Skip to main content

Full text of "Württembergische geschichtsquellen"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .coiril durchsuchen. 



I« II 



3t ^ 



i I 



N , 



rj^ f--- : ■ « ■ T^ 



Württembergische 



Geschichtsquellen 



Herausgegeben 



von der 



Wttrttembergisclieii Eommission für LandesgescMclite 



Sechster Band 



STUTTGART 

VERLAG VON W. KOHLHAMMER 

1904. 






Vs.CV 



/ 






DKTX^K VOX \V. KOHLHAMMEK. 






^ 



G-eschichtsquellen der Stadt Hall. 



Zweiter Band: 



Widmans Chronica. 



Bearbeitet 



von 



Dr. Christian Kolb, 

Professor ;ini (rvninasiuni in Scliwäbisch-Hall. 



^^^^ 






)lt<^l5i-l^ 



Inhal tsverzeichij is. 



Seit« 

Abkürzungen und Literatur 6* 

Einleitung. 

I. Widmans Leben 9* 

IL Widmans schriftstellerische Tätigkeit 33* 

III. Die Handschriften 44* 

IV. Die bisherige Benützung der Widmansdicn Clironik . . . 55* 
V. Die Grundsätze für die vorliegende Bearbeitung .... 57* 

Inhaltsübersicht über Widmans Chronika, uacii des 

Chronisten Kapitelüberschriften 60^ 

Widmans Chronika, Text 1—378 

Register ' 379-420 

£rgftnzungen und Berichtigungen 421—422 



Abkürzungen und Literatur. 



WIY. = Zeitschrift des Histor. Vereins für das Wtirtt. Franken I— X. 

WJ*y, NF, = Zeitschrift des ffistor. Vereins etc. Neue Folge I— VE. 

Kgr. Würit, oder KW. = Das Königreich Württemberg vom K. Statist. Landes- 
amt 1882—86. 

WUB, oder WU, — Wtirttembergisches Urkundenbuch. 

KUR. = Haller Regesten, betreffend 507 Haller Urkunden des gemeinschaft- 
lichen Archivs und der St. Michaelskirche aus den Jahren 1339—1650. Mskr^ 

OA. Hall = Oberamt Hall ; dagegen : 

OAHaU = Oberamtsbeschreibung Hall. Ebenso bei den andern Ober&mtem 
und Oberamtsbeschreibungen. 

WVjh, = Württ. Vierteljahrshefte für Landesgeschichte 1878 ff. 

WürU. Jahrb. == Wtirttembergische Jahrbücher für Statistik und Landeskunde^. 



Amrhein, A., Mitglieder des adeligen Domstiftes zu Wirzburg. (Archiv des 
histor. Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg Bd. 32. 38.) Würzb. 1889. 
Barack, Zimmerische Chronik, 4 Bde. Tüb. 1869. 
Baumann, Quellen zur Geschichte des Bauernkriegs aus Rotenburg a. T. 

Tübingen 1878. 
Bensen, H. W., Histor. Untersuchungen über die ehemal. Reichsstadt Rotenburg. 

Nürnberg 1837. 
Berliohingen, Götz von, Selbstbiographie. Württ. Fr. 1858. 

„ Friedr. Wolfgang Götz Graf von Berlichingen-Rossach, Geschichte 

des Ritters Götz von Berlichingen. Leipz. 1861. 
(Besold) Documenta rediviva monasteriorum praecip. in ducatu Wirtenbergico. 

* Tub. 1636. 
Böhmer, J. Fr., Fontes rerum germanic. Stuttg. 1843 ff. 

„ Urkunden der römischen Könige und Kaiser von Konrad I. bis Hein- 
rich VIL, 911—1313. Frkf. 1831. 
Böhmer-Huber, Regesta imperü VIII (1346-1378) Innsbr. 1877. 
Böhmer-Mühlbacher, Regesta imperii I (752—918) Innsbr. 1889. 
Bossert, G., Zur älteren Geschichte des Klosters Komburg. (WFr. NF. III, 1888.) 
„ Artikel „Isenmann*' in der Realencykloplädie für protest. Theol. u. 

Kirche. 3. Aufl. 
„ Das Interim in Württemberg. Halle 1896. 

Crusius, Schwäbische Chronik, 2 Bde. ed. Moser. Frkf. 1733. 



- 7* -- 

DuelliuB Miscellanea I. II. Augusta Vind. 1723. 

Egelhaaf) Deutsche Geschichte im 16. Jahrh. Stutt^. 1889. 

Fromlet, Hallische Vermögenssteuer. (Wilrtt. Jahrb. t'ilr Stat. u. L. 1901, Heft 1.) 

German, Chronik von Schwäbisch Hall. Schw. Hall (1901). 

(Glaser, Chronik von Schwäbisch Hall bis auf Luthers Kirchenverbessernng. 

1803. Handschr. 
(4melin, J., Hällische Geschichte. Schw. Hall 1896. (abgek. Gmeün od. Gm.) 

^ Hall im Reformations-Jahrhundert. (Wttrtt. Fr. NP. VII, 1900, 1—69.) 

Gradmann, Kunstleben der Staufenzeit in Schwaben. (Wttrtt. Nei^ahrsbL 1891.) 
Gudenus Sjlloge variorum diplomatariorum. Francof. ad M. 1728. 
Hansseimann, Beweis wie weit der Römer Macht u. s. w. Hall 1768. 
Hang u. Sixt, Die römischen Inschriften und Bildwerke Württembergs. Stttg. 1900. 
Hansser, J., Schwäbisch Hall 2. A. Hall (1878). 
Herolt, Chronika. (Württ. Geschichtsqu. I.) 
Heyd, Ulrich, Herzog zu Württemberg. 3 Bde., Tttb. 1841. 
Hortleder, Fr., Der römischen Kayser . . . Handlungen und Aussschreiben . . . 

von Ursachen des Teutflchen Kriegs Kaiser Carls dess V. Gota 164B 

2 Bde. 
Illustrierte Geschichte von Württemberg. 3. Aufl. Stttg. s. a. (18 96). 
Laureshamensis codex Tom. I— III. Mannhemii 1768. 
Layh, Chronik der Pfarrei Lendsiedel. Schw. Hall 1898. 
Leibius, Die Landenbergische Fehde. Reuti. 1897. 
Lexer, M., Mittelhochdeutsches Handwörterbuch 3 Bde. Lpz. 1872 ff. 
Lüiencron, Deutsches Leben im Volkslied um 1580. (Kürschner, Deutsche 

Nationalliteratur 13. Band.) Berlin s. a. 
Ludewig, Geschichtschreiber von dem Bischoffthum Wirtzburg. Frkf. 1718. 
Monumenta Boica XXVIII. München. 

Müller, H., Die Grabdenkmale in Komburg. (Württ. Jahrb. f. Stat n. L. 1897. L) 
„ Schloss Komburg 2. A. Schwäb.-Hall (1901). 

„ Geschichte des Ritterstifts Komburg. (Württ. Jahrb. f. Stat u. L. 

1901. I.) 
Münster, Cosmography. Basel 1598 (abg. Münster oder M.). 
Potthast, A., Bibliotheca historica medii aevi. („Wegweiser" u. s. w.) 2. Aufl. 

Berl. 1896. 
Sach, A., Deutsches Leben in der Vergangenheit. 2 Bde. Halle a. ^S. 1890. 
Sattler, Histor. Beschreibung des Herzogthums Würtemberg. Stttg. 1752. 
Schardius redivivus, sive Rerum germanicarum scriptores varii. Tom I— IV. 

Giessae 1673. 
Schiltberger, Reisebuch, Ausg. des Litter. Vereins 1886. 

Schmeller, J. A., Bayerisches Wörterbuch. 2. A. bes. v. Frommann. München 1872. 
Schönhuth, ()., Sagen und Geschichten von Hohenstaufen u. s. w. Stttg. s. a. 

„ Die Burgen, Klöster u. s. w. Badens und der Pfalz. Lahr s. a. 

Seckendorf, Commeiitarius de Lutheranismo. Lips. 1694. 
Sleidani Commentariorum de statu religionis et reipublicae Carolo V. caesare 

libri. Frkf. 1610. 
Stalin, Chr. Fr., Wirtembergische (roschichte. 4 Bde. Stttg. 1841 ff. (abg. Stalin). 
Steiff, K., Geschichtliche Lieder und Sprüche Württembergs. Stttg. 1899 ff. 
Steinhöwel, Deutsche Chronik. Frkf. a. M. 1631. 



— 8* ~ 

Tentsche Beichsabschiede. Tom. I u. II. Frankf. 1747 (auch als „Sammlung 

der Reichsabsch.^ bezeichnet). 
Trittheim, Chronicon Hirsaugiense. Bas. 1659. 

„ Annales Hirsaugienses. St. Gallen 1690. 

jy Compendium . . . annalium de origine regum et gentis Francorum 
ex Hnnibaldo decerptum. Mog. 1515. — Deutsch u. d. Titel: Chronicon 
von der Franken Ursprang. Frkf. 1606. 
Vocheser, Geschichte des Hauses Waldburg. 2 Bde. Kempten 1888. 
Weller, Ansiedlnngsgeschichte des Wttrttemb. Frankens. WVjh. 1894. 

„ Hall zur Hohenstaufenzeit. WVjh. 1898. 
Wibel, Hohenlohische Kirchen- und Beformationshistorie, 4 Teile. 1768. 
Widder, J. G., Versuch einer . . . Beschreibung der kurfttrstl. Pfalz am Rheine. 

Frkf. 1786. 
Winkelmann, Joh. Just, Hessische Chronik. 
Wttrttembergische Kirchengeschichte, hsg. vom Calwer Verlagsverein, Calw 1893. 



(Weitere nur vorübergehend beigezogene Schriften s. bei den einzelnen Ab- 
schnitten.) 



lH]inleitung. 



I. Widmans Leben. 

Die freie Reichsstadt Schwäbisch-Hall erfreute sich um die 
Wende des 15. und 16. Jahrhunderts in ähnlicher Weise und aus 
ähnlichen Gründen wie ihre Schwesterrepubliken einer kräftig auf- 
strebenden Entwicklung. Der „Salz- und Segensquell", der in ihrer 
Mitte sprudelte, lieferte bei dem Fleiss, mit dem er ausgebeutet, 
und der Umsicht, mit der das ganze Siederswesen verwaltet wurde, 
steigende Erträgnisse und brachte Reichtum in die Bürgerhäuser 
und stattliche Mittel in die reichsstädtischen Kassen. Wie gross 
die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt in den letzten Jahr- 
zehnten des Mittelalters und während des 16. Jahrhunderts war, 
lässt sich — da ein erschöpfender und durchsichtiger Plan über 
den damaligen Staatshaushalt der Reichsstadt nicht vorliegt, einiger- 
massen durch die Bauten, die ausgeführt wurden, und durch die 
grösseren (Vütererwerbungen veranschaulichen. 1490 — 1528 wurde 
„das grosse Bollwerk" gebaut, durch welches auch die Katharinen- 
vorstadt vom Heimbacher Bach an südwärts bis zum „Riedamertor" 
ummauert wurde, so dass nun die ganze Altstadt samt Gelbinger- 
gasse, Weiler und Katharinen in den Festungsgürtel eingeschlossen 
war. 1502 wurde der Henkersbrücke ein steinerner Oberbau ge- 
geben, 1508 — 1527 erhob sich das Büchsenhaus, der „neue Bau'S 
ein trotz all seiner Plumpheit doch kraftvolles Wahrzeichen des aus 
dem Kampf mit den Geschlechtern siegreich hervorgegangenen 
Bürgertums. Besonders stark ist die Bautätigkeit in der Nähe der 
Michaelskirche und an ihr selbst. 1505 wird die grosse Frei- 
treppe in 54 im Zirkelsegment geführten Stufen errichtet, 1509 der 
schöne Marktbrunneu ausgeführt, und 1495 — 1525 steigt der 



— 10* — 

mächtige neue Chor der Michaelßkirclie iu die Höhe, ein Werk, das 
freilich nicht durch die Mittel der Stadt, sondern hauptsächlich 
durch die Beisteuern der Bürger und durch Ablässe zustande ge- 
bracht wurde. In seiner Flächenausdehnung dem Schiffe gleich- 
kommend, in seiner Höhen entwicklung es weit überragend nimmt 
sich dieser Chorbau aus, als wäre aus der alten Kirche eine zweite 
grössere herausgewachsen, und als sei damit für baldige Zukunft 
ein ganz gewaltiges Wachstum des städtischen Gemeinwesens in 
Aussicht genommen — somit ein besonders deutliches Wahrzeichen 
des schwellenden reichsstädtischen Stolzes und Selbstbewusstseins. 

Innerhalb der Stadt war das bürgerliche Element durch die 
„dritte Zwietracht** und den Vertrag von 1512 emporgewachsen 
über das in selbstsüchtiger Abschliessung verkommene Geschlechter- 
regiment. Und wie dieser innere Feind so waren auch die beiden 
äusseren, die einst so mächtigen Nachbarn Limpurg und Komburg, 
die so lange auf Hall gelastet und seine Entwicklung gehemmt 
hatten, schwach und ungefährlich geworden. Kloster Komburg 
hatte durch seine Umwandlung in ein weltliches Chorherrenstift 
1488 von seinem Ansehen als kirchliche Anstalt viel eingebüsst und 
wurde dazu noch durch die Misswirtschaft übler Vorsteher öfter in 
schwere Geldnot gebracht. Den Limpurger Schenken war ihr 
liesitz, teils durch die Feindseligkeiten mit der nahen Reichsstadt, 
teils ebenfalls durch ökonomische Schwierigkeiten, entleidet. Beide- 
mal steht Hall als Kaufliebhaber daneben und weiss den Augen- 
blick abzuwarten, wo es die feil gewordenen Güter an sich bringen 
kann. 1521 z. B. kauft die Stadt komburgische Güter im Wert 
von 12 000 fl., 1541 erwirbt sie von Schenk Erasmus seine Burg 
samt Lehen um 45000 fl. Ahnliche gewaltige Erwerbungen (Ils- 
hofen, Velberg, letzteres um 128000 fl. u. a.) folgen noch bis Ende 
dos Jahrhunderts. 

Fügt man zu diesen Zügen, die das Wachstum der äussern 
Macht und das Emporkommen des bürgerlichen Elements vergegen- 
wärtigen, noch die reformatorische Bewegung und die Leb- 
haftigkeit, mit welcher sie gerade in Hall auftrat, dann wird be- 
greiflich, wie auch auf diesem Boden bei sinnenden Gemütern der 
Trieb lebendig wurde, diese Zeit, wo so viel Altes verschwand oder 
seine Geltung verlor und so viel Neues sich hervordrängte, im 
l»ilde festzuhalten und den hallischen Schauplatz selbst samt 
seiner Vergangenheit zu schildern. An die Stelle von Geschlechter- 
chroniken, wie sie bisher in den adeligen F'amilien geführt worden 



— 11* ~ 

waren, traten jetzt umfassende Darstellungen, unternommen von 
Männern, die mit Forschungseifer in das Dunkel der Vergangenheit 
einzudringen suchten und zugleich mit scharfem Auge und lebhafter 
Teilnahme die Kämpfe der Gegenwart verfolgten. 

Zwei Männer traten mit solchen Arbeiten auf den Plan, beide 
Haller Pfarrherren, beide Zeitgenossen, beide ebensowohl mit Wärme 
für ihren Gegenstand, als mit der (iabe zu erzählen wohl ausge- 
iijtattet, aber nicht beide von gleicher Geistesrichtung : Herolt der 
neuen evangelischen Botschaft mit Feuer und Entschiedenheit sich 
hingebend, Widman mehr am Alten hängend, nur schwer und nur 
bis zu einem gewissen Grade von ihm sich losringend, jener mehr 
ein Mann der Gegenwart, dieser mehr eine antiquarisch angelegte 
Natur; so stehen sie freilich an manchen Punkten in scharfem 
Gegensatz, in anderer Hinsicht aber bilden sie auch eine wertvolle 
gegenseitige Ergänzung. — Herolt ist durch frühere Veröffentlichungen 
dem Forscher schon lange her eine bekannte (lestalt geworden, 
für Widman wird jetzt erst, was er bei Lebzeiten öfter aber ver- 
geblich anstrebte, endlich erreicht, dass seine Aufzeichnungen das 
Licht der Olfentlichkeit erblicken.^) 



Die Notizen über das Widmansehe Geschlecht reichen zurück 
bis zu dem Urgrossvater des Chronisten. Eine in den Büchern 
des Haller Haalamts unter dem Namen: „Widmanisches Geburts- 
register** auf1)ewahrte Stammtafel weiss von diesem Hans Widman 
zu berichten, dass er mit Petronella Ammannin, Seifrid Ammans in 
Bühlerthann Tochter, verheiratet gewesen sei. 

Reichlicher als bei den beiden ersten Gliedern der Reihe 
fliessen die Mitteilungen bei des Chronisten Vater, der (wie 
nachher der Sohn) Georg hiess und Pfarrer in Thüngenthal war. 
Für seinen Lebensgang bietet das eben genannte „Geburtsregister** 
scheinbar die sicherste Orientierung durch folgende Data: ,,(Teorg 

') Dass bei den nachfolgeuden AusführuDgen «lie beiden Aufsätze in 
WFr. NF. VI, 21—77 zugrunde gelegt wurden, bedarf wohl keiner be- 
sonderen Rechtfertigung, tlbrigens sind nur wenige Abschnitte, und zwar bei 
der Handachriftenbeschreibung, unverändert heriibergcnommcn, das meiste ist 
umgearbeitet und ergänzt. Da jedoch in diese Neuarbeitung nicht alle früheren 
MitteUuugeu hereingezogen werden konnten, so behalten jene älteren Aufsätze 
für manche Seiten des Gegenstandes auch jetzt noch ihren selbständigen Wert. 



— 12* — 

Widmau, Sekretarius zu Komburg und 35 Jahre Sindicus zu Hall, 
obiit 1513 am Tag Erhardi seines Alters 77, und bei St. Michael 
am Chor begraben; uxor Dorothea Sibylla von Buch". Schade 
nur, dass diese Angaben nicht auf volle Zuverlässigkeit Anspruch 
machen können. Das ganze „Geburtsregister" ist laut einer bei- 
gefügten Bemerkung abgeschrieben aus einer auf das 17. Jahr- 
hundert zurückgehenden Familienbibel, beruht also wohl vielfach 
auf unkontrollierbaren Familientraditionen und weckt schon dadurch 
den Zweifel. In der Tat lassen sich durch anderweitige Quellen 
einzelne Angaben >vie das Todesjahr und die 35 Jahre als unrichtig 
oder wenigstens unwahrscheinlich nachweisen. So kann diese 
Stammtafel nur in beschränkter Weise herangezogen werden. Was 
aus unanfechtbaren Quellen über Widmans Vater erhoben werden 
kann, ist folgendes: 

1479 fertigt Jörg Widman genannt Ammann laut Urkunde im 
Staatsarchiv eine Appellation des Klosters Komburg an den Kaiser 
gegen Hall. 

Um 1494 oder 95 wird er in der städtischen grünen Chronik 
(s. über diesell>e WFr. NF. VI, 73) als Pfarrer von Thüngen- 
thal und Altarist an St. Ottilien Altar im Spital zu Hall, und zu- 
gleich als Inhaber eines Siedens in der Stadt Hall aufgeführt. 

Die Pfarrei Thüngenthal war uraltkomburgischer Besitz, aber 
schon lange (zw. 1254 und 1259) dem Kloster inkorporiert, so dass 
sie nur von einem gering dotierten Pfarrherrn, öfters auch von 
einem Mönche versehen wurde. Trotz der Inkorporation aber ge- 
hörte sie, nach dem in den Haller Kapitelsrechnungen (Dekanats- 
registratur) zu den Jahren 1510 ff. aufgeführten Zensus, zu den 
bessern Stellen, denn sie figuriert in der Reihe der maiores ecclesiae, 
der höchst besteuerten. Sie war 1477 — 88 wieder von einem 
Mönch versehen worden (OAHall 268) und wird bald nachher 
dem Jörg Widman übertragen worden sein, der wohl schon damals 
{als „Sekretarius" nach dem (leburtsregister) die Komburgische 
Kanzlei besorgte. 

Im Jahr 1486 wurde ihm Georg Widman, der spätere Chronist 
geboren. Die Stammtafel nennt als Mutter, wie oben erwähnt, 
Dorothea Sibylla von Buch, und bezeichnet sie naiver Weise als 
des Thüngentlialer Pfarrers uxor. Dass freilich das Zusammenleben 
der Priester mit ihren Mägden (Pfaffenmeyden bei Herolt 118, 
sonst auch Pfaffenkeilerinnen oder Pfaffenköchinnen) vielfach die 
Festigkeit des ehelichen Verhältnisses angenommen hatte und unter 



— 13* — 

diesem Gesichtspunkt sogar vom Volke milder beurteilt wurde als 
andre, ungeregelte Ausschreitungen, ist bekannt. Wie der Chronist 
Widman selber, so ist auch wiederum sein Sohn Georg Rudolf 
Widman aus dem Konkubinat hervorgegangen, ebenso auch der 
Chronist Johann Herolt. Der letztere erzählt (a. o. 0.) mit einem 
Anflug von Humor, wie die Haller Priester ihre Mägde ungescheut 
in den langen Mänteln der ehrbaren Frauen einhergehen und so 
auch in die Kirche sitzen Hessen, und wie ein Versuch des Haller 
Rates, dem zu steuern, durch Schuld der Priester kläglich misslang. 

Als Syndikus von Hall ist Jörg Widmann bezeugt in den 
städtischen Steuerrechnungen nur von 1496 — 1510. Somit sind 
jedenfalls die 35 Jahre, welche das Geburtsregister ihm für dieses 
Amt zuteilt, falsch gerechnet; wahrscheinlich sollte es heissen: 
35 Jahre lang Notar und einen Teil dieser Zeit auch Syndikus der 
Stadt. Als Syndikus bezog er jährlich 20 fl. Seine geschäftliche 
Gewandtheit mochte ihn auch für die Besorgung der Angelegen- 
heiten des Ruralkapitels besonders geeignet erscheinen lassen; 
wenigstens finden wir ihn in dessen Rechnungen für d. J. 1510 
als einen der drei (jährlich wechselnden) Prokuratoren und zugleich 
als mit der Korrespondenz nach Würzburg betraut. 

Eine letzte Nachricht über ihn erhalten wir durch ein Akten- 
stück des Staatsarchivs von 1515, wonach ein Streit ausgebrochen 
war zwischen Stift Komburg einerseits und Georg Widman senior 
und junior andrerseits über die Pfarrei Thüngenthal. Vermutlich 
hatte der Vater Widman mit dem Stift eine Abmachung getroifen 
gehabt dahin, dass nach seinem Abgang von der Pfarrei oder nach 
seinem Tode sein Sohn die Stelle erhalten solle, und Komburg war 
nun aus irgend einem Grunde nicht mehr gesonnen, sich an sein 
Versprechen zu halten. Im genannten Jahr nun wird, unter Ver- 
mittlung des Rudolf Nagel von Eltershofen, ein Vertrag zwischen 
den streitenden Parteien geschlossen, nach welchem die beiden 
Widman auf die Pfarrei Thüngenthal verzichten, wogegen Georg 
junior ein Pfründlein und 15 fl. rheinisch jährlich erhält, bis ihm 
eine Pfründe von Hall, die gleichviel erträgt, verliehen wird. 

Bald nach 1515 muss Jörg Widman gestorben sein, vielleicht 
in diesem Jahre selbst, da in der Kapitelsrechnung von 1515 
(Dekanatsakten) unter denen, die neu in das Kapitel aufgenommen 
werden, auch Georg Widman — natürlich der Sohn — namhaft 
gemacht ist und zwar ohne den Beisatz junior, durch den er bei 
Lebzeiten seines Vaters gewöhnlich von ihm unterschieden wird. 



— 14* — 

Den Tag des Todes, Erhardi, und die Beisetzungsstätte am 
Michaelschor wird das „Geburtsregister" ohne Irrtum aufbewahrt 
haben. 

Die Genauigkeit, mit der auf die Lebensumstände dieses 
Thüngenthaler Pfarrers eingegangen ist, kann ausser Verhältnis zu 
stehen scheinen zu der Tatsache, dass der junge Widman eben 
doch gesetzlich kein Elternhaus hatte und nicht in vollem Sinne 
in der Luft der Familie aufwuchs. Allein viel hat, wie oben auge- 
deutet wurde, zu dem vollen Familienzusammenhalt kaum mehr gefehlt; 
jedenfalls beweist der Vertrag von 1515, dass der Vater für die 
Zukunft des Sohnes treuliche Fürsorge traf, und für den Sohn 
selber ist es sieher nicht ohne starken Einflnss auf seine Denk- 
und Empfindungsweise, ja vielleicht auf seine ganze Lebensrichtung 
gewesen, dass er heranwuchs unter den Augen eines Mannes, der 
ihn zur Auffassung und Wahrnehmung der kirchlichen Interessen 
vorwiegend vom rechtlichen Standpunkt gewöhnte, und der gewiss 
auch, im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit in der Haller und 
Komburger Kanzlei, in dem jungen Gemüte die erste lebhaftere 
Teilnahme für die ältere Geschichte Halls und seiner Umgebung 
wecken konnte. 

Georg Widman der Chronist. Sein schon oben ange- 
gebenes (rcburtsjahr 1486 ist berechnet auf Grund der Notizen des 
„Geburtsregisters*' über Widmans Tod: „er starb 1560, 10. Febr., 
seines Alters 73 Jahr und 6 Monat.** — Ob seine Kindheit sich 
mehr in Thüngenthal abspielte, wo der Vater Pfarrer war, oder in 
Hall, wo er als Notar und Syndikus doch auch eine Art von 
Domizil haben musste, lässt sich nicht ausmachen. Im ersteren 
Falle mag er mit dem jungen Herolt, dessen Vater seit 1480 in 
dem benachbarten Reinsberg des Pfarramtes waltete, Verkehr ge- 
pflogen haben: aus den späteren Jahren freilich sind Berührungen 
zwischen den beiden Männeni weder nachweisbar noch auch nur 
wahrscheinlich. 

Den Elementarunterricht hat Widman ohne Zweifel in der 
städtischen Lateinschule in Hall erhalten. Welche Verhältnisse in 
dieser Anstalt am Ende des 15. Jahrhunderts herrschten, hat das 
llaller Gymnasialprogramm 1888/89 S. 7 f. etwas näher geschildert. 
An der Spitze der Schule stand damals Heinrich Sieder, der in den 
städtischen Steuerrechnungen von 1485 bis 1501 als „Schulmeister** 
aufgeführt wird. Er hat übrigens eben nach dieser Quelle der 
Stadt in Sendungen nach Nürnberg, Würzburg, Koni vielfach auch 



— 15* — 

diplomatische Dienste geleistet, wie er denn 1501 ausdrücklieh 
unter den syndici der Stadt genannt ist. Er hat somit sein Schul- 
geschäft oft genug unterbrechen und seinem Kantor und Lokaten 
überlassen müssen. (Es ist derselbe, der in den Jahren 1485—89 
den Hallern die „Schmalzl)uHe'* für den Bau des Chores der 
Michaelskirehe in Rom zuwegebringen half.) Der Unterrieht be- 
wegte sieh noch ganz im mittelalterlichen Geleise, da erst von 1513 
an, unter Bartholomäus Stich (Progr. S. 10 f.) deutliche Ein- 
wirkungen des Humanismus hervortreten. 

Im Jahr 1500 bezog Widman die Heidelberger Universität; 
er wurde nach Töpke, Matrikel der Universität Heidelberg I. 438 
inskribiert am 8. Sept.; bald nach ihm wurde Eitel Treutwein, 
nachmals Doktor und Komburger Dekan, immatrikuliert, dessen der 
(Chronist öfter (S. 30. 82. 189. 372) gedenkt. Widman selber er- 
wähnt merkwürdigerweise in seiner Chronik nirgends, dass er in 
Heidelberg studiert hat, obwohl ihm, abgesehen von allerlei andern 
Stellen, besonders der Abschnitt über die Universitäten (Teil VII) 
zu einer solchen Andeutung die beste (jelegenheit geboten hätte. — 
Er war beim Beginn seines akademischen Studiums erst 14 Jahre 
alt. Dieses jugendliche Alter war für die damalige Zeit bekannt- 
lich nichts Seltenes, da die ersten Universitätsjahre durchaus noch 
dem propädeutischen Unterricht gewidmet waren und unsern oberen 
Gymnasialklasscn entsprachen. Zwei Jahre nach dieser Inskription, 
also nach Ablauf eben desjenigen Zeitraums, der sonst bis zur 
Erlangung der ersten akademischen Ehrenstufe herkömndich war, 
wird in der Matrikel auch ein Widman de Hallis als baccalarius 
artium viae antiquae aufgeführt, im Nov. 1502, aber freilich ein 
Johannes Widman. Doch kann hier kaum etwas anderes vorliegen 
als eine Verschreibung (Johannes statt des oft vorkommenden 
Jeorius oder Jorius), da weder aus Hallischen Dokumenten ein 
Johannes W. für jene Zeit aufzutinden ist, noch auch die Matrikel 
von diesem angeblichen Johannes vorher die Einschreibung be- 
richtet hat. Ganz im Einklang mit VVidmans späterer reformations- 
feindlicher Stellung wäre es dann auch, dass er als Anhänger der 
via antiqua bezeichnet wird, das lieisst des Realismus, der kirchlich 
gutgeheissenen Lehrweise, welche in Heidelberg zwar erst 1453 
eingedrungen war, aber sofort die Vertreter des hier herrschend 
gewesenen Xominalismus (der via nova) zu lebhaftem Kampf gereizt 
hatte. Gerade um die Wende des Jahrhunderts waren diese Streitig- 
keiten auf dem Heidelberger Boden l)esonders leidenschaftlich ge- 



— 16* — 

worden; sie entzweiten die Juristenfakultät mit den Artisten, 
brachten die realistischen Franziskaner in Fehde mit den noraina- 
listischen Dominikanern, spalteten die theologische Fakultät in zwei 
Parteien, verpflanzten die Zwietracht auch unter die Bursen, ent- 
luden sich in herausfordernden Thesen und ärgerlichen Disputationen 
und führten zuletzt zu offenem Tumult und blutigen Schlägereien, 
so dass der Kurfürst mit seiner Polizei oder der Papst mit seinen 
Entscheidungen eingreifen musste. Waren so die allgemeinen Zu- 
stände der Hochschule keineswegs erfreulich, so Hess das wissen- 
schaftliche Leben insbesondere viel zu wünschen übrig. Vertreter 
des jungen, frisch aufstrebenden Humanismus waren zwar während 
der Regierung des den Wissenschaften in hohem Grade zugetanen 
Kurfürsten Philipp (1476 — 1508) auch in Heidelberg zahlreich zu 
sehen, so Rudolf Agricola, Konrad Celtes, Jakob Wimpheling, Johann 
Reuchlin, allein sie konnten ihre Wirksamkeit nur am Hofe, in der 
Umgebung des Kurfürsten, entfalten, die Universität hatte schon 
1477 einen Versuch, dem humanistisch-reformatorischen Geist durch 
Berufung des Johann Wessel Bahn zu brechen, zu unterdrücken 
gewusst und betrachtete sich auch fortan als bestellte Hüterin des 
Scholastizismus — eine Haltung, die sie im grossen und ganzen 
noch bis zum Ende der Regierungszeit des nächsten Kurfürsten 
Ludwig V. 1508—44 behauptet hat. So kam der in Heidelberg 
herrschende Geist dem in Widman otfenbar früh schon entwickelten 
und durch sein ganzes Leben betätigten Zuge sich möglichst fest 
ans Alte anzuschliessen, in hohem Grade entgegen und hat zu 
seiner Verstärkung ohne Zweifel nicht wenig beigetragen. 

Von denjenigen Studien, die Widman in den ersten Jahren 
als Mitglied der Artistenfakultät zu treiben hatte, lässt sich eine 
eigentümliche Spur entdecken in der Vorrede zu seiner Chronik. 
Dort (u. S. 5) zählt er eine Reihe von Schriften des Aristoteles 
und andrer Weisen des Altertums auf, um darzutun, dass auch die 
Heiden schon in bürgerlichen und natürlichen=Sachen viel Treff"- 
liches hervorgebracht hätten. Genannt werden des Aristoteles 
libri ethicorum, politicorum, oeconomicorum, de anima, de coelo et 
mundo, de generatione et eorruptione, de morte et vita. Das sind 
ungefähr dieselben Bücher, die in den für die Tübinger Artisten- 
fakultät geltenden Statuten von 1477 und 1505 (s. Roth, Urkunden 
zur Geschichte der Univ. Tübingen S. 336) als exercicia pro 
baccalauriis cum lectione behufs Erlangung des Bakkalaureats vor- 
geschrieben werden. Da nun der Lehrgang in Heidelberg sicher 



I I 



I 

I , 



— 17* — 

im wesentlichen kein andrer war als in Tübingen, so ergibt sich, 
dass der Chronist, der einst jene Schriften auch durchgearbeitet 
hatte (wahrscheinlich eben zum Zweck des Bakkalaureats), hier 
ein kleines specimen eruditionis vorführen und sich vor dem 
kundigen Leser darüber ausweisen will, dass er ein geregeltes 
akademisches Studium durcUaufen hat. Diese Absicht darf um 
so mehr hier angenommen werden, als von jenen Aristotelischen 
Büchern nachher in der Chronik nirgends mehr Gebrauch gemacht 
wird, während die sonst in der Vorrede genannten Geschichtswerke 
und Reisebeschreibungen nachher noch hie und da zitiert werden. — 
Neben dem Aristoteles findet sich nun freilich auch Piatos Timäus 
und de immortalitate animae (also Phädo) genannt, und hier zeigt 
sich doch wohl, dass auch der Humanismus mit seiner begeisterten 
Empfehlung platonischer Weisheit auf Widman frühzeitig schon 
Eindruck gemacht hat. Dieser Eindruck muss sich später verstärkt 
haben, denn in seiner Chronik nennt er den Erasmus das Licht 
deutscher Nation (lässt ihn übrigens irrtümlich in Rotterdam be- 
graben sein), und beim Kloster Lorsch (u. S. 128) meldet er, dass 
sich da eine alte Liberei befinde, wo unter anderem opera Virgilii 
seien, von ihm mit eigener Hand geschrieben; auch seien da von 
Simon Grynäus mehrere bisher unbekannte Bücher des Livius ge- 
funden worden, die dann Erasmus herausgegeben habe. Von einer 
tiefergehenden Kenntnis oder gar Einwirkung des Erasmus ist 
übrigens bei Widman nichts zu spüren. 

Kehren wir nach diesen etwas vorausgreifenden Bemerkungen 
zu Widmans Heidelberger Studien zurück, so ist in betreflf der 
Theologie, besonders der dogmatischen, zu sagen, dass sie offenbar 
für den jungen Studenten keine grosse Anziehungskraft besessen 
hat. Zu dieser Schlussfolgerung führt mit ziemlicher Sicherheit 
die Wahrnehmung, dass der Chronist in seinen zeitgeschichtlichen 
Annalen an vielen Stellen, wo eine wenn auch nur kurze Be- 
sprechung dogmatischer Fragen sich eigentlich aufdrängen musste, 
solchen Auseinandersetzungen so gut wie überall aus dem Wege 
gegangen ist. Mehr haben ihn, neben den allgemeinen Ereignissen, 
die er mit Aufmerksamkeit verfolgte, antiquarische Studien ange- 
zogen (u. S. 4), zu denen er schon hier Material muss zusammen- 
getragen haben. Vorwiegend galt aber wohl sein Studium dem 
Jus, da er schon frühzeitig den Beruf eines öflFentlichen Notars 
und eines Syndikus nach Art seines Vaters in Aussicht genommen 
haben wird. Den juristischen Doktorgrad hat er sich nicht er- 

WOrU. G«8chicbUqaelIen 'VI. 2* 



— 18* — 

worben; gleichwohl wird man nach den damaligen Studienyerhältr 
nissen seinen Aufenthalt auf der Hochschule auf 7 — 8 Jahre ver- 
anschlagen dürfen. Dass er während dieser Zeit für die schöne 
Neckarstadt und für ihre Pfalzgrafen eine lebendige Teilni^hme ge- 
wann, wird durch viele Stellen seiner Chronik bezeugt : die Erwähnung 
des „bei der Pfleg" erbauten Trutzkaisers S. 21, des Wirtshauses 
zum Hecht S. 308, des von Herzog Ottheinrich angelegten Lust- 
gartens (ebenda), der Kirche zum H. Geist S. 309, der beiden auf 
dem Heiligenberg stehenden Klöster S. 201, ferner die Züge, die 
aus der Geschichte der Pfalzgrafen Friedrich, Ludwig, Philipp, 
Ottheinrich und des Herzogs Philipp von Neuburg (s. das Reg.) 
beigebracht werden, sind Belege dafür, wie stark er mit diesem 
Boden verwachsen war. — Es hat freilich überhaupt zwischen Hall 
und Heidelberg auch vor Widmans Zeiten schon und noch lange 
nachher stets ein lebhafter Verkehr bestanden, der sich u. a. durch 
einen reichlichen Zuzug von Hallern zur Neckarhochschule äusserte. 
(Vgl. für die Zeit kurz nach Widman Kerns Biographie des 
Coccius in W.Fr. N.F. VIII, S. 87, für die spätere Zeit im o. a. 
Progr. S. 48.) 

Über die nächsten Jahre nach der Studienzeit lässt sich nichts 
ermitteln. Vermutlich hat Widman sie zu Hause zugebracht und 
ab und zu seinem lebhaften Reisetrieb, soweit es möglich war 
(u. S. 4 und 5), Genüge geleistet, besonders um da und dort die 
berühmteren Benediktinerklöster aufzusuchen, für welche ihm durch 
Komburg Anknüpfungspunkte gegeben waren. Man vergleiche in 
dieser Beziehung den Abschnitt über Alpirsbach, der Autopsie 
vermuten lässt, und seine frühzeitig einsetzende Verbindung mit 
Murrhardt. 

Im J. 1515 war er jedenfalls in Hall. Nicht bloss wird seine 
persönliche Anwesenheit in der oben berührten Abmachung mit 
Komburg über die Thüngenthaler Pfarrei vorausgesetzt, sondern er 
tritt in diesem Jahr, wie ebenfalls oben schon erwähnt, in das 
Haller Kapitel ein.^) Er bezahlte nach der Kapitelsrechnung pro 



*) Über die äussere Beschaifenheit des Haller Ruralkapitels vor der 
Reformation geben die in der Dekanataregistratur aufbewahrten Kapitels- 
rechnnngen, die sich über die Jahre 1508—1623 erstrecken, genauen Aufschluss. 
Danach umfasste das Kapitel nicht bloss die im jetzigen Oberamt Hall liegen- 
den Pfarreien St. Michael und St. Katharina in Hall, Erlach-Gelbingen, West- 
heim, Stöckenburg, Münkheim, Reinsberg, Thüngenthal, Michelfeld, GottwoUs- 
hausen, Altdorf, Aspach, Lorenzenzimmem, Hassfelden, Gailenkirchen und üuter- 
limpurg, sondern auch noch aus dem Oberamt Gaildorf: Gaildorf, Fichtenberg, 



1 



— 19* ~ 

iueando introita das übliche Eintrittsgeld von 10 ß. Bald nachher, 
nämlich im J. 1518, hat dann das Komburger Stift auch das im 
Vertrag von 1515 eingegangene Versprechen eingelöst, indem es 
•dem jetzt Zweiunddreissigjährigen die einträgliche Pfarrei Erlach- 
Oelbingen fibertrug. Auch diese Pfarrei war längst (seit 1422) 
inkorporiert, gleichwohl muss sie die einträglichste aller Pfarreien 
gewesen sein, denn unter den maiores ecclesiae (s. o.) steht sie 
•obenan, indem sie in simplici decimatione (bei einfacher Erhebung 
•des Wfirzburgischen Bistumszehntens) mit 6 fl. angelegt war, während 
•die übrigen 3 — 1 fl. zu entrichten hatten. Stift Komburg hat wohl 
durch die Verleihung dieser Pfarrei nicht bloss sein Versprechen 
«rfnllen, sondern auch den Verdiensten, die Widmans Vater um 
das Kloster sich erworben, eine Anerkennung bezeugen und zugleich 
den Sohn möglichst fest an die Interessen Komburgs knüpfen 
wollen — eine Absicht, die ihres Zieles nicht verfehlte. 



Oberroth, Oberfischach, Mittelfisehach, Ottendorf, Salzbach a. K., Geifertshofen 
Laufen a. K., Schönberg und Michelbach, ans dem Oberamt Ellwangen Bühler- 
thann und Bühlerzell, aus dem Oberamt Welzheim Kirchenkimberg, dazu noch 
•eine Kirche in Mnrrhardt. Neben diesen geschlossenen Pfarreien gab es noch 
«ine grosse Zahl von Einzelpfründen, non curata beneflcia, die zu den Zwecken 
«des ELapitels mit beizusteuern hatten, nämlich innerhalb Halls der Marienaltar 
Magdalenen-A., Wendelins-A., Kreoz-A., Nikolaos-A., Apostel-A., Dreikönigs-A., 
•Ulrichs- A., Kemer- (Kirchhofs-) Altar, Ambrosius-A., Leonhards-A., Franziskus- A., 
^arienaltar in der Veldnerin Kapelle: diese alle in oder bei St Michael; femer 
•Georgsaltar in der Schuppach, Jodokasaltar in der Josenkapelle, Martins-, 
Johanns des Täufers- und Ottüien-Altar, diese drei im Spital, Johanns des 
Evangelisten, Marien- und Erhards-Altar in St Katharina, endlich noch ausser- 
!halb Halls 14 Altäre, Elaplaneien und Frühmessereien. — Der Bestand des 
Kapitels ist somit im ganzen derselbe wie 1463 (W. Vjh. 1879, 281 ff.) ; eine 
•starke Vermehrong zeigt sich besonders in den Einzelpfründen der Stadt Hall. 
Die Summe aller zum Kapitel gehöriger Kleriker ist im J. 1517 77, hierunter 
betragen die städtischen (gegen OA.Beschr. Hall S. 172) etwa 24, ausser den im 
iBarfüssOTkloster und in St. Johann befindlichen Priestern. — Die jährliche 
KApitelsversammlung fand statt am Dienstag nach Kantate. Die regelmässigen 
Geschäfte, die hier zu erledigen waren, bestanden in gemeinschaftlicher Begehung 
einer Messe (conununis missa), für welche die Teilnehmer ein Präsenzgeld er- 
hielten, in der Rechnungsablegung der drei Kapitelsprokuratoren und in der 
Wahl neuer Prokuratoren. Den Beschluss machte ein fröhliches Mahl (zecha) 
das wohl in jenen Jahren den Höhepunkt der Kapitelstätigkeit bildete, wie denn 
in den Bechnungen die Bestandteile und Leckerbissen desselben manchmal mit 
naiver Pünktlichkeit auf|geführt sind. — Die durch die Beformation um 1541 
durchgeführte Neugestaltung des Haller Kapitels Hess den äusseren Bestand 
ziemlich unverändert, während freilich die Lehrgmndlage und die Tätigkeit 
•eine neue wurde. 



— 20* — 

So war nun Widman in. den Ruhepoii: eines festen Amtes: 
eingelaufen und hatte durch die grosse Nähe Gelbingens bei Hall — 
Gelbingen war zwar bloss Kaplanei, aber der Pfarrsitz war gleich- 
wohl hier und nicht in Erlach — den Vorteil, auch seinen Ver- 
pflichtungen in der Stadt und in Komburg ohne grössere Be- 
schwerlichkeit gerecht werden zu können. In Hall war er, ungewiss- 
seit wann, als Notarius publicus tätig; erwähnt wird er als solcher 
z.B. 1537; Bemerkungen, die in dieses Gebiet einschlagen (über 
Erbschaftsordnung, Testamentsvollstreckung), finden sich in der 
Chronik z. B. S. 86 und 244. Dem Stift Komburg sehen wir ihn 
bald allerlei Dienste notarieller, juristischer, allgemein geschäftlicher 
Art leisten: 1529 ist er in solchen Geschäften auf dem Tag des 
Schwäbischen Bundes in Ulm, 1530 besucht er sechsmal den. 
Augsburger Reichstag, u. a. um für das Stift ein kostbares Edel- 
steinkreuz zu veräussern (S. 172 f.), 1533 entscheidet er als^ 
Syndikus den Streit eines Haller Bürgers mit Komburg, 1536 
fungiert er neben andern Männern als „Verwalter" des Stifts, 1546, 
in der Notzeit des schmalkaldischen Kriegs, beschafft er für Komburg^ 
in aller Eile die Summe von 1000 fl., um durch dieses Brand- 
schatzungsgeld den Abzug der hessischen Truppen zu erkaufen 
(S. 311). Von welchem Zeitpunkt an er diese Tätigkeiten übte 
als „Syndikus", d. h. als Kanzlei vorstand und Rechtskonsulent 
(cancellariae director et consiliarius), ist nicht zu ermitteln, erstmals 
wird er mit diesem Titel genannt 1533. 

Auch zum Kloster Murrhardt stand er in einem ähnlichen 
Verhältnisse; schon anfangs der zwanziger Jahre wird er von Abt 
Oswald angegangen, auf Grund der Klosterdokumente eine Geschichte 
des Klosters zu schreiben, welche wohl eben auch dem Zweck 
dienen sollte, gegenüber den AngriflFen, die von allerlei äussera 
und innem Feinden auf das Klostervermögen gemacht wurden,, 
dessen Besitztitel nachdrücklich zu betonen, und noch 1548, als 
durch das Interim das Klosterleben in Murrhardt wieder aufgerichtet 
wurde, sehen wir ihn bei der Einweihung des neuen Abtes Thomas 
Karlin amtlich assistieren (u. S. 141). 



Von 1518 an verläuft Widmans Leben, da er die Pfarrei 
Erlach bis in sein Alter versah, ohne wesentliche äussere Störungen 
oder Veränderungen. An innerer Bewegung und Unruhe kann es 
freilich auch bei ihm nicht gefehlt haben, da eben in die ersten. 



— 21* — 

Jahre seines Pfarramtes zugleich die Anfänge der Reformation 
fallen, unter deren Einwirkung auch im Hallischen Gebiete alles 
mächtig auf eine Umgestaltung des kirchlichen Lebens hindrängte. 
Widraan sieht das Neue nfit Befremden hervorbrechen und bringt 
ihm, je mehr es draussen im Reiche und in nächster Nähe in der 
ulten Reichsstadt festen Fuss fasst, um so mehr die Gefühle unver- 
hohlener Entrüstung und Erbitterung entgegen. Zu den Jahren 
1519 ff. sagt er (S. 33): „Um diese Zeit hat der Luther seinen 
Zwiespan wider der Kirchen etliche Gebrauch zu schreiben angehebt. 
Der fromm Kaiser Karle hätte die Sach gern gut gesehen und Wege 
vorgenommen, damit die Span der Religion nit auflaufen . . . aber 
<ia waren wenige, die Frieden begehrten." Eben da wird die ganze 
Entwicklung von 1521 — 1525 in den Satz zusammengefasst : „Die- 
weil sich Kaiser Karl von solchem Reichstag (zu Worms) wieder 
in Hispanien verfügte, sind durch etliche aufrührische Prädikanten 
viel Sekten und Empörungen in Deutschland entstanden, die Stühle 
auf die Bank gestiegen, in Summa es geriet zu einem grossen 
Auflauf deutscher Nation." Besonders reichlich fliessen Widmans 
Äusserungen seit 1528, wo die zeitgeschichtlichen Annalen einsetzen. 
Sein Widerwille prägt sich hier scharf genug schon in den Namen 
aus, mit denen er die evangelische Richtung und ihre Anhänger 
belegt: die Lutterei, die Lutterische Sekte, das Lutterische Irrsal 
S. 238, die Lutterische Religion; 1533 hat zu St. Johann in Hall 
Lutterei angehebt S. 370, 1534 richtet Herzog Ulrich die Lutterei 
ein S. 260; beim Interim 1549: Lutterei erhebt sich, sie sind 
■wieder in Lutterei gefallen S. 337. Das Abendmahl nach evange- 
lischem Ritus wird „der lutterische Herrgott", und der Haller Prediger 
Isenmann ein „laiischer Pfarrherr" genannt S. 360. Sonst heissen 
ihm die evangelischen Prediger immer die lutherischen Prädikanten, 
und er wirft ihnen öfter eifernde Benützung der Kanzel für 
politische Zwecke und lügnerische Verdrehung der Tatsachen vor 
S. 303, 310 u. f. Besonders stark ist Widmans Abneigung gegen 
Philipp den Landgrafen von Hessen, den er meist geringschätzig 
„der Hess" nennt (S. 239 flf.) und der Anmassung zeiht, er habe 
wollen Kaiser werden, so zwar, dass er dem sächsischen Kurfürsten 
den Titel des Kaisers, sich selbst aber die tatsächliche Gewalt zu- 
gedacht habe — eine Beschuldigung, die freilich damals weit ver- 
breitet gewesen sein muss und auch bei den Franzosen Glauben 
gefunden hat. Er beschuldigt den Landgrafen auch wilder 
Plünderungen, verübt an Kirchen und Klöstern, ja des Betruges 



— 22* — 

gegen seine eigenen Bundesgenossen S. 312; als die schlimmste» 
Stücke rückt er ihm seine Bigamie vor und die Beraubung de» 
Leichnams der h. Elisabeth in der Marburger Kirche S. 344. 

Zu voller Schärfe und zu kaum verhaltener Leidenschaftlichkeit 
steigert sich des Chronisten Urteil und Stimmung, je mehr die Dinge 
dem Schmalkaldischen Kriege zutreiben : die Schmalkaldischen sind 
conspiratores, ein Ausdruck, mit dem sich Widman freilich nur 
eben unbedingt auf die kaiserliche Seite stellt, da gerade diese 
Bezeichnung in der kaiserlichen Achterklärung gebraucht wird. 
Das ganze Bündnis ist ihm nur eine Anzettelung und ein Machwerk 
Philipps („Landgraf von Hessen und sein Schmalkaldischer Bund*'^ 
S. 294), es ist direkte Auflehnung gegen den Kaiser, wird daher 
auch von Gott durch unmittelbares und wunderbares Eingreifen zu 
Schanden gemacht (Gott sandte jählings eine Furcht in die Schmal- 
kaldischen S. 307). Dem Sebastian Schärtlin wird, weil er die 
Güter des Augsburger Bischofs ange^flfen und Kirchen und Klöster 
geplündert, Ehrlosigkeit vorgeworfen S. 303, nicht minder auch 
grobe Undankbarkeit gegen den Kaiser S. 320. Das hessische 
Kriegsvolk, das 1546 die Komburg besetzt und zur Kontribution 
heranzieht, nennt Widman mit Grimm „hessische Buben", un^ 
nicht ohne sichtliche Befriedigung, ja mit einem gewissen Triumph- 
gefühl berichtet er von den schweren und lange fortgesetzten Miss- 
handlungen, die der Landgraf zu dulden hatte, von seinem Herum- 
geschlepptwerden durch das spanische Kriegsvolk und von der 
demütigenden Haltung, in der er auch einmal in Hall in der Michaels- 
kirche unter spanischer Bewachung an der Messe sich beteiligen 
musste. 

Diese Beispiele, die beträchtlich vermehrt werden könnten, 
reden eine deutliche Sprache. Noch beredter ist vielleicht an ge- 
wissen Stellen Widmans Schweigen. Von Luther redet er nur 
ein paarmal, um den Anfang und das Ende seiner Wirksamkeit 
zu melden, stets mit der geringschätzigen Wendung: der Lutter 
(S. 33. 296. 299). Er ist ihm nur ein Zwietrachtstifter, der gegen 
einzelne Kirchengebräuehe auftritt. Von Johannes Brenz, dessen 
besonnene, vom Geist der Milde getragene Wirksamkeit sich in 
seiner unmittelbaren Nähe während voller 25 Jahre entfaltete, be- 
richtet er — abgesehen von einer kalten Erwähnung seiner Ab- 
ordnung zum Regensburger Gespräch von 1546 S. 298 — gar 
nichts; mit eisigem Schweigen geht er an dieses Mannes hoch- 
ragender Persönlichkeit, an seinen für die Haller Kirche und 



— 23* — 

Reichsstadt hochbedeutenden refonnatorischen Akten, und ebenso 
an seinen durch das Interim 1547 herbeigeführten Drangsalen 
vorüber. Weiter: beim Speirer Reichstag 1529 erwähnt er zwar 
die Protestation der 8 Fürsten, aber er kann seine Freude nicht 
verbergen, dass die nach Spanien zum Kaiser geschickten Gesandten 
der Protestierenden keine Audienz erlangen (S. 244), beim Augs- 
burger Reichstag 1530 wird zwar von den Komburgischen Geschäften 
und den gesehenen Merkwürdigkeiten allerlei berichtet, nichts da- 
gegen von der Augsburger Konfession (S. 172. 245 f.), bei dem 
die schwere Kampfeszeit abschliessenden Augsburger Reichstag von 
1555 heisst es S. 339 gar: „Nichts Besonderes sonst (nämlich ausser 
der Versöhnung der Ottinger Grafen) ausgerichtet". Von dem 
wichtigen Religionsfrieden kein Wort. 

Also eine stark ausgeprägte und entschlossene, von Anfang 
bis zum Ende fortdauernde, durch keinerlei Schwanken beirrte, 
durch keine auch noch so karge Anerkennung der andern Seite 
gemilderte Gegnerschaft gegen den evangelischen Standpunkt und 
seine Vertreter. 

Aus welcher Wurzel, so fragen wir, erwuchs wohl diese 
Feindschaft, und aus welchem Grunde besonders war ihm die neue 
Bewegung so anstössig? Dogmatische Fragen sind offenbar, vrie 
oben schon berührt, wenig im Spiele gewesen, sie haben ihn jeden- 
falls nicht tiefer beschäftigt. Sein Gesamturteil lässt sich am besten 
erkennen aus einer Äusserung, die er gelegentlich des Augsburger 
Reichstags von 1530 hinwirft. Die Lutherischen, sagt er da (S. 246) 
appellierten vom Reichstagsabschied an ein künftiges Konzil. „Macht 
mans, wie es ihnen gefiel, so wärs christlich, wo nit, so wärs nit". 
Es ist also ein schrankenloser Subjektivismus, was er ihnen schuld 
gibt und worin er das Verderbliche und Verwerfliche der ganzen 
Bewegung sieht. Die alte Kirche ist ihm die göttliche Rechts- 
ordnung, an der nicht darf gerüttelt werden ; und jener Rechtsboden, 
auf dem sich seine berufliche Tätigkeit als Notar und Syndikus 
vollzieht, ist im Grunde derselbe, der ihm auch für die wichtigsten 
Fragen des kirchlichen Lebens massgebend ist. Da die neue Be- 
wegung diesen uralten Rechtsbestand, und zwar nicht bloss den 
kirchlichen, sondern auch den aufs engste damit verflochtenen 
staatlichen, an so vielen Punkten in Frage stellt, antastet, durch- 
bricht, so ist sie ihm ein fortgesetzter Rechtsbruch ; die Reformatoren 
sind kirchliche Rebellen, wie die Schmalkaldischen Bundesgenossen 
politische. Daher stellt er z. B. die Absage der Schmalkaldischen 



— 24* — 

an das Reichskammergericht auf gleiche Linie mit einer Ver- 
werfung Gottes selber 279 f., und wie die erste ungünstige 
Wendung im Sehmalkaldiselien Kriege erfolgt, sagt er: „In Summa, 
es half (den Protestanten) alles nichts, denn welcher will seiner 
natürlichen Obrigkeit widerstreben, hat kein Gott** (S. 310). Diese 
juristische Betrachtungsweise tritt u. a. auch darin hervor, dass die 
Einziehung von Kirchengütem und die Plünderung von Kirchen und 
Klöstern mit besonderer Entrüstung registriert wird (man vergl. 
S. 303. 312. 344. 364 f., sowie die längere Auslassung S. 174 f. 
über den Unsegen, der auf Kirchengütereinziehung ruhe), wie dann 
auch umgekehrt die Stiftung und Ausstattung der Bistümer und 
Klöster im VI. Teil der Chronik mit grösster Beflissenheit vorge- 
tragen wird. 

Der Standpunkt des formalen Rechtes, den wir von Widraan 
vertreten sehen, ist bei ihm um so begreiflicher und in gewissem 
Sinne berechtigter, als er immer Komburgischer Pfarrer blieb, und 
als er ferner in seiner Eigenschaft als Komburgischer Syndikus 
durch seine Amtspflicht auf ungeschmälerte Erhaltung des alten 
Besitzstandes hingewiesen war. Freilich war diese äusserliche 
rechtliche Betrachtungsweise nur die eine Seite der Sache, für die 
andre wichtigere aber, die religiöse Seite der neuen Bewegung, 
hatte er keinen Sinn. 

Wie ist es aber möglich, fragen wir erstaunt, dass ein Mann 
mit solchen Ansichten und Urteilen über die Reformation auf die 
Dauer im Verband einer Reichsstadt bleiben konnte, die doch 
wenigstens seit 1530 eine entschieden evangelische Politik ver- 
folgte, die 1534 durch Schliessung der beiden letzten katholischen 
Kirchen Halls das Reformationswerk durchgeführt hatte, 1538 dem 
Schmalkaldischen Bunde beigetreten war und 1541 auch das 
Hallische Ruralkapitel in evangelischem Sinne umgestaltet hatte — 
das Kapitel, das auch für den Erlacher Pfarrherrn nun seine nächste 
Obrigkeit bildete? 

Zur Beantwortung dieser Frage muss auf zweierlei hingewiesen 
werden: die schärfsten der vorhin erwähnten Urteile hat Widman 
sicherlich nicht in die Öffentlichkeit hinausgeworfen, sondern in 
seinem Pult verwahrt. Die Annalen, denen sie entnommen sind, 
hat er ja bei seinen Lebzeiten aus begreiflichen Gründen nicht zu 
allgemeiner Kenntnis gebracht, sondern geheimgehalten oder bloss 
seinen engeren Gesinnungsgenossen zum Lesen anvertraut. Diese 
Annalen sind ihm eben sozusagen das verschwiegene Kabinett, in das 



— 25* — 

er sich flüchtet, um seinem Unmut Luft zu machen und seine Ent- 
rüstung sich vom Herzen zu reden. 

Völlig aber seine Stellung zu verbergen und unter evangelischem 
Scheine als ein verkappter Anhänger des Alten sich durch sein 
Amt und Leben zu schleichen, war er doch durchaus nicht gesonnen. 
Er hat vielmehr bis 1540 die Messe, soweit es anging, nach 
katholischem Ritus weiter gefeiert, hat seine engen Beziehungen zu 
Komburg und Murrhardt in der alten Weise fortgeführt und hat 
vor allem mit denjenigen Persönlichkeiten in und um Hall, die 
dem Alten zugetan blieben, so den Familien Spiess, Eltershofen, 
Treutwein, den Wolmershausen in Amlishagen, die Verbindung 
aufrechterhalten und wohl zum Teil auch lebhafteren Freundschafts- 
verkehr gepflogen. 

Wenn er gleichwohl vom Haller Kapitel und Magistrat nur 
in den Jahren 1540 — 42 mit schärferen Disziplinarmassregeln an- 
gefasst wurde (worüber Näheres u.), so sind beide Behörden sicher 
von der Erwägung ausgegangen, dass billige Nachsicht geübt werden 
müsse überhaupt in einer solchen schwierigen Übergangszeit, und 
dass ein besonders schonendes Verfahren geboten sei gegenüber 
einem Beamten, der wie Widman in schwerer Pflichtenkollision 
stehe zwischen seinen Komburger und seinen Haller Vorgesetzten. 
Diesen Standpunkt billiger Rücksichtsnahme auf den Zwang und 
Drang ver^vorrener Verhältnisse und auf die Schwäche der mensch- 
lichen Natur wird auch der heutige Beurteiler nicht ganz auf- 
geben können. 



Es schien zweckmässig, die Stellung Widmans zur Reformation 
im Zusammenhang zu behandeln und daher manche in seine 
spätem Jahre fallende Tatsachen und Äusserungen hier schon 
hereinzuziehen. Nun ist noch von seinem äussern Lebensgaug, 
wie er sich seit 1518 gestaltete, das Wichtigste zu berichten. Eben 
in dieses Jahr fallen auch die Anfänge eines Hausstandes. Anna 
Gross, Tochter des Hans Gross von Bühlerthann, die ihm sein 
Hauswesen in Gelbingen besorgte, wurde ihm bald die Mutter einer 
reichen Kinderschar. Dieses Zusammenleben ist in der Folge in 
die Form einer geordneten Ehe übergeführt worden. Über den 
Zeitpunkt der Änderung lassen sich aber bloss Vermutungen auf- 
stellen. Im J. 1524 haben nach Herolt S. 114 die von Hall den- 
jenigen Priestern, „so unehelich sassen, ihre Concubin verboten oder 



— 26* — 

dieselben zu ehelichen" (geboten). „Dann sie seither kein unehe- 
lichen Beisitz, nit allein von Priestern, sondern von andern Bürgern 
mehr gestattet haben. *^ In genanntem Jahr also wird Widman 
ehelich geworden sein. Dieser Zeitansatz stimmt im allgemeinen 
zusammen mit der Aussage, die Widman 1542 vor dem Kapitel 
über seinen Familienstand abgegeben hat. Er erklärt dort (s. WFr. 
NF. VI, 35 f.) mit der Anna Gross, von der alle seine Kinder stammten, 
sei er ehelich verbunden, und zum Beweise dessen wies er einen 
Brief vor, in welchem der Ratsherr Gabriel (Senft) und der „schon 
lange verstorbene" Priester Michael SteflFani bezeugten, sie 
hätten angeordnet, dass die Bestätigung dieses Ehebundes feierlich 
begangen werde in dem Gotteshaus des h. Michael. — Auch Kom- 
burg bezeigt der heranwachsenden Familie sein Wohlwollen : schon 
1526 schenken Dechant und Kapitel der Anna Gross und ihren 
Kindern Georg Rudolf und Florentina einen Weinberg bei Gelbingen 
und 1536 einen Wasen bei der Gelbinger Kelter (W.Vjh. 1880, 
S. 226) — ein Beweis, wie beflissen Komburg war, dem Gelbinger 
Pfarrer indirekt Wohltaten zuzuwenden, und wie mild es das ganze 
Verhältnis beurteilte, während es freilich in der Formulierung der 
Schenkung den Standpunkt des kanonischen Rechtes nicht verliess. 

Von dem Bauemaufruhr 1525, dem in der Chronik nur ein 
kurzer Abschnitt S. 48 f. gewidmet ist, wurde Widman auch per- 
sönlich betroffen, sofern die erste Frucht seiner schriftstellerischen 
Tätigkeit, die im Auftrag des Murrhardter Abtes verfasste Murr- 
hardter Chronik, wenige Tage nachdem sie (am 24. März 1525) 
dem Abt überreicht worden war, durch den Gaildorfischen Haufen 
zugleich mit vielen andern dem Kloster gehörigen Büchern und 
Pergamenten zerrissen und sehnöde verunsäubert wurde. 

Im J. 1529 und 1530 sehen wir ihn öfter in Geschäften (s. o.) 
auswärts. Beim Augsburger Reichstag hatte er Gelegenheit, Kaiser 
Karl V., dessen Frömmigkeit er öfters in Chronik und Annalen 
rühmt, von Angesicht zu sehen und die Leutseligkeit, die er im 
Verkehr mit dem gemeinen Mann bewies, zu bewundem. Die 
merkwürdige und unerwartete Art, wie das Komburger Finanz- 
geschäft, das ihn nach Augsburg geführt hatte, durch das Ein- 
greifen des Würzburger Bischofs Konrad von Thüngen seine Er- 
ledigung fand, hat er selbst S. 172 f in anschaulicher Weise 
erzählt. 

1533 veranstaltete der Haller Magistrat eine grossartige Fast- 
nachtslustbarkeit, welche von Estomihi bis Freitag nachher dauerte 



— 27* — 

und viele hohe Herren, so zwei Hohenloher Grafen, den Murr- 
hardter Abt, den Limpui^er Schenken Wilhelm, die Herrn von 
Vellberg und viele andre Adelige in den Mauern der Stadt ver- 
sammelte. Beide Rathäuser und dazu noch die neue Trinkstube 
wurden für die Speisung der Gäste und ihrer Diener und für die Tanz- 
vergnfigungen hergerichtet, und Widman hatte als vom ehrbaren Rat 
bestellter und mit genauer Instruktion versehener „Küchenmeister" 
nicht bloss den Küchenzettel zu machen und für die richtigen Weine zu 
sorgen, sondern auch zur Unterhaltung der hohen Gäste das Seinige 
beizutragen, eine Aufgabe, der er sich durch Anfertigung und 
Abhaltung von zwei „Fastnachtsspielen" entledigte (S. 367 f.). Die 
Kosten des Festes beliefen sich für die Stadt auf mehr als 1000 fl. 
Die bunte Mischung dieser Gesellschaft: der katholische Abt und 
der wenigstens dem Namen nach noch der alten Kirche zugehörige 
Limpurger Schenk (erst 1544 erklärte er sich für die Reformation) 
inmitten der evangelischen Reichsstadt und andrer evangelischer 
Herren, sie alle versammelt zu fröhlichem Fastnachtstreiben, und 
der Pfarrherr und Syndikus Widman als Küchen- und Vergnügungs- 
meister — dieses ganze Bild führt uns doch recht in eine Über- 
gangszeit hinein, wo Altes und Neues in merkwürdig schillerndem, 
naiv-komischem Verein sich wieder für eine kleine Weile zu- 
sammenfinden. 

Die kränkende Behandlung, die Widman aus demselben Jahre 
meldet (S. 369), wo ihm bei Gelegenheit der für den Ausbau des 
Büchsenhauses erforderlichen Erdarbeiten sein Garten unmittelbar 
bei „des Predigers altem Hause" verschüttet und sein dabei be- 
findliches Pfründhaus genommen und abgebrochen wurde, ist 
sicherlich mehr auf plumpes und rücksichtsloses Vorgehen der 
Bauherren als auf eine feindselige Anweisung des Magistrats 
zurückzuführen. 

Schmerzlicher musste es ihn berühren, dass 1534 die beiden 
letzten Zufluchtsstätten des alten Kultus in Hall, die Schuppach- 
und die Johanniterkirche, geschlossen wurden, und dass im nahen 
Württemberg durch den raschen und glücklichen Feldzug dieses 
Jahres Herzog Ulrich sein Land wiedergewann und nun dem 
Evangelium freie Bahn verschaffte. — Ein gewisser Trost gegen- 
über diesen Erlebnissen und zugleich eine wertvolle Anerkennung 
mochte es für ihn sein, dass er, ebenfalls 1534, von Bischof 
Konrad von Thüngen die Pfründe an unser Frauen Altar in 
St. Michael erhielt. Jedenfalls sah er in dem Würzburger Bischof 



— 28* — 

nach wie vor seine eigentliche kirchliche Obrigkeit, und er wie 
sein Thüngenthaler Kollege, also die beiden Pfarrer Komburgischer 
Kollatur, haben in Gemässheit dieser ihrer persönlichen Stellung 
und Anschauung auch den Messgottesdienst fortgesetzt, bis die 
Sache zu einem ärgerlichen Zwiespalt zwischen den Geistlichen 
und ihren Gemeinden gedieh. 1540 hat dann der Haller Magistrat 
den beiden Pfarrern die Kelche und Messgewänder einschliessen 
lassen und ihnen befohlen, yon der Messe abzustehen und die 
Predigt und das Sakrament in evangelischer Weise zu verwalten. 
Die Schärfe des Vorgehens erklärt sich daraus, dass verschiedene 
Mahnungen vorausgegangen, aber fruchtlos geblieben waren. Widman 
scheint als Antwort auf diese Massregelung die Bitte eingereicht 
zu haben, man möge ihn wegen Alters und Kränklichkeit seines 
Amtes entheben (WVjh. 1880, S. 227 aus StA.). Diesem Gesuch 
wurde aber keine Folge gegeben, wohl auch darum, weil unter- 
dessen die Sache auf den Rechtsweg geleitet war. Der Dechant 
von Komburg verklagte als Lehensherr dieser Pfarreien die Reichs- 
stadt vor dem Kammergericht und war willens bis zum äussersten 
zu gehen. Doch wussten die Haller den Streit beizulegen und vom 
Kammergericht Absolution zu erlangen. Als dann im J. 1541 durch 
Brenz und Isenmann das Ruralkaptiel neu konstituiert war als 
evangelische Oberbehörde für die Organisation, Visitation und 
disziplinare Beaufsichtigung der Gemeinden, kam auch diese Sache 
wieder zur Verhandlung, und es wurde auf Begehren der Gemeinde 
dem Gelbinger Pfarrer befohlen, seine Kirche nach dem Vorbild der 
Hallischen zu reformieren — aber auch diesmal umsonst. Der 
zähe Widerstand, den wir Widman hier leisten sehen, steht wohl 
im Zusammenhang damit, dass den Anhängern der alten Kirche 
durch die Anwesenheit des Kaisers in Hall ein moralischer Rück- 
halt zuteil geworden war. Am 11. und 12. Febr. 1541 nämlich 
weilte Karl V., und zwar zum ersten Male, in den Mauern der Reichs- 
stadt und Hess sich, nachdem er schon beim Empfang mit lebhaften 
Versicherungen dienstfertigen Gehorsams von Städtmeister und Rat 
begrüsst worden war, in aller Form von Rat und Gemeinde huldigen. 
Der Schwörende musste sein Versprechen bekräftigen mit den 
Worten: „So wahr mir Gott helfe und die Heiligen** (u. S. 268). 
Widman setzt freilich hinzu: „Das Wort von den Heiligen nit viel 
nachsprachen" ; aber formell konnte der ganze Akt immerhin ver- 
wertet und ausgedeutet werden zu Gunsten der alten Kirche. Da 
er ferner die Vorgänge, die sich hier abspielten, mit ausserordent- 



— 29* — 

licker Genauigkeit besehreibt, so ist nicht anwahrscheinlich, das9 
ihm, vielleicht in seiner Eigenschaft als Kombnrger Syndikus, die 
Ehre zuteil geworden war, in grösserer Nähe bei der Person des 
Kaisers sich zu bewegen. Im J. 1542 um Maria Reinigung kam 
auch König Ferdinand nach Hall und erhielt einen ähnlich gEnzen- 
den Empfang wie sein kaiserlicher Bruder. All dies mochte den 
Komburger Pfarrer in seinem Widerstreben bestärken. — Nun aber 
war auch des Kapitels Geduld erschöpft, und Widmann wurde an 
Christi Himmelfahrt (19. Mai) 1542 auf das Rathaus nach Hall ge- 
fordert, damit er sich vor den versammelten Visitatoren rechtfertige 
über die Gründe, warum er bisher vom Kapitel weggeblieben, und 
sodann über seine Lehre und sein Leben. (NF. VI, S. 35 f. und 
Herolt 125, Anm.) Er entschuldigte sein Ausbleiben mit Kränk- 
lichkeit, erklärte im übrigen, den Anordnungen der Haller Obrigkeit 
in keiner Weise entgegentreten zu wollen. Er bekenne sich zur 
Lehre des Evangeliums und brauche des Brenz Homilien zum 
Lukas. In betreff seines „Lebens** d. h. seines Hausstandes gab er 
die oben schon besprochene Erklärung ab über die kirchliche 
Weihung seiner Ehe. Dieser letztere Akt muss freilich von ihm einst 
mit so grosser Heimlichkeit vollzogen worden sein, dass er der 
Haller Behörde so gut wie unbekannt geblieben war. 

Hiemit hatte sich Widman wenigstens äusserlich in Einklang 
gesetzt mit der neuen Kirche und seine Bereitwilligkeit zum Ge« 
horsam bezeugt. Er ist von nun an, wie spätere Vorgänge schliessea 
lassen, in den Kapitelsversammlungen erschienen, wenn nicht regel- 
mässig, doch von Zeit zu Zeit. Seine geheimen Wünsche und 
Neigungen aber gehörten nach wie vor der alten Kirche, die Auf- 
zeichnungen über den Schmalkaldischen Krieg lassen darüber nicht 
den mindesten Zweifel, und es wird für ihn, bei dem vielen auf- 
gespeicherten Groll, den er im Busen trug, ein eigentümliches Ge- 
fühl gewesen sein, mitanzusehen, wie all diese evangelischen Reichs- 
städte, auch Hall, sich in den Staub demütigen mussten vor dem 
siegreichen Kaiser, wie sie seufzten unter den schweren Strafgeldern,, 
wie die zwei gefangenen Fürsten herumgeschleppt wurden, wie mit 
dem Interim auch der alte Gottesdienst wieder seinen Einzug hielt, 
und wie auch in Hall die hervorragenden Wortführer des Neuen, 
zuerst der Stadtschreiber Wurzelmann, dann die Prediger Brenz, 
und Isenmann in die Verbannung wandern mussten. Und die 
tCrone sollte, wie es schien, seinem Herzenswunsche aufgesetzt 
werden dadurch, dass auch das Klosterleben in Murrhardt wieder- 



— 30* — 

hergestellt wurde. Die Hoffnungen freilich, die er an die Einsetzung 
eines neuen Abtes 1548 knüpfte, gingen nicht in Erfüllung, denn 
wenige Jahre nachher, 1552, trat der neue Abt Hofsess auf die 
evangelische Seite über (u. S. 141. 373). 

In die mit eben diesem Jahr 1552 beginnenden Kriegsunruhen, 
die durch des Kurfürsten Moritz von Sachsen plötzlichen Stellungs- 
wechsel und jähen Überfall des Kaisers verursacht wurden, sahen 
sich auch die fränkischen Lande mit verwickelt. Markgraf Albrecht 
Alcibiades von Branden burg-Baireut, der wilde Bandenführer im 
Stil der italienischen Condottieri des 14. und 15. Jahrhunderts, 
leistete zuerst dem sächsischen Kurfürsten Beistand und brand- 
schatzte, ohne sich an den Passauer Vertrag zu kehren, die Main- 
und Rheingegenden, wobei er mit besonders grimmiger Freude die 
Bischöfe von Würzburg und Bamberg bedrängte, ohne übrigens 
die evangelischen Reichsstädte zu verschonen. Dann söhnte er sich 
mit dem Kaiser aus, half ihm bei seinem vergeblichen Zuge nach 
Metz und nahm sofort seine Raubzüge in Franken wieder auf, bis 
er endlich von dem mit den fränkischen Bischöfen vereinigten 
Kurfürsten Moritz bei Sievershausen 1552 geschlagen wurde. Bei 
einem dieser Raubzüge, im J. 1553, sehen wir die Stadt Nürnberg 
und die beiden fränkischen Bischöfe sich zusammentun, um durch 
gütliche Vermittlung den Einbruch der wilden markgräflichen 
Horden noch abzuwenden. Es gelang, freilich nur indem die drei 
Herrschaften ungeheure Schatzungsgelder erlegten, z. B. Nürnberg 
100000 fl. Unter den reichsstädtischen Mittelsmännern, welche 
diese Vereinbarung zustande brachten, war auch Dr. Georg Widman, 
Sohn des Chronisten, seit 1548 Syndikus von Hall. 

Gegen eine abermals von dem Markgrafen drohende Kriegs- 
gefahr wurde 1554 in Untermünkheim bei Hall Mannschaft geworben, 
sie brauchten jedoch, da des Margrafen Pläne sich zerschlugen, 
nicht in Tätigkeit zu treten. Die endliche Beilegung der Wirren 
sollte auf dem Regensburger Reichstag erfolgen, auf welchen 
daher der Markgraf unter Zusicherung freien Geleites geladen 
wurde. Auf der Reise zu diesem Reichstag kam Albrecht am 
S. März 1556 nach Hall, begleitet von seinem Schwager, dem 
Markgrafen von Baden, und drei Herzogen. Sie hatten ihre 
Herberge in Leonhard Feuchters, des angesehenen Städtmeisters 
Hause, und bei Tisch leistete den hohen Herren u. a. auch der 
Syndikus Dr. Georg Widman jun. Gesellschaft. Der Markgraf 
fand hier an dem jungen Widman ein so grosses Gefallen, dass 



— 31* — 

«r bald nachher die Haller nm Überlassung ihres Syndikus bat, 
aber ohne Erfolg. 

Von dem alten Widman ist zum Jahr 1557 in dem Haller 
Kapitelbuch (Dekanatsregistratur) noch ein interessanter Bericht 
erhalten. Da der Gelbinger Pfarrer wegen Kränklichkeit dem 
Kapitel nicht anwohnen konnte, so schickte er ein Schriftstück ein, 
in welchem er, unter herzlicher Betonung der brüderlichen Gemein- 
schaft, durch die er mit seinen Kollegen verbunden sei, das Kapitel 
bittet, es möge einen hochnötigen Gegenstand der christlichen 
Sittenzucht in Angriff nehmen, nämlich die frühzeitigen, gegen den 
Willen der Eltern und Vormünder geschlossenen Ehen und das 
zuchtlose Zusammenleben der ledigen Leute. Er weist hin auf die 
drohende Verschlechterung des Nachwuchses und Steigerung roher 
Sinnlichkeit, indem er für das eine ein kräftiges Diktum des 
alten Predigers Brenneisen (u. S. 36) benätzt, für das andre einen 
noch derberen Volksreim, der WFr. NF. VII, 59 nachgelesen werden 
mag. Er schlägt vor, dass ein früheres Edikt des Haller Magistrats, 
wonach Ehen junger Leute unter 25 Jahren, die ohne Einwilligung 
der Eltern geschlossen sind, null und nichtig seien, nicht bloss 
besser aufrecht erhalten, sondern nach Art des in Württemberg 
geltenden Gesetzes bedeutend verschärft werden solle. 

Es ist hieraus ersichtlich, dass der Pfarrherr von Gelbingen 
über den sittlichen Zustand seiner Gemeinde mit Eifer wachte, 
und dass er sich, soweit es ihm möglich war, an den Kapitels- 
verhandlungen auch durch positive Mitarbeit beteiligte. Weiter 
aber zeugt die Art, wie der Schriftführer des Kapitelbuchs den 
ganzen Eintrag behandelt, von dem Ansehen, das Widman unter 
seinen Amtsbrüdem genoss ; das (lateinische) Schriftstück ist nämlich 
Wort für Wort eingereiht, eine Ehre, die nicht allen ähnlichen Ein- 
sendungen widerfuhr, und Widman ist im Eingangsbericht mit dem 
Ehrenprädikat aetate et prudentia gravis ausgezeichnet. 

Mit dem J. 1558 hören seine zeitgeschichtlichen Aufzeichnungen 
auf, und so hat er sich in den wenigen Jahren, die ihm noch be- 
schieden sein sollten, wenigstens in dieser Hinsicht noch einige 
Ruhe gegönnt. 

Er hatte die Freude, eine zahlreiche Familie um sich auf- 
wachsen zu sehen, die er — doch auch eine Frucht der Reformation! — 
nun die seinige nennen durfte. Von seinen 7 Kindern sind die zwei 
ältesten oben bei andern Anlässen schon erwähnt worden. Der erste 
Sohn, Georg Rudolf, geboren 23. Apr. 1519, wurde Doktor beider 



— 32* — 

Rechte, erscheint 1548 als Syndikus von Hall, war gleichzeitig 
komburgischer scriba und baute 1561 mit seiner Frau geb. Schwertin 
das noch stehende Haus südlich vom Rathaus mit dem schönen 
Renaissanceportal; er war, in diesem Stück einen merklichen 
Gegensatz zu seinem Vater bildend, ein naher Freund Brenzens. 
Er starb 1584 mit Hinterlassung von 9 Söhnen und 6 Töchtern. — 
(Sein ältester Sohn, der abermals Georg Rudolf hiess, ist berühmt 
geworden als Verfasser des Faustbuchs von 1599; über seine 
weiteren Schicksale s. WVjh. 1893, 210 f. Auch ihm erblühte eine 
zahlreiche Kinderschar, deren ältester, wiederum Georg Rudolf 
genannt — also Urenkel, nicht Enkel des Chronisten, gegen WVjh. 
1880, 228 — als Student zu den Füssen des Martin Crusius in 
Tübingen sass und von ihm als hofiiiungsvoller Jüngling gerühmt 
wird, während der zweite, Erasmus, als Komponist und poeta 
laureatus sich einen Namen gemacht hat, WVjh. 1880, 226.) 

Von den andern Kindern des Chronisten ist neben der an 
Ratsherrn Veit Eisenmenger verheirateten Tochter Florentine noch 
zu erwähnen Achilles Jason. Ihm wurde auf die Bitte des Vaters 
1549 von Komburg das Versprechen einer Pfründe gegeben und 
anstatt derselben 1551 eine Studienunterstützung auf 9 Jahre. Er 
hat sich auf dem Gebiet der komischen Dichtung versucht, indem 
er in seinem „Peter Lew", herausgegeben Frankfurt a. M. 1557, 
die Figur eines Geistlichen zeichnete, der seine grotesken Spässe 
in der Umgegend von Hall betrieben hatte, er hat somit ein fränkisches 
Seitenstück zu dem Pfaffen vom Kaien berg geliefert. (Literat, s. 
WVjh. 1880, 228 und WFr. NF. VI, 42.) 

Dass des greisen „Altvaters" Person und ebenso auch seine 
Schriften von den Söhnen und Enkeln in Ehren gehalten wurden, 
davon lassen sich u. a. aus Georg Rudolf Widmans Faustbueh 
allerlei Spuren aufzeigen. Umgeben von diesem tüchtigen Nach- 
wüchse, von denen einzelne schon eine ehrenvolle Stellung im 
bürgerlichen Leben einnahmen, und gehoben von dem Bewusstsein, 
bei seinen „gebietenden Herren", seinen Amtsgenossen, seinen 
Mitbürgern etwas zu gelten auf Grund seines ehrenhaften Charakters 
und eines in Pflichttreue vollbrachten Lebenswerkes ist der Chronist 
am 10. Febr. 1560 im Alter von 73 Jahren und 6 Monaten ge- 
storben; beigesetzt wurde er auf dem Friedhof zu St. Nikolai, 
dem Gotteshause des Siechenspitals ausserhalb der Stadt. 

Er hat in seinem ganzen Leben unter dem schweren Schicksal 
gelitten, mitten hineingestellt zu sein in den Zwiespalt einer 



i 



— 33* — 

gärenden Zeit, in einen Kampf, in dem er sich gewissenshalber 
weder vom Alten losreissen, noch auch — ebenfalls gewissens- 
und gehorsamshalber — dem Neuen ganz entziehen und widersetzen 
konnte. So fehlt ihm die rechte Harmonie des Wesens und die 
Entschiedenheit und Geschlossenheit des Charakters. Er trägt nicht 
nur die Narben des Kampfes an sich, sondern er hat wohl über- 
liaupt gegenüber den brennenden Fragen keine für ihn ganz be- 
friedigende Lösung zu finden gewusst. Aber er hat nach diesem 
Ziele wenigstens mit Ernst gestrebt und hat somit begründeten 
Anspruch auf Achtung und Anerkennung auch seitens derjenigen, 
denen glücklichere Naturanlage oder günstigere Zeitumstände solche 
Lösungen und Entscheidungen leichter gemacht haben. 



II. Widmans schriftHtelleriHche Tätigkeit. 

L Die Murrhardter Chronik. 

Über Veranlassung und Schicksale derselben s. o. S. 20* 
u. 26*. Von dem Inhalt gibt Widman selbst S. 7 f. ziemlich 
genaue Rechenschaft. Danach war das Werk in zwei Bücher geteilt 
und umfasste die alte Geschichte der Herzogtümer Schwaben und 
Franken von der heidnischen Zeit an, berücksichtigte besonders die 
Grafen des Kochengaues als hochverdiente Wohltäter des Klosters 
und zählte die vielen Güter, Zehnten und Rechte auf, welche das- 
sell)e im Rosengarten, in Westheim und Ottendorf besass. Haupt- 
sächlich war natürlich die Stiftung des Klosters selber berichtet. 
Die Quellen, die Widman nach seiner eigenen Angabe benützte, 
waren, da ein eigentliches Stifterbuch nicht vorlag, nur eben 
Ludwigs des Frommen Stiftungsbrief samt einigen andern Doku- 
menten, dazu ein an die Kirchenwand gemaltes „Seelbuch, memo- 
riale mortuorum", vor allem aber die Lokaltradition („aus ge- 
meinem (fcruf und Sag der alten Landsässen"). Von dem hier 
genannten Stoff ist sicher ein beträchtlicher Teil in dem Murrhardter 
Abschnitt der Chronik, S. 128 — 147 wieder verwertet worden; 
doch ist dieser Abschnitt zu klein, als dass er eine Teilung in zwei 
Bücher nötig gemacht hätte und dass des Martin Crusius Bemerkung 
(WVjh. 1880, 227): „weil Widman kein andres Exemplar davon 
hatte, so hielt er es nicht für tunlich, ein so grosses Werk 
von neuem wiederum unter die Hand zu nehmen", sich füglich 

Wnrtt. GeschlchftqiieUen VI. 3^ 



— M* ~ 

darauf anwenden Hesse. Es muss uns also doch von dem früheren 
Werke ziemlich viel verloren sein. 

Zwei weitere Bücher waren als Fortsetzung dieser Murrhardter 
Chronik geplant; sie sollten die „Kocherischen Geschichten" be- 
schreiben, so zwar, dass das eine die Gegend westlich und süd- 
westlich von Hall bis Murrhardt, das andere den Osten bis zur 
Bühler umfasst hätte. Auch die Schicksale der Stadt Hall selbst 
und des Klosters Komburg sollten hier verzeichnet werden. Der Plan 
ist nicht zur Ausführung gekommen, aber der hier in Aussicht ge- 
nommene Stoff (s. S. 8) ist ungefähr derselbe, der jetzt im 6. und 
7. Teil der Chronik behandelt ist. 

2. Der ^Alte Kalender". 

Auf vielfaches Drängen von Freunden hohen und niedern 
Standes entschloss sich Widman seine Feder neu anzusetzen. Er 
brachte mit grosser Mühe und Arbeit ein Werk zustande, das er 
in 5 Bücher teilte und „der alte Kalender" intitulierte. Hier war 
zuerst gehandelt von den Gebräuchen der alten Deutschen vor 1000 
und mehr Jahren, sodann von den in Deutschland vorgefallenen 
merkwürdigen Begebenheiten, besonders von Gründung und Ge- 
schichte hervorragender Städte, Burgen, Stifte, Klöster und Kirchen, 
wobei namentlich Hall, Komburg und Murrhardt hervorgehoben 
werden. Das Werk enthielt 855 Geschichten und umfasste neben 
dem antiquarischen auch zeitgeschichtlichen Stoflf, von dem der 
Verfasser versichert, er habe ihn der Wahrheit gemäss, ohne 
parteiische Vor- und Abneigung dargestellt, müsse aber eben des- 
wegen befürchten, damit Anstoss zu erregen, und sei darum 
nicht willens, diese Bücher zu veröffentlichen. Auch von Wall- 
fahrten und von den Gebräuchen der alten Kirche hat er hier 
erzählt, denn in dem Abschnitt der Chronik von den Wallfahrten 
verweist er S. 228 für weiteres ausdrücklich auf den alten Kalender. 

Als neuer Bestandteil tritt hier also auf die Beschreibung der 
alten Deutschen, ein Abschnitt, der ebensowohl durch seinen Inhalt 
als durch seine Voranstellung schon den Trieb verrät, das Werk 
zu einer umfassenden Chronik auszubauen. Für diesen neuen Be- 
standteil ist es wichtig, daran zu erinnern, dass eben in jenen 
Jahrzehnten des Tacitus Germania die deutsehen Humanisten leb- 
hafter zu beschäftigen anfing. 1519 hatte Beatus Rhenanus die 
Schrift erstmals in verbessertem Text herausgegeben (1533 wieder- 
holt), und 1529 war der erste Kommentar (scholia) zur Germania 



u\* 



- H5 

an Nürnberg erschienen, verfasst von einem Manne, der nnsemi 
Widman sehr wohl bekannt sein musste, von Andreas Althammer, 
der 1521/22 in Hall Lateinsehulmeister gewesen war und nach 
wechselnden Schicksalen in Nürnberg eine Anstellung gefunden 
hatte. (Über ihn s. Ilaller Gymnasialprogr. 1888/89 S. 12, Blätter 
für Württ. KirchengescL 1892, 10 ff., WVjh. 1890, 128, besonders 
die Monographie von Kolde, Erlangen 1895.) Die Annahme liegt 
nahe, dass dieses Werk dem nach Stoff für seinen Kalender aus- 
schauenden Chronisten zu Pass gekommen ist. Nach dieser 
Kombination und nach andern Spuren dürfte der alte Kalender 
Ä wischen 1530 und 1540 verfertigt worden sein. Die zeitgeschicht- 
liclien Stücke werden jedenfalls den Anfang dessen enthalten haben, 
-was jetzt als „allgemeine Annalen** von der Chronik getrennt läuft, 
vielleicht aber haben sie noch über das Jahr 1528 zurückgegriffen 
und die Bauernbewegung mitumfasst. Noch ein Bestandteil muss 
wohl dem „alten Kalender" zugewiesen werden. Dieser Titel ver- 
spricht ja doch den Lesern nicht bloss trockene Belehrung, sondern 
-auch Unterhaltung, nicht bloss (Tcschichten, sondern auch SpUsse 
und Schwanke. Nun finden sich in Georg Rudolf Widmans Faust- 
buch von 1599 eine Reihe von Erzählungen, die ganz den 
-Charakter von „Kalendergeschichten" an sich tragen, nämlich die 
Sage vom Thüngenthaler Hasen, die (»eschichte von einem armen 
Pfarrer, der dem durchziehenden Kaiser Friedrich III. ein 
Körblein mit Äpfeln verehrt und dafür ebenso viele Dukaten erhält, 
<lie Mär von einem durch eine schreckliche Gespenstererscheinung 
in der Schlosskapelle zu Weinsberg für seine Untaten bestraften 
Weinsberger Amtmann, die Geschichte eines „trefflichen Possens", 
den ein fahrender Schüler einem mit Widman gleichzeitigen Koni- 
burger Dechanten spielte, und noch fünf weitere „lächerliche Possen" 
oder „schimpfliche Historien", die mit der Schatzgräberei in Ver- 
bindung stehen. All diese Geschichten hat der Verfasser des Faust- 
buchs von seinem „Altvater seliger" und zwar aus dessen „Chronik" 
entnommen. Tatsächlich findet sich in der Chronik jetzt nur noch 
die erste; somit ist es wahrscheinlich, dass die übrigen zum alten 
Kalender gehörten, welcher vielleicht früher mit der achtteiligen 
Chronik zusammengeheftet war. 

3. Die Chronik. 

Im J. 1544 kam in Basel Sebastian Münsters Kosmographie 
Jieraus, jenes stattliche Sammelwerk, welches für die damalige 



— 3G* — 

Zeit die Summe des geographischen, ethnographischen und geschieht- 
liehen Wissens zog und daher oft aufgelegt, 1550 auch erstmals 
in das Lateinische übersetzt wurde. Schon für seine Bearbeitung 
waren die geistlichen und weltlichen Gönner des Gelehrten, die 
Männer der Wissenschaft, die Stadtschreiber, die Zeichner in Be- 
wegung gesetzt und darum angegangen worden, das Werk durch 
Beiträge, Mitteilungen, Bildwerke zu fördern. So war es bereits 
vor seinem Erscheinen bekannt und wurde mit Spannung erwartet. 
Wie es nun vorlag, erkannte Widman in ihm das bequemste Mittel, 
den schon im alten Kalender gemachten Anlauf besser durchzuführen, 
d. h. seinen Stoff zu einer Chronik grösseren Stils zu gestalten. Er 
hat mehrere Teile hinzugefügt und die bisher schon vorhandenen 
reicher ausgestattet. Die 8 Teile behandeln nun: I. Leben und 
(Jeschichte etlicher römischer Kaiser, 11. Herkommen und Sitten 
der alten Deutschen, HL Auf- und Abgang etlicher deutscher 
Königreiche, IV. Von etlichen Kriegen aus- und inländischer Völker, 
V. Von Erbauung und Veränderung etlicher Fürstentümer, Städte 
und Flecken Deutschlands, VI. Klöster, Bistümer und Wallfahrten, 
VII. Hohe Schulen und Turniere, VEH. Seltsame Geschichten. — 
Für die 4 ersten Teile hat die Kosmographie das meiste hergegeben^ 
und nur die neueren Ereignisse, von der Regierung Maximilians 
an, weisen auf andere Quellen. Im V. T. sind natürlich die 
Hallischen Geschichten Widmans Eigentum, dagegen was von 
andern Städten berichtet wird, ebenso was im VI. T. nach Abzug von 
Komburg und Murrhardt übrig bleibt, geht meist auf Münster 
zurück; die zwei letzten Teile endlich stammen (mit Ausnahme 
weniger Abschnitte in T. VIII) ganz aus Münster. 

Das so zustande gekommene Chronikwerk hat Widman mit 
einer am 23. Apr. 1550 datierten ausführlichen Vorrede versehen 
und dem Murrhardter Abt Thomas Karlin, sowie den Haller Stadt- 
meistern Büschler und Feuchter samt dem Haller Rat gewidmet. 
Dass die Ausarbeitung der Chronik wirklich der Hauptsache 
nach in die Jahre 1544 — 1550 fällt, geht auch aus gewissen 
unwillkürlichen Zeitbestimmungen des Schreibers hervor. In den 
genannten Zeitraum weisen z. B. die Bezeichnung des Pfalzgrafen 
Friedrich als „jetzigen Kurfürsten", S. 33, die des Propstes Stiebar 
als „noch lebend", S. 185, Anm., aller Wahrscheinlichkeit nach 
auch die Verordnung des Würzburger Bischofs (Zobel) S. 123 
Anm.; noch enger, nämlich 1547 — 1550 wird der Rahmen bei Er- 
wähnung des Herzogs Otto Heinrich S. 27, auf 1548 oder 1549^ 



' - 37* — 

führen die Stellen, wo das Murrlmrdter Abtverzeichnis bis zu erst- 
genanntem Jahr fortgesetzt und wo das Interim erwähnt wird, 
S. 141 und 192; und S. 133 endlich heisst es geradezu: „bis auf 
jetziges 1550. Jahr^. Natürlich sind einzelne Abschnitte auch früher 
aufgezeichnet gewesen und bei der Schlussredaktion nur eben nicht 
auf den gegenwärtigen Stand fortgeführt worden; so geht S. 34 
(Kaiser Karls Reichstage) bloss bis 1541, und die Stelle von Eitel 
Treutwein als seinem „gebietenden Herrn" (S. 30. 189) konnte 
Widman füglich nur 1535 oder 1536 schreiben. 

Ein strengerer Plan waltet in der Anordnung der 8 Teile 
nicht, ausser insofern, als von dem weltlichen Gebiet als dem 
Vorhof zum geistlichen, und von den einheimischen Dingen zu den 
fremden weitergeschritten wird. Dagegen tritt der moralische 
Zweck, den der Verfasser verfolgt, stark hervor. Nach der Vor- 
rede S. 10 ff. soll die Geschichte der römischen Kaiser die schlimmen 
Folgen der Herrschsucht, den Segen eines guten Regiments und 
die Gehorsamspflicht der Untertanen vor Augen führen, der Abschnitt 
von den alten Deutschen soll diese Vorfahren als Muster einer 
schlichten und einfachen Lebenshaltung aufstellen, die Schicksale 
der Königreiche sollen die schnelle Umdrehung des Glücksrades 
veranschaulichen, die Geschichte Halls soll den Beweis führen^ 
wie durch (^ottes Kraft aus einem wüsten Orte ein stattlicher 
Gottesgarten geworden u. s. w. In der Ausführung selbst hat es 
Widman, sicher zum Vorteil seines Werkes, unterlassen, diese 
moralischen Gesichtspunkte regelmässig hervorzukehren, nur an 
einigen Stellen kommt er darauf zurück, z. B. 36. 37, besonders 
häutig bei der ihm so sehr am Herzen liegenden Mahnung zu 
Schonung und Förderung frommer Stiftungen, S. 126 f. 206 f 229 f 

Was nun die Quellen der Chronik im einzelnen be- 
trifft, so ist 

a) Seb. Münsters Kosmographie und ihre allgemeine 
Bedeutung für unsere Chronisten oben schon besprochen worden. 
Die genaueren Nachweise sind je bei den einzelnen Abschnitten 
zu finden. Benützt hat Widman ohne Zweifel die erste Ausgabe 
1544. Für die gegenwärtige Bearbeitung konnte diese letztere, als zu 
schwer zugänglich, nicht zur Vergleichung beigezogen werden; ge- 
braucht wurde die Basler von 1598. 

Die Art und Weise, wie Widman den Münster benützt hat, 
kann nur als eine flüchtige bezeichnet werden. Vielfach — nament- 
lich in dem Abschnitt von Kirchen und Klöstern — hat er in aller 



— 38* — 

Eile Namen und Jahreszahlen herausgezogen und dem Exzerpt nur 
eine notdürftige sprachliche Form gegeben. Die Absicht, einen ab- 
gesteckten Kahmen so schnell als möglich mit Stoff zu füllen, ist 
hier überall unverkennbar. So haben denn auch diese zusammen- 
gerafften Notizen geringen Wert. 

b) Sonstige für den allgemeinen Chronikstoff be- 
nützte Quellen. Von den S. 12 f. aufgezählten Schriften hat 
Widman die älteren und ältesten, Berosus, Strabo u. s. w. kaum, 
oder sicher nur in seltenen Fällen unmittelbar benützt, er führt sie 
nur an, weil sie in den ihm vorliegenden deutschen Werken als^ 
Gewährsmänner genannt sind. Auch des Tacitus Germania hat er,^ 
obwohl er gerade zu ihrem Studium kräftigere Anstösse aus nächster 
Nähe (s. 0.) mochte erhalten haben, tatsächlich doch in der 
Münsterischen Verarbeitung aufgenommen. — Von Trithemius 
hat er hauptsächlich die Schrift De originc Francorum benützt 
(s. S. 41 Anm., 42. 44). Dass er den kecken Mummenschanz, den 
der Würzburger Abt sich hier erlaubte, indem er ein eigenes Mach- 
werk unter dem Namen eines angeblich alten Historikers Hunibaldns 
ausgehen Hess, nicht durchschaut hat, das darf man ihm nicht so 
hoch anrechnen, da es scharfsichtigeren Männern der damaligen 
und noch späterer Zeiten ebenso ergangen ist. Von des Trithemius^ 
Chronicon Hirsaugiense (I. Teil) möchte man annehmen, er habe 
es wenigstens für die Gründungsgeschicbte des Klosters Hirsau 
unter dem Namen „Schwäbische Chronik" S. 148 beigezogen, aber 
gerade hier stimmen die Einzelzüge nicht. So wird eine Benützung 
dieses Werkes auch für andre Partien unwahrscheinlich. Fber 
Schiltbergers Reisen s. S. 235 Anm., über Steinhöwels^ 
deutsche Chronik ebenda; Carions Chronik (1532) und die des 
Nauklerus (1544) werden bei der Geschichte der Weinsberger 
Weiber (S. 49 und Anm.) als Quellen genannt; es sind aber hier, 
wie an der weiteren Stelle, wo Carion noch einmal genannt wird,, 
bloss Einzelangaben, um die es sich handelt. Die bayerische 
Chronik, auf die S. 43 verwiesen ist, scheint auf den 1522 iu 
deutschem Auszug gedruckten Avcntinus zu deuten ; doch Hess sich 
auch hier keine irgend sichere oder auf grössere Partien sich er- 
streckende Abhängigkeit entdecken. Dasselbe gilt von den Werken,, 
an die bei dem Titel „Augsburger Chronik", S. 13, gedacht werden 
Hann: Burkhardt Zink und die anonyme Augsb. Chronik von 1542. 
Auch von Hartman Schedels Nürnberger Chronik 1493 und von 
Etterlins Chronik der Eidgenossenschaft 1507 sind,^ wenn sich je 



— 39* — 

diese Werke unter den Namen der „Nürnber^ischen" und der 
^Schweizer" Chronik verstecken sollten, erhebliche Spuren bei 
Widman nicht aufzufinden. 

Bei ziemlich vielen, zum Teil zusammengehörigen, Abschnitten 
hat es dem Bearbeiter nicht gelingen wollen, den Ursprung auf- 
zudecken, so für die Geschichte der Kaiser Otto I., Heinrich I., 
Friedrich I., IL, III. S. 17 — 19, für die vielen von Maximilian be- 
richteten Züge S. 20 flF., die Aufhebung des Templerordens S. 202 ff. 
Doch machen alle diese Abschnitte zusammen nur einen geringen 
Teil aus gegenüber dem von Münster Entlehnten, so dass als all- 
gemeines Ergebnis bestehen bleiben muss : aus dem Basler Kosmo- 
graphen hat sich Widman hauptsächlich bereichert, von den andern 
Werken hat er bloss sporadisch Gebrauch gemacht. 

c) Die Quellen für die Hallische, Komburgische 
und Murrhardtische Geschichte. 

Bei der Beschreibung der Adelsgeschlechter in und um Hall 
zeigen die beiden Chronisten Widman und Herolt überraschend 
viele Ähnlichkeiten. Zur Erklärung dieser Erscheinung wurde 
Herolt S. 17 eine wechselseitige Abhängigkeit zwischen beiden ver- 
mutet in der Weise, dass Widman den Herolt benützt und erweitert 
habe, und dass andrerseits frühe schon in Herolthandschriften 
Widmanscher Stoff eingetragen wurde. Jetzt ist es mir wahrschein- 
licher, dass — was auch a. a. 0. schon als möglich zugelassen 
wurde — beide dieselben Quellen benützt haben-, diese Annahme 
empfiehlt sich als die einfachere und natürlichere. Stammbücher 
und Geschlechterchroniken müssen zu Widmans Zeiten nicht selten 
gewesen sein. Wenn sie auch zunächst und am eingehendsten das 
eigene Geschlecht behandelten, wie die „Berler Chronik und 
Stammbuch^, von der eine dem kombinierten Typus angehörige 
Widmanhandschrift (F. 67 des histor. Vereins für Württ. Franken, 
Bl. 34) berichtet, und das „Senftenbuch", von dessen Resten Herolt 
S. 16. u. 74 f. die Rede ist, so müssen doch einzelne über diesen engen 
Rahmen hinausgegriffen haben. Jedenfalls hatDanielTreutweind.ä., von 
welchem Widman bekennt eine grosse Beisteuer für seinen fünften Teil 
erhalten zu haben, viel vom Adel in und um Hall zu sagen gewusst. 
Zwar sind diese Mitteilungen nach Widmans eigener Angabe zunächst 
mündliche gewesen, nach andern Zeugen aber (S. 14 Anm.) waren 
sie unterstützt durch schriftliche Aufzeichnungen. Dergleichen mit 
gemalten Wappen ausgestattete Geschlechterbücher haben wohl für 
beide Chronisten die gemeinsame Grundlage gebildet. — Für die 



— 40* — 

älteste Haller Geschichte hat sich Widman der Lokalsage ange- 
schlossen, für die seinem Leben näher liegende Zeit bot ihm die 
mündliche tiberlieferung reichlichen Stoff. Zuverlässige Urkunden 
hätte er für diese und für seine eigene Zeit aus dem reichs- 
städtischen Archiv ohne Schwierigkeit benützen können, aber er hat 
oifenbar wenig oder keinen Gebrauch davon gemacht, hauptsächlich 
wohl deswegen, weil sich diese Bestandteile mit dem vorwiegend 
anekdotenartigen Charakter seiner Chronik schlecht vertragen hätten. 

Bei den Klöstern Komburg und Murrhardt ist zwar 
für die Gründungsgeschichte eine Reihe von Urkunden beigezogen 
(Näheres S. 130 flF. und 152 f.), aber hauptsächlich deswegen, weil 
dem Chronisten gerade hier der oben mehrfach besprochene recht- 
liche und zugleich auch sittliche Gesichtspunkt so wuchtig war. 
Von dem späteren Komburgischen Urkundenmaterial, von dessen 
beträchtlichem Umfang z. B. Mencken, Scriptores rer. germanic. I 
und Müller, Geschichte des Ritterstifts Komburg eine Vorstellung 
geben, hat er keinen nennenswerten Gebrauch gemacht, obwohl es 
ihm leicht zugänglich sein musste und zur Richtigstellung seines 
Abtverzeichnisses gute Dienste leisten konnte. Das Stifterbuch, 
auf das er sich öfter bezieht, war natürlich der Hauptsache nach 
identisch mit dem Komburger Schenkungsbuch (WUB. L), muss 
aber neben den Donatoren auch noch (S. 163) die Schirmvögte des 
Klosters enthalten haben. Weiter beruft er sich auf den 
„Catalogus der Abte'% S. 177 — 179, der neben seinem Text auch 
Marginalnoten hatte, S. 178. Von seiner Beschaffenheit gibt der 
aus ihm entnommene Abschnitt S. 179 einen Begriff. Endlich 
schöpft Widman aus einem „Seelbuch" (Anniversarienbuch, necro- 
logium, memoriale mortuorum) S. 176, wo die Todestage der für 
das Kloster wichtigen Männer behufs richtiger Begehung ihrer Jahr- 
tage in Form von Kalendereinträgen verzeichnet waren. Auf dieses 
Verzeichnis werden sicher auch die — der Jahreszahlen entbehren- 
den — Todesdata S. 165. 167. 176. 177. 178 zurückzuführen sein. 
Eine weitere Quelle endlich, die Chronik des Weiprecht Schenk 
von Schenkenstein, kommt, wenn Widman sie benützt hat, nach 
S. 168 Anm. mit ihren selbständigen Partien nur für einen ganz 
kurzen Zeitraum des 16. Jahrhunderts in Betracht. (Vgl. übrigens 
Bosserts Angabe WFr. NF. III. 3 über eine vollständigere Redaktion 
dieser Chronik in Würzburg.) 

Von den für Murrhardt benützten Quellen war oben schon 
die Rede. Für Abt Herbort („Güttigott") floss offenbar die Kloster- 



- 41* — 

traditioii noch reichlich. So ergötzlich sich übrigens diese humoristisch 
aufgefassten und wiedergegebenen Geschichtlein lesen, so bedauer- 
lich ist es andrerseits gerade bei Murrhardt, dessen Urkunden von 
den Stürmen der Zeit so hart mitgenommen worden sind, dass 
Widman nicht aus dem zu seiner Zeit noch vorhandenen Urkunden- 
schatz reichlicher geschöpft hat. 

4. Auszug der Chronik. 

Widman beabsichtigte seine Chronik in Druck zu geben, allein 
der Hallische Buchdrucker, der sich um Überlassung des Werkes 
beworben hatte, zögerte bald die Sache wieder hinaus, und die 
Kriegsunruhen des Jahrs 1552 (s. o. S. 30*) eröflfneten auch für 
die nächste Zeit keine günstigen Aussichten. So entschloss sich 
der Verfasser einen kleinen Auszug zu machen, indem er die für 
seine Haller Freunde wichtigsten Stücke, Hall und Umgebung, 
herausnahm und verkürzte. Die vom 22. Febr. 1553 datierte Vor- 
rede 8. S. 15 f.; die Handschriften, welche diesen Auszug enthalten, 
sind WFr. NF. VI. 60 flf. besprochen. Ebenda, S. 63, ist auch 
noch von einem weiteren, 1557 gefertigten Auszuge die Rede, der 
sich aber von dem ersten nur dadurch unterscheidet, dass er ausser 
der Stadt Hall bloss die allernächste Umgebung berücksichtigt. 

5. Die Annalen. 

Zeitgeschichtliche Aufzeichnungen enthielt schon der alte 
Kalender (s. o.). Als dieser seinen allgemeinen StoflF an die Chronik 
abgab, wurden die annalistischen Abschnitte ausgeschieden und nun 
in besonderer Reihe weitergeführt. Sie beginnen jetzt mit den 
Packischen Händeln 1528 und reichen bis 1558. Sie sind von 
Widman nicht als integrierender Bestandteil seiner Chronik be- 
handelt und eingereiht worden, in der Weise, wie spätere Hand- 
schriften mit ihnen verfahren. Dies geht einmal daraus heiTor, 
dass die älteste Handschrift sie gar nicht kennt, während jene 
andern, die sie überliefern, sie an verschiedenen Orten aufführen, 
sodann aber auch aus dem Umstand, dass sie über den Abschluss 
der Chronik um 8 Jahre hinausreichen. — Diese Abschnitte, die 
nicht wie so vieles in der Chronik exzerptmässig zusammen- 
gerafft sind, sondern auf eigenen Eindrücken und Erlebnissen be- 
ruhen, bilden den wichtigsten Teil der Widmanschen Schriftstellerei. 
Hier zeigt er sich als der Mann, der mit gespanntem Auge den oft 
80 stürmischen Gang der Dinge verfolgt und mit Schärfe das seinem 



— 42* — 

Standpunkt entsprechende Urteil fällt. Hier empfinden wir am 
deutlichsten den Pulsschlag seiner Gefühle; hier gibt er auch 
stilistisch sein Bestes, die Sprache gewinnt lebhafteren Fluss, die 
Beschreibung wird anschaulich, der Affekt tritt kräftig hervor. Ein- 
zelne Partien verraten freilich auch hier die Hast des Exzerpierens. 

Widman hat diese Aufzeichnungen zwar nicht alle sofort nach 
den Ereignissen gemacht, aber doch nicht lange nachher. Er hat 
meist einen gewissen Abschluss abgewartet, ehe er einen Abschnitt 
redigierte. So erstrecken sich einzelne Stücke über mehrere Monate, 
über V2 Jahr, ^k Jahr und mehr (vgl. die Gefangennahme des 
Götz von Berlichingen 1528, den Reichstag zu Speier 1529, den 
Türkenzug 1529, den Reichstag zu Augsburg 1530 u. a.). Andre 
freilich — doch nur wenige — brechen mitten in der Entwicklung 
ab und erhalten auch nachher keinen richtigen Abschluss mehr 
(vgl. den Abschnitt über Heinrich VHI. und über die Rottweiler 
Fehde mit dem Landenberger). Im allgemeinen werden die Jahre, 
unter ziemlicher Gleichmässigkeit der Stoffverteilung, von 1528 ver- 
folgt bis 1549, wobei das mit 1541 beginnende Jahrzehnt, zumal 
die Jahre des Schmalkaldischen Krieges, besonders reichlich be- 
dacht sind. Dann tut sich eine Lücke auf für die Jahre 1550 
und 1551-, mit 1552, dem Kriegsrumor des Baireuters, setzt der 
Annalist wieder lebhaft ein, um die folgenden Jahre nur noch 
spärlich zu berücksichtigen. 

Die zeitliche Ordnung der Stücke hat offenbar schon früh in 
den Handschriften Störungen erlitten, ^'ermutlich standen die 
Annalen auf einzelnen Blättern oder Heften, die durcheinander ge- 
rieten. Die in vorliegender Bearbeitung eingehaltene Reihenfolge 
ist die der Racknitzschen Handschrift, die nach dem Jahr 1549 
Stücke von 1555—1558, von 1540, 1541 und 1545 gibt, um dann 
mit 1552 die unterbrochene Ordnung fortzusetzen. Andre Hand- 
schriften haben wenigstens einzelne dieser versprengten Stücke an 
richtigerer Stelle. 

Die Quellen, aus welchen diese Annalen geschöpft sind, 
nehmen besonderes Interesse in Anspruch. Für die wichtigsten 
Vorgänge der Reichs- und Staatengeschichte, wie sie in den 
Reichstagsabschieden, Friedensschlüssen, Verträgen, fürstlichen 
Ausschreiben und ähnlichen Kundgebungen an das Licht traten, 
hat Widman sicher oft die betreffenden Aktenstücke im Wortlaut 
vor sich gehabt. Augenscheinlich ist dies z. B. beim Regensburger 
Reichstagsabschied 1546 S. 270, wahrscheinlich ist es bei andern 



— 43* — 

Keichstagen wie dem Speirer von 1529 mit seinem Annex über die Erb- 
sehaftsteilung S. 244, ferner beim Paekischen Vertrag S. 239, dem 
Ausschreiben des Hessischen Landgrafen und den Antworten seiner 
(Jegner S. 238 f. und 240, dem Kadener Vertrag S. 258, dem vom 
Keichskammergericht veranlassten Pseudonymen Dialogus S. 262, 
dem Ausschreiben des Herzogs Heinrich von Braunschweig samt 
den dadurch hervorgerufenen, bis zur Quadruplik fortgesetzten An- 
griflFs- und Verteidigungsschriften S. 271, der Repudiation des 
Kammergerichts durch die Schmalkaldener S. 279, dem Verzeichnis 
der im Braunschweiger Feldzug von 1542 eroberten Städte und 
Schlösser 276 f., dem Bericht des Hessischen Landgrafen über 
seinen Braunschweiger Feldzug von 1545 S. 294, der kaiserlichen 
Achterkl'arung gegen die beiden evangelischen Fürsten samt deren 
«laraufhin an den Kaiser gerichteten Ausforderungsschrift S. 302. 
Bei manchen von diesen Schriftstücken bemerkt der Annalist aus- 
drücklich, sie seien „im Druck ausgegangen", und legt damit die 
Vermutung nahe, dass er eben diese Drucke benützt hat. 

Was den übrigen, immer noch recht beträchtlichen StoiF be- 
trifft, so ist es wohl für einzelne Stücke noch gelungen, Widmans 
Gewährsmänner ausfindig zu machen, z. B. für die Mühlberger 
Schlacht 1547, wo der Bericht des Hans Baumann von Rothenburg 
zugrunde liegt. Der grosse Rest aber ist noch unaufgehellt. 
Widman hat hier, wie sich von selbst versteht, jene fliegenden 
Blätter oder Büchlein benützt, welche — meist mit derben Holz- 
schnitten geschmückt, oft in Reimen gestellt oder von solchen be- 
gleitet, unter dem Titel: „Neue Zeitung von . . ." durch die Lande 
zogen und unsre heutigen Zeitungen ersetzten. Ein Verzeichnis 
solcher ältesten „Zeitungen" hat Em, Weiler in der 111. Publikation 
des literarischen Vereins gegeben. Die von ihm mitgeteilten ge- 
nauem Proben aber beziehen sich fast alle auf die Zeit vor 1528, 
konnten also für Widman keinen Aufschluss gewähren. Ein weiteres 
Nachspüren auf diesem Gebiet glaubte der Bearbeiter unter- 
lassen zu dürfen, um so mehr, als jene mutmasslichen Quellen meist 
nur einen populären Niederschlag der Ereignisse, nicht aber eine 
authentische Darlegung bieten. 

Allgemeine und von höherer Warte aus die Ereignisse be- 
leuchtende Werke über seine eigene Zeit hat Widman nicht be- 
nützt. Er hätte Sleidans 1555 erschienene commentarii wenigstens 
zu nachträglicher Bereicherung, Ergänzung und Berichtigung seiner 
Annalen heranziehen können, er hätte besonders auch des Cochläus -- 



— 44* — 

des eifernden Bekämpfers der Reformation und somit gewisser- 
massen seines Gesinnungsgenossen — ebenfalls annalistisch ab- 
gefasstes — Werk über Luther, acta Lutheri, das bald nach 1546 
erschien, für seinen Zweck bestens verwenden können. Aber er 
hat weder das eine noch das andre getan; es widerstrebte ihm 
oflFenbar ebenso sehr, den hochpolitischen Gesichtspunkt in seinen 
bescheidenen Aufzeichnungen zum beherrschenden zu machen, als 
der theologischen Polemik, der er von Hause aus abgeneigt war, 
einen breitern Raum zu gönnen, auch wenn sie sonst mit seiner 
Richtung zusammentraf. 

Ein zusammenfassendes Urteil über Widman als Schriftsteller 
wird somit dahin lauten, dass er zwar weder wissenschaftliche 
Tiefe und Gründlichkeit, noch grosse Gesichtspunkte, noch eine 
künstlerische Gliederung und Abrundung seines Werkes, noch eine 
glänzende Darstellung aufzuweisen hat, dass er aber auf alle diese 
Eigenschaften auch gar keinen Anspruch macht. Er will dem 
Leser allerdings eine gewisse Summe wertvoller geschichtlicher Be- 
lehrungen übermitteln, er will dies aber tun in der Art des schlichten 
Erzählers, um sein Publikum zu unterhalten und zu ergötzen; und 
er will dabei auch einen moralischen Zweck erreichen, nämlich 
Vaterlandsliebe wecken, edle Wissbegier erregen, die allgemeinen 
Tugenden der Einfachheit und Massigkeit, vor allem aber der 
opferwilligen Frömmigkeit pflegen und fördern - kurz er übt jene 
Geschichtsdarstellung nach bürgerlich-moralisierendem Zuschnitt, wie 
sie eben die Eigentümlichkeit der meisten Chronikschreiber jener 
Zeit ausmachte. 



IIL Die Handschriften. 

Einer sichern Bewahrung und Fortpflanzung des Widnian- 
textes — dessen Original nicht mehr vorhanden ist — waren die 
Verhältnisse von vornherein wenig günstig. Im fünften Teil von 
den Städten drängte sich begreiflicherweise der Abschnitt über 
Hall, der für die Haller Bürger das Wichtigste war und blieb, in 
den Vordergrund; er trat zunächst an die Spitze des fünften Teils 
und zog dann diesen selbst an den Anfang des ganzes Werkes. 
Innerhalb des Haller Abschnitts erlitt die Beschreibung der Adels- 
geschlechter besonders vielfache Veränderungen, da sich hier aus 
den umlaufenden Stammbüchern, zumal denen mit gemalten 



- 45* - 

Wappen, allerlei weiterer Stoif, oft in andrer Ordnung, anbot. — 
Es stellte sich sodann bald das Bedürfnis ein, den Annalen inner- 
halb der 8 Teile einen Platz anzuweisen, was gewöhnlich geschah 
durch Einreihung in den Teil von den Kriegen. Bald auch musste 
des Chronisten katholische Denkweise anstössig werden und zu 
einer Umarbeitung in evangelischem Sinne auffordern. Endlich 
lud die Heroltsche Chronik, die gleichzeitig mit Widnian rasche 
Verbreitung fand, zu einer Ergänzung jener Stellen ein, wo sich 
bei Widman Lücken zu finden schienen. Man brauchte also bald 
die beiden Werke nur eben als bequeme Stoffsammlungen, um sich 
aus ihnen eine noch vollständigere und interessantere Haller- oder 
Weltchronik zusammenzustellen. Jeder Liebhaber, wenn er eine 
solche von einem Haller Kunstschreiber anfertigen Hess, hatte da 
seinen besondern Geschmack und seine eigenen Wünsche. So 
kommt es, dass gegen Ende des 16. Jahrh. und anfangs des 17. 
eine grössere Zahl von Typen sich gebildet haben, während jeder 
einzelne Typus verhältnismässig wenig Exemplare, oft nur eines 
aufweist. Die ganze Reihe dieser Handschriften, soweit sie dem 
Bearbeiter bekannt geworden sind (über 30) ist WFr. NF. VL 44 ff. 
beschrieben. Aus den allgemeinen Ergebnissen, die durch die 
Untersuchung dieser Codices gewonnen wurden und dort S. 76 f. 
zusammengefasst sind, verdient hier so viel hervorgehoben zu werden, 
dass in Hall eine Art Schreibwerkstätte bestand, wo verschiedene 
Schreiber und Maler nach gleichförmigen Vorlagen und in gleicher 
Manier solche Handschriften auf Bestellung fertigten, und dass aus 
dieser Offizin in den zwei ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts, 
besonders aber zwischen 1610 und 1620, eine Reihe der uns 
erhaltenen Handschriften hervorgegangen sind. 

1. Erste Stuttgarter Handschrift. 

St^, Handsehr. der K. Landesbibliothek Stuttgart, bist. fol. 147, 
188 gezählte Blätter Text und 26 Bl. Register, Pergamenteinband. 
Der vordere Deckel dieses Einbandes zeigt auf der Aussenseite in 
Goldpressung das Wort „Oberrat" und darunter die Jahrzahl 1656. 
Die Handschrift ist von Anfang bis zum Schluss von einer einzigen, 
zwar nicht schönen, aber leserlichen und gewandten Hand ge- 
schrieben, der also auch die Marginalien angehören. Nachträgliche 
Korrekturen von andrer Hand, die sich aber nur auf einzelne Buch- 
staben, kaum je auf ein ganzes Wort erstrecken, finden sich sehr 
selten, obwohl die Handschrift solcher Besserungen in hohem Grade 



— 46* — 

bedürftig gewesen wäre. Mit Bildern ist die Handschrift nicht 
ausgestattet. Die aclit Teile der Chronik erscheinen in der 
ursprünglichen, von Widman selbst in seiner VoiTcde angekündigten 
Reihenfolge. Grössere Stofihiassen ausserhalb der achtteiligen 
Chronik haben hier keine Aufnahme gefunden, auch die Annalen 
nicht. Von kleineren Nachträgen wird nachher die Rede sein. 

Die Zeit, aus welcher die Handschrift stammt, scheint unschwer 
zu bestimmen, da sich am Schluss des Textes, Bl. 188 a, von der 
gleichen Hand, der alles übrige zugehört, die Bemerkung findet: 
Incoepi describere 24. Octobris A^ 86. Absolvj (sie!) 21. Novembr: 
Ejusdem Anni. DEO SIT LAUS. Die Ergänzung der ausgelassenen 
Hunderterzahl bestimmt sich durch die Rücksicht auf die oben ge- 
nannte Jahrzahl 1656. Laut dieses Datums hat der Oberrat (Ge- 
heimrat) das Werk, dessen Abschrift er wohl selbst angeordnet 
hatte, im J. 1656 binden und in seine Bibliothek einreihen lassen. 
Die fragliche Zahl muss somit als 1586 gelesen werden. 

Die Annahme aber, die Handschrift sei wirklich 1586 ge- 
schrieben, lässt sich nicht halten. P2s 8i)rechen dagegen folgende 
Gründe: 

1. Der Abschreiber, dem es an allgemeiner Bildung in hohem 
Grade mangelt, zeigt besonders eine fast völlige Unkenntnis des 
Lateinischen. Er schreibt epithophiis statt epitaphiis, missui statt 
miscui, elocidiois statt elocutionis, olium statt olim, praedagogj statt 
paedagogi, iunctissimi statt invictissimi, sedilici statt sedilia, pacta- 
tulis statt portatulis, Cyromaticum statt grammaticum, in perfunctuni 
statt in profundum und vieles Ahnliche. Daher leiden besonders 
die alten Namen vielfach an gröblicher Entstellung: Timmato statt 
Timaeo, Steabone statt Strabone, Baemon statt Daemon, Meccoveus 
statt Meroveus, Antido statt Androclo, Prostratus statt Herostratus, 
Pastoli statt Paschali und viele andre. Ganz ratlos ist der Ab- 
schreiber den alten lat. Kürzungszeichen gegenüber; so schreibt er 
Actis statt Aristotelis, Ethirope (Abkürzungszeichen für die Endung 
orum) und Politirope statt Ethicorum und Politicorum, mogtus statt 
magistratus, ca statt causa und unzählig anderes derart. 

Ein Mann, dem das Latein so fremd w^ar, hat sicher jene 
Worte „Incoepi etc." nicht selbst beigesetzt, es müsste denn sein, 
dass er sich eitelkeitshalber das Sätzlein zuvor von einem latein- 
verständigen Manne hätte zurechtmachen lassen. 

2. Schwerer wiegt aber und ist von durchschlagender Be- 
deutung folgendes. Es finden sich verschiedene kleinere Zusätze 



-7* 



47 

zum eigentlichen Widmantexte, und zwar nicht bloss solche, die 
über die Zeit Widmans (1560) überhaupt hinausgehen, wie die von 
der neuen Turmspitze in Murrhardt 1586, S. 148, von den evangelischen 
Abten in llirsau bis 1586, S. 178, in Alpirsbach, wahrsclieinlich eben- 
falls bis 1586, S. 150, in Maulbronn gleichfalls bis 1586, S. 208, 
von der Tübinger Universitätsfeier 1577 (in den Text nicht auf- 
g(!nomnien), von einer Gnadentaler Äbtissin zum J. 1577, S. 202, 
sondern auch einige Stellen, die über den 21. Nov. 1586 hinaus- 
führen: S. 151 ist zum J. 1587 eine Äbtissin von Oberstenfeld genannt, 
im achten Teil ist einmal (in den Text nicht aufgenommen) von einem 
Erdfall bei Hall in f ine Novembris 86 die Rede; eine Handlung des 
Grafen von Löwenstein (ebenf. nicht aufgenommen) ist berichtet zum 
28. März 1587; endlich ist von Heinrich Spiess gesagt, S. 180, er sei 
gestorben 1594. Diese Zahl ist nun freilich ein Versehen des Hchreibers 
statt 1549, aber auch dieses Versehen ist nur denkbar bei einem 
Manne, der später als 1594 lebt und schreibt. 

Somit bleibt nur die Annahme: der Schreiber hat nach 1586, 
ja auch nach 1594 geschrieben und hat jene lateinische Schluss- 
bemerkung, da er sie eben gar nicht verstand und als einen Teil 
des Widmantextes selbst ansah, aus seiner Vorlage mit ab- 
geschrieben. Dass er überhaupt seine Vorlage nude crude kopierte, 
geht auch aus der Art hervor, wie er die Zitationsformeln der Vor- 
lage behandelt. Wenn diese auf frühere oder spätere Stellen ver- 
weist mit einem „supra (oderinfra) pjig. 42" oder „davon hernacher 
fol. 16 facie a", so nimmt unser Schreiber dies einfach herüber, 
obwohl diese Zahlen auf seine Blattzählung nicht im mindesten 
mehr passen. 

Zu seiner weiteren Kennzeichnung gehört noch, dass er nicht 
bloss überhaupt von historischen und geographischen Kenntnissen 
sehr entblösst, sondern dass er besonders auch im Frankenland 
und in Hall selbst ein Fremdling ist; daher schreibt er Bibelstadt 
für Gibelstatt, Rochengau für Kochengau, Niedemthal für Niedern- 
hall, Rothspüel für Kothspüel, Jochscodt für Jochsrodt, Bürclin- 
markt für Bürdinmarkt, Teckenbad für Erkenbad, Foncher für 
Feuchter. Eine vollständige Aufzählung aller hieher gehörigen groben 
Missverständnisse und Textverderbnisse würde eine ganz beträcht- 
liche Menge ergeben. 

Alles dies führt zu dem Schlüsse, dass ein Berufsschreiber 
von dürftiger Bildung diese Abschrift gefertigt hat, wahrscheinlich 
in Stuttgart und im Auftrag des Oberrats, und somit wohl auch 



-- 48* - 

nicht lange vor 1656 (gegen die in WFr. NF. VI, 48 vorgetragene 
Vermutung). Eine genauere Ermittlung des Zeitpunktes, wann er 
geschrieben, hätte, auch wenn sie möglich wäre, keinen grossen 
Wert, eben weil er zu seiner Vorlage nichts hinzugetan hat ausser 
einer Reihe von Schreibfehlern, die sich gliicklichenveise meist aus 
den andern Handschriften verbessern lassen. Dagegen verlohnt es 
sich, das dieser Abschrift zugrunde liegende Exemplar, dessen 
Eigentümlichkeit sich teils aus den bisher angeführten, teils aus 
einigen noch weiter zu nennenden Merkmalen hinreichend beschreiben 
lässt, etwas näher zu besehen. 

Die Vorlage also war es, die vom 24. Okt. bis 21. Nov. 1586 
geschrieben wurde. Sie ist selbst wieder eine Abschrift („descr."), 
nicht etwa Widmans Original. Auf Grund der bei den Verweisungen 
(infra, supra fol. . . . ) genannten Blattzahlen lässt sich berechnen^ 
dass sie nur etwa die Hälfte der Bogen füllte, verglichen mit St\ 
also viel gedrängter geschrieben war. Der Schreiber der Vorlage 
war ein gelehrter, des Lateins kundiger Mann. Er schrieb die Chronik 
für seinen eigenen Gebrauch, daher die vielen Abkürzungen. Er 
war sicher ein Theolog, denn er führt die Reihe der evangelischen 
Abte in Alpirsbach, Maulbronn, Hirsau bis auf seine Gegenwart 
herab und erwähnt des Tübinger Universitätsjubiläums von 1577. 
Dass er endlich ein Haller war, wird durch die Erwähnung des 
1586 in der Nähe von Hall geschehenen Erdrutsches und durch 
die Nachträge über Gnadenthal und Murrhardt wahrscheinlich. Es 
wird also ein Haller Pfarrherr oder Lehrer gewesen sein. (Die 
nach dem Nov. 1586 fallenden Notizen hat er nach Vollendung 
seiner Abschrift auf dem Rand nachgetragen.) — Auf dieses 
Mannes Rechnung kommen wohl auch alle jene Zitate, w^o ein 
Werk genau mit Titel, Buch und Blatt angegeben ist und lateinische 
Worte daraus angeführt sind. Eine solche Art zu zitieren ist 
nämlich dem echten Widman durchaus fremd. Die hieher ge- 
hörigen — in vorliegender Ausgabe meist nicht aufgenommenen — 
Zitate finden sich in der Stuttgarter Handschrift Bl. 18 a, 26 b, 
38 b, 89 a, 39 b, 56 a und beziehen sich auf das Konstanzer 
Konzil 1414, König Ludwig von Ungarn 1526, die Schlacht bei 
Kappel 1530 und die bei Mühlberg 1547. In gleicher Weise sind wohl 
zu beurteilen — also nicht dem Chronisten selbst zuzuschreiben — 
eine Reihe von lateinischen Randbemerkungen, welche den Inhalt 
der einzelnen Abschnitte zusammenfassen, für welche S. 11 Anm. 
ein Beispiel gibt. 



— 49* — 

Wichtig ist noch festzustellen, dass der Schreiber der Vor- 
lage in der ihm als Grundlage dienenden Handschrift, die er 
vollständig abschrieb (absolvi), die Annalen nicht vorgefunden 
hat, und sodann, dass er, obwohl wahrscheinlich evangelischer 
Theolog, doch den katholischen Charakter des Werkes unange- 
tastet liess, man vergleiche hiefür die Stellen S. 30 Zeile 7, 
S. 33 Z. 15 ff., S. 50 Z. 7 und Z. 20 ff., die von dem Sacco di 
Roma, von Luthers Anfängen, dem Bauernkrieg, dem Ende Zwingiis 
handeln und die, wie die kritischen Anmerkungen ausweisen, von 
den andern Handschriften zum Teil schon ganz in evangelischem 
Sinne umgearbeitet sind. 

Bietet somit die Stuttgarter Handschrift eine nur durch Miss- 
verständnisse und unwesentliche Zusätze leicht getrübte Reproduktion 
der Abschrift von 1586 und muss diese letztere als im ganzen 
unverfälschte Abschrift Widmans gelten, so war es geboten, diese 
älteste und zuverlässigste Handschrift der gegenwärtigen Ausgabe 
zugrunde zu legen. 



2. Handschrift Racknitz. 

ß. Im Besitz des Freiherm von Racknitz zu Heinsheim, Baden. 
Handschrift in Folio, in altem Pappband, 380 gezählte Bl., wovon 
die letzten 5 unbeschrieben, dazu noch 6 ungezählte, das Register 
enthaltende, zeigt eine schöne, gleichmässige Hand, ist mit sorgfältig 
gezogenen braunen und grünen Randleisten eingefasst und mit 
vielen gemalten Wappen, Städteprospekten und andern Bildwerken 
(die hervorragendsten derselben beschrieben WFr. NF. VI, 49) 
geschmückt. 

Die Bildung des Schreibers steht ungefähr auf der gleichen 
Höhe wie bei dem Anfertiger der vorigen Handschrift; daher auch 
hier viele gröbliche Textverderbnisse bei Zitaten, geschichtlichen 
Namen und lateinischen Ausdrücken, z. B. ethinuum, iconnumiurum, 
Herodulo, Tartier, festiculo temprum statt ethicorum, iconomicorum, 
Herodoto, Tacito, fasciculo temporum. Er war also ein ungelehrter 
Kunstschreiber. 

Was den Inhalt betrifft, so treten die 8 Teile in der richtigen 
Reihenfolge auf, aber in den IV. Teil sind von Bl. 70 — 143 die 
„Allgemeinen Annalen" eingereiht, die, sofern sie wenigstens viel- 
fach von Kriegen handeln, an diesem Ort der achtteiligen Chronik 

Württ. Otsohlchtiquellei» VI. 4* 



— 50* — 

am besten untergebracht schienen. Die in den Annalen hervor- 
tretende scharfkatholische Denkweise Widmans hat diese Hand- 
schrift, und sie allein, unverkürzt und unverwischt wiedergegeben, 
und darauf beruht ihr Vorzug gegenüber den andern Annalen- 
handschriften, die hier zu Gunsten des evangelischen Standpunktes 
eine zum Teil tiefgreifende Umgestaltung des Textes vorgenommen 
haben. Sie musste somit für die Annalen zugrunde gelegt werden 
und erhält eben deswegen auch in gegenwärtiger Aufzählung ihre 
Stelle unmittelbar hinter St\ 

Nach dem VIII. Teil folgen Bl. 308—818 die „Annalia, so 
sich zu und um Hall verloffen haben", in der Ausgabe kurz als 
„Haller Annalen" bezeichnet, etwa 40 Stücke, ebenfalls von 1528 
anhebend und sich der Hauptsache nach auf das Haller Gebiet be- 
schränkend. Die weiteren, von Bl. 319 — 375 vorgeführten Stücke: 
Bauernkrieg, Reimchronik bis 1535, Ereignisse von 1567 — 1573 
und einzelnes Spätere bis 1620 (genauere Angaben hierüber 
WFr. NF. VI, 51) haben zu gegenwärtiger Ausgabe keinen nähern 
Bezug. 

Die Hand ist durch das ganze Werk dieselbe, Randglossen 
finden sieh keine, Interlinearbemerkungen nur ganz wenige. Als 
Zeit der Handschrift ist 1620 oder wenig später anzusetzen. Der 
Wert der Chronik wird durch den gegen den Schluss hervortretenden 
kompilatorischen Trieb doch nur wenig beeinträchtigt, weil der 
Schreiber (oder der Besteller) dem fremden Stoff erst dann Eingang 
gewährt, nachdem er die achtteilige Chronik sachlich und grössten- 
teils auch hinsichtlich der Ordnung unverletzt wiedergegeben hat 
und weil er insbesondere die Annalen in ihrer ursprünglichen 
Haltung und Farbe belässt. 

3. Zweite Stuttgarter Handschrift. 

St^. Handschrift des K. Haus- und Staatsarchivs Stuttgart 161 a, 
in Folio, Pappbd., 210 beschriebene, gezählte Bl., dazu vorn und 
hinten viele ungezählte; am Schluss ein unvollendetes Register. 
Das Buch war nach einer Notiz auf Bl. 1 um 1798 Im Besitz 
F. D. Gräters, des bekannten Germanisten und Rektors des Haller 
Gymnasiums. — Spuren über die Persönlichkeit des Schreibers 
sind nicht aufzufinden. 

Die Handschrift gehört, namentlich was die äussere Ausstattung 
betrifft, zu den weniger sorgfältigen, da sie weder Bilder noch 
stattliche Überschriften aufweist. Hinsichtlich des Textes selbst 



— 51* — 

ist sie zwar, wie die bisherigen, durch erhebliche Mängel entstellt, 
sofeni lateinische Formen und Worte missverstanden und bekannte 
Namen veranstaltet sind, zum Teil dieselben wie in St^ und i2, 
zum Teil auch andere; dagegen hat sie andrerseits doch in recht 
vielen Fällen die richtige Lesart bewahrt. Hiebei geht sie mit 
diesen bessern Lesarten in der achtteiligen Chronik meist Hand in 
Hand mit B und H^ und bildet mit diesen beiden eine besondere, 
sichtlich auf einen guten Archetypus zurückgehende Gruppe, da- 
gegen in den Annalen steht sie mit ihrem richtigeren Texte (der 
freilich öfters nicht den Eindruck einer treuen Erhaltung, sondern 
eher den einer Verbesserung oder Glättung des Widmanschen 
Originals macht) in der Regel allein. Sie ist deswegen für die 
Textfeststellung von grossem Werte gewesen; man veigleiehe aus 
den ersten Bogen der Annalen die kritischen Anmerkungen zu 
S. 240,82, 254,7, 256,18,23, 258,15, 266,5, 270,19, 273,2, 279,22 flF., 
284,8, 286,10, 289,7. — Hinsichtlich der religiösen Frage hält St"" 
eine Mittellinie ein, sofern zwar eine Reihe von Stellen stehen 
geblieben sind, die das unverfälscht katholische Gepräge an sich 
tragen (z. B. von den Schmalkaldischen conspiratores, von den 
^Altgläubigen die sie Päpstler nannten**), an andern Orten aber 
doch deutlich evangelische Gesinnung zutage tritt. 

Über die drei Hände des Manuskripts s. NF. VI, 52. 

Inhalt. Die Handscrift hat alle 8 Teile, aber in der Ordnung 
V, I, n, m, VI, Vn, VIII, IV. Teil V ist an die Spitze gesteUt, 
weil er die Hallische Geschichte enthält, Teil IV an den Schluss, 
weil die diesem Teil einverleibten Annalen die Ereignisse am 
weitesten, nämlich bis 1558 fortführen. Auch innerhalb der ein- 
zelnen Teile ist die ursprüngliche Ordnung mehrfach verlassen, 
entweder zu Gunsten sachlicher Gruppierungen oder aus andern, 
nicht klar hervortretenden Gründen. So sind im ersten (sonst V.) 
Teil die drei Halliscben Zwieträchten zusammengestellt und einige 
Stucke aus den Haller Annalen eingereiht. 

Ein weit über Widman hinausgehender Zusatz findet sich bei 
Aufzählung der Komburger Dechanten, wo von Erasmus Neustetter 
das Todesjahr 1594 angegeben ist und zwar von erster Hand. 
Dieses Jahr ist also als frühester Termin der Handschrift anzusetzen. 
Dieser Umstand, nicht minder freilich die oben aufgeführten Eigen- 
heiten, beweisen, dass die auf dem Rückensehild des Bandes 
unten angebrachte Bemerkung: „Vermutlich Original" weit vom 
Ziele trifft. 



— 52* — 

4. Städtische rote Chronik. 

H^. Eigentum der städtischen Bibliothek in Hall ; Folio, ge- 
presster Schweinslederband in rotem Schnitt und mit rotem Schild; 
daher, weil ihr jede sonstige Kennzeichnung fehlt, zur Unter- 
scheidung von andern derselben Bibliothek angehörigen Haller 
Chroniken die rote genannt. 308 gezählte und 10 ungezählte Bl. 
und zwar von erster Hand beschriebene 305, dann 2 leere, 308 — 313 
Register, hierauf noch 4 Bl. Nachträge von andern Händen bis zum 
J. 1689. 

Inhalt: Die 8 Teile erscheinen in folgender Ordnung: V, VI, 
IV, I, II, m, VII, Vm. Teil IV enthält wieder die allgemeinen 
Annalen. Auch innerhalb der einzelnen Teile sind, bald durch die 
HinauMckung des Hallischen, bald aus andern Gründen, allerlei 
Umstellungen eingetreten. 

Der Text wird durch diese Umstellungen im grossen und 
ganzen nicht berührt; nur in betreff der Haller Adelsgeschlechter, 
die überhaupt in den verschiedenen Handschriften, besonders in 
den auf Hallischem Boden entstandenen, grosse Abweichungen 
zeigen, ist eine Ausnahme zu machen. Hier gibt die vorliegende 
Chronik, verglichen mit St\ schon dem Umfang nach bedeutend 
mehr (über 40 Bl. gegen 17); die Anordnung ist zwar im allge- 
meinen die gleiche, aber es sind hier viele weitere Geschlechter 
eingeschoben; femer gibt St^ die Beschreibung bloss in Worten, 
//* hat statt dessen die gemalten Wappen, wobei übrigens die 
Malerei mit den Worten der Stuttgarter Handschrift hie und da 
nicht übereinstimmt — ein Beweis, dass diese Wappen nicht mehr 
in sicherer und unbestrittener, sondern öfters in zwiespältiger Über- 
lieferung vorlagen. — Als allgemeine Textveränderung gegenüber Sf " 
ist anzumerken, dass Widmans „ich" öfters ausgemerzt und durch 
andre Wendungen ersetzt ist. 

Für die Zeit dieses Schreibers gibt die Stelle S. 133 Z. 23 
(krit. Anmerk.) einen Anhaltspunkt, wo statt der in den andern 
Handschriften erhaltenen Jahrzahl 1550 gesetzt ist: „bis auf jetziges 
1600. Jahr". Die Handschrift ist also, so weit der erste Schreiber in 
Frage kommt, 1600 oder nicht lange nachher angefertigt worden. 

Eine Reihe von Zusätzen, die am Rande angebracht sind, 
rühren von David Wetzel her, einem gebildeten, des Lateins wohl 
kundigen Manne, der 1574—1642 lebte und 1618 Städtmeister in 
Hall war. Ihm hat die Chronik entweder zu eigen gehört oder 
als offizielles Handexemplar gedient, in welchem er Berichtigungen 



— 53* — 

und Nachträge anbrachte. Seine Bemerkungen erstrecken sich auf 
die ältere Zeit sowohl als auf seine eigene und gehen bis 1640; 
sie enthalten manche Richtigstellungen und Ergänzungen, auch 
Zitate aus gelehrten Werken und aus Haller Archivalien (Näheres 
NF. VI, 56). 

Wenn der Wert der Handschrift für die Textfeststellung ab- 
geschätzt werden soll, so darf ihr wegen der Sorgfalt, mit der sie 
angefertigt und bald nachher von einem sachkundigen Manne durch- 
gesehen worden ist, ihre Stelle in nächster Nähe von St^ und B 
angewiesen werden. 

5. Chronik des Sebastian Thumas. 

M ^. Der städtischen Bibliothek in Hall gehörig ; Foliohandschr. 
in Lederband mit schöner Renaissancepressung. Vom 42 unbe- 
zeichnete Bl., dann 280 gezählte, wovon aber manche unbeschrieben. 
Die Schrift ist pünktlich und deutlich, obwohl nicht gerade schön. 
Sie stammt sicher von Thumas selbst, wie der Eintrag der persön- 
lichen Notizen am Anfang und die völlige Korrektheit alles Ge- 
schriebenen bezeugt. Jene Notizen besagen, dass Thumas, nachdem 
er nicht lange zuvor sich in Hall angesiedelt hatte, 1600 ins 
Bürgerrecht aufgenommen, dass er gleich darauf zum Ratsherrn 
erwählt, 1605 zum Amtmann im Kochenamt bestellt, später mit 
andern wichtigen Amtern betraut wurde. Er starb 1618. Er hat 
in diesem Werke, das zwischen die Jahre 1573 und 1610 fallen 
muss, augenscheinlich den Zweck verfolgt, sich über Geschichte 
und Verfassung seiner neuen Heimat zu orientieren. Daher stehen 
an der Spitze alte Stadtrechte Halls, Verordnungen über den Eid 
der Städtmeister und Ratsherren, über Bürgerrecht und Steuer, 
über die städtischen Gerichtsbehörden und ähnliches. 

Bl. 1—136 folgt die Heroltsche Chronik, Bl. 139—174 eine wei- 
tere Reihe städtischer Statuten, Bl. 175 — 268 endlich sind die auf Hall, 
Murrhardt und Komburg bezüglichen Stücke Widmans eingereiht. Den 
Beschluss machen einige Verträge zwischen Württemberg und Hall. 

Die Chronik gehört somit zwar zu den NF. VI, 66 f. näher 
charakterisierten Misch- und Sammelwerken, ragt aber hervor durch 
die frühe Zeit, aus der sie stammt, und erhält einen besondem 
Wert durch den Umstand, dass sie mit Sicherheit auf einen ge- 
bildeten und an der reichsstädtischen Verwaltung persönlich be- 
teiligten Mann zurückgeführt werden darf. Auch weist sie in dem 
Abschnitt von den Haller Adelsgeschlechtern eine beträchtliche Zahl 



— 54* — 

von Stücken auf, die in den meisten andern Handschriften fehlen. 
Diese Stücke enthalten genauere Angaben über die Wappen, be- 
sonders aber über den baulichen Znstand, in dem sich die noch 
erhaltenen oder zerstörten Burgstadel der alten Geschlechter be- 
fanden. Diese baustatistischen Abschnitte sind freilich aller 
Wahrscheinlichkeit nach nicht auf Widmans, sondern auf Thumas' 
Rechnung zu schreiben, sie sind aber doch sachlich von solchem 
Interesse, dass es sich empfahl, sie der vorliegende Ausgabe ein- 
zuverleiben. (S. 65, 67 ff. bis 88.) 

6. Handschrift der Bibliothek des histor. Vereins für 

Württemb. Franken Nr. 52. 

H^, In Quarto, 46 Blätter, 2 — 5 Vorrede zum grossen Werk, 
aber nur zum Teil, am Schluss verbunden mit der Vorrede zum 
Auszug von 1553; 6 — 38 Geschichte der Stadt Hall und Beschreibung 
der Geschlechter, 39 — 46 Klöster und Kirchen, und Fortsetzung der 
Hallischen Geschichte. Der Text bricht mitten inne ab, es fehlt 
offenbar am Schluss ziemlich viel. Die Ordnung der Stücke ist 
vielfach verschoben, nur die Adelsgeschlechter werden im allge- 
meinen ebenfalls nach den drei Flüssen Kocher, Bühler und Roth 
aufgezählt, aber kürzer. Wappen und Städtebilder fehlen. Die 
Vorrede zeigt in den Namen dieselben Verderbnisse wie die andern 
Handschriften. Schriftzüge und Orthographie weisen schon tiefer 
in das 17. Jahrhundert hinab. Trotz diesen ungünstigen Verhält- 
nissen durfte die Handschrift nicht übergangen werden, weil sie zu 
den wenigen gehört, welche die grössere Vorrede enthalten. Sie 
bildet hier mit St^ und R in ähnlicher Weise eine besondere Gruppe 
wie für die acht Teile selbst H^, St^ und R, 

7. Handschrift der Bibliothek des histor. Vereins für 

Württ. Franken F 190. 

jH*. Allgemeines über die Handschrift s. Herolt S. 29. Inner- 
halb der ersten auf das Jahr 1604 oder bald nachher angesetzten 
Foliierung stehen von Widmanschen Stücken die Murrhardter und 
die Komburger Chronik 163—177 und 179—200. Die Blatter der 
zweiten Foliierung, Bl. 1 — 49, stammen von einer andern Hand, 
deren letzte Aufzeichnungen bis 1729 reichen. Hier erscheinen 
von den 8 Chronikteilen fünf und zwar in folgender Ordnung: 
V, I, II, VI, Vin. Sie sind aber nicht unverkürzt, sondern in 



— 55* — 

einer wie es scheint ziemlich willkürlichen Auswahl aufgenommen. — 
Weiteres über diese Handschrift NF. VI, 69. 

8. Handschrift der Bibliothek des historischen Vereins 

für Württemb. Franken F 200. 

H^. In Folio, Pappbd., 289 gezählte Bl., dazu noch viele 
ungezählte, welche das Register und Nachträge von andern Händen 
enthalten. Über die früheren Besitzer (Prediger Bonhöffer und 
A. Sandel) sowie über die auf den Vorsetzblättem angebrachten 
Bilder und Inschriften s. NF. VI, 59. Randleisten, rote Über- 
schriften, Wappenbilder, gemalte Landschaften und Schriftzüge ge- 
hören alle derjenigen Technik an, die in der a. a. 0. S. 67 u. 76 
beschriebenen Handschriftengruppe herrscht. 

Was den Inhalt anbelangt, so fehlt von der achtteiligen 
Chronik folgendes : ein beträchtliches Stück von T. I, femer ganz : 
n und in, von V fehlen die meisten Stücke ausser Hall, von VI 
vieles über die Mönche und Nonnen und alles über die fremden 
Klöster; VII und VIH fehlen wieder ganz. Das Vorhandene steht 
in der Ordnung V, VI, IV. Leitender Gesichtspunkt für die Aus- 
wahl des Stoffes war im grossen und ganzen die Bevorzugung des 
Hallischen und sodann des Zeitgeschichtlichen; daher finden sich 
nicht bloss die Abschnitte über Hall, Komburg und Murrhardt voll- 
ständig vor, sondern auch die wieder mit dem IV. Teil verbundenen 
allgemeinen Annalen, die in unserem Kodex allein in verhältnis- 
mässig richtiger chronologischer Reihenfolge bewahrt sind. 

Über fremde Bestandteile dieser Chronik (die hier nicht in 
Betracht kommen) s. NF. VI, 59, über Zusätze von spätem Händen 
ebenda S. 60. Für die Zeit, in welcher die erste Hand schrieb, 
geben die 135 und 165 vorkommenden Jahreszahlen 1591 und 1594 
einen Anhaltspunkt, der durch Beiziehung der übrigen derselben 
Gruppe angehörigen Handschriften dahin ergänzt wird, dass als 
Entstehungszeit das erste oder zweite Jahrzehnt des 17. Jahrh. 
anzunehmen ist. 



lY. Die bisherige Benützung der Widman-Chronik. 

Im 16. Jahrhundert hat schon Martin Crusius in seinen 
Schwäbischen Annalen den Haller Chronikanten öfter benützt, mit 



— 56* — 

dessen Familie er in näherer Beziehung stand, da ein Urenkel 
Widmans als Student zu seinen Füssen sass (s. o.). Auch Trescher 
hat in seiner Geschichte Limburgs Widman hie und da beigezogen, 
z. B. bei der Erzählung der Fehde der Stadt Hall mit dem Beben- 
burger. Reichlicheren Gebrauch von ihm macht Glaser in seiner 
handschriftlichen „Chronik von Hall bis auf Luthers Kirchen- 
verbesserung", von 1803, freilich auf Grund eines unhaltbaren 
Vorurteils zu Gunsten Widmans, dessen Ursprung und Widerlegung 
Herolt S. 9 f. nachzulesen ist. 

Einige vollständige Abschnitte der Widmanschronik hat 
Schönhuth in WFr. 1854 S. 89 ff. aus der Stuttgarter Handschrift 
bist. fol. 147 (also = St^) veröffentlicht, nämlich die Geschichte 
von der Kapelle zu den 7 Geschwistern, von der Eroberung der 
Burg Klingenfels, von Hans Hammer und vom Thüngenthaler Hasen. 

Wahrscheinlich gleichfalls von Schönhuth ist ausgegangen der 
Druck der sogenannten „kleinen Komburger Chronik", die, wie 
ohne Verfassemamen, so auch ohne Orts- und Jahresangabe 
erschienen ist, aber nach Bosserts Vermutung in den 1850er Jahren 
gedruckt und aus einer derjenigen Handschriften entnommen wurde, 
welche den Widmanschen Auszug von 1553 enthalten, also auch 
im Komburger Abschnitt Verkürzungen aufweisen. 

Eben diese „kleine Komburger Chronik" hat Bossert in seinen 
eindringenden Untersuchungen über die Anfänge des Klosters 
Komburg WFr. NF. Hl zur Vergleichung und zum Verhör heran- 
gezogen und durch Gegenüberstellung der älteren Quellen manche 
Ergebnisse gewonnen (u. S. 153), die nicht bloss für diesen Aus- 
schnitt des Widmanschen Werkes, sondern auch für die andern 
Teile und für die schriftstellerische Eigenart ihres Verfassers bis 
zu einem gewissen Grad ihre Geltung haben. 

Die „allgemeinen Annalen" hat zum erstenmal Egelhaaf 
stärker verwertet in seiner deutschen Geschichte im 16. Jahrhundert 
Band H (1892). Er hat dieselben in einem Exemplar der Stutt- 
garter Landesbibliothek (bist. fol. Nr. 8 ? siehe darüber WFr. NF. VI, 
56 f.) benützt und ihnen eine Reihe von Zügen entnommen, die 
seine Geschichtsdarstellung an manchen Punkten zu beleben und 
zu ergänzen geeignet waren. Er hat so überhaupt die Teilnahme 
für Widman geweckt und das Seinige zur Vorbereitung dieser 
Widmanausgabe beigetragen. 



— 57* — 

y. Die Grundsätze der Torliegenden Bearbeitang. 

Dem Bearbeiter liegt die Pflicht ob, Rechenschaft zu geben 
über die Gesichtspunkte, die ihn bei der vorliegenden Ausgabe ge- 
leitet haben. Diese Rechenschaft muss sich vor allem darauf be- 
ziehen, dass nicht die ganze Widmanschronik zum Druck gebracht 
worden ist. Eine unverkürzte Wiedeigabe war zwar urspränglich 
geplant und die wichtigsten Vorarbeiten dazu, besonders die Text- 
vergleichung, waren bereits erledigt. Nachdem aber die Erkenntnis 
gewonnen war, dass ein beträchtlicher Teil des Werkes auf Exzerpten 
aus Münster beruhe, konnte keine Rede davon sein, alle diese zum 
Teil flüchtig zusammengerafften und zu beschränktem Zwecke ge- 
fertigten Auszüge wieder abzudrucken. Andrerseits aber ging es 
ebensowenig an, sie völlig auszumerzen und verschwinden zu lassen, 
da durch dieses Verfahren der vollständige Einblick in den von 
Widman gesammelten Stoff und die richtige Erfassung des von 
ihm verfolgten Planes unmöglich gemacht worden wäre. So 
ergab sich der hier eingeschlagene Mittelweg, dass von den in 
Frage stehenden Abschnitten nur die Kapitelüberschriften aufge- 
nommen und diesen die erforderlichen Quellennachweisungen bei- 
gefügt wurden. Die letzteren sollen ebensowohl für den Bearbeiter 
als Rechtfertigung dienen, warum er die Abschnitte ausgeschieden 
hat, wie sie für andre Forscher den Fingerzeig geben auf die Orte, 
wo etwaige weitere Nachforschungen anzusetzen hätten. Mit diesem 
Verfahren ist freilich ein gewisser Nachteil verbunden gewesen, in- 
dem hie und da ein Abschnitt, dessen Ursprung noch unermittelt 
ist, oder ein andrer, für welchen Münster oder der sonst genannte 
Schriftsteller das Material nur zum Teil geliefert haben, zugleich 
mit seinen Nachbarstücken beseitigt werden musste, da er in seiner 
Vereinzelung und Zusammenhangslosigkeit sich gar zu fremdartig 
ausgenommen hätte. Doch sind es nicht gerade viele Stücke, bei 
denen dies zutrifft, und Widmansches Eigentum im strengeren Sinn, 
d. h. entweder persönliche Äusserungen und Urteile des Chronisten, 
oder Überlieferungen, die ihm in unmittelbarer Weise zugeflossen 
wären, enthalten sie alle nicht. 

Die äussere Gestaltung der Widmanausgabe ist vei^lichen 
mit Herolts Chronik eine andere geworden insofern, als jetzt für 
die textkritischen Anmerkungen keine Verweisungsbuchstaben, 
sondern nur noch die Zeilenzahlen verwendet wurden, und als die 
Kennzeichnung derjenigen Worte oder Sätze, die aus einer andern 
als der Haupthandschrift in den Text aufgenommen sind, jetzt in 



— 58* — 

Wegfall gekommen ist. Die Absicht dieser beiden Neuerungen ging 
dahin, den Text, der bei Herolt durch die vielen eingesprengten 
Buchstaben und Klammem ohne Frage ein sehr unschönes und 
unruhiges Bild gewährt, klarer und lesbarer zu machen. Freilieb 
ist es jetzt nicht mehr möglich, wie früher, schon durch einen 
flüchtigen Überblick die vielen Stellen zu erkennen, wo auf Grund 
der Textvergleichung die Haupthandschrift hat verlassen und ge- 
bessert werden müssen; aber eine durchaus zuverlässige und 
erschöpfende Rechenschaft über alle diese Fälle bieten ja die 
kritischen Anmerkungen in sich selbst. 

Was aber zuletzt die Auswahl derjenigen Wortformen, Worte, 
Sätze, Wendungen u. s. w. betrifft, welche zu diesem kritischen 
Apparate zusammengestellt worden sind, so bedarf es nach dem 
oben Ausgeführten kaum mehr einer Erinnerung daran, dass es 
bei der weitgehenden Verschiedenheit der Handschriften und der 
Flüssigkeit und Verilnderlichkeit ihres Textes eine bare Unmöglichkeit, 
aber auch eine grosse Verschwendung an Kraft, Zeit und Geld, 
also ein wahrer Luxus gewesen wäre, sie alle aufzunehmen. Es 
konnte sich nur um eine Auslese handeln, bei welcher natürlich 
dem Urteil und Geschmack, manchmal auch nur der augenblicklichen 
Empfindung des Bearbeiters ein grosser Spielraum verstattet blieb. 
Es mag nun manches an dem Aufgenommenen als überflüssig oder 
als von kleinlichen Rücksichten eingegeben erscheinen; doch darf 
der Bearbeiter versichern, dass er bei diesem Auslesegeschäft in 
erster Linie sich von dem sachlichen Gesichtspunkt als dem 
wichtigsten bestimmen liess ; wo aber ein solcher nicht in Betracht 
kam, war es die Rücksicht auf den sprachlichen Charakter (besonders 
Beibehaltung älterer oder mehr fränkischer Sprach- und Namens- 
formen) oder auf die konfessionelle Stellung des Schreibers, über- 
haupt auf die Charakterisierung einer Handschrift nach ihren be- 
zeichnenden Eigentümlichkeiten, was ihn leitete. 

Es ist zu hoffen, dass die eben entwickelten Grundsätze im 
ganzen den Beifall billiger Beurteiler finden werden. Weniger 
sicher ist freilich, ob die Chronik selbst den Erwartungen, die da 
und dort von ihr gehegt werden, genugtun wird. Sie wird wohl, 
entsprechend dem Gesamturteil, das oben über die schriftstellerischen 
Leistungen Widmans abgegeben worden ist, etwas niedrig ein- 
geschätzt werden; vielleicht fällt sogar das Urteil noch schärfer 
aus, als dort geschehen ist. Immerhin wird so viel bestehen 
bleiben, dass die zahlreichen Mitteilungen, die Widman über 



— 59* — 

Hallisches nnd über die Ereignisse seiner Zeit nnd seiner nähern 
Umgebung überliefert, der Hauptsache nach zuverlässig und wert- 
voll sind. Wenn dann das Übrige — die älteren Geschichtspartien 
und die Auslassungen über die reformatorischen Bewegungen — 
nicht sowohl durch das beigebrachte Tatsächliche, sondern mehr 
durch die Stimmungen und Spiegelungen, welche die Geschichte 
im Gemüt des Darstellers hervoigebracht hat, unsre Teilnahme 
erregen, so können ja auch solche Spiegelungen, richtig gedeutet 
und verwertet, irgendwo mit Nutzen in eine objektiv gehaltene 
Geschichtsdarstellung eingezeichnet werden. 



Inlialtsübersiclit 

über Widmans Ghroiiika, naoh des duronisten EapitelftbersohrifteiL 



In Klammern [ ] eingeiohlossen sind diejenigen Stficke, ron welchen, nach Einleitung 8. 67*, 

nur die Überechriften anfgenommen find. In den allgemeinen Annalen sind mit * diejenigen 

Abschnitte beseiehnet, bei denen die seitliehe Beihenfolge geetOrt ist. 



Widmans Chronika. gelte 

Vorwort 3 

Das erste theyl. 
VoB leben and gesohiohten etlicher R9m. kayszer etc. 

[Von Julio Cäsare. — Von der statt Aach. — Sachszen kompt zum 17 
christlichen glauben. — Ursprung des teutschen reichs fttrsten etc. — 
Von frey- und reichsstätten. — Von ämptem Rom. reichs. — Nürnberg. 

— Brandenburg wardt gebawen. — Kayszer Otto schlägt die Hunnen am 
Lech. — Kayszer Heinrich wird erwöhlt. — Kayszer Heinrich der dritte 
haszet die schaloksnarren. — Graffschafft Rheinfelden stirbt ab. — Kay. 
Heinrich der 4. ward von seinem söhn des Eöm. kayszerthumbs beraubt 

— Kayszerliches hofFgericht zu Rottweyll. — Spähn der session zwischen 
dem bischoffen von Colin und abten zue Fulda. — Was straff kayser 
Fridrich der erste Mayllandt ufferlegte. — Landtshutt gebauet wordten. 

— Königreich Hierusalem worden dem königreich Siciliae durch ein 
hejrrath. — Kayszer Fridrich wardt mit pabst Honorio vertragen. — 
Kayszer Friedrich erobert Mayllandt zum dritten mahl. — Legt seinen 
söhn ins gefängnüsz. — Wien war ein reichsstatt. — Kay. Friedrich ward 
im concilio zu Leon entsetzt. — Collmar wardt eingenommen. — König 
Rudolph bringt seine widerwärtigen zum gehorsamb. — König Adolph 
wardt erschlagen. — König Albrecht wardt von seines bruders söhn umb- 
gebracht. — Hertzog Fridrich von Österreich wird von könig Ludwieg 
gefanngen. — König Ludwie^ lest hertzog Friedrich ledig. — Der saal 
zu Ingelheimb ward zue einem söfft gemacht. — Wenceslaus, kayszer 
Carls söhn, wird Rom. könig. — Concilium zue Costnitz und Böhmische 
irrsahl. — Die Venetianer schickten kayser Albrecht ein vergifft geschenckh. 

— Hertzog Fridrich von Österreich Rom. kaysser.] 

Anfang der truckherey 20 

Maximilianus Rom. könig 20 

König Maximilianus ward zu Bruckh gefangen 20 

Neusz ward belägerth 21 



— 61* — 

Seit« 

Vom Fräulein von Britania 21 

Znch nff das Leohfeldt 22 

Schweitserkrieg 22 

Vom nntK des Schwäbischen bondtes 23 

Thailockher befedt wider den Schwäbischen bundt und Wttrttenberg und 

Baden 24 

Bayrischer landtkrieg 25 

Creütz fallen von hynunel 27 

Venetianer gewerb kommbt gen Antorif 28 

Kayszer Maximilianos hett den geist der wisiagnng 28 

Kay. Maximilianos war forchtaamb den Türokhen 28 

Von 8t. Andereae imd Walporgen ölle. Eittel Treuitwein 80 

Kayszer Maximilian liebte geschickte und gelehrte lenth 31 

Abschiedt kayssers Maximillani, ehe er starb 32 

Kay. Maximilian! demnth 82 

Waromb kay. Maximilianus pins genandt 32 

Carolas der V. wirdt Hdm. könig 38 

Luther hebt ahn zne schreiben 33 

Zaeg wider die schlöszer in Franckhen 34 

Kayszer Carls gehaltene reichstäge 34 



Das ander theyl. 
Vonn herkomMen, sittea, gewohahelt, gegendt und landtreoht der TeitaolMn. 

[Transitio. — Uhrsprung der Tentschen und ihren namen. — Gkmtz 35 
Teutschland obs alleweg ein königreich gewesen. — Sitten und gesatz 
der alten Tentschen vor kriegen. — Alte Tentschen achten sielber nicht. 
— Scham teutscher weiber.] 

In was alter etwan die Tentschen gefreyet 35 

Tentschen sein von arth Jäger 86 

[Warumb Teutsche fayhl seien. — Altteutsch landtrecht. — Straffe 37 
der dieb und rauber. — Fruchtbarkeit Teutschlandts.] 

Gläckhsradt der weit 37 

Ladenburg 39 

G^szlersect 40 

Wann Teutschlandt under die Bömer kommen 40 

Büchszen und feurschlosz erfunden 40 



Das dritte theyl. 
Von üfT- undahgang ettlioher teutsohea kl^nigreich, fOratenthamb and herrachatflen. 

Von Franckhen 41 

[Von Thüringen. — Von Baym. — Vom pfaltzgraffen zue Schenm. 42 

— Von Sachszen. — Von Burgundt — Von Böhem. — Von Pommern. — 
Von Preusien. — Vom herzogthomb Zeringen. — Von Österreich. — 
Von Kähmten. — Graven von Habspnrg, Braunschweig und Lttnnenbnrg. 

— Vom herzogthumb Württemberg.] 



— 62* — 

Seite 

Das vierdte tbeyl. 
Von ettllchen kriegen ansz- und innliadlsolier vSloker, so Inngemeio md 

inasonderbeit In Tentsohlandt geflbt wordten. 

[Krieg zwischen Diettrichen undt Theobertom. — AttÜa zurstörte 44 
Metz und Tryer. — Die Wenden zorstöhrn Maintz, Metz onnd anders. — 
üffgelänff zwischen dem bischoff und statt CöUn. — Hertzog Rudolphen 
von Österreich ward vergeben. — Von Schweizerischen kriegen. — 
Hertzogthumb Limpurg stirbt ab. — Vratislaus könig in Ungarn ward 
geschlagen. — Amurates ein Maohomethischer münch. — Bechberger im 
Stättkrieg angrieffen. — GraffschafiFt Lützelstein wardt gewonnen in der 
Pfaltz. — Maintz wirdt eingenommen vonn Naszaw. — Die armen geckhen. 
— Lttttich wirdt gewonnen von Burgnndt. — Sunckhaw wirdt dem 
hertzog von Burgundt versetzt. — Hertzog von Veldentz. — Armscheim, 
Strollburg, Schriesen wurdt geschlaifPt — Hertzog von Burgundt last 
500 henckhen. — Hertzog von Burgundt gewinnt Grausen. — Item wird 
von den Schweitzern erschlagen. — Vermeinter hertzog von Burgundt zu 
Brüchszell. — Niederlag der dreyen fürsten bei Seckenheimb, Wttrtten- 
berg, Baaden, bischoff zu Metz. — Schweitzerkrieg, Schwaderloch.] 

Stritt zwischen statt Wormbs und clerisey daselbst 46 

Nürnberger kirchweyh 46 

Hohenkreh wirdt verbrennt 46 

Bayrische befedung 47 

Kerchner Strausen fedung 47 

Frantz von Sickhingens befedung 47 

Bayrische empöhrung 48 

Barbon stürmbte Böhm 50 

Türckh belagert Wien 50 

Zwingling. schlacht 50 

Oostantz wardt eingenohmen 51 

Das fOnffte tbeyl. 
Von erbaw: und Veränderung ettlioher fdratenthumb, statt und fleokiien 

Teutsohlandtes. 

Speyer 61 

Elsaszzabem 62 

Seeligengast 62 

München wardt gebauetb 52 

Haylbronn 52 

Von der statt Schwäbischen Hall 52 

Hall war ein dorff 65 

Vom baw der sulnn 56 

Sieben bürg in Hall 56 

Adel am Kochen 58 

Edelleuth die von Hall 60 

Ottendorff 60 

Buchom, Bretzing, Heszenthal, Hirschfelden, Steinwagh, Entzsewe 61 

Schawenberg 61 

Ho^nart 62 



— 63* — 

Feldner, Gkyer, Stetten, Gaillnkirchen, EleincontKen 62 

Geyersburgkh 63 

Rott 63 

Vohenstein 64 

Sieder 64 

Mut 64 

Pfeylldorff 64 

Eurtzen 64 

Bernstein ondt anch Mtthlatain genandt 64 

Newenstein 65 

Peterszheimb 66 

Fewren 66 

Elttershoven 66 

Mtincken 67 

Sulmaister 68 

Senfften 69 

Sulbnrg yerbrandt 69 

Hag, Schnewaszer, Lecber, Gleicher 69 

Zorn, HeU 71 

Bachenstein 71 

Enszlingen, Hurdelbach, Altdorff 72 

Braunspach, anch Cttntzelsanw, Stoltsen genandt 73 

Ennygen, zne den sieben geschwiestrichten 73 

Adel von der Bieler: Kothspttel 76 

Schwällbnum, Häffher von Undersnntheim 76 

Streckhfaesz 76 

Buch 76 

Ohansen 76 

Höhenstain 76 

Neonbronn, Hoenstatt 78 

Waszerfräwlein 78 

Holtzfräwlein 79 

Scheffach 79 

Brun, Hopffach 80 

Eainwolsperg 80 

Billriett 81 

Alten von Altenberg 82 

Lamperter von Bamspaoh 82 

Veynaw 84 

Unmnszen von Altenhansen 86 

Santzenbach 85 

Gulden von (jk>ttwaltzhan8zen 88 

Bunning 88 

Viel adels zue Hall etc 89 

Eönnlin, Köhler, Nager, Stoltzen, Gnannen etc 89 

Hall vor zeithen eine einode. Bilrdinmarckh 90 

Von des tenffels nasen 91 

Kleine pfarrkirchen znc Steinbach 91 



— 64* — 

Seite 

Zween rath etwan zne Hall und Yon ihren siegelln 92 

Ausdegimg der von Hall sig^ill and insignien 94 

[Vom kampff] 94 

[Etliche, 80 zn HaU gekämpfft] 95 

Schlosz Hall fällt dem closter Chombnrg heimb 95 

St. Michaels mttnster zne Hall wardt gebaneth 95 

Meesz zn Hall 96 

Collation Hall Chombnrg gehörig 97 

Wie alt HaU eine statt sey 98 

(Jffgelänff zn Hall von wegen der kellershelsz 99 

Der ander nfflanff 100 

Die dritte empöhmng 102 

Grosze bmnst zn Hall 102 

Stättkrieg 103 

Clingenfellsz wardt znrbrochen 103 

Ihrer acht werden zn Hall gerichtet 104 

Hans Hammer, ein jnnger ttbelthäter 106 

Fürsten wider die statte 107 

Den yäszem im Eochenthal schlegt man die böden ans .... 107 

Wammb die 21 zne Hall gehängt sein worden 107 

Hoenart wardt znrbrochen 110 

Mayenfells 110 

Newenfelsz wardt gewonnen 111 

Waldebott, der ranber feindt 112 

Von der statte krieg 112 

Thungenthal verbrandt; gebrattne bim daselbst 113 

Drey hauptmann kamen in der statt krieg nmb 113 

15 kommen bey Wolpertzhanszen nmb 114 

Marggrafif Albrecht wardt zn Ultzhoven in einen schenckhel gestochen 1 14 

Stättkrieg wardt gericht 116 

Stättbindnns mit Maintz 115 

HaU wider Bosenberg 115 

Gewäszer zne HaU 115 

Xirchenplatz gemacht 116 

Newe bmnnen nndt kirchhoff zu st. Nicolaus 116 

Büchszenhaus daseibsten 116 

Strausz befedet HaU 116 

Stransz bnb, Combnrgs feindt 117 

[Rottenbarg am Neckher wirdt gebanet, so zuvor genandt Landts- 117 
furth. — Freybnrg wirdt einne statt. — Auch Hagenaw, Collmar, Schlett- 
st&tt, Kayszersberg, Landtsperg, Reattlingen, EszUngen. — Ulm wardt 
znrbrochen.] 

MaximiUana angusta 117 

Znnfften werdten zne Augsporg nndt Ulm abgethan 117 

Stnttgardt 118 

Hocher thnm zn Straszburg 118 

Lindenfelsz kompt an die Pfaltz 118 

Ladenburg am Necker an Pfaltz und Wormbs 118 



— 65* — 

Seit« 

Oppenheimb, Odemheimb, Ingelheimb versetst 118 

Weckmühlen 118 

[Weinnsperg] 119 

Burgundt kompt an Österreich, wie auch Lützelbnrg 119 

Kay. Fridrich ist zu Hall 119 

König Maximilian gehet am palmtag mit der process 119 

König Maximilian huldiget Hall 120 

Das sechste theyl. 
Yonn stitrtungen etlicher histhumber, cil^ster, stifft, kirohen und wallfahrten. 

Mönch and nonnen sein vor Christi geburth gewesen 120 

[Vestales nonnen. — Venerische nonnen. — Pudor. — Templum 121 
Veneris in Corintho. — Templum Dianae zu Epheso. — Templum Apollinis 
zue Delphis. — Templum Martis zue Mörszburg.] 

Wunderliche heydnische gebäw in der graffschaft Wertheimb gefunden . 122 

Straff der Mrchenrauber 126 

[Saltzburg wardt ein bisthumb. — Closterstifftung zu st. Stephan 127 
zu Straszburg, Eberszheim-Mttnster, Ottiliaberg, Murbach, Moszmünster. — 
Weyszenburg, Haszlach, Saarburg, Clingenmünster. — Ertzbistumb Wormbs 
wirdt gen Maintz yermckth. — Beichenaw. — Maurszmttnster. — Ammer- 
bach. — Hertzogthum Frankhen würdt st. Burckharden, bischoffe zu 
Wttrtzburg. — Elwang. — Lorsch.] 

Von dem closter Murrhardt. 

Stiftung des closters Murrhardt 128 

[Copia des closter Murrhardts stifftbriefif] 130 

Donatio Murhardts forstrechts kay. Conradt n 130 

Andrer meinung Ton altem stifftem des closter Murrhardts . . . 180 
[Kayszer Carl gibt die geistliche Jurisdiction über Murrhardt dem 

stifft Wttrtzburg] 131 

Westen wardt Murrhardt geben. Gr. yon Kochengaw stirbt ab 

anno 1878 183 

Bottwar zehendt gehört nach Murrhardt 134 

Abbt von Ltttzenbronn 134 

Rom. reich schirmet Murrhardt, darnach graff von Württenberg . 135 

Vom abbt Güttigott 135 

Murhardt wollte ein weltlich stifft werden 138 

Abbt Phillipps wurdt ab: undt Oszwaldt an seine statt gesetzt 139 

Brüder zu Murrhardt werden ins ellendt verstoszen 141 

Herr Thema Carlin wirdt abbt zue Murhardt 141 

Erste kirch zu Murhardt 142 

Closter Murhardt wirdt gebaueth 142 

Hayden voor st Weltreich zu Murrhardt wonnhafft 143 

Seelmeszen Hannszcn Bernhardts 145 

Unsinnige menschen werdten uff st. Weltreichs grab yemünfftig . 145 

Von st Orendel an der Saal 145 

St Reichhardt in der Schuppaoh 147 

Reyffenstain 147 

Brüder zu Waidenburg 147 

Wflrtt. OMohiobtM|a«U«n VI. 5* 



— 66* — 

Seite 

Hirschaw im Schwartzwaldt 148 

Sindelfingen 149 

Thennelbach, st. Peters, st. Marxen, Schwartzach 149 

Alberspach 149 

[AUerheylligen, Bonndorff, st. Rupprecht, Frawenalb, Frauenweyller, 150 
Backenaw, Beurn, ObemdorflF, Wicken, Wildtberg. — Zum ainsiedel. — 
Zue st. Gallen — Neresheimb. — Meydenburg.] 

Obristenfeldt 160 

[Bamberg. — Thumbstift Speyer. — Hertzogen von Zehringen. — 151 
(riengenbach, Schwartzach, Sultzberg, Weyszenaw. — Bisthmnb Meyssen.] 

Öringen 161 

St. WaUburg 162 

Von stifftungen des stiffts Chomburg. 
Vom gr. zu ßottenburg uff der Tauber und stiflFtung des stiflFts 

Chomburg 162 

Ursach des closters Chomburgs stifftung 155 

Schlosz Chomburg wardt abgebrochen 169 

Closter Chomburg wirdt in 12 jahm ufifgebaueth 159 

Kirchweyhung zu Chomburg 160 

Summa etlicher articul des Chomburgischen stifFterbrieflFs .... 161 

Nahmen etlicher schirmherm 163 

Wer mehr Chomburg dotiert 164 

Herr Wiegandt von Castel bey Maintz, der ander stiflTter . . . 166 

Nahmen etlicher closterfrawen zu st. Gillgen 167 

Die erste closterpriorin zu st. Gilgen und ihr sigiU 167 

Welche mehr Chomburg mit stiflftung begabt haben 168 

Vom Stein bey Cöntzelsay 169 

Stififtung des Nuszbaums 169 

Clauszen zu Mistlay 170 

Von äbbten zue Chomburg 170 

Chomburg wirdt ein weltlicher stifft 183 

Pröbste zu Chomburg 183 

Die dechant zu Comburg 186 

Verzaichnus aller corherren ... zu Comburg 190 

[Closter Gotsaw. — Clöster st. Blessin, st. Georgen. — Graffen 191 
des Greggawes, Sunsheimb.] 

Elchingen ward gebawen 192 

[Scheurn. — Kayszheimb. - Hernalb. — Schönthal.] 192 

Lorch, closter 192 

Penates zue Lorch gefunden 193 

[Anfang des bisthumbs Aystett. — Closter zue Hagenaw.] 193 

Stifftung des closters Schönaw 193 

Newenburg ob Heydelbergh 199 

Allerheyligenberg zu Heydelberg 200 

Gnadenthal 202 

Vom Tempelorden und warumb sie auszgetilligeth wordten 202 

Newburg. MauUbronn 207 

St. Johannis hausz zue Hall 208 



— 67* — 

8eiU 

Wie herr Gonradt Gieckhenbach wein bekäme 209 

St. Katterinenpfarrkirch zu Hall 210 

Feldtnerin cappell 211 

Münster zu Ulm wirdt gebaueth 211 

Von wallfahrten. 

Cappell am Cappellthor zu Hall 212 

Wallfahrt gen Thungenthal 212 

Stiefftung der Schuppach 213 

Closter Goltpach 214 

Anhauszen . 216 

Vom Wurmblinger berg 215 

Nicolaushauszen 216 

Fehlbach 220 

Weyhenbrunn 221 

Unszer Frau zun neszeln zu Heylbronn 221 

Burckberg 223 

Walfhardt uff sanct Michels berg in Gorgaw 223 

Raw aichen 22B 

Rieden 226 

Ennszlingen 226 

Schöne Märgen zue Regelspurg und hübsche Märgen zu Rotten- 
burg an der Tauber 227 

Frawen clausz under Limpurg 228 

Warumb vorerzehlter wallfahrt meidung geschehen 229 

New chor zu Hall wirdt gebaueth 229 

Dtt siebtndte thailL 
Von stItrtungeB etlicher hohen sohuhlea unodt haltungen der thuraier. 

[Heidelberg. — Prag. — Köln, — Erfurt. — Löwen, — Frei- 230 
bürg i, Br, — Greifswalde, — Basel, — Maine, — Tübingen. — Witten- 
berg. — Turniere,] 

Das aohte theyl. 
Von etlichen seltzamen ungewöhnlichen dingen und gesohiohten etc. 

[Wie grosz die erdte sey. — - Von der tages und nachtsungleich- 230 
heith. — Opinio etlicher vom paradisz. — Balsam wächszt nur an einem 
orth der weit. — Selbst gewachszene wagenschmier. — St. Bernhardts 
berg. — Closter in felsen gehawen. — Ungesaltzen fleisch behalten sie 
im felsen. — Vom hundertjährigen eysz. — Lerchin holtz vor dem 
auszsatz. — Closter st. Saba] 
Im closter Alleluja wachszen muscath 231 

[Feuerberg. — Brinnender berg Vesunus oder Vesuvius. — Löwe 232 
erstickth am mantel zu Colin. — Hundert tausenth menschen ertrinken in 
Frieszlandt. — Erdtbidem zu Baszel. — Groszer sterb. — Zwen grosze 
fisch bei Ulm uff dem Hundtsrucken. — Stockfisch. — Seelen uff dem 
Heckelberg.] 
Vom Oszelberg 232 



— 68* — 

Seite 

[Zauberey wirdt mit jungfraukotth vertriben. — Wie arme Jung- 238 
frawen männer überkommen. — Lebendig weib läszeth sich mit ihrem 
todten mann verbrennen. — Zu Ghiava tödtet und isset man die alten 
menschen. — Zu Canibula iszeth man auch menschenfleisch. — Zue Antri- 
dopha eszens nichts alsz hewschröckhen. — Zue Troglodita kochet man 
bej der sonnen. — In Arrabia brattens und siedens an der sonnen. — 
Feuren mit steinen. — Schneckhen im königreich Senege seindt wie kalb- 
fleisch zu eszen. — Italische weiber trinken nit wein. — Vom beiden 
Enoch. — Ein heldt 40 eilen lang. — König Og 9 eilen lang.] 

Pallasz ist einnes thums lang 284 

Ein groszer riesz zu Alkeyro iszeth alle tag 12000 brodt 285 

Aberglaub etlicher heydnischer königreiche 286 

Allgemeine Anrutlen. 

Landtgraff von Hessen empört sich und überzeucht Würtzburg. (1528.) . 288 

Landtgraff von Hessen wurdt mit dem bundt vertragen. (1528.) . . . 240 

Marggraff Casimirus zeucht an Ttirckhen. (1527—28.) 241 

Cöberer wurdt gefangen. (1528.) 241 

Wolff öffoer wurdt gefangen. (1528.) 242 

CHJtz von Berlingen wurd gefangen. (1628.) 242 

Franckhen bewilligen kayser Carl ein reuttersdienst. (1528.) .... 243 

Memming setzt ausz dem bundt. (1529.) 243 

Eeichsztag zu Speyr. (1529.) 244 

Türckh belegert Wien in Osterreych. (1529.) 244 

Krieg zwischen kay. Carl und Frantzhosen wtbrdt vertragen. (1529.) . . 245 

Von der handlung desz reychstags zu Augspurg. (1530—1531.) . . . 245 

König von Böhem empfieng damals sein königreich. (1530.) 247 

Wie ettlich herm dazumahl ihr lehen empfanngen. (1530.) 247 

Fraw Margreth stirbt. (1530.) 248 

Zwingling wurdt erschlagen. (1581.) 248 

Lanndttag zu Schweynfurdt. (1532.) 248 

Turckhen zug in Österreich. (1532.) 248 

Comet am himel gestanden. (1532. 1533.) 253 

Reichzstag zu Kegenspurg. (1532.) 253 

Jung könnig in Dennmarckh stirbt. (1532.) 253 

Reychstag in Italia. (1533.) 253 

Turckhisch rayszgelt oder Schätzung. (1532.) 253 

Babst Clemens weicht von Rom. (1533.) 254 

Herr Görg Druchsesz söhn wurd geschätzt. (1534.) 254 

Der Schwabisch bundt nam ein enndt. (1533—1534.) 255 

Frannckhreychisch handlung utf dem bundtstag. (1533 — 1534.) .... 256 

Z winnglisch uffgelauff und empörung zu Kempten und Augspurg. (1533—1534) 256 

Hertzog Ulrich von Wirttemberg wurd eingesetzt. (1534.) 257 

Lanndt Württemberg würdt Lutterisch. (1534.) 260 

Munster wurdt zum stürm geschossen. (1534 — 1535.) 260 

Dem pfarrherr zu Lendsidel wurd ausgeschniten. (1534.) 260 

Uffgelauff zu Regenspurg. (1535.) 261 

Hertzog Oth-Hainrich nimbt Kaisshaim ein. (1534—1535?) 261 



— 69* — 

Seite 

Luttenaoh yenamblung zu Frannckhfährt. (1539.) 262 

Kayser Carl »trofft Gendth. (1540.) 262 

Beichsztag zn Hegnaw. (1540.) 263 

Disputation zu Wormbs gehaltten die religion belangent. (1540.) . . 264 

Einritt kayser Carls zu Hall. (1541.) 264 

Margkbgraff Görg schennckht kayser Carl ain schütten. (1541.) . . . 268 

Reichstag zu Regenspuig. (1541.) 268 

Best und Ofen werden belegerdt (1541.) 269 

Katzianer ein österreichischer herr wurd erdödt. (1539.) 269 

Der ander reichsztag zu Regens purg. (1541.) 270 

Lanndtgraff von Hessen fengt hertzog von Rraunschweig sein secre- 

tary. (1538—1641.) 271 

Türckh erobert Ofen, Best und k5nig Ferdinand geschntz. (1541.) . . 271 

Kayser Carl raist für die statt Aiwa unzwungen. (1541.) 272 

Reichsztag zu Speyer, darauff Turckhenschatzung bewilligt ist, und wie 

sich das kriegTolckh gehaltten. (1542.) 272 

Vom reichsztag, so zu Nürnberg gehalten worden. (1542.) 274 

Heerzug wider hertzog Hainrich zu Braunschweigkh. (1542.) .... 274 

Von ungewitter. (1542.) 274 

Hertzog Ott Heinrich wurd Lutterisch. (1542.) 274 

Sachsen und Hessen erobern hertzog Hainrich von Braunschweig landt. (1542.) 275 

Gttlch nimbt Geldern widern kayser Carolum ein. (1541.) 277 

Elende endung desz Turckhenzugs. (1542.) 278 

Schmalkhaldischen repudiem dasz camergericht. (1542.) 279 

Gtilch uberfeldt Brabandt und Franckhreich Lützelburg. (1542—1543.) . 280 

Gttlch schlecht frauw Mariae kttnigin kriegsTolckh. (1543.) 280 

Reichsztag zu Nürnberg. (1543.) 281 

Waltter von Chronberg hochmainster teudschordens stirbt bey Hom- 

eckh. (1543.) 281 

Kayser Carl überzeucht Gttlch. (1543.) 281 

Kayser Carl erobert die statt Tewren durch ein stürm. (1543.) .... 283 

Gttlch wurdt gewunnen. (1543.) 283 

Gttlch wurd begnad. (1543.) 284 

Ettlich Gttlchisch stett bleiben dem kayser. (154S.) 284 

Bischoff zu Coln wurd Lutterisch. (1543.) 286 

Reichsztag zu Speyer. (1543—1544.) 285 

Marggraff Görg stirbt. (1543—1544.) 286 

Pfaltzgraff Ludwig stirbt. (1544.) 286 

Byschoff aus Corsica stirbt zu Speyer. (1544.) 286 

Kayserisch kriegvolckh wurd geschlagen in Sopoy. (1544.) 286 

Cantzler Navis badet. (1544.) 287 

Pfaltzgraff Friedrich legt seines bruders concubinen in verhafftung. 

(1544-1556.) 288 

Hieronimus Baumgartner wurdt von Albrecht von Rosenburg nieder- 

geworffen. (1544.) 289 

Apsperger greyfft Schwartzenburg an, die wurden zu Weickherszhaim 

niedergeworffen. (1544.) 290 

Absperger wurd gefanngen bey Gmundt. (1545.) 291 



— 70* — 

Seite 

Eustachius Gollin wurd gefanngen. (1544 oder 1645?.) 291 

*Sterbent kayserischen und Hessischen kriegsvolckh. (1547.) 292 

•Eustachius Göllin vmrdt zu Cuntzelsaw ins recht geworflfen. (1547.) 292 

Verachter reichsztag zu Wormbs. (1544 — 1546.) 293 

Das keysers sünerin und sohns son und konig Ferdinandi dochter sterben. (1545.) 294 

Hertzog von Württenberg l&st 3 von Reuthlingen richten. (1545.) . . 294 
Hertzog Hainrich von Braunschweig vermeint sein land wider einzu- 

nemmen. (1545.) 294 

Lanndgraff überzeucht hertzog Hainrichs helffer, graff Hansz von Schauwen- 

burg. (1545?) 296 

Schmalkhaldisch bundtstag zu Frannckhfurdt. (1545—1546.) 297 

Baumgardner wurdt auszgelassen. (1545.) 297 

Hefftiger krieg zwischen Franckhreych und Engellanndt. (1544—1546.) . 297 

CoUoquium zu Regenspurg. (1546.) 298 

ConcUium zu Trient. (1545-1546.) 299 

Lutter stirbt. (1546.) 229 

Reichsztag zu Regenspurg der 3. (1546.) 299 

Lanndtgraflf von Hessen embört sich, will kaysser werden. (1546.) . . 301 
Nach erkhandnus der acht sein h. Hans von Sachsen und landg. von 

Hessen zu veld gezogen. (1546.) 303 

Graff von Altenburg ftirt dem lanndgrafen ein sondern hauffen zu. (1546.) 304 

Hertzog Moritz macht mit dem keyser ein heimlich verstendnus. (1546.) 305 
Kayser Carl het sich bei Ingolstatt ins feldt vergraben und wurd vom 

Hessen belegert. (1546.) 306 

Königin Maria schickht dem kayser hilff ausz dem Niderlandt. (1546.) . 306 

Lanndtgraff von Hessen wurd flüchtig. (1546.) 307 

Von hertzog Ott Hainrichs lustgartten. (1544—1547.) 308 

Kay: may: nimbt Neuburg ein. (1546.) 310 

Comburg wurd von Hessen eingenommen. (1646.) 311 

Hessen blundem kirchen umb Meintz. (1546.) 312 

Kay: may: erobert wider alle reichstett. (1546.) 312 

DinnckhelspÜhel wurd begnad. (1546.) 313 

Kay: may: lest Mattem Wurtzelmans, stattschreybers zu Hall, guter 

inventiem. (1646.) 313 

Hall ward begnad vom keysser. (1546.) 314 

Spanier sterbet zu Hall. (1646—1547.) 315 

Neapolitaner raysiger zeug kombt gen Hall zum kayser. (1646.) . . . 316 

Pfaltzgraff Friderich wurd begnadet. (1646 oder 1547.) 316 

Ulm wurdt begnad. (1546.^ 316 

Warum Köberers von Weckrieden knecht und Schwester erhengt. und 

ertrcngt sein. (1646.) 317 

Kayser kombt gen Hallpron. (1646—1547.) 318 

Herr von Beum brandtschatzt Erbach, Franckhfurt im uffgeben, Darm- 
statt erobert mit stürm. (1646.) 318 

Bernhardt Göler wurdt gebranndtschatzt. (1646 oder 1647.) 319 

Buosz hertzog von Württembergs und der oberl endischen reichstett. (1547.) 319 
Margkhgraff Albrecht und landtgraff von Leuchtenberg werden ge- 
fanngen. (1647.) 320 



— 71* — 

Saite 

Basti Scherttlin verkhaufft Btirtenbach. (1647.) 320 

Wie hoch die abjj:efallen reichstett vom kayser sein gfestrafft worden. (1547.) 321 
Kayser erlegt h: hertzog: Friderich von Sachssen und erscheinen am 

himell. (1547.) 322 

Hertzog Hannsz Friderich und der von (Irubenhagen werden gefannglich 

gehalten. (1547.) 824 

Sachsisch gefanngene werden ledig gelassen. (1647—1648.) 326 

Hall wurd die mesz wider uffgericht. (1648.) 326 

Vogelsperger und Thoma Wolff von Halbron werden zu Augspurg ent- 

haupt. (1648) 327 

Ein Spanischer furierer wurd gefiertheilt. (1648.) 328 

Caldeanus und Christophorus de More werden gefangen. (1647 oder 1648.) 328 

Kaysers fenderich wurd erstochen. (1646.) 329 

Stett vertragen sich mit dem Ro: konig. (1647—1548.) 329 

Landgra£f musz graffschaift Katzeuelenbogen wider geben. (1648.) . . 330 

Abschied desz Interims zu Augspurg. (1648.) 330 

Die vorstatt zu Costentz wurd erstigen und verbrennet. (1548.) . . . 331 

Dem konig zu Tunis wurd von seinem söhn die äugen auszgestochen. (1648.) 332 
Lanndtgraff von Hessen und b. Hansz von Sachsen müssen ins Nider- 

landt. (1648.) 332 

Znnnfft zu Augspurg und Ulm werden abgethon, sonst noch ettlich kay: 

edict. (1648.) 332 

Kttliche kay: widerspenuig werden in die acht erkhennet 333 

Der herr von Beum stirbt. (1548) 833 

Gorg von Fronspergs sun wurd uff Mundelheim gräfft. (1548 ) . . . . 334 

Der herr von Bio wurdt burggraff zu Meyssen. (1647 oder 1648.) . . 335 

Das interim wurd veracht, Lutterey erhebt sich. (1548-1649.) .... 337 
•Schwabisch bundt musz Albrecht von Rösenberg 29 tausent gülden 

geben. (1655.) 338 

•Wolff Öffner wurd zu Hall enthauptet. (1567—1668.) 339 

•Zug widern Türckhen zu Sybenburgen. (1656.) 340 

•Türckhenschatzung. (1667.) 341 

•Byschoff von Wurzburg wurdt erschossen. (1568.) 341 

•Kayser Carl weycht dem keyserthumb. (1658.) 342 

•Byschoff von Brem wurd verjagt. (1668.) 342 

Nachträge zu den allgemeinen Annalen. 

•Einer von Lanndeckh wurd der von Rottweil feindt. (1640.) .... 343 

•Konig ausz Engellandt bringt seine weyber um. (—1540.) 344 

•Lanndtgraff von Hessen beraubt ein todten. (1640.) 344 

•Brunst zu Reuttlingen. (1640.) 345 

•üraff Philips von Hohenloe wurd zu Wurtzburg erschlagen. ,(1541.) . . 346 

•Wolff von Stetten wurdt gefanngen. (1545.) * . . . . 345 

Maydcnburg wurdt uffgeben. (1552.) 346 

Prattic hertzog Moritzen zu Sachsen, seinen schweher den landgraffen zu 

Hessen kay: verhafftung zu entledigen. (1562.) 347 

Empörung margraff Albrechts wider das Romisch reich. (1552.) . . . 347 

Margkhgraff Albrechtz musterblatz zu Creylszheim. (1652.) 348 



— 72* — 

Seit« 

Byschoff zu Wartzbnrg leicht dem marggraven oder hertzogen Moritzen 

zu Sachsen. (1562.) 848 

Margraff Albrecht zertrendt königlich musterplatz zu Öbermärgen (1552.) 348 
Margkhgraff dringt die von Dinckhelsbühel, Bottenburg und ander ober- 
lendisch stett in sein bünndnusz. (1552.) 348 

Erenberger clausz wurdt erobert. (1552) 349 

Nürnberg wurd umb dreymalhundert dausent gülden geschätzt. (1552.) . 349 

Margkhgraff belegerdt Ulm und verbrendt Helffenstein. (1552.) .... 360 

Franckhfurt wurdt belegert. (1552.) 351 

Lanndtgraff zu Hessen wurd seiner gefenngkhnus ledig. (1552.) . . . 351 
Margkhgraff Albrecht schätzt ein Frantzosischen hertzog umb 30 tausendt 

cronen. (1552.) 352 

Metz wurd vom konig in Franckhreich belegert. (1552.) 352 

Concilium zu Triendt wurdt zertrendt. (1552.) 352 

Neuwe bündtnus mit Würtzburg, Bamberg und Nürnberg. (1552.) . . . 353 

Nurnbergisch kriegsvolckh Terbrenndt Newstatt an der Aysch 354 

Lunenburgerhayden schlacht zwischen Braunschweigkh und dem marg- 

grafen. (1553.) 354 

Marggraff wurdt in die acht declariert. (1554.) 355 

Lanndtgraffen von Leuchtenburg desz marggraffen helffer wurd sein land 

eingenommen 355 

Bottenburg musz sich mit Braunschweig der nit gehaltenen bttndnusz 

vertragen. (1554.) 356 

Hall musz Braunschweig 7000 gl. erlegen. (1554?) 357 

Württemberg, Pfaltz, Maintz hieltten ein musterblatz in Hällischer land- 

wehr. (1554.) 357 

Stillstandt zwiscliem margkhgraven und denen, so er befehdet hat. (1555.) 357 

Marggraff Albrecht kompt gen Hall.' (1556.) 358 



Hilller Animiert. 

Enngelhardt von Morstain starb. (1528.) 360 

Alben und meszgewandt im barfusser closter werden verkhaufft. (1528.) 360 

Lanngenmantel wurd enthaupt. (1528.) 361 

Vom hasen im husch. (1528.) 861 

Schennckh Görg starb. (1528.) 361 

Herr (jörg von Wolmerszhausen leben, (f 1529.) 362 

Vom grossen gusz zu Lauffen und demselben hausz. (1529.) 362 

Funff ort in Schweytz müssen die bundnusz mit Ferdinande abstellen. (1529.) 363 

Christoph von Wolmerszhausen starb. (1529.) 364 

Vom Bnnglischen schweysz. (1529.) 364 

Zygeiner werden vertriben. (1529.) 364 

Margraff Gtörg zeucht kirchengüetter ein. (1530.) 364 

Deurung. (1530.) 366 

Widertauffer im Mantelhoff werden verbrendt (1531.) 366 

Ludwig von Hall burckhvogt zu Augspurg wurd zu Memming ent- 
haupt. (1531.) 366 

Görg Truchsesz stirbt, (1531. 1532.) 366 



- 73* -- 

fielt« 

Bolwerckh wnrd gebaut beim Kalckhen thurlin. (1632.) 867 

WUdtbret sterbet (1582.) 867 

Die von Hall haben mit leren nachbam fasznacht gehalten. (1538.) . . 867 

Enndenmg desz kirchoffs im barfusser closter zu Hall. (1588.) .... 868 

Grab beym Kälckhers thürlin feit ein. (1588.) 868 

Stattmaur bey Henckherszbrnckhen fiel in den Kochen. (1588.) .... 869 

Bttchsenhausz ward auszgebaut. (1588.) 869 

Schennckh Eraszmus hochzeytt zu Limpurg mit einer gräfin von 

Ladran. (1588.) 869 

Die kirch Schupach wurd beschlossen. (1588.) 869 

BarfussercloBter zu Hall wurdt abgebrochen. (1584.) 870 

Eucharius von Fronhoven stirbt (1584.) 872 

Apt Martin zu Murrhardt stirbt (1548. 1652.) 878 

Hainrich Spiesz stirbt (1549.) 874 

Ein handwerckhsgesell zertritt zu Wien das sacrament (1549.) . . . 876 

Sultzdorff wurd blttndert. (1511.) 876 

Lanngenfelder thor wurdt gebauwet. (1548.) 876 

New drinckhstuben gebaut (1499. 1548.) 877 

Lanngfelder eusser thum gebaut worden. (1515 etc.) 877 

Drey wolbesoffene weyber zu Hall. (1582 etc.) 877 

Grosz Wasser. (1520 etc.) 878 



Widmans Chronica. 



WÜrtt. Ge>«hiclitBi|U(>Ilpii VI. 



dhronica undt histori 

etlicher röm: kayszer, auch anderer auszer: und innligender könig: 
lürstenthumb, herschafften, landen, statten, bürgen, adelsz und in- 
sonderheit Schwäbisch-Hall Ursprung, erbawung, zurstöhrung, ver- 
5 änderung, leben, sitten, gewonheiten, kriegen, landtrechten, regaliis 
und gebrauchen. 

Item von stieflftung etlicher bisthumb, clöster, alsz des uhralten 
closters Murrhardt etc, kirchen, hohen schuhlen und thurnierhaltung, 
auch sonsten etlich nngewöhnlichen, seltzamen, zuevor wenig er- 
10 hörten geschichten etc: 

durch Georg Wiedeman, des stieffls Chomburg syndicum, ausz 
uhralten historien, saahl-^), lägerbüchem unndt glaubwürdig brieff- 
liehen uhrkunden zuesaramen getragen, ganz kurtzweillig und nutz- 
lich zue lesen und zue hören. 

16 Auf diese de.i Titel vorstdlende summarische Inhaltsangabe folgt in St^ 

eine ztveiie um weniges erweiterte InhaUsühersicht, die hier wegbleibt, da sie 
wahrscheinlich nicht von Widmans Hand herrührt. 

Dem ehrwürdigen in Gott vatter und herm, herrn Thomae, 

abt und herm des gottshausz Murrhardt *) etc, auch den edlen, ehrn- 

20 vesten, fursichtigen, weysen und ehmhaflften Philipp Büstler*^), stätt- 

meistem, nndt Leonhardt [Feuchter]^), rath gemeiniglich der löbl: 



18 Dem — günstigen herm : statt dwMH gibt iH eine kUrzett, Most auf StäitmeMer und Rat 
der Stadt Hall gerichtete Dedikation. 21 [Feuchter] : «. aacM. Anm. 

*) Salbuch, Verzeichnis dei' einer Korporation gemachten Schenkungen, 
über traditionum Schm, — *) Thomas Karlin umrde 1648, wo er allein im 
Kloster übriggeblieben war, Abt, f läö2, OA, Backnang S. 263, — •) Lies 
Büschler; Phüipp B, war Stättmeister von 1649—1651, — *) „Leanh. FeuchUr,"* 
Die Handschrift (St^) gibt Foncher oder Fomher (nicht Honcher, wie Heyd, 
Histor. HandschHfien der Landesbihl, Stuttg, I. S, 66 liest). Mit diesen 
Formen ist nichts anzufangen, da ein derartiger Name dem alten Hall wie dem 
spätem vöUig fremd ist. Einzusetzen ist ohne allen Zweifel Feuchter, woraus 
sich die Verdtrbfiis Foncher leicht entwickeln konnte, — Leonhard Feuchter 
wird in Hallischen Urkunden schon seit 1642 bezeugt als Haüischer Güter- 
Pfleger, weiterhin als Stättmeister für 1648, 1651, 1652, 1664 — 67 (Urkunden 
und 'Schülersche Chronik), 1556 nimmt Markgraf Albrecht von Brandenburg^ 
Baireuth bei ihm sein Absteigequartier, s. Widman, Allgem, AnnaUn, letzter 
Abschnitt, — Widman nennt somit in dieser Widmung zuerst den Büschler 
cds regierenden Stättmeister, dann den Feuchter als gewesenen, dann den ge- 
samten Bai, 



- 4 - 

reichsstatt Schwäbischen Hall, meinen gnädigen undt günstigen 
herrn, entbeüthe ich zue endt hierunterschriebner meine underthänig, 
schultig, gehorsambe dienste. 

Gnädige undt günstige heim. 
Dieweil die gaben des allmächtigen mancherley sein, welche 5 
er seines gefallens einem ieden gibt undt ausztheilet, dahin auch 
die gestirn und einflüsz der himmel gericht, dasz sie den menschen 
zue solchen gaben besondere naigung geben, desz mein gemüth von 
jugent auf mich zu wunderbahrlichen alten geschichten, historien 
zu hören und erfahren bewegt, und aber ich ausz schwacheit meines lo 
leibes und seckhels über meer in frembde landt — wie die weit 
reisenden ritter Johannes de Montevilla ^), ein Engelländer, Vola 
Muffo^) der Venetianer, der Renner^) und [Schiltberger] ^) von Mün- 
chen ausz Bayrn und dann auch bey unszern zeithen frater Foelix 
Fabri, teuttscher '^), prediger ordens von Ulm, der crstgemelt sein 15 
drey nahmen zu seiner meerfahrt mit einem dreyfachem FFF also 
pflag zu schreiben, item herr Ludwig Hartman, der Bolonier^), Chri- 
stoff er de Columba Janueser admirans '), darumb dasz er wunder- 
barliche ding in der Fortunaten, Canarien und Canibula®), auch 

7 himmol aH9 H^, tt, Sfi; herr StK 8 maynung H^, | geben ond üben B, geben, üben 
Sfi. I dass K, SO. 18 folo Maffo H«, Ä; Polle UafLo Sfi. \ Sohilleberger «»/ Scbil- 
theub. B^; Benntr und Schildbergtr fehlen R, Sft. 15 teutaoher aw« H^, E, Sfi; cnitser 
(= Kreuzfahrer) StK 16 in betohreSbong toiner JEfS; in leiner £, Sfi. 27 Forttman 
E^, R; FortnnaU Sfi. 18 Janneser.' au» B^, B, Sfi; ein Jonckber adm. StK 19 Canlbula: 
aus m, B, Sfi; Cambidte StK 

*) John de Mandeville (MaundviU) 1300 — 1362, berühmt durch lang- 
jährige Beiden in Asien, Afrika, Europa, die er lateinisch beschrieb. Eine 
deutsche Übersetzung zuerst 1461. — *) Wohl Verderbnis für Polo Alaffeo; 
Marco Polo aus Venedig (1356 — 1323) machte mit seinem Vater Nicolo P. und 
seinem Oheim Maffeo P., beides Kaufleuten, von 1271—1396 eine Reise in die 
Tartarei; seine Beschreibung derselben 1298. Warum hier der Oheim genannt 
wird statt des Neffen, ist nicht ersichtlich. — ') Unermittelt; Hugo von Trim^ 
bergs „Benner^ hann^ alz bloss moralischen Inhalts, hier kaum in Betracht 
kommen, — *) Hans SchiUberger aus München kam 1395 als Kriegsgefangener 
bis ins Innere von Asien. Die Beschreibung seiner Reisen (z. B, Ulm 1473) 
war im 15. und 16. Jahrh. ein beliebtes Buch, — ») Felix Fabri verfertigte aus 
seinem evagatoi-ium in teiTae sanctae etc. peregrinationem (Ausg. des Litt, 
Vereins Stuttg, 1843), am Ende des 15. Jahrhunderts einen kurzen Auszug in 
deutscher Sprache, der auch anfangs des 16. J, herausgegeben wurde. — •) f7/j- 
auf findbar, wohl Textverderbnis (für Martinus Polonus?). — ') Eine im Mittel- 
alter gangbare, durch Anlehnung an das Lateinische entstandene Entstellung von 
Admiral; Seb. Münster bei Columbus (S. 1407): y. Admirans, das ist ein Ver^ 
wunderer,^ — •) = Insel der Kannibalen ? 



- B — 

goltreichen insul Cuba, nuu Ferdinanda und Lavos genandt worden, 
[gesehen] ; item der Portugaler Vespurtius, item herrn [Bemhart] von 
Braittenbach ^) dommdeccan zue Maintz und Johan Tucher von 
Nürnberg*) in ihren meerreisen zum heyl. landt, wüste und berg 

5 Synai mit groszer mühe und costen gethan — zu reisen, seltzam 
und wunderliche ding, gewonnheit, sitten und geschichten ausz- 
ländiger völcker zu erfahren und sehen nitt vermüeglich, hab ich 
solcher meiner begierdt — dieweil derselben ein vollkommen ge- 
nügen zu thun nicht gewust — eine maasz müszen setzen, dasz so 

10 andere in frembden landen erfahren, ich das, so in unser heim- 
gassen vorzeiten geschehen, zu erkundigen, und was ienige über 
meer mit sichtbahren äugen gesehen, mich desz in ihren ausz- 
gangenen büchlein, auch sonnst alter geschichtbeschreibung zu 
lesen genüegen lassen, nicht allein umb kurtzweill die zeit zu ver- 

15 treiben, oder so ich in württschaflften were, etwas altts vor uner- 
hörtes, damit ich des ansehnlich wer, uf die bahn wüste zue bringen, 
sondern dardurch lehmte den übelstandt unszerer voreltem und 
frembder völckher zu meiden und dem wohlstandt und gutten sitten 
nachzufolgen, in welchem zu mehrenmahlen die heyden in burger- 

20 liehen und natürlichen Sachen — wie dann die bücher der be- 
rümbten philosophorum, Aristotelis, desz groszen königs Alexandri 
paedagogi, schuel- oder lehrmeisters, ethicorum, tugendt, politicorum, 
wohlherschen, oeconomicorum, hauszen, de anima, von der seele, 
de coelo et mundo, von himmel und weit, de generatione et cor- 

25 ruptione, von werden und Zerstörung, de morte et vita, von leben 
und todt, und ander mehr nutzlich bücher, seine nachkommen zu 
underweisen, dergleichen der hochansehnliche philosophus Plato 
unnd Socrates, welcher in seinem Timaeo der erkändtnus des eini- 
gen Gottes, und de immortalitate animae, undöttlichkeit der seele. 



/ Caba /Z% R, StK .| Panos m, R, Sfi. 2 [gesehen]: geechehen St^, fehlt 8t^, \ fBeru- 
hartj: Banzari ^> ; Br. und Tacher fehlen R, 8fi. 4 Oreb und Synai B^. 11 icne IP. 

12 erfahren H^. 15 allts aus H\ R, Sf^; desx St*. 16 anaebenüclier H^, R, St*. 

13 dem: ihrem 11^, R. 20 der: aus B^; die StK 21 Arist : hier und im folgenden 
sind die groben Misstferatändnisee lateiniseher Worte , namentlich lat. Abkilrzungen in SO, 
t. B. Actis st. Aristotelis, Ethirope, oeconomirope etc. ohne iveiteres verbessert; ähnliche 
Verderbnisse auch in den andern Bdschr. 23 icon. R, Sß. 26 bUcher : Die Aufzählung 
dieser Aristotelischen Schriften fehlt XP, kehH vollständig wieder in R, SlK 27 hoch sin- 
reich R, StK 

*) Bettihard von Braiüenbachj Beisen ins h. Land, lat, 1486; deutsch 
ca. 1486—90 s, Potihast* S. 164, — «) Hans Tucher von Nürnberg unternahm 
seine WallfaJirt 1479: Beschreibung derselben Augsburg 1482, s. Potthast Weg- 
weiser^ 8, 1074, 



— 6 — 

nahe hinzustreicht, auch die siben weysen der Grieben undt Acg} plen, 
vil nutzliche lehren und bücher hinder ihnen verlassen — bezeugen, 
nicht wenig Christen unserer zeiten übertreffende ; und under andern 
befunden, dasz die Teutschen vor alten, auch jüngst unser vätter 
Zeiten etlichs, so löblichs, etlichs scheltenswürdig, eben alsz wohl 5 
alsz andere umbliegende nationen und völcker gehandelt und voll- 
bracht, doch nicht alles in grose bücher zusammen — wie die ge- 
schichte der könige Juda und Israel, der Jude Josephus, der Tra- 
janer Homerus und Virgilius, der Römer Titus Livius und andere 
mehr nahmhaffitig chronographi , geschichtbeschreiber , gethan — lo 
sondern stuckhweis den provinzen nach^), alsz Sachszen ein be- 
sondere, Schwaben, Franckhen, Baym, Österreicher, Reinländer etc., 
iede provinz besonder etlich ihrer geschichtbesehreiber gehabt, wel- 
che vieleicht einem theil mehr dann dem andern günnet, dem einen 
sein lob erhöbt und desz zu vercleinerung dienende oder anderm 15 
theil löblich verschwiegen, wie dann Josephus, im buch so er wider 
den grichischen grammaticum Apionem schreibt, bezeuget, dasz drey 
dinge die warheit zue beschreiben verhindern, das erste, dasz et- 
liche allein vom hörichsagen schreiben, die andern, einem theil mehr 
guttes dann dem andern gönnen, dasz dritte, mehr gesehen wollen 20 
sein in Zierlichkeit der wortt ihres Schreibens, wann der warheit 
nachzuhorchen, also dasz zue mehr mahlen der volckher und länd- 
lein, so zwischen den enden und orthen der anstoszenden provinzen, 
revier — die etliche sandthaasen^ nennen — alsz die einwohner 
an dem flusz Kochen — zwischen denn proWnzen Schwaben und 25 
Franckhen gelegen — und andern mehr sein begrieffen, in solchen 
geschieh tbeschreibungen — gleich alsz were der orth^) nie ihtzig**) 
gedächtnus würdig gehandelt worden — vergessen. Derohalben 
ich zue mehrmahlen von etlichen meinen besonders günstigen gc- 
biettenden herrn und insonderheit den ehrwürdigen und andächtigen 30 



t hinsuttlohtt iH. | Grieben: Kirchen Ji. 8 nicht fehlt R, dafür nach zeiten: ty. 
U und V.: fthU R. 12 Beinlinder: aus H\ B; Freylftnder Ä/«. 15 erhaben H\ | und 
dom: oder das so H^; nund deis lo R, 8t\ 17 Sapianum H^. t8 der bistoricn H^, Sfi. 
t9 dai annder B. 22 der: au* R, St^,; den 8t*, die /H. 24 revier fehlt R. \ aandt- 
haaten au9 H*, B, 8fl f sandthiffen StK 25 monarchey der Schwaben R. 27 der 
orten 8fi, 

« 

*) Verzeichnisse solcher Chroniken bei Potthast Wegweiser^ S, 223 ff . — 
*) Sandhastn^ spöttische Bezeichnung einer stoischen zwei grösseren Provinzen 
wohnenden unbedeutenderen Bevölkerung; so wurden z, B, die Nürnberger ge- 
nannt, Schmeller 2,304, — •) Lokativisch: in jenen Gegenden. — *) für ichzit, 
als wäre dort nie irgend etwas Denkwürdiges vollbracht worden. 



— 7 — 

in Gott vattern uud hcrrn, herrn OözwaJdt abt ^) und herrn Martini, 
dazuemahi noch groszkellern, vollgendt auch abt*) und herrn zu 
Murrhardt seel. löblicher gedechtnus, e. g. vorfahren, auch etlichen 
ewrer herrl. ratsfreunden, meinen besonder gnädigen und günstigen 
5 herrn begehrt und angesucht, dieweil die etwan gewesene graven 
desz Chochengawes — so auch desz Schongaus im Rosengartt 
genandt — von dem geblüeth der hertzogen in Schwaben undt 
Franckhen gebohren, e. g. gotteshausz Murrhardt vil guthat bewie- 
sen, mit der pfarr Kochenwesten, sampt den güttern, weiden da- 

10 selbst, den groszen zehenden im Rosengartten, lehung desz schlosz 
Ottendorfs etc. begabt^), auch von Ludovico pio, des groszen kay- 
szers Carls söhn, gestifft ; doch solcher stifftung kein sonder stiffter- 
buch, dann den stiffterbrief, welchen hochlöblicher gedachter kayser 
Ludwieg versiegelt, aigen handt underschrieben, auch etliche ver- 

15 zeichnüsz eines alten calenders, memoriale mortuorum, gedächtnus 
der abgestorbenen oder seelbuch genandt und intitulirt und an ihrer 
g. kirchenwandt gemahlet — betten, dasz dann ich die geschieht, 
so etliche fürnembste historiographi beder hertzogthumb Schwaben 
und Franckhen beschrieben — soviel und^) herkummen der graven 

20 desz Kochengawes betreffe, auch der gegent der dreyer fltisz Koch, 
Biler und Rott bisz an den flusz Murrha wohnende, und was die 
stiefftung des gottshausz Murrhardt betriefft, ewiger gedächtnusz zue 
haben, aus vorangeregtem stieffter brief, seelbuch gemeldt, auch ge- 
meinem geruff und sag der alten, dazuemahi etlicher der ortt noch 

25 lebenden landtsäszen, wolte zuesammentragen und in buchstaben ver- 
faszen. Solch gnädig und günstig begehren, ausz schultigen pflich- 
ten, damit ich dazuemahi diensthalben dem gottshausz Murrhardt 
verwandt"^), auch e. h. zue dienstlichen gefallen, hab ich mich under- 



5 e. g. . . — und : fehlt B, tiatt deattn: meine besonder gu&dJg herrn gewesen. — e. g. Torf. bis 
rata fr. fehlt SO. e nun der Boten gartt ff\ B, St'; 4m folgende» »tarke Kürzungen in fl». 
tO lehung: mt {nicht lehnung) auch B. 11 statt auch: dieweil dB closter und gotshausz 
iMnrrhardt . . . B, 8fl. 15 memoria B, 8ft. 16 saalbuch B, Sl\ so auch nachher. 
17 g. gotcbauts k. . . B, St^. 22 au ew. B, 8ti. 28 stiffterbrief Murhart lotreffe, wie 
auch (aalb. St', 28 gemoltcn (?) durch Korrektur gewOlben B. 28 Solch i&glich an- 
klopffen, gnedig begem 8fl. 28 e. h. ratths freundenn JEP», auch bis gefallen fehlt B, Sfi. 

*) Abt von I0II—I027, OA. Backnang 257, — *) Martin Mörlin, Alt 
von 1027—1546, OA. Backnang 257. — '') Über die vielen Güter und Zehnten, 
welche das Kloster im Kochergau , namentlich im Rosengarten (Westheim, 
Bibersfeld, Hagenbach, SiUenhardt, Rieden, Sanzenbach) besass, s. OA. Back- 
nang 529, wo auch Widmans Angalye von den Kochergaugrafen als Stiftern 
dieser Besitzungen besprochen ist. — *) sov. und = soviel als, — *) In welcher 
amtlichen Beziehung Widman zum Kloster gestanden, ist nicht festzustellen. 



— 8 — 

vvürffig gemacht, dasz werckh under die liaiul geiioninien, beyde 
hertzogthumb, Schwaben und Franckhen, und dero hertzogen, auch 
die zeith, so die graven desz Kochengawes von ihnen entsprungen 
sollen sein, so viel ich eracht aus solchen alten historiographis, 
geschichtbeschreibern, der warheit ähnlich von der zeit und noch 5 
heyden gewesen dasz nanihafftigste bisz solche hertzogen abgestor- 
ben, beschrieben und in zwey bücher verfast, willens noch zwey 
bücher, dasz eine, was genhalb desz flusz Kochen auif Murrhardt 
zue, von der zeit, und^) die Hunni an den flusz Murrha kommen, 
dasz schlosz Hunnenburg, nun ein zerritt burgstadel daran liegendt, lo 
gebauet, und dasz closter Murrhardt gestifftet worden, dasz ander 
was auf dieser seithen desz Kochen, alsz Schwäbisch-Hall, der stiflFt 
Chomburg, bisz an den flusz Biler ligend, von alters bisz auff" 
unser zeit gedächtnüswtirdig geschehen, zu begreiifen. Undt damit 
wohlgedachte beyde meine gnädige herrn von Murrhardt seliger 15 
gedächtnus mich nicht gedechten in erzehltem ihrem an mich be- 
schehenen begehren säumig sein , sondern dem werckh ob- 
liegendt befunden, hab ich ermelte zwey erste verfertigte bücher 
iherer gnaden, die haben zuersichtigen , anno domini 1525 am 
freytag*) nach oculi gen Murrhardt zuhanden überantwortt. Alsz 20 
aber dazumahl die bauern aufrührig und in folgender wochen das 
closter Murrhardt einnahmen, plünderten, was sie von büchern und 
brieflFen funden, verbrandten und zerrieszen, haben sie angeregte 
zwey newgemachte bücher, dieweil mit diesen wortten MURRHAR- 
DlSCn CHRONIC intitulirt, auszgenomnicn den ersten sextem, 25 
den sie zu schmach ermelten tittel, mit züchten zu melden, mit 
menschenkott verunsäubert, zue trümmern und kleinen fetzen zer- 
rieszen. Dieweil dann ich solche zwey zerrissene bücher nicht mit 
kleiner mühe erstlich gemacht, der kein exemplar beyhanden be- 
halten, auch die bleyblichkeit der closter, wie dann seiderhero aller- -U) 
ley kühle windt dasz closter Murrhardt angewehet, dazumahl in 
kleiner hoifnung gestanden, zue deme, dasz unlang darnach, nemb- 
lich anno domini 1527 den 19. deeembris wohlermelter abbt Osz- 



10 Hannenb. = aus B, Sfi; Hunnerbarg 8t^. 11 Statt und: ehe H^, 12 als e. h. (-^ eurer 
Herrlichkeit) sUtt H. U^, 14 begriffen US, 15 seliger aus H^f solcher bV ; »eU ged. 
fehlt Sfi. 24 aogerürtter swey newe bücher erstgemacht Ji; xwey b. newgemaoht St'. 
27 diew. — yemns. : fehlt H^, auch weiter riele Kürzungen. 

Er war wohl, ebenso wie hei Komhurg, Syndikus des Klosters, Im Jahr 154S, 
als Thomas Carlin feierlich als Abt installiert wurde^ war Widman zugegen^ 
s, unten beim Kloster Murrhardt, 

») = V. d, Zeit als. — «) 24, Märg, 



— 9 — 

wjildt todtes verschieden, bin ich dasz werckh wider anznfahen 
gantz verzweifelt, und geacht mir weniger beschwerlich sein, diese 
zwey zerriszene verwüste bücher vergebens gemacht haben. Wann 
solt ich mit groser mühe fürgenohmmene hievohr erzehlte 4 bücher 
ö zue vergreiffen mich wider understehen, und so dieselben verfertigt 
und zu endt gebracht, dasz so hievohr mit den zweyen büchem 
von bauren beschehen, mit den vier büchem widerumb sich zu- 
tragen möchte, besorgen? Demnach die sach Gott befohlen und 
also zue ruhe gestanden. Aber nichts desto weniger bin ich wider 

10 täglich von hohen und niedem standts angefochten worden, solle 
mich voi^ehabter vergebener muhe wider underfangen, oder doch 
uff das wenigst die gegent meines vatterlandts, der statt Sehwäbisch- 
Hall, desz stiff*ts Chomburgs unnd closters Murrhardt, wie und von 
wem gebauet, gestifft, ich insonderheit ausz fleisziger erforschung 

15 vor andern wissens habe, uff^ das kürtzest, summarie, beschreiben, 
und nit mit mir under die erdten führen, damit doch unsere nach- 
kommen möchten wiessen haben, was der ortt gegent vor zeiten 
verlofffen. Solch täglich ansinnen mich verursacht, dasz ich ihren 
begehren, doch anderer gestalt, dann ich mit vorangeregten 4 bü- 

20 ehern zu schreiben willens, volge zu thun bewilliget; und dieweil 
die vätterlichen gebrauch der Teutschen, so vor tausent und dar- 
über jähren inn und auszer der kirchen beschehen, gehalten und 
geübet, bey viellen, warumb sie derselben zeit also gehalten, ver- 
loschen, habe ich nicht unzeitlich erachtet, dieselben alten vatter- 

25 liehen gebrauch und dero nahmen, ursach, auch was sich gedächtnns- 
wirdig in Teutschlandt, und sonderlich anfang und erbawung et- 
licher nahmhaff*tiger statt, bürg, stifft, clöster, kirchen, fleckhen, alsz 
Schwäbischen Hall, Chomburg, Murrhardt und ander mehr orth und 
flecken, so der mehrere theil nun zurritt*), eingefallen, die greben 

30 berglich*) gesehen werden, verloff^en, zu beschreiben fürgenommen, 
dieselben mit groszer arbeith undt mühe in fünff^ bücher ebner grösze, 
achthundert undt fünffundfunff^zig historien und geschichten habende 
— verhoffend, dem leser nicht verdrüszlich sein — gebracht, be- 
grieffen, und Der alt calender intitulirt und genennt. Dieweil 

4 fürgenoinmntr groior tnüohe Sfi. 8 besorgen au» R, St-; he»oTg% SO. 14 erfahrung 11^. 
16 führen: nemen B. 17 ortten und gegentt IP. 18 anklopffen H; erraabnen 8fl. 
BS warumb aus R\ B, 8fl; weil 8tK 24 Terloschen aut H\ B, St'-; verlaiseu StK 
25 namen uriacb, auch was B, und dero Ursachen, auch w. St-, 26 anfang und aits H^, 
B, 8ti\ anfangt, und Sil »7 e. b. lObliche statt fP. 30 nehrlich m. \ Terl. f»hli B, 8fi, 

*) zerrüUct. — *) kaum (bänglich, *u bar, bloaa). 



— 10 — 

aber in solchem meinem alten calender nit allein der alten Teut- 
schen undt andern ländern geschichten, sondern auch viel, so sich 
bey unsern zeithen zuegetragen und beschehen, niemandt zu lieb 
noch laid, sondern wie an ihme selbs verloflfen, in der warheit be- 
schrieben, unnd aber die warheit neid und haasz bringet, demnach 5 
undanckh zu verhütten ich noch der zeit nicht willens, erstgedaehtes 
alten calenders fünff bücher an das licht oder in truckh zue 
geben. 

Ab ietzigem erzelten meinem fürnehmen die, so mich solche 
fünif bücher zu machen verursacht, nicht gefallens wollen haben, 10 
sagendt, so ich ie willens, oflftgedachte 5 bücher dieszmahl zue ver- 
halten, dasz ich doch zum theil etliche fürnehme histori, alt ge- 
schichten, und vorab meines vatterlandts, darausz wolte zihen, in 
ein büchlein verfaszen, dem druekh befehlen, und innsonderheit der 
statt Schwäbisch-Hall, desz stiflfts Chomburg, closter Murrhardts, 15 
was adelsz und nahmhafitigs etwann an den dreyen flüszen Koch, 
Biler und Rott bisz an die Murrha geseszen, gewohnet, daran be- 
schehen und verloflfen, darein beschreiben, damit auch anderen nicht 
in meinem vatterland wohnenden zue lesen nutzlich und kurtzweilig 
were. Desz aber zu unterthänigem gefallen ich zu thun bewilliget, 20 
dieszes gegenwärtige büchlein, in acht theyl oder capitul ge- 
theilt, begrieifen. 

Dasz erste von etlicher Rom. kayszer und könige leben und 
geschichten, kriegen, auch deroselben wähl, ursach des nahmens, 
uhrsprung des teutschen reichs etc. anzaigende, darausz wir lehmen, 25 
wa libido gubemandi zueviel überhand niembt, was für ein schwere 
kranckheit sey, die söhne wider den vatter, und der vatter wider 
den söhn bewegendt; zum andern, dasz der, so ein Oberhaupt be- 
gert zu sein, ein schwehre bürde uflf sich lädt, doch ein ampt, so 
man deme ein genügen und recht thut unnd nicht tyrannisiret, Gott 30 
gefällig; zum dritten, dieweil aller gewalt von Gott ist, dasz man 
soll auch ihr gehorsambkeit leisten, dann wer seiner ordentlichen 
Obrigkeit widerstrebt, der widersetzt sich göttlicher Ordnung, zu 
deme, dasz wir täglich erfahren, auch in diesem theil und capitul 
hören, dasz die underthanen, so sich wider ihre natürliche obrig- 35 



7 erstgedachtte calenders fl*. 10 nicht gef. : kein genOegen B^. 11 ich ie: ich im H^, 
16 namhafftige B, 8fi. 20 damit — were: fehU B, St^. 23 Sfi hat wie im Werke selber 
8o auch hier in der Vorrede diete Teile in anderer Ordnung, nämlieh V. I. //. ///. VI. VII, 
VIII. ly. 25 tihrap. teuttioher reich H^. | anzaigende u. i. w. : dieae Kutaanwendunffen 
fehlen aämUlich in H\ 27 der snn B, StK 29 bürdin B. \ legt B, 



— 11 — 

keit zue setzen underBtehen, ja iu Sachen, so sich vor der weit 
lassen anschauen, beiüegt sein, nie kein glückh gehabt^). 

Dasz ander theil, von sitten, gegendt, gewonnheit unnd landt- 
recht der Teutschen sagendte, uns die Ungleichheit unser ietziger 

5 und rechten alter Teutscher, wie aigennützig, unmäszig wir dar- 
gegen, was lieb, raäszigkeit, bürgerliche frorakeit, freygebigkeit die 
alten Teutschen gewesen, anzeigendt. 

Dasz dritte, von auflf- undt abgang etlicher Teutschen könig- 
reich, fürstenthumb und herrschaflften, wann dieselben eines theilsz 

10 zum christlichen glauben kommen, wie unbeständigs glückhsradt 
dieser weit sey, entdeckhende. 

Das vierdte von kriegen ausz- und inländiger völcker, doch 
mehrentheilsz in Teutschlandt vollbracht, darin wir soltten, wie der 
allmächtige den pracht dieszer weit undt die ihren trost und hoff- 

15 nung allein ins fleisch und menschenhielff setzen, so bald demäthiget 
und zue nichte machet, lehmen. 

Dasz fünffte von erbauung und Veränderung etlicher Teutscher 
fürstenthumb, statt und fleckhen, unnd vorab meines vatterlandes 
Schwäbischen-Hall, desz inn- und umbsietzenden adelsz sietz und 

20 bürgen bäwen und ihren Zerstörungen, auch regaliis und gebrauchen, 
die craflft Gottes, der ausz einem kleinen werckhzeug mächtig etwas 
zu erheben und gröszern, aus einer ödte und wäldigen fünstern 
dingen ein lustiges paradeis, aus einem stinckenden, unfruchtbahren 
ortt und lachen ein fruchtbahr gutt zuckhergruben zu machen. 

25 Dasz sechste von stiiftung etlicher bistumb, clöster, kirchen 

etc., und insonderheit des stiifts Chomburg und closters Murrhardt, 
dardurch die freygebigkeit unszerer eitern zu der kirchen unnd iren 
dienern vermeldende, und der kirchenrauber unchristlich vornehmen, 
w^elche die kirchendiener und nutzungen auszzurotten understanden 

30 — die nie viel glückh dardurch erlanget — anclagendt, auch von 
etlich wahlfahrt und gehlingen zuelauif etlicher kirchen, und dasz 
nicht iedem geist zue glauben seye, sagendt. 

1 understanden Ji, Sfi. 4 lagendo, uns anzeigende . . . Sfl. 6 augennttesig Ji. 6 lieb, 
meBtigk.: au« R, St^; liebmftszigkeit /?<>. 12 in lindiger : aus li, Sfi; innUgendor 80. 
13 sollten : au» B, sehen St^, 8P. 14 • ie so Ji, 8t^. 18 Terendemng . . . fürstenthumb 
und erbawung ettlicher stett J7>. 22 grossen R. 24 snckhorgrüeblin Sfi. 28 der 
kirchen — verm., und aus B, 8ß; fthH SO. 30 anlangende B. 

^) Diese dreifache moralische Nutzanwendung ist am Rande der Hs, 
noch besonders angegeben durch die Titel: I. de cupiditate regnandi, n. de 
ouere magistratus, III. de obedientia erga illum. Rom. 13.; ratio ab honesto 
et inutili (lies utili). 



— 12 — 

Dasz siebende von stifftungen etlicher hoben schublen undt 
baltung des tburniers, uns ein exempel gebende, das wir umb ge- 
meines nutzens willen, damit man gelertt, die in geist- und welt- 
liehen Sachen vorständig sein, als wöler gehaben möge, den stu- 
direnden behülfflieh sollen sein, die stndia auffen '), und den adel, 5 
so ausz der arth kopt % mit gewicht, maasz, eilen oder schnappen *) 
sich zue nähren understanden, durch den thurnier davon ab- und zue 
adelichen löblichen tugenden getrungen und gezogen würden, gebende. 

Dasz achte von etlichen ungewönlichen geschichten, die für 
waidtsprüch geacht werden möchten, nicht allein zu ergötzung des 10 
leesers, sondern vielmehr, wie wunderbarlich Gott in seinen wer- 
ckhcn sey, gesetzt und auff die bahn gebracht worden. 

Ich will auch nicht, was in diesen büchlein begrieflfen, ie- 
mandt damit zu verkleinem, oder alsz solt ichs, und vorab die uhr- 
alten geschichten, für mich selbs erdacht zugemeszen werden, ge- 15 
setzt haben, wann solches den mehren theil ausz den hochberümbten 
uhralten, doch unszem zeiten newen geschichtbeschreibem, chrono- 
graphis und historiographis, Beroso, Strabone, Ptolomeo, Julio*) in 
commentariis, Herodoto, Hunibaldo^), Cornelio Tacito, fasciculo tem- 
porum % Ammiano Marcellino, abbatibus Urspergensi ') und Spon- 20 



/ 4 verständig B, Sfi. 5 sa lein S. 8 »delichen: au« R; ordeutlicheu 80. 9 ttoti 

ung. : 80ltzam«a BK 10 ergetsenUchheit A'. t2 gesetxtt: au9 H^, Bg geioheUt ^; 
gesagt 80, I worden: att« B, 8fl} werden 80, fthlt HK 17 newen: nnnd anoh annssem 
seitten gesoh. B; doch — nowen fehlt StK 20 Ursperg. : aiu 8fi; Urepungens 8t*, B. 

*) emporbringen, — *) koppen (vgl, kippen), schnappend ein- oder surück^ 
fallen, besonders in die Art, aus der Art k., Schm, — *) als Kaufleute, Krä- 
mer, Wegelagerer, — *) Cäsar, — *) Ein von Trithemius erfundener Autor, atis 
dessen Werke Ilistoriariim libri XVIII a belle Trojano usque ad Chlodovei 
terapora Trithemius angeblich sein „Corapendium de origine Francorum" ge- 
zogen hat; letzteres Werk ist hier gemeint, — •) Unter dem Titel Fasciculus 
tcniponim waren am Ende des Mittelalters drei Geschichtswerke bekannt, eines 
von Johannes de Laer 1474, das andere von Veldenar 1480, holländisch, erst 
später ins Lateinische Oberaetzt, das dritte von dem Kölner Kartäusermönch 
Werner Bolevinck: Fase. temp. omnes antiquorura cronicas complectens ab 
o. c. — 1474. (Potth} 445, 982.) Da die beiden ersteren verhältnismässig 
selten waren, während Bolevinck sich grosser Verbreitung erfreute, so kann hier 
nur dieser in Betracht kommen. — ') Gemeint ist das Chronicon universale ab 
o. c. — a. 1125, das erste durch die neu erfundene Buchdruckerkunst heraus- 
gegebene deutsche Geschichtsbuch. In Wirklichkeit von Ekkehard, Abt von 
Aura, f ca, 1130, verfasst, wurde diese Chronik früher dem Konrad von 
Lichtenau, gewöhnlich Konradus oder abbas Urspergensis genannt, zugeschrieben, 
Pott/tast^ 178, 296. 4O0, Sie war sehr verbreitet und wurde noch von Melanch- 
thon empfohlen. 



— 13 - 

hemensi Tritemio *) Nauclero*), Sebastiano Franck*), Charione^), 
Aventiuo*), Münstero^), Nürnbergischen'), Schweitzer ^) und Augs- 
purger chronic^) erlesen; was aber die stififtung der elöster undt 
anderer gottshäuszer betriefft, ausz derselben stiflfter, läger- und 

5 sahlbücher, annaliis. darinnen etliche visiones, gesichte, so Choni- 
burg oder ander elöster zu stiflften verursacht soll haben, begriefen 
— keines glauben damit zu beschweren willens — genommen, 
ausz etlichen epitaphiis gezogen und so viel die zeit undt jähr, so 
die Rom. kayszer und könig betrieffl, und auch ieder regiert, in 

10 Ordnung seines nahmens, damit die chronographi, so von Römischen 
kayszer- und königen schreiben, gantz irrig sein und mit einander 
auszschlagen, nachgefolget. Aber die gebäw auch zurstöhrung et- 
licher bürgen an den flusz Koch, Murha, Roth undt Bieler liegendt 
und derselben geschlecht absterben durch etliche briefliche uhrkundt 

15 und vertrag, auch anzaigen der uhralten landsäszen, und vohrab 
Juncker Daniel Treutweins desz eitern^"), und Berchtoldt Grötters 



1 St^ SpHDfturensi, wie auch tonst diese Namen sum Teil grSblieh entsteht sind, s. B. Ariane, 
Tritenio, Nauclreo. 4 »urs: au» K, St^; »ach 8fi. 8 »ach St'-. 12 und — iiaobgcf. 
fehlt 8fi. 13 flössen Sfl. 

*) Von Trithemius , des einatmtüigen Sponheimery nctchherigm Würz- 
burger Ahta (1462— 1616) y gahlreichen Werken kommt hier in Betracht: Chro- 
oicon üirsaugicnse, Pars I. 830—1370, dcts Widman in der tu Basel bei Joh. 
ParvuSf 8. a., aber vor 1569 erschienenen Ausgabe benutzt haben kann, Polifi*. 
1(J71 ; femer: Compendium de origine . . Francorum, s, unten bei dem Ab- 
schnitt: Von Franckhen. — ») Nauclerus, (Vergenhans), Chronicon universale 
— 1500. — •) Gennaniae chronicon 1588. — *) Carionis Chronika, Ausgaben 
1628 (Wittenb,)f 1632 (Augsb,) — Später von Melanchthon-Peucer herausgeg, — 
*) Des Aventinus (Thummayer) Annales Boiorum wurden in der latein, ür- 
gestalt erst 1666 gedruckt, dagegen ein deutscher Auszug davon schon 1622, 
fWackem.f Litt.G, 2, 134), — •) 8eb. Münsters Kosmographie, Basel 1544. — 
') Die Nürnberger Chronik ist wohi Hartm, Schedels (^ 1514) Chronicon mundi, 
Nürnb, 1493, — *) Schweiger Chr,: Etterlins Chronik der Eidgenossenschaft, 
Basel 1607? — •) Augsburger Chr.: ob hier Burkhard Zinks, von 1366—1468 
reichende Chronik gemeint ist, die Widman dann freilich handschriftlich müsste 
benützt haben, oder die ohne Verfassernamen im Jahr 1642 bei Ulhart in Augs- 
bürg gedruckte Chronik, oder welche andere, ist noch unermittelt, — ") Über 
Daniel Treutwein d. d. und seine Familie s. HeroU 68, 69, und Gmelin, Häüi- 
sehe Gesch. 357, 610. — Von diesem Treutwein sagt Widman unten, in dem 
Abschnitt über die Lamparter von Eamsbach, er sei ein tapferer alter Edel- 
mann gewesen, der während seines Lebens bei Fürsten und Herren viel gesehen 
und erfahren und besonders viel von (Uten Geschichten und dem Adel m und 
um Hall zu sagen gewusst, und ihm, dem Chronisten, zur Abfassung des fünften 
Teils seiner Chronik keine geringe Beisteuer gegeben habe. Die „Städtische 
rote Chronik^^ weiss weiter zu melden, die Treutweinschen Eheleute hätten diese 



— 14 — 

zne Jochszrode ^) desz eitern, — welche vor 40 jähren verschieden — , 
so der schlöszer nndt adelsz umb Hall gntt wieszen gehabt, auch 
den mehrentheil, wie sie sagten, bey ihren jungen tagen noch 
stehendt und in weesen gesehen erforschet, vernommen und gehört, 
in dieszes büchlein zusammengebracht. Alsz >va darinn, dasz mir 5 
doch nit bewust, geirret solte sein, will ich daszselbe für nicht ge- 
setzt und denienen, aus welchen ichs wie gehört genommen, und 
gehört, heimbgeschoben undt von mir entlediget haben. Deszglei- 
chen, dieweil sonst andere mehr ehrlich, hochlöblich- und ewiger 
gedächtnüs würdige graflPen, herren und adels inn oder bey fürge- lo 
nohmmener beschriebener revier gesessen, und aber dieselben zwei- 
felsohne ihrer eitern löbl. thatten selb monumenta und lägerbücher 
haben, auch die noch wehrenden lebenden geschlecht nicht, sondern 
nur die abgestorbenen, damit ihr gedächtnüs nicht verlesche, zue 
beschreiben ich fürgenommen, will ich mich gäntzlich versehen, sie 15 
werdten solch mein stillschweigen und underlaszen nicht in Un- 
gnaden und Ungunst, sondern ersterzehlt gutter, dienstlicher mai- 
nung beschehen, gnädig ermessen undt entschuldiget haben. 

Es seindt auch die jahrzahl der geschichten, so ich hierinnen 
zu beschreiben fdrgenommen, nicht alleweg durchaus der Ordnung 20 
nach, sondern der kayszer, könige, fürsten, so selbiger zeit regirt, 
oder der zeit ieder provinzen uflF- oder abgang zue beschreiben für- 
genommen, alsz, so was von Rom. kayszem oder Königen zue be- 
schreiben willens, dem jähr nach durchaus vollendet, habe ich alsz- 
dann die Franckhen oder andere provinzien oder völckher von der 25 
ältisten zeit und jähren, so angefangen, bisz auff unszere, oder diese 



1 Jorchizrode A>; Jahirhot 8fi. 6 Also w* 8fi, 7 ror mich nit geseUi haben 8fi. 
8 ichi gehOrtt, in diies bnchlin xusamengebrAcht 8fi. 19 erlich irer elttem Itiblioh gratttn -B; 
eilich irer eitern löblich graden St-, 17 glittet St*; E hat hier eint Lücke; gnethat Sfi. 
21 nnnd so Sfl, 88 so fehlt 8tK 

alten Geschichten „täglichst* (als Tagebuch) aufgezeichnet. Demnach hat Wid" 
man von TretUwein viele Mitteilungen durch mündliche Erzählung^ ffieUeicht 
auch durch Einsicht in diese Aufzeichnungen erhalten. — Auf diese und ahn* 
liehe Angaben gestützt hat wohl Rektor Gräter ein in seinem Besitz befindliches 
Exemplar einer Haller Chronik (jetzt in Landesbibl. Stuttg, hist. fol. 669, 
bei Heyd, Handschr. I S. 289, nach Württ. Fr, N, F, VI 73 f, identisch mü 
der ^^Städtischen grünen Chronik') als „Daniel Treutweins d, ä, Chronik von 
HaW^ beteichnet und damit die vorige Vorstellung von einer selbständigen 
Treutweinschen Chronik erweckt, 

*) JochsrodCf j, Jagstroth OA. Hall, östlich von Thüngenthal an der Bühler, 
Berchtold Gretier der jüngere kommt in einer städtischen Urkunde von 1626 als 
zu Jochsrode begütert vor. 



— 16 — 

zeit, 80 uffhören wollen, den jähren und also förder, vomen, dem 
theil oder capitul nach, wider angehept, bisz ich dieszes büchlein 
vollendet. 

Dieweil aber nicht wenig von ew. gn. löblichem gottshausz 

5 Murrhardt und herrl. löbl. statt Schwab. Hall, meinem vatterlandt, 
und dero umbliegender revier herkommen, erbawung und stiefftung 
in dieszer chronic und büchlein meidung geschieht, und, wie ob- 
erzelt, vernommen, dasz solcher ew. gn. und herrl. dero closter 
unndt statt herkommen, stiefiftung und erbawen nicht zuesammen 

10 verfast beschreibung bey banden habe, derohalb bewegt, diesz kleine, 
wiewohl mühesambe zusammengebrachte werckhlein ew. gn. unud 
herrl. zu dedicim, hiemit underthänig zuestelleudte, übergebende 
und bittende, ew. gn. und herrl. geruhe solches gn. und gefalliger 
weise empfahen und zu gelegner zeit hören lesen, dieser meiner 

16 gehabten mühe [nit] höher beiohnung, dann so e. g. und herrl., dero 
ich mich hiemit in aller underthänigkeit befehle, ein gefällig werckh 
überantwortt hett, begehrende. 

Geben am tag Georgii desz heyligen marthyrers den 23. aprilis, 
nach Christi unsers herrn geburth funffzehenhundert und im füntt- 

20 zigsten jähr. 

Ewr. gn: und herrl. 

underthäniger 
gehorsamer 

üeörg Widman 
25 des stiflfts Cliomburgk 

svndicus. 

Statt der drei letzten Ahachnüte (von ich wiU aucli an) hat H^ folqendr.i 
tum Auszug von 1563 gehörigen Schluss: 

Alsz ich nun solch cronic und büchlein verferttigen willens 

30 e. h. zu dediciem und dem druckh zu befehlen, bin ich durch 

itzigen Hällischen buchtruckhern *) ihme solch werckh vor andern 



2 theil: statt desstn Utel 8tK 5 und Tattarl. : fehU B; ew. — dero fthlt Sfi. 9 anndt st. 
fehU B; ew. — statt f€hU 8fi. 11 unnd b. fthU R; ew. — heril. fthUSV, tUnt» narhher. 
15 [nit] : mit ««. 16 ein — heg. : fehlt R, 8ti. 

*) Über den Buchdruck im alten Hall s. Haueser, W, Fr. VI 49ff, 
Darnach sind auf Feter Brubach, den ersten Buchdrucker Haus, dei" für die 
Jahre 1536^36 beseugt ist, nachgefolgt: um 1543 Pancratius Queck, um 154^ 
Peter Franz; nach dessen Tod anscheinend eine längere Pause. 



1 



— 16 — 



zutrucklien geben gebetten; das ich bewilligtt, aber in das ander 
jar unversehenlieh über sein zusagen vergebens uffgezogen worden 
und solch werckh ungedruckt bliben. 

Dieweil aber durch unversehenlieh zufallendt empörung 
Teuttschlandes und theuere jar die truckherey an vilen ortten ein- 5 
gestellt und ich nierckhlichen altters, das zu besorgen, bisz die ^ 

truckherei wider an schwanckh komme, ich mein leben vollendett, 
das werckh verligen und mich vergebens damitt bemühett haben. 
Derhalb verursachtt, ausz erzehltter cronickh sovil darin von e. h. 
statt und landschaflft und der anhengig herkommen, altten geschichtten 10 ' 

begriflfen, dises klein mühesam werckhlin zu vergreiflFen und ausz- 
gezogen, e. h. zu ewiger gedechttnus zu haben, dero gelegenheitt 
alsz ein saal und legerbuch hören lesen und gebrauchen, dieweil 
es mitt schlechtten buchstaben geschriben, mitt bessern ingrossiert 
werden verordnen mügen, hiemit mich in aller underthönigkheitt 15 
bevelhende uberanttwurtt. 

Derhalb gehabtte mühe mich nitt soll beschweren, sondern e. 
ernvesten ich ein gefellig werckhlein uberanttwurtt bette. Geben 
mittwoch nach invocavit den 22. februa. nach Christi unsers lieben 
herrn gepurtt 1553 jar 20 

euer herlighaitt 

undertheniger gehorsamer 

Georg Widman, des stiflfts 
Chomburg syndicus. 



Das erste theyl diszer Hallischen chronic« 

Von leben und geschichten etlicher Rom. kayszer, könig, deroselben 
wähl, uhrsprung der Teutschen und etlicher derselben provinzen. 

Von Julio Cäsare. 
5 Handelt von Cäfiars Rheinbrücken und von den verschiedenen 

Deiittmgen des Namens Cäsar, — Vielleicht mit Benutzung von 
Münster^) 728; der Hauptsache nach aus andern, noch unermittelten 
Quellen, 

Von der statt Aach. 
10 Nach Münster 734, 

Sachszen kompt zum christlichen glauben. 
Aus M. 1025 und 1003 und aus andern Quellen, 

Ursprung des teutschen reichs fürsten etc. 
Im allgewei7ie7i nach M, 469 — 471. 

15 Von frey- und reichsstätten. 

Im allgemeinen nach AI, 472, 474. 475. 

Von äniptern Rom. reichs. 
Nach M, 474. 

Nürnberg. 
20 Der Anfang aus andern Quellen^ d^s weitere aus M, 932, 933. 

Brandenburg wardt gebawen. 
Der Anfang aus unermittelten QuelleUj das folgende aus M, 1115, 

Kayszer Otto schlägt die Hunnen am Lech. 
Aus M, 426, mit wenigen anderswoher geschöpften Notizen. 

25 Kayszer Heinrich wird erwöhlt. 

Aus unermittelten Quellen, 



') Sehaat, Münsters Kosmographie, Basel 1596 (erste Ausgabe ; Basfl 1M4), 

WUrtt. (leHchlchtsquell'-ii VI. 2 



- lö - 

Kayszer Heinrich der dritte haszet die schalcksnarren. 
Nach M. 429 j mit freien Erweiterungen (?). 

Graffschafft Rheinfelden stirbt ab. 
Aufi M. 595, 

Kay. Heinrich der 4. ward von seinem söhn des Rom. 5 

kayszerthumbs beraubt. 
Aus M. 710—711, meist wörtlich, 

Kayszerliches hoffgericht zu Rottweyll. 
Nach M. 850, 

Spähn der session zwisclien dem bisch offen von Colin 10 

und abten zue Fulda. 
Nach M, 712 f. y sachlich genau anschliessend. 

Was straff kayser Friderich der erste Mayllandt 

ufferlegte. 
Nach M, 274 f,y offenbar mit eigener Ausmalung der derh- if^ 
h umo ristischen Situation. 

Landtshutt gebauet wordten. 
Nach M, 929, 

Königreich Hierusalem worden dem königreich Sici- 

liae durch ein heyrath. 20 

Aus and4irer Quelle als Münster, 

Kayszer Fridrich wardt mit pabst Honorio vertragen. 
Aus anderer Quelle als Münster. 

Kayszer Fridrich erobert Mayllandt zum driten mahl. 

Vielleicht mit Benützung von M, 518, daneben noch eine andere, 25 
genauere Quelle, 

Legt seinen söhn ins gefängnüsz. 
Vielleicht nach M. 435, wahrscheinlich aber noch eine andere 
Quelle, 

Wien war ein reichsstatt. 30 

Ganz nach M. 984, 

Kay. Fridrich ward im concilio zu Leon entsetzt. 
Anfang vielleicht aus M, 434, der Hauptsache nach anders^ 
woher» 



— 19 — 

Collmar wardt eingenommen. 
Ganz aus M, 660. 

König Rudolph bringt seine widerwärtigen zum 

gehorsamb. 
5 Ganz ans M. 525, 

König Adolph wardt erschlagen. 
Aus M. 441 und 706, Widman nennt hier Monsterus und 
andere selbst als seine Gewährsmänner. 

König Albreeht wardt von seines bruders söhn 
10 umbgebraeht. 

Nach M. 442 f. und andern Quellen. 

Hertzog Fridrich von Osterreich wird von könig 

Ludwieg gefanngen. 
Ganz nach M. 444. 445. 

15 König Ludwieg lest hertzog Friedrich ledig. 

Ganz nach M, 445. 446. 

Der saal zuingelheimb ward zue einem stifft gemacht. 
Aus M. 716. Der Schluss aus M. 448. 44',)? 

Wenceslaus, kayszer Carls söhn, wird Böm. könig. 
20 -^^'' Hauptsache nach aus M. 450, einzelne Notizen am Schluss 

anderswoher. 

Concilium zue Costnitz und Böhmische irrsahl. 
Nach M. 453. 584 — 594. Einige Angaben aber stammen aus 
Sleidanus lib. 3, auf den im Text selber in einem Schlusszitat ver- 
25 wiesen wird. — Da Sleidans commentarii 1555 erschienen, so be- 
weist diese Stelle, — falls sie nicht einen spätem Zusatz enthält — 
dass Widman auch nach dem Abschluss seiner Chronik {23. April 
1550) noch Nachträge machte. 

Die Venetianer schickten kayser Albrecht ein vergifft 
30 geschenckh. 

Andere Quelle als Münster. 

Hertzog Fridrich von Osterreich Rom. kaysser. 
y^on der hier berichteten Eroberung Konstantinopels und einer 
damit im Zusammenhang stehenden Geschichte hat Widman etwas 
35 weniges aus M. 455, das meiste aus anderer Quelle geschöpft. 



— 20 — 

Anfang der truckherey. 

Auch under diesem kayszer Fridrich ungefehrlich anno 1457 
hat die gesetzt truckherey zue Maintz aufang genommen, die etlich 
jähr darvor allein in geschnittenen taifeln gebräuchlich gewesen. 
Dieser sinnreichigkeit die Teutschen lob haben. Ob aber diese 5 
kunst und müntzen, dieweil sie nicht reformirt gewesen und in 
allen winckheln gebraucht schmähe- und andere thädentliche büch- 
lein zu truckhen, item die müntz, quod miscui vobis, zu machen, 
an etlichen enden zugesehen worden, durch welche entpöhrung er- 
wachszen, die gutten alten müntzen zerschnitten, böszcre in höherm lo 
werth an die statt gemacht — Teutschlandts nutz oder schadt sey, 
l)efehle ich den gehörigen zue uhrtheilen *). 

Maximilianus Rom. könig. 

Anno domini 1486 ward Maximilianus, dieses kayszers Frid- 
rich söhn, von churfürsten einhellig zum Rom. könig erwöhlt und 15 
deszelben jahrs den 10. aprilis zu Aach gecrönnt. 

König Maximilianus ward zu Bruckh gefangen. 

Darnach anno domini 1487 wardt könig Maximilian von den 
innwohnern zu Bruckh^) in Flandern gefangen, aber durch seinen 



J auch f€lüt W, lt. I 1467 atr« £f", B, St:,- 1657 SO. 3 gewonnen Ji. 4 allein fehlt U^, R. 
5 Honder lob 8t-. 8 miscai: aiis £/», R, St^ ; mlsHui St\ 9 an e. c. fehlt R; an ctl. e. 
zu truckhen St'i. \ welches grosz 7/«, R ; welchen grosz .SV. 10 xerbrucben //'. 12 dem ü^. 
15 von — einh.: fehlt E\ R, Sf. 

') Die Konstruktion und Meinung dieses etwas nachlässig gtbauten Satzes 
ist etwa folgende : „ Ob die Kunst der Druckerei (und ebenso auch die des 
Münßenschlagens), solange sie nicht reformiert war, vielmehr überall gebraucht 
wurde um tadelnswaic (thädentliche) Schmähschriften zu drucken (ebenso wie 
die Münzkunst gebraucht wurde^ beliebige geringwertige Metallmischungen statt 
guten Geldes zu machen, wobei das Volk zuerst eine Weile ruhig zugesehen, 
toodurch abei- zuletzt eine Empörung erwachsen) — für Deutschland nützlich 
oder schädlich sei. ..." — Die Buchdruckerei mit der Münekunst zu ver- 
gleichen hatte Widman Veranlassung nicht bloss darum, iveil beide Künste eu 
ahnlichen schweren Missbräuchen geführt hatten, sondern weil man auch beiden 
Missständen in jenen Jahrzehnten von Reichswegen wiederholl- zu steuern ver- 
suchte, so durch Karls V. Münzordnung in Esslingen t524, Bestimmungen über 
das Münzwesen auf den Reichstagen zu litgensburg 1632, zu Speier 1642, zu 
Nürnberg 1542, durch eine „Ordnung schädlichen Münewts.ns und Einführung 
schlechte' Münz hdben'' auf dem Reichstag zu Augsburg 1518 (R.ZAbsch. 
^ 40—46). — Gegtn Schmähschriften abei' waren gtrichlel Verordnungen der 
Reichstage zu Regensburg 1541, zu Augsburg 1548, — ^) Zu Brügge mtrde Maxi- 
milian 1488 (nicht 1487) von den Einwohnern drei Monate lang gefangen gehaken. 



— 21 — 

vatter kayser Fridrich gevvaltiglich entlediget. Regiret mit seinem 
vatter 7 jähr. Ein vernünflftiger weyszer herr, der seinen feinden 
forchtsamb gewesen, welcher auch anschickhen *) künde und das 
glück hatte, dasz er seine feinde mit seinen feinden schlug; hett 
5 dasz Rom. reich lieb, versetzte etliche seiner erblanden, damit er 
dasz Rom. reich alsz basz in friedt möchte halten. 

Bey diesem Maximilian sein die landtsknecht in schwang 
kommen. 

Neusz wardt belägerth. 

10 Anno domini 1475 ungefahrlieh belegerte hertzog Carl von 

Burggundt die statt Neusz ^) von wegen dasz capitul zue Colin 
ihrem bischoff hertzog*^) Ruprecht, pfalzgr. Fridrichs bruder, ein 
coadiutorem setzten. Demnach zog dasz Rom. reich mit heerskraift 
denen von Neusz zue hilff und cntsohüttet sie von der belägerung. 

15 Es wardt auch bemelter bischoff von Colin gefangen. Man sagt, 
was von lieferung den Rhein hinab dem Rom. reich kriegsvolckh 
geführet, davon muste man pfaltzgr. Fridrich zoll geben. Dasz 
verdrosz kayszer Fridrichen, und war dasz gemeine geschray, wann 
das Rom. reich vor Neusz abzöge, so würdte man vor Heydelberg 

20 zihen undt pfaltzgr. Fridrichen da heimbsuchen^). 

Dieszer pfaltzgr. Friedrich liegt zu Heydelberg zun barfüszern 
begaben, war ein keckher kriegsfürst, entsetzte sich nicht vor disem 
geschrey, lie^iz doch, damit Heydelberg alsz wenig belegert möchte 
werdten, under Heydelberg bey der pfleg ein bollwerckh oder thurn 

25 bauen, nennet solchen thurn Dnxtzkayszer''), der uf diesen tag also 
genandt wirdt. Diese sach stundte also an bisz nf den Bayrischen 
krieg, davon hernacher gesehribcn wirdt. 

Vom fräulein von Britania®). 

Anno domini 1494 wardt könig Maximilian tochter frau Mar- 
30 gareth noch ein kindt dem könig von Franckreich, und die köni- 



/ von regiret bis ScMui^n des AhschnitU fehlt fl«. 13 statt Rupr. : Priderich H^, R, \ ihmo 
ein «', ihmo fehlt H\ It, StÜ. Iß des R. reich« H*. 30 daheim sachen 8f*. 38 damit 
dass W, damit als^ R, SP. | detto weniger W, desto belegort nit mßcht . . Ä». 
'J7 meldunf[^ geschieht HK St^ gibt, aber erst nach dem nächsten Abschnitt, einen Nachtrag über 
die Schlacht vor Neusz. 29 echwestcr JäT', R, 8f^. 

*) gute Anordnungen treffen. — *) hei Düsseldorf. — *) Dieser Titel be- 
ruht woM auf einem Irrtum des Schreihers, für hcrm? — *) Vielleicht zum 
Tdl aus Münster S, 626y die Hauptsache aus einer andern Quelle, — •) Der 
Trutzkaiser war eines der Aussenwerhc des alten, über dem jetzigen gelegenen, 
Schlosses Hohenheidelberg. — ^) Karl VIII. von Frankreich war mit Mar- 



— 22 — 

gin von Britania könig Maximilian verheyratli. Am heimbfahren 
nahm bemelter könig von Franckreich die konigin von Britania mit 
gewalt, führet sie zn kirehen, darausz ein groszer krieg entstund, 
nnd schlug könig Maximilian mit 500 landtsknechten, zweifeis ohne 
ausz göttlicher räch, dem Franzosen ober Burgundt bey der statt 5 
Selis*) 5000 mann. 

Zuch uff das Lechfeldt. 

Anno 1492 übergaben die von Regelspurg ihre statt hei*tzog 
Albrecht von Bayrn. Da machte kayszer Fridrich und sein söhn 
könig Maximilian eine bündtnusz mit etlichen oberländischen fürsten, 10 
herrn undt statten, der Schwäbisch bundt genandt, zoch mit heers- 
craflft uflf das Lechfeldt. Hertzog Albrecht bette angefangen zue 
Regelspurg ein schlosz an die Donnaw zu bauen, wie dann ein 
theil noch stehet. Aber er muste Regelspurg dem reich, deszglei- 
chen hertzog Georg von Bayrn, welcher anno domini 1485 Nord- 15 
lingen belagert, doch ungeschafift abzueg, was er den graven von 
Ottingen hette eingenommen, auch wider geben. 

Schweitzerkrieg. 

Anno domini 1499 zog könig Maximilian mit dem teutschen 
Rom. reich gen Costantz wider die Schweitzer für dasz Schwader- 2o 
loch*), liesz des Rom. reichs fahnen fliegen'*), den führte grafl^An- 



1 haimfüren W, Ji, Sfi. 3 unnd beschlioffrf W, Jf, Sfi, \ daraui^z: de«z It; das 80, 
5 inn Obern Burg. B, Sf». 13 an der 8fi. 14 maesi St"^, 16 nnbohafft B, 19 1496 
if«, R; 1498 SO. 

garetha verloht seit 1482 j Maximilian mit Anna^ Tochter des Herzogs von Bre- 
tagne, seit 1467, die Vermählung mit ihr vollzog er per Procura 1491. Damach 
sind Widmans Angaben (1494, „Königin^^ von Bv.) richtig zu stellen, Dass 
Anna von Bretagne von Karl unterwegs gefangen und zur Heirat gezwungen 
worden sei, behaupten die deutschen Quellen, während die französischen es be- 
streiten; s, Liliencron, Deutsches Lehen im Volkslied um 1530 (Kürschner, 
D, Nationallitt.) Einleit, XXXVL Ebenda, S. 50 ff., ist auch das Volkslied 
vom „Fräulein von Britannia^* abgedruckt, das schon 1491 entstanden, aber 
noch während des ganzen 16. Jahrhunderts gesungen worden ist. — Ein ,. grosser 
Krieg^*^ hat sich aus dieser Sache nicht entwickelt, vielmehr wurde ein solcher 
durch den Frieden von Senlis (Dep. Oise) 1493 verhindert. 

') Selis = Senlis, s. vor. Anm. — ') Schwaderloch (Schwaderlohe = Bausche- 
wald?) eine Anhöhe bei Konstanz. Von den beiden Ereignissen, die sich an 
diesen Namen knüpf tn, hat der Chronist das erste: den von den Eidgenossen 
am 11. April 1499 erfochUr^en blutigen Sieg im Schwaderloch, übergangen und 
berichtet nur von dem Vorfall am IG. Juli, wo Maximilian, in der Absicht, die 



— 23 — 

dreaß von Öoimenberg '). Wardt aber äff solchen tag nichtz ge- 
handelt*, dann alsz könig Maximilian umb sein kriegsvoickh war 
geritten, sprach er, es ist bösz Schweitzer mit Schweitzern schlagen. 
Damit zog iederman wider in sein logiment. Nicht lang darnach 
5 wardt die sach vertragen *). 

Vom nutz des Schwäbischen bundtes. 

Dieszer Schwäbische bundt wardt zue 3 mahl erstreckth ^) ; 
dieweil er wehret, hette Hochteutschlandt und vorab die reichsstätt 
glückh und heyl; da ginge iustitia und alle gewerb im schwangh, 

10 viel raubschloszer wurdten zurbrochen, und denn*), so solches bind- 
nusz am nutzlichsten war, die Verliesen, wie Jeremias sagt*), den 
bronnen desz lebendigen waszers und gruben ihnen rinnende cistem, 
die nicht waszer hielten, vergaszen die bewiesene treu des hauses 
Osterreich, gesellten sich zum blutigen schwerth und getraifften 

15 waldtlöwen ^). Dann was iustitia von 1520 bisz uf diese zeith in 



1 oiohU aut B\ R; nicht SO. » wann W, S, Sfl. \ nmb aua U^, B, 80, und Si^, 4 Die 
von HaU ichickten Michel Senfften hanptmann zu rois und foess, war ein ganUet jar auss. 
Dem eohank kOnig Maximilian ein schön verdeckt rosz W. \ losament R, 80. 11 Hiero- 
nymus ID, 80. IS inen ein andern SO. 15 1610 H*, R, SO. 

Schweizer im Schwaderloch zu überfallen^ sein Heer hei Konstanz mustert, dabei 
aber so viel Uneinigkeit unter den Führern und solche Feigheit beim Kriegs- 
Volk vorfindet, dass er seinen Handschuh hintüirft mit den Worten: „Es ist 
nicht gut Schweizer mit Schweizern schlagen.'' S. Stalin 4, 23 ff. Steiff, Ge- 
schichtl. Lieder und Sprüche Württ. 63 mit zwei Volksliedern auf die Schlacht 
am Schwaderloch. — •) Das aus dem toOrttembergischen Gewahrsam herbei- 
gebrachte Reichsbanner Hess Maximilian am 26, April in der Kirche in Über- 
lingen entrollen^ fliegen und weihen. 

') Ober Andreas Truchsess von Waldburg, Graf von Sonnenberg, seine 
früheren Schicksale und seine Ermordung durch Felix von Werdenberg im Jahr 
1511 s. Steiff, Lieder und Sprüche 90 und 86 ff. — «) im Frieden gu Basel 
22. Sept. 1499. — •) Die zu Esslingeti beschlossene zweite Erstreckung des 
Bundes von 1500—1512 wurde auf dem Bundestag zu Hall am 25. Jan. 1502 
von dem Kardinallegaten Baimund von Gurk bestätigt und sugleich den Förde- 
rern des Bundes ein reicher Ablass verkündigt, Stalin 4, 44. Die grosse Wert- 
schätzung, mit welcher der Chronist von dem Schwäbischen Bunde spricht, wird 
dadurch noch verständlicher. — *) denen, Attraktion zu so (= quibus). — 
*) Jer. 2, 13. — •) Der Satz scheint auf die süddeutschen Beichsstädte zu gehen, 
die sich der Reformation anschlössen und so schliesslich in den Schmalkaldi- 
sehen Krieg hineingezogen wurden. Der Chronist bezeichnet dann den Aufruhr 
und Landfriedensbruch, den sie nach seiner Meinung hiermit begehen, in An- 
lehnung an die prophetische Bedetveise Jer. 2, 15. 4, 7, Jes, 5, 29 u. a, als 
Verbindung mit dem blutigen Schwert und bluttriefenden (?) Waldlöwen, 



— 24 — 

Teutschland! gewesen, ligt am tag, wiewohl der fromme kayszer 
Carl gerne dasz beste gethan hett. Gott verleihe noch den 'ständen 
Tentschlandts, dasz sie sich erkennen undt obristem haupt nach 
Gott vor allen dingen gehorsamben, so wollen wir alsz lenger hausz- 
halten. Wa nicht, so ist das urtheyl schon gefeilet: wer seine 5 
natürliche obrigkeit veracht, der verachtet auch Gottes Ordnung. 

Tailockher befedt wider den Schwäbischen bundt und 

Württenberg und Baden. 

Es hett ein Tailockher*), wie man sagt, eine forderung an 
marggraff Carlin von Baden. Diese forderung wirdt durch hertzog 10 
Eberhardt von Württenberg etlichmahl vertragen. Folgendt beclagt 
sich der Tailockher, alsz solte ihme solcher vertrag nicht werdten 
gehalten, und hieng sich an Württenberg, befedet Württenberg mit 
fahn, schätzen etc. Der Schwäbische bundt nahm sich Württenberg 
darumb dasz er den vertrag gemacht, solte ihm den voUstreckhen, 15 
alsz ihres bundtgenoszens ahn. Da grief Tailockher gemelten bundt 
auch ahn, hielt sich genhalb Rheins in der pfaltz zue Warttenberg^) 
und umb Trachenfelt ^), welche schlöszer seither in Franz von 
Schiekhing^) befehdung, durch Trier, Pfaltz und Heszen verbrändt 
sein worden. Ein raisziger knecht der Heselschwert*) genandt führt 20 
dem Tailockher die fedt. Diese fedt gebar nicht ein klein Unwillen 
desz Schwäbischen bundts, der täglich angrieffen, gefangen und ge- 
schätzet wurden, wider Pfaltz. Dieszer Heselschwerdt wurff denen 
von Schwäbischen Hall, nicht weith vom galgen bey Ohringen nider 



1 leit W, R, SU», 4 wir desto H^. 5 urtheyl ohs H^, If, 8t*; nnheyl 8tK 6 rerracht 
auch Qott W, B, 80. 7 ThaUckher tUU W, B, 8fi, 10 war JJi, B. 11 nf «ttlich mittel 
H^, B, 8ß. 18 an W., dammb ds er den vertrag het geniacbt, solt im den Tolstreckben 
W, B, Sfl. 15 darumb — roUitr. aU Bandffloaat in 8t^, aber von er$tgr Hand; fehlt B, 8fi, 
17 Warttenbnrg J7i, B; Württemberg Sfl. 18 ataU umb Tr.: Marmelstain W, B.; Mar- 
weUtein 8fi, \ raubeehloeser H^, B, 8t*. 19 befehdnng atu W, Bf befehnng 8tK 22 ttaU 
»ngr.: beraubt B, 8fi. 24 nicht weith — uudt: Bandglo— in 8t^, von erster Hand; bei B, 
Sfi im Text. I nider oue m, under StK 

') Über Hans von Massenbach, gen, Thalacker s, W, Fr, 5, 316, 4, 382. 
Stalin 4y 67, Gmelin 594 f,, am eingehendsten Klunsinger in Württ. Jahrb, 1855, 
158 — 175, — Die verschiedenen Fehden Thalackers reichen von 1462 — 1505. 
Die hier in Betracht kommende ist der Einfall ins Wirtembergische wegen an- 
geblicher Rechtsverweigerung im J, 1494, der zur Achtung des Thalacker, sowie 
auch seines Gesellen und Bastards Hensslin Hensslinschwert (oft Uesselschwert 
genannt) anfangs 1496 führte, — *) Unermittelt, — ') Drachenfels in der bayr, 
Bheinpfalß, sndw, v, Dürkheim, — *) Sickingen. — *) Hesseischwert s, oben 
Anm. 1, 



— 85 — 

ihren pfarrherrn mainster Hansz Dolde '), einen burger Michel Anj- 
raen, undt ein raiszigen knecht Peter Trescher genandt. 

Bayrischer landtkricg. 

Anno domini 1503 da starb obgedachter*) hertzog Georg von 
5 Bayrn, verliesz kein kindt, dann eine tochter, die wardt hertzog 
Ruprecht, pfaltzgr. Phillipsen söhn verheyrath ; die wolte erbin ihres 
vatterlandts sein. Dagegen sagt hertzog Albrecht von Bayrn, deszen 
hauszfraw könig Maximiliani Schwester war, es were im hausz 
Bayrn ein gesatz, so lang einer mannliches nahmens und stammens 

10 desz hertzogthumbs Bayrn im leben, sollte kein tochter am Bayer- 
landt erben, sondern mit 30000 fl. an goldt davon abgewiesen sein. 
Es kam zu einem grosen landtkrieg. 

Anno domini 1504, alsz hertzog Albrecht war im Schwäbi- 
schen bundt, ruffte er den bundt umb hilffe ahn. König Maximilian 

15 gebott pfaltzgraff Phillipsen, er solte seinem söhn hertzog Ruprecht 
keine beylegung oder hielff thun. Dieweil aber dasz vätterliche 
hertz solches nicht liesz, wardt pfaltzgr. Phillipps, hertzog Ruprecht 
und ihre helffer von könig Maximilian in die acht erklärt. Da 
wardt, was durch den Tailockher beschädiget, und andere mehr 

2J zue kriegen lustig, und viel besunder leger wider pfaltz und 
hertzog Ruprecht gehalten. Dann könig Maximilian, hertzog Al- 
brechten unndt der Schwäbische bundt zogen wider hertzog Ru- 
prechten, hertzog Georgs von Bayrn verlaszen landt einzunehmen. 
König Maximilian begehrte undcr andern den KopflFenstein, und 

25 dieweil der Bentzenauer ^) , obristen in dieser besatzung, disz 



'■a Wilhelm Am^n JT«, /?, Sß, \ Dros/er //», R, 8fi. 5 die wts //», H, Sfi. 7 vatters 
lannd H. 8 gemahel B^. 11 »ngelts Sfi. 18 Wann h. Albr. war Im . . ., anno 1504, 
Tufft den . . . ifi, Bf ebenso, nur ohne die Jahrzahl 8fi. 1$ oder b. fehU R, Sfi. 18 und 
h. Buprechts helffer HK \ erkhendt H^, B, 8fi. Hl Wenn /7>, R, 6fi. 24 belagert 
H^, R, Sfi. I Kopffßtain H«. 

*) Meister Hans Dolde, ein Hesse von Gtburt, ist somit schon 1494 
oder 149Ö als Priester ga Hall; die um 1502 gestiftete Predigerstelle (^Prädi- 
katur*^) wurde ihm 1513 ühirtragen^ s. Herolt 110 (wo im Text statt Dolchen 
sicher Dolthen zu amendisren ist) und Gmelin 687, ferner Gmelins Aufsatz: 
Hall im Reformationsjahrh. W, Fr. N. F. VII (1900) S. 6 /. — ») 8. oben 
S, 22. — *) Kopfunstein ist Kuf siein (auch in dim unten angeführten Volks- 
lied heisst die Stadt Kopfstein). König Maximilian bezwang die starke Feste 
im Landshuter Krieg mit seinem gewaltigen Belagerungszeug, y,und Hess den 
kecken Verteidiger Hans von Pienztnau seine Tapferkeit unerbittlich mit dem 
Kopfe bezahlen/^ Die Geschichte ist in dem V^olkslied vom Benzenauer bc 



— 26 — 

schlosz undt statt nicht wolte ufgebeu, sondern könig Maximilian 
solche mit stnrmb gewann, liesze er den Bentzenauer sampt et- 
lichen andern enthaupten. 

In dieszer befedt zog mar^raflf Friedrich von Anspach für 
Roth, eroberths, auch für Haydeckh % landtgraff Wilhelm von Heszen 5 
zog wider Benszheimb, wardt doch mit dem geschfitz abgetrieben, 
eroberte sonst etliche fleckhen sampt der herschafft Bickhenbach ^), 
dazumahl den herm, letzt graven von Erpach gehörig. Hertzog 
Ulrich von Württemberg gewann der pfaltz an closter Maulbronn, 
Besickheimb, so von marggr. von Baden versetzt war, die graff- 10 
schafft Löwenstein, statte Weinsperg, Neustatt am Kochen, Meck- 
mühl etc., schosz statt Bretten zum stürm, ward doch durch pfaltzgr. 
Ruprecht abgethedingt, dann man sagte, Bretten were pfaltzgraffs 
Ludwiegens frau mutter morgengab'*). 

Nürnberg gewann Herszbruckh und Altdorff, schuszen den 15 
Neuenmarckht zum stürm; da forderte sie könig Maximilian eyllendts 
zu sich und thatte eine schlacht mit den Böhmen, die hertzog Ru- 
precht zuzogen, wurden ihr nicht weith von Regelspurg 7000 er- 
schlagen, 600 gefänglich gen Regelspurg geführt, in einem hoff 
zwey tag verhaffl; und uf ein alt urpfedt ledig gelaszen. 20 

W: Dise Böhm haben zuvor mit einander als sie an das waszer Peg- 
nitz komcn, gebadet wegen der groszen hitz, wurden im waszer unains, 
schlagen also nacket einander im waszer herumb, das ihrer vi! ertrancken 
und todt pliben. Das war eine nackende schlacht. 

König Maximilian schlug etliche des adelsz, so diesen Böhem 25 
obsiegeten, zue rittem; nahm der Pfaltz ein^) die landtvogtey im 
Elsasz. Aber Carll der 5. hat solche landtvogtei ausz gnaden der 
Pfaltz widergeben. 

Der hertzog von Zweybrückh, wie man sagt, undt graff zu 
Leiningen grieffen die Pfaltz auch an, gewonnen aber nicht viel 30 



1 ataU sondern : unnd UK 4 Ouoltsbach W, Jf. & erobert die baide H>. e fnr i/>, 
B, Sfi. 7 Bickhaboch W, Sfi. 11 stAtte W. fehlt W, H, Sfi. IS WeokmttUl m, B, 80. 
I Brettha W, B. IM Ludwig m, B, 8fi. 14 gemahl f. matter HK | Nach morgengab: 
Er sersprengt den ron HaU ir grosse bttohsen ror Weinsperg, wolt Snen dieselbig wider 
giessen lassen, aber die ron HaU begerten nur der itttokh wider H'. 17 thatte fehlt HK 
25 schlag — rittem : fehit W, B, Sfl. 

sungen, auch die Melodie dieses Liedes hiess jyder Benzenauer*^. S. Liliencrorij 
Deutsches Leben im Volkslied um 1630, S, XXXVI und 44 ff. 

*) Heideck und Roth zwischen Nürnberg und Eichstäti, — *) nördl, von 
Bensheim, am Melibocus. — ■) Über die Belagerung Brettens und den von 
Herzog Ulrich mit Ludwig am 2. Juli 1604 zu KnitÜingen geschlossenen Ver- 
gleich 9, StiUin 4, 61 f, — *) = nahm weg. 



— 27 — 

daran. Zue allen theilen wurde redlieh krie<;t, traw und glauben 
gehalten und — auszgenommen mit erzehlter Böhmerschlacht — 
nicht so viel bluts vergoszen. 

Da der krieg am grösten war, stürben hertzog Ruprecht und 
5 sein gemahl, hertzog Georgs von Baym tochter ungefährlich in 
8 tagen nacheinander, Verliesen zwei kleine kinder, waren noch 
nicht dreyjährig, nemblich, noch lebenden hertzog Otto Heinrich 
und sein bruder hertzog Philippsen.*). Die waiszen begnadete 
könig Maximilian, wurde dem krieg ein anstandt durch under- 

10 handlung margraflf Christoplen zu Baden gemacht und uf folgen- 
dem reichstag zu Colin anno domini 1505 sampt anderm mehrerm 
vertragen. Desz hertzog Ruprechts zweyen söhnen solte gehören 
Newbruckh, Layhingen*), Sultzbach, Lengenfeldt, umb Jacobi'*), 
wie dann solche bede fürsten solch landt und statt biszhero inn- 

15 gehabt, bisz kayszer Karl der V. solches anno domini 1547 aus 
ursach, wie man sagt, wider eingenommen. Aber sonst ist der 
Spruch gewesen, wer verlohren hab, der hab verlohren*). 

Creütz fallen von hymmel. 

Ein jähr vor erzehltem Bayrischem krieg fielen zeichen der 

20 creutzlein den menschen an leib und kleider, sahen sehwartz alsz 

werens von schmaltz gemacht. Im jähr darnach bezaichneten sich 

baide theil desz Bayrischen kriegs, nemblichen die kayszerischen 

uf hertzog Albrechts mit rotten, und die uflF hertzog Rupprechts 



I Zu beeden R, 8fl. 2 wann nur in . . . blnts vergossen wer worden W. 3 kutII S, Sß, 
6 wie man sagt tot laid fii. 7 noch leb. fehtt W, Sfi; tteht B. 7 Otthainriob S. 
8 Diser w. erbarmbt sich H^, dieser w. erb. s., begnad sie Bf erbarmet, begnad Sfi. 9 an- 
standt: am Hi, B, Sfi; anstaUt 8tK 10 Christophen H^, B, Sfi. IH vertragen, das Sfi. 
I soU H^, seit B. 18 Newburg H^, B, Sfi. | Lawrlngen W, Laiwingen B, Langingm 8fi, 
I Lungfelden fli, B. \ umb J. f9hU H\ B, Sfi. 15 bist — eingenom. : f$kit HK 
16 von wegen da. b. Otthainrich sich der gewesenen Schmalkhaldisoben bundnns anhängig 
gemacht soll haben B, 8i*. | sonst der so die Pfalta bekriegt wegen hertsog Bupreohts JSP, 
ähnlieh St^. 17 gewonnen hab der hab gew., wer verl. . , . B, Sfi. 19 W, B, Sfi haben 
NoM diesen ertten Satz, auch diewn hürwr. 

*) Otto Heinrich, geh, 1502, Philipp, geb. löOS, Ober beide a, unten in 
den allgetn, Annalen, — Da Herzog Philipp im J. 1548 starb, so muas dieser 
Teil der Chronik zwischen 1547 (s. den Schluss dieses Abschnitts) und 1548 
geschrieben sein. — '^) Neuburg und Lauingen, — •) „um Jakobi" (25. Juli 
1505) ist die nachgeholte genauere Bestimmung zu : „Reichstag zu CölW^ : der 
Meichstagsabschied selbst ist (s. Sammlung d. R.Absch. I 101) datiert vom 
31. Juli, der mündliche Spruch des Kaisers abjr, wer verloren hob, hab ver^ 
loren, wird am 25, Juli ergangen sein. — *) Über diesen ganzen Krieg s. Stalin 
4, 52 ff,, aber d<m Cöhier Reichstag ebenda S. 6S. 



— 28 — 

seithei) mit schwartzen creutzcn. Viel achten dasz solches durch 
erzelt creutzfallen bedeutet war worden*). 

Venetianer gewerb kommbt gen Antorff. 

Dieser kayszer Maximilian hat der Venetianer gewerb in 
Teutsehlandt sehr geringert und in das Niederlandt gen Antorff^) 5 
gebracht. 

Kayszer Maximilianus hett den geist der wiszagung. 

Viel haben geachtet, dasz dieser fromme kayszer Maximilianus 
insonderheit von Gott den geist der weiszagung zuekünffHger dinge 
habe gehabt. Dann alsz anno domini 1512 in vielen reichsstätten lu 
teutscher nation ufgelauff der gemeinde wider ihre obrigkeit^) ent- 
stünden, warnette ein gantz jähr vorher vor solchem ufgelauff der 
kayszer den magistrat der statt, dasz sie wollten wachen über ihr 
gemeindte, die mit guthättigkeit im zäum halten, nicht zue hart 
sein, damit sie ihnen nicht ursach geben zu rebelliren. Dann desz 15 
himmelsz lauff ihnen insonderheit Widerwärtigkeit und entböhrung 
ihrer underthanen und gemeindte uf das zukünlftige jähr dräuete, 
wie dann geschach; dann — wenig statt auszgenommen — mit 
ihren gemeindten zue schaffen genug gewannen. Seelig waren die, 
da es nicht blut gäbe. 2t) 

Kav. Maximilianus war forchtsamb den Türckhen. 

Alsz ich in geschafften meiner gebiettenden herrn^) uf eine 
zeit zue Augspurg'*) war, war bey mir under andern herrn in der 



4 Venedigor //•. | in: gegen dem Ä', Sf^, 9 der warsagcr zukünfft. 8ß. 10 Wann 
H, R, Sfi. I «jben W, K. IS po tio Sfi. 14 gütigkheit W, Ji, Sfi, 15 Wann W, 
H, Sfi, 18 titalt dann : das .S/2. 2H Item als* H, Nachdem Ich St-. | meinet herrn JJ». 

') Tritheim, Annales Hirsaug. (St. Gallen 1690) II 580 seist die Erschei- 
nung der Kreuze, von denen er viel Wunderbares zu erzählen weiss, schon in 
das Jahr IM); nach ihm war nicht bloss Deutschland, sondern Böhmen, Du- 
den, Holland, Frankreich davon ergriffen, und es folgte eine grosse Sterblich- 
keit nach, — *) Antwerpen: dies 3 Stadt erreichte teils durch die Bevor Bugung, 
die sie seitens der Hansa erfuhr^ teils durch Maximilians Fürsorge in den 
ersten Jahrzehnten des 16. Jahrh. ihren höchsten Glanz als Mittelpunkt des 
Handels und der Industrie, Unter den Venetianischen Gewerben tvird besonders 
die Herstellung von Glas- und Goldwaren zu vei'siehen sein, — ^) Aufstände 
der Bauern z. B. bei Freiburg i Br, 1513, der arme Konrad im Württem- 
bergiachen 1514; Auflehnung der Bürgerschaft gegen diu Geschlechter Hall 1512, 
Ulm 1513 s, Stalin 4,94f, — *) Propst und Kapitel Bu Komburg. — *) Es 



— 29 - 

herberg ein burgherr von Insprugg, der sagte, alsz könig Ludwieg 
von Ungarn vom Türckhen umbkam, wurde under andern gefange- 
nen Türekhen ein wasehka *) oder türckischer edelmann dem regi- 
ment zu Inszbrnckh zue einem peuthpfenig gesehencketh und nach 

5 langem rathschlagen entschloszen, dasz man diesen wasehka, un- 
angesehen der Türekhen begangener tyranney^, wohl wolte halten 
und wider ledig in sein vatterlandt, die Türckhei laszen zihen, da- 
mit er solche ihme von Teutschen erwiesene gutthat und gnadte in 
der Türckhey berühmbte und die Türekhen den gefangenen Christen 

10 in der Türckhey desto mehr gnadt bewiesen. Da solches ernanter 
bergherr, welcher sein gewerb in Ungarn und Türckhey trieb, ver- 
nähme, hett er bey dem regiment zue Inspruckh erlangt, dasz die- 
ser gefangene wasehka ihme dem bergherm in seine behauszung 
zu Inszbruckh zu einer collation zu kommen übergönnet worden, in 

15 hoflfnung, es möchte sich mit der zeit zutragen, dasz der wasehka 
solche collation gegen ihme bergherrn in der Türckhei möchte ver- 
gleichen oder zu guttem ersprieszen. Alsz nun der wasehka in 
desz bergherrn sahl ging, sähe er die bildnusz Christi crucifixi 
vomen im sahl ob den tisch an der wandt gemahlt stehen ernstlich 

20 ahn, sagte doch nichts. Alsz aber sich der wasehka beym tisch 
um b wandte, sähe er die conterfaihung dieses frommen kayszers 
Maximiliani ob der thür desz sahls stehen. Alsobaldt zöge der 
wasehka seinen hutt oder bundt '*) ab, genaigte dieszer contrafahung 
und schrie : o Maximilian, Maximilian etc. mit andern mehr Türcki- 

25 sehen wortten. Darauf der bergherr desz wasehka zugegebenen 
dolmetsch gefragt, was er wascha sagte. Antwordete der doll- 
metsch: er sprach, o Maximilian, ist Teutschland so seelig gewesen, 
da sie dich haben gehabt! Und wann du noch lebtest, were der 
Türckisch kayszer nicht so keckh, dasz er in Ungarn were gezogen. 

30 U^nd alsz der beergherr den wasehka liesz fragen durch den doll- 
metsch, ob er kayser Maximilian im leben gesehen hette, antwordete 



1 berf^kherr H^, It, Sft, | Istbruck JH, H{ 90 auch naehhtr. 2 onchlagen W, 8 steU 
watoh» H^, 8ß. 4 beypfenning geiohickht Sfl. 6 handlen Hi, R, Sß. W desto in. 
fehlt W ; 9taa tUuft : als inen B. | tolches aua IT', 8fif solcher 8t^, 14 veripindt W, S. 
r? oniolflx m, Sfi. 19 gar eroitl. W. 90 Torm JT. 21 die: aua W, B, aß, das 8tK 
28 oder b. fehlt W. 26 der If >, B, Sß. 27 tprioh IT, B. 

ist wohl dieselbe Angelegenheit gemeint, die Widman später in der Komburger 
Chronik genauer ergählt; demnach der Reichstag eu Augsburg 1530. 

*) Pascha. — ') Gemeint sind wohl haupisächlieh die Greuel, welche die 
Türken 1529 hei ihrem Zug nach Ungarn und vor Wien verübten. — •) Türken'- 
bundf Turban, 



— so — 

er waschka, nein, er bette aber kayszers Maximiliani abcontraf äbung 
beym Türckischen kayszer gesehen. Daraus erscheinet, wie hoch 
dieser fromme kayszer Maximilian auch bey den Türckhen geachtet 
gewesen. 

Von st. Andereae und Walpurgen ölle. 5 

Eittel Treuttwein. 

Dieszer kayszer Maximilian verachtete nicht die wunderzeichen, 
welche der Allmächtige durch seine heyligen erzaigte. Dann iöh 
habe gehört von dr. Eittel Treuttwein, thumbherrn zue Wormbs, 
probst zue Newhauszen, decan des stiffts Chomburg undt kayszer- 10 
liehen cammergerichtsassessom etc. *), meinem gebiettendem herrn, 
dasz zue den zeithen unnd er noch Aystettischer rath und diener, 
bey und mit gewesen, dasz uf einem reichstag zu Augspurg*) 
kayszers Maximiliani bischoff Gabriel zu Aystett % desz geschlechts 
von Eyb, angesunnen und gesagt*), seine may. vernehme, dasz ausz 15 
st. Waldtburgs *) saargh zu Aystett solte öll schwietzen und flieszen ; 
wa deme also, dasz dann gedachter bischoff ihme dem kayszer 
solch öll zue besüchtigen auch wolle überantwordten. Dasz ge- 
dachter bischoflF gethan und in beysein dr. Eyttel Treuttweins kayszer 
Maximilianen ein biichszlein mit öll, so ausz st. Waldpurgen grab 20 
solte fliesen, überantwordet. Darauf kayszer Maximilian gesagt, er 
glaube, dasz ausz Gottes wunderbarlicher würckhung ausz etlicher 
heylliger gräber möge öll flieszen, dann in seinen jungen tagen were 
er an desz königs von Neapolis hofi^ geweszen. Nun leghe in Si- 
cilia in einer statt in einem sargh st. Andreas apostolus gebein be- 25 



2 der ^. 8 dem H. 8 ersaiget W, R; ans. 8fi. | Wann Bi, B, Sf^. 11 meinem 
etc.: atatt dessen: damal Eystettischer rhat unnd diener ifi; das sein erwirden alss datumal 
Ayst. rat unnd diener bey unnd mit gew. R, 8fl. 15 angefangen 8fi. 16 Walpnrgeii 
JET', B, Sii. I nnd fl. fehlt m. 20 euts: aus m, B, Sfi; «ach St^f anss . . . geflossen 8fi. 
21 inn beysein doctor Eittel Treuttwein B, 25 sarch stets H^, B, Sfi. \ apost. geb. fehlt 

m, B. 

*) Eitel Treutwein, Sohn des oheny Vorrede S, 13 f, besprochenen Daniel Tr., 
wurde Dekan zu Komburg 1535 und starb im Febr, 1536^ somit scheint dieser 
Abschnitt im J. 1535 oder 1536 ahgefasst gu sein, — ^) Von den gwei Reichs^ 
tagen, die Maximilian zu Augsburg dbgehaUen hat, 1500 und 1518, wird eher 
der erste in Betracht kommen ; in der Tat findet sich unter den Unterschriften 
am Schluss des Abschieds von 1500 auch Gabriel, Bischof von Eystett, Sammh 
der R.T,Absch. II 63. — ») Eichstädt. — *) Konstr,: dem Bischof , . . an- 
gesonnen und gesagt worden sei. — ') Die Gebeine ddr heil, Walpurgis wurden 
871 nach Eichstädt gebracht, und diese sowie das ihnen eniftiessende „Wai" 
purgenöV^ lockten bald Scharen von Gläubigen herbei. 



- Sl - 

graben, aus welchem 511 tropfite oder sehwietzte. Begehrte der 
könig zu Neapolis die gewieszheit dieses öUs zue erkundigen, sol- 
chen sargh im beysein kayszers Maximiliani — dazuemahl noch 
ein junger — ihme zu öfiiien. Alsz der sargh geöffnet wardt, lagh 
5 ein gelbe seiden tuech im sargh uf dem gebein und schwumme 
dasz öU über dasz gebein im sargh. Alsz aber der könig zu Nea- 
polis mit seiner handt das gelbe seidene tuch ufhub und wolte 
besehen, was under dem tuch leghe, sagte kayszer Maximilian zu 
bemeltem bischoff Gabriel diese volgendte lateinische wortt: Et 
10 ecce liquor muscusque ^) amplius non comparuit, sihe verschwandte 
dasz ölL Uf solches war der könig zu Neapolis erschrockhen, sagte 
zu den umbstehenden : non tentabis dominum Deum tuum, du solt 
nicht versuchen deinen herm Gott. Und von diesem tage an hettc 
dasz öU von diesem sargh zue schwitzen ufgehört. 

15 Kayszer Maximilian liebte geschickte und gelehrte 

leuth. 

Kayszer Maximilian hatte gelehrte geschickthe menschen sehr 
lieb, solche erhöhet, mit herrschafilen begäbet, zue graven und herm 
gemacht, nicht sonder lust zue denen, die allein dem gebliith, und 

20 geschicklichkeit nicht gebräuchlich oder edel sein. Ich habe gehört, 
er solle uf eine zeit von seiner landtsherm einem gefraget sein 
worden, warumb er mehr seinen Schreibern undt gelehrten dann 
etlich edlen seines hoffgesindts herführhelffe undt zue herrn machte ; 
soll er darauf geantwordet haben, die schuldt seye nicht sein, son- 

25 dem dero, die hindern offen liegen, sich der kunst schämen, allein 
uf ihren adel pochen. Dann er insonderheit dem adel vor andern 
mit gnaden geneigt, messe doch einem ieden nachdeme er ge- 
schickth oder geübt, gelehrt. Er wolte auch viel lieber sei- 
nem adel dann seinen Schreibern und gelehrten herführ 

30helffen, wann er sie wie die Schreiber und gelehrte 
wüste zu gebrauchen. 



1 oder tohw. fehlt HK 2 Soloben farob die gewitxbeit su erfabren, begehrt . . B^ f Sol- 
chen 8. d. gew. difs öle »aerkbandigen R, 8fi, 4 noch Jnog JET'. 6 im §. ftMU W, Sfi. 
9 sagte — Terschw. : ftklt B\f »taU d9M%n bloM : da ▼•rBohwand. 10 liquor notqnam am* 
pline oonparali B; llqaore 80, non fehlt 8tK IB erhöbet die, begabt aie . . ., maobt . . . H>. 
29 gemttth Sfi. 20 gebronoh OK \ Min wolt«i m, 21 landherfli m, 8ß, »8 •llioh 
fehU W, R, 8fi. 25 sonder seines adele W, R, Sfl, ) sieh — sehln.: fehlt H, R, etatt 
deeeen: nicht bethnn wOllen. » nichu lehren wOllen 8fi. 2i Dann — gelehrt: fehU H^, 
H, Sfi. 31 Dann er kenne auss kaiserlichem gewalt die nnedel sindt edel, aber die nn* 
gelehrten nlt gelehrt machen H^, K, Sß. 



/ 



*) MoschuSf 80 tvird auch eine Vorm de» Ambraöls genannt. 



— 32 — 

Abschiedt kayszers Maximiliani, ehe er starb. 

Alsz sich die zeit kayszer Maximilians todt nahete, beruffle 
er einen groszen reichstag anno 1518 gen Augspurg, sagte den 
reichsständen viel zukünflPtiger ding und Widerwärtigkeiten, so nach 
seinem todt, wie dann geschehen, dem Rom. reich wurdte begegnen, 5 
insonderheit zwiespähn desz glaubens, empöhrung und ufgeläuflF der 
underthanen etc., ermahnte den magistrat ad vigilantiam, dasz sie 
wollten wachen und solchem treulich vor sein, ihren underthanen 
nicht zue viel vertrauen, damit sie nicht von ihnen übereyllet wür- 
den ^). Zaigte auch ahn, dasz sein todt nahe sey, würden ihn uf lo 
keinem reichstag mehr sehen, gnadet und segnete sie und sagte, 
dasz Rom. reich nach seinem todt nicht beszer mit einem haupt 
dann seinem sohns söhn Carlo, nun Rom. kay., könde versehen 
werdten. Zog von solchem reichstagh in Osterreich, und in volgen- 
dem 1519. jähr am 12. tag ianuarii im 59. jähr seines alters ver- 15 
schied er christlich ausz der weit, unnd zue der Neuenstatt*) be- 
graben. 

Kay. Maximiliani demuth. 

Von welches demuth etliche sagen, dasz etliche jähr ehe er 
verschieden, habe er stets eine wohlbeschloszene truchen ihme nach 20 
lassen führen, welches niemandt dann sein beichtvatter gewust, was 
in solcher truchen beschloszen gewesen, deme er auch befohlen, 
diesze truchen nach seinem todte zu eröfinen und sein willen darin 
geschriben gefunden zue vollstreckhen. Alsz nach seinem todt diese 
truchen geöflfnet, sey ein höltzner todtenbaumb oder bahr, und darin 25 
ein grauer rockh, mit anzeigung, dasz er darin ohne alle pomp be- 
gehre begraben zu werden gefunden, dasz dann auch beschehen 
sein solle. 

Warumb kay. Maximilianus pius genandt. 

Die guthat und wie treulich dieszer kay. Maximilian gegen 30 
dem Rom. reich und vorab den Teutschen gemeineth und bewiesen, 



4 relohstetten £n, B, B swischen J7>, Rf swispan 81^, \ glaubens halber 8fi^. 7 Tigi- 
lantom H^. 12 latst (Sehreibf, für baes?) H^, lasset B ; bester fehlt 8fl. 18 naoh toI- 
gendt Hl; uan B. kay. fehlt 8fi, 15 60. W, 10 auss. — begr.: fehlt m. R, 8ft; dem 
Gott genad 8fi. 91 und niem. fH, B, 8fi, 94 Tolnstreoklien H^. $6 oder b. fehlt HK 
96 grober R, Sfi. 31 und — Tent. : fehlt R. 

*) Diese und ähnliche Gedanken sind in der Tat in dem Augsburger 
Reichstagsabschied von 1516 zum Ausdruck gekommen, s, Sammlung der R,T.^ 
Ahsch. 2, 169 f. — *) Wiener-Neusiadi, 



— 33 — 

ist mebr nach seinem todt dann im leben von desz Rom. reichs 
gntbhertzigen erwogen, dahero er ancb Maximilianns pins genandt 
wordten. 

Carolus der V. wirdt Rom. könig. 

5 Anno 1519 am 28. tag [janii] ist nach absterben kayszers 

Maximiliani seines sohnes söhn Carolns der fünflfte, könig zue Hi- 
spania and Sicilia, zum Rom. könig von denn churfürsten zue 
Franckhfurt einhellig erwöhlt worden undt durch pfaltzgr. Fridrich, 
ietzigen churfürsten^), im die wähl in Hispania verkündet worden. 

10 Volgendts anno 1521 am [22.] tag octobris ist er zue Aach gecrönet 
und darauf ein groszer reichstag zu Worms gehalten, und ist durch 
pabst Leonis desz zehenden legaten^ uf solchem reichstag zum 
Rom. kay. bestettet worden. 

Luther hebt ahn zue schreiben. 

15 Umb diese zeit hat der Luther sein zwiespahn wider der kir- 

chen etliche gebrauch zue schreiben angehebt. Der fromme kayszer 
Carle hette die sach gerne gutt gesehen und wege vorgenommen, 
damit die späne der religion nicht uf läuffe, wie dann gewönlich die 
Schismata geben, im Rom. reich erweckthen, aber da waren wenig 

20 die friden begehrten. Dieweil dann sich kayszer Carl von solchem 
reichstag widerumb in Hispaniam und andere seine erblandten 
verfügte, aldar etliche jähr verharrte, sein durch etliche uffrührige 
praedicanten viel secten und entböhrungen in Teutschlandt ent- 
standen, die stül uf die bänckh gestiegen, in summa es geriete zu 

25 einem grosen uflFlauff Teutscher nation. Und dieweillen erstlich die 
uflfiührische bäum allein trachteten nach einzihung der geistlichen 
und ihren güttem, da wurdt durch die finger gesehen. Da aber 
die bäum sich auch understunden, den adel, herm und statte an- 
zuegreifen und keine obrigkeit haben wolten, da erwachte erst der 



5 Jnlii St^ ; U Ug ootobHt H^, t8. oot. R, (H^ umd B meintt tcoM dm Krömmgwtag, der aber 
Vi. Okt. 1520 ist) 9 leUlgen chorf. : fehU H^, Fried. ieU. fekü 8fi. 10 19. 8tK 11 durch 
au9 W, B, 8t*; auch StK IM könig 8fl. U Dieeer Abeehnttt iet bei H^ in etnngeiieehem 
Sinne umgearbeitet (hat sich doot. Lnthenia «rhebt, das «rangeliom geoffenbalirt), Mugleieh 
aber »ehr int kuree gezogen. Sehluee: bey sweimal hunderttaatendt bawren . . ertchlagen, 
darvon im haaren krieg, ao hierin einrerleibt (gemeint ist HeroH» Banemkr,) meldunfp ge- 
tehloht. IB hat die Lntterey wider ettlich gebr. . . . einsareyttten angefangen R, Sfi. 
9S Terhielte K. 84 stül an» B, itttek StK 94 bftnckh gesetzt B. Von hier an fehlen alle 
$veiteren Abeeknitte dieeee ersten Teils in Si^. 20 nach weinsehmng B. 

>) Friednch IL, Kurfürst von der Pfalz, wurde Kurfürst 1644, f 1556. 
^) Aleander, 

WOrtt. Oeschichtiquellen VI. 3 



— 34 — 

Teutsche magistrat, woltens änderst nicht von ufrührischen baurn 
gantz auszgerottet werdten, und kam der Schwäbische bundt auch 
mit in das spihl. Und alsz die uffrührische bauren anno domini 
1525 am heyligen ostertag zue Weinsperg graflF Ludwieg zue Helflfen- 
stein, Rudolph von Elltershoffen und sonst bei 80 adlen und raiszige 5 
durch die spiesz jagten und ermordeten, da grief der Schwäbische 
bund und Teutsche magistrat die sach ernstlicher ahn, zogen gegen 
die aufrührischen bauren, und sein dieser bäum vor Pfedersheimb, 
KönigshoflFen, bey Mergentheimb, zue Gibelstatt und SultzdorflF uf 
dem Franckhischen gäw *), bey Neüenstatt an der Aisch, im Heg- lo 
gäw, bey Saltzburg, item Elsaszzabem, item Böblingen unndt Sindel- 
fingen, item in der graffschaflft Sultz und anderer orthen Teutsch- 
landts ob hunderttausent erschlagen, darunter über 1000 mit dem 
Schwert gerichtet worden, hat iedes baurenhausz dem Schwäbischen 
bundt zu erstattung seines kriegscosten 8 fl. geben müssen, ohne 15 
andere grosze Schätzung, die uff den gemeinen mann geschlagen, 
damit vielen adeln ihr schadt mehr dann reichlich bezallt, aber den 
geistliches standts nichts oder gantz wenig für ihren erliettenen 
schaden gegeben wordten. Der Schwabische bundt verbrandte 
Weinsperg uff den boden hinweg. 20 

Zueg wider die schlöszer in Franckhen. 

Dieszes zugs obrister des Schwäbischen bundtes war herr 
Georg Truchszes, welcher darvor anno 1523 von wegen emantes 
bundts alsz obrister ein heerzueg in Ottenwaldt, Franckhen unndt 
Bambergische bürgk thett, daselbst 23 schlöszer und sietz, ausz 2& 
welchen der Schwäbische bund beschädiget, zurbrochen ^). 

Kayszer Carls gehaltene reichstäge. 

Anno domini 1530 hielte kayszer Carl der fünffte einen grosen 
reichstag zu Augspurg, volgendts zue Regenspurg, Wormbs, Speyer, 
auch etliche gespräch zue Hagenaw, in willens die strittigen reli- 30 
gionen Teutscher nation zue befrieden, aber die zeit begerte da- 
mahls noch nicht fried. 



5 »deU Personen B. 9 Oibelst. oim R, BibelsUtt Si^. IS darunter — worden fehlt R. 
n Tiler edeU R, 19 für — tohaden fehlt R. HO nff dem R. 25 birg R, | edellenth 
Site R. 

') Doft Gäu zwischen Würzhurgj Oclisenfurt und Aubj s. Herolt S. 235, 
^) Über diesen Zug s. Herolt S. 91y Anm, 6, 



— 35 — 

Die nun folgenden Abschnitte sind überschrieben: Türckh be- 
lagert Wien (1529). — Tfirckhenwein. — Hertzog Hannsz Fried, 
von Sachszen gefangen von kayszer Carlo dem V**~ (1547). — Das 
interim zue Augspurg (1548). — Krieg umb Gellem (1542). — 

5 Kay. Carls erönung vom papst (1530). — Kay. Carl setzt den ver- 
tribenen könnig zu Thonis wider ein (1535). — Kay. Carl zog für 
Algyria sonst Memphis ad Nili fluminis fontem (Verwechslung von 
Algier mit Alcair-Cniro) 1541. — König Ferdinandi erönung (1531). 
— Dr. Luther stirbt. (1546). — Alle diese Abschnitte kehren unten 

10 in den „Allgetm^nen Annalen^ wieder und zwar in besserer Zeitord- 
nnng und grosserer Ausführlichkeit; sie werden daher fuglich hier 
weggelassen. 



Das ander theyl diser chronic, 
vonn herkommen, sitten, gewohnheit, gegendt und landtrecht 
15 der Teutschen. 

Transitio. 
Im wesentlichen nach Münster 395 f. 

Uhrsprung der Teutschen und ihren nahmen. 
Meist na^h M. 400 — 405 ^ doch mit einzelnen erheblichen Ab- 
20 weichungen, 

Gantz Teutschlandt obs alleweg ein königreich 

gewesen. 
Aus andrer Quelle als M, 

Sitten und gesatz der alten Teutschen vor kriegen. 
25 Vielleicht mit Benützung von M. 412, wahrscheinlich noch eine 

andre Quelle, 

Alte Teutschen achten sielber nicht. 
Nach M. 412, 

Scham teutscher weiber. 
30 Nach M, 413, 

In was alter etwan die Teutschen gefreyet. 
Die jungen gesellen bedörffien nicht ehe, dann sie 30jährig 
und die Jungfrauen 25 jähr alt würden, zu der ehe greiflFen, damit 



8S 2»jarig W, Ä, Sfi, 



— 36 — 

sie also stärckhere kinder zeugten*). Nun gibt man gänszhürdten 
und mehnbuben ^) zusammen, die machen meusz, und dieselben spietz- 
meusz, wie Dr. Sebastian Berneuszen^) sagt. Dann jung heurathen 
und zuetrinckhen macht inn Teutschlandt nicht alsz alt und starckh 
alsz unszere eitern gewesen worden. Der gasterey wahrens milt, 5 
richteten ihren zanckh nicht mit wortten sondern mit streichen ausz^), 
dann sie sagten, viel wortt treiben were weibisch. Hetten schlechte 
behauszung und dieselbe gemeiniglich uf einem bücheln oder ber- 
gen, damit wann wider ein sündtflusz kämme, sie alsz weniger er- 
trinckhen. Dahero wir sehen noch viel alter schlöszer, zerriszen la 
zargen*) und gebäw hin und her uf den bergen Teutschlandts 
liegen. Wiewol ettlich wollen, dieweil bürg oder schlöszer zu 
bawen niemandt dann denn edlen undt hohes standts vergunnth, 
haben dieselben zum anzaigen ihres hohen standts ihre Wohnungen 
auch vor andern in der höhe oder [uf] bergen wollen haben. Der 15^ 
alte Rudolph von Elterszhoven, ein vernünftiger edelmann, sagt, die 
alten edelleuth hetten geacht, darumb sie mit groszer schwehre und 
mühe ihre bürg undt schlöszer uflf die berge gehauen, es würde 
auch so schwehrlich sein zue gewinnen oder übern berg abzue- 
werflFen, so alle weg zehen stein einen berg abzuwerffen leichter 20 
dann ein stein uf den berg zu tragen zuginge. 

Teutschen sein von arth Jäger. 

Julius in commentariis sagt, der Teutschen wandel sey den 
mehren theil uf jagen®), wie wir auch noch sehen, dasz fürsten 
und herrn gefunden werdten, die also uf das gejäg verblendet, 2^ 
deme tag und nacht obliegen, ihre landtsachen sonsten an einen 
nagel henekhen, ihren armen damit die frucht verätzen, an der güllt 



1 alt H», Ä, Sf. I Nun — worden fehlt W, B. 2 haben und mehnb. Sfi. 3 Bren- 
eyien Sfl. 4 das die menschen nicht . . Sfi, 8 uff biibel H^, nff buheln B. 10 ser- 
rissen atta W, B, St*; zwischen StK 13 ettlich — - dann aus £r>, B; fehlt StK 14 zn 
ansaigang H>, B. Bei St^ itt der Satz tfertcorren. 15 mit H*, B, \ oder 8 <SVi ; hOhe onnd b. 
W, B, I Der — edelm. fehlt W, staU deuten: man. 20 stein nach W, sein St^. 21 so 
doch ain stein den berg uf schwerer dan 10 herab anwerfen W, so alweg ain itain w. », w, B. 
26 dess lands sachen B^, iret 1. s. B, St^. 27 armen nnderthonen W. | freteen H*^ B, St^^ 

^) Ähnlich Münstei'f aber ohne die hetttimmten Zahlangaben. — *) zum 
Viehtreiben verwendete Buben. — •) Seb. Brenneisen, (die Meiatheais eni für 

ren kommt auch sonst bei Haüischen Namen des gleichen Stammes vor^ e. B. 
Weinbemer für Weinbrenner) s. Herolt S. Ho. Er war der erste „Prediger^^ 

(Inhaber der neugestifteten Prädikatur) in Hall, von 1502 — 1513. — *) Münster 

S. 413. — *) Seitenmauern. — •) Aus Münster S. il4. 



— 37 — 

und diensten derhalb nit ein meiten'), zu erstatten, nacblaszen, 
landt undt leuth in gefährdte und landkrieg von eines hasen wegen 
dörflfen begeben, welche billich dem Nebucadonozer, der ein zeit 
lang seine wohnung bey den wilden thieren hette, grasz frasze, zue 
h vergleichen sein. 

Warumb Teutsche fayhl seien. 
Beginnt mit einem Satz aus M, 414, der etwas weiter ausye- 
spönnen wird. 

Altteutsch landtrecht. 
10 Ganz nach M. 482. 483. 

Straffe der dieb und rauber. 
Ganz nach M. 483. 484. 

Fruchtbarkeit Teutschlandts. 
Im allgemeinen nach M. 415. 416, doch mit manchen selb- 
15 stündigen Zusätzen, z. B. der Notiz am Schlüsse, dass zu Geislingen 
an der Fils die besten Leckerbissen gegessen werden. 

Glückhsradt der weit. 
Dieweil aber die weit nicht dann ein glückhradt *-') ist, inn 
hundert jähren ein könig ein hirdt und wiederumb ein hirtt ein 

20 könig, ein herr ein knecht undt ein knecht ein herr, ein einödte 
ein königreieh, ein königreich ein einödte, ein dorflF eine statt und 
eine statt ein dorfi wirdt, nichts bleiblichs uflF erdten, dann eines 
uf, dasz ander ab; dann wo vorzeithen grosze gewalt ist gewesen, 
die sein bey unszem zeithen andern ländem underworflFen •, da vor 

25 zeithen kein gewalt gewesen, da wirdt ietzo grosz gewallt gefunden. 
Es seind auch etwann gutte felder in waszersee verwendet, alsz 
Sodoma, dasz ist Pascopolis '), weydstatt, von wegen dasz die gegent 

1 meUen Jfi, Hf nichUit Sfi. 8 dOrff«]! aw« m, B; darff StK 4 bet grass geuen if', 
R, 80, 18 nichU R, S(i. 22 niohtt bl. aut W, R, Sfl; nicbt bleiblieh StK 23 geth 
nff HK I wo dan R. 26 Terwandelt HK R, Sfi. 27 Poieop. //>, R. | maidfUtt HK 

*) meit = minutia, nit ein meit, nequaquam aus einem Vokab. von 1618 
hei Schm. — *) Das Bild des Glücksrades war im Ausgang des Mittelalters 
beliebt und wurde von Dichtern und bildender Kunst reichlich verwendet, vgl. 
z. B. den Abschnitt, „Von Glückes ZufaW in Seb. Brants Narrenschiff und 
die plastische Darstellung an der Nordseite des Basler Münsters. — •) müsste 
Pascuopolis Geissen, ist freilich auch so noch übel genug gebildet. Die Aus- 
deutung der Städtenamen geht auf das Hebräische zurück und entspricht dem 
Stand der damaligen Etymologie. 



— 38 — 

dahrumb viel waydte undt viehezucht hette, alda ander gegendt 
ihren flaischmarekth wie Teutschen in Ungarn ihre ochszen sachten ; 
Gomorrha, dasz ist Forchtenbonrg, dann sie mit graben und manren 
wohl bevestiget, dasz diese statt ihren feinden forehtsamb ; Adama, 
dasz ist Lusthauszen, dann an diesem orth viel lusthäuszer und & 
gärtten waren, der gleichen arsach halber auch Segor, dasz ist See- 
ligenstatt, und die statt Seboim darüber, dasz viel pechböckh da- 
herumb wohnten, Pechhauszen genandt, welche 5 statte nun nichts 
dann stinckende laichen, von wegen ihrer Sünden dasz todte meer 
geheiszen, verwandelt worden. Dann hoffarth mag keinen obern la 
leiden, noch in gleichen ') leiden. Alsz die zwo statte Rom in Italia 
und Carthago in Africa fingen an zue einer zeit prächtig zu wer- 
den, brachten viel königreiche under sich, da möchte Rom nicht 
leiden, dasz Carthago ihr gleich were, darum dilliget Rom mit drey 
groszen kriegen Carthaginem gantz aus. Folgendt wurdt Rom anno 15 
domini 412 von den Gothen überwunden, beraubet, in drey tagen 
geplündert und verbrandt, dasz gegen ihrem ersten pracht kaumb 
ein schatten blieben. Davon schreibt st. Hieronimus also: Es ist 
zu erbarmen, dasz Rom letzt gefangen würdt, die vorhin die gantze 
weit gefangen hatte. Also auch hie mit Teutschlandt. Da sie frey 20 
wahren, zog die mänge, wie die geyem, an alle orth uf den raub, 
wie dann solches die alten historien bezeugen, dasz wenig krieg in 
allerley landen geweszen, die Teutschen haben mitgetzt, wie noch 
beschicht, nicht umb beschirmung vatterlandts, oder ausz herrnbott, 
sondern umb beuth, soldung und freyhen willen, nach kriegsarth 25 
zue üben. 

Da kam auch der Teutschen^) under andern ein meister^ 
nemblich Valerius Probus, Rom. kay.; gewann Underteutschlandt 
bisz am Neckher. Schreiben etliche, damit er solches möge be- 
halten, habe er viel bevestigte schlöszer am Neckher gebauet, wel- 30 



1 waidwerokh 8fi. | fichzug ß, yichsug Sfl. 4 Gomorrha und Adama fehft H^, Jt, 6 See- 
goU ffi, Bf Z gor Sfi, 7 Sftlgastatt U^, B; Sailg. Sfi, \ Seboim aus W, Geboim StK 
I darnmb B, Sft. | reichbockh H*, B, rhebockh Sfi. 8 Belohhaasen H^, B, Behauscen Si^. 
10 Wann W, 8fi. 11 obern nach im leiden inn gleichem Und J7i; obern nach im gleichen 
landen B, noch tm gl. leiden Sfi. 18 Das macht St^» T7 von ihrem HK 18 also 
anno 412 Hi, B; oben fehlt diese« Datum, 21 die mennig miteinander H^, B, 23 mit- 
geheecht H>, gehest B, SC^ (= mitgehetst, tca§ auch der Sinn der Texüescui), Das folgend» 
tat bei R^ in dtn kurzen Satz zummmengexogen : biss sie endlich von den BOmem überwunden^ 
wie Tomen . . . meidung geschieht. 27 der: den untsem Xr>, B; nndern Sfi. \ und. and. 
fehU JSr». 28 Val. Maximus Pr. W. 29 bis« — etl. fehlt W. 80 befcstigung, schl. Sft, 

*) Der über ihm, odei* ihm (eig, ihnen, den Hoffärtigen) gleich sei, — 
-) gen., abhängig von mcister: einer, der der Deutschen Meister wurde. 



— 39 — 

che ein theil eingefallen oder sonsten verendert, also dasz scblosz 
bey Heydelberg *), da ietzundt die kirch st. Miehaelisberg, dem abt 
zue Lorsz underworffen, so etwann ein clösterlein gewesen, stehet ; 
da noch heydnische gewölb gesehen werdten. In dieser kirehen 

5 bey der thür liegt ein grabstein, darauf wie nachfolget gehawen : 

Hatzec Rufridi poscens hie sepeliri, 
Predii equestri cessit huie domui. 
Zne teutsch summarie: Haintz Rnfried begehrt allhie begraben 
zn werden, hat ausz seinem reuterhansz dieszes gotteshansz ge- 

10 macht. Ich habe vom priore zu Schönaw *) gehört, dasz bey men- 
schengedachtnüsz dieszer grabstein erhoben, darunder ein todter 
unverwesener cörper in einem seiden kleidt mit einem abgehauenen 
haupt, so neben dem cörper in einem hohlen steinen sarch ligendt 
gefunden, und also dieszer sarch mit dem grabstein wider be- 

15 schloszen worden. 

Ladenburg. 
Dasz die Römer am Neckher gebaw gemacht, bezeugt der 
nähme desz stättleins Lattinburg, nun Ladenburg genantb^). Es 
liegen auch von Heydelberg bisz gen Neckhersulm bey 18 einge- 
20 fallene und etliche noch stehende schlöszer, davon etliche schreiben, 
dasz es nicht die Römer, sondern die Teutschen wider die Römer 
und Hunnen gebauet. Und alsz die Hunni den Teutschen solche 
gegendt angewonnen, haben sie viel weiber in der statt Cornelia 



1 welche ieUund JT». | als JT», Ä, Sß. 3 Lorss au« U , R, St»; Lorch StK 6 Bickfridi 
B^. H, 8i*; mmst fehUrhaft bei Sfl. 7 domoi au9 m, B; dornnm StK 8 Biokfrid W, B, Sti. 
10 loh — > erhob.: fehlt H*, statt deaten: Diser grabtt«in ist in knrta erhaben worden. 
ts oOrpel Sfi. I and einem W, 18 so — taroh fiMt ID ; einem — steinen fehlt Sfi. 
14 mit — grabit. fehlt HK 16 H^ hat den Aheehnitt eaehlich gleich, aber etüieUseh mit vielen 
Änderungen ; etaU Lattinbarg : Laimbnrg. 18 Lainbnrg £, beidemal Ladenb. 8ß, 28 folch ortt B, 

*) Das hier erwähnte Schloss ist ein Bömerbau, der auf dem nordwäriä 
von Heidelberg sich erhebenden Heiligenberg gestanden haben soll. Über die 
sowohl am Ftiss des Berges, an der Stätte des jet eigen Neuenheim, als auf 
seiner Höhe aufgefundenen römischen Beste siehe Korrespondenzblatt der Westd. 
Zeitschrift IV, 118; VII, 75; VIII, 35, 52. — Von den beiden Klöstern des 
Berges (der im Lorscher Codex stets als Abrinesberg oder Äbrahamsberg er- 
scheint) handelt Widman weiter unten bei den Klöstern (Abschnitt Allerheiligen- 
bergj etwas ausführlicher, dort bringt er auch die Grabinschrift vollständiger, 
weswegen für die Besprechung dieses unheilbaren Distichons und für sonstige 
Erklärungen dorthin verwiesen toird. — ') über dieses Kloster und den da- 
maligen Abt Sebastian, eu welchem Widman nähere persönliche Beziehungen 
hatte, 8. unten bei den Klöstern, Abschn. Schönau. — •) Nach Münster 1044: 
a latinis castris, das ist zu teutsch: der Lateinen bürg. Die ursprüngliche 
Namensform Lopodunum weist natürlich nach einer ganz andern Bichiung. 



- 40 — 

gemartert und gepeinigt, dahero Cornelia Weyppheim, ietzo Wimpfen, 
und dasz schlosz noch dabey liegendt, so sie den weibem ihre 
brüste abschnitten, Duttenburg genandt worden^). 

Geiszlersect. 
Alsz anno domini [1349] die sect der geiszier entstünde, 5 
Welschlandt und Franckreich durchzogen, kamens gen Wimpfen. 
Desz zue gedächtnüsz daselbst vor dem Speyerthor ein stein uff- 
gerichtet, darein gehawen: Anno domini [1349] secunda feria^) 
pentecostes fuerunt hie flagellatores. 

Wann Teutschlandt under die Römer kommen. 10 
Die Romer haben 21 jähr kriegt, wiewohl etliche schreiben 
210 jähr, bisz sie Teutschland zu sich gebracht, doch nicht wie 
andere völckem, sondern mit beding, gebung vieler freyheiten und 
jährlicher besoldung. 

Büchszen und feurschlosz erfunden. 15 

Anno 1380 soll das verzagte tirranisch mörderisch geschösz 
der büchszen in Teutschlandt, aber was orths oder durch wen, ist 
nicht gewies, erfunden sein. Etliche sagen, sub Wenceslao impera- 
tore, circa annum Christi 1400; der erste erfinder ausz eingebung 
desz teuflfels ein münch gewesen, habe Berchtolt geheiszen, welcher 20 
hernacher zue lohn vom teuffei in eine büchszen geladen und zum 
ersten auszgeschoszen und probirt worden. Dasz war sein ver- 
dienter lohn"*). 

Anno 1517 sein die künstlichen fewerschlosz, etliche sagen 
erstlichen zue Augspurg, etliche zue Nürnberg, etliche anderer or- 25 
then Teutschlandts erfunden wordten. 



4 Dieser Ahsehnitt fehlt R, W, 8fi. 5 [1849] : SO hat beidemal 1249. W geding W, H, Sft. 

18 Etliche — verdienter lohn fehlt Sfi. | ist nit gewiss dar von zu schreiben, wiewol ett- 
lich tagen von den mfinohen; das Folgende bi* lohn fehU HK Von wiewohl — lohn ftikU R, 

19 Nach der Jahrtahl 1400 hat St^ die Worte: vide Dreaeeri Hb, 1. rbet. elocidiois (/<«•.• elo- 
outionis) de onomatopoeia. IHtae» Citat kann nicht van Widman Mammen, da tr nit in m> ein- 
gehender Weise zu zitieren pflegt und da Dresaer, auf dessen rhetorioa hier verwiesen wird, 
erst 1536 geboren ist. 25 etliche — Teutschl. fehlt W. 

») Aus Münster S. 871, der das Wortspiel noch weiter führt (weybpein), 
übi'igens die Duttenburg nidU hat. — ») ^. Juni, — ') Zum Teil aus Münster 
*y. 713. 714. Bemerkenswert ist, dass, was Münster als eine Strafe hinstellt, 
die der Mönch verdient häUe (nämlich vom Teufel in eine Büchse gestossen 
und an einen Turm geschossen zu werden), von Widman als eine von andern 
gemeldete Tatsache berichtet wird. 



— 41 — 

Das dritte theyl. 

Von uff- und abgang etlicher teutschen königreich, fOrstenthumb 

und herrschaflften. 

Von Franckhen. 

5 Anno 157 vor der geburth Christi haben die Franckhen, noch 

heyden, den gebrauch des abgotts Molloch gehalten, ihre kindt und 
liebsten getöttet und mit yerbrennen ihren göttem geopfert, geachtet, 
dieweil Gott ein gefallen gehabt, dasz Abraham seinen söhn Isac 
ihme wolt opflfem, er würdte an solchen ihm willkühmopflFer auch 

10 ein gefallen haben. Solchen irrsaal hat Anthenor der 12. Fräncki- 
sche könig mit bewilligung seines obristen bischovs unndt priesters 
abgethan^). Dieszer gebrauch wird in dem königreich Molluckha 
in India noch gehalten. Dann ich habe bey herm Georgen von 
Wollmerszhauszen *) ritter — hoiimeister desz königreichs Valentia 

15 gewesen — kleidung, wie chormäntel und levithenröckh von klei- 
nen papageyfedem, schön gewoben, gesehen, der mir sagt, klei- 
dungen der priester zu Moluckha sein. Er zaigte mir auch ein 
bahr handtschuch gleicherweis von papageyen kleinen eingetragenen 
federlein gewoben mit blut besprengt, sampt einem meszerlein mit 

20 einer güldenen schallen und einem vergulden stehenden geschirrt 



5 „157" au* Trithemius, «. n. Anm. 1; 571 SV \ 67 H^, B. 6 hejden fehlt 8fi. 9 wild- 
khumopfer H^ ; wildkhuruopffer /iT, Sfl. 11 meiner obersten, byichoff und prister in Friess- 
land U\ R ebento, ohne in Fr. Sfi, lü Molaka W, R, Sfl; so auch nachher, IS Wann HK 
19 schon i?!. 19 gs weben gemacht W, R; gemelten federn klein eingeweben Sfi, \ b»- 
schmaisst H'. 20 stehenden aus W, R, 8fi; scheinden SO. 

') Diese Angaben stammen aus des Trithemius Compendiam . . . anna- 
liiini de oiigine rej^nra et gentis Francorum, ex Hunibaldo decerptum. (Foith, 
1072). Den Schriftsteller Hunibald hat Trithemius frei erfunden^ um mit 
diesem Namen seine eigenen dreisten Geschichtsfabdeien zu decken. Das Werk 
erschien lateinisch erstmals 1515, später wieder bei Ludewig^ Geschichtschreiber 
ron dem Bisehofftum Wirtsburg 6\ 1011 ff; in deutscher Übersetzung^ welche 
Widman gebraucht haben wird, zuerst 1522, dann uneder 1563, In letzterer 
Aufgabe findet sich die Stelle über Antenor S. 60 f, — ') Dessen Lebensbild 
von Bossert s, W, Vjh, 1681, 56 ff. Er war nach seiner Bückkefir von 
Spanien markgräflicher Ämtmann des Amtes Werdeck OA. Gerabronn von 
1Ö27 — 1529 und starb in letzterem Jahr. Unter seinen „Kostbarkeiten^* werden 
(l. l,) auch Binden aus Papageifedem erwähnt^ aber als aus Yucatan Slam* 
mend. Näheres über ihn unten in den Hauer Annalen, in dem mit seinem 
Namen überschriebenen Abschnitt, — •) Schale und Geschirr büden wohl mit- 
einander Eine Gerätschaß, nämlich das unten genannte „Rauchfass^*, Das 
„stehende Geschirr** ist somit der kostbare vergoldete Fuss, der die Schale trägt. 



— 42 — 

zue einem tbimia zue brennen^) gemacht, sagende, so in Mollucha 
ein groszer herr seinen söhn Gott, wie sie achten — etliche schrei- 
ben dem daemon — , wolle opfern, führen sie den söhn oder kindt in 
ihren tempel, antwortten ihrem priester sampt seinen zweyen mini- 
stranten in erzehlten papageikleidungen angethan ; nehmen die zwey & 
ministranten dasz kindt, stechen ihme die kehle ab, schneiden den 
leib auf; so greiftt der priester mit dem angethanen handtschuch 
im leib, lediget mit erzehltem guldinen meszerlein dem kindt sein 
hertz, legts in bemelt gülden rauchfasz mit brennenden kohlen, mit 
viel wohlrichendem gummi uf den altar, mit etlichen lobgesang ver- lo 
brennendte ; voUgendt verbrennen die ministri desz kindts leib auch 
mit vielen wohlrichenden aromatis. Solches geschieht in beysein 
desz kindts vatter und mutter sampt andern vielen volckh, die ihnen 
zu ehren da sein, mit unerschröcklichen hertzen zusehen, achten 
damit einen besondern gefälligen gottesdienst zu vollbringen, damit 15 
dasz gantze landt desto mehr gläckh habe, darzue sey dasz ge- 
opfferte kindt der ewigen seeligkeit gewies. Solche opflferung voll- 
bringen auch nicht dasz gemeine volckh, sondern grosze herm und 
regenthen. Ich habe auch dergleichen meszerlein undt rauchfasz 
zue Augspurg bey einem kauffherm gesehen. 20 

Die folgenden Angaben über die Sikambern, die Könige Fnrn- 
kus, RoteruSy Richimer, Markomer, Ililderich u, s, u\ stammen wie- 
der teils aus Pseudohunibald-Trithemius, — wie denn Widman hier 
den Hunibald ausdrücklich als seinen Gewährsmann nennt —, teils 
aus einer andern gleich wertlosen Quelle. Den Schluss des Abschnitts 25 
bilden kurze Nachrichten über Kilians und Totnants Märtyrertod 
und über die Verleihung des Herzogtums Franken an den Würz- 
burger Bischof. — Auch diese Stücke stammen der Hauptsache nach 
aus Trithemius. 

Von Thüringen. 30 

Ganz aus Münster Kosmogr, 998, 999. 

Von Bayrn. 
Aus Münster 590 wid 612. 



1 U&imia aus JET», B, Sfi (timia m br.) ; thinci» xue bimi Ä«. 8 daemon aus W, H; Bae- 
mOD Sti. 5 daidung IH ; papigeyfedernclaidung R, Sß. S in Si». 14 unertchrocke- 
nem W, St»; unerachrookhenlichem B. 16 »!• mehr H«, B. 18 rerbringen R, 

V Thymian (an)|ita|ia) hier in allgemeiner Bedeutung = Räuchenrerk, 
daher der Artikel; „um ein Räucherwerk darauf anzuzünden''. 



— 43 — 

Vom pfaltzgraffen zue Scheurn. 
Alles — vielleicht mit Ausnahme der letzten Notiz über Herzog 
Ottos von Bayern Heirat — aus Münster 912 — 914. 

Von Sachszen. 
5 Aus M, 1023. 1028. 1030 f. Einzelnes aus andeim Quellen. 

Von Burgundt. 
Aus M, 159. 161. — Unter diesem Titel finden sich auch einige 
ebenfalls aus Münster stammende Angaben über die Landgrafschaft 
Hessen. 
10 VonBöhem. 

Nach M. 1155. 1157. 

Von Pommern. 
Im allgemeinen nach M. 1125. 

Von Preuszen. 
15 Im allgemeinen aus M. 1138. 

Vom hertzogthumb Zeringen. 
Anfang aus M. 796, das Folgende aus der „Bayrischen Chro^ 
nik*^f Schluss aus M. 799. 

Von Osterreich. 
20 Ans M. 983. 984 und der Bayrischen Chronik. 

Von Kährilten. 
Aus M. 979 und 980. 

Graven von Habspurg, Braunschweig und Lünnenburg. 
Gapiz aus M. 984. 985. 1032. 1033. 

25 Vom herzogthumb Württemberg. 

Die Angaben dieses etwas ausführlicheren Abschnittes sind ge- 
nommen aus M. 859. 862. 863 und aus andern Quellen. — Weiter 
angereiht sind hier kurze Notizen über die Grafschaften Löwenstein^ 
Pfirdt, Geldern, Jülich, Mecklenburg, Mömpelgard, Kleve, unermittelten 

30 Ursprungs, sowie über das Herzogtum „ Weck, jetzt Teck", aus^ 
Münster 865. 



— 44 — 

Das vierdte theyl dieser chronic, 

von etlichen kriegen ausz« und innländischer völcker, so inngemein 

und innsonderheit In Teutschlandt geübt wordten. 

Krieg zwischen Diettrichen unndt Theobertum. 
Einzelne Züge anscheinend aus Tnthemius Chronik vom Ur- 5 
Sprung der Franken (s. o., bei Ludewig, Geschichtschreiber S. 1036). 
Die Hauptsache weder aus dieser Quelle noch ans Münster. 

Attila zurstörte Metz und Tryer. 
Genau, aber abkürzend, nach Münster 198, 199, 

Die Wenden zurstöhrn Maintz, Metz unnd anders. 10 
Genau nach M, 199, 

Uffgeläuff zwischen dem bischoff und statt Colin. 
Genau und ausführlich nach M. 729. 

Hertzog Rudolphen von Osterreich ward vergeben. 
Genau nach M. 987. 15 

Von Schweitzerischen kriegen. 
Verarbeitung der bei Münster 534. 535. 538. 539. 548 und 549 
sich findenden Erzählungen. 

Hertzogthumb Limpurg stirbt ab. 
Aus M. 730. 20 

Vratislaus könig in Ungarn ward geschlagen. 
Viele Einzelheiten vielleicht aus M. 1219. 1246. 1264 f. Da- 
neben aber wohl noch eine andre Quelle. 

Amurates ein Machomethischer münch. 
Andre Quelle als M. 25 

Rechberger im stättkrieg angrieffen. 
Kurze Notiz über den Rechbergern von den Hallern und Gmün- 
dern im J. 1449 verbrannte Burgen; aus andrer Quelle als M. 

Graffschafft Lützelstein wardt gewonnen 

in der Pfaltz. 30 

Au^ Münster 684. 



— 45 — 

Maintz wirdt eingenommen vonn Naszaw. 

Die zum Jahr 1461 gehörige Geschichte selbst stammt aus 

M. 714. 715; Widmans Eigentum ist ein zur Veranschaulichung der 

Mainzer Belagerung eingeflochtener Zug, den der Chronist von einem 

5 reisigen Knecht des Ritters Georg von Vellberg hat erzählen hören. 

Die armen geckhen. 
Kurze Notiz über die Ännagnaken aus M. 614 f. 

Lütticb wirdt gewonnen von Bnrgnndt. 
Ganz nach M. 201. 

10 Sunckhaw wirdt dem hertzog von Burgundt versetzt. 
Aus M. 622 — 625y mit starker Kürzung. 

Hertzog von Veldentz. — Armscheim, Strollburg, 

Schriesen wnrdt geschlaifft. 

Mit Ausnahme eines unbedeutenden Beisatzes ganz aus M. 907. 

15 Hertzog von Burgundt last 500 henckhen. 

Nach M. 201 und 202. 

Hertzog von Burgundt gewinnt Gransen. 
Ganz aus M. 628. 

Item wird von den Schweitzern erschlagen. 
20 Der Hauptsache nach wohl aus M. 630. 

Vermeinter hertzog von Burgundt zu Brüchszeil. 
Der Hauptsache nach aus M. 203. 204. 

Niederlag der dreyen fürsten bey Seckenheimb, 
Württenberg, Baaden, bischoff zu Metz. 

25 Ganz aus M. 905 — 907, unter bedeutender Kürzung. 

Schweitzerkrieg, Schwaderloch. 

Der schon oben, Teil I, im Abschnitt „Schweifzerkrieg^* ein- 
gehender bespt'ochene Feldzug von 1499 wird hier in zwei kurzen 
Sätzen abgemacht 



— 46 — 

Stritt zwischen statt Wormbs und clerisey daselbst. 

Anno domini 1500 im Jubeljahr understunden die von Wormbs 
ihrer clerysey etlich ihrer freyheit, weinschenckhens und anderer 
sach halber einzuzihen. Perohalben alle stifft zue Wormbs ausz 
der statt zogen, zween gen Ladenburg, zween gen Oppenheimb, 5 
einer gen Pfederszheimb. Die prister so darinnen blieben, wurden 
vom pabst gebanneth. Die prister waren etliche jähr ausz der statt, 
ihr bischoff war einer von Thalberg ^), ein hochgelehrt: geschickter 
mann. Zuletzt ward die sach durch könig Maximilians commissa- 
rios unnd pfaltzgraff Philippszen durch einn güettlichen Spruch — 10 
mit diesen wortten: non secundum strictum scriptum iuris, servata 
tamen aequitate — vertragen^. 

Nürnberger kirchweyh. 

Anno domini 1502 begab sich ein stritt zwischen marggraff 
Fridrich zue Anspach und denen von Nürnberg von wegen eines 15 
kirchweyplatzes, eines dorflfs bey Nürnberg ligendt. Marggraff Fried- 
richs söhn Caszimir bewarb sich mit einem grosen raiszigen zeuch, 
versteckthe sie im Nümbergerwaldt. Die von Nürnberg übersahen 
^ie schantz^), dasz ihrer viel umbkamen, bey 1000 erschlagen wur- 
den, wie man sagte*). 20 

Hohenkreh wirdt verbrennt. 

Anno salutis 1512 umb marthini zog der Schwäbische bundt 
für das raubschlosz Hohenkreh, schoszens in 4 tagen. Dasz schlosz 
Avard ufgeben und verbrenn th *). 



1 Der Ahtchn. fehlt H\ li. 8 Thalberg aus 8fi; Tholberg StK 18 ß, W, 8fi haben das 
Stück in der auaführlicheren Herolisehen Fasaung, 15 Onspaob W, H; Onoltsbaoh 8fi, 
16 einer kircbwey balben /?>; der jariidlotion ainer kirobwej B, 17 sich eines . . . 
xeugt Sfi. 18 lioh Sfi, 23 Hobenkreh aue der ÜbertehHft und W, Hobenkel StK In H^ 
ist der Abschnitt ausführlicher. 

') Nach Munster 706 Johann von Dalberg. — *) Aus Münster 705 könnte 
nur weniges entnofnmen sein, für die Hauptsache muss Widman eine ergiebigere 
(Quelle benutzt haben. — «) Die Schanz (chance): Wurf im Spiel, Glücksfall, 
Vorteil; „sie versäunUen ihren Vorteil'*. — *) Der Abschnitt stammt der Haupt- 
sache nach aus M, 934, einige Zusätze vielleicht anderswoher. — *) Hohen-- 
krähen, Bergkuppe mit Burg im Hegau, nördlich vom badischen Flecken Singen. 
— Der kleine Abschnitt stammt aus Münster 792. Genaueres, samt reichlichen 
Literaturangaben, s. Stalin 4, 69. 



— 47 — 

Bayrische befedung. 

Der oben S. 25 unter dem Titel Bayrischer Landkrieg ein- 
gehender vorgeführte Erbfolgekrieg von 1504 wird hier mit einigen 
kurzen Sätzen, zum Teil wohl unt^r Benutzung von Münster 907, 
ö rekapituliert. 

Kerchner Strausen fedung. 

Anno domini 1515 befedet ein kerchner die vonn Schwäbi- 
schen Hall, thetten ihn etlich schaden mit brennen, schlagen den 
Hällischen fuhrlenthen uf der gaszen den wein ans, wnrd zue letzt 
10 von den von Hall zue Prettach bey der Neüenstatt am Kocher 
nidergeworfien und zu bemelter Neüenstatt enthauptet^). 

Frantz von Sickhingens befedung. 

Anno domini 1515 befedet Frantz von Sickhingen die von 
Wormbs, volgendts den landtgraffen von Heszen, item die von 

15 Metz etc. Thet ihnen mercklichen schaden. Diese alle musten 
sich mit ihme vertragen. Schlug sich ein groszer adel und wer 
anspruch hett, zue ihm, hielt prächtigen hoff zue Landtstall ^. Anno 
1518 alsz kayszer Maximilian starb, hielte er ein gespräch mit viel 
teutschen adels zu Landau^). In summa er war nicht geringer 

20 dann der fumehmbsten fürsten einer geachtet. Deszen er vielleicht 
sich überhueb, befedet den churfürsten von Tryer, nahm dasz stätt- 
lein zue st. Wendel genandt ein. Desz nahm sich pfaltzgraff Lud- 
wieg und landtgr. Phillips zue Heszen desz churfürsten zue Tryer 
an, dann sie miteinander in bindnusz waren. Also grief Frantz 

25 Pfaltz ahn. Da war all sein glückh aus ; dann ernannte drey für- 
sten überzogen Franzen unnd seine helffer, eroberten Cronberg, 

7 kenhner aua dtr Cher»ehrift von 8tK Im Text hat <SK> aus Mi»9r€rttand klrohner. — ein 

Terdorb«Der kftroher 8fi. 8 th«t 8fi, 9 Strassen den ressern die bOden euss S<*. 

\ 11 B und 8fi gthen di4 Erzählung autfOhHieher om HtroU. 27 sue — 1618 fehlt W, B, Sfi. 

23 PhU. fehlt Hi, R, | desz — Tryer fehlt W, steht R, St^. S4 wan W, R, Sfi, \ im 
band HK 

Näheres darüber e. Heroli S. 179 ff. und Bessert, W. Vjh. 1886, 96 ff. 
— *) Ä Landstuhlf Stadt und Burg westl. von Kaiserslautem. — •) Da Maxi- 
milian am 12. Jan. 1619 starb, so ist die Jahrzahl dementsprechend zu be* 
Hchtigen. — Das zu Landau mit Vertretern des deutschen Adels gehaltene Oe» 
sprach muss wohl im Zusammenhang stehen mit der kriegerischen Tätigkeit, die 
Siehingen 1619 entfaltete, da er im Auftrag König Karls ein grösseres Heer 
aufstellte und es von Vaihingen und Maulbronn in die Nähe Frankfurts führte^ 
um auf die dort zur Wahl versamfnelten Kurfürsten einen Druck zu üben, 
Stalin 4, 186. 



— 48 — 

Mermelstain, Warttenburg, Trachenfelsz etc.^). Frantz wurdte zue 
Nannstall*) betretten in der wochen exaudi a*' 1523^). Alsz die 
drey fürsten bey 8 tagen in diszes schlosz schoszen, traflf Frantzen 
ein sprieszel von einem balcken, dasz ihme dasz eingewaidt Ver- 
sehrte, Nanstall ufgab, am andern tagh starb. 5 

Bayrische*) empöhrung. 

Anno domini 1525 erhueb sich underm schein desz evange- 
lions im Teutschlanndt die grose bayrische emppöhrung, welche 
den gaistlichen und denn adel übel hausten. Es gerewete ihnen 
übel, dann der Schwab, bundt erschlug, enthauptet unnd henckthe lo 
ihrer durch Germanien bey zweymahlhundert tausent. Die ärtz- 
knappen und bauren von Saltzburg wurden vom Schwäbischen 
bundt am letzten geschlagen. Der bischoflf zue Saltzburg hett einen 
diener, war gelehrt, genandt der Gayszmayer*), der schlug sich zu 
den aufrührischen bauren, wardt ihr hauptmann, liesz ihme machen i& 
ein schlangenbüchszen ausz holtz mit eyszem raiffen gebunden, be- 
sackthe sich bey blünderung der clöster mit viel goldt und sielber- 
geschmeidt, liesz die bäum in der herrin®) steckhen, zog mit gro- 
szem gutt davon über dasz Saltzburgische gebürg in Welschlandt. 

In solcher ufruhr haben die Ottenwäldische bauren die statt 20 
Weinsperg eingenohmmen, dasz schlosz verbrent, graflf Ludwieg von 
Helffenstain, ambtman daselbst, sambt 80 adel: unnd raiszigen 
knechten am ostertag vor Weinsperg uf einem ackher durch die 
spiesz gejagt und in der statt ermordet. Herr Georg Truchszes 



1 Marmelitain W, Sfi. | Truchtofeldt W, B. 2 NonttsUU H^; NoDstol S. 4 tpreiezel 
Hf, B, 8fi. 5 Nanttstall H^; Nanstol B. 6 Sfi gibt hier eine kürzere, wie es eehetni am« 
Uerolt auageaogene Darstellung, mit wenig Anklängen an Widman. 8 statt die gr. b. : aiu 
unerhörte B. 9 den rom B. | gienng ü^. 11 ob B. 12 umb B. 15 Hess — gebnnd 
fehlt B. 18 herren B. 22 Tom adel B. 

^) Cronberg nordwestlich von Frankfurt a. 3f., MarmeUtein? Warten- 
bürg = (?) Wartenstein, Schloss in dem in das Nahethal bei Kirn einmündenden 
Hanenbachthal ; Drachenfels zwischen Kaiserslautem und Neustadt, — •) Die 
Form Nanstail für Landstuhl kommt auch bei Münster S, 682 und bei Lorenz 
Fries, Ludewig, Wirzburg. Geschichtschreiber S, 870 vor, — •) Die Woche (vor) 
Exaudi U2S ist lO.—lß, Mai; in Wirklichkeit fäüt Sickingens Verwundung 
auf 2, Mai, die Übergabe 6,, der Tod 8. Mai 1623. — *) Fränkische Aus- 
sprache für bäurische. — *) Über Gaismaier s, auch Herolts Chronik 8, 242 
und Baumann, Quellen, Oberschw. S. 270. 274; von neueren Darstellungen 
Egelhaaf, Deutsche Gesch, im 16. Jahrh. I, 627 f, — •) Die Harr oder Rärr 
= Erwartung, Verzögerung Schm. ; so e, B. auch in einem Schreiben der ev. 
Fürsten an K. Ferdinand 1534 bei Hegd, Ulrich 2, 450. 



— 49 — 

des Schwäbischen bundtes hanptmann hat volgendts Weinsperg ge- 
blfindert und in boden verbrandt. 

Vormahlsz anno domini 1 140 ist Weinsperg die statt in mehrer 
grösze dann der zeit eine reichsstatt gewesen, darinnen viel edle 

5 wohnten. Dieweillen aber diese innwohner den Wölflfen wider kay. 
Conradt den dritten Schwefus ^) genandt behülflich warn, hatt kay- 
szer Conradt Weinsperg belagert, eroberth, die man^) darinn ge- 
fangen, doch edlen weibern darinn uf ihr bitten laszen hinzihen, 
sampt so viel ihr iede, dasz so zue ihrem leib gehörig, mit ihr änsz 

10 der statt zue tragen erlaubt und gesichert, vermeinendt, sie wurden 
ihre clainodyen mit tragen. Aber, wie Charion schreibt^), haben 
die edlen weiber ihre kinder, oder, wie Joh. Nauclerus*), ein probst 
zu Thübingen sagt, eine iede under ihnen einen edelmann uf den 
ruckhen aus der statt getragen und ihr clainodien liegen laszen. 

15 Ich habe gelesen in einem alten sahlbuch der herm zue Weinsperg, 
dasz diese edle weiber ihre männer uf ihren ruckhen und ihre 
kinder uf ihren armen sollen ausz der statt getragen haben undt 
gesagt, dasz ihre mann zue ihren leibem mehr dann ihre clainodt 
gehorten. Welches dann kay. Conradten so wohl gefallen, dasz er 

20 den weibern auch sonsten was von clainoth und klaidem zue ihrem 
leib gehörig hat laszen volgen, doch die statt Weinsperg zurstöhrt; 
volgendts bey kay. Fridrich dem ersten widerumb gebauet, doch 
kleiner eingezogen wordten*). 

Unnd dieweil sich der ufrührische hauff desz Franckenlandts 

25 zue Rottenburg an der Tauber anfänglich erhebt, von welcher Adam 
von Tungen beschädiget worden, ist er anno 1526 in bemeldt: 
Rottenburger landtwehr gezogen, darinn mit branndt nicht wenig 
schaden gethan^). 



3 ia h. fehlt R. 4 nnd »in R, 5 Welffea H^, R. 6 Schweftai aus tfi; sueug 8t\ 
I warn am9 H^, Rf war 80. 8 dooh den W, R, 80, 11 clainoter IH, R; klelder oder 
kleinother 8fi. | wie — tobr. fehlt W, 8fi; steht R. IS oder — edelm. fehU W, R. 
15 Aber im saalbnoh . . . steht HK Iß and — eollen fehlt W, R, St^. 31 erlaubt 
hinanassntragon f. 33 iit lolohe JSH. 3S vil clainer, dan sie Tor gewesen HK — Bei 
8(^ M der Eingang des Abschnitte hier an den Sehluss gezogen, 34 hauff der banm im . . R. 

*) = Suevus. — *) Die Mannsleute, — •) Carions Chronica Augsburg 
16B2 (deutsch) Bl, 106: alle kinder. — *) Naucleri chronica, Coloniae 1544, 
fol. 750 (maritos suos quotquot potuerunt). Naukler bezieht sich für seine 
Angabe auf Trithemius, — •) S, Stalin 2, 71 Anm. 2: darnach stützt sich die 
Sage einzig auf die Chronica Pantaleonis 1220—1250. Neuestens wird die 
Geschichtlichkeit der Erzählung mit beachtenswerten Gründen verteidigt von 
Weller, WüHt. VierUljahrsh, 1903 S. 95 ff, — •) S. Herolts Chronik S. 198, 
246. 248, 351, 

Württ. Geschieh tßqa eilen VI. 4 



— 50 — 

Barbon stürmbte Rohm. 

Anno domini 1527 hat der hertzog von Borbon mit kayszer 
Carl! desz fänfiten kriegsvolckh, dasz dazumahl in Italia wider den 
Franzosen lagh, ohne bevelch kay. may. für Rohm genicketh, die 
sich nichts arges gegen ihme versehen, den starmb angeloffen, Rohm 5 
erobert, geblündert, tyrannisch gehandelt. Barbon hat an solchem 
sturmb sein lohn empfangen und ist erschoszen worden. Babst 
wardt im schlosz st. Angeli belagert, muste sich von landtsknechten 
auszkauffen. Kayszer Carll hat sich in diesem lerman wohl ge- 
halten, sein kriegsvolckh ausz Rohm geschafft, Rohm befriedet. 10 
Wer aber darunder erstochen und sonsten von frauen und Jung- 
frauen geschändet worden, hat ihme den schaden müszen haben. 

Türckh belagert Wien. 

Anno domini 1529 belagerte der Türckische kay. Solimo 
aigener perschon die statt Wien in Osterreich, lieffe offt den sturmb 15 
ahn; ist doch durch pfaltzgr. Phillippsen, obristen hauptman in 
Wien, vor den Türckhen ufgehalten worden ^). In solchem jähr 
erfrohre der wein im herbst, wardt so ärmblich, dasz man ihn ausz- 
schüttet, unnd Türckhenwein genandt wurdte. 

Zwingling^. schlacht. 20 

Anno 1530 alsz die Zwinglisch gesellschafft dasz sacrament 
leibes und bluttes Christi berührendt durch Andream Carllstatt erst- 
lich zue Wittenberg angefangen, zue Zürch grünnet, haben die von 
Zürch sampt ihren consorten sich understanden, denen von Zug, 
Uri, Schweitz, Underwalden und Luccem die straszen zu verlegen^), 25 
dardurch vermeinende sie zu tringen, dasz sie ihrer Zwinglischen 
sect musten anhängig sein. Also haben emanthe 5 orth ausz noth 
sich in gegenwehr begeben, sie alsz der kleine hauff die von Zürch 
alsz den groszen hauffen der 7 orth in Schweitz am ll***" 8bri ge- 
schlagen, darunder im ersten gliedt Zwinglin mit seine praedicanteu 30 
zu grundt ging sampt 5000, die auf seiner seithen erschlagen seindt 
worden. 



'J Burbon S<2. 9 in der sacb Sfi. 33 H^ gitbt diesen Abschnitt kurzer und attdern, in 
evangeliiichem Sinne. 

') Dieser Kriegszug wird unten in den allgemeinen Annalen etwas genauer 
beschrieben. — ^) g mit Abkürzungszeichen, also = Zwinglingische Schi, — 
•) Diese Proviantsperre wurde am 15, Mai 1531 (nicht 1530) beschlossen. 



— 51 — 

Costantz wardt eingenohmen. 

AIlsz anno domini 1548 kay. Carll der fänffite uf dem reichs- 
tagh zne Aogspurg dasz Interim publicirt, wolltens die von Con- 
stanz nicht annehmen^). Demnach umb Lanrentii überfiellen desz 

:b kayszers Hiespann, kriegsvölckher, so ein thail zne Schwäbischen 
Hall undt Wnrttenbei^er landt dazumahl lagen, nnversehentlieh an 
einem morgen sontags früe die statt Costantz, erstiegen die vorstatt, 
wardt in 3 standen geblündert, zum theil verbrandt*). Dieweil 
aber dasz geschrey war, kay. may. wolte mit einem gewalltigen 

10 häuften für Costantz zihen, wolten sie solcher schlappen nicht er- 
warthen, übergaben die statt könig Ferdinando : also packthen sich 
etliche ihrer praedicanten und kay. may. rebellen in Schweitz. 



Das fUnffte theyl, 
von erbaw: und Veränderung ettlicher fUretentliunib, statt undt 
15 fleckhen Teutschlandtes. 

Speyer. 

Speyer, eine alte heydnische statt, alda auch Julius Caesar 
etliche zeith gewohnet. In welcher etliche heidtnische tempel ge- 
standen, die durch den Fränckhischen könig Thogobertum zue 

20 christlichen kirchen gemacht worden, alsz st. Gennanns stifft, ist 
etwann ein tempel desz teutschen abgotts Mercurii, item zue st. Gwido 
templum Veneris gewesen, und hinderm dommstiefft bey der 
scholasterey templum Dianae gestanden. Die ällte dieszer statt er- 
scheinet auch ausz folgendem epithaphio zue Speyer bey einer 

25 pforthen eingemaurth also lautendt : 

DM- CONST ANTINO • VALENTINO ET LVNAE MATRI • 
CONSTANTINVS • MAXIMVS FC- 



5 lo ein tbsil auM W; dsss 8t^. 7 vortutt nu H^. 12 aioh die uffraritohen predioanten 
unnd ir mnhenger aniz CotteoU If'. | Jn ff> itt tUr AbtehniU mehrfach verkürzt und ver- 
ändert. 19 Dagob. Sfi. 2fl hioder dem alten 8fi. 

^) Die Stadt hatte sich nicht nur gegen das Interim^ sondern vorher 
schon gegen Einlassung eines kaiserlichen Hauptmanns gesperrt (EgeUiaaf 
II, 616), — *) „ Um Laur,'* soll wohl, da Laureniius (10. Aug.) 1548 an einem 
Freitag war, nur eine ungrfähre Bezeichnung sein. Der vorangehende Sonntag 
wäre somit der 5. Aug. ; nach Egelhaaf o. a. 0. fand die Einnahme der Sta^ 
<tm 6. Aug. statt. — Die 3Ö00 Spanier standen unter dem Befehl des Alfonso 
de Vives. 



— 52 — 

zue teutsch: 

Diis maximis, den groszen gotten, Constantino, Vallentino 
und Lnnae der mutter hat der grosze Constantinus diesz gemacht 
werden verordnet. 

Diesze statt hat etwann Nemeta geheisen, aber zu den zeithen 5 
ihres bischoflfs Rudingers — ein Speyrischer patricius, von dem 
geschlecht der Hutzelman^) gebohren — ihren ersten nahmen ver- 
laszen und von dem durchflieszenden bach Speyer genanth worden -). 

Elsaszzabern. 

Julius Caesar soll EUsaszzabem gebaueth haben. Hat so viel lo 
thürm umb die stattmauer allsz wochen im jähr sein, und alleweeg 
zwischen zweyen thürmen sieben zinnen. Also hat die gantze maur 
so viel zinnen alsz tage im jähr, nemblich 365 tag^). 

Seeligengast. 
Anno domini 25 bawete Soligast die statt Seligengast*). 15. 

München wardt gebaueth. 

Anno Christi [862] zue den zeithen kay. Otten desz [ersten] 
ist die statt München durch hertzog Heinrich von Braunschweig und 
Baym zu bawen angefangen worden*). 

Hayllbronn. 20 

Anno domini 1083 ungefährlich ist Heyllbronn umbmaurth und 
zue einer statt gemacht worden^). 

Von der statt Schwäbischen Hall. 

Von meinem vatterlandt der löbl. reichsstatt Schwäbischen Hall 
zue schreiben nach langer erforschung und gehabter mühe, hab ich 25 



4 diix gemacht nffgericbt verordnet B. 8 durohfluas oder bach R. 22 an der siattm. 
R, Sfl. 13 nembl. etc. fehlt B, Sft, 15 Saligaet, naehher Saligenstatt B. 27 [868] : 
963 StK I [ersten] : dritten Sti. 25 and fehlt IH, B, 

') Bei Münster S. 696 heisst der Bischof „Riigkerus, von der Hute^ 
manner Geschlecht^ und regiert von 1075 an. — *) Der Abschnitt stammt tum 
Teil aus M. 695 f, — ') Aus M. 675. — *) Seligenstadt, im hessischen Kreis 
Offenbach, östl. von Frankfurt a. 3f. .* die Form -gast soll die Beziehung auf 
den angebliehen Gründer zum Ausdruck bringen. — •) Nach M. 929; die fal- 
schen Angaben der Handschrift sind nach Münster richtiggestelU, — •) Nach 
M. 864, wo die Jahr zahl aber 1085 lautet. 



— 53 — 

keine ganntz vollkommene gewieszheit mögen erfahren, von weme 
4iesze statt erstlich oder wann sie gebawen, wie oder zue welcher 
zeith ander dasz Römische reich kommen. Dann Hall zwo merckh- 
liche brnnsten erlietten, in welchen solch: nnd andere alte annalia 

^ zu grunndt mögen gangen sein, sonderlich anno domini 1376, da 
die statt Hall gar nahendt gantz abgebronnen ist. Der angenschein 
aber gibt, dasz *) vor 6 oder 700 jähren, ehe Hall erbaueth worden, 
bey und umb Hall ein rauh, unheimblich, wäldig orth gewesen, 
und da ietzundt der saltzbrunnen, die suhl genandt, und dasz saltz- 

10 werckh steht, eine wäldige klingen, darinn eine herbe stinckendte 
laichen gestanden, zu welcher dasz gewildt geloffen, daran geleckth 
und seine wohnung gehabt. Durch welches gewildt diese gottesgab 
desz saltzbrunnens den menschen eröffnet worden sein soll — tamen 
opinio vulgi*). 

15 Dieszes saltzbronnens, dieweil solche saltzlach und clinge in 

der graffschaffit desz Kochengawes soll gelegen sein, welche im 
büchlein etlicher donation des closter Murrhardts die graffen des 
Sehöngawes — der Roszengarth ^) nun genandt — werdten, sich 
underfangen. Ich habe gesehen einen brieff mit kayszer Carll desz 

1 ToUk. fehlt Hi, R; gannts t. fehlt Stf. | gewieish. in ichrifften ifS. 3 wann H*, U^, 
H^, B, St*. 6 BonderUoh — iit fehlt 80. 6 Nach abgebronnen ist: loh hab aber Ton 
ettlicben uhraltten dee adele und glaubwürdigen personen, welohe eie, ihr retter und alt- 
vetter bies in 200 Jam in und umb Hall gewohntt nnd gedaoht, welche mir getagtt, das 
■ie gehörtt, anoh der augeniohein . . . 2f . 7 vor rilen Jaran Wf Tor — Jahren fehlt H^; 
-6 oder fehlt 8fi. 8 art /f', 1/», B, 8ii. 10 wildige Ä». U lach -ff«, Hi, Ä«, B, 8i^. 
12 alda geh. if«, Sfi. 18 statt diese g. des* : der ealtsbr. ffi. | Umen — Tulgi fehU W, 
a*f B*, B, 8fl. 18 SohOnjc^Twee HK 19 Der gatme Sats Diesses — underf. freier in A«, B ; 
k-ürzer in Ä*. 

') Die folgenden Sätze bis sein soll finden sich ungefähr ebenso bei 
Herolt 36; wem die Priorität gebührt, ist unsicher, — ») Die Frage nach dem 
Ursprung von Schwäbisch - Hall ist zuerst von Bauer, TT. FV. 1852, 48 ff, mit 
schaff er er Kritik angefasst und mit bestimmter Behauptung erst mittelalterlicher 
Entstehung und entschiedener Ablehnung alles Römischen beantwortet worden. 
Neuerdings ist sie von Weiler in seiner eindringenden und verdienstvollen ^An^ 
mecUungsgeschichte des Württ, Frankens"", W, Vjh. 1894, 1—93, und von Gmelin 
411 seiner HäUischen Geschichte 188 ff, einer wiederholten Prüfung untet' zogen, 
wobei der letztere den schon vom Chronisten vertretenen Standpunkt Bauers 
JtsthäU, während Weiler, hauptsächlich auf alte Strassenzüge sich stützend, zu 
der Überzeugung gelangt, dass auf der Stätte von Hall schon zu römischer ja 
i)ftrrömiseher Zeit eine wichtige Ansiedlung bestanden habe und Salzsiederei 
betrieben worden sei. — Doch reichen seine Argumente nicht weiter, als die 
Möglichkeit einer so frühen Ansiedlung darzutun ; solange nicht die geringsten 
römischen Überreste in Hall und Umgebung aufgefunden sind, fehlt viel, um 
diese Möglichkeit auch nur zur Wahrscheinlichkeit zu erheben. — ') Der Bösen- 
(farten: die Michelfelder Ebene südwestlich von Hall, 



— 54 — 

vierdten anhangendem insiegel bevostiget, darinnen under anderi^ 
meidung geschieht, dasz die graflFschaflft Koehengaw durch absterben 
des letzten gravens an ihn allsz Komischen kayszer sey gefallen ^). 
Aber etliche schreiben, dasz solch graffen die graflFen von Westain*) 
genent sein worden, soll ihr schlosz gestanden sein zue Kochen- 5^ 
westain, da letzt die pfarrkirch stehet. Diese graven sollen etliche 
hütten und schlechte häuszlein zue dieszer saltzlachen zue bawen 
verordnet und saltz zue sieden schlechterweisz angefangen haben. 
Welches saltz die völckher iennerhalb Rheyns, die dazumahl Galli 
gewesen, zu ihrer hauszhaltung gebraucht, dasz saltz geholt, ausz la 
vorwietz den saltzbronnen versucht, und alsz sie ihn gesaltzen em- 
pfunden, ihrer sprach nach gesagt: tusal, so viel zue teutsch, dasz 
ist herb oder saltz. Die sieder oder einfältige waldtleüth, so sich 
zu diesem bronnen zuewohnen gethan, haben ihrer etlich an diesem 
wortt tusal die letzten silben — sali — behalten und die wohnung IB^ 
umb den brunnen — letzt eine reichsstatt — sali, aber mit der 
zeith für das S ein H gebraucht. Hall genandt; die andern haben 
die ersten syllaben dieszes wörttleins tusal, nemblichen tus behalten 
und den brunnen tus, aber mit der zeit dasz T in S, und den 
buchstaben S in LN verwandelt und den brunnen wie uflf diesen 20' 
tag suln gehaiszen. Etliche alte sagen aber, dasz der mehrer theil 

9 sUmH durch: nuea H^, H^, B, 8fl. 8 Ich — gefallen fthli W, 4 sennen dise gr. die 
gr. Tonn Wetten R^ 8fi. 5 genent aus H^; gntt 8t\ ß nach stehet: wie dan noch ett- 
lieh gemftnr ander der erden anff dem kirchoff datelbtt gefunden werden R. 8 statt des 
Sattts: Biete etc. : Wie man tehreibt, dat uff ein zeit diter graven ainer mit namen Hein* 
rious genandtf habe in tolcher dingen bey diter saltslachen geiagt, nnsehlich ril gewildt 
aldo .. . gefunden etc. HK 9 iennerhalb aus W, iP; innerhalb 81^' dietteit H^. | da 
nun solches Ton tag su tag lautbar worden, haben solch . , . B*, 10 sich cu St-. 
11 berb H . 1» innsal H*, so auch nachher. 13 staU saltc: gesalUen H', R. Si^. | »tait 
oder : aber und W, H*, R, 8t*, Iß ieUt — reiche, fehlt HK 17 die — gehalsten fehlt St*. 
18 statt tus : in fl*: thu R. 19 Inns, entsprechend nachher I JO, 20 dasz — LN fehlt HK 
31 alte fehlt H^, R, Sfl. 

*) Über die Kochergaugrafen 8, Bauer, Württ. Fr, 1853, Iff., und Gmelin, 
Hällische Gesch, 192 ff - — Gegen eine Urkunde aus Karls IV, Zeit mit dem 
angegebenen Inhalt erheben sich von vorneherein schwere Bedenken (vgl, auch 
Bauer a. a, 0, S, 7). Unter den ron Huber herausgegebenen Regenten dieses 
Kaisers (Böhmer, Regesta impcrii VIII, 1877, Index) findet sich keine Urkunde, 
die sich irgend hieher ßiehen Hesse, Dass aber keine blosse Verschreibung vor- 
liegt, ergibt sich aus einer im Abschnitt Murrhardt vorkommenden abermaligen 
Erwähnung dieser Urkunde und der dort beigesetzten Jahr zahl 1378, — •) West- 
heim^ iV» ^^* südlich von Hall: über „Grafen**^ und Herrn von Westkeim s. 
Bauer a. a. 0, S, 7, Gmelin S, 192: Über die Beziehung zu dem Mittelpunkt 
Stöckenburg, die für die Benennung Westheim wahrscheinlich massgebend tcar,. 
s. Weller, Ansiedlungsgesch, S* 44 und Gmelin S, 130 ff. 



— 55 - 

orth, da man saltz siedet, werden vom griechischen wortt Hall ge- 

nandt. 

Hall war ein dorff. 

Nun hat sieh von tagh zue tagh dasz volckh zu disem bron- 
5 nen gethan, mit bawen gemehrt, also dasz Hall erstlich ein dorflf, 
doch ohne eine pfarrkirchen worden. Dasz bezeugt die mühle bey 
dem Underwertth an der stattmauer gelegen, welche ohne zweifei 
die erste mahle zue Hall ist und uf dieszen tagh ihren ersten nah- 
men vom dorff behalten, die dorff-, undt nicht stattmühle genandt 
10 wirdt ^). 

Es haben auch etliche häuszlein iennseith desz fluszes Kochen, 

der dazumahl kein bruckhen gehabt, da letzt der Johanniter hausz 

und kirch leyth, zue bauen angehebt, darausz ein kleiner weyller 

worden, wie dann uf dieszen tag solch orth in der vorstatt ienn- 

15 seith desz Kochens „im Weyller" genandt würdt^). 

1 B§{ dem SaU EtHoh« ete. RandglOBW von erater Hemd: o &Xg, xdXö^, Sal Hall 8ß. Der 
SatM Ut unklar zusammtngtaogtn in H^, — Haals Sfi. 5 dorff: od«r vi«Ueichtt Dar ein 
Weiler H\ 8 war W, H^. 11 Kt haben — wftrdt fehlt in W, K; »taU detuten ein stark 
zuaammeneiehender Nachtrag von andrtr Hand, \ ihenhalb H^, »o auch nachher. 13 stehet 

-ff», jH3. 

*) Die Dorfmühle, am südlichen Ende des auf dem rechten Kocherufer 
gelegenen Stadtteils. Über ihren Namen, sowie ihre wirklichen und angeblichen 
Beziehungen tum Siedershof s. Hausser, Schwäb,'Hall 192 ff,, Hänle, Der 
Siedershof in Schu\'Rall, W. Vjh. 1888 S, 64 ff, samt der Anmerkung zu S, 66, 
wo Bossert eine alte Abhängigkeit der Dorfmühle vom Scdszwerk Hall vermutet ; 
femer Gmelin 444, — Urkundlich erscheint die Dorfmühle erstmals 1351, in 
dtn Urkunden des Franziskanerklosters, Württ, Fr. N, F, IV, 29; hier ist 
die Bede von einem Hause „ausserhalb der Stadt in der Sutergasse, ob&'halb 
der Dorf mühle am Kochen^*' ; vgl. das Begest zu 1339, worin ebenfalls die Suter- 
gasse als ausserhalb Hall befindlich bezeichnet wird. Es ist demnach dieser 
südlichste Teil der Stadt, bestehend in Sutergasse und MUhle, vielleicht auch 
noch weitern, östlich sich hinziehenden Gebäuden, in die älteste, jedenfalls ins 
12. Jahrh. gehörige fW, Vjh, 1896, 199 ff.), Stadtbrfestigung nicht miteinbezogen 
gewesen^ wohl deswegen, weil er als schmäler Streifen sich nicht dazu eignete. 
Dieser Teil wird zum Unterschied von dem ummauerten das Dorf genannt 
worden sein und die Mühle daher Dorfmühle, So erklärt sich der Name ein- 
facher als bei der bisherigen auf Widman zurückgehenden Deutung, — In den 
städtischen Urkunden des Gemeinsch. Archivs (KHB) kommt die Mühle „die 
do heisset die Dorffe Mule** in den Jahren 1361 und 1362 vor als Eigentum 
der Elisabet, Tochter des f Herman Lecher, Bürgerin zu Hall, Sie war noch 
lange im Privatbesitz und wurde nach Hausser a, a. 0. erst 1490 an die Stadt 
gebracht. — «) Diese Deutung ist freilich wohl bloss zur Hälfte richtig, da das 
eigentliche, rechts kocherische Hall vor seiner Erhebung eur Stadt ja selbst ein 
Dorf oder Weiler (villa, 1037. 1120. s, WeUer, W, Vjh, 1898, 193 f und 
Gmelin 202 f.) war. 



— 56 — 

Vom baw der sulnn. 

Es ist auch zue wiszen, dasz die snll oder saltzbrunnen zue 
Hall, ehe die 3 miihlen unden am Kochen, nun bey dem Ercken- 
badt^) stehendt gebaut, ein flieszender brunn, alsz erstlich darzue 
geraumbet worden*), nicht tieff in der erden stehendt, mit einem 5 
seychen*) höltzern casten verfangen. Alsz aber der Kocher von 
wegen dieszer 3 mtihlen unden mit einem wöhrt geschützt, dasz 
waszer schnellen fürschusz nicht gehabt, hat sich dasz kieszach 
umb die suhlen von tag gehäuffet und gemehrt. Zu wehren dem 
regenwaszer, ist dieszer saltzbrunnen mit einem höhern casten, und 10 
insonderheit anno domini 1309 die sulen mit einem weithen und 
tieffen aichen casten sambt einem kleinen stäeblein darinn, ausz 
welchem die 4 ädern oder sulen fliesen, umbfangen worden. Aber 
dieweill solcher casten uf der einen seithen gesunckhen, ist anno 
domini 1496 dieszer saltzbrunnen mit groszem costen gantz von 15 
newen gebaueth und verfast, aber von wegen des wilden zue- 
flieszenden waszers klein gerathen. Derohalben anno domini 1521, 
item a° dni. 1540 daran gebaueth worden, und ie mehr daran ge- 
baueth worden, ie mehr mit gröszerm holtz undt costen dasz waszer 
zue saltz gesotten wirdt*). 20 

Sieben bürg in Hall. 

AUsz aber von tagh zue tagh der zuelauf dieszes saltz zue 
fuhren und deszen nutzung gebeszert, haben sich auch mit ver- 
gönstigung ermelter graffen des Kochengawes zue dieszem bronnen 
viel desz adels gethan, sich deszen alls regalis eines bergkwerckhs 25 
gebraucht, allda under andern behauszungen nit allein 7 stainere 
häuszer, thurn oder bürg, wie mans nennen will, zue Hall, die noch 



4 Erokenbadt aus W, m, H^, B, Sfi ; Teckenbadt Ä/>. | bruno. Als« nun . . . rerfangen 
worden W; als nun B; als man St'-. 6 umbfangen;i/^ 7 der m. 8 schnellen flnsz 
W, Ä, Sfi. 9 SU nach H'; dass zu Ä«, H\ R, Sfi. 10 ist fehlt HK IS 6 HK B, 8ti. 
I adem der H» oder s. fehU Sf». 17 gerathen aus iH, H«, m, B, Sfi; gerochen StK 
I anno — Item fehlt H«, Sft. 20 Nach wirdt: auch ettlich künstler und werokmaifeter 
darob entlauffen müessen HK 23 führen au« H^, B, 8fl; führten 8tK 24 erwehlter Ä<«. 
25 regalis au9 fl«; rogals W ; regalüs StK 27 thum heuser oder B, 8fi. 

*) „Dreimühlen'', nördlich der Stadt liegend. — Erkenhad, in den Ur- 
kunden vom Ende des 15, Jahrh. und vom 16, öfters genannt, ungefähr an der 
SUlU des jetzigen Fischhauses. Es bestanden gu Widmans Zeit mindestens 
drei öffentliche Bäder in Hall, — *) als erstmals freie Bahn dazu gemacht 
tcurde, — «) niedHg (s, Schm. a, v. seig), im Gegensatz zu dem nachher er- 
wähnten höhern Kasten. — *) Über diese verschiedenen Sulenbauten s, Herolt 
138 f., wo auch weitere Literatur angegeben ist. 



— 57 — 

stehen, und besonder der eine tbum oder steinhausz sampt dem 
hoff bey st. Michels pfarrkirchen gelegen, der Berlerhoff etwan ge- 
nandt, in welches alsz die h. st* Brigita, königin in Sueden, ausz 
Suedien*) für Hall gen Rom raiste, in solchem hoff zur herberg 
5 gelegen ist ; solcher hoff von dem Beginnenhausz darin ligend nun 
der Nonnenhoff*) genandt wirdt, von deme — wie der gemeine 
mann, doch ohne grundt sagt — Hall etwann auch.zun sieben 
bürgen') genandt sey worden, sondern inner einer meil ungefehr- 
lich umb Hall, wie dann die eingefallene burgkstadel noch anzaigen, 

10 viel edelleuth sietz gebaweth und gewohnet haben, und besonder 
an den 3^° flüszen, dem Cohn, nun der Kocher genant, der un- 
teme von dem closter Königsbronn'*) entspringt, von dannen er für 
Ahlen, Gailldorff, Schwäbisch Hall, Cüntzelsaw, Ingelfingen, Nidem- 
haal, Forchtenberg, Sinderingen, Newstatt *), nicht weith ob Wimpffen, 

15 bey dem dorf Kochendorff, in Neckher fleust. 

Der ander flusz die Bieler genandt nicht weith von dem fleckhen 
Edelmansfelden •), bey einem weyller Biler genandt ausz einem see 
entspringendte, ungefehrlich 3 meil, fleuszt under Hall bey dem 
dorff Geiszlingen in flusz Kochen, daran, wie wir hören werden, 

20 viel bürg mit underschiedlichen geschlechten gestanden, welche alle, 
ohne Tannenberg und Velberg, nun eingefallen. 

Der dritte flusz entspringt aus einem see bey dem schlosz 



2 B«rUnboff S^. 3 welchem H^, H^, Sfi, 4 SchweoU H^, R. 6 »tatt wie — fugt: 
wie man sagt H^; doch o. gr. fehlt EP, H^, 8 U^ fügt nach worden hinzu: Mann tagt, 
ee tey uff ein seit ein kalteriseher bott rerirret nnnd in solcbe wildnuBS der tyben bnrg 
kommen. Da hab er ain BOmisch panier ausser disem ainem sehen hangen, welches sie 
den BOmem abgetrungen haben. Dann damaln sie noch nit ander der Bomer dienstbarkeit 
waren .... 10 riel Schlösser und B^, rll edel liU B. U Koch B, atets £>; Kochen H^. 
18 Olaw jy», Ä», B; Alaw 8t*, | Oüntxelsaw aus H^, Fortolieu Ä«, m, m; Forchtaberg 
H, Sfi, U Nidemh. au» IH, Hß; Nidern Thal 80. \ nnnd nit HK 17 Adelm. m, m, 
H^, Bf Sfi, I sewe B, W, ao auch nachher. 18 flensst nngevarlich uff drey meil lang, 
unnd under . . W. 19 daran aus £», 8fi ; darou 8t\. 91 Tannonbnrg U*, HS; T., Suntt- 
halm und B^. 

*) Über die h, Brigüta, die schwedische Fürstentochter ^ die 1373 starb, 
vgl. z, B, Kurtßy Kirchengesch, 9. A, § 112, 8, Ihre Anwesenheit in HM wird 
von der Tradition in das Jahr 1363 verlegt, Gmelin 206, — *) Nonnenhof; 
der Name besteht noch; Über diesen Hof s. Hausser, in W, Fr, 1863, 214 ff. 
Hausser, Schw.-HaU 75, und Gmelin 206 samt der Berichtigung auf S, 448, 
— ') Siebenbürgen s. Gmelin a. a, 0,, der die Burgen im wesentlichen nach 
Haussers oben angeführten Darstellungen beschreibt; femer Weller, W, Vjh. 
1898, 209, Eine populäre Abbildung der Burgen bei German, Chi'onik t^on 
Sehw,'HaU S, 24, — *) südlich von Aalen; das dortige Cistercienserkloster be- 
stand bis 1559, — *) Neuenstadt a, d. Linde OA, Neckarsulm, — •) Adelmanns- 
felden, westlich von Ellwangen, 



— 58 — 

Beringersweyller *) genant, fleust ungefehrlich von seinem uhrspning 
anderthalb meyllen ob dem stättlein GailldorflF in Kochen, von der 
rothen erden die Roth genandt^. 

Disz geschlecht der von Eoth haben ein wappen wie Lieben- 
stain^. Der letzte dieszes geschlechts, Frietz von Rotth genandt, 5 
ist anno 1542 im Türekhenzueg gen Ungarn gezogen, an der bräune 
unnd mhr* gestorben, und was er an der Rotth gehabt, ist den 
herm von Limpurg alsz deszen lehenherren heimbgefallen. 

Und dieweil die noch lebende herm und edle geschlecht am 
Kochen und Biler iedermann wieszenth, soll mich nicht befilen*) 10 
oder tawren, die abgestorbenen zu erzehlen und widerumb, sampt 
den eingefallenen schloszem, in gedachtnüs führen. Und erstlichen 

Am Kochen. 

So viel ermeldte graven desz Kochengawes betriefft, habe ich 
gewieszlich nie ihr wappen erfahren können. Von diesen graflFen 15 
man sagt, dasz sie sollen st. Jacobs closter zue Hall, etwan Bene- 
dictiner Ordens, gestiffiet haben, von welchen münchen dasz closter 
Chomburgkh erstlich besetzt worden"^). Und dieweil, was die gra- 



2 Oai1ndor£F U*, H^, H*. 4 Diss «to. : Statt dieses Absatzes ttat If'.* an welchem xwey 
Bohloss Hohen* und Obern Boih genant gestanden; welche baide von dess kaieers landt- 
Togten, graff Engelhart yon Lobenhausen, -waldtboth genant, mit httlff der von Hall und 
anderer statt wegen der rauberey neben anderen Schlösser sein zerstört worden. Der erste 
SeUz an — gestanden auch bei 8(^. 10 an ersehlten dreyen Aussen W. \ beulen: bemühen 
m, H^, Ji; verdriessen H^ ; beschemon Ä«; oder tawren fehlt //», H», B, Sfi. 12 inn 
welchen dan mebrerthails gewohnt, die burger zu Hall sein gewesen fl'. 14 oder SchOn- 
gaw W, 17 Nach gest. haben : welcher naroen noch ob der kirchthOr, so in stainin bogen 
gehawen, stehn also lauttendt: Ludwig, Ludwig comes de Westheim et Mergard Adelboit 
obiit anno 1112 H^; ähnlich^ aber ohne die Jahreszahl R; mit von anderer Hand geschriebetten 
Namen und Datum 80. 

*) j, Böhringsweilet'y Gern, WüJttenroth, OA, Weinsberg ; der hier gemtinte 
See (Neuer See) und der Rothurspi'ung liegen noch etwas weiter nördlich, — 
«) Blind, Die Kelten im WürtUmb. Franken W, Vjh, 1889, 186 f, leitet den 
Namen aus dem Keltischen ab und deutet ihn als (schneller) Wasserlauf, — 
') Herolt giebt hiefür (S. 68) ^Le^venstein^ : Widman hat den richtigen Namen, 
denn das Wappenbild derer von Roth, toie es z, B. in der Hallischen Chronik 
F 67 des histor. Vereins für Württ. Fr, fol. 58 eingemalt ist, stimmt genau zu 
dem in Kgr. Württ III, 93 für die Herren von Liebenstein beschriebenen: 
Schild von weiss und schwarz dreimal geteilt u, s. w, — Ober die verschiede- 
nen Geschlechter, die ah „HefTen von Eoih*^ vorkommen und H, Bauers hierher 
gehörige Aufklätntngen s, Herolt 58, — *) mir nicht zu viel oder überdrüssig 
werden, Schm. — *) Die sehr gewichtigen Bedenken, die nach Bauers Vorgang 
(W. Fr. 1853, 7) Bessert, Zur altern Gesch, des Klosters Komburg, W. Fr. 
Neue Folge III (1888) S. 14 und 25 gegen die Eocistenz eines bedeutenderen 



— 59 — 

ven desz Kochengaws gerechtigkeit zue Hall gehabt, durch eine^ 
heurath an die graffen von Rottenburgkh, derer etliche daznemahl 
ihr anwesen uf dem schlosz Chohenburg gehabt, ausz welchem 
schlosz Burckhardt und sein bruder, graff zue Rottenburgh, dasz 
5 closter Chohenburg, nun Chomburg genandt, der zeit ein löbl. stiefft 
in der ehre Gottes undt st.* Nicolai gestiflftet und mit aller seiner 
gerechtigkeit und eingehörr, wie solches der graff von Rottenburg 
inngehabt, dem abt und convent zue Chomburg, welche eine ge- 
furste abtey, übergeben, ist disz closter st. Jacob sampt andern 

10 gerechtigkeiten zue Hall, so von den graffen desz Kochengawes an 
graffen von Rottenburg kommen, an dasz closter Chomburg er- 
wachszen, also dasz sich ein abt zue Chomburg auch herr zu st. Ja- 
cobi zue Hall geschrieben. Aber anno domini 1273^) ist mit be- 
willigung abten Conradts zue Chomburgk disz closter st. Jacobi 

15 den brüdern st. Francisci ordens eingegeben wordten, die solch 
closter inngehabt bisz anno domini 1525. Ist damit und anderen 
mehr closteru in Teutschlandt ein grosze verenderung wie der 
augenschein gibt beschehen. — In solchem closter ein groszer adel 
mit ihren epitaphiis begraben. — Ich habe gesehen in diesem clo- 

20 ster ein schonen antiphonir von bermenth*), soll ein Jungfrau w von 
Gabelstein mit ihrer aigenen handt geschriben und in solch closter 
geben haben. Ist es wahr, so ist es die hübszte jungfrawenhandt, 
die ich iemahlsz gesehen hab. Gabelstainisch wappen ist wie 



3 unnd hofhalttnng inn dem stettlin unnd sohl. H'^, E*. 4 bruder Heinrich M^, H3. 
I graren W, H^, m, B, Sfi. 7 die graven W, m, m, B, St^. 13 Nach geschrieben: 
loh hab ein brieff geteheOf mit kayeer Carl deta yierten innsigel berettiget, darinnen under 
anderm meldang getohiohtf dai die graffsohafft Coohengaw auts absterben des leUsten 
grarens Ton Westhaim an ihue als BOm. kaiser sey gevaUen, der hernach solchen hoff zu 
Westhaim wie auch die sehenden im Bosengartten lambt dem fleckhen Ottendorff durch 
bitt seines gemahels an das closter Murhardt geben, wie dan daselbsten auch meidung ge- 
schieht, m. 13 1975 80. 14 dess geschlechts ron Ohausen HK 16 Nach 1626 hat 
H^ tintn langem Ztsatt atu Herolt übw den Verzieht der Mönche und die weitem Sehiekeale des 
Kioeter»; dafür fehlt der Säte ist — beschehen. Ebenso B. 18 ligt ein 8fi. SO bermentin 
antiphone H^; berm. antiphanir H^, B. 83 Ist etc.: Dieter SaU in O^ sehr abgekürzt; dae 
weitere über die Gabelettin fehlt ganz; ebeneo 8t*. | ein hflpsoh H^. | frauenBohrifft H^. 

Benediktinerklosiers bei der Jakobskapelle erhoben hat, bleiben bestehen, auch 
nachdem Gmelin, Uälliache Gesch, 198 f, und 448, für die Glaubtüürdigkeit 
des Chronisten eingetreten ist. Besonders zu betonen ist, dass die vielberufene 
Inschrift über dem Klosterportal (s. die kritische Anm.) und eumal die Jahr^ 
jsahl 1112 auf unsicherer, nur in einem kleinen Teil der HandschHften und 
nicht in der ältesten derselben vetiretener Überlieferung beruht S, auch TT. IV, 
N. F, IV, 3, 

») tatsächlich 1236, W, Fr. N, F. IV, 2. — *) pergamentenes Antiphon 
narium. 



— 60 — 

Kochenstetten, uf dem heim ein frawenbildt, in ieder handt eine 
parthen ^) habend. Die burgkh Gabelstain ist an der Gabelbach bey 
Mayenfelsz *) gelegen, nun wie man sagt ein frawencloster mit einer 
creutzkirchen dabey; ist alles zargangen. 

Edelleuth die von Hall. 5 

Es seind auch edelleuth gewesen, haben die von Hall ge- 
haiszen, haben ein schlosz gehabt, darin sie gewohnt, uf dem berg 
da letzt st. Michaels pfarrkirchen stehet gelegen, ist vom graven 
von Eottenburg zu lehen gangen undt wie ob erzehlt in dasz clo- 
ster Chomburg kommen, aber folgendt wie wir hören werden zue lo 
einer pfarrkirchen gemacht. Ist ihr wappen ein schildt, die undere 
2 theil roth und dasz eine obertheil gelber färb, also auch 2 hömer 
uf dem heim roth und gelb gethailt habendt^. Dieszes wappens 
färb und schieldt sich die statt Hall noch gebraucht, sigelt doch 
nicht damit, wie hemacher folgen wirdt. 15 

Ottendorff. 

Item Oberwestheimb am Kochen, dasz alte schlosz Ottendorf"*). 
Ihr Wappen ist wie letzt von Hall erzehlt, doch blau und weis ge- 
thaillt. Man sagt, dasz etwan uf einmahl 4 thurnierhengst alda 
seind auszgangen. An diesem schlosz Ottendorflf haben anno do- 20 
mini 1342 die edelleuth, dazuemahl die Müller von Aspach '^), vol- 
gend die Spiesen genandt — führen ein gelb kampflradt*) in 
schwartzem feldt in dem schildt, und auff dem heim auch ein radt 



» «in barten H*, aUain af dem heim hatte kein Jonckhfraawe, soDdem awo rotter bartten 
H^, ähnlich B, 8 yon fl>, R. 13 haben H^f gethelUtf haben dises ... H^; dit Wappen- 
htsehrtibung fehlt B. 17 öttendorf fP, 8fi, «o auch naehhtr. 19 Nach gethaUlt: da olainot 
uf dem heim mir unbewntt H*. | alda: dieei geBchleohtts H^, Sl ron Asp. au» H*, H^f 
und Asp. ^>. 

*) Sireitbeil. — ') ungenau; die Burg G.j deren Ruinen noch vorhanden 

^indj befand sich südöstlich von dem bei Öhringen gelegenen Michelbach am 

Wald, in der Nähe der „alten Gabel^ ; sie zerfiel in Trümmer im 15. Jahrh. 

— Über die Herren von Gabelstein vgl TT. /. 1834 S. 3ö'9ff., W. Fr. IV 196 ff. 
und Herolt 57, — Von dem angeblichen Frauenkloster ist weiter nichts bekannt. 

— ') Über das angebliche Geschlecht derer von Hall s, Herolt 41, — Gmelin 
tritt, S. 210. 315, 448 im Gegensatz zu Bauer, der W, Fr, 6, U24 den Angaben 
aber dieses Geschlecht nur den Wert später Phantasie zua-kennt, auch hier 
wieder für den Chronisten ein, — *) Ottendoff, urspr. ütendoff (welche Form 
auch dem benachbarten Eutendorf zugrunde liegt), auch Oberwestheim genannt, 
im OA, Gaildorf; s, Herolt 65 (zum Teil gleichlautend mit Widman) und Gme^ 
lin 331. — *) Unteraspach OA. Hall s. Herolt 82, Gmelin 274. -- «) = Kammrad. 



— 61 — 

mit einem federbusch — ein drithail gehabt an dem schlosz. Der 
letzte dieszes geschlechts Heinrich ^) genandt starb anno domini 
1549 am allerheylligen abennth, seines alters im 75"**° jähr, ligt 
im stiefft Chomburgkh in st. Johannis cappell begraben. Alsz man 
5 ihn vergrub, fandte man abwarths seines grabs einen todten leib 
eines abts zue Chomburg in einem höltzem baumb mit einem 
seidenen klaidt angethan, noch unverwesen, welcher, wie im seel- 
buch der gestorben abt zu Chomburg gefunden, Erckinger Feldner *) 
genandt, vor anderthalb hundert jähren verschieden, liegendt. 

10 Buchhorn, Bretzing, Heszenthal, Hirsehfelden, Stein- 

wagh, Entzsewe. 

Underwartz, an und nicht weith vom Kochen, liegen die burckh- 
stadel Buchorm, Hirsehfelden, Brezzing, Heszenthal'), Steinwagh*), 
da letzt die pfarrkirch solches dorflfs liegt, item Entzsäwe*) hinder 

15 Michelbach im waldt. Diese emante geschlecht finde ich under- 
schiedlich in gantz alten brieflFen, wie die davon meidung thun. 
Achten doch etliche, dasz Hirrschfelden, Bretzingen und Heszenthal 
ein geschlecht, und Heinrich, etwan abt zue Chomburg, welcher 
eines einnhorms weise brüst uf dem heim und Schild in einem 

20 rothen feldt geführt, der sich von Heszenthal schreibt, sey gewesen. 

Schawenberg. 

Under Limpurg am Kochen sein geseszen die von Schawen- 
berg^), welche 3 weiszer männlein^ in einem rothen feldt und 

5 begrab IP, H, | obwart« B"^, R. 8 lalbuch m, B, 8fi. 15 gegen dem VItoherthal 
an Jti, Iß wie fehlt IP, H\ 19 weissen kopfl nnnd halsa blas an die A*. | uff dem 
heim ein weissen ainhorn, kopff nnnd hals, wie im sehilt H*, 80 rotte brast In einem 
weisen veld H^. 23 mOnlein B, H*, ao auch nachher. 

*) Über Heinrich Spiess s, unten in den Malier Anndien den nach ihm 
betitelten Äbechnittf wo Genaueres erxähU wird von seinem Charakter, seinem 
Tod und Grabstein. — •) Feldner, f ^399; in der unten beim Komburger Ab* 
schnitt vorgeführten Reihe der Äbte ist er der 24, Die Merkwürdigheiten, die 
an seinem Sarg und Leichnam ßu sehen waren, sind an letßterem Orte abermals 
in Verbindung mit der Begräbnis des Heinrich Spiess erzählt. — •) Buchf^om 
OA. Gaildorf, s. HeroÜ 66, Gmelin 290; Hirsehfelden OA. Gaildorf Her. 66, 
Gm. 316; Bretzingen Her. 66, Gm. 71 f. ; Hessenthal OA. Hall Her. 66, Gm. 316. 
— *) Steinwac (Steinstrudel), alte Namenrform, aus welcher durch Volksetymo^ 
logie die jetzige Steinbach entstanden ist; s. Herolt 68, Gmelin 346. — ») Entsee 
bei Michelbach a. d. Bilz OA. Gaildorf, auf der Berghöhe gegen das Fischachtal 
zu, also wohl zu unterscheiden von dem bei Botenburg a. d. T. liegenden: s. 
W. Fr. 0, 136, Gmelin 301. — •) Schauenburg, unterhalb des Schlosses Lim- 



— 62 ~ 

oben 2 rothe fliegel, auch also mit männlein von färben geführt; 
die ihr behauszung under Limpurg vor der pfarrkirchen über die 
gaszen liegend gehabt, und alsz die pfarr daselbst von der pfarr 
Äteinwag separirt*) und von neuem ufgerichtet, daran zue einem 
pfarrhausz gegeben. Ist in kurtzen jähren dieszer pfarr — ob ausz 5 
genügsamen Ursachen? — entzogen worden. 

Hoenart. 

Item die von Hoenart^), auch ein Zeitlang under Limpurg 
geseszen, ein blawen löwen in weisem feldt im schildt, und oben 
schwartzen federbusch führendt, und uf ieder seithen ein flüegel. 10 
Sein dieszes geschlechts etliche burger zue Hall gewest. 

Feldner, Geyer, Stetten, Gaillnkirchen, Kleincontzen. 

Die Feldner, welche auch die Geyer, die von Stetten und 
Gaillenkirchen, auch Kleincontzen'), nach Veränderung ihrer sietz 
ihre nahmen geendert sein worden, welche ihr anwesen in hoffen 15 
zue Hall bey Unszerer Frawen kirchen^), die Schuppach genandt, 
viel freyheit in der statt, auch eine besondere Öffnung oder thor 
ausz der statt, da ietzundt desz möszners hausz bemelter kirchen 
Schuppach stehet, gehabt. Diese Feldner haben auch lange zeit 
dasz waszerhausz zu Undermuncken *) , welches nun eingefallen, 20 
inngehabt. Sein viel ritter in diesem geschlecht geweesen, auch 
zum theil die von Munckhen in solchem schlosz ihr anwesen ge- 
habt, dahero der lustige bninn im gartten dabei uf diesen tagh der 
ritterbrunnen genandt ist. 



3 Ton aM9 m, B% B; und StK 5 ob und das Fragezeichen fehlt H^, R. 6 In eiiter „Nota" 
gibt if* Ntachriehten über Behausungen zu UnterUmpurg, >- Dite Ton Schaawenburg haben 
auch ettltche Jar das kayaerlioh Boholtthaitcanamptt an Hall verwaUtett. H^, 10 uff 
dem heim sohwartse federbusch H^. 11 Sein — gewest: statt dessen: ihr ettltche äff dem 
kirohoff onder Limparg begraben H^, 16 oappell IH. 

jpurg, Herolt 69, Gtnelin 338, Die Schauenburg waren Dietistleute der Lim' 
purger Schenken, — ') Halbmonde, 

*) Die Trennung der Pfarrei ünterlimpurg von Steinbach im J, 1283 
s. OÄ,Beschr, Hall S, 170. 179, — *) Honhardt, OA, Crailsheim 8, Gmelin 316. 
«) Feldner und Geier 8, Herolt 49, 53 f., Gmel, 306—309; Stetten Her. 49. 54, 
Gmd, 278: Gailenkirchen OA. Hall s. Her, 73, Gm. 305; Kleincontzen Gmel. 
J296. 320. — *) auch Marienkirche genannt, in der Schuppachgasee ; sie wurde 
1812 abgebrochen, OA.Beschr, Hau S, 171 ; s. auch Herolt 48, 109, — *) ünUr- 
münkheim nördlich von Hau ; Wasserhaus, eine durch umlaufende Wassergräben 
gesichtrte Burg; über dieses Wasserhaus s. Herolt 76, Gmel, 32S. 



— 63 — 

Nota: wiewohl solches waszerhausz anfänglich durch die von 
Munckhen erbawet, aber durch heyrath an nachfolgende geschlecht 
Veldner erwachszen und kommen, und die von Munckhen, so ab- 
gestorben, ihren nahmen alsz erste erbawer solcher bürg, und ihr 
5 herkommen dahero haben. 

Geyersburgkh. 

Es hat eine gebohme Geyerin einen Feldner gehabt, mit dem 
sie einen söhn erzeugt. Alsz nun ihr mann gestorben, hat sie 
under Hall am Kochen in der Äychinhaldten genandt uf einen 

10 bergh in einer thewrung den armen zu guth, damit sie auch er- 
nehret wurdten, ein stainen hausz oder bürg gebaueth, die Geyersz- 
burgkh genandt^). Ist Hohenlohisch lehen, doch haben die von 
Hall eine Öffnung darinnen. In dieszer burgkh hat ihr söhn und 
seine nachkommen lange zeith gewohnet, und die Geyern von ihrer 

15 mutter genandt worden. Diesze burgkh ist durch eine heurath an 
die von Munckhen, und nach absterben des letzten von Munckhen, 
Ulrichs genandt^), an graven von Hohenlohe alsz lehenherrn kom- 
men. Führen ein weisen fisch in einem blawen strich im schilt, 
in einem rotten feldt, und uf dem heim einen spietzigen rothen 

20 unden Versehrten haydenhuett % uf ieder seithen einen weisen fisch 
habendt. 

Rott. 

Item Eott, nicht die davon oben, so am flusz Eoth ihren sietz 
gehabt, meidung geschehen, sonndem diesze Rothen haben die gelbe 
25 legein in einem weisen feld geführt, und oben ein mann ohne arm, 
gelb, mit einem hohen gelben haydenhutt*) gleichwie die von 



4 hürg H3. 8 erzihlt flS. 10 damit sie ihr brott T*rdientten und auch H^, 11 staio- 
hauis Sr^, if>. I gebaueth» wie noch die zaroh gesehen würdt M^. 15 einen h., «o »teta J£^, 
20 veraehrten: dttnao auch H^; nnden herumbgestülptten £fs. | haydenhuett: oben mitt 
suhwartzen federbfischen H^. 23 H^ gieht den Abschnitt in andtrer und ausführlicherer 
Fassung. \ so aus H^, fehlt Sl^. 95 rotthen JI^. | oben — haydenh.: stattdessen: uf dem 
heim zwen rotth flügel, anch in iedem drey gelb leg«ln H^. 

*) Die jetzt noch so hemmnte, in Ruinen erhaltene Burg zwischen Hall 
und üntermünkheim ; über sie vgl, Herolt 54, 73 j wo sich einige Sätze Widmans 
fast gleichlaufend wiederfinden: femer Gmelin 309 f — *) Über dieses Original 
vgl, HeroU 75, Gmelin 327 f. — •) ungefähr dieselbe Form wie der Judenhut: 
länglich spitz mit breiter Krempe ; für versehrt ist wohl zu bessern versichert 
= befestigt, d, h, mit einer an den Hut befestigten Ümstülpung, wie Herolt 66 
{oder = gefüttert ? wie nachher bei den Eitershof en : verfet). — *) Bot, vgl. 
Herolt 58, Gmelin 336 f. 



— 64 — 

Vohenstein'), 

80 noch leben, der sietz oben bey Westen, nicht weith von Dennel- 
bach, da die Bieber inn Kocher fleust, gestanden, drey gelbe legel 
in einem weisen feldt im schiel dt führten. 

S i e d e r. 5 

Sieder führen roth und weisz gethaillte eingehürrn uf dem 
hellm und 3 solch getheilte eingehürrn in einem schwartzen schildt. 
Ist einer desz geschlechts abbt zue Chomburg gewesen, wie her- 
nacher im sechsten theil dieszer chronic hören werdten*). 

Mur. 10 

Mur, zwen gilbter armbrustseuUen uf dem heim, und 2 büflfel- 
hömer, neben mit zapffen herausz, rothen schildt^). 

Pfeylldorff. 

Pfeylldorff, welche auch Michelfeldt etwann inngehabt, ein 
blawen schilt, zwirch weisen strichen, darinnen ein gelben pfeyll 15 
mit rothen federn, auch also zwey flüegel habendt*). 

Kurtzen. 

Item die Kurtzen, drey weiser ballen in einem schwartzen 
feldt, uf dem heim zwen schwartz flügel, auch ieder mit 3 weisen 
ballen, doch einen schwartz sietzenden brackhen darzwischen ha- 20 
bendt. Diesze von Schawenberge, Roth und Kurtzen haben viel 
jähr dasz kayszerliche schultheisenambt zue Hall verwalten^). 

Bernstein undt auch Mühlstain genandt. 

Bernstein, einen weisen mühlstain in einem schwartzen feldt, 
dergleichen mühlstein uf dem heim habendt in einer cronnen, auch 25 
die Mühlstain genandt^). 



3 Die topographiaehe Besehreibung bei H^ und S auaführiieher. 6 Nach •ingehfirrn : rttndilioh 
gethailt, wie patemotterkOrner, uff dem heim sway lolch . . R"*, ähtUieh B, 8 wie — 
werdten fehU B*, H^, 11 g«lber armbrist im schilt, äff dem heim swey hOmer mit leeht 
zapffen daran, an den hörnern hinauf, haben biis au oberst inn iedem hom drey zapffen, 
in einem r. soh. H*, ähnlich B; armbrostsenlen inn einem rotthen feldt, and uff dem heim 
auch zwo solcher armbruttseulen IH. 15 bloen strich mit einem zwirch H^, H*, Iß flttg. 
uff dem heim Hfi, 18 balckhen IfS. 20 leidtbrackhen JT». 22 in rerwalttung gehabtt 
und verrichttett IP. 26 in — genandt fthU H\ 

*) Vohenstein nahe bei Westheimf der ^,Dennelbach^ jetzt Dentelbach. — 
») Sieder s, Omelin 344. — ») Gmelin 329. — *) Uei-olt („IHe Pf etilen'') S, 101 ; 
Gmel 332. — ») Kurzen 8, Gmelin 321. — «) Gmelin 286. 



— 65 — 

Newenstein. 

Newenstein, deren auch etliche zue Hall gewesen, haben ein 
roten steinbickhel im wÄsen feldt und auf dem heim zwen weisze 
flüegel geführtt*). 

5 Peterszheimb. 

Peterszheimb, ein gelb viereckhichter ringkh in einem blawen 
feldt, uf dem heim 2 blawe flüegel auch mit solchen gelben 
ringkhen *). 

Fewreu. 

10 Theurer oder Feuren^), die noch lebendt, doch nicht mehr 

zue oder umb Hall wohnendt, führen ein springenden halb weisen 
und schwartzen einnhorrn in einem roten schildt, doch widersinns 
desz einhorrns färb nach getheilt. — Nota : die Feurer aber haben 
einen halb weisen und halb schwartzen einhorm in rothem schilt 

15 und 1 einhorm uf dem heim — also auch uf dem hellm; 

— ohne andere mehr edelgeschlechte, so zue Hall geseszen 
und noch sietzen, welche alle zue erzehlen verdrieszlich. Demnach 
ich forth, was den Kocher ab und beygeseszen, will erzehlen; 

H*: unnd die noch lebenden, ainen icden selbert, von seinem ge- 

20 schlecht will sagen lassen, der besser davon weisz weder ich beschreiben 

khann. Sonnder nar mein last, die abgestorben geschlecht unnd gebürg 

zu erzelen, damit man dannocht sehen khan, was für ain adel zu Hall 

gesessen sey, so abgestorben unnd noch lebendt ist, unnd ettwa wie er- 

zelt ihre bürg uf dem landt gehapt, unnd dennoch sich selber unnd ander 

25 irs stammens burger zu Hall geschriben unnd ain rhum gehabt, dz ihr so 

ain menige bey ainander gewohnt haben ; wie im Tito Livio, dz die edlen 

zu Rom sich gerhüemet, welcher burger zu Rom ist, aber übel darvon 

kommen. Dardurch auch der menige des adels bey den altten kayseni 

inn ansehen diser statt ist gepracht worden *), dardurch sie bey den kay- 

30 sem grosse, hohe wichtige privilegia unnd frcyhait auszgebracht, die ge- 

maine statt noch hatt, unnd auch Hall vor andern zimlicheu reichstetten 

inn Teutschlandt berüempt unnd in hohem ansehen, mit wirdigkhait, unnd 

an vermögen der statt schätz gewest, darbey es verpleibe. 



2 haben aus H^, und Tiel St^, H^. 3 weisen schilt H^. 4 geftthrtt aus H», habendt 
St^; welcher gar vil zu Hall gesessen iinnd in der commenturey dz lannghausz, baoh und 
bandUiausc sampt einem grossen keller gebaut, auch zu sauet Michels pfarkirchen vil ge- 
stifftet R. 7 schildt fl^. 10 Feurer H^. 12 ainem halben schwartzen H-'. 15 ain 
halben H^. | Kaeh hellm : Teurer oder Feurer sein zweyerlay geschlecht, alsz auch dz Wap- 
pen anzaigt; haben die Teurer ihr wohnung gehapt, da ietzundt der Teurere hoff haist J9-. 

^) HeroU 54, Gmelin 330. — 2) Herolt 60, Gmelin 332. — «) Herolt 55, 
Gmelin 356 f. — *) Dtr Text scheint vei'dorbeti : der Sinn ist wohl : durch diese 
Menge des Adels wurde auch diese Stadt (Hall) bei den alten Kaisern in 
grosses Ansehen gebracht. 

Wartt. Geschichtsquellen VI. 5 



— 66 — 

Eltershoven. 

Eltershoven *), im schilt roth und weis, wie die schnecken- 
häuszer ineinanderquartiert, in der mitte* zuesammengezogen, uf 
dem hellm zwey weise hörner mit schwartzen büschen, darzwischen 
einen spietzen rothen verfeten'^ heydenhuett auch mit einem 5 
schwartzen federbusch tührenndt. Disz geschlecht reich an ehr und 
gutt haben ihren nahmen offt verändert, von ihrem schlosz 
Newenburgkh ^) bey Gelwingen gelegen die von Newenburgkh 
genandt — die graben solches burckhstadels noch gesehen; solche 
burgkh ein bruder dem andern abgebrandt haben soll — , etliche 10 
die Phillippsen, etliche die Conraden und zueletzt die Eberten 
genandt worden, von wegen dasz sie ihre kinder mit dem tauff- 
nahmen offi Conradt, Phillipps oder Eberhardt genandt haben. Diese 
Eltershöver haben auch dasz schlosz Boldem inngehabt, sich davon, 
auch von Erlach geschriben. 15 

Einer dieszes gesehlechts, Burckhardt Eberhardt, zue Hall . 
geseszen, zue den zeithen alsz herr Georg von Roszenberg derer 
von Hall feind gewesen^), etliche adelsz sich gen Hall, solche fede 
zu vertragen, verfliegt, uf dem newen rathausz^) taghleisten, ausz 
welchem man in sein Burckhardts behauszung^) sehen kann, sagte 20 
man, er habe etliche 1000 gülden seinem knecht in einen ktibel 
gegeben mit waszer, welche gülden der knecht im zusehen solcher 
edelleuthe gewaschen, in einer reuttem^) bey der obem kornhausz- 
thür an die sonnen gesetzt, daran gesonneth. Solches alsz die 
edelleuthe zue herrn Georgen kommendt angezaigt, dasz sie zue 25 



3 quadriert H^. 4 mit — bOsch. fehlt H-, federbüschen H\ 5 verfeheten H^. 10 Nach 
8oU: volgeutts iit ausa den ttainen solchem schlosz die capeU und pfarrbehaasang eue 
Gelbingen gebauwatt worden. Die grftben dises burgstadels siehett man noch HK 11 auch 
ettlioh die RudoliTen R'i. \ zueletxt: bei unsern «eitten H^. 14 Baldern H^. 16 H^ 
gibt die Gfchichte mit anderer EinleUung; xu B. Eberhardt fügt H^ : der bey meinen seitten 
gelebtt. 19 gefttegt H^. 25 kommen und ansaigt H^. 

*) Herolt 73, 86 (mit Widm, mehrfach zusammenstimmend) 101, — *) ver- 
fet mit buntfarbigetn Stoff gefüttert oder mit Pelzwerk (veh) verbrämt s, Sc?im, 
8. V. fßh. — •) j. Neuberg bei Gelbingen, V2 St. von Hall: Herolt 73. — *) Die 
Geschichte ist ähnlich ei'zählt bei Herolt 56: über Georg von Rosenberg und 
seine Fehde gegen die HaUer vom Jahr 1469 s, W, Fr, 4, 16 — 19, Herolt 
163 f, — ») Wenn, wie es kaum anders sein kann, hier das im J, 1494 erbaute 
fGmelin 259. 590, German 100) Rathaus gemeint ist, so müsste entweder der 
Span mit dem Uostnberger sich sehr lange hingezogen haben, wozu der Ansatz 
1490 für diese Fehde in OA, Hall 147 zu stimmen scheint, oder aber dem 
Chronisten wäre eine üngenauigkeit begegnet, — •) Über den Burkhard^Eber* 
hardshof s, Gmelin 207 f. — ') Sieb, 



— 67 — 

Hall so reiche burger gesehen, dasz ihre giilden schiinmlich werden, 
waschen müsten und sonnen. Derohalben er die von Hall nicht 
balden werdte motten ') ; er solte die sach vertragen laszen. Welches 
auch geschehen. 

'b Ä*: Ruodolff Nageil *) verrendert sein wappen, wie er im schiltt 

ain ochssenkopff, halb rott halb weisz, inn bloem feldt, dergleichen ain 
halb rott unnd weissen ochsscnkopff uff dem heim ohne fliesz gefücrt, last 
solchen namen unnd wappen fallen, schreibt sich anno 1510 von Eltters- 
hoven unnd nimpt Eltterhövers wappen auch an, wie sie noch brauchen; 

10 sein von stammen nicht die ersten erbawer Elttershoven, sonder die Ebcr- 
hartten seins. 

Müncken. 

Item Munckhen ^), Schifllaw — sonst Seheflfach — genandt, 
drey nahmen eines geschlechts. Führen 2 gelber löwen in einem 

15 rothen schief! mit einem rothen rueder in einem weisen feldt, uf 
dem heim weiszer Stangen mit 4 schwartzen federbüschen. Etliche 
sagen, Schiflflay sey ein besonder geschlecht, führen ein wappen 
wie Munckhen, ohne dasz die orth**) desz schieffes sein löwenköpff 
und nicht sietzende löwen. 

20 Der letzte dieszes geschlechts von Munckhen, Ulrich*) genandt, 

starb anno domini 1505 zue Hall, uf st. Michaels kirchhoflf begraben ; 
ein mann seltzames fürnehmens. Er hette einen baummbgartten 
zue Hall bey dem Langenfelder thor liegendt; da liesz er dasz 
erdrich darinn fünft schuch tieft durch ein sieb rüden ^), und was 

25 stein oder grab schroUen ^) waren, darausz traghen, die bäume mit 
pantzerfleckhen reiben. Item ein deckhbeth liesz er ihme macheu 
von pflaummfedern, bestellte drey taglöhner einen gantzen sommer, 
die musten in einer haisen eingebranthen Stuben die kleinen stih- 
lein von den pflaummfedern schleiszen, gab ihrer einem den tagh 

^ 6 krz. zue lohn und feyer- und werckhtäg zue eszen undt zu 
trinckhen, weinns genug. Dasz deckhbett costete ob 100 gülden. 
Da er starb, wardt es nicht höher dann für zehen gülden in der 

8 matten Z/^. 4 Nota: diso Elttersh^ver die altteOf auch Pbilipserf Budolffen, Conradtcn 
annd Ton Elttershoven sambt den Eborhartten ist alles uff allen namen abgestorben U'^. 
13 Sch&fflay H\ | Schefflach H^. 15 Naeh nieder: rOckhlingen von ainander H^, B ; 
schiff in der mitte ein meder B^. 16 zwo weysi R. 18 beede ortt oder spitzen H^. 
21 160b OM H^, H; 160... St^, 1604 A». 25 schollen H^, grosse schollen U^, grob 

schollen N. 26 glatt reiben //». 29 stillin U^, B. 

*) ermüden, — *) Nagel: HeroH S7. 171. 174 f., Gmelin 297. 329. 60(K 
— ») KeroU 7b, Gmelin 326 f. — *) Enden : über das Wappen s. Herolt 76. — 
*) Über diesen Ulrich s. ob. gu S, 63, — ®) durchsieben. — ^) grobe Schoüat. 



— 68 — 

theilung angeschlagen. Hette viel lehen, fiehlen denn lehenherra 

haimb. 

H^ : Es ist auch zu Obermünckhen ^) ain bürg, das noch inn baw, 
das der altten von Münckhen gewesen, das hoch thümlin schier zu oberst 
des fleckhen, ietzunder ain baurenguth, dasz die graben binden noch tieff & 
hatt unnd seer dick im gemeur und im baw noch. 

Nota: vor altter findt man inn der von Münckhen oder Scheffach 
innsiegel nicht änderst dann löwenköpff. Es sein die goldschmidt villeicht 
nicht vor altter so geschickht gewesen« dz sie zwen leweu rückhling im 
schiff schneiden haben können. Darumb es wie obgemelt khain enderung lO 
diser geschlecht der wappen ist. 

Weitter das schlöszlin zu Unndermünckhen im dorff ist durch 
Melchior Senfften •) erbaut worden, das vorhin nur ain baurengüetlin war, 
unnd ime gültbar unnd aigen zugehörig, inn anno 1515 vermög der über- 
schrifft ob der thür der behausung innwendig der maur gehawen steet, 15- 
wer es erbawt hab, unnd da khein edelmans sitz vorhin war. Sein, 
Melchior Senfften, damals hausfraw hiesz Margretha von Weisenfeldt. Nach 
ihrem absterben bekham er Wandelbar von Stetten. 

Der erste Absatz Es ist etc. und der dritte Weitter etc. finden sich mit 
geringen Abweichungen auch in R. 20 

Sulmaister. 

Sulmaister von Sulburg — disz alte schlosz bey Obermunckhen 
gelegen — seind in sonderer ansebung jäbrlieb in Verleihung der 
sieden zue Hall gewesen, haben auch ihre wohnung zum theil zu 
Hall im stainnhausz bey st. Johannis bruckhen^), noch zue Hall 25- 
liegendt, gehabt. Darunder einer Walter Sulmeyster, so die früe- 
mesz zu st. Johannis, ienseith Kochens gelegen, gestiiftet. Haben 
im schilt überzwerch einen gelben strich im blauen schilt geführt, 
uf dem heim zwen blawer flüegel wie im schilt mit zwerchen gelben 
strichen, wie etliche schilt zue st. Johannis gehangen sein. 30 

Nota: die ander Sulmeyster wie durchstrichen darvor'*) haben 
sich auch Sulmeyster gesehriben wie die andern, haben al)er gleiches 
Wappen geführt mit denen vonn Talheim, so zwen spickel schwartz 
und weisz im schildt, uf dem heim zwey böffelhömer schwartz 
und weisz, wie im baarfüeszercloster solche schilt, Tahllen und 3& 



iS alte: eerrütt H\ 27 ienhalb 11^, R. 2h strich Im bl. seh. aus H^, schilt i. bl. str. 
St*, im schildt zwen gelb und zwen blöw spickhel im wache wie Thalen stehende, und nf 
dem heim . . . //3. 31 wie d. fehlt H^, 34 zway flttgeln ^-'. 

*) wc7ug südlich von Unter münkheim. — *) Über Melchior Senfft, der 
auch ein kunstreicher Holzschnitzer war, s. Uerolt 76. — *) St, Johannsbrücki, 
so benannt row dem unmittelbar dabei befindlichen Johanniter haus ; jetzt Henker- 
bnicke; s, Herolt 74, Anm. i, und Gmelin 2fJ8. — *) = durchstr, wie zuvor (?) 



— 69 — 

ßulmeyster gehangen »ein, und gleiche wappen in der färb, in 
ledern schilt mit underschiedlichen nahmen gehangen ist. Ist mit 
der zeit nahmen und wappen geendert worden. 

Senfften. 

5 Die SenflFten kommen davon hero, wie dann die gerechtigkeit 

zue Verleihung der sieden vorhin wie gemelt zue den Sulmeystem ^) 

gestanden, aber nach absterben an die SenflFten kommen, die es 

noch haben alsz dieser linien und gebltieths; 

H^: (lasz allwegeu, wan man die sieden verleyhet, der elttest Sul- 

10 maister, so es ietzunder zu den Senfften gebürt, wen man den handtstraicb 
thut, ain Senfft soll thun, wie vorhin die Sulmeister gethon haben, darumb 
ilinen der abbt von Denckhendorff von seinen sieden, deren er ettlich im 
Hall hatt, zu Hall von aineni sieden allein, wann es verlihen würdt, so 
hoch solchs sieden kompt ain fiinfftenthail den Senfften gebürt, die vier- 

Xb thail der abbt einuimpt von des handtstraichs wegen zu ewigen zeitten, 
weyl ein Senfft lebt. Darumb ein grosz rechtferttigung zwischen dem 
abbt unnd Senfften gewest, der gcrechtigkhait halber. Aber der abbt hatt 
es verloren, wie die Senfften die handlung noch haben solche rechtfert- 
tigung unnd briefflich urkhunden beyhanden, das auch allwegeu der eltst 

"20 Senfft die zeit seines lebens einnimpt, unnd da er stirbt, wider uf den 
eltsten des Geschlechts kompt, unnd nicht wie ein lehen, da der nechst 
agnat inn lehen erbt, sonder alda der eltst derzeit under ihnen erbt und 
einuimpt 

Ebenso., mit geringen Abweichungen, R: der ScMusa von solche rechtf. 

25 fehlt. 

Sulburg verbrandt. 

Allsz -ein Sullmeyster zue SuUburg^) in naszen watthen^) von 

dem gejUg kam, seine klaider in der stuben wolte abtruckhnen 

und zue nahe zum oflfen hienge, sein sie zue nachts, da iederman 

30 schlieflF, unversehens angangen, dasz schlosz Sulburg verbronnen 

und seithero nicht mehr gebauet wordten. 

Hag^ Schnewaszer, Lecher, Gleicher. 

Hag, under Munckhen gelegen, Schnewaszer, Lecher, Glei- 
xiher^), vier nahmen, ein rittermäszig geschlecht, die ihr anwesen 



2 Ist — worden fehlt B^, B. 5 vonn solchen Sulmainstem R. 7 arblich kommen H^, R. 
8 linien aus H^, R^ einem Si^. 97 in nassen watihen au9 H^, nassem wettet St^. 29 nahe 
aus Hi, H*; nacht ^>. 33 oader ans Hi, H»; nndt SIK 

') Sulmeister: Herolt 74, z, T. gleichlautend mit Widman: Gmelin 206, 
^08 f. 235 ff. 347 ff. — «) Suiburg Herolt 74, Gmelin 355. — «) Gewändern. — 
^) Über diese Geschlechter s. Herolt 76. 50. 55 (grossenteils gleichlautend mit 
Widm.) und Gmelin 310^ 312 f. 



— 70 — 

zue Hall und zue Hag, alda man die zwey burckhstadel noch sihety 
gehabt; führen 4 schwartze schiefflein oder spieszeysen in einem 
gelben feldt und uf dem heim ein gelben gekrümbten heydenhuett, 
etlichen schwartzen federbusch habendt. 

H^: Haag, Schnewasser iinnd Lecher ist ain geschlecht, wie dz ^ 
Wappen zu etkhennen gibt 

Nota: Gleicher haben ain ander wappen weder Lecher oder Schne- 
wasser, sonder solche Gleicher füeren im schiltt inn wachs zway beyhelin 
mit langem stihl kreutzweisz überainander, unnden darzwischen ain eckh 
uff ieder seitten. 10* 

Dißz geschlecht hat st. Josen cappel ^) zue Hall in der Gelwinget 

gaszen gebaweth und ein pfründt darinnen, deszgleichen eine zue 

st. Michaelis pfarrkirchen zue Hall oben im glockenthurn, in der 

ehre st. Magdalene, gestiflftet ; ist, alsz die kirch erweittert, herab in 

das lange münster gezogen wordten. 15^ 

H'^: S c h ö n e n b e r g. 

Schönenbevg *) das schlosz oder bürg ist gestanden uff dem Scheffer- 
loch') genant strackhs bey Geyszliugen gleich über den Kochen hinüber, 
fomen zuförderst des bergs, da es dann holtz darauf steet unnd binden 
die graben noch hatt, zu ruck sehr tieff, unnd auch den bückh der be- 20* 
hausung*) noch hatt, wie grosz es ist gewest. Ihr wappen aber ist mir 
unbewust. Ich hab ain brief gelesen, da dz wappen herab khommen war, 
das Hanns von Schönenberg*), der Elisabeth von Schwelbrun anno 1392 
gehabt, burger zu Hall, verkhaufft hatt Dietlin von Ummenhoven, auch 
burger, ettliche güether anno 1396. Es ist solche bürg alsz ich ansihe 25- 
nicht grosz gewesen, unnd hat vil maurstein darbey, aber nicht gemeur 
mehr, sonder alles verfallen. 

Es ist auch darbey allemechst eben hinüber den Kochen bey dem 
berg Lewen genant, so der weg von Hall uf Geiszlingen zugeet, strackhs 
des Lewenbergs zu oberst hinausz uff dem hörnlin genant — wie dz 30* 
schlosz gehaissen oder innwohner genant ist mir ohnbewust — au^h. ain 
bürg oder schlosz gehabt, zuförderst desz bergs, da dann der kheller 
noch augenscheinlich zu sehen ist; jedoch eingefallen, aber am felsen noch 
sihet, wie es geweiht ist gewesen, das aim kheller gleich gesehen, auch 
vil maurstain da ligcn, aber nicht gemeur, durch die baurszleuth hinweg- 35» 
gefüert zu verbawen, auch verfallen. Es musz vor vil jaren abgangen 



1 Hagen H^. 2 funnff JR. \ oder sp. fehlt H^. 8 weissen HK | heim ain rott ge- 
krümbtt hom ÜTS. 4 «tatt etl. : drey R-i, B, 

*) Jodohushapelle, nicht mehr corhandenj unmittelbar neben dem gleich- 
benannten Torturm^ der jetzt irrig Josephsturm heisst, — *) Schönenberg, auf 
der Höhe über Enslingen gelegen, P/t St. nördlich von Hall. — ') — loch, = 
— lolie, jetzt „Schaf erhole^ y die östlich gegen den Kocher und Geislingen hin 
abfcdlende Zunge der Gaisdorftr Höhe, — *) Die Biegungen oder Winkel an 
den Ecken. — *) Derselbe Hans von Seh. ist ÜAHaü 19b^ im Jahr 1396 auch 
mit einem Gut in GoUwollshausen aufgeführt, s. auch Gmelin 34(Jf , 



- 71 — 

sein« Ihr wappen unnd nam mir unbewust; dz gewisz ain schlosz gewest 
ist, wiewol wenig anzeigung mehr alda ist; aber von alttcn baursleuthen 
gehört zu Geuszlingen, dz sie von ihren vorelttem gehört haben, das vor 
ettlich jaren noch vil gemeur hab gehapt, unnd der kheller noch unein- 
5 gefalen gestanden gesehen, auch wie weit es im gemeur umbfangen gewesen. 

Zoru, Hell. 

Zorn and Hell ^), die zue Hall auch geseszen, ist mit Hag ein 
Wappen, ohne dasz die feldung Zomn weisz undt der krumbe huett 
uf dem heim gelb ist, mit 4 rothen knöpffen, mit schwartzen feder- 
10 buschen. 

Nota: ich habe gesehen schildt der nahm Zorrn, und hat 
gleich Wappen mit Schnewaszern. 

Nota : Hellen haben der Schwaben wappen durchaus gebraucht, 
und ist auch ein geschlecht gewest, wie mit alten briefen zu be- 
15 weisen. 



^ 



Bachenstain. 

Die von Bachenstein ^) sein zweyerley; etliche haben schildt 
undt heim wie letzt die Senfften, ohne dasz der einhorn uf dem 
heim nicht fuesz hat, geführt, und doch vor alters die Müntzmeyster 

20 mit dem zunahmen genennth und der Senflften geschlecht gewest. 

Die andere Bachenstein, deren etliche auch zue Hall gewohnet, 

sein die Bachenstein von Dettingen genandt worden, dann sie Det- 

tingen am Kochen^ zum theil sampt einem schlosz in der dingen 

abwärths Dettingen liegendt, Bachenstein genandt, inngehabt, wel- 

25 ches gemäur man noch sihet. Ihr wappen ist ein blawer schildt, 
in der mitte die länge herab einen gelben strichen und uf dem 
heim 2 rothe hörner habendt. Der letzte dieszes geschiechts ist 
pfaltzgr. Ludwiegs gemahl hoffmeister im frauenzimmer zue Haydel- 
berg gewesen*), daselbsten er auch verschieden. 

30 H.^: Nota, ich findt in einem altten brieff zu Oberspelttach in der 

kirchen ligentt, das die von Bachenstein dem gottshausz zu emantteni 
Spelttach ein fein einkomen gestiflftett, deren man darbei gedenckhen soll, 
sein aber wenig daselbsten, die es wissen; wie können dan sie solcher 



B ds krnmbhom H^. JO doch wollen attliche, das dises krambhom .... sey nitt ain born, 
sondern soll «in krumar baydanhnett gowasan sein i/s. X2 Dit Nota fthU H^. 18 Hellen 
au9 Hi, beim S/». 24 obwarts H«, B. 25 Ibr — sobildt fekU H^, 27 bOmer in ainer 
cronen R. 29 H^ btginnt hUr einen neuen Abschnitt mit der MarginalUberaehrift: Haag. 

«) Zorn Herolt 60, Gmelm 366; Hdl Gmelin 345. 371, — «) Herolt 69. 
77, Gmelin 275 ff. — ') Döttingen am Kocher, zwischen Hall und Küntdaau, 
— *) hierüber a. Gmelin 277, 



— 72 — 

leutth gedeDckhen, die ihnen solch einkommen gestifftett, darvon man die 
diener des wortt Gottes erhaltten solle. Ich hab ihn gelesen den brieff, 
so darüber lauttentt, und ein abschrifft darvon bekommen p. (= durch?) 
Phillip Lachman^ der zeitt schulmaister und meszner zu Uonhart. 

Im hag dieszes burgkbstadels finden die bauem ie etliche 5 
lehmeisen *), dann es ist belagert, eroberth und zurbrochen worden ; 
von weme aber, ist mir nicht wieszenth. 

Enszlingen, Hurdelbach, Altdorff. 

Burgkh Enszlingen ^), nicht ferne von dem dorflf Eschenthal 
gelegen. Enszlingen, Hurdelbach^), Altdorflf — drey nahmen, ein 10 
geschlecht; ein schilt, der lenge nach halb roth, dasz ander theil 
zwen weiszer und zwen blauer strich, tiberzwerchs uf dem heim 
ein roth hörn und ein hom wie der schilt zwen blaue und zween 
weise strich habende. Einer dieszes geschlechts, Clausz von Hurdel- 
bach genandt, ligt zue Thungenthal im dorff uf dem kirchhofi^ be- 15 
graben, ist von der von Hall wegen im concilio zue Costantz ge- 
wesen anno 1415. 

Anno domini 1534 ist der letzte dieszes geschlechts verschie- 
den, etliche sagen in einem gloch*) under den landtsknechten ent- 
leibt worden. 20 
H*: Nota: den namen Hirdelbach haben sie nicht lang braucht, ver- 
mög eines altten briefs, dz herr Conrad t von Ennszlingen von Hurdelbach 
genant, ritter, sich schreibt anno 1358, den darvor sich kheiner von Hirdel- 
bach geschriben hat, unnd seine söhn Hannsz Fetter unnd Hainrich von 
Hirdelbach schreiben, unnd den namen uff sie Ennszlingen fallen lassen. 25 



6 Statt ie: ihr H^, 11. 7 weiss uiemanndt B. 10 gelegeiif uff der khlingen, da es noch 
ein wenig gemeor batt, wie groex es gewest unnd die grftben aach noch hatt H^. \ Biler- 
AUtdorff HS 14 und ein blauw nnd weiss hörn wie die scbiltt getheiltt habende H^. 
15 under einem grabstein sein wappen habentt UK 17 anno 1416 feklt H^. 

*) PÄ. Lachmann, „ein wirklich tüchtiger Mann"*^ kam 1594 als Schul- 
meister nach Honharty ACrailsheim 316, die Nota stammt demnach von eintm 
FortsetBer Widmans, dessen evangelischer Standpunkt sich auch durch die Be- 
Zeichnung: ,, Diener des Wort Gottes^ zu erkennen gibt, — *) Eisen, welcfie den 
Herankommenden lähmen sollen, Fusseisen, Fussangeln, Schm. — *) Enslingen 
im Kochertal, bei üntermünkheim. Die Lage der ehemaligen Burg ist unsicher, 
Bumal da Widman sie nähei' gegen Eschental hin (nördlich von Enslingen) mu 
versetgen scheint: AHall 194 gibt ihr eine Lage, die ungefähr mit dem oben 
beschriebenen Schloss Schönenberg zusammentrifft. — Über das Geschlecht EnS' 
lingen vgl. Herolt 77, AHall 194 f. — *) Hurdelbach, auch Hürlebach, 
Hurreibach, jetzt Hörlebach : gemeint ist nicht das zur Gemeinde Wolperts^ 
hausen gehörige, sondei-n das bei Suizdorf liegende, jetzt ry^atheshörlebach^ , 
S. Herolt 81, wo auch von Altdorf die Rede ist. Über alle drei vgl. auch 
Gmelin 300 f. — *) Gelage. 



— 73 — 

So ist auch ain bürg ob dem dorff Ennszlingen gestanden, so der 

von Ennszlingen wohnung auch gewest ist, inn der bürckhalden gegen 

der klingen zu oder burckbergen genant, alda man noch wenig gemeur 

sihet, wie weit es gewest ist, also dz die von Ennszlingen zwo bürg beede 

5 Ennszlingen genant gehabt haben. 

Alttorff. 
Der sitz der von Alttorff ist bey Alttorff uff dem stamrecht*) ge- 
standen, da dann solches stamrecht ain weytte haydt ist, drey geroaindt, 
Altorff, Zimmern unnd Gauchshausen zusamen treiben, desz vor jaren 

10 äckher unnd wisen gewesen unnd inn solche bürg gehörig, sampt einem 
holtz darbey, so der gmaindt Alttorff allein zugehörig, von einer edlen 
wittfraw disz emants geschlechts, alles den drey gemaindt zu einer al- 
rauth *) oder waydt gegeben. Auch hat einer desz geschlechts Alttorff die 
pfarr daselbst gestifft unnd begabt laut desselben brieflichen urkhunden 

15 so noch vorhanden unnd man inn der pfarr hatt'). 

Branuspach, auch Cüntzelsauw, Htoltzen genandt. 

Brannspacb % ein schilt von oben herab halb blauw und weis, 
über eckh ein zwerchstrieh, dessen färb mir nicht wiessendt, wie 
Senflften, wie zu Komburg im creutzgang uf den alten grabsteinen 

20 stehet, und die umbschriflFt desz steines von Cüntzelsauw stehet, 
und zwen flügel auch also. Disz geschlecht seindt auch die von 
Cöntzelsay genennt worden, von wegen dasz ihrer etliche ihr an- 
wesen zue Cöntzelsey gehabt. Dieszer sietz sam])t etlichen nutz- 
ungen und gerechtigkeiten haben auch die Gäler inngehabt, folgendts 

2ö die Spieszen '^), nun an die von Chraylsheimb kommen. 

Ennygen, zue den 7*" geschwiestrichten. 

Ennygen*^) haben auch die Eyszenhntt inngehabt, führen ein 
weiszen stünnbeisenhutt in iedem flügel, im schildt und heim. Man 

17 schiltt ober ackb //^ H\ 18 aber — st«h«t ftklt H*. HS AVidb gehabt: aueb di« 
StoIts«n gebaiason H*. $4 OOler JI^, GoUer H\ 27 Nennlogon oder Eooingen H*. 
HS in — beim ttatt d99»en : inn ainem tobwarUen feldt, im schiUl unnd nff dem beim swen 

*) Dieser Ausdruck scheint hier zu bezeichnen die Gesamtheit desjenigen 
Grundbesitzes, welcher einstmals dem Stamm oder GeschleclU derer ton Altdorf 
um ihre Burg her gehörte und nachlier an die drei Gemeinden geschenkt umrde^ 
also die zwischen GrossaUdorfy Loren ßenzimmern, Gaugshausen und Oberaspach 
liegende Ebene (y^Heide*^). — *) Almuth = Aümand : analoge Bildung bei Wid- 
man: Demut statt Diamant. — •) Über zwei Bruder Winiher und Richilo von 
AUdoffy die 1091 eine Schenkung machen an die Bartholomäuskapdle (in Alt- 
dorf?) s. AHall 216, — *) HeroU 77. — *) Herolt 77. 178 : und unten in 
den ^Haller Ännalen**, Abschnitt: ^Heinrich Sjness stirbt."^ — •) Enningen, abg. 
Ort zwischen Braunsbach und DCitingen, HeroU 78. 



— 74 — 

sieht ietz nichts mehr dann die graben dieses schloszes. Under 
diesem schlosz ist die cappel zunn 7*° geschwistrichten genandt 
gebaneth. Ich achte, dasz diese cappel daramb werde zunn sieben 
geschwiestrichen genandt, dasz sie vieleicht in der ehre undt ge- 
dächtnus der heyl. frawen Foelicitatis und ihrer 7«" kinder') 5 
geweyhet sey. Dagegen sagen die alten da umbsietzend bawers- 
leuth, sie haben von ihren eitern gehört, dasz etwann uf solcher 
burgkh sey eine edelwittfrau geseszen mit sieben kindem, die 
alle feyrtagh mit ihren sieben kindern herab in diese cappel zue 
kirchen gangen und viel allmoszen geben, die bauersleuthe freund- lo 
lieh angesprochen; dergleichen nach ihrem todt ihre siben kinder 
auch gethan; dahero diesze cappel zunn sieben geschwistrichten, 
welche sie sagen alda begraben sollen liegen, den nahmen em- 
pfangen. 

Ich habe gelesen ein kaufFbrieflF, darinnen einer von Bachen- 15 
stein, Marckhoivus genandt, bekennt, dasz er etliche güetter bey 
Nennyngen einem Eiszenhutt verkaufft habe. 

Diesze cappell zue Nennyngen ist seithero der bayrischen 
empöhrang-) zurrittet worden. 

H*: Nota: solche bürg und schlosz haben gebawt unnd bewohnt 20 
edelleuth, die von Nenningen, wiewol der Nenninger zweyerlay waren; 
aber dise haben ain wappen, ain halbierten schiltt inn halbem feldt uf- 
richtig ain löwen; inn dem andern halbtheil ain höuerfusz der leng nach, 
da das kölblin ist, darauf wie ein federwisch im schilt inn wax; ulf dem 
heim unnd färb mir unbewist. Solche wie gemelt haben die bürg bawt, 25 
unnd ist kauffweisz an die Eyssenhut kommen, da solche bürg ist zer- 
gangen, unnd dz kirchlin ist Enningen genant gewesen unnd nicht dz schlosz, 
so solches kirchlin seithero auch zergangen ist. 

Die andern Nenninger, so sich nit von Nenningen sonder blössig 
Nenninger geschriben haben unnd kUrtzlich abgestorben, alsz Georg Nen- 30 
ninger zu Gelwingen gesessen, der eine von Elberichshausen ') gehabt hat 
unnd der letst desz geschlechts gewest, füert im schilt ain halben hirsch- 
kopff unnd halsz, mit den vordem füessen rott inn gelbem feldt mit rottem 
gehim*) unnd dergleichen ainen uf dem heim habendt 



Bchwarts flügel, auch ein weyssen BturmeyBsinhut habondt H-, tiaii dta traten SaUts: Was 
die TOD Enn. und Braansp. für ein wappen gebabtt, bab ich nie erfahren khanden H>. 
7 sie aus H^, H»; die StK 8 khlnden H«, H\ ip Nach irordtn fügt //s hinau: Euwer- 
hausen haben ihr anwesen ettliohe zu HaU and Undermttnokhen gehaltten, haben in einem 
rotten tohildt ein weiften einhomkopf biss an die hrnst, auch also äff dem heim. Der 
leizste disc f^. starb an Xidemhall. 

*) Die Römerin^ die mit ihren 7 Söhnen zur Zeit des Kaisera Antonin 
enthauptet wurde. Ihr Gedächtnistag ist der 23. November, — *) Bauernkrieg, 

— •) Wohl EUrichsfMusen, obgleich die Form niclU recht stimmen wiÜ. — 

— *) Gehörn, 



— 75 — 

Adel von der Biler. 

Der adel, so aber etwann an dem fluesz Biler geseszen, 
80 abgestorben, und die burgkh, so zurbrochen und eingefallen, 
sein diese. 

5 Kothspüel. 

Von Kothspüel ^), ein rother strich oben herab in einem weisen 
feldt im sehildt, unnd uff dem heim eines weisen laidthundts brüst 
ohne füesz, uf beeden seithen mit einem rothen strich über die 
hangende ohrn von oben herab habendt. 

10 HK Sunthaim. 

Die von Sunthaim, so dz scblosz zu Oberdunthaim gebaut unnd be- 
sessen haben^ so ietzunder die schenckhen herrn von Limpurg, freyherni 
unnd erbschenckhen des Römischen reichs innhaben unnd weitter mit vor- 
hoff unnd behausung erbawt haben, den vorhin war — haben sich die 
15 Wölffer von Sunthaim geschriben, im schilt ein zwerch schwartzer strich 
inn weisser feldung, eben herüber uff dem heim zwey hömer weisz, inn 
der mitt ein schwartzen strich habendt wie im schilt, so abgestorben. 

Schwällbrunn, Häffner von Undersuntheira. 

Schwellbrunn*) zue Fndersunthen, die HäflFner und Under- 
20 sonthen genandt, von wegen dasz sie einen rothen haifen in 
einem weisen feldt im schildt undt auch einen rothen haffen uf 
dem heim geführt. Der letzte dieszes geschlechts ist uf dem weg 
zwischen Ellwangen und Dinckhelspühl, alda noch ein stainern 
creutz, daran Schwellbrunn gehawen, am weege stehet, umbkommen. 

25 H*: Nota: Schwelbrun ist zwayerlay. Die aiuen haben, wie gemelt 

ist, ain rotten haaffen im schilt, sein auch die Häffner genant worden, 
alsz ettliche altte brieff zu erkhennen haben geben, unnd ettliche auch 
von Schwelbrun genant. Die andern aber von Schwelbrun haben ain krum 
gaiszhom im schiltt, ufrecht gekrümbt, gleich wie die von Adelszheim, so 

80 noch lebendt. Ist ir schlosz oder bürg zu Schwelbrun inn oder beim 
Weyler') bey Öringen nit fem gestanden, sein den Hellen oder Schwaben 
genant verwandt unnd beede geschlecht burger zu Hall gewest. 



6 Kothsp. au9 H^, beidemal Rotbspnel SO, 9 Xach habendt: Es hatt aine disz geschlechts 
die cappeUen sn Kottspühel gestifft unnd begabt. W* ; ebenso H.^ mit der Abweichung : eiuerf 
mtd dem Beisatz: und in der dotation solcher oapplonei sich barger zu HaU geschriben; 
ähnlieh f mit einem weiteren Beisatz, R. 19 rnndersuntliaim H^, JH. 

^) HeroU 80. — *) SchweUhrunn^ Häffner HeroU 80, — *) nämlich dem 
Weiler SchwöUbronny westl, von Öhringen, 8, Kgi\ Wüt-tt. /7J, 599. 



— 76 — 

Streckhfuesz. 

Streckhfuesz '), von Streckburg. Ein rotter ufgethaner adler*) 
mit gelben fdeszen und Schnabel, ein gelben strich durch die flüe- 
gel und obrust^) überzwerch im schildt, in weiszer feldung, und 
uf dem heim habendt. Solches geschlecht soll dasz hinder schlosz 5 
zue Vellberg innengehabt und bewohnet haben vor langer zeith. 

H*: Wie dann Velberg vor altter ettlich ganerben gehabt soll haben 
uuud erblich transferiert, das khain Weibsperson nach absterben solches 
mitganerbengeschlechts soll thaill haben an der behausung zu erben, son- 
dern den andern mitganerben haiinlallen, weyl einer lebt. Also ist es 10 
erblich uf dises geschlecht unnd namcn dem sitz nach allein kommen, die 
es noch haben. Ehtivao R, 

Buch. 

Buch^), ein schwartz stehender schreyender low, der den 
schwantz durch die hindern 2 beynn schlecht, im gelben feit, also 15 
auch uf dem heim habendt. 

H^: Der burckstadel ist ob Anhausen, wie der bach von. Buch 
hereinfieiist inn die Byler, da man den knock der behausung uf dem felsen 
noch gnuogsamlich sihet; ist khlain gewest. Ebenso (mit der Äbtceichung 
buckh statt knock> R. 20 

Ohausen. 

Item Ohausen^) dasz burckhstadel, oben wie der bach von 
Buch in Biler fleust, liegt. Haben ein schieldt, der under zwey- 
theil gelber färb, der ober drittheil schwartz, in der mitten ein 
rothen strich habendt. Dasz kleinodt uf dem heim ist mir nicht 25 
bewust. 

Höhenstain. 

Hohenstain®), im weiszen feldt ein ufgebraitten adler, uf 2 
guldinen kugeln, in fdeszen habendt, und oben herab halb roth 

2 Bo nun Streckhonburg gcoantt i/'. 8 ein — überzw. fehlt H^, B. 4 and brüst H^. 
5 »l80 auch erreltter färb ain »dler H-'. € vor 1. z. fehlt Hi, HK 14 Buch bey Vel- 
berg if*. 22 Ver Baiz Item — liegt i«t von H^, H auf die Burg der wn Buch im vorigen 
AbsehniU fezog*n, für Ohausen hat H'^, R eine andere Beechreibung. \ Hohausen nun Ohausen 
genantt H^. 25 mir — bewust: statt dessen.' ein rotter hundt ohne fUesz H^, S, 28 an 
der Biler, da die Otterbach darein fleust, gelegen H». | weissen schiltt H^, St^. | vm- 
gebr. B, uf — habendt fehlt R, 29 f. haben steendt H*, mit gelben fflesaen R. 

*) HeroU 52, — *) Adhr mit ausgebreiteten Flügeln. — ^) = zu oberst 
foberöst, obröst, Lex,) 9 — *) S. Of\ausen. — ») Anfiausen OA, Hall: über 
die ^Ohausetty du von Buch genannt^ s. Herolt 81. — •) HeroU 81, 



— 77 — 

und halb blaw, uf dem beim ein zway ^) weiser röhr, ieder ST 
schwartzer feederbüsch habendi, geführt, wie dann solches af dem 
grabstein im creutzgang desz elosters Murrhardt gehawen liegendt 
gesehen wirdt. 

5 Ich habe gehört von einem gantz alten bauerszmann, der 

alte Berchtolt Grether genandt, desz ietzigen alten Berchtolt Gret- 
ters*) vatter, welche sie und ihre elltern bey 200 jahrn uflf dem 
hoflF Jochsrodt^) genandt, der nicht weith von diseni s(*hlosz Hohen- 
stein gelegen, gewohnt, dasz er gehört hette von seinem vatter, 

10 dasz derselbe ein junger knab gewesen, und hette mahnen^) müszen, 
da were zu Hoenstein ein groszer uifriett gewesen. Also wann 
sein vatter hette habern wollen sähen und den habern ins fehlt 
geführt, hette er den saathhabem ausz dem saekh uif einen haufien 
in ackher müszen schietten und den sackh verstoszen. Dann wo 

15 die, so zue Hoenstein ausz und einritten, den habern im feldt im 
sackh sehen steen, so zwangen sie den bauren, dasz er den sackh 
mit habem ihnen uff ihre gäull heben, führten in das schlosz 
Hoenstein und verfretzten. Zum andern sagte mir dieser Gretter, 
wie ich dann sonsten der orthen von etlichen alten bauersleuthen 

20 auch gehört — sentiat tamen quisque fide quod velit — nach deme 
viel gefangner uff Schätzung in diesem schlosz, darausz die her- 
tzogen zue Bayren angegrieffen wurden, erhalten, hette eine wittfraw 
in Bayerlandt oder Riesz einen söhn, der uf der straszen fuhr, 
seine mutter damit ernehrte, welcher zwirnlt in diesz schlosz gefangen, 

25 geschätzet und auch seine mutter gelöszet worden. Alsz aber er 
in solchem schlosz zum drittenmahl gefangen wurde, und die Avitt- 
frau durch die vorigen zwo Schätzungen erarmeth, dasz sie ihren 
söhn zum dritten mahl nicht lösen können, und kein l)itt beym 
edelmann wollte helflen, sprach die frau: ihr habt mich zu einer 

30 bettlerin gemacht und wolt mir nun meinen söhn im thurn darzuc 
ertäullen, so solt ihr sehen, dasz ich euch ein atzmann^) will in 
hafiFen setzen, dasz ihr müszet auszdörren, ehe mein söhn erfaullt. 



1 blaw, in weisser feldan^ U^. | ein fehlt H^, M. 6 welcher vor 40 Jareo gestorben 7/-^ 

7 5r> hat vor welche noch welcher; — welcher er nnd . . H^. | annderbalb hundert L'. 

8 Jochtr. aus m, Jachs-Codt «>, Jagsirodtt H», Jochst Roth St'K 10 alsx derselbe If^, 
tf9, R, St^. 11 ufreutten i/>, H^, B, Sti. 13 uff heafflein St*. 16 sehen steon aus 
//2, R, Sfi; sehen stunden StK 17 muHt heben H'^, St'^, 18 zu fretzen H^ uffretzten U, 
fretzten Sf^. SO sent. —velit fehlt H^, JI^. 24 zwirnet H^, H^ ; zweymal R, St'^. 

') ein zway = eine Zweizcüü, ein Paar, — '^) über Berchtold Gretter 
9. oben S, 14, Antn. 1, — ) Jagstroth OA, Hall, — **) Äh ^Menbuhe^ einge- 
spanntes Vieh führen oder leiten : Schm, — *) Kostgänger, 



— 78 — 

Solches der vonn Hohenstein alsz einer törrichten rede gelacht, der 
frawen gespottet, sie hin laszen zihen. Am andern tag, alsz der 
nach dem morgeneszen im schlosz Hoenstein uf der bruckhen bey 
etlichen edelleuthen gestanden und mit ihnen geschwätzt, hette er 
gehlings angehebt zue schreyen und gesagt: die alte hex will 5 
mich verbrennen. Darauf seinen knecht die pferdte heysen satteln, 
«yllendts gen Chomburg in dasz closter geritten, sich mit dem 
sacrament laszen versehen, am andern tagh gestorben; ligt zue 
Chomburg im gang vor dem alten capitellhausz *) begraben, soll 
der letzte von Hoenstein sein gewesen. 10 

Neunbronn Hoenstatt. 

Neunbrunn ^) bey Hoenstein, über die Biler liegendt, haben 
sieh die von Hoenstatt genenth; haben 4 strich und ein stuckh 
eines berlin cräntzleins ^) in einem schildt der zwerch nach, von 
was färb oder was sie uf dem heim geführet, weisz ich nicht. Ich 15 
finde auch in gantz alten brieffen, dasz Neunbronn die Adelmann 
haben inngehabt. 

Nota: uf dem heim 2 flügel mit strichen und cräntzlein wie 
im schildt. 

Waszerfräwlein. 20 

Es hat sich zugetragen, dasz einem von Hoenstein etliche 
edele weiber vor fasznacht zue ihme in sein schlosz Hoenstein sein 
kommen, welche nach dem nachtmahl in der mummerey verbutzt wie 
voor zeithen die weiber mit 2®" spietzen gehtiUet^), gemahlt ^), von 
Hoenstein hinnüber in dasz schlosz Neunbronn gangen, daselbst 25 

1 aiu.. red geacht H^, K ; für ein . . . geachttett H^, 8t^. 2 Über cttliche tag H\ | 
der edelmao U^, er B, St*. 10 U* gibt noch, mit Himotisuttg auf die durch einen von Hohen- 
ttein getttifttU Mirhaelakapelle auf Comburg, eintn Zusatz, wonach dieser doch nicht der UtMte 
de» Geschlechts gewesen. lü statt bey : oder B. \ Hohenstatt, nachher Hohenstein H^, 
Hobenstatt Korrektur für ursprüngl. Hohenstaln R\ Hohenstatt St*. 19 Diese Nota is 
bei B statt des Satzes von >vaB — nicht in den Text eingerückt, 25 Xewbronn St*, 

*) Der y^alie Kapit eisaal** ist derjenige Raum im Süden der Komhurger 
Kirche, der jetzt den Namen Schenkenkapelle trägt, s, Mülltr, Schlosa Korn- 
burg^f S. 29 f, — In der Vorhalle dieser Kapelle (=> Widmans y^Gang vor dem 
alten C*^) ist auch jetgt noch ein Hohensteinisches Epitaphium erhalten: der 
Denkstein der 1347 gestoi'benen Adelheid von Hohenstein, s, 31 aller, Die Grab- 
denkmale in Komburg (Württ. Jahrb. f. Statistik u. L, 1897 I) S. 228 und 
Tafel HL — *) Neunbrunn s. HeroU 81, — ') Perlenkränzlein. — *) angetan 
mit Hauben, welche in zwei lange Spitzen ausliefen, von welchen Sehleier herab- 
wallten (?); diese Tracht muss damals schon längst abgekommen gewesen sein, 
— *) geschminkt. 



— 79 — 

getantzet, collatzet*) und im widergehen in die mühlen under dem 
schlosz am flnsz Bieter ligendt in dasz kunckhelhausz zunn bauren- 
m'ägden, willens mit ihnen zu tanzzen gangen. Alsz aber die 
bauemmägdt diese verbutzte spietzig gehüllte edelweiber gesehen, 
5 seind sie aus der stuben geflohen. Also sein die edelweiber auch 
widerumb in dasz schlosz Hoenstain gangen. Zue morgens haben 
diese baurenmägd iedermann gesagt, wie zue nacht waszerfräu- 
lichen *) ausz der Biler zu ihnen in die vorsetzt oder kunckhelhausz 
sein kommen, und also sie ausz der stuben geflohen, weren die 
10 waszerfräulichen widerumb ausz der stuben zu der Biler gegangen, 
in einen gumppen unnder dasz waszer gefallen, dasz sie es bat- 
schen gehört, und underm waszer verschwunden, dahero der gump bey 
solcher mühlen uf diesen tagh der waszerfraucn stuben genandt wird. 

Holtzfräwlein. 

15 Also auch haben die herrn von Weinnspergh vor zeithen dasz 

gejäg uf dem holtz hey Wintzenweyller ') unferne von dem stält- 
lein Gailldorff gelegen gehabt, unnd uf ein zeith an dem orth, noch 
der Weinnsperger gehrn*) genandt, ein schweinhatz gehabt, ihr 
frauenzimmer mitgenommen, und bey einem erdtfall im waldt den 

20 weibem sich zu erwarmen ein fewer gemacht. Allsz aber von 
ungeschichten ^) zwen pauren im waldt dises frauenzimmer^) mit ihren 
bunden') gesehen, haben sie den bauren, so daselbst inn hoffen 
sietzen, gesagt, wie sie waldt : oder holtzfrauen im waldt bey dem 
fewr sietzend gesehen betten. Dahero solcher orth desz waldes — 

25 ist letzt desz stifftes Chomburg®) — uf diesen tagh zue der holtz- 
frawen stuben genandt wirdt. 

Scheffach. 
Underscheffach *) oder Schiflleo, davon wir hievohr*^) gehört. 



8 banranmaiden H^, E, 8t^, ao auch naehlier. \ in willen 8i^. 5 geloffen 8t*. 8 -treu- 
lin H*, H^, 8t^! -frawlein B. | vorsitz H^, denn Torsets B. | knnckhelstaben HK 
12 pflattcheu U^, plumpen H^, plattschen R, 8t*. 91 Ton ungeschichten zween au9 H-, 
R; Ton uogeechickthen zweyen aus Missverstand St^. 88 onnd der von Mflnokhon ge- 
»chlecht war H*. 

*) Erfrischungen eingenommen. — ^) pleonastische Fluralheseichnung, da 
das Fränkische mit der Silbe — lieh selber schon einen (kollektivischen) Plural 
büdei, — •) bei Eutendorf OA. Gaildorf, — *) gehrn, gören, Masc.^ keüföt-mi" 
ges Stück, ursprünglich des ^teideSj hier übertragen: des Feldes oder Waldes 
(Schm.), — *) von ungrfähr, — •) koUektivisch. — ') turbanartige Kopfbedeck- 
ung, Kopfbund (?), — ") Kloster Komburg erhielt hier schon 1091 Besits, K. 
WürU. III, 486. — •) Herolt 82, OAHall 324, — ^<») gemeint ist die Stelle 
oben bei y.Münkheim'' S. 67. 



— se- 
ist von den hertzogen von Bayrn, die daraus beschädiget, zur- 
störret worden. 

U* : Item zu Oberscheffach ist auch ein bürg gestanden oder schlosz 
inn der Schmerach uff der seitten oberhalb dem weg uff Aspach zu ; was 
geschlecht aber bewohnt hat oder ir wappen ist mir unwissondt. Das 5 
geliger*) haist in der Linterszwisen. 

Das annder schlosz an der Schmerach zuvorderst des knocks^) gegen 
Reinsperg zu bey der unndem müleu, stracks über die Byler hinüber, des 
auch noch grüben zimlich tieff hat, unnd den bück der behausung'), auch 
ettlich vil maurstain, aber inn emanten beeden schlossern khain gemeur 10 
mehr hatt; aber doch in beeden zu sehen, dz Schlösser waren, aller an- 
zaigung nach mit graben. 

Brun, Hopffach. 

Brun, Hopffach**) — ein geschlecht; einen weisen bach in 
einem blawen feldt führendt. Herr Conradt von Brun, ritter, hat ir> 
seine behauszung im dorff Tungenthall daselbst zue einem pfarr- 
hausz, und ein gutt zue Hopfach, Leupengutt genandt, an einen 
jahrtagh zue Tungenthal, im jährlich zue halten, geben. 

H* (ähnlich Ä, Si'^): Solch schlosz zu Hopffach ist bey Byllrieth 
oben über die Byler gelegen, desz die graben noch, aber nit gemeur mehr 20 
hatt, auch den buckh der behausung noch hat, bey dem himmelackher ge- 
nant, so darbey ein ackher also genent ist, ligt. 

Rainwolsperg. 

Rainwolszperg^), ein blawen hanimcr mit gelben stihl in rotheni 
feldt, also auch 2 rothe flüegel uf dem heim. 25 

Einer dieszes geschlechts Hannsz genandt hat die hofistatt 

zum pfrünndthaus zue Schepffach geben. Ihre burgkh ist uf dem 

knockhen bey Rainwolsperg ob der Bieler gelegen, noch zum burckh- 

stadel genandt. 

H"^ (ähnlich, aber kürser St\) : Deszgleichen hatt es ein bürg gehabt 30 
bey Raiusperg herfür uff dorn knock der liuckhen handt, da der weg uf 
ünnderscheffach zugeet, strackhs ob Uunderscheffach, da es die graben 

6 Lentteriwiaen Ä, das gel. — Liut. fehU St^. 9 bruckh StK 11 aller — gr&ben fehU ß; 
der ganze Schlusa kürzer bei St^. 14 strich oder baoh St^. 15 ttberaworch uf dem heim 
zweu fittgel, bloe, auch inn icdem zwerch ain weieeen bach wie im Bchiltt habendi if*; eine 
andere Wappenbeschreibung, nämlich: furn über eckh ain ttrichen» darin drey judenglookb, 
zwen flugel, gibt Ä, ähnl. St^, 2i ettwan Reinhardttsporg genaut H^. 25 flüegel mit eiro 
haramer 11^. 37 ünderscheffach 11^. 

*) Die Flur. — '^) Bergvarsprung, — ^) Biegung des Gemäuers (?), alsfy 
ein so hoher Mauerrest, dass die Linie der Umfassungsmauer noch erkennbar 
yjar, — *) HeroU 83, AHall 321 f. — *) Heinsberg, Herolt 83, AHall 332 f. 



— 81 — 

unnd ettlich gemeur noch hatt, rundtlich wie ein thnrn. Was für ain ge- 
schlecht aber besessen unnd bewohnt, unnd ir wappen gewest, weist nie- 
mandt mehr, dan man sieht dz ain schlöszlin ist gewest 

Item zu Herttlinszdorlf*) hinder Kainsperg gegen der klingen 
5 Schmerach zu ist auch ain schlöszlin gestanden, khan niemandt wissen, 
wie es geheissen hab, sonder dz geliger haist uf Hertlinszdorlf, da es die 
graben noch tieff gehabt hat, unnd den bück der behausung hoch. Ist 
aber seidthero zu eckhem daselbst herumb erbawt unnd solche graben 
durch den ackherbau worden eingezogen, also dz man nicht vil mehr daran 
10 sieht. Aber der brun, den man zum schlöszlin braucht hat, noch fein ge- 
maurt, ist heraussen. 

Billriett. 

BieHritth^ ober Krefiftelbach uf dem knockhen desz bergs 
liegendt soll etwann von der cronn Böhem zae lehen gangen 

15 H*: unnd den von Bilrieth, des geblüets von Veynaw, mit drey 

rotter rosen, inn der mit ain grünen strich habendi, inn weysser feldung, 
erbawt worden sein, so ihren namen darvon haben, unnd kauffweis an 
die Küchinmaister, auch die Un müssen, hemacher an herr Ulrich von 
Bruneckh unnd letzlich ann Philipsser kommen, da es erlast') unnd zer- 

20 brochen ; so sich ain iedes innhabendt geschlecht darvon geschriben unnd 
genant, weyl es gehabt, wie die Kuchinmeister auch gethon haben, 

und der kucbenmeister desz Rom. reichs alda geseszen sein, derer 
Wappen icb nicht gewies erkundigen mögen. Etliche sagen, Billriett 
habe ein bmstbieldt zwischen zweyen säohlen alsz auch uf dem 

25 heim geführt. Ich habe aber brief gesehen mit anhangendem Sie- 
gel, darinn sich die edelleuth von Feinnäw von Bielrieth genennt 
und geschrieben, dasz ein wappen mit 3«° roszen, grünnen strichen 
wie Feinnäw gefuhrt. Ist durch die von Hall vor der statt krieg 
zurbrochen, und dasz pfröndtlein sancti Udalrici, dasz im schlosz 

30 Bielriett gestanden, gen Hall in st. Michaels pfarrkirchen — herr 
Georgen pfröndt oder altar genandt — gezogen worden. 

Diese bürg Billriett musz zu den zeithen kay. Carlls desz 
vierdten noch gestanden sein. Dann ich habe von etlichen alten 
desz adels gehört, alsz gedachter kayszer anno domini [1349] den 



8 bis mehr findet »ich das Stück auch in B, 19 erlOsxt Ü, 23 die H^. 28 Kucbin- 
maioBter habe H'^\ gleiehfaüa auf dit Küchenmeister besagen, aber mit breitster Anknüpf ung B. 
26 Nach gefOhrt: das aach war ist H^. \ Ich habe — geftthr« fehlt B. 27 StaU dass: 
doch H2. I gt. etr. fehU fT«. 84 Dis Jahreseakl fe/Ut B,, „1893« St*; 1849 ist vermutungs- 
weise eingesetst nach Stalin 8, 244 Anm. 4. 

*) Von diesem Schloss in dem abgegangenen Ort Hertlinsdorf redet auch 
Herolt (S.385f,J in seinem Gültbiichlein; es war nach ihm ein „Wasserhaus'' 
und Sitz der Edelleut ^die MüUer genannt^'', — *) Herolt 83, — ') erlöscht (er- 
loschen) ist, 

Wtirtt. OeBchichteqnellen VI. 6 



— 82 — 

reichsständen gebotte, ihre Juden auszzutreiben ^), den edlen gantzen 
und den burgern halben wucher naehzuelaszen, habe ein Küchen- 
meister zue Bielriett alle auszgetribene Juden von Hall zue sich mit 
leib und gutt in sein schlosz Bielriett genommen und nach ausz- 
gang eines monaths sie widerumb auszgejagt, sagendte, der kayszer 5 
habe ihme solches gebotten und all der Juden zue ihme geflehntes 
hab und gutt innen zu behalten, und die Juden mit lehrer band 
zihen laszen. 

Es hat auch die von Hall anno Christi 1350 die Juden ausz- 
zutreiben verursacht. Dann im selbigen jähr haben die von Hall lO 
etliche Juden, die ein kindt vom wejier Hagenbach gestohlen und 
umbgebracht, in einem alten thum zu Hall uf dem Rosenbtihel-) 
ligendt verbrandt und ersteckth, seithero wider gebaueth, der newe 
oder burgerthurn genandt wirdt. 

Alten von Altenberg. 15 

Es haben auch uf der flech dieszer 2!^ flüsz Kochen und Bieler 
etliche edel geschlecht ihr anwesen und sietz gehabt, alsz die Alten 
von Altenberg ^) ; ein halb rothen und halb gelben schildt der lenge 
nach, im rothen ein halb weisen und im gelben ein halb schwartzen 
Sparren, und oben zwey hörner auch also von färben habendt ge* 20 
führet. Ihr bürg ist gestanden über die kliengen gegen den Haszel- 
feldern*) zue forderst dem knockh hoch, da dann noch gemäuer und 
grüben gesehen werdten. 

Lamperter von Ramspach. 

Die Lamperter von Ramspach ^) führen 3 weiser fisch in einem 25 
rotthen feldt undt uf dem heim 2 rothe flügel, ieder mit 3 weisen 
fischen. Ich noch ein jung habe gehört von desz ehrwürdigen ed- 
len undt hochgelehrten herrn Eyttel Treuttweins ^, der rechten doc- 

5 ettlioher monatt HK \ gesagt H^, B, 8t^. 7 ihme xu beh. H*, B; su fehU St*. 11 im 
St^. 19 leng herab St*. 20 sparren aus U*, JI^, St*; sporrn StK 21 gegen — Hasi. : 
statt dessen: uss Haisfelder grenUang, so der weg Ton Oeysslingen uf Alttenberg zof^eet 
H*. 23 bei H* Moeh etwa» ausführlicher. 27 Junger St*, 

*) HeroH 150, Anmerk., Stalin 3, 244, — *) Der höchstgeUgtne, östlichste 
Teil des rechtskocherischen Hall; der Nette Turm beim innem Langenfelder 
Tor, s, Oerman, Chronik von Schw, Hall 69/,, wo auch weitere Angaben über 
die Verhältnisse der Haller Juden zusammengestellt sind, — •) Herolt 84, — 
*) Haszelf., aus Hastelf., alt Hastoldesfeldt, jetzt Hassfüden, nordöstl. von HalL 
— •) Herolt 66, — •) Ober ihn s, oben S. SO, über seinen Vater Daniel T. oben 
S. 13: Herolt 66, 



— 83 — 

toris, thumraherr und seholasticus zue Wormbs, probst ziie New- 
haaszen, decan zu Chomburg undt kayszerlichen cammergerichts 
assessoris vattern seeligen, Daniel Treuttwein dem eitern, — ein 
alter dapferer ehrlicher edelmann, der sein tag bey fürsten und 

.5 herm viel gesehen und erfahren; ihr wappen *) ist ein weisz Juden- 
haupt mit der brüst, ein barth, und judenhutt ufhabendt, mit einer 
schnuhr oder cordellen, wie die cardinäl haben, unden dem kühn*), 
in einem rothen feldt, auch also uf dem heim, der viel von alten 
geschichten und adeln inn undt umb Hall wüste zue sagen, auch 

10 nicht ein kleine Steuer diszes fünfFten theilz zu beschreiben mir 
geben — der sagte dasz diesz geschlecht der Lamperter in dise 
gegendt kommen were, sich mit denen von Michelfeldt — führten 
ein schwartz und weisen schach der lenge im schildt herab in einem 
rothen feldt, uf dem heim ein geschlacht weis und schwartz röhr 

15 mit einem schwartzen federbuseh zwischen zweyen rothen hörneni 
— und folgendt ihre kinder sich mit den Kuchemeistern von Biel- 
riett, den von Veinaw, verheyrath und befreundt, die gegendt, da 
noch inner 6 jähren dasz burckhstadel Ramspach gestanden, ge- 
bawen, die Lamperter von Ramspach genandt worden; 

20 i/* und Ey St^: Ich hab ain bricf gesehen, dz herr Conradt von 

Enszliugen von Hürdelbach genant, litter, zu Ramspach gesessen unnd 
gewohnt hat, unnd da seine söhn Ilannsz Fetter unnd Hainricfi von Hür- 
delbach sich schreibendt unnd den namen von Ennszlingen fallen lassen; 
veikhaufft Berchtoldt Lampartcrn den burckstadel, da ihr vatter gesessen 

25 war, mit aller zugehOr im jharr 1375. Den Berchtoldt Lamparter wider- 
umb gebaut hat, unnd er unnd seine uachkhommen, bisz im stettkrieg wie 
gemelt verbrent worden, unnd sich Lamparter von Ramspach, alsz wider- 
umb erbawer unnd pflantzcr darvon geschriben haben, 

und folgendt etliche ihre nachkommen sich an des königes zue 
30 Böhmens hoff gehalten. Nemblichen einer, Rüdinger Lamparter 
genandt, der hatte ein Jungfrau ausz des königes zue Böheim frawen- 
zimmer zu der ehe genommen, sich mit ihr in dasz schlosz oder 
waszerhausz Ramspach gesetzt, alda sein anwesen gehabt, mit ein- 
ander einen söhn, Berchtoldt Lamparter genandt, gezeugt. Die- 



5 »taU der folgtnden WapptnbtaehrtQnmg : wie vomen gemeltt B, die Wappenbe^ehr. fehlt 8t*. 
7 kin A3. 9 nnd — HaU fehlt S, 8t*. W diser des adels betobreibnng H<. 11 ain 
galt altt ehrlich gctchlecht und vor laittan auM Lampartay J7*, 8t*, ähnlich R. 13 führ- 
ten — hOrnern fehlt 8t*. 18 BOhach an» H*, sobooh StK 14 gosohaohi H*. | Statt robr: 
sohaoh H*. 16 ihre aue H*, B ; ihrer 8tK 18 noch sechs jaren B. Sl Huribach 
»tet* 8t*. 28 schreiben B, 8t*, »4 rerkhauffeu B, 8t*. 29 etatt unnd er: hemacher 
8t*. 29 seine B. 31 B. hoff B*, B, St*, 

>) über ein an der Atissentoand der Michaelskirche erhaltenes Treutwein- 
eches Epitaphium mit diesem Wappen s, HeroU 68. — *) unter dem Kinn. 



— 84 — 

weillen aber diesem Berehtoldt in seiner kindheit beyde eitern ent- 
fallen — darauf der stättkrieg anno 1450 angangen, ist dasz wasser- 
hausz Ramspach geblündert und verbrandt und seithero nicht mehr 
wieder gebaweth worden — ist dieszes kindt zu solcher armuth 
kommen, dasz es und seine erben sich nun des veldtbawes ge- & 
brauchen, doch uflf diesen tag die Lamparter genant werdten. 

Dieszer Rudinger hette eine Schwester Jungfrau Agnes von 
Ramspach genandt, welche dem dorff Tungenthal den Lobenwasen 
zwischen Tungenthal und Ramspach liegendt zue einer allmuth^) 
geben hat. 10 

Dieszer Berehtoldt, deszen söhn undt tochter ich gesehen, ist 
zue Tungenthal geseszen, daselbsten verschieden unnd begraben. 

H*: Nota: Kuchinmaister ist nicht dz geschlecht, so Bylrieth bawt 
haben, sonder die von Billrieth das geschlecht hatt der von Veinaw Wap- 
pen braucht, wie es hernach im geschlecht Veinaw vermeldt steet, dz 15" 
Veynaw unnd Byllrieth ain wappen gebraucht, auch ain geschlecht gewest 
unnd khaufsweisz ann die Kuchinmeister khommen, so vorhin die Unmusseu 
von Alttenhausen besessen unnd sich darvon vor langer zeit geschriben 
haben alsz besitzer solcher behausung. Es ist solche bürg herr Ulrichs 
von Brunecks gewesen, der es anno 1386 Eberhart Philipssen versetzt mit 20 
ettlichem geding, des erben es verpleibt. Da sie darauf ziehen wollen, 
mant ein rhatt sie uf dz rhathausz unnd verpflicht sie, dz sie anzaigen 
mttessen, wie hoch es versetzt ist, gibt inn dz geltt, unnd müessen schweren 
and brieff unnd sigell über sich geben, khain anforderung zu haben, inu 
anno 1390 geschehen. Hatt ain rhatt solch schlosz mit bulffer zersprengt. 2a 
Ist lehen gewesen vom könig inn Behem. Da kompt herr Crafft von 
Hoheuloe, des von Bruneckh geschlecht unnd erb, thut anforderung, bringt 
die von Hall inn die acht, weyl sie es ohne königliche wirdigkhait er- 
prochen haben, unnd sein drey jarr darinnen, bisz dz sie sich mit Crafft 
von Hohenloe vertragen anno 1393 unnd könig Wencesziao sein gebümus 30 
auch geben. Thut er sie ausz der acht, doch dz sie zu ewigen zeitten, 
wie ander lehengüetter, vom rhatt zu Hall bey iedem kayser oder könig 
inn Behem solchen burckstadel ain rhatsbottschafft musz zu lehen empfahen. 
jFVw< völlig übereinstimmend bei B, wo jedoch das Stück weiter oben bti 
Bielriet eingefügt ist, 35 

Veynaw. 

Veynaw *), drey rotter roszen in weiser feldung, in der mitten 
ein grünner strich, ein weiszen schwannen, etliche wollen ein weisze 
tauben mit auszgebraitten flügeln, rothen schnabel und fiieszen uf 



2 anno 1460 fehlt H^, R, Sr^. 5 nacbkbomen St^, 8 Lobenwas^er H^. 9 einem Sf^. 
11 »Obn unnd tdcbter ff*. 38 ein: uff dem beim ein R. 



«) s. oben S. 73. — ») Herolt ö5f. 



— 85 — 

dem heim habendt. Ich habe brief gelesen, die ob 200 jähr alt, 
mit ersterzehltem wappen versiegelt, sich nicht vonn Veynavv, son- 
dern Bielrictt nennende. Nicht weis ich gewieszlich, ob Bilrieth 
und VejTiaw zwey versündert oder ein geschlecht sei, so zwen 
t nahmen gehabt haben. 

Nota : es ist ein geschlecht gewesen, wie es dasz wappen zu 
erkennen gibt und Melchior Senflft briefe hat, da stehet herm von 
Veynaw genau dt von Bielriedt. 

Unmuszen von Altenhausen. 

10 Die Unmuszen von Altenhausen'); der schilt quartirt, weis 

und schwartz in einander geeckhet, uf dem heim 2 hömer erzehlter 
färb auch in einander geeckhet. Warumb dasz waszerhausz Alten- 
hausen sey zurbrochen worden und dieszes geschlecht abgestorben, 
werden wir hören, so hernach von alten stifftungen meidung geschieht. 

15 Santzenbach. 

Santzenbach *), zwen rothe und zwen weise strich überzwerch 
der braitte nach, die zwen drittethail des schilts innhabendt, und 
dasz obere dritthail weis, darinn ein krichender rotter low, der den 
schwantz uflf dem ruckhen trägt, und uf dem heim ein halb rothen 

50 löwen mit auszgeregten füeszen und ufgespertem mauU. Der letzte 
dieszes geschlechts mit nahmen Siefridt von Santzenbach hat seine 
Schwester Annam CraflFtlen') von Haynberg Müntzmaister genandt 
ehlichen verheyrathet, dahero dasz schlosz Santzenbach an die von 
Haynberg kommen; welcher CraflFt und seine hauszfraw Anna von 

55 Santzenbach Feldnerin Gutt anno domini 1382 dasz pröndtlein und 
cappel im schlosz Santzenbach gestifftet und am dritten pfingstag 
eodem anno geweyhet worden. 

Dieszer von Haymberg und seine hauszfraw, sagte man, haben 



8 Nicht — haben fehlt U, HK Anders lautet der AbaehniU in St^. 8 and — Bi«liiedt fehU 
H^, B; dise barg Veinaw all«rnecbst bey d«m fleokhen Veinaw gcsUnuden und bey knrtsen 
jaren die grftben durch denn aclcberbaw eingezogen worden B. 11 geeckhet aua H*, Ji; 
geheokelt J9f>; uf — geeckhet fehlt U^, H; geeckheltt H^. Statt des ersten Satees : Die ünm. 
Ton Altenh. haben ire wonung sn Altenbauten gehabt, da ietzund das seebentaUn steet, ir 
barg oder wageerhautsie gewest, wie dann die grftben noch gesehen werden 8t*, 90 auss- 
gestreckhten H*, U^; aangebreytten B, 91 Seyfridt H^, H\ B, St^, | seine etc.: im 
folgettden »eheint bei B* einzelnes veriMtren su »ein. — hat sein schloss su ainem frawen- 
closter, wie weittar hernach rolgen wurdt, rerordnet nnnd . , B, 92 Crafften H^, B, 
95 Peldn. G. fehlt B. 97 worden: »tatt des leisten Sat»e» gibt 8t* in b€»onderem Ah»ehmtU 
£ine Art Stiftungsurkunde der Kaplanei Sanaenbach, lateinisch aber sehr fehlerhaft, 

») HeroU 65, — ») HeroH 67. — •) als Dativ = an Craft (Craftüo). 



— se- 
in ihrem hinschaiden verordnet, dasz schlosz Santzenbach mit dorfi 
und seiner zugehörr zue einem frawencloRter, alsz ein spittal armer 
edler jungfrawen, zu gebrauchen. Warumb aber nach ihrem todt 
dieszer ihr letzter will nicht vollstreckth worden seye, kan ich ge- 
wieszlich nicht schreiben. Dasz weis ich aber, dasz alle so seithero 5» 
Santzenbach inngehabt, klein gliickh alda gehabt haben. Ob die 
ursach, dasz diesem testament nicht folge geschehen, oder was 
sonsten hockh^) sey, dasz lasz ich andere urtheilen. Dann alsz 
solch schlosz von den von Santzenbach ann Haymberg und dann 
an die von Stetten mit denn fisch kam, was endt mit Hannszen lo 
von Stetten anno domini 1432 gewunnen, findet man in alten ge- 
Kchichten geschriben. 

Nach diesem Hannszen von Stetten kam Santzenbach ann Crafft 
von Rinderbach laut brieflich uhrkundt, hemacher an die von Vohen- 
stein, welche, sonderlich Heinrich und sein vatter, auch Unfall 15- 
betten, und so furth ausz, bisz zue einem wildtebadt gerathen ist. 

In verloflFner handlung mit Hannszen von Stetten sein die von 

Talen wider ausz Hall kommen, führten ein schildt mit 2 weisen 

und 2 schwartzen 8])ickheln getheillt, und auf dem heim ein schwartz 

und weisz horm, wie die einen Sullmeyster, allein dasz Sullmayster 20 

Wappen blaw und gelb ist, uflF dem heim 2 flügel, iedem ein gelber 

strich, Thalen aber 2 büflFelhömer uff dem heim schwartz unnd weisz. 

JET*: Ich hab gelesen ettlich altte brieff, wie dz ainer vom adel, 
Herroan Ruprecht genant Crafften von Hainberg unnd Waltter von Ensz- 
lingen verkhaufft den burckstadel halben zu Santzenbach anno domini 2& 
1375, dardurch abzunemmen, die weil solcher sein letster will nicht sey 
vollendet worden, dz sich villeicht niemandt solches schlosz zu besitzen 
nnndersteen dörffen, weyl es im baw gewest sey, bisz zergangen, da diser 
Ruprecht als ein erb erst macht gehabt zu verkauffen unnd durch dis« 
beede Ennszlingen unnd Haimberg erst widerumb inn ein baw uff bracht, 30 
wie noch steet gebawt worden, 

Haimberg. 
Diser von Haimberg verendert sein namen ufft, schreibt sich inn 
ettlichen brieffen Crafft Müntzmaister, nachvolgendt von Hainberg, unnd 
sein bausfraw, so von dem geschlecht ein Voldtnerin gewest, mit dem 35" 



I nach R, 9 closter: xn bauwen und //3. 3 nach i. t. fehlt W*. 8 der hack J!f^ H\ 
St*; der hockh S. 10 nach dem ron Haymb. an H\ \ dem IfS, R, 8t^. | end aber 5/'. 

II 1481 H^. I werden wir hemaoh in altten gescbicbten hQren R. 14 an die von U^, R, 
St9. I laut br. nrk. f«Mt H^, R, St^. Iß biss anno domini 1684 ist solch schlofs Junckher 
Melchior Erer durch ein magt, die haisen aichen auff den boden geechüt, gar ahgebrant etc. 
StK 18 Thalen: deren ettliche su Hall gesessen H\ | füeren H^, 22 allein — weis» 
fthlt in, R. 

*) Haken, Hindernis. 



— 87 — 

weissen visch im bloen strichen, das schiltt rott, lest den namen Yeldnerin 
fallen unnd schreibt sich von Santzenbach, weyl es ir man widerumb hatt 
heliTen ufbawen unnd zu ainem schlosz bringen. Dise von Hainberg, Mttntz- 
maistcr unnd Schulthaissen füeren ain wappen, wie Rinderbach noch hat, 
5 unnd ist nit ain wappen, wie Hainrich Schultheisz noch lebendt hat So 
sein auch der von Uaimberg zwayerlay, die ainen haben wappen wie 
Rinderbach, die annder inn wachs wie Seniften, dz cleinott uff dem heim 
mir unbewust, so der Senfften füertten *) ; aber die andern haben durchaus 
der Rinderbach wappen braucht. 

10 Schulthaissen. 

So sein auch der Schulthaissen dreyerlay; die ainen füeren der 
Rinderbach wappen, ain gelben dreyecketen ring, uf die drey eck drey 
lilien, der ring gelb inn schwartzem feldt, uff dem heim ain cronen, inn 
der mitt ain schwanen kragen schwartz mit gelbem schnabel. So sein die 
15 Rinderbach inn anno 1369 noch Schultheissen genent worden, alls inn 
altten kauffbrieffen gemeldt ist. 

Die andern Schultheissen haben im schilt ain cronen überzwerch 
inn wachs gefiert, die färb unud ciainot uff dem heim mir unbewust. 

Die dritten unnd noch lebenden Schulthaissen, alsz Hainrich Schult- 
20 heisz unnder Limpurg, sein von Rottenburg ann der Tauber alhero khom- 
men, unnd ist Hannsz Schultheisz burger alhie zu Hall worden inn anno etc. 
1483, füeren im schiltt ein rotten lewen über eckh inn weissem feldt mit 
dreyen rotten stemen, uf die dreyeck gestelt, uff dem heim ain rotten 
lewen mit auszgestreckhter zungen unnd ufgespertten clawen. 

25 Michelfeldt. 

Michelfeldt füert ain schwartzen unnd weyssen schach der leng nach 
inn der mit herab inn einem rotten feldt, uff dem heim ain solch schach, 
darauf ein schwartzen federbusch, uf ieder seitten ain rots hörn. So solch 
geschlecht abgestorben ist, ist es uf vilerlay nachkhommende vom adel 
30 kommen unnd erwachszen, unnd ist auch ietzunder ain pfandtschilling 
daran ff khommen. Welcher es hatt, musz burger zu Hall werden. 

Tullaw, Bcrler, Lupprechtzeil, Northaim. 

Tullaw das schlöszlin haben edellcuth von Tullaw erbaut; auch sein 
die Berler solches geschlechts, auch die von Lupprechtzell ') genant worden 

35 unnd von Northaim; füeren im schilt zwen zwerch schwartz strich inn 
weisser feldung, uf dem heim zwey hörner, ains schwartz, dz ander weisz, 
mit sechs schwartzen büschen uf der seitten der hömer habendt Haben 
es vilerlay vom adel nach absterben der von Tullaw bewohnt, alsz Berler, 
solchs geschlechts selber, die von Newenstain, die von Bachenstain, unnd 

40 Friderich Schwab*), so es dem spittal abkaufft hat, den die*) von Bachen- 



*) d. h, ob sie das der Senflen führten, — •) Über die von Luprechtzeü 
(auch Rupr . . . geschrieben) s. Gmelin 322; die Berler Gm. 281 ff. — «) Fried- 
rich Schwab ist SchiUtheiss zu Schw, Hall von 1482 bis mindestens 1497. — 
*) Konstr, : denn die von Bachenstein , . . hatte es an den Spital gegeben u. . . 
herausempfangen (?), 



— 88 — 

stain, 80 von dem geschlecht ein T reut wein war, nach absterben ihrs 
junckhem inn spital umb ain berrnpfröndt gab anno domini 1496 nnnd 
dz überig daramb hinausz empfangen hatt, so der Bachenstain Fridericli 
Schwaben nahe verwandt war, unnd') uf vi! seithero kommen unnd noch 
kompt. 5 

Gulden von Gottwaltzhaaszen. 

Die Gulden von Gottwaltshauszen *) haben zwen sitz gehabt, 
den einen zue Gottwaltzhauszen uf dem bühel, da letzt die pfarr- 
kirch liegt, der ander ein waszerhausz am Kochen under Hall, nun 
zu einer mühlen gemacht, die spittallmühl genandt. Volgendts haben lo 
diese Gulden ausz ihrem sehlosz zue Gottwaltzhauszen eine pfarr- 
kirch in der gedächtnüs desz heyligen ritters st. Georgen gestiffiet^), 
darinnen auch under andern tleckhen dasz ortt zue Hall ienseith 
Kochens gelegen, Im weyller genandt — davon wir hievohr meidung 
gethan — etwann pfarrgehörig gewesen. Dieser Gulden von Gott- 15 
waltzhauszen wappen ist ein gülden brustbildt, uf ieder selten 
3 krausze haarlöckhen in einem schwartzen feldt, also auch uff 
dem hellm habendt. 

B u n n i n g. 

Es ist auch ein ansehnlich geschlecht anno domini 1299 un- 90 
gefehrlich zue Hall gewesen, die Bunning^) genant; haben ein schildt 
blaw feldung mit einem weisen strich überzwerch, darinnen drey 
rothe roszen mit gelben berlein'^), mit einer brüst eines rhebockhs 
uf dem heim, deszen färb mir nicht bewust, geführet. Dieszer Bun- 
ning geschieht in etlichen kauflFbrieflFen desz stiffts Chomburg, so 25 
man verbärgen hat sollen, meidung. Der letzte dieszes geschlechts 
ist under Limpurg uf dem blatz zwischen dem kelter und der kir- 
chen daselbst entleibt worden, wie dann ein steinern creutz mit 
ermeltem wappen der Bunning habendt uffgericht worden. Solch 
stainen creutz ist mit der zeith in 2 stuckh gebrochen, an die mauer 30 
des kirchhoflFs under Limpurg auszwendig, da man über das gaitter 
in den kirchhoflF will gehen, gelainth, da es noch lainth und ge- 
sehen wirdt. 



14 davon wir au$ H^, dann wie StK 16 gülden fehlt H\ | gfildin od«r gelben menschen- 
haupti nnd braat J78. jj kraasse gelb H\ 21 Bümming H^, so tUU. 28 kOrnlein 
H^, kOrntr Ji. 25 «toft gesobioht : gescbleoht H*. 26 meldnng au» H^, BBizt StK 27 der 
kelter H^, R. 81 getter H*, B. 32 da — wirdt fehlt B. 

») Für diesen Sais ist wieder das Schloss TuUau als Subjekt su denken. 
— Über die verschiedenen Besitzer des Schlosses Tuüau, unter denen übrigens 
Friederich Schwab nicht erwähnt wird, s, OAHall 296 f. — •) Herolt 72. — 
«) OAHaU 202 f, — *) Gmelin 291. — ») Perlen. 



— 89 — 

Viel adels zue Hall etc. 

Noch seindt mehr geschlecht ^) dazuemahl in und unib Hall 
geseszen, die sich burger zu Hall geschriben, auch für edel geacht, 
nemblich die Hagendorrn, Braunnen, Lotthringer, Osenwein, Stoltzen, 

5 Herboten, Boller, Ernsten, Schmaltrew, Rauramenrockh, Trewlieb, 
Eschenwein, Lauren, Kolman, Nager, Nördtlinger, Bopffinger, Sin- 
deringen, Weckrieden, deren nahmen ich in etlich uhralten brieflfen, 
auch etlicher innsiegel und wappen in wachsz daran hangendt ge- 
funden, der färb, auch nicht aller wappen, mir wieszenth. Darüber 

10 dieselben zue vermelden sampt denen noch lebenden hie under- 
laszende, allein uff dieszmahl die verstorbene geschlecht so viel 
mir bewust zu gedächtnüs zu führen gewilliget. 

Ausz allem obgeschribnen erfindet sich, dasz Schwäbisch Hall 
vor alters eine statt desz adelsz ist gewest. 

15 Es ist aber zu verwundern, dasz uff^ eine zeit, wie dann ich 

die zue und umb Hall bisz in 52 underschiedlich edle geschlecht, 
bürg gewesen erzehlt, in 100 jähren zurgangen*), dasz die graben 
ihrer bürg berglich ^) mögen gesehen werdten, auch ihrer wappen 
wenig bekandt oder gedächtnüs mehr uff^ erden. Aber es heist: 

20 sie transit gloria mundi. Transierunt in profundum ut lapides*), 
({uis seit an detur eis requies» Dann unszer leben allhier uf erden 
ist wie eine waszerblasz zurgänglich. 

Könnlin, Köhler, Nager, Stoltzen, (Jnannen etc. 
Die Könnlin haben allerheyl. pfröndt im dorff Geinarthauszen ^) 



4 Lottinger üf«, Ä; LOchinger H^. | östwoin H«, H»; öszwcin B. 5 Schmaltrew aua 
H^, HS; Sohmeltrew St^, | Baunenrockh St^. 6 Eszweln U-, St^; Ösawein B, \ Nagel 
H8. 7 Nach Weokrieden : Ooamen, Harbachf Wintersteinnieisen, Köulin St*. 9 uo- 
wisaendt U*. \ daromb H^, H\ £. 12 gew. fehit B. 13 obgesohr. aus H^, St*; ab- 
geschr. StK 16 biss ttber die funftxig B, bisx in sechUig St*. 17 gewesen enehlt aus 
H^, erzehlt, gewesen St^, B. \ inner H». 18 statt bergl. : khaum H*, B\ pfUpfiriich H^. 
20 profundum aus H*, perfonctum St^. 21 detur aus B^, adhnc St^, audet H*. 23 Statt 
Onannen: Gainnen und Galnnern St^. 84 Ammertshansen H*, Ortthansen B, Einer- 
hansen 8t*. 

•) Ober diese weniger bekannten b, T. bloss dem Namen nach erhalitnen 
GeschlecfUer s, Herolt 100 — 104, — *) Konsir. : Es ist zu verwundern, dass von 
einem gewissen Zeitpunkt an, für wdclien ich bis gegen 53 Geschlechter und 
Burgen als in und um HaU vorhanden aufgezählt habe, diese Geschlechter im 
Lauf der folgenden 100 Jahre so sehr verfallen sind, dass ... — ') kaum. — 
*) ungenaues Zäat aus Ex. 15, 5, wo es von den im Schilf meer umgekommenen 
Ägyptern heisst (Vulgata): Descenderunt in profundum quasi lapis. Der tote 
eine anderweitige Reminiszenz (aus Ps, 17, 16: putasne, saltem ibi erit requies 
mihi (?)^ klingende Nachsatz : quis seit etc., hat wenig Sinn. — *) Eine solche 



— 90 — 

bey Marbaoh liegendt gestifftet. Köhler haben ein theil am schlösz- 
lein Scheflfach gehabt. Neger, Gnannen, Stoltzen hat der Brauns- 
pach Wappen gebraucht. Herbotten, Boler, Wintterstainmetz undt 
Stickhel seind ein theil durch heyrath gen Hall kommen, ein theil 
kurtz angangen und wieder erloschen. Derer aller wappen mir 5 
gewieszlich nicht bekandt, auch Marpach^). 

Hall vor zeithen eine einode. Bürdinmarckh. 

Es ist auch zu vermuthen, dasz ehe dasz saltzwerckh zue 
Hall im schwanckh, eine grosze einödte und wenig volckh alda 
gewohnet. Dann erstlich dai^z holtz zum sieden nicht uf dem Kocher 10 
geflöszet, sondern mit büschel und bürdin ^) reischach gesotten wor- 
den, wie dann noch ein orth im hall, da man solch bürdin dazu- 
mahl faill gehabt, der burdinmarckth genandt würdt. Auch alsz 
anno domini 1494 ungefehrlich die von Hall ihre müntz enderten 
und die Hellischen pfenning, so noch im gebrauch sein, durch ihren 15 
müntzmaister Martin Lerchen anfiengen zu müntzen und dazumahl 
unten desz newen rathausz zu Hall dasz katzhausz/') gegraben wurde, 
ist in der erden ein langes, disz landtes vormahlsz ungewönliches 
horm ohne zinckhen gefunden wordten, welches gedachter müntz- 
maister von denn arbeitern, die solch horrn gefunden, umb drey 20 



2 Von Neg«r an ist Sl* lOckenhafl. 3 undt St. fehlt U^, K. 6 H^ auch M. alda gewohnt, 
welche ein eck wie Velberg im schiltt inn wax, haben aber ettlieh jar da kay: tchult- 
haisBonampt xn HaU yorwaltt; ähnlieh R. 7 Bürdinm. aua H*, Bürclinm. St*, ao auch 
nachhtr, 8 Es — dasz fehlt B^, B, 8t^. 11 bttrdin aus H^, H», 8t^ ; bttrclin ^/>; bürdin 
oder H^ busohol, bardin, raysach B. 12 Uaal R, St^, 18 and der Sl^, af dem H^ B, 
St^. 77 ander dem if>. | den kaatskellor liessen graben H', kOtshaa» B. 18 diss 
ortU UK 

OrtMchaft in der Näht der Oberatntsstadt Marbach lässt »ich nicht auffinden; 
es liegt wohl eine Textverderbnis vor, worauf auch die Varianten hinzuweisen 
scheinen, — *) Über die Marpach s. W, Fr, P, 58 und Gmelin 323. — *) bürdin : 
dhd, purdin, =z Bürde, Tragkut; „Büschel und Bürde* sind offenbar ein altes 
Alliterationspaar, — Ob dtr vom Chronisten an den Namen Bürdinmarkt ange» 
knüpfte Schluss bändig ist, lässt sich bezweifeln j immerhin wird er einigermassen 
begünstigt durch die Thaisache, dass dieser ^Bürdinmarkt^' nach einer Urkunde 
von 1Ö46 (KHR.) und Herolt 42 wirklich am Halplatz war, — ■) Das yyneue* 
Rathaus wurde 1494 gebaut (HeroU 42, Gmelin 259. 590J, — Bas Katzhaus 
(Kötshaus Ry Katzkeller H^J wird das gegen Westen hin tu ebener Erde lie- 
gende üntergeschoss bezeichnen, das vielleicht zur Aufbewahrung von Geschützen 
und Belagerungswerkzeugen (Kotz, Kötee, Katze s. Schm, 1, 1318) benützt und 
daher Katsenfiaus genannt wurde. Vgl, „Katzenstadel^ bei Lexer, und den 
y^Katzenwicker^ in Würzburg (Schm,), 



— 91 — 

gülden der newen Hellischen pfenning gelöszet und für ein ainhorrn 
auszgetheilt ^) und verschenekth, darausz die erste wildtnusz dieser 
gegendt wilder thier erscheinet. 

Von des teuffels nasen. 

5 Es ist auch ungeheuer^ umb solchen saltzbronnen gewesen, 

dahero man viel jähr mit heylligthumben alleweg am dienstag nach 
dem sontag vocem jucunditatis^) umb diesen bronnen ist gangen. 
Man sagt eine fabel, es solle bey nacht der bösze feinndt einem 
saltzsieder mit einem kiebel mit haiszem siedendem saltzwaszer, 

10 alsz er saltz gesotten, mit einer grosen nasen erschienen sein und 
die nasen durch ein spalt in dasz halhausz gestoszen und gesagt 
haben: wie gefeilt dir diese naasz, kan dasz auch eine nasze sein? 
Habe der sieder denn kiebel mit heiszem siedendem waszer dem 
teuffei uf seine naszen geschüttet und gesagt: kan dasz nicht ein 

15 guesz sein? Darauf der teuffei den sieder erwischt undt über den 
flusz der Kocher uff den berg der Gännszbühel *) genandt — ist 
die hohe ietzundt bey dem mittel gärberthürlein zue Hall — ge- 
worffen und gesagt: kan dasz nicht ein wurff sein^)? 

Kleine pfarrkirchen zue Steinbach. 

20 Zue deme ist wahr, dasz ehe st. Michaels pfarkirchen zue 

Hall gebaweth, dasz orth da ietzo die rechte statt liegt, sampt dem 

1 new gemttntsten HK \ ein fehlt H\ H^, H^, li, St^, 3 seltsamer frembder und HK 
5 iBt erstlich gar H^. 6 mau hernach HK | heilthamb H^, H% B. 8 oder history HK 
9 mit— salUw. fehlt H^, H^, H^, ß, Sf^, IS Darauf! d. s. einen H«, der aieder ein H*, 
H, St^, I waBzer erwifcht H». 14 das auch /f >, R, St^. 15 Kit anbehend der t. den 
sieder genommen nnnd . . HK 16 Oenszberg Hi, li, St^. TJ hOhe H^, St^. 18 das 
auch H^, H% Jif St^. 20 Zuo — dasz fehlt H', nachher: ist aUes . . gewesen. 21 ge- 
baweth, unnd an demselben ortt das burgstadol Hall gestanden H^. 

*) Dem Hörn dieses fabelhaflen TiereSj des Sinnbilds der Jungfräulich' 
keit, wurden wohl abergläubiscfie Heilkräfte zugeschrieben, weswegen es vielfach 
eifHg begehrt wurde, — *) Die bösen Geister, die den Salßbrunnen unsicher 
machen, stehen zunächst im Zusammenhang mit dm alten Quellgeistern; mit- 
gewirkt aber Itat wohl noch die andere Vorstellung, dass dei' Teufel, wie er den 
Bau der Kirchen zu stören versucht, so auch „die Gottesgabe'^ des Salzbimnnens 
den Menschen entleiden möchte. — ') = Sonntag Rogate, — *) Gänsbühl oder 
Gänsberg; die letztere Bezeichnung kommt in Urkunden (KHR.) vom Jahr 
1392 an vor; es ist die damals zum Teil noch anbebaute westliche Seite dts 
KcUharinenstadtieils. — *) Dieser Schwank ist von Dichtern und Zeichnern 
häufig bearbeitet ; er nimmt sich übrigens in seinem fränkischen Gewände, mit 
den drei Spottfragen : „Is dees net a Noose, . . . a Gauss, . . a Wuuref'* (Hausser, 
Schwäb.'Hall 203) viel wirkungsvoller aus, als in dem matten Hochdeutsch des 
Chronisten, 






— 92 — 

schlosz Limpurg, fleckhen darunter liegendt, dem dorflF Heszenthal 
undt Stainbach under Chomburg, alles in dasz kleine noch stehende 
pfarrkirchlein st. Johannis zu bemelteni Stainbach pfarrgehörig ge- 
wesen, die alle sontag alsz ihr pfarrkirchen besucht, darinnen zu- 
sammen kommen^). Darausz aber erscheinet, dasz damahls zue 5 
Hall ein klein volckh undt gebäw gewesen. 

Zween rath etwan zue Hall und [von] ihren siegelln. 

Allsz nun die statt Hall under dasz Rom. reich kommen, sein 
dazumahlen zwen rath oder gerichte zu Hall gewesen, der eine von 
edelleuthen, patriciis, besetzt, die allein in gemeiner statt nutz und 10 
wichtigen Sachen verstandt betten, auch was die patricios^) oder 
edlen inn und umb Hall sietzende der praeminenz patriciorum, 
welche dazumahl allein unndt nicht von der gemein sich burger 
zue Hall schrieben oder renthen godirten^), — wie dann in der tun- 
dation der capploney im dorff Kottspüel, welche Seytz von Kott- 15 
spüel, der daselbst im schlosz oder wasserhausz Kothspühl dazue- 
mahl geseszen, gestiflFtett erfindet, darinn also im anfang dieses 
brieflfs stehet: Ich Seytz von Kottspühl zue Kottspühl, burger zue 
Hall bekenne etc. — betreffent urtheilen unnd rechtsi)rachen ; dasz 
wardt der oberrath genandf*). Ihr sigill war eine handt, alsz der 20 
so die Oberhand, gericht unnd gewalt waren und betten. Dann et- 
liche sagen, dasz vorzeithen in dieszen oberrath zue Hall newn 
ritter haben sollen gehen, welcher rath nicht denn in hohen wich- 
tigen Sachen seye gehalten und mit 9 zaichen wie noch beschicht 



1 Limp. und fl>, W». 4 ir recht H^, HK 8 reich ohn mittel m. 10 unnd patriciis 
HK 11 vorstandt thetten in, H\ R, St^ ; versUndt tbetten H^. \ was aus //', 8t^ ; 
wesit Ä», H^, R. I patricios S»>, H», patricii durch Korrektur HK 12 der fehlt fi». 
13 und die von der gcmaindt sich burgor /F', R. 14 atettt reuten: nenthen H^, H'^, St^. 
I gandierten H^, St*; condirten R, condierten mit der Korrektur handelten H^. 15 Kottep. 
aus Hi, Bottsp. hier und Hfwhher St^. 17 gestifftett aus H», fehlt St^, \ als H^, R. 
19 betreffent aus H^, R; betreffe St^, H*, Si*, \ -gpreohen HK 91 waren und fehlt i/'. 
23 sollen gangen sein lf>. 

M Hall war bis 1504 Filial der Kirche zu Steinhach; Komhurg hatte 
daher bis zu diesem Zeitpunkt sämtliche Pfründen in Hall zu verleihen, Herolt 
109. — ') Der Akk, ist abhängig von dem durch Relativsatz und Parenthese 
getrennten betreffent; also: r'u^as die Patrisier anbetraf". — ') „Renten godier^ 
ten** : sich grösserer Einkünfte aus liegenden Gütern erfreuten ? Die Wendung 
ist auffallend, obwohl beide Wwte, Rente und Oaudin (Freude) damals nicht 
ungebräuchlich waren. Für die andere Lesart : nenthen, godirten, ergäbe sich 
etwa der Sinn : sich Bürger von Hall nannten und dieser Ehrenetdlung erfreuten. 
— *) Über den obem und untern Rat Herolt 50 f., 98 f., Gmelin 509 f. 



— 93 — 

in anzaigung der 9 ritter sey beleuttet und zusammen beruflfen 
worden. 

B: Nachdem mann aber in altten kauffbrietfen findet und sonderlich 
vonn ettlichen schultthayssen, alsz unnder herr Burckhart Sulmainster, 

5 der ain ritter war und schultheysz zu Hall, unnd ettlicli nachvolgender 
schulthayssen vom adel, die auch ritter waren, im anno 1850, mer unnd 
weniger jar wie gcmelt, in solchen kauffbriefifen gemcldt, dz neun ritter 
im rhatt zu Hall gesessen sein, darumb wie oben angezaigt denselben 
besonder neunmal klenckht, wie dan solchs noch heuttigs tags zu Hall im 

10 brauch, wan man in rath leutt, noch neunmal klenckht. Aber anno domini 
1340 durch kayser Ludwig ettwas verenndert worden. Wann es aber im 
abwesen mit denn neun ritter und er denn vom adell, kann ich nicht ge- 
wiszlich annzaigen. Mann findt auch in altten kauff brieften, dz vor altter 
recht leiblich bruder vonn aim geschlecht im rath und gericht gesessen sein. 

15 Der ander rath war dasz undergericht von der gemeindt be- 

setzt; erkennten allein in bürgerlichen suchen zwischen der gemeindte, 
als schulten, erbfall, scheltwortt etc. Ihr sigill war ein creutz*), 
alsz die underni creutz oder joch oder geborsamb des obem gerichts 
weren. Diesze betten ihr gerichtshausz da ietzt dasz komnhausz*) 

20 stehet. Alsz aber vor 200 jähren sich ein uflFgeläuff und entpöhrung 
zwischen den patriciis und der gemaindte zue Hall begab, also dasz 
viel patricii aus der statt zogen, gen Straszburg — wie dann dasz 
orth, daselbst sie gewohnet, nochmahls die Haller gaszen *) genandt 
wirdt — auch etliche gen Oringen, und von beeden statten wider- 

25 umb etliche gen Hall zogen — ist ein vertragh durch einen graven 
von Wiirttenberg, verordneten kayszerlichen commissarium, zwischen 
bemelten patriciis und gemeindte gemacht, beede gericht zusammen- 
gestoszen, und verordnet worden, dasz forthin mit 26 edlen und 
gemeindt habenden personen, welche desz Vermögens, dasz sie dem 

80 rathghen ausz möchten wartten *), besetzt, ausz welchen jährlich am 



9 9 seichen mit einer geringen besondera glookben eingelentet worden //% Jf; ähnlieh H\ 
€ lUO aHtfcheinend aus 1859 korrigiert, 19 waren H^, B, 8tK iO vor seitten H*. 91 sw. 
diten swayen geriohtten U\ \ snotrng Jfi. 93 HaUengasz Sl^. 25 etliche fehlt H^, 
St^, 28 S6 aus B, St*, H*; 6 81^. 29 welche das regimenth füren, anch des . . HK 

*) Über der Stadt Hall Siegel und Wappen s, Heroli 51 f, und er- 
schöpfender Weüery HaU zur Hohenstaufemeü W, Vjh, 1898^ 196 f. — ') Das 
Kamhaus brfand sich nach dem topographischen Bude des alten Hall, tcelchts 
sich aus dem Bethregister von 149^ (Gmelin 664) ergibt, zwischen dem Gras- 
markt und der Sporergasse. — *) Über die ünhaltbarkeit dieser Beutung der 
Strassburger Hallergasse s, Herolt 104: über die Verfassungsänderung von 
1340 überhaupt Heroli 98 ff,, Gmelin o()8ff. — *) dem Batgehen auswarten : dem 
Besuche der Ratssitzungen sich vollständig widmen. 



— 94 — 

neclisten rathstag vor Magdalenae ') ein burgermeister oder stUtt- 
meister sollte erwöhlet werden. 

Also seindt diese 2 sigill, handt und erentz, die man auch 
noch underschiedlich sihet, inn rothunder feldung, iedliches besonder 
steliendt, in ein sigill gesetzt worden. Solches sigells die statt Hall 5 
sich nochniahlsz *) auch inn und uf ihren müntzen, in schilten, iedes 
rersindert, gebraucht. 

Auszlegung der von Hall sigill und insignien. 

Ich werdte verursachet, allhier ein gedieht von den Hällischen 
insigniis zue melden. Alsz anno domini 1494, da die ietzigen Häl- 10 
lischen pfenning erst gemüntzet wurden und am st. Thomastag ausz- 
giengen, machte ein innwohner und gemeiner bott der statt Hall, 
Sigmundt Weinbrenner ^) genandt, ein gedieht undt liedt von solcher 
müntz, darin er wollte, dasz diese der von Hall insignia ein be- 
besonder anzaig- und bedeutung weren, dasz der allmächtige ein 15 
besonder uffsehen uflf diese statt bette, damit sie recht christlich 
und wohl gubernirt würdte ; dann durch die handt wurdte Gott der 
allmächtig gewaltige hiemmlische vatter, durch dasz creutz Christus 
unser erlöszer, und den adler so diese beydte schildt beschleust, 
die güttigkeit undt einsprechen desz heyl. geistes, drey personen, 20 
und die rotundte dieszer müntz die einige ewige gottheit bedeutet, 
durch welche müntz die innwohner zue Hall sich der güttigkeit 
Gottes solten erinnern, dasz er sie ihme ein gefällig volck erwöhlt 
bette, und also im werckh erzaigten unndt hielten in christlicher 
gehorsamkeit, dasz sie dem allmächtigen ein gelobt volckh blieben. 25 

Vom kämpf f 

abgesehen von unwesentlichen Abweichungen gleichlaufend mit dem 
Abschnitt: „Hall ein Kampf statt dess Beichss und wie man den Kampff 
haltten soll" in Uerolts Chronik^). 

1 erfUii H^, Ji. 3 die — ttehendt fehit HK 5 besetai J?. tf in — versind. fehlt ff«, 
Jt; im Hcbilttf i. Terf. H^ ; rersindert allein habendi StK 9 Hftllisoben pfenning oder 
der ttatt. . U^, B, 10 da fehlt fl>, H«, if», Ä, W«. 18 maistergesang E\ 15 an- 
saigen und bedenttnusc H', H; bod. hett. St^. 17 wann U^, H^, B, St^ ateU als Kausal- 
korOunktion, 1$ begreifft ff>. 20 undt — gttttigkeit O. fehlt durch Versthen, an spätertr 
Stelle narhgetrofftn Ht, B. 33 eich fehlt H^, 24 ohr. oberkhoit geb. 8t*. 

*) Magdalena = 22. Juli: der Her alt 99 genannte Jahohitag, 25, Juli, 
stimmt nahe damit zusammen, — Von dieser ganzen Zwietracht redet Widman 
unten unter dem Titel: „/>er ander üfflauß^ noch einmal und genauer. — 
^) nachmals. — •) Über Weinbrenners Person und Lied s, Herolt 52: die mora- 
lisch-religiöse Beutung des Gedichts entspricht ganz dem Geiste, der in den 
JSchulen der Meistersänger herrschte, — *) Eine neue Untersuchung widmet 



— 95 — 

Etliche, 80 zu Hall gekäinpfft. 

Under dennen, so zu Hall uff dem vieschmarckh nach der 
statt Hall kampfrecht und Ordnung gekämpflFet, soll mich nicht l)e- 
tauren etliche zu erzehlen, nemblichen: 
5 Die folgende Aufzählung stimmt, von unwesentlichen Abwei- 

chungen abgesehen, durchaus überein mit dem Abschnitt: „Welche zu 
Hall kempfft haben'' in Herolts Chronik, In St^ folgt am Schluss: 

St^: Ebenmäsig hat es auch ein kampifbiatz in der statt Würtz- 

burg, da die weiber mit denn roännern kampfften. Doch soll der manu 

10 in einer gruben steen bisz in nabel unnd das weib uflf ebner erden in 

einem kreisz. darausz sie [nit] schreiten — bei verlierung des kampffs — 

darff. 

Schlosz Hall fällt dem closter Chomburg heimb. 

Alsz dasz geschlecht die von Hall abgestorben, ist ihr burgkh 
15 Hall sampt denn leibaigenen leuthen darzue gehörig dem closter 
Chomburg alsz lehenherrn heimbgefallen, und alsz lange zeith nie- 
mandt darinn gewohnet, baufällig worden. 

St. Michaels miinster zue Hall wardt gebaueth. 

Demnach anno 1156 ist mit bewilligung bischoffen Gebhardts 
20 zue Würtzburg und Albrecht des vierten undt Gemant^) des fünflften 
abtes zue Chomburgh, des convents daselbsten und hertzog Fried- 
richs — ob er in Franckhen oder Schwaben hertzog gewesen, stehet 
nicht in dieser beschreibung ^) — das alt burckhstadel Hall der 
statt Hall durch einen tausch gegeben wordten, dagegen die statt 
25 Hall dem abbt und conventh Chomburg denn platz, da anietzo der 

14 Anno domini 116«, al« . . HK 20 Oernant aus H^, /f«, H«, H ; Gernart 8t K n statt 
der J\irenthtse in Schwaben if>. | verschreibang H^, Ji. 25 die behausung nnd denn pl. 
HK I das spieth. H^, B, Sfi. 

diesem Gegenstand G. v. Below im Lektionskatalog von Münster 1896/97 in 
der Abhandlung: Zur Entstehungsgeschichte des Duells, loo S. 13 ff. insbeson- 
dere die Kampfgerichte zu Nürnberg und Schwäbiach-Hall besprochen sind mit 
dem Ergebnis, dass es ein Irrtum ist, in den Haller Kämpfen den Übergang 
zum modernen Duell zu sehen. — *) Die ürktmde (WU, II, S, 102 f) hat die 
Form Gemot, — *) Herzog Friedrich IV. (Sohn des Hohenstaufen Konrad IIL) 
regierte 1152—1167; er ist Herzog in Schwaben (Stalin 2, 86 ff.), wogegen der 
Würzburger Bischof mit aller Bestimmtheit die Herzogsgewalt über Franken 
für sich in Anspi'uch nimmt (^tam episcopatus quam ducatus nostri potestate"^ 
am Ende der Urkunde, l. c. S. 103). Widmans Behauptung wird also von der 
Urkunde widerlegt und beruht entweder auf Unkenntnis oder auf flüchtiger 
Benützung derselben. 



— 96 — 

«piethal zue Hall am bacli stehet, eingeben^), dahin abt und eon- 
vent Chomburg eine behauszung und hoflF gebaueth, zu ihrer ge- 
legenheit gebraucht. Also hat die statt Hall das alte burgkstadel 
Hall abgebrochen, an dieselbe statt st. Michaelis münster gebaueth, 
solch münster der rechten statt Hall zue einer pfarrkirchen geordnet 5 
und alsz ein filial von der pfaiT zue Steinbach abgezogen *) worden. 
Ist folgendts dasz langk münster wider abgebrochen worden, die 
kirch erweittert^) und anno domini 1496 der alte chor daran auch 
abgebrochen, am dienstag*), der tag st. Georgii, der erste stain an 
solchen chor gelegt und anno 1525 wie hernach*) stehet auszge- 10 
macht worden. Diesze kirch oder münster ist mit den leibaigenen 
leuthen, die in dasz schlosz Hall etwan gehört, begabt*), welche 
nun in dasz schultheisenambt zue Hall gezogen worden. 



Meesz zu Hall. 



Zue auffung^) dieses st. Michaelsmünster, damit dahin ein 15 
zuelaufl würdte, hat erstgedachter bischoff üebhardt mit bestettigung 
kayazer Friedrichs desz ersten **) eine meesz acht tag vor undt nach 
st. Michaelstag wehrendt jährlich zue halten gnädiglichen verlihen. 



1 »m bach f4hU B. 2 die beh. H^, B. . 4 pfarrkirchen oder H^ 5 gebAwen nnd ge- 
ordnet, da« übrigt fehlt HK 6 Steinwag B. 7 die — erweitt. feMt H^, B, 8t^. 9 den 
H*, dinsUg nach B, am tag Greg. 8tK 10 16S8 ffi. | wie er noch B, StK 15 anf- 
gang H^, auffemng H^. IS erstobgedachter R >, obff. H\ 80. 

') Von einem solchen dem Münsterhau vorangehenden Tausch ist nirgends 
eine zuverlässige Nachricht zu finden^ vielmehr wird in der Urkunde selbst^ 
und »war nach etfolgter Erbauung und Weihung, der Platz, auf dem die Kirche 
steht, Komburgischer Grund und Boden (in eorum fundo) genannt. Vielleicht 
ist der Tausch einige Zeit nachher geschehen, oder es liegt ein RUckschluss vor 
von dem im Jahr 1323 in umgekehrter Richtung geschehenen Tausch (s, Müller, 
Ritterstift Komburg S. 17). — «) abgeteüt. — ») Bau des Schiffs 1427—1492, 
des Chors 1495—1525: ein Hauptzweck dieses Baues war die „Erweitei^ng"' ; 
da diese nur nach Osten hin möglich war, so blieb nichts anderes übrig, als 
den Chor recht gross ßu machen, woraus sich u. a. da^ empfindliche Missver- 
hältnis der Teile erklärt. — *) Vielmehr nach der Inschrift am Chor (Hausser, 
Schw.'Hall 60): „1495 am nächsten Dienstag vor St, Gregorien Tag in der 
Fasten^, somit am 10, Märt, — *) nämlich in dem am Schiuss des VI, Teils 
kommenden Abschnitt: „Neu Chor zu Hall^. — •) Nach der Urkunde hat ein- 
fach Kloster Komburg die Tochterkirche mit einer aus Gütern und Leibeigenen 
bestehenden Mitgift begabt : von einer Zugehörigkeit der letzteren an ein Schloss 
Hall ist dort nirgends die Rede, — ') Emp orbring ung, Beförderung. — ') So 
auch in der Urkunde. 



— 97 — 

bestettiget, mit etlichen capituln solcher begnadung ^) eingeleibt, 
welche ohnöthig hier zue melden. Diesze meesz ist mit der zeit 
verrück th und in die 12 nacht oder tägh zu Weihnachten gelegt 
worden, wie sie dann noch der zeit jährlich gehalten wirdt, vie- 

5 leicht wie etliche sagen von wegen dasz der fürst in Franckhen*) 
gewolt, er habe die meesz, welche zue Hall wie erzehlt Michaelis 
war, zue gelaithen, wie dann auch desz landtgerichts halben etwann 
ein stritt sich zugetragen. Derohalb wie man sagt Hall uf dem 
Galgenberg *^ belagert, etliche stuckh stein — dieweill dazumahln 

10 die groszen büchszen nicht gebräuchlich — in die statt geworflFen, 
doch wider ohnverricht abgezogen. 

Ich habe gesehen zu Hall in desz alten Gabriel SennflFtens 
behauszung im hoff einen auszgehawenen stain, ausz welchem man 
den hünnem zu trinckhen gab, von welchem er mir sagte, dasz 

15 solch stuckh stein in ermelter belägerung vom Galgenberg in be- 
meldte behauszung seye geworffen, darausz desz zue gedächtnus 
dieser hünerstein gemacht worden were. Ob nun deme also oder 
nicht, lasze ich sein. 

Collation Hall Chomburg gehörig. 

20 Vonn zeith ahn der Separation *) des filials st. Michaels kirchen 

von der pfarr zue Steinbach ist ein pfarrherr nicht mehr zu Stein- 
bach, sondern zue Hall gewesen und geseszen, die pfarr zu Stein- 



1 verliehen und besteet U^, R, 8t^. 3 mittler zeit H^, B. 5 das ein byschoff zn Wurtz- 
barg fi>, H^, S, St^. 7 vergUitben H». | Nach halben: für das Hall gefreyhet Hi, R, 
St^. 8 ein aus ff^, H^, St^; inn St^. | desshalb Hall nitt Franckhen, sondern sich 
Schwäbischen Hall, an das kayserlich hoffgericht Bottweil und nitt landtgerichtt Würtz- 
barg gehörendt schreiben H^. | H. wnrd vom bysohoff von Wttrtzburg H^. 10 statt 
lanffen laszen HK 11 tingeschafft E^, H^, R, St*. 18 sUin, darein H*, R; darin St^. 
14 gab, ligen Rf gibt, ligen St^. 17 Ob — sein fthlt St*, 80 Pfarrkirchen H*, St^. 
22 gew. und fehlt U^, R, St^. 

*) Weitere Vergünstigungen („Kapitel solcher Begnadung^) finden sich 
in der Urkunde von 1156 nicht , sondern nur noch die Äufsählung der Reli- 
quien, — *) Fürst, d. h, Herzog in Franken war eben der Würzhurger Bischof: 
er wollte vielleicht durch diese Marktverlegung die Ihrzogsgewalt, die er be- 
anspruchte und thatsächlich ausübte, die aber nicht überall anerkannt war, 
recht deutlich und augenfällig bekunden. — ') Die östlich von Hall sich hin^ 
ziehende Anhöhe, — *) Diese Trennung geschah 1504: sie fährte zu einem 
Prozess zwischen Komburg und Hall in Rom, der zu gunsten Komburgs ent- 
schieden wurde. Die Haller aber, die von der Sache Wind bekommen hatten, 
wussten noch vor Veröjfenllichung der Entscheidwig die Komburger zu einem 
Vergleich zu bewegen, vermöge dessen ihnen 1506 die Pfarrei St, Michael und 
die zwei Pfründen abgetreten wurden, Herolt 106 f. 

Württ. Geschlchtsquellen VI. 7 



— 98 — 

bach von Hall ausz durch mittherrn ^) versehen und beder pfarr 
coUation dem heim zu Chomburg sampt etlichen darein gehörenden 
capplaneyen zue verleyhen hüben. Anno domini 1505 haben die 
von Chomburg die coUation der pfarr zue st. Michael sampt den 
2*" pfrönden st. Ottilia im spitall und st. Nicolai zue st. Michael 5 
denen von Hall zugestellt, die ursach hie zu melden underlaszendte. 

Wie alt Hall eine statt sev. 

Ausz denen erzehlten datis dieszes wechszelhriefs *) mit der 
burckh Hall, da nun st. Michaels pfarrkirch, und dem Chomburger 
hoff, da nun dasz spitall stehet, erfindet sich clärlich, dasz Hall ob lo 
400 jähr — ohne die jähr vor solchem wechszel und aufrichtung 
der meesz, nundinarum, — eine statt geweszen, also das sich zum 
wenigsten in die 500 jähr und darüber erstreckhen wirdt. Wiewohl 
in bäbstlichen bullen, alsz abt und convent zu Chomburg ihre pri- 
vilegia etc. bey pabst Innocentio dem vierdten anno domini 1248 15 
den dritten calendas octobris^) haben emeurth, wirdt in latein in 
solcher bull also gemelt, dasz pabst Innoeentius besteht die güttcr etc. 
des eloster Chomburgs, quas habetis in territoriis villae de Roten- 
burgh et in villa de Ingefingen ^) et ^illa Sulm et villa Hall, also 
dasz sichs ansehen last, Hall seye dazuemahlen noch ein dorff und 20 
nicht viel über 300 jähr ein statt gewesen. Aber ich achte, dasz 
die narratio des wortts villa nach römischem gebrauch die kleinen 
umbmaurten statt, da nicht fürstlicher hoff wurde gehalten, villas, 
so wir oppida in latein und nit civitates nennen, oder diese buUa 
sich lenden ^) und auszgezogen sein aus dem brief, da solche gütter 25 

1 miedherrn H*, mietb. W^, R. S Statt de« 8at»€« Anno etc. ffibt H^ die genauere Dar- 
stellung der Sache au» Herolt, 7 Wie lang H». 8 Uaser if«. 10 ob aus 1/», H», H, 
St^: ab St^, Ä«. 11 Tor aiM H», if», R} ron Ä«. 14 buUen gefanden H«, R, 8t^. 
16 den 8. calendas oct. auM ir>, fl', H^, R, 8t^; den dritten cot. SiK 17 bestett ( be- 
stätigt) Ä», H», R. 19 et de t. S., et de villa HA*, H«, R, St^. »1 noch nit über 
i/i, R. 23 umbmaurten au« H^, H*, H^, R; unbemaurten SlK 24 atatt so — civit. : and 
nit oiritates U^, R. | nit au* H^, //S; nnn StK 35 lenden: JFf> aus Mimtverstand : sich 
enden. | den brieven H^, H^, U\ R, StK 

*) Mietherr: gemieteter Stellvertreter. — ^ Dieser ^Weckselbrief^ ist nach 
dem ganzen Zusammenhang nichts anderes als die oben besprochene Urkunde 
von 1156 ; da nun aber auch hier wieder die Behauptung von dem Giitertausch 
so bestimmt vorgetragen unrd^ so scheint eSj als ob sich in dem Komburger 
Exemplar eine auf jenen Tausch bezügliche Interpolation befunden hätte. Eine 
Spur hievon ist Jreilich in WU, II, 103 nicht zu entdecken, — •) Die Urkunde 
( WU. IV, 181—184) trägt wirklich das Datum 3, cal oct. ß9. Sept.). Die 
auf Hall bezüglichen Worte lauten: in villa de Halle. — *) Urk.: Ingelvingefi. 
— *) sich lenden = sich auf etwas beziehen, stützen fSchm.), d. h. die Bulle 
citiere aus einer früheren Bulle, 



— 99 — 

zu Hall erstlicher stifftung an Chomburg kommen und Hall noch 
ein dorff *). Folgt, dasz Hall dannoch über 400 jähr ein statt were 
gewesen, doch unbegeben der sach diese Ungleichheit zu verainigen 
mehr wieszende. 
5 Aber der grab *) sampt den brustwehren bey dem Langfelder 

thor zue Hall sein zue den zeithen alsz die armen Geckhen'*) im 
Elsasz gelegen, auszgefütert unnd gebaueth worden. 

Uffgeläuff zu Hall von wegen der kellershelsz. 

1. Allsz nun Hall wesentlich zu einer ansehnlichen statt worden 

10 und die häuszer und l^ellerhellsz ohne Ordnung hin und wider in 
den gaszen gestanden, hat der magistrat, damit man in denn gaszen 
desto baasz wandeln möchte und ein hausz dem andern dasz ausz- 
sehen nicht benehme, eine Ordnung, wie weith herausz uf die gaszen 
die häuszer gebauet, und dasz alle kellerhällsze den behauszungen 

15 gleich einzogen werden sollen, damit bey nacht die vorbeygehendte 
nicht in die keller fallen, auch alsz wenig sorglicher fürzufahren '*), 
gemacht. Solcher Satzung der mehrer theil der innwohner sich 
widersetzt, denen auch etliche patricii, die nicht rathsherm waren, 
sampt einem ritter herr Berchtolt N. angehangen, deszhalber nicht 

20 allein heimbliche gespräch gehalten, sondern auch vermaint und 
understanden, wie weith sich ihrer obrigkeit gewalt solte erstreckhen 
ihnen zu mäszigen und dem rath Ordnung zue geben, also dasz 
die sach gantz gefährlich zwischen dem rath und der gemaindte 
gestanden, sich gerottirt, darnach ieder einem theil gönstig gewesen, 

25 heimmbliche gespräch gehalten, von diesen kellerhälszen und von 
ihrem vornehmen wo zween zuesammen kommen, heimblich geredt. 
Dahero dasz noch wehrende sprichwortt entstanden, wo zweene 
heimblich miteinander reden, wavon sie geredt haben, gefragt etc., 



'J folgt— gewesen fthli in H^, »tatt deastn: Oder int Tilleicht villa ein dorff genandt, von 
wegen da« daxuoial kein pfarrkirch noch cu HaU ist gewesen. Ebenao B, Der Ratz Folgt 
etc. »amt dtm ZmmIz oder etc. in St^. 8 doch — wiest, fehlt St 9. 6 Jftoken H^, H^, H ; 
fleckhou i/3. 7 gefürdert H^. y Anno domini 12C1, aUss . . H^, B, 12 als bas H«, 
n"*, B; alsz bald St^. \ das Hecht U*, H^f das» ansehen 8t^. 15 forgehenden H^, 
H^, H^, B, St^. 16 fürrnf. sey J?», H*, B, 8t^. 21 wie weith — gestanden fehit JT«, B. 
22 ein masz sn setzen H^. 25 heimmb. — gehalt. fehlt H^. 27 Dah. dasz fehlt H^. 

*) Dicife letzte Erklärung^ daas die Urkunde einfach die Iiergehörige 
^dle einer früheren Bulle wiedergebe, ohne Rücksicht auf inzwischen einge» 
treiene Verändei^ungen, hat in der Tat am meisten für sich. — *) Der an der 
östlichen Seite der Stadt laufende Festungsgraben. — *) Die „armen Gecken^ 
= Armagnaken, also 1444. — *) damit destoweniger Gefahr sei, dass die Fuhr' 
werke sich daran stosseti. 






— 100 — 

wirdt geantwordet, wir reden von alten kellershälszen. In summa 
es gereichte zu einem ufgeläuff^). Also anno domini 1261, alsz der 
ober rath bey einander versambleth, ist die gemaindte zusammen 
geloffen, in willenns den rath ihres gefallens zu zwingen und zu 
überfallen. Desz ein rath gewamet vom rathausz in den steinern 5- 
hoff*, etwan Burckhardt Eberhardts hoff genandt, kommen, ihre diener 
und wohlgönnende zu sich bracht, sie mit gutten wortten und wie 
sie gemocht ufenthalten, bis ihre freundt, so umb Hall uf den burgken 
geseszen, dieszes uffgeläuffs gewahr worden, in handel geschlagen, 
und habens fride wollen machen, hat man etlichen ihre kellerhällsz iq, 
uf etlich jähr uneingezogen stehen zu laszen bewilligen, auch der 
gemaindte etliche bürgerliche Satzungen nachlaszen müszen, und 
dazuemahl auch etliche adelsz ausz der statt gezogen sein sollen. 

Der ander ufflauff*). 

2. Also anno domini 1340 hat sich aber eine empöhrung 15^ 
zwischen dem rath und der gemaindte zu Hall begeben. Die zue 
befriden schickte kayszer Ludwig bavarus genandt graffen Ulrichen 
von Wtirttenberg sampt andern mehr zuegeordneten commissariis 
gen Hall, die sach zu vertragen, wie dann geschach; und wurden 
damahls das ober undt under gericht zue Hall, davon ich oben ge- 20- 
schriben, zusammen gestoszen und ein rath daraus gemacht, die 
anzahl, damit besetzt solte werden, specificirt, nemblichen 12 patricii, 
6 mittelburger und 8 liandtwerckher, in einer summ 26 personen 



1 gefragt ward, goant. H>, fragendt, wurdt g. H3. ü gerieth H*, H^, H», B, 81*. 8 alsz 
ein ratth H3. 7 wol gnndet« HK | aie aus H\ §ich Sti, H^, H^, R, St*. 10 habenit 
aber frid . . ., so hat man ... U^, und su friden diiem uffgelanff, hatt man H^. 13 Xach 
mfitxen : Erselts also ergangen sein sagt der alt Junckber Daniel Trenttwein Ton seinem 
altvatter gehört haben H^, B, St^, 18 sollen: alsc Velberg, Greilszheim, Bebenbnrg, 
Mettelbach, Schrotsberg, Angaloch, Mossbacb, Reohberg, Böler, Stickhel, Adoltzhaim, 
Guamen, Rechenberg, Sindringen, Baunenrock und andere mehr H^, bei B blons noch nam> 
lieb, aber die Aufzählung selber fehlt. 18 commiss. : alss nämblich bruder Hainrich ron 
Zipplingen, commenthnr su Ulm ; unnd ward Burckhardt Sttirmfcder unnd Conrad der gross 
schultheiss KU Nürnberg gehn Hall geschickt (letzterem Wort i«t in H^ ron anderer Hand 
nachgetragen, in B fehU es) H', B. 23 mettelbnrger H^, B, St 3. 

*) Über diese ..erste Zwietracht^ s. Hausser, Schwäbisch-Hall 13, und 
Gmelin 4S6ff. — Die Erzählung erweckt Bedenken, besonders durch die Ver- 
weisung auf das Simchwort: sie sieht aus wie eine ätiologische Sage, erfun- 
den zu dem Zweck, dieses Sprichwort zu deuten. Wenn übrigens, wie auch 
WeÜer W.Vjh, 1698, 213 annimmt, ein geschichtlicher Kern zu Grunde liegt, 
so wird die Anordnung in Betreff der Keller halse höchstens den letzten An- 
Mtoss, nicht aber die Hauptursache für die Unruhen gebildet haben. — *) Dar- 
aber schon oben S. 93. 



— 101 — 

betr., sampt andern capituln solcher vertragh in sich haltende; die 
saeh verainth am andern tag nach Mathei apostoli. 

H*: Die von Hall fahen den apt zne Chomburg. 

[Vor] solcher entpörung, nämblich anno domini 1324 hat sich ein 
5 iinnachbarschaift zwischen apt Conrad zu Comburg des gescblechtts von 
Münckhen nnd denen von Hall begeben % also das sie beederseitts einander 
angegriffen, die von Hall den aptt verwandt und gefangen. Aber dieweil 
Comburg damahlß im schirm des bistumbs Maintz^), hatt Mathias ertz- 
bischoff daselbst disen aptt mitt abtrag erlittenen Schadens seiner gefengnus 
10 und Schadens erledigett. 

Von der zeith solches Vertrags, sagt man, seye der burger- 
meister zne Hall forthin stettmeister ^ genandt. Dann umb diesze 
zeit sollen die zwo voorstätt an Hall umbmaureth worden sein, fol- 
gendts der grab an der voorstätt jensei th Kochens sampt dem groszen 



1 Tartrig H^. 2 H^ gibt hier noch ein Verzeichnis der damals in Hall ansäs»ig gewesenen 
und infolge des Vertrag» ausgefahrenen AdelsgeachUchter. Dos Vereeichnis umfasst 84 Namen 
und ist im teesentliehen identisch mit demjenigen, ufelches Herolt in dem entsprechenden Abschnitt 
/^„Veränderung des ersten Begtments*') vorfUhH. 4 Von H^, nach dem ZeitverhäUnis muss es 
heissen vor. 14 gebnhalb H^, B, 8t*, jehnolulb H*. 

*) Über die Bedrängnisse^ welche Ende des 13, und anfangs des 14. Jahrh, 
iibtr das Kloster ergingen, s. Müller, Gesch, des Ritterstifts Komhurg 16 ff. 
Der wirtschaftliche Verfall des Klosters war 1318 so weit fortgeschritten, dass 
<tlh Klosterinsassen mit Ausnahme des Abtes in andere Klöster wandei^n mussten. 
Dem zurückgebliebenen Abt Konrad v. Münkheim (1316—59) gelang es zwar, 
in wenigen Jahren die wirtschaftlichen Zustände meder leidlich zu ordnen, er 
scheint sich abei durch Eintreibung gewisser Forderungen mit der Stadt 1324 
verfeindet zu haben, *und da er hier selbst das Kriegsglück versuchte und den 
Harnisch anlegte, hatte er das Missgeschick, verwundet und gefangen zu werden. 
Die Stadt wurde zwar sofort von Würzburg aus gebannt, aber der Gefangene 
Jeam doch erst 1326 wieder los. Wie gross auch um diese Zeit noch der Hass 
der Haller gegen den Abt war, geht hervor aus der Urkunde vom 5. April 1326, 
in welcher Bischof Wolfram von Würeburg dem Dekan von Thüngenthal ge- 
bietet, die Haüischen Übeltäter entweder in arobone (auf der Kanzel) der 
Kirche zu Hall, wenn er es Furcht halber tun könne, oder wenigstens in seiner 
Kirche in Thüngenthal zur Umkehr zu ermahnen. Als SchtUdige werden hier 
genannt: Johannes und Otto Lecher, Walther und Ulrich Veldner, Petrus 
Münzmeister, Eberhard Philipps, die Konsuln, Schöffen und Gesamtheit aller 
Bürger. Von Ulrich Veldner, einem der Hauptübeltäter, wird in der Urkunde 
wigegeben, der Guardian und die MinderbrUder zu Hall hätten ihn auf dem 
Totbett absolviert und im Gewand ihres Ordens begraben, und der Dekan wird 
-angewiesen, das näher zu untersuchen. — *) In Wirklichkeit hatte die Stadt 
Hall die Schirmvogtei über das Kloster seit 1316, verlor sie aber infolge dieser 
Wirren 1333 an Kraft von Hohenlohe. Erzbischof Matthias von Mainz hat 
dn der ganzen Sache nur seinen mächtigen persönlichen Einfluss geltend gemacht. 
Müller a. a, 0. — •) Über die richtige Deutung des Namens s. Herolt 107. 



— 102 — 

bollwerckh') zue fdettern anno 1490 angefangen und die portt iit 
der Zollhütten ^ genandt davor zugemaurth. Folgendts anno 1528, 
alsz man solchen graben wolte vollenden, die maur nicht dickh 
genug gemacht war, fiehl ob 50 schriett mauer ein; dergleichen 
geschach folgendts auch mit der mauer, alsz man den graben in 5^ 
der Gelwinger gaszen bey dem Kelckersthürlein ^ füetterte. 

Die dritte empöhrung*). 

3. Anno domini 1508, alsz sich in vielen reichsstätten Teutsch- 
landts empöhrung zwischen der gemaindt und obrigkeit begab ^), 
erhueb sich auch ein zwittracht zue Hall von wegen einer trinckh- lo- 
Stuben, und wiewohl sich solcher zwittracht erstlich etwas schwehr- 
lich ansehen iiese*), wardt doch — durch grafiF Joachim von Ot- 
tingen, abten zu Rockenburg') und andere mehr kayszerliche ver- 
ordnete commissarios sampt herm Peter von Äuffsäsz, thombdecano 
zu Wtirtzburg und probsten zu Chomburg — die sach in der gütte 15 
vertragen, wie dann durch ernannte commissarios solcher vertragh 
anno domini 1512 zue Hall uf dem marckh publicirt worden. Nach 
beschehenem vertragh sein etliche patricii aus der statt gezogen. 

Grosze brunst zu Hall^). 

Anno domini 1376 verbronn Hall von eigenem fewer^), dasz 20 
man von einer porth, nemblichen vom Sulverthor zum Stättthor ^^') 
möchte sehen. 



1 1409 H^, H, St'^, 2 and das Lullenibor oder Riettamerthor dagegen gebaut! worden H^. 
4 dergleichen — fttotterte fehlt St^. 6 Kelckersth. aun n\ R, Kellers St\ Kerrkers H-, 
U\ I im andern jar homaoh ifi. 8 Hocbteutschlandts H^, H^, St^. 13 Johan Sf*. 
\ Oringen U, 18 Rotenburg SO. 17 umb Galli H^. 20 1886, mit Randbemerkung vott 
anderer Hand: alü 1S76 H^, 1386 H*, R. | die recbte statt >u Hall HK | TOn ainem 
fewer J£K 21 SuWertbor aus U^, R; pulvertbor Ä', UK 

*) Utnmauerung des KaiharinenstadUeils und grosses Bollwerk s. HtroU 
137 1 Gmelin 613. — *) Zollhüitentor stand einst am Ende der jetzt noch so 
genannten Zollhüttenstrasse^ HeroU 137. — *) Kelkerstörlein, oben am jetzigen 
Schweinemarkt, Herolt 144. — •*) Herolt 170—175, Gmelin 098—604. — *) Vgl. 
die oben S. ^8 Anm. 3 genannten Bewegungen. — ®) obwohl diese Zw, zuerst 
etwas gefährlich aussah. — ') Roggenburg, im bayr. Reg.Bez. Schwaben, bei 
Neuulm, einstmals Sitz einer Prämonstratenserabtei. De$' hier gemeinte Abt 
wird derselbe „Abt Jobst zu Rockenburg^ sein, der auch im Konstanzer Reichs- 
tagsabschied von 1507 unter den Anwesenden erscheint. Hiernach ist Herolt 173 
Z, 13 und ebenso Gmelin 003 das irrtümlich eingesetzte Regensburg in Rocken- 
burg zu ändern. — «♦) Herolt 42. 151, Gmelin 525 f. — •) Im Gegensatz zu 
einer Entzündung durch Blitz. — *^) Das Sulfertor am südlichen, das Statin 
tor am nördlichen Ende der alten Stadt. 



— 103 — 

Stättkrieg^). 

Anno domini 1380 waren bey einander 72 reichsstätt in einer 
verbindnüsz *), die etlieh straiffendte rotten hielten, damit das schnap- 
pen uf der straszen abgestellt und die straszen reyhn gehalten wurden. 
5 Und dieweillen sie unerlaubt der fürsten der straszen beschädigern 
nach durch der fürsten länder straiflPten, verdrosz solches die fürsten, 
sahen etliche durch die finger, damit die stett täglich vom adel 
und einspännigem ^) befedung, brandt und rauben angrieflfen wurdten. 
Dieweill dann Hall auch in erzehlter bindtnusz der 72 statte lie- 
10 grieflen, kamen sie auch mit in dasz spiel, wurdten täglich von 
etlichen raubhäuszern ihrer anstoszenden nachtbahren beschädiget, 
also dasz sie verursachet, sich der gegenwehr zu gebrauchen, et- 
liche burgkh und raubhäuser herumbruckthen, alsz Biellrieth, davon 
wir hievohm gehört, zurstöreth wurdte. 

15 Clingenfellsz wardt zurbrochen. 

Clingenfellsz*) an der Schmerach bey Obern ScheflFach gelegen, 
ein schöne burgkh mit zweyfachen graben. Alsz anno Christi 1381 
die von Hall darausz beschediget wurden, ist viel reittens zu Clingen- 
felsz gewesen, und alsz etliche reutter auszer solchem schlosz eines 

20 tages uf die beutte wolten reithen, haben die von Hall ihre kund- 
schaflft gehabt, sie niedergeworflFen, der gefangenen kleider angethon, 
uf ihre pferdt geseszen, dem schlosz Clingenfelsz zugeritten. Alsz 
aber der thorwarth den kleidungen nach geachtet, es weren freundte, 
die vor etlieh stunden aus der bürg geritten, öffnete er ihnen die 

25 bürg, haben sie die thor eingenohmmeu und ist der haufiF hernacher 



$ liSiy aus St^ (Korrektur) f 1960 St^, 4 itrasjEen, auch ainspenlg befedaog H^. 6 den 
strasRenratibern nach HK 7 8t«tt aus U^, H^, St^; statt ^>. 8 mit einapenigor bef. 
JUi, B, 8t^. 10 mu8t«ii sie ir>, B.^, H^, B, 81^. 11 von hernach benanten £r>. 13 alsz 
— wurdte fehlt H^, statt dessen: daransa entstondt ein langvrüriger krieg, der stettkrieg ge- 
nant, der Hochteutschlandt mit brennen uff dem landt grossen schaden thet (s. den Sehluss 
des nächsten Abschn.J. Von daransa — tbet ebenso B. 15 H^ hat diesen Abschnitt in mehr 
Uerottscher Fassung. 16 Clin gen f. — graben feMt St'', ist im folgenden Satz kürzer nachge- 
tragen, 18 uf reittens if», H^; unnd tu nfreutens Ä*. 23 alsz und nachher er fehlt //-. 
23 thorwartber U^. 

*) Über diesen Städtekriegy der eigentlich 1376 beginnt^ s, Siälin 5, 316 ff, ^ 
Gmdin 524—532, — ^) Das Jahr 1380 mag vom Chronisten herausgegriffen 
sein, weil ungefähr um diese Zeit (genauer Juni 1381) die bisher vei'bündtten 
33 schwäbischen Städte mit den rheinisch-wetterauischen sich zusammenschlössen, 
Stalin 3, 335; Gmtlin 527 f. Die vom Chronisten angegebene Zahl 72 ist offen- 
bar eine Verwechslung mit dem zweiten „grossen^ Städtekrieg 1449 ff., wo aller- 
dings (Gmelin 567) die Gesamtzahl der Städte 72 betrug, — •) Einspänniger: 
ein einzelner berittener ßeicaffneter. — *) Herolt 89 f., Gmelin 526, 



— 104 — 

gerennt, die burgkh eroberth, geblündert und verbrandt worden. 
Darausz entstünde ein langwühriger krieg, der stättkrieg genandt, 
welcher Hochteutschlandt mit brennen uf dem landt groszen scha- 
den thette. 

Ihrer acht werden zu Hall gerichtet. 5 

Dieweill nun das rauben, brennen und plündern ie mehr und 
mehr zunahmb undt mit stehlen gar nahe befreundt, gleich ge- 
schwistricht kindt sein, was dann die statt rauber fingen, die liesen 
sie zum theill henckhen. Also liesen die von Hall 8 rauber henckhen, 
wie wohl etliche wollen, sie seyen im stättgraben zue Hall bey dem 10 
Capellthor enthauptet worden, etliche sagen von fünffzehen. Dann 
dazumahl die vollstreckhung peinlicher sachen gegen oder in der 
Gelwinger gaszen und daselbst umb beschahe, davon auch etliche 
derselben örther den nahmen noch haben. Alsz bey dem säw- 
marckht in der Gelwinger gaszen binden an der mauer umbhin 15 
wurds die Bländtstatt') genandt, dann etwan daselbsten dennen 
übelthätern ihre äugen auszgestochen und gebländet wordten sein. 
Und daselbst auszerhalb des grabens werden etliche weinnbergh 
und gärthen uf diesen tagh uf dem Dohmmarckth, dasz ist Ohren- 
marckh genandt, dann an diesem orth gepflegt worden den ver- 20 
schulten ihre ohrn abzuschneiden, also gespöttweisz gesagt, so einem 
die obren abgeschnitten worden : dieszer ist uff dem ohrenmarckh 
gewesen, hat seine obren verkaufft und dahinden gelaszen*). 

1 Nach worden: Hett das innen gehabt einer von Tbttm St^. 7 undt — «ein fehlt H*, 
I gar — gleich aus H^, fehlt St^, H*, St^, 8 für ranber St^. 9 HaU anno domini 1418 
uff ain tag B, 8t*, | ranber im stättgraben . . - entbaubten H^; also — henckhen fehlt H*. 
10 nitt gebenckht, sondern H^. 11 cappell oder stetthor H^. \ etliche — fflnffs. fehlt 
HK 18 beschahe, wie dan noch ein balck nnder disem thor ubercwerch eingemaurt, 
daran dise raaber nffgesogen worden, vorhanden H^* 16 wurds au9 H^, H*, R, St^ ; 
wurdtens 8tK \ Blindstatt 5(>. | wann H*, H*, R, 8t^. 18 ehe Golbinger gassen nmb- 
manrtt worden HK 19 Dohmm. au$ H^, H^, R; ohrenmarckth St^ ; (H^: dor gemain 
raann sagt Dommarckh^. 

^) Die Blendstatt kommt in den Urkunden schon (WFr.NF. IV, 30) 
1364 und nachher oft vor, und. zwar in den nach der Ummauerung der Gel- 
binger Vorstadt fallenden Urkunden öfters in einer Weise, aus der ersichtlich 
ist, dass auch die Gegend ausserhalb der Mauer noch so genannt wurde, — 
^) Gegen diese das Gepräge grosser Naivität an sich tragende Deutung spricht 
schon die Angabe, dass der Name beim Volk „Dohmmarkt*^ (= Tormarkt?) 
gelautet habe, hauptsächlich aber die Erwägung, dass kaum eine gerichtliche 
Exekution in so scherzhafter Weise zur Namengebung verwendet worden sein 
dürfte. Dazu kommt, dass ein „ Ohrenmarkt' in den Urkunden von 1339 — 1550 
nirgends zu treffen ist, dagegen wohl (1469) ein Tormarkt, der wahrscheinlich 
am Langenfelder Tor, also nahe an der Blendstatt, sich befand, — Somit stellt 
diese Deutung wohl ein Stück Volksetymologie dar. 



— 105 — 

Ist die endthauptstatt am knocken bey dem newen kireh- 
hoff bey st. Nicclausen capell beym sieghausz gewesen^); ist doch 
daznmahl dasz schwertt nicht, sondern eine dille gebraucht worden. 
Dahero dasz sprichwortt erwachszen : ich wollte mir ehe den kopff 
5 mit einem dillen lassen abschlagen, ehe ich solches etc. thette *). — 
Da das alte sieghaus zue Hall wardt abgebrochen und dasz noch 
stehendte sieghausz ^) zu bawen furgenohmmen, hab ich gesehen in 
solchem alten sieghausz ermelten dillen zu enthaubten zugericht 
stehen; welcher so einer enthaubtet hat werden sollen, ausz ge- 

10 dachtem sieghaus uff ermeltenn btihl, und nach enthauptung wider- 
umb inn solch sieghausz geantwordet worden. Dasz Instrument 
oder diel der enthauptung sähe aus wie ein zwagstuhl, hette uf 
beeden seithen genutt laisten, in welchen der diel, daran unten ein 
wohlschneidendt eyszen war, herab uf den stuhl rollte, darauf der 

15 arm mit seinem haubt alsz wolte man ihme zwagen gebunden. So 
hinge der diel an einem strickh, so denselben der nachrichter liesz 
fallen, stiesz der diel dem armen sein haupt ab. Solches, weillen 
nun die nachrichter dasz schwerth brauchen, abgangen ist*). 



1 kOpffftatt Hl, hftuptBt. H^. | am kn. fthll H^, am Kochen 8t^. 2 siechh. H^, H*, H\ 
J{, St^. 3 ein thil Hi, H^ B, ein dilen 8t^, ao auch naehhtr; ein aichner thilen HK 
S ermelten au* H^, H^ B, St*; ermelter SlK 18 genttet H*, Bf fpeniette H^. | der thil 
gieng hi; iku Folgende itt hei H^ etiUsiiseh etwas verändert. 14 staU rollte: feldt H*. 
Ifi der thiln U^, 17 abhauwet H^. 

*) Knock: Bergvorapi'ung : der ^neue Kirchhof^ jetzt der Hauptkirchhof 
Halls mit der Nikolauakapelle ; der darüber sich erhebende Berg ist eben das 
<ilte Hochgericht, einst „Galgenberg*^, jetzt „Friedensberg'^, — *) Eine Köpf- 
maschine vor der GuiUotine! — Die „welsche Falle^^ diente in Neapel zur 
Hinrichtung Konradins von Schwaben, — eine Szene, die auf einem Fresko^ 
gemälde in der Klosterkirche zu Lorch (Schönhuth, Sagen und Geschichten von 
Hohenstaufen u, s, w, S. 293) dargestellt ist. Ähnliche Maschinen waren im 
13. Jahrh. in Böhmen, im 14, in Deutschland unter dem Namen Diele, Dolabra, 
Hobel bekannt. Das Eisen wurde hiebet mittels Hammerschläge durch den 
Hals des Delinquenten getrieben (Meyer, Konv.Lex.* „Guillotine**)' ^*^ Ent- 
hauptung war also bei der ältesten Form dieser Maschine keineswegs ein rascher, 
sondern ein qucdooll verlängerter, barbarischer Akt; so allein wird das vom 
Chronisten beigezogene Sprichwort recht deutlich und so erklärt es sich auch, 
dass in einzelnen Gegenden diese Todesart auf gemeine Vergehen gesetzt war, 
^0 nach Schm, I, 500 in der Kämt. Landhandfeste von 1414: „dem notzuch* 
tiger soll man den hals abstossen mit ainem tilln,^ — ') Das Siechenhaus, 
^Sondersiechenhaus*^ , „Leprosenhaus*^ , nördlich von der Stadt, in der Nähe 
dtr Nikolauskapelle, jetzt das städtische Krankenhaus, — *) Das Schwert des 
Nachrichters ist natürlich längst vorher schon im Gebrauch gewesen. Die ^Dille*^ 
aber ist bald wieder abgekommen, weil sie in ihrer ursprünglichen Form zu 
schwerfällig und dem Geist der Zeit zu fremdartig war. In der HaUischen 



— 106 — 

Aber dasz haallBzgericht ist damahls uf dem stainbruch ien- 
seith Kochens bey dem Haimbacher thtirlein*) gestanden; unnd so 
die sonne gesehiennen, haben die klunckhenden am galgen schatten 
in etlichen häuszern ienseith Kochens geben, davon die kindenden 
weiber erschrockhen ; der ursach uf solchem stainbruch abgethon b- 
und das halszgericht alda wo es noch stehet*) uffgerichtet. 

Von diesen erzehlten enthaupten — es seyen 8 oder 15 — 
sagt man also, dasz sie sambt andern an sanct Michaelis abenth 
denen von Hall haben ein dorflF geblündert und verbrandt, darob 
sie niedergelegen, gefangen, gen Hall geführet undt gleich alsobalt lo 
bey nacht in diesem graben bey einem brennenden fewer enthauptet 
worden. Seye also kalt gewesen, dasz der nachrichter dasz schwertt 
ob dem fewer habe müszen wärmen^). 

Hanns Hammer, ein junger übelthäter. 

Nun haben diese beschädiger vor ihrem angriefiF einen feinndts- i5 
brieff denen von Hall zugeschickth, mit ihrem nahmen underschrie- 
ben, under welchen einer Hannsz Hammer genandt uuder diesen 
15 gefangenen ein reuttersbueb gewesen, welchen der nachrichter, 
bisz er die 14 gerichtet, gespart hat und zum stättmeister, welcher 
sampt etlichen andern des raths zugegen stündte, gesagt: herr statt- 20 
meister, wie soll ichs mit dem jungen halten? Darauf der stätt- 
meister den jungen gefragt soll haben, wie er heisz; sagte der jung: 
Hannsz Hammer. Dagegen der stättmeister: were nicht Hämmerleiu 
auch ein nahm? Dieweil du dich im feindtsbrief für einen mann 
hast lassen setzen, so vertritt auch einen mann; ausz den jungen 25 

3 thttrlain, da die siAinroU gowesen U^. 3 die gehenckteu H ', glunokhorten R, gluck- 
berdten St*. 4 di« schwängern H^, kindetten H^, R; kinder den weibem SO. 5 solohiM- 
nff solchem Steinbruch H*. 6 uff dem Oalf^enberg gebawk J^'. 7 disera H*, B. 10 nider- 
gelegt tf '. U graben beym stekthor H^. 17 und er — gefang. fehlt H^, R; nnder — 
reuttersb. fthlt St^. 19 borgermaiiter U^, R, St^; w auch nachher. 21 ich mich St^. 
2i inn feinduchafft R. 

Geschichte ist weder bei Widman noch hei einem andern Chronisten irgetid ein 
Fall aufsutreiben, wo diese Maschine angewendet worden wäre. An Gelegenheit 
dazu hätte es — vgl. die nächsten Geschichten — im 14. Jahrh. nicht gefehlt. 
— *) Das Ende der jetzigen Heimbacher Gasse. — *) Also auf dem jetzt 
Friedensberg genannten Galgenberg. Dieser GaJgenberg erscheint schon 141fJ 
in einer Urkunde (KHR.J : die Verlegung der Oerichtsstätie müsste somit min- 
destens vor diesem Zeitpunkt geschehen sein. — •) Die ganze Geschichte wird 
von den Handschriften R, St^ (s, die hrit. Anm. zu 8. 104 Z. 9) in das Jahr 
1418 verlegt: damit fiele sie freilich aus dem Rahmen des ersten Stüdtekrieges 
völlig heratis. 



— 107 — 

werden die alten, nicht mehr dann dasz kalb mit der kuhe. Also 
ist dieszer jung auch enthaubtet worden. Ist hernach zum gedächt- 
nusz dieszer sach am Cappellthor gegen der Gelwinger gaszen ein 
steinern creutz mit einem kleinen creutzlein, dasz noch stehet, ia 
5 die Stattmauer gesetzt und gehauen worden *). 

Fürsten wider die statte. 

Also empöhrten sich etliche fürsten wider die statte, alsz marg- 
grafiF Albrecht zue Onoltzbach, der graflf von Württenberg und andere 
mehr, understunden der reichsstätte bindnusz, wie auch geschach,, 
10 zu zertrennen, war ein heflftiger krieg, vorab brennens und raubens^ 
halber uf dem landt, welcher auch zueletzt der stättkrieg genandt 
wurdte. Die statte waren auch nicht trägh, wehrten sich zuvor,, 
ehe der stettkrieg angieng, und im krieg so best sie mochten. 

Den väszern im Kochenthal schlegt man die böden aus. 

15 Anno domini 1424 wuchsz viel weinn am Kochen, dasz die 

hecker solchen nicht faszen noch all: verkaufiFen möchten. Da 
fielen der statt feindte in dasz Kochenthal under Hall, schlugen 
allen väszern die böden ausz und verbrandten etliche dörffer. 

Warumb die 21 zue Hall gehängt sein worden. 

20 Anno salutis 1432 kam bey nächtlicher weill eines von Bem- 

burgs^) weib ausz dem wildtbadt^) gefahren gen Chomburg undt 

3 sacb, weil, wie man sagt, ein junger herr under disen gewesen H i. 4 kleinen stainiu 
Ifi, gassen ein steine creuialin E^, ttainin creutalin «o gar klain neben dz gross gesetzt B. 
7 Hlerauff anno domini 1872 H^, R. 9 wie — gesch. ftkU H^, 8t^. 10 ertrennon H'^. 
I vor abbrennons H^. 15 1484 H^. 18 und Hessen den edlen wein und Gottes gab in 
die erden lauffen U^, ähnlich H^. 20 Bombergs H*, B; Junckher Gonrats Ton Bembergs St^, 

*) Was hier Widman von einem Hans Hammer und Hämmerlein (zum 
Jahr 1418?) erzählt, berichtet Herolt 158 von einem Hans und HänsUin^ im 
Zusammenhang mit der von Widman nachhix eum Jahr 1435 gebrachten Ge- 
schicJUe von den 21 Gehenkten, Von den beiden Geschichten ist die eine offcn^ 
bar eine Variante der andern ; für Htrolts grössere Zuverlässigkeit könnte hier 
das zu Herolt 156 Anm. 3 Beigebrachte gelteitd gemacht werden, — *) Bebenburg 
oder Bemburg, j. Bemberg bei Eoth am See, OA, Gerabronn, Zur Geschichte 
der Burg s. Bossert, WVjh, 1883, 158 f,; über Konrad von Bebenburgs Handel 
s. WFr, 1847, 10 ff,, Herolt 153, 157 f. und Gmdin 558 f, — *) At^ der 
nähern Umgebung Halls können in Betracht kommen die Bäder Sanzenbach 
(Widm, oben S, 86), Welzheim (WVjh, 1883, 153 f,) und Mainhard (WVjh. 
1879^ 254), von dtnen die beiden ersteren ausdrücklich als Wildbäder genannt 
werden: doch jst auch das an der Enz nicht ausgeschlossen; es wird givar 
sonst bti Widman als ..das Schwarzwaldische Wildbad^ unterschieden, kommt 
aber z, B, bei Münster auch schlechtweg als y^das Wildbad'* vor. 



— 108 — 

"begehrte mit etlichen pferdten eingelaszen und Übernacht beherbergt 
zu werdten. Dieweill dann Chomburg dazumahl in der von Hall 
•schirm, derhalb in der stettischen befedung begrieflfen, und der abth 
nicht anheimbs war, wolte sein Statthalter, gefährdte zu vermeiden 
von wegen der schwehren kriegsläuflfteu, dasz closter bey nacht- 5 
lieber weyll nicht öffnen, sondern sagte, der abt were nicht an- 
leirabs, deszwegen er bey nacht die thor nicht öffnen dörifte. Solte 
under Limpurg fahren, was sie daselbst verzöhren würdte^ wolte 
»er auszzahlen. Also fuhr die fraw von Bemburg in einem dratz') 
füraus, und nicht weith, da wurif von wegen der finstern nacht 10 
der fuhrman umb unnd fiehl die fraw einen armb entzwav. Alsz 
^ie nun nach Bembui^ kam, klagte sie ihrem mann, was ihr zue 
Chomburg begegnet, und das daszselbe ursach, dasz sie den armb 
•entzwey gebrochen. Darob der edelman über Chomburg ergrimmeth, 
wardt ihme uffisetzig und gedachte ohn underlasz, wie er eine for- 15 
•derung an gedacht closter oder verwandten möchte bekommen unnd 
beschädigen. Also begab sich unlang darnach, dasz der pfarrer zu 
Rheynwohlsperg *) in desz pabst monath ") starb, und dieweil dazue- 
mahl die collation bemelter pfarr dem abt zue Chomburg gehörig, 
verlihe er solche einnem priester, eines saltzsiedters zue Hall söhn. 20 
Alsz er nun etlich zeith uff solcher pfarr saasz undt eines tages 
nicht annhaimbs war, kam ein prister under dem marggraffen ge- 
seszen*), welcher diesze pfarr, dieweil sie in des pabsts monath 
ledig worden, zue Rohm erlangth ; nähme die behauszung der pfarr 
•ein und wolte vorermelten priester zue Hall, welchen der abt zu 25 
Chomburg belehnet, nicht einlaszen. Also suchte er bey dem abt 
zue Chomburg und dennen von Hall hielff. Die wollten sich nicht 
inn die Sachen schlagen, sagten sie hiesens ihme nicht, so wehrtens 
ihms nicht; er möchte selbs weg fümehmen, die er ihme zu handt- 

e der abt — dOrffta fehlt HK 8 anderra berg (= Vnterlimpurg) U^. \ woU er lie ausc- 
balten und den Drttrth bezahlen H^, H^, ä», B, 8t^. 9 in einem zom U^, troU H^, druU 
St^. 10 der nacht finiterln H», Ä«, i?, St^. 11 brach HK \ arm ab oder enU. i/3, 
13 daa ein ursach H», Ä. U arm wer abgefaUen H^, H^ ; entxvrey gefallen wer Sfi. 
15 inen H«, Jf», H^, R, 8t^. 16 gehaben HK 21 AIb« der B, St^. 24 anlangt Ä«. 
25 von H^, St^. 28 hiessen in nichts H^, H», B, 8t^; hiessen inn nicht Hh 29 ihm 
nichts H«, B. 

>) im Trotz, — *) Reinsberg OA, Hall, — *) einem Monaiy während dessen 
der Papst sämtliche anfallende geistliche Stellen zur Besetzung für sich bean^ 
^pruchte: im Asehaffenburger Konkordat von 1446 z, B, sämtliche ungeraden 
Monate des Jahrs (Chnelin 568), — *) d. h. zu den Untertanen des Markgrafen 
-von Ansbach gehörig. Der bei Herolt als Kortison bezeichnete Priester hiess 
Berchtold von Rotenburg (Herolt 157), 



— 109 — 

habung seines rechtens am nutzlichsten erachtete; gebotten auch 
den pauren zue Reinwolsperg, sie solten sich nicht in diese händel 
schlagen, sondern die zween pfaffen ihr ding gegen einander laszeni 
schaffen. Also an einem sambstag abenths kam der Hällische^ 
5 prister mit etlichen seinen befreunden undt siedterknechten, fiehlen 
zu Reinwolsperg mit gewalt inn pfarrhoff, fingen den Römischen 
pfarrherm undt begehrten, dasz er von seinem recht wollte abstehen,, 
sich der pfarr verzeihen und die brieffe, so er über solche pfarr 
zue Rhom erlangt, ihnen alsobalt zu übergeben und zu banden zu 

10 stellen, welches zu thun dieszer prister sich waigerth. Demnach 
nahmen sie ihn an ein saill und führten ihn ausz dem dorff Rein- 
wolsperg an die Biler gen Underscheffach und begehrten, dasz er 
nochmahls sich der pfarr Reinwohlsperg wolte verzeihen und ihnnen 
seine päbstliche erlangte briefe übergeben, wo nicht, so wolten sie 

15 ihn in die Biler werffen und ertrenckhen. Alsz nun der prister 
solches abermahls venvaigert, warffen sie ihn in die Biller, ver- 
meinten ihme damit seine gerechtigkeit abzuschröckhen, zogen ihn 
im waszer mit dem saill hin undt wider, spielten so lang mit ihme 
den dockhen '), bisz er ertrunckh, wie dann dieser gummp, darinnen 

20 er ertrunckhen, noch uf diesen tag von denen zue Scheffach der 
pfaffengump genandt wirdt. Die pauren zue Reinwohlsperg saszen 
stille, sahen zue. 

Nun hatte aber der ertrunckene prister einen bruder hinnder 
dem obgeschribenen von Bemburg geseszen ^. Der nähme sich der 

2b sach ahn, bewarb etliche reutter, und nahmen sein hinderseszen, 
fiehl zu Reinwolsperg inns dorff, blünderts, erdratten die ayer'*), 
stiesz die kindbetterin ausz. Solcher wurden die von Hall gewahr, 
machten sich uff, ergrieffens uf der thatt, erstachen ihrer etliche, 
fingen ihrer 21, führtens gen Hall undt lieszens alle 21 am nechsten 

30 tag^) nach Nicolai, anno domini 1435, uffhenckhen. 



1 zu handhaben H^. 2 handlung tf •, H>, H\ B, Stf, 5 geiollen H', H ; freunden /7^ 
St^, 6 9tet8 Bainoltcberg R. \ marggr&T. prietter H^. 9 tu fehlt beidemal H', H^y R, 
Sfi. 10 wideit //', ff«, B, St^, 13 bey ff«. | heg. nochraala, das er ^.Sfi. 10 aberm. 
fehlt ffS, 67». 19 der dockh. ff >, H*, B, St*. | der gaet prieeter HK 90 ertrenct B, Si^. 
32 wie inen den bevohlen war StK 2S ertrenckte ff«, B. 24 Conrath von St^. 25 be- 
warb UM ff«, ff«, Ä, 5<2; bcTohrab StK \ nahm ff«, ff«, B, 8l^, 26 ertratten den kind- 
betterin die ayer, sties^eni« aue ff'. 27 Das ff'. Solch» ff*, B, 8t^. \ gewarnt ff», Ä/*. 
28 an Jf«, ob St*. 80 dieneil sie ohnabgeeagt die obgemelt dorff geblttndert hetten ff«, B. 

*) Den Docken spielen: Puppen- oder Possenspiel treiben, — «) einen 
Bruder j der Dienstmann des Bemhergers war, — ') eigefUlich ? (wie Gmel, 558) 
oder übertragen von getöteten Kindern, wozu die VaHante in U^ bessei' zu 
stimmen schdnt? — *) 7. Des. 



— HO — 

Hoenart wardt zurbrochen. 

Anno domini 1444 befedet Rudolph von Hoenart die von Hall. 
Die zogen ihmfe vor sein schlosz Hoenarth, eroberttens und zur- 
braehens^), kam darnach kauffweisz an die Schletzen, zuletzt an 
spittall zue Hall, hatts noch. Marggraff Albrecht zue Onoltzbach 5 
thette auch forderung an die von Hall von wegen desz schlosz 
Hoenarth alsz seinem aigenthumb, auch etlich schaden, so die von 
Hall sr. fiirstl. gn. im stättkrieg zuegefügt hatten. Diese forderung 
^ardt anno domini 1450 wie man sagt mit 6000 gülden vertragen *). 

H-: Solcher altter burgstadel Hgt ob dem dorff Hohenliart jjegon 10 
dem Sandthoff, so die grUben noch hatt, aber khein gcmeur mehr. 



Mavenfells. 

Anno Christi 1441 alsz die von Hall aus dem schlosz Ma3'eu- 
felsz'') angegriefen und beschädigt wurden, zogen sie mit hilff der 
von Ulm, Gmündt und Eszlingen vor die burgkh Mayenfelsz am 15 
montag nach Kiliani, lagen davor bis uf dienstag nach Egydi*), 
undergruben die mauer, machten ein grosz holtz oder baumb, vomeu 
mit eyszen wie ein stechcrönnlein beschlagen, uf beeden seithen 
etlich eisene ring habendt — bey den alten einn wider genandt — , 
legtens uf räder, lieffen damit gegen der undergrabenen mauer, 20 
stiesens umb, dasz sie zue booden fiel und sie dasz schlosz er- 
obertten, verbranten und plünderten, — dann dazuemahlen die 
büchszen maurenbrecher in kleiner Übung — , den thum auch mit 
undergraben, feiten. Also zugens ab. Volgendts wurdte Mayenfelsz 

2 HoDhart St^. 6 decr. aus R, dase SO, H^, St^. 7 Schadens H, St^, 13 1441 aus R 
(MO auch bei Herolt), 1401 St^, 1444 St^. 16 soutag nach Kil. H^. 18 staohmondlin R, 

Htochmonlin Sf^. | binden St^. S3 bUchaen der niauerbreoheiin St^. \ mit aus JI^, R, 
nit StU der thurn . . . feilet St'^. iii also — Mayenf. fehlt i?2. 

*) i)her das Schloss Honhardt OA. Crailsheim s. Herolt 90. 154 f. , Gme- 
lin 564. — 2) Nach Gmelin 564 fand die Teidigung 1446 in Wilrzburg statt, 
durch Vei'tniitlung des dortigen Bischofs Gottfried von Limburg; die Stadt 
hatte demzufolge zu zahlen an den Markgrafen 6(X)0 fl., an die von Behenburg 
iSf)()0 fl. Entschädigung und für die in Hall Gehenkten einen Jahrtag in der 
Kirche zu Anhausen zu stiften. Dafür erhielt Hall endgültig den Besitz von 
Honhardt^ während der Markgraf die hohe Obrigkeit behielt, — ^) Maienfels 
OA. Weinsberg, Felsenfeste über der Brettach. — Die genaue Erzählung der 
Geschichte aus der Eisenhartischen Chronik^ wo aber 1442 angegeben ist, 
s. WFr, 1854, 95 f., femer Herolt 90^ Gmelin 563 f — *) Montag ». K.: 10. Juli, 
Dienstag w. Eg. : 6. Sept», beides auf das Jahr 1441 bei'echnet. 



— 111 — 

denn gaanerben ') widerumb mit etlichem gedienng eingegeben — 
dasz ein ieder newangehender gaanerb daselbst nicht 
angenohmmen solte werden, er verpflichte sich dann 
vor denen von Hall, dasz sie ausz Mayenfelsz nicht be- 
b schädiget oder niemandten wider sie darinn gehalten 
w e r d t e n solle — . Und ist solch holtz oder wider zu Hall bevm 
Langenfelder thor uf krockhstein *) an der stattmauer zum gedächt- 
nüsz gelegt. Zue Reuttlingen ligt auch einer, wie auch zue Heyll- 
bronn. 

jQ Newenfelsz wardt gewonnen. 

Im ermelten jähr hat siclis begeben, dasz etliche wägen mit 
tuch und einem weisen damastinen ornat brayth übergulden spangen 
habendt, welcher noch zue st. Michaelis pfarrkirchen zue Hall, denen 
von Hall gehörendt, ausz der Franckhfurter meesz gefiihret, im 

15 ZuckhmandeP) bey Oringen nidergeworffen, in dasz schlosz und 
Stättlein Newenfelsz*) an der Kupflfer liegendt geführet worden. 
Also an der andern nacht sein die von Hall in der stille vor Newen- 
felsz gezogen, dasz schlosz erobert. Doch seind ihnen die rechten 
haanen über die mauren ausz entrannen, ihr tuch und ornat noch 

20 unverletzt uf den weegen gefunden, die mit ihnen heimbgeführt, 
schlosz und stättlein verbrandt, den thurn am schlosz, davon man 
noch stuckh in der Kupffer sihet, herab in die Kupfer gefällt und 
davon gezogen. Folgendts alsz die gaanerben dasz schlosz wider 
gehauen unnd zue mauszen wie zuvor angehebt, hat der graif von 

25 Hohenloe, in dessen graffschaift gelegen, solches eroberth, zurbrochen 
unnd noch innen. 

e Der Sata Und etc. i«l in if > aua NaeJUäsaiffieit völlig t?ettitümmeJt. 7 kragstein H^, kragkh- 
stainen /?, St^. | da es noch leit Sl^, 8 Zue — Heilbr. fehlt fl», R, Ä». 1» berayt H». 
16 liegendt gefandeo worden, von den räubern dahin, welches der fnnnan gesehen, nach- 
geschlichen, gefurdt B, 18 sich inn graben, der swlschen dem etätklin unnd »chlosc ist, 
gelegt, die laittern angeworffen, unnd uls morgens die vichmatdt auaz dem schlosz inn 
Yorhoff sum Tich gangen, die porten geöffnet, haben die von Hall solch . . H^, ähnlich B. 
St'. I schlosz erstigen unnd H>. | and war Ludwigk Seszler der von Hall hauptman St^. 
20 den weegen aus H^, Jt, St'; dem weeg StK 28 Folg. —innen fehlt H'^. 25 es ge- 
legen 8t'. I solches verbrendi, zerbr. St'. 

*) Diese Ganerben waren hauptsächlich Michel von Freiberg, Gumpold 
von GülÜingen und Burkhard von Weiler, WFr. a, a, 0. — *) an der hohen 
Stadtmauer innen vorspringende Kragsteine, — ') Zuckmantel feig.: „Doppel- 
ßchte"), ein Wirtshaus bei Baumerlenbach OA. Öhringen; s. WFr, 10, 160 f. 
— *) Jetzt Neufels bei Neureuth OA, Öhringen, über dem Kupferthal, Gmelin 
662 f. Die spätere, am Schluss des Abschnitts berichtete Erobei^ung und Schleifung 
durch den Grafen von Hohenlohe geschah 1472. 



— 112 — 

Waldebott*), der rauber feindt. 

Es haben auch die kayszer umb diese zeith straifendte rotthen 
wider die rauberey und raubschlöszer verordnet. Ihr hauptmann 
war der waldtebott genandt, dann wo er ufbotte, muste man ihme 
zue hielff zihen. Dieszer waldebott ist ein graff von Lobenhauszen '^) 5- 
gewesen, auch einer von Türen'*). Alsz sich uf eine zeit begab, 
dasz der graff von Lobenhauszen mit seiner rott gen Hall kommen, 
wardt ein geschrey, er wolte für Buchhorm *) zihen. Demnach die 
so Buchhorm innen betten, stieszen in der nacht Buchhorrn selbst 
ahn, verbrandtens, damit ihnen die nutzung darzu gehörendt bliebe. 10 
Also zog dieszer waldebott für Gronnsperg^) am Kochen und das 
schlosz bey Underroth liegendt, verbrandtens sie baydte, dahero 
der berg vor Gronszperg, uf welchen sich dieszer graff legen mit 
seinem beer, uf diesen tag der Heerberg genandt wirdt. 

Von der statte krieg. 15- 

Anno doraini 1450 war der statt kriegt) im schwangh-, blieben 



5 waldhotten einer Si^. | Lobenh. einer H^. 6 und nach ihme auch H^. 11 Krons- 
perg ä2, Cr. H% R, 8tK \ und — baydte fthlt R. 13 ror Gr. fehlt Ä«. | gelegt If«. 

') = Gewaltbote, so hiess jeder Bevollmächtigte, namentlich der, welcher 
im Namen des Gaugrafen Verordnungen erlassen (placiiare), Frondienste ver- 
langen oder zu solchen nötigen (angariare) und Gefälle eintreiben (exactiones 
facere) konnte. Dass solche Waltboten manchmal auch ihre Gewalt missbrauch- 
ten, zeigt die unter Konrad III. für Komburg aufgestellte Schutzurkunde von 
1138 (Wü. II, 1), wo unter Atidrohung des Bannes verboten wird: ne comes 
aliquis vel quisquam sub eo, qui vulgo walpodo vocatur, ullam placitandi, 
angariandi vel aliquas exactiones faciendi per tolam illam abbatiam potestatem 
habeat, nisi tantum advocatus. Der damalige Walibote hat sich also nicht als 
y,der Rauber Feind^* benommen, sondern dem Kloster gegenüber ungefMr das 
entgegetigestizte Verhalttn betätigt. — Merkwürdig ist, dass der Waltbote und 
der von Lobenhausen in dieser Urkunde, die dem Chronisten bekannt shin 
konnte, unmittelbar nebeneinander vorkommen, freilich in ganz anderer Weise^ 
als sie bei Widman auftreten. 

Dass die von Widman hier vorgetragene Geschichte in die Zeit des 
Städtekrieges, wo es sich um regelrecht angesagte Fehden handelt, und in dieses 
Jahrhundert, wo die von Lobenhausen längst (seit 1280) ausgestorben waren 
und keine Waltboten mehr das Land durchstreiften, schlechterdings nicht herein- 
passt, bedarf keines näheren Nachweises, s. auch Gmelin 496. Es liegt also 
jedenfalls ein Anachronismus vor, dann aber wohl auch (vgl. Bucfihom und Her- 
berg) sagenhafte Weiterbildung. — ^) Lobenhausen bei Gaggstait OA, Gera- 
hronn: über die Herren von Flügdau-Lobenhausen s. WFr. 8, Iff., Gmelin 
2g5f — . >) Walldürn. — *) s. oben S. 61. — *) Kransberg (Ruine) und 
Herberg, bei Laufen am Kocher, OA. Gaildorf (KW. III, 487). — «) Über 
diesen ^grossen Städtekrieg'% der 1449 begann, s, Herolt 155 ff., Stalin 3, 453 ff., 



— 113 — 

denen von Hall und andern oberländischen reichsstätten wenig 
dörfTer nnverbrandt, auch wenig kühe im stall. Die marggräfischen 
rentier undt die an der Jagst nahmen dasz wasserhausz Ramspach ^) 
ein, schlugen umb die wiesen daselbst einn haag, beraubten undt 
5 verbrandten alle ambliegendte dörffer und flecken, stellten dasz ge- 
theilte vihe in solchen haag bisz an den dritten tagh, verbrandten 
sie solch wasserhausz und zogen mit dem vich davon. 

Thungenthal verbrandt; gebrattne bim daselbst. 

Im selbigen jähr darvor wardt viel obs gewachszen. Also 
10 hette der pfarrer zue Tungenthal ^), herr N. Haydt genandt — sein 
vatter wardt stattschreiber ^) zu Hall, führte in seinem sigill ein 
haydenbrust — ein vasz mit kirchbim zuegeschlagen in seinem 
keller liegendt. Alsz nun die feindte davon zogen und under andern 
dasz dorff Tungenthal auch verbrandten, weib und kindt im dorfT 
15 bey den brandtstfitzen saszen und nichts zue eszen hatten, kamen 
die bauren widerumb aUgemach ins dorff, raumbten zue des pfarrers 
keller, schlugen dasz vasz mit biren auf, die warn vonn der hietz 
gebratten, damit sie ihr weib und kindt etlich tag speiszten. 

Drey hauptmann kamen in der statt krieg umb. 

20 Dazuemahl war Limpurg, Hall undt Chomburg in einer zenth % 

demnach versambleten sie ihre bauerschafit und etliche burger, 
schenckh Friedrich, der allt herr zue Limpurg, war auch darbey, 
und bey ihme ein Senfift, welcher Bernhardt von Rinderbachsz hausz ^^ 



1 nnd — reiobast. fehlt 8t*. 4 den wiszgrundt H». 6 getreybt H«, geraubtt H», B, St^, 
10 HaydAn H*, R. 11 war St"^. 13 ein baiden mltt eisern Bpitoigen bueit H^. | «in- 
gesoblftgen B, 8t*. 16 bttbtobllcb ins d. H^. 20 Comb, iim bandona oilt einander B, einer 
seit eioa St*. 21 ibre undertbonen H\ 22 allt aua H*, R; abt 8tK 28 welober 
Spieaaenbauat H\ 

Gmelin 566, — -fftei* war es, wo die Zahl der verbündeten Städte bis auf 72 
anwuchs und beispielsweise Hall nach einer der Widmanschen Chroniken 
(Gmelin 667) nicht weniger als 1590 unterschriebene Fehdebriefe zugesandt 
erhielt — ') nordöstl. von Hall, über dem Bühterthal — ») Gmelin 568 f — 
') Konrad Heiden erscheint in den städtischen Urkunden (KHR,) als Bat- 
Schreiber 1416—1440, — *) Der Ausdruck Cent kann hier nicht in dem alten 
und eigentlichen Sinn eines Gaichtssprengels (= Unterabteilung eines Gaues) 
gebraucht sein, den er z, B. in den Ausdrilcken Centgraf, die Cent anschreien 
u. a. hat, sondern nur in dem weiteren Sinn eines für besondere (kriegerische) 
Zwecke hergestellten Zusammenschlusses mehrerer Herrschaftsgebiete, hier also: 
der gemeinschaftliche Heeresversammlungsbezirk für die drei Herrschaften (so 
auch die Lesart bei B). 

Wartt. Oeschicbtsqoellen VI. 8 



— 114 — 

under Limpurg hat laszen bawen'). Ein Schrade war über die 
Chomburgischen und Hanns Bueb*) von Franckhfurth über die 
Hellischen haubtleuth; griefen ihre feindte ienseits der Biler ahn. 
Aber es geriehte nicht wohl, dann die 3 haubtmann sambt andern 
gingen zue grundt von wegen dasz die feinde ein groszen reyszigen 5 
zeuch hatten. Schenckh Fridrich kam zu fusz davon, und wurdte 
Hannsz Bueb zue Reinwohlsperg uflf dem kirchhoflF mit einem dolchen 
zum latz hineinn erstochen. 

15 kommen bey Wolpertzshauszen umb. 

Am abreitten betratten etliche raiszige, die sich damahls an lo 
der Jagst hielten, 15 burger von Hall, die auch in diesem Schar- 
mützel gewesen waren, under Wolpertshauszen, alsz der fueszpfadt 
sich in eine wiesen vom fuhrweeg absondert, wanthen sie ahn^), 
die wiechen daselbst in ein heckhen, wurden alle 15 von den 
raiszigen erstochen. Desz zum gedächtnüs wurde ein höltzemer 15 
bildtstockh in solcher heckhen, uf den dreyen seithen uflf ieder 
seithen 5 kleine höltzeme creutzlein habendt, ufgerichtet, welchen 
bildtstockh ich in meinen jungen tagen noch in solcher heckhen 
stehendt gesehen. Diesze 15^^* sambt wer in vorerzehltem Schar- 
mützel umbkommen, seindt alle gen Tungenthal begraben worden. 20 
Dann die kirchen Reinwolsperg, Ultzhoflfen *), Haszfelden, Aspach etc. 
alle dazumahl von wegen dasz die bauren darein geflohen, vom 
feindt gestürmeth, entweyhet gewesen, darumb auch niemandt da- 
hin begraben worden. Aber Hannsz Bueb sampt seinen zweyen 
mithauptleuthen seindt zue Hall im barfüszercloster begraben wordten. 25 

Marggraff Albrecht wardt zu Ultzhoveu in einen 

schenckhel gestochen. 

MarggraflF Albreeht zue Onoltzbach eroberthe mit etlich raiszi- 
gen dasz Stättlein Ultzhoven an der Schmerach liegendt*); die baurn 
darinn entrannen in die kirch. Also understunde marggraflf Albrecht, HO 

1 Scfarode H^, Schratt B, Schrott St^. 10 abhinreitten Ji. 15 geseugnut R, 17 »tan 6: 
fünffzehen H\ SO Thflngelthal HK 21 Ültzh. H^, 25 sambtt gedaohttem Senften UK 
28 Ohnspaoh »iets H^. 

*) d, h, Senft, welcher dasjenige Haus zu Unierl. gebaut hatj das jetzt 
dem B, v. Rinderb, gehört. — ^) Die nähern Umstände über seinen Tod und 
seine Bestattung s, Herolt lÖ9f, 413 f. Er war demzufolge „Hauptmann derer 
zu Hall über 60 Pferd''. — «) gnffen sie an. — *) Ilshofen OA. Hall. — «) Über 
diese Berennung Hshofens, die am 12. September 1449 geschah, s. Herolt 160, 
Gmelin 568. 



— 115 — 

welcher ein lioldtseeliger fürst war, mit den seinigen die kirchen- 
thür ufzuhawen. Da stach hinder der kirchenthür ein bauer ge- 
nandt der Kieferlin herausz und stäche marggraflfen Albrechten durch 
seinen schenkhel. Alsz nun die mar^räffischen die kirch erober- 

:5 then, wolten sie diesen Kieferlin erstechen, welches aber mar^raff 
Albrecht nicht wolte gedulten, sagendt, der bauer hette sich wohl 
gehalten, und wie ihme wohl angestanden, sich dapflFer gegen seinen 
feinden gewehrt. Es ist auch dazuemahl junckher Adam, der letzte 
desz geschlechts von Kirchberg, Steglin, an der Jagst ligendt, umb- 

10 kommen und Ultzhoven verbranndt und zurriszen worden. 

Stättkrieg wardt gericht. 

Anno domini 1452 wardt der stättkrieg vertragen ^) ; wer ver- 
lohn! hette, der hette verlohm, und die bindtnüs der 72 statte 
zurtrenneth. 

15 Stättbindnüs mit Maintz. 

Folgendts liesen sich etliche statte in eine bindtnusz mit dem 
bischoflf zue Maintz, war ein Schenckh, und herr zu Erpach ^). 

Hall wider Roszenberg. 

Anno domini 1480 bekriegte die von Hall herr Georg von 
20 Roszenberg *). 

Gewäszer zue Hall. 

Anno domini 1496 an st. Georgen tag war ein grosz gewäszer, 
dasz drey pfähle zue Hall am Kochen zwischen dem Underwerth 
undt werckhhausz angehenckth zurbrachen, und den [siedem] für 
25 etlich 100 fl. hallblöckh uf dem waszer der Kocher genandt hin- 
weg gefioszen*). 

2 stach ander ^>, B, Sl^. 5 erstochen haben H*, U», B, 8t^, 9 Steglin fehlt H\ H^, 
Ry St^, 10 und zurr, fehlt R, St^. 14 wiewol nichtt alle des adels darander besohedigte 
in solchen Tertrag bewillfgtten, darausz besondere ainspenig befehdang wider enttstanden 
HK 19 1469 durch Korrektur R. 21 IHeaer AbaehuiU fehlt H'^, R, St^ 24 spidem 8tK 
2€ and solcher blOokh ettliohe ca COIn aaffgefangen worden H^. 

') Vorläufige Ausgleichung 1450, endgültige 1454, Stalin 3,487f, — 
^) Dietrich Schenk von Erhach war IJi'gbischof zu Mainz 1434 bis 6\ Mai 1459, 
Das Bündnis der Städte muss vor 1456 fallen, da in diesem Jahre endlich der 
Mainger sich mit Pfalzgraf Friedrich vertrug, (Stalin 3, 503), — ^ S, Herolt 
163 f., wo diese Fehde (toie es auch die Variante in R durch Korrektur tut) 
ins J, 1469 gesetzt wird. H&rolts Ansäte scheint der richtigere ßu sein. S, auch 
oben S, 66 und Herolt 56, — *) „Blöcke^ sind die ungespaltenen Stämme, deren 



— 116 — 

Kirchenplatz gemacht. 

Anno domini 1507 brach man zae HaJI bey st. Michaels pfarr- 
kirchen kirehenthnrn in der hohe ein schönnen grünen platz mit 
einer linden ab nndt machte eittel steinerne Staffel an die statt, 
wie sie dann noch stehen^). ^ 

Newe brnnnen undt kirchhoff zu st. Nicolaus. 

Anno domini 1509 wardt der hübsche brunn*) uf dem marckh 
zue Hall gemacht. Umb diese zeit ist der kirchhoff zue st. Nico- 
laus zue Hall vor dem thor zue bauen angefangen worden. 

Büchszenhaus daselbsten. lo 

Anno domini 1505 ist das büchszenhausz zue Hall angefangen 
und a^ 1527 auszgemacht worden*). 

Strausz befedet Hall. 

Item, ungefehr anno 1515, befedete ein verdorbner karren- 
mann die von Hall, genandt der Strausz*); hette ein losen zusprach, i& 
brandt und schätzet etliche, schlüge den weinvaszen bey dem Grfindt- 
bühP) den boden ausz. Also warffen die von Hall ihn zu Bretten^) 
nider, führten ihn gen Neustatt am Kochen liegendt. Da wardt er 



4 mit linden J?. | machte etlich st. 8tK 7 «to/< hübsche br. : flschbronn £^^2. 9 Umb 
bis worden fehlt H'; It gUbt den AbgchniU in erweiterter ReroUaeher Fassung; Ebenso nach- 
Herolt einige u>9itere Abschnitte über Brücken. 19 1516 U^, 1514 B. 16 kercher H^. 
16 schlage den HaUisohen fürlentten B. 17 OrindtbOhel H^, die Ortsbestimmung fehlt B, 
I Brettaoh ander Öhringen H^. 

8 ein „Fach^ ausmachen. Über die Holzrechnung der alten Sieder a. Hausser. 
WFr, 8, 462. — S, Hausser, Schw.-Hall 57, WFr. 9, 430. — Hinter der 
Michaelskirche dehnte sich der mit Linden bepflanzte Kirchhof : da befand sich 
auch das Haus des öffentl, Notars y vgl, die Urkunde von 1462 in Tfi'V. a. a. 0, 
Zweifellos zog sich der Kirchhof auch noch an den Seiten der Kirche und an 
der Westfront hin. Die Westseite des Kirchplatzes, jetzt abgeschrägt und als 
gewaltige Freitreppe im Zirkelsegment angelegt, war nach des Chronisten Dar- 
Stellung einstmals ein grosser, ebenfalls von einer Linde beschattetet' Saum, det* 
nach der Stadt gu wohl in natürlichem Felsgestein jäh und schroff abfiel. — 
*) Der Neue Brunnen, mü schönen, jetzt noch erhaltenen Skulpturen — Erz" 
engel Michael, Simson und St, Georg — geschmückt und von dem fein aus- 
gearbeiteten Pranger flankiert; ei' heisst jetzt Marktbrunnen (früher Fischbrun- 
nen), s. Hausser Schw.'Haü 77; Merz, Die St. Michaelskirche, Chr. Kunstbl. 
1863, 95 f. — ') Herolt 142 läset den Bau 1508 beginnen; nach Gmdin 596 
fällt die Grundlegung ins Jahr 1504. — *) 4^. oben S. 47 und Herolt 179 ff. 
— *) Grintbühl, j. Grünbühl^ zwischen Waidenburg und Neuenstein. — «) Nach 
Herolt 181 Anm. 8 Breitach OA. Neckarsulm, 



— 117 — 

mit ürtheil undt recht enthaubtet, wie davon auch droben gesagt 
am 3b^^ blath fac: a. Also dasz Hall viel anlaafs gehabt, doch 
allewege der Allmächtige ihnen darausz geholifen. 

Strausz bub, Comburgs feindt. 

.^ Anno domini 1465 hat Chomburg — dazumahl noch ein 

closter — einen buben, auch Strausz genandt, zum feindt gehabt; 
thette dem closter etlich schaden mit brennen, starb im bann zue 
Lendtsidel, ist an der kirchmauer an der gaszen begraben. 

Rottenburg am Neckher wirdt gebauet, so zuvor 
10 genandt Landtsfurth. 

Gan2 aus Münster 865. 

Freyburg wirdt einne statt. 
Alts M. 800. 

Auch Hagenaw, Collmar, Schlettstätt, Kayszersberg, 
15 Landtsperg, Reuttlingen, Eszlingen. 

Ganz aus M, 676. 

Ulm wardt zurbrochen. 
Mit Ausnahme einer kurzen Notiz ganz atts M. 872. 

Maximiliana augusta. 

^ Kayszer Maximilian hat Augspurg und Ulm, undt vorab Augs- 

purg mit cöstlichen gebäwen und reichen bürgern, die am vermögen 
fürsten gleich warn, gebeszerth, dasz die statt billich Maximiliana 
mehr dann Augusta genandt werdten solte. 

Zunfften werdten zue Augspurg undt Ulm abgethan^). 

25 Anno domini 1548 hat kayszer Carll der fünffte in diesen 

beyden statten die zunfften abgethan undt den rath geendert. 



1 wie — fao. a fehU U^, hei R kürzer. 8 LtndtBidel aus H^, R\ Wondttidel 8t^. \ kirch- 
hoSm. af der H^, E. \ gassen au Lenndtsidel H. S8 gleich sein B, 8t-. 

^) Siehe hierüber hinten in den allgemeinen Annalen den gleichbetüelten 
Abschnitt 



— 118 — 

Stuttgardt. 

Anno domini 1286 ist Stuttgardt, so anfänglichen von den 
marggraflfen von Baaden erbaueth, folgendt durch graflf Rudolph 
von Habspurg unibmauerth, zue einer statt gemacht, und hernacher 
an die gr. von Württenberg erwachszen ^). 5^ 

Hocher thurn zu Straszburg. 

Anno domini 1277 wardt der hohe thurn am münster zue 
Straszburg zue bawen angefangen und in 28 jähren vollendet 
wordten *). 

Lindenfelsz kompt an die Pfaltz. lo 

Anno domini 1277 gaben die marggraffen vonn Baaden der 
Pfaltz Lindenfelsz in Ottenwaldt umb 530 marckh sielbers zu kauffen^). 

Ladenburg am Necker an Pfaltz und Wormbs. 

Anno 1371, alsz etliche edle den graflFen von Sponnheimb 
die statt Ladenburg am Neckher abgewonnen, haben sie die halbe 15- 
statt Ladenburg pfaltzgraflF Rupprechten umb 6000 fl. verpfändet, 
dasz ander halbe theil ist dem bischoflF von Wormbs zugestellt wor- 
den. Diese statt soll von den Römern erstlich gebaueth und etwann 
Latinburg genau dt worden sein, davon oben auch gesagt'*). 

Oppenheimb, Odernheimb, Ingelheimb versetzt. 20 

Anno domini 1402 seindt die statt Oppenheimb, Odernheimb 
und Ingelheimb vom Rom. reich der pfaltz umb hunderttausent 
gülden versetzt worden '^). 

Weckmühlen. 

Anno domini 1445 erkauflfte pfaltzgraft Ludwig Weckmühlen 25 
vom graflFen von Hohenlohe umb 26000 fl.; ist Würtzburgisch leben. 
Hertzog Ulrich von Württenberg gewanns der Pfaltz ahn in der 



2 Stnotgarth HK U Spanhaim B, Sfi. U mngewonnen H^, B, 8t^. 16 die statt sum 
halbtbeil HK 19 Laimburg J7i, B, 8tK \ daTon — gesagt fehlt B, 25 Meokhm. Sfi. 

») Genau aus Münster 864, — «) Aus M. 668, — ») Aus M. 896. — 
*) Ganz nach M, 895: die Verweisung geht auf den oben 8. 39 durch Über- 
schriß gekennseichneten Abschnitt, der aus der gleichen Münsterstelle stammt, 
— *) Nach Münster 699y wo aber statt Odernheim das richtige Ogemheim (jetzt 
Oggersheim) steht. 



— 119 — 

Bayrischen befedung oder pfaltzgraffischen krieg anno 1504, hats 
noch *). 

Weinnsperg. 

//* St^ verstümmelt und verworren, ohnehin bloss in einer wa- 
5 gern Verweisung auf den früheren Abschnitt vom Bayrischen Krieg 
bestehend, 

Burgundt kompt an Osterreich, wie auch Lützelburg. 

Anno domini 1477 alsz hertzog Carll von Burgundt von den 

Schweitzern wurdte erschlagen, kam dieszes hertzogthunib, itera 

10 Lützelburg und andere seine erbländer mehr an könig Maximilian, 

welcher seine tochter zu der ehe hatte, und also an die hertzogen 

von Osterreich*). 

Kav. Fridrich ist zu Hall. 

Anno domini 1485 am tag Michaelis*) kam kayszer Fridrich 
15 der vierdte mit seinem söhn Maximilian gen Hall, und alsz ihme 
am andern tag bey dem rothen thum dem berg hinaus uf Schwä- 
bisch Gmündt zu im wagen zu führen etliche ochszen zu menen*) 
fürgesetzt worden, sagte er: sehet, durch Gott! führet man dasz 
Römische reich mit kühen im landt umb. 

20 König Maximilian gehet am palmtag mit der process: 

Anno domini 1489 kam könig Maximilian wider gen Hall. 
Desz morgens am palmmtag ging er in aigener person sampt seinem 
hoflfgesindt, auch nach alter gewonheit der gantze rath und clerjsey 



2 oder — 1604 r«A/< H^, B, St^. It und — Otterr. ftA// HK U 1488 8t^. 16 gtatt 
und — worden H<.' Des andern tags sog er nach Ulm; nnnd als [im] des andern tags bey 
dem BOtters thurn der berg hinanss sn faren an hart sein wolt, warden im ochsen fur- 
gespannen au ehren. 26 Buttern thum R. | hinauff St^. 17 menen au« H*, nehmen 
St^, au ehren R. 18 durch Gott om H^, ä«, «*; durch st&tt StK 21 Max. domoln 
noch BOmischer kOnig Hi, \ Hall am palmabendt H^, 8i^, 

*) Gatte aus M, 908, nur dass hier statt der hei Widman öfter auf- 
tretenden Form Weckmühl die dem alten Namen (Meckitamulin) nahestehende 
Mechmühl sich findet, — «) Aus M, 192, — ") Dieses Datum (29, Sept.) ist 
nicht genauy da der Kaiser (nach StäUn 3, XVIII) nicht vor dem 2. Okt. 
tMch Hau gekommen sein kann, s, Herolt 166, Die Weiterreise ging laut Stalin 
nach Dinkelshühl : in der HaÜer Überlieferung aber hat sich eine andere Baute : 
Schwäbisch Chnünd — ülm festgesetzt^ auf welcher allerdings zwischen Gaildorf 
und Kirchenkimberg nicht weit vom Röterturm eine steile Steige zu überwinden 
war, — *) menen = einspannen. 



— 120 — 

zue Hall mit der process für dasz Langfelder thor, der bildtnus 
Christi uf dem eszel sietzend entgegen in die kirchen zu belaithen *). 
Undt al8z könig Maximilian sähe, dasz die büttell, stattknecht ge- 
nandt, nach altem gebrauch neben dem bildt Christi giengen, dasz 
einzueführendt, sagte er zue dem herrn von Thum, der ihme nach- 5 
gieng: schauet zue, hat man sonst niemandt, die den gutten mann 
einführen, dann die Schergen? 

Also wurdte verordnet, dasz hinfürter alleweeg zwene des 
raths solch bildt am palmtagh eingelaitteten. Diesze process ist 
seithero abgangen. 10 

König Maximiliano huldiget Hall. 

Anno domini 1495 am st. Andreae abenth *) ritte könig Maxi- 
milian aber zue Hall ein. Also morgens sambstags, den tag An- 
dreae, huldigte ihme der rath undt die gantze gemaindte vor dem 
ampt. Nachmittags muste man ihme einen tantz hallten uff der 15 
cantzley von allen weibem undt jungfrawen der geschlechter, so 
viel deren dazuemahlen vorhanden und zuegegen waren. Seine 
may. waren selbst bey dem tantz. 

Am Sonntag hielte man ihme einen tantz von der gemaindte; 
waren seine may. nicht, sondern sein hoffgesinndt dabey. 2o 



Das sechste theyl dieszer chronic, 

vonn stHftungen etlicher bisthumber, cltfster, stifft, Icirchen und 

wallfahrten. 

Münch und nonnen sein vor Christi geburth gewesen. 

Erstlichen ist ein erdicht ding, dasz etliche sagen, der pabst 25 
habe die clöster, mnnch und nonnen am ersten erdacht, so doch 



2 litBent nach Hi, B, | glaitten H^, B» 4 dets H^, B. 5 einsofüehren St^, S scbauwe 
daroh Ookt H^. | haben die Ton HaU H^, | fromen biderman H^, frommen mann St^. 
9 Dia« aus H^, H^, B, St*, Dietser St^. 12 war an einem freittag gante spatt H\ 
14 huldigt man ihm HK 16 so viel — waren fthU Hi, H*, B, S|2. 26 die ol. fMt HK 

*) Herolts Bericht S. 166 f, ist kürzer und mit weniger Einzelzügen at«- 
gestattet. Das Abkommen der Prosession datiert er ausdrücklich von Luther n 
Zeiten an. Nach Ehemann WFr, NF. 1, 2 hat die Prozession ihren Ausgang 
genommen wahrscheinlich von einer heim Langenfelder Tor befindiic?itn, 1416 
geweihten Kapeile. — *) Andrea war 1495 wegen Komplikation mit dem ersten 
Advent am Samstag 28. Nov., also Vigilia Andrea (St. Andrea Vorabend) 
am Freitag (27. Nov,), tote H^ richtig angibt. — Über diese Festlichkeit s. auch 
WFr. NF. 1, 2. 



— 121 — 

clöster und ordensleuthe voor Christi geburth bey den Juden undt 
heyden im weesen gewesen*), wie dann bei den Juden die Nazza- 
rener, Phariseer, Saddueceer unndt Eszeer, item die weiber im 
tabernaeul und tempel, die der prister und kirchen kleider wuschen, 

h mit welchen sich die zwene prister Oflfhi undt Phinees ungebühriich 
hielten, item bey den heyden die Vestales, Dianenses, lunonienses 
und Venerae, closterjungfrawen und weiberorden oder clöster an- 
zaigen. Diese zwey frawenclöster oder orden bey den Römern in 
grosem gebrauch und würden gewesen, dann sie auch schöne clöster 

10 gebaueth undt mit reichlichen nahrungen versehen. 

Vestales nonnen. 

In zieinlich engem Amchluss an Munster 231 y hie und da frei 
excerpierend. 

Venerische nonnen. 

15 Handelt von den im Dienst der Venus stehenden Hierodulen^ 

wie nie bei den Völkern des Altei*tums und auch bei den alten Juden 
in Jerusalem vorkamen. — Quelle unermittelt. 

Pudor. 

Beschreibt eine im alten Born au/gestellte Priapusstatue, sowie 
20 eine derbe Ceremonie, welche angeblich in Verbindung mit diesem 
Bild mit Bräuten vorgenommen wurde zur Erlangung von Frucht- 
harkfit. Zum Schluss eine Bemerkung über Bomulus und Bemus 
fds Söhne der Vestalin Bhea Sglvia, — Quelle auch hier noch un- 
ermittelt, 

2b Templum Veneris in Corintho. 

Ziemlich genau nach M, 1267. 

Templum Dianae zu Epheso. 
Genau nach M. 1314. 

5 PhinMs H^, B. 6 «tott Dianenses — Jungfr. : onnd Veneris Jangfrawen H^, R, 8t^. 
10 mit etlich St*. 

') Mü diesem versuchten Nachweis, dctss es schon hei Juden und Heiden 
Mönche und Nonnen gegeben habe, somit das Mönchswesen nicht erst eine 
Erfindung des Papsttums sei, bekämpft der Chronist aufs deutlicliste den Idoster* 
feindlichen Standpunkt der EeangtHischen^ eine Haltung, die bei ihm besonders 
begreiflich ist angesichts der Verehrung, die er dem Klosterleben Überh<iupt 
zollt, und der nahen Beziehung, in der er gu Komburg und Murrhardt steht. 



— 122 — 

Templum Appollinis zue Delphis. 
Sachlich genau anschliessend an M. 1271. 

Templum Martis zue Mörszburg. 
Nach M, 1024. 

Wunderliche heydnische gebäw in der graffschafft 5 

Wertheimb gefunden. 

8i*: Mein gnediger fürst und herr zu Würtzburg hat etlich verord- 
net, alle antiquiteten, so in seinem bistumb nnd hertzogthum Franckhen 
gedechtnuswürdig gefunden, in ein buch zu beschreiben. Derohalb doctor 
Conradt Fnchsz*) mir iner vierzehen tagen beschriben in namen hochge- 10 
dachten fürsten, alsz einem der [von] jugendt auff, wie ir dan bey mir 
gesehen, antiquitates colligirt, das was ich zu solchem werckh dienstlich 
hette, sie wolle steuern und uff des fiirsten costen laszen beschreiben und 
inen gen Würtzburg senden. Am selben tag alsz mir bemelt doctor 
Fuchszen schrifft zukhomeu, hat der amptnian von Wertheim beyverwarte 1» 
abcontrafehung oder gemähl uberantwort und mit anzeigt, das iner zwen 
monat hab ein baursman mit vier ochsen in der graffschafft Wertheim 
under dem schlosz Breuburg uff einem ackher mit einem pflüg geert oder 
geackhert, gelingen sey die erd under den ochszen gesunckhen, alsz »ie 
aber zu den ochszen geraumbt, haben sie etlich steine staffele so under 20 
sich in der erden in ein gewelb gehende, gefunden, dem amptman uff dem 
schlosz Breuburg zu wissen gethon, welcher sich zu dem loch gefüegt 
und zu dem gewelb und gemeur weiter räumen laszen, und gefunden, wie 
dem alphabeth noch in diser contrafehung verzeichnet, und wie iedes ge- 
sehen hernach geschriben und gemahlt flndt Unnd darauff vorgedachter 25 
amptman zu Wertheim mich, alsz den so er villeicht eracht der alten gc- 
schichten und epitaphiis etwas bericht sein, das ich seinem gnedigen herrn 
dem graven von Wertheim mein Judicium, was ich achte, das solch schrifft 
imnd buchstaben bedeuten, und solches etwan für ein gebew gewesen und 
worzu gebraucht worden, in schrifften wolt mitheilen. Dieweil ich mich 30 
zu solchem klein geschickht erkhen, mecht ich leiden, ob ir iemandt bey 
euch wissent, so der alten epitaphiis kündig, ir hettet im dise contrafehun<r 
und nachfolgend schreiben angezeigt, [welcher art] solch gebew gewesen 
und was die schrifft imd buchstaben in der contrafehung beteutet, bericht 
empfangen und mir zugesandt. 35 



11 von feMt St^. 33 wescr acht St'i. 

') Doktor Konrad Fuchs war Chorl^err und Priester in Komhurg, zu- 
gleich aber auch Chorherr zu Neumünster in Würgburg und Assessor daselbst : 
er hat unter anderem den neunten Dechanten Gemant von Schwalbach löSfi 
m sein Amt in Komburg eingeführt. (S. das am ScMuss des Komburger Ab- 
schnitts angefügte Chorherrenverzeichnis und die Angaben über Dechant 
Gemant.) 



— 123 — 

Das gebew ist alles im ackher under der erden gefunden wie nach-r 
Voigt, sucht in der contrafebung dem abc nach'). 

Nun folgt die nach dem Alphabet geordnete Erklärung, deren Text 
im wesentlichen mit St^ stimmt. Die sugehörige Contrafehung fehlt in St*, 
sie ist aber in H^, wo die Buchstaben genau zu denen der Erklärung in 
St* passen, erhalten, 

Auno doraini 1543 ist ein bauer in der graflFsehaffi Wertheiml> 



') Was es mit diesem nur in St* erhaltenen Stück für eine Bewandtnis 
Iiat, ist nicht leicht auszumachen. Dass Widman, der sonst seine Chronik 
immer in der Form der schlichten Erzählung hält, hier einen Brief sollte ein^ 
geschoben haben, kann an sich schon auffallen. Nun ist aber weiter gar nicht 
gesagt, an wen der Brief gerichtet und was für eine Antwort darauf eingegangen 
ist, und endlich wie sich diese Antwort verhält zu dem nun folgenden Bericht 
über die Breuberger Altertümer, Das Stück ist jedenfalls, so wie es vorliegt^ 
ein Fragment. Immerhin lag eine gewisse Veranlassung vor, den Brief hier 
einzureihen, sofern ja doch ein Briefwechsel erforderlich war, um Ausschluss 
über diese Altertümer zu geunnnen. 

Die Hauptfrage aber, ob der Briefschreiber derselbe ist mit dem Chronisten^ 
kann wohl bejaht werden, Dass Widman den Würzburger Bischof als seinen 
gnädigen Fürsten utid Herrn bezeichnet, ist vollständig in der Ordnung, da er 
auf einer Komburgischen Pfarrei sitzt und Komburgischer Stiftssyndikus ist r 
er wendet die Bezeichnung auch sonst an. Wenn der Schreiber von sich als 
einem solchen redet, der von Jugend auf Antiquitäten sammle, und dann doch 
wieder sich als zu dem angesonnenen Dienste wenig geschickt erkennt, so passt 
auch dies auf Widman, der ja mit Sammlung von Nachrichten und Urkunden 
über das Altertum sich eifrig abgibt, in Bezug auf die Deutung römischer 
Monumente sich aber auf andere Forscher stützen muss, s. unten bei den Murr^ 
hardter „Epitaphien"', — Wenn es bei der sehr geringen Entfernung zwischen 
Hall und Komburg unwahrscheinlich klingen sollte, dass der Gegenstand an^ 
stait in mündlicher Besprechung vielmehr brieflich verhandelt wurde, so mag 
ohne Schwierigkeit angenommen werden, dctss sieh Doktor Fuchs damals (und 
vielleicht meistens) in Würzburg befand. — Welcher Bischof gemeint ist, lässt 
sich auf Grund dieser Chronikabschnitte nicht entscheiden. Wenn die erwähnte 
bischöfliche Verordnung und der in das Jahr 1643 fallende Breuberger Fund 
zeitlich nahe zusammengerückt werden müssten (wozu aber kein zwingender 
Grund vorliegt), so wäre an Bischof Konrad IV, von Bibra, 1Ö40--1544, zu 
denken. Wahrscheinlicher kommt sein Nachfolger Melchior Zobel 1544—1559 
in Betracht, dessen reger Sinn für alle Wissenschaften, besonders auch für die 
Altertumsstudien, verschiedentlich bezeugt und gerühmt wird, vgl, Seb, Münster 
in seiner Vorrede und S. 954, ferner die Widmung, mit welcher Lorenz Fries 
seine Würzburger Chronik dem Bischof Zobel übergibt. Ludewig, Wirzburger 
Geschichtschr, S, 375 f,, und Schardius 3, 2 (De caede M. Zobelii). 

Der Sachverhalt mag somit der sein, dass der Schreiber von St^ das^ 
Bruchstück einer Widmanschen Korrespondenz, das irgendwie in seine Hand 
gelangt war, an diesem an sich ganz richtigen Orte einreihte. 



- 124 — 

under dem schlosz Breunburg ^) mit einem pflüg uf einem aekher zue 
ackher gangen, seindt gehlings zwen ochszen in die erden ver- 
sunckhen. Alsz der orth uf befelch desz amptmanns von Breun- 
T)erg geraumbt worden, seindt etliche steinerne Staffel under sich 
im gewölb gehendte, und wie hernach folgt under der erden gebäw 5 
gefunden worden. 

Erstlich am orth, da die ochszen versunckhen, seindt gefunden 
4 steinerne gehawene Staffel, welche zu einer thür eines gewölbten 
gemachs, an der lenge 12 schuch und braite 10 schuch habendt 
gangen. An einem eckh dieszes gewölbs stundt ein steiner: altar 10 
uff einem pfflaster, vierthalb schuch ohngefährlich von dem undern 
paviment erhabendt, darunder auch geringweisz wider ein pflaster, 
auch 3^/« schuch erhaben, also dasz von dem undern pavimenth 
bisz zum altar ?•" schuch ungefährlich sein. Solch pflaster aber 
ist uf die 4 orth mit stainern rinnen, die durch die mauer des ge- 15 
wölbs beyseits gehen, gefast, ist blutfarb, eben alsz hette man an 
solchem orth vihe geschlachtet und seye dasz blut vor dem altar 
Äuesammen in die rinnen und fürder aus dem gewölb gefloszen. 
Der altar ist wie ein viereckhichter pfeyller oder säull, oben zu- 
geschraubt, doch in der mitte wie ein napff, in tieffe auszgegründet, 20 
auszwendig wie ein halbe kugel stehendt. Uff der seithen stehet 

ein solch zaichen *), uf der andern seithen dieszes zaichen ^) 

einer kanndten gleich sehendt im altar, und vornen am altar mit 
groszen lateinischen buchstaben wie hernacher folget gehawen, 
Tiemblichen : 25 

FORTVNiE SACRVM . L . CVRTATIVS*) VRSINVS. 

Neben diesem pflaster uff der lincken seithen ist ein steiner- 



1 Breyburg H<, B. | uf einem aokher fehU HK 8 nt — Breunb. f$hlt H^, B. 5 in ein 
Hi, K. 7 getuncken ff', K, 8 gth. fthü HK It ttatt andern: andern H^, B. IS et- 
hebendt B. 14 solch ober H^, B. 19 Tiereckender H', B, St^. 20 sageschneubt H*, 
B, I wie ein napff an Mgenindet H^, St^ 21 sehendt H', B, St^, ] aiatt üff — ÜB8INUS 
gibt H^ eine Zeiehnung des SehauplaiMee, auf welcher auch die einMinen Gegenstände mit ihren 
Ineehriften angebracht eind. 26 CUBIATIUS B. 

*) Breuberg, Schlosa in der Prov, Siarkehburg^ Grosah. Hessen, auf einer 
Höhe des OdenwdldSy nahe hei Neustadt im Mümlingtale gelegen, nicht weit 
vom Limes, — Diese Breuberger Altertümer sind später wieder, z. B. in Johann 
Jost Winkelmanns Hessischer Chronik S, 112, und dann bei Hansseimann, 
Beweis wie weit der Römer Macht u. s. w, 1, 228 — 230 beschrieben und abge- 
bildet worden. Hansseimann deutet das hier beschriebene Gebäude ganz ver- 
nünftig auf ein „Schweissbad"". — «) folgt eine Zeichnung wie einer Scheibe 
zum Scheibenschiessen^ — •) Zeichnung einer einhenkeligen Kanne. — *) WinkeU 
mann liest statt Curtatius: Guritiu . . . 



— 125 — 

ner cast, zwölif schuch undt uean zoll an der leoge und acht schacb 
an der braitte, zuegleich wie ein stainemer sargh, uf irdinen ge- 
branthen säallen stehendt, ist da gewölb darob eingefallen, undt 
dasz pflaster undt sargh dabei alles mit eingefallenen stainen und 
5 erden bedeckth, verfallen, doch ietzt widerumb auszgeraumbt. Vor- 
ermelte irrdinne gebrandte säullen seindt inwendig hol, 2 schuch 
undt 4 zoll an der höche habendt. 

Fürther ist aber ein gewölb, gleich wie ein abseithen*) oder 
nebencappell, 12 schuch und 9 zöU uf alle orth weith, dabey eia 

10 viereckhigt gemach ; alda stehet noch ein theil von einnem pflaster 
wie ein herdt oder östrich uff säullen, und sein der säullen 49, in^ 
der höhe wie die vorbeschriebene säullen, aber nicht dicker alsz. 
acht zoll. In solch gemach gehen zwey löcher, seindt rauchig undt 
schwartz, also dasz man wohl sihet, dasz durch solche zwey löcher 

15 etwann in erstgemelt gemach mit dem herdt gefewret worden ist.. 
Daneben ist aber ein orth, uff^ dem ein orth 7, und dem andern 
orth 8 schuch weith und braith; da wirdt underschiedlich gesehen, 
dasz in solchem gemach vor zeithen ein grosz fewren gewesen sein 
mus, dann an solchem orth die mauren hart verbrandt seindt. Bey 

20 dieszem orth ist gestanden ein ufgerichtetes stuckh stain, 10 schuch 
hoch und 20 zöU braith, mit erden verfallen. Alsz man zu diesem 
stain geraumbt, ist er umbgefallen. Es seindt auch im paviment 
gebrennte blathen gelegen, uf alle orth anderthalb schuch braith 
und 3 zöUjdickh, darinnen etliche zeyhlen weisz wie da gemahlt 

25 getruckth ILEGXX . PRPR , etliche zeyll weisz also |LEG»XX||iT 



etiiche also LEG : XXII PRE 1 , etliche aber also 1 XXII : PRE 




etliche rotundt also 



Dasz noch stehendte gewölb ist gedünnicht gestrimbt*) mit 
gelb, grün, blaw, roth und weisen strichen, doch ist wenig des 
30 dünnichs am gewölb hangendt geblieben, sondern stuckhweis herab- 
gefallen undt mit erzehlten färben gefunden worden. Bey solches 



2 gleich 8t^. 8 Ut das H^, B. \ undt — ytrfallen fehlt H^, tttht S, 9 nf aUt seitten 
J7>. 10 riereckbtnd JB. 14 eohwartxraiehig B, 8t^. 16 etwas IT', B. 16 uf der 
ain 7, nt der andern 8 sohnh HK »0 nffgericht ain stnokh SlK 21 verfallet 8i^. \ 
Alsx — nmbg. fehU RK 28 gedüncht gestraimet H^, 5; iat gestraimbt St^, 



') Andeutschung von Apsis^ Abside, — ^) getüncht, und swar streifen- 



weise. 



— 126 — 

gewölbs eingang gehet eine mauer ander der erdten zwerch in dasz 
feldt, bey 62 schuch lang. 

Explicatio huius inventi. An diesen orth wollen die- 
ienigen, so der alten Römer geschichten viel gelesen undt epitha- 
phiis verständige, dasz die Römmer vor zeithen, alsz sie wider die 5 
Teutschen gestritten, an diesem orth eine Schlacht verlohren, ihre 
todten in diese cruflft begraben undt solche ihnen zum gedächtnus 
gebaweth. Etliche dagegen wollen, die Römer haben an diesem 
orth einen sieg wider die Franckhen erlangt, sey Lucius Curtatius 
Ursinus ihr hauptmann gewesen, welcher den göttem desz siegs 10 
diese crufft etc. zur opflFerung gehauen. Solches bezeuge auch die 
gehawene schriflFt desz altars — fortunae sacrum etc. — . Die ein- 
gedruckth zall der gebraudten blatthen desz paviments aber, alsz 
LEG : XXn etc. bedeute die legion oder hauflfen desz kriegsvolcks 
der praefecten neben den haubtleuthen. Alsz aber die Franckhen 15 
zum christlichen glauben kommen, haben sie solch heydnisch ge- 
fehrt') verschütten laszen. 

Straff der kirchenrauber. 

Nun erzehle ich hie nit der heyden tempel und abgötterdienste 
alsz ein guth werckh, darinnen sie nicht geirreth haben sollen, aber 20 
von wegen dieweill die heyden so groszen ernst und vleisz mit ihren 
abgötter tempel und dienst gebraucht, auch solcher tempel berauber 
selten gelt-ungestraflft *) auszgangen, wie auch im andern buch 
Macchabeorum mit Eliodoro, der den tempell zu Hierusalem be- 
rauben wolte erging, bezeugt, das dann wier, alsz welche den rechten 25 
gottesdiennst haben, nicht so verächtlich unszere kirchen tractiren, 
solche berauben, die alten stiflftungen einzihen. Dann es faszelt^) 
nicht, es friszt dein gutt damit. Ich sehe noch keinen, der vom 
kirchenraub reich worden, sondern Gott schickts, dasz ers zehenfach 
widergeben musz, wir habens bey unszern zeithen erfahm. Dann 80 
Christus sagt, Luc. 19, es sey ein hausz seines vatters und ein 

1 swiroh H^f R, 8l^. 2 statt bey — lang: der man etlich vil eohuh nachgraben, aber der 
maur noch nit zum end kbomen 8t^, 3 Explic. — inventi fehlt H^, R, 8t^. 9 orth ettwan 
H^, ettlang R. \ Curiatas J7i, Gariatius R; Curtatine (statt Lucratint bei St*) ist gebessert 
nach oben S. 124. 10 welche den gotten IT', R. 15 Presidenten H^, R. | oder ampt- 
leuthen H^f nebeuhaupleuthen oder ambtlentten R. 16 solch gewelb St'i. 19 hie nit 
aus R; lilemit St\ 8t^. 28 tolten ledig ungeetr. H^; wie St* auch St^. 26 unssere ~ 
Btifft. fehlt U^f R; später nachgetragen. 29 der kirohenraubens H*, R, 8t^. 

^) Gefahr, gefährlicher Ori^ wegeti Nachwirkung der hier hausenden 
heidnischen Götter. — *) in Beziehung auf die Vergeltung unbestraft (?). — 
^) gedeiht. 



— 127 — 

betthausz, man 8oU kein raubhausz darang machen, wie die kirchen- 
rauber thun oder die so gewärb oder kauffhäuszer ausz den kirehen 
machen. Dann gewerber, finanzer und Schreiber setzet dr. Sebastian 
Brandt in seiner narrenschriflPt ^) zuesammen under einen tittul, 
5 welche er die tachrauber nenneth. Wann unszere vätter zu auflF- 
nehmung^) der kirehen und ihren zirdten hochbegierig geweszen, so 
treiben wir dasz widerspiel, wir stuften nichts, bawen nichts, zihren 
nichts, und dasz so unszere eitern gestifftet und gebaweth, zur- 
stöhren, nehmmen und nichten wir selbst, also das — und vorab 

10 etliche schirmbherm der kirehen — , ihres ambts so gar vergeszen, 
dasz sie unnmiltsamer alsz die Türckhen seindt. 

Damit ^y\Y aber sehn die freygebigkeit unszerer eitern gegen 
den kirehen, spithälem etc., und wie ungleich wir ihnnen sein, 
solle mich nicht beschweren, etliche stiflftungen der bistumben, clöster, 

15 stiflften, spittälen und kirehen allhie zu erzehlen. 

Saltzburg wardt ein bisthumb. 
Der Hauptsache nach aus Münster H20f. 

Closterstifftung zu st. Stephan zu Straszburg, Ebersz- 
heim-Münster, Ottiliaberg, Murbach, Moszmünster. 

20 Erzählung von Ättikus als dem Stifter der drei erstgenannten 

Klöster, und seinen Vettern Eberhard und Maso als Stiftern der 
beiden letzten; der Hauptsache nach aus M, 650. 

Weyszenburg, Haszlach, Saarburg, Clingenmünster. 
Genau nach M, 676, 680 f 

25 Ertzbistumb Wormbs wirdt gen Maintz verruckth. 
Zum Teil wohl aus M, 706, zum Teil ans andern Quellen, 

1 mein haus ist . . ., ir solt . . . H*. 8 und riuber (atatt gohr.> St^, 4 seinem narren- 
schiff Hi, B. 5 auffong H*, B, 8 geschafft und gestifft St^. 14 habe ich . . . erxeblt 
HK (Die httr, Ab$chn4tU gehen in H^ voran,) 

*) In Abschn, 79 seines Narrenachiffsj betitelt ^Reuter und Schreiber^, 
beftchreibt Brant des letzteren Tätigkeit als heimlichen, die des ersteren als offen- 
baren Baub, fr, Der schindet heimlich j der offenbar^.) Der Ausdruck r> Tach- 
rauber** (= Tagräuber P) kommt bei ihm nicht vor und würde seinem Sinn nach 
jedenfalls bloss für die Beuter gelten. Auch von „Gewerbem"^ und „Finaneem** 
findet sich dort nichts. Also ein ungenaues Citat^ wohl aus dem Gedächtnis 
(oder einer Überarbeitung des Narrenschiffs), — *) Förderung, 



— 128 — 

Reichenaw. 
Ganz aus M. 790. 

Maurszmänster. 
Ganz atis M. 676, 

Ammerbach. 5 

Ganz aus M. 008, 

Hertzogthumb Franckhen wfirdt st. Burckbarden, 

biscboffe zu Würtzburg. 

Alles, mit Ausnahme der Jahrzahl, aus M. 938. 

Elwang. 10 

Das meiste aus M, 836, Anderswoher stammen die Angaben 
über einen Abt des Geschlechts von Schenkenstein und über die Um- 
mauerung Ellwangens, 

Lorsch. 

Meist aus M. 895. Einige Angaben über eine Liviusausgabe, 15 
die Simon Grgnäus nach einer in der Lorscher Klosterbibliothek 
gefundenen Handschrift veranstaltete, ferner über das zu Lorsch ge- 
hörige Kloster AUerheiligenberg bei Heidelberg und über Lorscher 
Abtswahlen schöpft Widman teils aus andern schriftlichen Quellen, 
teils aus dem Hörensagen, 20 

Von dem closter Murrliardt. 

Stifftung des closters Murrhardt. 

Anno domini 815, alsz Ludwieg der gfittige, ein söhn Caroli 
des groszen, Römischen kayszers, viel Widerwärtigkeit von Pipino 
und Carolo seinen 2^ brüdem, von Ludovico, Pipino unnd Lothario, 25 
söhnen liette, kam er zu dem hertzogen in Schwaben, hielte sich 
auch etliche zeith an dem flusz Murha uff 2!^ schlöszem, daran 
gelegen, dasz eine Hunnenburg *) — wie etlich wollen, etwann von 



98 81S H^, B. 24 »taU Pipino — •Ohnen: seinen sweyen brtteders lOhnen H^f •• sweyen 
brndtr unnd tOhnen H^, H*, 8i*; Ittetert Leaart au» er t ter t r korrigiert B. 

') Die Hunnenburg lag etwa eine Stunde ösiUeh von Murrhardt, swischen 
Hausen und Fomshachy auf einem steilen Bergvorsprung, der die Einmündung 
des Fomshachtals in das Murrtal beherrscht, also auf der gleichen (rechten) 
Talseite wie der Wolkenhof ^ und zwar ausserhalb des Limes, OABacknang 



— 129 — 

den Hunnen zue den zeiten allsz Attila ihr könig Teutschlandt 
yerwüstete, dagegen sagen etliche, dasz solch schlosz von den 
Schwaben wider die Hunnen zue einer gegenwehr gebanen, nfi 
einem berg liegendt, wie dann die graben noch gesehen werdten — , 

5 dasz andere schlosz oder bnrgkh nicht ferm von dem closter Murr- 
hardt im teich daznmahl gelegen, Wollckhenburg genandt^), da 
aneh noch der zeit etwann etliche sielbeme haydtnische müntzen in 
der erdten gefunden werdten. Zwischen dieszen zweyen schlöszem 
ist an der Murrha ein klein waldtbrüderhäuszlein oder zelln, etliche 

10 sagen ein bildtstockh, gestanden, bey welchem sich einn priester^ 
einsiedelleben fnhrendt, Waltericus genandt, enthalten, dann dazue- 
mahlen dasz einsiedelleben in wälden und einnödten hochachtbahr 
war. Uf ein nacht, alsz kayszer Ludwieg in seinem bett lagh und 
seine unfäll, die er von seinen brüdem undt söhnen erliette, be- 

15 trachtete, mit jämmerlichem seufllzen den allmächtigen umb gedult 
hatte, und dasz er seine anfechtnngen zue guttem endte wolte fliegen^ 
entschlieff er, solle ihme ein gesicht vorkommen sein — wie ich 
dann in einem büchlein dieszes closters geleszen habe — eine» 
waldtbruders, vor der bildtnus Christi kniendt, undt eine stimme 

20 zu ihme sprechendt, dasz er zu morgens die Murha abwärts ritte^ 
so würdte ihme dieszer waldtbruder begegnen und anzaigen, was 
er thun solte. Alsz nun kayszer Ludwieg morgens die Murha ab-^ 
ritte, bisz zue hievom angezaigtem bildtstockh oder zellen kämm,, 
fandte er einen waldtbruder in aller formb undt gestallt, wie er 

25 ihme in vorgehender nacht im schlaff erschienen, vor dem bildtstockh 

kniendt undt bettendt. Alsz kayszer Ludwieg diesen waldtbruder 

.sähe, ward er von hertzen erfreweth. Also nach langem gesprächi 

* hatte ihn dieszer waldtbruder, dasz er ihme vergönnete bey solchem 



8 TerwttstetOf gebftwet hat H*. 5 ferr H^. tf im — gelegen fthli H^, 7 silborin mttnts^ 
80 haidniiob gewesen H*, Srt. 11 Wftltherns Hi, B. 13 brouohlloh war H<, £. 14 sein^ 
unnfahl, dx H^, \ seinem brnder H*, 8t*. 16 innerliobem S, 8t^. 19 ende fordern 
wolte HS 5<a. i7 Inn dem soll J7i. 19 kniewendt JET'. | eina au» U^, R^i, H^, B, Sf^; 
seine 8t^. 20 wann er J7'. | obwarts 8t^. S8 oder lassen H*. S8 abblnritte B^ 
I angeregtem H^. 

182. Die Spuren der Gräben sind noch erkennbar. — In der Urkunde Lud- 
wigs des IVommen von 817 (s. unten) weist der Kaiser dem Einsiedler einen 
Fiats für seine Klause an bei dem ihm gehörigen ScMosSy quod vulgo Hunein- 
burg dicitur, iuxta riviim qui Murra vocatur. In derselben Urkunde erklärt 
er, er habe angeordnet, dass dieses castrum Hunnemburg zur Beruhigung der 
Brüder, pro quiete fratrum, abgebrochen und dass mit dessen Steinen die 
Kirche erbaut werde. Widman erwähnt dieses Schloss schon in seiner Vorrede, 
ob, S. 6, — *) Wolkenburg, nördl. von Murrhardt, wo jetzt der Wolkenhof steht. 

Wtirtt. GeschiohtsquelleB VI. 9 



— 130 — 

bildtstockh oder zellen einn kirchlein und wohnung anffzuerichten, 
darinn mit 12 waldtbrüdem zue wohnen, nnd voor den ambliegen- 
den anstoszenden wälden zu ihrer nnderhaltnng einen bezürckh 
darin anszznreutten eingebe, darbey auch kayszer Lndwieg tröstendt, 
er solte keckh sein, dann er wfirdte alle seine widerwärtige zum 5 
gehorsamb bringen. Eayszer Ludwig glaubt desz einsiedeis wortten, 
wie dann auch hemacher geschach, gewehrte dem einsiedel seiner 
bitt, bestettigte solches mit brieff und Siegel wie hemacher folgt 
von wortt zue wortt, ich ausz dem rechten lateinischen original 
verteutscht, also lautendt. 10 

Copia des closter Murrhardts stifftbrieff.*) 



Donatio Murhardts forstrechts kay. Conradt IL 

Folgendt hat kayszer Conradt der ander, hertzog zu Franckhen, 
wohnendt bey Speyer uf Limburg a? 1025 — chronica Charionis 15 
— dasz gotteshausz Murrhardt mit forstrecht eines waldtes in der 
graffschaflft Murrgay — meines erachtens Löwenstein sein — undt 
Chochengay gelegen, innhalt der buUa darüber ufgericht von wortt 
zue wortt wie nachfolget durch mich von latein transferirt, ver- 
teutscht, begäbet, also lauttendt:^ 20 



Anderer nieinung von altern stifftern des closter 

Murrhardts. 
Es wollen auch etliche, dasz Murhardt seinen anfanng nicht 
zue den zeithen Ludovici pii, sondern seines annherrn könig Pipini, 26 



1 kirchen H*, &, 2 und Ton H^, JET', H*, B, 8t^. S ein sirck H*, H*, 8t^, 4 anderh. 
sn ainkommen, dftromber sa rentten H^, B. 6 wideringen ifi. 7 einiol, w atteh obenp 
B. 14 hertsog — Oharionii fehlt H^, H*, H*, B, Sl^. 17 Low. sein gelegen onnd 
Kooheog. H^, B\ »in Koohenfpay H^, 20 begäbet — Uutt. au9 H*, H^, fehlt 8t^. 

^) Folgt nun die Übersetzung (sanU Namenszügen und genau nachgezeichne' 
tem Monogramm) der WOB. /, 87 f. abgedruckten, Böhmer-MüMbacher I, S, 251 
beschriebenen gefälschten Urkunde, Widmans Übersetzung ist sachlich nicht 
frei von Fehlern und zeigt, was die Eigennamen betrifft, viele Abweichungen, 
die übrigens sämtlich auf Lesefehler zurückführbar sind. Widman hat somit 
sicher keinen andern Text als den bekannten vor Augen gehabt, — Die DaUe- 
rung der Urkunde wie wohl die ganze Fälschung stammt nach Böhmer-Mühib, 
aus der Zeit FriedHchs L Nach Bossert WVjhsh. 188S, 220 f enthält die 
Urkunde trotz der Fälschung doch zweifellos manche echte geschichtliche Beste, 
— *) Folgt die Übersetzung der Urkunde vom 16. Juli 1027, WUB. I, S, 259 f, 
Widmans Verdeutschung zeigt eine unbedetitende Auslassung und am Schluss 
die irrige Datierung 1207. Die in WUB. I, 260 angemerkte Lesart Stainnirot, 
die sich nur in einer einzigen AbschHft der Urkunde statt Scamnirot finde. 



— 131 — 

desz groszen kayszer Carlls vatter genohmmen habe. Dann ich 
habe bey dem hochachtbahrn hochgelehrten herrn Lauren tio Friesen/) 
Würtzb argischem fürstlichem rath nndt secretario, meinem beson- 
ders gr. g. herrn, welcher mit hohem fleisz aller stifflter nndt clöster 

5 im bistumb Würtzburg gelegen ^ stifiFtnng und anfang, so viel seine 
herrligkeit der warheit gemäsz erkundigen mögen, zusammen in ein 
buch ebener grösze*) verfast, eine copey gesehen, darinn kayszer 
Carlin der grosz under andern von der zellen Murhardt meidung 
thut, welche von worth zue wortt ausz dem latein ich verteuscht 

10 wie nachfolgt, also lautendte: 

Kayszer Carl gibt die geistliche Jurisdiction über 
Murrhardt dem stifft Würtzburg/) 



Dieszes Privilegium haben auch bestett könig Otto der dritte, pridie 
15 idus decembris, anno domini [993] der vollgendts zum kayszer ge- 
krönet, 19. callendas may. a? domini 999,*) deszgleichen auch Con- 
radus der ander, 13. callendas junii anno domini 1025.*) 



6 galegen au» H*, B, Ak>/ g«leMn 8t^, B*. 6 xusammen — verf. f$hli H^» 8 Oftrl Hi, 
B, Bi^; Oarln JET*. 14 Dis« pririlegi» R*, 8t^. 15 [998J foMt «die Hdaehr. täl0ehlieh 908. 
16 eal. H>. 17 lOSO JEfi. 

liegt auch dem Widmanschen Steinerodo (ebenso Wibel Uly S. 55) zu gründe, 

— Als Randbemerkung gibt Widmans Handschrift noch: Nota, das in zeith 
kay, Conradts des 2» die gr«^ des Eochengaws noch gelebt — ") Lorenz 
Fries^ fürsUich-bischöfUcher Rat und Sekretär zu Würzburg, geb. zu Mergsnt- 
heim 1491, gest, 1550. Sein Hauptwerk : „Historie . . . der Bischoffen zu Wirtz- 
bürg** reicht von St. Kilian bis 1495, bez. 1545, Die von ihm sonst noch ver^ 
fassten Schriften verzeichnet Ltidewig, Wirzb. Oeschichtschr. Vorrede Bl. b 1. 

— *) Ein so betiteltes Werk findet sich unter Friesens oben erwähnten Schriften 
nicht. Es liegt nun nahe, an das eben genannte Hauptwerk gu denken, in 
welchem auch tatsächlich auf Kloster' und Bistumsstiftungen oft und zum Teil 
genauer eingegangen wird. Nur ist eben die gleich folgende Urkunde, die 

Widman aus Fries geschöpft ?Mt, dort nirgends zu treffen. So muss entweder 
das handschriftliche Werk vollständiger gewesen sein als das nachher zum 
Druck gebrachte, oder es liegt wirklich eine unbekannte Friesische Schrift 
vor. — •) Von ziemlicher Grösse? (vgl. Orimm, unter eben). — *) Folgt 
die Übersetzung der gefälschten Urkunde Karl des Grossen, vom Okt. 786, 
WUB. I, S. 36 f, Böhmer-Mühlbacher I, S. 109 f. Statt Fastrada (Gemahlin 
Karls des Gr.) hat Widman Susan na, übrigens wohl nur Fehler des Abschrei» 
bers, da in der unmittelbcur folgenden Auseinandersetzung, wo auf diese Ur- 
kunde Bezug genommen wird, das aus dem richtigen Namen verderbte Eustrata 
zu lesen ist. (In R : Eustrant.^ — •) s. Böhmer, Regesta der K. Conrad I bis 
Heinrieh VII. Nr. 834 und Mon. Boica XXVIII, 375, wonach das von 
Widman angegebene Datum richtig ist. — •) *. Böhmer a. a. 0. Nr. 1286, dai. 
20. Mai, und Lang, Reg. boica I, 75. 



— 132 — 

Jetzt erzehlte königliche bull ist geben zu den zeithen, alsz 
8t. Bnrckhardt zum Würtzburgiseben biseboff erwöhlt, doeh nocb 
nicht bestett gewesen. 

Nun seindt die obgesetzte kay. bullen, Caroli desz groszen 
und Ludovici pii, einander nicht wiederig.') Dann diese bull Carolin 
desz groszen red^t von etlichen cellen alsz Ammerbach, Murr- 
hardt etc., so seinem vatter Pipino aigenthumblich gehörig, nnnd 
aus bitt st. Burckhardts an stifit Würtzburg geben; hab darausz 
ausz dem wortt cellen zu yemehmen, dasz zu den zeiten Pipini 



1 seithen, unnd ehe kaiMr Karl der grou BOmisoher kOnig gewesen H*, H*, H*, B, 8tK 
5 OftToU H^, H*, H\ 8tK 8 geben bftb, darauei . . H^, H^, B; geben hat, da aus JET«. 

') Die Haupturkunden, dits für die Anfänge des Klosters Murrhardt in 
Betracht kommeny sind folgende: 1. Urk, Karls des Chr,, vom Okt. 788 (un^ 
echt), Wü. 1, 36 : 2, Ottos IIL, 12. Des. 993, WU. 1, 229 ; 3. Heinrichs IL, 
9. Febr. 1003, WU, 1, 236: 4. Konrads IL, 20. Mai 1026, WU. 1, 268; 
ö. Ludwigs des Frommen, 817 (grätscht, aber mü geschichtlichen Überresten), 
Wü. 1, 87. Von diesen Urkunden vertreten die vier ersten, wie Bossert ^Die 
Anfänge des Kl. Murrh.^ WVjhsh. 1888, 217 ff. überzeugend nachgewiesen haty 
den Würsburgischen Standpunkt und wollen dartun, dass das Kloster schon 
von anfang an und durch seine Stiftung selbst von Würzburg abhängig sei, 
w ihrend die letzte Urkunde die Selbständigkeit Murrhardts behauptet und von 
keinerlei Eir^fluss Würzburgs bei der Stiftung etwas weiss. Der starke Wider- 
spruch zwischen diesen beiden Darstellungsweisen ist in Murrhardt nicht un^ 
bekannt gewesen, und so betnUht sich denn auch der Chronist, ihn so gut e^ 
gM auszugleichen, was um so dringende!'' schien, da auf Murrhardter Seite 
bloss Eine Urkunde stand, auf Würzburger dagegen vier. Er glaubt den 
Widerspruch u. a. dadurch lösen zu können, dass er — hiemit wohl nur die 
in Murrhardt schon lange überlieferte Deutung wiedergebend — die Befiauptung 
aufstellt, Karl (oder Pippin) habe nur den Platz für die Einsiedelei (cellula) 
geschenkt, dagegen Ludwig habe die für Errichtung eines Klosters erfordere 
liehe Stiftung gemacht. Diese Auskunft fällt freilich in nichts zusammen an-- 
gesichts der Urkunde von 817, wo schon die Zuweisung des ersten Ansiedlungs* 
platzes für den eremita Wdlderich dem Kaiser Ludwig zugeschrieben wird. — 
Das Bewusstsein von der Wichtigkeit der Ludwigs Urkunde für die Murrhardti-- 
sehen Selbständigkeitsansprüche findet jedenfalls in der Voranstellung dieser 
Urkunde, in der nachtragsweisen Vorführung der übrigen und in dem Har* 
monisierungsversuch seinen deutlichen Ausdruck. 

Über die Echtheit und den geschichtlichen Wert der Urkunden s. Bossert 
a. a. 0., und desselben Darstellung in (Cdlwer) Württ. Kirchengesch. 46, wo 
das Ergebnis dahin zusammetigefasst wird: f,Das Kloster Murrhardt kann lin- 
möglich unter Pij)pin gegründet sein. Was sich aus den widerstrebenden Tra» 
ditionen Würzburgs und Murrhardts für uns ergibt, dürfte die Zuteilung des^ 
Kronguis Muirhardt, das ursprünglich zum Speierischen Murrgau gehört haben 
muss, an Würzburg sein. Das Kloster aber ist erst eine Gründung aus dem 
9. Jahrhundert.'' 



— 133 — 

Ammerbach oder Mnrrhardt etc. nicht regulirte clöster, sondern 
allein cellen, waldt- oder brüder- oder einsidelhäuszlein und Woh- 
nungen ohne zugehörent jährliche renth und güldt welche vieleieht 
allein ihr henndt brott, sich mit reutten undt pflantzen betragen, 
h gewesen. Zum andern, dasz darinnen melduug geschieht, dasz er- 
zehlte cellen Carolus der grosze ausz bitt st. Burckhardts und f ürdo- 
rung sein — Caroli — gemahl Eustrata *) und Bonifacii, Maintzischen 
ertzbischoffes, ann stifft Würtzburg geben etc., wirdt uflF die geist- 
liche Jurisdiction verstanden, welche auch dasz bisthumb Würtzburg 

10 uf dem closter Murhardt noch der zeit hat. Solch wäldt- oder 
brüder- oder einsiedelhäuszlein und cellen kay. Ludwieg der güttige 
volgendt innhalts obgeschribenen Murrhardtischen stiflftbriefs ausz 
bitt des hey. einnsiedels Waltherici ihme zu einem closter Bene- 
dictiner ordens zue wohnen, darinn zum abbt gemacht, gestiflftet 

15 und wie in solchem stiffterbrief vermelt fundirt unndt begabt, also 
dasz billich kayszer Ludwieg der güttige desz closter Murrhardts 
stifiFter, undt nicht könig Pipinus, zue welches zeiten Murrhardt nur 
ein cellen und brnderhausz gewesen ist und genaudt wirdt. 

Ausz oberzehltem volget, dasz Murrhardt erstlich als ein ein- 

20 siedelcellin von der zeit Pipini bisz auf ietzig 1550. jähr nach 
Christi geburth zue rechnen ist 767 jähr, aber von der stiflftung 
Ludovici pii alsz ein closter Benedicterordens und bestettigung 
ersten abts Waltherici 733 jähr wesentlich alt und gestanden. 

Westen wardt Murrhardt geben. 
25 Gr. von Kochengaw stirbt ab anno 1378. 

Folgendt hat ein graflf des Kochengayes, nach welcher graffen 
absterben solche graffschaffl, wie kayszer Carl der vierdte selbs in 
einer bull*) meldet, an dasz Rom. reich gefallen, die pfar zu Kochen- 



1 ftatt oder: und H*, 5<*. 2 WAldtbrttederheasxlin und wohn. H>. 3 ohne fehlt H', Ä. 
I welche schlecht . , H\ H. 4 brot gewinnen nnnd eich H^. 7 Eustrand H^. 8 bi- 
■choffe HK I khftn nit weiter dan . • . verst. werden 8t^, 9 welche auff . . . vom ol. M. 
übergeben Jfi. 11 waldtbmderheusxlin, einsidelwohnung oder cellen HK 12 volgend (Hm 
H^, H*f Tolgenden 51 >; stiffterbrieffs innhalt folgendt H*. \ ingehabt H\ R, 13 Walteri 
oder H*, H*; Waltheri 8tK 15 fundirt ~ begabt »anU (Um vorangthendw und fehU H*. 
18 oeUin J7>. 83 7SS Jahr : Dtr Schreiber von H > rechnet die Zahlen auf »eine »pättre Zeit 
um: bisz nf ietsig 1600 Jar . . . achthundert und syben und zwaintsig jar, aber von der 
stifftung Ludovici pii . . . 800 jar wesenlioh gestanden. Die urtprüngliehe Berechnung habtn 
noch B, St*. 95 Hi hat den AbeehniU ettca* freier. 26 statt Folg. — gefallen: Nach ab* 
sterben der gr. von Westheim ist solch graffsch. . . . gefallen St'-. 

') lies Fastrada, a. o. — -) Über diese angebliche ,,BuUe'* Karls IV, und 
das damit in Begiehung gesetzte Absterben des Kochergaugrafen s, oben S, 53 f. 



— 134 — 

westain ^) sampt dem hoff und güttern daselbst und allen zehenden 
desz roszengartens, der fleckhen, so gen Westen und OttendorfT 
pfarrten, dem closter Murrhardt geben. 

Bottwar zehendt gehört nach Murrhardt. 

Dergleichen eine jungfraw, die hertzogin zue Schwaben ge- 5 
wesen, ligt in Unszerer Frawen kirchen zue Bottwar vor der statt 
begraben, hat den zehenden daselbst sampt andern nutzungen an 
dasz closter Murrhardt geben,^) 

Abbt von Lützenbronn. 

Zue deme, dasz auch etliche äbbte wohl gehauszet, davon lO 
disz gotteshausz Murrhardt zugenommen, wiewohl durch kriegs- 
leufften, Überfall der gastung, aigennutz der vermeinten schirrmherm 
offt ein abfall kommen, hat doch der allmächtige alleweg zugeben, 
das es sich wider erhöhlt und clösterlichs leben alda nicht ver- 
loschen. Innsonderheit zween äbbte desz geschlechts von Lutzen- 15 
bronn,*) der eine ist pfarrherr zue Sultzbach*) gewesen, ist zu einem 
abbt postulirt worden, dann er war für einen guten hauszhalter 
berühmbt, welche dazuemahl durch ihr woUhauszen dasz erarmbt 
closter Murrhard widerumb ufgebracht. 



2 öttandorff H*, 3 pfarren H*, H*, lt. 29 ttb«rfftU unnd H*, 13 in abfaU H >, H*, 
B, 8t^f cum abf. ü*. 14 gepflanUet and alt yerl. H*, 15 Leutsenbronn H^, H*, Bf 
Luti. aber durch Korrektur auch Lentx. J7-. 17 worden anno 1419 H*; aU Bamd bemm rh un f 
von erwttr Hand auch B, 18 erarmbt au» S^, Bf ernannt« 8t*. 

*) Weatheim, eioUchen Hau und Gaildorf, — *) Die dem Kloster Murr- 
hardt gehörige Liebfrauenkirche^ die westlich von der Stadt, an der Strasse 
nach Winserhausen lag, ist im 18. Jahrh. abgegangen, — Nach Wü, i, 173^ 
schenkt ein Ado und seine Gemahlin Detda im J. 873 ihren Herrenhof in Bott» 
war an den h, Cyriacus in Neuhausen hei Worms. Aus diesem Kern können 
irgendwie, durch ungenaue Überlieferung oder bewusste Fälschung, die swei 
Angaben herausgewachsen sein, welche diese Detda mit Murrhardt in Besiehung 
bringen: nach der Murrhardter Chronik (0 ABacknang 260) schenkte am 
19. Aug. 906 die nobilis matrona Dedda dem Kloster Murrh. praedium Botawar 
mit Zubehörungen. Und ein jetzt verschwundener Grabstein der angeblichen 
Stifterin der obigen Liebfrauen kirche^ mit einer (aber erst ins späte Mittelalter 
zu setsenden) lateinischen Inschrift besagtt, dass im Jahr 906, 8,idus sept. die 
Edelfrau Detta von Howcnstauffen gestorben sei (OAMarbach S. 194, 203). 
Bei Widman ist sie zu einer Jungfrau und Herzogin von Schwaben getoorden. 
— •) Zwischen Rothenburg a. d. Tauber und Spielbach, noch auf bayrischem 
Gebiet. (?). — *) Sulzbach a. d. Murr, eine Stunde unterhalb Murrhardt. (?) 



— 135 — 

Rom. reich schirmet Murrhardt, darnach graff von 

Württenberg. 

Zur selbigen zeit ist in Teutschlandt eine fttrbindige christ- 
liche zncht und eyffer gewesen, da iederman grosz last gehabt, die 
5 kirchen zue anffen, die geistlichen zu beschirmen ; die kirchenberanb : 
und beschädiger von männiglich veracht gewesen. Dero Ursachen 
dasz closter Murhardt viel jähr allein ander desz Rom. reichs schirm 
gewesen, bisz za den zeithen kayszer CaroUi des vierdten,^) ist 
allein der blosze schirm, anch nicht erblich, graff Eberhardten zne 

10 Wfirttenberg gegeben wordten, ist geschehen in der statt Saltzbach.^ 
Obs diesem closter genatzet, lasz ich bleiben, dann mit der zeit 
ist dieszer schirm zu einer vogtey, ja schier aigenthamb gerathen, 
wiewohl solches der schiermbrieff nicht gibt, da die aatzang, stener, 
raiszang, bländerang, ja die brüder in dasz ellendt verjagt wordten, 

15 gedulden.^) Zavom nähme Marrhardt zae, dasz es auch nmbmaarth 
andt ein stättlein daraasz worden. 

Vom abbt Otittigott. Regnare incipit a° 1460, obiit 
a? 1473 feria 2. post penticostes.*) 

Zae den zeithen graflF Virichs von Württenberg^) — war ein 

20 güttiger fürst — würde der Überfall desz gejags abgestellt; dann 

dazamahl abbt Herbort, genandt abbt Güttigott — von wegen dasz 



S aasxbttndige H*, 5 ttnffen H*. \ der kiroban JET', B. 9 gehn m&im. B*, B, 8t^f 
manniglieh Terhast U*. \ Dero ~ gewesan fehlt H^. 9 plösiig J7i, H*, B, 8tK | erb- 
lichen H*, B. I icraff Ulrichs Tattern g. Eb. HK 10 ist — Solub. fthU H*. 11 9taU 
Uflx ich bl. : weiss man wol H*. lü aigenthumblicb Hi, HK 18 da die «m» H*, da St^, 
die H«. ) statt Steuer: strow H*, S*, 8t^, strew B, 14 yerwisen JB*. 15 gedulden 
fthlt H*. I Danron H*, Bf Daror 8t*. 21 Herbot H*, H*, B, Herbart H*, Herbold 8tK 

') Die Schutevogtei wurde von Karl IV, am 20, Aug, 1365 dem Grafik 
Eberhard übertrafen, s, Böhmer^Hüber^ JRegesten Karls /F., Nr, 4208, Von 
1395 an war dann Württemberg unangefochten im Besitz dieses Rechtes KW, 
Ulf 80, — ') Stadt Sulzbach, östlich von Nürnberg, bei Amberg (vgl, die aus^ 
dem oben angeführten Regestenwerk ersichtliche Reiseroute des Kaisers), — 
•) Erkläre: Da diese (Vögte) Atzung . . ., und dass die Br, verjagt wurden, 
duldeten, — *) feria 2. p. p. 1473 = 7, Juni, — Die Zahlen 1460 und 1473 6e- 
ruhen auf Irrtum, denn nach OABacknang 257 ist Abt Herbort schon von 
1456 an (aus Angaben des Staatsarch.) bezeugt, und nach einer bei GabtU 
kover Miscell, 1, 396 mitgeteilten Grabinschrift zu Murrhardt ist er gestorben 
3, Juni 1463, Mit letzterem Datum stimmt zusammen die in Gabelh, KoUek^ 
tarnen (Landesb. Stuttg. hist. fol, 22, S, 219 f.) sich findende Notiz, dass 1463, 
feria sexta nach Pfingsten ^= 3, Juni) Abt Herbolt im Chor zu Murrhardt 
begraben worden sei, — *) Ulrich V, ,,der Vielgeliebte'^, 1426—1480, 



— 136 — 

botz Gütigott sein sprichwortt ^) war — zue Murrhardt praelat war, 
nndt wan die Jäger mit ihren banden gen Murbardt kamen, ^ so 
zöge er mit etlichen personen gen Stuttgardt undt aasze zu hoff. 
Da er nun etlicb tagb gen hoff gieng, wurdte er gefragt, was er 
dann alda thette oder bey hoff anzubringen, so wolte man ihn hören. 5 
Darauf der abbt sagte: nein. Wurdte er widerumb gefragt, was 
er dann alda thette; antworttete der abt: botz güttigott, ich will 
wehnen, kayszer Ludwig habe zu Murhard ein closter gestifftet, so 
sihe ich wohl, es ist ein hundtstall, dann meines gnädigen herrn 
hundtsbuben undt hundte liegen darinnen; meine manchen dörffen 10 
nicht singen, die hundte heulen genug. Ich will, so lang die hundte 
in meinem closter liegen, allhier nach hoff gehen, dann mein gnä- 
diger herr vermag mir baasz zue eszen zu geben, alsz ich seinen 
hunden. Darauf der fromme gr. : zihet heimb, lieber abbt, es solle 
abgeschaffet werdten. Maszen dann auch dazumahl geschach. 15 

Dieszer abbt Gtittiggott hauszete wohl, lugte, wie er den Über- 
fall der gastung zu Murrhardt undt im hoff zu Bottwar'*) möchte 
abkommen, derohalben er umb Murrhardt keinen weg machen liesz, 
und so er von seinen gasten wurdte gefragt, warumb er die weege 
umb Murrhardt liesz zurgehen und nicht machte, antwordete er: 20 
botz güttiggott, mir kommen dannoch mehr gaste alsz mir lieb ist. 

Wann dieszer abt zuefallendte gaste bette, die bey ihme bis 
uti den dritten tagh verharrten und nicht hinweeg ritten, liesz er 
sie durch seinen cämmerling fragen, ob sie auch wüsten, warumb 
Christus nicht lenger dann uff den dritten tag im grab were gelegen. 26 
So dann der gast sagte nein, darauff sagte der cämmerling: mein 
herr der abbt sagt, Christus seye dieselbe zeit bey seinen gutten 
freunden den patriarchen und propheten in der voorhelle*) gewesen, 
sie der entlediget, damit uns wollen anzaigen, wann einer einen 
gutten freundt daheimb suche und bey ihme bliebe bisz den dritten 30 
tag, so möge er wohl erfahren, wie er lebe, seye ohne noth, dasz 



1 tue — war fehU H^, B. 3 Lo«f gnuog B^. 5 ob er wa« . . . het Ä». | aMubr. het 
HK $ er weitter fl«, B» St^. 13 hier In meinem S<>; hier fehlt ff«, H«, H*, B, Ä/». 
14 seuoh hin ff», St^. \ die hundt sollen JT*. 15 Maszen —ReBch. fehlt ff», ff«, B, Ä». 
17 BothmHr ff» 80 stets. 18 abschaffen ff«. 30 bleib uf den ff», B, Ä». 

*) seine BedeweisCy Beteuerungsformel — '') Eine Erinnemng an dieses 
Jagdtcesen haftet noch an dem auf der Siidostecke der Murrhardter Stadtkirche 
stehenden „Fürstenbau"' ^ der nach OABachnang 225 früher ein Jagdaufenihalt 
der roürttembergischen Fürsten war, ~ ») Der zur Aufbewahrung der Zehnt- 
früchU und anderer Einkünfte dienende Klosterhof. — *) Fegfeuer. 



— 137 ~ 

er lenger aldar bleibe, sondern solle binzihen. So merckthe dann 
der gast, dasz er nnwertb war, nnd zoch seinen pfadt.^) 

Dieszer abbt liette nicbt, dasz seine diener sich mit niäntteln 
kleideten, sagte, er besorgte, sie trägen ihme nnder den mäntteln 
5 dasz closter binwegh, hoc est, sie trügen nndem mäntteln ab, dann 
es were gutt darunter verschlagen.*) 

Uflf eine zeit ritte er gen Bottwar, sähe vor der statt viel 
gännsz in einem dinckhelackher, dem closter Mnrhardt gehörendt, 
gehen. Da schickte er seinen diener, der mit ihme ritte, in die 

10 statt nnd liesz ieder gannsz ein kübel kauffen, mit waszer füllen, 
inn ackher setzen, sagende, die gännsze möchten dnrst sterben, so 
möchten alszdann die in der statt sagen, die gännsze betten an 
seinem dinckhel den todt gefreszen nnd deszen von ihme bekerung 
begeren. Damit ritte er in die statt, bernefite den vogt zum morgen- 

15 eszen, erzehlte ihme den bandet mit den gännszen. Er sehe, dasz 
die vonn Bottwar es getreulich gegen ihme meinten, dann sie trieben 
ihre gännsz in seine frucht, damit er dasz schnitterlohn entpfor 
hette.^) Wann er dergleichen solte gewärtig sein, dasz er seine 
äckher der zu Bottwar gänszen solte sähen und bawen, so wolte 

20 er sie baulosz liegen laszen, bette er dasz bawgelt bevobr. Dem- 
nach schickthe der vogt dem nechsten zu erkundigen, weme solche 
gännsz gewesen weren; die musten dem abbt den dinckel undt 
kiebel wohl bezahlen. 

Mit diesen und andern Sachen dieweil er dem closter getrew, 
25 nicht der bausz nach^) mit der groszen flaschen uftrugh, ihme et- 
liche, NB, hoflFgesindt, abholdt, sagten, er were ein kindisch : törichter 
mann etc., und so viel practicirt, dasz er der abtey entsetzt und 



$ seine straaseD H*, 8t*. 4 bett sorg H'i, B, 8t*, 6 et aua H^, H*,' er 8t*, H*. \ war, 
vorher trugen Ji, | darunter etwas su vertragen 8t*. 8 gotshausi H^, B*, B, 8t-. 
9 schickte: sohrye H^, B (enttpr, seinem^. | rot der H^, B, 10 und 1. fthUHK H durst 
haben B*. 13 geesen H*, B, 8t*, \ dessen ein abtrag H*, 15 nnd sagt H', sprechendt 
H*, 16 gemeinten H*. 17 beror H*, HK - 19 besOhmen H>, semmen B. 20 den 
costen wol ersparen H^. 21 deo neohsten B*, B, 8t*. 24 wiewol B, 26 wurd im 
ettlicb hofgesind H*, B, St*t warden im ettlich N. hoffg. H*, macht er, das ihme . . . wurd 
H*. 27 praticierten H\ H*. 

*) Zu dieftem Abschnitt in St^ als Randbemerkung der Vers: post tres 
namqne dies vilescit piscis et hospes. — *) es sei leicht darunter etwas zu 
verbergen, — Kine Geschichte von Hofleuten^ die unter ihren Mänteln gestohlenes 
Gut davontragen — ebenfalls aus der Zeit des Grafen Ulrich V, von Württem- 
berg — s, Barach, Zimmerische Chronik 1, 391, — ') entfor oder bevor haben 
= ersparen, — *) in Bausch und Bogen, prahlerisch. 



— 138 — 

ein Egen ^) an seine statt gesetzt wardt. Zu seiner entsetzung sagte 
er zu den räthen, die zugegen waren: es sollte ein mann herfür- 
gehen, der dorflfte sagen, abbt Herboldt — sieb selbs mainnendt — 
bette st. Januarium*) — ist patron zue Murrbardt — ie umb ein 
heller versetzt. Aber die gloeken war gegoszen, der gutte abbt 5 
mnste von der abbtey. 

Randbemerkung: Abbt Wilhelm Egen stirbt anno 1486 domi- 
nica quasimodogeniti.") 

Nach abbten Willhelm Egen wardt abbt Hanns Sehrade/) 
welcher, so weith dasz closter begrieffen, dasz stättlein mit zinnen lO 
umbmaurth undt erneurt, welches, wie ich von den alten, oder 
Maychen Mochen — so burgermeister und schloszer zu Murrbardt 
gewesen — gehört, ab 200 jähren davor von einem abbt daselbst, 
desz geschlechts von Hohenstein,*) an dem flusz Bieler gelegen, 
gewesen,®) erstlich zu einem marckth umbgraben, undt seinen nach- 16 
kommen den abbten zue einem stättlein umbmauret worden. 

Randbemerkung: Abbt Hanns stirbt a? 1501. 

Nach ihme Laurentius Gaul, der erblindet vor seinem endte 
— ist gestorben anno humanae salutis 1508, sein grabstein ist uf- 
gericht in der kirchen zu Murhardt, vor dem beschloszenen chor 20 
herauszen.'') 

Murhardt wollte ein weltlich stifft werdten. 

Also hielt Philipp Benner der prior — Randbemerkung: abbt 
Philliph Renner obiit a? 1512^) — , der auch nach absterben dieszes 
abbten Lorentzen abbt wurde, dasz regiment, tractieren, wie sie aus 25 
der kutten kämmen; die zehenden zue Oszweyll^) wurdten umb 



I der war ein gaet geioll H^, H*, B, ßt^, | In geiner JBi, B^, H*, R, 8t*. » fttriiUchen 
H^, Stattgartisohen B. S Herboth H*, H*, B, 8 DU Bandbemerkung fehU Ji>, B, 8tK 
9 w. canonice H*, 8t^; Connradt (Miaevtrai.) B, | Schrotte Hi, B, 8t*,- Sohrode H*. 

II welches — ambmaurot worden fehlt H*, M*, B, 8tK IS wie ich von den altten mön- 
ohen — bargenneister cn Murhart — gehOrt H*, 18 Goel H^, B. 19 ist — heraüszen 
fekU a^, H*, H*, B, 8tK 93 Die Btmdbem. fehU JT», B, 8tK 94 der — wurde fehlt HK 
96 traotierten M^, H*, B. 96 sne O. f$Mi HK 

») Wilhelm Egen, 1469—1463. OÄBachnang 257, — *) über den h. 
Januariusy als den über Reichenau nach Murrhardt gekommenen Klosterheüigen, 
s, Bossen WVjh. 1886, 221, — •) 2. April — *) Johannes Schradin laut 
Staatsarch. 1489-^1501 (OABaeknang 257), — *) Hohenstein, j, Hohenstatt an 
der Bühhr, OA, Hall, HeroU 80. — •) desz — gewesen ist Belativsate: der 
atis dem Geschlecht . . . stammte, — ') Beschreibung dieses „an der westlichen 
Wand des nördlichen Querschiffes^ stehenden Grabsteins und Wiedergabe seiner 
Umschrift OABaeknang 219. — ") Zuvor schon — Frühjahr 1511 — haUe er 
auf sein Amt Verzicht geUistet, s, den nächsten Abschnitt, — •) Ossweil OA. 



— 139 — 

viel 100 gülden versetzt, der prior, herr Willhelm, wurdte mit dei» 
decan zae Oringen, herrn Oszwaldt Batzem,') mit solchem gelt gehn 
Rohm zue pabst Leoni X"**, dasz closter Murrhardt in ein weltlich 
stieiil transferirt zue werden zue erlangen geschickth, doch, das? 
5 geist- und weltliche lehen uflF Württenberg gewendet würden. Solch 
wenden der geistlichen lehen wollte pabst Leo nicht bewilligen. 
Die Murrhardtischen lagen zue Rom, banckhetirten, der seckhel 
wurdte leicht. Damit dann sie nicht ungeschafft von Rom rietten, 
erlangten sie allein die translation des ordens, ohnbewilligt der 

10 geistlichen lehen uflF Württenberg. Unnd dieweil diesen oratoribus 
zue Rom gelt zurrann, versetzten sie buUam translationis in desz 
Fuckhers banckh umb etlich hundert gülden. Alsz solche hannd- 
lung Württenberg gewahr wurdte, dasz die translation ohne be- 
willigung der geistlichen lehen auszgebracht war, liesz er die bullam 

15 beym Fucker löszen, den prior in verhaflft nehmen, im thum uf 
dem Asperg zwey jähr und etlich monath erhalten. Da wardt er 
auszgebetten und zue einem conventual zue Murrhardt wider an- 
genohmmen; ist doch darin nicht verschieden; undt dieweil der 
fürst in auszgebrachte translation nicht wollte bewilligen, ist Mur- 

20 hardt ein closter verblieben.*) 

Abbt Phillipps wurdt ab: undt Oszwaldt an seine statt 

gesetzt. 

Dieszer zeith wardt der Überfall der gaste zu Murrhardt grosz. 
Also wurdte abbt Phillipps der abtey entsetzt ^) und Oszwaldt, con- 

1 9tatt wurde . . geschickth: sog H^, wolt IT«, i BoUern H\ 8t^. 4 sno ftKU H*, U*, B, 8tK 
5 statt Solch — lehen: werben H^; werden d. g. I. S. 7 banckh. dapffer H^. 14 ohne 
bew. die gaivtlichen lehen auf sie xa wenden H*. Iß und e. m. feMt H^. \ gef&nglich. 
enthalten HK \ Letclioh wardt H\ 18 nicht fthlt H*, St*. 19 dieweil Wirttemberg 
ir ifS. 28 Diesser — groM fefOt HK 24 Umb diee seit U*, anoh ward M*. 

Ludwigsburg, Schon in der (unechten) Urkunde von 817^ WU, i, 57, gibt 
Kaiser Ludwig seinen Hof in Ossweilj curiam nostram in Ozewile^ samt der 
Kirche dem Kloster Murrhardt zur Aussteuer, Württemberg erwarb den 
Kirchensatz vom Kloster 1565 (KW, 5, 160), — *) Oswald Batzer war Dekan 
des Chorhermstifts in Öhringen, in dessen Abteibüchem er von 1506 — 1510 und 
später erscheint, s. Boger in WFr, NF, 2, 43, (Die Zahl 1545 in AÖhringen 
146 muss ein Irrtum sein,) — *) Über die, ins J. 1510 fallenden, tSäkularisations- 
Verhandlungen berichten u. a. Stalin 4^ 236, Heyd Ulrich 1, 188, am genauesten 
OABacknang 251 ; hier werden aus Würzburger Archivakten die Bevollmäch- 
tigten des Bischofs (unter denen z, B. TrithemiusJ wie die des Herzogs mit 
Namen aufgeführt und die Einzelheiten der Verhandlung dargelegt. — •) Ober 
diese Entsetzung, die ins Frühjahr 1511 fällt, sowie über den neuen Abt s^ 
OABacknang 252, 



140 — 

ventualis zu Lorch zue einem abbt an seine statt postuliert, ein 
frommer, geistlicher, andächtiger gottsfürehtiger mann, aber in 
bürgerlichen sachen undt hauszhaltung nicht gantz lauflFenlich. Die- 
weii dann desz closters schulden viel, auch dasz closter weiters zue 
beschwehren dieszer abbt mit nichten gewilleth, demnach zu düstung *) 5 
der schuldt haben sich dieszer abbt undt sein conventual von den 
Württenbergischen räthen ausz ihrem closter Murrhardt tedingen 
laszen, inn Zuversicht, das damit alle gasterey undt atzung abge- 
stellt, ein vorrath ersparth und sie hinwiderumb in ihr closter für- 
derlich eingesetzt wurdten. Also kam abbt Oszwalt widerumb in 10 
sein convent Lorch, die andere conventuales wurden hin unndt 
wider in die closter Benedict: ordens alsz gaste versteckth, zween 
laische alumni in dasz closter gesetzt, die alle deszen nutzung ein- 
nehmen. Davonn wardt nicht abgelöst und darzue in einem jähr 
1000 fl. verdistillirth,'^) die uf zinnse wurden genohmmen. Solches 15 
standt ahn, bisz Reuttlingen belegert wardt. Da supplicirten die 
brüder im läger bey dem landtsftirsten, wurden wider eingesetzt, 
der atzung gefreyeth,'') doch dasz sie jährlich darfür 100 fl. solten 
einantwordten. Also wurdte abbt Oszwaldt ein Murrhardischer con- 
ventual, herr Martin, Moriin genandt,*) zu einem groszkeller zue- 20 
geben, ein lauflFenlicher geschickter mensch, der von männiglich 
geliebt undt werth, auch nach abbt Oszwalden — obiit anno do- 
mini 1527 — abt worden; hausten wohl; und wiewohlen sich mitler 
zeit allerhandt schatzunngen zuetrugen, so were es doch alles lei- 
dentlich gewesen, bisz anno domini 1525, da etliche ufrührische 25 
praedicanten den gemeinen mann ufrührisch machten, nahmen die 
ufrührigen Hellischen bauren undt die bauren uf dem Gmünder 
waldt Murrhardt ein, blündertens,'') führten under andern etlich alte 
brief undt freyheiten davon, welche, alsz die bauren das closter 
Lorch anzündeten, darinn verbronnen. 30 



1 der fromb . . . w»r i/». 5 abt uit U. \ dustung if», //», li, Sfi ; duschung UK 8 inn 
— widerumb fehlt H\ 13 laigiscb //», St'^ ; logisch H. \ statt «1. : iconomi H', fl^ /f, «*; 
neconomi /iT*. 14 einnummen H*,St^. \ nicht« i?. 19 antwortten H*,li,8t^; geben H^. 
90 Martin MOrlln zu . . HK il treffenlicher H\ H*, R, St*. \ gehn meniglich B*, B, 
ti3 obiit — 1627 fehlt i/i, //2, H*, R. St^. 24 to war if «, H*, B, 5/«. 3S ufrühr. nnder- 
thonen und H^, Jl. 29 altt dise unnder anndern B, 30 damit verhmnnon sein H*. 

*) IJämpfung, Beseitigung (zu dussen, vertussen = zum Schweigen^ sum 
Aufhörtn bringen (¥j^ s. Lexer), — *) ^Aus diesen Einnahmen wurden keine 
»Schulden abgelöst und dazu noch weiterer leichtsinniger Aufwand gemacht.'^ — 
') von der Pflicht die Gäste und Jäger des Herzogs hei ihren Besuchen mu 
herbergen und zu speisen befreit. — *) Abt Martin, genannt ^.Möhrlin^, (Stalin 
4, 470 f i:>-^7 — t 1''>4S. — ») s. oben S. 8, Herolt 299, 327, 



— 141 — 

Brüder zu Murrhardt werden ins ellendt verstoszen. 

Alsz aber folgendts, nach denie der Schwäbische bund ausz- 
gieng, der lanndtfärst durch den landtgr. von Heszen etc. widemmb 
in sein landt wardt gesetzt, anno 1534, wardt mit Murrhardt wie 
5 mit andern clöstem desz landts gehauszeth und undergangen, die 
brfider auszgestoszen. Doch von wegen der groszen gunst, so der 
adel zue abbten Marthin hette, wardt er im closter allsz ein ampt- 
mann, doch alleweeg seinen orden^) tragendt, sambt dem priom 
herm Thoman Carlin gelaszen, bisz anno domini 1548, alsz dass^ 
10 interim durch kay. Carl zue Augspurg publicirt, starbe abbt Martin 
in ermeltem jähr am mittwoch den 13*^ tag junii. 

In deme erleuchtet Gott das hertz Cyri des königs Persarum,. 
dasz er die döster widerumb öffiiete, den verjagten brüdem eingab 
prälaten zu erwöhlen, und widerumb brüder anzunehmen gebotte. 

15 Herr Thoma Carlin wirdt abbt zue Murhardt. 

Also wardt der ehrwürdige und löbl. herr Thoma Carlin blei- 
bender prior durch den hochwürdigen fürsten herrn Melchior Zobell,. 
bischoven zue Würtzburg aigener personn, zu einem abbt dieszes 
löbl. gotteshauszes Murrhardt verordnet,') bestettet und durch D. Georg 

20 Flochium episcopum [Sidoniensem] und desz pistumbs Würtzburg 
in pontificialibus viccarius alszbald benedictirt, deme allem ich bey 
und mit gewesen. — Der Allmächtige verleihe seinen gn. langwüh- 
rige gesundheit, und teutscher nation, dasz sie auch erleuchtet, zue 
fried und einigkeit gesinnet werdte. Setze ich keinen zweiflFel, 

25 dieszer abbt Thoma werdte dermaszen hauszen,*) dasz zu Murrhardt 



3 Mfgieng H*, St^ ; abgieng Jt. | von U. fehlt H\ H*, H, St^. 4 a. 1684 fehlt H\ H*, 
H*, B, St^. 6 Doch — gelMsen fehlt H*, H*, R, 9 bias — lS4fi steht bei St* unmittelbar 
tKuh auBsgostotseD. 10 Augspurg gehalten H^, 13 Pert. fehlt H^. 18 ds closter B. 
I mOnchen HK 16 Thoman sttta HK 17 <ler hüben war als prior HK \ Zob. fehlt 
H*, H*, B, St*. SO JOrg Eysen JET', B; Flaohium H*; bloss Georgen H*, St*. | Sido- 
niensem korr. nach dem von Abt Martin ha$9delnden Abschnitt in dsm Halter AnnaUm; Solonensem 
St^i episc. S. fehlt H^, H*, B, Sfi. 31 ich JOrg Widman sindlons an Gomberg J7>. 
22 seine genad H^, H*, B. 25 apt Carl H*. 

') d. h, sein Ordensgewand. — *) In Anlehnung an die biblische Rede- 
weise (besonders 2. Chron, 36y 22; Esra 1, 1: suscitavit dominus spiritum Cyri 
regia Persarum^ vergleicht der Chronist Karl V. mit Cyrus, und die durch das 
Interim bewirkte Wiederherstellung cUr Klöster mit der Zurücltführung der 
Juden aus der Gefangenschaft — eine Parallele y die deutlich zeigt , wie sehr 
er dem alten Glauben und eumal dem Klosterleben sugetan toar, — ') Nach 
Bosserty Das Interim in Württ, S, 58, geschah dies im Sept, 1Ö48. — *) Abt 
Thomas Carlin f 21, Juli 1552 (0 ABacknang 257), Die Stelle ist 1548 od fr 
kurz nachher geschrieben. 



— 142 — 

Tvider clösterlich leben nach willen desz ersten stiffters kayszer 
Ludwigs werde grünnen, nnd alles unglfickhs erhohlen; der auch 
«tattlich dasz closter wider zn bawen und die kirch zu zihren ann- 
gefangen. Dann zu vorigem nnfall verbronnen auch inn der zeith, 
alsz die conventuales exnlirten, dieszes closters dormitorium undt 5 
beste scheuren. 

Erste kirch zu Murhardt. 

Die erste kirch, darinnen st. Walthericns, erster abbt zue 
Murrhardt mit seinen brüdem ihre horas gesungen,') stehet neben 
der groszen kirchen desz closters; ist ein cellein von sandtstein 10 
l^ehawen, und gewölbte cappellen mit einem alltar und fenster, uf 
ieder seithen zwen stainemer sedilia, stähl oder sietzbänckh habendt, 
dasz in iedem ungefehrlich 3 personen mögen sitzen, die 12 gestifft 
brüder machendt;*) unden bey dem thärlein dieszer cappell wider 
ein solcher stainemer stuhl, alda der abbt ist gestanden oder ge- 15 
sessen. Diesze thür hat etlich geschnittene löcher, mit eyszen be- 
schlagen, durch welche dasz volckh, so von denn wälden erstlich 
dahin zu kirchen gangen, umb enge der cappeln darvor gestanden 
und durch diesze löcher die kirchenämpter gesehen undt gehört. 

Closter Murhardt wirdt gebaueth. 20 

Folgendt, alsz dasz schlosz Hunnenburg') abgebrochen, ist 
dieszes closters noch stehendte gröszere kirch,^) wie dann im hie- 

8 Btettig H*, 8tK I wider gobftwen H^, B. 4 inn Torigem B. 9 itebet noch H^, H^, 
B, 8tK 10 ein olain H*, H% H*, B, 8t^. IS sediUa au« H\ H*, B, 8t*; lediUei A>; 
sedilift oder H*. | stühl and H*. SS statt noch it.: nach rath B. 

') Gemeint ist die berühmte und vid beschriebene WcUderichskapeüe, das 
jetst noch erhaltene Kleinod spätromanischer Baukunst. — Dass diese aus dem 
letzten Viertel des 12, Jahrh. stammende Kapelle dieselbe sei mit der einst von 
Walderich erbauten und benutzten, ist natürlich eine Einbildung der Sage. — 
•) Die in der Stiftungsurkunde Ludwigs des Frommen von 817 (Wü. i, S7) 
vorgesehenen 12 Brüder ausmachend. — •) Die Hunnenburg wird in der ge- 
fälschten Urk. von 817 dreimal mit Namen erwähnt , zuerst wie dem Walderich 
erlaubt wird, dass er nahe bei dem castrum, das vulgo Hunemburg genannt 
wird, wohne, dann wie der Kaiser erklärt, er habe geboten, das Schloss abzu- 
brechen und mit seinen Steinen die Kirche zu bauen ; zuletzt werden der neuen 
^Basilika'^ zur Ausstattung 35, zum Teil mit Namen aufgeführte, Ministerialen 
und Leibeigene geschenkt, die vom Castrum Hunnenburg rühren. — *) Die 
Kloster' oder Stadtkirche: sie stammt aus der ersten Hälfte des 15, Jahrh.: 
von einer früheren Anlage, einer dreischiffigen romanischen Basilika, steht noch 
der südliche Turm mit seinen Rundbogenfriesen, Lisenen und nun vermauerten 



— 143 — 

voi^esetzten stiffterbrief darvon vermeldt, gampt andern mehr clöster- 
lichen gebawen gebawet worden. 

Hayden voor st. Weltreich zu Mnrrhardt wonnhafft. 

Undt wiewohln, wie noch der angenschein giebt, zne undt 
5 nmb Mnrhardt eine grosze ungehewre wildnusz, noch dann ist zne 
rermuthen, dasz voor Waltherico auch etliche annsehnliche hayden 
der orthen gewohnet haben müszen. Dann bey meinen zeithen, 
allsz Johannes der f finffte abbt voor dem letzt regierenden herm ^) 
einen see zwischen der abbtey undt pfarrkirchen ') liesze graben, 
10 wurde gefunden ein sanndtstein mit etlichen darauf gehawenen ab- 
göttischen bildem und schriiTten, von groszen lateinischen buch- 
staben, wie hernach volgeth, also lautendt: 

D. M. 

ASSON. IVSTUS. MIL. COHOR. XXIIII. VEN. VIX. AN. 
15 XL. CUNTVSMVS. SIC. HERE. SVA. VOL. F. 

Diesze schrifft oder epithaphium durch die, so der alten 
Römmer tittull undt epitaphia zue leeszen gewohnt, wie hernach 
stehet, auszgelegt worden: 

Diis manibus vel maximis. Asson Justus, miles cohortis 
20 vicesimi quarti, venit, vixit annis quadraginta. Conctusumus hie 
haereditate sua voluit fieri. Zue teutsche: 

Dem gotteshausz oder groszen Gotten. 
Asson der gerecht oder fromb ritter oder kriegsmann ist kom- 
men im vier undt zwaintzigsten hauifen, hat gelebt vierzig iahr. 
25 Cunctusmus hats also von seinem erbe machen laszen. 

Diesen stain oder epitaphium hat obgedachter abbt Hanns 
umb seltzamkeit willen zue Mnrrhardt bey der alten abbtey unden 

% worden, und Min solche etftin sa ennelter kirohen verbranoht worden E.^. 4 gibt, 
ds . . £. 7 mttisen f«MU II >. « der f. ~ herm ftkU JEfi. | in meiner kindheltt »ItB 
apU Johannes ein Sohrode H*. 9 alten abbtej JEfi, B^, H*, B, 8t*. \ too neuem liesx 
machen HK 1» also habendt H^, von hier Mt anssgel. worden fehlt HK Iß 9t. die : dan 
H*, B. 17 undt ep. fehlt HK \ gelesen und erfahren haben H^, 20 renuit 8t i, 
39 Den haute gotten oder grossen gotten H<, U*, B. 

Bundbogmfenstem, und das unterste Geschoss des nördlichen ; ebenso stammen 
die fein geschliffenen Quader, namentlich des Cho^rs, von der alten Basilika her 
(O ABacknang 217 f.), — ') Johannes Schrade, liaS-^löOly warder fünfte Abt 
vor Thomas Karlin, — „Bei meinen Zeiten^ = noch in meiner Jugendzeit; 
1600 ff. Studierle Widman in Heidelberg. — «) Die Pfarrkirche fParochialkirche) 
ist die auf dem HOgel stehende Walderichskirche, die von jeher der Gemeinde 
gehörte, während die Stadtkirche vor der Beformation nur sum Gebrauch des 
Klosters diente (OABacknang 225 f.). 



— 144 - 

am thnrn laszen einmauren, alda er noch stehet, gesehen nndt ge- 
lesen werden mag.^) 

Item in der pfarrkirchen '^) ulBF st. Welthreichs grab ligt ein 
stein ebenmäsziger lenge, sihet, alsz seye er etwann an einer mauer 
nfgericht gewesen, darauff wie hemacher stehet, mit groszen lat^i- & 
nisehen buchstaben gehauen: 

MEDVLIO. CAR. TO . PATKICIO. ET. VICTORINE. 
MATRI. CARANTIA. iELIA. FILIA. DVLCISS. HER. EX. 
TESTA. POS. 

Mit gantz lateinischen wortten also lantendt: lo 

Medulio Canto patricio et Victorinae Matri Carantia Aelia 
filia dulcissima, haeres ex testamento posnit. Zue tentsch: 

Medulio Canto, geschlechter, undt mutter Victorinae, hat Ca- 
rantia Aelia ihr liebe tochter zue einem gedächtnusz oder ausz 
einem testamenth gesetzt oder verordnet. 16- 

Wiewohl meines erachtens, dieweillen in dieszem epitaphio 
meidung von der mutter geschieht, glaub ich, dasz im einhawen 
der schrifft geirreth seye im wortt patricio, solle patri stehen, also 
dasz dieszer Medulius Cantus der Carantia vatter seye gewesen.**) 

Zue ermeltem epitaphio ist auch folgendt daraufi st. Weltreichs 20 
epitaphium gehawen worden, lautet also mit buchstaben, hingegen 
umbkehrt : 

Obiit Walthericus abbas in tertia calend: decembris nostris 
temporibus huius monasterii — huius corpus hie iam est sepultum.*) 



S Waltherichi -ff«, H«, H*, R, St*. 4 in ebner Hi, H*, H», H*, B, 8tK 7 CANTO 
Ä», H*, B; MED. — Untendt fehlt Ä». 8 MATRI o««* H», H*, H*, B, Ä«; MARTI Ä«, 
90 auch nachher, 10 mit — posnit fehlt H^, | buchntahen B. 17 gUnblioh Hi, tS in 
hftidnleoher tcbrifft H*, in hAydnischer der lobr. B, | patri oms H*, H\ B, Sf^; padri 
AI. 20 Waltberichs Sfi. 21 von lautet — Schilling (Sehlms des nächtUn AbtehmitU) fehlt 
H\ H*, H*, Ä, St*. 

') Die ItichtigsUüung der Lesung und Deutung (Assonius Justus, miles 
coh. XXIII voluntariae, vixit annos XL. Cintusmus sicundus heres sua volim- 
täte fecit) s, Uaug und Sioct^ Die römischen Inschriften Württembergs^ 8, 308 f, 
— Der Stein war zu Sattlers Zeit (1784) nicht mehr vorhanden, — ') Wal- 
derichskirche s. o. S, 143. — ') Mutmassliche Richtigstellung s. Saug und Sixt 
Die röm. Inschr. Württ. S. 309: Meddillio Caranto patri et Victorinae matri 
etc. posit Auch dieser Stein ist nicht mehr vorhanden. Nach einer aus dem 
J. 1818 stammenden Angabe Preschers wurde er mehr als 20 Jahre vorher von 
ununssenden Maurern zerschlagen (Haag u. S, a. a. 0.), — *) Oh die Inschrift 
nur verstümmelt oder auch unrichtig gelesen ist, oder oh eine Verwechslung vor^ 
liegt mit dem 1370 gestorbenen Walterus, rector huius ecciosiae (OABacknang 
226)y wird sich kaum entscheiden lassen. 



- 145 — 

Seelmeszen Hannszen Bernhardts. 

Nota. Ein ander monnmentnm oder antiqnitet ist eben in der 
kirch oben an der wanndt ufgericht, stehet also: Anno domhii 
MCCCCL da starb Haunsz Bernhardt. — Ist zu wiszen, dasz Hanns 
5 Bernhardt hat gemacht jahrzeit, ihme nndt zweyen seinen hausz- 
frawen nndt allen seinen altvördem undt nachkommen und von 
dem es herkommen ist, alle jähr zu geben am nechsten monntag 
nach Martini mit einer vigilia und 5 seelmeszen, einem pfarrherm 
undt vier priestern. Davon soll der heylligenpfleger geben dem 
10 pfarrherm 6 Schilling undt ieglichem herm 3 Schilling, dem mösz- 
ner 1 Schilling.^) 

Unsinnige menschen werdten uff st. Weltreichs grab 

vernünfftig. 

Zue solcher st. Weltreichs begräbt seindt etwann und^) bey 

15 meinen zeithen die unsinnigen, auch die besessenen menschen an 

ketten geführt uf solch grab in einn eng h'äuszlein darauff gemaurth 

in ketten gebunden gelegt worden, undt so sie eine nacht darauf 

lagen, seind ihrer etliche wider zu sinne kommen. 

Man sagt, dieszer stein schwebe ob dem grab, dann was arth ') 
20 man dieszen stain angreiflft, so knappt*) er. Nachdeme man aber 
den stain erhebt, hat man gefunden, dasz er in der mitten uf einem 
gewerb, und zu den orthen leedig geweszen,*) dasz wa undt uf 
welche seithen man darauff getretten, er under sich hat können 
weichen. Jetzt ligt er noch daselbst still wie andere grabstein,, 
25 und ist die abgötterey und aberglaub uffgehoben. 

Von st. Orendel an der Saal. 
Zue denselben zeithen ist dasz einnsiedelleben in w'alden undt 



14 grab H^, H*, B. \ und — seithen fehlt H^, und fehU ff-'. 15 auch — besett. fehU HK 
Iß in — gemaurth fthlt ff i, H^, H\ R, 8t^. 17 im beth ff S in beten 8t^. 19 orte H*, 
ort R, 80. 20 groll ff S ff«, R, 8t^; gnabt ff*. | Nachd. bi» SehluM des AheehnÜts fehU 
ff», ff 2, ff*, R, 8t^. a? wftiden undt fehU HK 

*) Nach OA Backnang 21^6 befindet sich die Inschrift im Innern der 
Walderichskirchey an der rechten Ostwand des Schiffs. Der dort vorgeführte 
Wortlaut Beigt folgende Abweichungen von Widman : „einem priester'* (st, 4 Pr,)y 
„dovon soll einem heilgenpfleger geben der pfister . . ." „dem mesner 5 Schilling,^ 

— *) Zu irgend welchen (frühern) Zeiten und auch bei meinen Lebeeiten noch. 

— ^) Ort : ^an welcher Stelle^. — *) knappen = hinken, sich schnell auf- und 
niederwärts bewegen (Schm,), — *) in der Mitte auf einem Gelenk („Gewerb*^) 
ruhte und an seinen Äussenseiten („Orten'*) los, ununterstützt war. 

Wttrit. Oesohichtsquellen VI. 10 



— 146 — 

einöde in schwanckh gewesen, dann an der Saal in der graffschafft 
Hohenlohe ist daznmahl ein waldtbmder gewesen, Orendel genandt, 
welcher in einer tieffen räwin ^) an einem rayn ein cellen gebaueth, 
etliche brfider zu ihme überkommen, sich under gehorsamb st. 
Waltricbs alsz ihrem visitatom ergeben;^ dahero bey solcher zell 5 
bawfelt gerenth, häuszer gebaueth; ist disz orth zu einem dorff, 
undt cell zue einer pfarrkirchen wordten, darin st. Orendel noch 
begraben ligt, undt von diesem waldtbruder und vorflieszendem 
waszer der Saahl Orendels Saal genandt worden. Bey meinen 
zeithen von denen so übel gehört ein groszer zulaufi undt wallen 10 



1 •ehwanokh au9 H^, H», H\ B, 8t*; tcbranekhen atK | Ball Ht, Jt. 3 reattin Jf>, Bf 
in die r»awe and dieffe det waldts H^f wU Sti auch H*, 5 daher als H^, H*, B, 8t*, 
9 8UM Bey — gehören H > ; Dahin die übel gehöraiden »in gross wellen hetten, yermeinten 
d»s gehiSr wider sa bekommen, well dieer einsidel Orendel gehelssen het. Gefiel mach rll 
gelt dabin, devon die noch stehest kireb gebawen worden. In S Ut dm" 8atm mit: ich acht, 
bewegt . . . halt ich, die menicben geacht . . . toisdtr anätn gebaut. Zu B tH$mmtt am nach' 
tt0n 8t*. 

') Rauhe, rauhe Gegend, — •) Die Ertählung von dem im Ohmwald 
als Einsiedler lebenden Orendel, der eich unter Walderic?^ Aufsicht etelU, be- 
ruht wohl auf Murrhardtiecher Klostertradition und war dazu bestimmt, für 
die alten Rechte und Güter, die das Kloster in Orendelsall besass f Kirchen- 
satz und andre Güter, OAÖkringen 311), eine einfache Erklärung zu geben, 
die sich um so mehr empfehlen mochte, als die Einsiedelei des Orendel zu der 
des Walderich die beste Parallele bildete und ohnehin der Ohmwald einstmals 
reich an Einsiedeleien war, Bossert WVjh. 1881, 70. Bossert lässt den Abt 
Theoderich von Feuchtwangen ca, 1000 eine Zeitlang in einem Eremitorium im 
Ohmwald, und zwar eben in Orendelsall, sich aufhalten, freilich gestützt auf 
die etwas kühne Deutung der silva or. als Ohrnwald^ und findet als geschicht- 
lichen Kern der Sage vom heiligen Orendel in Orendelsall die Tatsache, dass 
Orendelsall schon in Karolingerzeit mit dem Kloster Murrhardt vereinigt worden 
sei. Welchen Anteil an der Persönlichkeit des Orendel die Sage habe, lässt er 
dahingestellt, — Keller in Vicus Aurelii 33 ff, zieht besonders den bei Öhringen 
gefundenen Orendelstein und die dazugehöi'igen Bendelsteine und Eigelsteine 
in die Untersuchung herein und kommt zu dem Schlüsse, der Name Orendelsall 
hänge damit zusammen, dass zu der alten Kirche dieses Ortes „Orendelsteine", 
d, h. Bau^tücke von bedeutenderen Römerdenkmalen der Umgegend, genommen 
worden seien, wie ja überhaupt die Volksphantasie in jenen EigeU und Orendel- 
steinen nur eben alirömische Monumente mit dem Gewände deutscher Sage 
umkleidet habe, — Einfacher und überzeugender weist AÖhringen 309 ff, 
darauf hin, dass der (schon aus der prosaischen Edda und der alten Helden- 
sage bekannte) Name Orendel früher oft vorkam und dass die SaU-Orte hät^ 
nach dem Vornamen ihrer Besitzer genannt seien. Bezeichnete somit „ Orendel- 
sall" ursjyränglich eine einem Orendel angehörige Sali- Niederlassung, so konnte 
sich später leicht die aus den Kreuz zugsseiten in das Abendland gekommene 
und von dem Spielmannsepos des 12, Jahrh. breit behandelte Sage vom König 
Orendel, der den heiligen Rock gefunden (Piper, Spielmannsdichtung, in Kürsch- 



— 147 — 

geweszen, dieweill dieszes einsiedeis nahmen Orendel die erste sielb 
orn ist, haben die menschen geachtet, er köndte anch den tanben 
ohm hielff erlangen, dasz sie gehören. 

St. Reichhardt in der Schuppach. 

5 Es hat auch dazuemabl ein waldtbruder Reichhardt genanndt 

im Orenthal ein zell gebauet undt alldar seine wohnnng gehabt; 
ist nun eine cappel in der ehre Unszer Frawen, die Schuppach*) 
genandt; ligt darin begraben, ist auch ein wallen dahin gewesen, 
nicht weisz ich, ob von wegen dieszes waldtbruders oder Unszerer 

10 Frauen wegen es beschehen. 

Reyffenstain. 

Mit der zeith ist ein stainhäusziein oder schlöszlein in solch 
thall gehauen, undt die edelleuth, darin wohnendt, die von Reyffen- 
stain, führen ein rothe wagennabe — etliche sagen brattwürst — 
15 in weisem feldt, undt uf dem heim zween weisze flügel, ieder mit 
einer roten wagennabe, genennet h worden. 

Brüder zu Waidenburg.*) 

Es soll auch damahlsz ein waldtbruder sein wesen bey der 

cappellen ufi^ ruckhen desz stättleins Walldenburg gehabt, darin 

20 begraben, desz nahmen mir nicht bewust, dergleichen auch zu 

Capplen zwischen Newenstain und Oringen ligendt ein waldtbruder 

gewohnet haben soU.^) 



S betser hören mögen H*, 5 Beinbartt R^. 6 Orenthal nit weitt d» di« 0hr«n «nt- 
■pringt J7>. 9 nicht — betehohen f§hlt HK 11 Ei giH von diuem Abmshnüt Mom den 
Anfang, ebemso H*. 19 Mittler 8ti. 14 etliche — brattw. fehU JET«. 18 gen. w. fßMit 
B, 8t*. 18 weten amt B, gewesen fiV>. 19 darin: ein waldbrnderhentslin bey Wald. . . 
gehabt haben, war daselbtt H*. 

ners deutscher NaiionalliU 1, J70ff,), damit verknüpfen, allerdings nur in einer 
der Örtlichkeit entsprechenden Anpassung y nämlich durch Umwandlung des 
Königs in einen Einsiedler, — *) im Ohrntalj Gem. Oeisselhardtj OA, Öhringen, 
Die zu Widmans Zeiten noch vorhandene Kapelle ist nun abgegangen, KW. 3y 596, 
— *) Nach Bossert, WVjh. 1881, 69, weiss auch die Schönihaler Chronik von 
einer solchen Einsiedelei hinter Waidenburg, wo man ein Grab gefunden habe; 
er vermutet, dieselbe sei identisch mit der in der Schuppach, welcher Ort für 
den Schönthaler Chronisten „hinter Waidenburg** liegt, — •) Nach Bossert 
a, a, 0, berichtet der Schönthaler Prior Kremer, der Ort Cappel sei von Ein- 
siedlern erbaut und bewohnt worden^ und Adelheid, die Gründerin des Stifts 
Öhringen, sei dahin oft zum Gebet gewandert. Jedenfalls muss eine alte, längst 
abgegangene Kapelle den Anfang der Ansiedlung gebildet haben. 



— 148 — 

Allsz der alte thurn im closter Murrhardt abgebrochen, ist dem 
newen zue öbrist nachfolgendte schrifft eingelegt wordten: 

Freytags *) nach Georgen desz hey. ritters tagh, allsz man nach der 
geburth Christi unszers einigen erlöszers, heyllandt und seeligmachers ge- 
zahlt einn tauszent fünffhundert achzig sechs jähr, bey zeitlicher regiruug & 
desz durchleuchtig hochgebohmen fUrsten und herm herm Ludwiegen 
hertzogen zue Württenberg und Teckh, graven zu Mömpelgardt etc., 
unszers gn. fürsten undt herm, ist dieszer knopff durch Joachim undt 
Hannsz Otten, kupferschmidt, gebrüdem von Backhenang, uf diesen kirchen- 
thurm, gesetzt worden. Dannzumahl herr Zacharias Etzell praelat, Johan 10 
Wielandt vogt, Georgius Reichhardt statt- undt closters gegenschreiber, 
auch M'- Albertus Hesz closters praeceptor allhier zu Murrhardt in ihrem 
dienst und habendem bevelch gewesen. Solches ist zum gedachtnusz hier 
einnverleibt worden. Der Allmächtige verleihe seine göttliche gnadt undt 
seegen. Amen.*) 15 

Hirschaw im Schwartzwaldt. 

Alt closter zne st. Aureliani: Anno domini 838^ ist 
von Erlafiidt, gr. zu Kalb, dasz closter Hirsay im Schwartzwaldt 
liegendt an dasz orth, da noch st. Aurelii closter stehet, darinn 
bemelter gr. begraben ligt, gestifftet, da etwann an dem flusz Na- 20 
golt eine mühl gestanden sein solle, in welcher dieszes graven weih 
einen söhn gebohren, deme volgendt eines Rom. kay. tochter ver- 
mählt, derohalben dasz closter gestiflftet wordten. Davon findest 
eine wunderbahrliche histori und geschieht in der Schwäbischen 
cronick auch annaliis der Römischen kayszer undt königen.*) 25 

New closter. Folgendt anno 1080 hat Willhelm abbt zue 
Hirschau dasz newe closter über die Nagolt, welches auch noch 
stehet, gebauet, und der convent von st. Aureliani dahin transferirt. 

Zusätze in St': 
Ist abbt von 25 bisz 55. 30 

Hussman Calwensis. 
Hanns Naier Tübingen. 
Ludwig Lederer, 3 jähr abbt. 
D'- Heinrich Weicken. 



18 Ernfrid H^, S, St^, | Birssaw i7<, Hirsobaw StK | Hartzwalt B. 23 Davon . . . 
eine bist. . . steht J7>; Davon — kOoigen fthlt hier, wird abt am SeMuss dgM näefuten Batzw 
nachgetragen 8t*. 26 a. 1080 fehlt E^, R, 8tK 27 Nagelt If, 8t*, »o auch vorher. 

*) 29, April. — *) Dieser Abschnitt^ der sich durch die Jahrzahi 1566 
als nachwidmanschen Zusatz kennzeichnet^ steht in St^, und zwar als Bestand* 
teil des fortlaufenden Textes (s. Einleit.), fehlt E und St^. — ») Nach Stalin 
1, 372 im J, 630 oder 632. — *) Neben der „Schwäbischen Chronik'', auf die 
Wid'inan selbst verweist (= Trithemius Hirsauer Chronik?), ist hier noch 
Münster 694, 664. 667 benützt. 



— 149 — 

Mr* Johann Parsimoniiis, Augustanus. 

Erster reformirter praeceptor ist geweszen Mr- Sebast. Blosz 
Mttnsingensis.*) 

Sindelfingen. 

5 Unnlang darnach hat graff Albrecht von Calw dasz closter 

Sindelfingen gestifitet. 

Thennellbach, st. Peters, st. Marxen, Schwartzach. 

Zne diesen zeithen seindt die closter Thennenbach vom graven 
von Freyburg h. Berchtoldt in Briszgaw; item die hertzogen von 
10 Zeringen st. Peters closter, alle in Haartzwaldt gelegen ; 

item gralBF von Furstenberg — etliche wollen, hertzog Reich- 
hardt von Zehringen — st. Marxen closter undt Schwartzach.*) 

Alberspach. 

Item die graven von Sultz sampt denen von Zollem dasz 
15 closter Alperspach undt freyherm von Hanszen. 

Zue Alpersbach nahe bey dem chor stehet geschrieben: 
STVKMONIS Ludovici haec sunt MONIMENTA, thorique 
Consortis Annae ex Enclisa stirpe satae. 74. 93.^ 
Leonhardo Stnrm, Argentinensi sacerdoti et monacho integer- 
20 rimo, hie sepulto, Lndovicns Sturm, vivens, fratri charissimo maestus 
posnit. Obiit 14. 8bris anno 1506. — Viator opta quietem.*) 

Randbemerkung ohne Text: Abt Jacob letzter pHpische abbt. 

Die grabschrifft ist daselbsten in der kirch in einen stain gehauen : 

5 stifften solche graven tou Kalb HK 9 h. B. fehlt H^, B, StK 11 «tlich« - Zehr. 
fehlt HK 18 Elpenbach H>, St*. 15 Klperibaeh B, St*, aOtt wtUtre Ober Alpfrebaeh 
fehit H^, B, StK 

') Diese M€wginalien ohne Text (der Raum für denselben ist leer ge- 
lassen) stammen woM sämtlich von derjenigen nachwidman sehen Hand, welche 
die Nachträge bis 1586 gemacht fuU. — Die genaueren Angaben über diese 
späteren Klosteräbte sind nach dem Codex Hirsaug. fWVjh, 1887, 17 ff,) und 
OrusiuSy Ännalen: 1503 — 1624 Johannes IL von CalWj auch Johann Hantz- 
mann (Orusius) genannt; 1624 — 1666 Johannes HL, von Bietigheim gebürtig; 
1567—1660 Ludwig Felderer (Widman: Lederer) ; 1560-1569 Dr. theol Hein- 
rich Weiekerschreiter von Schwabach ; 1569 — 1588 M^- Johann Parsimonius 
4H>n Augsburg, — •) Der Abschnitt ist geschöpft aus Münster 854. 797, — •) Die 
Im Widman mehffach fehlerhafte (hie, consertis, Endiga) Inschrift ist nach 
Crusius (Moser) 2, 140 gebessert ; Übrigens wird weiter noch statt des sinnlösen 
£ncli8a zu ändern sein enclita (= inciyta), trotz dem hierdurch entstehenden 
metrischen Fehler, — ^) Der Anfang des Abschn, stammt aus Münster 854; 
die Orabschrift hat wohl Widman selbst abgeschrieben. 



— 150 — 

Addo domini 1577 den letzten octobris starb der ehrwürdig hochgelehrte 
herr Balthasar etc., abbt desz closter Alperspach, seines alters im 78. jähr, 
deme der Alimächtige eine fröliche auiferstehung yerleihen wolle. 
Cum fuerat vitae satur, huic sua Balthasar abbas 

Supposuit lapidi mortua membra senex. 5 

Duntaxat dormit, Chiisto veniente vicissim 
Surgüt et in coelo sede beatus erit. 
Bandbemerkungen ohne Text eu dem letzten Absatz: Mr- Balthasar 
Elcheimer, M^- Johann Stecher. Mr. Mathacus Wagei.^) 

Allerheylligen, Bonndorff, st. Rupprecht, Frawenalb, la 
Frauenweyller, Baekenaw, Beurn, Oberndorff, Wicken, 

Wildtberg. 
Zum Teil aus M. 834. 855. 

Zum ainsiedel. 
Ganz aus Münster 572. ^^ 

Zue st. Gallen. 

Mit reichlicher Benützung von M. 573 f. Das Mittelstück aber, 
mit den allgemeinen Bemerkungen über das Einsiedlerleben, ist teils 
widmunisch, teils wohl (Citat Luthers!) nackwidmanischer Zusatz. 

Neresheimb. 20 

Nach Münster 833. 

Maydenburg. 
Nach M. 1048. 

Obristenfeldt«) 

Anno domini 994 soll kayszer Otto der dritte dasz andächtige 25 
frawencloster Obristenfeldt gestifftet haben. Etliche sagen, diesz 
closter sey nicht so allt, es sey von einem Otten, welcher daselbst 
in der kraft in einem stainemen sarg begraben liegt, hertzog zne 
Schwaben, etliche sagen, ein herr zue Beyhlstain, etliche, ein graflF 
zue Bottwar gewesen gestifftet; ist nicht gewies, dieweil kein sondere 30 
schrifft uf diesem saarg stehet. 



28 knift OM K, 8t^; kauft 8t K 30 Bottmar R. 

*) NachvDtdmansche Zusätze wie oben S. 149 Anm. 1. — Statt Elchh. Ue» 
Elenheinz, statt Wagel : Vogel. Elenheine war Abt 1663—77, Stecher 1577SOy 
Vogel 1Ö80--92 (Sattler, Histor. Beschreibung d. Herz. Würt. ;?, 276). — *) Über 
Qberstenfeld vgl. OAMarbach 253 ff* — IMe Angaben dieses Abschnitts stammen 
wohl von Widman ; auf ihn weist das Schwanken zwischen verschiedenen An-- 
sichtsn Über die Gründungszeit und die Bemerkungen Über den Sarg. 



— 151 — 

Bandbemerkung in Si^: seind nar von adel dariDnen. Ao 87 etc. 
eine von Schwolmbach äbtyn darinn.') 

Bamberg. 
Nach Münster 943 und Canons Chronik, Ausgabe 1532, BL 99, 

5 Thumbstift Speyer. 

Ganz aus M. 695. 

Hertzogen von Zehringen. 
At^ M, 796 find dsr „Bayrischen Chronik^, 

Giengenbach, Schwartzach, Snitzberg, Weyszenaw. 
10 Ganz aus Münster 796. 797. 

Bisthumb Meyssen. 
Kurze Notiz; aus anderer Quelle als M. stammend. 

Oringen. 

Anno domini 1037 hat fraw Adelbeit, wie maa sagt, kay. 

16 Conradi des andern tochter,^ einem von Hohenlohe'*) vermehlet, 
die Pfarrkirchen, welche daznemahl auszer der statt Oringen, noch- 
mahls die alte statt, ^) an dem flusz die Ore genandt — von solchem 
flusz diese gegendt undt statt Orengay genant worden — , gelegen, 
zu einem stifft verordnet, gestiftet und mit nutznngen begabt;^) ligt 

20 in solcher kirchen in der cmfft in einem stainemen sarg begraben.^ 



15 einem graTon H*, B. | einen ron • . . gehabt H^. 17 nooh . . . ttett genant H^, R. 
18 Oriogaw H^, B. 

*) Ndich OAMarhach 257 ChriaUna von Schwalbach, die 1568 starb. 
— •) v%eltne?ir: seine Mutter. Über Gräfin Adelheid vgl. Boger, Stiftskirche 
zu Öhringen, WFr. NF. 2 (1686), wo der Stiftungsbrirf von 1037 samt den 
Verwandtschaftsverhältnissen der darin vorkommenden Personen besprochen und 
die weitere hergehörige Literatur angegeben ist. — ') Der Gräfin Adelheid 
erster Gemahl war Graf Heinrich von Franken: aus dieser Ehe stammte eben 
Konrad IL Wer der »weite Gemahl gewesen, von welchem Bischof Gebhard von 
Begensbuig stammte, ist eine viel umstrittene Frage, für welche die bedeuten^ 
deren Forscher wenigstens die allgemeine Lösung wahrscheinlich gemacht haben, 
dass er einer Familie von Ohm- und Brettachgaugrafen, mit dem Wohnsitz 
in Weinsberg, angehört habe. — *) Die Altstadt Öhringen, an der linken Seite 
der Ohm gelegen, zwischen dieser und dem eben hier in sie einmündenden 
Pfedelbach, während das jetzige Öhringen nördlich, attf der rechten Seite der 
Ohm, liegt. — ») Stiftungsbrief von 1037 s. WU. 1, 263 und Boger a. a. 0. — 
^) Beschreibung des in der Krypta befindlichen Sarkophags der Gräfin Adel- 



— 152 — 

Folgendts anno domlni 1154 zne zeithen kayszer Fridricbs 
desz ersten Barbarossa genandt, hat Heinricus, administrator desz 
bistnmbs Regenspnrg, mit briefiflicher uhrkundt^) bewilliget, was 
das pistumb Regelspurg für mannlehen umb Oringen haben, die 
deean nndt capitull zu Oringen, kanff- oder fibergabsweisz an ihren 5 
stifR bringen, solches soll dem stifil aigenthumblich ewig bleiben. 

Aasz solcher begnadung dieszer stiflft nicht wenig zugenohm- 
men, also dasz nicht allein dieszes stifft, sondern auch andere an- 
sehnliche personen umb diesze stifftkirchen ihre wohnnng gehabt, 
hänszer gebaueth, umbliegendt feldt gepflantzet, folgendts mit der 10 
zeit umbmaurth, ein besondere statt wordten, also dasz gericht und 
anders ausz der euszern statt in die newe statt Oringen gezogen, 
also zngenohmmen, dasz sie auch ihre besondere patricios und ge- 
schlechter gehabt. Dieweill vor 400 jahrn bisthumb Regelspurg 
etwann viel mannlehen umb Oringen gehabt, ist zue achten — doch 15 
die, so gewiesz wieszen, unbegeben — dasz solche mannlehen et- 
wamn von graven von Hohenlohe oder herm zu Weinsperg an solch 
bistumb sey geben wordten oder einem bischoflf solches geschlechts 
gefallen. 

St. Wallburg.^) 20 

Anno domini 1074 hat graflF Dietrich von Mömpellgardt st. 
Wallburgcloster, Benedict, ordens, bey Straszburg im forst liegendt 
gestiflftet. 

Von Stiftungen des stiffts Ghomburg. 

Vom gr. zu Rottenburg uff der Tauber und stifftung 26 

des stiffts Chomburg.^) 

H^: Von dem stitft Combnrg zu schreiben ist zu wissen, das der 
flusz Koch ettwa nicht Koch sondern Chohe, und das schlosz sambtt dem 
stettlein daran, da nun der stifft Combur^ stehett, erstlich niit Chomburg 



4 haben: bab H^. 5 kanffan daselbst B. ß soll im ewig H'. 10 mit der: mittler H>. 
12 aati der alten JEfi. 18 solche geschlecht H\, solches geschlecht R. 19 haimfefAllen 
ifi. 22 Stiersbarg ifi, R. 

heidy der übrigens nicht mehr der ursprüngliche, sondern im 13, Jahrh, neu 
gefertigt ist, s. Boger a, a. 0. S, 80, Abbild, ebenda Tafel I, — *) Diese Urk, 
s, Wü, 2, 78 f, (Der Inhalt ist von Widman im allgemeinen richtig angegeben,) 
— *) Aus Münster 676, — •) Die Quellen gur ältesten Geschichte des Klosters 
Komburg, über die Bossert, WFr. NF, III (1888), eingehend und scharfsinnig 
gehandelt hat, sind folgende : 1. Das Komburger Schenkungsbuch, eine im An- 
hang von Wü, 1 abgedruckte Sammlung von 22 Urkundm und Urkunden- 
auszogen von 1085^1160, samt der auf Komburg beeüglichen Maineer Urkunde 



— 153 — 

sondern Choenburg vom fitisz Chohe, wie den solches in des stiffts brievcn 
und uhraltten legorfoüchern zue Chomburg gefunden, gehaiszen worden. 
Alsz aber das gescblechtt der edelleuth, so sich von Chomburg geschriben, 
abgestorben, ist das schlosz und stettlein Chomburg dem bistumb Augs- 

5 purg alsz lehennherm heimgefallen und volgentts durch einenn Wechsel an 
die graven von Rottenburg, von dem geblütt der hertzogen in Franckhen 
gebom, kommen. Dise gi*aven erstlich von dem flnsz, so ettwann die 
Taub, aber nun die Tauber genantt, die herm von der Tauber sein ge- 
haiszen worden, daher sie auch ein weisse tauben uff dem heim gefÜrt 

10 haben. Nun ist ein grave von Rottenburg gewesen, Reinhardt geheissen, 
der hat geborenn zwen söhn, Rttgem und Emhartt etc. 

Es ist gewesen ein graflf von Kottenbnrg uf der Tauber, vom 
geblübet der hertzogen zu Franckhen gebohren, Reichardt genandt ; 
dann solcher flusz erstlich nicht Tauber, sondern die Taube ge- 



14 dainaln solcher JET', t erstl. f^Mit Hi, H,; heitiet biUioh JET«. 

von 1090 f WU. i, 286; 2, die „Historia de constructoribus huius loci**, eine von 
einem Angehörigen des Klosters in mönchisch strengem Geist geschi'iehene Ent" 
stehungsgeschichte des Klosters, deren Äbfassungsseit in die Jahre 1319 — 1343 
Jaüen muss, abgedruckt in Dueüius Miscell, II, und Bessert a. a. 0. 8, 9 ; 
3. des Michael de Leone Aufsatz „De origine Novi monasterii Herbipolensis 
et monasterii in Kamberg*^, v, J. 1343, abgedruckt in Böhmer, Pontes 1,451 ff,, 
von welchem eine deutsche Bearbeitung vorliegt in der Rothenburger Chronik, 
Duellius 2, 177 ff . — Über Charakter und Abhängigkeitsverhältnis dieser Quellen 
hat Bossen folgende Ergebnisse gewonnen : Die Historia hat das Schenkungs- 
buch höchstens mittelbar benutzt, daneben aber jedenfalls andere, für uns ver^ 
lorene^ glaubwürdige Quellen gehabt; sie gibt daher viele offenbar zuverlässige 
und wertvolle Nachrichten^ obwohl sie andererseits ihre Glaubwürdigkeit beein- 
trächtigt durch naiven Aberglauben und durch Einmengung von Zügen aus 
dem 14, Jahrhundert. Michael de Leone hat neben dem Schenkungsbuch auch 
die Historia gekannt und benutzt, sie aber frei bearbeitet und überall Besiehungen 
zu Würzburg eingefügt, also eine Gründungsgeschic fite hergestellt, wie sie im 
Interesse des Würzburger Bistums lag. Der deutsche Text der Rothenburger 
Chronik seigt nur geringe, hauptsächlich durch den Bothenburger Lokaipatrio* 
tismus veranlasste Abweichungen. — Widman endlich benütMt als Grundlage 
durchaus die Historia, versieht sie aber mit Zusätzen und verändert sie in 
willkürlicher Weise (die grosse Reihe dieser Abweichungen und die wahrschein^ 
liehen Gründe derselben s. Bossert a, a, 0,). Neu sind bloss einige unerheb^ 
liehe Notizen, die wahrscheinlich auf ein Komburgisches Nekrologium zurück^ 
gehen; alles übrige beruht auf Phantasie. Somit ist Widmans Darstellung zu 
bezeichnen als eine in ihren Anfangspartien ziemlich wertlose Überarbeitung 
jener älteren Quellen. — Von neueren Werken itber die Komburg ist zu «r- 
wähnen : Müller, H., Geschichte des Büterstifts Komburg (Württ. Jahrb, für 
Statistik u, L. IVOl, Heft 1), eine gründliche, durchweg auf urkundliches Ma- 
terial aufgebaute Arbeit; femer von demsdben Verf.: Die Grabdenkmale in 
Komburg, Württ. Jahrb, f, St. 1897, Heft 1, und : Schloss Komburg, Beschrei- 
bung der dortigen Staatsgebäude, 2. Aufl., Hall (1901). 



— 154 — 

heiszen, zaigt ahn dieszer graven wappen, nemblich ein guldener 
löwenkopff^) mit einem gülden sparren im maull habendi in einem 
blawen feldt und einer weisen tauben mit auszgebreitten flügeln 
uf dem heim führendt. Dieszer graff Reichhardt hat gehabt zween 
brüder, Emhardt undt Ruggem. Emmert hette keine kinder noch 5 
weib, bauete in den 2®° dörflfem Reinwohlsperg und Thnngenthal, 
dazuemahl ihme gehörendt, zwo kirchen und machte zwo pfarr 
daraus. Man sagt auch, dasz dieszer Emhardt dasz betthausz zue 
Wnrtzburg, nun dasz newe münster genandt, da st. Chiliani, CoIIo- 
nat und Torttman ruwen, gebauet habe. Graff Ruger aber hette 10 
gezeugt 2 söhne,*) Albertum et Rugemm. Dieszer Ruger hat durch 
ein wechszel dasz schlosz Chomburg, dazuemahl Ghochenburg, von 
dem fluAz Choche, nun Coche genandt, seinen nahmen habendt, 
welches durch absterben des letzten desz geschlechts Chomburg dem 
bischoffen zu Augspurg alsz lehensherm heimbgefallen, überkommen. 15 
Dieszes schlosz Chomburg hat gr. Ruger gleich einem stättlein er- 
weitert,") darinnen sein hoffhaltung gehabt, nach seinem todt 4 söhne 
Emhardten, bischoffen zue Würtzburg, Burckhardten, Rugem und 
Heinrichen verlaszen. Von diesen 2?? graven, Rugem undt Hein- 
richen, ist hievohm in kay. Conradt desz andern bullen, alsz ich 20 
von desz closter Murhardts forst und gejag geschriben, meidung 



1 haist B, 8ti, \ »tatt di—r B^aehr^tbung bei H^ da* ffenuOte Wappen. 3 ufgebreittan 
H^, R. 4 Oedacbter S*. 5 Einhardt H«, St*; «o auch nachher, 7 kirchen anno 1026 
H^, 8t*. 10 Kilian, Goronar, Tornan H^, Golonar und Tornan H*, St*. \ Bug. fehlt 
Ht, der ganze Satz fehlt H*. 12 Gohenburg H^. \ daxnem. — habendt fehlt H^. 13 Kooh 
H*, 81*, 14 weichet nach HK 16 wie ein H*, H*, B, St^, 18 Bmbardten aus H, 
EJnh. 8tK 

*) vielmehr: Leopardenkopf, Müller, ScMoss Komb,* S. 2, — *) Durch 
eine unbegreifliche Verwechslung seiet hier Widman (falls nicht eine ungeschickte 
InterpokUion vorliegt) toieder den Grafen Bugger ein anstatt des Richard, von 
dem die „Historia^ die folgenden Sätze erßäMt^ und kommt so zu der Unge-- 
reimiheü, dem Ruggei' zuerst die zwei Söhne Aibert und Bugger zu geben und 
kurz nachher die vier Söhne Emhard, Burkhard u. s, w., die in Wirklichkeit 
dem Richard zugehören. Ob hier eine Flüchtigkeit des Chronisten vorliegt, 
oder ob schon sein Exemplar der Historia die Verderbnis geigte (in welchem 
Falle er mindestens keinen Versuch machte, den Widerspruch zu beseitigen), 
lässt sich nicht entscheiden, — Den Stammbaum der ,,Historia^ gibt Bossert 
a, a. 0, S. 6 ; einen berichtigten und vervollständigten, aus den Urkunden her' 
gestellten, dessen Zusammenhänge freüich zum Teü nur auf Vermutung be- 
ruhen, S, 21, — •) Dies ist wohl eine Ausdeutung des in der Historia gebrauch- 
ten Ausdrucks „»« destructione urbis^ (Bossert, S, 10), wo freüich nach der 
Darlegung von Böhmen', Fontes 1, 452 urbs nur eben gleichbedeutend mit Burg 
gebraucht ist. 



— 155 — 

geschehen,') und glaube, dasz zne den zeithen, alsz erzelte bulla 
geben, diesze zwen graffen Ruger nnd Heinrich auch ein theil an 
der graffschafft Chochengaw gehabt haben. Graff Emhardt wurdte 
geistlich, die andern 3 graffen hielten, wie junger gesellen arth, 
5 mit einander zne Chombnrg hausz, dahin von dena umbliegenden 
schlöszem edlen undt reuttem einn täglich uffreitten war, also dasz. 
Chombnrg einem reutter- oder ranbhausz gleicher dann einer graff- 
schafft sähe. 

Ursach des closters Chomburgs stifftung. 

10 Nun war bey dem schlosz Chomburg eine cappell in der ehre^ 

Gottes undt st. Bartholomei *) gebaut, — ist Unszerer Frauen capell 
der zeith genennt, bey dem creutzgang den fall traywende liegendt. 
Bey dieszer capell stundte ein groszer aichbaum, under welchem 
bemelte graffen und ihr hoffgesindt sommers zeithen pflagen zu& 

15 sietzen undt zu ruhen. 

Visio prima. Uff eine zeith allsz gedachter graff Burck- 
hardt darunder ruhete undt schlieff,*) hat ihne bedunckth, er sehe 
ein schön closter anstatt des schloszes Chomburgs stehen, und einen 
mann in bischofflichen kleidem, eine rutten in seiner handt habendt,. 

20 solch closter damit thailende, und uf dem berg darvor über liegendt 
— Klein Chomburg, nunn zue st. Gilgen genandt — setzendte. 
Solches gesichts graff Burckhardt sich verwunderendt, alsz er er- 

2 H*, R »t€ta Bfiger; H*, St*: Bfieger. 5 nit mit ... £. | daher HK aat . . . 
■chlOszem Ton «dien H*, 7 einem rauberhaus Hi. 8 einei graven hof H^, ü', H*;^ 
einem gr. h. B, 11 ist — genennt f$hU U* ; der seit beym oreutsgang gen. H^. 12 der 
B. fehii H». I war gar bawfellig H'/ den fall meinende B, Iß Ditte Numerierung der- 
rwonen fehlt H^, B^, R; eteht 8tK 19 mann fehlt H*, H*, H*, R, 8tK | kbleidern 
einrentten, in Hh 20 olotter tbnmbt dentte B^, R, 21 eiUendt BK 22 getchiobtt^ 
B*. I verwundert B^, B'^, B*, R, 

*) oben S, 130, Die beiden in der Murrhardter Urkunde von 102T 
(WU. Iy269) als Grafen des Murrgaus und des Kochengaus vorkommende» 
Heinrich und Buoiker hat Widman hier mit Unrecht beigezogen und mü den 
Komburger Grafen identifiziert, da nach dem Schenkungsbuch Graf Heinrich 
noch um 1108 lebte. — *) Die Bartholomäus- später Marienkapelle lag einst 
am westlichen Kreuzgang, 1829 wurde sie mit andern an diesen Teil des Kreuz- 
gangs anstossenden Gebäuden abgebrochen. Müller^ Schloss Komb. 23. 38. — 
') In der Hist. ist es Emhard, der das Gesicht schaut, und zwar das Haupt 
in den Schoss einer frommen Frau lehnend (in cujusdam fidelis feminae sinum 
Caput suum reclinans): Michael de Leone: in sinu cujusdam matronae; die 
Rothenburg er Chronik setzt dafür : einer gläubigen flauen Schloss. Widman 
lässt den anstössigen Zug ganz weg; statt dessen hat er das andächtige Weih 
von Steinbach, das täglich die Bartholomäuskapelle besucht. 



— 156 — 

wachte, zaigte ers seinem bruder, gr. Rugern, ahn, welcher die sach 
behertzigte, ti'eulich nachgedacht. 

Visio secunda. Es wohnte ein andächtiges weih unten 
am berg Chochenburg, nun Steinbach genandt, welche täglich dieszes 
^t. Bartholomei cappeln besuchte. Die zaigte ernanten graffen ahn, 5 
dasz am selbigen tag, da graflF Burckhardt erzelt gesiebt im schlaflF 
gehabt, bette sie auch solches, alsz sie in solcher cappell an ihrem 
andächtigen gebett lag, wachendt gesehen. 

Visio tertia. Es solle sich auch begeben haben, dasz die 
im dorflf Heszenthal in der christnacht ein grosz gethönn groszer 10 
-glockhen gehört, davon erwacht, ufgestanden, undt in ihre pfarr- 
kirchen gen Steinbach ^) zu der christmetten wollen gehen. Alsz 
«ie zu der Heszenthaler staig kommen, hat sie beduncketh, wie sie 
viell brennender kürtzen im schlosz Chomburg sehen undt chor- 
:gesang hören. Darob sie sich verwundert, gedachten, es würdte 15 
christmetten in obgedachter st. Bartholomei cappelen gehalten. Dero- 
halben am schlosz Chomburg angeklopflft undt zue der christmetten 
bemelter cappellen eingelassen zu werdten begehrt. Da haben alle, 
ohne die wächter, im schlosz geschlafen undt nichts davon gewüst. 
Alsz solches gesiebt der zue Heszenthal lautprecht wordten, haben 20 
etliche zue Steinbach gesaget, dasz sie solches an der christnacht 
zue Chomburg auch gesehen undt gehört haben, etliche aber ein 
gespött darausz gemacht. 

Visio quarta. Vff eine zeith ist ein graflF desz Cochen- 
gawes^) zue Westen wohnendt mit gedachtem graflfen Burckardt 25 
nach Chomburg geritten, undt alsz er zue dem berg Chomburg 
kommen, hat er seinen huett abgezogen, sich gegen dem berg also 
uf sietzendem pferdt genaigt. Alsz aber gr. Burckhardt seinen 
freundt, graflfen desz Chochengawes, warumb er sich gegen dem 
berg naigte, gefragt, solle er geantworttet haben: ich habe mich 30 



2 der treulich H^, B. 5 h«im*«ucht H'^, Ji, 8t^. ß geschiebt H^. 8 gebett war If >, 
gebet andecbtig lag H*. 10 an der JET', H^, H*, K, Sfi. \ gethon HK 14 vieU fehlt 
UK I kerUen IT«, H^, H*, Ji, St^. 15 geaoht H>, fl«, Jt, St*. 20 solch geschieht ^2, 
8i-. 21 christnftcht, «o auch oben H^, 28 sich drey mal gegen dem berg genaigt S^j 
bloss ufm pferdt gen. H*; gesessen uff dem pf. St^. SO neyge H*, H*, R. 

*) Hist.: „Die am Fuss des Berges gelegene, dem Johannes dem Täufer 
geweihte Kirche,** d, h, eben die Kirche zu Sttinhach, Die brennenden Kerzen 
sind eine Zutat des Chronisten: auf seine Rechnung kommt auch, dass alle 
blosser den Wächtern schlafend gefunden tcerden, während in der Historia nur 
der Burgpfaffe schläft, — *) Die Historia weiss nur überhaupt von einem 
nobilis vir, der des Burkard cognatus getcesen. 



— 157 — 

genaigt, aber warunib weisz ich nicht. Daranff graff Burckharth^ 
seines aigenen fürnehmens wissent, gesagt, die göttliche krafft ver- 
leihe, dasz du dich nicht vergebens genaiget hast. 

Visio quinta.*) Folgendt hat sich begeben am hey. pfings* 

6 tag, alls die drey brüder graff Burckhardt, Heinrich undt Roger in 
st. Barttoloraei cappellen zu Chomburg meesz hörten, welche die 
brüder Benedict: ordens st. Jacobs closter zue Schwab. Hall, so- 
solche cappell besungen, hielten, den sequenz Saneti Spiritus adsit 
nobis gratia, bisz uff den vers : Infunde unctionem tuam etc. gesungen,. 

10 seindt sie zue weinen bewegt ausz der cappelln under obemante 
aichen gangen, graff Burckhardts gesiebt, welches er wie obvermelt 
im schlaff under solcher aichen gehabt sich erinnert, in summa 
einander zu verstehen geben, ihr gemfith undt einhelliger wille zue 
sein, dasz schlosz undt stättlein Chomburg zu zerbrechen und ein 

15 closter an die statt zue bawen. 

Und wiewohln von dieszer zeith ahn diesze drey gr. nachge- 
dachten, wie angeregter ihr will förderlich möchte vollbracht werdten^ 
dieweill aber dazumahl kay. Heinrich der vierdte im andern jähr 
seines reiehs*) einen faeerzuch undt krieg in Sachszenlandt fiihrete,. 

2ü deme die zween graffen Heinrich undt Ruger alsz desz Römischen 
reichs lehenmann zue solchem zueg aigner person musten reyszen,. 
wurd es eingestelt; alsz aber solcher zueg in Sachszen vollendet^ 



S genad H>. 7 eu b. Jacob in Hall H^, 8 die leqn. St^, 9 versoh U*. 11 ge- 
sehioht H^. 13 gemfieth druff einhellig be^cblossen H^, «inh. will ley H*, gem. annd 
eiohellig beioblosien R. 14 abbreobeo sa Uttsen H'. Tf fOrderl. fehlt H*. \ volstreckt 
Jü'. 22 ward es eingoi'telt au» H*, fehlt StK 

*) Die Hisioria lässt hiet' nur die zwei Brüder Burkard und Bagger 
hcteüigi sein, Widman auch noch den Heinrich, offenbar in dei' Absicht, in 
dieser letsten Vision die Wirkung aufs höchste zu steigern. Während ferntr 
dort nur Ein Priester die Messe hält, sind es hier viele, und zwar Benediktiner- 
mönche aus dem Jakobskloster zu Schwäbisch-Hall. Dass ein solches Bene^ 
diktincrkloster su Hall existiert habe, ist durch keinerlei einwandfreie Beweise 
gestützt und muss nach den Darlegungen Bosserts (a. a. 0, S. 14 und J2ö^ vgl. 
auch WFr, NF. IV, S. 3) trotz Gmelin, Hall Gtsch, 198 f., als ein Erzeugnis 
Höllischer oder Widmanscher Phantasie gelten, die sich damit schmeicheln 
mochte, dass die erste Besetzung des Komburger Klosters durch Mönche von 
Hall gescheiten sei, und damit ein Gegenbüd schuf für das tatsächliche kirch" 
liehe Verhältnis der beiden Orte, wonach Komburg-Steinhach die Mutterkirche 
und Hall sein Filial war. — •) „im andern J.", das wärt also 1057, tatsäch-^ 
lieh aber 1075. — Burkard nimmt nach der Hisioria ebenfalls am Sachsen^ 
kriege teil, nach Widman bleibt er zu Hause, um ungestört die Einführung des 
klösterlichen Lebens zu betreiben. Über die gleichwohl im folgenden noch vfr- 
bleibenden Widersprüclie s. Bossert a. a. 0. 



— 158 — 

•die zwen graven widerumb heimbkommen, hatte mitler zeit gr. Burck- 
hardt etliche andächtige brüder ausz st. Jacobs closter zne Hall zne 
sich genohmen, die in offtgedachtes st. Bartholomey cappelln die 
sieben zeit hielten nnd in behauszung gr. Bnrckhardts wohneten. 
Dagegen hatte gr. Roger in seiner behauszung zue Chomburg bey 5 
sich sein reuttergesindt, spotteten und verachteten graff Burckhardts 
manchen, dardurch Uneinigkeit beeder graffen hoffgesindt entstündte, 
undt der graven vornehmen dasz closter zue bawen verhindert 
wurde. 

Zusatz in HK 10 

Es hat der böss gaist nit nur ain mal oder zway, sonder zum offter- 
mai öffentlich sich sehen lassen, und die so in ersehen gschreckt, nnnd uff 
ein zeit hat er sich verwandelt in ein pilger unnd sich selber in ein vinstere 
statt geworffen, daselbst durch die gantze nacht jämmerlich geschrien, 
ünnd da es tag wardt, giengen ettlich der brüeder dahin, wer der wehre 15 
2u besehen; alsbald verschwandt der böse gaist mit unmeszigem kuttern 
und lachen. 

Uff ein andermal gieng der custor inn einen gartten und sähe den 
teuffei in gestalt seines apts inn der Hechte des baums sitzen; den der 
•custor nit ohn verwundern grusst und sagt: benedicite domine. Von stund 20 
an verschwand der böss gaist. 

ünnd als die brüeder dess closters uff ein nacht ruweten unnd in- 
•der gangen waren, geschähe es, das vil auss denn brttedem hörten ein 
teuffelische stimm also schreyen : uff diss jähr wurd hie wolgethan, uff das 
ander jähr noch bass. Aber darnach im andern jar ist durch anstifften 25 
des bösen veindts des teuffels umb ettlich er sach willen solche ursach 
unnd miszhellung erweckt, das ein grosser thail der brüeder und der apt 
selbs von hinnen abgeschieden unnd hinweg zog. 

Also haben sich graflf Burckhardt und Ruger vereinigeth, dasz 
Ruger mit etlichen seiner diener gen Rom zogen,^) sich etliche zeit 30 
in Italien erhalten, und dasz mittlerzeit graflf Burckhardt dasz schlosz 
undt Stättlein Chomburg abbreche und ein closter darausz bawete. 
Ist darauf gr. Rugger verritten. 

4 die selben E. 6 Dagegen schalten das renttergesindt, welohes . . . hatte, gr. Burck- 
hardts brttder gebet H*. 6 seine rentter, unnd was g: Burckhardts munoh bftthen, au 
solchem sohwerdten g: Rflgers gesindt, spotten . . , H^, R. | verlachten JSfi. 7 under 
beeder H*. 29 sich, wie hleror gemftldt H^. 

^) Nach der Historia geht Bugger oraitonis causa nach Born, also tcalU 
fahrtweise: die Wahrscheinlichkeit spricht aber dafür, dass hier Heinrichs IV, 
italischer Füdzttg 1061 — 1085 gemeint ist; somit kommt hier Widman der 
Wahrheit näher. In welche Widersprüche aber er, ebenso wie die Historia, 
sich verwickelt durch die Behauptung^ die beiden Brüder hätten vor Buggers 
Abreise sich über den Klosterbau verständigt, und durch das tatsächliche Ver- 
halten der Mannen Buggers, icie es gleich darauf geschildert wird, liegt auf 
4er Hand, s, Bossert S, 24, 28 f. 



— 159 — 

Also uff einen tagh hat graff Bnrckharjt all sein und seines 
brnders Rugers hinterbliebenes hoffgesindt zuß sich beruffen, ihnen 
sein und seines bruders willen entdeckth, dasz sie fürnehmens 
weren, ausz dem schlosz Chomburg ein closter zue bawen; betten 

5 sie zu erachten, dasz manchen undt solthaten beyeinander zue 
wohnen nicht zusammen taugten. Demnach wolte er sie hiemit 
beuhrlauben, mit erbiethen, was lohns sie verdient, ihnnen zue geben, 
darzue einen zehrpfening für ihren abzueg, solten damit hinzihen, 
solten einen andern herm suchen. Aber graff Rugers hoffgesiendt 

10 wurden ob solcher redt reuschisch, sagten sie weren graffen Rugers 
undt nicht gr. Burckhardts diener, deszen zuekunfflfc sie erwartten 
wolten, gebe ihnen alszdann graff Ruger ubriaub, so mästen sies 
gewartten. Also ist graff Burckhardt von ihnen gangen undt nach- 
gedacht, wie er gr. Rugers hoffgesindt leedig werdten möchte. Also 

15 7. calendas maii,^) alsz nach dem morgeneszen gr. Rugers und auch 
gr. Burckhardts zum theil übriges hoffgesindt voor dem thor desz 
schloszes Chomburg saszen undt schwatzten, hat gr. Burckhardt 
etliche seiner geheimbsten diener zue sich berueffen, die porthen 
desz schloszes undt vorhoff Chomburgs beschloszen, dem hoffgesindt 

20 ihre klaider und fahrnusz oben vonn dem thurm der portten herab- 
geworffen und geschryen, sie solten sich eyllendts damit hinpackhen, 
oder er wollte mit stainen zue ihnen werften. Allsz aber sie ver- 
harret, hat gr. Burckhardt vom thum herab mit steinen under sie 
geworffen. Alsz nun dasz hoffgesindt gr. Burckhardts ernst gesehen, 

25 seind sie mit viel schellt: und schmähewortten von dannen gezogen. 

Schlosz Chomburg wardt abgebrochen. 

Alsobaldt hat gr. Burckhardt alle gebaw der burgkh und voor- 
hoff oder stättleins Chomburg, welches zur wohnung der manchen 
oder brüder nicht dienstlich, abbrechen laszen. 

80 Closter Chomburg wirdt in 12 jahrn uffgebaueth. 

Also auch anno domini 1070 in der ersten indiction, 7. cal. 

1 Von hUr bis »um Abwhnitt Kirchw«yhuog k<st die erate Hand von H* eine Lücke, die durch 
eine epätere Hand auegefülU i»t, 3 bleibendt H^, B, 8t^. 8 seiner brnder U^. 5 m. 
und reatter ffi, £>, JB, 8(*. tf nit bey einander fOegken Hi, nicht tagten B, 8t*, 8 s. 
damit hins. feMt Hi, JB. 10 w. all dieser Hi, all solcher R, U nit sein H*, R, St*. 
12 so wOlten H*, B, 16 maii ist . . . gesessen, mit einander gesohwfttst H^, 21 herab- 
gew. au$ Hi, B; fehlt 8tK 28 vom th. h. fehU H\ 8t*. 24 Als« — gesogen : »taU dessen: 
<ias dan solch hoff gesind noth halb« aber doch mit grossem lestem and schmehen, ron 
dannen weichen maeisen H*. 27 gebew nnnd H*. 28 oder st&ttl. fehlt H^; tteht nach 
bnrgkh hei 8t*. 

') Über dieses Datum s. beim ühet-nächsten Abschnitt. 



— 160 — 

maii,^) hat gr. Burckhardt angehebt zue bawen und den ersten stain 
gelegt an dasz closter Choinburg, und dasz mänster wie es noeh 
stehet, sambt dem schlaffhansz, refenthal,') creatzgang, anszgenohm- 
men die 3 stainerne thüren, die er nieht über 10 eilen in die höhe 
geführt, mit groszem uneosten und mühe bisz anno domini 1082, & 
dasz ist in 12 jähren,^) vollendet undt gebawen. 

Kirchweyhung zu Chomburg. 

Alsz nun nach voUendtem baw graff Rugger wider heinib kam, 
dasz schlosz Chomburg nun ein closter mit einem schönnen münster 
gebawet sähe, ist er sehr erfreueth wordten. Also in emantem lo 
1082 jähr, an st. Thomae tagh, XII. calendas januarii, ist dasz 
münster zue Chomburg durch Albertum, Würtzburgischen bischov, 
im nahmen der hey. unthailbahren dreyfalltigkeit, ehre des hey. 

2 tiu — Cbomb. fehlt HK 8 refertal JEfi, rebenlbal H«. | statt ausxg.: angefangen H^, 
S, 6 98S und oben 070, ebenao nachher 982 H^, B, St^. 11 den 21. January H «. IM Adel- 
bertutn H^, fl«, B, 8t^. 

*) Schannat berichtet in seinen Vindemiae — auf grund einer durch 
einen Komburger Chorherm 1692 erhaltenen Mitteilung — von einer Inschrift ^ 
die am alten Klostergebäude oder in der alten Kirche zu Komburg angebracht 
gewesen sei (das Nähere und den Wortlaut selbst s, Müller ^ Ritterstift K. S, 12)^ 
und folgende zwei Daten enthielt : 1079 indictione IL, VIL cal, maji, feria III. 
(= 26. Ajyril) als Tag des beginnenden Abhruclis der Burg^ und 1088 indictione 
XL, XII. cal. Januarii f= 2L Dez., und zwar eben dieses Jahres 1068, nicht 
aber, wie Bossei't — wohl einer anderen Berechnungsweise folgend — ansetzt: 
1087) als Tag der Weihung des Klosters durch den Bischof Adalbero von 
Würzburg. Die beiden Data finden sich auch in der Historia, und zwar ein- 
mal am Schluss ( nachtragstceise und von anderer Hand?), genau stimmend mit 
dem obigen, dann aber auch im Text, hier jedoch das erste verstümmelt^ da» 
zweite als Tag des Abbruchs und Bauanfangs gedeutet. — Dass Widmans 
Angaben mit dieser Inschrift in irgendwelchem Zusammenhang stehen, kann 
nicht zweiftlhafi sein; warum aber seine Jahreszahlen so befremdliche Ab- 
weichungen zeigen (1070 und 1082), während das übiHge meist stimmt, lässt sich 
nicht enträtseln; es ist möglich, dass die Zahlen zu Widmans Zeit unleserlich 
geworden waren oder von ihm irrig notiert wurden. Der bei Schannat gegebenen 
Zahl 1088 übrigens steht die Tatsache entgegen, dass Bischof Adalbero nach 
Fries u. a. schon 1085 (nach Bossert Aug. oder Sept. 1086) vom Papst seines 
Bistums entsetzt wurde, nach welchem Zeitpunkt er bis zu seinem Lebensende 
1090 im Kloster Lambach verweilte. Die Wtihung des Klosters, deren Vor- 
nahme durch Adalbero wohl auf sicherer Überlieferung beruht, muss somit vor 
1085 fallen — nach Bossert 1084 — .* in jedem Fall sind die Jtihrßahlen der 
Klosterinschrift unzuverlässig. — ') Speisezimmer, aus Refektorium entsteift, 
s. Lexer. — ') Die Bauzeit von 12 Jahren scheint ein feststehendes Element 
der Komburger Klostertradition gewesen zu sein. 



— 161 — 

creutzes, Mariae gottesgebährerin, st. Nicolai undt aller heyligen^) 
geweihet worden. Dieszer weihung seindt zuegegen gewesen Burek- 
hardt, Heinrieh, Rugger, graflfen zu Rottenburg, gebrüder, sambt 
graffen Heinrichs gemahl, genandt Geba, und viel andere graffen 

5 und edle, im stiflfter und donationbrieflf ermeltes closters begrieflfen, 
wie dann der hochwürdige fürst undt herr Rutthardt, ertzbischoff 
zue Maintz, in einem brieff under seiner churfürstl. gn. insiegel, 
der datum anno domini 1090 stehet, der 12^ indiction, zue den 
zeithen kayszer Heinrichs, desz groszen kayszer Heinrichs sohnsz, 

10 begrieffen erzellt,*) 

Summa etlicher articul des Chomburgischen stiffter- 

brieffs:^) 

dasz vielged'- graff Burckhardt habe uf dem berg, Chomburg 
genandt, in der ehre Gottes unnd st. Nicolai ein closter gestifftet 
15 und an solch closter alle gerechtigkeit undt ein einkommen an 
güttern, lehen und aigenleuthen, so zue solchem berg, da noch ein 
schlosz gewesen gehörig, mit freyer bewilligung seiner brüder graff 
Heinrich und Rugers zue aigenthumb, zu nutz dem abbt, seinen 



4 »«rU //>, B. 5 dotaiionbr. H*, B, € ROckhardt fli, H*, B; Beichart 8tK 7 in 
einem H^, und in e. St*, 9 den — sohnss feMt H*, B; »taU dessen Silvester. iO erzellt 
fehlt H*, B. 15 ersUioh hab er Burckhardt, an .. ifi. 16 do es H^, B. 17 hand 
and » 1, B, freyhait, handt «nnd H^, handtbovrilligung U*, hand, bew. StK 

') Diese BeaUmmungen zeigen genaueti Änschluss an die oben besprochene 
Klosterinschrift ^ Müller a, a. 0. — *) von diesem erzellt ist der erste Satz des 
nächsten Abschnitts: dasz etc. als Objektssatz abhängig, — •) Die Urkunde 
(Mainßer Bestätigungsbrief von 1090, WU. 1,286) hat die Bedeutung eines 
Kompromisses zwischen dem gregorianisch-hirsauischen Eir\fluss, der über der 
Klosterstiftung waltete und den Stifter Burkard beseelte, und dem Standpunkt 
der Kaisertreue, der als Haustradition der Qrafen von Rothenburg für Rugger 
massgebend war und vom Mainzer Stuhl vertreten wurde. Die Eindämmung 
des Hir sauer Einflusses kommt darin zum Ausdruck durch Unterstellung Korn- 
burgs unter das Erzbistum Mainz und Verpflichtung des Klosters, die Bestä' 
tigung seines Abtes in Mainz einzuholen und einige jährliche Abgaben dorthin 
zu liefern. S. Bossert a, a, 0, und Müller, Ritterst, K, S, 12, — Widman hat 
wohl, nach der mehrfachen Erwähnung des Siegels, die Urkunde im Original 
vor sich gehabt ; er lässt aus ihr alles, was sich auf den Mainzer Stuhl bezieht, 
sowohl seine Rechte als den Schutz geg$n etwaige Übergriffe, weg. Da die Be- 
ziehungen zum Mainzer Stuhl sich längst gelöst hatten, boten diese Stellen kein 
praktisches Interesse mehr, — Von Zeugen gibt Widman nur die geistlichen 
vollständig an^ die weltlichen mit tcHlkürlichen Auslassungen, und in einer zum 
Teil aus offenbarer NacMässigkeit entsprungenen (Gebizo und Hertwin = Geb» 
hartwein!), zum Teil wenigstens auffallenden Verdeutschung der Namen, 

Württ. OeBchlchisqnallen VI. H 



— 162 — 

brüdem, welche alda Gott under clösterlicher regiiln dienen, zue 
gebrauchen geben. Es solle Jiuch solcher gottesdienst von seinen 
nachkommen, noch iemandt andern nicht zurstoret werdten. 

Zum andern, so offt ein abbt zue Chomburg abgehe, haben 
die conventuales daselbsten ausz bestettigung hochged. bischoflf 5 
Rudhardts und seines vorfahren Wentzelonis guttmögen undt macht, 
nach st. Benedicti regel ein abt under ihnn oder sonsten wo ihnen 
geliebt, so otft undt nöthig ist zu erwöhlen. 

Zum dritten soll der abbt dieszes closters giittere keinem welt- 
lichen versetzen noch verkauffen. Wa aber solches beschehe, haben lo 
die conventbrüder macht, denselben abbt zue entsetzen undt einen 
andern an seine statt zu verordnen. 

Zum vierdten dasz der al)bt undt convent zue iedei* zeith 
sollen guttmögen undt macht haben, einnen vogt oder schirmherrn 
zue beschutzung bemeltes closters freyheit und gerechtigkeit, welche 15 
sie darzuc am nutzlichsten zue sein erachten undt finden mögen, 
der nicht umb zeitlichen nutzes, sondern ewiger belohnung solchen 
schirm anniembt, zu erwöhlen und annehmen, welchen sehinn der- 
selbe alleweg vom Rom. reich, iedoch nicht erblich, solle empfahen etc. 
Ob aber solcher vogt oder schirmbheiT einen atftervogt machte oder 20 
dem closterabt und seinem gesinde einig verdacht oder schmach 
zuefügte, so hat der abbt mit hültf undt rath seiner conventbrüder 
guttmögen und macht, denselben vogt undt schirmherrn zu ver- 
werflFen und wa er will einen beszern zu erwöhlen, sampt andern 
capituln etc., so in erzehlter stitftung confirmationsbestettigung be- 25 
grieffen, umb kürtze allhie zu melden underlaszendte. Undt seindt 
dasz die zeugen, die dieszer erzehlten Satzung,. Ordnung, dotation 
undt confirmation bey und mitgewesen sein undt in vorermeltem 
besiegelten brieff benennt werdten, nemblichen: Adelman, abt zue 
st. Alban, Gottobaldt thommprobst, Emmerich cammerer, Amoldt 30 
custos, Anszelm probst, Volckarth decan, Johannes magister, Em- 
merich cantor, Eulogius probst, Reinhardt probst, Drochmar, Güntther, 
Gottschalckh zu Maintz, Zcysolph, Resego; leyen aber gratf Ger- 
hardt, gr. Wiger, Rudiger von Hausen und sein bruder Heinrich, 



.? anders verkanfft oder HK 6 Bnckheri H^, Burckbardtt H*, Ruckharts H, | Wrntze- 
IodIs (für Wezelonis; au« Ä«, Ji, Wentzelaut StK 12 erwehlen /7», «eUon H*, St^, weh- 
ten 7/«, Ä. 15 xnm beschflUer /f>, B. 18 schirm aubiet //•, Ä. | «n erworbon an- 
npRime B^, R. Hl der dem 8i^. | olostor, abt //', in, \ auch unrecht 1/', Ji, St'^ ; 
einioh unrecht H». 92 hflff dess byschoffs undt s. oonv. 7/^ K ; hilff de« b. und rhat 
seiner conv. St*. 25 confirmation, best. 77«, 7/«, B, St^, 26 aUe «u melden hie i/*, lt. 
97 dot. fehlt U*, Ji. 30 flottboldt 77«. 



— 163 — 

undt Heinrich, Dietrich, Seyfridt, Vollmar, Eramrich, Hartmann, 
Wolflfram, Marcguart, Albrecht, Waltter, Arnolff, Anszelm, Urich, 
gr. Ludwieg, Heydroth, Guntbahr, Heinrich, Marcguart, Gieselbert, 
Ernst, Ebenreich, Gieselbrott Statthalter, Emmrich, Dudo, Emmrich, 
5 Ulrich, Stephan, Volckhnant, Woltfrani, Zeyszolflf, Reichart, Hunn- 
bracht, Arnolt, Wiganth, Wolffbert, Sigill, Nanno, Ernst, Heinrich, 
Wigant, Aro, Wolflfbert, Lützmann, Wolffbert, Gebhartwein, Bontz, 
Wendel. 

Nahmen etlicher schirmherrn.') 

10 Dasz aber ein abt und conventh zue Chomburg ihres gefallens 

macht undt gewalt, vögt oder schirmherrn zue nehmen, finden wyr 
gr. Heinrichen oftgedachtes gr. Burckhardts zue Rottenburg bruder 
dieszes closters ersten schirrmbherm,^ nach welches absterben ist 
gr. Engelhardt von Lobenhauszen,'^) nach demselben einn bischoff 

15 zue Maintz, item anno domini 1106 ein hertzog Fridrich genandf) 
— ob er aber hertzog in Schwaben oder Franckhen gewesen, ist 
nicht gewiesz; stehet im stifflterbuch zu Chomburg, dasz solcher 
hertzog habe diesen schirm von kayszer Fridrichen, welchen der zeit 
nach wir achten Heinricum den vierdten gewesen sein, zue leben 

20 empfangen — schirrmbherr wordten. Zue den zeithen aber der 
päbste Clementis, Martini und Innocentii ist Chomburg underm 
schütz desz Rom. Stuhls gewcesen,*) auch etwann allein underm 
schütz des Rom. kay. oder kiJnig, alsz*) zu den zeithen kayszer 
Conradts des andern,') hat er ausz vorbitt seines gemahlsz Gertrudis 

» 11^ hat tinige Natnen aungelasatn, mehrere in rerdtrhter Gestalt; am 8ehlu8s: gMchehon xa 
MalDts salifflich, bei JI^ »ehliwatn sieh dU Namen nach Form, Jteihenfolffe und VolUtändigkeit 
dem Original WUB. J, 889 aienüich genau an. — B, 8ti mit gUiehem Sehttu« wie i/l. 15 Vxi- 
derich in Schwaben //i; die Fiarentheee ob— empfangen fehlt II ^g R hat die Worte: N: ist 
hertsog in Schwaben gewesen, als Kandbemerhung, toakrseheinUeh von tweUtr Hand. 22 ROm. 
reichg tthuel Hi. 

*) Über die Schirmherrn «. Müller^ Ritterst. Komb. S. 13 ff, und Bossert 
a. a. O. — *) 1107 ^\ 1109, — *) Die Grafen von Lobenhatisen (bei Gaggatait 
OA. Gerabronn s. oben S. IIQ) waren Nachbarn Komburga. — *) nach Bossert 
Herzog Fnedrich von Rothenburg, der 1156 Vogt war und sein Schirmrecht 
wohl von seinem Vater, König Konrad, geerbt habe. Widmans Zahl 1106 (als 
von ihm herrührend auch durch den Synchronismus Heinrich IV, erwiesen) 
ist jedenfalls irrig. — *) Es handelt sich hier wohl um die SchutebuUen, welche 
Innocem IV. im J. 1248 für Komburg ausstellte (WU. 4, 178. 181), um eine 
ahnliche Anweisung Martins IV. (1281 — 1285) und um die von Klemens VI. 
im J. 1343 anbefohlene Würzburgische Visitation des Klostei-s behufs Neu- 
Ordnung seiner Verhältnisse. — *) = wie z. B, — ') nach üblicher Zäh' 
lung Konrad III. ; ei' selbst nennt sich geivöhnlich, z. B. in der Urkunde von 



— 164 — 

alle des closters Choniburg gütter mit ihr iedtes zu- undt einge- 
hörungen undt personen under seinen schirm genohmmen, im ersten 
jähr seines reichs, alsz Albrecht zue Maintz undt Embrictius zue 
Wiirtzburg bischoflfe waren anno domini 1137.*) Item under schirm 
kay. Carls des vierten,*) item under schirm Johansen von Thüm, 5 
den etliche wollen gr. zue Krautten gewesen sein,^) der waldbott 
genant, von wegen dasz er dazumahl die wähle oder raubhäuszer 
zu verstörn vom kayszer verordnet war; item widerumb im schirm 
eines bischoven zue Maintz, item der gr. von Hohenloe,'*) item der 
gr. von Württenberg, welcher gedachtes closter von einem newen lo 
ungewönlichen zoll, den ein heiT zue Limpurg in der Hallstaigen ^) 
fürgenohmmen, entlediget hat; item under schirm der statt Schwä- 
bischen Ilall,^ zueletzt zu den zcithen pabstes Innocentii, kay. 
Friedrich desz vierdten undt Rudolph von Schernberg, bischoff zue 
Wiirtzburg, ist dieser schirm aun Wiirtzburg^) undt ullsz ein aflfter- 15 
lehen an die herrn zue Limpurg erwachszen. 

Wer mehr Chomburg dotiert.**) 

Volgendtes, alsz die zahl der brüder zu Chomburg zuegenohm- 
men, ist solch closter zu selbiger underhaltung von andächtigen 



2 angohOrnngen R, S Embrioius R, Emerich 8l\ 4 1187 an» H*, H*, R, St^, 117S StK 
6 der als etlich wollen . . . gewesen H*, 7 die wald oder r. //', U^, R, St\ 8 Bömi- 
scheu k. //>, H^, R; von BOm. kaysern //>. 10 under einem gr. St^, 11 Halstaigen 
-ff», R; Haalst. U*. 14 Schernb. aus U\ H*, St*; Bchönberg Si^, H^. 15 Ist — WOrUb. 
fehlt HK 18 Volg. bat UK 

1138 (WU. 2^ Iff,) zweimal, Romanorum rex secundus. — *) Die Urkunde ist 
in Wirklichkeit ausgestellt 1138, 13. Äug,, die Namen Albrecht und Embrichus 
stammen aus der Urkunde. — *) Regesten aus Karls IV. Zeit, die sich auf 
Kloster Komb, beziehen, bei Böhmer, Regesta VIII, Nr, 1164. 2182. 2289—92. 
2310. 2818, die Jahre 1349—1358 betreffend. — ») vielmehr Heinnch von Dürr- 
wang, kaiserlicher Marschall und Landvogt, der die Vogtei 1335 — 1349 hatte, 
s, Bossert a. a. 0. S. 16. — *) Kraft v. Hohenlohe 1333^ aber nur kurze Zeit. 
— *) Die jetgt noch so genannte Haalsteige ist die rechtskocherische, zum Teil 
dem Berg abgewonnene und gegen den Fluss hin auf hohe Gewölbe gestellte 
Verbindungsstrasse zwischen Hall und Komburg, in alter Zeit überhaupt die 
einzige südwärts führende Strasse. — •) Hall hatte den Schirm 1236—1250, 
1318—1324, 1349-1485. — ') 1485 wurde die Vogtei als Reichslehen an Würz- 
bürg übertragen und als Untervogt der Erbschenk von Limpurg bestellt. — 
") Widman gibt hier eine kurze Übersicht dei' im Komburger Schenkungsbuch, 
WU. 1, 394—405, mit ihren eineeinen Zuwendungen aufgeführten Donatoren; 
hiebet erwähnt er nicht alle Schenkungen, hält aber im allgemeinen die Reihen-- 
folge der Urkunden ein, — Eine eingehende Besprechung dieser Schenkungen 
bei Gmelin, Hällische Gesch. S. 397 ff\ 



— 165 — 

personen reichlieh begabeth worden, nemblichen durch pfaltzgr. 
Heinrich undt deszen geraahlin fraw Adelheyt, item herr Albrecht 
von Bielrieth, ritter, der mit seinem brudern abgetheilt, denn halben 
theil seines schloszes Billrieth am flusz Bieler ob dem dorflf Cretftel- 

5 bach gelegen sampt seiner zuegehördt und rittergürttel dem closter 
Chomburg geben und daselbst ein münch worden. Item Heinrich 
von Mulffingen undt herr Heinrich, ertzpriester zue Würtzburg, sampt 
zweyen seinen brudern, die vonn AltdorflF genant, Winter undt 
Kichilo genandt; item einer geheisen Sigiloch und seine mutter, und 

10 Heinrich von Gummeszfeldt, Egeszbert von Heszenthal, Egeszbert 
von Alechsdorflf, Weipper von Wichsei-szheiml), sambt einem weib 
Engilia; item Gutta von Bocksperg und Sigillo von Grellenstatt etc., 
die ihr stewer und etliche nutzungen an diesz closter geben. 

Diese ofiftemante 4 graven von Rottenburg gebrüder, der äl- 

15 tiste gr. Emmhardt, bischoff zu Würtzburg, ruhet daselbst; graff 
Ruger nahm ihme für gen Hierusalem zu reisen,') in solcher raisze 
er verschiedt, wo er aber begraben, ist nicht wieszenth ; graff Burck- 
hardt ist ein layhenbruder, convers genandt, zue Chomburg worden, 
und alsz er daselbst etlich jähr gehorsamblich under der regull 

20 sanct Benedicti lebte, am andern tagh desz monnaths Tbris ^ ver- 
schieden, dasell)st begraben. 

Die graffen von Rottenburg haben auch Schwartzach in 
Franckhen^) gestiefftet. 

Herr Wiegandt von Castel bey Maintz, der ander 
25 stiffter. 

Zue diesen zeithen ist gewesen zue Maintz ein reicher edel- 



I durch fehlt ITA 4 bey dem Ji. 6 gaben H^, 8 Winter — genandt fehlt H >, Bichildt 
U*, Sfi; Baichardt R, 10 Oumersfeldt H*, H, \ Elisabeth H^, B, | Elesbetb H\ R. 

II Alleszdorff J9 3. | Weiprecbt von Wichsenschaim H\ H*, 8t^; Weichiersh. M^. 12 Eu- 
gilla JI>, R, Eugelia H*. \ Otto von B. Ht, R. | Sigelbert von Gibelttatt H >, R, Orön- 
lenstatt St^. 14 Und«r offtemanten 3 graven von B. gebrUdem ist graff Kinhardt der 
ehest und bischoff . . . gewesen H*. 16 ann solcher H^. 17 nit kuntbar worden U*, weisz 
niemandt R. 19 gebore, fehlt H*, steht R. 21 Graff Hainrich war vor seinem end re- 
gierender hertzog in Franckhen, starb den 16. tag februarii, ligt auch zu Gomberg begraben. 
Dessen hausfraw soll auch ein olosterfraw zu sanct Gilgen worden sein, daselbst sie auch 
begraben ligt ir>. 22 Disos geichlechts der graffen . . . St'^, | das closter Schw. /f >, H^. 

*) d, h. er beteiligte sich 1096 am ersten Kreuzzug mit Gottfried von 
Bouillon. — *) Nach der Historia am 2, Dez,; die Notiz stammt, da eine 
Jahreszahl fehlt, offenbar aus einem Nekrologium, — *) in Ostfranken, zwischen 
Bamberg und Würzburg, nach Trühemius Chron, Ilirs. I, 236 im J, 815 von 
Megingaudus, Grafen von Ostf ranken, gestiftet, unter Abt Wilhelm von Hirsau 
renoviert. 



— 166 — 

mann, etliche wollen, er sey ein herr geweszen, genandt Wiegandt 
von Castel, der seine wohnung zue Castell, vor Maintz über liegendt 
gehabt, welcher hatte ein ehlich weil) Adelheit genandt, fromm, 
gerecht, ufrechts, redliches, christliches weesensJ) Der hette zue 
Maintz einen alten stainen hotf oder behausznng, den fal trawende ; 5 
liesz er abbrechen und funde in dem gemäuer ein namhafften schätz 
verborgen. Dieweill nun Wiegendt ein mann guttes gewieszens, 
nicht wüste, wer diesen schätz dahin verborgen und weme er zue- 
gehörig oder wohin er sollte verwendet werdten, nach langem be- 
rathschlagen aber hat er von der newen stifftung des closters Chom- 10 
bürg gehört und das die drey schöne stainerne thürm an dem 
münster daselbsten angefangen, aber durch absterben graff Burck- 
hardts, solches closters vomehmbsten stiflfters, und mangel des costens 
solche auszzuebawen underlaszen, zue deme, dasz graff Heinrich 
nach dem traumb seines brudern uff dem bergh vor Choraburg über lö 
liegendt, dazumahl Klein Chomburg, nun zue st. Gillgen geheisen, 
einn frawencloster zu bawen fürgenohmraen. Solches hat Wiegan- 
dum und seine hauszfraw bewegt, dasz sie bcydte sich mit solchem 
gefundenen schätz nachcr Chomburg verfügt. Alsz nun ihnen die 
fürgenohmmene gebaw und stifftung zu Klein- und Groszcn Chom- 20 
bürg gefallen, haben sie solchen gefundenen schätz sampt allen 
ihren hab undt güttern, die sie zue Maintz, Castel oder sonsten 
gehabt, zu vollbringung beedcr clöster gebäw, auch dasz die brüder 
undt Schwestern alda wohncndt ihre nahrung also wöhler haben 
solteu, gewendet, also: 25 



1 titeU Wignand oder Wignad tf «/ Wignatt H^; Wignandt U*, B, 5/'-». 3 ein alt U*, H, 
4 uflfrecht //», Sl^. I chrlttl. gewissens 7/», Ä», H^, B ; redlich gcwest \zi H*; redlich 
geraOetbs gcvreseu 5/2. 5 trawende aus H ', H^, H*, R; erowendt 5M. 10 ahor fehlt 
jn, H2, Ä», K; hat er nach langem b. U*. U und das ans //«, H^, H^, H*, B, St*,- 
das fehlt St^. 13 oder aus mangel HK 14 uuausgcbant (statt aiteg.^ werden 7i >, B ; 
auszgebawct werden U^; nit anexgeb. sey worden II*; aussgob. worden, underlasson St^, 
19 gefttegi H^, H*, B, St^. $3 die er H*, durch Baaur ebenso B; dat sie IT«. 23 zu 
verlegen /T', durch Basur ebenso B; tu volbringen St^, 34 at. wöbler: desto bester J3', 
B; als besser H*. 25 also: fehlt St^. 

*) Von der wertvollen Beratung und Beihilfe dieses Maineer Bürgers 
Wignand (so die älteste Form) berichtet die erste Urkunde des Komhurgcr 
Schenkungsbuchs, WU, i, 391, Die Historia nennt neben seinem Namen auch 
den seiner Gattin; als neue Zutat bringt Widman die Geschichte von dem 
SchatZf die er der Hauptsache nach nicht erfunden, sondern aus der Klosier^ 
sage entnommen haben wird. Von jener Urkunde hat er überhaupt hier keinen 
Gebrauch gemacht^ denn er lässt Wignands Hilfe erst nach dem Tode Burkards 
eintreten^ während dieselbe dort schon bei dessen Lebzeiten beginnt. — Auf 
dieses Wignands^ eines Lehensmannes des Krsbischofs Wezilo von Mainz, Ver^ 



5 



- 167 — 

Anno domini 1108 sein dieschönnen auszgehawen sandtstaine') 
drey thürrn zue Choraburg und dasz frawencloster daselbst zue st. 
Gillgen,^) wie noch zum theil vor äugen ist, darzu auch obged' 
graff Heinrich von Rottenl)urg seine htilflF undt stewer geben, durch 
Wiegandum vollendet wordten. Dieszer Wiegandt ist ein münch 
zue Choniburg und seine fraw Adelheit eine closterfraw zue st. 
Gilgen wordten. Wiegandt starb am andern tag nach Martini, zue 
Chomburg begraben. An solchem tagh noch jährlich sein gedächtnus 
undt jahi'stag gehalten wirdt. 
IQ Aber graff Heinrich von Rottenburg, wie etliche wollen, vor 

seinem ende regierender hertzog in Franckhen^) wordten, starb am 
18. tag febr., auch zu Chomburg begraben. Deszen hauszfraw nach 
seinem todt eine closterfraw zue st. Gielgen worden sein solle, da- 
selbsten sie und o])ernantes Wigandts hauszfraw begraben liegen. 

15 Nahmen etlicher closterfrawen zu st. Gillgen. 

Bey diesen erzehlten 2®" closterfrawen Adelheit undt Geba**) 
seindt auch zu st. Gillgen geweyhet worden Betha, offtgenantes 
graffen Heinrichs Schwester. Etliche aber wollen, diese Betha seye 
graffen Eugelhardts von Lobenhauszen '') Schwester gewesen; item 
20 Sophia äbbtiszin, Lobrat und Gutta closterfrauen, Trmelgart und 
Gutta beginia^) zue st. (Mlgen. . 

Die erste closterspriorin zu st. Gilgen und ihr sigill. 

Dasz closterliche leben zue st. Gillgen hat erstlich gepflantzet 
Schwester Agnes aus Gallia, welche gr. Heinrich von wegen ihres 



1 ausgcbawten drey stainin H', K. :? darbey U*, 5 volIcn«U und voliibracht H •, U^, H, 
St^. 8 tag nach Martini if*-'. 11 wordten um Ji, St^; wordtcu scy ««. 13 r.uo st; G. 
und dasei baten W# Srhlms fehlt U'K 14 Dienen Ahaehnitt (10-14) hat Ä« wBiter oben ein- 
gereiht. 20 Lobonat H^, Lotbr»t /.'. | Immegardt ü'. 21 beginnen //', //*, Ji; waren 
closterfrawen . . . waren beg. Ji *. 

miitlung ist aller Wahrscheinlichkeit nach die Vereinbarung surüch zuführen, 
di3 in dem oben besprochenen Vertrag von 1090 ihren Amdruck gefunden hat. 
— >) adjektivisch: sandsteinerne. — *) St. Ägidien, auch Khin-Kombnrg, süd- 
lich von Gross-Komb, — ') Diese hier als unsicher vorgetragene Angabe ist 
von dem Schreiber von IP (obei% S, 165, zu Z. 21) als ausgemacht in seinen 
Text aufgenommen. — *) Geba von Mergeniheim, Ehefrau des Grafen Heinrich 
von Bothenburg, s, Bossert, Komburg S. 31, Stammbaum. — *) Betha von 
Lobenhausen ivird von Bosser t in seinem Stammbaum (a. a. 0. 19 und 21) als 
Ehefrau des Grafen Bugger II angenommen. — •) Beghine hat hier wohl die 
allgemeine Bedeutung einer nie dem Klosterschwester. 



— 168 — 

scheinlichen closterlebens von Paris nacher st. Gillgen brachte, zue 
einer priorin verordnet, dasz sie die andern closterfrawen darinn 
nach regul st^ Scholasticae, der Schwester st. Benedicti, zue leben 
underwiesze. 

Anno domini 1513 liesz ein vicarius desz stiflftes Comburg 5 
nnten am gartten st. Gillgen einen keller durch einen felszen graben 
und fnnden dieszer priorin sigill in clufft desz felszens. Dasz sigill 
war von ertz gegoszen, darin ein schilt mit zwey rührschauflfeln 
und folgende schrifTt mit groszen lateinischen buchstaben in der 
circumferenz-rotundte habendt alszo lauttendt: 10 

S . AGNETIS . DE . PARIS . PRIORISS . S . EGIDI . 

Solch sigill hat noch mein gebiettender herr Weyprecht von 
Schenkhenstain, *) cantor undt chorrherr zue Chomburg bey banden. 

Welche mehr Chomburg mit stifftung begabt haben. 

Auch haben diesz closter begabt*) Conradt von Santzenbach, 15 
Fridrich von Scheffaich, Gottfrid von Clingenfelsz, Ruger von Sultz, 
Crafift undt Albrecht von Reinwolsperg, grafif Engelhart von Loben- 
hauszen, der ist ein münch zue Chomburg, dasz ist ein bertling^) 
vor seinem endte worden. Dieszer gr. Engelhardt, Ludwieg sein 
bruder undt Heinrich Schneewaszer haben auch Unszerer Frauen 20 
altar zue Chomburg uf dem lichten chor^) begabt, seind zu Chom- 



1 scheinbarlichen H*; ihret clösierliohen lebeni H*, 8t^ ; scholobarlioben closterlichen 1. 
B. H priorin worden B. 3 sta«. — schwetter fehlt U^. 5 diaconut H^, B. 7 fundt 
H'^, B, St^f fände H*. \ krufft St^, 8 zwo H*. 10 in circulo oder runde HK \ statt 
desMH gibt H^ dtu gemalt« Wappen mit nngenauer Um9ehrift, 12 mein g^eUebter H^, B. 
13 W. Schenk Ton Sob. H'. | thumb- nnd cohrh. /f >, B. 15 Anno 1088 haben H*, St*, 
16 Scheffacb H\ U*, B, 8t*; Soheffay H*. 18 bethling JEfi, B; berttlin H*. 21 im H* 
lichten alttar im Chor i?. | begabt om« jS i, J/>, IT ^ /?, fir^V; gebabet 5<i. | zu aus H^, 
/f», B, St*, von StK 

*) Weiprecht Schenk von Sdienkensiein, der in dem Verzeichnis am 
Schlüsse dieses Komburger Abschnitts als y^Domherff Priester und Kantor^ vor- 
kommt, ist der Verfasser einer „Komburgischen Chronik^, die aber tatsächlich 
nur aus einigen wenigen Nachträgen £ur „Eistm'ia^, einem Abtverzeichnis und 
den 22 Urkunden des Komburger Schenkungsbuches besteht Die Nachträge, 
gefertigt ewischen 1525 und 1526, beziehen sich der Hauptsache nach auf die 
4 ersten Pröpste. Abgedruckt ist diese Chronik bei DueÜius, Miscell. 2, 269 
bis 295, — *) Nach Bossert, a, a, 0. S, lö\ gehören alle diese Wohltäter, mit 
Ausnahme Engelhards von Lobenhausen, in das 13, Jahrh, — *) = Laien" 
bruder; über die Bärtlinge s, Bossert in der Württ, Kirchengesch, S, 111, — 
*) Der lichte, helle Chor ist der eigentliche, gewöhnlich so genannte, im Gegen- 
satz zum dunkeln Chor, der Krypta; eine solche bestand allerdings in der alten 
romanischen Kirche, sie war dem h. Thomas geweiht, MüUer, Schloss Komb.*, 



— 169 — 

bürg im f ürschopflF voraen bey der weitten thür, da inner 50 jahrn 
noch etliche staineme särghe gestanden, begraben worden, etliche 
ihrer grabstein werdten nochmahlsz an solchen orthen gesehen. 

Vom Stein bey Cöntzelsay.') 

5 Anno domini 1088 hat ein edelfraw Mechthildt, Meervvaltin '*) 

genandt, die in dem schlöszlein zum Stein am flusz Kochen zwischen 
Küntzelsay und Ingelfingen gelegen gewohnet, zue solchem schlösz- 
lein uf einen felszen, darunter ein selbstgewachszene stainhüllen ist, 
ein kirchen in der ehre Gottes undt st. Martini gehauen, solch 

10 kirchen undt schlöszlein mit aller nutzung den closterfrawen zue 
st. Gillgen, alda sie auch ein closterfraw wordten, übergeben, ver- 
hoflFendte, dasz mit der zeit mehr andächtige leuthe auch ihre hülflfe 
dahin solten thun, damit durch die closterfrau zu st. Gillgen zum 
Stein ein clausz oder frawencloster angerichtet würdte. Aber ihr 

15 will ist verhindert wordten. 

Stifftung des Nuszbaums.^) 

Dergleichen auch haben zween ritter von Nuszbaumb, bey 
Griesen am flusz die Jagst genandt liegendt, vatter und söhn, beede 
Marquart genandt, ihr schlosz Nuszbaum in eine kirchen und brüder- 
20 Wohnung verwendet, mit aller zugehördt und einkommen den brü- 
dern zue Chomburg geben, doch dasz alleweg solche kirch und 
Wohnung mit einem oder zween conventsbrüdem zue Chomburg, 
aldar christlich leben zue pflantzen, besetzt würdte. Diesze nutzung 



3 noch H^, H*. I solchem ortt H*, B, St-; dem ort H*. 5 Eod«m anno H*, | edoU 
wittfraw B*, H*, 81^, \ MerwolUn H«, H», H*, B, 8t^, 8 steine hOln JET», S<»; sUinern 
hülen H*, 9 G. n. fehlt Mi, steht B, lü persohn H^, H*, B, St^. 18 closterfrauweu 
B, St^. I auch znm H^, 15 und solch kirchlin in abgang kommen //i. 17 Demnach 
H*, St*» I boy — liegendt erst nach schl. Nussb. St* •#. a. 19 in — verw. fehit H*; gewendt 
B,St*, I kirchen und /"eA/t Hl. 23 olotietlichlehtn H^, H*, B*, B, St*. \ gepflanUtH'. 

S, 17, — Der „Frauenaltar^ Ut der HaupU oder Hochaltar im Chor (beschrie- 
ben bei Müller Sf. 16) mit dem berühmten Antependium. — *) Kocherstein hei 
Künedsau, — ') Den Namen Merwaltin haben Bauer und Bossert als Meer- 
wallerin gedeutet, weil diese Frau mit ihrem Gatten (Graf Bugger von Kom- 
burg nach Bauer) den et*8ten KreuBzug mitgemacht habe. Die Etymologie ist 
doch recht gewagt; es wird die Witwe eines Merwalt oder Merolt sein (siehe 
diesen und ähnliche Namen im Beg. zu Wü, und zum Codex Lauresham.), — 
*) Nussbaumj jetzt Ilgenberg, bei Höchstberg OÄ. Neckarsulm, Die Stiftung 
wird bloss von Michael de Leone mitgeteilt^ nicht aber vom Komburger Stiftungs- 
buch, wie es jetjst vorliegt; s. Gmelin 411, 



— 170 — 

ist etlich jähr in die infirmerey oder spittal zu Chombnrg gebraucht, 
nun aber in andere händte kommen. 

Clauszen zu Mistiay. 

Es hat auch eine gräffin von Lobenhauszen ein closterlein oder 
frawenclauszen im dorfif Mistlai ') an der Jagst ligendt under st. 5 
Benedicti reguU und gehoreambe eines abbt undt convents zue 
Chomburg ihres visitators gestieflftet, ist durch abbt Erfridt, der 
ander desz nahmens, desz geschlechts von Velbergkh, dem closter 
Chomburg zue gutt eingezogen wordten.*^) Also auch mit dem 
frawencloster st. Gillgen, Kleincliomburg genandt, beschehen-, in 10 
welchem jähr aber ist mir nicht bewust. 

Von äbbten zue Chomburg.^) 

I. Der erste abbt zue Chomburg ist ein conventbruder in 
dem closter Lorch, welches closter 9 jähr vor Chomburg von den 

1 genommen und verbraucht H*, St^. 4 Anno domini 1263 hatt H^. 5 ein frawen- 
clentslin HK 6 und: under H«, B. 7 Emfrid H*, //«, H*, F, S<>. 8 denn andern 
JT*, 8t*. 10 in — bewust fehlt H^, H*, St^, steht B, 14 von den horrn oder H*. 

*) MisÜaUy Gern. GaggstaU OA. Gerabronn (nicht zu vet-ic^chseln mit 
dem nicht weit entfernten M, hei der Gemeinde WalcUhann OA, Crailsheim). 
— Die Angaben des Chronisten über die Stiftung der Klause, ihre Bindung 
an die Benediktinerregel und ihre Unterstellung unter Komhurg treten zwar sehr 
bestimmt auf lassen sich aber durch urkundliche Belege nicht stützen. Viel- 
mehr redeti die wichtigeren erhaltenen Urkunden, besonders die von 1413 (bei 
W^el und Ussermann), betreffend ÜbeHragung der Güter der Frauenklan^e an 
die Kapelle zu Gaggstait, und die mn 1479, betreffend Aufhebung dci' Klause 
und Inkorporierung ihrer Güter in das Kloster Komburg, in solcher Weise 
von der Klause, dass jene Angaben zweifelhaft wei'den. Als wahrscheinlicheres 
Bild von der Stiftung und Geschichte der Klause ergibt sich aus ihnen fol- 
gendes: die Klause wurde gestiftet von mehreren frommen Frauen geringen 
Standes: die Klausenfrauen lebten nicht in klösterlicher Strenge uttd nicht nach 
der Begel Benedikts; Komburg gewann erst allmählich von Hornberg her Ein- 
fluss auf Mistlau und übte nur tatsächlich im 14, Jahrh, das Besetzungsrecht : 
nach 1400 aber war die Klause nicht mehr als religiöses Haus bewohnt. (Aus 
einer sorgfältigen Untersuchung über Mistlau, die der Verfasser, Herr Pfarrer 
Bthl von Sulsdorf OA. Hall, dem Chronikbearbeiter im Manuskr. zur Ver- 
fügung zu stellen die Güte hatte.) — *) Ernfried IL von Vellberg war Abt 
1449 — 1473. Sonach konnte die Inkorporation nicht über 1473 hinausfallen. 
Mit der oben angeführten Urkunde von 1479 Hesse sich das in der Weise ver- 
einigen, dass unter Ernfried die Einverleibung tatsächlich vor sich ging, wäh" 
rend 1479 die bischöflich-würzburgische Bestätigung dazu einteilt umrde. Wacker 
in seinem Index rerum memorabilium (Uandschr, der Landesbibl. Stuttgart) 
lässt die Inkorporier ung ungefähr 1440 geschehen, wohl irrtümlich. — *) Auf* 
Zählung der Äbte am genaucsknj mit Angßb^ rfet* urkundlichen Belege und der 



— 171 — 

hertzogen von Schwaben — die herrn zue Hohenstauffen — ge- 
stifRet gewesen, Hemnio genandt, ein geistlich andächtig: mann; 
welcher, alsz er nach ettlich jahrn seine altten conventbrüder zu 
Lorch haimbsuchte, daselbst starb undt begraben liegt.') 

5 Der letzte hertzog von Schwaben, Corradinns, ist vom pabst 

geköpfFt wordten, ihr wappen an die freyherrn ertztruchszeszen von 
Waldtburg kommen, die fleckhen aber zum theil an herzogen von 
Württenberg, Schenckhen von Limpurg etc. 

Die hertzogen von Schwaben, alsz kay. Fridrich Barbarossa, 

10 haben etwann ihre cantzley von Hohenstauffen gen Waldthauszen 
gelegt, wie man dann noch instrumenta findet, da also geschriben 
stehet: Geben in unszerer cantzley Waldthauszen etc. 

IL Adelram. Der ander abbt, Adelram ^) genandt. Under 
ihme wardt vorerzehlt frawencloster st. Gillgen gestifftet undt ausz- 

15 gebaueth. Er ligt auch zue st. Giellgen begraben. 

III. Abbt Herdwig der dritte stiffter. Der dritte abbt 
Herdtwieg,'^) der würdt under allen äbbten zue ('homburg der vor- 
nehmbste undt alsz der dritte stiflFter geachtet, dann er bette viel 
brüder undt Schwestern zue Gros- und Kleinchomburg versambleth, 

20 dennen ein gutt exempel geistliches lebens vorgetragen, wohl ge- 
hauszeth, das closter und gartten daherumb, wie sie noch zum theil 
stehen, mit mauren umbfangen, den groszen übergulden leuchter, 
wie ein cronn stehendt, so ob der stiflfter sargh hängeth,'*) item zwo 



«' goistl. fehlt H^. I mann; bausot wol II*, St''^. 3 seino apt unnd conv. H^, B, 5 Der 
— Waldthauszen otc. fe'»lt H^, H^, H^, li, Sf^. 13 II. Günthern«. Ettlich wollen er hab 
Adolraro gebaissen i/', R. 15 Starb su Corobcrg, ligt aber H^f hat vrol gchausot und 
ligt //■*, St^. 20 cxompol geben, g. leben vorgetr, .S^^. 21 die clöster unnd gtlrttea H^f 
R. I darurab H«, //^ R, Sl^; duh. feltU II K 23 achcndt //«, Ä», H\ R, StK 

Literatur, bei Müller, Ritterst. Komi. S. 13 ff., 35 ff. Hier sind auch die früheren 
Werke genannt, welche dieses Abtverzeichnis enthalten, wie Crnsius, Ussermann, 
Steilin u. a. — *) Hcmmo musste dem von Abt Wilhelm von Hirsau gesandten 
Abt Günther weichen, der bis 1104 regierte. Widmans Angabe, er sei zu seinen 
alten Konventsbrüdern in Lorch zurückgekehrt, ist so wie sie da steht unhalt- 
bar, da Lorch erst 1102 gegründet wurde : um wenigstens etwas davon zu retten^ 
nimmt Bossert, Komburg 8. 26, an, Hemmo sei nach der Vertreibung aus seinem 
Amt durch Günther doch im Booster geblieben, aber 1102 in das neu gegründete 
Kloster I^orch übergesiedelt — Eine andere Darstellung lässt ihn nach St. Jakob 
in Hall als in sein früheres Kloster zurückkehren. — *) Während Abt Günther 
urkundliche Bezeugung hat, ist dies bei Adelram nicht der Fall (Stalin 2, 701) ; 
statt des Adelram ist daher in den zuverlässigeren Verzeichnissen als zweiter 
Abt Günther aufgenommen. — ') Über Abt Hertwigs Walten, 1104 — 1139 oder 
1140, s. Müüer a. a. 0. S. 13. — *) Der Kronleuchter ist abgebildet und be- 
schrieben Hlustr. Gesch. von Wütitemb. ^ S. 264 f., Gradmann, Kunstleben der 



— 172 — 

überguldte taffei, die bildtnus Christi, jüngsten gerichts unnd 12 
botten in die eine, welche zue st. Gillgen uff dem fördern altar 
stehet gestochen, aber die andere, welche zue Chomburg vornen 
an dem hohen altar stehet, viel gröszer ist, der bilder auszgetriben 
seinndt, mit viel eingefasten edelgestainen alsz toposion, annicholis, 5 
christallen, ammethisten etc. geschmucketh. Item ein gülden creutz 
einer eilen hoch, vier finger braitt mit viel eingefasten edelgestainen 
geschmucketh, darunder der fürnehmbste in der mitte ein grauer 
gamahu,') in der grösze einer jungen hennen ay, die bildtnus eines 
mohrens angesicht undt brüst habendt, zur zierdt desz münsters zu 10 
Chomburg geben undt ewiglich zu bleiben verordnet. 

Ich werdte allhier verursachet, ein warhafflige geschieht undt 
christlich gemüth desz hochwürdigen fürsten bischoff Conradt zu 
Würtzburg, desz geschlechts von Thungen, auch wie gnädig ers 
gegen dem stifft Chomburg gemaineth, anzuezaigen; nämblich, die- 15 
weillen durch etliche landtfahrer goltschmidt und denen, die sich 
der gioja'') undt edelgestain werth gutt wieszen haben solten, der 
gamahu in voorerzehltem guldinem creutz zue mehrmahlen uff 1000 fl. 
geachtet wordten, und der stifft Chomburg zue löszung etlicher be- 
schwerter zehenden gelt bedürffendt, wurdte ich, alsz Chomburgi- 20 
scher syndicus, mit solchem creutz gen Augspurg uff den ersten 
reichstag, den unszer allergnädigster herr etc. Carolus, der fünft'te 
Rom. kayszer daselbst gehalten, solchen gamahu zu verkauffen, 
damit solche loszung desz zehendtens vollbracht möchte werden, 
abgefertiget. Aber zue Augspurg dieszer gamahu nicht hoher dann 25 

3 alUr hangtf gestochen stehet Hi. 4 auHzgeriben J5r>, li. 5 tipasierD, amicholii H>, 
B; ainicholis Hi; tipasion, amicholis H*, St^. 7 einer hieigen eilen HK 9 gamasu, 
nachher stets gamahu H'^, mitte Ist ein gamahu H*. 10 zu gnad H^f St*. 12 undt so 
auch U^, H*, K, St^. 13 histori zuerzehlen, nämblich de».. . gemaets ü'; christlich 
gemüet //s. | weilund des H^. 16 und die, so H^, 17 sich der zeit umb edelgestain 
verstanden haben Hl, sieh der zoia unnd ed. H^, der zeit umb der edlen gestain würde 
n*, der zeit und edelgestain gutt wissen sollen haben Jt. 19 nachdem aber der //*. 

'JO versetzten //>. | If' beseüigi hier und im folgenden mehrfach die erste Person, statt dessen: 
durch iren sindicum u. dhnl. Hierdurch wurden auch weitere stilistische Änderungen notig. — 
bedürfendt wnrdt, ich /f 3. 24 der zehendt H», /?, St^; die losung solcher zchcnden 11*, 

Staufenzeit in Schwaben fWürtl. Neujahr ahh 1891) S. 61 f. und Müller , Schloss 
Kotnburg^, S, 17, — Mit dm r.Taftlny- sind die ÄUarvorsätze, Antependien, 
gemeint. Vorhanden ist von den beiden Antependien noch dasjenige in der 
Kirche zu Komburg, welches^ nachdem es eine Zeitlang an einem Neben- 
altar angebracht war, jetzt wieder den Hochaltar schmückt; es enthält ebenfalls 
das Bild Christi in der Mandorla und die 12 Apostel und ist in den ange* 
führten Werken mitabgebildet und beschrieben, — *) Gamahu, Name eines EdeU 
Steins (s. Lexer, unter gamahiu und gaman), wohl mit gemma zusammenhängend, 
— ^) ital,: Edelsteine, Kleinodien, 



- I7ä — 

uff 100 gl. geachtet wordten, demnach ich mich daszelbst in hoch- 
gedachtes ipeines gnädigen fdrsten nnd herrn von WUrtzbnrg cantzley 
verfügt, darinnen warumb ich allhero gen Augspnrg der loszung 
halber mit diesem creutz abgefertiget, undt dasz der gamahu nicht 
5 mehr alsz 100 gülden gelten wolte, welcher meinen herrn zu Chom- 
burg für 1000 fi. geachtet worden sey entdeckth, und wie man sich 
mit der löszung, damit dasz zihl nicht überlauffe, solte halten, umb 
rath undt hielff gebetten. Alsz nun die fürstlichen räthe und canzley- 
schreiber mit verwundern dasz creutz besahen, haben dr. Marsilius 
10 undt Conradt, beedte Braunn, Würtzburg: canzler undt räth, dasz 
creutz hochgedachtem fürsten zue Würtzburg zue besichtigen für- 
getragen, deme solch creutz ganz wohl gefallen und beeden d?* be- 
fohlen, mit mir zue handeln, seiner fürstl. gn. dasz gantze creutz 
zue kauffen zue geben. Alsz aber dieszer fürst dasz chreutz fleiszi- 
15 ger besüchtigte, sähe er, dasz zue ruckh auff das creutz mit blawer 
färb undt grosen lateinischen buchstaben nachfolgendte vers ge- 
schmeltzet waren: 

Auri gemmarum speciale decus variarum 
Sumat pia maiestas, quod collegit aegestas 
20 Sudor et Herdwici; placeat dive genetrici. 

Hoc servct et aedis Nicolaus tutor plebis, 
Auferat ut si quis studiis illectus iniquis, 
Poena marcescat, que sine fine quiescat.^) 
Zue teutsch summarie also lautendt: 
25 Die güttige mayestäth Gottes empfahe diesze guldinc zirdt 

so mancher edler gestain, welche die armuth undt schweisz Herd- 
wigs gcsamblet hat, gefalle der heyligen gebährerin; der hey. Ni- 
colaus, ein beschirmer des volckhs und hauszes, der behalts. So 
aber iemandt unbillicher weisz dasz von dannen nehme^ der werdte 
30 auszgedörth mit straff, die niemmer uffhöre. 

3 g«ftt«gt H*, B, 8t^. e und ws B. 7 rerlaaff if^ fttruberUuff H*. 8 ataU »Us nun: 
auch ff«. 10 Brun ff', R; lo bed« Braunen BK 11 sichtigen Hi, H^, B, 8t*. 13 hier 
ist die 1. Per«, in /r> ausnahfMteeiae betasaen. \ gantze fehlt JI^. 15 besieht H*, B, St*. 
IS Anrnm Ä. 19 coHegit au« ff», H*; collgit StK 20 et au* ff«, ff«, B, St*f fehU 8t\ 
m. I dive (=divae) aus ff', ff^ ff«; dirinae 8t^. 21 hoo servat et occletiis ff', hoo 
florret et ecoleaiis ff«, B, St^; die Textleaart (St^) musste bettehen bteibtH, weil We durch die 
Übersetzung geachUtst ist. 22 ttadiis illecebrie ^i, ff 2, ff«. St*, B. 23 que (= quae) 
aus Hi, ff«, B, 8t* f qui Ä«, ff«. 27 gotteigebererin ff', ff«, B, 8l*. 28 worckB ff«, B. 

*) Solche Fluchdrohungen gegen gottlose Entwender der Schätze^ die den 
Heiligen gehören, sind den Alten geläufig; eine ähnlicJie, ebenfalls in Leonini' 
sehen Versen, ist einem, dem h. Kilian in Würzburg zugeeigneten, Evangelien^ 
buch beigefügt, wo es heisst : hunc si quis libnim . . . cupit aiiferri . ., ploret 
in aeterno poenas passurns Aveiuo. (Ludeiaig, Wirzburg, Gesch, S, 398,) 



— 174 — 

Da solche vefs der fromme bischoff, und den willen dieszes 
abbtes Herdwigs undt fluch derer, so disz creutz von Chomburg 
veränderten, läse und vernahm, da wolt er dasz creutz nicht kauffen 
noch andern verkaufft zue werdten gestatten, sondern sollte ein 
solches nach abbt Herdwigs begehrn ewig bey dem closter Chom- r> 
bürg verbleiben, sich erbiettendte verhülfflich zue sein und wege 
fürzuenehmen, damit obangeregter zehenden geb'Jst würdte. üeszen 
ich seiner fürstl. gn. billich danckh sagte, dasz creutz mit mir 
widerumb heimb nacher Chomburg führte. Mittlerzeit hatte der 
Allmächtige gelt beschert, dasz dannoch die ablöszung geschaclu lo 

üiesze histori hab ich wollen schreiben, dasz man nicht ge- 
naigt sey, kirchengütter einzuzihen; dann ich habe nie gehört, dasz 
ie einer damit reich sey wordten oder ihme gefaszelt habe, auch 
dasz die schirmherm, praepositi, Verwalter, castcnvögt und aeconomi 
der closter und stiift trewlich ob sein, damit ihre kirchengütter 15 
nicht geschmählert, die gebäw in guttem wesen erhalten und die 
stiiTtungen der kirchendienst nicht in eine andere kirchen, dann von 
ihren ersten fundatom, hingestiflftet, undt vorab an dem orth, alda 
die fundatores begraben ligen, ihr ewige gedächtnusz wollen haben, 
nicht transferirt, verruekth oder einöde — säw- oder viheställe - 20 
werdten gestattet. Dann hetten die frommen fundatores gewollt, 
dasz ihr nähme solte an dennen orthen, alwo ihre stiflFtung, ausz- 
getilliget werdten, in säw-, vichställ oder einödte liegen, sie hetten 
den groszen costen solcher herrlichen gebäw wohl erspart undt die 
kirchen mit ihren stifitungen nicht so reichlich begabeth. Dann bey 25 
ihren zeithen auch säw- und vichställe, auch eingefallene gebaw ge- 
wesen seyn; wa ihr will gewesen were, hetten sie sich darin be- 
graben laszen. 

Dieweill nun erzelter abbt Herdwig gewolt, dasz alle die, so 
rath undt that geben oder helffen, das obgedacht creutz von Chom- 30 
bürg komme, dasz dieselbe dasz hellische fewer solle verbrennen, 
unnd der fromme bischoff so guttes gewiesens gewesen, dasz er 

r 

1 vench a*, I nnd fehlt H'i ; darin der will U^, 2 sein fluch aber die //«. 3 Terstande, 
daw. H*. 4 verkaufft w. H\ I/«, Ä, S/». | wolte das Jf», H», W*, li, St^. 5 statt 
closter: mUnster //', //*, H*, B, St^, 7 rerh. «ein was farsuwenden üf. | obangeregte 
xeh. n^. 9 Mittlers. ~ getcbaob feMlt JI*. IS einsäe, awt H\ m, H*, H, St^; ansuc. 
atK 18 habe aun i/t, n\ Ji, haben StK 14 icon. H», i/«, H*, H. 15 darob //<. 
17 *flatt dann: die H\ Ji, 18 den ortten /n, H^ H*, R, St^, 20 oder endere i/i, /*'; 
npw: Tiehcgtill oder einOden //*. | oder einöde legen ü ', i?. 21 w. geittatten //*, //*. 
23 legen //>, Ji ; ligendt .sV». 2:> kirchen irre stifftnng //», ihrer st. H*, Ji, St'i, 28 wann 
ir will nit darin begraben au lassen U^, Ji ; wa ir will wer goweBon, sich darinn begr. sn 
lassen Jn, JI*, St*, 33 fürst und b. JJ*, f. oder b. K/». 



-^ 175 - 

den willen undt testament abbteh Herdtwiegs nicht brechen wollen, 
was pöen sein dann die gewärtig, derer ambt und pfiicht erfordert, 
den letzten willen ihrer fundatoren zu vollzihen, ohne alle noth, 
allein ihres sanflfts^) halber, verbrechen,*) die gebaw einfallen laszen, 
5 die einkomnicn verkauffen, an andere orth sich vom begräbtnusz 
ihrer stiffter vemickhen. Dann hette dieszer löbliche fürst die 
schwehre kranckheit desz geitzes wie etliche groszkopflfe gehabt, 
so were dasz creutz ad Ephesios^) gangen. So ist es noch an dem 
orth, da abbt Herdwig dasz hinverordnet, so lang Gott will/) 

10 I V. A 1 b r e c h t. Der vierdte abbt Albrecht *) hat st. Oszwaldt ^) 

kirchen und spittal zu Chomburg gestiflftet. 

V. Gernot. Der fünffte abbt Gemot^) oder Gernant hat 
gelebt wie im brieff zu Chomburg gemelt, so den wcchszel umb 
dasz schlosz Hall und dasz orth, allwo ietzunder der spittal stehet, 
15 belanget. 

Anno domini 1156, alsz er drey jähr und etliche monath die 
abbtcy zue Chomburg löblich regirt und sein geistlich leben wcith 
berühmbt wordten, ist er zue einem abbt zu Fulda postulirt wordten, 
und an seine statt bey seinem leben 

20 VI. ein conventual zue Chomburg, Engelhardt, Leo ge- 

nandt, zum abbt erwöhlet. Ehe aber abbt Gernot vom stuhl zue 
Rohm zu einem abbt zue Fulda bestettiget, starb er, ligt im münster 

I (Ilsr. testamonts H'. | TerbTOclion //', H^, H, Sl^. | ist solch oronU wider nach Com* 
bürg kommen. Was poon . . . JT*. 4 flanffts: sauffrns H*, U*, R, 8t^f arapt« H^. B hc* 
srobnus 7/>, if; ort ihrer begrebiins sie vArr. H*, 8t*. 9 Diser apt Hordwig ligt ander 
vorgedachtem gülden louchter bey denn andern fnndatoribus, welcher gebein in einem 
liderin saokb worden behalten i7>, Sfi. 10 Adelbertus tf •> B, 8t*. | a. Joren H*, St*. 

II gettifftet: dem ist das schloss Hall genandt alsa lebenhem haimgefallen, welches ge- 
standen ist off dem berg, da ietat s. Michels pfarrkiroh stehet. Oeschach anno 1166 tf <. 
13 (Jemant: Oemold IT», H*, St^. \ hat — belanget fehU m, li^, H*, R, St*. Iß Anno 
d. 1160 fehlt H^, U*, H^ 8t*. 18 wordten, nnnd volgenU anno 1168 daselbst gestorben, 
ligt aber sn Gomberg begraben tf'. 20 conv. au» H^, H*, U*; landtcommenthnr /?f'. 
21 Oemandt H>, R, 2$ ligt ~ begr. f9hlt HK 

*) „der sanfte (auch „die senfte^'): die Bequemlichkeit^ Gemächlichkeit 
(LexerJ. — *) konstr,: ihn (den letzten Willen) aber brechen, — •) WecMem, 

Wucherern, — *) Das Kleinod muss im dreissigjährigen Krieg abhanden ge- 
kommen sein (Gradmann a, a. 0, S. 61), — ») Albrecht oder Adelbert, urkundl, 
bezeugt für 1149, Müller S, 35. — •) Die später abgebrochene Oswaldskapeüe 
auf Komburg : der genauere Ort, wo sie stand, ist nicht zu ermitteln, — 
^) Unter Ger not fand die Weihung des Michaelsmünsters in Hall 1156 statt, 

WU, 2, S, 102. Er regierte nach Widmans gleich folgender Zeitbestimmung 
1163—1156, nach Müller (vgl die Lesart H^), Bitterst. K, S, 35 1166—1158. 
Seine Berufung zum Abt in Fulda wurde nicht pafekt, da er starb, ehe die 
päpstliche Bestätigung eintraf (s. beim folg, Abt), 



— 176 — 

zu Fulda begraben. Und dieweil er die confirniation zue Rom 
nicht erlanget, setzten die von Fulda dieszen Gcrnotum nicht under 
die zahl ihrer äbbte. 

Abbt Engelhardt aber starb den 11. calend. januarii,*) liegt 
zue Hall zue st. Jacob begraben. 5 

VII. Der siebendte abbtWerinher hat nicht lang gelebt. 
Unib diese zeit, aber under was abt weis ich nicht gewiesz- 

lich, seindt die gcbeine der stiflfter,*) nemblich graflf Burckhardts, 
seines bruders graflf Heinrichs, herr Wiegandts von Castell undt abt 
Herdwiegs zue Chomburg auszgraben und in den stainen sargh zue lo 
Chomburg im münster, da sie noch ruhen, under die übergulden 
eronnen gelegt worden. 

VIII. Der achte abbt Rudiger. 

IX. Nach ihme der neundte abbt Volckhart, regirte 
drey jähr, starb ad idus Januar. ; ^ alsz er die probstey zum Nuesz- 15 
bäum visitirte, wurde er kranck undt starb, ligt zum Nueszbaum 
begraben. — Am selbigen tagh verschiedte auch ein Comburgischer 
eonventual, Symois genanndt, alsz ich im seelbuch zue Chomburg 
gelesen; soll abbt zue Fulda gewesen sein. 

X. Der zehendte abbt Walter starb den dritten calendas 20 
januarii,*) ligt zue Murrhardt begraben. 

XI. XII. Nach dieszem seindt zween äbbte gewesen, beedte 
Conradt, der eine von Entzsewe ^) — dieszes burgstadel ligt hinder 
Michelbach im waldt, dem Fischenthall ^ zue — , der ander der alt 
Conradt genandt von wegen dasz er alter halber der abbtey wieche 25 
und herr Conradt von Entzsew an seine statt gewöhlet wurdte. 



B Faldt »tets HK 6 Ugt auch tue Comberg begraben HK 7 Dieser AbachniU iH M H^, 
H tmier den folgenden Abt Rüdiger geseUt und beginnt bei //* mit: Under disem sein die 
gebatn. 11 ander aue Ht, H\ H*, St^; Aber St^; da sie ander der cronen mhon, gelegt 
worden H. IS hat nit lange gelebt nnd wol gebaaset, ligt alda begraben U*, äknlieh St*. 
H WolfframuB, ettlicb aber wOUen er hab Volckhardt gehaissen J7i, R; Volckbrad 8t^. 
IS 8 jabr H^,R, \ den 8. tag H\ R. 16 wnrde — starb fehlt UK 18 Simon Jf >, /?. | saal- 
buch H*, H*, R. 19 apt sa F. gew. ir>, R; welcher ein abt xa F. war 8t^. Hl im 
clostera creatzgang begr. ff*. 2$ statt dieser srntammenfassenden Behandlung halten H^, H*, 
8t* die beiden Abte getrennt. 98 statt der — Entss. : genant Prensew, welches einer Ton Knd- 
sew 8t*. S4 dem VyBohacherthaal au allemichst bey Herrlbaeh Hi; d. Viscberth. %n 
//», H*, R, I alt aus Jfi, R; abbt H», StK 

22. Dez. — «) Über die Stiftergruft unter dem Kronleuchter 8, Müller, 
8chlo88 Komburg^y S. 17; noch Genaueres (die auf dem Tumhadeckd einge- 
hauen en lateinischen Verse) in der ersten Auflage desselben Schriftchens S, 15, 
feiner OAHaü S. 245. — ») 13. Jan. — *) 30. Dez. — ») Entsee bei Michel- 
bach a. d. Bits OA. Gaildorf s. o. S. 61. — •) j. FischaclUal, östl. von den 
Limpurger Bergen sich hinziehend. 



— 177 — 

Im cathalogo der äbbtc zue Chouiburg wirdt discr abt Conrad! 
Prense genandt.*) 

Abbt Connradt de Entsewe hat gelebt undt dasz closter st. 
Jacob zue Hall den brüdern st. Francisei ordens eingeben anno 

5 1237,^) under welchem abbt und convent ein Statut gemacht, dasz 
keiner dann von vatter undt mutter edel gebohm zue Comburg zue 
einem conventual angenohmmen werdten soll — dann vorhero 
wurdten edle undt unedle utfgenohmraen — dasz sie im chor mün- 
chen, aber im feldt reutter wollten sein, bantzer under der kutten 

10 führten. Erstandtc dem closter darausz allerley anlauff und abgang. 
Sequuntur abbates nobilis generis, hienach folgen die äbbte 
edler geburtt, so zue Chomburg regirt. 

XIII. Der dreyzehendte abbt Phillipps von Eltersz- 
hoven, starb den achten calend. februarii.^) 

15 XIV. Der vierzehendt Embrich von Bebenbergkh.*) 

XV. Der fünffzehendte Heinrich von Schefflay,^) 
der starb anno domini 1241. 

XVI. Der sechzehendte B ertol dt, was geschlechts stehet 
nicht geschrieben, starb den 17. calend. januarii. 



1 Im — genandt fehU Hi, H*, B. 3 hat — 1237 fthlt Ht, m, H*, Ji, St*; statt dtamm: 
starb airno domini 1216 Sf^. 8 demnach die unedeln abschaffen, dahin erwachsen^ dat . . 
£fi, dahin erwachsen U^, H*, K, St^. 10 entetundt H^, H*, R, 81*. 11 Diwtr Salz fehlt 
H*, Ä«. 18 Eberhardt Ph. Ä«, JT«, U*, R, St^. 14 jannarü H*, S<». 15 welcher 
sein anweten im schloss Bemberg nit weit von Benmbach gelegen gehabt, . . . starb au 
Comborg, ligt aldo begraben H^, ähnlich U*. 16 Schefflay, des geschlechts von Münckhen 
H*, R; Scheffay H^, bat renovieren lassen die capellen beatae Tirginis Marias, faciens 
testudinem et magnum mumm com coquina super pomerinm ao. 1812 H^, 8t*, 18 ron 
Michelfeldt i7^ H^, 8t^. \ was — geschrieben fehlt H^, H*, R, St*. 19 Jan.: wollen aber 
ettlich er sey einer Ton Hohenstain gewesen. Das aber das wapen nit su erkennen geit H*'. 

*) Als zwölften Abt zählen andere Verzeichnisse statt des Konrad von 
Enlsee Heinrich den Alten ai/kf, der 1215 gestorben sein soll, somit — da Kon* 
rad IL durch die Urkunden über die Minderbrüdet* in Hall, Wü, 5, 376 f., 
für das Jahr 1236 bezeugt ist, vor diese beiden Konrade einzureihen wäre, — 
Konrad ^Prense^: bei Weiprecht Schenk, Komburger Chronik (Duellius Mise. 
2, 278) Br aussen, bei Müller: Brenz, — «) vielmehr 1236, — ») 15. Jan., nach 
Müller 124(), — *) Über Bemberg (bei Roth a. See OA. Gerabronn) und die 
Bebenburger s. o, S, 107, — *) Schefflay = Scheffau oder Scheffach OA, Hall, 
im Bühlertal, Heinrich von Scheffach ist urkundlich belegt 1244—1262, somit 
ist das Todesdatum 1241 jedenfalls unrichtig. — Unter diesem Abt vmrden in* 
folge der Kriegsunruhen verschiedene Besitztümer verkauft, die Zahl der Mönche 
sank bis auf vier und die Pfarreien Gebsattel und Thüngenthal wurden dem 
Kloster inkorporiert 1264—1259, s. Müller S, 14 f. — Der auf die Bauwerke 
des Abts bezügliche lateinische Zusatz (kritische Note) ist entnommen dem Abt-^ 
Verzeichnis m der Komburger Chronik des Weiprecht Schenk f Duellius 2). 

Wttrtt. Ge^chichtFqucUcu VI. 12 



— 178 — 

— Abbt Berchtoldt ist einer von Hohenstain geweszen.*) 

XVn. Der siebenzehendte Sigfriedt Marsonis, den 
sie wollen von Morstein sein, starb ad nonas aprilis.*) Dieszer 
Sigfried Marsonis bat gelebt undt von des closters wegen gesiegelt 
1304. jähr. 5 

XVIII. Der achtzehendte Heinrich von Heszenthal, 
starb 17. cal. decembris.^) Wir finden auch einen abt Hartman 
genandt im cathalogo der Comburgischen äbte, herausz in margine 
verzaichnet, der am christag ist gestorben. Ob er aber ein abt zue 
Chomburg geweszen, weisz ich gewieszlichen nicht. lo 

XIX. Der neunzehendte, Beringer, Sulmeister, ligt zue 
Murrhardt im creutzgang begraben. 

XX. Der zwaintzigste abbt Conradt von Hohauszen.**) 

XXI. Der einundtzwaintzigste abbt Wolffram von 
Bielrith.^) Mit dieszem ist dasz halbe theil an der bürg Biel- 15 
rieth mit allen zue- undt einkommen an Chomburg gefallen. 

Zue dieszen zeithen seyn die vier pfarren Thungenthal, Geb- 
sattel, Steinbach undt Cöntzelsay ®) dem closter Comburg incorporirt; 
und damit dasz capitell dommstieflft zue Würtzburg in solche in- 



1 Abbt — gew. fehlt B, 2 Mars. — setn, ttaU dessen: Ton Morstein H', Sefrid de Morionis 
genant H*, 8t^. 8 Diesser — Jahr «ftUt dessen: l«it sne Gomberg begraben H^, fehlt U^, 
Bf hat TU gater sum oloster erkhanfft nnd starb denn 9. aprilis anno 1815 H*, 8t^, € von 
Brötaingen, alio nomine de Tbnllaw If >, B; Yon Brctzigen genant St*. 7 das diser apt 
U*, 10 wais man oit Xf '. 11 BmckheraSf etllch nennen disen Beringer 8ulm. H*, B. 
I Sulm. aus U^, ü'; schuelmeister 8t^; etlich aber wollen Barokhardt Sulmeister H*,8l*; 
Sulroainster, alio nomine Senfft B. 13 Ohaaeen oder Uohenhanscn . . ., regiert aldo anno 
ia7S, starb, ligt aldo begraben 27% Ugt sa Oomb. begr. H^, 8t\ 16 xn annd eingehOnuig 
H^, au annd eingehOr B, 

') Dieser offenbar von einem späteren Bearbeiter rührende Zusatz stimmt 
mit den bei üssermann und Menken sich findenden Angaben ; nach Weiprecht 
Schenk gehört Berthold zum Geschlecht derer von Michelfeld, — •) 5. Aprü, 
— Nach anderen Nachrichten fMülUr S, 15. 36) wären statt dieses einen Sieg» 
fried drei Äbte eingusetzen, nämlich Siegfr, von Morstein I., 1268 — 127 3, Simon 
1273—1298, und Siegfried IL, 1290''1304. — ») 15. Nor, — Bei Weiprecht 
Schenk heisst er von Bretzingen oder TuUau (s, krit, Anm.). — *) Hohausen 
für Ohausen, Ahausen, d. h. Anhausen bei Suitdorf OA, Hall. — *) Über die 
Verwandtschaft der Herren von Bielriet mit den Stiftern des Klosters, den 
Grafen von Rothenburg^Komburg s. o. S. 166. Wie einst Albrecht von Bielriet 
1086 bei seinem Eintritt in das Kloster der neuen Stiftung seine Güter ver- 
machte, so hat auch dieser Wolfram, der nach Müller 1276 als Mönch eintrat, 
die Abtswürde aber nur einen Monat lang bekleidete, dem Kloster grosse Zu» 
Wendungen gemacht. — •) Die zwei ersten wurden (s. o. S. 177 zu Heinrich t^on 
Schefflay) schon 1254^1259 einverleibt, Steinbach dagegen samt den Filialen 
in Hau und Künzelsau ast 1287, Müller 8. 15. 



— 179 — 

Corporation willigte, hat Chomburg ihnie die 4 pfarr mit ihren 
zehenden : Reinwolsperg, Michelfeldt, Steinkirch und Creglingen 
geben. 

XXII. Der zweyundtzwaintzigste abbt, Conradt, alsz 

5 etliche wollen desz geschlechts von Munckheimb.') Von diesem 
abbt Conradt stehet im cathalogo der äbbte zue Comburg also ge- 
schriben: „Anno domini 1324, IV. idus martii,*) ist herr Conradt, 
conventual und abbt zue Chomburg, umb nützlicher regirung seines 
closters von denen von Hall heflftiglich verwundet und gefangen, 

10 aber durch Mathiam, bischoven zue Maintz entlediget und ihme desz- 
halber busz und abtragh zue thun dennen von Hall ufferlegt wordten. 
Er ist auch von den herrn zu Limpurg angefochten wordten, item 
dem graffen von Hohenlöhe,*) vonn wegen desz schloszes Nagels- 
perg bey Cöntzelsay liegendt, welches durch absterben desz letzten 

15 von Nagelsperg die Leschen genandt — haben ein windtskopflF mit 
einem windtbandt im schilt geführt — dem closter Chomburg alsz 
lehenherm heimbgefallen, befedet, doch durch den ertzbischoven 
zue Tryer Baldtwein, dazuemahl Verwaltern des bisthumbs Maintz, 
gewaltiglich beschützet wordten." 

20 XXni. Dieszer abbt Conradt hatt 41 jähr regirth, und follgte 

ihme nach canonice erwöhlt der 23. abt Rudolph vonGundel- 
h offen. Wider disen abbt Rudolph schlüge sich in die abbtey 
ein Chommburgischer conventual, Heinrich Sieder "*) genandt, dem 
abbt Rudolph umb fridens willen wiche. Abbt Heinrich starb nach 

25 10®° Jahren. Also wurdte Rudolph vonn GundelhoflTen widerumb 



1 inen H^, H^, H*, K, St^. 2 Stainbach unnd Oelbingen H«, Ü; Stainkirchen und Gelb. 
H*, Ä«. 4 alts — wollen fehlt H «, //*, B, St^. 6 im — Comb, fehlt H* f von — ge- 
schrieben fehlt H*, 8ti. 7 oalondas //*; iclus fehlt H*, St^. 13 angescbriheu U^, R. 
13 item den H^, den berrn H^. 14 welches —befedet fehlt H*. 15 Leseben atu H^, 
Ä», S<2/ Lesthon Ä». | haben — gef. fehlt HK 16 widband Ä. StK 17 bef. fehlt HK 
22 Onntterhoven des geschlecbtc Ton Münckhen HK 23 Sieder wird von U\ H*, E, Sf^ 
ah 23. Abt gesählt, wonach sieh die Ziffern der folgenden Äbte entsprechend ändern. Die Voraus- 
Stellung Sieders hatte auch einige stilistische Änderungen im Gefolge. 

*) Er regierte 1318—1359, Über sein für das Emparkommen des Klosters 
erspriessliches Walten, seine^ im folgenden ereähUe, unglückliche Fehde gegen 
Hall und deren Folgen s, oben S. 101 und Müller S, 16. — ») 12, Märe, — 
•) Kraft von Hohenlohe hatte 1333 von König Ludwig die Vogtei über das 
Kloster erhalten, wurde aber bald ihrer wieder verlustig erklärt wegen eigen' 
mächtiger Besetzung der HeiTschaft Nagelsberg, eines Komburgischen Lehens, 
Müller S, 16. Über die unter diesem Abt 1343 auf päpstlichen Befehl durch 
den Würzburger Bischof eingeführte neue Klosterordnung s, ebenda. — *) Sieder, 
aus einem Haitischen ÄdelsgescfUecht, wurde 1369 dem Kloster von Rom als 
Abt aufgedrungen, f 1369, 



— 180 — 

ulibt, actum zu deu zeithen pabst Urbans des fünfften. Uund die- 
weil dieser Rudolph ein frommer geistlicher mann war, hatte er 
viel Widerwärtigkeit undt gewalt von seinen anstoszenden nacht- 
baurn ') müszen erleiden, welche er mehr umb räch und tranngsaall 
besorgendt herrn Adolphen, bischoven zue Speyer, administrator ö 
zue Maintz, seinem schirmbherrn laider nicht alles hat dortfen clagen. 
Ligt zue Chomburg in Unnszerer Frawen cappellen begraben. 

XXIV. Nach abbten Rudolph der 24!Ü abbt Erckinger 
Feldner regirte 25 jähr, starb a« domini 1399.-) Ligt in st. Jo- 
hannis cappellen zu Chomburg begraben. Alsz anno domini 1549 lü 
am allerheylligen tagh iunckher Heinrich Spiesz,'^) der letzte solches 
geschlechts, in solche cappel begraben wurdte, sähe man diesen 
abbt Erckhinger in einem höltzem saargh in der erden, mit einem 
seiden kleidt angethan, noch unverwesen liegendt. 

XXV. Nach ihme der 25!^ abbt Ehrnfriedt von Vel- 15 
bergkh, starb am tagh Thimotaei anno domini 1421.*) 

Under diesem abbt Ehrnfriedt^) haben die von Höenstain ge- 
baueth und gestilftet ihrem bruder zue lieb, der ein münch zue 
Chomburgh gewesen, st. Michaels cappellen^) daselbsten mit den 

1 actum fehlt H^. 3 anstosz. fehlt H*^ St-; anstOssern unnd nachb. B. 5 daher er den 
tod unnd wanksal besorgt H^, mehr unratb unnd trancksall bes. U^, mehr Unrechts be- 
sorgendt H*, er mer deu tod unnd wanckhcl besorget R, mehr nnrath und wanokhsal be> 
Borgent St^. 10 1649 aus /f», H'^, H*, Ä, Si\ 1694 StK U der schon anderhalb hun- 
dert jar aldo gelegen war IT >. 15 Khrnfriedt aus H^, B, St* und aus den Marginalien von 
Ä', der Text hat eine Rasur, deren Grundlage teahrseheinlich Ootlfriedt ist. 17 Statt dieses 
Abschnitts hat H^ : der bat die staiue bilder beym sacramcnthausz neben an der seiten, wie 
auch sauet Michels capel oberm thor wider renovieren lassen, regiert ao. 18S0. « . . leit sa 
Comborg in Unsxer Prawon capel begraben. Dlser frnra apt ist wider auszgraben worden 
am 6. tag nativ. Mariae 1647 unud wider in die Schenckhen capel begraben. Wan dise 
capel, so das erst fundament zu Comberg war, fiel damaln zu hauffon, das mans von neuem 
bawen muszte. Geschach alles in gegenwertigkeit mein Weipreolit Schencken von Scbenckcn- 
stein corherrn. Ebenso, abgesehen vom Schlusssatz und wenigen anderen Weglassungen, H*f R, 
Vtncorren in St^. 

*) Neben äussern Fehden mit seinen Nachbarn hatte dieser Abt, der 
1369^^1377 regicrt€j noch mehr von der Unbotmässigkeit und Zuchtlosigheit 
seiner eigenen Mönclie zu leiden, Müller S. 18, — ^) Nach Midier S. 36 viel* 
mehr 1401, tvojsu die 25 Jahre (1377—1401) stimmen, — ^) Über Heinrich 
iSpiess s. oben S, 61 und unten in den ,, Malier Annalen,*^ — <) = 24, Jan. 1421. 
Er scheint zwar erst in diesem Jahr gestorben zu sein, aber schon 1419 dem 
neuen Abt JPlatz gemacht zu haben» Midier S. 19. — *) Ernfried von Veüberg /., 
1402—1419. — ®) Nach Müller , Schloss Komburg * S. 5, war es eine Gewohn- 
heit des 12. Jahrhunderts, die obern Geschosse der Torgebäude oder die Bäume 
über den Torwegen zu Kapellen zu verwenden, Besondei's Michaelshapellen 
finden sich an dieser Stelle angebracht, und zwar schon in den ältesten Abtei' 
kirchen des Frankmreichs, Bei dem Bau des Vellberger Abtes kann es sich 
also nur um eine Erneuerung handeln, wie dies auch in der Variante H^ (s. 



— 181 ^ 

zweycn auszgebawen stainern thürnen, die ob dem innern thor 
stehen ; soll ein abconterfaihung sein st. Michaels inünsters nflF dem 
berg Gargano, da etwann bey unszerer vätter zeithen die jungen 
knaben gehlingen hauffenweis hingewalleth haben.') 
5 XXVI. Nach diesem abbt Ehrnfriedt wardt envöhlt der 

sechszundtzwaintzigste abbt Gottfricdt von Kochen- 
stetten.*) Dieweil dazuemahl einer von Bemburg Comburg bc- 
fed^te, auch der statt krieg war, desz closters hindersäszen mit 
brandt, schwertt und raub schwerlich angegrieffen wurdten, zue 

10 beschiitzung derselben wardt er reutterey ufzutreiben gezwungen, 
führte seinen hämisch undt spiesz etc., starb anno domini 1451. 

XXVII. Nach ihme regirte der siben und zwaintzigste 
abbt Ehrenfriedt von Vehlberg,*) der ander dieszes nahmens; 
bawette die cappel ob dem beinhausz zue Chomburg, alda er in 

15 einem stainern saargh begraben ligt, starb am ostertag*) anno do- 
mini 1473. 

Item, davohr anno domini 1468 am st. Bartholomei abenth^) 
hat dieszer abbt Ehrenfriedt mit bewilligung bischoff Rudolphs von 
Schembergs zue Würtzburg den stainern saargh zue Chomburg, 

20 darinnen der stiffter gebeine beschloszen liegen, geöffnet, und da- 

5 wardt au« H^, fehlt St^. 7 Gottfr. von SUtton bat da» Kllwaogor gemach gebaweu 
nnnd dio kaiserttltibon muff laezen richten anno domini 1438 H*, U*, B, Si^. 11 1461 au« 
Hi, R; 1435 //*/ 1431 St\ 1/2, S/»/ H» fügt bei: B. in paco. 14 »tatt dieset Sattes bei HK- 
Von imo ist das gewelb und die obor capel iu Unezer Frawen kirchen, to in der ehr der 
14 nothhelffer geweihet, gebawt. Er hat auch das kaisergemach, wie es obgemelter von 
Stetten angefangen, Tolbracht und aussgebaut anno 1462, ähnlieh H*, R, 8t^. \ ob dem 
boinhauss aus U^, obben beym hauss St^, ob dem bandbaus oder kerner H*, beinhausz 
oder kerner St^, 16 ligt im kOrrner, den er auch gebawen, in einem stainin sarch. B. 
in pace if », 1473 aua H*, 8t^; J476 StK 17 1466 H^, R. 20 beschl. — gebeine fehlt i/»; 
gefunden gebein R. 

kn't, Anm. su WOy 17) ausdrücklich angegeben wird. Die früheste an diesem Ort 
zu denkende Kapelle ebenso wie das doppeltürmige Eingangstor wird von E, Paulus 
noch in die Zeit der alten Burg gesetzt, — *) Mit der Kinder wallfahrt, die erst 
1458 stattfand (s, Herolt 161 und unten bei den Wallfahrten) steht dieser Bau 
in keiner direkten Beziehung. — *) Abt Gottfried 1419—1450. Ober die Wechsel- 
vollen Ereignisse während seines Regiments: die Veräusserung der Propstei 
Nussbaum, Inkorporation der Pfarreien Erlach und Gelbingen j zunehmende 
Zuchtlosigkeit der Mönche, völlige Entblössung des Klosters von den notwen- 
digsten Lebens- und Kultusbedürfnissen, Beteiligung an der Behenburger Fehde 
(8, 0. S. 108) und andern Kämpfen, wo Abt Gottfried seihst gehatmischt su 
Felde zog, schliesslich Belegung des Klosters mit dem Banne wegen Missach- 
tung der Ordensregeln 1446—1447 s. Müller, Ritterst. Komb. S. 19 f. — ») Unter 
Emfried von Vellberg IL, 1450—1473, geriet das Kloster in immer stärkeren 
Verfall, so dass u, a. die Besitzungen der Klause Mistlau (s. o.) 1473 (?) ein- 
verleibt werden mussten, — *) 18. April. — ^) = l^orabend (23, Aug,) vor St. Barth, 



— 182 — 

rinnen gefunden der stift'ter gebeine in dreyen undertÄtten,') über- 
zwerch getheilt, in dreyen präuschin lidemen säckben,*) iedes be- 
sonder mit drey bleyben taifcln liegendt. Darinn wie nachfolget 
in latein geschriben. 

An der ersten taflfel desz ersten undertats also : Am andern 5 
tag des nionaths Tbrs starb Burckhardt, ein stiffter 
dieszes orths. 

In der andern taifel stunde also geschriben: Am 18. tag 
febr. starb graff Heinrich, ein bruder herrn Burckhardts, 
stiffter dieszes orths. 10 

In der dritten taflfell des andern underthats: Am 12. tagh 
des monaths novembrs starb münch Wiegnandt. 

An der vierten taflfell des dritten underthats also: Am 2P'®" 
tag junii starb seeliger gedachtnus Herdwieg der dritte 
abbt dieszes orths. 15 

Also ist dieszer saargh mit gebein undt taffeln wie solches 
alles gefunden, wider an iedes orth sambt noch einer bleyhenen 
taflfel, daran diese eroflfnung, durch welchen abbt undt beysein, auch 
welchen tag und jähr es beschehen, geschriben, gelegt und widerumb 
beschloszen wordten. 20 

XXVIII. Nach abbten Ehmfriedt regirte der achtundt- 
zwaintzigste abbt Endris von Trieffhauszen,*^) der letzte 
dieszes geschlechts, ein frommer, schlechter, einfältiger münch. 
Undt dieweillen dazuemahlen einer der Strausz*) genandt dasz closter 
Chomburg schwerlich befedete, deme der gutte einfältige mann 25 
abbt Endris nicht getraute voor zue sein, demnach wieche er der 
abbtev, und wurdte an seine statt erwöhlet: 

3 prenszischen liderin H«. 3 blawen 8t^. 4 in 1. feMt H^, H*. 5 ersten U« H^, R. 
8 an B*, | 15. /{. 14 Junii fehlt H». 18 in welcher beysein U*. 2H Triffshausen 
77', H^, H*, Ü. 28 slatt ein frommer etc.: hat die gewOIb Uszen machen nf seiner 
Miten, da er ligt begraben beym kernor. Er starb anno 14P6 H^; ... machen im münster 
etc. St^. S5 schwerlich fehlt HK 26 voor zn stoen Tf'. 27 ain convontnal Hilde- 
brannd ▼. Cr. H^, R. 

*) undertat, wie das einfache tiit (a, Schm. und Lexer) — Fach; der 
lange SarghehcUier war also der Quere nach in drei Unierföchtr geteilt, — 
') Säcke von preussischcm Leder. — ') Andreas von Triftshausen OA. Crails- 
heim 1173—1464, Müller S\ 20 und 36. Unter ihm wurde 1477 mit päpstlicher 
Genehmigung die Besetzung der inkorporierten Pfarrstellen sowie auch das 
Verhältnis der Pfarreien Steinbach und Hall neu geregelt. Die steigende 
finanzielle Bedrätignis machte 14S3 den Verkauf vieler Güter und Gerechtig- 
keiten an die Grafen von Hohenlolie nötig. — Nachdem Andreas abgedankt 
hatte, umrdt er als Propst nach Gebsattel versetzt. — *) S. o. S. 117, in welcher 
Stelle als Anfang dieser Fehde schon das Jahr 1465 angegeben ist. 



-- 183 — 

XXIX. der neunundzwaintzigste abbt Ilildtpron von 
Crailszheimb/) wider welchen sich setzten seine conventbrüder, 
der ausz groszer bekümmemusz starb zne Hall in seiner Schwester 
hausz ; wurde gen Chomburg in Unszerer Frauen cappelln begraben 

5 anno domini 1485. Abbt Endris aber starb anno 1486, ligt zu 
Chomburg im münster begraben. 

Chomburg wirdt ein welttlicher stifft. 

XXX. Nach ihme der dreyszigste abbt Sigfridt vom 
lloltz, conventual zue Nereszheimb, bey welchem anno domini 

10 1488 zue den zeithen pabst Innocentii des achten, kayszers Fridrichen 
desz vierdten und Rudolphs von Scherenbergs, bischovs zue Würtz- 
burg ist das closter Chomburg in ein welttlich stieflFt, fünflf praela- 
tum, nemblichen probst, deean, scholasticum, cantorem und custodem 
habendt transferirt und der schirm, wie hievohr davon gesetzt, gc- 

15 zogen wordten.^ 

Summa aller äbbte, so zue Chomburg, seindt 30 geweesen. 
1. 2. Dieszer abbt Sigfriedt, der letzte abbt und erste probst, 
starb am tagh decollationis Job. baptistae^) anno domini 1504, ligt 
zue Chomburg in st. Peters cappeln begraben. Der verordnet bey 

20 leben herrn Peter von Auffsäesz,^) thumbherrn zue Würtzburg, 



2 Crailszh. trat ein den 22. junii in rigilia Job. baptistae H\ ähnl. B. \ //< gtnatter: da- 
maln wolten die rottnch ants der kutten, war er bardt dawider nnnd alsz er deaswegen cn 
Wttrxburg waa, unnd wider heim fuhr nnd fflr das olotter kam, wolt man in nimmer hinein 
laezen. Ähiüieh H*, R, ^/?. 4 seines yatters hanss, vor Morsteius hauaa St*. 5 Endris 
hat gebaut das gewelb im münster uff seiner Seiten, da er leit begraben, do man in kOrner 
gehen wiU sab anno 1474 H*, ebenso H*. | 1486 H*, 1480 H^, 1488 H*. 6 sein sUin gar 
schön im münster ufTgericht worden sub anno 148G, requ. in pace B. 8 Seyfrid St^ 
9 conv. sn N. fehlt B. 18 prelaten 8t^. U schirm WUrtzbnrg 7f >, B, 15 Diser apt 
hat gebant die propstei, dioweil er der erst propst unnd der letsst apt gewesen, er hat auch 
den brunen nnd die ringmanr vorm stifft, die weoth, gebaut H', H*, B. 16 Summa — 
gewesen fehlt J£\ H*, B, St^. 17 probst, hat gobawet die probstey, den brunnen, auch 
die weth, nnd die ringmanr vorm stifit 8t^. 19 leit bey s. Fetter im münster H^, B, 
cnius an. requ. in pace B, \ Hatt dem capittel alle obrigkheitt übergeben und . . B. 

*) Hüdehrand von Crailsheim, von 1464 an. Da auch er dem von den 
Mönchen schon seit längerer Zeit betriebenen Plan der Umwandlung des Klosters 
in ein weltliches Chorherrnstift sich nicht gefügig zeigte, so verwehrten ihm die 
Brüder nach seiner Heimkehr von einer Würiburger Reise 1485 den Einlass 
ins Kloster (s, die kriU Anm.). — «) Die BuUe Innocenz" VIIL über die Um- 
wandlung des Klosters ist datiert 5, Dez. 1488 (Müller 8. 21), „Gezogen woi- 
den'% nämlich dem Bistum Würzburg als Reichslehen übertragen worden. 
S. 0. S, 164, — *) = 29, Äug, — Unter Siegfried geschahen wieder beträchtliche 
Entäusserungen und Verpfändungen von Stiftsgütern, doch sind auch einige 
Neubauten und bauliche Verbesserungen zu verzeichnen ; Müüer S. 24, — *) Er 
residierte in Würzburg, Genaueres über ihn bei Amrhcin^ Mitglieder des Dom" 



— 184 — 

ein« mann hohes verstandts und annsehens zu einem coadjutor der 

probstey zue Chomburgh. Der erlangte bey bischoflf Lorentz zue 

Würtzburg, dasz Chomburg alle ihre geist- undt weltliche lehen 

widerumb zuegestellt wurdten. Starb am palmtag anno domini 1522. 

JB: Diser vorgenannt propst, domdcchant zu Würtzburg unnd thora- 5 
her zu Bomberg^ ist auganngen In die dccollationis saneti Johannis bap- 
tistae *) anno 1504 unnd hat helffen verkhauffen für zwölff tausent gülden 
wert guetter vom stifft Comburg,*) darnach ain Ordnung gemacht, diesel- 
bigen der masseu gestelt, dz der byschoff zu Würtzburg alle gercchtigkheit 
uf dem stifft Comberg soll haben. Ist geschehen anno 1521. Dasz vor 10 
nit der brauch gewesen. Er wolt auch alle bawren dem stifft mit ainer 
erbhuldigung beladen haben, dasz sie Limpurgisch sollten geweszt sein. 
Dz ist aber nit geschehen. (Ein Rest des ersten Satzes auch bei Sty. 

3. Deme folgte nach marggraff Gummprecht von Bran- 
denburg, der sein leben lang Chomburg nie sähe, hielte seine 15 

hoifhaltung zu Rohm. 

B: [Der] hat lassen einemen die probstey zu Comburg durch den 
dechant zu Onoltzbach genanndt Casper Ferber, vonn wegen desz hoch- 
gebomen fursten und herren margkhgraven Gumprecht von Brandenburg 
hertzogen zu Stettin, Boromern etc. Ist geschehen am mitwoch nach Jo- 20 
hannis ante portam latinam, und wasz darbey Joseph Feyerabent, corher 
zu sanct Gumprecht zu Onoltzbach. Dasz capitel ist bey disem probst 
sambt dem dcchandt hardt gestraft worden, aber er hatt inen nit zuhilffo 
kommen, sonder stettigs umb geldt angefochten, wie man dann ime ettlich 
hundert gülden gehen, wiewol er Comburg nie gesehen, sonnder war ain 25 
kriegsman, hielt zu Rom hoffhaltung. 

Ähnlich^ aber stark verkürzt, in H*y St^, 

Zue diesen zeithen ist der hertzog zue Burbon, kayszer Carls 
desz fünflften obrister hanbtmann einer, durch Italiam wider den 
könig von Franckreich gezogen und ohnversehens mit laittem den 30 
sturmb zue Rom an der mauer angeloifen, Rom eroberth. Da gieng 
es, wie ettliche dann dieszes stürmen beschreiben, an ein rauben, 
todtschlagen, kirchen blündern und andere greuliche handlung, also 
dasz, wie man sagt, nichts überblieben dann der nähme, alsz wann 
der Türckh Rom erobert bette. Doch empfieng der hertzog von 35 
Burbon sein lohn, wann er im sturmb mit einer büchszen zue todt 
geschoszen wurd, wie dann hievon davohr auch meidung gethan.') 

3 aUe sein 8t*, H"/ »ein vorig H*, H; alle »ein vorig ffeistlich lehen HK 4 bat hernach 
belffen yerkhanffen fflr 12 000 ß. guter H*. 31 an der — Bom fehlt H^. 32 wie — be- 
Bohreiben fthU H*, H, 6V». 83 ehebrechen and H*, R, 8t^, 34 alsx aua U\ fehlt StK 
Wann der . . ., wer er nit alvo mit nrobgangen U*, 37 H* hat den Satz kürzer. 

Stifts Wirzburg, im Archiv des Histor, Vereins für Unter/ranken, Bd. 33, 6\ 114. 
— *) 29. Aug. — *) Dieser Verkauf war veranlasst durch die Misswirtschaft 
des Dekans Kraft von Biexingen, s. Muller S. 25. — ') Oben S, 50. 



— 185 — 

— Dieweillen aber ob solcher tyranney marggraflf Gunipreeht ein 
mieszfallen hette und der armen Rommer sich erbarmbte, hat er 
sich mit groszer gefährdte mitten under die feinde begeben, ver- 
hoffendte, dasz tobende kriegsvolekh zue begüttigen; fehlte nicht 

5 viell, er were von dem Teutschen kriegsvolekh, die er vor freundt 
achtete, erschlagen. Wurdte von ihnen gefangen, ihme dasz seinige 
genohmmen, sein hoff beblündert. Alsz nun dieszer stürm zue Rom 
undt unfriedt befriedet, zöge marggraff Gumprecht mit dieszem 
kayszerlichen kriegsvolekh nach Neapolis, daselbst er von unge- 

10 wonheit des luffts erkranckthe ; starb anno domini 1528. 

B:^) Nach seinem todt haben seine brüder*) forderung an 
stifft zu Comberg durch den dechant zu Augspurg gethan, war ainer 
vonn Rechberg, umb dausent gülden. Also verschuff der byschoff 
zu Wurtzburg unnd verwilligt aines gutlichen tags; doch solt man 

15 herr Caspar etc. auch vor darumb ersuchen, ob er darain auch be- 
willigen wolt, der het dz recht jus zu diser propstey ; anno ut supra 
vor mittfasten. 

Der viert probst zu Comburg hat gehaissen Philips, herr 
zu Limpurg,*) domherr zu Bomberg unnd Wurtzburg. Hat die 

20 prostey auch eingenomen am tag wie es der margkhgrave het ein- 
genomen. Aber der margraff ist ime vorganngen bisz nach seinem 
todt ; hat auch dz geldt zum thail empfanngen. Aber nach absterben 
desz margckhgraven ist er wider an sein statt propst worden in 
die januarii anno ut supra. Item die herrn zu Limpurg haben zu- 

25 wegen bracht bey byschoff Conraden, dz inen die Combei^gischen 
bauren erbhuldigen mtiessen. Dasz ist an^) unnd wider bewilligunng 
dechant unnd capitels beschehen im anno domini 1531; welches 
bey mennschen gedachtnus nie darzu gebracht hat mögen werden. 

4 begüeten H*, B. 5 statt fehlto n. t. : halff nit vil B. | statt die er — achtete: an den 
er frewd het £. 7 hoff und allet H*, 9 inn Noap. J7>, R, St^, 10 kranck H^, B. 
12 gethan fehlt B. 24 am tag nach Burkhard! (— 14. Oki.) anno 1628 St^, 

*) Die folgenden Abschnitte bis zum Chorherrnverzeichnis einschliesslich 
stammen aus E und St^y sind aber nach Inhalt und Stü ohne Zweifel Wid- 
manisch. In St* finden sich davon nur noch wenige magere Notizen, nämlich 
von Philipp von Limpurg und Erasmus Neustetter die Namen, und zu Daniel 
Stiebar die Worte: thumbherr zue Wurtzburg etc., noch lebendt; Gott wolle 
laug und seliglich. — ') Kasimir (war u, a. Domherr zu Augsburg), Albrecht 
(der spätere Deutschordensmeister), J^Yiedrich und Georg (Reformator der Mark* 
graf Schaft Ansbach); Gumprecht war der jüngste der Brüder, Die näheren 
Personalien dieser Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach gibt Amrhein a, a, 0. 
S, 63 f. 231, — •) Er wurde Propst 1528, t 8. Okt, 1646: seine Personalien 
samt Grabinschrift bei Amrhein S, 217, — *) = ohne. 



— 186 — 

Dieweil aber dechant unnd capittcl suspendiert wasz, iiuderstundt 
man sich aigens gewaltz, unnd der herr Friderich vonn Schwartzen- 
burg was von bysehoffs zu Wurtzburg wegen da mit sanibt seinen 
gesandten. Aber Gott fuegs alsz zum besten. Actum ut supra. 

Der funfft probst') hatt sein executores her gen Comburg 5 
geschickt am sontag') nach sännet Urszeln tag, Sixt Lochinger 
thombherrn unnd ain secretary mit namen Andreas Stahel; haben 
die possesz eingenomen; hatt in der byschoflf Melchior^) ordinaria 
gelihen, desshalb ime dechant unnd capittel auch gelihen unnd inen 
die possess geben umb 3 uhr nachmittag anno domini 1545; hat 10 
Daniel Stieber gehaissen. 

Die dechant zu Comburg. 

Der letzst probst "*) unnd erst dechandt ist gewessen Fri- 
dericus de Buchelberg; hat wol gehauset, ist gestorben anno domini 
1493; welcher gar alt gewesen. 15 

Der ander dechant ist gewesen herr Conrad Schenckh vonn 
Schennckhenstain ; ^) hielt sich vast wol unnd nam den stiflFt ein 
anno domini [1493]. Damach kam er hinweg gen Kadelspurg,^) 
ist gestorben ann der siben schlaffer tag^) im anno domini 1519 
unnd leit begraben zu Biberach. Dem Gott gnedig sey. Amen. 20 

Der dritt dechant ist gewesen Erhardt vom Schaumberg.**) 
Der hat helflfen verkhauflFen Kuntzelszhaim, auch denn Stain unnd 

1 Dieweil — supra f«Mt; tfatt dessen: DisEor probst ist gastorben nach »anct Michae1i8tag 
anno 1646 St^. 5 Der Abschnitt ist bei 8t^ kürzer, ohne die PersonalnolUen. 11 St^ fügt 
nach geliehen (das übrige fehlt) hinzu: Disser probst ist tbomberr su Bomberg, Wirtzbnrg 
und probst bu Hauff gewesen, hat dem stifft in seinen nOthen vil guets gethon, sonderlich 
da kay: may : xn Botemburg mit seinem kriegsrolckh lag, erlangte er das kein kriegvolckh 
das ttiffi tolte beschweren, gab ime Sicherheit darfUr; das hiosz salva guardia. Aber die 
trewlosen Hessen habens nicht gehalten, wie wir weiter hören werden. 17 sich aus St^, 
fehlt B. 18 fl493] nach Müller, BiUerst. Komb. 8. 38; „1604'' R. Hl Schönborg 81^. 

22 Kttntzelszaw St^, 

*) Daniel Stithar von BuUenheim, 1545 bis Aug. 1555^ s. Müller S. 37, 
Ämrhein S, 110. Während seiner Amtsführung hat Widman seine Chronik 
abgeschlossen, wie dies auch in den oben (S, 185 Anm, 1) aiis St* mitgeteilten 
Worten d<rutlich zum Ausdruck kommt. — ') *J5. Okt. 1645. — *) Melchior 
Zobel von Würzburg. — *) irrig statt : letzte Prior. — *) 1493—97 : der Stamm- 
sitz dieses Geschlechts war die 1525 ztrstörte Burg Schenkenstein bei Auf' 
hausen OA. Neresheim. — «) Kadolzburg in Mittelfranken Bez.-Amt Fürth. 
Das dortige Schloss war Sitz der Brandenburg-Ansbacher Markgrafen. — Nach 
Kadolzburg zog »ich Schenk 14V7 zu Verwandten zurück, weil er seines Korn- 
burger Amtes überdrüssig war, und starb daselbst 1519. Müller S. 25. — 
») 27. Juli. — ") Erhardt von Schaumberg 1497 bis 31. März 1518; Näheres 
über ihn Müller S. 25. 38. 



— 187 — 

die güldt zu Maintz inn der statt, der aiii gutt theil gewesen ist; 
bey ime ist auch der Ottenwaldt^) verkhaufft unnd wol für 12 taii- 
sent gülden wert guetter vom stifiFt Comberg hingeben worden gegen 
denen vonn Hall.*) Er hat auch gestiflft, dz man inn viermal im 

5 jar begeen must.^) Ist gestorben anno domini 1518. 

Item bey disem dechant hat der stiflFt Comburg zu Hall im 
stiflfthausz wein geschenckht die masz umb 4 -^; war dazumal 
ainer darin, hiesz Niclausz W'ägelin ein goltschmidt.^) 

Der vierdt dechant ist gewesen herr Hainrieh vonn Kölen.*') 

10 Der hatts gutt mit dem stifft Comburg gemaindt; hatt gemacht die 

anndem seitten im lanngmunster, dz sein seh wager der Geyszberger 

ufrichten unnd gewelben [liesz];*) cost [170] fl. Er hatt auch sännet 

Anna') uflFgericht. Unnd ime wurd vergeben. Starb anno 1519. 

Der funfft dechandt ist gewest herr Jörg vonn Truppach.**) 

16 Hat dz stUblin unnd camer inn der altten abtey lassen machen, 
auch deszgleichen die mittelstuben neben der grossen lioflFstuben. 
Hat regiert 14 wochen. Im wardt auch vergeben unnd starb zu 
Margckhgraven-Baden.^) Leitt zu Comberg begraben unnder Wei- 
precht vonn Rüxingen anno 1520. 

20 Dersehstdechantist gewesen herr CraflFt von Rüxingen'^) 

anno 1521. Bev ime ist Griessen vcrkauflFt, auch die wisen zu 
Michelfeldt unnd die zehenden Weckhriden, Erlach unnd Gelbingen, 
unnd hat denn stiflft inn grosse schult gebracht. Auch bracht er 
inn unnd sein capittel in grosz anngst unnd nott; wurdt durch denn 

25 byschoff vonn Wurtzburg desz geschlechts vonn Tungen abgesetzt 



6 Der Absatz fehlt Sfi. 13 Hess fehlt B. | 170 nach Müller, Gesch, dt» RiUersUft» Komb. 
S. 26; 70 B. 21 Oiessen 67«. 24 uchuld, angst ... *'<»; da« folgende kürzer in Ä». 

*) Bei Müller: Odenwald, ein in der Nähe Komburgs gelegener Wald? 
oder Güter und Gerechtsame im Odenwald? — •) Er war es auch^ der den 
Hallem 1608 das Paironairecht an der Michaelskirche zu HaU überliess. — 
') d. h. viermal eine Seelmesse für ihn lesen, — *) Nach Müller war die Er- 
öffnung dieser Wirtschaft im Komburger Hof zu Hall ebenfalls eine Folge der 
ujirtschaftlichen Bedrängnis des Stifts. Der Name des Goldschmieds lautet bei 
ihm Nagel. — ») Heinrich von Köln 1518—1619, Müller S. 26. — «) d. h. : da 
das Stift selbst zu wenig Mittel hatte, so legte Gaisberger die Kosten aus. — 
^) Die St. Annenkapelle. — ») 1519. S. Mütter 25. 36. — •) = Baden-Baden. 
— *^) Kraft von Riexingen 1520—26, aus der Familie der Herren von Biixingen 
zu Unterriexingen OA. Vaihingen, über seine persönliche ünwürdigkeit und 
schlimme Wirtschaft, die zur Veräusserung von Stiftsgütern im Wert von 
12000 fl. an Hall führte, s. Genaueres bei Müller S. 25. — Vom Bauernauf- 
stand blieb Komburg eben deswegen verschont, weil den Bauern bekannt war, 
dass im Stift nichts zu holen sei. 



— 188 — 

anno doniini 1528 zu fasznacht. Ist gestorben am dritten sonntag*) 
nach Ostern im zweyunddreysigsten jar zu Lentzsidel,^) leit zu 
Comburg begraben. 

Der sybent decbant ist gewesen Eucharius von Fron- 
hofen.^) Der ist durch den bisehoflf zu Wurtzburg geen Comburg 5 
eingesetzt worden inn der va«ten alsz man zalt 1528 unnd umb 
Phillipi und Jacobi.*) Diser dechant hat inn drey jarcn hernach 
alle schulden bezalt, auch die versetzten zehenden wider zum stifft 
geloszt, volgendz ain grosse summa geltzs auszgeben, löszt auch 
ettlich zinszgeldt \vider unnd verrechendt inn disen jaren 3000 fl., 10 
so doch vor nit mehr dann 1500 verrechendt worden sein. Diser 
dechant het grosz gluckh; er wurdt chorherr und inns capittel ge- 
nommen, darzu dechandt, alsz inn ainem jar. Welcher es gar gut 
gegen dem stiflft meinendt. Er hat auch dargegcn grosse mühe 
unnd arbeit, unnd wasz man ime vast wider. 15 

Item bey disem dechant ist die erbhuldigung*) beschehen, 
doch wider inn und ein capitel ohne bewiligung, actum nativitatis 
Mariae^) im 1530. jar. 

Er hat auch abgeh*)st vil zinszgelt bey 60 fl. ewigs geldtz, 
unnd hat dz gejäge oder klain waidwerckh erlangt gegen der herr- 20 
schafft Limpurg vonn Komberg am fuszpfadt uff den Ainkhorn bisz 
uf Bönlins>visen, die der altten Jilgen Hensin gewesen, unnd d<ar- 
nach herab bisz zum altten lanndtgraben, darnach furhin bisz gen 
Sultzdorff, vonn dannen bisz zum capelle bey Dunngenthal, von 
dannen wider herein bisz zur Hessentaller staigcn.^) 25 

Es gulten zur selbigen zeitt ain viertel korns und zwey viertel 
dinnckhels zween gld. ; schuhen . . . gld. laibdings ab^) unnd gab 
man 5 chorherrn nichtz.^ Da was gutt sparen. 

Er hat also geregiert, dz mann ine denn dritten stiffter nandt. 

4 Sehr abgekürzt erscheint der Abschnitt in 8t^. 

*) 3. Mai 1528, — ^) Lendsiedd, bei Kirchberg a. d. Jagst. — ^) Euch, 
von Fronhoven 1528-34, Müllen- S. 26. — *) 1. Mai. — *) Die oben (S. 185) 
erwähnlCy von Propst Philipp zu Limpurg im Widerspruch mit Dechant und 
Kapitel zwangsiceise durchgeführte Huldigung, durch welche die Komburgischen 
Bauern genötigt wurden, die Limpurger Schenken ah ihre erblichen Herren 
anzuerkennen. — •) 8. Sept. — ^) Das hier beschriebene JagdrecM umfa.sst ein 
Gebiet, das sich von Komburg ost- und südostwärts bis auf die Ktiifernung 
von (i — 8 km (nach Sulzdorf und Thüngenthal) erstreckt. — ') = lösten die 
Verpflichtung, Leibgedinge im Betrag von .... (die Zahl ist unleserlich) zu 
zahleii, ab. — •) Dieselben werden so reich gewesen sein, dass sie auf ihre 
Rechte (eben diese Jjeibgedinge?) versichteten. 



— 189 — 

ist verschieden am douderstag ') in octava assumtionis Mariae zu 
nacht. Hat geregiert 7 jar, unnd wie zu besorgen es möcht ime 
auch vergeben worden sein, wie er selber bekhendt durch der Wal- 
burgen dochter Ursula. Actum anno domini 1534. Cuius anima 
5 requiescat in pace. 

Der acht dechant ist gehaissen Eittel Treuttwein,^) sco- 
lasticus zu Wurmbs unnd propst zu Newhausen.^) Der ist auch 
durch denn bj schoflf zu Wurtzburg gen Comberg eingesetzt worden 
im anno 1535; ist uftgezogen am sonntag corporis Christi.^) Also 

10 stiesz inn ein grosse kranckheit an, dz iederman maindt, er khäm 
nit darvon. — Er hat auch die maur vom schlaffhausz bisz zur 
abtey gemacht unnd wider ufrichten lassen. Darnach ist decanus 
in ein bad zogen, darin er gar kranckh worden; hett ein siechtag 
an ime, welcher ime die vernunflFt gar heflftig genomen. Letzlich 

15 anno domini 1536 mittwoch*) nach Valentini starb obgemelter de- 
chant. Dem Gott gnad. 

Derneundtdechenthat gehaissen Gernandus vonn Schwal- 
bach ;^) wahr ain corherr von Brüssel. Der ist auch durch denn 
byschoff zu Wurtzburg gen Comburg durch doctor Conrad Fuxen 

20 — inn beyden stitftcn Comburg unnd Newemunster zu Wurtzburg 
corherr gewesen, auch assessoren daselbst — eingesetzt worden, 
die possesz am tag Leonhardi^) im jar 1536. 

Der 10. decanus hat geheissen Erasmus Neustetter, Sturmer 
genandt, 

25 St*: probst zu Newhauszen, Wiitzburg und Bomberg, welcher der 

viert stift'ter genant mag werden, wann er denn stifft an allen orthen 
widerumb ernewert, erstlich die kirchen renovieren laszen, volgents ein 
newe ringkmaur mit thümen rings umb das stiflft gefürt, ein newes hausz 
bey dem thor, da der Steinbruch ist, gebaut, und vier steine thorheuszlin 

30 sambt den mauren umb die gärten. Auch hat er zu Steinbach das korn- 
hausz, badstuben, wie auch die bachmühlin daselbst gebauet. Diszer de- 
chant ist gestorben den . . . anno domini 1594. Requiescat in pace.') 



a durch eine von Steinbach (de»' Name fehlt) St'^, 19 durch — d&selbst fehit 8t-. 21 wor- 
den. Dieser dechant liesz alle kirchen abgeen, besonder Unszer Frawen kirchen zu Com- 
burg (d(ui f Ol ff ende teils unklar, leih fttlschj St^, 

*) ^. Aug. 1534. — ») Eitel Treutwein 1635-36, Sohn des oben S. 13 f. 
besprochinen Hauer y^Chronisten^ Daniel Tr, — Über Eitel s. auch oben S. 30. 
— 8) bei Woms. — *) 30, Mai. — *) 15. Febr. — •) Gernand v. Schwalbach 
1537—1550, Müller S. 26. — ^) 6. Nov. — ») Von diesem nur in St* erhalUnen 
Abschnitt mögen^ abgesehen von dem weit über Widmans Zeit hinausfallenden 
Schlusssatz, einige Angaben auf Nachträgen beruhen, die von dem Chronisten 
selber herrühren. — Erasmus Neustetter vrm Schönfeld, genannt Stürmer, war 



— 190 — 

R: Verzaichnus *) aller corherren gaystlich unnd weldtt- 

lich, 80 nach der trauszlation zu Comburg residenz 

thonn, von allerley gutten edellgeschlechten wie volgt: 

Herr Bartholmesz von Lomstatt, priester unnd seolastor, 

item Philips von Holb, 5 

item Görg Vohenstein, 

herr Philips von Berrlingen, priester unnd canttor,^) 

herr Conrad von Wildenholtz, priester unnd eustor, 

herr Conrad von Amberg, priester, 

herr Conrad von Rinderbach, priester und scolaster, lo 

herr Marthin Zobel, priester und canttor, 

herr Enndris von Neydeckh, priester, 

item Blasius von Redwitz, 

herr Görg Hell, priester und canttor, 

herr Görg von Biszwanng, priester und eustor,^) 15 

item doctor Linckh, 

herr Ludwig von Emerszhoven, 

herr Philips Haberkhorn, priester und canuttor, 

4 nach Lomittatt alu stoeiUr: herr Soyfrid TOn Hohensteln, priester 8t^. 

von 18. März 1551 — 83 Dekan und 1683—94 eugleich Propst Über diesen 
hochgebildeten Mann, dessen ganze Wirksamkeit getragen war von der reinsten 
Humanität, gibt Müller S, 27 f. und 38 das Wesentliche, besonders so weit es 
sich auf seine Komburger Amtstätigkeit bezieht ; hier findet sich auch eine Auf- 
zählung seiner Bauten nach Wacker und Prescher; weiteres bei v. Wegele, 
Geschichte der Univ. Würzburg. Neusteiters Verhältnis zum gleichzeitigen 
Humanistenkreis behandelt Buland: ^Erasmus Neustetter, der Mäcenas des 
Franeiscus Modius^ im Archiv für Unterfranken Bd. 12. — Das schöne Denk- 
mal Neusteilers in der Grosskomburger Kirche ist abgebildet und beschrieben 
bei Müller, Die Grabdenkmale in Komburg (Württ. Jahrbücher für Statistik 
1897, Heft 1) S. 225. Sein Grab int im Würzburger Dom. — Zu Widman 
und seiner Familie stand Neustetter in nahem Freundschaftsverhältnis: 1567 
findet er sich in den Kirchenbüchern von St. Michael als Pate eines Enkels, 
1572 eines Urenkels des Chronisten, wobei der Täufling beidemal seinen Namen 
Erasmus erhielt. Diese Patenschaft ist um so bezeichnender, da des Chronisten 
Sohn und Enkel entschieden auf der prottstantischen Seite standen. — *) Dieses 
Verzeichnis reicht, wie sich aus einzelnen Anzeichen mit grosser Wahrschein- 
lichkeit ergibt, von der Umwandlung des Klosters bis ungefähr 1550, kann also 
sehr wohl auf Widman zurückgehen. — ^) Philipp von Berlichingen war ein 
Sohn des Hans Wolf von Berlichingen in Jagsthausen, s. Friedr, Wolfgang 
Götz, Graf v. Berlichingen : Geschichte des Bitters Götz von Berlichingen S. 619, 
wo jener Philipp für das Jahr 1550 als Komburgischer Domherr verzeichnet 
wird. — ■) Von ihm Iiat Weiprecht Schenk von Schenkenstein (s. u.), wie er in 



— 191 — 

herr Waiprecht Schenckh von Schennckhenstain, priester uniid 
canttor,^) 

item Florian Haberkhorn, 

item Casper von Creilszheim, 
5 item Phillips von Seekhendorff, 

item Pangratius Sehott, 

item doctor Beyhel Schmid, priester, 

item Willhelm von Allatzaim, priester, scollaster, 

herr Philips von Gundelshaim, 
10 herr Görg von Münehingen, priester, 

item CristoflFel von Münehingen, 

item doctor Dierdegen von Westers tetten, priester 

item Johans Dieterich Lochinger, 

item Michel Haberkhorn, 
15 item Conradus Christophel von Bühel, 

item Felix von Stetten, 

item doctor Conrad Fuchs, priester,^) 

item Simon Lochinger, 

Leonhardus N. von Gundelshaim, 
20 Conradus von Schwalbach, 

item Wilhelm von Morstain, 

item Philips von Stetten, 

Cristoffel Engelhöffer, 

herr gr. Görg vonn Schaumberg, 
25 item Ilansz Sigmund von Walrod, 

Wilhelm von Stetten, 

Conrad von Fronhoffen. 

Closter Gotsaw. 
Aus Münster 809, 

30 Cluster st. Bless in, st. Georgen. 

Sf. Blasien aus M, H54; Sf. Georgen eben daher; zu letzterem 
ein Zusatz Widmnns, bezüglich auf einen zu seiner Zeit iyi Hall 
wohnhaften Adeligen, namens Jakob Degernauer. 

5 SohenckhendorfF Si^. 11 priester SO. 24 SohwarUenbnrg SiK 25 Waldrolh St^. 

seiner Komhurgischen Chronik, Duellius Mise, 2, 296, selbst berichtet, das 
Komburgei' Stiftungsbuch behufs Eintragung weiterei' Notizen erhalten, — *) war 
1525 — 28 mit der eben erwähnten Fortführung des Komburg^r Stifterbuchs 
beschäftigt, s, auch oben S, 168. — «) s, o, S, 122 und 189. 



— 19Ö — 

Graffen des Greggawes. Suiisheimb. 

Diese Notizen über die Kraichgaugrafen als Stifter des Klosters 
zu Sinzheim scheinen wenigstens zum Teil aus M, 896 und 904 ge- 
schöpft. 

Elchingen ward gebawen. 5 

Nach M. 873. Aus eigener Kunde fügt Widnuin hinzu: (Das 
Kloster) wirdt anno 1546 durch ihre anstoszende nachtbaurn ver- 
brandt; gaben folgendt 1800 fl., das closter widerumb zu bauen. 
Dieszer schadt wardt bey weithem nicht bezahlt, unndt nach publi- 
cirtem interim wider gehauen wordten. 10 

Scheurn. 
Kurze Notiz aus M. 912. 

Kayszheimb. 

Anfang aus M. 833; die folgenden Angaben über den Reich- 
tum des Klosters aus anderer Quelle. 15 

Hernalb. 
Aus M. 854 j mit einem nachwidmanschen, evangelischen Nachtrag, 

Schönthal. 
Kurze, kaum auf M. 836 und 909 zurückführbare, Notizen. 

Lorch, closter. 20 

Anno domini 1108*) ungefehrlich ist dasz closter Lorch an 
der Rembs bey Schwab. Gemündt liegendt, dasz eine bürg, undt 
die herrn von Stautfen, des geschlechts kayszer Fridrich Barbarossa 
genandt, gewesen, ihre wohnung gehabt, von denselben hertzogen 
von Schwaben gestiefftet undt gebawen und anno domini 1525 von 25 
denn ufrührischen bauren, die sich evangellisch nennten, gantz ver- 
brandt undt geblündert worden,^) volgendt durch den landtfürsten 
sampt andern elöstern eingezogen, die münche auszgetriben wordten, 
bisz dasz interim durch kayszer Carll den fünfften zue Augspurg pu- 
blicirt; seind diesze münchen wieder restituirt und eingesetzt wordten. 30 



21 Anno -unRefehrlich fehlt H^, HtaHdtusen: Eben disfer «eit .SV*; statt 1108 gibt H^: lOCl. 
36 die — nennten ftMt U*, steht B, St*. 

*) Die richtige Jahr zahl ist ll(j:i. Literatur Ober das Kloster $, Kgr. 
Württ, 3, 619, Urkunden besonders hei BesoM, Documenta rediviva 713 ff. — 
») f)A WeUheim S. 189 : Herolt S, 302 f. 



— 193 — 

Penates zue Lorch gefunden. 

Under dieszem closter liegt ein dorflF, auch Lorch genandt; 
hat ein kirchen, darinn 4 pfarr seindt. Allsz in menschengedächt- 
nus solche pfarrkirchmauer uf der einen seithen ist abgebrochen 

5 wordten, in meinung die zu erweittern, seindt unden uff dem fuesz 
in solcher mauren 6 rothe irdinne glatt bedeckthe häffen mit aschen *) 
gefunden wordten. Etliche achten, dasz solche aschen sey der 
alten heim von StauflFen, alsz sie noch hayden warn, nach heyd- 
nischen sitten gepülflFerth, in diesze kirchen, die vielleicht dazue- 

10 mahl ein heydnischer tempel, Muskea genandt, gewesen, zu ewiger 
gedächtnüs dahin vermaurt, die penates, sonst wichtenlin genandt. 
Aber etliche meinen, es seye die aschen kayszer Friedrichs Bar- 
barossae sambt ander seiner diener im heyligen landte, genhalb 
meers gestorben. Und dieweil deszen leib nicht in Teutschlandt 

15 zue begräbt ihrer elter habe gebracht werdten mögen, seye der leib 
mit wohlrüchenden kräuttern und aromatis, wie es in Syria ge- 
bräuchlig, zue aschen verbrandt, die aschen gen Lorch geführt undt 
in diesze mauer verschloszen wordten. 

Anfang des bisthumbs Aystett. 
20 ^'us Münster 927, 

Closter zue Hagenaw. 
Aus 3/. 676. 

Stifftung des closters Schönaw. 

Anno domini 1142 ist dasz closter Schönaw,^) Bemhardter 
26 ordtens, ein meil ohngefehrlich bey seiths ob Heydelberg, im Otten- 



10 Muiohkea R. li dieweil ix H^, B, 8tK 2i Benedioter R, 

') Von diesem Funde, der nach Widmans ungefährer Zeitbestimmung 
(in menschengedächtnus) in die ersten Jahreehnte des 16, Jahrh, fallen muss, 
erwähnen die einschlägigen Werke der neueren Zeit nichts. Dagegen berichtet 
OAWelzheim S, 116, dass bei einer im Jahr 1837 vorgenommenen Ausbesserung 
der Dorf kirche zu Lorch tief im Fundamente viele Gefässe aus tei*ra sigülata, 
darunter einige mit herrlichen Emblemen, e. B, einem Bacchuseug, gefunden 
worden seien. Unter diese römischen Gefässe werden wohl auch die von 
Widman genannten gehören, — Die weiter angereihten Vermutungen über 
die ursprüngliche Bestimmung dieser Gefässe sind ohne Zweifel beeinflusst 
durch die Kenntnis von den in der Kloster kirche befindlichen Hohenstaufen- 
gräbem. — *) In Schönau wird Widman während seines Studienaufenthalts 
in Heidelberg 1500 ff, bekannt geworden sein; dass er überhaupt dort gewesen 

Württ. GeschiehtBqaellen VI. 13 



— 194 — 

waldt liegendt, von Burckardo, bischoven zue Wormbs etc. — in 
ernanthem closter Schönaw im chor vor dem boben altar begraben 
— gestiflFtet worden. Dieszer biseboff Burekhardt ist in seinen 
jungen tagben Bug umb kürtze des nahmens per syneopen genandt 
wordten,^) wie dann auch bey unszem zeithen gemeiniglich der so 6 
Burckbardt geheiszen Burgk genandt, und die letzte sillben under- 
laszen wordten. Ist desz geschlecbts der von Rabenstein, uf Bam- 
berger bürg säszhaflft, gebohrn und genanth, sein vatter auch Burek- 
hardt, seine mutter aber Judita von Achorn*) gebohrn; ist erstlich 
zue Bamberg zue schuel gangen, der lehrung obgelegen undt wohl lo 
studirt, also dasz könnig Heinrich ihne Burckhardum, da er er- 
wachszen, zu seinem rath und diener hat angenohmmen. Ist erst- 
lich probst zue Aschenfenburg, volgendts bischoflf zue Wormbs er- 
wehlet wordten. Aber ehe dann er zum bischoff bestettiget, hat 
sich ein unversehener zwittracht und entböhrung zwischen könig 15 
Heinrichen und Alberto,^ dem alten ertzbischoven zue Maintz zu- 
getragen. Dieweill dann er den kayszerlichen hoflF verlaszen, be- 
meltem seinem ertzbischoflfen zue Maintz, von deme er bischoflf zue 
Wormbs bestettet, angehangen, hat er und sein bistumb nicht 
wenige anstösze leiden müszen, allso das kay. Heinrich bemelten 20 
bischoflf Burekhardt von seinem bisthumb vertrieben, so lang bisz 
kay. Heinrich todtes verschieden.*) Da ist der friedt eingangen 

4 amb aus H^, und 8t^. € und — wordten fehlt H^; nnderlatsen wurdt R; wie dann — 
wordten fehlt 8t^, 7 Bemberger H*. 9 Aiohorn J?'; Jadica renn Aiohorn B, 6t*, 
12 sn seinem core B. 18 Aechenburg 8t*. 20 anstOese gehabt H >, B, 22 angangen 8t*. 

ist, bezeugt er bestimmt am Ende dieses Abschnitts, Jedenfalls weist die ein» 
gehende Art, wie er hier bei'ichiet, auf ein lebhafteres Interesse^ und die Erwöh' 
nung gewisser Einzelheiien auf Autopsie, Die Urkunde, die er nachher ein- 
fügt, wird er im Klosterarchiv erhalten haben, — ') Bischof Burkard, oder 
Buggo (Trithem. Chronik. Hirsaug.)^ Buckono (Zimmerische Chronik), stand 
dem Wortnser Bistum vor nach Münster 1115 — 1150, nach der unten folgenden 
genaueren Angabe Aug, 1114 bis 5. Dez, 1149, Die eingehenden Mitteilungen, die 
dir Chronist hier gibt, sind augenscheinlich aus einer vita des Bischofs ge- 
schöpft, die vielleicht dem Stiftungsbuch des Klosters vorangestellt und jeden- 
falls, wie der ausserordentlich genaue Synchronismus am Schluss beweist, mit 
grosser Sorgfalt abgefasst war, — *) wohl fränkische Aussprache für Eichhorn; 
die Zimmerische Chronik 1, 143 nennt diesen Ort (ungewisser Lage, im Franken- 
land?) als seine Heimat („Bucko von Worms, war seines Herkommens von 
Ahorn, ein FrankeV» Bei Münster 706 dagegen : Graf von Athom. — •) Adel- 
bert I. war Erzb, von Mainz 1111 — 1137 : seine anfängliche Freundschaft mit 
Heinrich V, ging seit 1112 in scharfe Opposition über: von derselben Zeit an 
muss also auch Burkhards Entfremdung gegen den Kaiser gerechnet werden. 
— *) 1125. 



— 195 — 

und gedachter bischo£f widerumb seines bisthumbs eingesetzt, solches 
seeliglich und löblich regireth. 

Zue dieszen zeithen seindt durch seine fürderung in seinem 
bisthumb diesze 3 cellen — volgendts zue clöstern geordneth — 
^ nemblichen Franckenthal ufiF dem Wormbser gäw, Augustiner, Loben- 
feldt uf dem Greggäw,^) frauencloster Benedicter ordens, und 
Müllnehagen gestiflFtet worden. So hat er, bischofiF Burckhardt, von 
dem seinen und auff seinen costen obgedachtes Bernhardinercloster 
Schönaw im Ottenwaldt liegendt gestifftet, mit nutzungen begabt, 

10 und manchen Clarevalensibus von Erpach besetzt. Dieszer bischoff 
Burckhardt hat gelebt zu den zeithen Heinrichs desz vierdten, 
Lotharii desz andern und Conradi desz andern Römischen kayszers *) 
und Alberti desz eitern zue Maintz, Friderici zue Collen, Ottonis 
zue Bamberg, Emichonis zue Würtzburg, Gerhardi zue Aystett, 

15 Conradi zue Saltzburg, Sigfridi zue Speyer, Hermanni zue Augspurg,') 
ertz- und bischoven. 

Alsz mehrgedachter Burckhardt dasz bisthumb Wormbs 35 jähr 
undt 3 monath regiret, ist er in eine seh wehre krankheit gefallen, 
christlich, andächtig, löblich seine letzte tag beschloszen unnd ver- 

^ schieden nonas decembris a? 1149, im bemelten closter Schönaw 
von Gunthero, bischoflFen zu Speyer,*) vor dem hohen altar des 
chors begraben; nach welches hinscheiden der stieflft Wormbs viel 
Widerwärtigkeit und schmählerung erlietten. 

Damit aber ein grund der stieflftung dieszes closters gezaigt 

-Qb werdte, hat mich nicht bevieleth, den stiflfterbrieflf*) von wortt zue 
wortt wie nachfolget lauttende, hiehero zu verleiben: 

4 xue cl. gerotten J7, Sf^. 5 Btatt gftw : gebirg H^, S, Sfi, 6 Krackbaw JET', £; Creichgiw 8t\ 
7 Multnehagen B, 12 kaitern H>, H, 14 Embricas H^; Emriconis R, 19 statt ohrltt- 
lich — löblich: und im volkhomlichem alter H^ f dasselbe samt den Worten ohriitlich, and.« 
lObl. B; im christl. rolkhom. alter, lOblicb aod andechtig 8tK 20 sonas deo. feMt fli. 
25 will ich den . . £r>; hat mich beulet B. 

>) Kraichgau: über die von Buggo geförderten Klosterstiftungen von 
Oroas^ und Kleinfrankenihal, in der Nähe von Worms, und von Lohenfeld, 
östlich von Neckargemünd, berichtet Trithemius, Chron, Eirsaitg, 1, 401, — 
•) nach der üblichen Zählung und Bezeichnung: Heinrich F., 1106-— 1125, 
Lothar der Sachse 112Ö—1137, Konrad IIL 1138—1152.— ») Die Begierungs- 
jahre dieser Bischöfe sind (nach Münster und Weidenbach Kalendarium) Adel- 
bert L s. o,, Friedrich, Erzbischof von Köln 1099 — 1131, Otto von Bamberg 
1102—1140, Emicho oder Embricho von Würzburg 1125—1140, Gerhard oder 
Qebhard von Eichstädt 1123—1148, Sigfried von Speier 1127—1142, Hermann 
von Augsburg 1127—1142, — *) Günther, Graf von Leiningen, war Bischof 
s)(yn Speier 1142 — 1156; unter ihm wurde Maulbronn gestiftet, — •) Bas lat. 
Original des Stiftungsbriefs findet sich in Gudens SyUoge (wo im ganzen 



— 196 — 

Im nahmen der heyligen untheylbahrn dreyfalltigkeit etc. Ich 
Bugo — der auch Burckhardt genandt — von Gottes gnaden der 
Wormbischen kirchen bischoflf, allen glaub[ig]en im herrn ewig heyll. 
Dieweilln nach formb der lehre von heylligen vättern uns gegeben 
wir allhie keine bleibendte statt haben und derhalben sollen mit 5 
gantzen cräflFten mit würckhung göttlicher gnaden zue dem vatter- 
landt, da friedt und freudt ohne endte ist, versehnen,*) dann so wir 
ietzt etwas zue der kirchen Gottes oder dero dienst von unszem 
gaben geben mögen, verhoflFen wir darausz eine ewige widervergel- 
tung zu empfangen. Ich will, dasz kundt sey und wieszen gegen- 10 
wärtigen alters undt nachkommendten, dasz ich dasz ortt Schongäw, 
nachdeme ich mir vorgesetzt zuer ehre und dienst Gottes zue ver- 
ordnen, damit ich daselbst nach meinem todte von meiner arbeith 
ruhendte, habe auszgenohmen und gefreyhet von gerechtigkeit der 
güllt und zehendt, entledigt von allem layschen gewalt undt gezogen 15 
under herrschafft, gewalt und schütz aller Wormbszer bischoffen, 
so ordentlich mir nachkommen, unnd den brüdem, die daselbsten 
under st. Benedicti regulen leben, geben, damit ich theilhafftig 
werdte aller guthat, so darinnen tag und nacht zur ehre Gottes 
vollbracht werdten. Dieszes orth aber ausz grundt undt aigenthumb 20 
desz heyligen apostells st. Petri kirchen zue Wormbs, welcher wir 
ausz göttlicher gnaden vorsein, und dasz Poppe, gr. zue Lauffen 
von uns zu lehen gehabt und von demselben alsz ein affterlehen 
Bleyckhardt von Stainach, welcher Bleykardt uf unser begehm 
solch orth hat graff Poppen übergeben, nemblich vom bechlin, der 25« 
KlUpfelbach genenth wirdt, bisz zue dem bächlin der Blfinderbach,^) 
uf beederseits desz waszers an wiesen, ackern, waszer, gesträuszig/) 
sambt beyliegendem waldt zwischen Gantzawe*) und Otterspach; 
und er graff Poppo hat wider übergeben in unser handt, dasz ich 
solches zum gottesdienst verordneth. Ich aber für solches alles 30 



3 gläubigem H^, B, 8t^. 7 ▼ersehnen aus H*, B; versöhnen St^; verlohnen 8t^. 8 eu 
ehre der H*, B, 8t^. 9 widerlangen oder vergelinng St*. 11 altert das HK | Schonaw 
IT«, St^; Schönauwe B. 14 arb. mwet H^, B, St*. \ unnd güllt HK 17 mir nachk. : 
mit umbgehen H^, B. \ den br. nach dem lat, Orig,, der brüder StK 20 Dises statt ort 
B, I aus« macht, gr. . . . H ', B. 21 wir nach Orig., Cpraesidemut) ; mir St ». 22 Popo 
JT*, Boppo B, Pobo St*. 24 uff St«inbaoh St*. 26 Cliffelbach H«, B; Clöffclbach 8t*. 
I Blttnderbach aus R^, B, St*; Bruderbach StK 27 gesträsig St*, 28 Gnntsawe £r>; 
Gunsawe B, St*. 

166 Schönauer Urkunden mitgeieüt sind) S. Bff, Widmans Übersetzung folgt 
dem Original mit giemlicher Genauigkeit, ohne Auslassungen oder bedeutendere 
Abweichungen. — *) Orig,: anhelare, sich sehnen („versehnen^), — *) Orig.: 
BUndenbach. — *) Ofig.: arbustis. — *) Orig.: Ganaaha. 



— 197 — 

habe ihm zu lehen geben und gelihen uff 2 pfundt — duo talenta 
— in der statt Wimpffen, und in 3"^ dörffern Newenheimb, Bottes- 
heimb und Isenheimb. Aber der obgenante graff hat solche lehen 
widerumb in die handt Bleyckhardts von Steinnach verlihen. Da- 

5 mit aber ich denselben Pleykhardt doch mit etwas von wegen seines 
christlichen andächtigen willens verehrt, habe ich ausz rath und mit 
bewilligen unszerer kirchen ihme und seinen nachkommen denn 
kirchenzinsz oder schätz zue Steinach, der im Schaltjahr stehet*) 
zue teutsch kirchschlosz,*) dasz er von uns empfahe, verlihen. 

10 Damit aber Schönawer freyheit und anders so wir gemacht haben, 
in ewigkeit unvoUbrüchlichen bleibe, haben wyr gebotten dieszen 
brieff mit ufftruckhung unszers siegeis bevöstiget zu werdten. Be- 
stettigung dieszer dinge sein zeugen, vonn gaistlichen Gottfriedt 
von Ilauszen,^) probst, Niebelin,*) custos, Gumpertus, probst sancti 

15 Cyriaci, Sygfriedus, probst zue Wimpffen, Sygfridus, probst zue 
st. Martin, Heinricus von Hauszen,*) decan, Herman, Schulmeister 
undt andere mehr geistliche ; von freyhen Poppe, graff zue Lauffen, 
Pleykardt von Stainach undt sein bruder Conradt, Conradus von 
Hirschenberg, Conradus Sporo ; von lehenleuthen : Gompertus, frey- 

20 herr,*) Heinrich Zöller, Berpott ^ und sein bruder Werner, Gerlach 
und andere mehr. — Geschehen sein diesze ding zue Wormbs zu 
zeithen könig Conradts nach der menschwerdung des herrn tauszenth 
hundert und zwey undt viertzig iahr, etc.*^) 

Dieszes closter ist erstlich anno domini 1144 aus dem con- 

25 venth desz closters Erpach besetzt, darausz ein abbt Embech ^ 



1 2000 a. HK 4 Stainhaim H^, 6 demselben St*. 6 willene begirdt, H^, B, 8 kirohen- 
zinuz oder schaU au« St^; kirchenichata B, 8t* f kircheDBatz H^. | steet %n handen H*, 
B, Sfi. 11 ewig xeit nnrerbrocheolich H^, B; ewigkheit nnrerbroobenlioh 8t*. 16 H. 
Sohuolmeister (als Eigenname) H*, ähnlieh B. 18 Conradue fehlt H*, 8t*. 19 ron Helfen- 
berg H^f Hiefenberg B, | 8pon 8t*. 24 anno d. 1144 fehlt HK 25 Embeyho if', Bf 
EiDbeto 8t*. 

*) Orig.: censum . . ., qui respicit ad manam episcopi in anno bissextili, 
der im Schaltjahr zuhanden des B. steht. — *) Orig,: qui viilgariter dicitur 
Kirchlose. — •) Or.: prepositus de Domo. — *) Nibelungus. — *) Henricus 
decanus de Domo. — •) vicedorainus. ~ ') Gerboto. — •) Monats- und Tages- 
hesUmmung fehlt auch im lat. Original hei Guden. Widmans „etc." scheint 
anzudeuten^ dass diese Daten auch in seiner Vorlage nicht vorhanden waren. 
— •) Embech, lies Emhricho, Als erster Abt erscheint im Abtverzeichnis 
Schönaus bei Widder, Versuch einer . . . Beschreibung der kurfürstlichen Pfdlß 
am Bhein (1766) 1, 349: Konrad L, Graf von Henneberg, womit die Urkunde 
in Gudens Sylloge S. 16 stimmt. Es scheint aber, dass in diesen Werken nur 
die urkundlich nachgewiesenen Äbte aufgeführt loerden, so dass Widmans anders^ 
woher, etwa aus der Klostertradition, geschöpfte Angabe über Embricho immer 



— 198 — 

genandt postulierth — erfordert — , welcher der erste abbt diesze» 
closters geweszen. So ist ietzo regirender abbt herr Sebastian 
Pfungstatt') von Heydelberg gebürthig. 

Es liegen auch in diesem closter etliche pfaltzgraven,*) auch 
andere mehr graven, freyherm und adels, derer geschlechte abge- & 
sterben, alsz die herm zue Lindenfelsz, Bieckhenbach, Brobach 
genandt Angeloch etc., undt vohrab im langmänster bey dem altar 
vor dem chor drey pfaltzgraven under dreyen langen sandtstainen 
ebner grösze nicht dann ihre epithaphia, mit groszen lateinischen 
buchstaben darauflF gehawen, habendt, item uflF der linckhen seithen lO 
dieszes langen mnnsters haben die herrn von Erpach, nun graven, 
ihre begräbt, under welchen etliche geistliches standts, dieweil sie 
diaconi oder subdiaconi gewesen, in ihren levitenröckhen, bücher 
in bänden habendt, uf ihren grabstain gehawen, unns die demuth, 
und wie grosz die kirchendiener und orden bey unszern elltern i& 
weeder zue unszern zeithen geachtet, anzeigendte. 

Nutzung. Es ist auch zue wieszen, das die nutzung unndt 
einkommen desz closters Schönaw ihrer ersten stiefftung nach nicht 
grosz noch reichlich noch zihrliche gebäwe gewesen, doch durch 
drey dinge von tag zue tage zugenohmmen und gebeszert wordten, 20^ 
dasz erste, dasz erstlich zu dennen münchen viel leyhenbrüder, 
berttling^) genanth, allerley handtwerckher könnendte, in solch 
closter seindt uffgenohmmen, welche die wildtnuszen gereuttet, von 
tagh zue tag dasz closter und dasz gebäw mit mauren, zinnen, an 
kürchen undt häuszern, wie dann der augenschein giebt, gebeszerth, 25 
ihre handtwerckher nicht allein zur nothurflft desz closters, sondern 
auch andern uf den kauff getrieben, und was gewonnen, dem gemein 
drisel^) fürgeschalten und ihr person mit kleinen costen erhalten 



B gewessen, welche doch nit aUe alt abt versohiedeD, Bondem ain thail, Ton wegen das sie 
der apteyliohen bOrdin amb schwere der seit annd sutragendt ungefeU nit getrawet allein 
Tor XU sein, der abtey abgetretten haben Hi, B, St*. | So — gebürthig fehlt H*, 8t*, tteht 
S. e Bieck. — Angel, fehlt H^, B. 9 nichts H^, B, St*. 10 rechten seithen R^, B, 
St*. 14 tiait unns: unnd H^, B, St^, 16 bey unssem zeitten gegen nnsem eitern H^, 
B. 19 noch — gebftwe fehlt H^; raylich noch gebew sierlich B; nach gepür sierl. St*, 
I durch aue H^, B, St*t auch St^. 28 allerley handwerks kommen H* ; a. handwerckh» 
kummendt B. 25 gebesserth, mit gebew und sinnen gexieret an menr, kirchen und heuser 
HK 28 drüsel H^; dem gewin desselben St*. \ furgesohlagen H^, B, St*. 

noch ZU Recht bestehen könnte. — *) Nach Widder a, a, 0. wurde Sebastian 
Pfungstatt erwählt 11, Jan, 1629, und starb laut einer „fMch vorhandenen (bei 
Widder abgedruckten) Grabschrift^ 9, Aug, 1554. — ') Pfalggraf Konrad bei 
Rhein und sein Enkel Heinrich der Jüngere und andere, Widder i, 347 f, — 
■) s, 0, S, 168, — •) Schatz, auch trisol, trisur, tresem, aus fre, trösor, Schm. 



— 199 — 

worden ; dessen uff eine zeit zwischen denn conventualen und bertt- 
lingen von wegen dasz die berttling der conventualen alte schuch 
nicht tragen wollten, eine empöhrung under ihnen entstanden, dasz 
ein berttling uf die sach ging, wie dann solche histori in einem 

5 fenster solches closters noch geschmeltzet stehet. Ich habe auch 
selbs in meinen jungen tagen etwann viel berttling, die ihre Woh- 
nungen in sonderbahren gemachem in der alten stainern behauszung 
bey dem keller dieszes closters betten, darin sie ihr handtwerckh 
trieben, gesehen. 

10 Dasz ander, das mit der zeith dieszes closter von vielen an- 

dächtigen personen, so alda zum theil begraben, und andern be- 
gabt worden. 

Zum dritten dasz wohlhauszen etlicher undt vorab dieszes 
löblichen noch lebenden praelatens, herm Sebastian, meines beson- 

15 der gnädigen herrens; wiewohl in dieszer schweren zeit dieszes 
closter zue deme, dasz es mit groszen gastungen, atzungen und 
andern beschwerth, allerley widerwärtigkeithen entgegengangen, hat 
sich dannoch alleweeg dieszer fromme praelat ausz gottlichem ein- 
sprechen darein geschickth, dasz er solch closter bey seiner freyheit 

20 und innhaben, auch einen gnädigen landtsfürsten undt genaigte 
nachtbauren erhalten undt behalten. Gott wöll, lenger. 

Newenburg ob Heydelbergh.*) 

Ungefehrlich umb diese zeit^) ist das closter Newenburgkh 

etwann ein schlosz ob Heydelberg am Necker liegendt erstlich zue 

25 einem stifft regulierter chorherm, folgendt zue einem frauencloster 

durch pfaltzgraflF Conradt,^) zue Schönaw begraben, der Heydelberg 

erweitert,*) verändert wordten. 

1 detten — f^esohm. stehet fehlt H*, B; die StgUe iat nachher an %oenig piueeudem Ort einge- 
füffi, 6 beeiling »tete M^, 7 Btmdem gem. H^, B, 8t^. 8 anuder dem keller H^. 
10 Ton aus 8t*; mit StK 11 und and. fehlt Hi, titekt B. 18 allweg mit göttlicher hilff 
Hl. 20 bey sein freyhelten behalten ITi; wie 8t^ auch B. 81 Gott w. I. fehU Hi; Gott 
gebe lenger sein gnad B. Diesen AheatM von Abt 8eb<i9tiaH hat St"* durch Auemersung des Per- 
eönlichen stark abgekürat* 96 statt Schönaw begr. : Schirmherren B, 87 ernewert 8tK 

') Stift Neuburg, oberhalb Heiddberg, am rechten Neckarufer. Eine 
kurze Geschichte des Stifte bei Widder a. a. 0. 1, 246, — ') nämlich in welcher 
Schönau gestifftet wurde, 1142, — •) Nach der am besten begründeten Nach- 
richt (a, Fickler in Schönhuth, Burgen und Klöster Badens u. s. w. S, 400) 
ist Neuburg 1134 van einem frommen Franken Anselm als Mannskloster Bene- 
diktiner Ordens gestiftet worden, und Pfalzgraf Konrad, Bruder Friedrichs I. 
Barbarossa, hat 1196 dieses Mannskloster nach Heidelberg verpflanzt, um auf 
semer bisherigen Stätte in Neuburg Nonnen desselben Ordens einzufahren. Der 
Ausdruck: „Stift regulierter Chorherren"^ wäre demnach unzutreffend. — *) UnU 




— 200 — 

Wieszenbach ob Neckersgmündt. 

Umb diese zeit — wiewohl etliche wollen unlang darnach — 
al8z das closter Elwangen, davon wir obgehört, davor gestieflftet, 
haben die graven von Dielsperg dasz closter Wieszenbach, ein halbe 
meyll ob dem stättlein Neckhersgmüendt gelegen, dasz auch etwann 5 
darein zinnszbahr gewesen sein solle, gestiflftet, under gehorsamb 
eines abbtens zue Ellwangen geben, der solch closter mit Benedic- 
tinern besetzt. Es ist schlecht alda gehauszet worden, bey men- 
schen gedächtnusz haben die von Elwangen Wiesenbach mit sambt 
den zehenden zue Schrieszheimb an der bergstraszen etc. einnem 10 
abbt zue Schönaw verkauflft,^) der ein- oder zwen brüder seines 
Ordens etlich jähr darinn gehabt. Aber seider der zeit der strittigen 
religion in Teutschlandt liegt solch closter öedt und unbesetzt. 

Ursach der stiflftung solches closters ist, dasz denn stiflftern 
geben worden seind die leiber zweyer martirer, st. Mammae und 15 
Benigni, welche zu den zeithen Herodis gemarttert in dem hohen 
altar zu Wiesenbach beschloszen, aber nun bey solchem altar zur 
linckhen seithen an der mauer in einen stainen saarg begraben 
liegen, uf welchen saarg diese nachfolgende zween vers gehawen 
sein : 20 

Marames cum sancto pro nobis ora Benigno 
Et simul*^) Herodis trucidati tempore testes. 

Allerheyligenberg zu Heydelberg. 

Ich solte allhie auch schreiben von dem closter Allerheylligen,') 
dasz auch nun unbesetzt und in der brach ligt, under gehorsamb 26 

2 bei tfi anderer Anfang, ohne die Zeitbestimmung, 5 dasz — solle fehlt 2/', steht B, 
10 Sohlierstain H^, B, 13 ungcpflantst H*, Bf ist... unbewonth StK 16 Mammes 
B. 22 tnintati für truncati J/>, Bf trancati 8tK 24 Allorb., ea Haydelberg, ob H. 
geloRen B. 25 und — ligt fehlt HK 

Konrad dem Hohenstaufen, von 1155 an^ begann der erste Aufschwung Heidel' 
bergsy das damals noch aus einem einfachen Dorfe bestand (Schönhuth a. a. 0. 
44)9. 449). — *) Nach Widder a. a, 0. 1, 365 ff, hat Ellwangen „nach 1370^ 
den Kitxhensatz in Wiesenbach, und wahrscheinlich auch die Pi'opstei^ an 
Klotittr Schönau gegen andere Besitzungen eingetauscht. Nach Widman wäre 
die Abtretung jedenfalls der Propstei erst anfangs des 16. Jahrhunderts, „bei 
Menschen Gedächtnis^ geschehen^ und gwar als Verkauf nicht tauschweise, — 
*) Und ihr andern, zugleich mit ihnen , . . erwürgten. — •) Über den nördlich 
von Heidelberg gelegenen Heiligenberg s. o. S. 39. Sein Gipfel war einst von 
drei altgermanischen Ringwällen geschützt und trug zu Römerzeiten eine Merkur* 
kapelle. Nachdem dir Berg von Ludwig HL dem Kloster Lorsch geschenkt 



— 201 — 

eines abbtens zu Lorsch. Dieweillen ich aber keine gründliche 
gewieszheit habe bekommen mögen, zue was zeithen oder wer 
solchs gestifftet, hab ich nicht besonder davon wieszen zue schreiben. 
Allein ist vermuthlich, dasz es ein alt closter sey, doch nicht so 
5 alt alsz st. Michaels klösterlein darbey liegendt, welches lang da- 
vohr, ehe die pfaltzgraven ihre hofifhaltung nacher Heydelberg ge- 
zogen, aus einem schlosz oder burgkh zue einem clösterlein ge- 
stifftet. Desz stiflfter^) ligt in der kürchen bey der thür begraben, 
uf welches grabstein wie nachfolgeth diese vers gehawen seindt: 
10 Hazeck Ricfridi poscens hie sepeliri 

Praedii equestri cessit huic doraui. 
Hie considentes eins obitnm recolentes 

Sint ut perenno vivat et ipse deo. 
VIII cal. decembris obiit Gazeca.**) 

15 Ob diesze carmina mit Prisciano eines sein,^) will ich nicht 

vertheydigen. Wie sie uflF den grabstein gehauen sein, also hab 
ichs abgeschriben, daran keinen buchstaben endem wollen. 



1 Die zieei ersten Sätze bei U^ wutammengetogen, 7 aus . . . Ir hoffstatt sa . . . H^, B, 
8 8t. Dess: Dfser H^. 10 ff. Die Verse zeigen hei Hi, R starke Verderbnis. 14 Haoeok H^f 
Hatsem R; VIII cal. — Gaz. fehlt Ä». 15 Ob — woHen fehlt JJ«, steht R, StK 

war, gründeit ein Lorscher Abt zioischen 665 U7id 877 auf aeinsm Gipfel ein 
Kloster mit dazugehöriger Kirche, geweiht allen Heiligen und besonders dem 
heiligen Michael: daher der frühere Name Allerheiligenberg, Infolge des 
steigenden Wohlstandes dieses Klosters wurde am Ende des 11, Jahrhunderts 
auf dem südlichen Vorsprung des Berges ein zweites Kloster, zu Ehren des 
h, Stephanus, angelegt, das schon in aller Zeit infolge einer Verwechslung 
mit dem obern Kloster ebenfalls Michaelskirche genannt tcurde. Widman redet 
zuerst vom untern, oder Stephanuskloster, nachher vom obern. — Es ergibt sich 
aus diesem Abschnitt, dass Widman von dem Lorscher Kodex, aus welcliem 
die obigen Angaben geschöpft sind, keine Kunde hatte. — *) Ein Stifter dieses 
Namens ist in den auf den Abrinesberg (Heiligenberg) beeüglichen Urkunden 
des Lorscher Kodex nicht zu finden : dagegen darf als Merkwürdigkeit ange- 
führt werden, dass in der Urkunde von 1094, in welcher die Stephanuszelle 
mit Gutern ausgestattet wird, unter den Zeugen weltlichen Standes ein Rifridus 
und ein Razecho (vgl. die Namen im ersten Distichon!) genannt werden. — 
•) Besserungsversucht sind an diesen Distichen woM vergeblich, da nicht aus^ 
zumachen ist, welche Mängel dem Verfasser und welche dem Abschreiber eur 
Last faUen. Wenn in der letzten Zeile Gazeca die richtige Lesung ist, so 
scheint dieser Name auch in der ersteti Zeile eingesetzt und auf eine Hazeca 
(häufig vorkommender lYauenname) gedeutet werden zu müssen, welche als 
kinderlose Witwe eines Rikfried ihr Rittergut den^ Kloster vermacht. Sonstige 
mögliche Besserungen : poscens ossa hio . . , oder poscens hie se sep . . . ; prae- 
dio ... — •) = den Vorschriften der Metrik entsprechen. 



— 202 — 

Gnadenthal. 

Anno domini 1264 ') haben die graven von Krautten dasz 
frawencloster Gnadenthal, ein halbe meill von Schwäbisch Hall 
liegendt, gestifftet, ist Bernharder ordens. Etliche wollen, Krautten 
undt Rieneckh*) sey etwann ein geschlecht; so wollen etliche, 6 
Krauten sey der graven vonn Hohenlohe geweszen, welches mir 
doch nicht wieszenth. 

Anno domini 1577 am sontag desz advents ist die letzte nonne — 
priorissa, ihre Schwester Röszlin ist bey 6 jähren vor ihr gestorben — in 
emantem closter Gnadenthal mit todt abgangen, ist eine von Ellerichshauszen 10 
geweszen, haben jährlichs ein genandtes vom Hohenlohischen schultheiszen 
gehabt. Nun aber ist dasz einkommen desz closters dnrch die graven von 
Hohenlohe eingezogen worden etc. Es seindt gravinen und von adel in disz 
closter uffgenohmmen wordten. Eine grävien von Württenberg, Margaretha 
genandt, ist äbbtiszin darinnen gewesen, maszen ihr grabstein daselbsten 15 
zue finden. 

Vom Tempelorden und warumb sie auszgetilligeth 

wordten.') 

Anno domini 1307 allsz der Tempelherrn orden blfiet und in 
würdten war, an ehren und gutt zuenahmen, wurden ihnen ihre 20 
nachtbauren undt anstöszer abholdt, gedachten täglich, wie sie ausz- 
gethilliget würden, damit sie ihre gütter überkämen und in ihren 



4 die g: Ton Krautten Ifi. 5 Bieneckh aus J?; Benokh St^; Beneck H^, 8t*, ] so — 
wieuenth f4hlt Et, 8t*; bei B vtratammat, 16 H^: Die leUtte olosUrfraw Ut eine Ton 
BUeriobshaoeen geweeen. Und alex eie solch closter vor ierem endt noch einmal an sehen 
begert, starb sie nnderwegen, bald sie solches closter ansichtig wnrd; ähnlich B, 8t*. 19 A. 
d. 1180 hat der HK 21 nndt anst. fehlt HK 

. *) Nach Gmelin 470 ist tUis Kloster in den Jahren 1240—43 von Konrad 
von Krautheim, einem Schwestersohn Gottfrieda von Hohenlohe, gesttftet worden, 
und Mwar zunächst in Hohbach an der Jagst, von wo die Stiftung sofort 1245 
nach Gnadenihal verlegt wurde. Über Geschichte und Besitzungen Gnadenthals 
8. Gmelin a, a. 0, und 235 f,, wo auch die frühere Literatur Über das Kloster 
verzeichnet ist, — *) Bieneck in ünterfranken bei Gemünden, Über die Herren 
und Grafen mu Bieneck s, WFr, passim, bes, 6, 155, wo ein Stammbaum dieses 
Geschlechts für das 13, und 14, Jahrhundert entworfen ist, aus welchem sich zwar 
die Verwandtschaft zum Hause Hohenlohe, aber keinerlei Beziehung zu den 
Herren von Krautheim eingibt, — •) In dem folgenden Abschnitt benützt Wid- 
man eine ausführliche Quelle, deren Ursprung noch unermitielt ist. Nach ihren 
sprachlichen Wendungen zu scMiessen war sie deutsch und stammte von einem 
kathol, Verfasser des 16, Jahrhunderts, der die von der protestantischen Bs' 
wegung und dem Bauemaufruhr her ihm gewohnten Farben und Pinselstriche 
(uffruhrische predicanten und placentenbackher u, ä,) Mur Belebung seines 
Bildes benütgte. 



— 203 — 

kachen zuegiengen.^) Also weill der tempelherrn profess under 
andern keuschheit zu halten innhielt, wardt täglich durch der tempel- 
herrn abhuldigen ') dem gemeinen mann eingebildet, dasz nicht alle 
ding bey denn Tempelherrn keusch weren. Dieweillen dann der 

5 gemeine mann baldt zue viel glaubig und zur aufruhr genaigt, 
wurdte man ie mehr undt mehr dieszen ritterbrüdem allsz Tempel- 
herren abgönnstig. Dasz stunde ahn bisz anno domini 1308, zue 
den zeithen kayszer Heinrich desz achten undt pabst Clementis 
desz f ünfften, der zu Pictavia hoff hielte, dasz ein Burgunder Jacob 

10 genandt sich in Tempelorden begab, sich so wohl hielte, dasz nach 
absterben des hochmeisters oder obristen dieszes ordens, der sein 
anweesen und hoflfhalten einem f ürsten gemäsz dazuemahl in Franck- 
reich hielt, dieszer Jacob hochmeister und obrister dieszes ordens 
wurde. In deme begab sich ein krieg zwischen könig Phillippszen 

16 von Franckreich und dem hertzogen von Burgundt. Nun hett dieszer 
Jacobus könnig Phillippszen von Franckreich ein kindt ausz der 
h. tauflF erhebt, dasz er sein gevatter war und mit einander in 
groszer freundtschafft stunden. Demnach begerte könig Phillipps 
an Jacobum hochmeistern hielflF wider die Burgunder. Solch be- 

20 gehm waigerte Jacobus könnig Phillippsen, vieleicht vermeinendt 
ihme nicht wollte gebühren wider sein vatterlandt zue reiszen ; zum 
andern, dieweill sein orden der Templirer auch viel häuszer in 
Burgundt betten, besorgte hochmeister, so er dem könig htilflfe oder 
beylegung thette, dasz spiel wurdte über ihren orden zueletzt auch 

25 auszgehen. Demnach schlueg er dem könig sein begehren ab. 
Darausz folget, dasz könig Phillipps disem hochmeister abholdt war. 
Da solches des königs räthe undt ambleuthe — die nach der Tem- 
pelier gütter günnten — merckthen, haben sie täglich den könig 
undt gemeinen mann in Tempelier gehüetzt,^) ihnen uflFsätzig ge- 

30 west und gesagt, dasz dieszer orden dem französischen reich un- 
nütz sei, änderst nichts thetten alsz umb sich grieffen, was wägig 
werdt^) kauflFen; und wa der könig disen orden in seinem könig- 
reich nicht auszreuttete, würdtens in kurtzen jähren über ihn ausz 
zuefallender reichthumb herschen, so aber der könig diesen orden 



1 sueglengen unnd inen Ire kirchen snaigethen Ifi, B, St^. 5 suvil baldtglaublg B, su 
vil bald glaubt 8i*, 6 »taU alti: den 8i^. 7 hU abgönnstig: abholdt H^. 9 PicUvio 
B, rr aues dem tauff gehftbt H^, B. 21 rae streitten H^, B, 22 Templarer «fete H^, 
B; Tempelerer öfter, Sn. 26 abh. ward 8t*, 28 günnten: trachten H*, 8t* f gerten B. 

^) in ihren Küchen ab- und zugingen, um einen guten Bissen su erhaschen, 
») die ihnen Missgünstigen, — •) geheizt. — *) was beweglich (feil) werde. 



— 204 — 

ausztillige, werdte er einen groszen sehatz bey ihnen finden, sambt 
ihren güttern einnehmen, dardurch sein reich versterekth werden 
seinen feinden zue widerstreben. In summa könig Phillipps hat 
ihme Roboams rath laszen gefallen, angehebt den Templiern ihre 
gütter, Obrigkeit undt freyheit, auch ihre person, wie andere layhen, 5 
für weltlichen gerichtzwang einzuzihen. Da solches die uflFrührischen 
praedicanten und placentenbackher gemerckth, haben sie angehebt 
solchen orden und dero leben an der cantzel zue verachten, und 
dieweil der könig durch die finger sähe, wurden etliche Tempelier 
von ihren nachtbauren angegrieffen. Dieweillen nun sich ihrer et- 10 
liehe zur gegenwehr setzten, wurdten ihrer etliche gefangen, etliche 
getödet, dasz ihrige genommen, ihre häuszer geblünderth, deszhalber 
groszer uflFlauff in Franckreich wordten. Alsz nun die Tempellier 
gesehen, dasz solche durchechtung von könig Phillippsen herrührte, 
haben sie sich deszen bey pabbst dementen beclagt und umb hülflf 15 
angeschrihen. Alsz aber pabst Clemens fulminationes wider könnig 
Phillippsen liesz auszgehen, betrohete könig Phillipps dem pabst, 
wa er seine fulminationes nicht einstellte, wolte er ihne nicht we- 
niger wie die Tempelherrn angreiflfen. Und damit könig Phillipps 
undt seine auffrührer ihrer rauberey ein glimpf schöpfften, erdach- 20 
tens etliche articul und bezieg wider die Tempelierer, under welchen 
die vornembste diesze waren: dasz sie Christum lesterten, ver- 
spotteten, verlachten undt verschmäheten, bindnus mit den Türckhen 
und Sarothen gemacht wider die Christen. Clemens, vielleicht ausz 
forcht, glaubte dem bezieg, stellte die fulmination ab. Da gieng 26 
erst die durchechtung der Tempellierer ahn, und zöge könig Phil- 
lipps mit macht wider sie, nähme ihnen alle ihre Schlösser, statte 
und fleckhen etc. und was der gemeine mann in ihrer empöhrung 
ihn hette gelaszen, dasz nahmen diese hin, butzen und stihl; er- 
stach die Tempelirer, führte ihrer viel gefangen gen Pariesz, die 30 
er nach harter seiner Inquisition zum fewer verurtheillte alsz ketzer, 
unangesehen, dasz sie vorangeregtem bezieg bis in todt wider- 
sprachen undt kühne bekandten. Dannoch wurden sie verbranndt, 
damit ihren durchechtern ihre gütter wurdten, ohne der hochmeister, 



3 gesterckt werde seinen feinden naohcueylen und su w. Ifi. 5 andern layben 8t^. 
€ weltlichen aus H, St^ ; rechtlichen St^. 8 das leben der cancel H>; aufF der cantiel 
St^, 11 der gegenwehr gebrauchten B^; Inns gegenwehr satsten £. 14 durchhengung 
Hi, Ji. n trawet köoig J?, StK IB Templiter Sf^. 24 Saracenen gemacht Hi, B, 
25 fulminationes H^, K, St'^. 23 fleckhen ein H^, K. \ Ihrer eroberang Ifi, R. 29 in h. 
gel. au* //>, inen B, ihm St^, \ buUen u. »tibi fehlt H>, steht B. 80 erstachen . . . für- 
ten .. . HK 31 harter peinlicher H', B, St*. 33 unnd Christum bek. if », B, 8tK 
84 disen achtem H>; inen dnrchächtern B, 



— 205 — 

dieweil derselbe gesalbeth war — dann dazuemahl die hochmeister 
disz Ordens wie die könige gesalbeth und geweyheth wurdten — 
wurdte er sambt einem ritterbruder seines ordtens, des delphin zu 
Vienna bruder, gen Lugdon zum pabst demente geführt, daselbst 

5 durch könig Phillippsen oratorn für einen ketzer angeklagt und 
nach langer handlung sie beede widerumb nach Pariesz geführt, 
daselbst zum todt verurtheilt. Undt alsz ihme in beysein zweyer 
bäbstlicher legaten das urtheil vorgeleszen, sprach der hochmeister : 
ich bekenne dasz ich gegen Gott eines todtes schultig, aber dieszes 

10 beziegs im urtheil begrieflfen unschultig bin; darauflf will ich sterben. 
Und liedte also den todt des fewrs gedultig, im christlichen glauben 
beständiglich, im beysein könig Phillippsen etc. 

Von dieser thatt schreibt Sebastianus Münsterus,^) dieweil die 
weit sey gestanden, habe Gallia kein tyrrannischers werckh alsz 

15 dieszes vollbracht und kein elenderer anblickh, doch standthaflfter 
exempel dann dieszes hochmeisters gesehen. Dann er war an der 
peinlichen frage ellendt zurriszen wordten. 

Damit aber dieszer könig seinem geitz ein genügen thette, 
hat er unlang darnach allen Juden in seinem reich dasz ihre ge- 

20 nommen, allein wie sie der gürttel begrieflFen mit den kindem ausz 
seinem landt gejagt.^ 

Da aber andere länder gesehen, dasz könig Phillipps seine 
tyrannische handlung wider die Templer so schlecht hinausgangen,^) 
hat sie der geitz auch beseszen, und haben gleich wie in Franck- 

25 reich wider die Templer getobeth, geraubeth, und welche Tempel- 
herrn nicht von ihren freunden, bis dasz unsinnige volckh auszge- 
tobet, verborgen und heimblich verhalten, seindt alle zu todt ge- 
schlagen wordten. Dann der gemeine mann tobte umb der Templirer 
fahmus, aber der laygische magistrat umb ihre gütter und herr- 

30 lichkeit. 

Ausz oberzehltem ist gutt abzunehmen, dasz alle Templierer 
nicht auflf einen tag^) wie etliche erdichten, sondern erstlich in 



4 SU Diana B, HK \ Leon H^, B; Llon 81*, 6 sie beede aus H\ B, St^i tio baldt StK 
7 ihnen in ff', B, 8t*. 13 »taU Von — Maniterns : Vnnd wollen St*. 18 aU sein geitz 
H^, B. 22 brtteder ges. H^, B, St*. 26 geraibt, nnd Hi, B. 31 ra Ternemmen fii, B, StK 

*) Zusammenfassendes Citat einiger Sätze in Münster S. 200, wo übrigens 
die Geschichte von den Templern anders und viel kürger als bei Widman er- 
zählt ist, — *) Die Judenverfolgung ist Münster 8, 20()f, ebenfalls an die Ge* 
schichte von den Templern angeschlossen, aber von einem anderen Beweggrund 
hergeleitet, — •) so schlicht, gefahrlos, abgelaufen, — *) Diese Meinung, die 
damals verbreitet gewesen zu sein scheint, findet sich z, B, ausdrücklich bei 



— 206 — 

Franckreich undt folgend! in Teutsch- und andern mehr landen 
nacheinander seindt auszgetielliget worden. 

Allsz nnn dieszer orden auszgetielligeth und die unsinnige 
weisz der tobenden zurgangen, hat sich der laysche magistrat, 
welche der Templer gütter zue sich gerapszt, gegen deroselben 6 
underthanen mit täglichem dienen^) undt andern exactionibus viel 
stöltzer, rawer und härter dann vormahlsz die Templirer gehalten. 
Wann bey den Templierern alsz geistlichen, die dann gewönlich 
ihres brodts milt sein, die underthanen ihre gülte brachten oder 
dienten, so gab man ihnen vollen hallsz, aber nun bey dem lay- lO 
sehen gewalt, die ihre gütter eingenohmmen hatten, nicht einen 
birenstihl. Da erwuchsz erst bey dem gemeinen mann ein spatte 
rew, dann sie davor meinten, wann die Templierer alsz ihre herm 
getödet würden, so würden sie frey und ohne herrn sein. Da ge- 
schach ihnen wie den Juden mit Roboam. Die Templer hatten sie 15 
zu zeithen mit kleinen rüthlein geschlagen, dasz ist kleinen diensten, 
aber nun diese mit geiszeln und scorpionen, 3. reg. 12. Da wolte 
sich der gemeine mann wider rotiren, und sagten dasz die kirchen- 
gütter mit nichten denn layen, ihren pracht und stoltz damit zue 
treiben, gehörten, sondern man solte der Tempel gütter widerumb 20 
in nutzen der kirchen oder spittal der armen wenden. Diesze newe 
empöhrung zu friden ist anno domini 1311 ein concilium zue Vienna 
gehalten undt erkandt wordten, dasz der Templer gütter zue wider- 
eroberung der statt Hierusalem und desz gelobten landts gebraucht 
und dem Johanniter orden, die auch zue beschirmen die Christen 25 
im gelobten landt gewidmeth, zuegestellt solte werdten. Es ginge 
aber schmahl genueg zue. 

Diesze greuliche geschieht zu melden bin ich verursachet 
worden, abzueleynen, damit nicht gesagt möchte werdten, ich be- 
rümbe unszere eitern, dasz sie milt sein gewesen mit kirchen- undt 80 
clöstem- etc. stieflften, und geschweige der Templierer, welche nicht 
allein zu den zeiten unszerer elitern dasz ihre genohmmen, sondern 
auszgerottet und getödet seindt wordten. Darzue sage ich: 1.) es 
ist oflFenbahr, dasz der teuflFel alleweg seinen hauffen neben den 

1 mehr ODden S. 5 gerapsst: geBabt(?) H^, R; gesaot (Korrtktur) SO. 9 exaot.: b«sohwe- 
rungen H^, B. 9 wan die H^, B, St^. 17 Das Citat fehlt H«, B, St*. 18 wardt tioh 
St*. I rotiren: rotten JET«, B. 22 friden a%t» Ä«, Ä, Si^; finden Sl>. | Vienna: Diana 
H S B. 29 nicht feMt Hi, B, StK SO sie milt atu 8t*i sie nicht StK 81 welche m, 
Bt^i der Nom. durch Zeugma mit d^n leWen Verben; dU Xonwtr, verlangt welchen. 

Lorenz Fries in Ludewig^ Wirzhurg, GeschichUchr. S, 695, — *) täglich ge* 
forderten Frondiensten, 



— 207 — 

kindern Gottes uff erden hat, welcher hauffe die kirche anfiecht. 

Ob nun schon solcher hauffe ein Zeitlang wider die templer gesie- 

geth, seind doch andere stifftungen nicht allein blieben, sondern 

alles gemehret, auch der Johanniter ordeu an deszen statt wie et- 
5 liehe schreiben uffgerichtet wordten, 2.) zum andern, dasz dieszen 

Tempelirem etliche, änderst alsz es an ihme selbst, viel laster undt 

schandt zue legen, nicht glauben geben werdt.*) 

Es haben auch die Juden den Römischen haubtmann, der 

Christum hatte, seinen knecht gesundt zue machen, berühmbet, 
10 sprechendte: er ist würdig, dasz du ihme seiner bitt gewährest, 

dann er hat lieb die Juden und hat uns eine kirchen oder schuel 

gebaueth. 

Thrittemius abbas Spannamensis alsz er die Gallos erhebt, 

schreibt von ihrer mildigkeit der kirchengebäw und zierdte, dasz 
15 sie eine kirche mit eyttel sielber gedecketh haben, und dasz erste 

kinndt, so darinnen getaufft wordten, habe uff die gewönliche exor- 

cismos wunderbahrlichen allewegen geantworttet : amen.^) 

AUsz im concilio Ephesino erkenneth, dasz die mutter Christi 

auch theotocos, Oeoroxo;, die mutter Gottes genandt soll werdten, 
20 haben die Reuszen zur ehre Christi unnd seiner mutter Mariae ihre 

hauptkirch mit einem guldinen tach laszen bedeckhen, und uf ihr 

sprach genanth Alta Bosim, zue teutsch die fraw mit dem guldinen 

haubt. 

Newburg. Maullbronn. 

25 Anno domiui [1128] ist dasz closter Newburg im forst^) ge- 

stieffitet, von welchem folgendts Maullbronn im Würtenberger landt, 
st. Bernhardi ordens, gepflantzet wordten. 



4 alzeit gem. HS alis B, alsx St^. 6 etliche fehlt Ji^, B. \ anndere dann Inn lelbe B, 
a. d. im eelbst 8tK 10 dn la H^, B, fitK 13 Sponamensit Hi, B. Iß gewOnl. fragen 
Jf 1, B. 18 Also anch im BK 9$ Basin H^, B, St^. | die frey B, H5 [1128] aw 
Münster, 1820 8t K 

^) Der Schliiss ist anakoluthisch, = dass ihnen daher nicht Glauben ge- 
schenkt werden darf, — *) In des Trithetnius Chronicon von der Franken 
Ursprung (deutsche Übersetzung 1606) wird S, 287 von König Dagobert be- 
richtet, er habe die Kirche im Dionysiuskloster y^mit lautem Silbern Tafeln 
oder Schienen^ bedeckt; die Geschichte von dem Amen respondierenden Kinde 
ebenda 8, 289, Doch sagt Trithemius nichts von den Exorcismen noch auch 
davon, dass das Kind der erste Täufling in jener Kirche gewesen, — •) bei 
Hagenau im Elsass, Der Säte stammt aus Münster S, 676, von wo auch die 
Jahreahi eingesetzt worden ist. Die Zahl 1320 muss auf einem Schreiberirrtum 
beruhen. 



— 208 — 

Zur zeith*) desz interims anno 1548 war abbt Heinricus,*) 

ein eyflferiger papiest, der sein bedenekhen uf kleine zettuln, blosz 

davor vom interira,') geschriben, so hinder ihme gefunden worden. 

Soll denn münchen den canonem gelesen haben,*) gelehrter dann 

sonst gemeiniglich die abbt etc. 

Lammersheimer sollen die ersten stiffter sein, etwan herm. — Valen- 
tinus Vannius. — M. Job. Magirus [Bacnang:] creatur praepositus Stutgard. 
— Jacob Schropp.*) 



Undt damit ich meines vatterlandts Schwäbischen Halls nicht 
vergesze, will ich von stieflftungen etlicher kirchen inn und umb 10 
bemelte statt gelegen allhier wiederumb meidung thun. 

St. Johannis hausz zue Hall. 

Anno domini 1228 ist dasz st. Johannis hausz ^) sambt einem 
spittal der armen darzue gehörendt zue Hall gestieflftet, und der 
mehrer theil von den Gulden von Gotwaldhauszen, davon ich hie- 15 
vohr meidung gethon, welche die pfarr Gotwalthauszen mit allen 
zehenden und nutzungen etc. darzue geben, auch von den graven 
vonn Krautten, herrn zue Limpurg und denn von Thurrn,') auch 
von den Sulmeistem dotiert und begäbet wordten, also dasz alleweg 
3 priester Johanniter ordens darinnen die kirchen zu versehen ge- 20 
halten wordten. Alsz solche stieflftung unlang gestanden, seindt 



I Zur-~Schropp fihU B, StK 7 Bomag: St^. 13 das JohannitorhAnss Ht, Johantser^ 
haut« St*. 14 gestiefftet, unnd anno domini 1404 die kiroh lenger gemacht worden B, 
19 Sulmeistem aus H\ H% H^; Sohuelmeistem 5/i. 21 geh. soUen werden H2, R, St*, 
I nun lang B. 

') Von den folgenden Absätzen ist der zweite mit seiner Aufzählung der 
evang, Abte sicher nachwidmanischy beim ersten ist dies loenigstens wahrscheinlich, 
besonders wegen des Ausdrucks „eifriger Papist^, — *) Heinrich Reuter ; über 
sein Wirken während des Interims s. Bossert, Interim S. 68, — ') Als Grund" 
gedanke seiner ablehnenden „Bedenken^ zu verstehen, = lasst uns unbehelligt 
mit dem Interim (?), — *) Das kanonische Recht erklärt, — ») Valentin Van- 
nius (Wanner) wurde als erster evangelischer Abt eingesetzt 1558; Johann 
Magirus von Backnang starb als Propst zu Stuttgart 1614; Jakob Schropp 
(über seine Jugend Bossert^ Interim S. 85) starb als Abt von Maulbronn, Württ, 
Kircheng, 392, — •) Das Genauere über dieses Spital, wonach die Stiftung 
selbst schon vor 1228 fällt, in diesem Jahr dagegen eine Neubegründung statt- 
fand, ist Herolt 46 f und Gmelin 452 ff, dargelegt. — ') Die HetTen „von 
Dürne"" und ihre Schenkung s, WFr, 9, 13 ff. 



— 209 — 

die comenthherrn mit den armen ihres spiettalls nnfleiszig geweszen, 
also dasz sie nicht allein übel gespeiszt wurdten, sondern dasz 
Johanniterhansz zargehen laszen, nicht inn dachung gehalten, dasz 
die armen im regen gelegen. Dahero die von Hall verursachet, 

5 sich dieszes spittalls zue underfahen und einen wechszel mit abbt 
undt convent zue Chomburg getroflfen, dasz die von Chomburg ihre 
behauszung undt hoff, so sie dazuemahl zue Hall, da ietzo der 
spittal stehet, gehabt, dennen von Hall haben zugestellt. Dahin 
die von Hall gegenwartiges spittal gebaueth,^) wie auch in alten 

10 brieffen gefunden dasz newe spital genandt wirdt, von wegen desz 
alten spiettalsz, dasz wie erzehlt bey den Johannitern gewesen. 
Doch was nutzung nit den spittallem, sondern desz ordens per- 
sonnen zuegehörig, ist bey dem Johanniterhansz blieben. Und die- 
weil dieszer spittal bey den Johannitern gewesen, ist auch der 

16 mittel altar undt erste pfröndt dieszes newen spittalsz in der ehre 
st. Johannis dedicirt undt geweihet wordten. Dagegen haben die 
von Hall denen von Chomburg ihre behauszung zue Hall ob st. 
Michaels kirchen liegendt mit ihrer hoffrette ewiglich zu haben ein- 
gegeben.*) 

20 Wie herr Conradt Gieckhenbach wein bekäme. 

Ich werdte verursachet, allhie ein schertzliche histori zu mel- 
den. Im Weyller bey st. Johannis kirchen, davon hievohr meidung 
geschehen, ist gesäszen ein priester, herr Conradt Gieckhenbach 
genandt, welcher eine reyliche stiefftung in ermelte st. Johannis- 

25 kirchen gethan, nemblich dasz ihm mit allen priestem zu Hall nach 
seinem todt ftinffmabl solte ein jahrtag gehalten werdten. War ein 
welttmensch, in welches behauszung die edlen zue Hall pflegten 
zue zechen. Uff eine nacht, alsz ihme wein zurrann und dazuemahl 
die portt alleweg gegen voorstett zue Hall beschloszen war, nahm 

30 er einen brinnenden schaib an eine Stangen, regte ihn über sein 



2 oonventer H^, B; commenter ff'; commentbnr H\ 8 deokhtiDg geh. HK 4 Das die 
Ht, JET', B, 8tK 6 sne underttehen H^, B, St^. 1$ dotiert undt 8t*. | geweihet auH 
fli, JET«, B; gerichtet 5<i. 18 mit — hoffV. ftMlt ffi, gfeht B; hofsfette 8t^. Sl ein 

schimpfliche Jff». 34 reichUch H», H*, H*, 8t*; reylich auch B, öfters vorkommende Form 
für reichlich. 37 pflagen xue a. Ä«. 3S alss ihnen H^, H*, H*, B, Ä«. 29 daanem. 
dae thor H^. | Torttetten Ä«, B. 80 tohaib etroh H*. | reots ff*, B, reckh Ä«, 
rage 8iK 

>) Diese Verlegung fand 1317 statt, Herolt S. 47. — «) Für die Abtre- 
tung des Hauses „am Bach'' erhielt das Kloster 1323 das oberhalb der Michaelis^ 
kirche gelegene Haus, von jetst an „Komburger Hof genannt, s, Müller, Ge- 
schichte des Bitterstifts Komburg S, 17, 

Württ. Oeochichtsqoellen VI. 14 



— 210 — 

cammin herausz. Al8z solches der tborner auff st. Michaels thnrn 
ersähe, schlug er die sturmbglockhen ahn, schrie es brenne ienseits 
des Kochens in der Weyllergaszen. Dasz fewer zue leschen wardt 
die vorstatt uffgeschloszen. In deme hatte Gieckenbach einen mit 
einer groszen flaschen zum thor gestellt; wischte er in die statt 5 
und holte ihme wein. In dem zoch er den schaib wider hinein, 
und wüste niemand wo es gebronnen hette. Über ein Vierteljahr 
wurdte die sach olTenbahr ; liesz maus ein schertzlichen boszen sein, 
dann dazuemahl die Teutschen nicht so emsthafffc allsz nun bey 
unsem zeithen waren. 10 

Dieszer Gieckhenbach war boccalaureus Parisiensis, welches 
dazumahl so hoch geachtet, dasz er ihme selbst bey leben ein grab- 
stain von. meszing gegoszenen buchstaben verordneth, darinnen 
seines boccalaureats meidung geschach. Auch under andern stieflftete 
er jährlich einem 3 er., der solch sein epitaphium auszrieb und 16 
widerumb glitzelt machte, zue geben. Dieser grabstein ligt noch 
uflF st. Johannis kirchen.^) 

St. Katterinapfarrkirch zu Hall. 

Aber st. Katharinapfarrkirch zue Hall ist eliter gebaweth und 
nicht alleweeg ein pfarrkirch, sondern alsz etliche wollen ein frawen- 20 
closter geweszen und von denn graven von Gerspach gestieflftet 
sein,*) von wegen dasz auszwendig dieszer pfarrkirchen bey der 
chorthür am eckh in einen stain mit groszen buchstaben gehawen 
ist also lauttendt: 

ANNO. DNI. M.CCC.LXXVIII. 0. KATRINA. DE. GER- 26 
STETE. DOICA. OCVLI. ET. EODEM. ANNO. FIA. QNTA. 

p. oiM. scoRV. e. mos. fili. ei. et. feru. tercia. 

P. ELISABET. e. IHS. MARIT. EI. CO. PATER. IHIS.'^ 

8 im WeiUer ff>, H*, 6 mit der Ei; mit swo H*. | und als man uffechlosi, Hoff er 
hinein H\' alts m. nfsehloss, wuscht inn d. st. H^, B, 8t*; mnate er in d. st. lanffen H*, 
$ hinein, satste sich, snnge mit seinen priestem H^. B die T. f9hU; naehhtr war £r>. 
11 hacnlarius IfS, R; tnispr. nachher bacalariats; baooal. H*, IS mit mess eingegoesnen 
B\ B; mess gegossnen H*, 81^, 16 glitsendt H^, B, 8t*; gleissendt fi«. 17 kirchoff 
JET', B, St*, 19 elltor dan s. Jobanns H^ ; dann Torerselte Jobannsxerkirchen 8t*, 28 an 
einen st. H% B. 25 Qersebe U^, B, St*; Gerte Ben: H*; U* gibt die Ineekrift giemliek 
nachläeeig, 

*) urkundliches über diesen „Gieggenback^ und andere Priester dieses 
Namens s, Herolt 112 f. Die Geschichte ist von den Schwankdichtern mit Vor^ 
liebe bearbeitet worden, — *) Die Konstr, ist anakoluthisch, als ob es hiesse: 
sondern etliche wollen . . , der folgende Säte ist als acc. c. inf, gu denken. — 
') Die in St^ verschiedentlich fehlerhaft notierte Inschrift ist nach Klemm^ 
WVjh. 1885, 197, richtiggestellt. Die Auflösung der WorU nach dem Datum 



— 211 — 

Ausz diesem epitaphio kan nicht verstanden werden, dasz 
diesze Catharina eine grävin dlesze kierch gestieflftet, oder frawen- • 
closter sey gewesen. Doch will ich nicht darumb streitten. — Aber 
anno domini 1354 ohngefehrlich, alsz die voorstatt ienseiths des 
5 Kochens umbmaurth, ist solche voorstatt, die vormahlsz gegen West- 
heimb pfarrte, davon separirt, und diesze st. Catharinae kirchen 
zue einer filiale nndt aigener pfarrkirchen uflfgerichtet worden. 

Feldtnerin cappell.') 

Anno domini 1344 haben die edelleuth Feldner und Geyer 
10 gesandt, davon hievohr*) raeldung geschehen, und eine ihrer wittfr. 
gebohme von Velberg eine cappell zue Hall uff st. Michaels kirch- 
hoff vomen gegen dem marckth am eckh uff die linckhe handt ge- 
baueth, vier pfröndte darein gestiefftet. Diesze cappell ist anno 
domini 1509 widerumb abgebrochen undt diese pfröndt in st. Mi- 
Xb chaelis pfarrkirchen gezogen wordten. 

Münster zu Ulm wirdt gebaueth.*) 

Anno domini 1377 wardt dasz münster und thum zue Ulm 
zue bawen angefangen undt in hundert und ailff jähren auszgebauen. 
Man sagte, dieszer baw costete neunmahl hundert tauszenth gülden. 

3 nach streitUn: Dabey »ber aUernftchat hat •■ eine bebausung und wohnung der bmder- 
Bchafft gebabt, nocb im brüedergetdin also genant, darin allweg swOlff brüeder gehalten 
€0in worden. H^ Moeh Herolt, — Hierauf erzählen Ifi, B, St* nach Herolt, toie die KoUation 
der Katharinenkirehe ton Murrhardt an Hall gekommen eei. 7 sue — pfarrk. fehlt H*. \ 
pfarrk. eigner persohn HK JS ntt der linokhen HK 17 1227 HK 18 28 Jahren JEfi. 
19 Man — giüden fehlt H^, steht B. 

lautet: obiit Katrina de Ger»tete(n) dominica oculi, et eodem anno feria quinta 
post oronium sanctorum obiit Johannes filius eins et feria tercia post Elisa- 
beth obiit Johannes maritus eins co[m?]pater Johannis. — Über diese, noch 
vorhandene, Inschrift handeln Caspart, WFr, 10, 208, und Klemm, WVjh, 1886, 
197, Statt co[ra]pater liest Klemm, da ein Taufpate hier unmöglich ist, et 
pater. — Die Inschrift ist nicht etwa an einem selbständigen Grabstein ange- 
bracht, sondern in einige übereinander befindliche, zur Substruktion des Chors 
gehörige Mauerquadem eingemeisselt, so dass der Gedanke immerhin nahe liegt, 
diese Edelfrau habe sich um den Bau der Kirche, wenigstens des Chores, irgend- 
vne verdient gemacht. Über die Stiftung der Katharinenkirehe überhaupt s, 
Herolt 44, ebenda über die in der krit, Anmerkung erwähnte Brüderschaft, — 
^) In Herolt 49 ist von dem Ort, wo die Kapelle ursprünglich stand, von den 
vier Altären und den dazugehörigen Stiftungen geredet. Ein letzter Best von 
xUr KapeUe, nämlich ein Inschriftstein, auf welchem die Erbauung derselben 
durch Gute die Veldnerin und die Weihung am Michaelstag 1344 zu lesen steht, 
ist an dem Altar der heiligen Sippe im Chor der Michaelskirche erhalten, — 
^) oben S, 62. — ») Aus Seb, Münster S, 673, 



— 212 — 

Von wallfalirten. 

Cappell am Cappellthor zu Hall. 

Anno domini 1364 haben die von Bachenstein unndt Walther 
SenflEt der alte gebaueth Unszer Frauen capellen *) zue Schwäbisch 
Hall bey dem Cappelthor in der ehre Unnserer Lieben Frauen, und & 
etlich nutzungen sambt ihren zweyen behauszungen und hoflf dabey 
darzue dem closter Schönthal an der Jagst liegendl eingeben. Ist 
eine wallfahrt dahin entstanden, wie wir dann hievohr *) gehört, da 
der Gretter zue Hall mit dem Baustetter gekämpfft,^) der Gretter 
im kampflf oblagh, war er uflf den kniehen bisz in diese cappell 10 
gangen, darinnen gebettet undt Gott gedancketh, dasz er ihme den 
sieg gegeben. Davon erst noch ein mehrer zuelauflF zue dieszer 
cappell wurdte. 

Wallfahrt gen Thungenthal. 

Fünflf jähr ohngeferlich vor der statte krieg, der war anno 15- 
domini 1450, hat ein herr von Limpurg bey dem dorff Thungen- 
thall haszen gejagt, also das der haasz die flucht in dasz dorff 
Thungenthal in die kirche genohmmen und uf den altar, der dazue- 
mahl in einem deinen chörlein gestanden, gesprungen, sich an 
Unszerer Frauen bildt, dasz uff dem altar gestanden, uftgelaimbth; 2y 
sollen die jaaghundt, so ihme nachgefolget, vor dem altar gestanden 
und dem haaszen nichts gethan haben. Darauf der herr von Limm- 
purg solchen haszen für den kirchhoff getragen, lauffen laszen und 
gesagt: zeuch hin, lieber haasz, du hast freyheit in der kirchen 
gesucht, die hastu funden. Dieweill die hundte die freyheit an dir 2& 
gehalten, so will ich dir auch nicht brechen undt dir auch nichts 
thun. Also ist der haasz davon, undt kein hundt soll ihm nach- 
geloffen sein. Da solches undem gemeinen mann kommen, ist ein 
groszes zuelauffen undt wallen zue solcher kirchen und zue Unszerer 



8 1401 Hi, n\ B, Ä«. I und — »Ite fehlt H«, Jf«, R, S<i. 10 ttatt war er: nnnd alsbald 
Jfi. I kniewen H». IM ein newer St^. 15 »tatt FOnff — 1460: anno domini 1486 J/'/ 
der war— hat fehlt R, 8t^. 17 ein baati H\ B, 8t*. 20 nfgelaindt B, St^. 2$ lobt 
»nob an dir H^ ; icbs anch nicbt B, 8t*. 28 lauttbrecbtt worden, ist HK 29 sue tol- 
ober — und fehlt HK 

*) Auch Schönthaler Kapeüt genannt. Nach OAHaü 171 f, bestand sie 
schon mindestens seit 1296, so dass der hier berichtete Bau samt den ange^ 
scMossenen Stiftungen als Neugründung su gelten hat. Das Kappeltor, sonst 
auch r^Stättor** (= Stadttor) genannt, das eben nach dieser Kapelle benannt 
war, führte von der alten Stadt in die Gelbinger Vorstadt. S. auch Gmelin 313. 
— ») oben Ä 95. — ») Über diesen Kampf s. HeroU 96 f. 



— 213 — 

Frawen zum haaszen genandt, von dem opfer, so die wallendte 
dahin geben, dieszer noch stehendte eher gebaueth wordten. Solch 
bildt ist stainen, stehet noch zue Thnngenthal in der kirch, nnd 
zum gedachtnüs ein gehanener haasz daran. ^) 

ß Stiefftung der Schuppaeh. 

Umb diese zeit ungefehrlich hat sieh zuegetragen, das ein 
Unnmusz von Altenhauszen *) ob dem spiel mit einem Eberwein 
zue Hall — diese Eberwein führen ein weisz panntherthier mit 
schwartz undt rotten strichen in gell feldung desz schildts, nnd nf 

10 dem heim auch ein solch pannterthier — uneinns ist wordten. Der 
Unnmusz hat gewust, dasz der Eberwein gewönlichen nach dem 
nachteszen zu gutten gesellen zum schlafftrunckh ist gangen. Dem- 
nach ist der Unnmusz bey nächtlicher weyll durch das loch, da 
der Schuppach durch die stattmauer in die statt Hall fleuszt — 

15 dann dazuemahl dieszer baeh nicht wie ietzt im gewölb eingefaszet, 
sondern frey offen in derselben gaszen abhergefloszen — geschloffen, 
den Eberwein, welcher daselbst in der behauszung, da die von 
Rinderbach seider auch geseszen, seine wohnung hette, bey seiner 
behauszung verwartet und an dem orth, da ietzundt st. Georgen 

20 altar in der Schuppachcappellen stehet, ihn zue todt geschlagen 
und wider durch den Schuppach hinauszgeschloffen, sich davon 
gemacht. Alsz aber der thäter dieszes todtschlags gerüchtiget, und 
were er gewesen lauttbahr wordten, seindt die von Hall für dasz 
waszerhausz Alltenhauszen gezogen, solches eingenohmmen, und 

25 dieweill sie den thäter nicht betretten, solches verbrandt. Nach 
langer handlung ist dieszer todtschlag also vertragen worden, dasz 
der Unnmusz an dem orth zue Hall, da er den Eberwein entleibt, 
eine cappell solte bawen undt pfrändte in st. Georgen ehre dahin 

i 80 — geben feJdt H >. 8 chor sambt dem bild und hasen H^. | Solch — dAr»ii f€Mt H>. 
5 St^ anfanga mehrmaU Suppach, naehhtr Hrhtig Scb. 9 Uff ein seit H^. 8 diete — 

pannterthier fehlt H^, St^; bti R Hne kürzt Verwtisitnff auf den Ahaehnitt von den Geschlech' 
ttm. 10 endtstoesen n. nnelns w. H. 12 sun ges. JET', H*, R, 8t^. 14 Schnpp»ohor 
thoU fls. 18 gesessen sein, wouung H>. 19 rerw. fehlt U^. 21 Schnppacher thoHen 
H*. S2 ruobbar worden fli, und — wordten fehlt H^, 28 lanttbrecht R, 8tK 28 ein 
pfrondt H». 

«) 8. OAHaü 8. 266 und 268, wo die Wallfahrt in das Jahr 1434 ^e- 
seUt wird, — *) Die Herolt 48 f, besprochenen Urkunden über Stiftung und 
Dotierung dieser Kapelle von 1322 und 1323 geben für diese Mordgesehiehte 
keinen Halt^ so dass wohl nur sagenhafte Ausschmückung eines nicht mehr 
aussumittelnden geschichtlichen Kerns vorliegt, S. auch Herolt 86, Gmelin 271, 
— Literatur und Geschichtliches zur Schuppachkirche s, Herolt 49, 



— 214 — 

stiegen, und sein anweszen nngefehrlich 2 meyll nmb Hall nicht 
haben. Also ist solche cappell an dasz ortb, da nun st. Georgen 
alltar in der Schnppach stehet, gebaweth, undt pfiröndt darein ge- 
stieflEtet. Solche cappel auch von ihrem stieffter die Unnmäszige 
Cappell genandt wordten ist, bis anno domini 1464, alsz durch & 
etliche schuler alle sambstag nachts eine Salve*) in solcher capell 
wardt gesungen, wurdte dahin ein zuelauflf und wallen zue Unszer 
Frauen, dasz viel gelt dahin gefiehl. Davon die schöne noch 
stehendte cappell zue Hall in der ehre Unszerer Frawen anno do- 
mini 1484 auszgebaweth und die kirchgezierth erhalten worden. 10 

Aber dieszes Unnmuszen bruder, der nichts mit erzehltem 
todtschlag zue schaffen hatte undt gleichwohl ihme sein theil an 
dieszem waszerhausz verbrandt war worden, mit einem vertrag be- 
güttiget worden. Welcher eine behauszung, da nun die hoff Alten- 
hauszen stehen, gebaweth, daselbst gewohnet, und durch seinen l& 
Schwager, seines weibs brudem; von wegen dasz er die magdt im . 
hausz lieber alsz seine firaw haben sollte, entleibth wordten. 

Es hat auch herr Hieronimus Egen, chorrherr uff st. Wilboldts 
chor zue Aystett, horas de passione domini gesungen zue werden 
gestieffltet; so hat auch Ulrich, der letzte desz geschlechts von 20 
Munckhen,*) eine pfirämbdt in diese cappellen gestiefftet. 

Closter Goltpach. 

Anno domini 1382 am abenth Bartholomaei ^) ist die cappell 
Goldtpach, zwischen Waidenburg und Schwäbisch Hall im waldt 
der graffschaffit Hohenlohe, sambt deszelben weyller dabey liegendt 2& 
durch fraw Annam, grävin von Hohenlohe, mit bewilligung ihrer 
beeder söhne, graff Ulrichs und Friedrichs zue Hohenlohe, sampt 
anstoszenden wälden, hueben undt zehenden, denn brüdem st. Pauls 
desz ersten einsiedeis orden eingeben und zue einem closter ge- 
stiefftet und geordnet wordten.*) 30 

4 ron ihme B^, B. | Unmuetsen capell JET', B. 6 ein Salve H^, B. 9 kiroh xue SK*. 
10 1480 Hi, B; Dat. fehlt StK 14 der hof . . stehet B^, B. 16 mafdt im B*, B, St\ 
17 alss sein weib gehabt ff'; die frawen solt lieben B. 18 Jeremias Egen H>. | Wili- 
balds 8t^. 19 domini in dieer capellen Schnppach JET', B^, B, St^. 24 Waidenberg B^, 
B, 85 demselben weyller B*, B, Sti. 3$ fraw Adelheit B^; B wit 8tK 27 irer 

brtttder 8tK 28 wftlden, gHettem K', B, 8t^, 

*) Sähe Regina f die einst beliebte Mariensequens, — *) «. o. S. 63. 67; 
HeroU 75, Gmelin 327 f, — •) Abend (= Vorabend vor) Barth, : 23. Aug. — 
*) Urkundliches über die Umwandlung der ehemaligen Kapelle in ein Kloster 
von Pauliner Eremiten nach der Begd des h. Augustin und über die Geschichte 
des Klosters bis 1587 s. AÖhringen S. 350 f. 



— 215 — 

Anhauszen. 

Anno domini 1455 ungefehrlich alsz der stättkrieg vertragen 
wordten und etlicher desz adels unndt anderer an der Jagst woh- 
nendt todtschläge in geistliche beszening gewendet, ist dasz clöster- 
5 lein Annhaaszen an der Jagst ligendt, Pauliner ordens, davon ge- 
stieflftet undt erbaueth wordten,^) darzue die von Bemberg ihre hielflf 
undt stewer gethan, derohalben alsz stieflFter geachtet wordten. 
Dieszes clösterlein ist durch die uflfrührischen bauren verbrandt ^) 
und seithero in der brach gelegen. Solches schlosz oder burgstadel 
10 Bemberg liegt ob Bämbach.'*) 

Vom Wurmblinger berg. 

Im Württenberger landt hab ich gehört, ligt eine kirch uflf 
einnem beerg, Wurmblinger bergkh*) genandt, darauff etliche desz 
orths abgestorbene graven ihre begräbtnuszen haben, die ihnen selbs 

16 und ihrem geschlecht zue ewiger gedachtnus in solcher kirch jähr- 
lich einen jahrstag uflf einen emanten tag zue halten mit reichlichen 
gefallen, in masz wie nachfolget gestieflftet haben sollen. Nemblichen 
allen armen, die uf solchen tag desz jahrtags in die kirchen zue 
Würmblingen kommen, wurdt ein reyliche spenth, aber den ausz- 

20 sätzigen iedem ein küebel, ein strickh damit er den kübel anbindte, 
sampt futter darein seinem pferdtlin, eine supp, flaisch, brodt, eine 
halbe maasz wein und ein schillinger geben. Also werdten auch 
der priester pferdte, die zu solchem jahrtag kommen, gehalten, 
darzue den priestem einn gutt mahl sambt uflf iedem tisch ein ge- 

26 brathene gannsz, darin ein anthen, in der anthen ein hunn, im hun 
ein vogel, alles gebratten, und iedem priester 3 ß zum presentz 



2 1488 J?S 1435 R, St^. | ttftttkrieg «wischen den von HaU und den von Bemberg H^. 
8 desB — wohn, fehlt H^ »ttht B, 4 wegen etlicher... die in ff'. 6 ttaU darzue — 
wordton : derhalb die von Bembnrg aUs stiffter geacbt worden B» 8 Diesses — Bftmbacb 
fthU H^, B, 12 hab ich g, fehlt B, St*, li adels nnnd graven HK 16 kirch ein ewig 
Jartag, Jirlich . . . St*. | nff— tag fehlt JETi. 91 seinem aus U^, B; seinen StK \ ein 
snpflaisoh 8i*. 22 wein, seinem pferdtlin ein hew HK 25 inn der hun ffi, 8t*. 

*) Anhausen bei Ch'öningen OA. Crailsheim, Nach Kgr, Würti, 5, 457 
bestand dieses mit Fauliner Eremiten besetzte Kloster schon seit 1403 ; es brannte 
aber 6, März 1445 ganz ab ; was Widman vom J, 1455 erzählty ist also eine 
Neugründung, — •) 2, Mai 1526, diesmal aber nur teilweise ; näheres s, Bossert, 
WFr, NF, i, 17 ff, — ») Bebenburg, s, o. Ä 107y OA. Gerabronn ; Bämbach 
= Beimbach, zwischen Gerabronn und Both a. See. — *) Wurmlingen OA. 
Eottenburg, Literatur über die nach der Sage vom Grafen Anselm von Calw 
im 11. Jahrh, gestiftete Kapelle und über den Calwer Jalirtag s, Kgr, Württ, 
3, 371 f. 



— 216 — 

geben. Undt damit solche stieflftang im weesen bleibe, wann dasz 
mahl oder imbisz vollbracht, ist ein vogt, dessen vogtey darzue 
gewiedmeth ; der zeucht seinn pferdt für die Würmblinger kürchen- 
thüre, beruflft die priester vom tisch zue sich, last ihnen den brief 
dieszer stifftung, wie es mit dieszem jahrtag in der kirchen undt 5 
kuchen gehalten werdten solle, voorleesen. Nach verleszung niembt 
der vogt einen gülden in die handt und tritt mit dem linckhen fuesz 
im stäggeraiff, fragt den decan, cammerer undt 2 fümembsten pfarrer 
solches capitels, darinn der Würmblinger berg gelegen, uf ihre desz- 
halb gethane pflicht, ob auflf denselben tag erzehlter jahrtag innhalt lo 
vorgelesenen stiefftungsbrieffs seye durchaus gehalten wordten. Ant- 
wortten sie nein, so schnellt der vogt den gefasten gülden gegen 
der kirchen, zum gedächtnus ihrer gezeugnüs, den priestem zu ver- 
trinckhen, undt were die Würmblinger kirch mit all ihrer nutzung, 
die sonst einem closter gehörig, solcher vogtey ewiglich haimbge- 15 
fallen. Sprechen aber die priester ja, der jahrtag sey innhalt der 
stieflfterbrieffe gehalten undt vollbracht wordten, so gehen sie sampt 
den andern priestem widerumb in die kirchen, singen ein Salve, 
halten ein Placebo, wirdt ihnen allszdann widerumb eine collation 
gegeben, damit scheiden sie von dannen. 20 

Ob aber seithero der beurischen empöhrung solche stifitung 
noch werdte gehalten, wieszen die beysietzenden nachtbauren. 

Nicolaushauszen. 

Anno domini 1476 hat sich im dorflF Nicolaushauszen *) in der 
graflfschalft Wertheimb am flusz Tauber ligendt ein hirt, ein paueken- 25 
Schläger erhebt und hefftig wider die obrigkeit, clerysey, auch 
spietzige schuch, auszgeschnittene goller und langen haaren gepre- 
diget, auch dasz waszer, waidt, holtz selten gemain sein, kein zoll 
noch gelaithgelt geben, und were Teutschlandt in groszer sündt 
und übermuth ; wo sie nicht busze thetten und davon abstünden, 30 
würdte Gott in kurtzen Teutschlandt undergehen laszen. Solches 
hette ihme die mutter Gottes an einer sambstagsnaeht, alsz er des 
vichs ufm feldt gehüttet, mit groszem Hecht erscheinendte ihme ge- 



4 kiroh, thutt beraff B. \ $taU Utt . . . Torleaen: Iltet fii. 7 steigt mit IT', thvtt B, 
8 cam. : commenthar H^, B. 18 sum geseognni ffi, B, 19 ein ooIUtB gegeben J7', B, 
Stf. 98 noch in wirden HK | ambwohnenden in, umbsiUendeo St*. 88 holt« und 
ändert JEr>. 30 fiberm. gevallen fi'. 

•) nordwe8tL von Tauberbischofsheim, — Charakter dieser Wallfahrt utul 
Literatur über dieselbe s, Herolt 165, 



— 217 — 

oflfenbahret und zue predigen befohlen. Also wurdte gen Nicolaus- 
hanszen in solche kirchen im nahmen Unnszerer Lieben Frawen 
ein groszer znelauflf unndt gantz Teutschlandt bewegig. Da lieflfen 
die roszhiertten von ihren pferdten die zäume in bänden tragend!, 

5 die Schnitter mit ihren siechelln vom schnitt, die häwerinn mit ihren 
rechen von den wiesen, die weiber von ihren ehemännern, die 
männer von ihm weibern etc. Der wein war ein jähr davohr wohl 
gerathen, gutt und wollfail. Da wurdten umb der mänge desz 
volckhs bey zwo meyllen umb Niclaushauszen im feldt undt uflf der 

10 straszen tabernen ufgeschlagen, da man wein schenckthe, denn 
wallenden zu eszen und zu trinckhen gab, also dasz die wallendte 
vom Franckhen- undt Tauberwein wohl bezecht wurden, zue nacht 
fraw undt mann bey einander im feldt undt scheuren benachten, 
nicht alles gleich zugieng. Desz volckhes zuelauflfen war so grosz, 

15 dasz der bauckenschläger in einem baurenhausz den kopff zum dach 
herausz stiesz, damit dasz volckh ihme sehen undt predigen hören 
möchte. Man sagte, es stündte hinder ihrae hinderm dach ein paar- 
füeszer münch, der gab ihme ein, was er predigte. Wann dann 
die predigt aus war etc., hueb dasz volckh an zue beweinen ihre 

20 Sünde, aber mehr dasz trunckhene ellendt. Da erhueb sich dann 
ein solch haarabschneiden und spietzen von schuchen ^) — wie dann 
solche schuch zue tragen dazumahl gebräuchlich — dasz wie man 
achtete solche haar undt spietzen uif viel wägen nicht betten ge- 
laden werdten mögen, ohne gestickte brusttuch, kleider, goller undt 

25 ander geschmeydt von frawen undt mannen, derer viel ihre kleider 
nackendt bisz an das hembt auszzogen, in die kirch warflfen und 
davon zogen, die, so sie ein meyll von Nicolauszhauszen kämmen, 
dasz getöesz und der wein ihnen ausz denn köpfen kämm, wolten, 
dasz sie ihre kleider widerumb betten. Es gefiehle ein unsäglich 

80 gelt, wachs undt wachszkürtzen, mit Würtzburger schillinger. Nürn- 
berger fünffer, creutzer, plappert und Iszbruckhern wie ein igel 
besteckth. 



3 bewegt H^. 5 hewmacherin H^, R; heherin Sti. 8 amb yü des B, umb vile des fiV>. 
10 tafern ufgeschl. Hi. | sohanokh St*, 11 wtllern cn B^, R, 8t*. 14 nnd allemal 
nit recht aug. UK | Das Tolok und suel. H*, B, 8t*. 17 ataU bindenn: am Ifi, R; im 
St*. 18 gab: geb St*, 20 dasz trncken H^, B. 24 gestriet 8t*, 80 waohskertzen 
m, R, at*. 81 Iszbmoker B*, B; Instbr. St*, 

*) d, h. ein Abschneiden der Haare und der Schuhspitzen ; die Schnäbel- 
schuhe, die bei beiden Geschlechtern üblich waren und zur Entfaltung eines 
zum Teil recht närrischen Luxus Veranlassung gaben, hielten sich bis zum 
Ende des 15, Jahrhunderts, 



— 218 — 

Dieszer beuckher hett eine zöttini kappen ; solche zotten risse 
ihme das volek von der kapen herab, allsz ein besonder heyliig- 
thumb achten dt, wo die weiber in kindtsbanden solch zotten bey 
sieh hetten, es möchte ihnen nicht miszlingen. Item, wa dieszer 
pauckenschläger gieng, welcher dann ihme mit seiner handt oder 5 
steckhen anrührte, der küszete solche handt oder steckhen für ein 
heylligthumb. 

Es waren auch ihrer viel, die zaichen mit lugen stieffteten 
und erdachten, damit ihnen nur geldt wurdte. Dann es saasz im 
Fischachthal ein säwverschneider, welcher und sein weib gerne wein 10 
trunckhen. Der nahm seinn weib, welche frisch undt gesundt war, 
bandts mit einer handtswell hinder ihme ufs pferdt zue sich, ob 
were sie lahm, kündte sich nicht heben ; ritte also uflf den kirchoflf 
zue Nicolaushauszen, ermahnete dasz umbstehendte volckh zu schwei- 
gen, damit er seiner wallfahrt ursach anzaigen möchte. Alsz nun 15 
iederman zuelief^ undt vernehmen wolte, was er newes sagen würdte, 
sprach er, dasz sein weib, welche also gebunden hinder im säsze, 
jähr undt tag an bänden undt füeszen lahm gewesen were, undt 
keine artzney etwas helflfen wollte, were ihr bey nacht fürkommen, 
sie solte sich nach Nicolauszhauszen mit so schwer wachsz alsz sie 20 
wäge verheyszen, so baldt sie dahin käme, wurdte sie geradt 
werdten. Hette seine fraw zue solcher stimme gesagt, es were 
in ihrem vermögen nicht, solches gelübdt zue leisten und so viel 
wachsz zue kauffen. Darauff die stimme gesagt, sie die fraw sollte 
solch gelübdt thun und so bald die wallenden menschen zue Nico- 25 
lauszhauszen solch wunderwerckh an ihr vollbracht sehen, wurden 
sie ihr stewer geben, dasz sie solches wachsz wohl kauffen könndte. 
Demnach, liebe hauszfraw, ist solch gesiebt ausz Gott, und hat dir 
die mutter Gottes geholflfen, so sprinng herab vom pferdt, gehe in 
die kirchen undt sag ihr danckh. Mit dieszen wortten zog er die 30 
schlingen an der handtswell auflf. Da sprang dasz weib vom pferdt 
unndt gieng in die kirchen. Damit zoch der sewverschneider wider 
sein hutt ab, satzt ihn für sich uff den kirchhoff, bathe die umb- 
stehendte, dasz sie ihme steuren wolten, damit er solches gelobthe 
wachsz kauffen möchte, dann er were ein armer gesell, ohne hülffe 35 
frommer menschen vermöchte er sein gelübdte nicht zue leisten. 



1 solche — h«rab au* H\ B, St*; fehlt StK S heiligthnmb, »obten H^, B. \ kindtob. 
Iftgen St*. 6 dann Ihn H^, R, StK | oder st. fehU HK 10 welcher er und j?>, B, 
18 aUs wer St*. 19 kafn artset H^, B, Stß, 22 Hette —könndte fehlt H^, B, St*. 
29 gang in H*, B, 8t*. 82 kirchen und sagt ir danckh St*. \ wider fehlt B, St*. 33 und 
gieng ein weglein fnr sieh, satst . , H^. 



— 219 — 

Da wurfif iederman gelt zue bisz der hutt voll war. Damit zöge 
er undt sein weib zue hausz, undt hetten aber gelt zum zechen. 

Dieszer beuckher predigte so lang wider die pfaffbeith, dasz 
die wallende nnnder andern ihren creutzlieden öffentlich sunngen: 
ß Wir woUens Gott vom himmel clagen, 

kirie eleyson, 
Das wir die pfaffen nicht zue todt sollen schlagen, 
kirie eleyson. 
Nun auff einen sambstag verkündete dieszer benckher dem 

10 volckh, dasz alle, so Unszere Fraw ehren und beyständig wolten 
sein, die solten uff den nechsten sambstag zue ihme gen Nicolausz- 
hauszen kommen und ihr gewehr mitbringen; wolt er ihnen erst 
sagen, was Unnszere Fraw wollte, dasz sie thun solten. Da solches 
bischoff Rudolph zue Würtzburg, desz geschlechts von Scherenberg, 

15 vemohmmen, wo es auszhin wolte gehen, wie die aufruhrischen 
bauren mit ihrem evangelio gesinneth, wolte er solches sambstags 
nicht erwartten, verordnete etliche pferdt, welche zue Nicolausz- 
hauszen dieszen bauckhenschläger sambt etlichen seinen fümemb- 
sten rathgebem vor solchem sambstag in verhafft nahmen und zue 

20 Würtzbui^ uf Unszerer Frauen berg gefänglich gehalten wardten. 
Nun uff verkündeten sambstag, alsz viel volckh gen Niccolausz- 
hauszen kam und vernahmen, dasz der bauckhenschläger, den sie 
Unszerer Frauen bottschaffit nennten, zue Würtzburg im thurn lagh, 
hat sich das gantze volckh zue Niccolauszhauszen mit ihrem ge- 

25 wehr, stanngen, wandelkertzen und fahnen, was ieder in seine handt 
bekam, uff Würtzburg erhebt, den bischoff zue bitten, dasz er 
Unszerer Frauen bottschafft ledig wolte geben. Dann sie wüsten, 
sprachen sie, wo solche bitt der bischoff abschlug, dasz sich der 
thurn würdte niderlegen, ufthun, und Unszerer Frauen bottschafft 

30 ohnverletzt zu ihnen herauszgehen. 

Alsz sie sich nun Unszerer Frauen berg zue Würtzburg naheten, 
ist der Würtzburgische reyszige zeuch ihnen entgegenkommen, ihres 
umbzihens zur redte gesetzt. Darauff das volckh: sie begehrten 
ihnen Unszerer Frauen bottschafft ledig zu geben; wo nicht, so 

85 woltens Unszerer Frauen berg belagern undt ihn mit gewalt herausz- 



4 iuind«r andern ihren aus B; wftUer ander iern JB^; und andere in ihren 8t^. 10 be- 
etendig Hi, B, 8t*. IS Ihr wehr H^, B, 8t*. 15 wie hernach HK 16 ataU mit ihrem 
er.: anch ITi. 17 gehn N. fielen HK 21 uff erkhanten 8t*. 89 dem bischoff au 
biethen H^, B. 

*) Budolf von Scherenberg war Bischof 1466—1495. 



— 220 — 

nehmen. Alsz aber die rayszigen dieszes tobendte volckh vermein- 
ten zue stillen, ist dasz volckh mit Stangen undt was ieder vor 
gewehr gehabt ander die raiszigen geloflfen, sie zue beschädigen 
understanden, pfaffenknecht undt ketzer geschollten. Welches die 
raiszigen zur ungeduldt bewegt, ihrer viel mit blutigen köpflfen von 5 
sich gewiesen. Alsz nun disz volckh für Unszerer Frauen berg 
kommen, hat bischoff Rudolph gewollt, dasz man mit groszen 
büchszen under sie schieszen solte. Seine räth aber, so ein mitt- 
leiden mit diesem armen völckhlein gehabt, haben angeben, dasz 
die büchszen ohne schaden über sie ausz gericht wordten seind. 10 
Darauflf dasz volckh noch hallstarricher wordten undt gesagt, Unszer 
Fraw beschütze sie, man kündte ihnen nichts thun. Dasz verur- 
sachte, dasz die Würtzburgische raiszige under sie gerenneth, etliche 
erstochen undt verwundet, damit sie sehen, was man ihnen thun 
köndte, vil gefangen undt zue Würtzburg thürm unndt gewölbe voll 16 
lagen. Seindt doch folgendts auszgebetten, ohne der bauckhen- 
schläger sambt andern zweyen oder dreyen seindt zue pulver ver- 
brandt undt ihre aschen, aberglauben zu verhütten, in den Mayn 
gestrewet worden. Dannoch haben etliche dieszes bauckhers an- 
hänger bey nächtlicher weyll an dem orth, da er verbrandt worden, 20 
die erde auszgraben und allsz ein heiligthumb heimgetragen. 

Maintz, Würtzburg und Werttheimb haben sich miteinander 
verainigt, was gen Niccolauszhauszen vonn wallenden gefallen ist. 
Also nähme diesze wallfahrt ein endte, die nicht über ein jähr gewehrt. 

Die von Nürnberg merckthen zeitlichen, das es erdichte dinge 26 
wären, deszwegen verbottens den ihrigen bey groszer straff, dasz 
keiner gen Niccolauszhauszen wallete. Desz sie vonn pabst Sixto 
dem vierdten, per breve apostolicum sub sigillo piscatoris, insonder- 
heit gelobt wurdten. 

Fehlbach. 30 

Gleich eine solche erdichtete wallfahrt hat sich angehebt durch 
einen mähnbueben bey unszern zeithen zue Fehlbach bei Cannstatt 
in Württenbergerlandt liegendt, aber sie zurgienge baldt.*) 

6 volokh gesehen und J7i; dits rayiendt volckh B, St^. 7 mit der H^, R, 8 groiien 
•tQckhen 8ti. 9 mit ioen geh. H^, 10 das man zu hoch, und HK 11 Daraus« H, St*. 
14 das sie ine» nichts . . . kOndten St, S, 15 gehn W. in tum gelegt fl"»; thüro u. gew. 
ToUgelegt B, 8tK 16 und der B. 19 Demnach B, St*. 23 gerallen, gethailt HK 
95 merckthen seit ^i, B, St*. 27 wolt St*. 82 bei ^seithen fehlt H*. 

") Über die seit 1819 abgegangene WaUfahrUkapelle auf dem Kappelesberg 
bei FelJhach und die angebliche Marienerscheinung daselbst s. Kgr, Württ. 3, 121, 



— 221 — 

Weyhenbrunn. 

Es entstanndte auch zwaintzig jähr ungefehrlich voor der statte 
krieg*) eine wallfahrt zu einem bronnen bey einer glaszhütten da- 
zuemahl im waldt uff dem weeg von Schwäbischen Hall gen Heyll- 

5 bronn, ohngefehrlich ein halbe meil vom wildbadt Meynhardt ge- 
legen, da noch solch orth von solchem bronnen Weyhenbronnen *) 
genandt, dahin ein grosz zuelauffen war. Er wardt von dem wäl- 
dischen daselbst herumbwohnenden einfälltigen volckh für heyllig 
gehalten undt voor viel kranckheiten gutt zue sein gehalten und 

10 geachtet. Dieszer waldt gehörte dazuemahl dem Johanniterhausz 
zue Schwäbisch Hall; wardt nicht weith von dieszem bronnen von 
denn opffern, so dahin gefiehlen, eine steinerne cappell in der ehre 
st. Johannis, Unszerer Frauen, und umb viele ^) desz volckhs für 
dasz cappellein auch ein alltar, eine pfröndt und würtzhausz dahin 

15 gestiefftet und gebaueth, die pfröndte mit einem Johanniterpriester, 
der auch alda verschieden, besetzt. Diesze wallfahrt hat gewehrt 
bisz uf den stättkrieg anno 1450. Da seindt die behauszungen 
verbranndt wordten, die cappell aber ist gestanden bisz uff die 
bäurische uffruhr anno 1525, haben sie die glockhen sambt was 

20 darinnen von bley und eiszen abgebrochen und gestohlen, löcher 
in das dach gebrochen, dardurch diesze cappell auch zu scheuttern 
gangen. 

Unszer Frau zun neszeln zu Heyllbronn. 

Anno domini 1442 ist bey dem stattgraben zue Hayllbronn 

25 uff dem weeg gen Weinsperg Unszer Frawen geschnietzt vesperbildt 

in einem billdtstockh mit neszeln umbwachszen gestanden,^) soll 

sichs begeben haben — wie deszhalb im druckh auszgangen — dasz 

2 Mtatt auch — krieg: anno 1419 ifi. 5 im wald hinder Malnhard aln halb m. H^; von 
dem dorf M. S, 10 Dlse walfahrt HK 11 wirdt H*, StK 16 versoh. and begraben 
ligt HK 17 a. 1460, ebenw naekhtr a. 1626 fthU Hi, H*, B, St^. 22 anoh sergangen HK 
24 1400 Ht, S. 26 bild m. 

*) Da der Städtekrieg nach Widman (s, u, Zeile 17) 1460 begann, genauer 
1449, 80 wäre dies 1429 oder 1430. — ») Weihenbronn bei Wüetenroth OÄ. 
Weinaberg, s. Kgr, Württ, 3, 256. — ") wegen der grossen Menge, — *) Über 
das hier verehrte Gnadenbild hat im J. 1514 Abt Trithemitts eine eigene Schrift 
in mehreren Büchern verfassty betitelt: Miracula beatae Marias in urticeto 
(als Autographon des Verfassers in der Würzburger Universitätsbibliothek auf" 
bewahrt), wo er die Entstehung des Klosters r,am 25, Aprü 1442^ und die seit 
diesem Zeitpunkt, also während ungrfähr 70 Jahren, durch das Gnaden* 
bild beunrkten Wunder erzählt, und zwar, wie er selbst bemerkt, auf An- 
dringen des Priors (des unten genannten Doktor Feier?) und der Brüder 



— 222 — 

ein bäurin, nicht weith von Heyllbronn in einem dorfif daheim, ausz 
Haylibron hat heimb wollen gehen. Unnd alsz sie zue solchem 
vesperbildt kommen, in den neszeln stehen gesehen, solle sie gesagt 
haben: du raine jungiraw Maria, ich will dein schön andächtig 
vesperbildt mit mir heimb in mein dorfif tragen, alda es ehrlicher 5 
gehalten wirdt; und also das bildt mit ihr wollen nehmen. Solle 
eine stimme ausz dem vesperbildt geredt haben, es wolle in diesem 
neszelbusche bleiben, dann an dieszem orth werdte Gott wunder- 
zeichen thun. Von dieszer stimm ist die fraw erschrockhen, nidcr- 
gefallen und sich nicht mehr verwuest. Alsz aber ihr mann, welcher iq 
sich zu Haillbronn etwas versäumbth, hemacher kommen, sie uf der 
erdten liegendt gefunden, ihr zuegesprochen, sie ufgerichtet, undt 
sie wiederumb zu ihr selbs kommen, ihrem mann alle Sachen wie 
es ergangen erzehlt, desz sie beydte an allen orthen der gegenth 
auszgebraitet, davon ein groszes zuelaufifen zue dieszem vesperbildt 15 
wordten, und im obgemelten jähr am st. Marx tag der zuelaufif an- 
gefangen, dasz an solchem tagh ob 1000 menschen zue solchem 
bildt im neszelbusch stehendt kommen, der zuelaufif von tag zue 
tag zugenohmmen, viel gelt, wachsz, sielber, goldt, geschmaidt, 
kleynodt, klaider etc. dahin von den wallenden gefallen. Davon 20 
an solches orth ein schön lustig closter in der ehre Gottes und 
Unszerer Frauen gehauen, den Carmelitern eingegeben wordten. 
Darunter ihr prior doctor Peter, professor theologiae, ein gelehrter 
mann geweszen, welcher oberzehltes im druckh hat auszgehen laszen 
und solch closter wohl gepflantzet. Der zuelaufif zue diesem closter 25 
war in den osterfeyrtagen gemeiniglich am grösten. 

Diesze wallfahrt wehrte bisz am heyligen ostertag, da die ufif- 
rührische bauren anno domini 1525 die mörderischen thatten zue 
Weinsperg begiengen, da sie grafif Ludwiegen von Helfifenstain, 
Rudolphen von Eltershoven selb achzig des adelsz undt reuszigen 30 
durch die spiesz jagten undt sonst ermordeten ; nahmen die bauren 



9 thun and Maria geehrt werden St^. 11 ettwann Ters. B. | uf der e. fehlt U^, B, 8t*. 
14 der geg. fehlt Hi, St*. 16 und — sngenohm. fehlt H*, B, 8t*. 19 selber und gaiden 
getchmflokh ITi; sllber gülden getohmuokh B, 99 ron Helff. fehlt B, St*, 50 B. r. E. 
fehlt HK I undt r. fehlt HK 

jenes Karmeliterklosters. Der Bauer heisst dort Albert, sein Weib Kunigunde ; 
sie haben die Kirche der Genoveva in Ellhof en besucht^ und auf dem Bikckweg 
in ihr Dorf Eytzingen ereignet sich bei dem verwahrlosten Bild in den Nesseln 
die wunderbare Geschichte, die der phantasiereiche Abt mit vielen Einzelheiten 
ausstattet, in den Hauptzügen mit Widman gusammenstimmend, doch in mehre' 
ren wichtigeti Punkten von ihm abweichend. 8. auch OAHeilbronn (1901) 1, 73 f. 



— 223 — 

solch closter ein, plündertens, verwüstens, zurrieszens, wardt die 
kirch beschloszen.*) 

Burckberg. 

Zue dieszer zeith, allsz die wallfahrt zue Hayllbronn ange- 

5 fangen, hat sich auch begeben, dasz ein hirtt nf einem hohen berg 
in einem waldt eine meil von der statt Crailszheimb liegendt, von 
wegen das unten am flusz etwann eine burgkh Flugelaw genandt 
gelegen, in welcher wie etliche sagen die graven von Flugelaw ihr 
annweszen gehalten, der Burgkberg*) genent wordten, ein zwieselte*) 

10 grosze hohle buchen zue oberst dieszes bergs stehendt gefunden, 
in welcher sich von dem regen dasz waszer versambleth. Der hirtt 
aus einfallt gab aus, er hette eine buchen uf dem burgkhberg ge- 
funden, daraus ein bronnen entsprungen. Da wurdt ein groszes 
zulaufen undt saagen, wer dunckhle äugen hette undt sie aus solcher 

15 buchen waschete, dem wurdtens lauter, und was kranckheit von 
auszwendig schaden damit befeuchtiget wurdte, dasz Vertriebs. Es 
gefihl viel geldts dahin, alsz zue einem heylligen dinng. Davon 
wardt ein schönne kirch mit schönnen omaten, ein würtz- undt 
pfröndthausz sambt einer pfröndt gebaueth undt gestiflftet.*) Das 

20 wehrte bisz zue der strittigen religion der bäurischen empöhrung; 
wurdte durch marggraflf Georgen*) etc. abgestellt. Etliche sagen, 
wann der wirth am feiertag zu viel zechleuth gehabt, die alle er 
in seiner behauszung nicht habe setzen können, seye die kirchen 
zu einer tabernen gebraucht wordten. 

26 Aus H^ (das ganze Stück fehlt in St^): 

Walfhardt uff sanct Michels berg in Gorgaw.*) 

Anno domini 1458 am donderstag nach dem pfingstag sein 
zu Hall ob 100 junger knaben auszgangen unnd zu sanct Michel 

6 eine — OrftUszh. fehU H^, B, 8t^. 7 unten am fnesspfad 8t^. 9 Bwieselt« aua H^, R; 
im swieteliten 8t^ ; ein swisliohen 8t^. 10 gr. bombueehen 8t*. 15 kranckheit het S. 
Iß damit gewaschen 8tK 17 ales — dinng fthli HK 19 ttatt tambt — pfr.: und bad SK 
80 der b. e. ftMt H^, R, 81*, 28 feiertag aua 8t*; freytag StK 86 Thorgaw H^ tUU, 

') Von der Plünderung des Klosters durch die Batiem Mitte Äprü 1525 
berichtet OAHeilbronn 1, 101; Über die Entschädigung und Wiederherstellung 
desselben s, ebenda S, 106, — ') Über den Burgberg und seine Altertümer s. 
OACrailsheim 187. — ") zwiselt = gabelförmig geteilt, Schm, — *) über diese 
„Marienkapelle^, die zur Pfarrei Rossfeld gehörte, handelt OACrailsheim 892 f., 
wo ihre Geschichte nach urkundlicfiem Material bis zu ihrem Verfall im 16, Jahr» 
hundert verfolgt wird, — *) von Ansbach, — •) Das folgende Stück findet sich 
ausser H noch bei B, sodann P 67 und F 200 des histor, Vereins für WFr., 



— 224 — 

in Gorgaw gewallet. Denen hat ein erbar rhat ain schnolmaist^r 
sambt ainem esel verordnet, die auflf sie gewarttet haben; wiewol 
dise kinder alle ausz sonderm des h : geystes [eingeben] ohne vatter 
und mutter willen dahin gezogen, so hat doch ein erbar rhat die- 
selben nit vergehen lassen wollen. Welche alle unverletzt, mit 5 
einem schonen ablasbri^ff, auch abconterfehung dises bergs und 
walfahrt frisch und gesund haim kommen. 

3 eingeben f$Mt H^, 7 Dise abconterfehung ist lang leit an Hall In eanct Hichelt pfarr- 
Urohen gehangen, aber seit 1688 wider ans« diaer kirchen gethon worden. Diettr BtUaU 
in H^ ist wohl Hne nachträglieh in dtn Text gtdrung^n* Olo99€. 

161 h des SiuUg. Staatsarchivs y einer Chronik des Gemeinsch, Arch, HaU^ Ms. 
hist 8 der Stuttg. Landeshibl. und Handschr, 21 432 des German. Mus. Nümb, ; 
in St^ findet sich davon der blosse Titel ohne Text. In den übrigen vergliche* 
nen Handschriften (6), vor allem in St* fehlt es. Dazu kommtf dass in den 
oben bezeichneten Handschriften der Text keineswegs fest ist, sondern zwischen 
einer längeren Form und einer bei HeroU S. 161 auftretenden kürzeren schwankt. 
All dies könnte den Widmanschen ürspining zweifelhaft erscheinen lassen. Er» 
wägt man aber, dass in der längeren in den Text aufgenommenen Fassung 
von H^ der altgläubige Standpunkt an mehreren Stellen stark zum Ausdruck 
kommtf so wird man es begreiflich und wahrscheinlich finden, dass den evan^ 
gelischen Bearbeitern der Chronik gerade bei dieser auf Hall seihst bezüglichen 
Geschichte es besonders nahe lag, entweder die katholischen Ausdrücke auszu" 
merzen, wie dies eben in der kürzeren Redaktion geschehen ist, oder den ganzen 
Abschnitt wegzulassen. Es wäre auch kaum zu verstehen, warum Widman 
diesen ihm so nahe liegenden und durch die Bildtafel in St. Michael sozusagen 
aufgedrängten Stoff sollte unbenutzt gelassen haben, — Als Name des WaU- 
fahrts Zieles kommt in den Handschriften durchgängig Gorgaw oder das daraus 
verderbte Torgaw vor, Gorgaw ist natürlich aus (Monte) Gargano entstanden, 
wurde aber bald als — gau aufgefasst („St, Michel im Gorgaw**, „in Thorgay^), 
und Torgau wurde, wie die Haller Archivchronik bezeugt, geradezu als „Thur- 
gau in der Schweiz^ verstanden. Wenn daraufhin das Haller Programm von 
1888/69 die Wallfahrt wirklich als nach dem Garganusheiligtum in Apulien 
gerichtet ansah, so war das freilich ein voreiliger Schluss, Die Frage, die in 
Herolt 161 noch offen gelassen wurde, ist jetzt durch die eingehenden Nach' 
forschungen Keidels in WVjh. 1894, 269 ff., besonders aber durch den Aufsatz 
Haupts „Zur Geschichte der Kinderwallfahrten 1465 ff.'' in Zeitschr. für Kirchen- 
gesch. XVI, 4 aufgehellt. Nach diesen Darlegungen steht fest, dass auch die 
Hauer KnäbenuHÜlfahrt, wie die Elltoanger, Strassburger, Ulmer u, s. w.. St, 
Michel in der Normandie zum Ziel hatte; und Haupt insbesondere hat den 
wichtigen Nachweis erbracht, dass die Bezeichnung Garganus schon im 15. Jahrh, 
vom Volk missbräuchlich auf den bekannteren Wallfahrtsort in der Normandie 
angewendet wurde, so dass sogar Trithemius in seinen Hirsauer AnnaUn sagen 
kann: ad montem Garganum in Normandia. Aus diesem wenigstens die rieh" 
iige Landesbezeichnung noch festhaltenden Ausdruck muss sich dann der 
völlige Verwirrung anstiftende „St. Michel in Gorgau^ entwickelt haben, — 
Über die Michaelskapeüe auf Komburg s. o. S, 160 f. 



— 225 - 

Zu Comberg im stiTFt hat einer von Hohenstein gestuft sännet 

Michels capel daselbst ob dem thor mit den 2 thürlin unnd darein 

etlich nutzung seinem brueder zue guth, der ein mfinch zu Comberg 

gewesen. Dise capell soll auch ein abconterfahung sein sanct 

5 Michels in Gorgaw. 

Raw aichen. 

Nach anfang vorerzehlter wahlfahrt desz Burgkbergs entstand 
anno domini 1472 eine wallfahrt uflF dem waldt der einkom ge- 
nandt bey einer aichen ungefehrlich ein viertelmeil hinder dem 

10 stieflFt Chomburg, uflF dem knockhen desz Fischerthalls,*) da sich 
der fueszpfadt gen Obervieschbach und Herdtelbach*) schaidet; 
darinnen ein bildthäuszlein war, in welches ein schuchmacher, Sig- 
mundt Weinbrenner') genandt, ein bleyen zaichen, so man etwann 
zunn 14 nothelffem uflF dem Bambergischen gebürrg^) dennen wal- 

15 lenden auszzugeben pflegte, geheftet, sagendte von etlichen erschei- 
nungen, die er zu verkündigen gehabt hette, dasz an dieszem orth 
die 14 nothhelflFer wolten geehret werdten etc. Es wurdte auch 
ein groszer zuelauflf undt vorab sommerszeithen, weill es der statt 
Hall nahe lagh, mit flaschen und speis seckhen mehr von groszmals*) 

20 wegen dann wallens. Es würdte eine höltzeme cappelln mit brettem 
alda auftgerichtet, darinnen — in tabulis portatilibus — meesz ge- 
halten. Dieweill aber sich zwischen Chomburg undt Limpurg umb 
dasz dominium dero orthen Zwietracht zuetruge, zurgieng die wall- 
fahrt, cappell undt aich.*^ 



7 Nftch — Burgkb. fehU B^. 9 hinder an« H^, 8t^f fthlt St^ »in halb meü R, 8t^. 
10 aicbon binden uff d. Jü >. | Vyaohachertbaal H^, St^, 11 Hirlbach 81^, 15 heff- 
tent sagt H^; helffendt, saigt an B, 19 HaH nit luweit entlegen H*. \ speiteeckhen 
aua //>, 8i^, Bf speie, steckhen 8t^, | grossmals aus JET', R, St^ ; grofxenalle Si^ ; graez- 
male HK SO ein britterin cappel U^, 91 porutulie //». 23 der ort ein HK 24 Nach 
aich: Nacbvolgend haben die ron Comberg das noch etehent capellin zun riertsehen nott- 
helffer Tomen uff dem ainkom gebawen, in mainung ein walfahrdt dahin zu brinj^en, wurd 
aber nichts daraus, dan letslioh gab et ein vihestall UK 

') Fischachialy südostwätis vom Einkom »ich hinziehend. — *) Ober- 
fischach und Herlehtmh, im obem Teil des Fischachtals, — •) Weinbrenner war 
Schuhmacher^ Dichter und Stadibote, s, o. S, 94 und Herolt 62» — *) Gegen- 
über dem Schloss Banz ist der vielbesuchte fränkische Wallfahrtsort „ Vierzehn- 
heiligen^, FranMiskanerkloster und Klosterkirche. Nach der Legende erschienen 
einem Hirtenknaben die 14 Nothelfer, und dies gab den Änlass eur Gi'ündung 
der Kirche. — *) „Grossmahl^ = Grasmahl, Jagdmahl im Freien auf dem Grase 
eingenommen. Schm, — •) Nach Müller, Gesch. des Biiterst. Komlturg S. 24, 
begann das Messelesen in der hölzernen Hütte auf Tragaltären seit 1472, die 
Kapelle zu den 14 Nothelfern wurde 1506 ei'richtet. Der Hauptwalifahrtstag 

Wtirtt. Oeschichtsquellon VI. 15 



— 226 " 

Rieden. • 

In dem jähr vorerzehlter wallfahrt ist auch bey dem dorff 
Rieden,^) ein halbe meyl von Schwäbisch Hall liegendt, inn einem 
ackher ein gebrändt roth irdin creutz, ungefehr anderthalb spannen 
hoch, einer handt braith, in der mitte ein gemacht heylligthumb 5 
habendt, gefunden wordten. Dahin ein groszer zuelaaff wardt, viel 
gelts gefallen, davon an solch orth ein schöne kirch in der ehre 
Unszerer Frauen, wohl geziert, gebaueth, und zwo pfröndte darein 
gestifftet wordten. Zue dieszer kirchen ist alle sambstag und vohrab 
montags nach jubilate ein grosz zuelaufien geweszen bisz zur zeith lo 
der strittigen religion; ist nicht mehr gestatt wordten.*) 

Ennszlingen. 

Under Schwäbisch Hall am flusz Kochen ligt ein dorff Ennsz- 
lingen genandt, darinnen eine kirch mit dreyen altam, der eine in 
der ehre der 14 nothelflfer, der ander im lanngmünster in der ehre ir> 
st. Guntheri, Victoris und Quirini geweicht. Und dieweil der ge- 
meine bauersmann diser dreyer heylligen nahmen ungewohnt weren 
zu nennen, hieszen sie solche drey heylligen st. Gunter, Viter undt 
Quiter. Die aber, so gröbers verstandts waren undt diese heylligen 
gar nicht nennen künden, neuntens zunn drey seltzamen heylligen. 20 
Dieszes nahmens halber entstünde anno domini 1497 eine wallfahrt 
zu emanter kirchen. Wann dann die wallende in solche kirche 
kamen, funden sie dazumahl kein zierdt uff dieszer drey heylligen 
altar, dann drey kleiner allabasterner bildlein, emanndte drey heil- 
ligen bedeuttendt, aber uff dem andern nebenaltar ein taffei mit 25 
bildtnuszen der 14 uothelfter. Demnach sie achten die wallfahrt 



S statt In — wallf. : ftnno domini 1466 Hi, StK 5 ein gefast HK 9 Kaeh wordten fügt 
H^ ein Stück von Pettr Leo (eig. DüMenbaehj, der der erste Frieaier tu Riede» geweaem, ein. 
Ober Peter Leu a. Felix Bobertag, Narrenimeh, in Küraehnere deutaeher Nat.-Lit. \ Zue — 
wordten fehlt HK 11 Et hat anch Endriaa von MUnckhen ein ewig brenend Ueoht in 
solch kirch gesUfft 8t^. 16 Viotorini M*, \ geweicht aua H*, B, St^t gerichtet StK 
17 diter ana m, H\ H, St^; data StK | nngewahn waren H^, H^ B. 89 die w&ller 
oder waUer ateta H^, U'^, B, Sf^, »4 kleiner weiteiner HK »6 nff aua £>, fehlt St*, 
H*, B. 

war Sonntag Exaudi, Ende Mai. In den Jahren 1682 f, geschah ein Umbau 
der Kapelle, 1814 ihre Zerstörung durch Blitzschlag, — *) südtoestl, von Hall 
an der Bibers, im Eosengarten, — *) Die schöne gotisclie Kirche ziir heil, Maria 
imtrde schon 1436 gebaut; die Auffindung des irdenen Kreuzes mit der mut- 
masslichen Kreuzpartikel um 1466 und die sich daran anschliessenden Jubilate- 
wallfahrten haben somit nicht Mum Bau der Kirche, wohl aber zur Vermehrung 
des Kirchenvermögens Veranlassung gegeben. Die Stiftung des Kndris von 
Münkheim geschah 1469. Näheres s. <fÄHall ^37 f. 



^ 227 - 

nicht zue dem uugeziertten alltar, sondern den 14 notheltfern sein, 
uf welchen altar sie ihre opffer antwortteten. Also wurdten diesze 
drey seltzame heyllige undem banckh geschoben, ihrer vergeszen 
und die wallfahrt uff die 14 nothelffer gewendet; ward ein groszer 
5 zuelauff, gefiel viel gelt undt wachsz, also dasz alle acht tag die 
stöckh undt büchszen von den oberpflegern auszgelehrt wurdten. 
Man sagt, solch gelt sey zue Hall an st. Michaels chor verbaueth 
worden. 

Diesze wallfahrt wehrte bey 25 jähr. Nach der bäurischen 
10 enipörung wurdte die kirch beschloszen undt wardt niemandt mehr 
eingelaszen. 

Schöne Märgen zue Regelspurg und hübsche Märgen 

zu Rottenburg an der Tauber. 

Anno domini 1519 war ein paarfueszer münch zue Regelspurg, 
15 genandt Johannes durch den busz ^) — st. doctor Balthasar — pre- 
digt wider die Juden so hefftig, dasz sie auszgetrieben und ihre 
schuld zue einer cappelln zu der schönnen Märgen*) genandt ver- 
ordnet wardt. Zeichen wurdten erdacht, unndt ein groszer zuelauff; 
es gefihl viel gelts. 
20 Nun war zue Rottenburg an der Tauber ein doctor theologiae,^) 

hette ihm gerne einen untödtlichen nahmen gemacht, predigte erst- 

6 bttobssen toI wurden und H^, R. \ oberheilfgenpflegem H^, B. 7 Mich, munnter oder R. 
10 Xaoh dem baurnkrleg HK | wlrdt niem. J?'. 14 Begensp. H^, B, 8tK 15 durch 
— Balth. fehU U\ R, SlK | durch die buesspredigt wider . . . 8t^. 19 ZuaaU in E^: 
Die von Hall ▼erbieasen anno 1620 auch ein opfer. Wann gemelts jars oatiTitatls war der 
Koch lo grof, daf er aina mana hoch über den ITnderwerth ging, flöut tu holtK hinweg, 
ertrengt da ganis haal. Darauff gieng man mit gantser procestion und dem aacrament 
auff den Underwerth, ruofften all heiligen an, wurden S rhats erwOhlt, die ds verhaisaen 
opffer gehn Begenapurg sue der sohOnen Mftrgen ffierten. Aleo nam dx gewasser wider ab. 
VM kürg^r 8t*. BO Die folgendtn AbsehnitU bis geaohrieben habe fehlen H^ ; bis gelungen 
sieht der Abschnitt 8t*. 

*) der buoz mitielhochd. neben die buoze. Dtr Name „JoJiannes durch 
den Bu8s^' soll wohl die Richtung seiner Predigt beschreiben als einer solchen, 
die nach Johannes des Täufers Art ^durch die Forderung der Busse** wirkte. 
— *) Gemeint ist die Kapelle Mu Mariäläng, die sich auf dem Domplatz be- 
findet, ein vielbesuchtes Wallfahrt skirchlein, das unter anderem ein Standbild 
y^der schönen Maria^, angeblich aus dem 15, Jahrhundert, einschliesst. — *) Ge- 
meint ist Doktor Jolmnn Deuscfdin, bestellter Prediger zu Rothenburg^ dem 
hier Widman, wie es nach seinem Standpunkt begreiflich ist, bloss ehrgeizige 
Beweggi'ünde unterschiebt. Deuschlin predigte 1519 gegen die Juden und ihre 
Synagoge und eiregte dadurch das Volk so sehr, dasa die Juden schwer be- 
droht und misshandelt wurden. Infolge davon verliessen sie die Stadt; der 
Pöbel brach in die Synagoge ein und setzte ein Marienbild darein, das „zur 



— 228 — 

licheu wider die rothen schlapphäublein. Da er sähe, das es dem 
inünch mit seiner Margen zue Regelspurg gelungen, richtete er sieh 
auch wider die Juden, erlangte, dasz sie auch zu Rottenßurg ausz- 
getriben wurdten und aus ihrer synagog eine capell, die er zue der 
hübschen Margen nennte, gemacht. Unnd wiewohl er die sach 5 
heimblich under banden beszerte, so wollte doch diesze wallfahrt 
nicht allsz wie die zue Regelspurg blummen geben. 

In der bäurischen empöhrung giengen diese beydte wallfahrten 
zu grundt, sambt ihrn pflantzern.^) 

Von erzelten wallfahrten und ihren umbständen findet man 10 
weither in meinem buch, dasz ich den alten callender intituliert, 
darinnen ich vom gebrauch der alten kirchen geschrieben habe. 



Frawen clausz under Limpurg. 

Anno domini [1328] hat einne fraw vonn Limpurg eine frawen- 
clauszen under Limmpurg^) bey der pfarrkirchen gebawen undt 15 
gestifftet, verhoflendt, mit der zeith einn frawencloster zue werdten. 
Ist nicht lanng geblieben; seindt die nutzungen in eine pfröndte 
oder capploney verwendet wordten. Die ist auch zurganngen. 



a ricbt«te — pflantsern fehlt B, 13 von gebreucb B. 14 1828 9. Anm. ; 1428 St >. 16 Ter- 
bofiendt, es solt auob ein walfahri oder snlanff dahin entsUhen und ein f r . . . gemacht 
werden H^, tl pfarr oder U^, B, 

reinen Maria** (bei Widman : gur hübschen Margen) genannt wurde. Der Hat 
erkannte das Geschehene an, indem er die „Kapelle Mur reinen Maria^ weihen 
Hess, (Sie wird auch y^die neue Unser lieben Frauen Kapelle^ oder die auf 
dem Judenkirchhof geheissen, im Unterschied von der „alten Unser lieben Fraueti 
Kapelle^ auf dem Kapellenplatz nahe beim Markt, die schon seit 1404, und 
zwar ebenfalls tuich einer Judenaustreibung, errichtet worden war.) Deuschlin 
gab auch Wunderzeichen vor, die da geschehen sein sollten, und Hess sie auf 
tine Tafd in der Kirche schreiben, — Einige Jahre nachher wandte er sich 
der evangelischen Lehre zu und predigte nun mit Heftigkeit gegen den Marien- 
dienst, S, Baumann, Quälen z, Gesch, des Bauernkriegs aus Rothenburg a. d. T, 
8 ff, ; Bensen, lieichsstadi Rotlienb, 524 f, — *) Doktor Deuschlin wurde 1, Juli 
1525 mit vielen anderen, die sich der Beteiligung am Bauernkrieg schuldig ge- 
macht fiatten, auf dem Marktplatz in Rothenburg enthauptet. Baumann a, a, 0, 
657 f, — ") Eine auf diese Klause bezügliche Urkunde des Haller Archivs 
(KHR,J von ISai besagt, dass ein Dietrich von Hohenstein mit Ehefrau an 
seine Schwester, „Closenfrau in der Close unter Limpurg'*, verschiedene Gülten 
verkauft. Nach O AHall 173 ist die der h, Maria getveihte Klause nebst Ka- 
pelle um 1328 gestiftet und 1417 aufgehoben wordm. Die Zahl 1428 bei St^ 
tteruht somit auf einem Ltium des Ahschveihers oder dts Chronisten, 



— 229 — 

Warumb vorerzelter wallfahrt meldnng geschehen. 

Oberzelte wallfahrt hab ich erzellt nit dero miszbrauch zue 
loben, sondern anzuzaigen der alten freygebigkeit gegen der kirchen, 
welches gutter mainung geschehen. Und ob die ursaeh der wall- 
5 fahrt dadelich gewest, so ist doch der mehrertheil der gefäll in 
nutz und zihrdte der kirchen angelegt undt nicht in aigene kuchen 
gezogen wordten. 

New chor zu Hall wirdt gebaueth. 

Anno domini 1495 am dienstagh den 9^" martii ') ist der erste 

10 stain zue Schwäbisch Hall am newen chor st. Michaels pfarrkirchen 
gelegt und in solches steins hüelin ein glasz mit weinn, ein glasz 
mit korrn, ein gehulter kol, darinn ein Rheynischer gülden sambt 
etlich Hellischer müntz und einer bleyern taflfel, daran die jahrzahl 
solcher legung, kayszerthumbs, und wer dazuemahl dasz magistrat 

15 zue Hall gehabt, geschriben, gelegt wordten. Diesen stain haben 
gelegt Johann Hoffmann, abbt zue Schönnthal, herr Michael Moli- 
toris, pfarrer zue st. Michael, Alabetzisch genanndt,'^ Fridrich Schletz, 
Michael Sennft, zwen stättmeister, undt Burckhardt Eberhart desz 
raths zue Hall etc. Ist in 29 jähren^) ohngefahrlich ohne dasz 

20 gewölb auszgebaueth wordten. 

Nota. Ernannter erster stain ist an dem eckh, da oben die 
jahrzahl, wann der erste stain gelegt, gehawen, unndt zue unnderst 
im grunndt bey zehen claflFter tieff gelegt wordten, unndt follgendts 
alles dasz wie ob erzellt, vonn weinn, getraith, münntz unndt ge- 

25 schrieft't ann einne bleycme taftel etc. in solchen ersten stain ge- 
legt. Ist auch dergleichen in voorermelten stain oben an dieszem 
chore, dareinn dasz datum, wann der erste stain gelegt, gehawen, 
innwendig auszgehüllcth gelegt wordten, inn künnflftiger zeith solches 

6 der nuU und gefell mehrarthail8 in sierd St^, | aigen nnU St^, 7 wordten, unnd 
mir in kainem argen (Mtg. von anderer Hand mtgefügt) gesogen werdenn soHe R^, ebenao 
ohne foUe R. 13 gülden mitt der vierherm ichl&g H^, 15 Bey diser legung ist gewesen 
UK 16 Melitoris A^ H^, R, St*, St"*. 17 genanndt, sambtt xwayeu diacon J7S; Alab. 
gen. fem R, 18 Eberh. Nagel JETS. 19 xwaiutzig jähren U\ R, St^. 21 die — unndt 
fem H^, R. 36 ann fehlt H*. 

*) Nach dem am Chor selbst angehraclUtn Inschriftstein am Dienstag 
vor St. Gregorientag in der Fasten^ also nicht am 9,, sondern am 10. März, 
S, oben S. 96: femer Herolt 137 f. und OAHall 123 y wo für Gcorgi zu bessern 
ist Oregorii, — *) Über diesen Michael Midlery der die Beteuerungsformel 
führte : Alle böte — Alle Gottes (Martern oder Wunden) ! und daher Ala» 
böttisch genannt wurde, s, Herolt 180, Er starb 1504. — ') Nämlich t52ö* 



-^ 230 — 

ÄU verkündigen. So solcher stain mit angeregter gehawener schriefft 
aus der raauer wiirdt gehebt, würdte mich derohalben die warheit 
gesehrieben haben gefunden werdten.') 



Das siebendte thaill. 
Vonn stifRungen etlicher hohen schuhlen unndt haltungen der thurnier. 5 

Nach kurzer Ehüeltumj teilt Widman die Stiffiingsjahre einitjer 
Hochschulen mitj und zivar liegt seinen Notizen zu gründe: 

bei Heidelberg: Münster S. 894, Prag M. 1155, Köln M. 730, 
Erfurt M, 999, Löwen M. 736, Freiburg i, Br, M. 805, Greifswalde 
M, 1126, Basel M, 618, Mainz M. 715. Tübingen zum Teil aus lo 
M, 863, zum Teil aus anderer Quelle, Wittenberg, mit Ausnahme der 
falsclien Jahrzahl, aus M. 1056, 

Der Abschnitt über die Turniere geht auf M. 1057 — llOl zu- 
rück, in der Weise, dass der Anfang, die Turnierregeln, ausführlich 
her übergenommen, von den einzelnen Turnieren nur die ersten berück- 15 
sichtigt werden. 

Das achte theyl dieser chronic. 

Von etlichen seltzamen ungewöhnlichen dingen und geschichten, die 
zum theil für waidtsprflch geachtet werdten möchten, von vielen 
geschlchtschreybern, weithraiszenden undt berühmbten cosmographis 20 
auszgezogen und summarie hieher zuesammen getragen. 

Wie grosz die erdte sey. 
Nach Münster S, 13. 

Von der tages und nachtsungleichheith. 
Nach M. 15 f 25 

Opinio etlicher vom paradlsz. 
Aus M. 37. 

1 erkundigen //>, U^, H. }/ würdte — werdten fthU U* ; der Suis mU lo bitdet in H> d€n 
Nachsatz zum vorigen. 3 U^ (im wesentlichen naeh Herolt): Ks gab auch der bapst ein 
ablassbrieff dahin, das alle die dahin walthen nnd opffcrten, bedorffton kttess, ayer and 
bntter eisen. Das wehrt aber nit lenger bisz ds h. euangoliam anbrach. Da gieng diso 
walfahrdt auch su grand. 

*) über den in dem Beisatz aus H^ erwähnten Ahlass zu Gunsten des 
Kirchenhauefi s. Herolt 137, 



— 231 — 

Balsam wächszt nur an einem orth der weit. 
Aus M. Ui4(> und 1440. 

Selbst gewachszene wagenschmier. 
Aus M. 642, 

5 St. Bernhardts berg. 

Am i\L 405. 

Closter in felsen gehawen. 
(Siffen im Kanton Wallis) nach M. 495, 

Ungesaitzen fleisch behalten sie im felsen. 
10 Nach M. 501 und 504. 

j Vom hundertjährigen eysz. 

M. 504, 

Lerchin holtz vor dem auszsatz. 
Nach M. 506, 

15 Closter st. Saba. 

Aus Felix Fabris Evagatorium, 

Im closter Alleluja wachszen muszcath. 

Ich habe gesehen einen predigermünchen, war ein mohr, wie 
er sagte ausz einem closter AUeluia genanndt, im priester Johaunis 

20 landt *) liegendt, der sagte, das im closter AUeluia stettigs 400 mün- 
chen weren, trueg mit ihme ein meeszbiichlein, Calldeischer sprach, 
schenckte mir auch ein muszcathnus, die noch in der blüth stundte, 
sagendte, er hette solche muszcath mit seiner handt in dem gartten 
seinnes closters, darinn sie gepflantzet würdten und wachszen, vom 

25 baumb gebrochen. 

19 inn priester U^, B. 22 sandt mir Sft, \ die - mascath fehU 8t^. \ blttwe standte HK 

*) Alff Land des „PHesters Johannes^ galt im Mittelalter Äbessinien, 
Stbatdian Münster widmet S, 1458 ff, diesem Lande einen grösseren Abschnitt j 
in dem sich zwar von einem Kloster Alleluja nichts findetj dagegen die Notiz, 
dass bei den dort üblichen Hochzeitsfeitrlichkeiten die Priester neben anderen 
Ceremonien^ die sie verrichten, auch das Alleluja und etliche Gesänge anzu* 
stimmen hätten. 



— 232 — 

Feuerberg:, Virgil. Hb. I. (Jeorg. circa finem. 

•a 

Ganz aus Munster 386, (Ätna,) 

Brinnender berg Vesunus oder Vesuvius. 
Aus M, 324, 

Löwe erstickth am mantel zu Colin. 5 

Aus M, 729 f. 

Hundert tausenth menschen ertrinken in Frieszlandt. 
Aus JM. 1108. 

Erdtbidem zu Baszel. 
Aus M. 608, 10 

Groszer sterb. 
(Zu Strassbunj 1349.) Nach M, 668 und 672, 

Zwen grosze fisch bey Ulm uff dem Ilundtsrucken. 
Aus M, 720. 

Stockfisch. 15 

Aus M. 1194. 

Seelen uff dem Heckelberg. 

(llekla,) Aus AI, 6 und 12(^5 kombiniert^ mit einiyen eigenen 
Zutaten Widmans, 

Vom Oszelberg. 2ü 

Zwischen der statt Dinnckhelspichl und dem Hannenkahm ligt 
ein hocher waldiger berg überzweehrchs im fehlt, der Oszelberg^) 
genandt, über welchen man nicht wohl fahren oder reitten kan. 
Darunder liegt ein fleckhen oder marckth, AuflFkirch genanndt. Also, 
so von einem fleckhen zum andern zogen soll werdten, mus dicszer 25 
berg umbgangen werdten; wann man im weeg irreth, dahero ein 

20 öselberg 9t9t» H^. 28 Oszelberg in St^ beidemal Korrektur, trahrath. aue öszelborg. 
24 oder m. fehlt £f>. 25 werdten aus St^; bo man . . . will gehu H^; Also von . . . zogen 
■oU, if; mut — werdten fehft St^. 26 wann — irreth fehU fi«; wan er R, St^ j die Stelle 
ist in R rencorren. 

•) ^ llesselberQy isolierter Bergrücken nordwestl. von WcmaertrUdingen, 



— 233 — 

sprichwortt crvvaehszen, dasz gegen den seltzanien wunderlichen 
menschen gesprochen wirdt: ich meine dich irre der Oselberg. — 
AuflF dieszem berg ist vor zeithen ein bürg gestanden, wie dann 
noch die graben anzaigen. Solche burgkh ist von denn reichsstatten, 
5 etliche sagen von den Hunnen, zurstöreth, und eine einige tochter 
dieszes schloszherrn darinn mit dem gemäuer verfallen undt getödet 
wordten. Unnd dieweil solche tochter ihrem vatter, der ein wittiber 
war, hauszhielte, die schlüszell zu allen gemächern solcher burgkh 
hette, war das geschrey, ihr geist ginge umb solch burggstadel und 

10 werde allweg an der sambstags nacht in der 4. quatembem des 
nachts in klaidungen einer Jungfrauen, einen klupper schlüszell an 
der gürttel hangendt habenndt gesehen. Dagegen sagen etliche allte 
bauerszleuthe, so darob wohnen, sie haben von ihren elitern gehört, 
diese jungfraw seye eines hayden tochter geweesen, in eine grosze 

15 unngeheure schlanngen, ein jungfraw haubt und brüst, daran ein 
klupper schlüszell am hallsz hangen habendt verkehrt wordten; 
werdte gemeiniglich in denn 4 quatembem umb solch burckhstadel 
gesehen. 

Zauberey wirdt mit jungfrawkotth vertriben. 
20 Ganz am Münster S. 1207. 

Wie arme jungfrawen männer überkommen. 
Üer Hauptsache nach aus M. 1302, 

Lebendig weib läszeth sich mit ihrem todten mann 

verbrennen. 
25 ^1/^s' M. 1392, mmjearöeitet. 

Zue Ghiava tödtet und isset man die alten menschen. 
Aus M. 140 ly rmujearbeiiet. 

Zu Canibula iszeth man auch menschenfleisch. 
Aus M, 1406 f,, verkürzt und umyc arbeit et. 



2 das man zun nOthlich loutben sagt: ich , , , H^: R wit 80. 8 barg oder schloiz H^. 
4 noch das gemenr und H^. 6 gemonr darin verfelt worden H^; rerfelt unnd goiödt w. 
R, St*, 7 wittwey war B. 9 hette, sagt man HK 11 qnatt. dess Jart H, St*, \ in 
klaidung H*, St*, 13 hangen H^; gürttel habendt B. 13 daran wonendt Sfi, 18 vier 
fronfasten über der barg gesehen H^, 



— 234 -~ 

Zue Antridoplia eszeus nichts alsz bcwschröekhen. 

( Antridopha Verderbnis aus Äkrtdophay'Kt, Land der Akrido- 
p/i(t(/cn^ Heuschreckenesser.) Aus M, 145(K 1451. 

Zue Troglodita kochet man bey der sonnen. 
Aus AI. 1451. 5 

In Arrabia brattens und siedens an der sonnen. 
Aus Felix Fabris EvayatoriunK 

Feuren mit steinen. 
Ans Münster 4fK (56.) und 55. 

Schneckhen im königreich Senege seindt wie kalb- 10 

fleisch zu eszen. 
Gattz aus M. 1457. 

Italische wciber trinken nit wein. 
Im allgemeinen nach M, 326, aber in freier Bearbeitung, 

Vom beiden E noch. 15 

(Falsche Überschrift statt: Von der Stadt Enos.^ 
Aus Münster 35. 

Ein hcldt 40 eilen lang. 

Kurze Notiz aus unbekannter Quelle. 

König Og 9 eilen lang. 20 

Nach Münster 1434. 

Pallasz ist einnes thurns langh. 

Zue den zeithen kayszer Conradts desz andern, ein gebohrner 
hertzog zu Franckhen — der auch Salicus genannt wordtcn, von 
welchem das gesatz Sallica herkombt — wardt in verschütter erdte 25 
zu Rom eines hehlten gantz unverwesener leib unglaublicher lennge 
in einnem saargh liegendt mit folgenden gehauenen latteinischen 
versen gefunden: 

24 SalicuR aus l/', if; SftliruB 8tK \ Ton -> herkombt fehlt HK 25 SalHca OM R; Gallioa 
SO. je gautsor //<, H; naho ganUer SC^. 27 geh. fehU UK 



— 235 — 

Filius Euandri Pallas, quem lancea Turni 
Militis occidit, mole sua jacet hie. 
Zue teutsch: Da ligt der leib Pallantis, 'desz sohns Euandri, 
welchen desz kriegers Turni spiesz erstochen hat. Doctor Stain- 
5 haywel ^) in seinen annaliis meldet auch diesze historiam und schreibt, 
dieszer heldt seye eines thurrns lang geweszen undt seye anno 
domini 1023 zue den zeithen kayszer Heinrichs pii, von der geburth 
ein graflf von Kalb, welche das closter Hirschaw im Schwartzwaldt 
gestiflftet haben sollen, in einem verschütteten gewölb oder spe- 
10 luncken gefunden wordten. 

Ein groszer riesz zu Alkeyro iszeth alle tag 

12000 brodt. 

Der Schiltberger schreibt in seinem rayszbüchlein, die er, anno 
43 auszgezogen,*) in die heydenschaflft gethan, dasz vorzeithen seye 

15 in Alchiria Babilon, der statt Aegypti, 12000 backhöflfen, und in 
solcher statt ein groszer langer riesz oder heldt '^) so starckh ge- 
wesen, dasz er alle tag aus der statt in ein nahe ligcnden waldt 
gangen, darinn ein bischel holtz vonn bUwmen und reysach zue- 
sammen in die statt Alchirya Babilon getragen, davon alle beckhen 

20 dieszer 12000 öflfen einen tag gebackhen-, habe ieder beckh diesem 

i iacet H^f jactei StK 5 Suinhewel B; Doctor Samuel St^, 11 AUe folgenden AbsehnUte 
bis S. 237 fthlen H\ li, 8t^. 

*) Das hier gemeinte Buch SteinhöwelSf die .^Deutsche Chronik'^ ist kein 
selbständig ett Wtrk, sondern nur Auszug und deutsche Bearbeitung der I*'loi'cs 
tcmporumf einer Weltchronikj die nach Potthast • S, 461 von Minoritenmönchen 
verfasst und bis 1349 fortgeführt ist, Steinhöwels Auszug erschien erstmals 
147 3 y dann meder in vermehrter Gestalt 163 L In dieser letzteren Ausgabe 
finden sich BL 26 die hauptsächlichsten der von Widman gebrachten Notizen, 
samt dem Distichon. Übrigens wird Widman die Geschichte anderswoher 
(vielleicht aus den Flores selbst ?) entnommen haben, da er ja den Steinhöwel 
nur zur Bestätigung und Ergänzung beizieht. — ^) n^i€'\ näml, Meise, — Die 
Jahrzahl 43 gibt keinen Sinn, Das Jahr, in welchem Schiltberger als Knajtpc 
im Heere des Königs Sigmund von Ungarn gegen die Türken zog, ist 1396, — 
') In Sehiltbergers Reisehuch, Ausg, des Litt. Vereins 18S5, S. 82, heisst der 
Riese Allankaasar, Kairo, wofür Widman zweimal die Namensform Alchiria- 
Babilon gibt, heisst dort in der Hegel Kair. Femer lässt das Reisebuch die 
Brücke in Arabien sein und nicht in Armenien, es kennt auch die Jahrzahl 
1410 niclU, die übrigens sachlich stimmen konnte. Es ist somit wahrscheinlich, 
dass Widman Sehiltbergers Buch nicht im Original, sondern in einer Bearbei" 
tung vor sich gehabt hat. — Ober die Deutung des Namens des Riesen und 
der u^nderbartn Brücke vgl. die oben cititrte AtMgabe, 



— 236 — 

riesen einen pfeuiiigvveckh, sununa 12000 weckhen zuc lohn geben. 
Solche 12000 weckhen habe dieszer riesz uf einen tagh alle gefreszen. 

Allsz dieszer riesz gestorben, seye dasz eine seiner schieubain, 
welches eines bogenschuesz lang, in Armenia über eine klingen zue 
einer bruckhen gelegt wordten, durch welches schienbayn die men- 5 
sehen mit wagen gefahren, gangen und gerietten. Die, welche also 
dardurch raiszten, muszten zoll geben. Davon kauflFte man öll, dasz 
Schienbein damit zue salben, dasz die feuche ihme nicht schadete. 

Anno domini 1410, alsz er Schiltberger in der haydenschafft 
gewesen, seye solch schienbain erzehlter weisz noch gebraucht lo 
wordten. 

Aberglaub etlicher heydnischer königreiche. 

In den heydnischen königreichen Cambria, Dechon, Narsinga, 
Cannanoe, Datto, Carcolan, Tarnassari,') alsz herr Ludwieg Fort- 
man ^) in seiner meerfahrt beschreibt, setzen undt glauben sie zween 15 
anfang aller dinge, nemblichen einen gott desz gutten, inn und durch 
welchen alle dieng erschaffen und gutthat belohnet, den andern 
einen gott des böszen, den sie auflf ihre sprach Dämon, wir aber 
teuflfel nennen, welcher alles übelsz straffe und die böszen peinige. 
Dann sie sagen, wann gott desz guttens alles Übels straffen solte, 20 
dieweillen dann der böszen menschen so viel straflfwürdig und also 
mehr alsz der frommen seindt, alsz bette er so viel n^i* straffen der 
böszen zue schickhen, dasz er darvor keine vollkommene freudt 
haben möchte. Darumben seye die straff der böszen dem Daemon 
gegeben. Wer nun allhier auflf erdten dem Daemon diene und ihn 25 
in ehren habe undt halte, deme seye er auch in iener weit gnädig. 
Darumb haben sie in solchen königreichs kirchen oder tempelln 
keine bildtnusz alsz des Dämons von glockhenärtz in gräulicher 
gestallt, eine dreyfache cronn uff dem haubt und zue deszen füeszen 
bildnuszen etlicher seelen, welche er peinigte, habendte, das bildt- 30 
nusz die heydnischen Bragmanni ^) — X pfaflfen — alle taagh zwir- 
neth mit wohlrichenden waszern waschen undt aromatibus undt 



*) Münster 1392 f» hat wenigstens bei einigen dieser Namen richtigere 
Schreibungen: Cambaia (Stadt am Indusy Sitz eines Sultans), Dechan^ Canonor; 
statt Datto ist wohl Cathay zu lesen. — *) unermittelt, s, o. Ä 4, wo zu dem 
Ludwig Hartmann des Textes die Varianten ebenfalls Fortmann gehefi. — 
^) Von den „Bragmanni^ erzählt auch Münster 1391 vieles, aber nur in sehr 
lobendem Sinne, von Widmans „Dämon"^ weiss er nichts. Der Chronist 
schöpft also hier durchgängig aus jener anderen, zu Anfang genannten Quelle. 



— 237 — 

gummi beräuchern und andern ccremoniis ehren. Item, so die bauren 
in crzehlten königreich undt lannden dasz reisz und andere fruchte 
bawen, haben sie stettigs bey ihnen verordnet etliche menschen in 
teufflischen klai düngen anngethan, die fewer speyhen, etliche mit 

6 pfaflfen und Instrumenten der music ein groszes gethöen uf dem 
ackher machendt zue ehren dem Daemon, dieweill man ackerte 
tantzten undt urabsprungen, gäntzlich glaubendte, dieweillen die 
mieszgewächs durch zuthun des Daemons zum mehrermahlen be- 
schehen, der Daemon werdte in ansehung dieszer fasznachtsposze, 

10 80 sie ihme zue ehren also uflf dem acker tantzten, solches ackhers 
verschonnen, damit der saame nicht schadthaflft werdte undt also 
die frucht wohl gerathe etc. 



Allgemeine Annalen^) 

Landtgraff von Hessen empört sich und uberzencht 

Würtzburg. 

Alsz anno domini 1528 zu Regenspurg ain gemeiner reicbstag 
furgenomen worden von wegen desz Lütteriscben irsals, aber nichtz 5 
gebandelt, nacbvolgend sich der lanndgraif von Hessen hören lassen, 
dz die gaistlichen fursten furgenomen, wa er und hertzog Hannsz 
von Sachsen uf solchem reichsztag erscheinen, wölten sie, darumb 
dz sie Lutterisch sein, es all beed enthaubten, darauf sie bede 
fursten, so weit ir landschatt't oder furstenthomb geen, alle klöster, lo 
kirchen und was der gaistlichen^) eingenommen, kelch, klainotter 
etc. zerschlagen, darausz geld gemacht, sich zu veld gelegt, in 
willens über die gaistlichen fursten zu ziehen, onangesehen der 
bundsordnung dz kainer nichtz gegen seiner bunds verwandten fur- 
nemen soll. 15 

Nach solchem ritt Ambrosius Geyer von wegen dz bischoflfs 
zu Würtzburg zun bündischen hauptleutten nach Ulm, hilflf begerende. 

Mittler zeitt hett der lanndtgraff ain gemain au8zschreil)en \m 

5 der Lutt. lehr //>, U^; von wegen — irsals fthlt 8t*. € hei in erfamng gebracht H^. 

9 darumb dats die Lutherische, enthaupten lassen 8t^. 14 seinem U^. 16 Ambrosius 

(jeyer -war dienstag nach Yocem jucunditatis an Hall, rit eyllends Ton wegen . . . Sf^. 
17 sum Bundischen Uaupiman H^, 

^) Die nun folgenden Abschnitte bis zum Schluss finden sich vollstän- 
dig nur in H (wdche Handschrift von jetzt an die Grundlage bildet), *S7-, //* 
und //*. Sit sind hier überall in den Teil von den Kriegen (oben T. IV) ein^ 
gereiht, haben demnach keine zusammenfassende Überschrift. Der Titel y,AlU 
gemeine Annalen^, der ihnen WFr. NF. 6, 50 der Bequemlichkeit halber und 
um sie von den nachfolgenden ^Halter Annalen^ deutlich zu scheiden^ beigelegt 
wurde, ist hier beibehalten worden. Näheres über diesen ganzen Teil a. a. O. 
und Einleitung. — Geschichtswerke, die von hier an häufiger zur Erläuterung 
beigezogen sind: Sleidanus Commentarii, Vrkf. J60(); Seckendorf, Commentarius 
de Jjutheranisfuo 1694 : Hortleder, Jlandiungen und Ausschreibtn, ^ Bde., Gotha 
1645; Teutsche Eeichsabschiede, Teil I und II, Erkf 1747: Egelhaaf, Deut- 
sche Geschichte im 16. Jahrhundert ]SS9f, -) qiiac cicriconiui erant. 



— 239 — 

truckh lassen auszgeen,') desz Inhalt^ wie er gegen ettliehen be- 
zigen, alsz sey er in rustung von wegen dz er sich vor Frannekh- 
fortt wöl legen inn mainung konig zu werden. Zum andern dz 
er hertzog Ulrichen widerumb in sein furstenthom wol setzen. Zum 

5 dritten, underm gemainen mann im reich ain emporung zu machen. 
Solches bezigs er unschuldig, hab sich allain in rüstung begeben, 
dieweil Ferdinandus konig zu Böhem und Hungern, Hispannischer 
infant, ertzhertzog zu Osterreich und Burgundt, Albrecht byschoflf 
zu Maintz, Maydenuburg unnd llalberstatt gebrüder, marggraflf von 

10 Brandenburg, Conrad byschofF zu Wurtzburg, Wignand byschoflf zu 
Bomberg, Leonhardt^) byschoflf zu Saltzburg, Joachim marggraf zu 
Brandenburg, chur: Georg zu Sachsen und Wilhelm in ober und 
nidern Bayern hertzogen, miteinander sich verbunden laut ainer 
copey,^) so er dameben auch liesz anschlagen, der inhalt, als solten 

15 sich gemeltt acht fürsten zu Preszla**) ain theil für sich selbs, ain 
theil durch ir verordneten bey aidlichen pflichten under irer sigil 
unnd hanndschriflft verbunden haben, hertzog Hansen vonn Sachssen 
und landgraflf Pilips von Hessen mit giflft vergeben solt werden von 
wegen der Lutterischen leer, verjagen von beeden fürstenthomben 

20 ehe maus zugeb. In summa die, so sich von wegen iren fursten 
unnderschriben haben, betten khain nameu, und war die verschrey- 
bung so elendt, das ain ieder wol merckhet, dz es falsch was, und 
der Hesz gern ursach an die byschoff gehabt sie zu vertreiben. 

Demnach vermaindten ettlich, die stett laichten^) mit dem 

25 lanndtgraven und Nürnberg hielt sich nit gar beym besten. Der 

Hesz legert sich zu feldt zwo meil weeg von Mainigen ^) mit funflf- 

tausent knechten und 4 tausent landvolckh zu fuoz dritthalbtausent 

zu rosz. Der Schwabisch bund gebot ain stillstanndt ; es wolt nit 



a Bich aus 8t^, H^; sie B. 5 underm aus St^ ; dem B, 16 bey «idl. aus St^; bey f^Ut 
B, 18 HeHsen von wegen der . . . verjagen und mit gifft iedem vergeben tolt werden 8ty 
19 eaangeliflohen H^. 22 das — vertr. »tatt dessen: das . . . merokhet, wo es binauss wolt 
Hl; das man vermaint, es hoU fftlechlioh sngeen, und der landgraff ein Ursacb bett die 
biscbotr aniugreiffen H^. 24 bettent mit H^, H^. 25 nnnd tonderlicb Nflraberg 
(bielt — besten fehU) Hi. 26 Der landgrave H\ H\ | Mainingen aus H^, H&; Maim- 
mingen B, 28 es wolt sieb aber niemandta daran keren H\ 

>) am 22, Mai 1528 : der Inhalt bei Seckendarf 2, 95. — *) irrig statt 
Matthäus Lang; wahrscheinlich hat ein Schreiber den undeutlich geschriebenen 
Namen Lang als Abkürzung für Leonhardt angesehen, — ') Kapie des Packi- 
schen Vertrags, Wortlaut bei Lorenz Fries j in Ludewig , Wirzburg. Geschieht- 
Schreiber 912, — *) zu Breslau während einer Anwesenheit König Ferdinands. 
- ^) brüteten über demselben Plan wie ... — *) zu Jlerrefi-Breitungen in der 
Nähe von Schmalkaldiu^ Seckend. 2, 96. 



— 240 — 

sein. Beedc byschofi* Maintz und Wurtzbiirg in ireni auszschreyben 
gestünden solcher gebundey gantz nit, mit erbietten, sie wollten ir 
unnscbult auszfüren vor desz Hessen rätte und adels selbs, nnd 
wo sie solches bezigs überwunden, solt man sie straflFen an leib 
und guett. Deszgleichen der byschoflF von Saltzburg sich erbott. 5 
Aber hertzog Jörg von Sachssen unnd marggraflF Joachim die schriben 
aus, es wer welcher es wölt, der do sagt, dz solch verainigung 
miteinander gemacht, solches abreds origienal oder ir innsigel darin 
gesehen, der liege als ain trewloser wissentlicher dieb und böszwicht, 
und wan der Hesz nit uf sie erwisz, so müsten sie erachten, der- 10 
selb hett solchs selber erdicht. Inn summa der Hesz wolt für 
Würtzburg ziehen; man rieht sich zu der weher, brach zu Würtz- 
burg uf Unszer Frauwenberg alle hohe weher ab. Do schlug sich 
pfaltzgraflF Ludwig in die sach, damit nit wittwen unnd waysen 
wurden [gemacht]. So must der byschoflF vonn Bomberg für dz 15 
so sich der Hesz verrüst^) zwaintzig, Maintz viertzig und Würtz- 
burg auch viertzigtausendt gülden geben und zogen ab. 

Landtgraff von Hessen wurdt mit dem bundt vertragen. 

Umb Martini^) ist gewesen ain bundtag zu Augspurg. Uf 
solchem tag hat der ganntz bundt an Hessen begert, dieweil er die 20 
vier byschoflF und hertzog Wilhelm bezeihe wie obverlaibt, die 
byschoflF wider sein verschreybung bündlicher Ordnung zu überziehen 
begert, sie bey irem rechtlichen erbietten nit lassen bleiben und 
aber desz Hessen bezig khein grundt der warheit nach hab, dan 
allain dz er sich hören lasz, alsz solt doctor Ott Bockh ^) aus ge- 25 
haisz die obangeregter fürsten verschreybung der bündnus gesteldt 
haben, nun wöll ie der bund ain rechte erfamheit, wer recht oder 
nit haben. Dieweil aber der Hesz doctor Bockh bey im in ver- 
warung habe, soll er inen dem bund den doctor überantwortten, 
in nach gelegenheit zu fragen, alle sach glaublich zu erkündigen. HO 
Solchs der Heesz zu thun gewidert. DarauflF der bund, er müsz 
achten, dieweil er abschewen solch des bundts begeren trag, dz 

f disi bondu Ht* gobnndimas 8t^; bundnni H^. 8 statt Hess 9t«is Undgraf //*, H^. 
6 schriben aus H\ Rt»; der schreibt 8t^; schrien JB. 9 als ein ehrloser mainaidiger dieb 
Hb. 16 gemach £; unnd damit . . . gemacht 8t^; macht, das der bischoff . . . geben H^^. 
16 Hess yerkOst H^, si nnd h. W. fehlt H». | wie vorgemelt IT«, H*. jn erfahrang 
haben H^. 81 gewftgert H^, U^, \ der band gesagt Hf>, HK 82 ein absch. H^, HK 
I bnnds au» 8t*, fehlt E; ob solchem begeren H^, 

für die vom Landgrafen von Hessen vergeblich gemachten Büstungen. 
— -) 77. Xov. 1528 Versammlung des Schwäbischen Bundes, — ') Paclt. 



- 241 ^ 

der llesz seinem füruemen und rüstung ausz kainem grundt gctlion, 
und werdt der bundt verursaclit, gegen inie als so wider hündisch 
Ordnung gethon handeln. UflF solchs hat sich pfaltzgraflF Ludwig 
in die sach geschlagen, ain tag gen Wurmbs zum güettlichen ver- 

5 hörtag angesetzt und verordnet uf LuciaJ) Ist von desz bundz 
wegen verordnet Wilhelm Gisz, bündischer hauptman, graff Marttin 
von Ottingen, Eyttel Besserer zu Ulm, und ist ain schlechter vertrag 
geschehen, namblieh wan der bund wolt, solt pfaltzgraflF Ludwig 
dem bund von wegen Hessen 500 pferdt füttern, dann der Hesz 

10 wolt sich nit begeben. 

Marggraff Casimirus zeucht an Türckhen. 

Alsz margraff Casimirus im vergangnen iahr alsz ain haupman 
in Unngern geschickht widern Türckhen wer gestorben,*) hatt sein 
bruder Görg Anspach eingenommen und in disem jar ungevarlich 
15 umb Simonis et Jude^ alle seine priester beschickht, in eeweiber 
zu nemen, kain mesz zu haltten und dz sacramenth ausz der kirchen 
zu thon, inen bey 30 artickhel der Lutterischen sect ufzurichten 
und fürhin zu halten gebotten. 

Cöberer wurdt gefangen. 

20 Inn der wochen vor Michaelis eodem anno ist Debolt Cöberer 

von Wümpfen mit einem knecht umb Schwartzach in Franckhen 
niedergeworffen und umb 16000 gl. geschätzt worden. 

Nach Martini in derselben woch ist er Köberer zu Fulda in 
einem würtzhausz gefangen gelegen, ledig worden er dan^) die 



1 Beines famemmeng halb kein gmnd hab H^. 4 geschl. : abermal darein gelegt Itf». 
5 sur . . verbOrong St^, \ Lade 8t^, 10 der lanndgraff aber wolt H^, | gante nit St^. 
19 im vergangnen Jahr atw St^; anno 1628 JB. 13 -wer gestorben aus St^, fehlt R, 17 ntatt 
inen bey: mitsampt St*. | Lut. religion 8i^; lehrüfi. 18 statt und dz sacram. — gebot- 
ten: die kirchen reformiert H^. 20 Theopoldt HK 22 6000 gl. 8t^. 

*) 13. Dez, Der Wormser Tag dauef-te 13.-30, Dee. 1528: über den 
an letzterem Datum gescidossenen Vergleich s, Seckendorf 2^ 98. Ein y^schlich- 
ter Vertragt wird dies genannt im Gegensatz zu der nicht erreichten formlichen 
Aussöhnung zunschen beiden Parteien. — ') Markgraf Casimir war 21. Sept. 
1527 in Ofen gestorben. — ») 28. Okt. 1528: am 14. Juni 1528 hatte der 
Markgraf zu Schwabach mit den Nürnbergem 17 Reformationsartikel verein- 
bart, die nachher auch von Sachsen und Hessen und von den Wittenbirgei' 
Theologen gebilligt wurden. In der im Text genannten Versammlung vom 
28. Okt. wird er diese Artikel mit andern für sein Gebiet besonders bestimmten 
(daher 30) samt den entsprechenden Ausführungsbestimmungen seinem Klerus 
bekanntgemacht haben. — *) er dan = eher als. 

Wflrtt. Oescbichtsqaellcn VI. 16 



— 242 — 

Schätzung ist erlegt worden; gen Fulda konien, angezaigt wo er 
gefangen gelegen. Ist dz dorflf Philps von Eberstain. 

Wolff Offner wurdt gefangen. 

Anno 1528 am freytag ^) vor Michaelis sein die von Rotten- 
bürg fiir Innsingen^) zogen und hern Wolflfgang OflFner,^ altten 5 
cantzler zu Onspach mit gewalt herauszgenommen, gefangen gen 
Rottenburg gcfürdt, von wegen dz er einen buben, so im ettlich 
heuser verbrendt, zu Diepach*) het gefangen und gen Schillings- 
fürst in dz painlich recht geworlfen. Adam von Thungen namb 
sich dz buben an ; den forchten die von Rottenburg ; thett forderung lo 
an sy. Der canntzler must sich desz rechten verzeihen, den buben 
ledig lassen. Adam von Thungen fordert vil geldts von wegen des 
buben, aber dz kay serlich regimendt zu Nürnberg schlug sich in 
die sach und wurd der cantzler, als er zu Rottenburg uf dem ratt- 
hausz in einer Stuben gefännglich gehaltten ainen monat, on alle 15 
geldnus ledig gelossen.'^) 

Götz von Berlingen wurd gefanngen. 

• 

Eodem anno hatt Görg Heusz^) Götzen von Berrlingen zu 
Blofelden in dz würtzhausz gefanngen in sein band und uf Marttini 
darnach in zu Augspurg uf dem rotthausz sambstag nach Marttini 20 
zu erscheinen gemandt. Ist ain bundtstag do gewesen, hat Görg 
Heusz Götzen von Berilichingen in beysein dreyer bundischen haubt- 



1 gen — gelegen fthlt if». 7 in ettl. ««. 1€ geldnns «o aueh Jff»/ entgeltnnss H». 
18 GeuBz, 90 auch nachher, HK 19 gef. im reld 8t^. | in dess bunds hend 8th 

*) <25. Sept. — «) 5 Std, 8üdl von Rothenburg, nicht tveit von der Tauber, 
— *) Öfner war noch 1525 Ansbachischer Kanzler, s. Baumann, Quellen . . . 
aus Rothenburg 236 f, ; Herolt 340. — *) Diebach, östl. von Insingen, an der 
Tauber. — *) Übei' die Raclie, die später die Rothenburger mit Hilfe der Roller 
an Öfner nahmen, indem sie ihn auf Hallischem Gebiet mit Hinterlist in ihre 
Gewalt bi'achten und dann entfiaupten Hessen, s. unten den Abschnitt „Wolf 
Öfner wird zu Hall enthauptet.^ — *) Georg von Eisesheim genannt Heuss 
nahm mit umrttembergischen Reitern im Auftrag des Schtväbischen Bundes auf 
einer vom Hauptmann Göbel angem'dneten Streife den Götz von Berlichingen 
am 7. Mai 1528 zu Blaufelden gefangen, und da er ihn wegen des zulaufenden 
Bauei-nvolkes nicht wegzuführen sich getraute, so verpflichtete er ihn, sich am 
24. Nov. des Jahres zu Augsburg vor dem Schwäbischen Bunde zu stellen. 
So nach den Bet^chten des Eisesheimers in der „Geschichte des Ritters Götz 
von J5.«, von Götz Graf von Berlichingen S. 106 f. „Samstag nach Martini^, 
wie Widman angibt, (= 14. Nov.) steht damit nicfU ganz im Einklattg. 



— 243 — 

leuth in einer stuben ledig gezelt/) und von stund an haben in 
die btindiscben verordneten gefanngen und in ein gevvelb gelegt. 
Naebvolgend in acht wochen ist Götz in ainem warames und hembt 
aus der gefangnus kommen, sich understanden die thor zu Augspurg 
5 zu öflfnen, von denn Wächtern verjagt, des morgens durch hauszsuch 
in ains barchetwebers hausz gefunden und wider in gefangnus 
gefürdt.'O 

Franckhen bewilligen kayser Carl ein reuttersdienst. 

Anno domini 1528 umb Andree'') hatt kayser Carl der funflft 
10 sein onwalt den propst von Waldtkirch^) ausz Hispania an denn 
Franckhischen adel, die dazumal zu Schweinfurt versamblet, geord- 
net, sie umb ain reuttersdienst ersucht, die inie 400 pferdt funflf 
monat uf iren costen wider denn Franntzhosen zufüren bewilligt. 

Memming setzt ausz dem bundt. 

15 Anno domini 1529 purificationis Mariae*^) ist zu Ulm ain bunds- 

tag gehaltten, ist N. Keller,®) burgermainster zu Memming ausz dem 
bundzstal gesetzt und den von Memming fünf tag zu verannttwurtte n 
geben, von wegen dz sie alle sacrament abgethon, meszhaltten ver- 
botten. Aber die von Memming haben sich nicht verannttwordt, 

20 sonnder montag^) nach oculi zu Ulm ain gemeinnen stetttag ge- 
haltten, was in zu thun beradtschlagt. Darnach Matthiae apostoli,^) 
alsz ich aus geschäflft uf solchem bundtstag war, sähe ich Ferdinan- 
dum konig zu Hungern und Böhem mit 500 pferdten zu Ulm ein- 
reitten, hätt ein zwergckh nit mer dan vierdthalb span lang mit 

2ö ainem grossen bartt unnd ein weyssen adler habendi. Alttera 



2 verordn. fehlt HK 4 z\i Angspnrg f$hU H\ 10 sein orstor 8t^. \ Wslkirch K&. 
Tf bandt Sfi ; bnndtssUit H"; bundUrhst H^, 30 gemeinnen $o aurh JEfi; ein ganUen H^\ 
21 Darn. — landt fehlt 8t^. \ Matthiae atu H^; Matthfti B. 22 alss ich — einreitten fehlt Hl 

*) d» h, aus seiner^ Ueussena (und der WüHUmherger), Gefangenschaft 
in aller form entlassen^ aber nur damit er sofort vom Bund als Gefangener 
in Anspruch genommen werde, — *) Er blieb da zwei Jahre, bis 1630, — 
*) 30. Nov. — *) nordöstl, von Freiburg i, Br, : hier befand sich ehemals ein 
Chorherrenstift, — Balthasar Märklin^ Propst zu Waldkirch, durch des Kaisers 
Gnade Bischof zu Malta, zugleich Bischof zu Hildesheim und Koadjutor des 
Bischofs zu Konstanz^ seit Sommer 1528 im Dienst des Kaisers tätig ah sein 
r^Generalorator**, Egelh, 2,85: s, auch Seckendorf 2, 126, — ») 2, Febr, — 
*) Bans Keller wurde am 11, Febr, vom Bundesrat des Schwäbischen Bundes 
ausgestossen, weil Memmingen kurz guvor die Messe abgetan hatte, — ') 1, März 
1529, — •) 24, Febr, Das „darnach" bezieht sich nicht auf das ßuletst ge» 
nannte Datum, sondern auf die Ausschliessung Memmingens, 11, Fel*r. 



— 244 — 

Matthiae rit er eilends uf den reielistag gen Speyr, wan der Turekh 
lag ime im lanndt. 

Reichsztag zu Speyr. 

Eodera anno war der reichstag zu Speyer furgenonimen, aldo 
under anndern articul beschlossen, dz die mesz bisz uf zukonflftiges 5 
• conciliuni in würden soltt bleiben. Welches mit vil andern arttickheln 
der merer thail des reichs angenomen, solchen abschied besigelt, 
on Hessen, hertzog Hannsz von Sachsen, hertzog zu Lunenburg, 
fürst von Anhalt, ettlich graffen, Nürnberg, Stroszburg, Ulm, Nörd- 
lingen, Halpron und sonst bey 8 reichstett^) haben prottestiertt, 10 
das sie dem Römischen kayser wollen gehorsam sein, on was den 
glauben antreff; darauf ir bottschaflft zum kayser in Hispanien ge- 
sanndt, ires prottestierens sich wollen verannttworten, kain audientz 
vom kayser gehabt, sonnder vergebens wider haimkhommen. Darauff 
die prottestirenden fursten und stett ain tag zu Sehnialkalden *) 15 
fürgenommen, und als man sagt, sieh do aines sondern Römischen 
konigs veraindt, umb hilflf so der Romisch kayser kam ime zu 
widerstreben. Ob dem also, ist nit gewisz, aber on bündnus ist 
es nit abgangen. 

Weitter auch in disem reichsztag gemacht, dz die brüeder- 20 
kindt gegen iren nechsten vettern, der nit brüder sonnder allain 
brüderkind verlasse, in capita, und nit stirpes zu erben; auch dz 
man alle widertauffer, so nit wollen widerulfen, enthaupten soll.^) 

Türckh belegert Wien in Osterreych. 

Eodem anno umb Jacobi'*) ist der Türckhisch kayser Soliman 25 
genandt in Hungern gezogen, dz gantz konigreich uf der ain seittcn 

4 Nach o«tern eod. a. 8t^, 16 statt sich — yeraindt: aldo eines anechlags rhätig worden 
eines rOmigohen kOnigs halber H^. 20 Weitter wnrd H&. 22 nit ttapos ifi. 26 statt 
dr gantz — verh. : uf der einen seitten der Thonaw umb Pressburg vil flecken verheert B^. 

*) Im ganzen waren es 14 Betchsstädte ; Hall befand sich nicht darunter, 
— 2) Ein y^eilender Tag*" dir Protestanten tcurde gehalten 29. Nov. 1529^ wo 
aber nur eine schärfere Trennung voUeogtn tcurde von den eu den Schwabachcr 
Artikeln sich nicht Bekennenden (Egelh. 5, 122), dann im Dez, 1530 und März 
1631, wo das förmliche Bündnis für den Fall eines Krieges bescldossen wurde. 
Widman scheint ehei- diese letzten Tage im Auge zu haben, in welchem Fall 
er den vorliegenden Satz erst später eingetragen hat. — ') Die auf dem Beichs- 
tag zu S})eier erlassene ^kaiserliche Konstitution^ in betreff der ErbscJiafts^ 
teilung, die für Widman als Notar besonders wichtig war, erging am 23. April 
1620, die über die Wiecfaiäufcr am 22. Ai)ril, s. Samml. dei' Beichsabschicde 
2, Hol f. - *) 26 Juli. 



— 245 — 

hisz gen Wien on Preszburg erlangt, verbert, weih und kind er- 
mördt, in der woeben vor Micbaelis ^) Wien belegert, mit 3bundert- 
tausendt mann vier woeben darvor gelegen, die mauwr an drey 
ortten unndergraben, den stürm drey mall angeloflfen, aber nicbtz 
5 gescbafft, sonder wider abzogen. PfaltzgraflF Philips,^) Ottbainricbs 
bertzogs bruder was baubman in der statt Wien, aber pfaltzgraf 
Frldericb sein vetter im veldt. Von solcbem vomen im ersten tbail 
meidung gescbehen. 

Krieg zwiscben kay: Carl und Frantzhosen würdt 
10 vertragen. 

Anno 1529 ist kayser Carl in Welscbland kommen, und der 
krieg, so zwiscben seinem anbern und den Frantzhosen ob 30 jarn 
von wegen ilailandt gewerdt, sieb veraindt,^) dem Frantzbosen sein 
Schwester und darzu gantz obern Burgundt geben, was aber zu 
15 Maylandt gehört und alle stett, so der Frantzhosz dem kayser in 
Italien eingenomen, widergeben; so aber der Frantzhosz mit kay: 
may: Schwester nit kinder verlosz, solt hoch Burgundt wider zu 
Oesterreich fallen. 

Von der handlung desz reychstags zu Augspurg. 

20 Esz ist im verganngenem jar Ro: may: Carl d. 5. aus Hi- 

apania in Welschlandt mit beerscrafft gezogen, den langen werenden 
krieg, so sich zwischen seinem anhem Maximilian, dem Frantzbosen 
und Venedig beilaiffig drayssig jar von wegen desz bertzogtumbs 
Maylaud erhalten, gestilt,*) den bertzogen von Maylandt wider ein- 

25 gesetzt, Florentz von wegen desz bapsts bey ainem halben jar be- 
legert, durch ain däding erobert.^) Esz sein vil vom adel in disem 
Scharmützel umbkhommen und besonder des vertriben könig ausz 
Dcnnmarckhs bruder. Esz hatt auch kay: Carl zu Bononia vom 
bapst Clemens dem 7. aygner person die kay: cron empfanngen.*) 

7 ■. vetter oberster über den gantzen reichshauffen H^. f7 solt om« H^f H^ ; solch B. 

*) Michaelis ist 29. Sepi, : Soliman begann die Belagerung am 26, SepU, 
mussU wieder abziehen 14. Okt. — *) Pfalzgraf Philipp von Neuburg^ dtrselbe, 
der später 1634 die östeiTeichische Heeresmacht bei Laufen befehligte. — *) = hat 
in betreff der Kriege . . . sich vereinbart : gemeint ist der Damenfrieden zu 
Cambray vom 3. Äug, 1629, — *) Diese Sätze (die in H^ fehlen) sind nur 
Wiederholungen des im vorigen Abschnitt Gesagten, Widman hat wofil dieses 
Stück erst nach längerer Pause auf das vorige folgen lassen und daher einiges 
rekapituliert, — *) Durch eine Übereinkunft ; die Belagerung dauerte vom Febr, 
oder März bis 12. Aug. 1530. — *) am 24. Febr, lö30. 



— 246 — 

Vonn daiiiicn ist kayser Carl gen Augspurg mit denn bäpst- 
liclien legaten Gregorio Conipegio und vil fursten gaistlieh und 
welttlichs standn ob 2000 pferdt in vigilia^) corporis Christi zu für- 
genomnieneni reichstjig eingeritten, zu morgens mit allen fürsten 
und stendt desz reichs mit dem sacramendt umhganngen, auszge- 5 
nomen die Lutterisclien fürsten, mit namen hertzog Hannsz von 
Sachssen, landgraff Philips von Hessen, hertzog von Lunenl)urg, 
der fürst von Anhalt, Nürnberg, Hailpron, Reuttlingen, Frannekh- 
furdt und ander stett; Ulm, Stroszburg, Mcmming, Lindauw, Co- 
stentz waren Zwingliseh. Der reichsztag wert bisz uflF den 22. sep- lo 
tembris. Esz wurden vil mittel versucht, aber die Lutterischen 
wolttens nit eingeen. LanndgraflF nam Urlaub hinder der thür, ritt 
selb dritt ausz der statt. An solchem tag gab der kayser den ab- 
schied,'^) dz im glauben inn allen ceremonialibus wie vor altter soltt 
gehaltten werden usque ad futuri concilii;'*) alszdan was miszbrauch 15 
erfunden abgethan solt werden, üz concilium solt inn zwey jarn 
werden. Die Lutterischen apellierten davon ad [futuri concilii de- 
cisiones]. Macht man wie es inen gefiel, so wers christlich, wo 
nit, so wers nit. Der kayser merckht ir furnemen; aber zu ver- 
huetten blutvergiessen gab man den evangelischen bedacht bisz uf 20 
den 15. tag aprillis im 81. jar kunflftig, soltten sie under ierem 
sigil kay: may: ob sie disen abschied an woltten nemen oder nit, 
ab oder zuschreiben. Damit ritt iedermann von dem reichstag. 

Ich bin sechsmal in geschafften uf disem reichstag gewesen, 
den kayser zu tisch und inn rhätten sehen sitzen, vor seiner may: 25 
gehandelt. Ain ernstlicher mann bey 31 jaren, aber ain güttiger 
hörer der armen ; esz war khainer so elendt, er mocht in im tag zwirnet 
zu verhör kommen lassen. Ich hab gesehen ain bäum bey Saltz- 
burg dahaim in aigner person sein raangel zu ehrzelen. Auch hab 
ich gesehen ain baursman, war dz künigs von Unngern trabandt, 30 
ailfthalb spanen lang,*) neben im ein zwerg bey 25 jarn, 4 span lang. 

Item am sontag ^) nach visitationis Mariae war der propst vonn 

6 die protestierenden H^. 11 Ks gieng soltzam zu, wurden H^. \ die Eaangelischen H^. 
Iß Lanndgr. schmeckt den brotthen, nam. . . H^. \ thÜr, wau die sag was, man wOIt die 
Kuangeliscbon inn ieren hOvon überfallen H^. IS dritt als wolt er spacieren H^. | tag 
Sontags H^. 17 Die Euangeliachen ($0 auch weiterhin statt Latt.> /f&; Lntt H*. \ fa- 
tnras conailium executiones B, 18 wo — furnemen, statt dessen: wan der bapst wurd 

ancläger sein wollen H^. 24 Ich Georg Widman J?^ 28 lassen aus ff'/ fehlt A'. 

29 zu erzelen dafür kommen U^. 

*) 16. Juni 1530. — ^) am 22. Sept. — ^) sc. decisiones. — *) Über 
ditsui Riesen 8, auch Egelh, 2, 137 (aus dem Corp, R.f.), — *) 3. Juli 1630, 



— 247 — 

Waltkhirch ') vom byschoff vonn Maintz und raarggrafen in Unnszer 
Frauen kirchen zu Augspurg inn beysein aller fursteu dem könig 
von Hungern, seiner Schwester und hauszfrawen frawzimmer, bei 
40 gesehmückhter Jungfrau wen, zu aim bischoflf zu Costentz erwölt, 
5 und werd dz ambt 6 stunnd. 

Anno domini 1531 do starb der vorgenandt new byschoflfbeim 
kayser im Niderlandt umb pfingsten, unnd wurdt der alt byschoff 
der Landenberger wider byschoff zu Costentz, lebt nit ain halb jar, 
und wurd nach im ain graff von Lupfen zum byschoff. 

10 Konig von Böhem empfieng damals sein künigreich. 

Der konig von Bohem empfieng dazumal sein kunnigreich von 
kay: may: wie dan des künig von Behems gewonheit, uff seinem 
grund und boden ain halb meil weegs von Augspurg bey dem 
schlosz Wellenberg.^) Darnach wurd ain welscher turnier gehaltten, 
15 kayser und konig von Böhem sein bruder war selbs darin, schlugen 
dapfer zusamen, und gar kurtzweilig zu sehen. Es war sovil volckhs 
im veldt, dz sechs mennschen umbkhamen, von bäumen, darauff 
sie Sassen, herabfielen und zu tod getruckht wurden. 

Wie ettlich herrn dazumal ihr leben empfanngen. 

20 Esz empfieng auch damals zu Augspurg uf dem weimarckh 

vonn kayser: mayestatt leben die zwen hertzogen vonn Bommern, 
herrn zu Stettin fanen. 

Esz wurd erkhendt, dz marggraff der hochmainster in Preussen ') 
sein i)flicht dem reich nit gehalttenn het, unnd uf dennselben tag 

25 dz hochmainsterampt zu Breussen N. von Chronnberg,*) meinster 

1 Walkirch H^. 3 und hausfrsw, ssmbt dem frawensimmer HK | haasfr. und frawen- 
zimmer 11^. 11 Ditae Stellung des dazumal aus H^, H^; Der konig dazumal R, 14 uff 
dem Wellemberg H^, 20 weinmarckt H^ ; boy dem weinmarokh H^. 22 fanen fehlt HK 
25 Walter von Cronb. -ff». 

*) 8, 0, S. 243. — *) Städtlein und Schloas WeHenburg, südL von Augs- 
burg, Die Belehnung des Königs Ferdinand mit seinen österreichischen Landen 
geschah hier am 5. Sept, 1580. — ') Marhgraf Albrecht von Brandenburg, 
Hochmeister, der mit Bewilligung der polnischen Krone als erblicher Herzog 
des Landes aufgetreten war und demselben evangelische Verfassung gegeben 
hatte. Die von Walter von Cronberg veranlasste Nichtigkeitserklärung („es 
wurde erkannt u. s. w.^) jenes Aktes durch den Kaisei' geschah am 14» Nov, 
— *) Waltei' von Cronberg. Die genaue Beschreibung dieser feierlichen Hand- 
lung nach dem Chronisten Venator s, Schönhuih in WFr, 6, 212 ff. Weiteres 
über Cronberg s, u. in dem nach ihm betitelten Abschnitt, 



— 248 — 

(londsehordens, g:elihen; het gar ain liübpschen zeug; do er die 
leben eiiipfieng — Schwoben und Franckhen — , bett er ein grossen 
weissen daniast an mit aini grossen scbwartzen creutz, binden und 
vornen durcbaus so lanng der nianttel was, und ain gülden creutz 
dardureb mit lilien, und in der mit ein sclnvartzen adler. 5 

Fraw Margretb stirbt. 

Frauw Margi-etb, kay: may: vatterscbwester, starb inn ermeltter 
zeitt, darumb kay: m: vom tag in Brobandt dz lannd eingenommen J) 

Zwingling wurdt erscblagen. 

Anno 1531 den 21. t. octobris baben die funflfortt inn Sehweitz, 10 
welcbe des altten glaubens gewesen, mit denn vonn Zürch, welche 
Zwingliscb waren, bey dem closter Capei genandt ain scblacbt tbon, 
unnd ist der Zwinngling im dritten glid mit funffzeben predigern 
seines glaubens ^) gestorben und umbkbomen, unnd uf der Zürcher 
seitten im waldt der Buochwaldt genandt, was nit enttronnen, alles 15 
erschlagen worden. 

Lanndttag zu Schweynfurdt. 

Anno 1532 haben die zween fursten Maintz undPfaltz^) alsz 
unnderhändler mit den Lutterischen fürsten unnd stetten ain tag zu 
Sehweinfurt unnd zu Nurmberg der christlichen religiou gehaltten, 2u 
inn mainung sie zur ainigkheitt desz glaubens und gehorsam dz 
kaysers zu bringen, aber nichtz geschaift.^) 

Turckhen zug in Osterreich. 
Eodem anno 1532 ist dz ganntz reich an Turckhen gezogen, 

1 statt gelihen: ufFsugeben H*. \ gar ein schOnen raisigen zeug, unnd do er . . Jf'. 8 von 
ermeltem reichstag in Brabaudt, disB landt einzunemen, gezogen J/^; ähnlich II K 11 ca- 
thoUisch gew. HK 13 funffz. predioanten H^. 19 evangelisohen fttrsien H>. 2t zur — 
glaubens fehlt H*, 23 Viel kürzer, anfangs nach Widman, nachher augenscheinlich atts anderer 
Quelle, ist der Abschnitt bei St^. 

*) d. h. von diesem Heichstag weg nach Brdbant zog und dieses Land 
in Besitz nahm, — Margaretha von Österreich, T, des Erzherzogs, späteren 
Kaisers, Maximilian I,, der ihr Vater die Regentschaft der Niederlande über- 
tragen hatte, starb am 1, Dee. 1530 in Hecheln. — ^) Nach Egelh, 2, 213 wann 
es sieben Geistliche und sieben Mitglieder des kleinen Rates, — •) Ergbischof 
Albrecht von Mainz und Pfalzgraf Ludwig. — *) Die Schweinfurter Zusammen^ 
kunft fand anfangs April 1532 statt (Sleidan ad a.). Neben den Unterhänd- 
lern selbst, und Sachsen, Hessen und Lüneburg, war unter anderen auch 
Schwäbisch Hall hier vertreten. 



- 249 — 

])ey zwainialluinderttausendt man.') Ist Ludwig von Morstain alsz 
ain haupniann der statt Hall gcschickht worden. Hatt der Türckh 
aigner persou dz schlosz und die statt Guntz^) belegert uund 
12 stürm darvor verloren. Ist der tewxr ritter Nicklaus Jurischutz 
5 haubman daselbst vom Römischen könig dahin gesetzt worden, von 
dem ime wenig hilff beschehen. Danoch ime der Allmechtig wunder- 
barlich hilff gethon, alsz den 30. augusti der Turckh 4 grosse hem 
zu ime geschickht, sprach mit ime zu thun, welches er zum dritte- 
mal mit inen angenomen, aber sich nicht begeben, wiewol er sein 

10 beste leut verloren, auch weder proviandt, pulver noch bley mer 
gehabt, und der waschen ^) die statt an 14 ortten undergraben, ine 
darauf gefragt, ob er sich noch nit begeben und die hoffart ime 
noch nicht gelegen sey. Darauff er wider geanttwort, es thue noch 
nicht nott; so sie dz begeren, so sollen sie vor ain geschriben glaitt 

15 und 4 bürgen an sein statt setzen, wöU er selbs zum kayser und 
sich naigen, doch was ime an eren schad, und desz glaubens halb 
unbedranckht lassen bleiben. Darauff die gesandten den brief oder 
glait auszm busen gezogen und ime die bürgen in sein statt ge- 
anttwordt. Also ist der teur ritter allain und sorgfelttig mit inen 

20 in dz Türckhisch läger, da ir dann vil tausent Turckhen auf in 
gewart, geritten, zu dem Imbraim') zeltt gefürdt, aldo ein grosser 
pracht gewesen, und gegen ime ufgestanden, erlich empfangen, auch 
ine ritter zu ime heyssen sitzen und ine gefragt, erstlich, ob er der 
altten kranckheit, so er in der Türckhey gehabt, gesunndt worden, 

25 zum andern, ob er in disem stürmen kein gevarliche wunden em- 
pfanngen, zum dritten, worumb er sich nicht gegen ime genaigt 
hab, dieweil doch ander fleckhen sich auch derselben hauptleutt 
gegeben und ime die Schlüssel entgegentragen, zum vierdten ob er 

3 Gran, von andertr Hand OberkorriffUrt : Günsx fi>, 8 welches er: w auch JI*; welcher 
CS Jl^. 9 beg. wollen &>. 11 der wascba HK 13 nicht vergangen H^. 14 sollon 
aus JI*, H^; fehlt B, 17 lassen bleiben aua H^j bleiben loss R. 28 ergeben und HK 

*) Nach Egelh, 2, 223 verfügte Karl auch dann, als zu dem eigentlichen 
Eeichsheer von übei' 41000 Mann noch die kaiserlichen und päpstlichen Hilfs- 
völker gestossen waren, nur ühei' ein Hter von etwas mehr als 76000 Mann, 
Herolt S» 253 gibt an: „ob 100 000'^, Ludtoig von Mor stein war Hauptmann 
der Heiter, Wilhelm Stutz dtr Fussgänger, und Wilhelm Senft war Fähnrich, 
Die Haller gehörten gum „verlorenen Haufen"", der neben einigen Abteilungen 
aller Landsknechte das Landvolk, die Pack- und Wagenknechte u. dgl. enthielt 
(Heyd, Ulrich 2, 465), — *) Güns in Ungarn, südl, von Ödenburg, Soliman 
lag vom 3, Aug, an drei Wochen vor dieser Festung, welche Niklas Jurischite 
mit 700 Mann heldenhaft verteidigte, — ^) Pascha. — *) Wesir Ibi'oJtim: die 
Schreibung Lnbraim auch bei Schardius 2, 240. 



— 260 — 

auff sein herrn wardt, der in erette. Darauff er erstlich geandt- 
wurdt, er wisz basz, wo der konig in Hispania sey, dann er; und 
auf den ersten arttickhel seiner gn. danckh gesagt der gesundtheit 
halber, und derselben kranckheit wer er frey; zum andern der 
wunden halb so er empfangen, sein nit geverlich, dan die ain sey 5 
von aim schusz, die ander von aim wurflF. Zum dritten sagt er, 
sein ehr habs geben, dz sich keiner gegen seinem feind neigen soll 
on grosse nott und bezwang. AuflF den viertten artickhel hatt er 
nichtz geantwort. DarauflF er angefangen und zum ritter gesagt, er 
hab im bey seim hern dem kayser gnad erlangt; der schennckh lO 
im schlosz und statt, auch was darinen sev. Ilierauff ime der ritter 
danckh gesagt, den rockh geküst, und als er in sell)er zum kayser 
fürn wollen, aber solch der ritter nit begert und gesagt, er wisz 
wol was er von seins gn. hern wegen versprech, dz ime solches 
gehaltten werdt und bitt ine, er wolle in wider in sein losament 15 
oder statt beglaitten; welches also geschehen und er mit der hilff 
Gottes endtledigt worden. 

Uff solches ist der Türckhisch kayser von dem stettlin abge- 
zogen mit ainem grossen hauffen, inn willens die schlacht mit dem 
Romischen konig zu thun, hatts aber nit gehaltten. 20 

Item er hatt auf Wien ain straiffendt rott geschickht, ob 300 
Türckhen, sollen Wien berennen. Ist auch nicht geschehen. Wann 
Wagich Paul ^) ist ausz Wien geritten mit hundert und 50 pferdten 
unnd Ilussemen am 6. septembris und sich in ain heckhen oder 
wald bey der statt Paden gethon, aldo die strayffendt rodt daher 25 
geritten. Da hat Wagisch Paul angehebt, ausz dem holtz gesprengt, 
geschriehen her her, da haben die Turckheu die flucht genomen, 
deszweg er sie all ereilt und bisz in die zwey hundert und funffzig 
pferdt erlegt unnd mit ime 21 lebendiger eingefürt und 7 dotten- 
khöpff, darunder drey wascha gewesen, und 23 lebendiger türckhen- ;^o 
pferdt; die andern sein endtloffen. 

Der Turckh hatt nach uberschickhung kayserischer bottschafft 
mit seim gewalttigen hauffen die flucht genommen, da der sehlacht 
nit erwartten wollen. Damit er desto sicherer hinweg khum, hatt 
er ein hauffen bisz in die sechzehen tausendt^ auf Kernten unnd 35 

4 er au» ni, //\ 8 Auff— geant. fehlt HK 28 Waglpaul //». 27 aues d. holt« »u 
echreyen her her gesprengt H^. 

*) Bei Seckendorf 3, 29 Wacky-Paulf Hungarus : in ScheHiU Autohio- 
(jraphie, aus welcher Sechendorf hier schöpft: Waker Paul, — ^) Die söge- 
nannten Akindschis, die Renner und Brmner, EgeVu 2, 223, Nach Schertel 



— 251 — 

Stcuniiarckli ^esihickht. DamuflF graf WolflT von Mpntfort mit 
1500 pferclen, iiiarggraflF Joaclüm der jünger sambt dem ö))ersten 
des vuszvoleklis lierr Conrad vonn Henibclberg ') mit 4 fenlin, graft* 
Ludwig von Laderan, über künigliche may. hiltf obersten, sambt 
5 9 fenlin und zu Wien bey funff fenlin Spanier, so zur Newenstatt 
gewesen, denn straiflfenden abbrueb zu thon. Am 14. septembris 
ist ScherttHu vonn ScborndorflF hauptman mit 22 fenlin landzknecht 
von der reichsbilfF angezogen und nach im pfaltzgraflF Friderich mit 
allem reisigen zeug bisz in zwey tausent starekh oder darob. Und 

10 als man allerley kundtschaflFt vernommen, dz die Türckhen-strauff 
ufher von der Neuwenstatt ^) auflf anderhalb meil weegs in ainem 
gebirg gelegen und mit eristen und raub schwer beladen, haben 
sich die andern hauflFen in zwey thail gethailt und sich neben inen 
am gebirg zu feld geschlagen und auf den 15. disz obgemelten 

15 monadz die strauff mit drey hautfen angewendt, aber inen nichtz 
abbrechen mügen, sonder uf die vierhundert Spanisch schützen zu 
grundt gangen. 

Item auff den 17. septembris ist die straift' ufbrochen und 
neben unnszerm gelegcr Lewerszdorfl' ^) genandt auf ain mail in ain 

20 thal und in aim marckh Pottenstain*) genand geschlagen, dz die 
unnszerigen von stundt an kundschafl't gehabt. Auf solches hertzog 
Friderich zu nachtz umb 9 Uhr nach dem Scherttlin geschickht und 
sich bey im berattschlagt und die bottschaflFt fast eilendts gewesen. 
Ist Scherttlin mit zehen fenlin angezogen unnd haben in die bäum 

25 über dz gebirg und langen waldt gef ürdt, von dannen er selb dritt 
hingeschlichen, dz turckhenleger besichtigt, hatt in bey vil der fewr 
bey 30 tausendt oder mer da ligen bedeucht. Alsz er aber am 



4 Ladran HK 10 straiff (so auch naehherj H^; Türkischen Btraiff HK 18 den 27. tag 
HK 19 Lawendorff H^, 20 PodensUiu HK 25 waldt geholffen HK 26 vilo (= 
Vielheit) HK 

sind CS 20()0i) Beiterj die durch den Wiener Wald gegen die Ens hin streifen^ 
anfangs Sept. : gegen sie rücken aus am 14. Sept. : Graf Ludmg von Lodron, 
König Ferdinands Feldhauptmann, ferner Joachim, Markgraf von Brandenburg 
der jüngere mit ihren Truppen in den Wiener Wald, femer am J6. Sept. Wolf- 
gang Graf von Montforl und Johann Catianus (gewöhnlich^ „der Catzianer^ 
genannt) mit 16000 Pamerreücrn und der oben genannte Wacky-Paul mit 
seinen 600 leichten Reitern, — *) C. von Bembelberg = Konrad von Beumelburg 
(Boyneburg), ^der kleine Hess"' genannt. Er tritt schon 15:^7 auf dem Zug 
gegen Rom als tüchtiger Kriegsmann hervor und wird auch später in Widmans 
Annalen noch mehrmals genannt. — *) Wiener Neustadt. — ') Leopoldsdorf, 
sUdl. von Wien. — *) Potlenstein, südl. von Wien, zwischen diesem und Wien- 
Neustadt. 



— 252 — 

widerkhercn gewesen, darvon geschlichen, seiiid drey Turckhen autf 
in gestossen, die starckh gehaltten; der er ein gefanngen und in 
aller gelegenheit befragen lassen. Der hatt angezaigt, dz der Turckhen 
zehen tausent starckh da legen unnd wüsten nit wo hinaus; sie 
weren hinden unnd vornen umbiegt, klagten ir kayser het sie sehend- 5 
lieh verfürdt, auch in angezeigt dise lannd hetten alle sich an inn 
ergeben, so sehe er wol, dz sie da alle sterben raüsten. Die andern 
zwen hetten ain grossen lermen im Türckhischen leger gemacht. 
Uf solches ist Schärttlin mit aim klainen hauffen auf ein bühel ge- 
rückht, aldo sein vortheil eingenomeu, aber die Turckhen mit aim lo 
grossen hauffen und grausamen sehreyen gegen inen herausz auch 
auf ain bühel so nahend, dz sie ainander mit handroren hetten 
langen mügen ; haben sie von zwey an bisz der tag hat angebrochen 
vor ainander gehaltten, auch ist ain grosser nebel zwischen inen 
gewesen, der sie lanng verhindert. Darauff Scherttlin hertzog Fri- i') 
derich bottschafft thon, sein gn. sol sich mit ieren reuttern und 
fueszvolckh versehen und auff den platz dem geschutz zuziehen, 
dann die Turckhen von ime abzugen, musten sie eben dasselbig 
thal hinein, da dz recht leger war. Alsz aber die post von ime 
hinweg kam, hatt Scherttlin sein Ordnung wider beschlossen und 20 
an sich genomen 150 schützen, die mit trost den feinden eilendz 
nachgeriickht. Also hatt disz klain heufflin den grossen gewalttigen 
Türckhischen hauffen, mit der Gotteshilff und sterckhe, in von dem 
bühel neben dem margkh^) über ain wasser getriben. Alsz aber 
der haubman dz vernommen, hatt er eylendz noch 400 schützen, 25 
so neben der Ordnung angehengt, mit sambt anndern sie wider an- 
griffen und zum anndera mall inn die flucht geschlagen. Also haben 
sie dz tal hinumb wol anderhalb meil weegs bisz auf die w^eitte, 
da unnszer kriegsvolckh, reysig unnd geschutz, in der Ordnung ge- 
stannden, in die hendt hinein gejagt und sie, ehe sie ausz dem :]0 
thal kommen, mer als viertausendt sättel gelerth. Dz uberig ist 
darnach alles ufgeriben worden, also dz kainer darvon kommen. 
Unnd der unnszern nit umbkhommcn, wan ettlich wund mit den 
sabel geschlagen worden.*) Gott hab lob. 

Anno domini 1533. jar am sonntag invocavit^) ist beschlossen 



18 a. Uhr an H^. 30 sein lÄger 1/5/ wie K auch HK 28 weitte a$ts H^, H^; weide K. 
33 Statt Unnd — worden: die nnsern gnr wenig beschedfgt, nit umbkomen H^, 

*) dem oben S, 251 genannten Marktflecken PoUetistein. — *) Ah Ort 
dieser Schlacht nennt (nach Seckendorf 5, 29) Achilles Gasser in seinen Augs- 
hurger Annalen das Steinfdd, ^genannt Swarzafui^, — ') 2. März. 



— 253 — 

uund frid gemacht worden zwischen konig: uiay: zu Unngern unud 
Böhem und dem Turckhischen kayser, wie lang es werdtJ) 

Comet am himel gestanden. 

Eodem anno 32 sein zween cometstern am himel gestanden 
5 morgens uml) 4 uhr 8 woehen lang umb Michaelis,') die spitz gegem 
Schwabenland gekerdt. 

Darnach anno 1533 umb Kiliani^) aber ain comet erschinen, 
nachts umb 10 uhr und morgens gegen tag umb 3 uhr wider ge- 
sehen worden. Sein schwantz ist gegen mitternacht gestanden. 

10 Reichsztag zu Regenspurg. 

Eodem anno war ain reichsztag zu Regenspurg;^) wurdt nichtz 
gemacht dan von erzelten Türckhenzug, zum andern der religion 
desz glaubens solt ieder den anndern bisz uff zuekhunft'tig concilium 
bleiben lassen. 

15 Jwng könnig in Dennmarckh stirbt. 

IJflF gemelttem reichstag ist der jung konig inn Dennmarckh'*) 
zwölflTjarig, desz kaysers Schwester sun, vonn vemunfft bcrombt 
und dz leibs dathig, dazumal aldo gestorben. 

Reychstag in Italia. 

20 Der kayser zog vom Turekhen den nechsten gen Bononia 

zum bapst mit dreyssig tausendt starckh, hielt aldo mit den Walhen 
ain reichsztag, bisz umb ostern anno 1533, zng er wider in Hispania. 

Turckhisch rayszgelt oder Schätzung. 

Diser Türckhenzug^) weret nit lenger dann zwen monat; die 
25 oberkheytt begert an vil enden unerhordt Schätzung gelt, under 

2 Kfl wehrt aber nit laug H^. € haben die schw&ntz gegen mitternacht gewendet l/^ 
9 auch gegen H^. 18 datliig: der ein gar vemünfftiger tbädiger herr wai ff*. 25 un- 
OThörto Bchatiung H', tf^. 

') = trie lange dieser Friede nun eben währen mag, (oder aber als Apo^ 
siopese, mit hinsuzu^enkendem : weiss Gott), — *) 29. Sept, — •) 8. Juli, — 
*) Er wurde ausgeschn'eben auf ü, Jan, 1632: der Retef istagsabschied vmrdt 
gegeben den 27, Juli, — *) Der Sohn Christians IL, des seit 1523 aus seinem 
Lande vertriebenen und beim Versuch der Wie derer oberung desselben gefangen 
gesetzten dänischen Königs, — *) Es ist hier nicht etwa von einem neuen 
Türkenzug, um 1533, die Rede, sondern von dem vorher beschriebenen van 1532, 
der eben hauptsächlich die Monate Äug, und Sept, ausfüllte. 



— 254 — 

welchen auch die llallisclien underthonen ie vom 100 2 fl. geben 
musten. 

Umb Unszer Frauwen himelfart ^) ist aber am himel erschineu 
ain cometstern, der scbwantz sieht Württemberg. 

Babst Clemens weicht von Rom. 5 

Anno domini 1533 umb Andree^) hatt bapst Clemens der 
sybendt Rom verlassen, die clainot zu Unszer Frauwen de Latina'*) 
zu sich genomen und gen Avion gethon; ausz was ursach werden 
wir hören. — Item vor natalis domini ist bapst Clemens wider gen 
Rom kommen, die sach darumb er gewichen befrid, wan ettlich car- 10 
dinäl wider in meutterrey betten furgenomen, darumb er gewichen. 

Herr Görg Druchscsz söhn wurd geschätzt. 

Herr Görg Druchscsz söhn, denn Hannsz Thoma von Rosen- 
berg '^) damals zu Dolosz in der statt '^) hingefürt, davon obgeschriben,*^) 
geschätzt worden umb acht tausent gülden,') umb natalis von der 15 
verhafftung gelassen, ehrlich mit pferdt und seidin claiduug, gülden 
ringen haimgeschickht; hat sich müssen verbürgen unnd verschrei- 
ben, nit zu öffnen, wo er in verhafftung gelegen, auch der Schwä- 
bisch bund zugesagt solch sein gefangnus den, so in gehalten, nit 
zu rechnen. Es wurd dannoch offenbar, wan er ain meil wegs von 20 
Wurtzburg auf ain schlosz gelegen. 

8 hiinmelfart: so auch Ifi; U. Fr. liechtmees Zr&. 7 Latioa: ao H^, H^; de Latein B; de 
Laterano Si^. 11 Der Absatz in etwas anderer Fassung bei H^, 12 wnrd gefangen H^. 
14 obgeacbr. aus 11^, St^; abgeBchriben Jt. Iß ehrlich aus St^, ettlich B. 21 einem 
Rch1o:i8 gelegen war Jf &. 

*) 15. Äug, — *) 30, Nov. — ') Eine Santa Maria de Laiina oder de 
Laterano gibt es in Rom nicht, es wird S. Giovanni in Laterano gemeint sein^ 
worauf auch eine der Lesarten hinweist. Oder sollte der Chronist nicht soicohl 
den Namen dieser Kirche, als vielmehr eines einseinen Aliars in derselben haben 
bezeichnen wollen? — Von der hier berichteten Flucht Klemens VIL nach 
Avignon ist in Krsch und Gräber, in Rankes Geschichte der Päpste und in 
Wttzer und Weites Kirchenlexikon nichts zu finden. — *) Das Hetr des Schwä- 
bischen Bundes hatte unter Anführung Georgs, Trucfisessen von Waldburg, im 
Jahr 1523 neben vielen anderen der Räuberei verdächtigen Schlössei-n auch 
Boxberg, den Site der drei Brüder von Rosenberg, geplündert und verbrantU. 
(Herolt 91, WFr, 9, 211.) Hans Thomas aber, einer der drei, Hess seine Rache 
an dem Truchsess aus durch heimliche Wegfang^ung seines Sohnes. — *) Dole 
in Burgund, wo der junge Timchsess Jakob damals studierte. Die Entführung 
geschah 11. Juni 1529, die Befreiung im Jan, 1534. S. Vocheeer, Gesch. des 
Hauses Waldburg 2, 671. 768 f. — «) Eine entsprechende frnliere Stelle ist nicht 
aufzufinden, also möglicherweise Andeutung eines verlorenen Stückes. - ') als 
Entschädiguttg für das verbi'annte Boxberg : s. Vochezer a. a. O. 



— 255 — 

Der Seh w a h i s c h b u n d t n a m ein e n u d t. 

IJmb Andree *) ist aiii bundzta^ zu Angspurg gewesseu, unnd 
der byschoflf vonn Augspurg, ist von Stadion, und graflF WolflF von 
Monntfort, kayserlich conimissarii, umb erstreckhung des Schwabi- 

5 sehen bundts gehandelt. Dieweil aber^) des vertriben hertzog von 
Württemberg sonn, hertzog Christoflf do geweszt, mit beystandt 
landgraflF Philips von Hessen unnd aller Lutterischen fursten ver- 
ordneten, unnd an Romischen konig Ferdinandum erfordert^) Dü- 
bingen und llohenneifen, dise zwo herrschafft mit iren zugehörten, 

10 welche alsz der bund dz Wurttembergisch land eingenommen, cum 
pacto, dz dise zwo herrschafft mit sambt der Wurttenbergisch cre- 
dentz, so dazumal zu Tubingen gefunnden, so der jung hertzog 
erwuchs, zustendig sein solt; doch wil der jung hertzog seinem 
vatter die forderung und gantz hertzogtumb vorbehalten haben. 

15 Dieweil aber der bund konig Ferdinandum dz hertzogthomb Würt- 
temberg umb zweymalhundert tausent gülden zugestellt, mit geding 
dz er denn jungen hertzogen obberürdt zwo herrschafft unnd cre- 
dentz"*) solt volgen lassen oder sonsten an ander herrschafft und 
landt so vil geben und vergnüegen, hatt konig dem hertzogen an 

20 dem landt Entz,*) graff: Zöller, Hohenberger und Rottenberg am 
Neckher oder andern ortten wollen vergnüegen und darzu sein 
lebenlang alle jar funfftausendt gülden dienstgelt geben und zusagen, 
dz er im nicht dienen bedörff. Dz het der hertzog, alsz man sagt 

a Stadion aus H < ; Htadia R. 6 Christoff«! H^. 7 mit andern Evangelischen farsten 
mehr H\ 8 so auch H^ ; die haben bei dem . . . angebalten umb Tüb. H&. 14 «o auch 
J7'; herteogthumb, (umb 2 000000 gülden yersetzt) . . H^. 16 der kOnig Ferd. dem bund 
das h. W. . . . aberkaafft HK SO Zollem, Hohenberg H>, H^. 

*) 30, Nov, 1Ö33, Die Verhandlungen dieses Bund'stages dauerten wäh- 
rend des Bez. 1533 und Jan, 1534, — -) Der Salz ist nachlässig gebaut, softrn 
dem Voi'dersatz „dieweil ... — zuständig sein sollP' ein Nachsatz fehlt : logisch 
aber vertritt dessen Stelle der Schlusssatz vom Erlöschen des Schwäbischen 
Bundes, und die zwisclien inne stehenden Hauptsätze sind dem Gedanken nach 
nichts als Forlfithrungen des begründenden Vordersatzes. —- ") Diese Forderung 
hat Herzog Christoph in einer Flugschrift, die im Juli 1533 verbreitet wurde, 
vetireten, — *) Der in kostbarem Tischgerät bestehende Silberschats. — *) Dem 
jungen Herzog wurden von Ferdinands Räten der Reihe nach drei Abfindungs- 
vorschlage gemacht, die aber einer wie der andere von Christoph als ungenügend 
abgelehnt wurden, nämlich zuerst: die im Herzogtum Steiermark gelegene Graf- 
schaft Cilley (Cilli), dann: die Stadt Steter in Ober Österreich^ zuletzt: Luenz 
oder Görz oder Herrschaft Volkersdorf oder Grafschaft Nellenhurg oder Schloss 
und Stadt OHenburg in Kärnten u, s w, (S. Stalin 4, 352: Heyd Ulrich 3, 422,) 
Somit ist für Kntz zu lesen Enns, für Zöller CiÜi, und Rottenburg am Neckar 
wird ein Missverständnis sein für Ortefiburg (in Kärnteti), 



— 256 — 

durch seinen beystandt^) verursacht, nit wollen anemen. Also hat 
der Schwabisch bundt, der bey 46 jam gewert, Hochdeutschlanden 
hocherschiesziich geweszt, ain end genommen unnd umb purificationis 
Mariae^) abgetreten. 

Frannckhreychisch handlung uff dem bundtstag. 5 

Der konig von Frannckhreych hatt uf solchem bundstag sein 
orattor^) mit schriflFtlicher credentz als er sagt beden^ tailen zu gutt 
umb frid und underthädings willen verordnet gehabt. Dieweil aber 
solch sein credentz nit wollen angenommen werden,^) hat er sein 
fürtrag gethon, aber nichts verfenglichs gehandelt. Mann sagt, diser 10 
orattor wer ein gelert geschickht mann, kondt aber nit deudsch.*'') 

Zwinnglisch uffgelauff und empörung zu Kempten 

und Augspurg. 

Dieweil der l)undtstag zu Augspurg war, ist ain ufgelauflF zu 
Kempten worden, die burger bey achthundert starckh uflF denn 15 
marckh geloffen, und dieweil sie dreyer glaubens, bäbstisch, Lut- 
terisch und Zwingliseh, haben die Zwinglisch von wegen der bild- 
nus ain merers gemacht, alle altär und bild erschlagen, uflF freyen 
marckh getragen unnd verbrinndt. 

Ebenmessig war es auch mit Augspurg beschaffen, und im 20 
34. jar umb Barttolomey ^) alle bäpstisch und Lutterisch predinger 
abgestelt. Alle stifft woltten herausziehen ; ward doch durch ettlich 
kay: mandat vom eham: an rott geben, underkomen.') Doch zog 
der thombstifft gen Dillingen. 



i bat den bertzog sambt seinem b. vernrsacbt, die nit wOHen ann. ff^. 8 Teascblandt 
H^'. 8 bocberepriessllcb tf >. 8 so auch £r>; umb frid wiUen thaidigg weise H^. 

9 solch — gethon aua H^; in solcher credents nit woUcn .annemen, doch sonst sein fartrag 
gehOrt worden, R; ähnlich aber ebtnfaUs unklar HK 11 ein anszbtlndiger, gelehrter HK 
16 dreyerley U'\ 18 aHe — verbr. aus St^, fehlt JI^, R; alle bilder aus der kirchen thon, 
und verbrent U^, 20 Dcse andern Jahrs anno 1634 umb Barth, ward Augsburg auch 
Zwingliseh Sl^. 22 durch aus H^, Sf^, fehlt B. 23 mandat aus 8t^, fehlt H^, R. \ un- 
derkomen aus H^f St'^ ; und komen Rj durch ettlicber kay : Cammerricht rhat geben nnder- 
kommen H^\ 

^) seinen getreuen Rat und Begleitei' Tiffernus. — •) 2. Febr. — ') Wil- 
helm Bellay von Langhey, Heyd Ulrich 2, 396. — *) Die kaiserlichen und 
königlichen Kommissare nahmen an denjenigen Siteungen der Bundesstände, 
wo des Herzogs Sache verhandelt wurde und wo deswegen der französische 
Gesandte zu reden vorhatte, nicht teil. — *) er hielt seine Bede lateinisch, und 
Doktor Eck musste sie den anwesenden Bundesständen, div zum Teil des Lateins 
nicht kundig waren, verdolmetschen, Heyd Ulrich 2, 42(). - *) 24. August. — 
^) = verhindert. 



— 257 — 

Hertzog IMrieh von Wirttcniberg wurd eingesetzt. 

• Anno domini 1534 hat lanndgratf Philips von Hessen mit 
funflftausendt zu fuosz, funfftausent zu rosz, bey tausent wegen, mit 
merglichcm gesehosz sieh sambt hertzog Ulrich von Württemberg, 

-5 der seines iandtz in dz funffzehendt jar vom Schwäbischen buudt 
vertriben, künig Ferdinand eingesetzt,^ erhebt, uf vocem jucundi- 
tatis^) gen Neckhers Ulm kunmien, mitt allerley so dz zu dem 
streytt dienet wol gerust, alsz man sagt an der frucht uf dem veldt 
gantz geringen schaden gethon. Hatt hertzog Philips^) von Bayern 

10 dazumal vonn konig Ferdinandi wegen dz Württenbergisch landt 
inen gehabt, welcher dem landtgraven mit gewalttigem hauHen 
12000 zu fucHZ und nit mer dan 400 zu rosz bisz gen Lauffen an 
Neckher ist angezogen, unnd der lanndtgrafl* mit seinem grossen 
beer inen entgegen gezogen. Und haben beede raysig zeug bey 

15 der Wurttenbcrgischen landwehr unnder Lauffen am dinstag^) vor 
unszers herrn uffardts tag oder obendt mit ainander scharmitzelt. 
Ist hertzog Philips von ainem brüllenden*) schusz die ferssen ab- 
geschossen worden, also dz er sambt denn fürnembsten raysigen 
und achthundert fuszknecht vornachtz uf den Asperg khommen. 

20 Also mittwochen frühe haben sich die fuszkhnecht erhebt gen Stutt- 
gartten zu ziehen, sein die landgravischen raysigen binden inn dz 
vuszvolckh gefallen, sie binden in die Hucht geschlagen, welche 
bey Kirchen*^) dem Neckher zugetlohen, entrunnen, ettlich über die 
berg abgevallen, doch nit ain grosse zal umbkhomen. Die uberigen 

25 seines fueszvolckhs, so fornen im hauffen gewesen, sein dieselben 
nacht ganntz spott mit ufgeregtem fanen gen Stuttgardt kommen, 
sie wöltten nit geflohen sein, haben aber sonst endgeben,^) aldo 
vomachts dz fueszvolckh geurlaubt und abzogen. Aber der Hesz 
ist für/ogen, dz ganntz Württenbergisch landt hertzog Ulrich in 

so vierzehen tagen **) on sonder bluttvergiessen erobert, ist ain tag vor 

6 Fcrdinando eingeben Ä/2. 7 allerley: 90 awh 11^; achlerey ( artegleroy?> St^. H statt 
■o — dienet: nnnd aller Provision Ä/*. 13 der margrav W*. 77 bröllenden : «0 anrh W : 
prenenten Sf^; brüllenden /l '. 'Jü gefallen, die in . . //0. 27 sie aua //■"',• so N. \ ttoii;-t 
bald endt geben St^; betten aber souKt bald endt geben //^; haben nur sonst !>.... //'. 
29 mit h. U. HK 

*) Dieser Satz int so konsU-uiert, als ob im vorigen der Schwiibische Bund 
Subjekt gewesen wäre. — *) 10. Mai 1534. — ') Pfcdzgraf Philipp, Herzog von 
Neuburg y Bruder Otto Heinrichs; über ihn s. oben S. 245. — *) 12. Mai; 
y^oder Abend*^ : 11. Mai. — *) Prellschuss, zurückprallendem Geschoss. — 
*) Kirchheim am Neckar. — ') ein Ende gemacht, den fernei'en Dienst aufge- 
kündigt, — ') vom 10. Mai bis 2. Juni, dem Tag der Übergabe des Asprrg, 
sind es genauer 3 Wochen. 

Württ. OeBcbicbtiquellen VI. 17 



— 058 — 

Tübingen, isween vor Aurach und 4 vorm Asperg gelegen, dz selilosz 
zum Sturm gestossen. Also hat man hertzog Philips und wer darin ^) 
mit friden lassen abziehen und iederman zu dem sein lassen kom- 
men, auszgenomen herr Dietterich Spätt ist mit der Philipsin gen 
Bregnitz geflohen,*) unnd den Stauffer zu Göppingen. Also ist die 5 
sach ehe dann Heesz ausz dem veldt gezogen, mit bewilligung desz 
kunigs, der auch ain rhattzman ^) — nachvolgendt bey seinem bru- 
der kay: may: erlangt — durch den byschoff von Maintz, marg: 
Albrecht, hertzog Görg und hertzog Hannsz Friderich von Sachssen 
sambt andern Lutterischen, sambt andern curfursten wie nachvol- lO 
gendt befrid und gethädingt worden,^) erstlich dz hertzog Hannsz 
vonn Sachssen sambt der andern Lutterischen fursten, so sich hieher^) 
der wähl halben inn Verdinandum Romischen könig nit haben 
wollen bewilligen, solches fürohin thon wöltten und als Romischen 
konig erkhennen, gehorsam seiiv Zum andern, dz alle proces am 15 
cammergericht wider die Lutterischen fursten furgenommen soltten 
abgestelt werden. Zum dritten soll hertzog LHrich wz konig Fer- 
dinand dem Schwäbischen bund an eroberung desz landz Württem- 
berg noch schuldig, auch sonnst mittler zeitt versetzt unnd ufge- 
nommen, dz inn nutz bemeltz landz kommen, bezalen und entrichten, 20 



S Sturm geschoesen H^, St^. 3 mit friden sampt dem seinigen H^ (und iedermann ... — 
kommen fehlt U^). 4 auszgen. fehlt U^. 5 unnd — Oöpp. fehlt H^. 6 der Undtgraff 
H^, H^. 7 der — nacliT. fehlt U^. 10 sambt andern Evangelischen ChOr und Forsten 
il^; eambt a. Luth. chnr und fursten H^, 12 andern Euangelischen H^, so auch nachher. 
14 itine fürderbin sollen bewilligen St^. 15 proces awi St^; partes B; in H^, H^ eine Ah^ 
kürtung für partes? 19 disor zeit H^. 

*) Das Verzeichnis derer^ die in der Festung Asperg waren, bei Stalin 
4^ 370, — ') Nach dem Zusammenhang kann, da unmittelbar vorher von Herzog 
Philipp die Rede ist, mit dieser „Philippsin*^ vom Chronisten niemand anders 
gemeint sein, als Herzog Philipps Gemahlin, die sich Widman wohl als in der 
Nähe ihres Mannes, vielleicht in Stuttgart, weilend vorstellte. Eine solche 
Philippsin gab es aber nicht, da der Hei' zog nie verheiratet war. Dagegen ist 
Herzog Ulrichs Gattin Sabine, die schon längst getrennt von ihm lebte, mit 
Dietrich Späth, unter dessen Schutz sie sich begeben hatte, zunächst nach Wein- 
garten in Oberschwaben und dann nach Bregenz (Widman: „Bregnitz^^J gc" 
flohen ; auch Georg Staufer und andere Adelige waren dabei, — Der Irrtum 
mag so entstanden sein, dass Widman die allgemeine Angabe einer Quelle: 
„die Herzogin'^ sei mit Späth geflohen, auf eine von ihm vorausgesetzte Herzogin 
Philipp deutete, — •) Dass König Ferdinand bei diesen zunächst zu Pegau und 
Annaberg, dann, seit 17. Juni, zu Kaden gepflogenen Unterhandlungen, die zu 
dem Kadener Vertrag führten, selber ein „Ratsman*", d, h. Unterhändler gewesen 
^ sein sollte, wo er doch einer der streitenden Teile war, ist ganz unmöglich. Es 
Uegt hier entweder ein In-tum des Chronisten oder eine Textverderbnis vor, — 
<) im Kadener Vertrag, 2^. Juni 1534, Stalin 4, 373. — *) = bisher. 



-^ S5Ö — 

dasz landt bcy iercm altten herkhommen bleiben lassen, auch den 
prelatten unnd irn verwandten der religiou kbain neuwerung, sonder 
bey ieren freyheitten, unnd hertzog Ulrich und seine nachkhommen 
furohin dz hertzogthumb Württemberg alweg von dem hausz Oster- 
5 reich, und Österreich volgend vonn Ro: kay: zu leben empfangen. 
Und wan kainer dz namens oder stammens abstaigeuder linien von 
Wurttenberg im leben, soll Wurttenberg uf Osterreich fallen. Unnd 
so kayser: may: wider inn Teuschlandt käme, soll hertzog Ulrich 
und landgraflF Philips von Hessen sich furderlichst zum kayser ver- 
10 fügen, ime zu fussen fallen und umb solch übertrettung gnad bitten 
— deren aber khains gehaltten worden. Uf solchs ist iederman 
ausz dem landt zogen. 

Esz hatt aber gleichwol, als der krieg vertragen unnd zu 
Stuttgartten khein geldt gefunden, hertzog Philips pfaltzgraff von 

15 wegen Verdinandi dreyssig tausent gülden Schätzung *) uf die Würt- 
tembergisch lanndtschafft geschlagen, welches der Hesz unnd hertzog 
Ulrich denn mehrerthail uf dem Asperg gefunden, genommen, was 
aber noch nicht gefallen, haben dz, so sie nit geben, dem herzogen 
auch geben müssen, und darzu auch alszbaldt dreyssig tausent 

20 gülden und die gaistlichen halb nutzung ierer pfronden. Item was 
dem konig von seinem geschosz der Hesz oder hertzog überkhum- 
men, hat er im widergeben müssen. Also sagt man, der hertzog 
hab dem Hessen für seinen costen anderhalb hundert tausent gül- 
den*) geben müssen. Alsz nun der hertzog befrid, hatt er alle 

25 pfaffen, den ire pfrondten seidhero, und^) er vertriben, geliehen 
worden, geurlaubt, doch ettlich nachvolgendt — wiewol wenig — 
widerumb begnad. 



8 freyheitten verbleiben lassen H*, U^, \ ttaU unnd: Znm 4. soll auch U'', nnd soll U^. 
6 nnd rolgend yon . . ifi. | kay: so auch H^; oder reich St^. 12 landt: m auch U\ B^; 
Teld Sfi. 16 der landtgraff (so atteh nachher) H^, H\ 18 die Interpunktion iet aus JET^ 
8t^; (di^enige von B ist: gefallen haben, da so. .); gefallen, das haben sio hernach dem 
hertxogen anoh geben mttscen If >. 21 yon seinem aue H^, seinem R. 22 bat man H^, 
h. m. im H*. 24 mtlssen Tel paulo plns 8t*. | befridigt H^, 25 seit er rertr. Ifi. 

') Diese Summe wird dem Lande schon während des Krieges oder un- 
mittelbar vor Ausbruch desselben von Herzog Philipp als Kriegssieuer auftrlegt 
worden sein : sie wurde auch der Hauptsache nach eingetrieben und auf dem 
Asperg in Verwahrung gebracht, wo dann die verbündeten Fürsten nach Über- 
gäbe der Festung das Geld an sich sogen, — *) Nach Heyd Ulrich 5, 9 bildet 
die Summe von 153800 fl, nicht das Ganze, sondern nur den grossem Teil (^/n) 
der Schuld, welcher nach BarbeeaJUung des ersten Drittels mit 76690 fl, stehen 
blieb, — •) seidhero und = seither, als (ähnlich nachhet*: die weil und/ 



— 260 — 

Lanndt Württemberg wiirdt Lutteriscb. 

Esz haben auch, \lieweil und er noch zu veldt lag, alle gaist- 
liehen niemandt auszgenommen iere järliche nutzung halben in ainem 
nionat müssen geben. Darauff hat der hertzog alszbald inn allen 
seinem furstenthumb die Lutterey uffgericht unnd uberal Lutterisch 5 
prediger verordnet, under welchen der fnrnemmest mainster Erhardt 
Schnepff von Hailbron burttig. Demnach die mesz abgestelt epifa: 
a<>- 35.^) 

Munster wurdt zum stürm geschossen. 

llmb ostern anno 1534 ist die ganntz statt Munster wider- lo 
taufferisch worden, haben die weiber gemain gehaltten, die pfaflFen, 
byschoff und die furnembsten verjagt, ire heuser geblundert. Der 
byschoff sambt sein helffer hatt die statt belegert von pfingsten bisz 
Egidii,'^) am tag Egidi den stürm an dreyen enden angeloffen, bisz 
in die vierdten stundt gesturmbt, an dem stürm 2000 mann ver- 5 
loren, damit von der belegerung abzogen unnd plöckheusser darfür 
geschlagen. Und volgends am tag Johannis baptiste ^) im 35. jar 
hett der byschoff durch hilff dz reichs und haimlich meuttercy 
Munster erobert, was darin — on Johann von Liden, ieren könig 
und Hipertolli^) pfrophet zu Munster, die mit zangen zerisscn — 20 
getodt und sackhman gemacht.'') Diser Johann von Liden was ain 
schneiderknecht. Was schand, laster und unkheuscheit er getriben, 
ist nit zierlich darvon zu schreiben, dan er vil eheweiber gehabt; 
die ain uf dem marckh er selbs endthaubt. 

Dem pfarrherr zu Lendsidel wurd ausgeschniten. 25 

Im herbst eodem anno, alsz mainster Wilhelm pfarrherr zu 
Lenndtsidel ^) am mantag uf die nachkirchweyung gen Lobenhausen ') 
wolt geen, ist Jeronimus von Velberg^) mit aim knecht uf in ge- 



5 lehr dc88 Euangely U^; das Evang. //». 7 ep. : so auch H-' ; freytag nach epiph. Ä/». 
12 farn. der statt SO, IS mann und den stnrm St^, 20 Hilpertolden H^. 21 sackh- 
man aua St^; sagtman B; getödt, er»tocheo unnd sackhman gem. St^; ertödt und sackman 
gemacht Äi, H^. 23 ist aehand Sf^. 25 das Stück fehlt H\ 27 nachk. : so auch J?i; 
klrchwesrung St^. 

*) Nach Ueyd, ülHch 3, 96 auf Grund einer Reihe eusammensiimmender 
Chronik- und Archivangaben vielmehr: am TAchimessiag^ 2, Fehr, 1535, — 
*) 24, Mai bis 1. Sept, — *) 24, Juni, — *) Knipperdollirg. — *) geplündert, 
— *) bei Kirchberg a, d. Jagst; der volle Name des Pfarrherm ist Wilhelm 
Wolfj s, Layh^ Chronik der Pfarrei Lefidsiedel S, 41, — ') südösil. von Kirch- 
berg a, d. Jagst. — ') über ihn einzelnes bei Herolt 123, 246 f. 



— 261 — 

stossen, in gefangen, bey Ultzhoven^) in waldt gefiirdt, die hoden 
aaszgeschnitten, vonn wegen dz er ausz forcht im baurukrieg an- 
geben soltt haben, dz zu Lendsidel in der kirchen unnd im pfarr- 
hoflF ettlich wapen auszgetilgt sein worden. Der pfaft* war ain gutter 
5 artzet, kondt Görgen von Velberg sein bluttflus stellen. Der nam 
sich desz pfaffen an, lüde Geronimuni ans eamniergericht. Herr 
Hainrich DreflFs*) unnd herr Connrad von Bemelberg der lang und 
ciain Hesz schlugen sich in die handlung. Es wurd die sach zu 
Hall montag^) nach Sebastiani anno B5 vor der freundschafl't ge- 
10 thadingt; wer verloren het, der het verloren.^) Hetten zu beeden 
thailn ob hundert pferdt. 

llffgelauff zu Regenspurg. 

Item vor weyenachten anno 35 machten funffzehen hundert, 

die sich Lutterisch nanndten, zu Regenspurg ain meutterey, woltten 

15 in der nacht in ainem hoff zusamen kommen, den pfaffen in ir 

heuser fallen und blündern. Ain fraw verriet sie und wurdt under- 

khommen. 

Hertzog Oth-Hainrich nimbt Kaisshaim ein. 

Eodem anno, als bald der Schwabisch bund ain end, nam 
20 hertzog Otthainrich Kayssam^) ein. Der abt*^) wich, weil dazumal 
schlecht recht im reich was, dan wölcher basz mocht alsz der ander, 
Schub den andern in sackh. Doch wurdt die sach gedatingt, der 
abt wider einkommen der gestaldt, dz die fursten zu Neuburg ewigen 
schirm über Kayssam sollten haben, alle desz closters hindersessen 
25 zu raisen und schätzen, dem fursten ain nionat all sein gejUg unnd 
sonst atzung haltten unnd darzu alle jar sechshundert gülden geben. 

7 Droffs: so auch U^ ; Tre«ch Ä/2. 9 0. 36 5/2. 13 a. 34 St*. U sich aus Ht, St^; 
sie Ji. 16 wurd solches U^, 19 cod genomen H^, St*; nam, da naine IT'. 30 Kaiss- 
haim, AO auch nachher H^, H^, 22 gcthaidingt H\ 24 Kaysshein S(^, 25 all etc. w 
auch «', H^; alle jähr St^. 26 unnd schatmng St^. 

*) Ilshofen, alt Ulleshoven, zwischen Hall und Ktrchberg a. d. Jagst, — 
') Heinrich Trötsch (auch Trösch, Treusch) von Builar : er stand im Feldzug 
von 1534 auf Seiten des Pfdlzgrafen und gehörte zu dessen Kriegsräten; er war 
ein Hesse und hiess „der lange Hess^j im Gegensatz zu Konrad von Beumd- 
bürg (8, oben S. 251) dem „kleinen Hessen^, Nach einer unten (Abschn.: Georg 
Truchsess stirbt) folgenden Angabs war Wolf von Velberg seit 1532 Trötschs 
Schwiegersohn, — ') 26. Jan. 1535, — *) d, h. die Verluste beider Parteien 
sollen als gegenseitig ausgeglichen gelten. — *) Das Cistercienserkloster Kaisers- 
heim, nördl. von Donauwörth, zur Herrschaft Neuburg gehörig. — •) Der du' 
malige Abt war, nach Münster 833, Konrad Fosser (regierte 1509 — 1540), 



— 262 — 

LutteriBch versamblung zu Frannekhfuhrt. 

Anno domini 1539 inn der fasten sein die Lutterischen in 
groser rustung gewesen nnd ain tag gen Franckhfurt ftirgenoraen/) 
war dz geschray sie wöltten ain andern kayser wölen. Hatt der 
kay: denn ertzbischoff von Lunda zu inen verordnet, nicht weitter 5 
dan ein fridstandt 15 monat erlangt.*) 

Zu auszgang desz fridsstandts ist Ginunda unnd Goszlar am 
camraergericht von wegen dz sie ettlich clöster unnd stitt't bey inn 
ligend eingenommen, in die acht erkhendt.^) Desz sich Hesz und 
all Lutterisch im Schmalkhaldischen bund wesend angenommen, lO 
gesagt es sey ain religionssach, gehör nit fürs chammergericht ; und 
ain schmebuch wider dz chammergericht ausz lassen geen. Hat 
dz cham: ausz forcht ad executionem der acht nicht procediert, 
aber ain dialogum im namen Contz Frechen lassen im truckh ausz- 
geen, darin das Lutterisch ufrürig unevangelisch aigenützig für- 15 
nemen an tag geben. Man sagt, doctor Conrad Braun, assessor 
chammer-judicii, soll es gedieht haben. 

Kavser Carl strofft Gendth. 

Anno domini 1540 ist kayser Carl in der vasten^) bey 4000 
zu fuosz und 1000 zu rosz gen Gendth kommen, die statt eingenom- 20 
men, die burger bey 200 gcfanngen, von wegen dz sie die statt 
unnd landt Brobandt dem konig von Franckhreich haben übergeben. 
Davon den ^) 9 und den uf den ersten may funflf mit dem schwerdt 
gericht, die überigen volgends wie nachvolgendt auszgclassen ; sollen 

2 inn der faiUn aus H'; patce B. 6 fridst. : 8o auch H^, H^; eia ntaudt Sf*. 9 Und- 
graff Ton H. H^. 12 tcbmachbacb H^, 15 das Lutterisch etc.: «o auch U^; darin eio 
dx heilig Euangeliam ein Luttoriecb . . . H^. 21 der burger H^, H\ 23 haben wollen 
ubcrg. St^. 23 statt und den: und das 8t^; den 0. dan uff den H^; den 0. may funff mit 
dem ichwerdt gericht, die. . . tf*. 24 erstlich, solle S/*. 

*) Der Frankfurter Tag dauerte sicav, nach Kgelh. 2, 341 ff., schon seit 
14, Febr. 1539, getestet aber wurde von den Protestanten erst um Ostern oder 
nachher auf die Nachricht hin, dass von den Niederlanden her Iruppen gegen 
Bremen und Minden zögen. — *) Erzbischof Johann von Lund erschien auf 
dem Frankfurter Tag als Vertrauensmann Karls ; der Friedstand („Frankfurter 
Anstand^) wurde geschlossen 19, April 1539 bis 1, Aug. 1540, — •) Die Acht 
gegen Minden war schon 8. Okt, 1538 ausgesprochen, ihre Vollstreckung aber 
im Anstand gelassen, bis ein neuer Brfehl des Kaisers ergehen würde. Im Nov. 
1538 bekämpften die Protestanten diese Massregel in einer heftigen Schrifl, 
wohl eben derjenigen, die im Text gemeint ist (Seckendorf 3, 174 ff.). Die Acht 
gegen Goslar wurde erst 1540 erkannt. — *) Fasten 1540 begann am 7. Fehl*,., 
nach Egelh, 2, 364 erschien Karl in Gent am 6, Febr, — *) den ist beidemal 
= j^dann^ zu nehmen. 



— 263 — 

Genth alle privilegia verloren haben und dem kayser übergeben 
sainbt allem gesebütz; alle ampter sollen entsetzt sein, alle furnemb 
bevestigung an der statt abzubrechen, die stain zu ainem newen 
schlosz zu bauwen gebrauchen, alle ir jura municipalia sollen ab- 
5 sein, auch khains mer sie machen, auch on vergunnst kay: may: 
oder statthaltter khain recht sprechen, auch mit kainer glockhen 
stürmen, zu rath leutten, und die grossen sturmglockhen kay : uber- 
andtwortten. Auch sollen all zoll gemeiner statt einkhomen ietz 
dcsz kaysers sein, 4500 ducatten, darumb die statt ettwa vom 

10 hertzog Carl vonn Burgund versetzt, sollen sie bey verlierung dz 
haupts von dem ieren ablosen. Damach sollen sie kay: may: 
1500 gülden von stundt an zu ainer straff geben und darnach alle 
jar tausendt gülden, bisz sie 6400 Philipser gülden bezalt haben, 
allen costen, so dem kaysser hierinen ufgangen, entrichten. Uff 

15 solch alsz kayser may: und Schwester fraw Maria kunigin zu 
Hungern zu Genth uff freyem platz gesessen, haben die überigen 
gefanngen und ander burger hierin verdacht ^) müssen kommen mit 
schwartzen klaidern und 52 mit weyssen hembdern barhaupt und 
barfus, strickh ann halsen habendt, zu fussen fallendt gnad bittende 

20 unnd erlangt. Doch bey verlierung dz haubtz dz sie fürt hin nit 
beyainander in gesprech oder versamblung sollen sein. Uff solches 
hatt kayser ain schlosz der statt zu bauwen angehebt, darzu ge- 
braucht sännet Anthonii genandt, doch den münchen ain ander 
wonung eingeben, und vor dem blatz bey ainhundert heusser ab- 

25 gebrochen, damit man uf dem blatz mög schiessen, auch all zunfft- 
heuser abgebrochen, khain zunfft noch marckhmesz mer haltten. 
Und an solchem schlosz schaffen altag 3000 mann. Solchs wie ob 
summarie durch articel begriffen, hat kay: m: rechtlich in schrifften 
erkhendt und sie wider zu gnad genommen. Die weberzunfft sein 

30 die furnembsten in diser meutterey gewesen, under welchen ir red- 
linsfürer die Kressen genandt sein worden. 

Reichsztag zu Hegnaw. 
Anno ut supra hat könig Ferdinandus ain reichsztag*) aigner 

a geoch. archilay (= arkelay?) St^. \ 2. alle, auch di9 folgenden Punkte sind numeriert bin 
9. allen costen . . . St^, 5 sie fehlt H^, H'^. | rergennang Sf; vergunth J/*. 7 «u rath 
Otts H^; 8U recht R. 8 einkonimen, soll ieiz U\ 16 solch aUes H^, St^, 17 haben 
gefangen //&. 23 ein closter r.u St^; lanct Anthony kirchen und closter H^; n. Anth. 
cIo«ter gebraucht H^. 27 schaffen: ao auch U^, H^; haben geschafft Ä*. 32 Hagen- 
naw ir«, /i*, Sfi. 

*) die in dieser Sache auch verdächtig waren, — *) eigentlich nicht einen 
Beichatag, sondern ein Religionsgespräch; die Katholischen waren auf den 



- 264 — 

person zu Hegnaw gehaltten, die strittigen religion zu verainen. 
Haben die aitglaubigenn, wes sie durch die Lutterisch spoiiert, von 
allem restitution begert; dz haben die Lutterischen nit wollen thon, 
also ist nichtzs aus dem tag worden. Am abreitten ist der chur- 
furst zu Trier in dem schlosz Thann gestorben.*) 5 

Eodem anno an sanet Kiliani^) starb bvschoflf Conrad zu 
Wurtzburg, desz geschlechtz von Tungen, ain frumb mann. Ward 
an sein Stadt erwöldt herr Conrad von Bybera, lebt nit lang. 

Disputation zu Wormbs gehaltten die religion 

belangent. 10 

Eodem anno ist zu Wurmbs ain tag umb Simonis und Jude^) 
der strittigen religion zu verainigen furgenomen. Ist der herr von 
Grönfeld,^) desz kaysers oberster canntzler von kay: wegen Presi- 
dent gewesen und zu im ailf vom bapstumb und ailf vom Lutter 
gelert gesetzt worden, die ainung zu vergreiflFen, furtter was ver- 15 
griffen kay: may: uf zukhunfftigen reiehsztag zu Regenspurg, der 
auszgeschriben umb trium regum, anno 41 an soltt fahen, anzu- 
zaigen weitter darin zu handeln. Sein also zu Wurmbs gewesen 
bisz natalis domini,*) und vonn Luttero grosz dispedierung de pec- 
cato originali et de libero arbitrio gehaltten, aber on alle frucht 20 
vonn ainander geschieden. 

Einritt kayser Carls zu Hall.*^) 

Anno domini 1541 hat sich Carolus Romischer kayser ausz 
dem Niderlanndt erhebt und den weg uf Regenspurg zu auszge- 
schriben reiehsztag für Schwäbisch Hall genommen, vom montag 25 
der do was der ander nach sanct Dorothea bisz acht tag montag 



2 papiüten, wes H^, Sl^, 3 die EuaDgelischen so stets H^. 6 Eodem — lanß fehlt St^, 
7 Ain fr. in. fehlt H^. 8 der starb bemaeh über 4 iar H-\ 14 ailf der Lntcriscban lehr 
St'i; Lutterisch gelertcn H^, H^. 18 zu band.: so auch H^, Hf»; darin gebändelt 6t'^. 
19 statt grosK: ein St'^. 26 montag der was sanet Dor. ir>. 

23. Mai dahin heschicden, die Protestanten erst auf den 6. Juni, Die Ver- 
handlungen begannen am 25. Juni 1640 und wurden am 28. Juli durch eine 
Kundgebung Ferdinands beschlossen, — *) Kurfürst Johann III, von Meizen» 
hausen^ Ersbischof von Trier, starb zu Tlumn im Oberdsass am 22. Juli 1640. 
- *) 8. Juli, — ') 28, Okt, — *) Granvella, — *) 25, Dez, 1540: in Wirklich- 
keit noch länger; das Gespräch begann eigentlich erst im Jan, 1541, %curde 
dann aber bald auf Betreiben des päpstlichen Nuntius Morone von Granvella 
aufgelöst^ ehe noch der erste Artikel von der Erbsünde durchgesprochen war, 
— *) Über diese Anwesenheit Karls V, in Hall s, Herolt 262 und WFr, NF, 
If 2 ff. (wo statt Martin Wurzelmann zu bessern ist Matern W.), 



— 265 — 

ipsa die Valentini,') vil konig ^) nemblich Portugalia, Enngellandt, 
Schottland!, Dennniarckh und bapsts bottschaflft, mit vil eseln, 
pferdten, wegen, mit vil gold unnd geldt, aisz ich glaub Hall sey 
gestanden so vil nie do geweszt, durch Hall und Geyszlingen am 
5 Kochen ubernacht und ob 2000 gezogen. Aber kay: may: ist am 
freyttag'*) nach Dorothee zu Oringen bisz in tausend plerdt und 
esel uf Hall gezogen, unnd graff Albrecht vonn Hohenloe mit sechtzig 
pferdten mitgeritten. Sein die vonn Hall, nämblich Conrad Büschler 
alter stättraainster, Christoph Hasz, Philips Büsehler, Wilhelm vonn 

10 Eselsperg *) desz rhatts und Mattern Wurtzelman stattsehreiber mit 
dreyssig pferden ungevarlich, die jungen und knecht mit spiessen, 
liechtern, harnischt, schwartzen mutzen,*) wan kay : may : trug noch 
laid von wegen irer may: fraw gemahei der künigin von Portugal, 
die vor anderhalb jarn verschieden; und warn in rechten ermein 

15 der mützlin zwo rotte und ain gelbe binden gezogen; und haben 
kayser: may: bey dem Hallischen landhausz bey Uberigshausen ^) 
getroffen; sein die dz rhatts sambt dem stattsehreiber von pferdten 
gestanden; hatt der stattsehreiber mit geburendem titel zum kay: 
geredt, dz ihr kay: may: unnd dz reichs unnderthonen statt Schwa- 

20 bisch Hall, stettmainster, rott unnd gemaindt höchlich erfreyt sein 
ir kay: may: gnädigster zukhunfft; haben sie zu irer may: ver- 
ordnet ir kav: mav: in der statt Schwäbisch Hall landwer unnd 
hoher obrigkheit zu empfahen, uf ir kay: may: dienst zu wartten 
sich bevelhende, alsz in kay: may: statt schütz unnd schirm irem 

25 ainigen herm als gehorsame unnderthonen. Darauff kay: may: 
aigner person sich aller genad erbotten, wan ir cantzler der herr 
von Navis und Lutzelburg^) war binden im hauffen und nit nahe 
bey ime, also dz ir mayestatt selb redet. 

1 biB8 über acht tag die Valentmi H^, H^. | Port, fehlt H\ 5 ob 2000 etarck fl<, H^. 
9 Haasz H*, H^, 15 eingezogen H^. 16 Yfferigthauscn H^', 5<^. 18 gestanden: w 
auch H^; gestigen St^ ; abgestigon H^. 24 statt fehlt H^, St^; bevelhende, dero schütz 
H^. 27 herr von Navis etc.: so auch H», H*/ Navis herr in St^. 

*) Montag nach Doroth. eic, — 7. — 14, Febr. — ^) als Genetiv zu ver- 
stehen: vieler Könige . . . Botsch. — *) 11, Febr, — •) Über Wilh. von Esels- 
btrg s. Hcrolt 176 f. und Gmelin, Hall im Reformationsjahrh,, WFr. NF, 7, ^P. 
— *) Mutze: kurzes Oberkleid, Kamisol. Schm. — •) Übrigshausen, nördl. 
von Hall auf der Strasse nach Öhringen, ,,Landhaus^^ ein zur Bewachung der 
Hallischen Gebielsgrenze (Landwehr) dienendes Gebäude, — ') ^von Navis^ 
heisst er wohl von seiner spanischen Heimat Navesj „von Lützelburg^^ von seiner 
Besitzung Messancy im Luxemburgischen ; daher bei Hortleder u, a, : Johann 
von Naves zu Messang^ bei Seckendorf: Johannes Navius archigrammateus 
Lucemburgensis, 



— 266 — 

UflF solches hat ir mayestatt bevolhen den von Hai vor denn 
ka3'8eri8chen, welche alle in schwartz, und vorab kay: ganntz de- 
miittip: mit mentel, capen, hütt wie die Augustinermunich uf die 
temiinit') zu reyttcn, on all seid oder gülden zierdt; ungevarlich 
uml) 3 uhr nach mittag gen Hall zum Gelbinger thor khommen, 5 
aldo ettlich burger in liechtem hämisch mit hellenbartton unnd 
schlachtschwertt vor dem thor zu beden seytten stendt verordnet, 
unnd ist der ganntz incr rath daselbst beym thorheuszlin gestanden 
unnd haben Hanns Troszman unnd Hurckhardt Botz,*) zwen alt 
erbar gro männer in schwartz mit rockhen und zotten uf die altten lo 
manier geklaidet die thorschlüssel uflF ieren achseln gehabt, welche 
Schlüssel als werens sylberin auszgeballiert unnd sambt dem riemen 
mit schwartzem zendel überzogen gewest. 

Unnd alsz kay: may: zu der werchen beym thor kommet, 
hatt Michel Schletz,^) stettmainster, der dazumal im ampt gewesen, 16 
mit heller stim also geredt: Aller durchlauchtigster, groszmechtigster, 
unüberwindtlichster kayser, allergnedigster herr! Ew. kay: may: 
unnd desz hailigen Romischen reichs diser statt Schwäbischen Hall 
underthenigste gehorsame unnderthonen, ain erbar rhatt und ge- 
maindt e. kay: may: gnadigster zukhunflFt hochlich gefrewet*) mit 20 
gegenwerttiger überanttwortung der Schlüssel zun portten und thoren 
diser statt, inn schütz und schirm e. kay : may : alsz ierem ainigen 
natürlichsten gnädigsten hern bevelhende. 

Darauff kayser may: sich zurückh wendt gegen ierem may: 
cantzler dem herm von Navis, ist ein Lutzelburger, redt ettlich 25 
wordt mit im ; darauf der cantzler zu aim rhatt ungevarlich volgendt 
mainung redt. Kay: may: nem ir underthenigst erbietten mit gnä- 
digen gevallen an, überanttwurdt inen die schlussel wider, soltten 
sich gegen kayser: may: wie biszher unnd dem Rohmischen reiche 
gehorsam haltten, so wöldt ir kay: may: ir gnädigster kay: sein, 30 



4 terniinit: so aueh H^, H^f torminier StK 5 „S" aus St^, fehlt R, 6 liechtem: »o auch 
H^, H^; leichtem St-, 9 Troszman: 90 atth H*; Hansz Bot« U\ 10 in gchw. fehU 
5<3. I röckhon u. büetton St^. 18 schwartzem: 00 attchH^; rotem St^; unnd dio riemeu 
mit «rbw. HK U der worren St^; werrhen H^ H\ 20 hochl. erfrewt H«, H^, 25 ist 
ein L. fehlt IT*. 26 zu einem Er: C~ ehrbaren) H^. 

*) Bettelf aht-i. — *) Nach Herolt 262 waren die zwei Männer Mitglieder 
des äusseren Rates; in dem von Gmelin, Hall im Beformationsjahrh. WFr, 
N2f\ 7, 25 — 30^ vargefiihrtai Verzeichnis von Batsmitgliedern findet sich freilich 
nur noch ein Lienhard Trossmann, — •) Michael SchUtz hat von 1522 an 
in sämtlichen geraden Jahren bis 1546 das Stättmeisteramt bekleidety Gmelin 
a. a, 0. S. 24. — *) = sind erfreut. 



— 267 — 

sy unnd geinaine statt in gnädigsten schütz, schirm unnd bevelch 
haben. Solche rede formiert Michel Schletz mit khnrtz und under- 
thenigster danckhsagung wie vor, Hall in schütz und schirm kaysers 
bevelhende. Also ist kay: may: under ainem himel mit vorge- 
5 fürdtem blossen schvvert ohn all blosent trumetter und pomp in die 
statt in Herman Büschlers hausz geritten, sein zu sännet Michel, 
als ihr kay: may: den vyschmarckh angeritten, trey die grösten 
glockhen geleudt, in der kirchen Te deum laudamus georgelt und 
gesungen worden. Alsz ihr may: an die staffeln zu sanct Michel 

10 kommen, hat ir may : den huott dagegen abgezogen unnd in die 
herberg geritten. Gleich sein ains rhatts zu Hall verordnete zu ir 
may: komen mit ainem wagen weins, ain wagen mit habern, ettlich 
geltten mit vysch, ain gülden scheuren^) umb hundert gülden ge- 
acht, und zwey hundert gülden an goldt darin. Aber seine drey 

15 canntzler, nämlich dem herrn vonn Fellegron,*) dem Oberberger^) 
unnd dem herrn von Navis ier iedem mit ainem trinckhgeschürr 
an 50 gldn. geacht verehrt. Am anndern tag liesz kay: may: ir 
inn Herman Büschlers hausz vor der stuben zwo mesz lesen, war 
die ain pro defunctis für sein abgestorben weyb; darauff gleich zu 

20 tisch gesessen; hab ich inen wie dan vormals auch on alle pomp 
sehen dischen und nachvolgendt rieht ^) sehen essen, nämblich wein- 
ber und mayenschmaltz, lautter gebratten ayer, gedopelt über ainander 
gestürtzt, zween dun ayerblatz, dempfft klain rüblin, gebackhen 
schnitten, ein brey bedeckht mit ainer turten, ain erbes suppen mit 

25 weckh grob eingeschnitten, mit erbes überseet, wolgeschmeltzt, ain 
dürr forrel darauflF, unnd verloren ayer, stockhvisch geel unnd stockh- 
visch weysz inn schmaltz gesotten, blaw karpfen, gebackhen vysch, 
ettwas darbey wie boramerantzen, heisz hecht, gestossen kreen mit 
raandel darbey, gebackhen rogen gemacht wie wurst, und ayer, 

30 gebratten bim, reisz in mandelmilch, brottvisch mit capra, ain er- 
hebt backhes wie ain flad, gebackhen zeltten, hipen unnd connfeckht, 
dz handwasser. Der kayser thett nit mer als drey trunckh ausz 
ainem Venedischen glasz, hielt gar khain bracht. Nach essens hub 



2 formiert: so aneh H*, H^; rastnmiert (für resümiert?^ Ä<*. 4 ainem: *o auch H^, H^; 
ander emandtem St^. 5 blosen der trommeter H^; blosen, troram. u. p. ff'. | pompey 
StK 15 FellegrOn H^; OrOnefeldl HK 18 ainem golden tr. St^. 17 umb 60 g. H«, St^. 
19 abgest. Gmabl H^. SO aUe pombey St^. 21 uachv. richten H^. 22 gedopelt oder 
Üb. St^, 23 zween dünn H*, Hf>, 28 gest. krOwen St^f kriien H^. 30 mit cappem 
St^. 31 wie ein flad gebackhen, lezelten (i=. lebs.) StK 

*) Pokal. — *) Granvella, — ') Johannes Ohernhurger war Sekretär des 
Kaisers (Seckend, 5, 659), — *) Anrichten^ Gerichte, 



— 268 — 

man zwey fenster ausz in der Stuben, stall sich kaiser: may: und 
ir cantzlcr der herr vonn Navis darein, stundt stettniainster und 
der ganntz rhatt, auch die gemain zu Hall darunder und schwuren 
kayser: may: wie nachvolgendt durch emandten cantzler vorgelesen, 
dz sie kayser: mayestatt ierem ainigen herm trew und gehorsam 5 
woltten sein, irer may: frummen werben, schaden warnen, unnd 
alles thon, so ain underthon seinem herm zu thon schuldig, „alsz 
mir Gott helff und die hailigen." Dz wort von hailigen nit vil 
nachsprachen. Darauflf der stattschreiber von wegen rhatts und ge- 
main redt und bevalhen sich in schütz unnd schirm kay: may: 10 
ierem ainigen herren. Gleich ist kay: may: ufgesessen, dem stett- 
mainster und ettlich desz rhatts vor seiner herberg die handt ge- 
botten, dem volckh, so uf dem marckh und Staffel stonden, mit dem 
haubt genaigt, uflf Crailszhaim zu zogen. 

Margkhgraff Görg schennckht kayser Carl ain schütten. 15 

Hernach zu Alttenhausen *) hett marggraflF Görg und sein vetter 
margraft* Albrecht irer may : ain Schlitten mit vier scheckhen ent- 
gegengeschickht, geschenckht, zu Lorentzenzimmem ^) mit anderhalb 
hundert pferdten empfanngen, durch ir furstenthomb bisz gen Nürn- 
berg gelaittet unnd auszgehaltten. 20 

Nachvolgends was Nürnberg irer may : ehrn gethon, eingeleutt 
und ain schlosz mit feuerwerckh, so 18000 schüsz gehalten ge- 
macht, geschenckht, ist im truckh auszganngen. 

Reichstag zu Regenspurg.^) 

Vonn Nürnberg ist kay : may : vor fasznacht gen Regenspurg 25 
kommen, wenig teudsch fursten aldo gefunden, dz er sie durch ain 
monitorium all zu erscheinen ervordert, sein doch auszgenomen die 
fursten inn Bayern, churfurst zu Brandenburg, Maintz unnd Hessen 
sonnst gantz wenig personlich erschinen. Umb Johannis baptiste^) 
ist Ro : konig Ferdinandus auch gen Regenspurg postirdt. Es ist 30 

1 ein fenster if' . 9 stattsclireiber: von anderer Hand am Hand heigtfügt: Wurtxelraann 
U^ ; der stettmaister benoben dem stattschr. /f i. Iß sein junger St^. 17 ain uberau!»x 
schOnen H^. 18 schanokten irer inay: Schlitten, rosz und furtnan U^, 22 16000 St^. 
26 sie am H^, St^; sich if^ Ä. 27 raandat St^, 30 poatirdt: so auch If», H^; postu- 
liert S<2. 

^) bei CraiUlieim. — ^) e wischen Hall und Crailsheim, — *) auch ,,ße- 
ligionsgespräch'^ zu Regenshurg genannt; eröffnet 5, April 1641, Der Kaiser 
kam „vor Fassnachi^, d. h. vor dem 37, Feh\ genauer am 23, Febr, dorthin. 
— *) U, Juni. 



— 2G9 — 

auch anfang ain auszschusz der strittigen religionssach gemacht von 
sechs mannen, darunder Eckh und Cocleus uf der alttcn, Melanch- 
ton und Butzer uflF der neuwen glaubenden seitten gewesen, doch 
sich der strittigen articel nit veraindt. 

5 Best und Ofen werden belegerdt. 

Mittler zeytt gehalttens tags hatt dz Weyden ^) bruder zu 

Hungern ain munich,*) alsz der Weida gestorben ist, Best bey Ofen 

belegerdt; sein die von Best durch zuschickhung ettlich fueszvolckh 

vom kayser und seini bruder Ferdinandi entschutt worden; solch 

10 fueszvolckh hat alszbald Ofen belegert, zwen stürm darvor verloren. 

Katzianer^) ein Osterlendischer herr wurd erdödt. 

Ehe unnd im jar darvor*) als kay: Carl utf den reichsztag 
gen Regenspurg geritten, hat der Turckhisch kayser dem konig 
Ferdinando vil volckhs erschlagen. Mann sagte, die schuldt wer 

16 des Kacianers aines Hungerischen herrens Ferdinands oberster 
haubman; der habs mit dem Turckhen gehabt. Ferdinandus, alsz 
der Kacianer zue Wien vermaindt sich solchs bczigs zu verantt- 
wurtten, nam ine in verhaflFtung, kam in der verhafl'tung wider aus. 
Und als der Kacianer sich mit dem Turckhen öffentlich wolt ein- 

20 lassen, ist dz Kacianer gesipten freundt aiuer^) zu ime in sein 

:;/ dor büpRti^chen //'. 3 newen oder Lutteriacben seatten St^; pvangelbrhen s. //' ; 
Lutlieriflchen H*. | Hoitten die sach zu Terainigen //<. // Bat/.ianor liier und nachher 
tnehrnuilü bei R nnd anderen Hds.: am ScMmsh des Abachn. richtig Katzianer Itei If. 16 relilt- 
hauptm. Sf-i. 30 geaübtor fr, &7». 

*) ^Weiden^'y y^Weida*^ : Johannes Zapolya, Woivoode von Siebenhurpen. 
(Die Form Weida ist auch sonst zu jener Zeit Üblich: ,,Janus Wtida^ hei 
IMitncron, Deutsches Volkslied um 1530, S. 27.) Zapolya lag mit K. Ferdi- 
nand im Streit über den Besitz Ungarns (s, unten den Äbschn. : Türck erobert 
Ofen, Pest . .) und hatte 1538 mit ihm einen Frieden geschlossen^ wonach Za- 
polya einen Teü Ungarns und Siebenbürgen, mit dem Titel eines Königs von 
Ungarn erhieltj aber unier der Bedingung, dass nach seinem Tode ganz Ungarn 
an Ferdinand fallen sollte, — *) „2>m Weiden Bruder, ein Mönch^ : der Kroa- 
tische Paulinermönch ütissenich, „Bruder Georg^ geheissen, der des Woiwode^i 
Schatemeister und Ratgeber war, hatte ihn bestimmt, von dem Vertrage wieder 
zurückeutreten, Widman scheint somit den Ausdruck „ Bruder Georg^ im Sinne 
eines leiblichen Bruders Zapolyas missverstanden zu haben. (Egelh, 2, 312,) 
— *) Ober Catianus s. o. S» 261 Änm, — *) Dies muss nach dem folgenden 1639 
sein; der ReicJistag war auf 6, Jan, 1541 ausgeschrieben, der Kaiser wird 
sich also von den Niederlanden Ende 1540 auf den Weg gemacht haben, — 
*) Catzianer, der Feigheit beschuldigt, fiel zu den Osmanen ab und wurde des* 
wegen am 27. Okt, 1539 von Graf Nikolaus Zriny meuchlings ei^mordet, EgeU 
haaf 2, 325. 



— 270 - 

schlosz khonien, gleich als wölt er in in guttem haimsuchen, sein 
diener hunden in Katzianers hoflF uf den pferdten lassen haltten, 
mit ettlichen diener hinuff zu Katzianer gangen unnd freundtlieh 
ermandt, dz er sich mit dem Turckhen in dienst nit solt einlassen. 
Und als der Katzianer solchs gevvegert, hatt bemelter sein gesipter 5 
freundt in erstochen, vonn stund an uff sein pferdt im hoff gesessen, 
darvon geritten. Es krewet khein han darnach. 

Der ander reichsztag zu Regenspurg.^) 

Wiewol uff solchem reichsztag zu Regenspurg alle christlich 
könig und pottentaten ir bottschaffit gehabt, mit solchem costen da lo 
gelegen, dz ettlich gemaint, man solt Teutschland darumb khauffen, 
so ist doch solcher reichsztag, welcher erst nach Jacobi auszganngen,^) 
on alle frucht vollendt, wie dann solches solchs reichtags abschied 
anzeigt, desz summa, dz erstlich ain lang legendt kayser Cahrls 
leben ^) gesetzt, zum andern dz die bapisten unnd Lutterischen us- 15 
que ad futurum concilium, so inner drey jarn werden, sollen ain 
stilstand haben. Ob aber die Lutterischen die bäpstischen angriffen, 
mög der beschedigt sich desz am cammergericht beclagen. So aber 
der beschediger excipirt, dz solche beschedigung ain religionssaeh 
sey, so soll nit weitter procediert, sonder bisz der kayser ainmal 20 
inn Teudschland kum, selbs darein handel, procediert werden. 

Esz soll auch uf den 14. januarii des anno 42 jars koment 
ain tag zu Speyer, die müntz und cammergericht zu registrieren 
und sich ainer eilenden hilff, wo der Türckh Ferdinandum angriff, 
zu verainen furgenommen werden. Ist khains geschehen. 25 

Uff bemeltten 14. tag januarii ist ain reichsztag zu Speyer, uf 
welchem Ferdinand selbs gewesen, on alle frucht gehaltten. 



9 hunden In au9 8t^; hinder Im J?; binden in H^, H\ 6 herab in den hoff uff sein pferdt 
gesesgen 8t^» 15 bapisten: m> auch H^, H^; die priester St^. 19 excipirt au9 8t^; ex- 
cudiert (-^ excnsiert?) H^, B. 92 Esz — geschehen fehlt H^, 27 abermali abgangon 
H^- ohne aUe fr. abgangen H^. 

*) Diese Überschrift ist, wenn sie von Widman selbst hei'stammt, eine 
ungenaue Ausdrucksweise für: ^^Fortsetzung des Reichstags zu Regensburg^ ; 
stammt sie aber von einem Abschreiber^ so ist es einfach ein Irrtum^ daraus 
entstanden, dass Widman den Bericht über den Eeic/istag durch den Abschnitt 
von Pest und Ofen unterbrochen hat, Dass kein anderer Reichstag gemeint ist 
als der von 1541, zeigen schon die Anfangsworte : auf solchem Reichstag, — 
•) Der ReicJistagsabschied wurde verlesen am 29, Juli 1541, — ^) Den Eingang 
des Abschieds bildet nicht bloss die übliche ausführliche Aufzählung aller Titel 
des Kaisers, sondern auch eine Darlegung seiner bishei'igen Unternehmungen 
und Bemühungen zum Besten des Reiches (Samml, der Reichsabschiede 2y 429 ff*). 



— 071 — 

Lanndtgraff von Hessen fengt hertzog von Braun- 
schweig sein secretary.^) 

Ehe der tag zu Frannckhfurdt wie hievor gemeldt gewest, 
hatt hertzog Hainrich von Braunschweig sein secretariuni — nach- 

5 dem und ^) hertzog oberster hanpman desz kayserischen bundts 
wider die Lutterischen gewest — zum byschoflF von Maintz gesendt.^) 
Der ist vom lanndgraven von Hessen nidergelegt, sein brieff uflf- 
brochen, seines bevelchs weitter dann uf den ayd gefragt, aber 
durch die tagung zu Franckhfurdt auszgelassen worden.^) Derhalb 

10 hertzog Hainrich ann pfaltzgraven wider Hessen und denn chur- 
fursten hertzog Hannsen ein auszschreiben, dagegen sie verantt- 
worttung usque ad [quadruplicam] ^) gethon, unnd zu beden thailen 
ainander wol geholhibt.^) 

Türckh erobert Ofen, Best und könig Ferdinand 
j5 geschütz.') 

Mittler zeitt bemelts reichsztags hatt der Türckh Ofen und 
Best eingenommen, Ferdinando sein geschosz alles sambt ettlich 
dünnen goldt, die der kayser Ferdinando zugeschickht, endtwendt 
und Ferdinandi kriegsvolckh, was nit über die Tonauw geschwum- 



5 kay». dcfentionalbuDda St*. 6 teor., der ein oberster h. . . . geweszt H^. IS qaadrti- 
pliciuin JEfi, B^, B; qnadmplicem Sl*, 18 auszgeholhipt IT'. 18 ettl. thunnen palTsr 
and ettl. th. gold HK | endtw. : erobert Sfi; entwehrt H^. 

*) Der Abschnitt scheint^ als mit dem Jahr 1536 anhebend, an einefrühei'e 
Stelle zu gehören ; da er aber diesen Handel bis ins J, 1541 fortführt, so steht 
er doch hier an seinem richtigen Orte, — ') nachdem und = demgemäss dass. 
— ') Mit dem „kaiserischen Bnnd^ ist gemeint das am 10, Juni 1538 als Gegen- 
bündnis gegen den Schmalkaldischen Bund geschlossene Nürnberger Bündnis, 
als dessen besonders eifriges Glied sich Heinrich von Braunschweig erwies. 
Sein Sekretär, der dem Mainser Erzbischof einen Brief und mündliche Auf- 
träge überbringen sollte, hiess Stephanus Faber (Schmid), — <) Die Ergreifung 
des Sekretärs geschah 30, Dez, 1538, wo der Landgraf bei einer Jagd eufällig 
mit ihm zusammengetroffen und erst durch besondere Umstände auf den ver- 
dächtigen Charakter des Boten aufmerksam geworden war. Die Loslassung 
auf dem Frankfurter Tag erfolgte auf die Bitte der fürstlichen Unterhändler : 
der Kurfürsten von Brandenburg und von der Pfalz. — *) Die lange Reihe 
dieser Streitschriften ist abgedruckt Hortleder, Handlungen und Ausschreiben 
1, 900 ff. Die y^QuadruplikenschiHft"' Heinrichs von Braunschweig ist datieii 
vom 31, Mai 1541, Hortl, 1, 1576 ff, — *) mit Schmähworten aufgezogen, — 
') In diesem Abschnitt mrd nur die oben S. 269 angefangene Erzählung zu 
Ende geführt, Ferdinands Heer wurde von den Türken zersprengt am 22, Aug., 
Ofen und Fest wurden von Soliman besetzt am 29. Aug, 1541, 



— 272 — 

men, erlegt, desz Weidens weib, sohii,^) jung volckh, geschosz und 
merglich raib hingefürdt. Der kayser und die reiclistendt warn uf 
dem reiclistag zu Regenspurg, alsz betten sie der saeh kain wissen, 
und gar nichtz dagegen gebandelt. 

Kayser Carl raist für die statt Aiwa unzwungen.^) 5 

Uff solebes hat kayser Carl vil kuecht angenommen, eylendts 
durch Italiani gen Geron^) geraiszt und im decembri*) ob 2000 
kriegsvoickh über nier in die Barbani, dem Turekhen ain statt ge- 
nandt Aiwa abzugwinnen, unngwinlich geschifft, unnd als dz krieg- 
volckh mit bargen ^) an dz land komen, hatt in derselben nacht der lo 
wind die schiff mit proviant inn dz meer geworffen, also dz dz 
kaysers kriegvolckh nit allain von den so in besetzung der statt 
gewest, schaden genommen, sonnder ausz hunger und kelt von der 
statt haben müssen abziehen unnd widerkheren, die uberblibende 
uf dem meer gestorben, ir wenig haimkhomen und wie man sagt 15 
ob 3100 fl. schaden genomen. 

Reichsztag zu Speyer, darauff Turekhen Schätzung be- 
willigt ist, und wie sich das kriegvolckh gehaltten. 

Volgendt ist im januario^) anno 1542 ain reichsztag zu Speyer 
furgenomen, unnd konig Ferdinandus in der wochen nach purifi- 20 
cationis Mariae zu Hall durchgeritten, und wie kayser Carl, also 
er auch vom rott und gemain empfangen worden unnd eingeritten. 



2 raib: tto auch li*; raub H^, Sl'^. 6 staU T^ff — Barb. : Anno dorn. 1641 «og kayser Cjrl 
über meor zu belegern den Barbarossa sein gewaltig statt Aiwa genant^ wan es geschähe 
diese meerfahrt im wintter (auch weiterhin freiere DursiellMug) H ', W^. 11 erhuob sich . . . 
ein ungchewre fortan und wind, zerrisz . . H^; mochten sie die schiff vor der fortuna so 
sich erbebt, nit zu land bringen //<. 22 rott: von einem erbaren rhat //^. 

*) Zapolyas Witwe Isabdla und ihr Sohn Stephanus (Sigismund), welche 
zuerst von Ferdinand in Pest belagert worden waren, (Soliman war gekommen 
unter dem Schein eines Bundesgenossen des jungen Königs Sigismund.) — 
'•') Gemeint ist die Expedition nach Algier Okt. — Nov. 1641, Wie die in allen 
Handschriften auftretende Form Aiwa zurechtzulegen ist^ bleibt unklar; sonst 
heisst die Stadt Alger oder Algier (Münster), Algera oppidum (Mameranus 
JCpitome, bei Schardius 2, 604), Algeraw (nach Egelh. 2, 454 in einem deut- 
schen Volksliede), Es scheint ein früh eingedrungenes Schreiberverderbnis aus 
Alcira voreuliegen. — ') lies Genua: hier bestieg Karl nach Mameranus a. a. O. 
die Schiffe. — *) Vielmehr im Okt. : die ganze Expedition kam durch die beiden 
furchtbaren Stürme vom 25. Okt, und 3, Nov. zu einem schreckliclien Ende 
(Egelh, 2, 404 f.). — *) sonst auch bärig — mit Mülie, mit knapper Not, — 
®) Der Zusammentritt diJi Reichstags fand erst im Februar statt. 



— 273 — 

Uf solchen tag zu Speyer ist bewilligt worden drey jar die nechsten 
al wegen vom hundert gülden hauptguetts jarlich dienstgeldt V2 fl./) 
die Juden von ieder person 1 fl. und von iedem hundert gülden 
haubguts 1 fl., aber uiünieh, pfalfen, closter, stiflY, gaystlieh güetter, 
5 spittal unnd hailigengüetter haben den 10. ^ durchausz geben aller 
järlichen nutzung. Dise Schätzung ist erstlich umb pfingsten^) ge- 
fallen, dz kriegvolckh ist umb dieselben zeitt auszzogen, sich under- 
wegen bey den freunden übelgehaltten, den leutten nichtz für dz 
ir geben ; das üällisch fenlin,') under welchen Ilalbronn und Wim- 

10 pfen begriffen, alsz sie durch Hall zogen, zu nachtz zu Honhardt^) 
bliben, grossen hochmut getriben, sontag morgen, wie dz geschrey, 
ain dorif bey Dinckhelspühel genandt Segringen ^) angestossen und 
verbrendt, von wegen als die lanndtzkhnecht sagen dz ettlich bäum 
daselbst ainen landzknecht sollen vor aim vierttel jar entleibt haben. 

15 Disz dorff ist dz propst zu Rott. 

Dise kriegleuth sein vier monat bey und umb Wien gelegen,^) 
den freunden grossen schaden gethon. Der churfurst von Branden- 
burg marckhgraflf Joachim ist oberster, dem hat man all monat uff* 
sein person zehentausent gülden geben. Dieweil dz reiehkriegvolckh 

20 umb Wien banckhadiert, haben ettlich desz Ferdinandi Hussern 
und Behem sich vor Ofen losirt,') sein die Turckhen herauszge- 
fallen, der Behem und Hussern funfzehenhundert*) erschlagen, f^sz 
hatt auch der Turckh mittler zeitt dem Ferdinando ein fleckhen 
genant Rab eingenomen, geblundert, die altteu ertödt und der jungen 

25 ein grosse zal hingefüret sambt breuttigam und brautt, so solchen 
zu ehren uff ir hochzeit zugegen gewesen. 



2 Dieser Ansatz narh St^; bei B 1 ü. 3 ein halben galden St^. 4 ein halben gnldeu H^, 
«»/ teieder abweichende Sätze in HK 7 gefallen! so auch Ä«, H^; befollen 8t^, 11 bliben: 
«o auch U^; gelegen H', St^. 13 Dinokh. so dem propst zn Both gehörig H^. 14 ainen: 
so auch H^j Eween St^. \ vor aim v. j. fehlt HK 17 kein feindt gesehen, dasz gelt der 
Schätzung nnnutzlich verthon 8t^, 19 geben, welches er aUet, und noch mehr darzu, 
Terspilt, panckatierten, frästen and suffen H^, ähnlich Hi, 21 sich ror O. losiert aus H*, 
H^; leslert R; liesiert 5<*. 22 16000 Uf>. 25 sarapt einem St*. | brautt, die eben 
bochseit gehalten St*, und die so. . . enchinen waren J7>. 

^) Als Steuer zur Aufbringung des Beichsheeres wurde festgesetzt: von 
100 fl. liegendem Vermögen oder Bargeld („Hauptgut^*) V« fl'y Klöster und 
Kirchen aber von 100 fl, Einkommen 10 fl. — *) 28. Mai, — ») Ein „Fähn- 
lein^: ein Haufe von etwa 500 Landsknechten, — *) südlich von Crailsheim; 
gehörte gum Gebiet der Beichsstadt Hall, — ») westlich von Dinkelsbühl, — 
«) Vom 28, Mai bis 6. Oktober 1542; üba- den Feldzug s. Egelh, 2, 412, — 
1) z=z logiert^ gelagert ; dies geschah am 26. Sept. — ^) Bei dem Sturm am 6, Okt, 
wurden in Wirklichkeit 3000 Mann erschlagen. 

Wttrtt. GeschichtsqueUen VI. 18 



^ 2U - 

Vom reichsztag, so zu Nürnberg gehalten worden. 

UflF solches ist anno doniini 1542 umb Kitiani ^) ain reichsztag 
zu Nürnberg gehaltten worden, daruf Ferdinandus gewesen, und 
bewilligt die Schätzung wie vormals von stund noch ainmal zu geben. 
Ist doch uf fürgenomen reichsztag, so den 4. novembris auch zu 5 
Nürnberg gehaltt^n soll werden, verzogen worden. 

Heerzug wider hertzog Hainrich zu Braunschweigkh. 

Esz ist uf vorangeregten tag zu Speyer von allen thailu be- 
willigt ein drijeriger stillst^ndt.^) Alsbald man mit dem kriegsvolckh 
gen Wien gerückht, hat Hessen und churfurst von Sachsen im reich 10 
lassen unibschlagen unnd gelt wie sprewr ausgeben, bey 40000 zu 
fuesz und 4000 zu rosz angenommen, hertzog Hainrich von Braun- 
schweig überzogen, alles sein landt in 3 wochen erobert. 

Von ungewitter. 

Disen sommer umb Jacobi sein zu Forchtenburg, Hobach, 15 
Eysenbach uflf dem Krackhaw**) kisel pfundig gefallen, die frucht 
unnd die menschen uff dem veldt erschlagen. 

Hertzog Ott Heinrich wurd Lutterisch. 

Eodem anno umb Johannis'') hatt hertzog Ott Hainrich pfaltz- 
graflF denn von Nürnberg Hilperstain, Sultzbach, Heideckh*) an der 20 
summa umb einhundert tausent, dem Fuckher Leinningen*) zu 
khauffen wollen geben, dorauf Lutterisch worden,^) wie man maint, 

6 ist doch biss den 4. tag noT. vers. w. //>. 10 landgr. von H. Ifi. 13 erobert: H^ 
fügt hier gleirh die nach dem ztotitn/iehMten Stilck folgende Fortsetzung an; ebenso J£*, 14 Der 
AbsehM. fehlt Sth 16 nfT: so auch fll; und uff tf &. | pfundig: ao nach H^f^ÜJi, 21 an 
d. gamma aus H^f nnd Annderslnnen H^, B; ander seinen 8t^, 

*) 8, Juli: der Beichstagsabschied erging am 26. Äug, 1Ö43, In diesem 
Abschied selbst wird (s. Samml. der Reichsabsch, 5, 478) wegen verschiedener 
unerUdigter Punkte sofm'i ein neuer Reichstag auf 4, Nov, 1542j abermals nach 
Nürnberg, angesagt ; in Wirklichkeit wurde er aber erst 1543 gehalten und am 
23, April dieses Jahres mit dem Abschied beschlossen (Samml, d, RA, 2, 494). 
— «) König Ferdinand bewilligte vielmehr in Speier den Protestanten die Er- 
streck ung des Regensburger Interims^ also des damit gewährleisteten f,Fried- 
standes^ auf fünf weitere Jahre (Egelh. 2, 407). — •) Forchtenberg, wesüich 
von KünzelsaUy Hohebachj nördl. von Künzelsau an der Jagst: Krackhaw ist 
der Kraichgau, zwischen Bruchsal und Heilbronn, — *) 24, Juni, — *) Sulz» 
bach, östl, von Nürnberg, Hilperstein, j. HilpoUstein, und Heideck: südl, von 
Nürnberg, alle drei in der jetzigen Oberpfalz, — •) =z Altleiningen in der Rhein- 
Pfalz? — ') Der die Reformation anordnende Frlass des Pfalzgrafen erging 
am 22, Juni 1542 (Egelh. 2, 416), 



— 275 — 

dz er aiii fuog hab Kayssaim dz closter zu Neuburg und ander 
gütter der gaistlichen inn seinem fürstenthonib einzunenien, wann 
hie war khein gelt, so ist er [epicurissiraus]. 

Sachsen und Hessen erobern hertzog Hainrich von 
5 Braun schweig landtJ) 

Das überziehen, so der churfurst von Sachssen und landtgrafl' 
von Hessen dem hertzog von Braunschweig gethon, ist derhalb 
endtsprungen, dieweil wie oberzelt der landgraff von Hessen hertzog 
Hainrich seinen secretariuni gefanngen. Nach desselben endtledigung 

10 hatt Braunschweig wider Sachsen und Hessen ein hitzig auszschrei- 
ben gethon, zu beden seitten den buben ainander wol erbutzt. Nun 
hat sich aber zugetragen, dasz die statt Goszlar, welche in der 
Schnialkhaldischen bundnus, solcher handlung ad instantiam hertzog 
Hainriehs von Braunschweigs vor kay: canimergericht schwebendt 

15 rechtlich in die acht erkhendt ist worden, und als Römischer kay: 
may: vom Niderlanndt uf den jüngsten reichsztag gen Regenspurg 
reittendt zu Speyer ver/ogen, sein uf ansuchen Sachssen und Hessen 
die Goszlerisch acht durch den kay: suspendieret worden on hertzog 
Hainriehs bewilligung. 

20 Nun ist auch nit die wenigst ursach diser acht, dz hertzog 

Hainrich von Braunschweig zwey clöster, wie ^tlich sagen, wider 
Goszler unnd iren anhanng zu beschirmen, das ain Reyffenberg,*) 
dz ander sanct Görgenberg nit ferr vonn Goszler gelegen einge- 
nomen, die mit grüben unnd andern wehren zu befestigen annge- 

25 fanngen. Sein die vonn (ioszlar herauszgcfallen, die Braunschwei- 
gischen arbeytter im graben erstochen, sännet Görgen Berg verbrendt 
und geblundert. Laszt sich (iöszlerisch rott^) hören, es soll on ir 
gehaisz sein geschehen. Darumb auch Sachssen unnd Hessen dz 
canimergericht wol angedast, als solt derhalb Goszlar unbillich in 

1 ds er ein anfang het H^. 2 andere geitUiche gttetter um Newb. St^. | wann — epic. 
fehlt 8t* f «btn9o bei H^, der atatt de^nn aeiet: Sit aber nit gewiss. 3 Kpicarissmnt H^, B* 
8 der landgr. hett dem Ton Braaofchweig (wider Sachiien) H^, 18 in der prctcstierendeu 
H^. I ad inst.: m auch U^, Uf", ad Jnntitiam St^. 22 Goislar stets //^ 27 der GOsr. 
rhatt //^; roth i/>. 29 angetatt H^. 

') Dem summarischen Bericht, in welchem Widman oben schon (S. 274) 
diesen If^eldzug vorgeführt hat^ lässt er nun — tcohl auf Grund einer ihm in^ 
zwischen zugekommenen neuen Schrift — eine genauere Beschreibung folgen: 
sein Absehen ist hiehei darauf gerichtet, den Braunschweiger als im Recht be- 
findlich SU enceisen und die Stadt Goslar samt Saclisen und Hessen in un- 
günstiges Licht zu stellen, — ») lies Reichenberg, Egelh, 2, 409. — >) = Rat, 



* -^ 



- 276 

die acht gesprochen sein. Dieweil aber kay : may : Im eingang dz 
reichs sich verschriben, dz er dem rechten am cammergericht sein 
lauflF solt lassen unnd dise acht nit allain suspendiert, sonnder solch 
Suspension pro absolutoria declariert, hatt Braunschweig sich recht- 
lich erkendter acht beholflfen und solchen absolutoriis nit wollen 5 
gehorchen, auch Goszlar gewölt, dz Braunschweig inen zu irem 
bergkhwerg koln und holtz ieres gevallens zugeben umb bezalung. 
Darauff die Schmalkhaldischen Braunschweig umb Kiliani *) mit 
24 tausendt zu rosz und fnesz ^) überzogen, sechs wochen zu feld 
gelegen, alles hertzog Hainrich von Braunschweigs lanudt einge- lo 
nommen, das vest schlosz WolflFenbüttel in vierthalb tagen beschossen, 
dz es inen uflFgeben ist worden. Unnd sein dz die eingenommenen 
Schlösser unnd stett, die Schlösser: Fürstenberg, Grien, Stauflfenburg, 
Wellenstain, Winsenburg, Bodenburg, Liechtenberg, Geverszhagen, 
Bollenberg, Lutther am Barnberg, Hartzburg, Hessen, Sinnenburg, 15 
Widerlohe, Sladen, Lebenburg, Wolffenbüttel, dz gewalttig schlosz, 
Jeepheim, Newenbrugkh, Calfundt, Ottenstain, Wispenstain und 
Stambruckh. So sein dz die stett unnd schlosz: Gottel, Holtzmin, 
statt und schlosz, OlndorflF under Hamburg gelegen, Ganderszheim 
statt und schlosz, Beckhelhaim, Lamspring, Alfelden, Saltzgutter, 20 
Scheppenstain, Schemig statt unnd schlosz, Helmstatt. So sein dz 
die angenomennen herrschaift: Eberstain, Homburg und Barberg, 
summa 39 schlösse/ und stett.^) Unnd ist zu Wolfenbüttel volgen- 
der vorroth*) gefunden worden. Nota: hertzog Hainrich hat drey 

a dem r. ein cammerger. ■. \. H^. 8 sein lauff solt aua St*; sein lauff fihlt H*, B. 6 recht- 
Hch erkendter H^ (u. SO); rechtlicher erkhennet R. 

*) 8. Juli, — *) Nach der früheren Darstellung (o, S, 274) sind es gu» 
sammen 44000 Mann; nach Egdh. 2, 410 waren es, die städtischen und fürst- 
lichen Truppen zusammengerechnet ^ ungefähr 30000. — *) Dieses Verzeichnis 
findet sich auch bei Hortledei' 1, 604 abgedruckt^ nur mit dem Unterschied, dass 
hier Schlösser, Städte und Herrschaften ungeschieden sind, während Widman 
die drei Gattungen gesondert hat, — Die Namen weisen in den Handschriften 
allerlei Entstellungen (Wollensiein, Staden, Holtzuma, Schönmorg etc.) auf, 
deren vollständige Vorführung unnötig schien. Die von der heutigen Namens- 
form abweichenden Textschreibungen sind folgende: Grien: jetzt Greetie (?) bei 
Gandersheim; Wellenstein: Wallenstein: Gevershagen : Gehhardsliagen ; Wider- 
lohe: Wiedelah; Sladen: Schiaden: Lebenburg: Liebenb.; Jertzheim: Jerxheim; 
Stammbruch : Steinbruch : Gottel : Godelheim (?) ; Holzmin : Holzminden ; Oln- 
dorff: Oldendorf; Beckelheim: Bockenem (?); Saltzgutter : Salzgitter ; Schemig: 
Schöningen, — *) Auch dieser „ Von'ot"^ ist, genau so wie er von Widman auf- 
geführt wird, in Hortleder 1, 804 gedruckt. (Die „Nota*^, durch tcelche seine 
Aufzählung unterbrochen wird, ist augenscheinlich eine in den Text eingedrungene 



— 277 — 

jung fursten unnd zwey junger frauwlin; denn erstgeboraen hat 
nie khainer sehen lachen; sein zu hertzog Ludwig von Bayern 
hertzog Hainrich und derselb söhn mit vil geldz gen Landzhuott 
geflohen, die andern vier herm und frauwlin sein im landt betretten 
5 unnd zu verwarung genomen. — Gefundener vorrath : erstlieh vonn 
sylbergeschirr unngeverlieh funflf tausendt gülden werdt, darvon ist 
zwei tausent gülden werdt den jungen fürst en widergeben worden. 
Item funlf tausendt gülden werd wein, item 2000 seytten speckh, 
item funffzehenhundert zenttner bulfers, item an grosz geschütz 

10 darunder funff und dreyssig maurbreeherin, item all böden und 
kästen vol frucht, item hertzog Hainrichs gemahels säligen klaider 
unnd elainet, sein denn jungen frauwlin zugestelt, item hertzog 
Hainrichs claider den jungen fursten; funflfzehen hengst, darvon 
dem jungen fursten 7 geben worden. Canntzelley ist unversehrt 

15 gefunden, haben Sachssen und Hessen zween die zu besichtigen 
verordnet, haben auch also bede kriegsfursten im veldt verhart, 
und wie man sagt nit wollen abziehen, so lanng bisz die im kay- 
serlichen defensionbundt inen sollen zugeschriben haben, solch handt- 
lung ausser rechtens nit zu enden. Diese kriegsleuth haben auch die 

20 Maintzischen umbliegende dörfler mitler weil mit blundern einge- 
nomen, wolgenutzt. 

Gülch nimbt Geldern widern kayser Carolum ein.*) 

Anno doniini 1541 alsz der hertzog von Geldern starb — war 

ein graff von Egmundt, und khein manlich erben verliesz — , solt 

25 solch hertzogthumb mit der graflFschaftt Zupfadt kayser Carl gehörig 

sein.^) Aber der hertzog vonn Gülch nambs ein,^) und als uf an- 

3 mit vil g. fehlt H^. 5 Diese Nota ist ro/t H^ an anderem Orte eingefügt. 6 fanff taue. : 
so auch Hi, U^i 7000 St^, 8 item 2000 s. aus H\ H^; item für 2000 s. B, 9 16O0O z. 
m, Hf>. IS „16« so auch Hf> ; 10 5<«. 14 Der Satz funflf«ehen — word. fehlt HK 18 def., 
so auch Jfi, H^; defensionalbund 8l^. 19 enden: so auch H^; endem 8t^, \ Dieer hand- 
lang die kr. 8l^, 20 eing. feMl H^, UK 

Randbemerkung.) Ah Quelle für diese Kritgsereignisse gibt Hortleder an: 
Chyträus, Chronicon Saxoniae. — *) Hierüber Sleidanus 315. 338 f. — ') Her- 
zog Karl von Geldern starb kinderlos 1538, somit ist die Jahrzahl 1541 erst 
auf daSy was im zweiten Satz von Kaiser Karls Klage auf dem Regensburger 
Reichstag gesagt ist, zu bezie?ienj und das „starb'* ist plusquamperfektisch zu 
denken. — Geldern und die Grafschaft Zütphen („Zupfadt^) hatte der Herzog 
Karl als Lehen Karls V. gehabt, an den es somit nach seinem Tode zurück^ 
fallen musste. — ') Johann der FHedfertige, Herzog von Jülich, Kleve und 
Berg, hatte mit Herzog Karl von Geldeim einen Erbverirag geschlossen, dem^ 
zufolge nach des letzteren kinderlosem Tode Geldern und Zütphen an Kleve 
fallen sollte. 



~ 278 — 

geregtem reichsztag zu Regenspurg kayser Carl sieh desz vor den 
stenden beklagt,*) under andern sich hören liesz, wie er zu gelegener 
zeitt gedacht solchs einzubringen, also umb Jacobi^) hett sich der 
hertzog von Gülch mit ainem grossen raisigen zeug beworben, 
willens die statt AnttorflF*) mit meutterey einzunemen. Dasz sein 5 
die vonn Anttorff gewar worden, haben ire däm lassen anlauffen 
und Anttorflf gegen landt bey ainer halben maiin gerings in dz 
wasser gesetzt. Also ist hertzog von Gülch von seinem furnemen 
verhindert worden. Mann sagt kay: may: soll ettlich burger zu 
Anttorff, die der meutterey verdächtig, zu verhaffitung und stroff 10 
genommen haben. 

Elende endung desz Turckhenzugs. 

Der zug an Turckhen obgemelt hat sich on allen nutz ge- 
endet, wan wie oberzelt haben sich die kriegsleuth am abhinziehen 
gegen denn freunden vast übel gehaltten und belestigt, sein ob Wien 15 
zum Wolff genandt so lanng bisz dz Hessisch kriegvolckh abge- 
zogen ^) gelegen. Wann die Bayerischen ftirsten unnd byschoff dem 
Hessen nit wol getrauwt, dieweil dasz Hessisch kriegvolckh den 
stifft Maintz in solchem zug unversehenlich angegriffen und wol 
genutzt; derhalb auch Trier unnd Cöln ir furstenthumb nit haben 20 
wollen entblossen, ir anzal, wie man gesagt, ann TUrckhen nit ge- 
schickht haben. Also ist dz kriegsvolckh wider die Turckhen erst 
gantz spatt auf den herbst in Hungern uf Best geriiekht,^) darvor 
nit über acht tag gelegen, ain klain loch zum stürm geschossen, 
dz nit zehen mann neben ainander hinein gemocht; den stürm an- 25 
geloffen,^) über ain stundt nit gesturmbt, bey 3000 ungevarlich ver- 
loren. Herrn Wilhelm, truchses söhn von Walszhut,^) ist in disem 
zug auch von Turckhen im veldt enthaubt, und sein haubt an ainer 
Stangen zu Best über die maurn ausgesteckht worden. 

'J doM^ rocbts beklagt St^. 3 eiur.ubr., also. . aua if<, St^; einzubringen. AIhz . . R; an 
iu (8C. SU bringen) also H^. 7 ainer maiin H^. 10 mentt. sollen vergriffen sein St"*, 
15 bei.: beetettigt Ä». 21 Tttrckh. : Thartern St^. 26 SOOO: »o auch H^; 800 S/2. 

*) am 3, Juli 164U — *) 25, Juli 1541, also eine schnelle und trotzige 
Antwort auf des Kaisers Beschwerde. — •) Antwerpen, — *) nämlich von der 
Heimat weg nach Wien zu, — ») Aufbruch von Wien anfangs August, An- 
kunft vor Pest 28. Sept. — •) 6, Okt. — ') lies Waldhurg; Wilhelms des älteren, 
Truchsessen von Waldhurg, Sohn hiess Jakob; er hatte kurz zuvor, 24, Juni 
1539, zu Sigmaringen seine Hochzeit gefeiert mit einem Fräulein von Zollern 
und damals scherzweise einen solchen Soldatentod, wie er ihm nun widerfuhr, in 
Aussicht genommen (Zimm, Chron.3, 480 Vocheeer, Gesch. d. H. Waldb.2, 298 ff.). 



— 279 — 

Dieweil dan im leger, vonn wegen dz bey 3 monat khein 
besoldung entrieht, niemandt profiandt zugefügt, und der gantz somer 
regenwetter und khaltt gewesen, derhalb der schelm, breuni ^) unnd 
rur under dz kriegvolckh komen, ist man umb omnium sanetorum*) 

5 abzogen, elendiglich, wann nit der vierttel kriegvolckh, wiewol 
elendiglich beklaid, kranckh und erhungert, haim khommen, under- 
wegen in satteln und dahaimen dennoch gestorben. Unnd ist sol- 
cher zug unnd Schätzung der armen aller verloren. Noch war khein 
demut der ol)rigkheytt, wann zu besorgen, Gott hab sein zorn über 

10 Teudschland vonn wegen unnszerer haupter stoltz, füUerey, rauberey 
unnd aigenutz auszgossen, dz wie der prophet sagt,^) wan Samuel 
und Moses vor mir stunden und betten, so ist mein hertz nit mit 
disem volckh. Inn summa Teudschlandt musz ain strabat*) leiden, 
ursaeh, dan do war khain besserung. 

15 Schmalkhaldischen repudiern dasz camergericht. 

Im abziehen dises zugs hatt volgendz Hessen mit seinen bundz- 
verwanndtcn, die sich die christlichen verstendnusz nennen, welche 
vor in allen religionssachen, dz ist so sie die kirchen angreiften, 
dz kay : cammergericht repudiert,*) nun dz gantz cam : in ir Sachen, 

20 da sie hievor cläger inhungendt richter^) sein, repudiertt und alldo 
weder recht geben noch nemen und furtter prottestiern, es werd 
dan dz cam : gericht vor ires gevallens reformiert, auch ihren under- 
thonen . . . gebotten, kay: processen nit gehorsam sein. Ist die 
ursaeh, wan kay: cam: hett den Schmalkaldischen ständen gebotten, 

25 hertzog Heinrich von Braunschweig landt, so sie ihm wie hievor 
geschribcn abgewunen, wider einzuräumen oder rechtlich Ursachen 
vorzuwfinden. Solche repudiation, wie dan im trnckh auszgangen, 
ist vast einer oblag') gleich. Dieweil Gott Moses unnd Samuel als 
ein regen ten seines volckhs verordnet und sie ihnen Samuelem ver- 

5 prof. Kugefttrth H^, St^. 3 uugewitter und H^. | breuni: «o auch H^; brenn St^. 

6 wiewol übel B^. 15 Scbmalk. : Protestierende fnreten E^. t7 die — nun fehit W'. 
19 jQ . . — sein fehli H\ 20 ja in fachen, die sie betten gebangen, rechten 8t^. 21 prot- 
testiern: 80 auch J/5; protestiert St^. 23 auch — Germania aus St^, fehlt in R. 

') preun, auch breim = Bräune, häutige Halsbräune. — ') 1. Nov, — 
^) Jerem, 15, 1. — *) Strapaze. Nach Kluge, Etym, TT.*, wäre freilich das 
Wort erst im 17. Jahrh. in Deutschland gebräuchlich geworden. — *) Die Er- 
klärung, in welcher die Protestanten dem Reichskammergericht jede Befugnis 
absprachen, über die Evangelischen zu richten, geschah am 4. Dez, 1542. Der 
Terminus iechnicus wäre nicht repudieren, sondern rehusieren. Ein Abdruck 
dieser „Becusation^ bei Hortleder 1, 1481 ff. — •) Wortlaut und Sinn unklar, 
— ^) einer offenen Widersetzlichkeit, Absage, 



— 280 — 

achten, ein ander haupt wolten haben, ein könig, sagt Gott, dasz 
Iszrael nicht Samuelem, sondern ihne, der mitten ander ihnen her- 
schet, auszgeworflfen hett. Carole, [respiee] finem. Es will doch 
an dich, o Germania. 

Gülch uberfeldt Brabandt und Franekhreich 5 

Lützelburg. 

Anno doniini 1542 im September hatt Frannciszcus konig in 
Frannckhreich kayser Carl unversehen inn seinen erbländern an- 
griflfen und Lützelburg^) dz mererthail eingenomen. Hat der hertzog 
vonn Gülch in seinem landt durch Marttin von Rossach '^) kriegs- 10 
volckh in namen dz konigs vonn Frannckhreichs lassen mustern, 
volgendz unversehen kunigin Mariae,^ desz kayser Carls Schwester, 
inn Brabanndt mit rauben unnd brennen merglich schaden gethon. 
Also hatt kay: Carl umb purificationis*) anno 1543, da noch ain 
schnee lag, durch Hannsz von Sickhingen unnd Aszmus von der 15 
Hauben vil kriegsvolckh zu rosz und fuesz angenommen, Lützelburg 
wider eingenomen, Berg, Clef unnd Gülch hart beschedigt. Maintz, 
Trier, Pfaltz unnd Hessen haben in der gütt zwischen kunigin 
Mariae und dem hertzogen von Gülch zu Mastrich und volgends zu 
Ach gehandelt, aber khein frid gemacht. 20 

Gülch schlecht frauw Mariae künigin kriegsvolckh. 

Eodem anno in vigilia pasce^) haben kunigin Maria krieg- 
volckh mit den Gülchisehen nit weit von Mastrich^) ein Schlacht 
gethon; hat der kunigin kriegvolckh die Schlacht verloren, und sein 
uff ir seytten bey 1600 umbkhommen und ettlich hundert gefangen. 25 
Sein mann und man gegen einander ledig gelossen unnd die übe- 
rigen ainer umb ain monat sold geschätzt, darauff ledig gelassen 
worden. Inn solcher Schlacht ist Wilhelm Senfft hauptman unnd 
sein bruder Christoph Sennfft umbkhommen. 

3 resp. : recipe «/«. 10 Martin von Uszigkhaim HK 18 Trier: Cöln St^; MainU fehlt 
H«. 25 sein uff ir aus Jf', H^, St^ ; sein Ir B, 28 und etc.: 90 auch Ri; und Chriatoph 
Scnfft sein bruder, Joachim Schiets, Gabriel und Christoph die Seybotben von Hall nmb- 
konunen. //^. 

') Luxemburg, — ') Martin von Bossem (Sleidan 376, Egelh, 2, 418), 
der Geldi-isch-FramösiscIie Feldherr, der durch seine Landsknechte zugleich 
das Evangelium unter den Holländerin wollte ausbreiten lassen. — *) K, Maria, 
nach dem Tod ihres Gemahls Ludwigs IL von Ungarn mit der Statthalter^ 
Schaft der Niederlande betraut. — *) 5. Febr. — *) 24, März 1343, — «) Das 
Treffen bei Sittard, nordöstl, von Mastricht, wo Mariin von Bossem über die 
Kaiserlichen einen glänzenden Sieg gewann, Seckend, 3, 427 ; Egelh, 2, 418, 



— 281 — 

Reichsztag zu Nürnberg. 

Eodeni anno ist ain reichsztag von wegen der Turckhen- 
schatzung zu Nürnberg gehaltten, hat umb epiphanie ') angehebt, 
ist khain fürst dann konig Ferdinandus mit zweyen süneu unnd 
5 der byschoff von Augspurg — war ainer vonn Stadion, ein überaus 
vernünfllig mann — , sonnst nichtzs dann Schreiber unnd stettbott- 
schaflFt da gewesen; hat gewert bisz uf sontag cantate. Ist nichtz 
wtirdigs auszgericlit worden, dann ain Schätzung von ain hundert 
ain halben gülden widern Turckhen ufgericht, darwider die Schmal- 
10 khaldisch bündnus sampt ettlichen andern stenden prottestiert. Am 
sambstag^) nach jubilatte, alsz bemeltter byschoff vom könig Fer- 
dinando späht von der veste zu Nürnberg^) an sein herberg ritt, 
ist er in der nacht in paralisi*) gestorben, alle stendt in zum thor 
geleytet, gen Dillingen gefürdt und aldo begraben worden. 

15 Waltter von Chronberg hochmainster teudsch ordens 

stirbt bey Horneckh. 

In obgemeltter wochen, alsz herr Waltter von Cronberg*) hoch- 
mainster teudschordens von Mergethaim gen Hornekh*^) geritten, 
gestorben underwegen, und der commentter von Marckhburg^) in 
20 Hessen, genanndt Milchling,®) der vom lanndgraven in Hessen ver- 
triben worden, mit einhelliger wal des ordens zu Speyer zu hoh- 
mainster erwölt worden. 

Kayser Carl tiberzeucht Gülch. 

Alsz der hertzog von Gülch, wie hievor geschriben, dz hertzog- 
25 thumb Gellern eingenommen, hatt kay: Carl ausz Hispania gen 

9 darwidor die aus St^; dieweil die R. 10 evangelischen bundsverwandten U^; die 
Schnialkaldiachen HK \ lampt aus St^; wider H^, R^, R, 13 paralisi: in PaUii St^; 
in P. fthlt 8t*f palisi (p mit einem durch den unteren Balken gehenden Ahkürzungasirich) H^, 
B\ 16 Der Abschn. fehlt StK 19 Marburg Jffi, Ä"&. 

*) Der Reichstag dauerte vom 6, Jan. bis 22, April („Sonntag Cantate**) 
1543. — ') 21. April. — ^) von der Burg in Nürnberg, wo König Ferdinand 
sein Quartier hatte. Christoph von Stadionj Bischof von Augsburg, toar tum 
Nürnberger' BeicJistag als kaiserlicher Gesandter abgeschickt worden (Seckend. 
5, 416). — *) an Lähmung durch Schlag (Seckend. : apoplexia^. — *) über 
Walter von Cronberg s. o. S. 247 ; eine Lebensskisze dieses Hochmeisters giebt 
Schönhuth WFr. 5, 203 ff. ; er starb 4. April 1543. Über sein Grabmal s. 
WFr. a. a. 0. und 1854, 119. — «) Horneck bei Gundelsheim, das Deutsch- 
ordensschloss, war zwar 1525 von den Bauern zerstört, aber bald wieder ermeuert 
worden. — ') Marburg. — *) Wolf gang von Schutzbar, genannt Milchling. 
Über sein Grabdenkmal zu Mergentheim WFr. 1854, 119. 



— 282 — 

Genua, von dannen durch Lompertey uflF Kempten, Ulm, Stuttgarten, 
Speyer bisz gen Confluentz mit seinem kriegsvolekh, nämblich 
Italianer bey 4000, ir oberster Antonio de Aurio 20 fenlin, und 
Sigert Camillus de Idono,^) der, so mit roren unnd hämisch gerüst, 
sein aller bey viertausendt und funflfhundert gerust pferdt, ir oberster 5 
Franciscus de Ast, hertzog vonn Ferers bruder.^) Die Hispanier 
haben zwaintzig fenlin, ir oberster sein don de Albiso, Petter und 
Johan Peco,^) ufF drey tausent gerüst, und funflFzehenhundert zu rosz; 
ir oberster ist Monsirr de Wüsse,'*) oberster veldthaupman don Fer- 
dinande Dumsachen^) Vicerei inn Sicillia, oberster zeugmeinster 10 
marggraff vonn Möringen, under dem teudschen vuszvolckh pfaltz- 
graff Wolffganng, sein leuttenam Bastian Vogelsperger, über 12 fen- 
lin hat Jörg von Madenius'/) Jörg vonn Regelspurg unnd Jörg von 
Saltzburg haben drey regimendt, und sie alle zwaintzig fenlin, Bern- 
hardt von Schönberg 8 fenlin, teudsch raysig, der hertzog vonn 15 
Braunschweigekh, sein eltter son unnd bruder, 300 pferdt, hertzog 
von Labenburg ^) 1500 pferdt, marggraff Hannsz Albrecht vonn 
Branndenburg 800 pferdt, herr Johann Hilch 1500, der schwartzen 
reutter 300 pferdt, Stoffel von Landenburg 800. So hat der printz 
von Uraniae/) des reichen graven von Uraniae sun, bey im 10000 20 
knecht Niderlender zu fusz und zu rosz 3000. Martin vonn Rossa °) 
war erst zum kayser kommen, als der kayser den hertzog Gülch 
begnad hat, hett 6000 zu fusz und 1000 zu rosz. Über die bluttig 
rott ist graff Reichart von Seelins. Summa aller zu fusz 39000, 



S de Aurio: «o auch H^, H'^ ; d'Auro St^. 6 Franciucus aus St^ ; Vinccntii de A. U^, H^, ähn- 
lich R. I Ferre» //&/ Ferrars //«. 7 Alb.: so auch H'^; Abiao St"^. 8 Peco: Peto St^ ; 
Poio H^, U^. I drey t. (joacbt St-. 9 Wit.8o //«, U\ 10 Duins. : so auch K', Hf>; Don 
Satha St'i. 12 sein leuttonarapt St^. 13 Mad. : so auch H^, H^; Mledenüt« St^. 17 Lc- 
wonburg H^, H^. IS 800: so auch 7/5; 300 Sf». 24 Seel. : so auch Ä>, H^; Salins St^' 

*) Nach Paulus Joviua de hello Juliacensi hei Schardius 3, 422 sind die 
40()() Italicnef' kommandiert von Camillus Columna (welcher also dem Sigert 
Camillus des Widman entsprechen muss) und Antonius Auria, — Die folgenden 
Michtig stell angen sind nach dem eben angeführten Jovius, ISlddan 4O0 und 
Egelh, 2, 423 gegeben, — *) Franz von Este (Jovius: Franciscus Atestinus), 
Bruder des Herzogs von Ferrara, — *) Hauptleute der Spanier sind nach 
Jovius: Alvarus Sandäus (,, Albiso") und Ludovicus Pretius („Peco"'), — 
*) Wüsse wahrscheinlich Verderbnis für Miesze. Ben Jakob von Medici, der 
hier Oberbefehlshaber der Spanier, bei Jovius Geschütgmeister ist, nannten die 
Deutschen nach Horileder 2, 386 den Herren von Meiss, nach Bossert, WVjh, 
1888, 216, den Herrn von Miess. — *) Ferdinand von Gonzaga, — •) Wohl 
Verderbnis für Mladenius, — ') Lauenburg (?h — «) Uranien. — ^) Der oben 
S. 280 erwähnte von Rossem (Bosshemius). 



— 283 — 

unnd zu ro8z 8000 achthundert und funnfFtzig. Die arglatey ^) ist 
22 maurbrecherin, 22 veldtgeschütz uf redern, gnugsam versehen, 
unnd vonn Cöln für man irer mayestatt 66 grosser stückh geschutz zu. 

Kavser Carl erobert die statt Tewren durch ein stürm. 

5 Anno domini 1543 am 24. augusti^) hatt kay: Carl statt 

Teuvvren ') belegert, umb funff uhr vormittag bisz zwey hora nach- 
mittag die maur nidergeworfen. DarauflF die Spanier und Italianer 
bisz zu funff uhr gesturmbt, die statt Teurn sambt dem kriegsvoickh, 
so sechs fenlin gewesst, erobert, von dem kriegsvoickh unnd bur- 

10 gern vil erstochen; von den Spaniern und Italianern sein 300 dot 
bliben und 200 beschediget. Ist die statt geblündcrt unnd die ge- 
fangen geschätzt, unnd durch Unordnung ist am 25. tag augusti feur 
in die statt kommen unnd der merer thail der statt verbrunnen. 
Die überigen burger hat kay: may: zu gnad angenommen, herrn 

15 Görgen von Saltzburg von wegen kay: may: unnd dem Römischen 
reich wider nit handeln schweren,^) alsz ander underthonen desz 
Romischen reichs bleyben lassen, und die Schätzung herrn Görg 
vonn Saltzburg geschenckht und die statt mit dem printzen vonn 
Uraniac mit 4 fenlin besetzt worden. 

20 Am 26. augusti hatt kay: may: ettlich geldt denn verbrendten 

ires Schadens zu ergetzen geben, und dz überblibendt in der statt 
erster besetzung kriegvolckli, so 300 gewesen, lassen scliweren, ir 
lebenn lanng wider kay: may: und Römisch reich nit zu dienen, 
was von kay: may: erbländer lassen henckhen, darin begriff alle, 

25 und die so under dz Romisch reich gehörendt, zwen finger abhauwen. 

Gülch wurdt gewunnen. 

Am 248ten augusti alsz kay: may: uffbrochen, ist Johann 
Möltzit, Statthalter zu Gülch, mit vier fenlin und allen mannen ausz 
der statt zogen, die verlassen; hatt kay: may: Gülch durch ainen 
30 heroldt eingenomen unnd im wie Teurn geschworen ; mit zwey fenlin 
knecht besetzt. Vom 28. bisz uff den letzsten augusti hat sich 
Sithardt,^) Remburg und ander umbligendt stett und schlosz ann 

1 argl. : m auch H«, H^f arclarey St^. 3 fort min H\ 5 24. : «o a$trh U^, tf»; 19. Ä». 
12 feur aus St^j frue //«, H^, R, 16 zuwider HK 17 herrn am Ä«; hott H», Hf>, H, 
24 darin— alle fehlt St^f darin die so underm B. r. geweien, . . HK 27 24.: so auch H^ ; 
27. St^. 28 Moltzit iSf», U^. 

») Artillerie. — *) Nach Egelh. 2, 424 am 23, Aug. — •) Büren, Reg,- 
Bez. Aachen. — *) schwören, dass er dem Römischen Reich nicht zuwider 
handeln wolle. — ') Sittard. 



— 284 — 

kay: may: ergeben. Am ersten sept. hat sieh Reimundt^) an kay: 
niay : ergeben unnd ihr may: personnlich gehuldigt als aim hertzogen 
vonn Geldern, unnd zum hailigen Romischenn reich gehörig, dagegen 
kayser inen geschwom, sie bey iren altten privilegia zu handhaben. 
Ist mit vier fenlin besetzt unnd herr Lorentz von Alttenstaig, vor- 5 
mals Maintzischer secretary gewest, statthaltter verordnet. Am an- 
dern sept. ist kayser für FendeP) gezogen, hatt sich Gellern an 
kayser ergeben. Indem hatt der curator^) von Cöln vonn wegen 
hertzogen von Gülch gegen kay: may: umb frid pratticiert. Am 
6. septembris ist hertzog vonn Gellem inn kay: leger vor Fendel lo 
kommen unnd denselben abendt dem herrn von Grönfelden, oberster 
cantzler, willig gesteht worden. Also ist sovil gehanndelt, dz am 
sybenden augusti der hertzog von Gülch mit hertzog Hainrich von 
Braunnschweig und dem curator zu Coln kay: may: uflF ir knie zu 
fusz sein gefallen unnd hertzog von Gülch mit landt, leib unnd 15 
leutt in kay: may: gnad und ungnad ergeben. 

Gülch wurd begnad. 

Also hatt der herr vonn Navis, cantzler per Germaniam ausz 
bevelch kaysers ain lange rede gethon, desz hertzog von Gülch un- 
billig kriegsuberzug unnd verderbung, auch hinderung, so er gegen 20 
kay: may: furgenommcn, mit beschlusz dz ir may: ausz furbitt ires 
bruders Ferdinandi etc., churfursten, fursten dz Romischen reychs 
unnd ietzund uff sein selbs bekhummernus unnd seines beystands, 
so wöll inn kay: may: begnaden unnd hiemit begnadt haben. ^) 
Darauff kay: may: dem Gülch die hannd geben und sie zween uf 25 
ain stundt mit ainander geredt haben. 

Ettlich Gülchisch stett bleiben dem kayser. 

Am achten septembris ist im veldtleger aufgeblasen, dz kay: 
may: den hertzogen von Gülch begnad hab unnd geb im alle seine 
erbland wider, Gülch, Cleff, Bergen, Rabenstain, dagegen behalt 30 
der kayser dz Gellerlanndt unnd was Gülch innen gehabt, dz zu 

1 Am — ergeb. fefdt 8t'^. \ Reinmund Jf». 8 curator ausSt^; Quiattor H^ S; Quator HK 
12 gest.: so auch H^, H'^; /.uegestelt St^. 14 cur.: Quiattor Ä. 21 mit — may: fehU H^. 
23 selbs erkantnusx St^. 29 gcb: ao auch H^; gab, nachher behielt U\ 

*) Boermond. — ^) Venloo. — *) Der Gesandte Clegatus bei Sleidan 40(J) 
des Erzbischofs Hei^man von Köln, Nach Sleidan waren es aber mehrere. — 
*) Die Bedingungen dieser Begnadigung bei Sleidan 400, 



- ä86 - 

Geldern oder kaysers erblandt gehörig, darzu Sichert und Hengs- 
perg') die zwo stett in Gulch, so gegen Gellem wöller gelegen. 
Am neuntten septerabris sein 7 fenlin knecht ausz FencheP) ge- 
zogen, kayser eingeraumbt unnd mit aim fenlin besetzt worden. 
5 Am zehenden septembris hat kay: may: Marttin von Rossa^) be- 
gnad und nimbt sein reginient an, so in besetzung Gellern gewesen, 
sollen zusamen kurameu im lanndt zu Brüssel, sein 6 tauseut zu 
fusz und ain tausent zu rosz. Giileh ist inen schuldig drey monat, 
solchs zalt kayser unnd nimbt sie in sein dienst. 

10 Am zehenden septembris hat Fendel kay: may: alsz hertzog 

zu Gellern und dem Romischen reich geschwom, am 12. sept. sollen 
alle Gellerisch stett und adel zu Neunmagen ^) kay: may: schwern. 
Oberster statthaltter inn Gellem ist der printz von Urania. Darauff 
ist kay: may: mit allem kriegvolckh gegem Frantzosen verrückht. 

15 Gott geb frid und ainigkheyt. 

Der obgemelt krieg zwischen kay: und dem von Gülch ist 
durch ain heyrad verainigt worden, wan konig Ferdinandus, kaysers 
bmder, gab dem hertzogen von Gulch sein dochter zur ee. 

Bischoff zu Coln wurd Lutterisch. 

20 Eodem anno wardt der byschoff von Coln Lutterisch.^) Solch 

wolt rott unnd gemaindt, auch dumherm daselbst nit annemen, wan 
er vermaint underm schein Lutterisch der statt Jurisdiction einzu- 
ziehen. Dz clagt sich die statt Cöln und capittel dem kayser, der 
batt stillstandt. 

25 Reichsztag zu Speyer. 

Anno domini 1543 solt ain reichsztag zu Speyer sein; der 
wurdt verzogen bisz anno domini 1544 am tag conversionis Pauli.®) 
Da kam erst kay: may: aigner person gen Speyer. 

1 Sitthartt St^. \ Uangitber Sl^f Hengstberg H^. 3 auK F. : ao auch I£i, Hf>; auff Fen- 
del «'. 7 3!u Bussel Ä». 8 monat soldt, iolohs H^. 12 Neanwegen «>/ Neuinagen 
H^, Ht>. 14 Terrüokht, hatt aber wider ihn nicht viel auszgericht 8i^. 15 Gott — ain. 
fehlt H^, B^f 8t^, $9 nnderm schein, wie sie fargaben H^f vermainten, er ward ander 
dem evangelischen schein... einsiehen H^. 24 batt: «o awh U^f gebott Hi; both frid 
and 80, 

*) Sittard, Heinsberg (zioischen Jülich und Eoermond). — *) Venloo. — 
^) Martin von Rossem s, o. S. 280, 282, — *) Nimwegen, — *) 1543 legte Erz- 
bischof Herman von Köln den Ständen seinen Reformationsentwurf vor; wäh- 
rend diese damit einverstanden waren, erhoben das Domkapitel, die ünivei'sität 
und der Rat der Stadt Widerspruch, — •) 25, Jan, 



— Ö86 — 

Marggraff Görg stirbt. 
Auno domini 1544 vor fasznacht') hatt inargraff Gorg zu 
Onoltzbach sein dochter hertzog Christophen vonn Württemberg 
verheyratt, aber ehe das beyschlaffen gesehaeh, ist marggraflF Görg 
verschieden. 5 

Pfaltzgraff Ludwig stirbt. 
Eodem anno doniiniea oculi ^) ist pfaltzgraff Ludwig zu Hay- 
delberg der fridmacher — von wegen dz er bey vilen unruwigen 
teudschen fursten frid und ainnigkheyt gemacht und erhaltteu — 
genandt, in paralysi gestorben unnd in egressu eins animae zu lo 
Haydelberg ain vast grosz ungestüm gwitter am himel gewest, alsz 
ettlich geacht anzaigende, dasz der fridmacher teudscher nation, 
durch welchen demselben Gott frid geben, hinziehe unnd nun grau- 
sam unnfrid den teudschen getrewet werde. 

Byschoff aus Corsica stirbt zu Speyer. 15 

Uff obangeregten reichsztag zu Speyer umb judica^) ist der 
byschoff von lüayu**) in Corsica ligend, bey kay: may: seer ausehen- 
lich und gar verstendig gewesen, verschiden, welcher angestrichen 
sitzendt in byschofflichen klaidern, uf die welschen art, mit grossem 
bracht in die thomkirchen getragen, nach figurierttem selampt da- 20 
selbs in denn königschor begraben worden. Hatt der kay: solch 
bystumb seines cantzlers desz Gronfelders son^) verliehen. 

Kayserisch kriegvolckh wurd geschlagen in Sopoy. 

Uff hievor bemelttem reichsztag sein dem kayser vier presagia 
futuri mali begegnet, dasz erst als sein kriegvolckh am anndern 25 
ostertag^) hat die kriegsleuth in der statt Carbonica, sonst Gardion ^) 

10 animae aus St^; vinem H^, U^, R, 13 ietznnd säliglich hinfahre i/«. 17 Hyain i/<. 
26 kriegaleath aus U^, Sf^; kriegsleacht B. | Carbonia 8t^. \ Gardion: so auch H^f Gor- 
raion 8i^. 

') vor 2. März: die Hocheeit zwischen Herzog Christoph und Anna 
Maria, der Tochter des Ansbacher Markgrafen Georg, xcurde geschlossen 27, Fthr, 
1544; der Markgraf starb 27. Dez, 1643. — *) 16. März 1544. Von des Pfalz- 
grafen Ludwig Bemühungen um den Frieden redet Widman z, B. hei den 
Packischen Händeln o. S. 24(J. 241. — *) 30. März 1544. — *) Hiayn kann 
nichts anderes sein, als ein freilich sehr gröbliches Abschreibet^^erderhnis für 
Ajaccio. — ^) Oranvellas Sohn Antonius, der schon 154() (Seckendorf 3, 296) 
Bischof von An-as war. — •) 14. April. — ') Die am 14. April 1544 gelieferte 
Schlacht, in welcher der französische Feldherr Graf von Knghien zu Ceresole, 
unweit Asti, einen Sieg über die Kaiserlichen erfocht, wird sowohl nach dem 



— 28? — 

genandt, in Sophoy ligendt, vom Frantzosen belegei-t entsetzen 
wollen, sein die Frantzosen unnd Schwcytzer, der bey funflzehen- 
tausent gewesen, hinder sie kommen, bey 10000 erschlagen, und 
bey 3000 die Schweitzer gefanngen, nit ferr von der walstatt in 
5 ain statt Carmiol *) genandt inn ein alt schlosz gelegt, darinen drey 
tag und nacht gefenglich gehaltten. Sein in solchem altten schlosz 
bey 600 dise drey tag der verwundten gefanngen gestorben, drey 
hundert gefangner Hispani uf die galler verkhaufft, aber die andern 
teudschen gefanngen, ausz bitt der Schweitzer, bisz in Schweitzland 

10 verglait, doch vor geblundert, und mit weyssen stäblin ziehendt 
ledig gelossen worden. Die Schweitzer haben sich vast wol als 
feind^) gegen den landzknechten gehaltten. Esz sein bey 1400 
vom adel, uf kaysers seytten gewesen, umkomen, unnder welchen 
Gabriel Seybolt, fenndrich unnd Christoph sein bruder veldweybel, 

15 bede von Münckhen, fraw Agatha Senfftin sun, Joachim Schletz 
leuttenam, zwen herrn von der Laytter,^) so schenckh Wilhelmbs 
zu GaildorflFs gemahel brüder geweszt, unnd auch AVilhelm von Rosz- 
dorflF erschlagen worden. 

Das annder presagium, kay: may: hatt am dinstag nach can- 

20 täte"*) dem hohmainster teudschordens hern Wolffganng Milchling^) 
lehen gelihen, hatt der lehenstul, alsz er mit den fursten geschwerdt 
worden, angehebt zu brechen, das wenig gefeit, er wer mit dem 
kayser zu boden ganngen. 

Cantzler Navis badet. 

25 Dasz dritt so ist kaysers oberster cantzler Navis zu Speyer 

mit seim weib und dochter in aines burgers wasserheuszlin gangen. 



5 Carmiol: ao auch fl', JST*/ Carraol St^. 7 gefangnen H^, H^. 12 vast als freund H^ ; 
sich als frenndt H^. \ 1400 am 8i^\ 14000 R. 14 Seyb. : 90 auch i/i; statt Seyb. : Senfft 
8t^! Seybot HK 18 erachoizen word. 8l^, 20 MihUngs lehen St*. 21 betchwerdt 
Word. H^, St*. 25 kaisers oanteler, der herr von B >, U^. 

eben genannten Orte, als nach dem nicht weit entfeimten Carignano f= „ Car- 
bonica") benannt, — *) Carmagnola, ztoischen Ceresole und Carignano, — 
') jfhahen sich in Anbetracht ihrer Stellung als Feinde sehr freundschaftlich 
gehalten^; dies ist auch die Meinung der Varianten von i/*, H'', In der 
Schlacht selbst dagegen haben die Schweizer gegen die Landsknechte ohne alles 
Erbarmen gewütet, Egdh, 3, 432. — •) Schenk Wilhelm HL von TJmpurg- 
Gaildorf war vermahlt mit Anna, Freiin de Scala (von der Leiter): deren 
Brüder sind hier gemeint. — *) 14. Mai 1544. — *) Über diesen s, o. S. 281 : 
seine Wahl zum Hochmeister war nach dieser Stelle geschehen in der Woche vom 
15.— 22. ApHl 1543, seine feierliche Belehnung durch den Kaiser aber fand 
tben auf dicftem Speierer Reichstag statt am 14. Mai 1544 : hiebei hat nach 



• 

in willen darin ain gloch^) zu haltten. Ist die brückh*) mit inen 
gewichen, sein in sewe gefallen, und wa nit durch ire diener ausz 
dem sewe gezogen, werens al ertrunnckhen. 

Das vierdt am mitwoch nach cantate ^) gen obend ist Römischer 
konig Ferdinandus mit ettlich seiner diener uf dz veldt zu hetzen ^) 5 
geritten, hatt sich vom Reinberg hinder Speyer ain ungestumb ge- 
witter mit hagel erhebt, welcher alle frucht unnd wein zwo meil 
breyt und vier lang bisz gen Neckhergmundt, und dz pferdt, darauf 
der könig gesessen, und sonnst aines seines dieners pferdt, der 
hagel erschlagen, also dz der kunig uf ain ander pferdt, und von lo 
allen seinen dienern kommen, nit mer dan selbander zuletzst dem 
Wetter in dz thorheuszlin zu Speyer endtritten. 

Pfaltzgraff Friderich legt seines bruders concubinen 

in verhafftung. 

Anno domini 1544 alsz pfaltzgraff Ludwig verschiden,*) hat 15 
sein bruder pfaltzgraff Friderich, welcher die pfaltz besessen, un- 
angesehen dz er und sein bruder pfaltzgraff Wolffganng sich im 
leben pfaltzgraf Ludwigs verschriben, seiner dirnen, frauw Margret ^ 
genandt, welche ains khauffmanns dochter zu Cöln geweszt, wasz 
ir pfaltzgraff Ludwig vermöchte,^) hinderzulossen, der doehter dz 20 

1 gloch: «o auch B^, H^; geloch StK 5 hetzen aus H*, H^ fSty ; hotzen S, 16 Frid. 
fehlt U\ 20 verrnachte, hindersael. H*, H^; yermacbt, ohn hindernuss sue lassen St^, 

Sechend, 3, 474 auch der Kurfürst von Sachsen dem Kaiser die ihm eukommeti' 
den Dienste durch Vortragen des Schwertes u, s. w, geleistet, — *) fränkische 
Aussprache für Gelage. — ') der im Wasser angebrachte Boden, worauf die 
Voi'richtungen für das Zechgelage angebracht waren. — •) 15, Mai 1644, — 
*) Zur Hetzjagd, — ^) nach S, 286 am 16, März 1544 (nach Seckend, 3, 474 
dagegen am 15, März), — •) Die y^schöne Frau von Coln^ (so in der Zimme- 
rischen Chronik 3, 406)^ welclie des Pfalegrqfen Konkubine war, hiess Marga- 
rete von Legen, sie war nach Behauptung einiger vom Adel, Ihre Tochter, 
die ebenfalls Margarete hiess, wurde zu Graf Ludwig von Ottingen ins Frauen- 
Zimmer getan und gelangte bald in so hohe Gunst bei der Gräfin von Ottingen, 
dass sie dem jungen Grafen Ludwig zur Frau gegeben wurde. Zu diesem 
Zweck vmrde beim Kaiser ausgemrkt, dass sie den Namen einer Gräfin von 
Lützelstein erhielt, obwohl sie die Grafschaft von Lützdstein selbst keineswegs 
mitbekam (Zimmersche Chronik a, a, 0,), — ') vermöchte ist als Konjunktiv 
von vermachte = vermachen würde, aufzufassen. Konstr, : Obwohl er sich ver- 
schrieben (schriftlich verpflichtet) hatte, der Frau , , ., was ihr vermacht werden 
würde, zu belassen, (dieser Frau) deren Tochter , . . dem Sohn , . zur Ehe ge- 
geben worden war, Iiat er doch alsbald ihr alles genommen und sie selbst in 
Haft gelegt. 



— 289 — 

fraulin von Lützelstain genandt, im jar darvor desz alttcn graff 
Ludwigs von Ottingen son geben, zu der ehe wardt, alszbald alles 
sambt dem hoff, den er ir zu Wormbs mit grossen costen gebauwet, 
sie frauw Margret zu verhafftung genomen, ain zaittlanng zu Wein- 

5 heim ^) in desz Elckhamers gemach, volgendz zu Haydelberg ver- 
schlossen hielte. Ist nach lannger verhaflftung wider auszgelassen, 
hatt müssen schweren, sich ir lebenlang zu Weinheim zu haltten 
unnd ausz Weinheimer marckh nit kummen. PfaltzgrafF Friderich 
für alles, so er ir gnumen unnd sein bruder pfaltzgraflF Ludwig ir 

10 testiert gutt ir lebenlanng alle jar vierhundert gülden, ettlich sagen 
nur zweyhundert gülden. Aber anno domini 1556 hat sie pfaltz- 
graff Friderich irer gelübt ledig zeit und ir 45hundert gülden geben, 
und darff seitther wonen wo sie wil. 

Ilieronimus Baumgartner wurdt von Albrecht von 
15 Rosenburg nidergeworffen.^) 

Eodem anno als Hieronimus Baumbgardtner von Nürnberg 
gesandter vom reichsztag zu Speyer haim wolt rej'tten, ist er vonn 
Albrecht von Rosenberg bey Sünszhaim ^) beym holtzlin der Vogels- 
perg genandt nidergeworlfen und hingefürt worden,*) von wegen 

20 dz Nürnberg den Schwabischen bund verursacht soll haben Bockhs- 
perg einzunemen.*^) Unnd ob Hannsz Thoma und Melchior vonn 
Rosenberg ettwas strefflich, sey doch er Albrecht dazumal ain kindt 
geweszt, und haben seine vetter obgemelt ime seinen thail an Bogkhs- 
perg nit verwürckhen mögen ; darauff begert, dz Nürnberg mit dem 

25 churfurstcn zu Haydelberg verfuge ime sein thail an Bogsperg wider 
zu geben. 



1 LOtr.elht. : «o aurh H^; Lutzelburg St^. 2 söhn zar ehe geben HK 5 Manuheini Ji; 
die Äudet^ng in Weinheim Mt vorgenommen nach dem folgenden 8ats. | EIckh. : Erkamert 
H^, H^. 7 Weinheim aus St^f Mainnhara (ebenw nctehher Meinhamer> B^, R; Monhaim 
/7>. 9 so er am 8i^ ; er Jt, 10 ir testiert, ir leb.. . H^. | handert g. H^, 11 Aber — 
geben: statt dessen: unnd anno 1656 hatt sie pfaltzgraff Friderich 400 fl. geben St^. 
16 als. . ., ist er . . . aus Si^, unklare Konsir, bei li. 18 Sfinszheim dem hOltslein St-, 
I Vogelherdt 81^. 25 versohaiTe ime H«. 

*) Nach Zimmerscher Chronik a. a. O, zwang Pfalzgraf Früdrich die 
Frau Margareta, alle ihre Kleinodien herauszugeheti, und legte ihr auf zeit 
ihres Lebens zu Weinheim an der Bergsirasse ihren Aufenthalt zu nehmen. — 
^ Genaue Darstellung des ganzen Hergangs durch Bossert: y^Die Gefangen- 
Schaft des Ilieron. Baumgartner^^ WVjh, lt>S8j 207 ff, — ') Sinsheim in Baden. 
— *) am 31, Mai 1544, — ^) Boxberg (zwischen Osterburken und Mergentheim), 
das Schloss der Rosenberger, wurde vom Schwäbisclien Bund eingenommen und 
gebrochen 15:23, s, HeroU 91 f; über die Rosenberger ebenda S, 163. 

Württ. Oescbichtsqoellen VI. 19 



2ry> — 

li;itf <rr *»;r |j \n'At,r\ß*'U am dofjd<rr*ta;r i na* h Barth* ►It'r-.trv e**«]«!!! 5 
aiifjo, h'-rn yrUUiruU von H<:hw^rt7J:uUrr;: \t ain dorflT nnnder Httheo- 
\HUtW\ii'r^'') U'/t'Uil 7M Y*tr\treu('U, *lfr*z h^rr Friderich ^e»»ffeijKart 
word^ifi, ►i/rh ho Mtarr:kh bi'worbf'n, dz der Ab^^per^er, wol<her aiu 
HUi^nff icttwonUf bat i/iüeH^en weicben, »ich zertrennet; dem die 
Hcliwartzenber^iHdien naeb^revol^, nnnd ir acht am fre\ta^ in ainein lu 
dorff bey Lauttenbairb,'^; dz graff Wolffen van Hohenloe ist, be- 
griffen, in dz reebt geworffcn und gen Weickhershaim ^eftirdt wor- 
den. Aber er und^j dz reeht über Hie verbürgt, batt Jörg vom 
Kain aniptnian zu Jagnperg nein Honn Sebastian mit 2000 gülden 
nnnd Oötz JiOebinger batt Hein nehwa^er Wolff Offner**) zu Insingen ir> 
udeb mit zwey tauHent gublen auHzbürgt.^ Also sein die andern 
oben zu WaiekherHzIiaim uf dem tbum gefanngen bliben. Den ist 
liuimlieli ain Hteigz(;ug in die gefcnnpius gesebiekbt worden, damit 
Hein ir dn^y, nandieli Staebiun Göllin, Görg vonn Rains knecht, ein 
benbnbt(*r reuUcrr und Honnt zwen die fumembstcn, oben vom tbum 20 
genligen, damit (birvon kommen — es gieng mit kreuttem zu'®) — . 
I)i<^ unndern drey waren verza^^, woltt(m sich mit staigen nit wagen. 
Die Hein uf der von Nürnberg unnd Sehwartzenberg begem hefftig: 
gel'urltterdt worden, nein in drey peinlich rcchtztag gesetzt worden ; 

4 HoliWMrUoiibiirfl^ 7/^ 9 mlUion tronnon 01. 19 Wackerib. H\ IS ehe und 77^. 
I .In «IM« 71 1, //A; Rloh It; ihn St*, 14 von Bhaio J7>, H^. 19 Eustachias U^. 34 ge- 
fulUrl N/»/ gofiiltort 77», Il\ 

') liatiM (VtnMloph von Ahsberff^ Amimann zu Lobenfutusen, war ein Sohn 
dvH Jhintt (icort/ von Ahsherg^ brande nhurgischen Amtmanns zu Crailsheim, und 
Unairr (i<:0 berHvhiitjtm Hans Thomas von Absberg, der durch Eiinordung des 
(in^lm Joachim von Ötfingcn J6x*i Anlass gab zu dem bekannten Knegszug des 
Svhwiibituhen Jiundes /A.'AV gegen die Schlösser der Absbergischen Gesellen. 
)\'Fr, H, USI. *) Über diese Fehde s. WFr. 7, 49:.' ff. — ') 29, Aug. 1544. 
*) sonst Schwär :burg odtr Schtcarzenburg. Über die Grafen von Schwarzen- 
bioij, dte in dir At'ihe von AVergcntheim begütert waren und besonders die Herr- 
schien .SeohitHS besusstn, s, U'/V. USöl, 171: Sy 460 und sonst (Beg). — 
•^1 llohentnndsberg ist eines der verschiedenen Schlösser des Schwarzenbergtrs ; 
mit dem darrnttfr tieoenden Dorf ist gemeint Westemdvrf, Wiy. 7. 492. — 
*) iModcnbach, ^n\ Mtrgetdheim und Creglingen. — ^) er \\m\ = eher und, eher 
uis\ *) tib0r ihn .v. <>. X. 'J42, In^ingen s, ebenda, — ") dutrh Stellung von 
/i* *../,*** aus der Cctumt-fischittt batrnt. — ^^) dns i:e:yyf trohl mit Zanh rt>j\ 
tu *((/. *ifr Ja die hmnter *int ./n»>'.>v linUt' Sj'i^Uny s. Liwer ad v. knit. 



5 



— 291 — 

ist Sehwartzenberg und Nürnberg ausbliben. Also sein dise drey 
ledig, doch mit bezalung der atzung erkhendt worden. Unnder 
disen dreyen was ein junger Biest. 

Absperger wurd gefanngen bey Gniundt. 

Alsz aber diser Absperger wie erzelt am abreitten gewesen 
und in Schwäbisch Gmünder wald kommen, haben die vonn Gmündt 
vonn ungeschichten ') uff dem wald nach iren feinden gestraifft, wan 
dazumal ain Diemar*) ir feind gewesen. Ist bemelter Absperger 
inen an die hanndt gestossen, gefangen und gen Gmünd in ein 

10 Stuben an ein ketten gelegt worden.^) Hertz og Ulrich hat gewölt, 
er sey in seiner obrigkheit gefangen worden, unnd begert im denn 
zu überandtworttcn. Nach lannger handlung sein Württemberg und 
Gmündt diser handlung hindern graffen zu Helffenstain kummen, 
der hat erkhendt, dz Gmünd hatt Württemberg müssen tausendt gld. 

15 geben, den Absperger lossen. Ilierauff hat der H: Ulrich disen 
Absperger ledig gelassen, hingegen hett er ettlich Gmündische an 
die herberggehn Schorndorft* gefangen auszgelassen, und hatt Gmündt 
bayder partey gefangenen costen und atzung - - die ob 20 wochen 
— bezahlen. 

20 Eustachius Gollin wurd gefanngen. 

Obgemelter Eustachius unlang nach seim auszkhommen, alsz 
er mit ettlichen bey aim dorif bey Brackhanaw^) im Württemberger 
landt gelegen hingeritten, ist er uf ain Gmündischen knecht ge- 
stossen. Dicweil aber Eustachius Göllin vorbemelts Diemars be- 
25 fehung mithelffer gcwest, hat er solchen knecht niderzuwerffen 
understanden, welcher im in die heeg desz dorifs empflohen, ein 
geschrey gemacht. Also ist der vogt von Brackhanaw mit den seinen 



3 ledig erk. w. H^ | Unnder — Biest fehlt AT»; Blesch ffS; Plösch HK 8 diener Sti; 

Diomer H*, JT*. 19 Hierauff — bezahlen au3 H^ ; in B verworren. 22 Er.: so auch H^ . 

Backenaw St^; Brackenhaim J7&. 24 dienere 8t^f Abapergcrs 11^, 27 Brackonheim St"*, 
H^. I seinem ampt St^. 

') von ungefähr, — ') Hans Diemar in Lindach; über die Streitigkeit^ 
die er mit Gmünd hatte j 8. WVjh. 1884, 16. — *) Die Gmünder hatten den 
Abshergery der württembergischer Untertan war, wahrscheinlich wegen unbefugten 
Jagens auf ihrem Revier, bei Ädelstetten gefangen genommen, auf Gmünder 
Boden, wie sie behaupteten, während die Gegenpartei sagte auf württembergi- 
schem. Zur Vergeltung dafür Hess der württembergische Obervogt in Schorn- 
dorf neun Gmünder Bürger fangen und in Schorndorf verwahren, WVjh. a. a. O. 
— **) Brackenheim. 



— 292 — 

nachgefolgt, im schlosz zu Herttemenet^kh ^) am Neckher, do Eu- 
stachiiis einkherdt het, betretten. Der uflf rechtlich annschreyen der 
vonn Gmündt gen Neyffen inn thurn zu verhaflFtung gelegt, und 
sein ettlich rechttag der von Gmundt gegen im gestatt. Zuletzst 
ist die sach güettlich hingelegt und Eustachius ledig gelassen. 5 

Sterbent kayserischen und Hessischen kri egsvolckh.^) 

Anno domini 1547 umb purificationis Marie ist herr Bartho- 
lome Dentner, pfarrherr zu Michelbach an der Bulsz,^) ettwan con- 
ventualis'*) zu Mumhart, an der brenne gestorben. Dann alsz 
kayserisch und Hessisch kriegvolckh lang gegen ainandcr bcy lo 
Giengen im veld lagen, ist der schelm die brenne under beede 
kriegvolckh konien, derhalb Hesz umb Anndree, kayser umb Thomc •*) 
anno 46 ausz dem veldt ziehendt gen Hall kumnien, ain grossen 
stcrbendt dahin bracht. Es sein vierhundert zu beder thail krieg- 
volckh underhaltung zu Hall verrordnet worden unnd zu sanct 15 
Nicklausz kirchoff bey drcyhundert inn ein grüben gelegt worden. 

Eustachius Göllin wurdt zu Cuntzelsaw ins recht 

gevvorffen. 

Obgemeltter Göllin hat im Hessischen zug^) dem hertzog von 
Württemberg gediendt, und do kay: may: obsiget, hat er sich zu 20 
Albrecht von Rosenburg ^) thon gen Bockhsperg, denn Schluckher ^) 
zu Cuntzelsaw nidergeworflfen, im viertzig gülden sambt was er den 
kauffleutt von Nürnberg und Stroszberg gefürt gnumen. Schluckher 
betrad volgendt Göllin zu Cuntzelsaw, warff in ins painlich recht. 



1 Hertt: so auchJI^; Hertteneckh iSr<2; Hertemmeck H^. 7 \%i — T) 9,nufthU 8t^. 11 die 
br. fehlt St"^. 20 widern kcytzem gediendt 8t'^, 23 StroBzberg so auch Hi^ f Straazburg 
St^ ; Nurnb. gebn Stroszbnrg U^. 

^) j. Harteneck ; Ort nordöstlich von Ludwigsburg am Neckar, mit Ruine 
der alterty einst den Jleriern von Dusslingen gehörigen Burg, — *) Der Abschnitt 
muss aus dem Zusammenhang des Schmalkaldischen Krieges, in den er hinein-- 
gehört, durch Versehen eines Schreibers hiehtr geraten sein. — •) Michelbach 
a. d. Bilz, OA, Gaildorf, — *) Klosterbruder. — ^) Andrea 30. Nov., Thomä 
21. Des. — ^) = i^ Schmalkaldischen Krieg: auch dieses Stück gehört somit 
ins Jahr 1547, seine Einreihung am vorliegenden Ort ist aber wohl aus der 
Absicht hervorgegangen, die auf Göllin bezüglichen Abschnitte zusammenzii- 
stellen. — ') s. den Artikel von Bauer über die Bosenberg, WJBY. 9, 214—221, 
— *) Schlucker ist demnach ein Künzelsauer Fuhrmann gewesen; der Ort, wo 
er niedergeworfen wurde, muss irgendwo auf dem Weg nach Künzelsau 
gewesen sein. 



— 293 — 

Albrecht von Rosenberg nam sich Gollins ann, sagt er het kay: 
niay: rcbellen, der von Stroszburg gutt gefurdt geachtet.^) Schluckher 
ward geling krannekh, starb man nieindt nit on giflft. 

Alsz Gollin ain viertel jar gfangkhen gelegen, war er datings- 
5 weis^) anszgelossen. Schluckhers sun must zwey thail zalen und 
war dannoch vom Gollin unnsicher. 



Verachter reichsztag zu Wormbs. 

Anno domini 1545 alsz babst Paulus ain conncilium zu Triendt 
natalis domini anzufahen gehaltten werden publiciert, hat kayser 

10 Cahrl ain reichstag zu Wurmbs prima decembris anno 1544 zu 
halten anszgeschriben, volgendt denselben bisz uff trium regum 
anno 1545 gelegt. Ist der kayser und konig Ferdinandus erst umb 
ascensionis domini dahin kommen,^) aldo bisz montag*) nach Bartto- 
lomey verharret. Ist nichtz gehandelt worden, wan khain weld- 

15 lieber fürst, auszgnumen pfaltzgraff, dahin kommen, das concilium 
dardurch verhindert worden. So begert der kayser die Turckhisch 
eingenomen anleg; die woltten im die reichsständt nit geben. Darzu 
must der bäbstisch legat geferd halber vonn solchem reichsztag 
haimlich hinweg reitten.^) Damit man aber nit sagt, dz gar nichts 

20 auf solchem tag gehandelt wer, ist wider ain reichsztag prima 
januarii^) anno 1546 zu Regenspurg der religion und ander reichsz- 
sach halb gehaltten. Wann es dazumal übel im reich stondt, und 
dz cammergericht uflfgehebt war zu handeln, unnd soltten die altten 
und newen religion anhenger acht man geben, die prima decembris ') 

25 zu Regelspurg vor solchem reichsztag soltten ankhommen und die 
strittigen artickhel der religion berauwerckhen. 



5 daidingsw. i/», Hf>. | thail an der atzung Sl'^, HK 8 Paulus der dritt 8t^, 10 den 
ersten aept. i/'. 12 prorogirt St^. 17 anlag St^, H», UK 2i bapiston und ovange- 
liscben anhenger HK 26 der lehr halb 11^. | berittigen St^. 

*) er habe geglaubt, es werde hier Kaufmantisgut geführt^ das den Re- 
bellen des Kaisers gehöre, Strassburg und Nürnberg waren am Schmalkaldi- 
schen Bunde beieiligt, Rosenberg dagegen stand auf kaiserlicher Seite, — 
'*) teidigungsweise. — ^) ungenau; Christi Himmelfahrt war 14, Mai; der Kaiser 
aber kam nach Sleidan 431 erst 16. Mai nach TForm«, Ferdinand dagegen war 
viel früher auf dem Platze und eröffnete den Reichstag schon am 24, März. 
Egelh. 2, 440, — *) 31, Aug, — ^) Der Legat Kardinal Farnese musste bald 
nach Pfingsten f weil die allgemeine Stimmung gegen den Papst sehr et^regt war, 
heimlich bei Nacht aus Worms weichen, Sleidan 433, — ^) Nach Egelh. 2, 443 
vielmehr auf 6, Jan, — ^ genauer : vom 30. Nov. an, Egelh. 2, 443, 



— 294 — 

Das keysers sünerin und sobns son und konig 
Ferdinandi dochter sterben. 

Uflf solebeni rcicbsztag in der wocben vor Jobannis ^) ist kayser 
Carl ain bost kommen ausz Hispania, dz sein sünere^) desz kunigs 
zu Portugalia doebter sey aines suns genesen. Hat man zu Wornibs 5 
mit grossen freudcn freidenfeyer gcbaltten. Am dritten tag bernacb 
ist wider post kbommen, dasz gedaclite küuigin sey versebieden. 
Dergleichen ain monat darvor konig Ferdinando post kommen, dz 
sein doebter^) die künigin zu Poln sey todt. Also bedc berrn mit 
clagen vom reicbsztag geacbiden. 10 

H^: Uertzüg von VV ürttenbcr^j last 3 von 

Keuthlingen richten. 

Anno domini 1545 hat der hertzog von Württenbcrg 4 von Rcuth- 
lingcn in seinem voi-st gefangen, so wildtbreth schieszen wollen, dem einen 
hat er lassen den kopff abschlagen, den 2 lassen die äugen ausstechen, 15 
den vierdten so ein knecht gewesen hat er wider gehn lassen; und die 
todten den von Reuthlingen für die statthor lassen setzen, darob bis in 
400 starckh gehalten. — Es ward auch datzumal dem kaiser ain both 
nidcrgeworffen und geschedigt, auch 2 burger von Metz, welche doch mit 
einer grossen summa gelts Schätzung sein wider ledig auszkommen. 20 

Hertzog Hainrieb von Braunscbweig vermeint sein 

land wider einzunemmen.^) 

Nach obgemeltem reicbsztag ') sein knecht im namen dz konigs 
zu Engellandt **) bisz in 15000 zu fuesz unnd 2000 zu rosz an- 
genommen und zu Cobulentz zu mustern bescbieden worden, alda 25 
bisz umb Michaelis^) gelegen. Do ist der vertriben bertzog kbommen, 
nämblicb h. Hainrich zu Braunschweigkh, sein im solch kriegsvolckh 
sein land wider zu erobern zugestelt worden. Hat sein land bisz 
an Wolffenbüttel erobert. Lanndtgraff von Hessen und sein Scbmalk- 



5 Dem hat man i/'. 6 freidenf. : ao auch H^; fridenfewer JI^. 37 sein im: so auch 11*; 
ist im i/». 

*j U,~20, Juni 1545. — *) 3faria, mit Karig Sohn Philip}) vettnäJilt 
seit 1543, — ^) Ferdinands Tochter war verheiratet an den Sohn Sigismunds 
des Königs von Polen. — *) Ein genauer, unzweifelhaft von dem Landgrafen 
von Hessen selbst herrührender Bericht über diesen Kriegszug findet sich hei 
Hortleder i, 1925—31, Dieser Bei'icht scheint wenigstens mittelbar auch der 
Darstellung Widmans sugrunde zu liegen, da das bei der Übergabe geführte 
Gespräch beiden gemeinsam ist, während freilich Widmans Zahlen über die 
Ti-uppen zum Teil befremdliche Abweichungen zeigen. — •) Der Reichstag zu 
Worms schloss 4. Aug. 1545, — ^) Vielmehr^ nach der Behauptung des An^ 
werbenden, Christophs von Wriesberg (s. Hortleder a. a. 0.), für den König 
von Frankreich, — ^) 29, Sept. 



— 295 — 

haldischer bund het kriegvolckh, wasz standen und stab^) mocht 
tragen, angenomen, stett gaben geldt darzu, unnd am mittwochen 
21. octobris den hertzogen von Braunschweig unnd sein elttern 
sohnn sambt alier summa kriegvolckh umbzogen. Hertzog Hainrich 
5 hat gehabt 23000 zu fuosz, 11000 oder nit sovil zu rosz.'^) Der 
churfurst, Uansz Friderich und Moritz, beede hertzog zu Sachssen, 
landgraiT von Hessen, hertzog Ernst von Braunschweigkh und 
Selnnalkhaidiseh bund haben gehabt 2600 pferdt unnd zwaintzig 
anderhalbtausend zu fuesz.*) Sein zwischen Wer^) und Northaim 

10 landwer an dem wasser die Rum ^) genandt zusammen kommen. 
Da nun hertzog Hainrich gesehen, dz er übermenigt gewesen, haben 
uflf sein begern hertzog Moritz von Sachsen, margraflf Hansz von 
Brandenburg, hertzog Ernsts von Braunschweig wittfraw unnd ir 
söhn hertzog Ernst etc. bcy landtgraven underhandlung angesucht, 

15 aber niehtz erlangt, dan dz landgraflF gesagt, er wöU vatter und 
söhn in seiner band haben, dz herzog Hainrich sich zu thon be- 
willigt unnd hertzog Moritz lanndgraflfen gebetten, dz er sich gegen 
hertzog Hainrich mit wortten freundlich wöU haltten. DarauflF 
lanndtgraflf gesagt, ich wil in fürstlich haltten. Ist also hertzog 

20 und sein söhn Carolus Victor im feldt zum lanndgraven khommen, 
und hertzog Hainrich gesagt zum landtgraven: öhem, da stell ich 
und mein sohnn unsz inn eurer liebe handt. DarauflF landgraflf: 
Wann du mein, als ich dein so gwältig werest, so wurdestu mich 
nit leben lassen. Ich will mich aber besser gegen dir haltten, 

25 dann du verdient hast. Darauflf het der landtgraflF an h: Hainrich 
kriegsvolckh bcgert, dz sie ime drey monat nit wider Schmalkhaldi- 
schen bund soltten raisen und geloben, und nit heuffig^) sondern 

1 seine bundvenranten H^; sein bandgenossen Ui. 4 allem Beinern St^, H^ ; allem H\ 
7 Ernst von Grabenhagen U^. 8 swaints. etc.: ao auch U^; 20 000 St*. 9 Wirn St"^ ; 
Wcbr U I, HK 11 ttberlengt H^; übermanndt B i. 13 unnd — Ernst fehlt Hi. 32 unsz 
auü St^, fehlt Bf ich mich und . . . HK 27 wider dlsen bundt H^. 

*) Stangen und Stöcke, die pnmitivsten Waffen, 8, Lexer ad v, stap. — 
-) Diese Zahlen, die dem Braunschweiger eine Gesamtmacht von 34000 Streitern 
geben, müssen durchaus auf einem Irrtum beruhen, da er ja sonst gegenüber 
den etwa 35000 Mann der Gegner sehr im Vorteil geicesen wäre. Die Zu' 
sammenstellung im Landgräfischen Bericht ergibt nur 13500 Mann (so auch 
Egelh, 2, 444), Es liegen also wohl Schreibfehler vor für 13000 und 1000. r- 
^) 2600 und 21600: diese Zahlen stimmen' genau zu dem BericfU bei Hortleder 
(Sleidan dagegen gibt als Gesamtzahl 25200, Egelh, 25600), — *) Wer, bei 
Hortleder 1, 1927 : Wien; „bis an die Landwehr, zwischen Wien und Nord' 
l^im^, Nordheim im Beg.Bez. Hildesheim, — *) Die Mhume, närdlich von 
Göttingen. — •) nicht in grossen Haufen, sondern in kleinen Rotten, 



— 296 — 

rottvveysz abziehen. Desz dz kriegsvolekh gewegert. Ist inen der 
landtgraflf gewalttigglich nachzogen und sie gemüssigt, dz sie sechs 
nionat wider denn Schmaikaldisehen buudt nichtz zu thon geloben 
haben müssen. 

Lanndgraff überzeucht hertzog Ilainrichs helffer, r> 
graff Hansz von Schauwenburg. 

Unna dieweil graflf Ilansz von der Schauwenl)urg ') hertzog 
Ilainricli von Braunschweigkh angehangen, ime geschütz gelielien 
unnd dz lanndgravcn lehenmann ist, also hat sich lanndgraflF mit 
seinem kriegsvolckh nach sein graflf Johannsz haubtschlosz gewendt, lo 
unnd hat Buckhenburg*) desz graflf Haussen bruder, unnd landt- 
schaflft eingenommen, unnd bey lanndgraven erlangt, dz er abzogen, 
doch caution thon müssen, dz er graflf Hansen zu Bockhenfeldt ') 
nit soll wider einkhommen lassen, er hab sich dan diser ver- 
wirckhung halber mit dem lanndtgraven vertragen. 15 

Also hatt lanndgraflf graflf Otten von Rietberg ^) h. Hainrich 
von Braunschweig helflfern überzogen, Riettberg bezwungen, dz die 
so darin gewest Riettberg dem lanndgi-aflfen alsz solch schlosz lehen- 
hern und dem graven von der Lip,^) graflf Otto nechst gesipter, 
haben eingeraumbt, Inhalt dz brieflTs derhalb uflFgericht. 20 

Demnach hat hertzog Hainrich unnd sein son sich gen Marckh- 
burg^) von landgrafen gefenglich '•) geben müssen, aber über ettlich 
tag hertzog Hainrich von seinem son gen Ziegenhain lassen füren, 
aldo in verhaflftung gehaltten. Also ist der landgraflf mit seinem 
kriegsvolckh abzogen. Die Schmalkhaldischen haben desz Lutters 25 
rott '') gehabt, wie sie sich mit beeden gefanngenen hertzogen sollen 



3 wider dison b. 1/'. | ca dienen //&. 8 boylcgung gethon H\ \ goliehen au8 H^ ; go- 
ligen li. 9 lebenns. war 8t^, 13 zu au» St^, Ilt, fehlt H. 17 so anch . . . Braun- 
schweigB helffer war iSf^. 20 inh, — «ffg. fthli HK 21 Demuach etc.: so auch H*, /f&/ 
bau landtgraff berts. Heiur. . . gen Marckhburg, aber . . 8t^. 25 Dise bundsverwanten 
UK 26 rhat H^; doctor Luthers rbat UK 

*) i. Schaumhurg, ehemalige Grafschaft im tccstphälischen Kreis, zwischen 
dem hannoverischen Fürstaüum Kaienberg und dem Fürstentum Minden, — 
*) Bückeburg, östL von Minden: Buckhenhurg ist Objekt und mit landtschajfft 
zusammenzunehmen : bruder ist Subjekt, — *) ^= Bitckeburg. — *) Bictberg, 
nordwestl, von Paderborn: Graf Otto hatte für den Herzog Heinrich bO() bis 
1()(X) Beitel' und 3000 Knechte zusammengebracht, s, Hortleder a, a, O. — Die 
Belagerung Rietbergs geschah nach Sltidan 440 am 31. Okt. — *) Lippe, — 
•) Marburg. — ^) von landgr. gefeiif^lich = als ein vom Landgrafen gefangen 
Gehaltener, — •) Hat. 



— 297 — 

haltten, der ein hitzigen radtschlag, im druekh auszganngen, dz 
man heed hertzogen nit ausz verhafftung soll lassen, inen zu- 
geschickht. 

Seh malkhaldisch bundtstag zu Frannckhfurdt. 

5 Umb Nicolay *) eodem anno hat die Schmalkhaldisch bundnus 

ain tag zu Frannekhfurt gehalten, hat gewert bisz uff Mathie.'-*) 
ByschoflF von Coln ist widern kaysern, gebeutt seim capittel unnd 
statt Cöln, die sich im widersetzt, Lutterisch zu werden. Der- 
gleichen auch pfaltzgraflF Friderich ist uff disem tag inn die 

10 Schmalkhaldisch beständnus kummen, Lutterisch worden, wan er 
seins bruders söhn hertzog Ott Hainrich unnd Philips zu Neuwen- 
[burckh]'') betten mit ir hof!*haltung zu heisz gebadet, dz sie der 
doster und stifftsguetter bedörflften. Uff disem bundtstf^ vcrabschied 
worden, uflF anno 46 prima aprillis zu Wormbs wider zusamen sollen 

15 kommen. 

ßaumgardner wurdt auszgelassen. 

Anno domini 1545 uff ernanndten tag zu Wurms ist gehandelt, 

dz vorbenanndter Baumgarttner *) acht tausendt, unnd desz Gretters 

sun -') zu Überlingen mit zwey tausendt gülden, Albrecht von Rosen- 

20 bergs gefangen sich auszgelöszt haben und dadurch sein befeden 

mit Bockhsperg unauffgehebt sein. 

Hefftiger krieg zwischen Franckhreych und 

Enngellanndt. 

Eodem anno hat der krieg zu Frannckhreich unnd Enngel- 

25 landt®) hefftig mit brand umb Egidii bisz in wintter anainander 

gewehrt, mit angriffen, also dz denn wintter vil lanndsessen weib 

und kindt uf dem feld erfroren und hungers gestorben. Die 

Schmalkhaldisöhen zu Frannckhfurt haben ir legatten zu beeden 

1 aaszgeen latgen H^, H^. ' 2 der zeit noch nit HK 5 die eyangelisohen btmdsycr- 
wanten H^. 7 ist: so auch H^; war . ., gepott . . JIK 10 verstentnusz St^; inn hU 
knmmen fthlt K'. 11 aöhn aus //'; sobn R, \ Philips, sagten die bapisten HK 12 Neu- 
wcn[barokb] : zum Neuwenbraarckh (Verschrtibung) U. 13 Uff — kommen feMt St^. 17 Anno 
bis geband. : ttatt dessen: anno . . . hielten die SchmalkaldiKchen aber einen tag zu Wormbs, 
würdt gehandelt, dasz . . . Si^. In andern Wendungen H^. S6 bisz — angr. aus H^, ver- 
stümmelt in B, 

^) 6, Dez, 1545 : nach Egelh, 2, 446 wurde der Bundestag erst am 16, Dez. 
eröffnet, — ») 04, Febr, 1546. — ') Pfalz- Neuburg, — *) s. 0. S.:289. — 
^) „Rosenberg hatte noch einen Greter von Biberach gefangen genommen, um 
den Druck auf die Stände zu verstärkend^ Bossert, WVjh. 1888, 215. — 
«) Über diesen Krieg s, Sleidan 385. 401. 411. 



— 298 — 

ernandtcu kunigcn geschickht umb ainigiing willen, aber sie nit 
vertragen mögen. Die ursach disz kriegs ist, dz Engeiland mit 
seinem sun, unnd konig in Schottenlandt mit seiner ainigen doehter 
und erb seines konigsreichs, wann bede jungen noch unmündig, 
sponsalia gemacht, unnd dieweil volgendt konig in Schottlannd ver- 5 
schieden, hatt Engellandt begert desz konigs von Schottland nach- 
gelassene dochter ime in Enngellannd zu schickhen, darin bisz sie 
mannbar werdt zu erhalten; woll er Schottland durch seineu ver- 
ordneten statthaltter versehen. Welches die proceres in Schotten 
gewegert, gesagt, sie werden ires gestorben künigs dochter alsz lO 
ainigen erben dises kunigreichs nit ausz dem reich lassen, sonder 
Engellandt soll sein sun zu in senden, dem wöllens treulich vor 
sein, bisz ir künigin erwachse. Uff solches hatt Engelannd Schottiam 
angriffen, welche Schotti Franckhreich vermög ainer bundnus umb 
hilflf angesucht, der was bundnus vermag solchen Schottis von kriegs- 15 
volckh zugeschickht. Hat Enngelandt sein zug von Scotis uf Franckh- 
reich gewendt und also ainander mit brandt schwerlich zu beder 
seitt angriff'en. 

Colloquium zu Regen spurg. 

Anno domini 1546 hat dz colloquium zu Regenspurg^) an- 20 
gefanngen, ipso die Chrisostomi *) eodcm anno. Sein von kayser: 
mayestatt Presidenten Mauricius von Hütten, byschoflf zu Aystet"^) 
und graflf Wilhelm von Furstenberg, aber die collocutores uff der 
Lutterischcn seytten Butzer predicant zu [Straszburg],^) doctor Erhardt 
Schnepff, Ordinarius zu Tubingen, Johan Prentz, predicandt zu Hall 25 
unnd Görg Mayer ^) von Wittembcrg, aber uff der bäpstischen seitten 
doctorcs Johannes Cocleus, cauonicus Aystetensis, Johannes Hoff- 
mainster^') zu Colmar, Petrus de Malfido') kay: may: confessor 
und prcdicannt, unnd Eberhardt Billich *^) proviiicialis Carmelitarum 
Coloniensis, spectatores; aber uff der Lutter seytten doctor Lau- 30 
rentzius [Zoch], Sachsischer ratt graft* Wolffrad von Waldeckh, 

13 kOnig H». 16 von kricgavolckh aun St^; kriegs Üf. 24 pred. »u Nürnberg B, 26 Würt- 
temberg 8i^. I uff der alten rcligion St^. 28 Hoffm., provincialis Ordinarius Si^. 30 Lut- 
teriechen 81^, H^, H^. 31 [Zoch]: Kich H; Koch St^. 

*) 6\ SeckendorfS, 622 f,, Bossert in Württ. Kircheiigesch. 363. — «) 27. Jan, 
— ■) EichstädL — ^) Die Lesart in B, wonach er Prädikant zu Nürnberg ge- 
ivesen sein sollte, muss auf einem Irrtum beruhen. — ^) Gtorg Major, der nach- 
lieHge ^.Bhüippist.'' — ^) August inerprovinzial — ') Malvenda, der ^Pariser 
Doktor''. — ®) Nicht zu verwechsein mit BillicanuSy dem Beformator Nord- 
lingens. 



— 299 — 

Baithas von Gültlingcn, unnd spectatores uf der bapstisehen seytten 
der herr von Loxan, kay : ratt, doctor Casper von Kalttenthal, thom- 
herr zu Augspurg, Niciaus Ilsing, haubmann zu Regenspurg. 

Concilium zu Trient. 

5 Dasz concilium zu Trient ist indiniiert') worden den 19. de- 

cembris-) und volgend anno domini 1546 den 9. jannuarii, vviewol 
natio germanica nit erschinen. 

Lutter stirbt. 

Esz hat sieb zwischen den graven vonn Manszfeldt ain stritt 
10 ainer pfarr halber erhebt,^) die zu befriden hatt hertzog Hannsz 
Friderich denn Lutter gen Eyszlaub von dann er burttig ist ge- 
schickht. UflF solchem tag ist er kranckh worden unnd in der nacht ^) 
verschieden. Nachvolgend gen Wittemberg in ainem zinin sarch in 
die kirchen begraben worden. 
15 Anno domini 1545 umb Jacobi*) starb marggraflf Albrecht 

ertzbischolf zu Maintz und cardinal; wurd ein thomherr daselbst 
herr Sebastian von Heuchstain^) doctor byschoff. 

Reichsztag zu Regenspurg der 3. 

Anno domini 1546 wurd ein reichsztag zu Regenspurg fur- 

20 genommen, ritt kayser Carl ausz dem Niderland daruf ; unnd alsz 

er kam freytag ') nach reminisccre zwischen Wurmbs unnd Speyer 

uf der strosz zu der Ncwenhutten, wardt do sein der landgraff von 

Hessen, stond im veldt gegem kayser mit gehörender reverentz ob.^) 

1 Oulilingon aus St^, Hi; Qillinffen J^. | bapst. : so auch U^ ; alten Sf^. 2 LoUan S/2. 
5 indimiert: «o auch R^; ist gebalten worden auf Rasur, von anderer //a»«/, //*. 8 />er 
Ahmt3 fehlt St^. 11 don doctor Lutber i/', B^. | Eysziabcn i/i, 11\ 14 worden den 
22. Febmarii //&. JO ritt aus 8t*,- mit B; und ritte H^; sog //'. 21 er aus //«, 
St^, feJtU Ji, 23 aldo warttet H*, HK | war da der St*. 23 ab St*; statt stond . . ob: 
neigt »ich //*, 

*) wohl Verderbnis für intimiert; von y,IntimaUon und Verkündigung 
des Koncüii^ ist z, B. die Rede in dem Abschnitt: ,^W(is für Ordnung bei 
Kr Öffnung des indentinischen Concils gehalten,^ Horileder 1, 607, Diese Ver- 
kündigung war freilich schon 1544 geschehen^ also müsste es genauer heissen: 
„intimiert auf den 19. Dez,'* — ^) Die wirkliche Eröffnung geschah 13, Dez. 
1545. — *) In Wirklichkeit über verschiedene Funkte, hauptsächlich über die 
Frage, wem die oberste Gewalt übei' die Neustadt in Eisleben zustehe. — *) In 
der Nacht auf den 18. Fcbr, 1546. — *) 5ö. Juli; in Wirklichkeit starb Erz- 
bischof Albrecht am 24, Sept, 1545. — •) Sebastian von Heusenstamm, gewählt 
20. Okt. 1545. — ') 26. Mars. — ») stond ab = stieg vom Pferde. 




— 300 — 

Al8o ritten» mit ainauder gen Speyer, verhaitten clo hisz nf dins- 
tag*) nach oekuli; kam pfaltzgraff Fridericb von Haidelberg mit 
seim gemaliel, war ain künigin vonn Dennmarekh, kayser Carls 
Schwester doehter, auch dahin, luden den kayser zu in gen Haidel- 
berg zureytten. Das schlug er ab; man sagt, er soll pfaltzgrat!' 5 
Fridericb zu red gesetzt haben, warumb er sich wider inn uf jungst 
gehaltten Schmalkhaldisch tag zu Frannckhfurt in solch bundnus 
eingelassen unnd furgenomen reichsztag zu Regelspurg auch nit 
erwart hab. Darutt' soll pfaltzgraflF Fridericb zu red gesetzt haben, 
sein kaysers dochter — sein pfaltzgraven weil) meinend — habs 10 
wollen haben. Dz kay: ein vergeblich red hatt lassen sein. Am 
selben dinstag hielt der pfaltzgraft* dem kayser im Lussart-) ein 
gejJig, lag zu nachtz zu Sünszhaim, am mitwoch zu nacht zu Gun- 
dclszhaim beym Teuschen mainster,^) am donderstag zu Newen- 
stain, aber der gröst hauff blib zu Oringen, unnder welchen was 15 
kunig Ferdinand sun Maximilian, und dz hcrtzogen von Sophoy 
desz keysers Schwester sun, waren zwen schöner junger, ieder bcy 
sechtzehen jar alt. Am freyttag zoch kay: may: durch Geyszlingen 
am Kochen, het ob tausent zu rosz, die alle in schvvartz carmasine 
samatkleider, ir wottseckh *) unnd alles so an pferdten wasz samet, 20 
ir strickh seyden. Obgenandt zwen junng Ferdinandi unnd hertzog 
vonn Sophoy sun assen zu Geyszlingen in ainem gartten nnder 
ainem zeldt zu morgen. Vor dem essen vil kürtzweil, under anderm 
schusz hochernand Maximilian mit ainer büchsen zu drevcn schlissen 
drey spatzen von ainer scheuwren. Nach dem imbisz ritten bede 25 
jung fursten wider darvon. Nach ainer halben stundt kham kay: 
may:, ritt neben im der jung graft* Albrecht zu Onoltzbach und 
marggraf Hannsz, marggraflf Johanns sun. Alsz kay: may: zu dem 
wurtzhausz kam, stond er uf dem nüst ob und sasz gleich wider 
uf ain ander pferdt, ritt gen Creilszhaim, do blieb er mit gantzem 30 
zeug übernacht. Die zvveen tag darvor ritt der herr von (Jronn- 
feldt — sein son ist ain byschoff zu Arrisz ^) — unnd ander herm 
mehr, al kayserisch, durch (iayszlingen, der mererthail inn sammat 
beklaid, auch an tausendt pferdt angeschlagen. Desz von Gron- 



S auch nit atm 8t^, fehlt U\ U^. 9 ffeantwordt hal.on Sti ; gesagt h. H^. 11 d* der Kaiser 
also batB lai^sen aeln H^. 12 so auch H» ; Luschart U''. iPcarra.: toauchU^, H^f carmasiten 
St*. io wotts. : «o anch H*, H^ ; waidPÄckh St^. 23 vil agilitet Ä/». U hochermeltor H\ 
:J7marKrafrS/», HK 38 Joachira« sun St^, H', //^ 2» ab St^, JI^, U^. 32 war i/». 

') 30. Märe. — *) LuHsheimtr Ilardt, iresü, von Schwdsinocn ? — ^) Dan 
oben zu 6'. iiSl ettoithnten Schutsbar Milchling. — ^) wataack Maniehack, 
Fdleism, Sehnt. — ^) — Ärras, 8, o. S, ^'66'. 



— 301 — 

fcUlt 8on sasz in ain nachen, nf dem Kochen, gavliert,') fiel ans 
dem schyflf, war schier ertrunckhen, wa sein lackhay im nit ge- 
holflfen het. Der annder kayserisch haulf und dem hoflf anhangende 
sein durch Franckhen und Wurttemhergisch lannd uf Regelspurg 

5 gezogen, alles kay : volgkh bisz in 7000 angeschlagen. Graflf 
Albrecht von Hohenloe het bisz in die sechtzig und der Knoblochs- 
dörflfer statthaltter zu Ohnspach und schenckh Eraszmus herr zu 
Limpurg der zeitt ambtmann zu Craylszhaim bey viertzig wolgerüster 
pferdt. Hohenloe vermaind^) von Newenstain an kay: may: bisz 

10 gen Geyszlingen •, so lagen ernandte marrggravischen zu Geiszlingen 

warttende, dz kay : von Geiszlingen bisz gen Creilszheim zu gleitten. 

Die vonn Hall betten auch ain raysigen zeug bisz in die 

viertzig pferdt, ritten dem kayser entgegen bisz zum landthausz 

bey Brachbach,^) aldo empfiengen sie ir may : in willen von dannen 

15 bisz gen Wolpertzhaussen zu glaitten. Dz wolt Holoch und die 
marggravischen zu Geyszlingen ligendt nit gestatten, geschahen zu 
beden thailen vil hitziger reden, bisz doch kain thail den andern. 
Am volgenden sambstag ritt kay: eylendts uflF Regenspurg fur- 
genommen reichsztag zu und hett gern müglichen fleisz furgewendt, 

20 damit die dissensio religionis veraindt, das cammergericht in pristi- 
num statum gesetzt und justicia in Teitschland wider geauft'*) wurdt. 

Lanndtgraff von Hessen embört sich, will kaysser 

werden.^) 

Nachdem die Schmalkaldischen underra schein desz euan- 

25 geliums verbittert [vermainten,] dz sie allain hern in Teutschland 

woltten sein, also beredt landtgrave Philips von Hessen hertzog 

Hannsz Friederich von Sachssen, dazumal churfurst, er wölt ein 

1 in ein schiff im Kochen H\ 9 ersoffen H^. 5 alles aus St^, Hi, H^ ; also Ji, liibrer 
key: mey: 8t-; von dannen biis gehn Cr. an glaitten H^; warttoten desz kays., wolten in . . 
glaiten H^. 1$ zeug von allcrley handtweroksleuthen, raetzler und karrenpferdt, Bf. 
IH dienstag Jf'. 19 Ditse Sätze »aehlieh gleich, den Wendungen nach aber ander» bei U ^ , U'-^. 
'Jl Juoticia, so biszher gehoncken, H^. | wider in T. gebracht 8t^, 24 wegen des ov. II^\ 
umb dz ev. willen von iren Verfolgern verbitt. H^. S6 zn sein vermaindt St- ; rertrorren 
bei II ' ; erbittert, vermainten . . . einen BOm. Kayser za wOhlen H ^. 

') trieb Mutwillen. — ^) gedachte das Geleit gu geben. — ') an der nord- 
westlichen Grenze des Hallischen Gebiets^ Wolpertshausen nicht fem von der 
östlichen. — *) emporgebracht ; tatsächlich endigte der Iteichstag im Juni 1546 
mit dem offenen Bruch zwischen dem Kaiser und den Schmalkaldischen. — 
^) Der scheinbare Widerspruch zwischen dieser Überschrift und dem ersten 
Satze hebt sich im folgenden, wonach der Landgraf beabsichtigt hätte, dem 
Kurfürsten nur die äusseren Ehren, sich selbst abei* die wirkliche Macht des 
Imperiums zu verschaffen. 



— 302 — 

Römischen kavser aus ime machen, der doch ain schlechten ver- 
Stands was, grosz leibs und schwer über land zu reisen gewesen 
wer. Solches thett aber der landgratf darumb, dieweil Sachssen 
ain churfurst was, marggralf in der marckh und pfaltz churfursten ^) 
wie auch der byscholf von Cöln die Lutterey in iren furstenthumben 5 
angnumen, so wurden, wo Rö: kay: Carolus vertriben, ernantte 
drey churfursten hcrtzog Hannsz Friderich von Sachssen ir stim 
an der wal geben unnd zu kaysem machen. So wolt er inen ini- 
peratorem lassen sein, und also er lanndtgraflf domminierer Ro: 
Imperator sein unnd bleiben. 10 

Derhalb er beredt die conspiratores^) der Schnialkhaldischen, 
dz sie geld auszgaben wie sprewer, namen an, was spiesz und 
Stangen tragen mocht, vermaintten Ro: keysern Carolum quintum 
nit allain sonder all ftirsten von Osterreich auszzutilgen. Der frum 
kay: lag zu Regeuspurg der stendt des reichs ankunfft warttendt; 15 
do kam niemand, sonder allain die fursten und stettsch reiber, die 
spottenden chay: may: Daraulf er bewegt, thett ernandt lannd- 
graven und hertzogen in Sachssen alsz uflrurisch inn die acht,^) 
und dieweil inn der publicierung der acht kay: may: bede echter, 
die sich hcrtzog in Sachssen unnd landgraflf in Hessen nenndten, 20 
denuncirt, haben bede echter kay: may: onufkhundt irer lehen- 
pflieht, damit sie kay: may: verbunden, ein feindbrieflF zugesendt, 
darin sie inn nit Carolum oder kayser, sonder Carlin von Gendth*) 
genennet. Solchen hotten, dieweil er von pflichtbrüchigen fursten 



1 Daa Folgendt teils tcßgpeJasttn, teil» Übel zusammen gesogen in St^; weggelassen bis Ende des 
Absatzes in H^; der ganze Abschn. in evangelischem Sinn stark umgearbeitet in i/i. 11 comp. 
aus S<*: contpectatores Ä; der ganze Satz stark verkürzt in JI\ 14 frum fehlt J1\ 
17 spotteten S/«; rerlachten den k. H'; die — may: fehlt H\ 21don. fehlt St^. \ onnfk. 
etc. aus 8t^. Die Worte sind in R durth Auslaasung und Umstellung rertrorren. 23 darin 
fie kay: may: nit kayier, londem Carlin . . H'\ 24 dieweil — abg. fehlt H^\ 

*) d. A. der Kurfi'trst von Brandenburg (,.Marhgraf in der Mark^) und 
der Kurfürst von dei- "Pfalz, — «) „Conspiraiion*^ nennt schon in dem Feldzug 
von 1545 Heinrich von Braunschweig den SchmalkaJdischen Bund (Horiledcr 
If W:^6) : offiziell wird dann der Ausdruck angewendet in der kaiserlichen Acht- 
erklärung 1546, — *) Der Kaisei' datierte die in Wahrheit einige Wochen 
später verfasste Achttrklärung auf 20, Juli zurück, Egdh, 2, 4(jS. Hortleder 
2, 312—316, — *) Der j^Ausforderungsbrief^ der beiden Fürsten (,.Feindbrii.f^ 
bei Widman), der nach Hortl, 2y 420 am 1, oder 2, Sept, 1546 dem Kaiser in 
sein Lager bei Ingolstadt zugeschickt wurde, hat doch eine mildere Fassung 
nämlich: y^dem durchleuchtigsten Fürsten Carlen, der sich den fünften römischen 
Kaiser nenni^ ; dagegen wurde dann der Ausdruck y^Karl von Geni^ von den 
im Diinst Johanns stthendai Schriftslelhm gebraucht. Kgelh. .?, 410, 



— 303 — 

ab<^eferttigt, hatt ine kay: may: on alle gob von im lassen rcytten. 
Esz hatt auch kay : may : sein cantzlern denn herrn von Navis und 
ander seine reth den Sehmalkhaldisehen stenden iedcn insonderheit 
zugeschickht, sie gnedig angesucht, dz sie soltten still sitzen, dann 
5 er begert inn niehtzig zu thunn, allain denn landgrafen und hert- 
zogen von Sachssen als ufrurer zu straffen. Aber niemandt wolt 
frid haben. 

Nach erkhandnus der acht sein h: Hans von Sachsen 
und landg: von Hessen zu veld gezogen. 

10 Uflf solches ist Philips landgraflf zu Hessen und h: Hannsz 

von Sachssen sambt iren conspiratores der Sehmalkhaldisehen bund- 
nus mit grosser macht uf gewesen, unnd schickhten in die reich- 
stett geschosz, bulver, proviant und gelt zu als wer es sprewer. 
Do gab man gelt der bausz nach, furtten ettlich buchtruckher mit, 

15 hielten ain aigne truckherey in irem leger, erdachten lugen; wan 

alle tiranay, so die Sehmalkhaldisehen mit rauben, stelen, brennen, 

kirchen und weibem triben, dz bezigen sie die keyserischen, Hessens 

. truckhen, schickens den verblendten reichstendeu oder stetten zu. 

Ire predicanten schrieben an der cantzel aus, alsz wers dz euan- 

20 gelium. Da gaben die stett noch mer geldt. Landgraflf Philips 
war oberster haubman der Sehmalkhaldisehen conspiration, zöge 
mit heerscrafft uf Regenspurg zu, vermaindt kay: may: in ein 
grillenloch zu verklauben. Bastean Scherttlin der von Augspurg 
haubman hielt mit hilflf seiner herrn ain aigen leger, zog unbewardt 

25 seiner ehren dem byschoff von Augspurg für Füssen, erobert die 
statt sambt der Stemfelser ^) claussen, und alles was bemelts byschoffs, 
der clerisey oder desz altten glaubens war, sambt kirchen und 
clöstern, die blundert er all. Ruckht für Tonawwert, und dieweil 



1 on ». gnad i7>. 8 eTangeliaohen if ^ 7 rewe St^; wolt iraweDf wao sie wüsten wol, 
wie kay: may: in Niderlanden mit den Evangelisclien gebändelt het H&; frid haben und 
nit trawen H^, 11 iren mithelffer H^\ bundgenossen Hi, 18 als — nach fehlt, statt 
dessen: den Tolaufflf^; im folgenden kürzt H^ aehr stark, um die Vorwürfe gegen die Schmal- 
kaläischen mögliehst zu beseitigen. — if * gibt hier den Text unverändert wieder. TJ kiroheu 
blündern St'^, \ mit w. Unzucht St"^. IS auff der c. St^, 21 der Lutherischen H^; 
Schmalkaldischen H>. S8 krmay: zu vertreiben 5<3; der Sats fehlt H^, H\ \ Ton Begens- 
purg 5<s. 24 herrn aus 8l*, H*\ ehrn R. 25 unb. — ehren fehlt H\ H'>>. 26 Ehrn- 
bcrgerHl. 27 sampt Thillingen, kirchen. . St^. ;9d Thonaw., die war noch cathoUisch // >. 

*) Die „Sternfelser^ Klause kann keine andei'e sein als die Ehrenberger, 
die, nachdem Fassen am 9. Juli besetzt war, am 10, Juli erobert wurde. Viel- 
leicht Abschreiherirrtum, entstanden aus St.cmfelser cl., als oh Emfels ein 
Heiliger gewesen wfire. 



— 304 — 

sie noch der altten religion und nit in Selimalkhaldischer con- 
spiration waren, forttert Scherttlin die statt uff. Alsz die statt mit 
Verdünnung desz Scherttlius ain gesprech hielt, hett Scherttlin unn- 
versehenUch den storm an der vorstatt angeloflfen, die erobert.') 
Also sein die zwen burgermainster unnd abt zum hailigen creutz 5 
sambt ettlich namhafftig burgern in der statt über die maur ausz- 
gefallen, heuser, closter zum hailigen creutz, darin costlich ornat 
von gülden stückhen und vorab kayser Maximilians frew gemahel 
der hertzogin von Burgundt breuttrockh, ain kostlich monstrantz 
mit vill edeln gestainen, under annderm ain demuth '^) wie ein rosz,^) 10 
eins halben batzen breitt habendt, und was von aussen in die statt 
geflöhet, alles erobert und geblundert. 

Graff von Altenburg fürt dem lanndgraffen ein 

sondern hauffen zu. 

Der graff von Alteuburg*) hett ein besondern hauffen uf zehen- 15 
tausent zu rosz und zu fusz der Schmalkhaldischen conspiration 
zu gut gefiird, war vast ein arm, elendt, übelkhlaids volckh; wer 
nit in Schmalkhaldischer bundnus, sonder altgläubig was, die sie 
bäpstler nendten, hielten sie al für feind, und den so ir sect was, 
stolen sie was sie ankhamen, gaben niemandt nichts für atznng, 20 
sonder am hinziehen zwungens die leuth, inen proviant und vich, 
auch wägen und mene*) nochzufuren. So sie dann mitfüren, zwungen 
sies bei in zu bleiben. Wan der graff gab niemandt kein soldt, 
also dz seine fuhrleut der mehrer thail unnd vil kn^ht on hosen 
und schuch giengen. Diser hauflf zog durch die Hallischen land- 25 
wer, lag Übernacht zu Munkhen, Haag, Ennszlingen am Kochen 
obhin.^ Und dieweil sein fenderich die knecht beredt, dz der graf 

1 bund St^, der Satz fehlt H<, //^ 3 mit Scborttlin sprach halten wolt, Heff dz volokh 
d. st. an fli. 7 daron körnen, ist Scherttlin die rocht statt nffgeben, welcher der ansz- 
gefallen . . St^. \ geblfindert 8t^. 9 der hochsoitterin ron H>. 10 ein rosen H^. 
12 und in der statt übel hauszgehalten 81^. 13 Altenburg (= Oldenburg) aus H^; AUen- 
bnrg ntets B. 16 conspir. : äie«e Bezeichnung tttetn ausgelasMtn oder durch eine ron evtingeli' 
tichem Standpunkt aua gewählte ersetzt hei H*, JI\ 18 conspiration St'^. 18 die sie b. aus 
St'i, fehlt B. 22 mahnen Ä«. 27 abbin Sf^, in, U\ 

*) am :ä). Juli, — "*) Diamant, mhd, diemant, s. Lexcr, — ^) Hose, — 
*) Oldenburg, Graf Christoph von Oldenburg, der schon 1535 mit seinem 
Bruder die Reformation in seinem Gebiet eingeführt (Seckend, 2, 36), stiess am 
14. SepU SU den Protestanten mit einem Haufen von 4() Fähnlein, nacMem er 
vergeblich den Grafen von Büren und seine Schar am Übergang über den 
Rhein hatte rerhindtm wollen. Kgelh, 2, 471. — *) Zugtiere, — •) „an« Kocher 
abwärts.^ Obermünkheim, Hagen und Knslingen nordlich von Hall. 



— 3Ö5 — 

die knecht nit zalt und den besold ufschlug,*) liesz der graf von Alten- 
burg desz morgens denselben fendericli von Ennszlingen übern 
Kochen faren, an weg oben uf der staigen bey Eltterszhoflfen am 
stainbrueh an ain bäum henckhen. Also ist der graflf uffbroehen 
5 mit seim volekh, dem landgraven in dz Riesz zuzogen. Am dritten 
tag darnach hat der henckher disen fenderich begraben, ausgezogen, 
sein hämisch, wer und klaider genomen. 

Hertzog Moritz macht mit dem keyser ein heimlieh 

verstendnus. 

10 Dieweil der kayser zu Regenspurg gelegen, ist kain welttlicher 

fürst zu im kommen dann hertzog Moritz vonn Sachssen,^) blib 
nit lenger dan dritthalbtag zu Re^elspurg, macht mit dem kayser 
ain verstandtnus, ritt wider haim. Die andern zween fursten waren 
marggraflf Hansz in der marckh unnd Albrecht zu Ohnspach, ritten 

15 von Regenspurg und namen dem kayser vil raysigs volckhs an, so 
het der kayser zu fusz und rosz bey im Hispanisch kriegvolckh 
und vorab hackhenschutzen ; es kam auch ir may: ain kriegvolckh 
zu rosz ausz Italia, ir oberster was Baptista Castaldus,^) aber der 
Oberst übern gantzen hauffen was duca de Alba, ain Spanier von 

20 den weyssen rosen. Unnd dieweil kay: may: den reichstag zu 
Regenspurg hielt "*) und gern frid gemacht ohn bluttvergiessen, so 
war doch der stoltz so grosz bey den Schmalkhaldischen, dz khain 
frid bey inen sein woldt. Risz die Lutterey zu Regelspurg ein, 
dz kay: may:, obwol er thor und wach zu Regelspurg inen het, 

25 noch wolt er sich inen nit vertrawen, sonndem dieweil kay: may: 
vernam, dz Hessen mit allem seinem kriegsvolckh von dannen uf 
Regenspurg zuzogen, brach kay: may: mit allem seim krüegvolckh 
von dannen und zog gen Ingolstatt und schlug allernechst darbey 
genhalb der Tonauw sein wjigenburg und leger, vergrub sich und 

no lag aigner personn zu feldt. 

1 ihnen ihren nolt 8t*; besolt nffschub H^ 4 stainbr. in vollem hämisch 5<s. 7 herab- 
thon, auHKgesogen . . . genommen und in begraben H^. — Auch in diesem Ahaehnitt starke 
Kürzungen bei H\ 12 stcM macht— verst. gibt nf> den Sati: dem bevalh kay: may: er 
Bolt seinem vettern h. Hans Friderich von Sachsen ins landt fallen und dz ehnrfarsten- 
tbnmb easambt der chur elnnemmen; disem rhatschlag volgot H. Moris. Ahnlich auch H^. 
20 von den: »o auch H^ ; der UK 23 verfahen woldt 81*; der ganze Satz in erangeliwhem 
Sinn umgearbeitet, ebenso das Folgende, bei /7&. — so war — woldt fehlt U^ ; statt Lutterey: 
das evangelisch wesen H^. 26 von d. fehlt 8t*. 

*) ihren Sold für sich behielt. — *) Er kam nach Regenshurg am 25. Mai 
und blieb dort bis 27, — •) Johannes Baptista Castaldus, Graf zu Piatina. 
JTortleder 2, 375, — *) also von 10, Apr. — 24. Juli 15*6. 

Wnrtt. Ge»*chichtBqueUen VI. 20 



— 306 — 

Kayser Carl het sich bey Ingolstatt ins feldt ver- 
graben und ward vom Hessen belegert. 

Anno domini 1546 umb nativitatis [Mariae] *) ist der landt- 
graflF mit allem seinem kriegvolckh sambt dem Scherttlin dem kayser 
für sein leger geruckht, vier tag und nacht grewlich in dz leger 5 
on merglichen schaden geschossen. Kay: may: hat den ersten tag 
ausz seinem leger, deszgleichen die in Ingolstatt uff den hohen 
weren in die Hessischen geschossen, aber die überigen drey tag 
still gewesen, sich allain Gott dem almechtigen befolhen. Kay: 
may: hat khain schiessen geförcht, in seinem leger hin und wider 10 
under dem schiessen geritten, sein kriegsvolckh getrost und gesagt, 
Hesz schiesz nit alsz ain feind, sonder alsz ain freundt, dieweil er 
mit seinem grossen schiessen kheiu schaden thue. 

i/*; In dem, sagt man, sey aber ein kugel gegen im hergesprungen, 
soll er gesagt haben: Huy, heut kayser und morgen nimmer. Und als er 15 
dise nacht überwunden, andern tags, kam ihr May: ein grosse Menge 
volcks ausz dem Niederlandt. — Schärtclin gab ein rliatt, man solt kay: 
may: inns leger fallen, oder ein schiacht mit ihme thon, ehe disz volck 
ankern, das wolteu aber die fursten nit thon, wolt keiner dem andern 
volgen, und kam ein forcht unter sie, das sie abzugen. Damit schliesat 20 
der Abschnitt bei H", In kürzerer Fassung gibt die zwei n'sten Satte 11^. 

Wan der landgraff in discn 4 tagen und nacht hat umb zehen- 
tausendt schüsz uft* redern in dz leger gethan. 

KUnigin Maria schickht dem kayser hilff ausz dem 

Niderlandt. or. 

Nun hat der herr von Beurn im Niderlandt uberausz ain 
schon kriegsvolckh dem kayser zu gutt geschickht, so ime von 
Maria kunigin in Ungern ausz dem Niderlandt zukhommen, bey 
5000 zu rosz und fuosz.^) Als aber er mit solchem kriegsvolckh under 
Maintz ankham, wurdt er durch den obgenandten vonn Altenburg ^) 3^ 
uftgehaltten, auch volgendt durch pfaltzgravisch gehindert, dz er nit 

3 Mariae fehll Ji. 5 grewl. : «o auch H^f wie man sagt, ob den 1000 scbügz i/'J. 9 sich 
bis het, fehlt ü^. 23 Bchüsz mit bilchsen Sf*. 30 Altenburg ( - Oldenh.) wie ot^tH, 
AUenb. H. 31 pfahzgTÄven St^ f die pfaltzgravibchen //', HK 

') A« kann nur nativ. Mariae gemeint sein — 8.Sept; in Wirklichkeit 
fand die Beschiessung des Ingolsiädier Lagers vom 31. Äug, — 3, Sept, statt. 
— Uie Vereinigung der von dem Grafen von Egmond-Büren hergeführten 
niederländischen Truppen mit dem Kaiser, die der Zusate von H^ in diese 
Tagt verlegt, gescJuih erst am ]5. Sept. — *) Graf Max von Egmond-Büren 
brachte in Wirklichkeit fast 22(j00 Mann dem Kaiser eu, Kgelh, ;?, 471. — 
''l ('hrit<toph ron Oldenburg ^ s. o. S. o04. 



— 3or — 

wol übern Rein mocbt kommen. Der vonn Alttenburg wurflF aiieb 
dem von Beurn ettlieh vom adel nider, die sich bey Franckhfurt 
betten vorritten, under anderm ain jungen edehnan ausz Arthays,^) 
war noch ledig, dem was der klain fiuger ab, hiesz Antlioni, ward 

5 von Altenburgischen bey Franckhfurt in Weinbergen, darin er sich 
verritten hett, nidergewoi-flfen unnd am uflFherziehen der Altenburgi- 
schen gen Munckhen gefurt und denen vonn Hall zu bewaren über- 
anttwort, aldo er bey zwen monat gelegen. Alsz der vonn Alten- 
burg bey Meintz verruckht mit mergckhlichem schaden desz byschoflFs 

10 und der seinen, ist wie man sagt durch hilif und angeben herrn 
decan dazumal zu Maintz*) der herr von Beurn mit allem seinem 
kriegsvolckh ubern Rein geschifft, den Main hinuff Franckhfurt zu 
— die ine zu hindern unnderstanden — gezogen. Also hatt der 
herr von Beurn den von Franckhfurt ir stettlin eingenomen und 

15 geblundert unnd umb ain summa geldtz gestrafft und gebrandt- 
schatzt, sein zug eylendt dwch dz Franckhenlandt gnumen und 
glückhselig on all verhindern der Schmalkhaldischen uf ein meil 
von Inngelstatt ^) mit allem seinem kriegsvolckh ankhomen. 

Lanndtgraff von Hessen wurd flüchtig. 

20 Unnd wiewol der lanndgraft' mitt seiner Schmalkhaldischen bund- 

nus durch den von Altenburg gesterckht ob hunderttausent*) waren 
unnd vil mehr dann der keyserischen, so sanndt doch Gott geling'^) 
ain forcht unversehenlich in die Schmalkhaldischen, und gab in 
ein verzagt hertz, dz sie am viertten tag,*^) alsz sie für dz kaysers 

25 leger geruckht waren und viel tausend schüsz, doch on sundern 
schaden darein geton betten, also dz kayser: may: zu seinem krieg- 

3 Artbois 8t^; Arthoys /f' , H^\ 7 und p: bn: «« (Abkürz. für per benef Muni?). 9 von 
AU. vor Franckfurt verruckt H^. 11 mit bilff eniants biBchofft und den seinen H-: 
IS Also hatt: ao auch H>; Zu widorgeltong bat H^. 17 glttckbt. fehlt 8t*, m, H'\ 
21 AUenb. H^. 22 virar dannoch die forobt in sie kommen {dit folgenden Satte stark gt- 
hürxt) HK 26 also — freundt fehlt 8t*. 

*) ArtoiSy NiecUrlatide. — *) Nach FaUati bei Hortleder 2, 672 war es 
der Erzbisehof von Mainz (Sebastian von Heusenstamm) selbst^ der dem Büren 
Vorschub leistete. — ») Nach Mülichs Bericht (Hortleder 2, 467) bei Rösthing 
(=Kösching?J nördlich von Ingolstadt; seine Ankunft in diesem Marktflecken 
geschah am 15. Sept., seine Vereinigung mit den kaiserlichen Truppen, nach 
einem Rasttag, am 17. Sept. — *) Übertreibung, nach Egelhaaf 2, 469 waren 
es am 8. Aug. 60000 zu Fuss und 7000 Reiter, dasu kamen am 14. Sept. die 
40 Fähnlein (12—14000 Mann) des Christoph von Oldenburg. — *) jählings. — 
*) Die Beschiessung des kaiserlichen Lagers dauerte vom 31. Aug. ~- 3. Sept. : 
am 4. Sept. brachen die Protestanten ihr Lager a6, weil sie die Beschiessung 
aht unwirksam erkannten. 



— 308 — 

voickh sagt, der lanndgraflF schüsz nit alsz ain feindt, sonder alsz 
ain freundt, uflFbrachen, ir leger selbs anzundten, darvon fluhen, 
sich so übel forchten, dz sie all ir geschütz binden in haulfen ord- 
neten, damit sie ann der flucht khain schaden nemen, von denn 
kayserischen übereilt wurden. Zügen uflF Lauginngen, ^) welche in 5 
ir bunndnus waren. 

Dieweil aber dz kayserisch und dz hertzogen vonn Bayern 
hauffen waren zusamengeruckht, folgten sie den Schmalkhaldischen 
uf den fuesz nach^). 

Von hertzog Ott Hainrichs lustgartten. ^q 

Esz war hertzog Ott Hainrich pfaltzgrafl^, welcher zu Neuburg 
hoft'hielt, ain grosser epicureus, welcher nit allain alles sein fursteu- 
thumb, sonder auch seines bruders hertzog Philipsen^) furstenthumb 
versetzt und verschlembt het, also dz sich hertzog Philips schembt 
seines bruders sewwesen, het die sach gern gutt gemaindt unnd 15 
wich bey Sültzfelden *) in ein wald uff ain jaghausz. Aldo hielt 
er selb sechst ain klaine hauszhaltung hoffendt besserung seines 
bruders. Unnd wiewol hertzog Ott Hainrich sein und bemelts seins 
bruders landsessen mit vilen grossen Schätzungen beschwert, auch 
Lutterisch wardt^) und in die Schmalkhaldischen bundnus sich thett, 20 
damit er underm namen dz euangeliums die kirchen und closter 
hett zu berauben und einzuziehen, so halffs doch alsz nicht, wan 
sein schlemmen und Unordnung war gar zu grosz. Desz sich sein 
bruder hertzog Philips so übel schembt, dasz er unbewust aller 
seiner diener ainig vonn erzelttem jaghausz ritte und mcnniglichs 25 
unbekhandt gen Haydelberg in eins wurtzhausz zum hecht^) ge- 

8 binden an Ä«. 5 Lawingen St ». 6 Der ganze Abaehn. wegen seiner ungünstigen Ausdrücke über 
die Schmalkaldischen stark verkürzt beiHK 7 Baüren St » / Beyern H*. U guett geaechen 8t^,H^ / 
bet— gem. fehlt H^. n banssb. : so auch H » / boffbaltnng, hoffet uff . . 1£ 6. 13 wiew. : so auch 
H«, H^f dieweil SlK 19 auch — elnanEiebon fehlt Jff«, steht Hf>. 22 alles St^, H», B^ 

*) Lauingetiy an der Donau^ wesüich von Dillingen. — *) Das katholisclie 
Bayern trat nach der Beschiessung Ingolstadts, ungrfähr am 4, Sept,, offen 
tsum Kaiser über. Egelh. 2, 471, — ») Eine Verfolgung mit leichter Reiterei, 
Neuhurg zu, fand sofort am 5, Sept. statt, der Absug des kaiserlichen Heeres 
ron Ingolstadt aber erfolgte erst 17. Sept. — *) Über Herzog Phüipp von New 
bürg s. o. S. 245. 257 f. ; er war unvermählt. — *) Wo ? Nach der Lebens- 
beschreibung Philipps, die sein Bruder Otto Heinrich vetfasst hat (bei Frey* 
berg, Sammlung historischer Schriften 4, 243 ff.)^ führte Philipp von 1541 an 
ein melancholisch einsames Leben zu Lengenfeld, von wo er im Febr. 1542 in 
auffälliger Weise auf einige Zeit entwich. — •) im Jahr 1543. — ') Scheint 
ein beliebtes Absteigequartier des Adels gewesen zu sein, s. Götz von Berlichin" 
gens Selbstbiographie WFr. 4, 437. 



— 309 — 

nandt einkham, da er sein pferdt liesz steen unnd gieng hinauflf 
in dz schlosz zu seinem vettern pfaltzgraff Friderich *) sein elend 
und nott im clagendt. Der ime ettlich wehnig person ime zu 
dienen verordnet unnd zu Haydelberg underhaltung gab. Welcher*) 
5 nit lang lebt, wan er sich dz elends schwerlich annam, endzog sich 
aller gesellschaflft, nielancosiert, man sähe in wenig lachen; also 
starb er anno domini 1546 '*); lait zu Haydelberg zum hayligen 
gayst begraben. 

Dieweil aber hertzog Ott Hainrich sein glaubiger nit kondt 

10 bezalen, doch sein landschafft gern dz best het gethon, hatt er be- 
willigt, dz man seinem land regendten gebe, die ime jarlich ain 
genandt absendz^) geben und mit dem überigen sein glaubiger 
stiltten. Aber die wachend schuldt ist so vil gewesen, darzu zinsz- 
geldt, dz man wenig glaubiger bezalt hatt. 

15 Also anno domini 1544 zoch hertzog Ott Hainrich gen Haydel- 

berg^), hett in ainem hausz bey dem spittal daselbst sein hoff- 
halttung, bauwet mit grossen costen ain wunderbarlichen gartten 
hinder sandt Petters pfarrkhirchen in der vorstadt**), darin er pfläntzt 
vil wolriechender kreutter, und in der mit pfläntzt man ain grossen 

20 platz mit bommerantzen, lemon, oliven, granatten, pfeffer, melonen, 
cucumer, feygen, mandel, rosin, inn der mit ainem entspringenden 
brunen, davon die pflanntzung wurdt gewesert. Gegem windter 
Überzug man solch gartten mit ainer stuben, darin stonden zween 
öhrin') offen, die brandt man ein, dz die pflantzung den wintter 

25 nit erfror. Gegem sommer brach man solch stuben wider ab. 

Anno domini 1547 alsz man solch stuben gegem summer wolt 
abbrechen, fiel unversehenlich ain grosser thail solcher stuben zu 
boden und thett grosen schaden an den gepflantzten bäumen. 
Ein solchen gartten hatt gedachter fürst anno 1547, als er den 

30 sterbendt von Haidelberg flöhe, gehn Weinhaim an die bergsti'oszen 
gepflantzt.^) 

6 melanooH8iert£r<y. | sähe aus St^, H^, fehlt R. 9 Der ganze Absatz fehlt St^. 15 1644. 
so auch Hi; 1647 St^; Vor zwey iaren Hö. 21 in d. mit mit 8t^f U^ ; inn der mitte ein 
BchOnen . . H^. 30 von H. fehlt St^. 

«) Pfalzgraf Friedrich, 1544—1556, Bruder des 1544 (a, o. 8, 286) ge- 
storbenen Ffalzgrafen Imdwig, war Oheim Philipps und Ottheinrichs, — 
^) Geht nicht auf Friedrich, sondern auf Philipp. — ') Nach Isdin Lex. 
vielmehr 1548, — *) Absene — Absenzgdd ; ^genannte Ä,'' : ein genau bestimmter 
Betrag zur Bestreitung seines Unterhalts während seinem' Abwesenheit, — •) Als 
Privatmann ; Kurfürst wurde er erst 1556, — •) Diese Gartenanlage fällt so* 
mit in die Jahre 1544 — 47, — ') eherne^ eiserne, — *) Der ganze, in der Zeit 



— 310 — 

Kay: niay: ninibt Neu bürg ein. 

Dieweil aber hertzog Ott Hainriehs lanndtsessen clainer bes- 
seruug zu im verhott'ten, sonndeni besorgten, wo er seines landts 
wider einkhem, wurd seines schatzens und schlemmens khein endt 
sein, wurdt ein pratick gemacht, dieweil die Schnialkhaldischen zu 5 
Lauwingen, Dillingen, Hoehstett, Gundelfingen lagen, dz Newhurg 
gegera tag dem kayser, doch ungeblundert, auszgenomen essenings 
und was h: Ott Hainriehs gehörig, wurd eingenommen.^) 

Da solches die Schnialkhaldischen vernamen, wichens von 
Iren fleckhen uflF Nordlingen und wantten sich uflF Giengen,*) do 10 
lagen sie vor der statt, und musten die anstösser, es weren feindt 
oder freundt, den Schraalkhaldischen proviandt umb ciain bezalung 
zufuren. Die kayserischen lagen den Hchmalkhaldischen steets uf 
den sockhen, lagen zu Bopfingen und in dörflFern bey Giengen, 
legten in ir proviandt nider, dempflftens mit emssigem Scharmützeln. 15 
Dz geschähe im october. Dieweil aber die khelt und ungewitter 
sich meretten, dz kriegvolckh im regen und dreckh lag, erfroren, 
kham ein grosser sterbendt**) unnder dz krieg\'olckh, sonder die 
Schmalkhaldischen, dz khain tag was, man fürt*) bey zehen wegen 
vol todter ausz Giengen, on die im veld stürben. Demnach solchs 20 
die Lutterischen zu erstatten verursacht worden, ire arm landtsessen 
ufzumanen, die inen in grosser vil musten zuziehen, ausz Hall bey 
anderhalb hundert. Da stunden die Lutterischen predicantten uif 
und lugen, legten inen den sieg und kay: may: denn verlust zu, 
inn summa es hulff alles nichtz. Dann welcher will seiner nattur- 25 
liehen obrigkheit widerstreben, der hat kein Gott. Es war khein 
glückh bey denn Schnialkhaldischen, so hett der landgraff unnd 
Scherttlin den reichstetten zu dieflf in seckhel griffen, wann sie 
gaben geldt der bausz dar, und wurden dannoch ire knecht nicht 

5 KvaD^elischen, so auch nachher //^. 8 eps. and fehlt St^; esseringa i/«, if''. 11 lag«ii 
aie ausH^, St^, H^; tagent inR; das Folgende verkürzt b