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Full text of "Wörterbuch der ostfriesischen Sprache"

Lf^ 



/■? 



WÖRTERBUCH 



DER 



OSTFEIESISCHEISr SPRi^CHE. 



ZWEITER BAND. 



WÖRTERBUCH 



DER 



OSTFRIESISCHEN SPRACHE. 



ETYMOLOGISCH BEARBEITET 



VON 



J. ten Doornkaat Koolman. 






V^ 



ZWEITER BAND. 
H — püt-water. 



NORDEN. 

YERLAG VON HERM. BRAAMS. 
18S2. 



PF 

Du 



DEUCK VON DIEDK. SOLTAU IN NORDEN. 



H. 



h. Ah Buchstabe vertritt er in der Bogcl liabbedudas , tüchtige Ohrfeige od. auch 

ein urspr. k, wird aber anlautend in vielen Stoss, Puff, Bippen stoss etc. ; du krigst glik 

Wörtern cdtgeworfen , loährend er anderer- 'n habbedudas , dat du afer de kop stufst. 

seits auch anlautend als unorganischer Hauch- Wohl = „Habe du das", 

laut sowohl im Schreiben, namentlich aber im 5 Habbo, ml. Name. Geschln. Habben u. 

Sprechen vielen Wörtern vorgesetzt u. be- Habbinga. cf. Abbo etc. ?/. bei Förste- 

kanntlich als Dehnungszeichen auch sehr mann auch den Stamm Hab. 

häufig inlautend eingeschoben u. auslautend liä-böken, s. hageböken. 

angehängt tvird. In vielen Wörtern , tvie liiich, ein iinarticulirter Laut, den man 

z. B. in was (Wachs), wassen (wachsen), 10 unwillkürlich in Folge körperlicher An- 

fos (Fuchs) etc. ist whd. „h", nhd. „ch", strengung aushaucht od. ausbläst, ausstösst 

urspr. „k" auch ganz ausgeworfen. , bz. ge- (hauchend od. keuchend hören lässt) u. der 

sclitounden. Weiteres ver gl. bei Grimm, Seh. eigentlich nur einen hörbaren Hauch bezeich- 

u. L. u. Andern loegen dieses Buchstabens. net u. nur etwas stärker ist, loie der Laut 

1, ha od. ha, das lat. grosse H, welches 15 „ha", den man ausstösst od. hören lässt, 
die Knaben in die Erde od. in den Sand toenn man an ein Fenster od. einen Spie- 
ritzen u. dann mit Pfennigen od. grösseren gel haucht. Es ist von nhd. ach, bz. den 
Geldstücken aus gewisser Entfernung auf InterJ. ach , ha etc. eigentlich nicht Ver- 
den Mittelstrich werfen. Derjenige von den schieden u. kann man hach soivohl als ein- 
Spielern, welcher sein Geldstück mitten auf 20 fachen Hauch od. Hauchlaut, wie auch 
den Strich od. am nächsten an denselben als iin willkürlichen S tos s seufz er bezeich- 
wirft u. somit Sieger in diesem Werfen ist, nen, ivie dieses hach denn auch dem mdartl. 
streicht das sämmtliche an den H-Strich ge- deutschen hacben (hauchen), satl. (Ehren- 
worfene Geld ein u. nennen die Knaben traut, IJ, 206) hächje (keuchen) u. nfries. 
daher dieses Spiel: an de „ha" smiten. 25 (Outzen) hache, h:ichpachen (kurz Athem 

2. ha od. ha (gedehnt), lia (schürf, ivie holen), bz. unserm häcli-pachen zu Grunde 
in ach), hä od. hä. Literjectionen, wie a, liegt. Ver gl. auch hess. (Vilmar) hech- 
ä, a, — he, (das e ivie in Hecht), he, — ho, zen (keuchen) u. nhd. ächz en etc. Die y 
hö, o etc., welche wohl von Hause aus iden- ist tcahrscheinl. kac' (sonare, s. unter 1 ha- 
tisch od. doch gleichen Ursprungs sind u. 30 gel) , da der Stamm hach wohl jedenfcdls 
wie diese in sehr verschiedener Bedtg. ge- von Hause aus ein unarticuliHes Geräusch 
braucht loerden; ha od. lux, dat kan 'k regt andeuten dürfte, bz. eine Schallwurzel ist. 
göd don ; — hä (ja, ja doch od. als Inter- cf. auch higen. 

jection der Ungeduld etc.).' kum du man Jiächeleii, hächeln ; /. q. acheln (gierig 

mit; — hä ! dat magst du wol; — hk(pfui).' 35 essen), scheint indessen nicht mit vorge- 

wat stinkd dat; — hä (pfui od. ach, als setztem Hauchlaut „h" davon gebildet, son- 

Seufzer) ! wat deid dat ser; — hä od. dem entweder aus haffeln (cf. hecht aiis 

he ! wat störmd dat, od. wat word mi dat heft od. haft u. hechten etc.) entstanden, 

stür; — hä od. hä (nein, nein doch etc., od. mit hess. (Vilmar) hsichen (gierig sein, 

als Abweisung — od. auch als Interj. der 40 in grober Weise sich habsüchtig bezeigen), 

Ungeduld od. des Verdrusses etc.), dar wil tihd. hacben (Grimm, Wb. , ico man in- 

'k niks fan hören; — hä! dat kanst du net; dessen aus dem angeführten Beispiel die 

— hä ! du dumkop, blif d'r of — od. raäk' eigentliche Bedtg. nicht ersieht) von dem 

dat du fürt kumst. Ver gl. Grimm, Wb., Subst. hache, hach (gieriger, habsüchtiger 

ha, he etc. 45 Mensch, od. sehr begieriges u. gef rassiges 

J. ten Doornkaat Eoolraan. Wörterbuch. II, \ 



HACÖELIK HACHELK 



tiAFEi^ 



Geschöpf etc., cf. Vilmar, hess. Idiot, 
142 seq.; Schmidt, icwäld. Idiot., 71; 
Seh in. baijr. Wb. , II, li^ u. iceiter im 
Gr i mm' sehen Wb. unter bache IJunger 
Bursche, od. Junger, rcagehahiger , kühner, 5 
leichtsinniger Mensch etc.], wo ein junger 
hach od. iuigk auch durch feroculus, auda- 
culus u-iedergegeben wird u. hache [als Fe- 
min.] auch die Bedtg.: Dirne, grobes od. 
leichtfertiges Frauenzimmer ete. hat) weiter- 10 
gebadet zu sein, wovon auch das AdJ. lu'ichig 
(gierig, habsüchtig etc.) entstand, was die- 
selbe Bedtg. wie unser happig fiat. Im nid. 
hat hach od. liag die Bedtg. : Gefahr, Wag- 
niss, ad. gefährliche Wagung (cf. bei Wei- 15 
land: de zaak in de hach [ud. hag] stel- 
len), wonach buche, liach , hag ursjjr. wohl 
ein Ftwa.'< i We.wn, (reschöpf, Ding etc. od. 
Zu.^tand, Sein, Verhalten etc. = Wage- 
Wesen od. Wage-Zustand, Wagen etc., bz. 20 
wagendes, kühnes, verwegenes , dreistes ete. 

— od. gewagtes, kühnes etc. Ftwas) bezeich- 
net haben könnte, icas aiuUix (beides, im gu- 
ten a, im bösen Sinn) ist u. demnach i)i 
hach od. hag ursjjr. die Bedtg. : aiidax od. 25 
auch ferox etc. lag, wie Ja auch die Be- 
griffe: kühn, gewagt, unüberlegt, wild, ver- 
wegen, leichtsinnig etc. sich nahe berühren. 

cf. hächelik, 1 u. 2 hächje etc. u. wegen 
des Stammes hach, hag unter hage, hagen, 30 
hangen etc. u. wie hangen auch in mancher 
Beziehung mit schweben od. sich hin 
u. her bewegen, schwenken (cf. y 
kak, vacillare; desiderare) begrifflich zusam- 
menfällt u. auch wagen mit wegen od. goth. 35 
vigan conncv ist, wie desgl. auch mit wie- 
gen =: hin u. her bewegen etc. 

hächelik , hächelk , gewagt, misslich, be- 
denklich, gefährlich etc.; de büdel is mi to 
hächelk, as dat ik mi d'r an wage; — dat 40 
is 'a hi'ichelken säk', um siik dar tüsken to 
steken; — dat sügt dar ferdömd hächelk üt; 

— de büdel steid hächelk (steht gefährlich 
od. auf der Kippe u. Spitze, sodass sie im 
Begriff ist, umzuschlagen u. zu stürzen, — 45 
od. auch : hinigt gerade in der Schwebe, so- 
dass es unsicher ist, wohin sie schlägt); — 

'n bächolkern kram (Entbindung etc.) as 
ditmül bed min frO nog net holden. Sprichw.: 
um 't elk un en fan pas to maken, un fan 50 
elk to bin bemind , dat sunt de bäcbellkste 
saken, de man in de werreld findt. — Xld. 
hachelijk. Es ist von nid. hach (s. unter 
hächelen) iceitergebildct. 

1. hächjp, hiichtje, Wagniss, gewagte u. 55 
unsichere Unternehmung , missliche od. be- 
denkliche n. gefährliche Sache etc. ; dat is 
jo 'n häclije (Wagniss, böse Aufgabe etc.), 
um dat antofaten un wer in 't like to bren- 
gen; — up sükke (solche) hächtjes (Wag- GO 



nisse, gewagte u. unsichere Unternehmungen 
etc.) dar lät ik mi net gern in. Dimin. von 
nid. hach (Wagniss etc.); s. M/j/er hächelen. 

2. hiiehje. liächtje, leichtsinniger, loser, 
wagehalsiger Mensch, Windbeutel, Spring- 
insfeld etc. ; up so 'u häcbje as he is , dar 
is net up to böen ; — be is 'u lös od. ligt 
hdchtje. — i\7(/. bacbje, hachtje (cf. bei 
ten Cate) = puer audax u. demnach mit 
dem veralteten buche (ef. Weigandu. un- 
ter hächelen) conne.r. 

3. hiiclije, häclitje^ Stück, Schnitt, Ab- 
schnitt etc. ; ik beb' liir nog so 'u möi hächje 
fles iu de molle, dat wul' 'k jo gern ferko- 
pen ; — — he is 'n früiul fun 'n göd hächtje 
(gutem Stück od. tüchtigem Bissen etc., seil. 
Fleisch, Speck, Brcden etc.) ; — he hed fan 
middag 'n göd häclije had. — Mit mnld. 
(KU.) buchte (incisio, incisura, frustum, pars 
scissa vel abscissa, toinus , pruesecta portio, 
crustum, frustum) v:ohl conne.c mit hakken. 

4. häclije, hächtje, Leben, Dasein, Blei- 
bendes, liest etc. ; he harr' 't hächje (od. 
hächtje) d'r hast bi sitten laten. — Nid. 
bacbje. Es bedeutet eigentlich wohl „Bro- 
cken" in der Bedtg. : „ UeberbleibseV od. 
„Abfall", sodass es mit 3 hächje von Hause 
aus identisch ist. 

häch-päciien, keuchen, sto.'^sweise schicer 
athmen etc. ; he ligd od. löpd to hächpächen 
od. blechen ; — he hächpächd gfik, weu he 
man äfen fei löpd. — Nd. (Schütz e) hach- 
puchen ; icang. hachpach; nd. (Br. Wb., 
Schütze etc.) hacbpachen =hannov. hcch- 
pusten. 

hädbär, *\ ädebär. 

Haddo, ml. Name = Hatto ; G eschin. U&d- 
dinga. cf. auch Heddo. 

hiider, s. herdor. 

hädin^, haadiiig Cofts., if. Stbg.) = afries. 
haved-ing, havd-iug (Häuptling, capitanus 
etc.) von haved etc. (Haupt, caput), cf. höfd. 

hafe, häf, Habe; a) Gut, Besitz, Besitz- 
thum etc., od. das was vian hat u. hält; 
min ganse häf un göd; — b) Griff etc.; 
cf. bandhafe, Handhabe, Handgriff'. — Nd., 
mnd. have ; nid. have; tnnld. have, haeve; 
afries. have, heve ; ahd. haba; mhd. habe 
(Habe, Eigenthum; Halt, Anhalt; Kerker, 
Speicher, Hafen, Meer; habitus, habitudo). 
Zu hebben, bz. heffen, heben, d. i. greifen, 
nehmen, fassen etc. , wie dies aus upheflfen 
(aufheben) etc. hervorgeht, sowie daraus, 
dass mhd. habe auch die Bedtg. „Meer" 
hat. cf. 1 hafen. 

hiifo, s. hefe. 

Iiiifel. s. befel. 

hafe-lös, habelos, besitzlos etc. 

1. hafeu, Hafen, Ort od. Bucht, wo Schiffe 
sicher u. geborgen liegen. — Nd., nid. haven; 



HAFEN 



HAPKE 



mnld. havene; ags. häfene; aen(jl. haven; 
an. höfn; dän. havn ; iniid. hahene. Dane- 
ben auch ahd. haba ; iiihd. halie (s. o. unter 
hafe) n. mhd. hap; md. hab (Hafen; Meer, 
Haff, cf. hef). Es bezeichnet das Ha- 
bende od. Haltende , od. auch das loas 
hält u.fasst, bz. den Ort zum Halten 
M. Bergen, tvie mhd. habe (^s-. anter hsife) 
auch die Bedtg.: Kerl: er u. Speicher 
hat u. dieses Wort sociel als Hab- od. 
Halt-Ding , bz. ein E t w a s was hält 
u. fasst etc. bedeutet. 

2. hafen, haben. i\^«j' m haadhafen, sonst 
hebben. 

liäfen, s. heften. 

1. hafer, Haber. Nur in inhafer (Inha- 
ber), tvofilr indessen auch mehr inhebber 
gebräuchlich ist. 

2. liafer, Haber, Hafer. Sprichw. : de 
pörde, de de hafor ferdonen , de krigen se 
seiden. — Nd., nid., schott. (mdartl.) haver; 
ahd. habaro, haparo, havoro ; an. hafri ; 
schived. hafre; dün. havre. Da das Wort 
Gerste od. hordeum (cf. garste) wahr- 
scheinl. zur y ghars (starren ivie Borsten, 
wegen seiner wie Borsten starrenden Gran- 
nen) gehört, so könnte das Wort hafer wohl 
%vegen seiner zitternden Rispen, die 
bei uns bifen (von ags. bifian, afries. biva, 
beben, zittern etc.) heissen, zu der y kap, 
kanip (zittern, vibriren etc., cf. Fiele, I, 
39) gehören, wozu auch skr. kampra (zit- 
ternd, beweglich etc.) u. capala (sich hin u. 
her beivegend, zitternd, schivankcnd etc.) ge- 
hören, ivie hafe u. hebben etc. zur y kap, 
greifen, fassen, halten. Gehört auch viel- 
leicht ags. häfr; an. hafr; lat. capra fiJocA', 
Ziege) zu derselben y kap, kamp (vibriren, 
zittern, trillern, vibrireiide Töne hören las- 
se)/), loeil die Ziege etc. „meckert" od. vi- 
brirend u. zitternd schreit u. das mhd. mecke 
(ds Spottname loohl im Sinn (cf. Wei- 
g a n d) von Ziegen bock steht u. dieses Wort 
anscheinend mit griech. mek in mekasthai 
(quäken, blocken, meckern etc., bz. schreien 
wie die Ziegen u. Lümmer etc.) u. lat. mic- 
cire (cf. bayr. niickeru, wiehern etc. bei 
Sc hm.) connex ist. 

liafere, havere, Havarie od. Avarie, d. i. 
Schaden an Schiff u. Ladung tvälirend einer 
Seereise; daher überhaupt: Seeschaden, 
od. auch (ganz allgemein): Schaden, Ver- 
lust, Unglück etc. od. Aufenthalt dadurch, 
dass Jemandem Etwas brach u. ivrack ivurde; 
dat schip is mit hafere binnen kamen; — 
he hed uuderwägens hafore had , darum is 
he güitern so lät to hüs kamen ; — he hod 
altid hafere (Schaden u. Aufenthalt) mit sin 
büdel, wen he underwägens is. — Nid. ha- 
verij, averij; mnld.- havereye, averye (jac- 



tura sive damnum in mari) ; mfläm. haverye 
(dasselbe) ; mnd. haferye ; dün. haveri ; 
schwed. hafveri; engl, average. Nach Die z 
(I, 89) soll das ital. , 2>ort. avaria; ■'<pcm. 
5 averia; franz. avarie von mnld., mnd. ha- 
verye, haferye stammen u. vergleicht man 
die Wörter: Büberei, Gasterei etc. von Bube, 
Ga-Ht etc., so wäre es auch sehr leicht mög- 
lich, dass dieses Wort in ühnlicher Weise 

10 von dem schon alten Worte haf (die hohe 
See, das Meer, cf. hef), weitergebildet wurde 
u. dann wörtl. mit See- er -ei übersetzt 
iverden müsste, wonach dann hafere urspr. 
soviel ivie „See-Betrieb , od. ein Etwas 

15 toas man auf der See betreibt u. thut, 
bz. dort oft vorkömmt u. nsus ist" bedeu- 
tet haben könnte u. dann später speciell 
auf die jetzige Bedtg. eingeengt u. be- 
schränkt loäre. Gestützt ivird dies noch 

20 dadurch , dass das Ueberbordiverfen von 
Waaren bei Sturm od. beim. Leckiverden 
der Schiffe sehr häufig vorkommt u. bekannt- 
lich ein so allgemeiner u. gewöhnlicher S ee- 
gebrauch ist, dass man kaum ein Wort 

25 darüber verliert, tvenn es geschieht. 

Wegen weiterer Erklärung dieses Wortes 
vergl. Grimm, Wb. unter Haf er ei u. Wei- 
teres unter Havarie, sowie bei Andern. 
hafer-görte , Habergrütze. 

30 hafei'-sak , Habersack , Futtersack. Da- 
von franz. havresak (Tornister). 

liafer-wellen , Haferschleim, od. Suppe 
von gekochter Hafergrütze, die vor dem Ge- 
nuss durchgeseiht wird. — Watig. haver- 

35 welling. 

haffel in gehaffel, Gehappe, rasches u. 
gieriges Hapyen od. Einhappen u. Ver- 
schlucken von Speisen. 
liaifelen, haffeln, freq. od. anhaltend u. 

40 rasch happen , rasch u. gierig essen «. 
schlucken etc.; he haffeld dat man all' so 
binnen ; — du must net altid so sitten to 
haffeln, dat sügt je net üt, as wen du din 
läfend net sat krigst ; — man kan d'r hast 

45 hei net tagen haffeln (schlucken). — Wfries. 
(Vrije Fries, III, 20i seq.) haffelje 
(kauen wie alte zahnlose Leute ; dem Munde 
keine Ruhe gönnen, viel u. unaufhörlich 
schwatzen) , haftelbek (Weib , deren Mund 

50 nie still steht, cdtes Schwatzmaul), haftelerij, 
gehaft'el (unaufhörliches Geschioätz etc.). Es 
ist freq. von happen, ivas loohl mit hobben 
u. heften (cf. loegen des „f, „b" = „p" 
unter hafen u. bedarfen) zu derselben y gehört. 

55 häng, s. hef lg. 

häfke, Habicht. - Nd. (Br. Wb.) ha- 
vik, haavk ; mnd. havik, liavek, liawik ; nid. 
havik; mnld. havick; tvfries. hauck ; nfries. 
(0 utze n) häfk, häfk ; dithm. hävk, hövk, 

60 iiövick; ags. hafok; engl, hawk ; an. haukr, 



HAFTEN 



4 



HAGEL 



hauks; schiccd liük ; (7ä/(. bog; ohcl. habub, 
bapub ; mhd. habccb, babicb, bäbocb. Wohl 
mit hobbig (greifig etc.) zu bebbeii, h:. ahd. 
haban (haben, halten etc., d. i. fassen, grei- 
fen). Vergl. dieserhalb auch Diez, II, 
132 unter gavilan (Sperber) u. Fick, III, 
63, der die Staiumforni babiga auch sur y 
hab = lat. cap stellt u. ba1)ic mit lot. capax 
vergleicht. 

haften, s. unter becbteu. 

lial'ti^, Endung von wärbafug (wahrhaf- 
tig, wahrhaft), cf. aftig, acbtig. 

Hage , der Flecken Hage bei Xordcn im 
Amt Berum. Sprichw.: in Hage, dar is niks 
as kuminer uu pbige! de uiks bed an kau 
niks krigen, de h"it man to Hag' ütblit'en. 
cf. H. Büttger, Diücesan- u. Gau-Gren- 
zen Norddeulschlands , pag. 180, wo dieser 
Ort, hz. dieaes Kirchdorf Hagba um 1420 
genannt loird. Die Bedtg. ivird dieselbe 
sein, wie von Haag, bz. Hagba (cf. Ostfries. 
Urkundenbuch con Dr. Fr i edlaende r, 
pag. 120), der Residenzstadt von Holland, 
nämlich: Ort in einem Hag, od. in einem 
dichten Gebüsch, bz. in einem e i n g e- 
eäunten Wald, Park, Gehege etc., 
da der Name jedenfalls icohl wie nfrics. bäg, 
Lage; an. bagi; schived. bage (eingehegter, 
eingezäunter Platz, Weide-Platz etc.) von 
ahd. hag (EinJiegung, Verzäunung ; dichtes 
Gebüsch; eingezäunter Wald etc.) weiterge- 
bildet wurde, ivie denn auch noch die Um- 
gebung von Hage sehr wahlreich ist u. die 
früheren Grafen von Ostfriesland in dem 
hart daran grenzenden Berum ein Jagd- 
scliloss u. einen Wildpark hatten. 

1. hage, Buhe, behaglicher, ruhiger Schlum- 
mer etc.; he geid na bage (zur Buhe, zu 
Bett); — he ligd iu hage (Ruhe, Friede, 
Bequcndichkeit etc.). — Mit 2 hage v. hage- 
lik wolil zu hagen od. vielleicht mit nd. (B r. 
Wb., II, 562, sub 4) häge (Schutz, Sicher- 
heit) u. 1 M. 2 häge zu ahd. bag; cf. 1 ii. 
2 hägen. 

2. hage, Freude, Vergnügen, Behagen etc. ; 
he hc'd so regt sin hage dar an. — Nd. 
(Br. Wb., II, 562; s. .sub 2) bäge; mhd. 
hage (Behagen, Wohlgefallen, Behaglichkeit). 
Wohl auch zu liagen. Vergl. indessen böge 
n. s. ivciter : 

3. liage, s. hage-türf. 

1. häge, hege, hegge, Hecke, lebendiger 
Zaun, Einfriedigung etc. — Nid. baag 
(Zaun) u. heg (Hecke); mnld. heggbe (du- 
mus, sentis, seiiticctum; sepes, sppimentura; 
cratis senticosa seu viniiuea) u. haeghe, haglie 
(sepes, sepimentum, septum), sowie hacgbc 
(domiis) ; mnd. hage (lebendiger Zaun, Zaun, 
Hecke) u. hege, hecb, lioge (Zaun, Einfrie- 
digung, Hecke; Gehölz, kleiner Wald; Ge- 



hege, [umzäunte] Wulinung : Schutz); ahd. 
bag (Einhegung, Verzäunung ; dichtes Ge- 
büsch: eingczäu)i(er Wald, Park) u. begga; 
vihd. begge, hecke (Hecke, Zaun etc.) ; ags. 
5 haga (Zaun, eingehegtes Feld, Garten, Vor- 
iverk) u. hege (Zaun, Hecke), gehäge (ein- 
gezäuntes Feld, Gartenland etc.); engl, bedge 
(Zaun etc.) ; schwed. bage (eingezäunter 
Platz, Viehweide) u. hägen (Umzäunung, 

10 Einfriedigung ; ScJiutz, Schirm etc.) etc. 

2. häge, hege, Hege, Hut, Schutz, Bc- 
UHihru)ig, Wartung etc.; he bed hnm sin 
god in häge (Bewahrung, Hut, Aufsicht etc.) 
im plage (Pflege) gäfen ; — he bi'd dat kind 

15 in häge un plägo iiamon ; — se bebben dar 
bi buni aliid güd hör häge uu plage bad 
(sie sind da bei ihm stets gut gehegt u. ver- 
pflegt). — Nd. (Br. Wb., II, 562, sub 4) 
häge (Schutz, Sicherheit etc.). Das Weitere 

20 s. unter hagen u. hägen, sowie 1 bäge. 

hago-böke. hägbök', Hage- od. Hainbuche. 

— Nid. liaagbeuk; )id. bagebüke, babOke; 
ahd. haganpuocha, haginbuocha; mhd. ha- 
gcnbuocbe . bagebuoclie , bagbuoche. Die 

25 Bedtg. ist: Hecken- od. Z au n - Buche u. 
ist hagan von ahd. hag (Einhegung , Ver- 
zäunung) weitergebildet. j 
hage-böken, Jitlgböken, haböken, hage- 1 
buchen, von der Hagebuche; du must sen, ^ 

30 of du wat hägböken (od. bäböken) holt to 
de möleakammen krigen kaust; flg. (von 
schwachem u. krüppelhuflem Wuchs, im Ge- 
gensatz zu dem der gewöhnlichen Buche 
entlehnt) krüpipelhuft, verkrüppelt, halbwüch- 

35 sig, schwach, unvollständig etc.; dat is mau 
so 'n hag — od. bäbökon büm od. kerel, 
jung' etc.; — he is man so bäböken (schwach, 
klein, verkrüppelt , halbwüchsig etc.) bläfeu; j 

— dat büs sügt so liäböken (unvollständig, f 
■40 nicht ordentlich od. so icie es sein soll, halb- 
fertig, icic von einem Pfuscher gemacht etc.) 

iit, as wen 't hei net ördindlik klär worden 
un ütböed is; — be is d'r so bäböken (wie 
ein Stümper od.ioie Jemand, dem die Hände 

4.5 verkehrt stehen u. der deshalb nichts recht 
maclien kann etc., bz. linkisch, unbeholfen 
etc.) bi dun , as of he sin läfend nog gen 
stük geredscbup in de band bad bed ; — dat 
sügt arbarmdlik bäböken (linkisch, dumm) 

üO üt, so as du dar bensteist to gapen. 

häge-knipcrko, Zaun- od. Heckenkönig, 
so benannt, weiter immer durch die Hecken, 
bz. dichtes Gebüsch u. Gestrüpp kriecht. 
1. liagol (sowohl collect., als auch vom 

55 einzelnen Hagelkorn u. dann mit dem Plur. 
hageis), Hagel; a) gefrorene Eiskörner od. 
einzelnes Eiskorn; — b) Bleischrot, Schrot 
zum Schicssen. — Nid., nd. hagel ; mnld. 
haeghel; afries. (Wiar da, pag. 187) heyl ; 

60 ivfrics. (Jap ix) heyl, Iieyle; nfries. hajcl ; 



HAGEL 



HAGEN 



wang. hil ; ags. hagal, hagol, haüul, hilgel ; 
engl, liail ; an. liagl; sckived., (Jan. ha gel; 
«h(l. hagal, hagel ; inhd. hagel (Hagel ; hihll. : 
Unglück, Verderben). Weitn gricch. cliä- 
laxa (Hagel), chalaxaö (hageln), Int. grando; 
lislav. gradu (Hagel) mit sl.r. hräfliiui (Un- 
toettcr) etc. ^(. goth. gretan (weinen, klagen 
etc.) zur y ghard, ghräd = slr. hräd, send. 
zräd (rauschen, rasseln elc, hz. sonarf, cf. 
greta etc.) gehört, die von ghar (sonaro, 
cf. grinen) loeitergchildet ist n. dazu rer- 
gleicht, dass grand n. grind zu grindan mit 
der Grdhdtg. : knirschen , knirschend zer- 
malmen a. zerreiben etc. gehören, so könnte 
auch hagel nebst gricch. kachlex (Steinchen, 
Kiesel, bz. Kies), kagchäs (Lacher) etc., Int. 
cachinnari etc. zu der ]/ kak = skr. kakk, 
kakh (lachen) od. zu (cf. Bopp) kac (so- 
nare), bz. zu der y kach, kancli (to bind ; 
to shiiie; to sound, cf. Benfeg u. unter 
hagen am Schlüsse) gehören, da wohl auch 
kak jedenfalls loie die y kark, krakati (tö- 
nten, lachen, krächzen) von goth. hlalijan 
(lachen), griech. klazö eklagon (schreien), 
klagge (sonus), lat. clangcre etc. (cf. Fick, 
I, 42) urspr. die Bedtg. sonare, od. einen 
unarticulirten Ton Jiören lassen, hatte u. 
tüonach denn auch hagel ein Etwas sein 
konnte, was rauschend od. rasselnd 
u. }) r a s sein d n ied erführt , od. ein G e- 
rüusch u. Gerassel etc. macht, ivie ja 
auch engl, hail ausser hageln die Bedtg.: 
brüllen, schreien etc. hat u. auch mnld., bz. 
afries. (KU.) hagghen (rixari) vielleicht die- 
ser y angehört, ivie desgl. auch das gleich- 
bedeutende mnd. (Seh. u. L.) hagen, hag- 
gen etc., engl, haggie. 

2. hagel in Janhagel; s. d. n. cf. Grimm, 
Wb. unter hagel sub 6. 

3. hagel, böse, verdri esslich etc., bz. mi.'^s- 
günstig u. verderblich gesinnt; he kikd so 
hagel (böse, grimmig, mürrisch etc.) iit, as 
de düfel ; — he is ferdomd hagel up ml; — 
he is mi not so hagel, as de düfel. Es ist 
wahrscheinl. vom, Subst. 1 hagel iii der bildl. 
Bedtg.: Verderben, Unglück etc. abgeleitet. 

hageldom, Hagedorn, d. i. Hecken- od. 
Zaun-Dom, von ahd. hag; s. unter hage- 
böke. 

hageldörnwifkes, die rothen Früchte des 
Hagedorns, aucli hägewibkes (s. d.) genannt. 

hageleil, hageln, hageln, graupeln.— Nid. 
hagelen ; nd. hageln; ufries. (J a p i x) hey\- 
jen; wang. hil; afries. (W i a r d a) heUja, ; 
ags. hagolan; engl, hail; ccn. hcgla; norio., 
schwed. hagla; dein, hagle. 

hagelik, hagelk, freudig, erfreulich, be- 
haglich, ruhig u. friedlich etc.; he kikd so 
regt hagelk ut ; — dat is 'n hagolken säke ; — 
de sünne schind so regt hagelk ; — wi sitten 



Inr so regt hagelk bi 'nander. — Afries. 
haglik; vd. (l)ähn e rt) häglig (ergötzlich, 
lustig). 

Ilageil, ;«/. Name; Hagena, Geschln. ; cf. 
5 Fö r s t c m a n n unter hag. 

hagen, angenehm sein, Vergnügen machen, 
behagen , angenehm berührt werden wovon, 
(sich) freuen, Freude machen od. haben u. 
emjifinden, sich mit Freude woran erinnern, 

10 sich behaglich, glücklich, ruhig u. zufrieden 
fühlen etc. ; dat lu'igde hum so regt, dat he 
dar so warm iin gud srt ; — dat liiigd hum 
net, dat lic" in hCis bllfen sal ; — de wchal 
sük hagen, wen he dat hörd, dat sin dogter 

15 'n liitjcn sdn aferwunnen hed ; — dat kan 
hum so regt hagen, wen 'n ander rninsk un- 
glük hcd; — dat hägd hum nog altkl (das 
macht ihm noch immer Freude, od. er denkt 
noch stets mit Freude daran), dat he forig 

20 jär bi uns tum besfik west ist; — he hägd 
sük dar so regt, war hü nu wand. Compos. 
be- u. mishagen. — Afries. hagia; satl. 
hägje; wfries. heagjen; nfries. hage; nid. 
hagen; nd. (Br. Wh., IT, 561), hägcn, ha- 

25 gen (freuen, cf. auch bögen u. pag. 562 
hagen, Belieben haben, gefallen) ; mnd. ha- 
gen; as. (bi) hagun (behagen etc.) ags. (cf. 
H. Leo, 113 serp unter hi'gan) hagian od. 
bagjan in on- u. gehagian ; ahd. (hagan) nur 

30 im Partie, kehagin u. mhd. hagen in ge- u. 
behagen. iJic Grdbdtg. dieses Vbms. ist 
(wie von 1 gaden u. h&to.n) eigcntUcJi : an- u. 
zu einander bcivcgen, rereinigen u. so bin- 
den, schliessen, fügen, passen, gut u. ge- 

35 schickt auskommen u. sein , recht sein, Be- 
hagen t(. Freude machen etc. u. gehört es 
mit an. haga (accommodare , ordinäre , bz. 
einrichten, anordnen etc. od. sich schicken, 
passen, geziemen etc., cf. hagar, es passt, 

40 ziemt etc.), hagr (Einrichtung , Lage, Stel- 
lung, Verhältniss; Vortheil, Nutzen; Billig- 
keit, Gebühr, Zukommniss etc., cf. auch gade 
etc. ?/. bäte), hagr , hög, hagt (passend, ge- 
schickt etc.) ; hoegr, hogr (leicht, beejucm, 

45 angenehm, erfreulich) , hoegri (dexter), hoe- 
g'md'i (Beeiuemlichkeit,Annehmlic}ikeit), hoegia. 
(moderare, mildern, beruhigen; fördern etc.), 
liog in höglifi (ruhiges, friedliches lieben), 
högligr (leicht u. beriuem zu behandeln) etc. ; 

50 isl. haga (concinnare, ordinäre), hagr (dexter, 
artiticiosus) etc. , sowie ahd. hag (Befrie- 
digimg , Einfriedigung, Ein- u. Umschlies- 
sung, Umzimnung, Ver zäunung ; dichtes ge- 
schlossenes Gebüsch; eingezäunter Wald, 

55 Hag, Gehege etc.), sowie unser 1 u. 2 hage 
u. 1 u. 2 häge u. hägen etc. (diese jedoch 
tvoJil nur als Weiterbildungen von hag) nebst 
allen den darunter angeführten Wörtern zu 
einer germ. ]/ hag = skr. kac, kanc (bin- 

60 den, fesseln, umbinden, gürten, cf. bei Bopp 



HAEGEN HEGEN 



6 



HAGE-TOERF 



y kac, binden etc. u. hei Fick, I, 36, y 
kak, bz. bei Ben fei/ y kach, kaüch) = 
»/</. kak (cinu'ore) ijeliören. 

Vergl. indessen Fick, der hixg (Verzäu- 
nung etc.) von kak (cingere), dagegen hagen 
(passen) von einer idg. }' kak = zend. ^ac 
Qyassen, geziemen) ableitet, die er zu idg. 
kak (genügen, hinreichen , im Stande sein) 
= skr. ^ak (vermögen, helfen etc. , cf. I, 
55) stellt. Da Jedoch die Bedtgn. : pausen, 
fügen de. Kohl auf die .^innl. Bedtg.: bin- 
den, schliessen , znsammcnmachen , vereini- 
gen etc. zurückgehen (cf. z. B. auch salig 
etc.), so dürfte die Ableitung i'on kak (bin- 
den etc.) Jüohl für beide Wörter beizube- 
halten sein. 

hägen, hegen, a) :äunen, he- ein-, um- 
zäunen od. he-, ein-, um-f riedigen ; de tun 
mut nes (aufs Neue) häjid worden ; — dat 
land is inhäud ; — b) liegen, pflegen, heicah- 
reii, hüten, warten, Hut u. Wartung ange- 
deihen las.-<en ; hv hed dat kind gud hilgd 
im plägd. — Nd. (B r. \Vb. etc.) Lägen; 
mnd. (Seh. u. L.) hegen, hegenen, lieien 
(umzäunen, befriedigen, einfriedigen; ein 
Wehr od. hech machen; schützen, unterhcä- 
ten, bewahren ; bergen, bei Seite legen, ret- 
ten, sparen; ein Gericht hegen, od. eigent- 
lich die unter freiem Himmel belegene Ge- 
richtsstätte einzäunen u. befriedigen) ; ahd. 
(hagjan, hakjan , hegjan) ; mhd. hegen (mit 
einer Umzäunung od. einem hag [s. tmter 
hagen am SchhissJ umgehen u. absperren u. 
dadurch .-sichern od. in SicJierheit u. Hut 
bringen; hegen, pflegen, bewahren); mnld. 
heghen , hegghen , heghenen , hegeneu (in- 
striiere, ornare, colere ; educare, servare, cu- 
stodire ; agere forum, Judicium, legitime cou- 
firmare: sfipirc dumetis et vepribus) , sowie 
haej'en (fovcre, colere) ; afries. heia ; ags. 
hegian (sepire etc.) ; an., isl. hegna (circura- 
sepire, aggere nuinire; coercere, castigare); 
schwed. hiigna (umzäunen, befriedigen ; schüt- 
zen, beschirmen , vcrtheidigen) etc. Vergl. 
weiter: nid. heinen (aus hegenen, cf. hain od. 
hein), zäunen od. cingere, cf. omheinen, cir- 
cumcingere od. umzäunen etc. u. sodann 
noch mhd. heien , heigen, ivachsen; pflan- 
zen; aufziehen, gross ziehen, liegen, schützen, 
pflegen ; ags. hegan (sepire, tueri), ivelch Letz- 
tere möglicherweise ebenso tvie hagen direct 
von der germ. ]/ hag (ligare) entstanden u. 
nicht wie hägen von dem Subst. hag. 

hager, mager, dünn, schmächtig, abge- 
zehrt, dürr etc.; hO is hager (od. mager) 
un klen as 'n bonenstolter. WcnJi man tat. 
macer (mager, klein, dünn) u. unser klen 
(klein) in der Bedtg. : mager, dünn etc. ver- 
gleicht u. dazu hält , dass mhd. krank die 
Bedtg. : schwach, dünn, schlank, schmächtig 



etc. u. gracilis hieben: sclilank, dünn, schmal 
etc. auch die Bedtg.: mager hatte, so i-4 
zunäcJist wohl anzuneJimeu , dass das erst 
spät mild, erscheinende hager mit liägel (fein, 
5 (lünn, zart) u. hagel in hagelgeschrei (fei- 
nes, dünnes Geschrei, cf. Grimm, Wh. IV, 
zweite Abth., Sjyalte 145 u. 146) vo)i Hause 
aus identisch ist u. sich der Begrifl^ graci- 
lis, bz. mager, dünn, schlank etc. aus der 

10 von: leicht, bequem etc. (cf. an. \\OQgv unter 
hagen) od. aus der von: gewandt, geschickt 
etc. des an. hagr fc/'. »»fry hagen) entwickelt 
hat. Möglicli ist es jedoch auch, dass es in 
der Weise von ahd. hag weitergebildet ist, 

15 bz. mit diesem u. ahd. liagan (Dorn, Dorn- 
busch, Vorhau) zusammenhängt, dass die 
mdartl. geiviss schon viel früher vorkommen- 
den Wörter lu'igel (fei)i, dünn etc.) u. hager 
(mager) beide urs2)r. die Bedtg. : dornig, 

20 scharf, .ipitz , .<itechend etc. hatten, wie ja 
eine feine dünne Stimme auch eine scharfe 
Stimme ist u. bei einem hagern Menschen 
das Gesicht, bz. Nase, Kinn etc. auch scharf 
u. spitz sind u. die Knochen bei hagern Ge- 

25 schöpfen auch scharf, spitz u. eckig vorra- 
gen od. hervorstehen. Vergl. auch tvegcn 
des Zusammen falls der Begrifl'e: spitz, 
scharf u. dürr das mnd. (Seh. u. L.) 
hage od. haghe in dem angeführten Beispiel : 

30 wen de vrost blaset, so werdet alle krudc 
ichte struke alse de haghe ichte scherpe des 
disteles , d. li. wohl so d ü r r loie die Dor- 
nen od. Schürfen, scharfen, stechenden Spit- 
zen etc. der Disteln, toelches Wort wohl eher 

35 mit hage (dumus etc.) identisch sein dürfte, 
als dass man annimmt, es sei mit vorgesetz- 
tem .,h" aus age, agen = ahd. agana, mhd. 
ageu (Spreu) entstanden. 
hjiger. hägerd, heger, hegerd, Heger od. 

40 Finer der liegt, bz. gut sorgt, hütet, beicahrt 
u. spart; daher auch: tüchtiger sorgsamer 
zuverlässiger fixer Mensch; 't is jo 'n hager 
od. hägerd fan 'n kerel ! dar kan man wat 
up stau laten. Sprichw. : up 'n heger (gu- 

45 ter Haushalter etc.) kumd 'n fleger (Bruder 
Leichtfuss). 

hüge-, hegge-spilen , Stöcke zum Dicht- 
machen einer Hecke. 
hage-törf od. hage, die über dem schivar- 

50 zen ti. schwersten Torf lagernde Schicht, 
ivelche den etwas leichten, vielfach mit Sten- 
geln von Gestrüpp u. Böhricht durchwach- 
senen u. dadurch einen, ein etwas rauhes, za- 
seriges u. struppiges Ansehen habenden 

55 Torf liefert; — wen ji 't mör ofbrunkt hebben, 
den k8nd ji erst de grisc, den de bunte, 
darup de spalte (od. splint) un den de hage 
(od. hagetiirt") der ofgrafcn , dat de swarte 
un beste türf gans up 't sent blil't. Dieses 

GO hage ist wohl eher mit mnd. hage (rubus, 



HAEGE-WIBKES 



HAKE HAK 



dumus etc.) u. ahd. hagan (Dorn , Dorn- 
busch, Verhmi etc., von ahd. hag , dichtes 
Gebüsch, G estr iijjj) etc., cf. unier Hage 
u. hagen etc.) als mit afries. hach (hoch, 
cf. hög u. bei Stbg. im Nachtrag, pag. 347) 
connex, zu welch letzterer Annahme die 
Lage dieser Torfschicht wenigstens keine 
Veranlas.'iung bietet. 

häge-wibkes, die rothen Fruchte des Ha- 
gedorns, cf. wibke u. jöpke. 

hägtas, «. äftas. 

lia-ha, ja-ja etc.; hä-liä, ach so! also! 
jawohl! ich verstehe etc.; \\'-A-\iä,,ncin-nein! 
cf. 2 ha etc. 

haie, hai od. hei, Hay, Hai/fisch. — Nid. 
haai; mnld. (KU.) haeye, haye; dän. hai; 
schwed. haj. Gehört dies Wort zu mnld. 
haeyen (exantlare, perpeti , perdurare), weil 
dieser Fisch so ausdauernd im Verfol- 
gen der Schiffe, bz. der Beute ist? 

Hayo , ml. Name ; Geschln. Hayung, 
Heyungs, Hayunga. Wegen früheren Vor- 
kommens dieses Namens cf. Dr. Fried- 
laender, ostfries. Urk.-Buch, Nr. 43. Da- 
von wohl auch (als Koseform) Hayko od. 
Heiko, soioie der ml. Name Heye statt Haye. 

1. hak, a) Schlag (ictus od. Hau, Stoss, 
Hieb, Stich etc. in Etivas hinein) mit einem 
scharfen u. spitzen Instrument (Hacke, Beil, 
Zinkenhacke etc.) od. auch Biss mit den 
Zähnen etc. ; he hed d'r 'n dügtigen hak in 
henin dän; man kan de sporeii d'r nog fan 
sen; — b) ab- od. aus-gehacktes, ab- od. 
ausgeschlagenes, ab- od. aus-gebissenes Et- 
was, Stück, Brocken, Bissen etc.; he hed 
d'r 'n dügtigen hak üthauen od. ütdän ; — 
c) (collect.) Gehacktes, Zerkleinertes, kleines 
Zeug ; fig. Geringes, Werthloses, Schlechtes, 
Gemeines etc. ; wi willen to fau middag 'n 
bitje hak (gehacktes Fleisch) kopen; — 't 
is emer kak (es ist nichts als Ge- od. Zer- 
hacktes, Zerkleinertes, bz. wie Kraut u. Bu- 
ben durcheinander gehacktes u. gemischtes 
Zeug); daher: hak un mak (Krethi u. Plethi, 
od. allerlei schlechtes Volk, Janhagel etc.) 
= nd. (Br. Wb., Schambach etc.) hak 
un mak, hackemak u. schwed. hackraat etc. 
— Nid. hak (Hieb, Schnitt, Hau etc.); mnd. 
(Seh. li. L.) hack (Gehacktes, Fricassee; 
gemeines Volk , Janhagel) ; schived. hack 
(Hieb, Hau etc.); engl, hack (Kerb, Ein- 
schnitt, Hieb) etc., cf. hau, bit, bat u. Wei- 
teres unter hakken. 

2. hak, s. 1 u. 2 hakke. 
hak, s. hake. 

hak-blok, Hack-, Hau-, Hobel-Block. 

hak-bred, Hackbrett. 

häkd, liekd, hakt, äkd etc., Hecht, Raub- 
fisch mit mehreren Reihen sehr scharfer 
rückwärtsgebogener, bz. gekrümmter od. ha- 



kenförmiger Zähne. — Nd. hekcd, hakt; 
innd. heket; mnld. (KU.) heket; as. haceth, 
heket ; ags. hacod, hiiced ; engl, hakot (Meer- 
hecht), haked (grosser Hecht); ahd. hachit, 
5 hechit; mhd. hechet. Wegen der gekrümm- 
ten od. hakenförmigen , bz. zinkenförmigen 
u. scharfen Zähne könnte der Name wohl 
mit Hake od. Hacke vom Stamm hak, 
hach loeitergebildet sein. Da indessen auch 

10 häkel (s. 1 häkel) ein Werkzeug mit schar- 
fen u. krummstehenden Spitzen ist u. dessen 
Stamm mit dem von Hecht noch besser 
stimmt, loie der von Hake u. Hacke, so 
dürfte es ivohl zweifellos sein , dass die 

15 Wörter Hecht u. Hechel beide von demsel- 
ben Stamm weitergebildet sind u. diesem die 
Bedtg. : spitz, scharf, stechend etc. zu Grunde 
liegt, worüber mehr unter häkel. Zur Be- 
stätigung dieser Annahme vergl. ausser mnd. 

20 hekele (Stichling = unserm stikelstag etc.) 
von hekel (Hechel) noch die Hechtnamen: 
schwed. gädda; dän. gjedde von an. gadd 
(Spitze, Stachel) ; engl, pike von pike (Spitze, 
Stachel, Dorn) u. franz. brechet von breche, 

25 bz. afranz. , pic. broc (Spitze, Spiess), wie 
desgl. auch franz. bequet (Schnabel ; Hecht) 
mit 2^^^^i^- l*6ca (Haken) von dem mit un- 
serm bek aus derselben Quelle stammenden 
prov. , franz. bec ; port. bico (Schnabel, 

30 Spitze). 

hake, liäk, Haken zum Einhaken u. Fest- 
halten od. ein zum Halten, Fassen u. Fangen 
eingerichtetes u. geeignetes Etwas, gekrümmte 
od. mit einem Widerhaken versehene Spitze 

35 etc.; dar sunt hei gin haken an to smiten, 
um dat to holden of to krigen; — he wet 
d'r nog wol 'n häk antoslän, um d'r fät an 
to krigen. — Nd., mnd. hake; nid. haak; 
nmld. (KU.) haeck (uncus, dens, hamus, 

40 manus; harpago, lupus; ansa); wfries. heacke; 
ags. hök ; engl, hook ; an. häki; schwed. hake; 
dän. hage; ahd. häco, hägo, hacco, haggo; 
mhd. hake, hacke u. haken (furca, uncus). 
Es wird im G r i m m ' sehen Wb. als ein 

45 Instrument zum Hängen gedeutet u. zu hä- 
han (hängen, cf. hangen) gestellt. Da in- 
dessen die Formen (u. zumcd die ngerm.) 
im Auslaut schlecht dazu stimmen u. beim 
Vergleich von lat. uncus, skr. anka, zend. 

50 aka (Haken, lUammer), griech. '■dgkos( Bucht), 
ags. anga, onga (Pfeilspitze, od. wohl Spitze 
mit Widerhaken) von ]/ ak , ank (biegen, 
krümmen etc., cf. angel u. anker) man auch 
bei hake eher an eine y mit der Bedtg. : 

55 biegen, krümmen etc. denken, bz. annehmen 
muss, dass das Wort hake urspr. ein ge- 
krümmtes u. gebog enes Etwas be- 
zeichnet hat, wofür auch die alten Sprichw. : 
waz werden wel ze häge, daz krümbe sich 

60 bi zite; — ez krumbet vruo, swaz z' einem 



HAEKEL IIEKEL 



8 



HAEKELEN HEKELEN 



haggen werden wil; — swaz z' eime haggen 
•werden sol, daz krümbet sich vil vrüeje — 
w. das spät. )nh(l. Vbm. hachen (kriimmeii, 
beuge») sprechen, .so darf man nach ags. 
hök, engl, hök u. unser m hük (Angel, Thür- 
angel ; Ecke, Winkel, Kriiminung, Biegung 
etc.) wohl eher annehmen, da.-<s hiico mit nhd. 
hocken (kauern, sich in gekrümmter Stel- 
hing niederlegen , bücken etc.) u. unserm 
huke, sowie lat. qiiec (dem Stamm von con- 
quexi, couquiiiisco) u. coxim, bz. den Wijr- 
tern h6g u. an. hauga (Hügel), lit. kaukas 
(Beide) etc. von einer aus y kak (binden, 
gürten, umgürten, hz. circuniciugcro od. rund 
it. in einem Bogen amziclien, cf. hatten) oit- 
standenen ]' kuk, kvak (wölben, krümmen) 
= germ. huu' (cf. huko, hük, bz. hocken etc. 
von huii, icic bocken u. bücken, bz. buk, 
bukken von gcrin. }' bug) stammt, od. gleich- 
falls zur y kak gehört, wie auch Fick (cf. 
I, 3G seq.) skr. cakra (Bad, Kreis) mit 
griech. ki'iklos (Rad, Kreis) u. unserm wOl 
zu kak stellt ? cf. auch 1 häkel u. 1 n. 2 
hakke u. l'oit, Wurzehvb. III, l.'Jl). 

1. häkel, hekel u. auch hokel, Hechel, 
Werkzeug mit krummstehenden Spitzen zum 
Reinigen von Flachs, Wolle etc.; dör de 
hiikel trekken od. haleu (durch die Hechel 
ziehen, durchhecheln ; fig.: Jemanden scharf 
mitnehmen). — Nd. hiikel, hekel ; mnd. he- 
kele; nid. hekel; mnld. (KU.) haeckel, he- 
kel (ferreus hanius, ferreiis pocten , instrii- 
mentum, quo Jinum pectitur); wfries.h.\c'kQ\, 
haeckel (s. n)iter häkelen), od. (nacli at- 
zen s. unter hägel) hekel; wang. (Fh ren- 
traut, I, 'j7ä) hitsel (wegen ts = k (/. 
britsen) ; nfries. (0 utze n) hagel , hägel ; 
ahd., mhd. hachole, hechele; engl, hatchel 
u. hackle; schwed. häckla; dän. heglc ; norw. 
hekla. Der Stamm, bz. die germ. y hak 
von häkel hat die Bedtg. : hauen, schlagen, 
schneiden, spalten, stossen, stechen (cf. die 
Wurzeln 1 w. 2 bhar bei Fick u. unter 
bar, bör) u. gehört häkel als Gerüth mit 
scharfen Spitzen , bz. Zinken od. auch cüs 
stachlichtes Etwas, Ding ivas Stacheln hat 
(cf. mnd. hekele, Stichling u. nhd. Hau- 
Hechel) Jedenfalls mit 1 bakke zu einem 
Vbm.: ahd. hachan, licchan etc. od. viel- 
leicht hachjan mit der Bcdtg.: hacken, hauen, 
schlagen, stossen, stechen etc., tvas allerdings 
ahd. nicht belegt ist, indessen im Vergleich 
von ahd. hekjan, mhd. hegen aus ahd. hag- 
jan u. nach mhd. huchelen (hccitebi , cf. 1 
häkelen) etc. mit africs. hakia (liak-ja) od. 
hackia (in tohackia, zerhacken), ags. liaccan ; 
andul. hecchan ; mhd. liecken u. hacken 
(hacken, hauen, stechen etc.) identisch />< u. 
dessen ursjir. hoehd. „ch" zu unserm ngcrm. 
„k" sich ebenso verhält, ivie in ahd. machün 



= as. macon, afries. raakia (mak-ja), ags 
macian (mac-jan) u. unserm maken. Wei- 
teres vergl. daher unter 1 hak, hakken u. 
hikken u. dazu auch die folgenden Wörter: 
5 2. häkol, hekpl . Häkel, Häkelnadel, 
Werkzeug mit gekrümmter Spitze zum hä- 
keln. Di min. von hake od. aus häkele ge- 
kürzt u. dann von häkelen u. 2 häkelen. 

3. häkel, hekel, Abscheu, Hass etc.; so 
10 hed 'n häkel up hum. Wohl mit vorge- 
setztem „li" vom Subst. äkel ; (/. weiter: 

4. häkel, hekel, a) wählerisch, zart, ge- 
reizt, leicht verwundet u. verletzt, empfind- 
lich etc. ; he is häkel up 't äten ; — he is 

15 so häkol, dat man hum hei uet ankamen 
dürd ; — b) heikel, gefährlich, bedenklich 
etc. ; dat is 'n häkeln od. heikein säk, um 
dar in to gripeu; — c) stechend od. scharf 
n. spdz, leicht ritzend u. verwundend etc.; 

20 dat is sük (solch) häkel güd, dat man "t hei 
nt't antaten kan, an sük to stäken, of to li- 
tcn. — In der ersten u. zweiten Bcdtg. mit 
nhd. (G rimm, Wb. IV, lol) häckel, hackcl, 
bz. hekel, hechel u. auch heikel mit vorge- 

25 sctztem „h" von äkel. In der dritten in- 
dessen vielleicht von dem Subst. 1 häkel, bz. 
von 1 häkelen (hecheln), od. dem afries. ha- 
kia (hacken, hauen, stechen), cf. anter 1 
häkel. 

30 1. häkele, hekele, Hechelei, Schimpferei, 
Streit )nit bösen ?/. scharfen Worten, wo 
man einen Andern scJdecht zu machen sacht 1 
u. ihn (od. Etivas) einer scharfen Kritik I 
unterzieht; he hed altid so fOl häkeleen bi 

35 d' enn', dat man siik d'r hast net für waren 
kan, um ^en stnd mit hum to krigen ; — 
wat heb' ji altid für häkele un kakele mit 
'nandcr? Zu 1 häkelen. 

2. häkele, hekele, Häkelei, Häkelarbeit; 

40 leg' de häkele bi d' sid uu gä lefer bi 't 
neion. 

häkelen, hakein, mit hakender Bewegung 
fassen, häkeln, nesteln, mit Haken verbin- 
den etc.; he hakeld dat in 'nander; — dat 

45 is in 'nander fast hakeld. Freq. von haken ; 
cf. 2 häkelen. 

1. häkelen. hekelen, liäkeln etc., hecheln, 
durch die Hechel ziehen, z. II. Flachs, Wolle 
etc., um es zu- reinigen; dat flas mut nog 

50 hakeld worden; fig. scharf mitneinnen etc.; 
se hebben hum ördeiidlik dör hakeld. -- 
Mhd. hachelen, hecholeii ; nid. hekelen; 
mnld. (KU.) haeckelen, hekelen (carminare, 
pecterc linum etc.); icfries. (J ap i r) \nckQ\- 

55 Jen, haeckeljen ; wang. liitselje; schived. häkla. 
Zu 1 häkel. 

2. häkelen, liekelen, häkeln etc., häkeln, 
Häkelarbeit maclien ; se liäkeld 'n däken; 
— du sehnst (schuldst, solltest) lefer din 

00 breiden (Stricken, Strickarbeit) krigen, as 



IIAEKELER 



PIAKEN 



dat du altid sitst to häkeln. — Zu 2 liillcel 
u. soviel als mit der Jläkcl-Nadcl arbeiten, 
od. eigentlich icohl identisch mit hakeleii, 
häkeln, nesteln etc., wie nhd. (Grimm, Wh. 
IV, 180) häkeln. 

Jläkeler, Einer der gern streitet, hz. stets 
Etwas zu tadeln od. mäkeln hat; Zü)iker, 
Störenfried etc. ; häkelers un käkclcrs de 
hören bi 'uander in en buk. — Nd. (Schnrn- 
haeh) haekclaer. Entweder zu 1 häkeln 
od. connex mit nhd. häkeln (tadeln etc.), 
cf. Grimm Wb., IV, 180, häkeln sub 4. 

liäkelig, häkelg, liäkelk, häklich, heik- 
lich, bedenklich etc. : dat is 'n häkelken süke 
etc. Zu 4 häkel. 

liakel-wark, ein Zaun (od. Stucket, Git- 
ter etc.) von kreuzweise gestreckten Stöcken 
od. Stangen, zicischen denen Dor)ienreisig 
gesteckt ist. — Nd. {Bäh n ert) hakelwark; 
mnd. hakelwerk ; md. hachllwerc, hachel- 
werc, hakilwerc (subur'biuni, Ausscinccrke 
eines befestigten Platzes); uintd. (KU.) he- 
kel- , hae.ckd-werck (sepimentum, palatio). 
Es loird im Grimm'' sehen Wb. (IV, 10:2) 
zu hag u. hecke (cf. hage, häge) gestellt. 
Da indessen die Formen liakel, hachel, hakil 
dazu in keiner Weise stimmen u. das Wort 
mantel bei uns nicht allein in der Bedtg. : 
T u c h m a ntel, sondern in der allgemei- 
nen Bedtg. : S chutz - od. S c h i rm-D i n g 
gebraucht wird u. wir auch, eine lebendige 
Hecke, einen schützenden Zaun, eine Wand 
von Holz, od. eine schützende u. den Wi)id 
abhaltende Baumreihe etc. cds mantel be- 
zeichnen, so glaube ich eher, dass hakelwark 
soviel ah 31 ante l- od. S chutz- Werk ist 
ti. mit goth. hakuls; ags. hacele; afries. 
(Hettema) hexil (Geivand, Tuch etc.); an. 
hökull ; ahd. hachul; mhd. hacht-l (Mantel, 
Kappe, Hülle etc.) ; an. hekla (Mantel mit 
einer Kapuze u. Name des Vulkans Hekla, 
als des mit einer Sclmeekoppe bedeckten 
Berges); isl. hekla (chlamys, tunica brevis, 
Pallium; cucullus), hökull (thorax, epiditis 
sacerdotis, planeta, casula etc.) etc. zusam- 
mcnhängt, tvas Fick zu kslav. koza (Fell, 
Haut) u. dieses zu koza (Ziege), ags. hecen 
(junge Ziege) stellt, bz. davon ableitet u. 
dann dieses wieder mit hinken zu einer y 
kag, kang (hinken, cf. hinken) stellt, icas 
jedenfalls, sofern nicht hinken u. auch koza 
(Ziege, Bock) auf der Bedtg.: stosseii 
(stossend u. stockend gehen), bz. auf der 
Grdbdtg. : Stoss, Vorbeicegung, SiicJi, Hau, 
Schlag etc. (cf. hak u. hakken von ]/ cag) 
od. auf der von: biegen, krümmen ((f. buk 
etc.) beruht u. auch ags. hecen (Ziege od. 
Bock, Böcklein) cds stos s ende avfgefasst 
ist (loo denn Icoza ein Ziege nf eil bedeutet 
haben u. hakel loieder von diesem in der 



Bedtg.: Fell, Haut, Bedeckung abgeleitet 
sein müssle) , eine wunderliche Zusammen- 
stellung ist, da hakel (cf. nd. hukel-berend 
= Mantel-Träger, als Name von Wodan) 
5 lüohl jedenfalls eine germ. y liak voraussetzt, 
ivelche die Bedtg. : decken, schützen 
hatte, deren Bedtg. aber (cf. ]/ pa, pi, grei- 
fen, fassen, halten, retten, schützen etc.) xvohl 
aus greifen, halten, haften hervor- 

10 ging u. somit ein Denominativ von haka 
(Haken, Klammer od. Greifding) sein könnte. 
Man kann aber dann ags. hacele, bz. dessen 
Thema hakala od. hakara seihst auch cds 
eine Weiterbildung von haka (Haken od. 

15 Klammer etc.) ansehen u. als Haken- 
Ding od. hakendes Etioas, bz. cds ein 
Etwas (Ding od. Wesen) deuten, was man 
an-, vor- od. umhakt, bz. ivas sich Einem 
anhakt, a}iklammert etc. u. ein Etwas schüt- 

20 zend umgiebt. Will man übrigens hakel in 
hakelwark nicht mit ags. hacele (Mantel etc.) 
idoäificiren, so ka)in man es auch mit ha- 
kein (häkeln, nesteln etc., bz. mit einander 
verbinden u. aneinander festmachen etc., cf. 

25 hakelen) von hake ableiten, weil es jeden- 
fcdls ein in einander gehäkeltes Etioas ist 
od. ein Werk bezeichnet , loas „in 'nander 
hakcld* ist, wie in gleicher Weise auch die 
Glieder einer Kette in 'ander hakeld od. 

30 schakeld werden. H. Leo (s. pag. 582) 
vergleicht ags. hacele zu skr. cakala, was 
ausser pars , portio , frustum etc. auch die 
Bedtg. cutis (cf. Benfeg) hcd, loas indes- 
sen lautlich loegen des inlautenden „k" nicht 

35 stimmt u. tvoJil auf eine y (;:ik mit der 
urspr. Bedtg: spcdten,reissen, theilen, schnei- 
den etc. u. so ab-, zutheilen , geben etc. (cf. 
y ^ak, 9ank bei Ben feg etc. u zend. (^ak, 
gebot etc. bei Justi) zurückgeht , loo dann 

40 aus der Bedtg.: spalten, reissen etc., bz. scin- 
dero, abscindere etc. auch die Bedtg. : abgeris- 
senes, gebrochenes Etioas, bz. abgerissenes u. 
abgezogenes Fell (cf. an. skinn , engl, skin 
u. unser schinne, sowie an. skyrta , Hemd 

45 etc. = unserm schört, nhd. Schurz, tvas 
vielleicht mit unserm schüren, reissen, spcd- 
ten etc., od. wie nhd. Schur mit skera, schee- 
ren, schneiden etc. [cf. an. skur-god, ge- 
schnittenes Götzenbild] zusammenhängt), ab- 

50 gezogene leere Haut etc. hervorging u. wo 
ja hacele als Mantel, Bedeckung, Schurz 
etc. urspr. auch nur eine blosse leere Haut, 
od. ein abgezogenes u. gebrochenes Fell be- 
deutet haben kann u. dann, mit 1 hak u. 

55 hakken zur selben ]/ rag (pulsare, occidere 
etc.) zu stellen sein würde , ivozu es laut- 
lich jedenfalls besser stimmt cds zu ^akala. 
1. haken (hake, hakst, häkd etc.; — 
häkde; — hed od. is häkd), haken, mittelst 

GO Haken od. Klammern befestigen; fassen, 



HAKEN 



10 



HAKKEN 



greifen etc. ; he häkd dat fast ; — dat lu\kd 
net göd in 'ander ; — hö häkde mit sin schi)- 
fels in hör kled. cf. anhaken, fasthaken, fer- 
hakeu, inhakcu, iimhaken, uphaken etc. Zu 
hake. 

2. haken (Bor'kum),(jrahcu, hacJccn, um- 
hackcn etc. — Nid. ii. iiuid. haken. Neben- 
form von hakken. 

haken - schön, toenn ein gcschlacläetes 
Thicr rein i<. ausgeweidet u. abgehahjt am 
Haken od. (von Schweinen) an der Leiter 
hängt, so nennen wir es liakenschön (cf. 
schon = rein, sauber etc.): dat swtn wog 
hakenschön 506 pnnd; — ßg. auch: navJct, 
bloss, arm etc.; so hebben hum hakenscliön 
üttrnkken od. makd. 

hak- od. hakkeliies, Hackfleisch, gc- od. 
zerhacktes Fleisch. 

hak-liaue, eine Ha u c od. Hacke zum 
Behacken des Bodens. 

hak-liorn. Dimin. hakhörntje. Schuhan- 
zieher von Hörn, u-elchni man zu diesem 
Behuf' hinter die Jlackoi in den ScJiuh 
steckt. 

1. hakke, hakk, hak, Hacke, Haue, Karst 
etc. od. Werkzeug zum Hacken : s^if nii de 
hakke od. hak äfen her, ik wil (Uit äfen lös- 
hakkeu. — Nid. hak; mnld. hacke (securis, 
ascia) ; nd. (Dähnert) hakke; ndid. hacke 
(Hacke, Axt) ; engl. hack. Zu hakken. Da- 
von (Diez, I, ß) : ital. accia, a/za ; span. 
hacha; port. facha, acha; prov. ache: franz. 
hache (Axt, Beil) ; Vbm. : ital. acciare, frans. 
hacher (klein hacken). 

2. hakke, hakk, hak, a) Hacke, Ferse; 
ik se hum lefer de hakken as de tönen (Ze- 
hen) ; — fan hakken to nakken ; — en up 
de hakken sitten (J emandem auf den Fer- 
sen sitzen, Hin hart verfolgen) ; — b) Sciiuh- 
od. Stiefelabsatz unter dot Fersen; he dragt 
sükke (solche) hoije hakken; — he haud mit 
de hak in de diile; — he stampd dat mit 
de hakken fast ; — c) Fersentheil des 
Strumpfes; ik heb' de hascn al bit an de 
hakken klär. — Nid. hak; mnld., bz. sächs., 
fries. hacke; )id. hakke. Beim Vcrgl. von 
lat. calx mit calcare, könnte auch dieses 
Wort )nit 1 hakke zu hakken (hauen, schla- 
gen, stossen etc.) gehören u. die Ferse (cf. 
auch griech. lax [aus klax = calx?], läktis, 
laktizö) als ein stossendcs, stamj/fcndes Et- 
was aufgefasst sein, obschon es, da calx 
schwerlich von calcare abgeleitet ist, auch 
möglich wäre , dass hakke (Fei-.'^e, Absatz) 
nun mit hakken von derselben y stammt. 
Vergl. auch hile (Ferse), welches icuhr- 
scheinl. mit calx von der y kal (schlagen, 
stossen, stampfen etc.) stammt. 

hakke-biter, hakkenhiter, kleiner Hund 
der wegen seiner geringen Grösse einem 



Menschen od. Thier lediglich in die Fersen 
beissen kann. 
hakkel-blok, Hackblock. 
jiakkele, Gehacke, Hackerei. 
5 1. hakkelen, hakkeln. frcq. hacken; he 
hakkeld dat kört un klen. — Wfries. hackel- 
jen. Davon: hakkeimest, Hackmesser. 

2. hakkelen. hakkeln. Jemandem im Win- 
ter beim Schlittschuhlaufen od. beim Fahren 

10 mit dem Schnceschlitten von hinten auf die 
Fersen laufen od. fahren u. ihn dadurch 
beschädigen; daher Warnioigsruf eiliger 
Schlittschuhläufer etc. : ik hakkel di! — ik 
hakkel di, wenn sie Gefahr laufen, den vor 

15 ihnen Gehenden auf die Fersen od. Ha- 
cken zu rennen. 

hakkel-HeS, Hackfleisch, gehacktes Fleisch ; 
hakkeltles is dür. Diese Bedensart wird 
auch in Bezug auf 2 hakkelen gebraucht, 

20 wenn Jemand einem Andern muthwillig auf 
die Hacken od. Fersen fährt u. ihn da- 
durch zu Fall u. Schaden bringt u. ihm 
dafür S(hadenerS((tz leistoi ntuss. 
Iiakkel-niest, Hackmesser. 

25 hakken, hacken, hauen, .schlagen, bicken, 
stossen, stechen, beissen, zerhacken, zerklei- 
nern etc.; he hakd d'r mit ^t mest (od. de 
bil, de beitel, de hakker, de spii [Spaten], 
de snabel, de tanden etc.) in; — he hakde 

30 dat göd all' kört un klen; — de erde od. 
gruud hakken, bz. umhakken; — kertuffels 
un köl hakken (a. sie zerhacken u. zerklei- 
nern; — b. die Erde um die Pflanzen herum- 
hacken II. losmachen ; de kertuft'els mutten 

35 hakd od. anhakd worden) ; — du kaust ua 
't land gan un hakknn de grund um; — 
plaggen hakken od. stäken ; — fies od. holt 
etc. hakken ; — hö hakd altid up hum lob 
(nicht allein vom loirklichen hacken u. hauen, 

40 sondern auch fig. in dem Sinn gebraucht, 
dass ein he einen hum scharf tadelt od. ihn 
ausscltilt II. auszankt, wie denn auch hik- 
hakken in der Bedtg. : streiten, keifen, zan- 
ken etc. gebraucht wird). Sjjrichw. : de göd 

45 hakd, de göd kakd, d. h., wer gut hackt od. 
kaut n. zerkleinert, der hat auch guten 
Stuhlgang. — Compos.: au-, be-, in-, of-, 
um-, up-hakken etc. — Afries. hakia, hackia 
in tohakia, d. i. io\\i]i'yx (zerhacken) ; wang. 

50 bäk; satl. häkje; wfries. haekjeu; nd., nid. 
hakken; 7nnd., mnld. hacken; ahd. hakjan 
(od. ursjir. richtiger wohl hachjan, hachan, 
nach maken [= ahd. machön etc ] , haksei 
u. hakken [=^ ahd. pachan] zu rechnen); 

55 mhd. hacken (hacken) u. amhd. hecchen ; 
mhd. hecken, Prätcr. hacte (hacken, hauen, 
stechen etc.); ags. haccan ; engl, hack; 
schwed. hacka; dän. hakke. Fs gehört 
wahrscheinl. zur y (Bopp) cag' (pulsare, 

60 ferire, occidere), od. (Benfey) chagh (to 



IIAKKER 



11 



HAL-AFER HAL-OEFER 



kill), ivclche Fick nach caks (sehen) = 
caks' od. cliaksh zu nrtheilen cag sehreiben 
loiXrdc 11. iirspr. (cf. caks od. chaksh ans 
kar = zcnd. kag) wohl kag od. kak, b.r. 
skak, skag (cf. unter 2 kake, kakeln, kak- 
ken n. auch unter 1 kaken am Schlüsse 
etc., ivonach auch tvohl hakken mit hikken, 
kikken otc. zu einer Schallwurzcl kak od. 
skak gehört) gelautet hat. Ob auch zend. 
y cag (zntheilen, abtheilen, zugeben, gewäh- 
ren etc.) hienut iderüisch ist u. deren Bedtg. 
(cf. (lel, fielen u. ags. brytta, Spender etc., 
bryttiaii, brytiiian, spenden, austheilen, ver- 
leihen etc. von breotan, brechen, zerbrechen, 
spalten, erschlagen, tödten etc. unter bret, 
brot etc.) ursp)r. : spalten, hauen, schneiden, 
theilen etc. loar? Möglich ist dies wenig- 
stens .sehr gut, da geben, geioäh r e n etc. 
jedenfalls nicht die primitive n. sinnl. Bedtg. 
dieser ]/ ist. 

liakker, a) Person die hacTct; — b) Ding 
od. Werkzeug womit man Etioas hackt. — 
Compos. kertuffelhakker, fleshakker etc. 

liak-lßi', Hackenleder, Fersen- od. Ab- 
satz-Leder, Hinterleder. 

Iiak-mest, Hackmesser. 

hak-säne, liaksene, die Hacken- od. Fer- 
sensehne, bz. diejenige .starke Sehne od. 
Spannader, welche sich hinten von der Ferse 
bis durch die Kniekehle am Bein hinauf- 
sieht, iveshalb denn auch unter haksäne bei 
den Pferden die Kniekeldensehne verstan- 
den wird ; — de düfels hebben fan nagt min 
perde de haksänen dörsuäden, so dat mi nu 
anders niks afer blift, as de arme deren dOd- 
stäken to laten. 

haksei , Gehacktes , Zerhacktes , Zerklei- 
nertes ; Häcksel von Stroh, Heu etc., Häcker- 
ling. — Nid. haksei; nd. hakkels; mnd. 
hackeise. 

haksel-kiste, haksel-kipe, haksel-mone, 
Häckselkiste , Häckselbehälter, Futterkiste. 

haksel-Iade, hakselläe, haksella, Lade 
od. Trog mit Schneidevorrichtung , um da- 
mit Häckerling zu schneiden. 

hakster, Frauensperson die hackt, Ha- 
ckerin. 

häkster, s. akster. 

häksteni, s. äkstern. 

hak-stiik, Fersenstück, Flicken an dem 
Absatz von Schuh u. Stiefel, das Fersenstück 
od. der Fersentheil cim Strumpf, cf. fer- 
hakstükkcn. 

1. häl, Zug = trek, löge, kliik, sink etc., 
cds einmaliger Act des Holens od. Hebens, 
Ziehens etc.; de (der) häl was to stark; dat 
tau ret d'r fan kört; — in en od. mit en 
häl truk (od. hol) he dat schip an de wal' ; 
— wen du nog en dügtigen häl deist, den 
hebben wi de balke hög genug ; — he drunk 



dat ber in en häl üt; — he de (dede, that) 
')) dügtigen häl iit de kann" ; — in 6n häl 
(Zug, Strich) sin näm sclirifeu. — Nid. 
haai ; nd. (Br. W b.) haal in. haalwind (Zug- 
5 wind), loas nach dem dort erwäh)iten gleich- 
bedeutenden „haling" ivohl hieher gehört u. 
von hal, hael (trockot etc., cf. u)iter halster) 
ganz verschieden ist. Vergl. halen. 
2. lifil, Impcrcdiv von halen. 

10 3. häl, Hahl, Herd- od. Kessel-Haken, 
hz. die ganze verschiebbare hölzer>ie od. 
eiserne, mit Zacken u. einem Sperrhaken 
versehene Hänge-Vorrichtung, od. die Kette 
mit sammt dem Haken, worin Kessel u. 

15 Topf idjer dem Feuer hängen ; de (der) häl 
is hast dörsläten un to swak , um de sware 
kätel to dragen ; — du must de häl wat up- 
kürten, de pot hangd to digt up 't für. — 
Nid. haal; mnd. häl, hele. 31/1 den bei 

20 Grimm (Wb. IV, 158) angeführten For- 
men: hahl, hähl, liala, hagel, hohel, ho), 
hael, hahle, hohl, höhl, hehl, hal, häl, hei 
aus ahd. hahala, hahila, hahla, häla; mhd. 
hahele, hahel, hael (Vorrichtung zum Auf- 

25 hängen; besonders Kesselhaken) von ahd., 
gotli. hahan (hängen), cf. hangen. 

liäl, Hehl, Heimlichkeit, Gehcimniss etc. 
od. verhüllter, bedeckter Zustand, Etwas ivas 
verhüllt, bedeckt u. verborgen ist u. bleiben 

30 soll; ik wil od. kan d'r gen häl üt maken, 
dat mi dat net regt is. — Mnd. halo, hele; 
nd. (Br. Wb., II, 566) haal, hale; mhd. 
häle, haele (das Verbergen, Verhehlen, Ver- 
heimlichen etc. od. die Verhüllung , Ver- 
üb deckung etc.). Mit ahd. häla (tegmen) u. 
häli, häle; mhd. häle, haele, hael (verhohlen, 
verborgen, bedeckt, verhüllt; Jieiudich schlei- 
schend od. schlüjjfend, schlüpfrig, glatt); 
mnld. (KU.) hei (iubricus) ; (f». hall; schwed., 

40 dän. hal (dasselbe); mnd. lial (verborgen, 
heimlich); schiveiz. hähl, hehl, bei (bedeckt, 
unnvölkt) zu ahd. helan, cf. 2 hälen. Dass 
übrigens mhd. häle, ahd. häla od. hälT, wie 
2 häl (u. wie Heyne unter Hehl in 

45 Grimm, Wb, IV, 785 bchaupdet) aus ha- 
hali contrahirt ist, kann ich beim Vergleich 
von Hehl zu hehlen, bz. von häl zu hä- 
len kaum annehmen, da hellten doch wohl 
zweifellos aus ahd. helan u. dies gewiss doch 

50 nicht aus einem zu hälan contrahirtoi ha- 
halan, sondern aus urspr. halan entstand, 
wenn es nicht etwa, nach dem Präter. hal 
u. dem Subst. hullä (Hülle) zu rechnen, aus 
einem altern hilan (hal, hui, hulun) entstand. 

55 1. häl-afer, liäl-Öfer (Imper. von afer- 
halen), hole über, hole her- od. hinüber. 

2. liäl-afer, luil-Öfer, Person die Alles 
zu sich hi)iüber holt u. zieht, bz. an sich 
rafft od. loenigstens im Stande ist solches 

60 zu thun u. deshalb auch Alles unter sich 



HAL-BOM 



12 



HALEN 



hat u. Alles beherrschen will; daher auch: 
■HuverscJiämte Person, Mannweib, Haiisf;;- 
rann, Teufelsbraten etc. ; he (od. %v) is so 
'n regten halafer; — he hed dar so 'n häl- 
aferske fau 'n wif, dat he sük hei iiet ük- 5 
kern dürd, of \\v krigt ^vat uii de sni'ite. 

\vdl-hon\,HahIlnünn.B(i um otl. Stange, welche 
quer durch den Schornstei)i liegt u. tcoran die 
Herdkettc etc. (cf. 3 häl) befestigt ist od. hängt. 

halen (hale od. hal, hülst, bakl etc.; — 10 
hol, hülst, hui etc. ; — h.ild, geholt), holen, 
ziehen, raffen, reissen, schleppen, bringen 
etc.; bringen, gebären; wen du net hätor 
halen (ziehen, anholen, anziehen, reissen etc.) 
kanst, den lät 't man lefer lös; — hal' dat 15 
schip an de wal; — • ik hui (zog, riss etc.) 
fast an; — he liul hum de här üt do koj); 

— is din fader in hüs? uä! ik wil hum iifon 
halen (holen, herbeirufen etc.); — se halen 
hum fürt (sie holen, fähren, bringen ihn 20 
fort); — se halen hum np (•^ie bringen ihn 
auf, führen ihn ins Gefängniss etc.); — de 
düM schal di halen (holen, wcgliolrn etc.); 

— hal dat tau an; — gä hen un häl (hole, 
bringe) \\\i 'n floss her; — du kanst de 25 
kiuder äfen fan de schöl halen ; — he hol 
(Jiolte, zog, brachte, schleppte etc.) 't all hi 
'nander, wat d'r man to hehben was ; — he 
häld (zieht, reisst, rafft etc.) 't alT na siik, 
wat he man to faton krtgen kan ; — he hol 30 
(holte, raubte, stahl etc.) hum d^^ appels üt 

de tfm; - se hebbon mt 't gelu un güd all' 
ofhiild (mir sämmtliches Geld n. Gut abge- 
holt, bz. betrügerischer u. Jieimlicherweise 
abgenommen u. gestohlen); — he häld mit 35 
sin ferteläels alud so lank iit, dat man 't 
hast hei net oftöfon kan; — he hiild (zieht, 
dehid etc.) dat in de lengte; — dat is to 
lank üthald (ausgeholt, in die Länge gezo- 
gen lt. gedehnt etc.); — se hed fan nagt 'n 40 
kind häld (ei)i Kind geholt od. geboren); 

— he hed 'u frö, de göd is to kiuder ha- 
len (zu gebären, bz. zur Welt zu brin- 
gen), man anders dögt se 6k nargonds to. 
Sprichw. : „hui an Jan! 't is 'n i)u!kalf", 45 
d. h. ziehe, zerre, reisse tüchtig an, denn es 
ist ein Stierlcdb, bz. ein starkes mächtiges 
Kalb. Compos.: aferhalen, anhalen, bihalen, 
fcrhalen, henhalen, herlialen, inlialcn, nalia- 
len, ofhalen, uphalen, umhalen, weghalen. — 50 
ISid., mnd., nid. haliMi ; mnld. hai;len (ferre, 
adfcrre , accersire, vocare) ; afries. (flet- 
tema, v. Richthof en) hala, halia; satl. 
halia; wfries. halje u. (Japi.r) helljon; 
nfries. (O atzen) helle (rufen); as. lialön 55 
(herbeirufen, bringen, holen; fortführen); 
ahd. halün, holön, holen; mhd. holen, holn 
(berufen, herbeibringen ; holen, ergreifen, an 
sich nehmen). Davon (Dicz, I, :j:j6) : sjxm. 
balar; franz. haier; j^foo. alar (ziehen etc.). 60 



Die ursjir. sinnl. Bedtg. der y germ. hal, 
/(///. kal od. kar ist: Ton machen od. ir- 
gend ci)ten Laut von sich geben, bz. tönen, 
rnusclien, liallen, lauten, schreien, rufen, 
Hcdloh od. Lär)n machen etc. u. heisst da- 
her halön von Hause aus soviel als: schreien, 
rufen, einen Schrei ti. Huf ertönen lassen 
od. ein Geschrei erheben u. dadurch Jeman- 
den herbeirufen n. holen od. an sich locken 
u. ziehen , woraus denn später die jetzigen 
Bedtg n. dieses Vbms. liervorgingen. Vergl. 
Fiel, I, 41, y 2 kar (rufen, nennen), bz. 
skr. kar, carkarti (rühmen , erwähnen , ge- 
denken), käru (Sänger, Barde), karkari (hal- 
lendes Instrument), krakara (eine Art Beb- 
huhn) ; griech. kaleö (rufen, noinen, anru- 
fen, anholen, herbeirufen, zusammenrufen, 
berufoi, zum Kriege od. zum Gericht rufen 
u. laden, vorladoi), köruks (Ausrufer, He- 
rold), karkairö (hcdlen, dröhnen), korkorüge 
(Kollern, Kriegslärm) etc.; lat. calare (ru- 
fen etc.), sowie ahd. hi'llan (tönen etc., cf. 
1 hälen u. hcl, heller etc.) u. dazu die von 
kar (welche als Schallwurzel eigentlich nur 
irgend einen beliebige)! Ton od. Schall nach- 
aJoid u. eigentlich nicht mit sonare, sondern 
mit sonus übersetzt werden iniisste, weil sie 
erst durch die wirkliche Weiterbildung zu, 
einem Thätigkeitsu-ort die Bedtg.: Schall 
[od. kar, kri, kal ] m a c h e )i , bz. selbst 
schallen od. den u:irklich geschehenden 
u. zu Gehör kommenden Schall ausdrückt) 
toeitergebildete ]/ kark, krik, krakati (tönen, 
lachen, krächzen), bz. skr. kark, karkati 
(lachen), kraksh (brausen, tosen), wovon 
auch griech. krekö (klatschen , schlagen, 
klopifcti; mit den Flügeln klxäschen u. einen 
Ton hervorbringen ; ein tönendes Tnstru- 
me)d. schlagen u. zum Tönen bringen, spie- 
len etc.), klagge (Ton, Klang, Schall, Schrei) 
u. lat. clangere, clangor etc.; Iit. krakiu, 
krakti (brausen von der See), krankiu (kräch- 
zen), ksluv. krakati (krähen) etc. stammen 
u. tvobei es denn fast gar nicht von der 
Hand zu u^eisen ist, dass ausser lachen 
fgoth. hlahjan) etc. auch die germ. Wörter: 
k r (( chcn , krähen, kr ächzen n. klak 
etc. dieser J/ angehöre)!. Weiter vergl. (B opp) 
y kal (sonare; numerare), bz. (Ben feg) 
neben k.il (to sonnd, to account) auch kal 
(to impel, durch Buf er))iuntern u. aMrei- 
ben; to provök, hcransrufoi , hervo)-rufcn, 
herausfordern ; to uttcr, sich äussern, aus- 
spreche)! ; to rechon, rechnen, zählen, auf- 
zählen etc.; to perceive, verneh))ien od. hö- 
ren einen Laut, ioahr)iehmen etc.) u. a)idere 
aus sonare hervorgegangene Begriff'e dieser 
y, zu welcher (u. -nicht zu 1 kal, tönen, 
rauschen, rufen, nennen, zählen etc.) Ben- 
feg aber auch ahd. halOn stellt. Vergleicht 



HAELEN HELEN 13 HALF 

man mm weiter unter galm u. galjj die aus: nach die y kar (brennen) sich aus kar (so- 
schreicn, rufen, siiujen etc. hervorgehenden uare, cf. 2 u. \ kar Jiei Fiele, I, 41 — 45) 
Bedtgn.: Zaubergesänge singen u. dadiirch eni wickelte , tvobei noch zu erwähnen ist, 
bezaubern u. bestricken etc. u. bespräken dasti Fiele auch die europ. ]/ kal (hüllen, 
(besprechen, bezaubern, behexen etc.), so ist 5 hehlen) mit skr. kalaiia (Fleck), kk\d. (blau- 
es tvohl zweifellos, dass an. liul (Rühmen, schwarz), kali (schwarze Farbe, Schwärze, 
Prahlen etc.), hoela (rühmen, loben) ; ags. schwarz aufziehende Wolkenmas-^e) etc. zu 
hol (loquela inanis, caluinnia) ; goth. hölön; idg. kara, karana (schwarz , dunkel) ver- 
ahd. huoljan (trügen, täuschen) zu halon, gleicht, jedoch diese Wörter, trotzdem er sie 
huol (■// der urspr. Bedtg.: schreien, rufen 10 unter 4 kar (brennen, flammen) aufführt, 
etc. gehören u. demnach auch griech. keleö von einer ]/ skar (bedecken) ableitet, die 
(bezaubern, betrügen) entweder von kaleö meines Wissens jedoch nirgends in dieser 
(rufen etc.), od. doch mit diesem von der y Bedtg. belegt ist. Vergl. auch noch unter 
kal abgeleitet werden muas. gulf am Schlüsse. 

1. hälen, lielen. Nur in ge\vd\ea (zu stim- 15 häler, Hehler; war gm hälers sunt, dar 
men, seine Stimme zu- Etwas geben etc.). sunt ök giii stälers ; — 'n häler is sliranier 
Die Grdbdtg. ist (cf. gehälen eLc. = ahd. as 'ii def; — häler im def hören mit 'uan- 
gihellan, zusammenklingen, übereinstimmen) der an en galg'. — Wang. (Ehrentraut, 
auch: tönen, schall en etc. u. gehört es I, 371) hiller. 

wie halen zur y kal. 20 lialf, halb, mitten, in der 3Iitte, bis zur 

2. hälen (häle, halst, häld etc. ; — hälde Mitte, bis zur Mitte hin etc. ; der eine Theil 
etc. ; hed häld) , hehlen, bergen, verbergen, od. die eine Seite von einem in zwei gleiche 
verheimlichen etc.; — ferhälen, verhehlen, Theile zerlegten od. als zerlegt gedachten 
verbergen etc.; — ferhaleii, ferliolen (vcr- Etwas = ein Zweitel od. die Hälfte; ge- 
hohlen, verborgen etc.); — he häld (birgt, 25 theilt, theil weise etc., als Gcgotsatz von voll 
verheimlicht, verhüllt od. verschweigt) mi dat. od. ganz etc. ; siii' dat brud^ (de appel , dat 

— Sprichw.: de häld is sliinmer as 'n def; fles etc.) half dör im gif mi de ene hälfte, 

— hälen is slimmer as stälen. — Nd. (Bäh- den kaust du de andere holden ; — dat niest 
nert, Br. Wb. etc.) hälen, helen; mnd., sitt d'r erst half in; — wm \idli (Mitte) sep- 
nld., mnld. helen; afries. heia; as., ags. he- 30 tember; — dat is d'r nog raaa half dör; — 
lan ; ahd. helan, helen; vdid. helen, heln. häP man erst 'u half bröd; — twe hälfe 
3Iit (cf. Fick, I, 527) griech. kaliös, kaliä piinden niaken en gans pund; — de hälfe 
etc.; lat. celare, cella, culo (in occulo) etc., dag is hen ; — um half-twalte kam ik bi di; 
sowie weiter mit helle, heim, hille, hülle etc, — de klokk sleid half; — wat half is, is 
zu einer y kal, kar (decken, schützen, be- 35 net gans; — he deid sin wark man half; 
decken, verbergen, verhüllen etc.), die je- — he hei d'r mau sm hälfe flit updän; — 
doch im Skr. in dieser Bedtg. nicht vor- 't is uig half uu nig gans; — d\ best dar 
kommt, ivährend sie nach zend. karana ök wer mau halfvrark (Halbwerk, halbes od. 
(Schutzmittel der Beine, Beinkleid) zu ur- unvollkommenes Werk etc.) mäkd ; — ■ hälfe 
theilen im Zend. vielleicht vorhanden war. 40 sün- ua firdagen sunt gen regte sön- un f ir- 
Möglicherweise ist es jedoch dieselbe y kar, dagen ; — he is man so 'n halfen (lialber, 
kal wie von halen u. 1 hälen, die sehr leicht nicht voller u. ganzer etc.) kerid ; — ik was 
aus rauschen, krachen, prasseln, knistern, halfdöd un of; — dat kind is half min lä- 
singen, tönen (cf. galm u. gar tvegen der y feud ; — he is half düfel, half minsk ; — 
ghar, soivie ccuch ahd. siugau, singen, tönen, 45 kalffles is man half fles ; dat steid net bi de 
klingen; einen singenden, knisternden Ton ribben; — ik was half un half siuns um mit 
hervorbringen etc., loovon sich eben das to gän etc.; cf. tveiter die Compos. 

Vbm. sengen = ahd. sangjan cds Caus. I)ass das Wort half (nd., mnd, nid., 
von singan herschreibt) etc. die Bedtg. : hren- mnld., as., schwed. half; afries. half, hal ; 
nen, flammen (auch die Flamme singt be- 50 tvfries. heal, hcale; satl. hale ; ags. healf; 
kanntlich) etc. u. hieraus wieder die von: an. hälfr; schwed. half; dän. halv; goth. 
rauchen, qualmen, dunsten, durch Hauch halbs; ahd. halb, halp ; mhd. halp) im Ge- 
verfinstern u. verhüllen, verdunkeln, ver- gensatz zu gans steht u. es ursjn: die Be- 
decken etc. entwickeln konnte, wie denn un- dtg. : ge- od. zertheilt, zerschnitten, durch- 
ser blak (schioarze Dinte od. Schwärze), 55 schnitten, in Zweien zerlegt etc. hatte, ist 
blaken (rauchend u. qucdmend brennen, wohl fast cds sicher anzunehmen ti. dürfte 
Rauch machen, qucdmen) mit blank, blinken es demnach wohl mit Icd. carpere u. harfst 
u. blaker (Leuchter) zu einer y bhragh zu einer ]/ karp, kalp (spalten, theilen, 
(glänzen, brennen etc.) gehört, die wahr- schneiden etc.) gehören, die vielleicht aus 
scheinl. auch ]/ von bräken ist u. wo so- GO einer von idg. skar (schneiden etc., cf. 



HALF-AFENDS-GIFT 14 HALM 

scharen) erweiterten y skarp (cf. scharp = bangen, de ik wol fcrkopen wil. — Scherzh. 

i>chneiden(J, schtieidi;/ , scharf etc.) Iiereor- von ]\'ittivcii, die sich uueder verheirathcn; 

ging u. icorüber loitcr scharp u. hart'st Wci- he hetl 'n lial'släten fro nanien. 

teres su vergleichen ist. Vergleicht nuni lialf-silt'eii, a) hall) Sieben ; — h) hetrun- 

ührigens das lat. semi u. skr. sämi (halb), 5 ken etc.; hö is halt'söt'eu. — Ob es in der 

hz. dass dieses Wort wahrschei)d. das ::weite, letzten Bedtg. aus nd. (Br. Wb.) halv si'>o 

zu einem Ersten passenden ii. stimmenden wesen (halb gahr- od. halb fertig sein) cnt- 

od. gehörenden, bedeutet, so würde das Thema stand ff 

lialba formell u. bcgrifßich auch mit skr. half-siistei', Halbschwester. 

kälpa (siuiilis) stimmen, was zur }/ kalp 10 hiiUlo, hillft, Hälfte, Thcil, Seite etc.; 

(recht od. gleich u. ähnlich machen, od. wat de halft scliüld, scliilUl ffil ; — de enc 

ttrspr. wohl: beschneiden, behauen, glatt u. halfte (Theil, Seite) is groter lui dikkor as 

eben machen [cf. karp od. kalp, spalten, de andere; — iip sin ene hälfte löpd he 

hauen, schneiden etc.], gleich inachen, in kruni. 

gleiche Thcile zerlegen etc.) gehört. 15 hall'-ür, haH'-ürtje. halbe Stunde, halbes 

Iiall'-afViiils-^ift , die DLittel-Abends-FiU- Stündchen. 

tcru)ii/: (jcwohnlich um 7 Uhr Abends. hSili'-wiiss^n, haU-wass&w, halb erwachsen ; 

halt'-liakkcli, halbgebacken, halbgahr; fig. he was man so "n halt'wiissen fent, do drög 

halbfertig, unfertig etc.; 't is man so 'n half- hc de koj) al so hüg. 

l)akken kerel. 20 hall'- weteud , halt -weten , halbwissend, 

liair-hröer, Halbbruder. halbverständig , hcdbklug , nicht recht ge- 

halfe, Halbe, od. der eine Theil, bz. die scheut, närrisch, kindisch etc.; du must wat 

eine Seite eines Ganzen; gif mi 'n hahe od. mit huni tosen, du wetst wol, he is man so 

halfen; — de ene hälfe is groter as de an- wat half weteud. Bcdcnsart: he is so kluk, 

dere. cf. hälfte u. weiter: 25 as 'n halfweten kalf. 

halfen, halben, von seilen, tvegen etc., in liallann, i. q. allarm. 

allenthalfcn, bchalfen, mineuthalfen etc., hallen, hallen, schallen, tönen etc.; dat 

vergl. unter he-hilfen. halld dör 't ganse hiis. cf. 1 hei m. haleu, 

halfer-haiuls, zur hcdbcn Hand, nicht so gehälen etc. 

ganz recht, halb u. halb, ungefähr etc.; ik 30 1. halm , llcdm , Stengel etc. der Gräser 

knn d'r man haUVrhands lii kamen; — ik od. Grasarten; de rogge up de halm ferko- 

kan dat man halfi-rhands göd heten; — dat pen laten; — de halms (die Halme) fan 't 

kan so haUVrhunds gän. körn sunt fan 't jar föl lang a* as anders; 

halfer-wägeus, halfwitgs. halbwcges, halb — henthalin, ströhalm, grashalm etc. — Nid., 

u. halb etc. 35 mnld. halm, Flur, halmen ; nd., ntnd. halm, 

halfe-swinskoppen, halbe Schweinsköpfe; Blur. halmen u. helmer (calanuis); nfries. 

scherzh. u. fig. : die beiden Frackschösse od. halm (Langstroh, Dachstroh , od. wie wir 

Frackßügcl. ««//cu „dak"); «c/rt'. healni ; e«;;/. halin, haulm ; 

half'-laken-linnen, auch noplinnen ge- an. hälmr (Stroh, Streu); norw. halm u. 

nannt; Leinen welches halb aus guteni '^(i provinziell \vAA\m,\v<vAu\:i .^chwed., dän. \iA\m; 

Flachsgarn u. halb aus Noppgarn (knoleri- ahd., mltd. halm (Halm; Sclireibrolir). Mit 

gern, aus Heede gesponnenem Garn) ge- griech. kalame (Hahn); kälamos (Bohr, 

webt ist. Schilf); lat. calamus u. culmus; kslav. slama 

lialf-linneil, Halb-I^einen, Ijeimvand, bei (Halm); lett. salms (dasselbe) u. vielleicht 

welcher die Kette aus Kattungarn u. der 45 auch skr. (Benfeg) kalama (eine Beisart) 

Einscldag aus Leinengarn besieht. od. (Both u. Böhtling) kalamas (das- 

lialf-ran, lialfröe, Halb-Trauer. selbe ii. auch „Schreibrohr'') , sowie ved. 

lialf-raus-kled. Halbtrancrkleid. (Grass mann) gara (Bohr) entweder von 

half - sched , Halbscheid, abgeschiedene y kar, kal (rauschen etc., cf. halen) od. 

Hälfte, halber Theil. 50 kar, kal (bewegen, hin u. her bewegen, 

half-sihbe, s. unter sibbe. schwingen, schwanken, zittern, vibriren etc., 

hall-slat'htig, halbschlächtig, zwitterartig, bz. bewegen, treiben etc., bewegen vor od. 

zwischen zwei Geschlechtern od. Arten mit- heraus, treiben aus, wachsen, spriessen etc., 

ten inne stehend. cf. y 1 kal bei Bopp in der Bedtg. sonare 

half-slag, Zwitter, Zwitterding , Unvoll- 55 etc. u. 2 kal in der von: agiture, concutere, 
kommenes, Etwas was nicht für voll jxissi- vibrarc etc.), wenn es nicht etwa mit 2 hä- 
ren kann etc.; 't is man 'u halfslag kind len, helle, heim etc. u. lat. celare, clam u. 
od. perd. calim etc. zu der für diese Wörter anzu- 

lialf-sliiten, halb verschlis.-<en , halb <tbge- setzenden y kar, kal (decken, bedecken, 

nutzt; ik heiV nog so 'n halfsläten büks GO schirmen, schützen etc.) gehört. Für die 



HALM 15 HALM 

Ableitung von der ]/ kal (sonare) seheint Knochen bedeckt u. eine Hülle u. Schutz 

der Umstand zu sprechen, dass das goth. der Knochen ist. 

raus (Bohr, Schilf, Bteth od. kälamos) mit 2. halm, das „schott" od. die hölzerne 
nhd. Bausch u. rauschen u. unser m Wand, tvekhes die Vieh- u. Pferdeställe 
rüsen m. rüsig (geräuschig., läriuend , laut, 5 seitwärts einfasst, bz. die einzelnen Ställe 
unruhig etc.) auf ein Vbm. riusan (so- von einander scheidet. Compos.: kö-halm, 
nare) zurückzugehen u. demnach raus, die Kuhstallwand; — pörde-halm, Pf er- 
Thema Täuea., ein im Winde rauschen- destallwand, od. wörtl. entweder: Kuh-, 
des Etwas zu bedeuten scheint, eine Bedtg., Pferd- Scheide, bz. Kuh-, Pferd-Scheidung 
welche auch dem Worte: ahd. hriot etc., 10 etc. — od. Kuh-, Pferd-Wand, bz. Kuh-, 
ags. hreäd (Bieth, Schilfrohr etc., cf. reit Pferd-Einfassung, da hiilm sowohl ein seh ei- 
od. reith) möglicherweise zu Grunde liegt, den des, th eilen des u. tr ennendes, 
da es sehr leicht mit ahd. hrom, hruom etc.; als auch ein einfassendes, umfassen- 
ags. hreäm (clamor, Geschrei, Lob, Buh m) des, ein s chl i essendes u. s chützen- 
zu einer u. derselben y gehören kann, die 15 des (cf. schott etc.) Etwas ist. Vergleicht 
auch zirspr. die Bedtg. sonare hatte u. auch man, dass wir statt sülf, sülfst, sülfeu (selb, 
das mnld. (KU.) heim (echo, sonus resul- selbst, selber) in der Begel bülm (ik kam 
tans) u. helmeu (resouare etc ) wrt w/jf/. /t « J- sülm bi di; — dat fersleid sük fau sühn) 
len zu der y kal (sonare) gehört. Für die sagen u. dass das mnd. heim; nhd. (Grimm, 
Ableitung von der }/ kal (bewegen, vibriren 20 Wb.) vdul. halm, heim (manubrium, capu- 
etc. od. bewegen, treibeii etc.) u. einen Zu- lum) ; halm, halmo, helrao etc. in ahd. joh- 
sammenhang mit skr. calati (er bewegt sich) halm, johhalmo, johhelrao etc. ; mhd. giech- 
kalayati (treibt), g riech, kellein (bewegen, helme (lorura, Jochriemen etc., Biemen od. 
treiben), bz. mit lat. celsus, excello, culmeu Seil am Joch zur Lenkung u. Steurung der 
(da die Grdbdtg. bewegen etc., wie bei y 25 Binder) wahrscheinl. mit nhd. (Grimm, 
ar, gleich in die von sich erheben etc. Wb.) helb, helf; ahd. halp, halap; mhd. 
übergeht cf. risen, reisen etc.) etc. u. dem halp; bagr. halb, helb; mnd. (Seh. u. Ij.) 
as. holm (Berg, Hügel); ags. hyll, hill (Hü- helve, helf, helft; mnld. (KU.) helve (ma- 
gel, cf. 3 hei) etc. spricht aber der Umstand, nubrium. Stiel, Griff, Handhabe), soivie half 
dass man halm auch als das vom Winde 30 in Halfter (capistrum, camus) aus einer u. 
bewegte, wogende, schioankende , derselben Grdform hervorging, in dem das 
vib rirende etc. od. auch als das trei- „m" in halm (manubrium, cf. halter, hälter) 
b ende, sprossende, sp riessende, der Ableitung zufällt u. das auslautende „p" 
sich aus dem Boden erhebende Etwas der dafür anzusetzenden ^en». y halp, half, 
deuten kann (cf. Fick, III, 70), während 35 halb in halm od. halma vielleicht ausfiel, 
für den Zusammenhang mit der für hälen, sowie ferner, dass auch an. helmingr für 
helle, heim etc. u. lat. celare etc. anzu- helfningr (Hälfte) vorkommt u. darnach 
setzenden y kar, kal (decken, bedecken etc.) halm od. balma (manubrium etc.) vielleicht 
das zu sprechen scheint, dass Stroh u. Bohr, aus einer urspr. vollen Form halpna, halfna 
hz. Schilf auch bei uns mit dak (Dach, Be- 40 od. halpni etc. entstand, so wäre denkbar, 
deckung. Deckendes) bezeichnet wird tc. dass dass dieses halm (als Scheidewand, od. Et- 
auch stro (Stroh) = an. strä (Stroh, Stroh- loas toas einen gegebenen Baum in zwei 
halm) etc. mit nhd. str euen u. St r eu etc. od. mehrere gleich grosse Theile zerlegt) 
in der Weise zusammenhängt, weil streuen sich von halfen = ahd. (halbjan), «jÄ(Z. hal- 
die Bedtg.: iverfen über Etwas hin 45 ben (dimidiare) ableitete, od. dass es mit 
hat u. demnach stro aus der urspr. Bedtg. : halm u. halp, Handgriff^ Stiel etc. (mit dem 
Ueb er Wurf, od. das über Etwas hin- es meiner Ansicht nach direct nichts ge- 
geworfene die Bedtg.: Deckendes, mein hat) von einer u. derselben y stammt. 
Decke, Dach, Schutz etc. entwickelte. nämlich von derselben y kalp wie helpen 
Dass demnach halm mit heim u. hälen (heh- 50 (helfen), welche imter andern ausser: rich- 
ten) etc. connex sein kann , ist klar u. ist ten, einrichten, ordnen etc., auch die Bedtg. : 
dieserhalb auch die von y pa (greifen, fas- eintheilen, vertheilen etc. hat u. wovon dann 
sen, halten, retten, schützen, decken etc.) er- halm als das Eintheilende sich auch ab- 
weiterte y pal, pal (servare, tueri) zu ver- leiten Hesse. Vergleicht man übrigens das 
gleichen, wovon palä (a. caro, od. das die 55 ahd. halmo in joh-halmo, so scheint es 
Knochen Bedeckende, Einhüllende, Um- meiner Ansicht nach doch sehr bedenk- 
schliessende etc. ; — b. stramen , als Be- lieh , um bei diesem Worte eine durch 
deckendes. Dach) stammt, tvie desgl. auch Nichts erwiesene Ableitung von einer 
lat. palea, franz. paille u. möglich auch germ. y halp, bz. eine directe Verwandt- 
wohl unser fies, flesk, als dasjenige, ivas die 60 schaß mit ahd. halp (manubrium etc.) vor- 



HALMER 



16 



HALS 



auszusetzen , zumal da dieses Wort in der 
Bedtg. Lenk seil od. das Etwas, womit 
man das Gesjtann (Joch) lenkt u. steuert 
doch fast zweifellos mit an. lijälm, engl. u. 
vind. heim (Steucry Buder; engl, auch Steu- 
ermann, Lenker, cf. 3 heim) identisch u. 
dann mit halp (manubrium) d<ich schwerlich 
iierwandt ist. Erwägt man aber die vielen 
Bedtgn. der y kar, kal u. namentlich die 
aucJi unter 1 halm erwähnte Bedtg.: trei- 
ben (wonach 1 halm «»c/i urspr.: Spross, 
Trieb, Gesprossenes etc. sein kann, ebenso 
wie 1 hehn = arundo ?<. ved. (jaro = sa- 
charum sara) u. dass icir drii'en geradezu 
in der Bedtg.: die Pferde, bz. den Wa- 
gen lenken etc. gebrauche)!, so ist e.'^ klar, 
dass ahd. halmo (Lenkseil) 7i. an. hjalm, 
engl. hi^Im etc. (Steuer, Steurer etc.) sicJi 
auch ebensogut wie 1 halm von der ]/ kar, bz. 
skr. kal, halayati (treiben, antreiben, treiben 
wohin, Ttichtang geben tcohin etc.) ableiten 
lassen n. dass es dann durchaus nicht nö- 
thig ist, um mit M. llegne (cf. Grimm, 
Wb. IV, 240) das ahd. halmo in johhalrao 
mit halp (manubrium) u. half in Halft er 
SU identificiren, bz. halmo auch mit diesen 
Wörtern von der für Letztere anzusetzenden 
y halp, bz. kalp abzuleiten, welche in der 
Grdbdtg.: binden (schliessen, fügen, Jans- 
sen, j)«s.<t?tc/i, geschickt u. dienlich sein, 
wozu dienen, helfen) od. greifen, fassen 
(hcdten, retten, tragen etc.) sowohl die y 
von halfter u. helpen, als auch von halp 
(manubrium) ist, ivie Ja aus fassen ausser 
halten etc. auch die Bedtg.: fesseln, bin- 
den, bz. umfas.'^cn, umschliessen, zusammen- 
fassen, vereinigen, verbinden, schliessen etc. 
Von selbst hervorgehen. Unser 2 halm nun 
aber betr., Hesse sich dies auch leicht mit 
2 heim von helan (bergen, sichern, schützen 
etc.) ableiten, weil es als Wand (cf. scliott 
ii. Schutt) auch ein Schutzding ist u. eine 
Wand ein Etwas schützend umgiebt «. es 
auch verdeckt. 

halmer od. halinpi'-pal, der Pfuhl woran 
die Zwischenwand der Ställe od. die Stall- 
wand (2 halm) vorn u. hinten befestigt ist. 
An denjenigeii halmer, der an der Mauer 
steht, wird zugleich auch der hölzerne An- 
ker befestigt, der das Ausweichen der Mauer 
verhindert. 

haliii-spliott, halnier-schott ; i. q. 2 halm 
II. eigentlich ein l'lconnsmns, da halm selbst 
schon die Bedtg. ,,Wand'' od. „Zwischen- 
wand" hat. 

häl-rek. häl-stok, Stock od. Stange mit 
einem Haken (s. 2 hal) zum Heranziehen 
u. Eesthidten. 

Iials (Plur. halsen), Hals: a) das kürzere 
od. längere, schlanke u. biegsame Glied zici- 



schen Kopf u. Bumpf lebender Geschöpfe, 
od. auch: Genick, Kehle etc.; he hed 'n 
körten (od. langen, dikken, dünnen etc.) hals ; 

— hü fätd hör um de hals ; — he hed hör 
5 an de hals (kann sie nicht wieder los wer- 
den); — de hed sük dar ök wat up de hals 
häld ; — he gel" hum 'n drei' (od. slag) an 
de hals; — he mök (machte) so 'n langen 
hals (streckte den Hals aus ti. damit den 

10 Kopf vor, um besser sehen zu können, bz. 
aus Neugierde) ; — he läd't sük föls to fOl 
up de hals (Nacken); — wat brukst du dt 
(lut up de hals halen ? — 't giid hum an de 
hals (Leben); — he hed sük de hals (Hals od. 

15 Kehle) ütsnäden; — he smörd hum de hals 
to od. of; — ik drei' di düfel de hals um, 
wen du mi wer kumst; — he hed siik de 
hals (Hcds od. Genick) braken ; — he br 'kd 
nog insen hals un ben ; — dat kan de hals 

20 net kosten ; — he störtede (od. tlug) hals 
at'er kop in 't water; — dat geid bi huni 
altid hals afer kop (mit Ueberstürzung u. 
jäher Hast etc.); — he mök hals afer koj), 
dat he fürt kwam; — dat mut bi hum altid 

25 all' dör de hals (Kehle, Gurgel etc.); — de 
hals (Kehle, Gurgel, Schlund, Speiseröhre, 
Luftröhre etc.) sit nii hast digt od. is mi 
auswullen; — ik heb' 'n bunke (Knochen) 
in d' hals fastsitten; — d'r is mi wat in de 

30 feikerde hals (Luftröhre) kamen; — b) bei 
leblosen Dingen das dünne, lange, gerade 
od. gebogene Zwischen-Ende zwischen Kopf 
u. liumpf; das dünne, gerade od. gebogene, 
vorgestreckte Ende von Etwas; eine runde, 

35 röhrenartige od. trichterförmige Erweite- 
rung; in der Nautik auch ein Tan an den 
untern Ecken der Segel, um diese anzuho- 
len u. zu befestigen ; hals fan de flesse ; — 
hals fan de anker; — hals fan 'n haken; — 

40 hals fan 'n kue od. knestük (die Krüm- 
mung od. gebogene Stelle zwischen den En- 
den eines Knies); — de hals fan de keller; 

— hals fan 'n kette od. tau (die runde End- 
öffnung od. der breite Bing vorne an der 

45 Kette etc , um ein Anderes darin zu haken 
u. zu befestigen); — de halsen fan de seils 
(Segel, cf. Bobrik, naut. Wb.). 

In Compos. auch = Person , wie z. B. 
in: gitshals, slükhals, rarhals etc. — Nd., 

50 mnd., nid., mnld. hals; afries., satl., zvfries. 
hals; as. hals; engl, (selten [cf. Lucas], ge- 
wöhnlich neck) halse u. (in healsfang, Hals- 
eisen) heals; ags. hals, heals (collum, prora 
navis) ; an. hals (coUimi, mouticulus o!)lon- 

55 gus, prora navis, pes veli anterior) : schwed., 
dä)i. hals; goth., ahd., mhd. hals (Hals; 
schmal fortlaufende, an einen Berg sich an- 
schliessende Anhöhe; Landzunge). Das 
Thema halsa (Grdform kalsa od. karsa) 

60 bietet in den sonstigen idg. Sprachen kein 



HALS-ADER 



17 



HALS-GAT 



Wort in gleicher od. ähnlicher Weise zur 
Vergleichung dar, es sei denn, das« hd. Col- 
lum aus colsum entstand, was indessen nicht 
nachzmveisen ist. Dass es zu einer ]/ kar, 
kal gehört, ist wohl zweifellos. Unsicher 
jedoch ist es jedenfalls, welchen Begriff die 
alten einfachen Sprachhildner mit dein 
Worte hals od. halsa, kalsa' verbanden, wie 
dies schon daraus hervorgeht, dass M. 
Heyne (cf. hals im Grimmischen Wb.) 
an die Bedtg. : ragoi, vorragen, sich erhe- 
ben, hoch stehen etc., bz. an eine Verwandt- 
schaft mit lat. celsus etc. denJct , ivährend 
Fick (II, 58) es von kal (recellere) ab- 
leitet u. es doch klar ist, dass man bei hals 
aucli ebensogut an die Grdbdtg.: ,.biegen" 
denken kann , weil dieses „hals" genannte 
Gelenk doch auch seJir biegsam u. be- 
70 e glich od. schlank etc. ist. Dass die- 
semnach man sowohl (d. h. ivenn man an- 
nehmen will, dass hals das Vorragende, od. 
sich über ein anderes Eticas Erhebende be- 
deutet) an eine Verwandtschaft mit griech. 
kära etc. u. skr. gira, giras (Haupt, Kopf) 
denken kann, wozu Fick (II, 63) auch 
lat. cervix u. (I, 434) an. hjarsi (Kopf) 
stellt, od. dass man hals auch mit 1 lialm 
u. lat. culmus, culmen, celsus etc. (Fick, 
III, 70) von der ]/ kar, kal (treiben, spros- 
sen, ivachsen, sich erheben etc.) ableiten 
kann, ist klar, während andererseits hals 
als bewegliches, biegsames, schlankes Etivas 
auch zu einer ]/ kar (bewegen, hin u. her 
bewegen, schioanken, biegen, krümmen etc.) 
gelegt werden könnte, die auch möglicher- 
weise für 1 halm zu Grunde zu legen ist. 
Meines Erachtens würde indessen für hals 
am besten die Grdbdtg.: ziehen, dehnen, 
strecken etc. passen, in welcher Bedtg. je- 
doch meines Wissens keine y belegt ist. 
Oder ist tvie bei skr. krka (Kehlkopf) ; 
kslav. krüku (Hals) von der bereits unter 
halcn erwähnten y kark, krak (Fick, I, 
42) auch bei hals an eine Ableitung von 
der y kar, kal, germ. hal (cf. halen) zu 
denken ? 

lials-ader, Halsader. 

lials-afer, halsüber, rückivärts etc. ; he 
ful halsafer in 't dep. 

lials-band, Halsband (in allen Bedtgn.). 

lials-ben, halsbanke, Halsbein, Hals- 
knochen. 

hals - bräkend , halsbrechend, sehr be- 
I schiverlich etc.; halsbräkende arbeid. 
i hals-bunke, s. halsben. 

hals-dük, Halstuch. 

halsen, halsen; in verschiedenen Bedtgn. 
' als: he kun d'r nich tagen halsen (schlin- 
. gen, schlucken, würgen etc.), dat he 't äten 
' herunder kreg; — he halsd (iiuält, plagt, 

Boorukaat Koolman. "Wörterbuch. IX. 



müht, arbeitet, reisst etc.) sük of, dat he klär 
würd ; — se halsen (bürden etc.) luim fols 
to fol up; — se kamen en mit 't hei so fei 
up de hals, dat d'r hei gen halsen tagen is, 

5 um 't weg to bargen; — se halsden (halsten, 
umhalsten, umschlangen, wnfassten, balgten 
etc.) sük; — wi willen 't schip halsen (vor 
dem Winde wenden, cf. Bobrik, naut. 
Wb.) laten; 't weid to hart, as dat wi 't 

10 dör de wind krigen. Compos. : kathalseu, 
umhalsen. — Nid. halzen (vor dem Wiiide 
wenden ; fig. sich abmühen etc.) ; mnld. hal- 
sen (vorare , devorare , glutire etc.) , halsen, 
lielsen (amplecti etc.), halsen (magno cona- 

15 mine niii) ; nd. (Dähnert) halsen, halsen 
(umfassen, umarmen etc.), (Br. Wb., 
Schütze) halsselen (mit Jemandem [sich] 
herumzerren, Lust u. Mühe haben mit, sich 
quälen etc.) ; mnd. (Seh. u. L.) halsen (um 

20 den Hals od. das Leben bringen) ; ahd. hal- 
san, helsen, halsen, halsön; mhd. halsen, hel- 
sen ; as. helsjan (amplecti) ; ags. healsjan, 
halsjan (amplecti, obsecrare) ; engl, halse (um- 
armen); isl. hälsa (corripore vela; serrando 

25 vacillare alinea; amplecti); norw. halsa (cor- 
ripere vela, d. h. die Segel mit dem hals 
[s. unter hals] genannten dünnen Tauen zu- 
sammenschnüren etc.); dän. halse (dasselbe); 
schwed. halsa (umhalsen, umarmen). Be- 

30 züglich des engl, halse ßegrüssen, beschwö- 
ren) sei übrigens noch bemerkt, dass dies 
mit halse (umarmen) durchaus unverwandt 
ist, sondern aus ags. hälsjan, haelsjanf'For- 
bedeutung nehmen od. suchen, beschwören, 

35 obsecrare) = ahd. heilisön , heileson, heil- 
sun, helison; mhd. heilsen (augurare, ex- 
piare) hervorging u. demnach mit an. heilsa 
(grüssen, begrüssen); schwed., norw. heisa; 
dän. hilse (grüssen) identisch ist u. icie an. 

40 heilsa (Glück, Wohlergehen), heilsu in heilsu- 
gjüf (Heilsgabe) u. ags. hälsung (Beschwö- 
rung , Gebet), häletan (grüssen) u. hael 
(Gruss, Vorbedeutung) , hüls , heäls (Heil, 
Glück etc.) etc. zu hael, häl (heil, cf. hei) 

45 gehört, wobei denn wohl anzunehmen ist, dass 
ags. hälsjan od. hälsian urspr. die Bedtg.: 
a) Heil u. Glück suchen, um Heil u. Glück 
u. Segen anhalten u. fragen, Gott um Glück 
etc. angehen ii. beschwören etc. u. b) auch 

50 die von: Glück u. Heil wünschen, bz. ein 
Heil (Dir) sagen, od. Heil u. Segen spre- 
chen etc. hatte, loie denn hael (Gruss od. 
Glückivunsch) ivohl urspr. nichts anders als 
das Substantiv. Adv. lieil ist, od. aus dem 

55 Subst. haele (Heil, Glück, Segen etc.) her- 
vorging, worüber unter heil das Weitere zu 
vergleichen ist. 

hals-gat (Halsloch), a) Kehle, Gurgel etc. ; 
he jagd 't all' dör 't halsgat (er verzehrt 

60 od. versäuft Alles, ist ein unersättlicher 



HALS-KRAGE 



18 



HALTER IIELTER 



Verschwender etc.) : — 't halsgat (Kehle) 
Sit im dijit ; — b) (Xatttil) , Flur, halsga- 
ten, die Löcher vorne an den Seiten des 
Schiß's dicht aber dem Schcindeckel , wo- 
durch die starken lialseu (od. Taue an den 
■untern Ecken der Segel, cf. unter hals) (/e- 
zogen u. befestigt xcerden. — Nid. lialsgat 
od. lialsklamp, vergl. daridter Bobrik, 
naut. Wb., :i:J7 etc. 

hals-krage, Halskragen ; a) Kragen od. 
Krause etc. den od. die man zur Zierde 
■um den Hals trägt; du must 'n halskrage 
uuiJöu, dat sügt bäter üt; — b) der höl- 
zerne Kragen , der früher den zur Schau 
ausgestellten Verbrecliern um den Hals ge- 
legt wurde; he hed fröger ök al mal mit de 
halskrage stän ; — c. (tautologische Com- 
pos.) Hals, Nacken; he grep hum iu de 
halskraiije ; — de halskrage deid im ser. — 
]\[nd. lialskrage (dasselbe). 

hals-pipe, Halsröhre, Luftröhre. 

hals-starrig, halsstarrig, unbeugsam, un- 
lenksam, hartnäckig etc.; du must net so 
lialsstarrig wäsen ; — 't is so 'n halsstarri- 
gen döimer, as 't man en gift. 

halsten, grobes, ungesäuertes Brod, wel- 
ches (bx. ein Brodkuchen, tvelcher) in hcis- 
ser Asclie od. auf dem Hoste hart gebacken, 
bz. geröstet ivird. Diese bald zu fertigen- 
den „halsters" werden nur dann bereitet, 
wenn das gewöhnliche gesäuerte Grob- 
brod unvermuthet ausgegangen u. nicht zu 
haben ist, um dem augenblicklichen Brod- 
mangel rasch abzuhelfen. Es ist loahr- 
scheinl. als g er östetes od. als dürres, 
trocknes u. hartes Brod (cf. auch bünje) 
mit dem nd. (Danneil) hall'n (dörren, 
trocknen etc. ; de wind hallt dat land üt), 
hall, ballig (dürr, trocken), ballig (durstig, 
schmachtend, verlangend etc.); hcss. (Vil- 
m a r) bäl hal od. auch hael, hei, hei (tro- 
cken, dürr, mager; ausdörrend, austrock- 
nend, auszehrend etc.); ninld. (KU) hael, 
hei (exsiiccus, in quo nihil est succi aut 
piuguediuis; siccus, aridus; subtilis, tenuis, 
acutus, acris) connex, was nach dem mnld. 
(KU.) hael in haelgans = nhd. (Grimm, 
Wb. IV, 159) bablgans (Hagelgans, Fulica) 
wahrsrheinl. ein Contract. von dem unter 
hager (mager, dürr etc.) aufgeführten gleich- 
bedeutenden bagel, hiigel ist. Wäre es je- 
doch richtig, da.ss das Wort bäl, hael (tro- 
cken, dürr) historisch richtig (cf. Wei- 
gand unter ha hl) hal lautete, .so wäre 
dazu afries. (Wiarda, afries. Wb.,x>ag. 
179) hei (Jtoch, trocken, cf. unter 3 bei, 
helle) zu vergleichen , wobei man dann we- 
gen dieses Wortes, sofern trocken, dürr 
etc. die Grdbdtg. wäre, an die ]/ kal, kar 
(brennen, dörren etc., cf. lat. caleo, calor 



etc. n. Fick, I, 44), od. tvenn bei ursjyr. 
die Bedtg.: hoch, erhaben etc. gehabt 
hätte, an die y kar, kal (treiben etc ; he- 
ben etc , cf. Fick, I, 45 u. unter 1 halm) 
5 denken müsste, ioie es ja vielleicht auch mög- 
lich ist, dass die verschiedenen Bedtgn. der 
Wörter hei, hellen etc. (cf. hei etc.) sich 
aus den verschiedenen Bedtgn. der y kar, 
kal herschreiben. 

10 hals-tobi'äken, Halszerbrechen. Sjyrichw.: 
ferspräken (das sich versprechen) is gin bals- 
tobräken. 

hals-wark od. lialses-wark, lials's-wark, 
Halscswerk, Lebenswerk, Werk od. Arbeit, 

15 die die volle Kraft, bz. das volle Leben 
eines Menschen erfordert, od. Einen den 
Hals, bz. das Leben (cf. hals in der Bedtg. : 
Leben) kostet od. kosten kann; dar hed he 
balswark mit to dön, dat he dat klär (fer- 

20 tig, vollendet etc.) krigd ; — mit dat wark, 
wat he upstünds (zur Zeit, zu dieser Stunde) 
Schrift, dar hed he sin balswark mit, dat 
he dat fullentejed; — dat is 'n balswark 
(Lebensarbeit, Lebensaufgabe) für hum, wen 

25 lie dat wark fultöjeu (vollziehen, vollen- 
den) wil. 

kalter, heiter (m. u. n.) , Halfter od. 
Strickzaum, Gurtzaum etc. ohne Gebiss (ca- 
pistrum) ; trekk' od. smit du de perde äfea 

30 de halters (helters) afer de kop; — de hal- 
ter striken (seil, afer de kop) , sich losma- 
chen, ausreis.'^en, entwischen; — de kop wer 
dür 't heiter hebben, wieder frei , bz. der 
Fessel entledigt sein. — Nd., mnd. halter ; 

35 nid. halfter, halster; mnld. (KU.) balfter, 
halter, helfter, belebter; ags. bealfter; engl. 
halter; ahd. lialftra, haipbtra, balaftra, balf- 
tera; mhd. halftere, helfter. Alle Formen 
sind wohl aus half-tai'a entstanden, indem 

40 einerseits das inlautende „f" ausgestossen 
wurde u. andererseits in beichter das „f" 
7vic in kracht (Kraft), lücht (Luft) etc. in 
„cb" überging. Der Stamm „half", wovon 
dieses Wort mittelst des Sufjixes tara (cf. 

45 der) weitergebildet ist, stammt mit dem un- 
ter 2 halm erwähnten ahd. balp etc. (manu- 
brium) von einer germ. y balp, half =: idg. 
kalp, karp (greifen , fassen, halten, fesseln, 
binden, verbinden, zusammenmachen, verei- 

50 tilgen, schliessen etc.), die meiner Ansicht 
nach auch die y von helpen (s. d. u. cf. 
unter 2 halm) ist u. wohl jedenfalls (cf. skr. 
kalp M. zend. karep, sich fügen etc.) durch 
„p" von y kar weitergebildet ist, wenn nicht 

55 etwa karp aus y kar (machen, bewirken, 
thun etc.) _|_ }/ pa (greifen, fassen, neh- 
men, wegnehmen etc. ; fassen, halten, retten, 
schützen etc.) entstand, woraus sich denn 
von selbst ganz verschiedene Bedtgn. für die 

CO y karp, kalp ergaben, nämlich sowohl die 



HALTER- HELTER-GELD 



l'J 



IIAM 



von: wegnehmen thun, stehlen, rauhen, ent- 
ziehen etc., als auch die von : halten (tra- 
gen, heben etc.) n. retten thun etc. u. viele 
Andere, die zum Theil übrigens auch schon 
in der so vieldeutigen y kar (cf. Viele, I, 
41 — 46) zu Tage treten , aus denen sich ja 
im Laufe der Zeiten auch wieder eine ganze 
Menge anderer Bedtgn. weiter entioickelt 
haben u. selbst nothwendigerweise ent- 
wickeln mussten, weil die Begriffe noch viel 
wandelbarer u. flüssiger sind, als die For- 
men, bz. der Geist beweglicher ist, als die 
Materie. 

lialter-, helter-geld, (Halftergeld), das 
Trinkgeld, loelches der Käufer eines Pfer- 
des dem Knechte zahlt, der dasselbe ablie- 
fert. — Nd. (Er. Wb.) haltergeld. 

halter-, helter-kette, Halfterkette. 

jialtern, heitern. Dieses von halter (Half- 
ter, Strickzaum etc.) weitergebildete Vbm. 
wird hier nicht mehr in der urspr. Bedtg. 
von: halftern od. die Halfter anlegen u. 
über den Kopf ziehen (u. so auch: bändi- 
digen od. bezwingen, ztcingen dass ein Et- 
was sich dem Willen eines Jemand fügt 
etc.) etc. , sondern wie auch das nd. (B r. 
■ Wb.) lialtern u. nhd. (cf. Adelung) half- 
tern im uneigentlichen Sinne von: ab- 
nützen, quälen, zerren, reissen etc. ge- 
braucht, wie z. B. he harr' (hatte) d'r wat 
mit to haltern (zu reissen etc., musste sich 
tüchtig anstrengen u. abmühen etc.), dat he 
dat perd de halter afer de kop kr6g ; — 
ik heb' mi al so lank mit dat perd (od. 
de junge etc.) herum halterd (herumgequäU, 
herumgerissen etc., od. stark damit bemüJit 
etc.), man ik kan d'r niks mit worden ; — 
he hed d'r f81 mit to haltern (od. riten), dat 
he dat klär krigt; — he kun sük d'r hast 
net tegen haltern (reissen, loehren etc. od. 
anstrengen etc.), dat he d'r bäs afer wurr'. 

halter-palter, halter di palter. Diese 
kaum präcise zu übersetzende Zusammen- 
stellung von halter u. palter wird in fol- 
gender Weise u. Bedtg. gebraucht, als: de 
wagen kan d'r so halter-palter (so halbwegs, 
so ungefähr , so eben etc.) hen , man göd 
geid 't net; — dat kan so halter-palter gän 
(wenn es auch nicht ganz glatt u. ohne An- 
stoss geht, so kann es doch so ungefähr ge- 
hen u. passiren etc.) ; — dat gung so halter 
di palter göd (das ging, wenn auch nicht 
so recht, wie es sein musste, so doch noch 
so halbwegs gut. Vergleicht man jedoch, 
dass wir halter di palter ebenso wie hulter 
di pulter = nhd. „holt er die polt er", 
auch in der Bedtg. : in überstürzender Eile, 
in Ueberstürzung etc. gebrauchen, so ist es 
klar, dass halter-palter 7nit holte r- 2) ölte r 
identisch od. doch synonym ist u. dass 



„halter-palter gän" eigentlich nichts Anderes 
besagt als „loechselseitig anstossend gehen", 
bz. dass es aus einer holte (Höhlung, Ver- 
tiefung etc.) auf eitle palte (dickes Stück, 
5 Klumpen etc. , cf. auch palter = plenter, 
dickes Stück Holz, Kloben etc., paltrig, kluni- 
jjig, in dicke Stücke zerrissen u. getheilt 
etc.) fällt u. stösst u. demnach holperig 
u. uneb e n geht, od. nicht glatt u. ohne 

10 Anstoss verläuft, ivie loir auch sagen: dat 
kan wol halter-palter (d. h. , dass es bald 
hier, bald da anstösst) d'r dör u. „halter- 
palter gän" auch in der Bedtg.: „hol- 
perig od. nach allen Seiten unstossend (u. 

15 so stockend u. schlecht) gehen" gebrauchen, 
während andererseits halter di palter ebenso 
wie hulter di pulter od. nhd. holt er die 
polt er auch die Bedtg. : Hals ü ber 
Kopf, kopfüber , bz. in Ueberstür- 

20 zung, in grosser Eile etc. (he kwam 
halter di palter to de dör herüt ; — he 
kwam nog net äfen halter di palter weg 
etc.) hat. 

1. ham od. hamm, Biss, Bissen, Stück, 

25 Schnitt etc.; he dede d'r 'u ham in od. üt, 
of etc. ; — he hed d'r 'n dügtigen ham üt 
dän, bz. ütbäten. — Weiter vergl. botram 
= nid. boter-ham (Butter-Brod , — Schnitt 
od. Stück mit Butter) u. mnld. (KU.) 

30 hamme (pars abscissa rei cibariae, frustum 
esculentum). Kann dieses ham zur }/ (Bopp) 
cam (edere, vesci) := (Benfey) kham, 
(Grassmann) cam (idg. kam?) gehören, 
od. stammt es mit 2 ham, sowie ahd. ham 

35 (verstümmelt, gestutzt etc ), hamal (verstüm- 
melt ; verschnittener Schafbock), hamar (Ham- 
mer) etc. (cf. 1 M. 2 hamel, hamer etc.) von 
einer allgemeinen germ. ]/ ham, welche cms 
der Grdbdtg. : schlagen, hauen, stossen etc., 

40 die Bedtgn. : stechen , schneiden , spalten, 
reissen, bersten, brechen, biegen, krümmen, 
rund. V. gebogen etc. machen, wölben, wöl- 
bend od. rundlich gebogen umschliessen, 
Cirkel od. Kreis, Ring, Wall etc. etc. ma- 

45 chen um Etioas herum , umringen , ein- 
schliessen, umgürten, einfriedigen, schützend 
umgeben, einfassen, uni' od. verhüllen, ver- 
bergen, bedecken, bekleiden etc. weiter ent- 
xoickelte, wie ja alle diese Bedtgn. in den 

50 vielen zu einer germ. y ham gehörenden 
Wörtern (cf. auch hemd, heramel, hämo im 
ahd. lihhamo etc. u. Weiteres unter 2 bis 
5 ham etc.) vorkommen u. belegt sind? — 
Möglicherweise jedoch kann dieses 1 ham 

55 (cf. kram, krum, dum etc.) auch aus älterm 
hamp, hamb gekürzt sein, sodass es mit hap, 
happen, haffeln u. hampe, humpe (Stück 
etc.) etc. zu einer idg. y kamp, kap gehört, 
die aus der Grdbdtg. : ire, se movere od. 

00 g ehen, bewegen (vor), wie (cf. Ferd. 



HAM 



20 



HAM 



Justi) die y ao (gehen, dringen vor, ge- 
langen wohin u. wozu, erreichen, erla)tgen, 
ergreifen , fassen , nehmen zu sich, essen, 
trinken etc.) ähnliche Bedtgn. wie diese, so- 
wie loeiter auch die von: sich hin u. her 
bewegen, schwingen , schlagen (hauen, spal- 
ten etc.), od. sich icinden, krümmen, biegen 
etc. entwickelte m. demnach ausser für liampe 
etc., sowie liampel u. haiiipohi, liimp-liampeu, 
humpeln etc. auch für liebben, liafo, hecli- 
teu (heften), betten etc. u. vielleicht auch 
/«>• hapeii etc., sowie für lat. capio etc. aufzu- 
stellen ist, ivorüber unter hehhen, batV, hat'en, 
lieft'en etc. das Weitere zu vergleichen ist. 
Wegen der obigen germ. y liam, bz. der 
nachfolgenden Wörter 2 bis 7 bam ii. hem 
(Heim) vergl. bei Fick die Zusammenstel- 
lung von: ags. bama (Kleid, Hülle, Haut 
etc., s. unter 2 bam) u.nhd.Himmeletc, 
skr. kmar (krumm ■<:ein), zend. kamara (Gür- 
tel , Gewölbe) , griech. kamära (Gewölbe, 
Kammer), lat. camera, caraerus, camurus 
etc. unter idg. kam (sich wölben, umrin- 
gen) ; — skr. cam od. cam (vesci), lit. kimu 
(heiser werden) , (did. humbal (Hummel), 
jjreuss. camus (dieselbe) u. lat. gemere etc. 
unter idg. kam (schlürfen, seufzen, summen); 

— skr. qnm (sich midien, ermüden etc.) n. 
ahä. hemmen (ruhen machen, hcdten auf 
etc.) etc. unter idg. kam (sicli mühen etc.); 

— nhd. Heim = afries. bam, bem, ags. 
häm, as. hem etc. ; lit. kemas (Dorf) etc. u. 
skr. kscbetra (Feld), ksbema itvöhnlich), lat. 
quies etc. unter skr. kshi (siedeln); — fer- 
ner die Zusammenstellung von ahd. bam 
(verstümmelt etc.) , hamal (Hammel), goth. 
bamfs (verstümmelt) etc. mit griech. kö- 
phüs, köptö u. lat. cäpus, cäpo (cf. hampe 
etc.) ; — ags. hamm (Kniekehle) etc. mit 
griech. kneme (Schienbein) etc. u. air. cnäm 
(Bein, Knochen) etc. u. iveiter bei H. Leo 
die Ableitung von ags. himao, bam, bz. bam 
(Kleid, Hemd) , liera (Saum , Kand etc.), 
bam (Oberschenkel, Schinken, Kniekehle, 
poples, cf. 4 bam) etc. von skr. y gam (se- 
dari), tvührend er ags. hame (Gebärmutter 
etc.) u. mnld. ham, bammc (secundinae) etc. 
von skr. y kam (amare etc.) ableitet, ags. häm 
(Heim) indessen auch mit skr. ksliema etc. 
zusammenstellt. 

Vergleicht man nun aber weiter 1 bis 7 
liam u. die andern auf eine germ. y bam 
zurückgellenden Wörter, soivie die theil- 
weise doch wohl sehr fragliche Zusammen- 
stellung u. Ableitung der obigen Wörter bei 
Fick u. Leo (cf. auch Pott, Witrzelwb. 
II, zweite Abth., pag. 162 seq. die No. 633 
u. 637 ivegcn y gam u. Benfeg, Orient 
u. Occident, II, 87 ivegcn goth. hamfs etc. 
von y ksban) mit u. von skr. kmar, gam, 



bz. idg. kam, kam (wobei es doch auch ivohl 
angenommen werden muss, dass das skr. 
kmar = zend. kamar auch von einer sec^m- 
dären od. primitiven y kam iveitergebildet 
5 sein muss, die im Skr. m. Zend. Jedoch nur 
in der Bedtg.: lieben, begehren, wünschen 
etc., bz. amare, capere, desiderare, velle be- 
legt ist), od. anderen Wurzeln u. bedenkt 
man dazu, dass die Bedtg.: lieben, be- 

10 gehrcn, Verlangen tragen (nach Et- 
ioas) nie eine urspr. sein kann, bz. dass 
die für das Vbm. lieben (cf. lefeu, lafen, 
lof, löf etc.) anzusetzende y lul)b od. riibb 
von der ]/ rap, rup (von rc{ffen «. rauben, 

15 cf. rapen u. rofen etc.) gar nicht zu tren- 
nen ist, sowie auch, dass die y a.q (s.oben) 
aus: gehen u. dringen (vor) etc., ausser 
erreichen, erlangen, e r greif en, fas- 
sen, nehmen (cf. auch läsen, lesen =: 

20 greifen, nehmen, fassen, aufgreifen , auf- 
nehmen, sammeln, lesen etc. u. Alles was 
Fick, III, 271 seq. unter lis, lisan etc. 
aujführt) auch die Bedtg.: essen etc. ent- 
wickelte u. dass auch das Staminvbm. gären 

25 von begären (begehren, verlangen u. trach- 
ten wonach), bz. das Adv. gerne u. Subst. 
Gier von einer ]/ gbar (beivegen [sich od. 
ein Anderes], regen etc. [cf. 4 gären] etc.) cü)- 
slammt , so kann ich nicht umhin, die y 

30 kam (lieben, verlangen ivonach etc.) als eine 
von ak, umgesetzt ka (bewegen u. dringen 
vor, erreichen etc.) = skr., zend. a^ erwei- 
terte Form kam, kma (cf. mar = mra) an- 
zusehen, die aus der Grdbdtg. : beivegen 

35 (sich u. ein Anderes), gehen (se movere) 
zu, kommen zu etc., od. gehen u. drin- 
gen vor etc. die Bedtgn,: erreichen, erlan- 
gen, ergreifen, fassen (umfassen, umarmen, 
lieben etc.), greifen u. langen nach, verlan- 

40 gen, begehren (lieben etc.), bz. greifen, fas- 
sen, halten (halten hoch u. iverth, schätzen 
etc.), heben, tragen etc., od. fassen, umfas- 
sen, um- u. ein-schliessen, umgürten (cf. 
zend. kamara, Gürtel; Gewölbe), umringen, 

45 mit einem Hing (Wall, Mauer, Zaun etc.) 
umgeben, einfassen, sicher u. fest machen, 
Schutz machen (um Etwas herum), schützen, 
bergen, verhüllen etc. weiter entwickelte, 
während andererseits aus bewegen die 

50 Bedtg. : h i n u. h e r bewegen, schwingen, 
.schlagen, hauen (s. oben wegen einer germ. y 
ham, schlagm etc.) etc. sowohl, als auch die 
von: sich winden, krümmen, windend u. 
krümmend umfassen, umwinden, umbinden, 

55 umstricken, bestricken, umarmen, fesseln etc. 
hervorgehen koniitcn, wie denn auch aus 
der y kap, kamp, bz. cap, camp (sc movere, 
vacillare, tremere etc., cf. cäpalä u. dazu 
hampel etc.) auch wohl die in kapanä (Wurm, 

60 Raupe) liegende Bedtg.: kriechen, od. sich 



HAM 



21 



HAM 



iv/ndend u. biegend hin u. her bewegen etc. 
(Fick sagt zu y 2 kap ['biegen], die er 
selbst aber mit vibriren, auf u. nieder gehen 
etc. übersetzt) hervorging u. andererseits aus: 
sich winden u. krümmen etc. auch die Be- 
dtg.: umwinden, umfassen, befassen, greifen, 
fassen, binden, verhaften (cf. y 1 kap, fas- 
sen etc., uwvon lat. capio , sowie die Wör- 
ter hafe, hafen, hebben, heflen, hecht [Heft] 
etc. hervorgingen) u. manche andere ent- 
stand. Wenn man mm aber auch sieJit 
{wie oben bereits gesagt), dass H Leo ein 
ags. himan (obstare; tegere), Thema ham 
von skr. gam (sedari, immobilem fieri , i-e- 
pellere, placidum, quietum esse etc.) ableitet 
u. hiesu ausser hem (Sawn, Band, Einfas- 
sung), hama (Umhüllung, Bekleidung, Haut) 
etc. auch hamma (Oberschenkel, Schinken, 
cf. 4 liam) stellt, so kann man doch mit gu- 
tem Eecht auch diese Wörter zur y kam 
(lieben, begehren etc.) stellen, sofern man 
annimmt, dass diese die sinnl. Bedtg.: grei- 
fen u. langen wonach, od. fassen etc. hatte, 
zumal zu dieser sinnl. Bedtg. auch besser 
das von ihn von dieser y abgeleitete hame 
(Gebärmutter etc., Nachgeburt etc.) 2msst, 
was doch jedenfalls ein Kindsbalg od. eine 
Haut ist, worin das Kind geschützt liegt u. 
loas man deshalb doch wohl mit Hecht zu 
demselben Stammvbm. stellen kann , wovo)i 
auch hama (Bekleidung, Schutz, Haut etc.) 
abgeleitet loird. cf. auch 7 ham , bz. die 
damit zusammengesetzten Wörter, tvie harn- 
ende etc. Vergl. übrigens loegen ham (Biss, 
Bissen etc.) auch hammen. 

2. ham od. bamm, eine Wiese od. ein 
Stück Grün- od. Weide-Land, welches nicht, 
ivie ein kamp, mit Wällen, sondern mit Grä- 
hen abgegrenzt u. eingefriedigt ist. — Nid. 
ham (ei7i nmzäuntes Stück Land); mnld. 
(KU.) hamme, ham (pratum , pascnum) ; 
mfläm. ham (Weide, pascuum); engl, ham 
(Aue, Rasenplatz, Weide, ein Stück Wie- 
senland); afries. ham, hem, him od. hamme 
etc.?, cf. hamrik u. dazu Ehr entr aut, 
fries. Archiv, 1, pag. 150 die Urkunde von 
1431, ivo der Getiit. hsimmes jedenfalls auch 
auf ein afries. hamme in der Bedtg. „Stück- 
land" od. „Wiese''- (wie fenne) schliesseu 
lässt, wie es denn auch jetzt noch überall 
in fries. Landen (cf. Seh. u. L. unter 1 
ham, sowie bei Outzen u. im Br. Wb., 
wonach auch noch im Osterstadlschcn eine 
Wiese „ham" heisst) in dieser Bedtg. im 
Gebraucli ist. — Es wird urspr. ivohl ein 
ein g efr iedig te s, mit Gräben od. einem 
Zaun umgebenes Stück Land u. danach eine 
zum Weiden benutzte Wiese, bz. (tvie das 
griech. chortos, cf. gärden) einen „ Weide- 
platz im Freien" bedeutet haben, tvie auch 



das nfries. (cf. Outzen unter ham) hamm 
im Allgemeinen einen a b g e gr enzten od. 
e i n g efr iedig ten Platz bezeichnet. Ver- 
gleicht man nun unser ham od. liamm in 
5 dem Dorfnamen Eseusham u. das afries., 
jetzt zu um verdampfte liem in den Orts- 
namen : Fertmareshem (Farmsum) , Fres- 
brahteshem (Freepsura), Paweshera (Pewsum) 
etc., bz. dass das afries. ham, hem ausser 

10 Dorf od. Wohnstätte etc. auch einen 
eingehegten Bau m bezeichnete , so ist 
es ivohl möglich, dass dieses ham od. hamm 
mit nltd. Heim (cf. licm) von Hause aus 
identisch ist , wie denn auch v. Bi clith o- 

15 fen das afries. liam, hem (ob er es hära, 
hem hätte schreiben müssen, ist zweifelhaft, 
trotzdem er statt hem auch die Form heem 
hat, iveil auch hem in den alten Ortsnamen 
des Werdener Heberegisters ein kurzes „e" 

20 zu haben scheint) mit nhd. Heim = as. 
hem, ags. ham (domus, vicns, patria) iden- 
tificirt. Da wir aber jetzt nicht hem, son- 
dern hem sprechen n. es mir auch zweifel- 
haft ist, ob ham in hamrik (cf. dieses), wie 

25 er annimmt, ivirklich die Bedtg. : D o rf od. 
Heim hat, so toäre es auch möglich, dass 
ham in der Bedtg. : pratum, pascuum etc. von 
ham, hem od. ham, hem (Heim) von Hause 
aus ganz verschieden ist u. mit ags. hem 

30 (Saum, Band, Einfassung, Umfassung, Um- 
schliessung etc.), ham (Bekleidung, Hemd, 
bz. schützendes Etivas , Schutzding etc.), 
hama, homa (Umhüllung, Bekleidung, Ueber- 
zug. Haut etc., cf. ham in licham = Leich- 

35 natu, ahd. lih-hamo) zu einem Stammvbm. 
himan, ham etc. (decken , bedecken , schützen, 
ivehren, abwehren, hemmen etc., cf. hemd, 
hemmen, hemmel etc.) gehört, da sich ja 
iiieraus ham in der Bedtg.: mit einer 

40 E i nf a ssung od. einem schüt z enden 
Ettoaa umgebenes Grundstück auch 
ebensogut ableiten lässt, als dass man es 
mit afries. ham, hem od. ham, hem (Heim) 
identificirt. Hält man nun aber für ein 

45 von himan (decken, schützen etc.) stammen- 
des afries. ham, hem od. liama die Bedtg.: 
Einfassung, Umschliessung etc. od. Ein-, 
Umfassendes, Schützendes etc. (ivas jeden- 
falls nach afries. lichama [Leichnam, d. h. 

50 Bekleidung der körperlichen Gestalt od. 
Fleisch-kleidj u. hamothe [Hemd] bestanden 
hat) fest, so ist es nicht allein möglich, 
sondern sogar sehr icahrscheinlich, dass das 
urspr. afries. ham, hom (Heim, od. das loas 

55 Einen schützend umgiebt etc., cf. hem) sich 
mit einoii von himan (togere etc.) abstam- 
menden ham, hem gemischt hat u. dass man 
bei dem v. Bichtho fen angeführten hsiva, 
hem, him etc. nur deshalb nicht weiss, wel- 

60 ches Wort (d. h., ob das mit ags. liam u. 



HAM 22 HAM 

imsenn hum identische nhd. Heim, od. das reit (Itiet od. SchilfroJir) bestanden tvar, 
zu liiman gehörende ham) er meint, weil er welches im Winter geschnitten u. dann zum 
ehe» nirgends den Vocal hezeichyxet u. nir- Decken der Häuser gebraucht wurde, wo- 
gends angiebt, ob er urspr. lang od. kurz nach denn rehha.m soviel wie Biet-Bucht 
icar. Wegen der y vergl. das unter 1 bam 5 bedeutet. — Auch nid., mnld. (KU.) nur 
Gesagte u. wegen des africs. ham etc. in der in: inham (sinus maris, litus iiicurvum mare 
Bedtg.: Haus od. He im, bz. eingefrie- amplectens) u. nid. uitham (Landzunge, 
digtes I^twas auch mnld. (KU.) hdimme, Vorgebirge). Es gehijrt zu einer germ. ]/ 
ham, hom (domus, liabitatio) u. unser ham ham , biegen, krümmen etc. (cf. unter 1 u. 
in ham-onde, tcas nach meiner Ansicht sei- 10 2 ham), die wahrschcinl. auch für 4 ham 
ner Abstammung nach von m)dd. heym (Schinken) u. vielleicht auch für 5 ham an- 
(Hcim) ganz verscJiieden ist n. urs^n'. blos zusetzen ist, weil auch die Bedtg.: schräg 
ein Etwas bezeichnete, ivas Schutz giebt, od. schief aus der Grdbdtg.: biegen, 
od. worin man sich bergen u. schützen krümmen etc. sich ergeben kann, 
etc. kaim u. demnach von Hause aus das- 15 4. ham od. Iiamin , Schinken. — Nid. 
selbe Wort ist, wie ags. ham, hem (Einfas- liam; mnld. luvmme (perna, petaso, armus 
sung, Umfassung, Umhidlung, Hülle, Kleid porci); mnd. (Seh. u. L) liame, hamme 
etc.); mnd. (Seh. u. L.) h&m (Decke, Hülle, (Hinterschenkel, Schinken); engl. h.a,m. Vergl. 
Hülse; Nachgeburt [secundinae] od. Kindes- im Grimm' sehen Wb. unter 1 hamme, ico- 
balg, Gebärmutter etc., cf. uiäer 1 ham am 20 nach es mit ahd.\\2iVamA; mhd. hamme (suf- 
Schlu.'^se) u. ham, liem etc. in licham (Leich- ft'ago, poples) ; ags. liamm (poples) ; mnld. 
nam), hemd (Hemd) etc. etc. Wegen der (KU.) liamme, hamm, harne (dasselbe) von 
Verschiedenheit des von v. Bichthofen Hause aus identisch ist, od. doch mit diesen 
aufgeführten afries. ham von hem (Heim), von der bereits unter 1 u. 2 ham ericähnten 
bz. einer Vermengung von afries. ham, hem 25 germ. ]/ ham (biegen, krümmen etc. od. sich 
(Heim) mit ham, hem (Ein- od. Umfassung, rundlich wölben, rundlich od. gebogen sein 
Band [Ufer, tcovon auch vielleicht Ham- [nach aussen od. nach innen hin eine 
bürg seinen Namen hat, wie Bremen von Krümmung u. Biegung machen] etc.) ge- 
bram, brem, brim, Band, Saum, Einfassung, hört u. wie man bei ham (Schinken od. 
Ufer], Einhegung, Umzäunung, eingehegtes 30 Oberschenkel) auch daran denken kann, 
u. umzäuntes Etwas, Haus, Weideplatz, dass es wie bak (Bücken, Speckseite, Schin- 
Weide, eingehegtes Feld etc.) vergl. auch ken), bz. nhd. Backe auch ein nach Aussen 
Hamm im Grimm' sehen Wb. u. wegen hin rundlich gebogenes, bz. rundliches u. 
einer bereits unter 1 ham ericähnten germ. getvölbtes Etivas bedeutet hat, icährend 
y ham mit der Bedtg. : greifen, fassen, hal- 35 hamma (suifrago, poples) überall wohl nur 
ten (fesseln) tragen, retten, schützen, ber- ein gebogenes u. gekrümmtes, od. ein 
gen, siehern, schützend umgeben, einschlies- sich biegendes u. biegsames Etwas 
sen, umschlicssen, einfriedigen , einfassen (Gelenk) bezeichnet hat. Wegen einer di- 
(wovon: Einfassung, Band, Saum etc. u. reden Ableitung dieses Wortes nicht von 
Hülle, Balg, Kleid etc. in den Wörtern 40 einer allgemeinen germ. y ham (biegen, 
ham, hamme etc., soivie auch die von: Ge- krünunen, sich ivölben, wölbend umringen 
bärmutter etc. sich von selbst ergeben), etc.) = idg. kam, ivozu Fick ausser skr. 
schützend umringen, rundlich einfassen kmar, zend. kamar (krumm, gewölbt sein), 
(woraus sich die Bedtg.: Gewölbe, Bing etc., kamara (Gürtel; Gewölbe), lat. camara etc. 
od. rundlich Gebogenes etc. ergeben, cf. 4 45 auch germ. hama, hamau (Hülle, Haut, Ge- 
ham) etc. vergl. auch im Grimm' sehen wand, Balg etc., vergl. unter 2 bam u. 1 
Wb. unter 1 u. 2 hame, bamen, hamme etc. ham am Schlüsse), goth. hamön (hüllen), 
3. ham od. hamm, Bucht, Busen etc. u. bz. das dafür anzusetzende Stammvbm. germ. 
zwar nur in den Compos.: in-bam (Ein- himan, bam, humun u. as. bimil (Himmel, 
bucht, od. ein ins Land einschneidender 50 cf. hemmel), stellt, vergl. Weigand , der 
Meerbusen etc ) ; — iii-hnm (Ausbucht, Land- hamme (Schinken) etc., bz. ahd. hamma 
Zunge, Vorgebirge etc.) ; — sowie wahr- (suifrago, poples) etc. direct von ahd. ham 
scheint, in dem Namen der Ortschaft od. (verstümmelt, verkrüppelt od. lahm, urspr. 
des Landstrichs „Reit-ham" , welcher vor krumm?) ableitet, wovon ahd. bamal (ver- 
Eindeichung des Polders „Schoonorth" nach 55 schnittener Schafbock, cf. hamel) etc. weiter- 
seiner niedrigen Luge u. noch jetzt sunt- gebildet ist, loährend ahd. humf (verkrüppelt, 
jjfigen Beschaffenheit jedenfalls urspr. auch verstümmelt, od. maiicus), goth. hanfs (de- 
eine Bucht od. ein Busen iv<ir , der allmä- bilis, mancus) , ags. haf (mancus) wahr- 
lig verschlammte u. dann lange Zeit, wie scheint, zu der unter 1 bam erwähnten y 
sehr viele andere Buchten der Seeküste mit 60 kap, kamp, kamb (vacillare, tremere etc.) 



HAM 23 HAMEL 

gehört, wozu auch wohl hamp, himphampen, von der }/ liani (um- u. einfassen, in sich 

hampeln, humpeln etc. gelegt werden müssen. befassen u. beschliessen, bedecken, verhüllen 

5. ham od. hamm , das über den Gie- etc.) abgeleitet ist, wenn man nicht etwa 
bei vorragende u. schräg herabhängende tvie bei belle in tötbelle an die rundlich ge- 
Strohdach eines Bauernhauses von alter 5 bogene Form desselben denken u. es wegen 
Bauart. seiner Form xion der }/ ham (biegen, krüm- 

Bie Grdbdtg. dieses Wortes tvird wahr- men etc.) ableiten will. Wcigand ist übri- 
scheinl. Schutz dach od. schütz ende s gens der Ansicht, dass es mit mhd. harne, 
Ettoas geivesen sein, sei es, dass dieses ham nhd. Hamen, Angel, Angelhaken aus lat. 
entweder eine Art Laube war, unter der 10 häraus entlehnt ist u. hieraus in die Bcdtg.: 
man im Schutz vor Eegen etc. sass, od. Fang netz überging, während M. Heyne 
dass es die Lehmmauern des Hauses (urspr. (cf. 2 hame) dagegen glaubt, dass nhd. 
hatten hier die Mauern der Bauernhäuser Hamen (Angelruthe, Angel) mit Hame 
auf dem Lande ivohl sämmtlich Lehmmau- (gebogene hölzerne Fessel), nd. ham, engl. 
ern, da bekanntlich kein Haus von Stein 15 hame (Kummet); mnld. (KU.) hamme, 
gebaut werden durfte u. Holz sehr rar war) koehamme (numella , ein küwham od. höl- 
vor Schlagregen u. Tropfenfall schützte, da- zerner Ring, damit man das Vieh an die 
mit diese nicht davon durchiveicht u. abge- Kri}}pe bindet) etc. von der germ. j/ ham 
spült werden konnten. Ist dies richtig, so (biegen, krümmen, flechten etc., cf. unter 1 
gehört es mit den bereits unter 1 u. 2 ham 20 u. 4 ham) abzuleiten ist, wobei man denn 
erwähnten Wörtern, denen auch die Grd- auch wieder bei der aus: biegen, krüm- 
bdtg.: schützen, schütz end umrin- men etc. od. der, auch in der germ. y ham. 
gen etc. zu Grunde liegt, zu der germ. y liegenden Bedtg. : ein- u. umfassen, ein- 
ham (hemmen, schützen, hindern, abhalten, zäunen etc. daran denken könnte, dass 
sichern, bergen etc.), loozu ausserdem auch 25 ham als Netz zum Fischen urspr. ein von 
das nd. (Dähnert) hamm (Halt! — dat gekrümmten u. gebogenen Weiden gefertig- 
het hamm, das heisst Halt od. Hemmung, tes g e flocht e nes Etwas (cf. unser mAnne, 
— das ist dir verboten zu thun etc.), od. loas loahrscheinl. mit mande, manne [Korb] 
(Dann eil) hamm in hamm holln (du säst identisch od. doch nahe verwandt ist) tvar, 
mi woU hamm holln, du sollst mir wohl 30 toie ja gewiss viele Geräthe zum Fischen 
Stand halten od. mir da stehen bleiben, wo ebenso wie die Beusen urspr. aus gefloch- 
ich dich halten will), hess. (Vit mar) ham! tenen Weiden bestanden. 
(Halt! Halt da! zurück = tinserm hö), wie 7. ham od. hamm etc., ««ham-ende; s. d. 

auch das Vbm. hemmen = ahd. (hamjau) häm-balk, s. hanebalk. 

SU einer y ham (schützen od. abhalten, zu- 35 hära-bolte, s. hanebolte. 
rückhalten, od. Jemanden halten wo, wovon 1. hamel, homel, verkrüppelt, unvullstän- 

ab, zurück) gehört. dig ausgebildet, klein, schmächtig, elend, 

6. ham od. hamm, hame, häm, Netz. schlecht, verfallen etc.; 'n hamel der (ein 
Daher: schüf-ham, schuf hame, Schiebnetz, verkrüppeltes, elendes Thier) ; — he sügt 
Netz, welches oben an einem starken, mit 40 arbarmlik hamel (elend, verfallen, ver- 
einer langen Stange versehenen, Reif be- schrumpft etc. , od. so wie eine Ruine von 
festigt ist u. auf dem Grunde des Wassers einem Menschen) ftt. — Ahd. hamal, ha- 
hingeschoben wird, ähnlich tvie die manne mel ; mhd. hamel (verstümmelt, verkrüppelt). 
od. slotlä. — Wang. (Ehr entraut, fries. Mit 2 hamel von dem. dort weiter zu be- 
Archiv, I, 372) hum (cf. tvang. huramer = 45 sprechenden gleichbedeutenden ahd. ham. 
Hammer); mnd. (Seh. u. L.) hame; mhd. Vergl. auch homel. 

hame, ham; nhd. Hame, Hamen u. früher 2. hamel, verschnittener Schafbock (Ham- 

auch hamm, hamme. Es wird vielfach (cf. mel), sonst auch (nd.) bötel (s. d.) genannt. 
Schade, ahd. Wb. u. Grimm' sches Wb. — Nd., mnd., nid. hamel; mnld., mfläm. 
unter 1 hame) mit ahd. hämo (Kleid, Decke, 50 haemel ; ahd. hamal, hamel ; mhd. hamel 
Hülle, od. Ein- ti. Umfassendes [cf. afries. (verschnittener Schafbock; im mhd. auch: 
hama, homa, was im Compos. hirthhoma truncus, abgehauener Stock = stummel). 
auch die Bedtg.: Beutel od. Sack, d. i. Weitere Formen u. Bedtgn. s. im Grimm' - 
Hülle, Balg etc. hat u. wonach dieses ham sehen Wb. unter Hammel, 
auch ein Beutel- od. Sacknetz, bz. ein beu- 55 Es ist ebenso wie 1 hamel durch das 
tel- od. sackförmiges Etwas sein kann], s. Suffix al, el (urspr. tvohl ala, ara u. von 
unter 1 «. 2 ham) identificirt, obschon man Hause aus wohl ein Sein u. Wesen, bz. 
auch annehmen kann, dass es in der all- einen Zustand, der durch irgend eine Thä- 
gemeinen Bedtg. : Ding od. Geräth, was zum tigkeit entstand, od. ein Etwas, Ding etc. 
Fassen u. Fangen dient, direct mit hämo 60 bezeichnend) von dem ahd. ham (verstüm- 



HAMEL 



24 



HAMER 



melt, rcrJcri'qjpelt) weitergebildet, worüber 
nuten das Weitere. 

Von ahd. hamol ist wohl jedenfalls wei- 
tergebildet : ahd. hanialöu ; mhd. liameleii 
(beschneiden, i'erschneidcn, ab- od. einstutzen ; 
einen Hammel machen, ca-'^triren) u. nd. 
(Dähnert) hamelen (die Böclce verschnei- 
den) , sowie wohl (da nach iinserm hamel, 
liomel dieses Wort im ofries. existirte) auch 
africs. (i\ Richthofen, liettema) he- 
milja, liomelja (dostruero, debilitare), heme- 
linga, liameliiiga, homelinga etc. (truncatio), 
tcährend es mir bei agft. liamelan od. (Ett- 
müller) hamoljan, (poplites scindero), enfßl. 
hamble = hamstring (dasselbe), an. liamla 
(hemmen, hindern etc ; 3I(ibius hat auch 
die Bcdtg.: verstümmeln); isl. liamla (uavim 
remis iiiliibere ; coliibore, impcciire) etc. zwei- 
felhaft ist, dar^s deren Stamm liamal, liaml 
mit dem ahd. liamal (verstümmelt, verkrüp- 
pelt) nrsjjr. gleich war u. wie dieser, von 
einem mit ahd. liam sijnonijmen u. identi- 
schen ags., an. ham (was wenigstens in 
diesen S2)rache)i nicht vorkommt) tcederge- 
bildet iDurde, weil das ags. haraelan od. ha- 
moljan anscheinend auf ham od. hamm 
(poples, cf. unter 4 ham) zurüchgeht u. das 
an. hamla augenscheinlich derselben gcrm. 
y wie nhcl. h e m m e n (cf. hemmen) ange- 
hört. Wahrscheinlich liegt die Sache nun 
aber so, dass das ahd. ham (verstümmelt, 
verkrüppelt) urspr. die Bedtg. krumm, ge- 
bogen, gekr ü m m t etc. hatte u. das ags. 
ham (poples) als Gcbo g enes. Gekrümm- 
tes ganz in derselben Weise davon substan- 
tiviH wurde, wie hamal, verschnittener Schaf - 
bock od. Verstümmeltes etc. von hamal, ver- 
stümmelt od. eigentlich ivohl gekrümmt, 
contr act , lahm , ste if od. k r u m m - 
stehend etc. u. das ags. hamoljau eigent- 
lich ivohl nur die Bedtg.: lähmen od. 
lahm machen etc. hatte. Wie nun aber 
unser lemmern, belemüiern aus ahd. lemjan, 
bilemjan (lähmen) die Bedtg : hindern, be- 
hindern, aufhalten, abhalten etc. entwickelte 
XI. zu lam (lahm) gehört, so erhielt denn auch 
das an. hamla (hemmen, hindern) ganz in 
derselben Weise von hamal (gekrümmt, con- 
tract, lahm etc.) seine Bedtg.: hindern, 
hemmen u. ist es so auch tonhrscheinlich, 
dass das für hemmen anzusetzende urspr. 
hamja'.i auch von ham (gekrümmt etc.) ab- 
stammt u. zuerst blos die Bedtg.: gekrümmt, 
contrad u. lahm machen hatte, woraus den}i 
von selbst die Bedtg. : nngebbar machen 
(machen dass Etwas nicht mehr gehen kann, 
sondern stehen bleiben muss), zum Stehen 
bringen, am Fortgang hindern, aufhalten, 
hemmen etc. hervorging. Hätte das ahd. 
ham nun aber urspr. die Bedtg.: gebogen, 



g ekrü mm t etc., so gehört es mit seinen 
Weiterbildungen: hamal etc. selbstredend mit 
4 ham etc. zu derselben ]/, worüber dort 
das Weitere zu ersehen ist. 
5 3 liamel , s. amel u. mig-amel od. mig- 
liamel. 
ham-endp, honi-eiule od. haiiim-eiule etc.; 

a) der Hintertheil eines Bauernhauses und 
zwar speciell der Theil desselben, der unter 

10 dem schrägen Abdach liegt, od. sich vom 
hintern Giebel bis zum sog. „katgäfel" er- 
streckt, der den Schluss der mit dem Vor- 
derhause unter einem Dach liegenden ei- 
gcnllichen Scheune des alten fries. Bauern' 

15 'hauses (cf. Cad. Müller Tafel C) bildet; 
de pmlestallen liggeii in de hörnende; — 

b) (scherzh.) der Hintere, Fodex ; so stekd 
de homende so wid achteriit, dat d'r wol en 
up Sitten kan. — Dieses ham od. hamm, 

i2Ü hom hat nach afries. hama, homa (Gewand, 
Haut etc. od. tograen, als Bedeckendes u. 
Schützendes) entweder die Bedtg.: „Dach' 
(tectum) od. die von „Haus" (cf. afries. 
liam u. mnld. hamme, ham, hom unter 2 

25 ham), sodass ham-eude entweder soviel wie 
Dach-Ende od. Haus- u. Seh eunen- 
Ende bedeutet. 

lianier (Plur. liamers), Hammer (malleus) ; 
't is nct, as of 'k 'u hamer in de kop hebb', 

30 so klopt (klopft, pulsirt) mi dat d'r in; — 
bildl. auch: Teufel, Böser etc., wie dönner, 
bliksem etc., iveil der Hammer die Waffe 
des Donnergottes (Donar od. Thor) zcar (die 
zunächst der Donnerkeil ist) u. der Ham- 

35 mer früher auch als Waffe (Streithammer) 
u. zum Werfen diente, worüber bei Grimm 
(Myth. u. Wb.) das Weitere zu vergleichen 
ist. Bedensart.: dat di de hamer (od. do 
dünner, bliksem, deksel, dufkater etc.); — 

40 dl schal de hamer halen ; — dat di de ha- 
mer bitt ; — för den hamer nog mal , wat 
schal de dönnerskräai beten? — Bäihsel: 
achter min fad^rs kamer, dar hangd 'n blan- 
ken hamer (Eiszapfen, [isjökelj), de dar god 

45 mit timmern kan, dat is en künstelk man. 
— ■ Afries. hamer, homer, wfries. (Jap ix) 
hammir; satl. hamer; wang. (Ehrentraut), 
I, 373) liummer ; nid., nd. hamer; as. ha- 
mur; ags. hamor, hamer, homer; ahd. ha- 

50 mar, hamer; mhd. hamer (mallens); an. ha- 
marr; isl. hamar (mallens, tudes ; saxnm, ru- 
pes, rnpinae). Da die ersten u. ursprüng- 
lichsten Hämmer bekanntlich rohe Steine 
od. bearbeitete kleinere Eclsstücke waren, 

55 die entweder ohne, od. auch mit daran be- 
festigten Stielen als Schlagwerkzeuge u. 
Waffe gebraucht wurden u. hamarr ja auch 
im an. die Bedtg. saxum etc. hat, so wird 
vielseitig das Wort hamar fl'/iewia hamara) 

60 mit kslav. kamen; Ut.akmu; lett. akmina; 



HAMERN 



25 



HAMPE HAMP 



skr. a^man; zend. atman od. agma; apers. 
a(jmau; afgh. ^amä etc. verglichen u. davon 
abgeleitet, da dieses Wort auch ansclicinend 
tirspr. die Bedtg.: Stein od. Fels hatte 
u. sich hiera us (cf. Grass m a n n, J ust i, 
Benfei/ etc. etc.) auch die BedUjn.: Ham- 
mer, Donnerkeil , Himmel etc. entivickelten, 
wie denn auch Fick das goth. liimins (Him- 
mel, cf. hemmel) daza vergleicht, jedoch nicht 
damit identificirt. Da nun aber dieses skr., 
send, a^man von der y a^ = idg. ak od. ak 
(beivegen, od. ire, se movere, hs. sich bewe- 
gen vor, dringen vor, dringen ein, dringen 
durch; erreichen, erlangen etc.) durch das 
Suffix man, ma tveitergebildet ist, tvovon 
auch lat. acuo, aciis etc. u. unser agge, egge 
etc. stammt u. demnach agman urspr. tvohl 
ein mit scharfen Kanten u. Spitzen 
versehenes Elioas bedeutet hat, so Hesse sich 
germ. haraara allerdings begrifflich wohl da- 
von ableiten, zcährend die Form insofern 
Scliioierigkeiten macht, als liamara doch je- 
denfalls durch das Suffix ara von einer 
germ. y ham weitergebildet ist, die aus ag- 
man od. kanian nur durch Verstümmelung, 
bz. Abwerfung der Endbuchstaben an hätte 
entstehen können, ivoran doch gewiss nicht 
zu denken ist, da germ. hamara, loenn nicht 
älter, so doch ganz zweifellos ebenso alt u. 
urspr. ist, ivie skr. agman u. das später 
daraus versetzte jüngere kaman. Wenn nun 
aber dieserhalb Fick (111, 64) germ. lia- 
mara anscheinend zur germ. y liam (wöl- 
ben, krümmen, umhüllen etc., s. unter 1 u. 
2 liam) stellt, so würde es doch Bedenken 
haben, um hamara davon abzuleiten , tceil die 
dafür nachzmveisenden Bedtgn. dieses Wor- 
tes: malleus od. saxum, rupes etc. doch 
schlecht zu den obigen Bedtgn. dieser y 
stimmen. Meiner Ansicht nach scheint es 
daher auch richtiger zu sein , bei diesem 
Worte von einer Vergleichung mit skr. u. 
zend. Wörtern ganz abzusehen u. dafür lie- 
ber eine germ. y ham etwa mit der Bedtg. : 
reissen, spalten, bersten etc. aufzustellen (cf. 
rupes u. rumpo etc. von y rup, rump u. s. 
unter 1 ham erstens das wegen einer allge- 
meinen germ. y ham Gesagte u. zweitens 
weiterhin die Vergleichung der y lubh zu 
rap, rup, wobei man auch annehmen kann, 
dass sich aus reissen einerseits die Bedtg.: 
raffen, rauhen, nehmen , ergreifen etc. u. 
andererseits die von : spalten, brechen etc. 
entwickelte) u. dass dann die Bedtg.: reis- 
sen, bersten etc. toeiter in die von: bre- 
chen, biegen, beugen, krümmen etc. über- 
ging, die ivenigstens für 1 bis 7 ham zum 
Theil zu Grunde zu legen ist. 

hamern , hämmern, klopfen etc. ; he ha- 
merd d'r up, dat 't so 'n ärd hed; — he 



hamerd dat wer toregt od. lik, fast etc.; — 
dat liamerd mi in de kop etc. AucJt subst. 
(das) Häinmern, Klopfen etc. 
liaiiimer-slag, Hammerschlag ; a) Schlag 
5 mit einem Hammer; — b) der Abfall od. 
die kleinen Fisensplitter, welche beim Schmie- 
den od. Hämmern des glühenden Eisens da- 
von abspringen. 

liam-fak, abgekleideter Baum unter u. an 

10 dem überhängenden Strohdach (s. 5 ham), 
worin man diverse Sachen stellt. — Wang. 
(Ehrentraut, I, 372) honfäk (eine Ver- 
längerung des Daches, ivelche gewöhnlich 
eine kleine Scheune bildet. 

15 Hamke, ml. u. lobl. Name. Wohl Kose- 
form (aus Hamiko ?) von älterm Hämo (cf. 
För Stern an n unter Ham), loovon auch 
der Geschlechtsname Ham in g Ider noch 
vorkommt. 

20 hamiueii, hacken, hauen, beissen etc.; h6 
hammd d'r dügtig in ; — he hammd d'r 'n 
dügtig stük üt. Vergl. Sthg. u. Weiland^ 
unter hamme, ham u. Adeltmg unter 
Ha)nmel, loonach dieses Vbm. icohl ein ahd. 

25 hamjan (verstümmeln, verschneiden od. schnei- 
den, castriren) od. hauen, schlagen, klopfen 
(cf. klaphiugst) voraussetzt, obschon man bei 
ham (Biss etc., s. 1 ham) auch annehmen 
kann, dass früher eine allgemeine germ. y 

30 ham e.vistirte, loelche mit y han (schlagen 
etc., cf. bei Grassmann die y han u. 
dazu skr. hrd, härdi (Herz = hart als klop- 
f e n d e s, j) u Isir endes Etwas) von Hause 
aus identisch war. Vergl. auch bei Grass- 

35 m a n n das ved. hanman (Hieb , Schlag, 
Sioss etc.), was durch Assimilation jeden- 
falls leicht zu hamman u. gekürzt hamma, 
hamm (Schlag etc.) werden konnte u. wo- 
von, sich denn auch leicht ivieder ein Vbm. 

40 hammen, hammöu mit der Bedtg. : schlagen, 
stossen etc. bilden konnte. 
hammerk, s. ham-rik. 
lianip, .<. hiinp-hamp. 
liauipe, hamj), Stück, Brocken, Schnitt 

45 etc.; he snwU hum d'r 'n dügtigen hampe 
of; — 'n goden hamp bröd. — Ob mit 
humpe (dasselbe) von einem Vbm,. himpan 
(schneiden), was in ähnlicher Weise mit gcth. 
liamfs (verstümvielt) zusammenJiängen könnte, 

50 wie liammen mit ahd. ham (verstümmelt) ? 
Oder steht hampe für hamme, sodass es mit 
1 ham von Hause aus eins ist? — Wenn 
das goth. hamfs urspr. wie ahd. ham die 
Bedtg. : verkrüppelt , gekrümmt, krumm (u. 

55 so auch: lahm, gebrechlich etc.) hatte, so 
könnte es mit himp-hampen, hampeln, hum- 
peln etc. tc. griech. kämpe, kämptö etc. u. 
skr. kapanä (Raupe, Wurm, cüs die sich 
biegende u. krümmende, bz. die sich hin ii. 

60 her bewegende, windende) wohl zur y kamp, 



HAMPEL 26 HAMRIK HAMMRIK 

kap gehören, welche itrspr. (s. unter liam- ah wie grieeh. kampe (Raupe), kämptö (sich 

pel) wohl die Bcdtg.: se movere hatte v. krümmen etc.) auf die daraus abgeleitete 

daraus auch die von : sich hin n. her he- von : sich biegen, icindcn, krüminot etc., die 

wegen (schicingen , sclilagcn etc.), winden, icohl Jedenfalls auch dem goth. hamfs (s. 

cappeln etc. entwickelte. Oder siud liampe, 5 unter hanipe) zu Grunde liegt, wie desgl. 

luinipe mit grieeh. köptö, kophös etc. u. lat. auch nnserm himp-liarapen n. humpeln, 

cäpo etc. verwandt':' liumpen, s. liimp-liampen. 

Iiampel in gehampcl, Gezappel, frequen- liamrik, hannnrik. haranierik, hanimerk, 

latives Beioegen von Händen u. Füssen, Hammrich , d. h. eine ausgestreckte Fläche 

vergebliches od. kindisches Bemühen, nm 10 zusammenhängenden niedrigen Wiesenlan- 

Ftwas zu ergreifen u. zu erlangen, icie dies des, welches an der einen Seite von der 

z. B. kleine Kinder thun, loenn sie mit den Geest u. an der andern von der Marsch, 

Händchen greifend wonach tasten , um es od. richtiger von dem angeschicemmten hö- 

ZH fassen, icobei sie zugleich meistens auch heren Kleiboden begrenzt i.'it u. früher aus- 

mit den Beinchen zappeln; dat gehampel 15 schliesslich zum Beweisen, bz. als Meed- 

helpt (ll je (log nt"'t, du kanst 't je dog not land gebraucht wurde, icährend in letzter 

kngen. — Wohl mit skr. capalä (tremens, Zeit, in Folge besserer Äbivässerung, ein- 

vacillans; vagus, mobilis etc.) zur ]/ cap, zeln auch Getreidehau in diesen Land- 

camp, bz. kap, kamp (se movere, vacillare, strichen stattfindet. 

tremere etc., bz. vibriren, unduliren, auf u. 20 3Ian findet dieser sog. „Hammeriche", 

nieder gehen etc., cf. himphampen etc.). od. ausgedehnten u. zusammenhängenden 

hampel-man, Hampelmann, Zappelmann, Wiesenflächen in Ostfriesland sehr viele ii. 

Gliederpuppe mit einem Drath, womit man sind die meisten nach den Dorf cm, in de- 

Arme u. Beine /inzieht u. hebt, bz. sie auf ren Nähe sie liegen, benannt (wie z. B. 

u. niedergehen Insst. 25 Bunder-, Stapclmoor er - , Wester- 

hampeln, a) greifend hin u. her od. um- ender- etc. etc. Hammrich), ivährend 

herfahren u. wonach haschen, indem man wieder andere blos nach der Himmelsgegend 

mit den Händen tastend in der Luft um- (z. B. Süd er-. Oster - Hammr ich etc.) 

herfährt; he hampeld d'r na; — he ham- bezeichnet werden u. viele auch ohne jede 

peld mit de banden herum; — b) strampeln 30 weitere Bezeichnung blos „Hammr ich" 

mit den Füssen, sich sträuben etc. = spar- od. hammerk heissen, wie z. B. die Hamm- 

teln ; he hampeld d'r al tegen an. — Wohl rieh auf Juist, bz. die zum Weiden be- 

zu hampel. rf. auch ampeln, ,<(owie bei nutzte Niederung zwischen dem östl. Haupt- 

Schm. (bai/r. Wb., II, 221) happen, liap- theil der Insel u. der sog. Bille. — Dass 

peln, wobei er auch auf hoppen, hoppeln 35 icir nun aber unter diesem Worte eine ganz 

(sich auf u. nieder bewegen etc., cf. hup- charakteristische Gegend (die von Gräben 

peln etc. u. unter hampel ivegen der y kap, durchschnittenen Hammriehe sind im Win- 

kamp, sich auf u. nieder bewegen etc.) ver- ter meistens inuttdirt, fast gänzlich baum- 

v:eist, wonach happeln auch wohl mit ham- los u. spärlich bewohnt, weil nur auf den 

peln so ziemlich gleichbedeutend ist, zumal 40 einzelnen kleinen Anhöhen sich hin u. wie- 

wenn man zu happelig u. happeler loieder der Bewohner ansiedeln konnten, die hattpt- 

das he.'is. (Vilmar) 2 hampel (Ungeschick- sächlich Vieh:ucht treiben) verstehen, geht 

ter Mensch, Einfaltspinsel), 2 hampelig ('w?i- auch schon daraus hervor, da.ss wir von 

anstellig etc.) ver^jleicht, ico hampel aller- Hammr ichsleuten (cf. hamriks-löe) od. 

dings mit bayr. haimpel etc. (Einfaltspinsel) 45 Beicohner der Hammriehe im Gegensatze zu 

identisch ist u. wobei man auch wieder an den Bewohnern der Marsch u. Geest etc. 

unser himp-hamp, himp-hampon u. humpeln sprechen u. darunter eben die zerstreut icoh- 

= bayr. humpen erinnert wird, wie ja himp- nenden Landleute aus den Hammrichen 

hampen ausser hinken u. gebrechlich verstehen, die wegen ihrer einsiedlerischen 

gehen auch noch: von Geschäften, die 50 «. abgeschlossenen Lebensioeise auch ihrem 

schlecht gehen u. stümperhaft betrieben wer- ganzen We.sen u. Charakter nach sich sehr 

den (Pfuscharbeit liefern) gebraucht ivird. von den .sonstigen Landbeivohtiern untcr- 

Auch nhd. (Grimm, Wb., IV, 322) ham- scheiden. 

peln (zappelnd u. ungeschickt steh mit den Was nun aber die Zusammensetzung u. 

Fi'issen beicegen) ist mit himp-hampen u. 55 Bedeutung dieses Wortes (KU. identificirt 

humpeln, bz. engl, himple (lahm gehen etc.) hammerick mit hamme, ham [pratum , pa- 

ete. connex, toonach denn auch unser ham- scuum], während v. Richthof en das afries. 

ppln hiemit zusammenhängen kann, obgleich hamreke, homrike, himrik, hammerk, ham- 

ich glaube, dass harapel eher auf die Be- merke, hemmertse, hemmerik, liimmerik mit 

dtg.: vacillare dery kap, V&m^ zurückgeht, 60 Heim-Mark, Dorf -Mark übersetzt u. 



HAMRIK HAMMRIK 27 HAMSTER 

diesen) dann Stürcnburg, Seh. u. L. von seihst daraus erldärt n. cryleht, weil wir 
ti. Andere darin folgen) betrifft, so halte die Endungen rik )i. lik, od. rieh, lieh im 
ich die urkundlich belegte (s. bei v. Rieht- gewöhnlichen Leben stets zu erk u. elk um- 
hofen) Form hammerike für ein Convpos. setzen, hz. als erk «. elk aussprechet!, toie 
von hararae (paseuum, pratum, (/. 2 harn) u. 5 dies aus Auerk (Aurich), Hinnerk (Hinrich 
afries. rike, rik (reich, viel enthüllend od. = Heinrich), Folerk (Fölrich) ete., — lefelk 
in sich befassend u. habend, gross etc. od. (lieblich), rädelk fredlich) u. hnnderten von 
rike, rik (Reich, Land etc., cf. z. B. erd- andern Beispielen sich ergiebt. 
rik, Erdreich, Erdboden, Erde, Grund u. hamriks-land, hammerksland, haramers- 

Boden in seiner Gesammtheit od. ganzen 10 land, Wiesen- od. Weide-Land, al>i Gegen- 
Erstreckung etc.), sodass dann hammerike satz zu bö-, klei-, gast (Geest)- etc. land ; 
entiveder eine Fläche od. Strecke bezeichnet, dat hammerksland kan man allenfalls nog wol 
die viele hiimmen (Wiesen u. Weiden) in to de haferbö brüken, manum d'r weite iin an- 
sich befasst, bz. reich an Wiesen etc. ist, dere Winterfrüchten up to ferböen, dat förderd 
od. wörtl. soviel wie: Wiesen- u. Weiden- 15 (erfordert) dWwQgi (kögen harfst un wintcr. 
Reich, -Land, -Gegend, -Erstreckung od. hamriks-Iue, hammerkslue, Leute, die in 

-Ort heisst, wie ja anscheinend das Wort der Hamrich (s. hamrik) wohnen u. deshalb 
riebe (cf. F ör sie mann) auch als En- sehr abgeschlossen leben, wodurch sie sich 
düng von Ortsnamen in der Bedtg. : Ort, demi auch selbstredend von den Bewohnern 
Gegend od. Strich, Landstrich etc. gebraucht 20 der Geest u. der Marsch in ihrem ganzen 
wurde u. wahrscheinl. in dieser Bedtg. auch Wesen bedeutend tmter scheiden. 
in Aur i c h (cf. Auerk = alt Awrik) ,steckt. hamster, Hamster (mus crieetus) ; de dü- 

Als Gründe, die für meine Annahme u. ge- fels hamsters nüsseln (nisten) dar achter 
gen die Deutung dieses Wortes durch v. _ min tun in de grund un fräten mi de wur- 
Richthofen sprechen, führe ich an: 25 tels fan de lütje bömen in de bomschöl an. 

1) dass, nach der hier ganz allgemein Mnld. (KU.) hamester, hamster; nid. ham- 
gängigen hochd. Form Hammrich, wir ster ; anfZ. hamstra; a/irf. hamastro, hamistro, 
die ostfries. Form hammrik od. urspr. liam- hamstro. Die ältesten schriftlichen Quellen 
merike für die richtige ansehen u. dass hier bezeichnen mit diesem Namen den Korn- 
keiner dabei an eine Zusammensetzung von 30 wurm (curculio). Die Bedtg. ist vielleicht 
hamm mit nhd. Mark in der Bedtg. Be- Nagerin od. Schädigerin, da clie Endung 
zirk od. umgrenztes zu einem bestimm- star, stra (cf. ster in süster, wäfster, ledster 
ten Dorfe etc. gehörendes Land (wie in etc.) wohl mit Grund annehmen lässt, dass 
Dorf-, Feldmark) etc. denkt u. sowohl das dieses Wort urspr. weiblichen Geschlechts 
Wort Mark in dieser Bedtg., als auch die 35 roar u. auch die Kornwürmer nagende Thiere 
Compos.: Dorf- u. Feldmark weder fr ü- sind. Möglicherweise kann indessen hama- 
her noch später je in echt fries. Landen stro urspr. auch als Kornwurm (od. 
gebraucht ist, od. in fries. Schriftstücken Wurm überhaupt) ein sich krinnmendes, 
vorkommt; biegendes u. windendes Thier bezeichnet ha- 

2) dass diese Hammriche genannten 40 ben u. dann später, weil die mus crieetus 
niedrigeyi Wiesenflächen, soiveit sie in der gleichfalls ein Feind u. Schädiger des Korns 
Nähe von Dörfern liegen wohl darnach ist, der Name hamaiStro auch auf diese über- 
benannt sind, um sie von andern Hamm- gegangen sein. Für die Bedtg.: Thier was 
riehen zu unterscheiden; indessen nir- schadet ti. ruinirt etc. od. Thier loas sich 
gends die ganze Feldmark od. Gemarkung 45 krümmt etc. würde tcohl in beiden Fällen 
derselben bezeichnen u. alle sonstigen zu den ein Zusammenhang mit ahd. ham, ver- 
betr. Dörfern gehörenden Felder, soweit sie stumm elt, verkrüppelt od. urspr. 
höher liegen u. eigentliches Ackerland sind, krumm (cf. 1 ham, soioie 4 ham) anzu- 
nicht darin mit einbegriffen sind, wie denn nehmen sein, während es andererseits auch 
auch KU, ebenso wie ioir, unter hsi.mmenck 50 möglich ist, dass dieses Wort wegen der 
nur Wiesen- od. Weideland (cf. hammerks- auch vorkommenden Form hampster entwe- 
land) versteht; der direct mit goth. hamfs (verstümmelt etc.) 

3) dass ham in afries. hamreke etc. ganz od. tvie das griech. kämpe (Spannraupe 
gewiss (nach mnld. hamm, ham [s. unter 2 ete.) u. kämpe (Krümmung etc.) mit der }/ 
ham] zu schliessen) nicht dasselbe Wort ist, 55 kap, kamp (s. unter hampe) zusammenhängt, 
wie nhd. Heim, sondern wie afries. ham, Eine Entlehnung aus kslav. chomestar (ani- 
als Eingefriedigtes etc. ; mal quoddam) blos der Formähnlichkeit wegen 

4) dass die für h?immr1k im gewöhnlichen anzunehmen, scheint doch kaum zulässig. 
Lehen g ehr axichte Form hammerk (hz. afries. Vergl. bei Fick, II, 52 unter kam (krüm- 
hammerk, hamraerke aus hamme-rike) sich 60 men, wölben) auch lit. kamsz (einstecken), 



HAMU 



28 



HAN 



kamsza (Behälter) , ob damit vielleicht das 
von ihm hamas-tro gefheilte deutsche ham- 
ster conue.r ist, weil dieses Thier Baclcn- 
taschen hat, tcoriu es Getn-idc steckt, um 
es in seine Winter-Vorrathsknmmern od. 
Gewölbe zu bringen tt. darin auf,: idi eben'::' 

hamü, lautnachahmendes Wort zur Be- 
zeichnung des Geschreies der Kühe u. Kid- 
ber, wie nhd. cf. niü etc. 

1. hfin, Plur. hanen: a) Hahn, Männchen 
der Hennen u. sonstigen Vögel; Dimin. 
häntje, Plur. liantjes. Redensart, u. Sprichw.: 
de rode liän (das Feuer) ; daher die Dro- 
hung: ik sett dl de rode hän up 't dak; — 
he krükeld tod. strüfd) sük as 'n hfin; — 
he is so 'n regt häiitje (eitler, eingebildeter, 
prahlerischer, vorlauter Mensch) ; — wen do 
hän up sin egen mesfolt steid, hed hö 't 
grötste regt, od. auch: elkor h&ii is koniuk 
up sin egen mesfolt; — sin hän is konink; 
— dar kreit gin henn of luin na ; — war 
'u goden lum, let de henn dat kreien ; — 
rik seien ; arm meien ; dat land liörd de hän 
uet kreien; — he flügt herum as 'n hän 
Sünder kop; — he legd krumme eier as 'n 
hän; — b) männl. Glied, peuis, auch pit- 
hÜQ u. krülhän etc. genannt; — c) geboge- 
nes u. verschliessbares Zapfrohr. — Nd., 
nid. haan ; }n>dd. haen ; ))ind. hane; afries. 
hona; icfrics. hone; nfrics. lion ; wang. 
(Ehr e ntra ut, 1, 373) huune; ags. hana; 
an. hani; ahd. liano; )«/t(/. hane, han; goth. 
liaua. Das ahd. hana u. liuon (Hahn) 
setzen fast mit Gewissheit ein verlornes 
Vbm. hauan, huon etc. mit der Bedtg. : krä- 
hen, schreien, singen etc. voraus, was mit 
lat. cano, cecini, cantum, canere (singen od. 
Ton machen, Ton hören lassen etc.) ; griech. 
kanäzö n. kanacheö (rauschen, schallen, tö- 
nen, Geräusch u. Getöse machen etc.) ; Ut. 
kanklas (Zither); skr. kan , kanati, — can, 
canati, — kvan, kvanati (sonare) zu einer 
idg. Schall nachahmenden y kan, die tcahr- 
schcinl. aus der Bedtg. : tönen, rauschen, 
singen od. prasseln, knistern etc. (cf. sen- 
gen aus singen) auch die Bedtg.: bren- 
nen, flammen, glänzen etc., — jubeln, sich 
freuen, fröhlich sein etc., — seine Stimme 
erheben zu Jemandem, Jemanden ansprecJien 
um Etwas, bitten, fragen, begehren, gierig 
V. verlangend sein (nach Etwas) etc. ent- 
wickelte, icie Ja diese u. ähnliche Bedtgn. 
sich in der .skr. u. zend. ]/ kan Jinden. 

2. hän od. hane, auchhant, Schilf, Schilf- 
rohr; de ganse depskant steid l'ul hän od. 
hänt. cf. hanc-bolten. Dieses ■'<onst anschei- 
nend U)d)ekannte Wort, wovon das kehdin- 
gerlandsche lieenk (eine Art Schilf, cf. Br. 

Wb., 2. Nachtrag, pag. 106), bz. nd. 
(Schütze) liänk od. hänke (eine Art gro- 



ben Grases, woraus die stroteemen od. Stroh- 
taue gemacht werden) möglicherweise ein 
Dimin. u. womit das nd. (Br. Wb., 623) 
liennie (eine Art schmalen Schilfes) wohl 
5 identisch ist, ist offenbar mit lat. canna 
(Rohr, Schilf) u. griech. känna (Bohr) der- 
selben y entsj^rossen u. könnte, sofern meine 
Vermuthung richtig ist, dass das goth. raus 
(Ixohr, Schilf) einem mit unserm rusen 

10 iilen tischen Vbm. riusan, raus (rauschen) 
entstammt u. als das Bau seh ende (weil 
es im Winde rauscht u. säu.selt, od. ivenn 
vom Winde bewegt, ein säuselndes Ge- 
räusch macht) aufgefasst wurde, dann 

15 ebenso wie 1 hän zur y kan (sonare) ge- 
Jiören. Da nun aber die Wörter halm (ca- 
lainns) u. hehn (arundo arenaria) aucJi mög- 
licherweise zur y kal (sonare, s. unter 1 
lialm) gehören u. skr. kanabha (eine Art 

20 Fliege) wohl auch wegen ihres Singoi^ 
od. S u m m e n s (ccrgl. Br e m e, Br am e 
od. Bremse von brimman [brummen, sum- 
sen], Hummel von hummen [sumsen] 
etc.) der y kan (sonare. s. unter 1 hän) zu- 

25 gelegt loerden muss, so loäre es auch denk- 
bar, dass .'sowohl skr. kanapa, eine Art 
Lanze, Spiess od. Speer, bz. eine Stange 
(sei es, dass dies urspr. ein Bambus- od. 
ein anderes Rohr, mit einer daran befestig- 

30 ten Spitze, loar [cf. auch griech. kanön, 
Stange, wovon Kanon, kanonisch etc., als 
wahrschei)d. mit känna verwandt, sowie 
aucJi, känabos od. käunabos, Stange od. Stock, 
um ivelchen die Künstler eine Figur in T'hon 

35 od. Wachs modellirtcn — ■ u. ferner zu der 
y kan, rauschen etc. auch kanäzö, rauschen, 
Geräusch machen etc.], od. dass diese wohl 
als Wurfwaffc gebrauchte Lanze ihren Na- 
men daher hat, xveil sie sowohl beim vorab- 

40 gehenden Schwingen um das Haupt, als 
auch beim .'schnellen Fliegen durch die Luft, 
ebenso tvie die kanabha genannte Fliege, 
ein .mausendes u. schwirrendes Geräusch 
machte), als auch lat. cannabis, griech. kän- 

45 nabis (cf. liemp) derselben ]/ angehört, sei 
es, dass man dieses G-ewächs deshalb so be- 
nennt, weil es ebenso wie scJiilf- u. rohrar- 
tige Gewächse im Winde rauscht u. säuselt, 
od. dass man es tvegen seiner groben ». 

50 liohlen Stengel überhaupt als ein rohrartiges 
Gewächs auffasste u. so kännabis von dem 
Stamm Icänna weiter bildete, mit ivelchem die- 
ses Wort doch jedenfalls formell zusammoi- 
hängen muss u. wovon es lautlieh gar nicht 

55 zu trennen ist. 

Wegen der Möglichkeit der Ableitung von 
kan (rauxchen. tönen, singen) vergl. auch 
unser pipe (Rohr, Röhre ; Pfeife) von pipen, 
bz. einer redupUcirten y pi als Onomatopöie 

üO des damit bezeichneten Lautes. 



ÖAN-BALK 



29 



HAND HANT 



häu-balk, s. hauebalke. 

liun-bolte, *■. hanebolto. 

hand, baut (Piur. banden, hanneu), a) Hand. 
Redensart, u. SpricJav. : bi df; liand wesen, 
parat, anwesend, anfgeslanden sein etc.; 

— bi de band hebben, bei der Hand zu 
fassen haben, — zur Hand od. parut ha- 
ben etc.; — to hand, zur Hand, nach der 
Hand hin, handgerecht, bequem etc. ; 't ligd 
mi net to liand ; — to hauds ptird, das zur 
Linken gehende Pferd, bz. das Pferd, locl- 
ches Eitlem zur linken Hand geht, so ge- 
nannt, weil die linke Hand den Zügel hält 
u. deshalb das links gehende Pferd dieser 
Hand am nächsten geht, weshalb denn auch 
fau hand u. fau hands ptiid den Gegensatz 
von to hand u. to hauds perd ist u. auch 
oft das links gehende Pferd einfacJi, de to- 
hand u. das rechts gehende de fauhand ge- 
nannt wird; — de töe hand, die zue od. 
geschlossene Hand; — liand to ! Hand zu! 

— 't ligd för de hand, es liegt vor der Hand, 
bz. es ist greif- , fass- u. sichtbar od. klar 
u. selbstverständlich; — för de liand weg, 
vor der Hand iveg , od. der Reihenfolge 
nach; — wat under d' banden wesen od. 
hebben, in Arbeit sein od. haben; — wat 
um d' hand hebben, od. wat um d' banden 
hebben ; — a) Etwas mn die Hand (od. 
Hände) haben, — b) sielt mit Etwas be- 
fassen u. beschäftigen ; — nu up hand (Jetzt 
nach gerade) könen wi sen, dat 't förgels 
geid ; — dat ligd up de hand, das liegt auf 
der Hand, bz. das ist sichtbar, klar u. 
selbstverständlich; — in od. üt de band fal- 
len, mehr- od. iveniger sein als man erioar- 
tet, — dem Erwarten wohl od. nicht ent- 
sprechen; — wat in de hand gäfen, a) Je- 
mandem Etwas in die Hand geben; — b) 
Jemandem beim Wiederverkauf Etwas zu- 
geben auf den Preis, wofür er es erstand 

— ihm dabei einen Profit geivähren; — 
dar is fnl mit in de hand to nemen, da ist 
viel mit zu thun u, zu besorgen etc. ; — 'n 
sake in de hand nemen , eine Sache in die 
Hand nelimen, um sie zu besorgen u. aus- 
zuf echten etc.; — wat achter de hand heb- 
ben, etwas in Reserve haben; — to hauden 
kamen, icohin gelangen, wo ankommen, sicJi 
ein- od. wiederfinden, zum Vorschein kom- 
men etc. ; — fan banden kamen , wegkom- 
men, verloren gehen etc. ; — hand afer hand, 
die eine Hand abwechselnd über die an- 
dere; — 'n apen band, eine offene od. milde 
Hand; — dat geid göd fan de hand, das 
geht gut von der Hand od. gut von Stat- 
ten, bz. ohne Stocken u. Aufenthalt ; — fau 
de hand in de tand , od. fau de hand in de 
mund gän , den täglichen Verdienst sofort 
verzehren) — de fiitige od. auch de sünige 



(sparsame) hand geid dör 't ganse land; — 
de stadige band wind ; — dat is so gesund 
as 'n hand ful schoaagels ; — junge lue 
mutten bi de hand wäseu as 'n scböbörssel; 
5 — man mut de banden sülfen an de plög 
slän, wen 't god fürüt gän schal ; — smit 't 
kanntn fan dl uu dö 't mit d' bannen (wirf 
das Können von dir, bz. sprich nicht vom 
Können, sondern thu es mit den Händen); 

10 — spej' in d' hand un wer dt; — föle ban- 
den maken .'igt wark; — man kan gen isder 
mit banden bräken; — mit banden uu tan- 
den fastholden ; — 

1)) Handschrift, Namoisunterschrift ; he 

15 Schrift 'u goden band; — sett' din hand 
d'r äfen under; — 

c) im Compos. allerhand lebt auch noch 

die Bedtg. : Art, Sorte etc. des mhd. hant fort. 

Nd., lud., mnld. hand ; mnd. hand, handt, 

20 hant; afries. hand, hond; wfries.hkwA., hau; 
nfries. hond; satl. hand; as. hand; ags. hand, 
hond; engl, hand; an. hönd; norw. hand, 
aucJt hond ; schwed. hand ; dä7i. haand ; ahd. 
hand, hant; mhd. hant; goth. handus. — 

25 Es lüird von Schleicher von goth. hin- 
than, hanth, hunth (capere) abgeleitet, wo- 
nach denn die goth. Form eigentlich han- 
thus lauten müsste u. man auch in den an- 
dern alten Sprachen ein auslautendes th er- 

30 warten könnte. Fick stellt (III, 60 seq.) 
für hinthan (erjagen, fangen) eine germ. y 
hath (jagen, treiben) = skr. gat, idg. (I, 
56) kat auf, die er als eine FoHbildung 
von kä (schärfen, wetzen), bz. kan (stechen 

35 etc.) ansieht u. tvozu er ausser hinthan 
aiicli ags. headhu (Krieg , Kampf) , galt. 
catu (Kampf) , skr. gatru (Feind), griech. 
kötos (Groll, Zorn), lat. catax u. cateua ver- 
gleicht, icährend M. He yne(G r i m m, Wb. 

40 IV, 327) hinthan zu skr. c'at (verbergen), 
bz. (G rass m a n n) cat (sich verstecken od. 
verbergen) stellt. 

Dass darnach aber die Etgmologie von 
hinthan u. hand (cf. auch H. Leo, 189 

45 hand von hindan [capere etc.] u. dies von 
skr. y hud, colligere) sowohl, als auch die 
der andern obigen Wörter (z. B. die von 
lat. catena [was, sofern band die fassende 
u. greifende ist u. hinthan urspr. die 

50 Bedtg.: greifen, fassen, fangen etc. 
hatte, tvohl in der Bedtg. : Fessel etc. damit 
ivurzclhaft verwandt -Hein könnte]) sehr un- 
sicher ist, muss Jedem eijileuchten u. könnte 
man. sogar auf den Einfall kommen, um für 

55 hinthan, band, hund u. huuderd (== lat. 
centum, skr. (;ata etc.) eine y gat od. kat 
mit der Bedtg. : greifen, fassen, halten, fan- 
gen, fesseln, binden, festmachen, vereinigen, 
zusammenfassen etc. anzusetzen , da es ja 

60 sehr leicht möglich ist, dass gata urspr. nur 



HAJJD-ARBEID 



30 



HAND-GEMEN 



die Bedtg.: Menge, Viel, Haufe etc. od. 
Vereinigtes h. Zusammengevuithtes etc. hatte, 
da es doch schwerlich anznnehiitoi ist, dass 
das ]Vort rata wirklich aus daran (deccm) 
entstand. Zu band u. goth. biuthau etc. 
vergl. noclt : afries. hauda, heuda (fangen), 
heudt?, heudene iGefängniss) ; ags. heiitan 
(capere, iiisequi) ; an. heuda (mauibus jac- 
tare, apprebeudere) ; mhd. verbunden (fan- 
gen, greifen), sowie ]\'eiteres auch noch 
unter huud u. wegen band als Greifer 
etc. od. auch vielleicht Halter das aind. 
(IS cht e i c h e r, Chrest. , ti4) päni (Hand), 
ica^ wohl mit lat. panis zur y pi, pa od. 
pä (fassen, greifen, halten, schützen, erhal- 
ten, ernähren etc.) gehört. Desgl. vergl. 
auch lat. raanus u. ahd. muud (Hand, 
Schutz etc., cf. förmuud etc.), welche Wör- 
ter auch wohl auf eine y man (greifen, 
halten [halten bei sich, behalten, nicht ver- 
gessen, sich erinnern etc. , — halten wo, 
bleiben ico, sich aufhalten etc., cf. die Wör- 
ter unter mau, meu etc.] schützen etc.) zu- 
rückgehen. 

liaud-arbeid, Handarbeit. 

haad-bred, a) handbreit ; 'n baudbred stük; 
— b) Handbreite; du must d'r 'n bandbred 
fau blifen. 

haiid-bredte, Handbreite. — Xld. band- 
broedte. 

liand-dadig, thätlich, handgreiflich, augen- 
scheinlich, icirklich etc.; dat is bauddadig 
(thätlich, handgreiflich etc.) de fal ; — be 
hed dat bauddadig dän. — Vergl. afries. 
hauddedig (hand-thätig) , bz. banddediga 
(Thäter); nid. band-dadig (mitschuldig), 
bauddadiglitid (Mitschuldigkcit , Complici- 
tüt) ; ofries. (0. L. B., pag. '^36) hautda- 
dige (der [wirkliche] Thäter, od. der auf 
der ITiat Ertappte); mnd. (Seh. u. L.) 
bantdadicb, -dedicb (von einem Thäter, be- 
sonders der auf der That ertappt ist , bz. 
einer That, wobei man ertappt wird, frincher 
That) u. nd. (D ahn er t) bauddäder (der 
loirkliche Missethüter, od. derjenige welcher 
auf der That ertappt wird) etc. 

Iiand-dük, liandük, Handtuch, Wischtuch, 
Tuch ivomit man sich die Hände wäscht u. 
abtrocknet. 

haudel, hannel, Handel; dat is 'n siegten 
haudel (ein schlechtes Thun) tau bum; — 
se bebben liOr baudel (Sache, Streitsache) 
mit 'nander fereftent; — se bebben 'n liau- 
del (Geschäft etc.) mit 'nauder ofsbiten ; — 
se sunt mit 'nander bandelseus worden ; — 
be drilt 'n ütgebroid'den bandel; — dar is 
ffil bandel un waudel. — Zu baudein (s. d.), 
bz. einem mit afries. banda etc. (s. unter 
band) identischen ahd. bantou od. baudjan, 
mit der Bedtg. manibus tractare, prebendere 



etc. , wonach bandel urspr. dasjenige be- 
zeichnet, was mit den Händen betrieben 
wird, al'io Arbeit, V er r iclitung etc. u. 
zwar namentlich eine anhaltende u. 
5 dauernde, tcie ja handeln eigentlich 
ein Freq. von bantön od. bandjaa ist. Die 
verschiedenen Compos. als baudelbar etc. 
etc. xcie im Deutschen. 

handeln, hannein, handeln, eine Thätig- 

10 keit ausüben, thun etc.; he bandeid siegt 
tegeu siu olders; — Handel od. Gesc/uifte 
treiben etc. ; be handeld na de westiujes 
(nach Westindien), bz. mit rogge etc.; — 
dingen, feilschen, unterhandeln etc.; dat 

15 handeld sük d'r um, ot' ik dün sal of net; 

— ik lüt nich mit mi baudein ; — be han- 
deld um 'n Örtje; — be bandelde mit bum 
afer sin perd etc. — Xld. bandelen ; afries. 
baudelja; wfries. bauueljeu, banljen; ags. 

20 baudijan ; an. böudla (manu tractare) ; ahd. 
bautalöu, bantolon , baudelöu; inhd. hande- 
len, handeln (mit der Hand greifen u. fas- 
sen, berühren, betasten; behandeln ; bewir- 
then; — refl. sich verhalten; verhandeln; 

25 handeln, thun, treiben); s. unter baudel. 

banden, bannen, (der Hand) pa^vseH u. 
gut auskommen, handgerecht sein, bequem 
u. geschickt liegen etc.; dat wark bandt mi 
net regt; — dat kau bum net bannen (pas- 

30 scn) , dat he dat deid ; — dat laud , bz. de 
pläts bände (bandedc, bannede) bum siegt 
(das Land, bz. der Hof lag ihm unbequem 
u. schlecht) , darum bed he d'r 6k fan of- 
aen ; — de plog bandt bum göd (der Pflug 

35 ist ihm so recht handgerecht u. bequem) ; 

— dat perd handt bum net. 
hand-ferdi^, heiid-fei-dig, handfertig, fer- 
tig u. geschickt mit der Hand, geschickt u. 
jjassend für die Hand, nicht zu gross u. 

40 schwer etc. ; be is regt baiidt'erdig in sin ar- 
beid; — dat is so 'n regten haudferdigen plög; 

— he bed dar so 'n möi bandferdig perd. 
liand-gau, handschnell, rasch od. schnell 

mit der Hand parat, um zu greifen, fas- 

45 sen, zuzufassen od. zu arbeiten, daher: 
flink, behende, rasch bei der Hand etc. 
u. auch : tinverschämt im Zugreifen, gie- 
rig , räuberisch, diebisch; he is mi föls 
to bandgau, as dat ik mit min arbeid tegeu 

50 lium klär worden kan ; — du must net al- 
tid so bandgau wesen un altid toerst in de 
kumin' Sitten. — Nid. baudgauw. 

hand-geld, Handgeld, Geld welches man 
Jemandem als Unterpfand in die Hand 

55 zahlt, wie z. B. den Dienstboten beim Mie- 
then derselben, od. auch sonst , wodurch 
denn der Coutrakt als abgeschlossen gilt : 
he bed 'n daler baudgeld kregen. cf. haud- 
pennink. 

60 haud-geuien, handgemein ; sc sunt band- 



HAND-GEREGT 31 HAND-TERING HAND-TAERING 

gemen mit 'nander worden uu liebbcn sük od. Angeld, s. B. hei Dienstboten zur Be- 

dügtig mit 'uander herumhaueu. Siegelung des Dienstvertrages; wen du de 

hand-geregt, handgerecht, der Hand recht haiidpennink nameu best, den bist du fast. 

«. passlich etc. ; dat ligt mi ntU handgeregt, hauds , handgemäss od. bequem u. ge- 

du miist nu dat an de andere sid leggen. 5 schicld für die Hand ; dat is (od. ligd) na 

hand-griplik, liandgripelk, handgreiflich, hei net regt hands. 

mit der Hand zu greifen, greifbar, offen- haud-säni, für die Hand passend u. be- 

bar ; he is handgripelk mit hum worden; — quem, bequem u. leicht zu behandeln u. zu 

dat is je handgripelk, dat he dat dän mutt (V/e- gebranchen etc. ; 'n handsäm perd; — 'u 

miisst) hed; — dat is 'u handgripelken logen. 10 handsäm stük refe (Geräth, Werkzeug) ; — 

liand-hafen, handhaben, mit der Hand handsäm wer (brauchbares, passendes, be- 
bewegen u. regieren, gebrauchen, ausüben quemes, gelindes Wetter). — Nid. hand- 
ele. ; he wet de pl6g god to bandhafen ; — zaam ; engl, handsome. 
he bandhäfd (gebraucht, übt aus, verthei- handsei, hanssei, Handhabe, Handgriff, 
digt etc.) sin regt. 15 handske, hanske (Plur. handskes), Hand- 

handje, hantje, handke, Händchen; schuh. Compos. finger-, füst - handske. 

mantje ! mautje ! war din liantje ; — hold Sprichw. : in de hörn bl 't für sunt de 

dm handje üt 't kantje (Kännchen). handskes up 't wärmste; — he is 'u kerel 

handje-formeier, ein vorgreifender, vor- as 'n natten handske (er ist ein Wasch- 
eiliger Mensch, der überall der Erste im 20 läppen); — unse lefe Herr-Gods hands- 
Zugreifen ist (z. B. des Mittags bei Tische kes sliten uoit un kosten hei gen geld. — 
gleich zuerst in die Schüssel führt) u. sich Afries. handschoch; nfries. handsche; nd. 
voreilig, tmberufen u. unbesonnen in Alles handske, hanske; mnd. bausche, hantske, 
hineinmischt; du must net altid de handje- hantschu, bantscho; nid. handschoen ; an. 
förmeier wesen, wen 't äten up de disk 25 hginzki; schwed., dän. handske; ahd. hant- 
kumd; — he wil aferal uu in alle saken de scuoh, hautscöh, hantscuah ; mhd. haut- 
handjeförmeier wesen ; — 't is 'n regten schuoch. 

lütjeu handjeförmeier, de aferal beninprotd hand-slag, Handschlag, Schlag in die 

un alles bäter weten wil , as ander' lue. Hand, Handschlag als Zeichen fester Ver- 

Wahrscheinlich steht handje für bausje, so- 30 Sicherung etc. ; he hed hum sin handslag 

dass es wörtl. „Häuschen- Vormäher" he- d'r up gefen, dat 't erlik war is; — wi beb- 

deutet. ben dat mit 'u handslag bekrachtigt. 

handje-plakke, handje-plak', ein flaches hand-spake, handspak, handspeke, Hand- 
dünnes längliches, vorne ovalf&rmiges Brett- Speiche, starker Stock zum Aufwinden des 
chen, von der Länge eines gewöhnlichen 35 Schiffsankers, od. auch überhaupt eine 
flachen Lineals, welches früher in den Schu- Speiche (cf. spake, speke), die man mit 
len als Strafwerkzeug gebraucht wurde u. der Hand führt; he böe (hauete, schlug) 
womit der Lehrer den Kindern in die hum mit de baudspäk afer de juken, dat 
flache Hand klappste od. plaktjes (Klappse) hum hören un sen fergung. 
gab. 40 hand-spör, Handspur; man kan Bin hand- 

handig, bannig, a) händig, mit Hand sporeu aferall up sen. 
versehen od. Hand habend u. besitzend; hand-stüfer (Handstüber), ein Stüber od. 
en-, twehandig; — b) passend, geschickt, kleines Stückchen Geld für die Hand zum 
handfertig, behende etc. ; dat land ligd mj täglichen Gebrauch, od. auch : ein kleines 
regt handig ; — dat kumd mi fan dage regt 45 Stück Geld od. ein kleines Geldgeschenk, 
handig üt ; — dat is 'u hannig äteu ; — he welches man Jemandem in die Hand drückt, 
is d'r regt händig bi dön; — dat is 'n ban- tan davon vor der Hand zehren zu kön- 
nigen jung' (ein behender, geschickter, brauch- nen ; he hed altid nog so 'n handstüfer agter 
barer Junge) ; — he is fSl banniger, as ik de band ; — he hed hum 'n lütjen hand- 
dogt harr'. — Nid. handig ; nd. handig, bän- 50 stüfer mit up de reise gefen. 
dig ; mnd. handich ; engl, handy ; goth. hau- hand-teken, Handzeichen (Chirographum), 
dugs (geschickt, klug etc.) ; an. höndugr (be- eigenhändige Unterschrift, bz. die 3 Kreuze, 
hend, geschickt etc.). cf. die Compos. of-, un- die ein Schreibensunkundiger unter ein Do- 
handig etc. _ ^ cument setzt, statt deren in früheren Zeiten 

handigheid, hannigheid, Behendigkeit, 55 auch die eigene Haus- od. persönliche Marke 

Geschicklichkeit etc. ; dat wicht hed fan hau- zu diesem Zwecke verwandt wurde. 

digheid hast net hörs glikeu. — Nid. ban- hand-tekning, handteknen, a) Hand- 

digheid. cf. goth. handugei (Geschicklich- Zeichnung, Zeichnung aus freier Hand; — 

keit, Klugheit). b) i. q. handteken. 

hand-pennink , Handpfennig, Handgeld GO liaud-tering, hand-täring, hand-tären, 



HAND-WARK 



32 



HANGEN 



(Handzehrung), ein kleines Stück od. Sümm- 
chen Geld, icelches man Jemandem gieht, 
um davon für eine kurze Weile wehren zu 
können: hO hed hiim 'n haücltarcfi mit up 
do we^ güfeii , dat he erst ^n bitjed hed, 
war he ffin tiireii kan. 

Iiantl-wark, Handwerk, Werk od. Ge- 
icerbe, Geschäft ttc. icas man m/t der Hand 
betnibt: he schal "n handwark leren uu gen 
kremer of biir etc. worden. Sprivhw. : „alle 
liandwarkeu sunt snierig", siv de snlder, do 
smet he 'n stük laken in de hell"; — 'n göd 
handwark niird altid slu man ; — dat hand- 
wark sükd wol insen, man 't starft net; — 
de erst üt 't supen un 't swirn 'n handwark 
mäkd, is bold ferlütd ; — twalt' handwarken 
(od. ambarhten) un dartein unglükken. 

haiul-warker, Handwerker. 

hand-warksinan, Handwerksmann, Hand- 
werker. 

liand-wiser , liand-wisdor, Handweiser, 
Wegweiser , Ffahl mit einer ausgestreckten, 
die betr. Eicht ung anzeigenden Hand. 

hand-wii'St, haiidwri.st, liandwriust, ((). 
L. li., pag. 756), handriist, Handwirbel ; 
s. wirst etc. 

hane-balke, hänbalk, hambalk, Huhnen- 
halken, bz. der oberste Quer-Balken od. die 
Holzstange, ivelcher die beiderseitigen Dach- 
sparren mit einander verbindet u. sie stützt, 
damit sie nicht durchbiegen können; gode 
hänbalken in 't hiis maken 't dak stefig ; — 
de balkhase (Katze) spriugd in de haue- 
l)alken herum. — Nd. hauebalken ; mnd. 
hanenbalke (auch hanebande, hanebende u. 
haneuboom) ; nid. hanebalk ; mnld. haen- 
balck; dän. hanebjelke; nfries. honcbulk. 
Die mnd. u. mnld. Formen sprechen wohl 
eher für die allgemein angeiiommene An- 
sicht, daxs dieses Wort mit Hahn (gallus) 
zusammengesetzt ist (weil die Hähne u. 
Hiih)ier sich des Abends darauf setzen), 
a Is dafü r (cf. H a li nebalkc n im G r i m m'- 
schen Wb., iconach auch die Form Hain- 
balken vorkömmt), dass dieses Hahn 
wie in Ha h n bliche. Ha h n b ü 1 1 e (bz. 
Hainbuche) aus hagen contrahirt tvurde 
lt. ursjjr. Busch holz od. kurzes Holz 
bedeutete, im Gegensatz zu den langen Daclt,- 
sparren, icozu nur gerade u. schon ziemlich 
herangewachsene Bäume verwandt werden 
können ii. loonach allerdings so)isl die An- 
nahme, dass Ha hncbal k e n ursjjr. soviel 
V)ic hagene-balken (Buschholz -Balken od. 
Buschliolz-Stange) bedeutet habe, sehr viel 
für sich hat. Vergl. dicscrhidb auch hage- 
büken in der Bedtg. : verkrüppelt, klein, 
schwach, halbwüchsig etc. Nach dem schwed. 
höns-wagn (Hahnebalken) u. engl, cockloft 
(dasselbe) scheint es indessen zweifellos, 



dass dieses wohl urspr. nd., fries. Wort mit 
hän (gallus) zusammengesetzt ist. 

liaiie-bolten, hauboiton, hainbolten, dir 
essbaroi Kalben (bolteu) des an den Seiten 
5 (7er Teiche wachsenden Schilfs od. hau (s. 
2 hän). — Hdlp., frics. hacmbollen. 

haiu'-löt, lianfüt, hanepöt, haiipöt, Hali- 

nenfuss ; a) der Fuss des Hahns; — bj 

Ackerspörgel ; — c) Baiiunkel, besonders 

10 der Gifthahnenfuss, auch düfelsbit genannt ; 

— d) der hah)ienfussförmige Fisenbeschlug 
auf einer Schuppe, wodurch das Blatt der- 
selben an dem Stiel befestigt ivird; — e) 
(fig.) ein sich .spreizender, eitler, stolzer 

15 j\Iensch; 't is 'n regten liäupot l'an 'n kerel. 
liaiie-kam, haiienkani, häiikain, Hahnen- 
kamm; a) Kamm des Hahns; — b) Xaiiir 
mehrerer Pflanzen , wie z. B. von rhinan- 
thus erista galli, od. Läusekraut, des Sumpf- 
20 läusekrauts (pedicnlaris pal.), welches Letz- 
tere liier auch hanekop heissf. 

liaii^". hank, Hang, Neigung etc.; hang 
to 't supen ; s. hangen. 
liangel-böue, Dimin. bangelbontje, ein 
25 kleiner Boden od. hölzerner Verschlag (s. 
bön), der tinter den Hauptbalken ange- 
bracht u. an diesen mittelst der Seitenwände 
befestigt ist, sodass er a)i den Balken hängt; 
du must mi de trap-ledder llfen bi 't hangel- 
30 böntje setten, ik wul d'r wat appi'ls upbren- 
gen. — Mnd. (Seh. u. L.) liangelbone. 

haugel-boi'd, ein an dem Boden hängen- 
des Bord. 

bangel-pereii, eine grosse längliche Birne 
35 mit langem Stiel. 

hangel-schap, ein hängender Schrank. 
hangel-slöt, ein Vorhängeschloss. 
liangen (hung, hangen), hange)i, hängen; 
hang 't up de spiker, od. an de balke; — 
40 he hung de mantel an de spiker; — de 
mantel hangd au de spiker ; — he bangd 
au de galge ; — de sterens hangen an de f 
hemrael ; — dat hangd in de lücht ; — dat 
hangd in d' wind to drögon ; — he hangd 
45 tüskeu beiden (er hängt zwischen Beiden 
in, (fig.) er sclnoankt zwischen Beiden); — 
dat kled hangd bit up de grund ; — dat 
hangd in de höchte; — dat hang hendäl; 

— he is ferördeld um to hangen ; — de 
50 böm hangd t'ul appels; — he is hangen 

(gehangen od. erhenkt); — he mut hangen, 
dat he swart word ; — de böm (de mür, 
dat hüs etc.) hangd na 't westen ; — de ap- 
pels hangen an 'nander (sind gegenseitig mit 

55 einander verbunden, od. auch: hängen diclit 
zusam)n6n) ; — all' wat smerig is. hangd (klebt) 
an ; — de klci hangd en an de toten ; — 
dat hangd d'r an fast; — all' wat hangd, 
Sit fast ; — hang' (od. liäk') di mau in ; — 

60 he hangd (stützt sich, lehnt sich) up mi ; — 



HANGEN äs HANK 

dat hangd an bSu uu balken fast; — he Ziveifelhaft ist die Ableitung von rank 
Langd mit lif un sei an sin frö un kinder; (schivanken etc.) wohl jedeitfalls , zumal 
— de beiden hangen an 'uander as klad- wenn man sich vergef/enunirligt, dass hahan 
den ; — he hed sük an de klatte fan hOr in der Bedt(j. : aufhünr/en, hängen machen 
hangen; — he hangd (verlangt) na de bn'id, 5 etc. zuerst stets ein Greifen u. Fassen 
bz. na hüs; — he liangd d'r na, dat he dat etc., sodann ein Heben od. in die Höhe 
in besitkrigt; — dat geid tüsken hangen machen u. drittens ein Befestigen od. 
un würgen; — de kop od. oren hangen la- Festmachen an Etwas voraussetzt u. die 
ten (traurig sein); — de iTp hangen laten Bedtg.: baumeln, bz. hin u. Jier bewe- 
(maulen) ; — he hangd de oren od. de kop 10 gen, schioanlcen etc. jedenfalls nur eine 
(er neigt den Kopf, [flg.] er ist niedergc- nebensäcldiclie n. in der Regel gar nicht in 
schlagen); — he lett de togels hangen (er Hängen liegende ist. Hass man ülji'igens 
lässt die Zügel hängen, od. niederhangen, bei hahan (hängen, aufhängen etc.), bz. 
baumeln, schlaff hängen etc. , bz. lässt den hangjan (hängen, henken etc.) auch anneh- 
Pferden freien Lauf); — Sprichio.: de 't 15 mcn kann, dass im Thema od. der y hah, 
bred hed, lett 't bred hangen; — de 't han- hag, hang urspr. Mos die Bedtg. des Bin- 
gen wand (geivöhnt) is, kelld de hals uet dens, od. Festmachens (ivoran) lag, 
mer ; — de d'r hangen schal , fersupt (er- ist wohl zweifellos u. ist es deshalb sehr gut 
trinkt) net, od. de to 't hangen geboren is, denkbar, dass hahan od. hangan von der ]/ 
dürd drist in 't water springen. — cf. die 20 kak = skr. kac, kanc (binden, fest machen, 
Compos. : an-, afer-, bc-, fer-, för-, in-, na-, Strick, um den Hcüs legen u. an einen Ha- 
of-, to-, um-hangen. — Nd., nid. hangen ; ken, Baum od. Galgen befestigen) abstammt, 
mnd. hangen u. (contrah.) hän ; mnld. hau- zumal da deren Bedtg. : splendere, lucere 
ghen; afries. hüa «*. hangia, hingia ; wfries. auch darauf hinzuweisen scheint, dass sie 
hingjen; nfries. hangen, hingen; satl. (Eh- 25 urspr. die Bedtg.: greifen, fassen, halten, 
ren traut, fries. Archiv, II, ^OTjhongje; heben etc. hatte u. dass sich hieraus einer- 
as. hahan (nur im Partie. Präter. bi-han- seits aus fassen (Haft machen, bz.hafteti, 
gan, behangen, behängt); ags. hon, d. i. hän kleben etc., cf. haerere, adhaerere etc.) die Be- 
aus hahan (suspendere, aufhängen, hängen dtg.: festhalten ti. festmachen, fes- 
machen) u. hangjan (pendere, dependere) ; 30 sein, binden etc. u. andererseits (cf. ri- 
engl. to hang (hängen) u. to hang (Jian- sen ^^ heben u. = aufgehen) auch die Bedtg. : 
gen); an. hanga (hangen) u. hengja (hän- sich heben, aufgehen, scheinen, leuchten etc. 
gen, aufhängen) ; norw. hanga u. hengja entwickelt hat. 

(dasselbe); schived. haenga (hangen) u. haiigerig, hängerig, d. h. sich an u. auf 

haenga (hängen); dän. haenge (dasselbe); 35 Etwas hängend, lehnend u. stützend; he is 
goth. hahan (suspendere) u. hahan (pendere); fan dage so hangerig un lei (faul), as of he 
ahd. hähau (hängen); mhd. hälien (Irans. to swak is, um sük sülfst to holden. 
hängen; intrans. hangen); ahd. hangen, liangig, häng ig. Nur in ofhangig (ab- 

mhd. hangen (pendere), ahd. hangan, hen- hängig) u. zwar in denselben Bedtgn. wie 
gan, hengen, henkan, beuchen (suspendere), 40 im Neuhochdeutschen. 

mhd. henken, heuchen (hängen, henken, auf- hang-iser, hang-isder, Hängeeisen zum 

hängen) u. hangen (hängen lassen). cf. Anhaken an die Herdkette od. den hälböm, 
Fick, III, 58 u. Grassmann wegen um die Pfannkuchenpfanne darauf zu stel- 
der y Qank (schwanken, sich hin u. her be- len ; — fig. ein sich an Jemand anklammen- 
. wegen, bz. hin u. her bewegt werden, zwei- 45 der u. anhängender Mensch, z.B. von Kin- 
feln, sich bedenken etc.) = idg. (cf. Fick, dem, die sich den Müttern anhängen u. 
I, 56) kak, wozu er auch griech. köcheüö nicht von ihnen lassen wollen, od. von Lie- 
(heben, halten, stützen) stellt, während besleuten etc. 

(Bopp (Gloss. comp., 380) auch goth. hug- liaiigsel, ein Etwas, ivas an, über od. 

Jan (cf. bögen , hugen , gebogen etc.) davon 50 vor Etwas hängt. — Compos. anhangsei, 
ableitet, sowie iveiter bei Pott (III, 139) behangsei (Behang - Ding) ; — umhangsei 
die y kac, kanc (binden, aneinander fügen, (Umhang-Ding) ; — ferhaugsel (Tuch, wo- 
schliessen, passen), die mit kac, kanc (cf. mit man Etwas verhängt); — förhangsel 
Fick, I, 36 u. unter hagen) identisch ist. (Vorhang-Ding). 

Desgl. auch bei Pott (III, 140 sub Nr. 55 banig (halmig, od. seinem Sein, Wesen, 
003) tvegen seiner Bemerkung zu goth. ha- Naturell etc. nach wie ein Hahn), geil, üp- 
han, dass Fick mit seinen Wurzeln kak pig, prachtliebend, eitel, stolz etc.; he is mi 
od. (dritte Aufl.) kak zum Uebermass frei- fölsto hanig fofZ. häntjerig) ungrötsk, as dat 'k 
gebig ist u. die sinnl. Bedtg. des Hangens hum liden mag. — Nid. h.a.mg (wollüstig, geil), 
der y 9ank auf reiner Vcrmuthung beruht. 60 hauk, s. hang. 

J. ten Doornkaat Koolmaa. Wörterbuch. II. 3 



HAN-KREIEN 34 HANS 

hän-kreien, HahnTirähen ; frühe Morgen- <joth. aus, hans (ah Göttername u. in viele 

seit, reo (hr Hahn anfangt zu krähen ;hc'\s um Mannesnamen übergegangenes Wort), nebst 

't hüukroien upstfiu im na de arbeiil gäii. hans (J ohannes u. namentlich auch als 

haiini^. >. händig. Käme des so se/ir geehrten Apostels u. Hei- 

häii-i'uue, Kapann, od. verschnittener 5 Ugen Johannes) n. hans, bz. hanse (so- 

Hahn (cf. rinie) ; ßg.: ein Impotenter u. eins od. Mitglied der Hansa) sich im 

auch (früher) ein JIah)irei: vcrgl. bei Laufe der Zeiten überall mit einander ge- 

Cad. ^[üUer: ,.siuh ! dar triing 'n häuriin mischt haben u. es sich darcms herschreibt, 

mit niuggeu sjukea", «vis /« Bezug auf einen dass das Wort haus für sich selbst sowohl, 

mit neun Kindern gesegneten, für einen 10 als auch in den vielen Compos. eine so 

Impotenten u. llahnerci geltenden Ehemann weite u. allgemeine Verbreitung fand. — 

gesagt wurde, sinken ist = liüken, engl, chicen. Besügiicli des Wortes hansa; mnd. hanse 

hans, gekürzt u. contrahirt aus Johan- hcuse (societas, od. GesellscJiaft, Gilde, In- 
nes u. in den Compos.: haus-ärs, haus- '^ung , Vereinigung , Verbindung etc. von 
damp, haus-narr, gröt-hans, präl-lians, snial- 15 Kaufleuten u. Handwerkern sum gemein- 
hans etc. oft in der Bedtg. honio gebraucht, schciftlichen Betriebe des Handels u. der 
wie dies auch mit u)iserm aus Johann Gewerke, bz. Vereinigung, Liga, Bund etc. 
conlrahirten Kamen „Jan" der Kall i-it, von Handelsstädten etc.) sei noch bemerkt, 
der übrigens in allen sonstigen ihm zuge- dass dies mit ahd., goth. hansa, ags. hosü, 
legten Eigenschaften himmelweit von dem 20 hös (vereinigte u. geschlossene Schaar [be- 
deutschen „Hans" verschieden ist, wie dies sonders von Kriegern], Haufe, Menge etc.) 
unter „Jan" erliellt. — Im mnld. bezeichnete identisch ist, dessen y haus, has, häs wohl 
man mit hans auch einen Grossen od. An- die Bedtg. : ligarc etc. JuUle u. möglicher- 
gesehenen, tcie z. B. KU. den Flur, liansen weise (cf. goth. hasi. von y bhaksh = zend. 
mit niagnates, optimates übersetzt u. haus 25 baksh od. bakhsh) mit zend. kash , abactr. 
(cf. Seh. u. L. , Gr imm^schcs Wb. etc.) kakhsh = skr. kacs od. kaksh (ligare etc., 
auc?i sonst vielerwegen diese Bedtg. hatte. cf. zend. kasha, Ufer, Band, Einfassung, 
Bemerkt sei hiezu indessen, dass KU. sein Saum; kashua. Binde, Diadem; skr. käksa 
mit: antocellens caeteros mortales fortuua et od. kakslia. Binde- od. Gurt-Gegend etc., 
opilins übersetztes hans yücht )nit dem aus 30 kaksia od. kakshya, Gürtel, Gurt etc.) auf 
Johannes gekürzten Hans (J ohannes die bereits unter hagen (cf. Fick, I, 36) 
wird hier, in Holland, sowie in andern erwähnte y kak = skr. kac, kanc (binden, 
frics. Landen überall zu Jans, Jens [Ge- gürten etc.) zurückgeht. — H. Leo (s.pag. 
schln. Janssen, Jenssen od. Jansen etc., cf. 586) stellt übrigens ags. hösu, goth. hansa 
auch Stint Jaus =: Sanet Johan nes] 35 zur y kans od. kailis (ire, maudare, jubore), 
contrahirt u. kömmt als Name ungemein die lautlich vollkommen stimmt, indessoi 
häufig vor, tvährend dies mit Hans, soviel von Bopp mit destruere, ire ti. von Ben- 
mir bekannt, gar nicht der Kall ist) iden- feg (cf. kains, od. ki\q, kas) mit to go ; to 
tificirt, sondern annimmt, dass lians od. couimaud (v. r. to destroy) übersetzt wird 
hau-e cds Magnat einen Mann aus dem 40 u. wobei man bei skr. kamsa od. kansa, 
Geschlecht der Anscu od. Hansen (dem Göt- kaiisa (was Benfeg sub III mit bell me- 
tergeschlecht derAscn) bezeichnete, ivie be- tal, bz. Glockenspeise, Legirung vo)i Zinn 
kanntlich auch die goth. Adligen od. Gros- n. Kupfer etc., Bopp dagegen mit vas po- 
sen sich für Abkommen der Asc)i hielten torium [cf. afries. hensa, Trinkbecher, bei 
u. man sie deshcüb Anses od. Hanseu (von 45 Wiarda, ostfries. Gesch. I, 371] über- 
ans [deus], ••*. unter 1 as) nannte. setzt) dann annehmen muss, dass sie aus 

Anscheinend hat sich aber der Name der ursjir. Bedtg.: ire, se movere od. sich 
Hans auch noch mit haus od. hanse (so- heioegen vor od. nach Etwas hin 
eins, collega, bz. Einer, der der Hansa u. zu Einem etc. allerhand iveitere Be- 
angehört, cf. bei KU.) gemischt n. da die 50 dtgn. entwickelte (cf. z. B. y ag u. pa, 
Bürger der zur Hansa gehörenden Städte pi etc.), da die Bedtgn.: ire u. destruere 
(Hansen od. Hanseaten) ganz zweifei- sich doch gegenseitig nicht decken u. auch 
los oft etwas sehr selbstbeivusst u. tvichtig die von: raandarc, jubere weder zu diesen 
(man denke sich nur einen richtigen cdten stimmt, noch auch alle diese für goth. hansa. 
bareu-tagen Bremer) auftraten u. sich mehr 55 passen, da diesem wohl die Grdbegr. : v e r- 
fühlten als Andere, so ist es auch möglich, dass einigen, binden, schli essen, vcr- 
hans seine Bedtg.: Grosser, Grosshans, binden (aus: sich bewegen vor, kommen 
od. eitler, wichtiger u. dünkclliaf- zu [Einem], sich Einem zugesellen u. an- 
ter Mensch (cf. hansig) wenigstens zum schliessen, od. sich vereinigoi mit Einem 
Theil auch hierher erhielt, bz. dass das 60 od. Etwas etc.) zu Grunde liegt. Aus be- 



Hans-ars hans-damp 



35 



HAPEN HOPEN 



10 e gen vor, kommen zu etc. ergiebt sich 
auch die Bedly. : erreichen, erlangen, er- 
greifen, nehmen, fassen, fesseln, binden, 
halten, schützen etc., wozu stimmen: tat. 
casa, cassis (Helm), cassis (Netz, Jägergarn), 
cista (Kiste, Kasten) etc. etc., sowie auch 
das deutsche Hose, cf. 2 liase. 

liaus-ärs, hans-damp etc., s. unter hans. 

hansig, gross u. ivichtig thnend, einge- 
bildet, stolz, eitel etc. ; so 'n hansigen kerel 
as dat is, dar is hei gin ütkamen mer mit ; 

— de to hansig is, krigt ligt en up 't miil. 
cf. unter hans. — Es giebt auch noch (cf. 
(Br. Wb., 2. Nachtrag, pag. 100) ein nd. 
hansig (verbunden, unterthan) od. hensich 
= mnd. (Seh. ti. L.) hensich u. afries. 
hensich, hanzoch, hamzoch, henzich, hinsich, 
wobei V. Bichthofen (cf. afries. Wb., 
807 unter hensich) zioeifelhaft ist, ob es = 
hangig (cf. hangig in ofhangig) ist, was 
aber, da es auch mnd. vorkömmt, schiver- 
lich mit hangen connex ist, sondern zwei- 
fellos zu hansa (Bund etc., cf. unter hans) 
gehört. 

hanske, s. handske. 

liänsken, Häuschen; hänskeu in de kel- 
ler (Kind im Mutterleibe) ; — • hänsken twe- 
derlei (Zwitter, Hermaphrodit), cf. Br. 
Wb., II, 594. 

lians-np od. hausman, Jacke u. Bein- 
kleid in einem Stück, als Nachtkleid für 
kleine Kinder gebraucht. — Im nd. Br. 
Wb. (II, j)ag. 483) wird gesagt, dass 
hans-up = gans-up sei, was mir indessen 
fraglich ist, da auch im nid. hans-op in 
dieser Bedtg. vorkömmt. 

liänt, s. 2 hän. 

lianteren, hanthieren; a) wandern, hin 
u. her ziehen, umherziehen, hausiren etc.; 
he hanterd (od. trekt, drift sük etc.) aferal 
herum, of 't net wat to raken gift ; — he 
hanterd aferal mit sin ko herum un is d'r 
bold mit up en, hold mit up 't ander markt, 
um to sen, of he hör net ferköpen , of fer- 
büten kan ; — he hanterd mit sin waren bi 
de bür herum; — b) handeln, manipnliren 
etc.; he hanterd d'r mal in od. mit herum; 

— c) behandeln, tractare ; he wet de saken 
hei net ördendlik to hanteren od. to behan- 
teren. 

Wegen der Herkunft dieses Wortes aus 
franz. hanter (oft besuchen) u. der Abstam- 
mung dieses aus an. heimta (von heim od. 
hiiima = afries. hema, heimen, wohnen) 
vergl. Diez, II, 328. 

häntje, Hähnchen; fig. ein eitler etc. 
Mensch; s. unter hän. 

häntje uii hentje , die Samenkapseln der 
Pfingst- od. Bauern-Rose, so benannt, wegen 
der rothen Kämme u. Spitzen, die selbige hüben. 



liäiitje-lilöme od. häntjes, Hauhechel 

(ononix spinosa) , atich haseblöme genannt. 
liiin-träde, huiiträ', a) Hahnen-Tritt, Hah- 
iien-Schritt ; — b) (jig.) ein .stolzer, eitler, 
5 selbstbcwusstcr Schritt u. auch ein leiser 
■vorsichtiger Schritt, wobei man die Fasse 
hoch aufhebt, um nicht anzustossen; — c) 
kleiner Schritt, der nicht viel fördert; 
Sprichiv. : um nejär hel)beu de dagcn 'n 

10 hänträ' wunnen; — d) das „Sehnenhüpfen", 
ein bekannter Kehler im hintern Sprungge- 
lenk des Pferdes; — e) das dicke rundliche 
Ende des Eies, too sich unter der Schale 
die kleine Höhlung befindet, die loir sonst 

15 auch tredsel nennen. 
bap, s. happ. 

hape, liope, hup', liop', Hoffnung, Er- 
ivartung etc.; he läfd in hap' od. up häp', 
dat 't bold bilter word ; — dat geid up gode 

20 häp' ; — d'r is gin häp' (Erwartung, Aus- 
sicht etc.) up bäterschup ; — ik se gin häp' 
(Erwartung u. Aussicht auf Besserwerden, 
bz. Ausflucht, Hülfe, Bettung etc.) mer für 
hum ; — de gin hap' (Erwartung, od. Ans- 

25 sieht auf günstigere Gcstaltu)ig , bz. Glau- 
ben u. Vertrauen an u. auf Etwas) mer 
hed, de is ferlaren; — alle häp' is iit; — 
du must dl gin hup' d'r up maken , dat du 
fOl geld fan rai arten kanst ; — de häp' fer- 

30 lett mi net, dat he torüg kumd ; — he stelld 
sm häp' (seine Erwartung, od. sein Ver- 
trauen etc.) up God; — God is min häp' 
(Gott ist meine Erioartung ^ od. meine Zu- 
flucht, mein Vertra uen etc. , bz. mein Halt 

35 u. meine Stütze etc.). Sprichw. : bäter häp' 
to, as häp' up. — Nid. hoop; mnld. hope; 
mnd. hope u. hopene ; wfries. hoape, hoop ; 
ags. hopa, to hopa; engl, hope; mhd. helfe, 
hofe, hoff «. hofene, cf. hapen. 

40 hape-dode, häpdode, eine Person, auf 
deren Tod man hofft, um sie zu beerben, 
od. von deren Tod man sich sonst einen 
Vortheil verspricht. Sprichw. : häpdoden 
läfen lank. 

45 hapen, hopen (häpde, — heb' häpd), hof- 
fen, erwarten, od. Hoffnung, Eh'wartung, 
Zuversicht u. Vertrauen hegen u. haben, 
zuversichtlich erwarten , rechnen u. ver- 
trauen loorauf etc.; nu könen wt wer ha- 

50 pen (od. ferwagten) , dat 't bäter word ; — 
't gifd niks mer to hapen un to ferwagten; 
— ik häp' dat 't gud geid; — he häpd up 
'n goden fängst ; — ik häp' up od. to God, 
dat 't all' god geid. — Nd. hapen ; mnd. 

55 hapen, hopen ; nid. , mnld. hopen ; wfries. 
hoapjcn, hoopjeu; ivang. höpje; ags. ho- 
pian od. hopjan ; engl, hope ; schwed. 
hoppas. Die fries., ags. Endung jen, jan 
bezeugt es wohl, dass dieses Vbm. von hopa 

60 (cf. hape) weitergebildet ist u. demnach die 

3* 



H.\PEN nOPEN 



36 



HAPPEN 



Bedtg. „hopa machen"' hat. 3[ö(]Uch ist es 
indesficn auch, liass sowoJil hop-jan als 
hop-a beide rom Stamm liop sclbstständi(/ 
weiten/ebildet sind u. denuuuh liop-jaii nrspr. 
die simtl. Bcdty.: Hebung, Erhebung, 
A ufb c w e g u n g, A u/s teig e n etc. , od. 
Bewegung in die Höhe machen u. 
erzeugen etc. hatte, ivie es ja fast als 
zweifellos angenommen werden muss, dass 
der Stamm hop in dieser Bedtg. auch in 
ags. hopp-jin (einen hopp od. hop [saltiitio 
etc.] machen, hüpfen = schwed. hojjpa; 
ahd. hupjau, hupfjan, mhd. hupfeu, liopfen, 
hoppcn etc., cf. liüppen etc.), hop-ig (sj^rin- 
gend, hüpfend etc., von Meereswellen , too- 
von auch wohl franz. houpee, das sich Er- 
heben u. Aufsteigen einer Welle) u. nhd. 
Hopfen (cf. lioppe) etc. stecht u. das bayr. 
(Sc hm., II, 159) aufhoffen, v er hof- 
fen (auffahren, erschrecken, od. sich plötz- 
lich erheben u. aufspringen etc., cf. schrik- 
ken = springen etc.) auch vom plötzlichen 
Aufheben des Kopfes (z. B. von einem 
ruhig grasenden Hirsch, wenn er Etwas 
hört u. dann den Kopf hebt u. voller Er- 
wartung aus- n. um sich schaut) od. einem 
Auffahren u. sich Erheben etc. ge- 
braucht wird, wonach denn hoffen buchstäb- 
lich nichts Anderes besagt, als dass ein Et- 
was (Mensch, Thicr) sich erhebt od. auf- 
springt, auff'ährt u. voller Erwartung um 
sich schaut u. aussieht , woraus sich denn 
von selbst die Bedtg.: Erxoartung für 
hopa u. erwarten od. warten u. hof- 
fen auf Etwas für hop-jan (bz. hoffen) 
ergäbe. Vergl. übrigens auch höp (Reif, 
Ring etc.) höp (Haufe) u. huft (Hüfte) etc., 
sowie weiter bei Fick (III, 62) hap (rece- 
dere etc.) , icozu er ausser ags. liüp (reces- 
sus, in fcn-hop, mör-hop, cf. bei M. Hei/ne 
ags. Ii6p, geschützter Ort, Zufluchtsstätte, 
Schlupfwinkel) auch an. happ (Glück, Er- 
folg), ags. liäp (reich od. optus), engl, hap, 
to liappen, happy u. ir. cobh (victoria) stellt 
H. icobei man bei ags. liopa (Hoff'nung) auch 
daran denken kann, dass dieses Wort 
(sinnl.J urspr. die Bedtg.: geschützter, ein- 
gefriedigter, sicherer Ort (cf. liof) hatte u. 
dass demnach ags. hopa (Hoffnung) xirspr. 
aus der Bedtg.: heimlicher u. siche- 
rer Ort, od. Zuflucht etc. auch wieder 
die Bedtg. : Z uf lacht, Rettung u. H ü Ife 
(die doch auch in hape od. liop liegt) ent- 
wickelte. Neben hof vergl. auch hOf, hiife 
etc. 

Wegen der Grdbdtg.: sich erheben, auf- 
fahren (erschrecken, erstaunen) etc. der viel- 
leicht für liapcn anzusetzenden y vergl. auch 
schwed. liiipua (erstaunen, erstarren etc. vor 
Schrecken u. Verwunderung) , hilpun (er- 



staunt, betäubt, erstarrt, unheioeglich etc. 
vom plötzlichen Schrecken etc.) etc. u. auch 
u)iser 3 liop etc. 

happi', Hcmmniss, Hindernisse Stockung 
5 etc.; dar kumd 'n haper tüsken. Davon: 
gehapor, Gestocke od. öfteres Stocken u. 
Eestsilzcnbleiben etc. 

liapercii, hapern, hapern, stecken bleiben, 
a)istossen, stocken, festsitzen, nicht vorwärts 

10 kommen, sclilecht gelten, gebreclien, fehlen 
etc. ; he hed siu erste prek (Predigt) holden, 
Sünder enmäl to hapern; — dat haperd (sitzt 
fest etc., od. auch: fehlt) aferal im an alle 
kanten ; — 't hapcrde hum an geld. Auclt 

15 subst. : dat hapern ; wen 't euniäl in 't ha- 
pern is, den hürd d'r wat to, um 't wör regt 
in d' fard to krigen. — Nid., mnld. hape- 
rcn (haesitare, haerere, titubare, perplexe 
loqui); nd. (Br. Wb., Dähnert etc.) ha- 

20 porn, liappern ; schwed. happla (stocken etc.) ; 
dän. happe, hjappe (stocken, anstossen, stot- 
tern). Es ist (cf. Grimm, Wb., unter ha- 
pern) anscheinend mit ahd. haben, hapen 
(haben, halten, festhalten, halten, Halt ma- 

25 chen etc., cf. ht-bben) aus einer u. dersel- 
ben y hervorgegangen od. möglicherweise 
sogar eine Interativbildung davon aus der 
Bedtg. : halten. Halt machen etc. 

hapei'ig, hapei'g, mit Hemmnissen u. Un- 

30 terbrechungen , stockerig, stotterig, stümper- 
haft, gebrechlich etc.; dat gung man regt 
haperg mit 't preken (predigen). 
häpiiung, Hoff'nung. 
happ od. liap, Schnapp, einmaliges Zu- 

35 schnappen u. Zubeissen des geöffneten Mun- 
des, bz. der hörbar auf einander beissen- 
den u. klapsenden Zähne; daher auch: 
Biss, Bissen, Mund-, Gabel-, Löffel-voll etc.; 
happ ! de de hund, do was 't weg; — mit 

40 en liapp was 't up ; — he dö d'r 'n liapp 
üt de brügge (Butterbrod), de was nrt siegt; ' 
— gif mi dog 'n happ fan ; — he lied gin , 
happ brud (od. äten, sopp etc.) für 'n arm I 
minsk afer. — Nd. (Br. Wb., Dähnert | 

45 etc.) happ, happs; nid. hap. Es ist ein laut- 
malendes Wort, dessen Stamm hap indessen 
nicht neuerdings erfunden ist, sondern cds 
identisch mit g riech, kap (in kapö, kaptö 
etc., cf. happeu), lat. cap (in capio) n. mit 

50 hap i)i hapern ». mnld. happen (cf. happen) 
tvohl (üs besonders jj«sst7i(/ dazu verwandt 
wurde. 

happelu; /. q. haffeln, ah Frequentativ ) 
od. Iterativ von happen. | 

55 happen, happen, schnappen, mit geöffne- 
tem Munde wonach schnappen u. greifen, 
beissen, essen, fressen, schlucken etc. ; de 
hund happd d'r na; — happ du de kumm' 
mit brej' man äfeu üt; — he happde dat 

60 so gau up, dat man hast hei net sag war 't 



HAPPERD 37 HAR-BUEL 

blef; — he happde d'r 'n (lügtig stük fit; hur. Wenn man envägt, loas Alles unter 

— happ' man weg, 't is doch für di be- Haar (cf. auch rüg = mhd. riich, nhd. 
stimmd; — he happd 't all' weg, wat hum rauch it. rauh, wovon EauchwerJc — 
försetd word; — happ' up, deu is 't d'r üt. Pelziverh) verstanden ivirä, so mnss man 

— Wfries. (Jaiiix) happjen f/trtjj^^e«, im- 5 ivohl auf den Gedanken lommen, dass es 
scn, [Jemanden] anfallen, zerfletschen, zer- urspr. als ein rauhes, scharf es, kratzen- 
reissen); nfries. happe; nd. ,'^ nid. happeii des, stechendes , stachligtes, horsti- 
(happen, schnappen, haschen etc.); mnld. ges, granniges (cf. auch garste etc. ii. 
(KU.) happen (apprehendere, arripere, cor- grannig, bz. nhd. Granne von |/ ghars, 
ripere, celeriter rapere, prendere, capere). 10 ghar, rauh sein, rauh machen, kratzen etc.) 
cf. griech. kapö, käptö (happen, schnappen Ettvas aiifgefasst ist u. dass die wohl für 
etc.), kaphis (das Verschlucken) etc., wobei urspr. hasa (cf. 1 bar aus bas od. basi u. 
indessen zu bemerken, dass \ia.^ö, kapiö auch nhd. Beere aus goth. basi) stehende volle 
die Bedtg.: hauchen, athmen, schnauben Form hava mit lit. k-ASSi (Haarflechte), sklav., 
etc. hat u. demnach direct mit der für lat. 15 serb. kosa (Haar), kslav. kosmü (dasselbe), 
capio, capto etc., bz. goth. haban (cf. heb- Ut. kasii (graben, stechen etc.), kasaü (krat- 
ben, heften etc.) etc. anzusetzenden y zen, krauen, striegeln, kämmen), lat carere 
nichts zu schaffen hat, während mnld. für carere (Wolle kratzen) etc., soivie auch 
liappen jedenfcüls zu der Bedtg. von capio weiter vielleicht mit mhd. bare, bar ii. bere, 
stimmt. 20 her (asper, herb) etc. zur idg. j/ kas = skr. 

happerd, a) der tceit geöffnete, schnap- kash od. kas (reiben, schaben, kratzen, rauh 

pende, gierige, schluckende Mund; he ritt machen, stechen, jucken) gehört, od. loie 

de happerd so wid apen, as of he 't all' to- lat. caesaries etc. (cf. Fick, I, 51) zu einer 

mal uphappen un ferslüken wil; — b) ein Ablautform kis dieser ]/. cf. auch 1 

happender, fresssüchtiger, gieriger Mensch 25 hase. 

etc., bz. Einer der happig ist; du happerd, 2. häl' (in här-was, gäl-här etc.), Flechse, 

wat bi-ükst du altid so happig un ropperg Sehne, Sehnen- od. Faser-Bündel etc. — 

wäsen. Wie Flechse von Flachs entstand, bz. 

happig, schnell schluckend u. schlingend, dazu gehört, so ist dieses här xoohl iden- 

gef rassig, gierig, lüstern, begehrlich, hab- 30 tisch od. connex mit ahd. haru, haro ; inhd. 

süchtig, greiflg etc.; he is altid so happig hare, bar; afries. her; an. hörv ; dän. hör 

bi 't äten, as wen he 't wol all' upf raten (Flachs), cf. harl, harpltis etc. 

wul'; — - happtg na 't äten, bz. na 't geld, 3. här, s. bor. 

wicht etc.; — so 'n happigen (gierigen u. harbarg (Plur. harbargen) , Herberge, 

unverschämten) kerel as he is, heb' 'k seiden 35 Wirthshaus, Aufnahme, Obdach, Unterkom- 

sen. — Nid., nd. happig. men. Sprichio. : de de wärheid segd (od. 

happigheid, Gefrässigkeit , Gierigkeit, auch blos: de wärheid) kan gen barbarg 

Lüsternheit etc. ; sin happigheid kend gen finden ; — dat kind rukd na de harbarg ; — 

grensen. — Nid. happigheid. kört underwägens un lauk in de harbarg, 

happke, Häppchen. Dimin. von happ. 40 hed al mennig perd ferdürfen. — Nd. har- 

1. här (Sing. u. Collect.; davon Plur. bärge ; 7nnd herberge; o/nes. herberge; «?fZ. 

baren), Haar. Eedensart. u. Sprichio.: 't herberg; engl, harbour; ahd. heriberga, he- 

schälde gen här, of 't was mis; — he schärd reberge, herberga, heriperga, berebirga; mhd. 

stik gen här um de hele biidel; — he hed herberge, berbrige, herbrig, herbärge (castra, 

här up de küsen ; — krüs här ! kriise sin ; 45 diversorium, hospitium). Davon : ital., span. 

— he hed här läten! — rode här un elleru- albergo ; jjrov. albere, alberga; afranz. her- 
holt wast seiden up 'n goden grund ; — he berc, herberge ; nfranz. auberge. Es ist 
is bi de här afer de tun (Zaun, Hecke) Compos. von ahd. hari, heri (Heer, Schaar, 
bald; — dat is mit de baren herbihäld; — Menge etc.) %i. pcrga, berga (loas birgt u. 
se Sitten (od. liggen) 'nander altid in d' ha- 50 aufnimmt), ivie auch das mhd. berga schon 
ren ; — d'r is g!n göd här an; — he lett die Bedtg.: Herberge od. Aufnahme- 
hum^gen god här; — de gin här hed, hed Ort etc. hatte. 

6k gin gefär; — he hed 'u här in de uakk', harbargen, herber gen ; a) beherbergen, in 

dat hum torüg hold ; — he hed d'r 'n här sein Haus aufnehmen ; he wil dat folk net 

in funden, um dat to don. — Nid. haar «. 55 barbargen ; — b) Obdach u. Unterkommen 

früher auch hair; mnld. haer, hayr; nd. nehmen; ik wul' fan nacht bi jo barbargen, 

haar; nind. här; afries. (v. Bichthofen, liär-bül, Haarbeutel; he dragt 'n bärbül; 

Hettema) her, her; satl. u. nfries. her; — dat is net so warm as ^n bärbül; — flg. 

wfries. hier; as. här; ags. haer; engl, hair; Bausch; he harr' güster afend 'n bärbül, 

an. har; schioed. här; dän. haar; ahd., mhd. 60 od. sük 'n bärbül andrunken. 



HARD EXRT 



HARDEN 



liard, hart (flect.: harder, harter, — 
hardste), hart (diirus), nicht weich od. iiach- 
giehig, widerstandsfähig, fest, stark, stroige 
etc. ; luird as 'n sten ; — dat is liard liolt ; 

— dat fles is so hard , dat man 't hast hol 
ni't bittn kan ; — 'n liardi'u (Jiarler, dauer- 
hafter, fester etc.) hörn od. planto etc. ; — 
lie is hard un fast; — dat is hard un taj'; 

— dat gcid hard um hard, od. liard tilgen 
hard; — hard water; — hard tan sin un 
geni8d; — de wind weid so hard (stark, hef- 
tig etc.), dat man d"r hast hei net tagen 
upkamen kan; — 'n hardcn (.'Starker, stren- 
ger, heftiger etc., od. andauernder u. an- 
haltendir) fröst, od. winter; — he hed 'n 
harden hüd ; — he hold sük hard (er gieht 
nicht nach, ist nicht tceich u. nachgiebig, 
bz. weichherzig , od. leicht zum Weinen u. 
Klagen etc. geneigt); — hoM di hard, un wen 
d'r ök 'n bön in de löp geid ; — he is so 
hard mit sin kiuder; — he sett hum hard 
tö; — hard (stark, angestrengt, schwer etc.) 
arbeiden ; — dat kumd niT d'r so hard 
(rasch, eilig etc., od. stark, sehr etc.) nicli 
up an; — dat schal hard (schxoer etc.) hol- 
den, od. spannen etc. ; — dat kumd hum 
hard an ; — hard (schwer) hören ; — hard 
(.stark, rasch, schnell, andauernd etc.) 16- 
pen (cf. harddrafer, hardloper) ; — hard 
(stark, laut etc.) ropen, od. sprilken, raren 
etc.; — hard (dicht, unmittelbar etc.) an, 
od. np ml; etc. — Nid. hard; mnd. hard, 
harde; nid. hard; mnld. herd, hard; afries. 
herd; tvfries. hird; as. hard; ags. heard 
OiaH, fest, streng etc.); engl, hard; an. 
hardr; schtved. hdrd; dän. haard; goth. har- 
dus (hart, .strenge); ahd. hart u. harti, herti; 
mhd. hart u. herte (hart, fest; festhaltend, 
andauernd; ausdauernd, hartnäckig ; drü- 
ckend, schwer, schmerzlich; fest zusammen- 
haltend, dicht). Vergl. griech. kürta (stark, 
sehr), kratüs, karteros, krateros (stark, ge- 
tvaltig etc.), krätos, kärtos (Stärke etc.), wo- 
mit es möglicherweise (cf. G. Curtius, 154) 
zur y kar (machen, thun etc.) gehört. Wei- 
ter vergl. auch skr. kar-kar-a 0>'nrt) etc. u. 
goth. hallus (Fels) etc., welche Wörter auch 
einer y kar angehören. Oder hatte hard 
etwa ursjir. die Bedtg.: haltend, dauernd, 
haltbar, dauerhaft, fest etc., wie ja harden 
(cf. auch: ful-harden) die Bedtg. aushal- 
ten, dauern, a u s d au er n etc. hat u. 
die Stämme hard u. bald Cvon haldan, hal- 
ten, cf. holden) formell .sehr gut derselben 
y angehören können. Zu hard, hz. griech. 
kärta, krätos, kärtos vergl. auch hars u. 
rad, rat (flect.: radder, ratter, — radste etc.) 
= ahd. brad, brat (ra.sch etc.) etc. Desgl. 
vergl. auch nhd. harren =^ halten, tcar- 
ten etc., d. h. bleibrn u. Halt machen (ivo), 



wie auch ahd. harten (s. unier harden) die 
Bedtg.: mauere hat «. harren auch mit 
griech. kärtos, krätos, bz. mit unserm hars 
wurzelhaft conne.v zu sein scheint u. mög- 
5 licherweise sogar aus älterem harsen ent- 
stand. 

Zu hard in der Bedtg.: stark, sehr etc. 

iciirde sich übrigens auch skr. ^ardba (stark, 

kühn, gewaltig etc.) vergleichen lassen, des- 

10 sen „dh" jedenfalls zu germ. „d" u. „t" 

besser stimmt, als das griech. „t" in kärta etc. 

Zum Schlüsse sei noch bemerkt, dassFick 

(III, 67 seq.) liardu (hart) mit lat. crassus, 

crätes zu skr. kart (spinnen, tcindcn), bz. 

15 cart (knüpfen, heften, flechten) legt, indessen 

dabei auch auf griech. kratüs etc. verweist. 

hard-aditig, hardaftig, hartartig, härt- 
lich etc. 

liard - drafeii , Schnelltraben , (Pferde-) 
20 Rennen, ]]'ettrennen etc. ; d'r schal hir bold 
'n harddrafen ot'holden worden. 

liard-drafer, Schnclltrabcr, Renner, Wett- 
renner. — Nid. harddraver. 

liard-drafere , Schnclltraherei , (Pferde 
25 etc.-) Rennen, Wettrennen. 

harde, Harte, Härte, Festigkeit, Strenge 
etc. ; dat harde mut d'r i'itsnäden worden ; 

— mit harde is d'r niks tät^en to maken; 

— he kan de harde (Härte, Stärke, Festig- 
30 keit, volle Kraft u. feste Gesundheit etc.) 

uog hei net wer krfgen un blift altid nog 
wat piperig un swak ; — he (de bom etc.) 
hed de harde kragen. 

harde-fos, ein harter, dichter, fester, kräf- 

35 tiger Pfannkuchen von der ersten Milch 
(bestmelk) einer Kuh, auch rugfos genannt. 
hardelik, hardlik, hartlik, hardelk etc., 
härtlich, consistent, fest, kräftig, nicht weich- 
lich, nicht schaal, nicht fade od. matt : hardelk 

40 fles; — de fisk is regt hardelk un frisk; — dat 
äten is (od. sniekd) regt hardelk (das Fsscn 
ist [od. schmeckt] recht kräftig u. wohlschme- 
ckend) ; — schelfisk is 'n hardelk äten. 
harden, a) härten, hart machen od. wer- 

4:5 den ete ; dat iser mut liardt worden ; — hr 
hardt sük of od. is ofhardt; — b) aushal- 
ten, dauern, ansdauern etc. ; he kan 't wol 
harden (aushalten, ertragen, ausstehen etc.), 
dat he 's winters düii geklcdt geid; — he 

50 kan dar wol harden (od. düren, ütdüren, üt- 
harden etc.) war he wand ; — he kan 't dar 
in Norwägen güd harden, un wil d'r hei net 
wer weg; — he kan 't net langer harden, 
fan Wagens de grote kolde. cf. fer-, ful-, 

55 ut-harden etc. — Nid. harden (härten; er- 
tragen, erdulden, ausstehen, aushalten, lei- 
den, ausharreti etc.); mnd. harden (l^art 
sein od. werden) ti. lierden (Jiart u. fest 
machen; erhärten; stärken, ermuntern, an- 

GO treiben etc.; ausdaucrn, ertragen etc.) ; mnld. 



HARD-FUCIITIG 



39 



HAREN 



(KU.) herdden (durare etc.) ; afries. herda, 
birda (erhärten, beweisen); xvfriefi. hirdden 
(Jiärten; ausdaucrn etc.); satl. herdje; nfries. 
(Oiitzen) liarden, bürden, birde (aushalten 
etc.) ; as. bardon (ohdiirescere) u. herdjan 
(roborare) ; ags. (II. L c o) beardan, byrdan 
(in gebeardan etc., stärken etc.) u. beardjan 
in a-lieardjan (hart sein u. loerden etc.) ; 
an. bardna (hart iverden) u. berda (hart 
viachot etc.); norw. bardna n. berda (das- 
selbe); dän. haerda (härten etc.); ahd. bar- 
ten, barton ; mhd. barten (liart sein od. 
werden, durare, manere) u. bartan (d. i. 
hartjan). bertan, berten ; mhd. herten (här- 
ten, hart, stark u. fest machen, stürTicn etc.; 
dauern, ausdauern, beharren, ausharren). 
Davon (Diez, I, 30): ital. ardire (sich er- 
Mihnen); x^rov. ardir, enardir ; franz. en- 
hardir (liühn machen) etc. 

hard-fucLtig (schicer feucht), nicht leicht 
iveinend, nicht leiclit (zu Thränen) gerührt, 
gefühllos, hart, fest u. standhaft von Sinn 
u. Charakter, starrsinnig etc. ; du must di 
hardfucbtig boldeu un nicb allid so ligt 
schrefen, wen di wat sär deid ; — man word 
mit leferla al fan sülfst wat bardfuchtiger, 
wen man wat older word ; — de jung is 
ferdomd hardfucbtig, un be fragt den düfel 
d'r na, of man hum in goden fermänd, of 
bum ütscheld un dorprügeld. — JSfld. hard- 
vocbtig. 

hard-faehtiglieid, Gefühllosigkeit etc. — 
Nid. hardvocbtigbeid. 

hai'd-heid, Hartheit, Härte. 

hard-hörend, hardhörig , hart-, schwer- 
hörend, harthörig etc. 

Iiard-liörigheid, Harthörigkeit. 

liardigheid ; i. q. bardheid. 

hard-kop, Hart-, Starrkopf. 

liard-lärig, hart-, .schwer lernend etc. 

hard-lifig, hartleibig, verstopft etc. 

Lard-lik, s. bardelik. 

hai'd-löper, Schnellläufer, Benner, bz. 
Einer der schnell u. eifrig läuft; d'r kumd 
fan dage 'n bardlöper bi de strate ; — dat 
perd is 'n bardlöper ; — be is sin läfend 
gin bardlöper west un sal 't up 't older ök 
wol net mer worden. 

hard-nakk, ein hartnäckiger Mensch. 

hard-nakkig, hartnäckig, unbeugsam etc. 

liard-nakkigheid, Hartnäckigkeit etc. 

liär-dok, Haartuch, Tucli od. Gewebe von 
Haaren u. besonders von Schweinshaaren. 

flare, s. Haro. 

1. hären, haaren; a) Haare od. Wolle, 
Fasern etc. abwerfen od. verlieren u. loech- 
seln, kahl werden etc. ; dat perd härd ; — 
de äsel härd of; — dat göd fangd an to 
hären ; — b) Haare od. Wolle, Fasern etc. 
entfernen, mittelst eines Kammes, Wlessers, 



Striegels od. eines sonstigen entsprechenden 
Gcräths, daher auch: kämmen, striegeln, 
schaben, kahl machen, scJiinden, rupfen etc. ; 
de botter is net göd härd od. kemd, d. h. 
5 nicht gut vom Haar od. sonstigen Unrath 
cds Flocken, Fasern etc. gereinigt, ivas mit- 
telst eines Messers od. Kammes geschieht; 
— dat perd mut bäter bärd (gekämmt u. 
gestriegelt, bz. geputzt) worden ; — wen de 

10 bilden üt de löikupe (Lohekufe der Loh- 
gerber) kamen, den worden se bard (mit 
dem Schab)nesser abgeschabt n. abgekratzt 
u. kahl gemacht) ; — be is dügtlg bärd (ge- 
Tupft, mitgenommen, geplündert etc.); — be 

15 bed bum ntt so lauk härd (gerupft etc.). as 
he nog 'n 8rtje harr' ; — be schal härd 
(gerupft, mitgenommen, geplündert , od. ge- 
schoren, kahl gemacht etc.) worden, dat he 
de angst krigt. 

20 2. hareii , schärfen , .scharf machen u. 
zwar speciell die Sense, indem die Schneide 
derselben auf dem här-stapcl mittelst des 
bär-bamers dünn u. scharf geschlagen loird; 
de seise mut erst wer bärd worden, anders 

2-3 snidt se nicb. — Nd., mnd., nid. baren ; 
nfries., dithm. bare, haare ; satl. bare. Mit 
mnld. här od. haer (Werkzeug zum Schär- 
fen der Sense, hz. Schärfzeug , od. schär- 
fendes Etioas) , bz. mit unser m här-haraer 

30 etc., sowie Itcss. (Vilmar) här (Schneide 
der Sense), nd. (Dähnert) här in här- 
egge (die scharfe Schneide, od. egge) viel- 
leicht derselben ]/ ^ar (dirumpere, laedere 
etc.) entsprossen, tvozu (cf. Grimm, Wb., 

35 IV, 27 u. H. Leo, pag. 124) goth. hairus, 
as. heru, beoru, an. hiörr, ocl. hjörr (i^nsis) ; 
griech. kelrö (scheeren etc), kerma (Schnitt) 
etc., skr. garu (Waffe) etc. gehört. Möglich 
ist es indessen, auch, dass der Stamm bar 

40 od. här, Thema hari? (schneidend, scharf 
etc.) auf die y kar, schneiden, theilen, .spal- 
ten, verletzen etc. (cf. send. u. skr. kar u. 
die wohl davon erweiterte Form kart = 
zend. karet, schneiden etc.) zurückgeht, wo- 

45 bei weiter noch Fick (1 , 4.5) zu verglei- 
chen ist, wonach .skr. kar u. Qar auch aus 
idg. skar (cf. schäre, schären etc.) entstan- 
den sein kann. Vergleicht man indessen 
die y aq od. idg. (Fick) ak von egge u. 

50 lat. acus etc., .so kann man auch anneh- 
men, dass diese zu 9a od. idg. ka (cf. Fi c k, 
I, 54 y ka, schärfen, wetzen) umgesetzt ist 
u. davon wieder gar od. kar, bz. zend. kar 
(cf. zend. aku, Spitze etc. u. Weiteres un- 

55 ter egge) weitergebildet wurde. 

3. liaren (rauhen, rauh werden od. auf- 
springen etc. ?). Wenn im Winter die Haut 
der Lippen, Hände etc. nass u. feucht sind 
u. in diesem Zustande dem kalten Winde 

60 od. Froste ausgesetzt sind u. in Folge dessen 



HAREN 40 HARIG 

rasch trocTcnet u. spröde wird, so sprinfft hearfest; ah. haust; ?(or?p. haust ; (7rtM. höst; 
bekanntlich die Haut leicht auf, wodurch ahd. herbist, herpist; ?«/ff/. herbest. Es ge- 
sie einerseits ratih u. rissig de. u. anderer- hört tcoJil mit lat. carpere u. griech. kar- 
seits wund u. sehr empfindlich u. schmerz- pös, karpizein etc. zu der ]/ karp (schnei- 
haft wird, welchen Zustand wir mit fer-, to- 5 den, sclwercn) , sodass es die Schneide- 
od. ter-haren (de hiid is, o(/. de lippen, hande Zeit (des Getreides, Weins etc.), od. die 
etc. sunt nii gans fer-, od. to-, tcr-härd) be- Abnehme- u. Brechseit (der Frucht 
zeichnen u. wonach man denn fer-, to-haren etc.) bezeichnet, wobei dann anzunehmen ist, 
etc. mit V e r- od. zer-rauhen , od. auch dass die aus kar, bz. skar (schneiden etc., 
mit: z e r-spr i n gen, zer-bersten etc. 10 cf. unter 2 baren) erweiterte y karp aus 
übersetzen kann. Vergleicht man indessen schneiden die Bedtg. : trennen, s})al- 
nhd. lech, lecken u. lechzen (Wei- ten, brechen, abnehmen , pflück en 
gand), bz. dass lech (rissig od. anfge- etc. entwickelt hat. Möglicherweise hat in- 
borsten, zersprungen, cf. lek etc.) rcohl urspr. dessen herhist etc. direct mit lat. carpere 
die Bedtg.: ausgedörrt etc. (durch die 15 etc. nichts zu thun , da die Form anschei- 
Sonne od. einen trocknen Wind) hatte, so nend ein verlorenes Vbm. : harben od. har- 
ist es icohl zweifellos, dass dieses haron mit bön, ags. liearfan etc. voraussetzt u. zwar 
dem mnld. (KU.) haere (urens frigore ven- in der Bedtg.: schneiden, schecren, kahl 
tus, nelida aura summam cutem urens aspe- machen etc., toie ja auch herhht die Bedtg.: 
ritate quadam), haorcn (frigore aut calore 20 kahl u. leer gemacht haben kann u. dann 
niniio torrere vel urere , urentem auram die Jahreszeit bezeichnen würde, tvo die 
spirare) derselben y angehört u. ursjrr. die Felder, Bäume etc. kahl u. leer gemacht sind. 
Bedtg. : dörre n, troc k n e n, a u sdör ren, harfst-aoliti^ , liarfst-aftig , herbstartig, 

austrocknen etc. hatte, tcie ja das von herbstlich, rauh etc. 

KU. (unter pag. 211) angeführte: ,,heft idt 25 harfst-dag, Herbsttag; de harfstdagen 
so seer alle dage gehaert'" wörtlich mit „hat sunt d'r wer; — Herbstzeit, Herbst; bi 
dies so sehr alle Tage gedorrt, od. g e- harfstdag (bei Herbstzeit); — de harfstdag 
trocknet" übersetzt tcerden muss. Die- (der Herbst, das Alter, bz. die Zeit, wo man 
semnach ist es aber auch wohl sicher, dass hinfällig u. alt wird) kumd al bi hum. 
dieses hären weder tnit 1 hären (von Haar 30 harfsteu, herbsten, Herbst werden etc.; 
entblössen, bz. schinden, od. tvund machen) 'i fangd au to harfsten. 
od. här (als Rauhes), noch mit 2 hären harfst-iiiänd, Herbstmonat, 

(womit Dr. Lübben [cf. mnd. Wb. , II, havfst-tlü, Herbstzeit. 

207] es identißcirt) verwandt ist, sondern här-god od. här-tug, Schärf zeug zum 

zur y kar, kar (brennen etc., cf. Fick, I, 35 Schärfen der Sensen, bestehend aus dem 
44) gehört. Vergl. übrigens auch griech. härstapel od. härspit (kleiner Amboss, der in 
skellö, skeleö (dörren etc.), tvas möglicher- die Erde festgesteckt loird) u. dem: 
weise mit skr. kshära (brennend etc.) etc. här-hamer, Schärfhammer, Hammer, der 

zu einer idg. y ska (cf. Fick, I, 241) ge- zum Schärfen (cf. 2 hareu) gebraucht tvird. 
hört, wovon eben skar u. lat. cal (von ca- 40 1. liarig, haarig, mit Haaren, Borsten 
lere) etc. auch %oieder weiter gebildet sein od. feinen Stacheln besetzt, od. behaftet, 
können, xvie hicvou wieder das für skr. borstig, rauh, kratzig etc. (auch ßg.): he is 
chard, chardati (anzünden, glänzen), griech. fan daije ferdömd harig uu bitsk. 
skard-amussö (blinzeln), an. skarta (glän- 2. liarig ; /. cp heiig, d. i. dunstig, mit 

zen), skart (Glanz, Pracht) etc. anzusetzende 45 trocknem od. Iteissem Dunst od. Bauch u. 
Tliema skard. Nebel erfüllt; de lücht (Luft) is fan dage 

4. hären, haaren, von Haar, hären; 'n so harlg un het, dat man in de ferte hast 
hären ki-tte od. gördel, tämse etc. hei niks regt düdelk sen kan un 't net is, 

liären. s. ferhären u. heren. as of de bomon un luisen etc. in de lücht 

harfst u. (selten) liarst , Herbst , Jahres- 50 drifen of hangen. — Nid. harig ; schwed. 
zeit der lieifc n. Ernte. Fig. Alter: de (cf. Bobrik, naut. Wb., .331) härig; dän. 
harfst is 'n lefen gast, den de brengd uus haariig. Connex mit 3 hären, bz. dem da- 
Gods segen; — de in d' harfst niks updeid, selbst erwähnten mnld. haeren , tvoher sich 
mut 's winters up de fingers klüfen; — wen auch das Wort Haar rauch wohl her- 
de harfst erst bi 'n rainsk kumd, den is de 55 schreibt, zumal dieses Wort aus fries., ncl. 
beste ar' fan 't liifenJ d'r of. — i\"*/. harfst, od. nid. Gegenden stammt. Da nun här od. 
harvst; mnd. hervst, hervest ; nid., mnld. hare im nd., bz. mnd. (cf. Seh. u. L., II, 
herfst; africs. hcrfst ; nfries. harvst; wfries. 207) (dter auch die Bedtg. „Höhe" hat (die- 
hearst; sali, herst; ags. hearfest, od. (IT. ses Wort könnte tcohl, sofern es nicht 7nit 
Leo) haerfest, härfest, horfest, herfest; engl. 60 afries. har, her [s. u.J etc. zusammenhängt, 



HAR-JASSES 41 HARKEN 

mit einem zu 2 hären gehörenden hare in auf den Watten c/efangen ivird u. demnach 
der Bedtg. : Schärfe, Schneide, Kamm, Grat, auch loohl von Urzeiten her u. lange vor 
Bergspitze etc. identisch sein, zumal ivenn J-'Jntstehiing der Seescliifffahrt schon ein 
man vergleicht, dass egge ausser Kante, Hauptnahrungsmittel unserer Küslenhewoh- 
Ecke [cf. auch hörn u. hörn] auch die 5 ner bildete, so ist es viel wahrscheinlicher, 
Bedtg.: Schneide , Schioert etc., sowie dass häring ein ur-nd. fries. Wort ist u. 
die von: G ehir gshamm, B er g spitz e mittelst der Endsglbe ing (cf. h\g, was auch 
etc. hatte), so ist es leicht möglich, dass mit ung in Waldung, Holzung etc. identisch 
Haar rauch in neuerer Zeit, tvo im nd. u. ivomit auch meklenburgisch mntting [Mut- 
die Bedtg.: heisser trockner Dunst 10 ter] zusammengesetzt ist) von har, haer, her 
des alten Woi'tes hare od. mnld. haer ver- od. her, her (Heer, Menge, Schaar etc.) 
loren gegangen ivar u. man es in Nieder- abgeleitet wurde, sodass haring, hering 
Sachsen ivirklich in der Bedtg.: Höhen- urspr. als Collect, für diese in grossen 
rauch gebrauchte, im nhd. auch mit Höhe- Mengen od. Schaar en an den Küsten er- 
rauch übersetzt tvurde. kläglich ist es \o scheinenden Fische von Hause aus ein Et- 
indessen auch, dass die Wörter Haar- ivas bezeichnete, was ein Heer od. Heer- 
rauch u. Heerratich beide mit hur, her ähnliches Etwas ist, bz. in Schaar en 
od. her (hehr, hoch etc., cf. afries. har, her, zieht u. kömmt. cf. dieserhalb auch H. 
hoch etc. unter her od. herr), od. einem da- Leo, Spalte 123, Zeile 23. 
von gebildeten Subst. hare, here (Höhe) zu- 20 harke, hark', Harke, Rechen. Sprichw. : 
sammengesetzt sind, während das nhd. Höhe- ik wil di wlsen , wat 'n hark' is. — Nd., 
rauch (sofern es nicht blosse Uebersetzung mnd. harke; nid. hark; mnld. harcke, hercke. 
des nd., fries. här-rok, herrok ist) auch aus Davon wohl franz. herque (räteau de fer). 
älterm mdartl. heige- od. hege-rauch ver- M. Heyne denkt an einen Zusammenhang 
derht sein könnte, tvas bekanntlich mit ahd. 25 mit engl, harrow (Egge) , to harrow (eggen; 
hei, gehei, geheige (uredo, cauma etc., cf. 6 verheeren, verwüsten, verwirren, üherwälti- 
hei ti. dazu mnld. haere [urens frigore ven- gen, einf edlen, unterjochen) , bz. dän. harv 
tus etc.] unter 3 hären) zusammenhängt, (Egge), harve (eggen), nfries. (Outzen) 
wie ja auch ivirklich das Wort hairauch härwe, (Schütze) harv (Egge), was nach 
statt Höherauch od. Höhrauch vor- 30 dem engl, to harrow höchst wahrscheinlich 
kommt. Da nun aber neben Haar rauch aus dem ahd. harjon, herjön etc., ags. her- 
auch noch die Form Heer rauch in der- jan, hergjan (mit Heeresmacht ziehen, über- 
seihen Bedtg. vorkömmt, so ist ivohl anzu- ziehot ; verheeren, plündern etc. , vastare, 
nehmen, dass auch dessen erste Sylbe Heer spoliare, praedas agere) hervorging u. wobei 
aus mnld. od. mnd. haer od. fries. heer ent- 35 demnach anzunehmen loäre, dass entioeder 
stand, zumal auch nhd. Haar im mnld. aus der Bedtg.: (ein Etwas) überziehen 
haer, hayr «. im fries. her, heer, hier lautet. od. ziehen über (Etioas hin) die von 
har-jasses, s. her-jasses. Egge (als Ding, tvomit man das Feld über- 
häring, härink, iiärenk, hänik, hernk zieht) hervorging, od. dass aus verhee- 
(Plur. hä.rings,hkrn]is etc.), Hering. Sprichto.: 40 re^i, verwüsten (wenn in alter Zeit ein 
he bradt sin häriugs gern hi 'n andermans Heer ein Land überzog u. verwüstete, bz. 
für; — sin liäring bradt dar n§t. — Nd. eine Stadt od. ein Dorf überzog u. ver- 
hering; mnd. heriuk, harink; nid. haring; brannte, so wurde die Gegend, od. Stätte 
mnd. harinck, heriuck; afries. hereng; ags. mit Salz überstreut u. damit eingeeggt od. 
haering, hering; engl, lierring; isl. haeringr; 45 auch iimgepflügt, um sie unfruchtbar u. un- 
ahd. harinc; mhd. herinc, härinch. Davon: bewohnbar zu machen) etc. die von eggen 
ital. aringa; sj)an. arenque; prov. arenc ; (od. zerreissen etc. mit der Egge) hervor- 
f r anz. hureng; ival. hering. Die gewöhn- ging. Was nun aber ha.rke, bz. mnld. hercke 
liehe Annahme ist, dass dieses WoH aus speciell betrifft, so ist dieses mit (Diez) 
lat. hälec, älec, hälex (eiii Salzfisch, od. eine 50 franz. herse, afrcmz. herce , mlat. hercia 
Salzlake) entlehnt wurde, od. entstanden ist. (Egge) wohl zweifellos identisch, wovon auch 
Da indessen der mit dem collect. Namen ha- franz. herser, rect. hercer (eggen) u. afranz. 
ring, haering, hering etc. benannte Fisch den (Dimin.) herceler, nfranz. harceler (einen 
Küstenbewohnern der Nordsee jedenfalls viel bis zur Peinigung reizen) nach Diez wei- 
früher bekannt war, als sie mit den Römern 55 tergebildet sind. — Afranz. herce betr. , so 
in Berührung kamen u. er grade zu den soll dies aus lat. hirpex hervorgegangen 
am häufigsten u. in grossen Mengen an sein, was ich dahin gestellt sein lasse. 
unsern Kmten vorkommenden Fischen ge- hfirke, härtje, Härchen; dat Bchald gm 
hört, bz. besonders im Frühjahr stets harke. 
massenhaft in den aggen genannten Reusen 60 harken, harken, rechen, ziehen, bz. mit 



HARKEN HAHKJEN 42 HARM 

der Harke durch- od. über ziehen, hz. ebnen, das aus dem Flachs gerupfte od. g c- 

od. zusamiueiiziehen etc.; hö harkd dat all' zupfte Etwas sein tvürde. Dass wahr- 

bi 'naniler; — du niust dat bcdde örst har- scheiid. auch )ihd. Luft = goth. luftus (cf. 

keil Uli de kliiten göd fin niaken ; — he 1 \\\c\i{) aus Xwiei entstand u. zu einem Vbm. 

harkd de tun nt; — he haikd de bladen in 5 lufan, greifen, fassen, rauben, entfernen, 

en hüi) tosanieii. nehmen, frei machen, Eaum machen (ist 

linrkon, hiwkj^n (obs.). horchen, lausclien, Luft = freier Raum, cf. die Eedens- 

horen , gehorchen etc. — Africs. harkia, tirt: mache mir Luft) etc. gehört, ist loohl 

harkj.i , horkia, herkja; ufries. harckjen, zweifellos u. Weiteres darüber unter 1 \ucht 

lierckjen; nfrie.'^. harke; satl., wa )i g. hai-kje; 10 zu vergleichen. 

ags. heorc-jan , hercnjan, hyrciiaii: engl. Hai'lo, Marl, Hai'i'el, die Harle, ein klei- 

hearcen; nd., mnd. borken; mnhl. barcken, ner Flass, loovon das llarlingcrland od. (cf. 

horcken ; ahd. hürechan, hürcchcn ; md. hur- T>r. Friedlaen d er, Ostfries. Urkundcnb., 

cheii. Zu huren, bz. ahd. hürjan etc. u. png. 15, Kr. 23 vom 22. März 1237) terra 

z^rar con einem Stamm heorc , hyrc, bz. 15 Herlingia seinen Namen hat. Derselbe 

hcöri^;, h.vric, heörech, der mit ags. hyrig, strömte früher (cf. Arcnds, Erdbeschr. 

ufries. heroch, herech, herec etc , mhd. hoe- von Ostfries- u. Harlingerland., pag. 488 

rec, nhd. hörig tirspr. identisch war, so- seq.) ^oahrscheinl. (aus dem Brokzeteler-Meer 

ihis.t ahd. hürech-an tvörtl. soiu'el heisst cds kommend) durch einen bis Wittmund rei- 

hörig sein, bz. hören. 20 chenden Meerbusen (gleichfalls Harle ge- 

harker. Einer der harkt, od. rechent. nannt), zwischen den Inseln Spiekerooge u. 

li;ii'-kh'n, haarklein; ik kan d! dat net Wangcrooge hindurch ins Meer, ivie ja auch 

all' so härklen fertellen. noch jetzt der zwischen diesen Inseln hin- 

hilr-klöfe, Haar- Scheitel, Stelle, loo das durchßiessende Strom den Namen Harle od. 

Haar gescheitelt wird. 25 Harrel trägt. Der Flussname selbst kömmt, 

\uiv-klofer, n) Haarschneider ; — h)Haar- soviel ich tvei.'^s, in alten Urkunden nicht 

Spalter: fig. Wortklauber; he is so 'n reg- vor u. da nun die Wangerooger (cf. Eh- 

ten harkiut'cr. rentraut, I, 370 u. JI, (>!)) denselben 

liarl, haiTCl, Faser, Flachsfaser, einzelne Heddel nennen, so ist es fraglich, ob der 

Faser von Flachs; de harlen od. liarrels 30 Name Harle od. Harro], Harl , bz. Herle, 

tan "t flas. — Nd. harl; mnd. (Seh. u. L.) Herrel , Herl aus Haddd , Heddel entstand, 

harl, harle, herle, harrel (ein Haar von od. timgekehrt das wang. Heddel aus älterm 

Flachs od. Hanf, ein einfacher Fesen); Herrel. Zu der Wahrscheinlichkeit od. Mög- 

engl. harl (Flachs-, od. Hanffaden, die fa- lichkeit der Entstehung von Harl, Herl, bz. 

serige Substanz). Obschon ttuin bei diesem 35 Harrel etc. aus Haddel etc. vergl. unser 

Wort wohl an eine Identität mit nhd. harre, harr' aus hadde (hatte = nid. had), 

Härle, Härlein (Härchen) denken könnte, scharre, scharr' aus %chü.([A.Q (Schatten) etc., 

so hat es damit doch nichts gemein, sondern bz. die Contract. von weder, wedder (wie- 

es ist vielmehr aus ahd. harlufa, harlifa, der u. Wetter) zu wer, — snder zu sür 

harlefa, bz. harluf, harliiph (licium, fiuiis) rrr- 40 etc , während bei der Entstehung von Hed- 

stümmelt a demnach (,'o)ii})os. von har, bz. del aus Herle, Herl, od. Herrel angenommen 

haru (Flachs, cf. 2 här) u. lufa, Inf, luph, tverden müsste, dass Herl zuerst zu Herdel 

leas vielleicht mit mhd. lupfen (in die Höhe (cf. kerdel [Seh. u. L., I, 460] = kerl, 

heben, od. ziehen, rupfen, reissen, lüpfen) karl u. andere Einsrhiebungen eines „d") 

zusammenhängt u. wo denn lufa, luph die 15 u. dieses dann zu Heddel geworden sei, tvie 

Bedtg.: Hebung, Hub, od. Zug etc. haben z. B. wang. seddeiije aus sernje, Z;.^. serrnje 

könnte u. harlufa das aus dem Flachs (cf. unter liarnen) entstand. 

gelupfte, od. gezogene n. gerupfte Harm, ml. Name, gekürzt aus Hermann. 

Etwas uärc. Oder muss man für dieses Duron: tcbl. Dimin. od. Koseform Harmke 

lufa etc. ei7i verlornes Vbm. lufan (reissen, 50 n. Gescldn. Harms, Harmens. 

wegreissen, bz. rauben, ivegnchmcii etc. od. Iiariu , Harm, Leid, Schmerz, Verdruss, 

raufen) = urspr. rufan (cf ruf, ruifen, ru- IJctrübniss, Kummer, Gram etc. ; fan liarra 

fen etc. u. lat. rup, rump von rnptor u. un Icuninier umkamen. — Nd. barm; myid. 

rumpo, — bz. skr. lopa, Ijoeh, liiss, Spalte barm, borm; afries. hcrm (Harm, Schmerz) ; 

etc. u. md. luf. Loch, Itiss, Spalte, Abgrund, 55 nfries. hiirm (bekümmert, verdri esslich, trübe 

Höhle) annehmen, wonach denn lata, soirohl gestimmt); mnld. , bz. fries. (KU.) herm, 

die Bedtg.: Riss etc. cds auch die von: barm (tristis, lugens, dolens) ; (fs. barm (Leid 

einmaliges Reissen u. Zupfen {cf. etc.) u. barm (leidig, schmerzlich, Kummer 

ruf = Rupf od. Zupf etc.) haben könnte bringoid; schlimm), ^///.s. bearm (Kränkung, 

u. demnach har-, od. baru-lufa auch, wieder CO Beleidigung, Schaden); engl, barm (Leid, 



HÄRMEN 



43 



HARPE HARP 



Nachtheü etc.) ; an. liarmr (Betrühniss, Kum- 
mer etc.) ; norw., sclnved. härm (Harm, Gram 
etc.) ; dän. hcarm (gram, unwillUj etc.), härme 
(Harm, Gram etc.); alul. härm (coiitumelia, 
calumuia, jurgium ; injuria). Ob es zn ]/ ^ram, 
(sich anstrengen, abmühen, quälen etc.) gehört, 
sodass die Grdhdtg.: Anstrengung, Mühe, 
Qual etc. ist? Oder gehört es mit kslnv. 
scramü (Scham, d. h. ursjn'. wohl: BotJi- 
werden, Erröthen etc.) , lit. sarmata («lecle- 
cus), slav. sramiti (sich schämen) zur y (•ä.r, 
^ri, od. cri (glühen, glänzen, roth ivcrden, 
erröthen) ? 

härmen, härmen, Harm, Leid u. Gram 
etc. machen u. thim, od. haben u. leiden ; 
dat harmde hum ; — he harmd sük ; — in 
Harm sein, betrübt u. traurig sein, Idagen 
etc.; härmen uu karmen. — Nd. (Dähnert) 
härmen ; mnld. hermen (Leid u. Schmerz etc. 
[Jemandem] machen od. zufügen, nocere, 
obesse) ; ags. hearmjan (Harm machen, pla- 
gen etc.), engl, härm (beschädigen, verletzen, 
Leid zufügen etc.) ; an. harma (betrüben 
etc.); dän. härme (sich härmen); ahd. här- 
men (in Leid sein, sielt härmen) u. harm- 
jan, harman ; md. hermen, hermiu (beschim- 
pfen, plagen, quälen, ve.viren). cf. (Diez, 
II, 331), afranz. hargue (Verdriesslichleit), 
hergue (verdriesslich) ; lothr. haregne (Ha- 
der, Zwist) ; nfranz. hargueux (zänJcisch), 
norm, harigueux (störrisch), afranz. hargner 
(hadern, zanken); pic. hargner (höhnen, 
verhöhnen), hergner (sich beklagen) etc. loe- 
gen ihres theilweisen Zusammenhangs mit 
härm. 

här-miitse (Haar-Mütze), Perücke, Haar- 
tour; fader, du hest din härmüts' nog net up. 

liaruas, hariiask, Harnisch, I'anzerhemd. 
— Afries. (haruask), harnasch ; lofrics. liar- 
nasck; nZd harnas; mnd. harnasch, harnisrh, 
harnsch, harns, hernesch ; isl. hardne^!kia ; 
mhd. harnas, harnasch, harnesch, haraisch, 
hernisch; engl, harness. Aus afranz. har- 
nas, od. mit diesem u. (Diez, I, 33), ital. 
aruese ; span., port., prov. arnes ; franz. har- 
nois, harnais (Rüstung, Geschirr) von kymr. 
haiarn; abret. hoiarn; ir. iaran (Eisen), wo- 
bei es möglich ist, dass zuerst das engl, har- 
ness aus kymr. haiarnaez (Eisengeräthe) 
entstand u. hieraus in die andern Sprachen 
überging. Das kymr. haiarn (für aiarn) etc. 
ist wie an. iärn (Eisen) etc. desselben Ur- 
sprungs wie unser her. 

Häro, Häre, ml. Name. Davon Geschln. 
Hären, Häringa, Harringa. cf. Dr. Fried- 
laender, Ostfries. Urk. - Buch, pag. 19, 
Nr. 26, vom Jahre 1255 die Geschln.: Ha- 
ren, Harenga, soivie in Nr. 171 (vom Jahre 
1400) den Namen Häro, ivovon Hero viel- 
hicht eine Ablautform ist, icenn diesem 



nicht zunächst das afries. her od. her 0iehr, 
hoch etc., cf. her od. herr) zu Grunde liegt, 
woneben indessen auch die afries. Form 
har (hoch) vorkommt u. wo denn Haro loohl 
5 von diesem har gebildet sein wird. 

liai'pe, liarp, Harfe. — Wfries. harpe, 
herpe; vld. harp; nd. harpe; mnd. harpe, 
herpe; ags. hcarpe; engl, harp; an. harpa; 
dän. harpe; ahd. harphä, liarfä, haraphä; 

10 mhd. harphe, harpfe, lierpfe, liärpf; md. 
harpe. Davon: ital. arpa; span., port., 
prov. harpe (Harfe); prov. arpar ; afranz. 
harper ; ital. arpeggiare (Harfe spielen), wie 
desgl. nach Diez (s. I, 33) auch neup. 

15 arpa; span., prov. harpe (Kralle, Haken); 
span., port., prov. arpar; nfranz. harper 
(packen, anhaken, zerreissen) ; ital. arpicare, 
inerpicare (klettern) ; franz. harpin (Haken), 
se harpigner n. se harpailler (sich raufen); 

20 ital. arpignone (grosser Haken), arpione 
(TJiürangel) ; span. arpon; jjo?-<. arpao ;/jvi>(^. 
harpon (Harpune), harpeau (Enterhaken) 
etc., ivobei Diez annimmt, dass die haken- 
ähnliche Gestalt der Harfe Veranlassung 

25 zu der Bedtg.: Kralle, Haken gegeben hat. 
Vergl. dagegen M.Heyne (Grimm, TI^. 
IV, 474), welcher der Ansicht ist, cZass harpe 
in der Bedtg.: Klaue, Haken sich blos 
damit gemischt hat n. mit lat. liarpe (sichel- 

30 förmiges od. krummes, hakenförmigesSchivert), 
harpago (Haken, räuberischer Mensch) zu- 
sammenhängt, wobei jedoch zu bemerken ist, 
dass lat. harpe loohl entlehnt od. identisch 
ist mit griech. arpe (Sichel) u. harpago, har- 

35 pax mit griech. arpe (Eaubvogel) , arpäzo 
(raube), arpäge (Haken) zusammenhängt, 
welche letzteren Wörter (cf. Gurtius,pag. 
264) mit lat. rapio, rumpo etc., bz. imserm 
rofeu etc. zur ]/ rap, rup, rump etc. ge- 

40 hfjren sollen, loährend arpe (Sichel) von 
Curtius (s. daselbst) mit lat. sarpo u. 
carpo, bz. unserm scharp (s. das. u. unter 
schrabben, schräfe etc.) einer ]/ sarp od. 
skarp zugelegt werden. Was nun aber spe- 

45 ciell dasgerm. harpa (Harfe) betrifft (wo- 
von denn auch lat. harpa [Harfe] entlehnt 
sein muss), so leitet Fick (II, 269) dieses 
mit lat. crabro, crepare; griech. skeraphos, 
skcrbolos (schmähend, scheltend etc.) etc.; 

50 kslav. skripati (strepere) u. ahd. hröpan (ru- 
fen, cf. ropeu) etc. von einer ]/ skarp, skarb 
(sonare) ab, ivobei man indessen in die sehr 
grosse Versuchung kömmt (vergl. dieserhalb 
lat. fragor u. frango, bz. an. braka, 2»'««- 

55 .sein, krachen etc. u. brikan , brechen, reis- 
sen etc., soivie an. brestr, Gekrache etc. u. 
ahd. brestan, bersten, reissen etc. unter bar- 
sten), um anzunehmen, dass alle von Fick 
aufgeführten Wurzeln kar, kar, skar urspr. 

GO Schallwurzeln waren, die aus der Grd- 



HARPEIS 



44 



HARS 



bedtg. : sonare , od. rauschen , hinnen , don- 
nern, krachen etc. wieder die Bedtgn. : bre- 
chen, bersten, spalten, hauen, schlagen (zu- 
recht hauen, verfertigen etc., cf. y tak, taksh 
unter düssol etc. u. Fiele, I,ü:a>)- schneiden, 
schecren , scharren, kratzen (cf. krahben u. 
schrabben etc.) «. viele sonstige Bedtgn. ent- 
wickelte u. dass die secundären od. tertiären 
Wurzeln kart, kard, skart, skanl, skarp, 
skarb etc. od. krat etc. nur blosse Weiter- 
bildungen von skar od. kar (cf. Fick we- 
gen der M'urzeln kar, kar, skar in I, pag. 
41, 57, 2-3S seq., sowie an andern Stellen) 
sind. Zu harpe, bz. harp, ahd. harpha ist 
noch zu bemerken, dass harp im nid. ausser 
Ha rfe auch die Bedtg. „Sieb" hat u. ahd. 
harphä auch Benennung eines „Gerüstes 
zur peinlichen Bestrafung" ist. 

liarpeis od. liarpeus, harpfis, gekochtes 
u. geschäumtes Harz, gcwöhnlic/i mit etwas 
Schwefel gemischt, damit es etwas heller ti. 
glänzender wird. — Nd. (B r. Wb.) baar- 
peus; idd. harpuis ; )nnd. harpois; schwed. 
harpös od. (Bobrik) harpOset; dän. har- 
pix. Es tcird für gewöhnlich gebraucht, um 
Masten, Stangen, Baaen u. andere Holz- 
thede des obern Schiffes damit zu bestrei- 
chen, um sie vor der Fäuhiiss zu bewahren. 
Im Sommer u. in heissen Gegenden Jedoch 
werden auch die kalfaterten Nähte des Schif- 
fes mit einem Gemenge von harpeus u. zwei 
Uieilen Pech bestrichen, iveil harpeus härter 
ist als Pech. Die Entstehung u. eigentliche 
Bedtg. dieses Wortes betr., so ist die Vor- 
sylbe har loohl aus hars (Ilar.;) gekürzt, toie 
auch harpeus im engl. u. in andern Spra- 
chen einfach mit resin , bz. resiiia bezeich- 
net tcird. Den zweiten Thcil pcus, puis, 
pois etc. betr., so entstammt dieser wohl dem 
franz. puiser (schöpfen), wonach denn liar- 
peus wohl soviel als Schöpf h ar z od. g e- 
schöpftes u. geschäumtes Harz ist. 
Das franz. puiser, prov. pozar (schöpfen) 
stammt mit ital. pozzo, ical. putz, sptan. 
pozo, prov. potz, franz. puits (Brunnen, cf. 
pütte) u. nhd. Pfütze von lat. puteus, 
während unser püssc (Wassereimer, od. 
Schöpfeimer, bz. Gefäss zu Flüssigkeiten, 
wie z. B. auch für Thccr) = nd. putse, 
nid. puts, schwed. jiytts, dän. pöes wohl vom 
franz. puiser abzuleiten ist, wie desgl. auch 
unser püssen (schöpfen). 

här-pin (Haar-Pein, Haar-Weh), Katzen- 
jammer. 

liär-pluH, Werg od. gezujiftes Tau zum 
Kidfatrrn der Schiffe. — Nd. (Bobrik, 
naut. Wb.) liarplüs; nid. harphiis. Die Vor- 
sglbe här od. har ist wohl ursjjr. aus liare 
gekürzt n. conncv od. ident. mit här od. 
hare (Flechse, Sehncnbündel, Sehnenstrang), 



als Weiterbildung von har (Flachs), cf. 2 
här. Die zweite Sglbe plus gehört zu plü- 
sen, zupfen etc. 
harre." harr', a) hatte; — b) hätte; s. 
5 hebbcu. Sprichw.: harr'-ik \\n hebb'-ik sunt 
brörs west (hätte-ich u. hab'-tch sind Brü- 
der gewesen). Davon Plural: 

1. harren, a) hatten; — b) hätten. 

2. liarreii. aushalten od. halten, dauern, 
10 ausdauern, bleiben etc.; he kan hir wol har- 
ren, bz. ütharren. Da dieses Wort mit har- 
den in der zweiten Bedtg. begrifflich so 
nahe zusammenfällt, so scheint es fast (auch 
hadde wurde ert^t zu harde u. dann zu harre) 

15 daj'aus assimilirt zu sein. Das nd. (Br. 
Wb., Däh)t ert) hsLYcea Jiat dieselbe Bedtg. 
wie unser harren, welches übrigens auch mit 
mnld. (KU.) harren (haerere, commorari, 
durare) identisch sein kann, wie desgl. auch 

20 7nit dem mhd. harren (warten, ausdauern), 
icoraus das nhd. Jt a r r e n hervorging. Da 
nun KU. zu harren den Z u!<atz sciwi macht, 
so ist es seJtr leicht möglich, dass das an- 
scheinend spät u. nur vereinzelt erschei- 

25 nende mhd. harren aus dem and., fries. har- 
ren ins Hochdeutsclie überging u. dieses 
selbst aus harden assimilirt wurde, da es zu 
hard (cf. durus u. durare) jedenfalls begriff- 
lich eben so nahe u. ivohl noch näher liegt, 

30 wie zu hars (stark etc.), od. nhd. harsch, 
womit es nach il/. Heyne (cf. Grimm'- 
sches Wb. unter harren) connex sein soll, 
indem er der Ansicht i'st, dass es aus ülterm 
harsen entstand. 

35 hars, .s/rt;7i;, sehr etc. ; dat kumd d'r hars 
up an; — dat stekd so hars net; — dat 
schälde so hars-föl (sehr-, ^nächtig-, unge- 
mein-viel) net. — Wie swit od. swith (stark, 
sehr etc) mit nhd. (ge-)schw i n d, bz. mhd. 

40 swinde (kräftig, stark, heftig, rasch etc.) zu- 
sammenhänf/t, so icird auch hars mit hard 
u. ahd. hrad, hrat (rasch etc.), horsk (alacer, 
ccler, pronitus), rask, rosk, resche (rasch 
etc., cf. rad, rat u. ras od. rask), sowie wei- 

45 tcr mit griech. kärta etc. (cf. hard) wohl 
einer u. derselben ]/ angehören. Wegen 
ahd. horsk etc. vergl. indessen Fick (III, 
60), der dieses Wort mit nhd. lioss (afries. 
hars, hors etc., cf. hors) u. lat. curro zur 

50 ]/ skr. car (gehen) stellt. 

Fraglich bleibt es, ob das nhd. harsch 
(crustatus, rigidus, durus, wovon harschen 
in verharschen), sowie mnd. (Seh. u. 
L.) harsch (asper etc.); schott. (Jamie- 

55 son) hars, harsk ; engl, harsh; aengl. harske, 
haske; dän. harsk; schwed. härsk (auch die 
Bedtg.: ranzig, galstrig, bitter etc. kann 
sich aus stark ergeben, wie loir von sol- 
cher Butter ja auch sagen: so smekd stark, 

60 od. hed 'n starken [bz. scharpen, schrannen 



HAUS HASS 



45 



HARTEN-AS 



etc.] smäk) u. noriv. harsk in harsk-log ^ 
liardsleg (Itart, streng etc.) etc. identisch ist 
u. demnacJi nhd. harsch rt«<s hars ((/. biirs 
= Bursch) entstand, tvie M. Heyne (s. 
G r i m m, Wo. unter harre n) anzunehmen 
scheint. Oder ist das erst so spät erschei- 
nende nhd. harsch, soivie vielleicht auch 
das engl, harsh u. schott. harsk etc. mit isk 
= nhd. isch von einem Stamm har (rauh, 
scharf etc. od. hart, dürr, trocken etc.) wei- 
tergebildet, der mit 1 , 2 od. 3 hären , hz. 
den darunter erwähnten altern Verben zu- 
sammenhängt, loozu die verschiedenen Be- 
dtgn. von harsch, bz. engl, harsh etc. auch 
sehr gut stimmen '^ — Zu dem unter H hä- 
ren (cf. auch har lg) erwähnten mnld. hae- 
reu, bz. mnd. hären (scharf sein etc., von 
der Luft, od. vom scharf u. trocken wehen- 
den Ostwind) gehört ivahrscheinlich ivenig- 
stens auch mnd. (Seh. u. L.) hart, harje 
(scharf anhaltender trockner Ostwind). 

liars, hass, Harz (resina). — Nid. hars ; 
mnld. hars, hers, harts «. hcrst, harst ; mnd. 
(Seh. u. L.) hart, hars, has; ahd., mhd. 
harz (bi turnen, Harz) mit den Weiterbil- 
dungen: harzol,harzel('Pec/i),harzuh, harzoh, 
harzoch (Harz, Pech). 

Es ist der aus den Bäumen fliessende, 
quellende od. hervorbrechende Saft 
(Feuchtigkeit, Nasses etc.) u. stellt Fi c k (1, 47) 
dieses Wo7-t daher zu kard, netzen, ausbrechen. 

harsen, Gehirn; fig. (nur im Plur.) auch 
statt: Kopf, Verstand, Denkvermögen, Ge- 
danke, Sinn etc. ; 't f äld hum in de harsens ; 
— dat is mi noit in de harsens kamen, dat 
ik dat ferseilen wul'. — Nid. hersen; mnld. 
herssen. Ist unser brägen tcirklich als 
weiche breiartige Masse zufassen, 
so würde mnld. herssen od. hersen (vergl. 
auch Grütze in der Bedtg. Gehirn etc.) 
leicht mit mnld., mnd. herse ; ahd. hirsc 
(Hirse, milium) connex sein können, zumal 
wenn man erwägt (cf. mnd. herse bei Seh. 
u. L.), dass dieses Wort auch mit „Reis"' 
übersetzt tvird u. auch das mhd. hirse niclit 
allein die betr. Pflanze u. Frucht, sondern 
auch die daraus bereitete breiige Speise 
bezeichnet. Oder darf man es mit an. hjarsi, 
hiassi (Haupt, Grdform hersan?) u. weiter 
dem (ahd. ?, cf. 0. Scha d e) harsenier, her- 
senier (Kopjfbedeckung unter dem Helm) zu 
einem Thema harsan = idg. (Fick, I, 58) 
karsan od. karasan (cf. skr. girshan, Haupt) 
stellen cds Weiterbildung von karsa, karas 
(cf. skr. qiraiS, Hau2}t; griech. köise, Schläfe 
etc.)? 

här-spit od. aMc/tliär-stapel, zum Schürf- 
zeug gehörender kleiner Amboss, worauf die 
Sensen gedengelt, bz. geschärft (cf. 2 hären) 
werden. 



1. hart, s. hard. 

2. hart, Herz; fig. Math etc., Gemüth, 
Sinn, Denkungsart. liedensart . u. Sprichw.: 
wen du nn 't hart wer host un kumst mi 

5 wer in min hi'is, den kuinst du rüggels to 
de dür üt; — sin hart (od. mud) sakd hum 
in de bencn (od. hasen, bükse) ; — d'r sitt 
gen göd hart in hum ; — lie freide sük so, 
(lat hum 't hart iu 't llf d'r faii lachde; — 

10 wen de buk lul is, is 't hart bilde, od. hed 
't begereud hartje rüst; — siu hart ligd 
hum up de tung' ; — he dragt hum in sin 
hart; — he hed wat up 't hart; — 't hart 
drükt hum, od. is hum swär ; — wat net 

15 fan harten kumd, geid net to harten ; — dat 
snidt hum iu 't hart ; — dat hart trilld hum ; 
— in 't hart (hnierste) fan de hörn; — ik 
heb' hum 'n klam an 't hart gefen (ich habe 
ihn stark gerührt) ; — 't hart wil sin kla- 

20 ger (Jemanden dem man klagt) hebben; — 
he mäkd iit sin hart giii mördkül; — mund 
wat sprekst du? hart wat denkst du? — Nd., 
nid. hart; mnd. harte, herte; mnld. hert, 
herte; afries. hirte. herte; wfries. lierte; as. 

25 herta, herte; ags. heorte, hiorte; engl. hea.rt; 
schott. hart, heart; an., nono. hjarta, hjerta; 
schwed. hjerta, hjarta; dän. hjerte; goth. 
hairto; ahd. herza; mhd. herza, herz; lat. 
cor (cord, cordis) ; griech. ker (kerd) u. kar- 

30 dia, kradl'a ; air. cride ; Iit. szirdis ; kslav. 
scriidice ; ze7ul. zarezdan u. zaredhaya ; j^'^i's., 
npers., buchar., bal. kurd; arm. girt; südoss. 
zarda; dig. zerde; tag. zärda; skr. hyd, 
hrdaya u. härdi. Zweifelhaft, ob Grdform: 

35 karda, od. skarda, kharda. Die Grdbdtg. 
ist ivohl: Schlagendes , Klopjfendes, Pulsi- 
rendes, Stossendes etc., od. Hüpfendes, Spjrin- 
gendes, sich Auf- u. Nieder-beioegendes etc. 

3. hart, Hirsch. — Nd. hart ; mnd. harte, 
40 herte; nid. hert; mnld. hert, herte, hirt; 

wfries. hert; nfries. (Outzen) hjört, hert; 
as. (hirut, hirt) ; ags. heorot, heort ; engl. 
hart ; an. hjörtr, bjartar, Plur. hirtir ; norw., 
schwed., dän. hjort ; goth. (hairuts) ; ahd. 

45 hiruz, hirz; mhd. hirz, hirze. Die Stamm- 
form heruta, hairuta etc. bezeichnet wohl 
ein gehörntes Etwas, sodass dieses Wort 
ebenso loie cambr. carw , lat. cervus (Hirsch) 
mit griech. keras (Hörn, Geweih), keraös 

50 (gehörnt), zend. qi-va, (Hörn, Nagel) etc., 
bz. lat. cornu (cf. hörn w. auch hörn) zu 
einer y gehört. 

hart-blöd, Herzblut. 

hart-brekend, hart-bräkend, herzbrechend. 

55 hart-bak, hartc-buk, Hirschbock; hartje- 
buk, kleiner Hirschbock. 

1. hartelk, s. hardelik etc. 

2. hartelk, s. 2 hartlik. 

\ia,rUn-a,H, Herz- Ass; harten-Luretc, Hers- 
GO bauer etc. 



HÄRTEKS-BLIDE 46 HASE HAS^ 

hait(Mis-lili(lo, herceusfroh. weshuUi denn auch Fick es für möglich 

iiartiMi>^-?:ö(l, herzensgut. hält, dass ^atja/ür ?asa, hz. idg-ka^a. steht, 

1. Iiarijc. a) Herzchen ; fig. I.iehUng etc.; wtts indessen auch sehr fraglich ist, zumal 

— b) Saugeentil einer Puinj'e. da es eine entsprechende |' auch für diese 

2. hartje, /deiner junger Hirsch, Ilirch- 5 Form (d. h. der Bedtg. nach) nicht gieht. 
lein. Ifält man sich alter lediglich an das gerin. 

härtjp, Härchen. hasa (vergl, auch wegen lci)us als der Lichte 

hai'tis;, a) herzig (nur in Compos. als od. Graue von der griech. y lainp, glän- 

göilhartig etc.); — b) herzhaft, tapfer etc. zen etc. bei G. Curtius, 360), so liegt die 

hait-kloppen, Herzklopfen. 10 Vermuthung sehr nahe, dass es mit ahd. 

Iiart-kiilc. Hcrzgrulic. hasaii, luisauo (politus, vonustus) ; at/s. hasii, 

1. Iiai't-lik; /. 7. liardelik etc. lieasu (glänzoid, grau, gelblich grau, grau- 

2. Iiart-lik, liartolk, herzlich etc.; bart- braun); an. hoss, hu^svAu (aschbraun, licht- 
lik larhpii etc. gi'C'O; Z"^- cäiius, cdt : casnus (iveiss, licht- 

liartoi;. n. liortog. 15 grau), osk. casnar (<ler Alte, od. Graue, 

luwi-s'i'V, h'AVls'iv, Herzweh, Herzleid etc. ; Greise, Greis), soivie niögliclterweise auch 

sin kindcr heblieii bum al föl hartsör mäkil ; mit ags. här; engl, hoar (grau); an. bärr, 

— be is fall harts;lr stürfen. hiir (grau, grauhaarig), haera. (graues Haar) 
hart-sla^, a) Herzschlag ; — b) Herz, etc. zusammenhängt n. demnach der Hase 

LutKie u. Leber, bz. Alles was zum Vertrieb 20 nrspr. ebenso wie der litis (cf. ulke u. 
des Blutes dient. — Fngl. bartslet. unter ollen) u. viele andere Thiere nach der 
harts-tocht (Herzenszug , Zug des Her- Farbe seiner Haare benannt wurde. Für 
zens), Neigung, Leidenschaft etc.; lie lett hasa, hasu etc u. lat. CdSnus etc. loäre dann 
sük fall shi bartstocbti'ii undorkrigen. (wie für Icjms, leporis [cf. auch liiupidiis u. 
här-tug, s. bargöd. 25 liparis, sowie lit. Icpsiia, Flamme, sowie 
här-wal, s. horwal. griech. lämpö, lampter, Jampä.s etc.] eine y 
liäi'-was, od. palliar, Haarwachs, bz. die lap, lamp, glänzen, scheinen , brennoi, flam- 
weissgelblichen , lederartigen Flechsen od. men etc.) für hase eine y kas (glänzen 
Sehnenbündel (Muskel - Stränge etc.) im etc., cf. Grass mann ivegen caks aus kas 
Fleisch, welche afries. waldawaxe u. wang. 30 etc.) anzusetzen, wie man bei baso als den 
waliwax genannt werden. Wegen des ersten Ljichten od. Gra uen, bz. Lichtgrauen 
Theils bar (was nicht mit 1 bar [criiiis] od. glänz end Grauen vielleicht auch an 
identisch ist) vergl. 2 bar. Wegen was den Zusammenhang des uralten Hasenna- 
vergl. was in gewas, wasdöui, wassen, da men L.ampe (oh urs2)r. nd., weil er im 
dieses Wort wohl dieselbe Bedtg. toie gewas 35 Beineke Fuchs so heisst?) mit griech. 
(Geicächs, Gebilde etc.) hat u. demnach bar- lampö (leuchten, glänzen) denken könnte, 
was soviel loie Flechsen- G ew ächs ist, tvomit auch sehr gut das goth., as. lamb; 
bz. ein Etwas bezeichnet, ivas tvie eine ahd. lanib, lamp; mhd. lamp (Lamm) con- 
Flechse od. Strang gewachsen od. ein nex sein kann, da es sehr wohl möglich ist, 
Flechsen- Gebilde ist. 40 dass auch dieses seinen Namen von der 
1. hase, lius', a) /fase (lepus). Sprichiv.: weissen od. blanken, hellen, reinen 
dar man 't am mindsten ferwacbt, spriiigd Farbe seines Vliesses hat. Vergl. dieser- 
de hase iit de gracbt ; — b) das zarte Stück halb auch lat. agnus, kslav. agne (Lamm) 
Muskeljleisch zwischen Bippen u. Nieren, zu skr. agni (Feuer, Feuergott) , lat. ignis, 
bz. unter dem sog. dünnen Mürbebraten, 45 lit. ugnis, kslav. ogui (Feuer); skr. aiigära, 
welches man hier rtwc/t papen-hörn nennt u. lit. anglis, kslav. agH (Kohle), welche letz- 
ein ganz vorzügliches Beefsteak liefert. — teren Wörter Fick mit griech. 'ägamai, äga- 
Nd., mnd. baso; 7dd. haas ; mnld. baose, nös, kgA'pÄö u. skr. akiu (Salbe ; lichte Farbe, 
hase; wang. (Ehr entr aut, I, 370) bäze ; Strahl) etc. etc. zur y ag, ang (salben, be- 
wfries. (Japi.v) haeze; ahd. baso; mhd. 50 streichen, glänzend od. blank machen etc.), 
hase, has; ags. hara ; engl, bare; an. heri ; bz. skr. anj (salben, .schmücken, verlier rli- 
isl. heri; norw. hare u. (provinziell) hara, chen) stellt, während er dagegen (ob mit 
haera ; schwed., dän. hare. Davon: franz. Becht??) lat. agnus etc. mit kslav. azno, 
hase (Weibchen des Hasen) ti. norm, (von skr. ajina (Vliess) unter y ag, bz. skr. aj 
an. heri) heri (Hase). Fick (u. auch An- 55 (treiben etc., cf. lat. ago) aufführt, 
dere) vergleichen dieses Wort mit apreuss. Wegen base als Läufer, Benner etc. 
sasis, skr. ^a«,-a (Hase), was vielcrseits von vergl. auch noch unter 2 hast am Schlüsse. 
einer y gag (springen) abgeleitet wird, die aber 2. hase, häs", Strumpf, Beinbedeckung od. 
gar nicht existirt u. nur von den Gramma- Beinkleid, bz. ein Etwas, was man über od. 
tikern für i.aga ersonnen zu sein scheint, 60 um das Bein zieht od. womit man das Bein 



HASEN- HAS-BAND 



47 



HASKE-TID 



bekleidet u. hedecht; he hed 'n pär hasen 
fan hundefellen makon laten ; — wullcn ha- 
sen ; — Sprichio. : de möd (od. dat hart) 
sakd hum iu de hasen, od. büksen; — od. 
auch: he lett de möd iu de hasen sakkeu ; 
— Nd. hase (Strumpf); mnd. hose, hase 
(Beinkleid; auch caliga, caligula) ; nid. hoos 
(Strumpf); mnld. (KU.) hose (caliga, ocrea, 
theca coriact'a; ivfries. (Hindelupeii) lioos; 
tvaiig. (Ehrentraut, I, 373) hiize; vfries. 
(Outzen) hase, hose; mdfries. hasse 
(Strumpf) ; ags. hose (wohl nur in hose-bend, 
Strumpfband) ; engl, hose (Beinkleid, Hosen; 
Strumpf ; Schlauch an Feuerspritzen ; Hülse; 
Büchse; Schlund, Hals, Kehle etc.) ; an. hosa ; 
isl. hosa (caliga; Strumpf); norw. hosa u. 
(mdaHl.) hoso, husu ; dän. hose (Strumpf); 
ahd. hosä ; mhd. hose (Beinbekleidung, Hose 
od. Strumpf. Vergl. nhd. Hose (Bein- 
kleid) II. Wasser-, Sand-, Wind -Hose. 
Davon: ital. iiosa ; aspan. huesa; aport. 
osa ; afranz. hose ; kgmr. hos ; mlat. hosa, 
osa (Beinbekleidung, Gamasche); franz. 
houseau (dasselbe); ital. usatto (Stiefel). 
Fick (II, 325) vergleicht dieses Wort mit 
kslav. kosulja (indusium) zu kslav. kosi, kosa, 
bz. einem Thema kasa (Korb), ivozu er auch 
lat. quälum, quasillum stellt. Liegt es in- 
dessen nicht näher, dieses Wort mit skr. 
kosha (Behälter, Gehäuse; speciell: Fass, 
Kufe; Eimer, Gefäss, Kasten, Truhe ; Schatz, 
Knospe; Schale, Hülse etc., cf. ags. pisan- 
hosa = Erbsen-Hülse, bei Outzen unter 
hase), hz. dem goth. huzd (Hort, Schutz; 
Schatz etc.) u. lat. cust (in custos), sowie 
weiter von einer für hüs (Haus etc., cf. hüs 
u. hüske) u. lat. cura, curare etc. cmzu- 
setzenden y kus (germ. hus) abzuleiten, wozu 
auch an. hauss (Schädel, od. Behälter des 
Gehirns) u. Anderes (cf. Fick, I, 51) ge- 
hört, da, diesem Worte doch wohl ebenso 
wie schö (Schuh) eine y mit der Bedtg.: 
decken, bedecken, verhüllen, bergen, sichern, 
hüten etc., bz. fassen, halten, in sich fassen, 
umschliessen etc. zu Grunde liegt, zu der 
auch lat. cura etc. gehört. Vergl. auch 
kause u. dazu, dass auch hase, hose wahr- 
scheinl. von jeher die Bedtg.: Gefäss, Be- 
hälter , Eimer etc. , bz. Hohlgefäss od. ein 
Etwas, was ein Anderes einfasst u. um- 
schliesst (wie z. B. auch ein Schädel, od. 
Kopf etc. , cf. kop , kopke) etc. hatte (wie 
an. hauss u. skr. kosha etc.), sowie ferner 
auch ose, osen, welch Letzteres seine Bedtg. 
schöpfen eboiso von ose (Gefäss etc.) er- 
hielt, wie püsseu von püsse (cf. unter har- 
peis), pütten von pütte etc. u. wie ose an- 
scheinend dasselbe Wort ist, loie hose. 

hasen-, häs-baiid, Strumpfband. 

liäse-, häs-bäseii, sehr eilig u. hastig um- 



herlaufen u. rennen, überaus eilig u. ge- 
schäftig thun etc. ; he häs-bäsd herum, as 
of lie 't all' beriten uu ofmaken mut , wat 
d'r droks to dun is; — du brükst net so 
5 hils-biisen, du best tid genug. — Nd. (Br. 
Wb., Schätze etc) häse])esen, häsebesen, 
hastbassen, haspassen, bz. hesebesen , hissc- 
bissen , heesbesen; nid. hassebassen. häs, 
häse etc. ioird wohl aus älterm haeste, haste, 

10 (hastig etc., cf. hast, bald etc.) entstanden sein, 

während bäsen, besen mit basen u. bisen ver- 

wandt sein wird, worüber Weiteres unter bäsig. 

häse-, hSs-biisig, s. unter bäsig. 

hase-blöme, haseblome, Hauhechel (ononis 

15 spiaosa). 

hase-hakke, liäs-Iiak, lähmende Geschwulst 
auf der Beugesehne des Hinterbeins der 
Pferde. — Nid. hazen-hak. 
hasel-uöte, s. häsnöte. 

20 haseu-breidstet', Strumpfstrickerin. 

liasen-drager, Einer der mit Strümpfen 
hausirt. 

\iaHeii-fi\h\k,westfälischer Strumjjfhändler. 
hasoii-t'iis , der kugelrunde Staubpilz, od. 

25 Bovist, auch püster genannt. Möglich, dass 
der Volksglaube annahm, dass dieser Staub- 
pilz (cf. 2 fis) von Hasen stammt. Oder ist 
dieses hasen mit dem unter 1 hase erwähn- 
ten ahd. hasen identisch, tceil der Bocist 

30 glänz end hellg r a u ist ? 

hasen-mund, Hasenmund, gespaltene Ober- 
lippe. 

hasen-pad, Hasenpfad ; he kos (wählte) 't 
hasenpad. 

35 hase-wind, ein plötzlich u. unerwartet 
kommender heftiger Windstoss ; sünderbar 
wast, dar is güster morgen under Nörderne 
mit 'n mal bi still wer so 'n wind längs gän, 
dat alle schäpcn up de sid laggen. Och! 

40 dat is 'n hase wind west. — Wang. (Ehren- 
traut, I, 370) häze-wiu (Windstoss). Im 
nid. u. mnld. ist haze-wind od. hase-wind 
soviel als: WindJtund, od. canis lepora- 
rius, canis venaticus, vertagus. 

45 häsk, hasenfarbig, licht- od. mattgrau, 
greis, ohne Ausdruck, matt; dat göd od. de 
lücht sügt so häsk üt; — dat is so 'u häs- 
ken klör. Vergl. unter 1 hase das ahd. 
hasan etc. , ivomit es tvohl eher connex ist 

50 als mit hase. Die F'orm hask ist wohl aus 
haesik = haesich (graulich, od. grauig, 
greisig, lichtgrauig etc., cf. ags. haesu, hasu ; 
ahd. hasan) contrahirt. 
haske, Häschen. 

55 häske-tid, alte graue Zeit, vergangene od. 
Olimszeit, Vorzeit, Jugendzeit etc.; iu de 
olde häsketiden (in den alten längstvergan- 
genen grauen Zeiten) do sag 't iu de weit 
gans anders üt as nu; — he fertellde uns 

60 altid fau de olde häsketiden; — dat sunt 



HAS-XOETE HASELNOETE 



48 



HAST 



fertellsels üt siu biiskctiilen. — Wohl soviel 
als Zeit, wo Hase noch Häschen war 
u. so = Jucfcndzeit. Oder steckt in diesem 
häske auch das acfs. hasu (t/rau etc., cf. häsk) V 

häs-nÜte, haselndte (Flur, häsnoton), IIa- 
selnus.'<. — Xld. hazelnoot; /((/. baasol-, lias- 
sel-nöte. J)as Wort hasel , ahd. basal, ha- 
sala; an. hasl ; a(/s. liiisel, hiisl scheint mit 
dem unter 1 hase erwähnten ahd. hasau u. 
ags. hasu etc. verwandt, wo)iach wohl au- 
zunehmen ist, dass diese Staude (hz. dieser 
Baum) nach der hellgrauen Farbe ihrer 
Binde u. Frucht so benannt ist, ähnlich 
wie die Birke ihren Namen wahrscheinl. 
von der weissen Binde trägt. Vergl. dieser- 
halh auih Hasel- Eiche etc. u. den Fisch- 
namcn H a s e l. Ha ssel, wobei auch wohl 
anzunehmen ist, dass diesen Wörterii gleich- 
falls die von der y has = skr. kas (cf. 
unter 1 hase) ausgehende Bedtg. : glänzend, 
hell, weiss, licht etc. zu Grunde liegt u. 
demnach hasal ebenso wie liasan etc. urspr. 
die Bcdtg. : glänzend, hell etc. hatte. 

hHH\)e\, Haspcl, Winde, Garnwinde, Dreh- 
rad , od. ein drehbares u. sich drehendes 
Etwas, womit od. worauf man Etwas tvin- 
det; gif mi de haspel (od. gärnhaspel) her, 
ik wil dat gärn fan de spül haspeln. Sprichw.: 
dat pasd as de haspel up de kOlpot. — Nd., 
mnd. , nhl. haspel; mnld. (KU.) haspel 
(rhombiis, girgillus etc.) ; ahd. haspil ; inhd. 
haspel (Haspel, Winde etc.) ; schwed. haspel. 
Wohl aus haspila gekürzt als Weiterbildung 
von ahd. haspa; mhd. haspe (Haspe, J'hiir- 
haken , od. Haken, Klammer etc.); mhd. 
haspe (Haspel, Garmcindc) ; nd., mnd. hespe, 
haspe; nid. hespe (Haspe, Thürangcl) ; loang. 
(E hre n trau t, I, 3 70) häsp (Krampe) ; 
mnld. (KU.) haspe (rhombus, girgillus, ala- 
brum) ; an., isl. hespa (fil)uJa; spira, girgil- 
lus); schwed. haspe (Thiirriegcl; Haspe, 
Hespe an einer Thür , tvomit die Thiir in 
die Angeln eingehängt wird; Haspe an einer 
Salzpfanne); dün. haspe (Haspcl, Weife); 
nfries. , bz. nordbidl. (0 utzen, s. unter 
reel) heesp, heespe (Haspel); engl, hasp 
(Schlicsshaken, Krampe, Bieget etc. ; Has- 
2)el). Da ahd. haspe \i. an. hespe fast das- 
selbe besagt icic unser gaspe u. dies loahr- 
scheinl. aus gapse (cf. auch Wespe aus 
wepse) versetzt ist, so ist es auch sehr denk- 
bar, dass auch haspe aus hapse versetzt ist 
u. im ags. häps, bz. häpsa, hapsa (Haspe, 
Kettet, Spange, clustella) die unversetzte u. 
richtigere Form erhcdien blieb, die meines 
Erachtens (cf. gaps von gapen) mit nhd. 
h aben u. heben (cf. hcbben, heffen u. 
auch höp, Haufe), sowie wohl auch büft 
(Hüfte, cf. mnld. [KU.] hespe = perna, 
petasü) zu der allgemeinen germ. y hap od. 



haf (hifan, haf, bufun) = lat. cap (greifen, 
fassen [fesseln, binden, heften], nehmen, hal- 
ten, heben etc.) gehört u. wonach hapsa (ver- 
setzt haspa) dann ein: greifendes, fassendes, 
5 haltendes, hebendes etc. Etwas bezeichnete, 
dem formell u. begrifflich auch das lat. 
capsa entspricht. Ob nun aber das Wort 
haspa u. haspel r(7s Winde ein Zug ding 
od. Hebezeug, od. ein Etwas, ivas ein 

10 Anderes greift, fasst, zieht, an- u. auf- 
zieht bedeutete, lasse ich dahin gestellt sein, 
da die Jetzigen ausei)tandcrgchendcit Ik'dtgn. 
von Haspe u. Haspel doch jedenfalls aus 
einer u. derselben Grdbdtg. hervorgingen. 

1.5 huspelii, haspeln, winden, ziehen, reissen, 
sich eilig u. schnell bewegen, sich abreissen 
u. abmühe)!, inülisam arbeiten etc. ; garii has- 
peln, bz. oü-, up-haspeln ; — he haspeld (od. 
ritt, arbcidt etc.) sük hast of, um mit luini to 

20 gliktjr tid klär to wordeu ; — he haspekl 
(windet od. zerrt, reisst etc.) sük d'r in fast ; 
— he haspeld 't all' dür 'nand{r (er zerrt 
od. zieht, reisst, mischt etc. Alles durch- 
einander); — he haspeld d'r altul tegen an 

2.5 (er arbeitet immer dagegen an , — sträubt 
sich stets dagegen, — bezeigt sich stets tci- 
derspenstig etc.), wen he mit sal ; — he hed 
sük d'r wer üt liaspeld (herausgchaspelt od. 
herausgewunden, herausgearbeitet etc., bz. 

30 daraus befreit); — flg.: schnell reden; he 
haspeld dat man all' so herüt, wen he wat 
fertclld; — überhaupt: reden, sprechen, ver- 
handeln ; se hebben dat all' mit 'nander of- 
haspeld (verabredet, abgehandelt u. durch- 

35 gesprochen etc.) ; — wat heb' ji dar wer mit 
'nander to ferhaspeln (zu bespirechen od. zu 
verabreden u. zu verhandeln). 
liass, s. hars (resina). 
hässlik, hässelk, liesselk, hässlich; he 

40 sucht man hösselk üt. — Es wird oft in 
der Bcdtg. : ungemein, sehr etc. cds Verstär-- 
kung gebraucht, ivie z. B. hasselk möi (sehr 
schön) ; — hässelk mal (sehr schlecht, sehr 
hässlich etc.); — hässelk düster etc. Es ist 

45 das aus dem nhd. übernommene hässlich 
= ahd. bazlili etc., cf. hätlik. 

hus-.sokke, das untere Ende des Strum- 
pfes (s. 2 hase) , soweit derselbe den Fuss 
bekleidet; he löpd, od. geid up bässokkenj 

50 (er läuft, od. geht ohne weitere Fassbeklei- 
dung auf blossen Strümpfen, bz. er gehi 
leise, schleicht etc.). cf. sokke. 

1. Ilast, hastig, eilig, rasch, bald, näcÄ-j 
stens, beinahe, fast etc. ; wat to hast ge- 

55 scbüdt, Word seiden göd ; — du must net so| 
hast lopen ; — kuni hast insen wer ; — il 
kau 't liäst net dun ; — dat regend hast 
gans net; — dat perd hügd so na de hafer,j 
dat 't hast net ofwachten kan, dat de haferl 

CO in de krübbe dän word. — Afries. hast,! 



tlAST 40 HAl: 

haest ; nid. haast ; mnld. haest (festinus) ; nd. seiner Bedtg. nach vollständig in der Luft 

hASt (eilends, bcdd) ; mnd. (Seh. u. L.) haste, hängt u. ich dafür lieher (d. h. für heist, 

beste, heyste (Adj. hastig, übereilt, erregt, haest u. für unser his etc) ein verlornes 

aufbrausend, zornig etc.), — liaste, liaestc, hisan (se movere, ire, currere etc.) ansetzen 

haiste (Adv. hastig, schnell); ags. liaost (vio- 5 möchte, ivozuja auch liase (lepus) gut stimmt, 

lentus) ; an., isl. liastr (trux, immitis) ; ahd. sofern man annimmt, dass die Grdbdtg. die- 

heist od. heisti (vehemens, violentus). Vergl. ses Wortes: Läufer, lienner etc. ist. 

weiter: Wegen hast etc. vo7i einer y has, kas, bz. 

2. hast, Hast, Eile, Eifer, Aufregung, his, kis (se movere, ire, currere etc.) cf. 

Uebereilung etc. ; wat hest du für hast (od. 10 auch drift, driftig etc. von drifen. 

drift etc.), dat du al wer fürt wilt? — wat hasten, hasten, eilen, rennen, (sich) an- 

man in liäst un drift deid, word seiden göd ; strengen, beeilen, sputen etc. ; he schal net 

— lie kwam so in hast, dat he hei uet wus', hasten, al wen 't ök brannd ; — dat hästd 
wat he sä'; — he de od. sä' dat in hast; hei net so; — he kau d'r hei nich tegen 

— Sprichw.: alle hast is gm spöd. — Afries. 15 hasten; — he hastd sük gewaldig, um mit 
hast, haest ; ufries. haeste ; nid. haast ; mnld. to kamen ; — du must di wat hasten, dat 
haeste (festinatio, festiaautia, properatio) ; nd. du klär wordst ; — he aferhästd sük. — 
hast; mnd. hast (Eile, Eifer, Aufregung, Nid. haasten ; midd. haesten (festinare, ce- 
Zorn); an., isl. hastr (Eile etc.). Die deut- lerare, accelerare, contendere, maturare, ci- 
schen Wörter: Hast, hastig, hasten 20 tare, properare); nd. hasten; tmid. (Seh. u. 
etc. sind Entlehnungen aus nd., frics. hast L.) hasten (eilen; [sich] beeilen; treiben, 
etc., wie desgl. auch (Dtez, II, 5) ital. antreiben) ; mhd. hasten; isl. hasta (festi- 
astio etc. u. (II, 331) hate etc. daher stam- nare, properare). 

men. M. Heyne (s. Grimm, Wb. tinter hastig, hastig, eilig etc.; Sptrichio.: al to 
Hast) scheint ahd. heist od. haist nicht 25 hastig is kwäd. — ^/nes. hastelik it. hastig, 
mit afries. haest etc. für identisch zu hal- hastich, bs. haestich ; satl. hasticli ; nd. hastig ; 
ten, da indessen, die lex Alam. (cf. 0. nid. haastig (eilig etc.) ; mnd. hastich (hastig, 
Schade unter heist) die Formel haisterä eilig, zornig), c/. i-sL hastaiiegr (repentinus), 
handi, Var. heistärä , aistärä u. alaheisterä hastarlega (subito, repente) ti. hüstugr (auste- 
hantl (manu violenta) gewähren u. diese mit 30 rus, saevus) ; — ferner: ahd. (heistig), da- 
afries. (v. Bichthofen) huesier hand cor- von: heistigo (vehementer, violenter). 
respondirt, auch ferner die mnd. Quellen hastigen, liehCiaÜgeii, beeilen etc. ; he mut 
(cf. Seh. u. L., bz. oben unter 1 hast) ne- sük wat hastigen, wen he mit wil. 
ben haste die Formen: heste, heyste, haiste hat, Hass , Groll, Zorn, feindliche Ge- 
aufweisen, so ist es ioohl zweifellos, dass 35 sinnung, Abscheu etc. ; he barstd nog fan 
afries. hast, haest; ags. haest etc. u. ahd. hat un nid; — ik hebb' 'n hat up hum ; — 
heist od. haist identische Wörter sind. Den ik hebb' d'r 'n hat tegen, um kwäd to dön ; 
Ursprung von heist, haest etc. betreffend, — de hat hörd in de düfel sin sak to bli- 
so wird es von verschiedenen Seiten (cf. fen, man net in de weit umme to gän ; — 
z. B. 0. Schade unter heist u. Fiele, 40 de de arg stekd un de hat plägd, is 'n arm- 
III, 56) verglichen zu goth. haifsts (Streif, saltg minsk. — Afries. hat, haet; wfries. 
Streitsucht, Zank, Kampf), an., isl. heipt haet; nd., mnd., nid. hat; mnld. haet; as. 
(odium vaticanum) etc. u. tveiter zu zend. heti; ags. hete; engl, hate; an. hatr; norw., 
qii (bohre)i, stechen etc.), gaepa (Schlag), scJiwed. hat; dän. had; alid. , mhd. haz ; 
was jedenfalls formell n. begrifflich sehr 45 goth. hatis. — Fick stellt es mit ags. hen- 
zweifelhaft ist, iveshalb denn auch H. Leo tan (jagen, treiben, hetzen, cf. auch ahd. 
(pag. 118 seq.) dafür lieher ein Stammvhm. hazjan, hezzan =: nhd. hetz en),\iVin\.ü, (Jä- 
liesan (festinare) von ]/ has = skr. kas (ire) ger), soivie lat. cadere «. cedere zur y kad = 
aufstellt, toozu er auch an. hestr (Pferd) u. skr. qad (gehen, iveggehen, entfernen, fallen; 
oberd. häsn , heiss stellt (cf. Ins) u. wozu 50 caus. gehen machen, treiben etc.) ; zend. ^ad 
auch unser hisel vielleicht gehören könnte, (kommen; gelioi, verlassen, fallen), tvährend 
zumal zu einer y has = kas besser ein Bopj) es mit griech. kedos (Sorge, Kum- 
Stammvbm. hisan, has, husun , bz. zu einer mer, Betrübniss), k^dö (besorgt maclien etc.) 
ablautenden ]/ his , kis besser ein Stamm- zur y kad , kand (commoveri , perturbari, 
vbm. hisan , has , hüsun als hesan stimmt, 55 terreri) stellt. Vergleicht man übrigens, 
was L. Et t m üller (pag. 459) übrigens dass die Wörter : gram, grim, grul etc. tvahr- 
mit: giguere, formare, ornare, tegere erklärt scheinl. einer y mit der Bedtg.: tönen, 
u. wovon er ausser hara (cf. 1 hase) auch rauschen, sausen, brau seil etc., bz. 
haer (crinis, cf. 1 här) ableitet, wonach denn lärmen, toben, schreien etc. angehören, so 
auch das präsumirte ags. hesan toenigstens 60 könnte man für hat u. baten auch die y 

Boorukaat Koolman. Wörterbucli. II. 4 



fiATBAR 50 HAUE:^ 

kad, kam! (vocare, clamare, flerc) ,-(/ Grunde Getreide, Gras, Früchten, Bäumen etc. in 

legen, die Jedenfalls, wie auch skr. katli, der Bedtg.: Ernte, od. auch in der Bedtg. 

kattli (laudare, extollere, gloriari etc.), kath des Einhauens, od. Schneidens von einem 

(dicere, loqui, meraorare, narraie) = idg. Braten od. des Einhauens u. Einbeissens 

(Ficht kat {toben, lärmen, Geräusch ma- 5 ins Essen, icie ja die Bedensart: „he sitt 

chen. prahlen, rühmen, schelten etc., cf. dazu in de fülle haue" sowohl die Bedtg. hat, 

auch galm etc. von der y ghar) wohl nur dass Er (od. der betr. Jemand) eine rolle 

eine Schallwurcel mit der Grdbdtg.: sonare u. reiche Ernte machen kann, hz. so 
ist, wobei man indes.'ien auch wieder auf situirt ist, dass er hauen u. schneiden 

die Vermuthung kömmt, dass nicht allein 10 kann, wo u. was er icill, sondern auch, dass 
die Bedtgn.: commoveri, perturbari etc. der Er ein gutes Stück Fleisch, od. eine volle 

obigen} kAil begriffliche Fortbildungen der Schüssel vor sich hat u. davon hauen 

y kad (sonare, bz. clamare etc.) sind, ,son- u. schneiden, bz. darin einhauen 

dem dass auch die y (Grassmann, u. hineinbei ssen kann nach Belieben, 

Fi ck) i;Ad,iiAd (prangen od. praJilcn mit, sicli 15 icoraus sicJi dotn von selbst die iveitere 

auszeichnen' durch etc.) eine Xebenform da- Bedtg.: Er sitzt im Vollen, — lebt im Ueber- 

von ist, od. doch auch als tirspr. Schall- ßuss etc. (cf. en od. emand de in de fülle 

Wurzel betrachtet werden muss. hau' sitt, de kau wol lachen; — od. he hed 

hat bar, .n\ ädebar. altid uu fan Jungs up an in de fülle hau' 
hate-lik, hutlik. Iiatelk, hassend, voll 20 säten uu wet hei uet fan darfeu) von selbst 

Ilass ti. Groll, feindselig ; so um zu Jtassen, ergicbt. — Nid. houw; mnld. liouwe, houw, 

hassenswürdig.iadelnswerth, verabscheuungs- hauwe (incisura, incisio, incisus, sectura, 
würdiq , abscheulich , gemein, schlecht etc.; Sectio, caesura; caesio , lignorum caesura; 

hö is iiatelk fan gemöd ; — dat is 'n hatel- vulnus) ; nd. (JD ähn er t etc.) hau (Hieb; 

ken säk, od. sträk (Streich). — Nid. hate- 25 Bevier wo Holz geschlagen wird); 7nnd. 

lijk; mnd. hätlik; as. hetelik, hetilik (infen- houw (dasselbe), cf. hei (Heu) u. s. Wei- 

sus, furiosus) ; ahd. hazlih; mhd. hazlich, teres unter hauen, 

häzlich, hezlich, liezzelich (voll Hass, feind- hau-blok, Hau-, Hack-Block. 

selig; verhasst; hässlich). hau-dä^en, Haudegen; auch fig. 

1. baten, hassen, grollen, feindselig ge- 30 haue. Haue, Hacke. — ^/u?. houwil, howä; 
si/mt sein, verabscheuen etc., ik hat' hum mhd. houwe. Davon: franz. houe, hoyau 
fan Wagens sin gedrag legen mi ; — he ha- (dasselbe). 

tede (od. hätde) dat as de dod. Sprichw.: hauen (haue, hau', — hauest, hau'st, — 

baten deid seiden baten. — Nid., nd. haten ; haued, hau'd etc. — hü, höst, hö, höen ; — 

afries. hatia, od. hatja; wfries. haetjen; 35 hauen), hauen, schlagen, klopfen, hacken, 

wang. haetje; as. hatän, hatöu, hetean, het- kappoi, .schneiden, mähen etc.: ik sclial d'r 

ten ; ags. hatjan; engl, hate; an., norw., wol iusen manken hauen mutten; — he hö 

schwed. hata; dän. hade; goth. hatan, hat- hum de kop of; — wel haud dar au de 

Jan; ahd. hazzen, hazzsen, hazen , hazzön, dör? — he haud 't all' kört un klen ; — 

hazöD ; mhd. hazzen (odisse , aemulari , ze- 40 holt hauen ; — dat körn is rip genug un ik 

lare). cf. ferhaten wegen dessen merkwür- wil 't d'r mau ofliauen latcn; — he liaud 

diger Anwendung in der Volkssprache. (beisst) d'r fan middag dügtig in (z. B. ins 

2. baten. Hassen ; 't haten hed al mennig Fleisch, od. die sonst. Speisen) ; — he haud 
minsk 'u sturen död ferörsäkd. d'r fan middag dügtig wat in (schlägt tüch- 

hater, Hasser, Einer der hasset 45 tig icas hinein, — isst tüchtig). Bedensart.: 

batsk, von Hass beseelt u. Hass tragend, dat is nog hauen, nog staken ; — se hauen 

hassend , anhaltend grollend, feindselig ge- sük as arme joden. — Nd. (Br. Wb., Däh- 

sinnt etc.; he is al sin läfend hätsk fan ärd nert etc.) hauen, haujeu, hangen, hawen; 

west; — 't is 'n Ükligen hatskeu kerel. — mnd. houwen, howen, hoggen ; «/(/. houwen; 

Ahd. hazzec, hezzec. 50 mnld. houwen, hauwcn; afries. hawa, howa; 

ban. Hau, Schlag, Hieb etc.; he gef hum nfries. houv.en; nfries. hauen, houwen; as. 

'u hau, dat he net wuss' war he blef; — hauwan, liawan; (f^rs. heävan; engl.hew; an. 

he de d'r 'n dügtigen hau (Hieb od. Biss liöggva ; norw. hogga; schwed. hugga; dän. 

etc.) in od. üt ; — he hed d'r 'n goden hau hugge; ahd. houwau, hauwan; mhd. houwen. 

(Bissen, Stück etc.) üt dän; — he hed 'n 55 Mit lit. kova (Kampf, Schlacht, Streit); 

hau (Hieb, od. Wunde, Spalt, Schmiss etc.) kslav. kovij, kujiji, kovati (hauen) etc. von 

in 't gesigt kragen, war he wol altid 'n när' einer y ku od. kii , die im Skr. allerdings 

fan hold; — Blur. haue, a) Haue, Hiebe nur in der Bedtg.: sonare, gemere etc., bz. 

etc.; he hed haue had od. kragen; — b) einen Ton, Laut, od. ein Geräusch etc. 

das Hauen, bz. Abhauen, Schneiden etc. von 60 verursachen u. hören lassen, belegt ist, in- 



Hauer 



51 



HEBBEN 



dessen hieraus (cf. dafen, diifcn, duffen etc., 
od. klappen, klaps, kloppen etc.) auch leicht 
die Bedtg. : Stoss, Schlag etc. , hz. schlagen 
etc. entwickeln konnte. Oder gehört es mit 
lat. cos; lit. skutu (scheeren) ; skr. ksliura 
(Scheerinesser) etc. zu einer y sku aus ska? 
— Vergl. dicscrhalb Fick (I, 236) u. (I, 
235) ska (secare), bz. skan, ska (tödten, ver- 
letzen) etc. 

hauer, Hauer; a) eine Person die haut; 
holt-, fles-hauer etc. ; — b) ein Werkzeug 
zum Hauen; — c) Fang- od. Hauzahn eines 
Ebers ; de hauers ütbräken ; — d) ein Eber. 

liauere, Hauerei., Schlägerei, Keilerei etc. 

hauk, s. hök. 

Hanke, whl. Name. Jedenfalls eine Kose- 
form od. ein Diminutiv. Aber ivovon ? 

Iiaa-pipe, eine Röhre von Eisen od. Stahl, 
womit man Löcher in Leder, Blei etc. schlägt. 

haawel, eine Spitzhacke od. Karst, ivomit 
man hartes steiniges Erdreich aufhaut. Auch 
eine Moor-Hacke. — Nid. houweel ; mnld. 
(KU.) houweel (pastinum, marra, irpex ; bi- 
pennis; runcina , sarculum) , woneben auch 
noch ein von KU. mit hauweel übersetztes, 
jedoch mit bipalium erklärtes hafteel vor- 
kömmt; mfläm. houweel (Grabeisen, sarclet, 
sarcloir). 

Lave, haven, haver etc., s. hafe etc. 

havere, s. hafere. 

hawel, s. awel. 

he (das „e" lautend wie in essen, je- 
doch stärker betont). Es ist eine Art Stoss- 
seufzer od. ein Ausruf, loie zur Erleich- 
terung , der sehr häufig gehört loird, wenn 
Jemandem Etwas Beschiverde u. Last macht, 
od. ein Jemand von Etwas bescliioert wird, 
od. auch, wenn ein Etwas ungewöhnlich stark 
auftritt, z, B. : he ! wat deid mi dat sär ; — 
he ! wat word mi dat stur ; — he ! wat bün 
ik dik; — he! wat weid dat etc. cf. Grimm, 
Wb. unter he tt. das folgende: 

he. Ein Zuruf, gerichtet an Jemanden, 
den man zum Halten bewegen, bz. sprechen 
od. worauf aufmerksam machen will, z. B. : 
he! du dar! hör' insen ; — he! du! kik dar 
ins hen; — he! kanst du net hören? — he! 
kinder! wäst net so lud etc. cf. Grimm, 
Wb. unter he u. s. 2 ha, desgl. auch hei, 
he etc. daselbst u. s. 1 ho. 

he od. he, er ; bezeichnet auch das männl. 
Geschlecht, wie se das iveibl. ; he is hir ; — 
wil he mt dat wol äfen don? — he (Er, 
od. Der, — Der da, dieser od. jener Mensch 
da etc.) hed dat däu; — 't is 'n he un gin 
se (es ist eine Person od. ein Wesen männl. 
u. nicht weibl. Geschlechts), cf. hör (ihr) 
= afries. hiri, — hum (ihm) = afries. him 
u. et od. het (das, dieses) = afries. hit. — 
Nd. he; davon: Dimin. (Schütze) heeken 



(Erchen, kleiner Er), tvie seeken (Siechen, 
kleine Sie) von se ; mnd. he ; nid. hij ; mnld. 
hy ; afries. hi; ivfries. hy; satl. hi ; as. he, 
hi; ags. he od. he ; engl, he; an. hanu; dän., 
5 norw., schwed. han; goth. his, nur in himma, 
hina, hita, als Dat., Acc. u. Neutr. von his 
= hi, ivie neben an. hann auch an. hinn, 
hin, hit od. inn, in, it (jener, der da, dieser 
etc.) von hi weitergebildet sind. Wegen he, 

10 hi vergl. P'i c k, II, 60, ivonach es mit griech. 
kei in 'ekei, keithen etc., — lat. ci in ce, eis, 
citra etc. identisch ist, soivie weiter G. Cur- 
t i u s, p)ag. 460, der griech. 'ekei etc. zu dem 
Pronom. interr. ka (cf. Fick , I, 32 seq.) 

15 stellt. Weiter vergl. noch Bopp (vergl. 
Gramm., II, 214) wegen hi = ki. 

hebbe-ding, ein Ding was entweder seiner 
Zerbrechlichkeit halber od. aus sonstigen 
Gründen (z. B. weil es plump ist, od. sonst 

20 die richtige Form nicht hat u. überhaupt 
seinem Zweck nicht entspricht) unbrauchbar ; 
smit' de hebbedinger doch weg, se dögen to 
niks un stän uns aferal in de wäge. 

Dieses Wort was im B r. Wb. mit „un- 

25 förmliches Thier od. Ding in seiner Art" 
u. von Stbg. mit „schwaches zu seinem 
Zweck untaugliches Ding'''' erklärt wird, ist 
wörtl. = Hab e- Ding u. bezeichnet blos 
ein Ding od. Etwas was man behält, weil 

30 man es einmal hat, wie es ja bekanntlich 
in alten Familien gäng u. gebe ist, dass 
man eine Menge aii u. für sich unbrauch- 
bare Sachen von Jahr zu Jahr aufhebt, 
weil man sich nicht davon trennen kann u. 

35 weil man sie einmal hat. hebbedinger sind 
daher im Allgemeinen unnütze u. unbrauch- 
bare Gegenstände , die man entiveder blos 
aufhebt, weil man sie hat, od. die man blos 
des Habe 71 s u. Besitze ns u. nicht des 

40 Gebrauchs u. Bedarfs loegen hat. 

1. hebbeii (hebbe, heb', hef; best, hefst 
[aus hebbest] ; hed, heft [aus hebbed] ; heb- 
ben ; — harr' [aus hadde, ivas auch noch 
einzeln gebraucht wird] , harrst, harr', har- 

45 ren [auch Conj.J ; — Partie, had [gehabt]; 

— Partie, präs. hebbend) , haben , besitzen, 
halten, erhalten, bekommen etc. ; (sich) haben 
od. benehmen etc.; Hülfszeitwort nicht al- 
lein für haben , sondern auch für sein, 

50 in welcher Bedtg. es übrigens auch selbst- 
ständig gebraucht wird ; ik heb' di, ich habe 
(od. halte, fasste, griff etc.) Dich; — harr' 
(hätte) 'k dl, den wul' 'k dl; — heb' ji dat 
(od. contrah. hei 't) al? — dar is net mer 

55 fan to hebben; — se hebben 't mit 'nander, 
sie haben (od. halten) es mit einander , bz. 
haben ein Liebesverhältniss mit einander; 

— wo best du di dar mit had? — he hed 
sük dar je wuuderlik had ; — du must di 

60 därna hebben, dat du dar mit ütkumst; — 

4* 



HEBBEN 



h2 



HECHT 



se hebbeii hiim dügti^ had , sie haben ihn 
tüchtitj gehabt (od. gerupft , geplündert etc , 
z. B. beim Spiel); — hö harr' d'r al wost, 
er icar schon dagewesen ; — heb' ji (ml. lioi) 
't hir Ok? seid Ihr hier auch':' — Spriehir.: 
hebbeu geiil atVr kritron; — hebbeii is heb- 
ben, mau kngoii is 'n kiinst ; — wat du best, 
dat hold fast ! wat du hebbeu schast, dat 
wetst du not, of du 't krigst; — wat 'k heb', 
dat heb' 'k! wat 'k krig, dat stoid noch to 
terwachten. cf. anhebbeu, behebben, inheb- 
ben, uniliebben etc. — Africs. hebba, habba ; 
sntl. hebba, od. (Ehrentraut, I, 271) 
hiibbe; ivfries. liabbon ; nid., mnld., nd., 
mnd. hebbeu; as. liabbiau (od. habbjan), 
liabbe.ui, habbiea (od. habbjen), hobbien (od. 
hebbjan), hebbeau ; ags. habban ; engl, liave ; 
an. hat'a; }torw. liava; dän. havo; schtced. 
hafva; gut/t. haban; ahd. haben, hapeu, haban, 
haban, habou, habiu; uihd. haben, hän; amd. 
havaii, havüa ; md. liaven. Von einer gerni. 
y hab, haf (greifen, fassen, nehmen, rau- 
ben etc.: halten, festhalten, fest machen, hef- 
ten, fesseln, binden etc., cf. hecht etc.), tra- 
gen, heben (cf. heffen etc.) etc. = idg. kap, 
kamp, woron lat. capio, capukis, capto etc. ; 
gricch. kaptö {schnappen, cf. happ, happeu), 
köpe (Handhabe, Griff) etc.; arm. kapern 
(fesseln, binden) kapeal (gebunden), kapaukh 
(Bande); lett. kampju, kaaipt (fassen, grei- 
fen). Ob das lat. habere auch dieser y an- 
gehört, ist zweifelhaft. Vergleicht man in- 
dessen skr. hrd (Herz) , bz. dass auch hier 
schon „h" für urs2)r. „k" steht, so wäre es 
auch denkbar, dass das lat. habere gleich- 
falls dieser ]/' angehört. Oder ist es ein 
latinisirtes aus dem Germanischen entlehn- 
tes Fremdwort, ivie manche andere lat. 
Wörter'^ — Wegen hebbeu«. he&ea scheint 
es mir übrigens richtiger, dass man für 
sümmtliche zur y hat', bz. kap gehörenden 
Wörter ein germ. Stammcbm. hifan , haf, 
hufun (greifen, packen, nehmen; — halten 
heben etc.) mit der Nebenform huf = kup 
(cf. lat. cupere etc.) aufstellt, zumal da auch 
hup «. liöp, hop etc. etc. auf dieselbe Grd- 
bdtg. zurückgehen. 

2. hebbeu, Haben; he is mür fau 't heb- 
ben as fau 't gilfen to liiis. 

hebbor. Haber, Besitzer etc. ; wel is de 
hebber dr fan V — cf. inlicbber, regthebber etc. 

hebbe-r('f:t, Haberecht, Rechthaber, bz. 
ein Mensch der rechthaberisch ist u. glaubt, 
dass er immer recht hat ; daher: Eigensinn, 
Steif köpf etc. ; lie is so 'u regten hobborogt, 
war liei ni-t mit to proteu is. — Nid. hcbbc- 
regt ; nd. hebljfreclit. 

hebbc-re/jtsk, rechthaberisch, eigensinnig, 
steif knjißg etc. ; 't is 'n hcliberegtskcn kerel. 

hebbig (habig), a) greifig ., habsüchtig. 



gierig etc.; he is mi fols to liebblg, as dat 
ik gern wat mit hum to döu lieb'. — b) 
greifig, od. leicht u. bequem zu haben od. 
zu fassen, zu bekommen etc : dat is 'n heb- 
5 big ding; — c) haftend, anhaftend, klebend, 
klebrig, schmierig, sdunutcig etc.; dat swin- 
slagtfu uu blüdwustmaken is 'u hebbig wark. 
iiebbiglioid, Habsuclit, Gierigkeit etc.; sin 
hcbbigheid wet gen grensen. 

10 hebbsk, liebsk, habsüchtig etc.; 'n hebbs- 
kern kerel as hum gifd 't uet. 

Hebe, wbl. Name; D/;h/?j. Hebeke, Hebke, 
Hepke. 

he-blok, s. liej-blok. 

15 1. hecht, haltend, nicht reissend, bündig, 
fest, .stark, dauerliaft etc.; dat is hecht (fest 
u. stark, od. bündig etc.) mäkd; — dat is 
'n liecht ferband, od. 'n hechten kram etc. 
— Nid. liecht; wfries. hefte, heclit. Ob- 

20 schon dieses Wort mit 2 echt (cf. auch ach- 
tig) in der zweiten Bedtg. synongm ist, so 
wird es doch mit 2 hecht , bz. hechten u. 
ferner mit haft (in schadhaft, d. h. Scha- 
den )i abend, od. mit Schaden behaftet, 

25 od. verbunden etc.) eines Ursprungs u. gleich- 
falls aus heft, bz. haft entstanden sein, was 
wohl urspr. mit habt in gehabt = ahd. 
hapt (od. lautlich richtiger haft) identisch 
war, indessen auch dem lat. capt äjcaptus, 

30 capto, captivus etc. entspricht, cf. iveiter : 

2. heeht, seltener hel't, a) Heft, Griff, 

Handhabe etc.; hecht fau 't mest, od. de 

beitel etc. ; — b) Haft; lie sitt in liecht. — 

j\7(/. hecht; mnld. hecht, heft (mauubrium, 

35 capuhis; fibula) ». haclite (apprehensio, com- 
prehensio, viacula, uexus ; captivitas, carcer) ; 
nd. hecht (Heft; Heftpflaster; Haft): mnd. 
hechte (Heft, Handgriff; Heftung der Wun- 
den) u. hechte, hefte, hachto (Haft, Gefäng- 

40 niss) ; ahd. hefti; mhd. hefte, heft (Heft, 
Griff' eines Messers etc.) u. ferner: ahd., 
mhd. liaft; amd. hapt (Vorrichtung zum 
Festhalten, Fes.'<el , Haken, Knoten, Fest- 
haltnng), mhd. haft (Haft etc.), idul. haft, 

45 hapht, mlid. haft (gehalten,, gebunden, ge- 
fangen, behaftet mit, verbunden zu), ahd. 
haft (captivus), ahd. haftä, mhd. hafte (con- 
nexio) ; goth. hafts (behaftet); as. haft 
(viuctus); hafta (vinculum, captivitas); ags. 

50 haeft (dasselbe) u. hilft (gebunden, gefesselt 
etc.); afries. hefte, heft (Haft); an. hapt 
(Fcisel) ; isl. hefti (Heft , mauubrium etc.) ; 
hapt, haft (Fessel etc.) ; schwed. hafte (Heft) ; 
dän. hefte, haefte (dasselbe). — cf. hechten. 

55 3. hecht, in folgenden Redensarten , als: 

a) „he hed , od. sleid gen hecht d'r up", 

welche simd. u. ivörtl. wohl soviel heisst 

als: ,,er haf, od. schlägt kein Heft, od. 

keinen Griff (capulus) (hi drauf" (aus Nach- 

60 lässig keit, od. absichtlich) ; Jedoch fig. von 






HECHTEN 53 HEDE 

Jemandem gebraucht loird, der ein betr. voriv. heffa (schlnigen, binden; halten, au f- 

Etioas unbemerkt u. unbeachtet , bz. n n- hallen, festhalten, hemmen, hindern etc.) ; 

gefasst, od. unaufyefasst lüsst; ^o<A. hattjan (sich anheften, sich anhängen)., 

b) „he hetl d'r so 'n hecht up", wo lieclit ahd. heftaii, het'ton ; mhd. heften O'cf estigen; 
sich ivohl auf die Haft u. Fesselung, 5 binden, fesseln, heften; in Haft ticJtmen); 
od. das Haften, Fesseln ii. Kleben amd. heptjan, lioptan (binden); «/«(/. haften; 
des Auges (auf ein betr. Etwas) bezieht, in- mhd. hatten (befestigt sein, festhangen, haf- 
dem diese Itedensart von Jemand gehraucht ten). Alles vom Stamm haft, hapt = lat. 
wird, der sein Auge starr worauf heftet, capt in captus etc., der aber nicht von die- 
od. jixirt u. das betr. Etwas nicht aus den 10 sem lautverschoben ist, sondern direct sich 
Augen lässt, iveil er ein .starkes Verlangen aus habau, liapan , rect. hafan (haben , hal- 
nach dessen Besitz hat. Da aber hecht = ten, bz. greifen , fassen , nehmen , erfassen, 
Haft tvörtl. das Gefesselt- u. Gebun- festhalten, od. behalten, besitzen, haben etc.) 
den- Sein an u. für sich ausdrückt, so ergab u. mit dem Partie, haefd, haeft, haft, 
kann man diese Redensart auch mit „Er 15 hapt (gehabt, gehalten, gegriffen, gefasst, 
hatte da so ein Gefess eltsein auf" gefangen, gebunden etc., cf. haftjan u. haf- 
übersetzen, wie Ja: he hed (od. harr') d'r tön etc. = gefasst-, gefangen-, fest etc. ma- 
so 'n hecht up (z. B. um dat to hebben, od. chen, heften, od. machen dass etivas fasst 
um mit to gän) auch mit: he was d'r so up etc. od. auch: gefasst u. gegriffen sein [von 
fersäten, od. up ferpikd (cerpecht, verklebt 20 Einem Etwas] , gefangen u. gefesselt sein, 
etc.) wieder gegeben werden kann u. wir nicht fortkönnen, haften etc.) von haban, 
hecht in der Redensart: hapau, hafan etc. (cf. hebben ?f. lieffen) iden- 

c) „he was d'r so hecht up'' (z. B. um tisch ist, bz. sich hieraus ergab, wie capt-us 
dat to liebben, od. um mit to gän) auch in aus capio. Dass aber haft, hapt aus hafit, ha- 
derselben Bedtg. wie fersäten od. ferpikd r/e- 25 T^it (cf.nhd. ]i ab et, d.h. nähmet, griffet, hal- 
brauchen u. hecht sich in beiden Redens- tet etc., od. [ich habe bereits] genommen u. ge- 
arten gerade auf den haftenden, nacJihalti- griffen, gefasst etc.) u. capt in captus (cf. cap- 
gen, festen, ausdauernden, bz. nicJd los las- tus sura) aus capit contrahirt ist, ist toohl 
senden Sinn des betr. Er bezieht. zweifellos u. ebenso., dass auch lat. caput (== 

hechten (hechte, hechtst, heclitd etc.; — 30 uns. h6fd) wrspr. als ein Gefäss u. B e- 
hechtede, hechtde etc.; — hechtd; — hech- hält er (d. h. als Gefäss des Gehirns = 
tend), a) heften, befestigen, fesseln, binden, Schädel, cf. kop, kopke etc.) gedacht ist u. 
nieten, nageln etc.; man kan d'r gen ög up wahrschcinl. formell u. begrifflich nicht von 
hechten (heften, fixiren etc.); — lie hechtd capit od. capet = hafit, hafet (greifet, fasst 
(heftet, befestigt, klebt etc.) dat mit klister 35 etc.) verschieden ist, weil es eben nur ein 
(od. mit 'n spiker etc.) an de wand; — dat Etivas was fasst., bz. ein Fass-Ding 
is mit draden an 'nander heclitd ; ^ — he bezeichnet. 

hechtd (schlägt, nagelt etc.) d'r 'n spiker in Wegen der Form hacht, hecht aus haft, 

etc. ; — b) haften , festsitzen, kleben etc. ; heft vergl. kracht, sacht für kraft etc. u. 
dat wil d'r net up hechten ; — dat hechtd 40 das auch tvohl aus capt, caft entstandene 
an 'nander fast. Für hechten sub a) kömmt air. cacht (servus, /. q. captus). 
einzeln auch die Form heften, so^vie für hed, od. lief, hat. Contrahirt ans hebbad, 

hechten sub b) auch haften n. zwar na- hclibath (h(d)et) von hebben, bz. afries. hebba. 
mentlich in der Bedtg. : bürgen, einstehen hed, s. heid. 

etc. vor. — Nid. hechten ; mnld. hechten, 45 lieda, od. heda (InterJ.) heda. Compos. 
heften, hachten (figere, pangcre, alligare von he od. he (s. d.) u. da. 
etc.) u. hachten, hechten (apprehendere, ca- Ileddo, Hedde, ml. Name. Geschln. Hed- 

pere, vinctum detinere) ; nd. hechten (hef- den u. Heddinga. Vergl. Förstemann 
ten); mnd. hechten, heften (heften; haftet}), hinter hath. 

hachten (haften; in Haft nehmen, verhaf- 50 Iiede, die groben Hanf- u. Flachsfasern, 
ten), haften (gebunden u. befestigt sein) ; welche durch das Hecheln ausser der schäfe 
afries. hehn. (ließen, binden, fesseln) ; ivfries. (die abg eschabten harten Basttheilchen 
heften, hechten; nfries. hechte (dasselbe); = Ab schab sei od. Schab - Th eile) 
wang. haftje (haften); as. heftjan (heften), von den feineren Fasern ab- od. ausge- 
haftön (haften); ags. haeftan od. häftan (7te/- 55 schieden werden u. meist zu grobem Tau 
ten, fest machen etc.), haeftjan, häftan (Jtaf- versponnen, od. auch als Werg zum Stopfen 
ten, verhaften) ; an. \\(ii\.-A,\\(i\)i-A [\inc\XQ a\Q..); gebraucJit werden. — Afries. hede; wfries. 
isl. hefta (impedire, compedire, reprimere, hiede; nfries. hede, heed; nd. (Br. Wb.) 
intricAve); dän. hefte, haehe (Jieften, haften) ; hede, heden, heen; mnd. hede, heide; nid. 
schwed. häfta (heften; fassen, haften etc.); 60 (provinciell) hede; mnld. hede (stupa od. 



HEDEN 



54 



HEFFEN HEFEN 



Btuppa , Werp). Dieses Wort ist seiner 
Grdbdtg. u. Form tmch r« Schede (Scheide), 
scht'ilea i scheiden, trennen etc.) zu verglei- 
chen u. geht icohrscheinl. als Abgeschie- 
denes od. Abfall tnit ba>/r. haid ( Un- 
rat h, Abfidl etc., cf. Seh melier, II, 151) 
auf eine aus skid (cf. scheden) entstandene 
y kid (spalten, iheilen, schneiden, trennen, 
scheiden etc., cf. lat. caedo, de-, in-cido etc.) 
:= germ. liid ;urilck, die vielleicht auch für 
heid auf::ustellen ist u. der skr. ]/ cit ent- 
spricht (worüber das Weitere unter lieid), 
indessen dann schn-crlich für lat. caedo etc. 
passt, dessen „d" Ja der Lautverschiebung 
nach auch nicht zu liöde stimmt. 

1. lieden od. lu'deii, Ausruf der Verwun- 
derung etc. = Herr ; licden ! min tld (Herr! 
meine Zeit); — lieden! liedeu ! wat .slim. 
Auch nid., wenigstens mdarti, cf. van Dale. 

2. lieden od. hedcn (holt. Grenze), heute, 
cf. 1 liüde u. hüdig. 

hede-wel, ein ,,wel'' zum Verspinnen der 
hede, bz. zum Spinnen u. Drehen des aus 
der liede gefertigten groben Taues. 

heen. s. hejeu. 

1. lief. Heben; s. uphef etc. 

2. hef, See, Meer, od. eigentlich nur der- 
jenige Theil des Meeres, der sich zwischen 
der Küste u. den Inseln befindet, od. als 
Watten-Meer die Küste des Festlandes loie 
ein Gürtel umfasst u. einschliesst, indem be- 
kanntlich der ausserhalb der Inseln liegende 
Theil des Meeres, od. die offene See nie- 
mals hef, sondern im Gegensatz zu diesem 
stets sc genannt tvird. 't hef bullerd, od. 
brulld, räsd etc. heisst es, ivenn 7na)i an der 
Küste zuweilen 4 — 5 Meilen ins Land hinein 
das Toben der Brandung hört, loas nament- 
lich dann am lautesten vernommen ivird, 
wenn nach einem Sturm der Wind sich legt 
u. nach Norden umgeht. Sprichw. : tidge- 
nug (Einer der bei der Mahnung zur Eile 
stets das Wort ^tidgenug" im Munde führt 
u. deshalb selbst „tidgenug" heisst) is in 't 
hef blefen. — Afries. hef (See, namentlich 
die das Festland begrenzende, ivie es ja im 
afries. Büstringer Landrecht § 1 heisst: 
and hi dika skolde, witliir tliene salta se 
and withir tliet wilde hef); nfries. (Outzen) 
häf, haft', häft, heef, hef; tvang. haf; nd. 
haf od. hafF; mnd haf; ostpreuss. haah (das 
die Kü.ste begrenzende u. u. umschliessende 
Meer, bz. das Meer zwischen der festen 
Küste u. einer davor liegenden langhinge- 
streckten Landzunge) ; ags. heaf (See, Meer); 
an., schwed. haf; norw., dän. liav (Meer, 
Ocean) ; mhd. hap; md. liab (Hafen; Meer, 
Haff). Die Bedtg. dieses Wortes ist: Hal- 
tendes, Fassendes, Bergendes, Sicherndes 
etc., bz. Gürtendes, Umgürtendes , Ein- u. 



Umfassendes, Umschliessendes etc., od. Et- 
icas, was ein anderes Etwas (Schiffe, od. 
Festland) wie ein Band u. Gürtel umfasst, 
einfasst, einschliesst, umschliesst etc. :=^Fass- 
5 Ding etc. u. gehört mit hafen , hebben, 
hechten, helfen, hof etc. zur y haf, bz. kap 
(greifen, fassen, halten, tragen, heben etc.). 
Vergl. dieserhalb auch „okeanos" als der 
die ganze Erde umßiesscnde , bz. sie wie 

10 eine Schlange umfassende u. umgürtende 
Wcltstrom. 
hef-böm, Hebebaum. 

liefe, liäfe, Heber, zweischenkeliges Bohr 
zum Heben von Flü.ssigkeiten vermittelst des 

15 Luftdrucks, um sie von einem Fass in das 
Andere fiiessoi zu machen. 

hefel, hüfel (Flur, hefels etc.), a) starker 
Faden an den schachten (den Kammhölzern 
der Weber), zum lieben der sog. Kette; 

20 — b) Hebel; wi mutten wol äfen de häfel 
(od. hefbom) ansetten, um dat to ligten. cf. 
2 hSfel. 

heifen, hefen, häfen (heffe, häfe, hefe, 
heif etc. ; — heffest, lieffst etc., — heffet, 

25 hefft etc. — hof, höfst etc. ; — hafen), he- 
ben, d. h. greifen, fassen, nehmen (Geld 
heben), bz. ein Etwas zuerst fassen , od. 
nehmen (cf. unten die Compos.) u. dann in 
die Höhe bewegen; ik höf (od. nara) hum 

30 up uu drog hum weg; — dat is wer hafen 

(gehoben, od. weggenommen xi. beseitigt, bz. 

geborgen, gesichert u. gerettet). Dieses Vbm. 

■ ist stark im Schwinden begriff'en u. wird 

am häufigsten durch tillen u. boren, sowie 

35 mitunter auch durch risen ersetzt. — Afries. 
heva (hof; heven, geheven); loang. (Ehren- 
traut, I, 42) luv (sich heben); nd., mnd. 
heven (hov); nid. lieffen (hief, geheven); 
mnld. heffen, heven; as. hebbjan, hei^jan 

40 (höbh, hob, höf, huobh, liuob, huof) ; ags. heb- 
ban (hof; hafen, häfen); engl, heave; «n. hefja 
(höf); norw. lievja; dän. haeve; schwed. 
häfva ; goth. hafjan (hof) ; ahd. hefjan, hef- 
fan, heffen, hepfan, hevan; jnhd. hefen, he- 

45 ven, heben (heben, aufheben, erheben etc.). 
Vergl. die Compos. : anheffeu (anheben, bz. 
anfangen etc.), oflieff'en ((d/heben, abneh- 
men etc.), upheffen (aufheben, aufgrei- 
fen, aufnehmen etc.), fcrheffen, aferhef- 

50 fen etc. Die Formen gehen sämmtlich auf 
urspr. hafjan, hafja zurück u. ist die y haf 
dieselbe wie von hebben , hechten etc., bz. 
lat. capio, captus etc., sodass hafjan urspr. 
nichts weiter hicss als: Fassen, Grei- 

bb fen etc., od. Fass, Griff etc. thun u. 
machen (nach Eticas) ivoraus sich denn 
iceitcr die Bedtg. : nehmen, wegnehmen, auf- 
nehmen, aufheben, bz. heben etc. weiter ent- 
wickelte. Die von Fick beliebte Ableitung 

CO von y kamp (zittern, od. unduliren, sich 



HEFIG 55 HEI 

wellenförmig bewegen, sicJi auf u. nieder hSL\,hcyh,hovi,he\, sowie ferner im Gri7n7n'' 
bewegen, od. Impfen, springen, bz. [Grass- sehen Wb. 

mann] sich rasch bewegen, od. sich Irin u. 2. hei, ]iabt ihr; contrah. aus liebt, heft 

her bewegen ti. schwingen), ivovon skr. kapT (gekürzt lief , hew', lie') -f~j1; hei 't al liad? 
(Affe) u. nach Fick auch griech. kämptö 5 — Sehr oft wird jedoch diesem „hei" trotz- 
(sich beugen , krümmen) u. kampe (Krüm- dem schon ji (ihr) darin enthalten ist, doch 
immg, Bug), sowie karape (Spannraupe, die noch ji wieder nachgefügt u. statt „hei' 't 
sich durch Zusammenkrümmung fortschneUt) Iiad", — „hei' ji 't had" gefragt, 
etc. stammen sollen, i)asst für hafjau ivohl 3. hei, s. heu. 

schwerlich so gut, wie die von ]/ kap (fas- 10 4. hei, s. heje. 
sen etc.), zu der skr. kapi (Aff'e) übrigens 5. hei, s. haie. 

auch ebensogut gehören kann, wie zu kamp G. hei, heisser, trockner,nebelartiger Dunst, 

(zittern, bz. sich sclineU bewegen), weil der der sielt, bei anhaltend heissem, irocknem u. 
Affe nicht allein behende, sondern auch windstillem Wetter durch die Hitze erzeugt 
ein schlimmer Räuber u. Dieb ist, der 15 u. die Luft in den „kimmeü^ unklar n. un- 
den Früchten etc. sehr nachstellt u. also durchsichtig macht, sowie auch eine Art 
auch als Räuber od. Nehmer, Weg- Fata morgSLua, od. Luftspiegelung verursacht ; 
nehmer, behender Greifer etc. auf- d'r is to föl hei in de lücht, od. de lücht is to 
gefasst sein kann, bz. auch deshalb kapi heiig (trocken-dunstig), um mit de fer-kiker 
od. Greif- u. Fassthier, Fassioe- 20 regt genau to sen; — wen d'r so föl hei in 
sen etc. genannt sein kcinn , weil er de lücht is, den is 't net as of de husen un 
sich mit Händen, Füssen u. Schwanz bomen in de lücht drifen. — Mnd. (Seh. 
an Alles anhängt u. an Allein Fass n. u. L.) hei; aJtd. hei, öfters gehei, geheie, 
Haft findet. geheige, Hitze (uredo, cauma) ; mhd. heien 

hefig od. hefig, häfig, schwer, stark, 25 (brennen); ahd. arheigen , erheien (urere, 
gewaltig, heftig, auffahrend, böse, zornig, aestuare), ferheien (durch Hitze ausgetrock- 
aufbrausend etc.; 'n hefigen stürm orZ. fröst, net sein). Davon: oberd., mdartl. (Sc hm., 
kolde etc.; — 'n hefig gefecht; — du must II, 127) gchai, trockner nebelartiger Dunst 
net glik so häfig worden. — Nid. hevig in der Atmosphäre bei heisser Sommerzeit, 
(stark, heftig, geivaltig , ungestüm, auff\ih- 30 auch Hai-Dampf, Hainebel, Hai- 
rend, zornig etc.); mnld. hevigh; nd. (Br. rauch (nach 0. Schade) verderbt: Heer- 
Wb.) hevig (gross, heftig, sehr); mnd. he- rauch, Höhenrauch , (s. unter 2 harig) 
vich ; as. hebhig, hebig; ags. hefig (gewich- genannt. AdJ. gehai, kai, gehaiig, gehaigig, 
tig, schwer, bcschioerlich etc.) ; engl, heavy geliaiwig , kaierig , gehedig (von solchem 
(schwer,^ drückend, beschwerlich, lästig); 35 Dunste erfüllt od. überzogen); hess. (Vil- 
ahd. hebig, hepig, hevTg, hevec; mhd. hebec mar, 157) hei, heie, beige, hege (trocken, 
(geivichtig ; ivichtig ; beschtoerlich ; ausge- dürr, der Feuchtigkeit u. des Wassers er- 
zeichnet). Dieses von hef, beb u. Tg (Zu- mangelnd); heiung (Dürre, Wasser-, od. 
stand, Sein etc.) gebildete Wort gehört zu Regen-Mangel) ; meklenb. (cf. Seh. u. D. 
heffen (heben) u. bezeichnete urspr. einen 40 unter hei) hei-, heu-, heid-blicken, heid- 
Heb e-Zust and, bz. ein Sein od. eine hXnckQw; holst. (Schütz e)\\p\({-\vic\\iGn (Wet- 
Eig ensch aft ivo, od. durch die ein He- terleuchten , Lufterscheinung ähnlich dem 
ben (von Etwas) eintrat u. ein Heben Blitze, doch ohne Donner) u. mflüm. heyen 
(Aufheben, in die Höhe beivegen u. richten (dasselbe). Vergl.bei Fick (I, 59)2'ki(bren- 
etc.) verursacht wurde u. da nun ein heb i- 45 nen , dörren) , wozu er ausser hei etc. 
ges od. hebendes Etwas schwer sein auch goth. hais, Genit. haizis (Fackel) «. 
muss, um ein Etivas zu heben u. in die skr. cya (gerinnen, frieren, erstarren) stellt. 
Höhe zu schnellen, bz. ein Etwas od. ein Fraglich ist es übrigens, ob für bei, bz. 
Mensch etc., was od. der die Heb e- Eigen- goth. hais nicht besser die}/ skr. cA (sehen, 
Schaft hat schwer u. stark etc. ist, so 50 bz. scheinen, glänzen, ßammen etc., cf. 
erklärt sich hieraus leicht, wie das Wort Grassmann, 445 seq. u. weiter unser 
hef lg die obigen Bedtgn. erhielt. blik, blik, büken, blikken etc.) passt, die 

hefigheid, häfigheid, Heftigkeit etc. — wahrscheinl. nebst skr. kbya (schauen, od. 
Nid. hevigheid. scheinen etc.) aus der für schin, schinen etc. 

hege, hegen etc., s. häge, hägen etc. 55 u. auch ^oohl für lat. scio etc. vorauszu- 

hegge, s. 1 häge. setzenden allgemeinen idg.yüd (scheinen etc.) 

hegge-spilen, s. hägespilen. entstand, zumal auch die für beid od. heit 

1. hei od. he, eine Interjcction der Freude u. heiter anzusetzende germ. y hid od. hith 
od. des Jubels; hei-juchei od. juchhei, cf. = skr. cit (ob Denominativ vom Partie, 
die Interjection he u. ahd. Interj.: hei, hey, 60 hita von hi, wie phull von phuUa aus phal?) 



IIEJ 



56 



HEIDE 



eine Kncciterunfi von ci ist it. <iuch das 
tut. hei in heiblickoii (tccttcrleitchtoi). suicie 
lias ahil. hei (ureilo etc.), nihd. heien (bren- 
nen) etc. wollt jedenfalls besser .-« ci {bli- 
cfcen, sehen etc., b:. blit.:en, flammen, leuch- 
ten, scheinen etc.) stimmt, als ::u skr. (,ya 
(gerinnen, frieren), wovon es doch sehr frag- 
lich bleibt, ob man dafür eine y ki mit der 
Bedtg.: dörren, brennen etc. aufstellen darf. 
Zu ahd. hei, bz. erheien; mhd. heien (urere) 
u. goth. liais (Fackel), bz. lieid, lieiter etc. 
vergl. auch griech. kalö (brennen), att. käö 
(brennen), kaüma (Brand) etc.; lit. kaistii 
(bin heiss), kaiträ (Hitze) u. an., isl. hyr 
(Feuer), sowie liyn- od. liyr (heiter, froh, 
fröhlich etc., cf. dän. ghul, blid), tcas nach 
bilde ». ghul zu urthcilen auch auf die 
Grdbdtg. : glänzen zurückgeht. 

lii'j. ,s'. hejo. 

h t'J ' - b;i s . Bam m-Meister. 

htM-lM'ssem, .s\ heidebessem. 

licj'-blok, ein Block zum hejen od. Bam- 
iiien, Bammblock. 

Iicid, heit, Endung vieler Subst. als: egen- 
heid, pudhuid, böslieid, düllicid, ewtgheid 
etc., od. egeulieit etc. mit dem I'lur. heiden 
od. heiteu. — Africs. liOde, hed, heid ; nid. 
heid (Blur. hedeii) ; mnid. heyd; nd. heid, 
heit, keit; miid. heit; )ihd. heit, keit etc. 
Dieses Wort war früher ein selbstständigcs 
Wort u. i.'it eins mit: ahd. heit, hait, heid; 
mhd. heit; as. lied, heth (persona, sexus, 
ordo, gradiis, bz. Bang, Stand, We.scn, Be- 
schaffenheit, Art u. Weise) ; goth. haidus 
(Art u. Weise); as. hed (Stand, Würde); 
ags. häd (wie im hochd.) ; an. lieidr (honor, 
diguitas). Was die Grdbdtg. dieses Wortes 
betrifft, so scheint es, als ob dieselbe ursjrr. : 
Schein, Gl am etc. od. Schein- u. 
Glanz -Zust a n d war, bz. dass dem viel- 
leicht für heid etc. anzusetzenden Thema 
heidu, heitu, lieithu, od. lieitliä etc. ein ä 
od. 1, ü (Etwas) abfiel u. es von Hause aus 
ein Etwas bezeichnete , tvas Schein u. 
Glanz hatte u. von sich gab n, dadurch 
in den Gesichtskreis kam u. erkennbar (od. 
gesehe» ii. erkannt etc.) u-urdc, bz. als ein 
gegenstündliches u. sichtbares Etwas in die 
Er sc hei mm g trat. Da n un aber Alles, 
was scheint u. glänzt Jedem, der dar- 
nach .sieht, eine Erscheinung ist od. 
ihm das Aussehen u. die Wesenheit 
(sein Sein etc.), Besch äff enh e i t, bz. die 
Art u. Weise desselben kund macht, .so 
ist es vollständig begreiflich , dass aus der 
Grdbdtg. : Schein, Gl a n z od. L ich t 
(ah das was von Jemandem ausgeht u. ihn 
sichtbar u. als Seiendes erkennbar macht) 
sich auf^ser Ansehn, Würde, Ehre etc., od. 
Art u. Wci.ic wie Etwas aussieht n. sicht- 



bar wird, auch die von sichtbares u. in die 
Erscheinung tretendes Etwas (gleichgültig 
ob Sache, l^ing, Wesen od. Fersönlichkeit) 
ergehen musste. Was die y betrifft, so ist 
5 dafür wohl germ. lud od. hith, hz. idg. kit 
od. skit anzusetzen , die auch der skr. y 
cit (glänzen, scheinen, erscheinen etc., cf. 
unter G hei), sowie ketü, od. ketu (Helle, 
Licht, Strahl, Leuchte, Tuickcl, Flamme; 
10 Erscheinung etc.), ciXvix (glänzend, strahlend, 
hell; ausgezeichnet, herrlieh [ilhistris]; hell, 
laut, klar etc.) etc. etc. zu Grunde liegt, 
cf. auch heid-rubiutje u. heiter. 

1. heide, od. liaide, a) Jlaide, Haidefeld, 
15 od. dürres, sandiges, unfruchtbares, tinbc- 

bautes , wild u. toüst liegendes, meist mit 
Haidekraut bewachsenes Land; ebenes, un- 
bebautes u. unfruchtbares Land; 't is enier 
lieide, so wid as man sügt; — b) Huide, 

20 Haidekraut. Compos. : besseniheide, böiier- 
heide, lieideblümo, mürheide etc. Sprichw. 
zu a) : gifd de heide erst für her, den büst 
du hör her. — Xd., mnd., idd. heide; mnId. 
hoyde; ahd. heida (Haidekraut) ; mhd. lieide 

25 (ebenes unbebautes wildbewachsenes Land); 
goth. liaithi (ager, campns, unbestelltes Feld) ; 
ags. haedli ; engl, heatli (wie oben). Wie 
goth. haitlii zeigt, bezeichnet dieses Wort 
ursur. im Allgemeinen Mos „Feld'', bz. ein 

30 unbestelltes u. freies Feld, wo nichts 
wächst lt. ivohnt u. tcas nicht besiedelt ist 
u. wird es meistens zu skr. ksetra od. kshe- 
tra (Grund, Grundbesitz; Feld, Acker; Ge- 
gend, Land) verglichen, was zur ]/ ksi od. 

35 ksbi (sitzen, wohnen, sich aufhalten wo etc.) 
gehören soll, wonach denn ksetra urspr. 
wohl als (von Menschen u. Thicren) be- 
wohntes Etwas aufgefasst sein muss, 
tvas allerdings zu der allgemeinen Bedtg. 

40 des germ. heide nicht stimmt, worüber noch 
Weiteres unter lieiil-rubiiitje am Schlüsse 
verglichen icerden mag. 

2. heide, öfterer lieiden, Heide, Nicht- 
christ; he is iiog 'ii lieide. Sehr oft wird 

45 damit auch ein armer, trostloser, bedrück- 
ter, von der Gnade verstossener Mensch 
(he klägd as 'n heiden) ti. weiter auch ein 
uncultirirter, ivildcr, roher, tvüster, bz. ein 
struppiger, ungekämnder u. schmutziger Ge- 

50 seile, sowie ferner ein Zigeuner bezeichnet 
(he geid so to ker as 'n heiden; — he sügt 
d'r üt [ist struppig u. schmutzig etc.] as 'n 
heiden; — de heidens [od. taters] sunt d'r), 
ivie ja bekanntlich das Subst. heide od. hei- 

55 den (Heide, od. Xicht-Christ) aus dem Adj. 
ahd. lieidau etc. (von der Haide, zur Huide 
gehörig, bz. agrestis, pagauus etc., cf. bei- 
den) hervorging u. urspr, blos einen (Haide- 
od. Feldbeioohncr, bz. einen Menschen 

60 von der Haide od. dem Jjande, einen 



HEIDE 57 HEID- HEIT-RUBINTJE 

Hauer od. Nichtstädter etc. hvzeich- hz. ein Waclceln der Haut anlcomwen sollte, 
nete u. sonach nach der den Kirchenvätern wie dies bek(tnntlich auch heim Schauder- 
von Moni aus eigener Anschauung als ein od. Schüttelfrost der Fall ist. 
bäurischer , ungebildeter, roher. Beide Redensarten sind daher tvoJil nrspr. 
ungesitteter Mensch (liomo agrestis et 5 fries. od. ofries. Ursprungs u. von. hier aus 
paganus, bz. iiou uibaiuis) aufgefasst u. dann tveiter nach Deutschland vorgedran- 
dann weiter zur Bezeichnung eines Nicht- gen, sofern nicht etwa in andern Gegenden 
Christen verwandt wurde. die Zusammenstellung von lieide u. weide 
3. lieide, Haut. Dieses nur in den. lle- neben den unsrigen in der Bedtg. von Haut 
densart.: „ik wil dl hauen, dat di de beide 10 u. Gcioeide wirklich im Sinn von Hai de 
wakkeld" ; — ^he spejd beide un geweide" (od. Wald, Holzung etc., s. unter licid- 
ist ganz zweifellos identisch mit afries. htide, rubiiitje am Schlüsse) u. Weide (pascua) 
hed; nfries. heed; sali, hed; wang. (Ehren- schon von früherer Zeit her gebräuchlich 
traut, I, 351 u. 370) baid (lü fret 'er 't icar u. dann später die abweichenden Se- 
mit baid un her up; — hi spied liaid uu 15 dtgn. dieser lautlich gleichen Wörter in den 
waid to 't lief ut); ags. b j'd ; engl, lüde verschiedenen Bedensarten sich in der An- 
(Haut, cf. büd), wobei ich wegen des Vocal- wendung derselben blos vermischt u. im 
Wechsels sowohl auf nid. beden = liuiden Laufe der Zeit verdunkelt haben, 
(heute = ahd. liiuti) als auch auf den nid. beide-besseni, heibessem, Haidebesen, Be- 
Plur. beden = lieiden von beid (hcit, keit, cf. 20 sen von Haidekraut, od. Erica vulgaris, 
beid = rt/nes. bed etc.), a/s awcA auf den ahd. hcide-blöiiie, Haideblume. 
Plur. biuti von büt (Haut) venveise. In heide-kn'id, Haidekraut. 
dieser Meinung iverde ich auch dadurch beiden, a) (Subst.) s. 2 beide; — h) (Adv.) 
nicht beirrt, dass die Redensart: dat de heidenmässig, unvernünftig, fürchterlich, höl- 
beide wakkeld sehr verbreitet (cf. Korrespon- 25 lisch etc. ; man hed dar 'n beiden bült drokte 
denzblatt des Vereins für nd. Sprachfor- un spcktakel mit ; — he licd 'n beiden bült 
schung, No. 9 vom Febr., pag. 67 seq. u. geld; — ik wurd' so beiden dül, dat ik bura 
No. 12, vom Mai 1877, pag. DO) ist u. so- wol giik en au de ören gäfen niugt harr' ; 
wohl in dieser, cds auch in der gleichfalls — 't was 'n beiden allarm. — Slit afries. 
im nd. bekannten Zusammenstellung von 30 (AdJ.) hetbin, betben, liethon, beiden ; as. 
beide «. weide, bz. bei «. wei (cf. bei liedin ; ags. baedheu; an. beidhinii ; mnd. 
Schütze: he deit bei u. wei ut, sowie beiden; ahd. heidan, heidin, beiden, hcidhan, 
ferner bei Dähnert u. im B r. Wb.) das beitbin; mhd. beiden (gentilis, etbnicus, /tc/c?- 
Wort lieide im Br, Wb. mit 1 beide in der nisch, niclitcltr istlich, besonders muhameda- 
Bedtg.: Haide-Land , od. Haide - Feld u. 35 nisch, saracenisch , orientalisch, bz. urspr. 
weide mit weide (pascua) identificirt ivird, agrestis); Subst. ahd. heidan etc.; nid. bei- 
zumal da auch Schütze die Redensart: den; wfries. beydin (Heide, Nichtchrist, bz. 
he deit hei uu wei ut auch durch: „er hat urspr. paganus) zu 1 beide, cf. unter 2 beide. 
einen starken DurcJifaU" erklärt u. wir mit : beiden-döiii, Heidenthum. 
„he spejd beide un geweide^* besagen icol- 40 \\%\A^\\-\{\\)iL., Heidenvolk, heidnisches Volk; 
len, dass er Alles ausspeit, vxis er in sich Zigeuner. 

hat. bz. Jemand sich in der Weise heftig lieiden-pak, gemeines heidnisches Back 

u. anhcdtend erbricht, dass er nach Ent- od. Volk, Zigeuner etc. 

leerung des Magens von Speisen auch noch lieide-snukke, lieidsnnkke, Haide-Schaf. 

häutige Bestandtheile speit, bz. Alles von. 45 Die beidesnukken sind viel kleiner als die 

sich giebt, icas nur irgendwie aus seinem Schafe von der Marsch. — Nd. beidsnulcke 

Innern herausbrechen kann, toie dies z. B. u. bei Frisch beidsnake. 

beim Gallenfieber od. ähnlichen mit heftigem heidi, a) Ausruf der Lust u. des Jubels; 

Erbrechen verbundenen Krankheiten der heidi, lieidi, beidallala; — b) fort, verloren, 

Fall ist. Die Redensart : „Jemanden hauen, 50 zum Teufel etc.; 't is all' heidi; — lat 't 

dass ihm die Heide icackelt" stammt aber all' beidi gan; — be is heidi gän. Wohl 

ent^veder daher, dass in früheren Zeiten die blos erweitertes hei (cf. 1 bei) , wie auch 

Verbrecher etc. oft derartig gegeisselt u. mit ivohl heidideldei entweder erweitertes heidi 

Ruthen geschlagen wurden, dass die Haut in der Bedtg. sub a) od. von bei u. didel- 

auf dem Rücken sich von dem Fleische 55 dei zusammengesetzt ist. 

löste u. theils lose u. ivackelig sass, theils lieid-, lieit-i'iibintje, Blut- od. Roth-Hänf- 

in Fetzen herunterhing, od. dass diese Re- ling (cannabina linota). rubiutje ist Dimin. 

densart blos eine Androhung so fürchter- von rubin, wie der Hänfling wohl wegen 

licher Schlüge sein sollte, dass dem Betref- seiner Ruhm - ähnlichen Färbung auch 

f enden vor Angst ein Beben od. Zittern, CO sonst (cf. Brehm, Thierleben HI, 141) ge- 



HEID- HEIT-RUBI^^TJE 



58 



HEJEN HEEN 



nnnnt wird, während der Vorsrßbe heid od. 
lieit wohl Bedtg. Glanz (cf.heix. etc. h. lieiter) 
:h Grunde liegt , sodass heid- od. hcit-ru- 
bintje soviel icie Gla n z - Hä n fl i n g lieisst, 
h:. heid etc. sich auf den Glanz seiner 
rothen Farbe bezieht. Dass )iiin aber die 
ahd. heitperi, heidperi u. nhd. Heidel- 
beere genannten glänzend schwarzen n. 
rothen Beeren der verschiedenen Yacciniiim- 
Arten ihren Namen daher haben sollen, 
dass sie in od. auf der Hai de wachsen, 
scheint mir auch sehr fraglich, da es auch 
ebensogut denkbar i.^it, dass heitperi ursjyr. 
die Bedtg. Glanz-Beere hatte, wie ja 
auch lieit (rf. heid) in der ursj^'. Bedtg.: 
Glanz od. Schein etc. (der von Etwas 
ausgeht u. es sichtbar macld) u. der abge- 
leiteten von: Ansehen, Würde etc. auch 
im ahd. heithaft (d. h. glanzhaft, od. mit 
Glanz, An s e Jt e n u. Wii rde behaftet, 
— Glanz u. Ansehen etc. habend u. 
besitzend) steckt u. dieses Wort nur des- 
halb auf den geistlichen Stand bezogen, bz. 
der geistliche od. Priesterstand nur deshalb 
heithaft genannt wurde, weil er mit Glanz, 
Ansehn u. Würde etc. behaftet war, bz. 
der „heithafte" od. der dem. Stande der Geist- 
lichkeit angehiirende 3Iann für „illustre" 
galt. cf. dieserhalb auch unter heid am 
Schlüsse das skr. citrä, xconach man auch 
einen germ. Sta7ntn heid, heit od. heith, bz. 
ein heithi (glänzend etc.) u. heithi (Glanz 
etc.) von der y hid, hit, hith = skr. cit 
(glänzen etc.) ableiten kann, der doch je- 
denfalls auch dem ahd. heitar (cf. heiter) 
zu Grunde liegt, ebenso wie dem. Worte heid. 
Vergleicht man nun aber weiter das ahd. 
16h, Holz, Gehölz, Wald etc. (cf. Förste- 
rn an n , II, 947 u. Arnold, Ansiedlun- 
gen etc., pag. 117) = lat. lucus etc. im Zu- 
sammenhange mit ahd. lohjau (lohen, flam- 
men etc.) u. lat. lücere etc. (cf. leien, löjen, 
lücht etc.) zu Id. laukas (das Freie, od. 
die freie, offene unbesicdelte Gegend etc., bz. 
Feld, Acker rtc. u. dass vnr mit Wald 
auch oft den Begriff des Freien u. Un- 
eing e liegten, od. des ivild u. frei 
wachsenden und somit auch Unbe- 
schränkten (wald u. wild [cf. wilde n«cÄ 
in derselben Bedtg. wie HaidrJ sind ja 
angeblich connex, da wald das toild- u. 
freiwachsende bezeichnen soll) verbin- 
den, so ist es auch leicht möglich, dass das 
Wort heide = goth. haithi (Ifaide, od. hin- 
bestelltes, od. unbebautes m. unbewohntes od. 
freies Feld u. Ebene etc., cf. 1 heide) gar 
nichts mit skr. kshötra (Grundbesitz; Feld 
etc.) u. der ]/ kshi (sitzen etc., cf. 1 heide) 
zu thun hat, sondern als freie, unbe- 
baute, unbewohnte , leere u. öde 



Fläche etc., ebenso wie heid etc. u. heiter 
zur y cit = idg. kid (scheinen, glänzen etc.) 
gehört, zumal da heide in den norddeut- 
schen Sprachen nicht allein eine offene, 
5 freie, unbebaute u. öde Gegend, bz. ein freies 
Feld etc. bezeichnet, so)ider)i auch die Be- 
dtg.: W(dd, Gehölz (Ulcus, sylva, saltus) 
hatte, bz. {cf. Grimm Wb., IV, 798 sub 
3) einen gr ossen, wilden, mit Tan- 

10 gel- od. schwarzem Holze beioach- 
senen Wald bezeichnete u. man sonach 
von Hause aus u. urs2}r. mit „heide" ledig- 
lich ein frei u. offen liegendes (cf. bar, 
bar, bloss, nackt, leer, frei, offen, sichtbar 

15 etc. von der y bhas, scheinen, glänzen etc.), 
od. überhaupt ein freies, offenes, über- 
sichtliches, bz. ein freies unbe- 
schr ä nktes u. w i Id es Etwas bezeich- 
net hat u. dieses Wort ebenso wie heid, hei- 

20 ter etc. ein Abkömmling der y cit (schei- 
nen, leuchten, sichtbar sein, frei, offen u. 
unbedeckt liegen etc.) ist, zu welcher Grd- 
bdtg. die goth. Bedtg. campus od. unbe- 
stelltes u. freies Feld etc. (cf. unter 

25 1 heide) sowohl, als auch die schon alte nd. 
von Wald etc. od. lucus, bz. freies, unbe- 
schränktes, offenes Einlas, od. überhaupt 
das Freie (cf. skr. loka, heller freier Ort, 
freier unbeschränkter Raum etc.) jedcnfcdls 

30 sehr gut u. icohl besser stimmt als die von 
skr. kshetra von der ]/ kshi (sitzen, wohnen 
etc.), zumcd da die Haide loohl schwerlich 
jemals ein sehr verlockender WoJinsits war 
ti. jedenfalls urspr. wohl ein von frei um- 

35 hers c h iv e ife n d e n Nomadenhorden, nicht 
aber von sesshaften Ackerbauern bevöl- 
kertes Feld gewesen ist. 
heien, .s\ hi-jen. 
Heie, Hei', ml. Name; s. Ilayo. 

40 heje, hej', hei', a) Schlag, Stoss , Auf- 
pirall etc., z. B. eines schiveren Schlägels, 
od. eines Bammblocks etc.; du must d'r uog 
iuseu "n dügtitren hej' up dun, of 't net nog 
wat sakktMi wil; — mit f'U hej' sat 't fast; 

45 — b) ein schicerer Schlägel, ein Bamm- 
block, od. auch das ganze Rammgestell incl. 
des Schlägels od. Rammblocks ; gif ml de 
hej' inson her uii lat mi de päl iuson eu up 
de kop gäfen , of hr den net in de grund 

50 geid ; — se sunt mit de hej au de färd, um 
de palen in de grund to hejen. — Afries. 
hei (Schlag, Hau) ; nid. hei (Ramme); mnld. 
(KU.) heye (fistuca; pilum ruidum) ; nhd. 
Grimm, Wb., JF, 813, bz. 770 etc.) heie, 

55 hege, hage (Schlägel) ; mhd. heie, hei ; bai/r. 
hai (dasselbe); Schweiz, huja (Ramme), ne- 
ben den Verben : huja n. heija (rammen). 
Ausserdem auch (ni.) heier, haiier, haier, 
hoyer (trnsorium). Vergl. weiter: 

60 hejoii, heen, heien, rammen, flauen, 



HEJEN HEEN 59 HEIKE HEIK' 

schlagen, stossen etc. ; he hejd de palen in (fcn, ohschon es mir scheint , dass hayr. 

de grund; — de grund mut erst htgd wor- (Seh vi., II, 128) haien, h:u, haier, hoyor 

den (gerammt, hz. mit eingerammten Pfäh- (trusorium, fistiica) u. gehai (Weg od. 

len verschen u. fundavientirt werden), er 't Cagung von eingeranuiden Pfählen) auch wohl 

fundaraent legd worden kan; — he hejde 5 zu hauen gehören könnte, zu welchem luV 

(hejete, rammte, bz. stiess, schlug etc.) de Jen u. heje jedenfalls begrifflich doch bes- 

päl so fast, dat gm tein perde hum d'r wör ser stimmt als zu heien (vexiren), od. wie 

üttrekken künden. — Nid. heijen; mnld. Diez meint zu mnld. hijgheü. 

heijen , hijen (fistucare, fistuca adigere; heien, s. heuen. 

subagitare) ; mfläm. heyen, hyen (dasselbe). 10 heifeltje, lieiifeltje, heifelke (Dimin. von 

Vergl. dazu (s. Grimm, Wb., IV, 813 un- nhd. Haufe, bz. dem Stamm Häufet von 

ter 2 heien) schwäb. heien, huien, hegen, häufeln), Häufchen, kleiner Haufe; wi wil- 

neben geheien u. keien (schlagen, loerfen) ; len de knikkers up heifeltjes setten un se 

tirol. heien u. geheien u. keien (werfen, fal- mit de törnscheter umsmiten ; — (fig.) ein 

len lassen); hess. (Vilmar) heien, geheien, 15 Idcines Menschenkind; 't is man so 'u hei- 

geheigen (plagen, vexiren, ärgern etc., bz. f'eltje.^ 

urspr. : schlagen, hauen). Was zunächst hßiiö? *'• 6 hei. 

unser hejen , ' bz. nid. heijen (rammen etc.) heike, lieik', haike, hoike u. auch hokke, 
betrifft, so ist dies wohl von heje, hej' (Stoss, hok', Mantel, Ueberwurf, Begenkleid, Schä- 
Schlag; Schlägel, Bamme etc.) loeitergebil- 20 fermantel ; Redensart: de heiken up beide 
det , wie desgl. auch wohl nhd. heien schulders dragen; — de heik' na de wind 
(schlagen), während es mir scheint , dass hangen; — Cowpos. wind-heike; (fig.) Wind- 
die oberd. Verba: heien, huien, hegen (schla- beutel. — Afries. hokka u. lioythia (rect. 
gen, weifen), bz. hess. heien (vexiren) u. hoykia oc7. hoychia, lioichia) ; nd. (Schütze, 
mnld. hijen (molestare, vexare) , mnd. (S c h. 25 I) ä h n e r t, S c h a m b a c h etc.) heuke, hoike, 
u. L.) beigen, higen, hieu (zerren, höhnen heike, hocke; mnd. (S eh. u. L.) hoike, heike, 
etc.) nicht von dem Subst. heie, sondern aus büke, hoke; nid. huik; 7nnld.huycku. hocke; 
älterer Quelle stammen. Vergleicht man engl. hake. Daran (Die z, II, 335) : af ranz, 
nun aber die unter heje erwähnte Form: hoche (langes Gewand), während Diefen- 
hege, bz. dass so sehr oft der Stamm hage, 30 bach das mdartl. franz. huque u. sächs. 
hege zu hai, hei contrahirt wird, sotvie fer- büke zu kgmr. hug stellt. Es gehört mit 
ner, dass unser hikkeu neben: schlucken, hök, büke, hokke, buken (= nid. buiken, 
schluchzen, bz. krampfhaft hörbar weinen, nhd. hocken) etc. zur )/ kuk, bz. skr. 
od. aufstossen (cf. snikkon, snukken, snuk- kug, kung, od. kuc, kunc, wovon kuksli, kuks 
kern u. snuk-up = engl, bick-up) auch die 35 (cf. taksh, taks aus tak, tag u. bbaksh aus 
Bedtg.: stossen, schlagen etc. hat, so wäre bhag) eine Weiterbildung ist u. welche nach 
es auch wohl möglich, dass fries., nid. he- Fick eine Ablautform von kak (cf. I, 3G) 
Jen, heijen, hijen (stossen, schlagen etc.) aus sein soll, die er auch für h^ge (Umzäunung, 
mnld. hijghen (anbelare, bippacare, animam Hecke etc , cf. unter hage, bäge, hagen, hä- 
celeriter ducere etc. , cf. higen) entstehen 40 gen etc. u. auch unter hake) , bz. ahd. bag 
konnte, loovon (cf. higen in der Bedtg.: hef- ansetzt u. wobei ich wegen des auslautenden 
tig verlangen u trachten, od. streben nach) g u. k, bz. des inlautenden g u. k auch 
Diez (II, 334) afranz. hie (Gewalt, Nach- auf bugen, buk, bukken etc. verweise. Ver- 
druck), engl, hie (Eile etc.) ableitet u. wo- gleicht man nun aber bei Grassmann y 
mit er auch ags. bige, hyge (Eifer, od. ei- 45 kug (umschliessen, umfassen), köga (Fass, 
gentlich: mens, animus etc., da es mit afries. Kufe, Behälter, Kasten etc.), köstha (Ein- 
hei; ahd. bugu, Sinn, Geist; Andenken; getceide, Wanst), kaksi (Bauch etc.), bz. bei 
aflfectus, Freude; goth. hugs etc. identisch Bopp die Wurzehi kuk (capere, sumere), 
ist ti. mit böge etc. zu bugen gehört) für kuc (impedire, includere, conjungere; iu- 
verwandt hält u. tvovon er meint, dass da- 50 flexum esse), kuc (curvare, inflectere), sowie 
von auch nfranz. hie (Ramme), hier (ram- die Wörter: kuca (mama), kuks'i (venter, 
men) abstammen könnte. Wahrscheinlicher Uterus) etc., bz. bei Benf ey : kuk (to take), 
scheint es mir jedoch, dass unser heje, hej', kuksbi (tbe belly; cavity; caveru; bay etc.), 
hei (Schlag, Stoss; Schlägel, Ramme) u. he- kuj (to be crooked etc.) kuch, kurich (to 
Jen etc. vom afries. hei (Schlag etc.) ab- 55 straiten ; to bend ; to crisp ; to souud high ; 
stammt, was ebenso tvie unser bei, heu (Heu) to be crooked etc.) etc. u. bei Justi: cuf;ra 
zu hauen gehört, tvährend die obigen nhd., (Winkel, Ecke etc. = nnserni hök), kushi 
bz. oberd. Formen heien, huien, hegen (schla- (Bauch, Höhle) etc., so scheint es mir, als 
gen etc.) ivohl mit mnld. hijen (molestare) ob für die Wurzeln kak, kuk zunächst die 
aus einer u. derselben Quelle stanDuen mö- 60 Bedtg.: gr eifeii , fassen, nehmen, 



HEIKEL 



60 



HEIL-BUT 



halten etc. als urspr. atuiowlimcn sei it. 
(lass .''ich hieraus die ro)i : binden, svhlics- 
sen, ein- u. umschlie.'^scn (sichern, schUI::en, 
bergen etc.), von allen Seiten durch einen 
Kreis od. Hing, W(dl etc. umgehen, u. so 
auch die von: rundlich od. mit einer Krüm- 
mung, einem Bogen, Gcirölbe etc. ein- u. 
umfassen etc. entwickelt hat, wobei daini 
hieraus weder auch die von : biegen u. 
krümmen etc., sowie ans: rundlich erhaben 
etc. auch die von: Anhöhe, Hügel etc., od. 
der liegriff: erhaben , hoch etc. entstand, 
wie auch Fick das ahd. Loh (cf. hög) 
d.uu ,vfW//. 

heikel; /. q. 4 häkel. 

Heiko, od. Haiko, ml. Name. Gei^chln. 
Ik'ikrii, llcikcus, Iltikena, b~. llaikcn, Hay- 
ki'ii etc. Wohl Koseform von ilayo, Ilrio, 
Heip. Vergl. indessen Förstemanu un- 
ter Hall. 

hci-krasjp, zornig, ivild, wüthcnd, aufge- 
regt, ausser sich etc.; liö was gaiis lieikräsje 
im hol not to tüssen. — Xach dem Br. n d. 
Wb. (II, 613) bezeichnet lieikrasie od. hei- 
kraasje ein jauchzendes Lärmen a. 
auch einen lustigen ausgelassenen 
Menschen u. soll es von der Interj. der 
Freude hei (s. 1 lioi) u. kuraasje (Courage) 
zusammengesetzt sein. Vergl. indessen auch 
afries. hei = ags. higc , liyge ; ahd. liugu 
(mens, animiis; affoctus etc., s. unter hejen) 
u. zu krasie etc. auch mnd. kraecz (Wider- 
rede, od. Geschrei'^ in „siiiuler kraecz und 
weddeircden", was nach Seh. u. L. [II, 
.'iö'Jj mit kratz [Kratz, von kratzen] iden- 
tisch sein .soll, mir indessen eher mit Krächz 
in Ge k r ä c h z e, bz. k r ächz c n [ags. crä- 
cetten etc ] connex zu sein scheint), od. auch 
mnd. krät (Schrei) kraten, kratelon (schreien, 
krähen, wiehern), was sich wohl von ahd. 
cliräjan (krähen, cf. krcien) ableitet u. wo- 
nach denn lieikrasie od. lieikräsje (mag nun 
liei die Interj. hei, od. wie afries. hei aus 
hige entstanden sein) nicht = fr eudige 
od. laute Co u r a g e, sondern = fr e u- 
diges u. lautes od. an i mir t es Ge- 
schrei sein würde. 

hei' knräsje, hei* krasje, gewähnlichcr 
fragender u. herausfordernder Zuruf eines 
streitsüchtigen od. zornigen JMcnsclicn an 
die gegnerische Barth ei n. ivörtl.: habt 
ihr Courage; hei' krasje? den kfimd 
man her, den wilKn wi insen sön, wel bäs 
Word. 

licil, Heil, Gesundheit, Wohl, Wohlsein, 
Glück, Segen, Frlösung, Bettung etc.; heil 
dl, dat du dat net däii hest; — he drunk 
up sin heil ; — f'oi heil im glük , od. segeii 
in 't neje jär; — Iie si'>cht sin heil l»i (iod, 
od. in de tiücht; — ik se gi-n heil mür für 



luiin ; -- dat is diu heil, dat du kamst; — 
wen du nii iiet hürou wilt, den must du sül- 
feu diu heil fersüken ; — as he ferlägeu 
was, do kwani he, um sin heil hi nii to fer- 
5 söken ; — he lied sin heil bi hör feisöcht, 
man 't wul hum bi hör iiet lükkea un he 
hed sük blüt 'n pAr blaue schiuien häld. — 
Nd., mnd. heil; nid. heil; )«/(/</. lieyl ; ahd., 
mhd. heil (Gesundheit ; Glück; Bettung) n. 

10 ahd. hedi, liaili, ludi; amhd. heile; as. hell 
(sanitas, salus; salvatin). Fs bezeichnet den 
heil- od. gesund- Zustand , bz. den Zu- 
stand od. das Sein von heil od. ges u n d 
(d. h. ganz, unverletzt, unverivundet u. un- 

15 versehrt, nicht caput etc.) etc. u. ist heil das 
substantivirte Adj. heil (cf. hei) , tvährend 
heili mit don Suffix i in der Bedtg. : Sein 
od. Zustand etc., ebenso wie heilig, heil- 
sam, bz. heisam u. lielen etc. davon loei- 

20 tcrgebildet sind. Wie salus bezeichnete 
daher auch heil urspr. nur einen körper- 
lich od. sinnl. unverletzten Zustand u. da 
sowohl salig (selig), als die Fndung sal 
in Trübsal, Schicksal etc., bz. selig in 

25 trübselig, loeinselig etc. mit sal in salus, sal- 
vus etc. identisch ist, so erklärt sich hieraus 
auch, weshalb das Wo7-t salig od. selig 
(sei es für sich allein, od. als Fndung, bz. 
als Suffix) dieselbe (rrdbdtg. hat ivie hei- 

30 lig (cf. auch hillig, hilg), obschon wir die- 
ses Letztere allerdings nicht in derselben 
Bedtg. wie selig in trübselig, weiiiseUg 
etc. gebrauchen, bz. als Suffix den Stämmen 
in ähnlicher Weise anhängen, wie selig. 

35 Weiteres vergl. unter hei, helen etc. 

heilaiul, Heiland (Christus), Frlöscr, Fr- 
retter, Freiiiiachcr von Sünde u. Schuld; 
och du min lefe heilaiul, ferbarme di afer 
uns ; — de lefe heilaud mag jo 't wer se- 

40 genon ; — wat hod de lefe heiland net all' 
f()r uns dän. — Ahd. heilant, helant; mhd. 
lu'ilant, lu'ilent: as. heljand, hrleand, h("'land; 
ags. haeland, helend ; haelynd. heilant etc. 
= salvator ist das substaidioirte Bartic. 

45 präs. von heilan, bz. helen in der abstracten 
Bedtg. salvare. Die Gothcn dagegen über- 
setzen in gleicher Weise das griech. söter 
(Better, Befreier, bz. Christus) mit nasjands, 
dem Bartic. ^j;v/.s. von nasjaii (retten) = 

50 ahd. nerjan (heilen etc.), was vom Bräter. 
nas von nisan = ahd. nüsaii in ganisan (ge- 
nesen etc.) weitergebildet ist. 

heil-biit, Heilbutt (pleuronectus, liippo- 
glossus). — Mßäm. heyl-, helbot ; nid lioil- 

55 bot; nd. (B r.' Wb.) hcilbutto; dän. liellc- 
but, auch holletlynder u. norw. hellefisk ge- 
nannt; engl, liallibut, haliliut. Bezieht sich 
die Vorsglbe auf hrl (heil, ganz etc.), bz. 
engl, hail, hale in der Bedtg. „stark", so- 

GO dass er ivegen seiner Grösse (er ist der 



ÄElLlG 



61 



HEISTERN 



grösstc u. schioerste von allen Butten) der 
ganze (heile) od. starke (vergl. unter 
hei a«c/i die Redensart: lie is 'u lu'len [gan- 
zen, tüchtigen, derben, starken] kerel, od. 
't is wat lu'ls) Butt genannt lourdei' Oder 5 
ist heil, bz. hail, hei, lial identisch mit dein., 
schwed. hal (glatt, schlüpfrig), an. hall; 
mnld. hei (dasselbe) , was bekanntlich mit 
ahd. häli, häle; mhd. haele, häl (verhohlen, 
verborgen; heimlich schleifend u. schlüpfend ; 10 
schlüpfrig, glatt) zu hehlen (s. unter hal) 
gehört u. ivonach denn der Heilbutt sei- 
nen Namen daher haben konnte, dass er 
nicht rauh, od, nicht steinigt (wie der 
Steinbutt) ist? 15 

heilig (saiictus), heilig, selig etc., bz. un- 
verletzlich, unverbrüchlich, fest etc. ; de hei- 
lige gest; — 't heilige laiul; — de heilige 
schritt ; — he kan iiich heilig worden ; — 
diu Word raut di heilig wäsen ; — ik kau 20 
dl heilig fer&äkern, dat dat war is. — Nd. 
heilig; nid. heilig; afries. helech, helich, 
heilich, helch, hilch (cf. hillig, hilg); nfries. 
hallig, hellig, hillig; sr(i/. hillig; a/uZ. heilag, 
heilac, helac, heileg, heilig ; mhd. heilec, hei- 25 
lic ; md. hillig ; as. helag , einzeln auch : 
heleg, bälag, halog; ags. häleg, liälig. In 
diesem Worte hat sich die sinnl. Bedtg. des 
Stammwortes heil (cf. hei) loohl am meisten 
verwischt. 30 

lieiligdöin, Heiligthum; in 't heiligdöm 
gän ; — dat mut di 'n heiligdöm wäsen. 

heilige, Heilige; de lefe heiligen mögen 
uns helpen ; — he hörd to de heiligen. 

heiligheid, Heiligkeit. 35 

heillös, heillos, gottlos, fürchterlich etc.; 
dat is 'n heillosen kerel ; — dat geid d'r 
heillos her ; — he gung heillös to ker ; — 'n 
heillosen wind. 

heimät, Heimath. Zu 1 hem. 40 

heim-söken, hemsölteii, heimsuchen, zu 
Hause suchen od. besuchen; he hed hum 
heimsöcht. — Zu 2 hem = ahd. heimi; 
afries. hem. 

hein, Hof? — od. Ansiedlang, Verbleib- 45 
Stätte, Wohnung etc. ? — od. Hain = ge- 
hegtes Gehölz, Gehege etc.? — in den lie- 
densart. : d'r steid gen hi'is of hein ; — d'r is 
gen hüs of hein to sen, tvofür wir auch sa- 
gen: d'r steid gen hüs of hof. Da hof be- 50 
kanntlich die Bedtg : eingeliegtes, eingefrie- 
digtes, umschlossenes Etwas hat, od. auch 
einen timschliessenden King bezeichnet (cf. 
appel-hof, Apfelgarten, — hof um de man 
etc.), so ist es mir fraglich , ob hein wie 55 
nhd. Hain ein Contract. «;o?i hageu, hegen 
= md. hagin , mhd. hagen u. demnach mit 
hein od. hegen e in den Orts- u. Bachnamen 
heinbah, hegenebahe (cf. bei Förstemann) 
u. hein im mnd. hein-holt = hege-holt (cf. 60 



bei Seh. u. L. unter hege-holt) identisch 
ist, bz. mit dem folgenden Vbm. heinen zum 
Stamm hag (cf. 1 häge etc.) gehört, od. viel- 
leicht eine Nebenform von heim , bz. hem 
ist, wofür KU. sein mnld. heyn hält. Ver- 
gleicht man indessen, dass mnld. haeghe, 
bz. mnd. hage, hege (s. unter 1 häge) ne- 
ben sepes etc. auch die Bedtg. domus od. 
Wohnung (cf. auch unter gärden u. tun) 
]uit, so schei)it es mir , dass sowohl unser 
hein als das mnld. heyn (sepes, septum etc.) 
ti. mfläm. heyn (Hof, Hof statte , bz. closture 
autour les niaisons , bois ou champs) trotz 
der dort erfahrenen Identificirung mit heym 
(Heim) mit nhd. Hain od. Hein von 
Hause aus identisch u. wie dieses aus ha- 
gan, bz. hagene , hogene (cf. auch afries. 
heyl = hagel, — ueil ^ nagel etc.) con- 
trahirt sind u. dass neben diesem richti- 
gen heyn im mnld. u. mfläm. auch die 
Form heyin für heyn vorkam, wie bekannt- 
lich auch das „m" in kim (Keim) , kimen 
(keimen etc., cf. kiiien) u. in ahd. scimo 
(Schein etc.) für urspr. „n" steht. 

Hein, ml. Name (Hein Weers). Geschln. 
Heine, Heinen. Wegen dieses Namens als 
Verstümmehmg von Heinrich (cf. Heini u. 
Heink), bz. auch wegen Hein in der Bedtg. 
„Tod" (friind hein) vergl. Grimm, Wb., 
u)iter Hein u. Weiteres unter heunekled. 

heinen, zäunen, ein- od. befriedigen, bz. 
mit einem hein, od. häge (Zaun, Hecke) um- 
geben u. einschliessen od. gürten; umhei- 
nen (umzäunen, umschliessen , umgürten, 
umfriedigen etc.) — Nid. heineu ; mnd. he- 
genen, heinen etc., cf. hägen. 

Ueini, Koseform von Heinrich. 

Heink, ml. Name u. zwar Contract. aus 
Heinrich, bz. Heinrik, Heurik, cf. Hinnerk. 

1. heister, s. bester, bester. 

2. heister, od. hester, ein böses zänki- 
sches Weib, Xantippe. Es berüJtrt sich be- 
grifflich sehr nahe mit häkster, bz. äkster 
(Elster) im flg. Sinn u. wird demnach auch 
toohl mit mnd. heister, hegester (cf. Seh. 
u. L.) identisch sein. Möglicherweise je- 
doch kann es auch loie das folgende hei- 
stern zu haest, haist, heist (erregt, aufbrau- 
send, hitzig, zornig etc.) gehören ; cf. 1 hast. 

heistei'n ; i. q. beistern, feisteru etc. — 
Mit wfries. (Jap ix) heysterjen (jagen, trei- 
ben, antreiben, fort- , aus- etc.; sehr hastig 
u. eilig sein, rennen etc.) n. auclt wohl mit 
dem nid. heistern in ontlieistern (aus dem 
Concept kommen od. bringen, sich od. Je- 
manden entsetzen, verstören [ontheistert en 
ontroert, entsetzt u. verstört etc., cf. ferbi- 
stern, ferbisterd], quälen, plagen, martern, 
verwüsten, berauben etc.) ivohl von haest, 
heist (hastig erregt etc., cf. 1 hast), bz, ein 



HEIT 



62 



HEKSE HEKS 



Freq. von hacsten (fostinaro etc.). </. auch 
>uL (Er. ^yh.) hoister-beister (über J Iah u. 
Kopf, in Eile), heistcr-bcisteru (in unor- 
dentlicher Eile etwas thun o'l. über hin 
fahren). 5 

lu'it, .>-■. hoid. 

licitt', Vater. — Mofries. (Cad. Mül- 
ler) hoite; afrien. heitlia etc., cf. Weiteres 
unter 1 h. 2 atte, wonach heite icohl für 
cito, b-. ette, üte steht. 10 

lleite, llcit, »//. Name. Geschln. Ileits. 
— Wie der Xanie Atto, Atte mit atte, ette 
(Vater), so auch wohl dieser mit heite conne.i\ 

heiter, heiter, fröhlich, lustig etc. ; dat 
geid d'r heiter her; — dat sägt d'r lieiter 15 
(lusti(f, schiin etc. u. sowie niöjo auch oft 
in s a r k a s tische r Weise gebraucht) üt. 
Dieses Wort = ahd. heitar, lieiter; whd. 
heiter; as. hedar; ags. hädor; an. heidhr; 
mßäin., mnld. heyder ist Weiterbildung von 20 
lu'id, heit (cf. heid) in der Bedtg. : Schein, 
Glanz etc., bz. mit diesem der ]/ clt od. 
skit (glänzen etc.) entsjjrosscn. 

lieitern, heiter, fröhlich u. lustig tnachen ; 
dat heiterd hum iiog wer wat up. 25 

hek, Hecli-, Einfriedigung od. Zaun von 
Latten od. Flanken , Verschluss , Schlag- 
baum, Gitter, Gitterwand, Gitterpfurtc etc.; 
du iiiust dat hek digt dün ; — d'r inut 'n 
hek um to mäkd worden , dat de deren d'r 30 
UL't ütlOpoii kihicn; — du miist de hekken 
für un agter in de wagen setten ; — Re- 
densart: afer hek kamen = at'er stur ka- 
men (durch Xachlässigkeit verloren gehen 
u. umkommen) ; d'r dürd niks at'er liek ka- 35 
men; — Sprichw.: wen 't hek fan de dam 
is, den löpen de sc]iai)en aferal. — Avch 
der SpiCjCl od. eigentlich der obere, üusserste 
Hintertheil eines Schiffes vom Heckbalken 
bis zum Heckbord ivird liek genannt. — 40 
J^[it häge u. nhd. Hecke zu hag, cf. 1 häge. 

hek-balke (Nautik), der Hauptqucrbalken, 
tcelcher am obern l'heil des Achterstevens 
die beiden Hauptthtile des Achterschiffs 
scheidet, nämlich den iintern, od. den ei- 45 
gentlichen Spiegel u. den obern od. das 
Heck. 

hek-bord, der Bord, od. Band des Hecks 
Oll. oberer, äusscrster Hintertheil eines Schiffs. 

hekel. hekeln etc., s. häkel etc. 50 

hckse, heks, He.re, Zauberin, böses, über- 
all Verderben u. Unheil anrichtendes Weib, 
böse Sieben etc., od. auch (namentlich auf 
junge Mädchen angewandt) : eine sehr kluge, 
scharfe, gewandte, behende Person ; dat is 55 
'ii heks, od. töfcrske; — d'r lied gewis 'n 
heks wat an dat kind dän, dat dat net greien 
of di'jen wil; — 't is so 'n regten olden 
heks (od. satan etc.) tan 'n wif; — de lütje 
heks de krigt eo herum, er man 't wet, 60 



Sprichw.: wen de si'unv schind un 't rägent, 
den bakken de lieksen pannkök , od. den is 
in de heUe hogtid , — od. ivie der Wan- 
gerooger sagt : won de sun schint un 't riut, 
den is d'r lielgedi (hilgedag, Festtag etc.) in 
de liil ; — steid de karii not Stil un 't iiet 
schitlen un bottern wil, den hebben de liek- 
sen de band in 't spil; — tüsken de Ry- 
suminer un de Wirdummer toren hebben de 
heksen 'n line schüren. — Ahd. hagazussa, 
liagazissa, hagazus, contrahirt u. gekürzt: 
häzisa, häzissa, hazessa, häzus, liäzes, häz- 
1ms; mhd. hegxse, hexse, liecse, hacche, 
hacke u. hächel ; ags. hiigtesse , hegtisse, 
hägesse, hägtes, hägtis, liäges ; engl, hag ; 
mnld., nid., nd. etc. heckse od. hexe ; wfries. 
hickse od. hixse. Ueber die Entstehung u. 
Erklärung dieses Wortes (cf. Grimm, 
Mi/th. 992, der auch eine mnld. Form: 
hagetisse, haghedisse aufführt, — H. Leo, 
ags. Glossar, 5S0 unter hägesse etc.) sind 
die Ansichten verschieden u. weit auseinan- 
der gehend. Wenn es indessen richtig ist, 
dass neben ahd. haga-zussa, -zissa, -zessa «, 
ags. hägtesse etc. auch ein mnld. hagetisse 
bestand u. diesemnach auch ein as. haga- 
tessa etc. angenommen werden muss, so ist 
es wohl zweifellos, dass der erste Theil haga, 
häg mit ahd. hag, ags. häg etc., Hag, Ein- 
hegung, Umzäunung ; dichtes Gebüsch; ein- 
gezäunter Wald, Bark; eingezäuntes Feld 
od. Grundstück, Weide etc. (cf. a?id. haga- 
stalt ; ags. hagu-, häg-steald ; as. haga-stald 
= Besitzer eines kleinen umzäunten Grund- 
stücks, mercenarius, Tagelöhner, Knecht etc., 
bz. Hintersasse , Köthner etc., der auf ein 
hag gestellt od. gesetzt loar vom eigent- 
lichen Grundbesitzer od. (irundherrn u. des- 
halb diesem dafür auch dienen u. fröhnen 
musste, daneben als Knecht u. Unfreier 
auch wohl ledig blieb u. Hagestolz [die- 
ses Wort ist nämlich urspr. dasselbe] war) 
zusammenhängt, wie auch M. Heyne (cf. 
Grimm, Wb., unter Hexe) atinimmt. Den 
zweiten Theil, bz. das Suffix zussa, zissa, 
zessa, bz. tesse, tisse betr., so hält etc. Heyne 
es verwandt mit ags. tesu, teosu (damnum, 
interitus, contentio, praejudicium), was mit 
ags. taesan (vellicare), taesel (dipsacus), taes 
(afflictio) , tesvian (in Nachtheil bringen, 
schädigen, verderben), bz. ahd. zeisan (vel- 
licare, zausen, zupfen, rupfen, reissen), zei- 
sala (Distel, Carduus, vergl. nhd. Karde, 
Kardätsche), nhd. Zeisel in Z eiscl-Bär 
(Zottel-Bär) etc., bz. unser m tas, tasse, tast 
(zascriges, faseriges Etwas) ii. nhd. Zaser 
(Faser), zasern (fasern), sowie weiter mit 
nhd. zausen u. unserm tüsen (zausen, 
reissen, zupfen etc.) tust (Zotte, Büschel, 
z. B. Haar, Traube, Aepfel etc., cf. das 



HEKSEN 63 IIEL 

alte nhd. Zasel = Blüthenkätzchen, lang- heksen - spej' , die speichelartige Abson- 

gcstielte Traube mit tvenig Beeren, od. Blü- derung der Aphrophora spumaria, aucJi. ku- 

then «. Frucht. Traube), tiisterig (zottig, kiik-sprj (Kuluksspi'ichd) genannt, 

ivild, loirr ; sti'<rmiseh, unruhig, selir bewegt lieksere, Hexerei, Zauberei etc.; däi- is 

etc.), tiisen (ivirbeln, atilrmoi, brause u , bz. 5 gcwis lieksere bi in 't spil. 

unruhig u. sehr bewegt sein , od. heftig be- hei, heil, ganz etc. ; ilat gat (Loch, Spalt, 

ivegen etc.) etc. u. auch wohl alul. zessa Biss, Wunde etc.) is wer hei (heil, ganz, 

(aestus maris), ziissön (brausen, sich brau- geschlossen, dicht etc.); — 't glas ful up de 

send bewegen), zussa (lodix, stragulum, bz. gruiid un biet' dog hei; — 't göd is all' hei 

ein rauhes, saseriges, zottiges, haariges, tvol- 10 bläfen uu d'r is niks fan stükkeu (kaput) 

liges Etwas, od. urspr. ein zottiges Fell, g^n ; — he is sund un hei (heil, unverletzt 

Bärenfell etc.) etc. zu einem germ. Stammvbm. etc.) wer kamen; — he is d'r nog net äfen 

tisan, tas, tusun (davon: tasan, bz. ags. te- mit de hele hiid fan kamen; — d'r is gen 

san, alul. zesan, neben goth. [teisan] u. [tai- ea helen stä' (Stelle) an de ganse rok mer 

San], bz. mit Uebergang von „s" in „r" auch 15 to finden; — de hele (gcuize, totale) appel 

wohl: ahd. zeran; as. teran; goth. tairan is ferröttd; — 't hele geselskup kwam to 

[spalten, reissen, auseinander gehen , auflö- ben ; — he hed 'n helen budel (eine ganze, 

sen, zerstören, zerreissen etc.] u. mhd. ze- od. grosse Menge) geld nalaten ; — wen ik 

reu [zehren, schwinden etc., cf. 1 tären, te- dat hüs net hei allen bewanen kan, den wil 

ren] etc.) gehört. Zu der dafür anzusetzenden 20 ik 't ök net hüreu ; — de hele büdel ia an 

gei-m. y tas vergl. skr. dasyu (hostis etc., de dönner gän; — ^t y/ord Ml (ganz, vollstän- 

Feind, feindlicher Dämon, Verderber, Ver- dig etc.) dül un mal in de weit ; — hei möi 

wüster , Quälgeist etc. , od. a ruffian thief (vorzüglich od. sehr schön) ; — dat kumd 

etc.) däsä (Unhold, Barbar etc.), bz. die y d'r hei genau up an; — dat kumd mi d"r 

das (verschmachten; verschmachten machen, 25 hei un dal (ganz u. gar) net up an; — -hei 

erschöpfen, entkräften, ermüden, schwinden sachtjes (ganz, od. sehr sachte) ; — d'r is 

«. sterben, od. wegzehren etc. machen) u. hei gen (gar kein) minsk west; — ik hebb' 

das (anfeinden, od. laedere, ferire), die 't hei net sen. cf. 1 u. 2 gehel. — Nd., 

Bopp auch mit daiis, daüs (mordere, bz. mnd., nid., mnld., afries., wfries., satl., as. 

beissen, spalten, schneiden etc., cf. y bhid 30 heel, bz. hei; nfries. hiel (totus, integer, 

unter biten) vergleicht, wobei man indessen sanus) ; as. hei; ags. häl; engl, hail; an. 

auch annehmen kann, dass die y daüs, das heill, od. heil; norw. heil; schwed. hei; dän. 

urspr. die Bedtg. : glänzen, scheinen, flam- heel; ahd. hfil, hail; mhd. heil; gotJi. hails 

men, brennen, dörren, sengen u. so ausdör- (dasselbe). Dieses Wort, dessen sinnl. Be- 

ren, austrocknen, dürsten, verschmachten, 35 dtg. doch gewiss die von ganz od. unge- 

umkommen, sterben etc. (cf. dörst, dörsten) trennt, in sich eins u. geschlossen etc. ist 

hatte u. dass sich auch die Bedtg. : erleuch- u. hierin mit ganz (cf. 1 gans) u. mit sa- 

ten u. weise, od. sehend machen, lehren, un- lus, salvus, soUus , bz. dem Stam)n sal von 

terrichten etc. der y daiis, dans , das (cf. salig etc. loohl zweifellos zusammentrifft, 

auch skr. dasmä, glänzend, herrlich, loun- 40 wird gewöhnlich mit griech. kalös (schön); 

derbar etc. bei Grass mann etc. u. bei s/cr. kalya (praeparatus; sanus; diluculum, or- 

Fick, I, 103 y das, dans, der neben skr. tus lucis etc.) von einer begriff Holt nicht 

daiusas, Bath, Weisheit etc. unter andern festgestellten y kar, kal abgeleitet. Ver- 

auch goth. tass, geordnet etc. u. ahd. zeseni gleicht man indessen die Vocale der sämmt- 

ununterbrochen, gerade Linie etc. dazu stellt 45 liehen germ. Formen dieses Wortes zu de- 

u. wonach denn auch ahd. zeso, gerade, nen von heid, het, hem etc., so scheint es 

recht, dexter etc. dieser y angehört) hie- doch sehr fraglich , ob hei , heil etc. mit 

von herleitet, wie es ja überhaupt klar ist, griech. kalös etc. zu derselben ]/ kar , kal 

dass dem obigen ags. iesü^bz. dessen Stamm- (urspr. vielleicht: brennen, flammen, glän- 

vbm. tijsan soioohl als auch dem ahd. zessa 50 zen, scheinen etc. u. so auch: glänzend, 

etc. etc. formell dieselbe y zu Grunde herrlich u. schön od. gut u. wohl sein?, cf. 

liegen muss u. sich aus einem germ. Stamm- lat. caleo etc.) gehört u. man dafür nicht 

vbm. tisan, tas, tusun auch alle obigen germ. besser eine vielleicht aus ki erweiterte y kir 

Wörter formell ableiten lassen. (urspr. möglicherweise ski, bz. skr. gi od. 

heksen, hexen, zaubern, Hexen- od. Zau- 55 skhi, ci, erweitert skir etc.) ansetzen muss. 

herkünste treiben etc.; he kan heksen; — Was nun mich betrifft, so glaube ich diese 

lat is net, as wen 't d'r hen heksd is. — in skhi od. gi (halten, bleiben, tvohnen, ru- 

Afries. hexna, hoxna (behexen). hen etc., od. urspr. wohl: greifen, fassen, 

heksen-mester, Hexenmeister, Zauberer, haben, halten, haften, kleben etc., cf. habito 

Zauberkünstler. 60 von habeo u. auch y rip, lip, greifen, fassen, 



HEL 



64 



fiEL 



haften etc. von ripere ii. lifen in blitou, blci- 
bea etc.) zu finden, wovon unter andern 
auch (juth. hciva m. heims (cf. hilk u. hOin) 
stammen sollen u. zu deren Bedty : halten, 
bleiben, dauern etc., bz. nicht vergehen etc. 
(cf. haltend, fest, dauerhaft, hart u. dicht 
etc.) auch skr. ?ila (saxum, petra, lapis) 
stimmt u. tcovon die } ^il (Aehren lesen, 
sammeln etc., bz. diese greif en, fassen, auf- 
greifen, aufnehmen etc.) icohl ein De- 
nom. sein kann, sofern man annimmt, dass 
Vila die Bedtg. : Haltendes, Haftendes, Blei- 
bendes etc. od. fassend, /laltend , dauernd 
etc. hatte. Da nun aber u\thrscheinl. auch 
für Haupt u. Kopf, bz. ahd. hirni (Ge- 
hirn, od Gehirnschädel) die Grdbdtg.: Ge- 
fäss, Behälter, od. Fassendes etc. 
(cf. h8fd, kop) anzunehmen ist, so loürde 
hiezu auch skr. ^ira, ?iras (Haupt, Kopf) 
stimmen, tcobei es indessen wahrscheinl. ist, 
dass 91 aus älterem ^a entstand ii dass hei, 
liail urspr. die Bedtg.: haltend, dauernd, 
fest (u. so: dicht, fest, gesund, stark, ganz 
etc.) hatte, od. dass sich aus: greifen, fas- 
sen, halten, haften etc. die Bedtg.: heften, 
binden , schliessen etc. entwickelte u. hei 
hieraus ebenso wie g a n 2 (cf. 1 gans in sei- 
tier Witrzel- Verwcoidtschaft mit lut. pre- 
hendo) ■<!ei)ie Bedtg.: totiis, integer etc. er- 
hielt. Wegen der Ableitung des Wortes hei, 
heil von einer ]/ mit der Bedtg. : greifen, 
fa.'<sen, halten etc. u. der Bedtg : Behälter, 
Gefä.'<s, od, Fas.-<cndes etc. von hirni (Hirn, 
Gehirn) u. ?ira, (;iras (Kopf) vergl. auch 
afries. hcli, hele, heila, hui (Gehirn, Schä- 
del : Kopf) ; nfries. (0 utzen) , hcl, heli 
(Gehirn); an., isl. h;'ili (cerebmm) , heil- 
iind (Schädel- Wunde, Schädel-Bruch, — Ver- 
letzung) ; norw. heile (Hirn, Gehirn). 

1. hei, od. helle, hell', hell, bz. hallend, 
tönend, klingend, durchdringend, scharf; 
klar, licht, heiter etc.; 'n hilleii klaug; — 
'u hellen ^temni; — 't wil net hol worden; 
— 'n hellen lücht. Gebräuchlicher ist übri- 
gens heller, holder (s. d). — Nd. (Br. Wb.) 
hell fsonorus; lucidus, clarus) ; mnd. hei 
(clanis, lucidus etc.) ». hei (argulus, sono- 
rus etc.) ; ahd. hol (in gihöi , unliöl , missa- 
hel), tönend, laut; glänzend u. helli /» ga- 
helli. Mit ahd. heihui, hölleii; mhd. hellen 
(ertönen, hallen etc , cf. 1 hälen) u. nhd. 
Hall (Schall etc), hallen zu ahd. halün 
(rufen etc. od. Ton machen etc.), od. besser 
mit diesem zu der unter halen erwähnten 
y kal. 

2. hei, od. helle, hell' (Plur. hellen), 
a) Hölle. Redensart, u. Sprichw : he mäkd 
lium de hei het; — he häld 't für de hcl 
(Hölle, od. Ort wo man Etwas birgt u. 
versteckt':') weg; — h6 schal in de hei 



braunen, dat he swart word; — de de düfel 
to friinde hcd, kau ligt in de hei kamen ; 

— b) Loch, Höhlung, Vertiefung, Sjxdt, 
Graben, Wasserleitung etc.; dat wator hipd 

5 in de hell' längs; — de stads-helleu mutten 
bi strafe fan 10 groscheu binnen 14 dagon 
rein mäkd un üthemmeld worden; — do hei 
achter miu tun steid net under de schau; — 
c) der untere, in der Hegel fensterlose u. 

10 dunkle Baum in den JlaJd- u. Pelde-Müh- 
len , der als Brrgeraum für allerhand Sa- 
chen zum Mühle nbetriebc dient; sett de sak- 
ken man erst under in de hol hen, dat sc 
mau erst bürgen worden; uaderhand küuen 

15 wi se den uptrekken un ua baten brengcn; 

— d) der dunkle Bautn unter dem Werk- 
tische der Schneider (Hölle der Schneider), 
worin die beim Zuschneiden abfallenden 
Tuchrcstc geworfen werden ; is 't geweten 

20 fau de suider wat wid, den hed he ligt 6k 
'n goden hol , wiir he sin juugens 'n büks 
of 'n west üt maken kau ; — e) der dunkle 
Raum vorne im Schiff, wo allerlei Tauwerk 
u. sonstige Sachen aufbewahrt werden, cf. 

25 Bobrik; — t) das Aschen loch u)iter dem 
Herde zum Bergen der Asche, cf. helhäke. 
Zu der Bedtg. sub c), d) vergl. auch hille. 

— Afries hille, helle (Hölle); wfries. helle 
(Hölle); nfries. (0 utzen) hei, helle, hille 

30 (Hölle) u. hei, helle (liefe niedrige Stelle, 
Höhlang, Vertiefung) ; s<dl. hille, od. (cf. 
(Ehr en traut, I, 100) helle; wang. (Eh- 
rentraut, 1, 371) hil ; helg. hei; as liel 
u. helja, hellea, hella, hell (Hölle); mnd. 

35 helle (Hölle; Flatz hinter dem Ofen); nid. 
hei (Hölle; Bergeort von angeJtaltenen Gü- 
tern u. Schiffen ; Kasten für alte od. un- 
brauchbare Schrift etc.); ninld. hei, helle; 
ags. hei, hele, helle, hyle (Hölle); engl hell 

■10 (Hölle; Schneiders-Hölle; Kerker, Hunde- 
loch etc); an. hei (die Todesgöttin ; Todten- 
reich od. Reich der He l, Unterwelt, Hölle) ; 
norw., schwed. hei; ahil. holla; mJid. helle; 
goth. halja (Hölle, Unterwelt). Die Grd- 

45 bdtg. dieses Wortes ist Bergende, Heh- 
lende, bz. Bergeort etc. u. gehört dieses 
Wort zu helan (hcltlen, bergen etc., cf. 2 
hälen), icovon auch ahd., as. haWa; ags. \iea\; 
engl, hall; an hüll etc. (Halle, Saal, Vor- 

50 .saci/, Haus, Zelt etc.) in der Bedtg. „Schutz- 
ort" od. urspr. wohl ,.Rau>a zum Bergen", 
3. hei, od. helle, Hügel, Anhöhe, Erha- 
ltung etc.; dat land sitt fnl hellen un dellen 
(Hügel u 'l'häler, od Höhen u. Vertief un- 

55 gen); — dat geid afer hei un del. — Wang. 
(Ehrentraut, I, 370) hol (Hügel, Düne); 
mnld. (KU) hil, hille (collis). Vergl. mnld. 
(KU) hol, helle (altus, excellens) u. bei 
Fick (III, 7(J) hinter hal (treiben, heben) 

60 das Thema hella /är an. hjaler, hjalli (Berg- 



I 



HELA HOLA 65 HELD 

Strasse), norw. hjall, lijell (in verschiedenen niscli von Jemandem gesagt, der sehr furcht- 
Bedtgn., cf. Iv. Aasen, xcohei man ühri- saui ist u. gleich das Hasenpanier ergreift), 
gens, da an. lijalli «wc/t die Bedtg.: Berg- — Nid. held; mnd. helt, held ; as. helith, 
Terrasse, od. Terrasse, Ahhang etc. liclidh, helid; fl?H/ta'. hellt, helid, helet ; mhd. 
hat, an eine Verwandtschaft mith^Wen, nei- 5 helt; ags. hiiledh, heledh (Held, Matin, jun- 
gen etc. denken kann); ags. hyll, hill; engl. ger Mann). Es tvird sehr oft (cf. Grimm, 
hi\l (Hügel), — hallu, /«/• gofh. halliis (Fels) Wb., unter Held, sowie Weigand etc.) 
die mit: lit. kilnus (hoch, erhaben), kalnas im passiven Sinn von helaa (hehlen, ber- 
(Berg), keliu, kelti (heben), isz-keltas (excel- gen, verhallen etc.) abgeleitet u. so erklärt, 
sus); lat. excello, excellens, celsus , excelsus 10 dass es einen Mann od. Krieger bedeutet 
etc. etc. von einer u. derselben y abstam- der (durch eine Biistung) verhüllt od. 
men. Zu diesem hei vergl. hess. (Vilmar, bedeckt u. geschützt ist u. dass somit 
163) helle, hell, tvas meines Erachtens auch helith urspr. einen g eborg enen , ver- 
die Bedtg. Höhe, Anhöhe etc. hat, so- hüllten, bedeckten u. geschützten 
dass die Bergnamen: 0\ie\]e,Stevahe\le, Burg- 15 Mann u. so einen gerüsteten Krieger 
helle etc. = Ohöh.e, Stern höhe, Burg- bezeichnet habe. Da indessen auch von äl- 
höhe etc. sind u. auch Hellweg hier u. in testen Zeiten her dieses Wort ausschliess- 
sonstigen gebirgigen Gegenden Deutschlands lieh einen kühnen, tapf ern u. furcht- 
nicht einen Todtemoeg, od. Weg zur\\Q\\Q losen 3Iann bezeichnete, bz. einen Jemand, 
in der Bedtg. Hölle od. Schattenreich, 20 od. ein Wesen etc. der od. was deckt, 
sondern einen Höhemoeg, Weg über die schützt u. verthei digt od. Berge, 
Anhöhen u. Berge bedeutet, während das Schutz u. Sicherheit giebt, so glaube 
an. helveg (cf. Grimm, Myth,, 762 u. Holtz- ich eher, dass man dieses Wort im activen 
mann, Myth., 85, S7, 115, 186) dagegen den Sinn nehmen muss u. dass es daher entive- 
Weg zur Hei (die bergende Todesgöttin) be- 25 der aus der dritten Person Präs. helith, hä- 
zeichnet. Dies stimmt auch dazu, dass in ledh von helan ('= [er, od. es] birgt, deckt, 
Westfalen so viele Heerwege den Namen schützt, sichert) substantivirt ist u. sonach 
Hellweg führen, xveil diese über die Hö- den Er bezeichnet, der birgt u. schützt, 
hen gingen u. durchaus keine Todtenwege oder es ist vielleicht wie j8gd (= as. ju- 
waren u. also dieses Wort, soweit es in dem 30 guth ; ags. geögodh ; ahd. jugund , jugent), 
nordwestlichen Deutschland vorkömmt iveder d8gd (= afries. duged ; ags. dugudh , du- 
mit helle (Hölle, od. Unterwelt) noch (icie geth ; an. dygdh ; ahd. tugid, tuged, tugund, 
V Um ar meint) mit \\q\\ (hell, licht, klar etc.) tugiud etc.) etc., sowie icohl auch: as. he- 
etwas zu schaffen hat, noch auch mit hellen, lith ; ags. häledh ; an. huliz, hulins, bz. hu- 
heldeii (sich neigen etc., cf. 2 hellen), ivovon 35 lit; ahd. helöt, helaut in helith-, häledh-, 
Adelung den Namen Hellweg ableitet. \i\\\'\z-,\iG\Qi-,\\it\Ani-\xe\m. (bergender, decken- 
Vergl. dieserhalb auch bei Seh. u. L, das der,schützender, unsichtbar machender Helm) 
mnd. hei-, helle-, hilewech, wo es auch für von Hause aus ein Contractum des Partie, 
unstatthaft erklärt ivird, dass dieses Wort mit preis, heland, helind, heleud (hehlend, ber- 
dem nod-, od. doden-weg identificirt wird, 40 gend, schützend etc) von helan, was tvie 
da es eben nur die grosse allgemeine hei\3ind substantivirt wurde u. demnach einen 
Heerstrasse bezeichnet, die ja bekannt- Jemand bezeichnete, der barg, deckte u. 
lieh früher überall mir auf den Höhenzügen schützte etc., wie ja ein richtiger Held 
der Berge u. Thäler (in den norddeutschen u. Manu dies thut. — Vergleicht man 
Ebenen auf den Sandrücken zwischen den Moo- 45 übrigens das Subst.: ags. häle; an. halr; 
ren u. Sümpfen, tangen genannt) sich hinzog. goth. hals (Mann., vir), so könnte man auch 

helä, hohl, Ausruf mit der Bedtg.: halt annehmen, dass ags. häledh urspr. die Be- 

u. auch als Warnungsruf od. als Buf, um dtg. : mannhaft etc. halte u. mittelst des 

Aufmerksamkeit zu erregen gebraucht ; holä! Suffixes „edh" etc. von häle etc. abgeleitet 

hold lasen, mi is wat wegfalleu ; — helä! 50 wäre, wo es dann urspr. einen Mannhaf- 

(od. holä!) fall' net; — holä! dar was 'k tenu. Tapferen, bz. einen Held im wah- 

itold fallen. — Vergl. ivfries. (Jap ix) ren Sinne des Wortes bezeichnethabemvürde. 

hilla; nfries. (Outzen) hilla, hille u. nhd. Nach Fick (III, 69) gehört übrigens auch 

holla; franz. holä; ital. oVdetc.u. Weiteres häle, halr, hals (Mann) ebenso tvie häledh 

unter eala u. 1 ho etc. 55 (bergend, schützend etc.) ti. häledh (Held) 

hel-bär, heilbar. zu helan , hal (bergen , schützen etc.) u. 

held, Held, kühner tapfrer Mann, od. scheint demyiach auch häle, da es ivohl vom 

überhaupt: Kerl, Mann, bz. vir. — he is 'n Präter. hal (barg, schützte) gebildet ist, urspr. 

gausen held; — dat is jo 'n held; de dürd einen Berg er od. Schütz er, Beschüt- 

d'r wäsen; — ^t is 'n held in 't feld (iro- 60 zer etc. bezeichnet zu haben. 

J. ten Doonikaat Koolman. Wörterbuch. II. 5 



HELDEN-DAD 



66 



HEL-HOLT 



lielden-däd, UeUlenthat. 

helden-död. lleMcntod. 

heldeu-stiik. Hehlenstück, Heldenthat. 

1. helder. .s. hellor (sonorus, clarus). 

2. helder, '></. heller, das dem 3Ieere ent- 5 
stiegene, bz. durch Anschlammtinu des Schlieks 
entstandene Aussendcicltsland, od. das Var- 
land vor den Seedeichen der Küste, der i<n- 
eingedeichte Seeanwuchs. Dieses Aiissen- 
deichsland ist nach der Seeseite hin mit 10 
Meersenf u. andern Salzpflanzen, weiterhin 
auf den höher liegenden Theilen jedoch fast 
ausschliesslich mit kweller, od. kwelder (Gly- 
ceria maritima u. Glyc. distans) dicht beioach- 
sen u. wird zum Beweiden u. Heumachen 15 
benutzt, da der kweller od. das auf dem 
lii'ldcr wachsende Gras ein sehr vorzügliches 
Futter liefert. — dar lif?d iiog 'u diigtigen hel- 
der für de dik, de bold rip is, um iiulikd 

to worden ; — de köjen löpen up de heller 20 
to weiden. — Nid. (provinz. od. mdartl.) hel- 
der, dasselbe, aber auch der schon einge- 
deichte Seeanwuchs , wovon der Seeort „de 
Helder" (Stadt auf der äussersten Spitze 
von Nordholland u. vor nicht langer Zeit 25 
noch ein kleines Fischerdorf) seinen Namen 
hat. Von Jemandem der in dieser Stadt 
wohnt heisst es deshalb auch nicht: hij wooud 
in Helder, sondern: hij woond op den Helder. 

Wahrscheinlich gehört dieses Wort zu 30 
hellen od. helden (neigen, schräg abhängen 
etc.) , weil dieses Vorland am Fusse des 
Deiches am höchsten liegt u. sich nach der 
See hin immer mehr abdacht, hz. nach der- 
selben hin schräg abhängt u. immer niedri- 35 
ger wird, wie ich denn auch glaube, dass 
das afries. halde, helde, hilde, was Wiarda 
(afries. Wb., pag. 169) mit Dossir u n g des 
Deiches übersetzt, gleichfalls zu diesem Vbm. 
gehört u. mit nhd. Halde begrifflich iden- 40 
tisch ist. Vergleicht man nämlich die betr. 
Stellen in den alten westerlauwerschen Ge- 
setzen, wo es heisst (v. Richthof e n afries. 
Gesetze, pag. 416, zweite Spalte, Zeile 7 
u. 0, bz. pag. 417, zweite Spalte, Zeile 1), 45 
dass die hilde dreiundsechzig, bz. achtund- 
funfzig Fuss breit sein soll , so glaube ich 
sicher, dass hier hilde od. helde mit Dos- 
sirung übersetzt werden muss u. eines- 
theils etwas Anderes bezeichnet als die 50 
B ä r m e, od. B er m e (cf. 2 barm) genannte 
Sohle des Deiches, anderntheils aber auch 
ein ganz anderes Wort ist, als afries. halde, 
helde, hiKle, hielde (Fessel, Verschluss, Ge- 
wahrsam etc., cf. V. Richthof en , 804 u. 55 
Hettcma, 237, 240, 259 u. dazu 260, ^vo 
Letzterer hilde auch mit helling, bz. decli- 
vitas at^K'Tis wiedcrgicht), was ja ebenso wie 
unser lüld, hilt (Griff , Handhabe etc.) zu 
halda (halten etc., cf. holden) gehört. 60 



helder-, heller-gras, das auf dem helder 
od. Vorlande des Deichs wachsende Gras 
u. dasselbe wie kweller od. -kweller-gras. 
Es wird auch guller-gras genannt , welcher 
Name wahrscheinl. mit 1 gul (weich, mild, 
bz. freigebig etc.) zusammenhängt, tceil eben 
dieses auf dem helder wachsende Gras 
einerseits viel tv ei eher u. milder (es hat 
keine harten Stengel u. ist wie milde od. 
sanfte Wolle anzufassen) ist, als das auf 
den Wiesen gewachsene u. andererseits auch 
sehrfreigebig icächst, bz. einem sehr üp- 
pigen, kräftigen, milden 2t. freigebigen Bo- 
den e)d wächst. 

1. helen, n. 1 hälen. 

2. helen, .v. 2 hälen. 

helen, heilen, heil ti. gesund, bz. ganz ge- 
schlossen u. dicht machen, od. ioerden, sich 
schliessen etc.; he held dat; — dat gat od. 
de rät (Bi.s.s), wunde etc. wil net helen ; — 
dat held (scJiliesst etc.) sük fan sülfst ; — 
dat held ligt wer to. Redensart: dat sal 
wol wer helen, er du grötmoder wordst. — 
Afries. heia; sali. (Hettema) heila, (Eh- 
rentraut, II, 207) hälje; nid. heelen ; 
mnld. heylen, heelen; nd. heelen; mnd. he- 
len, heilen ; as. heljan, lieljen, helean ; ags. 
haelan, hölan; oigl. lieal ; ahd. heilan, hei- 
len ; mhd. heilen ; goth. hailjan (sanare ; sal- 
vare). Zu hei. 

heler, Comparativ von hei ; heier as dat 
güd (od. de appels etc.) kan d'r dog niks 
wesen. Superl. helste ; ik hebb' de helsten 
(die am ivenigsten kaputten, bz. die am we- 
nigsten gelitten haben) d'r üt söcht. 

hellte", helft, Hälfte. 

1. helgeii, ,s'. helling. 

2. lielgeil, mühen, quälen, schwer arbei- 
ten, schleppen, ziehen etc. ; he was kant of- 
helgd (vollständig abgemattet u. erschöpft) ; 
— he helgd sük reinweg dod ; — he helgde 
sük of, um mit to kamen ; — h6 helgd dat 
mit alle kracht na bäfen. — Mnd. (Seh. u. 
L.) helgen. Wie 1 beigen von hellingen, 
so ist dieses von helligen contrahirt, was 
von hellig weitergebildet ist. cf. 2 hellig. 

helgen-bäs, der Meister od. Aufseher auf 
den Schiffswerften od. helgen, hellingen. 

hel-liake, helhük', Schürhaketi zum Ein- 
äschern (inraken) des Feuers, od. auch zum 
Reinigen u. Ausnehmen der heissen Asche 
aus dem untern Feuerraum od. Aschen- 
loche (cf. 2 hei, sub f) der Brenn- u. Dampf- 
kessel. — krig' de helhäk' her un rit' de aske 
d'r under weg; — fig. ein böses, zänkisches, 
herrschsüchtiges Weib, Höllendrache etc.; 
't is 'n helhäk' fan wif. 

hel-holt (Ganzholz, bz. ganz u. gar od. 
vollständig Holz), hölzerner, steifer, unbe- 
holfener Mensch. 



HELLE 



67 



HELLING 



helle, .S-. liel. 

1. hellen, liell werden u. machen. — 't hell'd 
up ; — he hell'd lium dat up. (/. 1 liel etc. 

2. hellen (assimilirt aus heldeii, s. unten) 
hängen, Hang u. Neigung liaben , neigen, 
sich neigen, überhängen, eine schräge, ab- 
schüssige, schiefe Ebene bilden etc. ; he helld 
d'r na heu (neigt dazu hin, hat Hang, Nei- 
gung u. Trieb etc. danach, od. dazu) , um 
to stälcn un to rofeu ; — 't helld d'r ua to 
(es hängt, od. neigt sich dahin) ; — de mür 
helld afer; — dat schip helld (das Schiff 
hängt über od. liegt auf der Seite etc.); — 
dat land helld na de se to of ; — de grund 
helld to stark. — Wang. (Ehr entraut, 
II, 69) hei; nfries. helde; nid., nd. hellen; 
mnld. heldeu (iuclinare, acclinare, procliuare, 
reclinare, propendere, vergere) ; mnd. helden, 
hellen ; as. hcldjan ; ags. heldan, hyldan ; 
engl, hild ; an., norw. halla; dän. haelde ; 
ahd. (haldjan), heldan ; mlul. helden (neigen, 
auf die Neige bringen, od. machen, dass 
etwas geneigt ist) u. ahd. lialdön (abhängig 
u. geneigt sein, sich neigen, vergere). Mit 
ahd. halda, 7nhd. halde (Halde, Abhang); 
ags. held; an. hallr; dän. haeld (dasselbe) 
u. auch wohl isl. hallr; norw. hall (Fels, 
Stein); schwed. hall (Klippe, FelsenstücJc, 
besonders da, wo es oben auf dem Fels- 
rücken allmiilig abschüssig wird; steinerne 
Platte) etc. zu ahd. hald ; ags. heald ; afries. 
hald; an. hallr (vorwärts geneigt, geneigt 
[zu] ; abhängig, abschüssig etc.). Wegen 
der verschiedenen Ableitung von hald etc. 
cf. Fick (III, 71), der es mit hals etc. 
von einer y hal , kal (percellere , recellere, 
be. brechen, schlagen ; biegen) ableitet, wah- 
rend H. Leo (Ags. Gloss. Seite 251) es mit 
healdan (halten etc., cf. holden) verwandt 
glaubt u. M. Heyne (cf. Grimm, Wb. 
unter Halde) es mit griech. klitos etc. u. lat. 
cHvus, bz. ahd. hlinä (Lehne), hlinan (leh- 
nen, cf. löueu etc.) von einer u. derselben y 
ableitet. Zu hlinan (lehnen) cf. y (Grass- 
mann) gri, bz. ^ar (etwas woran lehnen, 
od. zu Etwas hinrichten etc.), ivoraus sich 
die ßedtg.: gerichtet u. geneigt ivohin, bz. 
die von: hängoid tvohin , überhängend etc. 
von selbst ergiebt, soivie weiter aucli die von: 
(sieh, od. ein Anderes) stützen looran u. 
ivorauf od. einem Etwas Stütze u. Halt ge- 
ben etc., wie denn auch ved. Qaraua (stützend, 
haltend, schützend etc.) ivohl von dieser ]/ 
Vri, ^ar abzideiten ist u. dann auch hald 
leicht dazu gehören kann, ivie aucli hold 
(geneigt etc.) u. Huld t«o/iZ ^it heldan (sich 
neigen ivohin etc.) gehört. Die Grdbdtg. 
von ^ar, gri scheint übrigens bewegen od. 
richten (wohin) zu sein u. da nun diese 
Bedtg. (cf. y pat, fliegen, bz. sich beivegen ; 



fliegen machen, schleudern, werfen etc.) leicht 
in die von: werfen wohin, od. hinwer- 
fen etc. übergehen konnte, so ist es wohl 
zweifellos, dass q&r, gri (werfen hin, hin- 
5 tverfen, zerbrechen etc.) dieselbe y ist, wie 
gar, (;ri (etivas tvoran lehnen, od. richten 
ivohin etc.). 

1. heller, helder, hell, bz. sonorus, cla- 

rus etc. ; 'n hellem klang ; — 'n heilem 

10 stemm' (eine helle, klingende, sonore Stimme) ; 

— heller lachen; — he lacht hum heller 
(laut schallend u. tönend, bz. heiter, lustig, 
fröhlich) wat üt; — he kreg heller (laut 
klingend, od. dass es schallt) wat för de 

15 ners (den Hintersten) ; — he hüe (hauete, 
hieb etc.) d'r heller up ; — bi heller lechteu 
dag ; — 't wil hei net heller worden ; — 'u 
heilem (helle, lichte etc.) klör ; — 't is 'u 
hellem lücht; — dat für brand heller; — 'n 

20 heller (helles, reines etc.) gesigt; — 't is 
heller dül (rein od. vollständig toll) ; — de 
wind weid d'r heller (tüchtig , bz. die Luft 
rein fegend etc.) in. — Nid. helder ; nd. 
heller. Zu 1 hei. 

25 2. heller, s. 2 helder. 

3. heller, Heller, kleinste Kupfermünze; 
bi heller un peunink. — Mhd. hallaere, hal- 
ler, häller, heller. Mit Auslassung des Wor- 
tes Pfenning statt „haier phenning", bz. 

30 mlat. (denarius) h a 1 1 e n s i s, d. h. zu Schioä- 
bisch- Hall geprägt. 

liellern, hell, klar u. heiter werden od. 
machen ; dat wer hellerd up ; — 't hellerd 
dör ; — he hellerd sük up ; — du must di 

35 nog erst wat uphellern (dich reinigen, käm- 
men, scJimücken, bz. licht od. schön Meiden, 
putzen etc.). 

I. hellig, klingend, stimmend etc.; cf. 
enhollig. 

40 2. hellig, müde, abgespannt etc., bz. 
hu)igrig u. durstig; ik bin heilig un m8j. 

— Wang. (Ehr ent r a u t, I, 94 etc.) hellig 
(durstig) ; mnd., nd. heilich, hellig ; nid. 
hellig ; mnld. helligh (lassus , fatigatus , agi- 

'15 latus) ; mhd. hellig (dasselbe) ; md. hellig 
(sehr durstig, lechzend) ; Schweiz, hellig, bal- 
lig (kraftlos, lechzend) ; elsäss. hellig (leer 
im Magen); Schwab, ballig, hellig, höllig 
(lechzend, matt); bayr. hellig (müde, abge- 

50 mattet) ; fränk. hellig (matt) , an der Eifel 
ballig (trocken im Halse); hess. (Vilmar, 
163) beleb, helk (welk, dürr, schlecht ge- 
nährt, matt von Hitze u. Durst). Es ist 
identiscli mit dem tmter halster erwäh)den 

55 nd. ballig (dürr, trocken) u. von hal, bael, 

hei (trocken etc., cf. halster) loeitergebildet. 

helligen , nur in behelligen (behelligen) 

u. wohl von 2 hellig tveitergebildet. cf. 

beigen. 

60 helling, Schiff swerfte. Vom Plur hel- 

5* 



HELM 



08 



HELFEN 



lingcn (was auch in der Bedtg. „Schtffs- 
icerfte'' gehrättchlich ist, weil gewöhnlich 
mehrere schräg liegende Gerüste für Schiffe 
auf einer u. derselben Werfte sind) ist un- 
ser Collect, lielijou (Schiß's werfte) contrahirt, 
con dem deshalh auch kein Plural gebildet 
tcird. — Nid. lielliiig ( Ueberhängcn , Nei- 
gen, Abhang, Halde, liöschung, ablaufende 
Brustwehr; Werfte, Stapel; Neigung, Ge- 
neigtheit [sinnl. u. bildl.J , Trieb etc.); nd. 
(Br. Wb.) heilige, aus hellunge (schräge 
Bichtung einer Tonne, bz. Abhang) u. bei- 
gen (kleine hölzerne schräg liegende Läufe 
vom Ufer ins Wasser, wo die auszubessern- 
den Schiß'e hinaufgezogen u. abgelassen icer- 
den) ; mnd. hellink, lielliiige, helge (Schiffs- 
werfte) = heldinge (Neigung etc.) von bei- 
den, .s\ 2 hellen. 

1. heim, auch helmet, holmt, das starke, 
schilfartige u. langhalmige Dünengras (ely- 
nuis aveuariiis, ariuido aveimria) , womit die 
alten Dünen bewachsen sind u. die kahlen 
Dünen u. Ufer der Inseln bepflanzt werden, 
um dem Verstäuben des losoi Sandes vor- 
zubeugen, bz. die Bildung neuer Dünen durch 
Auffangen des Sandes zu fördern. — Wang. 
hellem ; nid. beim. Nebenform zu halm, bz. 
7nit diesem desselben Ursprungs. 

2. heim, Helm, a) schützende Kopfbe- 
deckung der Krieger; — b) der helmartige 
Aufsatz auf der Destillirblase ; — c) das 
Häutchen um den Kopf, welcJies neugeborne 
Kinder u. Junge zuweilen mit auf die Welt 
bringen u. ein Tlieil derjenigen Haut ist, 
worin sie im Mutterleibe eingeschlossen wa- 
ren u. was nach dem Volksglauben dem 
betr. Kinde Glück u. Wohlstand bringt, 
weshalb denn die auch in Holland (cf. auch 
Ho Itzmann , Mylh. 201) gebräuchliche 
Bedcnsart : „bc is mit 'n beim geboren" (cf. 
engl, „be is boru witb a caul" u. Weiteres 
in der Zeitschr. für Kthnol. etc. von B a- 
stia)i u. Hartman n, IV, 186 seq.) von 
solchen Menschen gebraucht xvird, die ohne 
ihr besonderes Zuthun viel Glück in ihren 
Unternehmungen haben. — Afries. , nid., 
nd., engl., as., ogs. heim; mnld., mnd. beim, 
helmet; an. hjälmr; norw., dän., schwed. 
bjelni; ahd., mhd. beim, belme; goth. bilms, 
od. bilm. 

Dieses Wort, ivclches im ags. auch die 
Bedtg.: diadema, Corona, velamen «. im engl, 
auch (provinz.) die von : „Schuppen" u. 
,,auf einer Bergspitze lagernde Wolke, welche 
dieselbe verhüllt" (wegen beim = linder s. 
3 heim) hat u. tcovon ital. , aspan. elmo ; 
nspan. yeimo ; prov. elm ; franz. beanme 
(Decke); abgel. : span., x>ort. alniet; afranz. 
healmet ; franz. armet (Pickelhaube) ent- 
lehnt sind, gehört zu belan (hehlen, bergen, 



schützen, decken, schirmen etc.), bz. mit die- 
sem zu der y bal (l)ergen , verbergen , be- 
decken, schützen etc.), cf. 2 bälen. 

3. heim, Puder, Steuerruder, Steuer, bz. 
5 das icomit man das Schiff u. auch das Pu- 
der lenki u. regiert; daher auch (auf klei- 
neren Schiffen) : die Puderpinne. — de beim 
(od. 't rör, stur) fan 't scbip : — de beim 
(od. 't stur) tan 't rur. — Nid. beim (bet 

10 roer, bet stuur , cf. Bobrik, naut. Wb.); 
engl, beim (Puder, Steuer, Steuerruder); 
wang. (E h r e n t r a u t, I, 371) bellem (in 
btMlem-bolt, Puderholz, Pudersiange , bz. 
Steuerhoh, Holz od. Stange zum Steuerii) ; 

15 an. bjälm. Ks gehört wohl auch wie 2 beim 
zu belan, bz. der // bal, toeil das Steuer- 
ruder die Hut u. der Schutz des Schiffes 
ist, bz. es schirmt, schützt u. bewahrt, wenn 
es auf dem Meere treibt, cf. indessen un- 

20 ter 2 balm auch das ahd. halm ; mnd., 
mnld. beim (manubrium) n. balmo (Lenk- 
seil), womit bolin (ds Ha It e n d es, od. Len- 
kend es auch conncx sein kann. 

lleliiier, ml. Name. Gcscidn. Helmers. 

25 Wohl = ahd. Heilmar, od. Ilelimar, doch 
ist auch Ableitung von 2 od. 3 beim (cf. 
Körstema)in hinter Helm) möglich. 

holiiier, ein seitlich von der allgemeinen 
Ileerstrasse (die sich auf dem Pande der 

80 Jiohen Geest zwischen der Marsch, bz. den 
Ilammrichen [cf. bamrik] u. dem Moore 
hinzieht) in die Marsch, od. das Moor 
hineingehender Landweg , mitunter pleona- 
stisch auch belmerwcg genannt. — Nd. (Br. 

35 Wb.) behner; innd. (Seh. u. L.) bclmen- 
dero, belmcdcr, balmdor, belmede, belmerde, 
helmer. 

helpeii (belp', — belpst, — helpd etc.; — 
bulp, bulpst etc.; — [is, od. bed] bulpen), 

40 helfen, retten, beistehen, nützen, dienen, för- 
derlich sein, fördern etc. ; bolp' ! belp' ! se 
willen mi wat dOn ; — be bulp bum üt 't 
water, anders was be ferdriinken ; — hö 
helpt mi üt de nöd ; — ik wil dl helpen ; 

45 gä mau drist d'r up lös ; — dat kau mi niks 
belpen, wen 'k bum d'r um frage ; — schre- 
ien helpd (od. bald etc.) net ; de büks mut 
cf ; — bc bulp bum wider; — be bulp bum 
in de slöt; — Sprichiv. : help di sülfou, den 

50 helpd di God. — Afries. helj)a, bilpa, bulpa; 
satl. belpa; tvang. bilp; ivfries. (Japi.r) 
helpjen, bolpjen, bolpen ; nd., nid. belpen; 
as. belpan; ags. belpan ; engl, belp; an. 
bjalpa; norw., schwed. hjelpa; dän. lijelpe; 

bö goth. bilpan; ahd. belfan, belpban ; mM. 
helfen, belven. Mit lit. szelpiu, szMpti (hel- 
fen) zu einer y kalp, karp = skr. kalp ; 
zend. karep (sich fügen, richtig sein, pas- 
sen, dienen etc.). Vergleicht man dazu skr. 

60 kalpa (gleich, ähnlich, gestaltet ti. gebildet 



HEL-SAM 69 HEM 

wie etc.); zcnä. kerejjta ((jebüdct, gestaltet, dat dat gat Itold wer held; — dat is helsäm 

geformt etc.) zn unser in lik; zend. kelirp twebak (Zwieback der nicht leicht kcqjut 

(Körper, Fleisch, hz. leibliche Gestalt u. geht, nicht bröckelt, od. nicht bröckelig ist) ; 

Form etc.) = kerefs in kerefs-gar (fleisch- — heisame stenkaleii (heile, ganze od. dichte, 

fressend); hzv. \iarp; pars, keret; arm. kQrp; 5 feste, nicht leicht bröckelnde Steinkohlen); 

lat. corp-us (dasselbe) zu nnscrm Jike, bz. — dat is lium helsäm (heilsam, gesund, 

dass unser lik auch die Bedtg.: gerade, dienlich etc.). 

eben, schlicht etc. sowohl, als recht ti. lielsen ; i. q. halseu. Nur in be-helsen, 

richtig, bz. g eordnet, ausgeglicheti, befassen, in sicJi fassen, umschliessen etc.; 

geschlichtet etc. hat u. demnach die 10 dat behelsd nßt föl. 

Bedtg. richtig sein, passen etc. der y hel-sibbe; i. q. fulsibbe; s. unter sibbe. 
kalp, karp wohl auf der siniü. Bedtg.: g e- helsk, höllisch, teuflich, verdamint, fiirch- 
r ade, eben, s ch licht etc. od. eigentlich : terlich etc. — 't weid d'r helsk in ; — 'n hels- 
behauen u. glatt sein etc. beruht, so ist ken stürm; — 'n helsken ti' watcr; — 't is 
es klar, dass diese y karp nicht von karp 15 'n helsken (od. ferdomdeu, dönnersen etc.) 
(sehlagen, hauen, spalten, schneiden, be- satan ; — helsk (höllisch, fürchterlich, an- 
hauen, zurechthauen etc. u. so bilden, for- gemein etc.) gröt od. dül, stark, mui etc. ; — 
men, bz. glatt, eben u. richtig machen etc.) 'n helsken bült geld ; — he is d'r helsk (od. 
rticht verschieden ist u. beide ebenso wie y ferdomd etc.) up fersäten; — 't fe etc. was 
kart (hauen, behauen, beschneiden, zuschnei- 20 helsk grapsk, od. dür; — ik hebb' 'a hels- 
den, formen) blosse Weiterbildungen der ]/ ken dörst od. huuger etc. ; — dat perd is 
kar (schlagen, hauen, schneiden, scheeren mi fSls to helsk (ungeberdig , wild, hitzig 
etc., cf. auch ]/ skar voyi scheeren, — etc.). — Afries., nid., nd., mnd. heisch; 
skarp von scharf, scharfen , — skrap mhd. hellisch, heisch. Zu 2 hei, suh a). 
von unserm schräfe = kräfe od. karfe etc.) 25 heiter, .s. halter. 
sind, deren Bedtg.: machen, loirken etc. liel uii dal, ganz u. gar etc.; cf. dal. 
od. einrichten, gerade u. recht machen, ord- 1. hem, Heim, Haus, Wohnung, Wohn- 
nen etc. ebenso wie bei tak u. taksh aus sitz etc. ; he sitt up sin egen hem ; — d'r 
der von: schlagen, hauen, spalten, schnei- is gen hüs of hem. — Afries. hem; wfries. 
den etc., bz. behauen, behobeln, beschneiden, 30 (Jap ix) hiem ; nid. heim; 7nnld. heym; nd. 
zur echtschneiden etc. entstand. Wenn nun heem; mnd. hem, heim; ns. hem; ags.hkm; 
aber tveiter Fick das lat. culpa (Schuld, engl, home; an. heimr; norw. heim u. auch 
hz. Veranlassung eines Schadens) auch zu heem, hiim; schwed. hem; dän. hjem; ahd., 
der y karp (Joelfen) stellt, so kann ich ihm mhd. heim u. ahd. heima; 7nhd. heime; goth. 
darin nicht beipflichten. Vergleicht man 35 haims. Es ist mittelst des Suffixes ma (cf. 
nämlich, dass die Wörter: sollen u. arm, främ etc.) von einer deutschen y hi 
Schuld beide von skilan, skal, skulun (Platz nehmen u. greifen, od. Wurzel fas- 
(schlagen, hauen, verwunden, tödtcn etc.) sen [wo], halten [wo] , bleiben, ruhen, ver- 
stammen, bz. dass sollen (cf. schal, schö- iveilen, ivohnen) iveitergebildet = idg. ki, 
len) weiter nicläs heisst als: (Jemanden) 40 bz. ski; skr. kshi; zend. (Justi) kshi, shi, 
geschlagen, verivundet od. g et ö dt et ski (ivohnen, sich nieder lassen u. ansie- 
haben u. deshalb zur Zahlung des Wehr- dein, sich setzen od. besetzen wo etc.), die 
geldes, bz. zum Ersatz od. zur Busse ver- aus ski, ska (greifen, fassen, halten, neh- 
pflichtet sein — i«. Schuld buchstäblich men, in Besitz nehmen, sich zu eigen ma- 
soviel heisst als: er schlug od. verwun- 45 chen, hörig machest, beherrschen, Gewalt u. 
dete u. ist deshalb strafbar, bz. zur Busse Macht haben über, besitzen etc., cf. setzen 
verpflichtet, so ist es klar, dass auch das = Stelle od. Stätte geben etc. aus sitzen 
lat. culpa nicht von der ]/ karp (helfen), = ruhen, od. halten loo, bz. besetzen 
sondern von der ]/ karp (schlagen, spal- aus besitzen u. habitare aus habeo) her- 
ten , schneiden, verwunden etc.) abzulei- 50 vorging u. wovon ausser skia, bz. skr. ska 
ten ist. (ruhen, ivcilen) u. lat. quie (in quies, quie- 
hel-säm, heilsam, d. h. mit dem was hei scere, qiiietus) u. skr. ci (nehmen, aufneh- 
besagt verbunden u. vereinigt etc.; dat gat men u. wo hinlegen, Stätte geben, schichten, 
schal wol bold wer digt gän, he hed nog al ordnen etc., cf. bei Grassmann der Form 
'n helsamen hüd (eine heilende, ganz loer- 55 wegen unter 2 ci die Verwandtschaft mit 
deyide , gesundende Haut, bz. eine Haut, kliya u. y ski, scheinen) auch wohl zend., 
die leicht od. bald hei od. ganz u. dicht skr. gi, bz. qik (liegen, ruhen, weilen, hai- 
wird, od. gut heilt u. gesundet) ; — ik wil ten wo) sich herleiten. Ob nun aber goth. 
dl 'n helsamen salfe (heilende, die Wunde haims, bz. hem, heim bei77i Vergleich von 
schliessende od. gesundende Salbe) gäfen, 60 harsen zu idg. karsan, skr. garshan etc. od. 



HEM HEIM 70 IIEMMEL 

hund, hurn etc. von einer y mit anlauten- lieinds-inane , Hcnuhärnipl. — in blote 

ilem k, hz. skr., zend. q, rjricch. k, tat. c hcnidsmauen för de dur sitten, dat is nii 
etc. 'nicht fieaaer mit (/riech, köme (Dorf),^ so gen irrl)riik mör as in min kinderjaren. 
lit. kvmAS, kä'xma'i ((hi.'iScUie) zur y ki, /;,-. ^i heiuelik, henilik , licinolk, heimlich, in 

(ruhen, weilen etc.) zu .^teilen u. nicht 5 geheimer od. vertraulicher Weise, verstohlc- 
mit skr. kshönia (sicherer, behaglicher Ort, ner Weise. 

od. Sitz, Wuhnsitz; Friede; Hast, Ruhe hemclikheid, henilikheid , hemelkheid, 

etc.) von khsi, bz. ski abzuleiten ist (cf. Heimlichkeit. 

darüber auch G. Cu rt i u s, pag. 145) lasse lieinke, Heimchen, Grille, Cicade ; hns-, 

ich dahin gestellt sein. Wegen afries. ham, 10 gras-hemke ; — ßg, kleines schwaches We- 
hem cf. 1 u. 2 ham. sen ; 'n liemke fan 'n wicht. Redoisart. u. 

2. lieni, heim, heim, nach od. zu Hause; Sjn-ichw. : nakcnd as 'n hemke; — he singd 
liem gän, hem kamen etc. — Hs ist gleich as 'n hemke (ironisch). — Nid. heimpje ; 
afries. heme u. hem, bz. ahd. heime von 1 ninld. heymken, hecmkon, hcymelken ; mnd. 
hem, wird Jedoch nur selten mehr gehurt. 15 heimeke, liemeke. Anscheinend Dimin. von 
cf. heimsüken, liemclik etc. ahd. heimo; mhd. heimc (dasselbe), doch 

henid (Flur, hemden), Hemd, Kleid, was nach 31. Heyne (cf. Grimm, Wb., unter 
man zunächst auf dem Leibe trägt, od. über- Heimchen) mit »r/. liiemk, oberd. heymdi 
haujit : Kleid, Gewand, faltiges Gewand etc., aus heimlich, heimamnch, was aus muclieim, 
cf. die Composita. — he sitt in 't blotc hemd; 20 hz. ahd. müh-hoimö, mftcliheiino (Heimchen) 
— Redensart, ti. Sjirichto.: he h4t sük 't umgesetzt ist. Das ahd. hcimo bezeichnete 
hemd fan 't Iif stälen ; — 't hemd trilld hnm urspr. wohl blos die Hansgrille u. ist dem- 
für de ners; — se fragd en 't hemd fan de nach lieim-o wohl von heim (Haus) weiter- 
närs; — 't hemd is en nader as de rok. gebddet in der Bedtg.: Haus-Wesen, Haus- 
Conijws. : aferhomd, körhemd, undcrhemd, 25 Geschöpf. 

hemdkled, hemdrok, hemdslip, hemdsmaue 1. heniiuel, öfter auch himmel, Himmel; 

etc. — Afries. hamethc, liemethe, hamede; (personif.) Gott. — de sterons an d' himmel 
wfries. liimd, himhd; satl. harnend; wang. blinken so schön; — in de hemmel kamen; 
(Ehr e n trau t, I, 370) hämmin; tid., nid. — de lefe hemmel mag 't weten, war 't ble- 
hcmd ; mnd. hemde, hemmote, himedo; mnld. 30 fen is; — de lete hemmel segene jo 't wer, 
hemde; ahd. homidi, hemithi ; mhd. heraede, wat ji an mi arme blöt guds dun. Sprichw.: 
liemde. Was die Form betrifft, so ist tvohl wen de hemmel falld, den krigt de erde 'n 
anzunehmen, dass es ans dem Präter. ha- regenmantel; — wen de himmel falld, den 
meth, hemith (bedeckt, verhüllt, bekleidet, od. liggen wi d'r all' nnder; — se smet 'n gat 
decket, deckt) von einem dem goth. liaraon 35 in de hemmel. — Afries. himnl , hiniel ; 
(decken, bedecken, verhüllen, einhüllen, be- tvfries. himel, hymmel ; nfries. hemmo]; satl. 
kleiden etc.) entspjrechendcn Vbm. ham-6n, hemel ; wang. hemmel; nd. hemmel; nhl. 
hem-6n mit dem Suffix e od. i, i (Etwas hemol ; as. himil; ahd. himil, himel; mhd. 
etc.) abgeleitet wurde u. demnach ein Etwas himel, himmel (indiimentnin ; coehim, aether; 
bedeutet, ivas deckt, bedeckt od. verhüllt, 40 laqueare, lacnnar; Thronhimmel, Baldachin), 
schützt, ein- u. umschliesst od. einhegt u. — Au. himinn, himins ; isl. hirain (coelnm; 
einfriedigt etc., loie Ja auch a.s. hjmo ; ahd. laqneare); goth. himins (coelum). Davon: 
hämo ; mhd. harne ; ags. hama, homa, ham ; ahd. himilizi, himilezi, himelze ; mhd. hi- 
afries. hama, homa ((jicwand , Kleid, Um- melze, himilz, himelz (Zimmerdecke , Zelt- 
hüllung, Hülle, Haut, Balg etc., cf. lichäm) 45 decke); mnld. henielte, ghehemelte (convexi- 
zu hamön, od. mit diesem zu einem voraus- tas, palatum). Es bezeichnet ein Etwas, 
zusetzenden Wurzel- Vbm. : hinian, ham, hu- ioas ein Anderes wölbend überdeckt, od. ein- 
mnn (umfassen, umschlicssen etc.) gehört, u. umschliesst, bz. ein Gewölbe, Decke, Dach 
über dessen Ursprung u. Wurzel das Wei- etc. u. gehört mit goth. hamön , (did. hämo 
tere unter 1 u. 2 ham zu vergleichen ist. 50 etc. (cf. hemd) u. zend. kamar (krumm, ge- 

hemd-kled, das der Leiche, bz. einem Ge- tvölbt) , kamara (Gürtel; Gewölbe), griech. 
storbenen über das gewöhnliche Hemd ge- kamära (Gewölbe; Schlafgcmach, Himmel- 
zogene weite u. faltige Tndtenkleid. bctt etc.) ; lat. camera etc. zu der unter 1 

hemd-linnen, feineres Leinen, wovon man ham erwähnten ]/ kam. 
Hemde macht. 55 2 hcniniel, blank, rein, reinlich, sauber, 

hemd-rok, Unterjacke, od. Brusttuch, tvel- glatt, nett etc. — hemmele glasen, Straten, hu- 
chrs unmittelbar über das Hemd angezogen sen etc.; — dat siigt dar in hüs all' so liem- 
ivird. mel un schön nt , dat man wol brei fan de 

hemd-slip, Hemdzipfel, Zipfel an einem däi ilten kann un 't all' gliinmd un spegeld 
Mannshemde. GO wat d'r is; — 't is so 'n hemmel wif, dat 



HEMMEL 



71 



HEMMELEN HEMMELN 



mau sük freid, wen man hör ankikd ; — 't is 
hir air hemmel un schön un d'r is narg(!iids 
gen stofje to finden ; — dat wicht goid mt 
hing net hemmel genug mit 't iiten um ; — 
de meid mut hemmeler worden, wen se hlr 
blifen wil. — Wfries. (J apix) himmel u. 
(Vrije Fries, I, 174) hemel ; wang. 
(Ehren traut, I, 94 ii. 371) hemmelk od. 
hemmel (in hemmelkeit). Weiteres s. unter 
2 hemraelen u. dem folgenden : 

3. hemmel , Reinigung , hs. die Rein-, 
Blank- u. Sauhermachung in ihrem ganzen 
Umfange, soweit dies durch Waschen, Ab- 
reiben, Bohnen, Kämmen, Bürsten etc. ge- 
schieht od. geschehen kann. — dat kiud hed 
fan Jungs up au sin hemmel un fleje (Rei- 
nigung u. Pflege etc., cf. 2 fleje) net had, 
darum wil 't ök net regt dejen ; — dar word 
gen hemmel un fleje an dän. 

1. hemmelen, hemmein, himmeln, sum 
Himmel erheben, in den Himmel befördern, 
sterben inachen, ins Grab bringen; nament- 
lich von Aerzten, die Unglück in ihrer 
Praxis haben u. viele ihrer Patienten durch 
den Tod verlieren. — de dokter hemmeld 
menuig hen; — he hed hum hen hemmeld. 

2. hemmeleu, liemmein, reinigen, sauber 
u. rein machen, bohnen, ivaschen, reiben, 
bürsten, kämmen, od. putzen, schneiden etc., 
hz. sich od. ein Etwas so machen, dass man 
(od. es) in jeder Hinsicht sauber, rein, nett 
u. ordentlich, od. gebührend u. wie die Ord- 
nung u. Sitte es erheischt, aussieht. — jung' ! 
gä heu un hemmel' di erst, er du bi de disk 
kumst; — de rok is so fül, dat he erst ör- 
dendlik hemmeld (od. ofTaemmeld) worden 
mut, er du hum wer antrekken kanst; — 
de däle uphemmeln (den Schmutz mittelst 
eines nassen Tuches etc. von der Diele auf- 
nehmen, die Diele reinigen) ; — dat der mut 
wat of- od. ferhemmeld worden, dat d'r wat 
bäter grei in kumd ; — hemmel' din schö 
wat up de matt' of, er du in de stuf kumst; 
— dat hüs mut erst dügtig üthemmeld wor- 
den, er wi d'r intrekken könen; — de bal- 
ken, bomen etc. mutten ofhemmeld (abge- 
bohnt, abgeputzt, mit einem scharfen Instru- 
ment abgekratzt etc.) worden; — de böm 
mut üthemmeld (ausgeputzt, ausgeschnitten 
etc.) worden; — sin bärd hemmein (seinen 
Bart zustutzen u. schneiden, bz. so machen, 
dass er nicht mehr so wild u. unordentlich 
aussieht) ; — (subst.) wi süut fan dage an 
't hemraeln. — Wfries. (Jap ix) himmeljen, 
hemeljen od. (Vrije Fries, I, 174) he- 
melen; nid., provinziell (in Gelder l and) 
hemelen, (Groningen) hemmelen (reini- 
gen, schoon maken etc.). Wohl mit mnld. 
(KU.) hemelen (componere, concinnare, or- 
nare) ; mfläm. hemelen (orner et parer) ideti- 



tisch, zumal wenn man unsere Zusammen- 
stellung (s. 2 hemmel) „hemmel un fleje" 
vergleicht u. dabei erwägt, dass unser fleje 
zu flejen (componere, ornare etc.) gehört. 
5 Das Adj. 1 hemmel, himmel, hemel hatte 
urspr. vielleicht die Bedtg. : geschichtet, zu- 
sammengelegt, geordnet etc., od. die von: 
zurecht gemacht, fertig, bereitet, geputzt, ge- 
schmückt, geziert, schmuck, blank , paratus, 

10 ornatus etc. Da nun aber diese Wörter 
mit 1 hemmel (Himmel) , bz. 1 hemmelen 
(himmeln) schwerlich verwandt sind, so halte 
ich dafür, dass der Stamm hemmel od. he- 
mel von Hause aus mit ahd. hamal (ver- 

15 stümmelt, gestutzt, verschnitten etc., cf. 1 u. 
2 hamel) u. hemmelen od. hemelen, xofries. 
hemeljen etc. mit afries. hemelja, homelja 
(debilitare), ahd. hamalön (verstümmeln, stut- 
zen, verschneiden, abhauen, abschneiden) = 

20 7ihd. ha mm ein (castriren , verschneiden 
etc., s. unter 2 hamel) identisch ist, weil 
sich atis: gestutzt, zugestutzt, verschnitten 
etc., bz. stutzen, zustutzen, verschneiden, be- 
schneiden, einkürzen etc. (man vergl. : Haare, 

25 Bart, Hecken, Bäume etc. schneiden, od. be- 
schneiden, stutzen, einstutzen etc., bz. Je- 
manden zustutzen etc. u. nhd. Stutzer = 
Zieraffe etc. , od. Jemand der seine Haare 
u. Bart stutzt, zustutzt, beschneidet etc.) 

30 leicht die Bedtg. : zierlich, schmuck, sauber, 
glatt etc. (vergl. auch die trop. Bedtg. von 
beschäfd \mter beschäfen), bz. die von : säu- 
bern, reinigen, ausreinigen etc. entwickeln 
konnte u. auch putzen (Licht putzen, 

35 Bäume ausputzen etc.) =: schneiden, od. 
stutzen ist, bz. wir den Raseur auch ja 
putser nennen. Vergleicht num nun loeiter, 
dass ahd. hamal (verstümmelt etc.) , hama- 
lön etc., bz. afries. hemelja (verstümmeln 

40 etc.), sowie auch an. hamla, norw. hemla 
(verstümmeln; hemmen etc.), bz. unser ha- 
mel, homel sämmtlich Weiterbildungen von 
ahd. ham (verstümmelt, defect, gestutzt etc.) 
sind u. das dän. pyat (Putz ; Spitze), Y^ynte 

45 (putzen, schmücken, reinigen) mit luiserm 
pünt (Punkt, Stich ; Spitze), pünten (stechen ; 
sjjitzen, zuspitzen, zuschneiden) , ötpünten 
(ausstechen etc.) von lat. punctum, pungere 
abstammt, so scheint es, als ob das sonst 

50 überall fehlende norw. (Iv. Aasen) hema 
(putzen, rein machen etc. = dän. pynte, 
pudse, gjöre reen), hema (Reinlichkeit, Ord- 
nung etc. = dän. reenlighed, orden, pyn- 
teligt udseende) auch mit ahd. hamal etc. 

55 u. an. hamla etc. auf ahd. ham (verstüm- 
melt, gestutzt etc.) zurückgeht, obsclwn es 
auch möglich ist, dass diese M'^örter, sowie 
norw. hama (putzen, schmücken = dän. 
pynte, pudse) mit hama (kleiden, verhüllen, 

60 vermummen, bedecken) zu ham (Haut, Kleid, 



HEMMELIG IIEMMLIG 72 IIEN 

Balg etc., cf. hemd ». x. unter 1 ham) _c/e- «h. Iiampr; »o/vc.rfä». hanip; sc/tifCfZ. hampa; 
hören, icohci es denn aber auch xcieder eben- ahd. hanaf, hanof, hamif, lianif, hanef; mhä. 
sowohl denkbar wäre, da.-^i auch unser hom- hanef, haut'; /«^ cannabis; r/r/ec/;. kdiinabis; 
mol (sauber etc.), hcnimcln {säubern, reini- Ut. kanapos; j>r('».s>-. knapios; Islav. ko- 
gen etc.) sofern sie von Hause aus die Be- 5 noplja; bühm. konope: jjohi. konop : lett. 
dtg.: ornatus, oinaro hatten, mit mnld. kanjepes. Ob mit Jat. c&una. (Schilf, liohr 
(KU.) lionielen (compoacre, oniare) «. he- etc.) n. vielleicht dem skr. kanapa i Lanze 
meleii (velare, tcgere, celare) entweder von etc., sofern dies urspr. ein Bamb m -, od. 
hemel (Himmel, /c Decke, cf. 1 hemmel) sonst. Rohr, bz. Bohr-, od. Schilfgnvächs 
od. mit hemd u. hämo, ham (Kleid, Haut, 10 war) u. kanabha (Fliege, summendes In- 
Decke) u. goth. liamon (bedecken, kleiden) sect) etc. zur y kan (rauschen etc.) ? Vergl. 
vom Stavimrbni. himan, liam (tegore, velare dicscrhalb unter 2 hän. 
etc.) abgeleitet sind. hcinpoii. henpen, hänfen, von Hanf; hem- 

hcmmcli;:. lieiimilifi;, licmmel^, reinlich peu linnen. 
etc. Zu 2 hemmel. 15 ]ioiil])-liillink, Hänfling (fringilla canna- 

heniniolsk. honimels, liiininels, /(/Hi»i/j'.sr/j; biiia); (ßg.) kleines, zartes Wesen; — 't is 
hemmel.sk raui: — "t is fan dage 'n hem- man so 'n hemplünink fan wicht, 
mels wer thimmli'<ches Wetter). — Nid. he- hoinp-iilje, Hanföl. 

melsch; afries. himulisk, himelesk, hiraelsch; liemp-Siul, Hanfsamen, 

wfries. hymraelsch ; nd., iiind. hemraels, 20 heil, ////(, wohin, in der Bichtung, nach 
liomels. einem bestimmten Orte hin etc.; von der 

henimen, hemmen, hi)iderH , in der Be- Stelle, vorwärts, iveg, fort, vergangen, ver- 
wegung zurückhalten, lähmen etc. — wel kan flössen, vorbei, verloren etc. — hen lopen ud. 
't hemmen; — he hemd mi (er lähmt u. faren; — dat ligt na 't Osten hen; — du 
hindert mich) in mm dun. — Afries. herama, 25 must hum dar hen wisen; — gä hen un häl' 
hammen; schivcd. haemma; dän. haemme; twebak ; — he is al wat hen (schon ziem- 
mhd. hemmen. Wie an. hamla (Jiemmen, lieh weit vorgerückt im Alter); — dat rekd 
hindern; verstümmeln) mit ahd. hamalon net hen; — 't geid d'r göd heu od. längs; 
von haml, bz. hamal (verstümmelt) u. lam- — he löpd d'r nog so stak heu, as 'n korel 
men, lemraern, belemmern von lam, so ist 30 up sni lifs-heste; — 't geid all' hen un wer, 
hemmen von ahd. ham (verstümmelt, ver- od. hen un werden, heu un her; — dar geid 
krüppelt etc., cf. 1 ii. 2 hamel) weitergebil- 't heu mit mester Marks, do brogden se hum 
det u. heisst hemmen daher eigentlich soviel na 't karkhof; — wetst du net, dat de tul 
als: verstümmelt, verkrüppelt inachen, lahm hen geid; — wat heu is, is heu; — hen is 
machen u. so lähmen, hindern etc., tvie auch 35 siu kracht; — siu gcld un göd is all' hen. 
die Zusammenstellung von afries. hammcth — Nd., mnd. heu; nid. heen; mnld. hin, 
jeftha hxmmuth (gelähmt, cf. lammd t-on lam- hen; ags. hiua; alid. hiua; mhd. hiue, hin. 
men), od. chimmed jeftha lemed dies bcstä- Davon weitergebildet: ahd. hinana, hinan, 
tigt. Wegen der Ableitung dieses Wortes hinnän; inhd. liinueu, hinue; «s. hinana, hi- 
von mhd. harne, ham (Fangnetz, od. Angel- 40 uan, Innen; ags. hinaue, heonane, heonau, 
haken, Hamen) vergl. Weigand. Das heonun, heonon ; lofries. hinua; mnld., nid. 
nid. hammcw (zurücklialten, bz. zurückrufen henen ; mnd. heune, hinue, (von) hinnen. 
u. stehen machen) dagegen loird mit mnld. Fs ist wie „her" von dem Demonslrativ- 
(Kil.) hemmen, hummou (niutire, emutire, Stamm, bz. Pronominal-Stamm. hi (cf. he 
simplicem edere vocem) von der Interj. hem, 45 od. he) loeitergebddet u. drückt eine Be- 
hum, bz. dem Schallstamm hem, ham, him wegung von dem Sprechenden, od. nach 
(cf. himeu u. hummel u. bei Fick, III, einem Fntf ernter en , od. richtiger wohl des 
65 unter ham) abgeleitet, wobei es auch betr. „Er" (sei dies nun eine Person, od. 
denkbar ist, dass das mhd. u. nhd. hemmen ein sonstiges Etwas, wie z. B. ein Stein, 
sich mit dem nid. hemmen (hem! hem! ru- 50 Wagen, od. Thier etc.) nach irgend einer 
fen, um Jemand zum Stehen zu bringen u. Bichtung hin aus, toelche Bewegung an- 
ihn aufzuhalten) gemischt hat. scheinend durch das Suffix na ausgedrückt 

heiiip, henp, lienncp, Hanf. — Sprichw.: wird, ivelches wahrscheinl. mit der Vernei- 
bi henp S| ar de plog net un \n üah (Flachs) nungs- Partikel na (cf. nä u. net) u. mit 
net de eide (Egge) ; — hemp schämd Buk 55 der negirenden Partikel an (cf. un) iden- 
net, um up de mcsfold (Misthaufen) to was- tisch ist, iveil beide eine Bewegung, bz. ein 
sen ; — henp un ncttels (Nesseln) wassen 't bewegen u. gehen von ivo weg, ein entfer- 
Icfst uj) 'n fetten grund; — hemp is täjer nen etc. (ebenso toie ,,u-eg") au.sdrücken u. 
as Alis. — Nd. hemp, hemiei); mnd. henuep; von Hause aus wohl Bewegungs- Wurzeln 
nW. henuep, hennip; «(/.s. hilnep; engl, hemp; 60 sind, wonach denn hi-ua soviel bedeuten 



HEND HENDE 



73 



HENNE-KLED 



würde als: Er (Person, Bing, Etwas, hz. 
Seiendes, Wesen etc.) gehen, sich entfernen^ 
od. Er iveg u. fort etc. Von den Compo- 
sitis mit „hen" loerden nachstehend mir 
einige wenige aufgeführt. 

liend, hende, bei Hause, nahe, od. dicht 
hei, in der Nähe etc. — der is hend nog trend 
(weder bei Hause, od. nahe bei, in der 
Nähe etc., noch entfernt, in der Entfer- 
nung, weit herum etc.) wat to sen ; — fan 
hende im fan ferren tosamen kamen. — 
Afries. hend, heynd, heind; ivfries. (Japix) 
heyn ; nid. hende, heinde (dat raakd er op 
heinde nog verre op toe) ; mnld. (KU.) hende 
(prope, vicinus). Es gehört wohl zu einem 
Vbm. henen, heinen (cf. mnd. heinen, sub 1 
bei Seh. u. L.) = hemen, heimen (wohnen, 
Heim haben) u. bezeichnet dann das, wo 
man heind, od. wohnt, od. es ist von hein 
= heim (Haus) weitergebildet , loie es ja 
auch möglich ist, dass das „d" blos wie bei 
kerdel (Kerl) od. gardeu (Garn) etc. (cf. 
Seh. u. L., I, 469) eingeschoben ist ti. heinde, 
bz. heimde für heime (weder h e i m e od. zu 
u. bei Hause, daheim etc. noch ferne) steht. 

hen-däl, hendäl, hinunter, 7iach unten, 
nieder loärts. — Wang. (Ehrentraut, I, 
94) hendille. 

head-ferdig, s. haudferdig. 

hen-dÖD, hinthun; hingeben. 

hen-fägen, hinfegen. — he hed dat d'r hen- 
1; — he od. de wind fägd d'r hen, dat 
't so 'n ärd hed; — he hed hum en (eine 
geharnischte Epistel, einen groben Brief 
etc.) henfägd, de lie net för de spegel stekd. 

lien-fürder, hinförder, förderhin, in Zu- 
kunft. 0. L. B. heuforder. 

hen-fören, hinführen ; hinfahren. 

heil-toren, hinführo, in Zukunft etc.; dat 
raut hentoreu net wer geschedeu. 

henge , heiig', Angel, od. eigentlich das 
mit einem Auge, od. einer Ocse versehene 
u. an Thür u. Eenster etc. befestigte Eisen, 
womit man Thüren u. Fenster etc. einhängt, 
damit sie drehen können. — Mnd. henge ; 
mnld. henghe (cardo, ansa, hamus). 

heDgsel, Henkel. Nebenform zu hangsei. 

— Mhd. hengel, Henkel; Thürangel. 
lien-hemmeln, s. 1 hemmein. 

hen-in, hinein. — heningän (Ji'^ncin gehen) ; 
heninbären (hinein bohren) etc. etc. 

hen-kamen, hinkommen. — he schal wol 
henkamen; — he is al 'n göd ende henkameu, 
hingekommen , od. vorioärts gelangt , vorge- 
rückt etc. , sowohl im Raum als in der Zeit; 
daher auch: bejahrt; he is al 'n henkamen 
(bejahrter, ziemlich alter) minsk. 

hen-kamen, Hinkommen, Hingelangen etc. 

— wi mutten man up 'n göd henkamen sen. 
hen-könen, hinkönnen. — he schal d'r wol 



henkönen (Jiin od. hindurch können) ; — he 
schal d'r wol mit henkönen (ausreichen, sein 
Genüge haben etc.) ; — he kan d'r mit hen 
(hat sein Genüge, hat Geld u. Gut genug, 
5 ist alt genug) ; — he kan d'r wol hen (er ist 
schon so alt, dass er füglich von der Bühne 
des Lebens abtreten, sie verlassen, bz. ster- 
ben könnte) ; — 't kan d'r so wol hen (es 
ist so genug damit). 

10 hen-läg, nach dem was „lag" od. niedrig 

ist hin, hinunter etc. — 't geid al henläg. 

henne, kenn', Henne. Sprichw. : he is 

net so lank Stil , as 'n henn' 'n körrel up- 

pikd ; — he is so dün as 'n henn' ; — 't 

15 ei wil kloker wesen as de henn'; — he löpd 
to trippeln , as 'n henn' de leggen wil ; — 
't henntje wul leggen, — 't dürst 't net Seg- 
gen, — kikd agter jo! — kikd för jo! — 
't lose henntje bedrügd jo! — Es ist das 

20 Femin. von hän u. = ahd. haninna, hen- 
niua, henna, heinna; mhd. henne, als Wei- 
terbildung von ahd. hanin, henin. 

henne-bee, hennebeje, hennbeje, henne- 
hei, hennbei, hennbee (Plur. hennebeen, 

25 hennebejen , henbejen , henbeen , hcnben), 
hentjebee, hentjebeje, hentjebei (Plur. hentje- 
bejen, -been), Himbeere. — Nid. hindbei, 
hinnebei, henoebei , hennebezie; mnld. hin- 
nenbesie; ags. hindberie; engl, hindberry; 

30 ahd. hintperi ; mhd. hindbere , d. h. Beere 
der Hindin, od. Hirschkuh = ahd. hintä, 
ivas mit band zum Vbm.: goth. hinthan 
(greifen, fassen, fangen, erbeuten, erjagen 
etc.) gehören soll. 

35 henne-kled, Todtenkleid, Leichenkleid. — 
Nid. (v. JDale) hennekleed, mdartl. (Pro- 
vinz Drenthe) hunnenklet; mnd. (Seh. u. 
Ij.) henen-, henne-klet; md. (cf. Stbg,) heu- 
nenkleid, od. (cf. A. Holtzmann, Myth., 

40 pag. 170) hünen-, heineu-, hennen-kleed ; alt- 
nfries. (Outzen) hunneclede. henne etc. ist 
dasselbe Wort tvie in Hünen- Grab (u. 
nicht identisch mit dem in den fries. Ge- 
setzen aus hlen entstellten hen in henbedde 

45 = hlenbedde, Lehnbett, Krankenbett etc., 
cf. V. Richthofen, pag. 206, Zeile 12 u. 
28., 29. in Spalte 1 u. 3) , ivovoti es doch 
sehr fraglich ist, ob es urspr. die Bedtg.: 
Riesen- Grab hatte u. nicht auch dieses 

50 Wort lediglich u. buchstäblich mit Todten- 
Grab zu übersetzen ist, da in deyiselhen nie- 
mals Riesen- od. sog. Hünen- Leichen ge- 
funden ivurden u. es nach Holtzmann 
(cf. die obige Stelle) auch noch fraglich ist, 

55 ob das Wort Hain od. Hein als Name 
des Todes loirklich mit dem Namen Hein 
(s. d.) identisch ist, sondern nicht vielmehr 
ein blos im Volksmunde erhaltenes u. mit 
heune, hüne etc. «7s Todter identisches 

60 Wort war. Ist dieses richtig, so könnte es 



RENN IG 



74 



HER 



als Tod, Verwesung , Leiche etc. mit skr. 
knü, kuiiyatc (stinkenj , kuiui (Wange) ku- 
napa (Leichnam) etc. zur (Fick, I, 51) \ 
kun, knü (stinken, verwesen) gehören, wozu 
möglicherweise (vencesen, sterben etc ) auch 
isl. liiun (torpor, Erstarrung, Tod?) zu stel- 
len ist. Weiteres s. unter liüiie. 

heniiig, mittelmässig gross u. stark, halb- 
erwachsen etc. — 'n heiinifien hüai, bulle, osse 
etc. ; — ik was nog man so 'u heiinlg wicht 
od. so 'n hennijjen jung tan 14 of 15 jareu, 
as min fadir stürf. — Wang.(Ehr entraut, 
1, ii4) hentJg. 

hensa, s. hensen. 

hen- scheden, hinscheiden, verscheiden^ 
sterben. — he is honschedt. Auch stibst. ; bi 
sin heuscheden bint (od. sunt, sind) d'r gen 
tränen fergaten. 

honsen, d. i. Jemand unter geioit^sen theils 
lächerlichen, theils sogar gesundheitsschäd- 
lichen u. gewöhnlich mit einem Trinkgelage 
verbundenen Gebräuchen in eine Gesellschaft 
aufnehmen, od. auch auf Scliiffen Jeman- 
den taufen, wenn er zum ersten Mcde die 
Linie passirt, icobei gewöhnlich ein Alt- 
Matrose sich als Neptun verkleidet u. die 
Taufe, bz. das Begiessen mit Seewasser an 
dem Neuling vollzieht, der obendrein noch 
ein gewisses Stück Geld zum Vertrinken 
zahlen u. selbst einen grossen Becher leeren 
muss. — Nd., mnd. hausen, hensen ; nudd. 
bansen, hensen. Jemanden in die Hanse 
(s. unter hans) , od. eine gescJdossene Ge- 
nossenschaft, Gilde etc. (ds Hanse od. So- 
cius aufnehmen, Um zum Hansen machen. 
Wie bekannt herrschte diese Sitte auch bei 
den von Gl. Störtebeker u. G ödeke 
Michael angeführten Victualienbrüdern, die 
früher auf der Nordsee ihr Unwesen trie- 
ben u. von mehreren ostfries. u. groninger- 
ländischen Häuptlingen geschützt wurden u. 
Zuflucht in deren Häfen (so Gl. Störte- 
beker bei dem Häuptling tenBroke von 
Brokmerland in Marienhafe , wohin von 
der Leg aus das sog. Störtebekers Tief führte, 
was auch noch Jetzt in die Leg, bz. das 
Norder Fahrwa.sser ausmündet) fanden. 
Desgleichen ist es auch geschichtlich bekannt, 
dass der Becher, der von einem Neuling 
bei seiner Aufnahme in die Genossenschaft 
der Victualienbrüder davon seihst iiensa ge- 
nannt wurde u. Gl. Störtebeker selbst auch 
seinen Namen davon haben soll, dass er den 
Inhalt eines grossen silbernen Bethers, der 
auch hensa hiess, in einem Zuge hinunter 
stürzen konnte, worin ihm nur ein Edel- 
mann in Groningen gleich kam u. iroher 
denn dieser Becher auch die Inschrift führte: 
„Ik Joncker Sissinga van Groiiinga, drouk 
dees hensa, in een flensa, door niyn kraga 



in myn maga", 7vie solches von Wiarda 
(ostfries. Geschichte, I, 37 J) erivähnt ist. 

hen-sigt , Hinsicht. — in de hensigt best 

du regt. 

5 hent, erweitert lienter ? — Dieses nur in 

der Bedens((rt: 't geid all' hent un twent, 

od, henter un twenter, bz. hent afer twent, 

— henter afer twenter, — henter di twenter 
gebräuchliche Wort scheint mir ebenso wie 

10 das afries. hent od. hentio (cf. v. Richt- 
hofen, der es mit „?>/s" übersetzt) aus 
hento (s. d.) gekürzt, da: „'t geid all' hent 
un twent" soviel besagt, dass Alles hin u. 
her, od. bis loohin u. wieder zurück geht, 

15 bz. sich in einer schwingenden, schtoanken- 
den «. unsicheren Bewegung befindet tcie 
z. B. hei einem Wagen, od. Schiff etc., wo- 
bei denn auch leicltt die Ladung etc. idter 
einander hinstürzt u. Alles in Verwirrung 

20 geräth , wovon es aber heisst, dass Alles 
hent afer twent od. henter afer twenter 
geht. 

lientje , Dimin. von henne. — häntje un 
hentje. 

25 hento, hinzu, zu hin, bis zu, bis zu hin, 
bis hinan, bis; — hentogilfeu, hentodön; — 
fan hir hento Emden ; — hento de slots- 
kante steid 't all' ful wuter; — hento 'n 
örtje heato hed he rai erlik betäld; — dat 

30 is dar hento; — of du 't deist of uet, dat 
is (od. steid) dar hento. 

hen-trekkcn, hinziehen, d. h. sich od. ein 
Anderes bewegen woliin. 

1. her, od. her, her, von wo weg, zurück 
35 etc. — hen un her (zurück zum Ausgangs- 
punkt) is glike wid; — he kiimd d'r her; 

— kum her ! — gel 1 her ! — fan olds 
her; — wo geid d'r her bl jo? — dat hed 
d'r mal her gän; — he is d'r her (er ist 

40 fertig, bz. zu Ende damit) ; — 't is d'r all' 
her ; — dat kunid d'r allen fan her, dat du 
net uppasd best. — Nid. her (her, zurück, 
ivieder, wiederum etc., cf. her-schcppen, her- 
vormen etc.) ; ahd. hera ; mhd. here, her u. 

45 ahd. hara, bar. Mit hen u. hir derselben 
Abstammung. 

2. her, od. her, herrlich, froh, freudig 
etc. — he was d'r so her (od. hild, bilde etc.) 
mit, dat he bei net wus', wo bog he für 

50 freide springen schul". — Nd. (Dr. Wb.) 
beer, here (lieb, angenehm , froh). Es ist 
dasselbe Wort wie nhd. hehr = ahd. her, 
lieri, here; mhd. here (hehr, herrlich, er- 
haben, vornehm ; stolz ; froh, freudig) ; mnd. 

55 here; mnld., nid. beer (in lieerlijk); afries. 
her (fraglich, cf. v. lii c h thofe n u. s. 
unter herskuj) am Schlüsse); as , ags. her 
(hehr, vornehm etc.); an. här (hoch, erha- 
ben etc.). — Wie skr. kila zu ki, so könnte 

60 es vielleicht zur ]/ kshi (herrschen, mächtig 



HER 75 HERD 

sein etc.) gehören. Oder yehört es zur y machen, wirken, thun etc. der y kar ebenso 

kir (Jemandes rühmend (jcdenken , preisen, wie bei taksh auf die Grdbdtg. : schlagen, 

rühmen etc.), einer Ahlautform von kar hauen, behauen, schneiden etc. zurückgeht, 

(tönen, schreien, rufen, prahlen, rüfimen Iier-bür (Herr-Bauer), ein Bauer, od. 
etc.) ? Oder ist an eine Verwandtschajt mit 5 Landwirth der seiner Gebm-t u. Lebenstel- 

goth. hais (s. unter 6 hei), bz. den Zusam- hing nach nicht dem eigentlichen Bauern- 

menhang mit den Wurzeln qi od. gir, gri stände angehört, auf seinem Landgut ein 

aus kar, car, cra, cnveitert ^rä, ^ri (bren- vornehmes u. herrschaftliches Leben führt 

nen, flammen, dörren, kochen etc.) zu den- n. sich tim die Ackerwirthschaft wenig be- 
ken, womit auch wohl zend. ^ri (schön sein, 10 kümmert, sondern zur Betreibung derselben 

glänzen etc.), ^rira = skr. qrila, (schön) etc. einen „bomester" hält, roeshalb denn auch 

zusammenhängt ? ein solcher lier-biir beim echten ostfries. 

3. her, od. her, u. liere, Herr, Gebieter, Gott Bauer nicht gross in Achtung u. Ansehen 
etc. — min her is net to hiis ; — de lefe her steht. 

segene jo 't wer; — here! min tid; — here! 15 herd, od. herd, Herd; a) Grund u. Bo- 

here! help uns; — Sprichw.: so de her, so den, Scholle, Landgut, Bauernhof, Wolm- 

de knecht ; — strenge heren regeren net statte, Wohnung. — he beböed sin egen lierd ; 

lank ; — mit grote heren is kwäd kassen — he wand up sin egen herd ; — he wil 

(karsen, Kirschen) e.toa , se smtten en mit sin herd (od. stä', pläts) ferköpen laten ; — 

de stenen ; — grote heren krömen, brengen 20 Sprichw. : egen herd is gold werd ; — b) 

de lütjen to 't römen ; — heren gebod durd Stelle od. Stätte ivorauf das Feuer ange- 

dre dage uu 'n schoftid; — heren brefen legt wird, Feuerherd. — se sitten mit 'n ander 

sunt lelk to lesen. — Afries. liera, her ; bi (od. um) de herd un fertellen sük wat ; 

tcfries. heare, beere ; nfries. hiere, hier, her ; — böte für up de herd an. Compos. : für- 

nld. heer; mnld. beere, beer; nd. beer, her; 25 herd (Feuerherd, Feuerstelle od. L^euerstätte 

nind. here, her; as. herro, hera; a^s. herra, = fürstä') ; — herd-stii' ; — herd-iser etc. 

hearra; ahd. herro u. hero; mlid. herre, — Afries. hirth, herth, herd; wfries. hird ; 

liijrre, herr, her u. here. Es ist zusammen- wang. hirt; satl. (Ehrentraut , 1, 190) hed 

gezogen aus dem Comparatiß : ahd., as. he- (statt herd, cf. ben = bern unter ha.rn) ; nid. 

roro von ahd., as. etc. her (hehr, erhaben, 30 haard, haart, heerd, beert ; /»uW. herd, heerd, 

vornehm etc.); s. 2 her. haerd; nd. heerd; mnd. hert, herd; ags. 

4. her, od. her, Heer, Schaar , Menge, heordh; engl, hearth ; ahd. herd M. honla; 
Kriegsheer etc. — d'r kwara gans her bi mhd. hert (Erdreich, Erde, Boden; Boden 
'n ander; — 't ganse her is ferslagen. — als Feuerstätte , Herd). Fick (III, 66) 
Afries. here, hiri ». heir; ivfries. heev, heiv ; 35 nimmt an, dass focus (von y hha, bhä, 
satl. her; nid., mnld. heer, heir, her; as. sclieinen, leuchten, flammen etc. ?) die urspr. 
heri; ags. here; an. herr; schwed. h'a,r; clän. Bedtg. von herd sei u. stellt es demnach zu 
haer; ahd. hari, heri; mhd. here, her; goth. einer germ. ]/ bar (brennen, heizen), die 
harjis (versammelte Volksmenge , Schaar, wohl = lat. cal (in calor, calefacio etc.), 
Volk; Heer; überwältigende Menge). Fick 40 bz. skr. gra, gar, /%. kar, kar (cf. I, 44) 
(III, 65 u. I, 45) stellt es mit jjrcu.ss. kuvja ist. Da es indessen wahrscheinlicher 
(Heer ; Krieg) ; kslav. kara (Streit) ; skr. ist, dass herd ur.'ipr. die Bedtg. : solum, od. 
kära (Mord); gära (Verderben) ; griech. ka- Grund, Boden (od. Erde, Er dre i ch etc. 
rös, kera etc. zur y gar, kar, bz. skar, ver- als Fundament von Allem, wie Ja auch der 
derben, vernichten. Vergleicht man in- 45 Name der Göttin Hertha mit diesem 
dessen, dass das Wort schär (Schaar, Menge Worte zusammenhängt), Stelle, Stätte (als 
etc.) ebenso tvie Pflug- Schar u. Sehe er e dasjenige, worauf Etwas ruht, sitzt, ivohnt, 
zu scheeren, bz. mit diesem zu der y lagert, bz. als dasjenige was ein Anderes 
skar (schlagen, spalten, theilen, schneiden, hält, trägt u. ihm als Sitz etc. od. als Un- 
ver wunden, tödten etc., bz. scheeren, kahl 50 terlage dient) etc. hatte u. auch ja ein Herd 
machen, entblössen) gehört, so ist es zwei- (als Feuerherd) nur das ist, worauf das 
feil OS, dass auch ahd. hari etc. (Schaar, Feuer liegt u. ruht, bz. was ihm als Unter- 
Heer, Abtheilung etc.) zu der y kar, skar läge dient u. es trägt u. hält etc. u. dcr- 
in der Bedtg.: spalten, schneiden, theilen selbe als solcher mit dem Grdbegr. bren- 
etc. gehört u. dass die Bedtgn. : Krieg, 55 nen nichts zu schaffen hat, so liegt es icohl 
Streit, Zwist, Verderben etc. der obigen näher, um auch für dieses Wort eine y 
Wm'ter, bz. die von: verderben, vernichten, (od. ein Thema) aufzustellen, welche (od. 
zerschlagen, ruiniren, verh,ecren etc. sich welches) dieselbe sinnl. Grdbdtg. hat, tvie 
auch von .selbst aus dieser y ergeben, wie die ]/ od. das Thema von solum. Ver- 
andererseits ja auch die Bedtg. : fertigen, 60 gleicht man mm aber solum (wovon nhd. 



HERDE 



76 



HERDER HEDER 



Sohle, hz. unser säle) in seinem Zusam- 
menhang mit ahd. sal, od. s;ila (Haus, Woh- 
nung, Saal), goth. saljan (halten, bleiben, 
od. wohnen u. sich aufhalten wo, sitzen od. 
ruhen wo etc.) ; lat. soliuni (Sitz , Stuhl, 
Thron), kslav. selo (Grund, Wohnung etc.); 
griech. si'\m-A (Getiifel, Verdeck, Ruderbank); 
as, sclmo, ags. scalma (Lager, Bett, Bett- 
stelle, Gerüst etc., cf. bed-selni) etc. etc. zu 
einer y sal, sar = zend. liar (greifen, fas- 
sen, halten, erhalten, unterhalten, stützen, 
schützen, hüten etc. , hz. erhalten , ernähren 
etc.) gehört, sowie weiter, dass die ]/ dhar 
neben tenere, ferre, gerere, dctiiiere, susten- 
tare, scrvaro etc. auch die von putare od.: 
hallen dafür, dafürhalten, glauben, meinen, 
denken etc. hat, so könnte tvohl zivischen 
hord als Haltendes, Stützendes etc. u. skr. 
^rat od. gräth (der IJndlaut könnte nach 
Grassma7in auch t, d, od. dh sein), Ver- 
trauen, Glauben etc. ti. lat. credo etc. ein 
Zusammenhang stidtfinden, ivcnji man nicht 
überhaupt annehmen will, dass die ]/ crath 
(cf. bei Grassm a n n, der aber cräth hin- 
zu.^tellt) in ihrer Bedtg.: trennen, lösen etc. 
eine Weiterbildung der y i;a.T, rir, ^ra, ^ri, 
(zertrennen etc.) i.'it u. sich aus: trennen, 
lösen, frei machen , ablassen von etc. dann 
weiter die Bedtgn.: nachlassen, sich legen, 
ruhen etc., soivie ferner die von: ruhen in, 
sich beruhigen u. ergeben worin, Vertrauen 
u. Glauben haben zu etc., tvährend herd od. 
herd-a als das worauf Etwas ruht od. liegt 
etc. von ^rath od. grat in der Bedtg. „ru- 
hen'^ weitergebildet sein, od. auch unmittel- 
bar von der y (;ar, ^ri (einem Etwas Halt 
u. Stütze geben, etwas woran lehnen u. 
stützen, od. legen tcoran n. ivorauf , liegen 
u. ruhen machen etc.; sich lehnen, stützen 
u. halten an Etwas etc., wovon (;rat = Ver- 
trauen etc., als das sinnl. sich lehnen 
woran, sich stützen worauf etc. tcohl wei- 
tergebildet ist, locnn es nicht eben aus dem 
Partie, yarta, ^rita gekürzt tourde, bz. ein 
Denomin. davon ist), bz. dessen Partie. II, 
Qrita (wovon icohl das Verbale (;rit ein De- 
nom. ist), lehnend, stützend, ruhend etc. etc. 
abgeleitet toerden könnte! 

herde, od. herde, Heerde, Rudel, Haufe 
etc.; 'n ganse hcrde scliapcn. — iVW. lierde; 
as. (hcrda) ; ags. heordh, herd, hird ; engl. 
hord ; an. lijürdli, lijardhar; schwed., dän. 
hjord ; nfries. (Outzcn) jaarne, lijaanie; 
süddän. hjard ; goth. hairde; ahd. licrta; 
mhd. lii rte, lii-rt. Davon : afranz. herde ; 
pic. herdc; altwall, hierdal (Rudel, Wild, 
Heerde). Zunächst ist wohl skr. (;ardlia od. 
<;ärdha (Schaar, Trupp) zu vergleichen, jvas 
als Adj. die Bedtg. : stark, kühn, mächtig 
etc. ti. als Subst. auch die von: Held u. 



Heerführer, od. Anführer der Schaar etc 
hat u. womit denn in dieser Bedtg. auch 
das mnd. liorde (Hirte, s. unter hcrdor) 
stimmt. Dieses ^-ardha od. ^ärdha wird von 
5 Grassin an n etc. mit (jardhas (kühn u. 
stark ; JSIacht , Stärke ; Schaar, Heer) von 
cardh (sich keck, kühn u. stark erweisen; 
subst. der Trotzende, der kecke Feind) ab- 
geleitet, tvührend Fick (I, 48) auch zend. 

10 karedha, bz. (Jnsti) khiurcdhA (Schaar) zu 
^ardha, ^ardhas «. hiezu aus.'^er Heerde 
u. Hirte auch zend. (^^avedha (Art, Gat- 
tung, od. icie icir sagen „slag"), griech. kör- 
thus (Erhebung, Haufe) ; lit. kerdius , bz. 

15 kerdjus (Hirt); kslav. creda (Heerde) ver- 
gleicht. Hält man hiezu nun weiter: ahd. 
licrta; kslav. crGdA; russ. cerado (vices, Wech- 
sel) etc., so scheint es mir, dass alle obigen 
Formen auf eine Grdform skardha od. skar- 

20 dhä. (cf. bei Fi c k, I, 41 seq. u. an sonst. 
Stellen die vielen verschiedenen Anlaute = 
urspr. sk od. k ?<. hei Grass mann atisser 
skr ^= kr auch kfdhu , verkürzt, verstüm- 
melt etc., wovon er glaubt, dass es für skrdhu, 

25 bz. skardhu steht u. wobei er «;// skrdhoyu, 
kärglich etc. verweist, dabei aber glaubt, 
dass dieses Wort sich zunächst an ein nicht 
nachiveishares Subst. skrdhas , bz. skardhas 
lehnt) zurückgehen u. dass dieses 'Thema 

30 mit der ]/ dha od. dha (cf. credo aus cret-da, 
bz. crat-dha, od. crath-dlia = Glauben u. 
Vertrauen setzen worauf, od. geben Einem) 
von skar (bz. kar, khar, car, gar, skhar), 
schlagen, hauen, spalten, schneiden, schee- 

35 ren, schinden etc.; scJiciden, trennen, ent- 
fernen etc.; behauen, formen, bilden, ge- 
stalten, machen, toirken, schaffen etc. toeiter- 
gebildet ivurde. Dass nun aber aus den so 
verschiedenen Bedtgn. der ]/ skar alle ohi- 

40 gen Bedtgn. des Themas skardha od. kar- 
dha leicht entstehen konnten (z. B. frech, 
kühn, gewaltthälig etc., od. Held etc. aus: 
schlagen, fechten, verwunden etc. ; — Schaar, 
Abtheilung etc. aus: schneiden, scheeren etc., 

45 cf. 4 her; — viccs vielleicht aus: scheiden, 
trennen, entfernen, entweichen, tvcichen etc. 
wie ja Wechsel auch mit tvcichen zusam- 
menhängt, od. vielleicht aus : schlagen, käm- 
pfen, erschlagen, bezwingen, besiegen etc., 

50 wie auch ja vices mit vinco, victor etc., so- 
ivie mit goth. veihaii, kämpfen etc. u. ahd. 
wehsal, Wechsel etc., wihhan, iveichen etc. 
formell zu einer y gehört) ist klar, obschon 
CS schwerlich mit Sicherheit nachzuweisen 

55 ist, von ivelchcr ersten Auffassung die alten 
Sprachbildner dabei ausgegangen sind. 

lierdcr, heder, iiiidPr, ilirte. — schäp-her- 
der od. scliäpheder, Schafhirte. — Afries. 
herdore; zcfries. herder; mnd. herder; nid., 

60 mnld. herder, harder; an. hirdhir; ahd. 



HERDJE HERDTJE 



77 



HERSKÜP HERSCHUP 



hertäre, hirtere ; mhd. hertaere, herter. WoJil 
direct von herde (Heerde) , od. Weiterbil- 
dung von US. hirdi, herdi; ags. hirde, liierde, 
heorde, hiordc, hyrde; e)igl. herd; mnd., 
tnnld. herde ; goth. hairdeis ; ahd. birti, hirte ; 5 
mhd. hirte, hirt; md. harte (Hirte), ivoriiher 
das Weitere unter herde. 

herdje, herdtje (Dimin. von herd), klei- 
nes eisernes Gestell, welches auf die Herd- 
platte über das Aschenloch (rakdobbe) ge- 10 
stellt ivird, um das Feuer darin anzulegen. 

— Nid. haardje (kleiner Herd). 
lierd-plate, Herdplatte. 

Lerd-stä' herdstäe, Herdstätte, Herdstelle, 
d. i. Hof stelle, Bauerngut, Herd. — he wil 15 
sin herdstä' ferköpeii laten. — Afries. hirth- 
stidi, hertlistcde, herdsted (Wohnstätte, Haus- 
stelle, Hof stelle , laris domus) ; nid. haard- 
stede ; ahd. hertstat (Herdstätte, Herd). 

herelk, s. herlik. 20 

lieren, s. beheren etc. u. ferbären etc. 

lieren-perd (Herren- od. Gottes-Pferd), 
Libelle, Wasserjungfer. 

lier-gods-bestje (Herr- Gotts-Thierchen), 
Sonnenkäfer. 25 

lier-gods-blüd; i. q. Gods-blöd, s. un- 
ter blöd. 

bering, s. häring. 

her-jasses, ber-jeses etc., .s. jasses. 

her-kamen, herkommen ; hergekommen. — 30 
wilt du wat herkamen ; — he is dV her- 
kamen; — dar is he nich bi herkamen, da 
ist er (seinem Herkommen, bz. seiner Ge- 
hurt u. Abstammung nach) Glicht bei herge- 
kommen, d. h. er ist es bei seinen Eltern 35 
als Kind besser gewohnt gewesen. 

her-kamen, Herkommen, Herkunft, Ge- 
hurt etc. — fan mm herkamen word fau dage 
uiks ; — fan sin herkamen is lie 'n bu- 
rensSn. 40 

her-knnist, Herkunft, Abstammung, Ge- 
hurt. — fan herkumst is he 'n hollander ; — 
Wiederkunft, Wieder- od. Zurückkommen; 
up sin herkumst könen wi net töten od. 
wagten. 45 

her-lik, lierlik, li^relk, herrlich, glanz- 
voll, prächtig etc. — dat sügt herlik üt; — 
he läfd herlik un in freid^n; — herlik wer 
(lierrliches Wetter) ; — dat smekd herlik ; 

— 'n herelk stük flesk. Zu 2 her mit Be- 50 
Ziehung auf 3 her. 

herlikbeid, herlikheid, berelkheid, Herr- 
lichkeit, grosse Freude, Glanz, Pracht etc. ; 
herrschaftliches od. adliges Gebiet. — dat was 
jo 'n herlikheid, as se mi saggeu ; — dat is 55 
dar jo 'u herlikheid in hüs; — de herlik- 
heid Lütshörg. 

Herman, ml. Name, gekürzt Harm, dessen 
„a" sich übrigens auch aus der alten Form 
Hariman, Ilarman erhalten haben kann. Ob 60 



jedoch der Name Herman ein Compos. von 
liari, heri (cf. 4 her) u. man ist, ist sehr 
ztveifelhaft, namentlich beim Vergleich des 
Namens des Cheruskerfürsten Hermann od. 
Arminius, da dieser auch mit aryaman, air- 
raiiie, bz. Irmin etc. (s. unter ilre) connex 
od. identisch sein kann. 

llero, Here, Herre, ml. Name. Geschln. 
Heren, Herren. Wohl auch wie 3 her mit 
2 her connex, bz. wie dieses aus dem Com- 
par. berero contrahirt u. substantivirt. 

bers, bersk, b^rske, berscb, hesk u. 
(Oberledingen) ge)*k, Gersch, Girsch, Geis- 
fuss (aegopodium). — Dithm. heers; bre- 
misch (cf. Br. Wb. unter heers) geerseln; 
holst, jörs. 

bersk, bersk, herrisch, tvie ein Herr u. 
Gebieter, befehlshaberisch, dickthuig etc. — hö 
tred so regt bersk up; — 't is so 'n regten 
herskeu kerel. — Nid. heersch ; mhd. herisk, 
herish, berscb. 

bersken, bersken, herrschen. — h6 wil al- 
tid afer 'n ander bersken. — Nid. heerschen ; 
ahd. herisön, heresön, herresön ; mhd. her- 
sen; später berschen, herrschen. 

herskup, berschup od. herskap etc., Herr- 
schaft; a) hochstehende Person, od. Person 
die ihrem Stande nach Herr ist, bz. Herr 
titulirt wird. — min lefe herskup, dat könd ji 
wol dön, man mit unse lütje Itie is dat 'n an- 
der ding ; — 't is so 'n regten herskup ; — 
he löpd uet, as so 'u herskup ; — b) Herr 
u. Frau, gegenüber der Dienerschaft. — unse 
herskup is uet to hüs ; — c) Oberhoheit, 
liegiment, Regierung, Oberbefehl etc. — under 
sin herskup. — 3Ind. herschop ; nid. heer- 
schap ; ahd. herscaft, herscaf ; mhd. herschaft, 
Herrenwürde, Herrenstand , Herren-Macht, 
od. eigentlich : hehrer, hoher, erhabener, stol- 
zer, vornehmer Stand, hehre etc. Würde od. 
Beschaffenheit, Art u. Weise (cf. skup = 
ahd. scaft (ds das was geschaffen ist u. be- 
steht, bz. ein Sein hat etc.), daher auch: 
Hoheit, Herrlichkeit; Stolz, Hochmuth, od. 
stolzes Sein; Herrenbesitz; Herrschaft; ma- 
gistratus; Herr u. Frau gegenüber der Die- 
nerschaft. Verschieden von diesem mit ahd. 
her (cf. 2 her) zusammengesetzten Worte ist 
das ahd. heri-scaft, beriscaf; mhd. hers- 
capht, berschaft u. as. beriscepi, heriscipi, 
was als Compos. von heri (Heer, Schaar, 
bz. Kriegsheer, cf. 4 her) u. scaft od. scepi 
den Stand od. das Sein, Wesen u. Bestehen, 
bz. das Dasein u. Vorhandensein eines Hee- 
res (od. dessen ivas heri bedeutet) bezeichnet 
u. daher loörtl. soviel als Heer-Stand 
(Kriegerstand, Militär etc.), od. auch Heer- 
wesen u. zugleich auch das Bestehen u. 
Geschaff'ensein eines Heeres od. einer 
Schaar (eines heri ivas in Wirklichkeit 



HERTOG HARTOG 



78 



hes 



da ist od. eine seiende Menge) besagt, wie 
es denn auch einestheils mit: militia, Krie- 
geischaft etc. «. andererseits mit: Heer- 
schaar u. Volksmenge etc. (als daseiendes 
u. sichtbares Heer od. vorhandene Menge) 
überset::t wird u. im an. herskapr auch die 
Bedtg.: Kriegsart, KriegsfUhrung etc. hat. 
Das afries. herskipi betr., so übersetzt v. 
Richthof e n es mit Herrschaft im 
Sinn von iniperiiini, indem er es für ein 
Compos. von her (hehr, hoch, erhaben etc.) 
u. scepi Itält u. mit ahd. hOrscat" idcntificirt. 
Vergleicht man indessen die betr. Stellen in 
den Büstringer Gesetzen a) pag. 122, Zeile 
2-5 seq. ICO es heisst: „ac skilu wi use lond 
wera luith egge and mith orde etc. with 
(wider, gegen) thene stapa heim and with 
theno rada skeld , and with thet uuriuchte 
herskipi (also Neutr. wie as. heriscepi)" — 
u. b) pag. 539, 3 seq., wo steht: „umbe etc. 
thet wi him (ihm, d. h. dem Könige Karl) 
etc. riuchtere herskipi bikande; tha letho- 
gade hi (er, der König Karl) us fon etc. 
tha deniska kininge etc. and fon allere un- 
riuchtere herskipi", so scheint es mir, dass 
unter „thet uuriuchte hcrscipi" (wogegen sie 
mit Schwert u. Degen ihr Land bewahren, 
schützen u. vertheidigen sollen) etc. das un- 
gerechte, od. Unrecht u. Böses ausübende 
Heer, od. die Kr ieg s schaar der Nor- 
mannen (bz. die feindlichen Scliaaren u. 
u. Horden im Allgemeinen) zu verstehen ist 
ti. dass in der folgenden Stelle wuhrscheinl. 
nur von der Herrschaft od. Imperium die 
Bede ist. 

hei'to^, hartog, Herzog. — Afries. her- 
toga, hertiga ; as. heritogo ; ags. herrtoga ; 
an. hertogi; ahd. herizogo, herizoho, hore- 
zogo ; mhd. herzöge, Heerführer, Herzog, dux. 

Iicr-ut, heraus; hinaus. — he smet hum 
to 't hüs heriit. 

lien'lt-bandisen, heraus-, od. hinausjagen. 

herüt-bannen , herausbannen, herau.'ibe- 
fchlen (durch einen Befehl, od. drohende 
Worte), heraustreiben; liinausbannen , hin- 
au.ibefi'hlen, loegbannen, vertreiben etc. — ik 
wil st^n, of ik dar net nog wat (z. B. Geld, 
od. Geldeswerth von einem Schuldner) herrtt- 
bannen kau ; — ik heb' hum tu 't hus lu rüt- 
band. 

hprfit-;2;äfen, herausgeben. 

Iipriit-sniiten, hinauswerfen. 

bcs (selten ; meistens hesterig) , heiser, 
raucus. — Nid. heosch; mnld. heesch; mjläm. 
hecs, heesch ; wang. hus, hoes ; mnd. hesch, 
heak, heisch; as. hes; ags. bäs; oigl. hoarse; 
Schott, hess ; an. häss ; isl. häs ; norw. haas ; 
dan. haes; schwed. hes; ahd. heis; mhd. 
heis u. heiser, haiser (heiser, raucus ; schwach, 
mangelhaft). — Die Ableitung von der y käs 



(husten, cf. host etc.) ist abzuweisen, denn, 
es erfordert wie 6 hei, heid, beide eine y 
mit dem Vocal „i" u. ka)in demnach, falls 
goth. hais wirklich mit G hei zur y (;i, bz. 
5 ki (brennen, dörren etc.) gehört, formell so- 
loohl hiezu , als auch beim Vergleich von 
heid, beide etc. od. anderen Wörtern mit 
anlautendem „h" zu einer j/ ki, ski, erwei- 
tert (^is od. kis, kis, skis, bz. skr. ki, ski, 

10 kshi, khi, ci, ^i etc. erweitert kis etc. gehö- 
ren. Fraglich bleibt es aber, ob man, wie 
bei lat. ravis, ravus , raucus von der y ru 
(tönen, rauschen, knarren etc. , bz. ein u)i- 
organisches Geräusch u. Getöse machen) 

15 ajinehmen inuss, dass auch hes einer Schall- 
wurzel (vergl. dieserhalb skr. bös unter his) 
entstammt, die auch die Bedtg. : kratzen, 
rauh macJien etc. (vergl. unter guaucn das 
griech. chuauö) entwickeln konnte, od. ob 

20 man beim Vergleich des ahd., mhd. heis, 
heiser (s. oben) anzunehmen hat, dass hes od. 
heis urspr. die Bedtg. : schivach, matt etc. 
hatte u. dieses Wort sich auf die schwache, 
matte, krankhafte, gebrechliche, mangelhafte 

25 Stimme bezog, wie Ja bekaiudlich ein 3Iensc]i 
der heiser ist, nur eine matte, schwache etc. 
Stimme hat, i« welchem Fall dann die ]/ 
kshi (vernichten ; hinschwinden, abnehmen 
etc.) anzusetzen ist, od. auch ^i (zerschmet- 

30 tert am Boden liegen, todt sein, hinsinken, 
liegen etc.), od. auch qish (zurückbleiben; 
zurücklassen , ablassoi etc., bz. hinsinken, 
ermatten, ruhig liegen u. werden etc.), die 
mit ^'ish (ferire, laedere, occidere etc. , cf. 

35 Bopp) u. kau (stechen, schneiden, vernicJt- 
ten) , kas, kis (schlagen, stechen, verwun- 
den etc.) wohl auf ]/ ka, ki od. kä, 
ki (schärfen, wetzen, spitz und stechend 
machen etc., cf. Fick, I, 54 ii. da.'ielbst 

40 M«iey kisdha, kisdhara, (stachligt [bz. bor- 
stig, rauh, starrend etc. , wie der Bart 
od. die Granne etc. , bz. ein Igel etc.], auch 
toegen bester) zurückgehen. Dass man übri- 
gens, sofern man den Zusammenhang mit y 

45 V^is, kas (stechen, bz. verwunden, ritzen, rauh 
machen etc.) ablehnt, beim Vergleich des 
formell mit heis übereinstimmenden goth. hais 
von der y ki (brennen, dörren, bz. heiss 
ioerden, dürr, trocken u. durstig werden, er- 

50 müden, ermatten, erschlaffoi etc., cf. 6 hei 
u. unter dörst, dürsten, tvomit die y ki, bz. 
(;i, am Boden liegen, bz. Jiinsinken etc. auch 
tcohl identisch sein kann) auch daran den- 
ken kann, dass heis od. heiser urspr. blos 

55 die Bedtg. : heiss od. trocken, dürr etc. hatte, 
zumal man bei der Heiserkeit (als aus Er- 
kältung [od. eigentlich aus Verhitzung, bz. 
dass man vorher heiss ivar] entspringend) 
nicht allei)i oft fieberhaft u. heiss ist, son- 

GO dem auch an Trockenheit u. Dürre im 



ttESEL 



79 



HET-BREISK HETBREUSK 



Halse leidet u. hierdurch auch die Stimme 
nicht allein matt, sondern auch heiser u. 
rauh klingt. 

Zum Schluss sei noch bemerlt, dass M. 
Heyne (cf. Grimm, Wb., unter heisch 
= heiser, rauh von Stimme) an eine Ver- 
wandtschaft mit skr. kesara (Mähne, Haar), 
lat. caesaries (als das rauhe od. starrende 
etc.) denkt, was von Fick (I, 51) mit skr. 
ke^a, kesa ; lit. kasä (Haar) ; lit. kasa etc. 
(cf. unter 1 här ain Schlüsse) zu einer Ab- 
lautform kis der y kas (kratzen, stechen, 
jucken etc.) gestellt wird, ivährend er zu y 
käs (husten) bemerkt, dass solche auch viel- 
leicht mit kas (kratzen) zusammenhängen mag. 

Hesel, weitläufig gebautes Kirchdorf im 
Stickhaiiser - Amt an der Poststrasse von 
Aurich nach Leer, bz. nach Oldenburg, be- 
züglich dessen nach Kern u. Willms (cf. 
pag. 7) der Volksmund singt: wet ji wol, 
war Hesel ligt? — Hesel ligd ia 't runde; 
— Hesel is dat supers loog, dar siipt dat 
folk as hunde. Es ist tvahrscheinl. iden- 
tisch mit dem in der Urkunde von 988 (cf. 
ostfries. Urk.-Buch von Dr. Fr ie dl a en- 
der Nr. 3) zusammen mit Ripesholt 
(jetzt Reepsholt) genannten H a s a 1 i u g e, 
sowie entweder mit dem in der Urkunde 48 
genannten H a r s 1 a od. H a s s e 1 1, od. mit 
dem daselbst genannten Holse, sowie zweifel- 
los mit dem in dem Werdener Heberegister 
(Index bonorum etc. monast. Werdensis, von 
Dr. Crecelius) öfter genannten Hasla, 
zumal pag. 22 neben Hasla auch Tim- 
b e r 1 a e (Timmel) , H o 1 a ii 1 a e (Hollen) 
M. Filii sni (Filsum) etc. genannt wird, 
tvobei wegen der Form Holse, bz. Hosle 
statt H a s 1 e auch auf das in der Urkunde 
No. 48 von 1319 mit dein jetzigen Jem- 
gum identischen Gommegum, bz. Gemme- 
gum, Jeminghem veriviesen tvird , icas 
im Werdener Heberegister als Giminghem 
(cf. pag. 22, wo auch G e r z h e m [J a r- 
sum], Borzhem [Borsum] ?<. Petting- 
hem [Petkum, od. Petjum, Petjem] 
enoühnt werden) vorkömmt. 

Hester, weibl. Name = Esther. 

hester; i. q. 2 heister. 

hester, bester, heister, ein junger Baum 
od. Strauch, Baum-Pflänzling. — Nd. hee- 
ster, eester, heister (Strauch; auch Pflänz- 
ling von Eichen u. Buchen) ; mnld. eester, 
ester, heester, hester (frutex, talea, arbuscu- 
lum); mfläm. eester, ester, heester (Schoss, 
Schössling, Pflänzling) u. eester, heester 
(Obstgarten, poraarium) ; nd. (Br. Wb.) 
hester; mnd. heister, hester; mhd. heister 
(junger Eichen- od. Buchenbaum; Knüt- 
tel); Hess. (Vilmar) heister (junger Wald- 
baum, namentlich jedoch nur Buche). Fick 



(J, 54) vergleicht es zu zend. (jizhdra, c/\zh- 
dara (stachlig, Stachel tragend); griech. 
kl'sthos, kfstharos, bz. ki'stos (straucharti- 
ges Gewächs mit rosenrothen Blüthen, Cist- 
5 röschen, Pflanze mit Stacheln besetzt, lat. 
cistt.ios, Staude), als Verwandte von kis, lj:as 
(schlagen, stechen, bohren etc). Dass übri- 
gens das griech. kis, kios (Kornwurm, Holz- 
wurm, als stechende, bohrende ITiiere), wenn 

10 nicht direct mit der y kis (stechen), so doch 
wie diese mit ka, ki (schärfen, cf. unter 
hes) , zusammenhängt, scheint wohl fast 
sicher, doch ist es auch möglich, dass es zur 
y kslii (vernichten, verderben, zu Grunde 

15 richten etc.) gehört, weil diese Thiere Korn 
u. Holz vernichten u. verderben. Wegen 
ka, ki (schärfest, wetzen) sei übrigens noch 
bemerkt, dass dies durch Reiben od. Strei- 
chen (über Etwas hin) geschieht u. da nun 

20 schaben od. reiben synonym ist, so ist 

ka, ki auch von ska, ski, erweitert skäv 

(cf. Schafen), bz. ska, sku (cf. Fick, I, 

236) nicht zu trennen, wie auch skr. kshi 

= ski (cf. Fick, I, 236) ist. 

25 hesterig, hestei'g, hestrig, heiser. — Nid. 
hecsterig. Zu hes. 

hesterigheid, hestergheid, hestrigheid, 
Heiserkeit. 
bet, s. hed. 

30 bet, et, gewöhnlich 't, es. — Nid. het; 
afries. hit. Neutr. von he = afries hit. 

bet (flect. heter, hetstej, heiss, sehr warm, 
brennend, erhitzt, hitzig, leidenschaftlich, bz. 
entbrannt auf, od. leidenscliaftlich worauf 

35 versessen, heftig, stark etc. — de sünne schiud 
so het; — dat is 'n heten dag; — ik büa 
so het ; — dat hei is het (heiss, erhitzt etc.) ; 
— dat äten is nog to het; — 'u het fer- 
laugen hebbon wärnä; — he is d'r so het 

40 up, z. B. up de besit fan dat wicht od. dat 
hüs etc. ; — 'n heton stri J striden ; — 'u 
hetern (heftigere) kolde as fan dage hebbeu 
wi nog net had. — Sprichw. : he blast liet 
un koid üt enen niuud ; — d'r is giii für so 

45 het, of 't water kan 't ütdön. — Afries., 
rdd., nd., as. het; m)id. het u. höt, hoit; 
ags. hat; engl, hot; an. heitr; norw. heit; 
schwed. het; dän. hed u. heed ; ahd., mhd. 
heiz. Die dafür anzusetzende germ. y hit 

50 ist in derselben Weise von hi = idg. 

ki od. ki, ski, skr. ei (der y von 6 hei) 

weitergebildet, wie skr. cit (scheinen, er- 

scheifien , sichtbar werden , erglänzen etc., 

bz. blicken, sehen etc. , cf. Gr assman n) 

55 von ci, bz. ki, ski, od. skid, skad (cf. helen 
am Schlüsse) von ska, ski. 

bet-breisk, betbreusk, heissgährig, heiss- 
brühig, bz. durch innerliche Gährung (cf. 
breien, breucn ti. breierig etc.) heiss od. er- 

60 hitzt. 



HET-DRULE HITDRULE 



80 



HETTE HITTE 



het-drulp, hitdrule, Hitzbeule, Hitzblatter. 

lieteu. hcisstii, rufen, nennen, benennen, 
Namen geben ; (jerufen od. genannt iccr- 
den ; sagen, befehlen ; \w bed hiim 'n scliö- 
jer heteu ; — he heil sin kind Peter heten; 

— he hetd sük Jan; — lie het Peter; — 
dat het sük (heisst od. nennt sich, hz. kann 
genannt werden) iusen 'ii niüjeii dag t'aii dage; 

— dat liet sük, wen 'k wil; — he hed im 't 
legen beten (a. er hat mir gesagt, da-'^s ich 
löge; — b. er hat mir gesagt od. befohlen, 
da.-<s ich lügen solle) ; — wel bed di dat lie- 
ten, dat du dat dOa dürst, od. dat du drü- 
ben gän schult? — ik beb' dt dat net be- 
ten ; — be beide (betede) buni (er hiess 
ihm, rief ihm zu, sagte od. befahl ihm) an 
sin wark to gän. cf. ferbeten. — Africs. 
heta; wang. (Ehrentraut, I, 37) bait ; 
satl. heta; tcfries. hielten; nfries. biete; 
nid., nd. beleu ; as. betau ; ags. batan ; an. 
heita; norw. heita; schwed. heta; goth. bai- 
tan ; ahd. heizan, baizsan, beizen ; mhd. bei- 
zen; amd. beitan. Auch hiefür ist eine 
germ y bit anzusetzen, die wie die y hit 
von bei wohl auch aus bi = idg. ki od. 
ki, ski erweitert sein wird u. eine idg. Form 

kid od. kid, skid voraussetzt. Erwägt man 
tiun aber, dass alle ^V'örter mit der Bedtg.: 
rufen, od. sprechen etc. auch Schallwurzeln, 
bz. Wurzeln mit der Bedtg. : rauschen , tö- 
nen, einen Schall verursachen od. hören 
lassen etc. zurückgehen, sowie dass dieser 
Schall durch: hauen, schlagen, spalten, reis- 
seii, bersten, brechen etc., od. wie: knistern, 
prasseln u. sonstige Töne (man vergl. nur 
das Singen vom Theewasser, bz. das Tönen 
u. Bauschen einer Gasflamme n. die un- 
mittelbare Verwandtschaft der Wörter: fra- 
gor u. frango ; — an. braka, pra,sseln, kra- 
chen etc. u. brika, brechen, reisseii etc., — 
brestr, Gekrach etc. u. bresta, bersten, reis- 
sen, spalten etc., — ahd. sing;in, singen, tö- 
nen, klingen, auswendig sagen , hersagen, 
einen singenden knisternilen Ton verarsaclien 
etc. u. san^jan, seugan, tnadien dass etwas 
singt od. knistert, Brand stiften, sengen etc., 
sowie auch die verschiedenen M'arzeln ghar 
H. gar mit ihren Ablautformen ghir u. gir, 

— gbur !/. gur elc. unter galui, gold u. 
gar) auch durch brennen u. flammen etc. 
entsteht, so glaube ich nicht fehl zu gehen, 
wenn ich eine nahe Beziehung zwischen die- 
ser germ. y hit m. de)i idg. Wurzeln skad, 
skid (reissen, springen, spalten, brechen, 
beissen, kauen etc.), bz. deren Grdformen 
Bka, ski (die hauptsächlich im Germanischen 
.■<o stark im Anlaut vertreten sind, tcährcnd 
sie im Sanskr. u. Zend. sehr häufig das an- 
lautende „s" abwerfen od. sonst modificirt 
sind) annehme u. eben glaube, dass aus: 



schlagen , spalten , brechen , bersten , reissen 
etc. sich die Bedtg. : Geräusch machen, od. 
rauschoi, tönen, schallen etc. u. hieraus ne- 
ben : sengen, brennen etc. ivicdcr die von: 
5 schreien, rufen etc. entwickelt hat u. icobci 
ich zur Prüfung dieser Ansicht eine T't?/- 
gleichung der vielen von einer Basis ska 
ausgehende Themata bei Fick (I, 230 bis 
244) empfehlen möchte, wozu zunächst er- 

10 wähnt sei , dass er pag. 241 vo)t der Basis 
ska, ein 'Thema skad, skand nicht allein für 
lat. candere etc., sondern auch für an. lieitr, 
bz. unser het aufstellt, wofür dieses indessen 
formell nicht 2)asst, weil het ebenso wie he- 

15 ten ein Thema kid od. skid voraussetzt. 

hetje, kleine od. kurze Weile, Weilchen, 
kurze Zeit der Buhe od. des Aufenthalts, 
kleine Pause, Augenblick, kurze Unter- 
brechung in der Zeit, Zeit- Intervall etc. — 

20 't is all (stets, immer) um 't hetje, dat be iu- 
sen iifen bi ml inkikd ; — 't is upstüuds rein 
dül, dat 't all um 't hetje brand. — Nid. 
(provinz., z. B. in Groningen u. Gelder- 
land) hetje, bot je. Es ist ein Dimin. von 

25 einem obs. bet, wie setje (kleine Weile) von 
Set (Weile etc.). Wie nun aber Weile 
(als Zeitlang od. Dauer der Zeit nach) = 
Ruhe- Zustand (von io eilen, od. bleiben 
u. ruhen xvo) ist, od. ein Etwas, bz. einen 

30 Zustand bezeichnet , tco die Zeit weilt u. 
ruht u. dasselbe Wort ist wie an. bviia 
(Buhestätte, Lager, Bett, od. Weil- u. Buhe- 
Stelle), ferner unser set (als Weile, od. 
Zeitdauer etc.) auch mit an. setr (Sitz, 

35 Aufenthalt, Verweilung wo, Niederlassu)ig, 
Untergang, od. Zustand ivo sich Etwas )iie- 
derliLsst u. setzt, bz. zur Buhe brgicbt) u. 
auch in fast allen sonstigen Bedtgn. mit dem 
engl, set stimmt, bz. auch mit nhd. Satz 

40 identisch ist, so glaube ich, dass der Stamm 
bet, bot (von hetje, botje) aus ülterm bat 
od. bat (cf. set = Satz; — bed = bad, 
bat; — of = af etc. ?<. Weiteres unter bot) 
entstand u. dass dieses eben die Bedtg.: 

45 Weile, od, Zeit u. Zustand wo etwas ruht 
etc. hatte. Vergleicht man nun das an. 
hätta (ordnen, einrichten, bestellen, bz. stel- 
len, setzen, zusammensetzen, schichten, legen, 
auf einander legen, Lage u. Srhicht machen ; 

50 Schicht- od. Buhezeit, Pause etc. [cf. scboft 
etc.] machen, sich zur Buhe begeben , bz. i 
Lage od. Sitz, Niederlassung [cf. oben set, 
bz. an. setr] nehmen, od. machen), so könnte 
unser hetje als Zeit od. Zustand wo Et- 

55 was tveilt u. ruht, bz. Pause od. Schicht 
macht etc. wohl damit conne.c sein. cf. un- 
ter bot. 

bette, bitte, Hitze. — J/ri&s. bete, bette ; 
wfries. liiette; nfries. biet; satl. hatte; nid. 

GO bette, bitte; mnld. beyte, bitte; nd., mnd. 



HEÜ HOl 



81 



HIGEN 



hette, bitte; as. het; ags. hat; engl, heat; 
alt. liiti; scJnocd. lieta, lietta; noi'iv. hite u. 
auch Iiote, lieta, liaota, liaata, liottaa; däii. 
hode; ahd. hoizi, liaizi, liaizo it. liizzöa, liizza, 
hitza, liiza; vihd. h'v/.ze, liitze. Die Form ot 
gehören theils zu höt, theils sind sie wohl 
direct von der für het uufgestcUten germ. 
y hit mit ,,a" ivcitergebildet. 

heu, hoi, hei, hai, Heu. Spridnv. beim 
Regemvetter tcährend der Heu-Ernte: fer- 
darft dat hou, den wast de kul. — Africs. 
ha, hai, he; ivang., satl. hö; nfrics. hau; 
wfries. hae, hea; nltl. \\ooi:, ninld. hoy, hoiiw, 
houwe, liauw ; nd. (D ähncrt , Br. Wh. 
etc.) heuj, höji", hüye, hau; mnd. hoi, hoig, 
houwe, liaw, hau; as. houwe; ags. heg, liig; 
engl, hay; an. hey; noriv. höy; scliiocd., 
dän. liö; ahd. hawi, hewi, houwe, hau; mhtl. 
houwe, höuwe, howe, hou, liöu, heu; goth. 
liavi. Zu hauen als das Ge- od. Abge- 
hauene. 

heu-, hei-bSn, Heuhoden. 

heu-, hei-boi'g, ein Äljdach zum Bergen 
des Heus. 

heu-, hei-hülte, Heuhaufen. 

heuel-, heiel-tid, Heuzeit, Heuerntezeit. 
— Afries. hätid. 

heuen, heien, Heu machen, bz. das ge- 
schnittene Gras in der betr. Weise bear- 
beiten, damit es trocknet u. zu Heu wird. 
Auch subst. : 't was in 't heuen, es tvar in 
der Heumache- od. Heuernte-Zeit. 

liea-, liei-krodde, Grassamen, od. eigent- 
lich die krodde (s. d.) vom Heu. 

hib, od. richtiger hipe, hip, grosses star- 
kes Gartenmesser mit gekrümmter Spitze, 
welches namentlich zum Ausputzen u. Be- 
schneiden der Bäume u. Gesträuche ge- 
braucht ivird. — Nid. (Weiland) heej) ; 
mnld. heepe (falx arhorea, — putatoria, sil- 
vatica) ; mnd. hepc, hep, heppe, heipe, hiepe ; 
ahd. liappä, heppa, habbä ; vihd. hepe ; nhd. 
Hippe u. mdartl. häpe, hepe, heppe, hep- 
perl, heben (Sichel, krummes Gartenmesser, 
krummes Handbeil). Davon (Diez, II, 
329) : franz. happe (Halbkreis von Eisen, 
Krampe), liapper (greifen, packen etc.), welch 
Letzteres jedoch loahrscheinlicher aus liap- 
pen hervorging u. dann von happe zu schei- 
den ist. Dass übrigens ahd. happä als 
Schneide- Werkzeug mit kappen zu der y kap 
od. skap (hauen, schneiden etc., cf. Fick, 
I, 2-38) gehört, ist ivohl ztveifellos. 

hibbel, auch hipsel, alberne, närrische, 
läppische Person ; — 't is 'n hibbel (od. hip- 
sel) fan 'u wicht ; — so 'n hibbel (od. hip- 
sel) as dat wicht, heb' 'k min läfond nog net 
sen; — du malle hibbel, od. hipsel (du Thö- 
rin, du alberne ditmme Gans). — cf. nd. 
(Br. Wb.) Hibbel (als Frauenname ti,. auch 

Doornkaat Koolman. Wörterbuch. II. 



als Schimpfname in der Bedtg. Thor in, 
od. alberne tändelnde Person) ; mnd. Ilehel, 
bz. liebele, ivus wohl ein Dimin. von liebe 
(cf. Ilcbe etc.) ist u. als solches leicht iit 
5 den Begriff des Kleinlichen u. Tänilelnden, 
bz. einer tändelnden u. albernen Person 
übergehen konnte. Vergleicht man indessen 
weiter nd. (Br. Wb.) hevein, hebeln (tän- 
deln, in Kleinigkeiten genau sein u. Alles 

10 pedantisch od. tvie ein Hypochonder behan- 
deln, soivie weiter nd. (Br. Wb.) hibberu, 
od. hibbeln (Kleinigkeiten tadeln, immer 
Etivas zu erinnern haben , wofür tvir den 
Ausdruck „hik-hakken" gebrauchen), hibbe- 

15 rer, hilibertaske etc. u. weiter bei Schütze 
hcebeln etc., sowie bei ihm u. Dähne rt 
auch hibbeln u. dazu wieder unser hipsel, 
so scheint es mir, dass sich diese Wörter 
einestheils mit dem Zeitwort heften, bz. nd. 

20 heven (heben, sich erheben u. aufspringen) u. 
andererseits auch mit nd. (Br. Wb.) hippen 
(Jiüjjfen, micare, saltare etc., cf. die Ablaut- 
form: hupsen, hopsen, bz. unser huppeln, 
huppel u. nhd. Hopser etc.) vermischt 

25 haben. 

Hibbo, Hibbe, ml. Name. Geschln. Hib- 
ben. cf. För Stern a n n , pag. 660. 
Hidde, s. Hiddo. 
hidde, s. hide. 

30 hidden; i. q. hak-hörn od. hak-horntje = 
Fersen-Horn etc., d. h. ein aus Hörn ge- 
fertigtes Geräth , tvelches man hinter die 
Ferse in den Schuh steckt u. hält, damit 
die Ferse od. Hacke daran niedergleitet u. 

35 man auf diese Weise leichter mit dem Fuss 
in den Schith hineingelaiigt. — hidden steht 
toohl für hidden-i, od. hidden-ding etc., da 
es für die hidden od. Fersen (cf. hide 
etc.) bestimmt ist. 

40 Hiddo, Hidde, ml. Name; Geschln. Hid- 
den. cf. Heddo u. bei För st e mann den 
Stamm H i d. 

liide, od. hide, hidde, Ferse; — en up de 
hidden sitten, Jemanden verfolgen. — Ob 

45 dieses sonst überall fehlende Wort aus hilde 
u. ilieses mit eingeschobenem, „d" aus hile 
entstand? 

lügen, liörbar u. schwer athmen, keuchen 
etc. ; — he htgd un püst fan nod. — Nid. hij- 

50 gen (keuchen, schnauben etc.) ; mnld. hijghen 
(anhclare, hippacare, aniraam celeriter du- 
cere) ; nd. (Schambach) hieben u. hiche- 
pachen, cf. hachpachen ; mnd. hieben, higeu ; 
nhd. heicken. Zunächst sei erivähnt, dass 

55 heichen (cf. Grimm, Wb. IV, 795) mit 
heuchen u. hauchen, sowie auch mit keicheu, 
keuchen, hauchen, mhd. kCichen (cf. küchen) 
von Hause aus für identisch erklärt ivird 
u. dass Diez (II, 334) das afranz. hie 

60 (Gewalt, Nachdruck) von nid. hijgen (s. 



IHK 



82 



HILDE HILLE 



unter liejou) u. dieses mit ags. lüge, hyge 
(Eifer); enijl. hie [eilen etc.) von einem mit 
tinserm higon identischen Vom. higim ab- 
leitet, rcelches im a/;s. jedoch nicJit existirt. 
Zunächst sei nun aher crwälmt , dass alle 5 
diese Wörter wohl auf eine onomatopöische 
Schaltwurcel zuriirkfjehen u. dass allen obi- 
gen Verben ein (rrdvbm. liigaii, hag. luiguu, 
bz. hichan, hach etc. — n. kichaii, kach, 
kuchun zu Grunde liegen muss, da sich 10 
hieraus nur allein neboi h eich en u. hau- 
chen etc., bz. k eichen u. keuchen etc. 
auch unser hach in hachpacheu u. icang. 
haclije (keuchen), sowie das formell von lü- 
gen nicht zu trennende hugon u. hügcn er- 15 
klären las.'ien. Sodann sei erwähnt, dass 
tat. aninuis u. goth. anaii (athmen, hauchen) 
etc. mit skr. an, anati (athmen, weiten, bla- 
sen; schnappen, lechzen etc.) auf die Schall- 
wurzel a, an (die nur ein unbestimmtes Ge- 20 
rausch , bz. ein Rauschen , Säuseln etc. od. 
einen Hauchlaut etc. nachahmt) zurückge- 
hen u. dass sich hieraus also auch nicht 
allein die formelle, sondern auch die be- 
griffliche Verwandtschaft von ags. lüge od. 25 
hyge; as. hiigi ; africs. hei (mens, aninüis) ; 
as. huggjan ; ags. hicgan, hycgan; goth. hug- 
jan (denken etc.), bz. unserm hugen (denken 
an, si)tnen auf, trachten u. verlangen nach) 
«. hSgen (denken, gedenken, sich erinnern, 30 
sich freuen etc.) mit higen «. nhd. h eichen 
u. hauchen ergiebt. Da )iu)i aber einer- 
seits k eiche n, keuche n , k a u c h e n (cf. 
küchen) u. andererseits auch mnd. gichen 
(cf. mnd. gischen u. hischen etc. bei Seh. 35 
M. L. u. daselb.st unter hieben etc. , sowie 
bei mir unter gigel) nicht .von higen, bz. 
highen, lüchen zu trennen sind, ferner auch 
Fick die Wörter Hohn u. höhnen (cf. 
hon) mit lat. cachinnus etc. u. griech. kag- 40 
cha3 (Lacher) etc. , bz. skr. kakk, kakh, 
kakkhati (lachen) zu einer y kak (lachen) 
stellt u. diese auch wieder unserm g'ichcln 
u. nhd. kichern etc., sowie zweifelsohne 
auch dem mnd. higen, heigen (höhnen, zum 45 
Besten haben, auslachen etc.) zu Grunde 
liegt, ferner dazu auch ivieder unser schak- 
kern (laut lachen) m. nhd. schäkern be- 
grifflich u. lautlich sehr nahe stimmen, so 
glaube ich, dfiss man allen diesen Wörtern 50 
eine idg. Schallwurzel skak (gekürzt aus 
skaka, als eine Hettuplicatio)i von ska, .n". 
unter beten) zu (rrundc legen muss, aus der 
sich beim Vergleich der von Fick unter 1 
u. 2 skak (T, :.'30 seq.) aufgeführten For- 55 
men auch die obigen Wörter sowoJtl for- 
mell als begrifflich ableiten lassen. 

Ink. Ahlaufforin von 1 hak u. sgnani/m 
mit liik, pik, tik, kik etc. 

Ink-liak, Zänker, streitsüchtiger Mensch OO 



der auf Jeden einhackt. — Mit gehikbak 
(Gehackc, Gezanke etc.) u. nd. (Dähne rt) 
iükkhakk (gemeines Volk, Gesindel) etc. zu 
bakken etc. 

hik-hakken, wiederholt od. andauernd 
hacken, beisscn, hauen etc.; fig. mit schar- 
fen Worten streiten, zanken, keifen; se bik- 
kakUen up 'nauder lös, as 'n pär bäntjes; 
— wat bell' ji alticl mit 'nander to bikhak- 
ken. — Nd. (Dann eil) bickhackcii. cf. 
bikkrn, kikken, kikkakken etc. 

hik-liakkere, wiederholtes od. anhallendes 
Gehacke u. Gezanke etc. 

lükkon, mit einem scharfen od. spitzen 
Etwas auf ein anderes Etwas stossen u. 
schlagen, bz. überhaujjt: hacken, hauen, 
schlagen, .ttossen, aufstossen etc., od. auch 
als Ablautform von bakken m. als lautmalen- 
des Wort durch einen Stoss etc. einen kick- 
senden 'Ton hervorbringen, in welchem an- 
slcdt des Vocals „a" der Laut ,,i" hörbar 
tcird. wie in bikken, pikkeii, tikken, kikken, 
kinkon etc., iceshalb denn hikkcn auch als 
lautmalendes Wort das stossweise erfolgende 
Schluchzen bezeichnet, wofür wir sonst die 
Wörter: snikken, siükkera, snükkern od. 
snukkorn, snukup (cf. nid. bik, mnld. hick 
[siiigultus, convul.-io ventriculi] = [D i e z, 
II, 335], afranz. hoquet; wall, bikett; bret. 
hak, hik ; engl, hiccoiigb, bickup etc. u. nid. 
bikken, mnld. hicken, hicksen [singultire] 
etc.) gebrauchen. Daher: bikken - bikken- 
sündag (der zweite Ostertag , wo die Kna- 
ben mit den Eiern bikken od. Einer auf 
das Ei eines Andern pickt u. schlägt , um 
es kaput zu schlagen); — 't is up 't bikken 
(es ist aufs Schlagen, od. Stossen etc., bz. 
so, od. soioeit, dass der Schlag od. Stoss etc. 
erfolgt), welche Redensart dann aber zveiter 
in der Bedtg.: es ist uinniltelbar bevorste- 
hend etc., od. in der von: es ist gleich mit 
der Geduld zu Ende, od. soweit , dass ich 
gleich dreinschlage etc., gebraucht wird, ivie 
z. B. 't is up 't bikken, dat br kamd, od. 
dat 't sleid, — dat de dönner sük hören 
lett etc. ; — • 't was up 't bikken, dat ik hum 
hl de ören kreg, od. hum eii up de kop gä- 
icn harr' etc. ; — ik heb' di je segd, dat 't 
up 't bikken was un dat du nu prügel kregst, 
wen du 't wer di'-st de. — Xd. (Dähnert, 
Br. Wb. etc.) bikken; mnd. lückon (mit dem 
Schnabel hacken, auf Jemanden loshacken, 
ihn scharf tadeln etc.) ; nid. bikken ; mnld. 
bickeii, hicksen (singultire etc.), s. oben. Die 
y ist übrigens dieselbe wie von bakken «. 
auch wohl identisch (nämlich kak od. skak 
etc.) mit der von kikken, kinken etc. 

lülil. s-. 2 bikb\ 

1. lülde, s. hille. 

2. liilde, hillo, Iiild, liill, froh, freudig 



HILDE HILLE 



83 



HILGENHOLT 



erregt, voller Freude etc.; unruhig, r/eschäf- 
tig, eilig etc. ; — he was d'r so hilde (froh, 
Isolier Freude etc., hz. so gestimmt, dass er 
sich dessen freute, darüber jubelte u. viel 
Lärm u. Aufhebens davon machte) mit, od. 
afer (z. B. mit der, od. über die Geburt eines 
Sohnes) dat he liel ntH wuss', wo hög he wol 
für freide springen schull'; — he is gans 
hild mit sin brtid ; - dat is so 'u hill' wark 
mit liör beiden, dat se gewis nog insen man 
un frö worden ; — he hed 't so hill, dat he 
't hei net wagten kan, dat man mit hnm 
prötd ; — dat is fan dago 'n hillen (unruJii- 
ger, geschäftiger, od. heisser, anstrengender, 
mühevoller, beschioerlicher) dag west ; — dat 
is 'n hill (beschwerliches, anstrengendes, 
viele Arbeit etc. erforderndes , bz. nöthiges, 
eiliges) wark, wat he dar nnder de banden 
hed. — Auch als Subst. : he mäkd d'r so 'n 
hilde (so viel Aufhebens etc., od. drokto, 
Spektakel etc.) fan; — he hed allid so 'u 
hilde mit sin kinder, dat he 't hei hast net 
wagten kan, dat he anders wat deid. — 
Nfries., dithm. hilde, liill; nd. (Br. Wb., 
Dähnert etc.) hild; mnd. hWde, hiUe wird 
au schliesslich mit : geschäftig, eilig, bz. eif- 
rig, rasch, geschäftig etc. übersetzt. Wenn 
man indessen zu den obigen u. im Br. Wb. 
etc. vorkommenden Redensarten auch noch 
einzelne von Seh. u. L. angezogene Be- 
legstellen vergleicht (z. B. also de strit uppe 
dem hildesten was etc. ; — de vor sick hefft 
wat hyldes, den süth nie hastygen yagen etc.), 
so scheint doch sicherlich diesem Worte eine 
andere Bedtg. zu Grunde zu liegen, tooraus 
sich die von geschäftig etc. ergab, od. dass 
möglicherweise sich zwei urspr. verschiedene 
Wörter mit einander gemischt haben, die 
übrigens beide auf dasselbe Stammvbm. zu- 
rüclcgehen. Ist es nun aber richtig (cf. H. 
Leo, 244) dass as., ags. hild; an. hildr; 
ahd. hiltja (Kampf, Streit etc. , cf. dieser- 
halb ahd., as. winnan, toben, lärmen, schreien, 
heulen; kämpfen, streiten, sich abmühen u. 
abarbeiten, sich anstrengen etc.) zu liellan 
(tönen, hallen, klingen, rauschen, bz. ein Ge- 
räusch machen , unruhig sein ; sich rasch 
bewegen , eilen , bz. sich mühen u. anstren- 
gen etc.) u. mit diesem zur ]/ hal , bz. kal 
(sonare etc., cf. halen, 1 hei u. 1 heller u. 
tvegen der sonstigen Bedtg n. auch galra etc. 
von y ghar) gehört (Fick stellt es freilich 
mit halda, geneigt etc. zu einer ]/ hal, bre- 
<chen, schlagen etc., ob indessen mit Becht?), 
so lassen sich davon sowohl die Bedtgn. : 
laut, jubelnd , fröhlich, heiter , froh , voller 
Freude etc. , als auch die von : laut , lär- 
mend, unruhig, geschäftig etc., bz. eilig etc. 
für hilde ohne Weiteres ableiten, während 
man andererseits auch annehmen kann, dass 



ein Adj. od. Adv. hildi , woüi auch nicht 
in der Bedtg. : froh, heiter etc. (die ich lie- 
ber wie in 1 heller direct von hellan ablei- 
ten möchte), so doch in der von: beschwer- 
5 lieh etc. od. laut, lärmend, unruhig, geschäf- 
tig, eilig etc. auch vom Subst. hild (Kampf, 
Streit etc.) entstand, indem ja hieraus auch 
die Bedtgn. : mit Kamptf, Anstrengung u. 
Mühe verbunden, beschwerlich, mi'ihsam 

10 etc. sowohl, als auch die von: streitend, lär- 
mend , laut , geschäftig etc. leicht hervor- 
gehen konnten. 

liile, hil, Ferse (calx) etc. = 2 hakke u. 
hide; he sitt hum up de hilen as de düfel ; 

15 — up de hilen lopen (auf den Hacken, od. 
Absätzen gehen). — Afries. heia, heila ; nfries. 
(Outzen) häjel, häjel (hägel, heile, häile) ; 
wang. (Ehr e )i traut , I, 371) hil; ags. 
hei; engl, heel; nid. hiel ; mnld. hiele; an. 

20 haell ; norw., dän. hael. Beim Vergleich 
der contrahirten Formen von 1 hagel u. 
nagel etc. könnte dieses Wort auch leicht 
ein Contract. von hagal, liaegal, bz. einem 
vom Thema hag, hah weiter gebildeten ha- 

25 gila, hahila sein, wie denn Fick (III, 59) 
es auch unter hanha, hanhila zu hag (cin- 
gere) stellt. Da indessen ein Contract. aus 
hagila, hahila, bz. hanhila durchaus nicht 
erwiesen ist, so könnte dieses Wort bei dem 

30 dafür angenommenen Grdvocal „a" auch mit 
lat. calx zur ]/ kal (schlagen, stossen, 
stampfen etc., s. unter 2 hakke) gehören, 
wie auch H. Leo (pag. 43, Zeile 11) es mit 
lit. kulnis (Ferse) u. calx zusammenstellt. 

35 hilen, auf den Fersen od. Hacken (hi- 
len, cüs Hintertheil des Fusses) gehen, rück- 
über gehen ; — he hild (er geht auf den Fer- 
sen od. Absätzen u. nicht auf dem ganzen 
Ftiss , bz. auf dem Vordertheil desselben); 

40 daher auch: nach hinten über hängen u. 
liegen, z. B. von Schiffen, die mit dem Hin- 
tertheil tiefer liegen , cds mit dem Vorder- 
theil ; — dat schip hild, od. hild agter afer. — 
Nid. hielen etc., cf. Bobrik, naut. Wb. 

45 unter Hiel, hielen. 
hilg, heilig; s. hillig. 
liilge , Heilige. Sprichw. : Allerhilgen ! 
stigt de winter up de wilgen. — cf. rum- 
melhilgen. 

50 hilge-dag, hilgdag, heiliger Tag; kirchli- 
cher Feiertag ; winachten (od. karstid), ostern 
un pinkstern, dat sunt de böge hilgdagen. 
1. hilgen , Plur. von hilge. — Afries. 
heliga, s. bei v. B i c h thofen. 

55 2. hilgen, s. hilken. 

Hilgen-hfir, eine Ortschaft in der Nähe 
von Hage u. Berum, s. unter Baltrum. 
hilgen-göd, Heiligen-, od. Kirchen-Gut. 
hilgen-holt, Gehölz tvas zum Unterhcdt 

60 der kirchlichen Gebäude dient. 

6* 



HILGENLAND 



S4 



niLK HILLIK 



Hilsenland, Helgdand. Davon der (wohl 
(tltr) Volk>:iciiii : 't haiigcl ia de kaut, as 't 
hik'enland : — grün is 't laiul , röd is de 
kant , wit is 't Strand ; dat sunt de farfeii 
t'aii 't lIilj,'tMiland. 

liilptMi-uian. Kinhenrorstelier. — Afries. 
lielgeua-mon ; </. bei r. Uichthofen un- 
ter heliga. 

llil^Pii-ridP, Hils(MU'i(lei'-sil. Ortschaft 
an der Kiistr, ron wo aus man bei der 
Ebbe :u Watjen nach Xorderne;/ fährt. 
Weiteren eraehe unter IJaltnuu. 

Ililk, hillik, eheliche Verbindung , Ver- 
nuihlunij, Heirath : — wen he de stü' krigt, 
dar kau \u' 'n bilk up d(Mi ; — hv lied 'n 
godeu liilk däu. — Mofrioi. (Cad. Mül- 
ler) liililcke, liilcke; nid. hijlik; mnld. hy- 
lick, hielick; nd. hillik; mnd. Iiilirh, hillik; 
hesa. hileli; ahd. liileih; mhd. hileioli , iea<i 
ein Compos. ron hi, b.:. ahd. hiwi, higi (Ehe) 
u. leili, leich ; ndid. loich (Spiel, {lespieltc 
Melodie, S))iel zum Tanz u. (resang, Ge- 
xang) ^ golh. laiks (Tanz); an. Icikr (Spiel, 
UnterhaÜung, Saitenspiel) ; vorw. leik (Spiel, 
Tanz etc.); schwed. lek; dän. leg (Spiel 
etc.); ags. I;"ic (ludus, cerfauien, praeda, do- 
mim, sacriticinm, hostia) etc. i.-it k. demnach 
urspr. wörtl. : Khe-Spiel, — Tanz, — (resang, 
od. Ehe-Lustbarkeit, Ehe-Festlichkeit (cf. 
horhtid) etc. bedeutet. — Ahd. leih ; goth. 
laiks etc. gehört mit mhd. leichen (aufspjrin- 
gen etc.; mit Jemandem sein Spiel treiben 
etc.) : goth. laikau (springen, hüpfen, tanzen, 
frohlocken etc.) : ags. läcan (springen, flie- 
gen, schwimmen, icogen, flackern) ; an. leika 
(ludere) etc. nach Fick (I, 195 u. III, 
3.59 seq.) zu einer idg. y rig = skr. rej, 
rejati (hüpfen, beben, zittern etc.; bz. [cf. 
G rassmann] erschüttern, in Bewegung ver- 
setzen, erregen ; sich zitternd bewegen, sich 
hin u. her od. auf u. nieder bewegen etc.) 
u. stammt nach Fick nhd. leicht (cf. 
licht Oll. ligt) auch von mhd. leicheu, bz. 
goth. laikan. 

Die erste Si/lbe hi , bz. das ahd. hiwi, 
higi (was auch in Heirath = ahd. Inrät 
fd. h. rät, od. Zurüstuug zur Ehe, Ehebe- 
reitung etc., cf. rädj steckt) betr., so gehört 
dies zu ahd. hiwau, lii.jan , hian ; )nhd. hi- 
wen, hijfn, hien; as. hiwjau /» gi-hiwjan 
(hrirathen, woher auch wohl nid. hu wen, 
heirathen etc. u. huwelijk , neben hijlick, 
trotz Kilian, der diese Wörter von hou- 
WPU = houden [halten, cf. holdou] ableitet), 
welches selbst wieder von einem 'Thema hiwa 
= goth. heiva (Haus od. Wohnung , Nie- 
derlassung, Hauswesen, Hausstand, bz. Fa- 
milie etc.) in heiva-frauja (Hausherr, nd. 
Herr des Hauses, bz. des Hausstandes, 
der Familie etc.) mittelst der Endung jan 



(machen etc.) tceiter gebildet ist u. dem- 
)iach wohl urspr. entweder die Bedtg.: ein 
Haus, eine Niederlassung etc., bz. einen 
Hausstand od. eine Familie machen u. grün- 
5 den etc. hatte, od. wahrscheinlicher noch die 
ron: Gemeinschaft od. Hund maclien (mit 
Jemandem), sicli vergesellschaften u. vereini- 
gen od. zusammenthun, um ein gemeinschaft- 
liches (ranze od. eine Genossenscitaft u. Ver- 

10 einigung (sei es einen Staat, eine Gemeinde, 
eine Familie od. eine Ehe) zu bilden, da 
das lautlich mit civ in tat. civis, civicus, civi- 
tas etc., i^owie mit civ in skr. (;iva (s. un- 
ten sab h) stimmende germ. hiv nicht allein 

15 nach dem obigen, sondern auch nach den 
nachfolgenden Wörtern zu urtheiloi trohl 
dieselbe Bedtg. hat v:ie die J/ bhad, bhaud 
von hate, hateu etc. od. auch wie die germ. 
y gad von gade, gadeu u. güd etc. Vergl. 

20 dieserhalb zundchst: 

a) ahd. hiwo, hio ; mhd. hiwe, hije, hige, 
hie (Gatte, Hausgenosse, Knecfit) , Plur. 
hiün, hum, hiweu, lueu (Gatten , Mann u. 
Frau, weibl. u. mxinnliche Dienstboten = 

2.'5 Verbundene od. Angehörige etc.); mnd. 
(Seh. u. L.) hie, hige, licie (Knecht, Höri- 
ger), higeniau (Mann, der Knecht od. Höri- 
ger ist) ; Plur. hyeu (Laien); ags. hivan 
(familiäres, domestici) ; engl, hive (Bicnen- 

30 stock, Bienenschwarm, Schwärm, Gesell- 
schaft), to hive (sicJi zu.'iammen gesellen, zu- 
sauDnen Jtausen etc.); afries. (I luv. von hiu 
od. hiw, Inwe) hiuua, hiona, hina (beide 
Ehegatten; Gesinde, Hausgenosse)!) u. hi- 

35 gen in sinhigen = ags. sinhivan ; as. siiilii- 
wun, sinhiun etc. (conjugcs); a)L hjön, hji'in 
(Eheleute, Hausleute, Familie etc.) etc., so- 
icie ahd. hlwä, hiä; mhd. hiwe, liije, hige, 
hie; as. hiwä ((rattin): — ahd. hiwiski, ht- 

40 wisgi, hiwischi, higisgi, hiiske, hiesce; amhd. 
hiwiske (Familie, Geschlecht, Hausgesinde, 
Haushaltung) ; afries. hiskthe; nfries. hiske; 
as. hiwisci ; ags. hivisce; an. hyski (Familie) 
n. icohl auch mnd. (cf. Seh. u. Ij. tmter 

45 hie etc ) higesche, Plur. higeschen (familiae 
inaucipiorum) ; — an. lij' (od. hi, d. i. hjü) 
in hy-vig (Tödtung eines Hausgenossen od. 
Familiengliedes), hy-byli (Hausstand, Haus- 
wesen, Haus u. häusliche J£inrichtung etc.) 

50 etc. ti. ferner: 

b) ,s/iT. civa (prosper, fansfus, secundus; 
Sahst.: felicitas, prosperitas; auch Name des 
Gottes Civa od. Siva), tcoher skr. raiva 
(was Bezug hat zu g i v a ; ein Verehrer voth 

55 ^. i v a) ; qcvA (Glück, Glückseligkeit, Heil, 
Freude etc., cf. Ben feg), wonach y ^ev 
(to worship) wohl ein Denom. von (;eva ist, 
da Ben feg dies auch mit: Hail, honiage, 
an e.xclamation or salutation addressed to 

no the deities iviedergiebt. Sodann vergl. 



HILK HILLIK 



85 



HILT 



c) 2H s/iT. «;iva, (.eva (ivas Fick mit: 
traut, freundlich, fjiitif/ [cf. god ron gaden 
u. auch bäte, baten, bäler etc.] übersetzt) 
noch zend. (Justi) (;evi (passlich, dien- 
lich, nützlich etc., cf. gadelik u. dazu ags. 
sael, Si\], se\ [gute, lassende, glückliche Zeit; 
Glück, Heil, Wohlsein etc.], sei, sael [gut, 
tücJitig , passeud etc.] u. saelaii [binden, 
schliessen, fest machen, fesseln], somie tihd. 
selig = unserm salig) -u. kslac. sivil in 
po-sivü (benignus) u. 

d) zu ahd. hlwä (Gattiu) auch lett. sewa 
(Weib). 

Vergleicht man nun aber wedde (Wette, 
d. h. Vertrag, Pact etc.) von goth. vidan 
(binden) u. nhd. Pacht in der Bedtg.: 
Miethe, Heuer etc. aus pactum von pango, 
bz. y pag (binden, fesseln etc.) , so scheint 
auch ags. hjT (Heuer, Pacht, Miethe etc., 
cf. hur) u. liyrjan ; 7nd. huren (heuern, pach- 
ten, miethen etc.), bz. dessen Thema hj'ra 
od. hiu-ra (cf. oben an. hy =: hiu) dersel- 
ben y loie die oben erwähnten Wörter an- 
zugehören u. dann auch (cf. Fick, III, 7G) 
wohl mit Recht das Thema hiura, hiurja = 
hiw-ra für: 

e) an. h5'rr (glücklich, froh, munter etc.), 
hyrast (froh werden) ; isl. hyr (laetus, mitis ; 
tepidus), hyra (benignitas ; calor), liyri (gra- 
tificare, Dienste beweisen, zu Willen sein; 
calefacere, ivärmen, od. behaglich u. ange- 
nehm machen etc., cf. bann hyriz vid th'ad 
^= 60 laetatur , od. det behaget hann over- 
maade vel), hj'dega (benigne), hyrlegr (be- 
nignus) etc. (cf. dazu auch bei Aasen norw. 
hyr 1 — 3, soivie 1 u. 2 hyra, unter tcelch 
Letzterem er auch eine Form lijura u. kjura 
anführt); ags. hiore, heöre, hyre, Iure ; ahd. 
hiuri, bz. mhd. gehiure, gehiur (familiaris, 
vertraut, heimlich, nicht nnheimlich, ge- 
heuer, sicher, lieblich, angenehm, behaglich 
etc.), mhd. gehiuren (behaglich, glücklich u. 
selig etc., od. gelten er machen, beseligen, 
beglücken etc.); as. hiuri in. unhiuri (u7i- 
sicher , unheimlich, unbehaglich, un- od. 
nicht geheuer); mnd. (Seh. u. L.) hure 
(lieblich, angenehm, froh etc.) etc. von dersel- 
ben germ. ]/ hiv abgeleitet werden zu müssen. 

A7im. Beim Vergleich von isl. hyra, od. 
hj'ri (gratificare, bz. Wohlthaten n. Dienste 
beweisen, zu Willen sein, od. [Jem.] die- 
nen etc.) sei bemerkt, dass wir hur sowohl 
in der Bedtg.: Dienst, als auch in der 
Bedtg. : Sold, Miethe, Pacht etc. gebrauchen 
u. dass man dieses Wort sonach cinestheils 
in der Bedtg. „Dienst'''' u. anderntheils in 
der von: „Grntification" od. „Vergütung" u. 
„Lohn" für Dienste auch unmittelbar von 
hyra ableiten kann. — Ferner sei noch zu 
der Bedtg.: warm u. Wärme von an., 



isl. hyrr od. hyr u. hyra bemerkt, dass diese 
wahrscheinl. aus der von: sicher etc., od.' 
a )i g c n e h m u. bcliagl i ch hervorging. 
Hilkc, u-hl. Name. Wald Dimin. von 
5 Ililie od. Ililla, Ililda. 

liilken, liil^pn. heirathen , ehelichen. — 
Sdtl. hilkje; mnd. hiligen, hilliken, büken; 
)dd. hijlijken; mhd. hih'ichen. Zu hilk. 
liille, liilde, liill', abgelegener u. dunkler, 

10 mit losen Brettern od. Stangen belegter 
Baum über den Ställen unter dem sc/iräg 
cd)fallenden Seitendach einer Scheune. Der- 
selbe tüird oft zum Bergen der Futtervor- 
räthe (Heu u. Stroh), meist aber ziem Auf- 

15 heben von augenblicklich nicht gebrauchten 
u. zurückgestellten Sachen gebraucht. Auch 
zieht sich das Gesinde mitunter bei Tage da- 
hin zurück, um daselbst zu ruhen od. Kurz- 
weil zu treiben, ivoher die Redensart: „'n 

20 dag up de hill' sitten" auch wohl fig. einen 
geschäftslosen u. verlornen Tag bezeichnet. 
— Nd. hille, bilde; m)id. bilde, hille, beide; 
nfries. hill ; nid. (Geldern) hild ; mnld. (KU.) 
bilde. Dieses Wort gehört zu 2 bellen, hel- 

25 den (eine schräge, abschüssige Fläche bil- 
den, schräg ab- od. überhängen etc.) u. Jtatte 
urspi'. die Bedtg.: Pferderaufe, ivegen 
der schräg ablaufenden , bz. schräg über- 
hängenden Riegel u. Form. Weil nun aber 

30 die Raufe (clathrum) auch zugleich ein 
Futterhehalter ist u. darin den Pferden 
Heu u. Stroh u. Gras vorgeworfen ivird, 
so ging diese Bedtg. weiter in die (cf. KU.) 
vorc: pabulatorium, promptuarium , foenile, 

35 bz. in die von: Aufbeivahrungsort con Heu 
u. Stroh etc., sowie ferner (als Heu- u. 
Strohlager ; od. weil die lullen abgelegen u. 
dunkel sind) in die von: dormitorium über, 
cf. auch (Aasen) norw. hjell. 

40 llillertl, Ilillei'k, s. Hillrich. 
liillig, s. bilg u. heilig. 
hillik, s. hilk. 

liilliks - lorwärden , Heiraths - Cautelen, 
Ehepacten etc., cf. förwärde. — Nid. bu- 

45 welijks-voorwaarden. 

Hillmei', od. Hilinei*, ml. Name. Geschln. 
Hilhners. cf. Helmer, od. auch die Stämme 
Hail u. Iliid etc. bei F ör ste miinn. 
HilUich, Hilliik, Hillerk, llillerd, ml. 

50 Name. Geschln. Hillricbs, liillerks, Hillers, 
Hillern. cf. die Stämme Hail u. Hild etc. 
bei F ör stemann. 

hilf, Heft, Griff etc. ; — hilt tan de spä', 't 
mest etc. Sprichio.: d'r sitt gen gud hilt 

55 up de spä', fig. angewandt auf Jemand der 
faul im graben ist u. den Spaten nicht fleissig 
gebraucht. — Nid. (provinz., cf. van Dale) 
hilt; mnld. hüte, hielte; mnd. hüte; ags. hilt, 
bylt; engl, hilt; an. hjalt, hjült; ahd. belzä ; 

60 mhd. heize (Schwertgriff' , Heft). Davon 



IIIMA 86 HINDEREN 

(Dies, II, 2ö) : span. dsa u. afrav::. holt, liinip-lianipere, Stiimpori, Pfuscherei etc., 

heux (Scliirertgrifft , cnlieldir (mit ciiicin bs. st iinijicrhiiftes, gebrechliches, vuingelhaftes 

Schicerti/riß' verse/tc»)- Xtich Fiele {III, Gcthuc od. Werl: etc., ah Bezeichnung von Ah 

72) mit hals u. 2 liellen etc., soioic ufries., lern, was schlecht u. stümperhaft geht u. id; 

as. lialt (lahm) zur selben ]' hal, bz. kal. 5 — 't is all' emer liimphampeiv. — Nd. hirap- 

llima, od. Ilinii; u-hl. Xame. Dimin. hamperije. 

Himke. cf. den Stamm Ilaiiii, bz. unter lliiidcr, lie- od. Yerhinderting. Abhaltung, 

diesem das Fem. llvhmx (urspr. [nach h\\fd, Hinderniss, Belästigung, Last, Beschwerde 

s. unter hilk] icohl Heiiiiä) bei Forste- t'^c. ;— wen du geu liinder liest, den kam fan 

mann iconach dieser Name wohl urspr. 10 middag wat her; — dat kan grn hinder für 

im Gegensatz zu Hainio (als Haus-Herr, od. di wäscn, um dat to don ; — ik hebb' gen 

J/rt«/i, dem das Heim gehört etc., bz. Sohn hinder tan "t äten, bz. fan min mage od. 

u. Kind des Heims) die Bedtg.: Heim-Frau, fan dat spcktakel etc.; — ik hebb' so 'u liin- 

od. Frau u. ITc/ft, weibliche Fcrson (Toch- der an 't üge; — ik fill luugends gen hin- 

ter) des Heimes u. Hauses etc. gehabt ha- 15 der of last. — <S}j;-/c/i!ü.; kiiider raaken hinder, 

ben l-an)i. d. h. a) Kinder machen u. verursacJicn Be- 

him-boi'stig, asthmatisch, an Athcmnoth hinderung u. Abhaltung, bz. machen, dass 

u. Fngbrüstigkeit leidend etc.; cf. himeu u. man zurück- u. abgehalten wird, z. B. vom 

borstig, bz. ämborstig. Ausgehen od. von Lustbarkeiten etc. — w. 

hinien, pfeifend od. mit krankhaftem Ge- 20 b) sie machen Last u. Beschwerde etc. etc. ; 

rausch athmen wie beim Asthma, od. wie — t'ol' kinder, föl liinder. — Nd., mnd., 

engbrüstige, schicindsüchtige, an Athcmnoth nid., mnld., afries. hinder (impedimentum, 

leidende Leute thun , ächzen, keuchen etc.; obstaculum, remora, damnum) ; isl. liindran ; 

he himd so, as of hc hei gen lücht krigen norw., schiced., dän. hinder (dasselbe). Fs 

kan ; — de borst himd huni so, dat lie 't 25 ist entweder aus dem Prä2)us. : ahd. hintiu-, 

wol nich lauk mür maken schal. — Nid. hindar, hintir, hindir, hinter, hinder; mhd. 

hijmen ; mnld. himmen, himen (suspirare, hinter, hinder; gofh. hindar; ags. hinder 

anhelare) ; nd., mnd. himen, keuchend, pfci- (hinter), od. aus dem daraus comparativisch 

fend, laut athmen. Onoinatopöisch wie higen. iveiter gebildeten Adj. : ahd. hintaro, hintiro, 

Himke. <. Hinia. 30 hindere; mhd. hioder (hintere ; Subst. : mhd. 

liiininol. >. 1 hemmel. hinder = Hintere, podcx , cf. nhd. After 

hiiup-hanip. Gebrechlicher, Stümper, Hin- unter 2 achter); di/r/es. hindera etc. substan- 

kender, Humplcr ; gebrechliches, stünqicr- tivirt, wie das Subst. heil aus heil ft/. hei). 

haftes Ftwas; — 'n himphamp tau 'n kerel, Das ahd. hintar etc. (wovon auch hindern 

od. fau 'n ding. — Nd. (Schütze, Br. 35 ii. wonach die eiste Annahme wohl die wahr- 

Wb. etc.) himphamp (derartiges, tcas ge- scheinlichste ist) betr., so />/ dieses mit nhd. 

brechlich, unvollkommen, stümperhaft u. un- hinten = ahd. hintana; mhd. hiudene, 

zweckmässig ist, od. gemacht ist). binden; goth. hindana (hinten, jenseits) ; as. 

himp-hainpen, hinken, humpeln, stossend bi hindan (a tirgo, post) ; ags. hindan von 

u. stockend gehen, gebrechlich , stümperhaft 40 dem Adv. hina etc. (cf. hcn) weitergebildet, 

u. schlecht gehen etc., von Menschen, Thieren, wie achter t'O» apa u. da nun heu = nhd. 

M^agen, Geschäften etc. ; — he himphanipd hin auch die Bedtg.: weg, fort, getrennt 

d'r hen ; — dat himphanipd d'r so wat hen. von, bz. die von: vergangen, od. zurück- 

— I\Iit humpeln u. engl, liimii, himple (hin- liegend etc. hat, so erklärt sich leicht, wes- 

ken, lahm gehen); schalt, hamp (to stutter), 45 halb durch hindar, hintar u. hintana etc. 
sowie auch icohl goth. hamfs (s. »/i<er liampe das zurückliegende , bz. dasjenige, was hin 

etc.) wohl von einer u. derselben ]/, obschon u. vergangen ist, bezeichnet wird, 

man auch annehmen kann, dass die germ.y hinderoil , hindern, ab- od. zurückhalten, 

himp, bz. idg. kamp ('s. «»<<■/• hampel) urspr. aufhalten, hemmen, iMSt, Beschwerde, 

blos die Bedtg.: &eTno\ere, vAcWhirc etc.) hatte, 50 Schmerz, Aerger etc. machen etc.; — de dik 

wie ja himi^-hAmYicn ((ds liedujil. von y hhwp) hiuderd dat water, dat 't net afer 't land 

eigentlich blas ein Bewegen hinu. her, bz. von löpd; — dat blök hinderde huni in 't lopen; 

einer Seite zur andern bezeichnet, zvoraus — de mage hinderd ml al lank, sodat ik 

sicfi denn weiter die von: unsicher, sclucan- hast hi-I gen äten mer mag; — de kiise is 

kend, schlecht u. gebrechlich gehen, bz. die 55 hol un hindord mi bi 't äten ; — dat ene 

von: hinken, lahmen, humpeln etc. weiter ög hinderd mi so, dat ik mit 't ander 6k 

fortgebildet hat. Hält man diese Bedtg. hast net sen kan ; — dat hinderd (verdriesst, 

fest, so dürfte auch an. od. isl. hampa (ma- ärgert, schmerzt etc.) mi so, dat de junge 

nibus volvere, terere) wohl ebensogut als un- net ördendlik lerd un fördtkumd, dat ik d'r 

ser hampeln d((mit connex sein. 60 's nagts mitunder hast hrl net fan slapen 



ätl 



HINDERK 87 HINGST 

kan. — Africs. hinderja; arjs. lüiiilarjan; »um sich nun aber die Form an, so muss 

aJid. (lintarjan), liiiitiren, liiiitraii, hiiulcren; man heim Vcrfjlcich von ahd. furist (Fürst) 

mhd. lindern; )dd., nd. liiiulercn, hindern. von fiiri, für (vor, voran etc.) univiUkilrUch 

Zu ahd hintar etc. (hinter, .lurilck etc., cf. denken, dass auch liciigist, bz. dessen Thema 

liinder) *. loörtl. soviel (ds h inte r od. z u- 5 liangista, hagista ein superl. Siibst. ist, tvas 

rück michen, hz. machen od. bewirken, von einem tStammrbm. haga od. hagi, hag, 

dass Etuns hinter bleibt. heg (nasal, luvng, lieng) weitergebildet tvurde. 

Hindert, s. Hinrich. Vergleicht man niDi aber, dass das Pferd 

hinderlfv, hinderlich, hemmend, störend, einerseits vor allen andern Hausthieren sehr 

beschwerlich, lästig, ärgerlich etc. 10 klug, geschickt u. anstellig etc., andererseits 

llillgstj Beugst, ml. ungeschnittenes l'ferd. aber auch für die Menschen (namentlich in 

Sprichw.: Irög hingst, trüg rün ! t'rög hän, cüter Zeit noch mehr als j^tzt) sehr passend, 

frog kapim ! — yl/Wes. hängst, liengst, hingst, od. passlich, nützlich, dienlich, branchbar 

hanxt, liinxt; ivfries. liynst; ivang. liingst; etc. ist u. Jedem behagt, od. angenehm u. 

srti/. hängst, längst; «/r«es. hingst; nd hingst; 15 recht ist u. ferner auch ein sehr gefügiges, 

mnd. hingest hinxt, hengest; nid. hengst; zahmes, sanftes u. mildes Wesen hat, bz. 

ags. hengest; an. hesfr ; norw., dän. liest; vorzugsweise ein Thier ist, woran man sein 

schwed. ]iÄst ; ahd. heugist, heingist, hengest; Behagen, seine Freude etc. hat, od. toas Be- 

mhd. hengest, hengst; ö/räH^. chengisto. Es hagen u. Annehmlichkeit etc. schafft, so 

hatte urspr. die allgemeine Bedtg. Pferd 20 setze ich für hangista od. hagista ein Ety- 

(Hengst u. Stute, sowie auch Wallach) u. mon haga, hagi od. hag an, was mit an. 
hat sich erst spät zu dem heutigen Begriff hagr, hög (geschickt, klug, dexter, sollers, 

verengert, tvie anch noch Cad. BI aller SiVtiücio&u^ etc.), hixgr (das, was Einem j^asst, 

dieses Wort mit Pferd übersetzt. Daneben bz. der Vortheil, Nutzen, Geivinn etc.), haga 

findet sich nun noch auf Wangerooge 25 (accommodare, ordinäre), högr (mitis, placi- 

das Wort (Ehrentraut, 11,1) hinkel in dus, facilis); ags. hagjan (passend u. ge- 

derBedtg.Pferd, tvas indessen unvertvandt schickt sein, convcniren etc.), hög (geschickt, 

scheint , falls es nicht etwa aus einem Di- klug etc.) ; ahd. hagan (angenehm , od. be- 

min. hinxtele, hinkstle entstand, was wenig- haglich u. passend sein, recht sein, behagen) 

stens ebensogut möglich ist, als die Contract. 30 etc., bz. unserm hagen (angenehm sein, Ver- 

dcs nord. hest, hast aus hengist, wovon es gnügen maciien, freuen, b eh ag e n etc.) etc. 

mir übrigens noch sehr zweifelhaft scheint, zur ]/ hag (passen, genehm u. recht sein, 

ob dies überhaupt mit hengist venvandt ist, behagen etc.) gehört u. demnach eine ähn- 

zumal man bei an. hestr, schwed. hast ja liehe Bedtg. tvie an. hagr, bz. eine zu hag 

auch ebensogut an einen Zusammenhang mit 35 u. hagan stimmende Bedtg. gehabt haben 

an. hastr, ags. haest, mnd. haste , heste, muss u. zweifellos cds Adj. od. Adv. auch 

heyste etc., ahd. heist (rasch, eilig, heftig den andern germ. Sprachen eigen war. Als 

etc.) denken kann, was sowohl formell als Supjerl. dieses hagi, od. eines mit an. hagr 

begrifflich für heslr als Pferd in der Bedtg. identischen hag (bequem, geschickt, recht, 

„Ren 71 er" sehr gut cds Etgmon (cf. die- AO passend, dienlich, nützlich etc , bz. geschickt, 

serhalb hors u. auch 31 ax Jahns, Boss klug etc.) würde min hagista als S übst, sehr 

u. Reiter, I, 14 seq.) passt, loorüber Wei- wohl von den unvüchsigen u. einfachen 

teres unter 2 hast zu vergleichen ist. Was Sprachbildnern zur Benennung des Pferdes 

nun aber loeiter das Wort hengist betrifft, gebraucht sein können, da alle die in hag 

so stellt Fick dessen Thema hangista zu 45 liegenden Bcdtgn. ganz besonders u. vor- 

hag, bz. idg. kak (cingere), indem er es zu zugsiveise für dies edle, fromme u. nützliche 

(cf. III, 5'J) lit. kinkan , kinkyti (Pferde Liebling sthicr der Menschen zutreffen u. 

gürten, anschirren) vergleicht u. das Pferd dieses von den einfachen Naturvölkern noch 

(cf. 1, 36 etc.) als das Gegürtete, Ge- viel lebhafter empfunden loard, als von den 

schirrte, od. Ang e spannt e etc. deutet. 50 Gebildeten der Jetztzeit. 

Da hiebei nun aber das Suffix ista, esta. Zum Schlüsse ivegen dieses jedenfalls 

bz. ist, est unerklärt bleibt u. hengist schon sehr alten Wortes noch die Frage, 

auch ein ausschliesslich deutsches Wort ist ob das Wort hengist etwa hen-gist u. nicht 

(Andere denken auch an einen Zusammen- heng-ist zu theilen u. die erste Sylbe han, 

hang mit slav. kun', lit. kuinas, Pferd, wo- 55 hen, hein (cf. die ahd. Form heingist) viel- 

bei indessen die zweite Hälfte gista auch leicht ein Gontractum von hagan, hegan ist, 

vollständig unerklärt bleibt), so halte ich soivie ob die Endung gist od. gista sich von 

dafür, dass es auch nur aus dem Deutschen einer ]/ ji, erweitert jish (cf. zend. ji = 

erklärt tverden kann u. ihm lediglich ein skr, ji aus gi, gvi «. zwar 1) ji, loben; — 

deutsches Etymon zu Grunde liegt. Sieht 60 2) ji, überivältigen, erobern etc. ; — u. 3) ji, 



IIINGSTEN 88 IIISEL 

verlange)), liebo), h)-ii))stig sei)i etc., — so- Hendrik, ^fsr/J». Hendriks. Die ostc^iiUie 

)cie 1 u. 2 jish u. jisti etc. hei Justi) hin, hen , liein ka))n sowohl aus hajan als 

ableite)) läs.-t. Be-iiglicli lian, hen, liein aus aus lieini (Vf. hcin) oitstandc» sein. Vo-rß. 

liagan, hegan u-ih-de daun zu er)cäf/e)) sei», die St<i)ni)ie hagan u. haim hei Törsie- 

ob dies mit hag u. hagan ('ei)if)-iedigen, he- 5 m a « n u. daselbst auch Ilnganrih luto- ric. 

gen etc.) cu)- ]' hag, Ik. kak (cingere etc., — Ein e^se))fester, kräftige)-, kongcsundcr 

s. ehe))), od. zur ]' hag rou behagen u. Mrtisrh irirdhicr „''n\^[[ev\\W\m)i'YY genannt. 

an. hagr (s. obct)), od. gar )nit lat. cachin- hl|)ke, Hiipochondric, Mdanclolie , Gril- 

nai i etc. z)ir y kak (lachen, wiehern , hin- lenJcranlheit etc. ; — lie hed 't hipke. Zuri- 

nire etc.) zusa)n)nenhängt. 10 fellos aus IL/pochondrie rerstü))v)ielt. 

hiiigsten, beschälen od. decken lassen. — liipsol ; i. q. hihbel. 

Satl. (Ehrentraut, II, 207) liingstje liir, hier, an dieser Stelle; hieher etc.; 

(brünstig sein, .<<pirlen etc., von der Stute). 't is liir; — knmm' hir. — Afries. , satl. 

hingst -hol'dliii^ (obs., ('ad. Mülle)-) hir; tvfrics. hier; goth., an., cgs. her; as. 

Hittincister. Wü)-tl. ,,Pferde-lIäuptling", rf. 15 lier, liir; ahd. liiar, liier, hia, Le ; »»/jr/. hier, 

hingst u. das engl, capitaiu of horse. Mit her u. hen dcr.'iclben Abstannnnng. 

hin<;st-l'Ulio , ein als Hengst verschnitte- bis, Pferd; mei.'^t I)inii)i. 'iisko (Pferd- 

ues Pferd. chen) ; — 'n lütjet liiske; — da irr: his-fäl od. 

hingst-wed, das Laub .schie)-lingsartiger hüs-fal (Pferd. Fohlen, l'üllen) ; ivang. 

Pflanzen, welches zmn sog. lirfulpad (in 20 (Ehrentraut, II, 1) hOsfuIle (Füllen). 

Aurich) gebraucht 2ri)-d. Vergl. bei M. Jahns (Btss u. Heiter, I, 

hink, lah)n, krüpi)el , hinkend: dat prrd If seq.) unter liess auch btgr. lieiss, heiss- 

is hink; 't hed gewis 'n spiker in de föt. lein etc. u. wfäl. hysz in der Bedtg.: Fül- 

hinken. hi)tken, lalwien, gebrcchlicJi gelten len, der allerdings vieles nicht ZusavDuoi- 
(auch flg.), a)tf einem P\isse sich hüpfend 25 gehörige unter hess a))fi:hrt , indessoi doch 
u. springend fo)-tbcicegen etc. — Nd., nid., auch der Ansicht ist, dass diese W<»-ter 
)nnd. hinken (dasselbe, ))ind. auch: sich zu- mit hess u. an. hestr (s. )inter hingst) wohl 
rückziehen etc.); innld. hincken (claudicare, mit hiist od. licht zusanDnengehören, bz. dem- 
nutare, vacillare gressii, titubare) ; wfries. selben Sta)n)nvb)n. angehören u. ivohl auf 
hinckjen ; ahd. hinchan, hinkan, hinchen; 30 die Bedtg.: gehen, laufen, rennen, eiloi etc. 
)tihd. hinken; cf. skr. khaiij , od. khang, zurückgehen können, worüber Weiteres nn- 
khag (liinken). Da ein Hinkender von einer ter 2 hast u. hisel zu vergleiche)i ist. — 
Seite i)i die andere fällt , hz. sich hin und Sieht mati sich idirigcns skr. hesin (equus) 
her beicegt u. schicankt etc. , so ist die ]/ an, bz. dass dies niit hesa (hinnitus) , ku)-d. 
khanj od. khang von khag (agitare, com- 35 hise, tviehe)-t (cf. auch Pott, II, zweite 
movere, bz. freq. bewegen, schütteln, durch- Abth., :}!)8 seq ) vo)i der ]/ lies (hinnire, 
einander rühroi u. nnschoi etc., cf. bei od. iiho-haupt einen ScJiall verursachen, od. 
Benfeg khaj = to churn, bez. to move to ein Geräusch machen, einen imartikuJirtoi 
and fro) nicht verschieden. Nach griech. To)i hören lassen etc. u. so auch: bridlen, 
skäzo (kinke)t) u. an. skakkr (schief od. 40 schreien od. toben etc., cf. hesa-kratu [mäch- 
hinkend) , skaka (schwingen, bz. hin und tig bridlend etc.] bei G)-ass)nann) abstanimt, 
her bovegen u. schlagen) etc. ist dafür wobei den)i allerdings eine Laut coschiebimg 
wahrscheinl. eine idg. }/ skag anzusetzen, nicht Statt gefunden hätte, od. das skr. hes 
die auch icohl unsc)-)n Schaken , schakeln, selbst für khcs od. kes (cjf. lird für krd od. 
schok, schukeln etc. (s. d.) zu Grunde liegt, 45 klird) stehen )nüsste, so kan)i auch his da- 
weil aus: hin u. her bovegoi, schwingen etc. mit connex sein. 

a)ich die Bedtgn. : schlagen, stos.^e)i etc., bez. 1. hiscl od. hisel, Einne, Pille, Einnsaal 

verrücken, von der Stelle bovegoi, e)it- od. Wasserlauf auf dem Straiide , pleon. 

führen etc. etc. hervorgehen. auch hiselrille genannt. — Wang. (Ehren- 

hiiiko-pink. ]iink!ej)ink. liiiikopank, ein 50 traut, I, H70) heizel. Wie Tx'inne, rin- 

Hinkotder , od. auch ein Wankender , ein nen u. re)i)ien zu der y ar (sich bewe- 

de))i Concurs u. Fall Naher etc. — Nid. gen vor, gehen, laufen, sich o-heben, trei- 

hinkepink ; )nnld. hinckepinck, hinckepoot hen etc.), so gehört auch dieses Wort wohl 

(daudus, loripes) ; hinckepincken (claudicare, 7nit his u. hast (s. t;nter 2 hast) zu einon 

uniro i)ede salfare). 55 u. demselben Staminvbin. hisan (se movere, 

liinrich. llinrik, llindrirli. llinrikus. Hin- ire, currerc). 

riks. lllndrikiis. Iliniierk, Hindcrk (ml. 2. hisel od. liisel (Borkum) Beif, pruina 

Name), Heinrich. Geschln. Ilinrichs, od. eigentlich der gefrorene Niederschlag u. 

Ilindrirhs, llinaerks, Ilinderks, llinners, Begen, der sich an den Ziveigeti der Bäume 

Hüners, Hiunerssen, Hünerssen. — Nid. GO (de hörnen hint [od. sunt] füll hisel) fest- 



HISELN 



HOD 



seist u. mit einer Eisrinde urnffieht. Vergl. 
unter 2 giseln das mnld. (KU.) hijsel, 
vifläm. liyselo (ffelicidium, pluvia glaciata vel 
glacialis) u. weiter das vind. (Seh. n. L.) 
hiselen (eisregnen, glatteisen, pruiiiare), ivo- 
nach es wohl mit mnd. giessel identisch sein, 
könnte. Da indessen africs. ]iacht = acht, 
soioie unser heite tvohl = eito, etle, äte ist 
u. überhaupt ein „li" oft vor vocalischen 
Anlaut tritt, so kann auch KU. Hecht ha- 
ben, wenn er hijsel als für ijsel stehend 
annimmt u. demnach mit ijselen, hijselen 
(pluere minutam glaciem, sive pruinam gla- 
cialem) , nebst ijscl (stiria glacialis), ijsen 
(glaciare, gelare) zu ijs (Eis, cf. is) stellt. 

hiseln (Borkum), glaiteisen, Eisregnen 
etc. = giseln ; s. unter 2 hisel. 

lüsel-rille, s. 1 hisel. 

liisen od. liisen , hissen, ziehen, reissen, 
in die Höhe ziehen, winden od. heben etc.; 
— de perde hisen god an ; — hise datt au wat 
starker an ; — he hisde dat up de wagen 
od. hön (Boden) ; — his' hum up ; — körn 
od. seils (Segel) etc. uphiscn. — Nd. hie- 
sen, hissen; nid. hijschen, früher hijsen od. 
hijzen ; an., bz. isl. hisa (funibus attollere); 
norw., schtved. hissa; rfä«. hcise; engl, hoise 
od. hoist; schott. heis, heys hceze (to lift 
op). Davon: ital. issare ; span., port. izar; 
franz hisser (in die Höhe ziehen). Wohl 
mit 2 hast, his, hisel etc. zu einer germ. ]/ 
his, die aus der allgemeinen Bedtg.: bcioe- 
gen (cf. rennen etc. xi. risen von y ar, ri) auch 
die von: zielten od. heben etc. entwickelte. 

his-fäl, hiske, s. his. 

Hiske, ivbl. Name. Wohl Dimin. vom 
alten hiwa (Gattin, Frau od. Magd), da 
dies nach hiwo (s. unter hilk) zu urtheilen, 
auch die letztere Bedtg. gehabt haben miiss 
u. überhaupt nur eine Person, die zum 
Hause gehörte, bezeichnete. 

hissen, hitsen, hetzen, in Hitze od. Zorn 
u. Eifer bringen, reizen, aufstacheln etc.; 
he hissd (od. hitsd) hum up ; — he hissde 
hör tegon 'n ander an ; — sid)st. ; kanst du 
dat hissen net laten un raust du uog mer 
unfräden stichteo ? — Nd. hissen ; mnd. his- 
sen, hitsen, hessen; nid. hitson ; mnld. his- 
schen, hitschen, hetsen etc., alles von ahd. 
(hazjan, hezzan) hezzen; tnhd. hetzen u. dies 
von ahd. haz, cf. hat. 

histörjc, Historie, Geschichte, Geschichts- 
buch; — dat, od. he is de düpte fan de 
historje; — ik bin in d' histörje kamen, 
d. h. in die Schidklasse, worin das biblische 
Historienbuch gelesen ivird. 

hitse, hits, Hitze. Es ivird namentlich 
auch in der Bedtg. : feuriger od. röthlicher 
Ausschlag, Entzündung, sowie in der von: 
Zorn, Eifer etc. gebraucht. 



1. hitsf^n, Ä. hissen. 

2. Iiitscn, heizen ; — iuhitscn, einheizen. 

— Alid. (heizjan) heizen, heiss machen. 
liitsig, hitzig, rosig, entzündet; zornig, 

5 eifrig etc. 

bitte, s. hctte. 

1. Iio od. ho, Ruf inn Halt zu machen u. 
sich vorzusehen, bz. Halt zu gebieten ; — ho ! 
fair net; — ho! perd, wilt d' stän; — ho! 

10 mantje, so geid dat net; — ik segg' di fan 
liö! — Nid. ho (dasselbe). Davon, bz. von 
franz. ho auch nid. oho, nhd. ohö, sotcic 
das mit la zusammengesetzte höht ?f. nhd. 
ho IIa. Vergl. aucJi he u. hdä, sowie Wei- 

15 teres unter eala. 

2. lio od. lio u. auch wo od. wo (Frage- 
zvort), wie, auf welche Weise etc. ; — ho is dat 
gelegen, od. mit di ? — ho gröt is dat land ; 
— • ho so? wat wilt du dar mit seggen? — 

20 ho denn, a) wie dann ; — b) wie denn? od. 
wie? — Nid. hoe; afries. hü, ho; wfrics. 
hö ; nfries. ho; as. hwö; «(/s. hvu, hü; ahd. 
hweo, weo, wea, wio , wia, wieo, wie n. 
wuo; mJul. wie; amd. hwö; md. we; goth. 

25 hvaiva, uh(s (cf. Ernst Schulze) aus hve 
u. aiva zusammengesetzt ist. 

Iiobbe, ein köpf-, Höcker-, od. hügelartig 
aus dem Wasser hervorragendes od. auf 
demselben schtvimmendes Stück lockerer, moo- 

30 riger mit Sumpf gras be- u. durchwachsener 
Erde. — Dasselbe loie höfel u. hubbel. 

lioch-, llOgtid, Hochzeit od. Vermählungs- 
fest etc. Sprichiv. : na hogtid gan un fad- 
der stau un kindelber gefen, hed mennig biir 

35 fan d' pläts of drefen. — Afries. hachtid, 
haochtid ; satl. hagtid ; wfries. hoagtid ; nid. 
hoogtijd ; mnld. hoghe- , hooghtyd; as. hö- 
get'id; ags. heähtid; ahd. hohgezit, höchge- 
zit, höchzit. Es Jieisst wörtlich : hohe, er- 

40 habene Zeit u. lourden unter Hochzeit 
früher überall ii. auch hier (cf. v. Richt- 
hofen, ajries. Wb. , sowie Kern u. 
Will ms, pag. 106, sub Nr. lÜOO : Gode 
yfft di olin frohlyke Paaskhochtyde) alle 

45 hohen iveltlicheu u. kirchlichen Feste ver- 
standen, loie denn auch noch, jetzt in Hol- 
land, dies Wort nur in diesem Sinn ge- 
bräuchlich ist u. für Hochzeit im moder- 
nen Sinn das Wort bruiloft (cf. brüloft) ge- 

50 braucht ivird. Das von Ki l. neben hoogh- 
tyd angeführte u. von ihm fälschlich (cf. 
auch Stbg.) damit identificirte heughtyd 
ist mit unserm högetid identisch u. dort 
Weiteres zu vergleichen. 

55 hud, Hut, Kopfbedeckung, od. das, ivomit 
man den Kojif bedeckt, schützt u. schirmt; 

— dar mut man de hod für ofsetten, z. B. vor 
einem Mann, den man hochschätzt, od. auch 
ror Allem, ivas Einem Respekt einflösst u. 

60 was Ehrbezeigung verdient, ivie denn auch 



HO-DANIG 90 HOEDEN 

ein früherer hies. Amtiiiniin (jetzt Amts- höddclko. liödtlsol. Iiodfije. liödjo, kapsel- 

hduptman») von iinseriii Düiit/crhditfcn zu färniiiicr Sclint^-Ih'ckd auf r/cifcn, Strick- 

!>uffcn iijleyte, dass man thtcor, seiner bc- nadeln de.; leinener od. lederner Ueherzit(j 

sonderen (riite wegen , den Hut ziehen zum Schutz für wunde Finger. Zu luulen, 

müsse. — Afries., itfrics., stitl., nd., ngs., 5 hz. hod, (/. liüdje. 

engl, höd ; nid. liood ; nhd. liuot, Ji6t, liuat; liüdc, Hut, ühhat, Schutz, Gewahrsam 

mhd. luiot (Hut, Midzc, Kopfhedeckung un- etc.: — wils up diu liödo ; — du must dat in 

ter dem Helm, Helvi, Drckel, l'iherdeektDig diu liödo iirmeii; — dat stüid uiulor sin 

eines Zeltes). Mit hödc, liüde zu IkkIcii, hz. höde. — Afries. höde, liüde n. hodriio, hii- 

desselben Ur^^prungs. Xcbcn höd kömmt 10 dono ; )dd. lioede; nd., mnd. liode, linde; 

anih )Hich eiti afries. hat; ags. liät od. alid. liuota ; mhd. huote. Mit bilde zu dem 

hact; engl, hat; nfries. hat, halt; a)i. hattr, folgenden: 

hOttr, liotta; norw., schwcd. liatt; dän. liat höden (höde, hödst od. hödst, liodt od. 

in der Bedtg. Hut (iiikuis) vor, womit viel- hödt etc.; — hödde, höddst, höddt etc.; — 

leicht auch mhd. haeze, liäz; bagr. häsz, 15 bin od. heb' hödt; — hödend), hüten, n-ah- 

liaz (Hock, Kleid, Kleidung) als Bedecken- reu, behüten, bewahren, schützen, beaufsich- 

des u. Schützendes idodisch ist, da liaeze tigen, in Acht od. Obacht nehmen u. haben 

leicht aus hezze od. haze , bz. dem für hat etc. ; — höd' di, dat dn dat net wer deist ; — 

anzusetzenden Thema hata cntstehoi konnte schapen höden ; — he mnt 't hns höden (a. 

(/. auch das von liilt weitcrgcbildete ags. hil- 20 das Haus hüten u. bewahren od. bewachen 

tcn die Bedtg.: Anzug, Kleidung etc. Iiat etc.; — b) zu Hause sitzen u. bleiben, z.B. 

u. das Vbm. hättjan (cum cute dctrahere) wegen Krankheit). — Nd. höden ; 7nnd. ho- 

von hat weitergebildet ist. Da nun aber den, huden ; idd. hoeden ; mnld. hoeden; 

hod seiner Form nach (cf. flöd am Schlüsse, hneden; ((fries. liuda, htida, hz. liudia, hudja; 

sowie güd, fögen etc. etc.) ein Substantiv. 25 wfries. lioedjen ; as. huodjan , büdjiin , liuo- 

Priiter. von einem Stammvbm. hadan od. dan ; ags. hedan; a}id. huotaii, huoten, luia- 

hadhan ist, bz. auf eine }' had, hadh' od. ten, hueten ; mhd. huoten, hüeten ; md. hu- 

hath zurückgeht u. auch liat bei dem steten ten. Es ist zweifellos mit hod (mag man 

Wechsel von auslautendem ,,d", „t", „th", dies nun als B ed eckendes od. Schilt- 

„db" leicht aus halb od. hadh, had entste- 30 zendes, bz. als Decke od. Schutz, 

hen konnte, so dürfte diese germ. y had Schirm etc. neJimen) eines Ursprungs, 

vielleicht mit der y skad von scliadde (Sehat- weil die Bedtgn. : tegere, cavere, tueri, cu- 

ten) identisch , bz. mit diesem aus der für stodire etc. gegenseitig (cf. lu'id etc. u. ags. 

so viele Wörter (cf. hiid, biis etc., sowie hydan, bergen, schützen, bewahren etc. u. 

schau, schö, schude, schür etc.) anzusetzenden 35 byd, Rhede od. Hafen etc. von y sku, wo- 

y ska, sku {decken, bedecken, bergen, ver- von auch schau, schauen, schö, schul, schür, 

hidlen , schiUzen, schirmen etc.) erweitert schüre, schude etc. k. ahd. scuwo [Schat- 

scin, obschon es auch möglich ist, dass aus tcn] de., sowie die ]/ var, von waren etc.) 

ska sowohl skad als skat (cf. z. B. skr. cat stets in einander übergehen. Bezüglich der 

aus idg. skat, verhüllen, bedecken, verber- 40 y sei noch bemerkt, dass M. Hegne (cf. 

gen, verstecken, hüten, bewahren etc. für Grimm, Wb. IV,V.)7S) Hut, hüten zu 

liadai;, huod etc. u. skr. chad, bz. idg. skad, skr. chad, hz. skad (cf. schadde) stellt, iväh- 

od. skadb, bedecken etc. für hat) durch ta, rend H. Leo ags. büd (od. wie er schreibt 

da, dha erweitert tcurden. cf. Weiteres un- „hod'') mit bodnia (Wolke, cf. wulke u. wulle, 

ter höden. 45 Wolle), sowie byd (Haut) nebst hydan it. 

Zu höd sei noch bemerkt, dass die alten hedan, .sowie beodo (uinbraculum) etc. zu 
Friesen einen auf eine Stange gesteckten einem Stammvbm. heüdan (tectum esse), bz. 
Hut aucli als Wahrzeichen aufpjhuiztm u. skr. kad, kam], kund (tueri, servare) stellt 
als Feldzeichen gebrauchten u. der Hut- u. auch goth. betlijo (Kammer) u. a)i. he- 
od. Bannerträger davon iiudcn! genannt 50 ilbinu (Beizrock) etc. damit für connex hält, 
wurde, — sowie ferner, dass hod hei uns, was schiocriich Alles richtig ist, da büd 
hz. hord im nid. auch ein Steinkohlen-Mass (Haut) zu einer germ. y liud, — hod da- 
ist, icelches hies. Tonnen von plm. 300 gegen nach meiner Meinung (cf. höd) von 
Jfu)id enthält, rcobci ich indessen zugleich einem Stamnivhm. hadan od. hatban, bz. zu 
auf mnd. (Seh. u. L.) bot, bunt n. hude, 55 einer germ. y had, idg. skad od. vielleicht 
bz. lioedo (s. daselbst unter liüt suh 4) ver- skath, od. skat = skr. cat {die übrigens 
weise. von Grassmann mit: sich verstecken, sich 

lio-daiii^, wie lieschaffen, wie gestaltet, hinivegthun de. übersetzt wird, toährend 

wie etc.: — bodaniw js dat? — dat is düs-, F ick sie mit: bergen, verstecken etc. loieder- 

od. süs-, od. sodanig. cf. 2 ho u. danig. GO giebt) gehört, wobei noch erwähnt sei, das8 



HOEDER HUEDER 



91 



HOF 



10 



15 



Ficli (111, 61) für ags. hoadlior (recopta- 
ciilum), (joth. liethjo, sowie für alid. liiiota 
(Hut) eine gcnn. ]/ hatli (bergen) außlellt 
u. diene zu gricch. kotule (Höhlung, Hu/t l es), 
kötulos (Näpfchen, Scitälchen etc., cf. koi), 
kopke n. tat. cavus, caveo etc. u. unser kau 
u. schau etc.); lat. castinus, castillus, hz. 
skr. cat (bergen etc.) vergleicht, wä/ircnd er 
gerade umgekehrt afries. hat; an. hattr 
(Hut, s. unter höd) etc. zu tat. cassis, bz. 
idg. skad (bedecken, cf. III, 60) vergleicht. 

liöder, liiider, Hüter, Bewahrer, Beauf- 
sichtiger etc. ; — Eedeusart. : 't hüs is 'n hö- 
der werd; — na 'u hüder kurod 'n rüder. 

liOdje, hötje, Hütchen. Dimin. von höd. 

hol' (de, dat) , Hof, eingefriedigter u. ge- 
schlossener Baum, Garten, ländliche Be- 
sitzung od. Wohnung, Gehöfte etc.. Alles toie 
im Hochdeutschen. Häher: karkhof, appelhof 
(Apfelgarten), hof um 't hüs, binnenhof, hof 20 
um de man etc.; — lie jagd hum fan hüs 
un hof; — he hed gen hüs of hof; — d'r 
is gen hüs of hof to sen ; — au de hof fan 
de könig gän ; — 't hof fan spanje ; — 't 
gerigtshof etc. ; — Sprichw. : fan 'n gröt hof 25 
geid föl of; — 'n hof um de man, dat kau 
uog gän, man 'n hof um de sünn' dar schreien 
frö un kinder um. — Afries. hof (auch ge- 
tveihter Hof, bz. Tempel, ivovon die 4 hoven 
od. Kirchen in Brökmcrland, ctls: Maria- 
howe [Jetzt Mai'jeuhafe, Meienhafe, Marjen- 
hove = Marienhafe], Utengrahowe [jetzt 
Engerhafe, Engerhove] , Victorisliowe [jetzt 
Victor hur] u. Lambertushowe [frühere 
Lambertus - Kirch e zu Aurich] be- 
nannt sind); nd., nid., as., ags., an., ahd., 
vihd. hof; tvfries. hoaf; nfries. hof, höf, 
haaf elc. ; schoit. hoif, hoff, hove, houff, hufe. 

I)ie urspr. Bedtg. is: eingefriedigtes od. 
begrenztes, von einem andern Etwas (Wcdl, 40 
Bing, flauer, Hecke etc.) umgebenes u. um- 
schlossenes Etwas, tvoraus sich edle sonsti- 
gen Bedtgn. (cf. unter gärden, 2 harn etc.) 
von selbst ergaben. Dass es daher mit griech. 
kepos (Garten) (u. möglicherweise auch mit 45 
lat. Campus, sofern dies urspr. ein einge- 
friedigtes Stück Land u. nicht blos das 
flache Feld, od. die Ebene etc. bezeichnete) 
einer y kap angehört, ist wohl zweifellos. 
Wahrscheiidich ist dies nun aber dieselbe y 50 
wie von ]iebben etc., da, sich aus: greifen, 
fassen, fahen, festhalten die Bedtgn. : festen, 
fesseln, binden, gürten, schliessen etc., bz. 
umgreifen, umfassen, umschliessen etc. od. 
he- u. einfassen etc. von selbst ergeben u. 55 
Hof ja nichts anderes bezeichnet, als einen 
von einem Etwas um-, be- od. eingefassten 
Baum. 

höf (Plur. hüfen) , Huf, od. der Horn- 
sclmh, ivelcher die tveichen Tlieile des Fasses 60 



30 



35 



vieler Thiere schützend umfasst u. umschliesst. 
— Afries., satl,, ags., nd. liöf; nid. hoef; 
as. höf, huof; engl, hoof; a n. hoÜr ; scliwed. 
hof; (Hin. hov; ahd., mhd. huof. Die Ver- 
gh'ichung mit aslav. kopato (uiiguhi) ab- 
weisend (iceil der lange Vocal nicht 
stimmt u. dies dircct von kop = y kap 
[fassen etc.] tveitergebildet zu sein scheint), 
halle ich dafür, dass es ebenso loie höf, 
hob, huob in an. höf (Mass, Mass - halten, 
Besonnoilieit) ; norw. hov ; schwed. hof; ags. 
höf (modus, medium, bz. das tvas sich ge- 
ziemt, od. Jemcuidem geziemt, gebührt u. 
zukommt etc.) ; goth. hob in gahöbains (conti- 
nentia, Selbstbeherrschung , Entludtsamkeit, 
od. das Musshalten, sich in Schranken hal- 
ten etc., cf. tinter höfen a7n Schlüsse des 
Weitern); as. höfa; aJid. huoba, huopa, 
höba; mhd. huoba; nhd. Hufe (ein ge- 
loisses Mass Land, bez. ein durch Gräben, 
Hecken, Wälle etc. eingefasstes, umschlosse- 
nes u. abgegrenztes Stück Feld) aus dem 
Präter. huob bez. huof der von der y haf = 
idg. kap (greifen, fassoi, nehmen, fahen, 
halten, tragen, heben etc. , d. h. festhalten 
u. tragen, dass Etioas nicht fällt, od. Einem 
etwas Halt u. Stütze geben, indem man ein 
Eticas setzt od. hebt toorauf) stammenden 
Verba: haban, hapan etc. od. hafjan (cf. 
hebben u. heffen, wobei zu bemerken ist, 
dass der Lautverschiebung des lat. od. idg. 
„p" nach, das Vbm. haban eigentlich hafan 
lauten müsste) hervorging u. dass dem- 
nach höf (ungula) als urspr. Substantiv. 
Bräter. von haban, hafan (haben, bz. greifen, 
fassen, halten, tragen, heben etc.), bz. von 
hafjan (Griff-, od. Fass thun, greifen, halten, 
heben, herausgreifen u. heben, nehmen, aiif- 
nclimen etc., cf. lieffen) ivohl dasjenige be- 
zeichnet, tvas grifft hielt u.fasste, od. trug etc. 
(also: ein Greifendes, Fassendes, Haltendes, 
Tragendes etc., bz. ein Etwas, tvas fasst od. 
befasst u. in sich befasst od. umschliesst etc. 
u. so auch als Hornscltuh des Fusses diesen 
schützt etc., od. auch das, tvas den Fuss 
hält, trägt ti. stützt etc.), tvobei man bei der 
Bedtg. : Klaue, Huf von ungula zunächst 
an ein greifendes u. haltendes Etwas denken 
kann, falls man nicht etwa von der Bedtg. : 
heben, erheben, atif heben etc. ausgehen 
u. so höf als das deuten toill, worauf sich 
das Thier erhebt u. aufspringt etc., 
loelcJie Deutung für höf auch ja zulässig 
ist. Dass das „f' in höf wegen der Iden- 
tificirung mit „b" od. „p" in den sonstigen, 
derselben y entstammenden Wörtern keinen 
Anstoss geben kann, darüber vergl. auch die 
unter 1 tt. 2 bedarf «. l u. 2 bedarfen an- 
geführten, M^örter. 

Zum Schluss sei übrigens noch bemerkt, 



IIO-FARD IIOFARDIG 92 IIOEFEL 

dass Fick a) tmitcr hüf (Huf) mit zcml. nh^nlclten, wie Fick (er stellt [TU, 62] 
(;afa (Iloni, Huf): skr. ^aplia (Huf); hU. luibodii unter hafja, \\öi [heben] auf, ohne 
ganiba etc. aus einer idy. Grdform kapa hesiimmt c« sagoi , oli dies, hz. (joth. liau- 
ableitet, ohne indessen der }' zu (jedenken l>ith dazu (/ehört u. ob er Haupt als ein 
u. h) das nltd. Hufe mit lat. campus u. ü Etwas deutet, tvas sich über ein Anderes 
(jriech. kcpos (einciehecftes Land etc.) zu erhebt ete.) dies anscheinend thut. Bezüg- 
einer y kanip (hicfjen, krümmen) stellt, zu lieh des lat. Caput u. a(/s. hcafod etc. ist 
deren Ahhiutform kuji auch unser 3 liop ge- wohl anzunehmen, dass dies mit ags. liea- 
hört u. wozu auch liöf (cf. 2 li6p am iola, liafola, od. licatVIa; griech. kepliale 
Schlussr) be.'^ser stimmt als zu skr. ^apha. 1** (T^'>iif); skr. kapala (.S'cAd/f, Scherbe, Schä- 
liri-fäi'd, liölärdi^, .s. höiffrinl otc. drl, craiiium) zur y ki\p (fassen, greifen, 
liöf-lilad. Inirkoblad i I'lur. Iiöfhladon) Huf- nehmen, halten, heben, tragen, cf. hebbcn, 
l'hitt, bz. Uußultivh (TiissilaLTO jiotasitcs oft". liochtcn, licftou etc.) gehört, da die urspr. 
et Tuss. Fart'ara). Bcdtg. von cajjut , bz. ka])äla u-ohl zweifel- 
lii)fd , liöfd Uli. lioft I I'lur. lififilon, hnf- 15 los die von: Gefäss, Behält er etc., bz. 
teil), ;\) Haupt, Caput (auch ßg. als Ifau]>t Fassendes ete. (u. so auch Hohlgefüss 
od. Oberhaupt, bz. der an der Spitze .'itcht r/c, </. kop, kopke etc.) w<. M^egen hcaiod, od. 
u. der Erste u. Oberste i.'^t, od. auch als lieäfod u. baubith etc. vergl. ((uch Cr. Cur- 
Oherstes n. Spitze etc.): — förbjTfd, — ach- tius (pag. 1-iS) u. H. Leo (pag. 578) u. 
terhnfd; - faniilieiihßfd, — be is 't höfd 20 Andere. 
liir in hi'is; — 't hAfd tan de stad, — lie hol'il-feil, s. unter hßfd. 
stoid an "t liöfd od. hAfd fan de reuerung ; hoCdliii^, Hiiujitling. — Afries. hnveding, 
MUU'v'i] (Hau jil fehler) etc.: — b) eüie Ufer- liavilinü;, haiidini^ u. liavedling, havdling; 
hefestigu)ig vo)i Steinen, Holz, od. Jieisig nfrics. ludiling od. büvding (Führer, An- 
('^(j/jrr ; stenlirifd, balkonbilfd, risbßfd), ?t'e/cÄe 2ö führer, IIäiij>tling , JMagnat, Besitzer einer 
kopfitrtig aus dem Wasser hervorragt, bz. Burg u. adligen Herrschaft, bz. Benennung 
halbicreisförmig v<n-springt a. in das Wn.<i- eines frics. Adligen); «/(. liüfdingi (princeps, 
ser (älinlich wie eine Buhve od. slenge, iiiagnas). JJie fries. Hdujitlinge gingen zum 
jedoch in der Hegel höher ii. kürzer) hinein- Thcil aus den alten Priestern u. J{ichtern 
ragt, um das Ufer, od. l^esondcrs gefähr- 30 od. Asoga's (cf. äsoga), zum TItril aber auch 
dete Stellen zu schützen. — Afries. liäved (wie der ganze frics. Adel) aus dem Stande 
frec^ ha ved ?) havd, häfd, häd; ?o/r />?.<?. haed, der freien Grundbesitzer, od. den Besitzern 
haa, hoot ; nfries. band, bond, liocd ; 7V(tng. von alten u. sog. adlig freien Grundstücken 
haud; mofries. (('ad. M ü 1 1 er) hAudo; nid. hervor, die., allmälig reich u. mächtig ge- 
hnofd ; nd. hiifd, liöved, liovt; iinid. hovet, 3') tcorden , sich weder an die Beschlüsse der 
höft, hoeft, hoved; as. liübid, hnbbid ; ags. Upstallsbornibclion Vcrsa)nmlungen, noch an 
heafod; engl, liead ; an. hötiidh od. luifut; die Anordnungen a. Befehle der vom Volke 
norw. hövud ; dä)i. liiivod; sclured. hufvud ; erwählten Biclder kehrten, od. auch oft von 
goth. baubith; ahil. houl)it, baul)it , boupit, den andern freien Bauern freiwillig zu 
haupit, liOpit, boubot, boibet; )nhd. hnubet; 10 Häuptlingen u. Schutzherren erkoren wur- 
md. liübct, liouvet. .It/s. hiafod u. an. hö- den, loie dies aus der im frics. Archiv von 
fudli = bafudh od. bafa(W</. a». liöfn, haf- Ehren traut (I, ol'i) angeführten Stelle 
iiar, Hafen) u. vielleicht auch afries. \\av9{\ licrvorgcld, dir folgcndcrmas^^en lautet: iim 
("i. oben) entspricht genau dem lat. caiuit, wäh- (bimsiilven Jbaro (nändich 13')5) is Edo Wim- 
rend in den andern Formen das urspr. „a" 45 kcMin (Häuptling von Wittmund) van deu 
in den Umlaut „an" od. „ou" überging, da Itichtoron der Uustriiig, Oistring und Wau- 
cs doch .schwerlich geht, um diese deutschen g''i'S, nomptiik van llillort van Laureiis, 
Wörter für die Bezeichnung des Hauptes Tanno Ibon tho Sambdl, M(Ster Olrick tho 
od. Kopfes von einander zu trennen u. aus Kniplmson, Jungo IIe(blo tho Wclens etc. 
verschiedenen Ouellen , bz. von vrrscliiede- 50 erwclet und angcnluinu'U mit synen Naka- 
nen Wurzeln (dizulciten. Sind indessen die iiioling(! flio ein Capitein und Ilovct de lande 
Formen : goth. baubith etc. u. ags. lieafod und luidc vortbostacn und tho rogcron, Wente 
etc. von einander zu trennen., so ist es je- de Richter, wcreu dos aniptcs inoode und 
denfalls richtiger, um die Stämme: Jiaub, avd'dratich, unime der gemeinte ungchorsam- 
lioul) etc. mit dem von Haub in Haube 53 heit willen, dat neuumt geboir geven woldfl' 
(cf. hüfe) von demselben Stannnvbm., bz. noch in krich noch im frede. 
derselben y abzuleiten, ids sie mit höf, bz. lli^Cd-pin, Haiijd-. od. Kopfschmerzen, 
a.t. bufa; ahd. hnoba etc. (s. unter höf) aus hofd-sakc, liöt'dsakc, Haujdsache. 
hafan, baban, od. hafjan (cf. bebben u. hef- 1. höt'el, Hügel, Anhöhe, Erhöhung, Er- 
ica), bz. dessen I'räter. huof, huob, hüf etc. 00 hebung, Höcker etc. ; — höfels un bargen be- 






HOEFEL ^ 93 IIOEFEN 

jägnen sük net, man wol minsken ; — de usus) ; mnd. beliof (dasselbe) ; ags. I)eh6f 

höfels sligten. — Nd. (Dühnert) liövel ; (Incvnm etc.); etujl.hvhooi' (Vortheä, Ntitzen), 

mnd. Lovel; nhl. heuvel; mahl, hovel, liou- hohovc (l'ortheil, Interesse, Bequemlichkeit) ; 

vel ; mild, luihel, hühel, huvel ; as. huvel. ((frics. hiliöf, Ix'liöf (hehufsani , hehülflich, 

Wohl zweifellos mit dem folgenden \\M{i\ zu 5 dienlich, nützlich, iiotliwendicj etc.) etc. von 

heben (hob etc.), cf. heften. einem Stamm: liöt", lioef, huof, ln'if, hüb etc., 

2. hüfel, od. liöfel, Hebel, Hebebaum etc., der mit an., ags. liöf (Mass etc.) k. goth. 
s. hefel sab b). hüb (i)i gahöl)ains, s. unter liof), sowie auch 

3. höfel, Hobel, Geräth zum Schlichten mit dem l'rütcr. liof, huob, nhd. hob von 
od. Wegschaffen von Unebenheiten u. Hau- 10 hafjan, hcfjau (heben, nehmen, fassen etc., 
higl'citen. — Nd. hövel; mnd. ]\ovo\; mnlil. cf. heffen), od. auch ev. mit dem urspr, 
hovel, hoevel ; mhd. hovol, linbel ; md. liu- Präter. hnob, liuop etc. von luiban, hapan, 
bei; an., bz. isl. liefill; norw. hovel, hyvel; rect. bafau (hcdjen etc., cf. hebb(Mi u. s. un~ 
dün. hövel, hövl ; schioed.\\i){we[. Auch die- ter liuf) identisch ist, soivic aucJt mit huob 
ses Wort gehört zu heften (heben), jedoch 15 in ahd. bi-huobida (prae^umtio) etc. Da 
nicht in cler Bedtg.: hoch macJien, od. sich nun aber das Brüter, von heften im nid. 
erheben, steigen etc., .sondern in der von: hief lautet, so erldärt sich hieraus auch 
greifen, nehmen, auf- od. wegnehmen, wohl ags. hefe in behefe, bz. dessen Iden- 
entfernen etc. u. bezeichnet es buchstäblich tität u. Synonymität mit afries. behöf (s. 
ein Nehm-Ding, od. ein Etwas, loomit 20 oben). Was nun aber speciell hvtien = ags. 
man Etwas entfernt u. beseitigt. höfjan etc. betrifft, so leite ich dies von höf 

höfeln, hobeln; of-, weg-, bchöfcln ; — in ags. behöf, engl, behoof (lucrum, bz. Ge- 

dat niut behöfeld worden. ici)ni, Nutzen, Vortheil etc.), bz. höf in 

höfen, müssen, nöthig haben, brauchen, afries. beliöf = nhd. behuf etc. ab, was 

nöthig od. erforderlich sein, bz. so sein, 25 als urspr. Bräter. von haban , hafan , bz. 

dass ein Mass, eine Noth, od. ein Bedürf- hafjan (haben, besitzen etc. , od. heben , er- 

niss etc. vorliegt utn Etwas zu thun ; ~ höfst heben [z. B. Geld, Zoll], greifen, fassen, 

du nog net na de schöl? — ik hftf net drin- nehmen, halten, behalten, in Besitz nehmen, 

ken, ik hebb' gen dörst; — ik höf gen äten erwerben, gewinnen etc.) dasjenige bezeich- 

hebben; — he bfifde dar je uet hen to gan, 30 net, was man schon hat u. besitzt (cdso die 

he kun d' närs je in hüs holden ; — dat Hahe u. der Besitz), od. griff, fasste, nahm, 

h8fd net, dat de dam mäkd word. Sprichw. hielt, behielt, erivarb, gewann etc., sodass 

(einem appetitlosen habituellen Säufer iro- höf als Subst. zunächst die Bedtg.: Habe 

nisch als Entschuldigungsgrund in den Mund u. Besitz, bz. die von lucrum, ocl. Nutzen 

gelegt): war 'n drüp sitt, dar bOfd gen kör- 35 u. Vortheil etc. hatte, od. als Adv. in Be- 

rel to Sitten, cf. behöfen, wanhöfen etc. zug auf andere Gegenstände dasjenige be- 

— Nid. hoeven, behoeven ; nd. (Br. Wb.) zeichnet tvas nützlich, vorthcilhaft, dienlich, 

höven, behöven; m»fZ. hoven, behoven; a/>v>.5. passUch , zweckentsprrechend u. brauchbar 

hövja, bihövja; wfries. hoaven , hoavjen ; loar, woraus sich, denn für höfjan etc. ») die 

ags. höfian od. höfjan in bihöfian (egere, 40 Bedtgn.: in Besitz nehmen, od. an sich 

dpcere etc., bedürfen, brauchen, nöthig ha- nehmen u. gebrauclien etc., od. die von: 

ben; nöthig, dienlich, nützlich, passlich, ge- Nutzen haben u. machen (wovon für sich), 

ziemend u. erforderlich sein; sich geziemen, benutzen, gebrauchen, verbrauchen , verzeh- 

IMssen etc.); engl, hoove, in behoove (ge- ren, bedürfen, nijthig hcdjen (cf. 1 n. 2 be- 

biihren, sich geziemen u. schicken, sich, pas- 45 darfen) etc. — u. b) die von : Geicinn, 

sen; nothwendig sein etc.); dän. (be)höve; Nutzen u. Vortheil Jiaben (wovon), od. nütz- 

schwed. (be)höfva; hochd. (Grimm, Wli. lieh, dienlich u. vorthcilhaft sein, nützen, 

I, 1343) be-huben (egere, opus habere) u. dienen, passen (für) , (sich) passen, gezie- 

behufen (indigere) etc. Mit nhd. Behuf men u. schicken, bz. passend, geziemend, ge- 

(Bedarf, Bedürfniss etc. , bz. das, was man 50 bührend u. notlnvendig od. erforderlich u. 

gebraucht od. ivas einem passt u. dienlich nöthig sein etc. von selbst ergeben. Was 

' ist), bell, uf (zum Zweck , zum Gebrauch, nun aber weiter das ags., an. höf (Mass, 

I bz. der Passlichkeit u. DienlicJikeit hcdber Masshalten, EntJialtsamkeit) u. goth. gahö- 

etc.) ; mhd. behuof (Geschäft, Gewerbe; Be- bains (s. unter höf) betrifft, so stammen 

darf, Bedürfniss) ; nid. behoef u. behoefte 55 diese Wörter von liaban, hafan, haben, hal- 

(Bedürfniss, od. Bedarf, Gebrauch, Nutzen ten etc., (refl.) sich haben od. gehaben, u. 

etc., cf. behßfte), behoeftig (= behöftig, be- benehmen etc., od. (refl.) sich lialtcn u. nicht 

dürftig etc.), behoeve (ten behoeve , zum gehen lassen, sich enthalten (Eines). Als 

Nutzen, zum Dienste, zum Gebrauch etc.); iveiter hieher gehörige Wörter seien noch 

^ mnld. behoef (egestas, necessitas, indigentia, 60 angeführt: schiocd.hof (Gebühr, Zukömmniss, 



HOF-ISER HOFISDER 



94 



HOEGE 



Bedarf, Behuf etc.; geziemendes u. gehiihr- 
liches Verhalten u. Benehmen, Mässiguni/, 
j\J(isshiilten etc., cf. an. höf etc. unter liOt), 
hotVa (Gebühr, das gehörige Mas,'^, der An- 
stand , das icas Eiiiem geziemt, gebiilirt u. 
zukommt); hüfvas (gebüliren, geziemen etc.); 
hurtig igelmhrend, geziemend, a)iständig, )iett, 
höflich etc.), hüfsa (geziemend , nett u. gut, 
od. ■'tauber u. ordentlich machen, [Jeman- 
den] gc!iittet u. artig machen etc.) ; — norw. 
hov (Abpa.'isung, passende Zubereitung ; das 
3Ia.-<shalten etc., cf. unter hüf), hova (ab- 
})a.ssen, jjassend u. geziemend machen etc.), 
höva (abpassen , das Bassende u. Bichtige 
treffen, treß'en, richtig zusammenfallen ?<. 
treffen, zu einander ^Jf/swc» u. stimmen, har- 
moniren etc.), höv (passend, treffend, stim- 
mend etc.) ; höve (Treff', Zufall) etc. aus 
welchem Allen klar hercorgeht, dass das an., 
ags. büf (Mass, i\Iassh(dtrn) mit dem Stamm 
hof, hüf, hat' in behof, bz. mJid. behuof etc. 
H. in hötjan, bL'höfjan, bz. höt'ea, nhd. be- 
kleben, behufen etc. identisch ist u. hof 
(Mass, Masshalten) = Zukömmniss, Ge- 
bühr, gebührendes u. geziemendes Betragen 
etc. (cf. dieserhalb auch hören [tragen od. 
greifen, fassen, heben etc.] von heran [tra- 
gen etc.] u. gehören [sielt zutragen, ereig- 
nen; Jemandem zukommen u. gebühr c n] 
zu liabaii, hafau, hiiob, huof, hof u. zu höf 
[Mass, Gebühr, bz. das Gebühroide u. Ge- 
ziemende] u. höfjan, l)fliöfjin etc.) ist, bz. 
zu hahan, hafun (greifen, fassen, nehmen, 
haben, hiüten, tragen, heben etc. etc.) gehört. 

liöt'-iscr. ht'ifisdor, Hufeisen. 

liül'-napcl, Hufnagel. 

hof-singer, Grasmücke, d. i. Hof- od. 
(Jartrn-Sanger. 

Jlöf-smid, Huf Schmidt. 

bog (Jlect. höger, högste) , lioch , erJutben 
etc.; — bog un lag; — dat land ligd liüg un 
dröge; — 'n bögen hOni, törn; — dat is nii 
to liög (das ist mir zu hoch u. erhaben etc., 
bz. zu gelehrt etc.) ; — böge lue (holte, 
hochstehende, vornehme Leute): — be wil 
to liüg henüt; — bog faa ärd (hoch von 
Art, bz. erhaben, rorneJim , stolz etc. von 
Art u. We.^en) ; — h6 steitl liüg in achtung 
un ansen : — bog uu giütsk düii (hoch, er- 
liaben, stolz, vortieJuii ii. gross etc. tliun) ; 

— hö dfinkt sük to hüg un klük; — hüge 
prisen (hohe, theure Preise) ; — dat i)rüd is 
hüg an pris ; — dar gcid 'n hügen wise up 
(da gellt eine holte Weise, od. Melodie auf, 
was flg. auch von Kiicas gesagt wird, ivas 
hoch u. theuer zu stehen kötnmt u. viel Geld 
kostet) ; — bog un dfir l)Oswüren ; — dat 
Word büg!i tid , dat du na de schul kumst ; 

— b("' bed 't hügnödig ; — dat sunt böge 
(hohe, od. ^tn gewöhnliche, theure etc.) od. 



hüghcnde tiden ; — dat geid d'r fan afend 
hüg (hoch , festlich , freudig etc. od. ver- 
schivetiderisch etc.) her; — höger up ; — 
fan hüger luind (ron hoher, bz. höherer, od. 
5 mächtiger obrigkeitlicher Hand) is nii dat 
anbefälen ; — 't is up 't högste {Höchste, 
jieusserste etc.); — do bögen (Hohen, Vor- 
itehmen. Oberen etc.) willen 't all' to seggen 
liehben un an sük riten. — Besondere lie- 

10 densarten: sük up 't hüge piird setton (sich 
Andern gegenüber erheben, sie von oben 
herab od. rcrilchtlich ansehot u. behandeln 
etc., z. B. lic sett sük glik up 't böge perd, 
wen 'u ander wat segt of deitl ; — du brükst 

15 dl net gl'ik up 't hüge perd sotten un an- 
dere lue niinachton etc.); — wi hebbcn 't 
hüg un lüg mit 'n ander had , od. beprütd, 
forhandeld ; — 't böge wörd (das hohe, od. 
theure, schtvere, schioer wiegende Wort, bz. 

20 das Geständniss, od. Schuldbckcnntniss) niiit 
d'r berät. — Africs. häch, hag, bz. bog ; 
Compar. hagera, bägra; Superl. hägost, hfi- 
gist, liüglst; (t/n'es. hat'g, heag, herg ; nfries. 
(Outze n) hugh ; S(dl. bäg ; wang. hoch ; 

2") nd., nid. boog; mnd. ho, buch, böge; innUl. 
ho, boo, hoogb ; as. büb ; ags. beäh, boä, 
beb; Compar. lieähra, hearra, hörra, byrra; 
Superl. heöbsta, böhsta, b}iista; engl, higb 
u. früher (nach KU.) higo, beyge; ahd. 

30 hüb, baob, hü; mhd. hüb, buch, liö ; goth. 
hauhs; a/i. här, hä, hätt; norw. bog; schived. 
liüg; dän. büj. Wohl zur y kuc (curvaro, 
intlcctere, bz. biegen, krümmett, wölben, etc.), 
tcozu es locnigstens Fick (III, 70) mit lit. 

35 kankas (Heule), kaukar (Anhöhe) stellt, cf. 
auch bokko, hök, buk, buken etc. 

liog-beiid, hoch gebeint, mit, od. auf ho- 
lten Füssen, hochbeinig etc., fig. auch stolz 
etc., od. theuer, wo Alles hoch (im Preise) 

40 steht u. rar ist; — 't stoid so bügböiid; — dat 
(Irr is so bügbönd; — hv lupd so bügbönd; 

— dat sunt u|)stünds sülke liügbende tideii, 
dat olle wark bod um sük d'r dür to tilän. 

hö^'-drafeiid. (sinnl. u. fig.) hochtrabend. 

45 liÖg*', Sinn, Wille, Wollen, Wunsch, Hoff- 
nung, Lust, Behagen, Vergitügen, Freude 
etc. ; — dat goid so rogt na <i\n böge (das geht 
so recht nach seinem Sinn, bz. so wie er es 
will, wünscht u. hofft, od. so wie u. dass es 

50 ihm Vergnügen u. Freude ntacht) ; — all' 
wat hv schall un mut, dat dcid he mit tä- 
gensiii, man all' wat hö wil, dat (h'id hr mit 
liOge (cum animo) un möge; — ik mns' dar 
güster afoiul tagen min böge (od. tilgiii niiii 

55 sin , — tagen 't sin etc.) un möge drinkon : 

— liö bed so regt sin böge an de kindcr. 
Nd. böge; mhd. böge, böge, hege, bage; nl'l. 
liengb ; mnld. hoiiglif', hoglie (mens, sensiis, 
intellectns; consolatio; spes; dolectatio, vo- 

GO Inptas, laotiti.i) ; afrirs. bei (cf. der Form 



HOEGEDAG 



d5 



IIOEGEN 



werfen: heia, höhen; heia, hegen; hoia, />cm- 
gen etc.); ahd. huf^u, iiukii; mhd. liu;j;i', 
hüge; md. hoge (Sinn, Geist, Andoiki'n ; 
atfectus, Freude); goth. hugs (= gricch. 
noüs) ; as. hugi ; ags. liyge, hige (animiis, 
mens, Denkart, Sinn, Hers, Mutli) ; an. 
luigi (Sinn , Gedanke) u. hugr (Sinn , Ab- 
sicht, muthiger Sinn, Mnth) ; norm, hug, 
mich hog, hang, hau (Sinn, Gedanke; Lust, 
Verlangen , Begehren etc.) , hugge (Freude, 
Trost etc.), hugs (Sinn, Besinnen, Nachden- 
ken, Gedächtniss, Erinnerung) ; schioed. liog, 
hug (tüie norw. hug) ; dän. hu (Sinn , Be- 
lieben, Wille). Vcrgl. Weiteres unter hü- 
gen u. hugen. — Zu lioge sei zum Schluss 
noch bemerkt, dass nind. hoge etc. (cf. Seh. 
u. L.), nd. (cf. Schütze, II, 14UJ hüge 
mich die Bedtg. : Lustbarkeit, Festlichkeit, 
Fest u. loang. (Ehr entraut, I, 372) hBg 
die von: Hochzeit = Freudenzeit, od. Fest- 
lichkeit, Festtag etc. haben u. ferner: dass 
dän. hygge (Sorgfalt, Schutz), hygge (be- 
loahren, beschützen), hygglig (heimlich, ru- 
hig, sicher) ; schwed. hygga (sich wozu hal- 
ten u. an Jemand anschmiegen, seinen ScJiutz 
suchen, od. Trost suchen bei Jemand), hygg- 
lig (angenehm, niedlich, nett, behaglich, ge- 
fällig, vertraulich etc. , bz. wo man gerne 
ist), mit an. hyggligr (sinnig, nett, verstän- 
dig, cf. högelik), hygginn (verständig etc.), 
hyggja (Verstand, Einsicht etc.) etc. auch 
mit högo etc. (jedoch in der Bedtg. S i n n) 
connex sind n. ihre verschiedenen Bcdtgn. 
aus der von: sinnen, denken (denken 
woran, achten worauf, sorgen wofür, Etioas 
in Obacht nehmen etc.), überlegen etc. 
von hyggja u. huga (cf. högen ii. hugeu) 
entfalteten. 
h8ge-dag, a) Gedenk-, Erinnerungs-Tag ; 

— b) Freuden-, Fest- Tag. — Engl, hoke-, 
hock-day. Zu högen, bz. högo, cf. höge-tid. 

högelik, högelk , erfreulich, angenehm, 
vergnügt, heiter, froh etc.; — dat is 'n höge- 
liken sake; dar kan mau sük regt afer freien ; 

— högelk un t'ergnögd bi 'n ander sitten. — 
Nid. heugelijk; ninld. heughelyk; mnd. hö- 
gelik (jucundus, hilaris) ; ahd. hugelih ; mhd. 
hügelich (erfreulich) ; schwed. h} gglig (an- 
genehm etc.) etc., cf. Weiteres unter böge. 

llSgcn, a) denken, erinnerlich sein etc.; 

— dat mag rat net högen (od. denken), dat is 
al to lank her; — dat bögd mi net raer; 

— b) Lust, Freude u. Vergnügen haben 
an, freuen, Freude u. Vergnügen, machen, 
angenehm sein etc.; — dat liilgde hum so, dat 
he net wus', wo he sük für blidskup wol l'i- 
ren schul' ; — dat schal hum högen , wen 
he dat hörd, dat sin dogter in de kram ka- 
men un he grötfader worden is; — he högd 
sük föl mer afer sin kindskinder, as afer sTn 



egen kiiider; — wat büst du bliksem für 'n 
undogd (Taugenichts), dat du di afer 'n an- 
dermans unglük bögst; — dat is 'n hoghö- 
gende (hochfreudige , od. hoch erfreuliche, 
5 sehr angenehme u. viele Freude erweckende) 
büskiip (Botschaft), di du mi brogd (ge- 
bracht) best. — cf. gebogen (Gedächtnis.'^), 
— ferhugen (erfreuen) etc. u. hugen (sin- 
nen etc.), soivie nd. bögen; mnd. bogen; nid. 
10 heugeu; mnld. heuglien, hoghen (mominisse 
etc. ; sperare ; laetari, gaudere etc.) ; afries. 
bugja (denken, gedenken, sich erinnern) 
wfries. buwgjen ; tifries. huvfggje (dasselbe) ; 
as. buggjan ; ags. hycgan, bicgan u. hogjan 
15 (denken, nachdenken, sinnen u. denken auf, 
beabsichtigen, gedenken, hoffen) ; an. hyggja 
(denken, aufpassen , Acht geben, betrachten, 
beobachten, denken an, bedenken, ersinnen, 
aussinnen, besinnen etc.) u. huga (überle- 
20 gen, erwägen, bedenken, ersinnen), sowie 
hugga (erfreuen, trösten); norw. hyggja, 
huga u. hugga (wie an.); schwed. liugas 
(Lust haben zu etc.), hugna (Freude ma- 
chen etc.), bugsa (erdenken etc.) etc., s. nn- 
25 ter böge ; goth. hugjan ; ahd. hukkan, hucken, 
bucgen, huggen, hugen, bogen; viJnl. hngeü, 
hügen ; nid. bogen (denken, meinen; geden- 
ken, sinnen ; seinen Sinn richten tvorauf, 
trachten wonach, bz. Lust u. Neigung ha- 
30 ben, gelüsten, verlangen, begehren). 

Was dies Vbm. betrifft, so ist es seiner 
Form nach tvohl von hugs, bz. hug, hog 
(Sinn etc., cf. unter böge) durch jan abge- 
leitet, ivährend dieses selbst, bz. dessen 
35 Thema huga (Sinn, Verstand, Einsicht etc., 
vergl. : er hat keinen Sinn dafür, sieht od. 
bemerkt es niclit, hat keine Einsicht, bz. es 
ist in n. bei ihm nicht hell, od. es scheint 
u. sieht nicht bei ihm liinein, es ist dunkel 
40 in, für u. bei ihm, er bemerkt u. erkennt 
nichts etc.) wahrscheinl. zur idg. y kuk od. 
skuk =: skr., zend. quc (brennen, flammen, 
glänzen, hell sein n. machen, leuchten, se- 
hen u. erkenne)i machen etc.) gehört, wovon 
45 ze)id. guka (was als Adj. die Bedtg. : glän- 
zend, leuchtend , hell u. sichtbar machend 
etc. u. als S übst, die von : Erleuchtung, Er- 
hellung, Licht u. Sehkraft etc., sowie [von 
deren (rrdbdtg. : brennoi, flammen etc. aiis- 
50 gehend] auch die von : Nadel, od. Stechendes 
etc. [cf. Brennnessel, od. urtica, als mit 
Stacheln beivehrtes u. so stechendes u. bren- 
nendes Etwas etc.] hat, sowie ferner das 
synonyme skr., ved. ^.uci u. (}ukra, sowie 
55 goka, 'Was neben: Licht, Flamme etc. auch 
noch die Bedtg. : Leiden, Schmerz, Beküm- 
merniss etc. hat, loie desgl. auch schon eine 
y cuc von Bopp etc. mit der Bedtg.: do- 
lere, moerere, lugere aufgeführt wird, wobei 
60 dan}i wohl anzunehmen ist, dass die Bedtg. : 



HOGEN HOEGEN 96 IIOK 

schmerzen etc. att^ brennen (vf. ahd. höglik, hö^lik, liogelk, hö^^elk, höcli- 

eitar = nhd. Eiter von eit [ignis, rogiis] u. lieh; stol::, rontehm etc.; — hö h^A sük d'r 

Weiteres unter attor) hervorging, während höggi'lk afi-r fi iwiiiidcrd, od. freid etc. ; — 

die Bedt;).: Sinn od. Verstand, Einsicht In- diiukd sük so hogolk; — ht*' word mi 

etc. von biiga (s. unter Loge), als wahr- 5 fuls to lui.iri;olk im sti)lt. 

nehmendes Etwas wohl aus der von: hö^liklieid, liii^^plkhoid : i. q. höglicid. 

flläncen, hell sein u. machen, erhellen (es liöij-lllitd. llochinuth. Stolz etc.; — hogniöd 

erhellt daraus) sichtbar u. sehen machen, zu kuiml tiir de fal. 

Gesicht u. zur Wahrnehmung bringen etc. liri^-inödi^, hocInniUhig. 

od. aus der subst. Bedtg.: Licht, Klarheit 10 li«n:-nödi^, hochnüthig. 

u. so: Erken)itniss od. Mittel, Sinn, Ver- h(»;:;-rii^d , niit einem holwn liücl'cn od. 

mögen etc. um Etwas zu erkennen u. ein- einem Buckel versehen, bz. den ]\ücken hoch 

zusehen (es geht ihm ein lÄcht auf ^^ es gehoben tragend etc.; — In"- is wat hogriigd : 

wird ihm erllürlich, verständlich etc., er — högriigdo ptTde; — hc löpd so högrügd. 

sieJit es ein etc.) hervorging, wo dann viel- 15 Iiö^slo, höclistc; Hüchstc. 

leiiht aus (ilanz etc. (cf. bilde, glad etc.) liö.ijsti'i'it, x. unter sclu'innoiors. 

auch die Bedtg.: Freude etc. hervorging, litt^te, liiiilfte, Höhe, Anhöhe, Erhebung, 

die Ja auch das ahd. hiign fr/, böge) schon Hügel etc.; — sakkcn in de högte trekken ; — 

hatte. up de liogtc fau de bargen ; — bc is up de 

ho«;en, liö^en, höhen, hoch machen etc.; 20 bögte; — dat büs bed tl' luigte nog net; — 

— ui)bogon, ferhogcn etc. dat steid up 'n liögte; — de liögten in 't 
lio-^enjiliid, wie od. auf welche Weise ge- hwu] matten wi insen ofgrafen laten. — Nid. 

)iannt od. gesagt u. geheissen, i)i aller Weise, booute; nd. bögte; mnd. bogede, bocbte; 

ilurcliaus etc.; — d'r is bügenA,md gen niinsk ahd. böbida, böliitlia etc.; goth. banbitlia. 

west; — d'r is hogen:und niks to sen. — 20 ho-lio, od. liö-ho, ilas redupl. ho (s. 1 bo); 

Nid. boegenaanid. — bobo! so geid dat net. 

hö^er, //ö/ur; — dat miit of liuger, of liiger, hoike, lioik, .s\ lieike. 
en fan l)oiden ; — nn! wen 't den net ho- ho-jänen. Iio-jiippeii, vor Hunger, Lange- 
ger of liiger kan, den man to, den mut 't iveile od. Schlaf rigkeit gähnen; — wat sittst 
gän as "t kan. 30 du dar al to bojänen un to gajjen V wen du 

liö^er-baiid , a) rechterhand, nach rechts mfij un slaprig l)üst, den gä to hedde. Da- 
hin etc. ; — liügcrhand up gän ; — bogerhands von wird (od. wurde früher) der Jüngsle 
dtwiken (nach rechts hin ausweichen) ; — Beisitzer eines Gerichts scherzhaft ein lio- 
h) höhere od. mächtigere Hand, Gottes Hand, jän genannt. — Nd., mnd., nid., mnld. bo- 
Schicksal, Obrigkeit etc.; — wat fan högei'liand 35 Janen, was ivoJil für büg-janeu (den Mund 
kumd, dar mut man sük under bügen ; — Jioch u. weit aufsperren, cf. jänen u. jap- 
't is hum fan bügerliand andän, a) es ist pen) steht. 

Htm von höherer Hand, bz. (rott, Sehickscd liü-jäiisk. gälinisch, zum (räJmen geneigt 

angethan ; — b) es ist ihm von Obrigkeit etc.; — ik word' so hojäiisk, (hvt ik gewis 

wegen kund gethan , od. befohlen u. auf- 40 'n stük äten liel)ben mut. 

gelegt. Iiok, s. liuk. 

hö^er-uj» , Jiöher Jiinauf, weiter hinauf hok, a) Spitze (LMndspitzc, Ljundzunge), 

etc.; — lie wand bügorup; — du must de Ecke, Winkel, Bichtung, Gegend etc., cf. 

strate högerup gän. egge, börn, Ord etc ; — d' liök fan liOgum (die 

llof:e-ti<I, Ereudeuzeit, Erntezeit etc. — 45 in die Oster-Ems hineinragende Ljundspil-r 

]\lnld. (KU.) lienglie-, hogiietijd. beim frühern Logum, einer vorzeitig in dir 

hu^-fälMl, hufärd, Hoffart, Stolz, Dünkel knimhörn, od. krnndiük [die Bewohner von 

etc. ; — lie stinkd fan bögfärd ; -- (f. Hollen. krunibürn sagen krumhauk od. kiunibonk 

— Nd. (Dähnert etc.) boogford; mnld. u. heissen daher auch krunibauksters od. 
boogbvaerdye; ahd. böbfart ; 7nhd. böclitart, 50 krumbürners] belcgoten, durch die Sturm- 
höfart (Stolz, Vraiht; Hoffart, Vebermuth). jhttheu verschlungenen Ortschaft) ; — de 

lio^C-fiiiMli;?, liö^jferdi;?, liöfärdi^, luff'är- büken fan 't liolt d'r ofstäken ; — de wind 

tig, stolz, übermüt/iig etc. — ..V(/. boogfür- woid i'it de süder buk; — dat durp ligd lui 

dig; nid. boovaardig; mnld. lioogbvaerdigb, de audere bök (Seite, Gegend etc.) ben ; — 

lioovaerdigb; «Af/. böbfi-rtig; w(/tr/. böcbfertic. 55 wen du de strate lik üt geistun den um de 

liii^KPlk- s. büglik. hök dreist, den must du in 't darde liüs 

luiglioid , /fochheit, Vornehmheit, Stolz, gän; — be steid up de bök un kikd na 

hohes vornehmes .ftolzes We.^en ; — be wet für beide kanten üt; ■ — boksten (Eck.stein, cf- 

bögbeid n»"'t, wo he sük tiren sal ; — he hörnHint) ; — de büken fan de strate ; — si 

barst fau bögbeid. GO knind nrt in de büken un bürns (von Haus- 



HOKEL 97 IIOEKER 

frauen, Dienstmädchen etc., die nicht in die ken ein in ecJcern de s Wesen bezeichnet, 

Ecken u. Winkel der Wohnungen kommen od. mit buken (hocken) etc. zu der tmter 

ii. nicht Alles gehörig nachsehen u. reini- hok etc. erwähnten y kuc (biegen, krüm- 

gen) ; — he sitt in de hok bi 't für to sla- men, ivölben etc.), loie auch Boc k mit b o- 

pen ; — smit ^t in d' bök; — b) Angel, 5 cken, bücken (cf. buk, bukken etc.) u. 

Thürangel, Fischangel , besonders die grosse biegen ivohl zur ]/ bhug (biegen etc.) 

Schellfischangel; — hengen un büken fan gehört. 

de döre; — 't es up de buken stäken. — liOker, Höker, Kleinhändler. — Nd. (Br. 
Nid., mnld., hoek (angulus, hamus) ; nd. Wb., Bahn er t etc.) hükcv tLhokev (Einer, 
(Br. Wb.) huuk; mnd. buk, buk (angulus); 10 der allerhand Essioaaren, besonders fette 
wang. (Ehren traut, I, 370) bauk (An- Waaren, Speck etc., Salz, Getreide etc. im 
gel). Wohl ztoeifcllos mit schwed. buk Kleinen verkauft); mnd. (Sch.u.L.) hake, 
(Bucht); zend. (Justi) kugra (Winkel, baker (Kleinhändler mit Lebensmitteln u. 
Ecke)., lit. kaukas (Beule) etc., sowie buk, dergl., als Butter, Käse, Speck, Schmier, 
huke, buken u. vihd. bouc; an. baugr (Hü- 15 Seife etc.) u. boke, boken , boker (Klein- 
gel), nhd. Höcker etc. zu der bereits un- händler, Krämer, penesticus); mnld. (KU.) 
ter beike u. bog (s. am Schlüsse) erwähnten hoccker , huecker , hucker (caupo , propola, 
y kuc (biegen, krümmen, ivölben etc., cf. institor) ; engl, buckster u. (cf. KU.) früher 
auch hake, hak), wobei ich toegen des Ab- auch: lioukester (Höker, Kleinhändler) ; 
lautes „k" u. „g" in diesen Wörtern auf 20 schwed. hökere ; dän. höker; tihd., bz. vid- 
die Wörter bügen u. bukken verweise. artl. u. älter hochd. (cf. Grimm, Wb. IV) 
Bern. Wie die Volksnamen: Hessen bocke, bocke, boke, bock, böko, höker, bocker, 
u. Chatten bekanntlich identisch sind , so hucker, hecker, hockler ; mhd. hucke (Klein- 
würde zu diesem bök, liuk, bauk nicht al- händler, Krämer, besonders Einer, der mit 
lein formell, sondern auch begrifflich der 25 Esswaaren, als Eier, Butter, Käse u. son- 
Name des fries. Volksstammes der C h a u c i stigen Esswaaren handelt) etc. 
od. C h a u k e n stimmen, weil dieses Wort Wenn man die obigen Formen, nämlich 
sehr gut die Bedtg.: Spitze od. Anhöhe, nd. häker u. höker, soioie neben nhd. hocker, 
bz. Landspitzen- od. Landzungen- bucker auch becker u. mnd. hake u. boke 
Bewohner gehabt haben kann, ivie ivir 30 vergleicht, so scheint es fast , als ob diesen 
auch jetzt die Beioohner von krumhök zweierlei Stämme, nämlich hake ofi haka «. 
od. kr umhörn ja auch krumhoks ter s boke od. hoka, buka, gekürzt hak u. bök 
etc. (s. oben) nennen u. dann auch zu erwä- od. hok, buk zu Grunde liegen , wie denn 
gen ist, dass egge (= nhd. Ecke) nicht auch im Br. Wb. häker -yon hake of?. hake 
allein die Bedtg. : Spitze, Schärfe etc., son- 35 (Haken) abgeleitet ivird (als das, woran die 
dem auch die von: Kante, liatid etc. u. Waaren zum Verkauf vor dem Ijaden aus- 
hök ebenso icie örd auch die Bedtg. : Ge- gehängt loerden) u. andererseits hocke, höcko 
gend, Landstrich etc. hat, sodass man das (cf. unter hocke im Grimm'' sehen Wb.) 
WortQ\idM.Q,i nicht allein mit Landspitzen- als von nhd. hocken (cf. buken) abstam- 
od. Halbinsel- Leute, sondern auch mit 40 mend angesehen u. so gedeutet loird, dass 
Rand- od. Uferleute, bz. Leute, die bocke ein Etwas od. Wesen, Person etc. 
eine „bauk" genannte Gegend bewohnten, bezeichnet, das etc. sich allerlei Waaren 
od. überhaupt auf einem bauk sesshaft loa- aufhockt u. sie auf dem gekrümmten Bü- 
ren (cf. wurthsaten , wovon der Name des cken herumträgt u. feilbietet, toie ein Tröd- 
Landes Wursten), übersetzen kann. 45 ler dies thut. Vergleicht man indessen, 
hokel, s. 1 häkel. dass die Höker ausschliesslich Leute sind, 
höken, junge Ziege, Zicklein, Böcklein. die nicht hausirend herumgehen, son- 
— Mofries. (Cad. Müller) höhken; nd. dem einen festen Stand u. blos einen klei- 
höke ; mnd. hoken, buken, bz. hoyken, hou- noi Laden haben, so ist bei dem Vergleich 
ken (Böcklein, od. Bock von Ziegen u. Scha- 50 der M^örter : kramer, kreraer, bz. nhd. Kr ä- 
fen). Entioeder mit skr. kokdi (Wolf), kuk- mer von kram in der Bedtg. Bude od. 
, kubha (Fasan), kukkuväc (Art Antilope) urspr. ivohl Zelt (cf. kram), soivie nid. 
, etc. von der aus ku (sonare, od. ein unar- winkelier (Krämer od. Kleinhändler) von 
i ticulirtes Getön u. Geschrei machen, schreien winke! (Winkel, Ecke, bz. Kramladen etc., 
1 etc.) durch Beduplic. u. Kürzung vou kuku 55 c/. winkcl) loohl eher anzunehmen, dass\\o\<.Q, 
entstandenen y kuc (einen durchdringenden boker, höker, huke, buker in der Bedtg. 
. Ton von sich geben), bz. der davon erweich- Krämer od. Kleinhändler (bz. nid. 
1 ten y kug (tönen, piepen, winseln etc. , cf. winkelier) von bök ii. buk (Ecke, Winkel, 
Fick, I, 49, 50), sodass dieser Name sich kleiner Verschlag, kleiner Baum, abge- 
auf das Meckern bezieht u. hoken, hu- GO pferchter Stall, kleines Gelass etc., cf. buk 

J. ton BoOTukaat Koolmau. "Würterbuch. II, 7 



nOEKERN 



98 



HOLD 



V. hük) weitcrgchihlet ist u. hlos eine Per- 
son hezekhnet , die in einem hok (Winkel, 
Ecke) od. huk (kleiner Baum etc.) Waaren 
feil hält n. verkauft. Wa.-< nun aber weiter 
rfrtN nd. lüikel u. nhd. mdartl. hokcl, hz. 5 
mnd. hake (Kleinhändler , h:. Person, die 
mit gesalzenen Waaren, als Fischen, He- 
ring, Speck etc. handelt) betrifft, so ist da- 
für ((/•* Ausgang wohl das mnld. (KU.) 
hack (salsamcntarius , salarius) anzusetzen, 10 
ivas indessoi selbst wieder mit mnld. (K i l.) 
hack (ncgotiator mercis vilioris) identisch 
ist u. mit hak (Gehacktes, Zerkleinertes, klei- 
nes Zeug, Kleingut etc., od. Geringes) zu 
hakkeil gehört, iveil dies aus haka od. haki 15 
gekürzte Wort urs^ir. hlos eine Person (Et- 
tcas, Wesen etc.) bezeichnete, welche hackt 
od. zerkleinert n. zertheilt etc. , bz. ivelche 
mit hak (mit Stücken , Brocken, Abfällen 
etc., od, mit Hackfleisch, als met, hütspot 20 
etc., od. überhaupt mit kleinem Zeug u. ge- 
ringen, icetihlosen u. billigen Dingen, cf. 1 
hak sub b) handelt. 

hökern, hOkern, den Höker od. Klein- 
händler machen, mit geringen Waaren han- 25 
dein, in Kleinigkeiten od. kleinen Parthiccn 
verkaufen etc. ; — he hökerd wat herum ; — 
se hukeril dat wer iit; — lio liökerd d'r mit 
herum ; — he ferhökerd sin göd. 

1. hokke; /. q. heike, hoike. 30 

2. liokke. Iiokk", ein (auf gerichteter) Hcmfe 
von Korngarben, od. Torf etc. ; — 't kurn 
etc. steid in hokken. — Nd. hokke; mnd. 
hocke, hake ; 7ihd. (mdartl.) hock , hocke, 
Imcke (Haufe von Getreide, Heu etc. auf 35 
dem Felde). Die allgemeine Bcdtg. ist 
„Haufe" (cumiilus) u. gehört es demnach 
mit nhd. Höcker u. Hügel, bz. deren 
Stämme liock n. liug, soioie mit hog, hok, 
hük etc. u. auch huken (hocken) zur y kiic 40 
(biegen, krümmen, ivölbcn, sich bogenförmig 
od. rundlich gestalten etc.). 

hokke-iiiolen, liokniolen , Mantel-Mühle, 
Mühle mit einem Mantel, od. einer Beklei- 
dung von Holz od. Bohr etc. , cf. 1 hokke 45 
= iieike. 

liokkeii, Getreide od. Torf etc. zum Trock- 
nen in hokken od. Haufen setzen, tvobei die 
Garben schräg gegen einander gestellt, die 
Torfsoden aber einzeln aufeinander gelegt 50 
11. geschichtet werden; — dat körn is hokk'd; 
— de türf mut nödig hokk'd od. uphokk'd 
worden. 

hokkor, ein Jemand, der das Iiokkon thul. 

hok-mulen, .s. hokkemölen. 55 

1. hol, hohl; — all' wat liol is, is 6k lös 
(leer), man all' wat hol is, hed ök 'n rand, 
of is tan 'n wand of 'n hüll' umgiifen, as 't 
holle fan 'n ei fan de Schill'; — dat hiis is 
keller-hol, d. h. das Haus hat, soweit es 60 



reicht, einen Keller, od. hohlen von 3Iauern 
u. Gewölben umgebenen u. eingefassten 
Baum ; — de appel is hol (der Apfel ist 
hohl, d. h. er besteht nur aus der äusseren 
Schale, die einen hohlen od. leeren Baum 
umfas.-it u. um.'^chliesst ; — 'n hollon bom ; 

— de grund is hol im lös (von trocknem 
lockeren Erdreich, in das man bei jedem 
Schritt tief einsinkt); — dat holt is hol 
(concav) iitstäken; — du miist dat nog 'n 
bitjo holler (concarer od. tiefer) ütschafen ; 

— he sügt so holügd (liohläugig) üt; — dat 
water, bz. de se steid so hol (wenn die See 
stürmisch bewegt ist u. tiefe Wellenthäler 
hat) ; — dat schip ligd up hol water (auf 
unruhigem Wasser); — de wind weid so 
hol (icic aus einer Höhle od. einer tiefen 
Schlucht kommend); — he hed so 'n hollen 
stimm; — dat klingd so hol, wen he siugd. 
Die Bedensart: „dat geid hir hol (stürmisch, 
laut, lustig) her" (z. B. bei einem Gelage 
etc.) ist entlehnt von der hohlstehende n, 
starkwogenden , stürmisch bewegten See. — 
Kid., nd., afries., ags., ahd., mhd. hol; an. 
holr. Es gehört mit 2 hol «. fcrhalen (ver- 
hohlen, verborgen etc.) zu helan (cf. 2 häleu) 
u. bezeichnet eine Beschaffenheit von Etwas, 
was höhlenartig tief ist, tvie eine helle, bz. 
dessen Itincres ganz od. theilweise durch 
eine Hülle umgeben u. verdeckt ist, wie 
ein hol. 

2. hol, Höhhing, Vertiefung, Loch, Höhle 
etc. ; — he ful in 'n hol : — hir 'n hol nn dar 
'n dol ; — dat land sitt ful hollen nn dol- 
len ; — 't hol fan de band od. de föt ; — 
in de holen (od. hollen) fan de bargen ; — 
de holen (O. L. B. png. loS), die Schor)i- 
steine, od. BauchJiöhlen , Baueltlödier. — 
Afries., nid., mnd., ags., ahd., an. hol (ca- 
verna, sj)elunca, Höhle, Loch, Oeffnung) u. 
ahd. holi; an. bolä; engl, hole {Höhlung, 
Höhle, Ijoch , schlechte Wohnung etc., cf, 
gat) ; mhd. hüle (Höhle). Davon: afranz. 
beule (Bordell), houlier, holier (Besucher 
desselben), holerie (unkeusches Wesen) u. 
nfranz. hulote (Höhle eines Th irres). 

holä, Halt; — holä! dat geid so net; 

— holä ! fal net ; s. 1 ho. 
1. hold, geneigt, zugeneigt, hold, gewogen, , 

günstig etc.; — he is mi gans net hold ; — dat i 
wer (Wetter) wil uns hei net hold wesen. 

— Afries. hold, houd; nid. lioud; mnld. 
hold, huld, houd; mnd. holde, holt; as., 
ahd. hold; mhd. holt (geneigt, günstig, gnä- 
dig, ergeben): ags. hold (dasselbe u. auch:, 
a)igcnehm, lieb); an. liollr (ergeben, treu);, 
golh. hnltbs (gnädig). Davon: afries. holda, 
bouda (Freund, Geliebter ; Blutsfreund, Ver- 
wandter); ahd. holdo; mhd. holde (Freund, 
Geliebter; Dienstmann, Lehnsmann; ahd. 



HOLD 99 HOLKEN 

auch geü'ms) ; ahd. holdii:, »ihd. hoUe (Fremi- kan di 't net fiUon ; — hold 't miil (liaJts 

diu); ahd. Holdä (eine Göttin, cf. Grimm, Maul, halt es verschlossen, schweig) ; — hold 

Mi/th., 344 seq.) etc. Es gehört mit afries. ui) to singen (höre auf zu singen) ; — du 

helde, hulde; nid. liulde; mnd. liulde; as. miist hum god in 't uge holden; — hold' 

huldi; ahd. huldi, huldhi; mhd. hulde; mhd. 5 diu oge d'r up. — Afries. halda ; hild, hal- 

holAe (Geneigtheit, Wohlwollen, Freundlich- den; tofries. (Jap ix) hiiden; satl.^ halda; 

Tceit, Huld; freundliche Erlauhniss; Erge- loang. (Ehr entr aut, 1,37) 'h.()\,\n\,\i\\(ii\; 

henheit, Treue); ags. hylde, hyldo (Huld, nid. houden, hield etc.; nd. holden, hellen, 

wovon nhd. huldigen) etc. u. nhd. Halde holen; mnd. holden; as. haldan, held etc.; 

etc. zu ahd. haldjan, heldan (neigen etc.), 10 ags. healdan, heöld etc.; engl, hold; an. 

s. unter 2 hellen. halda, holt etc.; schwcd. hälla; dän. holde; 

2. hold, Halt, Festigkeit, Bestand, Dauer ahd. haltan, haldan; mhd. halten, halden 
etc.; — dat hed gin hold mei"; — wi mutten (halten, in Stand halten, erhalten, bewahren, 
d'r mer hold an gefcn; — dat göd is to mör festhalten etc.); goth. haldan (halten, hewah- 
(nütrhe), dar sitt gm hold in; — in God 15 reu, hüten, weiden). — Formell u. begrijf- 
schal man sin hold hebben un söken. Com- lieh Hesse es sich leicht von skr. (Grass- 
pos, iuhold (Inhalt), \)C\\o\\\. (Behalt) etc. — mann) Qardh (sich keck, kühn, stark er- 
Afries. hald {in iuliald, Inhalt); nid. houd (in loeisen, hz. keck etc. u. stark sein), bz. ^ardha 
in-, be-houd); »(7irf. holtj halt, bz. holdt, hold (stark etc.; Schaar, Heer, Heerde etc., cf. 
(Halt, Hinterhalt, Versteck, Befestigung ; 20 herde), ^.ardlias {dasselbe u. auch Macht, 
das Halten, Abhalten; der Inhalt) etc., cf. Stärke etc.), (jardhia (stark, fest) etc. ab- 
holden, leiten, weil sich hieraus die Bedtgn. : stark, 

holden, hollen (ik holde, helle, holl, — fest u. haltend sein, od. die Eigenschaft 
du holdest, hollest, holist, — he holdod, hol- haben um zu halten u. zu schützen etc. so- 
led, holld, hold etc.; — ik hnW od. [seltener] 25 ivohl, als auch die von: Heerde haben u. 
hol, — du hüllst etc.; — heb od. büu hol- besitzen, Vieh halten u. weiden etc. (falls 
den, od. hollen), halten, greifen, fassen, haf- pascere die urspr. Bedtg. von goth. haldan 
ten, festhalten, kleben, sitzen etc.; behaltoi, ist) von selbst u. ganz imgesucht ergeben. 
an sich halten; beioahren, erhalten; wofür holder, holler, beholder, Halter, Schi^'- 
halten, meinen, dünken etc. ; richten etc. ; — 30 mer, Schützer, Behalter, Erhalter etc., bz. 
holl' hum, anders löpd he weg; — de spiker, Einer der Etwas hält etc. — Sprichw. : de 
od. nagel kan dat net holden, (halten, od. holler kumd de erste drunk to. 
tragen, bz. festhalten); — dat papir wil an hold-fasl, holfast, Haltfest, d.) Mensch der 
de wand net hollen (halten, festhalten, bz. fcstliält u. nicht so leicht Etwas los u. fah- 
fasscn, sitzen, kleben etc. od. sitzen etc. blei- 35 reu lässt; — - 't is jo 'n holfast; — b) Eisen- 
ben) ; — dat fat hold (fasst, befasst, enthält klammer, Krampe od. Haken zur Befestigung 
etc.) dre anker; — dat bök hold huuderd od. zum Festhalten von Pfählen etc.; — d'r 
bladen; — dat tau is fast genug, um de last mut 'n goden holfast in slän worden, de hum 
to holden un to dragen; — he hold (liält hold. — Sprichw. zu ü) : he is fan kniphusen 
oder trägt etc.) sük regt lik; — de stender 40 un holiast, d. h. er ist ein Geizhals. 
hold (hält, trägt, stützt etc.) de b5n, bz. de hol-fast, s. holdfast. 
mür; — 'n daler hold 30 stüfer; — piirde holke, hölke (Dimin. von 2 hol), kleine 
od. fe holden; — he kan hum 't wol holden Höhlung od. Vertiefung, kleines Loch, kleine 
\ (er kann es ihm wohl halten, ist ihm wohl Höhle, kleines Versteck etc. ; — holkes un dol- 
gewachsen etc.); — he kun' sük net hollen 45 kes, od. holkes un dölkes; — he hed dar 'n 
für lachen; — he hed dat geld hollen; — holke under de trapp'. 
hold dl fast, dat du net fällst; — dat band 1. holkan od. ]\\i\ken, hold machen, höhlen, 
wil net holden ; — dat god, od. flesk etc. hold etc. ; — he holked dat ut ; — ■ de appel is 
sük net (hält sich nicht, dauert nicht aus, gans üthölked. — Nd. hölkeu ; mnd. holken ; 
hat keinen Bestand, vergeht bald etc.) ; — 50 schwed. holka. 

' he hold sin kinder god ; — he hold perde ; 2. holken, versteckt od. heimlich thun, ein 

' — he hold sük up ; — de wind hold sük verstecktes, heimliches, hehlerisches, diebisclies 

•altid in 't westen; — he hold dat in de unredlicJies V er ständniss mit Jemandem un- 

höchte, of lik üt, bz. na 't Osten hen (er terhalten, sich heimlich ti. flüsternd bereden 
hält, od. richtet das in die Höhe, od. gerade 55 etc. ; — • wat hei ji dar wer mit 'n ander to hol- 

aus, bz. nach Osten hin); — he kan niks ken un to tolken. — Nd. (Br. W B.) hol- 

bi sük holden un mut 't altid all' ütplappern ken. — Dieses Wort hängt zweifellos (cf. 

wat he wet; — wat holst du d'r fan, is dat holker) mit holke (kleine Holde, kleines Ver- 

rocht of net; — wen du di al links holst steck etc.) zusammen u. kann urspr. wohl 
dich immer links Imltst u. wendest etc.), den 60 die Bedtg.: Versteck haben u. halten, bz. in 



i 



HOLKER 



100 



HOLT 



einem VersteJc od. einer Diehshühic tvoJmen 
ete. (u. so: den Hehler spielen u. machen, 
Hehlerei treiben, rerstecl't it. Jicinilich thun 
etc.) f/chaht haben, cf. tolkon. 

Iioiker, ein Diebsliehler od. Betreiber von 
unredlichen u. das l.icht scheuenden Ge- 
werben etc.; — wen de holkors lui tolkcrs bi 
'n audor sunt, den bröou sc not fol gOds to- 
rcgt; — holkers un tolkevs (unredliches Ge- 
sindel). — Xd. (Jir. WB.) holker. 

hol-kibd, liolkifd, hohlwangig, od. eigent- 
lich hohlkieferig, in Folge des Anxgehcns 
der Zähne in den Kiefern, od. kibben. 

Holland, Holland od. das Königreich der 
Niederlande. Eigentlich bezieht ><ich der 
Name nur auf die beiden Provinzen Nord- 
u. Süd-Holland. Das Sprichwort: „nu is 
Holland in nöd" ivird allgemein auf alle 
Verlegenheiten (bz. wo man sich nicht zu 
rathen u. zu helfen iveiss) angewendet. Den 
Namen Holland betr., so soll er (cf. W. 
Arnold, Wanderungen deutscher Stämme 
pag. 506) aus holtland (d. i. Waldland) 
entstanden sein. 

Holländer, Holländer, Niederländer. — 
Sprrichw.: hö gcid d'r dör, as 'n Holländer; 

— de Holländers sunt kwud ßöse, schlimm, 
schlau), pass' iip, wen du mit liür to dun best. 

liolland>ik, holländisch. — Sprichw.: dat 
geid up sin hollandsk; bold undcr, bolil bufen. 

1. liollcn, s. holden. 

2. liollen, holden, höhlen, hohl machen, 
vertiefen etc.; — hoU' dat nog "n bitjed mi'T 
iit. — Ags. holjan ; ahd. liolOn ; nid. hellen; 
m)dd. holen. 

Hollen, ein Icleines, armseliges Kirchdorf 
im Amt Stickhausen, wovon es ]tcis-'<t: Hollen 
mut nog fan höfärd undergän, sä' de päp, 
as d'r al wer 'n bür mit neje holsken in de 
karke kwam. 

1. Iioller, s. holder. 

2. holler, hohler etc.; s. 1 hol. 
holloi't, Jlalt, Feierabend etc.; — m mat- 
ten hollert makea. Zu holden. 

hoUiglieit, Höhlung, Vertiefung, Ein- 
senkxntg etc.; — d'r is so 'u bolligheid in de 
miir; — iu de holliVheid fan 't land. 

hol-ö^d, hohläugig; — he sügt so holugd üt. 

Ii0l-l)i|»0 (Hohlpfeife), Schachtelhalm, equi- 
setum ; — dur stän to fol holpipen in 't land, 
as dat dat 'n godcn gruud wc^en kan. 

Iiolskc ((/. /. hoU-scho, cf. hanskc), Holz- 
schuh. 

holster, Holfter, a) ledernes Futteral zum 
Einstecken der Pistolen (pistolcn-holster) ; — 
b) lederne Umhüllung der Zagstränge zum 
Schutz der Pferde gegen das Wundreibeti ; 

— c) Bauchhöhle, Wanst, Magen etc. ; — he 
kan 't air in sin holster bargen ; — d) gros.scs 
iveites Maid; — wen he sin holster apen deid, 



den mut man bang worden, dat he en up- 
frett; — e) (rrossmaul, Grobmaul, od. grobe, 
grobmäulige unmanierliche Person; — *n hol- 
ster fan 'n wif. — Nd., nid. holster (Futte- 
5 ral, lleisesack, Ranzen) ; golli. hulistr (Hülle, 
Decke, Schleier) ; ahd. hülst (eine Art Decke) ; 
an. hulstr (Futteral) ; ags. heolstor, heolstor 
(tenebrae, latebra, antrnm, caverna). 3[it 
ahd. hulid, hulith (velamentum) etc. zu hüllen. 

10 — Aus ahd. hülst ent>itand mit Einschicbung 
eines „f" für „s" das spätere halft u. huli- 
ter, bz. nhd. Holfter. 

holt, Holz als Stoff od. Material; Wald; 
Sarg; — 'n schap fan ekeu holt; — de köl- 

15 rabi is in 'l holt schateu (der Kohlrabi ist 
i)is Holz geschossen, d. h. holzig od. hart 
geworden); — he is so mager as 'n slük 
holt ; — he is in 't holt gän ; — nastens 
worden d'r gode eken un büken in 't Be- 

20 ruiner holt ferköfd, dar must du um den- 
ken, dat wi d'r wat fan krigon; — he is güster 
stürfen an kumd fau afend in 't holt; — 
he is in 'n swart fräfen eken holt, mit sül- 
fer beslagen , begrafen; — de dodehoUen 

25 (Todtcn-Särge) worden iit nodholten (Noth- 
hölzer, d. i. eichene Bretter von bestimm- 
ter , zu den Särgen passender Länge u. 
Breite) makd. — Afries., sath, nd., as., 
ags., engl., an., norw. holt; nfries. hoalt, 

30 hout ; nid. hont ; ahd., mhd. holz. 

Es lüird von Fick (III, 72) u. Andern 
(cf. Grimm, Wh. IV, 1763) mit kslav. 
klada (Balken, Block, HoU) zur ]/ hal, bz. 
kal (cf. 2 hellen u. hilt), schlagen, brechen, 

35 biegen etc. gestellt, indem sie annehmen, 
dass holt urspjr. das im Walde geschla- 
gene u. gefällte zum Brennen u. Bauen 
dienende Etwas bezeichnete. Da indessen 
das Wort holt möglicherweise scJion so ur- 

40 (dt ist, dass es schon vor der Zeit entstand, 
ehe die Menschen Werkzeuge hatten, um 
Bäume zu schlagen u. zufallen, so kann 
damit urspr. auch alles das hezeicltnctsein,\ 
loas durch Windbruch im Walde brach ti.i 

45 niederstürzte , also sowohl die vom Winde 
gebrochenen u. gefällten Bäume, als auch 
die davon uhgehrocliencn Zweige n. lieisrr. 
tvo dann das ^Vort holt ursjjr. lediglich lUc 
Bedtg.: Bruch gehabt hätte, woraus sidi 

50 dann leicht beim Vergleich von 1 briik die 
Bedtg.: Gebüsch u. Wald (welche (an- 
scheinend die älteste ist, cf. W. Arnnlil. 
Wanderungen etc., pag. 506) leicht rut- 
wickeln konnte (d. h. locnn Wald ivirkli<l: 

55 mit wild u. nicht etwa mit walten cmi 
nee ist), da bei einem Windbruch der Br ml 
(od. das gestürzte Holz) sämmtlich wlh 
durcheinander u. übereinander liegt. J!' 
züglich des Wortes holt (dessen „t", bz. „// 

GO aus älterem „d" entstand u. wovon es auci 



HOLTE 



101 



HON 



[lar nicht sicher ist, äass es mit dem so 
vereinzelt stehenden Icslav. khwla üherhaupt 
vcncandt ist) sei indessen noch erivähnt, 
dass II. Leo es mit ags. hold (Leichnam, 
od. eigentlich das die Knochen bedeckende 
u. schützende Fleisch, od. die äusserliche 
Hülle if. Bedeclciimi des Körpers etc., cf. 
hama in lilihama [LeicJinamJ u. skr. pala 
[caro ; stramoii] von y pal [servare, tiieri], 
als Weiterbildung von y pa, pi [greifen, 
fassen, hcdten, sichern, schlitzen etc.], hz. 
pä, pi [idem u. auch: herrschen, regieren, 
walten, Macht haben etc.], cf. pa [regens], 
päti [rex dominus] u. pitar etc.) = au. hold 
(Fleisch); norm, hold (dasselbe n. auch 
Häute) zu ht'lau (celare etc., cf. 2 hälen) 
stellt u. holt in der Bedtg. „Wald" als das 
V er hehlende, Versteckende, bz. das 
Verborgene u. Dunkle od. das Be- 
deckende u. Schützende von helan 
ableitet. Hält man indessen diese Bedtg. 
fest, so wäre zu holt auch ved. chardis 
(Schutz, Schirm etc.) zu erwägen. 

holte, Höhlung, Vertiefung etc. — Nid., 
mnld. holte. 

holten, hölzern, von Holz; — 'n holten 
däle; -- (fig.) steif, ungelenk; — he steid 
dar so holten hen ; — he lr)pd so holten. 

holterig, holterg, holzig, holzfaserig etc. ; 

— de kölrabi word holterg. — IStld. houterig. 
holtje, Hölzchen, Stäbchen etc. Das 

Sprichw.: „na sunt 't holtjes an den sunt 
't smoltjes" hat im Allgemeinen die Bedtg. : 
,Jetzt sind sie hart u. ungeniessbar u. nach- 
her sind sie loeich u. schmelzend" u. ward 
urspr., da smoltje (Diinin. von smolt, Schmalz) 
nach dem Br. Wb. auch eine Art kleiner 
Schmalzbirnen bezeichnet, wohl auf die erst 
■unreifen u. harten u. später butter- 
weichen u. schmelzenden Früchte 
dieser Birnsorte bezogen, od. es tvurden die 
kleinen loilden Holzbirnen im Gegensatz zu 
smoltjes auch holtjes genannt. — Nid. houtje. 
holt-mager, so mager it. dürr toie Holz. 

— Wang. holtmoger. 

holt-stek, holtvvinkel, Holzgeschäft, Holz- 
handlung. 

homeie, Hoheitszeichen, od. eigentlich der 
äusserste mit den Landes- u. Hoheits-Zei- 
chen versehene Schlag- od. Zollbaum, der 
die Grenze gegen das Nachbarland ab- 
vchliesst. — Nd. (Br. Wb.) hameine, ha- 
raeide, homeine; mnd. (Seh. u. L.) ha- 
raoide, homeide, hogemeide, hameie, homeine ; 
mnld. harameye, hameyde, hammenboom (re- 
pagulum, obex, vectis etc.); mhd. hamit, bz. 
hamita. 

homel, s. 1 hamel. 

honi-ende, s. hamende. 

1. hon, Huhn. Im Singular fast obs. u. 



nur im Plural hüner allgemein gchräuch- 
lich, lüonebcn auch honer u. honder vor- 
kömmt. — Redensart, u. Sprichio.: he geid mit 
de höner to rik; — kloke hüaer leggen hör 
5 cier 6k wol in de netteis; — bi gebrek fan 
höner nimd de bür uk mit kreien förlof; — 
wen man „sjü" segd, den mend man de hö- 
ner air ; — höner hebl)en man 'n lütjen kop, 
se slapen hold üt; — achterna kakeln de 

10 höner ; — de höner leggen dör de krop un 
de kujen melken dör de hals. — Nd., mnd. 
hun ; nid. hoen ; as. hun ; ahd. liuon, huan, 
hon ; mhd. hiion. — Der Form nach ist es 
das substantivirte Präler. eines obs. Vbms. 

15 hanan (singen od. krähen) , worüber Wei- 
teres unter 1 hän. 

2. hon, Hohn, Spott, Schmach, Kränkung, 
Verachtung etc. ; — dat is hon , wen he so 
sprekd ; — schal dat hon wesen, of is dat 

20 din ernst? — he hed mi hon andän ; — mit 
hon up en dal kiken. — Nd., mnd. hon; 
nid., mnld. hoon (frans, fallacia, probrum, 
dedocns, infamia, indignatio , injuria, ira) ; 
wfries. huyn , huyne ; ahd. höna (Hohn, 

25 Spott). Dass es auch afries. lebte, geht aus 
afries. häna, bz. höna od. hena (a. Kläger, 
d. i. Gehöhnter, Gekränkter, Verletzter, Be- 
schimpfter etc.; — b. Verklagter, d. i. Höh- 
ner od. Schimpfer, Kränker etc., cf. 0. L. B., 

30 jJrt^. 673, hoene u. mnd. hone) u. henan 
(höhnen , cf. honen) hervor , es sei denn, 
dass diese Wörter Ableitungen des Subst. 
höna, bz. des goth. hauns; cts. heän (niedrig, 
verachtet etc.), bz. ags. heäne, hyne; (did. 

35 liöni; mhd. hone, hoene (verachtet, in Nie- 
drigkeit, Schmach u. Schande lebend, durch 
Schmähung an der Ehre kränkend, un- 
freundlich, zornig, hochfahrend, übermüthig, 
böse) sind, wovon auch (od. von hönjan etc. ?, 

40 cf. honen) ahd. hönida (Schmach, Schande, 
Uebermuth, hochfahroides, verletzendes We- 
sen) ; as. hönda (Schmach, Schimpf) ; afries. 
hänethe, hende (Verletzung, Kränkung ; An- 
klage loegen dessen) ; lofries. hoente (Betrug) 

45 etc. Was mm ahd. höna, bz. goth. hauns 
etc. betrifft, so stellt Fick (II, 327) sie 
mit lett. kaunas (Schande, Schmach, Hohn; 
Scham) u. kslav. kyja, kyt (uicto) zu einer 
y ku (erniedrigen), die mit der für hauen 

50 von ihm angesetzten y ku sehr gut iden- 
tisch sein kann, da sich aus hauen, bz. 
schlagen, erschlagen, verletzen, tödten etc., 
od. niederschlagen, zu Boden schlagen, fäl- 
len etc. sehr leicht die Bedtg. : erniedrigen 

55 etc., cds auch die von: verletzen, verwunden 
etc. in der s i n n l. Bedtg. , toie im afries. 
hena (cf. honen) u. (trop.) die von: krän- 
ken etc. entwickeln konnte. Da indessen 
toeder im Skr. noch sonst eine y ku in die- 

60 sen Bedtgn. belegt ist u. auch die von 



HONEN HOENEN 



102 



HOP 



//. Leo (pag. 45G) für ags. lieüuau ange- 
setzte y kun (oorrngari etc.) sich in dieser 
Bedtg. weder findet, noch begrifflich son- 
derlich dazu stimmt, so halte ich eher 
dafür, dass die für liOua u. htt. kaunas 
anzusetzende y huu od. kun entweder mit 
der aus kii (souarc, gemere, bz. ein unarticu- 
lirtes Geräusch mucfien u. so auch: schreien, 
heulen, lärmen, toben, schelten, schmähen 
etc.) erweiterten y kun (sonare) identisch 
ist (cf. bei Fick, 1, 33 y kak, lachen, 
wiehern, wozu er ausser lat. cachinnari etc. 
auch ahd. huoh; mhd. liuoch , Hohn, S2)ott 
etc., huohön; mhd. liuoheu, verspotten, ver- 
lachen, verhöhnen etc. stellt, wonach liuoli ein 
rräter. von einem altern Vbm. halian ist, 
während kak ebenso wie kuk [cf. Fick, I, 
40 seq.] aus einer redupl. Form kaka der 
Schallwurzel ka, ablautend ki , ku hervor- 
ging, zu denen auch unsere Interjcctionen 
od. Ausrufe: ha, ho etc., redupl. haha, hihi, 
hoho etc. gehören, welche Ja zum Thcil auch 
Lach- od. Spott-Bufe [cf. 2 ha u. 1 ho, so- 
icie halia etc. u. das onomatop.: lia-ha-ha- 
ha, — hi-hi-hi-hi] sind u. woraus auch die 
alten Frage- Fronomen od. Interrogativa : 
ka, ki, ku = lat. qua, qui, quo, — germ. 
hwa, hwi, hwu etc. zweifellos hervorgingen), 
od. dass das Thema: hauna od. kauna aus 
einer von ska, sku erweiterten y schau, skun 
(ef. schaden etc., sowie schinden, schände, 
sehenden , schund u. auch nhd. h u n z e n, 
aushunzen , verhunz en zu böhm. hun- 
tovati, cerhunzen etc., huntowati, schlachten, 
erschlagen, tödten etc., — sowie Weiteres 
unter hauen am Schlüsse, bz. die dort an- 
geführten Stelloi bei Fick) hervorging. 

liunen. honeii, lieiien, höhnen, verhöhnen, 
spotten, lachen etc. ; — he liönde hum; — he 
hfuid m\ iit. — Africs. hena (höhnen, ver- 
letzen, verwunden, schädigen etc.); tvfries. 
luiyiijeu; nid., mnd. honen; »(/. liüncn; ags. 
hönan, hynau; ahd. liönjan, hönan, honen; 
mhd. hoenen. Zu 2 hün. 

liiiner, Flur, von 1 hon. 

liöucr-huk. llühnerstedl. 

liöuci'-iii'rs, llüliner- Arsch. Fedcnsart: 
he is nJit so nesgirig as 'n höneruers (wer 
sich den ansieht, versteht sie). 

hönei'-i'ik, Stange, auf welcher die Hüh- 
ner des Xdchts sitzen. 

höiike, hdnko. Hühnchen. 

liuiike-bec; /. q. lienncbi'e. 

hünni;:;, Honig. Redensart. : dat is hön- 
nig für hum (flg., das iM ihm etwas sehr 
Angenehmes u. Liebliches) ; — dat smekd 
as hOnuig (von besonders leckeren Gerich- 
trn) ; — cn hönnig um de muud striken 
(Jemandem schmeicheln, bz. Süssigkeitrn sa- 
gen etc.). — iV'rf. honnig; mnd. hounich; nid. 



houig; afries. huuig; wfries. huyuig; nfries. 
höuniug, liouuiug; satl. huning; wang. hu- 
nig ; as. houeg , lianeg ; ags. hunig ; engl. 
honey; an. hunaug; norw. huniug; dän. hou- 
5 ning; schwed. houing, hilning; ahd. honag, 
houuk, honek, honang; mhd. honec, houic, 
honich. — Fs ist eine ähnliche Wortbildung 
wie köyig u. müsste die Grdform demnach 
kau-aka sein. Fick (III, 78) vergleicht 

10 den Stamm kan od. das 'Thema kana zu 
skr. kauij, tvas ausser tenuis, exilis, parvus 
auch die Bedtg.: granum hat u. meint, dass 
honanga (Honig) eigentlich körnig od. 
körniges Ftwas bedeute, während ich 

15 eher glauben möchte, dass honauga mit skr. 
käuaka (aurura, d. i. Glänzendes, Goldiges, 
Goldgelbes, bz. ein Etwas W((s glänzt u. 
blinkt, od. blank ist) identisch sei u. der 
Honig ursjir. wegen seiner goldigen u. 

20 goldgelben Farbe mit diesem Namen 
belegt ist, bz. als glänzendes u. g ol d i- 
ges Etwas aufgefasst wurde. Da indes-n'n 
die y kan 7iicht allein die Bedtg.: glän- 
zen, sondern auch die von: lieben, be- 

25 g ehren etc. (Grassmann übersetzt sie 
auch mit: befriedigt sein, freudig sein, er- 
freut sein; etwas sich gef edlen lassen, Ge- 
f edlen finden an Etwas, sich dessen er- 
freuen; Jemandem gefallen etc.) lud, so ist 

30 es auch möglich, dass der Honig von den Al- 
ten als ein liebliches u. begehrcnswerthes, od. 
erfreuliches u. angenehmes Etwas aufge- 
fasst wurde, zumal da der Honig loegen 
seines lieblichen u. süssen Geschmackes von 

35 Thier u. Mensch sehr gesucht ist u. Ja ein 
Land, wo 3Iilch u. Honig fliesst, für ein 
besonders glückliches u. gesegnetes Land ejcdt. 
Dass diese Deutungen des Wortes houauga 
(d. h. entweder die von : glänzendes , goldi- 

40 ges Etioas, od. die von: liebliches, süsses, 
mildes, angenehmes , erfreuendes u. begeh- 
rensicerthes Etwas) Jedenfedls viel zutreffen- 
der sind, als die von kör ni ges Etwas, ist 
doch gewiss u. dürfte dies wohl von Nic- 

45 mcindem bestritten iverden. 

hönni^-koke. Honigkuchen. 
höiiiiij;-sot, honigsüss (auch flg.); — he 
kan so höunigsot dön. 

hilnsk, höhnisch; — 'u hönskcn täl; — 

50 'u hfinsken kerel. 

hön-sprake, hönsprjik, Hohnsprache, höh- 
nische, kränkende Bede etc.; — dat is hou- 
spräk fan hum etc. 

lldot. ml. Name. Geschln. Hoots u. H6- 

55 tiug, IliUing. Vergl. bei Förstemann i 
(7()'i) die Namen: Ilotbert, Hotgilda, Hot- • 
niliu, Hotrad, Hotting, Hotto , welche er zu 
aud shilt. cf. itbrigens hot. j 

1. h(»|t, s. hapc. 

60 2. liüj), auch hopel, Beif, Bing, Band etc. 



IIOP 



103 



HOP 



von Eisen od. Holz, hz. halhirten Weiden, 
die um die Fässer geschlcu/en tvcrdcn; — is- 
dern of holten liopen (od. banden , ringen 
etc.) um 'n fat slan ; — tlrif de hup nog 
wat au, dat he faster shitt; — he hed ^u 5 
hidiing hopcn od. hopels (Weideureifc , hz. 
Fassreife, Tonncnhändcr) fau Holland un- 
derwägs. — Nid. hoep (Fingerri)ig , lieif 
ohne eingelegte Steine; Holz reif um ein- 
Fass, in letzterer Bcdtg. auch hoepel) ; mnld. 10 
hoep, hoepe, hoepel (orbis, circnlus, annu- 
lus; chxulus sive viuciilum dolii); africs. hup 
(lieif, Ba)id, hz. der das Land lüie ein 
Hing umgehende, einschliessende u. schützende 
Deich, der ivegen seiner Bedeutsamlceit für 15 
das Land u. seiner Kostbarkeit toegen aucli 
„the gcldene hüp" hiess , wofür mnd. „de 
gülden wall un bandt" steht) ; nfries. (0 n t- 
zen) höp (Beif, Tonnenreif) ; engl, hoop 
(Beif, Bing, Bügel etc.). — Fs ist ein von 20 
3 hüp verschiedenes Wort u. würde sich 
leicht aus dem Bräter. hüp, hz. hob, höf, 
huop etc. von haban, hapan (hahen, fassen, 
halten etc., cf. hebbcn u. höf) herleiten las- 
sen, tveil der Beif etc. dasjenige ist, loas 25 
ein Etwas zusammenhält , bz. ein- u. nm- 
fasst etc. II. ja auch 1 hafen, haft etc. da- 
her stammt. Man kann nhrigens bei höp 
auch an die Bedtg.: biegen, krümmen, rund- 
lich gebogen sein, sich loölben etc. denken 30 
(cf. ahd. pouc «. pouga, ags. bcäh [Bing 
etc.] von piokan etc., cf. bugen), ivo es als- 
dann mit 3 höp von derselben ]/ abzuleiten 
wäre, ZU' der Fick auch nhd. Hufe stellt 
u. zu welcher auch nhd. Huf (cf. höf am 35 
Schlüsse) lautlich hesser stimmt cds zu skr. 
gapha etc., zumal man bei Huf in der 
Bedtg. Klaue auch an die Bedtg.: krüm- 
men, biegen etc. denken kann, eine Bedtg., 
die anch jedenfalls dem zend. ^afa (Hörn, 40 
Huf) zu Grunde liegt , was wohl jedenfalls 
mit skr. cjapha zur y kap, kamp (cf. griech. 
kamptö, biegen, krümmen etc.) gehört. Die- 
selbe Bedtg. : krümmen, biegen, sich krüm- 
mend od. rundlich u. gebogen ausweiten, od. 45 
in gebogener Linie sich um Etwas herum- 
ziehen etc. liegt auch ivohl dem schott. , bz. 
Orkn. hope (schmale Bucht); isl. hop (re- 
cessus maris) ; an. hopa (zurückweichen, bz. 
ausbiegen etc.) etc. zu Grunde, eine Bedtg. 50 
die anscheinend auch dem ags. höp (s. un- 
ter hapen, hopen u. bei Seh. u. L. unter 
1 höp) zu Grunde liegt. 

3. liöp, Häuf, Haufen; loeitergebildet : 
höpe, Haufe u. hüpeu, hupen, Haufen (so- 55 
ivohl Sing, cds auch Flur, von höp , höpe) ; 
— 't ligd all' up en höp ; — wi hebben de 
budel in dre höpen deld ; — Bcdensart: he 
terd fan de grote höp od. bült etc. (er zehrt 
schon von dem Vermögensstock, greift schon 60 



sein Vermögen an, lebt nicht mehr hlos von 
den Bevenücn, ivofür wir auch die Bcdois- 
art gehrauchen: he terd fau de böge böm) ; 

— tu hup kamen (zusammen kommen) ; — to 
höp gäfen (zusammen gehen); — to höp lö- 
])Cn (zusammen laufe > t) ; — to höp stän 
(zusammen stehen); — to höp neien (zu- 
sammoi nähen); — to höp brengen etc.; 

— de grote höp (od. höpe) wet net bäter ; 

— - dar stän 'n hei höpen (ein ganzer Haufe, 
eine ganze Menge etc.) rainsken bi 'n an- 
der; — 'n holen höpen minsken wassen fan 
dage in de stad ; — de rügen hed 'n höpen 
(od. hupen) water anbrogd; — d'r is fau 't 
jär 'n höpen bült (eine ganze Menge, bz. 
ungemein viel) körn wussen; — he hed 'n 
höpen bült kinder. — Compos. stenhöp, erd- 
höp etc. etc. — Afries. häp ; lofries. heap ; 
nfries. hüp ; as. höp ; ags. heäp ; engl, heap ; 
nd. hoop; mnd. höp, hope, hoppe, hupe; 
nid., mnld. hoop (cumnlus , accrvus , agger, 
congeries, strues ; agmen, caterva, multitudo, 
congregatio, globus) ; ahd. houf, häuf; mhd. 
houf u. ahd. hüfo, huffo; mhd. hüfe, häuf; 
an. höpr; schvied., norw. hop; dän. hob 
(Haufe, 3Ienge etc.). Mit kslav. kupü; lit. 
kaupas u. küpu (Haufe) ; zend. kaofa (Berg ; 
Höcker des Kameeis); apers. kaufa; hzv. 
köf (Berg, Erhöhung, Höcker, Buckel); osset. 
kupb (Hügel) etc., sowie griech. küphos (ge- 
bogen, gekrümmt etc.), küphos (Krümmung, 
Bucht, Buckel) etc. etc. von einer y kup 
(biegen, ivölben, krümmen, od. iirspr. ivolil 
sonare, wobei sich einerseits aus To n, G e- 
räusch, od. Schall machen etc. die Be- 
dtg.: reden, sprechen (cf. Bopp, Gloss. 
88, zweite Spcdte) etc., od. singen, klagen, 
heulen, jammern etc. (cf. goth. hiufan; as. 
hiovan ; ahd. hiufan, hiuban, hiupan ; ags. 
heäfau, heöfan, klagen , jammern etc.), an- 
dererseits aus rauschen die von: sausen,, 
brausen, .stürmen, aufbrausen, zornig iver- 
den, iüüthen, toben (cf. bei Bopp, pag. 88, 
erste Spalte J/ kup [ii'asci], zu der er auch 
unser hape, hope stellt, .sowie lat. cupio), 
aufwallen, brodeln, kochen, aufkochen, sich 
heftig u. stark bewegen, quellen-, hervorbre- 
chen , aufsteigen , sich erheben, eine rund- 
liche Erhebung bilden (cf. ahd. hiufila. 
Backe, loeibliche Brust etc.); — huf; goth. 
hups ; ags. hyp ; nid. hupe, Hüfte, .sich 
krümmen u. xvijlben etc. u. endlich aus: 
sich erheben u. auf steig en etc. auch 
die von: scheinen, glänzen (cf. Bopp, obige 
Stelle u. Weiteres bei Fick u. Andern) u. 
noch viele andere Bedtgn. entwickelt haben, 
wie z. B. die von : springen , aufspringen, 
hupfen etc., da auch die Stämme hop, hup 
(cf. die nachfolgenden Wörter dieses Stam- 
mes) sich von dieser y herleiten. 



HOP 104 HÖRE HÖR 

1. liop. Dieaes Wort drüclit eine hüp- fau hopen-stük uüt so gröt im stark as de, 
fende od. auf- u. niedergehende Beweijung, de dar näst steid. — Es ist wohl aus liöp 
od. eigentlich wohl nur eine einmalige u. (Häuf, Haufe) u. un, b^. uud -|- stük ^m- 
ziemlith rasche Bewegung ron unten nach sammengesetzt, sodass: .,fau hopen-stük'* so- 
oben, bz. eine Erhebung u. eine steigende 5 viel besagt als von: Haufe u. Stück. 
Bewegung, od. ein sich Erheben u. Aufsprin- hO|»pelil, liuppeln, schaulceln, bz. freq. 
gen etc. aus u. ixt dies der Stamm, bz. nebst hi'ipfot, od. sich auf u. nieder bewegen, cf. 
hup (aus urspr. kup, sich auf u. niederbe- liüppen. 

icegen, od. aufwallen, aufsteigen etc., s. un- \io\)ye\-, od. \m\)\)c\-i)eTa, Schaukel-Pferd; 

ter 2 liöji am Schlüsse) die ]/ von 2 liop, 10 — he sitt up 't huppeljierd uu ridt ua 

hoppeln, huppehi, huppen etc. Dieses hop spanjeu. 

lebt nur in dem Kinderliede: „hop nun perd liO|)pen, hoppen, mit Hopfen versehen, bz. 

ua de nUilen to, anders niks as hafer im kochen u. würzen; — dat her is net stark 

strö, hafer un strö un kaf-kaf-kaf, den lOpd genug liopd. 

nun perdje in draf-draf-draf", welches Vater 15 liopperi^, liopperg ; i. q. hoppig. 

u. Mutter singen , icenn sie ihr Söhnchen lioppig, a) hopfig, mit Hopfen gewürzt 

auf dem Knie ausreden, bz. hüpfen lassen. etc.; — dat ber smekd net hoppig genug; 

2. Iiop, auch hoppen, Hopfen; — de göd — b) locker, schwammig u. trocken wie 
her wil maken, dürd hoj) un molt net ter- Hopfen, als Fehler bei Bäben, Kohlrabe, 
saken , un wil he d'r 'n kroms solt in ka- 20 Moorrühoi etc., die zu stark aufgetrieben 
ken, mag huni 't uog beter smaken. — Nid., sind u. zu lange gestanden hidten u. in 
engl, hop; mnld., mnd. hoppe; nd. hoppen; Folge dessen inwendig im Fleisch schwam- 
ahd. hopho, hopt'o; mhd. hophe, hopfo. Der mig u. saftlos geworden sind; — wen de kül- 
Namc dieser Pflanze ist wie mnld. hoppe rabi erst hoppig worden is, den dögd se net 
(Wicdc-Ifojjf) , bz. ahd. hoöa, hophii, hoppo; 25 mer töm äten. 

7/i/tf/. hopho etc. in witu-hotlä etc. ; <(». veidi- 1. hop-sak, Hopfensack von grobem lo- 

hoppa; nid. weedhoppe (dasselbe u. soviel ckern Leinen; — hopsakken sunt god to 

als Waid- od. J agd-Hüpfer) von 1 hop felis. 

loeitergebildet u. bezeichnet ein sich er- 2. hop-sak od. hiip-sak ? — Sprichw. : 
Jlebendes, aufsteigendes, klimmen- 30 mit list brengd mau 'n ei in 'n hop-, od. 
des, kletterndes Etwas, ivobei man in- hup-sak. 

dessen nicht tvie bei hoppe in weedhoppe hör, Jiär, Dreck, Schlamm, Graben- od. 

an ein wirkliches auf spring <tn u. hüp- Gruben-Erde etc.; — de hör up de wal snii- 

fen, sondern nur an die im Stamm hop ten un afer 't land brengen lateu. — Africs. 

liegende Bedtg. der Erhebung u. steigenden 35 hör, höre, horre; nd. (Br. Wb.) haar, hör, 

Bewegung, bz. die Bewegung von u n- lioor; m)id. hör, har; as. horo, horu; ags. 

ten nach oben hin denken darf, wie horu, horh; ahd. horo; mhd. hör (Sumpf- 

diese auch un.'^crmkWm-ai) (Name des E2)heus boden, Schlamm, Schmutz, Dreck, Koth). 

u. anderer Schlingpflanzen) zu Grunde liegt. hör, Ör, ihr, ihm, sie (auch possessiv), 

hopel. Beif, Fassreif; s. 2 hop. 40 Dativ des Sing. u. Accus, des Sing. u. Plur. 

hu|ieln, mit einem hopel od. Beif spielen, von he (er) ; — ik heb' hör (ihr, ihnen) 

bz. ihn vermittelst eines Stocks (indem man segd, dat se kamen mut, bz. rautten; — ik 

entweder den Beif fortwährend damit an heb' hör net frägd ; — wen ji hör mit bren- 

der Hinterseite schlägt , od. den Stock in gen willen, den is, od. sunt se uns wilka- 

einen vermittelst Bänder mitten drin be- 45 men ; — to hör (Ih)ien) gesegd , dat is 'n 

festigten Bing steckt) ra.sch forttreiben ; — 18geu ; — dat hörd hör (das gehört ihr, od. 

känid jungens, lät' w' hengän un tagen 'n ihnen, bz. dieser Person, od. diesen Per- 

ander hoj)cln. — Nid. hocpclen. sonen). — Afries. hiri; icfries. her, har; 

1. hoppn od. höpen, s. hapen «. 1 hop. nid. haar etc. 

2. Iiopcu od. höpen, s. 2 u. 3 hop. 50 hördelko. s-. 2 hörntje. 

3. ho|»en o'/. liöjion, /iÄ!(/en; ^ — he hopd 't hör-döni. Hurerei, Ehebruch etc.; — hör- 
ene up 't andere ; — he höpd tosameu, wat dum drifen. — Afries. hördom ; nid. hoerdom 
he man kan; — he höixl geld up geld; — etc. Zu afries. hör, s. unter höre. 

de 'n geweten hcd as 'n felsken hase un de höre, hör, Hure. Sprichw.: sc stinkd 

armen uu verlägene lue schind un fild, war 55 as 'n höre; — horen-seggen is half gelagen 

he man kan un durd, kan sin geld un göd (gelogen); — büst du hör of def; liest du 

wol hopen un fennirdern. Zu 3 höp. geld, man hed di lef; — junge hören, olde 

hopen-stük od. Iiöpen-stük, Masse, In- biidosüsters ; — hören un böten spriikcn al- 
hult, l'mfang etc.; — he (od. dat der) is tid fan hör ärc ; — hören un schelms sunt 
mi to gröt fan hopen-stiik ; — de osse is 00 ligte fracht ; — darum gen hör goschullen. 



HÖRE HÖR 



105 



HOEREN 



wen 't kind man götl is; — de mit woten 
'n hör ninitl is 'n schelm, of word en; — 
de uäring wil hebbeu , mut mennig hör jüf- 
fer uömon ; — he lett sük föriit betalen, as 
de hören dat dön ; — dat is hören-insUig un 
höreu-schergärn ; — 'n apenbaren hör is 
nümmer so süm, as 'u hemelken ; — ik bün 
de erste uig im ok de leste nig, dat is aller 
hören tröst un feruutschüldigung ; — hören 
uu defen sunt gen fründe fan de dag ; — 
de sük mit hören befätd, mut geld weten ; 

— de weteudlik 'n hör tröed (heirathet), 
mut sük mit 'n hör ferdragen un dürd not 
klagen ; — menuig hör is bilter as 'u dwatje, 
wen se fiks is, achtd se up 't ditje un datje. 

— Nd. hoor; mnd. höre, horre; 7ihl. hoer; 
mnld. hoere; ags., acngl. höre; engl, whore; 
an. höra ; noriv., schwed. hora ; dün. höre ; 
alid. huorrä , huarra , huora, ; mhd. huore. 
Mit afries., an. hör; alid. huor, huar, hör 
(aasserehelicher Beischlaf, Ehehruch, Un- 
zucht, Hurerei); gotth. hörs; an. hörr ; isl. 
hör (Hurer, Ehebrecher, Buhler) ivohl ent- 
standen aus dem Präter. hör, huor eines 
verlornen Vbms. haran, ivas möglicherweise 
die Bedtg. : fliessen , strömen , giessen , od. 
FlüssigJceit ausgiessen it. ausströmen, pissen 
etc. hatte u. auch das Stammvhm. von nhd. 
Harn (aus harana, harna?) war, tvohei den 
huor sich zunächst auf das Ergiessen, hz. 
den schon geschehenen Erguss, od. Ausfluss 
des männl. Samens (daher huor, hör sowohl 
Hure r als E r guss- Per so n etc. , als 
auch Unzucht etc., als Erguss-Sache, 
loobei man auch zugleich noch an Sodomi- 
terei denken könnte) bezogen haben inüsste, 
ganz wie auch griech. moichös (Ehebrecher) 
mit mingere (cf. migen) zur ]/ mih gehört 
u. auf der Bedtg. : semen eiFundere beruht. 
Man kann aber auch (cf. dieserhalb 1 här, 
hase, 1 bar, boren ic. nhd. Beere = ahd. 
peri etc., goth. basi von y bhaksh) davon 
ausgehen, dass entweder ein älteres Vbm. 
hasan in haran , od. ein davon stammendes 
Präter. hos, huos in hör etc. überging, wel- 
ches Vbm. urspr. die Bedtg. : reiben, scha- 
ben , kratzen , stechen , jucken etc. hatte u. 
mit 1 här etc., sowie vielleicht auch mit 
ahd. hasan (politus) hasanön (polire) zu der- 
selben y kas gehörte, wozu Fick (cf. 1,49) 
auch griech. kässa (für kas-ja) , kasälbe, 

, kasaüra , kasöris (Hure) ; skr. kacchura 
(krätzig, unkeusch) etc. stellt, während er 

: dagegen goth. hörs ; ahd. huora etc. zu lat. 
cärus u. skr. cäru (lieb, lieblich, angenehm 
etc.) etc. vergleicht u, dafür, bz. für lit. 
kahrs (lecker, lüstern) , kahre (Leckerheit 
etc.) , kahriba (Begierde , Gelüste) ; kslav. 
kurüva (Hure) ein Thema käru (lüstern; 
Subst. Hurer) aufstellt u. dies (cf. II, 314 



seq.) von einer y kä (suchen, begehren) ab- 
leitet, ivelche er I, 34 unter ka (cf. skr. 
kam, kan u. can) aufführt u. wonach denn 
goth. hörs urspr. einen begehrlichen, lüster- 
5 neu Menschen bezeichnet u. afries. hör; ahd. 
huor etc. die Bedtg. Lüsternheit etc. gehabt 
haben müsste. Da mm aber ahd. huora 
(Hure) jedenfalls mit huorön (huren) von 
huor (Unzucht, Buhlerei etc.) weitergebildet 

10 ist u. demnach mit kslav. kurüva nicht ein 
u. dasselbe Wort sein kann, ferner auch 
hör, huor (cf. log, fogen, fögen etc.) seiner 
Form nach ein Präter. von einem Wort 
haran od. hasan ist, so halte ich es für 

15 wahrscheinlicher, dass es nicht mit kära, bz. 
der y kä verwandt ist, sondern ebenso tcie 
1 här u. griech. kassa etc. (s. oben) zur y 
kas (kratzen, jucken etc.) gehört. 

1. hören od. hrtren, huren; — he hörd 

20 aferal herum ; — hören un snören. — Afries. 
höra; nd. hören; nid. hoeren ; a/uZ. huorön, 
huarön; mhd. huoren etc. Zu afries. hör; 
ahd. huor (Unzucht, Hurerei etc.), s. unter 
höre. 

25 2. hören, s. hörn. 
3. hören, s. hörnen. 

liören, hören; a) den Sinn des Gehörs 
haben, einen Laut (Schall, Ton, Buf etc.) 
vernehmen , bz. mit dem Ohr aufnehmen, 

30 auffangen, auffassen etc. , indem die Schall- 
toellen das Trommelfell treffen u. in Schwin- 
gungen versetzen, die sich iveiter nach dem 
Gehirn fortpflanzen u. diesem Kunde geben ; 

— he is döf, he kan net hören ; — he hed 
35 hum ropen od. singen hören, bz. hörd; — 

he hörd 't donnern (er hört es donnern, 
vernimmt, dass es donnert etc.); — ik heb' 
hörd (vernommen), dat du fröger 'u net wast 
un uu schind 't, as of du fan 'n net 'n et 

40 worden büst ; — nu hörd insen , wo he fan 
sük präld; — hörst du 't dat 't sleid; — 
Sprichw.: de net hören (hören, gehorchen 
etc.) wil, de mut fölen ; — de fader un mo- 
der net hörd, mut 't kalfsfel hören; — b) 

45 gehören, angehören, eigen sein, zukommen, 
gebühren, passen ; zu Hause gehören, wohn- 
haft u. sesshaft sein etc. ; — dat hüs hörd mi ; 

— dar mag hum wol de darde del fan hö- 
ren; — dat hörd hum half mit an od. to; 

50 — wat dl d'r fan hörd (eigen ist, zukömmt, 
gebührt etc.), dat schast du ök hebbeu; — 
he hörd to min familie ; — dat hörd (ge- 
bührt, passt, .schickt) sük net, dat du aferal 
de handje-förmeier bist; — dat hörd sük 

55 net för junge lue, dat se sük aferal in de 
förgrund stellen; — du hörst in de ach- 
terste bank; — du hörst hir net hen ; — 
he hörd in Emden to hüs ; — dat hörd un- 
der sin bewind etc. — Afries. hera, höra 

60 (rect. hörja) ; satl. hera ; wfries. hcarren ; 



HOEREN 106 HÖRN HÖREN 

nd. hörcu; »uuJ. hören; nid. lioorcn ; as. rc», vernehmen, merken etc.) zu einer aus 

hörjau, hörcan, liürreou; ags. hyraii, lu'-ran; skii, skav durch Aphäresis entstandenen y 

hierau ; ciifil. liear; «». heyra; tionc. liüyra; kii, kav gehört, die möglicherweise ebenso- 

schiced. böra; dän. höre: ahd. hürran, liür- wohl unserm hüs als liiul ii. schiide, schau, 

reu, hörau, hören ; amhd., amd. hören; mhd. 5 schauen, sdiiir etc., sowie lat. caveo etc. 

hoereu; goth. liausjan, hausjon. — Es ist etc. (cf. Fick, II, Gl n. 271 u. 1,213) zu 

von einem Stamtn liaus mit jau weitergehil- Grunde liegt u. looriiber unter hüs, hüd, 

det, der formell mit an. haus (Schädel, d. i. scliau, schür etc. etc. das Weitere zu ver- 

Gehäusc, Behidter, Gefäss , bz. fassendes, gleichen ist. 

haltendes od. umfassendes u. umschliessen- 10 lioreii-buk (llurcnhock) , Hurcr, Person, 
des iYiffl.v), Ictt. käuss (Napf, Schale) etc. die viel huret: — du bist 'n regton horen- 
stimmt, welche Wörter von Fick (cf. I, buk (auch als Schimpfwort). 
51 V. III, 79 etc. etc.) nebst skr. ko^a, liorcn-kiiid, Hurenkind, Bastard. 
kosba (Behälter etc.) n. hüs (Haus), sowie lioren-kram, Hurenkram, Hurenwirth- 
lat. curia zu einer y kus gestellt sind, die 15 schaß etc. 
tcohl mit skr. kus, kubh (amplecti) identisch lioi'erder, Hurcr, Buhler. 
ist u. da nun der Stamm haus, bz. dessen horero. Hurerei, Buhlerci etc. 
Thema hausa von hausjan urspr. vielleicht horereii , huren, die Hurenhäuser besu- 
den Sinn des Gehörs od. blos das Ohr (als chen, das Hurenhandwerk treiben etc. 
das, was die Schallwellen , od. den Schall 20 lioi'erster, Hurcr in, Buhlerin. 
aufnimmt n. auß'asst, od. in sich aufnimmt liril'-hüs. Hurenhaus. Sprichw.: de d'r 
u. beschliesst etc.) bezeichnete , so wäre es cn l'öt in 't hörhüs sottd, scttd de andere 
sehr leicht möglich, dass hausa als hörender in 't gasthüs (Armenhaus). 
od. vernehmender Sinn, od. als Ohr von liörig, gehörig, liörsdui, gehorsam, hörig, 
Hause aus mit an. hauss (Schädel, Hirn- 25 gehörig; hörsam, leicht zu hören ti. zu ver- 
schale, od. Gefäss, Behälter) identisch ist nehmen. 
u. überhaupt nur ein Etivas bezeichnete, liOr-klnd; i. q. horenkind. 
tcas den Schall aufnimmt u. (sei es als Ge- lioi'ii, hören, Hörn; — sin horns ütstekeu ; 
hör, bz. Gehör- Organ u. den Ton auffas- — Me sett hum de hörns in de sid (auch 
Sender, vernehmender u. auffangender Sinn ^0 fig. im Sinn von: ihn stacheln ti. antreiben, 
od. als Ohr) .'somit tirspr. blos ein Gefäss, od. auch im Simi von: ihm scharf entge- 
eine Schale, od. einen Behälter (gleichviel gentreten etc.); — de bull' nimd iium up 
ob schalenförmig, rundlich hohl, od. tricli- de hörns; — en liörns upsotten (auch ßg.) ; 
terförmig tiefj bezeichnet hat u. somit hören — man mut not to fOl up de hörns nemou ; 
von Hause aus soviel bedeutet als Gefäss od. 35 — hö mut sin hörns nog erst wat oflopeu, 
Ohr haben, bz. das fassende u. aufneh- ör lie mak word; — hö hlasd od. stödt iu 
mende Organ besitzen, was hören od. auf- 't liorn. — Nd., nid. lioorn, hören; afries., 
nehmen macht. Vergleicht man übrijCns as., ags., an., dän., schwcd. hörn: afries. 
gotli. auso, ahd. öv'd etc. (Ohr; Oehr; Ilen- auch hoorn; ivfrics.hoarn; wang. liön ; satl. 
kel, Griff etc.) als mit lat. audire ; kslao. 40 liöden ; helg. lu'irn; nfries. hörn; ahd. horu, 
umö (Sinn, Verstand); skr. avi (achtend, horiu, lioren ; ?«/*(/. horu ; goth. ]nmn\ (meist 
beachtend, sehend, merkend, hörend etc., bz. gekrümmte, spitze Hervorragung od. Aus- 
beachten, bemerken, hören etc.) etc. zur y wuchs von harter Masse am Kopfe vieler 
av (sich sättigen, erfreuen, gern haben; he- Thiere; harte hornartige Masse od. Bil- 
achten , aufmerken, merken u. hören auf 45 düng; vorragende Spitze, Land- od. Berg- 
Etwas; begünstigen, helfen) gehörend u. spitze, Promontorium; Mondsichel, krum- 
aus avas, od. avis hervorgegangen (die aus mes Blasinstrument etc.). Mit lat. cornu; 
u od. ü entstandene y av hatte übrigens ir., kgmr. corn ; cambr. qorn; galat.V^ktnoxi 
von Hause aus die Bedtg.: bewegen [sich, (Hörn), sowie griech. keras (Hörn); zend. 
od. ein Anderes], die aus der Bedtg. : sich 50 (;rva (Nagel, Hörn) ; npers. rurnü (dasselbe) 
betcegen vor, gehen u. kommen zu, erreichen, wahrscheinlich zur y rar, (,Mr (rumpcre, di- 
erlangen etc., die von: greifen, fassen, neh- v\.\m\)Cve,([\\^T'm<iQvc, bz. verletzen, verwunden, 
men, vernehmen, merken, sehen, hören etc., niedermachen, zerbrechen etc.), zu welcher 
sowie die von: zu sich nehmen, essen, trin- auch tvohl skr. ^ara, garu (Waffe, Pfed, 
ken, sich sättigen etc.; greifen nach Etwas, 55 Donnerkeil), (;aravya (Pfeil), ^aräru (Zer- 
verlangen, begehren, gern haben, lieben etc., störer, Verderber); griech. keraunös (Don- 
sotvie weiter auch die von: halten, tragen, nerkril) etc. gehören ti. wonach denn das 
schützen, fördern etc. entwickelte) , .so kann Wort Hörn ttrspr. ivohl als ein vcr- 
man auch annehmen, dass der Stamm hnus, letzendes, verivundcndes Etwas, bz. 
bz. hausjan (hören) mit griech. a-koiiö (hö- 60 als eine spitze, scharfe, stechende Stossioaffe 



HOERN 



107 



HOERST HORST 



der Thiere zum Niedermachen u. Vernich- 
ten des Gegners aufgefas^t ist. 

hörn, Spitze, Ecke, Winkel, Landspitze, 
Promontorium; Strecke, Bichtung, Gegend 
etc. ; — de liürns fan de tafel ; — sett dl 
in de hörn ; — he wand in de hörn fan de 
dii<; — in de hörn fan 't für (Herdecke) ; 

— 't hus ligt in de westerhörn ; — wen wi 
nog 'n hörn (Strecke, hz. Ausweitung in 
den Baum hinaus) wider gän , den kamen 
wi bi dat andere hiis tohanden; — he wand 
in de krumhöru (cf. krumhuk unter hök); — 
he snidt hiim d'r 'n dügtigcn hörn (Ecke, hz. 
Stück) of. ; — Afries. herne, hörne ; lofries. 
(Jap) ix) herne harn; vfries. heern, hürn, 
hjaarn, jaan; %cang. hen (statt liern); nid. 
hörn; mnJd. hören; nd. hörn; mnd. horue; 
ags. hyrne; an., nono. hyrna; dän. hjörne; 
schwed. hörn. — Dies Wort ist entweder 
von Hause aus identisch mit, od. ei)ie Ab- 
lautform von hörn, tcie dies aus an. hyrndhr 
(gehörnt) hervorgeht. Vergl. indessen franz. 
carne (Winkel, Ecke); afrans. carne (Thür- 
angel = uns. hök) u. mnld. hören (anguhis), 
lüas Diez (II, 238) von cardo ableitet, wo- 
bei indessen auch ivieder zu erwägen ist, 
ob dies afranz. Wort nicht mit galat. kär- 
non (Hörn, bz. Spitze etc., cf. unter hörn) 
zusammenhängt u. mit cardo formell nichts 
gemein hat. 

liörn-llaser , Hornbläser ; hier bis vor 
Kurzem Name der Nachtwächter , weil sie 
ein grosses gekrümmtes messingenes Hörn 
trugen, auf zvelchem sie durch einen Stoss, 
od. mehrmalige Stösse in dasselbe die Stun- 
denzahl laut verkündeten; — 't is tid to 
bedde! de hörnblaser kumd. 

hoi'ud od. hörend, gehörnt, mit einem 
Hörn od. mit Hörnern, bz. Spitzen etc. ver- 
sehen ; — dat der is nich hörnd ; — hörnde 
dinger etc. — cf. ahd. hornaht, horuoht (cor- 
nutus) M. hörnen (Hörn, od. Hörner haben; 
mit Hörnern versehen sein etc.). 

hörnen, hören , von Hörn, hörnern etc. ; 

— 'n hören kwildop; — 'n hören spitse etc. 
hörnetje, hörntje, hördelke, Homiss. — 

Nd. hörnt, hornke, hork, hormk, holmk; 
mnd. hörnte, hornente, hörnetje; nid. hor- 
zel ; mnld. hörnte, horusel, horsel ; ags. hyr- 
net; engl, hörnet; ahd. hornuz, liornoz, hor- 
naz; mhd. hornuz, horniz, huruiz, hurnuz, 
harniz, harnliz. Da das ahd. horno-bero 
neben Hör nträg er auch die Bedtg. cra- 
bro od. Homiss hat, so loird hörnet od. 
hornuz etc. auch oft von hörn abgeleitet u. 
Hörn i s s als ein gehörntes Wesen ge- 
deutet, icegen der starken, hornähnlichen 
Fühler od. Fresszangen. Möglicherweise 
indessen hängt dieses Wort nicht mit hörn, 
sondern mit ahd. hären, heren (clamare), od. 



besser noch mit tinserm luirren, hurreln (sur- 
ren, sumsen, sausen, rauschen etc.) zusam- 
men, wie Bremse mit brimmau (cf. brum- 
men) u. Hummel mit Jiummen (sumsen). 
5 hörn-llint, Eckstein. Fig. od. iron. ein 
alter Vcnvandter des Hauses, der schon 
Jahre lang den warmen Eckplatz, bz. den 
Ehrenplatz in der Ecke des Herdes inne 
hat u. denselben unbeweglich beJuuqjict, ohne 

10 denselben einem Andern zu überlassen u. 
abzutreten. 

hörn-loper, Gratsparren, od. Walmspar- 
ren, bz. das Sparrholz (jüffer), welches am 
Schciinendach das schräge Hinterende drei- 

15 eckförmig abschlicsst u. den Winkel des 
„spers" bildet. 

hörn - schef , schief eckig , schief winklich, 
kein richtiges Quadrat od. Viereck bildend; 
— dat hüs is hörnschef böed ; — de disk is 

20 wat hörnschef. 

liörn-schun, schiefeckig etc. ; auch übereck, 
diagoncd; — hörnschün afer de disk. 
liörn-tand, Eckzahn. 
hörntje (Dimin. conlwvn), kleine Ecke etc. 

25 liörntje, hörnte (Dimin. von hörn), Hörn- 
chen, Hörnchen, kleines halbmondförmiges 
Gebäck od. Weissbrödchen, kleines Hörn etc. 
liörntje, s. hörnetje. 
hors, s. ros. 

30 hörsk, hurisch, hurerisch; — 'n hörsken 
kerel. 

hörst, hörst, höst, Horst; a) Gebüsch, 
Gestrüpp etc. ; — b) eine (früher ivohl mit 
Gebüsch etc. bewachsene) sandige Anhöhe, 

35 bz. ein hochgelegenes Stück Grünland, z. B. 
bei Norden etc. ; — dat ligd up de hörst ; — 
he wand up de hörst; — de köjen weiden 
up de hörst. — Dcüier die Ortsnamen : Sand- 
hörst, Horsten etc. etc. — Nd. (D ä h n e r t) 

40 hörst (ein buschigtes Stück Land mit Mo- 
rast umgeben, ein erhöhter Ort im Walde) ; 
mnd. hörst, hurst, host (niedriges Gestrüpp ; 
Kriippielbusch; das zu einem Busch zusam- 
mengeioachsene Gras an der Seite eines 

45 Sumpfes; ein wilder tvüster Ort, Bruch, 
Bruchland, bz. mit Gestrüpp etc. bewachse- 
nes Land) ; nd.-hess. (Vilmar) host (Staude, 
Stengel); nd.-götting. (Schamb ach) host 
(Busch, Büschel; Gebüsch, Gehölz; eine he- 

50 loachsene kleine Erhöhung im Sumpfe; Trupp, 
Haufe); ahd., mhd. hurst, hörst (Gebüsch, 
Gesträuch, Busch); ags. (H. Leo, 505, 10) 
hyrst ; engl, hurst (Wäldchen, bewachsener 
Hügel) ; Schweiz, hurst (Strauch), hürst (Ge- 

55 büsch, Dickicht). Es ist ivohl (cf. z. B. 
bariien = branneu , sowie ahd. hros, ros, 
ors ; as. hros, hors ; ags. hors = nhd. Boss 
etc.) zweifellos identisch mit an., isl. hriöstr 
(aspretum, glabretum, bz. eine unebene, un- 

60 fruchtbare, ivilde Stätte) , tvomit auch viel- 



I 



nORWAL HARWAL 



108 



HOT 



leicht der Name des fries. Gaues Rüst rin- 
gen od. Hr inst r i (cf. E h r e n trän t, TI, 
26S in der Note) cusamvienJiäntjt. Die (rrd- 
hedtg. des Wortes hurst od. hriust , liriost, 
liriöst betr., so tvird (cf. w;ild von wild) da- 
mit nrs2)r. wohl nnr eine n-ildc, iviiste, nn- 
fruchtbare, bs. nncnltivirte, blos mit Gcstrilpp 
beicachscnc Gegend bezeichnet sein, wobei 
man selbstredend soivohl an ein hartes u. 
trockncs, dürres, n)ifrnchtbares etc., als auch 
an ein rauhes, loi'des, wüstes, unebenes, zer- 
klüftetes Erdreich denken kann u. da nun 
sowohl für luirst als für liriust, bz. die 
Verba: luirsan od. hriusan eine ^ hurs, 0(/. 
lirus angesetzt werden muss , so stelle ich 
borst etc. zu der von Fick I, 53 aufge- 
stellten y krus (rauh, hart sein; stosscn, 
stechen) u. verweise wegen hyrst aucJi noch 
auf das von L. Ettmüller, pag. 50 i da- 
für aufgestellte lircostan, sowie xcciter da- 
selbst n»/ lireösiiu, sowie pag. 473 auf hyrst- 
stau (friuere) unter gleichzeitiger Verweisung 
auf IL Leo (cf. pag. 3G'J seq.) hreösan u. 
(pag. 5'J5j hyrst u. hyrstau od. hyrstan. 

liorwal, liiirwal, Drcckwcdl (cf lior), od. 
die zu einem Wall aufgeschichtete schlam- 
mige Erde, welche beim Reinigoi eines Gra- 
bens etc. auf die Kante desselben geworfen 
u. später über das Land gebracht wird, weil 
dieselbe in der Regel einen guten Dünger 
abgiebt; — de liorwal mut rrst dürfresen uii 
förjürs afer 't Jand brogd worden. 

hospes. Wirth, Hauswirth. Dieses lat. 
Wort (wovon Hospiz, Hospital u. auch 
S2)ital = nd. spittel) ist hier i)i den nie- 
dern Volkskreisen sehr gebräuchlich u. wird 
nur von einem Hauswirth, nie aber von 
einem öffentlichen Gastwirth gebraucld; — 
min hospes is not to liiis; — wen mm lios- 
pes 't man lidon wil, den etc. ~ Mit kslav. 
go&podi (Herr) aus idg. ghas-puti (d. i. 
Speise- od. Brod-Herr) von y ghas, essen, 
cf. gast u. pati = goth. fadi, Herr, cf. 
fader. 

liöst, Husten; — de höst kwäld nii so; 
— bi junge lue dürd de höst not lauger as 
8 dage sitten. — Nd. hoost; mnd. liöste; 
nid. lioest; satl. host; wang. host; ags. hvüsta; 
engl, (mdartl.) wlioost; Schweiz, wustou ; an. 
hösti; schwed. hosta; dän. hosten; ahd. lux- 
osto, huasto; mhd. huoste. Mit (Fick, 1, 
49) lit. kosu, kosti (Husten) ; lett. käset (Ha- 
sten); kslav. kasili (Husten); skr. käsa (das- 
selbe) zu käs, käsati (husten), welches icahr- 
scheinlich aus der Schall- od. lautmalenden 
y ku (cf. skr. ku, tönen, seufzen) -4_ as 
(sein) zusammengesetzt u. zu käs contrahirl 
ist, sodass käs urspr. soviel heisst als „laut 
sein". Möglich ist es indessen auch, dass 
die Schallwurzel iai, kva blos durch „s" wei- 



tergebildet ist u. sonach käs für kvas steht, 
wozu die germ. u. sonst. Formen (cf. z. B. 
bei Fick, II, 74 kvaso, Korb zu kslav. 
kosi, kosa u. dass das formell u. begrifflich 
5 auch ivohl mit ku, kva, kvas als onomat. 
Wurzeln verwandte griech. koäx, lat. coaxo, 
qua.xo, quacken) Jedenfalls besser stimmen. 
I)ass skr. käs aus einer Schcülwurzel her- 
vorging, bz. ein 2'on-malendes Wort ist, da- 

10 für spricht auch zend. tut; (husten), lat. tus- 
sis etc., icas Fick (I, V5) zu skr. tus, to- 
sati {tönen) stellt. 

Iiösten, husten; — he hostd un kuücht 
altid. 

15 liüster-kökje, ein kleiner Kuchen, bz. ein 
Bonbon zur Stillung des Hustens. 

hot? — Vergl. die Redensart: ene fau 
jo niut hot holden (einer von Euch muss 
Sta)id hallen, bz. still stehen, bleiben, zur 

20 Stelle bleiben, darf sich nicht entfernen etc.) 
uu to hüs blifen ; — de mut man wol hot 
holden (dem muss man wohl Stand halten) ; 
— he wil nich hot holden (er will nicht 
Stand halten, bz. Glicht herhalten, sich nicht 

25 ruhig verhalten etc.) , dat ik hum 't d'r üt 
iiämeii kan. — Desgl. ferner die Alliteration 
,.hot un pot" in der Redensart: 't is all' en 
iiot un en pot, welche meist im wegwerfen- 
den. Tone von Menschen gleichen Schlages 

30 gebraucht icird u. soviel besagt, dass der 
Eine ebensogut, od. ehensoschlecht wie der 
Ändere. — Was nun das letztere hot in 
der Zusammenstellung mit pot (Topf , Ge- 
fäss etc.) betrifft, so kann es wohl mit dem 

35 deutschen hotte, hutto (Gefäss, ^velches man 
auf dem Rücken trägt , bz. hölzernes Ge- 
fäss, Butte, hölzerner Tragkorb etc.); mnld. 
hoiiQ; franz. hotte (corbis dossuaria) ; nhd. 
hotze (Wiege) etc. identisch sein, doch ist 

40 es auch möglich, dass es blos die Bedtg. : 
Masse, dicke Masse, Niederschlag, Satz, 
Bodensatz etc., od. Mischmasch, Gemenge, 
(rcinüse etc. (cf. z. B. 't is all' en hütspot, 
od. en pot-nat etc., bz. engl, hotch-potch, od. 

45 hodge-podge) Jiat u. mit nid. hot ; nd., mnd. 
liotte (grronnene Milch, käsigter Thcil der 
Milch etc.) eins ist, was wohl ebenso loie 
nd.-hess. hotte in „Schwing- Hotten^' (wol- 
lige od. flockige Flachsabfälle) mit hottcüi 

50 (schwi)igen, hin u. her bewegen, schaukeln 
etc., cf. liotjen) zusammenhängt. — Das erste 
hot indessen betr., so vergl. unter hetje das 
an. hätta (Schicht od. Pause machen, die 
Arbeit einstellen n. Stillstand derselben cin- 

55 treten lassen. Halt machen etc.), weil in hot 
auch die Bedtg. des Haltens loo, bz. des 
Stillstehens loo, od. des Verweilens 
u. Bleibens etc. liegt , wobei ich wegen 
bot aus hat a)i unser of aus af (ab) erin- 

60 nere. Vergleicht man übrigens das mit an. 



HOETELE 



109 



HOTJE HUTJE 



hätta (einrichten, bestellen; Schicht machen 
etc.) connexc hättr (Art, Weise, Beschaffen- 
heit, Character etc.), so könnte auch das 
zweite hot in liot un pot als Bezeichnung 
von Menschen eines Sclilages , hz. gleicher 
Art u. gleichen CJtaraJders etc. tool gleicli- 
falls hiemit identisch u. nur ivegen des Reims, 
bz. tvegen der Alliteration mit pot zusam- 
mengestellt sein. 

liötele , a) geringe werthlose Kleinigkeit, 
Weniges etc. ; — gif ini 'n hötele faii ; — 
b) Lumperei, faide schlechte Geschichte, 
Pfuscherei etc.; — mit de höteleen must du 
nii fan de hals blifen ; — mit sükke liöte- 
leeu brnkst du mi nOt kamen; — wat liest 
du mi dar nu wer för höteleen mäkd ; — 
't is altid so 'n hötele (Pfuscherei, od. 
schlechte faule verworrene Wirthschaft, Trö- 
delwirtschaft etc.) bi hum west uu he is 
iiüit wider kamen. — Es ist 7vahrscheinl. 
dasselbe Wort ivie nJul. Hudelei, cf. hö- 
telkräm u. das folgende : 

liötelen, höteln, sich ohne Erfolg u. nutz- 
los mit kleinlichen od. lumpigen Sachen be- 
schäftigen, seine Zeit mit Lumpereien ver- 
bringen, trödeln, niedere, schlechte u. pfu- 
scherhafte Arbeit machen, Sachen verpfu- 
schen u. verderben, sich venoickeln u. ver- 
loirren in Etwas etc. ; — he deid niks as 
höteln un krigt sin läfend nilcs toregt; — 
he liötold d'r wat mit herum un kumd d'r 
niks mit wider; — wat liest du dar nu wer 
toregt höteld ? — he höteld un dröteld net 
so laiik, bit dat d; tid hen is; — ■ de budel 
is ferhöteld; — he höteld sük d'r in fast. 

— Nid. hoetelen (pfuschen, hudeln); vinld. 
hoetelen (inartificialiter sc gerere, ignaviter 
aliquid agere; frivola agere, sordida agere; 

— cauponari, ox rebus vilissimis quaestum 
captare) ; mfläm. hoetelen (belistrer, fatrouil- 
1er, faire quelque chose leutemant, comme 
'n ayant point de hafte; — faire profit et 
gaigncr de chosos viles et de petit pris). 
Bezüglich dieses anscheinend von einan 
Vbm. : hoetcn stammenden Frequentcdivums 
ist ma)i allerdings nicht sicher, ob der Stamm 
hol, hoet bei dem betr. Vocal- Wechsel n. 
dem zvecJiselnden Auslaut t, d, dh, th in 
den nd., fries. Wörtern (cf. hOd , höden, 
bögen, hören etc., sowie baut, geten etc.) mit 
hud in nhd. hudeln identiscJt u. demnach 
höteln od. nid. hoetelen loirklich dasselbe 
Wort wie lind ein ist, od. einem nhd. hu- 
zeln entspyriclit. Vergleicht man indessen 
H u del u. hudeln im G r i m m ' sehen 
Wb., sowie die zu hoetelen gehörenden mnld. 
Wörter : hoeteler (homo iners, operarius iners, 
ineptus in arte quam exercet; homo nihili, 
inanis sordidus, levis, nequam, scurra; — 
caupo sordidus), hoetelwerk, hoetelrije (opus 



frivolum, frivola, ineptiae, turpis quaestus, 
sordidum hierum) etc. so scJieint es zweifel- 
los, dass der Stamm hoetel von hoetelen mit 
nhd. Hu del u. mJid. huder in huder-wat 
5 (Liimpenkleid od. zerlumptes Kleid) %oirk- 
lich identisch ist u. demnach auch hoetel 
urspr. die Bedtg. : Lumpe , Fetzen , Lappe 
etc. hatte. Da nu)i aber huder zweifellos 
wieder mit hader, bz. ahd. liadarä; mhd. 

10 hader, hadel (Lumpen, Lappen; später auch 
Streit = nhd. Hader) verwandt u. des- 
selben Ursprungs ist, so muss mhd. huder 
ivohl für huoder stehen und diese Form 
aus älterem hadar in ähnlicher Weise her- 

15 vorgegangen sein, toie ahd. muotar 2i. unser 
moder, nid. moeder aus älterm. matar od. 
mätar. Vergleicht man nwn -weiter, dass 
Fick (III, 61) ags. headhor (receptaculum), 
goth. hetlijö (Kammer) mit cüid. huota u. 

20 )nhd. hüeten (cf. hud, höden) zu einer germ. 
y hath (bergen) = skr. cat (bergen, ver- 
stecken, bz. bedecken, verhüllen etc.) stellt, 
so ist auch mhd. huder, nJid. Hu del u. 
hudeln mit ahd. hadarä gleichfcdls zu skr. 

25 kantha (Flicken- od. Lappenkleid), lat. cento 
(ivas aus cdlerlei Flicken u. Lappen zu- 
sammengesetzt ist, Flickwerk, Lumpenwerk 
etc.) ; griech. kentrön (dasselbe) zu stellen 
u. kann das mit mnld. hoeteler identische 

30 mnd. huteler demnach auch nicht mit nhd. 
h ü t e n verioandt sein, ivozu Dr. L übbe n 
(cf. huteler bei Seh. u. L.) es anscheinend 
stellt. Denn dass diese beiden Wörter wirk- 
lich identisch sind, geht schon daraus her- 

35 vor, dass beide auch durch soeteler, bz. su- 
teler (Sudler) erklärt tverden u. dass sie 
mit nhd. hüten, bz. unserm höden unver- 
wandt sind, sowie daraus, dass sie bei einer 
Ableitung von höden, bz. ahd. liuotan, mnld. 

40 hoeden dann gerade umgekehrt im nd. hu- 
deln «. im nhd. hutein lauten müssten. 

höteike, höttelke, kleiner Lappen um 
einen xounden Finger, bz. ein von Flicken 
u. Lappen genähter Fingerling, der über 

45 einen lounden Finger zum Schutz gezogen 
loird. — Es scheint mir von höddelke inso- 
fern verschieden, dass es nicht mit die- 
sem zu höd IC. höden, sondern mit engl. 
liottle (Fingerling) zu dem Stammwort hö- 

50 tel von hölelea (s. d.), bz. dem mnld. hoe- 
tel = nhd. Hu del in der Bedtg.: Lappen, 
Flicken etc. gehört, bz. ein Dimin. davon ist. 
hötel - krtim , lumpigter , nichtsnutziger, 
iverthloser Kram, Pfuscherarbeit, nichts- 

55 nutzige, faule Sache etc.; — dat is all' hö- 

telkräm, wat nargends to to briiken is; — 

mit de höielkram wil 'k niks to don hebbeu. 

höteln, s. hötelen. 

hotje, hutjo, hurtje, eine kleine Fracht 

GO od. Quantität Torf, od, sonstiger Dinge, die 



IIOTJEDRAF 



110 



HüBBEL 



man wohl auf einmal in einem Tragl'orh 
auf dem Buchen fortschaffen kann, bz. ein 
kleiner M'acjen roll Torf, %cie sie die sog. 
morhäntjcs in ihroi kleinen u. engen, sarg- 
ähnliclten Wagen zur Stadt bringen; — ■ 't 
is je man so 'a hotje, wat hr dar up de wa- 
gen hcd ; — ik lu-li' 'n liotje türf, od. 'n 
hotje hei (Heu) kot'd. — Wohl zweifellos 
Dimin. i'on nhd. Hotte (Tragkorb, liücken- 
korb, bz. Behälter etc.), s. unter hot. Uebri- 
gens fuhrt f api.r unter hottjen (cf. liotjcn) 
auch ein liot i)i der Jiedtg.: Wagen auf, 
ironach dann hotje auch ein kleiner Wa- 
gen sein kann. 

hütje-draf od. hiUjo-di-af, hurtjc-di-aC, 
Schaukeltrab ; — hO ridt in 'n hotje-draf; 
s. (bis folgende: 

Ilotjoii, hiitjon. liui'tjcii, schwingen, schüt- 
teln, schaukeln, in schaukelnder , bz. auf- 
u. niedersteigender Bewegung reiten «. ge- 
hen, od. fahren, hin u. her bewegen, von 
einer Stelle auf die andere legen etc.; — 
he hotjed dat hen un wer, bz. all' dör 'n 
ander; — he hotjed up un dal; — he hot- 
jed d'r hen; — hü hotjed d'r wat mit herum; 
— he hutjed od. huitjcd (fährt lang.sam 
schaukelnd, bz. in langsamem Trab) wer na 
hiis ben. — Vergl. ntd. hotsen, hutsen (stos- 
sen, schütteln, bz. auf u. nieder, od. hin u. 
her fuhren), ivovon Diez (II, 335) das 
franz. hocher (schütteln etc.) ableitet u. wo- 
i'on auch engl, hotch (schütteln, hinken, 
Inunpeln , sich sprungweise bcivegen etc.), 
hotclu'l (ungeschickt u. stolperig gehen, hin- 
ken etc.) stammen. Ferner vergl. auch un- 
ser hütscln u. irfries. hottjen (tvetzen, schär- 
fen, schleifen etc., od. eigentlich nach Ja- 
pi.x hin u. her bewegen n. ziehen). Ver- 
gleicht man nun im Gr im m^ sehen Wh.: 
unter Hotte weiter: Schweiz., bern. hottel 
(Kutsche, Wiege), hottern (schütteln, rütteln 
etc.), schwäb. liottern, hotschein, liotsciicn 
(zittern) etc., so ist loohl zweifellos, dass al- 
len diesen Wörtern ein Stamm hot mit der 
Bedtg. : Stoss od. Vorwärtsbewegung etc. zu 
Grunde liegt, woraus sich fi\r hotten die 
Bedtg.: stossen , rütteln, schütteln, hin u. 
her bewegen, schaukeln, schwingen etc. von 
selbst ergiebt u. wobei man für hotte //; der 
Bedtg.: corhis dossuaria (s. unter hot) auch 
annehmen kann, da.'<s es ebenso ivie hotzc 
(Wiege) urspr. die Bedtg. : Schwing-Bing, 
od. „Etwas, ivas man durch einen Schwung 
auf den Rücken schwingt u. hebt", hatte, ivie 
auch dem nid., nd., nhd. holte (geronnene 
Milch) u. hotten (gerinnen, durch schütteln 
u. schaukeln sich scheiden etc.) jedenfalls 
die Bedtg.: Stoss, Erschütterung, bz. stossen, 
schüttern, schütteln etc. zu Grunde liegt. 
Was nun aber den Stamm hot selbst be- 



trifft, so dürfte dieser wohl mit dem Rufe 
hot, womit man die Pferde vorwärts treibt, 
von Hanse aus identisch sein, wie Ja auch 
wir hot in dem Kinderreime: hot, hot, mm 
5 perd na de mölen to in der Bedtg.: vor- 
wärts gchrauchcn u. er auch sonst ebenso 
wie hü (cf. hotperd ?<. hüperd) in derselben 
Bedtg. gebräuchlich ist u. somit ein Trei- 
ben an, od. V o r w ä r tstreibe n bezeich- 

10 nct, xooraus sich auch die Bedtg.: stossen, 
od. Stoss (als Vorwärtsbewegung) leicht ent- 
wickeln konnte. Vergl. dicserJudb nhd. hot- 
ten (ds Fuhrmannswort in der Bedtg.: 
treiben, antreiben, forttreiben etc., soivie 

15 weiter in der von: corwärts kommen u. ge- 
hen, gelingen, glücken, die hotten auch im 
nid. u. mnld. (cf. KU.) hat, sowie weiter 
isl., bz. an. liott (equisouum clamor), liotta 
(equisonum clamare) etc. Formell wird nun 

20 aber hot als Ruf od. Zuruf zur y kand, 
kad (vocare, clamare etc.) stimmen, die hier- 
aus beim Vergleich mit hot u. hotten auch 
wohl die Bedtg.: commoveri, perturhari, ter- 
reri etc. entwickeln konnte, toonach doni 

25 die für haten angesetzte y hat =: skr. kad 
von Hause aus mit kad (vocare etc.) iden- 
tisch sein würde. Vergl. dieserhalb unter 
hop (aas als Zuruf dieselbe Bedtg. hat wie 
hot, z. B. in hop, hop, min perd =: hot, 

30 hot, min perd) den loahrscheinlichen Zu- 
sammenhang mit y kup u. darüber Wei- 
teres unter 3 hup, ivie sich auch allerlei 
Bedtgn. aus der Grdbdtg. sonare entwickel- 
ten ti. wonach man auch annehmen muss, 

35 dass die für schwed. hot; an. hot (Drohung, 
Drohworte); an. livata (vorwärts treiben), 
livät (Änreizung etc.); ahd. hwaz (scharf, 
heftig); nhd. wetzen (schärfen etc.) anzu- 
setzende y kud, bz. skr. cud, cvad ; germ. 

40 hvat, ebenso wie germ. hvath; skr. kvath (sie- 
den, kochen, bz. aufbrausen, brodeln etc., cf. 
3 hüp am Schlüsse) mit y kad (sonare etc.) 
von Hause aus auch identisch ist, od. dass 
der Stamm hot (cf. auch wfrics. hottjen (wct- 

45 ze}i, schärfen) urspr. mit kud, bz. cud u. germ. 
hvat od. hut (antreiben, erregen, schärfen etc., 
cf. Fick, III, !H seq.) identisch ivar. 
liöting, .S-. unter Iloot. 
hot -perd, hotperdje, hotjcpfrd (Kin- 

50 derspr.), Pferd, Pferdchen, Reitpferd etc., 
Pferd zum Tndien u. Reiten etc. ; — he iicd 
'n lütjed hotperdje krcgen. 
hoväi'd, iKtverdig, s. hOgfärd etc. 
Iiovd, .s. liAfd etc. 

55 hilvol, s. iiufel. 
Iiövou, s. höfen. 

llii, Ausruf zum Antreiben der Pferde. 
hultltd, rnebenheit, Höcker, Erhöhung 
etc. ; — 't is all' fiil hublx'ls un knnl)l)els. — 

GO Mlil. hol)heI; inhd. hubel etc.; .s. unter 1 höfel. 



HUBBELEN HUBBELN 



111 



HUEFE HUFE 



liul)l)elen, hiibbeln, ahwecJiseJiid auf ii. 
nieder steigen, sich loellenfönnig erheben u. 
bewegen etc.; — dat huhhekl uii hulibeld all' 
up un dal. — Nid. liobbelen. Es gehört zu 
hiibbel, bs. höfel, berührt sich selbstredend 
aber auch mit huppen, luippcln, hoppeln etc., 
weil die Wurzeln hup, hub, huf u. haj), 
hab etc. = idg. kap n. kup von Hanse aus 
identisch sind. 

hubbelig, hnbbclg, uneben, höckerig, wel- 
lenförmig, abwechselnd hoch u. niedrig etc. 

— Nid. hobbelig. 

hiibei'i":, hiibeni etc., s. liüforn, hüfeng etc. 

buchten, liucliteni od. hugtern, sehnlich 
verlangen, hoffen, ivarten etc.; — he sitt al 
to huchtern un to wachten. — Zu hugen 
(sinnen, denken an, trachten nach, verlan- 
gen etc.). 

lliul (Flur, huden). Haut, Fell, Balg; — 
Redensart. : he trekd hum de hiul afer de 
ören ; — d'r is gen hixd of slüt in de rok ; 

— elk mut sin egen hüd to markt dragen ; 

— he sitt in gen gesunden hüd (er ist nicht 
gesund) ; — he sitt in gen goden hüd (er 
taugt nicht, hz. ihm ist nicht zu trauen). 

— Afries. hüd (neben hed, hede, cf. 3 beide) ; 
nd. hüd; mnd. hüd, hüt; nid. huid; mnld. 
huyd ; ahd., mhd. hüt; as. hüd; ags. hyd; 
an. hüd. 3Iit lat. cutis; griech. skütos 
(Haut) u. lat. scutum (Schild) etc. , sowie 
mit unserm schude, schul, schür etc. zu der 
y sku, bedecken, verhüllen, timhüllen, um- 
scldiessen etc. 

hüd, hüt, heute. 

1. bilde, heute ; — hüden-dags (heut zu Tage, 
cf. nid. hedendaagsch). — Afries. hiude, 
hioda, hyoda; wfries. joed, joe; mnld. he- 
den, huyden, huyd; mnd. hudene, huden, 
hude ; as. hiudu; ahd. hiutu, hiuto, hiuta; 
vthd. hiute ; md. hüte. Contrahirt aus afries. 
hiudega; as. hudigu, hodigo; ags. heodaeg; 
ahd. (hiü-tagü), an diesem Tage. cf. 2 heden. 

2. hiido, Gewahrsam, Versteck, heimlicher, 
verborgener Ort, Höhle etc. ; — he hed gud 
wat in de büde (er ist tüchtig begütert, hat 
sich gut loas zusaminengespart etc.); — ik 
heb' 'n hüde up de perdebön in 't hei mäkd, 
war ik min appels in upbarg un ferstäke. 
cf. iramen-hüde, Honigwabe. — Mit höde 
zu höden. 

hiidel, Kloss, Mehlkloss. — Sprichio.: 
ende göd, alles god, morgen äten wi hüdels; 

— he is wüpsig, as Berend Heykes sin hüdels. 
hiiden, hüten etc.; s. höden. 

bilden, häuten. 

hüder, Hüter; s. höder. 

hiiderig, hfiderg-, hautreich, viele Häute 
habend, mit Häuten durchzogen etc.; — dat 
is^ so 'u hüderg stük flesk , dat de düfel 't 
biten kan. 



huderik, huderk, liüderk (auch rüderik, 
rüderk), Gundelrebe, Erd-Epheu (Glocoma 
hederacea, od. Hedera terrostris). — Nd. 
(Schütz e) huderich , (DäJtnert) huder 
5 u. (bei Lübeck) hederik. Im nhd. heisst 
sie auch Hederich u. ist das Wort loohl 
von lat. Iledera weitergebildet. 

budi;^, häutig; dün-, dik-hüdig etc. 
liiidi^, heutig; hüdigen dags. cf. 1 hüde. 

10 bfidje, bfitje, Häutchen, kleine od. dünne 
feine Haut, Fellchen, dünne Schede etc. 

hildjen, liiltjen, a) die Häutchen od. dün- 
nen Felle abziehen, dünn schälen, die obere 
Haut (od. Binde, Ueberzug, Kruste etc.) 

15 dünn abnehmen etc.; — du niust dat för- 
sichtig liüdjen; — he hudjed dat dün of; 
— b) den bereits im vorigen Herbst uinge- 
Xifiügten Acker im Frühjahr dünn u. leicht 
pflügen, u. eggen u. so die Kruste od. obere 

20 Haut lockern; — dat land brükd man blot 
hüdjed worden un den küu' j'i 't körn d'r so 
in seien. 

hüfe, büfe, a) Haube; — se is under de 
hüfe kamen ; — Dimin. hüfeke, hüt'ke ; — he 

25 ritt hör 't hüfke fan de kop; — b) Bienen- 
korb; — c) Decke, Schuf ztuch od. Umhül- 
lung eines Tuch-Ballens; — d) Behältniss 
od. Facli,, bz. ein Beutel, ivorin man sein 
Geld od. seine Schätze aufbewahrt ; — he hed 

30 wat in de hüfe (er hat tvas zurückgelegt, ist 
wohlhabend etc.). — JMofries. (Wiarda, 
pag. 201) huve ; nfrics. huw, höw ; nd. huve, 
huwe; mnd. huve; nid. huif; mnld. huyve ; 
ags. hüfe; an. hüfa; norw. huva; schwed. 

35 hufva ; dän. hue ; schott. how ; ahd. hübä ; 
mhd. hübe (Mütze, Haube, Mitra). Davon 
afranz. liuvet (Mitra). Es ist sehr zwei- 
felhaft, zu loelcher y dieses Wort gehört, 
bz. mit ivelchen Wörtern der (Uteren Spra- 

40 chen es verwandt ist. Vergleicht man in- 
dessen, dass unser hüferen, idd. huiveren 
im mnld. in den Formen huyveren u. kuy- 
veren belegt ist, so scheint es fast zweifel- 
los, dass auch hüfe mit küfe (cf. küfeke, 

45 küfke, Häubchen), bz. nid. huif mit )dd. 
kuif, mnld. koyffe «. so tveiter mit dem ital. 
cuffia, scuffia; sjjan. cofia; franz. coiffe etc. 
(Diez, I, 149) immittelbar zusammenhängt, 
dessoi Herkunft gleichfalls zweifelhaft scheint, 

50 trotzdem Diez es von ahd. kuppa, kupha 
(Mitra, Kojjfbeäcckung) u. dies aus Icd. cuppa 
(Gefäss, Becher, Behälter) ableitet, tvonach 
übrigens Fiek cdid. hüba auch mit Recht 
mit skr. ka-kubh (Kuppe, Gipfel), kumba 

55 (weiblicher Kopfpmtz, Kopf etc.); griech. 
kuphe, kube, kümbe (Kopf) zu einem idg. 
kumbha, kubha (Kuppe, Haube) stellt, zu 
dem auch dann skr. kumbha (Topf, Krug, 
Urne); zend. khumbha (Topf); griech. küm- 

60 büs (Gefäss, Becher, Behälter etc., cf. nhd, 



IIFEFEN 112 IIUKELN 

Humpen u. unser kiinime) , kübas (Urne Iiu<jeii , hü^en, sinne», denken, hoffen, 

etc.) (fehüren müssen. Uehn'fjens ist uuch Fick sclimer^lich verlanffcn , .<<ehnsüchtig worauf 

(cf. III, 7S) tcef/in altfl. hnhii -weif elhaft, (hl mtrten etc.; — wat sittst du to liugen? 

er es auch für möglich hält, dass es su einrr — lu' sitt to hugeii im to hapeu; — dat 

germ. ] luif, hup = skr. kup (cf. hop u. 5 pörd hügd na de liafer; — ik heb' al 

unter 3 hC^\^] gehört, u-ozu er auch lat. cupio l;xnk säten to hugon, dat du kwarast. — 

u. cunibiTO .■itellt. Sollte indes.'ien nicht auch Afries. hugja (denken , erinnerlich sein); 

hiitV mit hiid, schade u. lat. cavea, caveo, icang. hügje (hoffen) etc.; s. Weiteres unter 

b:. unserm kau, schau etc. etc. zu der ]/ bogen. 

sku, skav (bedecken, verhüllen etc.) gehören, 10 buk. hok, Loch, kleine elende Wohnung, 

zumal da es sehr leicht möglich ist, da.'<s kleiner abgesperrter dunkler Raum od. Ver- 

das „f" in ahd. hiifi aus ältcrm w, hz. v schlag, Koben, Stall etc. ; — se wauen dar 

hervorging, anstatt aus «;•>;/>/•. p od. bh '? in so 'n liitjet huk; — 't is man so 'n lüt- 

hiifen. a) hüllen, mit einer hüte (s. hüfe jet luik tan 'n hüs; — dar bi de sid is nog 

sub (?) od. einem Schntztuch umgeben u. 15 so 'n huk, dar kan 't wol liggeu : — de kin- 

dariu einpacken; — hüfe dat hxken in; — der slapen all' bi" 'n ander iu en huk; — 

du must dat god bätcr inhüfeu; — b) sam- de dOf sitt iu 't huk; — swm-, hunde-, hö- 

sammcln, si>a>en, zusammenbringen etc.; — ner-, enter-huk etc. — Nid. hok; m nid. hock 

he hüfd dügtig wat bi 'n ander. (ovile, septum, cors, cavea); ivang. (Ehren- 

hiileren. hüborcn, hiifeni, hüberu, beben, 20 traut, I, 370) hek (Schaf stall) etc. — Wohl 

zittern, sclmudern. frösteln etc.; — he hü- mit buken, hök etc. zu der unter bog ?<. hök 

ferd fan kolde; — lu"' hüferd d"r für, um erwähnten ]/ kuc (biegen, krümmen, wölben 

dat to dön : — he hüferd (bebt, sclirickt etc.) etc.), sodass es ursjtr. eine Höhlung od. Ver- 

d'r für torüg. — Nid. huivercn; mnld. huy- tiefung, Einbiegu)ig etc., bz. einen Winkel, 

veren, kuyvi-reii. Beide letzten Formen setzen 25 od. eine Ecke etc. bedeutete, 

eine ]/ skup od. skubh (bewegen vor, od. wo- buk, Zäpfchen im Habe ; — de buk is 

hin) voraus, die auch unserm schufen, schuf- mi swullen, od. schaten , das Zäpfchen ist 

fohl etc. zu (irundc liegt, weil schüfen (seh ie- vtir geschwollen, od. geschossen ii. dadurch 

ben) doch )iiehts Anderes besagt, als sich, verlängert u. gesunken; — de buk ligten, 

od. ein Anderes bewegen irgend wohin. Da 30 das Zäpfchen heben, — fig. Jemanden be- 

nun aber jeder liuck u. Stoss entweder trügen u. ihn rein ausziehen. — Nfries. 

eine Bewegung ist u. macht, so ist für hü- huk, hück; ivang. buch; nid. luiig; mnld. 

Irren (sich frequent. bewegen) ein urspr. buj'cli, huyg; norw., dän. huk; süddän. 

hnfan, bz. skufan, skubhan anzusetzen, was (Outzen) huug; nd. (Schütze, Br. Wb.) 

von der y skubh = skr. ksbubh (bewegen, 35 huuk ; mnd. buk. Es ist jedenfalls mit bök 

schicenken, zittern etc., bz. stossen, .schüttern, (Ecke, Spitze etc.) u. büke , buken einerlei 

.schütteln) abgeleitet ist. Vergl. dieserhalb Ursprungs, da es entweder die Bedtg.: Spitze^ 

Fick, 1, 335 unter skubh das Weitere, Spitzes etc., od. Ausbiegung, rundliche Ef' 

u-elche y auch tvohl unserm scliul)ben u. habenheit. Beule, Höcker etc. hat. Im 

nicht allein unserm schüfen, scliuti'cln etc. 40 Grimm'' scheu Wb. wird das gleiehbedeu- 

zu Grunde liegt. tende Hauch, bz. beuch, buch zu sät. kä- 

luiforig. liüierg:, hiiber^, hüfri^ etc , be- kud, käkuda (Mundhöhle , Gaumen) kaka- 

herig, zitterig, frostig, schauerlich, schaurig laka {Kehlkopf, Schildknurpel) verglichen, 

etc.; — ik bün so liüferg, 't is nüt as of ik bz. als diesem entsprechend angegeben, was 

de kolde afor 't lilfend heb'. — Nid. hui- 45 mir jedoch sehr fraglich zu sein scheint. 

verig. huke, liük", liuiko. die kauernde Stellung, 

liürerin^, Iiüferen, Schauderti , Zittern, das Niederhocken od. Niedersitzen mit zu- 
Beben etc.; — d'r geid mi so 'n hüferen sammengebogenen K)iieen u. gekrümmtem \ 
afer 't liifeiul. Bücken ; — In'- sitt up de huke, er sitzt in ' 

hülke. N. unter hüfe. 50 kauernder Stellung etc. — Nd. huuk, hurk; 

hilft, hilft, Hüfte (coxa). — Wang. huft; nid. liuik, hurk; nfries. buk; f/ri». hug etc., ' 

mnd. liuf; )dd. hupe, huppe, lieupe, beu]); (/. bukon. 

ags. byp, liype; oigl. hip; (^i. buppr; norw. hllkeln, ei)i surrendes, dem Tone „hu-' 

hupp; ahd., mhd. huf; goth. liups. — Es hu-hu** entsprechendes Gcräuseli machen mit- '\ 

liegt diesem Worte entweder die Bedtg. : 55 telst des sog. hukel-, od. runimel-pots, eines ' 

Einbiegung, Vertiefung, Höhle etc., od. Er- Hörn od. sonstigen Gefässes, welches mit 

höhung, Vorragung etc. zu Grunde, die sich einer Blase, worin ein Biet od. Bohr bc- 

beidc aus dem Begriff des rundlichen festigt ist, id)crzogen tvird, an dem man 

ergehen. Wegeu der |/ vergl. unter 3 höp mit angefeuchteten Fingern od. Händen auf- 

«. bei Fick, II J, 77. CO «. niederstreicht u. dadurch einen surrenden 



IIÜKEL-POT 113 HUELLE HÜELL' 

Ton erzeugt, den wir eben mit hukelu he- hele nagt mit 't kiud sitten must to hukke- 

zeichnen, loährend in Hindelopen (West- forsseii ; 't wul hei uii dal net slapen. — 

friesl.) dafür das Wort goefjen (gespr. gut- Die Entstehung u. Zusammenstellung dieses 

Jen) gebräuchlich ist. Es ist ein schallnach- Wortes betr. , so glaube ich , dass es von 

ahmendes freq. Vbm. m. gehört mit mhd. 5 einem früheren Rufe „hukkel fors" iceiter 

hiiclien (hauchen etc., cf. Grimm, Wb.) u. gebildet ist u. dieses soviel heisst, als „schau- 

mnd. (Seh. %i. L.) hük, huck (Eule) etc. zu kele stark", da hukke od. hukkel jedenfalls 

der aus ku (cf. Fick I, 49 seq.) erioeiter- mit hukkeln connex sein dürfte, 

ten y kuk od. kug. hukkeln, sich auf- u. nieder steigend, od. 

liQkel-pot, od. ruiuilielpot, der Topf, bz. 10 schaukelnd bewegen, hinkend gehen, sich 

das Gefäss od. Hörn, toomit die Knaben langsam im wiegenden Gange fortbewegen 

am St. Martins - Abend bei den Häusern etc.; — he hukkeld d'r so wat hen. Freq. 

herumgehen u. indem sie damit hukeln, dazu von 1 hukken, bz. huken. 

folgendes Lied singen: hukelpot wil 'n örtje 1. hukken, s. huken, bz. dal-, up-huk- 

hebben, dürd 't net seggen; hei! um t'er fif 15 ken etc. 

sesse, geid 't up 't allerbeste; 't schipke 2. hukken od. liokken, in einen Ver- 

fan Onken, lett sin seilke stinken, hed sin schlag od. kleinen Stall (s. huk) bringen u. 

seil wol in den top, gäfd mi 'n Örtje in sperren; — de höner mutten hukd, bz. in-, 

d' rumraelpot. Die Juden haben 'n Ochs od. uphukd worden. 

geschlacht't, haben' s Fleisch in's Salz ge- 20 liuk-sak, Brei aus gestampften Kartoffeln 

bracht; de hüd was fet, dat flesk was ma- mit Mehl. 

ger, dar wassen d' Juden trürig afer. — hnle, liül', kleine Anhöhe od. Erdhügel, 
Oder auch (statt „Die Juden" etc.): hir Erdhaufe etc.; grosser Erdklumpen, grosse 
wand de rike man, de uns wol wat gäfen Erdscholle etc. cf. nd. (Br. Wb.) huU, bz. 
kan, föl kan he gäfen, lank sal he läfen un 25 grashuU (erhöhter Hasen; Grasbüschel, der 
kumd he den to starfen , sal he de himmel über die Umgebimg vorragt etc.), wovon 
arfen. ■* Frisch glaubt, dass es aus nhd. Hügel 
buken, hukken, hurken, hocken, kauern, contrahirt sei, tvonach denn hule od. hüP in- 
sich zusammen biegen u. krümmen, bz. mit dessen ivohl eher ein Contract. von hufel 
zusammengebogenen Knieen u. gekrümmtem 30 od. huvel (cf. 1 höfel) ist. 
Bücken sitzen etc. ; — he hukede dal , dat hulen od. lullen, heulen, laut schreien od. 
se hum net sen schulden ; — däl-huken, od. weinen, bz. dumpf tönen u. rauschen, sau- 
dälhukken, niederhocken. — Nid. liukken, sen, brausen etc. ; — he sitt to hulen ; — 
hurken, hokken, huiken ; mnld. hucken; nd., dat geid d'r hen, dat 't hüld un brumd; — 
mnd. huken; isl. hoka, hüka; schwed., norio. 35 de wind hüld in de schörstein, bz. dör de 
huka; dän. huge; schott. huke; hess. (Vil- lücht etc. — Mit nd. hulen; nhd. heulen, 
mar) buchen; bayr. (Seh melier) hocken, bz. älterem hewlen, hiielen u. »n/td hiuweln, 
hucken. Mit lieike etc. u. hok, huk, hük hiulen von ahd. hiuwela, hüwela; mhd. hiu- 
sur y kuc (biegen, krümmen etc.). wel, hüwel (Eule), welches selbst wohl wie- 
hukje, huktje, kleiner Koben, kleiner 40 der eine Weiterbildung, bz. ein Dimin. von 
Winkel, kleine Ecke etc.; — he sitt in 't ahd. hüwo, hüo ; 7nhd. hüwe (Eule, Uhu) 
huktje. Dimin. von huk. ist. hüwo selbst gehört ivohl zu der unter 
hukke-t'Oi'SSeu , hukkefossen, mit einem hukeln (s. am Schlüsse) erwähnten y ku 
Stuhl, auf dem man sitzt, in der Weise (schreien, heulen, bz. ein unartikulirtes Ge- 
schaukeln, dass man einmal dessen Vor- 45 rausch machen, od. unartikulirt tönen etc.). 
derfüsse u. dann loieder dessen Hinterfüssc Vergl. auch (Diez, II, 837) afranz. hu, 
so heftig auf die Diele aufschlagen lässt, bz. liuer (schreien), huard (Schreier), huette 
dass der Stoss den Körper der darccuf sitzen- (Eule) etc. 

den Person ziemlich stark erschüttert u. diese hulen-trop, Brummkreisel, hohler Kreisel 

Erschütterung ein von ihr in den Armen 50 mit einem Loch, wodurch beim Kreisen ein 

gehaltenes kleines Kind einigermassen be- dumpf heulender od. surrender Ton entsteht, 

täubt, um solches in ähnlicher Weise wie huler od. hüler, a) Heuler, Schreier etc.; 

durch Wiegen in den Schlaf zu lullen. Die- — b) Singschwan, 

ses sog. hukkeforssen war hier früher sehr hülke, s. hülleke. 

allgemein u. wurde bei unruhigen u. heftig 55 1. hülle, hüll', a) Haube, namentlich eine 

schreienden Kindern besonders in dem Fall einfache, wie sie die Dienstboten u. Weiber 

(als letztes Mittel sie in den Schlaf zu brin- auf dem Lande tragen ; — sett' dog lefer 'n 

gen) angewandt, loenn dies iveder durch hüll' up un löp 's morgens net altid so mit 

Wiegen , noch auf sonstige Weise bemerk- de rüge kop herum ; — se is under de hüll' 

stelligt werden konnte; — 'k hebb' hast de 60 kamen; — b) (jig).) Kopf , Schädel od. 

Doornkaat Koolman. Wörterbuch. II. g 



HÜELLE HUELL' 114 HUND 

Wanst etc.; he hed de hüll' ful (er ist he- humpel, hiimpel, hümmel, iV/^ö/ii*»!;, ^u- 

soß'cn); — c) (desgl.) Sinn etc. ; he hed wat höhe, Höcker etc. — cf. emjl. liump (Höcker, 

in de hiiir, mau wat 't is, dut segd he jo Ihtckel). 

net. — Xd. liuUe, hülle; mnd., mnid.hwWQ; humpelen, huinitolii; gebrechlich gehen, 

ahd. hullä; mhd. hülle, hüUe (velameu, Kopf- 5 hinken etc.; — dat humpeld d'r so wat lieu ; 

tuch der Frauen). Zu hüllen, od. mit die- — he mut humpeln. — cf. himp-hampen u. 

sem u. holstt I --« n/j(?. helau etc., (/. 2 hälen. bei Weigand nhd. humpeln, humpen, bz. 

2. hülle. Iiiiir, auvh liülte, kleiner Hit- unser humpen u. humpe. 

gel, Erhöhung etc.; — dat land ligd in hül- humpelcr, liuinplcr, Hinkender, Gebrech- 

leu , b;. in hülten uu büken. Wohl iden- 10 licher etc. — Xld. hompelaar. 

tisch mit hule. cf. indessen auch engl, hili ; hunipcu, schneiden, hauen, kürzen, stutzen, 

ags. hyll od. hill (eollis) ; an., isl. liiaHr, verstümmeln etc. — 3Inld. hompen. cf. un- 

liiall etc. unter ';> hell. tcr hampe das goth. hamfs u. loeiter (bei 

hülleko. hülkc, eine kleine Haube. Di- Weigand) unter humpen u. dazu unser 

min. von 1 hülle. 15 humpeln. 

Iiiilleii, hüllen, decken, bergen, wickeln, huud, Hund. Auch Schimpfwort, lie- 

schleiern etc.; — he hüld lium god in; — dcnsart u. Sprichw.: de 'u hund smiten wil, 

he ferhüld dat. — Xld., muld. hüllen; ahd. kan ligt 'u sten (od. knüppel) finden; — 'n 

huljati, linlhui, hallen; mhd. liüllen; goth. siegten hund, de sui her t'errad; — de luind 

huljan ; as. hulljau. Mit gleichbedeutendem 20 in de pot finden {nach beendigter Mahlzeit 

(ifries. hella, hiella, liala (in hihella etc.) u. kommen); — l)hvfii'nde liunden biten uet; — 

1 liülh' etc. zu ahd. helan, cf. 2 hälen. de hund de sl()])d, bitt nüms; — war eu 

liiillH', hülp, Hilfe od. Hülfe, liath. Aus- hund an pisd, dar pissen se alle an; ^ — wen 

weg, Rettung etc. ; — mit üods hülp ; — ik twe hiinden sük um 'n bunk striden , löpd 

wet gen hülp etc. — Nid. liulp ; nd. hülp; 25 de darde d'r mit weg; — „dat is je 'u huud 

mnd., mtdd. huipe u. helpe; afries. lielpe; fan perd," sä' de junge, do red he up 'u 

wfries. holpe ; as. helpa, lielpe, hulpi ; ags. hatte; — he is gans up de hund kamen (er 

h'lpe ; engl, help ; an. hialp ; dün. hjälp ; ist in seinen Verhältnissen ganz zurilckge- 

alid. hill'a, hilpha, helfa, lielpha, belpfa ». kommen, bz. vollständig verarmt); — eu up 

(einzeln) luilfa; mhd. hilfe, lii-lfe; md. hülfe. 30 de hund helpen (Jemanden dazu verhelfen, 

Zu helpcii. dass er verarmt od. verdirbt etc.); — 't 

hiilit-sel, Hosenträger. schal hum bekamen as de huud 't grasfrä- 

hiilse, Hülse (ilex aquifolium). — Nd., ten; — he is d'r up ferstiferd, as de hund 

m)td. hülse, hüls; nid. hülst; ahd. hulis, up de dode kO; ~ he is bdcend, as de bunte 

hüls (ruscus, myrtus silvcstris, Mäusedorn, 35 hund; — he schudeld 't of, as 'n pudelhuud ; 

Stechpalme, Walddistel). Davon franz. — wen de hund weg is , gän de scliapen 

honlx, lioux etc, cf. Diez, II, 337. aferal; ~ wen de hund drumd, den is 't fan 

hiilsel, Hülle, bz. ein Et^vas, jvorin man brod; — 't half hürd de huiul half; — dat 

ein anderes Etwas hüllt. kumd In de hunden hör wünsken uet to pas, 

liülte, .s. 2 hülle. 40 dat de kalfer starfen; — he hed mi net mal 

liultor, holler; — he kwam liulter-pulter, 'n hund to bade stürd ; — he hed sin egen 

od. hulter di pulter hl de trap heruuder. cf. will', as de hund, wen he in de pütte sitt ; 

lialtei-. — jungens un liundc gan lik dör de weit; 

liuiii, ihm, ihn ; — „dat was hum," sä' — twalf buren uu en inuul sunt dartein rä- 

At-öm, do harr' he 'n rött' bi d' Stert. — 45 kels; — wen 't up is, shin de liunde sük um 

Afries. him ; nid. hem ; ags. hym ; engl, him de bunken ; — se läfen mit 'naiuler, as hund 

etc. Zu he (er.). un hatte; — d'r sunt mer bunte hunden as 

hiuiiiiiol, Hummel. — Nhl. honimel ; ahd. ön; — dar kreid gen hund of hau na; — 

huinbal. Zu liummen — nid. hommcn (hum- de knüppel ligd bi de hund; — dat fet drift 

meii, humsrn, sumsen), cf. mos-imme. 50 bafen, al is 't ök man fan 'n doden hund; 

liummer, liuinber, Hummer, ein grosser — hunde un ädellue makcn gen dür agter 

Seekrebs. — jV/r/., «(/. hunimer ; «». humarr ; sük to; — de 'n hund largt, mut de bat för- 

dän., schiecd. hnmmer; norw. hummar. Mit lef nämen; — de sük für 'n hund ferhürd, 

dem gleichbedeutenden b(t.cämn\ixvusu.griech. mut knaken frätcn ; — kumd man afer d' 

kämaros zur ]/ kam (krümmen, wöWen). 55 hund, kumd man ök afer de stert; — dar 

Iiiimpc. liunil», Tlieit, Stück etc., od. Ecke; gifd 't mer hunde as bunken; — d'r lopd 

— hr liLil (Fr 'n goden hump of bäten ; — gen huud söfcn jär dül , of he word cndclk 

snid hum man 'n dügtigcn hump of; — Nid. schaten; — he is net as 'n hund, de nt de 

honip; 7nnld. (KU.) hompe (pars abscissa kette kumd; — 'n olden hund is kwäd blaf- 

otc). cf. humpeu u. hampe. GO feu leren ; — 't is 'n gemeueu huud fau 'n 



HUND 



115 



HUENE HUEN' 



kerel; — du swmhund, wilt du wol maken, 
dat du fürt kumst? — cf. rOdhuud. — Nd. 
hund; yild. lioud ; afries. hiiiid, liond; satt. 
hund; wang. hmi; ivfrien. huyfa; nfrtes. hün; 
as., ags. huud; engl, höuud ; scJiott. hund; 
an. hundr; norw., scluoed., dän.\\\\i\i\.:, ahd. 
liunt, hund; mhd. hunt; gotJi. hurids. — Es 
wird geivöhnlich mit dem gleichbedeutenden 
skr. qvan, gun u. ^uni ; zend. ciiui ; griech. 
kuöii (Genit. kunös) ; tat. cauis etc. zusam- 
men gehalten, bz. mit diesem von der y ^ü, 
Qva, bz. Qun, gvan (schwellen, sich ausdeh- 
nen, dick u. stark werden, zunehmen, ivach- 
sen, gedeihen etc., cf. Fick, I, 59 u. III, 
78, sowie Grassmann, pag. 1409) abge- 
leitet, indem Fick annimmt, dass das Thema 
hunda von hun = skr. quü, qva,n durch das 
Suffix da erweitert ist. Vergleicht man 
indessen das Thema hunda von hundei'd, 
bz. dass dessen „d" od. „t" auch einem 
urspr. „t" entspricht, sowie dass das germ. 
hund ganz allein für sich steht , so könnte 
man leicht zu der Ansicht kommen, dass 
beim Vergleich des goth. hunda (hundert) = 
lat. centum, griech. katon (in 'ekatou), skr. 
Qata, zend. gata, 2^a>'s. cat, kurd. qad, cambr. 
caut etc. auch germ. hunda (Hund) aus einer 
idg. Grdform kata, kanta, od. kata, kauta 
hervorging, die ausser den obigen Wörtern 
auch dem goth. handus, sowie dem unter 
hand (cf. dieses) erwähnten goth. hinthan 
(capere) etc. zu Grunde liegt u. deren y kat 
od. kat entweder eine blosse Weiterbildung 
einer aus ak od. ak umgesetzten y ka od. 
ka ist, od. als Denominativ von zu ka, kan, 
hs. ka etc. gehörendem kata etc. angeschen 
i werden muss. Wegen ka od. ka (schärfen, 
wetzen, erregen etc.) aus ak od. ak vergl. 
\ lat. cätus zu acus etc. (cf. agge, egge etc.) 
] u. Alles was Fick (I, 4 u. II, 4 etc.) un- 
! ter ak, bz. ak anführt, soioie dass die Be- 
dtgn. : schürfen u. erregen, bz. scharf, spitz 
etc. aus der Grdbdtg.: bewegen, od. ge- 
hen hervorging u. dass sich hierccus auch 
die Bedtgn. : kommen zu, erreichen, greifen, 
fassen, nehmen, zu sich nehmen, essen (cf. 
' zend. a§ in der Bedtg. : erreichen, erlangen 
etc. u. essen etc.), sowie weiter aus : be tv e- 
gen vor, dringen vor etc. auch die 
von: scharf, spitz, bz. vorragend etc. ent- 
wickelten, ivobei es dann auch ivohl gestat- 
tet ist , für die germ. (u. soiveit auch an- 
dere idg. Formen damit connex sind) Wör- 
! ter: haud, handa, hinthan etc. (s. unter hund) 
jl u. hunda (Hund), hunda (Hundert) eine aus 
ka od. ka = urspr. ak od. ak entstandene 
y kat od. kat (mit der Nebenform : kath, 
kad etc., cf. Fick, I, 56) aufzustellen, die 
j eben aus der Grdbdtg.: bewegen (sich od. 
' ein Anderes) auch die Bedtg. : erreichen, 



greifen etc. u. dann weiter auch die von: 
fangen, fest halten u. fest machen, fesseln, 
binden, vereinigen etc. entivickelte , wonach 
dann Hund als der Greifer od. Fan- 
5 g er etc. u. hunda (Hundert) als urspr. eine 
Vereinigung u. Masse, Menge, Viel- 
heit etc. aufgefasst sein könnte, wie dies 
bereits unter liand (s. am Schlüsse) ausge- 
führt tvorden ist, ivobei zu dieser Bedtg, 

10 von hund (als Greifer etc.) auch lat. catus, 
catulus etc. zu vergleichen sind. 

liunde-biten, Ilundebeissen ; — Redensart : 
dat geid um, as 't hundebiten. 

hunde-blöme , a) Hunds- Camille ; — b) 

15 Löwenzahn, sonst (Norden u. Umgegend) 
auch perdeblöme genannt. 

liunderd, a) hundert; — b) Hundert. — Be- 
densart: de büdel in 't hunderd jagen (die 
Wirthschaft od. Geschichte etc. ins Wilde 

20 jagen, die Einigkeit stören , Zwietracht u. 
Verwirrung hervorrufen etc.). — Afries. 
hundred , liunderd , hondert ; as. hunderod 
etc. Wegen der Weiterbildung von goth. 
hund ; ahd. hunt ; as. huud (centum) vergl. 

25 Grimm, Wb. unter Hundert. Wegen 
hund, bz. hunda = centum etc. s. unter 
hund u. hand. 
Imndje, Hündchen. 
Imndje-draf, kurzer Trab, Trab nach Art 

30 kleiner Hunde. 

liundjeii, a) kurz traben, traben nach Art 
kleiner Hunde; — b) schwimmen loie ein 
Hund. 
lumds-tunge, od. liundetunge, lanzettblätt- 

35 riger Wegerich. 

hiine, heue, kenne (Todter, Leiche?), cf. 
henuekled u. hünenbedde. 

hiine, hün', grosser starker Mensch, Biese 
etc. ; — 't is 'n hün' fan 'n kerel. — Mnd. 

40 hune (dasselbe); nd. hiine; ahd. hiin ; mhd. 
hiune ; md. hüue (dasselbe u. auch : Hunne, 
Ungar). — Wie bereits unter henneklöd er- 
XV ahnt , ist es sehr fraglich, icelche Bedtg. 
dieses Wort urspjr. hatte, bz. ob nicht (von 

45 y kun, verwesen etc. ausgehend) die Bedtg. : 
Leiche, od. Gestorbener , Todter 
etc. die urspr. war u. dass dann später (von 
der Vorstellung des Biesenhaften der 
Hünen-Gräber u. des Schreckens etc. 

50 den die unter Attila in Europa einfallen- 
den Hunnen-Schaaren verbreiteten, ausge- 
hend) bei der lautlichen Aehnlichkeit von 
hiune od. hün, hiine mit hunne (dem 
Volksnamen der Hunnen) das anscheinend 

55 schon ältere hiune u. norddeutsche heune, 
hene (cf. beden = goth. biudan von y bhud) 
sich nicht blos lautlich, sondern auch be- 
grifflich damit identificirt hat. Vergleicht 
man übrigens den Umstand, dass die haupt- 

60 sächlich in Norddeutschland od. Nieder- 

8* 



nUENE HUEN' 



116 



HUNK 



deutschland vorkommenden H ü n en- Gr ä- 
ber im Ganzen zu der Anzahl der Gestor- 
benen verhält nissmässi;] selten vorkommen, 
bz. dass es Jedenfalls nur Personen van be- 
sonderem Ansehen «. sehr hervorrajender 
Stellung gewesen sind, die in einem Hil- 
nengrabe bestattet sind u. für die man es 
der Mühe icerth erachtet hat, ihnen ein 
sog. Hünenbett od. Hünengrab (d. h. ei- 
nen turaulus mit inwendig aufgerichteten 
Stein - (Quadern u. darüber aufgeschütteter 
Erde) )nühsam zu erricliten, so muss man 
fast annehmen, dass es nur die Könige 
od. Geschlechts- Aeltesten, bz. Stammväter 
des Geschlechts, od. Jedenfalls doch nur die 
Hau.fherren u. Familienväter ivaren, welche 
in solchen Hünenbetten begraben sind. Ist 
dies nun aber richtig, so würde möglicher- 
weise das Wort liiune , hüne in hüuenbed 
mit ahd. hiwo, hio (Gatte, Plur. hiixn etc., 
s. unter hilk) conne.r sein können u. ein 
huucn-bed od. hiinen-graf urspr. u. zunächst 
ein (rrab des G attc n od. Ma nnes u. 
Familienvaters bezeichnet haben, zu- 
mal ma)i auch annehmen kann, dass von 
hiüu = an. lijön, lijiin (Familie) auch ein 
hiiiiio, od. hiune mit der Bedtg.: Familien- 
Person (bz. Hausherr od. GescMechtsvater 
etc.) weitergebildet ist u. dann später dieses 
hiune mit dem formell nahezu stimmenden 
liune od. hunne (Hunne od. Ungar) ver- 
wirrt wurde. Da nun aber ferner die Grä- 
ber der hiunen od. Gatten u. Familien- 
rat er sich Jedenfalls durch ihre Grösse 
vor denen der Frauen u. des Gesindes (bz. 
der Hörigen u. grossen Ma.'^se des Volks) 
ausgezeichnet haben, so war es auch leicht 
möglich, dass die Hünen grab er (als 
urspr. Gatten- od. Hausherrngräber) auch 
bei der Nachicelt wieder die Vorstellung 
erweckte, als ob daselbst Biesen begraben 
seien u. dass hievon das Wort hüne selbst 
wieder die Bedtg. li iese erhielt, zumal Ja 
auch früher die Ansicht im Volke allgemein 
verbreitet war, dass vordem ein riesen- 
haftes Geschlecht die Erde bewohnt habe 
u. auch die zum Theil aus grossen u. mäch- 
tigen Steinen errichteten Hünengräber selbst 
auf ein grosses u. .starkes Geschlecht als Er- 
bauer derselben liinzuweiscn schienen. 

Zum Schlu.'ise sei zu liünebod, bz. nid. 
Imnnebed noch die Frage aufgcicorfen, ob 
dieses Wort auch mit mnd. hunne, honne ; 
ahd. liunno (centenarius, d. i. Vorsteher einer 
Hundertschaft, von ahd. hunt etc. in 
der Bedtg.: hundert, s. tinter hund) con- 
ne.c sein kann u. ein hunnebed ursjyr. das 
Bett od. Grab eines liunno, od. centurio, bz. 
eines Hauptmanns, Befehlshabers, od. Rich- 
ters u. angesehenen Mannes bezeichnet habe, 



wobei es ja auch möglich ist, dass der Volks- 
name der Hu n n e n sich später auch hie- 
mit wieder begrifflich verwirrt hat, nament- 
lich in Bezug auf die Hünenbetten. 
5 hiinen-bed od. hlinen^raft, Hünengrab. 

— Xld. (provinziell, z. B. Groningen, Drenthe 
etc.) hunnebed ; 6'. unter hüne u. hennekled. 

Uunger, Hunger, heftiges Verlangen od. 

Begierde, bz. Bedürfniss nach Speise. — 

10 Redensart, u. Sprichw. : he hed hunger as 

'n wulf; — hunger mükd raue boneu s6t. 

— Xd. luinger; nid. honger; africs. luinger, 
honger ; wfries. honger ; as. liungar, hunger ; 
ags. hungor, liungur, hunger; engl, schwed., 

15 dän. hunger; an. hungr; ahd. hungar, hun- 
kar, huncar, hunger; mhd. luinger; goth. 
huhrus, statt hugr-us (cf. tintcr hungern das 
goth. huggrjau u. ferner goth. mäht = magt 
von magan), ivas ich als ausschliessliches 

20 germ. Wort lieber direct von goth hugjan, 
bs. ahd. huggan, hugan etc. ; as. huggjan 
etc. in der Bedtg.: verlangen, begehren etc. 
(cf. bogen M. hugen) ableite, als dass ich es 
mit Fick (cf. III, 78) zu der mit kuk 

25 (krümmen etc., cf. I, .36) identischen y kunc 
(zusammenziehen etc) stelle. 

hungeren, hungern, hungern, heftiges Ver- 
langen od. Bedürfniss nach Speise haben, 
schmachten etc. — Nd. hungern ; nid. hon- 

30 gern; afries. hungera, &^. hungerja; ivfries. 
hongerjen ; as. hungrjan; ags. hyngran, hin- 
gran ; engl, hunger; an., norw. hangra; dän. 
hungre; ahd. (hungarjan), hungiren, hunge- 
ren, hungerön ; mhd. hungern ; goth. huggr- 

35 Jan. Auch das nid. houkeren , bunkeren 
(was dieselbe Bedtg. hat, wie unser buchten, 
huchtern n. hugen) ist wohl von hunger, 
bz. ahd. hunkar abgeleitet u. sotuit mit hun- 
gern von Hause aus identisch. 

40 hnngerig, hnngerg, hungrig. 

hunger-lider , Hungerleider, armseliger, 
elender Mensch etc. 

hunk, a) Ecke, Winkel, heimliche, ver- 
borgene Ecke, sicherer Aufenthalt, Frei- 

45 .Stätte, Asgl etc., z. B. bei manchen Kinder- 
spielen als krigerspolen, kn'ipafersid etc., wo 
derjenige, welcher icieder in hunk ist, von 
dem betr. kriger od. Greifer nicht mehr ge- 
fasst werden darf u. frei ist; — b) Stelle, 

50 Stätte, Platz etc., od. Haus etc. ; he wil net 
fan hunk; — he geid bold tan hunk. — Im 
nid. bedeutet honk sowohl eine Stelle od. 
Ecke, von wo man ausgeht, als auch die 
Stelle od. das Ziel u. ausser. "ite Ende, wohin 

55 man zu kommen trachtet, bz. das Asyl, ico- 
hin ma7i flüchtet etc., u. wird es daselbst 
auch in der Bedtg. : Ruheplatz , Haus etc. 
gebraucht, wie denn auch Jap ix das tofries. 
honcke, honck mit: Haus, feste Verbleib- 

60 Stätte, Stätte wo man sich sammelt od. wo- 



HÜNK-SMITEN 



117 



HURTJE-DRAF 



I 



hin man flüchtet, Zuflucht, Schutzort, siche- 
rer Verbleib etc. übersetst. Vcrr/leicht man 
nun diese sämmtlichcn Bedlgn. , so liegt es 
sehr nahe, um bunk, lionk als eine Neben- 
form von buk, liok (Stall, Stätte, Koben 
etc. od. Winkel, Ecke etc., wo man Etwas 
sicher stellt) anzusehen, zumal da dieses 
Wort mnld. u. mnd. fehlt u. also wohl neue- 
ren Ursprungs ist. 

hank-siiiiten, s. unter kci. 

hünsken , durch sanfte freudige od. Icla- 
gende Töne seine Freude od. sein Verlan- 
gen äussern, loie dies von Hunden, Pferden 
etc. durch leises Bellen n. Winseln od. wie- 
hern etc. geschieht ; — de liund (bz. dat i^erd) 
hünsked al, wen he (bz. 't) rai mau hörd. 
— Nd. (Br. Wb.) liienskea; wang. hüuskje. 

hup. Ausruf mit der Bedtg. : auf, empor 
etc., z. B. wenn man ein Ki)id od. eine 
Last etc. in die Höhe hebt u. ivorauf setzt. 
cf. hop und huppeln, huppen etc., sowie 
jup etc. 

hupen, häufen; — hüpd, od. hupt, ge- 
häuft; s. hop, hopen. 

hii-perd, hüperdje ; i. q. hotperd. 

hüpken, Dimin. von huppen; — he hüp- 
ked d'r hen. 

huppeln, hoppeln, hüppeln, Freq. von: 

huppen, Juipfen, springen, sich in die Höhe 
erheben etc.; — he hüpp'd d'r up. — Ägs. 
hoppan ; mhd. hupfen, huppen, huppen, hop- 
fen, hoppen. Von einer germ. y hup, huf 
= idg. kup, cf. 3 hop etc. u. Fiele, III, 77. 

hup-sa, Hopsa. Interject. loie hup. 

hül'-bur, Pachtbauer, Bauer der einen 
Platz auf eine bestimmte Anzahl Jahre ge- 
gen Zahlung einer bestimmten Summe ge- 
pachtet hat. — Sprichw. : 'n hurbür Sünder 
geld, is 'n def an 't feld. 

hurdel, s. hurrel. 

hiire, liür, Heuer, Pacht, Pachtgeld, 
Miethe, Miethlohn; Dienst etc.; — land in 
hur od. to hur ütdön; — he mut dar 'n 
dügtigen hur betalen; — de pläts deid per 
dimd 17 riksdaler hur; — he hed 'n goden 
hür kragen (d. h. a) er hat eine gute Pacht 
od. Miethe bekommen, — u. b) er hat einen 
guten Dienst bekommen) ; — he is in d' 
hür gän. — Wenn Jemand in die Ehe geht, 
so wird von ihm scherzhaft gesagt: he is 
in de lange hür gän. — Nid. huur ; mnld. 
huere ; mnd. hure ; afries. here ; wfries. hiere ; 
satl. hire ; ags. hyi- ; engl, hire ; norw., schwed. 
hyra; dän. hyre. 0. Schade stellt dieses 
Wort (cf. md. huren) mit an. hyrr (warm 
etc.) zusammen, ohne sich indessen auf 
die begriffliche Verivandtschaft von hüre 
u. hyrr einzulassen u. verweise ich dieser- 
halb auf das unter hilk (s. daselbst sub d) 
Gesagte. Vergl. auch H. Leo (594) unter 



hyr die Bezugnahme auf an. hyra, od. hj'ri 
(gratificare), weil man hüre od. ags. hyr etc. 
aucli so deuteyi kann, dass es urspr. blos 
die Bedtg.: gratificatio Jiatte. 
5 liiiren, heuern, pachten, miethen etc.; — 
'ii pläts od. folk hüren ; — he hed de pläts 
W(!r inhürd ; — he hed sük bi 'n andern in- 
hürd. — Nd. huren; mnld. hueren; nid. 
liuren; afries. hera; ags. hyrian; engl. 

10 hire ete. 

hurke; i. q. büke. 

hür-plats, Pacht-Platz, Pachtgut, Platz 
od. Hof, der verpachtet ist. 

hurra, hurrä, hurrah. Die von hur, od. 

15 hurr (s. unter hurrel am Schlüsse) weiter- 
gebildete Interj. = schwed. hurra. 

hurrel, hurdel , Windsbraut , sausender 
Windstoss, Wirbelwind; kurzdauernder Lärm 
u. Zank etc. ; — d'r kwam mit 'u mal so 'a 

20 hurrel up, dat man hast gen stau holden 
kun' ; — 't was man so 'n hurrel, de tüsken 
hör ütbrök; 't kwara bold wer toregt; — 
he kreg so ^n lütjen hurrel (zorniges Auf- 
brausen, bz. einen kleinen Zorn-Anfall) in 

25 de kop. — Nid. borrel (Stoss, Puff; klei- 
ner Zank etc.). Der Stamm hur od. hurr 
ist ein lautmalendes Wort, ivelches zunächst 
ein dumpf hallendes Geräusch od. einen 
dumpif schwirrenden, surrenden Ton, bz. ein 

30 surrendes u. schwirrendes Geräusch bezeich- 
net, dann aber auch, tveil dieser Ton durch 
rasche Bewegung der Luft, eiligen Flug 
eines Pfeils, od. rasches Auffliegen von Vö- 
geln (z. B. von Bebhühnern) etc. entsteht, 

35 loeiter in die Bedtg. des wilden Eennens u. 
der eiligen Bewegung, bz. des Stürmens etc. 
übergeht. — Zu diesem Stamm hur u. hurr 
gehören demnach: mhd., nhd. hurren (sich 
rasch, bz. sausend u. schwirrend bewegen) ; 

40 nhd. hurri (Zusammenstoss ; Zank, Streit) 
u. hurlen etc. (cf. Grimm, Wb.), wobei 
es nicht ausgeschlossen ist, dass selbst auch 
in „Horniss" der Stamm bor, hur steckt 
u. dieses Thier (ähnlich ivie Hummel von 

45 hummen (humsen, summen, sumsen) seinen 
Namen von diesem lautmalenden Stamm 
hur od. hurre hat, worüber unter börnetje 
das Weitere zu vergleichen ist. Zu hur, od. 
hurr , wovon auch engl, hurly (Tumult etc.) 

50 u. Schott, burl (the act of scolding) ; schwed. 
hurra (schwirren; Hurrah rufen), hurra 
(Freudengeschrei, cf. hurra) etc. cf. (Bopp, 
Gloss. comp.) die f kur (sonare). 
hurreln, hurdeln, brausen, sausen, wir- 
bt» beln, in iviederholten kurzen Stössen stark 
wehen etc. ; — de wind faugd an to hurreln. 
— Engl, burl (strudeln, loirbeln, heulen). 

hurrel-wind, ein brausender Windstoss, 
eine Windsbraut. 

60 hurtje-draf, ein kurzer, schneller Trab, 



HURT JEN 118 HUSKE HUESKE 

bz. eine stossweise erfolgende Fortbetcegung. Bobrik, naut. Wb.) huising; mnd. husinge, 

Vergl. das folgende : husinch. — Zu hisen = nid. hijzen (ziehen 

hurtjen, sich m-^ch stoss- od. S2)ri(ngiceisc etc.) stimmen die Formen nicht n. kann es 

bewegen, in einem kurzen schnellen Trab deshalb dazu nicht gehören, wohl aber zu 

gehen od. reiten ::. fahren; — he hurtjed 5 einem Stamm hiis od. hi'ise , wobei indes- 

d'r hen. — Dasselbe wie liotjen, indessen scn a)i eine Fortbildung von hüs (Haus) 

damit rcohl unverwa)idt, da es eher mit engl. schwerlich zu denken ist. Eher scheint es 

hurtle, stossen etc. (ron hurt, stossen, ver- mir möglich, dass es ein urspr. von Schif- 

letzen etc.); 7nhd. liurt, hurte (stossendes fern u. Fischern gebrauchtes u. gebildetes 

Losrennen) , hurten (stossend losrennen, 10 Wort ist, iceil es nur bei den seefahrenden 

stossen) ; nid. hört (kurzer Stoss) , horten Völkern der Nordsecküste vorkömmt. Sollte 

(stossen); mnd. liurte (Sto.ss, Anprall), hur- daher hüsing od. husiuge etc. nicht urspr. 

ten (stossen) verwandt zu sein scheint u. diejenige dicke u. starke Leine bezeichnet 

tcohl ein Freq. od. Iterat. von Letzterem ist. haben, ivomit die huscn od. Ha u s en (= 

Von hurt ist auch icohl nhd. hurtig wei- 15 (did. hüso; mhd. hüso [der Fisch acipenser 

tergebildet. Von \\WTt, >>:. kelt.,kgmr.\\\svCi\\ huso]; mnld. liuys [antacacus, csox etc.); 

(Stos.y , hyrdhu , liyrdliio (blossen) entstand mnd. huson [cchymus]; norw. hysa [gadus 

(Diez, I, 4.34), ital. urfare; prov. urtar; ae.Lrlcfinus] etc.) gefangen wurden, zumal da 

franz. heuvter; afranz. hüTtcr (stossen); ital. diese „husen'' genannten Fische gross u. 

urto; franz. heurt (Stoss) etc. 20 schwer sind u. also auch ein starke Leine 

hüs, Haus. — Redensart, u. Sprichw. : erforderten ? 

wen man wat fan hum hcbben wil , den is hiisen, hausen; — a) Haus od. Wohnung 

he sin läfend uet to hi'is; — schone husen haben, wohnen, sich aufhalten etc.; — b) 

ferdenen gen geld; — 'n lu'is ful doLCters is unrthschaften etc. ; — c) Haus machen, bauen 

'n keller ful sür ber; — 't is 'n diihnaiiswark, 25 etc. — Compos.: ierhiisen, die Wohnung od. 

wen man gen bas in sin egen hüs is ; — den Wohnort wecJiseln , verziehen etc. ; — 

wat deid man mit 'n hüs, wen man gen wif umhüsen, umzielicn etc. 

hed; — he is aferal to lu'is; — he is dar hfisen-blase, Hausenblase, d. i. Leim aus 

ni't in to hüs; — he hed 'n infal as 'n old der Luftblase der Hausen u. anderer ver- 

liüs; — wel kau für 'n unglük, wen 't hüs 30 icandten Fischarten. Wegen „Hausen'' s. 

ful is. — Africs., as., ags., ahd., mhd., an. Weito-es unter hüsel. 

hüs: irfries. huwz ; nfries. hüss ; )td., dän. hüsen-büsen-saterdag, Je;- .Sow^o/^c/kZ iw 

hnus; idd. huis; engl, house; norw., schived., Ostern, als der Tag, tco es im Hause sehr 

Schott, hus. — F ick (IJI, 70) vergleicht es eilig, unruhig u. stürmisch hergeht, toeil an 

zu skr. kosha (Behälter etc.), deren richtige 35 diesem Tage an Haus u. Hof die letzte 

Form kofa indessen eine y kiu; (umschlics- Hand gelegt wird, damit am Osterfeste alles 

sen, umfassen etc.) voraussetzt , die strenge rein u. blank ist. — Fs ist aus hüsen in 

genommen zu liüs nicht stimmt. Da in- der Bedtg.: „wirthschaften" u. h\i?,cn in der 

dessen die y ku^- (cf. Benfeg) auch in von: stürmen, eilen etc. u. saterdag (Sonn- 

der Form kus vorkömmt, so würde luis hiebst 40 cdjend) zusammengesetzt, 

an. hauss (Schädel) etc. hiezu stimmen u. hüs hüs-festing, hfisfesten, Obdach, Wohnung, 

demnach ursjtr. ein ein- u. umschl ies- Unterkunft etc. — Nid. huisvesting. 

send es Etwas bedeuten. Möglich ist es liüs-gorrid. Hunsgcräth, Mobiliar, 

indessen auch, dass das Thema luisa od. hüsliold. IlaushaU. 

hüsa mit hüd zur y sku (bedecken, um- 45 hi'ishüldcii, hi'ishollon, haushalten, rcirth- 

scliliessen etc.) gehört. schaften etc.; — lir Cersteid net to hüshol- 

lius-bakkpn, hausbacken ; — n) zu Hause den; — mit de minsk is gen hüsholdeu mit 

od. selbst gebacken; — hüsl)akken l)röd; — (mit dem Menschen ist kein Haus zu hal- 

b) gewöhnlich, (dltäglich, philisterhaft , tri- ten, bz. nicht mit zusammen zu wohnen u. 

vial etc. ; — 'n büsbakkeu kerel. 50 zu toirthschaften, od. nicht gemeinschaftlich 

hus-bnnjer, Einer, der das Haus hüten, zu verkehren u. umzitgelicn). 

bz. dnheiiii bleiben viuss , icenn die andern hüsholder, hushollei', Haushalter, Wirth- 

Hausgcnossen ausgehen u. sich ein Vergnü- schafter etc. 

gen miK hen. hi'isholdorskc. Iiftshollerskc, Haushälterin, 

hi'is-diir, Hnustliür. 55 Wirlhsckafterin. 

hiisol. hiisoliii, liiiseln, busling, dicker, hüsh(»l(ling, liüsholdcn , Haushaltung, 

starker Bindfaden , dünnes festes Seil od. Wirlhsi hnft. 

Tau, dünne Leine. — Nfries. hüsing, hüs- liüs-lmlt (llausholz) , hölzerner Todten- 

ling; .y////. hysom; r/rj«. Iiy-sing, liy>sing; norw. sarg. — Auch bei ('ad. Müller. 

hyssing; engl, housing, houseline ; nid. (rf. 60 liiiskc. hüske, huskeii, liüsjc, hüsje, a) 



HUS-LAGE 119 HUEVE HUEVEREN 

Häuschen, od. kleines Haus; — 'n lütjet — he hütseid d'r al mit horum; — ho hüt- 

hüske, od. hüsje ; — Compos. mai-hüske, sohl mi to föl um od. herum (er Meibt nicht 

raaihusje, (Laub-, Garten-Häuschen. , Gar- ruhig sitzen, — setzt sicJi zu viel u. zu oft 

ienlaube. — Sprichw.: elk hfisken hed sin von einer Stelle auf die andere, — bz. wech- 
krüsken; — 'n hüskeu klen uii dat allc'n ; 5 seit zu oft seinen Wohnort od. sein Geschäft, 

— b) Abtritt, Abort, auch gemak, od. beste — loirft sich bald auf dieses, bald wieder 
kamer genannt; — he sitt up 't hüske to auf jenes Geschüft etc.); — he hütseld all' 
brillen; — c) Kernhaus des Obstes; — de ögenblik um; — de meid hütseid im to föl 
appel hed so 'n grot hüske; — d) Futteral; (wechselt den Dienst zu oft, bz. hält nir- 
cf. brilhuske = Brillen- Futteral; — e) Tute, 10 f/cnds lange aus etc.), sülke wichter kan 'k 
od. Dilte; — 'n hüske mit rosinen; — he in min lu'isholding net bruken. cf. umhüt- 
deid dat in 'n papiren hüske; — f) der sein. — Nid. liutselen. Freri. von liutscn, 
Raum zioischen den auseinander gehaltenen hotsen, cf. hotten, hotjen. 

Knieen, wenn man sitzt, bz. der Schooss 2. hütseln (Subst.) , ein Spiel um Geld, 

einer niederhockenden Mutter, wohin kleine 15 loobei die von zwei Theilnehmern zusam- 

Kinder sich flüchten u. bergen ; — wel kumd mengelegten Münzen von einem derselben 

erst in min hüske? zwischen den beiden aufeinander geschlos- 

hüs-lage, Abgabe, die auf einem Hause senen Händen längere Zeit geschüttelt (hüt- 

liegt. cf. Umlage. seid) u. dann rasch in die Höhe geworfen 

hus-lök, Hauslauch (serapervivum tecto- 20 werden. Diejenigen der auf die Erde fal- 

rum, od. sedum majus). lenden Münzen, tvelche mit dem Wappen 

hfisnian (Plur. hüslüe) ein dem mittleren od. dem Bildniss nach oben liegen, ge- 

Bauernstande (ein Bauer auf einem pläts hören dem hütseler od. Schütteier, loährend 

od. Hof in der Marsch wird nie hüsman, die mit der Schrift nach oben gekehrten dem 

sondern stets einfach biir genannt) ange- 25 anderen Mitspneler zufallen, 

hörender Hofbesitzer, od. Besitzer eines mit- hiitspot, a) ein Gemenge verschiedener 

teigrossen Bauernhofes, namentlich auf der kleiner Fleischstücke, bz. die Fleischabfälle 

Geest. — Sprichiv. : pantje warm ! pautje der geschlachteten Thiere, welcJie zusammen 

warm ! mäkd meunig hüsman arm. in einen Topf geioorfen u. darin eingesalzen 

Der Plur. hüsKie (Hausleute) hat übrigens 30 werden; .— wi hebben nog wat hütspot in 

auch die Bedtg. „Hausgenossen", cf. auch de keller stän, dar kanst du to tan middag 

warfsman. wat fan in de röfen kaken; — b) ein Ge- 

hfismans-beslag, das Wirthschafts- luven- misch od. eine Sammlung verschiedener Ge- 

tar eines hüsmans. genstände, die keinen grossen Werth haben, 

hua-rdi, Hausrath, Hausge7-äth. — S2}rich- 35 bz. ein Mischmasch von Sachen; — he hed 

wort : 'n kwad wif is 't slegste stük hüsräd de ganse hütspot för 'n bitjo geld köfd ; — 

wat ömand hebben kan. dar best du de ganse hütspot. — Nid. huts- 

hiit, s. hütte. pot; engl, hotchpotch , hodgepodge, hogge- 

liiiting, Eothschtoänzchen (sylvia phoeni- pot. cf. bot in der Zusammenstellung mit pot. 

curus). — Nd. (Dann eil) hütik, hüting. 40 MtU,h\it(masc.), Hütte, kleines, geringes, 

hutje, Imtjedraf; i. q. hotje, hotjedraf. ärmliches Haus, bedeckter Schutzort etc.; — 

1. hütje, kleine Hütte. Dimin. von hütte. he wand dar in so 'n lütjen hütte; — he 

2. hütje. Dieses in der Zusammenstel- böed sük 'n groten hüt ; — 't sunt all' emer 
hing mit mütje gebrauchte Wort ist loahr- hütten, de up 't mör bi de swarte weg stän. 
scheinlich identisch mit 1 hütje, da unter 45 Compos. erd-, stro-hütte etc. — Ahd. hutta ; 
„hütje un mütje", od. „hüfje mit mütje** das mhd. hutte, hütte; nd. hütt; nid. hut; mnld. 
ganze Hauswesen , bz. der ganze Haus- hutte ; engl, hut ; norm., schiocd. hytta ; dän. 
stand, od. auch dasselbe, loofür der Deutsche hytte; franz. hutte; span. huta — Das ahd. 
den Ausdruck „Kind u. Kegel" gehraucht, hutta (loas später ins nd., nord. etc. ein- 
verstanden wird, wie z. B. in der Redens- 50 drang) loird vielfach mit hüd, hüs etc. von 
art: se trekken mit hütje un mütje weg; — der y sku (decken, bedecken etc.) abgeleitet, 
he jagd hütje mit mütje to de dör herüt etc. während Fick (III, 7S) es zu skr. kuti 

— Im loang. sagt man statt dessen: hütti (Hütte, Halle, Schuppen), kuti (Hütte), ku- 
mit mütti u. auch nd. (Dähnert etc.) u. tira (niedere Hütte), kuteva (Hidte) etc. ver- 
mnd. (Seh. u. L.) ivird hüt un müt, bz. 55 gleicht, ivelche Wörter mit skr. kuti (Krüm- 
haite MW mutiQ in derselben Bedtg. gebraucht. mung , Biegung, Wölbung etc.) loohl (cf. 

1. hiitselii, schaukelnd hin u. her bewe- kamer u. unter kate) zu. der ]/ kut, kötati 
gen, schütteln, hin u. her werfen, von einer (sich krümmen etc.) gehören. i' . ■u. 

Stelle auf die andere bringen, die Stelle liiive, hüveren, liUvern, liiiyei'ig- >etc., s. 

(Sitz, Wohnung, Dienst etc.) ivechseln etc.; 60 hüfe, hüfereu etc. ,^.iji '\'.w ;..; 



120 IDEE 



I 

(der Vocal). 

Die Wörter, welche mit dem Vocal „i" etc. hervorgegangen u. gehört das Wort idel 

anfangen, trenne ich deshalb von den mit mit ahd. cit (rogus, ignis), eitar (Gift etc., 

dem Halbvocal od. Consonantcn J" hegin- cf. atter) etc. «. griech. aithö (brennen) 

nenden, iceil da.'f ^" sehr häufig aus ursj^r. zur }' idh, iudh, brennen, glänzen, schei- 

«g" (cf. jicht = Gicht, — jid = gat, — 5 ucn etc. 

jegen = gogeu etc. etc.) erweicht ist. Dass ider, jeder; ideren, Jedermann. — Nid. 
aber tiament'ich die mit langem „i" begin- ieder; afries. eider, aidor, äthor, äder, eidar; 
nenden Wörter oft auch mit einem J" aus- wfrics. yder; engl, either; ags. aegdher. 
gesprochen werden, hat darin seinen Grund, Mhd. ieder, ider; contrahirt aus mhd. iwe- 
iceil in diesem Fall das lange „i" aus zwei 10 der, icweder = ahd. eohwedar, coweder, 
urspr. verschiedenen Vocalen entstand u. zu ioweder. Das ags. aegdher indessen aus 
einem meist gedehnten „[''-Laut contrahirt, aeghweder u. das afries. eider etc. atcs aie- 
od. dass das „i" vor einem andern Conso- hwcdcr, cf. v. liichthofen, afries. Wb.,700. 
nannten zu J"* tcurde , wie aus den nach- Das ags. aeghweder ist wohl Zusammen- 
stehenden Wörtern das Weitere zu ersehen 15 Setzung aus ao -j- ge -|- hweder u. scheint 
ist H. auch unter ^j" verglichen werden mag. demnach das afries. aiehweder für ü -|- ge 

Dass übrigens auch der Vocal „i", eben- -f- hweder zu stehen, tvo a, ac mit ahd. 

sowohl wie die andern Vocale , ein sehr eo, io = nhd. je (= e in emaud) identisch 

schwankender Laut ist u. immer icar , ist u. das ge im ags. eagehweder die Vorsetz- 

ghichfalls aus den unter diesem Buchstaben 20 partikcl ge ist, die auch im nhd. je glich 

aufgeführten Wörtern ersichtlich, sowie auch (= ahd. eogalih, cf. elk) steckt, 

aus ihn Wörtern, icorin derselbe als Inlaut Das Wort Jeder ist daher identisch 

erscheint. mit j ewe der. Was je, bz. ahd. eo, io 

Iho. Ibe. Ilibe, ml. Name. Davon Geschln. etc. ist, ist unter 7 Ji, ('maiul u. 2 et zu er- 

Ibon, Ihben u. Ibeling, icelch Letzterer in- 25 sehen. Das ahd. hwedar = goth. hvathar 

dessen auch als ml. Name vorkömmt. (nhd. weder) loird zwar als Frage-Prono- 

Derselbe ist wahrscheinlich mit Ebo nahe men in der Bcdtg. : toer von beiden, od. von 

verwandt, sowie dieser mit Abbo etc. u. ge- zweien etc. gebraucht. Da indessen nhd. 

hören desgl. auch vielleicht die Namen: toer (cf. wel) nur die Bedtg.: einer, eine 

Ippo, Jibbo, Jabbo etc. dazu. 30 unbestimmte Person, irgend Jemand etc. 

cf. bei För Stern ann unter II), der (d'r is wel west = es ist Jemand da gewe- 

auch eine Verwandtschaft dieses Stammes sen) hat, so heisst hweder eigentlich soviel 

mit dem Stainm p] b ((. Ab für möglich hält. als: einer von zweien u. da eo, io die 

icht, ichts, jichts, ichtens, ihts etc., ir- Bedtg.: je, immer, eicig, dauernd, ununter- 

gend, irgends, irgend tcas, etwas etc.; s. ets. 35 brocken, in einem fort, stetig, stets etc. hat, 

iddelk, .s. eddelk. so bedeutet eo-hweder soviel als: immer od. 

Ide, ml. Name. Wohl gleich Edo; s. d. stetig einer von zweien. Insofern als nu)i 

u unter Ibo ivrgen des Vocalwechsels. cf. aber in der Bede „dass einer von zweien 

auch Förstemann unter Id, wozu auch immer etwas thut od. gethan haben kann" 

Idsc ('s. d.) gehört u. wonach beide Namen 40 auch die Voraussetzung liegt, dass alle 

der y idli, glänzen etc. entstammen können. beide (od. jeder von ihnen) inimer u. 

iiIpI,^ eitel, leer, nichts als, blos etc.; — zugleich etwas thun, so bildete sich aus 

dat is ulel sfrö, das ist leeres Stroh, bz. je od. immer einer von zweien (= 

nichts (ds Stroh; — dat sunt al man idele ahd. eo-hwedar u. nhd. jeder) der Begriff 

worden, war 'k iiiks up gute; — 'n idel ge- 45 von: alle beide, jeder von beiden, 

spgge (i'in eitles od. leeres, unniäzcs Ge- jeder von allen, Jedermann, alle 

rede); — he word so v\v\ (eitel, dünkelhtft, od. Jeder ohne Unter schied, einer 

/inß'ärtig, prunksüehtig etc.). — Davon : t'ev- so gut als der andere etc. aus. cf. 

idelii (vereiteln, zu nichte machen etc.); — auch lat. uter, was sowohl: loer von b e i- 

\y\y\\uni\ ( Fitelkeit, bz. Leerheit, Nichtigkeit). 50 den etc., als auch beide ohne Aus- 

Form: afries. idel, idle; »nid., nd. idel; nähme etc. bedeutet, 

wfries., nid. ijdel; as. idal, idil ; ags. idel; Da h = urspr. k, c (cf. z. B. lat. coniii, 

ahd. ital. idal ; mhd. itel. griech. keras = nhd. Hörn) u. auch lat. 

Der Begriff leer, frei von, blos etc. q oil. qu (in qua ^ aind. ka) aus urspr. k 

ist aus rein, lauter, klar, glänzend 55 entstand, so ist ahd. hw (bz. hu) = lat. qu 



IDJE IT JE 121 IG 

u. = ainä. k. Das aliä. liwe-dar (aus hwa- (regsam, strebsam, fleissig etc.) erklärt wer- 
dar = goth. hvathar) entspricht demnach den zu müssen u. (da goth. ith [aber, tvenn 
einem lat. quatar od. quatarus = aind. ka- etc.] u. id [zurück, re] = lat. it [in iterum] 
taras, loas eine Comparativbildung von ka u. = ags. ed [cf. etmal u. eddelk] u. an. 
(== lat. qua, goth. hva) ist, wie bei Bopp 5 idh ist) mit goth. ithan (gehen, sich bewe- 
(cf. Gramm. II, pag. 24, 31 u. 203, nebst gen etc.) u. wohl auch mit goth. iMia, (Präter. 
dem über ka im vorhergehenden Faragra- von j?aggan, gehen) verwandt zu nein u. zu 
phen 385 Gesagten) weiter verglichen wer- der )/ at (cf. itan, es.se«, vo7i y ad), gehen, 
den kann u. wobei noch zu bemerken ist, betvegen etc. zu gehören. Da nun aber in 
dass auch lat. uter (cf. Fick, II, 77) loahr- 10 Eifer derselbe Grdbegriff der Bewegung, 
scheinlich für cuter, bz. quter, quater steht des Begens u. Strebcns, bz. der Er- 
u. demnach mit ahd. hwedar etc. gleichen regung. Auf r egtcng (= innerliches Be- 
Ursprungs ist. toegtsein) etc. zu Tage tritt, so halte 

Idje, Itje, tvbl. Name. Dimin. von Ida. ich dafür, dass diesem Worte auch eine 

Idse, Itse, od. Idze, ml. Name. Gcschln. 15 Betvegungs- od. T hat ig keits -Wurzel 

Idsen, Itzeu u. Idsiuga, Idzinga. (cf. dieserhalb lat. ago von }/ ag, bewegen. 

Dem alten Geschlecht der „Idzinga" ge- treiben etc.) zu Grunde liegen muss. Diese 
hörte früher Norden u. Norderland u. nah- y könnte nun aind, ap (bewegen vor, kom- 
men einzelne Mitglieder desselben auch schon men zu, erlangen, erreichen etc., treffen, p>as- 
an den Kreuzzügen Theil. Es starb 1439 20 sen etc.) od. äp = zend. ap sein, die auch 
mit Hyma Idzinga, welche eine Tochter des dem goth. ibns, afries. ivin, iven (für ifin) 
letzten Häuptlings von Norden (Eberhard u. ahd. eban (cf. äfen) zu Grunde liegen 
Idzinga) ivar, aus. ivird, indem Äug. Fick (vergl. Wb., zweite 

Dass Idse od. Itze eine Verstümmelung Aufl., pag. 340) dafür eine Grdform apina 

von Edzard ist, ivie Stbg. bemerkt, kann 25 ansetzt, wobei das urspr. „p" regelrecht in 

ich nicht einräumen, da der Geschlechtsname „f'' (cf. fader von y pa) übergehen musste. 

Idzinga auf ein hohes Alter des Namens Auch das aind. ap (Wasser = bewegtes, 

Idze od. Idzo hinweist u. neben Edzardsna loogendes , strömendes, fliessendes etc.) u. 

(Geschln. von Edzard) in der ältesten ostfries. ap-as u. lat. opus (Arbeit, Verrichtung, Thä- 

Geschichte vorkömmt. 30 tigkeit), nebst lat. opus (nöthig, geschickt, 

Die Form Idse, bz. Idso scheint eher aus dienlich, passend etc.) u. griech. epö, epomai 
Idiso entsprungen u. zum Stamm Idis (fe- (beschäftigt sein [womit u. um etwas] , be- 
mina, virgo) zu gehören (cf. Forst ein an n sorgen, behandeln etc.; folgen, mitgehen, 
unter Idis), der mit idel zur y idh, indh, nachgehen, verfolgen, ergreifen etc.) etc. ge- 
brennen, glänzen etc. gehört, wonach Idso 35 hören zu derselben y ap (f. fügt sich dem- 
(Idiso) die Bedtg. : „Glänzender" hat. nach das mit dem Suffix er vom Stamm if 

Wegen Idis, bz. ags. ides (Frau) cf. ags. gebildete Wort ifer od. ifer sowohl etymolo- 

Glossar von Bouterwek u. H. Leo. gisch als begrifflich sehr gut zu dieser y ap. 

ifer, Eifer, Eile, Ucbereilung, Erregung, Dass das Wort ifer erst so spät in der 

Leidenschaft, Zorn, Hitze etc. ; — he sitt 40 Schriftsprache auftaucht, beweist nichts ge- 

ful ifer = ful für ; — he kwam so in ifer, gen diese Ableitung, da es jedenfalls schon 

as he hörde, dat se sin bröer unrecht dön vorher mdartl. gelebt haben muss, bevor es 

wulden, dat etc. ; — he hed dat in ifer segt in Schriften vorkommen konnte u. weil mög- 

un dän; — d'r is gen ifer (od. furtgang) licherweise diejenigen Handschriften der Vor- 

b! hum. 45 seit auch sehr leicht verloren gegangen seilt 

Nach Grimm tauchte ifer, eifer (aemu- können, worin es schriftlich niedergelegt war. 

latio ; zelus) erst im 15. Jahrhundert in Ober- ifern, eifern, eilen, streben, sich bemühen, 

deutschland auf (wie desgl. auch mnd. ive- streiten etc., bz. eifrig u. thätig sein, erregt 

ren), wovon unser nd. ifer ; nid. ijver; schwed. sein u. werden etc. ; — sük beifern ; — sük 

ifver; dän. iver entlehnt sein soll. Woher 50 ferifern (sich ereifern u. aufregen, in Zorn 

es gekommen, lässt auch Grimm unerklärt, gerathen etc.) ; — he iferd d'r tilgen , er 

lüie desgl. auch Fick. Seine Verwandt- eifert (strebt u. spricht heftig) dagegen etc.; 

Schaft mit an. idhja u. dem ahd. eit (cf. — he iferd för siu fründ, er eifert (streitet 

atter u. idel) liegt doch wohl zu fern, trotz- lebhaft u. heftig etc., bz. bezeugt ein grosses 

dem Grimm dafür plaidirt. Auch scheint 55 Interesse etc.) für seinen Freund. — Nid. 

mir das an. idhja (Beschäftigung, Arbeit, ijveren; mnd. iveren. 

Mühe etc.) u. idlina (arbeiten etc.) etc. ebenso ifi'ig, ifei'g? e^/V•^^, strebsam, thätig, fleissig 

wie das Wort wiiinan ^ ahd. winnan (mü- eilig, erregt, heftig, zornig etc. 

hen, .streben, arbeiten, kämpfen etc) aus der ig, ig, Endung vieler Adject. u. Adverb. 

Grdbegr.: bewegen, regen, streben etc. 60 (als z. B. von ewig, enig, weinig, gidsig, 



IG 122 IK 

godig, modlg etc., icie bei Adelung n. ning, hz. chuninga (König) = sät. jan-a-ka 

Andern das Weitere zu ersehen), die im könnte demnach übersetzt werden: Ge- 

ahd. H. uihd. it. eersiehiedenen andern germ. schlecht-zu-gehörend, bz. gehörend- 

Spraehen in der Form ag, eg, ig, ing, ac, z n- G e seh l echt n. Stamm = Stnm- 

ec, ic, ine, oh, ich (cf. ahd. cinag, einac; 5 mcs-An g ehör iger, Geschleehts-Ver- 

mhd. eincc, einic, cininc; as. onag; ags. wandt er ete., od. auch so, dass das G e- 

aeneg, aenig; afries. onicli, onig = einig; schlecht u. der Stamm zu ihm gehört 

— ahd. üwig, ewig; mhd. ewig, ewic; afries. u. von ihm ausging etc. 

cwch, ewig; as. ewich = ewig: — ahd. I»g^j '"'• ^^nme. Geschln. Iggcn u. Ig- 

muotig; mhd. niuotic , nmotec; as. mödag, 10 gcna. 

müdpg, mödig; goth. imulags; ags. müdig = WahrscheinlicJi mit Iko (cf. die Namen 
vtuthig ete.) u. wahrscheinl. auch noch in Iko, Igo, Icbo, Ihho, Ihcho, Yge etc. bei 
andern Formen vorhiimmt u. ebenso wie die Forste mann unter ic) desselben Ur- 
Endung ig, ing, eng etc. (in künig od. kij- Sprungs u. vielleicht auch mit dem Geschln. 
nink [= ahd. cliiining, cuning, kuuiiic, cliu- 15 Eggen, die sämmtlich ebenso ivie Agge u. 
nincb, kunig, kiiuic; amhd. chunich; mhd. der ahd. Name Egge, Ecke (Name eines 
künic, kunec ; ags. cyning; afries. kining, J\/es'e«, der von Dietrich von Bern erschla- 
kinig, keneng, keneg; an. konungr etc.], gen wurde) n. der ags. Name Ecg-laf 
boyiing, beninga, beiienga etc.), bz. ang, ing, (Vater des Ili'inferdh) etc. mit egge (Hand, 
uug — auc, iuc, unc etc. eine Ang ehör ig- 20 Kante, Schneide, Schärfe, Spitze, Schwert- 
keit u. Vertvandtschaft — ein Ha- schneide, Bergspitze etc. = spitzes, vor- 
ben u. Bes it z en, bz. des Eigenseins, stehendes, vor- od. aufragendes Etwas) = 
od. der Eigenheit u. Beschaff enheit afries. eg, ig, ags. ecg etc. verwandt sein 
ete. ausdrückt u. tcahrschcinl. auch dasselbe dürften. 
Wort ist, tcie ang, iiig etc. selbst, cf. ing. 25 i^s, igts ; i. q. iebts ti. cts. 

Wie bei Bopp (s. Gramm. III, 422) zu ik, ich. — Afries. ik; as. ic; ags. ic; an. 

ersehen ist, glaubt derselbe ig, ing etc. in ek; goth. ik; ahd. ih, ich; mhd. ich; lat. 

köuig als aus aka (a-ka) entstanden ansehen ego; griech. egö ; zend. azem; skr. aliam etc., 

zu müssen, während ich (cf. unter ang, eng denen sämmtlich ein urspr.ngh'Am (cf. Bopp, 

etc.) diese Endungen lieber auf die y ak, 30 Gramm., 1, Vorrede, XIX u. daselbst in 

ank (=: akb, ali, anli etc.) zurückführe, da § 23) zu Grunde liegt, während das franz. 

sich die in ang, ing etc., bz. ag, ig etc. lie- je u. übcrhauiJt die rom. Formen (cf.Diez, 

gende Bedtg. der Angehörigkeit u. des 1,240 unter io) aus dem lat. ego entstanden. 

Eigenseins etc. ebenso wie bei egen Da das ra nach Bopp (s. Gramm., II, 

(eigen, angehörig etc.) ohne alle Schwierig- 35 101) Endung u. tvahrscheinl. aus ma ge- 

keit von der y ak (bewegen u. dringen vor, kürzt ist, loic unser m in bessern, bossem etc. 

gehen u. kommen zu, erreichen, erlangen, u. ferner dieses ma in der Wortbildung die 

ergreifen, in Besitz kommen von Etwas, sich erste Person bildet, sowie auch der Stamm 

aneignen, nehmen, fassen, halten, erhalten, von lat. mens u. tinserm mi, min etc. ist, 

bekommen, behalten, haben etc.) ableiten 40 so nehme ich für aham etc. eine Grdform 

lassen. agliama ((n. Indem nun aber das erste „a" 

cf. auch unter isk, isk u. weiter: air. ic, der Pronomiiudstamm „a" (cf. Fick, I, 
icp (= ine, anc) kommen (zu), gelangen pag. 1) der ersten I'erson, also das Ich 
(wozu u. wohin), erreichen, erlangen etc., selbst schon bezeichnet ti. aucli die Endung ma. 
die wohl mit ak (beicegen vor, dringen vor 45 auf die eigene Person od. das Ich sich be- 
u. ein etc.) u. skr., zend. ac (beivegen vor, zieht, so ist in dem aus a -}- gha -f- ma zu- 
kommen zu, erreichen etc.) identisch ist. sammengesetzten Worte aham der Begriff der 

Ist übrigens ig, iiig als Kürzung von iga, eigenen Person anscheinend zweimal enthal- 

inga aus aka entstanden, so erklärt sich der ten od. dem Begriffe nach reduplicirt, wo- 
darin liegende Begriff' der Angehörig- 50 durch vielleicht urspr. toie bei vielen sonsti- 

keit, der Verbindung, des Ilaftens gen Wurzelreduplicationen der schon in „a" 

od. des Verbundenseins toomit ete. liegende Begriff blos verstärkt od. noch deut- 

auch aus aka, ioeil dies von a (= von, ab, lieber gemacht werden sollte. 

zu etc., cf 4 u. 5 a) ic. ka = lat. qua, quo Was nun aber das mittelste Wort gha 

etc. zusammengesetzt ist u. somit (weil ka 55 betrifft, so ist dies eine Verstärkungsparti- 

= quo eine V erbindun g s- Partikel kel wie unser ge ^'h gcbalsk, gedö etc. (cf. 

ist, cf. un = und u. 6k = auch) die Bc- Fick, I, 7S) = ahd. ga, ka (cf. Schade, 

dtg. des Verbundenseins n. der An- ahd. Wb., 155 unter ga), ge, ke, gi, ki etc. 

gehör ig keit, bz. der Absta m m u n g etc. , die man richtiger loohl eine V e r- 
wovon etc. sich auch hieraus ergiebt. chu- HO mehr ungs- , od. (zwischen zwei Wörter 



IK 123 IK 

gestellt) eine V er hin dun g ft - Partikel nen- tiglceit in die zu aichenden Gewichte u. 

nen sollte, ganz wie das aind. ka = lat. Masse hineinstösst od. schlägt od. hinein- 

quc u. das lat. co, com, cum etc. (cf. Fiele, hrcnrit ; — ik-kamcr, AichJcammer ; — ik- 

I, 32 unter ka) , die man mit nhd. und, amt, Aich-Amt = a) die Aich-Jichörde u. 

auch, zu, mit, nehst, sammt etc. über- 5 b) die Aich - Wahrnehmung (dat ikamt is 

setzt. Diescmnach bedeutet das ganze Wort liura updragen) ; — ikcr, Aicher, die Aich- 

aghama nun eigentlich soviel als: ich mit Person; — ikmester, Aichmcistcr etc.; — 

ich — ich — f- ich od. ich u. ich zu- \k\?i(\.QY,das Aich-Eisen, der Aichstcmpel etc. 
sammen, wodurch vielleicht angedeutet wer- Was nun das Wort ik betrifft, so halte 

den sollte, dass aham das wahrhafte, 10 ich dafür, dass es ein Etwas bezeichnet, 

toirk liehe u. alleinige Ich=^ meine was man einem Gewicht, Mass etc. inhaf- 

Selbstper son par excellenco, od. Ich tirt, eins chlägt, einprägt od. zu ei- 

ganz allein u. ausschliesslich, Ich gen macht u. giebt, ebenso wie dies bei 

selbst etc. sei. Dieser Vorgang lässt sich den alten Marken an den Häusern, od. son- 

meiner Ansicht nach auch sehr gut durch 15 stigem Eigenthum auch der Fall loar u. 

die Annahme erklären u. rechtfertigen, dass dass in Wirklichkeit das Wort ik mit dem 

in dem Pronomial-Stamm, „a" überhaupt nur mark (Merk) u. mal (Zeichen etc.) seiner 

der Begriff von einer unbestimmten Person- Bedeutung nach ganz gleich ist, loährend es 

lichkeit (bz. eines Seienden, od. Etwas andererseits in Abstammung u. Grdhegriff 

etc., cf. wicht) lag, od. dass derselbe iirspr. 20 (als Haftendes , Haltendes etc.) viel- 

nur die Bedtg.: Person, Wesen etc. leicht mit ek zusammenfällt. Diesemnach 

(gleichviel welches) überhaupt hatte, was eben scheint mir nun trotz Grimm' s Beden- 

dadurch bestätigt zu werden scheint, dass ken das ahd. eihhöa , eicliun ; mhd. eichen 

von diesem „a" (cf. Fick, Ferd. Justi {= a) in Eig enthum übergeben, zu- 

u. Andere) auch noch andere Pronomina 25 sprechen, zueignen, in Besitz neh- 

gebildet icerden, wie z. B. zcnd. aem u. skr. m en u. geben etc. u. b) Getcichte u. Masse 

ayam etc. (cf. Ferd. Justi etc. u. Bopp, von Obrigkeit loegen eichen, bz. aichen) 

Gramm. II, 109 seq.) u. dass auch ayam ganz dasselbe Wort wie unser iken u. nid. 

durch Einschiebung der Verbindungs-Par- ijken, tvenn man dieses in der einfachen 

tikel „y" zwischen a u. am (also a-y-am) 30 sinnl. Bedtg.: merken, mit einem Merk 

gebildet lourde. od. einer Marke ver sehen, kennzeich- 

Diesemnach würde nun a-gha-ma or?. das nen, signiren etc. u. das Subst. ik od. 

mit „a" als Person, Wesen etc., durch ike in der Bedtg.: Merk-Ding, Zeiche n- 

gha = CO etc. verbundene mA eben meine Ding (sowohl als Geräth als auch als Sig- 

Person od. das Ich bezeichnen, tvie ja 35 tium, womit man Etwas merkt u. zeichnet) 

ma nicht allein Stamm des pers. Fron, mi, etc. nimmt. Vergleicht man nämlich die 

sondern auch des Possess. min ist. alte liechtsgeioohnheit, dass eben durch das 

ik, das Aich- Zeichen, bz. das einge- Einhauen der persönlichen Marke in das 

stochene, eingeschlagene od. auch (in hol- anzutretende Eigenthum die Uebergabe u. 

zernen Geräthen) eingebrannte Mal od. Zei- 40 Besitznahme desselben geschah u. später 

chen, loomit obrigkeitlich beglaubigt wird, durch das Unterfügen derselben unter den 

da,ss ein Gewicht, Mass od. Fass genau so betr. Kaufcontract statt der Namens-Unter- 

schtcer u. gross ist, wie es dem Gesetze nach schrift etc., so erhellt leicht, dass mit diesem 

sein soll; — de ikmester let 't ik d'r up merken, bz. dem Eitthauen, Einstechen, 

slän (od. brannen) , as he de mät namäten 45 Eingraben etc. der persönlichen Marke, bz. 

un rigtig funden harr'; — ik biu twifelacli- mit ahd. eihhön etc. sich von selbst die obi- 

tig, of de mat wol richtig is; man kan d'r gen Bedtgn. der Uebergabe u. des in Be- 

wenigstens hei gen ik mer up sen. — Nid. sitznehmens eines Etwas verbinden musste, 

ijk (dasselbe); mnld. iccke forf. jecste), ycke, während andererseits das aichen od. nie r- 

hycke ; tul, mnd. ike (vasis mensura et capa- 50 ken u. s t e mp e l n der Gewichte u. Masse 

citas, mensura capacitatis et ponderis justi ; von Obrigkeits tvegen mit dem officiellen 

Signum sive nota justae mcnsurae). — • Vbm. : Stempel geschah u. nur als Beweis dienen 

Iken (nd., mnd. iken ; nid. ijken ; mnld. iecken, sollte, dass das betr. Mass u. Gewicht etc. 

ycken, hycken ; hess. eichen, eichten, ichten ; mit dem gesetzt. Mass u. Gewicht verglichen 

p)omm. ikken ; Schweiz, icha, ichta etc.) eichen 55 u. damit übereinstimmend gefunden sei. ^ So- 

od. aichen, d. h. ein verificirtes Gewicht od. viel ich weiss, versteht man hier unter iken 

3Iass mit dem ik od. Ai ch zeichen versehen, auch niemals etwas anderes, als dass der 

was eben durch stechen, stossen, schlagen obrigkeitliche Stempel dem betr. Gewicht, 

od. einbrennen in der Weise geschieht, dass Mass od. Fass etc. nach geschehener Ver- 

man den Aichstempel zum Zeichen der Bich- 60 gleichung u. richtigem Befund eingeprägt 



m 



124 



ILEN 



od. eingebrannt wird u. ist es noch Nie- 
mandem eingefallen, das Xachwiegcn «. 
Nachmessen selbst mit dem Worte iken rw 
bezeichnen. Ist iken übrigens = steclicn, 
stossen, so könnte es vielleicht mit jOkel 
((•/. dieses) u. mit iigel (Jgel) u. äkol zur y 
ak, vordringen, vorstossen, eindringen etc. 
gehören. 

Mit Jken = ahd. eihhön , bz. Ikd = (ge) 
a i c h t in der liedtg. : g e merk t, in a r k i r t, 
mit einem Mal od. Zeichen etc. verschen 
etc. scheint mir auch unmittelbar verwandt: 
das an. cikdli, eykdh, oikdh od. eikt, tcas 
einen Zeitraum von 3 Stunden bezeichnet, 
od. tvahrscheiidicher eine blosse Marke 
(od. ein blosses Merkzeichen) tvar, wodurch 
die Zeit von einem Mittag zum andern in 
8 gleiche Zeiträume (ülinlich rcie bei uns in 
24 Stunden) von 3 Stunden eingetheilt wurde. 
Denn wie aus einer Abhandlung von Finn 
M a g n ussc n über die Eintlteilung des Ta- 
ges bei den alten Scandinaviern (cf. die 
Uebersetzung desselben in der Zeitschr. : de 
vrije Fries, Leeuicarden lS4:i, II, 58 seq.) 
hervorgeht, geschah die Eintheilung des Ta- 
ges, bz. der Zeit derselben urs2)r. in der 
Weise, dass man eben wie bei einer Son- 
nenuhr den auffallenden Schatten eines er- 
habenen u. spitzen Gegenstandes beobachtete, 
u. nach Verlauf von 3 Stunden ein 3Ierk- 
2 eichen (Einschnitt, Funkt, Strich etc.) 
machte, icclches dafjsmark (Tagesmerke) ge- 
nannt wurde und tcoraus hervorzugehen 
scheint, dass es eben die oiktr (od. Mar- 
ken-Einschnitte etc. auf einem Brett 
od. Stein) tcaren, loodurch der 24-stündige 
Tag in 8 gleiche Theile zerlegt wurde. 

Nehmen wir nun iken in der Bedtg.: 
merken u. vergleichen wir unter mark u. 
marken, dass dessen Grdbdtg. wahrscheinl. 
neh m e n, gre if en, halte n, f a s s e n etc., 
bz. haften etc. ist, so erklärt sich auch 
das mit ahd. nihhön verwandte ahd. ureichi 
(proprium, qiialitas, substantia) «7s Eigen- 
thum, bz. als das Erfasste u. aus Et- 
was heraus Geno m m ene etc. sowohl, 
abi auch in der Bedtg.: Eigenschaft, 
als das, loas einem Etwas anhaftet 
u, eigen ist. cf. unter jichtea loegen ur- 
eichi etc. 

In Form u. Grdbegriff (nämlich hal- 
ten etc) stimmt zum Stamm ik am besten 
ek = ahd. cili, eich etc.; «h. eik; nfries. ik 
etc. u. ist dort das Weitere zu vergleichen. 
Zum Grdbegriff: steche n, präge n, s t o s- 
s c )i etc. vergl. indessen das im Folgenden 
erwähnte lat. ico. 

Zum Schluss noch die Frage, wie sich 
der Name des Hirsches . . eiktliyruir (rf. 
G ri m m , Mgth., 778) zu dem obigen an. 



eikt, eikdh etc. verhält u. ob darin nicht 
das Wort: an. hyruir (Ilürner) steckt, too 
denn eikt vielleicht die Bedtg.: Stoss, 
St i c h etc. od. Zacke , Sj; / tze (= Ste- 
5 chendes, Scharfes etc.), bz. zackig, 
ästig etc. hat. Da 7iun aber merken, 
bz. mit einer Marke, einem Zeiche n od. 
31 al etc. versehen auch = prägen, 
c i n p r ä g en, e i tist o s s e n, e i nste c h e n 

10 etc. ist, so kann man übrigens aucJi anneh- 
men, dass dem Verb, iken die sinnl. Be- 
dtg. : stechen, stossen, schlage n, 
hauen etc. zu Grunde liegt u. dass dem- 
nach ikeu u. dits entsprechende ahd. eihhön 

1.5 u. an. eikt etc. mit dem lat. ico, ici, ictum 
etc. (cf. Fott, Wurzelwb., III, 138) un- 
mittelbar verwandt ist, worauf auch mnd. 
(Seh. u. L.) ike (a. spitzes Instrument, 
Lanze ; — b) Instrument, womit man die Ge- 

20 fasse sticht u. ihren Inhalt misst [cf. peilen 
etc.] od. nach ihrem Inhalt bestimmt) hin- 
zudeuten scheint. Zu ico, ictum etc. u. mnd. 
ike cf. (Fick, II, 31) griech. aikmo (Spiess), 
wonach ]/ ik wohl Ablautform von ak (ef. 

25 griech. akö u. lat. acus etc.) ist. 

ikel, ikkel, unsauberes , schmutziges, ge- 
meines Weibsbild, Ilure, gemeine Vettel etc. 
Wohl dasselbe wie nikkel u. dort das 
Weitere zu vergleichen. 

30 iken, aichen; s. unter ik. 

ik-kumer, Aich-Kammer, Aich-Baum. 
ik-niester, Aich-Meister. 
Iko, IkP, ml. Name. Geschln. Iken u. 
Ikena. Davon tvuhl tveibl. Name: Ikke, 

35 statt Ikka, Ika. 

Wegen Iko etc. s. unter Igge, Eiko, Inka 
etc. «. cf. bei Förstcmann unter ic die 
Namen : Ico, Ige, I k k i a etc. 

1. ilc, il (I'lnr. ilen), Igelkolbe; sparga- 
40 nium. 

Es ist das contrahirte nhd. Igel in der 

Bedtg.: stach ligtes Etwas u. ist sie 

von der stachligten Frucht so benannt. 

Von diesem il od. ihl kömmt angeblich 

45 der Name des Klosters Ihlow (d. h. ihl-owc 
:= Igelkolben -Aue, tveil in der sumpfi- 
gen u. wasserreichen Gegend viele \len wuch- 
sen; cf. Sund ermann, ostfries. Sagen, 
16) her. 

50 Wegen igel s. unter ägcl m. cf. holst. 
Idioticon von Schütze, II, 190 das Wort 
lilo. 

2. ile, il, Eile. — Ahd. IIa; mhd. ile 
(Eile, Eifer); nid. ijl ; (/. unter 2 ilcn. 

55 1. ilen. Flur, von 1 ile. 

2. ilen, eilen, schnell gehen, eifrig vor- 

tvürts streben etc. — Ahd. ilan, ilen, illan; 

mhd. ilon; as. iljan; nid. ijlon. 

Dass die Wörter ilc u. ileu auf die Grd- 

60 bdtg.: bewegen, regen (sich regen u. 



IL-GAT 



125 



IN 



thätig sein, sich befleissigen etc.), gehen 
(vor , wohin etc.), vorioärt s strebe n etc. 
zurückgehen , ist ziveifellos u. möchte, bei 
dem steten Wechsel von „r" u. „1", dafür 
die y ir als Nebenform von ar (beioe g e n,_ 
gehen etc.) anzusetzen (cf. Fott, Wur- 
zelwb. II, 3 seq. u. 77 etc.) sein. Dazu: 

il-gat, (Eil-Loch) Flug-Loch im Bienen- 
körbe etc. ; — (scherzh.) After. 

i-16f, ei-löf, li-lüf, Epheu. — Mnd. iw- 
löf, ifflöf. jE".*." ist zusammengesetzt aus \ = 
iwi etc. u. lüf u. hat die Bedtg.: immer- 
grünes, ausdauerndes Laub, wie un- 
ter epha weiter zu vergleichen ist. 

ilt I i. q. alt. 

im od. imnie, Imme, Honigbiene ; — he 
stekd as 'n im ; — he is f ileinig as 'n im ; 
— he is flüg as 'n im. 

Mit nid. ijm ; geldr. imme ; mnld. imme ; 
mnd. imme etc. (Honigbiene) u. nhd. Imme 
etc. aus ahd. impi, mhd. imbe (Biene, Bie- 
nenstock, Bienenschwarm, Bienenstand) ent- 
standen, wie emmer = nhd. Eimer aus 
eim-, bz. ein-par. 

Es bleibt fraglich, ob der ziveite Theil des 
Compositums impi, nämlich pi, ebenso ivie 
pi in pior, bior (Bier = Trinken, Getränk, 
Nahrung etc.) mit pi im lat. api-s identisch 
ist ti. zur y pa, pi (trinken, schlürfen etc., 
wozu auch lat. bibo etc.) gehört (daher auch 
skr. ma(ihu-i)a = wörtl. Honigtrinker 
als Name der Biene; cf. Pott, Wurzclwb. 
I, 192) u. so das ahd. impi loörtl. Ein- 
tri n ker, E i n schlürf er etc. bedeutet, od. 
ob der Stamm pi, bi (wovon auch ahd. pia, 
biä ; 7nhd. bie ; nid. bij, bije ; ags. beö ; engl. 
bee; an. by; dän. bi etc. nebst ahd. plan, 
bian u. mhd. bin ti, ahd. pini, bini, pine; 
mhd. bine = nJid. Biene) mit ahd. pim, 
bim (= nhd. bin, d. h. [ich] lebe, ivohne 
etc.) u. ags. beön (seitt, wohtien, leben, sess- 
haft sein etc.), sotvie ferner mit höen (bauen, 
hervorbringen, erzeugen = sein u. leben 
machen), bur (Wohmmg, Haus, Dorf etc.) 
zur y bü, bhü gehört. 

Was mich betrifft, so halte ich das Eistere 
für das Wahrscheinlichste, ivährend Grimm 
die letzte Ansicht vertritt u. die Biene als 
die Bauende deutet. Nach Fi c k (I, 156) 
soll übrigens das ahd. piä, biä etc. zu der 
unter ban, bannen erwähnten ]/ bha, bhan 
(sonare etc.) gehören und demnach urspr. 
die Summende (cf. hummel etc.) bezeich- 
nen. 

im-borst, s. inborst. 

Imel, ml. Name. Geschln. Imels. — Da 
die Tochter Karls des Grossen statt Emma 
auch Imma genannt wird u. Emma zur y 
am (Ijewegen, regen, thätig sein etc.) gehört 
(cf. Emma, Emo «. emsig) , so dürfte Imel 



auch eine Nebenform von Amcl sein, zumal 
auch unser inge := nhd. Anger ist. 

imel, imer, Brocken, Körnchen, Geringes, 

Geringstes etc. ; — he wil mi gön imel faii 

5 gäfen; — ho is so 'n gitserd, dat he gen 

imel misten kan; — d'r is gen imel in de 

schöttel bläfen. Dimin : 

imelke. Nebenform von 3 emer. 

Imke, wbl. Name statt Irameke. Dimin. 
10 von Imme. 

imke, Bienchen, kleine Biene. Dimin. 
von im, bz. imme. 

imker, Bienenvater, Bienenpfleger, Bie- 
nenzüchter. — Auch geldr. imker. 
15 im-körf, Bienenkorb. 

1. imme, s. im. 

2. Imme, Immo, ml. Name. Geschln. Im- 
men. Mit vorschlagendem „j" auch : Jimme, 
Jimmo, Jimmen. 

20 Wohl mit Emo u. Emmo (cf. Imel) connex. 

immen-hüde (harrl.), eine aiisgeleerte Ho- 

nigioabe. Wörtl. : ein Biene ti -Behälter 

od. Versteck u. Aufenthaltsort für 

Bienen u. wohl so zu verstehen, dass es 

25 diejenige von Honig entleerte Wabe ist, 
worin die Bienen den Winter über verbor- 
gen gelebt u. welche sie nach u. nach, be- 
huf ihres Unterhalts , von Honig entleert 
haben. 

30 immen-küke, imkok (Bienen-Kuchen), Ho- 
nigwabe. 

immer, jümmer, immer, allezeit, jederzeit 
etc.; — immer un ewig. — Nid. immer; ahd. 
eomer, iomer, iamer ; mhd. iemer, imer, im- 

35 mer (immer, für immer, irgend einmal). 
Davon : 

immers, jiimmers, irgendwie; — wen 'k 
jümmers kan, den wil 'k dat dön. 

Das ahd. eomer ist Zusammensetzung von 

40 eo, io = nhd. je (s. unter 7 ä m. 2 emer) 
u. mer (mehr, häufiger etc.) u. dient Letzte- 
res wohl nur zur Verstärkung des schon in 
eo, io etc. (= je, immer) liegenden Grdbe- 
griffs, zumal das ahd. mer auch (zeitl.) die 

45 Bedtg.: fortan u. das entsprccheyide goth. 
maiza die Bedtg. : älter = von länger er 
Zeitdaue r etc. hat. 

impost, Eingangssteuer, Eingangszoll ; — 
up de stenkalen ligd gen impost; — dat göd 

50 deid gen impost. 

Mit franz. impöt (Auflage, Tribut etc.) 
von lat. impositus, impostus. 

im-schul , immenscliül , Bienen-Schauer, 
Bienenstand, cf. schul. 

55 in, in, ein, hinein, inwendig, innen, bin- 
nen; umgeben u. umschlossen von etwas, 
zwischen etc.; — in hüs, in- od. zu Hause; 
— ingän, ein-, hinein- gehen; — ingäfen, 
ein- od. hin ein- geben; — kämd in, 

60 kommt herein = binnen; — dat schip 



IN- AKNEN 126 IN D' STAE' IN STAE' 

kumd in, das Schiff kommt ein od. bin- aufstacheln, anfeuern etc. sum Streite, cf. 

)tan; — dat fald iu de arten, das fällt in böten. 

od. zwischen die Erbsen; — dat hart sitt in-l)ötoi*, Einheizer ; Aufwiegler. 

iu de borst; — raidden in de bOm sitt 'n in-brök, Einbruch. 

hol; — he sitt d'r middon iu (= mankeu 5 in-budel , Mobiliar, bz. das, was an be- 

od. tüskcn elc.) ; — he geid mit gewald up weglichen Sachen sich im Hause befindet 

de feaud in, er geht mit Gewalt auf den = ingod; — he wil sin hele inl)üdei fer- 

Feind ein od. zu, los = gegen den kopou latou. — Nid. inboedel, imboedi'l, im- 

Feind. — Ahd. in (in, ein, hinein); ahd., boel; m)dd. (KU.) inboel; afries. iubodel ; 

mhd., goth. in (in, an, auf, zu, bei, gegen) 10 mnd. imbül. cf. büdel. 

u. inu (hinein); ags. in (in, an, auf fu. des- ili-biitpii, eintauschen, einwechseln. 

halb auch durch ou = nhd. an vertrete)ij ; in-dachti^, eingedenk. 

ein, herein, hinein); afries. in (in, zu, in-il&^cw, cinrufen, vorladen, zum Gericht 

hinein); tcfries. ijn; tdd. in; engl, in (in, tagen. 

an, auf, bei, aus, nach, unter, zu etc ; ein, 15 in-delon. eintheilcn. 

herein, darin etc.); an. i (in), inn (ein, ill-dolfen, eingraben, hineingraben. 

hinein). ill-deiiK indem, währenddem, inzwischen, 

Dass auch dem Worte in ebenso ivie au mittlerweile etc.; — lie kwam indem. 

eine ursjjr. Bewegungswurzel zu Grunde In-deiiimern, einschlummern, 

liegt, ist schon dort gesagt u. auch wegen 20 in d" liand fallen, besser ausfallen, bz. 

der wecliselnden Form von an, in, uu da- besser kommen, als man enoartet hat; — 

selbst ilas Weitere zu vergleichen. Da die dat gmvigt fau de kö is mi nog wat iu d' 

Form in indessen sehr constani in unsern haud fallen. Gegensatz von : ilt d' band 

Sprachen erscheint u. auch das lat. iu schwer- fallen. 

lieh davon verschieden ist, so leite ich in 25 in-dik, innerer Deich, Binnendeich, 

direct von der aus „i" (bewegen, gehen etc.) in-iikcu, eindeichen, einjioldern, mit einem 

erweiterten y in ab, worüber das Weitere Deich umgeben. 

bei Pott (Wurzelwb. I, 657 u. II, zweite in-disig (cf.dhig), bis ins Innerste hinein 

Abth., Li) zu vergleichen ist. — bz. durch u. durch (od. ungemein, stark, 

in-arnen, einwurzeln, eingreifen etc.; — 30 sehr etc.? cf. iublide) störrisch, unfreund- 

dat kwäde is al to diige bi hum inarnd; s. lieh etc., z. B. vom Wetter, vom menschli- 

1 arnen. chen Gemüth etc.; — 't is so regt indisig 

in-bären . einbohren, hineinbohren, ein- kold; — he hed so 'n regten indisigen na- 

dringen, hineindringen etc.; — he bärd d'r tür; — 't is 'n indisigen kerel. 

man so uiiferhulgon up in. 35 in d' niot' gan, entgegen gehen. 

in-bilden, einbilden, vorstellen etc. in d' niöt kamen, entgegen kommen, be- 

in-bildniig, inbildin«:;, inbilden, Einbil- gegnen^ 

düng etc. — Sprichw. : inbilden is sliinmer in-dökcn, eindrücken, durch Druck (z. B. 

as de dardedägsche kolde. mit dem Finger) eine Vertiefung (dök) in 

in-blnden, einbindoi, einknoten etc.; — 40 etwas machen, durch Druck einbiegen ii. 
(fio) f^^i '«s Gedächtniss einprägen, ein- vertiefen. Furtic. indaken, eingedrückt, ein- 
schärfen etc. gebogen etc. cf. dazu 0. L. li., pag. 727 u. 

in-blide , sehr (od. ungemein , stark etc.) 731 indaekcn. 

froh u. heiter. — jN7(7. inblijde. cf. mnld. in-dön, einthun, einheimsen, einbringen, 

in in der Bedtg.: valde. 45 einlegen, hineinlegen etc.; — kCirn indüu; 

in-bilren, einnehmen, einheben etc.; — he — gcld in de biil döu etc.; — ins Gedächt- 

hed liunderd gülden inbörd. niss hineinlegen, erinnern, einprägen, er- 

in-borst, iniburst, inbo.st, Denkungsart, mahnen etc.; — ik heb' hum 't anders nog 

Gemüthsart, Gesinnung, Charakter, inneres so dügtig indän, man de sliingel hed 't dog 

Wesen, Eigenart, Sinn etc.; — he hed mau 50 wer fergilteu. 

"n slfgten inborsf, er hat nur eine schlechte in-drift, Eintrift, Trift od. Fahrweg in 

Denkungsart ; — 'n goden inborst dürd man Etwas hinein ; — d'r is g(Mi indrift bi dat hüs. 

bi hum wol t'erwachten, wen he wat na sin in-drögen , eintrocknen, vertrocknen, zu- 

tader ärden deid. — Nid. inborst. sammenschrumpfen, schwinden etc.; — de 

Es ist Compos. von in u. borst (Brust) 55 appels sunt hei iiulrAgd; — de sake indrö- 
u. geht auf die innere od. inwendige gen laten, die Sache, bz. einen liechtsa)i- 
llrust, bz. das, was der Mensch in der sprach schivinden lassen u. nicht weiter ver- 
Brust hat u. hegt. folgen. 

in-biiteu, einheizen, einlegen; — du kaust in d' stä', in stä', auf der Stelle, sofort; 

in de dunis wul wat inbüten; — anreizen, CO — ik bin in d' stä' wer hir; — an der 



IN-DUKEN 



127 



ING 



Statt, anstatt etc.; — in d' Stil' fau lium 
kwam sm fader ; — in de stä', an der Stätte, 
hs. in dieser Stelle etc. 

in-diiken, eintauchen. 

in-düsken, sanft einschlafen, langsam u. 
unvermerkt entschlafen etc. ; — he is so sagt 
indüshed od. weg-düsked. 

Ine, s. Ino. 

ine, in, Granne, Äehrenspitse ; — de garst 
is uet god körud; de inen süiit to lank blä- 
fen. Daher : in-korn = G r a n nen- Kor n, 
im Gegensatz t;o» knubbekorn, bz. knub be- 
garst, 'welch Letztere glatte, dicke, rund- 
liche Aehren hat. 

Die richtige Form ist ihne u. das „i" eine 
Schwächung von „ä" (cf. z. B. inge = An- 
ger), sodass ihm die Form ahne, od. voll- 
ständig ahana zu Grunde liegt, die wir im 
goth. ahana, ahd. agana, nhd. Agen vor- 
finden , trotzdem dies die Bedtg. : S}} reu 
hat. Denn dass die Grdbdtg. von dem goth. 
ahana etc. sp itz, seh a rf, steche n d etc., 
bz. das od. die Spitze etc. ist, geht aus 
dem gleichbedeutenden lat. acus hervor, was 
mit acus, acer (Spitze — spitz, scharf, ste- 
chend etc.) u. auch mit goth. ähs, ahd. ahir, 
ehir = Aehre (d. h. Spitze, cf. är) zu der 
y ak gehört, cf. Aug. Fiele, Sprachein- 
heit der Indogerm. Europa's, 127 wnierakanä. 

Inen, s. Ino. 

in-en, inein, in einem, unaufhörlich, un- 
unterbrochen etc.; — dat geid inen so weg, 
od. inen so fürt. 

in-eus, ineins, auf einmcd, zugleich etc. ; 

— de beide schäpen kwammen inens binnen, 
die beiden Schiffe kamen zugleich binnen; 

— he was d'r inens wer , er war auf ein- 
mal u. ganz unerwartet loieder hier. 

in-enten, einimpfen; — pokken inenten, 
(Schutz-) JBlattern einimpfen. 

in-fal, Einfall, Einsturz etc. ; — dat was 
'n infal fan belaug; — dat is 'n infal as 'n 
old hüs ; — 't is hir altid so 'n söten infal 
west, es ist hier (zu Hause) stets so ein 
süsser Einfall gewesen, d. h. es kömmt hier 
stets u. gern viel unenvarteter Besuch. — 
Auch von unerwartet u. plötzlich einfallen- 
den Gedanken u. Ideen; — he hed altid 
sük ferrükde infallen. 

in-fin, durch u. durch fein (zart, hübsch, 
anständig, manierlich, gesittet, fromm; 
scharf, eindringend, iveise etc.), sehr fein, 
überfein, überklug, spitzfindig etc. ; — dat 
god is so regt infin; — dat is so infin 
as 'n menisten borstlap; — he kan so regt 
infin dön, er kann so recht durch u. durch 
fein u. anstündig etc. thun ; — he is net so 
infin (spitzfindig etc.) as de düfel. cf. das 
nid. in-fraai = durch u. durch schön, sehr 
schön etc. 



in-loi', Einfuhr. 
in-fiircn, einführen. 

iu-loren, im voraus; — he is mi infSren 
räkd od. kamen. 
5 in-fril'en, s. in-wrifen. 

ing, Endung vieler Wörter u. Namen, 
die vielfach durch eng, ung vertreten wird 
u. worüber Weiteres unter ang ^m ersehen 
ist. In sehr vielen Fällen wird beim Spre- 

10 chen das „g" verschluckt u. nur en gehört. 
Vergl. z. B. boyefi statt boying, boyung — 
meneii statt meuing, menung (Meinung), he 
hed sin menen net segd etc. Vergl. wegen 
dieser auch oft mit ig (s. d.) identischen 

15 Endung die holländischen, deutschen u. son- 
stigen WöHerbücher. Ferner Bopp, Gramm. 
III, 422, wo er ing = ig als aus inga, iga 
(cf. auch Max Müller, Vorles. II, 555 
ivegen ing, ig in könig) gekürzt ansieht u. 

20 dies auf eine urspr. Form aka zurückführt. 
Was die Endung ka = ga anbetrifft, so 
drückt sie ebenso wie unsere Vörsetz- Par- 
tikel ge u. das entsprechende lat. que u. co 
ein Hinzut h u n, eine V er m ehr ung, bz. 

25 eine Verbindung (mit Etwas) u. so auch 
eine Angehörigkeit u. ein Eigens ein 
u. Besitze 71 (von Etwas), bz. Haben 
etc. aus. cf. Benfey, Orient u. Occident, 
II, 82 ivegen ka = ga. Wegen ing cf. auch 

30 Max Müller, Vorles. II, 13 seq. u. s. 
am Schlüsse dieses icegen aka. Nach Gei- 
ger (Urspr. der Sprache, 69) ist die En- 
dung ung = skr. anc u. soll dieselbe wärts 
bedeuten, was doch nur soviel sagen will, 

35 (ds „sich bewegen tvohin", bz. kommen 
u. gehen zu etc., xoodurch auch ivieder (cf. 
unter aug) der Begriff des g esellens, an- 
s chli essen s u. verbindens (mit) etc. 
entsteht. 

40 Dass der Name : Ing, Ingo, Inguio u. auch 
unser Inka (cf. Grimm, Myth., 320 u. auch 
Förstemann hinter Ingo) sich sehr gut 
aus der ]/ ig, ing, bewegen, regen etc. (cf. 
Pott, Warzehvb., III, 429 u. daselbst auch 

45 inga = beweglich, icunderbar etc. u. = Ge- 
berde, Anstellung etc. u. = Kenntniss, Wis- 
sen etc. vom Grdbegriff: betvegen vor, ein- 
dringen, erkennen, sehen etc., tvie bei der y 
ak, Auge, cf. öge) od. von der y ic, ine 

50 (cf. air. ic = ine, anc, bewegen, gehen, kom- 
men, gelangen, erreichen, erlangen, greifen, 
nehmen etc., in Schleicher , Chrestom., 
248 u. bei Aug. Fick in seinem vergl. 
Wb., pag. 22 die y ik, bz. ig, zu eigen ha- 

55 ben, mächtig sein, Macht u. Gewalt haben 
über, herrschen etc. u. pag. 1 die y ak 1, 2 
t«. 3, wovon ik eine Nebenform ist u. dazu 
skr. pati, Herr, Gebieter etc. von y pa, 
fassen, nehmen, greifen, halten etc. etc.) ab- 

60 leiten lässt u. die Bedtgn. derselben sehr 



INGE 



128 



INGEWAD INGEWAT 



gut zu dem Namen eines Gottes u. Königs 
od. VoJks-Ahuhenn etc. j>a-ssen u. Veran- 
lassung geben konnten, ist sehr leicht einzu- 
sehen. 

inge, Anger, grüne Flur, Wiese, Gras- 
land. — AhJ. angar; mhd. andrer; nfries. 
(0 utze n) eng, inge ; an. eugi ; norw. enge ; 
dän. eng; schwed. üng; ags. inge; engl, ing ; 
ioallis. inge. 

Dass der Name der Angeln, bz. der 
von Tacitus erwähnten Aügriy&vii in West- 
falen, sowie der Landesnamc Engern damit 
zusammenhängt, ist unter Engelland zu ver- 
gleichen. Es beweist dies aber auch, dass 
die Form angar, angra auch in Nieder- 
deutschland vorkam u. der Stamm ang erf<t 
später zu eng, ing geschwächt ist. Demnach 
i.'it es daher auch höchst icahrscheinlich, 
dass ttnser bei Greetsiel liegendes Gut An- 
gewiT od, Angerwer in seinem erstoi Theil 
das Wort Anger enthält u. dass dies im 
Gegensatz zu den sonstigen im Emsgau, bz. 
dem allen Ems-Delta vorkommenden vielen 
wi'ien (cf. 3 wer als natürlicher od. künst- 
licher Hügel, bz. Anhöhe, die Wehr u. Schutz 
gegen die Fluthen etc. gewährt, od. gegen 
Ueberströmungen gesichert ist) urspr. ein 
grüner mit Gras bewachsener Hügel war, 
der eben vom alten angar seinen Namen 
trägt. Zu bemerken ist hiebei auch noch, 
dass nach Grimm die Angern überhaupt 
hoch tt. trocken liegen u. cdso den Ge- 
goisatz zu unsern gröden, mcden u. ham- 
riken, soivie den Marsch- u. Moor -Wie- 
sen bilden u. könnte dieser Umstand gerade 
zu der Benennung „Angewer" die Vei'an- 
lassung gegeben haben. 

Das Wort angar stimmt formell mit an. 
angr (Bucht) u. lat. ancra-s (convallcs, cf. 
Fick, III, 11) u. gehört demnach wahr- 
scheinl. mit ags. anga (Spitze) u. angel, an- 
ker etc. zur y ac , aric (biegen , krümmen, 
icölben etc.), wonach man auch annehmen 
kann, dass angar ursjir. die Bedlg.: rund- 
liche Erheb u n g od. Wölb u n g (Hü- 
gel, Anhöhe, hochgelegene Fläche etc.) hatte, 
tcas zu GrivDii's Angabe stimmt, dass die 
Angern hoch «. trocken liegen u. somit 
in einem Gegensatz zu den Auen stehen. 
Beim Vergleich von an. angr m. lat. ancras 
könnte man indessen auch annehmen, dass 
angar urspr. die Bedtg.: Thal, Thal- 
ebene, Niederung (u. so weiter auch 
Flachland) hatte u. also im Gegensatz zu 
Bergland, Hochland etc. stand, da die 
Thäter auch Buchten u. Einschnitte, bz. 
concave Flächen zwischen den Bergen sind. 
Möglicherweise indessen gehört das Wort 
Anger gar nicht zur y ac, aric (biegen 
etc.), sondern zu der ]/ a^-, ari^" (gehen, sich 



bewegen vor od. wohin, kommen zu, errei- 
chen, erlangen, fassen, nehmen zu sich, es- 
sen, goiiessen etc.), wie ja auch an. via 
(Gras, Weidcjjlatz) ; goth. viuja (Weide, 
5 Futter) as., ahd. wunja etc. «. ahd. wunni 
(Wiese, Wiesenland) etc. zu ahd. winnan 
(sich bewegen, regen, thätig sein, sich mühen 
etc., bz. erreichen, erlangen, gewinnen etc., 
cf. winnen) gehört. 

10 inpedomsel, ingedomte , a) Eingeweide; 
— b) das Hausgcräthe, bz. aller im Hause 
od. innerhalb der vier Wände befindlicher 
Hausrath. — Nd. (B r. Wb., Schütze) 
ingednmt, ingedome, ingedomete, ingedonite, 

15 ingedompte, ingedonte; mnd., mnld. (KU.) 
ingbedom u. auch: inghcdoe u. ingedoera; 
mhd. ingetuonie; md. mgetnme (Eingeweide, 
Vermögen, eingebrachtes Gut). — Zu ingc- 
dömt, bz. ingedom bemerkt Schütze: 

20 a) Hausrath, sammt tvas in Kisten u. 
Kasten ist; Eingebrachtes. Auchin- 
gedümte göder = eingebrachte Güter; 

b) Ei ng eioeidc im Schlachtvieh ; 

c) Gefülsel im Gebratenen u. Gebackenen 
25 = tvas man hinein thut od. legt; 

ferner ad a) 

(lib. meni. civ. Hamb. 1402) : „Ing e- 
dorne, alse : Kiste , Scheppe , Stole, 
Benke, Bedde, Küssen, Decken, Laken, 

30 Grape, Kctele, Kannen unde Vate, nichts 

uthgenamen grot ot'te kleen.'' 

Es scheint tvörtl. das (in Etwas, bz. ins 

Haus od. die Hauswirthschaft von der 

Braut) Ei ng ethanene, Eingelegte, 

35 Ein- od. Hinein- Geg eben e (= Mit- 
gabe, Mitgift), E i n gebrachte etc. zu be- 
deuten (von dön, thun, geben etc., bz. mhd. 
ingetuon, hinein thun etc.), zumal auch ahd. 
tuom, tom, duam, duom (That, Handlung, 

40 Werk, Verhandlung, gerichtliche Verhand- 
lung , Gericht, Urtheil etc. =^ goth. doms; 
as., agx. dorn etc. (cf. dorn) vom ahd. tuon, 
as., ags. dön etc. abst((mmt u. wie desgl. 
auch unser dinncWi =: thümlich in eigcn- 

45 thümlich, irrthümlich etc. u. dorn =: thum in 

Eigenthum, licichthum etc. etc. (cf. dieserhalb 

dum etc. u. dun) zu diesem Verbum gehören. 

Die Bedlg. E i n g e w ei d e , bz. das, was 

i n w e )i d i g i m B a u c h sitzt, ist demnach 

50 keine urspr., sondern es hat sich diese erst 
später aus dem, loas inwendig im Hause 
ist u. so zu sagen von den Wänden um- 
schlossen wird (als Inneres, Imo en- 
dig es) herausgebildet. 

55 ingewad, ingewut, ingowand, ingewant 
(dat, das), Eingeweide, bz. die inner n Theile, 
als: Herz, Magen, Gekröse, Gedärm, Wanst 
etc. des menschlichen u. thierischen Körpers, 
bz. eines Körpers überhaupt. Plur. (de) in- 

GO gewanden od. ingewautcn, (die) Eingeweide. 



INGEWEIDE 



12{) 



IN-KIK 



Auch vom Inwe n d i (j cn od. I n ner n 
überhaupt , z. B. in de ingewaiulcn fan de 
ürde od. fau 'n hüs. — Nid. iugcwand ; mnd. 
ingcwät, ingewant, ingewende (a. Eingeweide; 
1). intestina des Hauses, Haiisrath etc.). cf. 
das folgende: 

ingeweide, Eingeweide; jedoch nur vom 
Eingeweide der Tliiere. Zu beiden vergl. 
gewand, gewäd etc. tc. geweide, sowie auch 
ingedBmsel. 

in-gö(l, alles Gut, hz. alles Mobiliar, was 
sich im Hause, bz. innerhalb des Hau- 
ses befindet = in-biidel ; — he wil sin in- 
god (Flur, ingöder) ferkopen laten ; — 't in- 
gOd is all' beschrafen, das Mobiliar ist 
sämmtlich (vo)i Gerichtswegen) beschrieben. 

in-gi'im, Ingrimm, innerer Grimm, inner- 
liche Erbitterung, Grimm, der ans Herz 
frisst; — he wet sük fan ingrim net to la- 
ten. cf. gram u. grim, xowie goth. iugram- 
jan, in Zorn setzen, erbittern, erzürnen. 

ingrimmig, ingrimstig, ingrimmig, durch 
n. durch, bz. sehr u. überaus grimmig, sehr 
böse u. bitter, sehr nnfreundlich u. rauh, 
innerlich erbittert u. erzürnt, voll Verdruss, 
bz. sehr verdriesslich etc.; — he sügt so 
ingrimmig iit , dat man hast bang för hum 
worden sul ; — so 'n ingrimstigen (unfreund- 
lichen u. abstossenden) kerel as dat is, dar 
is hei net mit um to gän ; — ingrimstig kold, 
ingrimmig, bz. bitter kalt, angreifend kalt; 
— dat wer (Wetter) is so ingrimstig (un- 
freundlich u. rauh) ; — ik wurd' so ingrim- 
stig dül , ich wurde so schrecklich böse, bz. 
fürchterlich erzürnt; — he is so ingrimstig 
fül etc., er ist so fürchterlich (abscheulich, Ab- 
scheu u. Widerwillen erregend) schmutzig etc. 

ingrimstig ivird hier auch von der Wäsche 
gesagt, tvenn sie nicht w e i s s u. rein, son- 
dern etwas dunkel u. trüb -seh m utzig 
aussieht, bz. kein helles u. fr eundliches 
Ansehen gewährt, wie dies namentlich der 
Fall ist, wenn sie im Winter in Folge des 
fehlenden Sonnenscheins nicht ordentlich ge- 
bleicht ist, od. loe.nn sie überJiaupt nicht 
rein u. gut gewaschen tourde; ferner auch 
wenn das Zeug so schmutzig ist, dass es 
überhaujit kaum wieder rein v. weiss zu 
waschen u. zu bleichen ist (dat god [Zeug, 
Wäsche] sügt so ingrimstig üt, dat man hast 
hei net sen kan, of 't wiisken [gewaschen] 
is, of net ; — dat göd hed so 'n ingrimsti- 
gen [schmutzig-grau] klör etc.). — Sodann 
gebrauchen ivir den Ausdruck „ingrimstig" 
auch von einer schmutzig -grauen u. 
trüben Hautfarbe, bz. von s elten u. od. 
nicld ordentlich gewaschenen Händen 
(Ohren, Gesicht etc.), worin sich der Schmutz 
so recht fest gefressen hat, sodass sie kaum 
rein zu waschen sind (din hande [bz. ge- 

J. ten üoornkaat Koolman, Wörterbuch. II. 



sieht etc.] sen so ingrimstig üt etc.) , alles 
liedtgn., die vom Begriff: trübe, unfrcund- 
l i c h, a b s t o s s e n d etc. ausgehen. 

in-li.ilig, inlialsk, habsüchtig, hegehrlich, 

5 gierig, geizig, -unverschämt etc.; — 't is so 

'n inhälsken kerel, dat he sm folk hast gh\ 

äten günnen is. Zu inhalen = einholen, an 

u. zu sicJi holen. 

in-liam, Einbucht, Einschnitt, ins Land 
10 hinein gehende Bucht des Meeres. — Auch 
lud. inham. (/. 3 ham. 

in-liok, eine nach innen, hz. in Etwas 
hinein gehende Ecke, bz. Winkel; — Ge- 
gensatz von Cithok = nach aussen vorsprin- 
15 gcnde Ecke. 

iu-ho](l, Inhalt. 

in-liol(len, einhalten. 

in-liolten, Inncn-Hölzer, inivendig sitzende 

Rippen eines Schiß's, aucli KrummUöher 

20 (krum-holten) genannt; — dat schip hed 

gode eken inholten ; — fig. auch von den 

Rippen, bz. dem Brustkasten des Menschen ; 

— d'r Sitten gen gode inholten in hum = 
er ist engbrüstig, schwachbrüstig, brustkrank, 

25 schivindsüchtig, bz. innerlich ungesund etc. 

Inka, wbl. Name. Ob ein ml. Name Inko 

noch vorkommt, ist mir unbekannt. — Der 

Name ist durch das lobl. „a" vom Stamm 

ing, ink, bz. ik etc. (cf. För stemann un- 

30 ter ic, Ingo) iveitergebildet , der mit dem 
Suffix ing, ig von könink, bz. könig (cf. 
ing) identisch sein dürfte, wonach denn auch 
der Name Iko zu vergleichen ist. 

Nach der unter ing angeführten, im Adj. 

35 inga liegenden Bedtg. : beweglich , reg- 
s a m etc. u. w u nderba r etc. ist nun der 
obige lobl. Name entioeder mit Emma (s. d.) 
sgnonym , od. derselbe hatte die Bcdtg. : 
Wunderbar e , od. auch (da inga auch 

iQ die Bedtg.: Kenntniss, Wissen etc. 
hat) Kenntnissreiche, Wissende, 
Weise etc. etc., edles Bezeichnungen, die 
sehr gut auf die afries.-germ. Mädchen u. 
Frauen passen. 

45 in-kamen , a) einkommen, eingehen, bin- 
nenkommen, hcrcinkouunen; — dat schip, 
bz. gold sal morgen inkamen ; — wnl ji wat 
inkamen? wollt Ihr etuHis hereinkoinmen? 

— h) Einkommen ; — c) eingekommen, ein- 
50 gegangen, hin)iengekommen, hereingekommen ; 

— dat schip is inkamon etc. 

in-kilp, in-kep, Einschnitt, Einkerbung. 
in-lijtj)en, inkepen, einhauen, einschnei- 
den, einkerben. 
55 in-kappen, ein-, bz. hinein-kappcn od. 
schlagen etc. 

in-kik, kurzer Besuch; — ik kam mau 

äfeu up 'n inkik bi di för; — ik wul man 

äfen 'n lütjen inkik holden. — Wörtl. : Ein- 

60 guck, Inspection, um zu sehen, wie's geht; 



IX-KTTvEX 130 IN-LICHTEN 

cf. inl{iken. Mau ffiif/t statt dcx^ini auch: in-kuleil. cinfjrahcn, einscharren = in 

kik-in, xcic z. B. in der licilcnaart: du iiiust eine Griihc (külo) machen ?/. bringen ; — 

in't 11]! 'n ..kikin'", man up 'n „sprckan" kamen. >vi hobben hnm iiiknlij. wir li.tlwn ihn l>e- 

in-kikcn. ein-, li-. hincin-ipiclm, nil.riii-, prahrn etc.; — kortiittVls inkülcn, Knrtnf- 
bc. hineinsehen ; — k'it mi ifr üfeii inkiken ; (i fein einscharren ((jeffcn den Frost) etc. 

— wen "k mörgon wör in d' stad kam, wil in-kiimst, Kinkommcn , Hereinkommen, 
'k äfon bi dl iiikikon, leenn ich morgen wie- J'Jinknnft etc.; — bi sin inkumst ; — be heil 
der cur Stailt komme, will ich ehen bei dir ßl inknmsteu (Einki'infte). 

einsehen, b~. vorsprechen. ill-küpoii, etwas in einen Bottich (Kufe) 

inkiksk, einyuckisch ^^ frei u. offen, 10 machen od. setzen, 

unrerdcckt etc. od. ^— wo man leicht hinein- in-kuponi, Ilcringe, Pökelfleisch n. son- 

sehen u. alles beobachten n. erspähen kann, stige cingr^ialrcne Lrbensmiltel beJinf einer 

tceil alles frei n. offen od. unrerdcckt ist; längeren Dauer u. Haltbar icit durch einen 

— do fonstors sunt so inkiksk, dat, man 't Böttcher (knpor) od. Fassbin/lcr in Fässer 
fan dp strät nt 't all" sön kan, wat d'r in biis 15 cinschliessen n. ei)ibi)iden lassen. 
förgfid; — do tun is, b:. ligd so inkiksk, iii-laden, einladen (zum Fest etc.; ins 
dat etc., der Garten ist — bz. liegt so frei Schiß' die Waaren). 

V. (ffen (ef. spöi), dass etc. ill-la^JO, Einlage. 

in-kipi»(Mi, einschneiden, cinkürzen, ein- in-laii|2;<Mi, einlangen, liineinlangen , ver- 
hauen, einkerben etc. 20 abreichen etc. 

ill-kliil^en , ein-klingen , anklingen, ein- ill-l;U, Finla.'^s. 

schellen etc.; — d'r is inkliuigen, es ist ge- in-latcn, ein-, hinein-lassen etc. 

schellt. in-l('(l nd. inldf. die Füllung des Feder- 

in-kliiij;«Mi. iii-klinkon u. auch Itcklin- bclts (Federn u. Daunen). — Nd.(Br.Wh.) 

^on . eiiitrncknen . einschrumpfen , kleiner 25 inlid, das innere Bett, worin sich die Dau- 

werden , zusammenschrumpfen , schirinden ; neu befinden u. welches in den äussern 

— wen do stönon drütcon un brand worden, Uebcrzug eingeleitet od. ei n gelassen 
den klinkon so nog diigtig in; — dat liolt wird; (Schütze) uilede, das innere lederne 
is to dägor inklungon; — dat dikko kind Polster eines Kissens, tvelchcs in den Ueber- 
srhal nog wo! boklingon. cf. 2 klingen. 30 zug gesteckt wird; pomm. (Dähnert) in- 

in-klinkoii , a) s. inklingon; — b) ein- lidd, das innere Bett, worüber ein Ueber- 
scltlagen. einnieten, Niete hineinschlagoi ; zug von besserm Zeug gezogen wird; im 

— c) (die l'hür) in die kliiiko schlagen, südl. Hannover (Scham back) inlät = 
einkli)iken: — do dür was man inklinkd un a) der Einlass; — b) etwas Fing cleg- 
nöt sfliuteld. cf. klinke «. klinken. 35 tcs; — c) Jedes Stück Inbett, welches mit 

in-krin;on, einkriegen, einholen, erreichen, Federn gestopft ist, im Gegensidz zu dem 
hineinholen , einheimsen , hinein bekfunmen Uebcrzug, worin es eingelassen wird, 
etc.; — ik kan linm not inkrigen, ich kann Die letzte Form „\u\iiV' gehört zu Ma-len, 

ihn nicht einliolen; — ik barr' bum bold ein-, bz. hineinlassen u. ist es das in den 
wör inkrägen, ich hätte ihn bald (bz. bei- dO Uebcrzug Eingelassene. Die andern 
nahe) wieder eingeholt; — ik liöb' min bnt Formen „inled, inlid" etc. indessen kommen 
g«*id inkrägon, ich habe, mein Getreide gut icohl von inlödon -^ alt: inlldan, ein-, bz. 
eingeheimsct; — ik beb min roggo d'r tan hineinleitcn, nach innen leiten u. führen. 
d' barfst möi bi drOgn wer inkrägen, ich Zu erwähnen ist indessen auch das nid. 
habe meinen Koggen diesen Herbst schön 45 leide —- logdc, legode (legte, legete) —- nd. 
bei trocknem Wetter in die Erde bekam- ledo (cf. bei Schütze unter lede), ivofür 
mcn ; — 't is so nat, dat man bäst hol gön ivij- kurzweg auch lä' u. lö' (u. die Nieder- 
körn in 't land inkrigen kan; — ik was so länder lei) sagen (ik lä' dat weg, ich legte 
mili, dat 'k 't büs hast hol not wör inkrigen das weg) , sodass die Form inlede auch 
kun, ich war so müde, dass ich das Haus 50 mit (das) Eingelegte übersetzt loerden 
fast gar nicht leieder erreichen konnte — könnte. 

wofür wir auch sagen: ik was so mBi un in-lp^, Einlage, das ein- od. hineingelegte 

of, dat 'k büs hast net wer halen (holen) kun. Geld, der Schoss; — he hed siu iiileg not 

in-krimpen , einschrumpfen, sich zusam- botäld. — Nid. inleg. 
menziehen etc. 55 in-le^^oii, einlegen, hineinlegen, einsargen. 

in-kroj»]»cn, in sük kroppcn , einfressen, in-le^f^cn, Einlegen, Einsargen; — de 

einschlucken, hinunterschlucken, in steh f res- hole familie is to 't inloggen n8gd. 
sen, in sich verheissen od. bei sich verdauen in-licliten, klar, deutlich, erkennbar v. 

etc.; — bö raut ful ferdröt un arger inkrop- rerständlich machen, Licht u. Klarheit in 
pen. cf. kroppon. GO eine Sache bringen, aufklären etc.; — de 



INLICIITUNG INLICIITING 131 IN-PENNIGD 

sakc mut rrst nog bäter inlicht worden, cf. (hinnen , hinein etc. , kämd binnen) verr/li- 

inlüchton. c/ien toerden ma(j , da ivir dieses atich als 

inllclitiiii^, inlichtiii^, inlichteri , Änf- Subst. mit der Bedtg.: Heim, Gemach, 

Tclärung etc.; -- hi' lied nii nog i^rn inlicli- Wohnung etc. gehrauchen, ivovon wir sa- 

ten gät'en, er hat mir noch keine Auf Idärung 5 gen: kämd in min binnen — ik gung in 

gegehen. min binnen = ich ging in mein Haus, hz. 

in-ligger, EinNeger. SpecieU: ein zeit- Heim, Gemach etc. AeJmlich hat auch das 

tveiliger Mitheivohner eines Hauses od. einer md. Snhst. inno die Bedtg.: Innigkeit 

Stube, der entweder gar keine od. doch nur od. eigentlich innerliches Wesen u.Sein, 

eine geringe Miethentschädignng zahlt. 10 Inwendigkeit etc., ohschon es von mhd. 

in-löj), a) Einlauf, Zuspruch, Besuch etc.; inne (innen, inwendig) u. inne (innig, im 

— dar is altul so föl inlop in 't hiis; — mhd. mnckeit, Innigkeit) nichtver.ichieden ist. 
b) Eingang etc.; — de inlop is bi de std Zu Ino sei übrigens noch bemerkt, dass 
fan 't bns, der Eingang ist an der Seite nach Strackerj an (jeverl. Bersonenna- 
des Hauses. 15 wen, pag. IG) dieser Name soivohl loic auch 

In-lopeii, a) einlaufen, hinnen laufen etc.; Enno aus älterem Agino (contrah. Aino) 

— b) eingelaufen ; — c) einholen, erreichen entstanden sein soll. 

etc.; — ik schal hnm wol bold wer inlopen ; in-ögsteii, einernten; s. unter ogst. 

— ik kun 't hiis hast net nier inlopen, ich in-paliiien, ein- od. hineinziehen, an sich 
konnte das Haus fast nicht mehr erreichen; 20 ziehen u. reissen, einholen etc.; — 'n tau 

— d) eingeholt, erreicht etc.; — ik harr' inpalmen, ein Tau einholen; --be palmd 't 
(hatte) hum al gau wer inlopen ; — e) ein-, all' in, er zieht Alles ein u. zu sicii. hin, rafft 
bz. hineinlaufen, einrennen, etc.; — he is d'r u. reisst alles an sich. 

inlopen (z. B. ins Haus od. Wasser etc.); in-paseu, mit den Füssen eintreten od. 

— 't hüs inlopen, das Haus einrennen, 25 einstampfen etc. 

hz. einstürzen, umtverfen, erstürmen etc.; — in-pennd, eingezapft, eingesteckt, verrie- 

f) ein-, hz. hineingelaufen, eingerannt, ein- gelt etc.; — de balken mntten inpennd wor- 
gestürzt etc.; — se hebben 't hus (de dör, de den; — de dör is inpennd, die Thür ist ver- 
mür etc.) inlopen, sie haben das Haus (die riegelt, hz. durch einen Zajtfen (pen) rer- 
Thür, die Mauer etc.) eingerannt. 30 schlössen, cf. pen u. pennen u. inpennigd. 

in-lös, auch iiilössiiig', inlössefi, Einlass in-pennen , a) einzapfen, Holz, durch 

etc.; — ik kun gen inlös od. inliissoii krl- Zaj)fen (pen) mit einander verbinden (tra- 
gen, ich konnte keinen Einlass bekommen bem injungere) u. zusammenschlicssen, indem 
= ich ko)inte nicht frei (offen, ungehin- die Zapfen (pennen) des einen Stücks in das 
dert) hinein. Zu lös = los, frei, offen 35 andere eingelassen iverden, um beide Stücke 
etc., cf. lössing = Entlastung, Entleerung, mit einander zu ferpennen (verzapfen) u. so 
Befreiung etc. u. = Oeff'nung. zu verbinden; — b) einen Zapfen (pen) in 

iii-middels, inmittelst, inzwischen, mittler- etwas hinein- od. vor etioas stecken u. so 
weile, währenddein etc.; — ho kwam inmid- verschliessen u. verriegeln ; — c) einschlies- 
dels hir. 40 sen, heschliessen , eindämmen, umschliessen, 

in-möbels, das innere, hz. im Hause he- einfriedigen; '— land inpennen, Land ein- 
findliche Mobiliar, die Haus-Möbel ; s. in- friedigen. 
bilde!, ingöd etc. in-pennigd, a) eingedämmt (vom Lande, 

Ino, Ine od. Ilino, ml. Name. Dimin. hz. einem Grundstück); ringsum' von einem 
(ml. u. whl.) Inke, Ihnke; Gcschln. Inen, 45 Damm od. einer Erhöhung umgehen u. so 
Ihnen, Ihnken. Wenn ich nicht irre, auch: nicht auf Ab Wässerung liegend, loeil 
kommt auch ein whl. Ina vor. cf. Forste- es rings umher höher als in der Mitte u. so 
mann unter In, wo er ags. Ine u. nhd. .abgeschlossen ist u. nicht abwassern kann; 
Ihn(e) zum ags. inn (doraus) legt, sowie auch — dat is 'n inpennigd stük land ; — dat 
den Namen Inno. Ino bedeutet demnach 50 land ligt so inpennigd, dat 't hei not ofwa- 
Hausherr od. Insasse, In- Mann tcrn kan; — h) verschlossen, dicht, undurch- 
etc., da das ags. inn entioeder ebenso ivic lassend, steif u. hart; — de erde is inpen- 
das an. inn (ein, hinein) u. goth. inn (cf. nigd, die Erde ist dicht u. undurcldassend 
innana, innan; inngaggan, ein-, hineingehen = nicht locker u. lose; — dat is hir so 'n 
etc.) eine von in (in, ein, hinein) erweiterte 55 ferdomden inpennigden grund, dat man se 
Form u. als Subst. mit der Bedgt.: Inne- hast mit de spä f/S[/)a<e?!^ net lös bräken kan. 
res (inn hat auch die Bedtg. Gemach), In- — ad a) ist zu bemerken, dass man ein Stück 
wetidiges etc. gefasst, od. eine Kürzung Land, ivas niedriger liegt als die Umgebung 
von inni = ahd., goth. inna (innen, inwen- oft absichtlich eindämmt (inpennd, s. inpen- 
dig, hinnen, im Innern) ist, loomit binnen GO nen) u. inpennigd hält, damit das von der 

9* 



IN-POLDERN 132 INSEL 

höher hegenden Umgehung nhflicssende Was- 2. in-sago, Einschen, Einsicht, Untcrsu- 

srr nicht über dasselbe hinfliesst n. es nicht chung etc.; — dfir mut avi inson 'n insriüo 

unter Wasser setzt, u. ist in diesem Fall na holden, of de köphrrf wol wiulJelk (statt 

gewöhnlich eine Wasscrschöjifmiihle dulci würdelk, wirklich) so liult , as liö uns dat 

angebracht, um bei anhaltend rcgnigtem 5 setrt lied ; — dar fan dat ])ük hob' ik iiog 

Wetter das betr. Grundstück trocken halten gen insage namcn, von dem Ihiche da habe 

zu können. ich noch keine Einsicht genommen = ich 

in-poldoni, Aussendciclisland mit einem habe mir den Inhalt desselben noch nicht 

Deich umgeben u. so zu ei)icm ■po\der machen. angesehen. Zu sen, sehen; cf. sag, sah n. 

in-potoii. einsetzen, einpjlanzen etc. 10 saggen, sahen. 

in-|irtMitoii, eindrücken, einprägen etc. iii-sato, Einsassc, Eingesessener. 

iii-|>r(i|)|)eii. ein, bz. hineinpfropfen. iu-scliikkolk, /»//.w??i, /o/^sv/)?;, verträglich 

in-radcn, sich versehen u. versorgen (mit etc.; — 't is 'n rogt inscliikkolk kiiul. Zu 

Etwas) , cinthun , einlegen , einscldiessen, schikkcn = fügen. 

hineinthun etc. u. zwar: a) Vorrath (na- 15 in-si'Iidstern, cinschustcrn, einsetzen, zu- 

mentlich Lebensmittel od. das, vas zum Un- setzen, verlieren etc. ; — ilc heb' niin ganse 

terhalt dient) einthun u. aufspeichern (körn büdol d"r lii inschösterd. 

etc. inraden , sich versehen mit Korn, bz. in-scliiineii, einblasen, eingeben; — kwäd 

Korn einthun) und b) Geld (in Etwas inschünen, Jiöses eingeben, zum Bösen an- 

mit) hineinthun od. einlegen, wie dies z. B. 20 treiben n. verleiten; — hO. liod nii dat iu- 

hei einer Wette od. einem Wettstreit sehr schund, dat ik nun moderappcls onuksoii siiT. 

häufig geschieht, indem der Wettende od. insel fi'/itr. insels), Insel. — il///f/. insele, 

die den Wettstreit cntrirenden Bersonen insel, isele. Aus lat. insnla , wovon auch 

herumfragen, ob Jemand mit inraden u. sei- ital. isola u. franz. Sie. 

neu Thcil an der betr. Wettsumme im Fall 25 Wenn Bott (s. Wurzelwb. I, 8Sj) das 

des Verlustis mit einschicssen loill; — ■ wen lat. insula erst als in-salo C= im Meere, bz. 

d'r wel mit mi inraden wil , den wil ik de im Wasser) deutet, so ist es wohl zweifel- 

wedde ingän; um 't allön to stän, darto is los, dass dieses salo uicht dircct von griech. 

nn de bedrag to bog. cf. raden u. namcnt- salos (^^ Schicenken, Wogen) hergeleitet wer- 

lich auch räd in seiner sinnl. Bedtg. 30 den kann, obgleich allerdings das griech. 

in-rakon, a) ein-, bz. hineinziehen, ein- salos u. saleiö wurzelhaft mit dem lat. sal 

scharren etc., namentlich das Feuer in od. (cf. solt etc.) sowohl, als auch mit unserm 

unter Asche, damit die glühenden Kohlen sol (s. d.) u. dem deutschen Sole (in Salz- 

nicht ausgehen od. völlig ausbrennen. Dies Sole = Salzwasser) u. dem lat. in-siilsns 

geschieht namentlich des Abends, um den 35 (ungesalzen) k. unserm sülte (Sülze) n. so 

folgenden Morgen gleich Feuer zu haben ferner auch wohl mit sula im Worte iiisuki 

n. ist idjcrhaupt nur beim Torfbrennen an- verwandt ist ii. zu einer J/ sar (bewegen, 

loendhar; — du kanst 't für man iiirakcn; wogen, fliessen etc.; beivegen, gehen, laufen 

't is taihn (10) i'ir, un börgertid to bcdde to etc.; bewegen, ivchen , hin u. Jier bewegen 

gän ; — b) hineintreffen, hincingcrathcn, 40 od. schwingen, schwenken, schlagen etc. etc.) 

hineinkommen etc.; — ik was d'r hast in- = sri «. = sal, sli etc. (cf. Ben feg, Skr. 

räkd, ich loäre da beinahe hineingeralhcn, Dict. unter sar, sal, sri) gehört, wovon auch 

bz. hincingeffdlen; — ik rük d'r midden in, das skr. sara ( Wasser, Teich, See, Sedz etc. 

ich traf da mitten drin od. hinein. etc., cf. Ben feg. Skr. Biet. 1022 u. dazu 

ins, iiison, eins, einmal, mal, bz. einst, 45 1038 auch noch sAra = srid n. mehrere 

einstmals etc.; — ik kwam ins fan Grün- andere Wörter von derselben J/, soioie ferner 

gen etc., ich kam einmal (bz. uud) von Gro- Bott, Wurzehob. II, 658 seq.) sich ableitet, 

ningen etc.; — kum ins (od. insen) her, Dass nun Bott (s. Wwzelwb., II, (id?) spä- 

komm mal her; — wen kumst du nu insen tcr einen unmittelbaren Zusammenhang mit 

bi mi, loann kömmst du nun mal zu mir; 50 dem griech. s?l\os verwirft, würde richtig sein, 

— 7n(d, einmal, doppelt; — ins so fT)l — doch kann ich ihm niclit darin beipßiclden, 

so gröt — sowid; — nog ins sogröt etc., «oc/t wenn er einen Zusammenhang von sula mit 

'n mal so gross. Nebenform von Ons =: afries. dem Vbm. esse {}/ as) vermuthet, trotzdem 

enes u. ensen etc.; s. bei v. liichthofen. su im lat. sum u. sunt (cf. sunt) allerdings 

in-säd, Einsaat. 55 mit esse von einer u. derselben }/ sta)nmt u. 

1. in-sage, Ein-Sage, Einspruch, Einrede Bott auch sul in Consul u. consulo etc. zu 

etc.; — insage don, Einspruch erheben; — dieser y zu .^teilen scheint. Ich mcincs- 

ik wil d'r gm insage up maken, ich will keine thcils halte nämlich den ZusammcnJtang von 

Einrede dagegen machen, cf. gesag, Ge- sula in insula mit dem skr. sara, bz. der y 

heiss, Befehl etc. ti. npsage. Zu seggen. 00 sar u. unserm sol (^^ a) Kielwasser [^= das 



IN-SETTEN 



133 



IN-WIL IN-WILS 



beioegte u. brodelnde Wasf^er etc.] n. 
b) der sumpfUjc, feiicMe, tveiche JLifenschliek, 
der stell aus dem Salzwasser absondert u. 
niederschläfft etc.) u. dem ahd. sol (Sole, 
Kothlache, Suvijif) für am nächsten liegend 
H. das „u" in insula ebenso wie das „o" in 
sol für eine Scliwäclmng aus urspr. „a", 
sodass insula tvörtl. ein im Wasser lie- 
gendes, bz. vom Wasser umgebenes Et- 
loas bedeutet. 

in-setten, ein-, hs. lünein-sctscn, einpflan- 
ze)i , einlegen, einmachen etc.; — sük war 
iusetten ; — 'n stük iusetteii, s. B. ins Kleid; 

— bomen iusetten, Bäume einpflanzen ; — 
bonea insetten, Bohnen eiiimachen ; — in- 
sett'de bouen, eingemachte Bohnen. 

iusgelik, iiiSÄlik, insglikeii, desgleichen, 
imgleichcn, gleichfalls, ebenso, dasselbe etc. ; 

— ik wünsk jo insgelik toi gelük iin sogen 
in 't neje jär ; — he is insgliks liir west, 
er ist gleichfalls hier geivescn. — Nid. ins- 
gelijk, iusgelijks. Die Vorsglbe ins ist zu- 
sammengesogen aus iu-des, tvie mhd. ins aus 
iu-es u. ist des gleich mit dem Artikel des, 
den icir gewöhrüicj^ in der Aussprache zu 
„s" verstümmeln. 

in-slag, Einschlag = a) eingeschlagene, 
od. umgeschlagene Kante od. Saum, Kalte; 

— b) die Querfäden beim Geioebe, dessen 
Kette schergärn heisst; — c) Math, Anlei- 
tung, Anweisung etc.; — ik heb' hum 'n 
goden inslag gäfeu; — d) der Anfang des 
Schulunterrichts nach beendeter Kerienzeit, 
100 die Schüler so zu sagen loieder in Kes- 
seln u. Banden geschlagen, bz. dem Unter- 
richt u. der Schulzucht unterworfen loer- 
den, nachdem sie die Kerien über davon 
ent schlag en u. frei loaren. — inslag im 
letztern Sinn ist Gegensatz von ütslag (Ent- 
schlagung, Kreigcbung, Entlassung etc.), loie 
wir von den eingespannten Pferden auch 
sagen: „dn kaust de perde man ütslan", bz. 
de strengen ütslan" , tvenn dieselben ausge- 
spannt werden sollen «. loonach dorn inslag 
soviel heisst als: „Einspannnng" u. ütslag: 
„Ausspannung" , weshalb die Kinder beim 
bevorstehenden Eintritt der Kerien dann 
auch freudig singen : inslag ! ütslag ! mor- 
gen is de leste dag. 

in-slagoii, inslan, ein-, bz. hineinschla- 
gen, einhauen, nach innen schlagen etc. ; — 
he hed d'r dügtig inslan; — de bliksem 
schal d'r inslagen ; — he hed d'r dügtig wat 
inslan, z. B. in den Bauch; — • de swet is 
hum inslan; — ferner: gerathen, arten, ge- 
deihen etc. ; — de juug, — dat körn etc. is 
god inslan etc. Vergl. Weiteres luiter slagen. 

in-solteii, insoltjeii, einsalzen, einreiben 
etc.; — flesk insolten; — \vi willen hum 't 
wer insolten, ivir loollen es ihm ivieder ein- 



reiben = ihm das loas er uns gethan, ivie- 
der vergelten. — Auch einsalzen = in Salz 
setzen, um es vor Verderbniss zu betoahren 
u. so überhaupt: bewahren, gut auf lieben, 
5 sparen, nicht sofort gebrauchen , zurüclde- 
gen, behcdten etc.; z. B. beim Kartenspiel, 
loenn Jemand eine gute Karte nicht sofort 
gebraucht, wenn er Gelegenheit hat, einen Stich 
damit zu machen ; — he hed sin as insoltjed. 
10 iii-soiien, insunon, eine Sühne in einer 
Sache, bz. ztvischen zwei streitenden Par- 
theien beioericstelligen , (einen Streit) beile- 
gen, sühnen; — de sake is wer insönd, die 
Sache ist wieder beigelegt, bz. gesühnt, cf. 
15 sön ti. sonen. 

iii-sprake, Einsprache, Einrede, Ein- 
spruch, Widerspruch etc. 

in-spräken, iiispreken, einsprechen, hin- 
einsprechen etc. 
20 iii-stappen, ein-, bz. hinein-stapfen, hin-' 
eintreten etc. 

iii-stippen, einstippen, eintunken, eintau- 
chen. 

in-taiige (Plur. intangen), nach innen 
25 gehender Anker von Eisen od. Holz, wo- 
durch eine äussere Wand, bz. äusserer Bal- 
ken etc. an ein innen fest liegendes Etivas 
befestigt u. vernagelt loird. So werden z. B. 
die Cayungen u. sonstige Ufer- u. Küsten- 
30 befestigungen mit eisernen od. hölzernen in- 
tangen versehen, damit sie nicht nach aus- 
sen hin ausweichen. Zu tauge = Zange. 

iii-teen, intejen, in-tüen, einziehen. 

internerd, verschlossen, unbeugsam, trotzig, 
35 eigensinnig , stolz, eingebildet, hochmüthig 
etc. — „'t is so 'u internerd un stolt ding" 
loird von solchen Mädcheii gesagt , tvelche 
ihrer Herrschaft keine od. keine ordentliche 
Antwort geben u. derselben einen unbeug- 
40 Samen Trotz u. Stolz entgegensetzen. Es 
ist das mit lat. internus verwandte, bz. dem 
deutschen interniren entstammende nhd. 
inter nir t. 

in-tog, Einzug. 
45 in-tunen, einzäunen. 

in-Avaneii, einivohnen etc. 

in-waner, Einwohner. 

in-we\\{[ein,einive7iden,Eimoand machen etc. 

in-wendsel, Einwand; — dat sunt all' 
50 man inwendsels, das sind alles nur Einwände, 
bz. leere Ausflüchte. 

in-weniien, eingeivöhnen. 

in-wike, eine nach innen, bz. ins Land 
od. Moor h i n e i n gegrabene wike od. Ne- 
55 ben-Canal, der sich von der Haupi-wlke ab- 
zweigt. — Pomm. (Dähnert) iumke, Ein- 
bucht, Busen ins Land hinein. — Nid. in- 
wijk = inham etc. 

iii-wil, iii-Avils, in der Weile, während 
GO der Weile od. Zeit, loährcnd dem, inzwischen 



IN-WIN^^EN 184 IS 

etc.; — iu-wil ik ilat de, währenddem ich Die Grdhdtg. ist: beiocgev, regen (er- 

das that; — hö was inwils liir, er icar in- regen, aufregen etc.; bewegt u. erregt sein 

zwisclicn hier. cf. wil, Weile, Zeit etc. etc., cf. unter winuen ». waden) u. bewe- 

in-winucii. cingewinnen, einholen etc. ; — gen ist = gehen, .^ich erheben etc., 

dat heb' 'k bold wer inwunneu, das habe 5 bz. eine Bewegung von irgend einer Stelle 

ich bald wieder cingcwonncn; — ik schal aus nach irgend einer beliebigen Seite hin 

liuiii wol bold wer inwiiiuen, ich werde (soll) machen. Diesemnach ist wohl die ]/ ar, bc- 

ihn wohl bald wieder einholen ;— ferner wegen, gehen etc. anzusetzen, loovon auch 

auch: einwerben, anwerben, einmiethcn etc.; ags. yrnan (in on-yrnan, aufspringen, auf- 

— he hed &111 folk up 't neje wer inwiimion, 10 gehen, sich erJicbcn), bz. iniaii (gehen, sich 
er hat sein Gesinde aufs neue wieder ein- erheben etc., cf. Pott, Wurzelwb., II, 5 
gemiethet, bz. eingeworben, cingedungen etc. seq.) sich ableitet. Als fernere Verwandte 
cf. winnen, ütwiniion etc. der y ar, ir etc. si)id unter andern vielen 

iii-wrifen. infrifen, einreiben; fig. ver- noch zu vergleichen: zend. ir, sich erheben, 

gelten etc.; — dat wil 'k hum insen bi ge- 15 aufgehen etc. u. ir, bewegen, in Bewegung 

iägenheid wer inwrifen. setzen (sich od. ein anderes), gehen, machen 

iper, Ulme: — tpernbom, Vlmenhaum. etc. (cf. Ferd. Justi,^Handwb. der Zend- 

— Xld. ijp, icp; ijpcnboom; mnld. (KU.) sjn:, 56 u. 59) u. skr. ir = v'vav, gehen, be- 
ijpcii-, cipou-, jipeii-boom, wo)nit auch das wegen, stossen, schütteln, werfen etc., cf. 

'bei KU vorlommende jipelijue (tilia nias) 20 Ben feg, Skr. Biet., 10')). Dass aber auch 

wohl im Stamm jip connex ist. Mit franz. Zaf. errare, erro, error, erratus etc., sojr/e (n(.ser; 

ypreaii (Diez, II, 139); S2)an. olmo de iro, ir, irre, irr, verkehrt — mal, ferbi- 

ipre von ihrer Abstammung aus Ypcru in sterd etc. (tr in do kop; — ik ward gaus 

Westjlandern , woher auch unsere Bedens- ir etc.); ire, Irre (ik biiii hei in d' ire = 

art : he siigt iit as de dud fan Ypern , die 25 in 't wilde ; — he is in (V ire kamen) ; — iren, 

gebraucht wird, wenn Jemand in Folge eines irren = dören, dwalen, walen etc. ; — irig, 

Schreckens od. einer Ohnmacht kreide- irrig = mul, dwalsk etc. (irig in de kop 

weiss aussieht. = irrsinnig) u. goth. air '/As fZ/TC, erroneus), 

iponi, ulmcn, von der Ulme etc. ; — ipern- airzitha (error, Verführung, Irrlhum); airz- 

holt, Ulmenholz. — Nid. ijpern; s. iper. 30 jan (irreführen etc.) etc. nebst ahd. irri 

Ipiio, Ippe, nü. Name. Geschln. Ippen. (com rechten Wege abgekommen , unsicher, 

Wohl mit Ibo, Ebo, Eppo ». Jibbo eines schwankend, verirrt etc. = ferdwäld) u. irre, 

Stammes, cf. dicserhalb bei Forst emanii er re (Zorn, Verirrung, Irrthum); irran (in 

unter ib, tco er auch den bei Adam v. Brc- Verirrung bringen, irre machen, irren, stö- 

men vorkommenden Namen Yppo aufführt. 35 ren etc. = as. irrjau, irrean etc.) etc. etc. 

ipske, od. ibsko ; /. q. imelke, spirke (cf. ebensowohl wie das goth. airiis (Bote) etc. 
imcl, spir) etc., nämlich: Körnchen, Brock- sich von der ]/ ar, ri, ir ableiten, ist zwei- 
chen, Kr um eichen. Geringstes etc. ; — d'r feilos, da die Grdbdtg. dieser Wörter sämmt- 
is gen ipske afer bliifen; — he kan gen lieh auf dem Begriff : beweg e n , gehen etc. 
ipske misten, er kann nicht das Geringste 40 beruht u. Iren (irren) soviel heisst als: b c- 
missen. Es ist ein Dimin. von einem obs. loegen, gehen irgend wohin = zioeck- 
Stamm ip, ipe od. !ps, Ipes , der vielleicht los umhergehen u. wandern, ebenso 
die Bedtg.: Ettoas u. so als Dimin. die wie auch die y \r neben bewegen, gehen 
von: geringes Etioas, kleines Et- etc. die von schütteln, schioi n gen, 
IV as etc. halte. Diesemtiach vergleiche ich 45 schioanken = hin- u. herbeioegen 
das von Grimm aufgeführte epper, eppes etc. hat tt. das ahd. irri auch mit: schwan- 
(ali(iuis, aliquid) für: etwer, etwas, tvo- kend, unsicher etc. übersetzt loird. 
nach dann ipcs für ippes od. eppes stehen is, ist, d. h.: hat Sein. Auch nid, is für 
würde. ist u. ags. ys, was mit lat. est, griech. esti, 

h'P, zornig, heftig, leidenschaftlich erregt, 50 Iit. esti, aslav. jesti, russ. etj, böhm. gcst etc. 

aufbrausend; Subst.: Jähzorniger, Brause- aus der Grdform asti entstand u. mit dem 

köpf etc.; — he is 'n regten Ire. — Afries. Suffix ti von der y as, sein, exisliren etc. 

ire (by ira mode = im Zorne); irst (er- weitergebildet ist. cf.Bopp, vergl. Gramm, 

zürnt). — • As. irri; ags. yrre (Aufregung, I, 235 u. II, 376 etc. 

Zorn, u. [AdJ.J aufgeregt, tvild, zornig); 55 Wie indessen unser war (wahr = wirk- 

yrringa (wild, zornig) u. auch: eorre (ira- lieh, gewiss) auf der Grdbdtg.: seiend, 

tus); irsung (iracundia) ; engl, ire (Zorn); existirend. Sein habend etc. beruht 

irchü (zornig, wüthend) ; irascihle (zum Zorn u. ebensowohl wie das nhd. tvar u. unser 

geneigt, reizbar). — Lat. ira (Zorn, Auf- was (= exisfirtc, lebte, hatte Sein etc.) zum 

regung etc.). 00 Vbm. waseu (sein, leben, cxistiren etc.) ge- 



IS 



135 



IVER IVERN 



hört, so stanu'.d auch das polii. isty, istiiy, 
istuo (= geivixs, wirlclkh, wesentlich etc.) 
mit dem ohiycu osti, asti etc. von derselben 
y as, ivcgcn welcher hei Vott (Wttrzclwb. 
II, zweite Abtii., pag. 2:!S bis 270) das ITtv'- 5 
tere verglichen iverden mag. 

is, Eis. — Bedensart. : uj) old is früst 't 
ligt; — ua Icchtmt'S trocd de fos 't is 
uet mer; — up d' lütje niimmers-dag ('= 
Nimmer s-Tag), wen de kalfor up 't is dan- 10 
seu. — Nid. ijs ; mnld. (KU.) eys, ijs; 
ahd., mild, is ; ags. is ; nfries. is ; an. iss 
(IHur. isar). Wie Grimm meint, soll es 
mit dem Worte Eisen (ferrum ^= Har- 
tes od. Glänzendes, cf. iser) ii. ferner 15 
mit goth. ais (Erz, Metcdl) u. lat. aes etc. 
etc. verwandt sein, worilber Weiteres unter 
2 ären zu ersehen ist. Das zend. igi (Eis) 
gehört demnach nicht hieher, scheint jedoch 
mit jökel = ags. gicel venoandt. cf. jedoch 20 
Fiele, I, 30, der es mit zend. i^i von einer 
y IS (gleiten) ableitet. 

iselk, s. islik. 

1. isen, eisen = Eis schlagen u. brechen 
etc. ; od. im Eise arbeiten, mit Eis sich be- 25 
mühen etc.; — wT sunt fan dage an 't od. 

bi 't isen; — wi hebben hum wer lös is'd; 
— dat schip lös isen. Auch zu Eis wer- 
den, g efrier en etc. in glad-isen ('t lied 
glad-isd). 30 

2. isen, grausen, schaudern machen, er- 
schrecken, Schrecken u. Furcht empfinden 
etc. ; — dat is'd mi d'r för. — Ahd. agison, 
egison , ekison ; mhd. eisen (erschrecken, 
Schrecken u. Schauder empfinden) ; mnld. 35 
(KU.) eysen, ijsen (horrere etc.); nid. ijzen; 
hess. (Vilmar) eisen; nd. (Br. Wb.) aisen 

u. (Schambach) eisen, escn (schaudern 
etc.). ^ Zu goth. agis (Furcht etc.). cf. aisk 
M. islik, soiüie fresen = fürchten. 40 

iser, isder, Eisen; — Bedensart: man 
mut 't isder smäden as 't nog het is; — 
man kan gen isder mit banden breken; — 
be is 'n kerel fan isder un stäl. — Nid. 
ijzer. Äs., ahd. isaru ; mhd. isern, iser ; 45 
goth. eisarn ; an. isarn ; ags. isern, afries. 
isern , iser , isrn , irsen , irscr. Statt an. 
isarn auch iarn , wozu nfries. jaarn stimmt. 
Daneben ahd. isan, isen ; mhd. isen ; ags. 
isen = 7ihd. Eisen, cf. wegen der Grd- 50 
bedtg. (als Glänzende s etc.) unter is u. 
im Beowidf von 31. Heyne unter Inig., wie 
desgl. auch unter harnas. 

isig, eisig; — dat is je isig kold; — 'n 
isigen lüclit, eine eisige Luft. — Nid. ijsig ; 55 
ags. isig ; ahd. isec (eisig, voll Eis). 

is-jökel, Eis^- Zapfen. — Mnd. isjokel 
(auch iskekel , iskegel) ; ags. (is) gicel, des- 
sen g aus j verdichtet ist, od. wie dies mit 
j auch in unscrm jökel der Fcdl ist, ein un- 60 



organischer Vorschlag vor icel ist. cf die- 
srrhalb ags. gif, gyf = urspr. if (cf. engl. 
if) = ahd. iba, ubi, oba ; mhd. obe, ob = 
afries. cf, jef etc. tinter of (= ob, tcenn, 
oder) u. wegen icel od. jökcl s. unter die- 
sem Wort das Weitere. Das ags. gicel, bz. 
icel steckt auch im engl, icicle ^= icc-icle. cf. 
jökel. 

isk, isk, mit Aphaeresis sk. Endung = 
nhd. isch in Adjectiven u. Substantiven, 
lüie z. B. . . schelmsk (schelmisch), gladsk 
(glatt, gleitend, glattartig), fretsk (fresssüch- 
tig, gefrässig), bigelöfsk (abergläubisch) etc. 
— marsk (Marsch = marisk, meerisch, 
sumpfig, tvässerig etc.), minsk (Mensch) 
etc. etc. 

Sie ist = mit cdid. isc, iscb ; as. isc ; ags. 
isc ; goth. isk u. isks (cf. ahd. meunisc, men- 
uisch ; as. mannisc ; gotJt,. manuisks ; ags. 
mennisc = human us, d. h. dem Mensch ge- 
nannten denkende n Wesen e n t sp r e- 
chend u. angepasst od. an gehörig 
u. eigen etc. [als Weiterbildung von: 
manna, y man, denken etc.] = menschliche 
Person, od. eigentlich = Denkender); 
afries. isk (z. B. in agripinisk) ; an. skr statt 
iskr (in racnskr = liumanus) etc., dem im 
Subst. noch ein a od. o (anscheinend mit 
der Bedtg.: Person, Wesen, Geschöpf) 
angehängt wurde, was indessen später (cf. 
an. menska = humanitas u. afries. man- 
uiska, as. mennisco ; cüid. mannisco = mhd. 
meuscbe, mensch) loicder abfiel. Nach Ana- 
logie von abulg. isku, isky (in mazisku, ma- 
zisky = mätndich, — plutisku = fleisch- 
lich, — nebesisku = himmlisch) = slavo- 
deutsch iska (cf. Schleicher, Com2)., 478); 
lit. iszka u. goth. iska (in barniska = kin- 
disch); ital. isco H. lat. iscus (dem auch 
wohl iscum u. griech. iskos in hibiscum = 
griech. ibiscos =: Eibisch, Ibisch [cf. ahd. 
iwa, dän. ibe = nhd. Eibe] entsprricht) etc. 
scheiid es indessen, als ob auch die En- 
dung isc im Adj. mannisc (s. oben) eine 
Kürzung von der vollen u. urspr. Form 
isca ist, sodass auch hier das ScJduss-Si 
ebenso loie im Subst. Mensch (=■ urspr. 
manniska) später abfiel. 

isk, iskeii, cf. esken, eisken. 

isk, isker, cf. 3 csk. 

islik, hclk, gräulich, fürchterlich, schreck- 
lich, abscheulich etc. ; — dat is je iselk ; — 
iselk kold; — iselk slim etc. — Nid. ijsselijk; 
mnld. (KU.) eyselick, ijselick; ahd. akislih, 
egislih, ekislih ; mhd. egeslich, eislicb ; as. 
egislic, eislic, ags. ageslic, cf. aisk. 

Itze, Itseii etc., s. unter Idse. 

iuj) = jup, up etc., s. unter up. 

iver, ivern, s. ifer. 



136 JAGD 



(der Halbrocal Jot). 

j toird deshalb ein Ilalbvocal genannt, 10 Otfried die Formen jo, ja u. scliioed. ja, 

^ccil er bald dem Consonanten „g" n. „k" jo, soivie iveiter Fick, III, 243. 

(cf. jid, jiclit, jiitrcn, Janen etc. ii. auch im Jabbo, Jabbo u. Jabo, ml. Name; Geschln. 

fries. Archiv von Ehrentraut, I, 218) Jubbcn. FjS ist (mit vurschlagendem j, (/. 

tt. dann auch wieder dem Vocal „i" ent- unter j, u. den nachfohjenden Wörtern wohl 

spricht, tcie dies schon unter dem zu ver- 15 derselbe N'ame toie Abbo, tcährend Sjabbo 

gleichenden Vocal „i" bemerkt ist. In vie- wahrscheinlich loicdcr aus Jabbo (mit gc- 

len Fällen Jedoch ist er auch blosser Vor- zischtem j) entstand, cf. auch Jibl)0 und 

schlag, der indessoi stets der Dehnung od. StrackerJ an (Jeverl. Fersoncnnamen, pag. 

der Brechung eines einfachen Vocals in 26, Nr. 72), der es zu f>ab (geben) stellt. 

zwei Lauten seinen Urspru)ig verdankt, wie 20 ja-bröer, Ja-Bruder (qiii omnibus assen- 

dies z. B. /» jadder, jfikol u. andern Wor- titur) ; daher auch: ein unselbstständiger, 

tern der Fall ist u. auch im africs. sehr scJtwacher , loillenloser JMoisch, der keine 

häufig geschalt, wegen dessen afries. jelmissc; eigne Meinung hat od. sie nicht zu äussern 

(Almosen), jelne (File), jelre (Erle) etc. bei wagt; — 't is m'oI 'n goden kcrel, man 't 

V. Kichthofe n im afries. Wb. unter cl- 25 is 'n ollen ja-broor, de gin minsk tagen ka- 

misse, eine u. elre etc. verglichen werden men diird. cf. jäcii. 

mögen. Wegen Vorschlagung eines j auch Jacht, jat'litern etc., .s. jagt etc. 

im sl avischen cf. Pott, Wurzclwb., II, jaddc, jedde u. (cf. scliarre = schaddo, 

76 u. ferner wegen j u. y für g in Bd. Schatten) jarre; water-jadde, Ackerspörgcl 

III, 54. 30 (spergula arvensis). Derselbe heisst auch 

ja, ja, tja, die reine Affirmation od. Be- gärnwindc , uägcnkne etc. Sie hat zwei- 

Jahungs- Partikel j a, icobci die zweite Form theilige, vielgegliederte Stengel (daher inigen- 

eben tiur das mit grösserem Nachdruck gc- kno) u. quirlständige, fadoiförmige Blätter, 

sprochcne einfache ja ist u. die dritte (nüm- woher ivohl der Name: gärnwinde von garn, 

lieh tja) mit noch stärkerem Nachdruck u. 35 Garn. Vergleichen tcir jicht = Gicht, jid 

vermehrter Ungeduld ausgesprochen tvird, (afries. jeth) = gat etc., so steht jaddo viel- 

sodass man ja als den Positiv, ja als Com- leicht für gM\dc, was möglicherweise /»/< gad- 

parativ u. tjii als Superlativ bezeichnen der (Gatter, Gitter) zum Vbm. gadon (vcr- 

kön)ite, wie z. B. in: ja! ik wil kamen; — einigen, verbinden, verknüpfen, verschlingen, 

ja! du liest 't je wol hürd , dat ilc kamen 40 durch, u)n, od. i)i einander scJtlingen, win- 

wnl'; — tjä ! kanst du not hoicn? 'k heb' den etc.) gehören könnte, mit dem auch nhd. 

dl al twemäl toropon , dat 'k kamen wul' ! Gatte u. gatten (cf. gade) connex ist, 

— Auch Subst.: ik lieb' Iiuni 't j a gafeu weil eben diese Pjkotze ein wir r es u. viel- 

etc. ver Schill ng ene s Gewächs ist. Verglei- 

Als Nebenformen von jd etc. sind auch je 45 chen wir edier jepke, j«3i)ko = wipke, so 

u. jo gebräuchlich u. zwar auch mit ver- könnte es auch mit wed (Unkraut etc.) con- 

schiedenem Nachdruck (ds je, je w. tje, wo nex sein. 

das „e" toie im nhd. Jetzt ausgesprocJien jadder, s. jidder. 

wird; z. B. je! 'k wil kamen; — je! wat '^ixt'w, Jähen, Ja sagen, bejahen, zustimmen 

lofst du wol? — tje! mrust du den, dat 'k 50 etc.; — he jäed, bz. jä'd altid; — de olde 

dat ni't net so göd döii kan, as duV jäbröer deid d' mund not .anders apon, as 

M'rgcn jo = ja c/. die liedrnsart: do dat um to jäen. — Das „h" im nhd. bejahen 

jo Mich wer; — du must mi dar jO nrt bi /,s'^ unorganisch u. eingeschoben, ivie bei 

kamen etc., loo es allerdings nur (ds Be- Grimm unter bejahen zu vergleichen ist. 

kräftigungspartikel u. iiicht als reine Affir- 55 Mit dem ahd. jelian (sagen, sprechen, be- 

malion gebraucht ist. — Africs. io, bz. je, kennen, he'püien, zustimmen etc., cf. jiditeu 

ge ; ags. ia, gea (cf. v. liichtho fcn unter u. bichten) lud ea dircct nichts gemein, da 

ie); engl, yea; as. ia, bz. ja; an. ia, bz. dieses anscheinend auf goth. jah zurück- 
ja; ahd. ja, ja; goth. jai, ja. Vergl. auch geht, toähroid jäen von}ii weitergcbildcl ist. 
Seh melier, II, 202, sowie ferner bei GO ja^'l, od. ja^t, Jagd, Jagen des Wildes 



JAGDNET 



137 



JAGTSK JAGSK 



etc. = Verfolgung des Wildes od. sonstiger 
Beute, um es zu greifen u. zu erlangen; — 
he is up de jagd na fögels, fisken, wild, geld 
etc. etc. ; — he is helsk (höllisch) up d' jagd 
fersilten. — J.7tfZ. jagid ; jh/j*^?. jaget, jait,jeit; 
nid. jagt. Zu jagen; cf. auch jagt etc. 

jagdnct, ein langes, die ganze Breite eines 
ahzutreihcnden Gewässers (Weiher, Canal, 
Tief, Meiner Fluss etc.) einnehmendes Fisch- 
netz, in welches die Fische durch IHätschern 
im Wasser (mittelst der sog. Pulsstöcke) 
hineingetrieben od. gejagt werden. 

jagen, Jagen; (jage, jagst [jachst], jagt 
[Jacht] etc.; — jog, jögst, jög etc.; — jagt 
od. Jacht [gejaget] u. jagt, jagd etc.) ; — 
de wulken jagen dor de Uiclit; — de wind 
Jacht dat water afer de dik ; — he jög hum 
mit de pitsk üt 't hiis ; — dat schip (de wa- 
gen, — dat pürd etc.) jagd d'r hxngs, dat 't 
so 'n ärd hed; — he is hen, um hasento ja- 
gen ; — he jög hum de dägen in 't lif ; — 
he jagt 't al dür de käl, wat he ferdend. — 
Sprichic: de 'n ander jagen wil, de mut 
sülfst löpen. — Nid. jagen (joeg, gejaagd 
etc.); ahd. jagön; mhd. jagen (jagen, trei- 
ben, schnell bewegen, eilen), cf. auch S c hm el- 
ler , II, 265 etc. ivegen der verschiedenen 
Formen u. Bedtgn. Vergl. bei Pott, Wur- 
zelwb., I, 2S7 die y ya, od. yä (bewegen, 
gehen, treiben etc.), Grassmann y yah 
(eilen etc.) u. Schleicher com}]., 102 die 
y ja, ivelch Letztere eine Nebenform von 
ga (gehen etc.) ist, während ya (cf. Ben- 
feg, Skr. Dict., 738) von y „i", gehen etc. 
entstand. Vergl. auch Fiele, II, 200. 

jagen, statt gägeu (gegen). — Nid. jegen, 
jegens. Davon: 

jägeiicn, gegenen. Nur in be- od. hijä- 
geueu, begegnen, behandeln etc.; — he is 
mi nich bijägend; — lie bijägend sin folk 
mau sk^gt, er behandelt sein Gesinde, bz. 
seine Untergebenen nur schlecht. — Nkl. be- 
jegenen. Es ist das von ahd. gagan (gegen, 
wider etc.) weiter gebildete ahd. gaganjan, ka- 
gaunen, gagancn, gagenen, kegineu ; amhd. 
gagenen, entgegenkommen, entgegen treten, 
begegnen etc. Wegen des Stammioorts jagen 
s. unter gägeu. 

jagei', ein Ftwas (Person, Wesen, Ge- 
schöpf, Ding etc.) loas j a g t, treibt, eilt etc. ; 
daher: a) ein schnellsegelndes für die Fil- 
fahrt bestimmtes Schiff ; z. B. härings-jager, 
ein Schnellschiff, welches die büseu begleitet 
u. den ersten Fang der ganzen Ilerings- 
flotte rasch an den bestimmten Markt be- 
fördert; — b) der Junge, tvelcher die Pferde 
vor der trekschüte reitet u. treibt; — c) ein 
Segel an der zweiten Verlängerung des Bug- 
spriets, dem sog. jagerstok. Dieses Segel 
kömmt nach Bobrik nur auf Schmucken, 



Kuffen u. Ilukern vor u. vertritt auf 
diesen dasjenige Segel, ums auf andern Schif- 
fen klüver heisst. Sodann, loird d) eine mit 
Eisen beschlagene hölzerne Schaufel auch 

5 jager genannt, ivahrscheinlich weil sie zum 
Wegschaffen u. Austreiben des UnrcUhs (z. B. 
in den Stallungen u. Gossen) gebraucht ivird. 
Auch gab es früher eine ostfries. Münze (cf. 
0. L. B., 907) die jager hiess. 

10 Jäger, Jäger. — Ahd. jagari, jagere ; mhd. 
jilgere, jegere, jegcr etc. 

jagere, Gejage, Gehaste, Geeile etc.; — 
dat is so 'n jagere. Das der Form nach 
identische ahd. jagerie hat die Bedtg. : Jä- 

15 gerei, Verfolgung etc. 

jäger-stOl, Jägerstuhl. — Schcrzh. Ee- 
densart: stak de dum in de närs un mak 'n 
jägerstöl. 
jägner, Gegner, Widerpart. Zu jagen, 

20 bz. jägenen. 

jagt, Jacht, in verschiedenen Bedtgn. ge- 
braucht, als: a) Eilen, schnelles Treiben etc., 
Flucht, Fliegen, Fliehen; — d'r sitt so 'n 
Jacht in d' lücht (von den schnellsegelnden 

25 Wolken), bz. in 't water (vom Wasser, 
wenn es rasch fliesst u. strömt); — he 
hed so 'n jagt up 't läfend, er ist so eilig, 
eifrig, hitzig etc., brennt vor Eile 
u. Eifer etc.; — b) vom br ünstig sein, 

30 weil in der Brunstzeit die Thiere sehr 
unruhig u. hastig sind u. vielfach umher- 
jagen od. birsen, loie z, B. Pferde, Kühe 
etc. ; daher jacht auch = Brunst; — he hed 
de jacht up 't läfend ; cf. jagtig, jagtsk u. 

35 jagtcrn ; — c) von einem Schnellsegler, einem 
Jachtschiff; — he hed sük 'n lütjen jacht 
buen laten. — Nid. jacht etc. 

jagtern, jachtern, jiclitorn, Jochtern, 
Jnchtern, j achtern, sich spielend u. neckend 

40 u m h er t r eib e n u. jagen, Jagd auf 
einander machen, um sich zu haschen u. 
fassen, ivild umherrennen etc., toie dies von 
Kindern u. namentlich Mädchen, jungen 
Leuten beiderlei Geschlechts , jungen Pfer- 

45 den u. Binder n in der Weide, od. Thieren 
in der Brunstzeit etc. geschieht; — de kin- 
der (bz. hunde) jachtern (juchtern etc.) mit 
'n ander; — de perde jachtern in 't land 
herum; — 't junkfolk jachterd gern mit 'n 

50 ander. — Es ist ein Freq. von jagen u. von 
jagt weiter gebildet. Daher Subst. : gejach- 
ter, gejuchter etc. (de kinder maken so 'n ge- 
jachter; — 't is so 'n gojachter dür 't hüs 
etc.) u. jachtere = spielendes u. necken- 

55 des Jagen, Fliegen u. Hennen. Auch bei 

Schütze (holst. Idiot.) u. S c h a m bach (nd. 

Wb.) jachtern u. sonst auch (cf. B r. Wb. u. 

Dähnert) j achern. Vergl. auch nid. iagten. 

Jagtig, Jachtig u. 

60 jagtsk, Jagsk, hastig, eilig, hitzig, brün-' 



JAGT- od. .TACflT- WEIDE 138 JAMMERN 

stig etc., d. h. von dem ,,w»s jagt hesafft" hals (</. jank Jt. jauken) od. hüngl die erste 

bese>:senu.erfasstod.eingeii(>»iiiieit etc.; Jacht Silbe yak gar wegen der liedtg. Gier etc. 

hallend etc. — (/. die Kndungcn: ig ». isk. od. g icr i g se i n, vcrlangeii,trachten 

yd^t- od. jaclit-wpidc . das Absteige- ii. nach etc. mit der y yak cusammen, die (cf. 

l-jütree-Ziinmer , od. die allgemeine Gast- 5 P ott, Wiir::chvb., II, -weite Abtii. ölH) eine 

Stube eines Wirthshanses , wo:u Jeder ein- Nebenform eon ir ((/. öskcii) ist':" cf. auch 

kehrende Gast den freien Zutritt hat. Die- jakke-piis. 

scs aus jagt (Eile etc.) u. wi'ide (liabitatio) jakluilscii , heftig u. .■<tarJc nach Etwas 

zu.sammcngcsetzte Wort ist eine seltr jias- verlangen u. trachten, heisshitngrig u. gierig 

sende Bezeichnung des allgemeinen Gast- 10 sein etc.; — he jakhalsil d'r na. 

simmers, indem dies in Wahrheit eine „Eile- jäkjp, Jiuhchcn; s. jak. 

Weide'' (Stätte, Ortod.Aufenthalt) jakke-püs ; i. 7. jaklials u. setzt dieses 

ist, indem dahinein Alles Jagt u. eilt u. mit piis (Katsc) zusammengesetzte Wort an- 

darin nur einen flüchtigen Aufent- scheinend ein mit yAwkcw synonymes u. ident. 

halt )iimmt u. nur hurzc Zeit (in der 15 Verb, jakken coraus. 

Eile) rastet. jak-slip, Schooss der Jaclce. 

Jak, Jacke, ein kurzes Obcrkleid ohne Jakub , Jakii]» , ml. Käme Jacob. — 

Schösse od. doch nur mit ganz kurzen Sprichw. : .,wat imit man uOt all' hören," 

Schössen, loährend ein Bock stets lange sä' de dofe Jakub. 

Schös.'<e hat. JJas Dimin. jakje od. jaktje 20 iammar, Jammer, drückendes u. behistigcn- 
bezeichnet ein kurzes Oberkleid für ivcibl. des Schmerzgefühl, z. B. im Kopf; — ik 
Personen u. lourde solches hier früher im harr' (hatte) tan morgen so 'n Jammer; — 
Bürger- u. Bauernstande ganz altgemein ge- lautes Wehklagen in Folge grossen Schmer- 
tragen, 7cührend es Jetzt immer mehr dem zes u. herben Verlustes; — man hürd dar 
kl("'d (dem langen weiblichen Kleide) weicht 25 niks as jammcr un suchten; — ferner auch: 
u. fast nur noch vom geringeren Stande zu Herzeleid, Elend, Kummer etc.; — se hed 
Hause getrugen icird. — JVW. jak ; ^'////Z. jack ; al f'ul Jammer un elend bclafd; — dat is 
scÄurJ. jakka; f/ä/?.jakke ;/;•«;<-?. jaquc; .S7;a». jammcr, das ist Schade, bz. traurig, zu bc- 
jaco ; ital. gxüico. — Es soll nach Ducange\s dauern etc. — Nid. Jammer; mnld. Jamer; 
Vermuthung (cf. Diez, I, unter Giaco) 30 ahd. Jamar, Jämer, ämar, amer ; mhd. Janicr, 
seinen Namen zufiülig von einem Iliiupt- amcr; afries. iamer; ags. geomor, gconier 
ling von Beauvais Namens Jaque erhalten (Jammer) n. ahd. Jämar, ämar; as. J;unar, 
haben. Da indessoi der Grdbegriff: Decke, giam^iv, jixmor (schmerzlich, leidvoU) ; schwcd. 
Bedeckung, Hülle, Schützendes etc. jaemmer (Jammer). Davon: 
viel natürlicher als zu Grunde liegoid an- 35 Jammern, jammern, heulen, ivcJtklagen, 
zunehmen ist (cf. unser wäd u. gewäd, Ge- kläglich schreien etc. u. zwar gebräuchlich 
wand, Kleid etc. von goth. vidan, binden, von JSlensch u. Thier, wie namentlich auch 
verbinden, knü2)fen, .stricken etc.), so ist viel- von den Katzen zur Brunstzeit, wie das 
leicht da-^ griech-iöge (Schirm, Schutz, Decke, hess. jimmern; — ferner das Subst.: ge- 
Hüllc) zu vergleichen, toas mit Jük, bz. tat. 40 Jammer, Geheule, Geklage, anhaltendes kläg- 
Jugura u. Jüngere etc. zur y yng (fesseln, liches Geschrei u. Gewinscl etc. von Mensch 
binden, verbinden, zusammeidn'nden , ver- u. Thier (ik kan dat gejammer uet langer 
einigen etc., cf. Joch = Ges])ann) gehört, in d' uron iitholden), sowie die AdJ.: jammer- 
icährend y yug selbst eine Erweiterung von bärtig, beklageiisicerth, ganz erbärmlich etc. 
y yu (binden etc., (f. Ben feg, Skr. Diel., 45 (dat sucht dar nu Jammerliartig üt) ti. jam- 
7-13) ist. Wegen des Scheltworts schubbe- moritk (Jämmcrliclt). 

jak (von schubbeu = reiben, kratzen etc.) Bern. Wenn man die obigen Formen 

^=^ Jemand, der die Jacke schubbt od. reibt vergleicht, so scheint es als sicher angenom- 

u. scheuert etc. vergl. bei Schütze in men werden zu dürfen, dass das „j" aus 

seinem Idiotikon unter Jakk, wo mit die- 50 „i" (wie in J e, J emals. Jemand etc., cf. 

Sern Wort ein Scheuer- od. lieib- Pfahl emand etc.) entstand u. dass ia in iamar 

(cf. schurpäl) bezeichnet wird. eine Brechung von „ä" in ämar ist. Da 

Jak. Selten <ds ml. Name, aber als Ge- nu)i ferner das ahd. ämaron ; mhd. ämcren, 

schlechtsname (z. B. Johann Jak) häußgrr ämern (Scclensehmerz emjißnden, sehmerz- 

vorkommend. Doch wohl eher von Jacob, 55 lieh verlangen, bz. traurig u. klagend sein 

bz. franz. Jaques gekürzt, als aus Johan etc.) u. das an. anira (Jammern, heulen etc., 

verdorben. von Katzen) dieselben Wörter sind, wie das 

jak-lials, ein ausgehungerter, gieriger, bei- neuere Jammern, so scheint es mir zweifcl- 

telhaf Icr, verkommener u. dabei frecher Wi< hl. haft, ob das „ä" in ahd.. ämar wohl urspr. 

Steht jak-hals vielleicht für älteres jank- 00 lang war, zumal beide Wörter anscheinend 



JAN 139 JANHAGEL 

mit dem an. ama (belästigen, beschwerlich sin slafe is, kumt seiden wer d'r fim; 7- de 
sein u. werden, Last, Beschwerde , Druck erst an d' janever fersläfd is, de is mit is- 
u. Mühe machen, placjen, drücken u. qua- (lern ketten banden. — iiVt</tsc?; bäten han^d 
len etc.) zusammenhämjen u. dieses kein 'n kann', binnen wand 'n man, de liet Jan. 
langes „a" hat. Die ]/ von ama etc. ist 5 de frett körn un türf bi fracliteii, suj)d wa- 
ani, (f. äniel u. Fick, III, :2U a. I, J'J. ter bi dragten, liäld tan de strat de Mxc, de 

Jan, ml. Name. Davon: weibl. Name dfir gän bi gause bopen; mäkd sc fcrgrclld, 
Janna u. Dimin. Jantje. Geschln. Jansen, uimd hür liör geld, nn lett se lüi)en. 
Janssen, Jenssen. Jan Baihörn; — dat is ferbäterd dör Jan 

Es ist die nd. Form des nhd. Johann, 10 Baihörn. Zu dieser Redensart soll ein 
wie unser Jans die des nhd. Johannes tim 1550 zu Lübeck lebender Buchdrucker 
= griech. Joannes u. ist der Name J 0- dieses Namens Veranlassung gegeben haben, 
hann aus dem hebr. Joclianan (d.h. Je- indem er angeblich bei einer neuen Äujlage 
hovah schenkt, od. ist gnädig) ent- des A-B-C-Buchs dieses dahin verbesserte, 
standen. Wegen Jehovah cf. Braun, Na- 15 dass er dem auf der letzten Blattseite abge- 
turgeschiclde der Sage, I, unter Jalio, Jao bildeten Hahn ein Nest mit einem Ei zu- 
etc. cf. Jocliem. fügen «. unterfertigen Hess. Ob diese Er- 

Der Name „Jan" ist in Ostfriesland sehr Zählung richtig ist, lasse ich dahin gestellt 
volksthümlich, denn ausser in den mancher- sein, doch will ich bemerken, dass auch 
lei Anecdoten u. Erzählungen von „mal- 20 dem Candidaten u. zeittveiligen Schulmeister 
Jan" u. „klök-Jan" („mal Jan" istdernär- Hier onimus J obs (cf.Jobsiade,Cai).28) 
rische Johann, der [anscheinend] alles die gleiche Verbesserung desselben zugeschrie- 
verkehrt macht u. auf den Kopf stellt , oh- ben ivird u. möglicherweise die Redensart 
schon er schliesslich bei jeder Gelegenheit auch schon früher dadurch entstanden sein 
den „klök-Jan" [klugen Johann] überlistet 25 kann, dass dem Namen, bz. dem Worte bal- 
u. anführt) lebt derselbe in sehr vielen volles- hörn der Begriff des bösen, schlechte n, 
thümlichen Redensarten u. Sprichwörtern, schlimmen u. verkehrten etc. von al- 
tvie z. B.: dat is net für Jan un alle man ! ten Zeiten her anklebt, ebenso ivie unserm 

— he steid as Jan fan feren (ferne); — baldäd, balörig etc. So sieht auch Vil- 
he is bold wer bäfen Jan; — al mit der 30 mar in seinem hess. Idiotikon den Namen 
tid kumt Jan in 't wams un Gret' in d' „Balhorn" als von bal = ci/t*?. balu (per- 
büks, od. (oariirt) : al mit der tid ! dar kön' niciosus, malus) u. hörn gebildet an u. deutet 
ji drist up räken, kumt Jan in 't wams un es als böse (schlimme, verkehrte etc.) Spitze, 
Gretje in de wäken; — „sligtweg Jan, Winkel, Ecke od. Ort. Dass hörn in- 
he sal dog man achter de plög," sä' de bür, 35 dessen auch als Hörn gefasst u. gedeutet 
do let he sin jung' düpen; — Jan wil wol, werden kann, ist selbstredend u. vielleicht 
man dürd net; — Jan wul sin bür brüdea wahrscheinlicher. 

un et net; — dat is anders wat, as: Jan Janen, gähnen, gaffen, das Maul aufsper- 

kum in un et wat; — erst anstäkeu! sä' ren etc.; — he stcid to jänen. Daher: hö- 
blau -Jan (auch eine volkstJmmliche Figur 40 jänen, gähnen, bz. das Maul tveit u. hoch 
■wie „mal- Jan", doclt mehr dem Argen zu- aufrcissen in Folge von Müdigkeit, Hunger 
gewandt) as he na d' galg förd worden sul ; u. Schlaf. Sodann hat jänen ebenso wie 

— de 't döa kan (sä' mal -Jan) de gäf ' mi gapen die'Bedtg.: das Maul aufsper- 
'n sülfern ortje; — dar geid 't heu, „sä' ren wonach, verlangen u. begehren 
mal- Jan," do harr' he sin mör (Mutter) iör 45 wonach etc.; — he jänd d'r na, er hat 
d'plög; — „dat was nich gans mis," sä Jan, Verlangen u. Gier danach. Auch nd. jä- 
as he sin mör 't en ög ütsmäten harr' ; — nen, bejänen (= begapen), hojänen etc. (cf. 
„'t is mis," sä Jan; do harr' hum 'n hund Schütze, Br. Wb. etc.); engl.ja.Y/ü; nfries. 
in 't holten ben bäten. jäne u. hojanen (cf. Outzen). cf. nid. 

janäver, janever, jenäver, Genever, d. h. 50 geeuwen u. ahd. giwen etc. 

Destillat von Wachholder = lat. juniperus, Es steht (mit zu j erweichtem g, %vie in 

■woraus das ital. ginepro ; span. enebro ; port. jagen etc.) für gänen, gannen = ags. geo- 

zimbro (cf. Diez, I, 214:) ; franz. genievre non ; ahd. ginen; mhd. geinen; nhd. gäh- 

(Wachholder) u. so ferner das nid. genever, nen etc. u. ist wegen anderer Formen u. 

jenever. 55 der ]/ das Weitere unter gannen zu vergleichen. 

Dazu die warnenden Sprichwörter : Ja- cf. auch gapen, jäpen, jappen etc. ii. jänup. 

ncver ! Janever! wo langer, wo lefer; wo jangst of?. j'ankst; i. 5. jank ; — de jangst 

langer, wo mer ; to lest deid he sar ; — Jan- is so gröt, dat he 't snöpen hei net laten kan. 

evers (Wortspiel mit dem Namen Jan Evers) Janliagel, od. Jan rap an sin mät, das 

magt is gröt ; he is de stärkste Jan ; de erst 60 gemeine Volk, der Föbel etc. 



JANHINNERK 140 JAR 

Janhinnpi'k ; i. q. 2 maljan. nun aber der Name des die TJiüren u. 

jank. Gier, heftiges Verhiiu/eu, Lüstern- Thore (Ein- u. Burch-Gängc) behütenden 

heit, Gelüste etc.; — de jank ("o«?. jangst etc.) u. bewachenden Gottes Jamxs mit dem Worte 

stcid hum altid na d' jauöver; — he hed so janiia tvoJd loimittelbar ::usammen]iängt u. 

'n jank (jaugst) na d' briid etc. cf. das 5 einer u. derselben y cntspross, ist sehr ivahr- 

fohlende: scheinlich u. leiten auch Benfey u. An- 

jankcn, begieriij sein, heftig verlangen, dcre (cf. Skr. Dict., 7:>S unier ya.) den Na- 

litstern sein etc.; — lie jankd na 't ätcn men des Janus von der y ya gehen, ge- 

etc. ; — de hiind jankd na sin her. — Auch hcn zu etc. ab, während Bojip Of- GIoss. 

subst.: dat janken (Verlangen nach, — Bct- 10 comp., 300) das tat. jauua von dem von der 

teln um etc.) im grOmon um 't iiten hed hei ]/ yä u. ana (^= an, in, ^u etc.) gebildeten 

geu ende. skr. yana (itio, incessus, ingrossus etc.) ab- 

Da die Hunde etc. ihren jank durch heu- leitet, loelches Wort auch bei Ben feg (cf. 

Jen u. loinseln bekunden, so hat jaukcn Skr. Dict., 741) u. bei Pott (s. Wurzelwb., 

auch die Bedtg.: zv in sein etc. — Xld. jixn- 15 I, zweite Abth. 96')) weiter verglichen wer- 

geleu «. JAwken (begehren, betteln, wimmern, den kann, tco der Letztere auch über den 

heulen etc., z. B. om ecn ambt janken) ; jan- Namen Janus spricht. Vergl. auch Fick, 

ker (Lüsterer, Wollüstiger etc., daher auch: II, 200. 

Vcuusjanker) ; ?h«W. ('/v //.j janckon, jancke- jap, das Aufsperren u. Oeffnen des Mun- 
lou (gaunire, vagire, latrare etc.), Jancker 20 des; — he kan gen jap mer don, er kann 
(gaunitor, latrator etc.) ; }ifries. janko (win- den Mund (od. das Maul, den Schncüjel) 
sein, heulen, wehklagen) ; satl. (Ehren- nicht mehr aufsperren = er ist völlig er- 
traut, II, :^0:S) jankje (gierig sein); nd., schöpft, cf. jappcn «, das folgende: 
mnd. janken (begierig sein, verlangen, win- Japen, od. japcn ; i. q. gapeu. cf. nid. 
sein etc.). Wohl (tls urspr. lautmalendes 2~) jx^i), Seh )iitt (bz.giihnende, klaff ende Wunde) 
Wort mit lat. gannire eines Ursprungs, cf. durchs Gesicht. 

Fick, II, S4. Vou janken auch (cf. Diez, jappcii, das Maul aufsperren, nach Luft 

II, o3!>) wohl das franz jangier (klaffen, schnappen (he ligt to jappen, bz. he kan 

klatschen etc.) = rt/nn(i. jangle,jjroi'. jangla not mijr jappen = er liegt in den letzten 

etc., sowie das engl, jangle (heulen, belfern, 30 Zügen); das Maul vor Hunger u. Gier weit 

kreischen, zanken, hadern; ein unharmoni- aufsperren, gierig nach Speise etc. Verlan- 

sches Geräusch machen etc.). gen u. schreien (de junge spräen jappen na 

jäiisk, gähnisch, zum Gähnen geneigt etc.; de olden). — Nd. (Dähnert) gappen ; mnd. 

s. jiuion u. ho-jänsk. japen, jappen. Zu jäpen etc. , cf. janken. 

jan-snutc, Maulaffe. Zu jäucu ; s. jap- 35 Von jappen (gähnen, gaff'en, klaffen etc.) 

snute u. gapenbek. das engl, jap; franz. japper; prov. japar 

Jäll-up (Gähn-auf) im Bäthscl: grfin un- (kläffen, bellen etc., von Hunden), wie nhd. 

ner, blau baten — iär uuner, liir bäten; — kläffen von klaffen = gähnen etc. 

mit fer liiren stipstappen nn en holten Jänup. Vergl. zu jäncn (gähnen) u. jappen (schnap- 

.lauwärje, od. .laiinewarje, Januar; der -iO pen, das Maul aufsperren etc.) auch das aind. 

erste Monat des Jahres. — Sprichw.: dan- jänjabhyätai etc. in Benfey, Orient u. Oc- 

sen de müggen in Jannewärje, den word de cidcnt, I, 013. 

biir 'n bädeler; — greit dat gras al in d' jappcnl, ein gieriger, betlelhafter , win- 

Janncwärje, den wast 't hele jär siegt; — sclndcr Wicht od. Hund etc.; — 't is 'n 

warm wer in Jannewarje brengd de bür 'n 15 mbarmlikon japperd fan 'n kerel. 

mager jär. i^*- ■> Ja)» - snfite; i. q. jän-snüte. cf. 

Das lat. Januarius tvird von Janus ab- Schütze, Idiotikon unter Jap etc. 

geleitet (der Jani monsis od. Januarius ivar jiir, Jahr = Zeitabschnitt des Kreislaufs 

ihm geheiligt), der als eine altitalische Gott- der Erde um die Sonne, bz. Zeit, innerhalb 

heit unter andern auch ein Vorsteher (od. 50 ivelcher die Erde den Lauf tim die Sonne 

Wächter) der Himmeisp f orten und der macht. — Afries. jer od. ier; as. ger, iar ; 

Strassen- u. Haus- Ei n gänge war. Die ags. gcar, ger; engl, year; n?^Z. jaar; tvfries. 

Form Januarius liegt aber noch näher zu jier; nfrics. jer, ir, jir; satl. jir; an. är; 

janua (Tliür , Eingang, Zugang, od. Oeff- ahd., mhd. jär; goth.idr; zend.yXre; apers. 

nung, Darciigang) u. da nun der Monat 55 yära. 

Januar seit N u m a der erste Monat des Jah- Das Wort jär bedeutet so viel als : Lauf, 

res ist u.alsi) (dii Eingang des Jahres steht, Gang, Umlauf, Kreislauf (der Sonne, bz. 

bz. der Er offner des Jahres ist, so liegt der Erde) u. gehört entweder zur ]/ yä = 

es .sc/tr nahe, das Wort Januarius ah eine urspr. „i" (bewegen, gehen etc.), od. nach 

Weiterbildung von janua anzusehen. Dass GO dem skr. paräri, paraäri (voriges Jahr) zu 



JARIÜ 



141 



JAUELN JAUERN 



urtheilen zu der ]/ ar (betoegen, gehen etc.), 
toozn auch das goth. ara, ahd. aro etc. (Ad- 
ler), loie unter adler ii. arenrl ::ii vergleichen. 

Das griech. öra (Zeit, ZeitahscJutitl etc.) 
ivird gleichfalls zu dem send, yärc gchallcn 
u. loürde hei der Ableitung von der ]/ ar 
(wozu das an. nr [Jcdir] ebenso genau stimmt, 
toie das an. ar [Ruder, aratrinii] von ]/ ar) 
anzunehmen sein, dass das „a" von y ar 
eine Brechung zu ia (cf. dieserhalb jam- 
mern = an. amra) erlitt. Vom griech. öra 
ivird bekanntlich auch das lat. liora (cf. fir 
u. tirlösje) abgeleitet. Als Beleqstellen cf. 
Bopp, Gramm. I, 95, — II, 210 u. III, 
SO; ferner: Ferd. Justi, Uandb. der 
Zendspr., 246, b; — Bopp, Gloss. comp., 
308 unter yä; — Zeitschr. für Völkerpsy- 
chologie von Lazarus u. St ei n thal, 
III, 322 sub Nr. 17; — Pott, Wurzclwb., 
1, 288 — u. II, 77 sub 361, tvo eine Ent- 
stehung der Form yar von der y ar (be- 
wegen) als möglich zugelassen wird. cf. 
auch unter 2 iir «. loeiter Fiel:, 111,213. 

Die urspr. Formen yära u. ära würden 
demnach entweder von ]/ ya mit dem Suf- 
fix ra, od. von der y ar mit dem Suffix a 
weitergebildet sein. 

jai'ig, jährig, einjährig ; — dat word mor- 
gen jarig, dat min fader aferläden is; — 
volljährig, grossjährig ; — lie is jarig wor- 
den. — Afries. jerich, jerech etc. 

1. jarre, s. jadde. 

2. jari'e, s. jir. 
jas, Ueberrock, namentlich die dicke Jacke 

der Schiffer zum Ueberzichen. — Nid. jas; 
Vbm. jassen, einen lieber rock tragen, mit 
einem jas bekleidet sein; ferner auch: ha- 
sten, j ag en, spielen (auf Karten das 
sog. jas /"= Jage- od. Ilasche-Spicl?] -Spiel, 
woher auch der Treff -Bube als oberste 
Karte den Namen jas hat) etc. — Wang. jask. 
Jasper, ml. Name; Geschln. Jiniwra. Ist 
kein alter fries. Name u. aus der Fremde 
importirt. — cf. nhd. Kasper u. lateini- 
sirtes Gaspariis. 
I jasses,jesses, jeses, jisses, jusses j/. har-, 
I od. liei'-jassos etc. Ein vom. Namen J c- 
! sus, bz. von Herr Jesus entlchides Aus- 
rufsivort, tcelches zum Ausdruck des Stau- 
nens, Schreckens etc., als Hülferuf etc., od. 
auch als Beschwörungswort u. selbst zum 
Ausdruck der Indignation u. des tiefsten 
Absehens sehr (dlgem.ein gebraucht wird, 
selbstredend ohne dabei an den Herrn Je- 
sus zu denken od. es meistens auch nur 
im mindesten zu ahnen, dass es davon od- 
lehnt ist. — cf. auch sakkerlot etc. 

jaueln, jauern, laut schreien u. jammern, 
Idagen, heulen etc., namentlich auch von den 
Katzen zur Brunstzeit gebraucht, sowie auch 



von dem Heulen u. Winseln der Hunde. 
Subst. gejaucl ti. jaucle. — Scdl. jauerje ; nd. 
jaulen. Dazu, bz. zu idd. jouvf (Spottgeschrei, 
bz. ein langausgeJtolter lauter Schrei zu 
5 Schimpf u. Spott, Hohngelächtcr) ; jonwcn 
(schreien, durch Schreien verhöhnen etc.); 
uitjouwen (ausspotten, aushöhnen, ausschim- 
2>fen etc.) etc. vergl. bei Vilmar (im hcss. 
Idiotikon) jö, joeleken (vom lofiüd. jölen) u. 

10 krajoelcn, soicie das deutsche io in Mordjo, 
Feuerjo etc.; sodann das nhd. johlen ti. 
nid. joelen (vom lustigen u. tollen Geschrei 
eines Trunkenen, bz. = laut schreien u. 
jauchzen etc.) u. bei Schm eil er (11,263) 

15 unter jo-eln. Zum nid. jouw (s. oben) stimmt 
engl, jaw (Schimpf, Spott, S2)ass, Scherz 
etc.; schmähen, schimpfen etc.) u. zu unserm 
jauela das schtoeiz. jaulen, jauren tc. engl. 
yawl (cf. Pott, Wurzelwb. I, zweite Abth., 

20 1253), während das Schweiz, jauscln unserm 
jöseln (wehklagen, jammern, winseln etc.) 
entspricht. Zu dem Stamm jo, jü etc. (als 
lauter, jubelnder Schrei etc. , bz. jiusbruch 
der Freude u. des Jubels etc.) gehört auch 

25 mhd. jüwen , juwezen (jauchzen) u. nhd. 
jauchzen = Schweiz, juchzen, juzen u. 
unser juchei, jucheien etc., wa>ig. jugje etc. 
u. nid. juichen. Ferner (von j6, jii etc. als 
Naturlaut) ivahrscheinl. auch das lat. jubi- 

30 Iura u. juijilare etc. zum Stamm jö, jü, cf. 
auch unser jü, sjü etc. 

Was nun aber iveiter das Vbm. jaueln, 
bz. das nid. joelen «. nhd. j ohle n, bz. jö- 
len betrifft, so bleibt es zweifelhaft, oh dies 

35 flicht mit dem agerm. Ju l, engl, jül, an. jol 
(Freudenfest zur Zeit der Sonnenwende im 
Mitivinter) zusammenhängt, ivovon auch 
Diez (1 , 217) das ital. giulivo; prov., 
afranz. joli (fröhlich etc.) u. das nfranz. 

40 joli, sjjrt». juli (artig, hübsch), — Vbm.: 
afranz. joliver, jolier (sich freuen, jubeln 
etc.) ableitet, wo denn auch das Wort jül 
(in Julfest) eine Weiterbildung von Natur- 
lauten jö, jü sein könnte, falls es nicht mit 

45 unserm wel (=^ Rad, Drehendes) identisch 
ist, dessen verschiedene Formen (als z. B. 
engl, wheel, ags. hveol [hueol] , nid. wie! 
[= uiel, huiel], scdl. wel, jule, jöle, bz. iule, 
iwle; an., bz. isl. hvel, hiol etc. [da ein 

50 drehendes Bad auch einen h e u lende n, 
seh n u r r ende n u. singende n Ton ver- 
ursacht]) auch wieder an einen Zusammen- 
hang mit dem Stamm von nhd. heulen = 
ahd. hiuweln, liiulen etc., nid. liuilen (alt: 

55 hwilen), bz. unser Iiülen (s. d.) erinnern u. 
sonach die Anncüime gestatten, dass sowohl 
nid. joelen als liuilen etc. mä den. obigen 
Formen von unserm wel (Bad, Spinnrad 
etc.) u. dem Vbm. welen (drehen, toenden 

60 etc., cf. das Julfest cds S onn emvende- 



JAUKER .TAUCnER 142 JICHTEN JECHTEN 

Fest) von Hause aus susammoihänf/oi. niaken wat so wil ; — lätd ji hör tofräden. 

Vergl. auch bei Outzen die irr.'^chicdeiir)! — Nid. jij, gij ; afries. i; at/s. ge; as. gi, i. 

Formen unttr Jiil. Bopp glaubt, dass die Staininfii/lbc yu (cf. 

jaukPi*. janclior, theucr, hoch im Preise ,jo, jn = euch, — Jos, jus = eures) eine 
etc.; — ilat is im to jaiiker. — KacJi Sthf/. 5 Erweichung von tu (= du) ist, wie in sei- 
ist es Judendeutsch. ner rergl. (rramm(di/i, Bund II, 1J:} zu vcr- 

jjiwal, jiiwol, jiiu-ohl ; — Spriclnc: „iii' gleichen, ji ist anscheinend eine ]'erstüm- 

iin j.i\v;il" segmn do kniniliörnors all'. vielung von. jis, lir. jus, tcas im gotli. jus 

j«', ./" ; — ik kam ji"; .s. ja. erhalten hlieh, währenddessen „a"^ im Deut- 

j(m1(Io, Scher', Sj)ass, Schimpf etc. — Da- 10 sehen in „r" id>crging u. so das nhd. ir (bz. 

rnn : ji'dilow iinl, Scherz-, Sjuiss-, Schim}if- yr = jir) entstand. Fs .so// aber jns ^^ lit. 

Wort etc.; — man miit ok "ii jodtlewünl ior- jus u. zend. ym ferner noch eine Verstiim- 

Silin, bz. fenlragcn küiion. — Fs ist ein mir niehing des ved. yiismö sein, dessen „s" ebenso 

sonst nirgends rorgckommenes }\^nrt. wie das aus .s/r. ynyäm entwicJcelte zend. 

jo^Pn, s. jügeii. 15 ynsem aus der skr. Sgibe sma stammt. Da 

jo^jonen, s. jägcnen. nun .s//-. yiismö' =: goth. jus ist u. aus dem 

jt'^iKM", s. jägncr. skr. yusmat (ef. linpp, Gloss. comp., 314) 

jpl, .<ichräg, spdz u. scharf, bz. winklig das aeol. immes (aus usnios) entstand, so 

zulaufend; schräg, schief, quer etc. ; daher: erklärt sich auch afries. iomma, bz. jomma 

aferjei , überzwerch, schrägiiber etc. cf. 20 (ihr) u. iomma (euer), wfries. jiemnio (ihr) 

poinm., rügisch (Dähnert) jpüe, eine als die dem skr. yusmö entsprechende rol- 

schmale Landspitze, tvovon Jella nd als lere Form. Was nun ferner das .skr. 

Name der Landspdze von Hiddensee yusmö betrifft, so steht es für älteres yn-sma. 

gegen das pommersche Ufer. .lil»bo. ml. Name. Geschln. Jibben. cf. 

Jelle, ml. Name. Geschln. Jellen u. Jel- 25 die anscheinend verwandten Formen : Jahbo, 

]o!ia. Weiterbildung davon: Jpllrirh, Jell- IIio u. Ippo. 

rik, Jell^rk. Fs ist wahrscheinl. (cf. .labhn, j'<'lit, (rieht, Rheuma. — Mhd. gibt (Zu- 

Abbo, Jibbo) eine Nebenform von Alle «. ckungen, Krämpfe, Gicht); dän. gigt, jogt; 

Elle mit vorschlagendem ,.j", ivie bei afries. sehwed. gickf. Da flöt (FItiss, Ixheuma) von 

jelne = eine (Elle) n. jclre =^ elre (Erle). ßO Hötoii (ßie.'tsen, bz. bewegen stammt, so durfte 

Da indessen afries. ili (Schwiele) auch in auch das mhd. gibt (Gicht) mit dem mhd. 

der Form ie\ vorkommt, so könnte auch eine gibt, giclit (Gang, Bewegung) von Hause 

Form llo, Illo (cf. Forste mann unter aus identisch .fein, zumal auch das sehwed. 

1 1, wo er einen Zusammenhang mit ihiu, gickt mit dem piräs. gick des Verbums g;\ 

eilen, rasch sein ii. metchen etc. annimmt) 35 (gehen) zusammen zu hängen scheint, 

zu Grunde liegen. jiclltoii, Jccliton, bekennen, gestehen; — 

Nach Strack er Jan (Jeverl. Personen- bö wil not jirbtou. — Ahd. jibten; mhd. 

namen, 212) ist .Tellricb indes.sen aus Atba- gibtou (aussagen, bekennen; zum Gesläiid- 

laricb entstanden, wie Allo, J-lllo, Ello u. iiiss bringen); afries. ]cc.hUi; tvfries. jccht- 

Jelle aus Atliilo, Ktbilo. 40 jen ; mnid., mnd. giobten. Daher: afries. 

jenli^, locder zu gross u. dick, noch zu l)ijocbta, cf. bichtcn =^ nhd. beichten. Mit 

klein u. dünn, sondern dem richtigen, mass- afries. jecbt; mnd. gicbt ((reständniss), 

vollen Verhältnisse entsprechend; leicht u. jeclita (geständig) u. dem sjiätern ofries. 

zierlich, hübsch, nett, passlieh etc.; — (lat ji«'btig (cf. O. L. It., pag. 1H5 u. 228), bz. 

is so 'n jentigen stok, de hü dragt; — 'n 45 altd. jibt; mhd. gibt (Aussage, Geständniss, 

jentigcn jung etc. — Nid. joiit (mnhl. hei Bekenntnis.^) ; ahd. jilitig, gibtig; mli.1. gili- 

Kil.: gbont, jent), hübseh, zierlich, nett. tic {aussagend, geständig etc.) vom ahd. je- 

Aus franz. gont (joly, bien fait, propre) u. bau, gehan, jeheu; mhd. jebcn, gobea ; md. 

mit gentil m. lat. geutilis von lat. gcns. Jen (sagen, sprechen, aussagen, erklären, ein- 

jt''i)ke, .s. jApke. 50 gestehen, bejahen etc.) = as. geban, goan 

ji'ts, Etwas, eine Kleinigkeit. Es ist Ne- (Präs. gibu) ; afries. ia. (Ger. togien; Präs. 

benform von ets, jedoch ivie das nid. iets .7. Person ind. iecbt), tvovon Di cz (I, 207) 

synonym mit dem aus eowiht contrahirten et. auch das ital. geccliire (in aggecchirsi, sieh 

Jetta , ivbl. Name = nhd. Jette. Di- dcmüthigen, sieh iintcrwerfen) ; prov. gequir, 

min.: J ettchen. 55 aspan. jaquir (überlassen), acat. ja(iuir (cr- 

jeven, od. Jewen, jpworn, jiwwcrn, wci- tauben, zugestehen) n. afranz. gebir (gestc- 

nen, icimmern, jammern, ivcinerlich sprcehen hen, .sagen) etc. ableitet. 

etc. Wegen des ahd. jehan, womit auch goth. 

ji (J'lur.) ihr. — wat wuld ji hu- don ? aikau (dessen ai ebenso wie bei aivs auf 

— lätd ji Iiiir mit hör geld un güd dün un HO ur.sjir. „i" wei.st) u. lat. ajcre (cf. Schulze, 



JICHTERN 



143 



JOBENAM JOBENAMELK 



goth. Wh., pag. 7) zummmcngeüdll wird, 
'ist Weiter CS bei Pott (III, 730) zu ver- 
gleichen, W02U ich noch bemerken wöehte, 
dass das goth. aikan in der Form mn 
besten zu imserm iken = etlid. Gihlion stimmt, 
woran auch Pott an der oben erwähiUoi 
Stelle denkt u. dieses mit dem goth. aigaii 
(cf. egon) verwandt hält. 
jichteru, s. jachtorn, hz. jagtoni. 

1. jichti^, gichtig,, mit Gicht bcliaflet. 
Zu jicht. 

2. jichti^ (obs.?), gestündig etc.; s. unter 
jichten. 

jichts ; /. q. ichts ; .9. hinter icht. 

jid, jit od. jith (Plur. jiddon, jitton) ein 
kurzer, einspuriger Fahrweg nach dem 
Deich hinauf; — dat jid is so utfaren, dat 
man d'r hast mit gen för stro nier bi de dik 
npfaren diird. — Es ist von Ilausc ans das- 
selbe Wort wie das afries. jet, joth n. un- 
ser jetziges gat (Loch, Riss, Spalt, Oeffnung, 
Durchbrach, enger Gang etc.) u. dort das 
Nähere weiter zu vergleichen. 

Bestätigt tvird dies: 

a) durch das von Cad. Müller ange- 
führte jidden für die Löcher im Herde u. 
Schornstein, loelche auch stipgaten genannt 
wurden u. ivorin angeblich in uralter Zeit 
kleine Götterbilder (Herd- Gölter, Laren) ge- 
standen haben sollen u. 

b) durch das mit nnscrm. brot (Bruch,, 
Bruchstücke) unmittelbar verioandte an. braut, 
was allgemdn in der Bedtg.: Weg, Fahr- 
strasse etc. gebraucht uiurdc, urspr. in- 
d^essen die Bedig. : B r u c h, D u r chbrnc h, 
Biss, Spalt (fracta, rupta) etc. hatte, wie 
auch unser gat (Loch, Riss, Spalt) das 
Stammwort von dem nhd. G a s s e ist. cf. 
dieserhalb auch das franz. route aus tat. riipta, 
ioovon auch unser rött, bz. nhd. Rott, Rotte. 

jid od. jidde, ein Ijcindmass, etwa ^.U Die- 
matJi. haltend. Vielleicht urs2)r. dasselbe 
Wort ivie das vorige u. dann wohl eine n 
Thei l, bz. ein Bruchstück (vom Grd- 
begriff: brechen, spalten, aus- u. von einan- 
der gehen od. machen, reissen etc.) eines 
grösseren Jjandcomplexes od. eines Hofes 
bedeutend. 

jidder, s. jüdder. 

jikker, jikkerd, jikkcl, eine kurze Manns- 
jacke, ohne Schösse. Es ivird ein Diminu- 
tiv von jak (Jacke) sein. Wegen des „i" 
vergleiche das folgende : 

jikkern. in kurzem, raschem Trabe fah- 
ren, bz. jagen. — Nd. jakkern ; nid. jakken. 
Es ist ebenso wie jachtern, jichtern etc. ein 
Freq. von jagen tt. gebraucht man hier statt 
dessen auch das redupdicirte jik-jakken. cf. 
auch das hess. jackern (Vilmar) = schnell 
reiten u. fahren. 



Jinnno, ml. Name. Geschln. .Timmen. — ■ 
Wohl mit vorschlagendem „j" ans Imme. 

Jili, ^"in, od. (nach Stbg.) jilin, ein Tau 
zum, Heben, bz. Aufziehen schiverer 
5 Lasten; ein schioeres Takel-, od. Hebezeug. 
■ — Nid. gijn; nd. gien (cf. Bobrik unter 
Ginn); schiccd. gm; dän. gie. Es ist ivohl 
connex mit dem engl, gin (Maschine , Ge- 
triebe, Triebwerk, Rammgcrüst , Hebcma- 

10 schine. Winde, Hebezeug; Schlinge, Strick, 
L'cdlstrick, Sprenkel), sowie mit dem engl. 
angine (Maschine, Kunstgezcug , Kunstge- 
triebe etc.), was sich von ingenium herschreibt. 
jip, s. gtp.^ 

15 jipf^ii, s. gipen. 

Jire, jirre, jir a. (seltener) l&.vv^,, Jauche, 
Mistlake, Gülle; überhaupt jede .stinkende, 
faulige, schmutz igbr au ne Flüssigkeit. — Nid. 
gier M. mdartl. (in Groningen) auch: jire, 

20 jere ; afries. jere, gere ; satl. jere. Mit engl. 
göre (Schnmtz, Koth, Schlamm) ; ags. gor 
(fimns, lutum, coenum) ; ahd. gor (Mist) , 
mnd. (Seh. u. L.) gare, göre, gorre; an. 
gor (excrementum intestinorum); ')iorw. gjorja, 

25 gyrja (Schlamm, Dreck etc.) etc. zum Vbm. 
gären (= nhd. gähren ; mhd. geren ; ahd. 
jesan, gesan) m. sonach urspr. eine in Ver- 
wesung, bz. in Gährung übergegangene 
übelriechende Flüssigkeit, bz. Masse 

30 bedeutend, tvie ja bekanntlich jede gährende 
Masse einen scharfen, stinkenden Geruch 
hervorbringt, bz. einen den Geruchssinn affi- 
cirenden, riechbaren Dunst erzeugt. Dieser- 
halb gehört auch unser göre (nid. genr, älter 

35 göre), Dunst, Duft, ivürziger Dunst, bz. das, 
was die Nase reizt u. prickelt etc. zweifel- 
los ebensowohl zu gären, wie die Wörter: 
gest, gas etc., tcorüber auch Pott (II, zweite 
Abth., pag. 45.3) unter der J/ yas zu ver- 

40 gleichen ist. 

jir-dobhe, Jauche-Grube; — jlr-slot, Jauche- 
Graben, bz. Abzugsgraben für Jauche n. 
fauliges, schmutziges Wasser; — jir-tocht, 
jir-tog, Jauche-Abzug, cf. afries. jerenge, 

45 Jauche - Abzug, Kloake etc., u. jertocht, 
Schlamm-, bz. Jauche-Abzug. 

jis; i. q. jichts; — wen 't jis is, wenn 
es irgend ist, bz. geht. 
jivvern, jiwwern ; i. q. jcwern ; s. jrven. 

50 1. jo, od. j»; i. g. ja; — du must mi d'r 
jö net bi kamen ; — du must dat jö un j6 
net wer dön. 

2. jo, od. jö, euch, euer; Jos, eures; — 
dat hörd jo, das gehört euch; — jö fadei-, 

55 euer Vater; — dat is Jos, das ist eures. 
Statt jo ist in einigen Gegenden auch ju 
gebräuchlich. — Nid. u (euch), uw (euer), 
uws (eures); nid. ü ; mhd. iu; afries. in, ju 
(euch) ; iuwe, juwe (euer) ; s. unter ji. 

60 jobenäm, jobenanielk , jobenämd, joge- 



JOEBKE JEBKE 



144 



JOK 



niiud. jonfini, joiiänul. jonamelk, haupt- 
sächlich, ror-itgswci.^c, licsondcrs, vorzüglich; 
— dat geldt alle, man jobenäm jo, (Ins gilt 
Allen, vor:Hgsicci.<c aber Euch ; — dat kau 
ik not langer llden (hz. dulden) , jobonani, 
wen dat noch mer fiirkumd ; — jogonänid 
sük nu")i göd, besonders solch schönes Zeug. 
Wahrscheinlich cun 1. jo = ja u. benämd 
etc. = benannt, genannt, gekennzeichnet, 
hz. ah ein Besonderes aus dem Allgemeinen 
hcreorgehoben = xcas n a m h aft od. n a- 
m entlich gemacht ist. Dies geht beson- 
ders auch noch daraus hervor, dass ivir 
auch sagen : dat is jonamolk jö schuld (d(ts 
/."?< haujjtsächlich [besonders , vorzugsweise 
etc.] eure Schuld), wo es deutlich für das 
deutliche namentlich (was auch in der 
Bedtg.: hauptsächlich, besonders etc. ge- 
hrnucJit u-inl) .•<telit. 

Juliko, Jeltkc. od. Jopke. jepko, Ificfe, 
Hagebutte: Hagedorn-Beere : daher: jähke- 
appel, od. auch blos jflhkc (rode ji^hkes), 
der IJiefen-Apfel : — jepker - dorn, icilde 
Hundsrose, bz. Hiefen-Durn. — Die Hage- 
dorn -Beere heisst sonst auch bei u)is wibke, 
wipke, wifke, woher: liiigewipkc (wörtl. Dom- 
Beere, cf. Hage-Butte) u. hatreldürn-wit'ivC 
(Hagedorn-Beere). — Die Formen jöbke etc. 
u. wihke etc. sind Diminutive von obs. j^Uie, 
jebe, jepc, wlbe, wipe etc. v. hängen diese 
(cf. der Formwandlungen wegen auch unter 
wöl) ebenso wie das nhd. Wiepe u. Hicfe 
mit dem ahd. hiiifo, hiafo; mhd. \\\Gic (Dorn- 
strauch) = as. hiopo zusammen, wovon ahd. 
hiufaltar, hiciihalter, hiefaltra (Hagebutten- 
.•^trauch od. Hageltutloibaum) eine Weiter- 
bildung (die Endung ter, tar, tra ist = un- 
serm tre v. ahd. trin , Baum) ist, sowie 
loahrscheinlich auch das ahd. liiufila; mhd. 
liiufel , liiifel etc. mit der Bedtg. : Wange, 
Backe, tveibl. Brust. — Die Formen jepkc, 
jöpkc (jepe-ke) u. namentlich das nid. jöp 
(HieJ'e), jopen-appel, Hiefenapfel entstanden 
durch Aphaeresis od. Abfall des „h" von 
hiopo, icährend wipke, bz. wlpe = (dtes 
uipe auch des anlautenden „h" (wie nhd. 
wer aus hwer, cf. wel ^= wer) verlustig 
ging it. also für liiiipe od. hwipe, Inpo (cf. 
ahd. sorga , sworga , suorg i ^^ nhd. Sorge) 
= hochdeutsch Hicfe steht. 

y.'s bleibt fraglich, ob in dem ahd. liiufo 
die Bedtg. : D or n, S tachel, bz. S te ch r n- 
d e s, Sp itzcs, Vorragendes etc. (ef. bei 
Vilmar das hess. habe, hebe, hiebe, liiepc 
= Granne, Dorn etc.) liegt, od. ob es urspr. 
nur auf die Butte (in 11 ag e- Butte) od. 
Frucht des Dornstrauchs n. der loilden 
Böse bezogen tourdc, in welch letzterem Fall 
es ebenso wie Butte ein dick es Et was, 
hz. einen Klumpen licdeutcn u. mit dem 



ahd. lu'ifo (Haufen, Klumpen etc.) == un- 
serm hup, Iiopen = ags. heopo, engl, heap, 
hep etc. zusammenhängen könnte, worauf 
auch ahd. hinfila, hütila (Backe, Wange etc. 
5 = dickes, rundes Etwas) zu deuten scheint. 
Da indessen ein rundes Etwas auch 
eine Erhöhung, ein Gipfel, bz. eine 
Vorragung etc. u. auch ein Haufe 
dasselbe ist, so könnten die Wörter hiut'o, 

10 hiufila u. iiufo sinnlic?i auf die Bedtg. : 
hoch, vorragend (u. so auch spitz 
etc.), r ti n d, vorstehe n d, d i c k, D i c k e s, 
Klumpen etc. zurückgehen n. ist Weiteres 
linier höp (Häuf, Haufen etc.) zu vergleichen. 

15 .loclioin, .lofoii, ml. Name = Joa ch im, 
entstanden aus dem hebräischen Jo-jakim od. 
Jeho-jakim, (/. h. Jchov ah od. Gott r i eil- 
tet auf. cf. Jan. 
jfWle, Jude: — Nid. jood. Schcrzh. Be- 

20 densart: „de jod' \<.\ de pot linden od. heb- 
ben", für : kei)i Fleisch im Topf finden, od. 
haben. — Sprichir. : 't geid huin as de jo- 
den ! de fragen altid na 't kündige päd ; — 
twe jriden weten wat en bril kost; — „min 

25 herren 't geld un ik de slage," sä' de jode; 

— „waracbtig," segd de jfkl', den lügt he 
am dülsten; — dat kan gen jod' laten, — 
Schcrzh. heisst der Teufel auch: de oldc 
jode. 

30 joden-lifis, dudenhaus. — Sprichw. : he 
kumd dar pass, as 'n niutte (Mutlerschwein) 
in 't juilenhü«. 

jödon-nii^'olhült, auch liitje (lüttik, lütk) 
nai^elholt, das dicke Fleich vom Vorder- 

35 Schenkel eines Biniles. So genannt, iveil die 
Juden das nagelholt vom Jli n ter schenket 
nicht essen dürfen, weil der Erzvater Ja- 
cob sich im Bingen mit dem Heim die 
Hüfte verrenkte. 

40 joilen-scholc, Judenschule. — Bedensart : 
't geid d'r her, as in 'n jodenschole. 

jödou-sele, Judenseele. — Bedensart: he 
is ferköfd (od. ferloren), as 'n jridensele. 
jodsk, jüdisch, hebräisch ; fremdartig, son- 

45 derbar, unverständlich , kauderwälsch ; — 
dat sügt nii so jodsk nt; — 't is jo 'n jruls- 
ken pro ter. 

Jo^d, Jugend ; jugendliches Lebensalter ; 
jugendliche, uncrirachsene Menschen; — in 

50 nun jTigd; — jogd hed (od. kend) gin dfigd. 

— Nid. jeugd; mnld. joechd; ags. geogodh, 
giogodh, jiigodh, jiiguth ; engl, yonth ; as. 
jngiith, jiigudh; ahd. jiigniid, jiigent «. jun- 
gmid, jungend ; mhd. jugent. G oth. jimda, 

55 (statt jüliiida, juhiidaV) 

Die Stämme geog, jng etc. sind mit Aus- 
fall des Nasals „n" aus geong, jung etc. 
contrahirt u. ist Weiteres unter j'mik n. 
junge zu ersehen. 

00 j'dv, Scherz, Kurzweil, Ju.r; Di min. 



JOEK 



145 



JÜ 



jokje ; — jokjes drifen , hz. maken. — Mit 
nid. jok lt. nhd. Jux aus lat. jocus, tvovoti 
joculor, jocularius u. hicvoii iveiter : itul. 
giocolaro, giullaro (Gauläer , Spiclmann). 
Ferner: ital. giocolatore; afranz. jogloor ; 
nfranz. Jongleur von lat. joculator; pic. 
jougler von jociilari. Wajoi jocus etc. cf. 
Pott, I, zweite Ahth. , paij. 015 u. III, 
212, sowie auch Fiele, II, 201. 

jSk, Jüchen, prickelnder, stechender 
Schmerz, wofür ivir sonst auch bit (Bcis- 
sen) gebrauchen ; — ik heb' so 'u jök in de 
hüd; — ferner überhaupt: Prickel, Beiz, 
Sinnenreiz, Lüsternheit etc. ; — he hcd d'r 
so 'n jök ua ; — se hed so 'n jök, sie ist 
sehr lüstern (von lüollüstigen, geilen, Frauen- 
zimmern). Auch nd. jök ; nid. jeuk. cf. 
jöken. 

jökol, ein zapfen- od. hegelförmi- 
ges, spitz zulaufendes Etwas. Nur in 
is-j8kel, Eiszapfen, der im nid. ijskegel, mnd. 
iskekel, iskegel genannt wird. Verg. weiter: 
hdlp., fries. jokliug (Eisberg, Eiskegel etc., 
Flur, joklingen = die von der Fluth an der 
Meeresküste auf gethür inten Eisberge, bz. zu- 
sammen geschobenen Eisschollen, die dann 
meist schräg gegen einander aufgethürmt 
sind); an. jökull, jökulls (Eisberg, Eiske- 
gel) ; wang. j ukel (in is-j ukel , Eiszapfen) ; 
dithm. Jäkel (in ys-jäkel) ; mnd. jokele; nd. 
oekel, is-oekel ("c/. S chütze) ; nfries. (Out- 
sen) jöckel u. jögel (Föhr) jael (aifs jaekel 
od. jägel contrahirt), während auf den nord- 
fries. Halligen ägel ; engl, icle (in ice-icle, 
Eis-zax)fen) ; ags. gicel u. auch wohl nd. 
hekel (s. Br. Wb.) aus derselben Grdform 
(s. unten) entstanden. Weiteres cf. bei Outzen 
unter jöckel u. bei v. Bichthofen im 
afries. Wb. unter itsil (aus ikil, ivie britsa 
aus brika; — tsereke mts kerke etc.), welch 
Letzterer dort nicht allein das mnd.-fries. 
jöckel, sondern auch das ahd. ecchil, ecchel 
etc. (acuale, chalybs) anzieht, was indessen 
ivohl unverioandt ist. — jökel, bz. ags. gi- 
cel, engl, icel (cf. Pott, II, zweite Abth., 
ptag. 497 unten die Note) ist connex mit 
zend. igi; ^jors. jah; npers. yakh; kurd. 
yekh; süd.-osset. ikh (Eis, cf. is) u. ferner 
mit lit. iza.s (Eisscholle ; Gru)ideis) ; air. aig 
(Eis); an. jaki (Eisstück) etc. u. stellt Fiele 
(II j, 31) für jökel etc. ein Tliema ikula auf. 

ji)ken, jucken, heissen, prickeln, stechen; 
Beiz fühlen, begierig u. lüstern sein etc. ; — ■ 
de pukkel (od. sin rügg') jokt (od. bitt) hum ; 
— menmg en krabd sük, war 't hum net 
jökd; — de oren jöken hum, die Ohren 
jucken ihm — u. auch: er ist lüstern nach 
Neuigkeiten. Auch subst. das Jucken, 
statt dessen wir auch jökte (ik heb so 'n 
jökte afer 't läfen) gebrauchen. — Mnd. jo- 

J. ten Doornkaat Koolman. Wörterbuch. II. 



ken; nid. jeuken, jokcn ; ahd. juchan, juc- 
chan, Jüchen, jucken; mhd. jucken. 

Da der Grdbegriff: stechen, stacheln, 
reizen etc. ist, so könnte e.s- hu'^ jökel viel- 
5 leicht connex sein, sofern es als wahrschein- 
lich angenommen toerdcn darf, dass der 
Stamm juk od. iuk aus urspr. ik od. ik ge- 
brochen wurde, loie z. B. vdtd. siuwcn aus 
ahd. siwan entstand, cf. dieserhalb auch hei 

10 Outzen unter jöckel. 
jokje, s. jok. 

jop, Joppe, Joppe, Jacke. — Mlid. joppe 
u. gippe. Weitere Formen cf. bei Adelung 
unter Jope. Nach Diez (cf. I, 21G) mit 

15 ital. giubba etc. ii. franz. jupe ans dem arab. 
algubbah, algobbah (baumwollenes Unter- 
kleid), wovon auch das span. chupa (Jacke, 
Weste), ital. cioppa (langes weibl. Oberkleid) 
u. das deutsche Schauhe (früher schüba) 

20 stammen soll. 

jopke, s. jobke. 
Jos, eures; s. unter 2 jo. 
JÖselii, winseln, wimmern, loehklagen, toei- 
nerlich sprechen etc.; — de hund jöseld; — 

25 dat kind deid niks as jöselu ; — daher: jö- 
sele II. gejösel, Gewinsel, klägliches Geschrei 
etc. ; — hold dat gejösel nog net bold up ? 
man kau 't je hei net langer in d' ören üt- 
holden. cf. jauelu, jötei'n, sjöteru etc. u. bei 

30 Pott (I, zweite Abth., 1253) das Schweiz. 
jauseln unter 326. 

jiJsen, sudeln, manischen, schmieren, be- 
sudeln; etwas auf unordentliche u. unrein- 
liche Art (z. B. Speisen) bereiten etc.; — 

35 de kükske j8sd 't wat toregt, um d'r man gau 

of to kamen ; — de kiuder jöseu sük so to, 

die Kinder besudeln sich so. Vergl. iveiter : 

jösig, jnsig, schmutzig, sudelig, unrein, 

schmierig, unordentlich etc. ; — dat sucht 

40 hir so jösig ut. — Wenn jösen nicht mit 
ahd. gor (Dreck etc., cf. unter jire) von je- 
san stammt, so könnte es (mit vorgeschlage- 
nem „j", cf. jüdder etc.) eine Nebenform von 
Ösen, ösig etc. sein. Da indessen der Be- 

ib griff des unordentlichen Machens 
etc. auch aus dem des durch e i n an de r 
Machens u. Bührens erfolgt u. auch 
m an t sehen = du r che i n and e r r ü h- 
ren u. mischen ist, so hat es auch viel 

50 für sich, dieses Wort mit dem nfries. jaske, 
juske — jusk, jask (cf. bei Outz e n) u. unserm 
jüchel,! juks etc. auf diel/ yu? y^ig (verbin- 
den, zusammen machen u. rühren,mischen etc.) 
zurückzuführen, worüber bei Pott (I, zweite 

55 Abth. 1233 u. Ill, 579) das Weitere zu ver- 
gleichen ist u. wozu auch das skr. jusa, bz. 
yusa (Brühe, Suppe etc., cf. juchel u. 1 juks) 
gehört. 
jötern ; i. q. sjotern u. sjantern. 

60 ju ; i. 2- 2 jo = euch. 

10 



Jü JUE 



146 



JUEFFER 



jü, jü, sju, ksjil. tjü. Iiii, vcrfichicdciic 
Interjectioncn zum Japen, Treiben, Vertrei- 
ben etc., bz. um zu scheuchen od. verscheu- 
chen mit der Bedtg.: xoeg, fort, marsch, 
vor 10 ä r t .s etc. : — jü (od. hü, tjü) priil ! 
vorwärts Pferd; — tjü tos! — de röpil um 
ksjü (od. sju) ! mend d' hönor all', d. h. loer 
sjü etc. ruft, macht keine Ausnahme, z. B. 
im Aufjagen od. Antreiben u. Anspornen 
eines ruhenden u. lässigen Arbeiter-Haufens, 
XDorunter vielleicht einige ßeissigcrc sich be- 
finden, cf. jap etc. M. bei Vilmar (pag. 
1S3) jü, 7nhd. schü als Interjection zum Ver- 
scheuchen. 

jnbbern (Jobbern), wuchern ; — hö juliberd 
mit annor nians seid. Das auch ins Deutsche 
eingedrungene oigl. Jobber (= Lolinurbeitcr, 
Tagelöhner, Handlanger, Marklhclfrr ; Un- 
ternehmer im Kleifioi , Mäkler, XVuchcrcr, 
woher: stok-jobber ^ Acticn- Händler, Ac- 
tien-Krämer od. Wucherer) leitet sich ah von 
engl. Job , was eine unbedeutende, niedrige 
Lohnarbeit bezeichnet. 

jiiclio. jiicliPl, Brühe, Suppe; — jüch iin 
hiidels, Gänse- od. Schioeinc-Brilhe mit Klüs- 
scn ; — flesk-jüclie, Fleisch-Brühe; — na- 
mentlich eine dünne, kraftlose Brühe, schlaffe 
wä-ssrige Suppe, od. durch einander gemisch- 
tes od. zusammen gemanschtes wässeriges u. 
kraftloses Essen, 3Iisch-Masch etc.; — so 
'n jüchcl (od. gejücliel, jüchele, jüclielkräm) 
mag 'k net. Davon: 

jiiclieln, mantschen, mischen, zusammen 
rühren, schmieren etc.; — se jücheld gau 
wat toregt; — se jücheld 't all dör 'n ander. 
— ]\Iit mnd. juche; icang. jüch (Brühe, 
Suppe) u. unser m 1 juks, sowie ahd. jussal, 
jussol; mhd. jussel (Brühe; spät-lat. juscel- 
lum) 11. nhd. Jauche (Brühe etc., Mist- 
Jauche = Mist-Brühe) u. skr. jusa, yusa 
(Brühe, Suppe) zur ]/ yu, yug (verbinden, 
vereinigen, zusammen machen, mischen etc.), 
wie unter jösen, jösig zu vergleichen ist u. 
wozu auch jük (Joch, Verbindung, Gespann 
etc.) gehört, cf. dieserhalb Pott, I, zweite 
Abth., pag. 1232 u. 1234. 

jiichhoi, jachhe, laute, lärmende Freude, 
lauter Freuden-Ausbruch od. Freuden-Tu- 
mult, lauter Jubel; — wat hebben so dar 
für 'n juchhei; — he mäkd d'r so 'n juchhe 
(grosses Aufheben, od. viel lArm u. Ge- 
schrei) fau. — juch ist der Stamm von ja- 
chen, juchzen (jauchzen, ef. jaueln) u. hei 
= 1 hei mit der Bedtg.: hoch, freudig, er- 
regt etc. Davon: 

Jüchheien, sich laut u. lärmend freuen, 
laut singen u. schreien, ein lautes, lärmen- 
des, frohes, lustiges u. wüstes Leben führen, 
jubeln etc.; — he juchheied wat herum; — 
he hed sin geld un god all' ferjuchheid, er 



hat sein Geld u. Gut verjubelt, bz. lustig 
durchgebracht. 

jüchjach ; /. q. jüche. 

juchtoni. jiii'htPi'ii, sich schilkenid, Spie- 
re Icnd u. neckend u)nherlreiben , sich necken. 
Daher: gej achter (von spielenden u. sich 
Jagenden u. neckenden Kindern etc.). Es 
ist eine Nebenform von jachtern , doch ist 
dabei anscheinend bei der Bildung des Wor- 
10 tes auch an jüchheien, ?>^. Jüchen etc. gedacht. 

jüddor, jidder, jadder. Euter (von Kühen 
u. Schafen). — Itäthscl: tüsken twe Schin- 
ken steid 'n bül mit för tinken ; wo stram- 
mer se stän, wo lefer de wichter därna g;'in. 
15 — Ahd. ütar; mhd. ftfer, iuter, wonach un- 
ser J" in jüdder etc. ebenso wie das J" 
in nhd. Jemand aus „i" (cf. emaiul) ent- 
stand u. „iu" eine Brechung aus „ü" ist. 

— Mnld. (KU.) üder, nyder, huyder, wder, 
20 wr (= ür als Contraction von üder) u. uro, 

ore; mnld. uijer, uior (."ytatt \\u\or)\ pomm. 
(Dähnert) ueder; ags. üder; engl, ndder; 
afries. üder u. wahrsc'heinl. auch aider (cf. 
bei V. R icht h of c n , afries. Wb. , unter 

25 aiderlam) ; nfries. jüdder, jidder, jader u. 
ander; «t/zvcs. jaddcrjaer; Srt^/. jadder; toang. 
jedder; nd. (Schambach) gidder; finn. 
ütare; griech. oathar; skr. üdluis, bz. üdhar, 
üdhan. Ferner: an. jügr, jür; norw. jnvcr; 

30 dän. yvcr; schiced. jufwer, jar; lat. aber. 
Da das lat. über sowohl der Name für 
Euter ist, als auch die Bedtg.: frucht- 
bar, er g i ebig, au sg i ebig, ü b e rf 1 ü s- 
sig, bz. übe r fliessend etc. hat u. der 

35 Euter das Ausgiebige, bz. von Milch 
Ueberf liessende etc. od. auch das ist, 
wo ra its die Milch fliesst u. he r vor- 
quillt 11. also ein Born od. eine Quelle 
der Milch genannt werden kann, so liegt 

40 es sehr nahe, das alte üder, nter etc. mit 
dem griech. udor; skr. üdan (Wasser, als 
qu eilendes u. hervorsprudelndes Etwas) ; 
lat. unda (Woge od. Welle = wellendes, 
wallendes, aufstossendes, pulsirendes Etwas, 

45 lüie unser welle [Brunnen, Quelle] u. nhd. 
Welle mit wallen = kochen, aufweUen, 
aufstossen etc. verwandt ist) etc. zusammen 
zu stellen, dessen y ad, bz. vad (d. i. aad) 
eben auch in unserm water = ahd. wazar 

50 (Wasser) u. im afries. aed, aeet (nas.s) steckt. 
Ben feg (cf. Skr. Dict., 133 unter üdhar) 
glaubt, dass für das skr. üdhan eine Grd- 
fnrm vad-dhant anzusetzen ist, was ich da- 
hin gestellt sein lasse. 

55 jürter, Jungfer, Jungfrau; — Sprichw.: 
,,is de fiiiger beringd, is de jüffer bedingd"; 

— Compos. winkel-jütt'er, Jjaden- Jungfer. — 
Nid. juffer. Im nid. u. auch hier wird ein 
schlanker, dünner Mast, od. eine Spiere 

60 auch jüflfer genannt, iceil dazu ein schlau- 



I 



JUEFFERKE 147 JUEL JUELLE 

her, jung fr äuli eher Baum venvcndet von; essen (= fassen, nehmen zu sich etc.) 

wird. — jüffer ist aus dem deutschen Jung- entwickelte. 

fer u. dieses aus Jungfrau entstanden, Wegen der y yu, yug cf. jüchc, 1 juks 
wofür wir auch in gleicher Weise das nid. u. ferner Pott, II, 579 seq. u. I, zioeite 
juffrouw in der Form jüffrö (doch nur als 5 Ahth., pag. 1228 bis 1252, auf ivelch letz- 
Benennung der Frau eines angesehenen Bür- terer pagina auch das suh ,325 angeführte 
gers od. des Domine's od. Pastoren) adoptirt lat. juvare sich leicht von der y yu in der 
haben, ivährend tvir unter iiingfrd nicJit eine Bedtg.: halten, greifen etc. ableiten 
Jungfer od. Jungfrau im nhd. Sinn, lässt, da eben die Bedtg.: helfen, unter- 
sondern eine Junge verhcir athet e Frau 10 stützen etc. sich ganz von selbst tvieder 
verstehen. aus der von: greifen, halten, stützen, 
jüfferke, Jüngferchen. — Ndrhein, jun- tragen etc. ergiebt. Ver gl. auch bei Fiele 
ferchin. Auch die Blume : saxifraga um- (I, 184) y 2 u. 3 yu, toegen der Grdbdtg. : 
brosa ivird hier jüfferke od. mcnisleu-jüfferke greifen, fassen, hdten etc., aus welcher sich 
genannt. 15 auch die Bedtg.: tragen, schützen, tvahren, 
Jiiist, s. Just.. ivehren etc. (cf. y bhar u. dhar) von selbst 
jUk, Joch; — a) ein Querholz, loelches ergeben. Weiteres vergl. unter jung. 
zum Tragen von Lasten auf beide Schidtern jnken, NacJcen; — 'k heb' hutn wat up 
gelegt ivird; — jük un eramers; — b) ein de jukeu gäfen; — hol' din suater, of 'k gaf 
Landmass (Juchart), welches ein Gespann 20 di heller en afer de jnken, bz. afer de nak. 
od. ein Joch Ochsen in einem Tage iim- Es ist loohl connex mit jük als V erbin- 
pflügen kann; — c) Last, Bürde, Mühe etc., elendes, da der Nacken das Verbindungs- 
bz. Bedrängniss, Unfreiheit, Unterthänigkeit, glied zioischen Kopf u. Rumpf ist. 
Hörigkeit etc.; — he hed 'n swär jük to 1. jxi^s, Jauche, Eiter, dreckiges, schmutzi- 
dragen; — he sitt undcr 't jük. — Ahd. 25 ges Wasser, flüssiger Dreck, Schlamm etc.; 
juh, juch, giuh, joh, joch (Querholz zum — dar kumd so ßl juks (dicker gelber blu- 
Zusammenspannen zweier Zugthiere ^ Ver- tiger Eiter) üt de blodfinue; — de göten 
bin düng s- Holz; zusammengespanntes, bz. sitteu ful juks. — M/i jüche .s^wr y yug, 
mit einander verbundenes Paar Binder ; verbinden, mischen, manischen etc. 
Last, die ein solches zu ziehen vermag ; Ar- 30 2. juks, Scherz, Mutliwillen, Spass, Ver- 
beit, welche ein Gespann Ochsen in einem gnügen; — he drift sin juks d'r wat mit; 
Tage verrichtet, bz. das ivas dasselbe in — wi hebben föl juks had. — Es ist tvie 
einem Tage pflügt, daher auch Landmass nhd. Jux aus lat. jocim entstanden, c/. jok. 
= ein Joch od. Juchart Land [cf. un- juksig, schmutzig, schmierig, dreckig, 
ser dimt = Diemath, d. h. Tagmath] ; 35 schlammig etc.; — dat sügt hir so juksig 
V er bindungs- Glied od. Stück zwischen üt; — dat water is so juksig. Zu 1 juks. 
zwei Brückenpfeilern [Brücken - Joch] od. jiil, jiille, Jolle, kleines, schmales, fla- 
zwei Bergspitzen [Berg-Joch]). — G^oi/j. juk; ches, schlankes Boot ohne Mast, bz. ein klei- 
ags. gioc, geoc; engl, yoke; nid. juk; an. ner Kahn. — Nid. jol; wang. jel; nd. gelle, 
ok ; schwed. äka; dän. aag; lat. jugum; lit. 40 göUe, jöUe, jolle; schived. jelle, julle; dän. 
jungas; lett. juhga; aslav. iga; span. yugo; jolle; engl, ynv/l; franz. jd]e,io]. Vergleicht 
franz. joug; skr. yuga etc. etc., (dies von man das J" = lat. „g" im franz. joie aus 
der y yu, bz. yug, binden, verbinden, schlies- lat. gaudium, so liegt essehr nahe, das franz. 
scn, vereinigen, fesseln etc. von der Grd- jol zu dem lat. gaulos (kahnförmiges Trink- 
bdtg.: fassen (cf. ]/ pag unter fak, fan- 45 geschirr) u. griech. gaulüs (ein ovalförmiges 
gen, fe u. pak, pakken etc. als Eriveiterung phönizisches Kauffahrtheischiff) zu halten, 
von y pa, fassen, nehmen, greifen, halten. Doch sind auch die Gellen genannten gros- 
tragen etc.), nehmen, halten etc. ausgehend, sen flachen Holzböte auf der Spree mit nd. gelle 
wofür anch die zend. ]/ yu, halten, dauern, (= Jolle) von Hause aus namensvertvandt. 
ausdauern etc. spricht. Die Bedtgn. : fassen, 50 Da die Friesen u. Sachsen schon in sehr 
nehmen, greifen, halten etc. resultiren indes- früher Zeit die französischen Küsten mit 
sen wieder aus der von: beweg en (vor, zu ihren Schiffen besuchten, so könnte das 
etc.) gehen u. kommen (zu etc.), errei- Wort „jol" leicht auf diese Weise ins Fr an- 
ch en, erlangen etc. u. ist dieserhalb die zösische eingedrungen u. niederdeutschen TJr- 
mit ap (betvegen) identische y pa (erlangen, 65 Sprungs sein. Wenn man indessen bedenkt, 
fassen, nehmen etc.) od. die damit synonyme dass auch die Phönizier schon die franzö- 
y a^ (= ak, cf. bei Fick u. Ferd.Justi sischen, brittischen u. norddeutschen Küsten 
etc.) zu vergleichen, ivelch Letztere aus der u. Flüsse sehr häufig besuchten, so liegt es 
Bedtg. : bewegen, gehen , dringen vor etc. auch sehr nahe, dass dieses Wort von ihren 
ausser: erlangen, erreichen etc. auch die 60 „gaulos" genannten Schifften übernommen 

10* 



JUEM 148 JUNGE JUNG* 

wurde u. es also aus dem Phönisischen yavaii (Jung) u. der sh: Comparativ n. Su- 

stattimt. perlativ: yavigams, yavishstha zu sprechen 

jiim, ihm = lium. Es r/ehürt zu jo, ju, scheinen, dessen „a" aus urspr. „u" sich in- 

euch, cf. 2 jo. dessen auch wieder ebenso leicht crliärt, als 

jiiimnei', n. immor. 5 das „a" in dhava (Brand) von y ilhu, xoo- 

jlliiij. juiik, jung, geboren, entstanden, bei ich gleich bcmerkemvill, dass auch Ferd. 
kaum geboren, bz. im betr. Augenblick ent- Justi das zoid. yavan (Jüngling) von der 
standen u. zur Welt gekommen ; daher: y yu (verbinden, halten, dauern, fest sein, 
frisch, neu, nicht alt. Jugendlich, nicht er- stark sein etc.) ableitet, wovon auch das skr., 
wachsen, nicht gross, sondern noch klein u. 10 zcnd. yava (Gerste, Feldfrucht, Speise etc.) 
schioach etc.; — he is mit nii up öudagjunk u. skr. yavasa (Gras, S2>eise, Nahrung == 
west, er ist mit mir auf einem, bz. dem.'^cl- ivas hält, bz. erhält, ernährt etc. «/. 
ben Tag geboren gewesen; — ho is faa dago also Bestehen, Bestand, Dauer etc., 
jiink worden, er ist heute geboren; — junge bz. Stärke u. Kraft giebt) entstand. Hat 
botter; — junk gras; — junge wlu; — junk 15 demnach nun Bopp Hecht, so wären die 
her etc.; — he is d'r nog to juuk tn, as Wörter : Jung, J n g endli ch, Jüngling, 
dat he dat all' dragen kan; — de bum is bz. Junger Moisch, Junges etc. auf 
nog to junk, um to drageu etc. — Sprichw.: die Grdbegriffe: scheinen, leuchten, bz. 
Anno cn, as de düfel juuk was, do was 't erscheinen, sichtbar loerden, auf- 
ük mit d' frä' ftrbi (Anno Eins [im ersten 20 gehen, hervorkommen, toachsen etc. 
Jahre der Schöpfung, bz. der Welt], loie zurückzuführen , loogegen begrifflich 
der Teufel geboren tcar, war es auch mit durchaus nichts einzuwenden ist. Da in- 
dem Frieden vorbei). dessen begrifflich auch nichts entgegen steht 

ju n g, ^/ed. junger, jüngste, jüngste. Weil loenn man die Wörter : Jung, J üngling 

der Jüngste der zuletzt geborene ist, 25 etc. auf die (lirdbdtg.: halten, dauern 

so ist j üngst auch = letzt, zuletzt u. etc. od. kräftig, stark etc., bz. Dauer 

der Jüngste Tag der letzte Tag od. u. Bestand habend etc. zurückführt*) 

das Weltende, ganz toie wir auch junger u. es doch immerhin sehr zweifelhaft bleibt, 

in der Bedtg.: später (he is junger juuk oh vor dem skr. yuvan ein „d" abgeworfen 

worden as ik = er ist später geboren als 30 ist, so möchte ich dieses Wort auch doch 

ich) gebrauclien. — Ahd. jung, junk; mhd. lieber mit Benfeg u. Ferd. Justi von 

junc; goth. juggs; «?f?. jong, jonk; ?;//. juuk; der y yn ableiten, deren Bedtgn. : binden, 

as. jung; afries. jung, jong; ags. geong, vereinigen (cf. unter ,iü\i) od. fesseln 

giong; an. ungr; norw., dän. ung. u. fest inachen etc. auch aus der primi- 

Was nun die Bildung u. Abstammung 35 tiveren von: fassen, greifen, halten 

des Wortes jung betrifft, so haben wir zu- etc. erwuchs. 

nächst in jun ebenso wie im lat. juu von Wegen des Wortes jung cf. Zeitschr. für 

junior eine Contraction von einem urspr. deutsche Philologie von Höpfner u. Za- 

juvan = skr. yuvan (cf. lat. juven-is, ju- eher, I, 133; — Benfeg, Skr. Dict., 

ven-ta etc.) vor uns, ivas auch im lit. jau- 40 748; — Bopp, Gloss. comp., 313 ; — Ferd. 

nas, slav. jünu (juvenis) u. selbst im aind. Tusti, Handb. der Zcndspr., 244 etc. u. 

yün dieselbe Contraction erlitt u. auch die- Fick, I, 185. 

selbe Bedtg. wie unser jung hat. Verglei- jun??®, ju"k, (das) Junge; — de katte 

chen wir nun aber unter „ing", dass das hed man en junk had, Z;«. dre jungen kragen. 

Schluss-„g^ aus kzL entstand, so liegt die 4:5 junge, jung' (i^//<r.jungeus,jungse),,/i<»/7r, 

Vermuthung sehr ncüie, um auch das „g" Knabe, Junger Mensch, Jüngling, Junger 

von jung als aus urspr. ka entstanden an- Knecht, Junggeselle ; — olle junge, cilter 

zusehen, sodass wir für jung, junk eine Junggeselle, euphem. der Teufel; — 't is 

urspr. Form juvanka ansetzen müssen, dem 

das lat. juveneus xt. cambo-brit. jeuanc (ju- 50 *) cf. dieserhalb die venoandten Wörter: 

venis) mit erhaltenem c (^= k) zur Seite ste- ahd. süor (inv(;\icns,Ju}iges männliches Jiind, 

hen, ivährend das skr. yuvaka nach Bopp Stier = was J un g, stark u. kräftig 

aus yuvanka entstand. Was nun den Ur- ist), stiura (Stütze, Halt, Festigkeit etc.) u. 

Sprung u. die Grdhdtg. des Stammwortes stiuri [Stärke, Kraft, Macht, Gewalt, Herr- 

yuvan betrifft, so leitet B opp es ebenso wie 55 scluift, Hoheit, Grösse etc.) u. das afries. 

skr. yut aus dyut (glänzen) von der y dio, stur, stör (gross, stark, schwer etc.) etc., wo- 

dyu (glänzen, leuchten, scheinen, sichtbar mit die Wörter: steuern (d. h. regieren, 

werden, aufgehen, erscheinen etc.) ab, wäh- richten wohin, Bichtung geben, regere = 

rend Benfey annimmt, dass yuvan aus goth. stiurjan) u. das ahd. stiuro (Steurer, 

yavan entstanden sei, wofür auch das zcnd. 60 gubernator etc.) etc. zusammenhängen. 



JUNGEN 149 JÜEST 

nog 'n jungen jung', es ist noch ein junger 1. junk, s. jung. 

Knabe. — Nkl. jonge; ahd. juiigo; a<js. 2. jnnk., Junges, junges, neugebornesThier; 

geougo etc. — Dazu folgende Sprichivörler: s. junge, junk. 

jungens un junge bunde mutten hau' hcbben, JQiiker, Junker, junger adlicher Herr. — 

wen d'r wat regts üt worden sal; — „all' to 5 yl/y7es.jonkhera,jungliera,jonker. — Sprichw.: 

minen besten!" sä' de jung', do slogen se d'r is gc'n junker so kriis, of he hed nog wol 

hum de stok up de pukkcl kört; — „dat 'n lüs ; — lechtmcs leclit! is de bür 'n knecht; 

geid, dat 't stufdl" sä' de jung', do red he loclitmes dunker! is de bür 'n junker. 

up 'n kat afer de liürd ; — „dat schal wol jiinker-ureiijunkei'-ören, ./M»i;er-J^e/irm, 

gän," sä' de jung as he 't kalf na d' stad 10 d. h. taube u. deshalb hoch an/gerichtete, 

dragen schul; — „dar breug ik 't," sä' de stolze Aehren. cf. auch Vilmar (hess. 

jung, do ful he mit sin kram to 'd dör in ; Idiot.) unter jünkern. 

— „dat is 'n hund fan 'n perd!" sä' de Junkern, JunkeiTei'en, den Junker, bz. 
jung', do red he up 'n swin; — „dat Nichtsthuer u. Grosshans spielen, seine Zeit 
schal mi net wer geboren, dat min mo- 15 mit Nichtsthun verbringen etc.; — he jun- 
der starfd un dat ik d'r net bi bün!" kerd mi föls to föl herum. 

sä' de jung'; — „dat harr' ik man dön innkfolk^ junge Leute beiderlei Geschlechts. 

schuld!" sä' de jung', do let de swälke Daher: junkMksra&rkd, der Markt für junge 
wat in de soppe fallen ; — „wat is de wer- Leute, auf welchem sie sich belustigen u. 
reld grot," sä' de jung', do kwem he achter 20 tanzen. 

de koltün; — „dar geid 't hen," sä' de jung', junkgod, a) Jungvieh; — 't junkgöd is 

do let he 'n lüs dausen ; — „dat is je 'n all' ütjagd; — b) junge Leute; — 't junk- 
mallen brüg" {a. Brücke ; b. Butterbrod), sä' göd is darten. 

de jung', „unnerun bäfeu botter";— „desäk' jankheid, Jugend, junger, jugendlicher, 

is net to tröen, fader!" sä' de jung', do schul 25 unreifer Zustand; — dat is all' nog junk- 
he wat mit d' stok hebben, od. „de säk is net to heid ; dat ferwast wer. 

tröen," sä' de jung', „fader leg erst de stok jiip od, sjup, Intcrj., bz. Ausruf, wenn 

weg"; — „dat ligt buten min ferstand," sä' sich Jemand aufrichten u. heben soll od. 
de jung', „net so as dremäl dartein"; — „elk ivenn man etv)as heben u. aufrichten will, 
deid wat," sä' de jung', „min fär sleid min 30 mit der Bedtg.: auf, empor, erhebe dich, 
mor' — min mör sleid mi un ik slä' de big- richte dich auf, od. auf, hinauf damit etc., 
gen"; — „fär! wi kunnen as bröers mit 'n loie hup. Es ist mit vorschlagendem „j" 
anner läfen," sä' de jung', „man du wult je von up gebildet, bz. aus iup (mit aus u zu 
net"; — „dar kumd alle dage wat nes up!" iu gebrochenem Vocal) entstanden, wie das 
sä' de jung', do schul he baden; — „Gods 35 mit up = ahd. üf, nhd. auf identische goth. 
wörd in de fülle flucht!" sä' de jung', do iup, auf, auftvärts, empor, nach oben. 
harr' he d' katechismus an de swäpe un slög Jürgen, JUrjen, contrah. Jürn, ml. Name 

d'r all' mit hen un wer; — „dat findt sük =: Gör gen von Georg, wovon auch J örg. 
bi 't ütputsen," sä' de jung', do harr' he Davon Geschln. : Jürgens, Jürjens, Jürns. 
achter de dör schäten; — „elk sin möge!" 40 jnrk, jürke, s. jurken u. jürktje. 
sä' de jung', „ik Et figen un min mör ett Jurke, wbl. Name. Vielleicht connex mit 

bönen" ; — „al as 't fald," sä' de jung, as Jürgen, od. ein Dimin. von Djure, 
de frö mit 'n nösdrüppel hum frög, of se jarken (liarrl.), lieber zug eines Kleides 

hum 'n pankök bakken schul ; — „nu nog für Täuflinge. Es ist dasselbe wie jurk, 
'n mal un den net mer!" sä' de jung', do 45 was im nid. ein langes leinenes Kleid, bz. 
harr' he just dat letste üt de siröpspot slikd ; einen Ueberwurf bezeichnet u. ist somit das 

— „'t lest is 't best," harr' de jung' segd, folgende: 

do harr' he 't bransel üt de pot fräten ; — jürktje, jürtje (Kinderkittel; Ueberzug 

„war rök is, dar is ökfur!" bä' de jung', do wul von Leinen) ein Dimin. wn jurk. 

he d' pip bi 'n frisken perdekötel anstäken. 50 jnsig; i. q. jösig. 

jungen, gebären, Junge tuerfen ; — de just, just, gerade, eben, recht, richtig, 

katte hed jungd — wil bold jungen. gleich; — dat ene is just so göd, as dat an- 

jungfrö, junge Frau, die noch nicht lange uer ; — wen man hum wat ferbüdt, den deid 
verheirathet ist, od. überhaupt noch jung de slüiigel 't just; — dat geld kumd jiist üt; 
ist, bz. ein jugendliches, frisches 55 — 't is all' just un effen etc. Es ist das 
Aussehen hat. Es toird nie in dem Sinne gekürzte lat. justus, was von ^yx^ (Recht, Ge- 
gebraucht, wie das nhd. Jung fr ati, wofür setz etc. als Bindendes etc.) ueitergebil- 
wir stets jüifer verwenden. det ist u. (cf. Pott, I, zweite Abth., 1229) 

Juni, Monat Juni. — Sprichw. : nördwiud mit unserm jüche etc. von der }/ yu (binden 

in de Juni weid körn in 't land. 60 etc.) abgeleitet wird. cf. auch Fi ck, 11,202. 



JUEST 



150 



E 



Jüst od. Jaist. Name einer zwischen 
Borkum u. Noräerncij belegenen, sehr lanrj 
gestreckten u. schmalen Xordsee-Insel, icelche 
früher mit den untergegangenen Inseln Bant 
u. Bitse ::n Borkum gehörte u. icahrschcinl. 
im 13. Jahrhundert od. noch früher durch 
mächtige Sturmßuthcn davon getrennt wurde, 
da der Name dieser Insel zu Ende des 
14. Jahrhunderts (cf. Ostfries. Urhunden- 
btich von Dr. F r iedlaende r , pag. 139 
sub Nr. 165) schon genannt wird. Ver- 
gleicht man africs. jet = gat (Loch etc.), 
jestlik = gC^itlik (geistlich) etc. etc., so stimmt 
der Name Jüst od. alt Just genau zu 
unserm güst, bz. dem alten gust, guste (tro- 
cken, dürr, unfruchtbar etc.) u. kann sie 
als grüsstentheils sehr sandige u. höchst un- 
fruchtbare Insel daher icohl von diesem güst 
ihren Namen haben, obschon es auch mög- 
lich ist, dass sie wegen ihrer langgestreck- 
ten schmalen u. geraden Form Jüst 
od. Just genannt wurde u. somit der Name 
derselben )nit unserm jmt (Just, gerade, recht 
etc.) zusammenhängt. 

1. jiit, jütte, in den Eedensarten : he is 
so döf (bz. so dura) as 'n jüt; — du dofe 
jütte etc. ; tvonach es vielleicht identisch mit 
Jute ist, sodass: „he is so düf as 'ü jüt" 
mit: „er ist so taub (bz. so dumm) %cie ein 
Jute" (in uralten Zeiten hatten unsere 
fries. Vorfahren bekanntlich vielen Verkehr 
mit den Jute n ii. Jü tlan d) übersetzt iver- 
den muss. Da wir indessen auch sagen: 
„du olle jütte" im Sinn von: „du altes Weib" 
od. „du alte Schachtel", „du alte dumme 
Person" etc., so kann es auch überhaupt ein 
Schimpfname sein. Nach dem Br. Wb. 
soll „jütte" indessen für „Johanna" stehen 
u. auch nach nid. Wörterbüchern „jut" ein 
verderbter Name des berüchtigten Papstes 



„Johannes des Ächten", bz. der Pä2)Stin 
„JoJuoina" sein, während anderseits „jut" 
im nid. auch die Bedtg.: lumpig, gemein etc., 
bz. htm}), plump, stumjif etc. hat. Nach 
5 Seh. u. L. (II, 41j2) soll jutte eine Kose- 
form von Judith sein, indessen auch zur 
allgemeinen Bezeichnung des weibl. Ge- 
schlechts dienen. Schütze (II, ISO) führt 
unter dithm. jit (Ziege) an, dass diese in 
10 Hamburg u. Husum auch jütte heisst tt. 
dass man mit „alvern jit auch eine alberne 
Person bezeichnet, loozu noch bemerkt sei, 
dass tsüge (Ziege) auch bei uns ein Schiinpf- 
wort ist. 
15 2. jiit, jütte, ein Giessding od. hölzernes 
Schöpfgefäss zum Ausgi essen von Flüs- 
sigkeiten. Zu jütten. 

jiit-itl'i'e, Saft -Birne. Sgnongm der in 
pomol. Werken als: „Gute Graue" aufge- 
20 führten „grauen Sommer-Butter-Birne", die 
hier auch „pere de gris" od. „pere gris" 
(falsch für poire gris) genannt tvird u. auch 
im nid. „Jut-peer" od. „Yut - peer" heisst. 
Es ist tvohl loörtl. = Giess-Bir n e, toeil 
25 sie so saftreich ist, dass sie beim Schälen 
od. Hineinbeissen den Saft ausgi esst, bz. 
ausfliessen lässt u. connex mit jüHea, 
bz. 2 jüt. 
jütten, giessen, schöpfen; — ütjüttcu, 
30 ausgiessen, ausschöpfen; — dat watcr mut 
üt de küp ütjütd worden; — du must_ dat 
bot erst ütjütten, er wi d'r in farcu konon. 
Es ist eine Nebenform von geten ^= goth. giu- 
tau, loie das helg. jüt (giessen) bezeugt, cf. 
35 auch unser: he gütd, bz. jütd = er giesset 
etc. u. gut = Giess-Gcfäss u. = Giessröhre, 
bz. Vorrichtung zum Ausgiessen u. Ein- 
schenken von Flüssigkeiten u. Getränken. 
Weiteres vergl. unter geteu u. daselbst die 
40 3. Pers. Praes. jüth vo7n afries. giata etc. 



K. 



k. Der Buchstabe od. das Lautzeichen 
„k" wechselt im Anlaut vielfach mit „g" 
(cf. namentl. die Wörter unter kna, kni etc., 
bz. gna, gni etc.), während er im Auslaut 
(cf. junk, klank etc.) auch oft für „g" ein- 
tritt. Von der alten fries. Sitte, das ,,k" zu 
quetschen, bz. vor einem Vocal in einen 
Zischlaut (z. B. ds, tz, ts, sc etc.) zu verwan- 
deln finden sich nur noch loetiige Spuren, wie 
vielleicht möglicherweise in bridsen od. britzcn 
7t. einigen sonstigen Wörtern, loährend sie 
in Nord- u. Wcstfriesland, im Saterlande u. 
auf Wangcrooge (cf. Ehrentraut, 1,184 
etc.: kerke, ketel etc. u. unter 1 kake etc.) 



noch besteht u. z. B. das von Stbg., bz. 
Cad. Müller irrthümlich aufgeführte ziel 
für sjel od. zjel, tzjel, steht u. icie toang. 

50 sjel (statt sjerl) iiichts anderes ist, als unser 
kerl, bz. kerel od. kilrol, während Stbg. da- 
bei an einen Zusammenhang mit nhd. zie- 
len (cf. tclen) denkt. 

Zum Schlüsse sei noch bemerkt: a) das 

55 Alles loas Stbg. unter Q, bz. Qu aufführt 
von mir unter „kw" aufgeführt ist, wie dies 
die Niederländer auch thun, u. b) dass das 
Lautvcrhältniss unsers nordgerm. „k" zu 
den im Skr. mit k, bz. 5, khs, sk, od. g, j, 

GO gh anlautenden Wörtern noch ein ziemlich 



KA 



151 



KABBELN 



unaufgeklärtes ist, icie dies die unter die- 
sem Buchstaben aufgeführten Wörter schla- 
gend heioeisen. 

kä (Flur, kaen) a) Dohle; — b) Nehcl- 
krähe. — Nd., mnd. ka; nid. ka, kauw; 
mnld. kae, kauwe; ags. ceä; engl, chough ; 
Schott, kay, ka, kae ; ahd. chaha, chä ; mhd. 
kä ; schxved. kaja ; norio. kaa, kaie ; dän. kaa. 
— Es ist ein Lautnudendes Wort wie ku- 
kük etc. u. stellt Fick (I, 558 seq.) es zu 
einer y gag = skr. gaj (schreien etc.), wozu 
auch nhd. kachel (Grimm, Wb., V,12)u. 
kacke, soioie das Schalhvort kack (s. daselbst 
Spalte 14) u. dann auch wohl unser kakeln, 
kakeln etc. gehören. Die Basis von gag ist 
übrigens j/ ga (tönen, schallen, singen etc., 
bz. einen unartikulirten Laut von sich ge- 
ben etc., cf. bei Fick ,,ga" u. bei Grass- 
mann „g^")) wonach gag ivohl aus rediipl. 
gaga, od. gaj aus dem Stamm gäya entstand 
u. gekürzt ist. Ob indessen das gleichfalls 
onomatop. skr. käka, käga (cornix) für ahd. 
chaha etc. nicht näher liegt, als die Ablei- 
tung dieses von einer y gag, zumcd da die 
käen u. Dohlen doch getoiss blas nach 
ihrem Geschrei, welches ja wie kä, kä od. 
kae etc. klingt, benamset sind? 

kabanter, kebauter, karbauter, kerbau- 
ter, kalbaater, klabauter, klebauter, ein 
Kobold, od. ein kleines dickes drolliges ko- 
boldartiges lt. ungezogenes Wesen, welches 
allerlei Faxen u. Sprünge macht, od. auch 
wie ein Kobold u. kleiner Teufel cdlerhand 
neckische Streiche u. kleine Bosheiten ver- 
übt, bz. sehr unlenksam u. störrisch ist; — 
't is so 'n regten lütjen kabauter, war gen 
drummel sin lachen fan laten kan ; — 't 
is so 'n kabauter fan 'n jung', dat mau sük 
d'r hast hei net fan redden kan, bz. dat man 
d'r niks mit worden kau. — Ob dieses Wort 
nicht eher von kobold, bz. kobolt (nid. ko- 
bout) weiter gebildet ist, als dass es mit kla- 
bastern etc. (cf. G r i m m, Wb., V, 888, sub 
2, d) zusammenhängt? 

kabbeljaa, kabeljau, Kabliau (gadus 
morrhua od. morrhua vulgaris) , ein zum 
Geschlecht der Schellfische od. Dcnsche ge- 
hörender grosser schwerer Fisch, der bis 
5 Fuss lang wird. Er bewohnt das nörd- 
liche atlantische Meer, wird jährlich in meh- 
reren hundert Millionen (namcntl. auf den 
neufundländischen Bänken) fiefangen u. ist 
einer der wichtigsten Fische für die mensch- 
liche Nahrung. — Der Name ist seit Ende des 
13., bz. Anfang 14. Jahrhunderts bekannt 
u. seit der Zeit bei edlen seefahrenden Germa- 
nen derselbe (Mos im Englischen heisst er cob, 
loas vielleicht aus kab, bz. kable, od. kabel- 
jau entstand u. verstümmelt ist) u. so ziem- 
lich unverändert derselbe geblieben u. wenn 



man nun vergleicht, dass der ungetrocknete 
Stockfisch im Nid. auch bakkcljouw heisst, 
so scheint es wohl richtig, dass man den 
Namen als ein Compos. von kabbel, bz. ka- 
5 bei u. jau ansieht. Vergleicht man nun 
iveiter in Vocalmlaren des 15. Jahrhunderts: 
meruta, cabeliau vel b u 1 c h e u. dazu, 
dass der Bulch im ndrhein., bz. Nieder- 
land (Grimm, Wl). V, 10) kablen heisst, 

10 .so ist es wohl anzunehmen, dass kabbel 
od. kabel »lit dem letztern Worte entweder 
ident. od. doch unmittelbar verwandt ist. 
Hält man hiezu nun ferner, dass diese 
Fische sehr gefrässig sind u. mit weit auf- 

15 gesperrtem od. klaffendem Bachen nach Al- 
lem schnappen u. beissen, so liegt es sehr 
nahe, um den Namen: kabbel, kabel, kable 
mit kabbeln, kibbeln, käfe, kibbe u. kafel 
von der y gabh, gambh (schnappen, beissen; 

20 klaffen etc.) abzuleiten, wobei man bei dem 
Suffix jau, iau vielleicht an eine Connexität 
mit dem Fron, ya, yä, dieser, der, er, bz. 
loelcher (cf. zend. ya, yo, yu etc.) denken 
könnte, od. an die urspr. Suffixe i, u, ja etc. 

25 Zum Schluss sei noch bemerkt, dass Hil- 
deb r a n d (cf. G r i m m, Wb. V, 10) unter 
Kabliau sagt, dass die Niederländer den 
frischen u. ungetrockneten Kabliau auch 
k i b b e 1 i n g nennen. Dies ist indessen 

SO falsch, da van Dal e zu kibbeling sa^fi; 
de zogenaamde wangen van den kabeljauw, 
gevormd door de slaapspier en uitwendige laag 
der kauwspier, worden afzonderlijk ingezou- 
ten en onder de naam: kibbelen, kibbels 

35 of k i b b e 1 i n g in den handel gebracht, — 
ivonach es klar ist, dass dieses Wort mit 
unserm kibbe (Kiefer) zusammenhängt. 

kabbeln, a) laut zanken u. streiten, keifen 
etc. ; — laten se sük d'r um kabbeln ; mi 

40 is 't net glik, wo se 't maken ; — se kab- 
beld (od. kibbeld) d'r al tegen an; — b) klat- 
schen, plätschern, bz. mit klatschendem Ge- 
räusch aneinander, bz. woran anschlagen; 

— de se, bz. dat water kabbeld (wenn die 
45 Wellen von ztvei Seiten gegen einander 

schlagen u. klatschen) ; — dat water kab- 
beld tegen de balken an ; — c) nagen etc. ; 

— dat water kabbeld de kant fan de weg; — 
d) brechen, abbrechen, abfallen, stürzen etc. ; 

50 — de ganse kant kabbeld weg. — Nid. kabbe- 
len (wie sub b), c) u. d) ; mnd. kabbeln; nd. 
(Dähnert) kabbeln, kibbeln (sich zanken, 
streiten). Davon : gekabbel, kabbele, — a) 
Gestreite, Gezanke etc. ; — b) fortwähren- 

55 des Flätschern u. Anschlagen der Wellen 
an Etwas) etc. Es ist wohl mit kibbeln 
eines Ursprungs u. dann auch in der Be- 
dtg. sub b) als lautmalendes Wort vom 
Flätschern u. Murmeln des ivogenden, rau- 

60 sehenden u. an Etwas anschlagenden Was- 



KABEL 



152 



KAF 



sers gebraucht u. weil dadurcJi die Erde, 
bz. das Ufer abbrüclcelt, so eitstand hieraus 
auch die Bedtg. sub c) «. d). Als Laut- 
malendes Wort hat es bei KU. die Bedtg.: 
(methaph.) vomcro , u-ährcnd derselbe ein 
2 weit CS kabbelcn mit der Bcdtg.: footaro, 
footiticare, pärere (tlicitur proprio de porcis, 
felibus etc.) auffuhrt, ivas wahrschei)d. von 
vinld. kabbe (porcelliis) abgeleitet ist. Wei- 
teres vergl. unter gabbeln wegen der y gabb. 

kabel, ein dickes Tau zum Festlegen 
der Schiff'e, bz. ein dickes Ankertau. — Nid. 
kabel ; engl, cablo ; franz. cablo ; chablc ; 
Span, cable. Aus mlat. capulum (Strick, 
Seil) u. dies mit capulus von capio (greifen, 
fassen, halten etc.). 

kabeljan, s. kabbcljau. 

kabnet, kamnet, kabnetschap etc., Cabiuct, 
Cabinetschrank. Das franz. cabiiict ist Di- 
min. von cabäne (Hütte, Strohhütte ; Schiffs- 
kammer od. Stäbchen etc.) = ital. capanua; 
span. cabana etc., bz. von (Diez, I, 110) 
ki/mr. caban als Dimin. von cab, tcohcr 
auch engl, cabiu (Cabine). 

kabuf, kebüf, a) Buf od. Wort, ivomit 
man einen polternden Sturz od. Fall von 
Etwas bezeichnet; — kebiif! dar ligd 't; — 
b) eine Hütte, bz. ein altes baufälliges, dem 
Einsturz nahes Haus; — he wand in so 'n old 
kabüf; — c) ein altes, abgetriebenes Pferd, 
toas jeden Augenblick zu stürzen droht; — 'u 
old kebüf fan 'n perd. — Es ist vielleicht 
mit gepi'if, bz. buf etc. connex, obschon es in 
der zweiten Bcdtg. auch zu nd. kabäche (cf. 
Grimm, Wb., V, 6) stimmt u. dann eilte 
Weilerbildung von dem unter kabuet erwähn- 
ten k>/mr. cab sein kann. cf. auch kabüse. 

kabiise, kabüs, Kabuse; — a) ein Bret- 
terverschlag auf dem Verdeck der Schiff'e, 
loelcher einestheils als Schiffsküche, andern- 
theils cds Schtitz- u. Zufluchtsort für die 
Matrosen dient, auch kombüse genannt; — 
b) ein Bretterverschlag zum Aufheben u. 
Bergen verschiedener Vorräthe ; ~~ c) eine 
Sparbüchse, bz. ein Etwas, worin man sein 
Geld vertcahrt u. aufhebt, od. auch den Spar- 
Pfennig selbst; — min lest' kabüs, bald all' 
nitn gold un god to hüs. — Nid. kal)uis, 
kombuis etc.; cf. Weiteres in Grimm(Wb. 
V, 10) unter kabuse. 

kachel, a) irdener Thonflicscn ; — de 
afend is üt kacbels upsotd ; — b) Kachel- 
Ofen, bz. ein aus Thonßiesen aufgeführter 
steinerner Ofen, od auch überhaupt ein Ofen; 
he smitt 't in de kacbel. — Nid. kaghel, kag- 
gcl; mflüm., mnld. kaeckol, kacbel; norw., 
schwed. kakcl ; dän. kakkel (in kakkelovn 
= norw. kakolonin). — cf. Grimm, Wb. 
V, 11, bz. uhd. chachala (irdenes Geschirr), 
loas loohl Weiterbitdung, bz. Dimin. von 



einem ahd. chacha = ags. (H. Leo) ceac 
(irdenes Gefäss, Krug, Kachel, Urne); mnld. 
(KU.) kaecke (cadus, orca); engl, kag, keg; 
norw. kagge ; isl. kaggi (dolium, orcus etc.) 
5 ist u. wovon auch vielleicht das franz. caque 
(Hcringstonne), sofern es nicht mit franz. 
caquor von 2 kaken abgeleitet ist. Das ags. 
ceac etc. betr., so gehört es wahrschcinl. zu 
der (Fick, I, 36) y kak (cingere), od. mit 

10 skr. kü^-a (Behälter, Fass, Kufe, Kasten, 
Truhe etc.) zu ]/ ku^ (umfassen, timschlies- 
sen etc.), sodass das urspr. „k" auch hier, 
wie in kak u. sonstigen Wörtern keine Laut- 
verschiebung erfuhr. Vergl. auch kake etc. 

15 Ob das port. (Diez, 11,107) caco (Scherbe) 
nicht auch eher daher entlehnt, als aus lat. 
cacabus etitstanden ist? — Auch span. cacho 
(s. daselbst) könnte dann tvieder aus caco 
entstanden sein , loie ja auch das nhd. 

20 Scherbe beide Bedtgn. hat. 

kacheln, heizen, feuern etc.; — liekacheld 
dügtig in. Zu kachel sub b). 
käde, s. kcde. 
kaf, a) Spreu, leere Getreidehülsen, zer- 

25 kleinerter Getreide- od. Stroh-Abfall beim 
Dreschen; — 1)) von Mäusen zerfressenes 
u. abgenagtes Holz, od. Holzspänehen etc. ; — 
't is einer kaf, bz. kaiisel, d. i. Ge- od. Zer- 
kautes. — Nid. kaf; mnld. (KU.) kaf, kaeve, 

30 kave; nd. kaff; mnd. kaf, kave (Hülse des 
Getreides, ausgedroschenes Stroh ; Spreu je- 
der Art; fig. auch: leeres nichtiges Gewäsch 
etc.); ags. ceaf; engl, chaft'; mJid. caf, kaf. 
— Gehört kifen, kitTie mit kibbelu u. kab- 

35 belu zur y gap od. gabli (cf. L'ick, I, 69 
u. HI, 47 die Wurzeln gap n. gabh, schnap- 
pen, beissen ; klaffen, tief sein etc.), so tvürde 
auch kaf (f(dls es urs2)r. etwas Zerkleinertes 
od. Zerhacktes bedeutete) mit an. kaf (Tiefe, 

40 Abgrund etc.), kafa (tiefen, versenken, unter- 
tauchen), kafna (unterdrücken, ersticken), 
kefja (nieder drücken) etc. ; skr. gabhira 
(tief, unergründlich), jambba (Gebiss, Kinn- 
backe) ; isl. kaf (Tiefe, Senkung; Taucher- 

45 künste) etc. u. griech. gaiujjhe , gömphos 
(Zahn, Pflock) ; dicd. gimbö (Gebiss, Kinn- 
backe) ; as. kafl ; ags. ceafl (Kiefer), bz. un- * 
serm käfe u. kibbo (Kiefer) etc. zu dieser 
selben y gehören, deren verschiedene Bedtgn 

50 als: schnappen, beissen; klaff'en, gähnen, ■ 
tief sein (Fick, I, 71 seq. u. IT, 314) für 1 
alle obigen Wörter (auch nhd. Käfer [cf. 
kefer] gehört wohl hieher , tvie desgl. auch 
unser kafel etc.) passen, u. wäre clann die 

55 Ableit. von der y skap, schaben, cf. Scha- 
fen , wozu Hildebrand (G r i m m , Wb. 
V, 20) ivohl zu verwerfen, obgleich sie beim 
Vergleich mit unserm schüfe etc. sonst begriff- 
lich auch zu kaf stimmt. Vergleiche auch 

60 noch (Grimm, Wb. V, 17) käfe (Frucht- 



KAEFE KEFE 



153 



KAI KAJE 



Jmlse etc.), was dort nicht zu kaff, sondern 
mit dem gleiclihedeutenden kiefc zu kafela 
(nagen, heissen etc.) gestellt ivird u. jeden- 
falls also mit as. kafl etc (s. ohen), hz. un- 
serm kabbeln, kibbeln u. kifen zur y gabh 
gehört, worüher auch noch Weiteres unter 
gapen, gaffeln etc. zu vergleichen ist u. loo- 
hei man dann für kaf, käfe, kafel etc., hz. 
kabbeln, kibbeln, kifen, sowie kibbe ein urspr. 
germ. Stammvhm. kifan, kaf, kufun, hz. ki- 
ban, kab etc. mit denselben urspr. Bedtgn. 
wie die }/ gabh aufstellen müsste. 

1. käfe, kefe od. käve etc., Kiefer, Kinn- 
lade, vorstehendes Kirnt; Plur. käfen, ke- 
fen etc., auch die Kiemen der Fische. — 
Dieses Wort gehört toahrscheinl. (cf. käfen, 
kefen = kifen) mit kibbe, kiffe (Kiefer) zu 
dem germ. Stammvhm. kifan, kaf (cf. kaf 
am Schlüsse), obschon es auch möglich ist, 
dass es mit nd. (Br. Wh.) keveu (Fisch- 
ohren, Kinnhaclcen der Fische, mandibulae 
lucii, cf. auch nid. kibbeling unier kabbeljau 
am Schlüsse) direct aus kife, kive (wovon 
auch nhd. Kiefer) entstand, hz. eine Ah- 
lautform davon ist, wofür auch das wang. 
kiving (Kinnlade des Fisches) .spricht. 

Mit dem von ahd. chiwan, chiuwan (kauen) 
abgeleiteten mhd. kiwe, kewe, kiuwe etc. (Kie- 
fer) hat unser käfe, kefe ivohl nichts ge- 
mein, tvie direct auch nicht mit mnd. kavel, 
kovel (Kiefer, Gaumen, Schnabel), da dies 
zweifellos dasselbe Wort ist tvie as. kafl etc. 
(s. unter kaf) u. demnach auch ivohl mit ka- 
fel u. 1 u. 2 käfe zur ]/ gap od. gabh (heis- 
sen, spalten, klaffen etc., cf. kifen etc.) gehört. 

Vergl. noch : toang. kiaubunk (Kinnlade), 
was mit unserm kibbebunke synonym, in- 
dessen in seiner ersten Sglbe mit kauen, hz. 
mhd. kewe, kiuwe (Kiefer) connex ist, wäh- 
rend tvang. kevje (etwas mit dem Kinn 
erreichen) von keve (Kinnlade, Kinn) loei- 
tergebildet ist. Desgl. cf. mnld. keeuwe 
(fauces) , wobei KU. auf kouwe, kauwe, 
kuwe (fauces, frumen, bz. mala, maxilla etc.) 
verweist, ivelclie Formen loohl sämmtlich mit 
denen zu chiwan, chiuwan gehörenden mhd. 
kewe etc. identisch sind, wie auch engl. 
chaw zu chaw (kauen) gehört, tvährend jaw 
vielleicht mit jawn (gähnen, cf. jäneu) eines 
Ursprungs ist. — Weiteres vergl. unter 
kauen. 

2. käfe, kefe, Kerb, Einschnitt, Vertie- 
fung, Versenkung etc. ; — de käfe fan 't 
fat is to eng', dar kan de bäm so net in ; 
— de käfen sunt to dep ütschäfd , bz. üt- 
sägd. cf. käpe u. unter kaf das an. kaf 
(liefe, bz. Spalt etc.) , loie es ja jedenfalls 
auch mit kafel, hz. an. kafli zur ]/ gap od. 
gabh gehört, obschon ich eher glaube, dass 
dieses käfe mit käpe, käpen u. kappen, kip- 



pen etc. zur y skap (s. unter kappen am 
Schluss) gehört. 

kafel, Kabel, Loos, Theil, Abtheilung, be- 
stimmter Theil von Etiuas etc. ; — de wa- 
5 ren mutten in kafels ferköfd worden; — ik 
heb 'n kafel holt küfd. — Nd., mnld., nid. 
kavel ; mnd. kavele ; schioed. kafvel. — Mit 
schwed. kafle (kleines rundes längliches Stück 
Holz; Knebel etc.); norw. kavl (Treibholz 

10 am Fischnetz; Stock in einer Flossbrücke 
etc.), kavle (Rolle, Rollstock, Mittelstück, 
kleine Stange, Knebel etc.) etc. u. den Ver- 
ben: schioed. kafla (mit einem runden Holz 
rollen) ; norio. kafla (ein Flossholz od. Treih- 

15 holz an ein Netz binden; einen Brücken- 
stock auf einen Sumpf legen; knebeln) aus 
dem an. kafli, kefli (runder Stock, Stab, 
Holzstück, Theil), was nach an. medal-kafli, 
Büttel- Stück im hjalt od. Schivertgriff) 

20 imhl urspr. blos die Bedtg. „Stück" od. 
,,Theil" von Etioas hatte. Vergleicht man 
nun aber unter kaf das an. kaf (Tiefe, Ab- 
grund, bz. Spalt etc.) .so ist es ivohl zwei- 
fellos , da.ss auch an. kafli als Theil od. 

25 Stück, bz. abgespaltenes Etwas etc. zu 

derselben y gap od. gabh (beissen, spalten, 

theilen, klaffen etc.) gehört, lüozit ich auch 

1 u. 2 käie stelle. 

kafeling, ein grösserer Theil Kaufmanns- 

30 guter od. sonstiger Waaren etc., die zum 

öffentlichen Verkauf bestimmt sind; — dat 

god sal bi kafelingen ferköfd worden; — 

'n kafeling holt. — Nid., nd. kaveling. 

kaf ein, kabeln, bz. in Kabeln od. 

35 Loos e eiyitheilen u. zerlegen, z. B. Kauf- 
manns-Güter beim Verkauf in öffentlicher 
Versteigerung. — Nid. kavelen. 
käfeln ; i. q. kibbeln. cf. 1 käfe. 
1. käfen, kefen, Kiefern; s. 1 käfe etc. 

40 2. käfen, kefen, kerben; — ferkäfen, 
verkerben ; s. 2 käfe «. cf. käpen. 

käfer, kefer (Plur. käfers etc.) Käfer. 
— Nd. (Dähnert) käver «. (Br. Wh., 
Schütze) zäver, säver, sever, sebber, ze- 

45 fer ; mnd. kevel, kever ; nid., mnld. kever ; 
ags. ceafor ; engl, chafer ; ahd. chevar, che- 
vor, chevur, chevir, kevir ; mhd. kever u. 
ahd. kevero, kheviro; mhd. kevere. 

Es gehört mit kaf, käfe, kafel etc. wohl 

50 zu einem von der y gap od. gabh (heissen, 
schnappen, nagen etc.) abstammenden urspr. 
Vbm. kifan, kaf (nagen etc.) u. bezeichnet 
es demnach urspr. ein Nag ethier. 
kägel, s. kegel. 

55 käi, kaje, Kai, d. h. die hölzerne od. 
steinerne 'Hafen-Einfassung, bz. der Damm 
od. das Bollwerk, ivelches den Rand od. das 
Ufer eines Hafenbeckens, od. eines Flusses, 
od. der See einfasst, od. ein- u. umsehliesst, 

60 bz. zur Befestigung u. zum Schutz dessel- 



KAI KAJE 



154 



KAJEN 



hen dient ; — 't schip ligd an de käj ; — 

— he steid up de käj; — l)inuon de k;ije; 

— achter de käi; — de käj nuit mäkd wor- 
den ; — w 1 willen d'r 'ii käj um to niakeu. 

— Nd., »uid. kaje (Ufercinfassumj) ; uhl. 
kaai ; miild. kado, kaeye (acta, acte, cothon, 
litus, ora) ; schwed. kaj ; dän. kai ; engl, kay, 
([iiay; frans, qiiai; tciuiy. (Ehr entraut, 
fries. Archiv I, S7G) k6i. — I)a der Kai 
ein Schli ess od. Schutz- Bing, bz. ein 
Etiras ist, was sichert od. ein- u. x m- 
schl iesst, so wäre es leicht niögUch, dass 
es mit (Ehr entraut, I, 202) wang. koi; 
wfrie.<:. kaay; nfries. (Outzen) käi, käy; 
satl. kai od. käy; afries. (v. B ichthofen) 
kai, kag, kei; ags. caeg (Schlüssel, bz. 
Schliess Ding), caega od. cäga (Schloss) ; 
engl, key (Schlüssel, Schlnssstein , Band, 
Klammer; Kai, Hafendamm, Felsenriff, 
SandbanJi-, Barre etc.) etc., bz. (Diez, I, 
121) dem span. cayo ; afranz. caye (Sand- 
bank, Barre, bz. Schranke als Abschliessen- 
des od. Verschluss) etc. u. dem in den Isid. 
Glossen belegte kai (cancellae), kaij (can- 
celli) zusammenhängt, bz. identisch ist, loie 
desgl. mit (cf. Diez) kymr. c^q (Zaun, Um- 
zäunung), bret. cae (dasselbe, auch Fluss- 
damm) u. kaea (einzäunen, einfriedigen, 
ein- u. umschliesscn etc.), wozu Diez auch 
das ahd. caliot (munimentuin) u. bayr. ka- 
chet (Zaun) vergleicht. 

Hält man hiczu nun aber, dass im ahd. 
u. auch in sonstigen germ. Sprachen ein 
urspr. „k" .■<oicohl als ,,g", „h", „ch" od. 
„k" erscheint, so ivnre es leicht möglich, 
dass die obigen Wörter sämmtUch mit (cf. 
Schm., IJ, 277 u. 287) bcujr. kag (Hag, 
Zaun) lt. ahd. hag etc. zu der unter liagen 
(vergl. auch hägen etc.) erwähnten ]/ kak, 
bz. kac, karic gehören, wozu Fick (I, 36) 
auch lat. Cancer, caucellus, cingerc etc. u. 
griech. käkalon (Ringmauer) , kigklis (Git- 
ter, Umzäunung, Einschluss) etc. stellt u. 
wonach denn käi, bz. dessen urspr. Thema 
kaga ein Etivas bedeutet, ivas (cf. auch käi- 
dik, kajen etc.) ein Anderes umgiebt u. ein- 
friedigt, od. ein-, ab- u. umschliesst u. so auch 
Tcrschliesst u. sichert. Wegen der Bedtg. : 
Barre od. S a n d b a n k etc. des engl, key 
u. S2)an. cayo etc. vergl. auch nhd. Barre 
(Stange, Jiicgel, Schlagbaam u. auch Sand- 
bank od. liiff vor den Flüssen), was mit 
dem franz. barriorc u. barreau auf ahd. 
para, mhd. bar (Bulkc ; Schnuike; eingeheg- 
tes Land) zurückgeht u. icahrscheinl. mit 
nhd. Sparr en , bz. ahd. sparro (Stange, 
Balken etc.) u. sperren etc. zu einer y 
spar (ein- od. umschliesscn, zäunen, einfrie- 
digen, ein- od. beschränken, Schranke ma- 
chen u. setzen etc.) gehört, von der auch 



wohl sparen (sparen, d. h. sich ein- od. be- 
schränken, sich Schranken setzen im Ge- 
nuss etc. — od. einschliesscn u. bewahren, 
aufbewahren etc.) etc. abzuleiten ist. 
5 Zum Schluss sei übrigens bezüglich des 
Wortes kaje noch bemerkt: 

a) dass KU. für kaeye auch die Form 
kade hat u. unser kajen im nid. kadcn lau- 
tet, was (sofern diese Formen urspr. wären 

10 als kaeye od. kai) auf einen Zusammenhang 
mit der y (Gras s m a n n) ghat (sich ver- 
einigen , sich verbinden u. an einander 
schlicssen etc.), od. besser noch mit (G rass- 
mann) gadli (anklammern, fest verbinden, 

15 schliessen etc.), bz. (Fick, I, 65) gadh od. , 
ghad (fassen, halten etc., cf. gaden u. gad- ■ 
der etc.) schliessen lassen könnte — u. l 

b) dass Dr. Hildebra n d (G r i m m, 
Wb., 35) es vom nid. kei; mnld. (KU.) 

20 keye, kaeye, kae (silex, saxum, bz. Kies, 
Kiesel, Fels etc., cf. kei) ableitet u. an- 
nimmt, dass kaje od. käi urspr. das natür- 
liche kiesige od. felsige u. dann das künst- 
liche Ufer bezeichnet habe, was an u. für 

25 sich nicht unmöglich ist, da die Bedtg. : 
k iesiges od. felsig es Etwas für kaje, 
bz. Kai sehr gut ^jass^ u. sogar viel für 
sich hat. Da indessen der Zusammenhang 
von kaje etc. mit dem Isidorischen kai (can- 

30 celli) etc. wohl iinhcstritten ist, so dürfte 
demnach die Ableitung des Wortes Kai 
von mnld. keye, kaeye (silex etc.) auch ab- 
zuweisen sein. 

käi-dani, ein Sperr-, ScJiluss-, od. Ab- 

35 schluss-Damm ; — w'i willen d'r 'n käi-dam 
dör de slot leggen laten, dat 't water d'r 
net hen kamen kau. — Nd. (Schütz e) 
kajedamm, Nolhdamm um bei Deich- u. 
Schleusen-Arbeiten das Wasser abzuhalten. 

40 käi-dik, ein Sperr-, Schluss-, od. Ab- 
schluss-Deich , bz. ein Deich, loomit man 
Etwas (Land, Ufer etc.) ein- od. umschliesst, 
um das Wasser od. die Fluthen abzuhalten, 
ivie dies z. B. geschieht, wenn bei einer 

45 Sturmjluth ein ImcIi in dem See-, od. Fluss- 
Deich entsteht, ivo man dann einen Kai- 
Deich um dieses Loch herumzieht, um es 
vorerst ii. bis daJiin zu schliessen, bis der 
Hauptdeich wieder gemacht u. fertig gestellt 

50 ist. — Nd. kajcdiek; nid. kaaidijk; mnld. 
(KU.) kae-, kaey-dyck. 

kajen od. ktiijen, schlicssen, dämmen etc.; 
— iiikajeii, einschliesscn, eindämmen , mit 
einem Damm umgeben u. abschlicssen; — 

55 bekajen, bedämmen etc. ; — dat is bc-, bz. 
inkäid ; — dat land mut inkäjd worden ; — 
ofkajen, (djschlirssen, abdämmen etc.; — dat 
watcr mut ofl<äjd worden; — umkajcn, um- 
schliesscn, uinilämmen etc. — Nid. (v. Dale, 

()0 Weiland etc.) kaaijeu (ein Segel, eine 



KAI-GELD 155 KAKE KAK 

Spiere, eine rä etc. mittelst Tauen einziehen 1. kak, r/. kik-kak. 

und ixirallcl mit dem Kiel an den Mast 2. kak, Scheisse, Koth, Atiswurf, Dreck 

schliessen u. binden, s. B. hei einem her- (namentlich von Menschen) ; — 't is eraer 

aufsiehenden Sturm, od. damit solche den kak, hz. schite. — Nid. kuk; mnld. kack 

vorbeifahrenden Schiffen nicht hinderlich 5 (stercus etc.); nd. kakk; mnd. kacke; dän. 

sind) u. kaden (in omkaden , mit einem kak ; lärntn. gagga, gegge ; ndöstr. gaga ; 

Damm umgeben u. abschliessen) ; mnld. griech. kakke ; air. cacc (Koth, Menschen- 

kaeyeii (appellere, intrare portiim) ; schwed. koth) ; skr. gakan, gakrit (Excrement) etc. 

(cf. Bobrik, naut. Wb. unter kaien) cf. Fott, Wurselwb. III, 140 u. Andere 

kaja; dän. kaje (dasselbe ivie nid. kaajen). 10 u. Weiteres unter gök, kök etc., sowie auch 

cf. afries. (Hettema) kaya (claudere; pro- kik-kak u. kakken u. ferner zu kak auch 

curare , bz. schliessen , verschliessen , ein- das mit unserm kwäd (böse, Böses etc.) iden- 

schliessen, bergen, hüten, betvahren etc.) u. tische nhd. Koth, wonach auch kak icohl 

Weiteres unter käi. mit griech. kake (das Schlechte etc.) u. ka- 

käi-geld, Kaigeld, bz. das Geld, od. die 15 kos (schlecht, böse etc.) etc. derselben ]/ an- 
Abgabe, tvelches od. welche von Schifften ge- gehört. Auch Ferd. Justi vergleicht zu 
hoben ivird, die an den Kai anlegen ti. zend. kaqeredha, bz. kaqar, hzv. ka.qtn.r (bos- 
löschen od. laden. haff) das afg. kakar (befleckt, beschmutzt, 

kajing, kajeii, Kaiung, bz. der aus Stei- besudelt etc.) u. arm. khakor (stercus?) u. 

nen od. Balken aufgeführte Hafendamm, 20 dürfte in ähnlicher Weise auch lat. perdo 

od. die Einfassung des Hafens. mit dem griech. perdö (furzen, bz. scheissen 

käi-mester, Kaimeister, bz. die Person, etc.) zusammenhängen, falls lat. perdo nicht 

welche die Aufsicht über den Kai fährt ti. ein Com}), von per u. do ist. 

das Kaigeld hebt. käk-l)en, kjikbniik, s. unter 1 kake. 

käi-ördnung, Kaiordnung, bz. das Gesetz 2.5 l.\i.^\Q,Ki\k, Kiefer, Kinnbacken, Kiemen; 

welches die Vorschriften über die Benutzung (Plur.) Bachen etc. ; — de kaken dön mi 

des Kais soioohl, als auch die betr. Ge- ser; — he jagd alles dor de kaken. — Com- 

bührentaxe enthält. pos.: käkben, od. käkbunk (Kieferbein, od. 

kaiser, keiser, a) Kaiser. — Sprichw.: Kieferknochen). — Nid. kaak; mnld. kake, 

war niks is, dar hed de kaiser sin regt fer- 30 keke, kaecke (maxilla, maadibula, mala, 

laren; — b) (scherzh.) Rausch; — he hed bucca); nd. keek, keeke; nmd. kake, keke; 

'n kaiser, bz. he hed sük 'n kaiser drunken ags. ceace; engl, cheek ; afries. keke u. (mit 

(er hat einen Bausch, er ist illuminirt etc.). lieber gang des „k" in einen Zischlaut, cf. 

kajüt, kejüt, Kajüte, bz. das Zimmer Mnier Äfc/zsio&m „k") sthiake, sciake, ziake, 

(kleine Kammer od. kl. Verschlag etc.) im 35 tzake ; nfries. kaak, keek ; satl. tsace ; schwed. 

Hinterraum des Schiffs, tvelches zum Aufent- kek, käk. — Es ist mit kauen (cf. 1 käfe, 

halt des Gapitains od. eines andern Schiffs- kefe u. kibbe), bz. ags. ceövan (cf. H. Leo, 

officiers dient, jetzt aber auch (auf grosse- 354 seq.) etc. schiverlich verwandt, sondern 

ren Schiffen) cds Personenraum für Passa- vielleicht als nicht lautverschobenes Wort 

giere benutzt loird. — Nd. kajüte; mnd. 40 mit skr. köga in der allgemeinen Bedtg. : 

kaiute; nid. kajuit; tnnld. kaiute, kaiuyte; Fassendes (s. unter kachel) von dersel- 

schwed. kajuta; dän. kahyt; mfläm. kajute; ben y abzuleiten. Oder gehört es mit ka- 

franz. (entlehnt aus mnld. kaiute , od. ka- kel, ktikel etc. (cf. 1 käfe, kibbe, kibbel, 

jute) cajute. Da in früherer Zeit auf den kibbeln, kifen etc.) zu derselben y? 

altern Schiffen eine Kajüte nur ein kleiner 45 2. kake, käk, Schandsäule, Schandpfahl, 

abgezimmerter Baum , bz. ein kleiner Bret- Pranger (emand an de käk setten), bz. eine mit 

terverschlag ivar u. auch das mfläm kajute Ketten eingefriedigte steinerne Säule zum 

mit cahute übersetzt wird, so ist es am wahr- Anbinden u. öffentlichen Ausstellen von Ver- 

scheinlichsten, dass kajüte aus dem franz. brechern, loie eine solche hier in der Herr- 

cahute; afranz. chahute, cahuette (cf. oben 50 lichkeit Lütetsburg noch steht u. loovon der 

dän. kahyt) entstand, was selbst (cf. Diez, käkweg seinen Namen hat. — Nd., nid. 

II, 236) vielleicht ein Compos. von ca u. kaak ; mnd. käk ; mnld. kaecke (catasta, 

franz. hutte; sp)an. hüte (vom deutschen pegma; columna in qua damnati conspicieudi 

Hütte = ahd. hutta) ist. Oder ist ksijüte ac deridendi proponuntur ; furca iguominiosa; 

enttveder mit kniete, (iti der Bedtg. Schranke, 55 suggestus sive structura sublimis, rotunda iu- 

bz. Verschluss etc., cf. käi), od. mit kau u. star cadi sive orcae, in qua malefici ad ho- 

koje verwandt u. kann auch afranz. ca- ras aliquot proponuntur deridendi. colum- 

huette (atis urspr. cauette mit eingeschobe- bar) ; mfläm. kake, kaecke ; wfries. keack ; 

nem unorganischen „h" ein Dimin. von kau nfries. kaak ; md. kak ; schwed. käk ; dän. 

(= nid. kauw, cf. kau u. koje) sein? GO kag; isl. kagi; norw. kak. Es bezeichnet 



KAKE 



156 



KAEKELREM 



wohl ein Hohn- u. Spott-Bing , hz. ein 
Etwas ICO Jemand zum Hohn, Schimpf 
V. Sp Ott Öffentlich ausgestellt u. der Schande 
preis gegeben tcurde u. dass es demnach cnt- 
loeder mit griech. katrclias (Lacher, Spötter 
etc.), kakcliäzö (ich lache); lat. cachinnari 
etc. u. mhd. kach (das Lachen), ahd. kah- 
hazzan etc., mhd. kaclizen (lachen) etc. von 
der y kak, bz. sJcr. kakk, kakh (riderei ab- 
zuleiten, od. mit nhd. kichern u. dem 
obigen mhd. kach etc. zur y (Fick, I, 64) 
gag. gagh (schreien, lachen) zu stellen. Vergl. 
auch kakeln etc. 

3. kake, kak, eine schwere Bö. cf. Bo- 
hr ik. nant. Wb. 

kakel in gekakel, Gegacker, Gekrähe, 
lautes unartikulirtes Geschrei, Geschnatter 
etc., z. B. von Hühnern, od. auch von 
schreienden u. sich zankenden Menschen ; 

— wat is dat für 'n gekakel? — de frülüe 
hebben dar wer so 'n gekakel mit 'n ander, 
dat man liäst sin egen gelüd net hören kan. 
cf. kakeln, kakeln etc. u. nhd. (Grimm, 
Wh. y, 4S) kakel etc. 

käkel, kekel, a) 3IaHl, Schnauze, unge- 
waschenes Maul etc.; — hold' din käkel! 

— b) Wortstreit, Zank, Hader etc.; — se 
hebben 't mit 'n ander in de käkel ; — he 
smitt de budel in de Käkel (er wirft die 
Sache in den Zank, bz. bestreitet mit Wor- 
ten die Bichtigkcit der Sache, od. macht 
einen Zankapfel daraus); — he will 't in 
de käkel smiten, dat 't net war was. — Nd. 
(Br. Wb.) käkel (Blander-, bz. ungewa- 
schenes Maul), cf. kakeln u. kakeln. 

kakel-beje, schwarze Johannisbeere. 

käkel-bek, käkelsnüt, Zank-Maul, zank- 
süchtifjer Mensch ; — du büst 'n regten kä- 
kelbek. 

kakel-bant, schreiend-bunt, grellbunt. — 
Zu kakeln. 

kakele, Gackerei, Gegacker, lautes Ge- 
schwätz etc. ; cf. kakeln. 

kakele, kekele, Zänkerei, Wortstreiterei 
etc. cf. kakeln. 

kakeler. Gackerer, lauter Schwätzer etc. 

— Mnld. kaeckeler (garrulus, rabula, bla- 
tero etc.); nid. kakelaar; engl, cackler. 

käkeler, kokeler, streit- u. zanksüchtiger 
Mensch. — Nd. (Br. Wb.) käkler. 

kakeln, gackern, schreien (wie die Hüh- 
ner u. Gänse), laut u. lärmend schreien u. 
sprechen, laut schwatzen etc.; — de höner 
kakelden al lank ; kik insen to, of se wol 
legd hebben ; — wen de hüner to tidig (od. 
frög) kakeln, drn loggen se up de dag Wind- 
eier; — wat heblion de wicliter dar wer mit 
'u ander to kakeln. — Nd. kakeln ; nid. ka- 
kelen; mnld. kaeckelen, kekelon (cachinnari, 
garrire, cucurrire, glocire, gracillare, glaci- 



tare, cacabare; gratitare; tetrinire, gruere; 
drensare ; papilläre) u. gacchelen, gaghelea 
(gingrire, glocitare) ; satl. kakelje; engl. 
cackle H. gaggle; sc/iwe«?. kackla ; f7ä«.kagle; 

5 ohcrd., md. gackeln, gackern. Es ist Frcq., 
bz. Jterat. eines altern kaken = götting. 
(Schambach) käken (gackern, bz. schreien 
etc., von Hühnern u. a)idern Thieren, so- 
tvie von llfcnschc») ; mnld. (KU., pag. 27:2, 

10 s. unten) kaecken u. (pag. 286) keken (gar- 
rire, hlaterare, jnrgare, increpare) u. gaglien 
(gingrire etc.) ; mnd. keken (garrire etc.) ; 
mhd. kachen (laut lachen) u. gägen (schreien 
iüic eine Gans), welches wohl mit mhd. gagzcn 

15 (gackern) u. kach (lautes Lachen) etc., so- 
loie lat. cachinnari etc. entweder zur y kak, 
od. gag (s. unter 2 kake «. cf. gigel etc.) 
gehört. Vergleicht man übrigens zu kakeln 
unser kik-kak, kikken, kinken etc. «. Alles 

20 unter gek, gök, gokeln, bz. kök, kökeln Bei- 
gebrachte u. Gesagte, so ist es wohl zwei- 
fellos a) da^s die Wurzeln Icak u. kuk, bz. 
gag von Hause aus ident. Schallstämme u. 
uHthrschcinl. blosse Kürzungen von kaka, 

25 Icuku, gaga etc. (als Bedupl. der einfachen 
Onomatop., od. Schallwurzeln ka, ku, ga, 
gu) sind (cf. auch mnd. kakeler, kokeler, 
gokeler) — u. b) dass das Gesetz der Laut- 
verschiebung bei solchen auf Schallwurzcln 

30 zurückgehenden Wörter nirgends strikte An- 
ivendung findet. Zu den Schallwurzcln kak, 
knk gehören auch: ags. coc; engl, cock; 
franz. coq (Hahn), sowie küken, kükel- 
hän etc. 

35 kakeln, kekeln, mit Worten streiten, zan- 
ken, laut schreien etc.; — laten se sük d'r 
um kakeln un 't mit 'n ander iitmaken, wel 
regt hed; — se mut d'r altid tegen an ka- 
keln. — Nd. kakeln; norw. kjegla, kjekla; 

40 satl. käkelje. — ]\Iit kakeln von Hause aus 
identisch, bz. mit diesem von mnld. kaecken, 
keken; mnd. keken (s. oben) abstammend. 

käkel-, kekel-reni, Zungenband; — de 
käkelrem (od. tungrem) is lium göd l8s'd 

45 (er kann gut schwatzen u. zanken, weil ihm 
die Zuufje, bz. das Zungenband gut qelöset 
ist). — ^Nd. (Br. Wb.) käkel-, kikkelreem ; 
mnd. kekelreme. — Es bedeutet wahrschcinl. 
soviel als Gaumen- od. Bachen-Bie- 

50 men, sodass dieses kakel od. kekel zu 1 kake 
gehört. Möglich ist es indessen auch, dass .^ 
es die Bcdtg.: Schtvatz- od. Sprech- H 
Kiemen hat, weil eben ein Blensch od. Thicr, m 
dem das Zungenband nicht gelöset ist od. 

55 ivird, nicht gut sprechen od. schwatzen kann. 
— Hat es indessen von Hause aus tvirk- 
lieh die Bcdtg.: Zunge, so könnte es, da 
auch das Wort tiinge wahrscheinl. (cf. z. B. 
Jjandzunge etc.) urspr. als Spitzes, Schar- 

60 fes od. Vorragendes aufgefasst wurde, 



KAKEN 



157 



KAKER 



auch mit dem unter kegel erwähnten kckel von 
Hause aus ident., hs. mit diesem u. mich 
kegel selbst aus einem u. demselben Grd- 
ivorte entstandest sein kann, worüber Wei- 
teres unter kegel. 

1. kaken, kochen, sieden, brodeln, tvallen 
etc. ; — iiten kaken (Essen kochen, bz. durch 
Feuer zubereiten od. gahr machen, od. zube- 
reiten) ; — dat water käkd (siedet, brodelt, wal- 
let etc.) afer ; — 't lied, bz. is käkd ; — ka- 
kend (kochend, siedend, brennend) liet; — 
he käkde (wurde brennend heiss, brannte, 
bz. wallte auf, wurde aufgeregt u. wüthend) 
fan dülliglieid ; — dat käkde bi hum (das 
kochte bei ihm, bz. er gerieth in heftige 
Wallung, od. Aufregung u. Zorn), as he 
sag, wo de böl fan kerel dat arme der mis- 
haudelde. — Nd. kaken; mnd. koken, ka- 
ken ; nid. koken ; afries. kokia ; satl. kökje ; 
wfrics. koackjen; nfries. köge; dein, koge; 
norw., schiocd. koka ; isl. kocka ; ahd. co- 
chöu, chochön , chohhon; amhd. chochen; 
mhd. kochen. — Nach allgemeiner Annahme 
ist es aus tat. coquere entlehnt. Da indes- 
sen dieses Wort weder im Griechischen noch 
in den sonst, älteren idg. Sprachen in gleich- 
massig entsprechender Form vorkommt, son- 
dern ganz vereinzelt dasteht, so ist es auch 
ebensowohl denkbar, dass umgekehrt das lat. 
coquere aus einer der agerm. (od. den kelt.- 
gall. ?) Sprachen entlehnt tvurde u. selbst (loie 
manche andere lat. Wörter) ein Fremdwort 
ist, od. mit dem ahd. cochön etc. derselben 
y entsprang. Bestärkt tvird man jedenfalls 
hierin dadurch, dass das lat. coquere (cf. 
auch koke, Kuchen, Gebäck etc.) sich laut- 
lich doch nur gezwungener Weise mit griech. 
pessö, pepsö (kochen) u. skr. paksa (gekocht 
etc.) von der |/ pac (kochen, reifen) ablei- 
ten lässt u. es anscheinend viel näher liegt, 
um coquere (kochen, schmelzen, brennen) mit 
skr. Qoka (Flamme etc.), gocant (brennend, 
flammend etc.) von der y guc (brennen, 
flammen, glänzen) abzuleiten, die wahr- 
scheinl. aus einer Redupl. der y gu (bren- 
nen, flammen, leuchten etc.) entstand , od. 
daraus erweitert ward, loie es ja sehr loohl 
möglich ist, dass das lat. cücüma (Kochge- 
schirr) mit griech. kaüma (Brand) etc. die- 
ser y gu angehört. Vergleicht man nun 
aber, dass Fick (I, 231 u. 804) lat. coce- 
tura u. cochlear mit griech. ki'keö (hervor- 
brechen, hervorquellen, od. sprudehi) etc. von 
einer ]/ skak, skag ableitet, so könnte man 
beim Vergleich unsers welle (Quelle, Brun- 
nen) u. wellen (kochen, wcdlen, brodeln etc., 
bz. quellen, aufquellen, hervorbrechen u. spru- 
deln) auch coquere u. ahd. cochöu, ebenso- 
gut von dieser y skak od. skag ableiten, 
weil eben das kochen nur in einem wal- 



len, aufwallen od. sprudeln und 
bro dein etc. besteht. Will man aber eine 
Ableitung von skak etc. nicht gutheissen, so 
könnte man beim Vergleich von (Fick, I, 
5 44) kar, kar, bz. car (brennen etc.) u. 
kar, skar (schütten etc.), od. (Fick, i, 
45) kar, skar (scheeren etc.) u. (Fick, I, 
57) kar (frieren) = skar (scheiden) od. bes- 
ser wohl (cf. lat. frigeo u. frigo von einer 

10 y bharg, leuchten, brennen, dörren, hart 
werden etc.) = kar (brennen etc.) auch an- 
nehmen, dass gu (brennen etc.) aus sku u. 
(Fi c k, I, 59) ki (brennen, dörren) aus ski 
entstand u. beide Ablautformen von (Fick, 

15 I, 802) ska (brennen etc.) sind u. dass dann 
weiter dieses ska toieder die Basis einer für 
coquere u. ahd. cochön anzusetzenden y 
skak od. skag ist, wie Fick (I, 230 seq.) 
auch für 1 u. 2 skak (hin- u. herbewegen, 

20 schütteln, stossen etc.; springen, hervorsjjrin- 
gen, sprudeln, quellen etc.) eine Basis ska 
(springen) annimmt. Dass diese y skak 
aber ebensoioohl wie die y kak von kakeln 
von Hause aus eine Sehalhvurzel ist, ist gar 

25 nicht zu bezweifeln u. könnte daher auch 
lat. coquere ganz ungezwungen von der y 
kak (brausen, surren, sausen etc., cf. kin- 
kon etc.) abgeleitet werden, da sich der Be- 
griff kochen od. brodeln ganz von selbst 

30 aus dessen Bedtgn. ergiebt. Eine Abslam- 
mung des lat. coquere aus einer y pak an- 
zunehmen, scheint mir durchaus unstatthaft. 
2. kaken, den Heringen die Kiemen od. 
käfen ausschneiden, bz. sie ausweiden u. 

35 einpökeln od. einsalzen. Der Mann der das 
kaken besorgt, heisst „kaker" it. das dazu 
benutzte Messer „käkmest". — Nid. kaken. 
Davon (Diez, II, 238): franz. caquer. 
Wie 1 kütjen von küt, küte u. 1 gromen 

40 von gröm, so auch wohl kaken von 1 kake 
(Kiefer, Kiemen). Ist indessen das franz. 
caque (Heringstonne) eine Entlehnung des 
mnld. kaecke od. kake (cadus etc., s. unter 
kachel), so könnte kaken urspr. auch die 

45 Bedtg. : (Heringe) „in Tonnen od. Fässer 
maclien, od. legoi" gehabt u. sich hieraus 
die Bedtg. : (Heringe) „einsalzen" u. tveiter 
die von: solche „ausweiden u. einpökehi" 
entwickelt haben. 

50 1. kaker, Kocher, Ding od. Geschirr etc. 
worin man Etwas kocht. — Compos. eier- 
kaker, kofjekaker etc. 

2. kaker, s. 2 kaken. 

3. kaker, Köcher, Gehäuse, Büchse, Fut- 
55 tercü, Beliälter, runde od. quadratische Röhre 

od. Rinne etc.; — he lett d'r 'n kaker um 
to maken ; — dat sitt in 'n kaker ; — d'r 
geid 'n holten kaker fan de höu na undern 
in de moltkeller, war wi de garst dör iii de 
60 wekbak lopen lateu. — Compos.: penkaker 



KAKER 



158 



KALANT KLANT 



(Federköclier); — törfkakor etc. — Sprichw.: 
dat kuiml net üt siu kakcr. — Nd. (Däh- 
nert) kaker, küker; mnd. koker, kaker; 
)dd. koker; africs., jcj'ries. koker; ags. co- 
cur, cocer; scliwcd. koircr: dän. kogger; (ihd. 
colihar, chohar, choclier u. chocliari, chocliarc; 
mhd. kochor ;/. kochaere; nid. kochir. Da- 
von : inlat. cuciirum ; mijricch. Icoükouron ; 
afranz. couire, cuevre, ciiivre; engl, cuivre 
(Kücher). — Wahrsduinl. mit kogge (s. d.) 
u. (cf. II. Leo, Spalte :'i71, Zeile 33) wei- 
ter mit kelt. cwch (rundl. (refäs.-i, bz. rtiiidl. 
Boot, Bienenstock, llutnapf etc.), skr. ko(;a 
(Behälter etc.) von der unter kache] erwähn- 
ten y ku^ (ttmschliessen, umfassen etc.). 

4. kakor, der sog. Schlauch an der liuthc 
des Jlengstes. — Wohl idcnt. mit 3 kakor. 

5. kakor, eine grosse Muschel, die, vor 
das Ohr gehalten, ein Sausen od. Brausen 
hören lä.-ist, als ob es darin kocht u. also 
wohl dasselbe Wort ivie 1 kaker. 

kakor-iiöt (harrl), Kokoxnuss. 

kakke-Iiüske, kakliusko, kakkeliüsjo, 
kakllüsje, Schciss- Häuschen , Abtritt. — 
Sprichw.: hö is so wis as 't kakhüsjo to 
Bremen, dat fan lutcr klökheiil in 't wu- 
ter ful. 

kakken, kacken, seine Nothdurft verrich- 
ten ; — he wil wol kakken, man de nfirs d'r 
net to don (von Jemandem der wohl etwas 
tcill, indessen die Mittel nicht dazu herge- 
ben will) ; — de god hakd, de göd kakd; — 
't sorgen willen wi latcn stiin, 't kakken 
miit sin gang gän; — de net göt kakken 
kan is l)oId 'n arm man ; — de 't kakken fer- 
lerd is hold in sin sotlieid fcrkerd ; — alle 
wisheid helpt niks, wen 't kakken net sin 
gang geid ; — kanst du net kalvken , den 
briikst du ök niks berakken; — kakken un 
sorgen kumd alle morgen. — Nd., nid. kak- 
ken; mnd., mnld., mfläm. kacken; engl, cack ; 
mengl. cackc; dän. kakke; ital. cacare; span. 
cagar; bühm. kakati ; ^)o/h. kakac ; wend. 
kekac; slov. kakati, kekati; ungr. kakälni ; 
kelt. cacba ; lat. cacare ; griech. kakkäö ; lit. 
sziku, szikti. — Ist hiefür, bz. für skr. (;a- 
kan etc. (s. unter kak) u. weiter für griech. 
kake (das Schlechte etc.) ; zend. kaqucredba 
(boshaft, böse etc.) eine Schallwurzel kak 
od. skak anzusetzen, die zunächst onomatop. 
auf das Geräusch angewandt xourde, wel- 
ches beim Verrichten der Nothdurft hör- 
bar ivird M. dann selbst den Act des Schcis- 
sens sowohl, als auch den Ausicurf (den 
kak, od. Koth, Dreck, Schmutz etc.) be- 
zeichnete, bz. zur Bildung der Wörter Kack 
u. kacken verwandt wurde? — Dass dann 
aber die Begriffe des Schlechten , Ge- 
rn e i n e n u. Bösen etc. im griech. kake etc. 
(s. unter kak) sich leicht aus dem von : 



Ausiou rf, od. Koth etc. entwickeln konn- 
ten, ist klar, obschon es auch möglich i.'<t, 
dass der Begriff: böse, scldccht etc. od. Bö- 
ses etc. sich auch auf a)idere Weise aus 
5 der Schallwurzcl kak od. skak entwickelt 
Jiat. Vcrgl. diescrJialb kwäd etc. u. auch 
unter dem Schall.'<tamm od. der Schallwur- 
zel kwak, bz. kwakken (dem glcichfcdls loie 
auch unserm kikkak, kikken, kiidcen etc. «. 

10 hikken eine ursjjr. Schallwurzel kak zu 
Grunde liegt), toie eincstheils in unserm 
2 kwakken sich daraus die Bedtg.: mit 
Vehemenz loerfen, bz. schlagen, 
schmettern etc. entwickelte u. im nid. 

1 5 kwak einen Flecke )i, S c h m utzfleck e n 
etc. u. im midd. eine res frivola bezeichnet. 
kakko-stol, kakstöl, Nachtstuhl. 
kak-inost, s. ttntcr 2 kaken. 
1. kill, .s\ kale. 

20 2. kii] (ßect. kaier, kälste) kahl (Haar- n. 
Feder-los), leer, nackt, cntblösst, arm etc. ; 

— 'n kalea kop; — de kale beide; — dat 
feld is käl; — se liebben luim kal makd ; 

— se bolden, bz. makon biini gans käl ; — 
25 lie is net so kal as 'n lils. — Sprichw. : wo 

kaier, wo royaler. — Nd., nid. kaal ; mnld. 
kaol ; africs. (kale); wfrics. kcal; satl. käl; 
ivang. kälucb; helg. käl; ags. calo, calu od. 
(H. Leo) cealo; engl, callow; ahd. cbalo, 

30 kalo ; mhd. kal. — Subst. : africs. kale, kele ; 
ahd. chalawi, chaliwi; mhd. kalwi, kelwe 
(KahVicit) u. Vbm. : afries. kalia, bz. kao- 
lia; ahd. chalawan, chalawjan (kahl machen). 
Mit lat. calvus u. skr. khalati, khalväta 

35 (Kahlkopf) , sowie wohl auch skr. knlva 
(kahl) vielleicht auf ein zur ]/ kar, bz. khar, 
ksbar = urspr. skar (schneiden , scheeren 
etc.) gehörendes (cf, skr. kharba, kharva, 
verstümmelt, krüppclhaft etc. u. ttnser scharp, 

-10 scbrap etc.) Thema kbarva = urs2)r. skarva. 
kai, s. käle. 

kalaiit, klant, Genosse, Kamerad, Freund, 
Bekannter, Kunde, Geselle, Bube, loser Bube, 
Schalk, Schelm, Bettler etc. ; — lie is mit 

45 sin kalanten (od. klanten) iip 't is gän ; — 
de klanten sunt mit 'n ander ütgän, um ap- 
pels to Stelen ; — dat sunt je 'n pär klan- 
ten ! dar köncn de wicliter sük man für liö- 
den ; — du büst mi ok 'n niöjen (od. slim- 

50 men ctc ) klant; — he is 'n regten klant 
(Bube, Schalk etc.); — de mändskalanten 
(die monatlichen Bettler n. Bettlerinnen) 
kamen altid up de erste fan de mänd, um 
hör gafe to halen ; — Nd. (Br. Wh.) ka- 

55 laut (Kunde, Geschäftsfreund) ; nid. kalant, 
klaut (dasselbe u. auch : Schalk, loser Bube 
etc.) ; mnld. (KU.) kallant (ijui alterius opera 
utitur. q. d. cliens; — permutator, com- 
mercia exercens cum aliquo ; adveutor; nd.- 

60 rhein. clant (Geselle, Genosse). — Wohl mit 



KAL-BAUTER 



159 



KALF 



klandisje zunächst von: franz. chaland; span. 
calau (Kunde eines Kaufmanns), wovon 
Diez (II, 241) vennuthet, dass es mit franz. 
clialaiul; afranz. kaland (plattes Boot zum 
Waarentransport) zusammenhängt, indem er 
meint, dass der Name des zum Bringen u. 
Abholen der Kaufmannswaaren gebrauchten 
Bootes od. Fahrzeugs sjjäter auch auf die 
betr. Person übergegangen sei. Nach An- 
dern (cf Grimm, Wb. unter kaland) in- 
dessen soll kalant in der Bedtg. socius iti 
ähydichcr Weise wie Bursche aus mlat. 
bursa (marsupium), hz. mhd. burse (studen- 
tische Genossenschaft etc.) mit nd. kaland 
(üppiger Schmaus etc.) aus mnd. (Seh. u. 
L.) kalant, kaland (gesellige Vereinigung, 
Haus in loelchem dieselbe statt fand, So- 
cietät etc.) ; afries. kaiende (geistliche Ge- 
nossenschaft, die sich am ersten jeden Mo- 
nats versammelte) etc. entstanden sein. — 
Wegen der Bedtg.: Bettler cf. das roth- 
wälsche (Grimm, Wb. V, Spalte 952) 
Klant. 

kal-battter, s. kabauter. 

kale, käl, kole, köle, kol, Kohle; — häl 
mi 'u käl (od. kÖl) für in de teste ; — törf-, 
stenkalen etc. ; — gleinige kalen ; — dofe ka- 
len. — Eedensart : he steid up gleinige kalen 
(od. kölen). — Nd. kale; mnd. kole, kale; 
nid. kool ; mnld. kole ; afries. kole, coele ; 
wfries. koal; satl. kole; loang. kulle; ags. 
col ; engl, coal ; an. , norw. , schioed. kol ; 
dän. kul; ahd. cholo, kolo; mhd. kole u. 
ahd. Chol ; mhd. kol ; ir., {jäl. gual ; hjmr., 
cornwall., armor. glo. Die Grdbdtg. ist 
wohl glühendes, brennendes — od. ver- 
branntes (cf. kalen) Etwas u. veriveise 
ich wegen weiterer Verwandtschaft, hz. der 
y auf: Grimm, Wb. V, Spalte 1582, — 
H. Leo, Spalte 572, — Fiel; I, 78 etc., 
— Bopp, Gloss. comp., pag. 158 u. Andere. 

käle, kele, kal, kel, a) Kehle, Gurgel, 
Schlund, Luftröhre , Hals; — he jagt all' 
dör de käl ; — he sett' hum 't mest up de 
kal; — he hed wat in de fei-kerde kal kre- 
gen ; — he snörd hum de käl to ; — he 
rärd sük de käl iit; — he hed sük de käl 
ofsnäden ; — b) Rinne etc. ; hol-käle (Hohl- 
kehle). — Nd., nid. keel; mnd. kele; mnld. 
keele, kele; wang. kel; ags. ceole ; ahd. 
kelä, cela, chelä ; mhd. kele, kel. — Mit 
(cf. Pott, Wurzelwb. II, 233; — F ick, I, 
70 u. III, 44; — Ferd. Justi, pag. 102 
u. Andere) skr. gala; npers. galii; kurm. 
gherü, osset. qur; lat. gula (Hals, Kehle) 
u. zend. garanh (Kehle), gareman (Gurgel) 
etc. etc. von der y gar (schlucken, schlingen, 
verschlingen etc.), ivorüber Weiteres unter 



kalen, kohlen, zu Kohle werden, brennen 



etc. ; — de törf loild ; — dat holt is gans 
wegkäld; — ankalen (ankohlen, anbrennen) ; 

— ferkalen (verkohlen etc.) etc. 

kiilon, kelen, kehlen, stechen etc., bz. hohl 
5 u. rinncnförmig machen; — ütkälcn, aus- 
kehlen. 

kalender, kleiulor, Kalender, Zeit- od. 
Tagweiser durchs Jahr etc. Es ist das ent- 
lehnte mlat., bz. lat. calendarium u. von lat. 

10 calendae (ersten Tag eines Monats) weiter- 
gebildet, was nach Fick (II, 58 seq.) u. 
Anderen (cf. G. Curtius Grundz. der 
griech. Etymol., pag. 138 seq.) mit halen, 
hallen u. lat. calare etc. zur y kal, kar (tö- 

15 nen, rufen etc.) gehören soll. Ob indessen 
das lat. kalendae als bestimmter Zeitpunkt, 
od. Zeitabschnitt etc. nicht eher mit skr. käla 
(bestimmter Zeitpunkt etc., cf. Bopp, Gloss. 
82 seq.) u. käla (kleiner Theil eines Ganzen 

20 etc., cf. Grassmann, Spalte 317 u. 324) zu 
der y kal, kar, urspr. skar (schneiden, 
scheiden, trennen, spalten etc.) gehört, ist 
doch sehr fraglich, zumal doch calendae den- 
jenigen Zeitpunkt, od. die Zeit u. den 

25 Abschnitt bezeichnet, wo zwei Monate sich 
scheiden u. ein neuer ivieder beginnt. 

kalf, a) Kalb, Junges vom Bind; — ko- 
od. kvii-küli (Kuhkalb), bul-kalf (Stierkalb); 

— Sprichw.: rike lue dogters un arme lue 
30 kaifers kamen bold an 'n man ; — schilvd 

'n kalf na Paris ! kumd 't wer to hiis, so 
segt 't: hamü! — he sügt üt, as 'u nögtern 
kalf; — he tird (geberdet) sük, as 'n nög- 
tern kalf; — de junge, dat is nog so 'n regt 

35 kalf; — dülle bullen maken düllekalfer; — 
't kalf hörd de hund half; — wen de forde 
kräkd is he nog net to ; wen dat kalf blarrt 
is 't nog gin ko ; — kinder un kalfer hör 
del; — kindermät un kalfermät mutten oll' 

40 lue weten; — de dat iBfd, hed 'n kalf in 't lif; 

— he plögd mit andermans kalf; — wen 't kalf 
ferdrunken is, den word de pütte dempd ; — 
up lütje lümmelsdag (bz. lütje nümmersdag), 
wen de kalfer up 't is dausen. — Die Be- 

45 densart: „'n kalf anbinden" wird in ziveier- 
lei Bedtg. gebraucht, nämlich a) in der von : 
sich erbrechen, bz. gerben, — u. b) in der 
von: sich mit etioas Dummem u. Albernem 
befassen, bz. eine Dummheit begehen, eilten 

50 dummen Handel abschlicssen etc. — 

b) ein grösserer Klumpen Erde, bz. ein 
dicker Brocken, od. dickes Stück Erde, was 
von der Kante eines Grabens (od. Kanals, 
Brunnens etc.) abbricht u. abfällt ; — dar 

55 brekd 'n kalf of; — ward (od. wikd) jo, 
dar kumd 'n kalf herunder, od. dar fald 'n 
kalf of ; — dar stördt 'n kalf in de pütte. 

— Nd. kalf, kalv; mwd kalf; nid. kalf 
(Junges vom, Bind, Hirsch etc. u. auch: 

GO Oberschwelle einer Thür ; Querbalken, Rie- 



KALF 



160 



KALFEN 



gel, Badträger etc.); mnlä. kalf; icfries. 
(Jap ix) keal ». kael; waiig. kalt"; (tgs. coaU", 
calf; engl, calf; as. calf; a)i. kälfr; «ojvc, 
(hin. kalv; schiced. kalt"; «/»/. call), chalb, 
calp, chalp, khalb; amhd. kalb, cluilp; mhd. 
kalp. Daneben: gnth. kalbo (Kalb, junge 
Kuh); ahd. kalbA, calbä, chalbä, cba]pä ; 
}/!/*(/. kalbe (weibl. Kalb) u. ag.-^. cilforlainb ; 
ahd. chilbiirra; mhd. ki\hn-c (wcibl. Lamm). 
— Merkwürdig stimmt zn unscrm kalf in 
der zweiten Bedtg. (nämlich abgebrochenes 
Stack etc.) das engl, calf in der Bedtg. ,,ab- 
gebrochenes dickes Stück eines Eisfeldes'' u. 
toenn auch die Bedtg.: Oberschwellc einer 
Thür, Querbalken, liiegel, bz. Verbindungs- 
holz (cf. auch bei Bobrik) etc. des nid. 
kalf auf älterer, blus mdartl. erhaltener 
Bedtg. dieses Wortes beruht, so wäre es 
leicht möglich, dass die von Fick (III, 
45) rcrmuthete Verwandtschaft des Worte.-^ 
kalf mit nhd. Kolbe, bz. mit ahd. colho, 
cholpo (Kolben, dicker Stecken, Knüttel, 
Keule etc. [cf. auch die Bedtg.: Wade 
des engl, calf u. dazu unser kiile als Be- 
zeichnung des Oberschenkels, bz. des dicken, 
fleischigen Theils des Beines]) ; an. kölfr 
(Bolzen, Ffeil, Wurfspiess), kylfa (Schlägel, 
Keule) etc. hiedurch bestätigt wird. Ver- 
gleicht man nun aber, dass die Bedtg.: se 
expaiidore, florcsccie, bz. sich ausdehnen, 
sehwellen, dick werden, wachsen, blühen etc. 
(cf. blöme , bloion , blad etc.) der y pliull 
aus der von: s^yaltcn, brechen, bz. sich tren- 
nen, auseinandergehen etc. der }' phal her- 
vorging, so wäre es leicht möglich, dass so- 
wohl den obigen Wörtern, wie auch den: 
ir. colpa (Kuh), colpach (junges Rind); lit. 
kärwe ; aslav. krava (Kuh) eine ]/ mit der 
urspr. Bedtg.: spalten, trennen, schneiden 
etc. SU Grunde liegt, die dann gleichfalls 
hieraus die Bedtg. : se expauderc , bz. sich 
ausdehnen, schwellen, dick werden, wachsen 
etc. entwickelte. Ist es nun aber richtig, 
dass unsere Wörter: krabben, karfen, krib- 
beii, scbrapcn, schürf, scharp, sclialfer otc. 
mit skr. kalp, kharba etc. ; lat. scalpere, scul- 
pcre Ptc. zu einer idg. y skarp (cf. Fick, 
111, 240) gehören, so Hesse sich diese for- 
mell auch für die obigen Wörter ansetzen 
u. annehmen, dass die verschiedenen Bedtgn. 
des Wortes kalf sich zum Theil aus der 
urspr. von : spalte n, brechen etc. u. 
zum Theil mit der von : ir. colpa (Kuh) aus 
der von : schwellen, schwang er we r- 
den etc., bz. schioanger sc i n , gebären 
etc. ergaben. Bemerkt sei übrigens noch, 
dass Fick (III, 45) das Thema kalba (von 
kalf) zu lat. galba u. .skr. garbha (Mutter- 
schooss, Embryo, Junges) vergleicht u. diese 
Wörter (cf. 11, 00 seq.) mit lat. globus (cf. 



auch tinser kulp etc.) etc. zu der y garph, 
bz. (I, 74) garbh, grabh (greifen, fassoi etc., 
cf. grabbcl, gripeii etc. u. dazu auch gräf, 
grafeu otc.) stellt u. dass auch Delbrück 
5 (cf. ZcHschr. für deutsche Bhilologie, I, 
148) derselben Ansicht ist. cf. noch mnld. 
(KU.) kalvcn, (vomcre, bz. brechen, sicher- 
brechen) u. nid. eon kalf makoii (sich er- 
brechen), sowie m)dd. (KU.) kalf vaii het 

10 bout (pulpa) u. unser kalfbrör etc. u. kal- 
fen etc. 

kalfatern, kalfatern, die Fugen u. Näthe 
eines Schiffes mit Werg dichten u. dann 
mit heissem Beck id)erstreichen ; überhaupt 

15 auch: dicht machen, flicken, ausbessern etc.; 
— dat schip miit up de lielling, um kalfa- 
tere! to worden ; — de büksen etc. iniit kal- 
fatord worden. — Xd. kalfatern ; ;;/(/. kal- 
fateren, kalfaten, kalefateren ; mnld. kalfatcn, 

20 kallefaten, kalfateren; schxocd. kalfatra; dän. 
kalfatre. Dieses aus ital. calafataro; spaii. 
calafatear ; 2»'ov. calafatar ; franz. calafater, 
calfoutrer; mgriech. kalafatein (die Hitzen, 
besonders eines Schiffes, dichten u. theercn) 

25 entlehnte Wort soll nach Diez (1,09) vom 
arab. galafa (ein Schiff verkitten); türk. 
q.ilfiit (gctliccrtcr Stopfen) abstammen, %oelchc 
Abstammung indessen von Engel mann (s. 
daselbst) beanstandet wird, indem dieser es 

30 aus lat. calefactare, bz. calefacio herleitet u. 
meint, dass calafataro etc. urspr. die Be- 
dtg. : ein Schiff heizen od. loarm machen 
etc. gehabt hat 
kälf-broi' u. kalf-sUster. Hierunter ver- 

35 steht man hier einen solchen Bruder u. 
eine solche Schicester (bz. unter kalfbrörs 
u. kalfsüsters solche Geschwister) , tvelche 
von zwei verschiedenen Ehepaaren abstam- 
men u. bei der Wiederverheirathnng der 

40 überlebenden Wittwe mit einem Wittiver als 
durchaus nicht blutsverwandt mit einander 
zusammengebracht werden, während sie zu 
den aus dieser Ehe später gebor nen Kin- 
dern llalbgeschwister sind, kalfbrör u. kalf- 

45 süster dürfen sich deshalb auch gegenseitig 
eheliche )i , weil eben keine Blutsverwandt- 
schaft zwischen ihnen besteht. Ob auch 
hier das Wort kalf auf die ivurzelhafte 
Bedtg.: trennen, scheiden, spalten, brechen 

50 etc. zurückweist u. dadurch nur die Unver- 
ivandtschaft od. die Trennung «. Geschie- 
denheit von den andern Geschwistern be- 
zeichnet werden soll, ivage ich niclit zu ent- 
scheiden, cf. weiter: 

55 kalfen, a) kalben, ein Kalb od. Junges 
werfen u. von sich absondern; — de kö 
kalfd, bz. hed kalfd; — b) spalten, brechen, 
stürzen etc. ; — de slotskaute kalfd of, od. 
kalfd in. — Nid., mnld. kalven (kalben; 

60 brechen, tccinen). 



KALFER-ACHTIG 



161 



KALKE KALTJE 



kalfer-'aclitig, kalfei-afti^ ßälberhaftiß), 
sich tvie ein Kalb od. Junges geberdeiid, 
kindisch, spielsüchtig, bz. iüppiscJi, läppisch, 
albern etc. ; — he is nog to kalferachtig. 

kalferen, kalfern, a) (freq.) spaUen, bre- 
chen, stürzen, abbrechen, erbrechen etc.; — 
de erde, bz. de kaute fan 't dep kalferd of, 
hz. iu; — he kalferd sük (er erbricht sich, 
er vomirt) ; — h) ivie Kälber thun u. sich 
geberden , spielen, tä>ideln, liebeln etc. ; — 
he kalferd nog to föl herum; — se kalferu 
mit 'ii ander. — Nid. kalverea (brechen, er- 
brechen) . 

kaifer-kne, kalferknci, Kälberknie; — 
he hed kalferkneen (er hat Kälberknie), bz. 
dicke, einwärts gebogene Knie wie ein jun- 
ges Kalb). 

kalfei'-kneid , gekniet tvie ein Kalb, mit 
Kälberknien, bz. dicken einwärts gebogenen 
Knien behaftet ; — he is kalferkneid, bz. hed 
kalferkneide benen ; — he lüpd kalferkneid. 

kalfer-lunke, Kälberschenkel, Kälberkeule, 
Kälberbein. 

kalfer-stilte ; i. q. kalferlunke. 

kalf-fel, Kalbfell, Kalbsfell. Sprichio.: 
der kamen mer kalflfellen as köhüdeu to 
marked ; — de fader uu moder net hören 
wil, mut 't kalffel hören. 

kalf-fles, Kalbfleisch. Sprichw. : kalffles 
is man halffles. 

kalf-ler, Kalbsleder. Sprichio. : kalfler 
is halfier. 

kalfsk (kälbisch); i. q. kalferachtig. 

kalfs-küle, Kalbskeule. 

kalf-süster, s. kalf-br8r. 

kaiig , kohlig, kohligt, wie Kohle, mit 
Kohle behaftet od. gemischt etc. ; — kaiige 
aske. — Afries. kolech, colech. 

käl-jager, Einer der kahl, nackend u. 
arm ist, ein armseliger Wicht, der Nichts 
besitzt u. wo nichts Reelles dahinter steckt ; 
— 't is 'n rechten käljager. 

kalk, Kalk; — mur-, mussei-, sten-, wit- 
tel-kalk; — he ward' so wit, as de kalk an 
de wand. — Nd., nid., an., dän., schived., 
norw. kalk ; ags. cealc ; (engl, chalk ist 
Kreide); ahd. calc, calch, chalch; mhd. 
kalc (Kalk, Mörtel, Cement) ; kelt., ir. cailc; 
corniü. calc ; wälsch calch; lit. kalkes (Plur.) ; 
lett. kalkis; wend. kalk; lat. calx (Stein, 
Kalkstein , Kalk , Mörtel) ; griech. chalix 
(Stein, Kies, Schutt, Feldstein, Mauerstein, 
Kalkstein, ungelöschter Kcük). — H. L eo 
(Spalte 564) vergleicht es zu skr. garka, bz. 
garkara (Kies), tvelch Letzteres nach Bopp 
auch die Bedtg. saccharum hat u. von Fick 
(I, 435) mit griech. kröke, krokäle (Kies); 
zend. (Justi, 307) Qrarka (Hagel); hzv. 
grishk; pars. Qrigk; npers. girishk (Tropfen), 
hz. zend. ^rage, od. ^arage (tropfen, Gefror- 

J, ten Doornkaat Koolman, Wörterbuch. II, 



nes regnen, graupeln, hageln) ; armen. QreQ- 
kcl (hageln) zu einem Thema gark, grk (träu- 
feln, hageln) gestellt loird, das vielleicht eine 
Inchoativbildung der y (^ar (spalten, brechen, 
5 trennen, schneiden, zerschneiden, zerschmet- 
tern, verletzen), bz. zend. (Justi) ^ar (hin- 
tverfen, stürzen, zerbrechen etc.) ist u. ivo- 
nach dann loohl zend. Qrage, bz. das Thema 
gark aus der wurzelhaften Bedtg. : s^^al- 

10 ten, brechen, bersten etc. entweder 
(cf. an. braka, krachen, prasseln etc. ; bresta, 
bersten, auseinander krachen etc.; brestr, 
Gekrach etc. unter braken u. barsten) die 
von: pr as sein u. weiter die von: pras- 

15 selnd vom Himmel herunterfallen u. so 
auch: tropfen, regnen, hageln etc., 
od. diese letzteren Bedtgn. aus : breche n, 
stürzen, nie der st ü r ze n, heru n t er- 
werf en u. fallen etc. entwickelt hat. — 

20 Vergleicht man nun aber bei Fick (I, 57) 
wie derselbe die y gar, bz. lj;ar (frieren) 
mit skar (schneiden, spalten etc.) identificirt, 
wie desgl. auch (I, 41 u. 239) kar (machen, 
thun etc.), so ist es auch ioohl zweifellos, 

25 dass die ]/ gar od. kar (spalten, schneiden, 
verwunden, verletzen etc., bz. brechen, stür- 
zen, niedencerfen, niedermachen etc.) von 
idg. skar (schneiden etc.) nicht verschieden 
ist u. dass demnach auch das skr. garkara 

30 (ist dies nicht aus der Redupi. der ]/ gar, 
bz. kar, skar entstanden?) u. griech. kröke 
(Kies, cf. unser grind u. grand als Zerbro- 
chenes, Zerkleinertes, Zerriebenes etc. u. falls 
diesen Wörtern eine urspr. Schallwurzel 

35 zu Grunde liegt, auch die von Fick [I, 
810] aufgeführten sämmtlichen Wurzeln skar 
u. skal, ivozu auch die Wörter: schär, schä- 
ren, scharren etc., schale, schäl, schallen, 
schellen, schulen, schölen, schuld etc. etc. 

40 gehören) ebensowohl ivie kalk etc., bz. lat. 
calx u. griech. chalix zu einer ]/ skar, skal 
(urspr.: rauschen, tönen, schallen, krachen 
etc. u. weiter : brechen, bersten, spalten etc., 
bz. hauen , hacken , schlagen , schneiden, 

45 scheeren etc., od. stechen, graben etc.) ge- 
hört, zu der Fick (I, 813) ausser griech. 
skällö (scharren etc.); ir. scal (zerstreuen, 
trennen); lit. skelin, skelti (spcüten etc.); 
an. skilja (trennen, scheiden etc.) ; goth. skalja 

50 (Ziegel); kslav. skala (Stein) auch lat. calx 
(Stein, etc.) ; griech. chalix stellt, indem er 
auch Letzteres mit Bruchstein übersetzt 
II. darnach annimmt, dass allen diesen Wör- 
tern die Grdbdtg. : schneiden, scheiden, spal- 

55 ten, brechen etc., bz. stechen, graben, ritzen 

etc. zu Grunde liegt. Vergl. zu der ]/ skar, 

skal in der Bedtg. : schlagen, stossen etc. 

auch unter hile, hil das lat. calx (Ferse). 

kalke, kältje, kleine Kohle, Kohlchen. 

60 Dimin. von kale. 

H 



KALKEN 



162 



KALM 



kalken, kalken, iceisseu, tünchen etc. — 
Compos.: an-, afer-, be-, fer-kalken. 

kül-kop. Kahlkopf; — kälkopd, kälkop- 
pijr, kahlkvpfiij. 

kalküu, Truthahn, Truthenne, hz. kale- 
kutischcr Hahn. — Nid. kalkoeu ; nd. (Br. 
irft.; kiilkuun; schwcd. kalkoii ; dän. kal- 
kun. — Contrah. u. verderbt aus kalekuten- 
od. kalckiit-hoon (Huhn von Caicutta). cf. 
bei Kil. das mnld. kalkoeiischen of kale- 
kutscluMi luu'ii (pavo Indiens, pavo Galliens, 
Gallopavns) u. ferner bei Seh. u. L. mnd. 
kalkiinsihe nut, worunter als Nuss von Cai- 
cutta wahrschei)il. eine Cocosnuss zu ver- 
stehen ist. — Zu kalknu bemerkt Stbg, 
dass der Xanie „kalekutisches Huhn" dem 
Vorfei fälschlich beiijeleiß .sei, indem das 
Schiff, ivelches die Truthühner aus ihrem 
Vaterlandc Nordamerika nach Europa 
brachte, zufällig seinen Weg über Caicutta 
nahm, tva.s übrigens kaum denkbar ist. Im 
Engl, heisst der Puter, bz. Truthahn tnrkey- 
powt ?/. tnrkey-eock. 

kallen, auch kil-kallen, sprechen, schwat- 
zen, plaudern, laut u. viel reden etc.; — 
wat heb' ji dar wer mit 'n ander to kullen, 
bz. to kilkallen? — se kilkallen alles mit 'n 
ander dür. — Nid. kallen; mnld. kallen (di- 
cere, loqni, sermocinari, faltulari) ; mnd. kal- 
len (da.sselbe u. auch: berufen, vorladen); 
afries. kella, kaltia (sagen, nennen, rufen); 
engl, call (rufen, herbeirufen, berufen, zu- 
sammenrufen ; nennen, benennen etc.) u. call 
(rufen, schreien etc.), Subst.: call (Buf, 
Schrei, Schall etc.); an. kalla (nennen, sa- 
gen, rufen etc.) ; norw., schioed. kalla ; dän. 
kalde (dasselbe); ahd. challoa; mhd. kallen 
(viel u. laut sprechen, schwatzen). Da kal- 
len jedenfalls ein Schallwort ist, bz. auf 
eine Schallwurzel, od. eine ]/ mit der Grd- 
bdtg.: sonare zurückgeht u. Schalhvörter be- 
kanntlich nicht regelrecht der Lautverschie- 
bung unterliegen, so ist es selbstredend sehr 
gut möglich, dass kallen mit haleu, hallen 
etc. u. den u)iter halen angeführten Wör- 
tern : griech. kaleö, lat. calare etc. von der- 
selben y kal, kar stammt, od. auch bei dem 
so häufigen Wechsel von „k" u. „g" im Ger- 
manischen (cf. z. B. ahd. calm = galm) mit 
palm etc. zu einer u. derselben ]/ gehört. 
Wenn man indessen annimmt, dass kallen 
richtig kudverschohen ist, so ist es (nament- 
lich unter Berücksichtigung der ngerm. For- 
men) tcohl jedenfalls am richtigsten, das- 
selbe mit griech. gerus (Stimme, Ton), g^ruö 
(ertönen lassen, singen etc.) etc. etc. von der 
y gar (sonare , bz. Ton hervorbringen , tö- 
nen las-teni = skr. gar (rufen, anrufen, 
rühmen, prahlen, preisen, lobpreisen, singen 
etc., cf. galm etc.) u. jar (rauschen, j^ras- 



seln, knistern; schreien, rufen etc.) abzulei- 
ten, wegen welcher bei Fick (I, 72 u. 310 
etc., III, 42 u. 44), Bopp (Gloss. comp., 
112, zioeite Spalte), Pott (Wurzelwb. II, 
5 228 seq. u. dazu II, 239 u. I, 729) u. An- 
dern (als G r ass m a n n , Schleicher, 
Benfey etc.), sowie auch bei Ferd. Justi 
(101, y gar sub 2) das Weitere zu ver- 
gleichen ist. 

10 kallere, kilkallere, Schwätzerei, Plau- 
derei, lautes unnützes Gerede etc. 

kallii, ruhig, still, unbewegt etc.; — kalra 
wer (stilles, ruhiges, bz. loindstilles Wetter) ; 
— kalme se (ruhige, unbewegte See) ; — he 

15 biet' so kalm (er blieb so ruhig, od. unbe- 
wegt u. ungerührt, bz. kühl u. kalt etc.) d'r 
bi, as wen hum 't hei niks angung. — Nid., 
mnld., mfläm. kalm (tranquillus, quietus, pla- 
cidiis, tacitus, stratns); kalm (tranquillitas, 

20 mulacia, viilgö calmus) u. kalmte (Stille, Buhe, 
Windstille); nhd. (Grimm, Wb. V, Spalte 
70) Kalm (Meeresstille, Windstille) und 
(Adelung) kalm (still etc.); ital., spart., 
port. calma; franz. calme (Windstille, Stille, 

25 Buhe) u. calme (still, ruhig), woher die Be- 
gion der Windstille an beiden Seiten des 
Acquators die Begion der kalmen od. cal- 
men heissen. — Engl, calm (still, ruhig, hei- 
ter, gelassen, leidenschaftslos), calm (Stille, 

30 Buhe, Wind-, Meeres-Stille). Davon Vbm. : 
to calm = ital. calmare; franz. calmer (stil- 
len, beruhigen, besänftigen) etc. u. auch 
ivohl nhd. (G r i m m , Wb. V, Spalte 73, bz. 
Adelung u. Schm. etc.) kalmen (ruhen, 

3ö still liegen, leicht schlummern, halb u. halb 
schlafen, wie unbewusst u. betäubt hinlie- 
gen). Da das Suffix „ma" kein rom. Suf- 
fix ist, so denkt Dicz (I, 101) an eine Ent- 
lehnung od. Entstehung aus griech. koüma 

40 (Brand, Hitze), weil span., prov. calma auch 
die heisse Tageszeit, bz. die M i t - 
tagszeit bedeutet. Da indessen „al" in 
den rom. Wörtern selten aus „au" entsteht 
M. die Bedtg. : Mittagszeit u. heisse 

45 Tageszeit auch leicht aus der von Buhe 
u. Stille od. Luft- u. Windstill e, bz. 
aus der von ruhige u. stille Zeit u. 
S t u n d e (die Mittagszeit ist die Zeit, wo 
im Süden alles ruht, slill ist «. schläft u. 

50 zwar nicht Mensch u. Thier allein, sondern 
auch die ganze Natur) entstehen konnte, so 
ist CS auch möglich, dass das ital. calma, bz. 
mnld., mfläm. kalm aics einem alten germ. 
Worte entstand u. Schm. Beeilt hat, wenn 

55 er bei kalmen an einen Zusammenhang mit 
qualm od. kwalm (Betäubung, Ohnmacht, 
Bcwusstlosigkeit, Winterschlaf der Thiere 
etc.) denkt, dem formell u. begrifflich auch 
insofern nichts entgegensteht als einerseits 

60 auch franz. carcan vom deutschen querk 



KALMTE 163 KAM 

stammt u. überhaupt Uebergänge von „q", Mühlenrade; ein Marterwerkzeug; crista, 
bz. ,,qu" od. „kw" in ,,k", bz. „c" bekannt- Kamm auf dem Kopfe von Thieren; Ober- 
lich sehr häufig vorkommen und anderer- theil des Halses von Thieren, cf. oben un- 
seits auch död (todt) ausser betäubt, taub ser m;inkam ; Kamm der Traube; in der 
etc. auch die Bedtg. : starr , unbeweglich, 5 Sprache der Bergleute ein festes Gestein, das 
still etc. hat. Da i)idessen dieses qualm hervorschiesst u. den Gang verrückt). Zu der 
erst spät aus älterem twalm, dwalm (von letzten Bedtg. vergl. auch (Out z en) nfries. 
dwelan, twelan etc., cf. dwalen. dwalm etc.) kamp (etwas steinartiges, bz. eine steinartige 
entstand, so tritt die Frage näher, ob nicht Masse, zusamme>i,gebackene Austern u. Mu- 
die Bedtg.: still, od. Stille aus der frü- 10 schelschalen) ; norw. kamp, (dialect.) kamb 
hern von: todt od. Tod (d. h. Betäubung, (Stein, Graustein, harte Steinart; rundarti- 
Bewusstlosigkeit, Schlaf etc.) hervorging u. ger Stein; Bergknollen, längl. od. rundl. 
demnach kalm ('= urspr. qalra, qualm) mit Felskuppe etc.) ; isl. kampr (caput parietis, 
ahd. qualm; ccs. quelm ; ags. cvealm, cvylm anterior maceriae pars, bz. utstaaende kant 
(Qual, Marter, Todesplage, bz. Mord, Tod- 15 af en vaeg; clivus, bz. en brink [malar kam- 
tung, Tod) urspr. identisch war, bz. mit die- pur, clivus litoralis, steenbrink eller brink 
Sern Worte zu quelan od. cvelan (martern, ved stranden] ; mystax, labri superior barba) ; 
quälen, tödten etc. od. sterben etc., cf. ags. an. kampr (Schnurrbart) , welche Wörter 
a-cvelau, ersterben etc. u. ahd. quellan, cbe- wohl urspr. von kam, bz. camb, camp nicht 
len etc., tödten etc ) gehört, loorüber Wei- 20 verschieden waren, obschon es auch möglich 
teres unter kwäl, kwälen u. kellen etc. Ei7i ist, dass sie in der Bedtg. : rundlich Gebo- 
sonstiges passendes Etymon für das Thema genes (Rundung, Wölbung), bz, Hügel, An- 
kal-ma wäre übrigens auch goth. qal in ana- höhe, runde Kuppe etc. mit griech. kampe 
qal (Buhe, Beruhigung), was übrigens selbst etc. (s. unter 1 kamp) zusammenhängen u. 
auch wieder mit dem Stamm quel od. quäl 25 wurzelhaft verwandt sind. Das Wort kamb, 
von ahd. quelan, queljau, quala, qualm etc. bz. ahd. kambo, chamba, champa hatte zuerst 
ident. sein wird, od. doch jedenfalls mit die- die Bedtg.: Zahn- od. Beiss- od. Kau- 
sen Wörtern einer u. derselben J/ angehört, Ding, Ding od. Etwas womit man b eis st., 
wie dies unter kellen u. kwälen etc. zu ver- spaltet, zerkleinert, od. kaut, zer- 
gleichen ist. 30 käut , z er mal m t etc. , weshalb es denn 
kalmte, Buhe ; s. unter kalm. auch höchst tvahrscheinl. ist, dass beim Ver- 
kalraiisern, s. klarnüsern. gleich der y bhid (beissen, spalten, schnei- 
kSltje, s. kalke, kolke etc. den etc.) von biten etc. u. uns. egge etc. so- 
kam od. kämm (Plur. kämmen), Kamm; ivohl uns. kimme in der Bedtg.: Kerb, 
— a) gezacktes, bz. gezahntes od. mit Zin- 35 Einschnitt etc., wie auch in der von : Band 
ken versehenes Werkzeug zum Beinigen u. od. Kante, Vorragendes etc. u. auch k u m- 
Ordnen der Haare etc.; — Compos. : här-, vnQv in der Bedtg.: Schutt, Geröll, Brueh- 
lüs-, räken-, rös-, wullkam. — Redensart: stücke etc. (cf. grind, grand, görte etc.) mit 
all' afer en kam scheren; — b) Zahn eines kämm zu derselbeny gehören u. inan für diese 
Mühlenrades; — d'r sunt 'n pär kämmen 40 Wörter (cf. auch kumme) ein allgemeines Q'e- 
üt 't rad flagen ; — d'r mutten neje kam- doch verlornes) germ. Vbm. : kimban, kamb, 
men in 't rad setd worden ; — Compos. kumbun ansetzen muss, aus dessen Grdbdtg. : 
kamrad; — c) der obere zackige Fleisch- beissen, spalten etc., od. kauen, zermalmen, 
auswuchs auf dem Kopfe der Hühner etc. ; mahlen, zerreiben etc. sich alle die in kämm, 
cf. hanekam ; — Sjjrichw. : de kam sweld 45 kimme, kummer zu Tage tretenden Bedtgn. 
hum ; — he is ligt in de kam bäten ; — ■ d) leicht erklären lassen. Da nun aber ahd. 
oberste Spitze od. Kante, vorragende Kante, kambo, bz. champa formell zu skr. (Grass- 
od. Streifen; — up de kam (od. kappe) fan mann) jambha (Zahn, Fang zahn etc.), 
de dik; — se hebben 'n kam (einen Erd- bz. (Bopp) gamb'a (cibus; mentum) , od. 
streifen) in de slöt, bz. kolk slän laten. 50 (Fick, I, 70) idg. ganibha (Kinnbacke, 
Vergl. auch: mänkam od. manekam (Mähne Gebiss , Zahn); griech. gömphos (Zahn, 
etc.). — JV/(^., jnw/d. kam ; nfZ. kam od kämm ; Pflock), gamphe, (dialect.) gimbe (Kinn- 
mnd. kam; wang. (Ehr entr aut, I, 374) backe, Gebiss) etc. stimmt, so ist es wohl 
kaum; as. camb; ags. camb, comb; engl. richtiger, hiebei von einem verlornen germ. 
comb M. (dialect.) kaam, käme; schott. kaim; 55 Stammvbm. kimban etc. abzusehen u. das 
an. kambr ; norw. kamb ; dän., schioed. kam ; ahd. kambo etc. direct mit diesen Wör- 
ahd. camb, kamb, camp, kamp, champ; mhd. tern von der y jabh, jambh = idg. (Fick, 
kamp, kam u. ahd. kambo, champa; mhd. I, 69 seq. u. 322 u. III, 41) gabh, gambh 
kambe, kämme (pecten, Kamin, Kamm als (schnappen, beissen, spalten etc., bz. [Grass- 
Webergeräth ; Kamm od. Zahn etc. am 60 mann] zerbeissen, zermalmen, zerkleinern, 

11* 



KAM 



164 



KAMER 



zerdrücken etc.) abzuleiten, wozu auch die 
verschiedenen Bedtf/n. von kimme n. kura- 
mer sehr gut stimmen. Bcziiglich der ver- 
schiedenen Bedtgn. von kam, od. kämm (cf. 
auch: takke, taud, tiud od. tiiit etc.) sei 
noch erwähnt, dass sich aus Zahn die 
Bedtgn. Zacke od. Zinke etc. «. hieraus 
icieder die von: gezacktes, sowie tvciter 
auch wohl die von: spitzes, scharfes, 
vorragendes Etwas iceiter gebildet ha- 
ben, wozu auch die Bedtgn. von an. u. isl. 
kampr etc. (s. oben) stimmen. 

Wegen der y jabh, jambh vergl. Weiteres 
unter gapen u. unter kimme etc. 

1. kiiin, komm; s. kamen. 

2. kiiiii, s. 2 kän, bz. 2 kin. 

kaiulire, ein feines Leinengewehe od. fei- 
nes Leinen, tcorin oft auch Blumen gewebt 
sind ; wird liauptsächlicJi zu Fenstergardinen 
benutzt. — Es icird urspr. wohl Cambrag- 
Tuch, bz. -I>einen genannt ?«. daher das- 
selbe sein wie kamerdük. 

kniuel, kemcl, Kamel od. Kameel ; — 
hed dat grote best ök grote rüge la- 
sen, sä' de bür, do dansen fer apen up 'n 
kamel. 

kainelle, Kamille. 

kaiiiolleu-bliiiiic, Kamillenblume. 

kiiiiielleu-te, Kamillenthee. 

kuiiu'lüt, kanilot, a) Kamelot, d. i. ein 
Zeug urspr. von Kamelhaaren, dann über- 
tragen auch von Ziegenhaaren u. jetzt auch 
von ähnlich gefärbter Wolle; daher: ka- 
melotton- od. kamlotten gärn, Garn von sol- 
cher Wolle. — Scherzhaft wird a) auch ein 
Getränk, gemischt aus Wein, Wasser, Eier, 
Zucker u. Caneel — u. b) ein Schnaps, ge- 
mischt aus Genever u. Syrup mit den Na- 
men kamelot belegt. 

kamels-gärn, Kamelgarn. 

kamen (kam, kumst, kiimd ; kamen ; — 
kwam, kwem, kern etc.; — kamen), /i'o»i- 
men, ankommen, anlangen, eintreffen, ge- 
schehen, sich ereignen, zutragen; hervor- 
kommen, aufkommen, keimen, sjjrossen etc.; 

— be kwam bi mi ; — be od. dat schal wol 
bold kamen ; — war kumd dat tan ? — 't 
is net so kamen, as ik di segd heb; — 't 
kwam as 't kwam, ik kun d'r niks an döu; 

— as he to starfen kwam, do was 't all' up ; 

— se kernen dar to liggen; — 't kan d'r 
nich fan kamen, dat wi alle middag fies 
äten; — he kwam (od. räkde) d'r bi to 
dode; — he kwam (od. räkde) bi de gele- 
genheid fast; — he kwam (od. räkde) d'r 
bi gefangen ; — dat gras wil net kamen ; — 
dat körn kumd göd up ; — bäter en : kum 
mit, as twe: kum na; — Bälhsel: kamen 
se, so kamen se net! kamen se net, so ka- 
men se. — Nd. kamen; 7mid., nid. komcn ; 



afries. kuma, koma, komma (koem, quam) ; 
ufries. (Jap ix) kommen (kaem , koam); 
nfries. (E h r ent r a u t, I, 200 seq.) kemme ; 
ivang. klimme; satl. kiime; hclg. kOm ; as. 
5 kuman (quam); ags. cuman, (cvom, com); 
engl, come ; ((h. koina; norw. koma; schwed. 
komma; dän. komme; goth. (jiinau (qimaetc. ; 
— qam etc. ; — quinans) ; ahil. quüinau, qulie- 
man, qbuenian, qmieman, qhuuemaii, chwi'Uian, 

10 CDinau, cliomen, cujnan, kuman (quimu, cumu, 
chumo etc. ; — quam, chwam, cham, chom 
etc. ; — quoman, choinen, cuman, kuman, 
chuman) ; amhd. chomen; mhd. komen, ku- 
men. — Der germ. J/ kwam des obigen 

15 V'bms. liegt ganz allgemein u. in ganz un- 
bestimmter Weise >iur der Begriff der B e- 
tvegung (eines Etwas von irgend loo weg 
nach irgend wo hin) zu Grunde u. heisst 
kamen, bz. goth. qiman daher nichts An- 

20 der es als (eine) Bewegung machen, bz. 
sicli bewegen, gehen etc., ganz gleich 
von 200 iccg (od. woraus hervor) dieses sich 
bewegen seinen Anfang nimmt, od. wohin 
die Bewegung sich richtet u. bis ivie weit hin 

25 sie sich erstreckt, wie dies ja auch überhaupt 
bei allen Verben der Kall ist, die eine Bewe- 
gung ausdrücken. Dass sich nun aber aus 
der Grdbdtg.: sich bewegen (von irgend 
ivo weg, od. von irgend wo heraus u. herab 

30 etc.), bz. des Gehens u. Kommens einer- 
seits, sowie andrerseits in der von: sich 
bewegen u. gehe n (wohin etc.) die man- 
nigfachsten Begriffe entwickeln konnten ti. 
mussten, ersehen wir aus den vielfachen 

35 Bedtgn. in welchen das Vbm. : kommen 
in den verschiedenen Spraclien gebraucht 
wird. Die für kamen etc., bz. goth. qiman 
etc. (Fick, III, 53) anzusetzende germ. 
y kvam erfordert eigentlich eine idg. y gura, 

40 gvam. Vergleicht man indessen die mit kw, 
bz. q anlautenden Wörter kwabbe, kwäne 
etc. u. die aus urspr. ka hervorgegangenen 
Wörter: lat. qua, qui, quod etc. u. goth. 
liva-s etc. (cf. 2 ho, wo, wat etc.), so dürfte 

45 auch die germ. y kvam von kamen etc. 
wohl sicher aus idg. y gam (se movere, ire 
etc.) = zend. gam, apcrs. gam (gehen) ent- 
standen sein, wovon auch loohl zend. (Justi, 
lli) jam [gehen, kommen) u. skr. gä eine 

50 Nebenform ist u. ivorüber bei Fick (I, 63 
etc. etc.) Bopp (Gloss. comp. 110), Ben- 
feg (Skr. Dict., 252), Grass m ann (Wb., 
378 etc.), Fott (Wurzelwb. I, pag. 16 seq. 
u. 32 seq. u. II, zweite Abth., pag. 166 etc. 

55 etc.) u. Andern, sowie auch unter gän das 
Weitere zu vergleichen ist. 

kamor, Kammer; — a) Stube, od. abge- 
schlossener Wohnraum; släpkamcr, achter- 
kamer, bäfeukamer, ujjkamer, möje kamer, 

60 beste kamer etc. ; — b) abgeschlossener Raum 



KAMER-DOK 



165 



KAMP 



zum Aufbewahren von Etwas, z. B. auf 
Schiffen zum Aufbewahren des zusammen- 
gerollten Kabels od. sonstiger Sachen. Da- 
her auch : spis-kamer (Sjjeiscschraiik in der 
Küche) etc. ; — c) thierisches Becken ; cf. 
kamerstük. — Afries. kamer, komer ; wfries. 
keamer; satl. camer; aJid. kamara, chamara 
etc., entlehnt aus lat. camara, od. camera 
(Gewölbe, gewölbtes Gemach etc.), loas mit 
dem gleichbedeutenden griech. kamara; zend. 
kamara (Geicölbe ; Gürtel), Vbm. : zend. ka- 
mar; skr. kmar (krumm sein) von F ick zu 
einer idg. y kam (wölben, umringen, od. 
urspr. wohl: curvare etc., cf. unter kate 
am Schlüsse) gestellt ivird, worüber Weite- 
res unter 1 liam zu vergleichen ist. 

kanier-dök, Kammertuch, Batist, feines 
holt. Leinen. — Nd., mnd. kamerdök; nid. 
kamerdoek u. (früher) kameryksdoek kame- 
riksdoek von camerich (cameracum = cam- 
bray) so benannt. 

kamer-klitske, Kammer - Zofe etc. cf. 
klitske. 

kamei'-stiik , Stück Bindfleisch aus dem 
Becken (de kamer) des Bindes. 

1. kamiu, kemiii, Kamin, Herd, Stuben- 
herd. Entlehnt aus lat. caminus, bz. griech. 
kaminos, wovon es sehr fraglich ist, ob es 
mit griech. kaiö (brennen etc.) zusammen- 
hängt od. nicht vielleicht eher Weiterbil- 
dung des unter äfea (Ofen) erivähnten skr. 
agman (Stein) ist, wie auch bei kachel die 
Bedtg. : Of e n aus der von Thon- , od. 
Stein fliese entstand u. von agraan auch 
das skr. a^.manta (focus, fornax) weitergebil- 
det ist, wozu Box^p geradezu griech. kami- 
nos vergleicht, indem er darauf himveist, 
dass auch slav. kamü, bz. kamen (cf. auch 
afgh. Qamä = zend. agma) durch Metcdhe- 
sis aus a^man, bz. akman entstand. Fick 
(I, 40) stellt griech. käminos übrigens mit 
kamara (cf. kamer) zur ]/ kam. 

2. kaniin, kemin, Kümmel. — Nid. ko- 
mijn; tid. (Br. Wb.) kämen, (Uähnert) 
kam, körn; mnd. kamin, kamen, kome; mhd. 
kumin ; ags. cymen ; engl, cumin etc. — 
Entlehnt aus lat. cüminum, bz. griech. ku- 
min on , über dessen Abstammung u. Her- 
kunft schwerlich Sicheres beizubringen ist. 

kämm, s. kam. 

kammeräd, kamräd, Kamerad, Genosse, 
Geselle; — wi sunt all' uns läfen gode kam- 
meraden west un willen 't 6k blifen; — min 
kamräd is achter bläfen. — Aus franz. ca- 
marade ; ital. camerata (Stubengenoss etc.) 
von lat. camera, cf. kanier. 

kamnet, kamnetscliap, s. kabnet. 

1. kamp (Plur. kampen u. kämpe) , ein 
mit Wällen (bei Aurich) od. Gräben (bei 
Norden) umschlossenes Stück Land od. Feld, 



gleichviel ob zur Weide od. zum Getreide- 
n. Gemüse-Bau benutzt; — de ossen lopen 
in de kamp ; — up de kamp heb 'k liafer 
seid ; — de sandkamp (Sandfeld) sal fan 
5 ueissen (aufs Neue) up ses jär ferliürd wor- 
den. — Dieses durch ganz Friesland, Hol- 
land u. Norddeutschland etc. verbreitete 
Wort ist wohl zweifellos von lat. campus 
entlehnt u. hat schwerlich mit dem unter 

10 kam erwähnten isl. kampr (clivus etc. , cf. 
Grimm, Wb., V, 134 seq.) etwas gemein, 
obschon es 2vohl möglich ist (sofern dieses 
nämlich mit griech. kampe verwandt ist), 
dass isl. kampr mit campus ivurzclhaft zu- 

15 sammenhängt, da Fick das lat. campus als 
Winkel (bz. Gekrümmtes, Gebogenes, nach 
Aussen hin Vorstehendes u. so auch: Vor- 
stehendes, Vorragendes etc.) od. Ecke auf- 
fasst u. CS mit lit. (S chleicher , ehrest., 

20 309) kampas (Winkel, Ecke, Gegend, Feld etc., 
cf. unser hök etc.) zu griech. kampe (Bie- 
gung, Krümmung, Bug etc.) vergleicht, wozu 
allerdings das lat. campus in seiner anschei- 
nend absoluten Bedtg. : Ebene, Fläch e, 

25 bz. ebene s, flaches (od. offenes, freies) 
Feld durchaus nicht stimmt. 

2. kamp, Kampf, Streit, Wettstreit etc.; 
— dat hed 'n hardeu kamp kost, bz. ofgä- 
fen, dat etc. ; — he hed de kamp för hum 

30 upnaraeu. — Nd., nid. kamp; afries. kamp, 
komp ; as. kamp; ags. camp, comp; an., 
norw. kapp (Streit, Eifer, Wetteifer, Wette) ; 
schived. , dän. kamp ; ahd. camph , kamph, 
champh (duellum, pugna). — Es tvird ge- 

35 loöhnlich loie ital. campo (Schlachtfeld) mlat. 
campus (dasselbe u. auch : Ziüeikampf, Duell 
etc.) als eine blosse Entlehnung u. begriff- 
liche Weiterbildung des lat. campus (s. 1 
kamp) angesehen (cf. Diez, I, 107; Oscar 

40 Schade, 310 u. Andere), doch ist es auch 
möglich, dass sich hier eiti altes urdeutsches, 
mit kabbeln, kappen, kibbela etc. (cf. Grimm, 
Wb. F, 138 seq. u. Weiteres unter kam- 
peln) verwandtes Wort mit dem lat. od. mlat. 

45 campus gemischt hat, od. dass überhaupt 
das afries. kamp, bz. as. kamp; ags. camp; 
an. kapp etc. von Hause aus mit dem mlat. 
u. lat. campus gar nichts gemein hat, son- 
dern (cf. H. Leo, 563) mit wälsch camp 

50 (Spiel um einen Preis od. Gewinn), cam- 
piaw (um einen Preis od. Gewinn werben), 
campus (preisgewinnend, ausgezeichnet etc.), 
ir. combach (Preis, Gewinn, Beute etc., aber 
auch Verlust, — also Spielentscheidung, 

55 Kampifentscheidung) etc. einer idg. (Fick, 
I, 234) y skap, skamp (sich bewegen u. re- 
gen, gehen, laufen, eilen, sich schnell od. 
stark beivegen, hin u. her beioegen , schüt- 
teln, schwingen, schleudern, loerfen etc.) an- 

60 gehört, wozu auch skr. kshapani (Schleuder, 



KAMP 166 KAN 

Buder), kship, kshaipati (schleudern, schnei- kämmen = ahd. cambjan sein, berührt sich 

len, stürzen, niederwerfen etc.), kshapanya indessen begrifflich auch nahe mit kabbeln 

(Beleidigung etc.), sowie unsere Wörter: etc. Vergl. dieserhalb Grimm (Wb. V, 

schamp, schanipen, schimp etc. wohl zu stel- 138) kampeln sub 4, desgl. kampeln bei Ade- 

len sind. Zu der Grdbdtg.: sich bewegen 5 hing u. weiter engl. (Yorkshire) CAmble (kecJc 

u. regen, gehen, eilen, bz. sich rasch u. stark sprechen), champ (kauen, beissen etc.), champ 

bewegen vergl. auch ahd. wiiinan (in hcfti- (Balgerei, Rauferei etc.), wobei man beim 

ger Aufregung od. Bewegung sein, kämpfen, Vergleich von kabbeln, kibbe, kifen, kaf^ 

sich bemühen, gewinnen etc.), winnä (Streit 1 käfe, kafel etc. auch leicht zu der An- 

etc.) u. Weiteres unter winnen (erstreiten, 10 nähme kommen könnte, dass auch 2 kamp 

besiegen, gewinnen, erwerben etc.) von der (falls sich dies als urdeutsches Wort in der 

y v&ü, sich bewegen u. regen, thätig sein etc. Bedtg. : Streit, Zank etc. mit dem mlat. 

Zu idg. skap, skamp, cf. auch skr. kap, campus gemischt hat) mit kam, od. kämm, 

kamp (tremere, commoveri, bz. freq. bewegen, bz. ahd. camb von der idg. ]/ gabh, gambh 

hin u. her bewegen, schwingen, schwanken, 15 (schnappen, beissen etc.) abstammt, von der 

beben, zittern, schütteln etc.), cap (se mo- auch kappen etc. begrifflich (cf. dieserhalb 

vere, vacillare), camp (ire, se movere) mit die y bliid [Andere etc.] von biten, beissen, 

den Nebenformen khamb, ghamb, ^amb etc., kauen etc.) sowohl als formell leicht abge- 

die sämmtlich icofil aus urspr. skap, skamp leitet werden kann, ebensogut tcie kabbeln 

hervoorgingen. Die Bedtg.: Streit, Eifer, 20 u. kampeln. 

Wetteifer, Wette etc. des an. kapp lässt sich kainpen, kempen, kämpfen, streiten, rin- 

wenigstens beim Vergleich von ahd. winnä gen etc.; — dar willen wi nog erst um 

sehr leicht von einer y skap od. kap, kamp kampen ; — de wulken kampon tegen 'nan- 

(bewegcn, gehen, eilen etc.) ableiten. der an; — he kampd mit sük sülfen. — 

3. kamp, unausgefochten, streitig, unent- 25 ^/rtes. kampa, kempa ; w/r/e*-. kampjen; nid. 

schieden, unausgemacht etc.; — de sake blef kampen; ags. campjan, compjan ; a/;. keppa; 

kamp; — se beiden sunt kamp bläfen; — isl. keppi; schwed. kämi)a; dän. kaempe; 

de process steid kamp (der Process steht ahd. chamfan, cbemfan; mhd. kemphen, kem- 

unentschieden, bz. zwischen den beiden Pur- pfen ; mJ. kempen ; hcss. (Vilmar) kam- 

theien schwebend u. gleich; — dat spil steid 30 pen (zanken, streiten). 

kamp (das Spiel steht unentschieden, bz. von kam-rad , Kamm-, od. Zahn-Bad, Bad 

beiden Seiten gleich) ; — de weddelöp, bz. was Kämme od. Zähne hat. — 3//jc/. kamprat. 

de strid is kamp bläfen. kaniräd, s. kammeräd. 

i. kamp , gewonnen (od. verloren etc.) kamsöl, Kamisol, Weste, kurzes hemdar- 
überwunden, besiegt etc.; — he wul de sake, 35 tiges Überkleid, Blouse. — Aus franz. ca- 
bz. dat spil net kamp gäfen (er wollte die misole; span. camisola; ital. camiciola (Vor- 
Sache, bz. das Spiel nicht gewonnen [bz. hemdchen. Westchen etc.), dem Dimin. von 
verloren] geben, bz. nicht zugestehen, dass span , port., proc. camisa; franz. chemise; 
die Sache od. das Spiel erstritten u. gewon- wal. c?mas^; alb. c^mist; ; ital. (Diez, I, 
nen [od. verloren] sei); — he wul sük net 40 102) camicia, camiscia (leinenes Unterkleid, 
kamp gäfen (er tcollte sich nicht gewonnen Hemd), ivas wahrscheinl. mit ilhjr. kamsa 
geben, bz. sich nicht als übericunden u. be- (Chorhemd); kymr. camse (langes Kleid); 
siegt betrachten u. ergeben); — ik gaf mi air. c&imm^e {yesüs) unmittelbar verwandt ist 
net erder kamp, as bit ik gen fin of fot «. mit diesem wohl zu derselben ]/ kam, od. 
mer rören kan. — Auch nid. wird kamp in 45 cam gehören könnte, wie hemd u. ahd. hämo, 
der Bedtg.: gewonnen, bz. verloren etc. (iets Hülle, Kleid. Vergl. dieserhalb auch skr., 
kamp geven, etwas gewommen, bz. verloren bz. ved. camü (Schüssel, Schale), camasa 
u. i)reis geben) gebraucht. (Trinkschale, Becher), zend. camara (Gür- 

Kampe, s. Kempe. tel), welche Wörter wohl eher mit ahd. hämo 

kampeln, streiten, zanken, raufen, sich 50 (Hülle, Kleid) zu der y kam (umringen, 

heftig u. anhaltend, bz. mit Händen u. Füs- umgeben, um- u. ein.schliessen , ein- od. in 

sen gegen Etwas wehren, sich sträuben etc. sich fassen) als zu kam (schlürfen, seufzen) 

— se kampeln (od. kabbeln, kibbeln etc.) gehören. 

Buk; — laten se sük d'r um kampeln un kamsolen, prügeln; dörkamsolen, durch- 

hauen ; — he kampelde d'r al tegen an, man 55 prügeln, bz. dörwamsen. — Der Wciterbil- 
't hulp hum dog net; — he kampelde sük düng von kamsöl ivegen vergl. wamssen. 
d'r so lank tegen an, as he man kun'; — 1. kan od. kann, kann, vermag etc. ; kenne 

he kampelde sük wakker tegen sin feauden. etc. ; s. kennen u. könen. 

— Es kann theils ein Iterativ von kampen 2. kan, s. kanne. 
u. auch in der Bedtg.: raufen etc. von 60 1. kän, s. 2 kin. 



I 



KAN 167 KANINE KANIN 

2. kän (Flur, kanen), Kahn, grösseres of- nach Bopp (Gloss. comp., 106) zur y khan 

fenes Boot zur Flussschifffahrt, welches jetzt (fodere, perfodere) gehört, die indessen nach 

auch oft mit einem leichten Verdeck verse- Fick (I, 235) aus idg. ska, skan (schnei- 

hen ist. — Nd. kaan; mnd. kane ; nZ(/. kaaii; den, hz. spalten, liauen, stechen, graben etc.) 

??mW. kaen; ivang. (Elir entr aut , 1,378) 5 entstand. 

künne; mhd. kan ; an., isl. kani ; aschwed. kandel, winkandel, ein warmes stärken- 
kana. Davon (d. h. wohl von anld. kane) : des Getränk für Wöchnerinnen, bereitet aus 
afranz. (D i e z, II, 238) cane ; nfranz. ca- Weisswein , kochendem Wasser , Zucker u. 
not; engl, canoe (Schiff, Kahn etc.), soioie: Zimmt. Da auch „glas" oft für „Glas mit- 
nfranz. cane; afranz. c&noiQ (Ente) ; nfranz. 10 sammt des in diesem Gefäss befindlichen 
canard (Enterich). — Das an., isl. kani hat Getränk'' (ik heb hiim 'n glas toregt 
ausser cymba auch die Bedtg. : prominula bröed ; — kämd ! lätd uns insen 'n glas drin- 
pars rei, rostrum u. vasculum ansatura u. ken) gebraucht wird, so ist kandel tvohl 
ist demnach norw. (Ivar Aasen) kane ident. mit nhd.k&üdel (Kanne), früher aucJi,. ■ 
(Gefäss, bz. Hohlgefäss, Schale, Schüssel mit 15 chandel, kantel, was entweder ein Dimin. 
Henkel od. Griff ati beiden Seiten) auch von kanne ist od. aus lat. cantharus, griech. 
dasselbe Wart. Im dän. hat kane jetzt die käntharos (Trinkgefäss , Becher etc.) ent- 
Bedtg.: Schlitten, Rennschlitten, eine Bedtg., stand. KU. scheint bei kandeel (cyceon, 
die auch im Fries, an diesem Worte ge- miscellanea potio etc.) dagegen an eine Ent- 
haftet haben muss, da das Dimin. von kän 20 stehung aus calidum zu denken, 
(cf. käntje) dies bezeugt. — Vergleicht man kandeler, kandier, kaimler, Leuchter. 
die von Hildebrand (Grimm, Wb. V, — Nid. kandelaar; mnld. kandelaer; mnd. 
33) beigebrachten Beispiele von Buchstaben- kandeler. Aus ital. candelaro; sjxm. cande- 
versetzungen u. dazu unter atte, ette die lero ; franz. chandelier, tvas vielleicht aus 
Formen tata etc. , sowie das aus akmen 25 lat. candelabrum, od. direct mit diesem aus 
versetzte kslav. kamen, so liegt es nahe, candela (von candeo) entstand, candeo ge- 
die Form kana als aus ags. naca (Nachen, hört mit in-cendere etc. zur ]/ cand (glühen 
s. unter äk, ake) versetzt anzusehen. Da etc.), die nach Fick mit Qcand auf eine 
indessen die Bedtg. : rostrum etc. des an., idg. ]/ skand zurückgellt, 
isl. kani sich schwer mit der altern von Na- 30 kandi, od. kaiidy, Candis, Candelzucker, 
chen vereinigen lässt, so ist es auch mög- Zucker den man stark einsiedet u. nachher 
lieh, dass kana od. kani urspr. ein klaf- in Krystallen anschiessen lässt. — Aus ital., 
fe n des, g ahnendes, schnappend es, franz. caudi, bz. sucre candi, Kry stall, 
bz. ein offenes u. tiefes Etivas bezeich- od. Kr y st all- Zucker u. geht das Wort 
nete u. dass sich hieraus die Bedtgn.: Seh na- 35 candi (wovon auch ital. [Diez, 1,108] cau- 
bel soivohl, als tiefes Hohlgefäss, bz. dire, candiren; franz. se candir, sich kry- 
Hohlg efäss, Etioas, was einen hohlen stallisiren) mit arab. qand. of?. qandat (Kry- 
Bauch hat etc. (cf. auch k&nne) entivickel- stall- Zucker) auf skr. khanda (Stück, 
ten, in welchem Fall es dann vielleicht mit Zucker in krystcdlartigen Stücken) und 
kin u. griech. genus (europ. Grdform ganu) 40 weiter auf die y khand, khad, bz. skhad 
sowie lat. gena (Wange, Backe) etc. zur y (brechen, spalten, reissen etc.) = urspr. 
ghä (klaffen etc.) gehören könnte. Alle die skad, skand zurück, wonach denn khando, 
verschiedenen Bedtgn. von kana od. kani bz. kandi eigentlich Stück zuck er be- 
(ef. auch norw. kana) würden jedenfalls deutet, 
hieraus am besten erklärt. Oder gehört es 45 kandier, s. kandeler. 
mit lat. canalis (cf. kanäl) zur y khan (aus kanel, kenel, knel, Zimmt. Von (cf. 
idg. skan), die dann urspr. wohl die Bedtg.: Grimm, Wb. V, 160 die toeiteren For- 
spalten, reissen, klaffen, bz. hauen, schnei- men) ital. cannella (Röhrchen, Röllchen), bz. 
den, stechen, ritzen etc. gehabt hat, da Bopp lat. cannüla, dem Dimin. von lat. canna, ive- 
auch nhd. gähnen u. ags. cina (rima), ci- 50 gen der röhrenförmigen Gestalt der Zimmt- 
nan (hiare) etc. dazu stellt. Vergl. dieser- Stangen. 

halb ausser uns. käntje auch 2 kantje u. kanine, kanin, kenin, knin, (Plur^ ka- 

kintje u. nid. kaan in der Bedtg.: Korb, ninen, keninen, knineu; Dimin.: kanuitje, 

Behälter etc., sowie Weiteres unter kinen kenintje, kniutje) , Kanine, Kaninchen. — 

am Schlüsse. 65 Nid. konijn; bei Diefenbach (vor dem 

kanäl, Canal, Rinne, Leitrohr, röhren- 15. Jahrh.) canyn, canyne; engl, cony, co- 

förmig gemauerte Leitung, gegrabene Rinne ney u. früher: conye, conny; dän., schwed. 

od. Leitung zur Verbindung von Seeen u. kanin; isl. kanina u. künina; finn. kaniini ; 

Flüssen etc.; — für-, lücht-, water-, trek- franz. connin, connine (früher auch conine), 

färts-kanäl. Entlehnt aus lat. canalis, was 60 afranz. connil ; ital. coniglio ; span. conejo ; 



KANKER 



168 



KANS- KANTS-HAKEN 



port. caelho ; lat. cuniculus. — Ob die obi- 
gen Formen wirJcUch sämmtUch ans lat. cu- 
niculus entstanden, od. mit diesem nur von 
derselben y stammen, lasse ich dahin gestellt 
sein. Das Kaninchen ist ein Grabe- 
Thier , bz. ein G rab-Ding , od. Etwas 
was sich in die Erde hinein g reibt tt. geht 
der Name auf die y khan , bz. skan (gra- 
ben etc.; s. unter kanäl) zurück, tcoher es 
sich denn erklärt, da.-^s cuniculus auch die 
Bedtg.: Stollen od. Mine hat. 

kanker, Krebs, Krebskrankheit, Krebsge- 
schwiir; — de büm lidt au de, bz. sitt ful 
kauker; — se hed de kanker in de borst. 
— i\7(/. kanker; ahd. canclier; oigl. canccr; 
//•a«i'. chancre ; ital. cancro. cancharo ; span, 
cancar aus lat. Cancer, icas icahrscheinl. (cf. 
liumraer u. lat. cammarus von der y kam. 
krümmen, biegen, tcölben, bogenförmig um- 
scliliessen, gürten, umringen etc.) zur y kak, 
kank (cingere, cf. Fick, I, 36) gehört u. 
icomit ausser skr. k'anci (Gürtel) , käksa 
(Gurtgegend ; Achselgrube ; Versteck) ; lat. 
cingo, coxa, cancelli etc. ; griech. kakalon 
(Ringmauer) etc.; nhd. Hag etc. vielleicht 
auch skr. kankata (a. Kamm; — b) ein 
schädliches Thier, Scorpion?) zusammen- 
hängt. 

kankern, (krebsen), am Krebs, bz. an der 
Krebskrankheit leiden; — de bom kankord, 
bz. kankerd hei weg. 

kaiine, kan, Kanne od. Gefäss, Behälter 
etc.; — melk-, kofjekan etc.; auch ein be- 
stimmtes Mass = Krug ; — 'n kan (od. krös) 
ber. — Sprichw. : is dat ber ut de kan; is 
d' beuül üt de man ; — de dat leste üt de 
kann drinken wil, de fald de deksel (od. 'i 
lid) up de sniit'. — Nid. kan; rmdd., nd. 
kaune; nfries. kon; ags. canne ; engl, can; 
an., isl., noric, schwed. kanna; dän. kande; 
aJid. chaunä; mhd. kanne, wovon wohl ahd. 
canneta, canta; amhd. kannita; mhd. kante 
u. ahd. channala; mhd. chanele, kanel, kan- 
nel, kandel iceitergebildet sind, falls sie nicht 
etwa aus cantharus entstanden. Ob iingr. 
kanna; /?»». kannu; estn. kan; lett. kanna; 
tvend. khana ; ndwend. kanna; russ. kanna 
(als Mass); böhm. koncv, konve; j)oln. ko- 
new; slov. kanew; gäl. cauna (Kanne) aus 
germ. kanna entlehnt sind, bz. ob dieses mit 
denselben aus lat. cantharus od. canna her- 
vorgingen, ist icohl zweifelhaft, zumal es ja 
auch leicht möglich ist, dass das germ. kanna 
aus kana (als ein aus Baumstämmen aus- 
gehöhltes Etwas, cf. 2 kan u. Weiteres in 
Grim m, Wb. V, 164 unter kanne) entstand, 
od. dass dieses Wort, ebenso ivie kana 
(Kahn) u. isl. kaena (Fischerboot; Schöpf - 
gefäss, bz. ein aus einem Baumstamm, od. 
atis Holz ausgeschnittenes hohles Etwas 



[cf. dazu 3 kantje u. kantje] vom Grdbegr.: 
spalten, klaffen, off'cn stehen, hohl sein etc.) 
u. auch lat. canna, canalis etc. etc. mit skr. 
y khiui (spalten, klaffen etc.) auf eine idg. 
5 )' ska, skan zurückgehen. 

kanne-, kan-;2:eter, Kannengiesser, Zinn- 
giesser. — Nd., mnd. kannor.geter. — Kömmt 
bei uns noch als Gcschlechtsname (wie Smid, 
Kromer, Bakker etc.) häufig vor. 

10 kaunelke, gelbe Teichrose; wegen der 
kaiincnfürmigen Fruchtkapsel so benannt. 

kannon, (das) Können od. Vermögen. — 
Sprichw.: sm'it 't kanneu fan di un dö 't 
mit d' bannen, was meine Mutter regelmäs- 

15 sig zu 7nir t(. Anderen sagte, wenn wir ihr 
bei einem Befehl, Etwas zu thun, antwor- 
teten: ik wet uicb, of ik 't kan. 

kanne-wasker , Bohrkolben (Typha) , als 
Kannenwischer od. Quirl dienend. 

20 kanone, kanun, keiiön, Kanone. — Aus 
ital. cannone ; span. canon; franz. canon 
(Bohre, demnächst auch Geschidz - Bohr, 
schweres Geschütz) von lat. canna. Vergl. 
dieserhalb auch unser 2 ror =^ Schiess-Ge- 

25 wehr, Flinte. 

kans. Wurf, Glückswurf, Glücksfall, (gute, 
passende) Gelegenheit etc.; — he hed sin 
kans (seinen Wurf beim doppelspil, bz. die 
Gelegenheit, wo er einen Wurf, od. Glücks- 

30 icurf thun konnte) ferhörd, bz. fersäten; — 
du nuist din kans (Gelegenheit), ofseu , bz. 
of wachten; — ik so d'r gen kans (gute Ge- 
legenheit, Möglichkeit des Gelingens etc.) to 
(od. up), um dat to krigen; — dat is min 

35 kans (da>^ passt mir gut, bz. ist eine gute 
Gelegenheit etc.). — JV^fi. kans; mxW. kansse 
(alea, jactus aleae, sors, fortuna, casus, even- 
tus etc.) ; nd. kans; mnd. kansc, kanze; mhd. 
schanze. Aus franz. cliance; afranz. che- 

40 ance; ital. cadenza; mlat. cadentia von lat. 
cadere. 

kans, kanse, kantse (Schulter, Arm, 
Schopf etc.'O; — he krigd hum bi de kans; 
— he föt hum bi de kantse. Es kann tvie 

45 kanshaken mit kante (Seite) zusammenhän- 
gen u. soviel ivie Seite od. Seitenextre- 
mität, Arm etc. bedeuten, obschon es auch 
mit kans identisch sein kann, sodass „he 
krigd hum bi de kans" soviel besagt als: er 

50 fasst ihn bei der passenden Gelegenheit. 

kansol, Kanzel, Predigtstuhl. — Sprichio.: 
wen de pastor up de kansel steid, hed he 
altid 't grotste regt. — Bedensart : se sunt 
fan de kansel fallen (sie sind als Brautleute 

55 proclamirt). — Vom lat. cancelli (Gitter, 
Schranke) u. dies von dem bereits unter 
kanker erwähnten y kak, kank (cingere). 

kans-, kants-haken, d. i. kantes- od. Sei- 
<c« -haken, — a) zivei eiserne Haken, tvelche 

60 zu beiden Seiten od. an den beiden Enden 



KANT 



169 



KANTE KANT 



eines liurzen Taues befestir/t sind, welches 
in der Mitte ein mit einem kaus ausgefüt- 
tertes Oehr hat, worin der Haken eines 
Winde-, od. Zieh-Taues eingreift, um Lasten, 
bz. Fässer it. Ballen damit zu heben, in 
deren kanten die beiden Haken eingehakt 
u. befestigt werden; — slat (od. slagd) de 
kanshaken äfen an de winde, w! willen äten 
'n okshöt'd uptrekken; — b) (fig.) Seitenex- 
tremitäten, Arme, Schultern etc.; — en h\ de 
kanshaken faten; — he hed liura bt de kans- 
haken to faten. — Obgleich das Wort kant- 
haken anderwärts fig. in derselben Bedtg. 
gebraucht loird, so ist es von diesem (s. 
kanthake) doch verschieden. 

1. kant, ,s'. kante. 

2. kant, glatt, schier, zierlich, hübsch, 
fertig etc. ; — dat is 'n moi kant (schön ge- 
rades, glattes u. schönes) stük holt; — 't is 
'n kant wicht (glattes, schönes, nettes, hüb- 
sches Mädchen); — 't is 'n kanten junge; 

— 'n kantern fent as hum heb 'k nog net 
sen ; — he steid regt kant (gerade u. schön, 
bz. hübsch) up de foten ; — kant un klär 
(fix II. fertig); — stoid all' kant un klar; 

— he steid kant uu klär, um oftoreisen ; — 
kant as 'n knikker (glatt toie ein Knicker). 
Es ist icie das nid. gleichbedeutende kant 
vielleicht aus kanted, kantd (von kawien)' ge- 
kürzt. Vergl. indessen toeiter : 

'6. kaut, vollkommen, vollständig, ganz, 
durchaus etc.; — 't is kant dül un mal, so 
as 't upstünds in de wereld hergeid un üt- 
sügt ; — he is d'r kant mit ferlägen ; — he 
was d'r kant up fersäten, dat he 't wicht 
hebben wul'. — Es schliesst sich formell u. 
begrifflich an ahd. ganz, kanz (cf. 1 gans) 
an, ist indessen wohl zweifellos dasselbe Wort 
tvie 2 kant, indem sich die Bedtg. : voll- 
kommen etc. aus der von: fertig od. 
glatt etc. leicht entivickeln konnte, wie 
wir ja statt „he is d'r kant mit ferlägen" 
auch sagen „he is d'r glad mit ferlägen." 

Bezüglich des Wortes 2 kant in der wohl 
urspr. sinnl. Bedtg. : behauen,b ehob elt, 
beschnitten etc. sei noch auf das am 
Schlüsse unter kante Gesagte venviesen, da 
es jedenfalls sehr ziveifelhaft ist, ob 2 kant 
aus kandt, bz. kanted (gekantet) entstand. 

kaute, kaut, Kante, Band, Seite, Ecke, 
Winkel, Gegend etc. , cf. ord, egge, hörn ; 

— de kant (Bernd) fan de kupe; — 'n rat ('u 
kupe etc.) up, bz. in de kante selten; — 't 
Si-hip ligd up de kante (das Schiff liegt auf 
der Seite, bz. es liegt schief); — 't schip 
ligd up de kante (dem Bande) fan de faste 
M'al ; — dat räkd gen kant of wal; — he 
bren.[;d 't all' an de kante; — an de bin- 
nen- of butenkante ; — de spitse, bz. scharpe 
kanten uu hürns ; — brabandse kanten (Bra- 



bantcr Spitzen, hz. schmale geklöppelte Zeuge, 
welche zu Einfassungen von Kissenbezügen 
■u. Hauben etc. verwandt werden); — na de 
kant fan Holland hen: — na alle kanten; 
5 — fan sin faders kant is he mit mi befründt; 
— he setd mit hum in de kant (er nimmt 
keine Bücksicht auf ihn, — ■ er setzt ihn bei 
Seite etc.). — Compos. : dre-, fer-, achter-, 
för-, se-, waters-, sluts-, wän-kant etc. etc. 

10 — Nid. kant; nd. kant, kante; mnd. kante; 
afries. kant (nur belegt in : fiuwer - kant) ; 
wang. kant ; nfries., wfries. käut, bz. kaant ; 
isl. kantr; noriv., schwed., dä)i. kant; engl. 
cant; ital, span., pjort. canto; ufranz. cant, 

15 wovon ital. cantone; span., prov., franz. 
canton (Ecke, Gegend, Landschaft etc.), ital. 
biscanto (Schlupfwinkel) etc. Weiter vergl. : 
slav., poln. kant (Ecke, Winkel, Band) ; lett. 
kante ; estn. kant (dasselbe) ; poln. kat ; 

20 böhni. kout; slov. köt (Winkel etc.); kymr. 
cant (Band, Einfassung, Umzäunung, Kreis, 
Badschiene) ; griech. kanthös (Ecke od. Win- 
kel des Auges ; eiserner Beifen um ein Bad, 
bz. Badschiene) , sowie das toohl entlehnte 

25 (nach Quintilian afrikanisch od. hispanisch) 
lat. canthus, was indessen auch zweifellos 
dasselbe Wort ist, wie griech. kanthös u. 
wobei man daher zweifelliaft wird, ob Letz- 
teres ivirklich ein urspr. einheimisches , od. 

30 nicht auch gleichfalls ein Fremdwort ist, 
loas durch den Verkehr der Griechen u. 
Bönier mit den verschiedenen barbarischen 
Völkern nach Griechenland u. Italien kam. 
Sei dies nun aber, wie es ivolle , so ist es 

35 zweifellos, dass das Wort kaute jedenfalls 
ein sehr altes Wort ist u. dass man bei des- 
sen weiter Verbreitung (namentlich auch in 
den ngerm. Sprachen) schwerlich an eine 
Entlehnung aus dem rom. canto (dass es im 

40 as., ags. u. an. nicht belegt ist, ist kein Be- 
weis dafür, dass es in diesen Sprachen urspr. 
nicht auch vorhanden war) denken darf, 
sondern vielmehr annehmen muss, dass des- 
sen Thema kauta iveit in die Urzeit hinauf 

45 reicht u. vielleicht zu einer idg. ]/ skan 
(spcdten, schneiden, graben, stechen, bohren 
etc., bz. eingraben, ritzen, verwunden etc.) 
gehört, zu der Fick (cf. I, 253 u. 451 etc. 
etc.) unter andern skr. kshan (verletzen, ver- 

50 wunden), kshata venoundet etc.), chä (schnei- 
den, trennen etc.), khan (grcdjen, stechen etc.), 
khäta (gegraben etc.) ; zend. kau ; ajjers. kau ; 
2)ars. kautan (graben etc.) stellt. V^er gleicht 
man nämlich das ahd. creiz, chreiz (Kreis, 

55 Umkreis; Kampfplatz; Bezirk, Gau) von 
krizan (ritzen, reissen, spcdten etc. = urspr. 
ivohl skrizan, bz. skritau, wovon auch scli- 
zan etc. cf. sliten, slits etc.) u. dazu ahd. 
kränz (Kreis, Kranz) u. lit. grandis (Bing, 

60 Armband, Beif eines Bades) etc., so ist es 



KANTELN 



170 



KAP 



sehr leicht möglich, dass auch kanta ur:fpr. 
blos ein gegrabenes, bz. gestochenes 
od. geritztes Eticas bezeichnet u. da3s 
sich daraus die Bedtg.: Kreis, Umkreis, 
Bing, bz. Einfassung, Band etc. ent- 
wickelte, tcenn man nicht etwa annehmen 
will, dass das Wort kante urspr. als Band 
od. Aeusserstes u. Vor ragen des, bz. 
als Ecke od. Spitze, Winkel (cf. egge 
u. örd etc.) auf der Grdbdtg.: Schnei- 
dendes, Stechendes, Scharfes etc. 
beruht u. so zur y ska, skan (spalten, schnei- 
den, stechen, bohren etc.) gehört. Zu der 
Grdbdtg. : schneiden , spalten, th ei- 
len etc. stimmt auch mnld. kant = hompe 
M. franz. chanteau (Stück); engl, cantle 
(Stück, Brocken, TJieil), cantle (in Stücke 
zertheilen, schneiden), toie auch engl, cant 
schon die Bedtg. „Stücf hat u. wonach 
man auch annehmen kann, dass unser 2 
kant urspr. die Bedtg. : behauen, beschnitten 
etc. hatte u. also als selbstständiges Wort 
nur wurzelhüft mit kante verwandt -ist. cf. 
kanten u. auch kate. 

kauteln, s. kantern. 

kanten (kante, kantst, kantd etc.; — kan- 
teJe, kantde etc.; — kanted, kautd), Ä'rt«fen; 

— a) mit Kanten (namentlich r echt iv in k- 
lichen) versehen, Kanten machen (woran), 
behauen, behobeln, bz. stechen u. graben (ab), 
glatt u. eben (2 kant) machen etc.; — dat 
holt is nog net göd kantd ; — kant' dat holt 
bäter of; — dat is net ördendlik kantd, bz. 
bekantd ; — de slöt (Graben) mut neis '(ae</s 
Neue) be- , bz. ofkantd worden ; — b) Et- 
was auf die Seite legen od. umlegen (wäl- 
zen, drehen etc.), bz. sich auf die Seite le- 
gen, kentern etc.; — he kantd dat um; — 
dat schip wil kanten, bz. sük kanten ; — 
umkanten (umwenden, umdrehen, umschla- 
gen etc.); — he kandt um (er dreht sich 
um, schlägt um, wendet sich auf die andere 
Seite, fällt von seiner Parthei ab etc.); — 
tägenkanten (entgegen wälzen u. drehen, 
sich wenden u. setzen wider etioas etc.) ; — 
he mut altid tägenkanten, bz. he kantd (wen- 
det etc.) sük d'r altid tagen. — Nid. kan- 
ten. Zu kante, bz. in der ersten Bedtg. 
auch zu 2 kant. 

1. kanten, Comparativ von 2 kant. 

2. kanter, Cantor, Lehrer. — Siyrichw. : „jun- 
gens j);"ird jo,'" sii' de kanter, do harr' he dre. 

kantern, kantein, kentern, über die Kante 
oder Seite legen, umschlagen, icälzen etc.; 

— dat schip kanterd sük; — he kanterd ; — 
dat schip is kenterd; — he kanteld de bal- 
ken um. 

kant-hake, ein an einer Stange befestigter 
Haken zum kaut'ii (umlegen, umwälzen etc.) 
der Balken. — Nid. kantshaak. 



kant-hen, kanthei, Heu von den Kanten 
od. Seiten der Wege u. Gräben etc. 

1. kantje, Kännchen. Dimin. von kanne. 

2. kautje, eine beim Hcringsfang gefüllte 
5 u. gesalzene Tonne Häring. — Im nid. (cf. 

van Dale) bezeichnet kantje ein kleines 
Fass, bz. ein Fässchen Häringe, also das- 
selbe wie unser kintje =: Ve« Tonne, od. 
ein fatje. Dieses kantje betr., so ist es zivei- 

10 fellos ein Dimin. von 2 kän, bz. dem alten 
kaue = mhd. kan, in der allgemeinen Be- 
dtg. : Hohlg efäss, od. Hohles, tcährend 
unser kintje icohl ein Dimin. von einem 
obs. kiu (Hohlgefäss, Gcfäss, Behälter) ist 

15 u. demnacli direct zu as. cinan (spalten, 
klaffen etc., cf. unter 2 kän am Schlüsse) 
gehören dürfte. Vergleicht man indessen 
1 kän u. dessen Nebenform kin = nhd. 
Kahm (mucor), so könnte kintje auch eine 

20 Nebenform von kantje, bz. kantje (dem Di- 
min. von 2 kän, bz. mhd. kan) sein. 

kantje, ein kleiner niedriger Schlitten 
ohne Lehne od. Heck. Dimin. von 2 kän, 
u. ist dort Weiteres zu vergleichen. 

25 kantjed, gekantet; — kantjede balken; — 
mit Kanten od. Spitzen besetzt, bz. mit einer 
Kante versehen; — 'n kantjeden müts. 

kantjen (Dimin. von kanten), eine Kante 
od. einen Band machen, bz. ein Etioas mit 

30 einer Kante versehen; die Kanten od. schar- 
fen Ecken mit einem scharfen Werkzeug 
wegnehmen; — de däle kautjen (die mit 
Sand bestreute Diele an den Seiten mit einem 
feinen Band versehen) ; — de bedden of- 

35 kantjen (die Beete an den Seiten abschla- 
gen, bz. sie mit einer glatten Kante verse- 
hen) ; — de balken sunt möi kantjed (die 
Balken sind an den Seiten schön behobelt, 
bz. scliön gekantet). 

40 kantig, kantig, seitig , eckig, bz. recht- 
vnnklig etc.; — 'n moi kantig stük holt; — 
f'erkantig etc. 

kantor, kentör, Comptoir, Geschäftsstube, 
Handlungshaus etc.; — gät man na 't ken- 

45 tOr hen, wen ji geld betalen willen; — he 
is dar an 'n gnd kantür. — Nid., nd. kantoor. 
kants-haken, s. kanshaken. 
kanutjo, s. karnütje. 

1. kap. Schlag, Hau, Hieb etc.; — mit 
50 en kap höe (hauete) he de böm of. cf. 

kai)pen. 

2. kap, s. kappe. 

3. kap, s. kip-kap. 

kap, a) Vorgebirge, Landzunge, Cap ; — 
55 't kap de gode höp ; — b) ein grosses, star- 
kes, hölzernes Gerüst, welches als Baken 
od. Seezeichen für die Schiffer dient u. ent- 
weder auf einem Vorgebirge, bz. einer Land- 
zunge, od. auch auf einer hohen Düne er- 
60 richtet ist, um den Schiffern als Baken 



KAEPE KEPE 



171 



KAEPEED KEPERD 



od. Seezeichen zu dienen. — Auch nid. 
kaap in beiden Bedtgn. — Das Wort käp 
in der ersten Bedtg. ist bekanntlich aus ital. 
capo, franz. cap (von lat. caput, cf. hßfd) 
entlehnt u. könnte es auch in der zweiten 
Bedtg. (als Hohes od. Vorragendes) dasselbe 
Wort sein. Beim Vergleich von nd. (Br. 
Wb.) kapen = gapen (gaffen, ausschauen 
etc.) ist es jedoch wohl sicher , dass es mit 
ahd. chapf (Ort wovon man ausschaut, spe- 
cula, cacumen) u. nhd. mdartl, kapf (vor- 
springendes Dachfenster) ; mnld. (KU.) kape 
(specula ; pharus, Signum litorale); wuuZ. ka- 
pinge (Stange od. Baken als Seezeichen) 
etc. zu nd. kapen, bz. gapen gehört, weil 
man auch auf diese kapen hinaufsteigt, um 
nach den Schiffen zu schauen, bz. von den 
Schiffen nach denselben ausschaut, um 
zu sehen , tvo man sich befindet, cf. auch 
mhd. kaphspil ; md. kaifespil ; mnd. kappspil 
(Schauspiel, bz. Gaff spiel) u. mnd. kapinge 
(Anblick, Schauspiel) etc. etc. 

käpe, kepe, käp, kep, Kerb, Schnitt, Ein- 
schnitt, bz. Spalt, Vertiefung etc. ; — de käp 
is to dep. — Nlä. keep (Kerb, Einschnitt, 
Strich etc.); keep houden (Strich od. Cours 
halten); mnd. (Seh. u. L) kep; loang. 
(Ehrentraut, 11,375) keping. c/. käfe, 
käfen, käpen etc. 

kapen, nehmen, wegnehmen, stehlen, sti- 
bitzen, rauben, Beute machen, Freibeuterei 
treiben etc.; — he käpd 't all' weg; — he 
geid üt to kapen (um Beute zu machen, bz. 
eticas zu erhaschen etc.). — Nid. kapen (be- 
hende wegnehmen, Freibeuterei treiben etc.). 
Es giebt ein nid. kaap; schwed. kap, wel- 
ches gewöhnlich mit „Freibeuterei auf See", 
bz. „Kaperei" übersetzt wird, jedoch eigent- 
lich wohl nur die Bedtg.: Beute, Fang, 
Raub etc. zu haben scheint, wie dies aus 
den Sätzen (nid.) te kaap, — bz. op de kaap 
varen, — (schwed.) det var et godt kap (das 
war ein guter Fang), — gä ut pä kap (ge- 
hen aus auf Beute) etc. erhellt. — Da nun 
aber das Wort kaap od. kap so wenig als 
kapen in den obigen Bedtgn. nirgends sonst 
ivo vorkömmt (es fehlt sowohl nd., mnd. als 
mnld. u. auch in den andern nord. Spra- 
chen) u. das Vbm. : kapen doch wohl von 
käp, bz. kap weiter gebildet ist, so scheint 
es mir, als ob das Subst. käp etc. nichts 
anders ist als unser altes fries. käp (Kauf, 
bz. Tausch etc.) = wfries. keap, kaep, kape 
etc. (cf. köp) u. dass op de kaap varen ei- 
gentlich so viel heisst: auf den Kauf od. 
Tausch fahren. Vergleicht man nämlich, 
dass der Kauf urspr. blos ein Tausch 
war, bz. kaufen im Ein- u. Vertauschen 
von Sachen bestand u. ferner, dass unser 
büt od. büte (Tausch) u. büten (tauschen, 



handeln etc.) dieselben Wörter sind, wie 
nhd. Beute u. beuten, so liegt die Ver- 
muthung sehr nahe, dass die Bedtg. : Kauf, 
Handel, bz. Tausch etc. desafries. käp auch in 
5 die von: Erwerb, Gewinn, Beute etc. u. 
iveiter in : „Raub" etc. überging u. dass da- 
her das neuere nid. kaap u. schwed. kap 
blosse Entlehnungen des älteren fries. käp 
sind. An eine Identität von kapen (nehmen 

10 etc.) mit nd. kapen (gaffen, ausschauen), bz. 
an eine Abstammung unseres kapen u. des 
Wortes kaper etc. von mnld. kape (specula, 
pharus etc., s. unter käp) glaube ich jeden- 
falls nicht ZI. würde ich dann noch eher 

15 dafür halten, dass es entweder mit lat. ca- 
pere zusammenhängt, bz. mit diesem zu der- 
selben y gehört, die auch für kipe u. kop 
anzusetzen ist u. urspr. vielleicht skap (cf. 
auch schap, schip etc.) lautete. 

20 käpen, kepen, kerben, schneiden, Ein- 
schnitte machen etc. ; — ütkäpen (ausker- 
ben), inkäpen (einkerben), ferkäpen (verker- 
ben etc.). cf. 2 käpe, käfen etc., sowie auch 
kippen u. kappen etc. 

25 käper, keper, Keper, Köper ; — up de kä- 
per wäfea; — nau up de käper sen. — Wenn 
bei einem Gewebe die Fäden des Einschla- 
ges die der Kette nicht rechtwinklig, sondern 
scheinbar schräg schneiden od. kreuzen, bz. 

30 der Einschlag über einige Fäden der Schee- 
rung liegt, so entsteht dadurch der sog. kä- 
per od. keper auf der Oberfläche des Ge- 
webes, unter welchem Worte man eben die 
durch die obige Webeart erzeugten, schräg 

35 od. diagonal über das betr. Zeug hinlau- 
fenden, sichtbaren Streifen versteht. Das 
Wort käper od. keper bezeichnet demnach 
ein diagonales Etwas , bz. ein Etwas, 
was im Gegensatz zu der geraden Linie 

4:0 schräg, eckig u. tvinkligt verläuft. 
Zweifellos ist es daher auch wohl, dass das 
Wort käper od. keper (als winkligtes od. 
diagonales Etwas) von Hause aus dasselbe 
Wort ist, wie mnld., mftäm. keper (Winkel- 

45 haken, bz. Ding, was sich schrägt u. 
biegt, od. einen Winkel [Schräge, 
Schiefe, Abweichung von der geraden 
Linie, od. eine Ecke u. einen VorsprungJ 
bildet), wie dies durch mnld. keperen (ad 

50 normam formare) , mfläm. keperen (former 
a l'esquierre) u. mnld. keper-wijze (instar 
normae formatum), mfläm. keperwijse (a la 
mode d'esquierre) bestätigt wird. 

kaper, Kaper, Freibeuter, Seeräuber, Frei' 

55 beuterschiff etc.; (scherzh.) Concurrent; — 
he hed 'n kaper up de küste. cf. kapen. 
kaper, koper, kopper, Kupfer. 
käperd, keperd, kcpert, köpert, geköpert 
etc. ; — käperd göd (Zeug was geköpert ist, 

60 bz. was Köper hat). 



KAPERN 172 KAPPEN 

kapern, l-apeni, Freibeuterei treiben, be- Kappe etc.); itah cappa; spayi., port., prov. 

hetiile mit List od. Gewalt wegnehmen etc.; cape ; /r««^. chape (Mantel); spät-lat. Cüpn, 

— he kaperd ml 't all' wosr. cappa (quia totiini capiat hominem; orna- 

kapcrn, kopern, kopporn, laipfern, von mrntum capitis); ,s7w/-//r('(?c/(. käppa, kappatia 

Kupfer. 5 (Mantel etc.); slav., poln., siulslav. kapa; 

kiipei'-. kopoi'-, kiippoi'-l'öd, 0(?. r/c/z^/V/er; böhm. käpe ; lit. käpe; cs^». kap; _/i»». capio 
kaper-, kopoi'-röt, a) Grü)i.'<pan , Kupfer- (Mütze, Helm). — Wie ahd. gifang, git'aak 
rast, Kupferoxyd; — b) Kupfervitriol ; — (Bekleidung, Kleid) von t'aban (fangen, fas- 
c) Eisenvitriol; — d) Vitriol, cf. will' ka- sen), so soll auch das spät-lat. capa, cappa 
perröt = Zinkvitriol. — i\7r/. k.-'j)errood 10 von capio (cf. Diez, 1, 111) abstammen, 
(schwefelsaures Kisen-Oxgdul, Eisenvitriol Da es indessen sehr zweifelhaft ist, dass 
od. grüner Vitriol). — Es bezeichnet wörtl.: das schon so früh in den germ. Sprachen 
Kupfer-Russ (cf. rot) n. verstaynl man vorkommende u. so iveit verbreitete Wort 
darunter urspr. den g rü n l ich e n Euss od. überall lediglich eine Entlehnung aus dem 
grünlichen A)isaiz u. Niederschlag, der aus 15 spät-lat. capa, cappa ist, so ist es auch mög- 
dem schmelzenden, bz. geschmolzenen Schwarz- licli, dass das Letztere selbst ein Lehn-, bz. 
kupfer aufsteigt u. an den Wänden desliaucli- Fremdwort ist u. das Grdwort kapa od. käpa 
fanges ox>/dirt, bz. sich festsetzt, woraus der gar )iichts mit lat. CA\no gemein hcit. Ver- 
Vitriol gesotten wird. cf. nind. (Seh. u. L.) gleicht man nävdich, wie so viele Wörter 
kopperrök; mnld. (KU.) koperroest u. ko- 20 mit anlautendem „k'* od. „c" auf eine idg, 
pt-noose etc, y mit anlautendem „sk" zurückgehen u. dass 

kaper-slager, käpslagei',kapersnii(l,7ü<j> Fick (I, 238 etc., II, 4S7 etc.) unter An- 

ferschmied. dem skr. kipya, cipya (Wurm) mit nhd, 

kapittcl, Kapitel, Hauptstück etc. Vom Schabe etc. u. lat. capillus etc. von einer 

mlat. capitiikim u. dies von caput. 25 y skap ableitet, so ist es auch sehr leicht 

kapittel-stok, ein langer Stock od. Stab möglich, dass käpa als Bedeckendes, 

mit einem Kopf od. Knauf ; — scherzh. ebenso tcie capillus (was ma>i auch sehr gut 

auch j)inis. als Bedeckendes od. Decke, Schutz 

kapke, Käppchen etc. etc. [cf. walle von y var, bedecken etc.] 

kapj»»', kapp od. kap, Kappe; Kopfdeckel, 30 fassen kann) zu einer idg. y skap (decken, 

Mütze, Schutzding für den Kopf ; — junge! bedecken, verhüllen etc.) gehört, die eben die 

weist du iiog net so föi, dat du diu kaj) of- Grdform von skr. ksbap; zend. (Justi) 

settt.t, wen di 'u old minsk förbi geid? — kbsbap (decken, bedecken, verhüllen etc.) ist, 

h) Deckel, bz. oberste Decke od. Spitze von zu ivelcher auch skr. ksbap, kshapa , ksha- 

Etwns; — de kap tan de scbörstea is her- 35 pas ; zend. kbsbap, kbsbapan (Nacht, Fin- 

underflngen; — be steid up de kap tau de sterniss etc.); griech. skepö (decken, verhül- 

dik, bz. uj) de kap fan de iiiölen ; — be bed len etc.), skepe, skepas (Decke, Hülle, Schutz 

sük de kap fau de dum (oberste Spitze des etc.) etc. gehört u. wobei man bei der Iden- 

Daumens) ofsneden ; — c) Endrinde, bz. das tität von griech. skepe mit skr. ksbapa (für 

Bindenstück od. Deckstück vom ausser sten 40 ü/^. skapa) also auch leicht zu der Annahme 

Ende eines Brodes etc.; — brodkap, keskap kommen kann, dass auch käpa als Decke, 

etc. — Nid. kap; jnnld. kap])0 (capitium, Bedeckung, Bekleidung, V crhüllung etc. 

capitis tegmen, pileus, cucullus, viilgo cajipa ; (bz. Kleid, Mantel, Kopfbedeckung etc.) für 

traliea; cblamys; culmcn, fastigium, supre- urspr. skäpa steht u. eben dessen anlauten- 

mum sive summum cujusqut) ; nd., mnd., 45 des „k" überall desshalb unverschoben ste- 

mfläm. kappe; ahd. chappa; mhd. kaiipe hen blieb, weil es auf einer Grdform skäpa 

(Art Mantel mit einer Kapuze über den beruhte, cf, 2 kippe u. kipe etc. 

Kopf zu ziehen; Kappe, Mütze); afries. Zu dieser y skap (decken etc., od. urspr. 

kappe; wfries. kaepe; nfries. kaap ; satl. icohl: greifen, fassen, halten etc. xi. so auch: 

cappe; ags. cappe, caepe (cucullus, ])il-'us); 50 schützen, retten, bewahren etc., wie die y 

engl, cape (Mantelkragen) , cap (Kuppe, var, cf. wälen, willen, walle etc. u. waren, 

Mütze, Haube, Cardinalshut ; Deckel, Schale, wereu etc.) vergl. auch kipe, kippen etc. etc. 

Hülle etc.) u. co^e (Kopfbedeckung, Brie- u. wegen der vielen Ableitungen von ital, 

sterrock, Chorrock, Mantel, Decke, Kuppel) ; cappa etc. (z. B. ausser cappotto, cappuccio 

an. käpa (Ueberkleid , Mantel); isl. käpa 55 [cf. kaput u. kapiitse] etc. auch des Wortes 

(toga, Pallium, velamen) ; ;io?7t;. kappa ; dän. Capclle) bei Diez, /, 111 unter cappa 

kapj)e; schwcd. kappa (Kappe, Haube; Man- das Weitere. 

tel, Oljcrrock, Chorrock, Schaube; äusserste kappen, kappen, hacken, schlagen, kaput 

Bedeckung einer Sache etc.) ii. 7ionü. kudipa.; schlagen, hauen, schneiden, schreren, kür- 

dän. kaabe; schwed. käpa (Mantel, Talar, 60 zen etc.; — balken kappen, bz. be- od. of- 



KAPPER 



173 



KAPUT KEPUT 



kappen; — bomen kappen, hz. oflcappon od. 
umkappen; — holt kort kappen; — • sjjoiien 
od. branholt kappen; — sleiicn, — stn'i- 
ken, — IS t'tc. etc. kapjjen ; — 't aiikcr kap- 
pen ; — de niast kappen ; — 'n gat in de 
mür, bz. 't isder etc. kappen; — de lülge, 
hz. dat här kappen (die Spitzen etc. von 
der Hecke, bz. dem ILiar abschneiden mit 
einem Messer od. einer Scheere); — wel li(!d 
dl dar so in de här herum kaj)d? — sük 
de finger kapp'n (sich die oberste Spitze 
vom Finger abschlagen, bz. ihn einkürzen). 

— Nd., mnd. kappen ; nid., mnld., mfläm. 
kappen ; nfries., dän. ka])pe ; norw. kabba, 
kappa; schwed. kappa; schott. chap. Beim 
Vergleich von klip-khip etc. muss man loohl 
annehmen, dass auch kip-kap (cf. kipi)en) 
urspr. blosse Schallstämme sind, die entwe- 
der mit kabbeln, kibbeln, kifen etc., sowie 
mit käpe, käpen, käfe, kaf etc. auf ]/ gab, 
od. gabh (klaffen, gähnen, spalten) zurück- 
gehen, od. mit tat. capo (cf. kapiin) etc., 
griech. koptö (schlagen, hacken, hauen etc.) 
u. skäptö (graben, hacken etc.); kslav. skep 
(spalten etc.); engl, chip (schneiden etc.), 
chop (hauen, hacken etc.) etc. sowie unseren 
schap, schip, schaffen, scheppen, schiffen etc. 
zu einer y skap (liauen, schneiden, spulten 
etc.) gehört, zu der auch kaf, kafe, käpe 
etc. ebensogut gehören können, als zur y 
gap od. gabh. Wegen der y skap cf. Fick, 
I, 238, 452, 807 u. II, 267, 487 ,_ 678, so- 
wie III, 331, die wohl ebenso toie skap = 
skr. kshap (werfen etc., cf. Fick, I, 234) 
aus einer primit. y ska = europ. sak (schla- 
gen, hauen, spalten, trennen, schneiden etc., 
cf. Fick, I, 235) hervorging, die auch das 
Primitiv von skau, skad, skar (cf. Fick, 
I, 235, 237, 238 etc.) sein ivird. 

1. kapper, Einer der kappt, od. hackt etc. ; 

— holtkapper (Holzhacker). 

2. kapper, eine Taube mit einer Haube 
(kappe) auf dem Kopfe. 

kapriine, (Dimin.) k^\>v\mt\Q,Haube,Häub- 
chen. Mützchen etc. ; — se hed so 'n cid 
kaprüntje up de kop. — Nid. (v. Bale) 
kaproen, kapruin (hooftdeksel, kap, vrouwen- 
kap); mnld. kapruyn (cnculhiä, capitium); 
mfläm. kapruyn (Kopftuch der Frauen etc.). 
Aus franz. chaperon ; ital. capperone etc. u. 
dies (cf. Diez, I, 111) mit ital. capello; 
franz. chapeau etc. von cappa, capa (cf. 
kappe) 10 eiter gebildet. 

kapsel, Kcqjsel, Gehäuse etc. Aus lat. 
capsa, bz. capsella u. dies von capio (fassen 
etc.), od. mit diesem von derselben y, cf. 
hebben, hafe etc. 

käp-slager, s. kaperslager. 

kap-sponen, Kapp-, od. Hauspäne, Späne, 
die beim Bekappen der Balken etc. entstehen. 



kap-störting, kapstörteu, die Stürzung 
od das Stürzen u. Abwerfen der Kappe 
des Deiches bei einer Sturmfluth durch das 
An/irallen der Wogen, in Folge dessen der 
.5 Bruch des Deiches u. die Ueberfluthung des 
Bi}inenlandes entsteht. Die liedensart : „'t 
is nog gin kapstörting" wird daher sehr all- 
gemein bei uns auch in dem Sinn gebraucht, 
dass ein betr. Etwas noch nicht sehr gefahr- 

10 drohend ist, weil eben mit dem Stürzen der 
Deichkappe der Deichbruch eine vollendete 
Thalsuche ist u. in Folge dessen alles un- 
sägliche Elend über die Marschbewohner 
hereinbricht, loelches mit einer Meeres- Ueber- 

15 schwemmung unserer Marschen verbunden 
ist. — ^ Nid. kapstorting ; nd. kappstortung. 
kapilii, kepüu, Kapaun, castrirter od. ver- 
schnittener Hahn (hänrün). — Nd. kapuun; 
md. kappi'm; n/rf. kapoen; 7nnld. (KU.) cap- 

20 poen, kappuyn; mfläm. kapoen, kapuyn ; 
mhd. kapüu; ags. capiui ; engl, capon; mlat. 
CcX\)0\m%\ franz. chapon; ital. cappone; f/)7'ec/t. 
kapon; lat. capo, capus. Daneben auch: 
ahd. chappo, cappo, cappho ; mhd. kappe 

25 (gallinaceus, Hahn; Kapaun), sowie mnld. 
kaphaan , kaphoen ; mrhein. kaphan ; nhd. 
Kaphahn, Kaphuhn. — Wie man mhd. va- 
sän = nhd. Fasan (durch Anlehnung an 
Hahn u. Huhn, um das Fremdwort dem 

30 Volke verständlicher zu machen) auch mhd. 
vashan u. vashuou verdeutschte , so wurde 
auch lat. capo, bz. franz. chapon etc. durch 
kaphan u. kaphoen verdeutscht, indem man 
dabei an kappen (schneiden, castriren, bz. 

35 verstümmeln, stutzen etc.), bz. einen ge- 
kappten Hahn dachte. kapün u. ahd. 
chappo etc. sind aber ivohl zweifellos von 
franz. chapon, bz. griech. käpöu u. lat. capo 
entlehnt, loelche Letztere selbst aber loieder 

40 mit griech. koptö u. skaptö etc., sowie mit 
unserm kappen etc. zu einer u. derselben y 
gehören, nämlich zu y kap, bz. skap , wo- 
von auch kslap. skopiti (castriren) etc. u. 
vielleicht auch lit. skapa (Schöps). 

45 kapünen, kopunen, castriren, zum Ka- 
paun machen etc. (auch von Menschen etc.) ; 

— ik wil dl kapünen; — he hed hum ka- 
pünd (zum Castraten gemacht, verschnitten, 
verstümmelt). 

50 kapat, keput, (selten) geput, kaput, ent- 
zwei, kurz u. klein, in Stücken etc. ; — he 
haud (od. smitd) 't all' kaput (od. kört etc.) 
wat d'r man is; — 't is all' kaput (kurz u. 
klein, zerbrochen, zertrümmert, in 2'rümmer- 

55 stücke etc.) släu ; — dat spil od. geschäft 
is kaput (verloren, zertrümmert, ruinirt etc.) ; 

— de glasen sunt kaput (od. kürt) sraäten; 

— he mäkd sük gans kaput (er ruinirt sich 
ganz, bz. macht sich ganz bankerott, — od. 

60 auch: macht sich ganz bresthaft u. krank, 



KAPÜT KAPUTROK 



174 



KARE KAR 



— ruinirt vollständig seine Gesundheit etc.); 

— ik was d'r gaus kaput faii (ich war voll- 
ständig zerschlagen u. bresthaft, od. krank 
«. elend davon); — he is kaput gäu (er ist 
Bankrott gegangen, hat fallirt etc.); — he 
heil 'u kaputteu (einen zerrissenen, durch- 
löcherten, zerlumpten) rok an ; — de boinon 
gän kaput (ilie Bäume sterben ab, gehen 
todt etc.); — wat kaput (zerbrochen, ruinirt, 
od. verloren etc.) is, dat is kaput, dar koiicu 
wi iiiks mör au helpen. — Nid. kapot; nd. 
kajjut etc. aus franz. caput, span. capote, 
loekhes beim Kartenspiel dieselbe Bedtg. wie 
nhd. matsch (faire capot, alle Stiche ma- 
chen ; c'ire capot, matsch sein) hat, indes.^ien 
auch in der Bedtgt. : beschämt, bestürzt (eile 
est demeuree capot , sie loar ganz bestürzt 
etc.) etc. gebraucht wird u. angeblich das- 
selbe Wort sein soll, wie capot (Mantel mit 
einer Kappe etc., s. das folgende Wort), 
indem es im Kartenspiel fig. angewandt 
wurde. 

kaput, kapatrok. Mantel mit einer Kappe 
etc., bz. Kapuze, Begenmantel , Regenrock, 
grosser dicker Ueberrock. — Nhd. kaput, 
kapot, kaputrok ; nid. kapot etc. aus franz. 
capot; ital. capotto etc., eine Weiterbildung 
von ital. cappa etc., s. unter kappe. 

kapütse, kapüts, Kapuze, eine verhüllende 
Kopfbedeckung mit über den Nacken herun- 
terhängendem Kragen. Aus mlat. capution ; 
ital. cappuccio; franz. capuche etc., eine 
Weiterbildung von capa, cappa etc. (s. un- 
ter kappe), od direct aus lat. capitium, bz. 
caput. 

kälr, s. ker. 

karbautei', s. kabauter. 

1. kare, kär (iV(//-. kareii), Karr e, Kar- 
r e n. — Spricliw. : de de kär in de drek 
Schafen hed, mut bum d'r ok wer uthalen ; 

— he schufd hum de kär up de hakken ; 

— de kär sitt eu altid up de hilen ; — he 
is de düfel fan de kare fallen (von einem 
Erzbösewicht etc.) ; — se hehben huni up 
de kare had (von Jemandem, der durch 
Gunst u. Fürsprache ungewöhnlich schnell 
befördert lourde). — Compos. : erdkär (grös- 
serer Karren mit 3 Bädern u. einem vier- 
eckigen Kasten zum Verfahren vo)i J'Jrde, 
auch wip-kär genannt, iceil der Kasten nach 
hinten über zum Aus.stürzen der Erde nie- 
derwippen kann); — drek- od. mudder-kär 
(Dreckkarren, bz. ein vierrädriger Wagen 
mit einem grossen Kasten, bz. einer hölzer- 
nen Backe zum Wegholen des Strassen- 
Drecks u. sonstigen Abfalls) ; — michel-kär 
(ein grosser starker Karren zum Transpor- 
tiren schwerer Sachen); — scbiifkär (Schieb- 
karren) etc. ; — meskär (Mistkarren) ; — 
torfkär (Torfkarren) etc. — Nd. kaar u. 



(Dähnert) kare, köre; mnd. (Seh. u. L.) 
kare; «?(^. kar; Hi»W. karre; ivang. (Ehren- 
traut, I, 377) kor, koer (s. indessen unten 
am Schlüsse u. u)iter kure); an. kerra; norio. 
5 kjerra; schived. kärra; dän. karre; engl, car; 
ahd. carrä, garrä u. carro, garro, garre; 
mhd. karre, garre etc. Wegen dieses Wor- 
tes vergl. Grimm (Wb. V , 22i), wonach 
das ahd. carrä etc. wohl von lat. carrus 

10 entlehnt ist, bz. darauf zurückgeht (wegen 
der Ableitungen der Wörter charge u. cari- 
catura, sowie auch von carriere, carrosse etc. 
von lat. carrus cf Diez, I, 114 u. 115), 
während dieses selbst auch ein Fremdwort 

15 ist, womit Cäsar in Gallien bekannt tourde. 
Neben kelt. karr ; welsch cär ; gael. carr ; 
brett. karr scheint indessen dieses Wort auch 
schon in altern ngerm. Sprachen urspr. vor- 
handen gewesen zu sein, ohne der Lautver- 

20 Schiebung zu unterliegen. Die }/ betr. , so 
gehört es wohl mit lat. curro, currus etc. ; 
zend. careta , caretu (Rennbahn) , caretar 
(Läufer, bz. einer der schreitet) etc. ; skr. 
carita (Gang, Wanderung), caritra (Fuss, 

25 Bein etc., bz. Gehendes etc.) etc. zur y car, 
bz. kar (sich bewegen, gehen, wandern), 
worüber bei Fick (I, 43) das Weitere zu 
vergleichen ist. 

Zum Schlüsse sei übrigens wegen des 

30 icang. kör , koer noch bemerkt , dass dies 
wohl dasselbe Wort wie 2 kare m. wfries. 
koer (Korb) sein dürfte u. dass dann auch 
das nd. köre (D ü hner t, s. oben) vielleicht 
nicht eine Nebenform von dem aus lat. 

35 carrus entlehnten nd. kare = nhd. charra, 

sondern dasselbe Wort wie 2 kare u. wfries. 

koer (Korb), bz. Behälter u. unser kure ist. 

2. kare, kär, Gefäss, Behälter. Nur noch 

in : älkare, älkär (ein durchlöcherter hölzer- 

40 ner Kasten zur Aufbewahrung von Aal); 
— fiskkare, fiskkär ('i'VscMe/{a//e;', bz. durch- 
löcherter Kasten zur Aufbewahrung von Fi- 
schen , auch biinne genannt) etc. — Nid. 
kaar (in : aal-, visch-kaar, s. oben) ; mnld. 

45 karre (uassa, alveolus etc.); ?>ytä/H. karre (un 
reservoir) ; mnd. (Seh. u. L.) kar, kare 
(Geschirr, Gefäss, Korb) ; as. kar ; ags. cere ; 
an. ker; isl. ker; norw. kjer ; schwed.,dän. 
kar; ahd cliar; mhd. kar (Gefäss, Schüssel, 

50 Wanne, Trog); goth. (cf. nhd. Beere = 
goth. basi; — nhd. war = unserm was 
etc.) kas (Gefäss, Krug, Tonne). — Fick 
(LH, 45) stellt das Thema kasa mit an. kös, 
Genit. kasar (congcries), kasa adha (begra- 

55 ben, beworfen etc.) etc. zu einer germ. |/ 
kas (werfen, aufwerfen), ivas indessen wohl 
begrifflich zu fern liegt. Vergl. dieserhalb 
Weiteres unter 2 kisen u. cf. auch die Schluss- 
bemerkung zu I kare wegen des wang. kör 

60 etc., sowie ferner auch unser kure, was mit 



KARE 175 KARIG 

wfries. koer (Korb, Behälter); as. kar iti sük d'r 'n stük bröd of; — he hed dat dör 

bi-kar (Bienenkorb, s. bei v. Richthof en karfd; — he karfd (schneidet, hackt etc., bz. 

unter ramkor) wohl ein u. dasselbe Wort ist. schneidet unordentlich = fild etc.) d'r wat 

kare, Hock, Gewand, bz. Rockschooss etc. iu herum. — Afries. kerva od. kervia ; sali. 

In dem Kinder Hed: ringel-rangel-rosen, — 5 kcrfje; helg. kerf; nfries. (Outzen) karvc, 

schöne aprikoseii etc. (ivas die kleinen Müd- keerve, kerva; wfries. kervcii; nid. kerveii ; 

chen beim Ringel- od. Reihen-Tanz sin- nd. karven; mnd. kerven (kerben, einhauen, 

gen) kommt auch die Strophe vor : „fät ach- kappen); ags. ceorfan ; engl, carve, carven 

ter an min kare", loobei jedes folgende Mäd- u. kerve (schneiden, verschneiden, tranchiren, 

chen das Gewand, bz. das Kleid, od. den 10 schnitzen, aushauen, ausschneiden, stechen, 

Rockschooss des vorderen Mädchens von graben etc.) ; schalt, kevi; norw.kdiXVA.; schwed. 

hinten anfassen muss u. ist demnach dieses karva; u/ul. (kerbau); mhd. kerben. — Kick 

Wort wohl dasselbe wie afries. gare (Ge- (II, 91) vergleicht es mit griech. gräphein, 

wand, Rockschooss etc.), s. u)iter 2 gär, über dessen Lautvcrhältniss zu lat. scribere 

gäre u. garf kamer. 15 u. nhd. graben etc das Weitere unter gräf 

karel, kardel, karl, ml. Name = nhd. u. grafeu zu vergleichen ist. Vergleicht man 

Karl. Geschln. kareis. cf. kerel. zu karfen unser krät'e u. schräfe, bz. wälsch 

1. kareil, karren, mit der Karre fahren crsifa (einschneiden, ritzen); bret. cra,i'3i (das- 
od. schieben, bz. verfahren, verschieben etc. ; selbe), kräf (Stich, Einschnitt), sowie lat. 

— he kärd wat herum; — he kärd de erde 20 carpo ii. die verwandten griech. Wörter (G. 
weg. Curtius, pag. 143 u. s. unter harfst) nebst 

2. karen, koren, gekoren, erkoren etc. ; lit. kerpü (schneiden etc.) etc. u. Alles was 
s. kesen. Fick (I, 240 etc. etc.) unter y skarp auf- 

kären, s. keren. führt, so ist es auch sehr gut möglich, dass 

kai'fe, karve, karf, Kerbe, Kerb, Schnitt, 25 auch karfen, nebst kräfe, schräie, schrifen, 

Einschnitt, Abschnitt etc.; — de karf is net krabben, schrabben etc. zu der für scharp 

dep genug; — he hed d'r 'u karf insneden; anzusetzenden idg. y skarp od. skarbh (als 

— he häld d'r 'n goden karf (Schnitt, Ab- Erweiterung von skar, cf. schären etc.) gehört, 
schnitt, Stück etc.) üt; — snid' mi man 'n _ kai'f-holt, Kerbholz. — Sprichiv.: he hed 
goden karf (Schnitt, Abschnitt, Stück etc.) 30 föl up sin karfholt. 

bröd of; — 'n umkarf (Rundstück , bz. ein kai'f-mest, Kerbmesser; — a) grosses Mes- 

Stück od. Schnitt von der ganzen Breite od. ser zum Schneiden des groben Roggenbro- 
Dicke eines 12-pfündigen Brodes); — he des, bz. des Schwarzbrodes ; — b) ein Hack- 
snidt sük alle morgen dre umkarfen of. — messer, bz. ein 3Iesser, womit man Etwas 
Redensart: karfen up de hörns hebben 35 abhaut u. abhackt, od. durchhackt; — c) ein 
(Kerbe, Einschnitte , bz. Jahresringe auf schartiges, stumpfes, unordentlich schneiden- 
den Hörnern haben; daher (fig.) schon alt des Messer; — d) (scherzh.) ein (gewöhnlich 
od. erwachsen sein, geivitzt sein etc., od. stumpf er u. schlecht schneidender) Inf anterie- 
auch: runzligt sein, ein altes runzligtes Säbel, auch kesemest (Käse- Messer) genannt. 
Ansehn haben etc.). Fert/Z. azicÄ; iiärs-karf 40 karf-stok, Kerbstock. — Redensart: he 
(Arsch-Kerbe). — Afries. kerf; wfries., satl., hed dat up sin karfstok, bz. karfholt. 
helg., nid., mnld., mnd. kerf, bz. kerve (crena, karig, kar g, geizig, knapp, sorglich, angst- 

incisura, segmen, segraentum); nd. karve, lieh, besorgt, engherzig, sjmrsam, geizig, knau- 
karf ; ags. korf (Kerbe, Einschnitt) u. cyrf serig etc. ; zaghaft, langsam, träge, schleppend 
(Schnitt, Hieb etc.); engl, kerf; mhd. kerbe, 45 etc.; — 't is upstünds man 'u kd.ngcn (karge, 
kerp. cf. 2 kern, kräfe, schräfe u. Weiteres sorgliche , ängstliche , kummervolle etc. , bz. 
unter karfen. knappe, elende etc.) tid ; — he hed 't man 

karfei od. karvel, Kerbel, das bekannte karig (sorgenvoll, kummervoll, kümmerlich, 
Suppenkraut. — Nd. karvel ; mnd. kervele, knapp etc.) ; — 't geid hum man karig (küm- 
kervelde; nid. mfläm. kervel; ags. cerfille; 50 merlich, elend etc.); — he word so ferdömd 
engl, chervil; isl. kerfiU; dän. kjärvel; ahd. karig (ängstlich, engherzig, geizig etc.) in 't 
kervola, chervola, cherfolla, korvela, eher- gäfen, dat he hast gen 8rtje mer misten kan ; 
vela, kervella, kerfela, kervila, chervilla, — dat geid so karig (bedächtig, vorsichtig, 
gerwla; mhd. chervulle, cervele. Mit ital. zaghaft, langsam, widerwillig etc.) mit hum, 
cerfoglio; span. cerafolio; franz. cerfeuil 55 dat man wol sen kan, dat he d'r hei gen 
aus lat. cerfolium , caerefolium , chaerephy- lüst an hed ; — he word so karig (lustlos, 
lum u. dies von u. nach griech. chairephullon. widerwillig, träge etc.) in 't leren. — Nid. 

karfen, karven, kerben, einschneiden, karig (wer od. was [vom Boden] nichts aus- 
schneiden, hacken etc. ; — de hörns sunt thut u. ausgiebt) ; mnld. karigh (sordidus, 
karfd ; — he karfd dat in ; — he karf de 60 parcus, tenax) ; nd. karch ; mnd. karich, ka- 



KARIG 176 KARKASSE KARKAS 

rech, karch, ndrhein. kaerich (sparsam, gei- cear (kläglich, traurig etc.) stimmende zend. 

zig etc.) ; isl. kargr (coutumax; pigor, iiriui- jara (rufend, bittend, flehend), während von 

vuä; teuax); noric, schiced. karg; dän. k:u- jar, bz. gar andererseits auch zend. jarez 

rig (karg, geizig, filzig etc.); ahd. charcli; (klagen, heiden) u. garez (klagen, klagend 

mhd. k;irc (klug, listig, . ■schlau ; karg, geizig) 5 bitten) ^= skr. garj, idg. gargh iveitergebil- 

u. ahd. carag, charag. kharag (lugubris) ; as. det ist, wozu Fick (1 , 72) unser gcrm. 

karag; ags. cearig (sorgig, sorgend, besorgt, klagon etc. stellt. 

ängstlich, bekümmert, traurig); engl, chary Zu karig sei zum Schlüsse noch bemerkt, 
(besorgt, sorglich, sorgsam, behutsam, vorsieh- dass von ahd. charg (klug etc.) , an. kargr 
tig etc.). — l)ass das ahd. chAich etc. ,bz. nhd. 10 (hartnäckig, träge etc.) nach Diez (11,32) 
kirg ebenso wie mnd.kixrch. ein Contract. von das it(d. gargo (verschlagen, tückisch) u. 
kiirag, chixrAg = ags. ce&v'ig ist u. dessen Bedtg.: piem. garu;h (träge) stammt, 
klug u. sparsam etc. sich aus der von: sor- kai'jül, kerjöl, zweirädrige Chaise. Aus 
gig (bz. Sorge [ciira] habend, mit Sorge bc- franz. cariole elc. ?t. dies mit carriere etc. 
haftet), sorglich, besorgt, behutsam, vorsieh- 15 von lat. carrus etc., cf. unter 1 kare. 
tig (cf. sünig, sparsam etc. von süu, das karjoleii, karjöloii, kci'jölen, mit einer 
Sehen) etc. entwickelt hat, ist zweifellos, so- karjöl, bz. einer cariole rasch u. lustig fah- 
wie auch, dass karag, cearig mit der En- ren ; — he karjöld d'r lüstig heu; — he 
düng ag, eg, ig (cf. ig) von kar, cear, bz. karjöld d'r längs, dat 't so 'n ;ird hed. 
demSubst.: goth-kAYa.; rt/jr/ chara; rts. kara; 20 kai'joltMi, kai'jölpn, kerjölen, kriölen, laut 
ags. cearu; engl, care (Sorge, Angst, Kam- u. lärmend singen, juchhcien etc. — Satl. 
mer, Leid, Wehklage) iveitergebildet ist. karijülje etc., cf. in G rimm, (Wb. V,218). 
Dieses kara, chara (wovon auch mhd. kar- Weiteres unter karjolon. 
fritac, bz. nhd. Char-Freitag [d. i. Kummer-, karkailt, Halsgeschmeide von Gold od. 
Leid- od. Wehklage-Freitag] u. Char-Woche) 25 Ferien etc. — Nid. karkant (een halssnoer 
etc. betr., .so gehört es mit goth. karou, ka- van cdelgcstecnteii voor vrouwon). Aus 
rau (sorgen, sich kümmern); as. karon (be- franz. carcan (Halsband, Halseisen), bz. 
klagen, tcehklagen) ; ags. cearjau (Sorge Ita- af ranz, charchant, cherchant, was nach Diez 
ben, sorgen, sielt kümmern) ; engl, care (sor- (II, 238) aus ahd. querca; mnd. quarke, 
gen, Sorge haben u. empfinden, sicJi beküm- 30 quorke; nfries. querk; an. qverk (Gurgel, 
mern, sich ängstigen; nach Etwas fragen; Schlund, Hals) etc. entstanden ist. Letzte- 
ängstlich u. verlegen sein etc.) ; a/td charou, res soll mit ahd. chrago (Schlund, Hals, 
charcn; mhd. carcn, karn (beklagen, betrau- Kragen) u. lat. gurgit (cf. Fick, I, 71) 
ern; trauern, wehklagen); an. kaera (kla- auf ein verkürztes Intensiv, garg znrück- 
gen, sich beklagen u. beschweren etc., tvo- 35 gehen, icährend ahd. querechela (Gurgel) 
von isl. kaera, Klage, gerichtliche Klage u. mit lat. gurgula; griech. gergeros (Kehle, 
Beschwerde, liechtsstreit etc.) ; schwed. kam Schlund); skr. gargara (Strudel, Schlund) 
(vor Gericht klagen); däji. kaere (klagen) wohl aus der liedupl. der y gar (schlingen, 
etc. nach Fick (III, 42) mit ahd. quoran, schlucken) hervorgingen, die übrigens von 
chweran , cheran (seufzen etc.) ; an. kura 40 Hause aus dieselbe (cf. dieserhalb unser 
(Klage), kiirr (Knurren, Murren, Gemur- kluk [Schluck] u. klukkcu) onomat. Schall- 
mel, Gerücht), sowie auch icohl: schwed. kurra ivurzel ist, wie die ]/ von goth. karön etc. 
(rummeln, einen dumpf rollenden Ton von (s. unter karig) u. unser kwarren. cf. auch 
sich geben etc.), dän. kurre (girren, kirren kurklialseii u. kwarken. 
etc., cf. unser kwarren u. kiirreln etc.) etc. 45 karkasse, karkas, mit Seide od. Garn 
zu einer germ. Schallwurzel kar, kvar (tö- überspon neuer Metatldrath, der in den Sei- 
nen, rufen, klagen etc.), die er zu skr. jar ten der Frauenhauben festgenäht wird, um 
= ursjir. gar (nach Grass mann = ihnen Steifigkeit u. Festigkeit zu geben. Da 
ursjir. gvar) vergleicht, worüber unter kal- dieser Drath das Gerippe der Hauben bil- 
len das Weitere zu vergleichen ist u. ico- 50 det, bz. zum Gerippe derselben verwandt 
nach dann das goth. kara, ahd. chara ursjjr. tvird, so erklärt sich die Identität dieses 
die Bedtg. ; sonus, bz. Geräusch, Getön etc. Wortes mit franz. carcasse ; itl., port. cara- 
hatte, woraus sich dann weiter die von Ge- cassa; span. carcasa (Gerippe) leicht. We- 
murr, Gejammer, Geklage, Wehklage, Trauer gen der Bildung dieses Wortes, sowie auch 
etc. (u. so auch Kummer u. Sorge) loeiter 55 itl. carcasso; span. carcax; port. carcas; 
entwickelte, während das lautlich mit kara franz. c-AYc^\\o\i,bz. CAT(\\vi.\i (Köcher ; af ranz, 
identische skr. jara od. jarä die Bedtg. : auch Brustkasten, thorax) von lat. caro u. 
Lied, Gesang, Anruf etc. hat. Zu jar = capsus (die Bedtg. ist demnach buchst.: 
zend. jar (knistern, rauschen; rufen, an- Fleischkasten, Fleischgerippe), cf. Diez, 
rufen etc.) gehört auch das lautlich zu ags. 60 /, 113. 



KARK-DOER 



177 



KARK-HOF 



kai'k-dör, Kirchenthür. 
kark-döi'p, Kirchdorf, a) Dorf, das eine 
Kirche hat. — Sprichio. : he is so wis, as 
söfen karkdörpen, war gin minsk in is; — 
b) speciellcr Name eines ofrics. Dorfes, zu 
dem die sog. söfen logen gehören , (f. P]x- 
tiim etc. ; — Sprichw. : dat könt s' in kark- 
dörp ük. 

karke, kark, Kirche. — Sprichw. : war 

God 'n kark böed, dar böed de düfel 'n werds- 

hCis ; — kark lik im wark lik ; — he kumd 

in gen kark of kUise; — he geid nig to 

karke nog to warke ; — nüms kan twe kar- 

ken toglik besingen ; — he hed mer karken 

to besingen, as he ferwaren kan. — Nd., 

mnd. kerke, karke; ?tW. kerk; jh«W. kercke; 

afries. kerke, karke, tzerke, tzierke, tsiurike, 

tsiureke, tsiurke, ziurke, stiurke, szurke, ste- 

reke ; wfries. tjercke; nfries. särk, sjörk, sjerk ; 

! wang. sjirik; satt, serke; helg. kaerk; as. ki- 

rika, kerika ; ags. cyrice, cirice, cyrce, circe ; 

aengl. chirche, chyrche, cherche, churche; 

engl, church; schott. u. nordengl. kirk, kerk; 

ahd. khirica, chiricha, kirihha, chilicha, chi- 

lecha, chilcha; allemann, kilche, chilche; mhd. 

kirche, kierche; an. kirkja; isl., aschwed.kyr- 

kia, kirkia ; schwed. kyrka ; dän. kirke ; norw. 

kyrkja ; finn. kirkko ; estn. kirrik, kirk, kerk ; 

ajH-euss. kirkis ; aslav. cr'ky ; russ. cerkov ; 

poln. cerkiew; böhm, cirkev; oherwend. cyr- 

kwja; niederwend. zerkwje; slov. cerkva. — 

Die Ableitung dieses Wortes von griech. kü- 

I riakös (dem Herrn [kurios] gehörig, ef. kü- 

\ riake eraera, Tag des Herrn, Sonntag; — 

; küriakon deipnon, bz. küriakon, das heil. 

Abendmahl, bz. das Haus des Herrn, der 

Tempel) ist sehr zweifelhaft u. viel bestritten 

u. zwar namentlich deshalb, weil die römi- 

I sehen Geistlichen u. Sendboten, welche die 

Süd- u. nordgermanischen Völker bekehrten, 

diesen dann wohl ebenso wie den Galliern 

I M. kelt. Völkern (cf. ir. teampall; kymr. teml 

I aus lat. templum u. gael. eaglais; kymr. 

I eglwys ; bretagn. ilis ; bask. eleiza neben 

I kgmr. ecluys; altcormoall. eglos etc. aus 

i ecclesia) die lat. Wörter templum m. ecclesia 

; zugebracht haben würden. Einige leiten des- 

I halb das ahd. chilicha etc. von goth. kelikn 

(dieses Wort kömmt in der goth. Bibel 

Marc. XIV, 15 vor u. bezeichnet den Saal, 

I wo Christus das Abendmahl mit seinen Jün- 

\ gern abhielt), bz. keiliku (turris, coenaculum, 

Thurm, Burg, festes Haus, oberes Stockiverk, 

1 hochgewölbter Saal, Speisesaal) ab, was für 

kilikn (urspr. kirikn) steht u. wahrscheinl. 

mit skr. giriga (Beiname des Gottes Siva u. 

WOHL : bergliegend , bz. auf dem Berge [od. 

hoch] liegend od. ruhend), giri-gä (Beiname 

der Göttin Durga u. wörtl.: monte nata), 

giri, zend. gairi (Berg) zur ]/ gar, gir (erhö- 

J, ten Doornkaat Koolman. Wörterbuch. II. 



hen, erheben, preisen, rühmen etc., cf. Grass- 
mann, 387 u. 397) gehört, wie skr. gilitä 
(voratus) zur ]/ gar, gir (schlingen etc.). 
Andere dagegen denken bei dem Worte chi- 
5 richa, chilicha, bz. chilcha etc. an einen Zu- 
sammenhang mit ivälsch cyrch , cylch ; bret. 
kelch ; gäl. cuirc (vorragende Spitze, Anhöhe, 
Mittelpunkt od. Ort, um den od. wo sich et- 
was sammelt, cf. ecclesia), was übrigens be- 

10 grifßich mit goth. kelikn u. skr. giri^a zu- 
sammenfällt. Vergleicht man nun aber wei- 
ter a) dass die Wörter: Berg u. Burg, 
soivie griech. piirgös (womit goth. kelikn über- 
setzt wird) desselbett Ursprungs sind, — b) 

15 dass alle Burgen u. Kirchen früher auf An- 
höhen u. Bergen gebaut wurden, — c) die 
Kirchen in alten Zeiten überall auch als 
Burgen u. Festungen benutzt wurden, bz. 
Burgen od. feste Häuser (auch Thürme) wa- 

20 ren, so ist es leicht möglich, dass das ahd. 
chiricha, chilicha ebenso wie goth. kelikn 
(sofern es für kilikn, kirikn [Thema kirika] 
steht) urspr. blos die Bedtg. : ein auf einem 
Berge, bz. einer Anhöhe liegendes (od. hoch- 

25 liegendes) Etwas hatte u. dass sowohl ahd. 
chiricha, chilicha, tvie goth. kelikn etc. von 
Hause aus dieselben Wörter sind, wie das 
oben angesetzte skr. giri^ä (auf dem Berge 
liegend, bz. ein auf einem Berge liegendes 

30 u. ruhendes Etwas) , aus dem selbstredend 
auch das wälsche cyrch etc. (s. oben) leicht 
hervorgehen konnte, zumal ein air. cuirc in 
der Chrestomathie von Schleicher gar 
nicht belegt ist. — Als Nachtrag zu diesem 

35 Worte (d. h. kiricha) sei noch erwähnt, dass 
(cf. För Stern an n u. Arnold pag. 483) 
dasselbe schon in Ortsnamen vorkömmt, die 
anscheinend über die christliche Bekehrung 
der Germanen hinausreichen, sodass es so- 

40 gar möglich wäre, dass ein dem goth. ke- 
likna u. dem skr. giriga begrifflich (als Burg, 
bz. Hohes, Anhöhe, Fels, Berg etc.) u. laut- 
lich entsprechendes Wort im Alt-Germani- 
schen vorhanden war, was eben eine Be- 

45 griffsioandlung zu der jetzigen Bedtg. des 
Wortes „Kirche" erlitt, bz. in diese Bedtg. 
überging. 

karke, Kärrchen, kleine Karre. 
karken, mit einer kleinen Karre schieben ; 

50 — he kärked dat d'r langsam hen ; — da- 
von: kärker. Karr eher, Kärner; — wen de 
fürst wil böeu, hed de kärker to dön. 

kark-fägd, Kirchvoigt ; — bi gebrek (Man- 
gel) fan folk, word de snider karkfägd. 

55 kark-gang, karkeiigang, Kirchengang, 
Kirchenbesuch, namentlich zur Abstattung 
des Dankes nach iviederhergestellter Gesund- 
heit, bz. nach einer Entbindung etc. ; — he 
hed sin — bz. se hebben hör karkgang dän. 

60 kark-liof, Kirchhof, Friedhof, Gottesacker. 

12 



KARK-LOG 



178 



KARNEN 



kark-lög, Kirchdorf. 

karksk, kirchlich, kirchlich gesinnt, von 
der Kirche viel haltend it. sie ficissig besu- 
chend ; — de ReforinörJcn sunt in 't gohöl 
iiog al regt karkbk, mör as de Lüttrrseii. 

kark-spil , karkspcl, karspel, kaspel, 
Kirch.yiiel, Kircitsprengcl, Parocliic. — We- 
gen dieses spil, spei, cf. bispil ii. unter spel- 
len das as. godspel (Erzlihlung von Gutt, 
od. Gott- Verkündigung, Evangelium), loo- 
nach karkspil, karkspol soviel ist als: Kir- 
chen- Verkündigung, Kirchrn-Lehre, Kirchen- 
liede, hz. Fredigt in der Kirche etc., ausge- 
dehnt über den ganzen Bezirk, dessen Be- 
wohner zu einer betr. Kirche eingepfarrt 
sind u. in dieser Kirche die Predigt hören. 

kark-toreii, Kirchthurm. 

kaniu'lk, .*. karn-melk. 

kanneii, seufzen, Jammern, klagen etc.; 
— he äitt to Süchten an karmen. — Nd. 
karmen; mnd. kermon, karmen; nid. kermen; 
mnld. caermen, später: karmen, kermen (lamen- 
tari, ejulare, quiritari, ingemiscore) ; wfrics.kier- 
men; rtf/.s'. cyrman, cirman (lärmen, schreien), 
Subst. cyrm, cirm (Lärm, (reschrei , fragor, 
clangor) ; nordcngl., bz. engl, chirm, churme ; 
Schott, cbirme (vom Klageruf der Vögel vor 
dem Sturm etc.). Auch tcohl engl, eliarm 
(murmeln, sumsen; durch Murmeln, bz. Rau- 
nen od. leises Singen etc. bezaubern u. be- 
sänftigen etc.), charm (harmonisch klingen 
od. tönen), Subst. charm (das Gesumse etc.; 
Zaubermittel etc.), obschon dies auch mit 
afranz. charme (Zaubcrlied, Zauberformel; 
vfranz. Zauber); charmer (bezaubern) etc., 
soivie ahd. garminön, kermenön (incantare, 
beschtvören, bezaubern) aus mint, carminare 
(von lat. Carmen, cf. Diez, II, 244) ent- 
standen sein kann, karmen, kermen etc. 
betr., so gehört dieses mit ir. gairm (vocatio, 
nomen etc.), gairmcadh (vocare, pronimciare) ; 
wälsch garm (exclamatio), garmiaw (e.xcla- 
mare etc.) etc. u. ir. gair (Geschrei) etc. zur 
selben y gar, ivie kallen ti. goth. kara etc., 
.s\ unter karig. Wegen der Bildung des 
Thema garma (/. galm. 

karmens-, kanns-wartel, Kalmus-Wurzel, 
Wurzel von cahimiis aromaticiis. — Wegen 
culamus cf. halm. 

karn, Fass od. Gefäss, ivorin die Milch 
durch Drehen, Schlagen od. Auf- u. Nie- 
derstossen gebuttert wird, auch bottcr-karn 
genannt. Compos. : drci-karn, pnis-karn. — 
Nd. karne u. (S c h ü t z e) kaarn, botterkaarn ; 
mnd. karne, kerne, kecrnc; nid. kern; mnld. 
kerne; engl, ehern, churn ; wang. (Ehren- 
traut, II, 31)2) sjen (/ür sjcrn, c/. sjel/är 
sjerl = kerl) ; hess. (Vilmar) kerne, but- 
terkerne; isl. kirna; dän. kjerne; scinvcd. 
kilrna. Es hat mit nhd. kern (cf. Seh. u. 



L. II, pag. 454 unter kernen, karnen, loo 
kamen fs. d.J mit: „den Kern aus der 
Milch gewinnen" übersetzt wird) direct wohl 
nichts gemein, sondern es ist dasselbe Wort 
5 wie ags. (II. Leo, 241) cveorn, cvyrn, curn, 
bz. cyrn aus cvyrna , cyrna (Handinühle; 
Buttcrfass), demnach auch mit goth. qair- 
nus (cf. kwern) identisch, cf. weiter: 
kamen, buttern, Butter durch Drehen, 

10 Schlagen, Stossen, Schütteln etc. aus der 
Milch erzeugen u. gewinnen. — Nd. kar- 
neu, kaarnen ; nid., mnld. kernen ; wfries. 
kernjea; nfries. etc. (Outzen) kerne, karne, 
sceruen, sarnen; satl. (Ehren traut, II, 

15 218) seddenje ('«i<sserdenje, serrenje, serrnje, 
bz. sernje, mit Erweichung des harten „k" 
in ein zischendes „s", gespr. wie lat. „c" 
in Cicero); loang. (Ehrentraut, J, 74) 
sjen (für sjern, bz. kern, cf. sjel = kerl, 

20 karl) u. (Ehren traut, II, 13) sjennen 
(für sjernen, 62. kernen); ags. cernan; engl. 
churn; aengl. chorne; nordcngl. kern; north. 
kirn; schott. kirn; isl. kirna; 7wrw. kirna, 
assimil. (dialcct. auch schwed.) kinna ; schived. 

25 kä,rna u. (dialcct.) kiorün; r/ä/f. kjerne ; ober- 
pfälz. kernen ; mrhcin. kernen ; ndrhein. kir- 
nen; finn. kirnua; estn. kiruuma; lett. ker- 
net. Letztere wohl aus dem altschwed., bz. 
an. kirna entlehnt, hz. abgeleitet. — Was nun 

30 die Wörter karn u. karneu betrifft, so glaube 
ich, dass das Letztere (ebenso wie das mhd. 
kernen [kernig od. markig werden] u. das 
spätere nhd. ker n e n , vom Subst. kern u. 
ahd. muljan [cf. mullen] vom Subst. muH, 

35 Mühle, cf. mölen) vom Ersteren weiter- 
gebildet ist, wie Ja auch engl, churn (but- 
tern, bz. Butter machen) vom engl, churn 
(Butter gefäss, bz. Butter-Apparat) auf ags. 
curn (Butter gefäss) zurückgeht u. dass dem- 

40 nach die germ. Form kernen, kirnen (but- 
tern) ebenso loie das ags. cernen (Butter 
schlagen, bz. durcJi Schlagen od. Stossen 
Butter bereiten) 11. engl, churn (buttern) ein 
urspr. von nhd. kernen u. mhd. kernen 

45 (kernig werden etc.) ganz verschiedenes Wort 
ist. — Das Wort karn, bz. karne, kerne aber 
betr., so ist es zunächst aus kirne, kirna u. 
dies wie ags. cvyrn, curn aus cvyrna, bz. 
kvirna, qirna (cf. kamen = ahd. (pieman, 

50 ags. cuman , goth. qiman von y gam) ent- 
standen, ivoraus auch die Formen: goth. 
qairnus n. ahd. querna, qnirna (cf. kwern) 
hervorgingen. Dieses qirua mm betr. , so 
hatte es ursjir. die Bedtg. : Heib-Ding 

55 = Ding, womit man etwas zerreibt u. zer- 
kleinert, od. auch: Ding, bz. Etwas was 
zerrieben u. zerkleinert ist, woraus sich einer- 
seits die Bedtg. : Mühle , Mühl- od. Mahl- 
stein etc. sowohl, als auch die von (cf. mal 

60 [zärtlich, weich, weichherzig etc.] u. malsk 



KARNEN 179 KARN-MELK KARMELK 

[zärtlich, iveichherzig, weich, mürbe, morsch, dem Stellen, wie I, 310 u. 564 etc. u. so- 
zart, leicht zu bcissen etc.] , sowie smäre dann (I, 71 etc.) die y gar sub 2, die er 
[Schmiere, Butter, Weiches, Zerriebenes], mit: zerbrechlich, morsch, (dt machen, od. 
siuolt [Fett = Zerriebenes], smelten u. smart, tverden übersetzt, die indessen (cf. tat. f ra- 
sowie auch mal [Mehl = Zerriebenes], mO- 5 gor u. frango , soioie an. braka [prasseln, 
len [Mühle], molt [Staub, bz. Eingeweichtes, krachen], brestr [Gelcrach] u. Weiteres nn- 
od. Weiches, Zerriebenes], mulm, murt etc. tcr bräken, barsten, kraken, krank otc.) 
u. alle Ableitungen von der ]/ mar, mal, ebenso wie (cf. pag. 73) 6 gar (stürzen, fal- 
smar, smal) : Zerriebenes, Zerkleinertes etc., len; quellen d. h. brechen aus od. hervor 
od. breiartige, breiige Masse, Weiches (z. B. 10 aus der Erde od. einem Felsen) loohl urspr. 
Mark, Fett, Butter, Schmalz etc.) von selbst die Bedtg. : iwasseln, krachen hatte u. dar- 
ergaben u. wonach qirua denn als zerrei- aus die von: bersten, reissen, brechen, zer- 
bendes u. zerkleinerndes Etwas ausser Mühle brechlich u. alt loerden, bz. stürzen, fallen 
u. Mühlstein (od. Mehl- u. Grütz-Apparat) etc. entwickelt hat. — Weiteres vergl. bei 
auch leicht die von: Brei-, Mark-, Schmalz- 15 Grassmann (479), der für y 3 jar die 
od. Butter-Apparat etc. erhalten konnten. Grdbdtg.: zerreiben, abnutzen, aufzehren etc. 
andererseits qirna als Zerriebenes etc. auch annimmt u. sie mit: aufreiben, gebrechlich 
das Stammwort von ahd. keruo (nucleus, bz. u. alt machen; alt werden lassen; gebrech- 
Mark od. Innerstes) wurde. Man kann aber lieh werden, cUtern, aufgezehrt werden ; zer- 
auch annehmen, dass die Bedtg.: Butterge- 20 rieben werden; aufreiben etc. übersetzt u. 
fäss, od. Butter apparat, Bing zum Fabrici- sodann dieselbe y gar, bz. gar bei Bopp, 
ren von Butter (die das ags. cyrn, curn ja der sie (Gloss. comp., pag. 148) ausser mit 
neben Mühle, Mühlstein schon hat) couteri, consumi, confici awc/i m«< concoquere, 
direct aus der von: Reib-, od. Stoss-, bz. digerere wiedergiebt, während er 1 gar mit: 
Zerkleinerungsapparat hervorging, zumal 25 humilius, brevius reddere übersetzt u. dazu 
wenn man bedenkt, dass das Getreide nhd. kurz (cf. kört) stellt. 
urspr. mit einem Stein in einem Gefäss Zu dem Thema qir-ua, a) als brechendes, 
zerstossen (stötd) oder zerrieben (räfen) schrotendes, zerkleinerndes, zerreibendes Et- 
wurde und dass demnach das ags. cvyru was (= quem, quirn, Mühle, Mühlstein etc. 
od. alte qirna nicht allein ein Reib- od. 30 cf. auch ags. cveorn-ted, Backenzähne, als 
Zerreib- u. Zerkleinerungs-Apparat auch ein die mahlenden od. zermalmenden Zähne) u. 
Stoss- od Zerstoss-Apparat war, wie kam b) als gebrochenes, geschrotenes, zerkleiner- 
ja auch ein Stoss- Apparat ist, bz. ein Ge- tes, zerriebenes, morsches, loeiches u. mürbes 
fäss, worin die Milch mittelst Stossen u. Etwas (= ahd. kerno, an. kjarni, ags. cyrn, 
Schlagen etc. gebuttert wird. 35 Kern, bz. das weiche Mark u. Fett od. In- 
Vergleicht man nun aber die y gam voti nerste der Knochen, das weiche u. essbare 
goth. qiman, qam, qumun (cf. kamen), sowie Mark der Bäume u. Pflanzen, — das weiche 
die y Jan, gan von goth. qino (Weib, od. u. essbare Innere der Schal- u. Hülsen- 
Gebärende, cf kwäne) tt. qinan (gignere) etc., fruchte etc.) stimmen lautlich u. begrifflich: 
so ist für qirna, nebst den verwandten Wör- 40 a) lit. girna (Mühlstein, Mühle) etc.'— b) 
tern, ahd. kerno u. ahd. chorn (cf. körrel skr. jirua (gebrochen, schtvach, alt, morsch, 
u. körn) eine idg. y gar = skr. jar anzu- zerrieben, aufgerieben), welche Wörter beide 
setzen, die von Hause aus mä der unter ebenso wie qir-na mit dem Suffix na von ]/ 
karig u. karmen erwähnten Schalhourzel gar, gir, jir = gar jar (brechen, zerm-almen, zer- 
jar identisch ist u. aus der Grdbdtg.: so- 45 reiben etc.) weitergebildet sind. Zu jirna, 
nare, bz. ein unarticulirtes Geräusch machen bz. girna bemerkt Bopp, dass es für gärua 
in ähnlicher Weise wie y ghur, ghrii aus steht u. vergleicht er dazu auch lat. gränum 
ghar (tönen, rauschen, knistern etc., cf. send. (aus garniim), sowie weiter goth. kaum, in- 
jar, rauschen, knistern etc. unter karig u. dem er annimmt, dass dessen Thema kaurua 
karmen, .sowie weiter unter grind das ags. 50 = älteres Icurna aicch aus karna entstand, 
grindau [Iremere, frendere; molere, conteri] loorüber Weiteres unter körn. — Zu skr. 
u. ferner das unter görte u. grind, grand jfrna cf. (Benfeg) jirna-ta (frailty), jarana 
etc. Gesagte) auch die Bedtg.: reiben, zer- (okl; digestive) etc. 
reiben, zerkleinern, mahlen, zermalmen etc., karu-klot, s. unter karn-puls. 
bz. brechen, zerbrechen, zerstossen etc. u. so: 55 karn-melk, kanuelk, Buttermilch, Milch 
zerrieben, mürbe, weich, morsch, zerbrech- woraus die Butter durch kamen ausgeschie- 
lich etc. machen etc. entioickelt hat u. woraus den ist. — Sprichw. u. Redensart. : 'de weie 
auch die Ablautform : gur, gvar, bz. jur ent- (Käsewasser, Molken, serum lactis) is de 
stand. Vergl. dieserhalb bei Fick (I, 72) karmelk sin borge; — dat is de küust fan 
y gar (rauschen) u. dieselbe auch an an- 60 de karmelk, dat so blau lett (blau aussieht, 

12* 



KARN-PULS 



180 



KARSE KASSE 



bz. vollständig aui^gebuttcrt ii. dünn u. wäs- 
serig ist); — de karmelk mit de mesfürke 
ilten (Unsinniges thun) ; — he sucht üt, as 
kel ua karmelk, h:. lie lied 'n karmelksgo- 
sicht. — Nd. karrmelk , karrnmelk ; nid. 
kernemelk ; xofrics. kerne-, karne-melk; engl. 
chiirnmilk u. (landsc/i.) keriimilk; sc/tott. 
kinimilk; dän. kjeniemelk; st7i(6V(/.kilrnmjelk; 
ohcrpfäl:., ndrhcin. kerninilch, kirumilch. 

kai'ii-puls, die unten mit einem rioidcn, 
flachen, durchlöcherten li rette {karn-klüt ge- 
na)uit) versehene Stange , icelche beim But- 
tern der Milch auf u. nieder gestossen wird, 
cf. puls, pulsken. 

karn - stok , der Stock od. die Stange, 
woran der sog. karnklüt (s. karnpuls) befestigt 
ist u. welche beim Buttern in dem Loch 
des Deckels auf u. nieder bewegt u. gestos- 
sen icird. 

kaniütje, kernütje, kenütje, knütje, a) 
Genosse, Kamerad, Sj)iclkamerad, kleiner 
frühlicher, lustiger Geselle etc. u. daher auch 
b) ein kleiner, fröhlicher, lusticf singender 
Vogel u. zwar speciell: der Hänfling; — wen 
ht'^ mit sin karnüt.jes (ker-, kenütjes) tosamen 
is, den hebbcn se glik allerlei schclmensträ- 
ken bi de ende; — be is mit sin kernütjes 
(kenütjes, knütjes) hen to fisken ; — lie singd 
as 'n kenütje; — se bebben 'n kenütjes-lä- 
fen (ein Leben wie die kleinen fröhlichen 
sorglosen Gesellen, bz. wie die Hänflinge) 
mit 'n ander; — se füren 'n läfen as 'n ker- 
nütje (kenütje, knütje). — Es ist das Di- 
min. von karnüte = nid. ker-, kor-nuit (Ge- 
nosse, Kamerad, loser Geselle; grüner Finke) 
von dessen Dimin. kernuitje auch nid. knuitje, 
hz. (v. Dale) kneutje (ceu klein vogeltje, 
dat tot het geslacht der vinken behoord, 
hennepvink , Hänfling) wohl contrah. ist, 
während von kernnit, kerneut fcoH^ra/t. knuit, 
kneut) auch ivohl kncuter (Hänfling) weiter- 
gebildet lourde, falls knütje, kneutje, kneu- 
ter etc. nicht etwa besser mit kneutercn, 
knoteren (schmettern, schmetternd singen, 
bz. garrire, cantillare etc. , murmurare etc.) 
V071 dem Schallstamm knut als Ablaut von 
knat, knit (cf. knattern, knittern, knuttern, 
od. gnattern etc.) abzuleiten ist. — Dies 
ker-, kor-nuit od. kerneut in der Bedtg. Ge- 
nosse ist aber dasselbe Wort ivie nid. keur- 
noot (cf. mnld. koren, keuren, eligere, gu- 
stare etc., bz. unser kür, küren etc.); mnd. 
körnote, kurnute, karnute, korgcnote, churc- 
not (gewählter od. gekürter Genosse, bz. G-e- 
nosse im küren, od. wählen; überhaupt: Ge- 
nosse, Freund, Buhle, Kumpan, Zech- u. 
Spiel-Genosse), ioovon auch nd. (Dähnert) 
kornut (ausgclcrnter Buchdrucker-Lehrling, 
der aber nicht das Gesellenrccht hat) sich 
herschreibt. 



karnütjen, kernütjen, kenütjen, knütjen, 

wie ein karnütje etc., od. kleiner lustiger, 
fröhlicher Geselle leben u. sich herumtreiben, 
fröhlich u. lustig singen etc. ; — be karuüt- 
5 jed wat herum ; — he lüpd de ganse dag 
wat to kenütjen etc. 

karpe, karp, karper (Flur, karpen u. 
karpirs), Karjife, Karpfen (cyi)rinus carpio). 
— Nd. karpe ; nid. karpen ; engl, carp ; 

10 dän. karpe; schwed. karp; an., isl. karfi, 
karbi (cyprinus jjelagicus u. auch [isl.J cy- 
prinus carpio); span. carpa; franz. carpe; 
prov. escarpa; ital. carpioue; ahd. cbarpho, 
cartb, charafo ; mhd. carphe, carpe, karpe; 

15 tocd. crap; poln., slov. karp; serb. karpa; 
russ. karp; böhm. kapr; lit. karpa, karpis; 
lett. karpa; mlat. carabus, carpio, carpo, 
carpus u. (früher schon) carpa; gael. , kelt. 
carbhanach; loelsch carp, cerpyn. — Es 

20 scheint, dass dieses Wort der Lautverschie- 
bung nicht unterlag u. demnach einer y 
karp angehört. Vergleicht man nun aber, 
dass unser schel-fisk in sei)iem ersten Theil 
zu scilan, skal (scheiden, spalten, trennen 

25 etc.), bz. der y skar (schneiden, scheiden, 
trennen etc., cf. schälen u. schären etc.) ge- 
hört, so mag der Name des Karpfen dahin- 
gegen mit skr. karp, krp (Gestalt, Form, 
Erscheinung, Schönheit, bz. Schein, Glanz 

30 etc.) zusammenhängen u. demselben dieser 
Name loegen der schöyien, regelmässigen 
Form u. der scJiönen vom goldgelben ins 
blaugrün spielenden Färbung beigelegt sein. 
Dieses Wort, ivas wohl mit dem zend. kerhrp, 

35 keref (Gestalt, Körper, Fleisch) eins ist u. 
auch dem lat. corpus u. unserm, 2 rif zu 
Grunde liegt, dürfte tooJd aus einem mit 
dem Suffix pa von der y kar (machen, thun, 
schaffen, formen, bilden etc.) zusammenge- 

40 setzten Thema karpa gekürzt sein u. urspr. 
blos die Bedtg.: Form, Gestalt, Bild, äus- 
sere Gestalt u. äusserer Schein etc. (von Et- 
was), bz. das was von Etwas sichtbar ist 
u. in die Erscheinung tritt etc. gehabt ha- 

45 ben, wie dies wohl auch mit unserm like der 
Fall ist. 
karrcl, karl, s. kürrcl u. kennel. 
kars, s. unter kras. 
kars-, kas-bikkei", s. karsfögel. 

50 kai'S-, kas-b»ni, Kirschbaum. 

kars-, kas-brainvin, Kirschbranntwein. 
kai'se, kasse , kars , kas , Kirsche. — 
Sprichw. : mit grote herren is kwäd kassen 
äten ; se kesen de besten un smiten mit de 

55 stenen um sük. — Nd. kasbere ; »ind. kerse 
u. kerse-, karse-, (kas-)ber(' ; nid. kers ; tnnld. 
kerse; o/jyZ. chirsa, chirssa, kirsa ; mhd. kirse, 
kerse, kcrsclie ; Schweiz, kriesc ; schwed. kürs- 
bär; dän. kirsebär etc. Aus lat. cerasum, 

60 während ital. ciricgia, ciliegia; sjyan. ce- 



KAERSE 



181 



KÄST 



reza; port. cereja; prov. cerisia; franz. ce- 
rise etc. nach Diez (T, 120) aus einem Aclj.: 
ceraseus entstanden. — üb das lat. cerasum 
als dunkel gefärbte od. rotlie , glänzende 
Frucht (die Kirschen sind in voller lieife 
dunkelroth od. schioarz, bz. roth u. glän- 
zend) mit dem skr. krs'na, karsaa (nach 
Bopp: nigcr, violaceus); apreuss. kirsnan 
(dunkel, schioarz) ; russ. (cf. Geiger, Urspr. 
der Sprache, pag. 241) tscherny (schwarz), 
krasnyj (roth, schön, glänzend) zusammen- 
hängt «. tveiter mit skr. (Fi c k, I, 45) kfira 
u. karana (schwarz, dunkel) zur y kar, kar 
(brennen, flammen, glänzen etc., cf. lat. caleo 
etc. u. blak, blaken, blaker etc.) gehört, od. 
mit lat. color (cf. klür) u. den obigen Wör- 
tern, sowie mit lat. celare (cf. 2 hälen etc.) 
zur y kar (verhüllen, bedecken etc.) lasse 
ich dahin gestellt sein. Wegen eines etwai- 
gen Zusammenhangs mit griech. kf^ras, lat. 
coruu etc. cf. hörn), cf. Weiteres bei Wei- 
gand unter Kirsche. 

kärse, s. kerse. 

karsen, s. karsten. 

kars-flod, kasilöd, s. unier karst. 

kars-, kas-fögel, auch kars-, kas-bikker. 
Goldamsel, Pirol. 

kai'spel, s. karksi)i]. 

karst (obs.) Christ. — Mnld. kerst ; mnd. 
kerst, karst, kirst, umgesetzt aus krist. Da- 
von: a) (obs.) karsten, kersten, christlich, 
Christianus. — b) karsten, karsen, kassen, 
kasjen, vd. Name = kristjan (Christian, 
Christianus) ; Geschln. : karstens , karsens, 
kassens, kasjens. — c) (obs.) kastenen, ker- 
stenen, karsten = mnld., mnd. kerstenen ; 
afries. kerstna, zum Christen machen, tau- 
fen. — d) karst-, kars-, kas-tul, Christzeit, 
Weihnachtszeit. — e) karst-, kars-, kas-flöd, 
Christ-, Weihnachtsfluth , spec. die grosse 
Weihnachtsfluth von 1717, tvclche wegen ihrer 
grossen Verheerungen noch lebhaft in der 
Erinnerung des Volkes lebt. — f) karst-, 
kars-ucht, Christmorgen, cf. ucht. 

1. karte, Karte, Landkarte, Spielkarte, 
Visitenkarte etc. — Redensart: emand in 
de karte kiken. Aus lat. charta; griech. 
Charte (Blatt, Papierblatt etc.). 

2. karte, Karde, Weberdistel. Vom lat. 
Carduus aus kasduus (als kratzendes Etivas) 
von der y kas (kratzen etc.), cf. Fick, 
IV, .59. 

karten, Wolle mit der Karde (2 ktirte) 
kratzen u. kämmen. 

kärtjen, karten (von 1 karte) ; — se sunt 
an 't kärtjen (sie spielen Karte, bz. sind 
beim Kartenspielen); — se hebben dat mit 
'nander ofkärtjed. 

kartnffel, auch ker-, ke-, kan- u. ge- 
tuffel, Kartoffel; — kartuffels in de büksen 



od. pel-kartuffels (Kartoffeln mit der Schäle) ; 

— Sprichw. : du grote kartuffel, wen du man 
nct barsten deist (von Praldhänsen). — Die 
Kartoffel ivird hier auch sehr häufig „erd- 

.5 appel" (nid. aardappel, franz. pomme de 
terre) genannt, sowie auch tuffel, wovon die 
Vorsilhe kar (cf. dieserhalb tuffel = Pan- 
toffel) wohl abgeworfen ist, da es scJnverlich 
directe Entlehnung aus einem rom. tuftela 
10 etc., bz. tufa (von lat. tuber, s. unten) ist. 

— Das Wort kartuft'el betr., so entstand es 
aus älterem tartuffel (cf. böhm. tartofle; isl. 
tartuflur; dän. [dialect.J tartuft'el = Kar- 
toffel) als EntleJinung aus ital. tartufo, mail. 

15 tartuübl, ven. tartufola etc., tvas vielleicht 
(Name der 2' ruf fei «. eines Knolleng e- 
ioächses) aus (cf. Diez, I, 4.30) terrae tu- 
ber (also Erd- Knolle, od. Erdfrucht, Erd- 
apfel) verderbt tonrdc, da es jedenfalls zioei- 
20 fellos ist, dass die Endung tnffol etc. aus 
lat. tiilier (vo7i y tu , flacht haben , stark 
sein od. werden , tvachsen , schwellen , sich 
ausdehnen, dick werden etc. , cf. dilm etc.) 
entstand. 
25 karve etc., .s. karfe etc. 

karwei, kervvei, kevvpi, kravvei, krewei, 
( To)i auf die zweite Silbe), eine Jemandem auf- 
erlegte od. aufliegende Arbeit od. Verrichtung, 
bz. ein dergl. Dienst, eine schivere, mühevolle 
30 od. unangenehme Arbeit od. Verrichtung, eine 
Arbeit ausserhcdb der geicöhnlichcn Zeit, 
z. B. nach Feierabend, od. des Sonntags 
etc.; — ho kumd mi altid mit allerhand 
sükse (solche) bliksems karwcien, dat man 
35 rein des düfels worden schul'; — mit sükse 
karweien brükst du mi ök not kamen, de 
kanst du sülfen för di holden ; — ik heb' 
dar fan afend na firafond nog so 'n lütjet 
karwei för di. — Nid. karwei, kerwei. — 
40 Entlehnt aus franz. corvöe; henneg. cou- 
rowöe; occit. courroe (Frohndienst) u. dies 
nacJi Diez (TI, 25G) aus mlat. corrogata 
in der Bedtg. : Aufgebot von corrogare (zu- 
sammenfragen, bz. zusammenrufen, versam- 
45 mein etc.). 

kas, Casse. Aus itcü. cassa etc. u. dies 
aus lat. capsa, cf. kapsei u. unter käste. 
kas-büiu, s. karsböm. 
kaseii, kosen, ge- od. erkoren, gewählt 
50 etc. ; s. kesen. 

kas-flöd, s. unter karst, sab e. 
kasjen, s. unter karst, sub b. 
kaspel, s. karkspil. 

kaspel-fägd, Kirchspiel-Voigt, Kirchen- 
55 Vorsteher. 

kasper, ml. Name = nhd. Caspar; s. 
Jasper. 

1. kassen, Kirschen; s. karse. 

2. kassen, s. unter karst, sub b. 
60 käst, s. käste. 



KÄST AN JE 182 KAT-BLOK 

kastanje, TTas/rtH/e; makke kastanjes('.'?HSse lehnt aus franz. casscrole; pic, champ. ca- 

Kastanien). — Redensctrt : mit andermans strole, tcas nebst ital. cazzuola; span. ca- 

handon do bradcn kastanjes üt 't für lialon. zuela aus ital. cazza; cat. cassa; afran-., 

käste, käst, Kasten, Behälter, Schrank, pic. casse; span. cazo (Pfanne mit einem 

cersihlossener Jiaum, Gefängniss ; — kisten 5 Stiel) tceitergebildet ist. Das ital. cnzzn etc. 

im kästen; — üikast (VlirTcasten, Uhr-Ge- stammt nach Diez (I, 121) indessen loie- 

häuse etc.); — wandkast (Wandschrank); der von ahd. chezi, kezi; an. kati (Koch- 

— he sitt in de käste (rr sitzt im Kasten, geschirr), worüber Weiteres unter kätel. 
bz. im Gefängniss) ; — pass' up ! du kumst kat, s. katte. 

nog inseu in de käste; — (scherzh.) der Hin- 10 kat-anker, auch katte od. kat genannt, 

tere ; h(- gef huni wat für de käste. — Nd. Ein kleiner mit mehreren scharfen Klauen 

käst, käste; ;««(/. käst, kass, käste; »W. käst, od. Haken versehener A)iker , tvelcher zur 

kas; «Äf/. kasto, chasto ; mhd.kuslo (Kasten, Verstärkung eines andern in dem Fall ge- 

Behälter, Gehäuse, bz. Vertiefung od. Höh- braucht wird, ivenn der Grund steil od. 

lung, worin die Edelsteine eingefasst [also 15 sonst zum Halten untauglich ist u. ico dann 

Einfassung ctc.J werden). — Es ist vielleicht dieser Anker sich (wie eine Katze mit 

aus goth. kas (s. unter 2 kare) weitergebil- ihren Klauen od. Nägeln) an denselben fest- 

det, doch ist nicht zu verkennen, dass auch klammert, bz. in denselben einhakt. — Nid., 

nahe Verwandtschaft (formell u. begrifflich) dän. katanker; schwed. kattankare. 

mit ital. cassa (cf. ka.s); span. kaxa; port. 20 Nach Bobrik (pag. 1.5) heisst das Be- 

caixa; franz. caisse (Kiste); franz. chässe festigen dieses katankers (od. auch katte 

(Einfassung) etc. besteht u. dass namentlich genannten Ankers) an einen andern Anker 

die mnd. u. nid. Formen kass, kas hierauf das Verkatten tt. wie nun ankern (cf. 

zurückweisen. Dans ausserdem aber auch ankern) von Anker u. haken von Hake 

lat. casa (Haus, Gehäuse, bz. Häuschen, 25 iceitergebildet ist, bz. V erkalten eine ahn- 

Hütte, kleines Gelass) bei diesem Worte so- liehe od. die gleiche Bedtg. wie Veran- 

icohl, icie auch bei dem ital. cassa etc. in kern hat, so ist es wohl zweifellos, dass 

Frage kömmt u. auch selbst ital. cassa u. das Vbm. „katten" (cf. bei Bobrik , pag. 

casso (cf. Diez, 1,117) mit dem goth. k&s 15 u. 45, bz. 2 katten) von diesem katte oS. 

(Behälter, Gefäss etc.) zusammenhängen 30 kat genannten Anker iceitergebildet ist u. 

kann (man denke nur an die Züge der Go- davon tcohl die Bedtg.: fest machen, ein- 

thoi u. ICO überall sie zeitweilig sesshaft haken, eingreifen etc. erhielt, 

waren), ist nicht zu bestreiten. kat-blok, ein blök, bz. ein Flaschenzug 

kastei, Burg, Schloss, grosses Haus etc.; mit einem starken Haken, welcher in ein 

— 'a old kastei; — 'n kastei fan 'n hüs; 35 um einen in der Erde eingerammten l^ahl 

— kasteien in de lücht böen (Luftschlösser geschlungenes Tau, bz. in den Bing eines 
bauen). — Scherzh. wird der Hinterste auch Ankers eingreift it. fasst, um mittelst des 
achtercastel genannt. — Aus lat. castellum durch diesen Block laufenden Zugtaues 
u. dies aus casfrum, ivas vielleicht mit casa, schwere Gegenstände auf-, bz. in die Höhe 
cassis zur y skad, bz. ska (bedecken, ver- 40 zu ziehen. So wird z. B. beim Mühlenbau 
hüllen, verbergen etc.) gehört. ein einscheibiges katblok an einen in der 

kastelein, Wirth, Gastwirth, Schenktoirth Erde eingerammten Pfaht eingehakt u. das 

etc. — Es ist dasselbe wie nhd. Castellan, Ziehtau durch denselben gezogen, wenn eine 

mhd. kastelän, mlat. castellanus (Burgvoigt, schwere Mühlenachse od. ein schwerer Müh- 

Schlossverwalter etc.) von lat. castellanus 45 lenstein nach oben hinauf gewunden wer- 

(zum Castell gehörend). den soll, icälirend auf den Schiffen das sog. 

kas-tid. s. unter karst, sab d. katblok (»W. katblok; engl. CAthlock; schwed. 

kast-iuaker (Kastenmacher), Schreiner, kattblocken ; dän. katteblokkeu = ein gros- 

Tischlcr. ser dreischeibigcr Bloch mit starken Haken, 

kasti'ul, ke.stral,a)em (/^/»««erferÄ'McÄe»- 50 cf. Bobrik, pag. 120) herunter gelassen 

herd mit div. Feuerlöchern, um zu gleicher Zeit u. in den Ankrrring eingehakt wird, wenn ein 

mehrere Koch- ii. Bratgeschirre darauf stel- Anker aufgewunden (od. aufgenommen, ge- 

len zu können ; — b) ein eiserner Feuer- hoben, bz. aufgekattet) loerden soll. — Fer- 

behälter, um Etwas darauf zu kochen u. zu ner wird hier bei uns ein solches einschei- 

braten ; — de pot up de kastrul sctten to 55 biges katblok auch beim Bammen (es ist 

kaken ; — c) ein eisernes od. thönernes Ge- entweder unten am Fasse der Rammmaschine 

.•ichirr zum Kochen u. Braten ; — in de od. des Widders an einen eingerammten 

kastrul up 't für selten. — Es ist = nid. Pfahl mittelst des Hakens befestigt, od. bei 

kastrol , nhd. (Jas troll (Bratpfanne etc.) einer leichtern Ramme auch oben über dem 

n. wie Casse rolle tt. ital. casserola ent- 60 Rammblock) gebraucht, indem über die Scheibe 



KATE KAT IH.*} KAETE KETE 

desselben das Tau läuft, woran die Arbeiter kate (Ideines Haas, sowohl mit als ohne 
den Rammblock od. Fallblock in die Höhe Land; Hütte, Schuppen, Stall); nid. kot 
ziehen u. wenn man nun ver(jlcicht , duss (Käthe etc.) u. (cf. Weiland u. van 
auch ein Belafierungswerkzeug, bz. der Wid- D a l e) kcct ( Kothe , Salzkothe; Werkstelle 
der zum Einstosscn od. Einraiinnen der 5 für Maurer u. Zimmerer, Häuschen od. 
Mauern schon sehr frühe katte od. Katze Hütte, toorin dieselben od. auch Feld- u. 
genannt tvurde n. auch der Eammblock od. Deicharbeiter etc. zeitweilig icohncn u. ko- 
das Fallblock selbst ebenso tvie die Kamme chen) ; mnld. (KU) kot, kote (cavum, lati- 
Katze od. nd. kattblok heisst, so scheint Imlum, caverna etc.; casa, tugurium etc.), 
es mir, dass auch katblok in der obigen u. 10 bz. kact, kate (cf. kater, kacter, Bauer, klei- 
anscheinend neueren Bcdtg. urs^n-. blos die ner Bauer etc. = unserm kötcr) u. keete 
Bedtg.: „Kammflaschenzug" hatte u. dem- {ca,six); tvfries. konte (cf. bei Jap ix: kö&ter 
nach bei der verschiedene)! Bedtg. des Wor- u. daselbst auch die von ihm angeführten 
tes blök von Hause aus dasselbe Wort ist. Formen: kaet, keet, kit, kot, kut) ; nfries. 
wie das nd. kattblock = Rammblock, iceil 15 käte, kaate; ags. cot, cöte, cyte, ccäte (Hütte, 
es eben ein blök mit einer Scheibe, bz. ein tugurium) u. cete od. ctHe (cella) ; engl, cot, 
einfacher Flaschenzug ivar, der zum Rani- cote; an. kot; isl. kot (villula, magalia; pec- 
men, od. Einrammen der Pfähle diente, torale, thorax) , womit kota od. keta (eine 
ebensowohl wie das Fallblock u. die Ramme klei)ie Abtheilung eines Hauses, particula 
od. die Katze (mlat. cattns, gattus, cata; 20 domus secreta etc.) auch wohl zusammen- 
afranz. chaz ; mnld. katte etc.) lelber. Dass hängt u. das Vbm. kota (tenuem rusticatum 
nun aber die Anwendung eines solchen incipere, sich besetzen als Köthner etc.) wei- 
Ramm-Flaschenzuges zum Auf ziehen des tergebildet ist; norw. kot (ein kleines Zim- 
schweren Ramm- od. Fallblocks beim Rom- mer, enger Raum, ein kleines Haus) u. kota 
7nen auch leicht auf dieselbe Manipidation 25 (Hütte, kleines Haus, wobei Aasen die 
beim Aufziehen sonstiger schiverer Gegen- dialect. Nebenformen kotta, kutu , kuttu, 
stände (als Mühlensteine, Mühlenachsen, köyta, orZ. kjüyte t*. sc7t?<;ef?. käta rtM#w/tri) ; 
Anlcer etc.) übergehen konnte, ist klar, ob- schived. kette (Hürde, Stall etc.), was nach 
schon es auch möglich ist, dass bei den ver- kettel, kittel = an. ketill, katill (Kessel, cf. 
schiedenen Bedtgn., loorin das Wort Katze 30 kätel) wohl für kete, kate steht u. mit un- 
(cf. katte 1—4 u. bei G r i m m unter Katze) serm käte, kete, bz. nid. keet u. isl. keta, 
gebraucht wird, dieses katblok auch ivegen ags. cete (s. oben) ivohl identisch ist. 
des starken Hakens, womit es in den Ring Es loird von Einigen (cf. Oscar Schade 
od. das um den Pfahl geschlungene Tau etc.) angenommen, dass kate, kote etc. das- 
e ingreift od. einhakt auch ein Compos. 35 selbe Wort ist, wie ahd. kozo, cozzo, kozzo, 
von kat (als ein mit Klauen od. krummen chozzo; mhd. kotze u. ahd. choz, chozza, 
Haken zum Eingreifen versehenes Etwas, cuzi, cuzin ; mhd. kütze, kutz (grobes zotti- 
ef . katunker etc.) K. blök .sein kann, wo man ges Wollenzeug; Decke, Mantel, Kleid da- 
es denn auch als Klauen- od. Haken- von) u. dass es ivie mhd. kiittGjkottG (Kutte, 
Flaschenzug, od. blök mit einer Klaue 40 Mönchskutte); ital. cotta; span., port., prov. 
od. einem Haken zum Eingreifen u. Fest- cota ; afranz. cote (langes Oberkleid) ; franz. 
halten (n. so loeiter auch zum Aufheben u. cotte (Unterrock etc.); mlat. cotta, cottus 
Heben) deuten könnte. (cf. Diez, I, 145) aus dem lat. cutis (cf 

kate, kät, Haus, einfaches od. kleines luul) entstand. Da indessen die Bedtg.: 

Haus, Tagelöhner- od. Häuslings- Wohnung, 45 Decke, Kleid etc. des ahd. kozo etc. sich in 

kleine Bauernwohnung, geringes Haus, Hütte; dem )igerm. kote, kato, kete etc. nirgends 

— 'n lütjeu od. oklen kate;'— lie wand dar findet, sondern diese ausschliesslich die von: 

in 'ii kate acbter of ; — 't is man 'n kat fau 'Haus, kleines Haus, Hütte etc. haben u. 

'n hüs. — Daneben auch: dasselbe sich noch unver schoben in oberd. 

kiite,k&te, eine grosse Hütte vo)iIIolz od. 50 3Iundarten (cf. Grimm, Wb. V, Spalte 
Stroh, bz. ein grösseres Zelt, worin die Deich- 1883 sub c) findet u. das Wort auch sonst 
arbeiter kochen u. schlafen, b^. die Zeit über (cf. daselbst Spalte JSS4 sub III, 2: gael. 
(oft Monate lang) wohnen, während ivelcher cot; kijmr. cwtt; estn. kodde; finn. kota u. 
sie an den Deichen arbeiten od. sonstige ahn- iveiter : aslav. kotitl ; bulg. kotec; serb. ko- 
liche Arbeiten verrichten. — Beide Wörter 55 tac, kot, Hccus, Hütte, Zelle etc.) vorkommt, 
sind ivohl von Hause aus gleich u. dasselbe so scheint es fast , als ob kate, kote, kete 
wie: nd. ksite, kote, k&ot (Käthe, Haus eines etc. ein urcdtes der Lautverschiebung (so- 
Häuslers etc.) n. (Schütze etc.) kott (Ge- wohl an- cds inlautend) entgangenes Wort 
häuse, Käfig, Haus etc., cf. duvenkott = u. mit skr. kuti (casa etc., bz. nach Ben- 
Taubenhaus); mnd. (Sch.u.L.) kote, kotte, 60 feg a) eine Hütte; — b) ein Gefäss od. 



KAT-EKERKEN 184 KAETEL KETEL 

Geschirr zum Bihuhern) u. somit weiter tel, cf. kel, kel, lär etc.) säl, sei; ags. cetel, 
auch mit hütte von Hause aus identisch ist cytel; enriL kettle; an. ketill fP/Mr. katlar) ; 
u. mit diesen zu einer u. derselben y kut norw. (Ivar Aasen) kjetel, kjeel, kjel 7i. 
(gebogen, hz. gekrümmt u. gewölbt sein, sich (provinz.) kjeil, kjil, kitel, kjitil, kasle (für 
biegen etc. od. nach Benfetj: tobend) ge- 5 katle?); anorw. ketill; schwed. kettil, kittel 
hört, wie griech. kaiuara (Gewölbe; Gürtel, u. (provinz.) kätel, kill, kessle; däu. kjedel; 
cf. kamer) zur y kam. Dass nun in die- goth. katils; ahd. chezil, cheszil, chezzil, 
sem Fall aber dos von Hildebrand (cf. cheizzil, cbezzel ; mhd. kezzel. Daneben (cf. 
Grimm, Wb. V, Spalte ISS4, sub 3, 2 h.) Grimm, Wb.) : lit. katilas; Ictt. katls; 
gleichfalls angezogene zend. k&ta (nach Justi 10 finn., läpp, kattila; estn. kattal, katla; nd- 
a) ein erhöhter, aufgeschütteter , bz. ausge- ivend. kotl u. koschel (cf. oben nono. kasle 
grabencr Behälter für die Leichen; — b) u. schwed. kessle); poln. kociel; ungr. kat- 
ein Haus [also urspr. wohl eine Grube, lan; rum. kotlou, — L's wird meistens als 
Vertiefung, Höhlung, Hohlraum, caverna u. eine Entlehnung aus lat. catillns (Schüssei- 
so auch: Versteck u. Ort, wohin ma)i sich 15 chen od. Napf, einem Himin. von catinus, 
flüchtet u. Schutz sucht, Wohnung etc.] von cd-iinnm, Schüssel, Napf ; Topf, Tiegel; Wind- 
der y kan; skr. kban = idg. ska, skan, .s\ kessel ; Höhlung), bz. griech. kötulos (Näpf- 
unter kaual etc.) nicht hicher gehört, sei chen, Schälchen) , kotüle (Höhlung, alles 
noch beiläufig erwähnt. Wegen des tourzel- Hohle, als: hohles Gefäss, Becher, Schäl- 
hnftcn Zusammenhangs von kate, kote, 20 chen; Knochenhöhle, Lendenhöhle) angese- 
kete (Käthe, kleines Haus etc.) mit kote hen, was nach Fick (I, 37) mit skr. cat- 
vergl. Weiteres unter diesem Worte. — vala (Höhlung) etc. zu der unter höden er- 
Zum Schlüsse sei zu kate, kote, kete ß-lei- wähnten y kat (skr. cat) gehört. Mancher- 
nes Haus etc.) noch das mnd. (Seh. u. L.) seits wird indessen eine Entlehnung aus lat. 
kitzeu, ketzen (kleines Haus, Nebenwoh- 25 catillus etc. bezweifelt (die Bedtg. von K es- 
nung) erwähnt, tcas nach den mnld., bz. sei u. lat. catillus liegen auch eticas weit 
mfläm. Formen kaetsen, ketzen, kitzen u. aus einander u. ist es ja auch der Bedtg. 
mnd. katzen = unserm kätsen wohl eine nach durchaus nicht gesagt, dass goth. ka- 
Nebenform von kate, kete, kote ist. tils etc. ein Dimin. ist) u. katils , bz. das 

kat - ekei'ken , Eichhörnchen. Wörtlich 30 Thema katila als eine Weiterbildung (mit 

wohl: Katz-Eichhörnchen (cf. katte u. eker- dem Suffix ila, cf. el) von an., isl. kati (ca- 

ken), toeil die Eichhörnchen wie die Katzen tina; cymba, bz. ein Fass, Gefäss, Geschirr ; 

klettern etc. Kahn, Boot, Schiff), ahd. chezi, kezi, bz. 

katel, kitzlich, reizbar, empfindlich, leicht chezzi, chezzin, chezze; mhd. kezzi (calda- 
verletzt u. wund; — dat is 'n kateln sake, 35 riiim, cacabus, Kessel, 'Topf) angesehen, tcas 
dar dürd man net föl in rören; — he hed übrigens selbst eine Entlehnung aus lat. cati- 
'n kateln (reizbare, empfindliche etc.) hüd; nus (s. oben) sein soll, na-ch Diez (I, 121) 
— de 'n to 'n kateln hüd hed, is slim to sehe- aber auch das Stammivort von ital. cazza ; cat. 
Yen (barbieren); — de hüd is mi so katel cassa; afranz., piic. casse ; chw. caz; span. 
(empfindlich u. schmerzhaft , bz. leicht ver- 40 cazo (Pflaume mit einem Stiel) ist. Ver- 
letzt u. lound etc.), dat mi d'r hast niks an gleicht man weiter (Grimm, Wb. V, Spalte 
kamen dürd; — he is ferdömd katel (kitz- 201, sub 0) nhd. Katze, bz. katschiff, katz- 
lich, empfindlich u. leicht gereizt etc.); — schiff; mlat. catta (ein kleines Schiff); nid. 
de to katel is, hed fol ferdret, — Wang. eene kat zonder ooren (Flösse, längliches 
(Ehr entrauf, I, Un) kättel; engl, schott. 45 Schiff' mit weitem Bauche) ; engl, cat (das 
kittle ; norw. kitall u. (dialect.) kjetall ; kat od. katscliiö', ein besonders in den frü- 
schwed. kjitall, ketall; adän., jütl. kidei. — hcroi Zeiten von den Dänen, Schweden u. 
Nach dem ags. citeljan; ahd. kizilon; nid. Norwegern gebrauchtes dreimastiges Kauf- 
keteleu etc. (kitzeln) ist wohl anzu)iehmen, fahrteischiff , in England früher auch zum 
dass katel zunächst aus ketel u. dies aus 50 Kohlentransport verwandt); schwed. katt; 
kitel entstand. Weiteres vcrgl. indessen un- dän. kat; nid. (Bobrik, 379) katschip; 
ter kiddeln. franz. chat; span. gato, gata; port. gato; 

kätel, kctel (Flur, kätels), Kessel. — ital. gatto, gatta (dasselbe), so ist es ivohl 

Compos.: water-, bröc-, wask- kätel etc. — zioeifellos, dass diese Wörter sämmtlich auf 

Sprichw.: de kätel ferwitt de pot, dat he 55 ein an. kati (cymba) zurückgehen u. dieses 

swart is. — Nd. kätel, ketel; mnd. ketel, Wort eben durch die Normannen zu den 

kettel, kotel ; nid. ketel ; africs. ketel, szetel, andern Nationen kam. — Ob nun aber 

tsetel, tsietel, sthitl; wfries. tjettel ; wang. wirklich eine Entlehnung von goth. katils 

(Ehr en traut, T, 184) sjittel; satl. sätel; etc. aus lat. catillus, bz. von an. kati etc. 

helg. settcl; nfries. (contrah. aus satel, se- GO aus lat. catinus u. Weiterbildung von katils 



KAETEL-BOETER 185 KAT-RAEPEL KATREPEL 

aus an. kati stattfand, od. alle die obigen kätje, Käthchen. Bimin. von kate = 

Wörter ohne Lautverschiebung mit skr. ka- Catharina. 

thina (vas fictile) ; kätä (Höhle, Grube, Tiefe, katje-liat, kreuzfidel, fidel wie Kätz c h e ti, 

Vertiefung , cf. Grassmann, 322), bz. cf. fiat. 

kata (coxa, lumbus, clunis; elephanti tempus 5 kat-öge, Katzenauge, Auge, ivelches aus- 
capitis) auf die f (Boirp) kat (tegere), bz. sieht, bz. so scharf u. grell ist, wie das 
(Fick) kat (verbergen, bergen, verstecken) Auge einer Katze; — se hcd katogen in de 
zurückgehen, tvage ich nicht zu entschei- kop, bz. is katögd. — Wir verstehen darun- 
den, zumal man bei kätä (Höhle etc.) auch ter nicht allein scharfe, grelle, bz. im Bun- 
an das unter kate am Schlüsse erwähnte \0 kein sehende, sondern auch falsche od. falsch- 
zend. kata erinnert ivird. blickende Augen. 

Zu dem obigen an. kati, bz. dän. kat; katolik; Katholik, Mitglied der römisch 
schwed. katt (dreimastigcs Kmiffahrteischiff) katholischen Kirche, bz. Bekenner u. An- 
noch die Frage, ob sich daher vielleicht der hänger des römisch katholischen Glaubens. 
Name „kattegat" des Sundes zivischen Jüt- 15 — Ursprünglich bezeichnete dieses Wort 
Und u. Norwegen-Schiveden herschreibt u. einen Christen, der allgenuin gläubig ivar 
ob dieses Wort nicht icörtlich soviel als it- seinen Glauben für allgemein gültig u. 
Schiffs-Gasse, S chiffsstrasse (cf. verbindlich hält, bz. ein Bekenner u. An- 
sät) bezeichnet? hänger der allgemeinen (christlichen) 

1. kätel-böter, Kesselflicker, Kesselaus- 20 Kirche war, indem das von griech. katholi- 
besserer etc.; — (scher zh.) Lärmmacher, k6% (s. unten) stammende Wort sich auf die 
Schreihals; — du lütje kätelböter, wult du Mitgliedschaft der allgemeinen (christ- 
wol Stil wesen? — Redensart: he mäkd 'n liehen) Gemeinde od. Kirche bezog, ebenso 
allarm (bz. rärd) as 'n kätelböter. — Nd., wie unter katholische Schriften od. 
bz. mnd. ketelboter, ketelbuter. cf böten«. 25 Bücher urspr. diejenigen Bücher (Evan- 
unter böter. gelien, Apostelgeschichte , Episteln etc.) des 

2. kätel-böter, Kesselhetzer, cf. böter, neuen Testaments verstanden wurden, welche 
sub a. nicht an eine besondere Gemeinde (die Bö- 

kätel-hake, Kesselhaken. mer, Corinther etc.) gerichtet waren, son- 
kätel-lapper, Kesselflicker. 30 dem für die Allgemeinheit, od. die sämmtlichen 
kätein, keteln, kesseln, d. i. (Federn od. (christlichen) Gemeinden bestimmt u. gültig 
Bannen) in einem Kessel über gelindem Feuer waren u. zur Bichtschnur des Glaubens 
warm machen u. auffrischen, dass sie wie- dienten od. dienen sollten. Bas griech. ka- 
der lebendig od. elastisch werden; — de fä- tbolikös hat nämlich die Bedtg.: ganz all- 
ren mutten neis käteld worden. 35 gemein, bz. das ganz Allgemeine 
kater, Kater. — Compos. krabkater, düf- od. das Game (u. nicht Gesonderte 
kater etc. — Sprichw.: he is so leftallig as u. Speeielle) u. bezeichnet der Ausdruck, 
'n kater; — he is so klok as unse naber „katholische Kir che" daher Ursprüng- 
en kater, de kan 't gras wassen hören; — lieh auch nichts iveiter als „allgemeine 
Kinderreim: krabkater, sprang in 't water, 40 (weder an Zeit noch Baum, noch an Volk, 
wul' 'n fisje fangen, blef d'r an behangen. Geschlecht od. Alter gebundene) Kirche", 

— Nd., nid. kater; ahd. (chataro), chatere; soicie Katholik soviel als Bekenner 
mhd. katero, kater. Es ist mit der Endung dieser Kirche. 

er, ero (wie in Tauber von Taube, Marder katölsk, ketolsk, katholisch, der römisch 

von Mard etc.) von kat, bz. ags. cat (catus, 45 katholischen Kirche od. Gemeinde angehörig 

cf. katte) weitergebildet. etc.; — he is katölsk worden, ofschön sin 

kat-gäfel, der kleine Giebel, der oben an fader lüttersk was; — 't is en fan de ka- 

dem, hörnende eines Bauernhauses od. einer tölsken, de nargens anders hengän düren, as 

Arbeiterwohnung über dem Walmdach an- na de katölske kark. — Im Volksmunde 

gebracht ist. 50 wird das Wort „katölsk" auch häufig in 

kat-halsen, zanken, streiten, reissen, zer- der Bedtg.: närrisch, verkehrt, verdreht, 

ren; schwer arbeiten, sich mühen u. wehren, wunderlich etc. ('t is um katölsk to worden ; 

abmühen etc. ; — laten se sük d'r um kat- — dat sügt je ketolsk üt ; — dat is 'n ke- 

halsen : — d'r is hei gen kathalsen (od. ar- tölsken budel etc.) gebraucht, wie dies auch 

beiden, bz. riten) tegen ; — ik harr' d'r fol 55 anderwärts in protestantischen Ländern der 

mit to kathalsen, dat ik hum so wid kreg; Fall ist. 

— he kathalsd sük d'r tegen, so göd as he kat-räpel, katrepel. Bezeichnung abge- 
kan. — Nd. (Br. Wb. etc.) kathalsen; nid. legener Strassen u. ertlichkeiten, wo der 
kathalzen. Janhagel od. Pöbel wohnt. — „he wand in 

katje, Kätzchen. 60 de katräpel" heisst daher so viel, dass er 



KAT-RULLE KATRUL 



186 



KATTE KAT 



(b2. ein gewisser Jemand) in einer schlech- 
ten Umgebung wohnt u. dass man daher 
keine Lebensart it. gute Sitte bei ihm er- 
warten kann. Diese (cf. Br. Wh. etc. u. 
bei Seh. u. J.. unter katropel, -ropel) in vie- 
len Städten vorkownicnde Bezeichnung ist 
loohl von kat (Katze) u. lilpel, repcl (Büf- 
fel, Bi(f'el, Baufcl, od. Baufe, hz. ein gros- 
ser Kamm od. Instrument mit schatfen 
Zacken zum Abraufen der Samenknoten des 
Flachses, cf. räpel u. mnd. repen, roiien, 
repelei) = räpelii) zusammengesetzt, sodass 
es urspr. soviel wie Katzen-Biffel od. 
Kat z en -Baufe , bz. ein Instrument od. 
Etwas bezeichnet, icomit die Katzen gerif- 
felt, gerauft, bz. gehechelt u. gestriegelt icer- 
den u. dann als Katzen -Baufe etc. 
auch auf eine Gegend übertragen lourde, 
wo die Katzen sich raufen u. mit ihren 
scharfen Klauen hecheln od. kämmen u. 
zerzausen, was mehr in abgelegenen u. von 
Janhagel beicohnten Strassen u. Gegen- 
den, als in den Haupt.^trassen der Fall ist. 
kat-rulle, katrul, ein Flaschenzug od. 
eine Winde zu)n Aufziehen schwerer Lasten. 

— Xd. (Br. ]Mj.) katrulle; nid. katrol ; 
mnld. (KU.) katorrol , katerroUe (trochlea, 
rochanius, rotula striata, rotula trochleae). 

— Fs ist von kat, bz. kater u. rulle (Bolle, 
rotula) zusammengesetzt. Ob indessen hier 
kat M. kater in der eigentlichen Bedtg. von : 
felis od. catus stehen, od. sich nicht viel- 
mehr auf das Katze genannte Belagcrungs- 
Werkzeug (s. unter katblok) beziehen (als 
Sturmbocks-Bolte , hz. Bolle zum Heben u. 
Vorschieben der Katze), vermag ich nicht 
zu entscheiden, zumal es als naut. Hebe- 
Werkzeug auch mit kut in der Bedtg. : An- 
ke r (als Anker-Bolle , bz. Werkzeug zum 
Heben des Ankers), od. gar mit kat in der 
Bedtg.: Schiff (als Schiffsrolle etc., s. un- 
ter kätpl am Scitlusse) u. selbst mit dem 
Vbm. katten (s. unter katanker) begrifflich 
zus<tmmenhängen kann. 

käts, kätse, Schlag, Maidschelle, Stoss, 
Prall, Bückstoss , Aufstoss, Aufprall etc.; 

— he gaf hum 'n käts an de hals, dat 't 
ballerde ; — do bal flog mit 'n käts {od. 
steis) up de disk. — Mnld. (KU.) kaotsc, 
ketse (ictus, porcussio, colaphus, alapa) ; 
mfläm. kaotsse, ketse (un soufflet , coup de 
poing). cf. kätseu. 

käts-bal , Fangbull, Spielball, Ball, den 
man mit der Hand, bz. einem Stock fort- 
schnellt od. forttreibt etc., bz. an die Wand 
kätsd. — Nid. kaatsbal ; mnld., mfläm. kaets- 
bal; mnd. (Seh. u. L.) kaszbal. Fer^/Z. kätsen. 
kätHen, schnellen, treiben, forttreiben, 
schleudern, werfen, prallen, stossen, stürzen 
etc.; — he käfsd df bal wol dartig trä' hen; 



— he kätsde hum an de wand, dat 't kwakde; 

— se kätscn en de ander de bal to (auch 
flg. z. B. von Advokaten) ; — he kätsd 't 
all' up de gruud; — he ka,\sde (fiel, stürzte) 

5 up de grund, dat Inim de knakoii kräkden ; j 

— de Wagens katsden fjiralltcii) tcgen 'n an- l| 
der an. — Nid. kaatsen ; midd. kaotsen, ket- ' 
seil (sectari pilam, ludere pila palmaria, exer- 
ceri pila); mfläm. kaetscn, ketson (jouer ä la 

10 panmo, pelotir), kotsen, kitsen (courir, error 
^a et lä) , ketson (chasser) ; mnd. katzcn 
(Fangball spielen). — NacJi Weiland u. 
Andern (cf. Grimm, Wb. V, Spalte 207 
unter katzball) gehen die obigen WöHer mit 

15 nid. kaats (plaats, waar de bal na den eer- 
sten stuit [steis, bz. Aufprall, cf. kätse] valt) ; 
mnld. kaetse (ictus pilae, meta sive termi- 
nus pilao), kaetsbano (sphaeristerium), kaets- 
spei (ludus pilae, sphaeristerium, locus exer- 

20 citio pilae destinatus), sowie engl, chase i 
(Jagd, Verfolgung ; Stelle wo der Ball im M 
zweiten Sprunge niederfällt etc.), chase (ja- 1 
gen, hetzen, treiben, vertreiben etc.) u. auch I 
wohl catch (Fang, Beute), catch (fangen etc.) ; 

25 Schott. Cache, caich, cadge (to toss, to drive, 
to sliog) auf ital. chaza (Jagd im Ballspiel), 
chazar (den Ball zurück werfen, od. wie 
zcir sagen: torüg kktsea) von franz. chasse; 
afranz. chace: ital. caccia; span., port. cazA; 

30 prov. cassa (Jagd), bz. franz. chasser ; afranz. 
chacier; ital. cacciare; span., port, cazar; 
prov. cassar (jagen, Jagd machen [auf Et- 
was] , verfolgen, verjagen, vertreiben etc.) 
zurück, ivelche nach Diez (I, 97 seq.) von 

35 lat. captare, bz. captus (s. hecht, hechten) 
entstanden sein sollen. 

Vergleicht man übrigens kattorn u. kwat- 
tern etc., so loürde auch unser kätsen urspr. 
dasselbe wie kwatsen (cf. dieses) sein kön- 

40 nen u. auch 3 katten wieder mit kattern u. 
kwattern van demselben Stamm kat, kwat 
abstammen können. Wegen der m)ild. u. 
mjläm. Formen kotsen, kitsen, cf. auch kit- 
tern, kwittern (/. dazu unter kwatsen das 

45 bagr. quittein u. quitschen. 

kat-stert (Plur. katstörten) , a) Katzen- 
schwanz ; — b) Schachtelhalm , Vuwock, 
equisetum; dat land sitt ful fan katsterten, 
dat is des düfels wed; — c) einige Arten 

50 von Ehrenpreis od. veronica, wegen der lan- 
gen schwanzartigen Bisj)en ; — d) Weide- 
rich, Lytrum. 

1. katte, kat, Katze. — Sprichw. u. Be- 
densart. : se läfen mit 'n ander as kat un 

55 hund; — he is so falsk as 'n katte; — he 
krabbd as 'n katte; — ik biui niit so nat 
as 'n kat ; — d'r is 'n swartcn kat tüsken 
kamen; — wen de katte slepd, spBlen de 
musen afer de däle; — de wat spärd för de 

GO mund, dat is für kat un hund; — wen de 



KATTE KAT 



187 



ICATTEN 



katten musen, den mauen se nich; — de 
katte lerd nich erder musen, as bit se jun- 
_( gen hed ; — ho knipd sin katte in düstern ; 
I — man mut gin katte in de sak kopen; — 
schik' 'n katte na Engelland, se schal „mau" 
Seggen, wen sc wer kumd ; — in düstern is 
göd sraüstern, den laten alle katten grau ; — 
wen d' 't man erst wend büst, sä' de bakker, 
do wisk' he mit 'n katt' de äfend üt; — de 
katte mag wol fisk, man se wil de poten net 
nat maken ; — he spöld mit hura , as de 
katte mit de müs ; — de sük musig mäkd, 
de frett de kat ; — de katte lett dat musen 
net ; — sprek (od. pröt) net fan 'n gans be- 
sündern fal : de katten snopen aferal. — 
snöpske katten braunen de bek ; — „hir sitt 
ik göd", sä' de kat, do set se up 'n sid spek ; 
— wen de kat up de spek bunden word, den 
wil se net fräten ; — üt nöd r8rd de kat de 
pot; — dat is de erste kat, de mi fan dage 
de pöt langd; — lät de katte lopen, melk 
gifd se dog net ; — he is net so falsk as 'n 
katte; — he sügt üt, as 'n katte, de 't don- 
nern hörd ; — he geid d'r um herum, as de 
katte um de hete brei ; — 'n katte mag fal- 
len as se wil, se kumd altid up de foten to 
stän; — d'r is gm katte Sünder handskes 
antofaten ; — ho mer man de katte sträkd, 
ho hoger börd (hebt) se de rügge, bz. de 
Stert; — he is net so täj' as 'n katte; — 
de kan sin katte wol „püs" heten ; — he is 
net so wis, as Salomo's katte, de för wis- 
heid fan 't stöfken ful; — he is net so fer- 
lefd as 'n maikatte; — de katte de belle 
(Schelle) anhangen. — Nd. katte; nid. kat; 
mnld., mfläm., afries. katte; satl. kat; nfries. 
kaat, hz. kat; ags. cat (masc.) ; engl, cat; 
an. köttr (masc.) u. ketta (fem.), sowie kisa 
(felis) ; norw. katt (masc.) u. katta, kjetta, 
köysa, kjöyse, kjösa, kjös (fem.) ; schwed. 
katt u. kiss (masc), katta, kissa (fem.) ; dän. 
kat u. kietze ; ahd. cazza, chazza, caza ; mhd. 
katze; nhd. neben Katze ti. Kater auch 
(mdartl.) kitze, kieze, kutz u. hize, hise, wie 
mnld. (KU.) n. mfläm. hesse (cf. den Volks- 
namen: Hessen = Chatten od. Katten); ital. 
gatto ; sjmn. gato ; cat. gat ; ]j>'Ov. cat ; franz. 
Chat u. (fem.) gatta, gata, cata, chatte; 
ngriech. gata u. katzi ; ir. cat ; gael. cat, 
cait; kymr., welsch ckth; cornwäll. ka,t, ka.ih; 
bret. caz u. (fem.) cazes; russ. kot (7n.) u. 
koska (f.) ; poln. kot (m.), kotka (f.) ; böhm. 
kot (m.) kote, kute (Kätzchen) u. kocka 
(Katze), kocour, kocor (Kater) ; locnd. kocka 
(f.) u. kocor (m.) ; slai: kotel' ; lit. kate (f.) 
u. katas, katinas (m.) lett. kattins; finn. katti; 
estn. kat; läpp, katto ; georg. kati; türk. 
kedy ; arm. citto. — Die Annahme dass die 
obigen od. auch nur die germ. , bz. ngerm. 
Formen sämmtlich aus dem selbst erst spät 



vorkommenden lat. catus entstanden, ist wohl 
kaum .'stichhaltig u. viel eher anzunehmen, 
dass das Wort (wie das Thier selbst) schon 
ein uralter eiirop. Besitz tvar, tvas indessen 
5 nicht ausschliesst, dass es mit dem si/r. katö ; 
arab. kitt; affadeisch (von Bornu) gada; 
wftft/scÄ kadiska ; fter&e/'. kadiskaff/. Fran<^. 
Lenormant, Anfänge der Cultur, 1, pag. 
246 seq.) aus einer u. derselben Quelle 

10 stammt, die anscheinend nicht Aeggpten ist 
u. meines Erachtens auch nicht nothwendig 
in Afrika gesucht werden muss, da ebenso- 
wohl die 31öglichkeit vorliegt, dass ein solches 
Wort mit dem Thiere selbst durch den schon 

15 in vorhistorischer Zeit bestandenen regen 
Völkerverkehr (man bedenke die gegenseiti- 
gen Handelsbeziehungen zwischen Asien, 
Europa u. Afrika ti. die Schifffahrt auf 
dem schwarzen, dem mittelländ u. dem ro- 

20 then Meere etc.) von Europa nach Afrika, als 
umgekehrt von Afrika nach Europa u. Klein- 
asien kam, in welch letzterm Fall das Wort 
(z. B. ivenn die Ka tzeden Namen daher hätte, 
dass es ein scheues wildes Thier ist, wel- 

25 ches Höhlen u. Verstecke bewohnt fein Höh- 
lenbewohner ist], od. sich gern versteckt «. 
verborgen hält, bz. im Dunkeln schleicht etc.) 
sehr gut mit lat. catinus, catillus etc., griech. 
kotulos M, skr. kätä etc. zu der unter kätel 

30 erwähnten }/ kat (verbergen, verstecken etc.) 
gehören könnte. 

2. katte, kat, s. katanker. 

3. katte, kat, ein auf dem Kai einge- 
rammter Pfahl, woran Schiffe befestigt iver- 

35 den. — Nid, kat; engl, cat etc.; s. un- 
ter katblok. 

4. katte, kat od. geld-kat, Geldkatze, bz. ein 
um den Leib getragener lederner Gurtbeutel. 

5. katte, kat. Wenn Jemand einen Han- 
40 del od. Contract umstösst u. umwirft, bz. 

eine gekaufte Waare nicht empfangen ivill 
u. sie venvirft, so sagen wir: „be smitt de 
katt d'r in" od. „he kattd de budel" u. wenn 
Jemandes verkaufte Waare bei der Ablie- 

45 ferung verivorfen ivird, so heisst es: „he hed 

de kat d'r in kregen" od. „sin wäre is hum 

kattd" ; s. darüber Weiteres unter 3 katten. 

1. katten, (junge Katzen) werfen, bz. 

gebären. — Nid. katten. 

50 2. katten , (deyi Anker) katten od. fer- 
katten. — Nid. katten; engl, cat etc.; s. 
unter katanker. 

3. katten, venverfen, eimverfen, umiver- 
fen, umstossen etc. ; — he kattd de handel ; 

55 — he hed hum de wäre (törf, körn etc.) 
kattd, od. (wie wir auch sagen) insmeten. 
— Sofern dieses katten (cf. kattern u. kit- 
tern, bz. kwattern u. kwittern) nicht etwa 
mit kwatsen, bz. alt. qnatan od. quatjan auf 

60 eine Schallwurzel kat, quat, goth. qat zu- 



KATTEN-DREK 



188 



KAU KAUE 



rücTcgeht, so könnte es mikjUcherweise mit 5 
katte sich auf das Katze genannte Belage- 
rungsiccrkzeug zum Ein- u. Umwerfen der 
Mauern, bz. als ein Etwas (ein Wnrfgeschoss, 
od. Geschoss etc.) icas man wo hineinwirft 
(s. unter katblok u. cf. Grimm, Wb. V, 
Spalte 200 unter Katze 6 u. 7) bezie- 
hen, wie auch kattenkop in der Bedtg. 
sub c). 

kattpn-drek, Katzendreck; — dat is all' 
man kutteiulrek (gemeines, schlechtes, stin- 
kendes Zeug). 

katton-tlesk, Katzenfleisch. — Sprichw. : 
ilat is so goniiMi as kattonflesk, dat kriipd 
fan sük süU'eii in do pof. 

katten-^old, katje^old (Katzengold), a) 
falsches Gold, Gliinmguld, Kauschgold, auch 
klater- od. klittergold genannt; — b) ver- 
härteter Saft od. Gummi aus den Steinobst- 
Bäumen (Kirscheti, Ajmkosen etc.), auch 
kattenklär gcnanid. 

katteii-knap, Katzenkniff, falscher, listi- 
ger, bz. böser u. muthwilliger Kniff etc. ; — 
dat sunt all' man kattenknäpen ; — hö sitt 
ful fan kattenknäpen. 

katten-kop, katkop, a) Katzenkopf, Kopf 
der Katze; — b) eine grosse Kochbirne, 
auch nhd. Katzenkopf (wohl wegen ihrer 
Katzenkopf-ähnlichen Gestalt) genannt; — 
c) eine grosse Thonkugel zum Werfen, bz. 
Umwerfen der Knickerhäufchen, sotist auch 
rabalster od. turnscheter genannt. — In der 
Bedtg. sub c) bezieht sich katte tcohl auch 
wieder auf das Werfen od. Umicerfen mit- 
telst der katte als Wurfgeschoss etc. ; s. un- 
ter 3 katten. 

katten-kwäd, kattekwäd (Katzen-Böses, 
Böses, tüie es eine Katze verübt), hinterlisti- 
ger , falscher, böser, muthwilliger Sireich, 
bösartiger Kinderstreich , bösartiger Muth- 
Wille etc.; — 't is ('mcr kattonkwäd, wat de 
junge deid; — hö sitt ful fan kattonkwäd 
uu alleik'i lose striiken. — Nid. kattekwaad. 

katten-, katte-, kat-pot, Katzentopf, Topf, 
worin das Essen der Katzen zubereitet ti. 
vorgesetzt loird, bz. woraus sie fressen. — 
Sprichw.: ..ik sün (l>i)i) nich üt 'n katpot 
krapcn", sii' taute Bülils, do liifde se nog. 

katten-, katte-, kat-winst (Katzen-Ge- 
winn), falscher, trügerischer, nicht bleiben- 
der Gewinn ; — wen man glik 't erste spil 
so fol wind, dat trOc 'k nrt tul, dat is niT-st- 
tids kattenwinst; — de tTSte winst is man 
katwinst, de gcid bold wiT ileiten. 

katter, vier. Aus lat. (juatuor ; cf. keter. 

kattern, a) lärmen, plaudern, schnattern 
etc. ; — b) knattern etc. ; cf. kwatjen, kwat- 
sen, kwatteln, kwäteln etc. u. auch 2 ket- 
tern, kiittern u. s. unter kuderwälsk. 

kat-üle, Katzen-Eule, Nacht-Eule, Kauz, 



25 



30 



bz. Eule überhaupt. — iWr/. katuil; mnld. 
katwl, bz. katül (noctua, bubo, ulula) ; norw. 
(Ivar Aasen) kattula; dän. katugle ; 
schioed. katugl, kattugla, kattögel ; schott. 
5 katogle ; franz. chathuant. — Entweder loeil 
sie wie die Katze Mäuse fängt , od. wegen 
ihres Kopfes, der dem einer Katze gleicht. 
katun, ketfin, Kattun, ein weisser od. 
at{ch gefärbter u. bunt bedruckter Baum- 

10 ivollenstoff. — Wenn Jemand heraus (z. B. 
aus der Stube, dem Hause od Bett) soll, 
so wird ihm hier zugerufen : hen'it kctün, 
od. man sagt auch : ik wil di äfen herüt- 
ka- od. ketiinen. — Das Wort katün ; nid. 

15 katocn; mnld. kattoou etc. stammt mit engl, 
cotton; franz. coton; ital. cotone: Sjjan. al- 
godon (Baumivolle), bz. span. algodon, al- 
coton (Watte) von arah. qo'ton, bz. al-qo'ton 
(Baumivolle), zvas möglicltcrweise selbst in- 

20 dischcn Ursprungs ist u. leicht mit der un- 
ter kätt'l erwähnten y kat (tegere), od. toie 
lat. cutis etc. zu der unter liüd erwähnten 
y sku conne.v sein könnte. 

1. katunen, ketunen, s. unter katAn. 

2. katunen, ketunen, kattunen, von Kat- 
tun, bz. Baumwolle; — katunen liemd (kat- 
tunenes, bz. baumwollenes Hemd, als Gegen- 
satz von linnen hemd); — katunen god 
baumwollenes Zeug) etc. 

kau, kaue ». (selten) kave, kawe, ka- 
ven, kavven, bz. kafe, kafen, ein eingefrie- 
digter u. abgeschlossener Baum u. zwar so- 
wohl im Freien als im Hause, daher : Pferch, 
Hürde, Koben, Stall, Gefängniss etc.; — 

35 breng' de schapen in de kau; — he sitt in 
de kau un mut brummen. — Co)iipos. schäp- 
kau (Schafkoben) ; — schütkau (ein Pferch 
od. abgefriedigter «. geschlossener Baum, 
worin die entlaufenen u. in fremden Lan- 

40 den betroff'encn Schafe, Binder u. Pferde 
so lange aufgesperrt [upschütd] werden, bis 
sie von den betr. Eigenthümern gegen ein 
bestimmtes, an die Armencasse fallendes 
Jjösegeld loieder abgeholt iverden). — Nid. 

45 kauw, kouw ; mnld. kauwe, kouwe (cavea, 
chors) ; nd. (Br. Wb.) kave, kaven, (I)äh- 
n e r t) kawen u. (S cha m b a c h) kowe ; mnd. 
koven, kaven (Verschlag, Hütte, Häuschen, 
namentlich für Kleinvieh); nhd. (Grimm, 

50 Wb. V, Spalte 310) kaue, kau, küu, kawe; 
mhd. kowe, kouwe u. nhd. koben, kofen, 
bz. mitd. kobe, kovc (Stall, Schweinestall; 
Käfig; JJöhle, Höhlung) ndrhein. coeven ; 
ynhd. kobe; ags. cof, cofa (cubile, pene- 

55 trale, Lager, bz. Lagerraum, Gemach, 
Kammer, rerdeckter od. verborgener, ver- 
schlossener Kaum , Kasten , cf. Compos. : 
bedcof, od. bcdcofa [cubile], cofgodas [pe- 
nates] , incofa [penetraliaj , brj'dcofa [tha- 

60 lamus], hordcofa [Schatzkammer, Geldkasten 



KAUELE GEKAUEL 189 KAUEN 

etc.] , breostcofa [Brustkammer od. Brust- ches od. unverständliches Gespreche od. Ge- 
hasten, hz. das Innere der Brust, cubile rede. 

mentis, pectus, animus], ferdhcota [Seelen- kauein, langsam u. undeutlich sprechen, 
sitz, Seelenlager, animi recessus, pectus], mit fortwährend kauendem Munde spre- 
hredliercofa [Brustkasten, bz. Sitz des Her- 5 chen, od. so als ob er die Wörter förmlich 
zens od. Herzlager, Inneres der Brust u. kaut, wie es namentlich alte zahnlose unge- 
so aucJi Herz etc.], giiSt [Geist]- cofii, mc&rh bildete Leute oft thun ; daher überhaupt: 
[Mark]- cofa, bän [Bein, Knochen]- cofa, unverständlich u. dumpf reden, salbadern 
heolster [Versteck, Höhle]-coiA etc.) ; engl. etc. ; — lie kauokl as 'u old wif ; — dat 
cove (Obdach, sicherer Ort, Gewölbe, Ver- 10 kaucln kan de düfel langer anliüren; ik löp 
schlag etc., cf. pigeou-cove, Taubenschlag, wog. — Nd. kauelu ; ?<j/r/<?.5. kauweljon (sal- 
bz. Taubenhaus etc.); schott. cove (a cave); hadern etc.); nhd. kauein, käuehi ; Schweiz. 
isl. kofi (tuguriura); norw. kove (Kammer, kaulen, käulen ; bagr. keuwelu, keweln, keu- 
kleincs Zimmer), abweichend (Ivar Aasen) beln; md. kauehi (a. langsam od. mühsam 
'k.&a.vSi,(Orkn.)]s.'A.\Q\schwed.'koivA,(mdartl.) 15 kauen; — b. von kauendem Bewegen des 
kove, kuvi (Hütte, Kämmerchen etc.); dän. Mundes, wie alte Leute, ohne jo irklich Et- 
kove (Kämmerchen etc.) etc. — Die Hei'- tvas zu kauen ; — c. undeutliche od. dumpfe 
leitung mit nhd. Käfig (s. unten am Schlüsse) u. imarticulirte Töne hören lassen, mur- 
aus lat. cavea ist ivohl abzuweisen u. falls mein etc.). — Iterativbildung von kauen. 
den obigen Wörtern (od. unserm kau allein) 20 kauen, kauen, käuen, beissen, zerbeissen, 
nicht etwa die y sku (bedecken etc., cf. hüd, bz. mit den Zähnen, bz. den Kiefern zer- 
hi'is II. 1 w. 2 schau) zu Grunde liegt (wozu malmen etc. ; — he mut altid wat hebben to 
kau, bz. kave, kove etc. lautlich am besten kauen; — he kaude dat not so lank, bit dat 
stimmt, wie desgl. auch das mit kau iden- he 't kört harr'. — Redensart: dar hed he 
tische u. synonyme böhm. kavna im Ver- 25 wat an to kauen, bz. dar schal he wat an 
gleich zu lit. kavöju, kavöti [hüten, bewah- to kauen krigen (das wird eine harte Nuss 
reu] V071 y sku) , so ist die Ableitung der für ihn sein etc.) ; — cf. ferkauen , wer- 
obigen Wörter, sowie auch von nhd. Ko- kauen, tokauea (zerkauen), förkauen (vor- 
her u. Kabel (s. in Grimm, Wh.), bz. käuen, langsam vorsprechen etc.), nakauen 
mhd. (Lex er) Is-obaX (enges schlechtes Haus; 30 (nachkäuen, nachsprechen etc.) etc. — Nd. 
Kasten an einem Kobelwagen),kohel (Höhle, kauen; nid. kaauwen, kauwen; mnld. kau- 
Schlucht, Felsschlucht od. Felskluft) ; ags. wen, kouwen, kuwen, keuwen ; ags. ceövan ; 
cufle, cufl ; mhd. (0. Schade) kobel (Ue- engl, chew, (mdartl.) chow ; schott. chaw, 
herzug , Decke, woher wohl kobelwagen?) chow; ahd. chiuwan, khiuwau, kiuwan, chi- 
aengl. (S tratmann) coul od. cuvel (sagi- 35 wan, kiwan; 7nhd. kiuwen , küwen, klugen; 
narium); ags. cufel, cufle, cufl; aengl. cu- md. kügen, kügin. — Da nach ahd. bliuwan 
vele; engl, cowl (cucullus); aengl. cuvel u. (bläuen, schlagen) == goth. hl'\ggvä,n ein goth. 
coufel; engl, cowl (Fass, Gefäss, Zuber) = Mggvnn zu vermuthen ist, so würde zunächst 
nhd. Kübel etc. von y gup (behüten, be- für kiggvan ein Stamm kagv = kav (wie 
wahren, schützen etc., umfassen, umschlies- 40 goth. higmus; ags. beäm; a/ifi. boum, poum ; 
sen, einschliessen, in sich fassen, cf. H. nhd. Baum etc. nach Fick aus baggv = 
Leo, 355) wohl richtig, sowie auch dass bav, von y bu) angesetzt werden müssen, 
diese (cf. Bopp, Grassmann) mit go- die aus einer germ. y ku (kva, kav) = idg. 
pay (behüten) von dem Subst. gopä (Hirte, gu (gva, gav) hervorging. Da es indessen nach 
Hüter, Behüter) abgeleitet ist, was selbst 45 Fick tvahrscheinlicher ist, dass ahd. chmv/an 
wieder ein Compos. von go (Kuh, hz. Rind, od. cbiwan u. chiuwä, chiwä (Kiefer, Bachen) 
cf. kö) «. y pä od. pa (schützen) ist. — mit lit. zivg,, zujgi, zi vati , zavajgi , zavati 
Vergl. weiter noch kübbe, küfke, kuifer u. koje. (kauen) u. lat. gin-giva (Zahnfleisch) von 

Zum Schlüsse sei noch bemerkt, dass das derselben y stammt, so scheint die Annahme 

mnld. kevie (cavea, cors, avarium, ivomit 50 wohl gerechtfertigt , dass diese Wörter (cf. 

KU. sein kouw identificirt) ebenso wie nhd. gapen, jappen, kaf, käfe etc. von der y 

Käfig u. ahd. chevjiLjkevja,; bagr. keü (Kä- gabh od. ghabh) init ahd. gien, ginön, gi- 

fig) zunächst aus mlat. cavia u. dies mit wen, gewöu, kewon (gähnen), an. gina (klaf- 

afranz. caive, franz. cage; engl, cage; ital. fen, schnappen etc.), bz. engl, jawn u. un- 

(Diez, I, 195) gabbia, gaggia; span., 2^ort. 55 ser7n gannen u. jänen etc., lit. ziöju (gäh- 

gavia; neuprov. gavi aus lat. cavea (mit ca- 7ien), lat. hiare, griech. chaiuö, chaö etc. 

veo, cautus etc. gleichfalls von der y ku, zur idg. y gha, ghä (gähnen, klaffen etc., 

sku, wie das obige lit. kavöju) entstand, cf. bz. schnappen, beissen) gehören, wovon auch 

übrigens unter kauen die Schlusshemerkung. ahd. guorao, cuamo = nhd. Gaumen (cf. 

kauele, gekauel, langsames u. undeutU- 60 Fick, III, 106 seq.) abstammt. Bemerkt 



KAUSE KAUS 



190 



KAUSE KAUS 



sei übrigens, dass Fick (cf. II, 563 u. 
da-it pag. 87 unter gapli) geneigt 2U sein 
scheint, um auch kauen cun derselben j/ 
gabli abzuleiten, wozu an., ist. kaf fs. unter kaf) 
uohl gehurt, irie desgl. auch gapen u. j.ipp^'n. 

Vergleicht man übrigens, dass die Wur- 
zeln, gha, gbi (gähnen, klaffen u. auch 
schnajtjjen) von ahd. ginön u. giwen u. lat. 
biare etc. ebensoivold icie gabh od. gap von 
gabbelu, gibein, hz. kibbeln, kifen u. kab- 
beln etc., sowie von gapen u. jappen etc. 
ebensowohl wie klap von klaffen (cf. klap, 
klappen) u. sulp, snap von snappen etc. von 
Hause aus höclist wahrscheinl. nur Laut 
malende (onomatopöische) od. Seh all wur- 
zeln sind, die urspr. blos ein unarticulirtes 
Geräusch bezeichneten, so liegt es icohl nä- 
her, dass man die germ. Wurzeln ku, kav, 
kau für kauen (mag man es nun als ein 
zerknirschen u. zerreiben, zerkleinern etc. 
[cf. grindan von grinau unter grind, grand 
etc.] , od. als ein zerspalten etc. auffassoi) 
u. chiuwii, cliiwü, cbewä (cf. 1 käfe etc. ». 
kibbe etc.) mit der y ku, kav, kau (sonare, 
cliimare etc.) von ahd. gikewen (nennen, 
rufen, schreien etc.), cbümo (Klage) etc. 
identißcirt u. beide auf idg. gu (sonare etc., 
cf. Fick, I, 572, y gu, tönen, rauschen 
etc. u. dazu pag. 534 u. 584 die Wurzeln 
ku M. ghu, tönen, rauschen, rufen etc.) zu- 
rückführt, zu der auch kö (Kuh) gehört u. 
wozu sich dann auch leicht unser kau stel- 
len lässt, weil sich aus gu (rauschen, bz. 
Geräusch machen etc.) ebensogut wie aus 
klud, klat, klap, klak ((/. kladde , klatte, 
klak etc.) die Bedtg. : spalten , klaffen etc. 
entwickeln konnte u. man ja auch anneh- 
men kann, dass kau, sotoie auch die unter 
demselben angeführten Wörter in urältester 
Zeit blos die Bedtg.: Spalt od. Kluft, 
tiz. Höhle, Loch etc. (in der Erde, einem 
Berge od. Felsen, worin man sicJi verkroch, 
barg u. ivohnte etc.) hatte. Dass aber beim 
Vergleich der obigen Schallwurzeln gu, ku 
etc. ivahrsc/ieinl. auch die Wurzeln sku (ver- 
hüllen, bedecken), sku (scheuen, scheu u. 
vorsichtig sein, schauen, cf. scbau etc. etc.), 
skn (schaben, scharren, ritzen etc.) u. sku 
(niesen, d. h. ein lautes Geräusch machen, 
cf. pifisteu) in der urspr. Bedtg. : sonare, 
crepare, crcpitare etc. von Hause aus eins 
sind u. dass demnach auch die Wurzeln 
ska (brennen, d. h. urspr. knistern od. 
singen etc., cf. SPngen u. Weiteres unter 
gähn, galp, galpen u. gar etc. etc.), ska (töd- 
ten, erschlagen etc.), ska (spalten, schneiden, 
ritzen, bz. reisscn etc., cf. Fick, I, 802 
seq.) etc. urspr. nur Schallwurzeln waren, 
ist wohl mit Sicherheit anzunehmen. 

kaase, kaus (Plur. kauscn), eine eiserne 



Hülse, bz. ein Füllring eines Tau-Oehrs, 
womit dieses zum Schutz gegen das Ver- 
schleissen ausgefüttert i.-<t. Der äussere Um- 
kreis dieses liinges ist hohl wie eine liinne, 
5 damit das iJin umfassende Tau darin fest- 
liegt u. tvird das Ende des betr. Taus darum 
herum splissd, icährend das so gebildete 
Oehr dazu dient, um entweder den Haken 
eines Takeis darin einzuhaken, od. (auf 

10 Schiffen) um die Taue hindurch zu leiten, 
tcenn dieselben keine Blöcke od. Flaschen- 
züge erfordern. — Nid. (cf. Bobrik, naut. 
Wb., pag. 383) kons; schwed. kausa; dän. 
kause; franz. cosse u. auch nhd. Kausche, 

15 Kausse etc. (cf. Grimm, Wb. V, Spcdte 
362). — Da das franz. cosse auch die Be- 
dtg.: Hülse, Schote, Schale etc. hat, so ist 
das obige kause auch dasselbe Wort wie 
nid. kons in der Bedtg.: Schale (s. unten) 

20 M. anscheinend das franz. cosse nebst dem 
gleichbedeutenden ecosse (wovon ecosser, aus- 
hülsen etc.) aus, (als den sonstigen roman. 
Sprachen fehlendes Wort), nid. kous in der 
Bedtg. : Schale , Trinkschale (wegen nid. 

25 kous in der Bedtg.: Strumpf etc. s. un- 
ten), bz. mnd. (Seh. u. L.) kouwese, kou- 
wesche, kauseke, hz. kowse, koweske, kowsche, 
kouwscbe (Schale, Schüssel etc., bz. Hohl- 
gefäss zum Essen u. 'Trinken); nd. (Br. 

30 Wb.) kausse (Schöpflöffel, Hohlgefäss zum 
Schöpfen) u. nd. (Dähnert) kowse (Schale) 
entlehnt. — Nach Hildebrand (Grimm, 
Wb. V, Spalte 362) soll das dutsch-litauische 
kausche (Kanne, Krug, bz. Trinkgefäss etc., 

35 eiti Kausche Bier) mit nd. kowse etc. 
identisch u. auch nord., lit., estn., slav. meist 
in reicher Entwickelung vorkommen u. bis 
nach Asien hin zu verfolgen sein. Mag 
man diesem Worte 7iun aber den Grdbe- 

40 griff: Hohles, Hohlgefäss etc. od. 
Fassendes, Gefäss, B ehält er , bz. 
ein Um- u. Ein schli essend e s etc. od. 
B e r g e n d e s, S ch ü t z e n d e s I Hülle, Hülse 
etc.) etc. unterlegen, so ist es wohl zweifellos, 

45 dass auch nid. kaus in der Bedtg.: Mut- 
terscheide, Bärmuttcr etc. sowie das von 
Ivar Aasen unter kuse erwähnte Femin. 
kusa (cunnus, vulva), sowie auch norw., 
schwed. kuse (= dän. busse-, buseniaiid od. 

50 Popanz, Mummel , bz. Einer der sich ver- 
mummt, verhüllt od., od. der Mummerei u. 
Versteckspiel etc. treibt) hieher gehören, wie 
desgl. auch norw. kysa , köysa; dän. kj-sa 
(Haube, Kappe etc. , cf. hülle, hüfe, küfke 

55 od. küvcke etc.) etc. bei loelchen sämmtlichen 
obigen Wörtern man unwillkürlich an einen 
Zusammenhang mit skr. kosba (Behälter, 
Gehäuse; Gefäss, Eimer; Kasten, Truhe; 
Knospe; Schale, Hülse etc.; s. unter 2hase) 

60 denken viuss. 



KAUSEL 191 KEGEL KAEGPX 

Zum Schlüsse sei noch wccjen des nid. nctc, wovon sich noch die (folgenden) Wör- 

kaus (Strumpf, bs. Beinheldeidang) , mnld. <er keddeugeregtigheid etc. kcrschreiben. Es 

kausse, koiisse (caliga) ei'wühnt, dass dieses gehört zu africs. ketha, keda (mis kutha, 

ein von dem obigen kause gänzlich verschie- kuiitha, hz. kuda, kuuda , wie nfries. kedde 

dencs Wort u. aus franz. chausse; prov. 5 aus kudde, c/. küdde) = as. kuthjan, ahd. 

caussa entlehnt ist. Dieses franz. cliausso kuiidjau (cf. künden) u. ist demnach dasselbe 

aber entstand tvie baud aus haldo, cf. bohl) Wort toie ahd. chundjo, chundo (Kundper- 

mit ital. cwXzo, calzo; span. caiza etc. (eine son, Kunder, Verkünder; Bote), während 

Fuss- u. Beinbekleidung) aus tat. calceus, das nfries. kethere (s. oben) dasselbe Wort 

wovon auch mlat. calcia u. aus diesem ivie- 10 ist ivie ahd. chuudari, chuiidore (nuntiator, 

der alul. calizja, kalizja u. cbelis, chelisa angelus) u. auch formell mit ags. cydhere 

(eine Art Stiefel). Wegen calceus von calx (Bekenner, testis) stimmt. 

(Ferse), s. Weiteres tuiter liile. kedden-geregtigheid, eine an den kedden 

kaasel, Gekautes, Zerkautes, bz. Alles ivas (s. oben) zu zahlende kleine Gebühr od. Ab- 

mit den Zähnen zernagt, zerbissen od. zer- 15 gäbe (cf. geregtigheid), tvelche hin u. wieder 

kleinert ist; — diu kausei mag ik net mer noch jetzt im benachbarten Brökmerland (s. 

iu de mund nemeu ; — dar hed sük gewis 'n unter 2 brök) vorkömmt, bz. auf dort bele- 

müs dörbäten, den dar ligd so föl lioltkausel genen Grundstücken lastet. 

bi de schapsdör. — Nid. kaauwsel, kauwsel. kedde-skup, keddskup, Bauerschaft, Dorf- 

kauter, sonderbares, ivunderliches, eigen- 20 gemeinde, bz. der Verwaltungsbezirk eines 

sinniges Wesen (od. Person) ; — 'u kauter kedden ; s. oben. 

fan 'n jung'; — 'n wunderliken kauter. — kede, käde, Kette; — Compos.: anker-, 

Sollte dem nhd. Kauz als Eulen- Name (u. plog-, herd-kede etc. — Afries., nid., nd. 

jedenfalls wie auch Kauter [Tauber etc., kede etc.; s. Weiteres unter dem gebräuch- 

cf. Grimm, Wb. V, 365 u. s. Weiteres 25 licheren kette. 

unter kuderwälsk], vom Geschrei so benannt) ke-dikkern, kedakkern, traben, in kurzem 

od. alt. küz nicht ein nd. kaut od. küt ge- Galopp gehen od. fahren u. reiten, rasch 

genüber gestanden haben, sodass kauter von mit hüpfendem stossendem Gange gehen od. 

Hause aus dieselbe Bedtg. ivie Kauz hatte? sieh fortbewegen, cf. dakkern. 

Oder hängt es mit nhd. kaudern, nid. koe- 30 kefe od. kefe, s. käfe. 

teren (s. unter kuderwälsk) in der Bedtg.: kefen od. kefen, s. käfen. 

schwatzen, undeutlich u. sonderbar reden kefen, kefeln etc., s. kifen, kibbeln. 

etc. zusammen, od. vielleicht mit kuten (tau- ^egt>\, kägel, Kegel, d. i. ein längliches, 

sehen, cf. kütjen), wovon auch wohl der nach oben hin sich alhnählig verjüngendes 

hier vorkommende Name Kauter? — Das 35 od. conisch u. spitz zulaufendes Etwas, wie 

mnld. (KU.) kouter (fabulator, nugator, z. B. ein Keil, eine Keule, eine Pyramide, 

congerro) gehört jedenfalls zu kouten = od. ein ähnlich geformtes Ding, gleichviel ob 

urspr. kuten (fabulari etc.) vom Stamm kout es aus Holz, Stein, Erde etc., od. einem son- 

(colloquium), loas KU. mit nid. klap = stigen Material besteht, toie es ja ebensowohl 

nhd. Klatsch, Geschwätz etc. wiedergiebt, 40 Dreck-, als Holz-, Erd-, Fels-, od. Bergke- 

worüber Weiteres unter kuderwälsk zu ver- gel giebt. — Ahd. chegil, kegil ; mhd. kegel 

gleichen ist. (Kegel, Keil; unechtes Kind); nd. , mnd., 

kave, s. kau. nid. kegel; mnld., mftäm. kcgliel (meta, co- 

käve, kavel, kaveln etc., s. käfe, kafel etc. nus, obeliscus, ter minus, lapis vel stipes py- 

ke. Verkleiner ungssylbe; s. ken. 45 ramidatus); dän. kegle; schwcd. kegla, ke- 

kebaoter, s. kabauter. gel ; engl, keil u. kayl (Kegel, von kegeln), 

kedde, (obs.) Schulze, Dorfschulze, Ge- sowie mdartl. keel od. keels «. gaggle od. 

meindevor Steher, Bauermeister, Bauerrichter, gaggles, ivobei wegen des anlautenden „g" 

bz. die obrigkeitliche Person in einem, Dorfe auf gaggle neben cackle (cf. kakeln) ver- 

od. einer Landgemeinde. — Es ist das 50 loiesen toird. 

afries. ked, bz. kedde, kedda, Plur. keddar Was nun das ahd. cbegil etc. anbetrifft 

u. auch ketb, ketbe, Plur. ketha, ivas wie (wovon das franz. quille [Kegel] u. viel- 

afries. kethere urspr. die Bedtg.: Künder, leicht auch ital. chiglia, chiela; span. quilla; 

Verkünder, od. Kund-Person, Kundmacher, franz. quille [Kiel des Schiffes], sofern es 

Bekanntmacher, Ansager etc. hatte u. dann 55 nicht aus ahd. kiol [cf. 2 kil] hervorging), 

(cf. mlat. sago, sajo ; aspan. sayon, Gerichts- so ging dieses mit dem Spiel (cf. Grim m, 

diener etc. von ahd. sago = Sag- Person, Wb. V, Spalte 384) auch in die slav. Spra- 

bz. einer der sagt, spricht, verkündet etc. u. chen über u. sind weiter zu kegel ausser 

ahd. esago unter äsega) im Allgemeinen eine kugel auch die Wörter kil (Keil), kil (Kiel) 

Gerichts-, od. obrigkeitliche Person bezeich- 60 u. küle (Keule) zu vergleichen, worüber auch 



KEGEL KAEGEL 



192 



KEI 



Weiteres beiHildebra n d, bz. im G r i m mi- 
schen Wb. unter Kegel nachzusehen i,4. 
Desgl. kömmt wegen der Verwandtschaft u. 
der Grdbdtg. des Wortes „kegel" in Be- 
tracht: das nid. kegol ; wxW. keghel, kokol ; 
mnd., vifläm. kekol (stiria, gefrorener Eis- 
troijfcn, od. Eiszapfen), sowie auclt mnld. 
u. mjliim. koghel (silox), wobei man übrigens 
bei koghol, kekel (stiria) auch an einen Zu- 
sammenhang mit unserm jökol = nd. hekel, 
ags. giccl (stiria), bz. an. jökull (Gletscher, 
Eisberg, Eiskegel) etc. gemahnt icird , ob- 
schon ich allerdings nicht glaube, dass diese 
Wörter (cf. j^kel) mit kogel eines Ursprungs 
sind, sondern mit Fick (cf. 1, ö6i)) eher 
dafür halte (mag nun mnld. kegliol, kekol 
/gefrorner niederhängender Eistropfen od. 
Eiszapfen] mit nd. lu'kel ». ags. gicel urspr. 
verwandt sein od. nicht), dass das ahd. che- 
gil aus einer redupl. Grdform gagala, gan- 
gala hervorging , die Fick mit lat. glans; 
aslac. zi'l^uii, lit. giie (Eichel) ; skr. gula 
(glaus penis), guli (Pille, Kugel), griech. 
goggülos (rund); alid. cliiiwa (Knäuel, Ku- 
gel, cf. klön) ; skr. glau (Ballen, Kugel) etc. 
zu skr. gal (fallen, wegfallen; träufeln, quel- 
len etc., cf. kwelien, kellen etc.) stellt, wäh- 
rend ich die für kegel vermuthete Grdform 
gagala als aus älter m gagara od. gagira ent- 
standen ansehe u. dieses mit skr. giri, zend. 
gairi ; slav. gora (Berg), göre (oben) etc. lie- 
ber zu einer idg. ]/ gar, gri, gir, gur (In- 
tens, gagar, jagar, jugur) stelle, die nach 
Grass mann (cf. Sj)alte 387 u. 402) die 
Bedtg.: erheben, erhöhen, in die Höhe he- 
ben etc. hat, xconach denn das Wort Ke- 
g e l die Bedtg. : Spitzes, Hohes, Ragendes, 
Erhabenes gehabt haben würde. Soweit in- 
dessen das obige griech. goggülos etc. u. 
germ. kugel in Betracht kommt, so halte ich 
diese Wörter für mit kegel unverwandt u. 
ist darüber unter kugel das Weitere zu ver- 
gleichen, soivie zu kegel od. zu kugel auch 
das ags. cigel (testiculus) , toasH. Leo 
(Spalte 176, 37) für ein Contract. von cin- 
nigel ]tält. Sodann glaube ich ferner auch 
nicht, dass die mnld., mjläm. Wörter keghel, 
kekel (stiria) u. keghel (silex) mit kegel (co- 
nus) von derselben j/ abstammen, sondern 
vielmehr mit den Wörtern kold, k8l etc., 
skr. jala, gala (kalt, starr, steif etc.), bz. lat. 
gelare etc. u. kslav. golotü u. glütöiiü (Eis) 
zu der j/ gal, gar (gerinnen, gefrieren, er- 
starren, hart u. fest iverden, urspr. viel- 
leicht: rinnen, fliessen etc. u. so gerinnen, 
zusammenjliessen etc., cf. kel, kelen) zusam- 
menhängen. 

Zum Schluss sei übrigens noch erwähnt, 
dass bei der atischeinend nahen (wenigstens 
begrifflichen u. vielleicht auch formel- 



len) Verwandtschaft der Wörter: Keil, 
Kiel, Keule mit kegel (cf. 1 u. 2 kil 
». küle) für dessen germ. Grdform kagala 
als Eti/mon auch das skr. jangha, zend. 
5 zanga (oberes Bein, Schenkel, Keule etc., 
od. nach Grassmann der untere Thcil 
des Beines vom Knöchel bis zum Knie) in 
Betracht kömmt, wovon das der Lautver- 
schiebung nach zu einem germ. kagala genau 

10 stimmende skr. jaiighäla (a rapid walkor) 
auch weitergebildet ist n. ivas mit jänlias u. 
jähä etc. zur y ha, ghä (gehen, sich bewe- 
gen, schreiten) gehört, zvie vielleicht auch 
jäglu'ina (Lende, Hüfte), welch Jjetzteres 

15 übrigens Bopp gag'äiia (d. i. jaghäna) 
schreibt u. zu der }/ hau, bz. glian (in wel- 
cher Bedtg. ?) stellt. — Zu den obigen Wör- 
tern vergl. auch noch an. , isl. kügguU, 
kückull (articulus digitoruni, condylus, artus) 

20 Plur. küglar (Glieder , auch für Leib über- 
haupt gebraucht), sowie der Bedtg. : Keule, 
od. Zapfen, Kolben, bz. couus loegcn auch das 
an., ist. küngull, norw. kogla (dialect.) ko- 
goll, kokla , kokul , kongla, kongul ; dän. 

25 kogle, Fichten- od. 'Tannenzapfen, bz. Sa- 
menzapfen od. Fruchtkolben (hier danappel 
od. dauekkel) der Fichten ti. Tannen, wo- 
bei ich weiter auf die von Hildebrand 
(G r i m m, Wb. V, Spalte 3S3) beigebrachten 

30 verschiedenen Bedtg n. des Wortes kegel ver- 
weise u. d<ibei darauf aufmerksam mache, 
dass das ahd. chegil ausser den schriftlich 
belegten, ebenso wie die meisten andern al- 
ten Wörter, auch wohl noch andere Bedtgn. 

35 gehabt haben dürfte u. z. B. auch die Be- 
dtg. : filius spurius des mhd. kegel auch noch 
unaufgeklärt ist. 

kegeln, kägeln, kegeln. Nur vom Kegel- 
spiel. — Satl. kögelje, kigelje. 

40 kei od. ke. Dieses nur in der Redens- 
art: „he kend de kei" od. „du nuist de kei 
kennen'' lebende u. dem Sinne nach in der 
Bedtg.: Kunst gebrauchte Wort stimmt in 
seinen Vocalen ganz zu teeu, töjeu (ziehen), 

45 bz. zu snei, sue (Schnee), slei, sie (= nid. 
sleeuw, ahd.' sleo etc.), nei (neu) etc. u. 
würde demnach einem deutschen kie, kee od. 
keu od. einem altern deutschen keo, klo, 
kiohe, kiuhe od. kiuge, bz. einem nid. keeuw, 

50 kieuw, keeuweetc. entsprechen, wclclic Formen 
lautlich am besten zu nhd. keu ; mnld. keeuw, 
kieuwc, kouwe, kuwe; ahd. chiuwa etc. (fau- 
ces, frumen, mala etc.), bz. zu den altern 
Formen von kauen stimmen. Ob nun aber 

65 das obige köj, ke, bz. kiye, kee mit diesen 
Wörtern zusammenhängt u. etwa das nhd. 
keu, }(/(/. keeuw, ahd. chiuwa in der obigen 
Redensart im fig. Sinn gebraucht ist, wage 
ich nicht zu entscheiden, zumal da kei od. 

60 keje, nach brei (Brei), frei (frei) auch für 



KEI 



193 



KEK 



7ild. kij, b2. älteres ki od. kijc, k!o, kige, 
keige, keie, kcge etc. stehen kann u. dem- 
nach auch die Möglichkeit vorlie(/t, dass es 
mit afries. kei (Schlüssel) od. selbst mit 
ags. cigan (vocare etc., von der y kak? cf. 
2 kake t«. kakeln, kik etc.) zusammenhängt, 
in 2velch erster cm Fall „he kend de kei" 
soviel hiesse, als „er kennt den Schlüssel", 
bz. „er weiss Bescheid'', od. im zweiten so- 
viel als: „er kennt den Buf", bz. „den Na- 
men", was Beides eine passende Erklärung 
von kei wäre. 

kei, Stein, besonders ein länglicher, mag 
dies nun ein gewöJuilicher Ziegel- od. Back- 
Stein, od. ein ähnliches längl. kantiges Stück 
Sand- od. Granit-Stein (bz. Felsstück) sein. 
Dieses Wort lebt anscheinend (ivenigstens 
soviel mir bekannt) liier nur noch im sog. 
kei- od. keibnr-spil, ein Spiel, toobei der kei 
od. Stein von einem bür, od. keibür (ivörtl. 
St ein- Bau er , od. Stein- Erbauer, Stein- 
Errichter, Stein- Auf setz er) genannten Kna- 
ben aufgerichtet wird u. wo dann die an- 
dern Knaben mit einem runden Stein od. 
Kiesel von einer gewissen zuvor abgemesse- 
nen Entfernung (mäte od. auch hunk ge- 
nannt, wovon das Spiel auch hunksmiten 
heisst) aus nach demselben iverfen. Jeder 
Mitspieler muss seinen nach dem „kei" ge- 
worfenen Stein, der namentlich beim Nicht- 
treffen desselben weit hinter denselben rollt, 
selbst wieder holen u. falls er hiebei von 
dem „bür" gefasst tvird, dessen Stelle ein- 
nehmen u. statt seiner den kei aufrichten, 
luenn derselbe von den Mitspielern getroffen 
II. umgeworfen loird. Um indessen das Auf- 
richten des „kei's" Etwas zu verzögern, ivird 
sehr oft auch noch oben auf einer Ecke 
desselben ein kleiner Stein aufgelegt u. falls 
einer der 3Iitspieler den „kei" nur so leise 
trifft, dass derselbe selbst stehen bleibt u. 
nur das „tirap" genannte Steinchen davon 
herunter fällt, so tritt auch in diesem Fall 
dieser Knabe an die Stelle des „bür's" u. 
kann dann der bisherige „bür" wieder selbst 
mit den Andern so lange nach dem „kei" 
tverfen, bis er selbst ivieder beim Zurück- 
holen seines Wurf-Steines abgefasst wird, 
od. blos den „timp" von dem „kei" herunter - 
ivirft. — kei ist identisch mit nid. kei (Kie- 
sel, Kieselstein, Felsstein); mnld. keye (si- 
lex); mfläm. key (keysteen oft vyersteen, cf. 
flinte u. fürsten). 

Wenn man nid. zeide od. zeijde = nhd. 
sagte, — bz. unser wei, engl, wliey, nid. 
weg = afries. wei, weg, ags. hvaeg etc. u. 
ferner engl key = afries. kag, kai, kei ; ags. 
caeg etc. (s. unter käi) vergleicht, so ist es 
tvohl fast zweifellos, dass dieses kei etc. 
auch aus keg etc. entstand ii. also lautlich 

J. ten Doornkaat Koolman. Wörterbuch. II. 



gleich ist mit nid. keg, kogge (Keil). Da 
nun ferner aber dieses nid. keg etc. zwei- 
fellos ivold eine Kürzung des mnld. koghel; 
ahd. chegil (Kegel, Keil) ist, so dürfte auch 
5 kei, bz. keg, kegge od. Iceghe eine Kürzung 
von mnld. koghel (silex) sein. Ob nun aber 
die Bedtg. „silex" aus der von „cuneus" od. 
„Conus" hervorging, ist schwer zu entschei- 
den, zumal es auch ja möglich ist, dass „ke- 

10 gel" überhaupt urspr. ein spitzes, keilförmi- 
ges (u. so auch scharfes, schneidendes, spal- 
tendes etc.) Etioas bezeichnete u. demnach 
kegel auch in der Bedtg. „silex" blos als 
ein spitzes u. keilförmiges Ettvas auf gefasst 

15 lourde. Auch loang. kichelstein (silex) deu- 
tet auf einen Zusammenhang mit keghel. 
kei-bur, s. unter kei. 
keideln, keitelii, giessen, stürzen etc. ; — 
so keideld de melk fan ca fat in 't ander; 

20 — wat keidelst du dar wer mit herum ; — 
se ferkeideld de melk. — Nd. (Br. Wb.) 
keiten, keuten, bz. keiteln, keuteln. 

keier-hake, keuerhako, ein mit einer ei- 
sernen Spitze u. einem starken Widerhaken 

25 versehener ziemlich langer u. dünner Stock 
von festem Holze, welchen die Marschbe- 
tcohner führen, um sich beim Gehen od. 
Schlittschuhlaufen darauf zu stützen, od. 
(falls sie durchbrechen) sich damit wieder 

30 aus dem Eise heraus zu helfen; — nim de 

keierhake lefer mit, 't is glad to lopen. — 

Wang. koierhaki. Wohl zu dem folgenden : 

keiern, kaiern, keuern, koiern, spazieren, 

zu seinem Vergnügen umlier gehen, lustwan- 

35 dein; — he keierd d'r so langsam hen; — 
he löpd to keiern; — he keierd de strate up 
uu dal ; — he is keiern gän ; — Kinderreim : 
keier rige — Straten, war sül wi de kinderkes 
laten? in de blaue toren; wat heb' wi dar 

40 terloren ? 'n blauen sulen schötteldök ; wul' 
j' uns de wol wergäfen? — nä, nä! — ja, ja! 
um 'n appel of um 'n per, morgen heb' 
wi moi wer. — Nd. (Br. Wb., Schütze) 
keiern, kaiern; loang. koierje; nW. kuijereu. 

45 — Es ist (da dieses Wort im wang. auch 
die Bedtg. : sich zusammen, od. zu Zweien 
vertraulich unterhalten, kosen etc. hat) = 
mit mnld. (KU.) kuyeren (ludere, nugari, 
jocari, confabulari ; deambulari recreationis 

50 causa) u. könnte es diesemnach eine Ent- 
lehnung aus lat. coire sein. 
keiertje, kleiner Spaziergang. 
keilke-beje, -bee, Fliederbeere ; — keilke- 
müs, Fliedermuss. 

55 keiser, s. kaiser. 

kek, keck, kühn, dreist, bz. munter, leb- 
haft ; — he geid d'r kek up lös ; — he sügt 
so kek üt as 'n wiselke. — Nid., bz. mnld, 
(KU.) keck (audax; solidus, durus, densus, 

GO turgidus); mfläm. kec (dasselbe); mnd. (Seh. 

13 



KEK 194 KELLEN 

u. L.) keck (lebhaft, munter, küJni, agilis, Wb. V., Spalte 511) nichts gemein, sondern 

zxnmo^n^ Gic.)\ schioed.'k-Xck (hurtig, muthig, ist wahrscheinlich identisch mit mnd. qua- 

brav, vortrefflich); dän. kjek, kjack (kühn, leu u. nhd. kd^Wcn (G ri mm, Wb. V, Spalte 

ra^ch, brac, aufrecht); mhd. kcc; amhd., 68), die toohl beide aus dem altern mnd. 

ahd. chech etc. aus quec (lebendig etc.), cf. 5 (Seh. u. L.) qiuigeU'u; as. (gi-) quahlian (ge- 

2 kwik etc. rinnen) u. lociter mit acnyl. qiuiil ; fran^. 

kek, *■. kikeu. cailler; ital. qiiagliare, cagliare; S2)an. cua- 

kekel, kekcln, s. kakel, kakeln. jar; j'ort. coalhar (I)iez, I, 336) aus lat. 
kel od. kell , sehr schmerzhaft «. em- coagiilare entstanden, wie ital. caglio, gag- 

pfindlich od. reizbar, gereizt etc., bz. so be- 10 lio ; port. coalho (Lab) u. auch wohl mnd. 
schaffen, dass die leiseste Berührung des qiuighel, quagol 7iiit dem altern ital. (cf. 
betr. Theils heftigen unleidlichen Schmerz KU. u)iter quaghcl) coagulo, quaglio ; sixm. 

verursacht , od. aus irgend einer Ursache cuajo aus lat. coagulum. Aus dem zu quäl 

ein anhaltendes sehr schmerzhaftes Stechen contrahirten mnd. iimighal ist dann weiter viel- 

u. Prickeln in dem betr. Tlieil entsteht; — 15 leicht unser kwalster od. midd. u. mnd. qual- 

de taudeu sunt mi so kel, dat ik d'r gen ster (dicker Schleim, biibrestis, pituita) 2vei- 

het of kolil au liden kan, bz. dat 't net is, as tergebildet, toobei dann weiter auch unser 

of 'k bi de bär uptrukken word', wen mt kwil = mnld. quyl, quid (oris pituita) als 

d'r wat an kumd; — de lingers sunt nii so möglicherweise damit connex in Frage kömmt. 

kel, dat mi "t to de doppen (Spitzen der Fin- 20 Ferner gehört zu kelen od. quälen etc. noch 

r/t'rj ütprikkeld; — he hed so 'n kellen (em- mnd. (Seh. u. L.) u. dithm. (Schütze) 

jifuidliche, schmerzhafte etc.) ]md; — he is so keller (dicke geronnene Milch) u. kellern 

kel (empfindlich u. schmerzhaft, leicht ver- (gerinnen). 

letzt u. gereizt), dat man bum hast hei net 1, kel-fat, Gerinn-Fass, ein nach unten 
anwiscn dürd; — he is d'r tols to kel für 25 hin sich verengendes Gefäss, loorin man die 
(er ist da viel zu empfindlich u. verletzlich Blilch gerinnen (kelen) lässt. 
vor, wird viel zu leicht von einem Gefühl 2. kel-fat (harrl.) ein Jlaus mit einem 
des Schmerzes u. der Qual crfasst u. ist doppelten Wahn, bz. einem sog. Zeltdach od. 
deshalb auch schreckhaft u. ängstlich oder einer Bedachung nach allen vier Seiten hin. 
bange, zaghaft, zurückhaltend etc.) as dat 30 — iV«c7t Stbg. soll der Name daher rüh- 
be sük an de sake braunen schul'. — Sprichw. ren, loeil ein solches Hans einem ximgestülp- 
junk to fei! old to kel. — Es gehört wohl tem kelfat (s. sub 1) ähnlich ist. 
mit dem tdd. kel, kil; mnld., mfläm., bz. al- kelk (Flur, kelken), Kelch. — Nd., nid. 
ten fries. (cf. KU.) kel (perterritus , pavi- kelk; mnd. kelik, kellik; afries. (kilik), tzi- 
dus) u. nd. (Br. Wb. I, 371) kill in kill- 35 lik, tzielk; ahd. chelch, kelib, khelib ; amhd. 
jök (juckender Schmerz, bz. schmerzhaftes kelich, chelecb ; mhd. kelch ; as. kelik; ags. 
Jucken) etc.; ahd. cheli, quell ; mhd. quele, calic, calc; an. kalkr; schwcd., dän., norw. 
kele, quel (Qual, Marter etc.) u. unserm kel- kalk etc. aus lat. calix, was mit griech. kn- 
ien etc. zu ahd., as. quelan (Qual u. Schmer- lix u. skr. kalaga (Becher, Krug, Topf) etc. 
zen leiden , od. haben u. empfinden etc.), 40 zu der |/ kal, kul, kval (hüllen, einhüllen, 
worüber Weiteres unter kellen u. kwälen, bergen, verbergen, einschlicssen etc., cf. 2 
kwäl etc. hälen u. hüllen etc.) gehört. 

kel, Geronnenes, Klumpiges etc., nament- kelle, kellen, Schmerz, Schmerzen etc.; 
lieh von der geronnenen, dicken, käsigen s. kellen; — ik beblj' od. fol so 'n kellen in 
Milch (mag diese nun aus einer einzigen 45 de kop, od. knaken, tanden, fingers etc. — 
dicken käsigen Masse, od. aus einzelnen Compos.. ■ küskeWc od. küskellen (Zahnschmerz) 
dicken kcmgen Klumpen bestehen) gebraucht ; = 7id. (Br. Wb. I, 771) köle. 
— de melk is all' to kel worden; — dat löpd kellen (kelle, kelst, keld etc.; — kul etc.; 
all to kel tosamen; — dat kind speid emer — kullen), intensiv schmerzen, bz. Qual n. 
kel ; — be sucht üt as kel un karmelk. — 50 Schmerz machen etc. , icie z. B. bei Zahti- 
cf. kelen u. spittel-kel. schmerzen od. ähnlichem Ziehen u. Beis- 
kelder, s. keller. sen in den Knochen etc., brennend od. ste- 
kele, s. kille. chend schmerzen u. prickeln, toie z. B. ivenn 
kelen od. kelen, gerinnen, klumpig od. Einem bei starkem Frost die Glieder fast er- 
käsig loerden, coagulircn etc. ; — de melk 55 froren sind u. man sie ohne Weiteres ans 
keld ; de is wol siir worden ; — dat pütwa- Feuer hiüt od. in warmes Wasser steckt, 
ter is to bard, dat de sepe d'r in keld. — um sie rasch zu erwärmen ; — de tanden 
Dieses Wort hat mit dem schwed. käla (Frost, kellen mi glik, wen ik d'r wat koldes an 
Erstarrung etc.) u. den unter nhd. kellen krige; — für kuk un sOt god bün 'k bang', 
(frieren, erfrieren, erstarren) (s. Grimm, GO wil mi de kusen d'r so ligd fan kellen; — 



KELLEN 



195 



KEN KE 



de kop hed mi al dro dage so kullen, dat 
ik d'r 's nagts hast gen släp faii kragen 
hebb'; — de knakon kullen mi d'r fan; — 
de bände kellen dat kind fan kolde; — dat 
kul mi to de fingers nn tonen üt, as 'k wer 
warm wurr'. — Nd. (Br. M^h.) killen; mnd. 
(Seh. lt. L.) kellen, killen (Qual u. Schmerz 
verursachen, weh thnn, schmerzen); satl. 
(Ehrentraut, II, 193) kelle. — Es 
entstand ans älterem quellen, qellen = ahd. 
(queljan), quellan, chellen, cheleu ; amlid. 
chwellen, chollen ; mhd. quellen, queln, koln 
(martern, quälen, in Banden legen, tödten 
etc.), woraus (bz. aus ags. cvelan od. cve- 
lian) auch aengl. (S trat m a n n) cuUen 
(caedere); engl, kill (tödten, iimhringen; töd- 
ten, dämpfen [cf. doden, död], der treiben- 
den Kraft berauben etc.), quell (umbringen, 
vernichten, tödten ; übenvältigen, bezivingen, 
tmterdrücken, zähmen, bezähmen; dämpfen, 
löschen, stillen), quell (sterben, langsam hin- 
sterben, hinschwinden; abnehmen, sich ver- 
mindern, nachlassen etc.), quell (Mord), quail 
(bändigen, zähmen; niederschlagen, vernich- 
ten) ti. auch ivohl quail (vor Angst u. Schre- 
cken zittern, beben, verzagen, den Muth ver- 
lieren, niedergeschlagen sein; vergehen, hin- 
schtoinden, verwelken, absterben, verfallen, 
erschlaffen; sich quälen und härmen, trau- 
ern etc.), während engl, quail (gerinnen, von 
der Milch) mit unserm kelen eines Ursprungs 
ist. — Vergleicht man nun iveiter aengl. 
(St rat man n) chiliin (algere) ; engl, chill 
(das Zittern u. Beben vor Kälte, der Schauer, 
der Fieberfrost ; die Kälte, der Frost etc.), 
to chill (kalt machen, durchkälten ; frieren, 
gefrieren; schauern, schauern machen; er- 
starren, erfrieren ; frösteln ; niederschlagen, 
muthlos machen etc.), chilly (kältlich, fröst- 
lich) etc ; nid. kil (Kälte, Frost, Erstar- 
rung), kil, bz. unser kil (kalt, erstarrt, frö- 
stelnd, schauernd, zitternd etc.) ; killen (käl- 
ten, kalt machen, das Gefühl der Kälte ver- 
ursachen zugleich mit einem Gefühl des 
Schauerns od. eines zuckenden Schmerzes, 
toie z. B. loenn etivas Kaltes an die Zähne 
kommt u. dadurch augenblickliches, zucken- 
des Zahnschmerzen entsteht) u. killen (töd- 
ten, cf. Ho oft) etc. u. Alles was Ili Ide- 
brand (Grimm, Wb. V, Spalte 511) un- 
ter kellen (frieren) anführt, so ist es klar, 
dass sich ein mit engl, chill ident. nd. kel- 
len, killen mit einem aus ahd., bz. as. que- 
lan od. queljan abstammenden kellen, killen 
formell u. begrifflich so gemischt liat, dass 
es durchaus immöglich ist von diesen Wör- 
tern (u. auch von unserm kel u. kil) mit 
voller Bestimmtheit zu sagen, in ivie tveit sie 
mit engl, chill u. i'.sZ. kilia (frieren) etc., od. 
mit dem cüten quclan etc. ziisammenhängen. 



— Wegen engl, chill etc. s. Weiteres unter 
kold u. kttl u. wegen kill unter kwälen. 

keller, kelder, Keller, unterirdische, bz. 

geioölbte Vorrathskammer , Gelass od. Ge- 

5 wölbe, loorin man Etioas legt u. verbirgt, wie 

ausser sonstigen Vorrüthen auch Leichen 

od. Todtensärge ; — dat ligd in de keller; 

— he hed nog wat in de keller ; — he hed 
sük up 't karkhof 'n keller maken laten, war 

10 he in begrafen, bz. bisetd worden wil ; — de 
bfisbeller sitt in de keller ; — de keller geid 
under 't ganse hüs dör. — Daher : kellerhol 
(kellerhohl) ; — dat hüs is gans kellerhol, d. h. 
der ganzen Länge u. Breite nach mit einem 

15 Keller od. unterirdischen Geioölbe versehen. 

— Nd. keller; rdd. kelder; mnld. kelre; 
afries. szelner ; mofries. (C a d. Müller) 
sillern od. szillern ; ahd. kellari etc. atis lat. 
cellarium, der Weiterbildung von cella, was 

20 mit helle (Hölle, s. 2 hei etc.) u. lat. celare 
einer u. derselben ]/ angehört. 
keni, s. kamen. 

keiiiausje od. kemousje, Abtritt, heimli- 
ches Gemach. — Wohl aus commodite cor- 
25 rumpirt. 

kemmen, kämmen. Zu kam. 
keiwode, a) c o w m o d e, bequem, gemächlich 
etc. ; — dat kan 'k kemode dön ; — he is 
d'r föls to kemode to, as dat he sük dar 
30 um bukd ; — b) Commode , Schrank mit 
Schuhladen, wo man bequem Etwas hinein- 
legen kann, bz. eine Bequemlade , Bequem- 
schrank etc. Davon: 

kemodiglieid, Bequemlichkeit, Gemächlich- 
st keil etc. etc. ; — all' mit kemodigheid. 

ken, ke, Diminutiv- Endung = nhd. chen, 
statt deren ivir auch jen, je u. tjen, tje ge- 
brauchen. — Nd., mnd. ken ; nid. ken, kin, 
kijn u. chijn, od. chien, ghien (ivie z. B. in 
40 Annechijn, od. Annechien etc. = unserm. 
Annake, od. Anke, nhd. Annechen), tvas als 
quin, chin (cf. Diez, I, 169 unter facchino 
u. II, 105 u. 333 unter botequin «. helle- 
quin) auch in die rom,. Sprachen überging, 
45 ivie ja auch Arie-, od. Harle-quin (ital. Ar- 
lechino u. älter franz. auch bierlekin) nach 
Diez (I, 31) entweder direct aus dem anld. 
entlehnt ist, od. toie Dante' s Teufelsname 
Alicliino aus dem obigen afranz. hellequin, 
50 anld. hellekin, helleken entstand. — Am 
häufigsten ist bei uns die Form „ke" u. 
scheint dies auch die alterthümlichste zu sein, 
da sie anscheinend mit lat. ca (cf. musca 
etc.), griech. ka (cf. muiska) u. skr. ka (cf. 
55 muska, terticulus, od. urspr. nach dem Pe- 
ter sb. Wb. „Mäuschen"-, als Dimin. von 
müs od. müsa u. demnach dasselbe wie U7i- 
ser müske) etc. identisch ist. — Was nun 
dieses als Diminutiv - Endung sehr verbrei- 
GO tele „ka" betrifft, so glaube ich, dass selbiges 

13* 



KEN 



19fi 



KENNEN 



ebenso wie as. ika od. iko, ahd. icho (cf. 
Grimm, Ml), tinter chen) von Hause aus 
eine Angehürigkeit, od. eine Verwandtschaft 
ti. Abstammung (cf. ig, ing) andeutet u. dasx 
demnach ein mit „kA" gebildetes Diminutiv 
wörtl. )iichts weiter besagt, als dass dasselbe 
von dem betr. Subst. abstammt, od. so zu sagen 
ein Abkömmling (Kind, Junges od. Kleines 
etc.) von demselben ist u. dass man dem- 
nach skr. muska (Mäuschen od. 3Iüuslein) 
u. nauka (Schißchen, Schifßein) icörtl. mit 
Maus- u. Schiff-Kind, od. Abkömmling von 
Maus, Schiff' etc. übersetzen muss. 

keil, kein ; s. gen etc. 

ken-l)är, keniibar, erkennbar etc.; — hö 
is od. dat is kenbär genug; — dat is dii- 
delk kenbär. 

ken-büi'lik, kennharlich, erkennbar etc. 

kcn-iuark, Kennmerk, Kennzeichen etc. 

\i(^l\-\WJiV\i.^\\.,krHnmerken,kennzeichnenetc. 

kennel, Kern od. Korn des Getreides u. 
Obstes etc. = kürrel etc. — Auch wang. 
kennel u. assimil. aus kernel = engl, ker- 
nel; ags. cirnel, cyrnel, der Weiterbildung 
von kern. 

kennelik, kennelk, kenntlich, kennbar, er- 
kennbar etc.; — dat is kennelk genug; — 
he is so kennelk (er ist so kenntlich, bz. so 
leicht zu erkennen) an sin gang etc., dat 
man 't al fan wulen sägt, dat he 't is. 

kenuelkheid, Kenntlichkeit, Kennbarkeit 
etc. 

kennen, kennen, verstehen, wissen, bekannt 
u. vertraut sein (mit Etwas od. Jemandem), 
Kunde haben (von etc.), erkennen etc.; — 
he gaf to kennen, dat bc hunger harr'; — 
he mut dat leren kennen (a. er muss das 
Lernen kennen; — b. er muss das kennen 
lernen); — he kend un fersteid dat, wo 't 
mäkd worden mut; — du must dat kennen, 
du best dat je lerd; — ik kenn' (od. kan) 
min leks fan buten; — he keude (od. kun') 
sin leks göd ; — he wil hum net kennen un 
niks fan hum weten; — ik kenn' hum to 
god, as dat ik hum tröe; — he kend hum 
net (er kennt ihn nicht, bz. er erkennt ihn 
nicht an, — betrachtet ihn nicht, als ihm 
angehörig u. verwandt); — he wil niks fan 
hum kennen od. weten (er will nichts von 
ihm tcissen, er verläugnet ihn etc.); — he 
kend hum al lank; — be kende hum glik 
wer, as he fan sin reise torüg kwam ; — ik 
kenn' hum al wid fan feren; — he kend dat 
d'r glik iit, wat suis is; — he keiul sük fan 
binnen un buten; — he kend sük d'r net 
in of üt etc. — Compos. : bekennen, erken- 
nen, ferkonnen, ofkennen, mit- od. cnt-kcn- 
nen, sowie auch ankennen (ansehen, anmer- 
ken etc.) ; — man kan hum dat göd ankennen, 
dat he schofel to mode is. — Nd., nid. ken- 



nen; afries. kanna, kenna (anerkennen, er- 
kennen ; kennen lernen, untersuchen): wfries. 
kinnen (kennen, wissen etc.) satl. kanna (in 
bikanna); as. kennian (gezeugt werden, ent- 
5 stammen; kund werden etc., cf. M. Hegne; 
nach Andern aber: zeugen, erzeugen etc.; 
anerkennen, erkennen, gignere, cognoscere) ; 
— ant-kennian (i)inc werden, erkennen, an- 
erkennen) ; ags. cennan (gebdren, zum Vor- 

10 scJiein od. ans Licht bringen etc.; refle.v.: 
sich zeigen, sich off'enbaren, sich bekunden) ; 
engl, can (kennen ; ivissen) u. ken (erken- 
nen, gewahren , ins Auge fassen, gewahr 
loerden, kennen, tvissen); an., isl. kanna 

15 (muster)i, prüfen, untersuchen, od. forschen, 
ins Auge fassen u. sehen wonach etc., bz. 
lustrare, scrutari ; numerare etc.), kannaz vid 
(agnoscere, contiteri), kcnna (noscere; docere, 
bz. erkennen, kennen lernen, gewahren, em- 

20 pfinden; kennen lehren; begreifen, benennen 
etc.); norw. kanna (kjondes ved, kjende soni 
sit eget, erkjende; tilkjende, tilegne; rand- 
sagp, see efter, gjennemsee, bz. anerkennen, 
erkennen etc.; zuerkennen etc.; untersuchen, 

25 forschen etc., cf. auch engl, ken, spähen, 
ersehen, um sich blicken), kjenna (kennen 
etc.); schwed. kanna (kennen, erkennen; 
empfinden, fühlen ; versuchen, prüfen ; befin- 
den, erklären; zuerkennen, zugestehen, be- 

30 kennen etc.); dän. kjende (kennen); goth. 
kannjan (gnorizein, bz. bekannt Diachen, kund 
thun); ahd. kennan, chennan in den Compos. : 
ar-, ir-, er-kennan (erkennen, kennen lernen, 
vernehmen; anerkennen; kennen, verstehen, 

35 [Einem] zuerkennen; sich bewusst werden 
[Eines], innc toerden, einsehen, beachten, 
wahrnehmen) ; inkennan (cognoscere), bichen- 
nan (erkennen, kennen, wissen; zuerkennen, 
bz. bei [Einem] eigen machen; bekennen; 

AO ansehen, halten für) ; mhd. kennen (ganz 
einzeln) u. meist in den Compos. : er- u. be- 
kennen. 

lyie obigen Verba sind sämintlich von ei- 
nem Stamm kan od. kann (geschwächt ken) 

45 mit Jan, an (machen, thun etc.) weitergebil- 
det, der ebenso wie der Stamm kun von 
kunnan (cf. könen) aus einem verlorenen 
Stammverb, kiniian od. kinan, kan, kunnun, 
kun (cf. brand, branna, brunst etc. von brin- 

50 nan u. band, band von binden) hervorging. 
kiunan, kinan aber gehört unstreitig zur j/ 
Jan, gan (gignere etc. , bz. gebären, zeugen, 
erzeugen, entstehen machen u. lassen, her- 
vorbringen, schafften etc.; geboren toerden, 

55 entstehen, zum Vorschein kommen, gehen 
hervor [aus Etwas heraus], erscheinen etc.) 
u. hat daher dessen Präter. kan zunächst 
die Bedtg. : gebar, zeugte, schuf etc. od. habe 
bereits geboren u. erzeugt etc., bz. entstand, 

60 tcurde geboren, kam zum Vorschein, er- 



KENNEN 107 KENNEN 

schien etc., od. war bercitfi f/cboirn u. er- Könner u. Machthaber, somh-rn auch der 
zeugt etc., ivcü eben das Prüter. anyleht, Kenner u. Wisser (cf. mhd. kuustcr, Wis- 
dass das bereits ycschah n. 2)as>iirte, was .^ender etc. von kunst, Wissen etc., von kuii- 
das betr. Verb, besagt. Verbunden mit dem nan) des Geschaffenen ist. 
Suffix Jan od. an heisst nun kan-jaii wörtl. 5 Bezüglich des goth. kannjan, ahd. kennau 
soviel als: gebar etc. machen, bz. ent- etc. u. des as. kennian (gignore, cognoscere) 
stand etc. machen, od. machen (dass Et- etc. sei übrigens noch gefragt, ob auch wohl 
was od. Eines) gebar u. schuf etc., bz. angenommen werden kann, dass sich in die- 
machen, (dass Etwas od. Eines) ent- sen Wörtern zivei tirspr. von einander ver- 
stand u. geboren lourde, aus ivelchen 10 schiedene Stämme mit einander vermischt 
beiden Bedtgn. sich dann von selbst die haben u. dass einerseits kan das Präter. von 
Bedtg.: gignere od. des loirMichen u. acti- einem verlorenen Wurzelverb.: kinan, kan 
ven Zeugens, Schaffens u. Hervor- (gignere, cf. kinen, kind, könig etc.) u. an- 
bringen s des as. keunjan ergab. Ver- dererseits von einem kinan etc. od. kinnan 
gleicht man nun aber, dass das Vbm. er- 15 (noscere, bz. gnoscere) ist, zu welchen eben 
kennen (u. Abraham erkannte sein kannjan u. knnnan etc. gehören. Vergleicht 
Weib Sarah) auch sinnlich von Beischlaf man nämlich, dass schon im Skr. u. Zend. 
ausüben od. den Act des Zeucjens begehen, neben jan, zan idg. gan (gignere ; nasci) eine 
bz. begatten, schwängern etc. gebraucht wird, f jan, ja, zan, zä (scire, noscere, cognos- 
so könnte die Bedtg.: cognoscere -yon kenn- 20 cere) bestand, wovon auch ^mi, &*. gnä (scire 
jan etc. sich leicht auch aus der von gig- etc.) umgesetzt u. durch „ä" weitergebildet 
nere entwickelt haben. Wahrscheinlicher ist ist (cf. Fick, 1, 05 bis 68, soivie Bopp, 
es indessen, dass die Bedtg. : cognoscere aus J usti, G r a s s m a n n , B e nf e y etc. we- 
der von : gignere in der Weise hervorqing, gen dieser Wurzeln u. ferner auch bei G. 
dass Vater u. Mutter als Erzeuger u. Ge- 25 Curtius, pag. 174 u. 178 sub Nr. 128 u. 
bärerin das von ihnen erzeugte u. geborne 135 wegen gen u. gnö), so tväre es aller- 
Kind anerkannten, bz. ihren Sprössling dings möglich, dass neben kinan (zeugen, 
als das Ihrige n. Eigene kannten u. erkann- gebären etc.) auch ein kinan (scire etc.) 
ten, sodass das Erkennen od. Kevinen als bestanden hätte. Da indessen auch die y 
eine Selbstfolge des Erzeugens od. Gebarens 30 jan (scire, noscere etc.) lautlich nicht von 
angesehen lourde od. dieses das Kennen von jan (gignere ; nasci) zu trennen und von 
selbst involvirte, tvoüei auch noch zu beach- Hause aus eine u. dieselbe y ist, tvorin die 
ten ist, dass nach agerm. Beeide der Vater Bedtg. : toissen, kennen etc. blos eine begriff- 
des Neugebornen erst ausdrücklich als von liehe Weiterbildung von gebären u. geboren 
ihm selbst erzeugt er- od. anerkennen musste 35 tverden (z. B. erzeugen, entstehen machen, 
(wenn er z. B. sarjte : ich kan, so hiess das hervorbringen, zum Vorschein bringen, ans 
zunächst soviel als: ich habe gezeugt, Licht br