Konsistorium han Z. Han. Do muss m^r 
e V. im Elsess han Dehli. ^. Meister 
Ensish. ; grosses Exemplar: dis is' e V. 
grosses Kaninchen Ruf.; verächtl. Kerl: 
du bis' m'r noch e'"mol e netter V.! K. 
Z. — Schweiz. I, 1133. Bayer, i, 851. 

Fettich, Fegte" [Fati^ Roppenzzv. ; 
Fatik Hi. Heidw. bis Rapp., daneben die 
Form Fatjo Katzent. Rapp., ausschliessl. 
Fatja in Rchw. Barr; Fati Mütt. Bf. 
Kerzf. Dachstn. Im S. ausserdem noch 
Fakts Fisl. Olli. Attenschw.~\ 'Fettje' Ul- 
rich ; PI. ■=■ Sing., nur in Ruf. — e, 
fast allg. m. ; f. Steinbr. tmd Fisl. ; n. 
Wittenh. Hi. bei Bed. i. i. Flügel (dies 
Wort ist im 0. selten) eines Vogels, einer 
Gans, einer Wittdmühle, eines Spinnrads ; 
Rockflügel, Rockschoss, verächtl. herab- 
hängende Fetzen : die het an d^r basque 
^frz. Schoss der Damentaillc) Fettige awe 
henke" Ruf. Er losst d F. henke" (läp- 
pe" Sier., lampe" Mütt.) er ist erlahmt 
im Eifer Banzenh., kann nicht mehr ar- 
beiten, bezahlen ti. s. w. Du., hat den Mtit 
verloren Rchw. s het F. bikumme" ist 
gestohlen zvorden 0. 'sehs vettiche' Chron. 
412, 23. 'und sol man in ouch beide 
fettiche abehowen' Str. 14^^ Brucker 231. 
'der hahn kregct und schlug mitt beiden 
fetichcn in die pfefiferbrüe' Geiler ^. M. 
19^; P. III 81^. 'Die forcht hat die fet- 
tach angeschlagen an die fueß' = lat. Pedi- 
bus Timor addidit alas Geiler Häsl. a 
iij'=. 'Wenn e Vog'l hie''er fliege" will, a's 
er Fett'jc het, sc fange" ne di^ Biiuwe"' 
M. JB. II 168. s. Flügel, Flättich. 2. 
Frackschoss, s. JB. IX 29. J. liederlicher, 
sich hertimtreibcnder Mensch, Vagabund, 
Schelm, Ltimp, leichtsinniger und atis- 



FeT 



— 15? 



ViT 



FuT 



schweifender Mensch, ungezogener Bursche, 
nichtszmlrdiger Mensch; flatterhaftes, loses 
Mädchen, ausgelassene Person. Das F. 
is^ no^'' nit besser wörde" Roppenzzv.; 
Mädchen, das gern spazieren geht Steinbr. ; 
Kind, das immer herumzieht Rjif. Wo 
bis' wieder gsi", du F.? Obhergh. Syn. 
Zie^Tettich. — Schweiz, i, 1134. Schwab. 
187 Feggc. Bayer, i, 777. 

Mucke"fettig tu. eig. Mückenflügel, 
in der allitter. ablaut. Sprechübung [Miko 
mako M. Dü.'\ 

SchlasfittM [Släfitl Altw.; 'Släwitl 
Ingenh.~\ n. Schlag fittig, übtr. Kragen. 
Nemm ne am S. un'* werf ne zu d*r T'Hir 
onus Altw. s. auch Flienke"^ 3. 

Schmus fettige ['Smysfatjo Co.~\ m. 
lockerer Vogel, 'alter Schmüsfättje' Man- 
gold Colm. Kom. 50. 

Weihe"fettig [Wfejafatik Su. Osenb.] 
m. Löwenzahn, Kithblume; nur zur Zeit, 
zvo man die Blätter als Salat benutzt, 
sonst Bettseicher Sti. ; Leontodon taraxa- 
ciim ; Sjm. Brunzbluemc"saiat U. 

Zie'^fettig, Zugfettig [Tsiafakta iv.y/. ; 
Tsiofati^ Roppenzw . ; Tsiafatik ffi. bis 
Logelnh. ; Tsiakfatik Obhergh.; Tsükfatik 
Rtif.; Tsiafatik Hlkr.; Tsiejfatik Co.; 
Tsiajfatik Dü?\^ fast allg. m. ; f. in Fisl. 
bei Atiwendung auf eine weibl. Person ; 
n. in Roppenzzv. : umherstreifende Person 
männlichen od. weiblichen Geschlechts und 
von jeder Altersstufe. 

fettige** [fatika Felleri. ; fatja, Präs. '\y 
fatik, Part, kfatikt Mütt.] I. die Flügel 
auf- und abwärts bewegen, namentl. vom 
Hahn vor dem Krähen : d^r Güller fettigt 
Mütt. 2. schnell laufen Mütt.; rastlos 
umherstreifen, von Mädchen, die den 
ganzen Tag im Dorf herumlaufen, um 
Nettigkeiten zti erfahren Felleri. 

ummefettige" Urbis Obhergh. Hältst.; 
''"rum^erfett'je'' M. Geberschw. herum- 
ziehen, umherstreifen, von Kindern, die 
den ganzen Tag dratisscn umherlaufen 
und nur nach Hause kommen, um zu 
essen. Er fettigt d"'r ganz Tag umme wi* 
ne Lus im Pelz Urbis. 

Ummefettiger m. Herumstreicher Ob- 
hergh. 

ummefettigiere" [ümafatikiara Ä^] 

hertimziehen, umherlaiifen . 

zie'^fettige" timherziehen, umherstrei- 
fen Logelnh. 



Vit Heiligenname. Über den Veitstanz 
und die Kapelle St. Veit bei Zabern, wo 
die Kranken tim den Altar tanzend Heilung 
suchten und zvohin noch jetzt gewallfahrtet 
wird, s. Als. 1850, 96. Vgl. Als. 1862 

— 67, 159 ti. Anm. 1873 — 74» 388. MA. 
6, 5. 'dass dich Vix dantz ankomme!' 
Mosch. I 274. 'Wer nicht liebet Musica, 
4en plag Sl. Veiths-Tanz und Podagra" 
Strassbtirger Meistersängerbtich Piton 
Strasbourg ill. I 133. Früher beteten die 
Kinder: Heiliger Sant Vit, Weck mi'^'^ in 
der Zit, Dass i*^'' nit z früei un*^ z spot, 
Dass i*^^ in der Zit kumm Rtif. s. atich 
JB. IX 59. Der Heilige schützt auch vor 
dem Bettnässen. — Schweiz, i, 1134. 

abfittere" [äpfitara StrütJi\ fortlatifen. 

— Schweiz, i , 1 1 3 5 ; vielleicht aber ab 
fidere", ebd. 680. 

Vitriol [Fitriöl Sti. K. Z.] m. i. Phos- 
phor an den Streichhölzchen; Schwefel- 
säure. 2. schlechter Branntwein Z. Syn. 
Gift. 

Futer [Fütar Str.; Fytor Du. f/.] ein 
Fltich. P^ ha''^ drei Sack voll Nüsse" be- 
komme" vo" dem Baum. F.! da"^ 's' vil! 
Du. Du bis' e Schäfiider ein Ltwipen- 
kerl, eig. Jean Foutre K. Z. 

Zss. Nundafüder Du. Bisch, frz. 
nom de f. etiphem. für nom de Dieu. 
Das Wort ist atis dem frz. Kriegsdienst 
mit ins Elsass heimgebracht worden. — 
Schweiz, i, 683, 

futtere" [fütara 0. bis Ruf.; fytara 
von Hlkr. ab im ganzen übrigen Elsass, 
auch W.~\ polternd fluchen, schimpfen, 
murren, brummen, meist nach voratif- 
gehender grosser Verwundertmg , daher 
atich sich sehr wundem Ingersh. Mei" ! 
d^r Vater wird f., wenn er gsie^t, ''ass 
die^* Schibe v^rheit is' Liebsd. In's Was- 
ser bis' gheit mit dine" nette" Kleider", 
do wurd d Müeter awer f. Ulk. De 
maSs' f., wie de wi"n, Geld will i'^'*! Bf. 

— frz. foutre als gemeines Fluchzvort. 
Schweiz, i, 1135. Bayer, i, 778. Hess. 
112. DWB. 4^ 369. 1086. 

futi [füti Roppenzw. ; sonst fast allg. 
fyti , in M. daneben atich fytik ; fyti/ 
Ratizv. ; die frz. Form füty Hi. Pfast.'^ 
Adj. präd. und Adv. i. (nur mit ''sein 
und ^gehen verbunden) verdorben, ver- 
loren, zerbrochen, zerrissen, kaput, tot, ver- 
endet, verreckt (von Tieren, verächtl. auch 
von Menschen). I wich Jetz' nit um's f. 



FuT 



FueT 



15« 



FneT 



ge^" Geberschw. De' arm Keib is' jetze 
f. der arme Kerl ist jetzt tot M. P^ bi" 
schier f. gange" vor Lache", vor Kälte, 
vor Durst Du. Eine" t". mache" mubringen 
allg. Jetz' is' alles f. ! verloren Hf. D*^r 
uns'-'r Hund is' f. gang"^" Büst. Er is' ge- 
v^''reckte f. völlig verendet und tot Altw. 
Syn. kapores, hin. 2. imstande, in der 
Lage [in derselben Bed. zvie frz. foutii). 
Mcins', ich ward jetz f. für cps ze schaffe"? 
MiLtzig. Der Mann is' nit f., sini Arvveit 
ze mache" Str. — Schweiz, i, 1136. 

futilacasse [fytilakhase K. Z.] zer- 
brochen, zerschellt. — frz. fbutu lä cass(^, 
das in Str. noch erweitert worden ist zu 
-j- fiitilacasimire, in dem wohl der Vorname 
Casimire steckt. 

futiere" [füliaro Fisl.Hi.; fy\X^T^IIlkr.; 
(yimi^NBreis.Horbg.Katzeiit. bis Bf.; fytera 
Str. Lobs.; fytiero Z. Zinsw.] i. atis- 
lachen, verspotten, nichts darnach fragen. 
Ich futicr ■''m uf dis Ding Hlkr. 2. rcfl. 
sich nichts macJien atcs, auf die leichte 
Schulter nehmen, etwas verächtlich ab- 
iveisen. De briichs' di'^'' nit z^ f , de bis' 
sicher noch fro'' drüwer Rapp. I futier 
mi'^'' um d Strälmacher, i'^'' nimm d Lüs 
mit de" Häng*^" (^Händen) abe Fisl. Der 
kann si"^'' sehe" f. {stolz thun), *r het de" 
Büttel (Beutel) voll Zinszv. — Schweiz. 
I, 1136. DWß. 4=» 1063. 

Fueter [Fyator S71,. Logelnh. Türkh. 
K.; Fyator Rtif. Geberschw. Mittl. Hlkr: 
Rapp. Geisp. Hf. Zinsw.; Fytar Str.; 
Fotar Brutn.; Fütar Betschd. — Demin. 
Fiatrla Hlkr^^ n. i. Futter, Nahrung des 
Viehs, Gras, Klee; Heu : grücn F. Griln- 
ftttter Rapp. Dis Jo^-r gii't's vil F. K. Z. 
Das is* wi"'der e F. für d^r Blas [od. Blas 
Ochsenname) das gefällt dem N. N. wie- 
der, ist ihm willkommen Su. Wenn ich 
in di"^m F. stieng (stände)., wo"t ich än- 
derst schaffe" Geberschw. Das is' e grings 
Füet^rlc Hlkr. In de" Hüe'^ner F. rupfe" 
sich erbrechen Türkh. Mach s Vi^*" nit, 
s F. is' so rar! sei nicht albern Rapp. 
Falsch F. welches die Kühe tun die Milch 
bringt Ilf. 'So bald ward den Pferden 
ein Fuetter geben' Mosch. II 589. De" 
ka""t m^r lade" wie lang F. er ist brauch- 
bar Ruf. 2. schlechtes, unschmackhaftes 
Essen. Si* ha" m'r e F. ufgstellt ! Zinsw. 
J. Futterstoff, Unterfutter von Kleidern 
Mittl.; dafür Fuetertuech Rapp. U. ^. 
in der Handwerkerspr. die innere Aus- 



kleidung des Thürgestells Hf. — Schweiz. 

1, 1 136. Bayer, i, 778. 
Bengelc"fueter«. Prügel, Schläge : das 

Ross bekummt me'^'' B, a<s anders Dil. 

Gänsfu'ter [Kocnsfütor Schleit7\ n. 
Ackerschachtelhalm , Equisctum arvensc, 
wird namcntl. als F. für die jungen Gänse 
benutzt. 

Geise"fu'tcr [Käsofütar Schleif.^ n. 
Mistel, Viscum album; Sjyn. Hexe"bese". 

Gigefueter n. in der Rda. gemutzt 
vvi= s G. prächtig angethan 0. Stöbek. 
— Schweiz, i, 1137. 

Hose "fueter rt. Prügel Dunzenh. 

Hüe''nerfueter n. Hühnerfutter. Do 
gi^'t's H. ! es erbricht sich jemd. Gebw. 

Katze" fueter n. i. schlechte Ware 
Bf.; Fleischreste beim Kittler Str. 2. 
schlecht beletinmndete Leute, Mädchen mit 
lockerem L^ebenszvandel , schlechtes Zeug 
Bf. Str. 

Kummetfi'.eter n. Polsterung hinter 
dem Pferdekiunmet Hlkr. 

Kurzfueter [jp-ürtsfyotori^/öte//.; Khots- 
fyatr Steinbr., sonst überall KhürtsfyotorJ 
n. I. hirzgeschnittenes Heu oder Grün- 
futter und Stroh vermengt; Hafer, Kleie, 
Rüben Ji. dgl. mit Häcksel vermischt als 
Pferdefutter ; auch zerstossene Dickrüben 
od. Gelbrüben mit Spreu vermischt Du. 
Rapp-1 d Ruewe", dass i"'' K. kr'ej Ulk. 

2. Essen, in dem alles durch einander 
gemischt ist Kindw. ; = Mehlspeisen 
Zinsw. j. Prügel: Kumm nur heim, da 
bakumms' K. ! Su. — Schweiz, i, 1137. 

Nase" fueter «. /. trockener Nasen- 
schleim. Suechs' N.? zvenn einer mit den 
Fingern in der Nase bohrt Steinb. 2. 
Schnupftabak : k^, du treis» o"^^ N. no"*'? 
Geberschw. — Schw^eiz. i, 1137. 

Strälfueter ['Strelfyatar Roppenzw., 
sonst O. und U. Strdlf. ; 'Straelfytar Str.; 
'Straclfütar Tieffcnb.'\ n. Behälter, Futteral 
des Kamms, das gewöhnlich aus 2 Fächern 
besteht und an der Wand in der Nähe 
des Spiegels aufgehängt wird. 

V o g e 1 f u e t e r n. Vogelfutter, und zzvar 
Wegerich Ruf. Ingersh., oder die Frucht 
des Möllns, der sog. Mäjsome" Katzent. 

Welschkorn fueter n. Maispflanze 
ohne Fruchtzapfen, die man mit dem Vieh 
verfüttert Obhergh. 

Fuetcrasch [Fytoräs Str.\ n. I. vei-- 
ächtliche Bezeichnung für ein Gericht, 
das einem nicht mundet. Was dis wieder 



FueT — FäTSCH 



— 159 — 



FäTSCH 



FaX 



für e F. is' ! 2. Viehfutter in reichlicher 
Menge. Syn. Fueterspi^l Z. — frz. En- 
dung Schweiz, i, 1138. Bayer, i, 778. 

f 11 e t e r e " [ly tsra Str. ; fyatara /C. Z. 
Han.; fetara Brtini^ l. das als Viehfutter 
brauchbare Unkratit in bestellten Feldern 
ausrupfen K. Z. H. [T Metor es fürt 
fetara Brfim^ 2. viel essen Str. 'Un het 
merr ne-n-am Disch . . ze füedert er wie 
e Schwyn' Pfm. III 7. 5. schneie". — 
Schweiz, i, 1138. Bayer, i, 778. 

Fueteräre [Fyatarära Dunzenh.; Fya- 
tarera Hf\ f. Frau, welche das als Vieh- 
futter brauchbare Unkraut in bestellten 
Feldern ausrupft. Das m. dazu füterer 
der, welcher F\tter holt Chron. 142, 28. 
— Bayer, i, 778. 

f ü e t e r e " [f iatara Heidzv. ; f iatra Hüss. ; 
fiatra Sti. Logelnh.; fietara M.; f iatra 
Du. ; f iaetara Rapp. ; f iatara A'. ; fietara 
Z. Liitzelstn. ; fetara Str. Wh.'\ i. füt- 
tern, das Vieh im Stall füttern ; dazji 
gehört auch, namentl. am Abend, die ganze 
sonstige Pflege des Viehs, das Unterlegen 
der frischen Streu und die gesamte 0?-d- 
nung im Stall Z. Hes' schon gfüetert? 
Ingenh. Er füetert am Breitlüo*^ er füttert 
die Kühe in der Bergscheune Br. M. 2. 
essen, von Menschen. Jetz' will ich mich 
aw^r oü''^ f. Dil. ; zil essen geben, bes. 
kleinen Kindern. Er is' gfüct'ert un'^ &^- 
tränkt fertig Ruf. j. Kleidungsstücke 
füttern, mit Unterfutter versehen, dass sie 
besser sitzen od. oft auch damit der Träger 
oder die Trägerin vollere Formen be- 
kommt. Übtr. Do is' alles mit Lumpe" 
(Lappen) gfüetert der Kern der Sache 
taiigt nichts Str. Z. /f.. etwas, das nicht 
fest sitzt, dtwch zwischengeschobene Stücke 
Holz, Leder, Stoff 71. dgl. in die richtige 
Lage bringen. Die Diss*"! (Deichsel) lot- 
tert z" vil, si*^ muess gfüef'it si" Du. — 
Schweiz, i, 1139. 

abfüetere" abfüttern, fertig füttern 
Bf 

usfüetere" mit Futterstoff innen be- 
legen; auspolstern Bisch. 

Fü et er ei [Fiatarei Obhergh.~\f. langes 
und langsames Füttern des Viehs, ironisch 
tmd vorwurfsvoll. 

Gfüeters [Kfiatars Obhergh^ n. lang 
hingezogenes nachlässiges Abfüttern des 
Viehs. 

fätsche", ffüotsche" [fatsa, fyotsa 
il/.J patschen, im Dreck, im Schnee, im 



nassen Gras waten, so dass man Wasser 
in die Schuhe bekommt. Syn. watle". 

G^fitsch [Kfets Ruf. Su. Oseitb.'] n. 
I. Abfälle, unbrauchbare kleine Sachen, 
Trödel; minderwertige, nicht völlig atis- 
gewachsene Kartoffeln, Äpfel, Birnen; 
Syn. Gfitschdings Su. 2. geringschätzig 
auch ein Hätiflein kleiner Kinder, jjtnge 
Vagabunden. Das Gf ka""t einer nit in 
Rüej lo" Osenb. — Schweiz, i, 1141. 

fitschle» [fetsla Wh.'\ kleine feine Ar- 
beiten jeder Art verrichten, wobei nichts 
verdient wird. 

Gfitsch^ls [Kfetsls Wh7[ n. verächt- 
lich für kleine feine Arbeiten, wobei nicht 
viel verdient wird. Dis Häkle" is' e GL, 
dis bruchs' du nit! 

futsch [füts allg.O. bisNdhsn., nettes W7\ 
Adj. präd. verdorben, verloren, zerstört, 
fort, zerbrochen, verspielt. Das Geld, wo de 
in dem gi''s', is' f. ; uf das bruchs^ nim 
zäi^le" Du. s is' alles f. Ndhsn. Syn. 
futi allg., hin U. — Schweiz, i, 1142. 

ver futsche verpfuschen Stöber. 

Futsch f. unordentliches Mädchen, 
Weib Stöber. — Schweiz, i, 1142 
Fuetsche. 

fewere" [flwra Obhergh.] hin- und her- 
wehen mit der Pland, fuchteln. Steck's 
uf mit f s. auch wewere". 

Fax [Fäks Str. Hf.] m. i. Meisterge- 
selle in einer Braiierei, Oberbrauer, Brati- 
knecht. Indessen wird diese Bezeichnung 
meist nur innerhalb des Betriebs der 
Brauerei so gebraucht ; ausserhalb über- 
wiegt die Zss. Bierfax. — frz. fax. 2. 
verivandt mit frz. faquin (Schelm, Stutzer, 
Gigerl) in der Rda. d'^r F. mache" den 
Grossen, Herrn spielen Su. M. ; de" F. 
mache" Spässe machen Str. 'Sin Fax 
meint, 's wurd em weh' Str. Wibble 51. 

Bier fax ;;/. erster Bratiknecht, Meister- 
geselle in der Brauerei; Knecht aus der 
Brauerei, der den Wirten in den Dörfern 
das Bier zufährt U. — Schweiz, i, 1142. 

R oll (e") fax m. Brauknecht, der den 
Rollfuhrdienst versieht Str. 

Faxe" [Fäksa rt;//^.] PI. Spässe, Albern- 
heiten, Possen, drollige Streiche, Dumm- 
heiten, Vorspiegelungen. Mach nit lang 
F. ! besinn dich nicht lange Dil. Mach 
m'r ke'"'= F. ! belüg mich nicht allg. Er 
is' z" hind'^refür uf s Ross gsesse" un'^ het 



FaX 



FiX 



^- i6o — 



Fix 



FeTZ 



si'^*' am VVad^l ghebt un'' allederhand F. 
gmacht Du. F. schnide Umstände machen 
Str. CS. 'E Zysel isch ken Krabb, die 
Faxe nuzze nix' Ffm. I 5. 'Was sinn diss 
for Faxe, Bryd?' ebd. II 3. — Schweiz. 
I, 1142. Hess. 100. 

Faxe" mach er m. Possenrcisser Lo- 
renzen. 

Faxjo [Fäksjö jüd. Avolsh., oder frz. 
Aussprache faction 6"/r.] f. in Verbindimg 
mit ^stehen : Gnmdstellung nehmen beim 
Turnen ; Wache auf Posten. 

Vöxat [Faksät Rapp^ f. Rosskastanie, 
Aesculus Hippocastanum ; Syn. Vexierkest 
Schlettst. Der Baum heisst [Faksätopäim]. 
Die edle Kastanie führt den Namen Ivest 
[Khest]. 

vexiere" I [faksiara Hi. Stt. ; feksiaro 
Hlkr. ; faksiara Dil. ; f faksiara Rchw. ; fök- 
seroStr.; faksiera i¥/".]. i. scherzen, spas- 
sen, mir dergleichen thiin. s Schlimfiewcr 
is' e bösi Kranket, s vexiert nit Dil. Vil- 
mol merci, Herr Adschüa (frz. adjoint 
au maire Beigeordneter) ! Antzv. S'e v. ! 
Rchw. 'Zell isch sunst nit gVexiert, dass 
in de Reinhold d' Liss ganz isch ver- 
schammeriert' Pfm. III 2. 2. ärgern, 
necken, sticheln Str. Hf. 'die sie (die 
Blödsinnigen) vexieren, sie vmtreiben, ir 
spotten' Geiler iV(?rr. XIII^; L. K. 11. 12. 
'Vexirt nicht vil Ne vous gaussez pas 
beaucoup' Martin Pari. N. 191. — 
Schweiz, i, 1143. 

ung'^vexiert Beteuerimg: im Ernst, 
ohne Scherz Su. 

Vexer /;/. Spassvogel, Spassmacher 
Katzcnt. 

fgxiere" II [faksiara Hlkr?\ fixieren, be- 
trachten. 

fix, gfixt [fiks Roppenzw. Hf. Brum.; 
feks Nhof; kfekst Str. K^ Adj. schnell, 
hurtig, flink. Alle^ {frz.), f. e biss'^l! 
J\hof. VVann's heisst in s VVirtshus, ^^- 
PQch jgt cj. f; fjj- jj^ ^^j. Verbind, mit 

fertif^ {s. d.). De'' stc'^t f. stramm Rop- 
penzw. Gfixt zu jeder Zeit tmd überall 
brauchbar. gfixt bereitwillig empress(^' 
Str. Ulrich. F. neben Vix verbreiteter 
Familienname Han. — Schweiz, i, 1143. 
Fix [Feks/F/i. Rauw\ i. Phosphor. 2. 
Zündhölzchen, Streichhölzchen; in dieser 
Bed. auch zsgs. Fixhölz*^! [Fekshdltsl] Wh. 
Has' F. im Sack? Rauw. Syn. Streif- 
feücr. — eig. Schnellfeuer. 



Fixer [Feksar Wh?^ vi. Geck; Syn. e 
Gewichster. 

'fixiere" bestimmen, betrachten, fest- 
setzen Ulrich. 

gfoxt Adj. nit gfoxt sinn unfähig sein 
Str. Ulrich. 

jFatz m. der Federbusch an der Brust 
des Geflügels, z. B. der Welschhühner. 
'Man soll den Fatzen oder Buschen an 
der Brust nicht ausrupfen' L. KB. 187. 
198 Stöber. 

'fazle, ulifazlc; w^g'i'd.z^W. fasern, faserig 
Ulrich. 

'Fazle t Fasen Ulrich. 

fatzlich [fatslc;^ ff%.] Adj. zerrissen. 

Fatzanietel [Fatsaniatl, PL ebenso Se- 
wen; Denan. Fatsonetli ö///.] ;/. Serviette. 
Has' d F. uf d^r Tisch gemacht? ein 
kleines hübsches Tüchlein Olti. 'Strophiolum 
fatzenetlin' Gol. 216. 'Nero hieng ein 
haupttuch oder facilet für die Augen vnd 
Angesicht' Herzog Chron. 29. 'sie vnd 
ihr Sohn haben ein Reisstrog aufgcthan, 
darauss sie etlich Fazenetlin genommen' 
Obbergheimer Malcfiz- Register 162 1, fol. 
137'' Stöber. 'Ein facillet bringt ir ein 
rock' Murner Mühle 467. 2. Schnupf- 
tuch Sewen Stöber. 'zu dem zwölften 
die faciletlin, die rotzthüchlin seind auch 
nutz' Geiler WK.gG^. — Schweiz, i , 1 144. 
Schwab. 183 fazeneitle. Bayer, i, 780. 
ital. lazzoletto. 

ffatzen necken, plagen, quälen, zum 
Narren halten, 'der teufel fatzet dich und 
ficht dich an' Geiler Em. 54. P. i, 27; 
J. Seh. D VII''. 'dass er schwig und loss 
fatzen sich' Brant Narr. 86, 4. 'die 
Fluh zazen, die vns on vnterlas stäts 
fatzen' Fisch. Fiöhh. 2401 f. 'Fatzen 
irridere' Dasyp. — Schweiz, i, 1146. 
Schwab. 183. Bayer, i, 780. lat. vexare. 

Fetze" [Fatsa allg.; Fyetsa Str. W.] m. 
I. Stück, grosses Stück: e F. Brod ///'., 
Syn. Ranke" Ingenh., Ronke" Wh. ; e F. 
Fleisch allg. E F. Bodc" ein grosses 
Stück Land Katzent. Er het e guete" F. 
an eim Stück an d«r Kuene (Künheimer) 
Stross, 's sin*^ me'' a's vier Irtc" ane'nan- 
dcr Du. D'r Pfl(\j*=l is' ze F. verfo^'re' 
K. Z. 2. Fetzen, abgerissener und noch 
lose anhängender Lappen: das is' e neu 
Kleid! Jetz' bschaüe" die F.! Wittenh. 
D F. henke" vun '*'m er ist zerlumpt Su., 
od. d F. henke-n- '''m vom Leib Nhof. 
Ze Kriiz e F. haue" in Stücke hauen. 



FeTZ 



FiTZ 



— i6i — 



FiTZ 



schlagen, reissen. Er het m'r di^ Lingenier 
(Lineal) ze Kr. e F. ghaüe" Mittl. Z(u«) 
Kr. e F. v(er)risse" Wittcnh. Obhergh. 
Dollern Heidolsh. Co. Bf. D^r Wind het d 
Fä''ne" zueKr. eF. verschien zti?/". j. tmge- 
scJilachter Kerl, nichtsnutziger Bursche, lie- 
derlicher Mensch, Vagabnnd 0. allg.; Syn. 
Fettich 3. Das is' jetz emol e liedriger 
F. Co.; unsittliche Weibsperson: de"^ F. 
bracht noch eppis ze saje" Co. Soll i'^'* 
d'r saje°, was de bis'? e F. bis'! Bf. — 
Schweiz, i, 1148. Schwab. 191. Bayer. 
I, 780. 

Strichfetze" ;//. Pech mit Faden ver- 
mischt und rund geformt wie ein Ball, 
an dem man den Pechdraht vorbeizieht, 
um ihn zu glätten Geberschw. Rapp. 

7 Gefetz n. Unordmmg, Zwist. 'Wer 
wollte vermeint haben, dass etwas Gefez 
und Gewerr weiters unter der Bürgerschaft 
sollte entstanden sein' Zwinger IV. — 
Schweiz, i, i 149. 

ver fetzt Adj. zerrissen, nur aus herab- 
hängenden Lappen bestehend Bisch. — 
Schweiz, i, i 151. 

fetze'^'^t, fet zieht [fatsat Hf.; fatsi/t 
Ingenh^ Adj. fetzig, in Verbind, mit dem 
^Abnehmen gebr.; s. Abnehme" /Lf.; von 
der Milch einer kranken Kuh Ingenh. 

jFetzer m. Gesäss, Hintere. 'Loch 
oder Fetzer Brodier ou Fessier' Martin 
Pari. N. 164. 

Fitz [Fets K. Z. Han. Tieffenb. Wh.] 
f. Rute, schlanke Gerte; namentl. ist die 
F. ein unzertrennliches Attribut des '^ Christ- 
kindeis und des 'Hanstrapp' am Be- 
scheerungsabend . D^r Hanstrapp kummt 
mit d*=r F., der ward di'^'' awer fitze"! Geud. 
s Chris'king^l bringt an d^r Wi''nachte" 
au'^*' e F.! Rothb. Demin. Fitz*l dünnes 
Stöckchen Ulk. 'Vizze licia' Here.ad 187^. 
— vgl. Schweiz, i, 1152 Fitze»; DWß. 
3, 1695; danach urspr. geflochtener Strang, 
Peitsche; dann erst Gerte. 

fitze" [fetsa allg^ i. mit der Rute 
züchtigen; einen mit einer Gerte so schlagen, 
dass man ihn nur mit der Spitze derselben 
trifft Steinbr. Einete, beinete (Var. : einige, 
beinige Banzenh.) Tinte"fass, Gang in d 
Schuel un'^ le^'r di" Sach; Kunns' m'r heim 
un'^ ka""s' m'r nit, Nimm i<=^ s Rüetele 
(Rüetli Banzenh.) nn^ fitz di'=^ mit Ballersd. 
''Den 20. Atigust 1^43 wurden beide (Diebe) 
von dem Henker durch die Stadt gefitzet, 
sodann gebrandmarkf M. Kirchenb. 'die 

Wb. d. eis. Mundarten. 



Menschen sind unsers Herrgotts Ruten, 
domit er dich fitzet' Geiler Bilg. 68'\ 
'mit Ruten fitzen' Fisch. Bin. 16 r. 'So 
e Kerl, wo merr jez nächster Daa fizt 
un brennt am Halsyse' Pfm. IV i . Kinder- 
spruch: De"" is' im Bach gfalle". De'' het 
'•^n usezoge". De' het '''n heimtreit. De'' 
het '''n ins Bett gleit, Un'* de'' het gseit: 
gfitzt, gfitzt muess er si" dabei werden 
die fünf Finger gezeigt Hi. D Flemm 
f. {od. batsche") bjimmeln, faulenzen, die 
Zeit verschwendest Str. s Teig f. Teig 
aus Kartoffelmehl Jind Eierklar, aus dem 
Biscuittorte gebacken wird, mit dem Besen 
schlagen Lngenh. De" Win f. wenn er 
weich ist allg. [Ti Malkr fetso ti Khesmeli;^ 
maem Khesmeli;^päs9 schlagen die dicken 
Klümpchen klein 71/.] Obscön : onanieren 
Ulk. Bischzv. 2. mitKleidern Staat machen, 
schön herausputzen. Die Kinder si" gfitzt 
a's wi^ Herre"kinder Urbis. s is"^ zue arig, 
wie die Froü i^r Maidele fitzt Rchw.; 
schneidig auftreten, prangen, sich brüsten : 
Potz doisig, wie het's der gfitzt ! Banzenh. 
LueS, wi^-n-^r's fitzet! Hlkr. Der fitzt's! 
M. De'' fitzt '''ne! Kaysersbg. Gfitzt 
schön, ausgezeichnet, herrlich, geschmückt, 
fein heratisgeputzt. E gfitzti Köche" tüch- 
tige, erfahrene Köchin, schön gebautes, 
stattliches Frauenzitnmer allg. 'Er kummt 
an sim gfitzte Furneblätzele an' Str. Wibble 
62. E gfitzt Gläsle Wi" Du. Dis is' 
gfitzt! prächtig Str. Gf. anget^on fein, 
geschmackvoll gekleidet Str. De'' cha"" 
gf. schribe" un^ lese" Liebsd. j. schnell 
laufen. Dis Kind is' awer d Stross "^'nab 
gfitzt Rupr. 'Mit dene Worte kummt e 
Bue in's Bierhuus nyn ze fitze* Böse Schk. 
292. — Schweiz, i, 1152. Schwab. 193. 
Bayer, i, 781. 

ane"fitze'' [änafitsa Liebsd. Heidw.; 
änafetsa Ingersh.] etwas mit Leichtigkeit 
und Geschick verfertigen , gelungen und 
ohne Fehler ausführen. Von einem Maler, 
der mit leichter Mühe ein schönes Bild 
schnell malt, sagt man: De"" fitzt's ane" 
wie nit! Liebsd. I fitz e Walzer ane" 
ich spiele einen feinen Walzer auf ebd. 

durch fitze" [türa- Banzenh.; türo- 
Hlkr.; \x\x\^- Katzent. Str^ mit der Rute 
dji rchp rügein . 

furtfitze" davon fahren: 'uf ein Mool 
fitzt einer derfun fürt' Str. Wibble 44. 

hin fitze" Bed. wie ane"fitze". 'I ha 
'ne Neujohrswünsch hieng'fitzt, grad wie 

11 



FiTZ — FoTZ 



162 — 



FoTZ 



gedruckt' Böse ScHK. 211. 'E Brossäwer- 
bal henn dem Welsche sie hingfitzt' Str. 
Wibble 51. 

usfitze" schnell fortgehen, laufen Ulk. 
Str. 

G^fitz n. I. Reisig Liebsd. Eschenzw. 
Baldersh. 2. Rest oder Abfall von Speisen. 
Gib das Gf. de" Säü! auch sonstige Ab- 
fälle von Gegenständen heissen Gf. Liebsd. 

Fitz er m. i. fein gekleideter und dabei 
gewandter Mensch, feiner Herr, Stutzer, 
Zierbengel allg.; stolzer überspannter 
Mensch Co. Von einem Reichen sagt man: 
de'' het guet d^r F. tschlo schlagen Liebsd.; 
d^r F. mache" oder schlas«" Banzenh., 
schlage" i?«/. Hlkr., schlauje" Brum.; d^r 
F. spi'^le" Sti. 'ma foi! saat der eint vun 
unsre zwei Fitzer* Str. Wochenbl. i88j, 
No. yo. 'Un Meidle viel ne kenne: Duen 
ne e Fitzer nenne' Str. Wibble 73. 'De 
riche Fitzer trenke-n-äu So guet wie d'arme 
Lytt' Stosk. 68. Verstärkt: E Pariser F. 
Ruf. 2. geschickter Mensch, Meister in 
seinem Fach. Er is' e F. in dene" Stücke" 
Du. Dis is^ e F. in sim Gschäft Z. j. 
Reitpeitsche Bisch. ^. Schlag, Prügel 
Kerzf. — Schweiz, i, 1153. 

Kni^ke'^lfitzer /;/. einer, der beitn 
Gehen die Kniee durchdrückt Scherw. 

Stecklefitzer m. dasselbe wie Fitzer 
I. in verstärkter Bed. Mü. 

Zettelefitzer m. Spitzname der Blech- 
schtniede Ingw.; s. auch Zettele. 

Votz [Füts Olli. Blotzh. K. Z. Betschd. 
Schleit. ; Föts Banzenh. Steinb. Rttf. Co. 
Jngersh. Rapp. Kerzf. Lllk. — PI. -9 — 
Demin. F^tsali Banzenh.; Fetsl ///.] f. 

1. cunnus allg. ; Sjn. Schneck, Buchs, Butz. 

2. liederliche Dirne; in hochgradiger Auf- 
regung oft auch als Schelte für Weibs- 
personen übcrh., auch wenn man ihnen 
nicht gerade lockeren Lebenswandel vor- 
werfen kann. Du drecketi V. ! Olli. Du 
elendi V.! Banzenh. D Votze" kumme" 
die Mädchen kommen Lllk. — Schweiz. 
I, II 58. Schwab. 207. Bayer, i, 782. 

B a b b e 1 f u t z y. Schwätzer, Schwätzerin, 
meist ganz harmlos und freundschaftlich 
Str.; ein verplaudertes Weib Lngw. s 
Babbelfutze"-Eck wird die Ecke der Bücher- 
gasse und des Pflanzbads in Strassburg 
genannt. 

Henne"futz m. wunderlicher, einfäl- 
tiger Mensch Lobs. 



Herre"futze" m. Vorteil für die 
Herren, d. i. für Advokaten und Richter 
Avolsh. 

Matzfotz /;/. schüchterner Djimmkopf. 
'Du Matzfotz, Schmitzle schicke!' Froelich 
Holzh. 10. — DWB. 6, 1768. 

bofötzig [pofetsi;^' Obseeb^ Adj. der- 
bes Wort, verrückt, ob bubenf. knaben- 
süchtig, von Mädchen ? 

jfotzecht Adj. zottig. 'Pannus villosus 
rauch, fotzet tüch' GoL. 223. 

jfotzecht ig zu bcyden Seiten Am- 
phimala' beiderseits rauher Stoff Dasvp. 

Fotzle, F o t z e 1 [Fötslo Olti. Roppenzw. ; 
Fötsl Banzenh. bis Str. ; Fütsl Dollern\ 
f. I. Fetzen, abgerissener Lappen, der 
noch aj?i Kleid hängt, Fäden und Fasern 
eines zerrissenen Kleidungsstückes. D 
Fotzle" henke-n-'^m vom Chitt«! Rop- 
penzw. Fotzle" am Rock un^' e Huet uf! 
Ulk. ; aufgelöstes Geflecht eines Seiles oder 
der Treibschnur an der Fuhrmannspeitsche: 
Riss doch die F. los an dem Seil! Dil. 
Mach e Knopf in d Tribschnuer, suns' 
wurd d F. ze lang! Ulk. s. auch Fasel, 
Faslet. 2. Person, die in zerfetzten 
Kleidern umhergeht, PI. Fötz^l [F^tsl], 
Demin. Fötzeli [Fetsoli] Banzenh.: e 
dreckigi F. schlechtes Frauenzimmer, 
Katzent. ; zerhunpt atissehender Mensch 
Pfetterhsn. Steinbr. — Schweiz, i, 1156. 

Fotzelte [Fötsita Lngersh.; Fötsita 
Rchw^ f. I. Leinwand fasern, Scharpie. 
Zopf m'r e wenig F. ! Syn. Schliss K. Z. 

2. zerfetztes Tuch. J. die noch stehen 
gebliebenen Zettelfäden Rchw. 

G^fotzels n. zerrissenes Zeug, Stücke 
eines zerfetzten Kleides Str. 

fotzle" I [fötsla Rchw.; fötsla Mütt.'] 
am Saum eines Stoffes oder Kleides zer- 
reissen, indem stellenweise die Eintrags- 
fäden sich lockern und ablösen, während 
nur kurze Zettelfäden stehen bleiben: s 
Kleid fotz*lt Hi. Mütt. s. auch Fotzelte 

3. — Schweiz, i, 1157. 

usfotzle" [ysfötsla Mü. Su. Mittl. Du. 
Rchw. Bf.; ysfötsala Osthsn^ ausfasern, 
sich zerfetzen und fransenartig ablösen. 
Das is' schlecht Zug, wie eso usfotz^lt 
Mittl. E usgfotz'lte"" Rock Du. Do 
muess me" schwätze", dass eim s Mul us- 
fotz'lt Bf. 

ver fotzle" [farfötsla Pfast.; Part, for- 
fötslat Liebsd. Fisl. Pfetterhsn.; farfötslt 
Sti. bis Mütt.^ zerreissen, zerfetzen; ver- 



FoTZ 



FuTZ 



— 163 



FuTZ 



FLoCH 



fotz'lt zerfetzt, zerlumpt, zerrissen, von 
einem Kleid, einein Buch. P'^ f^ät mi'^*' 
schämine", so verfotzletc Hose" a"z"lege" 
Liebsd. E vcrfotzlete"" Rock Fisl., e ver- 
fotz"]tcr Kittel Oscnb. Geberschw. Dis 
(Mädchen) rennt verfotz^lt umc nander 
läuft in zerfetzten Kleidern herum Hlkr. 
s Hemb'* is' verfotz'']t Mütt. — Schweiz. 

I, 1157- 

fotzlig [fötslik O. bis Mütt.; fötsolik 
7md fötslik Katzent.; fötslik Rchw.'\ AdJ. 
und Adv. l. zerfetzt, zerlumpt. F. Plunder 
zerfetzte Kleider Banzenh. F. ummclaüfe" 
ebd. 2. zottig (Hund) Hi. — Schweiz. 
I, 1156. 

Fötzel [Fetsl Liebsd. bis Du.] m. i. 
zerlumpter Mensch, heriunziehender Mensch 
in zerrissenen Kleidern, schlechter Mensch, 
niederträchtiger Kerl; sehr beleidigendes 
Schimpfwort: Mensch, der wenig auf 
seine Ehre hält Liebsd. ; armer, verach- 
teter Mensch Roppenzw. ; Schelte für einen 
Kerl von schlechtem Charakter Su. ; wort- 
brüchiger Mann Katzent. ; Schtift, Strolch 
Horbg. ; Vagabund , schlechter Mensch 
Du. ; Schelte für einen ausgelassenen 
Jüngling NBreis. 2, verlumptes, schlech- 
tes Mädchen Hlkr. j. zerrissenes Kleid 
oder Stück '^Wäsche Hi. Du. — Schweiz. 

Stadt fötzel m. jtmger, stolzer. Stadt- 
bewohner Heidw. 

fotzle" II sich so schnell als tnöglich 
aus dem Staube machen Felleri. 

um me fotzle", umeinander fotzle" 
zerrissen oder in zerlumpten Kleidern 
umherlaufen Pfast. — Schweiz, i, 1157. 

fötz(e)le" [f^tsab Fisl. Hi. Mü. ; f^sla 
Scherw^ foppen, necken, sticheln ; einem 
ins Wort fallen, 7mi dasselbe zu bemängeln, 
bewitzeln. 'Se hammi gTetzelt, sali isch 
wohr' Mü. Stöber Mäder. — Schweiz. 
i, II 58 föze". Schwab. 183 fozelen. 
Bayer, i, 784. 

ab fotzle" sich schnell auf und davon 
machen, Fersengeld geben Sti. 

v\s{ötzelG° foppett, necken. Du chä°"s' 
nit a's angeri u. Fisl. Hi. 

Fötzier [Fetslar A>.y/t'«//o/2] m. Mensch, 
der gern stichelt, foppt, neckt, Spitzname 
der Bewohner einer Nachbargemeinde von 
Kestenholz. 

fütze", pfütze" [fytsa Horbg.; pfytsa 
Co^ fehlen, nicht treffen, beim Spiel imd 
auf der Jagd. Du hcs' gfützt, de hes' 



v&r\orc'^ Horbg. Jci» ha" uf e Has gschosse", 
awer 1'='^ ha'^ ne gepfützt Co. 

[-fützelen:'Pfitzelen,dützelen,mützelen, 
fützelen' Fisch. Garg. 107. — Schweiz. 
I, II 58 fützele" zveibisch thun. 

jH ennen fitzler ;;/. 'mulierosus Frawen- 
mann, weibisch, Hennenfitzlcr' GoL. 258. 
— vgl. Schweiz, i, ix 58 Meitlipfützler. 

Flüe [Flie J/.] /. Felsivand, Fels, nur 
in Ortsnamen: Flieacker, Hofleä (zu der 
hohen flühe 1456) JB. VIII 104. — inhd. 
vluo, ahd. fluoh. Schweiz, i, 1184. 
Schwab. 196. Bayer, i, 791. 

flach [flä;^ U.; flä;^ Pßdgriesh7\ Adj. 
zvie nhd. flach. Eim mit d^r flachen Hand 
ins Gfräss schla«'=" Bf. — Schweiz, i , 1 1 59. 
Bayer, i, 784. 

Flach [Flä^ Logelnh.] f. abgemähter, 
über eine breite Fläche ausgebreiteter Klee, 
den man trocknen will. 

flächling [fla;^laer| 71/.] Adv. flach auf 
den Boden M. fl. mit flacher Hand' 
Oberlin; 'fl. de coups de plat d'cspeo' 
Martin Pari. N. 253. — vgl. Schweiz. 
I, II 59 flächlingen. 

Floch [Flü;f U.; PI. Fle^; Demin. 
Fl(^;f9l9; FJö S7^. Hagenb. NBreis. Du. 
Str.Rupr.Betschd., /V. Fle, /?£■;«/«. Fidnala 
Du.; Flyo, PI. Flie M.; Y\bVW., /Y. Fle 
Wh., Fle Saarun., Demin. Flökala Wh^ m. 
Floh. Gang nit üwer mi" Äckerle, Gang 
nit üwer mi"^" Klee, ^s sitze" zwei schöne 
Maidle drin, Si^ fange"-n-enander d Flö"^ 
Hagenb. Wi^ vil Flö'^'^ ge^'n uf e Pfund? 
Antw. : Ke'nc, si blitze" alli *'era'' NBreis. 
Wenn d Flö^^ t**üen [tian thim, eifrig 
beissen\, gi'^t's Reje" Dil. Hi. Halli, 
Hallo, s beisst mi"'' e Flo^, P'* weiss d"=r 
Platz un*^ sas's nit wo Rttpr. Licht wie 
e Flönele Dil. Setz m'r ke''*^ Flöch i" d 
0''re"! Mutzig. Der hat Flö^= in de" 
Hör«" hat Angst Dehli. Kinderscherz: 
Wi= heis'? Hans Geist! Wi^ noch? Hans 
Bloch! Wi« me»»'^? E Säckel voll Flö*»«! 
K. Z. 'Der Floch* Fisch. Flöhh. S. 3. 
'Die Floch allsammen' Fisch. Flöhh. 552. 
Rätsel : 'VVerum kann e Floh nie ken Ge- 
lehrter wäre? VVil er Alles üewvverhupft!' 
Str. Stöber Volksb. 390. 'Was isch sües- 
ser als Hunnigh? — E Floh, wil m'r scho 
d' Finger d'rnoh schleckt eb m' 'ne het' 
Hlkr. ebd. 392. Zss. Flö^'peter ein Mensch, 
der viele Fl. hat Molsh. K. Z., Feigling 
Str. Flö^'hund Schimpfwort Hi. Flö''- 

11* 



FLoCH — FLueCH 



164 



FLaCHS 



FLiiCHT 



krut Flohkrantknöterich allg. — Schweiz. 
I, 1183. Bayer, i, 790. 

Erdflo'* ni. Erdfloh Heidolsh. 

fl o c h c " , f 1 ö *• n e " [flö/a K. Z. Zinsw. ; 
flyo;)^9 vT/. ; flüw3;/3 Stilzern ; Mo 7ind fleno 
Olti. ; Mno Roppenzw. ; flöna //i. Banzenh. 
Ensish. Sn. Ruf. Geberschw. Hlkr. ; flöna 
Logclnh. Ingersh. Du. — Pari. kflö;^t K. 
Z. Zinsw. ; kfl(§nt Roppenzw., sonst kflont, 
kflönt] /. Flöhe suchen, abfangen und 
töten. T''iies' f. ? Banzenh. 2. durch- 
prügeln, fortjagen Zinsw. — Schweiz. 
I, 1184. 

usfloche" [ysAQ^-a Brum.; ysflona Ruf.^^ 
genati nach Flöhen dtirchsuchen. Hes' s 
Bett iisgflocht? Brum. Flon d'es Hem^ 
us! Rji^f. 

j-Fluech [Flya^ Bisch. Z. Han.; Flyü;^ 
i1/.] m. Fbich, Schwur. Er het e hoche" 
Fl. get^'on er hat feierlich, hoch tmd heilig 
geschworen , dass .... VVu d^r Friede" 
nit is', do is' d^r Fl. Gottes Bisch, [a kats 
Seil fol Flie;^ M7\ — Schweiz, i, 1163. 

G''fluech(s) [Kflya;^ Katzent.; YJijoy 
und Kflya^-s K. Z.] n. fortwährendes , 
wiederholtes Fhichen. 

fluechc" [fly'a/a O. K. Z. Han.; fly;^3 
Str. ; flü^ö Betschd. Roppenh. — Part. 
kflya^t, kfly;/t; \A\xy\. Roppenh.; kflü^a 
Betschd^ fluchen, Flüche ausstossen. D 
Hciligi US '^''m Himmel f. stark f. Olti. 
Er unecht, me" meint ^r hat's vom Stück 
Bild aus dem Tuchhandel, wo man vom 
''Stück', d.^h. vom grossen Ballen, nach 
Belieben viele und grosse Stücke abschneiden 
od. abreissen kann Gebzv. Er fluecht, me" 
meint, "^r hat's im Taglo^'n, im Verding 
ebd. So dörft me" sage", nur nit f. ! 
iron. zti einem Fbichenden ebd. Fl. wie 
e Heid Gebw. Rtif. Su. Str., wie n-e 
Henker Su. Du., wi« e Türk Str. K. Z. 
Yjc fluecht, dass *^em TeüW drab grust 
Gcbzv. Gfluecht is' nit gschwore", grappt 
(ajif dem Reibeisen gerieben; grupft Hi.) 
is nit gschore" es ist nicht gleichgültig, 
oh man etwas auf diese oder jene Art 
mach/ Ui. /f. V. (in) Gottes Name" is' 
nit gtluecht! Z. Ich hab eps hälinge" 
gfluche" im stillen tüchtig geflucht Betschd. 
Strafe für das Fluchen in Mü. i^ßO, s. 
Als. 1 851, 40. — Schweiz, i, 1163. 
Bayer, i, 785. 

verflucche" vcrzvünschen, verfluchen 
allg. Ich verfluech di'^*' in d''r Bode" '''ni" 
sagen Eltern wohl manchmal zu ihren 



Kindern, wemt diese sie erzürnen. Er 
het ne in de" Erzgröundsbode" [Ärtskrönts- 
pöto] '"no'^ verfluecht Dunzenh., in de" 
Erzgrundsbode" '^'nin Betschd. — Schweiz. 
I, II 64. 

Flachs [Flaks Hi. bis Str.; Fläs M. 
Hirschland; Flos K. Z. Reichst^ m. Flachs, 
gewöhnlicher Lein , die Kidturpflanze , 
Linum usitatissimum. Die Samenkörner 
werden in gekochtem Zustande als er- 
weichende Breiumschläge verwendet allg. 
Zss. Fla'^^stuech Leinwand M. 'Flasgaße' 
Chron. 95, 22. — Schweiz, i, 1165. 

Krotte°flachs m. LeinkratU, linaria 
vulgaris Kirschl. i, 589. — Schweiz, i, 
1165. 

flachse" [flaksa K. Z.; flaeksa vS7r.] 
Adj. atis Flachs verfertigt. E f. Hemd 
Ingenh. — Schweiz, i, 116 5. 

flechte", flechte" [flä^ta Sier.; flaj/ta 
Bf. Wörth Betschd.; üäyla' K. Z. — Part. 
kflö;i^ta Sier.; kflö/to JlL ; kflö^ta Bf; 
kflä;^lt PC. Z.J /. flechten. Du bruchs' e 
halwi Stunde, bis d" dini Zupfe" (Zöpfe) 
gflochte" hes' Sier. E Tribschnuer f. eine 
dünne Schnur an den Treibriemen der 
Ftihrmannspeitsche f. Dunzenh. s Gflech^lt 
is' ufgange" Lngenh. 2. prügeln [sa h[^i 
na kflö;^ta 71/.] — Bayer, i, 785. 

i"flechte" ineinanderflechten, (fremde 
Gegenstände) hineinflechten Bf. — vgl. 
Schweiz, i, 1166. 

Fl echt« [Flse;^t Str.; F%t K. Z.} f. 
Flechte, Hatitkrankheit. Um die Fl. zu 
vertreiben, nmss man nüechter"i Spützet 
[ni^jj^tari 'Spitsat] drauf thun, d. i. Spei- 
chel früh morgens, wenn man noch nichts 
gegessen hat Ingenh. Syn. Dorrweck 
Betschd., Dürrweck Wörth, Zitterab O. — 
vgl. Schweiz, i, 1166. Bayer, i, 785. 

jin flechten PI. Einschlag, Saum, 'als 
wenn ein mantel neben zu beiden syten 
geschlitzt ist, so hat er fyer eck und ort. 
an dieselben ort do machent sie blowe 
inflechten' Geiler P.W 35. 'die ein- 
flechten' Fisch. Garg. 2 1 o. 

Flucht [Flü;Kt allg.; Flu/t MP^ f. 
Richtung, Baumflucht. Dic*'= Bäum sin*^ 
nit in d^r Fl. Heidzv. [Ti Hi'sar «tien e 
^inar YXxnyt M.~\ M'=r so"t nit me ne", "^ass 
si' d Fl. eso genau könnte" kri^je", für 
inne"wenzich im Beri zsammc" ze kumme" 
Urteil über den Ttmnelbau Wh. D Fl. 
ne*'mc" den geradesten Weg einschlagen 
ebd. — vgl. Schweiz, i, 1166. 



FLuCHT 



FLaD 



165 - 



FLaD 



FLuD 



flüchte" [{\6xtQ Roppenzw. Hi. M.; 
flß;Kt9 Du. Bf. — Part. VMyt, bezzv. kfle/t] 
/. refl. sich flüchten. Wenn *r heim kummt 
un'' is' voll, müe^^'n si*'^ alli f. Du. 2. 
bei Feuers- oder Wassersnot flüchtend 
retten. P** ha''® nix gflücht, d Assurance 
soll bleche" bezahlen Bf. — Schweiz, i, 
1167. 

ei"fliichtig [a;ifle;/tik 71/.] AdJ. von 
gleichem Fall, iinnnterbrochcn steil. [Ti 
Malkar hf^i als Wäjlar khäkt e ta 'Släta, 
äs as net so ae. ksee es]. 

Flade" [Fläta ^ast allg.; Flöta K. 
Ingenh. — PI. meist Fläta. — Demin. 
Flätsli Sier.; Flätla Rif. Logelnh.; F'lätala 
Ingersh. Barr Ulk. ; Flätl Bebelnh. K. Z. ; 
Flaetl Ar.] ;;/. /. eine mit Butter, Mus, 
Syrup, Käse u. dcrgl. bestrichene Brot- 
schnitte (s. Zss.). E Fl. striche" oder 
schlirke" Puf. jedermann will fladen vnd 
EyerkAss essen' Fisch. Prakt. 4. 'Der 
soll haben Kass vnd Fladen' Mosch. II 
214. 'Was gidd's do Flade! Tarte!' E. 
Stöber II 1 8 r . Eim Flädle striche" auf 
eine höfliche Art zu gewinnen suchen Bf. 
2. kuchenartige, braun gebackene Teig- 
stücke, die man in die Stippe thut, nennt 
man Flädle Geud. J. Schelte, Zurecht- 
weisung. Er het e guete" Fl. bekomme" 
Hlkr. if.. grober, ungeschliffener Mensch. 
Das is' no^*" e F. ! M s is' e rechter 
F. ! M. Rapp. Dehli. E grower F. Oermi. 
5. unangenehme Geschichte, Reinfall. Das 
is' e nette*" F. Co. 'Placenta kuchen, 
fladen' GoL. 366. Sprichw. 'Das ist der 
Fladen !' die Bescheerung , Belohnung 
Zwinger (St.). Bildl. 'ein fladen über 
den zäun , den andern herwider' sich 
um einen verdient machen, günstig er- 
zeigen Geiler J. Seh. \^. — Schweiz. 
I, II 67. Hess. 104. 

Anke"flade" ;//. Btitterbrot Henfli. 
Banzcnh. Hlkr. 

Butte"miiesflade" m. Brot mit Mus 
aus Hagebuttcji bestrichen Ruf. 

Butterflade" Bictterbrot Banzenh. Ruf. 
Rapp. U.; Demin. -fläd^l Obbr. Trucke" 
Brot is' nit schlecht für de" Hunger, awer 
c B. is' o"'^'' nit z" verächte" Rapp. 

Honig flade" [Hünikfläta Sier.; Hü- 
iiikfl. Su. Ruf.; Hyünikfläta 71/.; Hüniflöta 
K.; Demin. Hüniflätl Geud^ m. Stück 
Brot mit Honig bestrichen. 

Käs* flade" m. Brot mit Zieger, weis- 
sem Käse, bestrichen Ruf. Hf. 'Käß 



Flade Tyrolaganum' Dasyp. 'Ein Käss- 
flädlin' Zab. Hexenprozess 1620. — Schweiz. 
I, 1168. 

Konfitür flade" [Kh9fityrfläto Str.; 
Khümfityr- Hf.; Demin. Khünfityrflätala 
Gcjid^ m. Brot mit eingekochtem Frtuht- 
saft bestrichen. 

KueHlade" [Khpjflata Co.; Khi- Hf.; 
Khü- Dehli^ m. platter Kuhkot; Syn. 
Kue^'plapper Str. Hf. — ■ Schweiz, i, 
1168. 

Oster flade" m. Osterzvecken NB reis. 
'Oster Eyer vnnd Fladen' Fisch. Bin. 20. 
'vnd bacht auff die Ostern Fladen* Garg. 
75. — Schweiz, i, 1168. 

Sirop flade" m. Brot mit Sirup be- 
strichen Hf. 

f Fl ade r er ;;/. alte Strassburger Be- 
zeichnung für Conditor. 'Fladerergasse' 
rue des tartines JB. VI 139. 

jFlader 'Acer maßholder, fladerholz' 
GoL. 390. — Schweiz, i, 1168. Bayer. 
I, 788. 

Flädi, Flaidi [Fläti Steinb.; Flaita 
Felleri. ; Flaiti Hüsseren Sit.^ m. Grobian, 
grober unbeholfener Bursehe, iingeschickter 
Mensch, dummer Kerl. D^r F. mache" 
den Grobian spielen Su. — Schweiz, i, 
1 171. 

fladig [flätik 71/.] Adj. grob. 

flaüderig [flöitrik Du.; fläjtorik Bf. 
Kerzf7\ Adj. i. aufgeschossen, locker, 
keine festen Köpfe bildetid, vom Kohl: fl. 
Rrüt Du. 2. leicht an einander gefügt, 
lose, nicht fest zusammengepresst und 
nicht an einander haltend. Das Laub is' 
eso f., m^r bringt's gar nit uf d'^r Waje" 
Du. J. lau, warm, von Wetter tmd Wind, 
namentl. vom Südostwind, dem Föhnwind, 
gebr.; im Winter folgt attf den flauderige" 
Wind gewöhnlich Tauwetter, im Sommer 
ist er in der Regel der Vorbote eines Ge- 
witters Bf. Kerzf. s. auch flatterig. — 
Schweiz, i, 1172. Bayer, i, 789 ge- 
fludert. 

Fludere" [Flütara Fisl. Roppenzw. Hi. ; 
Flütra Wittenh\ f. i. Ohrfeige. Gang 
e"weg, su"st gib i*''' d'r e F. Fisl. 2. 
Wasserblase; Demin. [FlitarlaJ Wittenh. 
— Schweiz, i, i 174. 

ff 1 ü d e r n 'praepropere infundere' Geiler 
Bilg. 157. — Schweiz, i, 1175. Schwab. 
196 flodern fludern pflüderen. Bayer, i, 
788. s. auch flattern. 



FLüD 



FLieG 



— i66 — 



FLieG 



FLieH 



verfludere" [farflytara Sche^-w^ ver- 
legen, an den falschen, unrichtigen Ort 
legen und sich nachher nicht mehr darauf 
besinnen. Wahrscheinl. liegt Vermischung 
vor mit verschludere" {s. d.). 

Flegel [Flejl Barr Ndhsn.; Flejl Str. 
Geud.; Flejl K. Ingenh.; Pflekl M7\ m. 
Flegel, ungezogener Mensch. 

Kirche" flegel [Khir;^3flejl Str?\ m. 
Mitglied der Kirchenfabrik, des Kirchen- 
rats. — Aus -pfleger umgedetitet. 

fliege" [fliak9.S?<.; Alka M.; fliaja: fliaj, 
fliajs, fliajt, /'«r/. kflöjo /)«.; fli^ja: fli, flis, 
flit, fliejo, Part, kfleja Barr Bisch.; fliaja: ar 
flit Geisp.; flija: flij, -s, -t, Part, kfleja Ar. 
Betschd. Zinsw.; fleja: flej, -s, -t, Part. 
kfloeja K. ; flieja und fli;^a : fli/, -8, -t, 
Part. kflcEJa Ingenh.'] fliegen, sich schnell 
(wie die Vögel) durch die Luft oder von 
der Stelle bewegen. De" will i*^'' mache" 
z" f. beim Streit zti Boden oder auf die 
Seite werfen Su. Da* 's* e alti Muck, 
(jjese jgt vorm Jo^'r scho" gfloje" etw. all- 
gemein Bekanntes Dil. D Gans hän gfloge" 
Rtif. Liewer Herrgottsvögele, fliej üwer 
de" Rhi" un"^ hol m'r e Fässle voll Wi" 
ebd. — Schweiz, i, 1178. Bayer, i, 789. 

US fliege" ausfliegen, das Nest ver- 
lassen, von Vögeln und übtr. von Menschen. 
Do is' alles usgflauje" die ganze Familie 
ist fort, aus dem Hause Z. D^r Vauj^l 
is' usgflauje" der Spitzbube, Dieb, Ver- 
brecher hat sein Versteck verlassen K. Z. 

nusfliege" hinausfliegen, schnell hin- 
auseilen; ajis dem Hause hinausgeworfen 
werden U. 

verfliege" auseinanderfliegen ; ver- 
dunsten Steinb. Hlkr. Str. K Die Tuwe" 
sin** verflöge" Hlkr. — Schweiz, i, 1179. 

Flieger [Fliakar Ohhergh.; Fliajar 
Katzent.; Flijar Holzh.; Fliajar Achenh.; 
Flejar Schzvindratzh. ; Flijor Bühl Lützel- 
stn.; YMyäx Rjipr. Obrödern, ßid. Avolsh.; 
Flöjar tind Fli;^ar ///".] m. i. schnell und 
leicht fliegender Vogel Katzent. 2. runder, 
platter und dabei dünner Stein, der beim 
Werfen leicht die 'Luft durchschneidet 
Obhergh. Katzent. J. leichte, lose an- 
liegende Jacke der Mädchen und Frauen, 
Nachtjacke der Weibspersonen, Syn. 
Kasseweck. Loss d'r e paar lichti F. 
mache" für dene Summer, wann's heiss 
is* Lützelstn.; Bekleidung des Oberkörpers 
des katholischen Bauernweibes, eine Art 
Wamms Hf. /f.. Tuch, welches die Frauen 



statt des Hutes um den Kopf haben, wenn 
sie im Sommer in die Reben gehen Avolsh. 
— Schweiz, i, i 180. Schwab. 196 Flieger 
leichtsinniger Mensch zu i. 

Underflieger [Erj^arflejar Hf^ m. Unter- 
jacke, Unterwamms. 

Fli'^gfalter, Fli«gholder, s. Fifalter. 

Flug [Flük M., PI. Flikh, sonst meist 
Flikar Geberschw. Obhergh. Hlkr. Hattst.', 
Demin. Flikl] m. i. Fltig M. 2. Spass, 
Witz, Albernheit. Mittle" im Gspräch wirft 
*r als sini F. dri" Geberschw. V-^ ha''^ 
jetz' gnues mit d'r, i'^*' mach ke'"® Fl. me*"" 
ich spasse nicht mehr Hlkr. j. Krank- 
heit des Rindviehs, bei welcher die Tiere 
rasch verenden M. — vgl. Schweiz, i, 
1180. Bayer, i, 790. 

Zsamme"flug m. verächtlich für Zu- 
sammenkunft, Da* 's* e nette ■■ Z. ! eine 
nette Gesellschaft l Hlkr. 

Flügel [Flikl Hi.; Fldkl Heidolsh. M.; 
Fl^jl Rchw. Meis. Barr. Bisch. Str. 
Betschd. Zinsw.; Flejl K. Z. ; Flijl Lüt- 
zelstn.; Demin. Flikala Steinbr.; Flejala 
Ingenh^ tu. I. Flügel, im eigentl. Sinne 
U., Syn. Fettich O. De" F. läppe" 
(lapple" vS/r.) Ion hängen lassen, verdriess- 
lich od. niedergeschlagen, matt, gedemütigt 
sein U. Als. 1851, 26. D F. stutze" 
demütigen Str. ; Flügel des gebrätelten 
Geflügels Rchw. 2. nicht fest anliegender 
Teil eines Kleidungstücks : Pack ""ne-n am 
F. un^ wirf '•'ne nus! allg. j. Fenster- 
flügel (s. Zss.); Demin. Flügele kleiner 
Fensterfl., der nur eine od. höchstens zwei 
Scheiben hat Steinbr. ^. Riemen am 
Glockenstrang Hi. — Schweiz, i , 1 1 8 1 . 
Bayer, i, 790. 

B'ensterflügel m. Fensterflügel. Heb 
m'r dene F. us, dass ich d Schiwe" wasche" 
kann U. 

'Krabbeflejl Frack' Str. Ulrich. 

Windflügel m. Leichtfuss Bisch. — 
Schweiz, i, 1181. 

Geflügel (s) [Kflejl Barr Plobsh.; -s 
Str.; Kflejls K. Z.] n. Geflügel, zubereitet 
zum Essen; Federvieh. D*r Hof is* voll 
Gfl. Plobsh. ''S Gfleyels isch au zuem 
Ustrumbeede' Fem. V 8. 

fliehe" [flia, Part, kflö Liebsd.] fliehen. 
Wär^s' '^" gflo^»^", derno^'' hätt ^r di'=h nit 
gschlage". — Schweiz, i, 1182. Bayer. 
I, 790. 

■j-flöhen, /;'. flüchten: 'do hat es sich 
begeben, das der engel gewarnet hat den 



FLaCK — FLeCK 



167 



FLeCK 



Joseph, das kind zu flöhen in Egypten' 
Geiler F. 1 11. — Schweiz, i, 1160 
flöche". Bayer, i, 790. Hess. 105. 

Flack [Flak Roppenzw7\ jh. im/nicht- 
barer Baum. — vgl. Bayer, i, 786 'der 
Flack fauler, träger Menscht 

flacke", flackele», flackere" [fläkg 
Olti. ; fläkola Roppenzw. ; fläkra Su. ; 
fläkgra U.] hell tind prasselnd auflodern, 
hohe knisternde Flammen werfen. Das 
(<//Vj£'jj Für flackelet! Roppenzw. s flackert! 
die Flamtnen lodern Su. — Schweiz, i, 
1186. 

verflackere" flammend und mit Ge- 
prassel verbrennen; schnell verbrennen U. 
Was nutzt dis biss^l Repsstro*", dis is' 
bäl'* verflackert Ingenh. 

Fleck [Flak Banzcnh. Dil. Bf.; Flsek 
Str\ m. I. Flicken, Stück Leder auf dem 
Absatz. 2. Ort, Flatz, Stelle. Nit vom 
F. ko"""**" nicht vorwärts schreiten Hi. 
M'r bringe" d^'r Waje" nit ab ''em F. Dil. 
Am rechte" F. a"packe" eine Arbeit rich- 
tig anfassen Banzcnh. 'Fleck flicke läppe 
Immissura' Dasyp. — Schweiz, i, 1188. 
Bayer, i, 786. Hess. 104. 

flecke" [flakg allg. ; flaeka Är.J deit 
krjmim oder schief getretenen Absatz des 
Stiefels durch Auflegen von Lederflicken 
wieder gerade tmdeben richten. — Schweiz. 
I, 1190. 

Flecke" [Flakha Sier.; Flaka Su. 
Hattst. K. Z. ; Flaeka Str. Lohr\ m. i. 
Fleck, Fettfleck, Schmutzfleck. 2. grössere 
Ortschaft mit städtischem Anstrich, in der 
Regel der Kantonshaitptort allg. 'Fleck 
municipium' Dasyp. — Schweiz, i, n88. 

Dürr flecke" m. Zittcrmal , Zitter- 
flechte M. Mittl. Es werden Zauber- 
formeln dagegen angewandt. Syn. Dorr- 
weck Betschd., Dürrweck Wörth. 

Händelflecke" m. Fleck an der Hand, 
der, obwohl vorübergehend , doch nicht 
sofort weggewaschen werden kann Ge- 
berschw. Sjm. e gelber Flecke" Z. Ich 
bekumm Händel, i"*» ha*'« n-e H. an d^r 
Hand. 

Kuttelfleck m. Eingeweide als Speise 
Str. 'Kuttelfleck vnd Molcken' Fisch. 
Garg. 59. 

Laub fleck m. einer, der Sommer- 
sprossen hat Banzenh. — Schweiz, i, 
1189. 

Laub flecke" [Läipflaka Liebsd. Lut- 
terb. NBreis. Urbis Su. Osenb.; Läypflaka 



Banzenh.; Löipflaka Fisl. Steinbr. Hattst. 
Hlkr.^ m. Fl. Sommersprossen. Von einem, 
der L. hat, sagt man: Er chat (hat) mit 
^*^m Teufel Schissdreck gcdrescht Urbis. 
Syn. Wes^l. 'Lentigo laubflecken, riselein 
vnder dem angesicht' Gol. 279. 'Laüb- 
fleck' Muttermal Lustig I 370. Volks- 
glatibe: um die L. zit entfernen, muss 
man die Hatit mit Maientau waschen 
Ballersd. 

laüb fleck ig Adj. mit Sommersprossen 
bedeckt Osenb. Su. Das is* jetz' na Laüb- 
fleckige""! Osenb. — Schweiz, i, 1189. 

Schandfleck m. 'Macula' GoL. 117; 
als Schimpfzvort Pfm. III 2. 

Schmutzflecke" m. Fettfleck allg. 

Spor flecke" [Spörflako^. Z.; 'Spier- 
flaka il/.] m. Fleck, Schimmelfleck, Stock- 
fleck, der zu fatden beginnt, bes. an 
leinenen Wäscheartikeln, die feucht zurück- 
und aufeinander gelegt werden^ aber auch 
am Holz in Gebäuden od. an Papier. 

Summer flecke" m. Sommersprossen 
Str. 

flecke" [flaka Mittl. 71/.] /. den Bäu- 
men, die gefällt werden sollen, mit der 
Axt ein Stück Rinde abschlagen ; atif den 
bloss gelegten Stamm schlägt der Oberförster 
seinen Hammer. Er is' ge**" fl. Mi" 
Mann het gester" i" d^r nui (neuen) Kup 
{frz. coupe Schlag) gfleckt Mittl. 2. von 
Statten gehen: hüt fleckt m'r s M. — 
vgl. Schweiz, i, 1191. Bayer, i, 786. 

ver flecke" mit Flecken beschmieren, 
besudeln allg. 

Fleckling, Flettling [Fleklik Liebsd. 
Banzenh. Du.; Yltk^WOlti.; Fleklir\^///. Wit- 
tenh. Bghz. Hlkr. Logelnh. Mittl. Horbg.; 
Flaekleri Su. ; Flaklir^, Hattst. ; Fleklff^r]^^ M. ; 
Y\hV\ftxxBebelnh. Rchw. U. JV. ; Flekli 71/?///. 
Bf. ; FletliriBetschd.] m. Bohle, Diele, dickes 
Brett; etwa 20 cm breit, 6 bis 8 cm 
dick, 2^12 ni lang Hf., meist roh ge- 
zimmert und insbes. zur Überdeckung der 
unter dem Misthatifen beflndlichen aus- 
gemauerten Jauchebehälter verwendet, aber 
auch als Fassunterlage im Weinkeller; 
Querholz der Wände oder Zimtnerdecken 
Stöber Mäder. Grosser Holzklotz: de"^ 
F. war« ime Metzger a"g^ne*'m Wittenh. 
D«r Stall muess mit nuie" F. belejt wer^'e" 
Mittl. Ausser den gewöhnlichen F. aus 
Tannen- oder Eichenholz gibt es auch 
solche atis Ntissba-umholz, die nach mehr- 
jähriger Lagerung vom Möbelschreiner 



FLiCK 



i68 



FLoCK — FLaM 



verarbeitet werden Ingenh. 'Fleckling 
trabs minus crassa' Oberlin 396. 'sie 
haben die bruckhen über die 111 {bei III- 
zach) abgehebt und die fleckhling davon 
geführt' Petri 470. — Schwp:iz. i, 1191. 

Flick [Flek Ingenh. Hf7\ f. Lappen, 
Flicklappen. — Schweiz, i, 1192. 

flicke" [fleko allgT^ i. Flicken, Flick- 
lappen einsetzen, ausbessern, z. B. Klei- 
dungsstücke, Fässer, Bottiche, Möbel. 
Frau, flick m'r mini Hose", sonst verlier 
i«'" mi° Hinterqua'tier NBreis. D Krez 
f. sich gehörig satt essen, wenn beispiels- 
weise jenids. Leibspeise aufgetragen wird 
(s. Krez). Grtcss : Sin*^ '''r am F.? Antw.: 
Jo, si"^ t'^uen alles verrisse"! Ruf. 2. einen 
kranken Menschen heilen, soweit es über- 
haupt möglich ist. Er is' nanit (noch nicht) 
ganz gsund, ^r is' nur gflickt; gsund 
wurd 'r üwerhoüpt nim Du. Bis' wieder 
gflickt? — Jo, für wi* lang! Z. j. prü- 
geln : De" will i'^'^ f Ensish. ; verstärkt: 
(i") eim d Hose" f allg. ^. schzvängern 
Mittl., s. Wibelewick. — Schweiz, t, 1 192. 
Bayer, i, 787. 

anne flicke" eig. hinflicken. Rda.: in 
eim eine" a. einem eine Lüge auf binden Du. 

^'nin flicke" [ni'fleka Du.; ninflekg 
Str.; neij^fleko Z.] hineinflicken; übertr. 
irgendwo in einem Geschäft unterbringen 
od. jemd. zu einer Beschäftigung ver- 
helfen an einer Stelle, wo eine Arbeits- 
kraft nicht unbedingt nötig ist. 

US flicke" ausbessern Obhergh. U. 

v e r f 1 i c k t Adj. mit vielen Flicklappen be- 
setzt Su. K. Z. Verflickti Hose" Su. E 
verflickt's Hemd K. Z. 

Flicket/. Flickarbeit Hf.; Flickstofl^ 
K. Ingenh. 

Pfanne"flick(er) m. herumziehender 
Klempner, Vagabund Mü. Mat. 5 3 . Ingersh. 

Schnalle "flicker m. Nationalgardist 
ohne Uniform. Jetz isch er awwer zahm; 
er isch e Schnalleflicker' Blokadcgespräch 
18 14 ScHK. 330. Bergmann ioi. 

Wanne"flicker m. Korbmacher, herum- 
ziehender Korbflechter, der auch Getreide- 
schwingen und -siebe verfertigt und aus- 
bessert Su. Logelnh. — vgl. Schweiz. 1, 

1193- 

Zeine" flick er ;//. Korbmacher, Korb- 
flicker; Spengler; Schelte für einen 
schlechten Menschen, der überall herum- 
zieht; PL Lumpenpack, Zigcunervolk Lut- 
terb. NBreis. Rapp. — Schweiz. 1,1193. 



Flock [Flök, meist PI. -a Str7[ f. 
Flocken, die in ungemachten Zimmern, 
bes. in Schlaf zinmiern ., auf dem Fuss- 
boden timherliegen. — Schweiz, i, 1194. 

Schneeflocke" f. PI. i. wie nhd. 
allg. 2. grosse, weisse Knollen einer 
Spätka rtofl^cla rt. 

flocke" [fleka, Part, kfl^kt Z.] schmtm- 
zeln , verstohlen lächeln, vor freudiger 
Erregung od. vor Schadenfreude lachen. 
— s. atich pflecken. 

US flocke" verlachen, auslachen, höh- 
nisch über einen lachen Z. 

flucke" [flüko Dü7\ eine bes. Art des 
Angelflschens. Der Köder ist ein Insekt 
{Heuschrecke, Maikäfer), welches an der 
tmbeschwerten Angel befestigt wird; der 
Fischende steht möglichst verborgen und 
lässt nun das Insekt atif das Wasser 
fallen, und die Fische, bes. die Schuepfisch^ 
(s. d.), schiessen auf dasselbe los, um es 
zu erschnappen. Diese Fangart ist wenig 
gebräuchlich und verboten. — vgl. Schweiz. 

1, 1194. 

flück [flek «//§-.] Adj. und Adv. 1. 
flügge, von Vögeln, zum Ausfliegen aus- 
gewachsen. Jetz* sin*^ d Schwälmle bal^ f 
Ingenh. 'daß Christus uns, da wir noch 
nicht flück waren, geätzet habe' Fisch. 
Bin. 99. 'Avicula volucris Vogel der flick 
ist' GoL. 309. junge Vogel, die noch 
nicht flick sind' MoscH. II 249. s. auch 
gflückt. 2. dürftig, leicht, dünn, bes. 
vom Anzug, übtr. ärmlich, hülflos. Du 
bis' awer f. hüt, wurs' bäl'' wider de" 
Kotzer (Hjisten) han Ingenh. Wenn es 
kalt ist, sagt man ztc jemd. , der aus- 
geht: Du wurs' f. wer^e" dji wirst genug 
bekommen Su. Bi dem kalte" Wind wurd 
^r f hocke" mit sine" lichte" Kleider" 
Du. De"" t''ät f sitze" wenn ihm dieses 
Unglück begegnen würde Su. J. im rich- 
tigen Alter, reif genug, 'züem Li^we 
sd-m'r fldck' Mangold Colm. Kom. 15. 
'schon flick desia mariable' Martin Coli. 
143. — Schweiz, i, 1195. Hess. 107. 

g'^flückt Bed. wie flück Ileidw. 

Flam(e"), Flieme" [Flom Hf. Wh.; 
Flümo Str.; Nebcnf. Fliemo Hf.; Demin. 
Y\Xv[\\Betschd.\ m. i. leichter Anflug, grauer 
Überzug über Speisen, Schimmel : s hat sich 
gonz e F. üwer 's Fass gemacht Wh. 

2. Schattenempflndung vor den Augen, ab- 
norme Gesichtsempflndung ., gleich od. ähn- 
lich den mouches volantes der Ophthal- 



FLaM — FLäM 



169 — 



FLäM 



FLaMB 



mologie, oft auch Vorläufer des Augenstars. 
An dem einte" Au^® si'=*' i'^'^ nit recht, s is' so 
newli-, grad wi^ wenn i"** e Fläm^l de''vor 
hält Betschd. j. Haut der Wasserblase 
bei der Gebiert Wh. /f.. scheidende Haut- 
zvand zwischen Fleischmuskeln, ein Metz- 
gerausdruck Str. — Schweiz, i, 1189. 

Flamm [FJäm <7.] /. Flamme; in 
allitter. Verbindimg mit Für zur Bezeich- 
nung eines hohen Grades von Hitze. Ich 
hab e Hitz im Kopf, ich mein grod Für 
e F. schläft m'r zue de-n-Auje" rus Dun- 
zenh. 'so der flamm zuo dem ofen vss- 
schlecht' Geiler Häsl. dg", j'micae auri 
flämle golds' GoL. 74. {vgl. DWB. 3, 1768 
flemlein). Ktichen , der in der Fl. ge- 
backat wird, also während des Anheizens 
des Backofens , heisst Flamm^"kueche", 
P']amme"kuechen, Flammbrüeli (s. Brüeli) 
Hf. — Schweiz, i, 1196. Bayer, i, 791. 

G^flammäsch(i) [Kflämäs Osenb. Su., 
neben Kflamäsi Sti^ n. Durcheinander, 
Unordnung, z. B. unter den Wirtschafts- 
geräten Su.; überflüssige, unnütze Putz- 
sachen auf Hüten, an Röcken u. s. w. von 
Weibspersonen Osenb. — Eifel 'die Flam- 
äsch Zierraten am Kopfe'. 

flamme" [flama allg.; flaemo Sier. 
Dornach Str?\^ I. einen Gegenstand in od. 
über eine Flamme halten. Bevor man 
Kranken oder kleinen Kindern im Winter 
ein frisches Hemd anzieht, hält man es 
über das Feuer oder über die Flamme 
eines verflackernden Strohwisches oder 
brennender Hobelspäne, dies nennt man 
im 0. e Hem(d) f. ; Syn. e Hemd bäjc" 
U. P»^ flamm s Hem"^]e Liebsd. Hi. Tube" f. 
Liebsd., e Hue^n f. Sier., e Tüwele f 
Horbg. : die Flaumfedern des gerupften 
Geflügels über der Flamme wegsengen M. ; 
Syn. senge" U. 2. rauchen, Tabak oder 
Cigai-ren rauchen , bes. im versteckten 
Sier. Ruf. Horbg. Bebelnh. Wart nur, 
ich so (sag) 's im Schuelmeister, dass de 
gflämmt hes' Molsh.; Mutzig Nhof Str. 
3. refl. sich brennen Ruf. Mutzig; sich 
die Haare ein wenig versengen Bebelnh.; 
Syn. sengo" U. 4. leicht erfrieren, durch 
Frost vernichtet werden, bes. von Wein- 
bergen und Pflanzenblättern Co. Rapp. ; 
Syn. brüeje". D«r Frost het d Rewe" 
gMmmiRapp. 5. \verziert: 'ein Lacinirt 
Schlangenwendig Plitzsträmig vnnd geflem- 
mct Kleyd' Fisch. Garg. 173. 'd Strumpf 



wyss un grüenlecht gflammt' Pfm. I 4. — 
Schweiz, i, 1197. 

abflämme" vernichten, vom Frost. De*" 
Rife" het hüt morge" drei Teil abgflämmt 
Geberschw. 

ver flamme" versengen Kerzf. Str. Hf. 
Wh. pi' ho'''^ d Hör verflämmt am Für 
Kerzf. Sonst zvird das Part, als Glimpfw. 
gebr. für 'verflucht' und ist wohl ent- 
standen aus einer Verbindung dieses letz- 
teren mit 'verdammf. 

flamm se" nach der Flamme oder nach 
Rauch schmecken, bes. von fetten Speisen 
Str. CS. — vgl. 'flammen' Schwab. 

jflcmmicht Adj. 'auri ramenta Icviora 
flemmicht gold' GoL. 78. (DWB. 3, 1768.) 

Flemm [Flem Rapp. Molsh.; Floom 
Str. Zinszv.; FJam Nhof Obbr.'] f. Zustand 
geistiger und körperlicher Schlaffheit, 
Faulenzerei, Katzenjammer : d F. batsche" 
[od. fitze") herumstehen, sitzen od. liegen 
und nichts arbeiten Str. =: frz. battre sa 
flemme flanieren. Hat man schon längere 
Zeit regelmässig eine Arbeit verrichtet und 
dieselbe verleidet einem schliesslich, so sagt 
man auch: Ich hab d F., auch wenn man 
jemd. öfters mit Geld unterstützt hat und 
es nicht mehr thun will Str. — Das frz. 
Wort ist die volkstümliche Form für flegme 
Phlegma. 

Flieme", s. Flam(e"). 

Flum, P f 1 u m [Flym Roppenzw. Heidzv. 
Steinbr. Ruf.; Flym Mütt.; Flymo DehlL; 
Ncbenf. Pfly Barr; Pflym neben fPfly Str.; 
Pflym K Z.] /. K. Z. Wh., sonst m. 
Flaum, Flaumfedern, junge weiche Här- 
chen. F. im Gsicht ha" Anflug von Bart 
Ruf. Mütt. 'Flum oder Pflaum Pluma' 
Dasyp. — Schweiz. I, 11 9 7. 

flum ig Adj. flaumig, mit Flaum be- 
deckt Roppenzw. Co. 

gflumt Adj. mit den jungen, gelben 
Flaumfederchen bedeckt. Die Vögele sin*^ 
erst gfl. Roppenzzv. — Schweiz, i, 1198. 

verfluemt [forflyamt Ruf. Du. Bf.; 
farflymt Str. ; f^rfleymt Mufzig'] Adj. und 
Adv: Glimpfw. für 'verflucht. Dis is' e 
verfluemte"^ Keib Ruf. Nüsse" gi^'t's v. 
wenig dis Jo''r Dil. ''S isch wohr, so cbs 
isch zue verfluemt' Pfm. III 2. — Schweiz. 
I, 1198. 

flambiere" [flämpiero NBreis.~\ über- 
gross brennen und daher russen , vom 
Lampenlicht. — frz. flamber. 



FLaN 



FLaNK 



— 170 



FLäNK — FLiNT 



Flanell [Flänsd fast a/lg. ; FlänxlSfr.; 
Flaenael W/i. ; FlünalTI/.] in. Flanell, Flanell- 
Unterjacke. — Schweiz, i, 1199. 

Kranz flanell;«. Fl. mit verschlungenen 
hinten Figuren od. Blumen, meist rot auf 
weissem Grunde, mit einem Rand (oder 
Kranz) der sich deutlich von dem übrigen 
Stoff durch seine besondere Zeichming ab- 
hebt. Aus Kr. wird der Unterrock des 
Bauernweibs verfertigt, und noch vor 10 
bis 75 Jahren konnte man bei Tanzge- 
legenheiten in den Dörfern diese Unterröcke 
in grosser Zahl sehen, wenn die Mädchen 
abends ihre Oberröcke zur Schommg ab- 
gelegt hatten K. Z. Han. 

flenne" [flana Niffer Hf.; pflana 71/.] 
weinen, verächtl. Hf. 'Wie Sie am Frei- 
heitsbaum e Bracht's-Redd deklamiert, Dass 
alles jo het gflennt Kettner Mais. 44. 
— Schweiz, i, 1199. Bayer, i, 792. 
Hess. 105. 

fFlenne f. verächtlich für Gesicht. 
'Dem wünscht ein warmen (Kütreck) ich 
auf dflenen' Fisch. Flöhh. Seite 68. 

Fländeres [Flantaras Lobs.~\ n. i. Arm, 
Kragen, in der Rda. Nimm '^ne am e 
F. un*' ghei '•'ne nus! 2. Fetzen, Lappen. 
Du hes' de" Rock verrisse", *^ass d Fl. 
d«rvun henke", s. auch Flienke". 

Fländerle [Flantarla Geisp. Hf. ; Flaen- 
tarla Str.'\ n. Flitter, Goldflitter, runde 
Blättchen aus Goldschamn oder Stahl, 
von einem Durchmesser von etwa ß mm, 
die in der Mitte durchbohrt sind und 
auf den Vorstecker, den vorderen Teil 
des Mieders, und auf die Haube unter 
dem elsässer Schhipf aufgenäht werden. 
'Silberne Schellelein vnnd FJinderlein' 
Fisch. Garg. 117. 'Rheingold in kleinen 
runden Fländerlein' Plättchen Silber- 
mann, Localgeschiehte der Stadt Strass- 
burg 223. 'mit güldenen . . geflindern 
ä . . papillotes d'or' Martin Coli. 26. 
vgl. auch fflämle unterYX'dsnm. — Schwab. 
194. Bayer, i, 792. 

Flandrines [Fläntrlnos Ingersh.'] m. 
ungeschlachter Bengel. 

flank [flär]^k Rchw. Hunaw^ AdJ. klar, 
vom Wein : d'^r Win is' fl. 

Flank [Flär^k ^.] /. Flanke, Seite, 
meist nur PL in dem Aiisdr. uf alli F. 
(nus) nach allen Richtungen hin. — Schweiz. 
I, 1202. 

flankere" [flärj^kara TieffenbT^ umher- 
schweifen. 



flankiere" [fläij^kiara Katzent. Du.; 
flär^kiera Hf^ i. hin und her bewegen, 
beim Sprechen mit den Händen in der 
Luft herumfuchteln Dil. Hf. 2. herum- 
streichen, herumziehen ; in dieser Bed. meist 
zsgs. mit herum. — Schweiz.!, 1202. 
Bayer, i, 793. 

(h)erum flankiere" i. unruhig hin und 
her bewegen : mit *^*m Liecht im Hus *'er. 
Hf. Str. 2. herumstreichen. Wo bis' d=r 
ganz Tag herumflankiert? Katzent. 

umme flankiere" sich umhertreiben. 
Er flankiert im ganze" Elsass umme Steinb. 

F 1 ä n k i n e [Flaij^kina Fisl^ f. atiffallend 
gekleidete Weibspersoit. — Schweiz. 1,1201. 
Bayer, i, 793 Flank. 

flink, g* flink [fler|k Ruf. Gebw. U.; 
kfleri^k Fisl. Banzenh. Co. Du. K. Z.] Adj. 
flink, gewandt, schnell, hurtig. Fl. wie 
ne Häs Ruf. Gfl. wie e Katz, e Eicherle 
Du. De"^ is' fl.! we"° mer meint, ^r stol- 
pert, li^gt "^r scho" Gebw. Er is' fl. wi^ 
e blejes, blejers (bleienes) Vöjele plump, 
schwerfällig Str. — Schweiz, i, 1202. 

flinks Adv. Gen. schnell. 'Un zennje 
kinnt i oli Staund, hienlöufa zua-n-em 
flings' K. Pfm. V 8. 

Flienke" [Fliari^ka Su. Ruf Hlkr. 
Horbg. Ingersh. Du.; Fliaij^ka il/.] ;;/. 
/. grosse, ausgedehnte Fläche: s het e 
nette" Fl. gnumme" sagt man, wenn 
irgendwo eine Feuersbrunst gewütet hat 
Su. Du hes' scho" ne nette" Fl. abghaüe" 
Gruss an einen Mäher , der schon eine 
grosse Fläche abgemäht hat ebd. 2. grosses 
Stück Brot, Fleisch Ruf. M. Ingersh. Du. 
J. Arm, verächtl. Flügel, Rockschoss, 
überh. was nicht fest mit dem Rumpf 
verwachsen ist : P** wor (werde) di"^^ glich 
am Fl. packe" un** zo d*r T'^ür use" wer- 
fe" Hlkr. Horbg. Du. Sjm. Flügel 2. U; 
s. atich Schlasfittel und Fländeres. — 
Schweiz, i, 1203. 

F Henker [Fliari^kar 6"«.] m. flacher 
Stein, der beim Werfen fliegt, d. h. von 
seiner Richtung auf die Seite abweicht, 
s. auch Flieger 2. 

Flens \?\hnslngw^ Pl.Flausen, schlechte 
Witze. 

jFlins .y/Ze'x Herrad 186''. —Bayer. 

t, 793- 

Flint(e) [YWntdRoppenzw.Blotzh. ; Flent 
Du. 6^.] f., in Achenh. n. i. Flinte, Ge- 
wehr: s rej"*t, s tropft, s ge'^t e küe^'le'' 
Wind, Die ärmi Saldate" marschiere" mit 



FLiNT 



FLäR 



— 171 — 



FLäR — FLauS 



d=r Fl. DU. D F]. am letze" Backe" han 
sich irren Str. K. Z. 2. unsittliches, 
verkommenes Mädchen Roppenzw. Blotzh. 
— Schweiz, i, 1204. Bayer, r, 794. 
K a n c f li n t [Khonsflent fF//.] /. Arm- 
brust. 

flappe" [fläpa Dehli.~\ anführen, be- 
trügen. Der is' geflappt mit sin er riche" 
Frau; er hätt® besser ein^ von d'^r Gass 
genumm*". Dismol sin ich geflappt. — 
Hess. 104 geflappt verrückt. Wohl atis 
frz. flambd. 

Flupp [Flyp, meist PL Flypa Pfast.] 
f. Oh} feige. 

fluppe" [flypa Ensish. Hi. Wh^ 1. 
beohrf eigen Wh. 2. vergewaltigen, not- 
züchtigen Ensish. j. stehlen Hi. — 
'fluppen und flappen schlagen Eifel. 

Flupp es [Flypas, PI. -a Altw^ m. 
fester Kerl, Bengel, starker Bursche oder 
Mann, und dann überh. starkes, kräftig 
gestaltetes Wesen. Sapperlot, was is' awer 
das für e dicker Fl.! Du solls' awer do e 
Fl. han vam e Hgw^l! — 'Fluppes Schläge 
Eifel. 

Flarr, Pflarr [Flär, Pflär Obbr:\ f. 
saures, betrübtes, trübseliges Gesicht. Wi® 
der do d Fl. hängt! 

Plärre" {FUtq Liebsd.Olfi.Hi. Wittenh. 
Banzenh.Bghz.; Flara Obhergh. bis Kerzf.; 
Fläro M. Hf.; Flar M. ; Pflära Pfetterhsn.] 
f. in Liebsd. Pfetterhsn. Hi. Wittenh., 
sonst m. I . Schlag mit der flachen Hand 
M. 2. Klecks, Flecken von Schmutz, Fett, 
Tinte in Kleidern, im Buch od. Heft, an 
einem Hause, auf dem Fussboden, im 
Gesicht. In dem sini Summerrösler 
{Sommerflecken) sin^ so gross, dass 'r ganzi 
Fl. im Gsicht hct Hor'bg. E Fl. im 
Gsicht eine Stelle, an welcher die Haut 
verletzt ist Lobs.; wunde Stelle am Fuss, 
durch Hin- und Herreiben des ScJmhzeugs 
entstanden Bghz. J. Kihfladen Katzent.;- 
kleiner flacher Haufen Hf. — Schweiz. 
I, 1205. Schwab. 195. Bayer, i, 794. 
Hess. 104. 

Dreckflärre" m. l. Kotfleck. 2. un- 
sauberer Mensch Horbg. 

Isflärre" m. grosse Wasserfläche auf 
Feld od. Wiese. De" Winter hä" m'r e 
schöne" I. uf de" Matte" Geberschw. 

Ölflärre" m. Ölfleck Obhergh. 

Petrolflärre" m. Fleck von Petroleum 
Obhergh. 



Schmutzflärre" m. Fettfleck Obhergh. 
Rchw. Syn. Schmutzflecke" U. 

Tinte"flärre" m. Tintenklecks. In 
dem cahier (frz. = Schreibheft) sin** vil 
T. Obhergh. 

flärre" [flara J/.] schlagen, beohrf eigen. 
— Schweiz, i, 1206. 

flärrig[flarik Hlkr^ Adj. befleckt, be- 
schmutzt. 

Flor [Flor Hi. Strüth Bf. Str.; Flor 
Hältst. Mittl. Su. U.; Demin. Flerlo 
Henfli. Hi. Steinbr.; ¥Ur\ Betschd. Bühl] 
meist f.; m. in Betschd. I. feines, locke- 
res Gewebe, Trauerflor Hältst. Su. Bf 
K. Z. Str. 2. Halsbinde Henfli. Hi. 
Strüth Mittl. Bf. K. (Aug. Stöber Der 
Kochersberg 45) Betschd.; Syn. Krawätt^l 
Bühl. — Schweiz. 1, 1206. Bayer, i, 794. 

Leidflor [Laeitflör Betschd.; Lätflör 
Bühr\ m. Traueiflor. — Schweiz, i, 
1 206. 

Floret [Fläret Dünzenh7\ f. Florett. 

florete" [flöreta Co?j^ mit dem Florett 
fechten. 

Floribus [Floripys Liebsd. Str.; sonst 
meist Flöripys] ;;/. Saus und Braus. Im 
(in Hi.) Fl. lebe" allg. De-" lebt im Fl. 
zuem Hus owe" nus Meis. 'vnd gieng 
alles daher in floribus, mit dischen, fressen, 
sauffen vnd prassen Mosch. II 715. — 
Schweiz, r, 1206. 

Flaus [Fläis Liebsd. bis Sermersh.; 
Flöis Logelnh. Co. Ingersh. Hattst. Hlkr. 
Du. M. ; Fleys Bisch. Molsh. Nhof Str. 
Lützelstn. Wh.; Floeys K. Z.; Flaüs 
Kiitdw.] f. I. Ohrfeige Osenb. Obhergh. 
Logelnh. Co. Ingersh. Heidolsh. Str. Eim 
Flause" ge''^", '^ass *^r s Für im Brisgaü 
gsi^^t S.; Schlag mit der Hand ins Ge- 
sicht Sermersh. 2. PI. Flause" D^tmm- 
heiten, Albernheiten, Spässe, lustige Streiche, 
Possen, Witze. Mach m'r ke'ni (ke'"') Fl. 
Str. und allg. Wart, d^r Schuelmeister 
wird d'r d FI. us '^em Kopf jage" ! Sier. 
[Sal ssej Floisa! M.\ Wer solche Spässe 
macht, heisst Flause"männle Steinb., Flau- 
se"macher Hi. Bf., Flause"mich^l Bisch. 
J. Vorwände, Ausflüchte, Ausreden Ensish. 
Jebsh. Str. Brum. Kindw. — Schweiz. 
I, 12 10. Bayer, i, 796. Zum Begriffs- 
übergang vgl. Streich, Schwank. 

flause" beohrf eigen Osenb. 

flaüsig [fläisik i?ö/'/^;«sze'.] Adj. drollig, 
s passhaft. — Schweiz, i, 12 ig. 



FLiS 



FLoS 



172 



FLuS 



FLäSCH 



Fliss [Flis M. Bf. Ndhsn.] m. Absicht, 
Vorsatz, nur in der Verbindtmg: mit 
Fl. vorsätzlich, absichtlich. Syn. express 
Str. K. Z. — Schweiz. 1, 12 10. Bayer. 

I, 795- 

f 1 i s s e " [flisa M. — Part, kflisa Obbruck'] 
reß. sich befleissigen, sich beeilen: Fliss 
di*^*^ denn, '^ass de bol*^ kummst! 'sich 
fleissen' Geiler J. Seh. 19''; 70. — 
Schweiz, i, 121 i. 

fliss ig [flisik Roppenzw. Uffh. Rtif. 
Hlkr. Bf.; flisi K. Z. Betschd.; flaeisi/ 
Bühl Ndrlatitcrb^ Adj. ßeissig, emsig an 
der Arbeit; im Gruss an Leute, die man 
bei der Arbeit trifft: Allewil fl. ? Antw. : Jo, 
e wenig! Uffh. Sin-^ ''\ fl.? — E bitzi! 
Ruf., oder Flissi^? — Jo, nit üwertri^we"! 
Z., oder Fleissich? — Ich nä^m nein e 
zwanzich un*^ gi*ng häm, Wortspiel zwi- 
schen fleissig — dreissig Bühl, 'uf das sie 
deste flissiger sint' Str. 75. Jh. Brucker 
251. — Schweiz, i", 1212. 

Flisse" [Flisa Hlkr.^ PI. Fäden aus 
de»i Linnenzeug gezupft, Charpie: Hol e 
paar Fl. un'* mach's '^m hinter's O^^r! 
Sjn. Schliss K. Z. 

Fliess I Flias Hi. Katzent.~\ n. Fliess- 
papier, Löschblatt. Syn. Fliesspapi^r 
M. K. Z., Fliessblatt Hi. — Schweiz. 
I, 1212. 

Nagelfliesse" [Nä;^lflisa Schleit^ n. 
Geschwür am Fingernagel. 

fliess is [flisi Str.; fliesi Z.] Adj. 
fliessend, nur in fl. Wasser. Wasser aus 
einem fliessenden Gewässer gilt als heil- 
sam in Form von Waschungen, Lokal- 
und ganzen Bädern, auch gewärmt bei 
allerhand Rhetunatismen, eiternden Wun- 
den tmd Hautentzündjmgen Hf. 

fliesse" [fliesa M.\ flössen, Holz auf 
dem Wasserwege aus dem Thal befördern, 
wie dies früher durchweg geschah, s. 
auch Flicssfiirch. Syn. [fletsa] Bf. 

Fliesste [Fli^sto 71/.] /. soviel Holz 
atif einmal geflösst wird. s. auch Flos. 

flos [flyos M^ Adj. Adv. knapp, dem 
Rande zu nahe. Die Musfall is' f ge- 
richt. — Schweiz, i, 12 14 flöss kahl} 
Bayer, i, 786 floss lose> 

Flos^«, Flöz [Flos, Flöts Str.; Flds, 
PI. Flesa Mutzig; Fldts .9/.] /. Floss; 
Transport von Nutzholz auf der Breusch 
Mutzig. 'Flotz rates' Dasyp. 'Ratis 
schedia ein flotz' Gol. 195. s. auch 



fliesse", Fliesste. — Schweiz, i, 12 13, 
Bayer, i, 796. 

Fluss [Flüs U. W.~\ m. rheumatisches 
Leidest. Unter Fl. versteht der Bauer 
eine Krankheit, die man weder heilen 
kajtn noch darf, und die sich attf mannig- 
fache Weise äiissern kann, z. B. als 
Rheumatismus, Engbrüstigkeit, Asthma, 
Eiterung des Ohres, Unterschenkelgeschwür 
{daher e Flussfuess), Flechte, Milchschorf 
u. dergl. Der Fl. zi'^ht in eim ''erum, 
od. ^r wirft sich uf d Brust, er kann auch 
uf od. an 's Herz ziehn — dann ist es 
fertig l Hf. D*r wiss Fl. fluor albus der 
Frauen Bf. Hf. 'Der Fluss plaget' 
BucER Brief v. g. Jidi ißJJ. Van 
einer ein fluss hat an eim schenckel' 
Geiler Em. 22. 'Fluss der nasen vnd 
anderer glid Rheuma Dasyp. — Schweiz. 
I, 121 5. Bayer, i, 797. Hess. 107. 

Stick flüssel ['Stekflesl ///".] n. Lungen- 
schlag bei Kindern. Sterbeakt v. 27. 12. 
1728 Dtmzenh.: Stickfluss. 

jSündfluss ///. 'mit dem sündfluss' 
Geiler J. Seh. c 19. 

flüssi? [flesi Hf.] Adj. mit 'Fluss' be- 
haftet, zur Eiterung geneigt ; wenn jem. 
fl. ist, so heilen die Wunden nicht gern, 
sie eitern. — Schweiz, i, 12 19. 

Flüsel [Fliesi Olti. ; Flisl Niffer Dol- 
lerit] m. Schnupfen. — Schweiz, i, 12 19. 
vgl. Pfnüsel. 

Flasch [Fläs Str. Hf.; Demin. Floesl 
Str.; Flasl K. Z.] f. Flasche; das Wort 
Fl. gewinnt erst in neuerer Zeit Boden, 
ausgehend bes. von der Wirtshausspr. ; 
dafür allg. gebr. das Syn. Budell, An- 
gless Z. Das Demin. Fläsch^l = ovales 
Lägel Rchw. Aberglaube, dass die um- 
herirrende Seele eines Selbstmörders von 
Kapuzinern in eine Flasche gebannt wer- 
den kann, welche darin unter einer Schwelle 
vergraben wird Hi. 

■ F lasch [Flas /«^/ allg.; Flaes Ar.] /. 
Wärmflasche; häuflger ist die Zss. Bett- 
fläsch, früher allg. Flasche, 'ein flesch 
mit win' Dankr. 136 Anm. 'flcschen 
mit wine Str. /f. Jh. Brucker 238. 
'in den krausen , kennlin vnnd flcschen' 
Geiler J. Seh. H II. 'nicman thut nuwen 
win in alte Flcschen' P. III 105''. 'uss 
der Flaeschen' Brant Narr. 87, 16. 
'Flesch lagena' Dasyp. 'Lagena fläsch, 
lagel' Gol. 344. 'Volle fluschen werden 
machen läre täschen' Fisch. Prakt. 23. 



FLäSCH 



FLeiSCH 



— 173 — 



FLeiSCH — FLäT 



'Fläsch bouteille' Martin Coli. 175. 'es 
ist was änderst in der Flaschen' Mosch. 
II 807. — Schweiz, i, 12 19. Bayer, i, 
-97 Flaschen, 

Bett fläsch f. Wärmflasche Ruf. Co. 
Dil. Rchw. K. Z. Str. 

Ölfläschy. grosses blechernes Gefäss 
zum Aufbewahren des Öls. Sjn. Ölkann 
Su. Du. 

Fläschenettle [Flasanetla MM.'] n. 
I. Mundharmonika. 2. flageolet Str. CS. 
— Schweiz, i, 12 19. 

Fleisch \¥\^\kBf.Str.Wörth; Fldsil/.; 
Flaeä Barr; Flaeis K. Z. Betschd. ; Fläs Bühl 
Tieffenb. ; Fies Saarun. Hirschland Dehli^ 
n. Fleisch. Ich kann ke'n ful Fl. trauje" 
sagt ein kleinerer Bursche zu, einem 
grösseren, der beim Zusammenstehen auf 
der Strasse jenem den Ellenbogen auf die 
Schulter stellen will, um etwas auszu- 
ruhen Dunzenh. s wil*^^ Fl. das aus einer 
Schnitt- od. Hiebwunde hervorwachsende 
rohe Fl. ; man streut Zucker darauf, um 
das Wachstum zu verhindern ebd. Fl. 
vielfach statt der Zss. Rindfleisch, Ochse"- 
fleisch, welches in der Regel von einem 
auswärtigen Juden ins Dorf gebracht 
wird, während oft im Dorfe selbst der 
Hirt Schweinemetzger ist. Het d^r Jud 
s FI. schon gebrocht? dagegen: Ge'' zuem 
Hirt un^ hol drei Pfund Fl. {nämlich 
Schzveinefleisch) Ingenh. D^r Dokter het 
gseit, er soll gebrote" Fl. {Ochsenfleisch) 
esse" un*^ alter Win trinke" ebd. Der lauft 
alle Siinnti"^ morje" in d Metz un*^ holt 
FL, d. i. Rindfl. im Gegens. zum selbst- 
geräucherten Schweinefl. Dunzenh. Fl. am 
Knoche" Schinken Geishsn. Fl. gi^t Fl. ist 
sehr nahrhaft Bf. 'Fleisch macht Fleisch, 
fisch njacht nisch' Fisch. Prakt. 29. Besser 
e Lus im Krut a's gar ke'n Fl. U. Oft, 
namentl. in ärmeren Gegenden, wird 
Rindfl. nur am Kirchzveihfest gegessen, 
sonst immer Schweinefl. : [Moajo is Kh^aw, 
to mis9 mar Fies khefa Hirschland~\. — 
Schweiz, i, 122 i. Bayer, i, 796. 

Bein fleisch n. das magere, gesalzene 
Fleisch an Schweinsrippchen tmd Rück- 
gratstückchen. Wenn d" mitesse" wi"*t, 
bli^ do, m'r han Surkrut un*^ B. (eine sehr 
beliebte Mahlzeit) Ingenh. 

Bibbelefleisch n. eig. Fl. von einem 
Hühnchen. B. esse" od. han an einem 
Kinde Notzucht verüben Str. 



fBrates fleisch n. gebratenes Fleisch 
Geiler Seh. d. P. 93. 

Büchse" fleisch n. gesalzenes und ge- 
räuchertes Fleisch, Konserven Z. — Schweiz. 
I, 1223. 

Kalbfleisch n. zvie- nhd. K. is' halb 
Fl. man kann sich nicht daran satt essen 
Su. Z. 'Kalbfleisch, Halbfleisch' Stöber 
Volksb. 236. Nix is' besser als K. ; un^ 
K. is' besser als nix fügt scherzh. ein 
anderer hinzu Str. Was wi"^t du, K.? 
Grif an d^rA., derno hes'! Du. — Schweiz. 
1 , 1222. 

Keiwe"fleisch n. Aas M. — Schweiz. 
I, 1222. 

7 Kot fleisch hieß bilicher Kotzfleisch 
Geiler ^. M. IV^ 

Rind(s)fleisch [Raentsflöis M.; Rent- 
flais Str.; Rer]^flaeis K. Z.] n. Rindfleisch, 
Ochsenfleisch. — Schweiz, i, 1223. 

Schenkelfleisch n. Fl. von Ochsen- 
waden Z. 

Schwine" fleisch n. Schweinefleisch 
allg. 

fleischis Adj. fleischig, viel Fl. am 
Leibe habend, muskulös Z. — Schweiz. 
I, 1224. 

flösch [fl^s Banzenh. Hlkr. Du. Mütt. 
Bf^ Adj. I. schwammicht, nicht zähe, 
leicht zerbrechlich, bes. vom Holz. Je fetter 
der ßode", desto flöscher is' s Holz Bf., 
od. von wässerigen, aufgeschossenen, im 
Schatten gezogenen Pflanzen, z. B. Setz- 
lingen. Die Setzling® sin"^ z** fl., wenn die 
in's Feld kumme", ge^n d halwi kaput 
Du. 2. von schwacher Gesundheit, leicht 
zu Krankheiten geneigt, schwächlich und 
dabei gross, untauglich zu anstrengender 
Arbeit. E flösche'' Bue^ Banzenh. P*^ 
bin scho" ''ne Zit lang so fl. Hlkr. Er 
is' z" fl., wie nur e Lüftele an e kummt, 
se muess «r in's Bett Tcje" Dil. — Schweiz. 
I, 1225. Schwab. 197. 

Flöschuf [Flesüf, Demin. Fldsefla Dü7\ 
n. Fischbehälter, an beiden Enden gezvöhn- 
lich zugespitzt, an der Seite der Fischer- 
kähne befestigt: zu Schaff. 

flätig [flätik allg. O. bis Barr] Adj. 
Adv. I. hurtig, schnell, flink, geschwind. 
Mach flätig ! ///. Fl. heim ge*»" ; fl. schaf- 
fe". Fl. e^weg gie**" leicht, ohne Schwierig- 
keit vor sich gehen M. s ge''t fl. füre es 
geht rasch vorwärts Dil. 2. artig, ordent- 
lich Mü. Stöber Mäder. j. schorfig, 



FLaT 



— 174 — 



FLaT — FLoT 



vom Ackerboden Logelnh. — Schweiz, i, 
1227. Schwab. 194. Bayer, i, 798. 

unflätig Adj. nnreinlich Bebelnh.; tm- 
geschickt, grob Sieinb. s. auch Flädi. 'un- 
flätig sordidus' Dasyp. — Schweiz, i, 
1228. 

Unflat [Üri^flyot M7\ m. Vielfrass. 
Es kummt kc'" Ungfluot uf di^ Welt, 
er wurd ufgezo(ge") Mb. JB. VI 150; 
früher Schmierfink: 'Ein vnflat erleidcts 
dem andern' Fisch. Garg. 3 nnd allg. Un- 
sauberkeit. 'Unflat cluvies' Dasyp. 'Ex- 
crementum vnflat, wüst' GoL. 88. — 
Schweiz, i, 1225. Bayer, i, 799. 

flattere" I, flottere", fluttere" [flä- 
tara allg., Neben/, flötora O. bis ins 
Breuschthal , flütaro Felleri. Molsh^ i. 
schwach fliegen, flattern, namentlich von 
jungen Vögeln, die noch nicht recht fliegen 
können; oder von einem Vogel, der ängst- 
lich in einem geschlossenen Räume hin- 
tmd herfliegt; auch von Bändern an 
Kleidern oder von Fahnen, die im Winde 
fliegen. 2. auf die Seite fliegen, fahren, 
infolge eines Stosses. Er is' gflottert, wo- 
n-'hm d®r Schambedissi (frz. Jean-Baptiste) 
e Renn (Stoss) ge''«" het Co. j. Geld 
leichtsinnig ausgeben Dil. De"" Burst het 
s Geld flottere" le" lassen Bf. — Die 
Nbf. fluttere" namentl. für das Fliegen 
der Fledcrmatis gebr. Felleri. — Schweiz. 
I, 1226. 1231. Bayer, i, 788 flaudern, 
fledern, flodern. Eifel 'fludern flattern . 

ver flottere" verblühen, verwelken, ver- 
blassen. Die*" Maie" (Blumen) sin*^ bol'^ 
verflottert Ulkr. Obhergh. NBreis. Ingersh. 

flatterig [flätoiik Bf.; flötrik Scherw7[ 
vom Wind, der heftig und stossweise weht 
Scherw., und, weil er warm ist, im Winter 
gewöhnlich Tauwetter bringt Bf. s. flaüde- 
rig. — Schweiz, i, 1231 flotterig. 

Flätterle [Flatarla Bisch.~\ n. Schleuder. 

flattere" II in der Topf er spräche, feine 
Malereien, Figuren anbringen. D Schussle 
wer^e" gflattert Wh. 

flattiere" [flätiara fast allg.; flätera 
Ulk. ; flätira Nhof Str. Betschd. Lützelstn. 
Rauw.; flätiera Z. /Ian.~\ schmeicheln, schön 
thun, zureden, liebkosen, streicheln. Eim 
hinde" un'' vorne fl. Banzcnh. Su. Wenn 
d" nit wi"'*t, so loss s stc*'", dir flattiert me" 
nit als letztes Angebot von selten des Ab- 
gebers Gebw. Er is' m'r wieder kumme" 
gphn 2" fl. Katzent. Fl. kann dis Maid^l 
wi" e Kätz*l Ulk. Der konn e'm gor 



grüserli*^'» fl. Geud. Wann d" e biss^l bes- 
ser fl. könn^'^s', wär^s' schun witcrs' kum- 
m^" Lützelstn. 'E Frau isch nit imm Mann 
syn Maaud, un will gfladdiert sin au' Pfm. 
V 9. s. auch flattütze". — Schweiz, i, 
1226. 

ungflattiert [ür[^kflätiart ^?^.J Adv. ohne 
zu schmeicheln. 

Flattierer, Flattieri [Flätiarar Rop- 
penzw. Banzenh. Katzent. ; Flätieri Hi. ; 
im U. seltener^ m. Schmeichler, in Katzent. 
bes. für schmeichelnde Kinder gebr., daher 
auch f. Flattierere ; Sjyn. Flatticrkitf'l 
Banzenh., Flattierkätzle Katzent. s. die 
folg. Nebenformen. 

flattierli'^'' Adj. schmeichlerisch , zu- 
thunlich Str. ''S isch gar e guets Vieh 
gsin, (die Käzzclere) gemäh un wachber, 
gspässi, fladdierli' Pfm II 5. 

flattütze" [flätytsa Ingersh^ verächt- 
lich für flattieren" schmeicheln. 

Flattüt, Flattütler, Flattütsch, 
Flattütz, Flattützer [Flatyt Geberschw. 
Logelnh.; Flätytlar NBreis.; Flätyts In- 
gersh.; ¥\atyts Lllkr. ; FlktytsQv /nge}'sh.'\m. 
verächtliche Bezeichnungen für Schmeich- 
ler: Sel^'e" (jenen) Mensch kann i'^'' jetz' 
nit lide", ^r ist ne Fl. erster Klass Geber- 
schw. 

Flättig, Flittig [Flatik Obbruck; Flati 
Ulk.; ¥\\i\x Lützelstn.; Fleti;^ Wh.; 
Flfctip^ Lorenzen Dehli^ m. i. Flügel. 
D Fl. wachse-n-'^m er wird übermütig 
Ulk. M^r muess '*'m d Fl. stutze" sein 
Uebermut muss gedämpft werden ebd. 
Gi^ '*'m uf d Fl. bestrafe ihn! ebd. D<=r 
Fl. henke" Ion kleinlaut sein ebd. s. auch 
Fettich I , Flügel i . 'ehe er kräet, er- 
schütlet er zuuor die Flüttig' Geiler 
Narr. 21. M'^r muss nit höcher flieje" 
wille" a's e'm d'e Flittige gewach^st sin 
Dehli. 2. grosses herzförmiges Blatt 
einer Sumpf pflanze . Die^^ Matte" sin*^ ganz 
voll Fl. Obbruck. — Schweiz, i, 1228. 
Bayer, i, 793 unter Flank. 

Fleite [Flaeita ///".] PI. aus dem Munde 
fliesscnder Speichel, z. B. kleiner Kinder, 
od. der Hunde. 

fleite" [flaeita Hf^ Speichel aus dem 
Munde laufen lassen, von kleinen Kindern. 
Syn. glslc". 

flott [flöt M.] Adj. hübsch, prächtig. 

Flott [Flöt allg. O. bis Mütt. ; Flot AL 
— PI. ¥\GiRoppenzw., sonst Flöta — Dentin. 
Fletla Ensish., sonst Fletla Co., Fletl 



FLoT 



FLöZ 



— 175 



FLöZ 



FRau 



Bebelnh. Mütt.'\ f. zsgedrehtes , gewun- 
denes lind geknotetes Band a7if Danien- 
kleidern imd -Hüten, Bandschleife, Hals- 
binde, Schlajife der unter-elsäss. Frauen- 
haube. Bei Hochzeiten wird an der Brust 
ein farbiges, geknotetes Bändchen, das 
Flötile, getragen Ingersh. — vgl. Schweiz. 
I, 1230 Flotte, frz. flotte Strähne Roh- 
seide? 

Hochzitsflöttle n. buntes Bändchen, 
das die Hochzeitsgäste anstecken; gelingt 
es, der Braut während des Mahles das 
Strumpfband zu lösen tmd zu. entwenden, 
so werden die H. daraus geschnitten 
Katzent. Syn. Hochzitsbändele. 

Flöte [Flet Str.; FltJt K. Z. Betschd. 
— Demin. FletaliHeidolsh. ; FlttlKindw.^ 
f. I. Flöte, wie nhd. Str. K. Z. 'Alti 
Flöt alte Geschichte Ulrich. 2. Mund- 
harmonika Heidolsh. Kindw. Betschd. JB. 
VIII 80. — Schweiz, i, 1229 Flaute. 

Flutt [Flut M.; Pflüt Siäzern; PL - s] 
f. I. Kloss aus Mehl, Kartoffeln; 2. dicke, 
unbeholfene Weibsperson. — Basel Pflute. 

Me'^lflutteri [Mälflütari 7^//^'//.] m. 
Nachtschmetterling mit weissbestätibten 
Flügeln. 

Sintfluet [SentflytÄr.; Seitflyat Geisp.; 
Seri^flyat K., — gt Z.] /. Sintflut. Chron. 

flätschig [flaetsi^" Ingw.^, flotschig 
St. Adj. lau, unbeständig, vom Wind, 
der in heftigen Stössen atis wechselnden 
Richtungen weht und gewöhnlich Regen 
bringt; Syn. plotzich K. Z., flaüderig O. 
Vgl. [pflotstraknäs 71/.] — vgl. Schweiz. 
I, 1234. Eifel flätschig weichlich. 

flutsche" [flötsa Hf Lobs.'] flattern, 
schwerfällig od. schlecht fliegen. Der Vöj^l 
kann nimmi {nicht mehr) recht fli^je", ^r 
flotscht nurre uf "^em Böde'' nus Lobs. — 
e^^/. Schweiz. I, 1237. 1240 flotzen plau- 
dere alis. Bayer, i, 799 flitschen. 

f Flixen PI. : 'denn hat sie flixen in den 
äugen' eine Frau hat immer irgend einen 
Schönheitsfehler Geiler Häsl. a Schluss. 

gflix [kfliks Roppenzw7\ Adj. schnell, 
fertig, nur in Verbind, mit Mensch. 
Verbindung von gflink und fix? 

verflixt Adj. verflucht, verwünscht 
Hlkr. — Etiphemismus für verfluecht. 
Schweiz, i, 1238. 

Flöz I, s. Flos. 

flöze", s. fliesse". 



Flöz er [Fletsgr Bf.] m. Mann, der 
einen Transport Nutzholz zu Wasser be- 
fördert. 

Flöz II [Flöts Su. Westhalten] m. der 
äussere Rand des Weinsteins, der sich beim 
Reinigen der Fässer von der Hauptmasse 
ablöst, tmd für den Verkajif gesammelt 
wird. D^r Jud'= het m'r für 10 Mark Fl. 
ab kauft. ^- Schweiz, r, 1240. 

floz [flöts Westhalten] Adj. matt, un- 
vermögend, siech. Wenn jemds. Vermögen 
rasch dahingeht , od. wenn einer beim 
Spiele voraussichtlich sicher verliert, od. 
wenn jemds. Körper durch Krankheit ge- 
brochen ist, so sagt man : [tä es flöts !] 
Vgl. flos? 

flözle«^ [fletsl9 Ruf.] im Kartenspiel 
mit dem Ass atif den Zehner der gleichen 
Farbe warten, um zu überstechen. 

Flutz [Flyts Du. und Umgegend von 
Ar.] f. Ohrfeige, Schlag mit der Hand. 

pflutze" [pflytsg RuprT] ohrfeigen, 
einen Schlag mit der Hand geben: eim 
eini pfl. 

fra, s. (vor) ab. 

Frau [Fräü Sier.; Fräi Su.; Froi M.\ 
Yxb\ Logelnh. Co. Winzenh. Du.; Frau Str. 
Wörth ; Froey K. Z. Betschd. ; Fräw Kindw. ; 
FräWingen b. W.; PI. -g; Demin. Fraüali 
Hi.; FraejolQ Z.; Fraialo Dü^ f. Frau, 
Gattin, Ehefrau. 'Se ward i doch emol 
US aler Gfohr; do kriejt i see zuer Froi, 
deejumfer KläreF Co. Pfm. II 8. Hatisfrau 
als Herrin den Dienstboten gegenüber tmd 
dann als Vorsteherin des Batiernhofes 
überhaupt K. Z., Syn. Bäs Han. — Vor 
Eigennamen selten, dafür meist Madam^ 
allg. ; vor Titeln in der Regel mir in der 
Verbindung d Frau Maire [t Froey Mers] 
Frati Bürgermeister Z. , Frau Parrsche 
Frau Pfarrer Lohr. Frau Ziwile, Frau 
Maiküechlere leichte Spottnamen Str. Für 
den PI. tritt, namentl. im U., die ältere 
Form \^ mar eilt K. Z., Weibsleit Wingen 
b. W. Das Demin. Fräule ist selten; 
hätiflger wird Wiwele gebraucht; Fräulein 
[Frailain] Sier. und auch anderwärts mit 
der Bed. Lehrerin ist ein ganz junges 
Lehnwort aus dem Nhd. Vor dem Na- 
men gebraucht die Mda. Mamsell statt 
Frätdein. s Fraueli zärtlich : liebes Weib- 
chen, altes Mütterchen Hi. In jüd. Kreisen 
bedeutet Fräle [Fräla Strüth Winzenh.; 
Frala AvolshT] f. Grossmutter, aber auch 



FRau 



176 



FRau — FReu 



alti Fr. = alte Kuh. 'wir haben dazu 
gehört, daz du nit hast verworffen das 
heidensch fröwlin , zu dir schryhende' 
Geiler P. III 48*^. In Zss. wie Frauen- 
haus Str. ist noch die Bedeutung: tmsere liebe 
Frau = Jungfrau, Maria erhalten , ebenso 
in Fraue"ta5 25. März, 'unser frowentag 
der cren' Str. 144g Brucker 225, frowen 
tag der jüngeren ebd. , frouwentag nativi- 
tatis 198. — Schweiz, i, 1241. Bayer. 
1,841. Hess. 108. Eifel Frai, Fräichen 
Grossmutter. In Zss. ist BVau oft Händ- 
lerin, Hausiererin : Eeinerfrau, Eierfrau, 
Gschirrfrau, Salatfrau, VVullfrau usw. 

-|-Gnadfraw f. gnädige Frau Geiler 
6". M. I, 6. 'wem sie an daz rad (als 
Aufseherinnen beim Spinnen) kommen 
und man zuo inen gnad fraw spricht , so 
thuot es inen wol, sie nemen nit feygen 
dar für' Häsl. C VI«. 

Jungfer(e), Jumfer(e) [Jümfara Ban- 
zenh.; Jümfsr Ensish. Su. Ruf. Co. Du. Str. 
Z.; Jümpfr M.; Jemfar Bisch.; Jür^far 
Ndhsn. Str.; Demin. Jimfarig Banzenh. 
Ensish. Co. Dü.~\ f. Jtmgfratt,, unverheira- 
tetes Mädchen, 'nein allewyl wursch doch 
nit wolle Jungfer bliwe, D'Lieb wurd di ball 
zum Ehstand triwe' Ad. Stöber Schk. 8. 
Mädchen, das die Keiischheit bewahrt hat 
Z. D Jumfere Maier Het vi^l Hüe*^ner 
und ijgine Eigj.^ vi«l Rewe" un«^ ke'««" 
Wi": Wer, Deihenkers, wott doch Maier 
si"! Banzenh., mit Var. auch in Du. J. 
Ledigi, J. Hochzitt're ruft man einer äl- 
teren Jjtngfrati im Spass nach Su. 
Scherzend von einer alten Frau : Da* 's' 

OJch kßine j_ j^ghr ßj^ _ SCHWEIZ. I, 

1246. Bayer, i, 804. 

E h r c " j u n g f r a u [Eraj ümfar Rapp. ; Er- 
jiimfar NBreis. Su. ; Erojür|,faro Hi.; Er- 
jumfröi Hlkr.; Erjui|^fräi Bf7\ f. Braut- 
jungfer; das Mädchen, welches die Bratit 
von detn elterlichen Haus bis an den 
Traualtar begleitet Bf. E''rknab tmd E. 
bilden bei der Hochzeit zusammen ein 
Paar Su. — Schweiz, i, 1248. 

K a m m e r j u m f c r /. Stubenmädcheti, 
Zimmermädchen ; Mädchen zur persönlichen 
Bedienung einer Dame aus den besseren 
Ständen Bf. Str. 

K ilb e " j u m f er [Xilpijumfara Roppenziv.; 
Khelwajümfar Du.; Khilwojüi|for Bf7\ f. 
Mädchen, das am Kirchweihfest zuerst 
tanzen darf Roppenzw., das während der 
ganzen Dauer des Festes den Kilwe"knäb 



begleitet Du. ; es ist meist weiss geklei- 
det Bf. 

Kumfrerijumfer y. Jungfrau in der 
Bruderschaft (frz. confrdrie), einem Ver- 
eine NBreis. 

S c h m o 1 1 j u n g f e r f. Ehrenjtmgfrau bei 
Hochzeiten, Brautjtmgfer Ernolsh. Syn. 
Schmollere Betschd. Bühl, Schmollma^d 
Lorenzen, Schwollmaßd Lützelstn. Lohr 
Büst Ratiw. 

Tr u r j u n g fr a u [Tryrjümfar Obbr. Ingw.; 
Tryrjür^far Rothb.; Tryrjür|^fraü Zinsw?\ f. 
Bed. wie Schmolljungfer. 

W a s s e r j u m f e r f. Libelle Ingersh. 

Monetsfrau f. eine Magd, gewöhnlich 
eine verheiratete Frau, die nicht im Hause 
ihrer Herrschaft wohnt, nur zii gewissen 
Stunden des Tages arbeiten kommt und 
auf den Monat bezahlt wird Str. 

Schuelfrau f. Frau des Lehrers Pfet- 
terhsn. K. Z. Syn. Schulmeistere Betschd. 
Lohr. — Schweiz, i, 1252. 

So'^nsfrau [SilnsfroiTl/.; Sensfroey i9«rr 
Molsh. K. Z. AEckend. ; PI. Senswiwar Barr'\ 
f. Schwiegertochter (dieses Wort fehlt im 
E.) 'Sonsfrauen Fisch. Ehez. 217, 7 (H 
2 ). 'Nurus Sonsfraw' GoL. 114. 'Er het 
gsait, wenn er e Sohn dät han, ze miechdi 
's imm d' greest Fraid, dass es syn Sohns- 
frau würd' Pfm. V 2. 'I hat gern 's 
Lissel for d' Sohnsfrau ghet' ebd. V 2. 
Syn. Gschwej Molsh. Str. K. Z. — Schweiz. 
I, 1252. 

Wittfrau, PI. Wittwiwer /. Wittwe 
Su. Bf Str. K Z. Wh. Me" kennt eini 
erst, we"° sie W. is' Bf. (in Bezug auf 
Moralität). 'Witfrauw' Pauli 362. — 
Schweiz, i, 1253. 

Zottel fr au f. Begleiterin der Patin 
beim Gehen oder Fahren zur Kirche Rupr. 

jungfräule" [jür[frail9 RchwT^ bes. 
Keste"bäüm j. einjährige Kastanienbäume 
abhatun, damit aus den Stümpfen mehrere 
Stämmchen herauswachsen. 

frei s. fri. 

freue" [fraio O. Str. W.; fracig A'. Z. 
Betschd?^ tr. und refl. wie nhd. Gassen- 
hauer: Ün"^ s frait mi*^** nix a's das, Dass 
unsere Kue*» ke'"" Milech gi'^t, Un'^ frisst 
das griene Gras ! Lutterb. — Schweiz. 
I. 1254. 

ungfreut [üqkfrait Fisli\ Adj. unan- 
genehm. Das is' e-n-ungf. Dorf. — Schweiz. 
I. 1255. 



FRi 



177 -. 



FRiCH — FRiCHT 



fri bezw. frei [fri K. Z., danebeit auch 
frei ; fr^i Rtif. Su. Du. Bf. Str. ; frei 
Banzenh. Obhcrgh?\ Adj. frei, los, freige- 
sprochen vor Gericht; frei vom Militär- 
dienst: in letzterer Bcdetitnng nur fri K. 
Z. Fr. c {und) frank allg. 'mir nix, dier 
nix, frey c frank' E. Stöber II 125. 'der 
alt Elsässersinn, grundehrli, frej un frank 
un guet, treiiherzi, tapfer un voll Mueth' 
Ad. Stöber Schk. VI. Adv. geradezu, 
gerade heraus sogar: er het g*=]acht, s 
het e fr. gschütt«lt Du. Er is' fr. uf 
gumpt (in die Höhe gesprmtgen) vor 
Freude" Banze^th. Ich ha*^^ fr. gsa^t Str. 

0. Fr. von der Brust gerade heraus 
Ulrich. Fr. dis het *r repetiert wenn 
sich jemand über empfangene Vorwürfe 
beklagt Obbr. Fr. nachts schafft ^r Wingcn. 
Fr. d^r Weise" [Waesa = Weizen\ is' nit 
gcrot^" Wh. 'I main au frei sie pflanze 
n-e grosse Maye-n-uf Pfm. I 3. 'De 
bisch frey schccn, du alter Specht' ebd. V 
5. — Schweiz, i, 1256. Schwab. 201. 
Bayer, i, 813. Hess. 109. 

vogelfrei [fekolafrei Obhergh.; föjlfrei 
Bf.; foeyjlfri K. Z.] Adj. frei wie der 
Vogel, herrenlos, mcisterlos. - - Schweiz. 

1, 1262. 

gastfri, s. kostfrei. 

kost fr ei [khöstfrei Bf. Str.; käötfri K. 
Z.] Adj. Adv. wer anderen die Kost reicht, 
ohne sich dafür bezahlen ztc lassen, gast- 
freundlich. Scherzh. Rda. Eine" k. (gast- 
fri K. Z.) un^ mulsufer halte" jem. weder 
zu essen noch zu trinken geben Bf. Str. 
'kostfrei liberalis' Dasvp. 'gastfrei hospi- 
talis' ebd. — Schweiz, i , 1262. Bayer. 

1, 814. 

loschifrei der irgendivo freie Woh- 
nung hat Su. 

freie" [freio Lützelstn. Wh7\ l. um 
eine Frau werben, für sich und andere. 
s Fr. is' e schlechtes Handwerk; wann's 
gut usfallt, kri«§t m«r nix, un'^ fallt's 
schlecht US, no kri^^t m^r de" Buckel voll 
gscholt^" Lützelstn. j2. 'gefreite Bürger', 
tm Gegens. zu den Hintersassen B. Lau- 
terb, gö St. — Hess. 109. 

Freier [Freiar Str. Wh.; Freiyr K. Z.; 
PI. Fr^iara Wh., so7tst wie Sing7\ m. i. 
Freier, der Geliebte, Schatz eines Mädchens. 

2. Kerl, Mensch, ein viel gebrauchter 
Ausdruck. Was is' dis für e Fr.? Str. Dis 
is' e gspässiger Fr. ! ebd. 

Wb. d. eis. Mundarten. 



Zuck er Wasser fr ei er m. Bezeichming 
für einen eitlen Menschen, der den Stol- 
zeJt und Vornehmen spielt, ohne dazu be- 
rechtigt zu sein, der gleichsam im Wirts- 
haus Z^ickerwasser bestellt und sich dabei 
doch so anspruchsvoll benimmt, als wäre 
er der Gast , der am meisten verzehrt 
Str. Vgl. das Gedicht E Zuckerwasserfreier 
von Frcelich Holzh. 31. 

Freierei [Fr^iarei Ndhsn. Str. Zinsw. 
Wh.; Freiarei K. Z.] f. Liebeswerbjmg. 
Sjm. Bu'Mschaft Schönenb. — Hess. 109. 

fri lieh, freilich [fri'lik Roppeitzw. 
Ltitterb. Obhergh. Hlkr. Su. Du. Rapp.; 
frili Olli. Heidw. M. Co.; frili Bf. Ndhsn. 
K. Z. Betschd.; fr^ili^ Str7[ Adv. freilich, 
allerdings , gewisslich, sicherlich. — Atis- 
druck lebhafter Bejahung, meist mit vor- 
angehendem ja U. s is'^ fr. wi'^-n-i'^'^ sag 
Hlkr. Han '''r's denn nit gewüsst? — Ja 
fr.! Hf. — Schweiz, i, 1268. 

fro*^ [fro Mü. Banzenh. Su. ; frü Du. Str. 
K.Z.; üoi Bf. ; üyoM., fruwa Sulzeren; froei 
Damb. Griesh.; Komp. frünar, früar, frenar 
mir in der Kinderspr. Dü.^ prädik. Adj. 
froh, freudig bewegt. Du dörfs' (kanns^Ä'! 
Z.) fr. sin dass du nicht dabei warst. Trotz 
nit so, trotz nit so, Es kummt e Zit (Zeit Z.) 
bis*^ wi^der(um) fr. Anfang eitles bekannten 
Volksreimes allg. Er is' fr., dass ^r s 
Lewe" het Str. - Schweiz, i, 1270. 
Bayer, i, 805. 

frech [fra/ O. K. Z.; i'rx/ Str. Rothb. 
Lohr\ Adj. Adv. i. frech, herzhaft, auf- 
dringlich, rücksichtslos. Fr. wi"= e Lus 
Steinbr. Str., wi^ e Hutlus Ha2itlajis., e 
Kleiderlus Str., wi*^ e Fleischmuck, e 
Schmeissmuck Gebzv., wi** e Spatz Rapp. 
Str., wi^ e Ro^^rspatz Mütt. Rothb. Frechi 
Soü, freches Tier für Mädchen Gebweilert. 
E frecher K.eib tmverschämter Mensch 
Rapp.; e freches Lueder freches Weib 
ebd. Ich bin so fr. bei der Annahme 
eines Anerbietetis AEckend. 2. üppig 
treibend, saftig wachsend, von Pflanzen 
und Sträuchern Bisch. Ingenh. AEckend. 
J. in grellem Gegensatze zu einander 
stehend, von der Farbenzusammenstellung 
in einem Kleiderstoff Mütt. — Schweiz. 
I, 1271. Schwab. 201. Bayer, i, 806. 

be freche" refl. sich erfrechen, er- 
kühnen Orschw. — Schweiz, i, 1271. 

Fricht- [Fre/t K. Z] /. Feld von jo 
Ar Flächenmaass. s. auch das folg. W. 
und Frichtvierzel. — vgl. Schweiz, i, 

12 



FRiCHT 



FRiD 



- 17! 



FRiD — FRaG 



1272 Frecht Abgabe an Getreide (vermut- 
lich von einem bestimmten Ackermaass) 

H al''f rieht y. Feld von 15 Ar Flächen- 
maass K. Z. 

Frucht [Frü;).t O. Str. Z. Betschd. 
WörthW.; Yxxxx^'M. Bisch. K.; Früt Geisp.; 
Demin. Fre;/tl Str. HfT^ f. Getreide, so- 
wohl anf dem Feld stehend als gedroschen 
nnd bereits a7if gespeichert; im engeren S. 
Roggen M., Weizen Hf., Ger sie Betschd. 
Wenn d Fr. under d^rSich*"! ufschlä^t, schläft 
sjc j^Qch gj-n wieder ab Du. Im Mai soll 
m^r d Fr. mit der Rütthau suche" die im 
Frühjahr gesäte Gerste soll vor Mai nicht 
zn sehn sein Betschd. Das Demin. hat 
die Bed. Taugenichts in Verbind, mit ver- 
schiedenen Adj. : e nettes , e glattes , e 
sulers Frücht^l. Für Baumfrüchte gebr. 
man allg. das Wort Obs. — Schweiz. 
I, 1272. Bayer, i, 806. 

Mischelfrucht y. Mischung von Wei- 
zen und Roggen O. Syn. Molzer K. Z. 
M. wird nicht verkauft, sondern ziim 
Brot für den Hausbedarf verwejtdet. Im 
Gegens. zu urig Weise" Klein-Lajidau. — 
Schweiz, i, 1273. 

Säifrucht f. Saatgetreide, als Säigerst, 
Säiweise", Säikorn Dil. Syn. Sot K. Z. 

Schuelfrucht y. atisgedroschenes Ge- 
treide, das der Lehrer als freiwillige 
Gabe von den Bürgern für das Tagglock-., 
Mittag- und Abendglockläuten bekommt 
Dunzenh. Ingenh. 

freidig [fraete;^ Wh7\ Adj. von einer 
Suppe, wenig Brot enthaltend : Dis is' e 
freidigi! — mhd. vreidic Schweiz, i, 1273. 
Schwab. 200 fr. kühn. Bayer, i, 806. 

Freud [Frait 0. Str.; Fraet Barr 
Obehnh. Wh.; Fraeit K. Z. Betschd.; Frät 
Bühl Wingen b. W.]f. Freude. Iran isch : Y-'^ 
haw e Fr. do dra° wie-n-e Hund am 
Stecke" Horbg. Do is' e Fr. ! bei der 
Geburt eines Kindes Z. — Schweiz, i, 
1274. Bayer, i, 806. 

7 G a c k e 1 i'r ö dy. thörichte, unvernünftige 
Freude, 'ir fröd ist inwendig im hertzen 
und geistlich und übertrifft alle zeitliche 
fröd, es ist nit ein gackel od. ein narren- 
fröd' Geiler I3 St. 8»». 

Fride" [Freto allg.; Freta Mü. M.'] m. 
Frieden, Ruhe, Ungestörtheit. Do is' ke'n 
Fr. un*^ ke'n Sejc" in dem \{.\x%Ingenh. Syn. 
Ruej. Heutzutage wird Fr. fast mir noch 
gebr. in dem Ausdr. Mit Fr. lo(n) in Ruhe, 
ungestört, ungeplagt lassen allg. ; ferner 



in zefride" si(n) zufrieden, befriedigt sein, 
ruhig sein. Ich bin 's zefr. U. Sei zcfr. ! 
sagt man zu einem, der schreit und 
lärmt Hf. Syn. hock still! Ingenh. 'das 
ein yeglich mensche ... zu allen ziten 
darin (in der stette Strassburg) fride habe' 
Str. 75. Jh. Brucker 23. — Schweiz. 
I, 1276. Bayer, i, 806. Hess. iio. 

Un fride" tu. Unfrieden. Wo U. -n- 
is', is' d Höh Bf. — Schweiz, i, 1281. 

Frider(i<=*^) [Fretar Hlkr. ; Fritri Pfet- 
terhs7t.~\ , F r ä d i [Freti Ensish^ , F r ü d i 
[Fryti RoppenzwT^., Fritz, -i [Frets Hlkr. 
Co. Betschd. Rauw. ; Fretsi Su.^, F r u t z e r 
[Frütsor Hlkr.'\ Koseformen des männl. 
Vornamens Friedrich. Demin. Fritz"!, 
Fritzele. E taplichter Fritz ein beschränkter 
Mensch Hlkr. 'Fritz, Koch m'r e Hafc voll 
Schnitz!' Stöber Volksb. 166. 'Schau 
do, 's isch gar d'r Fritz! Du lievver, alder 
Spatz, hesch d' Hosse-n-au voll Schnitz?' 
HiRTZ Ged. 170. 'Fritzele, Gimm'r e 
Schmitzele!' Stöber Volksb. 163. Fritz 
auch häufig als Pferdename. Schweiz. 
i, 1285. 1344. 

jGugelfritz ;;/. Mönch. 'Gugelfritzen' 
Fisch. Bin. 106. 

7 frevel Adj. kühn Geiler J. Seh. 17''. 
'wo in diser stat . . frevel handel uferstat' 
Str. Iß. Jh. Brucker 23. — Schweiz. 
I, 1286. 

Frevel \yx3A Du. Rapp.^ m. tmerlaubte 
Handlung: s war e Fr.! Rapp. 'von 
freveln die die armen lüte begingent' Str. 
I4'J3 Brucker 136. — Schweiz, i, 1287. 
Bayer, i , 811. 

frevle" [fräfla 0. bis Bf.; Part, kfräflat 
Banzenh., kfräflt Obhergh. und nö. davo7t~\ 
Holz- und Felddiebstahl begehen Banzenh., 
sonst nur auf Forstfrevel angewendet. 
Er hat e Tann gfreV^lt M. (;frev<=lt Holz 
ebd. — Schweiz, i, 1288. Bayer, i, 
811. 

Frevler m. der unberechtigterweise 
Holz abhaut und sich aneignet Du. Rapp. 
— Schweiz, i, 1289. 

Frag [Frök 0. ; Fryok M.; Froj Barr K. 
Z. Betschd. Wörth; Frey Ar.; FrewJF.jy 
I. Frage. Dis is' d Fr. noch das ist 
noch fraglich, zzveifelhaft. 'Uf e Frog 
g'hört e Antwort' Mü. Mat. 46. 'Frog 
un Antwort' Spiel ebd. 46. 2. Fragestück 
im Katechismus. Kanns' d Fröjc"? Dtm- 
zenh. — Schweiz, i, 1289. Bayer, i, 
811. 



FRaG 



179 — 



FRaG — FRaCK 



Nach frag [N6;^fr0y Str.; Nöjj^frej X. 
Z.] /. Nachfrage.' Wi« ge^'t's bi d'r? 
P'' dank d'r N. ! Str. — Schweiz, i, 1290. 

Gfrag [Kfrok Banzcnh. Su7\ n. zvieder- 
holtcs, langzvciligcs Fragen. Loss mi"'^ 
jetz' emol umgheit mit dim G. ! Stt. — 
Schweiz, i, 1290. 

(G^)fragc"s [Frökgs Sti.; Kfröjs Dil.; 
Kfr«js Str.; Kfröjs A'. Z.] n. wiederholtes 
lästiges Fragen. 

frage" [fröka Banzenh. Fnsish. Su.; 
früko //Ihr.; fryoka M. ; fröja Du. Rapp. 
Bf. ; freja Str. ; freja Barr K. Z. , Ndhsn. 
(neben frewo), Wörth ; frewa Zinsw. 
Milhlhsn. W.; Konj. friak Sil. Gcberschw., 
frioktit Obhergh^ frageji , nm Anskwift 
bitten, bitten. Du frogs' au"^** dumm ! 
lüenn Jem. eine einfältige Frage stellt; 
dafür auch : fr. wie e Babischblos'' Rapp. 
Jctz^ muess i"^*^ au'^^ dumm fr. Einleitung 
zn einer Frage, über deren /nhalt man 
eigentlich Bescheid wissen sollte Z. //alb 
tadelnd ztirückweisend: P*^ wott o*^^ noch 
fr. ! dn zvirst es wohl wissen //i. Su., ebenso 
Frojs' noch? j0?/. Bei selbstverständlicher 
Bewilligjing einer Bitte : Frogs' noch un'^ 
längs' d^rno* ! Su. Dil. P*^ frieg nix 
(|eff,Qch ^ji^ Wer lang fröjt, ge^t lang 
(vvit Bf.) irr U. (s) Fr. kost nix U. 
M'^r wurd doch fr. dörfe" ! oder muess 
m^r z erst fr., ob m®r fr. dörf? Rapp. 
s is"^ um s Fr. ze t'^uen /ngenh. Wenn 
de" VVej nimm^*^"" weis', ze fröjs', s is' jo 
ditsch Djmzenh. Wenn '**r cppes ge*^^'' 
wotte', so t'^äte-n-'^r mi'^'^ nit froge" ant- 
wortet der in die Stube Eintretende, wenn 
er von einem der beim Mittagessen Sitzen- 
den gefragt wird, ob er auch etwas essen 
möchte AThann. Ulr. v. Lichtenst. er- 
zählt: „Ich sprach 'und weit ir ezzen 
iht?' 'Swer vräget, der wil geben niht' 
Also sprach her Pilgerin". P'' früeg 
(früegtit Obhergh.) nit d^'rno'^'' Geberschw. 
'komment und ine frogent' Str. 14^4 
Brucker 123. Us d^r Schuel fr. die Er- 
laubnis begehren, aus der Schule bleiben 
zu dürfen Su. Wörth. Er het mi'^'' um 
e Cigarr« [SikärJ gfröjt U. Ich froj nix 
d^rno*^*^ es ist mir gleichgültig Dil. s. 
auch Hebamm. — Schweiz, i, 1290. 
Bayer, i , 811. 

frögle"* neugierig und vorsichtig nach- 
forschen ///. 

un gfrag t [üri^kfrokt Liebsd. Su.; ur\^ 
kfröjt Dil. Bf; iir|,kfr0jt Ä'. Z.] Adv. ohne 



gefragt zu haben. Er is' u. us d^r Schuel 
blibe" Liebsd. 

na"^'' frage" [iiöfröka Co7\ nachfragen, 
sich kümme7'n um. Eim ke'" Brös^mle n. 

überfrage" [iporfröka Liebsd.; iwar- 
froka Bitschw. Su. ; ewarfryoka M.\ mehr 
fragen, als der andere weiss od. beant- 
worten kann, zti viel fragen. Ja, do hän 
"'r mi"^'' üwerfrogt Bitschw. — Schweiz. 
I, 1291. Schwab. 200. 

usfrage" ausforschen Su. — Schweiz. 
I, 1 29 1. 

usse"frage" (in der Schule) tun die 
Erlaubnis fragen auszutreten Su. 

früej [fnajö.; fnaj Mütt. Bf. Geisp.; frij 
Str.Betschd.; ii€] M.; frej K. ; friej Z.\ Adj. 
und Adv. friih. Wer wit will ge''', muess 
fr. ufste*^" Geberschw. Wer im Höumachet 
nit gäw^'lt Un'^ in d'^r Eine nit ziWlt Un'^ 
im Herbst nit fr. ufste^t, Der kann lueje" 
wi« 's '^'m im Winter ge^^t Z., ähnl. s. 
gable". Bis der kummt, is' fr. vorüvvcr 
un*^ spot do Bf. P'r sin'' fr. dene" Morjc" 
Gniss in der Morgenfrühe U. Früeje'' 
Donner, spote'' Hunger ///. Du. Früejer 
het m®r nit so gle^rt g^red^t wie hütiges 
Tajs [hetikastäjsj Co. — Weit vorge- 
schritten in der natürlichen Entwickehmg 
und Reife, bes. von Pflanzen und Feld- 
früchten. Früeji (H)erdäpf-l 0., fr. Grum- 
beere" Frühkartoffeln Ü. Früeji Kirse" 
U. 'morgens frueg' Brant Narr. 46, 23. 
— Schweiz, i, 1292, Bayer, i, 805. 

Zss. Früej mess f. Frühmesse //i. 

V e r f r ü e j c " [farfriaja //eidw. ; farfrija 
Str.; farfriaja K. ; farfrleja Z.] (refl.) zu 
früh kommen, sich zu früh einfinden. 

Frack,/'/. Frack [Fräk allg.; PI. Frak; 
Demin. Frakla O., Frakl U., Fraekl Str. 
W.] m. Oberkleidung der Männer, Jacke, 
Frack, Rock, Gehrock, auch übtr. Hafte" 
amFr. han dumtn sein, in der KtiltiLr zurück 
sein Str. Hewene (haltet ihn fest), am 
Fr., "^r het e Wurst im Sack! rufen Kin- 
der, bisweilen auch Erwachsene, scherzh. 
einem Durchbrenner od. einem Betrunkenen 
nach allg. Jo, hewene am Fr.! eine 
spöttische Verneinung Dil. Het's di'^'' am 
Fr. ? zti einem der fällt , der sich durch 
Unvorsichtigkeit Verwundungen od. Schmer- 
zen zuzieht, od. der über etw. ertappt 
wird, der sich getroffen fühlt Dil. M. 
Jetz' langt's für e Fr. ! jetzt habe ich ge- 
nug getrunken Attenschw. Dis is' e'n 

12* 



FRaCK — FReM 



— l8o 



FReM 



FRoN 



alter Fr. ! eine alte Geschichte Hf. — | 
Schweiz, i, 1294. j 

Justifrack [Jüsti- Mutzig] m. der j 
schwarze Festtagsrock. | 

Schufelfrack ['Syfal- Co.^ ni. schwarzer 
Frack {eines Brmitigains). Sjn. Atzels- 
wöd®l Pfulgriesh. 

Spitze'^wed^ri<=''frack ['Spetsawätri- 
Katzent^ m. Frack, Hochzeitsrock der 
Männer, so genannt, weil die Schösse ge- 
formt sind wie die Blätter des Wegerichs. 
Sylt. Wade"klepfer. 

Stechschore"frack ['Stae/sörg- Str. 
Rupr^ in. schwarzer Frack mit Schössen. 

Stechschufelfrack ['Sta;^syfl- Ruf. 
Türkh.] m. schwarzer Frack mit langen 
Schössen. 

Friko [Frikö tind Frikö schwankend 
allg?[ n. Rtif. Str. Rothb., sonst m. Bra- 
ten, gtites Essen, kräftige Fleischspeise, 
wohlschmeckendes Gericht; meist verbun- 
den mit dem Adj. guet; übtr. Freitde: dis 
is' e Fr. für dich gewe'^^n Brum. 'I kann 
e Fricot finde!' Hirtz Ged. 163. 'Un 
dass diss Fricot guet gelingt' ebd. 190. 
'Der Frikko mit derr Soos' Str. Wibble 58. 

— frz. fricot. 

Fr eile, -y. Forelle. 

Frilös'' [Fryltfs Ruf.; Fryles Logelnh.; 

Friles Obhergh. ; Fril^s Lobs^ n. ein aus 

Wolle gestricktes od. gehäkeltes Kopftuch 

für Frauen zum Schutz gegen die Kälte. 

— frz. frileuse f. 

Frimm /. in der Rda. 'for d Frimm 
zum Schein Ulrich. — frz. frime. 

fromm [früm allgT] Adj. fromm, nur 
im religiösen S. gebr. 'manch frou ist 
frum und bschid genuog' Brant Narr. 
64» ZI- — Schweiz, i, 1295. Bayer. 
I, 818. 

fremd [fracmt Sti. M. ; framt O. Bf 
Betschd.; fremt Str. K. Z. Wörth W.] 
Adj. Adv. fremd. Fremdi Lüt Dienst- 
boten, Knechte, Mägde, Tagelöhner, im 
Ggs. zu den ^eigenen Leuten , den zur 
Familie gehörigen allg. We"" m'^r alles 
von de" fremde Lüte" muess Ion schaffe", 
kummt hüt zc Taus (heutzutage) bi d^r 
ßurerei nix me''^ rus Ingenh. s is* e 
fremdi Hue''n im Hof(t) allg. Fr. Brot 
esse" dienen Du. Fr. sin ohne Arbeit 
sein Bf. Fr. rede" .unverständlich sprechen 
M. Do is' epper Fremds Su., ieme" Fr. 
K Z., dis is' jetz' schier ieme" Fremds 
//f. Begrüssung eines Verwandten oder 



Bekannten, der sich selten sehen lässt, 
ähnl. da* 's' e Fremde"" Du. 'sie sient 
heymsche oder frömde' Str. 1^82 Brucker 
246. — Schweiz, i, 1298. Bayer, i, 
820. 

1 an d(s) fremd Adj. ganz fremd, un- 
bekannt in einer Gegend Su. E Land- 
fremder Z. 

Fremde f. Fremde, Ausland. In der 
F. auf der Wanderschaft Hi. Er is' vier- 
zeh" Taj in d®r Fr. gsi" spöttisch von 
einem, der nach kurzem Aufenthalte an 
einem fremden Orte, z. B. schon auf dem 
Nachbarsdorf, andere Sitten und Eigen- 
tümlichkeiten, namentl. in der Sprache, an- 
genommen hat Du. — Schweiz, i, 1300. 
Bayer, i, 820. 

fremde", fremdle" [framta Mü. Dil. ; 
fremtla Hi^ intrans. und refl. menschen- 
scheu sein, von Kindern, wenn Bestich 
im Hause ist od. wenn sie in ein frem- 
des Hatis kommen ; auch vom Vieh, das 
sich im fremden Stalle befindet. — Schweiz. 
I, 1299. Schwab. 202. Bayer, i, 820. 

befremde" refl. Bed. wie fremde" [s 
Khaeit pafroemt si 71/.] 

fentpfremden entfernen, 'die blotter- 
echten leut seint schuldig sich zu ent- 
pfrembden so wit, das sie mit irem ge- 
bresten nit schaden bringen andern men- 
schen' Geiler P. III 78. 

Fron [Frön K. Z.] f. Frohnde, Frohn- 
arbeit: s is' e Fr. eine Last ; s is' für e 
Fr. umsonst Hf. 'zur frohn und arbeit' 
Wattw. 16. Jh. JB. III 70. fim Fron 
im Eifer. 'Als redd i for Zorn mi hai- 
seri un saa's my'm Mann im Frohn' Pfm. 
III I. 'Wann 's z' Owes singt, stehn wiast 
vil Lyt glych um's erum im Frohn' ebd. 
V 8. — Schweiz, i, 1300. Bayer, i, 
820. Frisch i, 299 'in Fron zti Dienst.'' 

Handfron f. Frohndienst, Frohnarbeit, 
die man mit der Hand verrichtet, im 
Ggs. zum Frohndienst mit bespanntem 
Wagen; es sind in der Regel Arbeiten, 
die man der Strassenverzvaltung leisten 
muss Z. 

frone", fröne" [fröna N Breis. Str.; 
frösna Obbruck; fiuno K. Z.; fryüna 71/.; 
frdna ///.] Frohndienst verrichten, Frohn- 
arbeit thun, namentl. auf den Wegen und 
Strassen, die dem öffentlichen Verkehr 
dienen; für begangenen Holzfrevel als 
Strafe im Wald arbeiten N Breis. Betschd. ; 
übtr. umsonst arbeiten, ohne Erfolg ar- 



FRoN 



FRüND 



FRüND 



FRaNK 



beiten Gend. Hut haw i gfront nichts ge- 
fangen Fischersprache Str. Freiwillig fr. 
wi^ d^r ArleBuesswiller gezwungen arbeiten 
Rda. einer Bittschrift entnommen, welche 
angeblich ein gewisser Arie (Aaron) atis 
Büsweiler an den Unterpräfekt des Nieder- 
rheins gerichtet haben soll, und die mit der 
eigentümlichen Anrede begann: Liewer, 
giietcr, süesser, syropsüesser Herr Unter- 
präfekt! Z. Han. Beim Kartenspiel: P^ 
muess f. Trümpfe geben, die gestochen 
werden. Ironisch: langsam und schlecht 
arbeiten: [kal ty fryüns?] AI. — Schweiz. 
I, T301. Bayer. 1, 821. 

Frön er [Frienor J/.] m.Frohner, Frohn- 
arbeiter. [Mar 5021 ussro tswelf Fr. ksse] 
wirzvaren zusammen zwölf Fr. — Schweiz. 

1, 1301. 

ffron Adj. heilig. 'der fron altar' 
Geiler P. II 17^. 

Zss. Fronleichnam ;;/. heiliger Leich- 
nam, Hostie, 'sacrament des fronleich- 
nams unseres lieben herren' Geiler J. 
Seh. 56. 63. 66. — Schweiz, i, 1301. 
Bayer, t, 820, 

Fründ [Frint Sier. Mü. Su. Hlkr. Du. 
Barr Ndhsn. Str. Betschd. Han. IV.; Fraeit, 
Fl. FTemM.;Frt\nGeisp.; FrentFßdgriesh. 
Dtmzenh.; Fr'mt Gimbr. Mittelhsn. Brum.'\ 
m. I. Freund: d beste" Fr. im Glück sin^ 
mangmol d schlechtste'» im Unglück Sier. 
Gucte(r) Fr. ! redet man jeden Fremden 
an, den man etwas fragen will allg. 

2. Verwandter Pfetterhsn. Dil. Ndhsn. 
Geisp. K. Z. ; aber überall nur im PI. 
M'r ha" Fr. im Dorf Ndhsn. Du hes' 
netti Fr.! iron. du hast eine saubere Ver- 
wandtschaft Geisp. Zur Bez. des Sing, 
tritt häufig Umschreibung ein mit dem 
Adj. fründ (s. d.) — Schweiz, r, 1303. 

fründ [frint 0. Ndhsn. Str. Z. Betschd. 
IV.] irän{t)Bisch.; {remÄl.; frein U7td fTtir[ 
Geisp.; frent F.; frint Gimbr. Mittelhsn. 
Brum^ Adj. verwandt, mit der Präp. 'mit', 
selten mit Dat. Heidw. M'r sin'^ noch wit- 
lands fr. mitnander ein wenig verwandt Su. 
Du bis* a''^*^ mit ''m fr., vun d^r hundertste" 
Schür e Latt in sehr weitem Verwandtschafts- 
grade Lobs. Nein, ^r is' nit fr. mit m'r, 
awer *r is' e gueter ami {frz. = Freund) 
vo" m'r Str. s is"^ e Mann do, m'r sin'^ 
noch fr. mitnand^'' es ist ein Mann hier, 
der noch ein Verwandter von uns ist 
Hj. Der Begriff ^verwandt'' ist so aus- 
geprägt, dass man z. B. Rda. wie die 



folgenden jeden Tag zu hören bekommt: 
Er is' nit fr. mit m'r, awer min liebster 
{od. bester) Kamerad Hf., od. M'r sin'' 
no^t (nahe) fr., awer enander spinnefind 
Z. 'Er seye gut freund mit ihm' Mosch. 

n 356. 

fg fr in dt: 'Sie sinn gfrindt mitnander' 
St. — Schweiz, i, 1305. Schwab. 203. 
Bayer, i, 822. Hess. iio. 

fründlich [frintlik O.; frintli Barr K. 
Z.; frintli;^ Betschd.^ Adj. fretmdlich, 
höflich. E fründlige'' Mann Banzenh. S71. 
Du. Fründlig Wetter Du. — Schweiz. 

1, I307- 

Fründschaft [Frintsäft fast allg.; 
FraeitsüfTl/. ; FrentsäflÄ'. ; Frintsäft Gimbr. 
Mittelhsn. Brum^f. Verwandtschaft. Er is' 
noch US oiserer Fx. Pfetterhsn. Si*^ sin*^ noch 
e bissle (biss^l) in d^r Fr. mit is {71ns) 
allg. D ganz Fr. is' binander gsi Co. 
M'r sin"^ noch witlos in d r Fr. mitnand 
Hf. D'^r Schorsch is' noch in unserer 
Fr. Br7mi. 'der eigennutz vertribt all 
recht, all frintschafft' Brant Narr. 10, 
19 — 20. — Schweiz, i, 1307. Schwab. 
203. 

frank [frär^k Lutte rb. Bisch. Str.^ Adv. 
ohne langes Bede7tken, geradez7i, sch7tell. 
Er het ne fr. tot gschlauje** Bisch.; frisch, 
frei. Lueg '''m fr. in's Gsicht! L7itterb. 
s. fri. Schweiz, i, 130g. 

jFranke" [Fräri^ka allg. — PL eben- 
so — Detnin. Frar^klo Du. ; Frar^^kl Ulk. ; 
Fra!r|kl Ar.] m. Fra77keit, französ. Silber- 
77iünze = 80 Pfg. Sehr verbreitet, name7tt- 
lich auf dem Lande, ist das Sjyn. Li wer. 
Was verdiens' d^r Taj? = Wgnig gnue?, 
zwei Frankier Du. Zss. Hundertfranke"- 
schin S7i. 'E Meiselocker fgibt) e Fränkel' 
Pick Buch. 15. — Schweiz, r, 1309. 

-j-Frankricher atis Frankreich, fran- 
zösisch. '600 Kronen, zu 4 Frankricher 
dick Pfennig gerechnet' Mü. 1587, Mieg 

2, 176. — Schweiz, i, 13 10. 

f fränkisch Adj. Fischart bezeich7tet 
sei7te eig7te Sprache als 'gut preyt fränkisch 
hochTeutsch' a7if detn Titelblatt Z7i7n Bin. 

altfränkisch [ältfrar|kis O. K. Z. 
Wörth Betschd. Han.; ältfraeij^kis Str. 
Btichsw. JVh.'\ Adj. Adv. veraltet, alt- 
7nodisch, aus der Mode, altertümlich, eig. 
nach Art der alten fränkische7i Vorfahren, 
bes. vo7t der Kleid7mg: Lueg, die (Frau) 
is' a. a"glegt O., a. anget^'on U. E-n- 
altfränkischer Kerl Han. E-n-a. Hüs Bf. 



FRAiNK 



FRaNZ 



— 182 



FRaNZ — FRieR 



'Ist etwan ein altes hauß, ein alter hut, ein 
alter mantel da man die Stiche anzehlen kan, 
ein armes altes wcib, etwas das sich nach 
ewerer Fürwitz und gespitztem humor 
nicht will schicken : so bald sagt jhr das 
seye Altfränkisch, seye nicht alamodisch, 
seye nicht mehr zu brauchen' Mosch. I 
217. 'Wenn ich altfränkisch bin, ze gib 
merr numme d'Hand, Merr sinn vun ein're 
Klass' Kettner Mais. 39. — Schweiz. 
I, 1309. Bayer, i, 71. 824. 

Fra"'^tirör [Frj^tirer Steinb7\^ m. i. 
Freischütze. 2. gestricktes Halstuch der 
Männer. 

Franz [Fränts Steinb. K. Z.] männl. Vor- 
name Franz. F., F. loss m'r meine Pfeife 
ganz ! singen die Kinder, die den Weiden- 
bast vom Holze abziehen, um Pfeifen daratis 
zu machen Dunzenh. Spottreim: Fr. Kapi- 
tanz, drei Nägel, drei Flegel, Kukuk ! 
Ruf. Koseform Franzi [Fräntsi Rttf'\ 
Demin. Franzele [Fräntsala ebd^ — 
Schweiz, i, 1311. 

Gichter fr anz [Ki/torfränts Fisl?\ in 
der Rda. dri" luege" wie d^r G. ein 
bleiches, kränkliches Aussehen haben. 

Tölpel fr anz [Telplfränts vS".] beschränk- 
ter Mensch. 

Franz [Frans Z.], Franzi [Frantsi Hlkr.'\, 
Fränzel [Frantsi Steinbr. Kerzf. Scherw. 
Molsh. Z] Koseform und Demin. des 
weibl. Vornamens Franziska. (s. auch 
Ziska). Kinderreim: Schollebir"e"bäümle, 
Glöckele dra": s Franzele muess d®r 
Seppcle ha''^ Ruf. 'Franzele, Heb's 
Gänsele, Loss 's Bibbele [Hühnchen) laufe!' 
Hag. Stöber Volksb. 164. — Schweiz. 
I, 1312. 

Franzel [Fräntsi Barr Dunzenh. Z. 
Lützelstn.; Fröntsl Wh.; PL Fräntsb, 
Fröntslo] /. /. Franse. Franzle am Rock 
Barr. Wann Franzle am e Teppich sin, 
stellt 'r noch cmol so vi^l vor a's de-n- 
andere" Wej Lützelstn. 2. lose Fäden 
an zerrissenen Kleidern, namentl. am un- 
teren Saum derselben; Syn. Zassle Wh. 
— Schweiz, i, 13 ig. Bayer, i, 824 
Fransen. 

Z o 1 1 c I f r ä n z 1 e ( Tsötlfncntslo Dehli. ] PL 
Flieder. Di= Z. blü je" um P'^ingste" 
''erum. 

Franzich \¥rkx\t%\/ Avolsh^] in der jüd. 
Metzgersprache gebräuchlich von einer 



Kuh od. einem Ochsen, der fett ist. Die 
Kue** het Fr. ze grife" . 

Franzos [Fräntsos allg.; PL -a] m. i. 
Franzose ; als Sing, auch Sammelname für 
den PL die Franzosen. Inger ^"^m Fr. 
unter der frz. Regierung K. Z. 2. ein 
Bubo; PL die Syphilis allg.; bisweilen 
auch Menstmation Dunzenh. — Schweiz. 
I, 13 12. Bayer, i, 824. 

französisch [fränts(?s allg^ französisch. 
E französcher Soldat eine Rotwanze Hei- 
dolsh. Fr. ge^'n von Pferden, mit aus- 
wärtsgeworfenen Vorderfüssen gehen Hf. 
— Schweiz, i, 131 3. 

friere" [frioero Rapp. ; friara Bf. K. ; 
frira M. ; frira Str. Betschd. W. ; fri^ro Z. ; 
ireväPrinzh.; Part.kixtvä', kixbrW^ frieren. 
Kälte empfinden. Ich fr. mich friert allg.; 
daher in der Medizin = einen Schüttel- 
frost bekümmert. Ich ha gfrore", dass d 
Bettlad (dass m'r s Herz im Lib Bf)) ge 
lott^lt het Hf. Reim: Ich fri«r, dass 
riter (zittere), Schätzele ward i bi d'r 
Dunzenh. Fr. wie e Schnider Rapp. Gfro 
reni HerdäpPl wer'^e" süess Rapp. s Fr 
das Wechselfieber Bf. Z. — Schweiz, r 
1313. Bayer, i, 825. 

giriere" unpers. vom Frostwetter und 
seinen Wirhmgen: s gfriert Hf. s Wasser 
is' gfrore" Rapp. 'es gfreyert il gele' 
Martin Coli. 157. — Schweiz, i, 13 14. 

abg friere" abfrieren, infolge von all- 
ztigrosser Kälte zu Grunde gehen. D 
Hand si" m'r fast abgfrore" Bf. 

a(n)gfriere" an einen Gegenstand an- 
frieren s is' so kalt , dass d'^r Krucj uf 
•^^m Tisch a"gfriert Bf. 

ufgfriere" auftauen Rtif. Su. Bf. 
'Weil schreien nicht dint zu seim [des 
Flohs) streit, So gfrirt jm jz der Schnabel 
auf Fisch. Flöhh. 60/61. Syn. ufge'^n Z. 

V er friere" erfrieren, im Frost um- 
kommen, zu Grunde gehen. Su. Rapp. 
Bi dere"* Hundskälte si" m'r fast newe-n- 
^^m heisse-n Ofe" verfrore" Bf. D Rcwe" 
sin'' wieder verfrore" Z. 'die trauben in 
den Reben verfrohren' ZMb. Hcxenprozess 
1620. 'auff den Strassen verfroren' 1789 
JB. I 108. — Das Part, als Adj. =^ 
gegen Kälte empfindlich. Du bis' c ver- 
frorener Zickel Bisch., c verfrorener Buc'' 
Sti. Hf. — Schweiz, i, 13 13. 

zsamme"g friere" zusammcnfrieren. s 
is' eso kalt, dass Stei(n) e Bci(n) z. allg. 

zugfriere" sich mit einer Eisfläche 



FRieR 



FRäSS 



183 



FRäSS — FReSS 



bedecken : d Bach gfriert zu Hf. ; Ggs. da- 
zu ist iifgfriere". 

G frier [Kfrier, PL -or Z. ; Kfrir Wh?^ 
n. Frost, mir vom Wetter. Hinicht gi^'t's 
c G. j-. Frost. 'Gehl frost gefror' GoL. 24. 
— Bayer, t, 825. Schwab. 206. 

f Fror er in. 'Febris der frörer' GoL. 
277. 

Frass [Früs GeberscJnv^ m. Mensch, 
der viel isst: s kummt ke'" Fr. uf d Welt, 
'fros' Chron. 676, 3. 'Fraaß Mando' 
Dasyp. — Schweiz, r, 131 7. Bayer. 
1, 826. 

Bein frass [Painfros Bf.^ m. Knochen- 
vereiterung. 

Viel frass [Ft^lfräs Ingenh.; Filfros 
Betschd.^ m. Fresser, schwer zti sättigender 
Mensch. Syn. Fresssack Hi. — Schweiz. 

1, 1317- 

Gefräss [Kfres Liebsd. Olti. Fisl. Rop- 
penzzv.; Kfras M. Strüth Heidw. 0. Mütt. 
K. Z. Bctschd. ; Kfrses Str. Weyersh. ; 
Kofraes Dchli^ n. I. Mmd, verächtlich 
vom Menschen. Wenn de no^'^ n-emol 
eppis seis', bekumms* uf's G. Mittl. Co. 
Er hct sin G. ufgerisse", so gross a's wi^ 
e Schürt'^or Hf. Syn. Gösch, Schnurr. 

2. Fratze, Miene, Gesicht, bes. diimmes, ein- 
fältiges, hässliches Gesicht {grob und ver- 
ächtlich) allg. Bä'^wele, Bä''wele, wick, 
wick, wick, Mach mir's Süppele nit so 
dick. Mach mir's Küechele nit so räss, 
Oder i'='^ schlaf® d'r eins in's G. Spottreim 
auf den Namen Barbara, Babctte Horbg., 
ähnl. Obbruck. Ga"s , wasch di" G. ! 
Hüsseren. In's G. sage" offen heraussagen 
Gebw. P*' schla^^ d'r ei(n)s in's G. allg., 
oft mit dem Zusatz dass d'r d^r rot Saft 
rasspritzt Str. Potz Fahnc"bibbele un*" 
ke'" End ! tnachs' jo ne G. wie ne grupfter 
Gugugg Horbg. E G. wie e gwellti {abge- 
kochte) Katz Du. E G. mache" wie drei 
Taj Reje"wetter sehr dummes Gesicht Rapp. 
In denn sin G. ste^t nix Guts Dehli. 'So 
zuck die fast vnd Schlags ins gfresz' 
Murner Mühle 484. 'du schliegest in 
wider in das best Gefress das er het' 
Murner K. v. England 916. 'Ich glaub 
er sollte mir das Gefress rechtschaffen 
troffen haben' MoscH. II 60. 'Was ist 
PhiJander ffir ein Gfrass' ebd. II 69. 'Was 
ich ze saaue ha, saa ich aim grad ins 
Gfräss' Pfm. II 5. 'Eim eis in's G'fräs 
schla' Mü. Mat. 45. Syn. Guggard ^= 
frz. cocarde Horbg. Z. j. Abfälle od. 



Splitter, die beirn Zerhauen des Holzes 
entstehen Mittl. ; kitrzes zerbröckeltes Holz 
Weckolsh. ; Abfälle von Holz, Stroh, überh. 
von Sachen, die verarbeitet werden Dil.; 
etw., das zu nichts mehr dienlich ist 
Heidw. ; Reisig, das unordentlich umher- 
liegt, im Ggs. zum groben Holz Banzenh. 
Obbruck Hüsseren Su. Geberschw. ; Un- 
ordnimg in einer Stube Hi. Was is' do 
für e G. am Bode"^? Su. Do is' e G. 
vu" dene" Welle" Reisigbündeln Geberschw. 
Wirf das G. do i" d^r Ofe" Mittl. Die^*' 
Herdäpf^l sin*^ g"et, awer s is' gar vil G. 
drunter Dil. Das solle" Rebstecke" si"? 
Das is' G. ! ebd. /j.. Gemenge von ver- 
schiedenen Speisen, schlechtes Essen Hältst. 
Katzent. Barr Bisch. Molsh. Weyersh. 
E Hund gät (thäte) e so G. nit a"lueje" 
Barr. Dis is' e lack^s G. gewen Weyersh. ; 
gern im Reim auf Ras Fisch. Mosch. II 
125; Böse ScHK. 290. CS. 'Mendiant! 
Diss muess e Mool e sunderbars Gfräss 
sinn' Str. Wibble 6. Syn. Fresse". — 
Schweiz, r, 131 7. Schwab. 203. Hess. 

I IG. 

(g'^)frässig [fresik Fisl.; frdsik Su. 
Obhergh. Mittl. Katzent. Rapp.; kfrasik 
///". Banzenh. Pfast. ; kfräsi Gcisp. ; frsesi 
Str. ; fräsi K. Z.j Adj. schmackhaft Fisl. ; 
gefrässig, gierig fressend, mit grosser 
Ltist essend. Fragt man nach jemds. Be- 
finden, so erfolgt oft die Antzvort: Er is' 
gsund un*^ fr. Su. Banzenh. Pfast., frisch 
un*^ fr. K. Z. JB. VII 189, daneben auch ful 
un*^ fr. z. B. von Schzveinen. Is' alles 
gsund un*^ fr.? Katzent. Fr. si" wie e Soü 
Rapp. E fr. Säule [Seils] Obhergh. De'' 
Salat is' fr. schmackhaft Fisl. 'Fressig 
vorax' Dasyp. - Schweiz, i, 13 19. 

Gfress [Kfras Bf.; Kfnes Str^ n. 
Fresserei, lang andauerndes oder öfter 
wiederholtes Essen. 

fresse" [fraso fast allg.; fraeso Str. 
W. — Ind. Präs. fris, fris, frist ; fraso ; 
aber fraes, froes, frsest ; fraess Str. Geisp. 
W. — Part, kfrasa ; kfraesa Str. ; kfraes 
W.^ I. fressen, von Tieren und derb auch 
von Menschen. Von einem, der sehr viel 
isst, sagt man : er frisst {od. kann fr.) wie 
ne Drescher Liebsd., wi^ e Holzhauer 
Geisp., wi^ e Hacker der den Weinberg 
umhackt Ruf. K. Z. 'Friss numme nit wie's 
Bandeis Rapp !' Z7i einem, der gierig und 
viel isst HiRTZ Ged. 242. Von einem, der 
hässlich isst, sagt man : er frisst wie e 



FRcSS 



— 184 



FReSS 



Soli Rapp. (Mit) Rumpf e Stumpf fr. 
mit Stumpf und Stiel aufessen Scherw. 
Ingenh. E-n-orms Bür*l [Pirl Bäuerlein\ 
zuem Laund {Land) nus fr. Geisp. Er 
frisst sini Eltre" {od. Lüt) zue arme" Tage" 
Gebw. s. Vogel i. Was hes* gfr. ge- 
t/ian? NBreis. Str. P^ muess «s uf d^r 
Supp fr. CS wird mir immer vorge- 
halten Geberschw. P** muess sini erst 
Frau uf '''^m Brot fr. sagt die zweite Frau, 
wenn ihr der Mann bei jeder Gelegenheit 
vorhält, wie es früher seine erste Frau 
zu ihren Lebzeiten gemacht hatte Bf. Ich 
hab gfr. für hüt [hit] sagt einer im Zorn, 
tirspr. wohl einer, der während des Essens 
geärgert wjirde, dann den Löffel oder die 
Gabel hinwarf und mit jenen Worten vom 
Tische aiif stand Mütt. Dich fr. d Lüs 
noch vor '^'^m Dreck NBreis. Es ge^t 
hüt awer e scharfer Wind, ®r fresst e'ne" 
bal** Dehli. Enand fast fr. vor Lieb Str. 
JB. I 81, IV 77. 'Si {die Kläret) isch zuem 
Fresse scheen' Pfm. V3. 'zuem Fresse über- 
aus liebcnszvürdig., ä croquer' Ulrich, 'dar 
hctt e Paar (Waade) zuem Fresse' Str. Wibble 
5Ö. De" Narre" an eps fr. närrisch ver- 
liebt sein in etw. U. 'Wärd's nit so hunds- 
jung noch, so hät's an demm Tripsdrill 
de Narre nit so gfresse' Pfm. III 8. 
Der is' uf mi"^'* los gfo^re" (hat mich mit 
harten Worten angefahren), ich ho^^ grod 
gemeint, =r will mi*^** fr. Dunzenh. Do 
muess m^r me'"' Zorn fr. a's recht is' 
Lngenh. s frisst um si'^*' ein Atisschlag 
breitet sich aus U. 2. beim Dominospiel 
Steine mit den Augen kaufen, die dem 
Spieler fehlen U. — Schweiz, i, 132 i. 
Bayer, i, 827. 

abfresse" abnagen, abfressen, beson- 
ders Pflanzen, von Wild und von Insekten. 
D Rupe" han d Blätter abgfresse" Du. — 
Schweiz, i, 1323. 

durchfresse" fressend durchdringen, 
von Rost, ätzenden Flüssigkeiten u. dergl. 
De"" Hoke" h6bt nim lang, d<=r Rost het 
e ganz durchgfresse" Co. Bf. 

{''fresse" einatmen. Was muess mc" 
do in erc Schuelstub Staub, (istank un^ 
Zorn i. ! Bf. Sj'u. inne'^mc" Z. — Schweiz. 
I. 1323- 

uf fresse" /. das dargereichte Futter 
völlig fressen, von Tieren Banzenh. Su. 
K. Z. 2. verzehren, von scharfen Flüssig- 
keiten oder Satiren Du. 



um fresse" sich ausbreiten von Wun- 
den. Das Gschwer will nit heile", s frisst 
als noch um (si'^'^ Z.) Du. 

usfresse" (die Ufer) unterwühlen, vom 
Wasser. D^r Rhin het wi'^der e Stück 
usgfresse" O. ; das Innere eines Gegen- 
standes dttrch Fressen, Bohren u. s. w. 
entfernen, etwas atis höhlen. Friss di'^s 
Loch US ! erweitere dieses Loch {init dem 
Meissel od. Bohrer) Obhergh. Di* Grum- 
beere" sin'^ ganz usgfresse" U. Übertr. 
d Suppen us fr. der Sündenbock sein Hi. 
— Schweiz, i, 1323. 

verfresse" /. zerfressen, zernagen, 
z. B. von Motten, Mäusen, Hasen. D 
Ratte" han e v. von einem, dessen Bart 
nicht gepflegt ist Co. 2. mit Fressen ver- 
thun, durch üppige Gastmähler (das Ver- 
mögen) durchbringen Licbsd. Su. Co. Du. 
Str. K. Z. Si* han i^r Vcrmöjc" v. nn** 



Wenn de'' eppis verdient, 
v. si" Licbsd. — Schweiz. 



versöffe" Du. 
muess *s gli<=' 
I. 1323- 

verfresse" Adj. gefräs s ig, oft gierig 
nach Speise verlangend Z. — Schweiz. 

i, 1323- 

zamme "fresse" mit Gier auffressen, 
von Tieren Su. K. Z. 

Fresse" n. i. Schmaus, Leckerbissen, 
Fi'eude, Vergitügen Felleri. Su. Du. Bisch. 
Str. K. Z. Dis is* ne Fr. für ne {ihn) 
Su. 2. schlechte Mahlzeit, verächtlich. 
^;z. Gfräss4. —Schweiz, i, 1324. Bayer. 
I, 827. 

Sau fr esse" [Soifrasa Rapp.'\ n. schlech- 
tes Essen. 

Fresser [Frasar Geberschw. Co. U. ; 
Fraesar 6"/r.] ;//. /. gierig und viel essender 
Mensch U. 2. derb für Mund, Gesicht; 
Syn. Gefräss 2. P^ schläs® d'r eini uf 
d*r Fr. Co. In de(r) Fr. (nin) sauje" derb, 
grob, dreist, vorwurfsvoll erwidern Str. 
Geberschw. 'Doch was i gsehn hab saa 
i'm in de Fresser nyn' Str. Wibble 52. — 
Schweiz, i, 1324. 

Alles fr esser m. Arbeiter, der anderen 
den Vorzug in der Übernahme von Ar- 
beiten zu nehmen sucht Str. 

Grumbcerc"fresscr m. Maulwurfs- 
grille., Gryllotalpa vulgaris. Kinder, die 
barfuss laufen, habeti grosse Angst vor 
diesem Insekt, da sie es für giftig halten 
Schleit. 

Heiligfresser )n. Scheinheiliger. Das 



FReSS 



FRieS 



185 



FRieS — FRiSCH 



is' o*^'^ ein*"" vu" dene" H. Licbsd. — 
Schweiz, i, 1325. 

KlcieTresser m. PL Leute, die eine 
schlechte Kost führen Rixh. 

Maidlefresscr m. ein Käfer, wahrsch. 
der Weichkäfer'TelephoTüs rusticiis. Scher- 
zend sagt man zu Kindern , wenn sie 
überhaupt irgend einen Käfer quälen : 
Loss c ge''", s is' e M. Du. 

Mit fresset m. schzvai'zblau verstopfte 
Hautporen, kleine Würmchen mit schwar- 
zen Köpfen in den Hautporen Olti. Co. 
Str. K. Z. — Schweiz, i, 1327. 

fSuppenfresser bes. geele S. ;//. PI. 
Schmarotzer. deren Kautzenstreichcr und 
suppenfresser oder dellerschlecker findt 
man an hoffen und diensten sehr vil' 
Geiler Narr. 361. 'Er hat seine bestellte 
Leute, die ihm zu Ohren trugen, wie et- 
licher Suppenfresser Brauch ist' Zwinger I 
(St.). Mo&ca. Pat. 25. — Schweiz, i, 1327. 

Vögelfresser in. Samenkörner des 
spitzen Wegerichs Bisch. 

f freisam Adj. furchtbar, 'eines starckcn 
vnd freysamen Herkules bedürftig' Zwin- 
ger Einl. (St.). — Bayer, i, 827. 

Freisam [Fraesüm Wh. Dehli.\ n. Aus- 
schlag im Gesicht, Schorf. — Schweiz. 
I, 1329. EiFEL 'der Fraisem Kopfatis- 
schlag bei Kindern . 

Fries [Fri^s Hf\ f. Ouerdiele in einem 
Fussboden od. Parkett, meist von anderem, 
dunklerem Holz. — z^^/. Schweiz, i, 1329. 

friese" [fries^ Pfdgriesh. ///.] eilten 
Graben abstechen und auswerfen, einen 
Graben reinigen , sowohl Strassen- als 
Wiesengräben, letztere um das Wasser zu 
verbreiten ; die ausgestochenen Raseitstücke 
werden dann daneben gelegt Hf. Nach 
Brucker 241 hiess Friese im ii^. Jahrh. 
ein Damm- tmd Schlajmnarbeiter : 'nach 
anwysung der friesen.' 'Es waren Hol- 
länder, welche die Wasserbauten machten, 
die Weiher gruben Birlinger Alem. i, 
147- — Schweiz, i, 1330. Schwab. 205. 

Friesel [Friasl Sti. Scherw. Bf. ; Fn^sl 
Bisch. K. Z. Rothb.; Fresl M.; Frisl Str.; 
Fresl Wh^ m. Su. M., sonst allg. n. 
bläschenartiger roter Ausschlag auf der 
Haut, gewöhnlich verbunden mit Fieber, 
bes. bei Kindern allg. Im Volksglauben 
hat das Fr. eine grosse Bedeutung. Der 
Laie hat besonders Angst, dass es zu- 
rückschlägt [ner[slüpft] oder dass es 'auf's 
Herz zieht'. 'Un 's Friesel dueht 'rüs- 



drywe' Fran(;;ois Husm. 23. Krystallfr., 
Glasfr., s wiss Fr. sind Laienbezeichntmgen 
für verschiedene Abarten des Fr. — 
Schweiz, i, 1329 Frisel. Bayer. 1, 828. 

Kindbetter friesel n. ungefährlicher 
Hatitausschlag der Wöchnerinnen, zvahr- 
scheinlich infolge häufigen Schivitzens Dil. 

Scharlach friesel n. Scharlachfieber 
Bisch. Hf.Yj. Stöber II 170. 

Friesle [Friasla Ndrsept.; Friasolo i)//'.] 
n. Federnelke, Dianthus plumaris, welche 
hauptsächlich zu Einfassungen dient. Syn. 
Federrös*^! Dunzenh. Z. Wh. — Schweiz. 

I, 1330- 

frisch [fres allg7\ i. Adj. neu (herge- 
stellt), rein (gewaschen): e frischer Laib 
Brot, frischi Wecke", e fr. Hemb(d), e fr. 
Kleid, e frischi Feder, e frischer Platz 
allg. 'Ziehen sie taglich frische (Kleider) 
an' Fisch. Flöhh. ijQO. Im Kartenspiel 
ruft einer: e frischi Färb! — Ze stinkt 
s'c-n-au'^*' nit! erwidert ein anderer Hf. 
s is' noch ze fr. ! noch Z7i früh, zu einer 
Wöchnerin, die bald nach dem Wochen- 
bett ausgehen wollte Wh. Adv. ufs fr. 
auf's neue M. Z. Er is' fr. krank wor'^c" 
Hf. *ufstunt zu frischer gctat' Str. Iß. 
Jh. Brucker 24. 2. frech, herzhaft M. 
J. frisch, kühl, von der Temperatur : s 
is' fr. dene Morje" Co. Katzent. Es ge'^t 
e recht frischer Wind Str. Hole-n-'*'r e 
Frischer? grüsst man eine Person, die 
Trinkwasser holt Asp. — Schweiz, i, 
1331. Bayer, i, 828. 

frischlecht [fresl se/t Str7\ Adj. ein 
wenig frisch. 'Frischläächtes Wasser findsch 
d' allewyl drus ! Hirtz Schk. 220. 

a" frische" ;;/// Wasser begiessen, 
wässern, z. B. welke Pfianzen ; die Tem- 
peratur einer Flüssigkeit durch Kühlmittel 
erniedrigen Bf. s. auch a"frischiere". — 
Schweiz, i, 1332. 

frischiere" [fr^siero Hf; frcsiero 
Ingenh. Dunzenh.; fresiro Str^ erfrischen. 
s Mul fr. durch Ausspülen mit frischem 
Wasser. De" Verband fr. erneuern Hf. 
s Bett fr. Z. 'Dnoh wurd der Disch ge- 
deckt in's Gras, der Wyn gfrischiert im 
Bryschel' Pfm. I 6. 

a"frischiere" atiffrischen, abkühlen . 
E Wund a. netie Salbe atifiegcn. Ich hfl" 
mich g^a"frischicrt durch Waschen abge- 
kühlt Katzent. 

Na'^^'frischer [Nöfresor 6"?^.] tn. Bar ren- 
spiel, Fangspiel. 



FRöSCH 



FRIST 



i86 



FRIST - FRiTZ 



Frosch [Fres allg. — PL -9 ; Frös 
Str., PI. Fres — Denan. Fr^sb 0. ; Fr^sl 
f/'.] m. Pfetterhsn. Obsteinhr. Lutterb. 
Wittenh. Str., sonst f., nameiitl. M. U. 

1. Frosch. Der is' nit schuld dran, dass 
d Frosch ke'n^ Wädd^l hän hat das Ptd- 
ver nicht erfunden Str. Han. Er het 
Füess {Beine) gemächt, wi^ e Fr. im Sa- 
lat Hf. D'e Kirch is' ke'n Fr., si'' hupst 
nit fürt Entschuldigung derjenigen, die 
den Gottesdienst nicht besuchen Altw. 
Was hes* ? — E Fr. ! Scherzreim unter 
Kindern Ruf. Auge" ha" wie ne Fr. 
Glotzaugen Su. PI. Frösche" als Spitz- 
name einer Ortschaft im Kanton Winzenh. 
S is' e F. in Brunne" s^gumpt, P*^ han 
en höre" plumpe" : Hätt 1*=^ '''n nit am 
Hörn verwitscht, War er unger gsunke" 
Kinderlied Hi. 'der Khue eine Frosch 
. . . eingcstossen' Zab. Hexenprozess 1620. 
'Er sitzt uff em Ross wie ne Fresch uff 
em e Dichel' der in schlechter Haltung 
zu Pferd sitzt Mü. Mat. 63. 2. Rakete, 
die beim Anzünden froschähnliche Sprünge 
macht. j. Demin. Fröschel : a) An- 
schwellung des Gaumens bei Pferden, 
wird geheilt durch Stechen oder gewöhn- 
licher, indem man dem kranken Tier rote 
Rüben, rohe Kartoffeln oder Saubohnen 
giebt, die es langsam zerkaut Ndrbetschd. 
Baumkrankheit , geschwürartiges An- 
schwellen einzelner Rindenstellen, wobei 
die Rinde reisst und das nackte Holz 
hervortritt , bes. an Obstbätimen Geud. 
b) naives, junges Frauenzimmer Str. CS. 
-- Schweiz, i, 1333. Bayer, i, 829. 

Laubfrosch /. Laubfrosch allg. 2. 
eine Mehlspeise : fein zerhackte Mangold- 
blättcr 7md grüne Zwiebelröhren gewürzt 
und gesalzen in ausgewalzte Tcigblättchen 
eingewickelt und in Fett gebacken Dil. — 
Schweiz, i, 1334. 

Wetter fr ösch m. i. grüner Wasser- 
frosch Roppenzzv., grüner Laubfrosch Fisl. 

2. Mensch, der viele Sommerflecken im 
Gesicht hat Roppenzw. — Schweiz. 1,1 334. 

f rösche" Frösche fangen Hf. — 
Schweiz. 1 , 1334. 

Gfrist I [K.frist ;;/. Geherschw. ; n. Su. 
Du. ; PI. -yr] Frost, starker Reif 'In 
der Nacht vom 13. auf den 14. März (1787) 
war starker Reif und Gefrist' Afü. Mieg 
I, 344. Gcfrüste' Chron. 865, 10. 

VVintergfrist [VVintarkfriät 6". O. bis 
Du.; Waeitarkfrest 71/.] n. Frostbeule. P** 



hän s W. an de" Zeche" Banzenh. — 
Schweiz, i, 1335. 

Gfrist II /. Mtit. Er het ke*" G. me*"^ 
Roppenzw. — Vgl. mhd. vrast Kühnheit; 
s. lexer. 

Frost \^xb%\.Steinbr. Mü.Hf7\ m. Frost. 
'är (der Barier) wird im frosht ganz shtiff 
un fo dr hiz förbränd' Landsman Lied. 2 2 ; 
nur Schüttelfrost Hf. , Erkältung der 
Luft heisst Gfrier od. Rife". — Schweiz. 

I, 1336. 

jGefröst Bed. wie Gfrist Mieg i, 345. 

— Schweiz, i, 1335. 

j- Wintergfrost dass. 'dann man ge- 
wönlich die zit vor wintergfröste, kelten 
unt kurtzer tage halben nit nützliches ge- 
wercken oder geschaffen mag' Str. 14.8^ 
Brucker 131. 

fratte" [fräto 71/.]; Part, fratt(et) 
[farätat Geberschw. ; fyrät Du. ; frät Hf.'\ 
I. wund sein, von der Oberhaut entblösst 
sein, bei Säuglingen an faltigen Stellen, 
an Hals imd Leistengegend , bei Er- 
wachsenen durch Wundlanfen, Wolfu. s. w. 
Wenn d Kinder f. sin'^, nimmt me" gröstet 
Me^l Geberschw. 'Zu den fratten oren' 
Gart D. G. 2. in schlechtem Ansehen 
stehend Du. — Schweiz, i, 1337. Schwab. 
200. Bayer, i, 829. 

f rette" [freta 71/] antreiben. Du frett^s' 
nit gnue^ am Schnider. 'wie jr euch . . . 
all tag mit kommer frett' Fisch. Garg. 2. 

— Schweiz, i, 1338. Schwab. 200. 
Bayer, i, 829. 

-j-Fretterei f. 'Was Sorri, Fretterey, 
Angst, Unmueth, Müeg un Zorn' Hochz. 
1687. 

jFrett Wiesel. 'Viverra Yltis, alii ein 
Fret' GoL. 300. Demin. 'Frettel vnd 
Wisele' Fisch. Ehez. 240, 6 (k 3). — 
Schweiz, i, 1339. 

Fratz [Fräts allg. — PI. -0 — Demin. 
Fratsla 0. ; Fratsl 6^.] f. Fratze, verzerrtes 
Gesicht, Grimasse: E Fr. mache", schnide" 
wie si^we" Teiif«! Bf. Di«"' het e nett's 
Frätz®! schönes Gesichtchen Geud. Si* 
weiss, dass si° e schön Frätz®! het Obbr. 

— Schweiz, i, 1343. Bayer, i, 832. 
Si''becke"fratz [Si'pekofräts Co7\ f. 

Gesicht, welches durch die Blattern ver- 
unstaltet ist, also einem Milchsieb nicht 
unähnlich sieht, bes. als Schimpfwort ge- 
braucht. 

Fritz, Frutzer, s. Fridcr(i=''). 



G. 



[je Mülb.; ke Str.; ke und y^ K. Z.; ^^ Wh.'\ Buchstabcnnainc. 



g(e)- [k- O. ; in U. ko- tmd k- : k- vor 
Vokalen, f, h, k, s, s Str. K. Z., auch 
vor den übrigen Kons, ajisser d, t Betschd. 
Bühl\ I. bildet mit Infinitiven im Genitiv 
Collectiva meist tadelnden Sinnes, welche 
eine Wiederholung oder ein Andauern be- 
zeichnen: [Rfärs Dü\ Gepapp«ls Schwätze- 
rei, Gedokters das Medicinieren, Gedrängs 
Drängen, Gcreds Gerede, Gemachs {über- 
flüssiges oder auf den Schein berechnetes) 
Thun ; Ghüls Heiderei, Geläiifs Lauferei, 
Gsings Singer ei , Gsuffs Satiferei, Gutz 
Fopperei; vor Adj.: e Gelangs va\^ e Ge- 
breits Z. 2. vor Verben der Sinneszvahr- 
nelwiung: der ghört de" Guckiick a"'^'^ 
nimme**'' krische" Dehli.; gse^'ne sehen Str.; 
gspüro" U., vgl. gse''", gspürn: Schweiz. 
2, 46. Schwab. 223. J. vor anderen 
V^erben : o^gste^'n schal zverden, Z)on Flüs- 
sigkeiten, vom Scheiden der Sahne zind 
der Milch; usgste'^n ausstehn, leiden; o^- 
gschirre" abschirren Ingenh. /f.vorsubst. 
Sammelnamen : Gelüst Lust , Gschicht 
Schicht, Gschmuck Schmuck, Ongstalt An- 
stalten, Gstell Stelle, Gstift Stift, Gstöck 
Stockzvcrk, QtV^2i'&%Spass, Gschwell Schwelle, 
Gewilber Wildbrett K. Z. 5. vor Adj. : 
gctüchti^ tüchtig Dmizenh. Ingenh. 

ga", ge''(n) [kö Olli. Fisl. Sier.; ke 
Pfetterhsn. Hi. Steinbr. Ileidw. Lutter b. 
Gebw. Ruf. Co. Ingersh. Bf. Du. ; k6 
Steinb. Gcisp. ; kie M. ; ken Str. K. Z. 
Gundersho. Wö'rth Betschd.; ken IV. Präs. 
I. Sg. kär]^ Fisl. Hi. Steinbr. Lutterb. 
Ruf. Illkr. M. Ingersh. ; kö Niedertnus- 
pach ; kiw i Ingersh. ; V€ Co. Dil. U. ; 
ke W. ; 2. köö Sier. ; ki^s M. ; kes LtU- 



terb. Ruf. Illkr. U. ; kes W. ; 3. köt Olti. 
Uffh.; kiet M; ket ///. AThaim Heidw. 
Lictterb. Ruf. Banzenh. Hlkr. M. U. ket 
W. ; PI. k(^n Lutterb. Ruf. Illkr. Str. U. ; 
kien M. Imper. J. Sg. kär| Mü. Ruf. Ob- 
hergh. Hlkr. M. ; ke U. ; ke W. ; I. PI. kd 
mar Rtif U. 2. PI. UniMü.; kdt Rtif; kdn 
U.; Conj. Prät. i. j. Sg. kidr[ ^. Co. Bf; 
kiar| Steinb. Hlkr. Du. ; ker[^ AI. ; kir]^ 
Betschd. ; kdr| Hf. Lobs. ; kdiq^t, kzxy Hf. ; 
käi|t K. Z. ; kaeri^t Ar.] gängd Pfm. II 6 ; 
i giengt Pfm. IV 6. We"" m'^r s Wochs zwei 
öder dreimol gi'^ngt, no (dann) gi^ng's 
! Betschd. [PI. kier^to Bf., keqo, kdr^to 
'■ Lobs.'] Part, (bin) kär^a Lutterb. Ruf. 
Co. (s hat) käi] Wh. 'wie ists doch 
gangen' Fisch. Flöhh. 45. 'Es ist mir . . . 
gangen wie allen Elenden' Mosch. II 879. 
Dunzenh. Z. Wortspiel zur i. Pers. 
PI. Ind. Präs.: Ge*^" m'r? seid ihr alle 
; bereit ztim Fortgehn ? woraiif ein anderer 
j erwidert: Gemer (d. ^. Gemar) is' nit wit 
vu" Ost^e'"' Rapp., nit wit von Colmer 
— Verwechselung mit geben s. an ge'^n, 
I US ge^'n. /. gehn. Was m*r vur vierzig 
I }o^x fa^'rt, muss m^r na*=^ vierzig g&w 
\ Dehli. Ge'^t s? ge^'t s bi-n-ü^^? geH s 
allewil? Gruss beim Vorübergehen zu 
Leuten, die bei der Arbeit sind Su. Ant- 
worten : Jo, ne bissle, ne wenigle Hältst. 
Wie allewil Kembs. Als g^'mach, wie s 
Geld chvinnt, aber s chunnt gar gemach 
Liebsd. Merci, s gc^^t guet bis s besser 
klimmt Dollern. Ne so. So la la. Eso 
leidlig. Wie s mag. Schlecht g^nnes 
Gewenh. Wie m^r s tribt Krüth. Jo, 
wenn s will Orschw. Uf zwei Beine" 



Gehn 



Gehn 



Hirzf. Uf de" Köpf (der Sdmhnägel) 
Damb. Ge*"! s cso? Nei", es leit (das 
geschnittene Korn) antworten ScJmitter 
Heidolsh. Nei", m"r traje"s antworten 
Leute, die etwas tragen Elsenh. Ge'^t s 
guet? — Wenn de nit lachs' Elsenh. 
Wenn s e bitzele besser t'^ät ge''", könnt 
m'r s nimme us halte" Mü. Ge*'t s selb- 
ander? Frage an einen Bauern, der mit 
einem Ochsen zu Acker fährt ; natürlich 
erfolgt keine Antwort AThann. Auf die 
Frage: wiegelt s? antworten alte Leute: 
s ge^^t a"fange" awe mit m'r Wittenh. od. : 
im (dem) alte" Hufe" zue {zutn Sterben) 
Blotzh. Uffh. AThann. Von der Arbeit: 
s ge'it wie gschmiert allg., wie am Rädle 
Gebw., Räd^l K. Z. Beim Kartenspiel : 
s ge'^t nit! Erzviderung : Wann's nit gc"^t, 
sell's ritte"! Hf. s ge^'t i^^m us de" Hand«" 
er arbeitet gut und schnell Su. Das ge^t 
datiert no*^^ lang Hi. M^r si'^^'t i%i s Mul 
g. man sieht ihn reden, hört ihn aber 
nicht Str. Abweisung : Ge^ oder ich lach 
dich us! Ge'' tapfer druf los Str. Q& 
häm Batar'^e" schwitze" ! Rauw. 'Gang 
geh Band ( WeidertUen) haue' pack dich 
fort! Mü. Mat. 46. Ge'' fürt un*^ 
sa^, d" bis* do gsin Str. Gang heim, 
trink eins ! De7Utmg des Elfihrläutens Rtif. 
Derno'^'' ka""st g. dann magst du zusehn 
Hi. Los' mi''*' bal'^ go*"'? lass mich in 
Ruhe Olti. Loss dis Ding ge^n lass die 
Sache gut sein Hf. Mit Präp.: in de" 
neüje" g. auf die Dörfer gehn um neuen 
Wein zu trinken; in s Küech^l g. tim 
Fastnachtsküchlein zu essen Str. Er ge'^t 
in s 47. Jo^'r er ist /f.6 Jahre alt Hf. 'I 
geh in's acht e fufzi'st Johr ererst' Pfm. 
II 2. In d Forb g. Z7tm Färber gehn 
Geud. M^r is' ke'" Christ, wä"" m^r nit 
i" di^ Killich gieH M. JB. X 250. S ge^t 
(stark) uf elf es ist lange zehn vorbei Hf. 
Der ge'^t newe" de" Lüte" nus un'^ seit nit 
Hund un'^ nit Narr grüsst nicht Z. Zue 
e'nander ge^'n von Liebenden : sich den 
Hof machen Hf. . Se is' gange" mit i'^m 
{nicht mit i'^m gange") sie war damals 
mit ihm schwanger Hi. S ge'^t mit ei"^m 
ist schzvanger Z. D Pfirschi ge^'n mit de" 
Trüwle" reifen zu gleicher Zeit Ingenh. 
'wann der schaffener über die briefe gän 
wil, soll er die pflegere besenden' Str. 
1446 Brucker 274. Das ge^'t um d 
Kirse" die Kirschen finden guten Absatz 
Liebsd. S ge^t von ei"'^m wie Wasser bei 



starkem Durchfall Co. z Grab ge**" an 
einem Begräbnis Teil nehmen Pfetterhsn. 
z Opfer ge**" tim den Altar gehn zum 
Opferspenden Su. z Weid g. ; z nüt (nix 
R?if.) ge*^" zzt Grunde gehn, erfolglos 
bleiben Geberschw. ; futü g. zti Gnmde 
gehn, crepieren. Er kann ge^n (sterben), 
wenn er will Hf. 2. mit Dat. passen, 
anstehn. s ge^'t ei"''m {von Kleidtmg mtd 
Manieren) ; ironisch : dis gc^'t dir wie i" 
^'me Hätsch (einem Eber) e Kummet Lobs. ; 
s ge^t i^m wie e Häri"s i" «'me Fokol 
einem Fa?ix-col; willkommen sein: 'Das geht 
dr Frau grad' ^= ga lui va Lustig I i o r . 
'das Bett, das fine, das wird'm geh' ds. I 
253. ''s geht 'm glaub nur halwer. Euch 
do az'treffe' es passt ihm nicht ganz ds. 
II 23. J- S ge^'t im Hus ein Gespenst 
geht tmt Mutzig. 4.. Umschreibung des 
Futurum : der ge^t um (wird ihm) de 
Mänung saue" Dehli. s Kind ge'^t schlofe" 
schläft ein. Was ge''n mir mache"'? Wh. 
Hut ge^" m'r verre'se" heute verreisen wir 
Rauw. go*^", ge''" wird in O. einem Ver- 
bum der Bewegung hinzugefügt, um Ab- 
sicht, Ziel oder Art und Weise ztt be- 
zeichnen. Er kummt ge** z rite", ge'^ fa^'re" 
Stöber. Lues wie de'' kommt ge^'n 
tschienke" Rapp. P'» ge'' ge*"" bade" 
Horbg., luege" Ruf., i*''' bin gange" ge**" 
höre" um zu hören Dil. [I kär[ ke Pryot 
khoifa 7l/.], wozu Mankel S. ßj das frz. 
je vais aller vergleicht und 'ich bin im 
Begriffe zu gehen übersetzt. — Schweiz. 
2, I. Schwab. 224. Bayer, i, 858. 

gändig [koentik 71/.] Adv. kürzlich, 
neulich. 

ab ge''n /. sich absondern: statt Was- 
ser ge''t Bluet ab Bf. 2. weg laiifen 
Zinsw. J. ausgehn, auslöschen : s Für, s 
Liecht ge'^t ab Bf. 'D' Welt gieng jo ab' 
die Menschheit würde aussterben Lustig 
I I 1 2 . ./. ausser Gebrauch kommest : der 
Gebruch is' ab gange" Su. 5. Dis ge''t 
d'r nit 1er ab dafür bleibst du nicht ohne 
Strafe Bf. — Schweiz. 2, 8. 

abge^^nig Adj. i. im Veralten begriffen 
{Mode) Su. Ingersh. 2. als unbrauch- 
barer Rest übrig bleibend: s abge''nige 
(das übrig gebliebene) Esse" Hlkr. 

abge^'nd [äpkant Olti.'\ Adj. zvertlos. 
— Schweiz. 2, 9. 

abge'^ndig, abgängig [äpkantik Olti. 
Bf. ; 6kar[^i K. Z.] Adj. abgängig, dem 
Verderben entgegengehend: ''"s a. Esse", 



Gehn 



— 189 



Gehn 



abgändigi Chleider Olti.; von Obst: ab- 
gefallen , minderwertig Bf. K. Z. — 
Schweiz. 2, 337. 

abe ge^n abzvärts gehn und zurück- 
gehn (in Vermögen oder Gesundheit). De"" 
ge'^t d Matte", d Schissgass abe Banzenh. 
Er ge*"! binde" awe Steinb. — Schweiz. 
2, 10. 

'^*na'' ge'^" abwärts gehn; bildl. sein 
Vermögen verlieren, dem Tod entgegen 
gehn. Er ge^t d Matte" na*' stirbt bald; 
er ge'^t ene [äna Sti7\ na^. S ge>t na'' 
ziie mit i*"«! er geht dem Ruin entgegen 
Rapp. 

an ge^n int r ans. l . beginnen, anfangen: 
morn ge''t d Schuel wider an ; auch trans. 
was soll m^r do ange^'n? Wh. 2. in 
Brand geraten : [Wü es s akäij^o ? ü/.] 
Dis Hus is' nit allei" {von selbst) a"gange" 
S?c. j. ausbrechen (von einer Bhitung) : 
s is' i^nn en Oder angange" Hf. ^. an- 
stosscn, falsch ankommen : do könnt m^r 
schön an ge^'n ! Hf. 5. nicht missfallen : 
s ge^^t an das lässt sich hören Str. 'wenn 
noch en Eierkuche un Win, un Brod, und 
Fleisch derbi war, gäng's schun an !' Was- 
selnh. 1817 JB. XI 73. Das ge^'t '''m a" 
passt ihm, ist Wasser auf seine Mühle 
Hi. Trans. 6. ansprechen, ersuchen : ich 
hab '•'ne drum an gange" Hf. J. zuge- 
hören : er ge^'t mi^*^ vom Vater here noch 
e biss'^1 an Hf. 8. berühren, betreffen, 
bekümmern : das ge*'t mich nix an ; das 
g&i dich ke'"=n Dreck, Hafe"dreck, Hate"- 
käs, Zeichele an Obhergh. An ge'^n zvii-d 
zuzveilen mit an ge'^'n verwechselt: [s ket 
no nit ä Günsb. ; in M. richtig ki^t, was 
in Günsb. ket wäre\. s gi'^t di"'' nix on, 
s het di*^*' nix on ge'^'n Ingenh. g. tadeln, 
Vorwürfe machen Geiler P. I 3, 
Schweiz. 2, 16; zu 4. 5 
224. Bayer, i, 859. 

a"ge*'nig [okienik J/.] 
(Land am Berg). 

ane ge'^n hin gehen, 
gierige Frage: VVfi ge''s' ane? antworten 
Kinder: in s Bas Anne" oder: in s Hüe- 
nerhüs*l Dreck picke", kanns' din Nas 
fürhere schicke" Z. Für e'nander a. g. an 
einander vorübergehn Geberschw. Obhergh. 
— Schweiz. 2, 20. 

da da ge'^n. fort gehn (Kindersp.) 
Zinsw. 

durch ge*'n /. hindurch gehn, durch- 
dringen: d'e Ivoj^l {Kugel) is' nit d. gan- 



vgl. Schwab. 
Adj. abhmigig 
Auf die neu- 



ge". De"" Fade" gc'^t nit durch, er is' zc 
grob Bf. Ewe-n-un^ ewe" {soeben) is' ^r 
do durich gange" Ingenh. 2. entflieht, 
von scheuen Pferden, j. S is*^ durch 
gange" bi '''m er hat Stuhlgang gehabt 
Hf. ^. verfliessen : das Jo^'r is' dur"^** 
gange" Heidw. 5. hingehn: dis Mol gc'^t 
s d'r awer gewiss nit durch ! Bf. — 
Schweiz. 2-, 35. 

dur'^^gändig [türkantik Olti. Liebsd. 
Heidw. Banzenh^ Adj. durchgehend : d'^r 
Husgang is' d. die Hausflur zieht sich 
durch das ganze Haus Banzenh. Adv. 
dtirchgehends. Die Herdäpf*! sin*^ d. ful. 

e"wegge''" vergehn {Schnee ,Sclwierzcn) ; 
Gang m'r doch eweg mit so Lüt sprich 
mir doch nicht von solchen Leuten! Ge^s' 
nit eweg? drohende Auff^orderung zum 
Weggehn Str. Gassenhauer: Ge** m'r 
eweg mit dere" wü so grossi Düttle" 
{Brüste) het! Ingenh. Do heisst's au'''^ : 
Qgh en^gg q^j^j. j^^jj nimm di^** mit! von 
einem, der während des Gehens stiehlt Z. 
'Geh Er mer wegg un redd Er, wie Imm 
der Schnawwel gewachse-n-isch' Pfm. V8. 

fürt ge'^n /. weggehn, verreisen U. 
2. sterben, in dem Wortspiel: Alle^ (fi^z.), 
m'r welle" f. g. ! Erividerung eines 
anderen : s is' emol e alti Frau fürt gan- 
ge" un'^ is' nim'"®'' kumme"! Dtmzenh. Z. 

für ge''" /. nach vorn gehn, voraus 
gehn. 2. die erste Comnmnion empfangest 
O. bis Mittl. s. S. ij^. — Schweiz. 
2, 29. 

füre ge^" vor, voratis, nach vorne gehn 
Co. s. atich i\\x^'\ . — Schweiz. 2, 30. 

hi" ge^'n i. hin gehn. 2. sterben, ver- 
enden. Is' das nit zuem hi" ge''"? zum 
verzweifeln Heidw. Z. — Schweiz. 2, 

30- ■ 

hindere ge*'" Co. und 

hinder si"='^ ge'^n zurück gehn Z. Mit 
dem ge^'t s hinder si'-'*' der kommt im 
Geschäft ztirück Hf. — Schweiz. 2, 30. 

jn gßhn j einkommen : s ge^t vi^l i" 
Su. 2. sich zusammenziehen, beim Waschen : 
der Zeüj ge^t i" Bf. j. aufhören: d 
Wirtschaft ge*'t in Geisp. /f. einig werden : 
sie sin^ ingange" Geisp. trans. zugestehen 
(einen Vertrag). — Schweiz. 2, 20. 

dri" ge^'n i. in einem Ratmi Platz 
flnden ; 2. als Zugabe geltest Bf. 

^'v\\{v\) gei'n Platz finden Bf. Str. 
Wü vil Stück Vi'''^ wer'^e" do ning gcf^n? 
Ingenh. 



Gehn 



190 — 



Gehn 



inne ge^" hinein gehn. Er is' ene inne 
s^gange" von der Seite hinein gegangen 
Obhergh. Unde" dur*''> inne ge''n Obhergh. 
— Schweiz. 2, 22. 

mit g'e"n /. mit gehn: du derfs' mit 
g., we"" m'r dheim bliwe" Tröstung für 
ein Kind Z. 2. schwanger sein. Si- ge*^t 
au*^** wider mit: nach dem Volksnmnd 
ans einer Rede der Ziege abgeleitet Str. 

mitge^'n heisse" stehlen Str. Lutterb. 
S is' nix sicher vor i'^m, er hcisst alles 
mitge^'n U. 

n ä (ch) ge *" n /. zurückbleiben: d U''r ge*"! 
nö'^'^ O., noch U. 2. in eim n. g. einem 
aufpassen; in si"^m Sach n. g. a7if seine 
Geschäfte Acht haben; i" '^^m Verdienst 
n. g. nach Arbeit suchen; d®r VVolfle n. g. 
eine billige Beztigs quelle bevorzugen Su. 
Du. Bf. J. von einer Krankheit, von 
jugendlichem Leichtsinn ?^. ä. : s ge'^t i^m 
jetz' noch noch er hat noch die Folgen 
zu spüren Hf.; zur übelen Gewohnheit 
werden M. 

Gc*^ m'r no*^'^ [Ke mgr nö Bf.; Kär| 
msr nyor J/.] ;«. Liebeszauber : mer meint, 
das Meidle het \^m G. s^ge''^" hat ihn 
verzaubert durch irgend etwas, was sie 
ihm ztt essen oder zu trinken gegeben 
hat. Syn. Lauf m'r noch K. Z. — 
Schweiz. 2, 30. Bayer, i, 860 'Philtrum, 
amatorium poculum gang mir nach'. 

nachge^'nds [nökents Sti.; nyokiens 
M.; n6;Kkents Rupr7\ Adv. nachher., dann, 
später, nachträglich M. Dil. Er het s 
allewil gläug'^lt {bis zu einem gezvissen 
Zeitpunkt) un^ no'^^'geSds het er s d^rno'^*' 
g'^stande" Du. — Schweiz. 2, 31. 

nina ge**" schlafen gehn {Kinder spr.) 
Geberschw. 

ufge^'n /. ohne Überbleibsel verschwin- 
den: nun von nun ge^'t uf. Rda. s ge^'t 
uf vi'ic Käs un'^ Brot Rtif. ; s ge**t uf wie 
uf Matze'' Hochzit alles wird, ist aufge- 
gessen (s. auch Klaus) Dehli. 2. an- 
schwellen, durch Gährung oder Backen 
{Kuchen) ; bildl. dick werden : er ge^t uf 
wie e Dampfnud^^l, e Pfüddele Str. Hf. 
J. auftauen; bildl. lustig werden. ^. sich 
öffnen: d T''ür, d«r Eise" [Geschwür) is' 
uf gange"* Z. 5. keimen: der Weise" ge^'t 
schu" uf Du. U. 6. von Gestirnen: er- 
scheinen. — Schweiz. 2, 12. 

ufe ga" [yfo kö Ndrmagst.~\ hinauf 
gehn. Wai m'r {wollen wir) ufTe go? 

d r u fg e '^ n /. atif etwas Platz finden. 2. 



verbraucht werden [Tu es äwar 6ps triif 
kär^o! Z.] *Vnnd förchten vberall, es 
gehe jhn zuvil {Geld) darauff Geiler 
Narr. 6. J. tmikommen, sterben (roh). — 
Schwab. 224. 

um gc''n I. spuken {von Gespenstern): 
es gc\ im Hus um, wenn es in der Nacht 
etwa anf dem Speicher poltert Mutzig. 
2. s ge''t eps mit i^'m um er trägt eine 
versteckte Krankheit in sich Hf. J. mit 
der Prozession gehn : m^r kann nit lüte" 
un'^ um go^n Pf etterhsn.Su.M. - Schweiz. 
2, 14. 

umme ge^n /. herum gehn. Er ge^'t 
umme mit Nodlc"*, Fade" hatisiert Su. 
s ge^t m'r im Kopf umme ich sinne der 
Sache nach, besinne mich darauf Steinbr. 
2. bei Seite gehn Su. — Schweiz. 2, 16. 

und er ge"n Su. i. tmtergehn [von 
Gestirnen). 2. in die Erde versinken., in 
der Beteuerung : Do will ich glich inger- 
ge'''n, wenn dis nit wo'*r is'! Z. Dehli. — 
Schweiz. 2, 22. 

undcrc ge'^n [ürj^ora ke ö///.] hinun- 
ter gehn. — Schweiz. 2, 23. 

US ge^" /. atis dem Hause gehn. 2. 
erlöschen. Zeij , heb do, d Lorzern is' 
m'r usgange" Ingenh. J. erblassen {von 
Farben an Kleidern) : die Wull is' arig 
usgange" Du. J. alle werden, zti Ende 
gehn {Geld, Mehl, Futter u. ä.): d Ge- 
duld is' i^m US gange** Dil. 4. davon 
gehn : \^^ bi'^ 1er us gange" ; er is' frei us 
gange" Bf. 5. uf eps us ge"*!! etwas 
suchen , zu erwerben wünschen Dil. 6. 
nach dem Wochenbett sich einsegnen lassen 
Su. 7. Frage an Erntearbeiier : Is' s 
wol US gange"? hat es viel gegeben} Dil. 
Verwechselung mit us ge''*n. — Schweiz. 
2, 24. Bayer, i, 859. 

US ge^'nds [yskants Liebsd.; yskents 
Su7\^ Adv. am Ende, gegen das Ende : u. 
Mai. — Schweiz. 2, 25. 

überge'*n aussetzen, ausfallen lassen 
Z. D Kalwe"* het s Jo^'r üwergange" {hat 
in diesem Jahre nicht nach dem Stier 
verlangt), jetz' ha" m'r s'e verkauft 
Ingenh. 

hinüber ge^'n [hinfpar ktfn Dunzenh. 
Hf7\ sterben, s. Seite g. 

verge'*(n) allg. vergehn, verschzvinden, 
sich auflösen {Eis, Butter, Zucker). Zzvei- 
deutiger Rat bei Zahnschmerzen: leg e 
Stück«! Butter druf, d^rno<='' verge^ts. 
D Schmerze" verge*'n wider von ase Z. 



Gehn 



— 191 — 



Gau — Gu 



Fast V. vor Zorn sehr zornig sein; ich 
bin schier vergange" vor Durst eig. ge- 
schmolzen U. Vergange"® (VVoch^) vorige 
Woche: sie sin*^ d vergange"^ bi m'r ge- 
we'^n Hf. Vergange" Hi. Ingenh., d'es 
vergange" kürzlich Wh. Witz: S verge''t 
alles a's s schlecht Schmilze" (Schmelze" 
Z.) nit mir nicht das schlechte Sclwielzen 
Dchli., mit dem Zusatz: dis kummt alle- 
wil besser Z. S vergie^'t alles a's "^es 
liederli^^'' Koche" nit, sei'' nämmt alle- 
wil ü\verha"d M. JB. IV 78. — Schweiz. 
2, 27. 

vor ge^'n l. vor das Gericht gehn: 
sie ge^'n mit nander vor Sn. Z. 2. mit 
der linke" Hand vor ge'^n linkshändig 
sein Hf. — Schweiz. 2, 28. 

wider ge*'n beschwerlich sein, viele 
Mühe kosten: dis is' hert wider gange" 
Bühl. [S es mar hert wetar kär]^ hart 
ergangen tena VVentar Wh^^ — Schweiz. 
2, 36. 

z(e)ruck ge''(n) /. sein Wort zurück- 
nehmen , etwas rückgängig machen. In 
si"®m Wort nit z^'ruck ge''° Hlkr. ; 2. im 
Vermögen ztirückkofnmcn. — Schweiz. 

z ^ s a m m e " g e ^ n 1.5« einander passen. 
Dis ge'^t z. wie Krut un'^ Häri"g passt 
schlecht zusammen Hlkr. 2. mit einander 
verliebten Umgang pflegen K. Z. Wh. 
J. ziisammenschrtimpfen M., abnehmen : 
d«r Win ge'H z. Wh. ^. fest werden der 
Butter: | Ty plots äwar jets sün läi]^; ket 
s WO/ nit tsäma? — Jü, tat äs fönänt 
k(§n. Wird die Bjitter noch nicht fest} 
— Ja, wenn sie sich von der Milch 
trennen wollte Z.] Zjl ^ vgl. Bayer. 
I, 861. 

zue gehn /. (zum i. Mal) die Com- 
munion empfangen O. 'Wan sie zii wer 
gangen' zur Communion Pauli 318. 'in 
diser heiligen zeit der fasten so ein mensch 
zu sol gon' Geiler Narr. y^. 2. sich 
schliessen; für die Arbeit unzugänglich 
werden (Land, das sich mit Schnee be- 
deckt) M. j. vor sich gehn, hergehn : do 
ge^t s lustig zue; do ge^'t s zue wie vor 
''em Himm"^! Geberschw. K. Z. Bühl. 'Do 
geht's jo züe wie vorm Himmel drüsse' 
Horsch Hüssje 75, wie in s Dutteries 
Bischw. Betschd. P'' weiss nit, wie s 
zue gangen is' Du. — Schweiz. 2, 36. 

Zuege'^ner m. zver zum ersten Mal 



zur Co7nmunion geht Ndhsn. Hindish.; f. 
Zuege'^nere". 

Gau in 

Sundgau [Sür[_käi, Süi|^käy S. ö.] m. 
Sundgatc, südl. Teil des Elsasses. 

Sundgau er [Sür^^käiar, -käyar 6". ö.] 
tn. Bewohner des Sundgaues. Spw. 'Grob 
wie ein Sundgauer' AuG, Stöber das 
vordere Illthal 8 f. Grower S. O. — 
Sunggeujer 'Waggis Basel 308. 

sundgaüisch [süi^käis Mü^^ Adj. dem 
Sundgau angehörig. 'Fo dam sungaiishä 
boodä Findsh drin dr rüchä saft' Lands- 
MAN Lied. 5. 

Gäü [Kai Steinb. Mü. Banzenh. Be- 
belnh. Du. Bf. Str.; Kei M. ; Kaei Barr 
Molsh. K. Z. Wh. ; Käj Bühl Ndrröd. ; 
Kä JVdrlauterb.^ n. (f. Banzenh. Steinb.) 
I. Landbezirk. 'An äiär hAArz vAnd (wende) 
i mi hit, älsAsär fo dAm gai' Landsman Lied. 
8 ; bes. Bezirk des v icheinkaufenden Metz- 
gers : der Metzjer is* allewil im G. ; auch 
auf Handelsleute und Landvögte über- 
tragen, sowie attf tmiherstichende Kä7ifer, 
atich in der Stadt: jetz' bin ich de" gan- 
ze" Tas uf "^'em G. geloffe" weje" dene" 
Pflume" un*^ hab doch ke'ni kriejt Str. 
Auch von Liebeswerbungen: uf d (oder s) 
G. ge^(n) ein Mädchen besticken Banzenh. 
Z. plan überhatipt: [^pas em Kei ha M?^ 
etwas im Sinne haben. Eine" uf "^em G. 
han einem ajtfsässig sein Str. CS. 2. 
in ei"®m in s G. ge'^n, kumme" mit jemand 
konkurrieren, die Absichten von jemand 
durchkreuzen : der is' i'^m ins G. kumme" 
un'* het i^'m sin Liebsti e"weg gspannt 
Z. S ge'^t äner um (dem) andere" in s 
G. Wh. 'I ward ne-n-als gange noch in 
's Gay, hat i nit gest im Traum e Zaiche 
kriejt' Pfm. V 6. — Verbindung mit Ge- 
hege, s. d. Schweiz. 2, 28. Bayer. 
I, 853. 

geie" [keia jFisl.; keja ///.] hungrig 
ztisehn: se, hes' eppis, '^ass de nimmi so 
geisM schmarotzen Hi. 'gewen oscitare' 
Dasyp. — Schweiz. 2, 567 güwen, 
Bayer, i, 861 und mhd. gewen lat. hiarc. 
s. gäwen. 

Geier [Kejar ///.] m. Mensch, der 
geiet, gierig einem Essenden zuschaut, 
ohne jedoch etwas zu verlangen. 

Gu [Ky allg. j m. Geschmack , bes. 
eigentümlicher Geschmack. De'' Wi" hei 
e'"®" Gu schmeckt eigentümlich, e'"®" guete" 
Gu. [Te Ratjala hän nö;^ kär khen Ky 



Gu 



GaB 



— 192 



GaB 



///■.] Die Musik is' nit no'^'^ mi-^^m G. 
Ich kann dem Esse" gar ke'"*^n G. ge'^'n, 
so hann i"'' de° Schnuppe" Lützelstn. 
De"^ het e'"®" giicter G. einen feinen Ge- 
schmack, ist ein Kenner. 'Diss kämt an 
uf de Guh' Pfm. I 4. 'er isch in dene 
Johre, Wo d Männer zu der Eh meist han 
de Guu verlöre' Kettner Mais. ij. — 
frz. goüt. Schweiz. 2, 52. 

Abgu [Äpky Str.^ in. Abgeschmack, 
Widerwillen. — frz. degoüt. Schweiz. 2,52. 

Erde"gu [Ärtoky Bebelnh.; ^rtky Ar.] 
;//. Erdgcschrnack, scharfer Geschmack. 
De"^ Wi" het e'» biss«l e'"«" E. riecht 
nicht gut Bebelnh. -- Schweiz. 2, 52. 

Gu [Ky NBreis7\ m. der Hintere. — 
frz. cul. 

gu [ky K. Z.] Ruf beim Versteckspiet. 
— ans guck? Bayer, i, 853. 

gabaische Adj. rein, fehlerfrei: dis 
Ross is' nit g. Roppenzzv. — jüd.? (steht 
nicht JB. XIlJ. Ob = ka {kein) baische, 
was ne se gene pas bedeuten soll? 

Gabe [Köpa Roppenzw. Ili.; Köwa 
Strüth; Köp Ruf. Su. Pfast. Du. M. 
Bf.; Kup Hlkr. Katzent. Rapp. Kerzf. 
Barr K. Ingenh.; Kop Hf.; PI. Köpa 
S., sonst Köwa] f. Gabe. i. Hochzeits- 
geschenk an die Braut, wie es an einigen 
Orten alle Eingeladenen, an anderen nur 
die Erschienenen geben {s. Gabhochzit); 
Geschenk zum Namenstag Rapp. 2. aus- 
gesetzter Preis: e G. ''erus rite'', laufe", 
schiesse" tim eilten von der Braut ge- 
stifteten Preis Wettrennen, reiten, laufen, 
schiessen Han. JB. XI 169. 'Gab des 
Streits praemium' Dasyp. j. Bürgerholz 
aus dem Gemeindewald Co.; Blolzbürde: 
da" 's' e schweri Gob! Roppenzw.; d 
Gobe" zie^*"* um den Anteil losen Hi. — 
Schweiz. 2, 52. Bayer, i, 862. 

Abgabe" [Apkäwo Winzenh. Du. Bf.~\ 
nur PL Steilem. — Der Stammvocal ä 
zeigt, dass das Wort erst aus dem Schrift- 
deutschen entlehnt ist; es war schon vor 
i8yo üblich. 

Dri"gab^ [Trfküp M^ f. Zugabe beim 
Kauf 

Gottcsgabc: 'darumb sie die gottcs- 
gobcn der pfrünen niesscnt' Str. 75. yh. 
Brücker 43. 'conscientzicngolt oder sust 
gotzgobcn' ebd. 77. 

Hochzitsgab Hi. Ruf. f. Brautge- 
schenk. — Schweiz. 2, 55. 



Ufgab"^ [Üfkäp Lützelstn.'] f. Auf- 
gabe. 

Z u e g a b (c)y". Zugabe, Beigabe, i. kleines 
Stück Fleisch, Knochen oder Brot, welches 
das Gezvicht voll machen soll. Hcs' hiit 
ke'n*" Zugob bekumme"? Ingenh. 'Er 
kriejt was ich em gunn, un mit der Zuc- 
goob noch' Pfm. III 2. 2. Mitgift Esch- 
enzw. 'zfl Gab Dos, parapherna' Dasyp. 

— Schweiz. 2, 55. 

gäbe" [köw3 Mü. Ruf. Du. M. Rapp. 
Meis. Mütt. Scherw. Bf. Ndhsn^ schenken, 
besonders bei Hochzeiten an die Braut; 
aber auch zu Neujahr. In Rapp. weist 
man eine Bitte um ein Geschenk ab mit 
den Worten : am Pfifertaj gobt m'^r d'r e'" 
Pfif'^l! — Schweiz. 2, 55. 

begäbe" [paköwa M.] betrügen. 

begabt [paköpt Lützelstn.] beschenkt; 
ironisch : Mir sin aber b. mit unserem 
Knecht, c'" so albcrter Kerl muss es ke'ne" 
mc'"" ge'^^n. 

gäbig [käwik 71/. ; kaevvi;/ Wh.] Adj. i. 
zahlbar: fuchtze^'n Mark sin'* g. Wh. 2. 
freigebig M. : der is' nit von G. ist geizig. 

— Schweiz. 2, 62. 

fr e i g ä b i g [freikäwik Logelnh. ; freikäwi 
K. Z.; fr^ikaewi;!;' Str.] Adj. freigebig. 

gippelgäbisch, kippelgäbig [kipl- 
ksewis Z^tV///. ; khiplkaewe^ Wh.] freigebig, 
gern gebend: der is' nit g. ist geizig. 

redgäbig [retkäwik Ndrmagst.; xhi- 
Bf.] Adj. gesprächig, unterhaltend. 

jRedgebigkeit Affabilitas' GoL. 489. 

zückelgäbisch [tsiklkaewis Str. Avolsh. 
LobsT] zurückhaltend mit seiner Gabe, tm- 
freigebig. — Vgl. mhd. üf zucken Walther 
V. d. Vogelw. 36, 3. 

f 'gybig' Geiler /*. I 33''. — Schweiz. 
2, 96. 

jussgebig freigebig Geiler LK. 37. 

Gabel, Gable [Käplo Liebsd. ; Käwla 
Lutterb.; Käwl Obbr. M. Uttenh. Str. 
Ndrröd. Z. Betschd. Wingen; Kdwl Su. 
Ingersh. Logelnh. NBreis. Du. Bebelnh. 
Bf. Ndhsn.; Köwl Meis. Dachstn. Geisp.; 
Köwl K. ; PI. Käplo, Käwlo , Köwlo, 
Käwlo, KöwId] f. I. Gabel. Er nimmt 
d fünfzinkig G. Du., oder s Grossvaters 
G. er isst mit den Fingern Bf. 2. Ver- 
zweigung eines Astes, bes. Ranke des 
Weinstocks, j. Groll, Hass, Zorn, Ärger. 
'Na, dissmol vvurrd's so gehn, denn d' 
Bärwcl het c Gawwel' HiRTZ Ged. 181. 



GaB 



193 



GaB 



Dcmin. Gabele [Käwala Heidzv. Su. 
Du.; Kawolo NBreis. Lobs. M. K. Z. 
Betschd.; Kaewala Str. W7\ n. i. kleine 
Gabel, kleine Ranke. 'Gäbelin, räbenzinck 
Capreolus' Dasyp. 2. Znnge der Eidechse, 
der Schlange, mit welcher sie nach dem 
Volksglanbejt sticht allg. Rda. üwer s G. 
lucjc" schielen, so dass die Augen nach 
verschiedenen Richtungen blicken U. Dene" 
haw ich schon lang im G. dem bin ich 
schon lange böse Str. Nidis G. ! nidi§ 
G. ! singen die Kinder, mit vorgestrecktem 
Zeige- und Mittelfinger, um den anderen 
zu ärgern. — Schweiz. 2, 57. Schwab. 
21 3. Bayer, i, 863. 

Fleischgabel f. grosse Gabel, mit der 
man das Fleisch a^is dem Kochtopf 
holt U. 

Fiietergabel [Fyatorkäwl Ä'. Z.; Fütar- 
käwl Betschd. Ndrröd7\ f. Gabel ztun 
Überführen des Heus in die Raufe. - — 
Schweiz. 2, 59. 

Giftegäbele n. die Bewegung zweier 
vorgestreckten Finger, womit die Kinder 
einander verhöhnen Str. CS. 

Heugabel allg. f. kleine hölzerne Gabel 
mit zwei bis vier Zinken zum Henwendeit. 
[S rejt Haukävvla] es regnet in Strömen 
Rauw. — Schweiz, i, 59. 

Hexe"gabel: '/;? manchen Reb stücken 
des Oberrheins [Rapp. Hunaw.) befinden 
sich grosse Rebstecken, die oben zwei 
Zinken haben und eine Gabel bilden ; sie 
heissen Hexengabeln und sollen die Reben 
vor Malefizien bewahren St. 

Ise"gabel, Isergabel, iser^e Gabel 
[Isarkäwl Prinzh.; Isaköwl Pfulgriesh. ; 
Isjkäwl Dunzenh. Brum. ; isa Käwl M. ; 
isark. Ingenh. ; isora Käwl Hf] f. zwei- 
zinkige Gabel mit langem Stiel zum 
Auf- und Abladen von Heu oder Stroh. 
— Schweiz. 2, 58. 

Krutgabel [Krytkäwl Obbr.'] f. Gabel 
ztim Rühren des Kratites. 

Langgabel [Lär^^käwla Steinb.; Läi]^- 
käwl NBreis. Heidolsh. ; L^r^käwl Obhergh.] 
f. zweizinkige Gabel mit langem Stiel 
zum Aufiaden der Garben. 

Mistgabel allg. f. Mistgabel [drei- 
zinkig). — Schweiz. 2, 59. 

Ofe"gabel [Ofakäwl f/.] f. eiserne 
Gabel mit zwei Zinken und langem Stiel, 
mit zvelcher man die Kochtöpfe in die 
Stubenöfen stiess und herausnahm. — 
Schweiz. 2, 58. 

Wb. d. eis. Mundarten. 



Schossgabel ['Söskäpl Steinbr. Rop- 
penzw. ; 'Söskäwl Su.^ f. lange Gabel mit 
zwei Zinken um die Garben oder das Heu 
atif den Wagen zu heben. — Schweiz. 

2, 59- 

Schüttelgabel, Seh üttergaljel ['Setl- 
käwl Dachstn. Kindw. Z. Ndrröd. ; 'Sotl- 
köwl Pßdgriesh. ; 'Sitarkäwl Obhergh. '\ 
f. grosse Gabel mit drei Zinken von Eisen, 
früher von Holz um Heu, Stroh, Futter 
atifzuschütteln. — Schweiz. 2, 60. 

Schutzgabel ['Sütskawl Obhergh. Horbg. 
Dü^ f. lange Gabel mit zzvei Zinken, um 
die Garben auf den Wagen und atif die 
Strohbühne hinauf zu reichen. — Schweiz. 

2, 59- , 

Schwinggabel ['Swcr^käwl Kindw. ~\ 
f. lange Stange zum Herabschütteln des 
Obstes. 

W e n d g a b e 1 [ VVai"|^käwl Z. ; Demin. 
Wantkawala Illk.^ f. hölzerne, atis elftem 
Stück gefertigte Gabel zum Wenden des 
Heues. 

Zwickgabel [Tswekkäwl Ingw.'\ f. 
Astgabel an einem Baum. — vgl. Schweiz. 
2, 60. 

gab(e)lc" [käwola Heidw. Gebw. Ruf. 
Su. Horbg. Du. Katzent. Du. Ndhsn.; 
käwla M. Bf. Nhof Str. Z. Ndrröd:] i. mit 
der Gabel fassen. Garwe" g. Ruf. M'r 
han die Platt voll gegaw^lt dieser Platte 
tüchtig zugesprochen. Dene" Mitta^ hes' 
awer gegaw^lt ! Do is' nix z g. Abweisung 
eines Begehrenden. 2. mit der Heugabel 
arbeiten : Spw. [Wer am Hoeymä/9t nit 
käwlt, ün an tar Arna nit tsäwlt, ün am 
H^rpst nit friei üfstet, ter khän lyeja wy- 
s-am em Wentar ket ! Z.] — Ebenso Rattw. 
s. auch JB. VII 143. Geiler Na7-r. 24; 
'Wer nicht gablet so die Brem zablet: 
der laufft im Winter mit einem Seyl vnd 
fragt, hat jemandt Höw feil' ; vgl. auch 
70. 1^0^' \(Häslein 6 IF). BRANxiVrtirr. 70: 
'Wer nicht im Sommer machet Heuw Der 
laufft im Winter mit Geschrey Vnd hat 
zusammen gbunden Seil Ruffent, das man 
jm Heuw geb feil'. 'War im Haiet nitt 
gawelt, im Herbst nitt zawelt, Im Winter 
spot uffsteht. Der lueg wie s em im Frieh- 
jor geht' Mü. Mat. 5, 51. J. mit den 
Händen herumfahren, bes. von kleinen 
Kindern, die nach etwas reichen; herum- 
fuchteln: Gaw^l m'r nit so im Gsicht 
umme, su"st hau i'^'^ d'r eini uf d Schnurr! 
Ruf. 'der ander {Trinker) wil springen 

13 



GaB - GeB 



194 



GeB 



und gablcn als ein Äff Geiler Narr. 49^. 
^. züngeln {von Schlangen). 5. schnell 
stricken Str. — Schweiz. 2, 60. Bayer. 

1, 863. 

uf gable" /. mit der Gabel nehmen: 
Heu lockei'n u. ä. 2. erwischen, ent- 
decken, atif stöbern, ausfindig machen M. 
J. eine Krankheit oder Ungeziefer an- 
nehmen. ^. eine Nachricht erfahren. [Wü 
häö tena Lijo (diese Lüge) üf kakäwlt Ndr- 
röd7\ ; ein Wort auffangen. — Schweiz. 

2, 61. Schwab. 213. Bayer, i, 863. 
z"samme" gable" rasch zmd mit Ap- 
petit essen; rasch nähen. — Schweiz. 
2,61. 

fgabelccht Adj. in Gestalt einer Gabel 
Geiler 6". M. 6 7 ''. 

Gablete [Käplata Olti^ f. eine Gabel 
voll. Stoss no''^ "'ne G. inne! Heu in 
die Krippe. — Schweiz. 2, 61. 

Gabert [Käpart Co.] männl. Vorname 
Gebhard. 

Gaber [Käwar Kerzf. Geisp^ Kose- 
form des männl. Vornamens Gabriel. 
Demin. Gawerle. — Schweiz. 2, 62. 

Gabinet [Kapine ///'. Heidw. ; Kapinet 
Ndhsn.] n. Abort. — frz. cabinet. 

Gabusch [Käpys Obbr^ f. Kapuze der 
Fraiien. 

Gabüschung s. K-. 

Gebel [Käpl Steinbr. Eschenzw.; Käwl 
Heidw. Wittenh. Su. NBreis. Ingersh. 
Logelnh. Horbg. Rapp. Kerzf. Hindish. ; 
Kawl M. Dachs tn. K. Z.; Kaewl Str.; 
K^wl Ndrröd. Trimb. Tieffenb^ m. (n. 
Ulk.) ; Giebel, Giebelwand ; bildl. Ich 
hau d'r uf s Dach, dass d®r G. lott<=lt ich 
schlage dich auf den Kopf, dass der 
Schädel wackelt. 'gebel' Chron. 754, 
I. 'gebel, gibel fastigium' Dasyp. — 
Schweiz. 2, 97. Bayer, i, 864. 

Zss. Gebcllade" Laden am Giebel. 

G e b e 1 m u r Gicbelmauer. 

Schwebgebel ['Swäpkawl ///".] m. vor- 
hängender Giebel aus Holz am Bauern- 
haus, welcher Z7im Trocknen tmd Dörren 
dient. 

Trockgebel [Trokkawl Hf.'\ m. dass. 

Gab [Ka[) Ruf.^ m. Traubenart mit 
schwarzen Beeren und wolligen, fein 
behaarten Blättern , von scharfem Ge- 
schmack. 

geben [kd Olii. L^uiterb. Su. Hlkr. Du. 
Bf.; V'aM.; VAv\ Bisch. Barr Mtitzig Z.Han.; 
kan Betschd. ; k:ln und kan Hf.; ken Mittel- 



hsn. Gimbr.; kaen Pftdgriesh.; kocn Str. 
Lobs. Tieffenb.; jkäwa Hf.; käwa Ensish. ; 
kaewOvS/r.; ken Wh.; kin Dehli. Rauw.Harsk.] 
Ind. Präs. Sg. i. [kepÄ^. Hlkr. Bf. K. Hf., 
wo kew vor Pron. mit vokalischem Anlatit: 
kew i, kew oro, kew uns; atuh ke ; kip 
Hi. Str. ; ki Geisp. Dehli. Rauzv. ; ke 
M. K. Z.; 2. kops Hlkr. Geud. Lobs. 
Str.; kes Su. M. Du. Bf. K. Z.; kis 
Geisp. Str. Raiiw.; kist Dehli. j. kept 
Str. Hf. Geud., auch ket, was allg. ; kit 
Hi. Str. ; PL kaewo Str. Lobs. ; kaen Str. 
W. ; kän K. Z. ; ke Geisp. ; ken Getid. ; kaen 
K. ; k^i M. ; kin Dehli. Harsk. ; Imper. 
kep, ke; PI. kan, kaen; kin Rauw. Harsk.; 
kent Hi. Sier. Coitj. Prät. Sg. i . j. [käp 
Sit. Hlkr. Hf. {wo atich käw \yfj ; käpt Z. ; 
kät Rtif. Hlkr. NBreis. Du. M. Bf. Bisch. 
Hf. {selten); käptit, kätit Bf.; i, as kap- 
tik Hlkr. (s. auch gät). 2. käps, käpts 
Hf. ; fkätits Bf. ; käptis Hlkr. ; käts Du. 
Bf. ; PI. käwo, käpto Bf. Hf. ; käto Barr 
Hlkr.; käptika Hlkr.; Part, kä Olli. 
Lutterb. Su. Hlkr. Du. Bf. ; k^ M. ; kän 
U. ; kaen Str. {neben kaewa) ; kokaen Prinzh.^ 
'ich gib' Geiler Narr. 14; 'er git' 
Brant Narr. 5, 5 . . 'und söllent eigent- 
lich anzeigen wer gelt git' Str. iß. Jh. 
Brucker 241. 'und git yme ieglicher vier 
Pfenninge' Str. 1390 Brucker 201. 'gent 
si' 102, 36 ; 'gent' 3. PI. Ind. Präs. schon 
Altswert 30, 23. 'hundert rechen gent 
2 d' Str. Iß.] 16. Jh. Brucker 264. 'so 
sollent sie keinen win gen untze das der 
win verungeltet wurt' Str. iß. Jh. Brucker 
569. /. geben. Wer vi^l gi'^tj bhalt 
wenig. Wichs g., e'" par g., eini g. ohr- 
feigen, prügeln, abfertigen; ei"^m s g. 
abstrafen ; . . . 'nam in (den floh) zwischen 
dzän zermalmt in klain : Ich hab dirs gän !' 
Fisch. Flöhh. 1481/82. Sin Wort g. feier- 
lich versprechen. De" guete" Morje" g. 
den Morgengruss entbieten, '(sie) meinen, 
man soll ihnen gewonnen geben' Geiler 
Narr. 36; so noch jetzt Z. Acht g. auf- 
passen. Volkswitz : e'" Schandarm un"^ 
si'=be" g. acht. Kinderreim: 8''ge''^n, ^^- 
ge^^n, nimmi**' ge^^n; gfunge", gfungc", 
widerum ge''*n : zvas gegeben worden ist, 
braucht man nicht zurückzugeben, wohl 
aber was geftmden worden ist K. Z. S 
is' m'r nit g. es liegt nicht in meiner 
Natur, ich kann nicht (oft ironisch) : s 
is' i''m nit g., dass er c'" Mol heim 
kummt in d^r Zit. Der gi^t sich e"""' Käs 



GeB 



195 



GeB 



bildet sich viel ein ; de"" gi''t ''^ne isf hoch- 
mütig. Guet gge^®n gut gesagt, öftet's 
im Pfm. I 8; V 8. G. g., Herr Pfarrer! 
spöttische Zttrückzveisung einer Rede. Was 
gi^s' (de), was hos' (de) atts Leibeskräften 
(bes. laufen), 'thatc dcsswegen einen sprang 
zurück vnd davon was gischtc was beseht' 
Mosch. I 181. 'was gisch de, was hescht!' 
HiRTz Ged. 232. 'VVasgischde, was heschde, 
durch Dick und durch Dünn Zuem Garde, 
s'meecht Jedes am Erste drinn sinn!' Aug. 
Stöber ScHK. 60. 'Der Back lauft no, was 
gisch was hesch' Lustig I 53. wo err 
d' Maddamm, was gisch de, was hesch de, 
anranzt' Ar. JVibble ^,^. Auch : plötzlich, 
7invermutet : was g., w. h. fangt de"^ uf 
ci"mol mit m'r Händel a" Liebsd. Was 
gi'^s' de, was has' de ohne langes Be- 
sinnen, wi'^t odernit? drängen zur Ent- 
scheidung beim Kauf Rauw. Was gi'^s' 
was hes' mir nichts dir nichts Ruf. 2. 
ergeben, werden : dis het awer e'"^" Kerl 
geggbef, [ ^^f^ i^f ^ijj^ Bursche geworden ! 
U. j. vorhanden sein : s gi'^t viel Obs dis 
Jo^r. Beim Vorübergehn an ei7tem Jäger 
fragt man : Gi'^t s brav ? Antw. : He, s 
passiert noch Geiswasser. S gi^t s gern 
es kommt oft vor. Auf die Frage was 
gi'^t s? {zu essen) antwortet man sp ass- 
haft: Gel'^i Ruewe" un'* Schnitz Str. Ul- 
rich. (Verdämpfti Feldlüszung, frikassierti 
Schnecke"hörner Horbg.). S gi'^t viel, 
awer m'r ha" gar wenig Dollern. Nitsnutz 
Olli. Nit viel Dunzenh. Ebenso ant- 
wortet ein Rtihender auf die Frage Was 
gi t s? J/. JB. XII 119. S ka"" s wider 
ge''^'' beim Abschied Antwort atif die Ein- 
ladung bald wieder zu kommen, etwa in 
einem Kaufladen Hi. ^. treffen. We"" 
m^r e Bengele änger e Herd Sui wirft, 
brüel't nämme die, wo s gi'^t trifft Mb. 
JB. VI 145. [Se h^i üf ng ksosQ, äwr s 
het no net kt\ M7\ Beliebtes Wortspiel 
mit Ortsnamen : du bis' nit vo" Ge^willer, 
awer vo" Ne^mheim; nit vo" Gewerschwir, 
awer vo" Bhalte"s dheim (Baldenheim) ; 
ender vo° Ne*'me"dinge" Gebw. Mü. 'wenn 
er schun nit von Geewiller awwer vun 
Thann isch' Str. Wibble 43. Über den 
Conj. Praet. in Umschreibungen =; t'^ät 
j>. unter gät. — Schweiz. 2, 96. 

7 Zss. (üb red: 'eine grosse Buch Ben, 
zwölff centner schwär. Gibred geheissen' 
Mü. Petri 163. 

ab ge'"^(n) /. abgeben, übergeben. Er 



D Karten 
geben Hf. 



het si"=" Platz abge*^^" seine Stelle nieder- 
gelegt Su. 2. ablassen, s Mul so"t d'r 
bal'^ ab g. dji. hast nun genug geredet Hi. 
J. darstellen, werden : dis gi'^t "='nc" Herr 
Pfarrer, Doktor ab dies wird einmal ein 
Pfarrer, ein Arzt ebd. /].. sich a. g. mit 
eps sich beschäftigen mit etwas, daran 
denken allg. — Schweiz. 2, 77. Bayer. 

1, 865. • 

an ge'^^(n) /. angeben, anzeigen, an- 
melden : de" Tubak a. g. die Tabaks- 
pflanzen für die Steuer anmelden. Der het 
'''ne a. g. verraten. Du wurs'^ on «"ge'^^n 
beim Lehrer, hätiflge Drohung unter 
Kindern Dunzenh. Ingenh. Sin Spiel a g. die 
im Spiel vorhandeneit Punkte , A7tge7z, 
Trümpfe oder sonstigen Werte anzeigen. 
an ge'^'^n die Karten zuerst 
2. in die Feder diktieren Hi. 
'angeben auffzuschreiben dictare' Dasvp. 
J. raten, einreden, überreden. Wer het 
ü''^ dis ans^*'ge'^*'n ? wer hat ejich diesen 
Rat gegeben? Er het s '•'re guet ans<=- 
ggben ^j~ jifif ^i^ überredet Su. — Schweiz. 

2, 81. Bayer, i, 865. 

e"weg ge''®(n) weggeben, aus der Hand 
geben : de"" dumm Teüf'^l het s e"weg 
ggben Olti., verschenken Katzent. — 
Schweiz. 2, 93. 

erge''^(n) i. ergeben. 2. sich e. sich 
ergeben, bes. sich erbrechen Hi. ; nach- 
geben , nach anfänglichem Widerstreben 
einwilligen ; locker werden (Geschwulst ; 
Schraube), weich werden (Geschwür), nach- 
lassen (Krankheit), zur Krisis kommest 
(Lungenentzündung) , gelenkig werden 
(steifes Gelenk) Hf. Er het sich i" ^^m 
Suffe" erge''^" ist ein Gewohnheitssäufer 
geworden. — Schweiz. 2, 83. 

her, here ge'"'(n) /. verschenken. Der 
t'^ät s Hemd vom A. h. g. ! Ingenh. 2. 
(Speisen) erbrechen Co. Str. J. verkaufen Wh. 

i(n) ge^'=(n) /. in den Mund geben: 
Speisen, Arzenei. 2. in den Sinn geben: 
der Teüf'^1 muess i''m das i"ge'"=" ha'^^" 
Bf. j. einreichen: d Demission ing ge'^^n 
Ingenh. — Schweiz. 2, 83. 

dri(n) ge^^(n) drein geben: uf "^'^s Dut- 
ze"d Subrödle ge'^^n d Becke" eins dri" 
Bf. — Schweiz. 2, 83. 

inne ge''^° hineingeben: i" '^^m Vi^** 
i. g. das Futter einstecken Su. 

na (•''') ge''®(n) nachgeben; sich ziehen 
lassen (Leder). D^r G^scheidst gi'^t no*''^ 
Bf. Str. — Schweiz. 2, 91. 

13* 



GeB 



— 196 — 



GeB 



GäCH 



nä^'er ge''*n nachgeben, zurückweichen 
Lützelstn. ; s. auch nach IL 

ü b e r g e "^ ^(n)/. übergcben,bes .dieMeister- 
schaft über Haus und Hof übergeben K. 
Z. 2. bildl. sterben : Jctz* het der Hans 
aü'''' üwcrge'"^" ist atich gestorben Du. j. 
d Kart ü. falsch geben K. Z. ^. sich ü. 
sich erbrechen. — Schweiz. 2, 78. Bayer. 

1, 866. 

ufge''^(n) /. atif geben, eine Arbeit; 
nicht weiter führen, ein Geschäft Lutterb. 
Sti. '(wer) den zapfen ufgit' aufhört Wein 
zu verzapfen Str. 75. Jh. Brucker 572. 

2. verzichten, im Kartenspiel beigeben, 
eine niedrigere Karte da^'auflegen Z. 
Schweiz. 2, 79. Schwab. 223. 

druf ge''^(n) ztim Voraus etwas auf 
den Kauf geben: d*r Metzger het m'r 
*"'cn Ochs abkauft un"^ het m'r glich e'"*^« 
Heijer [Fünffrankenstück jüd.) druf ge^^" 
Bf. — Schweiz. 2, 79. 

drum ge'^^" gehorchen; auch: um s 
Wort ge'''=° M. 

'^erum ge'^'^n sich erbrechen Wh. 

ummege'^*"/. {Geliehenes) zurückgeben ; 
beim Fangspiel den wieder treffen, der 
eben gefangen hat Liebsd. Su. ; erwidern, 
Widerreden Hi. 2. sich erbrechen M. 
— Schweiz. 2, 80. 

US ge''^(n) /. {Geld) ausgeben. 2. Er 
gi'^t US erbricht sich Ruf. j. bei der 
Ernte, Wein- Jind Obstlese : ergiebig sein. 
D^r Weise" Waizen gi'^t nit vi^l us dis 
Jo*'r. S het guet usge'^'^" uf dem Stückle. 
Gi^t s wo'^l, brav us? fragt man die mit 
der Ernte u. s. w. Beschäftigten. Sie ant- 
worten : Jo, so zimli'^'^, passaw^l ; Jo, e 
wenigle Obbr. Kaysersbg.Ammerschw. Ha, 
na so Co. Jo, s is' kum d^r wert, ^ass 
me" schafft Hirzfn. — Schweiz. 2, 84. 
Bayer, i, 865. 

••erus ge'"=(n) /. nach Abzug eines 
Guthabens von einem Geldstück den Rest 
zurückgeben. Behalt jetz' dene" T'^oler 
nummc", ich kann d'r doch nit rusge^^n 
Ingenh. 2. {einem Spötter) die Abfertigung 
zti Teil werden lassen; frech antworten allg. 

u«e ge''*" {Geld) her atis geben; €\^^ts\ 
u. g. derb antworten, einen abfertigen 
Liebsd. Su. — Schweiz. 2, 85. 

verge'''(n) /. in ei^^m v. jmd. ver- 
zeihen Bf. P*" hätt i^'m könne" v. 2. 
s Holz V. die Lose des Bürgerholzes aus- 
teilen Wh. J. refl. sich v. beim Karten- 
spiel unrichtig Karten austeilen Pfetterhsn. 



Su.; in diesem Sinne intr.: Du hes' v. ! Z. 

— Schweiz. 2, 86. Bayer, i, 866. 
Part, vergebe" Adj. vergeblich. S is' 

vergebeni Mäc"^ Heidw. Du. Adv. umsonst. 
Du kumms' vergevve" Du. Anders ver- 
geben {umsonst) ist das underston des 
arbeitenden' Geiler y. Seh. (b 11). — 
Schweiz. 2, 87. 

vergebc"ts Rttf. Su. Logelnh. Dil., 
vergebens lauter b. Bf. U. Adv. (eig. 
Gen. des vorigen) umsonst. V. schaffe" 
ohne Lohn arbeiten; v. laufe" laufen, ohne 
die Absicht zu erreichen. S is^ alles v. 
allg. D Rewe" ge^'^n nix v. man muss 
viel Arbeit auf die Reben wenden O. 
[ar h^t no farkäwgs pakhestikt 71/.] Nit 
vergewe"s (nicht ohne Absicht) het "-'r si"^'" 
alli Müej ongGt^on Ingenh. — Schwab. 224. 

vor ge^'^(n) beim Spielen, bes. beim 
Billard oder Kegeln, einem weniger ge- 
übten Gegner Vorteile ztigestehn ; bildl. 
etwas besser versteht als ein andrer Su. 
[i^" kät tar no;^ femfi för kä trüf] ich würde 
dir noch fünf Ptmkte vorausgeben Rapp. 

— Schweiz. 2, 89. 

zeruck ge^^(n) zurückgeben allg.; zur 
Entschädigung geben Hlkr. Rapp. 

z''samme" g't^^{vi) trauen, copidieren, 
im 0. nur von der Civiltrammg. Henicht 
wer'^e" si= z. g. un*^ morn ha^'^n si Hoch- 
zit in d^r Kirch Du. Hut Mittau^ het 
s'e de'' Pfarre'' z. ge'^^n Dunzenh. — 
Schweiz. 2, 93. 

zue ge^^" nachgeben. Me" muess ''em 
Unverstand z. g.Su. Hlkr. — Schweiz. 2,94. 

vergebli*^^ Adj. tcnd Adv. vergeblich: 
e vergewlicher Gang Geisp. Dis is' wi der 
alles vergewlichi Ärwet ! Ingenh. 

A "g e '' ' n e r e iy. Angeberei, Klatschsucht 
Ndhsn. 

Gob [Köp Wh^ f. grüne Wanze. 

Gablie [Käplio Felleri.'] n. Kapuze. 

Gebs, Gebsei, s. Geps, Gepsel. 

gäch, gä'^'', gä^n \kx^Sier. Roppenziv. 
Fisl. Olli. ; kä^ Pfetterhsn. bis Rchw. 
M.; kän Molsh.; kä M. Bisch. K. Z.; 
kae Str.; käi Lützelstn.; ßectiert: kae^o 
Olti. Roppenzzv. Fisl. ; k<'i;KO Hi. Banzcnh. 
Logelnh. Du. Mittl., a kdnar Pari Bisch. 
Molsh. ; käar Hf^ Adj. jäh, steil, rasch 
eintretend, plötzlich: der Buckel {Hügel) 
is' so g. wie e'" Dach ; [a kd,;^i 'Stdj 
steile Treppe Dil., e käi Hcts heftige 
Ofenhitze, s kä Tots 'starwo Hf\, der 



GäCH 



GauCH 



— 197 — 



GauCH 



GiCHT 



gäch Hunger, mich der gäch mit Ellipse 
von Hunger Ileisshunger Ruf. Hes' d'"r 
gäch? sagt man zu einem, der ungedul- 
dig nach Speise verlangt Banzenh. ; ich 
glaub du hes' de" gäne" Bisch. 2. jäh- 
zornig, übereilt: e'" gäche"^ Mensch, 'in 
dem gehen geist würst du zu ermürsen, 
zerbrechen oder vcrhergen die Schiff' 
Geiler Z'. I 18; 28, b. gech' J. Seh. 
7. 'Ein geswindes gehes Licht kam und 
umbefing mich' Merswin CS. 'der gehe 
Dot' Chron. 20, 32 uö. Geiler Narr. 
24'. 'Hitzig Köpff und gehe Daten' 
Murner Liith. Narr. CS. 'gäch, hoch prae- 
ruptus, praeceps' Dasyp. Adv. steil, rasch; 
iinversehens, sofort. S ge^'t gar g. d^r 
Berg uf, de" Beri '''nab ; [kä um s Ek 
orüm fära Hf^ Der is' g. rieh worde" 
Fisl. Jetz' ge'^s* m'r g. zuem Hus use ! 
— Schweiz. 2, 99. 

7.SS. Gä'^^hitz rasch zunehmende Hitze 
K. Z. Betschd. 

gä<^**schützig Adj. jähzornig M.; -stützi? 
Betschd. 

Gä'^'^zorn /;/. Jähzorn Geud. 

gä'^'^zornig Adj. jähzornig Bf. Geud. 
^ gä^'lig [kalik 71/.] plötzlich: [a kälikar 
Üst ein plötzlicher Zorn 7^/.] — Schweiz. 
2, 103. 

fgä'^ling Adj. 'ein gählingcr Schauder' 
Klein 156. 

gä''li"gs, gä^lingen, gä'^ning [kälis 
Geud.; käl^r|, ka]aer|9 J/.; kähr^s.5/".; käner[, 
känler|^il/?^/'2/^] Adv. jählings, plötzlich, un- 
vorsichtig: s, g^'^tg. '^'na''; er is* g. g^storwe"; 
si* sin"^ g. fortgezöue". De mues' nit so 
gä^linge" dri" springe"* 71/. 'gehelingen' 
Chron. 548, 25. (gehes Adv. 31, 26). 
'thu nichtz urblickig oder geheling' Geiler 
>S. 71/. 20. 'gehelingen' P. III 15. 'ge- 
helingen sterben' Geiler alt. Sehr. 117. 
'gächlingen' Wickram Roll. 120. 'gäch- 
ling repente, subito' Dasyp. — Schweiz. 
2, 103. 

Gauch I [Koi/9 Lüxd. ; Kai/ Rfrt Ge- 
berschw. Osenb.; Käia/ Stt.; Kau^ IIi.~\f. {ni. 
Hi.) Baujuwanze, Halhßügler : stinke" wie 
^'neG. Die Brumbere" kann i"*" nit esse", sie 
stinke" no"^** Gäuche" Geberschw. 'Stinke 
wie-n-e Gauch' Ob. S. St. — Schweiz. 
2, 103 Gäch, Gäk (vgl. auch 2, 199 
Gaja, Gaji). Bayer, i, 869 Gachel, Gackel; 
881 Gueg. 

vergäuche" [forkai/a Horbg.~\ ver- 
aulcn : in dere" Füchtigkeit vergäucht alles. 



Gauch II [Koi/ 71/.] i.Kukuk: [torKoi/ 
kykst schreit 71/.] 2. fgöuch, gauch m. 
Thor, Narr ; f. Thorheit, Narrheit {vgl. 
Murners Geuchmatt) Geiler P. II 4 (St.) 

Zss. Gauche°brot 71/. 

Gauche"hor 71/ 

Gauche"loch 71/ — Schweiz. 2, 103. 
Bayer, i, 86c). 

Gugauchc", Guguckc" \Kyk'k\/di En- 
sish. ; Kykyko //i. Balde7zh.'\ f. PI. Wiesett- 
bocksba7't, tragopogon campestris. Gü- 
gücke' Stöber Mäder, wo auf Hebel 
'Guckauch' verwiesen wird. 'Guckgauch 
cuculus' Dasyp. Fisch. Bin. 84. — 
Schwär. 249 gukkigauch. Schweiz. 2, 
106 Guggaucha Anemone, als Frühlings- 
bbime gleichzeitig mit dem Rufe des Kukiiks. 

-j-Gutzgauch m. Kukiik. 'die gänsz 
gagacken, die endten schnattern, die gutz- 
gauch gugucken' Geiler Narr. H. 151, 
6. (St.) 

jgochen thöncht handeln. Bcdunckht 
vnsz nit wenig mit jnen geeillet vnd ge- 
gochet gesein' Basel imd Mülhausen, 18. 
Juni 1586. (St.) 

Gichte, Gicht [Ki^ta Obbruck; Ki/t 
Bf.; PI. KX/t'Sx Bajizenh. ; Kiaytor Pfast. 
Su.; Y^\h/\.^xIllk.Hf.; Kie/tar 71/ ; Ke/tar 
Horbg. Rehw. Molsh. K. Z. Prinzh.; Ki;ftar 
Mütt. Str. Hf. ; Ke/tar Du. Bf. ; Ki/tara 
Lützelstn. Wh. Tieffenb^ f. Gicht. Meist 
PI. Krämpfe, Konv2dsionen der Kinder, be- 
sonders bei plötzlichem, heftigem Schrecken, 
auch beim Zahnen. Ein Mittel für die 
'so an den güchtern liegen' s. JB. VII 
III f. Str. 162 y, Stöber Kochersberg 
34. 'S Kind hct nit kinne zahne un het 
stark Gichder ghet' Pfm. III 4 ; Wein- 
krämpfe. Unser Biiew'l is' an de" Gichter" 
gstorwc". D stilli G. Mienenveränderung, 
azich Lächeln und Augenverdrehen der 
Kinder im Schlaf. Vgl. die Dinger. Auch 
von Erwachsenen bei grossem Schrecken: 
du has' mir ganz G. i"g jagt. Y^ bin fast 
in d G. g'^falle". 'de krysch jo bygott d 
Gychtre, wenn 's Basel nur syn Näsel zait' 
Froelich Holzh. 10. — Schweiz. 2, 113. 
Bayer, i, 869. 

Gedärm gi cht er [Katarmkie/tar///. PL 
Konvulsionen bei Unterleibsschmerzen. — 
Schweiz. 2,111 Darmgicht. Bayer. 1,870. 

'Gegichter Convulsions' Martin Coli. 
156. — Schweiz. 2, 113. 

Geis e "gichter [Kaisake/tar Du. 
Horbg.; Kaisaki/ter Mütt. Str.; Kaisa- 



CiCHT — GauD 



198 — 



GuD — GaF 



k(J;/tor 71/öM. Prinzh.; Kaesake^tor j9^rr; 
Kaeisokt5;i^t3r K. Z.] PL furchtbare Angst, 
bes. tmbegründete grosse Furcht, panischer 
Schreck. Aus einetn Rätsel: 's Ganz 
(das Ganze) isch e Ferchtebutz, der het 
Vun jeher d' Gaisegichter ghet' Atig. 
Stöber Schk. 357. — Schweiz. 2, 113. 

Ki ff Ol gichter [Rhefylki6;^'t9r Hf7^ 
Plur. Konvulsionen vom Kiefer aus, Starr- 
krampf. 

jgichtig Adj. aufgebracht, 'er ward 
so gichtig, boss vnd kiebig, dass er vor 
zorn ein Nuss mit dem Arss auffgebissen 
het' Fisch. Garg. 404. — Schweiz. 2, 
114. 

jsunegihte, 2/f.. Juni: 'iif sant Johanns 
tag zu singihten' Str. 1451 Brucker 203 
= sunewende Lexer. 

jGaden n. Getnach; Katifladen; Stock- 
werk; Bilde; Werkstatt, 'in yedem gaden 
das silber ... zu verwürcken' Str. 1482 
Brucker 244. 'ein gaden uswendig siner 
rechten hiiswonung' Str. 14^6 Brucker 
269. 'wan du gest in das grosz gaden 
aller geschöpf gottes' Geiler Pilger 5, 
15. [St.] Chron. 'der Gaden, Kram 
la boutique' Martin Coli. 170. 'drey 
Gaden trois estages' Martin Pari. N. 173. 
Mosch. Anl. 327. 'Gaden Pude, Laden 
Klein. — Schweiz. 2, 114. Schwab. 
213. Bayer, i, 871. Hess. 113. 

Dentin, fgedemly ein kleiner Katif- 
mannsstand, Zelt, 'wan er überkumpt, 
so will er darnoch ein gedemly haben, 
und würt darnach ein kaufmann und haltet 
husz' Geiler W. K. 90. 

Gäder [Kaetar Roppenzw. ; Kätor Steinbr. 
bis Pf\ m. (n. Felleri. Wittenh. Panzenh. Ge- 
ber schw. Du. Obhergh.; f. Su. Katzent.) der 
sehnige, flechsige Teil des Fleisches, Knor- 
pel. Us ''em G. macht m^r Salot Pisch. 
M'r meint, er is' vu° nix a's Hut un** G. 
Du. P*' ha'' ne G. los mich verstaucht 
Hüss. [s Katar im Färst Felleri.'] — 
eig. Gc-äder. Schweiz, i, 88. 

Gegäder [Kokätor M.\ n. der sehnige 
Teil im Fleisch, Flechsen. 

gäder ig [kätorik Mü. bis Pf.\ Adj. 
flechsig, von Sehnen durchzogen {Fleisch); 
muskulös, kräftig: e gäderige'' Kerli 
Panzenh. 'g. Fleisch zäh Kuhfleisch' Str. 
Ulrich. 

Gaxidi€\.\)^of üSteinbr. ]m. Narr. \f. G a u d 
[KoitJ/.] — Schweiz. 2,121 a«.y/^/.gaudiu 



Guder [Kütar Roppenzw.] f. PI. Gude- 
re" P lasen im Wasser. — • Schweiz. 2, 
114. 

g u d e r e " [kütara Roppenzw^ P lasen im 
Wasser entstehen las seit. — Schweiz. 2, 
123. 126. 

vergüden [forki'ta ///.] vergeuden. 
'vergüden' Geiler J. Seh. Cc iij '\ — 
Schweiz. 2, 125 güde(n). Bayer i, 873. 
)nhd. giuden prahlen ; vgl. Hess, i 2 5 
geudig verschwenderisch. 

Vergüder(e") m. J. Verschzvender {-in) 
Hi. 

Gafe [Käfo Ingw7\ m. dummer Hoch- 
mut: der het eG.! — jüd. aus hebr. 
gaäwäh Hochmut JB. XII 143. 

gaffe" [käfo Osenb. Su. Dil. Pf. Str. 
Dehli.~\ stieren, starr ansehen, mit grossen 
Atigen verwtcndert tmd gedankenlos be- 
trachten: zuem Fenster nus g. Ane ste'^n 
un'' g. kann jeder, awer dass einer helft 

— nein! Str. — Schweiz. 2, 127. 
a(n)gaffe° anstarren, verwundert an- 
sehn. Was gaffs' mi*^^ eso a"'? 0. 'Was 
nitt grad noch der hiesije Mode-n-isch, 
gafft er an, wie e Kuh e neis Door' 
Stöber Daniel 20. 

begaffe" Ped. wie a(n) gaffe" Win- 
zenh. 

umme gaffe" herum blicken Su. 

V e r g a f f e " refl. zu viel, zu lange schauen: 
ich han mich do e biss 1 vergaffl un'' sin 
se {zu) spot s^'kumm^" Dehli. Pf.; sich 
thöricht verlieben : in dene" liederliche" 
Mensch Dehli., an dem arme" Meid^l 
Str. Ndhsn. Pf. Wü ka"" m-'r si«*" num- 
me" an ere so c Gel'^schneik v. ! Ingenh. 

— Schweiz. 2, 127. 

Gigaffi [Kikäfi Obhergh^ Scheltwort, 
Schimpfname. — Schweiz. 2, 127 Gaffi. 

'gaffle* gaffen Geiler P. IV 8\ Sr. 

Gaffel m. der dunnn, leichtsinnig in 
die Welt hineinschaut , spricht; Gaffer; 
f. herumgaffendes Weib Str. CS. 'albernes, 
leichtsinniges Weib' Klein. Demin. Gäfif^l 
[Kaefl6"/r. St.; Kafl Z.] n. einfältiges Mäd- 
chen. Jo, du dumm^'s G. ! 

-j-Göffel ;//. PI. Gaffel, Pegaffer, 
müssige Leute. 'Gassentreter und göffel' 
Geiler Narr. Zss. göficlsmaul Murner 
Schelmz. St. 

gafle" [kafla Ruf. Katzent^ nagen, 
gierig essen. 



GaF — GiF 



199 — 



GiF — GuF 



vcrgaflc" zernagen: d Ratte" han s 
Straü vergaf^Jt Katzent. 

f'dic Gauff vola' Dasyp. 'Vola die 
hole oder das mittel in der hand oder 
fus der gauff, giisel' Gol. 99. 

Gau fei, Gaufle [Käufla Hi.; Koifl 
Du.; Kkyf\3 Baftzen/i.l^/. hohle, gekrümmte 
Hand:, die beiden Hände zu einer Schüssel 
vereinigt: e ganzi G. voll; e G. Nüsse"; 
e G. Wasser. — Schweiz. 2, 127. 
Schwab. 222 Gäufel. Bayer, i, 874. 
Hess, i, 118. 

geffe" [kefa Ltgersh.'] dürfen. Meister, 
gef i'^'' mit ü*^*^ uf Kolmer? 

geifere" [kaiforo Liebsd. Hi. Steinbr. 
Wittenh. Ensish.; keifarg Olti. Geberschw. 
Hlkr. Ingersh. NBreis. Logelnh. M. 
Bebebih. Rapp. ; kaefara Barr^ I. Speichel 
oder Speise und Trank aus dem Munde 
fliessen lassen 7ind dadurch die Kleider 
beschmutzen. 2. unaufhörlich sinnloses 
Zeug schwatzen, ein Geheimnis atisplatidern; 
spöttisch : reden. Gaifer oü'^'' emol eps, 
su"st hes' d Schnurr allewil uf! Ruf. — 
Schweiz. 2, 129. Bayer, i, 874. 

vergeifere" /. anzeigen, verraten, ver- 
leumden Su. 2. küssen {verächtlich) M. 

Gegeifer n. Geschwätz, Gerede Rapp. 

Zss. Geifermäntele Geiferlätzchen . 

Geiferi [Kaifari Roppenzw. Hi. Hältst. 
Ruf. Co. Obhergh. Logelnh. M. Rothb.; 
Y^M^n Barr\ m. i. Geiferer. 2. Schwätzer: 
du dumme"" G. ! Rtif. ''r sei gar e stolze 
Geifri g'se' Mangold Colni. Korn. 85. — 
Schweiz. 2, 129. 

Geiferte f. Schaum vor dem Munde 
der Pferde Logelnh. 

Giff [Kif Str^ f. leicht reizbares, bos- 
haftes Frauenzimmer. 

Gif fei [Kifl Str. Geud.] n. albernes 
älteres Mädchen. 

Zss. Giffsack [Kifsäk Prinzh.~\ m. ein 
Kind, das beständig L^aute ausstösst. 

giffig [kifi/ Str.'\ Adj. heftig, boshaft. 
Nummc nit so g., du richts^ nix us d^r- 
durch ! 

giffe" [kifo Ingw. Prinzh. Z. (seltener 
khifo Hf.; Part, kefa] schwache Laute 
ausstossen, ivimmern, schreien von Säug- 
lingen: wenn du rcds', se giffs' de numme 
so sprichst du unverständlich Prinzh.; es 
gifft numme noch von krepierendem Feder- 
vieh Z. 'gyffen' Geiler LK. 73 b. St. 
'Wer recht thuot . . . gyffet nit uff die 
Sachen domit die weit um got' ders. P. 



II 51. 'gififen sejtfzen, widersprechen, 
zanken, keifen Klein. — Frisch 'gyffen 
dehiscere.' 

gif-gif [kif kif Str. Ln^w^ einerlei, 
gleichwertig: es is' g. g. {bei der Wahl 
zwischen zwei Personen oder Dingen). — 
Vgl. franz. Argot kif kif bourricot. 

Gifitz [Kifits Kerzf. Bisch. Barr Bf7[ 
m. I. Kiebitz, Vanellus cristatus. 'Gifitzen' 
Fisch. Garg. 376. 'Vanellus Gyfitz' Gol. 
318. 'Gywitz Vaneaux' Martin Pari. N. 
560. 'Gy fitzen' Weisslinger bei Flögel 
Gesch. des Grot.-Kom. 225. 2. leicht 
auf brausender Mensch, Hitzkopf, j. weich- 
herziges Mädchen. — andre Form Fititz 
s. d. ; Schweiz. 2, 130. Schwab. 226 
Geiwitz. 

Demin. Gifitzel [Khifitsl Str. Hf7[ 
n. Kiebitz. Kinder erhalten auf die neu- 
gierige Frage, was es zum Mittagessen 
gibt, die Antwort: Gifitzle im Essis ge- 
plotzt Str. 

Gofre" [Küfra Striith; Kofra Co.; 
Kofra Str7\ f. PI. Waffeln. Ein St ras s- 
burger Ratsbeschluss von 1^34, i- Dez., 
bestimmt: ,,Das Goflfern schreien und ver- 
kaufen auf den Gassen abgestellt" St. — 
frz. gaufre. Schweiz. 2, 131. 

Goferdeckele [Kofart^kala Attenschw. 
Kop- il/.] Interj. der Verwtmderung : G., 
bis' du do? — verdreht aus Gott verdamme! 

Guf(e), G u f f e , G 1 u f e [Küfa Roppenzw. 
Sier. Olti. Hi. Banzenh. ; ■ Küf Steinb. 
Urbis Ruf. Su. Bghz. Mütt. Co. Rapp. 
Ndhsn.; Köf Co. Ingersh.; Kof Hlkr.; 
Küf M.; Küf Logelnh. Str. K Z. 
Prinzh. Lobs. Weissenbg.; Küw Wh.; 
Klüf, Klüfa Weissenbg.^ f. Stecknadel 
(fehlt dem Dial., Nadel ist stets Näh- 
nadel). Uf Guffen un'' Nodle" sitze" mit 
grosser Ungeduld warten, in Verlegenheit 
sein. 'Sitzt wie uff Guffe-n-un uff Nodle* 
HiRTZ Gcd. 220. 'gufe Brucker. 'Die 
gufifen mit den grossen Knöpfen.' Geiler 
Brös. I 96''. 'Gufif, Gluff acicula' Dasyp. 
'Acicula häfiftle, gufifen' Gol. 228. 'mit 
gufifen schürlen jouer aux espingles' Mar- 
tin Coli. 205. 'Guff' Klein. — Schweiz. 
2, 607 Gufe, Glufe. Schwab. 235 Glufe, 

Detnin. Güfcl, Güffel [Kifla Ruf.; 
Kdfla Ingersh.; Kefl Bebelnh. Bf. K. Z.; 
Kifala Hi. Str^^ s. auch die Zss. Gufife"- 
balle"s, -bettle, -hüsel, -kissel, -knöpfl, 
-macher, -spitz. 



GuF 



GiFT 



GaG 



Harguff(e) f. Haarnadel allg. 'J^tz 
nimm i d' Hoorguffe' Pfm. II 2. 

Krawatte"guff f. Krawattcnnadel, 
Vorstecknadel Str. 

Locke"gu{fy. Haarnadel Str. 

guffe" [küfa Sier.; küfo U.] mit 
Stecknadeln zusammen, an heften. Guff 
m'r s Halstuech an ! U. (Die Sonntags- 
halstücher der Frauen und Älädchen wer- 
den mit Stecknadeln hinten befestigt). 

zsamme" g. mit Stecknadeln ztisammen- 
heften [der Schneider ein Kleid beim An- 
probieren, der Arzt eine Wunde) Z. 

Güfner [Kdfnar 71/.] = Gußfe^macher. 

Gift [Kift, Keft allg.) i. n. (Hf. Wh.) 
Gift. Bildl. eim G. ge^'^n , rede" ver- 
letzend sprechen; G. bekumme" zornig 
werden. 2. m. aus dem Körper ausge- 
schiedene, nach Laienanschaimng schäd- 
liche Substanz, Eiter ; auch von der Impf- 
Ijymphe gebraucht. Do kummt d^r G. 
''erus! Erklärung für einen Ausschlag bei 
unreinen Körpersäften Hf. D'e kle'ne" 
Krotte" han a"''^'^ G. Dehli. j. m. bildl. 
Schädlichkeit, schädliche Redens arten, Hass: 
am de" G. nemme" jemand unschädlich 
machen. 'Was het Si for e Gift uf dene 
Mensche so?' Pfm. III 2. 'den Gift aus- 
lassen' sein Mütchen kühlen Klein. ^. 
m. schadenfroher verhasster Mensch M. Z. 
s. auch.Zss. Giftblater, -nick^l, Gifte"blitz. 

— Schweiz. 2, 134. Bayer, i, 875. 
Demin. Gift^l ;z. boshaftes Frauen- 
zimmer; Huhn, das trotz allen Scheuchens 
nicht in den Stall zti bringen ist Ingenh. 

i'E'^rgift [Erkift Bischw7\ f. Mitgift: 
die het e schöni E. mit kriejt. 

Ratte"gift [RätoklR Rauw?^ n. i. 
Schnaps. 2. Ausruf: abscheulich! ver- 
fluchtl 'ßryd: 'S isch ken Gspass. Der 
dytsch Herr . . . Lizenziat: Raddegift! 
Der Grossnas do iis Breme?' Pfm. II 2. 

giftig [keftik Su.; kefte_;j' Wh7[ Adj. 
I. giftig; verletzend: Geiler Narr. 19 
'das er kein schädlich vnnd gififtig Wort 
auszstosz'. 2. leicht reizbar, zornig, 
wütend: der is' awer g. wor'''^"! Wh. 
J. eiternd. Adv. verletzend: g. rede"; 
[täs häs i keftik] das thut mir sehr leid M. 

— Schweiz. 2, 136. Bayer, i, 876. 
vergiftig [farkefti K. Z.] Adj. und 

Adv. verletzend: E vergiftiger Mensch, 
'ein vergifftig Thierlein' {Wassereidechse) 
Baldner, 'vergift' ebd. Eim v. rede" 
Unangenehmes sagen. — Schweiz. 2, 136. 



Gaga, Gägä [Kaka Fisl. Roppenzw. 
Baldersh. Ruf. Su. Horbg.; Käkä Co.] 
n. (Kindersprache) i. Notdurft: G. mache". 
Kot: ge"^ weg, s is^ G. do! 2. Gesäss: 
deck di**** ziia, m^r gse^t d'r de" G. De- 
min. Gaganele. — frz. caca. 

Gaggag [Käkäk 71/.] Kinderruf beim Sti- 
chen vonOstereient : 'Gagäh ! Gagäh ! der Has 
het gelait' Aug. Stöber Ged. 135. •— Vgl. 
Bayer, i, 881 Gagk gagk Selbstlob der 
Henne, die ein Ei gelegt hat. 

Gagag [Käkäk Roppenzw. ; Käkä Dtm- 
zenh. Ingenh?^ n. Gans. Spottreim der 
Kinder: Hemb'^eschisser, Gagag, Üwer- 
morn is' Sunntaj Scherw. 'als ist ein 
gans geflogen uss und gagack kumt wider 
zuo huss' Brant Narr. 34, 13 — 14. Geiler 
Narr. 8i'\ 'Vnd blibt sein Icbtag ein 
gagag' Murner Mühle 1081. Wulle, Wulle, 
Gaga! rtifen die Kinder deit Gänsen zu, 
wenn diese mit einander schnattern Dtmzenh. 
— Schwab. 214. 

Gägäg [Keekaek 6"/;'.] (Nachahmung des 
Gänseschreies) Spottruf für die b ad i sehen 
Fischer, welche den Strassburger Markt 
besuchen. Luej, d G. kumme" ; zaj rucf 
emol ! 

gage" [käka ///'.] gackern der Henne., 
die ein Ei gelegt hat. — vgl. Schweiz. 
2, 139 (schnattern der Gans)., Schwab. 
214 ebenso, Bayer, i, 877. Hess. 114 
(Henne). 

Gag er [Käkor O. bis Logeln]i?\^ m. 

1. Gänserich. 2. Hemd, das zur zer- 
rissenen Hose heraushängt: de'' hat e G.; 
du hängs' d«r G. use; der G. hebt (hält) 
\^x\\ d=r G. lauft d'r no'=*' Wittenh. j. 
einfältiges Mädchen Logelnh. 

Gagare [Käkäro Rädersd.\ m. Rock- 
saum eines Mädchens , der am Boden 
schleift. Mach d^r G. ufe! 

Gagi [Käki Sier7\ m. i. Gänserich. 

2. lang ajifgeschossener Mensch. 
gagle" [käkla Geberschw. Lobs.; kdklo 

Geberschw7\ i. hin und her wiegen. 
Was gag^ls*^ uf di"*m Stue*"! ? 2. umher- 
schlendern, die Zeit vertrödeln. Er schafft 
nit, er gag'^lt d ganz Zit. — Schweiz. 2, 
137. Schwab. 2:4 gackeln. 

Gagel (e) [Käkalo ///.;Käkl Su.; Käkl 
Ensish. Logelnh.; Käjl Rapp^ i. f. 
unruhige, ungeschickte, einfältige, schzvatz- 
hafte Person, bes. ein solches Mädchen. 
2. m. leichtsinniger Bursche, unacht- 



GaG 



20I 



GaG 



GcG 



sanier Mensch Rapp. — Schweiz. 2, 

137- 

Gagler m. Zeitvertrödler; iinrnhiger, 

ungeschickter Knabe Katzcnt. 

Gaglere" y^ dazu. 

gagere" [käkaro Felleri. Katzcnt. M. 
Co. Kerzf. Bf.; käkoro Hf\ i. das 
Geschrei der Hühner. 2. ausplauderjt ; 
einfältig reden; schzvatzen nach Art der 
alten Weiber. j. heftig weinen (von 
Kindern). ^. schaukeln (atf Stühlen) 
M. Co. Kerzf. 5. langsam gehn Kerzf. 
— Schweiz. 2, 137. 140. Bayer, i, 877. 
882. 

Gagri, Gageri \Kakr\ Lutterb.; Käkari 
Liebsd. Banzenh. Ensish. Katzent. Co. 
Rapp.; Käkari KiJ^dw.^^ in. I. Gänse- 
rich Ensish. 2. lang aufgeschossener 
Mensch. j. zveinendes Kind; schwatz- 
haft, leichtsinnig {Bursche oder Mädchen). 
^. Person, welche gern a7if Stühlen schau- 
kelt. 5. n. dummes Mädchen. — Schweiz. 

2, 138. 

gager ig [kakorik Liebsd. Roppenzw. 
M. Mittl?\ Adj. I. hochgewachsen, schlank 
(auch von Pflanzen, welche zu dicht ge- 
pflanzt, rasch in die Höhe zvachsen). 
2. tölpelhaft. — Schweiz. 2, 138. 

Gäges [Käkos Wittenh.; Kakas Hi. 
Lutterb. Scherw. Katzent.; Kackos Ar.] 
;;/. /. Kot, Excremente Str. 2. kin- 
discher, zänkischer Knabe Scherw. Pfast. ; 
boshafter Btirsche Katzent. j. rasch 
aufgewachsener , magerer , kränklicher 
Btirsche Hi. Wittenh. Lutterb. M. Kin- 
derlied : Gages, Gages, Eiermues, d Gän- 
scle laufe" barfuess, Ste**!! hinder "^^m Ofe", 
Han gel*'! Schüelele a" Un'^ gel''! Schlatn- 
pamperle dra" Rtcf. 

Demin. Gägeslc n. sehwaches, mageres 
Kind Pfast. 

Schäre"gages ['Saerskäkos Dehli.~\ m. 
Hirschkäfer, Schröter. 

Sparre"gages ['Spärakäkas Str.~\ m. 
überspannte , verriicktc Person beiderlei 
Geschlechts. Aufzählung von solchen Strass- 
bttrger stadtbekannten Persönlichkeiten 
früherer Jahrzehnte in D Sparregackcs 
Kettner GvH. 65. — Schweiz. 2, 174 
Spargäuggis Geck, 197 Spirigüggcr. 

Gagummer(e), Gagummer [Käkümo- 
ro ///. Wittenh. Heidw. Ensish. Kerzf.; 
Käkümar Hirzfn. Barr Bisch. Geisp. Str. 
K. Z. Obbr. Ingw. Büst Rothb. Oermi. ; 
Kükümor Hüss. Hältst. Co. Du. Mittl. 



Bf.; Kakümor Tieffcnb.; Kakümor Wh^ 
f. Gurke (dies Wort fehlt), cucumis sati- 
vus; frz. concombre. 'uff der Stirn stehn 
em Schweisstropfe wie Gakummere' Str. 
Wibble Ö5. Spottname für Franzosen : 
wälschi G. In Str. zvird die Aurelien- 
kirche, die erste evangelische, der Gärtner- 
zunft angehörig, auch Gagummer genannt. 
Demin. Gagümmerle Str. Z..; Gu- 
gämmerle Du. Ingersh. s. auch Zss. Ga- 
gummersalat. — Schweiz. 2, 191. Bayer. 
I, 887. 

Gaugel [Käikl Su.; Kaykl Hi. Ban- 
zenh. Ar.] ;//. tändelnder, närrischer, ver- 
gesslicher, unbesonnener Mensch. 

CJaugli [Käikli Obhcrgh.; Koikli Z?«.] 
m. unruhige, ungeschickte Person. 

gaugle" [kaykla ///.] Mwrt't'/«. S Anncli 
got go mälche", s Küe'^li stot nit recht; 
es stellt d^r Küb'^l nebe"zue un^ gauglct 
mit dem Knecht Gassenhauer Hi. 

Gau gl er m. verspieltes Kind. 

Gau giere" f. dazu Hi. 

gege" [ktk'ä Liebsd. Hi. Ruf. Hlkr.; keko 
Mü. M.; kaia, keja /)«. Ingersh. Logelnh.; 
kejo Bf.; keja und kejo Str.; kejo Han. 
Bctschd. W. ; kceja K. Z.] Präp. mit Dat. i. 
Er kummt g. d'r begegnet dir S. Si" 
so"te° nit gege-n-'^'m si" nicht feindlich 
gegen ihn auftreten Geberschw. 'Da es 
ward gegen dem tage' 1497 JB, I 61. 
'gegen dem reichen als dem armen' Wattw. 
16. Jh. JB. III 69. 'Der Todt stunde 
da still vnd wände sich gegen mir' Mosch. 
I 189. 'Der (Weg) gegen der rechten 
hand zu' Mosch. I 356. Er is' guet g. 
si"^m Vie*', besser a's g. sine"^ Lüt seine 
Familie U. Er wo^'nt g. >'^m nüwer ihm 
gegenüber Ilf. 2. in Vergleich mit: dis 
is' e T'^aler wert g. dem Bf. s is' gar 
ke'" Lewe" g. vor ältere" Zite". Er is' 
nix g. i'^m K. Z. (i^n Hi.); nix g. wie er 
noch ledi' is' gewe^^n Hf. J. in Zss. = 
auf der anderen Seite der Familie: [Kek9- 
lit die Schwiegereltern zweier EheletUe tm 
Verhältnis zu einander; Kekafötar Schzvie- 
gervater, Rekamyütar Schwiegermutter 71/.] 
s. auch Seite ijß f. Gcge"schwe*'^r die 
beiderseitigen Schwiegerväter Str. und 
allg. — Schweiz. 2, 140. Bayer. 1, 
878. 

d^'rgege" Adv. dagegen allg. Ich han 
nix d. Er het m'r e Butell Schnaps g**- 



schickt, was soll i"^^ 



d. schicke" '? 



D. enüwer gegenüber, 'dargegenüber' Str. 



GeG — GiG 



— 202 



GiG 



75. Jh. Brucker 255. Gang i*"m d. ! 
Er hct e Mal weiss wie, s Zuzi is' doch 
gwiss e gueti Ratsch, awer s is' grad nix 
d. im Vergleich mit jenem Dil. 

ergege"^ Adv. entgegen allg. e. ge'^fn), 
klimme". 'Geht ain Hoffnung ze Grund, 
kummt d' ander ball ergeje' Pfm. II 4. 
i rit am ärgeegä' Landsman Lied. 98. 
— Schweiz. 2, 143. 

zegege", zergege** Adv. nach wo? 
in zvelcher Richtung, zvo ungefähr, [wü 
tS9 keko? M. Wü pes här? — Fü Tera- 
nantsa. — Wü tsarkeja es täs? — S es 
tu howa pi Kholmar Dü7\ — Schweiz. 
2, 144. Bayer, i, 878. 

Gegni,Gegnig, Gegend [KdkniT^w/. 
Kdknat///.; Keknik Banzenh.; Kejani Rapp 
KekotTI/. ; Kejat Str. Hf. Han. Betschd. W. 
Kaeijat Bisch. Ndhsn. Barr K. Z. ; Kejnt 
Dil.] f. Gegend. P** ha'^ s Messer ver- 
löre" uf "^^m Acker, awer i*^*^ weiss nit, in 
wel^'^ere G. Du. 'vmb die gegne der 
Beckhen- vnnd Gerbergaßen' Petri 18. 
'gegene' Chron. — Schweiz. 2, 144. 
Bayer, i, 879. 

begegne" [pakdkna .S"^^. ; pokeja ^wrA. ; 
pokeja (selfeji) Str. ; pakäija Geisp.^ be- 
gegnen. In ei"^m b. — Schweiz. 2, 146. 

f Rugitus das gigagen der esel' Gol. 
243. 'wann sie auff der anderen Seiten 
gigaget und knappet = wieget und singet' 
b. Fisch. Garg. 108. 'der Esel haanet 
oder gigaget' Martin Pari. N. 538. — 
Schweiz. 2, 140. 

Gig(e) [Kfka Liebsd. ; Kfk Olti. bis 
Schlettst.; K6j Mütt. Ndhsn. Bf. Barr 
Bisch. Str. Ingw. Kindw. Betschd. Ndr- 
röd. Tieffenh.; Ki Geisp. Molsh. K. Z.; 
PI. Kiko, K^ja, Kfja und Kio] /. /. Geige. 
Rda. M'r bliwe" bis "^ass d'^r Spielmann d 
G. uf henkt wir bleiben bis zum Schlüsse 
Ingw. 2. Straf Instrument der älteren Zeit, 
Brett mit einer grösseren Öffnung, wo- 
durch der Kopf, und zwei kleineren, wo- 
durch die Hände gesteckt wiirden; für 
Vergehn gegen die Sitten, Verleumdung 
u. ä. angewandt Mü. Stöber Mäder. mit 
den Spitzniten, mit dem Stock, mit der 
Geige belohnet' Mosch. II 718. Eine 
Jahrmarkt die bin mit der"^ Geige an alle 
^ Thore geführt Mü. 1790: Alem. 7, 261. 
Die Geig wurde auf frz. Gebiet abge- 
schafft durch ein Urteil des Conseil Pro- 
vincial d'Alsace zu Breisach vom 18. Juni 
löjS Ord. I 56 /. Zss. Gige- 



napfe, Gigelratze. .y. atich Wielung. — 
Schweiz. 2, 148. Bayer, i, 879. 

Demin. G igl e , Gigel [Kikla ///. Steinbr. 
Hlkr. Du. ; Kfkala Dunzenh. in Bed. J ; 
Kikl Getid.; K^jala Barr; Ki'kli Olti. 
Pisl.li f. n. I. kleine Geige. 2. Mund- 
harmonika. J. Lilienhähnchen, Crioceris 
merdigera ; auch Gig^lmänn^I genannt 
Dunzenh. 

Gi geig ei [Kiklkej Str7\ f. Geige 
Kettner GvH. 67. 

Bassgig(e) i. Bassgeige allg. 2. alte 
Frau (Scheltwort). Rda. Ich schla? d'r 
uf d O^'re", '^ass d meins*, d^r Himmel is' 
e B. Lutterb. Er meint, der Himmel 
hängt voll Bassgige" er ist hoffnungsselig 
Stt. Bf. Mü. Mat. 5, 45. 'Do hängt derr 
Himmel voll Bassgeije* Stöber Daniel 1 1. 
— Schweiz. 2, 150. 

Mulgigle, Mulgigel n. f. Mundhar- 
monika Pfetterhsn. bis Obburnhaupt. — 
Schweiz. 2, 150. 

Repsgige/". Violine Pfetterhsn. Hi. 

Saite"gig /. Violine Mittl. 

Schlenzgige ['Slantski'ka Mü. Dam- 
merk. ; 'Sletskik Ensish7\ f. i. Ziehhar- 
monika. 2. Hjire Ensish. 

gige" [kfka Roppenzw. Gebw. Du. M. 
Rapp. ; k^p Str. ; keia Lorenzen Wh. 
Ormi. ; kaeija Ndrröd. ; kia IC. Z. ; Ind. Präs. 
i kl, Part, kit Geisp. K. Z. ; käj, kakeit Str. ; 
kakekaTI/.] /. geigen. Rda. Dem si" Sach 
ka""g. (von einem Prahler) Gebw. Kinder- 
vers : s gigt e Fuchs un'^ e Bär Un'' s schlaft e 
Esele d Trumme", Alle Tierle, wo Wädele 
hei", Solle" z Hochzit kumme" ; Bett^llüt 
un'^ Ed'llüt, Das sin*^ unsere Hochzitlüt, 
Kruke"sti^l un*^ Ofe"gable" Das sin^ unsere 
Hochzitgable" ///. Rda. Loss d'r häm 
geie" Ndrröd. 2. der Ton der Heim- 
chen, Heuschrecken, Frösche. Bauern- 
regel : Wenn d Frösche" vor Jörjetaj gi- 
ge", so lang müe^'^n si hinde" no"** schwi- 
ge" ; s. auch wige" ; das Knarren eines 
Wagens: 'den geigenden Karren . . schmie- 
ren' Fisch. Bin. 68''. j. schwer atmen, 
einen pfeifenden Ton in der Brust haben. 
^. hin und her rutschen. 5. mit einem 
stutnpfen Messer schneiden. Du geijs' 
awer an dem Brot! Wh. Du kanns' d'r in 
d^r Hals g. ! Str. (Abwcisting). Kinder- 
lied : Gige, gige [oder Gig=l gig'^l) ratze, 
morn kumme" d Spatze", üwermorn d 
Finke", alli Jude" stinke" Illz. Ruf. Str. 
Ingw. (alli kleine" Buewc" stinke" Mittl.) 



GiG 



— 203 



GiG — GoG 



6. durch das Fenster an Armen und 
Beinen hin und her ziehen, eine früher 
zur Verhöhnung eines niissliebigen Bur- 
schen vorgenommene Behandlung Oermi. 

— Schweiz. 2, 150. 

uf gige" /. aufspielen. Gig eins uf! 
spiele einen Tanzl O. 2. ei"^m \\i g. die \ 
Meinung sagen, züchtigen. J. Strafe er- 
teilen. Si^ han i^'m vierze'^'* Taj uf ge- 
gigt Rapp. 4. beim Kegelspiel dem Ver- 
liei-er einen Strich auf der Tafel machen. 
Gig i'^m ei"s uf! Banzenh. 5. zuviel 
Schösse an einem Rebstock lassen Rapp. 
6. überfordern M. — Schweiz. 2, 151. 

''erum, umme gige" hin tmd her 
zerren Osenb. Hlkr. P'' ha'' lang am 
Baumle umme gigt, bis es gange" is' 
Osenb. 

vorgige" aufspielen, auch übtr. 'Ganz 
andri Liedle sottst du do dym Frynd vor- 
geye' anders reden Pfm. I 8. 

Giger [Kikar Hi. bis Dü7\ m. i. Geiger. 
2. magerer Mensch : s is' eso ne dürre'' 
G. Du. J. Bockkäfer, grosser schwarzer 
Käfer, der durch Reiben der Fühlhörner 
(oder der Brustdecken) ein zirpendes Ge- 
räusch hervorbringt, weshalb ihn die Kin- 
der an das Ohr halten Dil. ; Lilienhähn- 
chen, kleiner roter Käfer, der sich mit 
Vorliebe auf Lilien aiifhält Hi. Heidzv. 
s. auch Gigelmännel. 4. schlechte Sorte 
Branntwein Kerzf. 5. Verschwender, 
Verlierer: e Sparer muess e G. han sagt 
man, wenn jemand lang erspartes rasch 
verliert Geberschw. Hlkr. — Schweiz. 
2, 151. 

jBratengeiger m. ein Spielmann, der 
ehemals bei, den Ztmftessen aufspielte Mieg 
Mü. I, 47. — Schweiz. 2, 152 Bralisg. 

B u r 1 e g i g e r[Pürlokfk3r6'/r.] m. schlechter 
Wein. 'Was, trinke die denn Wyn? Po 
jo! 'S wurd Burrlegyger sin' Pfm. III 7. 
s. Giges. — Schweiz. 2, 152. 

Dürligiger m. magerer Mensch Mütt. 

— Schweiz. 2, 153 Türlig. 
Hirzgiger m. in Stroh eingehüllte 

Knaben, welche am j. Fastensonntage von 
Haus zu Haus ziehn Obhergh. 

Krützgiger m. Geizhals Rapp. 

0'^re"giger m. Feldwanze Ingersh. 

giglc" [ki'klQ ///. Banzenh. Bisch. 
Molsh. Str. K. Z.] /. geigen. 2. pfei- 
fen (von Geräuschen in der Luftröhre bei 
Bronchitis) : s gig^^lt m'r uf d^r Brust ; 
wenn dis Gegig^ls nit war, könnt i"** schie- 



fe" Hf j. mit stumpfem Messer lange 
an etw. herum schneiden Dunzenh. 4. 
Holz g. sägen 0. 5. kichern, heimlich 
lachen. Was hes' aü"'^ z^ g. ? Banzenh. 
'Giegele un Hozzle' Gelächter Schör- 
LIN 73. Ein beständig kicherndes Mäd- 
chen fragt man: Hes' Gigclesupp gha? 
Hi. 6. Geschrei der Spechte. — Schweiz. 
2, 148. 

Gigeli [Kikoli Banzenh.'\ m. Kicherer. 

Gigerigi(g) [Kikoriki 0. Str.Hf ; Kika- 
rakiÄ'. Ingcnh. Betschd. ; Kikariki'k 71/.] /. 
Hahnenschrei. Wenn der Hahn schreit, rufen 
die Kinder: G., Bändele dran! Die Erwachse- 
nen setzen scherzend hinzu : d Frau is' Meister, 
nit der Mann ; oder hcs' mi*''^ gewellt 
(welle" Hi., gcnumme" K. Z.), mues* mi'^^ 
han Hf. Geberschw. Stöber Volksb. 303. 
304. 'Giggerigi! D'r Hahn isch nit hie; 
Er isch ze Zawwre, Er holt c Säckel voll 
Hawwre' Str. Buchsw. ebd. 300. 'D' Becke 
bache, D' Schnider näje, D' Hahne kräjc: 
Gigerigi !' aus einem Kinderspielreimc Mü. 
ebd. 56. Gigerigi, mach s Läd^l uf, s 
Gret^^l is^ im Sterwe"; s ge^t e Mädn 
üwer d^r Beri nuf. Holt e Schöppele 
Branntewiri, '^ass m'r nit v^rderwe" Du. 
2. Hahn Str. 

Giges, Gigs [Kikos Bisch. L.obs.; 
Kikas Heidzv. Obhergh. Str. Betschd. Zinszv. 
Büst ; ¥J\\i?,Fisl. Mü.'] m. schlechter Brannt- 
wein, Fusel ; schlechter Wein Hf. ; Apfel- 
wein Betschd. — Bayer, i, 884 Gickes. 

Bu riegiges [Pürlakikos Str. Hf^ m. 

1. schlechter , gezvässerter Wein. 2. 
Schnupftabak geringster Sorte Rupr. s. 
Burlegiger. 

Hurlegiges m. zerstreuter, unacht- 
samer Mensch Mtitzig. 

Stiftcgiges m. ein steifer, linkischer 
Mensch M. St. 

Gigi [KIki Roppenzw7\ m. tmruhiger 
Mensch. 

Gigete := Gugerte Roppenzw. 

Giegi [Kioki Olli. Fisl. ; Ki'oko Rädei-sd.] 
f. Apfibutzen, Kerngehäuse des Obstes. 
— Schweiz. 2, 153 giegc Tölpel wie mhd. 

2. 170. Gäggi Kerngehäuse. 

Gogai [Kokai Scherw.] m. Gockel- 
hahn. 

Gogaligo [Kokaliko Heidw. NBreis. 
Ingersh}^ m. Klatschmohn, Papaver rhoeas. 
frz. coquclicot. Schweiz. 2, 177. 



GoG — GuG 



204 



GuCK 



GiJ 



Gogerigo: in einem Kinderspiel wird 
gerufen : Alter Vater G., hes*^ c Perrück 
vun Gcise"hor Str. 

Gogi [Köki Obhcrgh^ m. grosse Spiel- 
kugel. 

Gogo [Kokö Attenschw. Ingw. Milhlhsn\ 
m. Pferd (Kinderspr.) Anruf: hü, G. ! 
ji, G. ! Mühlhsn. — frz. cocotte. 

Gug [Kyk NBreis^ f. Schaukel. 

guge" ^^Va NB reis. Weckolsh^ schaii- 
keln. Kumm, m'r ge^^n ge** g. (atich auf 
dem Stuhl seh.) s. auch gugere" 71. Abi. 
— Schweiz. 2, 156. 

Gugar [Kykar Rädersd.~\ Schimpfform 
des männl. Eigennamens August. 

Gugard [Kykärt Horbg. Str. K. Z.] 
f. Kopf. P^ schla= d'r eins uf d G. ich 
schlage dir auf den Kopf. — frz. cocarde; 
wohl aus der Revolutionszeit. 

Gugele [Kükglo Co.~\ m. langaiifge- 
schossener, einfältiger Btirsche. 

gugere" [kykra, kykara Dü^ schaukeln, 
hin und her schwanken : ein Tisch oder 
Stuhl, die in ihren Fugen locker sind; 
eine Person, die auf einem solchett Sttütl 
sitzt; eilt beladener Heuwagen, s. auch 
guge". 

vergugere"* /. durch Schatikeln aus 
den Fugen bringen (einen Stiihl 0. ä.) Du. 
2. vor Kälte zittern Ruf. J. ztt Grunde 
gehn Ruf. — zti 2 vgl. Schweiz. 2, 198 
vergüggerlc". 

Gugerte [Kykarta Orschw^^ f. Heu 
oder Getreide auf den Wagen so geladen, 
dass eine hohe Spitze entsteht. Da^ 's' 
awer e G. ! wann si ü"s nur nit umgheit! 
Orschw. 

gu gerig [kykrik /)//.] Adj. schzvankend: 
Möbel, die nicht fest stehen, hochbeladener 
Heuwagen u. ä. 

Güger [Kikr M.\ m. membrum vaile. 

gügerc" [kikara Olli. Co. Hf.'\ coire. 

gugu [kyky StriitJi\ Spiel mit kleinen 
Kindern, die man in die Höhe hebt, mit 
den Worten : gugu, asa, — Der Ausruf 
beim Verstecken {s. gu) verbunden mit frz. 
ah ga! 

Guguck [Kykyk fast allg. ; Kükük 
Dehli. ; PL — a, wie Sing. K. Z.] ;;/. 
/. Kuckuck. D*r G. siift d Eier von de- 
n-andere" Vöjel" us. We"" m®r s erst Mol 
de" G. brüele" hört, un*^ Geld im Sack 
het, het m*r s ganz Jo^r Betschd. Kinder- 
lied: G. wu (wo) bis'? — Im Wald. — 



Was hes'? — E Frosch. — Gi'' m'r au<=''! 
— Nä", nä". — Du Gizhals ! Betschd. 
[Kykyk im Tänawält, wifil Joar sin i/ ältV 
Kykyk im Rewolo;^, wifil Joar lew i;^ no/V] 
{Volksreim); beidemale werden die Rufe 
gezählt Rauw., ähnl. Lobs. Bin nachte ' 
spot noch use" gange", Ha*^ gar e schöner 
Vog^'l gfange"; Wi** hat mich das Ding 
doch gfreüt , Dass d^r Vog4 Guguck 
schreit! Illz. Am Schluss von Sprüchen, 
z. B. auf Franz: [Fränts Khäpatänts, femf 
Nekl, ts(! Khekl, Kykj^k! Ruf.'] JB. XII 
88. 'Am dridde-n-Awrill Schreit d'r Güg- 
gück, er mag si wo-n-'r will' Hlkr. Stöber 
Volksb. 424, wo noch /f. weitere Ktikuks- 
reime folgen. 'Guguk schreit unn ver- 
steht's nitt, Der Pfafif predigt unn glaubts 
nitt' Mü. Mat. 5, 52. /« Reichenweier 
nennt man einen schlauen Menschen, von 
dem man übervorteilt worden ist, e G. 
Im Winter sagt man von einem Tot- 
kranken : der hört de" G. nimm brüele" 
Co. (krische" Dehli.). 2. Oelkanne, wo- 
raus in Fabriken die Maschinen geschmiert 
werden Rixh. Steinbr. J. rtmde, thö- 
nerne Sparbüchse Hi. ^. fatistgrosses, 
irdenes Instrument , womit man den 
Kuckucksschrei nachahmt Hi. 5. Ruf 
beim Versteckspiel M. 6. Tejifel: hol 
dich d^r G. ! Gang zuem G. ! Hi. \ wän 
ar nüma pim Kykyk wt^rta ! Was Kykyks 
mä;j/8n ar tan tö? Hj. Olti. Merzen Pul- 
versh. Ensish. Bghz\ Fi d=r Gugu'' ! 
Hüss. 7. PI. Uebername der Leute von 
Dessenh. Görli. Kühlend, {weil diese Ge- 
meinde keinen Wald besitzt, aus dem der 
Kuckuck schreit Betschd.) u. a. m. 's 
brännt in Aspach, m'r kriege broteni Gug- 
gugge' Alem. X 271. — Bayer, i, 886 
Gugku. 

Guckucke", ^. (Gu)gauche". 

gu gucke" Rjifen des Kuckucks und 
wie der Kuckuck Hi. 

Gukuker m. Kuckuck: 'wenn d'r Ku- 
kuker 'Kukuk'! schreit' Schörlin 49. 

[■Gaje [Kaja Ruf.; Kajd Obhergh. Bf. 
i7r.;Kaj^ 71/.; Koejo Hf7\ n. Heft. (Dies Wort 
in Ruf . für den Begriff nicht vorhanden) ; 
dafür im U. meist ' Schriff . — frz. cahier. 
Demin. Gajenle [Kajenla Obhergh^ 

gijele" [kijla i^/^r/ü.] auf etwas hartem 
lange herum beissen: der gij®lt awer uf 
dem Fleisch ^erum, dass m*r s nimm^'"" 
höre" kann. — Zu gigle"? 



GoJ 



GäCK 



— 205 



GäCK — GeCK 



Judengoje [Jütoköja Ingenh.; 
Mtifzig] f. Jiidenmagd. 



■keja 



Gacki [Räki Roppenzw. Ensish.~\ n. 
Ei (Kinderspr.) — Schweiz. 2, 167. 

Gackel, Gackele, Gackeli [Iväkl 
Hüss. Urbis Bcbelnh. Rchw. U. Wh.; 
Käkolg allg.; Käkali Fisl. Banzenh^ n. I. 
Ei{Kindcrsprache).¥iLE\n. 'Steht e Maidele- 
n-an d'r Wand, Het e Gäggele in d'r 
Hand ; Mecht's gern siede, Het ken Gliede' 
it. s. ZV. Str. Damb. Stöber Volksb. 75. 76 ; 
Rapp. Jß. VII 2 5 6. Var. Äpfele Hlkr. i/. 7 7. 
78. Das Ganze hat mär cheiihafte Anklänge . 
Wiegenliedchen : 'Eia, popeia, 's rass"'lt im 
Stro'', 's Bibb^l het e Gack'l, 's Kind^l is' fro^' 
Dchli. JB. XI 69. Z^^. gäckelegel"^. 2. Hoden- 
stein männlicher Tiere {Hund, Stier u. s. 
w.) Geud. 'Gaggle Hoden Str. Ulrich. 

— Schweiz. 2, 167. Schwab. 216. 
Hase"gackel y. Hahtenfiiss, Ranun- 

ciilus Schleif. 

Ostergackel(e) n. Osterei, das der 
Hase gelegt haben soll Rchw. bis Geud. 
'Gsprenkelt roth un bleau wie Ostergakkle' 
Pfm. III 4. 

Osterg ockeli [Ostorkökali Heidolsh.~\ 
n. Osterei. 

gackelig [käkalik Rtif.~\ Adj. zaghaft 
[bes. von Weibspersonen). 

Gäckel(e), Gackele [Kakl Banzcnh. 
Kerzf. Molsh. Uttenh. Bf.; Kakalo K. 
higenh.; Kaekola Str. Brum. Bühl; Kar;kl 
Wh.; Käkola Felleri. Roppenzw. Su. Katzent. 
Hf; Käklg, Kakali Fisl. HL Olti.'\ m. 
{n. oder f. wenn von zveiblicher Person 
gebraucht) Geck, Einfaltspinsel, kindische 
Person, die gern mit Kindern spielt oder 
über den geringsten Schmerz klagt, ver- 
zärteltes, einfältiges Kind. Das Gackele 
{dies schwache, dumme Mädchen) will hi- 
riite"! Katzent. gackele' Klein. Zss. 
Gäckeledings. Demin. Gäckeli Banzenh. 

— Schweiz. 2, 169 Gäggel. 
gackelig, gäckelicht, gickelig [ka- 

kolik Fisl. bis Uttenh.; kaekali;^ Str. 
Lützelstn.; kakli Z.; k^kalip^t Molsh.; 
kiklik AfÄ//.] Adj. i. einfältig, unanständig ; 
zerstreut , unbesonnen. 2. schwächlich 
Fisl. j. geckenhaft in der Kleidung 
Str. CS. 'gackelich sein ein buntscheckiges 
Kleid tragen Klein. — Schwab. 216 
gakkelig. 

gackle", gickle" [kaklo Logelnh. Z.; 
kaeklo Str.; kiklo Mütt7\ einfältig thun. 



lachen , schwatzen , anzeigen ; 'gackeln' 
Klein. — Schweiz. 2, 169. 

vergäckle" [farkakla Bf. Bisch. K. 
Z. Betschd. ; farkaekla 6"/r.] /. auf dumme 
Weise Geld ausgeben : er het alles sin 
Geld vergäck^lt Str. ; Zeit verschwenden. 
2. atisschwatzen Geud. 

Part, vergäck^lt verwöhnt, leichtsinnig, 
spielsüchtig, verschwenderisch, verschwatzt 
Z. — Schweiz. 2, 169. 

Gäckes [Kakas RifT^ m. Knirps. 

j'gouckel tegding' Narrenpossen Geiler 
J. Seh. F IP. 

gaukle" /. sich schaukelnd bewegen 
Str. CS., wo Bsp. aus Geiler für ab g. 
herabstürzen , iibcrgauklen überstürzen, 
leichtsinnig vergessen. 2. in betrunkenem 
Ziistande beim Gehen schwanken. Lue^ 
numme" wü ^r gaukelt, ^'r kann jo nimm^'' 
strack ge^'n ! Ltgenh. s. auch Zss. Gauk^l- 
hasp^l. — Schweiz. 2, 170. Schwab. 
215. Bayer, i, 882. 

vergaukle" /. verzaubern. 'Sie het 
di scho verbländt, vergoikelt, verhäxt' 
Mangold Colm. Kom. 19. 2. imbesonnen 
Geld ausgeben Ingenh. Part, vergauk^lt 
/. in eini v. verliebt Str. CS. 2. zer- 
streut. - vgl. Schweiz. 2, 171. Bayer. 

1, 883. 

Gaukler [Käiklar Geberschzv.; Koiklor 
Du. ; Kaüklar Hait. Zinsw. Kindw. ; Koeyk- 
lor K. Z. ; Kayklsr Wh^ m. i. Mensch mit 
schwankendem Gang; vertändelter, unbe- 
sonnener, läppischer Mensch. ' Schaiikler 
Ulrich, j. 'Bethörer Ulrich. — Schweiz. 

2, 171. 

Gauklereie" [Kaüklar^io Str. Büst\ 
-reia K. Z.] /. PI. i. Possen. 7 2. Sg. 
Bethörung Ulrich. 

fGeck m. Narr: 'ich möcht wol ein 
geck werden , wan ich . .' Fisch. Bin. 

56. 

ygeckerliss: 'Es ist als eytel gickcr- 
liss gcckerliss' Narrenwerk Geiler Häsl. 
c V--'. 

usß'^geckt [ys kekt Geisp.li Adj. gecken- 
haft: e usgeckter Kerl. 

7 Gägge: 'hären (Häher) Gägge oder 
Specht, gerupfft, ausgenommen, gebutzt, 
in halb Wein vnd Wasser gekocht' L. 
KB. 2^2 St. — Bayer, i, 882 Gagker 
Goldfink, Gägkler Buchfink. 

f'die Gäggen' Armagnacs Söldner 
Schlettst. Chron.i\{eig. die armen Jacken). 



GeCK — GoCK 



— 206 



GuCK 



Gecke [Keka Hirschland\ in. Flasche: 
e G. vol Wasser. 

gecke" [k^ka Bisch.^ an g. anstossen 
{mit einem Glas Wein). 

Gickele [Kikala Roppenzw. Westhalten; 
Kikl Hf^ n. I. Ei. 2. kränkliches 
Mädchen. J. altes, schlechtes Pferd Hf. 

gi ekel ig [kikolik Roppenzw. '\ Adj. 
kj-änklich. — Schweiz. 2, 175 giggelig 
winzig. 

j'Geickerlin oder Wasserlerch' {FIs. 
Gickh-, Ginckh-.) Anthus aquaticiis Baldner 
49. 'Gickerlin grau, grün Weidengickerlin' 
Str. Vogelbuch 15^4. JB. IV 55. 

Gok [Kok Wh.\ m. Tölpel. Rda. de" 
G. mit ei"^m mache" einen ztim Besten 
haben. — Bayer, i, 884 die Gogken. 

Gockel in der Zss. 

Gockelskerne" [Koklskhaerna Str^ 
Pßanzensamen, mit dem die Fische be- 
täubt und dann leicht gefangen werden 
können: eine streng verbotene Art des 
Fischfangs ; dient auch zur Vergiftung 
von Raben. 'Gockelkerne, Gogenum pul- 
vis contra pediculos' Barr Pharm. 2. 
— Schweiz. 2, 156 Gugelum, lat. cocculus. 

gokle" 7. [kökla vS"/r.] betrügen, be- 
schwindeln: er is' vun i^'m gegokelt wor- 
*^e"; dene will ich g. 2. [kokla Ar.] mit 
Gock^lskerne", welche die Fische betäuben, 
widerrechtlich fischen. 

Gock s. Guck. 

Gockel, Guckel, Gückel [Kükl Liebsd. 
Steinbr. Hi. Roppenzw. Sier. Strüth 
Obburnhaupt Banzenh. Heidw.; Kokl 
Olti. Dessenh. Co. NBreis. Horbg. Bisch. 
Str.; Kykl Ilegcnh. Ensish. Pfast.; Kikl 
Mü. Obhergh. Dessenh^ PI. Gückel, Göck^l. 
Demin. Gückele [Kikala Liebsd.~\ ; Göckele 
[Kekala Geberschw.^ ; Gockele [Kokala 
60.] m. I. Hahn. D^r wälsch G. Trut- 
hahn Hi. Rda. D'r rot G. ufs Dach 
setze" das Haus anzünden Olti. 'Han oder 
Gugel Gallus Gallinaceus' Dasyp. D^r 
Guckel hockt im Kaste", d arme" Lüt 
^Qgssen faste" aus einem Pfingstlied S. s. 
auch Zss. Guck^lha'^n. 2. steifer, runder 
Filzhut. J. grosse steinerne Spielkugel Des- 
senh. 4. weisse Spitze von Geschwüren 
Horbg. 5. Pferdename Bisch, vgl. 
Gogo. — Schweiz. 2, 192. Bayer, i, 
885. Hess. 126. 

Mugockel, Gockele mu ;;/. Kuh 
(Kindersprache): hörs' de de" M. brüelc" 
Str. Sj/n. Müdock^l Z. 



Guck 1er [Küklor Schleit.; Kyklar 
Bühl Lobs.] m. Hahn. 

Muttigockel m.Hahn ohne SchwanzOlti. 

Schnitzguckel m. Krüppel mit ge- 
bogenem Rücken {Schimpfwort) Wittenh. 
— aus Schnitzbuckcl entstellt? 

Spitzguckel m. boshaft witziger, 
schlauer Knabe Roppenzw. Attenschw. — 
vgl. Schweiz. 2, 195. 

Gockerle [Kökarla Bisch. Str. Ingw. ; 
PI. Kekarla Str. \ n. hübsches Mädchen, 
das sich auch gut zu kleiden sucht; vgl. 
frz. coquet. Des' {das ist) e netts G. 
Schätzchen. E liebs G. hübsches Kind. 
Kettner GvH. 88 : 'die nette Geckerle'. 

Guck [Kük Orschw. Du.; Kok M. ; PI. 
-9; Demiit. K^klo M. Hlkr.\ f. Beule von 
Schnakenstich, kleines spitzes Geschwür- 
chen. — vgl. Schweiz. 2, 158 Gügle 
Pustel. Bayer, i, 885 Gogk. 

Harzguck f. Bettle an einer Tanne, 
in der sich Harz befindet Sti. 

Hitze"gückeli n. kleiner Ausschlag 
am Halse Dessenh. 

H u er e "gückele n. PI. venerische 
Hautatisschläge Olti. 

Guck(e) [Küka Banzenh. Lutterb. : Kük 
NBreis.'] f. Düte. — vgl. Schweiz. 2, 
i95Gügge" Blashorn der Knaben. Bayer. 

1, 886 Gugken Schale, Düte, aus frz. 
coque. 

gucke" [kyka allg?^ gucken, sehen, neti- 
gierig schauen. 'Wan er sich dan wil 
bücken (der netimodisch kurz bekleidete) 
So beginnen die frouwen gucken Alt- 
swert 52, 27 Bsp. aus Geiler, Brant, 
Murner, Fisch. CS. 'in die höhe gucken' 
Fisch. Bin. 20. He, guck (höre\), i*'*' 
will d'r eps sage" Sier. Beim Verteilen 
unter Kinder: de"", wo z"erst 'he guck' 
{od. guck ///.) brüelt, de"" bekummt s Su. 
D Elle"böje" g. i^'m durch d Ärm^l Bf. 
Do guckt nix ''erus ! davon ist kein Vor- 
teil, Erfolg zu erwarten Str. Guck us! 
Obbr. Hf. Versteckspiel mit kleinen Kin- 
dern: man zeigt sich mit dem Rtife da! 
[tä]. Güguck«l — dada! Getid. — Schweiz. 

2, 182. Schwab. 248. 

?y gucke" absehn: am eps a. g. Bf. 
Hf. — Schweiz. 2, 183. 

an gucke" ansehn 'an g. wie e Kuoh 
e neijs Schürdoor' Str. Wibble 35. 

ergucke" schauen, sehn (verstärkt). 
'I k;in mi gar nit satt ergukke an dier, so 
scheen bisch hyt' Pfm. V 5. 



GuCK 



207 



GuCK 



US gucke" Bf., US gückle" [yskikla 
Z.] ausspähen Bf. — Schweiz. 2, 183. 

Lochguck [Lö;^kyk Mtitzig Molsh^ 
n. Panorama. 

jSprechguck ein kleines Nebenfenster- 
chen, gewöhnl. im unteren Stockwerk, ehe- 
mals oft an Häusern angebracht, wo man 
die Eintretenden und Fortgehenden sehen 
konnte. Guck-, Klapp-, Schiebefenster St. 

Zss. Guckenberge"s [Kykaparis Ttf.] 
Inf. im Gen. G. mache" Versteckens- 
spielen. vgl. 'des guckenperglis spiln' 
(obscön) Fastnachtspiele Lexer i, iiio. 
— Bayer, i, 886 gugkabergen, wobei der- 
jenige, der sich verborgen hat, gugku ! 
schreit ton gesucht zu werden. 

Zss. Güggehirle kleines Fenster chen, 
durch welches man auf die Strasse sehn 
kann, ohne selbst gesehen zu werden Mii. 
Stöber Mäder. Der 2. Wortteil wohl zu 
hure" kauern gehörig, s. d. — Schweiz. 
2, 190. Schwab. 248 Guckehürle Dach- 
häuschen. Bayer, j, 887. 

Guck-in-Ofe" m. Gebackenes aiis 
Milch, Eiern und Mehl Hi. — Schweiz. 
2 , 178 Gugg Ofenloch im sog. Ktmsiofen 
zum Warmhalten der Speisen. 

Guckuscr [Kykysor Co^ n. kleines 
Schalterfensterlein. — vgl. Schweiz. 2, 
180 Guckus. 

gückel [kikl Str.~\ Adj. einäugig, 
schielend. 

Guckel, Gu ekele [Kykalo Strüth 
Ltitterb. ; Kykla Roppenzw. Wittenh.Heidw. ; 
Logelnh. Obhergh. ; Kykl Horbg. u. nö. 
davon allg. ; Fl. Kyklo] n. i. Auge 
(scherzhafter, gemeiner Ausdruck). Guck- 
le'^ wi« Salzbüchsle"; wi« Pflucerädle 
grosse Augen Z. JB. VII 192. Trüebi, 
gschwolleni G. mache" Katzenjammer 
haben. Schlimmi G. klare, schelmische 
Atigen. In ei"®m e Guckel schmisse" 
durch einen Blick winken Rtipr. E par 
G. schnide" eiji besonderes (böses) Gesicht 
machen. E lang Gsicht un*^ grossi Guckle" 
mache" unangenehm überrascht sein. Der 
stellt d G., wie wenn er eine" fresse" 
woi't Hlkr. P^ schlag d'r uf d Guckle" 
ins Gesicht Str. Mit e'"''me blöuje" G. 
d^rvo" kumme" mir geringen Schaden er- 
leiden Rapp. Um s G. is' d®r ScheP blind 
scherzh. wenn man im Spiel ein Auge zu 
viel oder zti wenig hat Bf. 'Loss dyni 
Gukkle schyne' Pfm. I i. 'Er lueüt in 
ihri bloüe Verliebti Gyckle nyn' E. Stöber 



ScHK. 2. 'Was die for Guckle macht!' 
HiRTZ Ged. 214. 2. Licht, Mond (Kin- 
derspr.) Wh. 

Demin. Gü ekele [Kikala allg.; Fl. 
ebenso'^ I. kleines A7ige : G. mache" die 
Augen halb zudrücken. Verliebti G. m. 
verliebt sein; die Mutter wäscht das Ge- 
sicht ihres Kindes mit dem Kinderlied- 
chen: Gückele, Gückele, Bäckele, Bäckele, 
Bärtele, Mülele, Näsele, un"^ dis is' s klän 
Blössele, wobei jedesmal der genannte Teil 
gewaschen wird Hf. 2. Licht {Kinder- 
sprache). Mach e G. zünde Licht anl 
Auch ein Feuer, das nur wenig brennt: 
das is' e G. vo" ®'"^me Für ! Zinsw. Auch 
sonst helle, glänzende Gegenstände : Lampe, 
Mond. J. Punkt: um e G. um ein 
Pünktchen Bisch, z/.. Schöngesicht, Calliop- 
sis bicolor K. Z. Philippsbg. 

Frösche "gückele [Fr^sakikala Kerzf. 
Str^ n. I. Froschlaich. 2. Vergissmein- 
nicht, Myosotis. J. Ehrenpreis, Veronica. 

Glotzguckel n. I. grosses, hervoi'- 
stehendes Auge. 2. Mensch mit solchen 
Allgen Str. 'Glotterguckel' Klein. 

Grossguckel n. i. Mensch mit Glotz- 
augen Z. 2. hochmütiger Mensch Str. 

Haitcrgückele Str. und 

Helle"gückel [Habkik^l Z.] n. Licht, 
Mond {Kinderspr.) 

Hitzgückele n. bei Kindern thränende, 
trübe Augen infolge von Fieberhitze Hf. 

Käsguckel n. i. Trief atige ; Aiigen, 
die mit Augenbutter verklebt sind. 2. Men- 
schen tnit solchen Atigen Co. U. 

Katze"gückele n. Mädchenauge, Cal- 
liopsis AEckend. 

Nechtgückel [Na;^tkikl Felleri7\ n. 
das jüngste Kind. — verdreht aus Nest- 
gucker .y. d. 

Ochse"guckel Kerzf. bis Kindw. n. 

1. grosses Auge mit stierem Blick Kindw. 

2. Sonnenblume, Helianthus annuus Str. 
j. Wiesenbocksbart, Tragopogon pratensis 
Meis. ^. Aster Geisp. 

Rossguckle /'Z. Teuf eis abbiss, Scabiosa 
succisa (atich für die andren Scabiosen) 
Meis. 

Schelguckel ['Sälkykl Barr; 'Sselkykl 
Str.] m. Schieler. Dem. Schelegückele 
n. Str. — vgl. Schweiz. 2, 179 Schili- 

g"gg- 

Schmu tzgückel m. tmt Oel getränkte 

Schnur, dünner Lajnpendocht. 



GuCK 



GuCK 



Sunne"gückel n. Sonnenlicht (Kinder- 
sprache) Geud. 

T e ü f e 1 s g ü c k 1 e/*/. Teufelsaugen, Wolfs- 
kirsche, Tollkirsche, Atropa belladonna. 
KiRSCHL. I 535. 

Gucker [Kykor Sji. ; Kyksr Rjif^ in. 
I. Kuckuck. Rda. VVe"" d" nur bim G. 
wärs' ! Su. 2. Nicht szviirdiger : dis is' 
e G. ! Ruf. Gucker coccyx' Dasyp. — 
Schweiz. 2, 184. 

Gucker, Gucker [Kykar Bisch. Scherw. ; 
Kikor Kerzf. Barr Molsh. MiUzig Dun- 
zeit h. Z.] m. Gefängnis. 

Demin. Guckerle, Gucker le [Kykorla 
Liebsd. M. ; Kikarli Heidolsh. ; Kikarla 
Attenschw. bis Co. M. Rapp^ n. i. kleiner 
Erker. 2. Gefängnis (scherzhaft). — 
Bayer, i, 887 Guckerlein Fensterchen. 

Brille"gucker,Brillengückler[Prel3- 
kykar Ruf. Su. Obhcrgh. Co. M.; Prcla- 
kiklar Str. K. Z.] m. i. Brillenträger 
(scherzhaft). 'Prillengucker' Fisch. Eulensp. 
Vorr. 2. einer, der alles genau sehn 
tmd untersuchen muss Str. 

Ha fe"g ucker [Hafakykar Bf. 6Vr.] m. 
Ehemann, der viel in der Küche nach- 
sieht. Auch Hafe"guck Str., Hofe"guck, 
zugleich als Verdrehung von Habakuk 
Ingenh. — Schwab. 248. 

Nestgucker [Nastkykor Obhergh. 
Dessenh. NBreisT^ m. das jüngste Kind 
(auch das kleinste Junge bei Tieren). 

Fenstergückerle n. Guckfensterchen 
Scherw. 

Stern e°g ucker [ Starnokükor Liebsd. ; 
'Starnakykor Su. Co. Str.~\ ni. i. Astronom. 
'vom J. 1588 haben viel Sternengugger 
viel jähr zuvor alles übel, vnnd dafür ge- 
halten, dass es der gantzen weit verderb- 
lich sein wird' Petri 461. St. Geiler 
Narr. 11. 2. Mensch mit aufwärts ge- 
bogener Nase Liebsd. j. hochmütiger 
Mensch Su. — Schweiz. 2, 184. 

Wide"gückerle n. 'zu Strassburg wirdt 
ein kleines vögelein also genennt, eincs- 
theils graw, als vornenhin, anderstheils 
lichtgelb, als am Bauch, zum thcil auch 
weisz, als vmb die Seiten, vnd vmb den 
Halsz, mit lichtrothcn Beinen'. In der 
Schweiz : Weidcrlein oder Zilzepfflein. Dr. 
Gessner's Vogelbuch deutsch von Rudolf 
Heusslein Frkf. a. M. 1600, Fol. ^4.8. St. 
vgl. oben unter Geickerlcin. Gehört hier- 
her auch 'ein gügerling schicssen' Geiler 
Narr. 149*^? 



Guckernel [Kükornel Su. Horbg. Mütt. 
Bf.^ n. tmverstandenes TVort, nur in der 
abweisenden Antwort auf die Frage, was 
es zu esseit gibt: G. im Häfele, oder G. 
un'^ Schnellfärze, Guggernill un'^ Krebs- 
wäd'l Mü. Stöber Mäder.) — Schweiz. 
2, 176 Giggernillis Gemenge; 190 Guggcr- 
ncll Dachfenster; vgl. attch Guck-in-Ofe". 

Guckli [Kykli Roppenzw^ m. Possen, 
Witze: er macht wider G. 

guckle",gückle" [küklo Felleri. ; kyklo 
Geberschw. Du. ; sonst kiklo allg^ i. neu- 
gierig und verstohlen blicken {J}es. durch 
Spalt oder Schlüsselloch, latiern ; mit halb- 
verschlossenen Atigen sehn, bes. die Mai- 
stube von aussen beobachten Sesenh. 'End- 
lich fing ich an ein wenig zu gücklcn' Mosch. 
Bobertag 82 CS. 'Wer kummt? . . I gyk- 
kel un i luster' Pfm. V 4. 'Was gickelsch 
denn so frindli dryn, Du Sterncle dort 
drowwe?' Bernhard Schk. 73. 'Looss 
mich e bissei gyckle (im Wochenblatt), 
wer in d' Kimbett isch g'kumme' Hirtz 
Ged. 244. 2. herausschauen, zum Vor- 
schein kommen : d Blüete° kumme'* sehe" 
ge^" g. Ruf. — Schweiz. 2, 195. 

inneg. hinein-, use g. hinatcs sc hauen O. 

uf gückle" ungesehen scharf aufpas- 
sen : der Bammert hct ''em Dräher Hans 
ufgegück'^It Du. 

US gückle" in und bei fremden Häu- 
sern ausspionieren. Der is' allewej nur 
kumme" ge^" alles us g., "^ass er wider 
eps z" ratsche" het Du. 

"^erus gückle° i. du rch a ufmerksames 
Zusehn ausfindig machen, wie z. B. der 
Biirsche eine freie Tänzerin auf über- 
fülltem Tanzboden, der Jäger einen Hasen 
im Lager Hf. 2. ein wenig heraus- 
schauen. D Zeche" (Zehen) g. zue de" 
Strumpf®" erus Dil. 

zue gückle" /;;/ stillen zuschauen 
Bisch. U. 

Spalte "gü ekler ['Spältgkiklar Betschd.\ 
m. Spaltengucker, Schimpfname der Ober- 
gerichter (Leute der Gegend von Aschb.), 
sie haben wenig Holz, schliessen daher itn 
Winter die Fensterläden und gucken nun 
durch die Spalten. 

Sterncgückler m. Astronom Str. K. 
Z. Kettner Gvh. 71. 

Guckes \y^^V.'^%Roppenzw. bis Katzent. \ 
nur in der Rda. z" G. ge''" ZJi Grunde 
{zum Teufel) gehn, fallit werden, sein 
Vermögen verlieren. — Schweiz. 2, 191. 



GuCKS 



GaL 



209 



GaL 



guckse" [kyks3 il/.] schreien des Kuk- 
kiiks : [tor Koi;^ kykst 71/.] Fisch, gauch- 
scn. — Bayer, i, 886 giigken, guckczen 
[ebenso 7n/id.) 

gale" [kdlo il/«.] gaffen, mit grossen 
Augen ansehn Stöbbr Mäder. 

a"galc" angaffen Mü. 

Gall, Gell [Käl Hi.; Käl Z.; Kai 
Ingersh. ; Kael Molsh. Ingw. Lohr IVA.] 
ni. [f. Ingenh.) Schrei (gellen), Angst- 
schrei. E G. US lo^^*n einen lauten, 
durchdringenden Schrei ausstossen Ingoih. 
Er het zwen G. us gelon Hf. — Schweiz. 
2, 208. Schwab. 216. Bayer, i, 899. 

Nachtigall, Nachzigall [Nä;jtikäl 
fast allg. ; Nä;^tsikäl Su. Rapp. ; N6/tsi- 
käl Dachstn.; N6;jtsikäl/«^f;?/;.] /. Nachti- 
gall. Ironisch : Der singt, wi* d'e Nach- 
tigall inger '^um Schäferkar ch Dehli. — 
Schweiz. 5, 201. Bayer, i, 899. 

Gard Nachtigall verdreht atis frz. 
garde nationale Nationalgarde Str. Elsass 

i895> 13- 

'Steingall, -gelle T Totanus ochropus, 
JVasserläufer Baldner 57. (Steingällyl 

1564)- 

Gall, Kall [K.k\ Befschd. ; Khäl Dtm- 
zenhi\ f. feuchte Ader in Feldstücken, 
namentl. im Thalgrunde bei abhängigen 
Lagen (s. Mülbode"). Bi d=r Kall Flur- 
bezeichnung in der Umgebung einer Quelle 
Dunzenh. — Bayer, x, 890 Gallen. 

Was sergall [Wäsorkäl Du. Bf:] f. 
ein Regenbogen, von dem jedoch nur das 
Ende eines Schenkels sichtbar ist. Wetter- 
regel : Wenn am Maria(tag) e W. an de" 
ßeris«" ste^'t, gi^t s no<=^ me'' Reje" Du. 
D^r Ungerschberi? is^ e W. mit einer 
Dampfwolke bedeckt bei herannahendem 
Regen gilt der U. als Regenprophet für 
die Gegend von Benfeld. 

Galle, Gall [Kalo 6".; Y^2X sonst allg 7\ 
f. I. Galle. Du hes' e kleini G. bist 
g7itmütig Ruf. In dem kummt d Gall 
uffe derwird zornig ebd. Er het e G. wie ^'ne 
Soümelchtre so gross wie ein Kübel zum 
Schzve inefüttern , ist sehr reizbar Fisl. 
Rda. d G. is' m'r gsti''ge° vor Ärger 
Ruf. Do muss e'"^m jo d G. iwerge'^n! 
Dehli. D Gall lauft i''m üwer, lauft i^'m 
jn dag Hirn er wird, ist zornig Su. D G. 
is' '"^m usgeloffe" Umschreibung für eine 
tödlich verlauf e7te Krankheit Hf. Bitter wie 
G, U. JB. VII 198. 'Wer nit galle versucht 

Wb. d. eis. Mundarten. 



hat, weis nit wie süss der honig schmeckt' 
Geiler, .y. Als. 1862/67, 141. 2. Zorn. 
Dato het er e'"^ G. Sti. 'gall, gelle' 
Reizting zur Sinnlichkeit , zum Bösen, 
Wollust Geiler J. Seh. 68. — Schweiz. 
2, 204. Bayer. 1, 890. 

'Glasgall fei vitri' Pharm, i. 

vergäl le" [iorkaX^Illk .^^verhittern (bildl.) 

— Schweiz. 2, 205. 

widergällig [witorkalik Heidzv:\ Adj. 
widerwärtig. 

Galach, Galich [Kala/ Str.; Kali/ 
Z. ; Fl. Kälö/om Z.] m. protestantischer 
Geistlicher (gemeiner oder scherzh. Aus- 
druck). Gaunersp. Fisch. Grossm. 50. 
'Galch Pfafif' Mosch. II 632. Hebr. gal- 
läch glatt geschoren, meint also eigentlich 
die Tonsur ierten. — Schweiz. 2, 201. 

'galant höflicli, ztivorkommend' Str. 
Ulrich. 

Galle'' [Kala Du. NBreis.] derh. Gallus. 
Rda. A" Sant Galle" is' s z Owc"''esse" 
verfalle" zveil man vom 16. Okt. ab nichts 
mehr um 4. Uhr isst. 'Sant Gall tribt s 
Vieh in de Stall' Als. 1852, 143. Bei 
Strassburg der St. Galler Kirchhof. 'Sie 
rueije zu Sanct Galle, 's isch e netter 
Gottsacker' Stöber Daniel i. Der San- 
galler (Sangallemer) Marsch der Weg zum 
Tod; de" S. M. blose" dem Tode nahe 
sein Str. 'I waiss 's gitt Maidle so, Gehl- 
schnaikle un Neese, grubflichdi, wo saaue- 
n-ich bin schunn noot am Sanggalle Marsch' 
Pfm. II 5. — Schweiz. 2, 200. Bayer. 
I, 890. 

Galee [K^le M. Wh. ; sonst Käle allgT] 
n. (früher f.) i. Zuchthaus : uf s G. 
kumme". 2. ZMchthausstrafe : er het ze*^" 
Jo^'r G. bekummc", schu" zwanzig Jo^r G. 
gemacht, j. harter, unleidlicher Ztistand: 
ziter ''ass i*^'' ghirut bin, haw i'^*' s rein 
G. Hf. S is*^ e hell G. es ist unerträg- 
lich ! U 'ein Galeen' Wickram H i ''. 
'Galleh Triremis' Dasyp. 'Triremis, navis 
longa ein galee' GoL. 194. 'die Galeen; 
Galeenknecht foryats galeriens' Martin 
Farl. N. 441. 'Waist nit, dass uf d' 
Gallee der Bremer kumme wurd' Pfm. IV 3. 
'Was däte d' schöne Kläder nutze. Wen mer 
d' Galee soll drinne han ?' Schiltigh. Schk. 
410. 'E-n-andrer am mym Platz soll diss 
Galleeh (ujterträgliche Misswirtschaft in 
der Haushaltung) 'mool traaue !' Kur 25. 
s. auch Zss. Galeenrecht, -wage", -wackes. 

— mhd. gale aus mlat. galea; eigentlich 

14 



GaL 



2IO 



GaL 



Galeerenstrafe, frz. Icsgal^res. — Schweiz. 
2, 202. Schwab. 217. Bayer, i, 899. 

Heide "galee Ausruf der Verwunde- 
rung oder des Zorns Str. (hotz) Himmel- 
galee Wh. dass. 

Hölle^galee Ausruf: o H.! unerträg- 
licher Zustand Str. 

Mordgalee Aitsruf der Entrüstung: 
'Un wenn er (der Spüllappen), Mord- 
gallee! au greeser ward ass der Baarfüesser- 
plaz' Pfm. IV 4. 'Mordgallee! Was stichst 
mi do so grimmi ! ebd. II 2. 

Ratze"galee Ausrtif des Ärgers : 'Potz 
Ratzegallee!' Pick 71/ö. 38. [hotz 'Staen- 
kale Wh7\ 

Galen er [Kälenor Ruf. Horbg.'\ m. 
I. Galeerensträßing, ZuchtJiäusler. 'Ga- 
leener, Schelmen un Spitzbuebe' Schör- 
LIN 15. 2. ein Paar schwere Schuhe. 

Galater [Kälätar Dehli.~\ m. Schimpf- 
wort: du unverschämter Galater! — ver- 
mutlich ebenfalls: Galeerensträfling, an 
das biblische Wort angelehnt. 

Galerei, Galeri , Galerig [Kälarik 
Ensish.; Kälori ///. Su.; Kälarai Felleri. 
Dil. Str.; Kälrei Rapp. Rothb.; Kälarei 
Hf.; Kälraei KZ.; Käbre Wh.; Kälars 
Mittl. Mü. nach Stöber Mäder'\ f. 
(m. Ili. Ltitterb. Ensish. Su. NBreis. ; 
n. Wh.) Gallerte, Gelee Su. Us de" 
Füess«" vo" de" Sui ha''«" m'r e G. ge- 
macht Mittl. S is' grad wie G. {vom 
Froschlaich gesagt). 'galreigen' Dankr. 
541. 'Galrey' Geiler ^. M. 11, b. 'Er 
macht des Pfeffers zu vi] an die gallrei* 
ders. P. III 81^. 'i. galreich' Reiber 
Küchenzettel 6. 'Galrey, sultz jus conge- 
latum' Dasvp. 'Jusculum coactum sultz, 
galrey' GoL. 363. 'Schweincnfüsen . . inn 
Essich oder Galerei' Fisch. Garg. 77. 
'Gallerey oder Zittersultz de la gelee' 
Martin Coli. 43. 'Un wenn in d' Küche 
d' Madam geht Ze zaije was sie kann, 
Un ihre d' Gallerei nit gsteht Un's Krutt 
riecht noch der Pfann' Pick Mo. 36. 
'Gallerey' Z.Ä'^83.St. — Schweiz. 2, 206 
Galler. Schwab. 218. Bayer, i, 890. 

Galli [Kali Ileidw. Banzenh.~\ m. Gro- 
bian, Lümmel; Tölpel; eingebildeter Mensch, 
Lafl'e. 'Er war e dumme Galli' Schör- 
LIN 6 1 . Vgl. 'Gansgalli dummer Mensch 
Augsbg! Klein. — Schweiz. 2, 203. 

Gallich [Kali/ /^.] m. Schlingel. 

Galitzel [Käletsl Olti. Steinb. lli. Ruf. 



Z.Ingw.Ji Kalitzel, Kanitzel, Karlitzel, 
Karnitzel [Khärlitsl Olti. Obhergh; Kha- 
nitsl Obhergh. ; Khärlitsl Heidw. Rauw. ; 
Kharnitsl Schleit7\ m. Kupfervitriol, Eiseit- 
vitriol ; das Saatkorn wird in einer 
Lösung desselben eingeweicht , um den 
Brand (Butz) zu verhindern; anstatt des 
G. wird hierzu oft auch Kalkstaub ver- 
wendet, s. auch Alitzel. Pharm, i 'wisser 
Galitzel Zincum sulfuricum , 4 bleuer G. 
Cuprum sulfuricum, griener G. Ferrum 
sulfuricum; 5 Carlitzel Zinc. su]f. crudum'. 
— DVVB. Galitzenstein; das Vitriol kam 
früher von Galizien und zvurde hiernach 
benannt. Bayer, i, 899. 

Galeschle [Kalesla Hlkr.~\ n. kleine 
Kutsche. 

galeschle" i. in der Kalesche fahren. 
2. sehr stark laufen. 

a galo [a kalo LTorbg.^ i. im Galopp: 
a g, rite". 2. Zuruf um das Pferd ZTim 
Galoppieren zu, bringest. — frz. en (für 
au) galop. 

Galopp, Kalopp [Kälöp tutd Khälöp 
Str.; Khälöp Ingenh. Hf?\ m. Galopp. 
'In Eim Kalopp isch's jetz g'gange' Hirtz 
Ged. 233. — Schweiz. 2, 207. 

Spore"galopp m. nur in der Rda. 
im Sp. im stärksten L.auf , eiligst Su. 
Osenb. — Schweiz. 2, 207. 

g a 1 o p p e " galoppieren Steinbr. Logclnh. 

Galopper, G(a)löppri, Kai-, Kl- 
[Kälopar Roppenzw. Ruf. Ndhsn. ; Kä- 
lopri Bebelnh. Bf. ; Khälepri Lngersh. ; 
Kalepri Obhergh.; Kl^pri Niffer Su. 
Hältst. Ruf. Obhergh. lngersh. NBreis.^ 
m. I. Diarrhöe (synon. s Laufe") O. 
2. e Galöppri einer, der es immer eilig 
hat Str. 

g(a)löppre", k(a)löppre" [^älepora 
Olti.; kälepra lngersh. Str. Gezid. Lobs.; 
kälipra Ltitterb. Kindw.; khäl^para K. Z.; 
^lapara Roppenzw.; klepara Kerzf^ i. 
galoppieren, rasch latifen {bes. U.). 2. 
den Durchfall haben, Notdurft verrichten 
0. — Schweiz. 2, 207. 

•^^rumkaloppiere": 'Was Kazze sinn 
glych druf im Huus rumkallebiert' Pfm. V4. 

ab galöppere" fort latifen. De' is' 
awer ab galöppert, ''ass m*r i*'m ke'"* 
Füess me'^'' gse''" het Geberschw. 

verkaloppiere" refl. sich übereilen. 
Alterle, verkaloppier di'^'' nit! Z. 'D' 
Hyroth isch, myntwaje, doch c Schritt, 



GaL 



GeLL 



211 



GeLL 



GeiL 



wo merr sich gar ze gschwind verkalle- 
biert' Pfm. III 3. Vo7t Mädche^t, die sich 
Herführen lassen Bf. 

Galosche" [Käloss Olti. NBreis. Barr 
Bis eh. Str. K. Z.] m. PI. niedere 
Schnhe, Schnhe mit Holzsohle. — Bayer. 
I, 899 Gulotschen. 

Gaul [Käyl Steinbr.; Käil Rapp. Bf. 
Köil Hlkr. Logelnh.; Kaül Str. W. 
-|-Koel K. Z.] m. altes, schlechtes Pferd. 
Rda. Mach m'r d^r G. nit scheu [sei 
Rapp.^ binde mir keine Fabel aufl 'Mach 
m'r d Göul nit scheu!' Hirtz Ged. 239. 
Mach mer der Gaul nit schich' Mü. Mat. 
57. I" *'"'^me gschenkte" Gaul luejt m^r 
nit in s Maiil Bf. [der Vocal aü ist hier 
nicht elsässisch.) Geschenktem gaul sihe 
nit ins maul' Geiler, i-. Als. 1862 67, 
142. — Schweiz. 2, 219 Gul. Bayer, i, 
891. Hess, i 18. 

gaul ig [köilik vT/.] Adj. schlank, lang: 
e g. Baumle. 

Gaulam [Koeläm Dunzenh. Z.] f. Ring- 
lerche, s. auch Gol'^ammer. 

gaüle" [koyla Steinbr.; köila Fisl. Mit.; 
koeyJa Sier.; käila Ili.; kaila Heidw. Kat- 
zent. ; käilo Horbg. BebelnhT^ . i. spielen, 
sich necken (bes. von fingen Katzen und 
Hunden, die sich auf dem Boden herum- 
wälzen), 'ßol mied vom Ummespringe 
vom gäile un vom ringe' (die Katzen) 
Lustig I 361. 2. schaukeln auf dem 
Stuhl. — .y. auch geile". vSchweiz. 2, 
207 gaulen. 

Gelle, Gell [Kdl Rupr.; Kela K. Z. 
Hf. Han. Lobs. IVh.^ f. i. dttmmes, 
einfältiges , fatdes , leichtfertiges, aber auch 
gutmütiges Mädchen. Du alti G.! E langi 
G. Die^^ gross G. ! Mädchen etwa von 
18 Jahren, das noch mit Kindern spielt 
Rupr. Korpidente Weibsperson: [Täs es 
o nätir]e;fi Kela Wh^ 2. Gieskanne 
(aiis g^\X.€) — Schweiz. 2, 210. Schwab. 
227 Nebenbuhlerin. Bayer, i, 962, 

gellig [kalik Roppenzw. M.'] i. 
paarungssüchtig (Taube) Rapp. 2. bleich, 
übel aussehend M. j. rein , unver- 
mischt [tar kalik Felsa das nackte Gestein 
M\ 

gelle" [kalg Hlkr.^ i. seJu-eien, singen: 
s gellt eim durch d O^^re" 6". N. 2. Prell- 
schuss machen : 'wann einer gellet oder 
schirpffet unde die Scheib trifft, der Schuss 
gilt nichts' Rchw. 1568 JB. II 162. — 



DWB. 4, I, 2, 3040. Schweiz. 2, 208. 
Bayer, i, 891. 

Geller [Kelar Bf. Ar.] m. gellender 
Schrei, Angstschrei: e G. us lo*^*n oder 
US stosse". Hat i nit c Geller us gelosse, 
se hat diss Deifelsvieh mi ganz verhoort' 
Pfm. II 6; II 5. 

geil [kail Ruf^ Adj. mutzvillig (meist 
von Kindern oder fingen Tieren gebraucht . 
Der Bue'^ ler"t nit recht, er is' noch ze 
g. f der geile montag Montag nach der 
Hauptfastnacht, 'wan man doch uberein 
leichtfcrtigkeit thun wolt, so sol man es 
doch nit eben uflf den tag thun, uff das 
haupt der fasten, warp.mb thut man es nit 
morn, so es on das heissct der geil mon- 
tag' Geiler Em. 10. geyl weych lascivus' 
Dasyp. — Schweiz. 2, 210. Schwab. 225. 
Bayer, i, 890. Hess. 120. 

Geil, Katze"geil [Kail Roppenzw.; 
Khätsakail Ndrsept\ m. Katzenbaldrian, 
Valeriana officinalis. 

Hofgeil \yibik€\\M.Mittl. StosszvT^f. 
Obstwecken, die auf Weihnachten oder 
um Fastnacht gebacken werden. Hoftgeil 
St. JB. II 188. Vgl. Schnitzwecken. 

7 Geile f. Geilheit, 'den gammel oder 
geile' Geiler J. Seh. a V. 

geile" [käila Liebsd. Roppenzw.; kaila 
Su.; khii^M.; k^\\Q Mittl^ spielen, Dumm- 
heiten machen: Kinder, die sich ne£ken, 
Kühe, die mutwillig springen, Hunde usw. 
'Die Katzen . . . wollend geilen mit den 
Kätzlein' Geiler y. 6"^//. Aaiiij. 'hindiin 
oder katzen oder hiener . . . die sich geilen' 
ds. J. Seh. d iij''. — Schweiz. 2, 211. 
Schwab. 225. 

vergeile" üppig werden, von Pflanzen, 
welche in Zweige und Blätter schiessen 
ohne Blüten und Früchte zu bringen Mü. 
Stöber Mäder. 

Geiler I [Käilar Roppenzw.^ m. Spass- 
vogel. (Der Name des berühmten Predi- 
gers kommt jedoch von 'geilen betlen' 
Dasyp. gil ; mhd. gilen ; dazu Gilerin 
Landstreicherin Chron. aus frz. guiler 
betrügen. Die Familie stammt aus Schaff- 
hausen und weiterhin vermutlich aus 
österreichischen Landen. DWB. 4, i, 2, 
2602). 

jGeylerll unkeusche Begierden Geiler 
Narr. H. 117. b. St. 

j Geilung, Subst. von geil Geiler. 
6". M. 63. 'geilunge vel geilsunge, luxu- 
ria' Herrad 194 . St. 

14* 



GiL 



GuL 



2 12 



GüL 



jGil m. der Bettel. 'All weit die rieht 
sich uf den gil, das iederman ietz bellen 
wir Murner yVarr^?«^^^r//z£;. 87 {Goedeke)\ 
vgl. 'unm seines unverschämten Geilens 
willen' Luc. 11, 8. 

Gille [Kil9 Doller7t\, Denan. Gillele 
[Kil9l3 Obb7\~\ f. Ziege [Lockruf: G. 
schleck !) 

Gol [Kol Rapp7\ n. Dompfaff, Ghn- 
pel, Pyrrhula rubricilla. — Schweiz. 2, 214. 
Schwab. 238. 

Rotgolle [Rötköla Bollw.'\ f. Gimpel. 

bi golle! Fluchwort, s. Gott. 

bigoli [piköli Rapp.~\ Ballspiel, wobei 
ein Ball an die Wand geworfen jmd bi- 
goli gerufen wird. 

Göller, Göllert [Kelar Felleri.; Kdlart 
Mü.^ n. I. Hemdkragen. 2. das glatte 
Rückenteil des Hemdes zivischen Hals- 
bändchen und Stoss. — frz. collier. 
Schweiz. 2, 217. Schwab. 238. Bayer. 
I, 893. 

Golesch [Koles Olli.; Khöles Ä'.] n. 
französische höhere Schtde. — frz. College. 

Golie [Kolia Ndhsn.~\ m. Rebe, die 
auf dem Draht spinnt. — wahr seh. frz. 
collier. 

Golo [Kolo Geberschw. Ingw.^ m. e 
grosser G. einflussreichcr , mächtiger 
Mann, e falscher G. heimtückischer Kerl. 

— Wohl die Figur aus dem Volksbuch 
von Genovefa. 

Gull I m. grosser, unten breiter, oben 
enger Korb, ins Wasser gestellt um Fische 
oder Krebse darin aufzubewahren Str. 
CS. — frz. goulet Einkehle an Fisch- 
reusen. 

Gull II [Kyl Barr] f. dicker, kurzer 
Baiimstamm: us dene" Gulle" macht m^r 
jetz' G^we^'rschäft*. 

Gullegulle [Kylakyla Bisch.] n. i. 
etwas Rollendes (Kinderspr.) 2. s. Gul- 
ler II. 

gulle° I [kyl9 Bf. Bisch.'] rollen, wäl- 
zen, kugeln: en Äpf^l, e Balle" g. Er 
het geguUt hat sich gewälzt. — frz. 
couler? 

Gulang [Kylär^^ Str. Co.] n. Ballspiel. 

— frz. coulant. 

Gull er [Kylar Bisch^ m. grosse Spiel- 
kugel. Gullerles mache". 

gullere" I, kullere" [kylara Str.; 
khylaro K. Z.] (hin und her) rollen. 



'D'r Dick . . isch nab gegüllert' Kettner 
So sin m'r halt 58. 

gulle" II [kylo J/.] schlafen (Kinder- 
sprache). 

Gull [Kil Hlkr.; Demin. Kilalo Hi?[ 
f. Knabenspiel: d Gill spile" oder schla^^". 
Mit einem grossen Stab, dem Gülle"steckc", 
wird ein kleineres auf beiden Seiten zu- 
gespitztes Holzstück fortgeschlagen, das 
ein anderer Knabe aufzufangen sucht, so 
dass die Gull (oder s Güllele) nicht in 
den Ring fällt, innerhalb dessen er steht. 
Die Entfernung misst man mit dem Güllele- 
stecke"* ab. Syn. Kine Str. — Schweiz. 
2, 222 Gül. 

gülle" [kila Steinbr.] n. ein Spiel 
der Schuljugend. Gen. Güllis spile" Ruf. 

Gülle [Kila Attenschw. ; Kilg Heidzv.'] 
f. Mistjauche. Batcernspnich Aprille"- 
gülle" T'^uet ^^m Bure" d Schüre" fülle" 
St. 'mit em salveni Gülle-Bückti' ^= Hotte 
Tragbütte mit Mistjauche Schörlin 73. 
-^ Schweiz. 2, 222. Bayer, i, 894. 

Guller, Gulle'' [Kylar allg. ausser 
N. ; Külar Barr Geisp. Mutzig Ostwald 
Dachs tn. Str.; Fl. Kilor; Kyb Wörth 
Betschd. {Bed. j)]. 1. Hahn, Haushahn. 
Spw. E gueter G. wurd nie feisst (Scherz 
gegen einen mageren Ehemann). Wenn d 
Guller lire", gi'^t s ander Wetter. In e 
Hof ghört nur ein G. Bf. De" G. tappe" 
LIahnenschlagen am Messti. 'Annekäthri! 
Loss d' Hüehner 'eri, Loss d'r Güller 
loife! M'r wän *ne morn verkoife; Setze 
uf e Blechle Un stoss 'm d' Nas in 's 
Lechle!' Hlkr. Stöber Volksb.2gi. Wenn 
d^r G. uf d Arwe't ge'^t, se fange" d 
Hüe'^ner a" tanze" aus einem Hahnenlied 
Rapp. JB. VII 162. s. Menges in Lyon 
Zeit sehr. f. d. deutschen Unterr. VIII 582. 
'D'r stolze Kuller stellt si Hi^tle' Mangold 
Colm. Korn. 8.^. — Schwab. 249. 2. 
Truthahn: welscher G. Kaysersbg. s. ajich 
Welschguller. j. roter Fleischlappen 
unten am Halse des Hahns M. Gullegulle 
Rotznas Fuchsschzvanz, Amarantus cauda- 
tus, eine Zierpflanze, deren rispenähn- 
licher, nach oben zu umgebogener und 
herabhängender Blütenstand eine geivisse 
Ähnlichkeit hat 7nit dem Fleisch am Ober- 
schnabel des Truthahns Wörth Betschd. 
4. Kopf: de"" het e grosse" G. Roppenzw. 
Westhalten. E Kopf ha***" wie e G. von 
Zorn gerötet sein. Er stellt de" G. zvird 



GuL 



GeLB 



213 



GeUi 



GuLD 



zornig. ß. jähzorniger Mensch Bisch. ; 
ziem Lachen geneigter Mensch Mütt. 
Ratiw. ; hoffärtiges Frauenzimmer Ähitzig. 
6. weisser Punkt im Eidotter NBreis. 

Gulli, Bulli [Kyli J/?I Su.; Pyli Co.] 
;;/. Flahn. 

Dänin. Güllerle [Kilarla Katzcnt. 
Bebelnh. usw.; Kelorla Str^ n. i. Hähn- 
chen, bes. als Gericht. 'Der will halt gern 
vilmol ebs guets Gebrodes esse: E Niere- 
brädel ball, e Güllerle' Pkm. III i. 2. 
Spottname für einen kleinen jähzornigen 
Menschen. J. hohlwurzliger Lerchen- 
sporn, Corydalis cava Bebelnh. 

Fasane°guller m. Fasan Str. 

Kutze"giiller [Khytsakylar Ruf.^ m. 
Kind mit ungekämmtem Haare. 

Wels chgu Her m. Truthahn. Spott- 
vers: Gülle gulle Rotznas, Het e gel^'e 
Pfif im A. O. 

gullere" II [külara Hlkr.^ Geschrei 
des Truthahns. 

Gull er le [Kylarl^ Weiler i. Th7\ n. 
Föh renzapfen . 

Gulleri [Kylari M7\ m. Gefängnis. 

Gulipa [Kylipä Hlkr7\ m. i. Ttdpe. 
2. Klatschmohn. — Nbf. zu [Tylipä K. 

^•] 

Galber [Kälpar Roppenzw.~\ m. grober 
Mensch. 

gelb [käl fast allg.; kael Str. W.'] Adj. 
gelb. G. wie e Kütt [Khit] wie eine 
Quitte allg. Grüen e (und) g. grüngelb 
vor Zorn. Gr. e g. schlauje" JB. VII 190. 
Gel^'grüeni Schneik Gelbschnabel. Die 
Juden sagen ,,gelber Wein'' anstatt 
„ Weisswein". \\y häp 9 kälo Firj^ar, tis . 
patit Ur[klik Z. \ Wen einer ein gelen 
Spiegel vff die naszen setzt, was er sieht, 
daz vrteilet er gel' Geiler Em. 57''; P. 
III öq"". 'gele Suppen' kommt sehr oft 
als ein vornehmes Gericht vor Geiler 
J. Seh. 15. 'gele Suppen Esser' = 
Prasser P. 1 $. 'die alten wiber mit den 
gelben schleyern sehen heruß als ein ge- 
reuchet stück fleisch vß einer gelen brue' 
Geiler Narr. 28*=. 'so trocknet ich mich 
. . an die . . gele schleyerlin' Fisch. 
Garg. 215. 'E geels ßrustduech derby' 
Pfm. I 4. 'Gälb croceus" Dasyp. s. au-ch 
Zss. Gel'^rueb, -schisser, -schneik, -sucht, 
-violat. — Schweiz. 2, 291. Schwab. 
227. Bayer, i, 895. Hess. 121. 

ÄckelegeP Eigelb. St. — Schweiz. 



2, 293 {von der Farbe der Excremente 
kleiner Kinder), wahrscheinl. so viel als 

gäckelegel** Adj. grellgelb wie Ei- 
dotter, dottergelb {von Kleiderfarben) Str. 
Z. — Schweiz. 2, 293. 

gulde"gel*' vS., golde"gel'^ ö.,gold- 
gel'' U. Adj. goldgelb {Früchte, Butter 
u. ä.) JB. VII 190. 'Goldgäl' Dasyp. 

kütte"gel'' [khetakael Str.Wh.; kheta- 
käl M. K. Z.] Adj. quittengelb , stark gelb. 
'Ganz Kittegäcl Möecht m'r vor Ärjer 
wäre' HiRTZ Ged. 227. 'War au e Kranker 
kittegehl' Fran^ois //?<5;;^. 15. JB. VII 190. 

'safran gäl vom Raum tout jaune de 
creme' Martin Pari. N. 310. — Schweiz. 
2,^294. 

'W ei wer gelb Castoreum' Pharm. 5. 

gel'^lecht O., gel^'e'Mecht u. gel''- 
le^^t U., gel'^lechtig Su., gel''elig 
Katzcnt. Rapp. Barr Adj. gelblich. - 
Schweiz. 2, 294. 

Gulbut, Kulbut [Kylpyt imdKh- Co.'\ 
m. f. Purzelbaum. — frz. culbute. 

Gold [Kult 6". Str.; Költ Str. U7[ n. 

1. Gold. De'' Rege" is' G. wert. So ge- 
wiss a's G. ganz sicher 0. 'Silwer unn 
Guld bringe alles in Bewegung' Mü. Mat. 
5, 45. 'Fir Guld nit gab se ihrs (ihr 
Kind) här' Mü. JB. II 170. 'Morgenstund 
hat Guld im Mund' Mü. Mat. 59. 2. 
Menschenkot als Fischköder Str. — - 
Schweiz. 2, 224. Bayer, i, 895. 

Demin. Goldele [Költalo Hf.'\ n. 
Kosewort: min G. ! 

Katzengold n. Gummi, das manche 
Bäume ausschwitzen Kerzf. — Schweiz. 

2, 226. 

guldig, goldig, gulde" [kültik 6". 
Hlkr. ; költik Co. ; költi K. Z. ; kbWxy Str. 
Wörth Gundersho. Betschd. ; koltail/.; külto 
Dehli.'] Adj. i. golden, von Gold. Goldichi 
O^rringle Hf. Was nutzt mich e guldeni 
Schüssel, wann nix drin is' ! Dehli. Scherz- 
haft zu Kindern, denen man eine Bitte 
versagt: P^ gib d'r e guldig Nitsle un'^ e 
langer Denkdra" Heidw. s. auch Nittele II. 
2. wertvoll, schön. S is' g. d^rgege" es 
ist unvergleichlich mehr wert. Kosewort: 
min goldicher Käfer! Z. Medizinisch: d 
golde - n - Oder Hämorrhoiden Hf. — 
Schweiz. 2, 227. Schwab. 249. Bayer. 
r, 901. Hess. 140. 

Guide", Guide" [Külta Str.; Kilto 
Str. K. Z. Betschd. Lobs.'] m. Zwei- 
frankenstück. 'Guide' Str. CS. 'Gülden 



GuLD 



GiLG 



214 



GaLJ - GeLST 



nummus aureus' Dasyp. — Schweiz. 2, 
227. Bayer, i, 896. 

fErbgulden m. Abgabe, die bei Erb- 
schaften erlegt wtirden : 'die hofifsverwand- 
ten sind . . . keinen Erbgulden zu geben 
schuldig' Merklen Ensish. i, 318. — 
Schweiz. 2, 228. 

f Goldgulden in. Goldgnlden (mit 
wechselndem Werte). 'Keinem Juden soll 
man zu Brutloff spielen, er zahle denn 
dem Spielmann einen Goldgulden [etwa 
12 Fr.) Art. ig des eis. Pfeifer gerichts 
Als. 1856/57,^ 23. 

Golder [Koltar Roppenzw.~\ m. der 
älteste Mann im Dorfe: de"" is' G. 

jgelffen, v. Schreien eines kleinen 
Kindes, s. Der Brand im Spannbett zu 
Strassbtirg I4g'j JB. I 60. 'ich gilfif' 
Frey XVII. das Hünlein pfipffset und 
gilpffet' Martin Farl. TV. 565. — Schweiz. 
2, 230. Schwab. 230. Bayer, i, 901. 
Hess. 126. 

Gelfzer [Kalftsor Barr~\ m. Notschrei, 
Angstschrei: d Frau het e G. us gelo''^^n, 
wo-n-i'^r Kind i" s Wasser gheit is^ — 
vgl. Schwab. 230 gilfzen. 

jGalgand m. 'Cyperus wilder Galgand' 
GoL. 432. 'galgen, galgenwurz' Brucker. 
— Schweiz. 2, 230 Galgane. 

Galge" [Kälka vS. O. bis sü. v. Co. ; 
Kälja Bü.; Kälja Mntt. Bf. U. W.] m. 
I. Galgen. Du kumms* noch an d^r G.! 
Do henkt s, wie d^r Schelm am G. wenn 
etwas nicht ordnungsmässig aufgehängt 
ist, z. B. ein Laden. Der henkt a" ^"^^me 
silwer"e" G. hat ein einträgliches, aber 
mühevolles Amt oder Geschäft. 2. Hosen- 
träger W. (auch PI.) j. Leitseilhalter 
über der Achse der Pflugräder Steinbr. 
4. leiterförmiger Teil des Vorderwagens, 
an welchem der Heubaum befestigt ist 
Rauw. Lorenzen. 'Galg Crux Patibulum' 
Dasyp. s. auch Zss. Ga]ge"dörfel, -holz, 
-nägel, -pater, -strick. — Schweiz. 2, 230. 
Bayer, i, 901. 

Hose"galge" m.Pl. Hosenträger Dehli. 
Wh. — Schweiz. 2, 231. 

Gilg (Ägidius) Fisch. Garg. 161; in 
Ortsnamen noch jetzt: St. Gilgen bei Türk- 
heim. Eljahof 71/.] 

jGige f. Lilie Chron. 997, 20. 'die 
gilgen und ouch der hol' Altswert 76, i. 
'er ist mitten under inen gestanden, als 
ein schöne rosz under den gilgen' Geiler 
6". M. 29; P. III 10; Brös. W II, a. 'Gil- 



gen lilium' Dasyp. 'Lilium album weisse 
gilgen' GoL. 429. — Schweiz. 2, 232. 
Bayer, r, 902. 

Galjes, Kaljes [Käljos 71//V//. Tieffenb.; 
Khälja? Rapp. U^ nur in der Rda. : G. 
mache" den Makler spielen Tieffenb. meist 
ei"*'m G. {od. K.) mache" verleumden, 
namentlich um einen LIandel, eine Ver- 
lobung zu hintertreiben Z., böses Spiel 
machen Str., Elend, Verdruss, Schwierig- 
keiten Miltt. Rapp. : der het sine" Lüt G. 
gemacht ! 'Wenn hie in unsre Wähle merr 
ess so Kaljes [Schaden) macht' Kettner 
Mais. 67. — hebr. kala zurückhalten, 
hemmen JB. XII 143. Aiich in der Gauner- 
sprache. 

Galkomani [Kälkomäni Lutterb. M. 
Co. ; Kalkomani Str.~\ n. [meist iiti PI.) 
Abziehbild. — frz. decalcomanie. 

ge(l)kschosig [kelksösik Du.; keksösik 
///.] Adj. irgend etwas [was man nicht 
offen sagen will): was hes' do drin? — 
Eps Gelkschosigs ! Kumm e biss^l eri", 
i'^'^ sa? d'r eps? — Was? — Eps G., 
kumm nur! Du. Eps Gekschosigs eine 
Zwischenmahlzeit Hi. — Schweiz. 2, 175. 
232. Atis frz. quelque chose mit der 
Adj. -Endung -ig abgeleitet. 

Golke", GölkeS Golker [Kolko Rop- 
penzw. ; K^lko Gebw. Hlkr. ; Kölkar 
Banzenh.; PI. Kelka, K^lkar] ;«. Flecken, 
Tintenflecken, Rotznase. 'Geikas' Stöber 
Mäder; aus Tolke" verdreht. — Schweiz. 
2, 233. Schwab. 239 Eiterung bei der 
Räude. 

Schnudergolke, -golker ['Snutar- 
kolka ///. Hüss. Urbis; 'Snütorkölkar 
Banzenh.~\ m. Rotznase. — Schweiz. 
2, 233. 

golkig [kolkik Roppenzw!\ Adj. fleckig. 

vergolkt verfleckt Roppenzw. 

Galsu, Kalsung [Kalsü N Breis.; 
KhalsQ Rapp. ; Kälsu Mutzig ; Kaltsüi| 
Hüss.^ f. Unterhose. — f-z. cale(;on. 

gelse", gelxe" \V2i\s'o Obbruck Ingersh. 
Ammerschw. Türkh. ; kalksa Gcberschw^ 
laut schreien, jammern; zu gellen ge- 
hörig. — Bayer, i, 903. 

Galster [Kälstor ///'. ; PI. Kelstar] m. 
Schrecken. Ich hab e grüsorliche" G. 
ghet. D Gälster bringe" mi<=^ schier um. 
— eig. zauberhaft eingeflösster Schrecken : 
ahd. galstar Zauberlicd. 

gelsterlich [kölstorlc;^' ZT//.] Adj. 
schrecklich. 



GcLST 



GeLT 



215 



GeLT 



uf geistere" [i\fke]stQToSc/ierw.^a7i/- 
jagcn, aufstöbern. — Bayer, i, 903. 

vergeistere" [farkalstgrg Olti.; far- 
kelstara allg^ stark ängstigen, erschrecken, 
scheu machen, aufscheuchen, verscheuchen: 
Vögel, Vieh, Kinder. Bis' m'r still mit 
dem Dings vo" d®r Nachtkutz: d" bruchs' 
m'r das Kind nit vergelstere" O. 'Ver- 
gelschtre thüesch jo alle Lit' der Esel mit 
seinem Schj'cien Lustig I 291. 

Part, vergeistert erschrocken, ängst- 
lich, verstört. Was machs' denn für ver- 
gelsterti Au^e"? Str. '. . sie nicht anders 
meinten, als es vi^er ein vermumpter, ver- 
galsterter . . . teuffcl' Fisch. Garg. 3C3. 
'Un Si, scheen Basel? Hä? Si sehn ver- 
gelstert un verdattert jo iis' Pfm. II 5. 
'Statt Bäum voll Bluest stehn dürri Stange 
Mit Droht ; vergeistert d' Vöjel wyt Sinn 
fürt mit em Gezwitscher gange' Ber-nhard 
ScHK. 184. 'fröujt d' alt Madam ganz 
vergeistert: Allmächtiger Himmel! was 
isch denn g'schehn?' Str. Woch. 1884, 
Nr. I. — Schweiz. 2, 235. Schwab. 218. 
vgl. Hess. 122. 

Vergelsterer m. einer, der sich als 
Gespenst verkleidet hat um Furcht ein- 
zjißössen Katzent. 

Geld [Kalt fast allg. ; Kaelt Str. W.'] 
n. Geld. G. löse" einnehmen ^ von Ver- 
katf. Rda. in s G. laufe" viel kosten; 
in s G. wachse" an Wert zunehmen. Für 
s G. bekummt m'^r Zucker Mb. JB. VI 151; 
un'^ noch e Papierlc drum (un^ noch e 
Dutt de''zn Z.) für Geld ist alles zu haben. 
pii ha'' wider für mi" G. bekumme" bin 
tüchtig ausgescholten worden. Für G. 
un*^ gueti Wort. Um s G. schindet m«r 
^'"en Es^l für Geld thut man alles Bf. 
'Vmb gelt im seinen essel schinden' Mur- 
ner Mühle 113. Er het (verdient) G. wie 
e Söütriwer Z. 'lehr Sohn het Geld wie 
hie nit ein Söudriwer' Kettner Mais. 82. 
Er het Geld wie e Soühändler Ruf. s G. 
het ke'"®" Bode" bi '''ne" sie haben nie 
Geld. Gassenhauer: S is' m'r alles eins, 
ob i"*^ G. ha" oder keins: wenn i G. ha", 
bin i«'*' lustig, wenn i'^*' kc'ns ha", bin i'='* 
durstig: s is' m'r alles eins, ob i"** G. ha" 
oder keins. 'ein gering gelt für einen der 
keins hat' FisCH. Garg. 183; noch jetzt 
üblich Str. Spw. Geld regiert d Welt Barr, 
oft mit dem Zusatz : un^ d^r Teüf'^1 d Lüt 
Z. JB. VII 191. 'Gelt regieret alle Welt' 
Mosch. I 191. vgl. Geiler TV« rr. 15. Wer 



G. het, de"" is' gscheid {od. de'^ is' brav) 
Banzcnh. Wer kein G. het, is* s Hunds- 
fuds Brueder Str. Dreck bis' e Herr, 
we"" d" ke'" G. hes' Bf. Rda. Mit 
Geld war dem nach se helfe" von einem 
gesagt, der arm ist Dehli. G., ich hab 
dich lieb Str. [Wortspiel mit verbalem 
gelt .y. d) — Schweiz. 2, 238. Bayer. 
I, 905. 906. 

Bögelgeld [Pejlkaelt Str7\ n. Lohn 
für gebügelte Wäsche. 'Lon si mich die 
Windle nurr uswäsche ; die zahle d' Laub 
un d' Saif un 's Beejelgeld' Pfm. III 4. 

Drufgeld allg. n. Anzahlung bei einem 
Kauf, z. B. von Vieh ; oder bei einer Miete 
0. ; bei Dingung eines Dienstboten U. 
Wird der Käufer reuig, so verfällt 
das Geld dem Verkäjifer. — Schweiz. 2, 
240. 

Ferse"geld n. Rda. F. ge''^" Reissaus 
nehmen Su. Hlkr. 'die Teutschen, als sie 
das Römisch volck jnnen wurden, gaben 
sie Fersengelt' Herzog i, 88. — mhd. 
versengelt. 

jFronfastengeld od. Rauchgeld n. 
Person-, Vieh- tmd Mobiliarsteuer'LKvriLV^^. 
76. 80. 'Wer sein Vieh von der halben 
Frohnfasten wegthut, soll nur das halbe 
Frohnfastengeld bezahlen' Mü. FeldR.12. 
St. — Schweiz. 2, 247. 

Gottengeid it. Geld, welches die Täuf- 
linge von ihren Paten erhalten Mü. Ge- 
richtsO. 29. 'Göttelgelt' Fisch. G^rtir^. 181. 
'Göttelgeld Patengeschenk' Klein. 

Haftgeld, Heftgeld [Häftkalt i%r^^. 
Logelnh. ; Heftkalt Hindish. Ndrröd.; 
Hefkalt Kerzf^ n. Haftgeld, welches die 
Dienstboten beim Dingen erhalten und 
welches sie zum Eintritt in den Dienst 
verpflichtet, 'hafiftgelt, dingpfenning arra' 
Dasyp. Synon. Drufgeld u. Gott^spfennis. 

— Schweiz. 2, 249. 

Heide"geld n. sehr viel Geld Liebsd. 

— Schweiz. 2, 49. 

Hofzielgeld [Höftsi^lkalt K. Z.] n. 
Hofzielgeld. Wenn die Hinterlassenschaft 
des Bauern geteilt wird, kommt es oft 
vor, dass der Hof tmd die Güter (diese 
gehören ztim Hof) mehr wert sind, als 
der Erbe des Hofes zu beanspruchen hat. 
Dieser muss dann in gewissen Zielen den 
Geschwistern eine entsprechende Summe, 
und zwar ohne Zinsen, heratisbezahlen : 
diese Stimme heisst H. 



GeLT 



216 



GeLT 



jHosengeld n. 'Laut einem Register 
war die Besoldung des Magistrats (der Stadt 
Mülhausen) von 1509 — 37: jeden Raths- 
tag zwey Schil], und am Ende des Jahres 
ein Pfund Stehler Hosengeld. Der Bürger- 
meister hatte fünf Pf. extra.' Mieg Mü. II 
143. — Schweiz. 2, 250. 

flnleggeld«. der Magazinzins Str. St. 

jCappengeld, merces meretrici a : 'mit 
einem ums cappengeld reden' überhatipt 
ihn zu verführen Stichen Geiler S.M. 12^. 
15 St. 23. St. — Schweiz. 2, 252. 

jKippergeld n. 'Im J. 1620 ist das 
Geld in höhere Währung gesetzt worden 
und das sog. Rippergeid aufgekommen ; 
da licssen sich die Dreybatzen -Stücke 
(Schreckenberger) häufig sehen, denen so 
viele andere schlechte Münzsorten gefolget, 
dass ein guter Thaler auf 6, und eine 
Duplone auf 20 Gulden gestiegen ist' Mieg 
Mü. II 24. St. 

Klingelgeld n. klingende Münze Hf. 

Lehrgeld allg. n. M®r muess in alle" 
Sache" L. ge''«" Du. 'lehr Gelt Minerval' 
Dasyp. 

jLetzigeld n. Trinkgeld beim Ab- 
schied. '4 Kreuzer in der Herberg Letzi- 
gelt' 151 2 Mieg Mü. II 117. '4 Julier 
Letzigeld der Wirtinn und dem Gesinde' 
ebd. 119. 'den Knechten vnd Gesind uff 
dem Rathuß ein Cronen (25 Batzen) zu 
Letzi gelassen' 1520 ebd. 139. — Schweiz. 
2, 254. 

Makelgeld n. Lohn an den Makler 
Rapp. 

jMalegeld n. das dem Müller fürs 
Mahlen schtddige Geld Str. St. — Schweiz. 
2, 255. 

Sackgeld 7t. Taschengeld für das 
Wirtshaus Bf. 

fSchirmgelt ;«. Abgabe für den Schutz, 
welchen die Reichsstadt Strassburg den 
Bürgern und Fremden gewährte Geiler 
J. Seh. 2. — Schweiz. 2, 265. 

Schmusgeld n. Maklerlohn für die 
Vermittehmg eines Kaufes Du. U. W. — 
Schweiz. 2, 267. 

Standgeld n. Abgabe des Verkäufers 
für den Platz auf dem Markt, den er 
einnimmt Su. Logelnh. Bf. — Schweiz. 
2, 269. 

Standare"geld n. sehr viel Geld Str. 

Stichgeld«. Abgabe, welche der Wein- 
sticher von ^o l. (einem Ohm) Wein erhält 
Hlkr. JB. VIII 213. 



Stiergeld n. Abgabe der Kühebesitzer 
zum Unterhalt des Gemeindestieres Bf. K. 
Z. — Schweiz. 2, 269. 

Stumpfgeld n. besondere Abgabe an 
den Förster für 100 Wellen Holz Mütt. 

Schwende"geld n. Geld in Menge 
Strüth. — vgl. Schweiz. 2, 267. 

fUffgeld n. Handgeld, Pfandschilling 
Geiler P. S. 120. — Schweiz. 2, 240. 

jUngeld, Umgeld«. Verkaufsabgabe, 
Zoll, lat. 'indebitum' Mones Zeitsch. f. 
Gesch. d. Oberrheins 6 , 16; 'ungelt' 
Bruder Berthold u. a. Zeugnisse schon 
des ij. Jahrh. Lexer 2, 1845. 'und 
sol derselbe darzü bessern 10 ß dem un- 
gelte' Str. ijyo Brucker 86. 'ungelf' 
Geiler J. Seh. 2. "Vngelt zoll Vectigal 
Dasyp. 'Ungelt gabelle' Martin Pari. 
iV. 352. 'ungelt' Reisseisen II. 'Ungeld' 
Ord. I 425. Erst später tritt anstatt 
des Un-, welches die Verteuerung ohne 
Erhöhung des Wertes bezeichnete , ein 
Umb- ein, womit die Bestetiertmg ge- 
legentlich eines Wechsels im Besitz oder 
doch im Standort gemeint war. Auch 
die Erklärung aus Ohm wurde versucht. 
'Ohmgeld oder Fässelgericht' 1656 Sey- 
both Das alte Strassburg 132, 12. 'zu 
umbgelt geben' 1592 Als. 1858, 74 und 
Amn. 'vnibgelt, zoll vnnd Schätzung, von 
Wein, khorn, bruckhen vnnd anderem auflf- 
gelegt' Petri 92. 2. Erhcbestelle dieser 
Abgabe (am Gtitenbergplatz , Ecke der 
langen Strasse in Str. s. Seyboth). 'By 
zelle Krytterständle, am Umgeld, lauft jo 
z' Nachts e fyr'jer Mann erum' Pfm. IV 
5. — Schweiz. 2, 241. Bayer, i, 907. 

j'Coactor Ungelter' Einnehmer des 
Ungelds Gol. 121. 'Ungelter* 1548 
Thanner Chron. 2, 124. 'Ungelter' Mit- 
glied der Kommission zur Kontrolle des 
Octrois Reisseisen 6. — Bayer, i, 907. 

j-ver ungelten verzollen: 'so mag der 
würt sinen win wol v.' Str. 75. Jh. Brucker 

569- 

Usegeld n. Geld, das man beim Be- 
zahlen oder Wechseln als Überschuss 
zurückerhält Hi. Mü. Geberschw. — 
Schweiz. 2, 246. 

Wagegeld [Wöjkalt Bf.\ n. Abgabe 
für die Benutzung der öffentlichen Wage. 
— Schweiz. 2, 273. 

\Vanne"geld n. heimlicher Profit der 
Dienstboten beim Einkaufen. 'Miech i 



GeLT 



217 



GeLT 



ken Wannegeld, i war schun lang im 
Bettel Brminegspräch Schk. 319. 

f'VVeingölt Oenophorum' GoL. 344. — 
Schweiz. 2, 273. 

Ze'^rgeld n. (= Ze^rpfenni^) /. 
Almosen an arme Reisende. 2. Reise- 
geld Z. 

-j-Zwackgelt«. Bezahlung für' s Rasie- 
ren: '2 Kreuzer, zwackgelt, im Scherhuß 
(Barbierstnbe) zu Loden (Lodi) 1 5 1 2' 
MiEG 71/«. II 117. 

gel(t) [kal allg. Daneben kalt Hf. ; 
kaelt Str. ; kael JV.^ PI. ge](t)e" [kalto Afü. 
Su. M. Dil. Bf. Rf; kala Geisp. K. Z.; 
kaeltQ Str.; kaela Bf 7^ nicht wahr} Frage, 
bei der man Zustimmung voraussetzt. G. 
du? Gelte" Sie? G. awer, g. a. do ! nicht 
ivahr . . doch! Hf. Wh. G. do her, do 
ane ! [Kai tyo här, tyo äna 71/.] Ausdrücke 
der Verwunderung . Ofe°t''ürli offe", Ofe"- 
t''ürli zue! Gel', i«*» ha die'' tröffe», Gel', 
de bis' e Kue^? {Kinderlied) Hi. 'Wer 
het dich [Aloses^j unsern rihter gemacht? 
gelte, du wellest mich erslahen also du 
gestern dete des kuniges knecht' Chron. 
261, 16. gelt, sie musz mich verzeihen 
bitten'? Geiler Geistl. Spin. F. 8^. 'Gelten, 
der hat mich lieber dann du' ders. Brös. 
2, 30^. 'Gelt, der Wein ist im Bett über 
alle Glutpfannen' Fisch. Garg. 145. 
'Geltet' nicht zvahr? [zu mehreren) Fisch. 
Garg. 388. 'gelten jhr meßt den Himel 
nicht mit Loten auß?' ebd. 392. 'Gelten 
jhr? Non pas?' Martin Farl. N. 3. 
'Jez duen mer nit derglyche. Gelt Si, 
Frau Bas?' Pfm. III 3. Das Wortspiel 
mit (jeld, zvelches der reichverheirateten 
Männern zugeschriebenen Zärtlichkeits- 
bezeugung: 'Gelt, ich hab dich lieb?* 
(Bayer, i, 908) ztt Grtmde liegt, kommt 
früh in elsässischen Qtiellen vor. — 
Schweiz. 2, 276. Schwab. 227. Bayer. 
I, 908. Hess. j2 3. gelt ist eigentlich 
J. Sg. Conj. Fraes. von gelten , wie die 
Stelle aus Königshofen Chron. zeigt. . 
Aber sonderbar ist die weitere Flexion, 
welche gelten im Sinne von 'zustimmen, 
ja sagen fasst. In diesem Sinne kommt 
gälten vor: Schweiz. 2, 210. Dies Hesse 
sich vortrefflich aus mhd. gehellcn 'zu- 
stimmen erklären, vgl. unser einhellig, 
misshcllig. Freilich wäre dann aus geh- 
k [kh], nicht g [k] zu erwarten, wie 
keie" aiis mhd. gehien hervorgeht. Immer- 
hin wird gehellen atcf den Sinn einge- 



wirkt haben, wie mhd. göu auf gehege 
.y. d. In den Fremdwörtern vertauscht 
das Eis. oft G und K. 

gelte"^ [kaltg fast allg.; kaelto Str. 
W\, Ind. Fräs, [kilt, -s, kalto]; Fart. 
[kolta Dil. ti7td külta K. Z.] /. kosten, 
wert sein. Was gelte" d Eier? Dem 
yygiien j^ej. gagc" was d Bir"e" gelte" ! 
Drohung S. Gilt s was s will um jeden 
Frcisl U. 'Wenn das Viertel (frucht) 6 Pfd. 
giltet, soll das Plappert Brodt 30 Loth wegen' 
Mij . Ratsprot. 1682. St. S gilt glich, s gilt 
m'r glich drum es ist einerlei. Er weiss 
nit, wie s gilt er weiss nicht, wie es steht, 
woran er sich halten soll Z. Was gilt s was 
gilt die Wette? 'Was gilts, du wirdest 
jhn gefangen haben' Mosch. I 658. Du 
ka""s' mich, was soll s gelte"? grobe Ab- 
weisung O. Dis gilt oder het s^golte" 
ist gültig. S gilt ! sagt man beim Ge- 
stmdheittrinken , wenn man nicht nahe 
genug sitzt um anzustossen: dann stösst 
man das Glas auf den Tisch auf K. Z. 
Hau. 2. angesehn sein: ich gilt nix 
me'"" ; der gilt so viel wie s fünft Rad 
am Wauje" Z. 'sondern gilt jn gleich' 
Geiler Narr. 9. Brant Narr. 18. — 
Grnitdbedeutting: bezahlen. Schweiz. 2, 
277. Schwab. 227. Bayer, i, 904. 

Giltmirglich w. Mensch, dem alles 
recht, alles gut genug ist Bf. 

er gelte" unschuldig für etwas büssen, 
haften. Er het s müe"®n e. Bf. K. Z. — 
Schweiz. 2, 279. 

vergelte", Rda. Vergelt s Gott! Dank- 
spruch der Bettler, wenn sie etzvas be- 
kommen haben Bf. — Schweiz. 2, 280. 

unergeltli«'^ [iinorkaltli ///".] Adv. 
unentgeltlich. 

Gelte" [Kalta Olti. fast allg.; Kaelto 
Str. W.~\ Fl. Rda. alle G. jeden Augen- 
blick, in kurzen Zeiträumen, immer wie- 
der. Er het a. G. getroffe" jedesmal U. 
A. G. kummt er un'^ will eps le^^ne". 
Rda. Alle G. un'' glich wi^'der Rupr. 's 
gitt alegelde so von dene-n- ebs ze lehre' 
Pfm. I 8. alle Gelte hett er sich mit 
em Naasduech d' Stirn abgedrikkelt' Str. 
Wibble 8. Ein netter Rock 'wo er sich 
alle gelte drinn in Barris losst mache' 
Kettner Mais. 1 2 . 

Gelt [Kelt 71/] /. Küferkübel, Mass 
von 12 Eitern. 'gölte Kupfergeschirr 
Brucker. 'Gelte orca' Dasyp. — Schweiz. 



GeLl^ — (;aI.VV 



— 218 



GeLZ 



GiM 



2, 281. Schwab. 227. Bayer, i, 908. 
Hess. 122. 

-|-Keltergelt Kübel für den Most. 
'ein Trottpot, ein Keltergelt' Fisch. Garg. 
150. 

jMelckgelte f. Melkkübel. 'Lass iinss 
diss Bier mit Schüsseln auss der Melck- 
gelten schopffen' Fisch. Garg. 141. 
'Stübichen Melckgelten' ebd. 123. — 
Schweiz. 2, 284. 

Sprenzgelt f. Giesskanne Str. 

Gälten [Keltari Roppenzzv.^ m. Harz. 

Gült, Gült [Kult /«^jx;. ; Kilt,Kelt^.] 
f. Grundzins , für gelehnte Kirchen- nnd 
Spitalgüter zu entrichtende Friicht. Stücker 
in d*r G. han Acker in Pacht haben. 
'gülte Zahlung, Einnahme Chron. 138, 
18 uö. 'Gült Vectigal, järliche g. reditus' 
Dasyp. 'alle gülte und zinsze und ander 
gevelle' Str. 75. Jh. Brucker 63. 'giilte 
vnd Rente erhöchet' Mosch. I 620. 
'Renten vnd Gülten' ds. II 384. 'rent, 
zünss, gälten' St. Amarint. i6yo JB. III 
71. — Schweiz 2, 285. Schwab. 249. 
Bayer, i, 909. 

Zss. Gültacker [Keltäkar K. Z.] ver- 
pachteter Acker (juristisch unklarer, viel- 
seitiger Begriff), s. auch Zss. Gültbur, 
-guet. 

gültig [kiltik Heidolsh.; kelti U.'\ Adj. 
gut, passend. Dis kummt m'r g. Heidolsh. 
— Schweiz. 2, 290. Bayer, i, 910. 

glichgültig [kli;^kelti U7\ Adj. gleich- 
gültig. — Schweiz. 2, 290. 

jhochgultig Adj. was viel gilt, wert 
ist, teuer Geiler jf. Seh. 85. — Bayer. 
I, 910. 

fnachgültig Adj. von geringem Wert, 
was wenig gilt, 'ein Pfififerling ist ein 
nachgültige speisz, und grosse kosten und 
fleisz legt man daran, dass man sie nit 
me dan schlcckenhafftig machte Geiler 
6". M. 4. b. St. 'die nachgiltigsten leut' 
^= geringwertigsten J. Other, Christlich 
Leben und Sterben, Str. 1^28. 'nach- 
gültig circumforaneus, vilis, abjectus' Dasyp. 
— • Schweiz. 2, 290. 

Gulti [Külti Tagolsh. Mü.'] m. i. 
Fischchen. 'S geht ringer nur e Guldi dra' 
Lustig I 246. 2. kleiner Knabe, 'ass 
e Mann in Ihrem Stand gern e Frau hätt 
un esc ne paar kleini Guldi um sich 
umme' Lustig II 619. Dentin. Gultele 
[Kültala Tagolsh.'\ n. Fischchen. 

Galwiller, Galwinner [Kälwilor Bf.; 



Kälwingr Sulz u. W.'\ m. Apfelart, Calvillc. 
— Schweiz. 2, 207. 

Geiz [K^lts Wh. Dehli.~\ f. verschnittenes 
weibliches Schwein. Verwandt Galz m. 
Berg über Ammers chweier : der Un- 
fruchtbare} — Schweiz. 2, 296. Bayer. 
I, 910. 

galze", geize" [kältso ///. bis Su. ; 
k^lsa Hf Büst Tieffenb. Wh.] i. 
Schweine verschneiden. 2. zerbrechen 
{von Geschirr) Hi. — Schweiz. 2, 296. 
Bayer, i, 910. 

vergalze" [f'äxkkltSQBanzenh.] Schzveine 
verschneiden. 

Galzer, Geizer [Kältsar Hi. bis Sit.; 
Keltsar Lorenzeit; KelsQr Wh^ m. Mann, 
der die Schweine verschneidet ; Schweine- 
händler. — Schweiz. 2, 296. 

Saügalzer dass. Obbruck. Su. Ruf. 

jGamanderlein Erdeiche; L^achen- 
knoblauch ; Feldcy presse, Teucrium Kirschl. 

1, 624 fg. — aus Chamaedrys. 
gamändi [kamanti Roppenzw^ Adj. 

schön : e g, Ross. =^ gemäd U. ? 

Gamasch(e") [Kämäs /. Mutzig 
Kindw.; Kämäso ;//. K. Z.] PI. Ga- 
maschen. 

Gamell [Käm^l Co. Mittl. Wörth 
Schleit.^ f. cylindrisches Eisen- oder 
Blechgeschirr zum Wasserschöpfen, worin 
die Holzhacker ihr Essen wärmen. 2. 
alte Frati (spottweise) Co. — frz. la 
gamelle. 

jGammel m. Regung, Reizung der 
Sinnlichkeit Geiler y. Seh. 68. 'wan 
dir der gammel geleit ist^ so gond solich 
wüste wort nit usz dir' ders. S. M. 63; 
Br. II. 'wenn dich der gamcl oder die 
blitz wider ankompt' Häsl. 119'^. — mhd. 
gemel, vgl. engl. game. Schweiz. 2, 298. 
Schwab. 2 1 8. 

gammle" [kamlo Felleri.] bespringen 
{vom Stier). — mhd. gamein. Schweiz. 

2, 298. 

vergammle" [fark^mla Ruf.] durch- 
prügeln, eig. den Kitzel vertreiben. 

Gamill [Kamil 71/?/.] Vorname: Ka- 
millus, frz. Form. Rda. D^r dumm G. 
spiele" den Ilanszvurst machen. 

Gimme I, Gimm [Kema Su.; Kima 
Felleri. M. ; Kern Mittl.; Ksem M.] f. 
m. I. Hauptast, dicker, uitterster Ast; 
bes. hat z. B. eine Tanne, bei der aus 
einer W7irzel zwei oder drei Stämme 



GiM 



GuMF 



219 — 



GaMP 



GiiMP 



kommen, zwe° oder dräi Gimme" Su. 2. 
Veredeltingszweig , Atige beim Pfropfen 
Feiler i. — Schweiz. 2, 299. 

Gimme II [Kemo Co7\ m. Rausch. 

Gom, Gum [Köm Hüss. Logelnh. 
Rapp. ; Küm Obbr7ick~\ m. Gtimmi zum 
Kleben tmd zum Radieren. — frz. gomme. 

j-Giimmelastig [Kümolastik Strüth; 
-lästik Dtmzenh^ m. (n. Dunzenh.) Radier- 
gummi. 

Gomer [Kömsr Roppenzzv.~\ m. un- 
fruchtbarer Acker. Vielleicht zu [far- 
khümara Z.] ? 

gom er ig [kömarik RoppenzwT^ Adj. un- 
frjichtbar (Acker). 

gommifo [kömifö Molsh7\ zvie es sein 
soll: e Männele g. ein dtirchaus anständig 
bekleideter imd sich benehmender Mensch. 
— frz. comme il faut. Schweiz. 2, 309. 

gummang [kümär^, küma Str^ Adv. 
wie? Spott auf die Franzosen, den alten 
''Schiffischen in den Mund gelegt: He, 
Wälscher, ge'^s' zue mim Schiff '^eriis oder 
ich ghei di"^^ in de" Bach, dass d" ver- 
sufs' wie e Schieng. — Gummang? — 
Sas m'r nit lang Gurmang, Gurmang is' 
gfutiert geschimpft. Vgl. JB. VI 160. 
'Gummang, ier sinn nonnit spaziere, scheeni 
Kinder' Pfm. I 4. — frz. commcnt. 

Gume", Gaüme", Gome [Kym9 
Heidw. Mutzig Kindw.; Käyma Heidolsh. ; 
Koma Dehli.] m. Gaumen. 'Palatum der 
'd' Zung blibt mir am 
Burger-Gespräch 9. 
Dasyp. — Schweiz. 
250. Bayer, i, 911. 



rtissischer , polnischer 
polonicum, manchmal 
Weizen. Kirsche. II 



gümen' GoL. 94. 
Gumen kleben' 
'Gumme Palatum' 
2, 308. Schwab. 

913- 

Gummer m. 
Weizen, triticum 
auch Lothringer 
356. St. 

Gummi [Kümi Hi. Banzenh.] m. i. 
Katitschuk, Gummi. 2. Geschäftsdiener, 
Commis. — Schweiz. 2, 309. 

VVi"gummi [Wikümi Ruf. Su. Lo- 
gelnh. Co^ m. Steuerbeamter, der mit der 
Erhebung der Getränkstetier beauftragt 
ist. Srn. VVingard U. 

jGumberländel [Kümporlycntl 67r.] 
n. langes, dünnes, mürbes Gebäck zum 
Kafi^ee. — zvohl nach dem engl. Cumber- 
land genannt. 

gamfe", gampfc", .y. ganefe". 

Gumfitur [Kümfityr Hi. Heidw.; 
Kufityr und Kh- Str?\ m. Hi. ; n. Str. 



Eingemachtes (aus Kirschen, Äpfeln 
usw.) 

gample" [kämpla Dehli. \ im Gehn sich 
hin 7ind her wiegen, baumeln. Vgl. auch 
Gampelmues. — Schweiz. 2, 311. 

Geimpel, Gäple [Kaempl Z.; Käpla 
Horbg. ; Kampl Hf.l^ n. kleiner, weisser 
Halskragen, Krauskragen der Mädchen 
und Frauen, wie sie in den letzten zzvan- 
zig Jahren aufgekommen sind. — frz. 
guimple. Schweiz. 2, 311. 

Gump I [Kümp Z. Kindw. Rauw. Wh.; 
KupTl/. ; südl.vomZ. Kympjy. /. Pumpe 
(das Wort fehlt), Schöpfbrunnen. 'Gumpc 
Putnpe Klein. s. auch Zss. Gump- 
brunne". 2. Feuerspritze. 

Gumpe",Gompe'*, Glumpe" [Kümpa 
von Obhergh. ab allg.; Kempa K.; 
Kympa Brum.; Kompo Str.; Klümpa 
Roppcnzw. Mittl^ m. i. Vertiefung im 
Wasser, bes. unterhalb des Räderzverks 
der Mühle; Stauung oberhalb einer 
Schleuse; Grabest. Kind, bad nit im G., 
suns' holt di'^^ der Hoke"mann Zinszv. 
'Het er nit emol am Gumpe Wo mer als 
gebade henn . .' Boesc Schk. 197. 2. 
bildlich: Klemme, Schwierigkeit, Unglück: 
du Stacks', hucks' i" *'"*me nette" G. z. 
B. wenn jemand in eine bedenkliche Ge- 
richtsverhandlung verwickelt ist, oder in 
der Gezvalt eines Gläubigers steht. 'Gumpc 
gurges' Dasyp. — mhd. gumpe Wasscr- 
ivirbel. Schweiz. 2, 315. Schwab. 249. 
Bayer, i, 915. 

Mü*'l gumpe" m. Bed. wie Gumpe" i. 
'Ein Mann im Mühlgumpen ertrunken' 
Sterbeakt zu Schzvindratzheim vom 3. VIII. 

1732. 

Rossgumpe" ;;/. tiefe Stelle, wo das 
Wasser über ein Pferd hinweg geht: 
Pferdeschwemme Co. Horbg. 

Wi" gumpe" m. eine Stelle im Reb- 
gelände, die gewöhnlich gut ausgibt Co. 
St. 

gumpe" I, gumpere" [kümpa Dil. 
Kerzf Ingersh. Rapp. MtitzigStr. Z. Rothb. 
Obergericht Lützelstn. Tieffenb.; kupeil/. ; 
kempa Bisch. Dunzenh. Weyersh.; kympa 
südl. von Hf.; kümpara Ar.] l. pumpot, 
JVasser, Jauche aus einem Behälter durch 
Drtick herauflaufen lassen; so auch Mü. 
Stöber Mäder. 'gumpen schöpfen aus 
Schöpfbrunnen Klein. 2. nicken mit dem 
Kopfe zum Zeichen der Zustimmung Lohr 
Tieffenb. Rauw. [wo mar kümt es s ja, 



GuMP 



GuMP — GaN 



wo mar setolt, es s nae W/i.] — Bayer. 

1, 914. 

Gump II [Kümp Roppenzw. Hi. Heidw. 
Steinb. Su.; PL Kemp Ä.] vi. i. Sprung. 

2. dummer Streich. Mach ke'"^ Gümp ! 
Hi. Su. — Schweiz. 2, 311. 

g u m p e " II [kümpa Liebsd. bis Tagolsh. 
Rapp.; kilpa 71^/.] /. hüpfen, springen. 
Seil g. G. wie e Katz. Wenn d Fisch 
übers Wasser g., g\°\. s ander Wetter Hi. 
Um enander g. umherspringen. 'zum 
ersten ist er gesessen uff den jungen esel, 
der plitzct und gumpt' Geiler P. II 78^. 
6". M. 18. 'da dantzten, schupfften . . . 
gumpeten plumpeten . . sie' Fisch. Garg. 
122. 'Wann der Esel gumpt, so ragen 
die Ohren herfiir' Danhauer, Katechismus 
Milch etc. Alem. XIII 40. 'Mit dem Kopfif 
vnnd gantzem Leib zu hottlen, zu lottlen 
vnd zu gumpen' Mosch. I 165. 'Der 
Rolli gumbd, — un packd's, un draid's 
Ganz bluedig furd uff d' Bihne' Meyer 
ScHK. 438. 'Unn d' junge Schaffe gumbe' 
Ad. Stöber JB. VI 116. 'gumpt umme 
springt herum' Lustig I 68. .s-. aiich 
Kaminfeger. 2. auf Jind niederschaukeln 
der Kinder auf den Armen oder den 
Knien Du. 'gumpen springen, schaukeln, 
schwanken Klein. — Schweiz. 2, 312. 
Schwär. 248. 249. Bayer, i, 914. 

Me'^lgumpe" [Mälkümpa ö///.] n. 
Knabenspiel, zvobei immer einer über den 
Rücken des arideren wegspringt. 

Gumper [Kümpar Hi. Steinbr. Pfet- 
terhsn.^ m. einer, der gtit tmd gern springt. 
Demin. Gumperle n. — Schweiz. 2, 

313- 

Hcügumper [Häikümpar Wittenh. b. 

Mü. Lutterb. Ensish. Banzenh.^ m. Heu- 
schrecke. - Schweiz. 2, 314. 

Matte"gumper [Mätakümpar Olti. 
Niffer Tagolsh. Steinbr. Hi. Strüth\ m. 
Heuschrecke , Grashüpfer, Hcjipferdchen. 
— Schweiz. 2, 314. 

fPelzgumper Plohtame Yiscn. Flöhh. 

gumperig Adj. munter, mutwillig Hi. 

gumperle" [ kimparla Olti. Hi. ] zierlich 
springen, hüpfen {Geislein). — Schweiz. 

2, 315- 

Gumpi |Kümpi 0.\ m. Springer, einer 
der gut springen kann. — Schweiz, 2, 

314- 

gümple" trödeln, mit geringwertigen, 
alten Sachen, bes. Möbeln handeln Str. 
Lebkücchlere isch si {Berwels Gross- 



mutter)\ sunst het si als gegimbelt' Pfm. 
III I. 'gimplcn mit alten Möbeln handeln 
Klein, s. auch Zss. Gümpellüt, -mark'. 

— Schweiz. 2 , 318. Mhd. gumpel 
Springen, Scherz; gümpel Gimpel {hüpfen- 
der Vogel). Die Trödelware wurde als 
Scherz, Possen bezeichnet; vgl. das nhd. 
Tand, eig. Geschwätz. Über die Ver- 
bindung mit Gerumpel s. d. 

Gümp 1er m. Trödler Str. 'I bin noch 
recht erbosst, dass mer e Gimbler zletst 
e brach tje, neue Bräder weggstayert het' 
Pfm. III I. 'Zell war mer nit gcläje, 
Wenn i e Gimpler war' E. Stöber Schk. 
137. - Schweiz. 2, 318. 

Gümplere" f. Trödlerin Str. 'Gim- 
plere' 1628 CS. PL 'Gimppelweiber' 
Mosch. I 137 CS. 

Gumpost, Gumpist, Gumpers', 
Gups' \Y^bvc\'^ok\.Attensch'iv.MiL; Kümpes 
Geberschw.; Kümpis Olti. bis Bf.; Kilps 
M.; Küpars Su.\ m. I. Sauerkraut, 
das atis den nicht zu Krautköpfen aus- 
gebildeten Kohlstatiden mit dem Messer 
geschnitten wird , gröber und billiger, 
mit Äpfeln eingemacht Olti. 'und sei 
dem gumpost helfen sieden zu siner zit' 
Str. 75. Jh. Brucker 58. 'wer sein frau 
lobt und sein gumpest, der wer ir beider 
gern ab' Geiler Narr. 77''. 'Kompost 
auss der Kappesbütten, Ständel voll Senff 
von Obernähenhaim' Fisch. Garg. 77. 
Synon. Schlamperkrut Hi. 2. einge- 
machtes Obst Mü. Stöber Mäder. 'Den 
Gumpost her inn Essig geplotzt !' Fisch. 
Garg. 144. 'gumpost' Geiler 6". M. 5, b; 
40*^. Vgl. unser Compott. j. Dünger 
aus verwesenden Gartenabfällen Attenschw. 

— Schweiz. 2, 317. Bayer, i, 915. 
Gumsel [Kümsla Tlsl. Mü.; Kümsl 

Mütt. Str.^ f. faule, liederliche, zerlumpte 
Weibsperson: alti G. ! 
Solda te"gumsel /. Str. - Schweiz. 

2, 321- 

gümslig [kimslik Geberschw. \ Adj. wild, 
lebhaft (r= wispelig). 

Ganai [Kanai NBreis\ Schitnpfwort: 
Lump, Lumpengesindel. — frz. canaille. 

Ganef |Känaf Str. Z. Hf.\ m. Dieb. 
'Er isch e grosser Ganef Kettner Mais. 
42. — hebr. gannäbh Dieb JB. XII 143. 

ganefe", ganfe", gamfe" |känafyZ. 
Tieffenb. ; känfa Str. Rothb. Ratiw. ; kämfa 
Gebw. Horbg. Heidolsh. Du. Bf. Mütt.] 



GaiNF 



GeN 



221 — 



GeN 



GiN 



stehlen, bes. Früchte in Feld und Garten. 
'ganf . . . eweg' stehle Schörlin 76. 
'Un d' Wiede ganfe m'r d'rzü!' Stosk. 122. 
Rda. de" Matze" g. ein schlechtes Geschäft 
viachen, eig. das ttngesäuerte Brod stehlen : 
mit ei""^!):! sich in jemand täuschen jüd. 
— Bayer, i, 921. Hess. 115. 

uf gamfe" = uf gable" eine Krank- 
heit erwiscJicn, bekommen Dil. 

vergamft Adj. stehlsüchtig. Da^ 's' 
e vergampfter Keib ein Gewohnheitsdieb 
Mn. 

Gäniper [K.anip3r Roppenzw.~\ m. be- 
trunkener Mensch. — Zu frz. calibre? 

Gänis [Kanis Roppenzw^ m. i. Geld- 
beutel. 2. Spassvogel. — frz. canisse 
Flechtwerk aus gespaltenem Schilfrohr} 

gen, gin [kaen M.; kin Mittl.; jeii A'. 
Z.\ Pron. jener: [tar kaen 71/.]; do gine" 
Tas [kaeno Tä, kaentik 71/.] is' der Hussje 
do hinn gsi" in den letztverflossenenTagen, 
vor ein paar Tagen war der Gerichts- 
vollzieher hier. Vgl. Jene" Tau^ tieulich, 
kürzlich Ingenh. 'giner' Brucker. 'diß 
und gin ß'; in ginre weite' Chron. 389, 31. 
'genß' Geiler jf.Sch.2). 'g\\nv\Q'i jenes ebd. 
34 '^. 'auffginß oit! nach der entgegengesetzten 
Seite ebd. i cIV; 'der oder ginner' ebd. c 
III ^, 'disem oder ginnem' f III ''. 'in gin- 
ner [jener) Welt' Murner Bad. 10, 45. 
'Des glych dett auch gyr Cardinal' ders. 
Mühle 916. s. je"'^r. 

ge^n s. ga". 

Genad, Gn ad [Konät 71/. Z. Han. ; Knät 
Du. Banzenh.; PI. Knäto] f. Gnade. 'Iw- 
wer de Minsterblatz ohne Wind, Durch d' 
Kurwegass ohne Kind, Durch's Spittel- 
gässel ohne Spott : Isch e grossi Gnad vun 
Gott' Spottreim auf Strass bürg St.; ähnl. 
für Buchsweiler und Umgebung: Wer 
durch Busswiller kummt o'^ne Kind, Üw- 
wer de" Bas*berri o'^ne Wind, Durch Imbse 
(Imbsheim) o^ne Schimpf Un'* durch Hatt- 
matt o^ne Spott : Der het e grossi Genad 
für unserem Herrgott Han. S is' en apar- 
tichi G. von unserm Herrgott, dass . . . 
Hf. O'^ne Gnad ohne Schonung: wenn 
jch (jjch •wieder a"triff, bikumms' o. G. e 
Prossewerbal Du. Dat. PI. z" Gnade" 
l^ijtnraen wieder in Gnade beim Herrn 
koftimen ; sich erholen, wieder zu geord- 
neten Vermögensverhältnissen kommen. 
Wenn i'^*' nur e Mol z" Gnade" kam für 
mini Schulde" z" za^'le", awer i'^*' kumm 



mi"^r Lebtig nimm z" Gnade" Du. — 
Schweiz. 2, 659. 

Gottes Gnade [Kotas Knata i?«/".] y". 
Mauerpfeffer, Sedum acre; [ryotar Kotas 
kanät 71/.] Geranium silvaticum Kirschl. 
I, 129. 132, — Schweiz. 2, 661. 

genade", gnade" [konäta Hf.; knäta 
Dü^ nur in der Rda. gnad d'r Gott! 
sonst hast' du keine Gnade zu erwarten, 
nimm dich in Acht, [nö kanat tar Kot! 
7//.] — Schweiz. 2, 661. 

genädi^, gnädi(g) [kanäti Z. Han.; 
knätik Su. ; kanätik M. ; knäti Geisp. Ingenh^ 
Adj. gnädig, [a knäti/ar Her Geisp7\ Adv. 
schonend: gnädig mit eprem um ge^" ver- 
fahren Su. Es is' g. her gange" Geisp. 
Mach doch e wenig gnädiger mit *^em 
Geld verschwende nicht so ! Su. 'Helfen 
als wolt jhn Gott nimmer gnädig sein' 
Fisch. Garg. 312. — Schweiz. 2, 663. 

Gine, Kine, Kile [Kind Obbruck 
Bebelnh. Bisch. Barr; Khind Mutzig; 
Khine Str. Hf.; Khild Obhergh\, Nbf. 
Dine^'l [Tinel TT.] /. Bebelnh., n. Ober- 
hcrgh. Bisch. I. kurzes, auf beiden Seiten 
zugespitztes Holz, welches auf einen Stein 
gelegt, durch Anschlagen mit einem Stock 
auf die eine Spitze in die Höhe gewirbelt 
und nun durch einen zweiten Schlag weit 
weg geworfen wird; die andre Partei muss 
das Holz in eine bestimmte Stelle (Stub) 
zurückwerfen oder schlagen. 'Sie solle 
dheime hucke . . D Kinn eh — Wui 
ynsalze' Schk. 189. Der Schlagende ruft: 
Dine'^l ! Die anderen : Oui, Michel ! {frz. 
ausgespr.) Dunzenh. Die Antwort Oui 
zeigt, dass das Spiel aus Frankreich kam. 
Auch kinneh — parde (= partez frz.}) 
wird gerufen Bisch. Gines spiele". In 
Ingw. wird das kurze Holz Bilar [Pelär] 
genannt, das Schlagholz, sonst File ge- 
nannt, heisst Kine. 2. männliches Ge- 
schlechtsglied Froelich Holzh. 

gine", gene" [kina Fisl. Roppenzw.; 
kaena ///'.; känaj?/". ; käna71/. (imY^. kommt 
käna nicht vor, s. Mul i.] /. gähnen. 
'ginen Geiler S. P. g^ St. 2. das Maul 
aufsperren. 'Mancher schirmet hin und 
here, Als ob er uf der fechtschül were, 
Und gint und gaflft here und ouch wider 
Und schlecht sin ougen eben nider' Mur- 
ner Narrenbeschw. (S. 44, ed. Goedeke). 
— Schweiz. 2, 328. Bayer, i, 918. 

Ginjol [Kinjol Str7[ m. i. Planszmirst 
ifn Marionettentheater. 2. Schimpfname 



GuNN — GaNG 



222 



GaNG 



für Lehrer von selten der Schüler Bisch., 
atich Zss. Rossg. tmd G.-fabrik Semi- 
nar ebd. — frz. guignol. 

Gunn [Kün Hf. Dehli.] f. Gefallen: 
nur in am d G. ant^uen einem die Ehre 
gönnen, die Freude machen. — Schweiz. 
2, 332 Gunn ni. Hess. 133 Gönne f. 
West ERW. 68. 

gunne", günne" [k^na Fisl. Bisch.; 
kaenaiJ/. ; küna Sri. u. nö. davon fast allg. ; 
Yqw^ K. Ingenh. Fttrchhsn. ; Part, künt tmd 
küna Dil.; kakünt Ingersh. Rothb.; kent 
K. Z.] /. gönnen, einem wünschen {Gtites 
wie Schlechtes). Er het gwunne" in d^r 
Lotteri, i'^^ gunn s i^m, er wurd s bruche" 
könne" Du. P^ ha'' e schwer! Krank^'e't 
durchgnnacht, un'^ s sin Lit do, ob d" s 
glaübs' oder nit, wu m'r s s^gunnt {oder 
«^gunne") han Du. 'Er kriejt was ich em 
gunn, un mit der Zuegoob noch' Pfm. III 
2. Mit Schadenfreude: Ich günn d'r's ! 
K. Ingenh. 2. erlatiben; zugestehn. Dis 
hungrig Pack gunnt sich de" ganze" Tas 
nix Altw. 'ist den vischern gegunnet' Str. 
75. Jh. Brucker 184. 'das ir uns wöllent 
gunnen vische zu kaufen' Str. 75. Jh. 
Brucker 214. 'e guets uffrichtigs Wort 
gegunnt' Horsch Hüssje 29. — Schweiz. 
2, 332, Bayer, r, 919. 

vergunne", vergünne" [farküno y^r^-/ 
allg.; forkena Bisch. Barr K. Ingenh. 
Furchhsn7\ missgönnen. Vergunnti Müm- 
pf*l (Mol) t'^üen o«^ guet (wo^l) Su. Ge- 
ber schw. — Schweiz. 2, 333. 

Vergönnität [ForkenitetZoi^^.jy. Miss- 
gunst. Bi dem Mensche" is' awer d V. 
owe" Lobs. 

gundelig [küntolik Roppenzw.'\ Adj. 
öde. Do is' 's g. — Schweiz. 2, 336 
Gand Schuttfeld. vgl. Bayer, i, 920 Gund 
im Namen einiger Bergweiden. 

ganfe", s. ganefe". 

Gang [Käq^ Liebsd. Hi. Mü. Su. Gebw. 
Dü.Molsh. Bf. Geisp. Hf. ; Käi^k M. K. Z. ; 
Kör^k Wh.; PL Y.z.v^M.; Kai^Z»«.; Kei^ 
Rauw^ m. Gang. i. Bewegung. D 
Säjmü^l is' im G. U. 2. Gangart. De"" 
het e wüester G. {auch Marsch) Sri. [Mor 
sdt s em 8Ü ä sim Käi^k a, äs ar net fil 
es iJ/.] Umschreibungen für den schwan- 
kenden Gang eines Betrunkenen in Ruf. 
s. JB. IX 122/ 3. Weg. M'r han e 
G. gmacht einen anhaltenden Marsch. 
Viel Gang un'* Sprung vieles Laufen Bf. 
'E Gang üwwer de neue Mark' Ged. v. K. 



Bernhard ^CWL. 137. 'un do hats dr gang 
gvoogt fir in d shüäl' Landsman Liäd. 
10. jf. Schritt {in der Jagdsprache). 
Er het de" Has uf fu"fzig Gang gschosse" 
Hf. 'vngefehr vier Gänge von einander' 
Mosch. II 207. 5. Weg zwischen auf- 
gestellten Möbeln, aufgeschichteten Gegen- 
ständen, Pflanzen, Gebmidett, im Stall 
hinter dem Viehstand allg. 6. Hatisflur 
{hätiflger Husgang). 'Wer klopft denn do 
widder sinni Dcbbi uffem Gang üss ?' 
Horsch JB. VIII 182. 'das Gesinde nebst 
den jungen Kindern essen im „Gang" oder 
in der Küche' AuG. Stöber Der Kochers- 
berg 29. 7- Hausgang im oberen Stock 
Z. Wh. 8. Der hölzerne bedeckte Altan 
am ersten Stockwerk, der ztim Aufhängen 
des Tabaks und der Wäsche oder zum 
Aufspeichern des zerkleinerten Brenjiholzes 
dient Geisp. K. Z. g. Getriebe einer 
Mühle, das von einem Wasserrad in Be- 
wegung gesetzt wird. Spott über einen 
Prahler: So ge^n die Gang, het sel^'er 
Müller (der Ischwiller M. Dehli.) gseit, 
wie er numme eine" het ghett (wo er 
ke'ne" me'^'' ghatt het a's de" Husgang). 
In Gebw. fügt man hinzu : un'' de"" 
is' nit si" gsi"; in Rauw. wo er kene me 
ghat het un'* wo er s Wasser in ^'"ere 
Nussschal bigetra?^"* het). — Schweiz. 2, 
338. Bayer, i, 921. 

eins Gangs [aeis Kär^ks J/. ; tens Kär|^s 
Betschd.; sens Kör[ks Wh^ Adv. unmittel- 
bar, direkt, sofort, plötzlich. Wo i*^** das 
ghört hab, bin i"'' e. G. zuem Notari 
grennt Bf. Er is' e. G. do nus gange" 
Betschd. 

Demin. Gängli, Gängel [Kar^^li Olli. ; 
Kaij^kl K. Z.; Kaen^kl Büst~\ n. i. Gäss- 
chen. 2. kleiner Hausflur Olli. J. 
schmaler Raum zwischen aufgestellten 
Gegenständen K. Z. — Schweiz, i, 339. 

Abgang [Apkär^ Hlkr. Du. Bf.; Ökär^ 
K. Ingenh^ m. i. Abnahme an Gewicht 
und Umfang bei der Aussonderung un- 
verwendbarer Teile, z. B. der äusseren 
Blätter und der holzigen Teile beim Ge- 
müse, der sich ablösenden Flocken beim 
Weben und Spillen. 2. tmverwendete 
Reste. — Schweiz. 2, 339. 

jangengs, eig. anfangs, angehends, 
dann : sogleich. 'Wyewol der heuschreck 
nit kan fliegen, so huipft er doch uiber 
sich auff ; und gleich fallt er wieder nieder, 
aber angengs springt er wider auff* Geiler 



GaNG 



22^ — 



GaNG 



Berg des schowenden Leben 22. {P.) — 
Schweiz. 2, 343. 

Blotergängel n. der mich Kleinfrank- 
reich genannte Stadtteil in Str. 

Bluctgang jn. monatliche Regel, ge- 
bildet analog zn Stiie*^lgang. 

Ei°gänger [Aikar[^9r Schlicrb7\ tn. wt- 
geselliger Mensch. — Schweiz. 2, 358. 

Fuetergang Olli, bis Bf. m. läng- 
licher Ratmi zwischen Schetier und Stall, 
wo der tägliche Bedarf an Futter zttrecht 
gemacht und aufgestellt wird ; darin stehn 
auch Stallgerätschaften tmd das Bett des 
Knechts. De^nin. Fuetergängle n. — 
Schweiz. 2, 347. 

j He im gang ;;/. in der Rda. 'den Heim- 
gang thun executcr obrigkeitlich das Haus 
durchsuchen Martin Pari. N. 89. 

Hingang ;;/. Rda. De° H. für de" 
Hergang ne^'me" einen vergeblichen Gang 
machen Lützelstn. — Bayer, i, 922. 

Husgang m. Hausßur fast allg. Sjn 
Husere", s. Seite 61. — Schweiz. 2, 347 

'Krebsgang Rückgang Str. Ulrich 

K r ü z g a n g ['Xritskär| Pfetterhsn.; Krits 
kär| Logehth.'\ m. Prozession, Wallfahrt. 
— Schweiz. 2, 349. 

L er gang [Lärkär]^ Pf-~\ ^«- das Rinn- 
sal bei den Wassermühlen, durch welches 
das überflüssige Wasser abgeführt wird. 

Metzgergang [Metskarkäij^ Geberschw.; 
M^tsJ9rkär|(k) Rafp. U. W.'\ m. vergeblicher 
Gang. 'Bin i jez schuldi dran gewese an 
ierem Mezjersgang Pfm. II 6. — Schweiz. 
2, 352. 

Müessiggang m. M. is' aller Laster 
Anfang Bf. 

Müessisgänger [Miesikarj^ar M. Dü.'\ 
m. I. Müssiggänger. Spw. Fischer, Jäger, 
Vogelfänger sei"^ di' TeüPlsmüessisgänger 
JB. II 169. 2. Müssiggänger' ^^.r^/z/tr///- 
lose Art Karpfen Eai.d^^k 6"]. — Schweiz. 
2, 360. 

Nachtgänger [Nä;jtkai|^9r Obhergh.~\ 
m. einer, der sich Nachts lang im Dorfe 
herum treibt. 

Narre"gang m. vergeblicher Gang Sii. 
Str. — Schweiz. 2, 353. 

fSchelmengangk ;;/. 'den Schelmen- 
gangk laufen* Murner Schelmz. 43. 

Umgang m. i. Prozession M. An 
de° Festtäj*" is' U. 2. ansteckende 
Krankheit, Epidemie: s is' e'n U. inger 
{unter) de" Kinge" {Kindern) Hf. — 
Schweiz. 2, 341. Bayer, i, 922. 



Umgänger [Ümkar^ar Z. Ingw.; PI. 
ebenso'\ m. i. ein Mensch, der sich von 
Gesellschaft fern hält, immer allein geht 
Ingw. 2. einer, der in einer ungeraden 
Nacht, namentlich am Freitag, zu seiner 
Geliebten geht: am Friti? znochts ge*^n dU. 
Dtmzenh. ImKreise Weis scnbttrg ist der Frei- 
tag Abeitd keine Kummnacht Betschd. J. 
Schaf, welches die Drehkrankheit hat 
Ingw. 'einen Stier zum Umbgänger hclf- 
fen machen' Zab. Hexenprozess 1620. — 
Schweiz. 2, 358. 

Usgang m. Alis gang allg. Gen. ad- 
verbial: usgangs Wuch(e), u. dis Wuch 
gegen Ende dieser Woche; u. Monet ; [y. 
Wfmunot] Ende Oktober Du.; u. Jo^r Ü.; 
[y. näksta Monat] Hf. — Schweiz. 2, 345. 

■{-Vorgängerin f. Wärterin der Tättf- 
linge Mü. St. — Schweiz. 2, 359. 

VVeidgang [Waitkäi^ Sil.; W^itkär^^k 
M. ; VVaeitkär| U?\ m. Gemeindetrift, All- 
niend. 'Abschaffung des Weidgangs auf 
den mageren Allmendplätzen' Friese Nat. 
8. — Schweiz. 2, 354. 

f Begangenschaft f. Art und Weise 
zti leben, auch Gewerbe Zwinger IV. 
Oberlin 105. — Schweiz. 2, 354. 

gäng [kaq M. Bf.; koer^ Wh7[ i. gang- 
bar [a kaer|^9 Phät] ein getretener Pfad 
Wh. 2. gtit im Gang : s Ross is* g. ; 
der Grossätt is' no'^^ recht g. M. J. 
leicht zu bewegen : die T''ür is' nit g. Bf. 
^. g. und gab üblich, weitverbreitet : s 
Bettle" is' hüt g. u. g. St. 'eine 
genge herberge' Chron. 753, 24. — 
Schweiz. 2, 355. Bayer, i, 921. 

ungäng [üri^kaij^ -^-J -^- schwer in Be- 
wegung zu bringen. 2. ausser Curs : 
d Krüzer sin*^ jetz' u. 

gangber [kär|^par 6"«.] Adj. gangbar: 
®'ne gangbre Weg. 'dieweil die gasse nit 
sehr gangbar {begangen), sondern vom 
markt sehr entlegen ist' Martin Pari. N. 
180. — Schweiz. 3, 354. 

gängig [kaij^ik Su. Katzent. Dü?\ Adj. 
I. zum Gehn bereit: V^ will '•»ne scho" 
g. mache'* Sti. E gängigs Ross flott- 
gehendes Pferd Hi. 2. gut gehend {Ge- 
schäft) Katzent. J. gangbar Du. — 
Schweiz. 2, 361. Bayer, i, 921. 

abgängig [äpkar[^ik Hi. Hlkr.; äp- 
k.Ter|^^i;f Str. ; äkar^i Hf. ; ökar^^i K. Ingenh^ 
Adj. I. verlegene Ware. 2. verdorben, 
minderwertig {Bier, Obst): a^'gängiger 
Herbst, wenn die Weintrauben faul und 



GaNG 



224 — 



GaNG — GiNK 



überreif sind Hf. s het gschellt, am 
Samsti^ ward s O'^gängi gherbst"' Ingenh. 
— Schweiz. 2, 361. 

abgängisch [äpkaer^is fF//.] Adj. von 
der gewöhnlichen Strasse abführend. [Krät 
oreost saelt tgr Pitl ys: t Mäta ün t Kseata 
ün äli äpkaei]^is9 Wsej sen forpot Wh\ 

un gängig [üi|ka]|ik Z>«.] Adj. schlecht 
gangbar, wettig begangen ( Weg, Pfad). 

ginggang Interj. {tonnachahmend) im 
Kinderlied : Ginggang, der Pfaff (Vater 
Bisch.) is' krank, er lejt im Bett, het 
Buchwe** ghet, het Hän'^schi an, dass er 
nit verfriere" kann Ingw. — Schweiz. 2, 
363 gingeligang. 

gänge" [kar^a Hundw.^ prügeln. 

Gängele [Kar]^ol9 Bf-~\ n. Glocke 
{Kinder sp.) 

Gängli"g [Kaq^lik Banzenh.~\ m. An- 
fang eines Stranges Seide. Bildl. er 
het d®r G. er zveiss den rechten Weg ztir 
Erreichung eines Ziels. — Schweiz. 2, 
362 Gängling. 

Gängler [Kai^^^br Fisl. Obsteinbr. Hi.] 
m. Anfang eines Knäuels Wolle oder Faden. 
Er het d^r G. verlöre" den latifenden 
Faden bei einem Strang Baumwolle, den 
Faden der Rede Hi. — Schweiz. 2, 
361. 

Gangs, s. Gans. 

Gingilum [Kir|,kiliim Obhergh.'] fabel- 
hafter Ort, als drei Stunden hinter der 
Hölle gelegen bezeichnet. Wenn du nur 
im G. wärs' ! — atis hebr. gehinnom 
Hölle. 

Gingserie [Kir|^s9rl3 //«.] n. kleines 
Zwanzigpfennigstück. 

Gankel [Käi|^kl Bisch. Ndhsn7\ m. lose 
Weiber Jacke. 

Gingankel[Kir|kär|klÄ>^/^] ;«. etwas, 
was sich hin und her bewegt: e G. mache". 
Demin. Gingankele n. Unruhe in der Uhr 
(Kindersp.) 

Gänkel [Kar^kl Banzenh.'\ m. tän- 
delnder, närrischer Mensch. - Schweiz. 
2, 364. 

gängle", gänkle" [kar|^]o Steinbr. 
Bebelnh. Schcrzv. Bf. Mcis. ; kar^kla Hlkr. 
M. Katzent. Rapp. Uttcnh. Zinsw.'\ i. 
freischwebeftd schzvingen (Sjmon. pample") 
hin tmd her schwanken. 2. herutnlaufen, 
herumschlendern. Wo bis' wider ''erum 
gegänk'lt? herumgebummelt Rapp. [rümar 
kai|kla M\ j. tändeln M. 4. schlecht 



schreiben, schmieren. — Schweiz. 2, 364. 
Bayer, i, 923 gankeln. 

vergängle", vergänkle" [farkari^lo 
Obburnhatipt Lutterb.; forkar]^kl3 Su. bis 
Bf.^ verschleudern, verschwenden: er het 
si" ganz Vermöje" vergänk^lt Rapp. Alli 
Wort an ei"''m v. ganz unnütz auf jemand 
einreden Mittl. Sjm. verbämble" Z. — 
Schweiz. 2, 365. 

Gänkler [Kaij^kbr Steinb.'\ m. tän- 
delnder, närrischer Mensch. — Schweiz. 
2. 364. 

gängerle" tändeln Hi. — ■ Schweiz. 

2, 365- 

vergänkerle" [f3rkar|korl3 Liebsd7\ 
(Geld) unnütz ausgeben. 

gänkelig, genkerlich [kar^kalik 
Roppenzw. Obsteinbr. Attenschw Hlkr. 
Horbg. Ingersh. M. ; ker^korli;^ Ingw.^ 
Adj. I. unfest; Rda. es is' mir so g. 
(im Mage") ich fühle mich matt, schwind- 
lig, es ist mir so leer im Mageti. 2. 
unzuverlässig, kindisch: Se' jetz' emul 
änderst, bis' noch vi^l ze vi^l g. I Horbg. 
— Schweiz. 2, 364. 

Schlanggankel n. langer, schlanker, 
unbeholfener Mensch Avolsh. 

Gänkis [Kar|^kis Roppenzw^ m. ein 
Mensch, der sich zum Narren halten lässt. 

Genket [Keq^ket Hü.; Kir^ket Mittl ?^ 
f. Latnpe, s. Gängetöl 6'. J/. 

Ginke" [Kiri^ka Büst Dehli. ; Keij^ko 
Wh.\ m. I. heratcshängender Nasen- 
schleim. 2. tmreife Person. 

Schnudelginke" Rotz Wh. 

Ginkel [Kirj^kl Roppenzw. Ensish. M. 
Str.; Kci^kl Hi. Winzenh. Du. Z.] m. 

1. freischwebender, hängender Körper 
Roppenzw. 2. Knabe, der beständig 
Sprünge macht; tändelnder Mensch Hi. 
J. Schimpfwort: Lausekerl, Dummkopf, 
Schlappschwanz; Schuft; 'alter Günggel 
listiger Fuchsschwänzer Str. Ulrich. 
4. männl. Glied [vulgär) Hi. — Schweiz. 

2, 365- 

Betzitginkel tu. lustiger Mensch 
Roppenzw. 

Kaffeeginkel m. Liebhaber von Kaffee 
Ensish. 

Ratte°ginkel m. lüder lic her Mensch 
Co. 

Rinderginkel m. Schleim, den die 
Kuh absondert Geberschw. 

Rossginkel m. Pferdewurst Molsh. 
Str. Betschd. 



GiNK — GaNS 



225 



GaNS 



Rotzginkel ;;/. rotznäsiger Mensch 
Isenh. Winzcnh. Obhergh. 

Schmarotzginkel ['Smärotsku|kl Nif- 
fcr Obhergh.; 'Smürütsker|^kl Kindw^\ in. 
Schmarotzer. 

Schinierginkel ni. Schnmtzfinke Win- 
zcnh. 

Schmutzgin kel m. unsauberer Mensch 
Rnf. 

Sehn udergin kel ['Snütorkir|^kl Osenb. 
Sil. Obhergh.; "Snotrkhüql M7\ m. i. 
Rotznase. 2. Naseweis. 

Schuelginkel;«. Schtihneister(Schiinpf- 
wortj Dnnzenh. Z. Hf. 

ginkle" [kii^klo Du. 5"/r.] belügen, 
betrügen. Er is' gegink^lt wor'^e". 'gunggle 
überlisten ; gegünggelt angeführt =- ge- 
numme° Ulrich. 

-verginkle" /. verschwenden. 2. 
ertappen, erzvischcn, bestrafen. J. be- 
trügen Roppenziv. Obhergh. Sn. — 
Schweiz. 2, 366. 

Ginkler [Kii^klor Zinsw7\ n. lang- 
samer, einfältiger Mensch. 

Ginkes [Kii|k3s Katzent. Str7\ m. 
männl. Glied. — vgl. Schweiz. 2, 360 
Ginggiss. 

Klinginkes [K]ir|kir]k3s Osenb^ m. 
kleiner, krüppelhafter Mensch, der einem 
lästig wird. 

Gunkel [Kürj^kl LtUterb.; Kür|l Lo- 
gelnh\ in. Lump, Schnapssäufer ; f. Säu- 
ferin. — Schweiz. 2, 367. Bayer, i, 
923 Gau n kel y. grosse ungeschickte Weibs- 
person. 

K ä s g u n k e 1 in. Schnapssäufer Lutterb. 

Rungunkel f. grosse Kuhglocke Su. 
-- Vgl. Schweiz. 2, 361. 

Schnapsgunkel;«. liederlicher Mensch, 
Säufer Fe Her i. Logelnh. 

Gunkli [Küri^kli Co\ m. langsamer, 
schlaffer Mensch. 

gunkle" [kui|kl9 Ensish. Geberschw.; 
kür]^lg Wittenh. \ i. tunherlaufen. Er 
is' im Hem'* umme ^egm^klet Ensish. 
2. Wein über die Strasse verkaufen. — 
Schweiz. 2, 368. Hess. 140. 

K a f f e e g u n k 1 e r ;;/ . Kaffeetrinker 
Hirzfn. 

Gunklete f. Schleppe an den Kleidern 
Heidw. 

Gunkes [Kür^^kas Attenschw?^ m. Mus. 
— Schweiz. 2, 368. 

Äpfel gunkes in. Apfelmus Attenschw. 

Gans, Gangs [Käns Gebw. Su. Ban- 

Wb. d. eis. Mundarten. 



zenh. Hlkr. Du. Rapp. Mütt. Bf. Str. 
Hf.; 'K.ü.nts Ileidolsh .;Yia.% Sulzern; K?\is M.; 
K.(^ys Bisch. Geisp.; Karins Ostzvald;K.(^ns 
K; Koer^s Wejersh .;YiÄx\s Z . Reichst. Kindw. 
Prinzh. Wh. ; PI. Kans, Kar|^s, KsensÄ'.; Kais 
M. ; Kiij^s Hirschland Wolfski.^ f. i. Gans. 
'Die gans trottet daher als ein voller mann' 
Geiler, ^. Als. 1862/67, 141. Rda. a" 
hiege" wie e gstocheni G. Gebw. Spzv. Wenn 
e G. üwer de" Rhi" fliegt, se kummt si 
a's e G. o'"^*" wider heim Su. 'Ein ganss 
die über meer fleugt, die kompt ein ganss 
wider heim' Geiler, ^. Als. 1862 67, 142. 
Mc" ka'^" mit de" Gans trinke", awer nit esse" 
Getränk (Wasser) kostet nichts, aber die 
Speise Geberschw. Er t'^uet d Gans {auch d 
Ente") fiieHere" erbricht sich Ruf. D'e 
gutte" Gedanke" un"* d'e la^'me" Gans 
kumme" hinge" na*^** Dehli. Nix schäd- 
licher a's e Gangs, dis Lumpe vi^'' losst 
sich nit o^triwe" kommt immer wieder 
Ingenh. Hätt dini G. mini G. nit ge- 
bisse" . . . 7uie du, mir , so ich dir {Ent- 
schuldigung) Str. Der meint, d'^r Künis 
hüet^' i'^m d Gans er ist unsinnig hoch- 
mütig Ranw. Dehli. Schielen: 'wie ein 
Ganss , die in ein logel sihet' Mosch. 
I 578, noch jetzt Str. 'setz dein sach 
nit uff blau enten und genß, als man 
gemeinlich spricht' Geiler Narr. 46^*. 'got 
hat dz hymclreich nit den genssen ge- 
macht' Geiler Narr. 46''. 'du trunckene 
ganß schlotterkopff' Geiler Narr. 46'^. 
Hafer von der G. kaufe" eine törichte 
Forderung stellen, Hoffnung hegen Str. 
Dis is' so dumm, dass s d Gans bisse" 
Str. D Gans laüfe-n-i''m no"^ das Hemd 
hängt ihm hinten heraus Hi. Rapp. 
Loss d Lüt rede"; d Gans könne" s 
nit Trost für einen Verspotteten , Ver- 
höhnten; schon Geiler Brös. i, 72^. 
Murner Geuchmatt is^. Mosch. II 41. 
CS. Kinderlied, wobei in die Hände ge- 
klatscht wird : Bitsche batsche Hawermues, 
d Gans ge^'n barfuess. Barfuess ge^'n si^, 
hinder "^^m Ofe" ste^n si", hänn roti 
Strümpfele an, hinde-n-un vorne Bändele 
dran Str. Griblis grablis Eiermues, d Gans 
laufe" barfuess, Hingerm Ofe" ste^'n si^, 
Vor <^^m Ofe" ge'^n si^ ; s Kälble zeijt 
{zieht) de" Rieme", im Oberland is' nieme", 
im Niderland is' s Vogelsang, Du alter 
Schelm, worum lebs' so lang; De bruchs' 
nit so lang lebe", di" Vater is' e Weber, 
di" Mueter is' e Tube"dreck, Hopplet ale" 

15 



GaNS 



226 



GaNS 



GüNS 



Tag eweg, Si® hopplet über s Hölzle, 
Un*^ schisst ^em King e Bölzle, Si^ hopplet 
über s Hürstle Un*^' schisst '^em King e 
Bürstle, Si® hopplet übers Lo^"^ Un^ seit, 
jetz ghei ich uf s Loch Hi. Kinderreim: 
'Karlinele, Karlinele, was mache dire Gans? 
Se hudle sich, se pudle sich, se wasche 
ihre Schwänz' Dehli. JB. XI 69. 2. 
einfältiges Mädchen: e diimmi, taubi G. 
J. PL als Spitzname von Balschw., 
Schweighsn. {Kr. Thann), Blodelsh. {auch 
Schneegäns), Mnnw., Logelnh. 

Demin. Gänsel, Gangs el n. i. 
kleine, junge Gans. Rda. Der will liewer 
e verreckts G. hUete" fatilenzen Hf. Der 
will liewer nix t*"ucn a's e v. G. h. Ingw. 
Du gäts' liewer nix mache" a's e verreckt 
G. h., s könnt e Wei'' kumme" un"^ könnt 
s hole" Da. Gänsel, kumm here, Kumm 
uff de Gehre' Hirtz Ged. 216. 'du hast 
im ein genßlin zertreten' ihm ein Unrecht 
zugefügt Geiler HK. LXXXV^'. 2. Kalbs- 
scheibe, das beste Stück der Kalbsketde 
Metzgersp. Str. J. das heraitshängende 
Hemd. 'Se hän als 's Gänsle noch dus 
hänge' Lustig I 93. — Schweiz. 2, 569. 
Bayer, i, 924. 

Zss. Gängsfüessel n. eig. Gänsefüss- 
chen, römische V, Zeichen der verlorenen 
Partie im Kartenspiel Hf. s. auch Zss. 
Gängsbluem, Gänsdreck, -henker, -hirt, 
-hut, Gänselknoche", Gänseprozess, Gäns^l- 
spfel, Gansspitz. 

Brüetelgans f. brütende Gans K. Z. 
Han. 

Bure"gänsel n. dummes Bauernmäd- 
chen. 'I geh in 's acht e fufzi'st Johr er- 
erst . . mach noch e christli 's Dänsel 
so guet as aincr mit. Hesch gheert du 
Buuregänsel?' Pfm. II 2. 

Ernegans [Ärnkäns Bf.; Arnkäns 
Osthsn. Schaf ersh.; Arnakoens Getid.; 
Ärnokänts Rothb.; Ern^kkns Pa/tw.; Ärna- 
käq^s Hf] f. Erntegans, Fest nach Be- 
endigung der Ernte bes. in den alt- 
hanauischen Ortschaften; kommt ab. 
Aug. Stöber Der Kochersberg ßo. s. 
Eis. Samstagsbl. 1860 Nr. ij. Manche 
glauben jetzt an eine Ableitung von Ernte- 
kranz. Allein im Pfarrbuch von Altecken- 
dorf 6. VHI. Tyjy Protokoll 2 ist die 
Rede von einem Mann ''der zu der Ernd 
Ganß eingeladen worden. Nach geendigter 
Mahlzeit usw.' — vgl. Hess. 95 Ernte- 
hahn. 



f Hage lg an ß' SchneegansYiscR. Garg. 
376. Spangenberg Ganskönig 6, 181. 
191. DVVB. 4, 2, 145. 

jH Organs fulice Herrad i8o\ 

Kalbs gänsel n. s. Gänsel 2. Str. 

Maigänsel n. Spottname, wenn ein 
Kind etwas Unglaubliches für wahr hält, 
z. B. beim Zuritf: dort fliegt ein Ochs ! 
aufschaut Zinsw. 

jMartinsgans s. bes. Spangenberg 
{Eis. Litt. Dcnkm. f). 

Schneegans y. /. Schneegans allg. 
2. geputztes, bes. weiss angezogenes junges 
Mädchen NBreis. Scherw. — Schweiz. 

2,^374- 

'S t u p f f e 1 g e n s z' PI. junge Gänse, deren 
Federn sich erst entwickeln Str. 1554 JB. 

IV 55. 

Zie^'gans f. herumziehendes Mädchen 
Rädersd. 

gän selig [kansalik Horbg.~\ Adj. kin- 
disch, 'd' besch-m'r noch z' gänzelig 
gsd' Mangold Colm. Kom. 48. 

Ganslere [Känslära Horbg. Dil. Erstn.~\ 
f. weibliche Gans. 'Juh, d' Mamme bringt 
e Gans! E Gunster, e Gänsläre! Boese 
ScHK. 208. 

Ganser, Ganscrt, Ganstert, Gang- 
sert, Ganzger, Gunser usw., Gienzger 
[Känsor Ensish. Su. Mütt. ; Käntsar Hei- 
dolsh. NBreis.; Kqeysor Bisch.; Künsar 
Bisch. Uttenh. Ost-Ndhsn. Dachstn. ; 
Känsart Obgericht Schleit. Bühl Tieffenb.; 
Käntskar Weckolsh. NBreis. ; Kärj^sart 
Wh. ; Künsart Ostwald; Känstar Str. Obbr.; 
Känstart Wörth Betschd. Lobs.; Kär|^start 
Kindw. Rothb. ; Künstar Str. ; Kynstar 
Brum. Mittelhsn. IVingersh. ; Koynstar 
Dachstn. ; Korj^star Dunzenh. ; Küntsar 
Mutzig; Küntsart Geisp. ; Kür|^start Hf. 
AEckend. Prinzh. ; Kür|^star Ingcnh.; 
Kiantskar florbg. Du. NBreis. Logelnh. 
Hlkr. ; Kientsjar Hilsenh.'\ m. i. Gänse- 
rich. 2. neidischer Mensch. — Schweiz. 
2, 374. Bayer, i, 924 Ganzer. 

gans^re" [känsra Su7\ sich auf der 
Strasse einfältig benehmen, langsam gehn 
und überall hinschauen. Wo gansers' 
umme? — Schweiz. 2, 374. 

f Günsel Ajuga reptans Kirschl. i, 
623; auch 

Guldengünsel 'Prunella Braunellen, 
Gulden gunsel' Gol. 418. ■ — Schweiz. 
2, 376 aus lat. consolida. 



GüNS 



GaNT 



— 227 



GaNT — GoP 



yS u n n e n g ii n s e 1 m. Sonnen 7-ö sehen, 
Helianthcmum vulgare Kirschl. i, 75. 

günsche", gäunsche" [kinsa Tieffctib.; 
kynso Saarunion Harski.; kceyntsa fff-^ 
I. (auf einem Sttihl) hin und her schau- 
keln. 2. einen Fisch an seinem Stand- 
ort mit der Hand fangen Hf. 

(iiinsch [Kyns Harski. Saarunion\ f. 
Schaukel. Sj'non. Ron seh. 

Gunst [Kunst Du.'] f. Gunst. We"" 
v[fT halt kc'""^ G. het, kummt nn^r allewil 
z" kurz, 'zuä ginshtä fo mim Khind'LANDS- 
UKü Lied. 74. — -Schweiz. 2, 377. Bayer. 

I, 9^5- 

Vergunst [Farkünst AIü. Obhergh7\ m. 
Missgönnen. 'Dr niid un dr färgunsht 
ffAsä diä litlä n uf' Landsman Lied. 95. 
— Schweiz. 2, 377. 

• M i s s V e r g u n s t m. (f. Hf.) Missgunst, 
Neid Obhergh. Ingenh. Hf. 

günstig [kenstik Dil. Logelnh.; kinstik 
Mittl.; kseistik 71/.] AdJ. günstig. Du 
bis' m'r nit g. S Wetter is' g. für d 
Trüw^l Du. 

missgünstig, missvergünstig | mis- 
kinstik Geberschzv. ; mesforkensti ; -kensti 
Rapp. Scherw. Z.] Adj. neidisch {fehlt., 
nidis hat andere Bedeutung) eifersüchtig. 

Gant [Kant Steinbr. bis Rchw. ; PI. 
Känta] f. freiwillige oder gerichtliche 
Versteigerung. 'Gant auctio' Dasyp. 'aufi 
der gant verkauffen' Wickram Roll. 96. 
'ich hass das Ganten, dann es manet mich 
an die Gant, da man mir vergant allen 
Haußrhat und gewand' Fisch. Garg. 148. 
'in auctione emere an offener gant kauften' 
GoL. 452. — Schweiz. 2, 378. Bayer. 

i> 925- 

Liechtlegant [Lia;^tlakänt Steinbr^ 
f. Zwangsversteigerung [bei welcher drei 
Lichter brennen). 

gante" [känta Banzenh. Obhergh^ auf 
ojfener Gant verkaufen , versteigern. 
'ganten' Brucker. — Schweiz. 2, 379. 
Bayer, i, 926. 

vergante" Mü. Ruf. Su. Hlkr. Ob- 
hergh. dass. Er is' vergantet wor'^e" ; s is' 
i''m alles v. w. 'ish s gAld nit gli doo, 
tüät mä n Aim färgantä n un dusä griinä 
loo' Landsman Lied. 22. 'da man im 
vergantet' Pauli 291. 'dass man zu letst 
vergannt sein Gut' Fisch. Garg. 138. 
'auctionari öffentlich verganten' Gol. 452. 
'verganthet' Not. 167 i. — Schweiz. 2, 
380. 



f Vergantung escriee' Martin Pari. 
N. 344. 

Gunterban, .y. K-. 

Guntrol, i-. K-. 

ganz [käns O. Str. Z. Hau. Betschd. 
W.; kdens K. Pfulgriesh.; kenls Lam- 
perth. Reichst.; koeyts Hindish.; kats 
M. ; käts S7ilzeru'\ Adj. ganz. Ganzi 
[unversehrte) Schue** ; s g. Dorf; d 
(s) g. Zit fortzvährcnd, immer, unauf- 
hörlich, 's war im göünze Dorf gli üsge- 
breit' AuG. Stöber Der Kochersberg 56. 
S is' ke'n ganzer [näml. Narr) er ist nicht 
so dumm Hf. E ganze" Hufe", Teufel, 
Wisch eine Menge Str. Eps g. mache" 
{ironisch) zerbrechen Du. Adv. i. ganz. 
G. nass allg. G. z" hindre für blöd- 
sinnig Su. Gt. un*^ gar nit jiicht im ge- 
ringsten Z. JB. VII 190. 2. sehr, stark, 
viel. Er is' a's früe''jcr g. viel in unser 
Hus kumme" Hf. Er het g. vi^l RümpP 
{Falten) am Rock ///. Zuzveilcn wird 
danach der Artikel wiederholt: S is' e 
g. (en) anständiger Mann Hf. — Schweiz. 
2, 385. Bayer, i, 827. 

jGantzheit f. integritas, Vollständig- 
keit , Vollkommenheit Geiler jf. Seh. 
60 b. 

Ganzer, Ga nsger, Gunzcrt, Gienz- 
ger, j'. Ganser. 

Gapa, Kapa [Kapa Roppenzw. bis 
Molsh. Str.; Khapa Rapp. Saarunion; 
YiJcik'^kHf.; Demin. Kapänola ////6r. Horbg.] 
m. I. geflochtener Armkorb, der bes. 
als Schultasche der -Mädchen dient ; Leder- 
tasche mit Verschluss Str. 2. unsitt- 
liches Frauenzimmer, Kokette 0. — frz. 
cabas. 

Gapune [Käpyna Obbr.\f. Betschivester. 

— zu Kapun ? 

Gäppi, Käppi [Kaepi Steinbr.; Kepi 
NBreis.; Khepi Rapp.^ n. {m. Steinbr.) 
Mütze mit wagerecht stehendem Schilde. 

— frz. kepi. 

Gipe [Kipa Ruf.^ Anfang eines Kin- 
derverses: Gipe Gepe [Kt^pa] Dreifuess, 
d Gans ge^'n barfuess, Barfucss ge'^n si^, 
Keine Schuhe haben si« , Rechts oder 
links? — hochdeutsche Sprachformen. 

Gope" [Köwa Molsh. Uttenh. Str. Hf. 
Griesb. Kindw.^ i. f. nur PL sinnlose Be- 
wegungen von Kindern, närrischen Leuten, 
Vieh; Dummheiten, Faxen, Fratzen, dumme 
Streiche: was machs' wider für Gowe" '? 

15* 



GoP 



GäR 



GaR 



Was das Maid^l für G. an sich het! s 
macht als G., ''ass m^r sich krank lache" 
möcht! S/r. 'Un wie die fremde Thier 
do mache-n-ihri Gowe' Hirtz Ged. 170. 
'Am Ohwe Erfindt sie umkehrt wider 
andri Gowe' Froelich Ilolzh. 60. Synon. 
Manöwer, Scheste". 2. m. [taer mkyt ta 
K. spielt den Narren Wh^ — Schweiz. 
2, 388 gope". Schwab. 256. hu Eis. 
Anlehnung an Gabe". 

Gipfe [Kipfo Felleri.; Kepf M.'] f. 
Hinterteil des Schlittens , aiif recht stehendes 
Holz am Schlitten. 

Gipfel [Kipfl Bühl; Kipl Dehli.; 
Khepfi Betschd. ; vgl. Khep Z.] m. Spitze. 
D^r G. von d«r Nas Dehli. ; Gipfel eines 
Baumes. 'Gipfifcl Fastigium, Apex' Dasyp. 

— Schweiz. 2, 390. Bayer, i, 928. 
Gipfle [Kipflo Geberschw. ] m. hölzernes 

Mass ohne Handhabe: e G. Hawer. — 
Schweiz. 2, 390. 

Geps [K^ps Strüth; Keps 71/.] m. 
Holzgefäss, worin Milch oder Käse auf- 
bewahrt wird. — ahd. gebiza; mlat. 
capita. — Schweiz. 2, 393. Bayer, i, 
928. 

Gepsi [K^psi Wittenh. Obbruck Ban- 
zenh. ; Demin. Kepslo Attenschw. bis Ob- 
hergh.\ n. hölzerne Schüssel zum Aufbe- 
wahren^ der Milch in den Sennhütten, 
Wassergefäss mit niederem Rande Ban- 
zenh. Demin. I. kleines hölzernes Ge- 
fäss mit niedrigem Rand für den 
Küchengebrauch. 2. hoher Hut [scherzh.) 

Gip, Gips [Kep Wh.; Keps Sti.'\ m. 
{f. Wh.) 7ingcbrannter Gips zum Düngen 
{gebrannter heisst Jips). 'Gypss' Dasyp. 

— Bayer, i, 929. 

gipse" I [kepso Su.\ mit Gips düngen. 

gipse" II [kipsQ Wh?^ piepen, knirschen. 
M*r hört e Mus g. Dem sini Stiwele 
{Stiefel) g. — Schweiz. 2, 394. Zu 
giffen ? 

Gäpsch [Kaeps Wh\ f. Schaukel. — 
vgl. Schweiz. 2, 395 gäupsche" schaukeln 
Basel. 

gäpsche" [ka;pso Wh7\ schaukeln. 
[S ket löm {hinkt)., os kicpät älfüat üf 
aenaro Sit onüf, w6n s ket.] 

Gär [Kdr Roppenzw. Co. Str. Tieffenb.] 
I- f. {n. Roppenzw. wo auch PI. [Kärar]) 
Bahnhof. 2. Ausruf: Achtung, Kopf 
weg! Str. Ulrich. — frz. gare. 



gar \ka.xMü. Banzenh. Su. Katzent. Dil. 
Hf. Betschd. Wh.; kor K. Z.] Adv. {das 
Adj. gar ist ungebräuchlich) i. voll- 
ständig, ganz, vollends. Eps g. esse" 
vollständig aufessen Su. Rda. schier is' 
nit g. fast ist nicht ganz Hf. Eps no'''' 
g. ferMg mache" vollenden Hi. Weder 
halwer noch g. Z. 's isch doch wedder 
halwer noch gar Stöber Daniel i. [nä 
kär besonders ; fäs kär beinahe 71/.] Nit 
g. nicht ganz: s het nit g. ze''n Liwer 
8^kost Hf. [ne tso, net so kär nicht sehr 
71/.] 'Nicht gahr lang darnach' Zab. Hexen- 
prozess 1620. Ironisch : 'Un d' Stellung 
sei nitt gar {nicht eben) famos' Lustig I 
60. 'Schneid {sonst schnid) im Fritz^l di^ 
Hör ab, Schneid s'^ i'^m nit so gar ab; 
Loss ''•m noch e Stümpele ste*'n, Dass 
^r kann in's Wirtshus ge'^n': in den joer 
Jahren wtirden die Haare vorn lang ge- 
lassen, während die Obergerichter sie hin- 
ten lang trugen; s. Polkahar Betschd. 
G. nit dtirchatis sticht: ich kann g. nit 
verste^'n wie s gange" is* Dil. Jetz' ge'' 
i"^^ g. nit erst recht nicht Su. Warum 
nit g. ! unmutige Verneinung einer Frage, 
Ablehmmg einer Aufforderung Str. Ganz 
und g. nit nicht im Geringsten: i*^^ bin 
g. und g. nit nidi^ zornig Su. Schier 
g. fast gänzlich, beinahe Su. Z. 'schier- 
gar' Lustig I 31; Landsman Lied. 124. 
Schier un'^ g. [siarakär Logelnh.^ Fast 
un*^ g. beinahe, fast gänzlich O. [so kär 
9 Pßirar ein ausgezeichneter Pfarrer ; s ket 
kgwes sakär {ausserordentlich) fil Ärtepfl 
tes Jyor M. | 'gar bei 7mgefähr, beinahe, 
fast alle sein zeit darufiflegt' Geiler jf. Seh. 
12 b. s. auch en Seite 43. 2. gar sehr. 
Er het g. we*' Hf. Ich hätt ne g. gschol- 
te" ebd. 'Syn Mueder billit 's gar dass 
er duet mit mer redde' Pfm. I 6. 'Wann 
die Kranckheit schon zu gar vberhandt 
genomen' Geiler Narr. 38. — Schweiz. 
2, 395. Schwab. 220. Bayer, i, 929. 

Gi'^t s ni'gar m. \. Kellnerfrack, wie 
früher die Bauern auch trugen: cig. das 
Zeug reicht nicht völlig aus, weil die 
Ecken ausgeschnitten sind Steinbr. Horbg. 
2. kränklicher Mensch, Schwächling Ob- 
hergh. ~ Schweiz. 2, 71. Bayer, i, 864. 

Garafe, Garaf [Käräfa Wittenh.; 
Khrhf Hattst. bis Rothb.^ f. grosse Flasche 
mit zveitcm Bauche ; wird meist 7tur bei 
grossen Gastmählern oder am Messti 
in Gebrauch genommen K. Z. Han. 



GaR 



GeR 



229 — 



GeR 



Garantie [Käranti Banzenh. ; Käranti 
///. Stt. Du. ; Kärati Ä\ Z. Betschd7[ 

f. Bürgschaft , Sichcrstelbmg. — frz. 
garantie. 

garantiere" [kärontiero ///. Banzenh. 
Sil. Du. Bf.; käratiera /)//■.; käratiora A'., 
-tiera Z. ; -tiera yl/.j bürgeii ; für eine", ein*'™ 

g. g!tt stehn für. Ich gare"tier d'r deTür [ich 
versichere dir), '^ass de ke'n^" Pfenni? 
me*^' bckumms^ htgenh. 

garre", gerre" [kara Rchw. Betschä.~\ 
das r mit dem Zäpfchen aussprechen, frz. 
grasseyer. D'^r Sepp^l gerrt nit, d^r Uschcn 
{frz. Eugene) gerrt nit, nur d Mari® gerrt, 
wenn s'e Griesbäbb sä^t: dabei werden alle 
in dem Sätzchen vorkojnmenden r gegärrt 
Betschd. Syn. rcärze" ; röüle" Hürtigh.; 
risse" K. Z. 

Garrer, Garrere" einer, eine, die so 
sprechen Rchvo. hi Finstingen (Kreis 
Saarbtirg) dafür Knencv. — vgl. Schweiz. 
2, 399, Schwab. 221. Bayer, i, 929. 

Gari [Kari Ejtsish. ; Khäri Banzenh.'^ 
Koseform für Leodegar. — • Schweiz. 
2i 399- 

Garia [Karia Obhergh.^ m. männlicher 
Schamteil. - frz. caria Art schädlicher 
Holzzvurm ? 

Garott, Kar Ott /. eig. gelbe Rübe, 
nur in der Rda. 'Garotte zeihje anlügen 
Str. Ulrich. — frz. tirer des carottes. 

Gere" [Kera Wittenh. bis Lützelstn.; 
Kiara Zinsw. ; Kera Büst Wh. ; Ksera 
Lohr; Ker Dessenh7\ m. (f. Wittenh. 
Ohhergh.) I. eingesetzter Teil im Frauen- 
rock, zuweilen aus andrem Zeug, dann 
von der Schürze verdeckt: [en äla R^k es 
a Kera Wh^^ 2. Schoss (dies Wort nur 
im Kreis Weissenhtrg). Kumm, sitz m'r 
uf d^r G.! D Hand in de" G. leje" 
nichts arbeiten Str. Z. 'in sins wofen- 
rockes gere' Parz, 326, 35. 'David nam 
eine slinge und fünf steine in sinen geren' 
Chron. 268, 6. 'da kam ein hübsches 
kneblin gelofifen in iren geren' Pauli 344. 
'wer brennend kol in gören leit' Brant 
Narr. 33, 91. Geiler P. II 27. 'Eine 
Mutter kann ir Kind nit allwegen uff dem 
(jcrcn sitzen haben' Brös.l 21''. 'Kley- 
der Gehren sinus vestium, laciniae' Dasyp. 
'der Geren, die Schoss' Martin Coli. 147. 
'gehren Schoos' Klein. 'Wie bin ich als 
so gern uf ihre Cieere gsesse' Lustig I 
404. 'Gänsel, kumm here, Kumm uff" de 



Gehre' I/irtz Schk. 218. j. Seitenstück 
eines Fassbodens Ingw., s. Zss. Gere"- 
stück. ^. zugespitztes Ackerfeld, Acker- 
Eckstück, Waldstück ]B.'V11I 122. 'Moten- 
heimer geeren' Petri 372. 'Die Motcn- 
heimer Gehre, welche ein schönes Stück 
Waldung der Hart ausmachte' Miegi, 217. 
— Schweiz. 2, 400. Bayer, i, 930. Hess. 
124. EiFEL 225''. Zu ^ vgl. der Giehren 
ein spitzattslaufendes Feld Eifel. 

Muetergere" m. Schoss der Mutter. 
'Wie oft haesch of dim Muettergehre, Mit 
gfaltne Händler bätte lehre' Mangold 
Schk. 421. 

begehre" [pakära/(i;.y/' allg. ; pakaera Str. 
W.^ wollen, verlangen (mit folgendem Inf. 
bisweilen ohne zu) : er bege^'rt nix t^uen 
ist ein Faulpelz Hf. Er bege^'rt ke'"''" 
Streich ze schaffe" Ingenh. 'und begert ihn 
(den Stein) niemandt hinweg zu thun' 
Geiler Narr. 40. Fort b. eine andere 
Stelle verlangen Hlkr. Rda. (grob) : 
Vo" ®'"^me-n-Ochs kann m'^r kc'n Kalb- 
fleisch b. es Hess sich nicht anders von 
ihm erwarten. Sei"'* uier Buewe" o""*^ im 
Gsangverein ? U"sere" hai s'e nit bege''rt ab- 
gewiesen, nn^ ®r het doch e Stimm a's w'e e 
Stück Vi''^ Sulzern JB. V 132. Inf. substant. 
n. I. Bittschrift, Eingabe. 2. Wunsch, Ver- 
langen: ich hab ke'n Bege''re"s d^rnoch 
ich verlange nicht danach Hf. 

uf begehre" in heftigem Ton Ein- 
spruch oder Widerspruch erheben, sich 
etwas nicht gefallen lassen, aufbrausen, 
schelten, herazisf ordern. Er het mit m'r 
uf bege^^rt mich gescholten U. Uf b. wie 
e Nachtwächter, wie e Rohrspatz Str. 'un 
fangt an schrecklich ufbegehre' Frcelich 
Holzh. 16. 'Einer dcrvon hett üwwer . . . 
d' Lumperei . . . uffbegehrt Str. Wibble 
14. — Schweiz. 2, 403. 

Ufbege'^rereiy. Schelterei, Geschimpfe. 
Jetz' haw i bol'* g^nue^ mit dere-n-U. O. 

neugierig [neikirik O.; -kiri(;^) Str. 
W. ; neykiri K. Z.] Adj. netigierig. s. 
auch neüschi^rig. — Schweiz. 2, 403. 

Rachgi^r [Rä;>fkir /v'?//.] m. Rachgier, 
Zorn. D^r R. luegt '^m zue de-n-Aüge" 
usse. 

rachgi'^rig [rä^kirik Obbriick. Su. Du.; 
rä;Kklri;f Str. Dehli.'] Adj. geizig, über- 
mässig sparsam: s bli'^t ke'" Knecht bi 
'^^m N. ; er is* gar r., er gunnt i^ne" nix 
gibt schlechte Kost u. s. w. Dil. 



GeR 



GuR 



230 — 



GuR 



GaRD 



Gerung [Keriir| Steinb^ f. stumpfer 
Winkel, Werkzeug des Schreiners. Setz 
d G, a" ! — Schweiz, 2, 403 Geri"g. 

'Girri Girri Gingele, 's Kätzle hockt 
im VVingele' Spiel Mü. Mat. 47. 

f girren (von Flüssigkeiten, wie gortzen 
vom Essen) überladen sein, voll sein. 
Geiler S. M. 5. 

Giriks [Kiriks Wittenh., PL Kiriksa] 
m. Fischreiher. — Schweiz. 2, 403 Giriz 
Möwe oder Kiebitz. 

f'Girlitz Serinus Gyrlein' GoL. 318. 

Giris [Ki'ris Mü. Henfli7\ i. m. grosser 
Mensch. 2. Gen. G. spile" ein Kinder- 
spiel Stöber Mäder. 

Gurre, Gurr [Küra Attenschw. Hi. ; 
Kür Cl.^ f. I. alter Gatd ; verhasstes weib- 
liches Tier Hi. 'Gurren* Stuten Fisch. 
Garg. 203. 'Gurr und mehre equa' Dasyp. 
'Equa Merr Stüth Gurc' GoL. 298. 2. 
schlechte Weibsperson. E'n alti G. ein 
altes, verklatschendes und schimpfendes 
Weib. Das sin'^ zwo rechti Gurre" zwei 
recht ungezogene, liederliche Mädchen. 
'Gurre' Dirne: Protokoll der Pastoralakte 
zti Schwindratzheim vom Jahre i']']^, 
Seite 20. 'Gurr Strassenläuferijt Klein. 
'Haltsch 's Muul, du ungscheidts Ding, de 
reddsch jo wie e Gurr' Str. Wibble 56. 
— Schweiz. 2, 409. Schwab. 250. Bayer. 
t, 932. Hess. 141. 

jAckergurre Acker gatd. 'Ackergurren 
lasst man waiden ohne Zaun ; die köst- 
lichen stueten werden wol gehüetet' Geiler, 
s. Als. 1862/67, 133. 

fHerrengurr f. Dirne, 'er . . zünd 
nicht der Herrengurr Tais zu lieb Xerxis 
Königlichen Palast an' Fisch. Garg. 89. 

Schindgurre/./. Schindmähre. 'Schind- 
gurren haridelles' {Pferde) Martin Pari. 
A^. 452. 2. schlechtes Messer Mü. 

'gurren I Liebhaber aufsuchen Str. 
Ulrich. 

gurre "^ II [küro Mutzig~\ girren (von 
Tauben). — Schweiz. 2, 410. Bayer, i, 
932. vgl. Hess. 141. 

Gürli [Kyrli Roppenzw?^ m. Possen- 
re isser. — vgl. Schweiz. 2, 411 Gurri 
Schreckgestalt zu Silvester, Hutzguri weib- 
liche Fastnachtsmaske , welches letztere 
Wort von Unghür abgeleitet zvird. 

Gurasch, Ku rasch [Kyräs ///. Pfast. 
Su. Du. Bf. Str. Ilf; Kürää Sti. Du. 
Obhergh. Str. Hf.; Khyräs K. Ingenh.'] 
meist m. \ n. Hi. Mut (dies Wort ist 



I selten). Er het ke'"*" G. ist ein Feigling. 

\ Du mues' G. han fasse Mut! Aufforde- 

! rtmg auch bei Handelsleuten zu kaufen 

j und handeln. G. im Lib, im Ranze" han. 

Spöttisch: G. het er, awer er fö''cht, er 

troüt nit. D G. vo" «'"*me Schnider Str. 

\ — frz. couragc. Schweiz. 2, 400 Gu- 

raschi. 

guraschiert, kuraschiert [kürasiert 
Olti. bis Du. ; kyrasiert Katzent. Du. 
Bisch. Hf. Zinsw.; khyräsi^rt K. Ingenh^ 
Adj. mutig (dies Wort ist selten), uner- 
schrocken, herzhaft, tüchtig zugreifend. 
E guraschierti Frau eine Frau, die überall, 
selbst in Angelegenheiten, die eigentlich 
Männer betreffen, eingreifen kann. — 
Schweiz. 2, 409. 

Garb [Kärp Su. Du. Hf. Prinzh. ; Körp 
K Pfulgriesh. Ingenh. Ftirchhsn.; PI. 
KärwQ, Körwg] f. Getreidegarbe. — 
Schweiz. 2, 412. Bayer, i, 933. 

Fedderwassergarwe Tausendblatt, 
Fuchswadel, myriophyllum spicatum. 
KiRSCHL. I, 274. St. 

gerbe" [karwa fast allg. ; kacrwo Str. 
W. ; Part, karpt, kaerpt] /. gerben. 1" 
Barr gerbt m*r vi^l Leder Bf 2. prü- 
geln : de" Pelz, s Fell, d Hut, de'' A., d 
Hose" g., lederweich g. j. sich er- 
brechen : er het gegerbt wie e Gerwer- 
hund Stcinb. 'wann er sich gefült hat 
gleich wie dz fasz, speyct er gleich wie 
ein Gerberhundt' Geiler Narr. 16. ^. 
(Axt, Karst) anstählen, von neuem be- 
schlagen Gebersclizv. Du. K. Z. Betschd. 

— Schweiz. 2, 448. Bayer, i, 934. 

a b g e r b c " , d u r <= "^ g . du rchp rügcln O. 

— Schweiz. 2, 448. 

uf gerbe" aufstossen, ärgern: s gerbt 
i'im uf, ''ass er nit mit gedörft het Obbr. 

Bachgerber [Pä/karwar Hältst.'] m. 
Larve der Frühlingsßiege, Köcherfliege 
im Puppenzustand : d B. sin'' guet zuem 
Fische". 

Gard [Kart 6". und z. T. O.; Kart 
U. W.; PI. Kärta, Kärto] m. i. Grenz- 
aufseher. 2. Steueratif scher , bes. die 
Beamten für die Wirtsliccnz : d Garde" 
beza^'le" die Licenzgebühr entrichten. — 
frz. garde. 

Zss. Gardcbesch [Kartopes Felle ri^ 
m. Aufseher über Fischpacht, auch über 
Fabrikgewässer. — frz. garde-peche. 

Zss. Gardnachtigall, Gard'schnall 
f. Scherzname der ehemaligen garde natio- 



GaRD 



GuRG 



— 231 



GuRG — GäRN 



nale Sfr. 'zwei vun der Gard'schnall' 
Kettner Mais. 14. 

Gardepoliss Schutzmann Str. — frz. 
garde de policc. 

Gard^schass ;//. Jagdhüter Str. K. Z. 
— frz. garde-chasse. 

Bese"gard [Paesakärt Str7\ f. Über- 
name des Corps der Stras senkehre rinnen. 
'Die G'staltc, wie de Daa verkünde, Sin 
in d'r Stadt hie d' Bäsegard' Stosk. 59. 
D Könni^shöfner B. Spitzname der Be- 
wohner von Königshof en, wo wohl manche 
Stras senkehrer von Strassburg wohnen Str. 

Polizeigard