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Eistoi. Wissensciiaften, gg^ 



8 




1 



Zeitsehrift 



des 



Vereins für hessische Geschichte 
und Landeskunde. 



-^f-^ 



Der ganzen Reihe 40. Band 

Neue Folge 30. Band. 



--^-^mm^^-^ — 



Kassel. 

Im Kommissionsverlage von Georg Dufayel. 
1907. 



DL 
V 'f =^ 

(/,Ho 



EX FUNDA.TIONE 




Druck von L. Doli in Kassel. 



Inhalt. 



A. 
Aufsätze. Seite 

I. Anna von Braunschweig, Landgräfin zu Hessen. Von 

L. Armbrust 1—71 

II. Der Briefwechsel zwischen dem Landgrafen Wilhelm VIII. 
von Hessen und seinem Generaladjutanten General- 
major Freiherr v. Fürstenberg in den Jahren 1756/57. 

Von G. Eisentraut 72—138 

III. Deutsche Kaiser und Könige in Hessen. Von Karl 

Wenck 139-157 

IV. Kleinere Mitteilungen: 

1. Ein unbekannter Brief von Euricius Cordus. Von 

F. Küch 158—161 

2. Zum Briefwechsel des Landgrafen Philipp mit 

Luther und Melanchthon. Von F. Küch . . . 161—165 

3. Ein englischer Paß von 1599. Von L. Armbrust 166—171 
V. Das Restitutionsedikt in Hessen. Von Wilhelm Dersch 195 — 213 

VI. Beiträge zur Geschichte des Landgrafen Hermann II. 
von Hessen. V. Zur Geschichte des Kriegs mit Mainz, 
Braunschweig und Thüringen i. J. 1387. Von Friedrich 
Küch 214—273 

VII. Beiträge zur Genealogie des hessischen Fürstenhauses 

bis auf PhiUpp den Großmütigen von Carl Knetsch . 274—309 

VIII. Zur Baugeschichte des alten Casseler Landgrafen- 
schlosses. Von Carl Knetsch 310—342 

B. 

Literatur 172—193 

343-381 
Albert, P. P., Würdtwein und s. Verdienste um 
die deutsche Geschichtsforschung (Wenck) 377. — 
Apell, F. V., Der Versuch z. Entsätze Landaus 
und die Schlacht am Speyerbach (Losch) 369). — 
Beiträge z. Hess. Kirchengesch. redig. von W. 
Diehl und W. Köhler, Bd. 1—3, 2 (Wenck) 346. — 
Bennecke, W., Hoftheater in Kassel (Schröder) 



IV 

187. — Bericht über die Fortschritte der Rö- 
misch-German. Forschung im Jahre 1905 (Wenck) 
378. — Bildnisse, Die — Phihpps des Groß- 
mütigen, bearb. von A. v. Drach und G. Koennecke 
(P.Weber) 362. -- Birt, Th. siehe Universitäts- 
matrikel. — Blätter, Hessische -- f. Volkskunde, 
V, 2/3 (Wenck) 377. — Börkel siehe: Hessen im 
Munde. — Chuquet, Arthur, un prince Jacobin. 
Charles de Hesse ou le g^n^ral Marat (Wenck) 370. 

— D i e h 1 , W. siehe Beiträge. — D i e m a r , Land- 
graf Ludwig I. und Ludwig II. von Hessen (Wenck) 
191. — Drach, A. v. siehe: Bildnisse. — Eubel, 
Kölnische Minoriten-Ordensprovinz (Huyskens) 176. 

— Festgabe zum Bonifatius - Jubiläum 1905 
(Wenck) 343. — Fischer, Frz., Die Reformations- 
versuche des Bischofs Franz von Waldeck im 
Fürstentum Münster (Wenck) 368. — Foltz, M. 
siehe: Urkundenbuch der Stadt Friedberg. — 
Friedrich, Jul., Die Entstehung der Reformatio 
ecclesiar. Hassiae von 1526 (Dersch) 366. — Ge- 
schichtsblätter, Fuldaer — Jahrg. 1 — 5 
(Wenck) 343. — Geschichtsblätter für Waldeck 
und Pyrmont Bd. 1—6 (Wenck) 347. — H a p p e 1 , Ro- 
manische Bauwerke in Niederhessen (Dersch) 175. 

— Hartwig, 0., Aus dem Leben eines deutschen 
Bibliothekars (Schröder) 372. — Herrmann, 
Fr., Tilemann Schnabel (Wenck) 191. — Hessen 
im Munde der Dichter, ges. u. hera. von Alfr. 
Börkel und Phil. See (Schröder) 349. — Hessen- 
Kunst, Kalender für 1906 und 1907 hera. von 
Chstn. Rauch (Wenck) 376. — Hessenland 
1906 (Wenck) 377. — H e ß 1 e r , C. siehe : Landes- 
und Volkskunde. — Heymann, E., Parochial- 
änderung und Katholizitäts-Prinzip nach kurhes- 
sischem Kirchenrecht (Müsebeck) 374. — Hitzig, 
Etta, D. Ernst Const. Ranke (Wenck) 372. — 
Hoffmann, F. und B.Zölfifel, Beiträge z. Glocken- 
kunde d. Hessenlandes (J. Bauer) 357. — Hotten- 
roth, Frdr., Die Nassauischen Volkstrachten (K. 
Heldmann) 350. — Hufschmidt, Fr., Ge- 
schichte des oberen Warmetales insbes. der Stadt 
Zierenberg (Wenck) 359. — Huyskens, Alb., 
Handelskrisis 1542/3 (Wenck) 192. — Just i, Ferd., 
Hessisches Trachtenbuch (K. Heldmann) 350. — 



Kalender, Hessischer — für 1907 hera. von H. 
Meyer-Cassel (Wenck) 376. — Keck, Oberappel- 
lationsgericht zu Kassel (Wenck) 193. — Köhler, 
W., Die Entstehung der Reformatio ecclesiar. Has- 
siae von 1526 (Dersch) 366. — Köhler, W. siehe: 
Beiträge. — Koennecke, G. siehe: Bildnisse. — 
Landes- und Volkskunde, Hessische — , 
hera. von C. Heßler Bd. 2 (K. Heldmann) 350. — 
L e j e u n e , Münzen der Burg Friedberg (Schröder) 
180. — Levison, W., siehe: Vitae Bonifatii. — 
Losch, Phil., Der erste Lippische Erbfolgekrieg 
(Wenck) 381. — Ludwigs, Nekrolog auf Cornelius 
Will (Wenck) 378. — Meyer-Cassel, H. siehe: 
Kalender. — Mirbt, K., Kathol.-theolog. Fakultät 
zu Marburg (Wenck) 189. — Mitteilungen des 
Geschichtsvereins der Stadt Alsfeld (Wenck) 191. 
— Mitteilungen des Oberhessischen Ge- 
schichtsvereins Bd. 14 (Wenck) 376. — Monu- 
menta German. histor. Karolingerurkunden I, 
Constitutiones III und IV (Wenck) 378. — Nau- 
mann, Hnr., Vom Heimatacker (Wenck) 375. — 
N o 1 1 , Otto der Schütz in der Literatur (Schröder) 
184. — Peßler, Willi, Das altsächs. Bauernhaus 
(Wissemann) 358. — Quartalblätter des histor. 
Vereins des Großherzogt. Hessen (Wenck) 190. — 
Quellen und Abhandlungen zur Geschichte 
der Abtei und der Diözese Fulda hera. von Greg. 
Richter, 1. 2 (Wenck) 343. ~ R a u c h , Chstn. siehe : 
Hessen-Kunst. — Richter, Greg, siehe: Quellen 
und Abhandlungen. — Richter, Greg., Zur Ge- 
schichte des Bauernkriegs im Höchst. Fulda (Wenck) 
192. — Ropp, G. Frhr. von der — siehe: Ur- 
kundenbuch der Stadt Friedberg. — Rubel, Die 
Franken (Wenck) 191. — Schlager, Kölnische 
Franziskaner - Ordensprovinz (Huyskens) 176. — 
See, Phil, siehe : Hessen im Munde. — Studien 
aus Kunst und Geschichte Friedrich Schneider ge- 
widmet (Wenck) 379. — Universitätsmatrikel, 
Marburger — für die Jahre 1700—1720 hera. von 
Th. Birt (Wenck) 380. — Urkundenbuch der 
Stadt Friedberg. Hera, von G. Frhr. von der Ropp. 
Bd. 1, bearb. von M. Foltz (Wiese) 360. — Ver- 
öffentlichung 1. bis 5. des Fuldaer Geschichts- 
vereins (Wenck) 343. — Vitae Bonifatii recogn. 



VI 

W. Levison (Wenck) 172. — Voltz, L., Zur Kapi- 
tulation von Ziegenhain (Wenck) 192. — Wagner, 
Was man aus alten Kastenrechnungen lernen kann 
(Wenck) 380. — Zölffel, B. siehe: Hoflfmann, F. 
— Zschau, W. V., Quellen und Vorbilderinden 
„Lehrreichen Schriften" J. B. Schupps (Lühmann) 
368. ~ 

Ferner zur Besprechung eingegangene Bücher : 
190 und 376. 

C. Seite 

Verzeichnis neuer hessischer Litei:atur. Von 

Adolph Fey 382-402 



Zusätze und Berichtigungen 403 



Anna von Braanschweig, Landgräfin zu Hessen. 



Von 
Ij. Armbrust. 



Einleitung. 

Zwei Fürstinnen, beide Anna geheißen, haben im 
zweiten Jahrzehnte des sechzehnten Jahrhunderts die Land- 
grafschaft Hessen geraume Zeit in Aufregung erhalten: 
Anna von Mecklenburg, Philipps des Großmütigen Mutter, 
und deren Schwägerin, die fünfundzwanzig Jahre ältere 
Anna von Braunschweig, Gattin Wilhelms L des Älteren 
von Niederhessen. Der letzteren sollen die folgenden 
Seiten gewidmet werden. 

Ihren Lebensweg verdüsterten getäuschte Hoffnungen 
und stete Streitigkeiten. Und nirgends ein freudiges Em- 
porsteigen wie bei Anna von Mecklenburg, die in späteren 
Jahren auf eine kurze Glanzzeit, auf Siege und Erfolge 
zurückbHcken konnte. Das Leben Annas von Braun- 
schweig, der „alten Landgräfin", verlief in ununterbrochener 
Ebene, und doch tausenderlei Hindernisse! Sie gehörte 
zu den Unglücklichen, bei deren letztem Atemzuge man 
erleichtert ruft: Gottlob, ausgekämpft! Ihr Unglück war 
nicht ganz unverschuldet. In vieler Hinsicht führte sie 
einen Kampf ums Recht, aber durch falsche Ratgeber 
mißleitet, spannte sie vom Anbeginn ab ihre Ansprüche 
höher als Billigkeit, Kraft und Macht erlaubten, und in 
ihrer Erbitterung kam ihr jeder als Bundesgenosse recht. 
Dennoch muß man sie mehr bedauern als anklagen: zu 
früh begannen ihre Enttäuschungen, zu viel wurde sie 
zurückgesetzt, hintergangen, mißbraucht. Wen das Schicksal 
und die Mitmenschen allzu oft stoßen und schlagen, der 
geht nie ohne Wehr und Waffen aus und braucht sie auch 

N. F. BD. XXX. 1 



— 2 — 

da, wo friedliche Unterredung natürlicher und ersprieß- 
licher wäre. 

Schon vom rein menschlichen Standpunkte verlohnt 
es sich der Mühe, ein solches Leben näher zu betrachten. ^) 

I. Bis zum Tode ihres Schwagers, Wilhelms II. 

des Mittleren von Hessen 1460— 1509. 

a. Annas Jugend, Eheschließung, Aussteuer und Kinder. 

Anna von Braunschweig 2) wurde etwa 1460 zu Har- 
degsen, einem Landstädtchen zwischen Göttingen und Ein- 
beck, geboren. Ihre Eltern waren Herzog Wilhelm der 
Jüngere von Braunschweig und Elisabeth, geborene Gräfin 
von Stolberg und Wernigerode^), ihre Brüder Heinrich der 
Ältere (1463-1514) und Erich I. (1470-1540). 

Wenn Anna auf ihre Mutter artete, so mußte sie voll 
Güte und Nachgiebigkeit sein. Denn Herzogin Elisabeth 
galt als gottesfürchtige Frau, als Gönnerin der Kirchen 
und Kirchendiener, der Armut Trost, der Witwen Er- 
quickung. So soll wenigstens ein Geistlicher bei ihrem 
Begräbnisse gerühmt haben. In Anna dagegen, wie in 
deren Brüdern, schlief ein Fünklein von dem streitbaren 
Großvater, und die Jahre wetzten den Stahl, der den 
Funken ans Licht rief. 

Nach der Überlieferung ward Anna schon als kleines 
Kind (1467) mit Jobst Grafen von Hoya verlobt. Die Ver- 
lobung löste sich nach langjährigem Bestände gerade, als 
die junge Fürstentochter das rechte heiratsfähige Alter 
erreicht hatte. Auf den Gemütszustand eines Mädchens 
pflegt langer Brautstand und endliche Trennung einen un- 
günstigen Einfluß auszuüben. 

^) Aus Beiträgen zu Annas Lebensgeschichte ist das folgende 
Bild erwachsen. Von handschriftlichen Quellen sind besonders solche 
des Staatsarchivs und des preußisch-hessischen Samtarchivs zu Mar- 
burg benutzt. 

*) Sie selbst schrieb sich Anne. — Aus Mangel an urkundlichen 
Nachrichten beruhen die wenigen Zeilen über Annas Jugend auf Reht- 
meiers braunschweig-lüneburgischer Chronik S. 770; auf P. Zimmer- 
mann, Grabstätten der Weifen, im Braunschweig. Magazin 1900: 6, 113; 
auf Jak. Hoffmeister, historisch-genealogisches Handbuch von Hessen 
S. 24. 25. Ed. Jacobs, Elis. v. Brschw. in d. Allgm. Dtsch. Biogr. 6, 16-18 usw. 

*) Franz Lübeck im ersten Bande seiner braunschweig.-lüne- 
burgischen Chronik (Cod. MS. Götting. 3 I., Universitäts - Bibliothek, 
Göttingen) setzt die Hochzeit beider ins Jahr 1472 (statt 1454). in der 
Göttinger Chronik (Blatt 150b) ins Jahr 1474. Die letztere Angabe 
streicht er aber selbst wieder. 



— 3 - 

Hier aber war schon ein neuer Bewerber in Sicht 
von größerem Ansehen, freilich ein halbes Dutzend Jahre 
jünger als die Braut: Landgraf Wilhelm I. der Ältere von 
Hessen, geboren am 4. Juli 1466. Ein erhebliches Ehe- 
hindernis bestand in der Verwandtschaft der Verlobten. 
Päpstlicher Machtspruch half darüber hinweg (29. Februar 
1480). Irrtümlicher Weise hatte die römische Kanzlei Ver- 
wandtschaft vierten Grades angenommen, während Land- 
graf Wilhelm im vierten, Anna dagegen im dritten 
Grade von demselben Stamme entsprossen war. Damit 
kein Mangel bestehn bliebe, mußte Papst Clemens VI. 
noch einmal bemüht werden.^) 

Landgraf Wilhelm I. stand unter der Vormundschaft 
seines Oheims Heinrich. Die Verbindung mit Anna von 
Braunschweig leitete aber Wilhelms Mutter, Mechthild von 
Württemberg, ein. Im Grenzdorfe Spiekershäusen verab- 
redete sie mit Herzog Wilhelm eine Mitgift von 15 000 Gulden, 
wofür Schloß und Gericht Sichelstein samt dem braun- 
schweigischen Teile des Kaufunger Waldes und dem 
Flecken Hedemünden an der unteren Werra als Pfand 
diente. Annas zukünftiger Gatte hatte eine gleichwertige 
Gegengabe zu bieten, die man erst auf die hessischen 
Städte Melsungen und Sontra anwies, dann auf Greben- 
stein, Immenhausen und die Hälfte des Reinhardswaldes ^). 
Der Brautstand dehnte sich wieder über mehrere Jahre 
aus. In dieser Zeit mußte Anna ansehen, wie ihr Bräutigam 
als mündiger Fürst sich einen Landesteil nach dem andern 
durch seinen jüngeren Bruder, Wilhelm den Mittleren, ab- 
dringen ließ. Ein Trost, daß er einstweilen noch die 
Hauptstadt Kassel und die größere Macht behielt. Die 
Hochzeit fand am 17. Februar 1488 auf dem Schlosse zu 
Münden statt. ^) Sechs Tage lang dauerten die Festlich- 



*) Notar.-Instrum. vom 19. Sept. 1480 im Landeshauptarchiv zu 
Wolfenbüttel. Graf Wilhelm von Wertheim, Propst zu S. Alban, er- 
klärte im Namen des dazu beauftragten Erzbischofs Diether von Mainz 
die Ehe für erlaubt. 

') 1482 Dz. 10. Preußisch-hessisches Samtarchiv No. 54 Schieb- 
lade 83. — 1483 Dz. 9. Kopialbuch der Ldgr. Ludwig II. und Wilhelm IL 
Blatt 132 a. 

8) G. Schmidt, Urkundenbuch der Stadt Göttingen 2, 346 Anra. *^ 
— Konrad Bothes Clironik: Leibnitz, Scriptor. Brunsvic. 3, 422. — 
Rehtmeier, Braunschw.-Lüneburg. Chronik S. 770. — Franz Lübeck, 
Chronik und Annalen der Stadt Göttingen, Blatt 174a (Hdschr. in der 
Univ.-Bibl. Göttingen 4). Lübeck stützt sich seit 1444 auf die Auf- 
zeichnungen des Joh. Rivesolt, Küsters zu S. Jacobi in Göttingen, f 1504. 
Nach ihm war die Hochzeit in den dorlen dagen = 18. und 19. Februar. 



— 4 — 

keiten, an denen auch Vertreter braunschweigischer Städte, 
Göttinger Ratsherren und Trabanten teilnahmen. „Und 
damit ist damals zwischen den beiden Häusern Braun- 
schweig und Hessen große Freundschaft und Einigkeit 
gestiftet", meint ein späterer Chronist. Die Behauptung 
läßt sich schwerlich beweisen. Für Anna bedeutete die 
Verehelichung durchaus nicht den Anfang von eitel Glück 
und Sonnenschein. Es ist meist ein gewagtes Stück, wenn 
ein reifes, vielleicht überreifes Weib einen angehenden 
Jüngling zum Gatten wählt. Nun wird Wilhelm zwar von 
einem Zeitgenossen, der ihn durch persönlichen Umgang 
kannte, als ein gerader und starker junger Mann ge- 
schildert, der redliche Vernunft und gutes Verständnis be- 
sitze^); aber diese schönen Gaben hielten nicht lange vor, 
und seine Willensstärke kann nie bedeutend gewesen sein. 
Während der Flitterwochen hatte sich Anna noch nicht 
zu beklagen. Ihr Gemahl schenkte ihr als Morgengabe 
das dem Sichelstein gegenüber liegende Schloß Sensen- 
stein 2) und verbriefte ihr die Anwartschaft auf Hermann 
Luglins Lehengüter, sobald dieser stürbe, und nochmals 
auf ihr früher ausbedungenes Witwengut. Wilhelm der 
Mittlere stimmte der Verabredung ausdrücklich bei und 
versprach sie zu halten.^) Die Zustimmung ihres Schwagers 
wurde später von ungeahnter Wichtigkeit für die braun- 
schweigische Fürstentochter. 

Des älteren Landgrafen Schwiegervater, Herzog 
Wilhelm, war nicht in der Lage, Gleiches mit Gleichem 
zu vergelten. Annas Aussteuer genügte fürstlichen An- 
sprüchen nicht. Sie bekam nur fünftausend Gulden mit, 
den dritten Teil der versprochenen Summe, über den Kest 
vertröstete man ihren Gatten auf später.* Dadurch konnte 
sich die Stellung der jungen Fürstin am hessischen Hofe 
leicht verschlechtern; denn bares Geld war damals ein 
seltener Gast bei den Landgrafen, und es anzuschaffen 
ihre stete Sorge. Wilhelm der Ältere drängte auf Zahlung, 
aber die Sache ging langsam. Die braunschweigischen 
Landstände, die den Brautschatz bis zum folgenden Herbste 



^) Johannes Nuhn bei Senckenberg, Selecta jur. et historiarum 5, 
474. 475. .463. 

') Über beide Burgen vergl. C. Neuber im „Hessenland" 1904 
No. 7. 8. 10. 

*) 1488 April 22. Preußisch-hessisches Samtarchiv No. 66 Schieb- 
lade 83. No. 83 Schieblade 84. — Kopialbuch der Ldgr. Ludwig IL 
und Wilhelm IL Blatt 135b. — Hessische Beiträge 2, 623. 



aufzubringen beschlossen hatten, machten allerhand Schwie- 
rigkeiten. Erst mußte der Herzog ihnen eine förmliche 
Bescheinigung ausfertigen, daß er das in Aussicht gestellte 
Geld zu keinem andern Zwecke verwenden wolle, und 
dann fragte die Stadt Münden, die unmittelbar vom Land- 
grafen gemahnt war, erst bei Göttingen an, was zu ant- 
w^orten sei. *) Auf den 9. September 1489 berief der Herzog 
abermals einen Landtag nach Marienstein und erlangte 
wieder die bestimmte Zusage, daß man die nötige Summe 
in Göttingen zusammenbringen wolle. Den Worten folgten 
keine Taten. Der Landgraf ersuchte noch einmal den Rat 
zu Münden, ernstlichen Fleiß an die Erledigung der Sache 
zu wenden. ^) Trotzdem hielten die Landstände ihre ge- 
ringen Mittel fest. 

Darauf kamen Schwiegervater und Eidam in Lutter- 
berg zusammen und verabredeten, daß achttausend Gulden 
in vier Wochen entrichtet werden sollten, das Übrige in 
zwei Jahren. Geschehe das nicht, so dürfe die braun- 
schweigische Feste Sichelstein nebst dem zugehörigen 
Gerichte von Hessen eingenommen werden. Friedrich 
von Linsingen, Amtmann zum Sichelstein, wurde ange- 
wiesen zu beschwören, daß er nach Ablauf der zwei Jahre 
dem Landgrafen untertänig sein wolle. ^) Das schienen 
ernstere Abmachungen zu sein, als man bisher beliebt 
hatte; dessenungeachtet wurde kein Pfennig abgezahlt, 
auch dann nicht, als Heinrich der Ältere, Annas Bruder, 
(wie man schon an seinem Äußern sah*)), in seinem und 
Herzog Erichs Namen seine Zustimmung zum Vertrage 
über die Mitgift seiner Schwester gab.^) 

Landgraf Wilhelm verließ seine junge Frau und trat 
(im April 1491) eine Reise ins heilige Land an, von der 
er erst im folgenden Jahre heimkehrte, nicht frisch und 
gesund, sondern „krank im Haupt, daß er phantasierte**^), 
ein harter Schlag für seine Gemahlin. Den Kampf um die 



*) Ein Landtag zu Marienstein bei Nörten fand angeblich am 
7. April 14^ statt (Montages in den h. österlichen Feyertagen : Joachim 
Meier, Origines et Antiquitates Plessenses. Lpz. 1713, S. 306). Ein 
zweiter höchst wahrscheinhch im Herbste. — 1488 Sept. 28., Okt. 12., 
Dez. 20. Göttinger Urkb. 2, 346. 347. 348. 

') 1489 Sept. 2. Münden ; Okt. 17. Kassel. Staatsarchiv Hannover : 
Cal. ßr. Arch. Des. 22, XXXV No. 4. 

») 1490 Jan. 25. Kopb. der Ldgr. Ludw. II. u. Wilh. II. Blatt 136 a. 

*) Senckenberg 5, 659 (1511). 

») 1490 Mai 2. Samtarchiv No. 77 Schiebl. 84. 

•) Job. Nuhn bei Senckenberg 5, 474. 



— 6 — 

Mitgift setzte er dennoch fort. In Landwehrhagen (zwischen 
Kassel und Münden) traf er noch einmal mit seinem 
Schwiegervater zusammen und gewährte ihm wiederum 
vier Wochen Frist. Nach deren Ablauf traten endlich 
Herzog Wilhelm und seine Gattin Else den Sichelstein, 
Hedemünden und den braunschweigischen Teil des Kau- 
funger Waldes an den Landgrafen ab, an Stelle von zehn- 
tausend Gulden der rückständigen zwei Drittel des Braut- 
schatzes. ^) Die beiden Söhne des Herzogs, durch den Ver- 
trag vom 2. Mai 1490 gebunden, konnten keinen Wider- 
spruch erheben; Heinrich verpflichtete sich in einer be- 
sonderen Urkunde, Silbergeschirr und anderes, was an der 
Aussteuer seiner Schwester fehle, dem Landgrafen zu 
„vergnügen". 2) — 

Beruhigter konnte sich Anna ihrer Familie widmen, 
wie es schien. Ihrer Ehe mit dem Landgrafen entsprossen 
fünf Töchter.^) Mechthild, geboren etwa 1489, starb wohl 
bald nach der Geburt. Das zweite, kaum ein Jahr jüngere 
Kind, wiederum nach der Großmutter Mechthild genannt, 
wurde Nonne zu Weißenstein (jetzt Wilhelmshöhe), trat 
aber nach Jahrzehnten wieder aus und heiratete den Grafen 
Konrad von Tecklenburg (1527). *) Sie starb am 6. März 
1557. Die dritte Tochter, Anna, erblickte um 1491 das 
Licht der Welt, deren Freuden ihr ebenfalls verschlossen 
blieben. Im Kloster Ahnaberg bei Kassel lebte sie noch 
im Sommer 1513^), vor dem Herbst 1516 wird ihr Tod 
erwähnt.^) Katharina, 1493 geboren"^), gestorben 1525, 
und die zehn Jahre jüngere Elisabeth, aus dem Leben ge- 
schieden am 4. Januar 1563, werden unten mehr genannt 
werden. 

b. £ntmündigrangr ihres Gemahls, Annas Heimkehr nnd 
Heimatlosigrkeit. 

Die Freude über die endlich erlangte Mitgift machte 
Wilhelm I. nicht wieder gesund. Jetzt war die Zeit Wilhelms 

1) 1493 Jan. 9. u. Febr. 5. Kopb. der Ldgr. Ludw. IL u. Wilh. IL 
BL 137 b. 138a. 

2) 1493 Febr. 5. „am dinstage (vor) Dorothee virginis"; „vor" 
hat der Urkundenschreiber ausgelassen. Samtarch. No. 82 Schieb!. 84. 

3) Herrn. Diemar, Geschlechtsreihe d. Landgr.: Z. H. G. 37, 30.31. 
*) Eheberedung vom 5. Dez. 1526. Polit. Archiv des Landgr. 

Phil. I. Ldgrfl. Personalien. 

s) Glagau, Hess. Landtagsakten (H. L.) 1, 569 No. 60b § 15. 

®) Akten betr. die Landgräfm Anna, Ldgr. Wilh. I. Gemahlin. DiUch 
(Hess. Chron. Kassel 1608, S. 274) behauptet, Anna sei zu Marburg gestorben. 

^) 1515 Febr. 23. (Samtarch. No. 105 Schieb!. 85) war sie noch 
nicht 25 jährig. 



— 7 — 

des Mittleren gekommen. Dieser überredete seinen Bruder, 
der Herrschaft zu entsagen und ihm sein ganzes Fürstentum 
Niederhessen zu übergeben, ein überaus folgenschwerer 
Schlag für Anna, deren Vater übrigens seinem Bruder 
Friedrich ähnlich mitgespielt hatte. In dem Vertrage^) 
fand Wilhelms desÄlteren Krankheit gar keine Erwähnung. 
Um das Fürstentum Hessen durch die fortwährenden 
Teilungen nicht mehr zu schwächen — so hieß es in der 
Urkunde — und um die Einwohner desto besser gegen 
fremde Anfechtung zu verteidigen, und aus anderen Ur- 
sachen überließ Wilhelm I. seinem Bruder die Landgraf- 
schaft nebst Sichelstein und Hedemünden, letztere als 
braunschweigisches Pfand für 10000 Gulden. Er behielt 
sich nur Schloß, Stadt und Gericht Spangenberg vor, 
sowie eine jährliche Zahlung von 2000 und eine 
einmalige Abfindung von 12000 Gulden. Seine Ab- 
tretung erklärte er für unwiderruflich, aber auch ihm 
müßten alle Zusagen gehalten werden. Obwohl er seine 
Gemahlin bei seinen Lebzeiten nicht mit einem Witwen- 
gute zu versehen brauchte, sondern nur mit einem jähr- 
lichen geziemenden Einkommen, so beauftragte er doch, 
aus sonderlicher Neigung zu ihr, seinen Bruder, ihr im 
Hessenlande eine gleichwertige Leibzucht wie Grebenstein 
und Immenhausen zu verleihen, wo sie aber friedlicher 
wohnen könne als in diesen beiden Städten. Wilhelm der 
Mittlere war damit einverstanden und verhieß seiner 
Schwägerin eine entsprechende Verschreibung und aus 
seinen eigenen Gütern Ersatz für dasjenige, was etwa aus 
ihrer Leibzucht verpfändet wäre. Wie selbstverständlich, 
übernahm er die Verpflichtungen gegen Kaiser und Reich 
und die landgräflichen Schulden. Wilhelms des Älteren 
Erbrecht erkannte er für den Fall, daß er selbst oder der 
Marburger Vetter, Wilhelm III. der Jüngere, stürbe, ohne 
Einschränkung an. ^) Der Kaiser bestätigte die Übergabe 
der Landgrafschaft. ^) 

Ein undatierter Entwurf*) beschäftigt sich mit Annas 
Tode. Sollte dieser Fall vor dem nächsten Michaelistage 
eintreten, so wollte Wilhelm der Mittlere seinem Bruder, 
außer der dann fälligen Abzahlung von 5000 Gulden, 
2000 Gulden entrichten. 



'] 



) 1493 Juni 3. Samtarch. No. 44 Schiebl. 76. Vgl. Hess. Beitr. 2, 630. 
^ Samtarch. No. 48 Schiebl. 76. 

Innsbruck 1493 Sept. 23. Samtarch. No. 36 Schiebl. 15. 
') Samtarch. No. 52 Schiebl. 77. 



— 8 - 

Anna, die vermutlich im Sommer 1493 ihre zweit- 
jüngste Tochter Katharina gebar, blieb am Leben. Des- 
halb ist seitdem nur die Rede von einer Abfindung von 
10000 (statt 12000) Gulden, und zwar galt diese für den 
rückständigen Teil von Annas Mitgift. Der regierende 
Landgraf, Wilhelm der Mittlere, wurde nun Gläubiger 
der braunschweigischen Herzöge und rechtmäßiger Pfand- 
besitzer von Sichelstein und Hedemünden. Denn mit der 
Bezahlung zögerte er nicht. Schon nach wenigen Wochen 
bescheinigte sein älterer Bruder den Empfang des halben 
Schuldbetrages, nach vier Monaten des Restes bis auf 
200 Gulden. ^) Die ersten beiden Jahre erfüllte Wilhelm IL 
auch alle übrigen Verpflichtungen. ^) 

Man gewinnt den Eindruck, daß der kranke Land- 
graf gar nicht so ungern die Herrschaftslast abgeschüttelt 
hatte. Er ließ sich noch in demselben Jahre an der Uni- 
versität Erfurt in die Studentenliste eintragen und genoß 
dann seine Freiheit auf Reisen. 

Seine Gemahlin trennte sich von ihm und wurde 
nach Kassel gewiesen. Man hielt sie dort keineswegs 
fest, sondern sie durfte mit ansehnlichem Gefolge durchs 
Land reisen.^) Ihr Einkommen betrug 1700 Gulden 
jährlich. So muß es Wunder nehmen, daß sie es vor- 
zog, sich nach der hessischen Seite ganz unabhängig 
zu machen. 

Ihre Mutter Elisabeth und ihr Bruder Heinrich waren 
es, die in solchem Sinne auf sie einwirkten. Durch deren 
fortgesetzte Bitten ließ sie sich zu ihrem Schaden bewegen, 
ihre Leibzucht in Hessen aufzugeben und dafür den Sichel- 
stein wieder ans Herzogtum Braunschweig zu bringen. 
Man verschrieb ihr von der braunschweigischen Seite zum 
Ersatz Schloß und Stadt Uslar und eine Einnahme in 



^) 1493 (vigilia visitacionis Marie?) virginis, also Juli 1.? und 
Okt. 11. „iii abschlag der 10000, so sein liebe uns von unsers swehers 
von Brunswig wegen naich laud brieflicher urkund zu geben ver- 
schrieben gehabt." Samtarch. No. 57 und 58 Schiebl. 77. 

*) Empfangsbescheinigungen Wilhelms des Älteren vom 6. Aug. 
1493, 6. April und 12. Okt. 1494, 12. März und 8. Sept. 1495. Samt- 
archiv No. 60 Schiebl. 77. 

8) Am 25. und 26. Febr. 1494 hielt sie sich mit zwölf Pferden 
in Melsungen, zwischen Kassel und Spangenberg auf. Melsunger 
Amtsrechn. 1494. 



— 9 — 

barem Gelde. Wilhelm der Mittlere widersetzte sich lange 
diesen Plänen. Endlich gab er nachj) 

Anna sprach ihn, sowie die Städte Grebenstein und 
Immenhausen von den ihr geleisteten Gelübden und allen 
Verpflichtungen frei, auch die Stadt Kassel, die für die 
Vollständigkeit ihrer Leibzucht aufzukommen hatte. Nur 
das Schloß Sensenstein, die Morgengabe ihres Gemahls, 
wollte sie zeitlebens in Gebrauch behalten. Sie verpflichtete 
sich indessen, dort nur einen solchen Amtmann einzusetzen, 
der „dem Fürstentume zu Hessen verwandt*' sei. Ihr Vater, 
Herzog Wilhelm, und ihre Brüder Heinrich und Erich er- 
klärten sich gern mit dem Vertrage einverstanden. 2) 

Anna war nun auf die Versprechungen ihrer Ver- 
wandten angewiesen. Das mochte gehn, so lange ihr 
Vater am Ruder blieb. Dieser verzichtete aber sehr bald 
(2. Mai 1495) auf die Herrschaft, die er unter seine beiden 
Söhne teilte. Erich hatte auf Grund dieser Erbteilung für 
die Leibzucht seiner Schwester zu sorgen und die drei- 
hundert Gulden, die ihr früher von der Harzburg ver- 
schrieben waren, aus seinem Landesteile zu entrichten.^) 
Er betrachtete Annas Unterhaltung als eine unangenehme 
Last. Sie fühlte das um so mehr, da sie jetzt im braun- 
schweigischen Lande wohnte. Jahr um Jahr wartete sie 
vergeblich auf die Erfüllung der Verheißungen, auf die 
Übergabe Uslars, auf die Auszahlung des Geldes; Erich 
suchte sie mit wohlklingenden Worten hinzuhalten und 
abzufertigen. 

Anna hoffte auf die Hülfe der braunschweigischen 
Landstände. Einem Landtage zu Marienstein, der ihret- 
wegen am 22. Dezember 1496 abgehalten werden sollte, 
gedachte sie ihre Not zu klagen; denn sie bat Heise 
von Kerstlingerode dringend, er möge aus Treue zu ihr 
der geborenen Fürstin des Landes, die Versammlung nicht 
versäumen.*) Die Landstände erwiesen sich nicht für- 

*) Briefwechsel mit Braunschweig-Kalenberg 1499—1501. 

«) 1494 Okt. 11. Samtarch. No. 83 Schiebl. 84. — Beim..Ver- 
tragsschlusse waren nur drei Fürsten vertreten: Heinrich der Ältere 
von Braunschweig durch Dietrich von Schachten, Hans Diede und 
Nikolaus Zimmermann; Landgraf Wilhelm I. durch Rabe von Herda; 
Wilhelm II. durch Konrad von Mansbach, Friedrich Trott, Hans Kumpan 
(Kompenhans) und Johannes Westerburg. 

*) 0. V. Heinemann, Gesch. v. Braunschweig u. Hannover 2, 217. 231. 

*) Münden 1496 Dez. 5. Staatsarch. Hannover: Kerstlingerode 
30. — Joachim Meier (Origines et Antiquitates Plessenses S. 307), der 
sich häufig im Datum irrt, setzt diesen Landtag auf den Montag nach 
Nicolai (Dez. 12.) und Agnes (f 1471) für Anna. 



— 14 — 

Landgrafenhaus zurückfallen. Einen wichtigen Punkt im 
Vertrage scheint sich Anna nicht klar gemacht zu haben. 
Sie erhielt Melsungen nicht schlechthin, sondern nur die 
Einkünfte daraus, soweit sie in einem beigefügten Re- 
gister standen. Wenn sich nun der Ertrag durch Miß- 
ernte, Krieg oder schlechte Verwaltung minderte, so hielt 
es schwer, den Landgrafen zum Ersätze heranzuziehen. 
Obendrein legte man einen möglichst hohen Jahressatz 
der Einnahmen zu Grunde und bürdete der Landgräfin 
die Kosten der Verwaltung und Eintreibung auf. Von 
der Jagd standen ihr nur Hasen und Rehe zu ; der Land- 
graf wollte ihr indessen jährlich zwanzig Stück (Hirsch-) 
Wild liefern. In Wirklichkeit konnte sie froh sein, wenn 
sie ein halbes Dutzend bekam. Aus dem herrschaftlichen 
Forste durfte sie Brenn- und Bauholz entnehmen, soweit 
es zu notwendigen Bauten am Schlosse gebraucht wurde. 
Dies bildete für Wilhelm II. eine Handhabe, seine Schwä- 



der Stadt Einbeck hinterlegt waren, sechzig zu leicht und übergab 
darum seinen Empfangsschein dem genannten Stadtrate zur Aufbe- 
wahrung. (1512 Juli 14 Kassel. Or. Heinrich von Bodenhausen und 
Jost von Baumbach an ihre Mitregenten zu Marburg. Briefw. m. 
Brschw.-Kalenb.) Der Sichelstein fiel noch immer nicht an die Land- 
grafschaft zurück. Anna von Mecklenburg machte deshalb den hessi- 
schen Regenten Vorwürfe ([1514 Januar 9.] H. L. 1, 179). Ihr als Regentin ge- 
lang es dann, Schloß und Gericht für Hessen zurückzugewinnen, 
ohne daß sie daran dachte, Boyneburg zu entschädigen. Vielmehr 
wie in regelrechten Fehden wurden die beim Sichelsteine weidenden 
Schafe geraubt und nach Melsungen getrieben (Mlsr. Amtsrechn. 1514). 
Die Einwohner verweigerten anfangs die Huldigung (1514 September 
14 Kassel. Or. Kraft von Bodenhausen, Statthalter zu Kassel, an 
Anna von Mecklenburg. Briefw. mit Brschw.-Kalenb.). Die Landgräfin 
befahl dem Statthalter, eine Anzahl Bewaffneter mitzunehmen und 
die Sichelsteiner zur Huldigung zu nötigen, aber keine Gewalttat 
mehr zu begehn. Es werde genügen, das Schloß mit einem oder 
zwei Knechten zu besetzen. (1514 Sept. 15. Veckerhagen. Entwurf. 
Anna von Mecklenburg an Kraft von Bodenhausen, Statth. z. Kassel. 
Ebenda.) Später wurde das Braunschweiger Land vom Sichelsteine 
aus durch Reiter beschädigt (1516 Nov. 16. Münden. Or. Herzogin 
Katharina an Kraft von Bodenhausen, Statthalter z. Kassel. Ebenda). 
Da Ludwig von Boyneburg zu dem Gelde, das er für die Einlösung 
aufgewandt hatte, nicht anders gelangen konnte, klagte er mit seinem 
Bruder Hermann zusammen im April 1523 beim Reichskammergericht 
auf Herausgabe des Schlosses und Amtes (Histor. Vr. des Großhzts. H., 
Philipp S. 125 Anm. 119). Seine Aussöhnung mit dem Landgrafen (1527) 
wird auch seine Ansprüche auf den Sichelstein beseitigt haben. PhiUpp 
gab mehrere Jahre später gegen entsprechende Entschädigung die 
Burg und ihr Gebiet endgültig an Braunschweig zurück und ließ in 
Gemeinschaft mit Herzog Erich die dortige Grenze festlegen (1536 
Januar 10. Kassel. Verträge mit Braunschweig und Hannover.) 



— 15 — 

gerin mit der Erhaltung des alten morschen Melsunger 
Schlosses zu belasten. Bis zu seinem Tode rührte er 
keine Hand mehr, um etwas daran zu bessern; was ge- 
schah, ließ Anna selbst bauen und bezahlen. 

c. Buhigrere Jahre in Meisungpen. 

Das sei nun, wie es wolle, jedenfalls besaß die alte 
Landgräfin wieder eine feste Heimat und ein sicheres 
Einkommen. Von den Nachteilen wurde sie zunächst nicht 
viel gewahr, mit ihrem Schwager blieb sie auf gutem 
Fuße. Sie bediente sich seiner Hülfe, wenn sie von ihrem 
Bruder die Berichtigung dieser oder jener Schuld forderte. 

Ihre Voreltern hatten mit Zehnten zu Landwehrhagen 
und Lutterberg ein geistliches Lehen in Münden ausge- 
stattet. Da jene Dörfer augenblicklich Anna zustanden, 
bat Herzog Erich seine Schwester, die Zinsen dem Be- 
sitzer des Lehns zu reichen. Sie gab nicht gleich eine 
hinlängliche Antwort, und die Bitte mußte wiederholt 
werden. Anna stellte Gegenforderungen wegen Beglei- 
chung alter Schulden, händigte auch ihre Gegenurkunde 
über den Sichelstein (vom 30. Mai 1500) ihrem Bruder 
noch immer nicht aus. Der Landgraf stand ihr zur Seite 
und ließ es dem Herzoge gegenüber nicht an Bitten und 
ernsten Worten fehlen. Man kam überein, auf einem 
Tage zu Spiekershausen, an dem auch die Landgräfin und 
Heinrich der Ältere und der Jüngere von Wolfenbüttel 
teilnehmen sollten, einen Vergleich zu stiften.^) 

Das freundschaftliche Verhältnis zwischen Anna und 
Wilhelm II. zeigte sich auch darin, daß er sie mehrmals 
in Melsungen besuchte und ihr wieder eine Zusammen- 
kunft mit ihrem Gatten gestattete. Infolgedessen wurde 
ihr jüngstes Kind, Elisabeth, geboren. Die Taufe fand 
vielleicht am 11. August 1503 statt; denn damals kam 
der Landgraf mit großem Gefolge und mit dem Herzoge 
Albrecht von Mecklenburg nach Melsungen und ging 
von da zu seinem kranken Bruder nach Spangenberg. 
In den folgenden Tagen weilte die alte Landgräfin mit 
Wilhelm dem Mittleren in Rotenburg, wo er württem- 
bergische Räte und Lothringer bei sich sah. 2) 

») 1502 Jan. 16. Münden; Nov. 22. Nienover; 1503 Febr. 18. Kassel; 
19. Kassel; 20. Münden; April 24. Spiekershausen; undat. 

•) 1502 Aug. 10. Melsungen. Briefw. m. Braunschw.-Kalenb. — 
1503 Aug. 10.— 12. Melsungen, 12.— 15. Spangenberg, 15.-24 Roten- 
burg. Melsunger Ausgabenrechn. 1503. 



— 16 — 

Als im November 1504 dem regierenden Landgrafen 
von seiner zweiten Gemahlin, Anna von Mecklenburg, 
ein Thronerbe geboren wurde, da verwehrte man Anna 
von Braunschweig wieder den Zutritt zu ihrem Gatten. 
Denn hätte sie auch noch einem Sohne das Leben ge- 
geben, welche schweren Verwickelungen und Schädigun- 
gen des jungen Philipp wären daraus entsprungen! — 

Die alte Landgräfin sah mit der Zeit ein, wie schlecht 
sie mit ihren Einnahmen aus Melsungen fuhr. Sie ver- 
größerte das Uebel durch eigene Schuld, ihrer Verwaltung 
fehlte es an Sorgsamkeit und weitem Blicke. Als sie in 
Geldverlegenheit geriet, suchte sie zunächst an Bauten 
zu sparen. Die Folgen traten bald zu Tage. Das Schloß 
verfiel und konnte nicht mehr als anständige Fürstenwoh- 
nung gelten, kaum bot es Schutz gegen Wind und Wetter. 
Die Mühlen wurden baufällig und standen ganz still, oder 
ihr Zins mußte ermäßigt werden. Stadt und Amt seufz- 
ten unter wirtschaftlicher Not. Die Bauern ließen die- 
jenigen Rodeländer, die wenig Ertrag brachten, wüste 
liegen, um die Abgaben zu sparen; vom städtischen Wein- 
schank kam wenig Ungeld ein, weil die Besuche von 
Fürstlichkeiten, Vornehmen und Räten sich verminderten, 
und die Bürger sich notgedrungen einschränkten.^) 

Anna suchte dem regierenden Landgrafen klar 
zu machen, wie ihr eigenes Einkommen unter ihren Hän- 
den schwand, und wie seit der Entmündigung ihres Gatten 
dessen jährliches Ruhegehalt nicht mehr ausgezahlt war. ^) 
Wilhelm IL, der seiner Schwägerin in der letzten Zeit 
jährlich hundert Gulden bewilligt hatte, damit sie sich 
stattlicher erhalten könne, lag schwerkrank darnieder, die 
Regierung ruhte in fremden Händen, die Bitten der Land- 
gräfin verhallten ungehört. Ein Landtag, den sie in Wil- 
helms Todesjahre nach dem mainzischen Fritzlar berief, 
half ihr nicht. 

2. Bis zum Tode ihres Gatten (1509— 151 5). 

a* Annas Kampf nm die Erbfolgre und nm die Haldigrnngr* 

Wilhelm der Mittlere wurde am 11. Juli 1509 von 
seinen Leiden erlöst. Eine Zeit der Unruhe und der 



*) Melsunger Amtsrechn. v. 1513 u. 1514. Undat. Beschwerde Annas 
V. 1509—1510 in den Akten betr. die alte Landgräfin, die von hier 
ab neben den hessischen Landtagsakten (H. L.) die Hauptquellen sind. 

*) Job. Nuhn bei Senckenberg, Sei. jur. 5, 504. 



— 17 — 

Unsicherheit begann für Hessen. In seinem ersten Testa- 
mente von 1506^) hatte der Landgraf Friedrich Trott, 
Ludwig von Boyneburg und andere Mitglieder der Rit- 
terschaft bis zu dem Zeitpunkte, in dem sein Sohn Philipp 
mündig würde, zu Verwesern des Landes, sowie zu Vor- 
mündern über seine Gemahlin, seinen Sohn, seinen geistes- 
kranken Bruder und dessen Gattin eingesetzt. Dies än- 
derte er zwei Jahre danach zu Gunsten seiner Frau Anna 
von Mecklenburg, der er nun, neben dem bald darauf ver- 
storbenen Kölner Erzbischofe und vier Getreuen, die Voll- 
streckung seines letzten Willens und die oberste Vor- 
mundschaft anvertraute, auch die über seinen Bruder, 
während er Anna von Braunschweig stillschweigend von 
der Bevormundung befreite. 

Die hessischen Landstände erkannten das zweite 
Testament nicht an, und Ludwig von Boyneburg und 
Genossen bemächtigten sich der Regentschaft. Um solch 
eine Stellung zu »erringen und zu behaupten, bedurften sie 
natürlich der Bundesgenossen. Auch Anna von Braun- 
schweig konnte von Nutzen sein. Sie kam ihnen auf 
halbem Wege entgegen. Gleich nach Wilhelms IL Tode 
erschien Boyneburg mit Friedrich Trott, von ihr einge- 
laden, auf dem Sensensteine, wo sie gerade weilte, und 
gelobte ihr in die Hand, er w^olle ihr aufs beste dienen. 
Sie besuchte dann den ersten Landtag auf dem Spieße; 
ein Amtmann, der sie unterwegs mit Gewalt aufhalten 
wollte, wurde von den Ständen sofort abgesetzt. 

Um Anna von Mecklenburg ganz kalt zu stellen, 
verbreitete man das Märchen, Wilhelm der Ältere 
sei nicht geisteskrank. Vor dem zweiten Landtage, der 
über Vormundschaft und Verweserschaft in Hessen ent- 
scheiden sollte, diktierten Trott und Dr. Schrindeisen 
dem willenlosen Landgrafen einen Brief in die Feder, der 
den Landständen vorgelesen und gezeigt wurde. Sehet, 
ist das ein Narre? fragte Boyneburg triumphierend. Er 
sprach laut davon, daß Wilhelm dem Älteren Gerechtig- 
keit widerfahren und seine Gattin eine gewaltige Fürstin 
im Lande werden müsse ; denn jedermann liebe sie, wäh- 
rend Anna von Mecklenburg viele Gegner besitze. So 
schmeichelte er der weiblichen Eitelkeit. Er fand bei der 
alten Landgräfin um so lieber Gehör, je weniger sie bis- 
her Gelegenheit gehabt hatte, sich an derartigen Reden 

^) Schenk zu Schweinsberg, Das letzte Testament des Ldgr. Wil- 
helm II. von Hessen. Gotha 1876. 

N. F. BD. XXX. 2 



— 18 — 

zu berauschen. Und wie vermochte sie Mißtrauen zu 
fassen, da Worte und Taten im Einklänge standen? Die 
neue Regierung prägte Münzen in beider Landgrafen 
Namen, Wilhelms wie Philipps, und gewährte Anna so- 
fort freien Zutritt zu ihrem Gemahle, der noch immer auf 
Spangenberg saß. Im Auftrage des Ständeausschusses 
geleitete Friedrich Trott sie in ehrenvoller Weise zu ihm.^) 
Johann von Löwenstein und Johann von Falkenberg wur- 
den als Hofherren abgeordnet, um dem Landgrafenpaare 
ein fürstlicheres Auftreten zu ermöglichen. Zum Landhof- 
meister gewählt, stellte sich Ludwig von Boyneburg in 
Spangenberg vor. Auf Annas Bitte, für ihren Gatten, 
ihre Kinder und sie selbst fernerhin nach Kräften zu sorgen, 
erwiderte er mit Nachdruck: 

Gnädige Frau, meint Ihr, daß ich mich bewegen 
lasse, wie das Rohr auf dem Wasser? Betrüge ich Euer 
Gnaden, so traut keinem frommen Manne mehr! 

Ueberall blickte der Gedanke durch, den man später 
offen aussprach: Anna von Braunschweig könnte noch 
einen Sohn gebären; und der würde die jüngere Land- 
gräfin mit ihrem Philipp aus dem Vordergrunde verdrängt 
haben. Zu großartigen Hoffnungen fehlte aber der An- 
laß, die Gemahlin Wilhelms I. zählte etwa fünfzig Jahre, 
war also, wie man sich damals ausdrückte mit einem red- 
lichen Alter beladen. Ein sächsischer Rat, der in Span- 
genberg vorsprach, berichtete seinem Herrn unumwunden, 
von ihr sei kein hessischer Thronfolger mehr zu erwarten. 

So verlor sie allmählich an Wichtigkeit für Hessens 
Regenten, zumal als diese sich im Besitze der Herrschaft 
erst einigermaßen sicher fühlten. Bei einer Taufe im 
Hause von der Malsburg traf sie mit Ludwig von Boyne- 
burg wiederum zusammen. Da klangen die Reden des 
Landhofmeisters weit zurückhaltender als bisher : Wilhelms 
des Älteren Sache stünde auf zwei Wegen, ob ihm der 
Allmächtige aus seines Geistes Blödigkeit hülfe (an wel- 
cher Boyneburg nun nicht mehr zweifelte) oder ihm einen 
männlichen Erben bescherte. Auf den Einwurf, daß der 
alte Landgraf wegen seines Schwachsinnes doch nicht 
aller Rechte beraubt werden könnte,- gab Boyneburg zur 
Antwort: 



^) Bereits am 28. Juli 1509 beklagte sich Anna von Mecklenburg 
über diese Absicht bei den Wettinern, und am 7. Sept. teilte sie ihnen 
mit, daß ihre Schwägerin zu dem kranken Landgrafen eingelassen sei. 
Glagau, H. L. 1, 36. 87. 



— 19 — 

Euer Herr hat Rechts genug, wer führt es ihm aber aus ? 

Diese Worte mußten auf Anna von Braunschweig 
tiefen Eindruck machen. Die Hoffnung, einen Sohn zu 
gebären, verlor sie noch nicht ^), aber darauf ließ sich 
nicht mit mathematischer Sicherheit rechnen. Daher zielte 
sie folgerichtig jetzt nach zwei Punkten, auf die sie von 
den Regenten geradezu hingewiesen war: ihren Gatten 
für geistig gesund erklären zu lassen und seine Rechte 
auf die Landgrafschaft mit allen Mitteln geltend zu machen. 
Ganz allmählich spannte sie den Bogen straffer. 

Die Zeitläufte, der Hader um die hessische Regent- 
schaft, schienen ihrem Vorgehn günstig zu sein. 

Die sächsischen Fürsten, die auf Grund der Erbver- 
brüderung die Obervormundschaft über die unmündigen 
Landgrafen beanspruchten, luden (für Mitte November 
1509) die Landgräfin- Witwe und die hessischen Stände 
zu einem Schiedstage nach Mühlhausen. Hier überreichte 
auch Anna von Braunschweig eine Klageschrift. Sie 
erwähnte die Krankheit ihres Gatten, sie beschwerte sich 
über die Unzulänglichkeit ihrer Einkünfte, über die Un- 
schicklichkeit, mit der ihre Kinder gehalten würden. Die 
Wettiner empfahlen Wilhelm und seine Familie der Für- 
sorge der Landstände. 

Im Anfange des folgenden Jahres fand zu Kassel 
ein neuer Schiedstag statt, in dem abermals die Sache der 
alten Landgräfin zur Sprache kam. Ihrem Wunsche ge- 
mäß war man geneigt zu versuchen, ob nicht verständige 
Ärzte Wilhelms Gesundheit bessern könnten. Auf der 
Rückreise von Kassel kehrten die sächsischen Gesandten 
in Spangenberg ein. In ihrer Gegenwart mußte ein Prie- 
ster, der sich aufs Teufelsbannen verstand, in Annas Auf- 
trage dem Landgrafen zusetzen. Die Gesandten, aufge- 
klärter als die Fürstin, vermochten nicht einzusehen, 
daß Wilhelm vom bösen Geiste besessen sei. Da be- 
schwor sie die Sachsen nochmals, Leibärzte zu schicken, 
damit man erführe, ob dem Kranken zu helfen wäre. Die 
Regenten stellten wirklich Ludwig Briginalis von Genua, 
der Arznei Doktor, auf ein Jahr an, damit er den Land- 



*) Gla^au, H. L. 1, 138, 6: So auch . . . meinem g. herrn dem 
eidern manlich erben gegeben wurden, das sein g. und derselben 
erben dis alles an iren erbgefellen, landen und leuten und aller ander 
gerecbtigkeit unschedlich sei (1510 Dz. 15.) und öfter. — Ibre Tochter 
Elisabeth kam übrigens noch mit 58 Jahren nieder. 

2* 



— 20 — 

grafen und dessen Gemahlin in ihrer gegenwärtigen Krank- 
heit und Schwachheit behandele. *) 

Vom Anfange des Frühlings ab hielten kaiserliche 
Gesandte einen Tag zu Marburg, um zwischen Anna von 
. Mecklenburg und den hessischen Regenten und Land- 
ständen eine Entscheidung zu treffen. Hier langte ein 
eigenhändig unterschriebener Brief Wilhelms des Älteren 
an, worin er bat, ihn nicht am Fürstentume zu schädigen, 
denn er sei wieder regierungsfähig. Der erste scharfe 
Vorstoß der alten Landgräfin auf dem Wege, den ihr 
Ludwig von Boyneburg selbst gezeigt hatte. 

Unzufriedene aus dem ganzen Lande sammelten sich 
allmählich in Spangenberg und brachten die Fürstin in 
eine immer gereiztere Stimmung. Man schrieb jenen die 
ganze Schuld an den folgenden Zwistigkeiten und Un- 
ruhen zu. Die Regenten gaben sich Mühe, Anna von 
ihrer Umgebung zu befreien. Sie weigerten sich, sie weiter 
mit Lebensmitteln zu versehen, wenn sie diesem Wunsche 
nicht nachkäme. Dadurch wurde der Riß vertieft und der 
Kampf erbitterter. 

Ende Juli 1510 verhängten die Regenten und die 
sächsischen Räte über Wilhelm L genau dieselbe Ver- 
wahrung und Abschließung, wie sie zu Lebzeiten seines 
Bruders bestanden hatte. Sie gingen überdies mit der 
Absicht um, Anna von ihrem Gatten zu trennen und 
wieder nach Melsungen zu verweisen. Allein ehe es dazu 
kam, wollte die alte Landgräfin lieber alles aufs Spiel 
setzen. Jeder Gulden in der Hand machte sie kühner.^) 
Sie glaubte Ende September mit ihren Entschlüssen und 
Vorbereitungen so weit gediehen zu sein, daß sie den 
Versuch wagte, sich durch einen Staatsstreich die Herr- 
schaft im Hessenlande zu verschaffen. Selbst ein Mann 
wie Dr. Schrindeisen meinte, man sollte nur einen Land- 
tag versammeln und für des alten Landgrafen Gerechtigkeit 
anrufen, dann würde mancher sprechen, der jetzt schwiege. 
Derselben Ansicht war Anna. Ohne auf die Regenten 
die mindeste Rücksicht zu nehmen, berief sie die hessischen 
Landstände zum 14. Oktober nach dem Spieße bei Ziegen- 
hain. Die Geladenen folgten dem Rufe in großer Zahl. 
Anna erschien selbst und brachte nicht nur ihren Gemahl 



») 1510 Juni 27. Kopialb. Ei Bl. 21a. 

'} Am 10. Sept. 1510 bescheinigte sie den Empfang von fünfzig 
Gulden, die ihr, wegen ihrer Leibzucht, alljährlich bei der Frankfurter 
Messe auszuzahlen waren. Ldgrf. hess. Ehesachen: Ldgr. Wilhelm I. 



— 21 — 

mit, sondern auch ihre Schwägerin, die Landgräfin- Witwe, 
die keine Gelegenheit versäumte, den Regenten Abbruch 
zu tun. Ueber die Rechte ihres Sohnes Philipp konnte die 
jüngere Anna beruhigt sein» da es sich zunächst nur um 
eine zeitweilige Teilung der Herrschaft handelte, die später, 
nach Wilhelms I. Tode, dem jungen Philipp doch unge- 
schmälert zufallen mußte. 

Wie schlecht es noch mit des alten Landgrafen Ge- 
sundheit stand, erkennt man aus dem Umstände, daß nicht 
er, sondern seine Gattin dem Landtage Eröffnungen machte. 
Sie ließ ein kaiserhches Schreiben verlesen; Maximilian 
gebot, Wilhelm den Älteren aus seiner Verwahrung zu 
entlassen, wofern er zur Regierung tauglich sei. Anna 
knüpfte daran die Aufforderung, den vom verstorbenen 
Landgrafen unbrüderlich behandelten alten Herrn wieder 
als regierenden Fürsten anzuerkennen und ihm mit 
Diensten und Renten aufzuwarten. Wenn man das un- 
tunlich fände, sollte man ein neues Regiment aufrichten 
und ihre eigenen Räte daran teilnehmen lassen. Die 
Landstände antworteten, sie würden die Anträge den von 
ihnen eingesetzten Regenten unterbreiten, hinter deren 
Rücken aber nichts unternehmen. 

Der Mißerfolg entmutigte die alte Landgräfin nicht. 
Sie forderte öffentlich auf, den Regenten den Gehorsam 
zu kündigen und ihr zu gehorchen und zu zinsen. Als 
der Amtmann und Burggraf von Spangenberg sich weigerte, 
ihrem Gemahle zu huldigen, nahm sie ihm die Schlüssel 
ab. und gab Befehl, die Regenten oder deren Beauftragte 
nicht ins Schloß zu lassen. 

Das waren starke Herausforderungen der Machthaber. 
Diese erstatteten dem Herzoge Georg von Sachsen Bericht, 
ehe sie selbst Schritte unternahmen. Am 8. November 
1510 kamen Wettinische Räte in Zeitz zusammen und be- 
schlossen, der alte Landgraf sei in strenge Verwahrung 
zu nehmen, seine Gattin nach ihrem Witwensitze Melsungen 
zu verweisen, wie es bei Wilhelms des Mittleren Lebzeiten 
üblich gewesen; eine Versammlung auf dem Spieße, der 
hessischen Landtagsstätte, dürfe ohne den Willen der 
sächsischen Fürsten oder zum mindesten der Regenten 
nicht stattfinden. 

Ehe diese Beschlüsse zur Tat wurden, beraumte Anna 
nach Spangenberg einen zweiten Landtag auf den 14. No- 
vember an. Wieder ohne jeden Erfolg für ihr Herrsch- 
gelüste. Auf Wilhelms Bitte, ihm Gerechtigkeit wider- 



— 22 — 

fahren zu lassen, erwiderte Friedrich Trott Mm Namen der 
Stände, in ihrer Macht stünde nichts, man möge des Kaisers 
Majestät oder die Fürsten zu Sachsen darum ersuchen. 

In einem öffentlichen Ausschreiben rechtfertigten die 
Regenten ihr Verhalten gegen Wilhelm. 

Erbittert über das Fehlschlagen aller ihrer Hoffnungen, 
schrieb Anna (am 19. November) eine erregte Entgegnung 
an die Stadt Kassel: die Regenten hätten wider Recht 
und Billigkeit ihren Gemahl der Herrschaft beraubt und 
sich selbst die Regierung angemaßt, nach fürstlicher Würde 
und Ehre begehrend, zum Schaden des angestammten 
Fürstenhauses, des Landes und der Untertanen ; die 
Wettiner wären von ihnen ins Land gerufen. Gegen dieses 
Unrecht werde sie ihre Freunde um Hülfe anflehen. Die 
Bürger von Kassel forderte sie bei Verlust ihrer Freiheiten 
und Rechte auf, keinem andern als ihrem Gatten zu ge- 
horchen. 

So lange als Boyneburg seine hervorragende Stellung 
nicht für gesichert hielt, hatte er die alte Landgräfin und 
ihren unglücklichen Gemahl gegen die junge Witwe aus- 
gespielt und in jener durch Schmeicheleien ausschweifende 
Hoffnungen geweckt. Das ist entschieden zu bedauern. 
Eine Wiedereinsetzung Wilhelms des Älteren wäre aber 
ein Unheil für das Land geworden. Ein irrsinniger Fürst 
taugt nicht zum Herrscher. Und Wilhelm war nicht bei 
gesundem Verstände. Hier ein Beweis aus etwas späterer 
Zeit. Im hellen Frühlinge (im Monat März 1514) rief er 
den in Kassel versammelten Ständen mit grober Stimme zu: 

Des Kaisers Majestät wünscht einem jeden von euch 
ein seliges neues Jahr! 

Es diente der Ruhe und Wohlfahrt des Landes, wenn 
Regenten und Landstände (vom 25. bis 29. November 1510) 
mit den Wettinern Gegenmaßregeln berieten.^) Sie wollten 
gemeinschaftlich Wilhelms des Älteren Geisteszustand 
noch einmal prüfen, um alle Zweifel zu heben. Die Ab- 
geordneten der Landstände, die vorausritten, fanden in 
Spangenberg Einlaß; die übrigen kamen vor verschlossene 
Tür und mußten unverrichteter Sache umkehren. Daher 
forderten die Wettiner (am 3. Dezember) die Ritter und 
Mannschaft zu Spangenberg auf, bei Verlust ihrer Lehen 
den Ort ungesäumt zu verlassen. Wahrscheinlich wirkte 



^) Diese Landtagsverhandhingen finden sich in den Akten btr. 
die alte Landgräfin ausführlicher als bei Glagau, H. L. 1, 128 No. 36. 



— 23 — 

dieser entschlossene Befehl ; denn am folgenden Tage fand 
eine Abordnung, zu der die Regenten Friedrich Trott 
und Eitel von Löwenstein gehörten, Aufnahme in Spangen- 
berg. Wilhelm und seine Gemahlin wurden nach Kassel 
zu einer Unterredung geladen. Anna allein wollte kommen. 
Zur Verständigung gelangte man nicht. 

Die Wettiner richteten (unter dem 11. Dezember) ein 
Ausschreiben an die hessische Ritterschaft. Sie wiesen 
darauf hin, daß des alten Landgrafen Parteigänger ver- 
sucht hätten, die bestehende Regierung zu stürzen und 
ein neues Regiment aufzurichten. Deshalb verboten sie, 
gemäß ihren Zeitzer Beschlüssen, an den von Wilhelm an- 
beraumten Landtagen und Versammlungen teilzunehmen. 
Den Regenten sagten sie nötigenfalls eine Hülfe von 
2000 Mann zu Fuß und 200 Reitern zu. 

Diese deutliche Sprache verfehlte ihre Wirkung nicht. 
Anna gedachte nun durch Verhandlungen einen Teil ihrer 
Absichten zu erreichen. Sie bat ihren Bruder Heinrich 
den Älteren um seine Vermittlung. Am 13. Dezember 
traf der Herzog mit einigen hessischen Regenten und 
dem sächsischen Rate Günther von Bünau in Landwehr- 
hagen zusammen. An demselben Abend erstattete er in 
Melsungen, wohin er das Landgrafenpaar entboten hatte, 
seiner Schwester Bericht. Während der nächsten Tage 
wurden die Unterhandlungen in Kassel fortgesetzt, und 
man einigte sich über mehrere Punkte, besonders über 
des Landgrafen jährliche Einkünfte und über die Besse- 
rung von Annas Witwengute. Die Wettiner erklärten 
sich später (am 13. Januar 1511) bereit, auch die übrigen 
Forderungen des Braunschweiger Herzogs zu erfüllen, die 
den Ausbau des Melsunger Schlosses, die Ausstattung 
der Töchter und den Vorbehalt aller Rechte für einen 
etwaigen männlichen Erben Wilhelms betrafen. 

Annas weitergehende Forderungen (wie die Austei- 
lung aller Lehen durch den alten Landgrafen, die Anwei- 
sung eines stattlichen Gebietes, die Bezahlung ihrer Schul- 
den, die schon fünftausend Gulden betrugen) hatte nicht 
einmal ihr Bruder gutheißen können. 

Und daran scheiterte das ganze Vermittelungswerk, 
zumal da die alte Landgräfin und ihre Anhänger ^nicht 
aufhörten, den Unfrieden in immer weitere Kreise zu 
tragen. 

Bei ihrem letzten Aufenthalte in Kassel hatten die 
Wettiner geboten, daß die Erbhuldigung von den hessi- 



— 24: — 

sehen Ihitertanen beschworen werden solle. Anna erinnerte 
(am 23. Januar 1511) die Stadt Marburg daran, daß Ludwig II. 
und Heinrich III. übereingekommen wären, keinem hessi- 
schen Landgrafen dürfe vor dem vierzehnten Jahre gehul- 
digt werden. Und Philipp zählte erst sechs Jahre! Es 
fiel auf die sächsischen Fürsten der Verdacht, sie wollten 
durch solche Beschleunigung im Hessenlande festen Fuß 
fassen, bevor der Erbfall einträte.^) Diese Stimmung 
machte sich die alte Landgräfin mit den Ihren zu nütze. 

Wider den Willen und Spruch der Wettiner — denn 
vom Rat zur Tat führte in Sachsen ein langer, steiler 
Pfad — hielt sie sich noch in Spangenberg auf. Hier 
tagte unter ihrem Vorsitze ein großer Kriegsrat. Als 
Teilnehmer werden genannt: Dr. Egra, Ritter Hans 
Knaut, Johann von Löwenstein, Kaspar Meysenbug, Hans 
von Falkenberg, Konrad von Löwenstein genannt Schweins- 
berg, Gilbrecht von Radenhausen, der kleine Johann 
Schenck zu Schweinsberg und Peter von Treisbach, ein 
bewährter Freund der jungen Landgräfin- Witwe. Man 
beschloß, die Hälfte von dem niederhessischen Homberg 
und vom ganzen Oberhessen, Landesteilen, die seit den 
letzten Jahren durch Erbfall mit Niederhessen vereinigt 
waren, gewaltsam in Besitz zu nehmen. Wilhelm der 
Altere sollte nach Homberg ziehen und auf Grund seines 
Erbrechtes (obwohl das nach kaiserlichem Spruche bis 
zu seiner Genesung ruhte) ''^) die Huldigung einfordern. 
Hans von Falkenberg, dessen Stammburg in der Nähe 
lag, hatte den Boden schon vorbereitet. Darauf wollte 
man Treysa und Kirchhain einnehmen, womöglich auch 
Ziegenhain. Der kleine Schenck erbot sich, den alten 
Landgrafen in das Städtchen Schweinsberg einzulassen. 
Kurt von Dernbach gedachte als Marburger Burgmann 
von Kirchhain nach der oberhessischen Hauptstadt zu 
reiten, wo der gemeine Mann Wilhelm dem Älteren die 
Tore voraussichtlich öffnen würde. Den Erzbischof von 
Mainz und den Grafen Wilhelm von Henneberg um Bei- 
stand zu bitten, lag im weiteren Plane, dessen Schlußglied 
bildete, daß Anna sich zum Kaiser begäbe und die Sache 
rechtlich austrüge. 

^) Mit bezeichnender Vorsicht entledigte sich daher die Stadt 
Kassel am 5. Dez. 1510 des Huldigungseides. Sie schwur Treue 1) dem 
Ldgr. Philipp und seinen Leibeslehenserben, 2) dem Ldgr. Wilhelm 
und dessen Leibeserben, 3) wenn keiner von diesen mehr lebte, „als- 
dann und nicht eher" den Herren von Sachsen. Glagau, H. L. 1, 130. 

«) Vgl. oben S. 10 (1496). 



— 25 — 

Vor gewaltsamem Umstürze schreckte man nicht 
mehr zurück. Unverzüglich schritt man zur Ausführung. 

Am 18. Dezember 1510 verlangten sächsische Räte 
und vier Regenten in Homberg die Huldigung. Der 
Stadtrat gedachte ihnen zu willfahren. Da begehrten 
drei Räte Wilhelms des Älteren, Hans von P'alkenberg, 
Konrad von Dernbach und Wilhelm von Wehren, Einlaß 
und wiegelten das Volk auf. Die Bürger rotteten sich 
geharnischt und bewaffnet zusammen, und aus der Huldi- 
gung wurde nichts. 

Unruhig ging es auch in Marburg her. Den Regen- 
ten und sächsischen Räten, die den Treueid forderten, 
traten Hans Knaut, Peter von Treisbach, Falkenberg und 
Dornbach entgegen und predigten den Aufruhr.^) Da 
riß den Regenten die Geduld, sie nahmen die ersteren 
beiden gefangen, hielten Knaut, der verwundet war, auf 
Gelübde in einer Stube fest und setzten Treisbach wie 
einen gemeinen Verbrecher in den Stock. Dadurch 
mürbe gemacht, bekannte er den ganzen Anschlag. Beide 
büßten mit längerer Haft. Vergeblich baten die alte 
Tandgräfin und ihr Gemahl zweimal die Regenten und 
hierauf (am 18. Januar 1511) den Herzog Georg von 
Sachsen, für die Freilassung ihrer beiden Räte zu sorgen. 
Umsonst beklagte sich Anna darüber, daß ihr geschwore- 
ner Bote in Ziegenhain überfallen, und ihre Briefe ihm ab- 
genommen und besichtigt seien. Als alles nichts half, 
erhob sie Beschwerde beim Kaiser. Am 12. Februar 
griff Maximilian I. zu gunsten Knauts und 1 reisbachs 
ein, aber ohne Erfolg. Ebenso lehnten die Regenten, 
unter Berufung auf die Abwesenheit der sächsichen Her- 
zöge, die kaiserliche Einladung zu Vergleichsverhandlun- 
gen ab, in denen alle Irrungen mit Anna von Braun- 
schweig zur Sprache kommen sollten. — 

Ende Januar 1511 erschienen die Vertreter der meisten 
hessischen Städte in Marburg zur Huldigung, die Anna 
noch zweimal brieflich 2) zu hintertreiben versuchte. Sie 
stellte den versammelten Bürgern vor, ihr Gemahl wäre 

^) Besonders erregten sie das Volk durch die Erzählung, daß 
das alte Landgrafenpaar und seine Töchter selbst mit Speise erbärm- 
lich gehalten würden. 

') 1511 Febr. 27. Or. Ludw. Ort, Rentmeister zu Marburg, an 
Landhofmeister und Regenten: Der alte Ldgr. habe an Rat, Zünfte, 
Gilden und Gemeinde zu Marburg zwei Briefe geschrieben. Ob das 
die im Texte erwähnten Schreiben sind oder ein späterer Aufwiege- 
lungsversuch, wissen wir nicht. 



— 26 — 

wieder regierungsfähig, er würde persönlich in ihre Mitte 
treten, wenn er nicht fürchten müßte, es erginge ihm, wie 
vor kurzem seinen Räten; die Städte möchten daher Ab-, 
geordnete nach Spangenberg senden. Daran schlössen 
sich Klagen über die Wettiner und Boyneburg und über 
die unwürdige Behandlung ihres Gatten, dem doch nach 
dem Tode Wilhelms des Jüngeren und des Erzbischofs 
Hermann Oberhessen gehöre; widerrechtlich fordere man 
die Huldigung für den unmündigen Philipp. 

Die Antwort lautete: Man wisse sich keinem andern 
verpflichtet als dem jungen Landgrafen, dem rechten Erben 
seines Vaters; erlange der alte Herr aber irgend ein Recht, 
so würden sie sich als fromme Leute halten. 

Und die Städte leisteten den von den Regenten ge- 
forderten Schwur. 

Die alte Landgräfin aber gab ihr Spiel noch immer 
nicht auf. Ihre Sendlinge arbeiteten und wühlten weiter. 

In Kirchhain (ö. Marburg), wo der verlangte Huldi- 
gungseid bereits geschworen war, schürte Hermann von 
Holzhausen, Knappe des Amtmanns Gilbrecht von Raden- 
hausen, den Brand. In maßloser Weise zog er los. 

Habt ihr gehuldigt? fragte er die Bürger. Als sie 
die Huldigung verlangten, hättet ihr es machen sollen 
wie die von Treysa und sie totschlagen gleich räudigen 
Hunden. 

Ein Bürger entgegnete: Wir haben einen gnädigen 
jungen Herrn, dem haben wir gehuldigt. 

Holzhausen schrie ihn an : Das will ich dir nach- 
sagen, wenn ich gen Spangenberg komme! 

Er drohte mit Totstechen und vermaß sich, aus der 
Haut seiner Gegner Schwertscheiden zu machen. Ein 
Aufruhr brach in der Stadt aus. Bürgermeister und Rat 
luden den zornigen Knappen und mehrere Bürger vor. 
Schultheiß und Landknecht aber wollten Hermann von 
Holzhausen auf dem Rathause gefangen nehmen, ein 
UebergrifF gegen die städtische Freiheit, der wiederum 
den Stadtrat empörte. Der Marburger Rentmeister Lud- 
wig Ort schritt auf Beschwerde unverzüglich ein (am 26. 
Februar 1511). 

Holzhausen wurde zu Marburg ins Gefängnis ge- 
worfen ^) und in den Stock geschlagen. Nach längerer 



*) 1511 März 3. Kassel. Abschr. Die Regenten an den Rent- 
meister Ludwig Ort zu Marburg. 



— 27 — 

Haft mußte er sich zur Stellung von Bürgen und zu einer 
demütigen Urfehde bequemen, die wenig zu seinen frü- 
heren großen Worten paßte. ^) 

Das Ende vom Liede war auch in Kirchhain, daß 
die alte Landgräfin mit ihren Ansprüchen nicht durchdrang. 

Während die Kirchhainer Ereignisse wichtig sind, 
weil sie Annas Umgebung kennzeichnen, trat an anderer 
Stelle das alte Landgrafenpaar selbst handelnd auf. 

In Homberg und in Treysa lehnten die Bürger die 
Huldigung hartnäckig ab, unter dem Verwände, das ein- 
heimische Fürstenhaus sei noch nicht ausgestorben. ^) Daß . 
sich die hessischen Städte und Ritter der Erbhuldigung 
schon mehrfach (z. B. 1373, 1431, 1487) anstandslos unter- 
zogen 'hatten, war vergessen. Der Widerstand wurde 
sehr verstärkt, als am Nachmittage des 12. Februars 1511 
Anna von Braunschweig mit ihrem Gemahle und fünfzig 
oder sechzig Reisigen einzog. Es lag in ihrer Absicht, 
die Einwohnerschaft in Eid und Pflicht zu nehmen und 
so die Pläne der Regenten und der Wettiner zu durch- 
kreuzen. Die Regenten gingen mit Gewalt gegen die 
Stadt vor, deren Tore von Wilhelms Reitern verwahrt 
wurden. Ein paar Büchsenschüsse von Mauer und Türmen 
trieben aber die aufgebotene Macht in die Flucht, und die 
Bürger sangen Spottlieder auf Boyneburgs schnellen Rück- 
zug. Sie frohlockten zu früh. Eine Zeit lang blieben sie 
zwar unbehelligt, weil die anderen Städte, von deren Stim- 
mung und Ergebenheit nicht viel Rühmens zu machen 
war, einem Aufgebote gegen Homberg und Treysa nicht 
gehorcht hätten. Insgeheim warben daher die Regenten 
auswärts Reisige und Fussvolk an und baten die sächsi- 
schen Fürsten um Hülfe. Um Mitte Mai — das alte Land- 
grafenpaar war längst, ohne die gewünschte Huldigung 
erlangt zu haben, aus der Stadt gezogen — sammelte sich 
bei Ziegenhain eine stattliche Macht, zwölfhundert Fuß- 
soldaten und dreitausend Reiter. Blasses Entsetzen befiel 
die Widerspenstigen. Die Rädelsführer entwichen in Nach- 
barstädte und -Klöster oder versteckten sich in Bierkellern 
und düsteren Winkeln. In demütigem Aufzuge gingen 
die Homberger den Machthabern entgegen und flehten 
um Gnade. Boyneburg strafte sie mit Worten und Geld- 
bußen, zeigte sich aber sonst maßvoll; weniger seine Krie- 



1) 1511 Juli 21. Marburg. Kopialb. E, Bl. 91b. 
'•*) Wigand Lauze, Leben Philippi Magnanimi, Z. H. G. Suppl. 2, 
Seite 5 bis 8. — Glagau, Anna von Hessen S. 80—81. 



- 28 — 

ger, die unter dem Geflügel übel hausten. Für ihre Helden- 
taten in Höfen und Stallungen erfand man den Scherz- 
namen Hühnerfehde. 

Treysa leistete schon vorher die Huldigung. 

Diesen Feldzug hatte Anna von Braunschweig ver- 
loren. 

b. Das Eingreifen des Kaisers. 

Allen Drohungen und Beschlüssen zum Trotz erfreute 
sich Wilhelm der Ältere der freiesten Bewegung, und 
seine Gemahlin wich nicht von seiner Seite. Daher konnten 
beide der Ladung des Kaisers, der sie zur Entscheidung 
der Streitigkeiten an seinen Hof rief, ungehindert. folgen. 
Die hessischen Regenten sollten auf Maximilians Befehl 
die landgräfliche Familie mit Reisezehrung und allem 
Nötigen versehen. Allein sie hatten keine Lust, ihren 
Gegnern Kampfmittel zu liefern. Annas Räte baten den 
Landhofmeister und seine Amtsgenossen um eine Zusammen- 
kunft im Kloster Breitenau (zwischen Kassel und Mel- 
sungen). Ludwig von Boyneburg schickte einige Ab- 
geordnete dorthin, um die Wünsche anzuhören, ließ sich 
aber weder auf eine Zusicherung noch auf eine Unter- 
stützung ein. 

Anna von Braunschweig und ihr Gatte wandten sich 
daher an ihre Gönner und guten Freunde im Lande und 
nahmen eine Anleihe auf. „Mit leichtem Beutel" machten 
sie sich auf den Weg. Es war am 12. März 1511, als sie 
mit sechzig Pferden von Spangenberg aufbrachen, Die 
erste Nacht lagen sie in Hersfeld. Zu ihrer Freude nahm 
das Volk sie ehrerbietig auf und reichte ihnen ein Ge- 
schenk.^) Von da gelangten sie auf mainzisches Gebiet 
und erhielten freies Geleit zum kaiserHchen Hofe. Nach 
vier Tagen befanden sie sich in Frankfurt und verschafften 
sich Mittel zur Fortsetzung der Reise, die bis zum 
Elsaß ging. 

Vom 4. bis 9. April 1511 wurde in Straßburg und 
Offenburg vor dem Kaiser über die Ansprüche Wilhelms L 
und seiner Gemahlin verhandelt. Dr. Egra vertrat ihre 
Sache. Seine nicht gerade bescheidenen Forderungen be- 
gannen mit der Aufhebung der Regentschaft und der 
sächsischen Vormundschaft. Er verlangte ferner die Hälfte 
der Erbschaft Wilhelms des Jüngeren von Oberhessen 

^) Joh. Nuhn bei Senckenberg, Sei. jur. 5, 505. 



- 29 — 

und des Erzbischofs Hermann von Köln (Homberg), ohne 
Rücksicht auf die Bestimmungen der Entmündigung. Egra 
klagte über die schlechte Pflege des Geisteskranken und 
über die Gefangennahme seiner beiden Räte Knaut und 
Treisbach. Für Anna von Braunschweig beanspruchte er 
volle Gleichstellung im Einkommen mit der Landgräfin- 
Witwe und dasselbe Jahrgeld für ihre beiden Töchter, wie 
es Wilhelms II. hinterlassener Tochter bewilligt wäre. 

Der sächsische Anwalt suchte die Beschwerden zu 
widerlegen, er meinte, Wilhelm sei von seiner eigen- 
nützigen Umgebung angestiftet. Man verschwieg oder 
wußte noch nicht, daß Anna von Braunschweig die Seele 
des Kampfes war. 

Der Kaiser wies Wilhelms Ansprüche auf die Hälfte 
von Hessen und Katzenelnbogen ab und riet dem Land- 
grafenpaare nach Hessen zurückzukehren; zu den Ver- 
handlungen mit den Regenten wollte er Gesandte abordnen. 
Fügten sich Anna und ihr Gatte nicht der Billigkeit, so 
würde er sich der Sache nicht weiter annehmen. 

Die hessischen Regenten wichen den Verhandlungen 
aus, kümmerten sich auch nicht um eine kaiserliche 
Mahnung. Von Maximilians Seite geschah einstweilen 
weiter nichts. Wilhelm und seine Gemahlin blieben im 
Auslande und machten Schulden. Den hessischen Macht- 
habern erwuchsen daraus mit der Zeit große Unannehmlich- 
keiten und Schwierigkeiten, dem Lande unglaubliche Kosten. 
Im Hessenvolke ging die Rede, silberne Boten (Be- 
stechungen) stellten sich am kaiserlichen Hofe zwischen 
das Landgrafenpaar und sein gutes Recht. 

Anna bewies immer mehr, dass sie bei der Wahl 
ihrer Bundesgenossen jede Rücksicht bei Seite setzte. Ein 
volles Jahr lang wohnte sie mit den Ihrigen zu Oppen- 
heim im Hause Hansens von Sickingen, der durch Wil- 
helm den Mittleren in der pfälzischen Fehde schwer ge- 
schädigt war und also nicht die freundlichsten Gesinnungen 
gegen die Hessen hegte. Hier wird sie auch zuerst mit 
Franz von Sickingen in Beziehung getreten sein. Uebri- 
gens benahm sich das landgräfliche Gefolge nicht muster- 
haft im Sickingischen Hause. Es wurde nicht nur viel 
verwohnt, sondern manches auch mutwillig zertrümmert. 

Noch in anderer Hinsicht zeigte Anna um diese Zeit 
ihre Abneigung gegen Hessen. Ihre Tochter Katharina 
war ins heiratsfähige Alter getreten. Der Rheingraf und 
Herzog Philipp der Ältere von Braunschweig -Gruben- 



— 30 — 

ha gen hatten sich schon um deren Hand beworben ^). Der 
Herzog gefiel den Regenten, sie dachten diesem Freier 
eine ansehnliche Mitgift zu. Die alte Landgräfin entschied 
sich aber, ohne die hessischen Machthaber und Landstände 
auch nur zu fragen, für Adam, Grafen und Herrn zu 
Beichlingen. Vor dem 6. Juli 1511 fand bereits die Hoch- 
zeit statt. 

Der junge Gatte, der sich im vorhergehenden Sommer 
zu Marburg der landgrätiichen Familie genähert haben 
wird ^), stammte aus einem alten thüringischen Herren- 
geschlechte ; gegen seine jetzige Reichsunmittelbarkeit be- 
standen aber Zweifel. Die Wettiner waren seit langem 
gewöhnt, die Grafen von Beichlingen als ihre Unterge- 
benen und Heerespflichtigen zu betrachten. Sie bestritten, 
daß Adam wie ein Reichsstand einen Beitrag für. das 
Kammergericht zu bezahlen habe, und setzten es schließ- 
lich durch, daß die Grafschaft Beichlingen mit ihrer Be- 
lastung durch Kursachsen vertreten wurde. ^) Im Jahre 
1507 ward Graf Adam zum Beisitzer des höchsten deut- 
schen Gerichtshofs ernannt, zwei Jahre danach und später 
abermals (vom 9. Juli 1511 bis zum 20. Februar 1512) 
versah er das Amt des Vorsitzenden Kammerrichters, in 
das er endgültig nach Annas Tode einrückte (1521 — 35). 

Diesen unvermögenden Grafen sah sich die alte 
Landgräfin also zum Schwiegersohne aus. Natürlich aus 
Politik: sie wollte Kammergericht und Kaiser auf diese 
Weise für sich gewinnen. Ihre Rechnung bewährte sich 
nicht. Auf den Kaiser besaß Beichlingen keinen bedeu- 
tenden Einfluß, und bald nach seiner Verheiratung begann 
er auch dem Kammergerichte fernzubleiben; erst nach 
dem Tode seiner Schwiegermutter nahm er seinen Dienst 
wieder auf. Inzwischen hatte er seinen Wohnsitz im 
Hessischen, erst in Homberg, dann in Melsungen. In 
auffälliger Weise verstand er es, sich den jedesmaligen 
Machthabern anzupassen. — 

1) Glagau, H. L. 1, 94 (1510 Jan.). 

') 1511 Apr. 10. Gengenbach, Kaiser Max bestätigt den Mar- 
burger Vertrag vom 24 Juli 1510. Or. im Samtarch. No. 66 Schieb!. 77. 
(Vgl. H. L. 1, 149, No. 51.) Schenk z. Schweinsb., Testament S. 67. 

*) (Harpprecht), Staatsarch. des Reichskammergerichts 3, 176— 
198. Ferner 3, 29. 30. 45. 83. 92. 465. — Graf Adams Beitrae zum 
Reichskammergericht betrug 1507 nur 12 Gulden, die ihm von der Be- 
soldung abgezogen wurden. Damit stand er auf einer Stufe mit dem 
Herrn von Plesse und dem Herzoge von Grubenhagen, während ein 
Graf von Stolberg 30 und zwei von Schwarzburg 60 Gulden bezahlten, 
''.benda S. 415—419. 



— 31 — 

Am 26. Juli 1511 hielt sich die alte Landgräfin vor- 
übergehend in Marburg auf, wo die Regenten auch ge- 
rade weilten. Zum Teil mag ihr Besuch sich auf ihre 
Heimkehr und auf die vorausgegangenen Verhandlungen 
mit dem Kaiser bezogen oder der P'reilassung ihrer An- 
hänger gegolten haben (vgl. oben Seite 25 und 29), zum 
größeren Teil aber der Bewilligung einer Aussteuer für 
Katharina. Damit hatte sie indessen kein Glück. Die hes- 
sischen Stände ließen sich sogar durch die Regenten zu 
einer förmlichen Mißbilligung der Heirat bewegen und 
lehnten die beantragte Heimsteuer ab.^) Die sächsischen 
Fürsten hießen dieses Vorgehen gut und mahnten Anna, 
aus der Ablehnung eine Lehre zu ziehen und ihre jüngste 
Tochter Elisabeth nicht wieder ohne ihren Rat und ohne 
Wissen und Willen der hessischen Machthaber und Land- 
stände zu verloben. Adam empfing die Mitgift, die einem 
fürstlichen und allgemein anerkannten Eidam ohne erheb- 
liche Schwierigkeiten ausgezahlt wäre, erst nach dem 
Sturze Boyneburgs und seiner Mitregenten, als Belohnung 
für besondere Dienste, die er der Landgräfin- Witwe geleistet 
hatte. 2) — 

Der Kampf der Parteien dauerte unaufhörlich fort. 
Anna und die Ihren suchten neue Unruhen in Hessen 
zu stiften. Die Ritterschaft forderten sie auf, von dem 
minderjährigen Philipp die Lehen nicht in Empfang zu 
nehmen, sondern zu warten, bis Wilhelms Sache zum Aus- 
trage gekommen sei. Bei einem Teile der Lehensträger 
fanden sie Zustimmung. Auch ließen sie Schmähgedichte 
gegen die Regenten und die Wettiner drucken. Das 
gab Anlaß zur Veröffentlichung mehrerer Gegenschriften 
und Widerklagen.^) 

Die sächsischen Fürsten beschwerten sich beim Kaiser 
und verlangten Wilhelms und Annas Rückkehr nach Hessen. 
Diese beiden hätten den Wunsch gern erfüllt, ihrer Heim- 
reise standen aber Hindernisse im Wege. Die Gläubiger 
hielten das Landgrafenpaar fest und verpflichteten es 



*) Nach Rommel, Gesch. v. Hessen 3, 152 der Anm. schrieben 
die Regenten eine Fräuleinsteuer aus; ausgezahlt ist damals aber 
höchstens ein geringer Bruchteil. 

*) 1514 September 27. Marburg ; 1515 Febr. 23. Kassel. Samt- 
arch. No. 103 und 104 Schiebl. 85. Vgl. ebenda No. 105—121. 

») Senckenberg, Sei. jur. 5, 652 (1511 Juli 1. Marburg). 5, 639 
(1511 Nov. 13. Oppenheim). — 0. Gerland in den Mitteilungen des 
Vereins f. H. G. 1884 S. 121 (1513 März 30. [Worms]). — Eine spätere 
Flugschrift in den Akten betr. die alte Ldgrfin. (1517 Nov. 3. Worms.) 



— 32 — 

schließlich, von Oppenheim nach Worms zu kommen und 
dort bis zur Bezahlung der Schulden zu bleiben. Die Not 
war groß. Um sich bares Geld zu verschaffen, mußte 
Anna zwei goldene Ketten verpfänden und obendrein die 
üblichen Zinsen versprechen. *) Einen Gläubiger, Wolf- 
gang Gotzman vom Thurn, ernannte Wilhelm auf Lebens- 
zeit zu seinem Diener und Rate und bat endlich in 
seiner „großen Armut" den Kaiser, dieser Ernennung 
Geltung und dem treuen Diener Belohnung zu ver- 
schaffen. ^) 

Maximihan verständigte (im Februar 1512) den Kur- 
fürsten von Sachsen über den Sachverhalt und forderte, 
daß die Regenten Wilhelms und seiner Gemahlin Schulden 
bezahlten. Boyneburg und Genossen taten das nicht, 
versäumten (Anfang April) auch den Reichstag zu Trier, 
wo der Kaiser die ganzen Irrungen beilegen wollte. 
Dieser Ungehorsam mußte Maximilians Stimmung ver- 
schlechtern. 

Anna hinwiederum suchte mit mehr Eifer als Geschick 
und Wahrhaftigkeit den Kaiser in ihr Fahrwasser zu 
ziehen. Sie schrieb an ihn, ihr Gemahl sei nicht so krank, 
daß er nicht mit dem Rate verständiger Männer regieren 
könne: er höre alle Tage mit Andacht die Messe, beichte 
und empfange das Sakrament, tue keinem etwas zu leide 
und sei redlichen Leuten folgsam; den Regenten freilich, 
die möglichst lange Herren im Lande bleiben wollten, 
würde er nicht anstehn, und wenn er weiser wäre als 
König Salomo. 

Wie mag Maximilian über solche Beweise für die 
Tauglichkeit eines Herrschers gelächelt haben. 

Am 15. September 1512 kam es auf dem Kölner 
Reichstage zu einem kaiserlichen Schiedssprüche. Die 
seit Wilhelms IL Tode geleisteten Huldigungseide sollten 
dem alten Landgrafen, sofern er wieder gesund würde, 
und seinen etwaigen männlichen Erben in keiner Weise 
an ihren Rechten und Ansprüchen schaden. Landgraf 
Philipp dürfte bei seiner Großjährigkeit nicht eher die Re- 
gierung übernehmen, als bis er seines Oheims Rechte aus- 



^) 1512 März 19. Ldgrfl. hess. Personalien: Anna, Gemahlin 
Ldgr. Wilhelms I. 

") 1511 März 26. Baden; Juni 9.; Juli 26. Marburg, Anna von 
Braunschweig an Gotzman; Nov. 8. Oppenheim; 1512 Dez. 1. Kaiser 
Max an den Kammerrichter Siegmund Grafen zum Haag, wegen Gotz- 
man. Akt. btr. die alt. Ldgrfm. — Glagau, H. L. 1, 377 (1514 Juli 31.). 



— 33 — 

drücklich anerkannt hätte. Zu Wilhelms Vormündern 
und zu Wächtern des Vertrages ernannte der Kaiser die 
Wettiner. Anna und ihrem Gemahle, denen keine Gewalt 
widerfcihren, sondern Schutz und fürstlicher Unterhalt zu 
teil werden müsse, wiei^ er als Wohnsitz Kassel oder 
Marburg oder das jeweinge hessische Hoflager an. Die 
Einkünfte und die Verwaltung Spangenbergs und Mel- 
sungens, der bisherigen Sitze des alten Landgrafenpaares, 
sollten dafür an das hessische Regiment zurückfallen, bis 
Melsungen nach Wilhelms Tode Annas Witwensitz würde. 
Zu diesem Zwecke müsse das dortige Schloß „in ziemlichem 
Bau" gehalten werden. Kaiserliche Kommissare haben 
die aufgelaufenen Schulden zu untersuchen, die Bezahlung 
liegt den Regenten ob. Den fürstlichen Töchtern steht 
eine angemessene Aussteuer zu, auch Katharina von 
Beichlingen. Die Gefangenen sind auf Urfehde freizulassen, 
aller Widerwille zu begraben. Kaiserliche Kommissare 
sollen den Spruch vollziehen. 

Die hessischen Landstände bestätigten den Kölner 
Entscheid am 11. November 1512. Wilhelm und Anna 
nahmen ihn an, die Regenten verhießen, ihm sofort und 
ohne Einrede nachzukommen. 

» Gerade weil der Kaiser Annas maßlose Ansprüche 
verwarf und den Landgrafen während seiner Krankheit 
von der Herrschaft ausschloß, ist sein Urteil als billig und 
verständig zu bezeichnen. 

Wenn trotzdem die erhoffte Einigung ausblieb, wenn 
Groll und Zwietracht weiter fraßen, und die Unkosten für 
das Hessenland wuchsen, dann war es die Schuld der Re- 
genten. Sie hielten ihre Versprechungen nicht. Die Ge- 
itangenen gaben sie nicht frei; großherzige Versöhnung 
lag ihnen fern, so lange sie sich mächtig fühlten. Am 
meisten stießen sie sich an der Höhe der Schulden. 17000 
bis 18000 Gulden waren für die damaHge Zeit keine 
Kleinigkeit; zwei Drittel der gesamten Jahreseinkünfte 
des Hessenlandes reichten eben zur Deckung hin. Allein 
die Verzögerung häufte Zinseszins auf Zins und vermehrte 
die Höhe beträchtlich. Das Landgrafenpaar erhielt bei 
der Unsicherheit der Rückzahlung nur zu Wucherpreisen 
Geld, Lebensmittel und Waren. Manchmal mußte es 
sich verpflichten, für jeden Gulden anderthalb oder zwei 
zurückzuzahlen. Selbst auf diese Weise gelang es den 
beiden schwer, sich durch Armut und Elend durchzu- 
schlagen. Wer ihnen nahe kam, der mußte borgen, ob 

N. P. BD. XXX. 3 



— 34 — 

Christ oder Jude, ob Bischof oder Domherr oder Kaplan, 
ob Kaiser oder Reichsfürst, ob Ritter oder Bürger. ^) Was 
sie selbst oder ihr Gefolge an Wertsachen besaßen, war 
längst verpfändet. Annas Goldsachen, Ketten und Ringe 
befanden sich sämtlich in den Händen von Wormser 
und Frankfurter Juden. 

Endlich nach nutzlosem Ablaufe kostbarer Monate 
erschienen (im Januar 1513) einige Regenten zur Stelle, 
um Anna mit ihrem Gatten und ihrer jüngsten Tochter 
ins Hessenland zurückzuführen. Die anwesenden kaiser- 
lichen Kommissare forderten jene auf, wenigstens die 
drückendsten landgräflichen Schulden in Worms, Oppen- 
heim und anderswo zu bezahlen ; denn Wilhelm hatte not- 
gedrungen vor dem Wormser Stadtrate die Versicherung 
abgegeben, vor Befriedigung gewisser Gläubiger die Stadt 
nicht zu verlassen. Der Kaiser gebot den Regenten, 
nicht eher aus Worms aufzubrechen, bis sie 7000 Gulden 
hinterlegten. Nach langem Hin- und Herreden entwichen 
sie eines Morgens, als die frommen Christen in der Kirche 
Petri Stuhlfeier begingen (22. Februar), heimlich aus der 
Stadt, und Anna und die Ihren saßen noch immer hülflos 
in der Fremde. 

Der Landgraf erließ, wohl auf Veranlassung seiner 
Gattin, einen Aufruf an die hessischen Stände*), ihrem 
Fürsten, dem es an des Leibes Nahrung und Notdurft 
rnangele, in seinem Elend beizustehn und die Regenten 
zur Erfüllung ihrer Pflichten zu drängen. 

Der Kaiser rügte das Benehmen der hessischen 
Machthaber, und durch sein Eingreifen und das der Wet- 
tiner wurden in Worms (am 16. April) neue Verhandlun- 
gen eröffnet, unter dem Vorsitze des Bischofs Wilhelm 
von Straßburg; zu den kaiserlichen Kommissaren gehörte 
auch Franz von Sickingen. Die hessischen Regenten 
bestritten die Rechtsverbindlichkeit der Schulden, da der 
Landgraf entmündigt sei, schließlich gelobten sie aber, 
bis Michaelis 6000 Gulden beim Kammerrichter und beim 
Rate von Worms zu hinterlegen^) 

Mehrere kaiserliche Kommissare wurden dazu auser- 



*) Unter anderen streckten Kaiser Maximilian und Franz von 
Sickingen je neunhundert Gulden vor. 

«) 1518 März 80. Vgl. S. 81 Anm. 8. 

3) 1518 Mai 81. Samtarch. Nr. 67 Schiebl. 77. — H. L. 1, 562 
No. 60 a. Die Empfangsbescheinigung des Kammerrichters Siegmund 
Grafen zum Haag und des Bürgermeisters und Rates von Worms ist 
aber erst am 12. Jan. 1514 ausgestellt. Samtarch. No. 13 Schiebl. 74. 



— 35 — 

sehen, das alte Landgrafenpaar (Freitag den 3. Juni 1513) 
nach Hessen zurückzuführen. In Marburg wollten sie den 
Schiedsspruch weiter vollziehen. Das geschah.^) Auffäl- 
ligerweise drang Anna von Braunschweig nicht weiter da- 
rauf, daß ihr Witwengut und ihre Morgengabe geregelt 
würden; sie wollte sich später mit einem Gesuche an die 
Vormünder wenden. Dasselbe erklärten Adam und Ka- 
tharina von Beichlingen inbetreff der Mitgift. Der Ge- 
danke liegt nahe, daß sie mit Rücksicht auf die unge- 
heure Last der Schuldentilgung weniger dringende An- 
sprüche zurückstellten; jedoch ist die Möglichkeit nicht 
ausgeschlossen, daß allen dreien von anderer Seite 
lockende Versprechungen gemacht wurden, nämlich von 
der jungen Landgräfin - Witwe. Treue Anhänger des 
Landgrafenpaares erfuhren in Marburg Undank; Knaut 
und Treisbach wurden zwar aus der Haft entlassen, aber, 
mit Gilbrecht von Radenhausen zusammen, wegen ihrer 
Geldforderungen an den Rat zu Worms oder auf den 
Rechtsweg verwiesen. Die Regenten setzten es auch 
durch, daß der neue Hofstaat der alten Landgräfin und 
ihres Gatten bessere Gewähr gegen ein gefährliches Ränke- 
spiel bot. Die Verwaltung der Städte und Schlösser 
Spangenberg und Melsungen wurde dem Regimente über- 
tragen; damit verloren, wenn ein neuer Streit ausbrach, 
die Aufrührer die Stützpunkte im Lande selbst. Obwohl 
die Regenten solche Vorsicht gebrauchten, standen sie 
vor dem allergefährlichsten Aufstande, der sie um ihre 
Macht brachte. 



€• Anna erst Verbündete, dann Gegnerin der Landgräfln« Witwe. 

Am 27. Juli 1513 räumte Annas Amtmann, Heinrich 
von Gittelde, der nun zu ihrem Vorschneider ernannt war, 
die Stadt Melsungen. Das geschah so schnell, daß die 
Regenten nicht einmal sofort einen neuen Schultheißen hin- 
schicken konnten. Der Rentschreiber übernahm vorläufig 
die ganze Verwaltung. Sein Bericht über die Melsunger 
Zustände wirft ein schlechtes Licht auf Annas und ihrer 
Leute Tüchtigkeit. Viel war verfallen, verdorben und 
verkommen, überall die Anzeichen schlechten Geschäfts- 
ganges. Ohne Selbstüberwindung leisteten Bürger und 



1) 1513 Juli 10. Samtarch. No. 68 Schieb!. 77. — H. L. 1, 567 
No. 60 b. 

3* 



— 36 — 

Bauern den Huldigungseid, den Otto Hund im Namen 
des Regiments forderte. ^) 

Im übrigen Hessenlande standen die wirtschaftlichen 
Verhältnisse zweifellos besser, aber das dankte man den 
Machthabern nicht. Allgemeine Mißstimmung herrschte 
darüber, daß die Regenten durch ihr Ungeschick und 
ihre Zauderei dem Lande so ungeheure Kosten aufgebür- 
det hatten, für die man die alte Landgräfin und ihren un- 
zurechnungsfähigen Gatten nicht verantwortlich machte. 
Erbitterte Feindschaft erfüllte Knaut, Treisbach, Raden- 
hausen und andere wegen ihrer Gefangenschaft oder 
wegen der Ablehnung ihrer Geldforderungen. Genug 
Zündstoff war außerdem vorhanden. ^) Und den machte 
sich die klügste und kühnste Gegnerin zu nutze, die Land- 
gräfin-Witwe, Anna von Mecklenburg. In die Verschwö- 
rung, die sie anstiftete, ließ sich ihre Schwägerin, die 
ältere Anna, mit Leichtigkeit hineinziehen. Haß, Verbitte- 
rung und Kampfeslust gehörten jetzt zu ihrem Wesen, 
und für geschickte Hände war es kein Kunststück, das 
Feuer in ihr zu schüren. Als sie einmal mit Anna von 
Mecklenburg im fürstlichen Frauengemache zu Kassel 
saß, brachte diese die Rede auf den Widerwillen, mit dem 
die Regenten ihre Wünsche behandelten; für die sächsi- 
schen Fürsten aber schiene ihnen nichts zu viel, und die 
wären doch keine geborenen und erkorenen Vormünder, 
sondern hätten sich als solche nur aufgedrängt. Die alte 
Landgräfin erwiderte zornig: 

Das gesegnen ihnen tausend Teufel! 

Vom 25. bis 27. Oktober weilte sie mit fünfzehn 
Pferden in Melsungen. Auf dieser Reise kann sie Teil- 
nehmer der Verschwörung angeworben haben. Anfang 
Dezember flüsterte man überall, daß die junge Landgräfin 
mit Hülfe ihrer Schwägerin eine Schild erhebung plane. 
Sächsische Gesandte, die sich in Kassel aufhielten, berich- 
teten darüber nach Hause. Noch vor Weihnachten berief 
Anna von Mecklenburg die hessischen Stände (auf den 
9. Januar 1514) zu einem Landtage nach Felsberg. Die 
alte Landgräfin wollte sich ebenfalls dorthin begeben und 
hatte schon ihr Roß bestiegen, da verschlossen ihr Beauf- 
tragte der Regenten das Hoftor. In Felsberg kam es 
noch nicht zu entscheidenden Beschlüssen, ein zweiter 



^) Melsunger Amtsrechn. 1513 und 1514. — Vgl. oben Seite 16. 
«) Vgl. darüber H. L. 1, 166 ff. 



— 37 — 

Landtag versammelte sich in Treysa. Die Wettiner ver- 
boten diese Zusammenkunft, und Kassel, Melsungen und 
viele andere Städte lehnten jede Beteiligung ab. Die 
sächsischen Fürsten riefen Anfang März die Landstände 
nach Kassel. Alles half nicht. Ludwig von Boyneburg 
und seine Amtsgenossen wurden gestürzt. Dazu trugen 
{neben Doktor Egra) Anna von Braunschweig und ihr 
Schwiegersohn, Adam von Beichlingen, ein gutes Stück 
bei. Ausführlich schilderte der Graf der alten Landgräfin 
Beschwerden gegen die Regentschaft. Boyneburg vergalt 
nicht Gleiches mit Gleichem, er zog nicht die geheimen 
Gespräche, die er mit Anna von Braunschweig geführt, 
und die jedenfalls gegen die Landgräfin- Witwe und ihren 
Sohn Philipp gerichtet waren, an die Öffentlichkeit. Auch 
als ihm und seinen Mitregenten die ganzen Kosten des 
Handels mit Wilhelm dem Älteren und seiner Gemahlin 
aufgebürdet werden sollten, brach er selbst sein Schweigen 
nicht, er schlug aber vor, den Doktor Schrindeisen und 
Johann von Falkenberg über seine Unterredungen mit 
der alten Fürstin eidlich zu vernehmen. Die kluge Land- 
gräfin-Witwe wird aus diesen Andeutungen ihre Schlüsse 
gezogen und sich im stillen gelobt haben, ihrer Schwägerin 
gegenüber die höchste Vorsicht walten zu lassen. Die Saat 
des Mißtrauens, die Boyneburg ausgestreut hatte, ging 
überraschend schnell auf. 

Die jüngere Anna gewann die Regentschaft von 
Hessen. Am 1. April 1514 konnte sie ihrem Bruder, dem 
Herzoge Albrecht von Mecklenburg, mitteilen, sie bedürfe 
keine Hülfe mehr, das ganze Land sei ihr zugefallen. 

Sie versprach Wilhelm dem Älteren und dessen Ge- 
mahlin, sie sollten mit ihr selbst und ihrem Sohne Philipp 
gemeinsam Hof halten und fürstlich behandelt werden. 
Bei dem Zusammenleben zeigte sich aber unmittelbar die 
gegenseitige innere Abneigung der beiden Landgräfinnen, 
jzumal da die ältere Anteil an der Macht forderte. 

Bald erhob sich offener Streit, in dem bezeichnender 
Weise Peter von Treisbach, ursprünglich Anhänger der 
jüngeren Anna und darauf Unruhestifter bei den Huldigungs- 
wirren, als Gegner der alten Landgräfin auftrat. Am 
herbsten mochte es für Anna von Braunschweig sein, daß 
man ihre persönliche Freiheit beschränkte. Freilich nicht 
ohne Grund. wSie hatte eine Reise nach Sachsen gemacht 
und dort eine Zusammenkunft mit Feinden der neuen 
iessischen Machthaber gehalten. Daß hier nichts Gutes 



— 38 — 

beraten war, lag klar am Tage. Kurze Zeit nach ihrer 
Heimkehr rüstete sie sich abermals zu einem Ausfluge 
über die hessische Grenze. Nach ihrer Behauptung handelte 
es sich um einen harmlosen Besuch bei ihrer Schwägerin 
Katharina, deren Gatte, Herzog Erich, in Friesland im 
Felde lag. Anna von Mecklenburg scheute aber die Kosten 
der Reise oder argwöhnte neue Ränke, ihre Befehlshaber 
in Marburg suchten daher die alte Fürstin von ihren Reise- 
plänen abzubringen. Grollend verließ diese nun ihren 
Gemahl und ihre Tochter Elisabeth und begab sich vom 
Schlosse in die Stadt hinab, „in ein verfallenes, böses 
Haus", das sie erworben hatte. Bei Nacht und Nebel er- 
schienen mehrere hessische Reisige, die außer Landes 
lebten, mit Wagen und Pferden vor Marburg und wollten 
Anna mit sich nehmen. Die Befehlshaber in der Stadt 
und im Schlosse waren aber auf der Hut und vereitelten 
den Plan. Aus Ärger darüber kehrte die alte Landgräfin 
nicht ins Schloß zurück, sondern blieb zehn oder elf Wochen 
in ihrem Häuschen unten in der Stadt. Es scheint keinen 
großen Eindruck auf sie gemacht zu haben, daß ihr Bruder 
Erich sein Mißfallen über ihr Benehmen aussprach und ihr 
vorhielt, die Mutter gehöre an die Seite ihres Gatten und 
ihres Kindes. Sie nahm es dagegen ohne Dank als ihr 
gutes Recht an, daß man sie vom Marburger Schlosse 
aus speiste. 

Mit dem schwachsinnigen alten Landgrafen ging man 
nicht glimpflicher um. Er durfte nicht einmal nach Hom- 
berg reisen, um einen Sohn seiner Tochter Katharina von 
Beichlingen aus der Taufe zu heben. ^) Man führte als 
Grund an, daß es mit Wilhelms Schicklichkeit schlecht 
stände. 

Ein anderer Zwist entbrannte um Annas Dienerschaft, 
Sie machte Miene, in ihre und ihres Gatten Umgebung 
Leute aufzunehmen, die der Regentin verdächtig oder 
feindselig waren. Das ließ sich die letztere, früherer Er- 
eignisse eingedenk, nicht bieten. Sie verwehrte derartigen 
Dienern den Eintritt in die hessischen Häuser und Festungen. 
Dann wieder verlangte die alte Landgräfin für ihre Edel- 
knaben Besoldung, während ihnen nach dem Herkommen 
nur Essen, Trinken und Kleider bewilligt wurden. 

Des Haders war kein Ende. 



*) In der zweiten Hälfte des Monats Juni 1514 wohnten Anna 
von Mecklenburg und die Räte dieser Taufe bei. Mlsr. Amtsrechn. 



— 39 — 

Da Anna von Braunschweig selbst an die Scholle 
gefesselt war, sandte sie gleich anfangs ihren getreuen 
Landsmann Heinrich von Gittelde aus, um Bundesgenossen 
zu werben. Der Kaiser traf damals Anstalten zur Schlichtung 
der neuen hessischen Wirren; daher ordnete Anna ihren 
Boten in Abwesenheit ihres Bruders Erich an dessen Ge- 
mahlin, Herzogin Katharina, ab und bat um Rat und 
Beistand. Der inzwischen heimgekehrte Herzog erinnerte 
sich, daß seine Schwester ihm ehemals gütliche Unter- 
handlung verweigert hatte ^), und lehnte ihr Ansinnen ab. 
Er ging noch einen Schritt weiter, teilte Anna von Mecklen- 
burg und deren Räten auf ihre Anfrage den Sachverhalt 
mit und bot ihnen zugleich seine guten Dienste beim Kaiser 
an. 2) Ende April kam er nach Kassel, um mit der hessi- 
schen Regentin und den Landständen ein Bündnis zu 
schließen. Er „griff" seiner Schwester dabei „mit Güte 
und Mitleid in die Würfel", aber ein einsichtiger Beob- 
achter^) fürchtete, er würde keinen Erfolg haben. Die 
alte Landgräfin suchte noch einmal auf Erich durch ihre 
Mutter einzuwirken, die ihrem Sohne wirklich Vorwürfe 
machte. Der Herzog erwiderte, die Mutter möge lieber 
ihrer Tochter raten, sich wieder aufs Marburger Schloß 
zu verfügen, denn es gingen mancherlei Reden, die man 
nicht gerne höre.^) Er teilte seine Antwort der Land- 
gräfin -Witwe mit und versicherte, sie würde ihn in diesen 
und allen Sachen als Freund erfinden. Und ich bitte 
euch, fügte er eigenhändig hinzu, trauet mir ein wenig 
besser. Unter diesen Umständen konnte Anna von Braun- 
schweig von ihrem Bruder keinerlei Beistand erwarten. 

Um so höher stieg die Zuversicht auf der Gegenseite. 
Dem zu Marburg versammelten landständischen Aus- 
schusse wurde zwar (am 26. Juli 1514) zuerst die Ver- 
söhnung und Güte atmende Frage vorgelegt, was man 
anzufangen habe, um mit dem alten Landgrafenpaare in 
Frieden und Einigkeit zu leben. Aber diese Einleitung 
sollte wohl nur den guten Schein wahren; denn eine 
zweite Frage verriet deuthch die unverminderte Kampf- 
stimmung. Anna von Mecklenburg wollte die Kosten 



') Vgl. Seite 15. 

2) 1514 Januar 12. Hardegsen. Briefwechsel mit Braunschweig- 
Kalenberg 1512-17. 

') 1514 April 29. Homberg. Sittich von Berlepsch an Herzog Georg 
von Sachsen. H. L. 1, 344. 

*) 1514 Mai 5. Nienover. Briefw. m. Braunschw.-Kalenb. 1512—17. 



— 40 — 

verringern, die der Unterhalt ihres Schwagers und ihrer 
Schwägerin dem Fürstentum verursachte; sie war un- 
gehalten, daß deren Gläubiger täglich Bezahlung ver- 
langten. Endlich kam es beinahe einem Abbruch aller 
Beziehungen gleich, wenn die Regentin vom Ständeaus- 
schuß ein Gutachten forderte, ob die alte Landgräfin mit 
ihrer Tochter Elisabeth jeder Zeit hin- und herreisen dürfe. 
Sie konnte doch unmöglich erwarten, daß die fünfund- 
zwanzig Jahre ältere Fürstin sich von ihr gutwillig bevor- 
munden ließ, wenn es sich um den Verkehr mit ihrer 
leiblichen Tochter handelte! 

Der Ständeausschuß empfahl, es zunächst bei Anna 
von Braunschweig mit Bitten zu versuchen, im Notfalle 
aber selbst zu verhindern, daß das junge Fräulein ohne 
Wissen der Regentin und ihrer Räte weggeführt würde. 
Mehrere Gläubiger der alten Landgräfin verwies er an 
den Rat zu Worms, bei dem ja Geld hinterlegt war. 
Andere Schulden zu bezahlen, überließ er der Billigkeit 
der Landgräfin -Witwe; und an dieser Stelle war die Freude 
am Ausgeben nicht allzu groß. Übrigens lag die Sache 
auch insofern schwierig, als die vormaligen Regenten sich 
außer Landes begeben und das Verzeichnis der Gläubiger 
und alle Register mitgenommen hatten. Wie sollte nun 
Anna von Mecklenburg die berechtigten Geldforderungen 
von Betrügereien unterscheiden? Sie verlangte, wie das 
schon der Landhofmeister Boyneburg angefangen hatte, 
von jedem, auch vom Reichsfürsten, daß er sein Guthaben 
mit einem Eide bekräftige. Gerade die anständigen Geld- 
geber, die der alten Landgräfin auf Treu und Glauben 
geborgt hatten, waren empört, und überhäuften die arme 
Schuldnerin mit Vorwürfen. 

Wie sollte Anna allein aus diesem Irrgarten einen 
Ausweg finden? Im Herbste^) wandte sie sich wieder an 
den Kaiser und flehte um Hülfe gegen die hessischen 
Stände. Ein Pönalmandat möge Maximilian erlassen, 
damit sein Schiedsspruch endlich ganz vollstreckt werde. 
Alte Beschwerden wiederholte Anna. Dann aber verlangte 
sie die Huldigung für ihren Gatten und für sich selbst 
Freiheit, mit ihrer Tochter Elisabeth beliebig zu verreisen, 
sowie eine ausdrückliche Verpflichtung der neuen Regentin 
auf den Kölner Schiedsspruch. 

Die junge Landgräfin, die um diese Zeit dem Kaiser 



») IbU Okt. 28. H. L. 1, 406-412. 



— 41 — 

persönlich einen Besuch abstattete, suchte die Klagen ihrer 
Schwägerin zu widerlegen. Mit Eifer nahm sie das Recht 
in Anspruch, ihre vom Lande ernährte Nichte Elisabeth 
unter den Augen zu behalten und deren unzweckmäßige 
Verheiratung zu hindern. 

Der Kaiser berief die Regentin und ihre Räte an 
seinen Hof^), um sie mit Anna von Braunschweig über 
die Ausführung des Kölner Schiedsspruches güthch zu 
einigen. 

Vier Tage vorher war jedoch eine bedeutende Ände- 
rung der ganzen Lage eingetreten durch den Tod Wil- 
helms des Älteren. 

Annas hochstrebende Pläne, ihr Gedanke, mit Hülfe 
des Gemahls an der Herrschaft des hessischen Landes einen 
Anteil zu bekommen, sanken jetzt endgültig ins Grab. 
Der Kampf, den sie unverdrossen weiter führte, hatte nur 
noch drei Ziele: persönliche Unabhängigkeit, fürstlichen 
Unterhalt und freie Verfügung über ihre jüngste Tochter. 

3. Anna als Witwe (15 15— 1520).;; 
a. Alma im Kirchenbaun. 

Wilhelms I. Erbschaft trat Anna von Mecklenburg 
an, sie nahm dessen Pferde, Kleider und Kleinode an sich. 
Mindestens die letzteren beiden kamen aber (nach Ansicht 
der alten Landgräfin) der Witwe als Erbin zu. 

Anna von Braunschweig hatte jetzt ihre Stätte nicht 
mehr am Hofe des jungen Landgrafen Philipp und seiner 
Mutter, sondern ihr Witwensitz war Melsungen. Von je her 
(zuletzt noch in der Beschwerdeschrift an den Kaiser) er- 
hob sie Klage darüber, daß das Schloß in schlechtem Zu- 
stande sei. Man vertröstete sie jedesmal auf später, da 
es mit der Wiederherstellung nicht eile. Nun wollte man 
sie nötigen, das baufällige Melsunger Haus zu beziehen. 
Dazu fehlte ihr die Neigung. Herzog Erich von Braun- 
schweig wurde um seine Vermittlung ersucht. Anna setzte 
einen Tag in Kassel an 2), und der Herzog erschien. Die 

*) 1515 Febr. 12. Innsbruck. Or. 

') 1515 März 11. Kassel. Eigenhändig unterschriebener Brief 
der alten Landgräfin an den Hofmeister Konrad von Waidenstein. Sie 
erwähnte darin nur, daß sie etliche ihrer Freunde und Räte zu er- 
scheinen aufgefordert habe; von ihrem Bruder sagte sie nichts. — 
Waidenstein verschob die Zusammenkunft vom 21. auf den 28. März. 
Die Regentin hatte dem Hofmeister Waidenstein (1516 Jan. 31. Mar- 



— 42 — 

Regentin aber befand sich außer Landes, beim Kaiser. 
Den Räten trug Anna von Braunschweig ihr Anliegen 
vor, daß der Schiedsspruch nicht gehalten, der Witwen- 
sitz nicht gebaut, die Schulden nicht bezahlt würden. Die 
Räte hörten die Klagen an, besaßen jedoch keine Voll- 
macht, etwas zu beschließen oder zu bewilligen. Sie ver- 
sprachen, innerhalb zehn Tagen Antw^ort zu geben, die 
aber niemals erfolgte. 

Wenig später ließ sich Anna völlig überlisten und 
ohne erkennbare Gegenleistungen zu schwerwiegenden 
Versprechungen bewegen. Herzog Erichs Hofmeister Tyle 
Wolff war, zusammen mit dem Grafen Adam von ßeich- 
lingen, der Urheber dieses Vergleiches oder Streiches. 
Die alte Landgräfin verhieß, binnen fünf Tagen mit ihrer 
jüngsten Tochter nach Melsungen zu gehn. Elisabeth 
sollte aber nur das nächste Vierteljahr bei ihrer Mutter 
bleiben und ohne Bewilligung der Regentin und der Land- 
stände weder die hessische Grenze überschreiten noch ver- 
heiratet werden. Anna von Braunschweig versprach das 
bei ihrer weiblichen Ehre, ihrer fürstlichen Würde und bei 
Verlust ihres Witwengutes. Ein Schlußsatz besagte, daß 
diese gütliche Abrede keinem Teile an seinen Rechten 
schaden solle. ') 

So ging Anna nach Melsungen, ohne daß das dortige 
Schloß anständig ausgebaut war. Mit guter Hoffnung 
auf die Zukunft und auf freigebige Befriedigung ihrer 
Wünsche erfüllte sie abei: der Umstand, daß man ihr 
Silbergeschirr vom fürstlichen Tische mitgab. Ihre Ein- 
samkeit in dem kleinen Fuldastädtchen verringerte ihr 
Schwiegersohn mit seiner Gattin, die hier auch ihren 
Wohnsitz nahmen. 

Wenn sie geglaubt hatte, durch ihr Entgegenkommen 
dauernde Dankbarkeit beim hessischen Regimente zu finden, 
so war das ein Irrtum. Die alten Schulden wurden nicht 
bezahlt. Dadurch traf sie gleich im ersten Jahre ihrer 
Witwenschaft ein Schlag, an dem fromme Gemüter dieser 
Zeit schwer trugen: sie geriet in den Kirchenbann. Über 

bürg) den Auftrag gegeben, mit ihrer Schwägerin zu verhandeln: für 
die junge Elisabeth könne man nicht dasselbe Kostgeld beanspruchen 
wie für Phihpps Schwester, da jene bloß in des Landgrafen Versehung 
stände; das Melsunger Schloß wolle man herrichten, nötigenfalls ein 
neues bauen. 

*) 1515 Mai 2. Kassel. Mit Annas eigenhändiger Unterschrift 
und rotem Wachssiegel und den grünen Siegeln Wolffs und Beich- 
lingens. Samtarch. No. 69 Schiebl. 77. 



dergleichen setzte sie sich durchaus nicht leicht hinweg, 
sie versäumte lieber eine wichtige Gerichtssitzung als den 
Gottesdienst*) und betrachtete Wallfahrten als verdienst- 
liche Werke. 

Schon einmal war sie durch einen Gläubiger beim 
geistlichen Gerichte verklagt und nach Mainz vorgeladen, 
durch Aufwendung schwerer Kosten hatte sie aber das 
Schlimmste abgewandt und die Zurückziehung der Klage 
erreicht. 

Diesmal war ihr das Glück minder hold. Ein Geist- 
licher, ehemaliger Diener und Landsmann schritt in der- 
selben Weise gegen sie ein: Berthold Ohm, genannt Spicker, 
aus Hardegsen. Als Kaplan des alten Landgrafen hatte 
er sich mit diesem (1493) an der Universität Erfurt ein- 
schreiben lassen unter dem lateinischen Namen Bertoldus 
Avunculi; er stand also der fürstlichen Familie, die ihm 
mit Vorliebe den Rufnamen Bernd beilegte, nahe genug. 
Um so mehr befremdet sein Vorgehn gegen Anna, nur 
eigene Not könnte es erklären. 

Die Schuld stammte aus der Zeit der großen An- 
leihen. Als die alte Landgräfin mit ihrem Gatten und 
ihren Töchtern von Spangenberg mit leichtem Beutel in 
die Ferne zog, borgte sie von Ohm, damaligem Vikare 
des Bartholomäusstiftes zu Frankfurt, zwanzig Goldgulden. 
Wilhelm der Ältere vermehrte diese Schuld erheblich, 
trug auch einiges mit guter Hülfe wieder ab. ^) Die übrige 
Zahlung unterblieb, man weiß, wie rasch die Schulden 
damals wuchsen. Verschiedentlich bat Ohm die alten 
Regenten schriftlich und mündlich, ihm zu seinem Rechte 
zu verhelfen, empfing aber keine tröstliche Antwort. Nach 
Boyneburgs Sturze wandte er sich an Anna von Mecklen- 
burg; er wurde mit der Entgegnung abgewiesen, man 
wisse nichts von der eingeforderten Schuld, wolle sich in- 
dessen bei dem gewesenen Regimente erkundigen.^) Das 
war die übliche Redensart, mit der man unbequeme Dinge 
begrub. Auf diese Weise ließ sich Ohm, hinter dem als 
treibende Kraft der Frankfurter Bürger Johannes Regen- 



*) 1516 September 9. sagte ihr Anwalt Brach vor dem Kammer- 
gerichte : nun hette sie selbs wollen erscheinen, aber so es ein heilig 
zeit und gestern unser frauwen tag gewesen, were sie dorfur in kirchen 
gangen. 

') Schuldverschreibungen von 1511 März 16., Mai 19., 1512 
Juni 3. — Empfangsbescheinigungen Ohms vom Juni 1511 und von 1512. 

») 1514 Sept. 26. Marburg. 



— 44 — 

bogen, Wirt zum Heyner Hof, stand, nicht länger hin- 
halten. Er erhob gegen die alte Landgräfin Klage beim 
geistlichen Gerichte. Der kirchliche Richter Stephan Frisch, 
Scholaster auf unserer lieben Frauen Berg zu Frankfurt, 
machte die Kasseler Räte auf die drohende Gefahr auf- 
merksam. Sie verwiesen den geistlichen Gläubiger auf 
das in Worms hinterlegte Geld und verlangten, nach ge- 
wöhnlichem Brauche, Zeit zur Untersuchung der Sache. ^) 
Der Hofmeister Konrad von Waidenstein hielt es für 
zweckmäßig, in einigen Zeilen gleichfalls zur Geduld zu 
mahnen und Ohm das erste geistliche Lehen, das in Hessen 
frei würde, in Aussicht zu stellen. Mehrere Monate wartete 
der Vikar noch, dann schritt er zum Äußersten. Das un- 
glaubliche geschah: um anderthalbhundert Gulden, die sie 
einem Priester schuldete, geriet eine deutsche Fürstin in 
den Kirchenbann. 

Stephan Frisch zeigte dies im Namen des Papstes 
Leo X. (am 17. August 1515) der Geistlichkeit an, der 
stellvertretende Pfarrer Johannes Kirche verkündete es 
am 20. Sonntage nach Trinitatis (21. Oktober) der Ge- 
meinde in Annas Witwensitze Melsungen. 

Die alte Landgräfin meldete das Ereignis ihrer Schwä- 
gerin. Von da kam die kühle Erwiderung ^), ihre Räte 
seien augenblicklich nicht zur Hand, Anna möge den 
Priester hinhalten, bis man sich erkundigt habe, ob er 
schon Bezahlung erhalten, dann solle er befriedigt werden; 
im übrigen sei die Regentin zu freundlichen Diensten ge- 
neigt. Die Schlußwendung wird der Empfängerin wie 
Hohn erschienen sein. Da auch ihre Bemühungen beim 
Herzoge Georg von Sachsen erfolglos blieben, reichte sie 
bei 31 Adligen, die sich auf Veranlassung Heinrichs von 
Baumbach in Frielendorf (zwischen Treysa und Homberg) 
zu Beschwerden gegen die Regentin versammelten ^), eine 
Klageschrift ein. Dieselben Mitglieder der hessischen 
Ritterschaft versuchten in Melsungen, dem Witwensitze 
Annas, einen zweiten Tag abzuhalten, die Regentin trat 
aber dazwischen. Die alte Landgräfin hatte keinen Nutzen 
von ihren Bundesgenossen. Und ihre Schwägerin dachte 
jetzt noch weniger als vorher daran. Berthold Ohm zu 
bezahlen. Er mußte, mit seinem Frankfurter Geschäfts- 



1) 1515 Jan. 20. Kassel. 

2) 1515 Oktober 4. Kassel. 

8) 1515 Oktober 22. H. L. 1, 474. 486. — H. v. Baumbachs 
Gattin stand im Dienste der alten Landgräfin. 



— 45 — 

genossen zusammen, erst Klage beim Kammergericht ein- 
reichen. Endlich gelang es Anna, bei einer mitleidigen 
Seele das nötige Geld aufzutreiben; nachdem sie sechs 
Wochen lang im Banne gelebt hatte, wurde sie wieder 
in die kirchliche Gemeinschaft aufgenommen. 

b« Schiedsyersuche des Beichskammergerichtes. 

Die kaiserliche Kommission hatte ehemals die über- 
großen Forderungen der Gläubiger des alten Landgrafen- 
paares bedeutend herabgesetzt, und die Regentin dem 
Kaiser in Innsbruck das Versprechen gegeben, sich an 
die Entscheidungen von Köln, Worms und Marburg zu 
halten. Trotzalledem zögerte das hessische Regiment, 
die in Worms niedergelegte Summe zu erhöhen und so 
die endliche Abwickelung zu erleichtern. Anna von Braun- 
schweig litt darunter. Viele Leute schrieben ihr jetzt die 
Schuld zu ; sie hielte ihre verbrieften und besiegelten Ver- 
sprechungen nicht, meinten sie und gingen um so schroffer 
gegen sie vor. Sie spürte nicht bloß die lieblose Hand 
kirchlicher Richter, sondern wurde bald vor dem Hofge- 
richte in Rottweil, bald bei der westfälischen Feme verklagt. 

Selbst Herzog Erich von Braunschweig mußte seine 
Schwester an die Abtragung einer Schuld mahnen ^), die 
die Regentin dem wertvollen Bundesgenossen von selbst 
hätte entrichten sollen. Man entschloß sich aber nur zur 
Zahlung, um den drohendsten gerichtlichen Zwangsmitteln 
auszuweichen, und erbitterte den Gläubiger obendrein da- 
durch, daß man die Zahlungspflicht des Landgrafen Philipp 
und das Recht des alten Landgrafenpaares, Geld aufzu- 
nehmen, bestritt, daß man sich alle Rechte wahrte^) und 
somit die Zurückforderung des Geldes androhte. 

Die alte Landgräfin fühlte eine Demütigung in die- 
sem Verfahren, auch darin, daß ihr in ihrem Wittum Mel- 
sungen Gebot und Verbot fehle, und sie daher keinen 
Gehorsam finde, daß ihre Tochter Elisabeth nicht gekleidet, 
geschmückt und unterhalten werde wie das gleichnamige 
Kind der jüngeren Anna. Hiergegen ließ sich nach dem 

*) 1516 März 20. Newenstatt (wohl Neustadt am Rübenberge). 
Abschr. 

2) 1516 März 8. Notar.-Instrum. Samtarch. No. 17 Schiebl. 73. 
Der Gläubiger war Johann Graf zu Wied und Runkel. — Es fehlte 
Anna von Mecklenburg nicht etwa an Geld zur Bezahlung der Schul- 
den, denn als sie die Regentschaft niederlegte, versprach sie ihrem 
Sohne 70000 Gulden zu übergeben. 



— 46 — 

Wortlaute des Kölner Schiedsspruches weniger machen 
als gegen den Umstand, daß das hessische Regiment nicht 
für den Ausbau des Melsunger Schlosses und für die Be- 
zahlung der Schulden sorgte. 

Der Kaiser, dem die Angelegenheit vorgetragen 
wurde, beauftragte den Kammerrichter Siegmund Grafen 
zum Haag und dessen Beisitzer, auf Grund der ergange- 
nen Entscheidungen die beiden Landgräfinnen in Güte zu 
vertragen oder, wenn Güte nicht hülfe, den widerspen- 
stigen Teil durch Strafbefehle zu zwingen ^). 

Anna von Braunschweig ordnete infolgedessen ihren 
Sekretär Johann Dürr mit einem freundlichen Worte an 
den Kammerrichter in Worms ab ^) und wählte Doktor 
Johann Drach zum Anwalte. Am 3. März 1516 überreichte 
Drach dem Reichskammergerichte ihre Klage, den 8. April 
und die folgenden Tage kam es zur Verhandlung. Der 
Sachwalter der Regentin, Hitzhofer, erhob Einsprache 
gegen das ganze widerrechtliche Verfahren vor dem Kam- 
mergerichte, er beteuerte, die junge Landgräfin und ihre 
Räte würden von selbst tun, was sie von Rechts wegen 
schuldig wären. Die Gegenpartei tadelte die Verschlep- 
pungspolitik der hessischen Regierung, welche Anna von 
Braunschweig ermüden und entrechten sollte. 

Donnerstag den 10. April 1516 erschien die alte 
Fürstin persönlich vor der Kommission, um ihrer Sache 
Nachdruck zu geben. Das Gericht vermochte sich aber 
zu keiner Entscheidung aufzuraffen, es entließ Kläger und 
Beklagte mit dem Spruche, es werde die Angelegenheit 
bedenken. Solch ein Bedenken konnte eine endgültige 
Abweisung bedeuten ; die Notwendigkeit erforderte, daß 
die Triebräder wieder in Bewegung gesetzt wurden. 

Anna von Braunschweig erbat des Kaisers Hülfe. 
Maximilian wiederholte dem Kammergerichte seinen Befehl, 
den Streit zu entscheiden^) und gab gleichzeitig eine be- 
stimmte Richtschnur an: Wenn das beim Wormser Rat 
hinterlegte Geld nicht genügte, müßte das hessische Re- 
giment veranlaßt werden, noch dreitausend Gulden zur 

*) 1516 Januar 26. Worms. Or. Das Kammergericht ladet die 
Regentin zum 3. März vor. — 1516 Februar 20. Marburg. Entwurf. 
Die Regentin bittet um Aufschub, da sie vom Kaiser zum 25. Februar 
nach Augsburg zum Reichstage beschieden sei. 

2) 1516 Februar 8.. Weisungen. Abschr. 

*) 1516 Juni 29. Überlingen. Wörtlich enthalten in einer Zu- 
schrift des Kammerrichters an Anna von Mecklenburg vom 20. Juli 1516. 



— 47 — 

Bezahlung der Schulden einzusenden; das Fräulein Elisabeth 
sollte bis zur Vermählung bei der Mutter bleiben und den 
ungeschmälerten Unterhalt einer Landgrafentochter ge- 
nießen; den Jungfrauen und Dienern der alten Fürstin 
käme die beim Tode eines Fürsten übliche Abferti- 
gung zu. 

Das Kammergericht setzte auf den 9. September einen 
neuen Tag zu Worms an, wohin es die beiden Land- 
gräfinnen beschied. Der Bote des höchsten Gerichtshofes 
schlug die Ladung in allen bedeutenden hessischen Städten 
und in den Wohnsitzen der Ritterschaft an. 

Zur Verhandlung erschien Anna von Braunschweig 
wieder persönlich neben ihren Beauftragten. Das Bild, 
das sie dem Kammer^ erichte von ihrem Unglück ent- 
werfen ließ, verdient hier nachgezeichnet zu werden: von 
Gläubigern hart bedrängt, während der Krankheit ihres 
Gatten dem Mangel ausgesetzt, ihre Kinder, wiewohl von 
fürstlichem Stamme entsprossen, im Elend aufgezogen; 
so wenige gute und fröhliche Tage sie zu Lebzeiten ihres 
Gemahls gesehen, so wenige gab es jetzt. ^) 

Mögen die Farben stark aufgetragen erscheinen, mag 
mancherlei Unheil durch eigene Schuld vergrößert sein, 
es bleibt noch genug übrig, um tiefes Mitleid zu er- 
wecken. 

Anna hatte jetzt eingesehen, welch ein verhängnis- 
voller Fehler es war, die Gewalt über ihre jüngste Tochter 
sich durch Vertrag beschränken zu lassen; ihr Bestreben, 
mit Hülfe des Kammergerichtes ihre Verschreibung zurück- 
zuerlangen, versprach aber von Anfang an keinen Erfolg. 

Hitzhofer erklärte im Namen der Regentin alle Ver- 
handlungen, die beim Gerichte geführt würden, für un- 
verbindlich und schlug gütliche Einigung vor. Dagegen 
wies man ihn auf die Mißerfolge der früheren Vermitt- 
lungen hin. 

Mit einer Klage trat hier auch der Ritter Hans 
Knaut auf und forderte endliche Entschädigung für seine 
Unkosten und seine mehr als zweijährige Gefangenschaft. 
Als lebendiger Zeuge für die Verschleppungskünste der 

*) ... in mangel gestanden, was lait und traurigkeit uns be- 
gegnet, unser kinder, wiewol die von fürstlichem stam geborn, im 
elend als ein frum furstin gezogen und im jamertal ernert, daz wir 
auch in zeit gedachts unsers hern und gemahel sei. gedachtnus nit 
vil guter oder frolicher zeit gehabt und auch noch nit haben. Si 
woUent auch bedrachten, das erheb herkommen und verwantschaft, 
so zwischen uns beiden ist u. s. w. 



— 48 — 

hessischen Regentschaft mußte er auf das Gericht Eindruck 
machen, zumal da er nicht als Bundesgenosse der älteren 
Anna gelten wollte, sondern fragte, an welche der beiden 
Landgräfinnen er sich mit seinen Forderungen zu 
halten habe. 

Anna von Braunschweig erzielte ein günstiges Urteil. 
Sofort meldete Hitzhofer Berufung beim Kaiser an. ^) 
Obgleich Anna von Mecklenburg und ihre Räte die 
Rechtsnachfolger der früheren Regenten waren, ließen sie 
doch einwenden, daß sie bei den kaiserlichen Entscheidungen 
zwischen Ludwig von Boyneburg und Genossen und dem 
alten Landgrafenpaare in keiner Weise beteiligt seien; 
außerdem dürfe die Regentin als Reichsfürstin außer 
Landes nicht vor Gericht gezogen werden, dem Kammer- 
richter gebühre also in dieser Sache kein Gerichtszwang. ^) 

Der Kaiser wies die Berufung als ungerechtfertigt 
zurück^), und d^ Kammergericht entschied (am 29. No- 
vember): das Mefsunger Schloß sei unverzüglich in guten 
Stand zu setzen; die junge Elisabeth solle bis zu ihrer 
Verheiratung bei ihrer Mutter bleiben, von der Regentin 
aber wie deren eigene Tochter unterhalten werden, ihre 
Erziehungskosten seit Wilhelms I. Tode seien der alten 
Landgräfin zu vergüten, dem Kloster, worin noch ein 
Fräulein lebe, tausend Gulden zu versichern; alle un- 
bezahlten Schulden habe nicht Anna von Braunschweig 
zu übernehmen, sondern die Regentin, die dazu dreitausend 
Gulden nach Worms senden und ihre Schwägerin auch 
für die durch die Gläubiger und das Gerichtsverfahren 
erwachsenen Unkosten entschädigen müsse; ihren Hof- 
dienern komme Aussteuer und Abfertigung zu, wie beim 
Tode eines regierenden Landgrafen. 

Obwohl der Kammerrichter den Zwist um Leibzucht 
und Morgengabe*) unmittelbar an den Kaiser verwies, so 
schien die alte l^andgräfin dennoch einen glänzenden Sieg 
errungen zu hafcen. 

Der Anwalt der Regentin bestritt aber dem Gerichte 
nochmals das Recht, gegen sie, die Reichsfürstin, einzu- 



1) 1516 Sept. 25. 2 Or. : Hitzhofer an den hessischen Kanzler Jo- 
hann Feige und an Anna von Mecklenburg und ihre Räte. 

2) 1516 Sept. 24. Marburg u. Sept. 27. Worms. 2 Notar.-Instrum. 
Ldgrfl. hess. Ehesachen: Anna, Witwe Ldgr. Wilhelms I. 

8) 1516 Oktober 9. Augsburg. 

*) Anna von Braunschweig suchte auf Grund ihrer Mitgift ein 
größeres Einkommen herauszuschlagen, als die Verträge bestimmten. 



— 49 — 

schreiten und erhob Berufung an den Kaiser. ^) Maximilian, 
der den Landkomtur der Bailei zu Koblenz, Ludwig von 
Seinsheim, an Anna von Mecklenburg abgesandt hatte, 
war von den hessischen Einwänden schon unterrichtet. 
Er wollte die Sache nicht auf die Spitze treiben. Des- 
halb befahl er dem Kammergerichte, das Verfahren einst- 
weilen einzustellen, und ernannte auf den Wunsch der 
Regentin den Erzbischof Albrecht von Mainz und Magde- 
burg zum Schiedsrichter. ^) 

Anna von Braunschweig kam die Sache bedenklich 
vor, und sie begab sich mitten im Winter nach Hagenau 
zum Kaiser, der ihr riet, die erzbischöfliche Vermittlung 
anzunehmen. 

Albrecht berief die Parteien (zum 25. Januar 1517) 
nach Mainz und schweren Unwetters halber am Tage 
darauf nach Aschaffenburg. Die alte Landgräfin ließ sich 
durch die Unbilden der Witterung nicht abhalten, nach 
Mainz zu reisen. Von Seiten ihrer Muhme erschien aber 
bloß Valentin Ratzenberg ^), der nichts Besseres wußte, als 
Vertagung zu beantragen. Die Sitzung in Aschaffenburg 
versäumte Anna von Braunschweig. Der Erzbischof sah 
die Fruchtlosigkeit seiner Bemühungen ein und setzte den 
Kammerrichter davon in Kenntnis. 

Das Reichskammergericht nahm die Sache wieder in 
die Hand und erkannte^) fast genau dasselbe für recht, 
was es schon im November beschlossen hatte. Der Ton 
des Spruches war aber noch bestimmter. Die jüngere 
Landgräfin und ihre Räte wurden auf den 27. Tag vor- 
geladen, um die Ausführung des Urteils zu beweisen, 
Widersetzlichkeit für jeden einzelnen Fall mit fünfzig 
Gulden Strafe bedroht. 

Zur Abwechselung war es wieder der Kaiser, der 
den ordentlichen Lauf hemmte. Er gebot auf Antrag der 
hessischen Regentin dem Gerichte Stillstand, weil der Erz- 
bischof von Mainz in Gemeinschaft mit dem Herzoge Erich 
von Braunschweig die Vermittlung zwischen den Land- 
gräfinnen übernehmen solle. Beide Fürsten erklärten aber, 
sie wollten mit der Sache nichts mehr zu tun haben. 



*) 1516 Dez. 7. Abschr. 

2) 1516 Dez. 2. Hagenau. 2 Abschr. 

«) 1517 Jan. 22. Marburg. Vollmacht für Val. Ratzenberg. — 
1517 Jan. 16. Or. Ratschläge Hitzhofers für die Tagung, da er selbst 
wegen der Wormser Fehde kein Geleit bekommen konnte. 

«) 1517 Febr. 14. u. 21. Worms. Beglaub. Abschr. 

N. P. BD. XXX. 4 



— 50 — 

Anna von Braunschweig bemühte sich umsonst bei 
ihrem Bruder Erich, ihrem Neffen Heinrich dem Jüngeren 
von Wolfenbüttel und ihrem Ohm, Grafen Botho von 
Stolberg. Dagegen war ihr Schwiegersohn, Graf Adam 
von Beichlingen , an den sie einen Brief voll schwermütiger 
Worte schrieb, bereit, einen Vergleich zu stiften. ^) Sein 
guter Wille scheiterte daran, daß seine Schwiegermutter 
während der Verhandlungen keinen Stillstand des Ge- 
richtsverfahrens zugeben wollte. 

Schon vorher hatte sie sich in Mainz an den dort 
versammelten Reichstag gewandt, und es gelang ihr, dessen 
Aufmerksamkeit und Mitleid zu wecken. Ein Unbeteiligter, 
der Frankfurter Gesandte Philipp Fürstenberg, schildert^), 
welchen Eindruck sie auf die Stände hervorbrachte. Er 
berichtet, daß täglich Bittschriften beim Reichstage einliefen ; 
aber unter allen Vorträgen, fährt er fort, ist nichts erbarmens- 
würdiger gewesen, als was meine gnädige Frau Land- 
gräfin, geborene Herzogin von Braunschweig, heute vor 
acht Tagen (am 29. Juli) persönlich vor den Ständen reden 
und vorlesen ließ. Viel Armut, Elend und Kümmernis 
hat sie darin vorgebracht: daß^) sie wider die Sprüche der 
kaiserlichen Majestät, wider Verträge, Zusagen und er- 
strittene Urteile keins der ihr gebührenden Rechte von 
meiner gnädigen Frau Landgräfin von Hessen und ihren 
Räten bekommen kann; sondern sie muß, um Recht zu 
erlangen, das Ihre, das sie sonst zu anderm Zwecke wohl 
bedürfte, verzehren und verlohnen und in den Ländern 
dem Kaiser, dem Kammergericht und anderen Kom- 
missaren nachziehen mit einer Magd und wenigen Dienern, 
wie arme Zigeuner. Dadurch gerät sie in solche Armut, 
daß sie ihr Silber, Kleider, Kleinode, und was sie Gutes 
hat, an Juden und Christen versetzen muß. Sie wird auch 
Schulden halber bisweilen in den Bann getan. Dazu ist 
ihr Wittum Melsungen so zerfallen, daß sie sich im Sommer, 
geschweige denn des Winters, dort nicht aufhalten will 
oder kann. Alles in allem ist es an dem: wenn ihrer 
Muhme, der Landgräfin, und der Regenten langweilige 
Umtriebe länger gestattet werden, muß sie betteln gehn. 

^) 1517 August 20. Adam von Beichlingen an Anna von Meck- 
lenkurg. Eigenhändig. 

*) 1517 August 5. Mainz. Philipp Fürstenberg an den Rat der 
Stadt Frankfurt. Joh. Janssen, Frankfurter Reichskorrespondenz. 2, 941. 
942. Vgl. S. 920 Juli 31. 

8) Von hier ab entnimmt Fürstenberg seine Angaben der Klage- 
schrift Annas, in der nichts übertrieben ist. 



— 51 — 

Sie begehrt deshalb von Kurfürsten, Fürsten und anderen 
Ständen, als den Beschirmern der Witwen und Waisen, 
rein um Gottes und des jüngsten Gerichts willen, ihr bei 
der Landgräfin zu verschaffen, was ihr von Rechts wegen 
und von Natur gebühre, oder aber, wenn das nicht möglich 
sei, am Kammergerichte , Verhandlung ihrer Sache in den 
Ferien zu veranlassen, damit sie schleuniger zu Ende 
komme. Das wolle sie mit ihrem andächtigen Gebete, 
und wie sie sonst könne, gern verdienen und vergelten. 

Auf die Eingabe der Reichsstände ^) erwiderte der 
Kaiser, er wolle die alte Fürstin bei ihrem Rechte 
bleiben lassen. 

Anna war selbst in Mainz anwesend, wie sie ja keine 
Reisen und Mühen scheute, um ihre Sache zu fördern. 
Auch Gefahren setzte sie sich furchtlos aus. Sickingens 
Fehde mit der Stadt Worms machte damals die Gegend 
unsicher 2). Der streitbare Ritter war ihr Freund, aber 
gesetzt auch, daß sie vor seinen eigenen wilden Kriegs- 
knechten sicher war, so hatte sie doch seine zahlreichen 
Gegner zu fürchten. Auf die Zeitverhältnisse wirft es ein 
grelles Licht, daß -mehreren Mitgliedern des Kammer- 
gerichtes von Franz von Sickingen „ein verschworen Ge- 
leit" erteilt wurde, der alten Landgräfin zu dienen und zu 
raten, wo sie zu schaffen habe. ^) 

Das Gericht setzte sein Verfahren fort.**) Da aber 
die Kriegsnöte mehrere Beisitzer am Erscheinen hinderten, 
mußte es sich vertagen. ^) Schließlich lud es die Regentin 
und deren Räte auf den 5. September. Über seine Ver- 
handlungen, denen die alte Landgräfin wieder persönlich 
beiwohnte, ist ein umfangreiches Protokoll erhalten. Hitz- 
hofers Versuch, den ganzen Gerichtshof als befangen ab- 
zulehnen ^), schlug fehl. Er verstand es aber durch die 
wahrhaft endlos ausgesponnene Frage, ob ein Aufschub 
angehe, diesen Aufschub wirklich herbeizuführen. Dem- 

*) Vom 30. Juli 1517. — Die hessischen Gesandten erwiderten 
darauf erst im folgenden Jahre dem Reichstage zu Augsburg. 

*) 1517 Aug. 10. Or. Hitzhofer an die Regentin : man mort, raubt 
und stumelt die leut uf allen Strassen um Wormbs. Er rät deshalb, 
das Gericht um Aufschub zu bitten. 

^) 1517 Aug. 25. Or. Hitzhofer an Anna von Mecklenburg und 
die Räte. 

*) 1517 Juli 11. Worms. Abschr. 

«) 1517 Juli 29. Worms. Or. 

®) 1517 Oktober 8. — Anna von Mecklenburg und ihre Räte 
hatten bei Gott und den Heiligen beschworen, daß ihnen die Richter 
verdächtig seien. 

4* 



— 52 — 

selben Zwecke diente es, wenn Margaretha von Treisbach, 
Priorin des Klosters Weißenstein, und Johannes von De- 
venter, Augustiner-Pater daselbst, sich einmischten. ^) Sie 
stellten dem Gerichtshofe vor, Anna von Braunschweig* 
klage nicht im Namen und Auftrage des Klosters; das 
Kammergericht möge den gegen die Regentin erlassenen 
Strafbefehl zurückziehen, sonst mache es den Nonnen aus 
einer gnädigen Landesfiirstin eine ungnädige. 

Das Gericht kümmerte sich weder um diese Einrede 
noch um Hitzhofers Protest und Berufung ^) und ver- 
hängte, da Anna von Mecklenburg keine einzige seiner 
Forderungen erfüllte, weiter Mandate und Strafen ^), denen 
sich der Kaiser anschloß *). 

Anna von Braunschweig suchte auch die öffentliche 
Meinung für sich zu gewinnen. Sie verkündete ^) in einem 
riesengroßen gedruckten Sendbriefe den deutschen Fürsten 
und Hessens Amtleuten und Gemeinden, wie es im Reiche 
einer fürstlichen Weibsperson ergehe. Ausfürlich (aber 
ungenau in der Zeitfolge) schilderte sie die Entwicklung 
ihrer Angelegenheit in den letzten Jahren und ihre Be- 
schwerden gegen das hessische Regiment. 

Zugleich bewarb sie sich um Gunst und Beistand 
einzelner Reichsstände, suchte in Heidelberg den Pfalz- 
grafen, in Speyer den Bischof auf und unterhandelte mit 
Franz von Sickingen. ^) 

Augenblicklicher Erfolg und tatkräftiger Beistand 
mochten ausbleiben, sie hatte jedoch wenigstens den 
Trost, daß die Leute sich lebhaft mit ihrer Person und 
ihrem Schicksale beschäftigten und in ihren Gesprächen 
für sie Partei ergriffen. In allen Landen war ein Geschrei, 
daß der alten Fürstin Unrecht geschähe, berichtete Hitz- 
hofer selbst der Regentin. 

Allmählich ballten sich drohendere Wolken über deren 
Haupte zusammen. Der Kaiser gab dem Kammergerichte 
(am 18. Januar 1518) die Macht, nötigenfalls über die 



*) 1517 Okt. 8. Abschr. — Zweimal unternahm das Kloster solche 
Schritte. 

2) 1517 Okt. 29. Or. Hitzhofer an die Regentin und ihre Räte. 

») 1517 Nov. 9. u. 19. Worms. Abschr. — Vgl. 1518 Jan. 14 
Entwurf. 

*) 1517 Nov. 10. Worms. Abschr. 

^) 1517 Nov. 3. Worms. Or. Mit abgebröckeltem Siegel. — Nov. 
9. Worms. Or. Begleitschreiben Annas an Job. Riedesel, hessischea 
Amtmann zu Gernsheim. 

®) 1517 Nov. 17. Or. Hitzhofer an Anna von Mecklenburg. 



— 53 — 

widerspenstige Landgräfin und ihre Räte, die allen Ge- 
richtsbeschlüssen den Gehorsam versagten, die Reichsacht 
zu verhängen. 

Das hessische Regiment machte den Versuch, Phi- 
lipps Persönlichkeit vorzuschieben und auf diese Weise 
der Sache eine andere Wendung zu geben. Ende Januar 
1518 überreichte Hitzhofer dem Gerichte eine Vollmacht, 
welche der dreizehnjährige Landgraf Philipp für ihn aus- 
gestellt hatte. Der alten Fürstin lag einerseits daran, 
ihren Neffen nicht vor den Kopf zu stoßen, anderseits 
durfte sie ihre Sache nicht durch Zulassung von Ungesetz- 
lichkeiten verschlechtern. Sie freue sich zwar, ließ sie er- 
klären, daß der Landgraf solchen Alters und Verstandes 
sei, um selbst zu Recht zu stehn und Vollmacht zu er- 
teilen, auch glaube sie, der junge Herr würde den bis- 
herigen Frevel und das Ungeschick seiner Räte nicht 
geduldet haben ; allein er sei noch minderjährig und nicht 
im Besitze der Landesverwaltung, darum möge man seine 
Vollmacht einstweilen ablehnen. Hitzhofer wandte ein, es 
handele sich um Philipps Person, Fürstentum und Güter, 
es sei daher billig, seine Vertretung zuzulassen. Das Ge- 
richt ging aber nicht darauf ein. 

Wenige Tage später gewann Hitzhofer einen Auf- 
schub, indem er mitteilte, von seiner Partei sei dem kai- 
serlichen Hofe Botschaft gesandt, die Sache stehe also 
jetzt in der Entscheidung des Kaisers. 

Als (am 25. Februar) die gerichtlichen Verhandlungen 
wieder aufgenommen wurden, trat Herzog Albrecht von 
Mecklenburg, der Bruder der hessischen Regentin, mit 
einem Beglaubigungsschreiben des Landgrafen Philipp 
hervor und ließ durch den Anwalt den Antrag stellen, 
dem jungen Fürsten zum Prozeß mit Anna von Braun- 
schweig einen Kurator zu geben. Das Kammergericht 
schlug auch dieses Gesuch ab. Hitzhofer bat nun, eine 
neue Sitzung anzuberaumen, zu der Philipp persönlich er- 
scheinen könne, weil er in das vierzehnte Jahr ginge und 
schnell heranwüchse. ^) 

Die Richter ließen sich darauf wieder nicht ein, son- 
dern beeilten sich mit ihren Urteilssprüchen und mit der 
Erkennung erheblicher Geldbußen. Auch die Reichsacht 
kam ernstlich in Betracht. ^) 

*) Proximus pubertati, drückte er sich wörtlich aus. 
«) 1518 März 6., 8., 20., 22. Worms. Abschr. — 1518 März 11. 
Or. Hitzhofer an Anna von Mecklenburg und ihre Räte. 



— 54 - 

Hitzhofer erklärte zwar alle Urteile für nichtig, weil 
die Richter als befangen abgelehnt seien, aber die Lage 
war bedenklich, und der Ausgang zweifelhaft. 

Kaiser Max mahnte zum letzten Male die Regen- 
tin ^), den Urteilen zu gehorchen und die erkannten Strafen 
zu erlegen, sonst würde die Reichsacht über sie verhängt 
werden. 

Diese Mahnung klang um so ernsthafter, als Anna 
von Mecklenburg vorher einen besonderen Gesandten an 
den Kaiser abgeordnet hatte. Johann Gagenhart — so 
hieß ihr Botschafter — fand in Innsbruck lange kein Ge- 
hör. Schließlich mußte er sich begnügen, „eine wahrhafte, 
kurze Unterrichtung" über den Streit zwischen den Land- 
gräfinnen an den kaiserlichen Kanzler zu senden. ^) Seine 
Beschwerden richteten sich gegen die Ungesetzlichkeit 
des Verfahrens und gegen die Parteilichkeit einzelner Bei- 
sitzer; trotz der Berufung an den Kaiser versuche das 
Kammergericht seine Urteile zu vollstrecken. Er bat, die 
hessische Angelegenheit dem nächsten Reichstage, dem 
einzigen statthaften Forum, vorzulegen. 

Die Antwort^) forderte die Regentin auf, sich mit 
ihrer Schwägerin zu vertragen und geeignete Vermittlung 
anzunehmen, dann solle auch dem Gerichtsverfahren Ein- 
halt geboten werden. 

Da Gagenharts Sendung keinen Erfolg versprach, 
kam (am 16. März) ein zweiter hessischer Gesandter in 
Innsbruck an ^) und bemühte sich, eine Unterredung mit 
Maximilian zu erlangen. Allein er wurde mit leeren 
Worten abgespeist und von Tage zu Tage hingehalten. 
Endlich verschaffte ihm der Propst Balthasar von Wald- 
kirch ^) Zutritt zur Majestät, die mit gnädigen Reden 
nicht sparte, aber in einer so wichtigen Sache, in der 
schon Strafbefehle ergangen seien, nur nach reiflicher Be- 
ratung antworten wollte. Unterdessen schickte die Re- 
gentin ihrem Gesandten die Berufung wegen des Straf- 
befehls und der Reichsacht, und erst nach der Übergabe 
dieses Schriftstückes ging die kaiserliche Entgegnung ein. 

1) 1518 März 8. Abschr. 

«) 1518 Febr. 20. Entwurf. 

*) 1518 März 26. Innsbruck. Abschr. 

*) 1518 März 26. Innsbruck. Bericht an die Regentin. Die Jah- 
reszahl ist verschrieben: 1517. Dieser zweite Gesandte scheint Bal- 
thasar Schrautenbach gewesen zu sein. 

*) Als Propst von Wetzlar wird er 1513 unter den kaiserlichen 
Schiedsrichtern in Worms genannt. 



— 55 — 

Maximilian beteuerte seine Zuneigung für den Landgrafen 
Philipp (aber nicht mehr für dessen Mutter !), erklärte sich 
jedoch gebunden durch die Zusage, die er auf dem jüngst 
verflossenen Mainzer Reichstage den Kurfürsten und Für- 
sten gegeben habe; vor der bevorstehenden Tagung zu 
Augsburg könne er nichts daran ändern, außerdem habe 
er den festen Willen, für die Ausführung der Schieds- 
sprüche und Verträge zu sorgen. Wenn die Regentin 
sich zu einem gütlichen Vergleiche verstände, würde auch 
der Kaiser Strafbefehle, Acht und Verfahren aufheben. 

Anna von Mecklenburg erhielt keinen Anlaß, sich 
mit großartigen Hoffnungen zu schmeicheln. 

Ihr Gesandter gehörte zu den redlichen und auf- 
rechten Dienern. Er beschönigte nichts, sondern eröffnete 
seiner Herrin, daß weder der Kaiser noch ein Mitglied 
des Hofes noch überhaupt jemand, wes Standes oder Per- 
son er sei, der Regentin im Handel mit Anna von Braun- 
schweig Recht gebe; alle seien ihr gänzlich zuwider, sie 
möge sich vorsehen, daß dem jungen Landgrafen und 
dem Lande kein Schade daraus erwachse, künftige Wei- 
terung und Zerrüttung bleibe zu fürchten. Ein Schluß- 
satz ist wieder gestrichen: Die jüngere Landgräfin solle 
sich mit ihrer Schwägerin versöhnen, darauf in eigener 
Person den Kaiser aufsuchen und sich bei ihm entschul- 
digen; eine verborgene Gefahr scheine zu drohen. 

Der Gesandte erwähnte Philipps Mündigsprechung^) 
nicht, von der er doch jedenfalls Kenntnis hatte. Schon 
am 16. März wurde die kaiserliche Urkunde vollzogen, in 
welcher Maximilian dem jugendlichen Landgrafen die 
selbständige Regierungsgewalt verlieh und insbesondere 
der bisherigen Regentin befahl, sich dieser Maßregel nicht 
zu widersetzen. Auf den Wortlaut der letzteren Rede- 



*) Wie es scheint, begegneten sich dabei die Wünsche des Kai- 
sers und des Landgrafen. Die hessischen Gesandten schrieben an 
Maximilian: Nachdem e. kai. mt. verrückter zeit seiner f. g. uf sein 
underthenigs ansuchen und bit erstattung seins alters und ver- 
sehung seiner land leuth und gut zu tragen gnediglich verlihen . . . 
Dieselben an die Reichsstände zu Augsburg: Des kei. indults halben 
ist war, das sein mt. us bewegenden redlichen Ursachen und eigener 
bewegnus unsern g. h. landgraf Philipsen gnediglich verlihen und 
danach unser g. f. [= gnedigen frauenj und den rethen sich aller 
handlung und Verwaltung zu entrüsten bei schweren penen geboten 
hat. Akt. btr. den Reichstag z. Augsburg 1518 No. 179. — Später be- 
klagte ja Philipp, daß er zu früh selbständig geworden. Vgl. Wig. Lauze 
im 2. Suppl. der Z. H. G. Seite 21. — Schenk zu Schweinsberg, Das 
letzte Testament Wilhelms IL S. 32. 



— 56 — 

Wendung ist kein erhebliches Gewicht zu legen ; denn der 
Kaiser bewilligte in einer zweiten Urkunde ausdrücklich ^), 
daß Philipp nach dem Rate, Wissen und Willen seiner 
Mutter und verständiger Männer regierte. 

Anna von Mecklenburg legte (am 2. Mai) die ver- 
antwortliche Regentschaft nieder. 

Dadurch verschoben sich alle Verhältnisse dermaßen, 
daß das Verfahren beim Kammergerichte, wenn auch 
nicht ganz einschlief, doch sichtbar erlahmte. Sollten 
Strafen und Reichsacht gegen den jungen Fürsten voll- 
streckt werden, die seiner Mutter angedroht waren? 

Die alte Landgräfin erhoffte von dem neuen Herrn 
Wohlwollen und Gerechtigkeit, sie vermied es daher zu- 
nächst, mit ihm „in ein Gefecht zu gehn". Die Kosten, 
die ihr durch das bisherige Verfahren des Kammergerichts 
erwachsen waren, berechnete sie auf 1287 rheinische Gul- 
den, irgend einen augenfälligen Vorteil hatte sie aber 
nicht davon gehabt. 

c. Die Entfiihrang der jungen Elisabeth. 

Anna von Braunschweig beanspruchte die alleinige 
Gewalt über ihr jüngstes Kind Elisabeth und verlangte 
volle Freiheit, sie auf ihren Fahrten über die Grenzen des 
Fürstentums hinaus mitzunehmen. Da sie aber bei einer 
solchen Reise ihre Tochter Katharina in einer Art ver- 
heiratet hatte, daß weder das Hessenland noch sein Fürsten- 
haus einen Zuwachs an Macht oder sonst einen Nutzen 
davon zog, so wollte die hessische Regentin wenigstens 
ihre jüngste Nichte angemessener vermählt sehen. Einen 
gewissen Einfluß darauf auszuüben, war sie berechtigt; 
denn Unterhalt und Mitgift für Wilhelms des Älteren 
Tochter forderte man von den Untertanen und der Landes- 
herrschaft. 

Um ihre Ansprüche rechtlich zu begründen, bewog 
Anna von Mecklenburg ihre Schwägerin zu dem feierlichen 
Versprechen, Elisabeth ohne Zustimmung der hessischen 
Regierung weder aus dem Fürstentume zu führen noch 
zu verheiraten (2. Mai 1515). 

Anna von Braunschweig wurde durch ihre Händel 
in die weite Ferne getrieben und dort festgehalten. In 



*) 1518 März 17. Innsbruck. Histor. Ver. f. d. Großhrzt. Hessen, 
Philipp S. 92. — Für die Öffentlichkeit scheint diese Urkunde nicht 
bestimmt gewesen zu sein. 



— 57 — 

-hrer Abwesenheit trat der Marschall Philipp Meysenbug 
als Sendling der Regentin an Elisabeth heran und suchte 
sie zu überreden, das einsame Melsungen zu verlassen und 
an den hessischen Fürstenhof zu kommen. Wenn Meysen- 
bug mit lebhaften Farben zu malen verstand, so war das 
ein Tausch, der eine nach Glück und Glanz dürstende 
Mädchenseele leicht verlocken konnte. Allein Elisabeth 
war, wie es scheint, anders geartet. Ihre Diener ersparten 
ihr diesmal die Entscheidung, sie wiesen den Marschall 
ab. Heinrich von Gittelde, der mit Meysenbug verhandelt 
hatte, unterrichtete seine Herrin von dem Vorfalle. 

Die alte Landgräfin hatte sich die Tochter durch ein 
kaiserliches Schreiben ^) bis zur Vermählung zusprechen 
lassen. Jetzt erwirkte sie überdies eine Entscheidung des 
Reichskammergerichtes, daß das Fräulein der Mutter 
nicht abgewendet und an den landgräflichen Hof gezogen 
werden dürfe. ^) Ohne Rücksicht hieraufließ die Regentin 
bald nachher ihre Nichte zu sich kommen. Das Kammer- 
gericht wiederholte seinen Befehl.^) Elisabeth kehrte zu 
ihrer Mutter zurück und lebte vereint mit ihr bis zum 
Frühjahre 1517. Nun vertraute Anna ihr Kind wieder der 
Hofmeisterin und der Dienerschaft in Melsungen an und 
zog allein von dannen. Jahr und Tag blieb sie in der 
Fremde. Da die Gräfin Katharina von Beichlingen und 
ihr Gatte in Melsungen wohnten, wird die Verlassenheit 
des jungen Mädchens nicht ganz trostlos gewesen sein. 
Zu einer standesmäßigen Heirat freilich war dort nicht 
die geringste Gelegenheit. Diesem Mangel wollte der 
Kaiser abhelfen.^) Er stellte an Anna von Mecklenburg 
und deren Räte das Ansinnen, das verwaiste und um- 
strittene Fürstenkind dem kaiserlichen Hofe zu übergeben, 
während die Landgrafschaft Hessen wie bisher die Unter- 
haltungskosten aufbringen und der alten Landgräfin aus- 
zahlen sollte. Zugleich erklärte er das frühere Versprechen, 
Elisabeth dauernd im Hessenlande zu belassen, für null 
und nichtig. Die hessische Regierung schrieb nicht mit 
Unrecht Anna von Braunschweig die Anstiftung zu dem 
kaiserlichen Antrage zu, obwohl Maximilian in seinem 
Briefe vom geraden Gegenteil ausging. In der Tat hatte 



>) 1516 Juni 29. Überlingen. 
«) 1516 Oktober 9. Worms. Or. 

•) 1516 November 15. Worms. Bglaub. Abschr. Das Gericht 
erkannte noch einmal in dieser Sache am 21. Februar 1517. 
*j 1518 Februar 1. Augsburg. H. L. 1, 519 ff. 



~ 58 — 

Anna ihr Kind veranlaßt, den Kaiser zum Herrn und 
Vater zu erwählen; auf diese Art gedachte sie ihre Ver- 
pflichtungen gegen das hessische Regiment ohne Schaden 
zu lösen. 

Anna von Mecklenburg und ihre Räte suchten durch 
einen Brief den Kaiser hinzuhalten, und Landgraf Philipp 
bat den Kurfürsten von Sachsen um Rat. Aber die rasche 
Gewalt der Tatsachen kam jeder Antwort zuvor. 

Die kaiserlichen Gesandten Georg von Schaumburg 
und Hans von Preising (meist Presinger genannt) betrieben 
die Angelegenheit mit großem Eifer. Sie begaben sich 
nach Melsungen, angeblich, um die abwesende alte Land- 
gräfin aufzusuchen, wahrscheinlicher aber, weil sie mit 
Elisabeth und ihrem Schwager, dem Grafen Adam, ver- 
handeln wollten. Auch machten sie Miene, ohne Erlaubnis 
der Landesherrschaft den Ausschuß der hessischen Stände 
nach dem mainzischen Fritzlar zu berufen, einzig und allein 
in Elisabeths Sache. Der Regierung gingen Waraungen 
von befreundeten Fürsten zu, Anna von Braunschweig 
trüge sich mit der Absicht, ihre Tochter für immer aus 
dem Fürstentume wegzuführen. Ehe es dazu kam, hielten 
es Anna von Mecklenburg und ihre Ratgeber für ange- 
zeigt, das Landgrafenkind schleunigst in ihre Gewalt zu 
bringen. Der ISVejährige Philipp, eben vom Kaiser mündig 
gesprochen, führte den Streich aus, und zwar am Mittwoch 
nach Ostern (7. April 1518). 

Drei Tage vorher hatte Katharina von Beichlingen 
ein Söhnlein geboren. Im gräflichen Hause zu Melsungen 
fand Kindtaufe statt, zu der Elisabeth als Patin geladen 
war. Unerwartet kam Philipp dazu, in seiner Begleitung 
Herzog Albrecht von Mecklenburg, Hermann Riedesel, 
Wilhelm von Dörnberg, einige andere hessische Räte und 
Mitglieder des Ständeausschusses und eine Reiterschar. 
Der jugendliche Landgraf, der gewiß von seiner Mutter 
aufs genaueste unterwiesen war, führte seine Aufgabe mit 
Geschick durch. Bald mit freundlichen, bald mit ernsten 
Worten sprach er auf seine Base Elisabeth ein, sie solle 
ihm gutwillig nach Marburg folgen und dort bleiben, sonst 
dürfe sie, fügte er drohend hinzu, weder Hülfe noch Förde- 
rung von ihm erwarten. Eine Einmischung des Grafen 
von Beichlingen wies er im Tone des Herrschers zurück. 
Gegen Elisabeths Bitten und Einwendungen, daß ihre ab- 
wesende Mutter erst um Erlaubnis zu fragen sei, blieb er 
taub. Weinend erkundigte sich das Fräulein, ob es sich 



— 59 — 

nach der Heimkehr der Mutter wieder zu ihr begeben 
dürfe. Auch da blieb der fürstUche Knabe fest und der 
Lage gewachsen. In diesem Falle, erwiderte er, werde er 
wohl wissen, was er zu tun habe. Damit war er jeder 
Zusicherung, die später unbequem werden konnte, aus dem 
Wege gegangen. 

Elisabeth mußte sich ins Unvermeidhche fügen und 
mit ihrem Vetter nach Marburg ziehen. Die Regentin 
kam ihnen von da eine Meile Weges entgegen und nahm 
ihre Nichte in Empfang. 

Die Tat erregte natürlich Aufsehen und setzte auf 
beiden Seiten Zungen und Federn in Bewegung. 

Die alte Landgräfin, die sich in Worms aufhielt, wurde 
durch die Entführte selbst von dem Vorfalle in Kenntnis 
gesetzt. In rührender Weise flehte Elisabeth ihre Mutter 
an, ihr nicht zu zürnen, als ob sie selbst irgend ein Vor- 
wurf träfet). 

Der Kaiser hatte gerade auf Antrag der jüngeren 
Anna den Kurfürsten Ludwig von der Pfalz zum Schieds- 
richter zwischen den streitenden Parteien ernannt. In 
Worms sollte um die Mitte des Aprilmonats eine Tagung 
stattfinden. Die alte Fürstin war aber so empört über die 
Entführung ihrer Tochter, daß sie absagte 2). 

Der kaiserliche Gesandte Hans Presinger eilte per- 
sönlich zu ihr und teilte ihr die näheren Umstände mit. 
Sie erhob Klage beim Reichskammergerichte. Ungewöhn- 
hch schnell forderte dieses die Regentin, ihren Bruder, die 
Räte und den Ausschuß der Landschaft auf, Elisabeth, 
die durch gerichtliches Urteil ihrer Mutter zugesprochen 
sei, binnen sechs Tagen nach Melsungen zurückzuschicken, 
und zwar bei Strafe der Reichsacht ^). 

Die Gegenpartei war ebenso tätig. Herzog Albrecht 
und Landgraf Philipp wandten sich in einem gemeinsamen 
Briefe an die Schwestern Elisabeth und Katharina und an 
den Grafen von Beichlingen, bestritten eine mutwillige und 
gewaltsame Entführung und bemühten sich bei ihnen um 
ein schriftliches Zeugnis des Wohlverhaltens. Anna von 
Braunschweig hatte ihren Bruder Erich und ihren Neffen 
Heinrich den Jüngeren von Wolfenbüttel über den Vor- 



*) Zwei Briefe Elisabeths an ihre Mutter und die ganze Entfüh- 
rungsgeschichte habe ich veröffenthcht in der Z. H. G. 1904: 38, 14 ff. 

«) 1518 April 15. Or. Die Räte des Pfalzgrafen und Kurfürsten 
zu Heidelberg an den Herzog Albrecht von Mecklenburg. 

») 1518 April 18. Worms. Bglaub. Abschr. 



— 60 - 

gang unterrichtet; Albrecht von Mecklenburg schrieb an 
beide Fürsten ^) und ersuchte sie, bei der alten Landgräfin 
ein gutes Wort für ihn einzulegen. 

Trotzdem klagte Anna beim Kammergerichte gegen 
ihn. Herzog Albrecht erhob Einsprache, da er als Reichs- 
fürst allein nach der Reichsordnung zur Verantwortung 
gezogen werden könne. 

Die bisherige Regentin von Hessen nahm ihren Bun- 
desgenossen, Herzog Georg von Sachsen, in Anspruch, 
damit er ihre Sache beim Kaiser vertrete. Zu dem selben 
Zwecke gewann sie den Propst Balthasar von Waldkirch. 
Beiden legte sie ans Herz, alle Mühe zur Beilegung der 
Sache aufzuwenden, damit ihr Sohn nicht beschwert werde. 

Beim Reichskammergerichte verzögerte man die An- 
gelegenheit. Christoph Hitzhofer gebrauchte sein bewährtes 
Mittel, die Richter zu ermüden, Einsprache zu erheben und 
Bedenkzeit zu fordern. In diesem Falle hatte ihm das Ge- 
richt — wenn auch naturgemäß — die Sache dadurch er- 
leichtert, daß es in seinem Befehle den Haupttäter, den 
jugendlichen Landgrafen, gar nicht erwähnte. Die Aus- 
einandersetzungen des Anwalts gipfelten in dem Satze: 
das kaiserliche Privileg hat Philipp für mündig erklärt, 
folglich waren weder seine Mutter, noch deren Bruder Al- 
brecht, noch die Räte im Stande, ihn an der Abholung 
seiner Base zu hindern;- außerdem gehört die Angelegen- 
heit nicht in den Gerichtszwang des Kammergerichts, da 
sich dessen Erlaß auf keine kaiserliche Kommission gründet. 
Er ist also zurückzunehmen, die Klage der alten Land- 
gräfin abzuweisen, und ihr immerwährendes Schweigen zu 
gebieten. 

Hitzhofer machte keinen Eindruck auf das Gericht. 
Dieses ging im Gegenteil auf seine früheren Erkenntnisse 
zurück und erließ gegen den Landgrafen Philipp ein Exe- 
kutorial-Mandat bei Strafe der Reichsacht wegen Bezah- 
lung der Schulden, Abfindung des Klosters Weißenstein 
und Entrichtung fälliger Bußen 2). Dann verhandelte es 
auch wieder über die Entführung, ließ sich aber durch den 
verschlagenen Anwalt des hessischen Regiments, wie ge- 
wöhnlich, hinhalten. Hitzhofer erhob dann Berufung an 
den Kaiser und an die in Augsburg versammelten Reichs- 
stände. Er fand Gehör. Der Kammerrichter und seine 



1) 1518 Mai 25. Entwurf. 

«) 1518 Mai 7. und 23. Zwei Or. Hitzhofer an den Ldgr. 



— 61 — 

Beisitzer wurden zum Reichstage geladen. Die Verhand- 
lungen vor dem Kammergerichte endeten daher im Monat 
Juni. 

Der Kaiser hatte sich persönlich in die Frage ge- 
mischt, wo die junge Elisabeth ihren Aufenthalt nehmen 
sollte ; es war also von hoher Wichtigkeit, welche Stellung 
er zu der Entführungsgeschichte einnehmen würde. Maxi- 
milian gehörte aber zu den Herrschern, denen es mehr 
an eigener Kraft als an gutem Willen fehlte^), er ließ 
sich beschwichtigen, sobald in geeigneter Weise auf ihn 
eingewirkt wurde. Hierbei erwies sich der Propst von 
Waldkirch als erfolgreicher Beistand des Landgrafen. Er 
meldete (am 30. Mai), er habe in Philipps Sinne über die 
Tochter der alten Landgräfin mit dem Kanzler geredet 
und dem Kaiser selbst Vortrag gehalten. Maximilian wolle 
Elisabeths Angelegenheit ruhen lassen und sich ihrer nicht 
weiter annehmen; wegen der übrigen Irrungen habe er 
sämtliche Mitglieder des Kammergerichts zu sich entboten. 
Wenn das auch keine endgültige Entscheidung war, so 
ließ sich doch eine günstige Wendung für den Landgrafen 
nicht ableugnen : von einer Strafe für die Entführung ver- 
lautete nichts, auch hatte der Kaiser die Absicht aufge- 
geben, Elisabeth an seinen Hof zu ziehen. 

Maximilian glaubte, die streitenden Parteien seien 
jetzt in solcher Stimmung, daß er sie völlig einigen könnte. 
Der Reichstag zu Augsburg schien eine passende Ge- 
legenheit. 2) Der Kaiser verlangte, daß der Landgraf 
persönlich teilnehme. Das war aber mit Rücksicht aut 
Philipps Jugend nicht wünschenswert. Gesandte vertraten 
daher den Landgrafen. Sie trafen am 30. Juni in Augs- 
burg ein (wo sich die alte Landgräfin schon am vorher- 
gehenden Tage eingestellt hatte). Ihrem Auftrage gemäß 
wandten sie sich zunächst an den Herzog Georg von 
Sachsen und ersuchten ihn um Fürsprache beim Kaiser. 



*) H. Ulmann, Kaiser Maximilian I. 2, 580. 

*) 1518 Juli 7. Der Kaiser an die in Augsburg versammelten 
Reichsstände: Item in den nachgeschriben Sachen, so alle auff den 
reichsdag geschoben sein, muß durch keys. maj. und die stende sa- 
mentlich gehandelt und zu baiden thailen treffenliche rethe dartzu 
verordent werden: Item die irrung zwuschen dem landtgraffen zu 
Hessen und der witwe zu Hessen, hertzogin zu Braunschweig. Joh. 
Janssen, Frankfurter Reichskorrespondenz 2, 965. — Von hier ab kom- 
men außer den Akten btr. die alte Landgräfin die des Reichstages zu 
Augsburg 1518, Nr. 177 und 179 in Betracht. Vgl. Friedr. Küch, Polit. 
Archiv des Landgrafen Philipp S. 121 ff. 



— 62 — 

Georg bewährte sich als ein zuverlässiger Freund der 
hessischen Regierung. 

Die öffentliche Meinung dagegen verunglimpfte den 
jungen Landgrafen und seine Mutter und nahm entschieden 
Partei für Anna von Braunschweig, die als die Gekränkte, 
Verfolgte, Unterdrückte galt. Ihr Auftreten unterstützte 
diese Ansicht. Die bejahrte Fürstin langte mittellos wie 
eine Bettlerin in Augsburg an, sie mußte erst den Kaiser 
bitten, ihr bis zur Entscheidung des Rechtsstreites Unterhalt 
zu verschaffen. Der gutherzige Maximilian sandte ihr 
sofort zwei Faß Wein und hundert Gulden Zehrgeld zu, 
sorgte auch später dafür, daß ihr von hessischer Seite ein 
Vorschuß auf ihr Wittum ausgezahlt wurde; denn während 
des Reichstages war es in Augsburg „mordlich teuer". 

Für den Augenblick machte es auf den Kaiser tiefen 
Eindruck, als Anna, zur Audienz befohlen, ihre bedrückte 
Lage in leidenschaftlicher Rede darstellte: die Tochter 
gewaltsam geraubt, Witwengut und Morgengabe vorent- 
halten^), und auf Erden nichts mehr, was ihr gehörte! 

Auch die Gegenpartei mußte zu Worte kommen. 
Schon am folgenden Tage wurden die hessischen Gesandten 
von Maximilian empfangen und fanden wider Erwarten 
die gnädigste Aufnahme. Sie sahen darin den Einfluß 
des Herzogs Georg von Sachsen, obwohl dieser nach eigener 
Angabe wenig vorgearbeitet hatte. Er verfehlte nicht, 
den Kaiser bei guter Laune zu erhalten. Maximilian er- 
klärte sich bereit, die ganze hessische Sache noch einmal 
durch besondere Beauftragte verhören und womöglich in 
Güte beilegen zu lassen. 

Anna von Braunschweig bat den Kaiser in einer 
schriftlichen Eingabe, ihr die Tochter wieder zuzuführen. 
Den versammelten Reichsständen legte sie ein Schrift- 
stück vor, das alle ihre Beschwerden umfaßte. Die hessischen 
Gesandten entwickelten dem Reichstage gegenüber in ganz 
ausführlicher Weise ihren Standpunkt. 

Die weitere Behandlung der Sache lag der kaiserlichen 
Kommission ob, deren vornehmstes Mitglied Herzog Georg 
wurde. Neben ihm standen die Bischöfe von Bamberg 
und Eichstedt, der Deutschordens-Marschall Georg von Eltz 
und Dr. Georg Lampert.^) Dem Schiedsgerichte ward 



^) Diese Behauptung bestritten die hessischen Gesandten. 

2) Diese nennt Anna von Braunschweig in ihrer Eingabe an die 
Reichsstände. Undat. Abschr. [1518 August 25.— 31.] — An anderer 
Stelle werden als Schiedsrichter angeführt : Herzog Georg, die Bischöfe 



— 63 — 

nur gütliche Vermittlung gestattet, beiden Parteien blieb 
es vorbehalten, seinen Spruch anzunehmen oder abzulehnen. 
Das wirkliche Gerichtsverfahren wählte man also nicht 
wieder. Landgraf Philipp erteilte seinen Reichstags- 
gesandten Vollmacht, ihn beim Schiedsgericht zu vertreten. ^) 
Die erste Sitzung endete mit Vertagung, dann aber kam 
es zu ernsthaften Verhandlungen. Anna von Braunschweig 
trug den kaiserlichen Kommissaren ihre Klagen vor. Die 
hessischen Gesandten betonten in ihrer Erwiderung, daß 
von einer gewaltsamen Entführung Elisabeths keine Rede 
sein könne, und suchten die Ansprüche der alten Land- 
gräfin zu widerlegen. Hitzhofer und andere Anwälte be- 
handelten und verurteilten in einer besonderen Ausarbeitung 
das Verfahren beim Kammergerichte. 

Der Kaiser griff mit eigenen Vermittlungsvorschlägen 
ein. ^) Dadurch zog sich die Sache nur in die Länge. Die 
Gesandten waren zur Annahme nicht befugt, und des 
Landgrafen Antwort und Entscheidung verzögerte sich. 
Anna klagte, man kenne ihre Mittellosigkeit und wolle 
durch Zaudern sie mürbe machen. Ihr Stern war zusehends 
im Erblassen. Schon früher sprachen die Gesandten die 
Hoffnung aus, daß die alte Landgräfin nicht mehr so viel 
Recht und Gehör bei jedermann finden werde wie zuvor; 
insonderheit äußere der Kaiser für Anna immer un- 
günstigere Ansichten. Hieran trug Maximilians unselb- 
ständige, fi^emden Einflüssen zugängliche Natur nicht die 
einzige Schuld, die Landgräfin selbst kühlte das Wohl- 
wollen ihrer Gönner ab, indem sie eigensinnig auf jedem 
Tüpfel ihres Rechtes bestand. 

Die hessischen Gesandten lehnten ebenfalls die meisten 
Vermittlungsvorschläge der fürstlichen Schiedsrichter rund- 
weg ab. Nirgends begegnete man freudiger Hoffnung 
auf die Zukunft.^) 

von Bamberg und Augsburg, Johann von Eltz, Komtur im Elsaß, und 
der Domdechant von Salzburg. Wer konnte, entzog sich dem unan- 
genehmen Geschäfte. 

*) 1518 Juli 14. Frankfurt. Or. in den Akten btr. die alte Land- 
gräfm: Vollmacht für den Ritter Konrad von Mansbach, Amtmann zu 
Vach, den Hofrichter Peter von Treisbach, den Kanzler Johann Feige 
und diejenigen, welche bei ihnen wären. 

*j 1518 September 6. Donauwörth. Or. Herzog Georg an die 
hessischen Gesandten. 

*) 1518 September 4. Augsburg. Philipp Fürstenberg und Bla- 
sius von Holtzhausen an den Rat der Stadt Frankfurt: Es wirt itzun- 
der zwischen der lantgraffm von Hessen der alten und irem gegen- 
theyl, derglichen zwischen dem bischoff von Worms seiner phaffheyt 



— 64 — 

Herzog Georg von Sachsen entfernte sich, wie die 
Mehrzahl der Reichsstände, aus der Stadt Augsburg und 
überließ es dem Kaiser, ob er die Vorschläge der Kom- 
mission veröffentlichen wolle. Maximilian mußte beken- 
nen, daß die Vermittlung bis jetzt keinen Erfolg erzielt 
hatte. *) Nun bat ihn die alte Landgräfin, ihr zu dem 
gerichtlich anerkannten Rechte zu verhelfen, anderseits 
lagen von der hessischen Seite die heftigen Angriffe 
gegen das Kammergericht vor, mit dem viele Reichs- 
stände unzufrieden waren. Deshalb verfügte der Kaiser, 
seine Hofräte sollten die Verhandlungen und Urteile des 
höchsten Gerichtes noch einmal gründlich untersuchen. 

Von den Gesandten befand sich nur noch Peter von 
Treisbach in der Stadt ^), und dieser erklärte, ohne beson- 
dern Befehl seines Herrn dürfe er sich auf neue Verhand- 
lungen nicht einlassen^). — 

Franz von Sickingen, der Freund der alten Land- 
gräfin, brach mit Heeresmacht in Hessen ein. Seine Ge- 
walttat drängte die Augsburger Vermittlungsversuche in 
den Hintergrund und störte die Geneigtheit zu freund- 
lichem Ausgleiche. — 

Alle übrigen Streitfragen verharrten in der Schwebe, 
ein dauerndes Ergebnis hatte jedoch die Tagung: Elisa- 
beth blieb am hessischen Hofe. 

Weil Anna einmal ihre Gewalt über ihre Tochter 
durch schriftlichen Vertrag aufgegeben hatte, so hielt es 
der Kaiser für gut *), daß das Fräulein sich die nächsten 
anderthalb Jahre ihres Vetters Obhut anvertraute; sie 
stünde dort in größerem Ansehen, würde stattlicher mit 
Kleidern und Kleinoden versorgt und fände darum auch 
leichter einen fürstlichen Gatten. Der Mutter war der 
Zutritt zu ihr nicht verwehrt. Käme es in den anderthalb 
Jahren nicht zu einer Verheiratung, so könnte die alte 
Landgräfin ihre mütterlichen Rechte wieder geltend 

an eynem und der stat Worms anthertheyls gehandelt werden. Der 
almechtig ewig got verlyhe sein genade darzu, dan wo es darmit, wie 
in andern Sachen, nit vertragen wirt, ist nichts guts zu verhoffen. 
Joh. Janssen, Frkf. Reichskorr. 2, 983. 

^) 1518 September 18. Augsburg. Or. Wörtlich wiederholt auf 
einem Beiblatte vom 18. Oktober 1518. Or. 

*) Mansbach war mit dem Bischof von Würzburg weggeritten, 
und der Kanzler Johann Feige verhandelte mit dem Herzoge von 
Württemberg wegen eines Bündnisses gegen Sickingen. 1518 Septem- 
ber 22. Stuttgart. Or. Joh. Feige an den Ldgr. No. 177. 

ä) [1518 September 21. J Eigenhändiger Entwurf Treisbachs. No. 179. 

*) [1518 Oktober 14—18.] Abschr. 



— 65 — 

machen und die Tochter vom Hofe abholen, die ihren 
ständigen Wohnsitz aber im Fürstentum Hessen behielt. 
Bei der Auswahl eines Schwiegersohnes sollte Anna von 
Braunschweig mit dem Landgrafen Philipp und der hes- 
sischen Landschaft Hand in Hand gehn, auch den Kaiser 
zu Rate ziehen. 

Mit der letzteren Bestimmung war Philipp nicht ein- 
verstanden, er erklärte aufs bestimmteste, er werde seine 
Base in fürstlicher Weise unterhalten, aber auch vermäh- 
len, das solle niemand anders tun. ^) 

Von den übrigen Einzelheiten des Augsburger Ver- 
gleiches machte er sich nur den Satz zu nutze, daß der 
Kammerrichter und der Rat der Stadt Worms ihm ein 
Verzeichnis der befriedigten Gläubiger schicken sollten. 
Um alles, was den Forderungen der alten Landgräfin und 
den Urteilen des Kammergerichtes entsprach, kümmerte 
er sich nicht. 

Anna blieb dauernd in Worms. Hier scheint sie 
aber keine hervorragende Rolle gespielt zu haben. 2) 

d. Ausgang. 

Sickingen, der sich jeder gekränkten Unschuld an- 
nahm, gedachte im , Darmstädter Vertrage auch der alten 
Landgräfin. ^) Sie hatte von seinem Einfalle in Hessen 
nichts gewußt, bezeigte aber dem Sieger ihr Wohlgefallen 
an dem, was er für sie getan und ausbedungen.*) Auf 
Grund hiervon bat sie ihren Neffen Philipp um endliche 
Erfüllung ihrer Forderungen % die sie noch einmal in um- 
ständlicher Weise darlegte. Ihren Brief begann sie, wie 



*) So ist es in Wirklichkeit geschehen. Elisabeths erster Gatte 
wurde (1525) der Pfalzgraf Ludwig zu Zweibrücken, der ihr nach sieben- 
jähriger Ehe durch den Tod entrissen ward. Später reichte sie dem 
Pfalzgrafen Georg zu Simmern die Hand. 

*) Im dritten Bande der von Boos herausgegebenen Wormser 
Geschichtsquellen wird ihr Name nicht genannt. 

') Zum andern so sol Hessen der alten witwen von Hessen, itzo 
zu Augspurgk, ire vertrege und spruch halten, umb den kosten sol 
kei. mt. darin mechtiglich zu sprechen haben. Akt. btr. Reichstag z. 
Augsb. 1518, No. 178. — Lünig, Teutsches Reichsarchiv partis spec. 
contin. 3: Reichsrittrsch. am Rhein No. 61 § 1 S. 87. — H. Ulmann, 
Frz. v. Sickingen S. 114. 

*) Histor. Vr. des Großhrzt. H., Philipp S. 121. — Wig. Lauze 
behauptet dagegen in seinem Leben PhiHpps des Großmütigen (2. Suppl. 
der Z. H. G. Seite 28), Sickingen habe sich auf Annas Betreiben ihrer 
Forderungen angenommen. 

*) 1518 ohne Tag. Worms. Or. 

N. F. BD. XXX. 5 



— 66 — 

es damals unter Freunden üblich war, mit den Worten: 
Was wir Liebes und Gutes vermögen, zuvor. Die Ant- 
wort ^) wurde mit einer ähnlichen Wendung eingeleitet: 
Was wir Ehren und Gutes vermögen, zuvor. Dann aber 
ging man mit der Fürstin ins Gericht, daß weder Ehre 
noch Gutes übrig blieb: Sickingen sei kein kaiserlicher 
Kommissar, wider Reichsordnung, Recht und Billigkeit 
habe er den Landgrafen überfallen, der von Anna die 
Unterstützung solcher Untaten nicht erwartet habe. Sie 
sei mitschuldig an dem Landfriedensbruche und müsse in 
Acht und Aberacht kommen. In Franzens Vorschläge 
willige Philipp nicht 

Die erste schlimme Niederlage seines Lebens hatte 
den jungen Fürsten bis ins Innerste getroffen, und es war 
ungeschickt, wenn die alte Landgräfin so schnell auf die 
unverheilte Wunde hinwies, und nicht geschickter, wenn 
sie den Ritter verteidigte 2), der nur aus Barmherzigkeit 
und aus Mitleid mit ihrer Armut gehandelt habe ; für sei- 
nen Kriegszug trage sie aber eine Verantwortung, fürchte^ 
deswegen auch den strengsten Gerichtshof nicht. 

Philipp beruhigte sich noch nicht: Anna hätte sich, 
entgegnete er ^), seiner Liebe würdig zeigen sollen ; statt 
dessen verdankten er und sein Land ihr nur Kosten, 
Schaden und Not, und sein Vater hätte ihr doch Ehre 
und Freundschaft erwiesen. Stelle sie Forderungen auf 
Grund des Sickingischen Vertrages, so setze sie sich dem 
Verdacht aus, daß sie den Landfrieden gebrochen und 
alle Ansprüche verwirkt habe. 

Der Briefwechsel war nicht geeignet, Frieden und 
Ausgleich zu befördern; ebenso wenig Philipps Weisung 
an Hitzhofer, keine Verhandlung vor dem Kammerge- 
richte mehr zuzulassen, und sein Verlangen, daß der 
Kammerrichter und der Wormser Stadtrat über die Ver- 
wendung der sechstausend Gulden Rechenschaft ablegten.*) 

Auf diese Weise wären hessische Untertanen, die 
das alte Landgrafenpaar heimlich mit Geld unterstützt hatten, 
bloßgestellt. Anna warf sich daher ins Mittel, und dem 
jungen Fürsten wurde anfangs die Rechnungslegung ver- 



*) 1518 Dezember 9. Marburg. Entwurf. 

«) 1518 Dezember 26. Worms. Or. 

') 1519 Januar H. Marburg. Entwurf. 

*) 1518 Dezember 9. Marburg. Entwurf. Anscheinend im Ärger 
geschrieben, an demselben Tage wie der erste Brief an Anna von 
Braunschweig. Vgl. A. 1. 



— 67 — 

weigert ^), später aber doch zugestanden. Allmählich ge- 
wannen nämlich mildere Regungen auf beiden Seiten die 
Oberhand, je mehr Anna von Mecklenburg zurücktrat. 

Der Landgraf sandte Hans Meyde an die alte Fürstin, 
um für eine gütliche Beilegung des Streites Stimmung zu 
machen. Meyde empfing von ihr die freundliche Antwort: 
wenn ihr Vetter sich mit ihr vertragen wolle, so werde 
sie nichts lieber sehen. ^) Philipp beeilte sich, „seiner lieben 
Muhmen'* und ihren Dienern und Begleitern einen Geleits- 
brief auszustellen, nach Hessen hinein und wieder heraus, 
und Marx Lesch von Mühlheim, sowie Hans Meyde ge- 
nauere Aufträge zu erteilen^): gern wolle er sich gütlich 
einigen und den Grafen Adam von Beichlingen zum Ver- 
mittler, vier hessische Ritterbürtige zu Schiedsrichtern an- 
nehmen; er sicherte der Landgräfin jegliche Förderung 
zu, wenn sie sich wieder in Hessen niederlasse. 

Anna dankte dem Landgrafen für sein Entgegen- 
kommen*), lehnte den Beistand ihres Schwiegersohnes ab, 
ernannte aber, um ihren guten Willen zu beweisen, fünf 
hessische Adlige zur Unterhandlung. Sie zog es noch vor, 
daß der Markgraf Kasimir von Brandenburg das Schieds- 
richteramt übernähme, sobald er in sein Land heimkehrte. 

Sommer und Herbst vergingen, ehe der letzte Vor- 
schlag zur Ausführung gelangte. Aus leisen Andeutungen 
läßt sich vermuten, daß die Zwischenzeit das Einvernehmen 
nicht getrübt hatte, und Anna sich im ungeschmälerten 
Geousse ihres Witwengutes befand.^) 

Endlich zeigte Markgraf Kasimir seinen Entschluß 
an, das Wagestück des Ausgleichs zu beginnen. Die 
Landgräfin schrieb erfreut darüber an ihren Neffen ^) und 
bat ihn, persönlich zu kommen, dann sei die Verständi- 
gung leichter. Philipp begnügte sich, einige Räte abzu- 
schicken. 

Die Tagung fand zu Hammelburg in Unterfranken 



^) 1519 April 4 Or. 

2) 1519 Juli 10, Worms. Or. 

*) 1519 Juli 15. Grünberg. Or. mit Philipps eigenhändiger Unter- 
schrift und rotem Siegel. — 1519 JuU 16. Grünberg. Or. 

*) 1519 Juli 20. Worms. Or. — Als Verhandlungsorte schlug sie 
Worms, Oppenheim oder Mainz vor, wenn es hier nicht zu sehr stäube. 
Vielleicht deutet die letztere Bemerkung darauf hin, daß Annas Ge- 
sundheit erschüttert war. 

*) 1519 November 15. und 21. Kassel. Kopialbuch Hi Blatt 51 
und 55. 

•) 1519 Dezember 30. Worms. 



— 68 — 

statt. Wenn von hessischer Seite eine gütliche Einigung 
ernstlich beabsichtigt war, so erregt es Befremden, daß 
man kein größeres Entgegenkommen zeigte. Alle die 
bekannten und gerichtlich anerkannten Forderungen Annas 
verwarf man. Für die vielen Irrungen und Schulden 
schob man ihr allein die Verantwortung zu, denn sie habe 
den alten Landgrafen, der auf kaiserlichen Befehl in der 
Verwahrung Wilhelms des Mittleren und seiner Beauf- 
tragten gestanden, außer Landes geführt. 

Unter solchen Voraussetzungen konnte es nur ge- 
rechtem Mißtrauen begegnen, wenn man versprach, die 
Landgräfin sollte, wenn sie wieder nach Hessen käme, 
durch eine Geldsumme abgefunden, oder die Schiedssprüche 
von Köln und Worms ausgeführt werden. 

Die brandenburgischen Vorschläge betrafen die Her- 
stellung des Witwensitzes, den beliebigen Besuch der 
Landgräfin bei ihrer Tochter Elisabeth und eine Abfin- 
dung von fünftausend rheinischen Gulden, wofür Anna 
die ausstehenden Schulden übernehmen und auf alle son- 
stigen Ansprüche verzichten sollte. 

Es kam zu keiner Einigung. Die markgräflichen 
Räte sprachen aber die Hoffnung aus, daß die strei- 
tenden Fürstlichkeiten anders dächten als ihre Abgeord- 
neten und Kasimir später benachrichtigen würden, was 
sie zu dem vorgeschlagenen Ausgleiche meinten. ^) 

Anna von Braunschweig verzweifelte an der Möglich- 
keit einer friedlichen Einigung und erwog angeblich wie- 
der, ob sie die Urteile des Kammergerichts zur Ausfuh- 
rung bringen lasse, Hitzhofer, den der Landgraf um seine 
Ansicht fragte, meinte 2), das Gerichtsverfahren sei durch 
das Eingreifen des verstorbenen Kaisers Maximilian zum 
Stillstande gekommen, und der neue Herrscher, von dem 
allein eine abermalige Kommission abhänge, augenblick- 
lich nicht im Lande, da habe es gute Weile mit Annas 
Plänen. Sollte die alte Landgräfin gar an landesfeind- 
liche Unternehmungen denken, so müsse Philipp den 
Pfalzgrafen, den Stellvertreter des Kaisers, um ein pein- 
liches Mandat ersuchen. Man bemerke schon kriegerische 
Bewegungen am Mittelrheine, und die Leute erzählten, die 
Rüstungen richteten sich gegen den Landgrafen. 

Gerade als die Menschen von Kampf und Streit fa- 

^) 1520 Januar 23. Hammelburg. Or. 
2) 1520 April 5. Or. 



— 69 — 

belten, stand der Friede vor der Tür, und ein großer Herr- 
scher, mächtiger als Landgraf und Kaiser, ließ ihn ein — 
der Tod. 

Anna starb zu Worms am 16. Mai 1520.^) 

Ihr Begängnis war einer Fürstin nicht ganz unwürdig, 
wenn auch eine Vertretung des Kaisers und fast aller 
Reichsstände fehlte. Philipp wußte aber, was er seiner 
Muhme schuldig war. Donnerstag, den 24. Mai, fuhren 
seine Gesandten von Gernsheim zu Schifte nach Worms: 
Graf Georg von Königstein, Bath (Bartholomäus) Horneck 
von Hornberg, Philipp von Frankenstein, Helwig von 
Rückershausen, Johann Riedesel, Amtmann zu Gernsheim, 
nebst vierzehn Begleitern. Alle Priester der fünf Wormser 
Stifte und die vier Klosterorden erschienen in dem Hofe, 
wo die Leiche lag. Sämtliche Glocken der Stadt läuteten. 
Vier Diener der Verstorbenen und vier von den hessischen 
Gesandten trugen den Sarg in das Andreasstift, der kaiser- 
liche Kammerrichter, Bürgermeister und Rat folgten in 
feierlichem Zuge, die Geistlichen sangen. Vor dem Kreuz- 
altare in der Kirche senkte man den Leichnam ein. Der 
Schulmeister und sechs Knaben stimmten dabei den Psal- 
ter an. 

Am Freitagmorgen mußten so viele Priester, wie man 
bekommen konnte, im Andreasstifte Vigilie singen und 
ein Seelenamt verrichten. 162 Personen mit brennenden 
Kerzen gingen zum Opfer. Auf dem Grabe, an dem vier 
Knaben mit Fackeln standen, und auf dem Altare strahlten 
Lichter. Grab, Gestühl und Altar waren mit schwarzem 
Zeuge bekleidet, das man durch weiße Tuchkreuze ver- 
ziert hatte. 

Unter die Armen wurde Brot verteilt. Der feierliche 
Leichenschmaus fand im Kaufhause statt, Kammerrichter, 
Stadtrat und die landgräflichen Gesandten wohnten ihm bei. 

Ein Maler brachte acht Wappen am Grabe an, man 
nahm aber sofort in Aussicht, einen würdigen Leichenstein 
mit dem hessischen und dem braunschweigischen Wappen 



*) Annas Mutter Elisabeth, die „Herzogin von der Staufenburg", 
die, geschäftstüchtiger als ihre Tochter, die Hütten und Eisengruben 
bei Gittelde und Grund am Westharze wieder in lebhaften Betrieb 
brachte, lebte noch im Jahre 1521. Aus ihrem Kreise mögen Heinrich 
von Gittelde und Annas letztes Hoffräulein, Gertrud von Yberg, her- 
vorgegangen sein. Der von alten Eisengruben durchzogene Iberg liegt 
dicht Dei Grund, der Staufenburg gegenüber. 



— 70 — 

zu errichten, welche beiden Anna, ihrer Abstammung und 
Verehelichung gemäß, in ihrem Siegel führte^). 

Das Elend, in dem die alte Fürstin gelebt hatte und 
gestorben war, entrollte sich den Augen noch einmal nach 
ihrem Begräbnisse. Ihre Hofmeisterin Anna von der Mals- 
burg richtete mit dem ganzen Hofstaate an den Land- 
grafen eine dringende Bitte ^) : nach der Bestattungsfeier 
mangele es an Speise und Wein, ja an trockenem Brot 
im Hause; dem Grafen von Königstein, den man um Ab- 
fertigung gebeten, habe der Auftrag dazu gefehlt. Sie 
flehten Philipp an, ihnen so lange Unterhalt zu verschaffen, 
bis es ihm gefiele, das dargeliehene Geld zu erstatten und 
sie abzulöhnen. 

Ebenfalls von der Armut, aber auch von der recht- 
lichen Gesinnung der Verstorbenen zeugte das Verzeich- 
nis der Gläubiger, das sie wenige Wochen vor ihrem Tode 
aufstellte. Bei ihren verpfändeten Schmucksachen erwähnte 
sie auch die Fehler (z. B. bei einer goldenen Spange eine 
herausgefallene Perle), damit der Gläubiger bei der Ein- 
lösung nicht in den Verdacht der Unterschlagung geriet. 
Von allen versetzten Kleinoden nannte sie zuerst eine 
goldene Kette, die Dietrich Spät gehörte, sie bat, diese 
vom Pfandbesitzer einzulösen und dem Eigentümer zurück- 
zugeben. Sie vergaß auch nicht, sich als Schuldnerin der- 
jenigen Diener zu bekennen, welche (wie z. B. Heinrich 
von Gittelde, nunmehr braunschweigischer Amtmann zu 
Münden ^)) bei guter Zeit das sinkende Schiff verlassen 
hatten.*) 

Hofmeisterin und Räte der Verstorbenen schickten 
eine Abschrift ihres Testamentes an den Landgrafen und 
sprachen die Erwartung aus, daß er sich fürstlich gegen 
jedermann erweisen werde. Zu Erbinnen hatte sie ihre 



? 



Vgl. das diesem Aufsatz beigefügte Siegelbild. 
1520 Mai 26. Worms. Or. 

^) 1519 September 9. Münden. Or. Herzogin Katharina, Erichs I. 
Gemahlin, bittet den Ldgr. Philipp nicht zu zürnen, daß Heinrich von 
Gittelde, Amtmann zu Münden, einen Priester vor der Stadt Kassel 
gefangen genommen habe, ßriefw. m. Brnschw.-Kalnb. 0. W. S. 518. 
— 1519 Febr. 14. Dietrich der Ältere, Herr zu Plesse, belehnt Heinrich 
von Gittelde mit Gütern zu Gittelde usw. Ztschr. des histor. Vereins 
für Niedersachsen 1857 S. 372. (Vgl. daselbst auch 1498 April 22.; 
ferner Rieh. Doebner, Urkb. der Stadt Hildesheim 8, 124 Nr. 113 A. 2: 
1485 April 13. Fehdebrief Heinrichs v. Gittelde an Hildesheim.) 

*) Ihrer ehemaligen Hofmeisterin Anna Diede, die schon 1494 in 
ihrem Dienste stand (Reichenbacher Renteirechn., 1. Juni 1494), schul- 
dete sie auch noch 50 Gulden. 



— 71 — 

Töchter Katharina und Elisabeth eingesetzt. Die Gräfin 
von Beichlingen verzichtete förmlich, auf Grund des müt- 
terlichen letzten Willens Forderungen gegen Hessen zu 
erheben. ^) — 

Annas Grabstein trug, wie man sofort beschlossen 
hatte, das hessische und das braunschweigische Wappen 
und die Inschrift: 

An.dni.MDXX des XVI tags may ist die durch- 
leuchtige hochgeb. fürstin und frau Anna hochgeb. ^} 
hertzogin zu Braunschweig und Lüneburg, landtgräfi&n zu 
Hessen witwe, in gott geschieden. D . G . B . S . A ^). 

Die letzten fünf Buchstaben können bedeuten: dei 
gratia beatificet suam animam d. h. Gottes Gnade mache 
ihre Seele selig. Wer deutsche Worte vorzieht, mag mit 
uns lesen : Der Gott barmherzig sei, amen. 

Zwei Jahrhunderte hat das Denkmal überdauert. *) 
Im Jahre 1802 wurde die Andreaskirche in ein Magazin 
verwandelt und die Grabsteine zerstreut, auch der der 
alten Landgräfin ist spurlos verschwunden, ^) 

Kein Schatzgräber wird den Frieden der armen 
Fürstin stören. Von hartnäckigen und aufregenden 
Kämpfen ruht sie aus. Gestritten hat sie für die Rechte 
ihrer Töchter und das vermeintliche Recht ihres Gatten, 
um ihre eigene Würde und ihr eigenes Einkommen. Je 
weniger Siege sie errang, desto ausschließlicher füllten 
diese Streitfragen ihren Geist, so daß für höhere staats- 
männische oder gemeinnützige Gedanken kein Raum blieb. 
Als sie vom Schauplatze abtrat, wurde sie rasch vergessen ; 
denn Spuren in der Welt hinterläßt nur derjenige, welcher 
der Allgemeinheit dient oder durch hervorragende Bega- 
bung und übermächtigen Willen die Allgemeinheit in 
seinen Dienst zwingt. 



*) 1521 September 4. Kassel. Or. Samtarch. No. 30. Schiebl. 85. 

*) Man erwartet: geborene. 

^) H. E. Scriba, Grabdenkmäler aus dem literarischen Nachlaß 
des Vikars Georg Helwich, im Archiv für hess. Gesch. 8, 292. 

*) Schannat hat es 1734 noch gesehen. Joh. Friedr. Schannat, 
Historia episcopatus Wormatiensis. Frkf. 1734. S. 128. WahrscheinUch 
hat das Denkmal bis 1802 ganz unberührt gestanden. Vgl. A. 3. 

*) P. Zimmermann, Grabstätten der Weifen, im Braunschwei- 
gischen Magazin 1900; 6, 114. 



Der Briefweehsel zwisehen dem Landgrafen 

Wilhelm YIII. von Hessen und seinem General- 

acfjntanten Generalmajor Freiherr \. Ffirsten- 

berg in den Jahren 1756/57. 



Von 
G. Eisentraut. 



Im April 1756 marschierten acht hessische Infanterie- 
Regimenter von der Landeshauptstadt Kassel nach der 
untern Elbe. Bei Stade bestiegen sie die dort bereit 
liegenden Transportschiffe, und unter dem Schutze eng- 
lischer Kriegskorvetten fuhren sie nach England, wo sie 
am 15. Mai eintrafen und fast ein ganzes Jahr verblieben. 

Über diese Heeresfahrt, mit der für Hessen der 
siebenjährige Krieg begann, ist bis jetzt wenig be- 
kannt geworden, vermutlich aus dem Grunde, weil sie im 
Sande verlief, weil die Franzosen keinen Versuch machten, 
eine Landung in England zu wagen, zu deren Abwehr 
die hessischen Regimenter — und ausser ihnen auch 
hannoversche Truppen — dorthin gebracht waren. 

Die Fahrt der Hessen nach England war eine Folge 
des schon im Juni 1755 zwischen England und Hessen- 
Kassel geschlossenen Subsidien -Vertrages, durch welchen 
sich der Landgraf Wilhelm VIII. verpflichtet hatte, 
an König Georg II. von England gegen ange- 
messene Geldentschädigung 8000 Mann Infanterie zu über- 
lassen, die in Deutschland, in den Niederlanden, in Groß- 
britannien und überall dort gegen Frankreich verwendet 
werden durften, wo ihre Gegenwart erforderlich wäre. 

Frankreich und England waren schon längst im Streit 
wegen der Grenzen der ihnen im Frieden von Utrecht 



— 73 — 

in Nordamerika zugeteilten Gebiete. In den Jahren 1754 
und 1755 kam es in Nordamerika zwischen beiden Mächten 
zu Tätlichkeiten, denen im Frühjahr 1756, wenige Tage 
nach der Ankunft der Hessen auf englischem Boden, die 
beiderseitige Kriegserklärung folgte. 

Die in den Seehäfen Frankreichs stattfindenden großen 
Rüstungen hatten in England die Befürchtung erweckt, 
daß die Franzosen beabsichtigten, Truppen in England zu 
landen. Auf Grund des geschlossenen Vertrages wurde 
daher der Landgraf von Hessen ersucht, schleunigst acht 
Regimenter Infanterie mit der nötigen Regiments- Artillerie 
— im ganzen 6500 Mann — nach England zu schicken. — 
Von seinen zwölf Infanterie-Regimentern (Bataillonen) be- 
stimmte Wilhelm VIII. hierzu die Regimenter: Garde, 
Grenadiere, Leib-Regiment, Prinz Carl, Erbprinz, Prinz 
Isenburg, Fürstenberg und Canitz. ^) Jedem dieser ungefähr 
800 Mann starken Regimenter waren zwei dreipfündige 
Kanonen beigegeben. Mit der Führung des hessischen 
Hilfs-Korps wurde der Generalleutnant Graf Christian 
Ludwig V. Isenburg betraut, unter dem die beiden 
Generalmajore Prinz Casimir v. Isenburg^) und 
Freiherr v. Fürstenberg standen. Als diplomatischen 
Berater des Höchst-Kommandierenden ließ der Landgraf 
den Generalleutnant v. Diede zu Fürstenstein mit 
nach England gehen, der gemeinschaftlich mit dem hes- 
sischen Geschäftsträger in London, dem Geh. Legation s- 
Rat Alt den schon erwähnten Subsidien-Vertrag mit dem 
englischen Minister Holderneß im Jahr zuvor abge- 
schlossen hatte. 

Wenn auch dieser Zug nach England für die Hessen 
ohne jedes kriegerische Ereignis verlief, so war er doch 
infolge der vielfachen Anstrengungen, Entbehrungen 
und Leiden, denen die Regimenter während der Seefahrt 
und während ihres Aufenthaltes in England ausgesetzt 
waren, eine vortreffliche Vorschule für die harten An- 
forderungen, die während der nachfolgenden Jahre des 
siebenjährigen Krieges an sie gestellt wurden. 

In keinem Lande wird der Soldat so gering geachtet, 



*) In Hessen verblieben die Infanterie-Regimenter : Prinz Anhalt, 
Mansbach, Haudring und Hanau. 

') Prinz Casimir von Isenburg, der jüngere Bruder des eben 
genannten Grafen Christian Ludwig v. I., ist bekannt durch die helden- 
mütige Führung. der Hessen bei Sandershausen und durch seinen bei 
Bergen am 13. April 1759 erlittenen Heldentod. 



— 74 — 

wie in England, und das galt auch damals schon. Die 
Hessen hatten sehr viel von der Geringschätzung und 
Rücksichtslosigkeit der Engländer zu leiden. 

Nach der Ausschiffung wurden die Truppen zunächst 
in die größeren Städte im südöstlichen Teil Englands 
zwischen Southampton und London einquartiert. Da 
aber nach dem englischen Gesetz nur solche Häuser zur 
Aufnahme militärischer Einquartierung verpflichtet waren, 
in denen Schänkwirtschaft betrieben wurde, so war die 
Unterbringung der Offiziere und Mannschaften sehr eng 
und schlecht und auf die Dauer um so unerträglicher, ab 
die allerdings sehr überlasteten Wirte sich in ihrem Ge- 
werbe beeinträchtigt sahen, ihre Einquartierung auf jede 
Weise los zu werden suchten und schließlich die Hergabe 
der Quartiere und die Lieferung der Naturalverpflegung 
verweigerten. 

Die von den Hessen hierbei bewiesene Langmut und 
Selbstbeherrschung verdient hervorgehoben zu werden. 
Ihre vortreffliche Manneszucht bewahrte sie vor Ausschrei- 
tungen und nötigte selbst die Engländer zur Anerkennung 
und Bewunderung. 

Die Regimenter waren froh, als sie endlich im Juli 
die elenden Kantonnements-Quartiere mit dem Feldlager 
vertauschen konnten, das in unmittelbarer Nähe der Stadt 
Winchester aufgeschlagen wurde. Ausreichende Ver- 
pflegung und die warme Jahreszeit machten den Aufent- 
halt unter den Zelten ganz erträglich. Die täglichen Exer- 
zier- und Gefechtsübungen hielten die Truppen in Arbeit 
und Zucht. Oft gab es auch im Lager, das viele Zuschauer 
anzog, Musik und Tanz, und nach dem Bericht des Grafen 
V. Isenburg glich es oft mehr einem Lustlager denn einem 
Kriegslager. 

Als aber der Herbst mit seinem Nebel und mit Tau 
und Reifsich einstellte, sehnte sich mancher Lagerbewohner 
nach dem warmen Ofen der Heimat. — Die Wahrschein- 
lichkeit der Landung einer französischen Flotte an der 
Küste Englands war damals schon fast ganz geschwunden. 
Das weitere Verbleiben der hessischen Truppen im Lande 
erschien unnötig. Das war auch die Ansicht der eng- 
lischen Regierung und es lag somit nahe, dass sie die 
Rückfahrt dieser Truppen nach Deutschland rechtzeitig in 
die Wege leitete. Ehe sie aber hierüber zum Entschluß kam, 
war die winterliche Jahreszeit herangekommen, die die 
Rückfahrt der Regimenter über die See schwierig und 



— 75 — 

gefährlich machte. Die Hessen mußten daher bis zum 
Frühjahr in England bleiben und zu diesem Zwek in 
Winterquartiere gelegt werden. Bei den damals in Eng- 
land herrschenden Verhältnissen hatte aber das Ministerium 
aus Furcht vor der mit Einquartierung bedrohten Bevöl- 
kerung zu lange mit den Vorbereitungen für die Unter- 
bringung der hessischen Truppen in Winterquartieren ge- 
zögert. Der Winter trat in diesem Jahre sehr frühzeitig 
und mit einer für England ungewöhnlichen Kälte ein und 
Offiziere und Mannschaften litten im Feldlager bei Win- 
chester in unerhörter Weise unter der rauhen Jahreszeit. 
Es bedurfte der eindringlichsten Vorstellungen der hessi- 
schen Regierung, um das englische Ministerium zu veran- 
lassen, endlich das Lager aufzuheben. Der Abmarsch der 
Truppen in die Winterquartiere verzögerte sich dennoch 
bis in die letzte Woche des Dezember. In diesen Quar- 
tieren war allerdings für die Hessen besser gesorgt, als 
früher. Da aber die Leute jetzt mehr einzeln lagen und daher 
vielfach ohne genügende Aufsicht waren, so kam es auch 
öfters zu Zank und Streit zwischen Soldaten und Wirten. 
Vermehrter Dienst und die Einrichtung besonderer Wacht- 
Kommandos in den Gegenden, in denen die Aufsicht in 
den Quartieren fehlte, half zur Verbesserung dieses Kriegs- 
zustandes. 

Die Versammlung einer starken französischen Armee 
am Niederrhein im Februar des folgenden Jahres, durch 
welche die hannoverschen Lande, in denen der König 
von England Kurfürst und Erbherr war, bedroht 
wurden, beschleunigte den Ausmarch der hessischen Truppen 
aus den Winterquartieren nach der Gegend von Chatham, 
von wo aus schließlich die Rükfahrt nach Deutschland 
am 28. April ihren Anfang nahm. Am 13. Mai waren 
alle Regimenter bei Stade wieder auf deutschem Boden, 
auf dem nun eine ernstere Tätigkeit in einem langjährigen 
Kriege sie erwartete. 

Dies ist der geschichtliche Hintergrund für den nach- 
stehend veröffentlichten Briefwechsel zwischen dem Land- 
grafen von Hessen und seinem Generaladjutanten 
V. Fürstenberg. 

Wilhelm Vm. von Hessen, seit 1751 Landgraf*), 



*) Für seinen Bruder, Friedrich L, der gleichzeitig König von 
Schweden war, hatte er seit 1730 die Regentschaft in Hessen geführt. 



— 76 — 

stand in Fühlung mit den bedeutendsten Fürsten seiner 
Zeit und hat deshalb in der damaligen Politik eine nicht 
unwichtige Rolle gespielt. Mit Friedrich dem Großen 
und mit Kaiser Karl VII. war er eng befreundet und mit 
dem englischen Hofe verwandtschaftlich verbunden durch 
die Heirat seines einzigen Sohnes, des Erbprinzen Frie- 
drich, mit Maria, der Tochter Georgs II. Der im 
Jahre 1749 in aller Heimlichkeit erfolgte und erst fünf 
Jahre später öffentlich bekannt gewordene Übertritt 
dieses Sohnes zur römisch-katholischen Kirche hatte dem 
strenggläubigen Protestanten Wilhelm VIII. unsäglichen 
Kummer bereitet, die landgräfliche Familie vollständig 
auseinander gerissen und dem Vater die letzten Lebens- 
jahre verbittert. Die Politik des greisen Landgrafen war 
seit jener Zeit nur darauf gerichtet, den Gefahren zu be- 
gegnen, die seinem Lande durch diesen Religionswechsel 
jetzt und besonders nach seinem Tode erwachsen konnten, 
und den Erbprinzen den Einflüssen der katholischen Höfe 
zu entziehen. 

Wilhelm VIII. war ein gerechter, einsichtsvoller 
Fürst, von seltener Standhaftigkeit, streng in Gewissens- 
sachen, dabei freundlich und leutselig, einfach und haus- 
hälterisch. Während seines früheren langjährigen Aufent- 
halts in Holland hatte er sich ein besonderes Verständ- 
nis für die bildende Kunst angeeignet und seinen Ge- 
schmack geläutert. Das beweisen seine heimischen 
Schöpfungen : er ist der Erbauer des idyllischen Schlosses 
Wilhelsthal und der Gründer der herrlichen Gemälde- 
gallerie zu Kassel. Der Landgraf stand 1756 bereits 
im 74. Lebensjahre und war damals schon von schweren 
körperlichen Leiden oft heimgesucht. 

Wilhelm Burkhardt, Freiherr von Fürsten- 
berg war 1751 aus kurpfälzischen Diensten in landgräf- 
lich hessische gekommen und wurde hier in den Listen 
als Generalmajor bei der Kavallerie geführt. Bald nach 
seinem Übertritt in die hessische Armee war er General- 
adjutant des Landgrafen und im Jahre 1753 Chef des ehe- 
maligen Prinz Maximilian Regiments Infanterie geworden, 
das nun den Namen Regiment v. Fürstenberg er- 
halten liatte. Diese schnell aufeinander folgenden Aus- 
zeichnungen lassen erkennen, daß Fürstenberg bei 
dem Landgrafen in hohem Ansehen stand. — Seine Briefe 
und Berichte zeigen uns den General als einen Offizier 
von seltener Begabung und hoher vielseitiger Bildung, 



— 77 — 

von reicher Erfahrung und weltmännischen, gewandten 
Formen. Überall treten in den Briefen Fürstenbergs 
dessen künstlerische Neigungen und sein ausgeprägtes 
Verständnis für Malerei, Baukunst und Gartenkunst hervor. 
Diese Eigenschaften hatten jedenfalls den General dem 
geistesverwandten Landgrafen nahe gebracht und das 
freundschaftliche Verhältnis geschaffen, das beide Männer 
verband und aus ihrem Briefwechsel uns entgegen tritt. 

Nach den bestehenden Vorschriften war während der 
Heeresfahrt der hessischen Truppen nur der Höchst-Kom- 
mandierende, Grafv. Isenburg, verpflichtet, über alles, 
was das Korps betraf oft und eingehend an den Landes- 
herrn zu berichten. Seine „Rapporte" bilden mit ihren 
zahlreichen Anlagen die ersten beiden Bände der auf Be- 
fehl des Landgrafen Friedrich IL v. Hessen^) später 
in mehr als zwanzig umfangreiche Folianten vereinigten 
hessischen Kriegsakten: „Journal und Relationes 
von der Alliierten Armee im 7jährigen Kriege 
in Deutschland". 2) Jedenfalls war General v. Fürsten- 
berg so wenig wie die andern Unterführer zur Erstattung 
laufender dienstlicher Berichte verpflichtet. Vermutlich 
aber hatte Landgraf Wilhelm seinem Generaladjutanten 
nahe gelegt, ihm aus England über Land und Leute, über 
seine persönlichen Erlebnisse, besonders aber auch über 
seine Beobachtungen auf dem Gebiete der Schloss- und 
Parkanlagen zu berichten. 

Wil heims thal, der Lieblingsaufenthalt des Land- 
grafen, war damals noch im Entstehen ^) und sein Erbauer 
suchte eifrig noch nach Motiven zu Verbesserungen und 
Neuerungen, die er bei seiner Vorliebe für den enghschen 
Geschmack in der Gartenkunst am ehesten aus England 
erwarten konnte.*) 



^) Sohn und Nachfolger Wilhelm VIII. ; regierte von 1760—1785. 

*) Jetzt im Königlichen Staatsarchiv zu Marburg. 

^) Der Grundstein war am 28. Mai 1753 gelegt worden. 

*) Während die unter Ludwig XIV. durch Le Notre geschaffene 
französische Gartenkunst mit ihren breiten, sternförmig durchquerten 
Avenuen ihre Glanzperiode feierte, waren in England bereits Anzeichen 
einer bevorstehenden Umwälzung derselben aufgetreten. Der schon 
früher durch Lord Franz Bacon, Milton, Addison und Pope gegebenen 
Anregungen waren Kent und Repton gefolgt und hatten der neuen 
auf eingehendes Studium der Natur begründeten Richtung der Garten- 
kunst Eingang verschafft, die das feuchte Klima Englands ganz be- 
sonders begünstigte. Kaum in England ausgebildet, fand sie ihren 
Wee sehr bald auch auf das Festland. Wilhelm VIII. hat die eng- 
lische Gartenkunst jedenfalls in Holland kennen gelernt. 



— 78 — 

Hierdurch erklärt es sich, daß Fürstenberg häufig 
Berichte aus England an den Landgrafen sandte und daß 
er in diesen besonders über seine Besuche in den erreich- 
baren Schlössern und Gärten und Parkanlagen spricht 
und dabei Bezug nimmt auf das „Paradies" seines 
Herrn. ^) 

Ohne Zweifel sind diese Berichte von kulturhisto- 
rischem Werte. Wie hoch man sie schon früher 
schätzte, geht daraus hervor, daß man sie in die Sammlung 
der Kriegsakten aufgenommen hat. (Tom. II, P. II.) Sie 
bilden gewissermaßen eine feuilletonistische Ergänzung der 
offiziellen Berichte des Grafen v. Isenburg, ein Tage- 
buch über die Heeresfahrt nach England in Briefform. 

Wenn Isenburg ernst und gewissenhaft seine 
Klagen über die schlechten Quartiere, über die Ver- 
läumdungen der Engländer, über mangelhafte Verpflegung 
und über die Vernachlässigung seines Korps seitens der 
englischen Regierung vorbringt, so sucht Fürstenberg 
das Gute, Angenehme hervorzuheben, das sich den Hessen 
in England darbot. Er geht den Ursachen der oft uner- 
hörten Behandlung der hessischen Truppen durch die eng- 
lische Regierung nach und findet sie in den inner-politischen 
Zuständen, in den Hof-Intriguen und in der Unbeständig- 
keit der Ministerien. Er beschönigt und stellt alles gern 
in rosigem Lichte dar. Besondern Reiz erhalten die Briefe 
Fürstenbergs durch die Mitteilung persönlicher Erleb- 
nisse. 

Die hohe Stellung des Generals im Verein mit seiner 
vornehmen äußeren Erscheinung und mit seinen welt- 
männischen Eigenschaften öffneten ihm, dem Junggesellen, 
auch in England schnell Türen und Herzen. Eine be- 
sondere Vorliebe zeigt Fürstenberg für schöne Frauen, 
und seine Geständnisse hierüber haben sichtlich den Zweck, 
seinen Fürsten angenehm zu unterhalten und aufzuheitern. 
In liebenswürdiger und zurückhaltender Weise, meist mit 
feinem Humor, geht der Landgraf auf Fürstenbergs 
pikante Anspielungen ein. Im allgemeinen aber klingt 
aus den Antworten des greisen Fürsten eine wohl begreif- 
liche Entsagung. 

*) Daß Wilhelm VlII. bei der Schaffung der Anlagen bei Wilhelms- 
thal durchaus selbständig vorging und daß er nach eigenen Ideen 
arbeitete, lassen seine Erwiderungen auf Fürstenbergs Mitteilungen 
über Neuerungen in englischen Parkanlagen erkennen. Dem Land- 
grafen waren manche englische Garteneinrichtungen noch nicht na- 
türlich genug. (S. Brief No. 15, 19 u. 25.) 



— 79 — 

Die Briefe des Generals sind in französischer 
Sprache und in schöner Handschrift geschrieben. Die 
Autworten des Landgrafen, ebenfalls französisch, befinden 
sich in den Kriegsakten nur im Entwurf, vom Geheim- 
sekretär Robert meist in flüchtiger, schwer leserlicher 
Schrift aufgesetzt. 

Die Briefe folgen in Nachstehendem in deutscher 
Übersetzung, meist mit Fortlassurfg der Eingangs- 
und Schlussformeln, sowie derjenigen Stellen, die Un- 
wichtiges und Wiederholungen enthalten. Entsprechend 
der Anordnung in den Akten haben die Antworten des 
Landgrafen ihren Platz unmittelbar hinter den entsprechen- 
den Briefen Fürstenbergs erhalten. 

No. 1. Fttrstenberg an den Landgrafen. 

Reihen a. Aller i), 20. IV. 56. 

In aufrichtiger und dankbarer Gesinnung, die mich 
stets erfüllen wird, bitte ich Eurer Hochfürstlichen Durch- 
laucht mich zu Füßen legen zu dürfen. Es ist nicht meine 
Absicht, die Berichte des Grafen v. Isenburg und des 
Herrn v. Die de zu ergänzen; auch will ich mich nicht 
bei den kleinen Leiden aufhalten, die jeder Marsch mit 
sich bringt, der auf schlechten Wegen durch fremdes 
Gebiet führt. Ich begnüge mich, E. H. D. untertänigst 
zu melden, daß die Regimenter meiner Kolonne 2) von 
gutem Geist beseelt, lustig und guter Dinge sind. Sie 
marschieren vortrefflich, ohne Nachzügler, und sie haben 
bis jetzt noch nicht die geringste Veranlassung zu Klagen 
gegeben. Im Gegenteil rühmen die uns begleitenden 
Marschkommissare, wie ruhig es bisher in den Quartieren 
zugegangen sei. — Allerdings sind in der Division, die 
ich zu fiihren die Ehre habe, schon beim Durchmarsch 
durch die Grafschaft Lippe zwei Mann vom Leibregiment 
desertiert und wahrscheinlich nach Hessen zurückgekehrt. 
Sie hatten vermutlich Sehnsucht nach ihren Mädchen, denn 
die Leute waren zu klein und zu unansehnlich, als daß 
man vermuten könnte, daß die Preußen ^) dahinter steckten. 

*) Auf dem Marsch von Gassei nach Stade. — Reihen liegt 
zwischen Verden und Gelle. 

') Fürstenberg führte auf dem Marsche nach Stade unter dem 
Generalleutnant v. Diede, dem Führer der II. Kolonne, die 2. Division, 
zu der die Regimenter Leibregiment und v. Fürstenberg gehörten. 

•) Preußische Werber, in Uniform und in Verkleidung, versuchten 
während des Marsches wiederholt die hessischen Soldaten, namenthch 



— so- 
lch werde die Kriegs-Kommission in Cassel benachrichtigen, 
damit die Kerls festgenommen werden, wenn sie sich dort 
blicken lassen. Meine beiden Regimenter haben zusammen 
höchstens zehn und nur Leicht-Kranke. Da nun die 
Witterung wärmer wird, die Wege und Märsche besser 
werden, auch die Einwohner des Landes uns mit einer 
gewissen Herzlichkeit begegnen und den hessischen Fremd- 
ling sehr gut aufnehmen, so hoffe ich alle meine Leute 
gesund und felddienstfähig nach Stade zu bringen, von 
wo ich E. H. D. über den letzten Teil unserer Märsche 
weiter berichten und gleichzeitig einen kleinen Plan über- 
senden werde, der alle Einzelheiten der Gegend unserer 
Einschiffung enthalten soll. — Vorgestern habe ich in 
Nienburg auf einer sehr guten steinernen Brücke die 
Weser überschritten, und da Herr v. Die de erst weiter 
unten bei H oy a über den Fluß geht, werde ich S. Excellenz 
erst an der Elbe wieder sehen. — In den letzten Tagen 
sprach man viel von einer Landung der Franzosen auf 
Minorka und in England. Mir scheint das nicht recht 
glaublich. 

Da man auch davon spricht, daß wir bei Stade in 
ein Lager kämen, so machen sich schon jetzt die Soldaten 
Zeltpflöcke. 

Ich lasse keinen Tag vorübergehen, ohne tausend 
und aber tausend innige Wünsche für E. H. D. Wohl- 
ergehen zum Himmel zu senden. Nichts bekümmert mich 
mehr auf unserem Zuge, als das Ausbleiben der Nachrichten 
über Höchstdero Befinden. Möge der gütige Gott meine 
Wünsche erfüllen! Sie sind aufrichtig und sie werden 
von allen guten Menschen geteilt. In tiefster Ergebenheit 
habe ich die Ehre zu sein E. H. D. untertänigster Diener 
Fürstenberg. 

No. 2. Fttrstenberg an den Landgrafen. 

Stade, 27. IV. 56. 

Meine Division ist sehr frisch und in guter Haltung 
hier angekommen. Es hat weder Tote, noch weitere 
Deserteure, weder Beschwerden noch Unordnung gegeben. 
Beide. Regimenter liegen eine halbe Meile von hier im 
Quartier. Das Leib-Regiment, mit dem ich marschierte, sollte 
schon heute morgen eingeschifft werden; aber der heftige 

die stattlichen Grenadiere, zum Übertritt in preußische Kriegsdienste 
zu verleiten. 



— 81 — 

Wind ließ es nicht zu; und so ist das Regiment in die 
Quartiere eingerückt. Es soll nun morgen, zusammen 
mit meinem Regiment, eingeschifft werden, am 29. ,die 
Regimenter Garde und Prinz Isenburg. Doch darüber 
werden Graf Isenburg und Herr v. Diede schon be- 
richtet haben. Ich bin erst eine Stunde hier. Man ver- 
sichert, daß die Einschiffung schnell und gefahrlos vor- 
übergehen wird. 

No. 3. FUrstenberg an den Landgrafen. 

Stade, 30. IV. 56. 

Das Wetter war bisher sehr schlecht. Schnee und 
Sturm haben viele Verzögerungen verursacht, die man 
durch vermehrten Eifer wieder gut zu machen hofft, wenn 
sich der Wind gelegt haben wird. Die hannoversche 
Regierung, besonders Herr v. ßerlepsch^), hat mit 
großem Geschick die Vorbereitungen zur Einschiffung ge- 
troffen und sucht alle Hindernisse zu überwinden, die der 
Sturm verursacht. Auch Graf v. Isenburg ist äußerst 
tätig und umsichtig. Ich hoffe, daß nun bald die beiden 
letzten Regimenter, Garde und Prinz Isenburg, mit dem 
Gepäck und Train eingeschifft sein werden. Heute Nach- 
mittag um 4 Uhr will ich selbst an Bord gehen, um den 
Truppen Gesellschaft zu leisten, nachzusehen, was zu ihrem 
Wohlbefinden noch angeordnet werden könnte und ihnen 
Hoffnung machen, daß wir aus der Elbe bald heraus- 
kommen. Hoffentlich haben wir eine glatte und gute 
Überfahrt. Und wie nichts in der Welt beständig ist, 
wird ja auch dies böse Wetter einmal aufhören! 

Die Einschiffung der Leute und Pferde habe ich 
weniger schwierig gefunden, als ich angenommen hatte. 
Es war aber auch alles vortrefflich vorbereitet. — Nach- 
dem die Regimenter die Stadt im Parademarsch passiert 
hatten, führte man sie zum Tor hinaus an den Kanal, die 
Salzschwinge. Dort stiegen sie kompagnie weise auf be- 
sonders hergerichteten schmalen Brücken in die Mann- 
schaftsbote, die, in verschiedener Größe aber alle mit 



*) Johann Wilhelm Ludwig v. Berlepsch war hannoverscher 
Regierungsrat in Stade. Bei der ihm übertragenen Leitung der Unter- 
bringung und Einschiffung — später auch der Ausschiffung — der hessi- 
schen Truppen, seiner Landsleute, entwickelte er so viel Umsicht und 
Liebenswürdigkeit, daß er auf Grund der Berichte des Grafen v. Isen- 
burgs durch wiederholte Dankschreiben Wilhelm VIII. ausgezeichnet 
wurde. 

N. F. BD. XXX. 6 



— 82 — 

Segeln versehen, die Leute nach den eine Meile von hier 
in der Elbe liegenden englischen Schiffen brachten. Die 
Pferde aber wurden nach einer eine viertel Stunde außer- 
halb der Stadt befindlichen Ladestelle gebracht, die an 
demselben Kanal liegt, und wo die zur Aufnahme von je 
10 Pferden eingerichteten Bote dicht an das Land heran 
kommen konnten. Mittelst neuer und fester Rampen mit 
Geländern wurden die Pferde in die Bote geführt und 
dann nach den Pferdetransportschiffen gebracht, wo die 
Einschiffung in gewöhnlicher Weise und um so leichter 
vor sich ging, als, wie ich beobachtet habe, die Pferde 
sofort ganz ruhig wurden, sobald sie sich auf dem Wasser 
befanden. (Der Brief ist kurz vor dem An - Bord - gehen 
Fürstenberg^s abgesandt.) 

No. 4 Fürstenberg an den Landgrafen. 

An Bord der Fregatte „Schwalbe", Freitag, 7. V. 56. 

(Geschrieben beim Ausfahren aus der Elbe in die 
Nordsee. Die Flotte Avar am 3. Mai von Stade abgefahren, 
aber durch widrigen Wind bis zum 7. bei Ritzebüttel 
(Cuxhaven) festgehalten. Der Brief ist durch einen der 
nach Stade zurückkehrenden Lotsen zur Post gebracht.) 
Ich hoffe immer noch, daß unsere Überfahrt glücklich von 
statten gehen wird und daß wir noch vor den Hannove- 
ranern, deren Artillerie jetzt verladen wird, in England 
ankommen w^erden. So viel ich mich überzeugen konnte, 
geht es unsern Truppen bis jetzt ganz gut. Das Schiff, 
auf dem ich mich mit Excellenz v. Diede befinde, der 
sich E. H. D. mit mir zu Füßen legt, bildet die Nachhut 

No. 5. Ftirstenberg an den Landgrafen. 

SouthamptoRi), 16. V. 56. 

Die ersten Schiffe mit den Truppen E. H. D. sind 
gestern abend hier eingetroffen und heute schon beginnt 
die Ausschiffung. Unsere Fahrt war ganz günstig. Am 
7. sind wir in die Nordsee eingefahren, am 12. sahen wir 
die Küste Englands, und je näher wir kamen, umso 
anmutiger erschien das Land. Und als wir hier eintrafen, 
haben uns die Einwohner freudig begrüßt. — Unterwegs 
haben sich die Soldaten mit der Schiffsbemannung gut 
angefreundet und die Engländer haben sich der von der 

^) Bekannter Seehafen, an der Südküste Englands. 



— 83 — 

Seekrankheit befallenen Leute in bester Weise angenommen. 
Heute ist der Gesundheitszustand bei uns besser wie bei 
der Einschiffung. Nun ist alles gespannt auf die Quartiere, 
in die wir auf einige Wochen gelegt werden sollen, ehe 
wir dcis Lager beziehen. Oberst Amhorst^) gibt sich 
die größte Mühe, für uns alles auf das beste zu besorgen. 
Die Regimenter werden dagegen alles aufbieten, um sich 
die Zuneigung ihrer Wirte zu erwerben. 

Das lange Zusammensein mit den ungeschliffenen 
Matrosen mag schuld daran sein, daß ich jetzt hier alles 
in rosigem Lichte sehe. Doch täusche ich mich gewiß 
nicht, wenn ich sage, daß die Frauen und Mädchen in 
England einen schönen Eindruck machen. Gern möchte 
ich es ihnen selbst sagen. Aber ich verstehe ja noch nicht 
so viel Englisch, daß ich um ein Stückchen Brot bitten 
könnte. E. H. D. wollen mir allergnädigst verzeihen, daß 
ich mich unterstehe, solchen Unsinn zu schreiben. Aber 
der kleine Dienst und das Schaukeln des Schiffes scheinen 
mir den Kopf verdreht zu haben. 

No. 6. Der Landgraf an Fttrstenberg« 

Wilhelmsthal, 31. V. 56. 

Sie schweigen darüber, wie Ihnen die Überfahrt be- 
kommen ist. Da Sie aber schon so sehr in das schöne 
Geschlecht des Landes verliebt sind, darf ich wohl annehmen, 
daß Sie nicht zu den Schwerkranken gehört haben, oder 
wenigstens, daß sie sehr schnell wieder gesund geworden 
sind. Dieser gute Anfang läßt Sie in eine glückliche 
Zukunft schauen, die um so schneller herankommen wird, 
je eher Sie die englische Sprache beherrschen lernen. Wie 
würde ich Sie um alles, was sich Ihnen dort eröffnen 
wird, beneiden, wenn ich noch jung wäre. -- Aber bei 
meinem Alter beneide ich niemand mehr. Sehen Sie nur, 
wie Sie Ihren Aufenthalt in England am besten ausnutzen 
können. 

No. 7. Fürstenbergr an den Landgrafen. 

Southampton, 20. V. 56. 

Bis jetzt sind hier die Regimenter Grenadiere, Canitz 
und Prinz Carl ausgeschifft und in ihre Quartiere abgerückt. 
Das Regiment Erbprinz und das meinige sind in der Nähe 

*) Der den hessischen Truppen beigegebene englische General- 
<}uartiermeister. 

6* 



— 84 — 

der ihnen als Kantonnements angewiesenen Ortschaften 
Chichester und Lymington*) an's Land gegangen. 
Heute soll das Gepäck des Leibregiments und ein Teil 
der Artillerie an*s Land kommen, so daß in vier bis fünf 
Tagen die Ausschiffung gänzlich beendet sein dürfte. Sie 
wird besonders dadurch verzögert, daß die Ebbe hier gegen 
Mittag eintritt und dann bis 7 Uhr eine mehrere hundert 
Schritt bi:eite Fläche mit meist schlammigem Boden fast 
gänzlich vom Wasser entblößt wird, die man genau kennen 
muß, um zu wissen, an welchen Stellen die Bote heran 
kommen können, um die Pferde zu landen. Und wenn 
die Flut wieder eintritt, kommt sie meist mit heftigem 
Wind, der ebenfalls die Ausschiffung erschwert. Bis jetzt 
ist aber alles ohne Unfall und in bester Ordnung vor sich 
gegangen und ich denke, es wird alles gut endigen. Wenn 
unvermutet hier und da Schwierigkeiten eintreten, so muß 
man sich sagen, daß sie unvermeidlich sind. Graf v. 
Isenburg und Herr v. Diede gehen nach Winchester. 
Prinz Isenburg bleibt hier und ich komme nach 
Salisbury.2) 

Die Landeseinwohner scheinen uns gern zu haben 
und wir bemühen uns, unsern Leuten klar zu machen, daß 
sie am besten tun, wenn sie allen Mißverständnissen aus 
dem Weg zu gehen suchen, die aus der Unkenntniß der 
englischen Sprache entstehen können. Die Meldungen 
von den bereits einquartierten Regimentern sind erst zum 
Teil eingetroffen. Oberst v. Logau^) meldet mir, daß 
er mit den Quartieren ganz zufrieden sein könnte und 
erzählt dabei: Ein Gutspächter begegnet auf der Land- 
straße unsern Fourieren und fragt den Führer, ob das 
Hessen wären. Und als dieser bejaht, ist der Pächter 
unbändig erfreut, umarmt den Mann und bittet ihn, zwei 
Schillinge von ihm anzunehmen. — Nicht nur die Ein- 
wohner dieser Stadt sehen in Menge unserer Ausschiffung 
zu. Man versichert mich, daß in diesen drei Tagen mehr 
denn viertausend Menschen aus der Umgegend herein 
gekommen wären, um unsere Truppen zu sehen, die sich 
sehr gut halten und viel weniger angegriffen und unsauber 
aussehen, als ich fürchtete. Täglich kommen wir mit der 



^) Chichester östlich von Southampton ; Lymington südwestlich, 
der Insel Wight gegenüber. 

*) Winchester nördlich, SaUsbury nordwestlich von Southampton. 

*) Oberst v. Logau war Kommandeur des Regiments v. Fürsten- 
berg. 



— 85 — 

besten Gesellschaft der Stadt zusammen und erhalten Ein- 
ladungen. Hier und da hört man französisch sprechen und 
jemehr man bekannt wird, um so mehr entdeckt man 
hübsche Gesichter. Man liebt Musik und Tanz und unsere 
Hoboisten sind sehr begehrt. 

Gestern abend wurde hier bekannt, daß die Kriegs- 
erklärung Frankreichs in London eingetroffen sei. Das 
Volk scheint mit dem Kriege sehr einverstanden zu sein 
und wenn die französische Flotte im Mittelmeer eine 
Schlappe erlitte, würde die Lust am Kriege noch mehr 
wachsen. 

No. 8. FUrstenberg au den Landgrafen. 

Salisbury, 30. V. 56. 

Am 23., am Tage vor der Ausschiffung des Regiments 
Prinz Isenburg, habe ich Southampton verlassen. In Salis- 
bury fand ich das Regiment Prinz CarP) gut unter- 
gebracht und am 25. traf auch die Artillerie hier ein. Da 
die Quartiere meines Regiments sich bis nach Fording- 
bridge ^) erstrecken, so untersteht es gleichfalls meiner Auf- 
sicht. Wir können mit sämtlichen Quartieren zufrieden 
sein und haben nur wenige und nur Leicht-Kranke. 

Salisbury ist ziemlich groß und gut gebaut. Getreide- 
handel, Wollfabriken und Lohgerbereien bringen Leben 
in die Stadt. Zwei kleine Flüsse versorgen alle Straßen 
mit gutem Wasser; sie laufen in 6 Fuß breiten und 3 Fuß 
tiefen gemauerten, aber offenen Kanälen durch die Stadt. 
Die mächtige Kathedrale ist ein edles Meisterwerk gotischer 
Baukunst. Der Bischof, der hier ein altertümliches Schloß 
besitzt, hält sich ebenso wie die Domherren nur selten hier 
auf. Sie versammeln sich hier nur zum Empfang ihrer 
Pfründen, die sich für den Bischof jährlich auf 4000 Pfund 
Sterling belaufen sollen. — Die Umgegend ist prachtvoll. 
Unter den Landhäusern, die hier und dort sichtbar sind, 
ist besonders Schloß Wilton zu nennen, das Mylord Pem- 
brock gehört und sich durch herrliche Porträts und 
Marmorfiguren auszeichnet. Dort ist ein Gemälde von 
Van Dyck^), die Familie Pembrock darstellend. Ich nähme 
es gern mit mir, wenn ich könnte. — In Salisbury lernte 

*) Kommandeur dieses Regiments war Oberst v. Gilsa. 

*) 16 km südlich Salisbury. 

') Nach dem Verzeichnis von John Smith befand sich dieses 
Bild 1831 noch in der berühmten Sammlung zu Wilton, wo es auch 
heute noch sein wird. 



— se- 
ich einen reichen Privatmann Namens Harris kennen, 
einen Mann von gutem Geschmack, der in Italien viele 
schöne Bilder gesammelt hat, die stets meinen Neid erregen. 
Aber er ist sehr reich! — Die Engländer kommen den 
Offizieren sehr freundlich und höflich entgegen. Von weit 
her kommt man heran, die Hessen zu sehen. Alles erregt 
die Neugierde der Einwohner: Unsere Wachtparade, unser 
Gottesdienst, sogar unsere Eßnäpfe. Ich lebe mit den 
Einwohnern auf gut englisch, mache meine Besuche, finde 
aber nur wenige, mit denen ich französisch sprechen kann. 
Da muß der Dolmetscher helfen. Ein wenig englisch 
verstehe ich schon ; wenn es aber an's Sprechen geht, 
dann merkt man, wie unbeholfen man in einer Sprache 
ist, die man erst lernen soll. — Auf alle Weise bemühe 
ich mich, das gute Einvernehmen zwischen Einwohnern 
und Soldaten aufrecht zu halten und ich verbiete streng 
alle Neckereien. Da es in den Ortschaften meines Be- 
zirkes weder Mauern, noch Wälle, noch Tore gibt, habe 
ich zur Erhöhung der Sicherheit und Manneszucht kleine 
Wachen eingerichtet, deren Dienst meine Offiziere und 
Leute munter erhält ohne sie zu ermüden oder das Exer- 
zieren zu stören. — Hier sind auch einige in Amerika 
gefangen genommene französische Offiziere. Ich ver- 
meide aber ihre Gesellschaft, da das Volk es nicht gern 
hat, wenn man sich mit ihnen abgibt. — Nur selten hört 
man hier etwas von den Händeln dieser Welt. Um so 
mehr war ich erfreut, aus E. H. D. gnädigem Schreiben 
vom 12. Mai Höchstderen erfreulichen Gesundheitszustand 
zu ersehen. (Ein Brief vom 12. V. ist nicht bei den Akten.) 

No. 9. Der Landgraf an FUrstenberg. 

Kassel, 14. VI. 56. 

Ihre Berichte begrüße ich stets mit großer Freude! 
Wenn ich auch die gute Meinung, die Sie von dem dor- 
tigen schönen Geschlecht und von den übrigen Einwohnern 
hegen, auf Rechnung Ihres guten Willens setzen muß ^), 
so läßt mich doch das Lob, das Sie den Quartieren spenden, 
hoffen, daß sich Meine Truppen dort in dem Maße gut 
einleben werden, als sie sich an die Lebens- und Denk- 
weise der Engländer gewöhnen. Gute Manneszucht wird 
dazu beitragen, die gute Gesinnung der Bevölkerung zu 

*) Graf V. Isenburg hatte ungünstiger über die Quartiere be- 
richtet. 



— 87 — 

erhalten, und das kann für uns nur von Vorteil sein. 
Hoffentlich aber haben Sie bei den strengen Vorschriften, 
die Sie nach Ihrem Briefe Ihren Regimentern gegeben 
haben, nichts von dem Neid durchblicken lassen, der Sie, 
wie man zu sagen pflegt, geplagt hat bei dem Anblick 
der vielen Kostbarkeiten, die Sie dort zu sehen bekommen. 
Das Beispiel des Generals könnte doch vielleicht böse 
Folgen haben, denn ich glaube nicht, daß sich unter Ihren 
Untergebenen viele befinden, die so wie Sie der Ver- 
suchung zu widerstehen wissen. — Meine Gesundheit ist 
leider durchaus nicht so gut, wie Sie annehmen. Es ist 
nicht Fisch noch Fleisch, alle Tage anders! Ich erhoffe 
Besserung von der wärmeren Jahreszeit; bis jetzt aller- 
dings verspüre ich ihre Wirkung noch nicht. Und oben- 
drein sind nun auch bis auf den kleinen Tölpel, den 
Schröder, alle meine Kammerdiener krank und gar 
bettlägerig geworden. Sie können sich denken, wie un- 
angenehm das ist und wie es mich verhindert, aufs Land ^) 
zu gehen. Denn wer soll mich dort bedienen? Hoffentlich 
bleiben Sie immer hübsch gesund und geben mir häufig 
gute Nachricht. 

No. 10. Fürstenberg an den Landgrafen. 

Salisbury, 18. VI. 56. 

Seit Ende der vorigen Woche habe ich mit diesem 
Briefe gewartet, weil ich hoffte, daß wir das Lager be- 
ziehen würden und ich hätte so gern davon Meldung ge- 
macht! Aber immer wird es verschoben. Vorgestern 
besuchte mich der General Mordaunt, der mit einem 
englischen Korps von 6 Infanterie- und 2 Dragoner- 
Regimentern hier in der Nähe ein Lager beziehen soll. 
Er wußte nichts über unser Einrücken in das Lager. Erst 
muß die Holzfrage gelöst werden, ehe wir unter das Zelt- 
dach kommen. 

Inzwischen exerziert unsere Infanterie und auch die 
Artillerie fleißig. Die Infanterie hat zunächst in Zügen 
und Kompagnien geübt, morgen soll das Batailloqs-Exer- 
zieren beginnen. Mit den Quartieren, in denen ich die 
Leute oft besichtige, herrscht noch allgemeine Zufriedenheit, 
auch mit dem Brot, das jetzt gut, jedenfalls besser aus- 
gebacken ist, als im Anfang. — Das gute Einvernehmen 
mit den Bewohnern von Salisbury hätte neulich beinahe 
durch einige einheimische Taugenichtse eine Störung er- 

») Nach Wühelmsthal ! 



— 88 — 

litten. Ich bin aber gegen die dabei beteiligt gewesenen 
Soldaten, die gezecht hatten, gleich scharf vorgegangen 
und habe selbst an Ort und Stelle Ruhe geschaffen. Die 
Einwohner sind dann später zu mir gekommen, um ein 
gutes Wort für die verhafteten Soldaten einzulegen und 
ich habe mich ihnen dann für ihre gute Gesinnung gegen 
unsere Hessen gern erkenntlich gezeigt. — Da man mich 
auf die schlimmen Einwirkungen aufmerksam gemacht 
hat, die der häufige Wechsel der Witterung und der 
Temperatur hier namentlich auf Nicht-Einheimische ausübt, 
so habe ich angeordnet, daß die Soldaten stets angezogen 
und zugeknöpft ausgehen. In meinem Bezirk sind bisher 
nur leichte Erkrankungen aufgetreten. 

Es ist mir gelungen, einen Katalog der Statuen, 
Büsten und Bilder des Mylord Pembrock, wie auch 
einen Stich seines herrlichen Van Dyck aufzutreiben. 
Ich möchte aber diesen Brief nicht damit beschweren, 
sondern eine günstigere Gelegenheit abwarten, sie E. H. D. 
zu unterbreiten.^) 

Nicht weit von hier liegt das Schloß des Mylord 
Volston, in dem sich Gemälde berühmter italienischer 
Meister befinden. Mylord wird in einigen Tagen von 
London hierher kommen; ich werde ihn dann besuchen. 
Er soll nicht viel von Gemälden verstehen. 

Nahe bei seinem Schloß liegt ein reizendes Haus, 
und darin wohnt eine Fee, Madame Young. Sie war 
mit ihrem Gatten in Italien, in Frankreich und Deutsch- 
land; sie spricht französisch, ist jung und wunderschön, 
und ihr Gatte, der, nach den zahlreichen mathematischen 
Instrumenten und Büchern zu urteilen, ein großer Gelehrter 
sein muß, befindet sich seit achtzehn Monaten in Antigoa^) 
auf seinen Besitzungen. Madame Young erinnert in ihrem 
Wesen sehr an die Gräfin La Ley. Sie hat uns sehr 
liebenswürdig empfangen. Ihr Haus ist entzückend; in- 
wendig alles, sogar die Treppen, von Mahagony. Auf 
seinen Reisen hat Herr Young einige recht gute Bilder 
erworben. Mir gefällt besonders eine schlafende 
Venus von Tizian.^) Was gäbe ich darum, könnte ich 
die Venus und die Herrin des Hauses entführen. Das 
Bild ist 4 Fuß hoch bei 7 Fuß Breite. — 

') S. Brief No. 30. 

*) Antigoa oder Antigua, Insel in den kleinen Antillen. 

^) Tizian hat den Vorwurf der schlafenden Venus öfters behan- 
delt, jedoch ist keins der Originale nach England gekommen. Was 
Fürstenberg im Hause des Mr. Young sah, war jedenfalls eine Kopie. 



— 89 — 

Etwa zwei Meilen von Salisbury hat Lord 
Feversham ein Haus mit schönem englischen Park. 
Da meine Gedanken oft in Wilhelmsthal weilen, denke 
ich immer daran, hier etwas neues zu finden, das sich für 
die dortige Eremitage^) verwerten ließe. Ich lasse alles 
abzeichnen und werde die Skizzen meinem nächsten Briefe 
beilegen. Darf ich hierbei bemerken, daß die Engländer 
ihre Absicht, die breiten Buschpartien ihrer Parks lieblicher 
zu gestalten, dadurch zu erreichen suchen, daß sie möglichst 
viel Abwechselung hinein bringen? So pflanzen sie hier 
oft Lorbeerkirschen und andere Sorten von Sträuchern, 
besonders solche aus dem westlichen Amerika, von denen 
Herr Alt*^) oft sprach. Man sieht auch immergrüne 
Eichen, Cedern und Lärchen. Der Taxus wird hier nicht 
mehr in Pyramiden gezogen; man trifft ihn häufig, aber 
immer in Baumform. — Im allgemeinen sind die Fuß- 
wege hier etwas breiter als im Garten S. H. D. des Erb- 
prinzen ^) und zuweilen mit kurz geschnittenem Rasen be- 
deckt. — Ich will hier nicht auf die E. H. D. wohlbekannte 
Schönheit des englischen Rasens eingehen, sondern be- 
gnüge mich, eine kleine Zeichnung und die Gebrauchs- 
anweisung der Werkzeuge beizulegen, mit denen man hier 
zu Lande den Rasen scheert. Die Handhabung ist leicht; 
es geht sehr schnell damit und der Rasen wird mehr ge- 
schont als bei Anwendung der Walzen, die in E. H. D. 
Gärten verwandt werden. Die Engländer mähen auch 
zunächst das Gras kurz ab, ehe sie den Rasen scheeren. 

Ich bedauere, daß auch dieser Brief so viele Kleinig- 
keiten bringt. Aber leider stehe ich den Weltereignissen 
zu fern. Die englischen Zeitungen lese ich hauptsächlich 
wegen des Studiums der Sprache. In ihnen, wie in den 
Gesichtern der Einwohner lese ich, daß man mit den über- 
seeischen Nachrichten nicht einverstanden ist. Das wird 
sich hoffentlich bald ändern. Wenn die neue französische 
Marine erst einen ordentlichen Schlag erhalten hat, werden 
sich auch nicht mehr so viele Kaperschiffe in dem Kanal 
sehen lassen und eine französische Landung in England 
immer unwahrscheinlicher werden. 



*) Wo diese Eremitage lag, läßt sich nicht feststellen. Sie scheint 
bald wieder eingegangen zu sein, wenigstens erwähnt sie Schmincke 
(1767) in seiner Beschreibung von Wilhelmsthal nicht. 

*) Der schon erwähnte Geh. Legationsrat Alt, hessischer Ge- 
schäftsträger in London. 

•) Dieser Garten bedeckte die Gegend der jetzigen Bildergalerie 
zu Rassel und zog sich von dort den Berg hinab nach der Aue. 



— 90 — 

No. 11. Der Landgraf an Fürstenberg. 

Wilhelmsthal, 5. VII. 56. 

Ich werde die neue Art, den Rasen zu scheeren, hier 
versuchen lassen und sehe der Übersendung des Kataloges 
und des Kupferstiches gern entgegen. 

Die Schilderung der Fee, die Sie in der Nachbarschaft 
entdeckt haben und des zauberischen Ortes, in dem sie 
wohnt, läßt mich immer mehr erkennen, wie angenehm 
Sie in dieser Zeit der Ruhe Ihre Mußestunden auszufüllen 
wissen, und ich muß Sie loben, daß Sie dem hessischen 
Namen so viel Ehre machen. Nur eins macht mir Sorge, 
das ist die Lust am Entführen, die schon wieder über Sie 
gekommen ist. Ich hoffe bestimmt, Sie werden ihrer Herr 
werden, und während Sie mit größter Milde auf der Bahn 
Ihrer Eroberungen fortschreiten, sehe ich dem Bericht 
von Ihren Erfolgen mit um so größerem Vergnügen ent- 
gegen, als mein Alter und mein Befinden den Neid früherer 
Jahre völlig ausschließen. — Seit 14 Tagen bin ich in 
Wilhelmsthal, wo ich diesmal die Zimmer im Haupt- 
gebäude^) bewohne, die mir sehr gefallen. Wie gern 
hätte ich Sie hier bei mir, um mit Ihnen die Vorschläge 
zu besprechen, die Sie für einige Stellen des Parkes gemacht 
haben. — Bitte, berichten Sie bald weiter über Ihre Ent- 
deckungen. 

No. 12. Fürstenbergr au den Landgrafen. 

Sahsbury, 30. VI. 56. 

Den zu meiner Division gehörigen Truppen E. H. D. 
geht es gut. Mit Strenge habe ich auf ein gutes Ein- 
vernehmen zwischen Soldaten und Bevölkerung gehalten. 
Unsere täglichen Exerzier Übungen tragen gute Früchte. 
Bei den Gefechtsübungen unserer Artillerie und Infanterie 
haben wir stets tausende von Zuschauern, die ich möglichst 
zuvorkommend behandle. Ich habe mein in vier Ort- 
schaften zerstreut liegendes Regiment besichtigt und auf 
einem ebenen Felde zusammen gezogen, wo es einen 
ganzen Tag tüchtig im Feuer exerzieren mußte und wo 
ebenfalls viele Neugierige zuschauten, bis der Abend ein 
Ende machte. Ich werde diese Übungen öfters wiederholen. 

^) Sowohl die beiden Flügel, als auch die untersten und obersten 
Zimmer des Hauptgebäudes hat Wilhelm VIII. ausgebaut. Das erste 
Stockwerk des Schlosses aber ist erst 1767 unter Friedrich II. fertig 
geworden. 



— 91 — 

Gott sei Dank, die Kranken mehren sich nicht und es 
bleibt bei Leicht- Kranken. Das Brot ist gut, die meisten 
Soldaten haben Betten. Die Schankwirte, die in diesem 
Lande allein verpflichtet sind, Soldaten in*s Quartier zu 
nehmen, leiden zwar sehr unter der Länge und Stärke 
der Einquartierung, zumal sie Feuer, Dünnbier, Salz und 
Essig liefern müssen. Noch immer ist die Zeit, wann wir 
in's La:ger rücken, nicht fest gesetzt. Inzwischen setzen 
wir Bekleidung und Ausrüstung in Stand, daß wir uns 
im Lager sehen lassen können. Wenn der Winter vor- 
über, werden auch die Anzüge gänzlich hinüber sein. Ich 
nehme an, daß Graf v. Isenburg bereits über unsere neuen 
Gewehre rapportiert hat, die vom Meister Pistor so 
mangelhaft geliefert sind.^) Ich möchte vorschlagen, alles 
auf das beste ersetzen und ausbessern zu lassen, damit die 
Truppen jederzeit ihre Pflicht tun und sich brav schlagen 
können. Ich halte darauf, daß die Kompagnien ihre 
Handwerker-Rechnungen sofort bezahlen. Das ist durch- 
aus notwendig, wenn auch die Vorschüsse, die die Kapitäns 
leisten müssen, ihnen sehr lästig fallen. 

Ich gestehe, ich hätte ein wenig vorsichtiger sein 
und den mit mir im Quartier liegenden Offizieren nichts 
sagen sollen von meinen Plänen, aus dem Hause des 
Herrn Young das Tizianische Bild und Madame zu ent- 
führen. E. H. D. haben in dem gnädigen Briefe vom 
14. d. M. vorausgesagt, daß das Beispiel ansteckend 
wirkte. Jetzt sind wirklich diese Herren ebenso auf Bilder 
versessen wie ich, und wenn ich der Dame einen Besuch 
abstatten will, gleich wollen mich alle begleiten! 

Seit meinem letzten untertänigen Bericht bin ich ein- 
mal in Winchester, dann auch in den Gärten und Park- 
anlagen des Mylords Feversham, des Lords Folk- 
stone und des Herzogs v. Quinsborough gewesen. 
Ich gestatte mir heute die Zeichnung eines chinesischen 
Häuschens vorzulegen, das ich im Park des Herzogs sah. 
Die Zeichnung läßt erkennen, wie wenig hübsch es im 



*) An vielen der den Regimentern beim Ausrücken aus den 
hessischen Garnisonen übergebenen neuen Gewehren hatten sich in 
England geflickte Kolben und Schäfte, auch mangelhafte Schlösser und 
Ladestöcke gezeigt. Auf Grund eines vom Generalleutnant v. Diede 
eingeforderten Gutachtens ließ der Landgraf den Gewehr-Fabrikanten 
Pistor in Cassel sofort auf das Möllertor bringen. Es zeigte sich aber 
in der Folge, daß seine Schuld nicht so groß war, als anfangs ange- 
nommen werden mußte. 



— 92 — 

Vergleich zu denen ist, die sich in Wilhelmsthal ^) befinden. 
Die Häuschen stehen auf einer kleinen Anhöhe unweit 
eines Baches, der den Park von Quinsborough durchfließt 
und über den in einiger Entfernung eine hölzerne Brücke 
führt, deren Zeichnung ich ebenfalls beilege. Der chine- 
sische Geschmack soll heute in England vorherrschen. 

Am Ende des Parks von Mylord Feversham sah 
ich in einem Winkel einen Abort, ein Häuschen, dessen 
Zeichnung gleichfalls beiliegt. Diese Häuschen sind ganz 
einfach gehalten und könnten solche in Wilhelmsthal 
vielleicht unweit des Schlosses Aufstellung finden. — Ich 
überreiche ferner die Skizze von ein paar Vasen oder 
steinernen Urnen, die in dem genannten Park hier und 
dort aufgestellt sind und mir sehr gefallen haben. 

Zuweilen sieht man in den hiesigen Parks und auf 
deren freien Plätzen Statuen von Blei, die mit weißer 
Farbe gestrichen sind und vollständig wie Steinfiguren 
aussehen. Sie werden in London hergestellt und sollen 
von großer Haltbarkeit sein. Ich sah Gruppen von drei 
und vier Figuren von mehr als natürlicher Größe und 
nach florentinischen Mustern, auch solche in Lebensgröße, 
die Gärtnerinnen, Landleute, die Jahreszeiten u. s. w. dar- 
stellten, alles in vorzüglicher Ausführung. 

Ferner bemerkte ich in den Häusern Decken Ver- 
zierungen, die man für Stuck hält, während sie in Wirk- 
lichkeit von gepreßtem Papier hergestellt sind. Die Muster 
sind leicht und gefällig. Man bekommt sie in London in 
allen Größen, je nach der Ausdehnung der Zimmer, in 
denen man sie anbringen will. Sie sollen sehr dauerhaft 
sein und man kann jedes gewünschte Muster bekommen. 
Ich sah einen Salon mit kuppeiförmiger Decke, dessen 
Wände wunderbar hellblau gemalt und mit weißen Ver- 
zierungen aus solchem Papierstoff versehen waren, was 
mir sehr gefallen hat. 

No. 13. Der Landgraf au Fürstenberg. 

Wilhelmsthal, 21. VII. 56. 

Ihren Bericht vom 30. Juni habe ich erst am Montag, 
d. 18. d. M. erhalten. Mit Befriedigung vernahm ich, dgiß 
in Ihren Quartieren alles ruhig gewesen und ich schreibe 



^) Nach Schmincke's Beschreibung von Wilhelmsthal befanden 
sich zwei chinesische Häuschen neben einem Teich hinter der" Grotte. 
Sie waren überaus künstlich und kostbar gebaut. 



— 93 — 

dieses Ihrer Sorgfalt zu. Es ist begreiflich, daß die Schank- 
wirte anfangen, der vielen Lasten müde zu werden, die 
ihnen die lange Einquartierung bringt und besonders aus 
diesem Grunde freue ich mich, daß die Regimenter nun 
endlich anfangen, das Lager zu beziehen. *) Die Unzuträg- 
lichkeiten sind dadurch für jetzt gehoben. Wie aber wird 
es später in den Winterquartieren werden, wenn das Korps 
in England bleiben muß? Das wird uns noch viele Sorge 
bereiten ! 

Die Zeichnungen, die Ihrem Briefe beilagen, haben 
mir sehr gefallen und ich danke Ihnen für die Aufmerk- 
samkeit, die Sie allem entgegen tragen, was meinem Ge- 
schmack entspricht. Dem Plane wegen des chinesischen 
Häuschen bin ich noch nicht näher getreten. Da ich aber 
in einigen abgelegenen Ecken noch solche geheimen Ört- 
chen errichten muß, werde ich in den Zeichnungen das- 
jenige aussuchen, was mir am besten gefällt. Das Häus- 
chen in dem Park des Herzogs v. Quinsborou^'h 
muß nach meiner Meinung ganz gut aussehen. — Mit den 
weiß angestrichenen Blei-Statuen, von denen Sie schreiben, 
möchte ich wohl einmal einen Versuch machen. Suchen 
Sie mir doch ein paar Kinderfiguren zu verschaffen, und 
wenn sie, wie ich annehme, in London gefertigt werden,, 
so schreiben Sie an den Geh. Rat Alt, daß er mir welche 
kauft und an mich abschickt. ^) Mit den Decken Verzierungen 
aus Papierstoff kann ich mich noch nicht einverstanden 
erklären ; allerdings muß man so etwas erst selbst gesehen 
haben, ehe man darüber urteilen kann. 

No. 14. Ffirstenberg an den Landgrafen. 

Winchester, 22. VII. 56. 

Am 13. Juli habe ich Sulisbury verlassen und bin 
mit meiner Division hierher in's Lager marschiert. Wir 
sind vollzählig und in guter Verfassung hier angekommen,. 
abgesehen von einigen teils krepierten, teils lahmen Ar- 
tilleriepferden. Unsere sämtlichen Pferde leiden immer 
noch schwer an den Folgen der Seefahrt. — Es gibt hier 
viel zu tun. Schon um vier oder fünf Uhr bin ich zu 
Pferde, aber ich bin noch nicht aus dem Lager herausge- 



*) Die Meldung von dem Einrücken der hessischen Truppen in 
das Sommerlager war dem Landgrafen durch den Grafen von Isen- 
burg zugegangen. 

.«) S. Brief No. 30. 



- 94 — 

kommen. Die Zahl der Kranken des ganzen Korps ist 
nicht groß, man sorgt für sie auf's beste, ebenso für die 
Beschaffung der Lebensmittel für das Korps. Ich selbst 
kann ja dabei nur wenig tun und sage mir: cedo majori. 
Die Truppen E. H. D. exerzieren täglich. — Das Lager 
ist gut ausgesucht und bequem und die Regimenter liegen 
sehr geräumig. — Nun werde ich daran gehen, etwas 
weitere Ritte zu machen, um die Wege kennen zu lernen. 
Es wäre das noch nicht so notwendig, weil man ra. W. 
noch keinen Verteidigungsplan aufgestellt hat. Und das 
scheint dafür zu sprechen, daß wir noch nicht daran zu 
denken brauchen, die Franzosen hier zu sehen. — Man 
spricht hier viel von der Einnahme des Fort St. Philipp 
auf der Insel Minorka und von der Untätigkeit der eng- 
lischen Flotte, von der Verwendung der französischen 
Armee und der seiner Verbündeten, besonders auch von 
den Bewegungen der Armee des Königs v. Preußen. 
Man spricht von diesen Dingen, wie man im Lager zu 
reden pflegt: mit viel Behagen, aber mit wenig Verstand. — 

Die Umgebung von Winchester ist nicht so anmutig 
als die von Salisbury. Mich däucht, dort war alles von 
der lieblichen Fee verzaubert, die ganze Umgegend durch 
ihre Anwesenheit verschönt. Sie hat mir feierlich gelobt, 
unser Lager zu besuchen. Könnte sie sich doch ent- 
schließen, hierher zu ziehen ! Denn mit den Gesellschaften 
dieser Stadt, in die mich Graf Isenburg sehr liebenswürdig 
eingeführt hat, kann ich mich noch nicht befreunden. 

Mit der gütigen Erlaubnis E. H. D. gestatte ich mir, 
in dem Bericht über die Örtlichkeiten, die ich hier zu 
sehen bekomme, fortzufahren. Hundertmal täglich bin ich 
in Gedanken in Wilhelmsthal und sehe, wie E. H. D. 
sich erfreuen an dem mit so viel Sorgfalt und Geschmack 
geschaffenen Paradies. Gern möchte ich beitragen zu 
der weitern Ausgestaltung der dortigen Herrlichkeiten. 

In allen gärtnerischen Anlagen, die ich in diesem 
Lande gesehen habe, ist mir das Bestreben aufgefallen, 
reiche Abwechselung zu schaffen und die Ränder der 
großen Buschpartien, durch welche die Fußwege hindurch- 
führen, recht dicht zu machen. Da sieht man die ver- 
schiedensten Arten von niedrigen Bäumen : Lorbeerkirschen, 
Taxus, Knieholz, wilden Jasmin, Rosen, Geisblatt, niedrige 
Lärchen, sogar Dornbüsche, kurz alles, was man nur finden 
konnte. Auf die Wege hat man Gras gesät. Man mäht 
das Gras häufig und dicht am Boden und walzt es dann; 



— 95 — 

das gibt den feinsten Rasen. Auch jätet man das Un- 
kraut häufig heraus. Doch ist man davon abgekommen, 
die Schafe dort weiden zu lassen. — Ich nehme mir die 
Freiheit, eine kleine Zeichnung ^) von einem Teil des Parks 
von Mylord Folckston beizulegen (No. L). Das Ge- 
lände ist hier uneben und seine Gestaltung eine ganz 
andere wie bei der Eremitage von Wilhelmsthal. 
Aber dennoch könnte man einiges von hier nach dort 
übertragen. Hier gibt es schmale Fußwege, die sich 
durch solches dichtes und gemischtes Gebüsch, wie eben 
beschrieben, hindurchwinden. Daneben aber auch breite 
Wege, die am Gatter entlang führen und teilweise fest 
genug sind, um darauf fahren zu können. Auch diese 
Fahrwege sind mit kurzem Rasen bewachsen. Zu beiden 
Seiten, ungefähr noch 2 Schritt von dem Buschwerk ent- 
fernt, stehen einzelne Bäumchen, abwechselnd Buchen, 
Tannen und Lärchen, wie es grade kommt. Sie scheinen 
von selbst dort gewachsen zu sein und sollen die Pyra- 
miden ersetzen. Sie sind fünf bis sechs Fuß hoch, in ihren 
Formen durchaus unregelmäßig und natürlich, aber sie 
stehen in gleichem Abstände. Das Gatter des Parkes ist 
an der Südseite, des Schattens wegen, mit einer Reihe 
von großblätterigen, ungefähr zehn bis zwölf Fuß hohen 
Ahombäumen besetzt, deren Zweige bis auf die Erde hin- 
unter gehen. Ich meine, solche Bäume könnten zweck- 
mäßig an dem nach dem Brand-Teich^) gelegenen 
Saume der Eremitage gepflanzt werden. 

In England sieht man sowohl in den Parks wie auch 
auf den Feldern kreisförmige Gruppen von Bäumen, deren 
Form Skizze II veranschaulicht. Sie stehen auf größeren 
Entfernungen von einander und machen einen wohltuenden 
Eindruck. Hier stehen einige dreißig Bäume zusammen, 
dort kaum die Hälfte; bald stehen sie auf den Höhen, 
dann wieder auf den Abhängen. Man findet unter ihnen 
hochstämmige und Hage-Buchen, dann wieder Eichen oder 
Tannen, je nach dem Boden. Ehe sie sich entwickelt 
haben, umgibt man diese Anlagen mit einem Holzzaun, 
der oft, wie die Gartenstühle, weiß angestrichen ist. Diese 
Baumgruppen beengen die Triften nicht und schaden auch 
dem Graswuchs nichts. Wenn die Bäume erst Schatten 
werfen, erfreuen sie das Auge. Vielleicht würde sich auch 
der Brand^) bei Wilhelmsthal zur Anpflanzung 
solcher Baumgruppen eignen. 



Siel 



Siehe die Anmerkung zum Briefe No. 17. 

"•) Brand-Teich und Brand östlich von Wilhelmsthal. 



— 96 — 

No. 15. Der Landgraf an Fürstenberg. 

Kassel, 9. VIII. 56. 

Ich glaube wohl, daß die in gleichen Abständen an 
die Parkwege gepflanzten Bäumchen recht gut aussehen, 
möchte aber doch auch behaupten, daß sie nicht natürlich 
genug erscheinen und besonders für eine Eremitage sich 
nicht gut eignen, für die ich mehr das Einfache und 
Natürliche in den Anpflanzungen vorziehe. — Die auf 
den Feldern und Triften stehenden Baumgruppen mögen 
wohl dem Mangel an natürlicher Bewachsung abhelfen, 
doch glaube ich, daß sie in der Nachbarschaft dichter 
Wälder, wie sie z. B. Wilhelmsthal umgeben, über- 
flüssig sind. — Um mich Ihren dortigen Freunden er- 
kenntlich zu zeigen, werde ich Ihnen die Zeichnung einer 
neuen Einrichtung übersenden, die ich am Rande des 
Wasserbeckens anbringen lasse, das den Wasserfall 
speist, der dem Hauptgebäude in Wilhelmsthal gegen- 
überliegt.*) Die Ränder werden hundert Fuß breit; sie 
werden mit rings herumführenden Wegen versehen und 
mit Sträuchern bepflanzt. Hoff"entlich gefällt Ihnen dieser 
Gedanke ebenso wie den dortigen Gartenkünstlern. — Heute 
schreibe ich an den Prinzen v. Nassau-Weilburg, 
der mich um die Erlaubnis gebeten hat, sich einige Zeit 
bei meinen Truppen im Lager von Winchester aufzuhalten. 
Ich darf wohl darauf rechnen, daß Sie mit helfen werden, 
dem Prinzen den Aufenthalt dort recht angenehm zu 
machen. 

No. 16. Fttrstenbergr an den Landgrafen. 

Winchester, 10. VIII. 56. 

Vergeblich hofften wir bis jetzt, daß der König 
oder der Herzog von Cumberland^) zu unserer Be- 
sichtigung hierher kommen würde. Inzwischen wird weiter 
exerziert. Trotz der vielen Neu-Eingestellten führen die 
Regimenter die Bewegungen schon mit großer Sicherheit 

') Die Anlagen waren beim Tode Wilhelm VIII. noch nicht zu 
Stande gekommen, auch 1767 noch nicht fertig. Sie sind später ver- 
worfen worden. 

*) Herzog Wilhelm von Cumberland war der zweite Sohn des 
Königs Georg II. von England. Im Frühjahr 1757 wurde ihm der 
Oberbefehl über die in Westfalen aufgestellte Observations-Armee an- 
vertraut. Nach der für ihn unglücklichen Schlacht bei Hastenbeck 
(26. VII. 57) zog er sich nach der unteren Elbe zurück und schloß 
am 8. IX. die verhängnisvolle Konvention von Kloster-Zeven. 



— 97 — 

aus; wir werden uns auf sie verlassen können. Hoffent- 
lich bewilligt man uns genug Pulver, daß wir wöchent- 
lich wenigstens einmal im Feuer exerzieren können, damit 
die Leute auch im Laden gewandt werden. Unsere Sol- 
daten sind durchweg gutwillig. Ich überzeuge mich häufig 
an den Kochlöchern von der Verpflegung. Täglich kommen 
fremde Zuschauer in großer Zahl in das Lager, vielfach 
auch die früheren Quartierwirte unserer Leute. Trotz des 
unebenen Geländes ist das Lager gut ausgerichtet und stets 
von der größten Sauberkeit. Der Alarmplatz, die Gewehr- 
pyramiden, die Offizierzelte — alles ist reinlich und schmuck 
und die Manneszucht ist so gut, daß von den Korn- und 
Frucht Vorräten, die sich dicht beim Lager befinden, noch 
nicht das Geringste entwendet worden ist. Das gefällt 
den Engländern! 

Graf V. Isenburg läßt in Winchester wöchentlich ein- 
mal zwanzig unserer besten Hoboisten öffentlich Musik 
machen. Den Einwohnern scheinen besonders die Jäger- 
stückchen zu gefallen. Die Zuhörer mehren sich bei jedem 
Konzert und später folgt immer ein Ball. — Unser erlauch- 
ter Volontär, der Prinz von Nassau-Weilburg, ver- 
steht vom Kriegshandwerk mehr als die meisten Prinzen 
seines Alters. Er lebt sehr einfach, ist ernst und liebens- 
würdig. 

Wie sonderbar fängt doch dieser Krieg an! Wir 
erfahren hier recht wenig, aber die Kriegspläne scheinen 
mir recht verworren zu sein. Die Engländer beschäftigen sich 
fast nur mit ihrem Admiral Byng^) und mit ihren 
verschiedenen Parteien. In London wird viel aufgehetzt 
gegen den Herzog von Newcastle^) und den Ad- 
miral Anson. ^) — Sollten die Truppen E. H. D. den 

^) John Byng, englischer Admiral, war 1756 mit einer Flotte ab- 
geschickt, die Insel Minorka, auf der die Franzosen mit bedeutender 
Macht gelandet waren und das Fort St. Philipp belagerten, zu be- 
freien. Da er sich hier aus einem Treffen mit der französischen Flotte 
ohne Not zurückzog und den ihm erteilten Auftrag unvollzogen ließ, 
wurde er nach seiner Rückkehr vor ein Kriegsgericht gestellt, zum 
Tode verurteilt und am 14. März 1757 erschossen. (S. Brief No. Ö7.) 

*) Herzog Thomas von Newcastle, erster Schatzlord, suchte nach 
dem Tode seines jüngeren Bruders, Henry Pelham, 175i! leitender 
Minister zu werden, mußte aber infolge seiner Unfähigkeit und An- 
maßung, nach vergebUchen Versuchen, ein haltbares Ministerium zu 
bilden, 1756 zurücktreten. — Im folgenden Jahre erhielt er sein Amt 
zurück. Neben ihm übernahm Pitt das Auswärtige und die eigent- 
liche Leitung des Ministeriums. 

•) George Lord Anson von Soberton, englischer Admiral und 
erster I^ord der Admiralität. 

N. F. BD. XXX. 7 



nächsten Winter hier verleben, so müßten sie ohne Zweifel 
anders einquartiert werden als vor dem Beziehen dieses 
Lagers. Die Gastwirte würden sonst wieder fürchterlich 
unter der Einquartierung leiden und das würde schlimme 
Folgen für die Einquartierten haben. Wir müssten uns 
darauf gefaßt machen, daß unsere Leute und die Wirte 
sich gegenseitig tot prügelten. In Salesbury habe ich 
hierüber viel mit erfahrenen Engländern gesprochen. Wir 
waren der Ansicht: 1) die Einquartierung müßte in die 
bisher davon noch nicht berührten Ortschaften gelegt 
werden; 2) sie müßte auf eine größere Zahl von Ort- 
schaften, als früher geschehen, verteilt werden ; 3) auch die 
Schankwirte der von Einquartierung verschont bleibenden, 
entfernt gelegenen Gegenden müßten zu den Kosten der 
Einquartierung mit herangezogen werden, um diejenigen 
zu entlasten, die Quartiere und Natural Verpflegung wirk- 
lich hergeben müssen. — Das alles müßte durch Parla- 
mentsbeschluß geregelt werden, und ich zweifele nicht, 
daß die gesetzgebenden Körperschaften die Notwendigkeit 
und Zweckmäßigkeit derartiger Maßregeln einsehen würden. 
Die andern Bürger können nicht mit herangezogen werden ; 
alles ruht ja hier auf den Schankwirten. Aber wenn alle 
in dieser Gegend wohnenden Wirte mit herangezogen 
werden, wird es dem einzelnen leichter, die Last zu tragen. 

Seitdem ich in Winchester bin, habe ich die lieb- 
reizende Fee von Salisbury nicht wieder gesehen. Ich 
hatte sie gebeten, sich doch einmal das Lager anzu- 
sehen. Aber sie ließ mir sagen, sie würde kommen, wenn 
ihr Gatte wieder zurückgekehrt sei, der sich sehr freuen 
würde, die hessischen Truppen kennen zu lernen. 

Die Umgegend von Winchester enthält nichts Be- 
merkenswertes. Wo man in den Feldern und an den Wegen 
junge Bäumchen findet, sieht man die Stämme von einem 
leichten Geflecht umgeben, meist fünf Fuß hoch bei vier 
Fuß Durchmesser. Man will sie dadurch vor Vieh und 
Wild schützen. Da die Ruten, aus denen dieses Flecht- 
werk besteht, sehr schwach sind und alle Arten dünner 
Zweige dazu verwendet werden können, so glaube ich, 
daß es sehr nützlich wäre, wenn man die neuen Anpflan- 
zungen in der Umgegend von Wilhelms thal und in 
dessen Wäldern auch mit solchem Schutz versehen würde. 
[Fürstenherg fügt diesem Briefe einige Zeichnungen und Er- 
klärungen von Windschirmen mit Ruhesitzen bei, deren 
versuchsweise Aufstellung in der Eremitage oder im 



— 99 — 

Kellerholz ^) von Wilhelmsthal er empfiehlt] Im 
Garten des General Mordaunt^), der früher Mylord 
Petersborough gehörte, gibt es eine große Zahl von 
Statuen, meist von weißem Marmor. Früher ganz wunder- 
voll, sind sie jetzt durch den Einfluß der Witterung zer- 
stört, weil man ihnen im Winter nichts übergezogen hat 
(faute d'y avoir mis des robes de chambre pendant Thiver.) 
— Heute morgen habe ich an den Geh. Rat Alt ge- 
schrieben, daß er ein paar solcher Figuren zur Übersendung 
nach Kassel ankaufe, wie ich sie in meinem neulichen Be- 
richt beschrieben habe. Ich lasse ihn in die Kiste ein 
Stück Deckenverzierung von gepresstem Papierstoff mit 
einlegen. Diese Erfindung erscheint mir doch sehr wich- 
tig. Sie gestattet, ein Zimmer schnell fertig zu machen 
und die ganze Verzierung in einigen Tagen zu vollenden. 
Und dann möchte man darauf schwören, es sei die voU- 
endeste Stuckarbeit. 

No. 17. Der Laudgraf an Fttrstenberg« 

Kassel, 26. VIII. 56. 

Ich teile Ihre Befürchtungen wegen der großen Un- 
annehmlichkeiten, die entstehen werden, wenn die Winter- 
quartiere nicht sehr weitläufig angelegt und die Quartier- 
wirte nicht auf jede Weise unterstützt werden. In meine 
Anweisungen an General v. Diede und Geh. Le- 
gations-Rat Alt zur Lösung verschiedener in London 
noch schwebender Fragen habe ich auch die der Winter- 
quartiere mit aufnehmen lassen für den Fall, daß meine 
Truppen noch länger in England bleiben müssen. — Nun 
noch besten Dank für die kleinen Zeichnungen, die Sie 
mir wieder geschickt haben und die ich sorgfältig auf- 
heben Ictsse, um diejenigen, die mir gefallen, verwenden 
zu können.^) 

Ich erwarte die beiden Probe-Statuen, die A 1 1 kaufen 
soll, und ebenso das Stück Deckenverzierung. — Die von 
Ihnen beschriebene Schutzhecke, mit der man dort die 
jungen Bäume umgibt, schützt gewiß recht gut gegen 
Vieh und Wild. Aber bei der großen Zahl solcher jungen 

*) Das Kellerholz (Tiergarten) liegt zwischen Wilhelmsthal und 
JFürstenwald. 

«) S. Brief No. 10. 

•) Diese kleinen Zeichnungen scheinen mit der Zeit verloren 
gegangen zu sein. Sie befinden sich — mit Ausnahme einer einzigen 
Skizze — nicht bei den Akten, auch nicht in der Schloßbibliothek zu 
Wilhelmshöhe, noch in der Landesbibliothek zu Kassel. 

7* 



— 100 — 

Bäume in unseren Wäldern würde es eine nicht zu be- 
wältigende Arbeit sein, wollte man diesen Schutz überall 
anbringen. 

No. 18. Fürstenberg an den Landgrafen« 

Winchester, 29. VIII. 56 (Sonntag). 

Die Übungen halten mich im Lager fest und nur des 
Nachmittags finde ich Gelegenheit zu Pferde die Umgegend 
zu durchstreifen, zuweilen in Begleitung des Prinzen 
von Nassau, der dabei gern die Gegend mit militärischen 
Augen betrachtet, ihre Wegsamkeit prüft und wie man 
hier fouragieren oder sich verteidigen könnte. 

Man hatte mir von einem Landhause erzählt, das 
sechs Meilen von hier liegen und sehr sehenswert sein 
sollte. Dorthin begab ich mich und erfuhr, daß das Haus 
von Eduard III. erbaut ist und daß Heinrich VII. dort 
seine Hochzeit gefeiert hat. Aber das macht das alte 
gotische Haus nicht schöner, das von einem halben Dutzend 
älterer lediger Damen bewohnt wird. Der Park stand 
weit unter dem Durchschnitt gewöhnlicher Gärten. Im 
Haus fiel mir nur ein alter Ofenschirm und einige Truhen 
mit alter Malerei auf, Erbstücke irgend eines reichen Ahnen. 
Ich forschte, ob sich die Dämchen wohl davon trennen 
würden : sie wollten sich's überlegen ! — Vor einigen Tagen 
war ich bei Mylord Portsmouth, 15 Meilen von hier, 
einem der liebenswürdigsten Engländer, die ich kennen 
gelernt habe. Ich sah bei ihm vortreffliche Bilder, vor 
allem einen herrlichen Lucajordano^): Diana steigt 
auf einer Wolke zu dem schlafenden Endymion herab. 
Mylord erzählte mir, daß er den Maler Carlo Maratti^ 
auf seinen Reisen kennen gelernt und daß dieser Maler 
ihm geraten habe, das eben genannte Bild zu kaufen, 
das sehr groß und figurenreich ist und mir von allen 
Werken des Meisters am besten gefallen hat. Mylord 
hatte noch mehr Bilder italienischer Meister, aber keins 
dieser großen Gemälde könnte mich zum Ankauf reizen. 
Doch ein anderes erregte meinen Neid: eine Kreide- 
zeichnung von RaphaeP), sechs Fuß hoch und vier Fuß 
breit mit fünfzehn Figuren: Die Religion bringt die Ab- 
götterei in Verwirrung, indem sie ihr die Wunder des 

*) Luca Giordano, gen. Fapresto, italienischer Maler, 1682 — 1705. 
*) Carlo Maratti oder Maratta, italienischer Maler, 1625—1713. 
^) Diese Kreidezeichnung Raphaels ist in den bekannten Ver- 
zeichnissen seiner Werke nicht aufgeführt. 



— 101 — 

Altars enthüllt^ Haltung und Ausdruck jeder einzelnen 
Figur ist wunderbar; man wird nicht müde, das Bild zu 
betrachten. Mylord sagte mir beiläufig, einer seiner Lands- 
leute habe ihm bereits achthundert Guineen für diese 
Zeichnung geboten. 

Es regnete an jenem Tage in Strömen, so daß ich 
nur einmal durch den Garten hindurchgehen konnte. Den 
Besuch des Parkes muß ich auf später verschieben. 
Mylord Portsmouth ist ein bejahrter Herr und ziemlich 
beleibt. So oft er kann, geht er im Garten spazieren; er 
liebt das Obst und überall hat er Spaliere und Obstbäume. 
Aber in diesem Jahre sind sie, wie überall in England, 
ohne Früchte. Mylord gab uns Melonen, die aber bei 
weitem nicht an diejenigen heranreichten, die in E. H. D. 
Gärten wachsen. Dagegen hatte er Ananasfrüchte, von 
denen einzelne wie Citronen und andere wie Orangen 
dufteten und deren Pflanzen er unmittelbar aus Amerika 
bezogen hat. — Ich lernte auch Mylord's Schwester kennen, 
Milady Herbert, die mit der Frau Prinzessin von 
Oranien in Kassel gewesen ist. Den mir von E. H. D. 
gnädigst in Aussicht gestellten Plan des großen Wasser- 
beckens von Wilhelmsthal werde ich Mylord Ports- 
mouth vorlegen, der viel Geschmack zu haben scheint. 
Aber erst will ich seinen Park durchforschen, der sechs 
Meilen im Umfang hat. — Da uns der Regen an jenem 
Tage an das Haus fesselte, so blieben wir meist im 
Empfangssaal (Salle de compagnie). Eine Art Gallerie von 
ansehnlicher Länge und Breite liegt dieser Raum an der 
kühlsten Seite des Hauses. Er ist als Bibliothek möbliert. 
An der einen Längsseite befinden sich zwei Kamine, 
zwischen den Fenstern stehen einige Marmortische und 
hier und dort Marmorbüsten und kleine Bronce-Statuen. 
An Stelle der Stühle hat man dort Bänke in der Form 
kleiner Sofas, die mit einem zitronengelben englischen 
Stoff bekleidet sind, den ich nach seinem Glänze für den 
feinsten italienischen Damast hielt, der aber ein einfacher 
Möbelstoff aus Seide und Baumwolle, sehr dauerhaft und 
preiswert ist. — Der Garten hat den Vorteil, daß ein 
zienilich breiter Bach hindurchfließt, der auf 200 Schritt 
vom Hause einen Wasserfall speist, der aus Duckstein ^) 



*) Fürstenberg wendet hier den auch heute noch hier und dort 
gebräuchlichen Ausdruck „Duckstein" für „Tuffstein" an. Unter Duck- 
stein oder Duchstein verstand man zu jener Zeit übrigens auch ein 
beliebtes Weißbier, das in Königslutter (Braunschweig) gebraut wurde. 



— 102 — 

aufgebaut ist. Dort fand ich bemerkenswert, daß die 
steinerne schräge Bahn, von der das Wasser herabstürzt, 
kleine Unebenheiten trägt, eine dicht neben der anderen 
und höchstens 2 Zoll hoch, wodurch das Wasser beim 
Darüberlaufen bewegter und lebhafter aussieht. Über dem 
Wasserfall steigt das Gelände ziemlich hoch hinauf; auf 
dem höchsten Punkt hat man einen Triumphbogen, auch 
aus Duckstein aufgeführt, durch dessen hohen Bogen man 
von unten hindurchsehen kann. Es liegt im Geschmack 
der Engländer, solche Bögen mit einer Reiterfigur aus 
Stein zu krönen, einem Marc Aurel, o. a. 

Ich habe auch Mylord Temple, den Erben des 
Herrn Cobham und Besitzer des berühmten Hauses 
Stow kennen gelernt, der mich für den Oktober sehr 
freundlich dorthin eingeladen hat. Er war acht Tage hier 
mit seiner Gattin und mit Milady Barkley, einer jungen 
reizenden Witwe, Ehrendame bei der Prinzessin von 
Wales; außerdem mit zwei hübschen Damen und einigen 
jungen Herrn, lauter Bekannten des Prinzen von Weil- 
burg, der es sich angelegen sein ließ, ihnen den Aufent- 
halt in Winchester so angenehm als möglich zu machen. 
Ebenso wenig ließ es der Graf von Isenburg an Auf- 
merksamkeit fehlen, so daß diese Herrschaften schließlich 
das hessische Lager sehr befriedigt verlassen haben. Sie 
waren vom Morgen bis zum Abend draußen ; die Soldaten 
haben Opern und Komödien aufgeführt, einen Angriff 
gezeigt und verschiedene lustige Spiele. Die Damen und 
Herren haben ihre Suppe gekostet. Die Lustigkeit der 
Leute schien ihnen viel Spaß zu machen; überall gab es 
Musik und natürlich auch Tanz. — 

Mit diesen Gästen des Prinzen von Nassau machte 
ich eine Wagenfahrt nach Portsmouth'), wobei wir im 
Hafen zwei Kriegsschiffe besuchten und dann eine sechs- 
stündige Seefahrt nach Southampton machten. Die ganze 
Reise dauerte nur 24 Stunden. Man jagt wie toll bei 
solchen englischen Vergnügungsfahrten. — Es war auch 
eine Miß Beugst bei der Partie, die, wie ich gestehen 
muß, mich beinahe die Fee hätte vergessen lassen. — 

Immer noch hoffen wir des Besuchs und der Be- 
sichtigung des Herrn Herzogs von Cumberland teil- 
haftig zu werden. Aber Herr Alt schreibt nichts von 
dessen Kommen. Der gesamte Hof scheint durch die 



*) Südöstlich von Southampton. 



— 103 — 

verschiedenen Parteien und durch die Politik in London 
festgehalten zu werden. 

In den letzten zwei Wochen war es stets kalt und 
regnerisch. Es gab einige glücklicherweise ungefährliche 
Fälle von Durchfall. Wir können sehr froh sein, daß es 
in diesem Jahr hier kein Obst gibt. 

Herr v. D i e d e wird nächsten Mittwoch (1. September), 
dem Befehl E. H. D. zufolge, nach London und von dort 
nachBath^) reisen. Es geht ihm heute ziemlich gut ; wir 
wünschen ihm alle aufrichtig baldige Wiederherstellung. 

Um in der Übung zu bleiben, fahre ich heute früh 
mit dem Prinzen von Nassau nach Blandford^) in 
das englische Lager zum Besuch beim General Mordaunt 
und beim Herzog von Richmond. Dienstag Abend 
werden wir wieder zurück sein. 

No. 19. Der Landgrraf an Fttrsteuberg« 

Wühelmsthal, 16. IX. 56. 
Ihr letzter Brief, den ich am Freitag (11. IX.) erhielt, 
war vom 29. August. Sein Inhalt war so anschaulich, 
daß ich mich in das Haus und in den Garten Mylords 
Portsmouth versetzt glaubte. Aber die Feen kehren 
immer wieder in Ihren Berichten und sie scheinen doch 
mehr Eindruck auf Sie wie auf mich zu machen, zumal 
Sie als verschwiegener Mann ihr Äußeres immer nur zart 

andeuten. Ich bin eifrig mit dem Plan der Anlagen 

beschäftigt, mit denen der große Teich umgeben werden 
soll, der den Wasserfall hinter dem Schloß in Wilhelms- 
thal speisen wird. Sobald ich darüber im Klaren bin, 
werde ich Ihnen den Plan schicken. — Ich will noch 
länger hier draußen bleiben, um die Arbeiten noch zu 
Ende zu führen, mit denen ich tüchtig vorwärts gekommen 
bin. Das Wetter war bisher prachtvoll. Aber wie lange 
wird es dauern, dann kommt die rauhe Jahreszeit, die mich 
nötigt, nach Kassel in meine Zimmer mich zurückzuziehen, 
in denen ich mich auf trübe Zeiten gefaßt machen muß. — 
Nachschrift. Da ich den Stoff der Sofa -Bezüge gern 
kennen lernen möchte, den Sie bei Mylord Ports- 
mouth gesehen haben, so bitte ich Sie, mir einige Proben 

*) Generalleutnant v. Diede litt schon lange an Gicht und hatte 
auch in England mehrere Gichtanfälle, weshalb ihm der Landgraf Ur- 
laub zum Gebrauch der Bäder in Bath gewährte. Da sich die diplo- 
matische Mission v. Diede's in London aber in die Länge zog, konnte 
er nicht nach Bath gehen. 

■) Blandford, ca. 60 km südwestlich von Winchester. 



— 104 — 

von schöner Farbe zu übersenden, oder durch Alt schicken 
zu lassen. Vielleicht kann ich den Stoff irgendwo ver- 
wenden. — Sie wollen bei dem Wasserfall in dem Garten 
Mylords bemerkt haben, daß das Wasser infolge der auf 
der Bahn angebrachten Vorstände lebhafter aussah. Das 
kann möglich sein. Aber wird das Wasserspiel dadurch 
nicht beeinträchtigt? Seine Schönheit liegt ja doch eben 
in der Gleichmäßigkeit und Ruhe des Falles und das kann 
doch m. E. nicht erreicht werden, wenn die Bahn künstlich 
gestört wird! 

No. 20. Fürstenberg an den Landgrrafen« 

Winchester, 16. IX. 56. 
Die vortreffliche Haltung unserer Leute ist fortgesetzt 
der Gegenstand des Lobes seitens des Hofes und der 
Bevölkerung. Hier und da kommt es allerdings vor, daß 
einer wegläuft. Dann sitzt ihm aber gleich das Kriegs- 
gericht im Nacken! — Seitdem sich der König von 
Preußen in Marsch gesetzt hat '), scheint ein entscheidender 
Schlag nicht mehr fern zu sein. Viele Engländer be- 
haupten, daß es durchaus nicht in dem Bereich der Un- 
möglichkeit liege, daß Frankreich nur auf eine günstige 
Gelegenheit warte, um den entscheidenden Schlag in England 
selbst zu tun. Die Aushebung von fünfzehn neuen eng- 
lischen Bataillonen geschieht, wie man sagt, deshalb, damit 
England nicht ohne Verteidiger ist, wenn die Umstände es 
erfordern, daß gemäß dem Traktat die Truppen E. H. D. 
und die Hannoveraner nach Deutschland zurückgesandt 
werden müßten. Die Engländer haben große Schwierig- 
keit bei der Aushebung. Sie machen sich darauf gefaßt, 
daß es mindestens 6—8 Monate dauern wird, bis sie 
5 — 6000 Mann zusammen haben, die dann erst noch aus- 
gebildet werden müßten. Man läßt schon jetzt" den Wunsch 
durchblicken, daß die Hessen doch hier bleiben möchten. 
Ja, einige englische Offiziere meinten, es sollten doch einige 
hessische Bataillone mit ihnen nach der Insel Minorka 
gehen. Jedenfalls glaubt man hier, daß wir während des 
Winters in England bleiben. Aber bei den jetzigen zer- 
fahrenen Zuständen wird für unsere Unterbringung in 
Winterquartieren, die doch vom Parlament ausgehen müßte, 
gewiß nichts vorbereitet werden. Ein Wechsel im Mini- 

^) König Friedrich II. von Preußen war im August überraschend 
in Sachsen eingefallen. Am 10. September hatte er die Sachsen bei 
Pirna eingeschlossen. 



— 105 — 

sterium scheint ja nun endlich bevorzustehen. — Der König 
ist im allgemeinen beliebt beim Volk. Aber das schließt 
nicht aus, daß auch das Volk viel redet über die Gegen- 
sätze in der königlichen Familie und über die Führung 
der Staatsgeschäfte im Inlande und in den Kolonien. 

Von der Politik kehre ich in das Lager zurück, das 
nun der Prinz von Nassau-Weilburg zu unserm großen 
Bedauern wieder verlassen hat. Briefe aus Holland scheinen 
seine Abreise beschleunigt zn haben. Auf E. H. D. 
gnädigsten Befehl, aber auch aus wahrhaftiger Zuneigung 
habe ich viel mit dem Prinzen verkehrt und ihn sehr lieb 
gewonnen. In Blandford^) empfing ihn der General Mor- 
daunt mit großer Auszeichnung ; er stellte ihm sogar eine 
ganze Kompagnie mit der Fahne als Ehrenwache, die der 
Prinz jedoch höflich ablehnte. Am nächsten Morgen war 
das ganze englische Lager in Bewegung. Die Regimenter 
kamen später in zwei Kolonnen aus einem zwei Meilen 
vom Lager entfernt gelegenen Dorfe heraus, marschierten 
diesseits auf und begannen dann zu feuern. Es wurden 
dann Bewegungen in Zügen, in Halb- und in ganzen 
Bataillonen gezeigt; schließlich wurde wieder zur Linie 
aufmarschiert und im Vorgehen das Feuer eröffnet. Sie 
feuern langsam aber ohne Unterbrechung, und was mich 
besonders überrascht hat, war, daß die Regimenter vor- 
züglich gerichtet blieben und nicht auseinander kamen, 
obgleich sie in Linie große Strecken zurücklegten. — 
Bei unserer Rückfahrt von Bland ford begleitete uns 
der Herzogvon Richmond hierher und lud den Prinzen 
und mich ein, mit ihm auf seinen Landsitz Good-Wood 
bei Chichester^) zu fahren. Der verstorbene Herzog von 
Richmond hat diesen Besitz mit großem Geschmack 
angelegt; es ist nur schade, daß die Natur ihm dort das 
Wasser vorenhalten hat. Der Garten ist sehr groß und 
mit vielen Zwischenmauern durchzogen, um recht viele 
Spaliere anbringen zu können. Man merkt sofort, daß 
der Herzog oft in Holland und ein großer Freund des 
Obstes gewesen ist. Der Park ist ganz nach englischem 
Stil angelegt. Ich gestatte mir, eine kleine Zeichnung von 
einem chinesischen Zelt beizufügen, das ich dort auf einer 
kleinen Anhöhe sah und das einen hübschen Eindruck 
machte. Die gebogenen Stäbe, die das Dach tragen, sind 
ebenso wie die Ballustrade aus Eisen. — 



*) S. Brief No. 18, am Schluß. 

■) Chichester liegt ca. 60 km südöstlich von Winchester. 



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"rliil. Zi.T^r: ^:;i-r:ir'.:^t': S-C-TuriiC bild-rc die großen 
ir.'x^rji:'^ rjcrr M-L^j'.h-rL::. iie s:«::: ■.v:e Blumengewinde 
■*T. -::*= 'X^J.^r. <Z'iCftr.*i^r. ^ä'^en riehen und fem er die 
z.±r,lr':y:hhz '7;H:l(zr. K.T'öIlec. die hier und dort in langen 
diir:.-:«rr; S'^rj^rc i.T^i'rcracht sind ':.tA Schill oder Binsen 
d^r«äC'.-iIeri ^>ll':r:, D*fr verstorbene Herzog war ein tüch- 
tiger iioc;Liniker. Ich glaube, es ist kein Baum in Europa, 
'ien man niclit auch in seinem Park findet. Außerdem 
hat f'.T in der Xähe einer Eremitage ein großes Gelände- 
Mtür.k ftij^ens zur Anpflanzung von Bäumen und Sträuchern 
aus Xordamr?rika bestimmt, die in England fortkommen 
unrl U\i(tr woU.hft er genau Buch geführt hat. — Die eben 
genannte I^Tfjmitagfj besteht aus der Vorderwand einer 

M (fO(i(lwo(iH-rnrk li^u^ <«• 7 km nortlöBllich von Chichester. 
Die ]{Ikm1(j von SpillinHl IiokI JMl km von (loodwood entfernt! 



— 107 — 

verfallenen Kirche mit einigen gctfscnen 'I'rzi=-.-rr:ie:i vre 
behauenem Stein; die Wand äehu iiis. als :c si-? eizäclrr-rn 
wollte. Ein mit Stroh gedecktes Ha-.i5ch.ec ~i -rineci b!L:^r- 
nen Türmchen ist an die Wand angelehnt ir.iZ sz'tllz ii-r W:h- 
nnng des Einsiedlers dar. Inwenfig fsc fs sehr rinfiih. 
rechts sieht man das Knsenlager. lir.ks dzs G^z^zzilz. im 
Hintergrund einen Tisch, mir anrik^r BnnzeliZipe uni 
dahinter die Küche des heiligen Mazn-es. Diii:: n-rr»r- 
dem Gebäude liegen Hanf er. grisä^r S-einr. ^-.-r v:n i-^r 
verfallenen Kirche ahgescürzi, und daz'w-ls.ih-rn flhrt ein 
Stieg nach einer Krypta mit gewühter Il«r:kr. A'ier ii-rse 
Katsäcombe enthält nur Gräber v:n Hunier. u=i Vi^elz. 
den einstigen Lieblingen der Schl:i>errir.. 

Xo. 22. Der LjAdcnf aa Flr^ti^KlKrr. 
WilhelsLSthi:. i X :r 

Ich höre mit Genugtuung v:n i-rm ^'-trr. Rufr. i- 
dem meine Truppen immer ncch bei fer ■ri^lis.ihrr. Nirin 
stehen. Übrigens will ich hoffen, cs-i -rs r.ur im Siherz 
gemeint ist, wenn man von einer Fihn m-ir.-rr Truppen 
nach Minorka spricht.' Das würde cer.n zz'Z'r. üt-rr -iis-rrn 
Vertrag hinausgehen, und wenn man mir s: et-Ääs zumuien 
sollte, würde ich höflich dafür danken. Ab-rr ^/eithe L'r.- 
einigkeit und Unzufiriedenheit ist jetzt ir. zirT en^listhen 
Nation und welchen üblen Einflui^- hat dies au: die Führ-ng 
der Geschäfte! Alles geht sö langsam uni unentschieden 
vorwärts, daß mir angst und bange -Ä-iri. Erle Aufregung 
wächst, anstatt sich zu vermindern, -aär^rend d:ch festes 
und folgerichtiges Handeln grade jetzt >:> r.ttwendig is:. — 

Um den Ankauf des achat-grauen Pferdes beneide 
ich Sie sehr, denn längst schon suche ich nach einem 
solchen Pferde von guter Rasse. Ich wage nicht. Sie zu 
bitten, es mir zu überlassen, da ich weiß, wie schwer es 
hält, ein gleiches wieder zu finden. Sollten Sie es aber 
Jos werden wollen, so bitte ich. mich zu berücksichtigen. 
Sie können fordern, was Sie wollen. 

No. 23. Ftrstenbersr an den Land^afeu. 
Winchester, 5. X. 56. 

Leider bin ich noch nicht nach London gekommen. 
Der Besuch eines Engländers hielt mich hier fest. Er 

') S. Brief No. ao. 



— 106 — 

Mein Stall hat sich durch einige gute englische Pferde 
vermehrt. Ich handle nicht gern. Will man etwas Gutes 
haben, muß man schon ein Paar Guineen mehr anlegen. 
Ich habe von einer Witwe zufällig ein schönes achat- 
graues (entier gris-agathe) Pferd gekauft, sechsjährig und 
16 Fäuste hoch. Das Pferd ist von guter Abkunft; der 
Vater „Favori" stammt aus dem Bezirk des Herzogs von 
Bolton. 

No. 21. Für8ten][)erg an den Landgrrafen« 

Winchester, 21. IX. 56. 

Die beifolgende Zeichnung soll den Saalbau veran- 
schaulichen, den der verstorbene Herzog von Richmond 
an einem Ende seines Parks auf einer Anhöhe hat er- 
richten lassen, von wo aus man ein herrliches Stück Erde 
überschaut und in der Ferne die Schiffe sieht, wie sie bei 
Spithead^) ein- und auslaufen. Der eigentliche Saal ist 
inwendig al fresco in blau gemalt, die Gesimse und Ver- 
kleidungen an den Fenstern und die gewölbte Decke sind 
prächtig vergoldet. Die Täfelungen sind mit Vögeln und 
chinesischen Figuren in chinesischer Tusche bemalt. Das 
daneben liegende kleinere Zimmer ist in weiss mit vergol- 
deten Verzierungen gehalten. Da der Saalbau vom Schloß 
sehr weit entfernt liegt, so hat man dicht in seiner Nähe 
im Gebüsch eine Küche erbaut, und auf der andern Seite, 
ebenso im Gebüsch versteckt, eine Grotte, zu der ein nach 
englischer Art geschlän gelter Weg führt. Aber sie ist 
inwendig nicht annähernd so reich wie die zu Wilhelms- 
thal. Einen eigenartigen Schmuck bilden die großen 
inwendig roten Muscheln, die sich wie Blumengewinde 
um die außen stehenden Säulen ziehen und ferner die 
zahlreichen weißen Korallen, die hier und dort in langen 
dünnen Stäben angebracht sind und Schilf oder Binsen 
darstellen sollen. Der verstorbene Herzog war ein tüch- 
tiger Botaniker. Ich glaube, es ist kein Baum in Europa, 
den man nicht auch in seinem Park findet. Außerdem 
hat er in der Nähe einer Eremitage ein großes Gelände- 
stück eigens zur Anpflanzung von Bäumen und Sträuchern 
aus Nordamerika bestimmt, die in England fortkommen 
und über welche er genau Buch geführt hat. — Die eben 
genannte Eremitage besteht aus der Vorderwand einer 

') Goodwood-Park liegt ca. 7 km nordöstlich von Chichester. 
Die Rhede von Spithead liegt 36 km von Goodwood entfernt! 



— 107 — 

verfallenen Kirche mit einigen gotischen Ornamenten von 
behauenem Stein ; die Wand sieht aus, als ob sie einstürzen 
wollte. Ein mit Stroh gedecktes Häuschen mit einem hölzer- 
nen Türmchen ist an die Wand angelehnt und stellt die Woh- 
nung des Einsiedlers dar. Inwendig ist es sehr einfach, 
rechts sieht man das Binsenlager, links das Gebetpult, im 
Hintergrund einen Tisch mit antiker Bronzelampe und 
dahinter die Küche des heiligen Mannes. Dicht neben 
dem Gebäude liegen Haufen grosser Steine, wie von der 
verfallenen Kirche abgestürzt, und dazwischen führt ein 
Stieg nach einer Krypta mit gewölbter Decke. Aber diese 
Katakombe enthält nur Gräber von Hunden und Vögeln, 
den einstigen Lieblingen der Schloßherrin. 

No. 22. Der Laudgrraf an Fürstenbergr. 

Wilhelmsthal, 4. X. 56. 

Ich höre mit Genugtuung von dem guten Rufe, in 
dem meine Truppen immer noch bei der englischen Nation 
stehen. Übrigens will ich hoffen, daß es nur im Scherz 
gemeint ist, wenn man von einer Fahrt meiner Truppen 
nach Minorka spricht.^) Das würde denn doch über unsern 
Vertrag hinausgehen, und wenn man mir so etwas zumuten 
sollte, würde ich höflich dafür danken ! Aber welche Un- 
einigkeit und Unzufriedenheit ist jetzt in der englischen 
Nation und welchen üblen Einfluß hat dies auf die Führung 
der Geschäfte! Alles geht so langsam und unentschieden 
vorwärts, daß mir angst und bange wird. Die Aufregung 
wächst, anstatt sich zu vermindern, während doch festes 
und folgerichtiges Handeln grade jetzt so notwendig ist. — 

Um den Ankauf des achat-grauen Pferdes beneide 
ich Sie sehr, denn längst schon suche ich nach einem 
solchen Pferde von guter Rasse. Ich wage nicht, Sie zu 
bitten, es mir zu überlassen, da ich weiß, wie schwer es 
hält, ein gleiches wieder zu finden. Sollten Sie es aber 
los werden wollen, so bitte ich, mich zu berücksichtigen. 
Sie können fordern, was Sie wollen. 

No. 23. Filrstenbergr an den Landg^rafen« 

Winchester, 5. X. 56. 

Leider bin ich noch nicht nach London gekommen. 
Der Besuch eines Engländers hielt mich hier fest. Er 

») S. Brief No. 20. 



— 108 — 

heißt EUiot und ich kannte ihn schon, als ich noch in 
kurpfälzischen Diensten stand. Später ging er als General- 
leutnant in holländische Dienste und dann hat er sich in 
England verheiratet. Überall hat er seine Verbindungen; 
er versteht es, jedem in • die Karten zu sehen (connait 
infinement le dessous des cartes). Ich werde seine Be- 
kanntschaft weiter pflegen. — Herr v. Die de hat wohl 
schon über die Winterquartiere berichtet, in die man uns 
legen will? Ich hörte, die Truppen E. H. D. sollten in 
demselben Bezirk wieder untergebracht werden, in dem 
sie nach der Ausschiffung in Kantonnements lagen. Doch 
sollen ihnen für den Winter mehr Ortschaften angewiesen 
werden. 

Wenn Herr Graf von Isenburg erst erfahren hat, 
um welche Ortschaften es sich handelt, wird er sie schon 
so verteilen, daß Niemand zu kurz kommt. — Wir hatten 
schon die Hoffnung aufgegeben, besichtigt zu werden, 
erfahren aber, daß S. K. H. der Herzog von Cumber- 
land nun doch im Laufe der nächsten Woche zu uns 
kommen wird.^) Er wird gewiß mit den Regimentern 
zufrieden sein und ich wünschte nur, daß sie sich jetzt 
ihrem gnädigsten Landesfürsten wieder einmal zeigen 
dürften. Könnten doch E. H. D. dieses herrliche Land sehen! 

Gleich nach der Besichtigung durch den Herzog will 
ich nach London reisen. Wie ich hörte, hat Herr Alt die 
Absendung der Blei-Statuen wieder aufgeschoben. Ich 
werde nun bei dem Einpacken helfen und ein Stück Decken- 
verzierung von Papierstoff, einige Proben von Möbel- 
Damas^y den Stich des großen Van Dick aus Mylord 
Pembrock's Gallerie, den Katalog der Sammlungen in 
Schloß Wilton und endlich einige Proben von Papier- 
Tapeten beilegen, die hier besser und gefälliger hergestellt 
werden als bei uns. Hier gibt es Tapeten mit indischen 
und chinesischen Mustern, Nachahmungen von Brokatstoff 
und besondere für die Treppenhäuser, die Elle zu 6 — 12 
Pence. In besseren Häusern fand ich die Wände mit 
Papierstoff bekleidet, der die indischen und italienischen 
Überzüge der Betten und Sessel so täuschend nachahmt, 
daß man nur durch das Gefühl erkennen kann, daß man 
Papier vor sich hat. — Neulich habe ich hier chinesische 
Fasanen gesehen, die herrlichsten Vögel, die man sich denken 
kann. Herr Elliot sagte mir, daß man sie in London 



*) Der Herzog ist nicht in das hessische Lager gekommen. 



— 109 — 

kaufen könnte, das Paar zu 10 Guineen. Sollten E. H. D. 
solche Vögel zu haben wünschen, so könnte man vielleicht 
unter den Reisenden, die zwischen England und Hessen 
verkehren, einen zuverlässigen auswählen, der sie im Käfig 
nach Kassel brächte. 

In der Nähe von London soll es auch Leute geben, 
die alle Arten von amerikanischen Sträuchern und Bäumen 
ziehen und Handel damit treiben. Ich werde mir einen 
Katalog besorgen und ihn E. H. D. überreichen. — Mit 
aufrichtigem Bedauern sehe ich die Jahreszeit herankommen, 
die E. H. D. den Aufenthalt in dem herrlichen Wilhelms- 
thal verleidet und daran knüpfen sich so manche Gedanken 
über unsere sonderbare und ungewisse politische Lage. 

No. 24. Fürstenberg au den Landgrafen. 

Winchester, 14. X. 56. 

(Mit Skizzen der Kaskaden und anderer Anlagen aus 
dem Park von Mylord Portsmouth.) Letzten Sonntag 
brachte ein englischer Offizier den Plan unserer Winter- 
quartiere. Sie sollen sich über das Gebiet unserer ersten 
Kantonnements-Quartiere erstrecken, abgesehen von Chi- 
chester, das die Hannoveraner bekommen sollen, 
wogegen wir die Insel Wight erhalten. Der Offizier 
ist am Montag ganz früh mit Major v. Gohr^) abgereist, 
um die Belegungsfähigkeit der einzelnen. Ortschaften fest- 
zustellen, damit eine gleichmäßige Unterbringung der 
Truppen stattfinden kann. — Die Verpflichtung, bis zur 
Beendigung dieser Feststellungen hier im Lager bleiben 
zu müssen, bringt für mich eine neue Verzögerung meiner 
Reise nach London. — Seit einigen Tagen spricht man 
von der Einschiffung englischer Truppen, deren Endziel 
sorgfältig geheim gehalten wird. Auch in Portsmonth 
sollen einige gemietete Transportschiffe liegen. — Der 
Sieg des Königs von Preußen 2), von dem die erste 
oberflächliche Nachricht gestern zu uns kam, bildet in 
dieser merkwürdigen Zeit ein wichtiges Ereignis. Ge- 
wöhnlich bringt ja ein erster Sieg weitere Erfolge. Nun 
kommt es darauf an, was Frankreich und Rußland tun 
wird. In England denkt man jetzt an weiter nichts als 
an den Zusammentritt des Parlaments und darüber wird 



^) V. Gohr war hessischer General-Quartiermeister im Stabe des 
Grafen v. Isenburg. 

*) Bei Lowositz am 1. X. 56. 



— 110 — 

das Nodwendigste vergessen. [Es folgen hier Erklärungen 
der mit diesem Briefe übersandten Zeichnungen A, B, C, D, 
als deren Verfertiger der General v. Fürsten berg „Herrn 
Lepold" ^) nennt. Unten am Rand des Briefes befindet 
sich die im landgräflichen Kabinet später angefügte Be- 
merkung: Die kleinen Zeichnungen A, B, C und D liegen 
in der Mappe: „Baupläne und Gärten*' in der Weißen- 
steiner Bibliothek.] 

Als ich das achat-graue Pferd kaufte, dachte ich gleich 
daran, daß ich damit vielleicht E. H. D. eine kleine Freude 
bereiten könnte. Es ist sehr gängig, durchaus nicht scheu 
und sehr verständig. Mit der größten Ruhe geht es durch 
die Reihen der Soldaten und zwischen andern Pferden 
hindurch. E. H. D. wollen nur befehlen, daß es hinüber 
gebracht wird. Natürlich gebe ich es zum Einkaufspreis 
ab. Allerdings ist jetzt die Jahreszeit schon ziemlich vor- 
gerückt und der Winter ist für die Überfahrt nicht ge- 
eignet. Wenn also E. H. D. wünschen, daß das Pferd 
bis zum Frühjahr hier bleibt, werde ich es auf meine Ge- 
fahr hier verpflegen lassen. Ich würde mich glücklich 
schätzen, könnte ich noch mehr gute Pferde für E. H. D. 
hier kaufen. 

No. 25. Der Landg^raf an Fttrstenberg^. 

Kassel, 4. XL 56. 

Über die am 5. und 14. October gesandten Zeichnungen 
habe ich mich sehr gefreut. Wenn ich auch, offen gestanden, 
die Originale niemals in Wilhelmsthal verwenden möchte, 
so sind sie mir doch als Proben des englischen Geschmacks 
sehr wertvoll und belehrend. Ich würde Ihnen also sehr 
dankbar sein, wenn Sie mich auch ferner an Ihren Ent- 
deckungen teil nehmen lassen wollten. Als ich gestern 
nach Wilhelmsthal kam, war die große Kaskade 
beinahe schon bis zum Gesims aufgebaut ; sie wird nächsten 
Sommer hoffentlich ganz fertig werden. Wenn Sie wieder 
zurückgekehrt sind, werde ich sie Ihnen zeigen; sie wird 
Ihnen gefallen, ebenso wie das Haus, dessen Erdgeschoß 
nun auch vollständig eingerichtet und bewohnbar ist. Auch 
der Garten mit seinen Anlagen wird Ihnen gewiß Freude 
machen. — Sehr gern nehme ich das Pferd, das Sie. mir 



*) Artillerie-Kapitän Leopold, bekannt als Verfertiger vieler Zeich- 
nungen und Pläne aus damaliger Zeit, die sich in den Bibliotheken 
zu Kassel und Wilhelmshöhe befinden. 



— 111 — 

überlassen wollen und da Sie so freundlich sein wollen, 
es bis zum Frühjahr dort zu behalten, so können Sie bis 
dahin vielleicht noch andere Pferde für mich kaufen, die 
dann mit jenem zusammen herüber gebracht werden. Ich 
muß aber durchaus darauf bestehen, daß das Pferd nicht 
auf Ihr Risiko, sondern auf das meinige dort bleibt und 
daß ich Ihnen die Kosten seiner Unterhaltung bis zur 
Ablieferung in Kassel erstatte. Auch bitte ich um An- 
gabe des Kaufpreises, um das Geld anweisen zu können. 
Hoflfenllich findet Sie dies Schreiben schon in den Winter- 
quartieren. Ich bin neugierig, was in dieser Hinsicht 
General v. Diede in London ausgerichtet hat. 

No. 26. Fttrstenberg an den Landgrafen. 

Im Lager von Winchester, 7. XL 56. 

Die Ungewißheit über den Abbruch des Lagers hat 
mich der Möglichkeit beraubt, E. H. D. heute irgend etwas 
Neues mitzuteilen . Ich weiß, daß Graf von Isenburg 
und General v. Diede untertänigst über unsere zukünf- 
tigen Winterquartiere und über unsere Einschiffung be- 
richtet haben. Einer meiner Freunde, der in London in 
guter Fühlung mit den maßgebenden Kreisen steht, schrieb 
mir von dort: „Ich bedauere die Lage Ihrer Truppen. 
Unsere Schankwirte behaupten, daß unser Einquartierungs- 
gesetz sich nur auf die englischen National-Truppen, nicht 
aber auf fremde Truppen bezieht. Das macht die Sache 
so schwierig! Die Leute haben ganz Recht, aber man 
ist auf diese Auslegung gar nicht gefaßt gewesen und 
Niemand weiß, was daraus folgen wird. Vielleicht werden 
die Hannoveraner jetzt zurückgeschafft, die Hessen 
aber auf keinen Fall!" 

Unterdessen suchen wir die Arbeiten an den heiz- 
baren Erdhöhlen für die Kompagnien zu beschleunigen. 
Bis jetzt ertragen die Leute die Unbilden der Witterung 
noch ganz gut, noch sind sie guter Laune und hoffen auf 
baldigen Abbruch des Lagers. Es herrscht noch gute 
Disziplin, aber wir haben infolge des Auftretens der 
Krätze mehr Kranke. Die von dieser Seuche Befallenen 
werden in das Lazarett gebracht, da ihre sachgemäße Be- 
handlung hier im kalten Lager ausgeschlossen ist. Sollten 
wir jetzt noch zurückgeschickt werden, so müssen die 
Regimenter dafür sorgen, daß alle Mannschaften gutes 
Schuhwerk haben und warm gekleidet sind. — 



— 112 — 

Seit einiger Zeit bemüht sich die Gegenpartei, das Volk 
durch geradezu aufrührerische Schriften aufzureizen: 1) Das 
gegenwärtige Ministerium muß gestürzt werden, weil es 
die schlimmen Erfolge im Mittelländischen Meere und in 
Amerika verschuldet hat ; es muß in Anklagezustand ver- 
setzt werden wegen zu großer Schlappheit bei den Staats- 
Verträgen, die immer nur auf den Schutz der hannover- 
schen Lande hinaus laufen. 2) Es muß eine Miliz von 
60000 Mann aufgestellt und die fremden Truppen müssen 
aus dem Lande wieder heraus geschafft werden ! 

Was den ersten Punkt betrifft, so glaube ich bestimmt, 
daß es Umwälzungen im Ministerium geben wird, wenn 
auch der Herzog von Newcastle jüngst erklärt hat, er 
würde schon Mittel finden, seine Partei zu stärken. — 
Und so schwierig auch die Aushebung einer starken 
Miliz ist, so glaube ich doch, daß das nächste Parlament 
einen dahin gehenden Antrag zum Beschluß erheben wird, 
weil das ganze Volk dafür ist. Nun, in wenigen Tagen 
muß es sich ja entscheiden, ob wir hier bleiben oder jetzt 
noch eingeschifft werden. Die Schankwirte haben nicht 
so ganz unrecht. Das Gesetz, das sie ganz allein mit 
Einquartierung belastet, ist zu einer Zeit entstanden, als 
in ganz Groß - Britannien nur 18000 Mann standen und 
man noch nicht an so große Armeen dachte, noch weniger 
an fremde, geliehene Truppen. Das zukünftige Parlament 
muß in seinen Beschlüssen auf die gegenwärtigen Ver- 
hältnisse Rücksicht nehmen. Inzwischen aber könnte die 
Regierung recht gut die so schwer belasteten Schank- 
wirte dadurch willfähriger machen, daß zunächst die Ein- 
quartierung mehr verteilt wird. Die Engländer fühlen 
recht gut, daß wir doch eine Menge Geld, und nicht nur 
unseren Sold, hier ausgeben, und daß dies Geld im Lande 
bleibt. — Wenn die Baracken für die Mannschaften fertig 
sind, hoffe ich endlich nach London gehen zn können, 
vielleicht gegen den 15. oder 16. d. M. Ich muß doch 
diese große Stadt und ihre Umgebungen auch einmal 
sehen und werde mich glücklich schätzen, wenn ich dort 
etwas finde, das der Aufmerksamkeit E. H. D. würdig ist. 
Heute kann ich nur die unbedeutende Zeichnung eines 
Gitters ^) senden, das mir in Höfen und Gärten in hiesiger 
Gegend aufgefallen ist. 



*) Dies ist die einzige Zeichnung, die sich in den Akten befindet. 
(S. Brief No. 17.) 



— 113 — 

No. 27. Der Landgraf an Fürstenberg. 

Kassel, 25. XL 56. 

Ihr letztes Schreiben vom 7. d. M. erhielt ich am 
letzten Montag (22. XI.). Sie haben ganz recht, wenn Sie 
sagen, daß die Lage Meiner Truppen, die man weder zurück- 
zuschicken, noch in Winterquartiere zu legen sich entschließen 
kann, besorgniserregend ist. Alt und Die de haben die 
gemessensten Befehle, auf schleunige Erledigung dieser 
Angelegenheit und wenn möglich auf baldige Rücksendung 
des Korps zu dringen. Es entspricht ja allerdings weder 
dem Vertrage noch der Billigkeit, die Rücksendung un- 
mittelbar nach der offiziellen Bekanntmachung auszu- 
führen, noch dazu in solcher ungünstigen Jahreszeit. 
Aber die Schwierigkeiten, die seit Absendung Meiner 
Truppen nach England sich entwickelt haben und besonders 
die jetzt in Deutschland herrschenden Verhältnisse lassen 
mich wünschen, Meine Regimenter sobald als möglich 
wieder bei mir zu sehen. Ich würde viel ruhiger und 
zuversichtlicher sein, wenn ich sie zur Hand hätte und 
besonders würde ich mich freuen, Sie, mein lieber Fürsten- 
berg, hier wieder begrüßen zu können. 

No. 28. Fiirstenberg an den Landgrafen. 

London, 7. XII. 56. 

Bei meiner Ankunft in London am 19. v. M. wurde 
ich durch den Empfang des gnädigsten Schreibens vom 
5. XL beglückt und nun traf auch das vom 27. XL hier 
ein. Bei der großen Zahl der Sehenswürdigkeiten, die 
London und seine Umgebung bietet, und in steter Be- 
fürchtung, durch den Abbruch des Lagers bald wieder 
von hier abgerufen zu werden, habe ich hier alles im 
Fluge gesehen, kann nun aber für die letzten Besich- 
tigungen doch einige Tage mehr verwenden, als ich dafür 
ursprünglich in Aussicht genommen hatte. Ich bitte über 
alles, was ich hier gesehen habe, von Winchester aus be- 
richten zu dürfen. Heute möchte ich mir nur einige Be- 
merkungen über die Truppen E. H. D. und über die gegen- 
wärtige Lage des Hofes gestatten. 

Als ich das Lager verließ, waren die Hütten für jede 
Kompagnie fertig gestellt und die Soldaten hatten sich 
Stroh- und Binsenmatten geflochten, um die Fenster gegen 
die Kälte zu dichten. Hier angekommen begab ich mich 
gleich zu S. K. H. dem Herzog von Cumberland. Nach- 

N. F. BD. XXX. 8 



— lu- 
dern ich ihm gemeldet, wie unregelmäßig im Lager das 
Holz und Stroh geliefert würde, befahl er, daß sofort ein 
englischer Offizier mit 100 Mann nach Winchester abgehen 
sollte, um die Lieferanten und Fuhrleute zu ihrer Pflicht 
anzuhalten, und daß sofort die wollenen Decken (die der 
Herzog uns schon lange versprochen hatte) in das Lager 
geschafft werden sollten. Es ist nun aber auch bitter kalt 
geworden. Ohne auf die Frage der Winterquartiere oder 
der Einschiffung der Truppen einzugehen, sprach der 
Herzog sein aufrichtiges Bedauern aus, daß unsere Truppen 
so viel leiden müßten und daß er ernstlich darauf bedacht 
wäre, ihre Lage zu verbessern. 

Überall, bei Hofe und in der Stadt, ist man empört 
darüber, daß den Hessen solch' schreiendes Unrecht ge- 
schieht; aber keine Hand regt sich zur Abhülfe! Und 
die Ursache dieser Untätigkeit? Um das bisherige Mini- 
sterium zu stürzen und um eine eigene Land-Miliz zur 
Verteidigung der Küsten aufzustellen, hat man zu dem 
Mittel gegriffen , gegen die Verwendung ausländischer 
Truppen in England loszuziehen. Schon seit unserer An- 
kunft in England hegten die Minister selbst Zweifel, ob 
die Wirte gehalten seien, die ausländischen Truppen ebenso 
bei sich aufzunehmen, wie sie es hinsichtlich der ein- 
heimischen zu tun verpflichtet sind. Ohne aber die Sache 
zum Austrag zu bringen, beschloß man, uns in Kantonne- 
ments zu legen. Als nun die Quartiere ausgesucht waren, 
bewiesen einige Winkel - Advokaten, daß man zu jener 
Zeit, als die Einquartierungs- und Service-Gesetze in Eng- 
land aufgestellt wurden, hier nur eine kleine Armee gehabt 
und an ausländische Truppen durchaus nicht gedacht hätte. 
Die Wirte seien in keiner Weise verpflichtet die ihnen 
jetzt zugemuteten großen Lasten, die obendrein von nicht 
einheimischen Truppen ausgingen, zu tragen. 

Bei dem durch das Benehmen des Grafen Kiel- 
mannsegg^) gesteigerten Haß der Bevölkerung gegen 
die hannoverschen Truppen kam es zunächst in einzelnen 
Ortschaften zur Verweigerung der Quartiere. Und der 
Hof, jedenfalls innerlich froh, nun einen Grund gefunden 
zu haben, die lieben hannoverschen Truppen recht bald 
wieder nach Hause schicken und dabei die ganze Schuld 
auf das böswillige Volk und auf das neue, aufgedrungene 
Ministerium schieben zu können, musste nun versuchen, 

*) Generalleutnant Graf v. Kielmannsegg war Höchst-Komman- 
dierender der hannoverschen Truppen in England. (12 Bat. Infanterie.) 



— 115 — 

uns Hessen hier im Lager festzuhalten und . uns dabei 
möglichst gegen die Kälte zu schützen. — E. H. D. werden 
aus den Berichten des Herrn v. Die de ohne Zweifel ersehen 
haben, wie man 8 Bataillone Hannoveraner jetzt in große 
Marine-Schuppen untergebracht hat. Die andern 4 Batail- 
lone sind nun in ähnlicher Weise unter Dach gekommen. 
Die Herrn Hannoveraner haben alles aufgeboten, um 
wieder nach Hause zu kommen. Aber erst am 3. d. M. 
ist ihre erste Division eingeschifft worden. Für die zweite 
Division sind noch keine Schiffe vorhanden und für den Rück- 
transport der dritten ist überhaupt noch nichts angeordnet 
worden. Der Grund dieser Verzögerung liegt in der 
Schwierigkeit, zu jetziger Jahreszeit die nötige Bemannung 
für die Transportschiffe anzuwerben. 

Bei meiner Ankunft in London erfuhr ich auch, daß 
die Herren v. Diede und Alt alles aufgeboten hatten, 
-die früheren Minister zu veranlassen, daß die Truppen 
E. H. D. entweder in Quartiere gelegt oder sofort nach 
Deutschland zurückgeschafft würden. Aber diese Minister 
fühlten sich schon so im Wanken, daß sie sich auf nichts 
mehr einlassen wollten. Ärgerlich über die Umwälzung 
im Ministerium, forderte der König nun die Rücksendung 
der Hannoveraner. Der Herzog von Cumberland, 
der alle Schuld an unserem Verbleiben im Feldlager 
der Gegenpartei zuschob, tat weiter nichts, als einige Ver- 
besserungen für die Unterbringung im Lager anzuordnen. 
Ein heilloses Durcheinander hat in der Leitung der Staats- 
geschäfte Platz gegriffen. Die neuen Minister kamen 
langsam einer nach dem andern in Stellung ^), und so 
Iconnten sie — so kurz vor der Eröffnung des Parlaments — 



^) Das Unglück, das die Engländer bei ihren ersten Unterneli- 
mungen in dem Kriege gegen Frankreich erfahren: der Verlust von 
Port Mahon auf Minorka, die ungünstigen Ereignisse in Nordamerika 
und der für das Nationalgefühl empfindliche Rückzug des Admiral 
Byng — hatte die Gemüter und die Erbitterung der Parteien gewaltig 
aufgeregt. Dabei traf der Unwille des Volkes das Ministerium New- 
castle, welches in dem Prozesse Byng's und in dessen Verteidigung 
«ich in einem sehr nachteihgen Lichte gezeigt hatte. Ohne Zweifel 
hatte die Unfähigkeit und die Anmaßung Newcastle's neben den gegen 
ihn gerichteten Intriguen des Herzogs von Cumberland jene Untätig- 
keit und Schlaffheit verschuldet, die in allen Angelegenheiten herrschten. 
Unter solchen Umständen erheischte es das Staatswohl, fähige und 
beliebte Männer in das Ministerium eintreten zu lassen; beiden For- 
derungen aber entsprachen der ältere Pitt und Legge, welche nun- 
mehr, im November 1756, ihre neuen Posten einnahmen. Besonders 
förderte Pitt mit kräftiger Hand die Interessen der Nation. 

8* 



— 116 — 

unmöglich schon zu einer Verständigung über die Frage 
der Verlegung unserer Truppen in Winterquartiere ge- 
kommen sein. Wohl ohne Grund hat man sie deshalb 
verdächtigt, Gegner dieses Schrittes zu sein. Inzwischen 
haben nun unsere Truppen im Lager aushalten müssen 
und sie werden von den Engländern, einschließlich der 
Wirte, aufrichtig bedauert. — Bald nach meiner Ankunft 
hatte ich eine vertrauliche Unterredung mit Mylord 
T em ple \) und später habe ich diesem schriftlich und münd- 
lich Vorstellungen gemacht, wie ich nicht begreifen konnte, 
daß das neue Ministerium den Vorwurf auf sich laden konnte, 
ohne jede Notwendigkeit unsere Truppen noch länger im 
Solde Groß-Britanniens stehen zu lassen. Er hat nun mit 
Herrn Pitt darüber gesprochen, der am letzten Sonnabend, 
(4. XII.) sein Amt angetreten hat. Ebenso habe ich My- 
lord Barrington 2) zu bewegen versucht, mit dem 
Herzog von Devonshire^) und Mylord Holder- 
ness*) über unsere Angelegenheit zu sprechen. 

Im öffentlichen Verkehr verfehle ich nicht, auf die 
vorzügliche Disziplin und die Geduld unserer Truppen 
hinzuweisen und durch die Zeitungen und durch Freunde 
das harte Geschick der Regimenter hervorheben zu lassen. 
Ich glaube bestimmt, daß jetzt, nachdem die Herrn v. Diede 
und Alt auf Befehl E. H. D. jene Denkschrift überreicht 
haben, nun bald auch Klarheit in die Sache kommen 
wird, da das neue Ministerium nun endlich in Tätigkeit 
getreten ist. — In den Sitzungen der beiden Häuser des 
Parlaments ist bisher nur über die Rückfahrt der Han- 
noveraner verhandelt worden; wir sind bisher noch gar 
nicht erwähnt. Und wenn wirklich das Parlament beab- 
sichtigen sollte, ein neues Einquartierungsgesetz zu be- 
raten, so müßten wir doch noch lange im Lager bleiben, 
bis alle Förmlichkeiten erledigt, alle Widersprüche besei- 
tigt sind. Ich habe mir Mühe gegeben zu beweisen, wie 
gut und vorteilhaft, ja wie durchaus notwendig es für den 
Staat sei, ein Lager aufzugeben, das solche beträchtlichen 



*) Graf Richard Grenville Temple, der Schwager Pitt's, dem er 
sich innig anschloß und mit dem gemeinsam er dem Ministerium des 
Herzogs von Devonshire 1756—1757 und dann von 1757—1761 dem des. 
Herzogs von Newcastle angehörte. 

*) Staats-Sekretär des Krieges. 

8) William Cavendish, Herzog von Devonshire, hatte 1756 das 
Schatzkanzleramt erhalten, trat aber im folgenden Jahre wieder zurück^ 

*) Lord Holderness war englischer Staatssekretär des Aus- 
wärtigen. (S. Seite 73.) 



— 117 — 

Kosten verursacht, die man doch besser sparen oder besser 
für die Wohlfahrt der Soldaten verwenden könnte. — 
Nun müssen sich die Minister die Sache überlegen und 
Antwort geben! 

Ohne Frage haben die Truppen E. H. D. unter der 
Kälte schwer gelitten. Jetzt, wo sie Hütten, wollene 
Decken und hinreichend Stroh haben und ihnen täglich 
sechs Pfund Holz pro Mann geliefert wird, geht es ihnen 
besser. Die Krankenzahl nimmt ab, die Lazarette sind in 
bester Ordnung und wenn wir erst unter Dach sind, wird 
alle Not vergessen sein. Graf von Isenburg wird be- 
richtet haben, wie gutartig und gehorsam unsere Leute 
geblieben sind. Und wenn wir in Quartiere kommen, sei 
es, um dort zu überwintern oder um von dort aus ein- 
geschifft zu werden, so wird das gute Einvernehmen mit 
den Einwohnern gewiß nicht gestört werden, wenn auch 
einige Minister die Rache unserer Soldaten fürchten. 

Wie sehr ich auch wünsche, mich E. H. D. zu Füßen 
legen zu dürfen, so darf ich doch nicht verschweigen, daß 
Mylord Barrington mich hat durchblicken lassen, daß, 
abgesehen von der Schwierigkeit der Schiffahrt, man uns 
in diesem Winter aus dem Grunde nicht fortziehen lassen 
könnte, weil man englische Truppen nach Amerika senden 
müßte, wo die Lage nichts weniger als rosig sei. Ausser- 
dem ist noch für nichts gesorgt, weder für Schiffe, noch 
für den Einschiffungsort, und wie ich die Engländer kenne, 
würden die Vorbereitungen viele Wochen in Anspruch 
nehmen. Auch müßte man uns ja vor der Einschiffung 
erst in Quartiere legen, denn die Truppen würden un- 
fehlbar verloren sein, wenn man sie unmittelbar nach dem 
Elend eines solchen Lagers in die Schiffe einpacken wollte. 
— Je mehr wir uns dem Winter nähern, um so unwahr- 
scheinlicher wird unsere Einschiffung, schon wegen des 
Eises, Ein längerer Marsch mit der Aussicht auf die Über- 
fahrt würde uns nur Krankheiten und Desertion bringen, 
und es wäre doch jammerschade, cüese wohl gefügten 
Regimenter auf solche Weise zerschmelzen zu sehen. 

Ich komme nun zu den Umwälzungen im Ministerium. 
Man mag von den jetzt abgetretenen Ministern denken, 
wie man will: die Tatsachen legen jetzt die unbegreifliche 
Schwäche bloß, mit der sie die verwickelten Geschifte 
geführt haben, um die es sich in England handelt. Der 
Prinz und die Prinzessin von Wales stehen dem 
Hofe genau noch so gegenüber wie vor einem Jahre. 



— 118 — 

Damals hat der König während seiner Abwesenheit den 
Herzog von Cumberland mit der Regentschaft 
betraut, denn dieser hat das Ohr des Königs, und auf 
seiner Seite stand der Herzog von Newcastle und 
Mr. Fox. ^) Seit jener Zeit nun ist die Gegenpartei stets 
im Bunde mit dem Hofstaat des Prinzen von Wales. 
Wenn der Herzog von Newcastle gewollt hätte, 
würde es ihm vor einem Jahre geglückt sein, die ganze 
Partei sich zu verbinden, die ihn jetzt verdrängt hat. Aber 
eifersüchtig auf den Einfluß dieser Herren, glaubte er mit 
Mr. Fox allein auskommen zu können, der heute einen 
Posten anstrebt, der weniger hoch als gewinnbringend ist, 
wogegen die neuen Minister nichts einzuwenden haben. — 
Die Seele des neuen Ministeriums ist Mr. Pitt. Mit 
seinen 43 Jahren sieht er sehr gut aus; er besitzt viel 
Geist, Beredsamkeit, Festigkeit und den Ehrgeiz, das Beste 
zu leisten. Dabei ist er von seltener Uneigennützigkeit. 
Mr. Temple (dessen Schwester Mr. Pitt geheiratet hat), 
und dessen Brüder, die Herren Grenville (deren amt- 
liche Stellungen E. H. D. jedenfalls bekannt sind), sind 
durchweg Leute, die sich sehen lassen können, fleißig, un- 
eigennützig und gute Redner. Sie sind bei dem Volk und 
den bessern Führern beliebt. Obwohl im Hause der Lords 
mancher sitzt, der sie nicht leiden kann, nehmen diese 
doch die Rücksicht auf den jungen Hof (Prinz von Wales), 
sie zu unterstützen. — Seitdem Mr. Pitt im Amt ist, 
spricht der König sehr gnädig mit ihm und vielleicht wird 
S. M. noch Geschmack an ihm finden, besonders wenn 
das neue Ministerium erst Erfolge aufzuweisen hat. 

Ehe ich diesen ermüdend langen Brief schließe, nenne 
ich, wie mir gnädigst befohlen ist, den Preis für den ganz 
Grauen, der nun E. H. D. gehört und für den ich auf's 
beste sorgen werde. Es sind 50 Guineen. Ich kann noch 
einen Schweißfuchs von herrlicher Farbe dazu geben, 
einen siebenjährigen Wallach, ein wirklich schönes Parade- 
pferd, für das ich nur 45 Guineen gezahlt habe. — Ich 
habe einen Oberst von den englischen Grenadieren zu 
Pferd ausfindig gemacht, einen vorzüglichen und zuver- 
lässigen Pferdekenner. Durch ihn könnte ich leicht zu 
einer schönen Stute kommen, wenn E. H. D. sie gern haben 
möchten. Er kann die Roßhändler nicht leiden und weiß 
im Lande guten Bescheid. 

*) Henry Fox war Staats-Sekretär. 



— 119 — 

No. 29. Der Landg^raf an Fttrstenber§r« 

Kassel, 23. XII. 56. 

Ich habe mich ebenso über die eingehende Dar- 
Stellung^ der Verhältnisse am englischem Hof, wie über 

V die Bemühungen gefreut, denen Sie, lieber Fürstenberg,. 

' äch in engster Fühlung mit von Die de und Alt unter- 
zogen haben, um Meine Truppen aus ihrer harten und 
traurigen Lage zu ziehen. Mir reißt wirklich die Geduld 
über die Art und Weise, wie man dort diese Sache hin- 
zieht. Ganz England beklagt die Leiden Meiner Truppen, 
weil es die Schmach fühlt, die dabei auf die Nation fällt. 
Aber niemand will die Hand zur Abhülfe rühren und bis 
zum Abgang der letzten Berichte aus London — 10. d. M. — 
war im Parlament noch kein bezüglicher Antrag gestellt. 
Ich habe jetzt direkt an den König geschrieben und alles 
aufgeboten, ihn zu einem Entschluß zu bringen, der unserm 
Vertrag und der Billigkeit entspricht. Mit Ungeduld 
erwarte ich seine Antwort und ich hoffe ganz bestimmt, 
daß ich nun endlich aus meinem Ärger und Meine Truppen 
aus ihrer schmälichen Lage heraus kommen werden. 

Daß Sie bei allen diesen Bemühungen doch noch 
2Jeit finden würden, die Großstadt und ihre Umgebungen 
zu durchstöbern, habe ich nicht bezweifelt und ich bin 
sehr gespannt auf die Berichte von Ihren Entdeckungen. — 
Dankbar nehme ich mit dem ganz Grauen auch den Schweiß- 
fuchs an, den Sie mir überlassen wollen. Die 50 und 45 
Guineen sollen Ihnen sofort erstattet werden und ebenso 
i^erde ich Ihnen sämtliche Unkosten für die Unterhaltung 
der Pferde bis zu deren Transport nach Kassel im nächsten 
Frühjahr ersetzen. Sehr verbunden würde ich Ihnen sein, 
wenn Sie mir noch 1—2 schöne Stuten verschaffen wollten, 
die rein und fehlerfrei sind und sich zur Zucht eignen. 
Da sie nicht für mich bestimmt sind, brauchen sie nicht 
so teuer zu sein. Sehen Sie aber auf recht schöne Farbe. 
Ich verlasse mich dabei gänzlich auf Sie und Ihre P>eunde, 
auch hinsichtlich des Preises, und Sie haben weiter nichts 
zu tun, als mich vom Abschluß des Geschäftes zu benach- 
richtigen, damit ich die Bezahlung und später den Trans- 
port anordnen kann. 

No. 80. Fürsteiiberg au den Landg^rafen. 

Winchester, 16. XII. 56. 
Sobald ich erfahren, daß die Einquartierungsfrage noch 
in diesem Jahre gelöst werden würde, habe ich London 



— 120 — 

wieder verlassen und bin ins Lager zurückgekehrt. General- 
leutnant V. Die de wird bereits Bericht erstattet haben 
und ich darf mich auf ihn beziehen. Ich fand hier alle 
Zelte mit Stroh eingedeckt, was im Verein mit den ge- 
lieferten wollenen Decken sie einigermaßen warm und 
wohnlich macht. Holz wird jetzt reichlich geliefert und 
der Dienst wird wie gewöhnlich gehandhabt. Die Leute 
sind immer noch gutwillig, nirgends sah ich gedrückte 
oder unzufriedene Gesichter. In den Lazaretten sind Leute 
mit Schnupfenfieber, aber keine Schwerkranken. Die 
meisten leiden an Krätze. Ein höherer Militärarzt in 
London hatte ein Mittel gegen dies Übel angegeben und 
ich hatte es sofort hierher gesandt. Es hat gute Wirkung 
gehabt. — Mit besonderem Geschick hat esGrafvonlsen- 
burg verstanden, in dieser schweren Zeit Offiziere und 
Mannschaften, besonders auch unsere Kranken aufzurichten 
und bei guter Stimmung zu erhalten. Das wird überall 
dankbar anerkannt. 

Meinem Versprechen gemäß gebe ich nun an, was 
ich Herrn Alt zur Übersendung nach Kassel übergeben 
und was ich in London gesehen habe. 

1) Herr Alt schickt über Bremen: Zwei in Blei ge- 
gossene Figuren: Frühling und Sommer. Ich habe sie 
in halber Grösse ausgesucht, um diese Probesendung nicht 
zu schwer zu machen und damit die Figuren leichter auf- 
gestellt werden können. Gern hätte ich Kinderfiguren 
genommen, aber es waren keine vorrätig. Es gibt solche 
Figuren auch in natürlicher Größe und darüber, einzeln 
und in Gruppen, in reicher Auswahl, aus dem Altertum 
und aus der Gegenwart, die Jahreszeiten, die Elemente, 
Komödie, Landleute und andere Figuren, alle recht gut 
dargestellt; auch Vasen u. s. w. Es ist ein Vergnügen, 
sie in den Magazinen zu betrachten. Die für E. H. D. 
bestimmten Figuren sind wie alle andern weiß gestrichen, 
damit sie wie von Stein aussehen. Sie kosten das Stück 
9 Pfd. Sterling. Ich sah solche, die schon 50 Jahre in 
einem Garten gestanden haben und die noch so fest und 
gut aussahen, als wären sie eben erst aufgestellt. Auf 
meine Frage, wie man es anfange, diese Figuren gegen 
Frost und Feuchtigkeit so unempfindlich zu machen, sagte 
mir der Kunsthandwerker Cheer in seinem Atelier, daß 
man in England die Gipsmodelle, über welche die Blei- 
figuren gegossen werden, in einem Stück herstelle, wo- 
durch die Gußstücke eine große Haltbarkeit erhielten. 



— 121 — 

Dagegen würden in Holland derartige Figuren in einzelnen 
Teilen gegossen und dann zusammengesetzt, wodurch 
sie weniger haltbar und den Witterungseinflüssen zugäng- 
licher würden. ^) 

2) Herr Alt schickt über Holland das Muster einer 
Deckenverzierung aus Papierstoff; ich fügte noch einige 
Ornamentstücke und einige Figuren aus demselben StofiF 
hinzu, auch einige kleine Nägel, mit denen man die Stücke 
mittelst der feinen Spitzen oben an den Decken befestigt. 
Alles wird dann gleichmäßig weiß oder mit anderen zarten 
Farben übertüncht ü. s. w. 

3) In derselben Kiste liegt ein Paket mit den Proben 
und dem Preisverzeichnis des Worsteed-Damast für Möbel. 
Ich habe ungefähr 1 yard von dem gelben Damast ge- 
nommen, damit man das Muster besser sehen kann. 

4) Ferner 2 Rollen Proben von Papier-Tapeten, die 
eine mit chinesischer, die andere mit englischer Malerei. 
Die Preise sind darauf bemerkt ; Ausländer erhalten hierauf 
30*^/0 Rabatt, um die Ausfuhr zu begünstigen. Chinesisches 
einfarbiges Papier versteht man in England nicht gut her- 
zustellen. Man fertigt hier mehr blaues, hellgelbes u. s. w. 
und verwendet es in Zimmern mit Konsolen für Porzellan, 
oder, um die an den Wänden hängenden Kupferstiche 
sich besser abheben zu lassen. Oft macht man davon 
ganze Einfassungen um diese Stiche herum. Ich möchte 
einigen gelernten Buchbindern unter unsern Soldaten zeigen 
lassen, wie man dazu diese Papiere aufeinander klebt, was 
man hier mit erstaunlicher Geschicklichkeit und Schnellig- 
keit auszuführen versteht. 

[5) und 6) Buch mit chinesischen F'iguren und Mo- 
delle von Drehstühlen für Gärten.] 

7) Einige Zeichnungen voa Mahagoni-Möbel, die unsern 



*) Nach Mitteilung des Herrn Schloßkastellan Engelbrecht be- 
findet sich im Kellergeschoß des Schlosses zu Wilhelmsthal eine große 
Anzahl von Bleifiguren, die sich früher auf der sog. Muschelgrotte 
und in den Parkanlagen aufgestellt befanden und die man wieder auf 
die Postamente der Grotte zu setzen beabsichtigt. Unter den Figuren 
befinden sich 22 Kinderfiguren, darunter verschiedene Gruppen (zu 2 
und 3), 4 stehende männliche, 4 sitzende männliche und 10 weibhche 
sitzende Figuren. Unter den letzteren stellen einige die Jahres- 
zeiten dar. 

Auf einem alten Bilde der „Grotte von Wilhelmsthal", gestochen 
von W. C. de Mayr, das sich auch in der Beschreibung Wilhelms- 
thals von Schmincke (Cassel 1767) befindet, sieht man alle Postamente 
in der Gitterumfassung der Grotte mit Figuren besetzt, die, nach 
Schmincke's Beschreibung vergoldete Bleifiguren waren. 



— 122 — 

Kasseler Handwerkern Anregung geben könnten, danach 
in anderm Holz zu arbeiten. 

8) Ich benutze diese Gelegenheit, um endlich das 
Verzeichnis der Sammlungen Mylord Pembrock's in 
Wilton und 

9) den Kupferstich des berühmten Gemäldes von 
Van Dyck, das sich in demselben Schlosse befindet, zu 
übersenden. 

Nur ganz beiläufig will ich die vielen Nachbildungen 
der Raphael'schen Kartons von Hampton Court er- 
wähnen, die man ebenso in den Königlichen Schlössern 
wie in den englischen Privathäusern findet und die zahl- 
reich sind, wie der Sand am Meer, (comme les terres 
entre les mains des ecclesiastiques.) 

Alle die amerikanischen Baumarten, mit denen man 
hier zu Lande die Gärten ziert, sind am besten in dem 
Buche von Miller^) beschrieben, das sich, wie Herr Alt 
behauptet, auch in E. H. D. Bibhothek befindet. Von 
allen diesen Sträuchern erscheinen jetzt in einzelnen 
Lieferungen die Abbildungen in natürlichen Farben. Man 
kann diese Stiche auch einzeln kaufen, ohne die Beschreibung. 
Wenn das ganze Werk fertig erschienen ist, werde ich 
mir erlauben, es für E. H. D. anzuschaffen. 

In London gibt es zahlreiche Baumschulen. Einer 
der Besitzer will gern die Übersendung junger Bäumchen 
von 1 Fuß Höhe nach Kassel übernehmen. Ich werde 
eine Preisliste E. H. D. vorlegen und ein Freund von mir 
wird jederzeit das Gewünschte besorgen, wenn nicht E. H.D. 
vielleicht einen Gärtner hierher senden wollen, der zugleich 
auch den englischen Geschmack hier sich aneignen könnte. 
Oberst Elliot, der die Tochter Mylord Grantham's 
geheiratet hat, würde sehr gern den Gärtner zu sich nehmen 
und ihn anlernen lassen. Er hat selbst prachtvolle Gärten 
bei London und viel Geschmack. — Auf dem Her- und 



^) Auf der Landesbibliothek zu Kassel befindet sich das genannte 
Werk : „Das englische Gartenbuch oder Philipp Millers u. s. w. Gartner- 
Lexicon. Mit verschiedenen Kupfertafeln geziert, nach der fünften 
Ausgabe aus dem Englischen in das Deutsche übersetzt von D. G. L. 
Huth. Nürnberg 1750, T. I u. II." Das Buch enthält die Bemerkung: 
Aus Ihro Hochf. Durchl. Printz George Landgraf zu Hessen Bibliothek. 
Prinz Georg war ein Bruder Landgraf Wilhelm VIII. und starb zu 
Kassel 1755. Auch das andere, oben erwähnte Werk befindet sich 
auf der Landesbibliothek: „Phil. Millers Abbildungen der Pflanzen, 
welche in seinem Gärtner-Lexicon vorkommen, nach den von der 
Natur genommenen Zeichnungen in Kupfer gestochen und illuminirt. 
Aus dem Englischen übersetzt. Nürnberg 1768." 



— 123 — 

Rückwege bin ich an vielen Gärten vorbei gekommen. 
Dabei sah ich bei einem Mr. Hamilton eine einfache 
Wasserhebemaschine. (Folgt eine schwer verständliche 
Beschreibung derselben.) Vielleicht kennt Herr Waitz^) 
diese Maschine schon, deren Prinzip bereits bei Belidor 
zu finden sein soll, und vielleicht auch könnte Herr Waitz 
beurteilen, ob man sie verwerten könnte, um das Wasser 
aus der Umgegend der kleinen Fohlenkoppel bei Wil- 
helmsthal in das große Vorratsbecken für die Kaskade 
zu schaffen. 

Die innigsten Wünche für das Wohlergehen E. H. D. 
und für die glückliche Abwehr alles dessen, was Hoch- 
dieselben in dieser schweren Zeit bedroht, werden mich 
jeden Tag auch im neuen Jahr beseelen und so lange ich 
leben werde. Ich wiederhole sie beim Jahreswechsel und 
bitte E. H. D. untertänigst, mir auch ferner Hochderen 
Huld zu schenken. — 

No. 31. Der Landgraf au Fiirstenberg. 

Kassel, 30. XII. 56. 

Ich danke Ihnen zunächst, mein lieber P'ürstenberg, 
für die guten Wünsche zum Neuen Jahr. Ich weiß, daß 
sie aus treuem Herzen kommen. In Dankbarkeit und 
unveränderter Freundschaft wünsche ich Ihnen von Herzen 
Glück für das kommende und viele andere Jahre. 

Die Sorge um Meine Truppen hatte mich in eine 
Aufregung versetzt, die ich länger nicht hätte ertragen 
können. Für ewige Zeiten hat sich die englische Nation 
mit Schmach und Schande bedeckt und sie kann nicht 
verlangen, daß man ihnen jemals wieder Truppen zu 
solcher Verwendung überläßt. — Ich bin nun sehr gespannt, 
was man wegen der Rücksendung Meiner Truppen be- 
schlossen hat und es wäre mir höchst unlieb, wenn diese 
Fragen wieder in's Stocken kämen. 

Aber mit Neugierde sehe ich auch der Ankunft der 



^) Jacob Sigismund Waitz, geb. 1698 zu Gotha, war 1728 vom 
Landgraf Carl von Hessen als Mathematiker in Dienst genommen, 
dann Bergrat, Kammerrat und Obersalzgrebe in Allendorf a. d. Werra 
geworden. Unter Wilhelm VIII. wurde er 1754 Kammerdirektor, 1757 
Staatsminister, unter Friedrich II. 1764 Kammerpräsident. Kaiser 
Franz I. erhob ihn unter dem Namen Waitz P'reilierr v. Eschen in 
den Reichsfreiherrnstand. 1773 wurde Waitz Preußischer Staats- und 
Kriegsminister und starb 1776. 



— 124 — 

schönen Dinge entgegen, die Sie in London für mich 
erstanden haben. Zwar kenne ich ja alles schon aus 
Ihren Briefen, aber man muß die Gegenstände selbst ge- 
sehen haben, ehe man sich darüber aussprechen kann. 
Zunächst meinen besten Dank für diese neuen Beweise 
Ihrer Aufmerksamkeit gegen mich. Ich werde Waitz 
die Beschreibung des Wasserrades aus dem Park von 
Hamilton zugehen lassen; er kann am besten beurteilen, 
ob es praktisch und hier verwendbar ist. 

No. 32. Fürstenber§^ au den Laudgrrafen. 

Winchester, 9. Januar 1757. 

E. H. D. werden aus dem Bericht des Grafen von 
Isenburg ersehen haben, daß die ihm anvertrauten Regi- 
menter am 23. Dezember mit der Räumung des Lagers 
begonnen haben, um in die ihnen angewiesenen Quartiere 
zu marschieren. Das Einrücken ist ohne große Schwierig- 
keiten vor sich gegangen. Die Einwohner, die ebenso 
wie der Hof gefürchtet hatten, daß sich hierbei der Groll 
unserer Soldaten Luft machen würde, waren erstaunt, daß 
sich alles so ruhig und ordentlich vollzog. Zunächst haben 
es die Mannschaften ganz gut. Da der Weizen jetzt teuer 
ist, wollen die Regimenter sich sog. Hausbackenbrot, das 
mehr Kleie enthält, anschaffen. Dies Brot ist gesund und 
hält länger vor. Die Zahl der an der Krätze Leidenden 
nimmt schon ab. — Die Offiziere sind schlecht untergebracht. 
Die Schankwirte wollen sie zwingen, sich für ihr eigenes 
Geld bessere Quartiere zu mieten, wie es die englischen 
Offiziere immer tun. Auch die Kost der Offiziere ist sehr 
mangelhaft und die Wirte suchen sie auf alle Weise mit 
der Heizung zu ärgern, ebenso mit dem Gelaß für deren 
Knechte und Pferde und mit der Fourage, die wir selbst be- 
zahlen müssen. Ich habe den mir befreundeten Obersten 
Watson, der bei dem Wechsel in unserer Unterbringung 
in Winchester sich aufhielt, darauf aufmerksam gemacht, 
daß, wenn auch nach dem Parlamentsbeschluß unsere 
Truppen auf demselben Fuß wie die englischen behandelt 
werden sollen, man doch berücksichtigen müsse, daß die 
englischen Offiziere hier im Lande noch auf dem Friedensfuß 
ständen, keine Pferde, wie die unsrigen, zu halten brauchten, 
die Bedienung durch Soldaten umsonst hätten und dabei 
in steter Verbindung mit Freunden und Verwandten wären 
und mit ihrem God-Dam alles erreichen könnten. Dagegen 



— 125 — 

be&nden sich unsere Offiziere in mobilem Zustande, dürften 
bei Verlust ihrer Stellung keinen Soldaten zur persönlichen 
Bedienung verwenden, wären im Lande gary: fremd und 
in steter Gefehr, Wucherern in die Hände zu fallen, wo- 
egren sie kein Gesetz schützte. Und so habe ich es 
[r- Watson nahe gelegt, doch bei Sr. K. H. dem 
Herzog von Cumberland dahin vorstellig zu werden, 
daß fiir die Quartiere unserer Offiziere irgend welche Auf- 
besserungen seitens der Regierung geschähen. Das würde 
der Billigkeit und Gerechtigkeit entsprechen ! Ob es Erfolg 
haben wird? 

Die 8 hannoverschen Bataillone, die noch in England 
sind, sollten nun auch eingeschifft werden; aber der 
starke Frost hat die Abfahrt verhindert. Über unsern 
Rücktransport ist noch gar nichts bestimmt. Die für 
Amerika bestimmten Truppen -Nachschübe nehmen alles 
in Anspruch und erfordern so viele Schiffe, daß man so- 
ar ängstlich nach denen ausschaut, welche die erste 
ivision der Hannoveraner nach Cuxhaven gebracht 
haben. Das wird unsere Rückfahrt außerordentlich ver- 
zögeniy abgesehen davon, daß man das Königreich nicht 
gern von allen Truppen entblößen wird. 

Da das langweilige Winchester^) gar nichts bietet 
und ich leider noch nicht die alten chinesischen Lack- 
waren erwerben konnte, die mich so sehr anziehen, so 
will ich nur erwähnen, daß es den Pferden E. H. D. gut 
geht und daß ich Aussicht habe, ein Paar guter Paß-Pferde 
zu bekommen, die von schöner Farbe und für die Zucht 
geeignet sind. Im Falle des spätem Transportes müßten 
die Pferde — entweder über Helvoet ^) oder über Rotter- 
dam — wohl unter Aufsicht guter englischer Stallknechte, 
wie man sie für solche Zwecke gewöhnlich mietet, bis 
zur Übernahme durch die Hofbedienten nach Wilhelms- 
thal gebracht werden. 

No. 33. Fürstenberg an den Landgrafen. 

Winchester, 13. I. 57. 

Schriftlich und mündhch versichern mich meine eng- 
lischen Freunde, daß sie sich nicht eher trauten uns in's 
Gesicht zu sehen, als bis wir aufs beste untergebracht 



*) Fürstenberg hatte sein Quartier in Winchester behalten, ebenso 
war das hessische Ober-Kommando dort verbheben. 
■) Helvoirt bei Hertogenbosch? 



— 128 — 

Truppen werden geachtet und angestaunt. — Mit den 
Offizieren, die anfangs recht schlecht untergebracht waren 
und deren Knechte man gegen Quartierbillets nicht auf- 
nehmen wollte, ist es nun auch besser geworden. (Fürsten- 
berg wiederholt hier den Vergleich zwischen den englischen 
und den hessischen Offizieren. S. Brief No. 32.) Wenn 
doch nur Herr Alt der englischen Regierung begreiflich 
machen könnte, daß unsere Offiziere in Anbetracht dieser 
Schwierigkeiten und Lasten eine besondere Zulage er- 
halten müßten. Bekommen doch die englischen Offiziere 
auch eine Zulage, wenn sie sich mit der Truppe im Aus- 
land befinden! 

Die Hannoveraner, die nur auf Tauwetter gewartet 
haben, um abfahren zu können, werden wohl jetzt bei der 
Einschiffung sein. Von der unsrigen schweigt man gänz- 
lich und wir fragen auch nicht mehr danach. Der Trans- 
port der 10000 Mann nach Amerika soll jeden Tag beginnen, 
es sind auch bereits die englischen Regimenter bezeichnet, 
die die irländischen ersetzen sollen, die mit nach Amerika 
gehen. Das Gerücht, daß auch wir nach Amerika ver- 
schickt werden sollten, ist gänzlich verstummt. 

Noch hält das neue Ministerium sich nicht für stark 
genug, um Entscheidendes zu unternehmen. Im Übrigen 
aber merkt man doch den frischen Zug, der in die 
Erledigung der Geschäfte gekommen ist. An dem Zu- 
standekommen eines Ausgleichs braucht man wohl 
nicht mehr zu zweifeln; es kommt nur darauf an, dem 
Volke die zu ergreifenden Maßregeln mundgerecht zu 
machen. — Ich habe jetzt ein Paar Pracht-Stuten für E. H.D. 
in Aussicht. 

No. 36. Der Landgraf an Fttrstenberg. 

Kassel, 28. II. 57. 

Ich w^ar auf dem besten Wege, diese Winterquartiere 
als eine neue Quelle des Ungemachs und der Quälerei 
für Meine Truppen anzusehen. Ihr Brief hat mich aber 
überzeugt, daß nun alles in die Wege geleitet ist. — Ich 
hoffe mit dem nächsten Kurier die endgültigen Beschlüsse 
des Parlaments über die Rücksendung der Regimenter 
zu erhalten, wodurch ein für alle mal dem Ärger, der mit 
ihrem Aufenthalt in England verbunden war, ein Ende 
gemacht wird. Und sollte später ein ähnlicher Fall wieder 
eintreten, so haben wir nun hinreichend gelernt, wie man 
sich bei solcher Gelegenheit vorsehen muß. 



— 129 — 

Wenn die beiden für mich in Aussicht genommenen 
Stuten gekauft werden sollten, so könnten Sie diese 
Pferde gleichzeitig mit den andern beiden, die Sie mir 
abgetreten haben, beim Rücktransport der Truppen herüber 
bringen lassen. — Von den aus London gesandten Sachen 
ist noch nichts eingetroffen. Das Eis in den Gewässern 
wird wohl ihre Ankunft verzögert haben. 

No. 37. Fttrsteiibcr^ au den Landgrafen • 

Winchester, 6. III. 67. 

Das Dunkel, das über dem Zeitpunkt unserer Rück- 
reise lag, beginnt sich endlich aufzuhellen. Major von 
Gohr und Oberst Watson sind von London zurück ge- 
kommen. Der Herzog von Cumberland möchte jetzt 
in Rücksicht auf die in Deutschland eingetretenen Ver- 
hältnisse und wohl auch auf besondern Wunsch des Königs 
unsem Abmarsch beschleunigen. Unsere Artillerie wird 
wohl gestern schon in Chatham^) eingetroffen sein und 
die ersten Infanterie-Regimenter werden sich übermorgen 
dorthin in Marsch setzen, während die übrigen derart 
folgen, daß gegen den 24. März alle in der Gegend von 
Chatham vereinigt sind. Die Einschiffung soll sofort 
beginnen, nachdem die Schiffe, auf denen die Hannoveraner 
hinübergebracht sind, wieder zurückgekommen, gereinigt, 
für die Pferde hergerichtet und verproviantiert sind. Der 
Herr Herzog rechnet bestimmt darauf, daß diese Schiffe 
gleich den ersten Tag nach unserer Ankunft bei Chatham 
eintreffen werden und daß dann kein Augenblick verloren 
geht, um mit unserer Einschiffung beginnen zu können. 
Allerdings sind Gegenbefehle nicht ausgeschlossen, denn 
auch der Transport der für Amerika bestimmten Truppen ist 
wieder verschoben. Oberst Watson meint, die Quartiere 
bei Chatham wären derartig, daß wir es dort recht lange 
aushalten könnten. Sobald ich auf dem Marsche in die 
Nähe von London und in den Bereich meiner dortigen Be- 
kannten gekommen bin, werde ich meinen Bericht fortsetzen. 
Alle Welt beschäftigt sich jetzt mit der schon so lange 
dauernden Untersuchung gegen Mr. Byng^), nachdem 
der Kriegsrat sich nicht aus Gnade, sondern nach Pflicht 
und Gewissen, für ihn verwendet hat. Mr. Pitt hat daraus 
Veranlassung genommen seine Begnadigung zu beantragen. 

*) östlich London, an der Mündung der Themse. 
•) S. Brief No. 16. 

N. F. BD. XXX. 1) 



— 132 — 

Die englischen Offiziere, die Oberst Watson jeder 
unserer Marschkolonnen beigegeben hat, melden, daß bis- 
her unterwegs nicht die geringste Unordnung stattgefunden 
hat. Hoffentlich wird es so bis zuletzt bleiben. Wenn 
nur nicht wieder ein Aufschieben unserer Einschiffung 
stattfindet! Denn dann müßte sofort wieder ein Auseinander- 
legen unserer Regimenter bei Chat ha m eintreten. — Nun 
habe ich auch die zweite Stute für E. H. D. gekauft. 
Übermorgen werde ich mich den letzten 4 Regimentern 
auf dem Marsch nach Chatham anschließen. 

No. 39. Der Landgraf an Fürstenberg. ^) 
Kassel, 27. III. 57. 

Schon als ich Ihren vorletzten Brief, vom 6. d. M., 
erhielt, glaubte ich, daß meine Antwort darauf Sie nicht 
mehr in England antreffen würde. Ich mußte damit also 
warten, bis Sie über das Meer herübergekommen waren. 
Und da nun auch Ihr letztes Schreiben vom 13. Ihre 
baldige Abfahrt in Aussicht stellt, so sende ich Ihnen die 
Antwort auf beide Briefe durch den Offizier, den ich nach 
Stade schicke, um dem Korps die Geldsorten zu bringen, 
die es gleich nach der Ausschiffung nötig hat. — Es freut 
mich, daß das gute Verhältnis zwischen Meinen Truppen 
und der englischen Bevölkerung sich bis zuletzt erhalten 
hat. Die Achtung, die sich die Hessen drüben er- 
worben haben, hätte ja eigentlich den Wunsch zeitigen 
müssen, sie noch länger drüben zu behalten. Unter den 
jetzigen Verhältnissen bin ich aber mit dieser Lösung ganz 
zufrieden und nun will ich nur wünschen, daß Meine Truppen 
eine recht gute, glückliche Überfahrt haben. Hoffentlich 
erfahre ich bald Ihre Ankunft in Stade. Die acht Re- 
gimenter sollen zunächst den Schutz Meiner Grafschaft 
Schaumburg übernehmen. 2) Lieb wäre es mir, wenn Sie 
sich nach dem Eintreffen in Stade recht bald losmachen 
und zu mir nach Kassel kommen könnten. Ich möchte 
Ihnen gern mündlich danken für alle Aufmerksamkeiten^ 
die Sie mir während Ihres Aufenthaltes in London bezeigt 
haben, und außerdem, mein lieber Fürstenberg, habe ich 



^) Diesen Brief erhielt Fürstenberg erst bei der Ankunft in Stade^ 
am 5. Mai 1757. 

■) Hierin sollte sich Landgraf Wilhelm sehr bald getäuscht sehen. 
Die Hessen sammelten sich zunächst bei Hameln, von wo aus sie 
später nach Bielefeld marschierten. 



— 133 — 

Ihnen so viel zu sagen . Herzlichsten Dank auch 

für Ihre freundlichen Wünsche zu meinem Geburtstag. 

No. 4/d. Fürstenberg an den Landgrafen. 

Chatham, 2. IV. 57. 

Am 19. März bin ich mit den Regimentern Garde, 
Grenadiere, Erbprinz und Prinz Isenburg in die hiesigen 
Quartiere gekommen, die sich von Staues über Croydon 
und Dettford nach Gravesend erstrecken. Ich habe 
besonders den Offizieren, die London zunächst liegen, die 
größte Aufmerksamkeit anbefohlen, daß sie straffe Disziplin 
halten und verhüten, daß die Soldaten in die Stadt laufen, 
wo sie doch nur umher bummeln und dem Auswurf 
der Bevölkerung beiderlei Geschlechtes in die Hände fallen 
würden. Einen Teil der Quartiere habe ich schon be- 
sichtigt und dort alles ruhig gefunden. Oberst Watson 
will uns aber noch weiter auseinander legen. 

Am 27. März bin ich nach London gereist, habe mich 
dort bei Hofe verabschiedet und war am 30. wieder hier. 
Der König sagte, er brenne darauf, daß wir eingeschifft 
würden. Aus innerster Überzeugung konnte ich S. M. 
versichern, daß wir von dem gleichen Wunsch beseelt seien. 

Seit dem 15. März haben wir heftigen, widrigen Wind. 
S. K. H. der Herzog von Cumberland will so bald 
als möglich nach dem Kontinent fahren, um das Kommando 
der Observations-Armee zu übernehmen. Jedenfalls will 
er früher dort eintreffen, als wir. Er hat immer mehr das 
Ohr des Königs gewonnen und begünstigt immer noch 
auffallend Mr. Fox, der seinerseits alles aufbietet, dem 
jetzigen Ministerium entgegen zu arbeiten.^) Obgleich 
dieses es offen ausspricht, daß ihm gar nichts daran liegt, 
am Ruder zu bleiben, wird es doch durch die Schwierigkeit 



*) Pitt, die Seele des neuen Ministeriums, der die von seinen 
Vorgängern geschlossenen Verträge, namentlich die Allianzen mit dem 
König von Preußen und den anderen deutschen Fürsten, gemißbilligt, 
aber doch erneuert hatte, war durchaus gegen die Aufstellung eines 
Heeres von englischen und deutschen Truppen in Westfalen gewesen. 
Als nun Pitt im November 1756 als Staatssekretär unter Newcastle 
die Geschäfte leitete (die vom König sehr erschwert wurden), weigerte 
sich der Herzog von Cumberland, das Kommando der Observations- 
Armee zu übernehmen, ehe nicht Pitt von seinem Amte entfernt würde. 
Dies, ebenso das Abtreten Legge's geschah im April 1757. Aber be- 
reits im Juni desselben Jahres war Pitt wieder im Ministerium, ebenso 
Newcastle, Legge und Fox. Letzterer hatte nach dem Abtreten Pitt's 
vergebens versucht, ein haltbares Ministerium zusammen zu bringen. 



— 134 — 

gehalten, jetzt Leute zu finden, die es ersetzen könnten. 
Unter solchen Verhältnissen kommt der Staatskarren 
natürlich nicht vorwärts. (Es folgen Bemerkungen über 
Baumschulen und Mahagoni-Möbel, die Fürstenberg in 
London gesehen hat.) 

Da der nächste Rapport unzweifelhaft den Zeitpunkt 
unserer Einschiffung angeben wird, so bitte ich E. H. D. 
alleruntertänigst befehlen zu wollen, daß ich die Hofstall- 
knechte dort finde, wo wir ausgeschifft werden (jedenfalls 
in Stade) oder wo wir in's Quartier kommen. In letzterem 
Falle wäre es mir lieb, wenn ein Sachverständiger meine 
eigenen Pferde darauf ansehen wollte, ob sich darunter 
etwa eine für Beberbeck ^) brauchbare Stute befindet. 

No. 41. Färstenberg an den Landgrafen. 

Chatham, 25. IV. 57. 

Ich habe nicht gewagt, einen neuen Bericht zu senden, 
weil ich seit Wochen nichts hätte melden können, als daß 
wir noch immer in den Quartieren steckten, uns dort 
munter und wohl befänden, aber mit Ungeduld auf die 
Abfahrt warteten. Nun sind endlich die so sehnsüchtig 
erwarteten Transportschiffe zurückgekommen und sofort 
wieder instand gesetzt worden. Nachdem am 22. mit 
der Einschiffung der Artillerie begonnen ist, sollen nun 
auch die Regimenter an die Reihe kommen. Am 28. 
hoffen wir unter Segel gehen zu können und eine kurze, 
glückliche Überfahrt zu haben. Und dann soll es rasch 
dorthin gehen, wohin der Dienst E. H. D. uns rufen wird. 

Anstatt in Sheerneß sollen sich die Schiffe in 
Harwich^) sammeln, wo die Bedeckung uns erwartet. 
Auch sollen in Abänderung des früher gegebenen Befehls, 
die Pferde erst dann in die Schiffe kommen, wenn alle 
Mannschaften eingeschifft sind. Das wird uns 2 — 3 Tage 
Zeit kosten. Aber ich hoffe, daß dieser am grünen Tisch 
ausgeheckte Befehl wieder zurückgenommen wird. — 

Unsere Truppen befinden sich in gutem Zustande 
und sie werden sich neben den übrigen Truppen der 
Observations- Armee sehen lassen können. Diese Armee 
wird übrigens alle diejenigen bekehren, die da meinen. 



*) Landgräfliches Gestüt im Reinhard swalde bei Kassel. 
*) Sheerneß dicht östUch von Chatham, Harwich ca. 80 km 
nordöstlich davon entfernt. 



— 135 — 

die Kavallerie sei überflüssig. ^) Ich für meinen Teil möchte 
wohl, daß wir noch mehr von dieser Waffe hätten, und 
daß unsere Infanterie mit der Verwendung der Kavallerie 
mehr vertraut wäre und ihr den nötigen Rückhalt zu 
geben verstände, wodurch jene besser instand gesetzt wird, 
erfolgreich drauf los zu gehen. 

Eins ist gewiß: E. H. D. Regimenter nehmen beim 
Scheiden aus England die Achtung, ja, ich darf wohl 
sagen, die Liebe der ganzen Nation mit sich. Obgleich 
die letzten Kantonnements-Quartiere sehr eng belegt waren, 
sind doch nur verschwindend wenige Zwistigkeiten vor- 
gekommen. 

Im Londoner Ministerium ist fortgesetzt große Auf- 
regung gewesen. Noch vor der Abreise des Herzogs 
von Cumberland hatte man die Entlassung Mylord 
Templers und Mr. Pitfs durchgesetzt. Aber die Ver- 
änderungen sind damit noch nicht abgeschlossen ; es spielen 
viele Hofgeschichten mit, von denen ich wohl später einmal 
mündlich und ausführlich berichten, darf. Unzweifelhaft 
hat Mr. Fox hierbei eine große Rolle gespielt. — Die 
Stadt London sucht bei jeder Gelegenheit ihre Verehrung 
für Mr. Pitt zu zeigen und in anderen großen Städten 
des Königreichs geschieht dasselbe. Dagegen droht man 
öffentlich Mr. Fox. Die Gährung ist groß. Mehrfach 
schon ist der Posten eines Staatssekretärs ausgeschlagen 
worden, weil die Partei Fox, der auch einige Ministersitze 
versprochen sind, ebenso von den Anhängern Mr. Pitt^s, 
wie von , der Partei New Castle gehaßt wird. Wenn man 
nun die Partei Fox nicht fallen läßt, so ist sehr zu fürchten, 
daß einerseits die Unruhe im Volke wächst, andererseits 
der Kredit abnimmt. Jetzt schon befinden sich die Staats- 
geschäfte wieder in einem Zustande der Versumpfung, 
der sich mit der kriegerischen Zeit durchaus nicht ver- 
trägt. Um aus dieser unerträglichen Lage herauszukommen, 
müßte das Wunder geschehen, daß sich die beiden Parteien: 
Pitt undNewcastle vertrügen und ein gemeinschaft- 
liches Ministerium bildeten, das sich gegenseitig stützte 
und das öffentliche Vertrauen wieder herstellte. 

Nachschrift. Der törichte Befehl, die Pferde zuletzt 
zu verladen, ist glücklicher Weise wieder zurückgenommen. 
Die Einschiffung geht gut vorwärts. Vier Regimenter 

*) Die Observations-Armee bestand (nach v. Westphalen) aus 
46 Bataillonen und 46 Schwadronen. 



— 136 — 

mit Fahrzeugen und Gepäck, auch die Artillerie, sind 
schon an Bord. Ich komme soeben von den Schiffen. — 
Die Pferde E. H. D., die munter und in gutem Zustande 
sind, will ich morgen oder übermorgen zusammen mit den 
meinigen verladen. Ich mache auf demselben Schiff wie 
sie die Rückfahrt. 



Diese Rückfahrt der hessischen Regimenter ging 
keineswegs so schnell und glücklich von statten, wie Fürsten- 
berg in dem vorstehenden Brief es gewünscht hatte. Am 
1. Mai war die Transport- Flotte bei Harwich vereinigt und 
unter dem Schutz mehrerer englischer Kriegsschiffe ging es 
in die Nordsee. Am anderen Morgen lag ein dicker Nebel 
auf dem Wasser. Durch irrtümliche Auffassung der von 
den Kriegsschiffen hierbei abgegebenen Signalschüsse wurde 
eine Trennung der Flotte in zwei Gruppen veranlaßt, von 
denen die eine nach Norden, die andere nach Südwest 
segelte, so daß von den 45 Transportschiffen am 5. Mai 
erst 25 in die Elbe einliefen und es 8 Tage dauerte, bis 
auch die übrigen, bei denen sich auch Fürstenberg's Schiff 
befand, bei Stade eintrafen. Seit Wochen lagen hier schon 
Briefe und Befehle des Landgrafen und des Herzogs 
von Cumberland, die auf die Befehlshaber der hes- 
sischen Truppen warteten. 

Graf von Isenburg, dessen schon in England 
eingereichtes Abschiedsgesuch von Wilhelm VIII. ge- 
nehmigt war, übergab nach der Ausschiffung der Truppen 
das Kommando dem Generalleutnant v. Die de, der es 
seinerseits bald in die Hände des Prinzen Casimir von 
Isenburg legte, von dem es schließlich nach wenigen 
Wochen auf den General - Leutnant v. Wutgin au über- 
ging, den der Landgraf zum kommandierenden General 
der gesamten hessischen Truppen ernannt hatte. 

Zur Übernahme der vom General v. Fürstenberg in 
England gekauften Pferde hatte der Landgraf den Hof- 
Kurschmied Kersting nach Stade gesandt, der sie in 
der ersten Woche des Juni glücklich nach Kassel brachte. 
In einem Briefe an Fürstenberg aus Kassel vom 9. VI. 57, 
gibt der Landgraf seiner hohen Befriedigung über den 
Erwerb dieser schönen Pferde und seinem Dank dafür 
Ausdruck. Über die Ankunft der aus London abgesandten 
Kisten (Brief No. 30) ist dagegen in den in den Kriegs- 
akten enthaltenen Briefen nichts zu finden. 



— 137 — 

Schwere Zeiten brachen jetzt herein über Hessen und 
seinen ehrwürdigen Fürsten. Die Hoffnung, daß die Ob- 
servations-Armee bereit und im Stande sein würde, die 
vom Niederrhein heranrückende französische Armee von 
den Grenzen der hessischen Lande abzuhalten, erwies sich 
bald als trügerisch. Am Ende des Monat Juni waren die 
Franzosen so nahe herangekommen, daß der Landgraf 
sich entschließen mußte, sein von fast allen Truppen ent- 
blößtes Land zu verlassen. Am 5. Juli reiste Wilhelm 
von Kassel nach Hamburg. Am 15. Juli wurde Kassel 
von den Truppen des Marschall Richelieu besetzt, und 
damit begannen für Hessen Zeiten unerhörter Bedrückung. 

Die Briefe Fürstenberg's an den Landgrafen setzen 
sich in den Kriegsakten bis zum September 1757 fort. 
Der letzte Brief des Landgrafen an seinen Generaladjutanten 
kam aus Hamburg am 15. VIIL 57. 

In seinen letzten Briefen wiederholt der Landgraf 
stets das Verlangen, seinen Generaladjutanten recht bald 
bei sich zu sehen, um ihm zu danken. Aber durch die 
nun eintretenden kriegerischen Ereignisse, an denen Fürsten- 
berg mit Auszeichnung teil nahm, vereitelten den Wunsch 
des Fürsten. Es läßt sich aus den Akten nicht feststellen, 
ob Fürstenberg Gelegenheit fand den Landgrafen in 
Hamburg aufzusuchen, als nach der Konvention von 
Kloster-Zeven^) das hessische Korps, zur Untätigkeit 
verurteilt, zuerst bei diesem Ort dann bei Bremervörde^) 
lag, und als schlief51ich Herzog Ferdinand von Braun- 
schweig, der Nachfolger des Herzogs von Cumber- 
land im Oberbefehl, die alliierte Armee bei Buxtehude^) 
zu neuen Taten zusammenzog. Die Erbprinzessin Maria 
von Hessen, die mit ihrem Schwiegervater den Aufent- 
halt in Hamburg teilte, erwähnt in ihren gleichzeitigen 
Briefen an ihren in Kopenhagen lebenden Sohn Wilhelm 
nichts von einem Besuch Fürstenbergs am Hoflager in 
Hamburg. 

Nach dieser Zeit aber — während des Jahres 1758 — 
hat Fürstenberg infolge seiner dienstlichen Verwendung 
und wegen der großen Entfernung der alliierten Armee 
von dem Aufenthalte des Landgrafen nicht daran denken 
können, seinen Herrn zu besuchen, weder in Hamburg, 



*) Kloster Zeven liegt ungefähr 56 km südwestlich von Hamburg. 
*) Bremervörde 50 km westlich von Hamburg. 
^) Buxtehude 22 km südwestlich Hamburg. 



~ 138 — 

noch in Kassel, wo Wilhelm VIII. vom 6. Mai bis 19. Juli 
sich noch der vorübergehenden Räumung der Stadt durch 
die Franzosen wieder aufhalten konnte und das er dann 
nicht wieder sehen sollte. ^) 

Erst in Bremen, wohin Wilhelm VIII. im Juli 1758 
sich zurückgezogen hatte, erschien gegen Ende dieses 
Jahres der General v. Fürstenberg um, zum großen Er- 
staunen des Landgrafen, „aus Gesundheitsrücksichten" 
um seinen Abschied zu bitten. 

Ob andere Gründe hier mitgewirkt haben, den Gene- 
ral zum Austritt aus den hessischen Diensten zu ver- 
anlassen, läßt sich aus den Kriegsakten nicht feststellen. 
Fürstenberg hat am 10. Oktober 1758 unter dem hannover- 
schen General v. Oberg an dem für die alliierten Waffen 
unglücklichen und unrühmlichen Gefecht bei Lutterberg 
(bei Kassel) teilgenommen. Auf dem Marsche dorthin 
hatten sich hessische Soldaten, darunter auch Leute des 
Regiments v. Fürstenberg, in dem Schloß des Münster- 
schen Oberstleutnant v. Spiegel in Zeppenhagen grobe Aus- 
schreitungen und Plünderungen zu Schulden kommen 
lasssen, die in hohem Maße den Unwillen des Herzogs 
Ferdinand von Braunschweig und des Land- 
grafen von Hessen erregten und deren Untersuchung 
sich bis in das Frühjahr 1759 hinzog. 

Möglicherweise haben diese unangenehmen Ereig- 
nisse dazu beigetragen, dem General v. Fürstenberg 
den Aufenthalt im alliierten Heere zu verleiden. — Der 
erbetene Abschied wurde ihm im Januar 1759 bewilligt. 

So viel steht fest, daß die Gesundheit Fürstenberg's 
nicht allzusehr erschüttert war. Er ist sehr bald in 
kurpfälzische Dienste zurückgetreten und hier bereits am 
20. November 1759 zum General-Inspekteur der Infanterie 
ernannt worden. ^) 



^) Er starb zu Rinteln am 1. Februar 1760. 

*j Dem Herrn Oberst z. D. Staudinger vom Königl. Bayerischen 
Kriegsarchiv zu München sei an dieser Stelle besonders gedankt für 
die Feststellung dieser Tatsache und für die Mitteilung des Wortlautes 
des „General-Inspektoren-Patents" für den Freiherrn v. Fürstenberg. 



Dentsehe Kaiser nnd Könige in Hessen. 



Von 
Karl VTenck. 



In unseren Tagen gilt es als unerläßlich zur Stärkung 
des Gefühls der Zugehörigkeit zum Reich, daß der Kaiser 
bisweilen in den Marken im Osten und Westen, in Posen 
und im Elsaß, persönlich erscheint. Dagegen haben von 
Kaiserfahrten in die Grenzländer des Reichs so manche 
Jahrhunderte des Mittelalters nichts zu* erzählen, so wenig 
der deutsche Herrscher damals eine feste Residenz hatte. 
Seit den Zeiten der Staufer kam das Reichsoberhaupt in 
der Regel nicht über Süd- und Westdeutschland hinaus. 
Das war für die Geltung des deutschen Königtums im 
Norden und Osten entschieden ungünstig, die Bewohner 
jener weiten Gebiete, in denen ohnedies eine stärkere 
Territorialgewalt das Königtum in Schatten stellte, ent- 
behrten jeder unmittelbaren Fühlung mit dem Träger der 
Krone. 

Aber man weiß ja, daß im Mittelalter die Umzüge 
des Königs im Reich, wie die des Fürsten im Lande, 
keineswegs durch das Bedürfnis der Repräsentation ver- 
anlaßt wurden. Diese Umzüge füllten bekanntlich das Jahr 
aus, sie waren nicht bestimmt, monarchische Gesinnung 
zu wecken und zu werben, vielmehr ergaben sie sich aus 
praktischen Bedürfnissen, aus den Verhältnissen, welche 
die für uns selbstverständliche Ordnung der Dinge, eine 
feste Residenz des Herrschers, so lange Zeit nicht auf- 
kommen ließen. Der unentwickelte Zustand des Verkehrs, 
die Unbeweglichkeit der Masse der Regierten, nötigte die 
Zentralgewalt, wenn Personen und Dinge an sie heran- 
treten sollten, ihnen selbst nachzugehen. 



— 140 — 

So hat der König im Umherziehen seines Amtes als 
höchster Richter gewaltet, er hat ebenso neben den Auf- 
gaben der Rechtssprechung Geschäfte der Verwaltung ge- 
führt oder ihre Führung beaufsichtigt. Beispielsweise zog 
ihn die Erledigung eines Bischofssitzes, eines Abtsstuhls in 
diese oder jene Stadt. Ein Akt der Verwaltung war es 
auch, daß er für die Ernährung des wandernden königlichen 
Hofstaats in angemessenem häufigen Wechsel die Erzeug- 
nisse der verschiedenen königlichen Domänen, ihres land- 
wirtschaftlichen Betriebes, aufbrauchen ließ. Die schlechten 
Verkehrsverhältnisse zwangen dazu, daß der Konsument 
zu den Produkten kam. Heute ist es umgekehrt. 

Eine andere Pflicht, die doch wesentlich als ein Ver- 
gnügen empfunden wurde und als solches allen anderen 
voranstand, die Jagd in den königlichen Forsten, war einer 
der wichtigsten Hebel für die Beweglichkeit des Hofes. 
Das ist neuerdings durch eine gute Einzeluntersuchung 
mit allem Fleiß ausgeführt worden. ^) 

Wir sind ja, so lückenhaft unser Material ist, in der 
Lage, die Könige auf ihren Umzügen zu begleiten. Ver- 
hältnismäßig wenig bieten die chronikalischen Quellen, 
das beste verdanken wir der Kanzlei, die mit dem König 
wanderte und hier und dort die Urkunden ausstellte, deren 
Angaben von Zeit und Ort uns gestatten, den wechselnden 
Aufenthalten des Herrschers zu folgen. Ich bin der An- 
sicht, daß die Itinerarien, welche die moderne Urkunden- 
forschung hergestellt hat, noch nicht genügend für historisch- 
geographische Aufgaben ausgenutzt wurden. Man hat 
wiederholt in den letzten Jahrzehnten die Reihe der Aufent- 
halte deutscher Könige und Kaiser an einzelnen Orten fest- 
gestellt, den Kolmarern ^), Straßburgern ^) ist in leicht 

*) Heinr. Begiebing, Die Jagd im Leben der salischen Kaiser. 
Bonn 1905. 

*) Karl Albrecht, Besuche deutscher Könige und Kaiser in 
Colmar. Leipzig 1878. Festrede. Derselbe, Deutsche Könige und 
Kaiser in Colmar (Friedrich IlL, Maximilian I. und Ferdinand I.) nach 
gleichzeitigen Aufzeichnungen im Colmarer Stadtarchiv. Progr. des 
Lyceums in Colmar für das Schuljahr 1882—83. Colmar 1883. Colmar 
hatte einundfünfzig Mal die Ehre deutsche Könige und Kaiser zu be- 
herbergen. Ohne Kenntnis dieser Schriften habe ich im Jahre 1883 
aus Anlaß eines erhofften Besuchs Kaiser Wilhelm I. in Halle a. S. die 
Besuche deutscher Könige in Halle für einen Vortrag im dortigen 
Altertumsverein zusammengestellt. 

*) Hermann Ludwig, Deutsche Kaiser und Könige in Straß- 
burg, Stra' bürg 1889 228 SS. Folio. Ich zähle sechsunddreißig Könige 
und Kaiser als Besucher der Stadt, z. B. war Heinrich IIL acht Mal, 
Heinrich IV. sieben Mal da. 



— 141 — 

erkennbarer Absicht vorgeführt worden, wie oft einst der 
Glanz des deutschen Königshofes sich in ihrer Stadt nieder- 
ließ, auch für die Reichsstadt Nordhausen ist die gleiche 
Arbeit getan worden^), fruchtbarer scheint es mir den 
Rahmen solcher Untersuchung auf eine Landschaft aus- 
zudehnen, um Anhaltspunkte zu gewinnen, welche Be- 
deutung sie nach Zahl und Charakter der in ihre Grenzen 
fallenden königlichen Aufenthalte für das ganze des deut- 
schen Staatslebens in dieser und jener Periode gehabt hat. 
Wenn ich nicht irre, werden sich für die Geschichte des 
Reichsgutes einerseits, der Straßenzüge andererseits manche 
Anregungen aus solchen Erörterungen ergeben. 

Für die Zeit der salischen Kaiser hat Begiebing das 
interessante Ergebnis festgestellt, daß Konrad II. und 
Heinrich III. ihren Lieblingsaufenthalt im Harz hatten, 
während Heinrich IV. und Heinrich V. die Rheinlande 
namentlich den Mittelrhein auffällig bevorzugt haben. ^) Na- 
türlich hat auf diese Abwendung von Sachsen die feindseHge 
Stellung, welche die sächsischen Fürsten im Bunde mit 
der Kirche gegen das salische Kaisertum einnahmen, durch 
welche sie den Herrschern den Aufenthalt in ihrem Lande 
verleideten, großen Einfluß geübt. Noch viel seltener 
haben sich dann die staufischen Könige in den Macht- 
bereich der weifischen Herzöge begeben, im allgemeinen 
nur, wenn zwischen den beiden rivalisierenden Häusern 
Krieg herrschte ; sonst verschloß sich die erstarkende Terri- 
torialgewalt gegen Eingriffe der Krone, und weiterhin 
zog sich das Königtum immer mehr auf das Rheinland 
und Süddeutschland zurück. Von dieser Verschiebung 
ist die Stellung Hessens^) in den Wanderzügen des Reichs- 



^)Karl Meyer, Die alten deutschen Könige und Kaiser in 
Nordhausen in des Verfassers Festschrift zur 36. Hauptversammlung 
des Harzvereins zu Nordhausen am 15.— 17. Juli 1908. Nordh. 1903 
S. 5—20. Vergl. auch Th. v. Liebenau, über d. Reichspfalzen in der 
Schweiz in Kathol. Schweizer-Blätter Luz. 1901 S. 132—44 und 323—79. 

*) In der Literatur über die Unterhaltspflicht gegenüber den Kö- 
nigen (s. weiter unten) ist vielfältig hingewiesen auf die Klagen über 
die ganz besondere Bedrückung Sachsens durch beständigen Aufent- 
halt des Königs, welche Lambert von Hersfeld 1073 und 1074 den 
Sachsen in den Mund legt. Schon H. Delbrück, über die Glaubwür- 
digkeit Lamberts von Hersfeld, Bonner Diss. 1873 S. 32—33, hat aus- 
geführt, daß sie unglaubwürdig sind, weil mit den tatsächlichen Ver- 
hältnissen im Widerspruch, vergl. Meyer von Knonau, Jahrbücher des 
Deutschen Reichs unter Heinrich IV. und Heinrich V. Bd. II (1894) 
S. 858 f. und 864. 

') Ich verstehe unter „Hessen" im allgemeinen das ehemahge 



— 142 — 

Oberhauptes mehr, als man nach seiner gegen Westen und 
Süden vorgeschobenen Lage annehmen sollte, beeinflußt 
worden. Dies wird verständlich, wenn wir bedenken, daß 
Hessen auch in der Blütezeit des Kaisertums von den 
Herrschern stets wesentlich als Durchgangsland aufgesucht 
worden ist, als ein zentralgelegenes Land, in dem sich 
wie heute noch die Straßenzüge von West nach Ost, von 
Süd nach Nord kreuzen. Auf dem Wege vom Mittelrhein 
nach Sachsen, von Sachsen nach den Mainlanden und nach 
Bayern, vom Mittelrhein nach Thüringen und Meißen 
mußten oder konnten die Könige durch das hessische 
Land ziehen. Um seiner selbst willen aber richteten die 
Könige ihren Weg kaum dahin. Hessen war arm an 
Reichsgut. Hierher lockten den König nicht große Reichs- 
forste, unerschöpfliche Jagdgründe, hier fehlten die reichen 
Bodenfrüchte des Rheinlandes. 

Ehe wir nun feststellen, an welchen Orten Hessens 
die Könige Quartier nahmen, haben wir daran zu erinnern, 
wem überhaupt die Pflicht zufiel für den Unterhalt des 
Königs und seines Gefolges zu sorgen? Es war bei den 
Deutschen wie bei den Nordgermanen alter Brauch ^), daß 
dem König, wenn er das Reich durchzog, Aufnahme und 



Kurfürstentum, das Land zwischen Main und Weser, ohne mich ängst- 
lich an die politischen Grenzen zu binden. 

») Waitz, Deutsche Verfassungsgeschichte 8 (1878) S. 227 f. 
G. L. vonMaurer, Geschichte der Fronhöfe 3 (1863) S. 882—90. 
H. Brunner, Deutsche Rechtsgeschichte II (1892) S. 228 f. Rieh. 
Scholz, Beiträge z. Gesch. der Hoheitsrechte des deutschen Königs 
z. Zeit der ersten Staufer (1896) S. 117. Auf Grund umfassender For- 
schung gibt eine treffliche Zusammenfassung gegen Ende seiner Ab- 
handlung „Die Gastung der germanischen Könige" Karl Lehmann, 
Abhandlungen zur german., insbes. nordischen Rechtsgeschichte (1888) 
S. 90: „Bei den Nordgermanen, wie bei den Deutschen ist der freie 
Untertan als solcher zur Gastung verpflichtet; die Gastung beruht 
weder auf Vertrag noch auf Hörigkeit. Sie ist der Entgelt für den 
Genuß der Gerichtsbarkeit und der sonstigen Wohltaten, welche das 
Staatsoberhaupt und dessen Organe gewähren. Diesen Charakter hat 
sich in Deutschland die Gastung bis in die Hohenstaufenzeit bewahrt. 
Die veränderten Staatsverhältnisse nahmen ihr seit dieser Zeit nicht 
de jure, aber de facto die Eigenschaft einer allgemeinen Untertanen- 
pflicht, da es Reichsuntertanen im Sinne der Karolingerzeit nicht gibt. 
Nur den Reichskirchen und Reichsstädten gegenüber wahrt sich der 
König das Recht auf Gastung. Daneben taucht dann ein Gastungs- 
recht des Landesherrn und des Gutsherrn in den Territorien und 
Gutsbezirken auf. Alle diese Gastungsrechte haben, nach wie vor, 
einen öffentlichrechtlichen Charakter. Nach dem königlichen Ga- 
stungsrecht eeformt, beruhen sie auf denselben Grundlagen, wie jenes, 
auf der Handhabung der Regierung vor allem der Gerichtsbarkeit." 



— 143 — 

Unterhalt gewährt wurde. Das war ursprünglich eine 
allgemeine Untertanenpflicht, die von den Großen tat- 
sächlich geübt, von ihnen teilweise in Form von Natural- 
bezügen auf ihre Hintersassen abgewälzt wurde. Sie be- 
schränkte sich bald soweit, daß die weltlichen Fürsten eine 
Verbindlichkeit zur Gewährung von freien Unterhalt und 
Unterkunft für den Hof überhaupt nicht mehr anerkannten, 
sie haben sich ja früher als die Pfaffenfiirsten den Pflichten 
gegen das Reich zu entziehen gewußt, und sie hatten in 
unserm Falle um so leichteren Erfolg, als die geistlichen 
Fürsten, einzelne mächtige Äbte und vor allem die Bischöfe, 
von jeher die Hauptlast des Unterhalts des Hofs getragen 
hatten. Das kam einfach daher, daß es vorzugsweise die 
großen Bischofssitze daneben einzelne bedeutende Klöster 
waren, in denen die Könige eigene Pfalzen hatten — sie 
bestanden von Altersher oder waren nach Errichtung des 
Bistums erbaut worden. ^) — Dagegen erfolgten die 
Städtegründungen weltlicher Fürsten zu spät, im 12. und 
13. Jahrhundert, als die Territorien sich schon gegen die 
Zentralgewalt abschlössen; da konnte von Anlage einer 
königlichen Pfalz in ihren Mauern nicht mehr die Rede 
sein. Dagegen gab es natürlich königliche Pfalzen in den 
auf Reichsgut gegründeten königlichen Städten, denken 
wir beispielsweise an Frankfurt, Ingelheim, Tribur schon 
in älterer Zeit, an H agenau und Gelnhausen als Lieblings- 
städte Friedrich I. und anderer Staufer. Es gab ferner 
königliche Pfalzen auf solchen königlichen Burgen, an 
welche sich nicht, wie so oft, Städte angesetzt haben, ich 
meine beispielsweise die Boineburg, das Schloß Friedrichs L 
Vorzugsweise zwischen den königlichen Pfalzen dieser 
dreifachen Art bewegte sich also der König, anders aus- 
gedrückt, sein Aufenthalt wechselte zwischen den Städten 
und den Burgen des Reichs und den Städten der Bischöfe 
und Äbte. Und zwar verlegne er die großen Tage von 
längerer Dauer zumeist in die Bischofsstädte, wo er die 
Kosten der königlichen Hofhaltung von sich abwälzen 
konnte, während wir ihn noch in staufischer Zeit in 
den Städten und Burgen, wo er auf die eigenen Hilfs- 
quellen angewiesen war, „durchweg mit wenig zahl- 
reicher Umgebung finden, nur selten große Tage dort ge- 



*) Waitz, Deutsche Verfassungsgeschichte 8 (1878) S. 228, 6« 
(1896) S. 308 f., 422 f. G. Matthäi, Die Klosterpolitik Heinrichs II. 
Götting. Diss. 1877 S. 37 f. 



— 144 — 

halten wurden".^) Für die großen Reichsversammlungen 
wurden am meisten die volkreichen Städte im Rhein- und 
Maingebiet aufgesucht. Orte, welche keine Königspfalzen 
umschlossen, haben die Könige nur selten und vorüber- 
gehend beehrt. Die Voraussetzung war, daß sie genügendes 
Gelaß für den König und sein Gefolge boten. Am meisten 
noch treffen wir ihn in einigen großen Klöstern wie Fulda, 
Korvey, Reichenau. Je später, je mehr treten für die 
großen Reichsversammlungen die Reichsstädte, namentlich 
Nürnberg und Frankfurt, in den Vordergrund. Daneben 
taucht der Hof auch bisweilen in den Städten oder auf 
den Burgen weltlicher Fürsten auf, doch hat dieser Aufent- 
halt mit seltenen Ausnahmen wohl immer den Cha- 
rakter einer Zusammenkunft*^) des Königs mit dem fürst- 
lichen Stadt- oder Burgherrn, und neben der Ehre wird 
auch die Last des Unterhalts empfunden. 

Wie überall in deutschen Landen, so galt auch in 
Hessen der Brauch: die Städte geisthcher Fürsten, könig- 
liche Höfe und königliche Burgen boten dem Könige 
Herberge und Unterhalt. ^) Aber die alten reichbegüterten 

*) J. Ficker, Über die Entstehungszeit des Schwabenspiegels 
(Sitzungsber. der philos. bist. Kl. der Wiener Akad. Bd. 77) 1874 S. 28 
(820). V. Maurer, Fronhöfe 3, 890. 

'^) Rieh. Scholz, Hoheitsrechte S. 117 verweist auf eine Stelle 
bei Otto von Freising, Gesta Friderici I. imperatoris II, 47 zum Jahre 
1156: Imperator ad Baioriam rediens (vorher auf der Boineburg) dies 
pentecostes in quodam Castro Ottonis palatini comitis p r i v a- 
tus erat. 

^) Den folgenden Zusammenstellungen liegt zu Grunde die Durch- 
sicht der J. Fr. Böhmerschen Regesten für die Karolingerzeit, 
für die Zeit der sächsischen Kaiser (1 Heft, nur bis 973), desgl. für 
die Zeit von 1198—1273, 1273—91, 1246—1313, 1314—47, 1346—1378, 
der Regesten G hm eis für die Zeit 1400—1410, Altmanns f. d. Zt. 
1410—37, Ghmels 1440—93. Für den Rest der sächsischen Kaiser- 
zeit (973—1024) gebrauchte ich die Ausgabe der Kaiserurkunden in 
den Monumenta Germaniae (Diplom ata II und III), für die 
Zeit der Salier und ersten Staufer (—1190) Stumpfs Reichs- 
kanzler, Bd. II Die Kaiserurkunden (1865—83). Dazu zog 
ich natürlich die Jahrbücher der deutschen Geschichte 
bezw. Giesebrecht's Kaiserzeit (für Heinrich V. und Friedrich I.) 
und Monographien wie: Ernst Müller, Itinerar Kaiser Heinrichs III. 
(1901), Kilian, Itinerar Kaiser Heinrichs IV. (1886), ferner die Schriften 
von Guba und von Wacker (1884 und 1882) über den deutschen 
Reichstag in den Jahren 911 — 1125 und unter den Hohenstaufen. Wo 
ich in den Anmerkungen nur die Daten gebe, sind die eben aufge- 
führten Regesten bezw. Urkundenwerke Quelle. Trotz dieser Beschrän- 
kung sind die Anmerkungen dieses Aufsatzes leider sehr angeschwollen. 
Der eigenartige Stoff mag es entschuldigen. Zu bedauern ist, daß in 
Böhmers Regesten nicht wie von Stumpf S. 625 — 44 ein Verzeichnis 
der Ausstellorte gegeben wird. 



— 145 — 

Abteien Fulda und Hersfeld hatten nicht mit einem 
Bischofssitz wetteifernd um die Gunst des Königs zu 
ringen. Ihr Dasein war eins der Hindernisse gewesen, 
weshalb die Gründung des Apostels Bonifaz in Büraburg- 
Fritzlar nicht gediehen war, sondern nach kurzer Zeit sich 
herausgestellt hatte, daß Hessen ohne eigenes Bistum 
bleiben sollte. 

Und doch spielt Fritzlar, auch ohne Bischofssitz, 
in der Reihe der königlichen Aufenthaltsorte vom zehnten 
bis zwölften Jahrhundert eine erste Rolle. ^) Das hatte 
verschiedene Ursachen. Daß der Mainzer Erzbischof hier 
die Pflichten des Hausherrn zu üben hatte, war nicht die 
letzte. Eine königliche Pfalz ^) bot größeren Fürstenver- 
sammlungen Aufnahme. Besondere .Anziehungskraft aber 
übte die Lage des Ortes auf fränkischer Erde und zugleich 
in unmittelbarer Nachbarschaft Sachsens und Thüringens. 
In Fritzlar erfolgte im Mai 919 die Wahl Heinrich 1. 
durch Sachsen und Franken und vielleicht auch nachmals 
die seines Sohnes Otto. Hier fanden in den Zeiten Hein- 
richs IV. und Heinrichs V. immer wieder Fürstenzu- 
sammenkünfte mit und ohne das Reichsoberhaupt statt, 
die widerstrebenden sächsischen Fürsten sollten von dem 
König hier gewonnen werden ^), sie planten hier im Bunde 
mit der Kirche Abfall und Empörung. ^) Hier verfiel der 
jugendliche König Heinrich IV. im Mai 1066 einer Krank- 
heit, die ihn an den Rand des Grabes brachte, hier traf 
ihn viele Jahre später, im Dezember 1104, das herzbrechende 
Weh, daß sein Sohn Heinrich V. ihn verräterisch verließ, 
hier sprach im Juli 1118 über denselben Heinrich V. der 
päpstliche Legat im Kreise deutscher Kirchen fürsten den 
Bann aus. 



*) Ich verzeichne dreizehn Königsaufenthalte in Fritzlar: 
943 I, 18. 958 V (V). 958 I, 12 u. 16. 973 VI, 16. 1032 I, 18. 1040 VII 
(vergl. E. Müller, Itinerar Heinrichs 111. S. 28). 1045 XII, 7. 1046 VIII, 2. 
1066 V (Meyer von Knonau, Jahrbücher Heinrichs IV. Bd. 1, 524). 
1074 III, 22. 1085 Fastenzeit (Meyer von Knonau Jahrb. 4, 13). 1104 
XI, 30 und XII (ebenda 5, 203 Anm. 14). 1145 VIII, 31. 

*) Eine ausdrückliche Nachricht darüber besitzen wir m. W. 
nicht, aber alles spricht dafür, und so läLt auch Dümmler, Otto der 
Gr. (1876) S. 217 den Kaiser im Jahre 953 „auf der Pfalz zu Fritzlar" 
eine Reichsversammlung halten. Vergl. Falckenheiner, Gesch. hess. 
Städte und Stifter 1 (1841) S. 64. 

») Im Frühjahr 1078, im Februar und Juni 1079, Meyer v. Kno- 
nau, Jahrbücher Heinrich IV. Bd. 3, 124 f. 190 f. 210 f. 

*) Im Okt. 1115 und Juli 1118 (Synode), Giesebrecht, Kaiserzeit 
3, 862 und 903. 

N. F. BD. XXX. * 10 



— 146 — 

An Zahl königlicher Aufenthalte wird Fritzlar in der 
Zeit von Heinrich I. bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts, nur 
um weniges übertreffen von Hersfeld^), das aber schon 
in karolingischer Zeit einige Königsbesuche hatte. Beide 
teilen das Geschick, von der Mitte des 12. Jahrhunderts ab 
völlig aus dem Itinerar der Könige zu verschwinden. 
Eben noch hatte Hersfeld unter Konrad III. eine gewisse 
Rolle gespielt, es war im Hochsommer 1139 der Sammel- 
punkt gewesen, den der König zur Heerfahrt gegen Hein- 
rich den Stolzen nach Sachsen angesetzt hatte, - und wieder 
berührte Konrad 1144, wahrscheinlich auch 1146 auf dem 
Wege nach Sachsen Hersfeld. 1144 vollzog sich in seiner 
Gegenwart die Einweihung der neuen Klosterkirche, 1146 
starb hier, wohl vom. König krank zurückgelassen, seine 
Gemahlin Gertrud. ^) Unwillkürlich werden wir erinnert 
an die hohe Bedeutung, welche Hersfeld zur Zeit des 
Aufstandes der Sachsen gegen Heinrich IV. in den 
Jahren 1073/74 gehabt hatte. Nach der Gegend von Hers- 
feld hat Heinrich damals wiederholt Heeresversammlungen 
entboten ^), im Kloster hat ihm wenige Tage nach dem 
Gerstunger Frieden seine Gattin Berta, die er unter 
dem Schutze Abt Hartwigs zurückgelassen hatte, einen 
Knaben geboren*), es ist König Konrad, der nachmals 
treubrüchig vom Vater verstoßen wurde. 

Wenn die Beziehungen der salischen Könige zu 
Sachsen sie häufig nach Hersfeld geführt haben, so tritt 
in derselben Zeit hinter Fritzlar und Hersfeld fast ein 
Jahrhundert langFulda^) ganz zurück. In karolingischer 



1) Königsaufenthalte in Hersfeld. 840 IV, 8. 843 X, 31. 918 
VI, 24. 937 VI (?) (Reg. 11, 66 a), 975 VIII (?) (Uhlirz, Jahrbücher 
Otto's IL 1, 63 Anm. 12). Vielleicht 1034 gegen Ende (Breßlau, Jahr- 
bücher Konrads IL 2, 117 Anm). 1040 Vll (E. Müller, Itinerar Hein- 
richs III. S. 27 f.) 1062 VII, 13. 1066 VI, 4 (Meyer von Knonau 1, 525). 
1071 VII, 30. 1072 XII, 11 (Meyer von Knonau 2, 173). 1073 VIII 
(ebenda 2, 255). 1074 1, 27 (ebenda 2, 315). 1087 XII (ebenda 4, 171). 
IUI XI, 9. 1136 IV (Bernhardi, Jahrbücher Lothars S. 595). 1139 
VII-VIII. 1144 X, 15—17 (Bernhardi, Jahrbücher Konrads IlL 1, 385. 
Wahrscheinlich 1146 vor Ostern (ebenda 2, 471). 

2) Bernhardi, Jahrbücher Konrads III. Bd. 2, 471 und 488. 
^) Meyer von Knonau 2, 255 und 257. 

*) Ebenda 2, 327. 

ö) Königsaufenthalte in Fulda: 874 IV (Ostern). 880 VII, 23 
und 24. 889 VII, 21. 897 gegen Ende des Jahres, zum Gebet. 912 IV, . 
12. 920 IV, 3. 922 Frühj., zum Gebet. 975 V, 27. 977 V, 21 (Uhhrz, 
Jahrbücher Otto's IL 1, 90). 1020 V, 1 und 3 (Hirsch-Breßlau, Jahr- 
bücher Heinrichs IL 3, 163 f., auch Benedikt Vlll war gleichzeitig da). 
1025 III, 29. 1114 VIII, 30. (1120 Fürstenversammlung gegen Heinr. V., 



— 147 — 

und sächsischer Zeit häufig besucht, verschwindet es in 
den Jahren 1025 — 1114 völlig aus dem Königsitinerar, 
während im weiteren Verlauf des 12. Jahrhunderts die 
Königsaufenthalte in Fulda sehr zahlreich sind, ich kenne 
in den Jahren 1123 — 90 fünfzehn, und so manches Mal 
hat jetzt hier der König die sächsischen Fürsten um sich 
versammelt. Noch immer fühlte sich auch der Träger der 
Krone geneigt, ein hohes Fest am Grabe des Apostels 
Bonifaz zu feiern. Durch das ganze 13. Jahrhundert hat 
dann Fulda hie und da den König in seinen Mauern ge- 
sehen, Adolf von Nassau in einem Jahre (1295) drei Mal 
dank seiner Absichten auf Erwerbung Thüringens; Al- 
brecht I. hielt mehrere Hoftage in Fulda ab, zuletzt kann 
ich 1324 Ludwig den Bayer dort nachweisen. 

Eine kurze Zeit übte das Kloster Kaufungen ') 
eine erhebliche Anziehungskraft auf den König aus. 
Heinrich II. hat die Stiftung seiner Gattin Kunigunde in 
den Jahren 1011—1020 fünf Mal besucht — weiterhin sind 
nur noch drei Aufenthalte Heinrichs III. zu verzeichnen, 
Heinrich IV. verschenkte 1086 die Abtei an die Speierer 
Kirche. 

Wenden wir uns zu den Königshöfen und königlichen 
Pfalzen, so tritt uns auch hier eine nach Jahrhunderten 



von Adelbert von Mainz berufen, besonders von Sachsen besucht, 
Oiesebrecht, Kaiserzeit 3, 928, 1221). 1123 IX, 1. 1132 V, 29 (Pfingsten) 
(Bernhardi, Lothar S. 433). 1134 X, 26 ebenda 555 f. 1143 VI (Bern- 
hardi, Konrad lll. 1, 331). 1145 VllI (ebenda 1, 428). 1146 VIII, 2. 
1147 I, 30. 1150 IV, 3 (Bernhardi 2, 802). 1157 III, 24 (Giesebrecht 5, 
103). 1165 III, 29 (Osterfeier?). 1170 VI, 8. 1173 V, 29 (Pfingstfeier?). 
1174 s. d. 1184 V (Giesebrecht 6, 62). 1190 VII, 11 und 14. 1217 VIII, 15. 
1218 XII. 1231 VII, 17 u. 18 (Heinrich VII). 1295 I, 21. 1295 VI, 12 
<N. Archiv 10, 400). 1295 VIII, 7. 1299 VII, 23 und 31, VIII, 4. 1306 
VII, 3 u. 6 (vergl. auch Reichss. p. 424 z. VII, 9). 1324 IV, 20. 

») Königsaufenthalte in Kaufungen: 101 J VIII, 10 und 20, 
1015 V, 11. 1017. 1019 I, 9. 1020 V, 22. 1042 VIII, 8 (E. Müller, 
Itinerar Heinrichs III. S. 38). 1044 I, 18. 1051 VII, 17 und 18 (E. 
Müller, Itinerar Heinrichs III. S. 91). Zur Vergabung an Speier : Meyer 
von Knonau, Jahrb. 4, 112. Im Februar 1081 fand in Kaufungen eine 
Versammlung vieler geistlicher und weltlicher Fürsten in Vertretung 
Heinrichs IV. und der Sachsen statt, s. Meyer v. Kn. 3, 346—49. Hierbei 
sei erinnert an eine Versammlung zahlreicher Fürsten Sachsens im 
Gegensatz zu Heinrich IV., die wohl im Jahre 1099 im Kloster Lip- 
poldsberg stattgefunden hat. Meyer von Knonau hat die Urkunde 
mit ihrer interessanten langen Subskriptionenreihe übersehen. Sie ist 
gedruckt bei Schrader, die älteren Dynastenstämme zwischen Leine, 
Weser und Diemel (1832) S. 227—30, vergl. Giseke, die Hirschauer 
während des Investiturstreites 1883 S. 114 und Dobenecker, Reg. 
Thuring. I nr 997 und II p. 449 (Nachtr.) 



— 148 — 

wechselnde Vorliebe der Herrscher entgegen. Im Jahre 920 
hielt Heinrich I. eine Fürstenversammlung in Seelheim ^) 
bei Marburg ab, wo wahrscheinlich schon in merovingischer 
Zeit ein Königshof bestand, in den Jahren 913 und 940 
treffen wir Konrad I. und Otto I. im Königshof Kassel^), 
im 11. Jahrhundert nimmt der Königshof Eschwege, 
ehe er von Heinrich IV. im Jahre 1075 an das Bistum 
Speier verschenkt wird, im Itinerar der Könige eine nicht 
unbedeutende Stellung ein. Zwischen den Jahren 997 und 
1075 treffen wir sie dort nicht weniger als sechs Mal. ^) 
Von den hessischen Historikern bisher unbeachtet 
blieb, daß um dieselbe Zeit Ebsdorf bei Marburg nicht 
weniger als drei Mal im Königsitinerar erscheint. Im 
April 1054 verweilte hier Heinrich III. auf dem Wege 
von Mainz nach Quedlinburg, ebenso Anfang November 1057 
seine Witwe und der junge König Heinrich IV, auf dem 
Wege von Speier nach Thüringen, endlich Heinrich IV. 
im Herbst 1066 auf dem Wege aus dem Rheinland nach 
Thüringen.^) Ebsdorf in fruchtbarer Gegend gelegen ist 
ein sehr altes Kirchdorf, die Kirche hat romanisches Mauer- 
werk und zwei jetzt vermauerte romanische Pforten. ^) Hers- 
feld und Fulda erhielten in Ebsdorf früh durch fromme 
Schenkungen Besitz^), um die Mitte des 13. Jahrhunderts 

») Urkunde von 920 XI, 30. Vergl. G. Frh. Schenk zu Schweins- 
berg, der Königshof zu Seelheim und das Reichsgut im Oberlahngau, 
Archiv für hessische Geschichte 13 (1874) S. 423. 

») Königsaufenthalte in Kassel: 913 II, 18. 940 II, 12, viel- 
leicht auch 945, siehe Böhmer-Ottenthal, Reg. 127 c. 

8) Königsaufenthalte in Eschwege: 997 VII, 15 und 17. 1040 
VII, 27 und 28. 1057 XI, 18. 1060 VI, 11 (Meyer von Knonau, Jahr- 
bücher Heinrichs IV. Bd. 1, 184). 1073 VIII, 2 (ebenda 2, 254 f). 1075 
VII (ebenda 512 vergl. 486 Anm.). Eschwege ist der einzige hessische Ort 
im Verzeichnis der königlichen Pfalzservitien, das aus den Jahren 1064/5 
stammt, Monum. Germaniae, Constitutiones I, 647, vergl. Matthäi, Die 
Klosterpolitik Heinrichs II. S. 96 f. Matthäi S. 98 Anm. 4 bemerkt mit 
Recht, daß Stumpf (nr. 2783, ebenso auch Meyer von Knonau 2, 484) 
fälschlich ein Gut zu Eschwege an Speier geschenkt sein lassen, es 
heiße in der Urkunde praedium seil. Eschwege, die darauf befindliche 
Reichsabtei werde sogar mitgeschenkt. Vergl. auch Jul. Schmincke,. 
Gesch. des Cyriacus stifte s zu Eschwege, Z. f. Hess. Gesch. 6 (1854) S. 223. 

*) Königsaufenthalte in E b s d o r f : 1054 IV, 14. 1057 XI, 4 (vergl. 
Meyer von Knonau, Jahrbücher Heinrichs IV. Bd.l, 51). 1066 s. d. 
(vergl. Kilian, Itinerar Heinrichs IV. S. 39). 

^) Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Bd. 1 Mittel- 
deutschland (1905) S. 76. 

®) Breviarium LuUi in Zeitschr. f. hess. Gesch. 10, 189 (vergl. 
E. Schröder in den Mitteil, des Instit. für österr. Gesch. 20 (1899) S. 361 f.). 
Dronke, Traditiones Fuldenses p. 34—5, nr. 9, 11, 16 und 25, vielleicht 
auch p. 41 nr. 149 vergl. Wenck, Hess. Landesgesch. 2, 435. 



— 149 — 

und weiterhin erscheint urkundlich dort als Inhaber von 
Gut und Einkommen das St. Stephanstift zu Mainz — von 
ihm tragen die Landgrafen von Hessen Ebsdorf großen- 
teils zu Lehen. Man kann annehmen, daß es zwischen 
der Mitte des 11. und der Mitte des 13. Jahrhunderts durch 
Schenkung des Königs an das Mainzer Stephanstift kam 
und seine Eigenschaft als Königsgut den Saliern Anlaß 
bot, dort wiederholt zu verweilen. Aber es ist auch nicht 
ausgeschlossen, daß es schon zu Zeiten Heinrichs IIL und 
Heinrichs IV. dem Mainzer Stifte gehörte. So finden 
wir die gleichen Könige wiederholt in Berstadt^) in der 
Wetterau, das schon im 9. Jahrhunderte Besitz der Abtei 
Fulda war. ^) Hier, zwischen Friedberg und Hungen, 
haben die Könige auf dem Wege zwischen Sachsen und 
dem Mittelrhein in den Jahren 1056 — 74 viermal verweilt. 
Unzweifelhaft zum Reichsgut gehören die Boine- 
b u r g und Gelnhausen, die zur Zeit Kaiser Friedrichs L 
als Aufenthaltsorte des königlichen Hofes auftauchen. Das 
Kaiserschloß Boineburg hat Friedrich I. drei Mal, in den 
Jahren 1156, 1166 und 1188 beherbergt*), und jedes Mal 
umgab ihn dort eine stattliche, ja glänzende Reihe von 
Fürsten.^) Günstig gelegen auf dem Wege zwischen 



*) Urkunde der Landgräfin Sophie vom April 1249 bei Würdtwein, 
dioecesis Moguntina 3 (1777) p. 301, dort vorher und nachher p. 299—305 
ältere und spätere Ebsdorf betreffende Urkunden, spätere bei Wenck, 
Hess. Landesgesch. 3^, 178 und 196, vergl. auch Küch, die ältesten 
Saalbücher des Amtes Marburg im letzten Bande dieser Zeitschr. 
S. 240 die Inhaltsübersicht unter dem Worte „Ebsdorf. 

2) Königsaufenthalte in Berstadt: 1056 VII, 10 und 11. 1068 
VIII, 12. 1070 VI, 7. 1070 s. d. (März? Meyer von Knonau, Jahr- 
bücher 2, 335 Anm. 37). 

**) Urkunde des Abtes Hatto von 852, Schannat, Dioecesis Fuldensis 
p. 338. G. Landau, Beschreibung der Wetterau S. 16. Im 13. und 
14. Jahrhundert war Berstadt ziegenhainisch, vergl. L. Bauer, Hessi- 
sche Urkunden Bd. 1 (1860). 

*) Königsaufenthalte auf der Boineburg: 1156 V, 10. 1166 
VIII, 20. 1188 VI, 13, vergl. Giesebrecht, Kaiserzeit 6, 457 und 680. 

^) Das nähere hat Jul. Schmincke, Schloß Boineburg in der 
Ztschr. f. hess. Gesch. N. F. 8 (1880) S. 306 f. recht ^ut ausgeführt. 
Einen Aufenthalt Heinrichs VI. auf der Boineburg im Jahre 1193 
durfte er (S. 309) aus der Urkunde 375 bei Wenck, Hess. Landesgesch. 
1, 292 nicht schliessen. Vergl. auch E. Happel, die Burgen in Nieder- 
hessen und dem Werragebiet (1903) S. 139—45. Sehr hübsch erzählt 
0. Hartwig, aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars (1906) S. 3, 
wie sein Vater, Pfarrer zu Sontra ihn, „als ich noch nicht recht laufen 
konnte, an Sonntagnachmittagen . . auf seinem Rücken eine Stunde weit 
auf die Boineburg getragen hat. Dort wurde mir der Harz, der 
Thüringer Wald und der Meißner gezeigt und nach der Wartburg 



— 150 — 

Süddeutschland und Niedersachsen ist die Boineburg in 
der Zeit Friedrichs I., nachdem sie bei dem Aussterben 
der Grafen von Nordheim im Jahre 1144 an das Reich 
zurück gefallen war, an die Stelle getreten, die früher 
Hersfeld und Fritzlar, daneben auch zeitweilig Eschwege, 
einnahmen. 

In ähnlicher Weise wie Hersfeld und Fritzlar vor 
dem Kaiserschloß Boineburg zurücktraten, wurde im letzten 
Jahrzehnt Friedrichs I. Fulda, das in den vorausgehenden 
fünfzig Jahren recht oft das Reichsoberhaupt und mit ihm 
bedeutungsvolle Fürstenversammlungen gesehen hatte, in 
den Hintergrund gedrängt durch Gelnhausen^), wo 
nun Friedrich I., Heinrich VI., Friedrich II. sich häufig 
aufhielten, wo Reichstage von hoher Wichtigkeit, wie die 
von 1180, 1186 und 1195 stattfanden. Allerdings nicht 
völlig verschwindet Fulda aus dem Königsitinerar, schon 
oben wurde bemerkt, daß es bis ins 14. Jahrhundert hinein 
manchmal den König und die Fürsten in seinen Mauern 
sah. Die neue größere Bedeutung Gelnhausens beruht 
aber ebenso sehr auf seiner Lage, wie auf seiner Eigen- 
schaft als königlicher Stadt. 

Verallgemeinernd dürfen wir sagen, das Königtum, 
das bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts häufig nach Nieder- 
hessen, besonders nach Fritzlar und Hersfeld gekommen 
ist, zog sich seit den letzten Zeiten des 12. Jahrhunderts 
auf die dem Rhein und Main benachbarten Landschaften 
zurück. Nachdem einige Jahrzehnte Gelnhausen fast allein 
den Hof angezogen hatte, traten seit dem Jahre 1218 



hinübergeschaut. Später hörte ich hier zuerst vom Kaiser Rotbart, 
der auf dem „Königsstuhle*' zu Gericht gesessen hatte, erzählen, und 
vor meinen jungen Augen wurden die zahlreichen Sagen lebendig, 
die sich an diese denkwürdige Burgruine knüpfen und von den 
Brüdern Grimm in den „deutschen Sagen" [2. A. 1865 Bd. 1 nr. 10 
S. 11 f. ; 1905 erschien eine 4. Aufl.] teilweise aufgezeichnet sind. Von 
ihr trotzen noch die drei hohen Seiten eines sechseckigen Turmes 
den Stürmen und bilden ein Wahrzeichen für die ganze Gegend. Jetzt 
soll eine Schutzhütte für die Wanderer dort oben erbaut sein. 

^) Königsaufenthalte in Gelnhausen: 1170 VII, 25. 1180 IV, 
1—13. 1182 II, 27 III, 3. 1184 VI, 20. 1186X1,28. 1188 IV, 17 (Giese- 
brecht, Kaiserzeit VI, 680). 1192 V, 30 VI, 1. 1192 VII, 26—7. 1193 
V, 13 (Stumpf p. 499 nr. 4812 a). 1193 V, 25. 1193 XII, 4-10. 1193 
XII, 20. 1195 X, 24-28. 1196 III, 6. 1207 I. 31, II, 2 und 9. 1215 I, 
13. 1216 I. 1217 VII. 1218 VI. 1227 VIII, 3. 1229 XI, 6. 1230 IV, 1. 
1231 VI, 9. 1231 VII, 5 (?) 15. 1231 VII, 23. 1233 1,9. 1239 VIII. 1250 
VIII ante Geylenhusen. 1255111,18-20. 1274111,20—23. 1289X11,9. 
1296 VI, 14. 1317 X, 22. 1324 IV, 5. 1346 VIII, 17. 1400 X, 25. 



— 151 — 

bezw. 1228 das schnell emporblühende Friedberg*) und 
in zweiter Linie Wetzlar 2), beides königliche Städte, in 
einen gewissen Wettbewerb. 

Natürlich dürfen wir nun nicht meinen, die Reihe der 
königlichen Aufenthalte an diesem oder jenem Orte mit 
erschöpfender Vollständigkeit dargeboten zu haben. Dazu 
reicht unser Quellenmaterial nicht aus. Bisweilen wird 
uns eine Ergänzung sehr nahegelegt. Wenn Heinrich IIL 
am 17. und 18. Juli 1051 in Kaufungen urkundete und 
dann zunächst wieder am 31. Juli in Nürnberg, dort aber 
für die Abtei Hersfeld, so müssen wir annehmen^), daß er 
auf dem Wege von Kaufungen nach Nürnberg Hersfeld 
berührte, ebenso wenn Heinrich V. am 26. August 1114 
in Erfurt urkundete und am 30. August in Fulda dem 
Abt von Hersfeld ein Privileg gewährte. Umgekehrt, 
wenn Heinrich V. nach einem Aufenthalt in Mainz vom 
22. Oktober am 9. November zu Hersfeld dem Kloster 
Fulda seine Privilegien bestätigt, werden wir vermuten, 
daß er auf seinem Wege Fulda berührte. 

Von solchen kleinen Lücken unserer Forschungs- 
ergebnisse abgesehen, könnte es auffallen, daß Hessen, ob- 
wohl man es kaum umgehen zu können scheint, in dem 
königlichen Itinerar als Durchgangsland seit dem 12. Jahr- 
hundert gar keine Rolle mehr spielt, wenn wir nicht 
wüßten, daß, wie nach Niedersachsen, auch nach dem nach- 
barlichen Thüringen das Königtum dann nur noch selten 
seinen Fuß setzte, wenn wir ferner nicht in der Lage 
wären, nachzuweisen, daß die Könige bei ihren seltenen 
Besuchen Thüringens in der Regel vom Süden her kamen 
und dahin wieder abzogen.*) 

') Königsaufenthalte in Friedberg: 1218 VI, 20. 1228 V, 1. 
1230 IV, 28. 1252 IX, 17. 1255 III, 20. 1282 VII, 13. 1285, VII, 10. 
1293 VI, 20—29. 1301 II, 9. 1307 VII, 8. 1349 III, 29. 1357 V, 20. 
1400 X 29. 

2) Königsaufenthalte in Wetzlar: 1228 IV, 22. 1255 III, 21. 
1285 VII, 7 (vor Wetzlar). 1294 VI, 20-25. 1301 11,5—8. 132411,22. 

") So schon E. MüJler, Das Itinerar Heinrichs III. S. 91. 

*) So Friedrich II. im Sommer 1219 — von Nürnberg nach Erfurt 
und am Ende von Erfurt nach Nürnberg: Böhmer, Reg. imp. V p. 
236—9, so Ludwig der Bayer, der in den Jahren 1323, 1335, 1337 nach 
Thüringen kam, jedesmal aus Franken, wohin er auch zurückkehrte. 
Die Feldzüge Adolfs von Nassau und Albrechts von Österreich nach 
Thüringen, über deren Marschrichtung, soweit sie zwischen Fulda 
(Aug. 1295) bezw. Friedberg (Juli 1307) und dem westlichen Thüringen, 
zwischen Vacha und Frankfurt (Juni 1296) verlief, wir nur Vermutungen 
hegen können, bleiben hier zur Seite. Über einen Besuch Kassels 
durch Karl IV. von Eisenach her siehe unten S. 153. Wilhelm von 



— 152 — 

So sind wir am Ende unserer Übersicht über die 
Aufenthalte deutscher Kaiser und Könige in Hessen 
wenigstens insoweit sie durch die Bedürfnisse der Zentral- 
regierung veranlaßt wurden. Dabei ist es für die Wirk- 
samkeit dieser Zentralregierung ohne Zweifel in hohem 
Grade bezeichnend, daß sie in drei Jahrhunderten des 
Mittelalters ein so zentral gelegnes Land fast nur an seinen 
Außenposten berührt hat. 

Allerdings haben wir jetzt noch vier Aufenthalte 
deutscher Kaiser und Könige in Marburg im 13., 14. und 
15. Jahrhundert und einen in Kassel im 14. Jahrhundert 
zu erwähnen. Aber in diese erste und zweite Stadt der 
Landgrafschaft Hessen kamen die Herrscher, von denen 
ich da zu sprechen habe, nicht in erster Linie als Reichs- 
oberhaupt, sondern als fromme Pilger oder als Reichsfürsten 
in dynastischem Interesse, zum Abschluß von Verträgen, 
die sie selbst eingehen oder vermitteln wollten. 

Nicht bloß kirchliche Frömmigkeit hat Kaiser Fried- 
rich n. im Frühjahr 1236 nach Marburg an das Grab der 
heiligen Elisabeth geführt. ^) Inmitten eines glänzenden 
Kreises von Fürsten und unzähligen Volkes verherrlichte 
er durch seine Teilnahme den in den Annalen Marburgs 
unvergleichlichen Tag (den ersten Mai), welcher der 
Ehrung, der Erhebung der Gebeine der fürstlichen Dia- 
konissin gewidmet war. Durch seine Mitwirkung be- 
kundete der kluge Staufer vor aller Welt sein Einvernehmen 
mit dem Papst, der im Jahr vorher Elisabeth heilig ge- 
sprochen hatte, und schuf damit ein eindrucksvolles Bild 
seiner frommen Ergebenheit, das ihm in dem unvermeidlich 
bevorstehenden neuen Zerwürfnis mit dem Papsttum in 
der öffentlichen Meinung ein erhebliches moralisches Plus 
verbürgen mußte und verbürgt hat. Durch seine Teil- 
nahme an der Ehrung Elisabeths zeigte sich weiterhin der 
Kaiser als Freund des thüringischen Landgrafen hauses 
und als Freund des mächtigen Deutschherrenordens, der 



Holland war am 27. November 1252 in Mainz, am 11. Dezember in 
Lengsfeld, etwa zehn Kilometer südöstlich von Vacha, dem großen 
Straßenknoten, am 13. Dezember in Eisenach. Da Wilhelm in Lengs- 
feld für Hersfeld, in Eisenach für Fulda urkundete, mag er beide Ab- 
teien berührt haben. Ober die Straßenzüge zwischen Hessen und 
Thüringen vergl. Fr. Regel, Thüringen, ein geogr. Handbuch H (1896), 
277 und 332 f., P. Höfer in Ztschr. f. thür. G. 25 (1906) S. 40f. und die Auf- 
sätze G. Landau's in der Ztschr. f. deutsche Kulturgeschichte Jahrg. 1856. 
*) Böhmer-Ficker, Regesta imperii V, 1 (1881—2) nr. 2152 a auch 
Böhmer-Will, Regesta archiepiscopor. Maguntinensium II p. 242. 



— 153 — 

die Pflege von Elisabeths Spital und den Kult ihres An- 
denkens übernommen hatte. 

Gröbere Formen als die des großen Zweiflers Fried- 
richs II. zeigte die kirchliche Frömmigkeit Kaiser Karls IV., 
der im Mai 1357 mit seiner Gemahlin und vor allem mit 
der Königin-Mutter von Ungarn Elisabeth nach Marburg, 
Köln und Aachen wallfahrtete. ^) Von seiner längst ge- 
storbenen Mutter Elisabeth, einer sehr frommen Frau, hatte 
Karl eine ganz außerordentliche Vorliebe für Reliquien 
ererbt, der Wunsch, den Glanz des von ihm gestifteten 
Erzbistum Prag zu erhöhen, kam hinzu: so wurde Karl 
zum Reliquienjäger, der die Stätten der Verehrung be- 
rühmter Heiliger selten mit leeren Händen verließ.^) Die 
ungarische Königin, die ihn nach Marburg begleitete, hatte 
durch ihren Taufnamen und ihre Herkunft zum Besuche 
von Elisabeths Grab vielfachen Anlaß, sie machte ihren 
Pilgerzug mit siebenhundert Rossen. Karl trug mit den 
versammelten Fürsten und Herren den Sarkophag Elisa- 
beths in großer Prozession durch die Stadt und erwies dem 
Prior des deutschen Hauses und dem Hospital der Elisa- 
beth vielfältige Ehren. 

Acht Jahre früher, im Januar 1349 ist Karl IV. einen 
Tag in Kassel gewesen, sicher in politischer Absicht, die 
Freundschaft Landgraf Heinrichs des Eisernen zu erlangen. 
Im Augenblick bereitete sich dank den Bemühungen der 
Witteisbacher das Gegen königtum Günthers von Schwarz- 
burg vor, Karl warb dagegen überall Verbündete. Er 
hatte solche soeben zu Dresden in den nächsten Verwandten 
der Witteisbacher, den Wettinern, und in den Neffen des 
Schwarzburgers gefunden, in Eisenach hatte er sich vom 
13. bis 20. Januar aufgehalten, wohl um aus Thüringen 
und Franken Verbündete an sich zu ziehen und die Be- 
wegungen seines dann verspätet am 30. Januar gewählten 
Widersachers zu beobachten. Am 21. verweilte er in 
Kassel, am 22. in Korbach, am 26. war er in Bonn.^) 



*) Böhmer-Huber, Regesta imperii VIII p. 216, p. 619 und 725, 
ferner Mitteilung aus Cronica episcoporum Treberorum, Handschrift 
der Hamburger Stadtbibliothek, von A. Wyss in Quartalblättern des 
histor. Vereins für das Großherzogtum Hessen Jahrg. 1879 S. 41. 

^) Adalb. Horcicka, die Kunsttätigkeit in Prag zur Zeit Karls IV. 
2. Abhandlung (12. Jahresbericht über das Deutsche Staatsgymnasium 
in Prag-Altstadt, Prag 1884) S. 9 f. 

*) über das Itinerar Karls IV. im Januar 1349 siehe Böhmer- 
Huber, Reg. imp. VIII p. 68 f., 606 f., 629, 695. In Kassel urkundete 
Karl am 21. Jan. für die Stadt Hersfeld, ebenda p. 629 nr. 6293. Eine 



— 154 — 

Auf einer Reichsversammlung zu Speier am 1. April 1349 
hat Karl sein Bündnis mit Landgraf Heinrich urkundlich 
befestigt. Es wird Heinrich nicht schwer geworden sein, 
für Karl Partei zu ergreifen — er stand so im selben 
Lager, wie die Grafen von Waldeck und Ziegenhain, die 
sonst so oft sich auf die Seite seiner Gegner stellten, er 
nahm Widerpart gegen den tatsächlichen Inhaber des 
Mainzer Erzstifts Heinrich von Virneburg, den Wähler 
Günthers, den er bald darauf (im Jahre 1350) bei Gudens- 
berg entscheidend besiegte. ^) 

Seiner günstigen Lage auf halbem Wege zwischen 
dem Mittelrhein und Thüringen, zwischen dem Mittelrhein 
und Niedersachsen, hatte es endlich Marburg um die 
Wende des 14. und 15. Jahrhunderts zu verdanken, daß 
es wiederholt zum Sitz politischer Fürstenversammlungen 
mit und ohne Beteiligung des Reichsoberhauptes gewählt 
wurde. ^) Die räumliche Nähe der Pfalz und des Erz- 

sehr erwünschte Ergänzung des Itinerars zwischen 21. und 26. Jan. 
(Bonn), welche uns Karls Wegrichtung anzeigt, bieten uns zwei noch 
ungedruckte Originalurkunden Karls IV. im Archiv der Herren von 
Baumbach zu Nentershausen, deren hihalt mir durch gütige Mitteilung 
meines Freundes und Kollegen G. Frh. von der Ropp bekannt wurde. 
Beide sind am 22. Januar 1849 zu Korbach ausgestellt. In der einen 
weist Karl IV. Ludwig von Baumbach hundert Mark auf die Juden in 
Frankfurt an und erlaubt ihm, sich für den Fall der Nichtzahlung an 
den Bürgern von Frankfurt schadlos (!) zu halten, bis Frankfurt „zu 
unserm Gehorsam" gekommen ; in der andern befiehlt Karl den Juden 
von Frankfurt hundert Mark an Ludwig von Baumbach zu zahlen. 
Mit diesem Gelde wurde er unzweifelhaft gegen Günther von Schwarz- 
burg geworben, wie ähnhch bald nachher die Grafen von Waldeck und 
von Ziegenhain und Landgraf Heinrich. Zur politischen Geschichte vergL 
E. Werunsky, Geschichte Kaiser Karl IV. und seiner Zeit 2 (1882) 
S. 155 f. 

1) Limburger Chronik hera. v. A. Wyß (1888) S. 88. 

2) Vielleicht hat im Juni 1188 Kaiser Friedrich I. den Landgrafen 
Ludwig III., seinen Schwestersohn, auf der Feste Marburg besucht, 
ehe er mit ihm und Ludwigs Bruder Hermann auf der Boineburg weilte. 
Quelle ist ein nicht unbedingt zuverlässig überliefertes Regest einer 
Urkunde in dem vielleicht statt Marburg: Merseburg zu lesen ist, 
Dobenecker, Regesta Thuringiae II nr. 787. Ist es mit Marburg richtig, 
so handelt es sich um einen privaten Besuch des Kaisers von derselben 
Art, wie er ihn seinem Schwager Landgraf Ludwig II. im Januar 1172 
auf der Neuenburg an der Unstrut abstattete, Dobenecker II nr. 438 
und Holder-Egger im Neuen Arch. f alt. Dtsch. Gesch. 21, 714, vergl. 
auch oben Anm. 2 zu S. 144. — Daß König Adolf von Nassau im 
Jahre 1296 die Ziegenhainische Festung Staufenberg zwischen Marburg 
und Gießen belagert hat — im Erbfolgekrieg zwischen Landgraf Heinrich I. 
und seinem Sohn Otto, fällt nicht in den Kreis unserer Erörterungen^ 
dem Kriegszüge fern hegen. — Von einer Fürstenversammlung zu 
Marburg im Jahre 1247, nach dem Tode von König Heinrich Raspe 



— 155 — 

Stiftes Mainz, der beiden Hauptfaktoren im Gegensatz zu 
dem Königtum Wenzels von Böhmen, das endlich im 
Jahre 1400 dem lange drohenden Untergang verfiel, war 
da bedeutungsvoll. 

Erzbischof Johann hatte am 11. Mai 1398 in Marburg 
ein Bündnis mit Landgraf Hermann von Hessen geschlossen, 
das seine Spitze gegen Landgraf Balthasar von Thüringen 
richtete.^) Da der ränkevolle Mainzer Prälat die Seele 
der auf den Sturz Wenzels gesponnenen Pläne war, so 
hat er im März 1399 den hessischen Landgrafen weiter 
zur Einschwenkung auf die Seite der rheinischen Fürsten- 
opposition bewogen — unter Verzicht auf einen erheblichen 
Teil einer ihm zukommenden Schuldsumme. Die neue 
Stellungnahme des Landgrafen gegen Wenzel wird nun 
dadurch bezeichnet, daß der Kurfürstentag vom 2. Juni 
1399, auf welchem die Kurfürsten von Mainz, Köln und 
Pfalz den Kurfürsten von Sachsen in ihr gegen Wenzel 
gerichtetes Bündnis aufnahmen, in Marburg, der Stadt des 
Landgrafen, zusammentrat. Die Freundschaft zwischen 
dem Erzbischof von Mainz und dem Landgrafen ruhte 
aber auf trügerischem Grunde, der Gegensatz ihrer Inter- 
essen war viel zu groß, und bald erkannte der Landgraf 
es als ein Gaukelspiel, daß der Erzbischof ihm selbst 
Hoffnung auf die Königskrone erweckt, mindestens ihn 
unter die Zahl der Kandidaten aufgenommen hatte. So 
wandte sich der Landgraf ab von der Fürstenverschwörung, 
die Aussicht auf einen neuen Mainzisch-Hessischen Krieg 
zog drohend herauf, und als nun das Haus Braunschweig 
durch die vielbesprochene Ermordung des Herzogs Friedrich 
bei Kleinenglis in der Gegend von Fritzlar (am 5. Juni 
1400) in die feindseligste Stimmung gegen Johann von 
Mainz, den angeblichen Urheber der Tat (in Wahrheit 

von Thüringen, auf der sich Graf Hermann I. von Henneberg zur 
Königswahl empfohlen hat, berichtet eine etwas trübe Quelle, ein 
schwäbischer Fortsetzer der Kaiserchronik, aber, da die Kandidatur 
des Hennebergers durch anderes Quellenmaterial gesichert erscheint 
und manches für eine solche Zusammenkunft im Mai 1247 spricht, 
so wird man sie als leidlich verbürgt ansehen dürfen. Vergl. die ein- 
gehenden Erörterungen von W. Füsslein, Hermann I. Graf von Henneberg 
in Ztschr. für thüringische Geschichte 19 (1899) S. 202 f. 

*) Das folgende bis zum Jahre 1405 beruht auf dem Aufsatz 
von Fr. Küch, Beiträge zur Geschichte des Landgrafen Hermann II. 
von Hessen. IV. der Krieg mit Mainz 1401—5 in Zeitschr. des Ver. f. 
hess. Gesch. N. F. 19 (1894) S. 60 f. bes. 66 f. 87 f. Da Küch die 
„Reichstagsakten" benutzte und anführte, verweise ich auch dafür auf 
seine Abhandlung. 



Kleinere Mitteilungen. 



1. Ein unbekannter Brief von Euricius Cordus. 

Von F. Küch. 

Im folgenden teile ich ein eigenhändiges deutsches 
Schreiben des Euricius Cordus mit ^), das über eine bisher 
dunkle Periode seines Lebens Licht zu verbreiten geeignet 
ist. Es ist gerichtet an den hessischen Landhofmeister 
Ludwig V. Boyneburg. Die Identität des Schreibers Ritze 
Simtshusen mit unserem Dichter ergibt sich aus der Hand- 
schrift. Ritze ist eine Koseform zu Heinrich und Ricius 
nannte sich der Dichter, bis Mutian den Namen i. J. 1515 
in Euricius umwandelte.^) Der Zuname Simtshausen ist 
dem Geburtsort des Dichters entnommen, ein in jener Zeit 
häufig geübter Gebrauch: so nannte sich Adam Kraft meist 
Adam Fulda, der Kasseler Geistliche Kaspar Fleischer 
(Lanio) regelmäßig Kaspar Kaufungen. 

Der Wortlaut des Schreibens ist folgender: 
„Gestreng ernvester her lanthofmeister. Mein schul- 
diger und gehorsamer dienst sie eure gstrengkeit mit 
imderthenigem willen allezeit zufur. Wiewal eure ernveste 
gestrengkeit mit sorghaftigem anligen in widderstreb 
schwerlich überladen umb enthaltung und hanthabe ik- 
glichem zu seinem rechten sunder abeloeß bishar gemudiget 
ist, zweival ich dach nicht, es sie in gedechtnis verbliben, 
wie eure gestrengkeit, durch sunderlich mitleiden mit mir 
und eigen ingeborn gutikeit bewegt, mir ein gnedige 
zusage gethan hoit, die schule zu Cassel uf der altenstait, 



^) Staatsarchiv Marburg, Verwaltungsakten des Statthalters an 
der Lahn. In der Sitzung des Marburger Zweigvereins vom 13. Jan. 
1906 habe ich über den Brief berichtet. 

*J Krause, Briefwechsel des Mutianus Rufus. Ztschr. N. F. IX. 
Suppl. S. 511 Anm. 4. 



— 159 — 

der ich vorm jar sunder willen des merenteils ußem rade 
und burgern unverschult an ursach entsatzt wart, do zur 
zeit ufF nehest kommend Michaelistag widerumb an mich 
uf mein begerde zu langen, hoit dach das irrende glucke 
in mitler zeit mein sache dermaße geschickt, das ich in 
itzt vergangen jarfrist darzu nit habe kunt kommen, dweil 
ich durch noitturft gezwungen umb ufhalt meins armuts 
in ampt zu Velspurg als vor ein rentschreiber m(einer) 
g(nedigen) f(rau) verphlichtet was. So ich aber solchs 
meins ampts mit gnaden, wie ich gert, itzt verlassen und 
obgemelter schule begerig sein, ist mein underthenige 
fleissige bit, euer gestrengkeit wolls itzt do gethaner zu- 
sage, als ich hoff, gedechtig sein und mich gegen den 
ersam und weißen burgermeister und rait zu Cassel ver- 
schreibende mit vorbede ein behulflichen furtschab mir 
gnediglich erschießen lassen, will ich als ein dankbarer, 
soweit mein Vermögens sich ußstreckt, solchs allezeit zu 
verdeinen geneiget erfunden werden. Biten des ein 
gnedig antwort. 

E. e. g. g. 

Ritze Simtßhusen 
etwan Schulmeister zu Cassel ofF der aldenstait." 

Versuchen wir zunächst der Abfassungszeit des unda- 
tierten Schriftstücks etwas näher zu kommen, so werden 
die weitesten Grenzen durch die Amtsdauer des Adressaten 
gesteckt. Ludwig von Boyneburg wurde Landhofmeister 
im Oktober 1509 und verlor seine Stellung im März 1514. ^) 
Da nun Cordus in seinem Briefe sagt, Boyneburg habe 
ihm die Wiedererlangung seiner Kasseler Schulstelle auf 
nächsten Michaelistag, 29. September, zugesagt, so wird 
das erste Gesuch des Dichters nicht allzulange vor diesem 
Termin, jedenfalls aber erst im Jahre 1510, erfolgt sein. 
Cordus hat aber ein Jahr lang von dieser Vertröstung 
keinen Gebrauch gemacht, weil er inzwischen eine Stelle 
als Rentschreiber der Landgräfin Anna in Felsberg ange- 
nommen hatte, also kann das Schreiben erst im Jahre 1511 
abgefaßt sein. Noch weiter wird der Anfangstermin hinaus- 
geschoben, wenn wir Folgendes in Erwägung ziehen. Fels- 
berg gehörte zum Wittum der Landgräfin Anna. ^) Über das 
Wittum herrschten Streitigkeiten zwischen der Fürstin und 



*) Glagau, Anna von Hessen S. 40—42 u. S. 133. 
*) Glagau, Hessische Landtagsakten I S. 76 Anm. 



— 160 — 

den Regenten, und im Abschied von Gengenbach vom 
10. April 1511 bestimmte der Kaiser, daß die Landgräfin 
die Unterpfänder für das Wittum, Gießen und Grünberg, 
bis zum 29. Mai gegen das Wittum selbst, Rotenburg und 
Felsberg, abtreten solle. *) Die Auswechselung scheint 
aber erst um den 6. August 1511 erfolgt zu sein. 2) Da 
nun die Landgräfin vor der Einnahme von Felsberg dort 
keinen Rentschreiber angestellt haben kann, so kommen 
wir auf den August 1512 als frühesten Termin für die 
Abfassungszeit des Briefes. Damit dürften wir aber auch 
die Abfassungszeit selbst annähernd bestimmt haben, denn 
bereits im Frühjahr 1513 taucht Cordus im Gesichtskreise 
Mutians in Erfurt auf, und da unser Brief etwa ein Jahr 
nach jenem ersten Gesuch an Boyneburg abgefaßt ist, 
dieses aber der Jahreszeit noch vor Michaelis an den Land- 
hofmeister gerichtet wurde, so dürfen wir mit größter 
Wahrscheinlichkeit das Schreiben auf August bis Sep- 
tember 1512 datieren. 

Für die Biographie des Dichters gewinnen wir also 
die folgenden Ergebnisse. Die Kasseler Schule, an der, 
wie wir auch aus den Mitteilungen Lauzes^) wußten, 
Euricius Cordus tätig war, ist nicht eine landesherrliche 
Anstalt gewesen^), sondern eine städtische, die Schule der 
Altstadt. Auch die bisher^) gänzlich unsichere Zeit seiner 
Wirksamkeit in Kassel läßt sich nun, wenigstens nach 
ihrem Endpunkt, bestimmen. Cordus wurde, wie er angibt 
gegen die Majorität im Stadtrat, um die Mitte des Jahres 
1511 seiner Stellung enthoben. Ganz kurz kann seine 
Tätigkeit dort nicht gewesen sein. Lauze, der sein Schüler 
war — er nennt ihn seinen lieben Praeceptor, Zucht- und 
Lehrmeister — , hebt sein Wirken hervor, und als 1521 
Kassel von einem Brandunglück heimgesucht wurde, das 
306 Häuser vernichtete, schrieb Eoban an Sturz ^), er möge 
die Nachricht dem Cordus mitteilen: „dolebit scio casu 
urbis tam ab ipso adamatae^'. Der unfreiwillige Verlust 
des Kasseler Rektorats mußte den damals höchst wahr- 



») Glagau, ebenda S. 150. 

2) Glagau, ebenda S. 150 Anm. 

®) Zeitschr. Suppl. II, 1 S. 282 „Hat zu Cassel und volgends zu 
Erfurt schuel regiert". Vgl. Krause, Euricius Cordus eine biographische 
Skizze aus der Reformationszeit S. 43. 

*) So Krause a. a. 0. 

^) Krause a. a. 0. verlegte die Kasseler Zeit ursprüngUch 
1515—17, später (Mutians Briefwechsel S. 348) in das Jahr 1513. 

*) Epistolae familiarium S. 82. 



— 161 — 

scheinlich schon verheirateten ^) Dichter in die größte Ver- 
legenheit bringen, und so wandte er sich an den zur Zeit 
mächtigsten Mann in Hessen, den Landhofmeister Ludwig 
von Boyneburg, um seine Stelle wieder zu gewinnen. Aber 
gleichzeitig bot sich ihm ein anderer, nach der materiellen 
Seite hin zweifellos besserer Ausweg. Die Landgräfin- 
Witwe Anna kam gerade in den Besitz ihres Wittums 
und hatte infolge dessen einige Verwaltungsstellen zu 
vergeben. Wie wir aus des Dichters Werken wissen ^), hatte 
Cordus ziemlich nahe Beziehungen zum Hofe Wilhelms II. 
gehabt und g^roße Hoffnungen hierauf gegründet. Bei 
der Witwe Wilhelms suchte er jetzt mit Erfolg die ihm ge- 
machten Versprechungen für sich nutzbar zu machen: er 
wurde Rentschreiber in Felsberg. Nun verstehen wir die 
Worte des Epigramms aus dem Jahre 1517 an Feige I 202^): 

Miraris quod, qui dominae servivimus Annae, 
Tam miseri plures non habeamus opes. 

Daß dem Dichter der neue, für ihn ganz ungeeignete 
Beruf auf die Dauer nicht zusagen konnte, ist natürlich. 
Nach kaum einem Jahre gab er freiwillig die Rentschreiber- 
stelle in Felsberg auf und bewarb sich abermals um das 
Rektorat der Kasseler Schule. Über den Erfolg wissen 
wir nichts. Aber es ist unwahrscheinlich, daß Cordus 
nochmals in Kassel im Amte gewesen ist. Bereits im 
Frühjahr des nächsten Jahres war er in Erfurt und erst 
die Gründung der Marburger Hochschule führte ihn wieder 
in die Heimat zurück. 



2. Zum Briefwechsel des Landgrafen Philipp mit 
Luther und Melanchthon. 

Von F. Küch. 

In einem Briefe des Landgrafen Philipp an die beiden 
Reformatoren, der wichtige Punkte der neuen Lehre und 



*) Im Februar 1515 wurde ihm der dritte Sohn Valerius geboren. 
Krause, Euricius Cordus S. 42. Hessenland 1892 S. 3. 

2) Krause a. a. 0. S. 14 ff. 

') Krause a. a. 0. S. 43 A. 2 bezieht es irrig auf seine Tätig- 
keit an der Kasseler Schule. — Über die vor der Kasseler Schulzeit 
liegenden Jahre und über den mutmaßlichen Familiennamen des 
Dichters hat C. Krause in Jahrgang 1891 Nr. 23 und 24, 1892 Nr. 1 
der Zeitschrift Hessenland „Neue Untersuchungen" veröffenthcht. 

N. F. BD. XXX. 11 



— 1«4 — 

d^m f5n<erf 4es Landj^afen zuerst von dem Plane und 
•^iwj Fürsprache war vorfaerge^angec- - - 

E# Weibt also Heinrich Hesse nbng. Wir kennen 
^Hnen Empfe^lungÄbrief Melanchtho^is für diesen ^^ der nur 
da* Tajfeidatum, den 2^^ April, trägt, und den Varrentrapp 
mit Recht dem Jahre 1527 zugewiesen hat. Wir erfahren 
aui^ diesem Schreiben, daß Heinrich Hesse damals bereits 
die Unterstützung des Landgrafen genoß T^ntelligo autem 
ali eum liberalitate vestrae celsitudinis"^ und nun von 
Melanchth^/n zur weiteren Verwendung, mit deutlicher An- 
spielung auf den Hochschulplan, empfohlen wurde. Es 
ist also an sich nicht unwahrscheinlich, daß H. Hesse die 
Unterstützung durch den Landgrafen einer früheren Em- 
pfehlung Melanchthons zu verdanken hatte. Hesse wurde 
im Wintf.'Tsemester 1526; 27 in Wittenberg immatrikuliert 3) 
und unterhielt von dort aus brieflichen Verkehr mit der 
Heimat,*; Die zweite Empfehlung Melanchtons hat dann 
offenbar zur Eolge gehabt, daß er zum Lehrer am Mar- 
burger Paedagogium ausersehen wurde. ^) Später aber 
wurde der offenbar hochbegabte Mann hauptsächlich mit 
wichtigen diplomatischen Missionen betraut. Im Früh- 
jahr 1528 reiste er in Gesellschaft des hessischen Rates 
iJr, Fischer gen. Walter in Philipps Auftrage zum Könige 
von Frankreich^), und Anfang Dezember 1529 wurde er 
nach Italien gesandt, offenbar um für die von italienischen 
(ielehrt(;n zu erlangenden Rechtsgutachten über die nassau- 
ischo Streitfrage tätig zu sein. ') Als im Beginne des 
Jahre» 15;}1 auf Grund der Beschlüsse des Schmalkalder 
Mundestags die Erklärung der Bundesstände auf dem 
Augsburger Abschied den verschiedenen Mächten mit- 
geteilt werden sollte, wurde Heinz Hesse dazu ausersehen, 
nach Frankreich und England zu reisen ^), schließlich wurde 
ihm aber nur die Botschaft nach England übertragen. 
Auf dieser Reise fand er einen frühzeitigen Tod in den 

*) Dum Schroihon Eobans an Johann Meckbach, worin er die 
FürHpracho F(MgcH bei Philipp erbittet, gehört nicht ins Jahr 1526, 
gondorti Um (op. fam. S. 57). 

•) Varrentrapp in den Forschungen z. d. Geschichte XVI S. 4 

■) Varrentrapp in den Forschungen XVI S. 5. 

*) Vgl. den Firief an Schrautenbach vom 27. Jan. 1526 bei Varren- 
trapp, Landgraf Philipp von Hessen und die Universität Marburg S. 39 
Anm. m, 

^) Varrentrapp a. a. 0. 

•) Varrentrapp in den Forschungen XVI S. 5 ff. 

') Hochnung Vogehnanns im Marb. Staatsarchive und Rech nungs- 
bolege im Kammorarchiv ebenda. 

*) Polit Archiv d. L. Philipp (Marburg) Abt. Sachsen ernest. Linie. 



— 165 - 

Wellen des Rheins. Ich schließe hier seines Begleiters, 
des landgräflichen „einspännigen Dieners" Niclas Weilburg, 
kurzen Bericht an, der als Rechnungsbeleg sich zwar nur 
auf die Äußerlichkeiten der Fahrt bezieht, aber doch als 
einzige Nachricht über den Verlauf der Gesandtschaft einiges 
Interesse verdient. Den Tod Hesses im Rhein erwähnt 
auch die von Decius Agricola verfaßte Grabschrift. ^) 

„Anno etc. dreissig eins umb Mitfasten (März 19) 
ungeverlich hat mein gnediger fürst und her Heinrichen 
Hessen seligen und mich Niclasen Weilburg abgefertig, 
nach dem kenig von Engeland in etzlichen seiner f. g. 
gescheften zu verreiten. Bin ich alhier aus nach Straß- 
burg verriten und darselbst 13 tag stilgelegen und auf 
Heinzen Hessen gewartet. Darauf entpfangen 4 gülden, 
dieselbigen vier verzert auf dem wege. Und als Heinz 
zu mir gein Straspurg kommen, seind wir 2 tage darselbst 
verplieben, hat Heinz auf den uberigen gülden den wirt 
darselbst bezalt. Als nuhe Heinrich seliger im Rhein 
ertrunken, ist sein pferd ubergeschwommen und in ein 
dorf meinem gnedigsten hern von Trier zustendig durch 
die menner begriffen, die satteldeschen geoffent und die 
briefe sampt dem gelde zu sich genommen. Haben die 
bauren mir auf burgschaft des burggrafen zu Catzeneln- 
pogen, Bartheis, die teschen, brief und gelt zugestalt, hat 
Barthel das gelt gezalt, ist ungeverlich 60 gülden gewesen, 
des ich mich auf den burggrafen ziehe. Bin ich von Rhein- 
felsch nach m. g. h. geriten bis gein Salzungen mit den 
briefen und die zerung von den 60 gülden getain. Dar- 
nach bin ich von Friedwald wider geriten noch dem kenig 
und hab zu Antorf ein curirer und posten gewonnen, der 
[mit] mir geriten ist, dem hab ich geben müssen 8 golt- 
gulden, hat Quickelberger verthediget. Zu Brück hab ich 
mein pferd lassen stehen und salbander postirt bis gein 
Londen. Zu Londen bin ich salbander gelegen 14 tag. 
Von Londen hab ich wider gein Brück postirt, hab ich 
dem post 9 goltgulden geben müssen und hat mein pferd 
6 gülden mitler zeit verzert. Als ich nuhe gein Antorf 
widerkommen, hab ich die 60 gülden ausgelegt, hat mir 
derQuickelbergerl2 gülden geluhen. Des ist mir überlaufen 
ein cron und ein gülden."^) 

^) Veröffentlicht im Anhang zu der Expositio decalogi von Anto- 
nius Corvinus ; vgl. Varrentrapp, L. Philipp und die Universität M. S. 40. 

*) Der Bericht befindet sich in Nachträgen zum hessischen Kammer- 
archive im Staatsarchiv Marburg. 



— 166 — 

3. Ein englischer Pass von 1599. 

Von L. Armbrust. 

Die Wanderlust liegt dem Deutschen im Blute. Mit 
jedem Frühling erwacht sie, wie die Dichter so schön 
schildern, zu neuer Kraft und treibt den Volksgenossen 
bald nord- bald südwärts. 

Auch frühere Jahrhunderte kannten und liebten das 
Reisen, obwohl es damals weit größere Schwierigkeiten 
bereitete, mehr Zeit raubte und bei der Unsicherheit der 
Straßen mit Gefahren für Leib und Leben verknüpft war. 
Jeder Stand hatte dabei einen eigenen Beweggrund. Der 
Kaufmann^) unternahm weite Land- und Seefahrten, um 
neue Handelsgegenstände, Geschäftsverbindungen und Ab- 
satzgebiete zu suchen. Seit dem ausgehenden Mittelalter 
wollte der Handwerksgeselle — gleich dem Künstler und 
dem Gelehrten — in der Fremde bessere Ausbildung in 
seinem Fache erwerben, nebenbei auch wohl einen Sonnen- 
strahl des Glückes erhaschen. Der Pilger, ob Bürger oder 
Bauer, zog hinaus zu frommen Zwecken; und wenn Geld- 
beutel und Kräfte nicht zu einer Palästina- oder Romreise 
langten, so unternahm er wenigstens eine Akenfahrt, eine 
Wallfahrt nach Aachen oder auch nach anderen geweihten 
Stätten. In vielen Fällen trieb dieselbe Frömmigkeit den 
fahrenden Ritter von Haus und Herd. Das Ziel seiner 
Sehnsucht war das heilige Land, „wo der himmlische König 
der Christen gelehrt und gelitten hatte*', als höchste Ehre 
galt ihm, zum Ritter , des heiligen Grabes geschlagen zu 
werden. Nicht minder lockte ihn die Tatenlust in die 
Ferne. Wenn daheim die Waffen ruhten, dann ritt er 
durchs Land und durch die Länder und stellte die Kraft 
seines Armes und seinen Wagemut in fremde Dienste. 
Als aber Pulver und Blei das Rittertum aus seiner maß- 
gebenden Stellung im Kriegswesen immer mehr hinaus- 
drängten, da zogen die jungen Knappen doch noch weit 
umher, ihre Geschicklichkeit durch Teilnahme an den 
Turnieren zu üben und an den verschiedenen Fürsten- 
höfen und in den Schlössern größerer Herren feine Sitte 
zu lernen. Mit dem allmählichen Absterben der Ritter- 
spiele überwog der letztere Zweck. Bei manchen Ober- 



^) Von hier ab bis zur nächsten Anmerkung ist benutzt: Georj^ 
Steinhausen, Beiträge zur Geschichte des Reisens („Ausland'' 189ä 
No. 13-16). 



— 167 — 

flächlichen trat schließlich die ernste Absicht ganz in den 
Hintergrund, sie wanderten nicht mehr ins Ausland, um sich 
zu bilden, sondern nur um sich zu vergnügen und zu zer- 
streuen, oder weil ihre Väter und die Bekannten und 
Gleichgestellten es ebenso gemacht hatten. Wo es lustig 
herging, wo es Kapaune, Pasteten und roten Wein gab, 
da verweilte man mit * besonderem Behagen. Oftmals 
wurden nun durch die Reisen Geld und Gesundheit sinn- 
los vergeudet, ausländischer Unsitte Tür und Tor geöffnet, 
und die Muttersprache mißachtet und verwelscht. Als 
Entschuldigung konnten diese unnützen Reisenden an- 
führen, daß Deutschland damals in staatlicher, zum Teil 
auch in geistiger Beziehung hinter Frankreich und Eng- 
land zurückstand^), und daß vieler Orten engherzige 
Splitterrichter eine heitere Freude am menschlichen Leben 
nicht mehr aufkommen ließen. 

Gegen die oberflächlichen Zerstreuungsfahrten, die 
ihren Zweck verfehlten und den Aufenthalt in der Fremde 
in übelen Ruf brachten, eiferten ernsthafte Männer, die 
nicht müde wurden, die Vorteile des Reisens zu rühmen, 
wenn es mit der gehörigen Einsicht geschähe. Ein be- 
währter Europafahrer ^) schrieb: Die Wanderungen ins Aus- 
land dürfen nicht verworfen werden, weil einige Menschen 
voreilig und urteilslos zu auswärtigen Völkern gehn, fremde 
Sitten annehmen, statt der Tugenden Laster sich an- 
eignen, durch übergroße Märsche, schwere Anstrengungen 
und maßlosen Aufwand Unheil anrichten ; unsere Vorfahren 
verabscheuten das alles. — Und ein niedersächsischer Edel- 
mann ermahnte seine Söhne, ehe er sie nach Frankreich 
und Italien schickte^): Fliehet Müßiggang und Nichtstun. 
Bedenket, wie kurz das Leben ist, und daß ihr keine Zeit 
zu verlieren habt, wenn ihr die Eigenschaften und Voll- 
kommenheiten des Leibes und des Geistes erwerben wollt, 
die euch in der Welt Geltung verschaffen. — — 

Angehörige des hessischen Adels machten von je 
her die Sitte des Reisens mit. Einzelne legten darüber 
genauere Rechenschaft ab. Dietrich von Schachten hat 



^) Siehe Seite 166 Anmerkung 1. 

*) Paul Hentzner, Itinerarium Germaniae, Galliae, Angliae, Italiae. 
Nürnberg 1612. Vorwort. 

^) Des Kammerpräsidenten Otto Grote, Reichsfreiherrn zu Schauen, 
Verhaltungsregeln für seine Söhne, als sie 1690 nach Italien und Frank- 
reich auf Reisen gingen. (Archiv des historischen Vereins für Nieder- 
sachsen 1849 S. 875 § 25). 



— 168 - 

uns die Beschreibung der Palästinafahrt hinterlassen, die 
er im Gefolge des Landgrafen Wilhelm I. des Älteren im 
Jahre 1491 unternahm. Ein Jahrhundert danach besuchten, 
wie das unten folgende Schriftstück beweist, Georg Riedesel 
und Rudolf Schenck zu ihrer Ausbildung England und 
Frankreich. 

Georg Riedesel zu Eisenbach, Konrads Sohn, 
wurde zu Ludwigseck am 1. November 1580 geboren ^) 
und studierte schon seit 1593 auf der Universität Mar- 
burg. 2) In demselben Jahre belehnte Landgraf Moritz die 
Riedesel, unter anderen den Erbmarschall Johann als Vor- 
mund Volprechts, Hermanns, Georges und Johanns, der 
vier Söhne des verstorbenen Konrad. ^) Georg brachte es 
bis zum Hessen-Darmstädtischen Hofmarschall und Ge- 
heimen Rate und bekleidete eine Zeit lang das Amt eines 
Statthalters von Oberhessen. Er heiratete zweimal, zuerst 
im Jahre 1604 Hedwig Riedesel zu Eisenbach, dann nach 
deren Tode Sabine von Witzleben (1624). Als Stamm- 
vater des Altenburger Zweiges nimmt er im Riedeselschen 
Geschlechte eine hervorragende Stellung ein. Am 28. März 
1631 starb er zu Marburg.^) 

Über Johann Rudolf Schenck zu Schweinsberg 
vermögen wir nicht so viel zu berichten. Im Jahre 1588 
besuchte er das Pädagogium zu Marburg.^) Landgraf 
Moritz belehnte fünf Jahre später, wie dies in gleicher 
Weise schon sein Vater Wilhelm IV. getan hatte, Kaspar 
Magnus Schenck zu Schweinsberg, Rudolf Wilhelm Rau 
zu Holzhausen und Alexander Döring als Vormünder 
Johann Rudolfs und Reinhards, der Söhne des verstorbenen 
Reinhard Schenck zu Schweinsberg. ^) Johann Rudolf 
Schenck soll in Alexandrien verstorben sein.^) Danach 
hätte er also seine Reisen sehr weit ausgedehnt.^) 

Den englischen Paß der beiden hessischen Edelleute 

^) Rud. von Buttlar, Stammbuch der althessischen Ritterschaft. 

^) Wilh. Falckenheiner, Personen- und Orts-Register zur Matrikel 
der Universität Marburg S. 132. 142. 

^) 1593 August 23. Kassel. Lehnbuch des Ldgr. Moritz. 

*) 1593 September 27. Kassel. Lehnbuch des Ldgr. Moritz. 

^) Unter den Schencken zu Schweinsberg gab es damals noch 
einen, der die Reise nach England und Frankreich allenfalls unter- 
nommen haben könnte, nämlich Georg Rudolf, Sohn des 1578 ver- 
storbenen Kaspar (Genealogie der Freiherren Schenck zu Schweinsberg, 
Tafel 2). Er war ebenfalls Schüler des Pädagogiums zu Marburg (1578), 
verheiratete sich später mit Gutta Rotsmann (nach Buttlar; nach der 
Schenckschen Genealogie mit N. N.) und wohnte auf dem Schmitthof. 
Schon im Jahre 1600 starb er. 



— 169 — 

hat Robert Cecil unterschrieben. Dieser widmete als 
Staatsmann der Königin Elisabeth von England seine 
Dienste. Er war der Sohn jenes Burleigh, den die Deut- 
schen aus Schillers Maria Stuart kennen. König Jakob 
von Schottland, dem Robert Cecil nach Elisabeths Tode 
den englischen Thron verschaflFte, erhob ihn (1605) zum 
Grafen von Salisbury. 

Soviel über die Personen, die in dem Passe ge- 
nannt werden. 

Der große Wert eines solchen Ausweises und Em- 
pfehlungsbriefes in der Fremde leuchtet von selbst ein. 
Der deutsche Reisende Paul Hentzner war im Jahre 1598, 
also kurze Zeit früher als die beiden Hessen, als Hofmeister 
eines jungen Schlesiers in England; er erzählt'): 

Sobald wir aus dem Schiffe stiegen, mußten wir dem 
Notar des Ortes unsere Namen angeben. Vorher fragte 
man uns erst, was für Geschäfte wir im Königreiche 
hätten. Als wir antworteten, wir wären nur gekommen, 
die Insel zu durchwandern, wurden wir in die Herberge 
geführt und nach Landessitte gut und ansehnlich gehalten. 

Der Abschied vom englischen Boden verlief etwas 
anders. Hentzner berichtet darüber 2): 

Bevor wir [in Dover] die Anker lichteten, wurde 
jeder genötigt, seinen Namen anzugeben und Rechenschaft 
abzulegen, weswegen er in England gewesen sei, und 
wohin er abreisen wolle. Hierauf erhielten wir zwar Er- 
laubnis zur Abfahrt, unsere Koffer wurden aber von den 
dazu verordneten Beamten geöffnet und nach englischem 
Gelde aufs sorgfältigste durchsucht. Denn über zehn Pfund 
darf keiner aus dem Lande mitnehmen; was darüber ist, 
zieht man zu Gunsten der königlichen Kasse ein. 

Den meisten dieser Belästigungen werden Riedesel 
und Schenck durch Vorzeigung ihres Passes entgangen 
sein. Die wörtliche Übersetzung des Schriftstückes lautet: 

Da die Inhaber dieses, Georg Riedesel und Rudolf 
Schenck, Edelleute und Untertanen des Landgrafen von 
Hessen, bewogen von dem ernsten Wunsche, der Königin 
Majestät und dieses Reich zu sehen, vor einem Monate 
hier angekommen sind und nun dringend wünschen, zu 
ihrer weiteren Ausbildung nach Frankreich zu reisen zu 
gleichem Ziel und Zweck, so wollen und verlangen sie 



*) Itinerarium S. IIB. 
«) A. a. 0. S. 362. 



— 170 — 

von euch allen und von jedem einzelnen unter euch, den 
es betreflfen mag, nicht nur zu erlauben und zu dulden, 
daß sie mit ihren drei Dienern, ihren Mantelsäcken und 
anderm notwendigen Gepäck ruhig an euch vorübergehn 
ohne irgend eine Hinderung oder Belästigung von euerer 
Seite, sondern auch daß sie, wenn ihre Bedürfnisse das 
erfordern, mit genügenden und geeigneten Postpferden 
nach den Seeküsten versehen werden zu gebräuchlichen 
und gewöhnlichen Preisen; und ferner daß ihr ihnen alle 
Fügsamkeit und Höflichkeit beweist, die sie billiger und 
menschenmöglicher Weise in eueren Landschaften ver- 
langen können. Hierin versäumt nichts, da ihr für das 
Gegenteil verantwortlich sein werdet. 

Savoy^), am 1. September 1599. 
Dieser Paß gilt für 20 Tage. 

Ro. Cecyll. 

An alle Bürgermeister, Friedensrichter, Seekapitäne, 
Zollbeamte, Untersucher und Aufseher und alle anderen 
Beamten und getreuen Untertanen ihrer Majestät, die es 
angehn mag, und an jeden einzelnen von ihnen. — — 

Der Übersetzung folge der ursprüngliche englische 
Wortlaut. 

Whereas the bearers hereof George Rydesell and 
Rodolphe Shinke gent and subjects^) unto the lantgrave 
of Hesse (moved with earnest desire to see the queenes 
majestie and this realme) arrived beere a moneth sithence 
and are nowe verie desirous (for there more experience) 
to travaile into Frannce, to like ende and purpose: theise 
are to will and require you and everie of you, whome it 
maie concearne, not onelie to permitte and sufFre them 
with theire three servants cloakebaggs and other necessarie 
cariage quietlie to passe by you without any your lette 
and molestacion: but allso (yf their occasions shall so 



^) Schloß außerhalb der Altstadt London „in vico vocato le 
Straund". Es hat seinen Namen von Peter von Savoyen, Grafen von 
Richmond, dem es im Jahre 1246 verliehen wurde. Leslie Stephen, 
Dictionary of National Biography 45, 59. 

*) Aus subiects ist zu leichterem Verständnisse subjects ge- 
macht; wo u in konsonantischem Werte stand, wie bei lantgraue, moued, 
euerie, habe ich immer v geschrieben, auch die Abkürzungen aufgelöst, 
sonst aber die Eigenheiten der Vorlage beibehalten. — Das Original 
des Passes fand ich unter Urkundenabschriften, die ums Jahr 1800 
angefertigt sind. Dem Herrn Besitzer danke ich auch an dieser Stelle 
für die Erlaubnis zur Veröffentlichung. 



— 171 — 

require) to see them provided of sufficiant and able post- 
horse to the sea costs at prizes usuall and accustomed, 
and further to yeilde them all content and courtesie, that 
they maie in reason and humanitie require at your landes. 
Hereof falle ye not, as you will annswere to the contrary. 

From the Savoye this firste of September 1599.^) 
This pasport to serve for XX™ dais.^) 

Ro. Cecyll.3) 

To all maiors, justices of peace, capitaines at seas, 
customers, searchers and conntrollers and all other her 
majesties officers and lovinge subjects, to whome it may 
appertaine, and to every of them.**) 



^) Ort und Datum mit anderer Tinte. 

') Dieser Satz ist von anderer Hand geschrieben ; die Bedeutung 
der drei Striche hinter XX unsicher. Man könnte an eine 3 oder an 
die Endung des Wortes twenty (ie) denken. 

*) Eigenhändig. 

*) Die Adresse wieder von der ersten Hand, die den Brief selbst 
geschrieben hat. 



Literatur.') 



Vitae Sancti Bonifatii archiepiscopi Mogunti. Re- 
cognovit Wilhelmus Levison (Scriptores rerum Germa- 
nicarum in usum scholarum ex Monumentis Germaniae 
historicis separatim editi). Hannoverae et Lipsiae, Hahn 
1905. LXXXVI, 241 p. M. 5. 

Die überaus dankenswerte Vermehrung der Oktav- 
ausgaben unserer großen nationalen Quellensammlung 
gereicht nicht zum wenigsten der landesgeschichtlichen 
Forschung zum Vorteil. Vielleicht wird das von denjenigen, 
die sich ihr widmen, noch nicht genug durch Benutzung 
dieser billigen und bequemen Ausgaben anerkannt, obwohl 
sie dem letzten Stande der Forschung viel mehr als die 
älteren Ausgaben in der Folioreihe entsprechen. Für 
Hessen reiht sich der Ausgabe der Annales Fuldenses 
(ed. F. Kurze 1891) und der Werke Lamperts von Hers- 
feld (ed. Holder-Egger 1894) die Ausgabe der Biographien 
des Apostels Bonifaz an. Da so manche der mitgeteilten 
sieben Schriften bisher nur in Bruchstücken veröffentlicht 



^) Für diesen neuen Teil unserer Zeitschrift, zu dessen Vorbe- 
reitung mir nur wenige Herbstwochen zur Verfügung standen, erbitte 
ich das Interesse der Verleger, welche durch Zustellung der bei ihnen 
erscheinenden in das Arbeitsgebiet des Vereins, fallenden Bücher, der 
Geschichts vereine und Forscher, welche durch Übersendung ihrer Zeit- 
schriften und durch Sonderabzüge die Reichhaltigkeit unserer Lite- 
raturübersicht in dankenswerter Weise fördern können. Die Notizen 
ohne Namensunterschrift stammen von dem Unterzeichneten. Ich er- 
bitte nicht am wenigsten die Mitwirkung sachverständiger Mitarbeiter, 
dabei muß das Ziel in erster Linie Berichterstattung, nicht Richtig- 
stellung von Einzelheiten sein. Der Druck aller Besprechungen und 
Notizen erfolgt künftig in Petit. Das Honorar ist nach Bogen bezw. 
Seite dasselbe wie für die andern Teile der Zeitschrift. 

Marburg a/L. Prof. Karl VVenck. 

Bismarckstr. 32. 



— 173 — 

waren, so ist hier auch zuerst die Unterlage geboten, die 
mittelalterUche Historiographie über eine so bedeutende 
Persönlichkeit, wie es Bonifaz war, durch die Jahrhunderte 
vergleichend zu verfolgen. Wie verschieden sind doch 
der erste und der letzte der Biographen, deren Schriften 
hier wiedergegeben sind, der Angelsachse ^) Willibald und 
der Baier Otloh, der Priester, der bald nach dem Tode 
des Bonifaz auf Bitten der Bischöfe LuUus und Megingoz 
und nach ihren und anderer mündlichen Mitteilungen eine 
Biographie schrieb, die, so wertvoll sie uns ist, in manchen 
Teilen das erbauliche doch viel zu breit werden läßt, und 
auf der andern Seite der Benediktinermönch des 11. Jahr- 
hunderts, der auf Wunsch der Fulder Brüder, bei denen 
er sich aufhielt, den biographischen Stoff nicht nur in einem 
viel lesbareren Gewände wiedergab, sondern zugleich ihn 
aus der Briefsammlung des Bonifaz wesenthch erweiterte 
und damit überhaupt (wie A. Hauck, Kirchen geschichte 
Deutschlands III ^ (1906) S. 946 sagt) „die erste haupt- 
sächlich auf urkundlichem Material beruhende Biographie 
geschaffen hat, die es gibt". Ich muß es mir versagen, 
den Vergleich zwischen diesen beiden Biographen hier 
weiter auszuspinnen. Der erstere hat uns ja für die 
historische Erkenntnis seines Helden unendlich viel mehr 
geboten als Otloh, da dessen Quellenmaterial uns auch 
anderweitig überliefert ist, aber die nock in anderen Schriften 
ausgeprägte schriftstellerische Persönlichkeit Otloh's ist 
unzweifelhaft von großem Interesse. 

Von Otloh's Buch, welches die Hälfte des vorliegenden 
Bandes füllt, waren bisher nur die Vorrede und einige Aus- 
züge gedruckt. Willibald's Biographie ist zum ersten Mal 
auf Grund systematischer Benutzung der Handschriften 
(ich zähle 41) wiedergegeben, und zum ersten Male ist der 
ältesten (Freisinger) Handschrift des 9. Jahrhunderts, welche 
allen anderen isoliert mit dem Anspruch größerer Zuver- 
lässigkeit gegenübersteht, ohne doch die Besserung aus 
jenen entbehren zu können, die ihr gebührende Stelle für 
die Herstellung des Textes eingeräumt worden.^) 

Recht merkwürdig für die Denkungsweise eines 
braven Bischofs in der Zeit des Verfalls von Kirche und 



^) Seine angelsächsische Nationalität ist dem Herausgeber durch 
Ed. Schröder unter Hinweis auf die treue Erhaltung der angel- 
sächsischen Namensformen nachgewiesen worden. 

*) Eine deutsche Übersetzung von Willibalds Biographie findet 
sich in den „Geschichtsschreibern der deutschen Vorzeit 8. Jahrhundert 
Bd. 2" von Wilh. Arndt Berlin 1863. 2. A. Leipz. 1888. 



— 174 — 

Reich ist die kurze Biographie von Radbod, Bischof von 
Utrecht (899 — 917). Sehr hübsch vergleicht er einmal das 
Leben der rings von Wasser umgebenen Friesen mit dem 
der Fische. Begreiflicher Weise prägt sich in einer (der 4.) 
Biographie der erzbischöflich-mainzische Standpunkt aus, 
wie in der Otloh's der Fuldische, jener im Gegensatz 
zum Papst, dieser im Gegensatz zu den Bischöfen. 

Nur in der Vorrede besprochen ist die sogenannte 
Legenda patroni Germaniae sancti Bonifacii, ein spätes 
thüringisches Machwerk, das doch nach manchen Be- 
ziehungen von großem Interesse ist. Der Herausgeber 
hat nicht klar gesehen. Schon der Eisenacher Stadt- 
schreiber Johann Rothe hat in die ältere noch ungedruckte 
Rezension seiner Chronik, die um das Jahr 1419 verfaßt 
sein wird, eine wohl von ihm selbst besorgte deutsche Be- 
arbeitung der Legende aufgenommen, wie die Gothaer 
Hs. B. Nr. 180 vom Jahre '1487 fol. 182-190 bezeugt. 
Levison und die von ihm angezogenen Gewährsmänner 
haben die bezüglichen Bemerkungen von F. Bech und 
A. Witzschel in ihren Aufsätzen über Joh. Rothe (Ger- 
mania, Vierteljahrsschrift 6 [1861] S. 259 und 17 [1872] 
S. 167) nicht berücksichtigt. Das Alter der lateinischen 
Legenda, die also nicht erst dem 16. Jahrhundert, sondern 
vielleicht schon dem 14. angehört, bleibt festzustellen, und 
zweifellos lohnt es über die Entstehung und die weitere 
Geschichte des Schriftchens, das in großen Teilen den 
Charakter einer Beschreibung Thüringens, seiner Grenzen 
und Rechtsverhältnisse trägt, Aufklärung zu schaffen. 
Aber im Rahmen dieses Bändchens durften wir es nicht 
erwarten. 

Die sachlichen Anmerkungen des Herausgebers ver- 
dienen alles Lob. Der hessische Geschichtsforscher wird 
mit Befriedigung mehrere Beiträge aus hessischen Zeit- 
schriften bezw. von hessischen Gelehrten, welche in den 
letzten Jahren erschienen, benutzt finden. Ich führe sie 
zum Schluß hier an: Walther Köhler, Dettic und 
Deorulf [die pseudochristlichen Häupter von Amöneburg] 
in den „Mitteil, des oberhess. Gesch.- Vereins" N. F. 10 
(1901) S. 120—4. Walther Köhler, Bonifatius in 
Hessen und das hessische Bistum Buraburg in „Zeitschrift 
für Kirchengeschichte" 25 (1904) S. 198—223, endlich: 
Michael Tangl, Das Todesjahr des Bonifatius, in unserer 
Zeitschr. N. F. 27 (1903) S. 223—50. 

Marburg, Karl Wenck. 



— 175 — 

Romanische Bauwerke in Niederhessen. Mit 24 
Zeichnungen von Ernst Happel, Ingenieur. Kassel, 
C. Vietor, 1906. 110 SS: 8^ M. 1,50. 

Die vorliegende Schrift des durch seine Forschungen 
über die Burgen und mittelalterlichen Befestigungsbauten 
in Nieder- und Oberhessen bekannten Verfassers beruht 
in ihren kunstgeschichtlichen Abschnitten vorwiegend, oft 
unter wörtlicher Anlehnung, auf den von Dehn-Rothfelser 
und Lotz bearbeiteten Baudenkmälern im Regierungsbezirk 
Kassel, während die rein geschichtlichen Angaben meist 
Landaus Beschreibung des Kurfürstentums Hessen ent- 
nommen sind. Gleichwohl sind diese nicht immer richtig, 
vielfach zu knapp oder auch zu breit geraten. Wertvoll 
bleiben die auf grund eigener Anschauung durch Zeich- 
nungen erläuterten Beschreibungen, die unsere Kenntnis 
erweitern. Allerdings sind die Zeichnungen teilweise recht 
ungleichartig (Kugelburg und Germerode!) und dürftig, 
so daß man sich Wiedergaben nach guten Photographien 
wünschte. Zur Festlegung bautechnischer und besonders 
charakteristischer Einzelheiten bliebe dem Zeichenstift immer 
noch genug vorbehalten. 

In der Einleitung behandelt der Verfasser die Aus- 
breitung des romanischen Baustiles in Deutschland bis 
etwa zum Jahre 1250 (S. 9 — 15) und gibt nach den „Bau- 
denkmälern" eine Beschreibung der 822 geweihten Michaels- 
kirche in Fulda (S. 16—18). Beachtung verdient die Kloster- 
kirche in Breitenau (S. 21 — 31), an der die Einwirkung 
der Hirsauer Bauschule deutlich zu erkennen ist. Den 
Hinweis auf Hirsau vermißt man jedoch bei der Lippolds- 
berger Kirche (S. 49—53). Von dem Kloster Burghasungen, 
wo gleichfalls Hirsauer Mönche tätig waren, hat sich nur 
ein Rest des Kirchturms erhalten. Weitere romanische 
Kirchtürme stehen noch in Ehlen und Niederelsungen 
(S. 39—41), während die Kugelburg bei Volkmarsen (S. 42 
und 43) das einzige erhaltene Profanbauwerk romanischen 
Ursprungs ist. Einzig ihrer Art bleibt die der Grabes- 
kirche in Jerusalem täuschend ähnliche Kirche auf der 
Krukenburg bei Heimarshausen (S. 45—48). Die alte 
Klosterkirche in Wilhelmshausen (Walshausen) ist wieder- 
hergestellt; ein im Bauschutt aufgefundener Taufstein hat 
in der nördlichen Seitenapsis einen Platz gefunden (S. 54—59). 
Die herrliche Stiftskirche S. Petri in Fritzlar findet ent- 
sprechend ihrer Bedeutung eingehende Würdigung (S. 
60 — 77), doch vermißt man eine Gesamt-Choransicht — 



— 176 — 

ähnlich der dem Führer durch Fritzlar von Christian Rauch 
beigegebenen schönen Bickellschen Aufnahme — , einen 
Hinweis auf ähnliche Formen an Wormser Kirchen und 
die prächtigen romanischen Stücke des Kirchenschatzes. 
Doch scheint der Verfasser diese Kunsterzeugnisse in 
seinem Buche grundsätzlich auszuschließen, da er auch 
den Lippoldsberger Taufstein nicht erwähnt. 

Im folgenden beschreibt der Verfasser (S. 78 — 91): 
die Liebfrauenkirche in Hofgeismar (die beiden im Tym- 
panon des Westportals angebrachten Buchstaben sind 
doch wohl als A und ß, nicht A A zu deuten), den Turm 
der Stadtkirche S. Nicolai in Melsungen, die Reste der 
Klosterkirche Eppenberg, die Friedhofskapelle in Felsberg, 
die Kirche in Mörshausen, die Klosterkirche in Oberwerba, 
romanische Teile der Klosterkirche in Haina, die Kirche 
in Viermünden, den Kirchturm in Ronshausen, den Wohn- 
turm der Gil&ischen Burg in Ropperhausen, den Rest einer 
Kapelle auf Niedenstein (in den „Baudenkmälern" fehlend), 
die Klosterkirche in Merxhausen und den Kirchturm in 
Frommershausen. 

Mit einer ausführlichen Schilderung der Kirche in 
Germerode und des verwahrlosten Klostergebäudes (S. 
92—98), der später dem Deutschen Orden gehörigen Kloster- 
kirche in Reichenbach (S. 99) und der Kirche samt der 
Kapelle des Klosters Oberkaufungen (S. 100 — 105) endigen 
die Einzelbeschreibungen, denen sich noch ein Rückblick 
über die aufgezählten Kirchenanlagen und die darin vor- 
kommenden Pflanzen- und Figurendarstellungen anschließt. 

Wenn auch das Buch uns viel Neues nicht bringt, 
so wird es doch als Führer, der Bekanntes zusammenfaßt 
und ergänzt, seinen Zweck nicht verfehlen. Möge es recht 
viele anregen und begleiten auf ihren Burgen- und Kloster- 
fahrten in Niederhessen. 

Marburg, Wilh. Dersch. 

Schlager, P«, 0. F. M., Beiträge zur Geschichte der köl- 
nischen Franziskaner-Ordensprovinz im Mittelalter. 
Köln, J. P. Bachern. 1904:. X, 304 S. M. 3,60, geb. 4,80. 

EubeL K.9 0. F. M., Geschichte der kölnischen Minor iten- 
Ordensprovinz (Veröffentlichungen des Hist. Ver. für den Nieder- 
rhein I), Köln, J. u. W. Boisser^e's Buchh. 1906, IV, 332 S. M. 7.—. 

Beide Verfasser sind Franziskaner, E. ist Generaldefinitor der 
Minoritenkonventualen in Rom, Schlager deutscher Observant. In 
ihnen sind also die beiden Richtungen vertreten, in die sich beim 
Ausgange des Mittelalters die Stiftung des hl. Franz von Assisi ge- 



— 177 — 

spalten hat. Gegenüber den Milderungen der alten Ordensregel, wie 
sie mit päpstlicher Erlaubnis und durch laxe Handhabung sich ein- 
geschlichen hatten, erhob sich innerhalb und außerhalb des Ordens 
eine Bewegung, die auf strengere, mehr buchstäbliche Beobachtung 
der alten Regel drang. Die Mehrzahl der Konvente nahm diese sog. 
„Observanz" an und nannte sich danach Observanten, eine kleine 
Minderheit, die indessen im Laufe der Zeit wieder erstarkte, blieb als 
Minoritenkonventualen bestehen. Schi, hat nun als Observant vorzugs- 
weise die Geschichte derjenigen Klöster behandelt, die zu den Obser- 
vanten übergegangen sind. In Hessen sind das alle mit Ausnahme 
von Fritzlar, das deshalb das einzige Kloster ist, das auch bei E., der 
nur mit den ,.Konventualen" sich beschäftigt, eine sorgfältigere Dar- 
stellung gefunden hat. E. geht bis zur Neuzeit, Schi, dagegen nur 
bis zum Ende des Mittelalters (1517), weitere „Beiträge" sind von ihm 
zu erwarten. Eine gehaltreiche Besprechung Schl.'s durch Eubel 
brachte das Hist. Jahrb. XXV, 861, ich beschränke mich im folgenden 
bei beiden Arbeiten auf das, was sie für Hessen enthalten. Beide 
bringen namentlich aus bisher unbekannten Archivalien ihrer Orden 
eine Fülle neuen Materials auch für Hessen, sodaß niemand, der über 
hess. Kirchengeschichte schreibt, daran vorübergehen kann. Dagegen 
ist die vorhandene Litteratur nicht von E., wohl aber von Schi, fast 
vollständig unbenutzt geblieben, wie ihm selbst nicht ganz unbewußt 
zu sein scheint (IV). Es ergibt sich daher für den Ref. die Notwendig- 
keit, auf diese Lücken hier im Interesse hessischer Geschichtsforschung 
nachdrücklich im einzelnen hinzuweisen. Auch die hessischen Archive 
sind wohl bei E., dagegen nicht bei Schi, herangezogen. 

Im lahre 1219 hatte der hl. Franz von Assisi zuerst seine Brüder 
vergebens nach Deutschland gesandt, 1221 zogen sie mit mehr Glück 
abermals dahin, an ihrer Spitze der erste Provinzial von Deutschland 
Cäsarius von Speyer, in Worms, Mainz, Speyer und Köln ließen sie 
sich nieder. Bald hatte sich die Stiftung des hl. Franz in Deutschland 
schon so ausgedehnt, daß schon 1230 zur Teilung der deutschen Pro- 
vinz in eine rheinische mit den Kustodien Schwaben, Elsaß und Köln 
und eine sächsische Provinz geschritten wurde. 

In diese Zeit fallen auch die ersten Gründungen der „Barfüßer" 
in Hessen. Die erste Niederlassung scheint Marburg gewesen zu 
sein. Die hl. Elisabeth fand 1228, als sie nach Marburg kam, dort 
eine kleine Kirche und „convent, dar worin dry adder vire barfufen 
brudere inne". So erzählt es uns Gerstenberg.*) Ich hätte wichtige 
Gründe für die Wahrheit dieser Nachricht anzuführen, wenn nicht 
der Raum es verbieten würde ; was dagegen gesagt wird, halte ich 
nicht für stichhaltig. Die Darstellung bei Schi, freilich ist unklar, er 
verwechselt mit Hueber den Klosterbau zu Eisenach mit Marburg, den 
alten Konvent, wie er heute noch größtenteils steht und wie ihn der 
verew. Bickell 1883 (S. 33 ff.) in so klassischer Form beschrieben hat, 
mit der von der hl. Elisabeth selbst erbauten Hospitalskapelle S. Fran- 
cisci und endHch mit dem später nach Überweisung des Franziskus- 
hospitals an den deutschen Orden erbauten Kloster am Barfüßertor, 
das auch jetzt noch teilweise erhalten ist und von dem wir noch 
hübsche alte Abbildungen von Dilichs Meisterhand besitzen. Dank- 



1) Prof. Wenck macht mich darauf aufmerksam, daß Diemar in 
seiner noch nicht veröffentHchten Ausgabe von G.'s Landeschronik in 
dieser Erzählung im Gegensatz zu K. Heldmann (Zeitschr. N. F. 30, 14) 
eine Marburger Nachricht vermutet. 

N. F. BD. XXX. 12 



— 178 — 

bar zu begrüßen wäre es, wenn Schi, den für die Erbauung dieses 
Hauses gewährten, bisher unbekannten Mainzer Ablaßbrief mitteilen 
wollte. Die gehaltvollen Aufsätze von Bücking zur Geschichte dieses 
Klosters (insbesondere dessen „Geschieh tl. Bilder aus Marburgs Ver- 
gangenheit", Marburg 1901, S. 57 ff.), das später in interessante dog- 
matische Streitigkeiten mit den Dominikanern verwickelt wurde, hat 
Schi, leider nicht benutzt. 

Im Jahre 1229 sollen die Häuser zu Fritzlar, Hersfeld und Hof- 
geismar gegründet worden sein. In Fritzlar sind die Minoriten auch 
schon 1236 urkundlich nachzuweisen. Schi, muß für Fritzlar ganz 
hinter E. zurückstehen, zumal ihm die Literatur, Avie Falkenheiner, 
Gesch. hess. Städte u. Stifter 1841/42, unbekannt blieb. E. dagegen 
hat unsere Kenntnis von der Niederlassung in Fritzlar aus Archivalien 
des Petersstifts, der Stadt, des Wiener und Würzburger Archivs und 
aus Urkunden und Akten dieses Klosters selbst, die sich jetzt z. T. 
beim Petersstift, z. T. im Franziskanerkloster zu Fulda befinden, ganz 
erheblich gefördert. 

Recht wenig wissen wir auch jetzt immer noch von dem 
Minoritenkloster in Hersfeld, das doch schon 1229 gegründet sein 
soll, aber immerhin soviel, daß wir nun die oberflächlichen Be- 
merkungen von Piderit entbehren können. 1301 wird das dortige 
Kloster zuerst urkundlich erwähnt. 

Das angeblich zur selben Zeit gegründete Kloster zu Hof- 
geismar .(Geismar) wurde, wie urkundhch erwiesen ist, 1238 ein- 
geweiht. Über Hofgeismar war indessen Falkenheiner, den Schi, nicht 
kennt, schon besser unterrichtet als dieser. Zeithch folgen jetzt die 
Gründungen zu Fulda und Göttingen. 

Das Kloster zu Fulda wurde nach einer von Schannat (Dioec. 
et hier. Fuld. prob. nr. 54 p. 274) veröffentlichten Urkunde 1238 ge- 
gründet. Schi, scheint diese Urkunde nur aus dem wertlosen Aufsatze 
von Schmitt zu kennen, da er dessen unbewiesene Behauptung über- 
nimmt, die Minoriten seien von Marburg her nach Fulda gekommen. 

Göttingen erhielt nach franziskanischer Tradition 1246 die 
ersten Minoriten, 1307 sind sie dort urkundlich bezeugt. Später 
scheint die Niederlassung zu Grünberg entstanden zu sein, 1285 
wird sie zuerst erwähnt. Schi, kennt auch hier die Literatur (Wagner, 
Geistl. Stifte i. Großh. Hessen I, 1873) nicht, kommt aber diesmal doch 
darüber hinaus. Über die von Kuchenbecker (lllibata Hassorum 
religio. S. 34) allein behauptete Existenz eines Minoritenkonvents zu 
Grebenstein um 1455 findet sich auch bei Schi, nichts, man tut 
gut, vorläufig der Nachricht Kuchenbeckers gegenüber sich recht 
skeptisch zu verhalten. 

Die Klöster Fritzlar, Fulda, Gottingen, Hersfeld, Hofgeismar und 
Marburg, deren Vorsteher Guardiane genannt wurden, bildeten zu- 
sammen innerhalb der rheinischen Provinz die Kustodie Hessen. 
Als custos fratrum minorum per terram Hassye wird zuerst 1289 fr. 
Heydenricus genannt, der anscheinend dem Marburger Konvente an- 
gehörte, doch besaß darin kein Konvent ein Vorrecht. Zwei Provinzial- 
kapitel wurden auf hessischem Boden abgehalten, eines 1315 zu Fulda 
(Schi. 151), ein anderes ca. 1405 in Marburg (E. 5). Unter den 
rheinischen Provinzialen scheint nur ein Hesse zu sein: Hermann 
von Mardorf. Das erste Ideal vollkommener Armut, wie es der Stifter 
des Ordens aufgestellt hatte, mußte unter den Verhältnissen des prak- 
tischen Lebens immer mehr von seiner Strenge verlieren. Papst und 
Orden sahen sich genötigt, wenigstens Kaufen, Verkaufen und Tauschen 



— 179 — 

der notwendigen Dinge zu gestatten, doch wurde für diese Funk- 
tionen das Institut der Laien -Prokuratoren geschaffen. Schi, ist in 
der Lage, das Ernennungsdekret für die Marburger Prokuratoren mit- 
teilen zu können. Der „Konservator" der Minonten, Bischof Eberhard 
von Münster bestellte dazu 1282 auf Weisung des „Kardinalprotektors" 
der Minonten Matteo Rosso Orsini die Bürger Ludwig und Heinrich 
von Fronhausen (Ludwig wird als Schöffe und Bürgermeister dort 

fenannt), Konrad Wurstebendel (Schöffe daselbst) und Cuniperus (?) 
lecker (Pistor). Bei Schi, sind diese Namen gänzlich entstellt. Für 
das Verständnis der Bettelorden gehört ferner die Kenntnis des 
Terminierens zum Wichtigsten. Ihre Brüder durchzogen predigend 
und Almosen sammelnd das Land. Allmählich bildeten sich bestimmt 
abgegrenzte Bettelbezirke heraus, deren Mittelpunkt gewöhnlich eine 
j.Terminei", ein Haus war, in dem der Terminierer wohnen und das 
uesammelte aufbewahren konnte. Eine solche Barfüßerterminei war 
ohne Frage in Kassel, von einem Kloster daselbst kann keine Rede 
sein, sodaß die an die Urkunde von 1829 (gedr. v. Lennep, Cod. prob. 
1768, nr. 224) geknüpften Bemerkungen hinfällig sind. Die Marburger 
Barfüßer besaßen eineTerminei zu Frankenberg, ihr Bruder predigte 
dort nach Gerstenberg in der Fastenzeit jeden Donnerstag. Terminieren 
und Predigen sind auch sonst untrennbar mit einander verbunden. 
Dieser Terminiertätigkeit hätte in den besprochenen Werken mehr 
Aufmerksamkeit gewidmet werden sollen, wenn sich auch von den 
meisten Termineien jede Nachricht verloren hat. Denn in der Predigt 
.und den übrigen Zweigen der Seelsorge liegt ja die Bedeutung der 
Bettelorden für das Mittelalter. Wirtschaftlich bedeuten sie infolge 
ihrer Armut nichts, deswegen sind auch ihre Archive so unbedeutend. 
Ihre Bibliotheken, von denen wir die Marburger noch zum größten 
Teil besitzen (s. Zedier, Gesch. der Univ.-Bibliothek zu Marburg (1896) 
S. 4, 7, 22), bestehen dagegen vorzugsweise aus Predigtbüchern und 
anderen theologischen Werken. 

Eine besondere Einrichtung des Franziskanerordens sind die 
Tertiarier, Laien, die in der Welt nach einer gewissen gemilderten 
Ordensregel leben. Es gab indessen auch klösterliche Konvente nach 
dieser Regel, sogen, regulierte Tertiarier. In Hessen bestanden solche 
Tertiarierkonvente zu Meiderdorf bei Frankenberg seit 1494 (Gersten- 
berg), zu Grünberg seit 1444 (Wagner I, 244) und Marburg (vor 1442 
Bücking, Wegweiser d. Marburg 1891, S. 58), Tertiarierinnen seit 1467 
in Fulda (Schannat, dioec. et hier. Fuld. 229), Marburg (Bücking S. 46) 
und nach Würdtwein (abbatia Ilbenstadt, Mainz 1766 S. 3) auch in 
Kassel. Dagegen beruht die Nachricht bei Rommel (G. v. Hessen III 
Anm. 281) von Tertiarierinnen in Grünberg auf einer Verwechslung 
mit den Augustin er innen bei St. Paul (Wagner I, 82). Die Franszis- 
kanerinnen zu Marburg waren das letzte Kloster, das ein Privileg von 
Landgraf Philipp erhielt. Schi, kennt keinen dieser Tertiarierkonvente. 
Als am Ausgang des Mittelalters die oben gekennzeichnete Be- 
wegung der „Observanz" ihren Zug durch Deutschland nahm, 
stellte sich besonders auch Landgraf Wilhelm d. J. in den Dienst dieser 
Bestrebungen. Mit welcher Schärfe dabei diese Politik, mit der auch 
der allgewaltige Hofmeister Hans von Dörnberg eng verknüpft war, 
sich rücksichtslos durchsetzte und wieviel Sympathien der städtischen 
Bevölkerung dabei noch auf Seiten der verdrängten Konventualen 
standen, erfahren wir aus einer Reihe ungemein interessanter Akten- 
stücke, den Konvent zu Marburg betreffend, die Schi, hier zum ersten 
Mal veröffenthcht hat. Sie würden indessen erst ins rechte Licht 

12* 



— 180 — 

gesetzt, wenn dazu auch das sonstige Material, vor allem die Stücke 
benutzt worden wären, die in den Deduktionsschriften Hessen contra 
Deutscher Orden abgedruckt sind. Voraussichthch wird die von der 
Hist. Kommission f. H. u. W. angekündigte Arbeit von Wilh. Dersch 
sich damit beschäftigen. Alle hessischen Klöster mit Ausnahme von 
Fritzlar gingen an die Observanten über, Fritzlar wohl nur deshalb 
nicht, weil Mainz weniger scharf drückte wie Hessen und die Bürger- 
schaft den Konventualen wohlgesinnt war (Schi. 304). Von den Obser- 
vanten wurde damals unter Mitwirkung der Grafen von Waldeck das 
Kloster C o r b a c h neu gegründet. Schi, kennt auch hier die Literatur 
nur ungenau — V. Schultze, Waldeckische Reformationsgesch. Leip- 
zig 1903 hat er nicht berücksichtigt, vgl. auch Leiß, Geschichtsbl. f. 
Wald. u. Pyrm. III, 34 — , dagegen scheint ihm hier wie auch für 
Marburg wichtiges ungedrucktes Material, wie Memorienbücher, vor- 
gelegen zu haben; zu bedauern bleibt nur, daß der Aufbewahrungs- 
ort oft nicht mitgeteilt wird. Bekannt ist die vielfach betätigte wohl- 
wollende Gesinnung der Landgräfm Anna (v. Mecklenburg) gegen die 
Observanten, die 1523 die von Langensalza verdrängten Barfüßer in 
Rotenburg aufnehmen wollte (G. Schenk z. Schweinsberg in d. 
Festschr. d. hist. Ver. f. d. Großh. Hessen 1904, S. 106). Auch politisch 
spielte damals nach dem Chronisten Nuhn ein Observant Hermann eine 
Rolle (Glagau Anna v. H. 1899, S. 11). 

Die Vorgänge bei der Säkularisierung der Klöster haben bei 
Schi, noch keine Stelle gefunden, da er mit 1517 abschließt. Ich ver- 
weise hierzu für Marburg insbesondere noch auf die Schrift von L. 
Schmitt (Freiburg in B. 1896) über den letzten Vorkämpfer des Katho- 
lizismus in Hessen Nikolaus Ferber von Herborn und einige Notizen, 
die Ref. in Bd. XXVIII, 341 ff. dies. Zeitschr. gebracht hat. Das weitere 
Fortleben der Franziskaner in P r i t z 1 a r entbehrt größerer Bedeutung ; 
bei ihnen fanden die katholischen Landgrafen von Rotenburg ihre 
letzte Ruhe. Der Konvent fristete ein trauriges Dasein, da ihm das 
Terminieren naturgemäß sehr schwer war. Die Versuche der Obser- 
vanten und Minoriten, auf Grund des Restitutionsedikts von den alten 
Häusern wieder Besitz zu ergreifen, kann ich füglich übergehen, da 
ein Aufsatz von Wilh. Dersch in diesem Jahrgange der Zeitschr. sich 
damit beschäftigen wird. Die nicht zur rheinischen Ordensprovinz 
gehörigen Niederlassungen zu Friedberg, Gelnhausen, Butzbach und 
Berbach blieben hier selbstverständlich unberücksichtigt. 

In beiden Büchern finden sich endlich noch viele interessante 
Beiträge zur Geschichte des Erzbischofs Landgraf Hermann von Köln, 
des Kölner Weihbischofs und Marburger Bürgersohns Johann Spender, 
zum Auftreten des Kardinallegaten Raimund Peraudi und zum religiösen 
und wissenschaftlichen Leben im Franziskanerorden. Alles in allem 
bieten Schi, wie E. eine Fundgrube wichtiger neuer Nachrichten, 
hoffentlich zeigen die folgenden Beiträge von Schi, aber auch mehr 
Beherrschung der Literatur wie diese. 

Marburg. Albert Huyskens. 

Crnst Lejeune, Die Münzen der reichsunmittelbaren Burg 
Friedberg in der Wetterau. Mit zwei Lichtdrucktafeln. 
Berlin, Verlag der „Berliner Münzblättter" 1905. 52 SS. 
gr. 8^ M. 4. 

Herr Ernst Lejeune in Frankfurt a. M. besitzt — neben 

vielen anderen schönen Münzserien — seit einiger Zeit 



— 181 — 

auch eine Sammlung von Friedberger Geprägen, wie sie 
schwerlich anderwärts im Privatbesitz existiert. Er hat 
seine Kenntnis durch Umschau und Umfrage bei einer 
Reihe von Münzkabinetten und Sammlern erweitert, auch 
gedruckte und ungedruckte Akten herangezogen, und ist 
so in der Lage, ein weit vollständigeres und zuverlässigeres 
Verzeichnis zu liefern, als es 1862 Leitzmann in der Numis- 
matischen Zeitung und neuerdings unser Landsmann Paul 
Weinmeister in Leipzig in den Blättern für Münzfreunde 
(1903) zu bieten vermochte. Daß es noch immer der 
Ergänzung fähig und bedürftig ist, weiß der Verfasser 
sehr wohl: insbesondere ist solche aus Darmstadt zu er- 
warten, wenn erst das reiche Münzkabinett des Groß- 
herzoglichen Museums nach Abschluß der Neuordnung 
zugängUch gemacht sein wird. Der gesicherten Typen 
sind es einstweilen annähernd 90 — die Zahl 101, auf 
welche die Nachträge gelangen, ist dadurch irreführend, 
daß hier auch die später aufgefundenen Varianten bekannter 
Typen eine eigene Nummer erhalten haben. 

Das Münzprivileg der Burggrafschaft rührt aus 
dem Jahre 1541 her und ist 1660 und abermals 1707 vom 
Kaiser bestätigt worden. Man hat aber erst im Jahre 
1569, zunächst zur Ausprägung* von Schüsselpfennigen, 
davon Gebrauch gemacht — die letzte Friedberger Münze 
ist ein Taler mit der Jahreszahl 1804. Münzstätte der 
Burggrafen ist Friedberg im 16. und 17. Jahrhundert ge- 
wesen, die Gepräge des 18. und 19. Jahrhunderts (im ganzen 
freilich nur 6 und ein Probestück) sind in Clausthal, Nürn- 
berg und Frankfurt a. M. hergestellt. Als Münzherren 
kommen die folgenden Burggrafen in Betracht, denen ich 
die Jahreszahlen ihrer datierten oder datierbaren Münzen 
in runden resp. eckigen Klammern beifüge. 

1. Johann Brendel von Homburg [1569]. 

2. Johann Oyger Brendel von Homburg (1570. 
1573—1576). 

3. Johann Eberhard von Cronenberg (1590—1595). 

4. Ccmrad Low von Steinfurt (1618—1623). 

5. Wolfgang Adolf von Garben (1657—1658). 

6. Hans Eitel Diede zum Fürstenstein I (1679—1680. 
1682—1684). 

7. Philipp Adolph Rau von Holzhausen (1685—1686. 
1688. 1690). 

S. Hans Eitel Diede zum Fürstenstein II (1747). 
9. Franz Heinrich von Dalberg (1766). 



— 182 — 

10. Johann Maria Rudolf Graf Waldbott von Bässen- 
heim (1804). 

Zwischen 7 und 8 fallen fünt Burggrafen als völlig 
münzlos aus, zwischen 8 und 9 einer. 

Es sind neben wenigen Goldgulden und einem ver- 
einzelten Schaustück in Gold lauter Silbermünzen. Vom 
Schüsselheller hinauf bis zum Doppeltaler sind zahlreiche 
Münzgattungen vertreten: Kreuzer und Halbbatzen 
oder Albus, Dreikreuzer oder Groschen, Sechskreuzer oder 
Doppelgroschen, Zwölfkreuzer oder Dreibätzner, Vier- 
teltaler und Testons, Zwanzigkreuzer , Halbgulden und 
Halbtaler, Gulden, Taler und — als besondere Rarität in 
Kasseler Privatbesitz — eine Anderthalbtaler-Klippe. Die 
Einordnung der Gußmedaille Nr. 53 auf Caspar Lerch 
unter die Friedberger Münzen scheint mir nicht motiviert. 
Das Münzbild ist ziemlich mannigfaltig: den Revers 
freilich beherrscht der doppelköpfige Reichsadler, aber im 
Avers treffen wir neben dem zweiteiligen und vierfeldigen 
Wappen der Burg, das vorwiegt, auf den größeren Stücken 
den heiligen Georg als Drachentöter, zu Fuß und zu 
Roß, auf kleineren gelegentlich das Porträt des Burg- 
grafen (Philipp Adolph Rau zu Holzhausen auf Doppel- 
groschen von 1688) sowie den an Bamberg erinnernden 
Löwen mit dem Querbalken der Freigrafschaft Kaichen 
(Albus von 1657. 1658). Den geharnischten Reiter des 
Talers von 1688 (Nr. 74) möchte ich nicht ohne weiteres 
als den Burggrafen ansprechen, sondern eher auf ein 
Mißverständnis des Stempelschneiders zurückführen, der 
dann auf dem Taler von 1690 (Nr. 75) den berittenen 
S. Georg besser zur Darstellung brachte. Eine Eigentüm- 
lichkeit der größeren Friedberger Münzen bildet, abgesehen 
von dem mit dem Friedberger bald vereinigten, bald kon- 
kurrierenden Wappen von Kaichen, die Anbringung des 
Schildchens der Frau Burggräfin gegenüber dem des 
Gatten: so bringt ein Halbgulden und der Gulden von 
1674 das Wappen einer geborenen v. Buttlar, die Taler 
von 1688 und 1690 geben das Wappen einer Hertings- 
hausen, Gulden und Taler von 1747 das einer Freiin von 
Degenfeld, alle drei Münzen von 1766 das gräflich Elt- 
zische, schließlich der Taler von 1804 das gräflich Nessel- 
rodische Wappen. 

Einzelne Friedberger Münzen sind im Handel stets 
billig zu haben, so besonders die in zahlreichen Varianten 
vorliegenden Halbbätzner des 16. und die ebenso massen- 



— 183 — 

haft ausgeprägten Gulden des 17. Jahrhunderts. Auch 
die Stücke von 1747, 1766 und 1804 sind für den mäßig 
begüterten Liebhaber noch immer erschwinglich. Andere 
Sachen freilich, insbesondere die Goldmünzen und die 
kleinen und großen Klippen gehören zu den teueren Ra- 
ritäten. Den technisch wohlgelungenen Lichtdrucktafeln 
muß ich den Vorwurf machen, daß sie sich in der 
Hauptsache auf die Seltenheiten beschränken und viele z. T. 
charakteristische z. T. schöne Stücke bei Seite lassen: Zu 
den letzteren rechne ich besonders die von Oexlein ge- 
schnittenen und in Nürnberg geprägten Münzen von 1766. 
Wenn Herr Lejeune durch den Erfolg dieses tüchtigen 
Vorläufers ermutigt, Friedberg die Treue hält und uns 
später einmal ein vollständiges Münzwerk beschert, dann 
dürfen wir wohl auf Abbildung sämtlicher typischen Re- 
präsentanten rechnen. 

In dem beschreibenden Verzeichnis der Münzen hat L. 
viele alte Irrtümer beseitigt und unsichere oder unwahr- 
scheinliche Angaben der älteren Litteratur als solche mar- 
kiert. Die Unterscheidung der Varianten ist nach dem 
bewährten Vorbild und Schema Grotes auf die Legenden 
und ihre Interpunktion basiert und hat mir, wo immer 
ich aus meinem eigenen kleinen Bestände nachprüfen 
konnte , den Eindruck großer Sorgfalt und Sauberkeit 
gemacht. Von dem Gulden von 1675 (Nr. 59 und Nr 98) 
besitze ich eine Variante, die sich in der Hs. mit i k 1 n 
zu decken scheint, auf der Rs. aber D. G (ohne Schluß- 
punkt) und SA • (ohne Trennungspunkt) aufweist. 

Nicht ganz so zuverlässig und sachkundig sind die 
Beschreibungen der Münzbilder: bei Nr. 74 stehen die 
Buchstaben C— B nicht auf den ^letzten Schwanzfedern des 
Adlers', sondern auf den letzten Flügelfedern; das vier- 
feldige Diedische Wappen auf den Gulden von 1674 — 1676 
zeigt nicht, wie S. 46 unten behauptet wird, *zwei Zweige 
(oder Lilien) einander gegenübergestellt', sondern diese 
Schildviertel 2. 3, die weißen (silbernen), sind einfach 
damasciert! Bei den Halbbatzen des Cronenbergers ist die 
auffallende Form des Burgwappens, die ich auf den mir 
durch die Hände gegangenen Exemplaren von 1591 ge- 
funden habe: zwei Zinnentürme gegenüber sonst drei 
meist gedeckten Türmen, nicht erwähnt. 

Das Verzeichnis der Friedberger Gepräge wird ein- 
geleitet und unterbrochen durch verschiedene Parerga und 
Prolegomena. Dankenswert und interessant sind die Aus- 



— 184 — 

Züge aus Probations- und Prozeßakten, überflüssig und 
zudem erst aus zweiter Hand geschöpft ist einmal das 
Verzeichnis der unserer burggräflichen Münzgeschichte 
vorausliegenden älteren Friedberger Burggrafen (S. 6 f.), 
das sich schon jetzt aus dem ersten Bande des (1904 er- 
schienenen!) Urkundenbuches der Stadt Friedberg mehr- 
fach berichtigen ließe — und dann die Vorführung der 
3 — 4 aus Friedberg stammenden wetterauischen Denare 
kaiserlichen Schlags. Herr Lejeune weiß natürlich so gut 
wie ich, daß sie mit der vierthalb Jahrhundert später be- 
ginnenden Münzgeschichte der Burg Friedberg nichts zu 
tun haben — also wozu durch ihre Voranstellung das 
einheitliche Bild stören ! 

Oöitingen. Edward Schröder, 

Gustav NoU, Otto der Schütz in der Literatur (Tübinger 
philosophische Inaugural-Dissertation). Strassburg, K. 
J. Trübner 1906. 143 SS. 8°. M. 3.50. 

Die Anregung zu der vorliegenden Monographie habe 
vor Jahren ich selbst in Marburg gegeben, und meine 
Bücherei konnte dem Verfasser die eine und die andere 
literarische Seltenheit darbieten. Vielleicht hab ich auch 
die ersten Schritte des Suchenden geleitet — an der Fort- 
führung und Ausgestaltung der Arbeit aber gebührt mir 
keinerlei Anteil, und so darf ich ihr getrost vor der Öffent- 
lichkeit Lob und Tadel erteilen: ich füge alsbald hinzu, 
daß der Tadel sich nur auf einzelne Schnitzer, Ungenauig- 
keiten und Schiefheiten des 1. Teils : *Die Sage von Otto dem 
Schützen bei den hessischen Chronisten und am hessischen 
Hofe' (S. 1 — 28) beziehen kann, während der viermal so um- 
fangreiche Hauptteil II *Die Sage von Otto dem Schützen 
in der neuern Literatur' (S. 29 — 138) sich entschieden über 
das Niveau von Anfängerarbeiten erhebt und ausgezeich- 
net ist durch gründliche Aufspürung eines z. T. recht ver- 
steckten Literaturmaterials, scharfsinnige Aufdeckung der 
Quellen und Zusammenhänge und geschmackvolles Urteil 
in ästhetischen und kunsttechnischen Fragen. Es ist wirk- 
lich eine Freude, in einer Dissertation Charakteristiken zu 
lesen, wie sie Noll von der hervorragendsten dramatischen 
Gestaltung unserer heimischen Sage durch Arnim und 
der wirksamsten lyrisch-epischen durch Gottfried Kinkel gibt. 

Meine Landsleute, von denen die meisten den Namen 
Arnim in diesem Zusammenhang zum ersten Male hören 



— 185 — 

und nicht wenige ihre ganze Kenntnis der Sage Kinkel 
verdanken, werden gewiß erstaunt sein über die Fülle 
poetischer Bearbeitungen, welche die schlichte Schützen- 
sage in der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts her- 
ausgefordert hat. Es sind im ganzen 24 : 5 Dramen und 
dazu 6 Operntexte (darunter ein polnischer), 5 freie Er- 
zählungen in Prosa (darunter eine französische) und 8 in 
episch-lyrischer Form. Vier davon gehören dem 18. Jahr- 
hundert an, der Rest dem 19., mehr als die Hälfte von 
diesen wieder, 11, sind in dem Jahrzehnt von 1837 — 1847 
ans Licht getreten. 

Unter den Dramen marschieren die drei ältesten, das 
•Singspiel' des hessen-darmstädtischen Regierungsadvokaten 
Schneider (1779), das *Heldenspier seines Plagiators von 
Schlicht (1782) und das Vaterländische Schauspiel' des 
Schauspielers F. G. Hagemann (1792) — der als Mitglied 
der Truppen von Großmann und Haßloch auch in Kassel 
recht beliebt war — , im Gefolge von Goethes *Götz von 
Berlichingen' ; im weitern Sinne gehört diesem auch der 
zweibändige Ritterroman von G. H. Heinse (1792) an. 
Völlig losgelöst von dieser früh versumpften Tradition und 
hoch darüber erhaben steht Arnims krause und grausige, 
aber an poetischen Schönheiten fast überreiche ^Geschichte 
in vier Handlungen^ *Der Auerhahn^ da (^Schaubühne' 
Band I, 1813). N. hat die biographischen und literarischen 
Fäden aufgedeckt, die von ihr zu den Otto-Dichtungen 
der Johanna Mockel und ihres Bräutigams Gottfried 
Kinkel hinüberführen, und er weist in des letztern Epos 
(das es auf über 80 Auflagen gebracht hat!) neben dem 
Anempfundenen auch unleugbar Erlebtes nach. 

Die übrigen Dichtungen von Otto dem Schützen 
haben in ihrer Mehrzahl geringen poetischen Wert und 
wecken für sich nur mäßiges Interesse, aber interessant 
sind fast durchweg, nicht nur für den Literarhistoriker, 
die Kanäle, die von der einen zur andern führen. Mit 
sicherm Takt weiß der Verfasser Plagiat und quellen- 
mässige Benutzung, Entlehnung und fruchtbare Anregung 
zu scheiden. Wie der 1837 erschienene Romanzenkranz 
des liebenswürdigen Philisters Gustav Schwab durch Alexan- 
dre Dumas pere in breiter prosaischer Paraphrase wiederge- 
geben wird, wie dann dieser französische *Otlion TArcher' von 
1840 einerseits dem braunschweigischen Opernsänger 
Schmezer die Quelle für sein Libretto (1853) liefert, ander- 
seits unleugbar auch bei Kinkel und Karl Egon Ebert 



— 186 — 

(beide 1843) in Einzelheiten nachgewirkt hat, das ist ebenso 
lehrreich wie ergötzlich zu lesen. 

Diese ganze literarhistorische Quellenstudie ist um- 
sichtig vorbereitet, solide fundamentiert und in geschickter 
Anordnung sauber durchgeführt. Auch der Druck ist 
korrekt. Fehler wie S. 35 Z. 2 v. u., wo es bei Aloys 
Wilh. Schreiber heißen muß *(1763— 1841)', oder S. 88 Z. 
9 V. o., wo sinnstörend ^angenehme' statt ^unangenehme' 
steht, sind mir sonst nicht weiter aufgestoßen. Zu dem 
S. 49 erwähnten Preisausschreiben eines Freiherrn von 
Riedesel (1777) für die beste Dramatisierung einer Ried- 
eselschen *Familienanekdote' — *Herr Hofrat Lessing' 
sollte Preisrichter sein und die Belohnung von 20 Dukaten 
zusprechen — möcht ich hier auf eine eigentümliche Tat- 
sache hinweisen. Während wir von einem unmittelbaren 
Erfolg jenes Ausschreibens nichts wissen, ist im J. 1786 
[wahrscheinlich zu Göttingen] eine dramatische Behandlung 
des 1777 empfohlenen Stoffes erschienen : 'Hermann Ried- 
esel von der Branckenburg (!) oder Eigensinn schadet 
den Ehen. Ein Schauspiel in drei Aufzügen^ ^) ; merk- 
würdigerweise gibt sich der anonyme Verfasser dieser 
höchst stümperhaften Arbeit den Anschein, als sei er ganz 
von selbst bei der Lektüre der 'Geschichte von Hessen' 
auf diesen Stoff verfallen, der allenfalls zu einer Ballade 
im Genre Bürgers, aber niemals zu einem Drama aus- 
reichen konnte. — 

Den Schicksalen der Sage von Otto dem Schützen 
in der neuern Dichtung, auf die allein der Titel seiner 
Schrift hinweist, hat N. vorangestellt seine Ermittelungen 
über ihr erstes literarisches Hervortreten in der hessischen 
Chronistik (sie taucht bei Nuhn auf, während sie bei dem 
gleichzeitigen Gerstenberg fehlt) und über ihre weitere 
Rolle in der heimischen Geschichtsschreibung und am 
hessischen Hofe bis zu dem Zeitpunkt, wo Joh. Herm. 
Schminckes hinterlassene 'Historische Untersuchung' die 
Unmöglichkeit ihrer Angaben und Voraussetzungen un- 
widerleglich dartut (1746). Auch was hier geboten wird, 
genügt jedenfalls für den Hauptzweck der Arbeit, eine 
Untersuchung über den Ursprung der Sage will N. nicht 
bieten und braucht er nicht zu bieten. Offenbar ist er 
mit den historischen Quellen und der Methode ihrer Be- 



*) In Goedekes Grundriß zur Geschichte der deutschen Dich- 
tung, 2 Aufl. Bd. V S. 379 ist unter Nr. 7 ein ganz fehlerhafter Titel 
angegeben. (Ich besitze selbst ein Exemplar des Werkchens.) 



— 187 — 

handlung weniger vertraut als mit den poetischen. So 
hätten schon die gesicherten Daten für Leben und Ehe 
des Landgrafen Otto reicher ausfallen dürfen. Richtig ist 
die Behauptung, daß die offizielle Anerkennung der roman- 
tischen Geschichte und ihre erste literarische Fixierung in die 
Regierungszeit des Landgrafen Wilhelm II. fällt — über 
Ort und Zeit ihres ersten Aufkommens und die Umstände, 
denen sie ihre Entstehung verdankt, ist damit nichts ge- 
sagt. Ich hoffe recht bald einmal in unserer Zeitschrift 
über diese und andere sagenhafte Beimischungen der 
älteren hessischen Geschichte zu handeln und will diesmal 
nur darauf hinweisen, daß die Angaben NolFs über Reli- 
quien des landgräflichen Schützen auf dem Spangenberger 
Schloß und im Kasseler Museum (S. 2) allerlei Irrtümer 
enthalten: die sog. Jagdflasche Ottos zum Beispiel ist ein 
Pulverhorn mit dem lothringischen Wappen, also jedenfalls 
aus dem Besitze Wilhelms II. 

Oöitingen. Eduard Schröder. 

Wilhelm Bennecke, Das Hoftheater in Kassel von 1814 
bis zur Gegenwart. Beiträge zur Bühnengeschichte. 
Kassel, Victor, 1906. 208 SS. 8«. M. 2,50. 

Ein Buch, in dem die Kasseler Theaterfreunde — 
und Kassel ist doch noch immer eine theaterfrohe und 
schauspielerliebe Stadt — gewiß gern blättern werden, und 
um so lieber, je weiter ihre eigenen Erinnerungen zurück- 
reichen und die des Verfassers kontrolieren und ergänzen 
können. Es ist kein Zweifel, daß Wilhelm Bennecke, 
dessen letzte literarische Gabe diese Schrift darstellt, mit 
der neueren Bühnengeschichte Kassels und den tausend 
Personalien, die sie einschließt, besser vertraut war als 
irgend jemand anders, aber ich muß auch gleich hinzu- 
fügen, daß sich mit dem Material, das ihm bequemer als 
andern zur Verfügung stand, ohne sonderliche Mühe ein 
Buch hätte schreiben lassen, das für den Leser, der den 
Dingen nahe steht, amüsanter und zugleich für den ferner- 
stehenden Benutzer ertragreicher gewesen wäre. 

^Beiträge zur Bühnengeschichte' verspricht der Neben- 
titel — aber gerade die Erwartung, welche dieser Zusatz 
weckt, wird am wenigsten erfüllt. Wir haben eine lockere, 
doch immerhin in fortlaufender Darstellung gehaltene 
'Chronik' unseres Hoftheaters vor uns, in die der Verf. 
hineingestopft hat, was er von Personalien und Anekdoten 



— 188 — 

€ben zur Hand hatte — keineswegs aber alles, worüber 
er verfügte, ß. hat wohl selbst empfunden, daß neben 
solcher Behandlung wohlrubrizierte Übersichten über 
Repertoire, Personal und Gastspiele notwendig seien, und 
Ansätze dazu liegen mehrfach vor — aber irgend ein fester 
Plan ist nicht vorhanden: so werden die *Gastspiele hervor- 
ragender »Künstler* von 1853 ab in den Anhängen ver- 
zeichnet (S. 128 f. S. 193 f.), während sie vorher *zum 
größten Teil im Text enthalten' waren. Dieselbe Sorg- 
losigkeit in der Wiedergabe, Anordnung und Verwertung 
des Stoffes herrscht nun auch im einzelnen: berühmte wie 
unberühmte Schauspieler erscheinen nicht selten ohne Vor- 
namen, bald erfahren wir ein Geburtsdatum, bald ein Todes- 
datum, über die Zeit des Engagements und besonders des 
Abgangs von der Kasseler Bühne bleiben wir bei nicht 
wenigen Künstlern im Unklaren. Und das gilt sowohl 
für die älteren wie für die jüngsten Partien: in den *Bio- 
graphischen Mitteilungen' aus dem Jahre 1905, die dem 
Verf. zum Teil von den Mitgliedern des Hoftheaters selbst 
zur Verfügung gestellt sind, wird uns bei 5 (von 12) 
Herren und bei 6 (von 7!) Damen das Geburtsjahr vor- 
enthalten! Das sind doch ^Beiträge zur Bühnengeschichte', 
deren Wert recht zweifelhaft scheint. 

Dieselbe Ungleichmäßigkeit — ja man muß sagen 
UnZuverlässigkeit — ist auch vielfach innerhalb der Dar- 
stellung zu tadeln. Es ist ein starkes Stück, wenn gleich 
auf S 1 das Auftreten der englischen Komödianten am 
Hofe des Landgrafen Moritz *um 1620^ angesetzt wird, 
wo wir doch durch Albert Duncker über diese Verhältnisse 
so vortrefflich unterrichtet sind: die Wirksamkeit der 
Engländer am hessischen Hofe beginnt mit 1594 und hat 
lange vor 1620 ihr Ende gefunden! B., der gelegentlich 
die Kasseler Erinnerungen Gabillons so gut zu zerpflücken 
versteht, hat das, *was er selbst seit Jahren zusammen- 
getragen hat', nicht mehr kritisch überprüfen mögen oder 
können. Er betont selbst, daß er*keine aktenmäßige Dar- 
legung' geben wolle, und der anspruchslose Ton, der das 
ganze durchzieht, scheint die Kritik zumal gegenüber dem 
Toten zu entwaffnen. Immerhin können wir unser Be- 
dauern nicht unterdrücken, daß bei soviel Liebe zur Sache, 
bei so reicher Personenkenntnis und bei so guten litera- 
rischen, handschriftlichen und mündlichen Quellen nicht 
etwas lebensvolleres zu stände gekommen ist. Wie das 
Buch jetzt vor uns lieg^, lassen sich die Wandlungen und 



— 189 — 

der feste Bestand des Repertoires, der Geschmack des 
Publikums und der Einfluß der Verwaltung wie der 
künstlerischen Leitung, die Bedeutung des Einzelnen neben 
dem Ensemble u. s. w. nur hier und da und meist nur 
in unsichern Linien erkennen. 

Die historische Gliederung ergab sich leicht und ist 
in der Hauptsache einwandfrei. Auf eine Einleitung, die 
nach der oben gegebenen Probe wenig zuverlässig ist^ 
folgen im ersten Kapitel (S. 6 — 25) die Anfänge des stehenden 
Hoftheaters unter Kurfürst Wilhelm L (1814—1821), dann 
*Die Glanzperiode unter Kurfürst Wilhelm IL' (1821—1832): 
der Beginn und die Blütezeit der Spohr'schen Opern- 
direktion, die Zeit der Ludwig Löwe, Seydelmann und 
Gerstäcker, zugleich die beste Partie des Buches (S. 26—70). 
Ein drittes Kapitel (S. 71 — 99) hellt die wenig bekannte 
Episode der Bethmann'schen Truppe (Sommer 1833) auf und 
führt die Geschichte des neubegründeten Hoftheaters vom 
November 1833 über das Ausscheiden Spohr's bis zum Rück- 
tritt Feige's, der als Generaldirektor 1849 seinen Abschied 
nahm ; es ist ein wesentlicher Mangel des Buches, daß hier 
brauchbare Lebensnachrichten und eine zusammenfassende 
Charakteristik dieser für das Kasseler Kunstinstitut so 
bedeutsamen Persönlichkeit fehlen. Die drei letzten Ka- 
pitel erhalten ihre gegebenen Überschriften von dem Ge- 
neralintendanten von Heeringen und den Intendanten von 
Carlshausen und Frhr. von Gilsa. 

Unter den Quellen tritt eine als besonders wertvoll 
hervor: die handschriftlichen Erinnerungen der 1881 ver- 
storbenen Hofschauspielerin Henriette Schmidt, die der 
Kasseler Bühne fast 60 Jahre angehört hat und deren 
Abschiedsvorstellung (29. Aug. 1872) wohl noch manchen 
Kasselanern im Gedächtnis ist. Ihre Aufzeichnungen 
reichen von der napoleonischen Zeit bis zum Jahre 1826^ 
sie sind im zweiten Kapitel teilweise nach ihrem Wort- 
laut verwertet, und ich möchte die Frage aufwerfen, ob 
sie nicht als ganzes in einer verständigen Redaktion mit- 
geteilt zu werden verdienten — vielleicht in unserer 
Zeitschrift. 

Qöttingen. Edward Schröder. 

Carl Mirbt, Die katholisch-theologische Fakultät zu 
Marburg. Ein Beitrag zur Geschichte der katholischen Kirche in 
Kurhessen und Nassau. Marburg, Elwert 1905, XII und 261 SS. 8«. 
5 M. 

Dies Buch ist ein hochinteressanter Beitrag zur Geschichte der 

Beziehungen von Staat und Kirche im 19. Jahrhundert, ein Kapitel 



— 190 — 

der Vorgeschichte des Ultramontanismus, zugleich aber ist es wichtig 
zur Beurteilung des Verhaltens der hessischen Regierung und des 
hessischen Landtags in der ersten Hälfte der 30iger Jahre. In scharf- 
geschliffener Sprache und in einer Darstellung, der es nicht an dra- 
matischer Spannung fehlt, führt es uns auf Grund eines reichen Akten- 
materials, das zum Teil in den Beilagen und Anmerkungen wieder- 
gegeben ist, den Versuch der hessischen Regierung vor, gemeinsam 
mit Nassau an der Marburger Universität eine katholisch-theologische 
Fakultät zur Ausbildung des kathohschen Klerus zu begründen. Eine 
solche Fakultät hat in Marburg von Rechtswegen vom 19. Mai 1831 
bis zum 31. Juli 1833, in Gießen von 1830—1857 auch tatsächlich be- 
standen. In Marburg war sie eröffnet worden ohne aktive Mitarbeit 
der Landesbischöfe von Fulda und Limburg, die kurhessische Re- 
gierung hatte ohne Vorbedacht zum Teil aus Sparsamkeitsrücksichten 
eine Ernennung vorgenommen — des Professor Multer — welche in 
Fulda als Symptom der kirchenfeindlichen Gesinnung der neuen 
Fakultät galt. Dieser Mißgriff und die feste Haltung des Bischofs und 
Domkapitels von Fulda, welche auch auf den Bischof von Limburg 
drückten, haben aber allein nicht die vollständige Niederlage der Re- 
gierung und den schnellen Untergang der Fakultät bewirkt, ausschlag- 
gebend war die unklare Neigung der Regierung, durch Nachgiebigkeit 
und Entgegenkommen das schwierige Verhältnis des modernen Staats 
zur katholischen Kirche zu erleichtern. M. hält offenbar eine per- 
sönliche Einwirkung des Kurprinzen auf den schließlichen Verzicht 
der Regierung für wahrscheinlich. Recht übel berührt das Bestreben 
Hassenpflugs, vor der Welt die Verantwortung für die Aufhebung der 
Fakultät der Nassau'schen Regierung aufzubürden : sie habe den betr. 
Vertrag widerrufen, als ernste Schritte zu seiner Ausführung geschehen 
seien. Tatsächlich hatte man hessischerseits, weil die Regierung zu 
schwach war, ihren staatlichen Willen durchzusetzen, hartnäckig und 
endlich mit Erfolg dahin gewirkt, Nassau in die Zwangslage zu versetzen, 
seinerseits den Vertrag zu kündigen. — Von grossem Interesse sind 
auch die Ausführungen M.'s über die Stellung des katholischen Klerus 
zur Verfassung vom 5. Januar 1831, über seine anfängliche Eides- 
verweigerung und den Ausgleich unter Nachgiebigkeit der Regierung, 
welche auch in dieser Frage den Vorwurf der Unklarheit und Halb- 
heit auf sich geladen hat. 

Marburg. K. Wenck. 

Es gingen ferner zur Besprechung ein: Veröffentlichungen des 
Fuldaer Geschichtsvereins 1 — 5. Fulda, Aktiendruckerei 
1899 — 1905. — Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei 
und der Diözese Fulda 1. 2. Fulda, Aktien-Druckerei 1904—05. — 
Festgabe zum Bonifatius-Jubiläum 1905. 4^ Ebenda 1905. — Fr. 
Hufschmidt, Versuch einer Geschichte des oberen Warmetales 
insbes. der Stadt Zierenberg, der Dörfer Dörnberg u. s. w. Wolfhagen, 
Borner 1905. — Jul. Friedrich, Die Entstehung der Reformatio 
ecclesiarum Hassiae von 1526. Gießen, Töpelmann 1905. — Ernst 
Baumann, Der Beruf der niederhessischen Mission und die Lehre 
des Metropolitan Vilmar vom Fürstentum von Gottes Gnaden. Kassel, 
Freyschmidt 1906. — F. Hoffmann und B. Zölffel, Beiträge zur 
Glockenkunde des Hessenlandes. Kassel 1906. 

Die Quartalblätter des historischen Vereins für 
das Großherzogtum Hessen haben in ihren letzten Heften 
manches uns näher angehende gebracht, so Bd. III nr. 19/20 (Jahrgang 



— 191 — 

1905) S. 591—608 die Denkschrift von J. R. Dieterjch „eine 
historische Kom mission für das Großherzogtum Hes- 
sen". Jeder hessische Geschichtsforscher wird den Plänen und Ab- 
sichten, die da zum Ausdruck kommen, das lebhafteste Interesse ent- 
gegenbringen, und in Bd. IV nr. 1/2 (1906) S. 14 mit Befriedigung 
lesen, daß der erste Schritt zur Verwirklichung des großen Arbeits- 
programms geschah, indem „der Zusammenschluss sämtlicher histori- 
scher Vereine des Landes" zu einem „Verband der Geschichts- und 
Altertumsvereine im Großherzogtum Hessen" nun erfolgt ist. — Bd. III 
nr. 17/18 S. 571 — 4; findet sich eine sehr beachtenswerte Be- 
sprechung von Armbrust's Geschichte der Stadt Mel- 
sungen aus der Feder von G. Frh. Schenk zu Schweinsberg. 
Außerdem verweisen wir auf die Skizze eines Vortrags von Ed. 
Anthes über den gegenwärtigen Stand der Ringwall- 
forschung (Bd. IV, nr. 1/2 S. 6 — 8) in dem auch die von Böhlau 
begonnenen Ringwalluntersuchungen in der Gegend von Kassel ge- 
streift werden, und auf das Verzeichnis der Schriften des 
histor. Vereins für das Großherzogtum Hessen (ebenda 
S. 12—14), endlich auf die Neue hessische Literatur aus 
1906 (ebenda S. 31—6) „Vorarbeit für eine künftige Bibliographie zur 
Landeskunde unserer Heimat" von Ludwig Voltz. 

Wenn es der Raum, welche diese Zeitschrift dem Literatur- 
bericht gewähren kann, erlauben würde in das Jahr 1904 zurückzu- 
greifen, so wäre eine eingehende Besprechung des Buches von Karl 
Rubel, die Franken, ihr Eroberungs- und Siedlungssystem. 
Biefeld u. Leipzig, Velhagen u. Klasing 1904, XVIH u. 561 SS. (12 M.) 
um so mehr am Platze, als es sich vielfältig und unzweifelhaft in sehr 
anregender Weise mit hessischen Dingen beschäftigt. Der Zweck 
dieser flüchtigen Erwähnung ist, unsere Geschichtsfreunde, welche die 
Ergebnisse der Rübeischen Forschung viel zu sehr als bare Münze 
auf den Markt bringen — ich denke an Karl Heßler, Hess. Landes- 
und Volkskunde I, 1 (1906) S. 284 f. und an die Aufsätze von Wilh. 
Lange in der Sonntagsbeilage der Kasseler Allgemeinen Zeitung 1905 
nr. 7—10 — darauf hinzuweisen, daß von wirtschaftshistorischer wie 
rechtshistorischer Seite die schwersten Bedenken gegen das Rübel- 
sche Buch erhoben worden sind, von G. Caro in der Westdeutschen 
Zeitschrift Bd. 24 (1905) S. 60—71 und von Ulrich Stutz in der 
Zeitschrift der Savignystiftung für Rechtsgeschichte, Germanist. Abt. 
26 (1905) S. 349-63. 

In Bd. 19 (1884) der Allgemeinen deutschen Biographie waren 
Landgraf Ludwig L und Ludwig IL von Hessen übergangen 
worden, namentlich der erstere mit Unrecht, da er unter den Gründern 
des hessischen Landesstaats in erster Linie genannt zu werden ver- 
dient. Nun hat soeben Hermann Diemar diesen beiden Landgrafen 
des 15. Jahrhunderts unter den Nachträgen im 52. Band *der Allge- 
meinen deutschen Biographie Lief. 256 S. 115—20 aus trefflicher 
Kenntnis in anziehender Darstellung eine verhältnismäßig eingehende 
Würdigung zu Teil werden lassen. 

Fritz Herrmann, der Verfasser von „Das Interim in Hessen" 
und des trefflichen „Hessischen Reformationsbüchlein" (Marburg Elwert 
1904. 2. A. 91 SS. 50 Pfg.), das in unserm Hessen lange nicht die Ver- 
breitung gefunden hat, die es verdient, hat mit dem Schriftchen 
„D. Tilemann Schnabel, der Reformator der Stadt Als- 
feld" (Alsfeld 1905, in Kommission der Buchh. J. Cellarius Wwe. 



— 192 — 

50 SS. 1 M.) ein prächtiges Beispiel volkstümlicher Geschichtsschreibung 
und zugleich einen wissenschaftlich wertvollen Beitrag zur hessischen 
Reformationsgeschichte geliefert. Ein paar Nachträge dazu aus hand- 
schriftlichen Quellen hat der Verfasser und Pfarrer Dr. E. Becker in 
den „Mitteilungen des Geschichts- und Altertumsver- 
eins der Stadt Alsfeld" Nr. 8 (1906) S. 5—7 geboten, deren 
einer (S. 6, ein Brief aus dem Jahre 1547) auch für das Marburger 
Stipendienwesen der ersten Zeit von Interesse ist. — Diese Alsfelder 
Mitteilungen, anspruchslose Blätter von 8—12 Oktavseiten, von denen 
seit 1902 neun Nummern erschienen sind (zu je 10 Pfg.) sind ein 
nachahmenswertes Musterbeispiel für die Pflege historischen Sinnes 
in weiteren Kreisen mit bester historischer Kost, die so manches 
Mal auch dem Manne der Wissenschaft dankenswerte Beiträge aus 
den Quellen zuführt. Ich verweise bes. auf die Aufsätze von F. Herr- 
mann, eine Bücherschenkung an die Pfarrkirche aus 
dem Jahre 1371 [zu freier Benützung! in Nr. 5 S. 1—5 und die 
Schulden der Stadt Alsfeld im Jahre 1523 (ebenda S. 6— 11), 
auf die Mitteilungen von Dr. E. Becker aus der Chronik des 
Pfarrers Erasmus Antonius Susenbeth im Kirchenbuch der Pfarrei 
Brauerschwend bei Alsfeld zu den Jahren 1647 48 in Nr. 9 
S. 1—6 mit allerlei kriegsgeschichtlichen Einzelheiten, auf den aus 
urkundlichen Quellen geschöpften Aufsatz dess. Verf. „Das Wein haus 
zu Alsfeld" [im 16. bis 18. Jahrh.]. Andere Beiträge, wie die zur 
Geschichte der Walpurgis Kirche (in Nr. 3, 7, 8) und der Burg in Alsfeld 
(in Nr. 4) sind doch auch nicht bloß lokalgeschichtlichen Interesses. 

In einem Aufsatze „zur Geschichte des Bauernkriegs 
im Hoch Stift Fulda" in den Fuldaer Geschichtsblättern 
Jahrg. 5 Nr. 8 S. 113 — 22 erkennt Gr. Richter die Förderung unserer 
Kenntnis durch die bezügliche Abhandlung von 0. Merx (in unserer 
Zeitschr. 28, 259—333) an, verteidigt aber die Haltung des Fuldaer 
Kapitels bei der Erhebung des nur allzu jugendlichen Koadjutors und 
gegenüber dem Vertrag des Landgrafen mit dem Koadjutor vom 5. 
Mai 1525 mit Gründen, welche zumeist billige Berücksichtigung ver- 
dienen. 

In einem Aufsatz der Annalen des histor. Vereins für den 
Niederrhein Heft 81 (1906) S. 46— 70 „Die Krisis des deutschen 
Handels während des geldrischen Erbfolgekrieges 
1542/43" berichtet Albert Huyskens auf Grund von sieben Schreiben 
des Marburger Staatsarchivs und des Augsburger Stadtarchivs über 
einen Versuch der Stadt Augsburg, während der betr. Kriegswirren 
den Handelszug von Antwerpen statt auf der Rheinstraße über Ham- 
burg und die sogenannte Nürnberger Straße zu lenken und durch 
Fürsprache des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen und des 
Landgrafen Philipp von Hessen den Schutz des dänischen Königs auf 
dem Wege zwischen Antwerpen und Hamburg zu gewinnen. Für uns 
ist das interessante, daß Landgraf Philipp trotz seiner freundlichen 
Beziehungen zu Augsburg bei König Christian von Dänemark dem 
Vorhaben der Augsburger vielmehr entgegenarbeitete, weil er mit 
seinem Interesse an die Rheinstraße gebunden war und eine Schädigung 
seiner Zolleinnahmen durch Veränderung des Handels wegs fürchtete. 
Sein Einspruch hatte Erfolg. 

Ein von Ludwig Voltz im Archiv für hess. Gesch. N. F. IV, 
2 (1906) S. 351—4 mitgeteiltes und erläutertes Schreiben der Stadt- 
halter und Räte zu Kassel an Heinz von Lüder vom Anfang Sept. 1547 



— 193 — 

bietet interessante Einzelheiten „zur Kapitulation von Ziegen- 
hain" (vergl. den Aufsatz von F. v. Apell in unserer Ztschr. N. F. 25 
S. 207 f.) und erhärtet insbesondere, daß Heinz' von Lüders Verhalten 
gegenüber den Kaiserlichen „zu keiner Zeit der Darstellung der Legende 
entsprochen hat, sondern stets durch die von Kassel an den Komman- 
danten von Ziegenhain erlassenen Weisungen bestimmt worden ist". 
Vergl. auch die Notiz über einen Vortrag von Voltz betr. die Vor- 
gänge bei der Schleifung der hessischen Festungen in 
den Jahren 1547/48 in Quartalblätter IV, nr. 1/2 S. 6. 

Eine Marburger juristische Dissertation von Hermann Keck, 
Die Entwickelung des Oberappellationsgerichts zu 
Kassel (Kassel, Druck von Gebr. Schönhoven. XV und 107 SS.) 
hat in fleißiger umsichtiger Weise das Thema erörtert. Das Haupt- 
gewicht fällt natürlich auf die Geschichte des Oberappellationsgerichts 
von 1730—1866 (S. 52—104), vorangehen vier Kapitel: 1. Ältere hes- 
sische Gerichtsverfassung (S. 1 — 27), 2. Die Kanzleien zu Kassel und 
Marburg (S. 28—45), 3. Das Samtrevisionsgericht zu Marburg und das 
Oberappellationsgericht zu Kassel von J 656 (S. 46— 51). Der Verfasser 
durfte aus den Generalakten des Oberappellationsgerichts schöpfen, 
er hat auch die gedruckte Literatur (Verzeichnis S. V— XII) fleißig zu- 
sammengetragen. Da er S. 1 bis auf den Hessengau zurückging, wäre 
es wünschenswert gewesen, daß er sich vor den falschen Bezeich- 
nungen „sächsischer" bezw. „fränkischer" Hessengau durch meinen 
bezüglichen Aufsatz in dieser Ztschr. N. F. 26 (227—76) hätte warnen 
lassen und den Landvogt an der Loyne (S. 5) möchte man durch den 
Landvogt a. d. Lahn ersetzt wissen. Das Schriftchen ist doch ein 
nützlicher Beitrag zur hessischen Rechtsgeschichte. 



> ■» • ^' > 



— 196 — 

keit, gilt nicht; das Reformationsrecht (ius reformandi) 
steht in gleicher Weise den protestantischen wie den ka- 
tholischen Reichsständen in ihren Territorien zu. Der 
Augsburger Religionsfriede gilt nur für die Katholiken 
und die Anhänger der unveränderten Augsburgischen 
Konfession des Jahres 1530, alle, übrigen Religionsgemein- 
schaften einschließlich der Kalvinisten sind ausgeschlossen. 
Zur Ausführung des Edikts wurden sofort besondere 
Kommissare bestimmt ^), die den protestantischen Inhabern 
geistlicher Güter die Frage vorzulegen hatten, ob sie vor 
oder nach 1552 in den Besitz des betreffenden Gutes ge- 
kommen seien. Für die erste dieser beiden Möglichkeiten 
hatte der Besitzer unverzüglich den Beweis zu erbringen. 
Die Tätigkeit der Kommissare hatte nicht überall den 
gleichen Erfolg. Während Kurbrandenburg und Kur- 
sachsen vollständig von ihnen verschont blieben, in Nieder- 
sachsen ^), am Oberrhein und in Franken zum Teil große 
Erfolge bei geringem Widerstand erreicht wurden, mußte 
Württemberg am härtesten die Folgen des Edikts er- 
tragen. ^) Wiederholt und hartnäckig versuchten auch in 
Hessen die für die beiden rheinischen Kreise ernannten 
Kommissare, der Kurfürst von Mainz, der Abt von Fulda 
und der Graf Karl von Manderscheid durch Subdelegierte 
die Stifter und Klöster in Besitz zu nehmen. Oberhessen 
war seit den Tagen Philipps des Großmütigen der luthe- 
rischen Kirche treu geblieben, aber Niederhessen hatte 
sich seit der Einführung der Verbesserungspunkte durch 
den Landgrafen Moritz dem Kalvinismus angeschlossen. ^) 
Hier traten die Mönche am kühnsten mit ihren Forde- 
rungen hervor und bewirkten in den meisten Fällen zu- 
nächst ein eifriges Suchen nach Beweismaterial in den 
hessischen Archiven. Hatte man dann bewiesen, daß das 
Kloster längst vor dem Passauer Vertrag in landesherr- 

^) Fr. V. Hurter, Geschichte Kaiser Ferdinands IL, Schaffhausen 
1861, X, 52. 

*) Über die Besetzung von Möllenbeck, Obernkirchen und Rin- 
teln in der Grafschaft Schaumburg vffl. Tupetz S. 559 und Heldmann, 
Das Kloster Möllenbeck (Rinteln 1896) S. 46. Über das Restitutions- 
edikt im nordwestlichen Deutschland vgl. Onno Klopp und Havemann 
in den Forschungen zur Deutschen Geschichte I S. 77 ff. und S. 397 ff. 

') Vgl. Heinrich Günter, Das Restitutionsedikt von 1629 und die 
katholische Restauration Altwirtembergs, Stuttgart 1901. 

*) Landgraf Georg glaubte als Lutheraner nichts befürchten zu 
müssen und riet seinem Vetter Wilhelm von Hessen-Kassel, die Augs- 
burger Konfession anzunehmen. Tupetz 392 Anm. 2. Rommel VIII, 
72, 73. 



— 197 — 

liehen Besitz übergegangen war, bestritten zwar die Ka- 
tholischen die Giltigkeit des Passauer Vertrags für die 
Anhänger der reformierten Kirche, gaben sich aber damit 
meist zufrieden. Nachdem Hersfeld, das einzige reichs- 
unmittelbare Stift, das in näheren Beziehungen zu Hessen 
stand, bereits im Jahre 1628 für den Erzherzog Leopold 
Wilhelm besetzt worden war^), begann wenige Wochen 
nach dem Erlaß des Edikts der Angriff gegen die land- 
sässigen Klöster Niederhessens. 

Spießkappel, Schmalkalden, Eschwege, 
Höckelheim. • 

Am 30. April erschienen drei Mönche in Spieß- 
kappel, besichtigten das Kloster und verlangten von 
dem Opfermann des Pfarrers die Schlüssel zur Kirche. 
Als sich der Pfarrer Johannes Molitor weigerte die Kirche 
zu öffnen, gingen die drei, große Drohungen ausstoßend, 
nach dem alten Kirchhof im Kloster. Dort und in dem 
kleinen Kapellchen vor dem Kloster fielen sie nieder und 
beteten. Darauf fragten sie einige Leute nach dem Kloster 
aus und sagten, sie würden bald wieder kommen und der 
Pfarrkinder Lehrer sein. 

Bereits am 10. Mai kamen zwei Barfüßermönche in 
Begleitung eines Jesuiten, die angaben aus Köln zu sein, 
damals sich aber bei den kaiserlichen Truppen in Fritzlar 
und Homberg aufhielten, und begehrten wiederum, nach- 
dem sie sich etwa zwei Stunden im Kloster aufgehalten 
hatten, vom Pfarrer, daß er ihnen die Kirche öffne. Als 
auch ihnen der Pfarrer diese Bitte abschlug, zogen sie ab 
und drohten ihm, er würde nicht mehr lange seine Stelle 
innehaben. In großer Besorgnis berichtete Molitor über 
diese Vorgänge am 15. Mai an den Superintendenten Paul 
Stein in Kassel und bat um Verhaltungsmaßregeln. Seine 
Zuversicht war so gering, daß er sogar anfragte, ob es 
ratsam sei, bei der drohenden Gefahr die Aussaat und 
Bestellung der Pfarrländereien vorzunehmen.*) 

Wenige Wochen nach diesen Versuchen tauchten 
einige Augustiner in Schmalkalden auf und über- 
reichten dem Rat der Stadt eine Bittschrift, in der sie im 
Auftrage ihres Generalvikars das ehemalige Augustiner- 

>) Vgl. Rommei VIII, 68. 69. Tupetz 548. 
') Schreiben Molitors an Stein 1629 Mai 15., Ausfertigung im 
Kgl. Staatsarchiv zu Marburg unter Religionssachen 1629—1630 (Nr. 4\, 



— 198 — 

kloster als Eigentum zurückverlangten.^) Sofort schrieb 
der Amtmann Hermann v. Wersabe an die Regierung in 
Kassel und fragte nach Archivalien, die geeignet wären 
die Unrechtmäßigkeit der Ansprüche der Augustiner zu 
beweisen. Die Regierung antwortete, die Stadt solle die 
Mönche an den Landgrafen Georg als Inhaber von Stadt 
und Amt Schmalkalden verweisen % der nun seinerseits 
urkundliches Beweismaterial von Kassel einforderte und 
die Ausarbeitung eines umfassenden Berichts über die 
Reformation der hessischen Klöster seinem Vetter Wilhelm V. 
vorschlug. Unterdessen blieben die Mönche ohne Be- 
scheid, und einer von ihnen, Michael Meht, der bei dem 
in Schmalkalden einquartierten Kriegsvolk die Stelle eines 
Regimentskaplans versah, fragte auf dem Amtshaus wieder 
an, ob aus Darmstadt noch keine fürstliche Entscheidung 
eingegangen sei. Zur Bekräftigung seiner Forderung 
legte er eine gedruckte lateinische Vollmacht vor, die von 
dem Ordensgeneral der Augustiner-Eremiten für den Vice- 
general Heinrich Wolte ausgestellt war, und in der dieser 
den Michael Meht mit der Wiederbesetzung der Klöster 
Schmalkalden, Eschwege und Einbeck beauftragt. Eine 
Antwort des Landgrafen Georg war damals noch nicht 
eingetroffen und ist wahrscheinlich erst erfolgt, nachdem 
Wilhelm ihm am 13. Juli Abschriften von Urkunden über 
das Augustinerkloster Schmalkalden zugestellt hatte. Mit 
der Entscheidung Georgs, die ihrem Wortlaut nach nicht 
bekannt ist, aber offenbar unter Hinweis auf die längst 
vor dem Passauer Vertrag erfolgte Einziehung des Klosters 
eine Zurückweisung der Ansprüche der Augustiner ent- 
hielt, gaben sich die Mönche zunächst zufrieden. Dessen- 
ungeachtet wiederholte der Generalvikar der Augustiner 
in Thüringen und Sachsen Walther Heinrich Stralendorf 
am 29. August die Ansprüche bei dem Oberrentmeister 
Dr. Philipp Krebs in Schmalkalden. Krebs gab hiervon 
dem Landgrafen Georg, dieser hinwiederum Wilhelm V. 
Nachricht. Im übrigen ist von diesem Besetzungsversuch 
nichts weiter bekannt, als daß der in Schmalkalden ein- 
quartierte Kapitänleutnant dem dortigen Oberforstmeister 

1) Religionssachen 1629. 1630. Nr. 2. Rommel VIII, 70. Nach 
Geisthirts Historia Schmalcaldica (Zs. des Vereins für hennebergische 
Geschichte, Supplement I S. 159) stammten die zwei Augustiner aus 
Wien und wurden vom Abt iA Fulda, der am 15. Juni nach Schmal- 
kalden gekommen sein soll, kräftig unterstützt. 

«) Wilhelm V. hatte 1627 September 24 a. St. die Herrschaft 
Schmalkalden für 100000 fl. an Georg verpfändet. 



— 199 — 

zu verstehen gegeben hatte, daß der Bischof von Würz- 
burg und der Abt von Fulda mit der Ausfuhrung der 
Restitution beauftragt worden seien. ^) 

Landgraf Wilhelm riet seinem Vetter am 2. Oktober, 
dem Generalvikar zu antworten, daß das Kloster vor dem 
Passauer Vertrag eingezogen worden sei, und ein beson- 
derer Befehl der Restitution für den Generalvikar nicht 
vorliege. Georg erklärte sich mit Wilhelms Ratschlag 
einverstanden (Oktober 14). 

Dieselben Mönche, die im Juni ohne Erfolg in Schmal- 
kalden die Einräumung des Augustinerklosters betrieben, 
kamen am 11. Juli mit einigen Offizieren der in Eschwege 
und Wanfried liegenden Kompagnien auf das Rathaus in 
Eschwege, überreichten ein Schreiben des Oberstwacht- 
meisters aus Wanfried und verlangten im Auftrage ihres 
Generalvikars das Augustinerkloster zurück. ^) Darauf 
wurden sie bedeutet, daß man über diese Angelegenheit 
erst bei ihrem Landesherrn, dem Landgrafen Hermann, 
sich Rats holen müsse. Der Rentmeister wurde benach- 
richtigt, daß die Mönche das Kloster besichtigen wollten. 
Dann gingen diese durch den Kreuzgang und den Garten, 
wo der Pater mit dem Rentmeister sprach und ihm seine 
Wünsche vortrug : er und seine Ordensbrüder wollten das 
Kloster wieder in Besitz nehmen, die alten Weiber aus 
dem Hospital hinausjagen, sie begehrten nicht mehr als 
ihr altes Besitztum. Da lachte der Rentmeister und wies 
darauf hin, daß das Kloster seinem Landesherren gehöre. 
Der Augustiner schickte nochmals auf das Rathaus und 
begehrte eine Erklärung seitens der Stadt, man bedeutete 
ihn aber, daß man ihm nichts weiter zu sagen habe. ^) 
Bereits am folgenden Tage (Juli 12) erhielt die Stadt von 
der Regierung des Landgrafen in Rotenburg Bescheid, 
daß sie das Ansinnen der Mönche zurückweisen solle, da 
die hessischen Klöster dem Restitutionsedikt nicht unter- 
worfen seien. 

Bald darauf wurde durch einen Fourierschützen das 
Gerücht verbreitet, Tilly habe dem Oberstwachtmeister 
Befehl gegeben, den Augustiner demnächst in das Kloster 



*) Tupetz S. 549 hat über Schmalkalden nur die Angabe, daß 
die Auslieferung des Klosters von einem Mönche vor dem 3. September 
verlangt worden sei. 

2) Nr. 1 der Akten. 

•) Bericht der Stadt an Landgraf Hermann 1629 Juli 11, von 
diesem 1629 Juli 12 an Wilhelm weiter geschickt. 



— 200 — 

zurückzuführen.^) Wiederum wandte sich Landgraf Her- 
mann an seinen Vetter, den er um Rat und Hilfe und um 
Mitteilung urkundlicher Beweise anging. Die Kasseler 
Regierung antwortete ^\ dieselben Mönche, die in Eschwege 
seien, hätten auch in Schmalkalden auf das Augustiner- 
kloster Ansprüche erhoben, wo man ihnen mit der Er- 
klärung, daß das Kloster lange vor dem Passauer Vertrag 
in landesherrlichen Besitz übergegangen sei, entgegen- 
getreten sei, worauf sie sich beruhigt hätten. Ähnlich 
seien die Eschweger Augustiner bereits im Jahre 1527 
abgefunden worden, berechtigte Ansprüche lägen jetzt 
nicht vor. Daß Tilly einen besonderen Auftrag habe, sei 
unwahrscheinlich^), da doch kaiserliche Kommissare*) für 
die Ausführung des Restitutionsedikts bestimmt worden 
seien ; sollte aber Tilly eingreifen, dann sei ihm oder seinen 
Abgesandten die Vollmacht abzuverlangen und auf das 
Vorhandensein urkundlicher Beweise für den rechtmäßigen 
Besitz des Klosters hinzuweisen. ^) 

Ein anderes Besitztum des Rotenburger Landgrafen,, 
das ehemalige Kloster Höckelheim war im September 
desselben Jahres gefährdet. ^) Der Amtsschreiber der 
Herrschaft Plesse, Eckhard Geisse, hatte auf grund der 
durch einige Jesuiten und eichsfeldische Bauern am 19. Sep- 
tember geglückten Wiederbesetzung des Klosters Gerode 
und der den Klöstern Northeim und Göttingen drohenden 
Gefahr nach Höckelheim melden lassen, daß man sich 
nicht vertreiben lassen solle. In Kassel suchte man in- 
zwischen nach Archivalien und verständigte die Land- 
grafen Wilhelm und Georg. 

Lippoldsberg. 

Am 8. Januar 1630 verlangte der Abt von Marien- 
münster Hermann Meyer vom lippischen Drosten Levin 



*) Bericht Heinrich Pfeffers in Eschwege an Landgraf Hermann 
1629 Juli .18. 

*) 1629 Juli 20. 

«) Allerdings hatten Tilly und Wallenstein Vollmacht (1629 März 24), 
im Notfall die kaiserlichen Kommissare auf deren Bitte zu unterstützen. 
Vgl. Günter a. a. 0. S. 52. 

*) Für die von Hochhuth (Statistik der evangelischen Kirche im 
Regierungsbezirk Cassel S. 293) behauptete Mitwirkung der Jesuiten 
in Eschwege fehlt jeder Beweis. 

^) Vgl. J. L. Ch. Schmincke, Geschichte der Stadt Eschwege 
S. 189 u. 190. 

») Nr. 3 der Akten. 



— 201 — 

von Donop, in dessen Besitz das ehemalige Kloster Lippolds- 
berg damals war, die Einräumung des Hauses. ^) Die Re- 
gierung, welche von Donop sofort in Kenntnis gesetzt 
war, bestimmte, daß das Kloster gut verwahrt werden 
müsse und unter keinen Umständen ausgeliefert werden 
dürfe. Der Landgraf verständigte zugleich seine Vettern 
in Darmstadt, Butzbach und Homburg und die sächsischen 
erbverbrüderten Fürsten, indem er die Unrechtmäßigkeit 
der Ansprüche des Benediktinerordens nachwies.^) Als 
Donop einige Monate später nach Kassel das Gerücht 
meldete, daß ein Kölner Benediktiner und ein Notar aus 
Paderborn unterwegs seien, um Lippoldsberg zu besetzen, 
beauftragte die Regierung den Oberst Kurt Heinrich von 
Uffeln, einen Gefreiten mit zwölf Soldaten nach Lippolds- 
berg zu schicken, um gemeinsam mit dem Oberstleutnant 
und Amtmann der Zapfenburg Johann von Uffeln jeden 
Besetzungsversuch zu vereiteln. ^) Johann von Uffeln und 
der Kanzleiregistrator Johann Konrad Cellarius erhielten 
außerdem den besonderen Befehl, Erkundigungen einzu- 
ziehen, ob die Mönche mit Tilly in Beziehungen stünden, 
sollten dabei aber nicht den Verdacht erregen, als ob 
man hessischerseits gewaltsame Gegenmaßregeln träfe. 

Bald darauf kam ein Wagentroß mit Reisigen und 
Musketieren in Begleitung von vier Mönchen nach Lip- 
poldsberg und begehrte — angeblich auf der Durchreise 
nach Münden und Regensburg — für kurze Zeit Rast im 
Kloster. Die dort untergebrachten hessischen Soldaten 
erklärten aber, das Kloster stünde dem Landgrafen zu, 
sie dürften niemand einlassen. So mußten die Hungrigen 
vor verschlossenen Türen kehrt machen und im Dorf sich 
einquartieren. Nach dem Bericht Johanns von Uffeln 
(Mai 22) ist der Bischof von Osnabrück Franz Wilhelm 
Graf von Wartenberg selbst dabei gewesen, die Kasseler 
Regierung meinte jedoch, es seien die kurkölnischen Exe- 
kutoren gewesen.*) 



») Tupetz S. 549. Nr. 9 der Akten. Rommel VIII, 69. 

2) 1680 Februar 5. 

*) Schreiben Donops an den Kanzler 1630 Mai, Instruktion für 
Uffeln und Cellarius Mai 13. 

*) Nach frdl. Mitteilung des Staatsarchivs in Osnabrück ließ sich 
ein Aufenthalt Franz Wilhelms in Lippoldsberg für Mai nicht fest- 
stellen. Der Bischof war Ende April in reine, bis Mitte Mai in Verden, 
am 18. in Loccum und am 21. Mai in Minden. Es ist nicht ausge- 
schlossen, daß er auf der Weiterreise Lippoldsberg berührt hat. Nach 
Forst, Politische Correspondenz des Grafen Franz Wilhelm von Waxt<Är 



— 202 — 

Hofgeismar. 

Während alle bis jetzt erwähnten Restitutionsversuche 
gescheitert sind, ist es in Hofgeismar einigen Mönchen 
dank der militärischen Unterstützung gelungen, wenigstens 
vorübergehend ehemaliges Klostergut zu besetzen und 
Monate lang die hessische Regierung zu beunruhigen. ^) 

Im August waren wiederholt zwei Minoriten in der 
Stadt erschienen und hatten auf dem Rathaus angezeigt, 
daß sie im Auftrag kaiserlicher Kommissare das seit der 
Reformationszeit in ein Hospital umgewandelte ehemalige 
Minoritenkloster wieder beziehen wollten. ^) Als man ihnen 
antwortete, das Kloster sei Eigentum des Landgrafen, 
reisten sie nach Kassel — wie sie angaben — ab. ^) Am 
30. Januar des folgenden Jahres kamen wieder zwei Mi- 
noriten nach Hofgeismar*) und verschafften sich den No- 
tar Jost Schlicker aus Warburg, um rechtmäßig von dem 
Hospital Besitz zu ergreifen. 

Auf diese Nachricht hin erteilte die Kasseler Re- 
gierung sofort dem Rentmeister Herbold v. Haxthausen 
und dem Bürgermeister Johann Kannengießer den Auf- 
trag, von den Mönchen die Vollmacht einzuziehen und 
nach Kassel zu schicken; vor allem sollten sie versuchen, 
die in der Stadt liegenden Offiziere auf ihre Seite oder 
zur neutralen Haltung zu bringen und durch Güte unter 
Hinweis auf die Nachgiebigkeit der Mönche in Schmal- 
kalden die Besetzung des Klosters zu verhindern; nur im 
äußersten Falle solle man zum Mittel des Widerspruchs 
und der Verwahrung greifen.^) An demselben Tage, an 

berg, Bischofs von Osnabrück S. 424 (Publikationen aus den k. 
Preußischen Staatsarchiven Band 68) war er am 16. Juni in Vahren- 
bach und am 17. Juli in Regensburg (S. 428). 

^) Die folgende Darstellung beruht auf Nr. 5 der Akten. Tupetz 
(S. 418, 419 und 549) kennt nur die Besetzung vom 2. Februar 1680 
und die darauf erfolgte Entfernung der Mönche, verlegt auch auf der 
beigegebenen Karte den Ort irrtümlich nach Geismar bei Fritzlar. 
Falckenheiner, Geschichte hessischer Städte und Stifter II, 500. Rommel, 
III Anm. S. 282 und VIII, 69. 

*) Bereits am 29. Januar 1629 hatte der Provinzial der kölnischen 
Minoriten-Ordensprovinz P. Georg Schmalenberg gelegentlich einer 
Visitation in Fritzlar die Patres Johann Gülicher, Bartholomaeus Macker 
von Meschede und Reiner Arnoldi mit dem Laienbruder Christoph nach 
Hofgeismar geschickt, um das Kloster in Besitz zu nehmen. Vgl. Eubel, 
Geschichte der kölnischen Minoriten-Ordensprovinz S. 16. 

*) Schreiben sämtlicher Prediger in Hofgeismar an den Super- 
intendenten Stein 1629 Aug. 28. Ausf. 

*) Es ist nicht festzustellen, ob es dieselben waren, die im August 
die ersten Versuche gemacht hatten. 

*) Instruktion vom 1. Februar. 



— 203 — 

dem diese Instruktion ausgefertigt worden war, benutzten 
die Mönche die Betstunde, um in das Hospital einzudringen 
und durch den Notar in aller Form von dem Kloster Be- 
sitz ergreifen zu lassen. 

Der Pfarrer Heinrich Füllhuhn und der Bürgermeister 
Kannengießer trafen kurz darauf einen der Mönche und 
den Notar am Kirchhof und stellten beide zur Rede. Da- 
rauf erklärten diese, sie hätten das Kloster besetzt und 
wollten ihre Vollmacht bald vorlegen. Nach Ablauf einer 
viertel Stunde brachte der Mönch seine Vollmacht, die 
sich aber nur auf die Franziskanerklöster in Sachsen be- 
zog. Als man ihm dies vorhielt, meinte er, die hessischen 
Klöster gehörten auch dazu, er habe außerdem noch münd- 
liche Weisungen von Dr. Wiedenbruck, dem kölnischen 
Kommissar in Höxter, erhalten. Demgegenüber legten 
die beiden Hessen Verwahrung ein und erklärten, daß das 
Kloster schon vor dem Passauer Vertrag in den Besitz 
des Landgrafen gekommen sei ; der Mönch aber erwiderte, 
der Passauer Vertrag gelte nur für die alten Anhänger 
der unveränderten Augsburgischen Konfession, nicht aber 
für die Kalvinisten. Er gab zu, daß die kölnischen Kom- 
missare vor Anfang März nicht erscheinen würden und 
erklärte sein frühzeitiges Eintreffen unumwunden damit, 
daß der Kölner und der Mainzer Erzbischof wegen der 
Besetzung der Klöster in Niederhessen uneins seien und 
andere Ordenspersonen ihm zuvorkommen könnten; er 
hätte schon vor einem J'ahre Vollmacht gehabt, das Hos- 
pital in Hofgeismar zu besetzen. Der Notar versprach, 
den förmlichen Einspruch der hessischen Beamten der Ur- 
kunde über die Besitzergreifung einzufügen. Inzwischen 
versperrte der im Hospital zurückgebliebene Mönch mit 
Hilfe einiger Soldaten den Bewohnern des Hospitals ihre 
Stuben, wies sie hinaus, nahm den Schlüssel zum Keller in 
Verwahrung und ließ den landgräflichen Fruchtboden 
öffnen. Einige Wände wurden sofort ausgeschlagen, um 
eine Kapelle bis zur Wiederherstellung der Kirche ein- 
zurichten. Auf Verwendung des Pfarrers Füllhuhn gab 
der Kapitänleutnant den Armen einige Tage Frist, bis 
man die Regierung von dem Vorfall verständigt und wei- 
tere Befehle erhalten hätte. 

Am 8. Februar schickte die Regierung den Oberst- 
leutnant und Amtmann der Zapfenburg Johann v. Uffeln 
und den Kasseler Schultheißen Burkard Vigelius nach 
Hofgeismar mit dem Auftrag, die Mönche aus dem Hos- 



— 204 ~ 

pital zu entfernen und gegen die durch die Soldaten des 
Kapitänleutnants geleistete Hilfe Verwahrung einzulegen. 
Am Abend des 9. Februars kamen Uffeln und Vigelius 
in Hofgeismar an und gingen am folgenden Morgen zu 
Adergaß, den sie krank im Bette fanden. Sie machten 
ihm Vorhalt wegen seiner Begünstigung der Mönche und 
baten, diese auszuweisen; Adergaß aber lehnte jede Ver- 
antwortung ab, die Mönche hätten ihn um Schutz ange- 
gangen, er könne und wolle sie nicht hinausweisen und 
behauptete, keinen Befehl gegeben zu haben. Als die 
Abgesandten sich verabschieden wollten, traten die zwei 
Mönche in die Stube und wurden von den Gesandten 
wegen ihrer unrechtmäßigen Handlungsweise zur Rede 
gestellt, worauf sie erwiderten, sie handelten gehorsam 
nach dem ihnen gegebenen Auftrag und würden die an- 
deren Kirchen in aller Kürze auch besetzen. Eine Voll- 
macht konnten sie nicht vorweisen, versicherten aber, daß 
ein anderer Ordensbruder eine solche bei sich habe, und 
daß sie von ihrem Ordensgeneral ausgestellt sei. Daraut 
geleiteten der Pfarrer, Rentmeister und Bürgermeister ge- 
meinsam mit den Hospitalsvorstehern die verjagten In- 
sassen wieder in das Hospital, nachdem einer durch eine 
Öffnung eingestiegen und von innen die Tür geöffnet 
hatte. Schon am folgenden Tage waren wieder zwei 
Soldaten im Hospital und versperrten den Armen den 
Brunnen. Als sich hierüber die Regierung beim Kapitän- 
leutnant beschwerte, erklärte dieser, ein Soldat habe auf 
besonderen Wunsch des einen Mönchs, während dieser in 
Grebenstein einen Krankenbesuch machte, dessen Zimmer 
bewacht, der andere Soldat sei ohne Wissen der Offiziere 
mitgegangen. 

Reinhard Scheffer, der Amtmann in Wolfhagen und 
Zierenberg, wurde beauftragt, mit dem Oberstwachtmeister 
V. Oppen wegen Ausweisung der Mönche zu unterhandeln. 
Da alle schriftlichen Anordnungen nichts fruchteten, wurde 
am 13. Februar nochmals Burkard Vigelius abgeschickt. 
Er ging sofort zu Adergaß, der erregt aus dem Bett 
sprang, keine Gewalttat gegen die Mönche dulden lassen 
wollte und mit seinen Soldaten drohte. Vigelius, in dessen 
Begleitung wieder der Rentmeister, der Bürgermeister 
und ein Notar namens Heinrich Stubenrauch waren, hielt 
dem Kapitän ernstlich vor, welches gefährliche Spiel er 
gegen einen Fürsten des Reichs beginne, ohne höheren 
Befehl, nur den verlaufenen Mönchen zu liebe und gab 



— 205 — 

ihm zu verstehen, daß er seinen Auftrag ausführen werde 
und eine deutliche Erklärung fordern müsse. Da bat Ader- 
gaß um Frist bis zum andern Morgen, bis er bei seinem 
Vorgesetzten sich Rats geholt habe. Die Armen wurden 
an demselben Abend noch durch die hessischen Beamten 
in ihre Stuben wieder eingeführt. In der Nacht ritt ein 
Bote des Kapitänleutnants nach Wolfhagen zum Oberst- 
wachtmeister V. Oppen und kehrte am folgenden Morgen 
(15. Februar) um 10 Uhr zurück. Sofort schickte Vigelius 
seinen Notar in Adergassens Haus, um die Erklärung zu 
holen, Adergaß aber antwortete, er ändere seinen Ent- 
schluß keineswegs, er könne den Mönchen keine Gewalt 
antun und sie nicht ausweisen. 

Diese Verhandlungen mußten sehr bald den in der 
Stadt liegenden Soldaten bekannt geworden sein, denn es 
machte sich eine allgemeine Aufregung und Angst be- 
merkbar. Adergaß blieb unerschütterlich, nachdem ihm 
Vigelius nochmals den Ernst der Lage vor Augen gestellt 
hatte und gab schließlich seine Einwilligung, daß ein 
Feldwebel mit zehn Soldaten den hessischen Beamten mit- 
gegeben würden, um Zeugen zu sein, wenn die Mönche 
ohne Anwendung jeglicher Gewalt aus dem Hospital ent- 
fernt würden. Das Hospital war fest verschlossen. Notar 
und Zeugen mußten von dieser Tatsache Kenntnis nehmen. 
Dann wurden die Tore geöffnet, und die drei Mönche, 
einer nach dem andern, durch zwei starke Kerls oben 
und unten gepackt und ,sanft und mit ziemlicher Be- 
scheidenheit und guten Worten' durch den Kreuzgang 
hinaus getragen. ^) 

Damit war zunächst das Hospital wieder in hessischem 
Besitz, der Landgraf verfehlte aber nicht, am nächsten 
Tag (16. Februar) in ausführlicher Darlegung des Sach- 
verhaltes und aller Vorgänge beim Kaiser Klage zu er- 
heben über die Anmaßung der Mönche. ^) 

' Indes die beiden Franziskaner ließen nicht nach. Um 
die Mittagszeit während der Betstunde erschienen sie hoch 
zu Roß am 4. März wiederum in Begleitung zahlreicher 
Soldaten vor dem Hospital. Die Tür mußte Axtschlägen 

*) Bericht des Vigelius vom 15. Februar. 

*) Der Herzog Johann Ernst von Sachsen-Eisenach hatte ihm 
dazu geraten. — Eine unmittelbare Folge der Hofgeismarer Vorgänge 
war der Briefwechsel Wilhelms V. mit seinem Vetter Georg IL, der 
sich schließlich zu langatmigen theologischen Auseinandersetzungen 
auswuchs. Vgl. Rorarael VIII, 73 Anm. 89 und Saligs Vollständige 
Historie der Augspurgischen Confession etc. (Halle 17H0) S. 756 iL 



— 208 — 

Im Innern ermahnte der Schultheiß die Mönche, gutwillig 
den Platz zu räumen. Diese weigerten sich aber. Kurz 
entschlossen packte der Schultheiß die beiden — es waren 
starke Kerle, wie er selbst sagt — an den Armen und 
führte sie aus dem Spital durch die Stadt vor das Tor. 
Das Spital wurde sofort den armen Leuten wieder ein- 
geräumt und mit zehn bewaffneten Bürgern besetzt. Die 
Mönche verlangten sogar Pferde und Wagen zur Weg- 
führung ihrer Habseligkeiten. -) Dies schlug man ihnen 
zwar ab, verwahrte aber alles gut und gab den Soldaten, 
die um Unterkunft und Kost baten, ein Viertel Wein zum 
Abschied. 

Es war noch keine Woche vergangen, als am 14. Juli 
zwischen vier und fünf Uhr die Mönche schon wieder mit 
Trommelschlag und etwa fünfzig Soldaten das Spital be- 
setzten und auf dem Rathaus ihre zurückgelassene Habe 
verlangten. Die Regierung in Kassel antwortete aufs 
neue mit einer Protestschrift, die aber erst am 10. Sep- 
tember durch den Oberamtmann Friedrich v. Weiters den 
Mönchen eröffnet wurde. Inzwischen hatte Graf Gottfried 
Heinrich von Pappenheim vom Landgrafen die Ausliefe- 
rung des Schultheißen Vigelius und seiner Helfer wegen 
der Gewalttaten am 6. Juli verlangt^) In einer eigen- 
händigen Nachschrift erinnerte der Graf daran, wie leicht 
Weiterungen und Gefahr entstehen könnten. Der Land- 
graf aber berief sich auf die Aussagen einwandsfreier 
Zeugen, die jede dem Schultheißen vorgeworfene Gewalt- 
tat zurückwiesen, und verweigerte die Auslieferung. Da- 
rauf gab sich Pappenheim zufrieden und mischte sich 
weiter nicht mehr ein. ^) 

Es scheint, daß die Mönche sich noch lange im Hospi- 
tal gehalten haben. Noch im Januar des folgenden Jahres 
hielt der Minoriten-Ordensprovinzial Otto Guthoff (de Bo- 



^) Asmus von Baumbach in Spangenberg hatte erfahren, daß 
die Mönche in Regensburg Klage erhoben hätten wegen der ihnen zu 
teü gewordenen Behandlung. Bericht Baumbachs an die Regierung 
vom 19. Juli. 

2) Schreiben Pappenheims an Wilhelm V. Juli 11 aus Lügde, 
dessen Antwort Juli 24. Diese Forderung war offenbar durch die 
Mönche veranlaßt. In Sachen des Restitutionsedikts hatte Pappen- 
heim nur für die Stifter Magdeburg und Halberstadt das Amt eines 
Exekutors. 

') Schreiben Pappenheims aus Wiesbaden vom 17. August. Die 
Ereignisse im Norden des Reichs führten ihn bald dahin, im Oktober 
brach er nach Lauenburg auf. 



— 209 — 

naviUa) eine Klostervisitation in Hofgeismar ab. *) Die 
Fortschritte des Schwedenkönigs, der seit dem 30. Juli 
1630 auf deutschem Boden weilte und Wilhelms V. Be- 
ziehungen zu ihm, ließen wohl auch den Minoriten in 
Hofgeismar ein längeres Verweilen untunlich erscheinen. 
Leider fehlen jegliche Nachrichten über ihren endgiltigen 
Abschied aus dem Spital. 

Nirgends war es den Ordensabgesandten gelungen, 
so lange festen Fuß zu fassen wie in Hofgeismar. Aller- 
dings hatte die Regierung von vornherein beim ersten 
Auftauchen der Mönche in Hofgeismar Vorsichtsmaßregeln 
getroffen. Am 11. Februar 1630 war an die Rentmeister 
in Gudensberg und Hofgeismar der Befehl ausgegangen, 
in Anbetracht der den geistlichen Gütern drohenden Ge- 
fahr ein besonders wachsames Auge zu haben. Darauf- 
hin machte der Gudensberger Rentmeister Johann Bischof 
sich auf zu einer Rundreise nach Weißenstein, Burg- 
hasungen, Breitenau, Karthause, Felsberg, Melsungen, 
Spangenberg, Lichtenau, Allendorf a. d. W., Friedewald, 
Vacha, Homberg, Borken, Frielendorf, Jesberg, Neukirchen, 
Schwarzenborn, Treysa und Ziegenhain, konnte aber an 
keinem Orte Gefahr bemerken. ^) Nur für Breitenau und 
Burghasungen trug man im Sommer Sorge. 

Breitenau, Burghasungen, Merxhausen. 

Anfang Juli kam der Abt von Gerode nach Spangen- 
berg und zeigte dem dort liegenden Leutnant Patente, 
auf Grund deren er mit anderen Kommissaren ermächtigt 
sei, die Klöster Breitenau und Burghasungen zu besetzen. 
Die Regierung schrieb daraufhin an die Vögte zu Brei- 
tenau und Burghasungen, sie sollten die Kommissare kurzer 
Hand ab- und an sie verweisen.^) Die beunruhigenden 
Gerüchte wollten nicht verstummen. In Hasungen *) er- 
zählte man sich von einem Abkommen, das die Pfaffen 
und Mönche in Fritzlar getroffen haben sollten, daß zuerst 
Hasungen, weil es die meisten Einkünfte hätte ^), und 



») Vgl. Eubel a. a. 0. S. 16. 

*) Bericht an die Regierung vom 25. Februar. 

*) Bericht des Asmus v. Baumbach in Spangenberg an die Re- 
gierung 1630 Juli 19. 

*) Bericht des dortigen Vogts Christoph Kroschel Juli 29, Ver- 
fügung der Regierung August 3. 

*) Sie waren nach einer 1629 oder 1630 aufgeschriebenen Zu- 
sammenstellung der Klostergefälle im Niederfürstentum auf 3450 ö.. 



— 210 — 

dann Breitenau, Eppenberg und Merxhausen eingezogen 
werden sollten. Der Vogt in Hasungen war besonders 
in Sorge, da die Bauern wegen der Erntearbeiten sich 
weigerten, die nötigen Sicherheitswachen zu stellen, bis 
schließlich die Regierung bereit war Soldaten nach Ha- 
sungen zu legen, wenn die Bauern für deren Wohnung 
und Unterhalt sorgten. 

Für Merxhausen war Johannes Minberg, Propst 
des Klosters Heiningen und Pfarrer in Volkmarsen, vom 
Generalprior der Augustiner Wilhelm Heckenroy aus- 
ersehen, das Kloster dem Orden zurückzugewinnen. Der 
Landgraf war von beiden über diesen Plan benachrichtigt ^) 
und die Regierung befahl dem Vogt in Merxhausen, die 
Tore zu schließen. Fremde nicht einzulassen und Nachtwachen 
aufzustellen ; die Kommissare sollten nach Kassel an die 
Regierung verwiesen werden. Landgraf Georg, den Wil- 
helm V. um Rat gefragt hatte, erinnerte an die Äuße 
rungen des Gesandten Karls V. in Haina, daß sie nie Ur- 
sache geben wollten, die armen Leute aus dem Spital zu 
verjagen. Man schaffte Rechnungen aus Haina und ein 
altes Kopialbuch herbei, um sich über die Rechtsgültig- 
keit der hessischen Ansprüche zu vergewissern. ^) 

Cornberg, Immichenhain, Rotenburg. 

Johann Bernhard Schenk zu Schweinsberg, der Abt 
von Fulda und einer der für den oberrheinischen Kreis 
bestimmten kaiserlichen Kommissare, war ganz besonders 
eifrig bemüht, seine Mission zur Zufriedenheit seines Auf- 
traggebers zu erfüllen. Abgesehen von seiner Tätigkeit 
als Administrator des Stifts Hersfeld und in seinem eignen 
Lande griff er wiederholt auf hessische Klöster über. ^) 

Die Landgräfin Juliane bat am 21. Februar 1630 die 
Kasseler Regierung um Archivalien über das alte Kloster 



berechnet. Von den übrigen Klöstern betrugen die Einkünfte in Ahna- 
berg 3100, Breitenau 3410, Karthause (Eppenberg) 730, Eschwege 
(Augustinerkloster) 1500, Frauensee 600, Germerode 1800, Heimars- 
hausen 1700, Haydau 1820, Herrenbreitungen 1930, Cornberg 1500, 
Lippoldsberg 1230, Vacha 250, Weißenstein 1590, Witzenhausen 4öO, 
Spießkappel 2710 ^ind im Hainer Hof (Fritzlar) 1590. 

^) Schreiben Minbergs an den Landgrafen 1630 Juli 23. 

') Nr. 7 der Akten. Vgl. Tupetz §. 549. Auch Kaufungen und 
Weißenstein sollen von dem für die sächsischen Kreise ernannten 
Kommissare, dem Reichshofrat Johann von Hye, verlangt, aber irr- 
tümlich nach Braunschweig versetzt worden sein. 

*) Schreiben an die Regierung 1630 April 17. 



— 211 — 

Cornberg, da der Abt von Fulda sich am kaiserlichen 
Hofe wegen dieses Klosters bemühen sollte. 

Hans Diede zum Fürstenstein inlmmichenhain^), 
der im Besitz alter vom Landgrafen Philipp aus geist- 
lichem Besitz — wohl des Klosters Immichenhain — be- 
gabter Lehen war, richtete an die Regierung die vertrau- 
liche Anfrage, wie er sich verhalten solle, wenn man 
gewaltsam den Besitz der früheren Kirchengüter zurück- 
fordern sollte. Im Januar des folgenden Jahres besetzten 
fünf Mönche unter dem Schutze von zwanzig Musketieren 
auf Veranlassung des Abts von Fulda das Kloster Im- 
michenhain. 2) Am 1. Oktober 1630 schrieb Landgraf 
Hermann an Wilhelm V. über ein Gerücht, daß der Kaiser 
das Stift Rotenburg dem Fulder Abt geschenkt habe. 

Als Subdelegierten des Abts von Fulda begegnen 
wir Johann Adolf von Hauneck und Andreas Koch, die 
zusammen mit den kurmain zischen Bevollmächtigten dem 
Domherrn Hugo von der Eltz, dem Propst von S. Michael 
von Karpen und dem Protonotar Dr. Neuses, der zugleich 
vom Grafen Karl von Manderscheid beauftragt war, am 
25. August 1630 in Fritzlar zusammengekommen waren, 
um von dort aus das Restitutionswerk in Hessen und 
Waldeck zu betreiben.^) Der Propst Johannes Minberg, 
dem auiäer Merxhausen auch das waldeckische Kloster 
Volkhardinghausen zur Restitution übertragen war, war 
gleichfalls in Fritzlar anwesend und hatte in Arolsen ohne 
Scheu verlauten lassen, man werde die hessischen Klöster 
ohne weiteres besetzen. *) 

Am 25. August fuhren die Kommissare in einer 
Kutsche nach der Fraumünsterkirche und verlangten von 
der Frau des Opfermanns die Schlüssel zur Kirche. Diese 
erklärte, daß sie die Schlüssel nicht habe, und wies die 
Kommissare an den Opfermann in ObermöUrich, erhielt 
aber den Auftrag, dem Pfarrer von ObermöUrich zu sagen 



*) Vgl. über ihn Komp, Fürstabt Johann Bernhard Schenk zu 
Schweinsberg, der zweite Restaurator des Katholizismus im Hochstifte 
Fulda. Fulda 1878. 

*) Schreiben des Pfarrers Johann Hanstein in Ziegenhain an den 
Superintendenten Stein 1631 Februar 3. 

^) Auf der Durchreise hatten sie in der Nacht vom 13. zum 14. 
August zu Marburg im ,weißen Roß* (wo heute das Landratsgebäude 
steht) gewohnt und in der Frühe des 14. voll Lobes die Ehsabeth- 
kirche besichtigt. Brief des H. Scharff in Marburg vom 24. August. 

*) Dr. Eitel Gerhard an den Sekretär Johann Möller in Kassel. 
Aug. 15. 

N. P. BD. XXX. W 



— 212 — 

daß er am andern Morgen um 10 Uhr die Kirehe zu 
öffnen habe. Sobald die Regierung durch den Schult- 
heißen in Gudensberg, Eckhard Briede, von der Anmaßung 
der Kommissare erfahren hatte, schärfte sie umgehend 
dem Schultheißen und dem Pfarrer Franz Engelhard in 
ObermöUrich ein, die Schlüssel nicht herauszugeben und 
die Kommissare an den Landgrafen, dem die Kirche ge- 
höre, zu verweisen. ^) 

Wesentlich anders als in Niederhessen lagen die Ver- 
hältnisse in Oberhessen, wo Landgraf Georg IL von Hessen- 
Darmstadt seit dem 24. September 1627 a. St. das Erbe 
Ludwigs V. angetreten hatte. Er, ,der hauptsächliche 
Vertreter des reichstreuen Luthertums* ^), glaubte am we- 
nigsten die Folgen des Restitutionsedikts fürchten zu 
müssen, nahm aber an dem Schicksal der niederhessischen 
Klöster Anteil und war für die Aufklärung der grund- 
losen Ansprüche der Katholiken tätig. Dem durch das 
Edikt am schwersten betroffenen Herzog von Württem- 
berg gegenüber spielte er eine wenig rühmliche Rolle, 
indem er durch Unentschiedenheit und Verzögerung eine 
unfruchtbare Friedenspolitik trieb, die ihm den Titel eines 
,Reichsfriedensmeisters* eintrug. ^) Nur einmal glaubte 
die Marburger Regierung gegen verdächtige Mönche 
vorgehen zu müssen, die sich in Wetter aufhalten sollten. 
Nachdem in Wetter alle Wirtshäuser und vier Bürgers- 
häuser, in denen man Verdacht schöpfte, durchgesucht 
waren, war nirgends ein Verdächtiger zu finden. Gleich- 
wohl ließ man die Tore sorgfältig bewachen, und die Re- 
gierung erließ an die Beamten zu Alsfeld, Grünberg, 
Nidda, Frankenberg, Wetter und Grebenau ein Rund- 
schreiben: Die Kirchen und ehemaligen Klostergebäude 



^) Berichte des Schultheißen an die Regierung vom 29. August, 
des Pfarrers an den Superintendenten Stein von demselben Tage und 
Antwort der Regierung vom 30. August. Bereits im Jahre 1627 hatte 
Kurmainz die Ausübung des Patronatrechtes an der Fraumünster- 
kirche von Hessen wieder beansprucht. Vgl. Hochhuth, Statistik 
S. 138. Über die im Jahre 1628 unter dem Widerspruch der Franzis- 
kaner-Observanten bewirkte Besitzergreifung des Minoritenklosters zu 
Fritzlar durch den Minoritenorden vgl. Eubel, Geschichte der Köl-- 
nischen Minoriten-Ordensprovinz S. 260—262 und Falckenheiner II. 
34 u. 35. 

*) Klopp III, 1 Seite 556. Ober die Übergriffe des Amöneburger 
Dechanten in Rauisch Holzhausen vgl. Rieß in Justis Hessischen 
Denkwürdigkeiten 4. Teil S. 107 ff. 

») Vgl. Günter a. a. 0. S. 54. 63. 138. 226. Klopp HI, 1 S. 555. 
Tupeiz ^11. 478. 



— 213 — 

sollten gut verschlossen, verdächtige Personen, die sich 
etwa einschleichen wollten, nach ihrem Auftrag ausgefragt 
und ausgewiesen werden. Sollten sie aber den geringsten 
Widerstand versuchen, seien sie gefangen zu setzen.^) 

Ähnlich hatte bereits im Vorjahre Wilhelm V. seinen 
Amtmann in Reichenberg angewiesen, gewalttätigem Vor- 
gehen der Kommissare auch mit Gewalt zu begegnen. ^) 
Veranlassung hierzu gab wohl das Auftreten des Priors 
vom Kloster Arnstein. ^) Jedoch konnten die hessischen 
Beamten nicht hindern, da ihnen eine nachdrückliche 
militärische Unterstützung fehlte, daß in Ems, Kirdorf, 
Singhofen, Ober- und Unter-Tiefenbach und Werlau die 
Gegenformation Eingang fand.*) Die alte Stiftskirche zu 
St. Goar war in den Händen spanischer Soldaten zum 
Schauplatz gröbster Ausschreitungen geworden % und das 
Kloster Berbach wurde von mehreren Mönchen zurück- 
verlangt. ^) 

Bei Schilderung der Ereignisse, die sich in Hofgeis- 
mar abgespielt haben, ist bereits darauf hingewiesen wor- 
den, daß die Landung Gustav Adolfs in Pommern, dessen 
Vorrücken und die Annäherung des Landgrafen Wilhelm 
an ihn den Mönchen in Hofgeismar den Boden heiß ge- 
macht haben. Dies gilt wohl allgemein nicht nur für die 
im Lande sich etwa aufhaltenden Ordenspersonen, sondern 
auch für die kaiserlichen Exekutionskommissare, falls sie 
noch weitere Restitutionen planten. Wachsamen Auges 
hat die Regierung alle Anschläge auf ehemaliges Kloster- 
gut sofort erkannt, und nicht zum wenigsten ist es das 
Verdienst ihrer treuen und tatkräftigen Beamten, die evan- 
gelische Kirche Hessens, ähnlich wie in den Tagen des 
Interims'), vor großen Verlusten bewahrt zu haben. 

*) Ausschreiben der Regierung 1630 April 24 und 25; Bericht 
Ludwig Orths aus Wetter April 24. 

*) Nach Tupetz 412 und 413 Anm. 2. 

8) Ebenda 414 Anm. 1. 

*) Ebenda 550. 

») Rommel VII, 656. Tupetz 549. 

®) Tupetz S. 549 nennt das Kloster Brauerbach (Braubach?).- In 
Braubach war aber im Mittelalter nur eine Beginenniederlassung. 

^) Vgl. F. Herrmann, Das Interim in Hessen S. 163. 



W* 



Beiträge znr Gesehiehte des Landgrafen 
Hermann IL von Hessen. 



Von 
Friedrieh Küch. 



V. Zur Geschichte des Kriegs mit Mainz^ Braunschweig 
und Thüringen i. J. 1387. 

Vorbemerkung. Kriegerische Absichten des Erzbischofs Adolf. Gegen- 
maßregeln. L. Hermann am Rhein. L. Hermann und Markgraf Bal- 
thasar. Die Appellation. Aufhebung des Westfäl. Landfriedens und 
Eschweger Bündnis. Gegenmaßregeln gegen die Aufhebung des Land- 
friedens. Einungswesen. L. Hermann und seine Städte. iJmliche 
Zustände im Stift Fulda ; landständische Einungen dort. Würzburgisch- 
fuldisches Städtebündnis. Bestrebungen des Landgrafen, seine Städte 
in dieses Bündnis zu bringen. Die Einung von Fulda. L. Hermann 
und König Wenzel. Maßregeln für den Krieg. Itinerar. Quellen zur 
Geschichte des Feldzugs. Kritik Johann Nuhns (Landgräfin Margarethe, 
Engelbrecht v. Grifte, Henne v. Wehren). Burg Falkenstein. Graf 
Gottfried von Ziegenhain. — Beilage. 

Im 17. und 19. Bande (N. F.) dieser Zeitschrift habe 
ich Auszüge aus hessischen Amtsrechnungen der Jahre 
1371 — 1405 veröffentlicht, die für die Geschichte des Land- 
grafen Hermann II. von besonderer Wichtigkeit sind. Erst 
nachträghch ist mir ein damals vermißtes Marburger Aus- 
gaberegister des Rentmeisters Heinrich von Schönstadt 
aus dem Jahre 1387 zugänglich geworden. ^) Landau hat 
es bereits gekannt und einige wenige Notizen daraus im 
2. Bande der Zeitschrift ^) abgedruckt. Aber die Deutung, 
die er jenen Notizen gegeben hat, fordert zu einer noch- 



*) Aus den Beständen des ehemaligen Archivs der Finanzkammer, 
jetzt im Marburger Staatsarchiv. 

2) S. 286 f. 



— 215 — 

maligen Untersuchung heraus; und dann finden sich in 
der Rechnung noch zahlreiche andere Stellen, die zur Ge- 
schichte des ereignisvollen Jahres 1387 nicht unerhebliche 
Beiträge liefern, selbst nachdem Friedensburg ihm eine 
eingehende Untersuchung gewidmet hat. *) Im Anhange 
sind daher alle Ausgabeposten jenes Registers in wört- 
lichem Abdrucke wiedergegeben, die von irgendwelchem 
Interesse für die politische Geschichte sein können. Außer- 
dem aber gewährt die Rechnung ein anschauliches Bild 
der mittelalterlichen Hofhaltung, da Landgraf Hermann 
und seine Gemahlin Margarethe von Nürnberg zusammen 
oder allein einen beträchtlichen Teil des Jahres in Marburg 
zugebracht haben. Es sind deshalb, wenigstens für die 
erste Hälfte des Jahres, auch die hierauf bezüglichen Aus- 
gabeposten, die zudem für die Preisverhältnisse der Zeit 
von Wert sind, und die Einträge über Lieferung von Vic- 
tualien aus dem Renthofe in die Hofküche mit aufgenom- 
men. Das Botenregister am Schlüsse, das fast ein Ge- 
schäftsjournal darstellt, ist unverkürzt wiedergegeben. 



Nachdem Landgraf Hermann im Jahre 1385 dem ge- 
meinschaftlichen Anstürme dreier Gegner unterlegen war 
und im Frieden von Immenhausen vom 22. Juli demüti- 
gende Bedingungen hatte eingehen müssen, waren die 
Absichten der Verbündeten, die noch bei Lebzeiten des 
kinderlosen Landgrafen das hessische Erbe unter sich auf- 
zuteilen dachten, noch nicht erfüllt. Wenn der mächtigste 
von ihnen, Erzbischof Adolf von Mainz, nicht schon im 
Jahre 1386 losschlug und wenn er sogar seinem Verbün- 
deten, dem Landgrafen von Thüringen und Markgrafen 
von Meißen Balthasar 2), am 24. Juni 1386 einen Waffen- 
stillstand mit Hermann bis zum 14. April 1387 vermittelte, 
so waren es nur Gründe der Klugheit, vielleicht Rück- 
sichten auf die Reichspolitik % die ihn dazu veranlassten. 

Aber der Vertrag der beiden Fürsten war eben nur 
ein Waffenstillstand, und andere Handlungen ließen die 
wahren Absichten des kampflustigen Prälaten nicht un- 
deutlich erkennen. In den Abkommen, die der Erzbischof 
am 17. März und 21. JuH 1386 mit dem Ritter Friedrich 

») Zeitschr. N. F. XI S. 137 ff. 

*) Er wird weiterhin zur leichteren Unterscheidung von Land- 
graf Hermann von Hessen in Übereinstimmung mit den zeitgenössischen 
Quellen stets als Markgraf bezeichnet. 

') Friedensburg a. a. 0. S. 144. 



— 216 — 

V. Hertingshausen und dem Grafen Heinrich von Waldeck 
traf, ist der künftige Krieg mit dem Landgrafen bereits 
ins Auge gefaßt. ^) Auch der Vertrag vom 14. Dezember 
1386 mit den drei Pfalzgrafen Ruprecht wird mit Rück- 
sicht auf die bevorstehende hessische Fehde abgeschlossen 
sein. ^) Und endlich zeigt auch die Art, wie Adolf seine 
geistlichen Machtmittel gegen den Landgrafen gebrauchte, 
daß der Ausbruch des Kriegs nahe bevorstand. In einem 
Konflikte Hermanns mit dem Provisor des Klosters Heida 
Gerlach v. Lymesfelde war es nicht lange vor dem 19. No- 
vember 1386 geschehen, daß eine dem Kloster gehörige 
Herde Schafe von Werner v. Hanstein, dem Pfandinhaber 
der Stadt Lichtenau, weggenommen wurde. ^) Erzbischot 
Adolf benutzte diesen Anlaß, um, wahrscheinlich gegen 
Ende des Jahres 1386 oder Anfang Januar 1387 ^), den 
Landgrafen, Werner v. Hanstein und eine Reihe anderer 
exkommunizieren zu lassen und das Land Hessen mit dem 
Interdikt zu belegen. 

Wie suchte nun Landgraf Hermann diesem Unwetter,, 
das er von weitem gegen sich heranziehen sah, zu be- 
gegnen, welche Maßregeln unternahm er, um die Über- 
macht seiner Feinde, die seit dem Immenhäuser Vertrag 
noch größer geworden war, zu zerteilen und abzu- 
schwächen? Die Chroniken berichten nichts darüber und 
auch die urkundlichen Quellen sind recht spröde, aber 
unser Ausgaberegister überliefert eine Reihe von Tat- 
sachen, die uns willkommene und interessante Aufschlüsse 
über die Absichten des Landgrafen gewähren. 

Wir finden zu Beginn des Jahres 1387 den Land- 
grafen am Rhein. ^) Mit wem er dort zusammengekom- 
men ist, wird nicht erwähnt. Aber wenn man berück- 
sichtigt, daß am 9. Januar, kurz vor der Rückkehr des 
Landgrafen nach Marburg, dort Briefe des Pfalzgrafen 
Ruprecht an die Land- und Markgrafen Balthasar und 
Wilhelm von Thüringen-Meißen eintreffen, die durch hes- 
sische Boten und auf hessische Kosten an ihre Bestim- 
mungsorte Gotha und Dresden weiterbefördert werden ^j, 
so wird man mit der Annahme nicht fehlgehen, daß diese 

*) Das Nähere s. bei Friedensburg a. a. 0. S. 147. 
2) Friedensburg S. 154. 
8) Vgl. Zeitschr. N. F. XIX. S. 32. 

*) Der Erzbischof hatte Kommissare ernannt, die die Angelegen- 
heit zunächst untersuchen sollten. Vgl. Friedensburg a. a. 0. S. 155. 
ö) Beil. Nr. 11. 
*; Beil Nr. 191, 192. 



— 217 — 

in Heidelberg verfaßten Briefe auf Veranlassung des Land- 
grafen und in seinem Interesse geschrieben sind, ja man 
wird voraussetzen dürfen, daß der Landgraf selbst in Hei- 
delberg gewesen ist. Und auch den Zweck dieser Reise 
und jener Briefe können wir erraten. Seit dem Waffen- 
stillstand vom 24. Juni 1386 war Landgraf Hermann aufs 
eifrigste bemüht, seine Beziehungen zu dem Markgrafen 
Balthasar zu befestigen und diesen womöglich ganz von 
dem mainzisch-braunschweigischen Bunde zu lösen. Daß 
Balthasars Verhältnis zu den beiden anderen Anwärtern 
auf das hessische Erbe nicht gerade das engste und nicht 
frei von Argwohn war *), konnte dem Landgrafen nicht 
verborgen bleiben. Den Waffenstillstand zu einem dauern- 
den Frieden auszubauen, schien ihm daher ein um so 
leichter erreichbares Ziel zu sein, als er mit Balthasars 
Bruder Wilhelm die besten Beziehungen unterhielt. Dieser 
scheint denn auch in ausgedehntem Maße eine vermit- 
telnde Tätigkeit entfaltet zu haben. ^) Nach einem Tage 
zu Mühlhausen am 17. Juli 1386, den der Landgraf per- 
sönlich besuchte, fand ein weiterer zu Niederhohne im 
Oktober desselben Jahres statt, dem ein Besuch des Mark- 
grafen Wilhelm in Kassel folgte. Daran schloß sich ein 
lebhafter Briefwechsel zwischen den beiden Fürsten % den 
wir bis in den Januar 1387 hinein verfolgen können, und 
am 20. Januar finden wir den Sekretär Wilhelms am land- 
gräflichen Hofe in Marburg.*) Der Besuch Landgraf Her- 
manns in Heidelberg hatte also offenbar den Zweck, den 
Pfalzgrafen Ruprecht, seinen Verbündeten gegen Mainz 
vom Jahre 1380^), zum Vermittler bei dem Markgrafen 
Balthasar zu gewinnen. Diese eifrige diplomatische Tätig- 
keit war das Vorspiel der auf den Fürstentagen in Würz- 
burg (bezw. Forchheim) im Mai und Juni desselben Jahres 
unternommenen Versuche, endgiltig einen Schiedsvertrag 
zu Stande zu bringen. 

Ob mit der Reise des Landgrafen in die Rheingegend 
auch ein Versuch verbunden war, den Erzbischof umzu- 
stimmen, darüber geben uns unsere Quellen keine An- 
deutung. Ausgeschlossen erscheint dies nicht, hatte doch 
wenige Jahre vorher, 1383, Pfalzgraf Ruprecht an den 



*) Friedensburg a. a. 0. S. 143. 

») Näheres s. Zeitschr. N. F. XIX. S. 80. 

3) Ebenda S. 59 Nr. 87, 88, 98, S. 60 Nr. 98. — Beil. Nr. 193. 

*) Beil. Nr. 20. 

*) Friedensburg a. a. 0. S. 40. 



— 218 — 

Sühneverhandlungen in Oberwesel mitgewirkt. ^) Jeden- 
falls hat sich Landgraf Hermann, wenn er schon eine 
solche Absicht mit seiner Reise verfolgte, alsbald von der 
Zwecklosigkeit des Versuches überzeugt; und sofort nach 
seiner Rückkehr in die Heimat wurden Maßregeln er- 
griffen, um den vom Erzbischof verhängten kirchlichen 
Strafen entgegenzuwirken. Am 19. Januar wurde in Kassel 
eine Appellation verfaßt, die der Notar und landgräfliche 
Procurator Heinrich Blume von Grünberg nach einem 
vergeblichen Versuch, sie vor dem Fritzlarer Offizial zu 
verlesen, an eine Türe der Peterskirche in Fritzlar anhef- 
tete. 2) Unterdessen war die Landgräfin Margarethe von 
Kassel ebenfalls nach Marburg gekommen ^), und von hier 
aus wurden am 6. Februar abermals zwei Bevollmächtigte, 
der Stadtschreiber von Marburg Johann, Pfarrer zu Wen- 
derode, und Siegfried Wilde, Altarist in Goßfelden, mit 
einer Appellation nach Fritzlar geschickt, über die noch 
verhandelt wurde, nachdem das lahdgräfliche Paar wieder 
nach Kassel abgereist war. *) 

Während der Landgraif den weiten Weg beschritt, 
beim römischen Stuhl die Aufhebung von Exkommuni- 
kation und Interdikt durchzusetzen ^), trat ein Ereignis ein, 
welches dem Erzbischof die Durchführung seiner kriege- 
rischen Pläne gegen Hessen wesentlich erleichterte: am 
10. März 1387 auf einem königlichen Fürstentag in Würz- 
burg schaffte König Wenzel den westfälischen Landfrieden 
vom 25. November 1371 wieder ab. ^) Es ist hier nicht 
der Ort, auf die allgemeine Bedeutung dieser Maßregel 
und auf ihre Ursachen einzugehen. ') Für den Landgrafen 
und für die Beziehungen zu seinen Gegnern war sie von 
der allergrößten Wichtigkeit. Beide Parteien hatten im 
Laufe der Zeit den Landfrieden, der weit über seinen ur- 



») Friedensburg a. a. 0. S. 61 ff. 

2) Friedensburg S. 153 Anm. Die Urkunde, eine gleichzeitige 
Abschrift (scriptum per copiam) im Staatsarch. Marburg Gen. Rep. 
Fritzlar 1387 Jan. 20. 

») Jan. 18, Beil. Nr. 18. 

*) Beil. Nr. 37, 201. Die undatierte Appellation an den Papst 
ist abgedruckt von Friedensburg a. a. 0. S. 264. Sie wird wohl eben- 
falls in dieser Zeit abgesandt worden sein. — Die Abreise erfolgte am 
7. Februar; vgl. Beil. Nr. 38. 

^) Die Aufhebung wurde erst im Jahre 1388 nach dem Spruche 
des Bischofs von Praeneste vom 7. Juni 1388 perfekt. Vgl. Friedens- 
burg a. a. 0. S. 155 f. 

8) D. Reichstagsakten I S. 538 Nr. 298. 

^) Vgl. Lindner, Geschichte d. deutschen Reiches I S. 304 ff. 



— 219 — 

sprünglichen Bezirk hinausgewachsen war, angenommen, 
und der Landgraf hatte seine Position noch dadurch we- 
sentlich gestärkt, daß es ihm im März 1385 gelungen 
war, vom König die Belehnung mit drei innerhalb Hes- 
sens gelegenen Freistühlen zu erhalten. ^) Für die kriege- 
rischen Absichten der zu dem Landfrieden gehörigen 
Fürsten gegen einander bildete dieses ein nicht zu unter- 
schätzendes Hindernis. Wie die Ereignisse des Jahres 
1385 ^) zum Nachteile des Landgrafen gezeigt hatten, war 
dies Hindernis zwar nicht unüberwindlich, aber es bedurfte 
doch dazu recht umständlicher Vorbereitungen, und außer- 
dem war die Kriegführung dadurch erschwert, daß die 
zum Schutze des Bauern und des Kaufmanns getroffenen 
Maßregeln auch für den Kriegsfall in Giltigkeit blieben. ^) 
Jedenfalls zeigt die Schnelligkeit, mit der Erzbischof Adolf 
die neue Lage gegen den Landgrafen ausnutzte, wie will- 
kommen ihm die Änderung war. Am 28. und 30. März 
1387, also nur wenig Wochen nach der Aufhebung des 
Westfälischen Landfriedens, schloß er in Eschwege mit 
Otto von Braunschweig und Balthasar von Thüringen 
jene Verträge ab, die im Grunde nichts anderes, als die 
gänzliche Vernichtung des Landgrafen bezweckten.*) 

Während für die genannten Fürsten die Aufhebung 
des Westfälischen Landfriedens geradezu das Signal zur 
Ausführung ihrer Kriegsabsichten war, suchten andere 
an dem Landfrieden beteiligte Stände die schädlichen Wir- 
kungen dieser Maßregel durch Gegenmaßregeln auszu- 
gleichen, welche für uns deshalb von Interesse sind, weil 
sich ihnen auch Landgraf Hermann anschloß, um mit ihrer 
Hilfe sein Land vor der drohenden Invasion so viel als 
möglich zu schützen; und diese Bestrebungen sind um so 
interessanter, als sie aufs engste mit den inneren Verhält- 
nissen der Territorien zusammenhängen. 

Es war so recht eine Zeit der Einungen, der Bünd- 
nisse zur Wahrung von Sonderinteressen, zur Erreichung 
von Zwecken, für die die Kräfte der Einzelnen nicht aus- 
reichten. Rittergesellschaften, Städtebünde, Fürstenbünde, 
Landfriedenseinungen treten uns in raschem Wechsel, in 



>) Lindner S. 331. 

2) Über den Vertrag vom 13. März 1385 vgl. Lindner S. 332, 
Friedensburg S. 107 f. 

») Vgl. Lindner S. 304, 331. 

*) Das Bündnis sollte Giltigkeit haben, „dicwile der egenant 
lantgrave Herman lebit". Vgl. Friedensburg S. 157. 



— 220 — 

bunter Mannigfaltigkeit entgegen. Gleichzeitig tauchen 
aber auch innerhalb der Territorien solche Bündnisbestre- 
bungen auf, sei es der Territorialstädte unter einander oder 
mit der landsässigen Ritterschaft. Nominell haben diese 
landständischen Einungen die Erhaltung des Friedens und 
gegenseitigen Schutz zum Zwecke, in Wirklichkeit aber 
richten sie ihre Spitze mehr oder weniger gegen den Lan- 
desherrn, von dem sie ihre Sonderrechte bedroht glauben. 
Hier und dort haben es nun die Fürsten verstanden oder 
doch wenigstens versucht, das Interesse der Landstädte 
an der Herbeiführung gesicherter Zustände und ihre Nei- 
gung zum Zusammenschluss für sich nutzbar zu machen, 
indem sie Einungen zwischen den Städten verschiedener 
Territorien zum Zwecke gegenseitiger Hilfeleistung her- 
beiführten, oder doch mit ihrer ausdrücklichen Zustimmung 
sich vollziehen ließen.^) Hierdurch konnte ein gewisser 
Ersatz geschaffen werden, wenn sich Bündnisse zwischen 
den Fürsten selbst aus irgend einem Grunde als untunlich 
erwiesen. Die Städte waren die stärksten Festungen der 
Herren; gegen sie pflegten sich vornehmlich feindliche An- 
griffe zu wenden. Gelang es durch die Verpflichtung zu 
gegenseitiger Hilfeleistung die Städte der verschiedenen 
Territorien aneinanderzuketten, so war dadurch schon ein 
wesentlicher Vorteil errungen. 

Aus diesen Erwägungen gingen offenbar die eifrigen 
Verhandlungen hervor, die Landgraf Hermann von Ende 
März bis Mitte Juli 1387 mit seinen Städten und mit denen 
benachbarter Territorien führte. Um sie zu verstehen, ist 
es nötig, sich das Verhältnis zu vergegenwärtigen, welches 
sich zwischen dem Landgrafen und seinen Städten im bis- 
herigen Verlaufe seiner Regierung herausgebildet hatte. ^) 

^) Die erste derartige Einung ist, soviel ich sehe, der sächsisclie 
Städtebund vom 10. Juli 1384, der sich gegen den Mißbrauch des 
Landfriedens richtete (Lindner a. a. 0. S. 326) und wohl vorbildhch 
für die hier zu besprechenden Einungen gewesen ist. Beteiligt waren 
die Städte Goslar, Hildesheim, Einbeck, Braunschweig, Halberstadt, 
Quedlinburg und Aschersleben. Als Teilnehmer an den Beschlüssen 
werden auch die Bischöfe von Halberstadt und Hildesheim aufgeführt, 
„aber" sagt Lindner, „ob sie wirklich Teilnehmer des Bundes waren, 
erscheint doch sehr zweifelhaft", er glaubt, sie hätten nur im allge- 
meinen ihre Zustimmung zu der Einung gegeben. — Auf das Verhältnis 
der Landesherren zu den interterritorialen Städtebünden werfen ge- 
rade die hier zu besprechenden Einungen ein helles Licht. 

*) Eine eingehende Schilderung dieser Zustände hat Nebelthau 
im dritten Bande dieser Zeitschrift (N. F.) gegeben. Vgl. außerdem 
„Das Kurfürstentum Hessen in malerischen Originalansichten" (1860) 
S. 8 ff. und Friedensburg a. a. 0. S. 86 ff. 



— 221 — 

Es ist bekannt, daß Landgraf Hermann gegen Ende 
des Jahres 1375 in Oberhessen zur Beseitigung seiner finan- 
ziellen Schwierigkeiten („zu sture unsir schult unde unsirs 
landis not") eine indirekte Steuer, ein Ungeld ausgeschrie- 
ben hatte. ^) Während sich die Städte in diesem von Land- 
graf Hermann damals offenbar selbständig^) verwalteten 
Landesteil die Einführung der drückenden Steuerlast schon 
Ende Oktober 1375 tatsächlich gefallen ließen^), wider- 
standen die niederhessischen Städte mit Entschiedenheit dem 
Zureden beider Fürsten, des alten Landgrafen Heinrich und 
Hermanns. Ihre Vertreter kamen im Januar 1376 auf dem 
Rathause in Kassel zusammen, beschlossen das Ungeld nicht 
zu zahlen und verpflichteten sich, in dieser Angelegenheit nur 
gemeinsam vorzugehen, unrechte Gewalt durch Bitten und 
Mahnen bei beiden Landgrafen abzuwehren und Kosten 
und Schaden gemeinsam zu tragen, jedoch mit dem Zu- 
sätze, „doch sollen wir unde wollen unser herren allewege 
gehorsame bürgere sien zu bescheidinheit, also wir bilche 
unde von rechte thun sollen". 

Ob es den Städten durch diesen Zusammenschluß 
tatsächlich gelungen ist, sich von der Zahlung des Un- 
geldes zu befreien, ist nicht bekannt. Jedenfalls aber ge- 
staltete sich nach dem Tode des alten Heinrich IL ihr 
Verhältnis zu Landgraf Hermann immer ungünstiger, und 
der Vertrag, den am 1. Januar 1378 die Städte, Burg- 
mannen und andere Ritterbürtige Niederhessens mit ein- 
ander schlössen, bedeutet einen weiteren Fortschritt der 
ständischen Einungsbewegung. Zwar hatte er formell nur 
die Beilegung von Zwistigkeiten unter einander zum 
Zwecke, und Äußerungen der Loyalität gegenüber dem 
Landgrafen fehlten hier so wenig wie in dem Vertrage 
von 1376, tatsächlich aber war er ein Bündnis gegen den 
Landgrafen, das sogar bald nach dem Abschluß zu einer 
gewaltsamen Erhebung, zu einer vorübergehenden Be- 

*) Das Exemplar für Marburg im Staatsarch. Marburg, Gen. Rep. 
Marburg. Den Text für Grünberg s. bei Wenck ÜB. II S. 449 Anm. 1. 

*) Als Mitregent ist L. Hermann seit 6. Mai 1867 nachweisbar 
(Zeitschr. N. F. XVII S. 415) ; auch 1374 erscheinen Landgraf Heinrich 
und Hermann noch als gemeinsam in dem Marburger Salbuch (Zeit- 
schrift N. F. XIX S. 186), aber die Urkunden betr. das Ungeld für 
Marburg und Grünberg sind allein von L. Hermann ausgestellt. 

*) Das Ungeld wurde von Marburg später mit 8000 Gulden wieder 
abgelöst. Daß mit dem Ungeld die finanziellen Anforderungen an die 
Städte keineswegs abgetan waren, zeigt das Beispiel Marburgs, das in 
kurzer Zeit weitere 4000 und nochmals 1600 Gulden zahlen mußte 
(Zeitschr. N. F. XXIX S. 149). 



— 222 — 

Setzung der Burg zu Kassel durch die aufständischen 
Bürger führte. Indirekt war dieser Konflikt auch der An- 
laß der Feindschaft zwischen Landgraf Hermann und Bal- 
thasar von Thüringen, der als erbeinungsverwandter Fürst 
am 12. Mai 1378 einen Vergleich zwischen beiden Parteien 
vermittelte. ^) Wir entnehmen der hierüber aufgenommenen 
Urkunde die Tatsache, daß sich Landgraf Hermann schrift- 
lich zur Anerkennung jener Einung vom 1. Januar hatte 
bequemen müssen^); und wenn auch die Stände nach 
dem Spruche Balthasars nunmehr auf die Einung verzich- 
teten und dem Landgrafen die Anerkennungsurkunde zu- 
rückstellen mußten, so empfand dieser doch die Einmischung 
des Markgrafen und die durch ihn vermittelten sonstigen 
Vertragsbedingungen als eine solche Demütigung, daß er 
alles daran setzte, auch die Urkunde vom 12. Mai wieder 
ungültig erklären zu lassen. Dies gelang ihm im Jahre 
1384. Die Städte und wohl auch ein Teil der Ritterschaft 
wurden gezwungen, dem Markgrafen jenen Vermittlungs- 
vertrag aufzukündigen. ^) 

Aber bald zeigten sich die nachteiligen Folgen dieser 
Gewaltpolitik. Nicht nur wurde Balthasar in das Lager 
der Gegner des Landgrafen gedrängt, auch die hessischen 
Städte oder vielmehr die nach Selbständigkeit strebenden 
Parteien in den Städten *) brachte sein rücksichtsloses und 
ohne Zweifel auch vertragswidriges Verfahren zum Äußer- 
sten, nämlich zum Anschluß an die gegen den Landes- 
herrn verbündeten Fürsten, vor allem an Balthasar, in dem 
man ja auch den zukünftigen Erben der Landgrafschaft 
sehen mochte. Sicherlich hatte dieser im Jahre 1385 den 

^) Ausf. im Staatsarch. Marburg, Abt. Verträge mit Sachsen. 

*) Es heißt in der Urkunde: „Wir haben ouch ane gesen dy 
besegilte uzschrifft der eynunge, dy unsers vorgen. omen und bruders 
des lantgraven borgmanne, manne und stete undir eynandir geton 
haben und haben erkant mit unserme gesworen rate, daz sii mit eren 
und guten fugen dy wole abe getun mögen und heyschin auch myt 
namen, daz sii dy ane wederrede abe tun sollen und sy sal vorbaz 
me keyne kraft noch macht han und dy seibin burgman manne und 
stete sollen doruff unsme omen und bruder deme landgraven synen 
briff, den her en obir dyselbin eynunge hat gegeben, ane hinderniße 
und ane allen inval wedir gebin." 

8) Vgl. Friedensburg S. 94 ff. 

*) Der Landgraf hat es offenbar verstanden, die Streitigkeiten 
in den Städten für seine Zwecke auszunutzen und den ihm wohlge- 
sinnten Parteien zur Herrschaft zu verhelfen. In Marburg dagegen 
benutzte er einen Konflikt zwischen Schöffen und der Gemeinde, um 
eine Geldsumme von der Stadt zu erheben, „daz he sin Unwillen 
abetet" (Zeitschr. N. F. XXIX S. 149). 



— 223 — 

raschen Erfolg seines Feldzuges in der Werragegend nur 
der Unterstützung der ihm geneigten Parteien in den 
Städten zu verdanken. ^) Um so mehr mußte der Land- 
graf darauf bedacht sein, die ihm nach jenem unglück- 
lichen Kriege noch gebliebenen Städte an sich zu ziehen 
und ihre Widerstandskraft im Falle eines neuen Kriegs 
zu verstärken. 

Ähnlich wie in Hessen hatten sich im Stifte Fulda 
die Beziehungen zwischen Landesherrn und Städten ge- 
staltet. ^) Auch hier hatten, am 19. November 1380, die 
Stiftsstädte Fulda, Hammelburg und Vacha mit dem land- 
sässigen Adel des Stiftes^) eine Einigung geschlossen, 
welche zunächst die Verhütung und Beilegung gegensei- 
tiger Streitigkeiten, dann aber auch die gemeinsame Ab- 
wehr von drohenden Rechtsverletzungen und die Erhal- 
tung überkommener Rechte zum Zwecke hatte. Jede Ein- 
mischung in auswärtige Kriege des Stiftes sollte vermie- 
den werden. *) Wenn dann aber am Schlüsse dieses Bünd- 
nisses gesagt ist, „daz alle vorgeschribene rede, eynunge 
und fruntschaft unser keynen hindern sal oder bindin gein 
unserm gnedigin herrin von fluide und sinem stifte an 
dem daz wir yn phlichtig sin zu tun", so ist doch anderer- 
seits klar ersichtlich, daß das eigentliche Ziel des Bundes 
die Interessenvertretung gegenüber dem Abte Konrad 
war, gegen den man die Appellation an das Reich ins 
Auge faßte, wenn bei ihm kein Recht zu finden sei. Die 
Ursache war wohl, ähnlich wie in Hessen, die Frage der 
Heranziehung der Städte zur Schuldentilgung des Stiftes, 
dann aber, und im Zusammenhange damit, die EingriiFe des 
Abtes und seiner Beamten in das Besitzrecht der Bürger. ^) 

1) Friedensburg S. 121 f. 

*) Bei der geringen Beachtung, die diese Verhältnisse im Stift 
Fulda bisher in der Literatur gefunden haben, ersclieint es nötig, an 
der Hand der Urkunden den Gang der Ereignisse in seinen Haupt- 
phasen anzudeuten. Auch hier erhält . das Bündnis der Städte mit 
den würzburgischen und schheßhch auch den hessischen erst seine 
rechte Beleuchtung, wenn man das Verhältnis zum Abte und die 
Einungsversuche der Stände im Innern berücksichtigt. 

8) Die Urkunde (Ausf. Abt. Fulda, Stadt Fulda) beginnt: „Wir 
die gesiechte geborn und beseßin bie dem erwerdigen stiffte zu Fulde 
und ouch, die hernach zu disem briffe und eynunge ire insigele ane- 
hengende werden, und wir die stete Fulde, Hamelnburg und Vache 
bekennen" etc. 

*) In § 10 heißt es: „wan dise eynunge und fruntschaft nicht 
ruren sal dann notdorft und nutz des erbern stiftes und lant und 
lute und keine ußwertige zweiunge oder krige." 

*) Dies ergibt sich aus dem gleich zu erwähnenden Ausgleichs- 
vertrag. 



— 224 — 

Im Juni des folgenden Jahres einigten sich die drei 
Städte mit Abt Konrad zur Schlichtung der schwebenden 
Streitigkeiten über die Wahl von Schiedsrichtern, die am 
13. August ihren Spruch fällten. *) Die Städte sollten da- 
nach den Abt um Verzeihung bitten, falls sie wider ihn 
gehandelt oder ihn erzürnt hätten, während jener ver- 
sprechen mußte, sie bei Recht und guten Gewohnheiten 
lassen zu wollen. Wegen der Aneignung bürgerlichen 
Besitzes durch den Abt sollte den Erb- und Besitzberech- 
tigten die Berufung an die gewöhnlichen Gerichte zu- 
stehen ^) und die Schulden des Abtes an die Städte sollten 
getilgt werden. Der Schluß beschäftigt sich wie bei dem 
drei Jahre früher durch Markgraf Balthasar vermittelten 
hessischen Vergleich mit der Abschaffung der Einung. 
Es heißt darüber von den drei Städten, „daz sie sollen 
vorsuchin mit den die in sollicher eynunge sin, ab sie die 
in gutlichin dingin mugin abegenemen, und daz sal gesehen 
hie zuschin und unser frauwin tage als sie geborn wart, 
der nest kumet (Sept. 8.)" u. s. w. Diese letzte Bedingung 
muß erfüllt worden sein, da die Urkunde nachher im 
Besitze des Stiftes sich befand, wohin sie durch die Stadt 
Fulda ausgeliefert worden sein wird. ^) 

Im folgenden Jahre (1382) zwangen die Umstände, 
vor allem wohl die Finanznot, den Abt Konrad, die Lan- 
desverwaltung an eine Pflegschaft abzutreten, an deren 
Spitze Graf Johann von Ysenburg stand. *) Dieser neue 
Zustand brachte am 25. Januar 1382 abermals eine stän- 
dische Einung hervor % die sich aber von der des Jahres 
1380 in wesentlichen Punkten unterschied. Zunächst be- 
gegnen wir hier einer vollen ständischen Vertretung des 
Landes. Das Bündnis wurde geschlossen durch den Stifts- 



^) Urkunden in der Abt. Fulda des Marburger Staatsarchivs, 
Stiftsarchiv. 

*) Es heißt in der Urkunde : „Wo sich unser herre oder anders 
ymand von sinen wegin gute oder erbis underczogin habin, da rechte 
erbin sin und die recht darzu habin, die erbin mugin daz vordem 
mit gerichte und mit rechte an den stetin, da sich daz zu rechte hine 
geheischet." 

*) Diesem Umstände wird es zuzuschreiben sein, daß die Stadt 
Fulda und eine Anzahl Ritter die Urkunde offenbar niemals besiegelt 
haben, da nur die Pergamentstreifen zum Anhängen der Siegel mit 
den Namen der betreffenden Teilnehmer des Bündnisses anhängen. 
Hammelburg, Vacha und mehrere Ritter haben besiegelt. 

*) Urk. vom 17. Jan. 1382. Schannat, Hist. Fuld. cod. prob. 
S. 276. 

ß) Ausf. Abt. Fulda, Stift Fulda. 



— 225 — 

dechanten Martin, der zugleich Propst auf St. Johannes- 
berg war, und durch die Pröpste und Convente von St. 
Michael, von Neuenberg, Frauenberg, Höchst, Johannis- 
berg und Petersberg, ferner durch die ländsässige Ritter- 
schaft („die rittere und knechte geborn und beseßin bie 
dem stifte zu Fulde"), die Städte Fulda, Hammelburg, Vacha 
und Geisa, sowie durch die anderen Städte und Unter- 
sassen des Stifts, die ihren Beitritt durch Besiegelung der 
Urkunde künftig erklären würden.^) Der Zweck der 
Einung ist gegenseitige Eintracht und Erhaltung des Stifts 
bei Land und Leuten, Ehren, Würden, Freiheiten, Recht 
und guten Gewohnheiten. Das Mittel aber ist — und 
darin geht der Vertrag über die erste Einung hinaus — 
die gegenseitige militärische Unterstützung bei Angriffen. 
Zwar wird auch jetzt bestimmt, daß der Vertrag nicht an 
auswärtige Zweiung oder Kriege rühren soll, aber ande- 
rerseits ist in einem besonderen Paragraphen festgesetzt, 
daß, wenn iemand den Stiftsherren nach Leib und Gut 
stehen, oder den Rittern und Knechten nach ihren Schlös- 
sern, Leib, Gütern, Freiheiten u. s. w. trachten, oder die 
Städte in ihren Gewohnheiten beeinträchtigen wolle, als- 
dann jede Partei die andere mit Warnung, Rat, Leib und 
Gut auf Kosten des Stiftes unterstützen solle. 

Von langer Dauer ist auch diese Einung nicht ge- 
wesen, da die Vertragsurkunde an den Abt Friedrich, 
dessen Wahl im Jahre 1383 der Pflegschaft ein Ende 
machte, abgegeben werden mußte. Sie ist indessen von 
Wichtigkeit, da sie ihrem Inhalte nach den Übergang 
bildet zu dem vierjährigen Vertrage, den unmittelbar nach 
der Aufhebung des Westfälischen Landfriedens und offen- 
bar aus diesem Anlasse heraus am 12. März 1387 die Stadt 
Fulda, und wer sonst noch in die Einung kommen würde, 
mit den Städten des Bischofs Gerhard von Würzburg 
schloß. 2) Dem Wortlaut der Urkunde nach gab der ge- 

*) In § 7 der Einung wurde bestimmt, daß Stifte, Pröbste, 
Klöster, Convente, Pfaffen, Dörfer, Hofleute und üntersassen, die zu 
dem Stifte geboren seien, auf ihren Wunsch aufgenommen werden 
sollten. — Die Urkunde war nach der Anzahl der vorhandenen Siegel 
und Siegeleinschnitte zunächst auf 30 Teilnehmer berechnet gewesen. 
Aber auch hier war die Besiegelung noch nicht von allen Teilnehmern 
vollzogen, als die Urkunde dem Abte ausgeliefert wurde. 

*) In anderer Beziehung war dies Bündnis durch einen Vertrag 
vorbereitet, den der Landvogt des Bischofs Gerhard von Würzburg, 
Graf Günther von Schwarzburg, am 26. Juni 1383 mit den Pflegern 
des Stifts Fulda zur Sicherung der Straße geschlossen hatte. (Ausf. 
Stiftsarchiv Fulda, gedr. Schannat, Dioeces. Fuld. S. ^Vl >> 



— 226 — 

nannte Bischof, dessen Beziehungen zu seinen Stiftsstädten, 
insbesondere zu Würzburg, nicht günstiger waren, als in 
Hessen und im Fuldischen *), seine Zustimmung dazu, daß 
sich seine Städte Würzburg, Karlstadt, Iphofen u. s. w. 
mit dem Abte Friedrich von Fulda, mit seinem Kapitel 
und Stifte und mit der Stadt Fulda einigten, um Mord, 
Brand, ungerechtes Widersagen und widerrechtliche An- 
griffe zu verhüten. Sowohl der Bischof als der Abt treten 
in den näheren Bestimmungen der Einung zwar als Mit- 
kontrahenten neben den Städten auf, aber aus der Fas- 
sung der Urkunde und dem Inhalte der einzelnen Para- 
graphen ist zu entnehmen, daß die Initiative von den 
Städten ausgegangen war und daß nur die oben schon 
angedeuteten politischen Erwägungen die Landesherren 
veranlasst hatten, dem Bunde ihre Zustimmung zu geben. 
Der ständische Charakter der Einung geht noch deutlicher 
aus einem besonderen Vertrage hervor, den einige Tage 
später, am 16. März, Abt Friedrich und die Stiftsherren 
mit der Stadt Fulda schlössen. ^) Damals wurde eine mi- 
litärische Organisation zur Sicherheit des Landes verab- 
redet und in einem besonderen Schlußparagraphen auch 
auf die eben geschlossene Einung mit den fränkischen 
Städten Bezug genommen: der Abt suchte sich darin 
seinen Einfluß bei der Ausführung der dort festgesetzten 
Bestimmungen zu wahren und die Stadt mußte sich aus- 
drücklich verpflichten, sich der Einung nicht wider ihren 
Abt bedienen zu wollen. 

Der Zweck der fuldisch-fränkischen Einung war die 
Aufrechterhaltung des Landfriedens und gegenseitiger 
Schutz vor feindlichen Angriffen. Wird einem der Kontra- 
henten von irgend einer Seite Fehde angesagt, so sollen die 
übrigen zunächst versuchen, die Sache gütlich beizulegen. 
Schlägt der Friedensstörer die Verhandlung aus, so sollen 
alle Mitglieder der Einung ihm Fehde ansagen und dem 
Angegriffenen Hilfe leisten. Im einzelnen wird dann be- 
stimmt, wie die Aufmahnung der Einungsverwandten und 
die gegenseitige Hilfeleistung zu erfolgen haben und wie 
etwaige Zwistigkeiten zwischen fsänkischen und fuldischen 
Städten beigelegt werden sollen. 

So hatte sich aus den gegen die Übergriffe der Ter- 
ritorialherren gerichteten ständischen Einungsbestrebungen 

•) Vgl. Wegele, Fürstbischof Gerhard und der Städtekrieg im 
Hochstift Würzburg (1861) S. 9 ff. 

2) Ausf. Abt. Fulda, Stiftsarchiv. 



— 227 — 

innerhalb eines Territoriums ein Schutzbündnis der Städte 
zweier Territorien herausgebildet, das mit Zustimmung 
und unter Teilnahme der Herren zur Abwehr feindlicher 
Angriffe von außen her bestimmt war. Der Paragraph, 
daß die Einung nicht zu auswärtigen Kriegen dienen 
solle, war fallen gelassen worden, und dieses Fehlen cha- 
rakterisiert die Bedeutung der neuen Einung sehr we- 
sentlich. 

Es war begreiflich, daß Landgraf Hermann von 
Hessen dieser politischen Neubildung sein ganz besonderes 
Interesse zuwandte, und dies nicht allein wegen des schon 
angedeuteten Verhältnisses zu seinen eigenen Städten. 
Die Nachbarschaft der beiden Stifter Fulda und Hersfeld 
hatte er in dem letzten Fehdejahre aufs unangenehmste 
empfunden, denn es war dem Erzbischof Adolf gelungen, 
sich am 10. Februar 1383 und am 5. Juni 1385 zum Ver- 
weser der beiden Stifter wählen zu lassen ^), in der aus- 
gesprochenen Absicht, auf diese Weise im Kriege mit 
Hessen wichtige militärische Stützpunkte zu gewinnen. 
Wenn es dem Landgrafen glückte, seine Landstädte und 
die ihm befreundete Stadt Hersfeld ^) in die fränkisch- 
fuldische Einung zu bringen, so wurden die Bündnisse des 
Erzbischofs mit den beiden Stiftern zum guten Teile un- 
wirksam gemacht und die Interessen seiner Städte an das 
seinige geknüpft. Er begann alsbald mit den Verhand- 
lungen, zunächst mit den Städten seines eigenen Landes. 
Ein Tag in Spangenberg, am 24. März, scheint nicht den 
gewünschten Erfolg gehabt zu haben, denn bereits am 
14. April fand wieder ein Städtetag in Homberg statt ^), 
auf dem der Landgraf die Zustimmung seiner Städte ge- 
funden haben wird. Auf dem Fürstentag in Würzburg 
im Mai, den Hermann persönlich besuchte *), wird er dann 
mit dem Bischof Gerhard in Verhandlungen getreten sein % 
und die Reise nach Alsfeld vom 18. — 20. Mai ^) möchte 
ich ebenfalls mit diesen Bestrebungen in Zusammenhang 
bringen; vielleicht haben dort Verhandlungen mit Fulda 

*) Friedensburg a. a. 0. S. 102. 

•) Er hatte am 8. Juli 1888 mit ihr ein dreijähriges Bündnis 
geschlossen. Vgl. Friedensburg S. 108. 

3) Beil. Nr. 69. 

*) Abreise von Marburg am 3., Rückkehr um den 14 Mai, Beil. 
Nr. 82, 89. 

*) Vgl. auch Beil. Nr. 215, Ausgabe für einen am 1. Mai nach 
Würzburg geschickten Brief. 

«) Beil. Nr. 93, 95. 

N. F. BD. XXX. Vö 



— 228 — 

stattgefunden, über die der Land^af am 24. Mai nach 
Würzburg berichtet haben mag. ^ Unmittelbar darauf 
finden wir ihn in Hersfeld ^), wo er sich des Anschlusses 
dieser Stadt versichert haben wird. Wenige Wochen 
später fand abermals ein Tag in Hersfeld statt; damals 
suchte er auch das Stift Hersfeld dauernd an sich zu fes- 
seln, indem angesichts der bevorstehenden Neubesetzung 
des Abtstuhles der Abt Dietrich von Breitungen sich am 
23. Juni für den Fall, daß er die Abtei Hersfeld erlangen 
würde, verpflichtete, sich und das Stift mit dem Land- 
grafen, dessen Lande und mit der Stadt Hersfeld zu ver- 
binden. Die damals in Hersfeld tagenden Räte sollten 
die näheren Bestimmungen ausarbeiten. ^) Ob auch eine 
Reise, die der Landgraf um den 13. Juni nach Alsfeld 
unternommen hatte*), mit diesen Verhandlungen im Zu- 
sammenhange steht, läßt sich nicht mehr feststellen. Den 
Abschluß fand die bemerkenswerte politische Aktion Her- 
manns auf einem Städtetage in Fulda am 19. Juli^), an 
dem sich wohl nicht nur die Vertreter der hessischen und 
der fuldischen State Fulda und Brückenau % sondern auch 
solche der würzburgischen Städte beteiligt haben. 

Der Vertrag, dessen Inhalt damals festgestellt wurde '^), 
ist nach verschiedener Richtung bemerkenswert. Im all- 
gemeinen wurde der Text der fränkisch-fuldischen Einung 
vom 12. März zu Grunde gelegt, der aber doch in ein- 
zelnen Punkten wesentlich umgearbeitet worden ist. Land- 
graf Hermann vergönnte nach dem einleitenden Satze 
seinen Städten — genannt sind Kassel, Zierenberg, Span- 
genberg, Rotenburg, Melsungen, Gudensberg, Felsberg, 
Niedenstein, Marburg, Frankenberg, Grünberg, Alsfeld, 
Homberg (a. Ohm), Gießen und Kirchhain — , sich mit 
den (namentlich aufgezählten) Städten des Bischofs Ger- 
hard von Würzburg und des Abts von Fulda (genannt 
sind Fulda und Brückenau) zur Abwehr von Mord, Brand 
und ungerechtem Angriff zu vereinigen. Von der Stadt 
Hersfeld ist gesagt, daß sie sich mit Zustimmung des Land- 
grafen und seiner Städte in die Einung begeben habe, 



») Beil. Nr. 219. 
«) Beil. Nr. 100. 

') Urkunde im Samtarchive Schubl. 58 Nr. 3. Abt Dietrich ge- 
hörte dem Geschlecht von der Kere an. 
*) Beil. Nr. 114 

^) Der Landgraf ritt am 16. Juli dorthin ab. Beil. Nr. 124. 
•) Diese sind in dem gleich zu erwähnenden Vertrage genannt. 
') Staatsarchiv Marburg, Gen. Rep. Kassel. 



— 229 — 

deren Dauer ebenfalls wie die vom 12. März auf vier 
Jahre festgesetzt wurde. Die Art, wie die Aufmahnung 
erfolgen sollte, wurde wesentlich vereinfacht, was zum 
Teil wohl durch die größere Ausdehnung des in der 
Einung begriffenen Bezirks bedingt war. Wenn die hes- 
sischen Städte von den fränkischen und fuldischen Hilfe 
begehrten, so sollten diese der Aufforderung nach Alsfeld 
P'olge leisten. Auch die Zahl der Hilfstruppen wurde auf 
eine bestimmte Glevenzahl normiert: die fränkisch-fuldischen 
Städte sollten hundert Mann mit Gleven stellen, die hes- 
sischen achzig. 

Der bedeutsamste Unterschied der neuen Einung von 
der früheren ist aber darin zu erblicken, daß der Land- 
graf als mitwirkender Faktor ganz zurücksteht. Während 
in dem Vertrag vom 12. März die beiden geistlichen Ter- 
ritorialherren als Mitkontrahenten fungieren und u. a. auch 
das Recht hatten, die andere Partei zur Hilfeleistung auf- 
zubieten, steht in dem von dem Landgrafen so eifrig ge- 
förderten neuen Bündnisse diesem das Recht der Auf- 
mahnung nicht zu, nur seine Städte können die vertrags- 
mäßige Hilfe fordern. Daß man Bedenken trug, den Land- 
grafen selbst in die Einung aufzunehmen, erklärt sich zur 
Genüge aus dem Verhältnis, in welchem die Stifter Fulda 
und Hersfeld zum Erzbischof Adolf standen. Man scheute 
sich offenbar, in eine Verpflichtung zur Kriegshilfe gegen 
den mächtigen Praelaten einzugehen, den man wenige 
Jahre vorher zum Verweser der Abteien gemacht hatte. ^) 
Auch ist bemerkenswert, daß die Stadt Hersfeld in der 
Einung ausdrücklich die Markgrafen Balthasar und Wil- 
helm ausnahm, gegen die sie zur Zeit in keinem Bünd- 
nisse sein wollte. 

Über die tatsächliche Wirksamkeit dieses als verfas- 
sungsrechtliche Erscheinung interessanten Bündnisses ist 
uns nichts bekannt. Wir wissen nicht, ob in dem kurz 
d?^rauf ausbrechenden Kriege der Versuch gemacht worden 
ist, die Vertragsstädte zur Hilfe gegen die Fürsten von 
Mainz, Thüringen und Braunschweig aufzubieten. Freilich 
vollzog sich der Überzug auch so schnell, daß jede Hilfe 
zu spät gekommen wäre. Es muß auch hervorgehoben 
werden, daß die Form, in der die Einungsurkunde über- 
liefert ist, überhaupt keine unbedingte Gewähr dafür gibt, 
daß der Vertrag wirklich rechtsgültig geworden ist. Wir 
besitzen nämlich nur das Konzept der vom Landgrafen 

^) S. o. S. 227. 



— 230 — 

ausgestellten Urkunde, worin er seine Zustimmung zu der 
von seinen Städten zu schließenden Einung gibt. Das 
ausgefertigte Exemplar dieser Urkunde, das etwa in den 
Besitz der Stadt Kassel gelangt sein müßte, oder die 
Einungsurkunde selbst, die in mindestens drei Exemplaren 
für jede der beteiligten Parteien ausgefertigt sein würde, 
hat sich nicht erhalten. ^). 

Während die bisher unbekannten und deshalb hier 
ausführlicher besprochenen Städteeinungen und die damit 
im Zusammenhange stehenden Verhandlungen des Land- 
grafen mit seinen Städten und mit denen benachbarter 
Territorien hauptsächlich durch die Aufhebung des West- 
fälischen Landfriedens veranlaßt waren und den Zweck 
verfolgten, die nachteiligen Wirkungen dieser Maßregel im 
Kriegsfalle auszugleichen, war Landgraf Hermann inzwi- 
schen noch .auf andere Weise bemüht, der aggressiven 
mainzischen Politik und dem Eschweger Abkommen vom 
27. und 30. März des Jahres entgegenzuarbeiten.^) Ob 
und in welcher Weise er den Versuch gemacht hat, auf 
den Fürsten tagen zu Würzburg und Forchheim, die er 
persönlich besuchte^), die Hilfe des Reiches gegen den 
Erzbischof und seine Verbündeten anzurufen, ist unbe- 
kannt. Erwähnt muß aber werden, daß er in diesen Mo- 
naten, die dem Kriege vorhergingen, auch mit König 
Wenzel in Verhandlungen stand. Wir erfahren, daß sein 
Rat Dietleib v. Einbeck bei dem König war, von dem er 
Anfang Juni eine Antwort zurückbrachte'*), und wir finden 
am 17. August einen Boten des Königs bei dem Land- 
grafen in Marburg. ^) Die letztere Botschaft wird wohl 
mit dem Auftrage zusammenhängen, den am 22. Juli König 
Wenzel dem Landgrafen erteilt hatte, nämlich die Hul- 
digung der Stadt Göttingen wegen des ihr erteilten Reichs- 



*) Andererseits spricht das feste Datum der überlieferten Ur- 
kunde (Juli 19) dafür, daß wir keinen bloßen Entwurf, sondern ein 
für die Ausfertigung bestimmtes Konzept vor uns haben. 

*) Ich verweise hier im allgemeinen auf die Ausführungen Friedens- 
burgs im elften Bande (N. F.) der Zeitschrift S. 167 ff. 

*) Er ritt am 3. Mai von Marburg ab und kehrte um den 18. 
von Würzburg zurück (Beil. Nr. 83, 89); zum Forchheimer Tag, der 
ursprünglich ebenfalls in Würzburg abgehalten werden sollte, scheint 
er um den 13. Juni in Begleitung seines Rates Dietleib von Einbeck 
über Alsfeld geritten zu sem (Beil. Nr. 114). Am 30. Juni finden wir 
ihn in Würzburg (Nr. 226) und am 4. Juli kehrte er nach Marburg 
zurück (Nr. 123). 

*) Beil. Nr. 223. 

») Beil. Nr. 129. 



— 231 — 

lehens zu Grone in Stellvertretung des Königs entgegen- 
zunehmen. ^) Immerhin ist auch dieser Auftrag kennzeich- 
nend fär die damaligen Beziehungen zwischen beiden, wie 
auch für die Stellung des Königs in dem erbitterten 
Kampfe des Herzogs Otto mit der Stadt Göttingen. 

Aber weder die Gunst des Königs noch .die vermit- 
telnde Tätigkeit einiger dem Landgrafen wohlgesinnter 
Reichsfürsten haben ihn vor dem Angriff seiner Gegner 
bewahrt. Die Verhandlungen auf den Fürstentagen in 
Würzburg und in Forchheim mußten erfolglos bleiben 
nicht allein wegen des für Balthasar ungünstigen Spruches 
der Schiedsrichter 2), sondern vor allem weil dieser sich 
an das Eschweger Abkommen vom 28. und 30. März ge- 
bunden hielt. Daß der Erzbischof so lange mit seinem 
Angriff zögerte und daß Markgraf Balthasar sich über- 
haupt in weitschweifige Verhandlungen einließ, war wohl 
hauptsächlich durch die eben erwähnte Fehde veranlaßt, 
die der dritte Verbündete, Herzog Otto von Braunschweig, 
damals gegen seine Stadt Göttingen ausfocht und an der 
auch der Erzbischof wie Markgraf Balthasar als Verbün- 
dete des Herzogs beteiligt waren. ^) Nach dem Friedens- 
schluss vom 8. August *) säumte er indessen nicht länger, 
den Landgrafen mit erdrückender Übermacht anzugreifen. 
Unterm 18. August sandte er von Eltville aus seinen 
Fehdebrief und am 25. desselben Monats marschierte er 
in Hessen ein. 

Auf die Geschichte dieses kurzen, aber für den Land- 
grafen verhängnisvollen Feldzugs, der schon am 10. Sep- 
tember in den an diesem Tage geschlossenen Waffenstill- 
standsverträgen ^) sein Ende fand, wirft auch die Mar- 
burger Rentmeisterrechnung einige Streiflichter, die eine 
nochmalige kurze Besprechung rechtfertigen.^) 

Zunächst ist es wichtig, sich das Itinerar des Land- 
grafen und seiner Gemahlin Margarethe zu vergegenwär- 
tigen. Seitdem das landgräfliche Paar am 7. Februar von 
Marburg nach Niederhessen abgereist war '), blieb Mar- 



^) Sudendorf, Urkundenbuch Bd. VI S. 201. — Fast gleichzeitig 
war auch ein Göttinger Bote beim Landgrafen (Beil. Nr. 232). 

«) Bei Friedensburg a. a. 0. S. 167 ff. das Nähere. 

8) Friedensburg a. a. 0. S. 166. 

*) Sclimidt, Göttinger Urkundenbuch I Nr. 828 S. 855. 

*) Mit Mainz und braunschweig einer-, mit Thüringen anderer- 
seits. Friedensburg a. a. 0. S. 272 Nr. 17 und S. 276 Nr. 18. 

*) Vgl. die Untersuchung von Friedensburg a. a. 0. S. 177. 

») Beil. Nr. 88. 



— 232 — 

garethe dauernd dort, meist wohl in Kassel, wo ihr Auf- 
enthalt am 24. März bezeugt ist. ^) Auch der Landgraf war 
im nächsten halben Jahre immer nur auf kurze Zeit, haupt- 
sächlich bei Gelegenheit seiner Reisen nach Franken, in 
Marburg anwesend. ^) Am 10. August traf er über Hom- 
berg abermals dort ein und er blieb nun in Oberhessen 
bis zum Ende der Fehde und noch einige Zeit nach dem 
Abschlüsse des Waffenstillstandes. 

Es ist nicht anzunehmen, daß dem Landgrafen die 
Absichten seines Feindes lange verborgen geblieben seien 
und daß er sich von dem Angriffe habe überraschen lassen, 
und so dürfen wir auch den weiteren Schluß ziehen, daß 
seine Entfernung von dem voraussichtlichen Kriegsschau- 
platze auf einen wohlüberlegten Plan zurückging. Den 
Hauptgrund werden wir wohl in dem geringen Ver- 
trauen suchen dürfen, das er in die Treue der niederhes- 
sischen Städte, vor allem der Kasseler Bürger setzte. Die 
Erfahrungen des Jahres 1385, namentlich das von Esch- 
wege gegebene Beispiel^) werden ihn argwöhnisch ge- 
macht haben, und die Zukunft lehrte, daß sein Mißtrauen 
nicht ungerechtfertigt war, daß vielmehr eine einflußreiche 
Partei in Kassel nicht davor zurückschreckte, die Stadt in 
die Hände Balthasars von Thüringen zu spielen. So be- 
gab er sich also nach Oberhessen, wo die Stimmung für 
ihn wesentlich günstiger war*), und wartete dort die Er- 
eignisse ab. Am 18. August ritt er von Marburg nach 
Gießen ^), vielleicht um dort die nötigen Vorbereitungen 
für einen von Süden her drohenden mainzischen Angriff 
zu treffen und am 19. erhielt er die Nachricht nicht nur 
von der Kriegserklärung des Erzbischofs, sondern auch, 
daß der Angriff sich gegen Kassel richten werde. ®) Be- 
reits am nächsten Tage (20." August) ritt er von Gießen 



^) Beil. Nr. 204; vgl. Nr. 49 Anm. 

^) Sein Itinerar ist folgendes : März 24 Spangenberg (Beil. Nr. 49), 
März 30 Kassel (Nr. 205), Apr. 14 Homberg (Nr. 69), Apr. 29 bis Mai 3- 
Marburg (Nr. 74, 82), Mai 3—14 Reise nach Würzburg, Mai 14—18 
Marburg (Nr. 89, 93), Mai 18—20 Alsfeld, Mai 20—24 Marburg (Nr. 95, 
99), Mai 24 Reise über Hersfeld nach Kassel (Nr. 99), Juni 6, 7 Kassel 
(Nr. 223, 224), Juni 13 Alsfeld (Nr. 114), Juni 30 Würzburg (Nr. 226), 
Juli 1—2 Forchheim, Juli 4-16 Marburg (Nr. 123, 124), Juli 16-19 
Reise nach Fulda, Juli 21 Kassel (Nr. 228), Aug. 10 Homberg (Nr. 126). 



*) Friedensburg S. 121 f. 



Dies geht aus der Stellung der oberhessischen Städte zum 
Ungeld 1375 hervor. Vgl. o. S. 221. 
») Beil. Nr. 130. 
•) Beil. Nr. 236. 



— 233 — 

nördlich nach Kirchhain und entließ von dort am 21. August 
die ihm zur Verfügung stehenden Truppen nach Nieder- 
hessen ^), während er selbst nach Gießen zurückkehrte und 
von dort am 23. wieder in Marburg eintraf, ^j 

Wir haben Kenntnis von einigen weiteren Maßregeln 
die er von hier aus zur Verstärkung der niederhessischen 
Besatzungstruppen vornahm. Bereits am 17. August hatte 
er Fritz v. Felsberg und Heinrich Ruwenthal nach Kassel 
abgesandt. ^) Am 27. August versuchte er zwei andere 
Anhänger Dietrich Milchling und Ludwig Baldemar nach 
Rotenburg zu schicken^), aber zu spät, denn tags vorher 
war die Stadt in die Hände seiner Gegner gefallen. Auch 
sonst war er tätig, Helfer gegen seine Feinde zu gewin-: 
nen. Am 27. August gelobten ihm Eckart v. Bienbach 
und dessen gleichnamiger Vetter Hilfe mit 6 Gleven gegen 
die drei Fürsten, wogegen ihm die Ämter Alsfeld, Grün- 
berg und Romrod für 400 Gulden verpfändet wurden^), 
und am 5. September trafen 200 Mann oberhessischer 
Hilfstruppen in Marburg ein, die am 7. nach Niederhessen 
weiter ritten ^), hierunter vielleicht auch das Kontingent 
des Grafen Otto von Nassau, der tags zuvor bei dem 
Landgrafen erschienen war. ') Ein weiterer Nachschub 
sollte aus Homberg a. Ohm entboten werden ^), da traf 
die Nachricht von dem am 10. September geschlossenen 
Waffenstillstand ein. Die Homberger Truppen wurden 
zurückbeordert und am 13. September kehrten auch schon 
die zur Verstärkung von Kassel abgesandten übrigen ober- 
hessischen Truppen zurück.^) 

über die Quellen des Krieges, der sich inzwischen 
in Niederhessen abgespielt hatte, hat Friedensburg ein- 

1) Beil. Nr. 131, 132. 

2) Beil. Nr. 135. 

3) Beil. Nr. 129. Über Fritz v. Felsberg vgl. Zeitschr. N. F. XIX 
S. 42 Nr. 71, S. 43 Nr. 79, S. U Nr. 90. 

*) Beil. Nr. 137. Über Dietrich Milchling vgl. Zeitschr. N.F. XIX 
S. 159 Nr. 22, S. 175 Nr. 152. 

*) Vgl. Friedensburff a. a. 0. S. 175. 

•) Beil. Nr. 140, 142. Besonders genannt werden Johann v. 
Breidenbach und Johann v. Dernbach gen. Gruwel. Vgl. auch Nr. 243. 

') Beil. Nr. 139. Ob die in dieser Zeit mit dem Grafen Engel- 
bert von der Mark geführten Verhandlungen ebenfalls eine Hilfeleistung 
betrafen, ist ungewiß. Vgl. Nr. 138, 243. 

«) Beil. Nr. 245. 

^) Beil. Nr. 147. Unter den von Kassel zurückkehrenden „Ge- 
sellen" sind wohl die am 21. August und am 5. September abgesandten 
Truppen gemeint. 



— 234 — 

gehend gehandelt. ^) Wir besitzen chronikalische Nach- 
richten mit genauen Tagesangaben, die auf die Aufzeich- 
nungen eines Augenzeugen zurückgehen. Der Pfarrer 
Heinrich Goldammer zu BurgufFeln hat sie auf der Biblio- 
thek in Erfurt eingesehen und sich Notizen gemacht, denen 
er folgende Angabe hinzugefügt hat ^) : „Dit alle het mester 
Dietherich Shwarten in den sefen künsten und in der 
arznei doctor und prester mit shriggenden ogen ange- 
sehen." Dieser Dietrich Swarten (Schwarzen, Schwarz) 
läßt sich mit Bestimmtheit als Zeitgenosse, ja fast als 
Augenzeuge der von ihm geschilderten Ereignisse ur- 
kundlich nachweisen. Er war Kanonikus des Kasseler 
Martinstiftes und kommt in dessen Registern wiederholt 
gerade in den betreffenden Jahren vor.^) Seine Nachrichten 
sind also als durchaus zuverlässig anzusehen. Sie liegen 
in ihrer einfachsten Gestalt und offenbar auch in reiner 
Überlieferung in Goldammers kurzen Notizen *) vor, die also 
solange für uns Gültigkeit haben müssen, als nicht unlös- 
bare Widersprüche oder beweiskräftigere Quellen dagegen 
sprechen. Danach zog am 25. August der Erzbischof mit 
seinen Verbündeten in Hessen ein, nahm am 26. Burg und 
Stadt Rotenburg, am 27. Melsungen und erschien am 28. 
vor Kassel. Am 29. August begann die Beschießung 
dieser Stadt mit Büchsensteinen und Feuerpfeilen, am 2. 
September wurde Gudensberg verbrannt und am 3. Sep- 
tember Niedenstein eingenommen. 

Friedensburg hat die Frage aufgeworfen % wie die 
Zeit vom 2. — 9. September, also von der Einnahme Gu- 
densbergs bis zum Friedensschlüsse, ausgefüllt worden sei. 
Da Erzbischof Adolf am 9. September „in campis prope 
Furschutz", also ganz in der Nähe von Gudensberg, ur- 
kundet^), möchte Friedensburg unsere Quelle dahin be- 
richtigen, daß Adolf nicht am Montag nach Aegidii, dem 
2. September, sondern am zweiten Montage danach, d. h. 

^) A. a. 0. S. 177 ff. 

2) Friedensburg a. a. 0. S. 311. 

^) Ich ciliare einen Eintrag des uns hier beschäftigenden Jahres 
1387. Im Verzeichnis der an die Kanoniker zu zahlenden Präbenden 
heißt es : „Item magistro Tilmanno Swarzen 3 ml. partim, 6 quartalia 
sihginis et 5 quartalia avene". Tilmann ist eine Koseform für Dietrich. 
Vgl. außerdem Pistor in Bd. XVII N. F. dieser Zeitschrift S. 101 Anm. 

*) Wiederabgedruckt von Friedensburg a. a. 0. S. 310 f. -— In 
einer anderen Überlieferung scheinen die Aufzeichnungen des Kasseler 
Kanonikers von Lauze, der Kasseler Congeries und der hessischen 
Reimchronik benutzt zu sein. Vgl. Friedensburg S. 180. 

») A. a. 0. S. 185. 

*) Friedenshmg S. 181 



— 235 — 

dem 9. September, vor Gudensberg erschienen sei und die 
Stadt abgebrannt habe. Er findet eine Bestätigung in der 
Nachricht Lauzes, daß die Belagerung Kassels einen Mo- 
nat gedauert habe, und meint dieser wenn auch übertrie- 
benen Angabe liege die Erinnerung an eine doch nicht 
ganz kurze Belagerung Kassels zu Grunde. Nun ist aber 
die Nachricht Lauzes offenbar gedankenlos aus Gersten- 
berg übernommen, der, und zwar zum Jahre 1385, von 
einer einmonatigen Belagerung Kassels spricht, während 
seine Vorlage, die Limburger Chronik, damit die Dauer 
des ganzen Krieges angeben will ^), und dann ist Adolf 
tatsächlich nicht erst am 9. September vor Gudensberg 
(bei Vorschütz) nachweisbar, sondern bereits am 8. dieses 
Monats. ^) Die scheinbare Schwierigkeit ist auch leicht 
zu lösen, ohne den Aufzeichnungen des Augenzeugen Ge- 
walt anzutun, wenn wir uns den Verlauf folgendermaßen 
vorstellen. Am 28. August kam das Heer vor Kassel 
an. Die erfolglose Belagerung dauerte bis zum 2. Sep- 
tember, denn an diesem Tage datierte der Erzbischof noch 
„in campis prope oppidum Cassele"^). Er brach dann auf 
und äscherte noch selben Tages Gudensberg ein. Hierzu 
würde die vielleicht auf eine ausführlichere Überlieferung 
unseres Augenzeugen sich stützende Angabe Lauzes stim- 
men, Gudensberg sei am Montag nach Aegidii „im Ab- 
zug** (von Kassel) erobert worden.*) Am Dienstag dem 
3. September fiel Niedenstein. Dann kehrte der Bischot 
um und lagerte sich etwa am 4. bei Vorschütz, um die 
Oberburg bei Gudensberg, die dem Anstürme widerstanden 
hatte, zu belagern. Gleichzeitig werden auch die Waffen- 
stillstandsverhandlungen begonnen haben, die, wie erwähnt, 
am 10. September ihren Abschluß fanden. 

Die Nachricht von dem Widerstand der Obernburg 
unter dem Ritter Engelbrecht von Grifte verdanken wir 
dem Chronisten Johannes Nuhn ^), der zwar seine Quelle 

*) Landeschronik S. 274 (nach der demnächst erscheinenden 
Ausgabe Diemars). Vgl. auch das. Anm. 6. 

') Er richtete an diesem Tage ein Schreiben an die Stadt Göt- 
tingen. Ausf. im Stadtarchiv zu Göttingen. (Freundliche Mitteilung 
von Dr. Vigener-Gießen). 

*) Schreiben an Göttingen, vgl. die vor. Anm. 

*) Friedensburg a. a. 0. S. 308. 

*) In der bisher als anonym bezeichneten thüringisch-hessischen . 
Chronik bei Senckenberg, Selecta juris et historiarum III S. 395. Pistor 
hat Nuhn als den Verfasser nachgewiesen in dieser Zeitschr. Bd. XVIll 
S. 155. Auf Nuhn geht auch die gleiche Angabe der Casseler Con- 
geries und der Reimchronik zurück. 



— 236 — 

nicht nennt, dessen Angabe aber in doppelter Weise ge- 
stützt wird. Nur durch seine Nachricht wird es erklär- 
lich, daß in dem Friedensvertrage Gudensberg nicht an 
die Eroberer abgetreten zu werden brauchte, und dann 
erfahren wir, daß unmittelbar nach der Ankunft des Land- 
grafen in Niederhessen ^), am 1. Oktober, dieser dem ge- 
nannten Ritter Burg und Stadt Gudensberg für 20 Mark 
verpfändet hat. ^) Wir können die niedrige Summe des 
Pfandpreises nicht anders erklären, als durch die Annahme, 
daß dem tapferen Verteidiger der Burg in dieser Form 
eine Belohnung zuerkannt worden sei. ^) 

Die Erwähnung Eckebrechts v. Grifte führt uns auf 
eine Erzählung, die Nuhn an einer anderen Stelle bringt 
und zwar im Zusammenhang mit einer angeblichen frü- 
heren Belagerung von Gudensberg durch Erzbischof Ger- 
lach von Mainz. Er berichtet in demselben anonym er- 
schienenen Werke, dem wir die eben erwähnte Nachricht 
entnommen haben, im Anschluß an die Erzählung von 
der zweimaligen Verheiratung des Landgrafen und von 
dem männlichen Charakter der Landgräfin Margarethe*) 
folgendes ^). Die Erzbischöfe Gerlach und Adolf von 
Mainz seien Feinde des Landgrafen gewesen. Dieser 
habe aber mit Ehren bestanden. Im Jahre 1368 sei Land- 
graf Hermann „nicht mit großem glimpf" befehdet worden. 
Erzbischof Gerlach nämlich, der die Mauer zu Gudensberg 
zerbrach, hätte die Burg auch gern gewonnen. „Nun war 
auf der Wenigenburg ein edelman, der hies Hen von 
Weren, und die Wenige Burg war eine gute festen, aber 
der bischof redete mit dem von Weren so viel daß er die 
Wenige Burg übergab. Da vermeinte der bischof nicht 
abzuziehen, er hette dann das rechte schloß in seiner ge- 
walt, aber der darauf amptmann war. Engelbrecht von 
Griften genant, der wolte es nicht merken, sondern er 
wehrete sich wie ein held. Da kam die landgräfin und 
forderte ihn und wolte dem bischof um friedens willen 
das schloß übergeben. Der amtmann sprach: »Gnedige 
frau, hebt euch nur halt, oder ich werde zu euch ein- 

*) Am 22. Sept. reiste er von Marburg nach Niederhessen (Beil. 
Nr. 158) und war um den 24.-26. Sept. in Felsberg (Nr. 246, 247). 

2j Urk. im Staatsarchiv Marburg Abt. Schuldverschreibungen. 
Landau (Ritterburgen IV S. 188) gibt irrig den 20. Okt. an. 

*) So auch Landau a. a. 0. 

*) „Die regierte mehr dann der herr." Derselbe Ausdruck findet 
sich auch in Nuhns Chronik bei Senckenberg V, S. 439. 

ö) Senckenberg a. a. 0. III S. 369. 



— 237 — 

werfen und schießen als zu dem feind, und kerne mein 
gnediger herr selber, er solte in dieser not nicht herauf. 
Ich getraue zu gott, dieses schloß meinem herrn wohl zu 
erhalten, bis es frieden wird, alsdann will ich wie ein 
biedermann und nicht eher überlassen«. So mußte der 
bischof heim ziehen." Hieran knüpft der Chronist noch 
die Erzählung, daß nach dem Aussterben des Geschlechts 
der von Holzhausen die diesen gehörige Hälfte des 
Schlosses Falkenstein nicht an das verwandte Geschlecht 
der Hunde, die die andere Hälfte besaßen, gefallen sei, 
sondern daß der Amtmann von Gudensberg als Lohn für 
seine Verteidigung der Burg (Gudensberg) gegen Erz- 
bischof Gerlach das heimgefallene Lehen erbeten und er- 
halten habe. 

Daß diese von Nuhn in das Jahr 1368 gesetzten Er- 
eignisse damals nicht stattgefunden haben können, kann 
keinem Zweifel unterliegen. Wir besitzen keine weitere 
Nachricht über eine mainzisch-hessische Fehde dieser Zeit, 
wir wissen vielmehr, daß am 21. Februar desselben Jahres 
der Erzbischof ein Bündnis mit Heinrich II. gegen die 
Grafen von Waldeck schloß, i) Daß Erzbischof Gerlach 
den im Jahre vorher von Heinrich als Mitregent aufge- 
nommenen Landgrafen Hermann allein befehdet habe, ist 
ganz undenkbar, und schließlich war Hermann zwar seit 
dem März des Jahres 1368 verheiratet, aber seine Gemah- 
lin, Johanna von Nassau, war damals noch so jugendlich % 
daß sie kaum die oben geschilderte Rolle gespielt haben 
könnte. Überhaupt scheint der Chronist bei seiner Erzäh- 
lung Hermanns zweite Frau Margarethe im Auge zu 
haben. Da nun die zweite Eheschließung des Landgrafen 
erst im Oktober 1383 stattfand % so sind die geschilderten 
Ereignisse, wenn sie überhaupt stattgefunden haben, in 
die Zeit des Erzbischofs Adolf zu setzen, und da im Jahre 
1387 zum ersten Male Gudensberg von dem Erzbischof 
belagert und die Oberburg von Eckebrecht von Grifte 
verteidigt worden ist, so darf angenommen werden, daß 
Johannes Nuhn durch Benutzung verschiedener Quellen 
verleitet worden ist, aus demselben Ereignis zwei ver- 
schiedene und zeitlich weit auseinanderliegende Begeben- 
heiten zu machen.*) 

») Wenck, ÜB. II Nr. 412. 

*) Sie war kaum 18 Jahre alt. Diemar in dieser Zeitschr. N. F. 
XXVII S. 22. 

8) Diemar a. a. 0., Zeitschr. N. F. XIX S. 15. 

*) Daß diese Arbeit Nuhns eine ziemlich mechanische Kota^i- 



— 238 — 

Daß die Ungenauigkeit in der Zeitangabe ein übeles 
Licht auf die Zuverlässigkeit der ganzen Erzählung wirft 
und daß dieser überhaupt ein stark anekdotenhaftes Ge- 
präge anhaftet, kann nicht geleugnet werden ^). Das be- 
rechtigt uns jedocht nicht, sie vollständig in das Gebiet der Er- 
findung zu verweisen ^), um so weniger, als ganz bestimmte 
Persönlichkeiten genannt werden. Unsere Aufgabe ist es 
vielmehr zu untersuchen, ob und wie weit die Angaben 
des Chronisten mit den aus zuverlässigen Quellen fließenden 
Tatsachen übereinstimmen. Auf diese Weise ist es nicht 
nur möglich, einen etwa vorhandenen historischen Kern 
aus der uns hier interessierenden Erzählung herauszuschälen, 
sondern wir gewinnen auch überhaupt ein Urteil über die 
Glaubwürdigkeit der Quellen, aus denen Nuhn seine An- 
gaben genommen hat. 

Es ist schon darauf hingewiesen worden, daß Nuhn 
seine Kenntnis von der Verteidigung der Obernburg aus 
zwei verschiedenen Quellen geschöpft haben muss und 
daß diese Nachricht durch andere, urkundliche Zeugnisse 
gestützt wird. Außerdem aber bringt uns die ausführ- 
lichere Erzählung Nuhns eine Reihe neuer Momente, näm- 
lich das Eingreifen der Landgräfin Margarethe, die Über- 
gabe der Wenigenburg durch Henne v. Wehren und die 
Belohnung Eckebrechts v. Grifte durch heimgefallene Holz- 
hausische Lehen. Was zunächst die die Landgräfin zuge- 
schriebene Rolle betrifft, so ist festzustellen, daß die äußere 
Möglichkeit dafür gegeben ist. Wir sahen bereits^), daß 
sie vor Beginn des Krieges ihrem Gemahl nicht nach 
Oberhessen gefolgt, sondern in Niederhessen zurückge- 
blieben ist. Ich habe an einer anderen Stelle*) darauf 



lation aus verschiedenen Werken ist, hat bereits Pistor (Zeitschr. N. F. 
XVIII S. 154) betont. Nuhn hält übrigens hier die beiden Verteidi- 
digungen der Burg durch Eckebrecht v. G. mit Bewußtsein ausein- 
ander, da es bei der zweiten Erzählung auf die frühere verweist. — 
Während Rommel noch die beiden Erzählungen auseinanderhält (Hd. II 
S. 174), haben die späteren Autoren (Landau, Friedensburg, Brunner) 
die oben wiedergegebene Erzählung auf das Jahr 1387 bezogen. 

M Die angebliche Antwort Griftes an die Landgräfin erinnert 
lebhaft an die Worte, die 1548 Heinz v. Lüder dem Grafen Reinhard 
von Solms gegenüber ausgesprochen haben soll. 

*) So Friedensburg a. a. 0. S. 186. Vgl. dagegen Brunner in 
den Mitteilungen des Vereins Jahrg. 1897 S. 89 ff. Daß die Erzählung 
dem „Geist der Zeit" wiederspreche, wie Friedensburg behauptet, kann 
ich nicht zugestehen. 

" S. 231 f 

Zeitschr. N. F. XIX S. 104, 148. 



? 



— 239 — 

hingewiesen, daß diese mutige und tatkräftige Fürstin 
ihren Gemahl, wenn er einmal in einem anderen Landes- 
teil weilte, wiederholt vertreten und selbst strategische 
Dispositionen getroffen hat. Man wird daher annehmen 
dürfen, daß sie auch in diesem Feldzuge mit der Absicht 
in Niederhessen geblieben ist, um dort die Verteidigungs- 
maßregeln zu überwachen. Und nicht nur das. Wir kön- 
nen aus den Angaben unserer Rechnung entnehmen, daß 
der Landgraf auch den Waffenstillstandsverhandlungen 
fern geblieben ist, daß er sich, abgesehen von zwei kurzen 
Reisen nach Wolkersdorf und Frankenberg am 7. und 19. 
September ^), dauernd in Marburg aufgehalten hat. Die 
Stipulierung der Friedensbedingungen wird demnach eben- 
falls in den Händen der Landgräfin gelegen haben. ^) Da 
der Verbleib der eingenommenen Städte Rotenburg, Mel- 
sungen und Niedenstein in der Gewalt der Eroberer selbst- 
verständlich war, so müssen sich die Verhandlungen haupt- 
sächlich um den Besitz von Gudensberg gedreht haben. 
Da aber der Besitz dieser Stadt ohne die beherrschende 
Obernburg für den Erzbischof zwecklos war, so wird er 
bei den Verhandlungen mit Margarethe versucht haben, 
die Feste in seine Hand zu bekommen und die Land- 
gräfin wird mit Eckebrecht v. Grifte über diesen Punkt 
verhandelt haben. Damit wird der historische Kern der 
von Nuhn überlieferten Erzählung bezeichnet sein. Daß 
die Landgräfin Eckebrecht v. Grifte zugeredet 'habe, die 
Burg zu übergeben, ist wenig wahrscheinlich, da es doch 
gerade im Interesse des Landgrafen lag, die Burg, von 
der der Besitz der Stadt abhing, bis zum Abschluß der 
Verhandlungen zu halten. ^) 

^) Heil. Nr. 142, 150. Jedenfalls handelte es sich bei diesen 
Reisen um den Erwerb der Burg von den v. Bicken. Vgl. Friedens- 
burg a. a. 0. S. 217 Anm. 1 u. 2. 

*) Sie wurde beraten von Tile Wolf v. Gudenberg, Werner v. 
Hanstein, Tile v. Falkenberg, Wigand v. Gilsa, Tile v. Eiben, Henne 
V. Hreidenbach und Hermann v. Holzheim, die in der Friedensurkunde 
vom 10. September als Bürgen auftreten. Friedensburg a. a. 0. S. 275. 

*) Über die Teilnahme der Landgräfm an den kriegerischen Er- 
eignissen dieser Zeit berichtet übrigens noch eine zweite, von dem 
Gewährsmann Nuhns unabhängige Quelle. Gerstenberg und Lauze, 
dieser zum Jahre 1388 (Friedensburg S. 808), jener zum Jahre 1885 
(Ausg. von Diemar S. 274), erzählen nach der verlorenen Hessen- 
chronJk, bei einer Belagerung Kassels durch die drei verbündeten 
Füi^sten sei die Landgräfin nach zwei Tagen aus der Stadt gekommen 
und habe den Markgrafen dermaßen mit Vorwürfen überhäuft, daß 
dieser alsbald die Belagerung aufgehoben habe. Friedensburg (S. 204) 
will auch diese Erzählung verwerfen. Es ist aber darauf hinzuweisen, 



— 240 — 

Über die Kapitulation der Wenigenburg an den Erz- 
bischof besitzen wir keine weiteren Nachrichten. Es ist 
auch nicht nachzuweisen, daß Henne v. Wehren ^) die 
Verteidigung der Burg von dem Landgrafen anvertraut 
worden ist. Dagegen finden wir einige Zeit später einen 
Henne v. Wehren in des Landgrafen Gefangenschaft, er 
wird am 18. August 1402 von diesem auf vier Wochen 
entlassen und verpflichtet sich nach Ablauf dieser Zeit 
wieder in der Burg zu Kassel einzureiten. Zwei Jahre 
später, am 2. Juni 1404, geloben Henne und sein Sohn 
Tiele dem Landgrafen Urfehde und versprechen, daß die 
noch unmündigen Söhne Hennes, Henne und Hermann, 
später ebenfalls Urfehde schwören sollen. ^) Unter Land- 
graf Ludwig finden wir die Kinder wieder in der Gunst 
ihres Landesherren: die Gebrüder Tiele und Henne v. 
Wehren werden am 23. März 1433 mit einem Burglehen 
zu Gudensberg und verschiedenen anderen Gütern be- 
lehnt. 3) 



daß im Jahre 1388 nach den Schwarz-Goldammer sehen Nachrichten 
Balthasar und Herzog Otto der Quade mit dem mainzischen Amtmann 
Kurt Spiegel tatsächlich nur zwei Nächte vor Kassel gelegen haben. 
Wenn in Lauzes Bericht gesagt wird, daß die Landgräfm in ihrer 
Rede darauf hingewiesen habe, sie und ihr Gemahl seien jetzt nicht 
mehr ohne Leibeserben, so wird dieser Ausspruch gerade durch un- 
sere Rechnung belegt. Die Beschaffung einer Wiege durch Margarethe 
am 10. Nov. 1387 (Beil. Nr. 169) nötigt wohl zu dem Schlüsse, daß 
sie in dieser Zeit niedergekommen ist. Das damals geborene Kind 
muß der am 13. Juli 1394 gestorbene Heinrich gewesen sein, da seine 
jüngere Schwester Elisabeth 1388 geboren ist (Diemar Zeitschr. N. F. 
XXVII S. 22). Daß die Hessenchronik den Erzbischof als anwesend 
darstellt, während in Wirklichkeit nur sein Amtmann zugegen war, 
ist kein allzugroßes Versehen. Gerade die Abwesenheit Adolfs kann 
Margarethe bei einer persönlichen Einwirkung auf den Markgrafen zu 
statten gekommen sein. Ein historischer Kern wird also auch hier 
vorhanden sein. 

*) Landau (Ritterburgen IV S. 187) wandelt den Namen in Tiele 
V. W. um, vermutlich deswegen, weil ein Träger dieses Namens um 
die Zeit urkundlich nachweisbar ist, so 1 381 Apr. 29 (Gen. Rep. Riede ; 
1403 Apr. 22 verzichtet seine Witwe Jutta gegenüber dem Landgrafen 
auf Güter vor Wolfhagen, Gen. Rep. Wolfhagen). Da aber auch ein 
Henne v. W. in dieser Zeit vorkommt — er hat 1404 einen erwachsenen 
Sohn — , so liegt kein Grund vor, den Chronisten zu korrigieren. 
Friedensburg S. 182 Anm. ändert ohne Angabe des Grundes in Frie- 
drich V. W. 

*) Staatsarch. Marburg Abt. Fehde- und Sühnebriefe. In einer 
besonderen Urkunde mußte Henne v. W. gewisse Güter in Riede bei 
Kirchberg statt der Loskaufsumme (500 Gulden) an den Landgrafen 
abtreten. 

*) Lehenurkunden, Revers. 



— 241 — 

Diese Tatsachen lassen sich mit der Erzählung des 
Chronisten sehr wohl in Einklang bringen. Es liegt nahe, 
anzunehmen, daß das Burglehen zu Gudensberg, welches 
die Söhne empfingen, bereits der Vater besessen hat, ehe 
er bei dem Landgrafen in Ungnade fiel; und damit wäre 
die Möglichkeit gegeben, daß ihm im Jahre 1387 die Ver- 
teidigung der Wenigenburg übertragen worden ist. In- 
folge der Kapitulation muß er die Gunst Hermanns ver- 
scherzt haben, er ist vielleicht in mainzische Dienste ge- 
treten und dann im Kriege des Erzbischofs Johann gegen 
den Landgrafen während der Jahre 1401 und 1402 ^) in 
dessen Hände gefallen, dafür spricht das Datum der oben 
erwähnten Betagungsurkunde. Hierzu kommt noch ein 
weiteres Moment. Aus einer späteren urkundlichen Nach- 
richt geht hervor, daß Henne v. Wehren auch ein land- 
gräfliches Lehen auf der Burg Falken stein (nördlich von 
Niedenstein) besessen hat und daß dies Lehen in den Be- 
sitz der V. Grifte gekommen ist. Am 18. Februar 1440 
stellen die Brüder Heinrich, Eckebrecht und Henne v. 
Grifte einen Revers aus über ihre Belehnung mit ver- 
schiedenen Burg- und Mannlehen, darunter ist genannt 
„eine hobestede zu Falkenstein mit alle irer zubehorunge, 
als die Henne von Werben gebuwet und vor von sinen 
gnaden zu lehin gehabt und getragen hait". ^) Wir wissen 
weder, wann Henne v. Wehren das Burglehen auf der 
Feste Falkenstein erworben hat, noch wann dies in die 
Hände der v. Grifte übergegangen ist, die wir mindestens 
schon im Jahre 1430 dort eingesessen finden. ^) Wenn mit 
diesem Henne v. Wehren der Burgvogt der Wenigenburg 
vom Jahre 1387 gemeint ist, so wird er mit seinen übrigen 
Lehen auch diesen Besitz eingebüßt haben, und es liegt 
nahe daran zu denken, daß dem erfolgreichen Verteidiger 
der Oberburg Eckebrecht v. Grifte unter anderen Beloh- 
nungen auch das Falkensteiner Burglehen zu Teil gewor- 
den sei, als dessen Inhaber wir seine Familie später finden. 
Wir dürfen demnach feststellen, daß die Angaben der 
Chronik auch in diesem Punkte durch die urkundlichen 
Zeugnisse nicht widerlegt, sondern eher gestützt werden. 

Nur in beschränktem Maße gilt dies von dem Be- 
richt des Chronisten über die Belohnung Eckebrechts v. 
Grifte mit dem heimgefallenen Falkensteiner Lehen des 



:) 



Zeitschr. N. F. XIX S. 97 ff. 
Hess. Lehenreverse v. Grifte 2. 
*) Vgl. die gleich zu erwähnende Urkunde dieses Jahres. 



— 242 — 

ausgestorbenen Geschlechtes v. Holzhausen. Hier werden 
offenbar zwei verschiedene Dinge unrichtig in Beziehung 
gebracht. Wahr ist, daß die verwandten Familien Hund 
und V. Holzhausen ursprünglich gemeinsam die Burg Fal- 
kenstein als Lehen besaßen ^), wahr ist ferner, daß nach 
dem Aussterben der v. Holzhausen Streitigkeiten über das 
Erbe Ottos v. Holzhausen zwischen dem Geschlechte Hund 
einerseits und den v. Dalwigk und v. Grifte andererseits 
entstanden sind, die durch Vermittelung des Landgrafen 
Ludwig am 22. Oktober 1430 beigelegt wurden. ^) Der 
Chronist mag sich an diese Tatsache sowie daran erinnert 
haben, daß Eckebrecht v. Grifte für seine heldenhafte Ver- 
teidigung der Obernburg zu Gudensberg eine Belohnung, 
ja vielleicht sogar eine Belohnung mit einem Falkensteiner 
Burglehen, zu Teil geworden ist, und er mag dann zwi- 
schen diesen beiden Tatsachen einen nicht vorhandenen 
ursächlichen Zusammenhang geschaffen haben. 

*) Über die Burg Falkenstein vgl. Landau, Kurhessen S. 228, 
wo allerdings teilweise unrichtige Angaben stehen. Unterm 2. April 
1846 verkauften die Brüder Ritter Otto und Hermann Hund sowie der 
Ritter Otto v. Holzhausen und sein Bruder Albrecht dem Landgrafen 
Heinrich ihre Dörfer an der Fulda, Dennhausen, Dittershausen und 
Heisterhagen, das Holz nach Guntershausen hin, die Strut genannt, 
nebst den Wüstungen Durchain, Wormershausen und Freienhagen 
und eine Hufe Landes mit dem Zehnten zu Bergshauseu für 480 Mark 
Geldes. Dafür übergab ihnen der Landgraf das Haus Falkenstein, das 
sie weiter auszubauen verpflichtet wurden, und richtete zwei Erbburg- 
lehen für beide Familien darauf ein (Abschr. in Schminckes Dipl. 
Hassiae V 241 auf der Kasseler Landesbibliothek. Vgl. Landau. Kur- 
hessen S. 14.) Unter Landgraf Hermann wurde das Verhältnis zwischen 
ihm und einem Zweig der Familie Hund nach vorausgegangenen Irrun- 
gen neu geregelt. Ritter Hermann Hund, Otto sein Sohn und Reinher 
sein Bruder schwuren am 16. August 1378 Urfehde und erklärten die 
Urkunde von 1846 sowie einen am 18. Dez. 1863 zwischen den Gan- 
erben (genannt sind Ritter Hermann Hund mit seinen Brüdern Otto, 
Reinher, Hans und Albert, Ritter Hermann Hund und sein Sohn Otto, 
Ritter Otto v. Holzhausen mit seinen Söhnen Ritter Hermann, Otto 
und Otto) geschlossenen Burgfrieden für ungiltig. Beide Urkunden, 
d. h. der (jetzt nicht mehr erhaltene) Revers des Landgrafen Heinrich 
vom 2. April 1846 und der Burgfriede (Staatsarch. Marburg unter Ur- 
kunden der Familie Hund) wurden an den Landgrafen ausgeliefert. 
Die drei Hunde ließen in demselben Jahre, wahrscheinlich ebenfalls 
am 16. August, ihren Teil des Falkensteins dem Landgrafen auf und 
erhielten ihn nebst dem vierten Teil der oben genannten Dörfer als 
Mannlehen zurück (Regest ohne Tagesdatum im Repertorium des 
ehem. Ziegenhainer Samtarchivs). Auf den genealogischen Zusammen- 
hang der beiden Famihen Hund und v. Holzhausen sowie auf eine 
weitere Nachprüfung der von Nuhn (Senckenberg Selecta UI S. 870 ff.) 
erzählten Geschichte über den Ausgang des Geschlechts v. Holzhausen 
einzugehen, würde hier zu weit führen. 

') ürk. im Staatsarchiv Marburg, Familie Hund. 



— 243 — 

Daß die Burg Falkenstein von dem Zuge des Jahres 
1387 mitbetrofFen wurde, dürfen wir nach den überein- 
stimmenden Berichten des Chronicon Moguntinum ^) und 
Nuhns ^ annehmen. Dieser gibt an , dem Erzbischof 
sei die Einnahme oder dauernde Besetzung der Burg 
wegen Eckebrechts v. Grifte nicht gelungen^), während 
jenes von der Eroberung der Feste spricht. Da im Frie- 
densvertrage wohl von Niedenstein aber nicht vom Fal- 
kenstein die Rede ist, dürfen wir voraussetzen, daß die 
Eroberung mißglückt ist. *) Wenn aber Nuhn angibt, auch 
dies sei ein Verdienst des v. Grifte gewesen, so ist das 
jedenfalls eine willkürliche Kombination. Der Verteidiger 
der Burg war Ludwig v. Wildungen der Älteste, dem 
am 6. April 1387 der Landgraf seinen Anteil des Hauses 
mit der Bestimmung übergeben hatte, binnen Jahr und 
Tag neue Befestigungswerke anzulegen. ^) 

Zum Schlüsse sei noch an der Hand unserer Rech- 
nungen auf die Ereignisse hingewiesen, die sich in Ober- 
hessen während des Zugs der verbündeten Fürsten abge- 
spielt haben. Das Land an der Lahn war weit entfernt 
sich friedlicher Zustände zu erfreuen, und zwar war es 
der alte Gegner, Graf Gottfried von Ziegenhain, mit dem 
sich Landgraf Hermann in Fehde befand. Gerstenberg 
führt ihn nebst einer Reihe anderer Dynasten unter den 
Verbündeten des Erzbischofs auf. Aber Friedensburg 
hat mit Recht darauf hingewiesen ®), daß im Friedens- 
schlüsse von diesen Verbündeten keine Rede ist. Unsere 
Rechnung liefert auch den direkten Beweis, daß die Fehde 
mit Ziegenhain in keinem Zusammenhang mit dem Zuge 
der drei Fürsten steht. Der Fehdezustand war schon vor 



') Ed. Hegel S.58. Auszug bei Friedensburg a. a. 0. S. 177 Anm. 1. 

*j Bei Senckenberg Sei. III S. 394. 

®) „Der bischof gewann Niedenstein, darzu den Falkenstein, aber 
er mochte sie nicht behalten um des von Grieften willen." 

*) So auch Friedensburg S. 183. 

*) Urk. Gen. Rep. Falkenstein. Die Angabe Landaus, die Burg 
sei 1387 durch mainzische Truppen zerstört, aber noch in demselben 
Jahre im Auftrage des Landgrafen von den v. Wildungen wiederauf- 
gebaut worden (Kurhessen S. 223), ist demnach irrig, da die Übergabe 
an Ludwig v. W. vor dem Ausbruch des Krieges erfolgt war. Der 
Ritter sollte 100 Mark an der Burg verbauen. — Die Angabe Lauzes 
(Friedensburg S. 308) von der Eroberung des Schlosses auf dem Oden- 
berg (nicht der Schanzen, wie Friedensburg S. 182 Anm. 2 ändert) 
halte ich für eine Verwechslung mit der Wenigenburg. Auf dem Oden- 
berg stand kein Schloß. 

•) S. 178. 

N. F. BD. XXX. V^ 



— 244 — 

Ausbruch des Krieges mit Mainz vorhanden. Wir werden 
nämlich nicht fehlgehen, wenn wir annehmen, daß der 
Ritt, den der zum Marschall in Homberg ernannte Gil- 
bracht Schedel Ende Juni d. J. unternahm ^), dem Ziegen- 
hainer galt. Angesichts des bevorstehenden Krieges mit 
Mainz muß aber des Landgrafen Bestreben darauf ge- 
richtet gewesen sein, die Zahl seiner Feinde nach Mög- 
lichkeit zu verringern; und so hören wir, daß um den 
21. Juli Friedensverhandlungen mit dem Grafen im Gange 
waren ^). Aber diese Bemühungen waren vergeblich, wie 
aus der Tatsache hervorgeht, daß am 7. August der Land- 
graf einen „Bewahrsbrief" nach Rauschenberg sandte. ^) 

Erst nach Beendigung des Krieges mit Mainz schei- 
nen auch die Verhandlungen mit dem Grafen wieder auf- 
genommen worden zu sein, die sich allerdings lange hin- 
zogen. Wir hören, daß unmittelbar nach des Landgrafen 
Abreise nach Niederhessen, am 24. und 26. September, 
ihm Briefe „von des Grafen von Ziegenhain wegen" nach- 
geschickt werden *), und wir erfahren von einem Tage zu 
Bürgein, der unmittelbar darauf, am 28. September, von 
Vertretern Hermanns mit dem Grafen abgehalten wurde ^) 
und der anscheinend guten Erfolg hatte. Am 5. Oktober 
nämlich wurde ein Bote nach Romrod geschickt, um Em- 
merich V. Linden „einen Friedebrief von des Grafen von 
Ziegenhain wegen" zu bringen. ^) Ganz zum Abschluß 
scheinen aber die Verhandlungen trotzdem nicht gekom- 
men zu sein, denn sie wurden, während der Landgraf auf 
dem Reichstage in Mergentheim weilte '^), wieder aufge- 
nommen. Am 9. November wurde Emmerich v. Linden 
abermals ein „Friedebrief" zugeschickt und gleichzeitig mit 
dem Grafen Gottfried korrespondiert, „du man den frede 
bestellen sulde" ®), auch wurde am 11. November wieder 
ein Tag in Bürgein abgehalten ^). Aber immer wieder 
müssen die Verhandlungen kurz vor dem Abschlüsse ge- 
scheitert sein. Denn nicht nur fand am 22. November 



■•! 



Beil. Nr. 121. 

Beil. Nr. 228. 
, Beil. Nr. 229. 
*) Beil. Nr. 246, 247. 
«^) Beil. Nr. 154. 
«) Beil. Nr. 248. 

Er war von Okt. 26— Nov. 15 in Franken abwesend. Beil. 



NT. 164, 171 

«) Beil. Nr. 257. Vgl. auch Nr. 255. 
») Beil. Nr. 170. 



— 245 — 

aufs neue eine Tagleistung in Bürgein statt ^), sondern es 
wurden sogar die offenen Feindseligkeiten fortgesetzt. ^) 
Endlich am 9. Januar 1388 kam es zum Abschlüsse eines 
einjährigen Waffenstillstandes. ^) 



Beilage. 



Ausgaberegister des Rentmeisters Heinrich von Schön- 
stadt zu Marburg 1387. Auszug. 

Anno domini MCCCLXXXVII. Diit ist daz usgebin dez 1S87 
gelts in dem virdin jare, sint ich Heinrich von Schonen- 
stad myns gnedigen junghern rentmeister byn gewest. 

1. Item czum irsten uff den jarstag kaufft ich 1 hun- Jan. 1 
dert stogfische vor 16 gülden. Item uff denselben tag 
kaufft ich 2 wene mit hauwe vor 22 tor. Item quamen 

in dii kuchen 6 schaffe und 1 sytin von eyme swyne. 

2. Item uff den mitwochen quamen in dii kuchen 5 schaffe. Jan. 2 

3. Item uff den donrstag 5 schaffe. Jan. .V 

4. Item uff den frytag 30 beringe, quamen uz der rent- Jan. 4 
kammere in dy kuchen. 

5. Item uff den sonabind nicht. *) Jan. ö 

6. Item uff den sontag ame czwelfften tag 6 schaffe in Jan. 6 
<3y kuchen. . . . 

7. Item uff den dinstag 4 schaffe. Jan. s 

8. Item uff den mitwochen 4 schaffe. Item uff denselben Jan. 9 
tag kaufft [ich] 1 par schue vor 14 pen. Heinchen Ryner. 

9. Item uff den donrstag quamen in dii kuchen 4 schaffe. Jan. W 
10. Item uff den frytag 3 tor. vor 6 pund hebe, wiß zu Jan. 11 

bagken, wand wir myns junghern wartende waren. Item 
uff denselben tag antwurte ich in dy« kuchen 220 beringe 
und 3 stogfische.^) 



>) Beil. Nr, 175, 

«) Beil. Nr. 150, 270. 

•) Die beiden £xemj3lare der ausgetauschten Friedensurkunden 
in den Abteilungen „Beziehungen zu Ziegenhain" und „Grafschaft 
Ziegenhain" im Staatsarchiv zu Marburg. 

*) Hier und am Ende der ersten drei Wochen ist jedesmal die 
Summe des aus dem Renthofe gelieferten Fleisches angegeben, hier: 
„16 schaffe unde 1 sytin". 

^) Zusatz: „Summa 16 schaffe dii andern wochen". 



— 246 — 

Jan. 12 IL Item ofF den sonabind quam myn jungher gereden 
vom Ryne. 

Jan. IH 12. Item ufF den sontag ame achczenden tage quamen 
in dy® kuchen 11 schaffe, item 2 smelczesytin und 1 eße- 
sytin, 2 kelber unde 1 wilprats sytin. Item ufF denselben 
tag gab ich 6 marg Hennen Schengken zu borglehen. ^) 

Jan. 14 23. Item ufF den montag kaufFt ich 2 kelber in den 
schirnen vor 11 tor.; item 1 pheffirduch vor 18 pen. in 
dy® kuchen. Item quamen in dy* kuchen 14 schafFe, 1 sy- 
tin wilprats, 1 doppen mit smalcze, 1 doppen mit honige, 
daz machte man mym junghern einen deig uz, dez hee 
gekaichilte ^) mid synen geseln. Item ufF denselben mon- 
tag nach dem achtzenden tage gab ich 1 tor. vor 1 glen- 
schafFt, kaufFt Eckestein zu kerczen myme junghern. Item 
antword ich Eckesteine 4^/2 pund waßes zu lyechtin. 

Jan. 15 14. Item ufF den dinstag quamen in dy® kuchen 14 
schafFe unde 1 doppen mit smalcze. Item dezselben tages 
3 pund heller gab ich Beheymern vor sloße unde sloßele, 
quamen zun Hermanstein. 

Jan. 10 15. Item ufF den mitwochen kaufFt ich ^/2 kalb in dy® 
kuchen vor 2 s. pen. zu bradine. 

Jan. 17 16. Item ufF den donrstag quamen 12 schafFe in dy^ 
kuchen. Item gab ich 1 tor. vor 1 quarte virns wins 
myme junghern, du leiste he einen tag zu den Predyern. 

Jan. IS 18, Item ufF den frytag nach dem achtzenden tage 
quam myn frauwe von Cassel, du quamen in [dy®] kuchen 
2 hundert beringe, 4 stogfische; item 27 pen. vor 6 pund 
hebe zu bagken, wand myn frauwe komen waz. ^) 

Jan. 19 19. Item ufF den sonabind kaufFt ich kese und eiger vor 
8 s. pen., quamen in dy kuchen. 

Jan. 20 20. Item ufF den sontag an sente Sebastians tage det 
ich pantlosunge marcgreben Wilhelms schribir 15 s. pen.,. 
dez gab myn jungher 1 gülden dar. — Item 20 schafFe 
quamen in dy kuchen, 1 sytin wilpratz unde 2 grüne swin. 
Item kaufFt ich [eyn] kalb vor 6 tor., quam ufF den abind 
in dy kuchen. 

Jan. 21 21. Item ufF den montag an sent Agneten tage ant- 
wurte ich myme junghern 12 groschen ufF der cappeln. 
Item kaufFt ich 2 kelber vor 11 tor., quamen in dii kuchen; 
item 12 schafFe und 1 grün swin. 

>) Vgl. Zeitschr. N. F. 29 S. 209 Anm. 2. 
*) = kegelte? 

^) Zusatz : „Dii dritte woche 40 schafe, 4 kelber, 2 syten wil- 
pratz". 



— 247 — 

22. Item ufF den dinstag du man gaz, du reid myn Jan. 22 
jungher unde myn frauwe zu den Gißin unde blieb dez hobe- 
gesindes vil hü. 

23. Item ufF den mitwochen quam nicht in dy® kuchen, Jajt. 23 
wand wir fleisches gnug hatten. 

24. Item ufF den dornstag gab ich 27 pen. umb 6 pund Jan. 24 
hebe zu backen, wand wir myns junghern wartin. 

25. Item ufF den Frytag an sente Pauls tage, als he be- Jan. 25 
kard ward, gab ich 15 tor. umb 2 hundert beringe, wand 

myn jungher komen sulde, und 30 rosterheringe uz der 
rentkammern, wand keyne me da waren ; item 4 stogfische 
quamen in dy kuchen ufF myns junghern zukunfFt. 

26. Item ufF den sonabind kaufFt ich 6 malder habern Jan. 26 
vor 6 pund heller, dii man virfuderte ufF dem hus. Item 

5 s. pen. gab ich Hennen wingerter ufF denselben tag. 
Item ufF denselben sonabind quam myn jungher und myn 
frauwe von den Gißen. 

27. Item ufF den sontag quamen in dy kuchen 12 schafFe, Jan. 27 
1 grün swin und anders brade. 

28. Item ufF den montag 9 schafFe und 1 kue an Jan. 28 
dorme fleiße, 4 hunere quamen ußme höbe in die kuchen. 

Item ufF denselben montag ^ab ich 14 groschen umb 7 
elin parchans hern Dytleibe ^), item 2 pen. unde 3 tor. 
vor lynduch under daz wammaß. 

29. Item ufF den dinstag 3 sytin dorris swinfleischs Jan. 29 
quamen in dy« kuchen, unde aß myn frauwe czu dem 
Dutzenhus. 

30. Item ufF den mitwochen 8 dorre schafFe, der von Jan. 30 
den Gißen quame (!), 3 hunere myner frauwen und 2 stogke 
ryntfleischs, 1 sponefirklin. Item kaufF ich eiger vor 2^/2 

tor. m3mer frauwen in dy® kuchen. 

31. Item ufF den donrstag kaufFt [ich] 1 virteil eins Jan. 31 
kalbis vor 2 groschen, daz aß myn frauwe ufF den morgen ; 

item 1 doppen smalczis. Item ufF den abind kaufFt ich 
1 kalb vor 6^/2 tor., als wir myns junghern wartende waren ; 
item 6 schafFe und 6 hunere quamen in dy kuchen, und 
bleib daz kalb gantz lygende bii[s] ufF den sontag. Item 
27 pen. vor 6 pund hebe zu bagkin. 

32. Item ufF den frytag an unser lieben frauwen abind Fehr. 1 
liechtmisse quam myn jungher von den Gißin zu nune, 

du kaufFt ich 200 heringe vor 13 tor. und 3 pen. und 4 

') Dietleib v. Eimbeck, Rat des Landgrafen, der aber nicht, wie 
ich früher annahm (Zeitscbr. N. F. XIX S. 164 Anm. 1), Geistlicher 
war, sondern juristisch gebildeter Laie. 



— 248 — 

stogfische quamen in dy kuchen. Item 1 sefFter geslegins 
oleys quam in dy kuchen. Item ufF denselben abind ant- 
wurt ich Frytzen kammerknechte 18 pund waßes zu kertzen 
myme junghern und myner frauwen und dem — . ^) Item 
24 pen. vor dochtgarn zu der liechtin. 

Febr. 2 33, Item ufF den sonabind an unser lieben frauwen 
tage kaufFt ich 100 beringe vor 7 tor. unde 100 eiger vor 
5 tor. in dy kuchen ; item 8 kese und 4 stogfische quamen 
in dy kuchen. Item ufF denselben unser lieben frauwe 
tag gab ich 15 tor. vor 10 par schuhe myner frauwen und 
yren jungfrauwen unde dyneren. 

Febr. :i 34. Item darnach ufF den sontag kaufFt ich 1 tunen 
heringes in dy kuchen vor 5 pund heller und 3 tor. Item 
quamen in dy® kuchen 24 schafFe, 1 syten smeltzefleischs». 
1 sytin wilpredis, 22 hunere. Item kaufFt ich 3 quarte 
eßigis vor 15 pen., wand wir keinen me inhatten. 

Febr. 4 35, Item ufF den montag quamen in dy ® kuchen 6 hunere,. 
24 brodworste und 2 houbt von zwein swynen und 12 
schafFe, 1 kalb umb 5 tor. 2 pen. Item 1 groschen vor 
eiger myner frauwen. 

FeljT. ö 36, Item ufF dinstag 12 schafF 1 grün swin und 2 stogke 
rintfleischs, quamen in dy® kuchen, und 6 hunere ufF den. 
abint. Item 2 quarte eßiges vor 1 tor. in dy kuchen. 

Fehr. 6 37. Item ufF den mitwochen kaufFt ich 1 kalb vor 6 tor.,^ 
wand myme junghern lüde quamen, dii hee gebeden hatte 
mit yme zu rydende. Item 10 schafF. Item ufif denselben 
mitwochen kaufFt ich eynen halben bulch^) vor 9 tor^^ 
myner frauwin und 1 gross, vor eiger. Item ufF selben 
tag antwort ich 2 gülden hern Johane stadschriber ^) und 
hern Syfrede Wilden *), du sii redin gein Firslar mit der 
appellacion. 

Fehr. 7 38. Item uff den donrstag nach unser lieben frauwen. 
tag liechtmisse reid myn jungher unde myn frauwe gein 
Cassel, du antwurte ich 4 gülden myme junghern und 
18 tor. Peter dem seddeler von zwey soymern sedelin zu 
machin. Item gab ich 22 tor. vor 2 par lerßen, wurdea 
Kyntzenbache und Ysernheinrich myns junghern rutern. 
Item andeloget ich 27 hei. Heintzichen snyder von duche 
zu scherlone. Item uff denselben donrstag rechinde ich 

*) In der Vorlage ist hier der Name ausgelassen. 

*) Eine Fischart. 

*) Johann, Pastor der Kirche zu Wenderode, Stadtschreiber zu 
Marburg. 

*) Wohl identisch mit dem Altaristen Siegfried von Goßfelden. 
Vgl. Friedensburg in Zeitschr. N. F. XI S. 106. 



— 249 — 

mit Hellir dem smydde unde gab yme vor den hubslag 
10 pund heller an 2 tor. vor 300 ysen und 37 hubbysen, 
dii hat myn jungher und sine dinere ufFgeslagen von dem 
mitwochen an allerheilgen abind ^), als he quam, bii[s] ufF 
den donrstag ^) nach unser lieben frauwen tage liechtmiße. 

39. Item ufF den sontag quam 1 swin in dy® kuchen. Febr. 10 

40. Item ufF den donrstag an der lotzilfasnacht sant Febr. 14 
ich 25 gülden zu den Gyßen, da kaufft ich gerstin umb. 

41. Item ufF den frytag kaufFt ich beringe vor 10 hell. Febr. 15 
in dy kuchen und hewirmel vor 4 pen. 

42. Item ufF den sontag quam 1 grün swin in die kuchen. Febr. 17 

43. Item ufF den eschetag kaufFt ich mel und beringe Febr. 20 
vor 14 pen., wand wir keine geweßerter herin[g]e inhatten. 

Item uff denselben tag andeleget ich in dy® kuchen 1 hun- 
dert beringe und 1 stogfisch. 

44. Item uff den donrstag 2 mesten oleys quamen zu Febr. 21 
slahen. — Item lonete ich zweyn knechte[n], dii hatten 
geerbeit in dem renthobe, der eyne zwene und Funffczig 

tage, der ander 57 mit dreschen und ouch mit ander er- 
beit, und geborte yclichem den tag zu lone 4 pen., und 
ist dii summe 4 pund an 3 tor. 

45. Item uff den irsten sontag in der fastin kaufft ich Febr. 24 

1 tun heringes vor 5 pund und 4 tor. 

46. Item uff den montag nest antwort ich 1 lylachen Febr, 26 
dem bodinbender, du sie dy wyne abelyßin uff der borg. 

Item uff den selben montag andeloget ich Conrad Nodunge 
16 gülden von myns junghern geheißin. Item gab ich 
18 tor. dem smydde von Kinczenbachs perde zu heilende 
und zu atzunge von myns junghern geheißen. 

47. Item uff den dinstag 2 mesten oleys zu slahen. Febr. 26 

48. Item uff den sontag Reminiscere andelogete ich Marx S 
Czehinder zu Ameneburg, Adolffe Ruwin von Hulczhusin 

100 pund und 20 pund, y® sesczehin groschen vor eynen 
guldin. Auch so hatte Gernand Ruwe von Nordecke und 
Crafft Schuresloz daruff 3 pund virleistet mit zweyn perdin. 

49. Item uff den sontag Judica kaufft ich 2 bulche vor Marx 24 

2 gülden und sante dii myner frauwin zu Spangenberg.^) . . . 
Item uff dieselben cziit vorbod uns myn jungher myd 
den steden gein Spangenberg, da virczerte ich 4 pund hll. 
5 nacht selbvierde. 

') 1386 Okt. 30. 

*) Vorlage „donrstad". 

^) Hier liegt wohl ein Schreibfehler, veranlaßt durch den Inhalt 
des nächsten Satzes, vor, denn nach Nr. 204 wurde ein Fisch der 
Landgräfin nach Kassel geschickt. Allerdings ist der Botenlohn (6 
Groschen) hier nochmals verrechnet. 



— 250 — 

Febi\ 27 50. Item lonete ich dem hobegesinde ^) in der fronfasten 
— M'/r^^nach Invocavit. Primo zweyn portenern 2 pund hell. Item 
zweyn tornhudern 2 pund hell. Item czweyn wechtern 
bii dem kornhus 2 pund hell. Item czweyn Wächtern bii 
dem backhus 2 pund hei. Item czwein wechtern ufFe dem 
sale 2 pund hell. Item dem bodenbender 2^2 pund hell. 
Item dem fischir 1 pund hell. Item dem fleischauwer 
1 pund hell. Item den winschroidern 1 pund hell. Item 
dem kelnner V2 marg peninge. 

51. Item gab ich vier knechtin 2 pund hell., dii den 
smyddegartin bereitin biis ufF daz grabin. 

52. Item czu derselben cziit gab ich Syfrede steyn- 
metzen vier tage 6 tor., daz hee den steynweg machte an 
dem borgwege, wo dez noid waz. Item kaufft ich Wal- 
prachte 1 par schuhe vor 2 s. penige. 

53. Item hat man in der kuchen uff der borg und in 
dem renthobe 4^/2 mutte oleys. Item 3 thon heringes und 46 
stogfische, wand wir vil fulkes hatten. Item gab ich 
1 pund und 3 groschen von dem oley czu slahen, wand 
die oleymole zu Werde ward virbrand. Item kaufft ich 
kese umb 5 tor. zu fladen uff daz hus. 

Apr. 4 54, Item uff den grundonrstag gab ich 22V2 pen. umbe 
3 pund hebe zu backen. 

Apr. 5 55. Item uff den karfrytag gab ich 4 groschen den 
knechten, die den hoppin rumeten und besneden in Ru- 
pratz 2) seligen garten. 

56. Item han ich sehen werbe gebruwen uff diit jar. 
Darczu han ich virbruwit 56 mal. gersten, der kaufft ich 
czu den Gißin 20 mal. dez maßes vor 20 pund hell., der 
funffczig malder gaben myr die von Lotzillinden ^) 24 mal- 
der dez maßes. Item so gabin myr die von Huchilheym *) 

6 mal. dez maßes. Item so fand ich 3 mal. gersten in 
Rupracht Schultheißen hus. Die andern gersten hatte myn 
jungher selbir von syme gewaße und von synen czehinden. 
Item so han wir virbruwin zu derselben ziit 22 mal. ha- 
bern. Item so han wir virsehit 10 V2 mal. habern uff myns 
junghern eckir und ufF Ruprachts ecker, dez ist 1 motte 
gerste gewest. Item so han ich eyme knechte gegeben 

7 tor., der halff die gebruwe alle thun, und dem andern 



») Vgl. Zeitschr. N. F. XXIX S. 209. 

2) Ruprecht Weißgerber, früher Schultheiß in Marburg. Vgl. 
Zeitschr. N. F. XXIX S. 161, 171, 219 und unten Nr. 56. 
8) Kleinlinden bei Gießen. 
*) Heuchelheim bei Gießen. 



— 251 — 

knechte 3 tor., wand he nicht also lange erbeit alz der 
irste. Item kaufF ich in der Frangkeforder messe 12 phund 
pheffirs vor 4 gülden. Item kaufFt ich 2 phund safFrans 
von Ort vor 10 gülden. Summa 14 gülden. Item kaufft 
ich 1 faß myd bodern vor 4 phund, y® daz pund vor 9 hei. 

57. Item ufF den ostirabind kaufFt ich 3 quarte eßiges Apr. (S 
vor 18 pen. Item gab ich 1 tor. den rederknechten körne 

und weiße czu malen. 

58. Item ufF den mitwochen gab ich 1 pund hell, der Apr. 10 
Schurbrenden zu pantloßunge, hatte Gilbracht Rietesel 
virtzert, du sii zu Rosphe *) daz fehe namen. 

59. Item ufF den donerstag kaufFt ich eyn halb kalp Apr. 11 
vor 4 groschen, du dii gesellen quamen von Rosphe mit 

dem fehe. 

60. Item hatten wir dii osterwochen ufF daz hus ge- 
gebin 4 syten swynfleschs, 1 wilpratzssytin und 10 schaffe 
und ^i2 syten dez zu smelts, item 3 kelber uzme höbe, 1 
hundert eyger. 

61. Item uff den frytag 2 stogfische, quamen in dii Apr. 12 
kuchen, 2 kese. 

• 62. Item uff den sontag Quasimodogeniti gab ich 3 pen. Apr. 14 
umbe [ein] halbes eßigis. 

63, Item uff den dinstag kaufFt ich eyn halb kalb vor Apr. 16 
2 s. pen. 

64, Item uflFden mitwochen kaufFt ich eyn halb kalb vor Apr. 17 
4 tor. zu Lauperude (?). Item 1 quarte eßigis vor 1 s. hei. 

65, Item uflF den donrstag kaufft [ich] eyn vierteyl eyns Apr. 18 
kalbis vor 1 s. pen. 

66, Item quamen uz dem renthobe an schaffen in die 
kuchen 30 die wochen und 1 syten swynfleischs und eyn 
firteil eyner kue. 

67, Item uff den frytag kaufft ich beringe vor 2 tor. Apr. lU 
in dyö kuchen und 1 stogfisch. 

68, Item uff den sonabind quamen 2 stogfische in die Apr. 20 
kuchen. 

69, Item als die stede ander werbe bie unsm® junghern Apr. 14 
ware[n] achtage nach ostern czu Hoenberg, da virczert 

ich 16 tor. mit 14 perden, wand ich keyn nach[t] uße waz. 

70, Item uff sente Georien tag kaufF[t ich] eyn faz mit Apr. 23 
ezzige vor 18 tor. und 4 pen., daz hilt 14^2 firteil ezziges. 

Item uff dieselben ziit kaufft ich 1 ame ezziges vor 26 tor. 
zu Wetzflar. 

71, Item darnach uff den neisten mitwo[ch] kaufft ich Apr. 24 
6 pund hebe zu bagken, wand wir my[n]s junghern warn 

^) Ober-, Mittel- und Unterrosphe bt\ V^^\.V^\. 



— 252 — 

warten. Item andeloget ich in die kuchen 200 beringe 
und 4 stogfische. 
Apr. 26 72, Item ufF den frytag nach sent Marcus tage gab icb 

2 s. pen. umb 1 quarte oleys in die kuchen. 

Apr. 27 73. Item darnach uff den sonabind kaufft ich 2 hundert 
eiger vor 5 tor. in dy® kuchen. Item kaufft ich V2 mal. 
kese in die kuchen vor l^h tor. Item kaufft ich 1 junge 
czegen vor 2 groschen in die kuchen. Item uff denselben 
tag gab ich" 2 s. pen. vier knechten, dy® den hoppen 
stengeten. 

Apr. 29 74, Item uff den montag vor Walpurgis quam myn 
jungher, du kaufft ich 2^/2 kalb vor 15 tor. Item kaufft 
ich myme junghern 7 elyn swarczis sarrackes ^) vor 14 s. 
pen. und 4 elyn lynduchs vor 4 s. pen. Item kaufft ich 
dem Beheymer 5 elyn sarrackes vor 7V2 s. pen. Item 
kaufft ich 3 elyn lynduchis zu fudern vor 2 s. pen. und 

3 pen. Item gab ich 1 groschen umb zwirn mime jung- 
hern, als Ecsteyn diit als genomen hat. Item uff denselben 
tag gab ich 27 pen. umb 6 pund hebe wiß zu backen. 
Item uff denselben montag zu abind 7 pen. umbe 1 quarte 
rynswins, holte man my®me junghern zu Dippiln Wintirs hus. 

Apr. SO 75. Item uff den dinstag an sente Walpurge abind gab 
ich 3 s. pen. umb 4 hude pergemyns, holte Lodewice 
myns junghern schribir. 

Mai 1 76. Item uff sente Walpurge tag andelegete ich myme 
junghern 1 guldin. Item 2 tor. gab ich umbe 2 urhunere^) 
myme junghern. Item gab ich 2 groschin eym® vedeler 
von myns junghern geheißin. 

Mai 2 77, Item uff sent Elsebelh tage quam myn herre voq 
Nassauwe^) dez morgens und aß zu dez alden Martorffs 
huse. Du det ich yme pantloßunge, daz he virczerd hatte 
3 pund und 6 pen. Item gab ich 4 gülden dez greben 
phiffern von Ditzze^) von myns junghern heißen. 

Mai 1 78. Item uff denselben tag Walpurgis kaufft ich 10 elin 
blau und liechtblau hern Dytleybe ^) vor 4 pund von myns 
junghern geheißin. Item kaufft ich 6 elyn satgrune und 
liechtgrune vor 2 pund hell, auch von mins junghern ge- 
heißin. 



>) = särdök (sarok, sarrok) „grobes, starkes Zeug, halb Leinen^ 
halb Wolle" Schiller-Lübben mnd. Wörterbuch IV S. 26. Vgl. Vilmar, 
Idiotikon von Kurhessen S. 337. 

*) Auerhühner. 

^) Wohl Graf Johann von Nassau-Dillenburg. 

*) Gottfried. 

5) S. o. S. 247 Anm. 1. 



— 253 — 

79. Item ufF sent Elyzabeth tage kauffte myn jungher Mai 2 
18^2 elyn duches grüne und grüne umb den alden Golt- 
smyd vor ISVa gülden, dez gab ich 6^/2 gülden, daz ander 
beczalte Pelfex. 

80. Item ufF den andern tag nach sent Elizabeth tage Mai 3 
andeleget ich myme junghern selbes 20 groschen. Item 

ufF denselben tag gab ich 6 groschen dem Beheymer von 
eyme wamße, kogiln und hosen zu machen. 

81. Item dieselben wochen, als myn jungher hü waz, 
quamen in dy® kuchen uz dem höbe 3 grüne kuwe und 

4 dorre kuwe, 21 dorre schafFe, item 4 dorre sytin swin*- 
fleischs, 3 sytin wilpartz, 1 doppen smaltz und 1 kalb, hun- 
dert eyger, wand myn jungherr geste geladen hatte. 

82. Item ufF den frytag ufF dez helgen cruces tag nach Mai 3 
Walpurgis ryd myn jungher enweg gein Wirczeburg, du 

det ich pantlosunge czu [dem] smyde 18 tor. 5 pen. vor 50 
y^sen myme junghern und synen dyneren, die he hatte 
beslen von dem montage, als he quam, biis ufF den frytag, 
daz hee enweg ryd. Item quamen in die kuchen dez 
selben tages 4 stogfisch, 160 beringe. 

83. Item ufF den sonabind 1 hundert beringe, 1 stog- Mai 4 
fischs, 2 kese. Item kaufFt ich eyn kalb vor 6 tor. ufF den 
sontag in die kuchen. 

84. Item darnach ufF den montag kaufFt ich 1 kalb vor Mai 6 

5 tor. in die kuchen. 

85. Item darnach ufF den mitwochen kaufFt ich dru Mai s 
vierteil eyns kalbis vor 4 tor. in die kuchen. 

86. Item quamen in die kuchen dieselben wochin 1 dorre 
ku und 1 grün ku, V2 syten smelczefleischs. 

87. Item ufF den Frytag quamen in die kuchen 100 he- Mai 10 
ringe, 2 stogfische und 2 kese. 

88. Item ufF den sonabind vor der crucewochen kaufFt Mai 11 
ich 9 kese und eiger vor 1 pund heller. Item ufF den- 
selben tag kaufFt ich 1 kalb ufF den schirnen vor 5V2 tor. 

in dy« kuchen. 

89. Item ufF den montag in der crucewochen andeleget Mai 13 
ich 200 beringe 4 stogfische. Item ufF denselben tag gab 

ich 14 pen. umb 3 pund hebe zu backen, wand myn jung- 
her komen wolde von Wirczeburg. 

90. Item ufF den mitwochen ufF unseres hern ufFard Mai 15 
abind ') lonte ich 9 knechten, die hatten 14 (?) tage geer- 

beit in Ruprachts ^) wingarten, gesticht, geboyget und 

*) Am Rande : quam myn jungher von Wirczeburg. 
') Weißgerber, s. 0. S. 250 Anm. 2. 



— 254 — 

gegraben und geboret, y dem knechte 4 pen. den tag, 
und ist die summa 3V2 pund hell, und 2 s. pen. Item ufF 
denselben tag mitwochen quamen in die kuchen 100 be- 
ringe und 3 kese. 

Mai 16 91. Item ufF den donrstag an unsers herren ofFard kaufft 
ich 2 kelbir vor 11 tor., quamen in die kuchen. Item eyn 
rindichen und V2 syten smelczefleschs und anders 15 schaffe 
quamen uz dem höbe in die kuchen. Item 1 syten wil- 
pracz quam auch in die kuchen. 

Mai 17 92. Item ufF den frytag darnach 200 beringe und 4 
stogfische quamen in die kuchen. Item ufF denselben tag 
kaufFt ich 3 phund hebe zu backen vor 27 pen. Item 
gab ich 4 pen. umb 2 lot czwirns, holte Eckestein myme 
junghern. 

Mai 18 93. Item ufF den sonabind kaufFt ich 6 junge hunere 
vor 3 tor. Item gab ich in die kuchen 100 beringe, 4 stog- 
fische, 4 kese. Item ufF den selben sonabint nach mittage 
reyd myn jungher czu Alsfelt. 

Mai 19 94. Item uff den sontag vor phingisten 1 dorre kü, 
quam in die kuchen, und 1 kalb usme höbe. 

Mai 20 95. Item uff den montag kaufft ich V2 kalb vor 3 tor. 
an 2 pen. Item uff denselben montag schinte man 2 rin- 
dichen und 1 kalb, wände wir myns junghern waren wartin. 
Item uff denselben montag czu abinde quam myn jungher 
von Alsfelt, du gab [ich] 1 s. hei. umb brymel ^) in die 
kuchen. 

Mai 21 96. Item uff den dinstag kaufft [ich] 3 kelbir unden (!) 
schirnen vor 20 tor. an 4 pen. Item quamen 2 grün ku 
uz dem höbe in die kuchen, item 1 syten wilprats. Item 
uff denselben tag kaufft ich 3 junge hunere vor 15 pen. 
myme junghern. Item gab ich 1 groschen umb hebbirmel 
in die kuchen. Item 1 tor. vor 2 junge hunere myme 
junghern. 

Mai 22 97. Item uff denselben mitwochen gab ich 2 groschen 
umb 2 quarte wins myme junghern czu den Predigern. 

Mai 23 98. Item darnach uff den donrstag kaufft ich 2 kelbir 
vor 11 tor. und 2 pen. und schonebrod vor 1 s. pen., wand 
uns keyn hebe künden (!) werden. Item 2 tor. vor 2 junge 
hunere dez morgens. Item uff denselben abind gab ich 
1 tor. umb schonebrod. Item 1 tor. umb 2 junge hunere 
myme junghern. Item uff denselben donrstag quamen in 
die kuchen 1 grün kü 1 dorre kü und 1 sytin dorres fleischs. 



*) Grütze, geschrotenes Getreide; Vilmar, Idiotikon S. 52. 



— 255 — 

99. Item als myn jungher von Wirczeburg quam ^), biis Mai 24 
ufF den frytag vor phingisten, daz he heym reyd, die wile 
hatten hee ym® und synen geselin beslagen czum smydde 

56 hubysen, darvor gab ich 20 tor. an 4 pen. Item ufF 
denselben frytag gab ich dem schuchworten" 6 tor. vor 
4 par schuhe myn junghern selbir. Item gab ich 8 tor. 
demselben schuchworten vor 3 par lersen zu vorsußen 
Nottirworcze, Herman Koche, Otten Koche und vor 1 par 
schuhe Ysernheinriche von myns junghern geheißin. Summa 
14 tor. 

100. Item reyd Gilbracht^) der lantfaud myd unsme 
junghern zu Hersfelde und kerte da umb und ryd zu Als- 
felt und aste eyn mal. habern, galt eynen gülden, und vor- 
czerte anders eynen gülden myd synen gesellen die nacht. 

101. Item uff den montag in phingisten gab ich 6 tor. Mai 27 
preter 2 pen. umb zwene budille Wernhern myns jung- 
hern beckirn, da sie mym® junghern syn mel durch be- 
reiden in der moiln. Item gab ich 3 pen. von den budiln 

zu machen und zu bereyden. 

102. Item uff den dinstag in der phingistwochen kaufft Mii 28 
ich 4 mal. habern, wand uns der gebrach.^) Item kaufft 

ich 19 mal. habern vor 19 phund heller. 

103. Item uff den mitwochen gab ich in die kuchen 2 Mai 29 
stogfische, wand der foud die wender*) geleiden sulde zu 
Fredeberg. 

104. Item uff den donrstag 2 stogfische und 2 kese. [Mai 30 

105. Item uff den frytag quamen in die kuchen 70 he- Mai 31 
ringe und 2 stogfische. Item gab ich 2 tor. umb 1 quarte 
oleys, wand es fronfaste waz. Item uff denselben tag ant- 
wurte ich 1 alt lylachen den bodenbendern czu stoppen, 

du sie de[n] win abelyßin. Item uff denselben frytag 
kaufft ich 21 kese vor 7 tor. und 7 hell., daz der lantfaud 
und syne geseln geyßin. 

106. Item uff den sonabind in der fronfasten nach phin- Juni 1 
gisten quamen in die kuchen 2 stogfische und 4 kese. 

Item uff denselben sonabind lonete ich dem hobegesinde. ^) 
Czum irsten zwein tornhudern 2 pund hell., item czwein 
wechtern uffm« kornhuße 2 pund, item czwein portenern 
2 pund, item czwein salwechtern 2 pund, item czwein 

») Um Mai 13, s. o. Nr. 89. 

•) G. V. Radenhausen, Landvogt an der Lahn s. Zeitschr. N. F. 
XXIX S. 161. 

^) Dieser Posten ist durchstrichen. 
*) Tuchverkäufer. 
*) Vgl. o. Nr. 50. 



— 256 — 

wechtern bii® dem baghuße 2 pund, item den winschrodern 

1 phund, item dem budenbendere 2V2 phund, item dem 

fischer 1 phund, item dem fleischauwere 1 phund, item dem 

wingerter 1 phund, item dem keiner V« marg. 
Juni 2 207. Item ufF den sontag vor uns hern liechum tage 

andeleget ich in die kuchen 3 grüne schaffe und l dorre 

syten fleischs. 
Jrnii 6 108, Item ufF unsers hern liechum tage slug man 1 kü 

in die kuchen dem voyde und synen gesellen. 
Juni 7 109, Item darnach ufF den frytag andelegete ich 3 stog- 

fische in die kuchen und 3 kese, wand Cluders^) geseln 

mit dem foyde hy waren. 
Juni S 110, Item ufF den sonabind kaufFt ich 1 fischegarn umb 

Clussern von Gissen vor 7V2 phund heller. Item kaufFt 

ich zwey faschen mit bodern vor 7 phund und 6 pen., als 

Wigand Sleigerman myr die von Fredeberg brachte. Item 

ufF denselben sonabind kaufFt [ich] 14 junge hunere vor 

7^2 tor. 
Juni 9 111, Item ufF den sontag darnach kaufit ich 2 fuder 

biers zum Kirchain vor 10 V2 phund. Des biers drungken 

die geseln zum Kirchain eyn fuder, daz ander ward Heingen 

Frangken. 
Juni 10 112. Item ufF den montag 1 doppen myd smalcze, quam 

in die kuchen. 
Juni 12 113, Item darnach mitwochen quam 1 rindichen in die 

kuchen. 
Ju7ii IS 114, Item ufF den donrstag andeleget ich 4 groschen 

hern Ditleybe zu pantlosunge vor habern, als he zu myme 

junghern reyd geyn Alsfelt. 
Juni 14 U5. Item uff den frytag quamen 2 stogfische in die 

kuchen. 
Juni 15 116. Item uff den sonabind gab ich eyme leymendecker 

13 tor., daz he 13 tage dachte in dem renthobe an der 

schüren. 

Lieferungen für die Küche. 

Juni 21 117. Item uff den frytag an sente Albans tage kaufft 
ich 1 quarte oleys in die kuchen vor 2 s. pen. Item 2 
stogfische in die kuchen dem lantfaude und synen gesellen. 

Juni 22 118, Item uff den sonabind 2 stogfische und 1 halbis 
oleys vor 1 s. pen. 

Juni 23 119, Item uff den sontag quamen 6 schaffe und 1 rindichen 

^) Heinrich Cluder, Amtmann bezw. Rentmeister in Grünberg 
und Homberg a. 0. Vgl. Zeitschr. N. F. XXIX S. 166. 



— 257 — 

in die kuchen. Item kaufF ich 20 hundert kappussetzelinge 
vor 8 tor. und sasten die ufF den Bygen. 

120, Item darnach ufF den dienstag slug man 1 rindichen Juni 25 
und 4 schaffe in dye kuchen, wand Emriches ^) und Cluders 
gesellen hü lagen. 

Lieferungen und Ausgaben für die Küche. 

12 L Item ufF denselben sontag {nach Peter U7id Paul) gab ich Juni 30 
2 s. pen. vor 5V2 hubysen, hatte Gilbracht Schedil beslagen, 
als he eyn marschalg zu Hoenburg waz, und hatten eynen 
red vorhanden. Item quamen 10 schaffe in dy kuchen. 

122. Item ufF den mitwochen quamen 5 schaffe in dy® Jnli S 
kuchen. 

123.^ Item quinta feria ipso die Udelrici et Martini kauft JM 4 
ich 8 mal. habern vor 8 pund hei. umb Ruscharten ^) und 
umb Swengken. Item uff denselben tag gab ich 15 pen. 
umb 3 phund hebe zu bagkin, wand wir myns junghern 
waren warten von Wirtzeburg. 

Lieferungen für die Küche. 

124. Item den dinstag noch Margarete, als myn jungher Juli 10 
dii stede vorbot hatte und reden myd yme geyn Volde, 

du vorczerten unse gesellen 20 tor. czu Aulahe an wyne 
und fudere. Item czu demselben male vortzerte Johan 
von Eysenbach und syne geseien 18 tor., dez galt ich 6 
tor., Cluder sesse und Emriche von Linden sesse, wand 
he von myns junghern wene auch da waz. 

In der folgenden Zeit Lieferungen und Anhäufe für die Küche, 

125. Item uff den frytag (nach Cyriaci) kaufft ich 3 pund ^w^. ^ 
hebe zu bagken vor 15 pen., als myn jungher quam. 

126. Item uff den sonabind an sente Laurencien tage ^u{/. lo 
quam myn jungher zu mittage von Hoenburg % da quamen 

in dii kuchen 6 stogfische und 3 kese, und 2 hundert eiger 
quamen uz dem renthobe. 

Lieferungen und Ankätife für die Küche. 

127. Item darnach uff den montag gab ich 13^2 s. pen. Atig. 12 
umb 7 elin swarczes parchans myme junghern czu eyme 
underschoppin. *) Item 4 s. pen. umb 4 (elin) lynduches 



*) Emmerich v. Linden in Romrod. Vgl. Zeitschr. N. F. XIX 
S. 57 Nr. 61. 

Vgl. Zeitschr. N. F. XXIX S. 178. 
vohi Homberg a. 0. 
*) Untergewand. 



> Vgl 
») Wo] 



— 258 — 

darunder. Item 1 s. hell, umb weydengarn auch myme 
junghern. 

Ankauf von Hafer eic, 

Aug. 13 128, Item darnach ufF den dinstag kaufFt [ich] hern 
Ditleybe 7 elyn parchans vor 1 pund hell, und 3 elyn lin- 
duches vor 2 s. pen. zu fuderduche von myns junghern 
geheißin. 

Ausgaben und Lieferungen für den Hofhält . 

Aug. 17 i29. Item ufF denselben tag (vorhergeht sonabind nach 
unser lieben frauwen tage) zcu morgen gab ich 2 groschen 
Ruwentale^) vor habern, da stund sin (?) die harnasche 
vor, als he gein Cassel sulde ryden myd Frytzejn von 
Felsperg. Item ufF denselben sonabind gab [ich] 20 tor. 
umb 5 elyn duchs grüne imd grüne dez koniges boden 
von Beheymen. 

Aufgaben mid Lieferungen für den Hofhalt, 

Aug. IS 130. Item ufF den selben sontag (nach assumptionis 
Marie) reyd myn jungher, du man gaz, gein den Gißen, 
du det ich pantloßunge zcum smyde 85 ysen, darvor gab 
ich 272 pund an 5 heller. Item gab ich 2 pund heller 
vor 2 par lerse Herman Koche und Otten Kochen. Item 
dezselben tages gab ich 2 tor. Hengken Weiden vor 1 
par lersen zcu vorsußen. Item dezselben tages gab [ich] 
3 tor. vor 2 par schuhe myme junghern. Item dez selben 
tages gab [ich] 2 tor. vor 1 par schuhe Henichin Schützen. 
Item dez selben tages 2 groschin Rudollen (!) vor 1 par 
schuhe. Item dez selben tages gab ich 2 groschen hern 
Dytleybe. 

Avg. 20 131. Item ufF den dinstag quam myn jungher von den 
Gißin zcu vesperziit zum Kirchain, du kaufft ich 3 mal. 
habern vor 3 pund und 3 großen czu Folkartz hus. Item 
quamen in dii kuche 1 kue und 4 schafFe, da aßen wir 
von, wand myn jungher nicht enquam. 

Attg. 21 132. Item ufF den mitwochen, als myn jungher zcum 
Kirchain hatte gelegen ubir nacht und sin geseln gein 
Hessen schigkede und reyd widder gein Gißen, det ich 
pantlosunge, daß RudolfF smyd beslagen hatte 43 ysen, 
darvor gab ich 14 s. pen. und 4 pen. Ausgaben und 
Lieferungen für den Hof halt. Item b^/% pund vor 1 fuder 



Wohl Heinrich R., vgl. Zeitschr. XIX S. 103. 



— 259 — 

biers, drunken sii auch zcum Kirchain, und den wyn fürten 
wir von Marpurg dar. 

133. Item ufF den donrstag hatten wir fleischs gnug, Ättg. 22 
daz wir gekochet hatten ufF myn junghern, du quam he 
nicht. 

134. Item ufF den ftytag uff sente Bartholomeus abind Atig. 23 
kaufft ich 5 stugke stogfisches vor 1 tor., daz die gesellen 

czu nune gaßen, die den zehenden her heym geleyten von 
Ebistorff. 

135. Item dezselben tages, als myn jungher von Gißen 
quam dez abindes, kaufft ich 3 mal. habern vor 3 pund 
3 groschen umb Pauls Gyßen. ^) Ausgaben und Lieferungen 
zur Hofhaltung. 

136. Item {vorhergeht uff den sonabind an sent Bartho- Aug. 24 
lomeus tag) gab ich 9 hell, umb ^/s buch pappirs myns 
junghern schrybern. 

Ausgaben tmd Lieferungen für den Hofhält. 

137. Item dez tages {Dienstag danach) det ich pantlosunge Aug. 27 
5 groschen vor 1 motte habern Diderich Milchelinge und 
Lodewig Baldemar zcu Hartunges hus, als sii myn [jung- 
her] czu Rodenberg sante. Item gab ich 1 tor. den schry- 
bern vor 1 hut pergemyns, holte Lodewice. Ausgaben etc. 

für den Hoffialt. 

138. Item darnach uff den sontag det ich pantlosunge Sept. 1 
Herman von Ole zu Mengoz Kolben ^) hus 9 tor. von 
myns junghern geheißen, als he bii myme junghern waz 

von dez greben wen von der Margke. ^) Item quamen in 
die kuchen 1 kue, 8 schaffe, 2 dorre sytin eßefleischs, 18 
junge hunere, wand uns czwelffe myd gleven quamen dez 
abindez, daz waz Frangke von Heyge. 

Ausgaben etc. für den Hofhalt. 

139. Item uff den mitwochen zcu abinde gab ich 18 pen. Sept. 4 
umb 2 quarte wins, d[u] az grebe Otte von Nasauw® mit 
myme junghern. 9 Schafe U7id 19 junge Hühner in die Küche. 

140. Item uff den donrstag quamen in die kuchen 2 Sept. 5 
kuwe, 10 schaffe, 20 hunere, 3 syten eßefleischs, wand die 

von Breidenbach und anders myns junghern frunde und 
helffere quamen dez abundez mit zweynhundert perden. 
Ausgaben für Wein und Hafer. Item kauft ich eyne halbe 

^) Vgl. Zeitschr. N. F. XXIX. S. IM. 
«) Vgl. ebenda S. 177 Anm. 4. 
») Engelbert. 

N. F. BD. XXX. 17 



— 260 — 

thun heringes vor 8^/2 gülden und 1 tor., y® seßzehin 
groschen vor eynen gülden. 

Sept. 6 141. Item uff den frytag gab ich 7 s. pen. und 3 hei. 
vor 5 phund swebils an eyn firteil von myns junghern 
geheißen. Ausgaben für den Hofhält. 

Sept. 7 142. Item dezselben tage[s] (sonabind an unser lieben 
frauwen abind, als sii geboren ward) det ich pantlosunge 
Johanne von Breidenbach 32 tor. vor 2 mal. habern, als 
sii gein Hessen reden von myns junghern geheißin. Item 
dezselben tages det ich pantlosunge Johanne Gruwele ^) 
20 tor. vor 5 motte habern auch von myns junghern ge- 
heißen. Item . . . antwurte ich myme junghern 20 tor. vor 
eyn beyngewand, kaufft he umb Herman Plettener, als 
myn jungher dez morgens reyd gein Wolkirsdorff. 

Sept. 8 143. Item uff den sontag an unser lieben frauwen tag 
quamen in dii kuchen 1 kue, 7 schaffe und 4 junge hunere, 
als myn jungher widder quam von Wolkerstorff. — 
Lieferungen für die Küche. 

Sept. 10 144. Item uff denselben tag {Dienstag) gab ich '4^2 tor. 
vor 3 par schuhe myns junghern drein knechtin Heynken 
Weidin, Ysernheinrich und Heynen sym® Ryner. 

S^t. 11 145. Item uff den mitwochen gab [ich] 9 tor. vor swebil, 
den lyes Jacob Casselman brengen von Wetzfiar. 

Sept. 12 146. Item dezselben tages (Donnerstag) gab ich eyn (?) 
groschen umb 3 junge hunere myme junghern, du hatte 
he geladet hern Johan von Ly[n]din und Johane von Bel- 
dirsheym. Ausgaben und Lieferu?igen für die Hofhaltung. 

Sept. IS 147. Item uff den frytag uff dez heiigen cruces abind 
kaufft ich fische vor 6V2 tor. in die kuchen, wand die 
gesellen quamen von Cassel. Aufgaben für die Hofhaltung. 

Sept. 14 148. Item (uff den sonabind, waz dez heiigen cruces tag) 
gab ich 19 pen. umb zwene schroyde yßins, holte RudolfF 

smyd zcu furpilen von myns junghern geheißen Item 

quamen in die kuchen 7 kese und dez abindez hundert 
eiger und 3 kese, du aß myn jungher zcu der parre myd 
synen mannen und borgmanen, dii he vorboyd hatte. 

Lieferungen und Ausgabeii für die Hofhaltung. 

Sept. 18 149. Item (uff den mitwochen vor fronfaste) gab ich 25 
pen. vor süße beringe myme junghern und dem rade. . . . 

Sept. 10 150. Item (uff den donrstag) gab ich 6 pen. umb eiger 
grebe Otten von Nasauwe und myme junghern. Item 1 
groschen gab ich greben Heinr(iches) von Spanheym 
schrybir, hatte sin perd in der herburge vorzerit. Item 

1) = V. Dernbach (vgl. Zeitschr. N. F. XIX S. 57 Nr. 73). 



— 261 — 

dezselben donrstages reyd myn jungher gein Frangketiberg 
ufF eynen tag, du det ich pantlosunge zcum smyde 3 pund 
an 3 pen. 102 ysen. 

151. Item darnach ufF den frytag quam myn jungher Sept. 20 
zcu vespercziit, gab ich 3 groschen umb oley, item 5 tor. 

umb süße beringe, item 1 gro[s]chen umb schonebrod 

152. Item (ufF den sonabind an sente Matheus tag) gab Sept. 21 
ich 1 groschen an pergemynd und 6 pen. umb pappir 
myns junghern schrybern. . . . 

153. Item dezselben sontages {danach), du man gaß, Sept. 22 
reyd myn jungher gein Hessen, du gab ich 3 tor. vor 2 

paf schuhe myme junghern. Ausgaben für die Küche etc. 

154. Item dez sonabins an sent Michels abind gab ich Sept. 28 
16 tor., vorzerten myns junghern Frunde, dii mit myr uff 

dem tage waren zcu Birgiln gein den groben von Cygen- 
hain. ^) 

Ausgaben für die Küche, 

155. Item uff den sonabend achtage nach Michelis gab Okt. 5 
ich 4 tor. umb 1 hundert eiger, als myn jungher uff den 
abind quam von Cassel. Item gab ich 3 tor. umb 6 pund 
hebe wyß zcu backen. Item gab ich 4 tor. an 2 pen. 

umb P/a hundert quedin myner Frauwen und myme jung- 
hern .... 

156. Item darnach uff den sontag gab ich 1 groschen Okt. 6 
dez comthurs schribir zu dem {Lücke), du brachte he myme 

unghern wilde hunere. 

157. Item uff den dinstag darnach andelegete ich 3 Okt. 8 
groschen myme junghern, als myn Frauwe quam von Cassel. 

158. Item uff den mitwochen morgen andeloget ich 1 Okt. 9 
lilachen Henrich dem budenbendere, du he die Faß band 

in der molen zu dem nuwen wyne. 

Ausgaben für den Hof halt des Landgrafen und der Landgräfin. 

159. Item uff den montag vor Sente Gallen tage gab Okt. 14 
ich 18 tor. umb 1 wenFol schebersteins, holte der jungFrauwen 

wen von Caldern bii Blangstein. ^) . . . 

160. Item uff denselben tag (mittwochen an sente Gallen Okt. 16 
tag) gab ich 2^/2 groschen umb 40 kacheln in den offen 

in die smytten. 

161. Item (uff den donrstag) gab ich 2 groschen umb Oki. 17 
2 sloß und zwene slußil an die habichkamern. Item gab 



? 



Gottfried. 

Blankenstein (Burg bei Gladenbach). 



— 262 ^ 

ich 17 pen. umb 4 slußile den Jungfrau wen an die ge- 
malten kamern. Item gab ich 5 s. pen. umb vier schenen 
ysens, da machte man myner frauwen ein rust in er bade- 
budin uff der borg. 

Ausgaben für de7i Hofhält. 

Okt. 21 162, Item uff den montag darnach kaufft [ich] 6 pund 
eins swynen bradin vor 15 pen. myner frauwen und myme 
junghern. . . . 

Okt. 22 163. Item uff den dinstag darnach andelaget ich 2 tor. 
myme junghern [und] myner frauwen zcu oppirgelde. . . . 

Okt. 26 164. Item reid myn jungher dez sonabindes und bleib 
myn frauwe zcu Marpurg. Item uff denselbin sonabind^ 
als myn jungher enweg reid gein Frangken, du gab ich 
6 pund 9 s. hei. vor 3 par lerßen und 23 par schü myme 
junghern, Hennen Schützen, Keinen sym® Ryner 3 par 
lerßen, den jungfrauwen 14 par schü, den zweyn stal- 
knechten Sweblin und Lotzichen 2 par, item zwen kamer- 
knechten Hermann und Hennen 2 par, item Conr[a]d 
Weydeman 1 par schü und Wenciln 1 par dem wey- 
demanne, item Ysernheinrich 1 par schuhe ouch von myns 
junghern geheiß. Ausgaben für den Hof halt und Lieferungen 
in die Küche. Item uff denselben sonabind morgen gab 
ich 18 pen. umb Vs vierteil wins myme junghern in Otten 
hus von Sassen, als hee enweg reyd gein Frangken. Item 
Hennen jegerknechte 1 par schü vor 3 tor. von myns 
junghern heißin. 

Okt. 27 165. Item uff den sontag gab [ich] 1 tor. umb 4 pund 
swynenbraden myner frauwin. 

Okt. 28 166. Item uff den montag an sente Symonis et Jude 
tag hatte myn frauwe er bregfrauwen (?) geladin, du gab ich 
7^/2 s. pen. um 2V2 firteil Eisessers uz der stad eren 
gesten. 

Atisgaben für den Hofhalt und Lieferungen in die Küche. 

Okt. 31 167. Item (uff den donrstag) gab ich Girlache Drebstab 
1 s. pen., der hatte myner frauwen 3 tage geerbeid, gecleibt 
und gemacht an der cleynen stobin. 

Ausgäbest und Lieferungen zum Hofhält. 

Nov. () 168. Item uff den mitwochen (vor Martini) gab ich 16 
tor. Peter vor zwene nuwe czoyme myner frauwen und 
vor zwey nuwe bamest *) an myner frauwen seddele 

*) Unterfutter für die Sättel ; vgl. Vilmar, Idiotikon S. 24 s. v. Barn- 

bastcr. 



— 263 — 

169, Item dezselben tages des (sontages an sente Nov. 10 
Mertins abind) gab [ich] 16 groschen vor eyne wygen, 

als myn frauwen (!) die selbir gedinget hatte. 

170, Item ufF den montag an sente Mertins tag leiste Nov. 11 
ich und myns junghern frunde, man und borgmanne einen 

tag zcu Birgiln myd dem greben von Ziginhain, du galt 
ich 18 tor. zcu dem wyne, die sie vortzeret hatten. Item 
uff denselben tag gab ich 14 gülden umb 3 cyntener 
bodern, die Wigand Sleigerman myr kauffte in dem Frede- 
iDcrger merte zcu Fredeberg. Item 1 pund saffrans an 
•eynen ort 5 gülden. Item 10 phund pfeffirs vor 3 guldin 

4 tor. Item V2 pund moschadin blumen vor 16 tor. Item 
•6 pund komels vor 11 tor. 6 hell., als myr Wigand daz 
kauffte zcu Fredeberg. Item 2 buch kleines pappirs vor 
3 tor. Ausgaben uir Hofhaltung. 

171. Item darnach uff den frytag quam myn jungher Nov. 15 
:gereden von Frangkin, du gab ich 3 tor. umb 6 pund hebe 

^cu backen. 

Ausgaben für den Hofhalt, Bauliche Arbeiten {Ausbesserunge7i) 
auf der Burg, 

172, Item dezselben ziit hatte Girlach Dregestab und 
Herman Ebirtal gedacht dii stelle uff dem hus, yclicher hatte 

5 tage geerbeid, y® den tag umb 1 groschen. Summa 10 
groschen. Item Hencze karnknecht 1 groschen, der en 
lialf zwene tage leymen machen. 

173, Item uff den sontag achtage nach Martini gab ich Nov. 17 
liern Ditleibe 7 pund 8 groschen von myns junghern ge- 
lieiße, da kauffte he duch umb Contzichin Wildener. 

174. Item uff den montag darnach du gab ich 4 tor. Nor. 18 
Schybeknechte dem cymmermane, daz he vier tage erbeide 

an dem schornsteyne uff der gemalten kammern 

175. Item uff den frytag leisten myns junghern frunde Nov. 22 
«ynen tag zcu Birgiln mit dem greben, du galt ich 26 

pen. zum wyne vor hern Johanne Monich, vor Wigand 
Schabin, Johan von Hatzfelt und vor anders myns jung- 
hern frunde, die mit myr uff dem tage waren. Item uff 
•denselben abind gab ich 18 pen. vor ^/2 firteil wins myner 
frauwen, wand er aide hobemeisterschen komen waz. . . . 
Item gab ich 13 groschen von vier rugkin zcu machen 
Heinken Kaltacker, Keinen syme Riner, als myn jungher 
daz selbir dingete umb Herman snydern. 

Ausgaben für den Hofhält. 

176. Item uff den montag an sente Katherinen tag reyd Nov. 25 



— 264 — 

myn jungher gein den Gißen, du brachte Lotzichen schuch- 
Worte 12 par schuhe myner frauwen und den jungfirauwen 
10 par und eren kemmeren Morlyne und Henrich zwey 
par. darvore gab ich 18 tor. von myner frauwen ge- 
heißen. . . . 

Nov. 20 177, Item ufF den dinstag darnach kaufFt ich cappus 
uffe dem merte vor 11^/2 s. pen. zu mußkrude^) in die 
kuchen, wand wir kein krud zu kochen hatten den den 
gesultzten cappus, dez wulden wir noch nicht brechen. 

Nov. 27 178, Item ufF den mitwochin zcu abinde batin myn 
frauwe und myn jungher, du gab ich 2 tor. umb ^/e firteil 
wins von myns junghern geheißin. 

Ausgaben für den Hofhält, 

Dez. 1 179, Item uff den sontag gab ich 6 pund hei. umb 
graw« duch den zu 8 rockin dem schribir, Knouffe, Ger- 
hard Gebure, Henczil Hobemeister und anders vier knechten 
in dem renthobe. 

Ausgaben für den Hofhält. 

Dex. 7 180, Item uff denselben tag {Sonnabend nach Nicolai} 
gab ich 10 heller umb s[t]ogfische und beringe hern Ditleybe 
in die stad, als he gehalden hatte uff die fiende. 

Aufgaben für den Hofhalt etc, 

Dex. 14 181, Item dez neisten sonabindes nach Lucie reid myn 
jungher gein Hessen 2), du kauffte he 3 coyme und 1 sadel 
umb Peter, darvor gab ich 3 pund heller 6 groschen, wand 
myn jungher daz selbes umb gult dingete. . . . Item gab 
ich 5 tor. umb eigere und 3 pen. in die kuchen, wand ich 
eyn ey vor eyn heller muste kauffin. 

Dex.. 15 182, Item uff den sontag gab ich 14 s. pen. vor 1 par 
lersen und 2 par schuhe hern Ditleybe von myns jung- 
hern geheißin. 

Ausgaben für den Hof halt und die persönlicJien Bedürfnisse 

der Landgräfin, bauliche Verbesserungen, Opfergeld für das 

auf die Burg gehönge Hofgesinde. 

Dex. 26 183, Item uff den sente Stephans [tag] uff den donrstag 
gab ich 4 s. pen. umb 1 firteil wins myner frauwin und 



^) Kraut zum Gemüse, Vilmar, Idiotikon S. 276. 

*) Im Ausgaberegister des Martinsstifts in Kassel ist zum 17. Dez. 
eingetragen: „Domicello nostro feria tercia ante Thome 2 flor. pro 
propina . 



— 265 — 

yren gesten frauwen Jenen, frauwen Katherynen von Coppen- 
felt und jungfrauwen Jutte und hern Hasen duchter 

184. Item uff denselben frytag (an sente Johanstage) Dex. 27 
andelegete ich 4 pund hell, von Rupracht Wißgerwirs 
kinde zcu czihende siner eldermuter. 

185. Item uff der kindein tag quam myn jungher von Bex,. 28 
Cassel. 1) 

Atisgabefi für den Hofhalt 

186. Item uff denselben tag (dinstag am jaresabinde) Dex. 31 
gab ich 2 s. pen. umb 2 quarte wins myme junghern, du 

der grebe Otte von Nasauwe und her Crafft Foud myd 
myme junghern küchten ^) in syner stobin. . . . 

187. Item ^) gab ich 14 pund hei. eyme gebure von 
Elmitzhusen *) vor eyn swartz perd, ward myme junghern 
selbins. 

188. Item gab ich Fultzen von Lare 7^2 pund hell, vor 
eyn rot perd, daz gab myn jungher Eckarte von Hoen- 
fels dem jungen. 

189. Item gab ich Tylen von Falkinberg und Karlen 
von Trubenbeche 61 pund heller vor mynen junghern. 



Anno domini MCCCLXXXVII. Diit ist des gesindes 
Ion in dem renthobe. 

190. Czum irsten Henczil dem hobemeister 4 pund hell., 

1 rogk, 2 par schu® vor 6 tor. Item Heintzen Wildener, 
der daz malcz bereidet und bruwit, 4 pund hell. Item 
Reckinhusen dem wenknechte 4 pund, 1 rogk, 6 tor. vor 

2 par schue. Item Dideriche sym« gesellen 4 pund, 1 rogk, 
6 tor. vor 2 par schu«. Item Heinczen von Endebach 
4 pund, 1 rogk, 6 tor. vor 2 par schu®. Item Hennen 
Rephane 3V2 pund, 1 rogk, 6 tor. vor 2 par schu«. Item 
Rupracht dem kuhirtin 16 s. pen., 6 tor. vor 2 par schu«, 

3 s. pen. vor eynen kydil. Item Henichin swinhirtin 15 
s. pen., 3 s. pen. vor eynen kydil und 6 tor. vor 2 [par] 
schu®. Item Hillen der aldin mayd 16 s. pen., eynen rogk 
von eyme punde, 4 s. pen. vor 2 par schu® und 8 elin 
fleschinduches. 



*) Auf besonderem Blatte Verzeichnis des Hofgesindes, „dem 
ich gelonet han zu Michelis und zcu wyhenachten daz halbe jar". 
Vgl. Nr. 50 u. 106. 

»I = sich erfrischen? Lexer, mhd. Wörterbuch s. v. quicken. 

^) Die nächsten drei Posten ohne Tagesangabe, wahrscheinlich 
später hinzugefügt. 

*) Elmshausen so. Biedenkopf. 



— 266 — 

Verzeichnis der seit der Ankunft des Landgrafen {Sonnabend 

nach Michaelis) und der Landgräfin {am Mittwoch danach) 

aus Kassel aus dem Renthofe in die Küche gelieferten Lebens- 

mittel, hauptsächlich Fleisch. 



Bodenion. 
Anno domini MCCCLXXXVii. Diit sint dii bodinloine 
in dem vierden jore. 

Jan. 9 191. Czum irsten ufF den mitwochen nach dem zwelfFtin 
tage gab ich 2 gülden Herman Unhogen, daz hee dez 
herczogen ^) von Heidelberg brifFe brachte dem marcgrebe 
Wilhelm gein Treße von myns junghern geheißen. 

192. Item ufF denselben tag Aplin von der Kyntzeiche 
6V2 tor., daz he ouch dez herczouge[n] brifF brachte marc- 
grebe Balthasar gein Gotha von myns junghern wene. 

Jan. IS 193. Item ofF den achtzehin tag Hobemenschen dem 
boden 2 tor., daz he myns junghern brifF brachte Emrich 
von Rumerade.^) 

194. Item ufF denselbin tag gap ich 4 groschen marg- 
grebin Wilhelms boden von myns junghern geheißin zu 
tranggelde, du he heim geyng. 

Jan. 14 195. Item darnach ufF den neisten montag Kerinbache 
2V2 tor., daz he myns junghern bryff brachte grebe Johanne 
von Solmiße gein BrunFels. 

Jan. IS 196. Item darnach ufF den neisten Frytag gab ich Gobiin 
dem boden 1 s. pen., daz he mit myns junghern brifFen 
liefF gein DredorfF. 

Ja7i. 29 197. Item ufF den dinstag nach sent Pauls tage gab 
ich 10 groschen Gobiin dem bodin, daz hee mit myns jung- 
hern brifFe lyfF gein Cruczenach. 

Febr. :i 198. Item darnach ufF den sontag gab ich 7 tor. Frederich 
dem boden, daz he myns junghern brifFe brachte dem von 
Brunecke gein Mentze. 

Febr. 22 199. Item ufF sente Petris tag ufF den irsten frytag in 
der fastin 1 boden 15 pen., der myns junghern briff brachte 
hern Johanne und hern Volprachte von Swalbach gein 
den Gißen. 

Febr. 24 200. Item darnach ufF den sontag Invocavit Herman 
Unhogen 4Va tor., daz hee myme junghern eyne antworte 
brachte von hern Johanne und hern Volprach von Swal- 
bach. 

201. Item darnach uff den donrstag gab ich 4^2 tor. 

*) Ruprecht. 

*) = Emmerich v. Linden zu Romrod. Vgl. 0. S. 257 Anm. 1. 



— 267 — 

eyme boden gern Cassel mit myns junghern briffin dii« 
appellation. 

202, Item ufF den frytag vor Letare 1 boden 15 pen., 3/r/V:^ 15 
der myns junghern brifFe brachte zu den Gißin und kun- 
digete en, daz der lantfrede abe waz getan. 

203, Item ufF denselben tag 15 pen. 1 boden gein 
Frangkenberg mit derselben botschaft. 

204, Item ufF den sontag nach Letare 1 boden 5 tor., Marx 24 
der brachte myner Frauwin eynen bulch gein Cassel. 

255. Item ufF den palmabind 1 bodin 4V2 tor., der Marx 30 
brachte mym junghern brifF gein Cassel. 

206, Item ufF den dinstag nach palmen 1 bodin 1 s. ^pr. 2 
hell., der Wernher von Falkenberg brifFe brachte gein 
Ameneburg. 

207, Item ufF den krommitwochen 1 bodin 1 tor. gein.^i^?'. -v 
Bidenkap, als wir die gewender ^) von FrankenFord sulden 
geleiden. 

208, Item ufF denselben tag 1 bodin 2 tor. zu Emrich ^) 
gein Alsfeld auch von der gewender wen umb eyn ge- 
leydene herheym. 

209, Item ufF den dinstag nach Quasimodogeniti Her- j^^r. i6* 
man Unhogin 15 pen., daz he ly®fF gein Glibperg und 
brachte grebe Ruprechte^) eynen brifF von myns junghern 
wene. 

210, Item darnach ufF den neisten frytag 1 boden gein Apr. V) 
Wettir 5 pen. Item ufF denselben tag 1 boden 5 pen. gein 
Ameneburg. 

2U. Item darnach ufF den neisten sonabint 1 boden 2 Apr. 20 
tor. zu Emriche von Linden gein ElsFelt. 

212, Item uff sente Marcus tag 1 boden 2 tor., der myns Ai^r. 2o 
junghern briffe brachte gein Hoenburg *) und gein Alsfeld. 

Item uff denselben tag 1 boden 2^2 tor. mit myns jung- 
hern briffin gein Grunberg und gein Gißin. Item 1 boden 
15 pen., der myns junghern briff brachte greben Ruprachte-''^ 
gein Glibperg. Item uff denselben tag 1 boden 2 tor. gein 
Bydenkab myt myns junghern briffe. Item 1 boden 5 
pen. mit myns junghern briffe zum Kirchan. 

213, Item uff den montag vor Walpurgis, als myn jung- Apr. 29 
her quam, 1 boden 2 tor. myt myns junghern briffe gein 
Alsfeld zu Emriche von Lynden. Item uff denselben 

^) Tuchverkäufer. 

2) E. V. Linden. 

•) von Nassau-Sonnenberg. 

*) a. Ohm. 

*) von Nassau-Sonnenberg. 



— 268 — 

dinstag 15 pen. 1 boden zu Johane von Hatzfelt myt 
[myns] junghern briffen. Item ufF denselben tag 1 boden 
5 pen., der myns junghern brifF brachte hern Girhard von 
Seibach gein Blangkenstein. 

Ajyr. 30 214, Item uff Walpurge abind 3 tor. 1 boden gein Her- 
born, der myns junghern briff brachte dem greben von 
Nassauw®.^) Item uff denselben tag 1 tor. eym® boden^ 
der myns junghern briff brachte hern Gerlache von Brey- 
denbach zu Bydinkab. 
Mai 1 215. Item uff sente Walpurge tag gab ich 10 tor. 
Hermane Unhogin dem boden, daz hee ly®ff myd myns 
junghern briffe gein Wyrtzeborg. 
Mai 2 216. Item uff sent Elsebeth tage 1 bode 4V2 tor., der 
myns junghern briff Otten Groppen brachte gein Cassel. 
Item uff denselben tag 1 boden zum Hermanstein 2 tor. 
mit myns junghern briffen. Item 1 boden 1 tor., der 
Cluder myns junghern briff brachte zu Hoenburg. 
Mai 5 217. Item uff den sontag nach Walpurgis 1 boden 4^2 
tor. myd myn[s] junghern briffe gein Cassel. Item dez- 
selben tages 15 pennige 1 bode gein Frangkenberg mit 
myns junghern [briffe]. 

Mai 22 218. Item uff den mitwochen vor phingisten gab [ich] 
1 boden 7 pen., der myns junghern briffe 2) [brachte] Tyderich 
Schutzsper gein Nordecken. 

Mai 24 219. Item uff den frytag neist darnach gab ich 20 
groschen bruder Johanne Celud und Craffte Juden gein 
Wirczeburg myd myns junghern briffen. Item uff den- 
selben tag 1 boden 1 tor. gein Bydenkab zu dem burger- 
meister von myns junghern geheißen. 

Mai 2ö 220. Item darnach uff den phingistabind 1 boden 2 
groschen gein Wedichstein und sedde dem grebin^) sin 
Vorworte uff von myns junghern wene. 

Jtmi 1 221. Item uff den sontag vor unsers hern liechumstag 
Fernkaste dem boden 4V2 tor., daz he mym® junghern 
einen briff brachte gein Cassel. 

Juni i") 222. Item uff unsers hern hechum abind 1 boden 15 
pen., der myns junghern briff brachte hern Johanne von 
Swalbach gein Giessin. Item uff denselben tag 1 boden 
3 tor., der myns junghern briff brachte dem grebin von 
SeynC*) czu Hachenberg. 



*) Johann. 
«) Vorl. briffte. 
') Johann. 
*) Johann. 



— 269 — 

223. Item uff den donrstag an unsers hern liechum Juni 6 
tage gab ich Frederich dem bodin 4^/« tor., daz he myme 
junghern briffe brachte zu Cassel, die her Ditley ein ant- 
wurte brachte vom® koninge. 

224. Item uff den frytag darnach 1 boden 4V2 tor., daz Jttni 7 
he myme junghern ein entsegesbriff brachte czu Cassel 

von Hans wene von Falkenberg. 

225. Item darnach neisten mitwochen Hobemenschen Ju7ii 12 
dem boden 3 tor., daz [he] mit myns junghern briffin lyff 

czu grebe Otten gein Kransperg. ^) 

226. Item uff den neisten sontag nach Peter et Pauli «/wwi 30 
gab ich Herman Unhogen 8 tor., daz he myme junghern 
briffe brachte gein Wirczeburg. 

227. Item uff den mitwochen nach Kiliani 1 boden 2 *Mi 10 
tor., der Cluder und Emriche briffe brachte gein Hoenburg 

und gein Rumerade. 

228. Item uff den sontag vor Jacobi gab ich Johans Juli 21 
Hergode 4^/2 tor., daz he lieff zu Cassel zu myme jung- 
hern umb eynen frede czuschen myme junghern und dem 
greben von Cygenhain. 

229. Item darnach uff sente Cyriacus abind 1 boden Auy. 7 
2 tor., der Cluder und Emriche briffe brachte zu Alsfelt 

und zu Hoenburg umb myns junghern geschignisse. Item 
uff denselben tag 1 boden 15 pen., der briffe brachte Jo- 
hane von Helffenberg czu Frankenberg. Item dezselben 
tages 1 boden 6 pen., der eynen bewarisbriff brachte zcu 
Rusch^berg. 

230. Item uff den sontag nach Laurentii 1 boden Her- ^«^. H 
man Unhogen 10 tor., daz hee myns junghern briff trug 

gein Crucenache und gein Meysenheim. Item dezselben 
tages 1 boden 2 tor., der myns junghern briff brachte 
Emriche von Linden gein Alsfelt. 

231. Item dez montages nach Laurentii 1 boden 5 tor., ^^g. 12 
der myd myns junghern briffe lyeff gein Hüne. Item 
dezselben tages 1 bode[n] 15 pen., der myd myns jung- 
hern briffe lieff gein Gyssen zu hern Johanne von Swal- 

bach und hern Gernand von Buchesecke. 

232. Item uff unser frauwin abinde, als sii zcu hymel -4w//. 14 
für, 1 boden 4 tor., der myns junghern briffe brachte gein 
Spangenberg. Item dezselben ^) tages gab ich 6 groschen 

der von Gottingen bodin. Item dezselben tages 1 boden 



;! 



Cransberg i. Taunus. 
Vorl. dezselbes. 



— 270 — 

15 pen., der zcu Hohensolms li®fF zu grebe Johanne von 
myns junghern geschignisse wene. 

Amj. 16 233. Item uff den nesten frytag nach unser frauwen tag 
1 boden gein Smalkaldin 8 tor. myd myns junghern briffe. 
234. Item dezselben tages 1 bodin 15 pen., der myd 
myns junghern briffe lyeff gein Gißin. 

Aug. 20 235. Item uff den dinstag nach assumptionis Marie 1 
boden 4Va tor., der zcu Cassel briffe brachte Otten 
Groppen ^) von myns junghern geschignisse. 

Aug. 19 236. Item darnach dez montages Gartenschaffe dem 
boden 4V2 tor. daz [he] Groppen briffe brachte zcu 
Cassel von dez bischoffs von Mencze wen, als he vor Cassel 
wolde. 

Aug. 22 237. Item darnach uff den neisten donrstag Herman 
Unhogen 15 pen., daz he myme junghern einen briff 
brachte zcu den Gyßin. 

Aug. 24 238. Item dez sonabindis an sent Bartholomeus tage 
Herman Unhogen 8 tor., daz he mit myns junghern briffen 
lieff gein Smalkalden. Item dezselben tages Frederich 
4^/2 tor., daz he myns junghern briffe brachte zcu Cassel. 

Aug. 25 239. Item uff den sontag nach Bartholomeus 1 boden 
9 tor. gein Smalkalden und gein Meyningen mit myns 
junghern briffin. Item dezselben tages 1 boden 4^/2 tor. 
zu Cassel mit myns junghern briffen. Item dezselben tages 
1 bod^n 4V2 tor. gein Borgken und gein Hoenberg mit 
myns junghern briffin. 

Aug. 2fJ 240. Item darnach uff den neisten montag ? boden 
1 sol., der myd myns junghern briffin lyff gein Birgiln 
und gein dem Kirchain. 

Aug. 27 241. Item darnach uff den neisten dinstag Loshard dem 
bodin 15 (?) pen. myd myns junghern briffin gein Frangken- 
berg. Item dezselbin tages 1 boden 1 s. hell., der myns 
junghern briffe brachte gein Kirchain und Ameneburg. 

Aug. 28 242. Item darnach uff den mitwochen 1 boden 15 pen., 
der myns junghern briff brachte hern Johane von Swal- 
bach und hern Gernant von Bushecke gein Gießin. 

Sept. 4 243. Item darnach ubir achtage uff den mitwochen nach 
Egidii zweyn boden 10 groschen von Wirczeborg von 
myns junghern geheißen. Item dezselben tages 1 boden 
15 pen., der myns junghern briff brachte Johane von Hatz- 
felt gein Hatzfelt. Item eyme boden 1 tor., der myns 
junghern briffe brachte den von Breydenbach gein Byden- 

*) Vgl. Zeitschr. N. F. XIX S. 42 Nr. 76, S. 43 Nr. 78. 88. 84, 
S. 44 Nr. 91. 



— 271 — 

kab. Item darnach uff den neisten frytag Gobiin myns Sept. 6 
junghern bodin 3 groschen, du he gein Cassel lieff. Item 
dezselben tages 2 groschen dez greben boden von der 
Margke^) von myns junghern geheißin. 

244, Item darnach uff den montag nach unser lieben Sept. 9 
frauwin tag der lesten Frederich dem boden 12 hell., daz 

he myns junghern briff brachte zcum Kirchain. Item dez- 
selben montages 1 boden 2 tor., der mym® junghern swe- 
bil holte zcu Wetzflar. 

245, Item darnach uff den mitwochen 2 boden gein Sept. 11 
Hoenburg 2 tor., eyner, der dii gesellen sulde brengen, 

und der ander, der en widderbod. Item uff denselben tag 
1 boden gein Rumerade 2 tor. von myns junghern ge- 
heißen. Item dezselben tages 1 bodin 5 pen. myd myns 
junghern briffe zum Kirchain. 

246, Item dez dinstages nach Mathei 1 boden P/2 tor., Sept. 24 
der Emriche von Linde[n] briffe brachte gein Alsfelt. Item 
dezselben tages Herman Unhogen 3V2 tor., daz he mym® 
junghern bryffe brachte zcu Felsperg von dez greben von 
Cygenhain wen. 

247, Item darnach uff den donrstag gab ich demselben Sept. 2f> 
Unhogen SV« tor., daz he mym® junghern briffe brachte 
anderwerbe zcu Felsperg umb dieselbe sache. 

248, Item den sonabind nach Michelis 1 boden 2 Okt. .> 
groschen, der Emriche von Linden einen fredebriff brachte 

von dez greben von Cygenhain wen gein Rumerade. Item 
dezselben tages 1 bodin 1 tor., der hern Ditleibe einen 
briff trug gein Bidinkap. 

249. Item uff den neisten sontag nach Michelis 1 boden Okt. fJ 

3 tor., der mit myns junghern briffe lyeff gein Hoenberg, 
Item uff dieselben cziit 1 boden 5 pen., der einen briff 
brachte Wigande von Erffirshusen gein Ruschenberg. 

250. Item uff den sontag vor sente Gallen tag gab ich Okt. IS 

4 groschen marggreben Wilhelms boden von My^'ssen. 

251. Item uff den mitwoch an sente Gallen tag gab Okt. 16 
ich 1 boden 9 pen., der myns junghern briff brachte Bern- 
hard von Terinbach. 

252. Item darnach uff den irsten sonabind gab ich 1 Okt. 20 
boden 8 pen. der myns junghern briff brachte den Scheng- 

ken gein Sweinsperg. 

253. Item uff den frytag nach sente Severi tag gab Okt. 2r> 
ich 1 boden 15 pen., der deme grebin von Ciegenhain eyn 

briff brachte gein Treise. 

>) Engelbert. 



— 272 — 

Okt. 30 254, Item uff den mitwochen der ander tag nach Symonis 
et Jude gab ich 1 bodin 5 pen. gein Ameneburg. 

Okt. 31 255. Item uff den donrstag an allerheilgen abind 1 
boden 6 pen. gein Ruschenberg. 

Nov. ü 256. Item dez dinstages vor Martini 1 tor. 1 boden gein 
Hoenburg zu Cluder. 

Nov. 9 257. Item darnach dez neisten sonabindis 1 boden 2 
tor., der eynen fredebriff brachte Emriche von Linden gein 
Alsfelt. Item dezselben tages 1 boden 2 tor., der eynen 
briff brachte dem grebin von Ciegenhain, du man den 
frede bestellen sulde. 

Nov. 17 258. Item dez sontages achtage nach Martini 1 boden 
1 tor., der brachte myns junghern briff Enders Lappin 
gein Bydenkab. 

Nov. IS 259. Item uff den montag an sente Elizabecht abind 
1 boden 2 tor., der mit myns junghern briffe lieff zcum 
Kirchain gein Hoenburg und gein Rumerade. Item dez- 
selben tages 1 bodin 15 pen., der myd myns junghern 
briffin [Heff] zcu den Gyßin. Item 1 boden 6 pen. gein 
Lare^) mit myns junghern briff zcu Gumpracht von Stede- 
bach. 

Nov. 20 260. Item dez mitwoches darnach 1 boden 10 tor., der 
myd myns junghern briffe lieff gein Stragkinberg zum 
grebin^) von Spanheim. Item dezselben tages 1 boden 
9 tor., der myns junghern briff brachte gein Heydelberg 
und suchte den grebin von Spanheim. 

Nov. 22 261. Item uff den frytag darnach Syffred Pauwen 2 
groschen gein Lutirnbach myd myns junghern briffin. 

Nov. 27 262. Item uff den mitwochen nach sente Katherinen 
tag 1 boden 5 pen., der ein antwurte brachte Craffte von 
Hatzfelt gein Melnhauw® von myns junghern wene. ^) 



^) Lohra sw. Marburg. 

V 



2) Heinrich; s. o. Nr. 150. 

*) Der Gegenstand dieses Briefwechsels läßt sich aus einer Ur- 
kunde vom 21. November 1387 (Samtarchiv Schubl. 64) erraten, in der 
Kraft V. Hatzfeld, des verstorbenen Ritters Guntram Sohn, bekennt, 
„alsoliche worte, als ich ufF den hochgeborn fursten . . junghern 
Herman lantgraven czu Hessen gesprochen han, bii namen, daz he 
mir meyne gefangen solle abevirraden unde gestolin habe, darane 
habe ich eme unrecht getan unde enweis von eme nicht, dan alse 
von eyme bidderben fursten unde herrin und bidden den egenanntin 
mynen junghern, daz he mir daz virgebe und dez ulf mich vireziihe". 
Auch scheinen finanzielle Dinge damals verhandelt worden zu sein: 
am 11. November quittierte Lise v. Sayn, Gottfrieds v. Hatzfeld Witwe, 
dem Landgrafen über eine Abschlagszahlung von 1000 Gulden. Über 
die sonstigen Beziehungen der v. Hatzfeld zu dem Landgrafen vgl. 
Landau, Ritterburgen IV S. 134 ff.; Zeitschr. N. F. XIX S. 31; XXfic 
S. 177 Anm. 1, S. 208 Anm. 5. 



— 273 — 

263. Item darnach ufF den frytag 1 boden 15 pen., der Nov. 29 
myns junghern brifFe brachte gein Kongisperg hern Johan 
Moniche. 

264. Item ufF den sonabind 1 boden 5 pen. myd myns Nov. 30 
junghern brifFe zcum Kirchain an Gilbrachte von Rade- 
husen und syne gesellen von myns junghern geheißen. 

265. Item darnach ufF den sontag 1 boden 15 pen., Bex. 1 
der myns junghern brifF brachte Johane von Hatzfelt und 
CrafFte hern Crafftis son zcu HatzFelt. Item dezselben 
tages 1 boden 15 pen. der myns junghern briff hern Jo- 
hanne Mönche brachte gein Kongisberg. Item dezselben 
tages 1 groschen Gobiin myns junghern boden, daz he 

liefF [myd] myns junghern brifFe zcu den Gißin hern Ger- 
nande von Buch[s]ecke. 

266. Item ufF den dinstag 1 boden 15 pen. myd myns De^. 3 
junghern brifFen gein Frangkenberg, 1 zcu Johanne von 
Helffinberg und Johanne von Trespache. 

267. Item ipso die conceptonis Marie gab [ich] 3 Dex. 8 
groschen Gobiin myns junghern boden von myns junghern 
geheißin. Item dezselben tages 1 boden 1 tor. myd myns 
junghern briffin zcu Wigand Schaben gein Stauffenberg. 

Item dezselben tages 1 boden 1 tor. myd myns junghern 
brifFe gein Nordeckin. 

268. Item quinta feria post conceptionis beate Marie Dex. 12 
1 boden 2 tor. zcu Tilen von Falkenberg und Karlen von 
Trubenbeche gein dem Schonenstein. Item dezselben tages 

1 boden 2 tor. gein Lyche zcu Erwine Gulden mid myns 
junghern brifFen. 

269. Item ufF den neisten montag nach sente Thomas- Dex. 23 
tag Herman Unhogen dem boden 11 tor., daz he mid myns 
junghern briffin liefF gein Crucenach und czu Meysenheym 

zu dem greben von Veldentz *) und von Sponheim. ^) Item 
1 boden 9 tor., der myns junghern brifF brachte Johanne 
von Hatzfelt gein der Schififenburg. 

270. Item uflF den sontag nach dez heiigen cristage Dex. 29 
1 boden 15 pen., der myns junghern brifF brachte dem 
meister von sente Anthonise zcu Grunenberg. Item dez- 
selben tages 1 bodia 1 tor., der myns junghern brifF 
brachte gein Hoenburg und warnte vor den fienden. 



:{ 



Heinrich. 
Simon. 



Beiträge 

zur 

Genealogie des hessischen Fürstenhauses bis 
auf Philipp den Grossmütigen 

Von 
Carl Knetsch. 



I. Nachträge zu Hermann Die mar s ,;Stammreihe des 
Thüringischen Landgrafenhauses und des Hessischen 
Landgrafenhauses bis auf Philipp den Großmütigen'^ *) 

I. Heinrich L, das Kind von Hessen. 

Heinrichs Tochter Mechthild heiratete ^) v o r 1282 Juni 
25 den Grafen Gottfried VI. zu Ziegenhain. In einer Ur- 
kunde des Klosters Haina^) (Ruschenberg . . 1282 VII. 
Kai. Julii) wird sie von Gottfried „domina Methildis legi- 
tima nostra" genannt. Damit ist der von Diemar nach 
Wenck gesetzte terminus „vor 1283" um 1 Jahr rückwärts 
verschoben. Ihr Gemahl Gottfried starb 1304 November 30.*) 
Darauf erscheint sie als Witwe in Urkunden von 1304 
Dez. 21 bis 1309 Juni 22 s), so daß der Abschliffi ihrer 



>) In dieser Zeitschrift N. F. XXVII 1903. 

*) Eheberedung von 1274 Nov. 7 im St. A. Marburg. Die Ehe 
sollte vollzogen werden, sobald Gottfried das 12. Jahr vollendet habe. 

*) St. A. Mbg., Urkundendepositum des Kl. Haina. 

*) Nach Mitteilung Diemars aus Gerstenberg 442. — Gersten- 
bergs Angabe wird bestätigt durch eine Ziegenhainer Urkunde von 
1313 Sept. 15 (XVII Kai. Oct.) für Haina (im St. A. Mbg., Depos. Haina), 
wonach Graf Johann von Ziegenhain und seine Gemahlin Luchardis 
dem Kloster zur Erinnerung an ihren Vater Gottfried v. Z. eine Mühle 
an der Wohra bei Rauschenberg mit der Bedingung schenken, dafi 
das anniversarium Gottfrieds im Kloster in die beati 
Andree apostoli (= Nov. 30) gefeiert wird. 

^) St. A. Mbg., Ziegenhainer Urk. von 1304 Dez. 21 und 1309 
März 18, Hainaer Urk. von 1306 Jan. 27 und Depos. Haina, Urk. von 
1309 Juni 22. 



— 275 — 

zweiten Ehe mit Philipp IIL Herrn von Falkenstein-Lich 
erst nach diesem Termin anzusetzen ist (nicht 1305, wie 
Diemar sagt). 

II. Heinrich IL der Eiserne. 

In einer Rechnung des Casseler Martinsstifts (offi- 
cium camerae) ^) steht zum Jahre 1391: 

item sabbato ante Bonifacii dedi 14 solidos super 
aniversarium domini lantgravii. 
Danach ist der 3. Juni (1376) als Todestag des Landgrafen 
anzusehen, der Tag, auf den auch Landau nach anderen 
Quellen gekommen war (in dieser Zs. A. F. II 222: 3. oder 
4. Juni). Diemar (Nr. 18 auf S. 18) gibt den 8. Juni an. 

III. Hermann der Gelehrte. 

1. Am 10. November 1387 kaufte die Landgräfin 
Margarethe, Hermanns zweite Gemahlin, eine Wiege. Wir 
können wohl daraus den Schluß ziehen, daß sie selbst in 
ihrer Familie deren bedurfte, daß also kurz vorher oder 
bald darauf ein Kind geboren ist. Vielleicht war es Anna 
(bei Diemar Nr. 32 auf Seite 22), wahrscheinlich aber 
Heinrich (Nr. 33), der erste Sohn des Landgrafen, der 
1394 wieder starb. Der Eintrag in der Marburger Rent- 
meisterrechnung von 1387 % worauf wir unsere Annahme 
gründen, lautet: 

item dezselben tages (dez sontages an sente Mertins 
abind) gab [ich] 16 groschen vor eyne wygin als 
myn frauwen die selbir gedinget hatte. 

2. Agnes (Diemar Nr. 36), Gemahlin Herzog Ottos 
von Braunschweig, die am 16. Januar 1471 zu Münden 
starb, wurde am 25. Januar zu Cassel beigesetzt. Die 
Melsunger Schultheißenrechnung von 1470/71 hat hierüber 
folgenden Eintragt): 

item 7 ß vor scho den priestern czu deme begeng- 
nysse der herczogin von Munden ufF sancte Paulus 
tage (= Pauli conversio, 25. Januar). 

3. Am 13. Oktober 1396 wurde dem Landgrafen 
Hermann ein Sohn geboren, dessen Name nicht über- 
liefert ist. Er ist zwischen Agnes (geb. 1391) und Frie- 

M St. A. Mbg., 0. St. S. 5775. 

*) Siehe den Aufsatz von K ü c h in diesem Bande. Seite 240 u. 263. 

') St. A. Marburg, Leuthaus. 

N. F. BD. XXX. 18 



— 276 — 

drich (geb. 1398) (Diemar Nr. 36 und 37) einzureihen, falls 
nicht etwa doch Hermann (Nr. 38) dieser Sohn ist. Die 
Geburt war von der größten Wichtigkeit, denn dadurch 
wurde nach dem Tode des ersten und bis dahin einzigen 
Sohnes Heinrich des Landgrafen am 13. Juli 1394 nun die 
Gefahr eines Erlöschens der hessischen Dynastie wieder 
gemindert, wenn auch später doch nicht dieser Sohn, son- 
dern allein sein jüngster Bruder Ludwig (I.) der Erhalter 
des Geschlechts werden sollte. 

Im Register des Martinsstifts zu Cassel von 1396 
lesen wir ^) : 

item 1 flor. Hennen Beckere qui nunciavit domino 

decano quod novus princeps esset natus in die 

Lubencii (= 13. Oktober), 
item 6 flor. domine nostre lantgravie in puerperio in 

die Cecilie virginis (= 22. November). 

IV. Ludwig I. der Friedsame. 

1. Ein neuer Beleg für die Beisetzung der Gemahlin 
Johanns III. Grafen zu Nassau-Weilburg, Elisabeth der 
Schönen (Diemar 42, Seite 25) im Jahre 1489 in Weil- 
burg findet sich in der Casseler Kammerrechnung von 
1489 2) auf Blatt 162: 

item 5 gülden domino licenciato Rulando uf sontag 
exaudi [= Mai 31] gegeben vor tzerunge geyn 
Wilborg zcu dem begengkenyße der frauwen von 
Nassauw zcu ryten. 

2. Zwischen 44 und 45 bei Diemar (auf Seite 26) ist 
eine 1453 Ende Januar zu Cassel geborene Tochter ein- 
zuschieben, wenn nicht etwa die folgenden Notizen auf 
Elisabeth die Schöne (Diemar 42) zu beziehen sind. Es 
ist allerdings kaum anzunehmen, daß eine 1453 geborene 
Prinzessin bereits 1464 vermählt worden ist. 

Die Marburger Stadtrechnung von 1453 ^) hat hierüber 
folgende Einträge: 

item uff sontag Blasii, als der burgemeister mit et- 
lichen des radis firunden von Cassel widder kommen 
sin, als sie unser gnedigen frauwen, daz sie eyner 
jungen furstynnen geneßen waz, geschangkt 
hatten, und auch zu unserm gnedigen hern von 
des slegeschaczes wegin etliche werbunge gethan, 

M St. A. Mbg., 0. St. S. 5775. 
«) St. A. Mbg. 



— 277 — 

darumbe dann der burgemeister den rath verbodet 
und den abscheit von unserm gtiedigen hern ine 
geuffint hait gehabt V2 firtel Elsesßers zu 14 heiern 
und 2 maß biers, tud 2^2 ß 2 ^, 
und an anderer Stelle: 

item als der rath gemeynlich überkommen ist unser 
gnedigen fraüwen die eyner jungen furstyn- 
nen genesen waz eyn geschengke zu thün so 
dann gewonlich und darumbe Heinrich Deynhart 
burgemeister, Ludewig im Höbe schefFen, Lude- 
wigen Montselig und Mertyn Kaldenbach zcwene 
. von den viern ußgeweget und sunderlich bevolen 
han von des slegeschaczes wegin mit unserm gne- 
digen hern zu ridden als hait man unser gnedigen 
frauwen geschengt 20 golden, unserm jungen hern 
deßmals bie ire waz 1 golden, dem hobemeister 
2 golden, der hobemeisteryn und den jungfräuwen 
2 golden, der ammen 1 golden, den zcweyn kam- 
merknechten 1 golden 5 albos zu 24 boh. und dem 
twerche, daz unßre jungen hern geleydet hait, 
4 boh. und züsamen 32 Ib. 6 ß. 

item als die obgenanten burgemeistere und des radis 
frunde zu unserm gnedigen hern und unser gne- 
digen fraüwen geschieht sin inmaßen vorgeschriben, 
die dann Heinrich den stadknecht und Gerlachen 
der stad karnknecht mit ine gehabt haben, sin sie 
ußgewest 3 nacht und 4 dage, verczeret uß und 
heym und mit den knechten die perde, so man 
riden solte, zusammen geholt und so man widder- 
kommen ist zu huße gefuret han, tud züsamen 
8 Ib. 5V2 ^ 4 ^. 

item zu solichem obgerurten ryden han die obge- 
nanten des radis frunde 6 perde mit sich gehabt, 
iglichem perde die nacht zu myde gegeben I6V2 ,d\j 
gehit abe der stad pert, und dazu vor hoübslag, 
daz iß tud allis züsamen 2 Ib. 2^/2 ß 5V2 /Sj. 

V. Ludwig IL der Freimütige. 

Ludwigs Vermählung mit Mechthild von Würtemberg 
am 1. September 1454 hat anscheinend nicht in Frankfurt 
(Diemar 40 Seite 25), sondern in Marburg stattgefunden. 
Ich schließe das aus folgenden Einträgen in der Marburger 
Stadtrechnung von 1454^): 

*) Siehe auch Bücking in dieser Zs. N. F. VI, S. 41. 

18* 



— 278 — 

Dißs hirnachgeschriben koste und geschengke ist 
ußgericht von wegin unsers gnedigen hern als zu 
siner gnade sones hern Ludewigs lantgrave zu Hessen 
des jungern bieleger inmaßen hirnach geschriben : 

Item ufF sonnabint nach Jacobi [Juli 27] als der lantfoit 
rentmeister und rath gemeynlich bie eynander gewest 
in des burgemeisters huse und von der herberge zu 
bestellen zu unsers gnedigen lieben jungen hern hoch- 
czijt geridt han, gehabt 3 maßs wyns zu 12 heiern 
und 4 maß biers, tud 3V2 ß 2 ^. 

item ufF dinstag mitwochen und donerstag darnach [Juli 
30. 31, August 1] als von bevele des lantfoidis und 
radis der stadschriber, der keiner ufF der borg und 
stadknechte dorch stad und vorstede zu Marpurg alle 
husunge und herberge besehin, stallunge geachtet, waz 
man in iglichem huße pherde gehalden könne und so- 
lichs dem lantfoide unde rade verczeichint widder bracht, 
darüber mit den und andern knechten vaste erbeit und 
laüfFens gehabt und verczeret, daz iß tud 3V2 Ib. 1 ß, 

item ufF mitwochen unser fraüwen abint assumpcionis 
[August 14] als der lantfoit und hobemeister mit dem 
rade in des burgemeisters büße gewest sin, herberge 
den hern ußgegeben und verczechen han laßen, deß- 
mals gehabt 2 maßs wyns und 3 quarte bieres tud 
2V2 ß. 

item üfF fritag nach unser fraüwen dag assumpcionis 
[August 16] han burgemeister und buwemeister mit 
dem rentmeister in der stad umbegegangen und die 
ordinerunge und bestellunge der herberge besehin und 
ernstlich daz folg geheissen han, sich üfF daz redelichste 
dar ufF zu stellen, sin sie miteynander zum wyn ge- 
gangen in MartdurfFs huse und verczeret 9 ß, 

item ÜfF mitwochen darnach [August 21] als der lantfoit 
nach dem rade in Sifrids huße geschieht, daz mal vaste 
erbar lüde und sunderlich unsers gnedigin hern dynere 
und manschafFt zu herbergen, bestadet und ine die 
verczechent gegeben, hait deßmals auch geridt umbe 
vaste bestellunge, wes dann not gewest ist zu dem ge- 
nanten höbe, gehabt 3V2 ß. 

item ufF fritag sent Bartolomeus abint [August 23] als 
die burgemeistere vaste volgks uff dem Kempwasen 
gehabt han von anmüdunge des landfoidis und daselbs 
den plaen geglichent und die weynwege ingeczogen 



— 279 — 

han, darüber dann burgemeistere, buwemeistere vaste 
erbeit gehabt mit knechten dazu genoczt, verczeret 7 ß. 

item uff sonnabint sent Bartolomeus dag [August 24] 
und uff den montag darnach [August 26] als man zu 
dem obgenanten höbe dorch alle zcunffte, hantwergke 
und gemeynde zu Marpurg schiltwachte und porten- 
hutere bestalt hait, da bie dann etliche des radis ge- 
west, desmals gehabt die zcwen dage, daß iß tud 5^2 ß. 

item uff montag und dinstag nach Bartolomei [August 
26, 27] als unser gnediger her dem landfoide geschriben 
hatte, darumbe er dann den rath die zcwene dage zu 
sich geheischt und der herberge vaste und veil ver- 
ändert han, deßmals dann auch etliche partie vor sie 
kommen, davon verdynet wyn gefallen ist und über- 
tragen baffter den verdyneten wyne die zcwene dage, 
daz iß tud 11 /?. 

item zu dem höbe han die burgemeistere von bevele 
des radis funff fagkeln und vaste geczuges dazu laßen 
machen meistern Jörgen den bossenmeistern, dazu dann 
an ysen, swebel, beche, harcze, bleche und lynenduche 
und anderm geczuge kommen ist und vor mecherlon 
gegeben züsamen 8V2 Ib. 2 /5j und solicher ringe ist 
noch bie sechczig gancz und unverslißen. 

item uff donerstag sent Johannis dag decolacionis 
[August 29] als der underburgermeister schriber und 
knechte in vaste unmußen und lauffens mit dem burge- 
meister gessen han, verczeret 6 ß, 

item als man schiltwachte und portenhude nacht und 
dag dorch die stad, in vorsteden und vor den porten, 
dwile der hob geweret, gehalden hait, dazu dann vaste 
folgkes und knechte bestalt gewest, und die stad- 
knechte und ander knechte darüber vaste lauffens ge- 
habt han, ist den schiltwechtern an brode, kese, bier 
und lichten geandelagt, und schribern und knechten, 
als die zu dem höbe den hern den wyn umbgetragen, 
von der stad wegin geschangt, und vaste lauffens und 
ander erbeit gethan hatten, eyn geschengke gegebin 
nach bevele des radis, daz iß tud allis zusamen 7 Ib. 1 ß. 

item vor eyn phar silbern koppe, die man unser gnedigen 
jungen fraüwen geschangt hat, gegebin 70 golden, den 
golden zu I2V2 ß, tud 87^2 Ib. 

item des goltsmedis knechten geschengt von geheiße 
des radis 3 ß. 



— 280 — 

item als der goltsmedt bie dem rade gewest ist, ver- 
drongken 2 maß wyns und 1 maß biers, tud 2 /? 2 /Sj . 

item als die burgermeistere uff die borg gegangen, 
schriber und knechte mit ine gehabt, und den kopp 
unser gnedigen fraüwen geschangt han, deßmals bie- 
eynander blebin und verczeret 4 ß. 

item als der rath gemeynlich überkommen gewest ist, 
eyn stogke wyns zu keuffen, davon man den hern zum 
höbe schengken müchte, als hait man gekaüfft umbe 
Hennen Martdurff eyn faßs mit wyne, hait gehalden 
eyn fuder 1 firtel und IV2 maßs Elseßer vor 36 golden 
4 /?, in biewesen etlicher des radis ist nach deme ge- 
schengke etlich wyn uberig bieben, den man den 
schriber und Herman Deynhart hait verschengken und 
umbe gelt geben laßen, die dann 12 punt davon ge- 
loest han, als blibet der stad zu gelden 26 golden 4 ß 
und 33 Ib. 47^ /^ 1 ^. 
Summa 100 Ib. 45 Ib. 9 /^ 1 ^. 

VI. Hermann, Erzbischof von Cöln. 

Über Hermanns Leben und die von ihm vor Be- 
steigung des erzbischöflichen Stuhles innegehabten Würden 
erfahren wir neuerdings ^) folgendes, das ich mit Diemars 
Nachrichten (S. 26 Nr. 43) zusammenfasse: 

Hermann, geboren nach 1448 Nov. 5, wohl 1449/50, 
wurde schon früh (1462) Domherr in Mainz, studierte 1462 
in Cöln, erhielt 1463 April 15 durch Nomin ation des De- 
kans Nikolaus von Leiningen die Präbende des f Cölner 
Erzbischofs Dietrich (1463 Juni 13 Ahnenprobe), wurde 
1468 emanzipiert 2) ; er war seit 1465 Propst zu Fritzlar, 
seit 1471 designierter Bischof von Hildesheim, trat aber 
1472 zurück, wurde 1473 März 29 Verweser des Erzstifts 
und 1480 August 11 Erzbischof zu Cöln, dazu 1498 März 7 



^) Wilhelm Kisky, Die Domkapitel der geistlichen Kurfürsten 
in ihrer persönlichen Zusammensetzung im 14. und 15. Jahrhundert. 
Gekrönte Preisschrift, Weimar 1906, Seite 5H. — Kisky bringt auch 
einiges Neue (S. 53) über Otto von Hessen, Erzbischof von Magde- 
burg (Diemar Nr. 19 auf S. 18) und (S. 1H4) über den Bischof von 
Münster Ludwig von Hessen (Diemar Nr. 13, Seite 16). 

2) Unter emancipatio canonicorum versteht man (nach B r i n c k- 
meier, Glossarium diplomaticum I 1850, S. 683) die Entlassung der 
jüngeren canonici aus der Gewalt des scholasticus und ihre feierliche 
Einführung in das Kapitel und den Chor. 



— 281 — 

Bischof von Paderborn, starb 1508 Oktober 19 zu Poppels- 
dorf und wurde im Dom zu Cöln beigesetzt. 

Ein feierliches Begängnis zu seinen Ehren wurde mit 
großem Gepränge in Gegenwart des ganzen Hofes von 
116 Priestern am 14. und 15. November (Dienstag und 
Mittwoch nach Martini) 1508, also fast 4 Wochen nach 
seinem Tode, zu Cassel abgehalten. ^) 

VII. Wilhelm I. der Ältere. 

Wilhelms Gemahlin Anna von Braunschweig- Wolfen- 
büttel starb zu Worms am 16. Mai 1520 und wurde am 
25. Mai (Freitag nach exaudi) daselbst zu St. Andreas 
beigesetzt. ^) 

1. Seine älteste Tochter, Mechthild die Ältere 
(Diemar Seite 30 Nr. 55) ist 1489 geboren. Die Casseler 
Kammerrechnung von 1489 ^) hat darüber folgenden Ein- 
trag (Blatt 146'): 

item 4 gülden Wilhelm dem eitern *) als er mynem 
g. h. die boteschaft brachte von der jungen tochter. 

Da diese Notiz zwischen Einträgen vom 28. September 
(Montag nach Mathei) und 28. Oktober (Mittwoch nach 
11000 Jungfrauen) steht, so ist die Geburt wohl für den 
Monat Oktober anzusetzen. 

2. Mechthild die Jüngere (Diemar S. 30 Nr. 56). 
Die von Diemar in der Anmerkung 14 zitierten Urkunden 
von 1493 Juni 20 (Donnerstag nach Viti et Modesti) und 
1500 Mai 1 (Walpurgis) sind im St.A.Mbg. erhalten, die 
erste in einer gleichzeitigen Papierabschrift, die andere im 
Konzept (Pergament). Kurz vorher, am 13. April 1500 
(Montag nach Palmarum), verschrieb Wilhelm der Mittlere 
anstelle der von seinem Bruder Wilhelm dem Älteren nun 
auf ihn erwachsenen 1000 Gulden, die dem Kloster Weißen- 
stein, Fräulein Mechthild darin „geistlich zu bestatten", 
zugesagt waren, dem Kloster 50 üulden jährlichen Zinses 
aus dem Casseler Stadtzolle, ablösHch mi t IQOÜ Grulden. 
(Perg., Ausfertigung,)^) 

*) Ausgabeverzeichnis (ßelegj üö 

«) St.A.Mbg., O.W. S. i. — Vi 
von Braunschweig, Landgraf in zu H€i 

3) St. A. Mbg. 

*) Dies ist «ier Älteste der H 
Landgrafen Wilhelm. 

s) St.A.Mbg., Kl. Weiaensr».-Mi 




— 282 — 

3. Anna (Diemar S. 31 Nr. 57). Sie wurde ebenso 
wie die Schwester 1493 dem Kloster übergeben. 1493 
Juni 20 verspricht ihr Vater dem Kloster Ahnaberg 1000 
Goldgulden bei ihrer Einsegnung zu zahlen etc. (Perg. 
Ausfertigung.) 1500 April 13 verschreibt Landgraf Wil- 
helm II. dem Kloster anstatt der 1000 Gulden eine mit 
1000 Gulden ablösbare Rente von 50 Gulden aus dem 
Zolle in Cassel. (Perg. Ausf.) ^) 

Über die feierliche Einsegnung, die anscheinend erst 
1501 stattgefunden hat, finden sich einige Einträge in der 
Casseler Rentereirechnung von 1501 ^) : 

(Blatt 103'): item 3 Ib. Gensinge dem snider zcu 
Cassel hait minem gnedigen freuchen zcur insege- 
nung zcum Anenberge czwene wisse rogke einen 
schäm mel Otts ^) uberrog eynen czindel underrog und 
einen swarczen mantel gemacht, 
item 8 ß vor ein loit syden domit die kleider ge- 

nehit sein, 
item 2 ß vor czwern und klammern an die kleider. 
item 4^/2 Ib. der Sebberinschen zcu Cassel gegebn 
uf den schammelot der m. g. freuchen zcum Anen- 
berge zcum rog wart zcur inseinunge. 
(Blatt 127'): item ^ \h, Q ß vor 6 phunt wachs ist 
m. g. freuchen zcum lichte zcur insegenung worden. 
Vom 18. Mai 1509 (Freitag nach ascensionis domini) 
besitzen wir noch einen eigenhändigen Brief der jungen 
Nonne an ihren „Vetter" Landgraf Wilhelm den Mittleren, 
worin sie ihn zum Bau am Kloster um Unterstützung 
(Wagen zur Anfahrt von Holz und Steinen) bittet.^) 

Aus den hessischen Landtagsakten ^) erfahren wir, 
daß sie 1512 Sept. 15 und 1513 Juli 10 noch am Leben 
ist. Die letzte Nachricht von ihr haben wir in einem 
Bittschreiben des Klosters an die hessische Regierung von 
1513 Sept. 13 für ihre Obersten zu Bodicken, das sie mit 
unterschrieb. ^) Kurz nachher ist sie gestorben, am 15. 
Oktober 1513 scheint sie nicht mehr gelebt zu haben. *^) 

^) St. A. Mbg., Kl. Ahnaberg. 

*) St. A. Mbg. 

*) schamelott, eigentlich kamelott, ein Zeug ursprünglich von 
Kamelshaaren, dann ein halbwollener Kleiderstoff (Grimm, Deutsches 
Wörterbuch V S. 95). 

*) St. A. Mbg., Kl. Ahnaberg. 

ö) Glagau, hess. Landtagsakten I 1901, S. 162, 569. 

«) St. A. Mbg., 0. St. S. 5695, heute Bödecken bei Büren im Reg.- 
Bez. Minden, früher Augustinerinnenkloster, jetzt Domäne. 

'') Im Küchenregister von 1513 finden sich einige Einträge, aus 



— 283 — 

2. Nachrichten über einige unebenbürtige Kinder 
hessischer Fürsten. 

I. Landgraf Ludwig IL 

Außer den 3 mit seiner Gemahlin Mechthild von 
Würtemberg erzeugten Kinder, der Tochter Anna und 
2 Söhnen, den später regierenden Landgrafen Wilhelm L 
und Wilhelm II., hatte Landgraf Ludwig, der, wie es in 
bald nach seinem Tode gedruckten Versen heißt, „den 
hübschen frewlyn nyt gehass" war ^), noch einige natür- 
liche Kinder, 3 Töchter und 4 Söhne, davon 3 wieder des 
Namens Wilhelm und den vierten mit dem Namen Jo- 
hannes. 

1. Die Tochter Anna wurde mit Landgraf Wilhelms 
des Älteren Thorknecht Heinz Missener (oder Meissener) 
vermählt. Der Landgraf verschrieb 1484 Mai 23 (am Sonn- 
tage vocem iocund.) in Anerkennung der getreuen Dienste 
„so unser thorknecht Heincz Missener und lieber getruer 
uns und Anna unser swester sin eliche husfrauwe der 
hoichgebornen furstynnen frau Mechtilden geborn von 
Würtemberg und Montpelgart, lantgrafynnen zu Hessen etc. 
witwen unser fruntlichen lieben frauwmuter lange zcyt 
bisher vlisiglich gethan", auch aus besonderer Zuneigung 
und Gunst, „so wir zcu ine uß furderunge der billich- 
keit tragen", dem Ehepaare seine Kemnate „zur Walde" 
[Waldau bei Cassel] mit dazu gehöriger Behausung (ausge- 
nommen die Zehntscheuer), 3 Gärten, 3 etwa 8 Acker 
großen Wiesen, 2 Hüben Landes und gewissen Diensten, 
ablöslich mit 200 rheinischen Gulden. 2) 

2. Eine andere Tochter, Luckel Lambrechts^j, 

denen man auf ihren Tod schließen kann. Am 5. Febr. 1518 heißt 
es: V2 virtel (wins) dem freuchen zcum Annenberge, am 26. März: 
dem freuchen zcu Wissenstein und dem freuchen zcum Annenberge 
1 virtel, am 23. April : dem freuchen zcu Wissenstein V« virtel, ^/2 virtel 
dem freuchen zcum Annenberge: am 15. Okt., 19. Nov., 29. Nov. 151H. 
ebenso 7 mal im Jahre 1515 wird aber nur noch Wein ins Kloster 
Weissenstein gegeben. (Küchenregister 1518. 1515 im St. A. Mbg.). — 
Jedenfalls war sie im November 1516 tot. (St. A. Mbg., 0. W. S. 1, 
Kammergerichtsurteil vom 29. Nov. 1516). — Vgl. auch Armbrust in 
diesem Bande, Seite 6 und 48. 

*) Zulauf, Beiträge zur Geschichte der landgräfl. Hess. Hof- 
kapelle zu Cassel (in dieser Zeitschrift N. F. XXVI 1908) S. 4, vorher 
Pi stör in dieser Zs. N. F. XVIil 1898, S. 127. 

«) St. A. Mbg., Kopialbuch Nr. 11, Blatt 294-295. — Vgl. auch 
Landau in dieser Zeitschrift A. F. VIII, S. 897 und 408. 

3) Ebenfalls von Landau erwähnt Zs. VIII. S. 897. 



— 284 — 

wie sie sich selber schreibt, oder Leuckel Lampast, wie 
äich ihr Name verschiedentlich findet, aus Cassel gebürtig, 
wurde schon in früher Jugend ins Kloster Ahnaberg ge- 
geben, worin sie ungefähr 50 Jahre geblieben ist. Bei 
der Aufhebung des Klosters im Jahre 1527 wurde auch 
sie mit den anderen Nonnen am 23. Oktober (Mittwoch 
nach Luce) abgefunden ^) und erhielt eine Rente von 5 
Malter Frucht partim aus des Klosters Gütern auf Lebens- 
zeit zugebilligt. 

In einem bei den Verhandlungen zur Abfindung der 
Ordenspersonen angelegten Verzeichnisse findet sich über 
sie folgender Eintrag: 

Leuckel Lampast [Randbemerkung : ist landtgrafF 
Ludwigs tochter] hier aus der Stadt, zeigt an, das 
meyn her seliger sie ins kloister geben hab, und 
alle jar ir von der futherleuben ausseim renthofF 
zwei malter freucht ins cloister gegeben sie worden, 
und bey funffzeigk jarn von kindt auff im kloister 
gewesen. Dweil dan ein ander ordenug itzo ge- 
maicht, bit sie meynen g. h. undertheniglichen, ir 
ein g. h. zu sein und jars etwas er leben langk 
geben laissen, stelt solichs zu irem g. h. 
Darunter steht die Entscheidung: 

10 virtel korns ir leben langk, 5 malter partim ir 

leben lang. ^) 
In einem anderen Verzeichnisse der Ahnaberger 
Klosterjungfrauen aus demselben Jahre ist sie als Luck- 
hardis Lampthpast aufgeführt. ^) Vielleicht war Johann 
Lampast in Cassel^), der 1469 vielfach vom Landgrafen 
zu Botengängen verwandt wurde, oder der 1470 öfters im 
Botendienst gebrauchte Toilde Lampracht^) ihr Stiefvater, 
und Else Lamprechts, die 1484 in Cassel lebte und Be- 
sitzungen vor dem Neustädter Thore hatte, ihre Mutter. ^) 
3. Eine dritte Tochter Landgraf Ludwigs, Mar- 
garetha, wurde vor dem 26. August 1487 (vielleicht i486)') 



? 



Urk. über ihre Abfertigung im St. A. Mbg. 
2 gleichzeitige Verzeichnisse der abgefertigten Ordenspersonen 
im St. Ä. Mbg. 

^) St. A. Mbg., Kl. Ahnaberg, Ob. St. S. 5775. 

*) Stölzel, Casseler Stadtrechnungen 1468— 155B (in dieser 
Zeitschrift N. F. Suppl. 3, 1871) Seite 38, fürs Jahr 1472, und St. A. Mbg., 
('asseler Rentmeisterausgaberegister 1469. 

*) St. A. Mbg., Melsunger Schultheisenrechnung 1470. 

®) St. A. Mbg., Casseler Schultheisenrechnung 1484. 

V In der Jahresrechnung des deutschen Ordens zu Marburg 



— 285 — 

mit Heinrich Fürst er vermählt, der von 1479 bis 1512 
als Casseler Schultheiß, 1508 als Bürgermeister in Cassel 
vorkommt. ^) Sie wird in Lehnbriefen von 1487 August 
26 und 1494 Mai 2, worin ihr Mann und sie mit dem 
Werth an der Fulda in der Feldmark vor der Neustadt 
Cassel belehnt werden 2), von den Landgrafen Wilhelm 
dem Älteren und Wilhelm dem Mittleren ausdrücklich als 
ihre Schwester bezeichnet. Eine sehr stattliche Schenkung, 
die Landgraf Wilhelm d. Ä. dem Schultheißen und seiner 
Frau, seiner „halben swester" durch Übertragung von 
Gütern zu Cassel, Niederkaufun gen, Wehlheiden, Wolfs- 
anger, Ihringshausen, Sandershausen, Crumbach etc. ge- 
macht hatte, bestätigte Wilhelm II. am 2. Juni (Tri- 
nitatis) 1493. 3) 

Aus ihrer Ehe mit Heinrich Furster stammten der 
kurtrierische Rat und Kanzler J. U. D. Ludwig Forster*) 
und der Lüneburgische Kanzler J. U. Lic. Johannes Forster, 
wahrscheinlich auch die zwei Nonnen Anna^) und Ku- 
nigundis Fursters, die 1527 bei der Aufhebung des Klosters 
Ahnaberg abgefunden wurden % und deren mit dem 
Casseler Bürger Johann von Suest genannt Stotterjohann 
verheiratete Schwester Elisabeth.*^) 

von i486 (im St. A. Mbg.) findet sich unter den Ausgaben folgender 
Eintrag: item IV2 Ib. 1 fi 2 ^. scilicet 1 gülden geschenckt zcur hoch- 
czijt lantgrave Wilhelms unechtige swester zu Cassel estomihi (= 
Febr. 5.). 

*) Nach Stolz el (Entwickelung des gelehrten Richtertums I. 
S. 414. 460, und Casseler Stadtrechnurigen S. 140. 145. 158) war er 
1479—1490 Schultheiß in Cassel. Wir finden ihn aber noch 1493 
(Juni 2) in der im Text erwähnten Schenkungsurkunde und 1512 
(April 80, Freitag nach Quasimodogeniti, St. A. Mbg., Copialbuch 16, 
E 1, Blatt 168—172, Urfehde des Wilhelm Meyssener von Cassel) als 
Casseler Schultheißen, 1508 (St. A. Mbg., Quittungen : 1508 Dez. 2) als 
Bürgermeister zu Cassel. 

2) St. A. Mbg.: Lehnsurkunden der Familien Förster und Lorichius, 
Lehnsakten „Dryander" 2186 sp., Personairepositur unter „Dryander." 

3) St. A. Mbg., Lehnbuch Landgraf Wilhelms IL, Blatt 9. 

*) Über ihn einiges bei Stölzel, Entwickelung d. gel. Richter- 
tums a. a. 0. und in S t ö 1 z e 1 s Casseler Stadtrechnungen a. a. 0. 
S. 140. 151. 

®) Anna Fursters findet sich 1517 (Aug. 23) und 1521 (Sept. 
27) als „procuratrix" im Kl. Ahnaberg (St. A. Mbg. : Urk. des Kl. Ahna- 
berg und des Georgenstifts im Weißenhofe zu Cassel), 1527 wird sie 
,,pryorissa'' oder „mater" genannt. 

**) Nach den oben genannten Verzeichnissen und den Abfindungs- 
urkunden im St. A. Mbg. — Eine dritte Nonne des Klosters Ahnaberg, 
Elsbeth Fursters, die als Laienschwester im Kloster geweilt hatte 
und ebenfalls 1527 austrat, mag wohl verwandt, aber keine leibliche 
Schwester der Anna und Kunigunde gewesen sein. 

'') Aus den Abfindungsurkunden dot \i^\^«ii 'SiOww'^^V^^^ ^Qkä. 



— 286 — 

Eine Tochter des Kanzlers Ludwig Purster, Mag- 
dalena, wurde die Gattin des Marburger Professors, später 
Casseler Stadtsekretarius Mag. Josephus L o r i c h i u s 
Hadamarius. ^) 

Unebenbürtige Söhne Landgraf Ludwigs II. waren 
Wilhelm von Hessen der Ältere, Johann von Hessen, 
Wilhelm von Hessen der Jüngere, später Freiherr zur Lands- 
burg, und wohl auch Wilhelm von Hessen der Jüngste. 

4. Von Wilhelm von Hessen dem Älteren 
wissen wir wenig. Er wird zuerst schon mit dem Beinamen 
des Älteren im Oktober 1489 erwähnt, als er dem Land- 
grafen Wilhelm I. die Nachricht von der Geburt seiner 
ältesten Tochter überbrachte. ^) Wahrscheinlich haben wir 
ihn dann in dem „Wilhelm halblandtgrave" zu erkennen, 
der 1491, um aus des Erzbischofs von Mainz Gefangen- 
schaft los zu kommen, eine Urfehde schwören mußte. ^) 
1512 ist „Wilhelm der halbe Landgraf der Schreiber" in 
der Umgebung des kranken Landgrafen Wilhelm des 
Älteren.*) Die letzte, wenig rühmliche Nachricht über ihn 
stammt aus dem Jahre 1516, wo „der unecht Wilhelm 
von Hessen der elter" am Dienstag nach Michaelis (Sept. 30), 
wie uns der Chronist Johann Nohe berichtet, dem jungen 
Landgrafen Philipp zum Trotz den Cölnischen half, das 
„palwerg" zu Prummertskirchen ^) jenseits Wolfhagen zu 
zerstören.^) Nohe zitiert bei dieser Gelegenheit ein etwas 
drastisches Sprichwort, das uns in niederdeutscher Form 
(durch Fritz Reuter) noch heute geläufig ist: 

einem hess. Lehnbriefe für Johann von Suest von 1581 Juli 17 im 
St. A. Mbg. — Johann von S. gen. Stotterjohann war 1541 Scheffe in 
Cassel (Stölzel, Bürgermeister und Rat der Stadt Cassel. N. F. V dieser 
Zeitschrift). 

*) Über ihn siehe Strieder. Grundlage zu einer hess. Ge- 
lehrten- und Schriftstellergeschichte VIII, S. 94 ff. 

2) St. A. Mbg., Casseler Kammerrechnung 1489, Blatt 14ß'. 

^) Mainzer Ingrossaturbuch Nr. 44, fol. 374' im Kreisarchive zu 
Würzburg (Gütige Mitt. des Herrn Archivdirektors Dr. Freiherrn 
Schenk zu Schweinsberg in Darmstadt). 

*) Protokoll der Verhandlungen zu Cöln wegen Wilhelms I. im 
St. A. Mbg., 0. W. S. 1. 

^) Bromskirchen? Herr General Eisentraut in Cassel ist der 
Ansicht, „daß es sich um die alte, in ihren doppelten Gräben noch 
deutlich erkennbare Befestigung auf dem Forstort Stöckerberg süd- 
westlich Wolfhagen östlich vom Dorfe Buhle am Wege nach Freien- 
hagen handelt, die gewiß zur Verteidigung der alten Straße diente und 
die ausgedehnte Verwendung von Pallisaden voraussetzt". Ein Name 
wie Prummertskirchen ist allerdings in der Gegend nicht nachzuweisen. 

®) In dieser Zeitschrift A. F. V. S. 6, dazu auch Armbrust in 
der Zeitschrift Hessenland XX, S. 244. 



— 287 — 

Ein unrein vogel der ist, 

der in sin eigen nest schist. 
Vielleicht haben wir in einem Wilhelm von Hessen, 
der 1537 und 1538 als Kurkölnischer Kellner zu Arns- 
berg^) vorkommt, diesen Wilhelm zu erkennen. Es wäre 
bei seinen früheren kölnischen Beziehungen wohl möglich, 
er müßte dann noch in hohem Alter (ca. 70 Jahre alt) in 
Diensten Cölns gewesen sein. 

5. Wilhelm von Hessen der Jüngste wird als 
„Wilhelm der jüngste" zuerst 1483 erwähnt.^) Er war 
1505 hessischer Kanzleischreiber ^) und in den Jahren 1508 
bis 1510 Botenmeister in CasseH) oder wie er selbst (1508 
Juni 8) von sich sagt „dieser Zeit geordneter Verweser 
des Bottenmeisteramts meines gnädigen Herrn von Hessen." 
Er ist nicht identisch mit Wilhelm von Hessen dem 
Älteren, wie Landau und nach ihm Armbrust angeben.^) 

Die beiden noch übrigen Söhne Ludwigs, Johann 
von Hessen und Wilhelm, der spätere Freiherr zur Lands- 
burg, waren Vollbrüder, Kinder einer Mutter. 

6. Johann von Hessen, ein Sohn Landgraf Lud- 
wigs IL und der Margarethe von Holzheim ^), war gleich 

^) St. A. Mbg., polit. Archiv Philipps, Abteilung Kurköln 1537 
Mai 26 (Grenzvertrag zwischen Cöln und Hessen über die Grenze zu 
Hallenberg, Battenberg, Bromskirchen etc.) und 1538 Okt. 27. — A. 
Heldmann nennt ihn in seinem Buche über die hessischen Pfand- 
schaften im köln. Westfalen (1891, Seite 63) zum Jahre 1537 fälschlich 
„Wilhelm von Hosse"! 

«) St. A. Mbg., Casseler Schultheiß enrechnung von 1483, Blatt 30': 
item 6 y? vor ein par [sc. schü] Wilhelm den jüngsten. 

') Eintrag in der Marburger Rentmeisterrechnung von 1505 im 
St. A. Mbg. : item 4 golden Wilhelmen von Hessen canzlyschriber ge- 
geben von bevehel m. g. h. mitwochns nach Simonis et Jude (= Okt. 
29) ... . 

*) St. A. Mbg., Casseler Rentschreiberrechnung von 1509, außer- 
dem Belege zu Kammerschreiberrechnungen (jetzt in der Abteilung 
„Quittungen") von 1508 V 25. 30, VI 8, X 10, XI 4. 21. 28, XII 6. 12. 
24; 1509 III 4, X 28; 1510 I 5. 13. 25, VI 26. 

^) Landau in dieser Zeitschrift, A. F. VIII S. 397 und Arm- 
brust in der Zeitschrift Hessenland XX S. 244. 

«) Die Vermutung Landaus (Zs. A. F. VIII, S. 397), daß Margarethe 
von Holzheim die Mutter des unten behandelten Wilhelm von Hessen 
Freiherrn zur Landsburg sei, hat sich bestätigt. Landaus Annahme 
ist auf dem häufigen Vorkommen von Margarethes Namen in gleich- 
zeitigen Rechnungen begründet. In der Tat findet sie sich in Spangen- 
berger Schultheißenrechnungen von 1468 und 1469, in der Melsvinget 
Fruchtrechnung von 1470 und in der Reichenbacher Schultheißen- 
rechnung von 1471 mehrfach erwähnt. Die von Landau auf Seite 397 
in der Anmerkung zitierte Stelle ist nicht wieder aufzufinden gewesen, 



— 288 — 

seiner Halbschwester Leuckel Lambrechts für den geist- 
lichen Stand bestimmt, er studierte in Mainz, brachte es 
aber nur bis zu den untersten Weihen. ^) Urkundlich 



sie ist aber auch nicht beweiskräftig. Wenn Margarethe danach 1470 
ein Kind „hub", d. h. über die Taufe, so ist das nicht ihr Kind, 
sondern irgend ein anderes, bei dem sie Gevatter stand, um so weniger 
das ihrige, als sie zu dieser Taufe erst noch eine ziemlich weite Reise 
machen mußte. — Indirekt nun läßt sich die Annahme, daß eine von 
Holzheim die Mutter Johanns und Wilhelms von Hessen gewesen sei. 
durch folgendes beweisen: 

1. Wilhelm von Hessen, Freiherr zur Landsburg nennt 1511 April 1 
(Dienstag nach letare) den Brost zu Waldeck Hildebrand Gau- 
greben seinen Stiefvater. (St. A. Mbg., Adelsrep. „v. Hessen"). 
Da nun 1495 Sept. 8 die Brüder Wiegand und Heinrich von Holz- 
heim diesen selben „Hillebrant Gogreben" als ihren lieben 
Schwager bezeichnen (St. A. Mbg., Urk. der Familie v. Holzlieim), 
so muß er wohl eine Schwester von ihnen zur Frau gehabt 
haben, und zwar Wilhelms von Hessen Mutter. 

2. Wilhelm nennt 1511 April 1 den Hans von Stockhausen seinen 
Ohm (Adelsrepos. „v. Hessen"). Hans von Stockhausen der 
Ältere, Amtmann zu Trendelburg, war mit Gertrud von Holzheim 
verheiratet, der er z. B. 1494 mit Genehmigung Landgraf Wilhelms 
IL sein Burglehen zu Trendelburg als Wittum verschrieb. (Lehn- 
buch Landgraf Wilhelms IL, Blatt 3). Die Melsunger Renterei- 
rechnung von 1470 enthält zum Montag nach iubilate einen Ein- 
trag : „Jungfrauen Margareten 3 stobichen wyns .... als sie wolde 
faren czu er swester czu der Tringelnborgk", in Melsunger Frucht- 
und Schultheißenrechnungen von 1470 wird diese Schwester mit 
dem Vornamen Gerdrude genannt. 

Danach würde die Verwandschaftsbezeichnung „Ohm" auf die ge- 
meinsame Holzheimsche Sippe weisen. 

3. Henrich von Holzheim und seine Kinder Jocheim und Anna von 
Holzheim nennen 1524 Mai 27 (Freitag nach Fronleichnam) den 
Johann von Hessen ihren. Ohm (St. A. Mbg., Ortsrepos. „Reibe- 
hausen"). Zur besseren Übersicht diene folgende Stammbaum- 
skizze (nach Lehnsurkunden etc.): 

Sittich von Holzheim 
t zwischen 1481 und 89 

Wigand v. H. Heinrich v. H. Margarethe v. H. Gertrud v. H. 

OO Orthia f 1^'^7 (^V) Hildebrand c>o Hans v. 

CV) Fie Gogrebe) Stockhausen 

Jocheim v. H. Anna v. H. Johann v. Hessen Wilhelm v. Hessen. 

Freiherr zur Lands- 
burg. 

*) 1516 Juni 12 sagt er selbst : „ ursach das ich ac- 

colitus gewihet bin und hab mich des zu Menz an doctoribus und 

anderer gelarten herkonth und erfaern " — Die Bestimmung des 

Akolythus ist, die Lichter bei Abhaltung der feierUchen Messe (bei 
dem Hochamte) und bei Theophorien zu tragen, die Meßkännchen mit 
Wein und Wasser zu füllen und sie dem Bischöfe oder Priester bei 
dem Offertorium und bei der Communion zu reichen, das Rauchfaß 



— 289 — 

wird er zum erstenmal als „Johann Hessen" am 8. März 
1491 (Dienstag nach Oculi) erwähnt J) An diesem Tage 
wurde er als Diener und Knecht „im Oberlande** (in der 
Obergrafschaft Katzenelnbogen) von Landgraf Wilhelm 
dem jüngeren zu Marburg angenommen, der ihm als Gegen- 
leistung sein Leben lang 20 Malter Hafer und 6 Malter 
Korn, auch 1 Fuder Heu zum Unterhalt seines Pferdes 
aus der Kellerei Rüsselsheim verschrieb, dazu 6 Gulden 
Dienergeld (je zu 24 Rederwispennigen), gewöhnliche 
Hofkleidung und Dienstfreiheit für 30 Morgen Acker und 
10 Morgen Wiesen mitsamt Haus und Hof. Zugleich 
wurde ihm Hoffnung auf Nachfolge im Schultheißenamt 
zu Trebur gemacht, das damals Johanns Schwiegervater 
inne hatte. Nach Wilhelms III. Tode trat er in Wilhelms 
des Mittleren zu Cassel Dienste. Dieser gestattet 1503 
Sept. 7 „seinem natürlichen Bruder Johann von Hessen**, 
etliche Güter, Haus, Hof, Äcker und Wiesen von Guntram 
von Biedenfeld zu kaufen. 2) 1507 und 1508 finden wir 
Johann im Hofdienste ^), 1508*) bis 1515 (zuletzt März 7) 
als Amtmann und Rentmeister in Frankenberg. ^) Hier 



zu tragen und überhaupt bei der Ausspendung der heiligen Sakra- 
mente gegenwärtig zu sein (Dr. Andreas Müller, Lexikon des Kirchen- 
rechts, Würzburg 1838, Bd. 1, Seite 44—46. 

») St.A.Mbg., Copialbuch 17, Blatt 41—42. — In der Land- 
schreibereirechnung von Darmstadt für 1491 (im Haus- und Staats- 
archiv zu Darmstadt) findet sich mehrfach sein Name, z. B. unter 
„abgang zu Triebuwer": item 3 fl an golde und 12 albus geent mer 
abe an der bete zu Treber von Johan Heschen wegen; dann unter 
Zehrungen zu Rüsselsheim beim Amtmann 1491/92: item 13 tage 
Johann Hesse von mitwoch nach pfingsten bis uff dinstag nach Bo- 
nifacii; item 4 tage Johan Hessen von dorstag nach Petri und Pauli 
bis uff montag s. Ulrichstag; item 2 ympß Johan Hessen und des 
kamerschribers knabe uff den genanten montag zu morgen, sint darnach 
gein Hoensteyn gerieten ; item 1 ympß Johan Hessen uf dorstag nach 
Marie zu abent bracht eyn brieff, daz die ruther kommen solten; 
item 2 tage demselben uff fritag und samstag darnach, ist darnach 
hinweggeritten. (Gütige Mitteilung aus dem Darmstädter Archive). 

«) St. A. Mbg., Copialbuch 13, Blatt 124. 

') Marburger Rentmeisterrechnung von 1507 und Kammerarchiv 
Nachträge, Beleg von 1508 (ungeordnete Belege) im St.A.Mbg. 

*) Nach Landau (in dieser Zeitschrift A. F. VIII S. 397) schon 
1507. — 1508 Dez. 12 bekennt Johann von Hessen, Amtmann zu 
Frankenberg, daß ihm der Kammerschreiber Conrad Scherer 16 fl. 
ausgezahlt habe, die ihm Landgraf Wilhelm aus besonderen Gnaden 
jährlich auf Martini zu geben zugesagt habe (St. A. Mbg.. Quittungen). 
— 1510 April 20 beschwert sich Hermann Rump über seinen Nach- 
folger, den „unechten Johann von Hessen" Amtmann und Rentmeister 
zu Frankenberg (Akten betr. die Rump'sche Fehde im St.A.Mbg.). 

*) Samtarchiv Marburg, Nachträge : „Beziehungen zu Medebach". 



— 290 — 

machte er sich durch fortgesetzte Übergriffe bei seinen 
Amtsunter Sassen, die ihn schon 1510 beinahe tot geschlagen 
hätten und ihm bitter feind waren, so verhaßt^), daß er 
1514 für einige Zeit aus dem Lande (im Waldeckische) 
fliehen mußte, ehe er 1515 endgültig entfernt wurde. 

Noch schlimmer gestaltete sich seine Wirksamkeit in 
Grünberg, wo er seit 1515 als Amtmann und Rentmeister 
stand. 2) Er erregte in Stadt und Amt durch maßlose 
Gewalttaten und Kränkungen den allgemeinen Unwillen, 
so daß er bald auch hier seines Lebens nicht mehr sicher 
war und schon nach VI2 Jahren (um Ostern 1517)^) vom 
Amte weichen mußte. ^) Sein Nachfolger im Rentmeister- 
amte wurde Heinrich Gauler (zuerst 1517 Juni 18). In 
dieser Zeit hielt sich Johann versteckt, er hatte sich den 
ihm drohenden Unannehmlichkeiten und Gefahren zu ent- 
ziehen gewußt.^) 

Seit 1524 wohnte er in Reibehausen bei Homberg, 
wo er am 27. Mai des Jahres von seinen Verwandten, 
den von Holzheim, einen freien Rittersitz gekauft hatte. ^) 

— St. A. Mbg. : Adelsrepositur sub „v. Hessen" im M. St. S. 1581 ; Samt- 
Hofgerichtsakten, fragmenta actorum LX; Akten betr. die Rump'sche 
Fehde 1510 — 1517; Frankenberger Rechnungen 1514 (auch in der von 
1524/25 erwähnt). 

*) St. A. Mbg., M. St. S. 1581 : Briefwechsel zwischen der Land- 
gräfin Anna und den Räten, der Stadt Frankenberg, Johann von Hessen 
und dem Kloster Berich wegen freien Geleits etc. 1514 April 11. — 
Joh. V. Hessen an Junker Löwenstein von Löwenstein, mitverordneten 
Rat zu Hessen, betr. Wolkersdorf, 1514 Nov. 8. — Glagau, Hessische 
Landtagsakten I 377. 

*) Erste Erwähnung von 1515 Dez. 6 im Darmstädter Haus- und 
Staatsarchiv, Mühlen, Schotten (nach gütiger Mitteilung des Herrn 
Archivdirektors Dr. G. Freiherrn Schenk zu Schweinsberg). 

') Zuletzt wird er 1517 April 16 (Donnerstag nach Ostern) er- 
wähnt. 

*) St. A. Mbg. : Hess. Samt-Hofgerichtsakten P 67 im Ob. St. S. 647 
und Hofgerichtsprotokolle 1516—22, 1517—18, 1520, Gerlach Pedelar 
(Podaler, Podelar), Bürger zu Grünberg, contra Johann v. Hessen 
puncto iniuriarum 1516/19. — M. St. S. 1581 „v. Hessen": Recht- 
fertigung Johanns v. Hessen von 1516 Juni 12 auf Anklageschrift 
(9 Punkte) der Stadt Grünberg, ebenso von 1516 Aug. 3 auf Klage der 
Landscheffen des Amts Grünberg im Namen des ganzen Landgerichts. 

^) Schreiben des Rentmeisters Henrich Gauler zu Grünberg an 
Landgräfin Anna und Räte über den unbekannten Aufenthaltsort Jo- 
hanns V. Hessen 1517 Juni 18 (St. A. Mbg., M. St. S. 1581). 

®) 1524 Mai 27 (Freitag nach reminiscere) verkaufen Henrich 
Jocheim und Anna von Holzheim, Vater, Sohn und Tochter, ihren 
freien Rittersitz und Behausung zu Reibehausen ihrem Ohm (!) Johann 
von Hessen und Gertrud seiner Hausfrau (St. A. Mbg., M. St. S. 1153, 
Ortsrepos. Reibehausen, Abschrift von 1589). 



— 291 — 

Von dort aus fröhnte er wieder seiner alten Gewohnheit 
und quälte die Bauern bis aufs Blut. Die „armen Leute" 
seufzten schwer unter seinen Bedrückungen und Mißhand- 
lungen, bis die Beamten („Rentmeister,. Schultheiß, Rent- 
schreiber und andere Amtknechte") zu Homberg dagegen 
einschritten und am 23. November 1525 beim Statthalter 
Christian von Hanstein in Cassel mit einigem Erfolg 
dringende Beschwerde erhoben. ^) 

1526 hatte er einen Rechtsstreit gegen Mathis Kad- 
dener zu Niederohmen. 2) 1527 wird er noch einmal in 
Reibehausen erwähnt.^) Endlich ereilte ihn sein Schick- 
sal. Um das Jahr 1531 wurde er von Hans Haselhuhn 
und Genossen ermordet. *) 

Auch mit seinen Blutsfreunden lag er vielfach im 
Widerstreite; so hatte er 1523 Beschlag auf die Einkünfte 
seines Vetters Hermann von Hessen ^), Dechanten zu Cöln, 
legen lassen, so daß dieser einen Prozeß gegen Johann 
beim hessischen Samthofgericht zu Marburg anstrengen 
mußte. ®) Und kurze Zeit darauf wurde wieder vor dem 
Hofgericht in seinen Angelegenheiten verhandelt, diesmal 
wegen eines Hofs, „die Schnelnbach" genannt, über dessen 
Besitz er mit seinem Bruder Wilhelm von Hessen, Frei- 
herrn zur Landsburg prozessierte. Diesmal wurde zu 
seinen Gunsten entschieden, aber Wilhelm legte Berufung 
beim kaiserlichen Kammergericht ein, das 1527 in dieser 
Sache zu befinden hatte. Über die Entscheidung sind wir 
nicht unterrichtet. ') 

Johann war schon 1491 mit einer Tochter des Schult- 
heißen zu Trebur verheiratet®), dessen Namen wir nicht 
kennen. Seine Hausfrau, die 1516 und 1524 gelegentlich 



1) St. A. Mbg., M. St. S. 1581. Adelsrepos. v. Hessen. 

2) Marb. Hofgericht, Verträge 1523—28, Blatt 101. 

*) St. A. Mbg., Reichskammergerichtsakten H Hl in 0. St. S. 141, 
siehe hinten! 

*) 1531 März 11 ist er tot (siehe Anm. 3 auf Seite 292), 1533 
Donnerstag Galli [= Okt. 16] Waldkappel, schreibt Landgraf Philipp 
dem Rentmeister zu Rotenburg, Hans Haselhuhn, der den Johann von 
Hessen sol verbrennen und erwürgen holffen haben, solle in Wangen- 
heim zu Haft gebracht sein. (Notiz Reimers aus Rechnungssachen 
des Kammerarchivs in einem Exemplar von Strieders hess. Genealogie 
in der Bibl. des St. A. Mbg.). 

») Über ihn siehe Seite 300 dieses Bandes. 

•) St. A. Mbg., Samt-Hofgericht, fragmenta actorum XXII. 

') St. A. Mbg., Reichskammergerichtsakten H 141 im 0. St. S.141. 

«) St. A. Mbg., Copialbuch 17, Blatt 41—42. 

N. F. BD. XXX. 1^ 



— 292 — 

erwähnt wird, hieß Gertrud. ^) Eine Urkunde, worin ihr 
Mann und sie in die Brüderschaft eines niederdeutschen 
Cisterzienserklosters aufgenommen wird, ist in einem Bruch- 
stücke erhalten. ^) Eine Tochter Elisabeth kommt 1531 als 
Gattin eines Johann Wolff von Geysmar vor. ^) 

Von Siegeln Johanns kennen wir 3 verschiedene. Im 
ersten (1508) sehen wir den Schild mit dem hessischen 
Löwen und dem Landgrafenhelm, umgeben von einem 
Spruchbande mit seinem Namen iol^a tm Ijejje und einem 
nicht mehr zu entziffernden Zusatz. *) Das zweite (1513. 
1515. 1527) enthält ebenfalls Löwenschild und Helm mit 
den Büffelhörnern, aber mit Bastardzeichen: Im Schilde 
unter dem Löwen und auf dem Helme zwischen den 
Hörnern befindet sich ein Sternchen. ^) Auf einem Spruch- 
bande lesen w^ir : iot)a t)0 l^efje. Der Abdruck eines dritten, 
kleinen (Ring-)Petschafts (1514)^) zeigt im Schilde nur den 
Löwen mit einem 5 blättrigen Röschen (herald.) rechts 
unten, über dem Schilde die Buchstaben IVH. 

7. Wilhelm von Hessen der jüngere, später 
Freiherr zur Landsburg '^) genannt, war ein voU- 

iTstTÄ. Mbg. : M. St. S. 1581, 0. St. S. 647 (Samt-Hofgericht P 67) 
und M. St. S. 1153 (Ortsrepositur Reibehausen). 

*) Perg. Bruchstück, von einer Frankenberger Rechnung, der es 
als Umschlag diente, abgelöst, in niederrhein. (?) Dialekt ohne Datum, im 
St. A. Mbg. Aus den Urkunden-Beständen der westfäl. und niederrhein. 
Cisterzienserklöster in den Staatsarchiven von Münster und Düssel- 
dorf hat sich weiter nichts feststellen lassen. 

») Sein „tochterchen" wird 1516 VI 12 erwähnt (St. A. Mbg., 
M. St. S. 1581). — 1531 März 11 (Samstag nach Reminiscere) verkaufen 
Johann Wolff von Geysmar und seine Frau Elisabeth ihre von Schwieger- 
vater und Vater Johann von Hessen ererbte freie Behausung zu Reibe- 
hausen für 170 Goldgulden an Johann Fischbach, Bürger zu Homberg 
(St. A. Mbg., M.St. S. 1153 Ortsrepos. Reibehausen, Abschrift von 1589). 
Dieser Johann Wolff ist wohl identisch mit Johann Wulff zu Hofgeis- 
mar, der 1528 Jan. 16 die Propstei zu Hofgeismar vom Landgrafen 
Philipp verliehen bekam (St. A. Mbg., Generalrepert. sub Hofgeismar) 
und als Inhaber der Propstei 1530 Nov. 23 in einer Urkunde genannt 
wird (St. A. Mbg., Urk. der Stadt Hofgeismar). Es ist nicht zu ersehen, 
ob er etwa zur Familie der Wolfe von Gudenberg gehört: im Siegel 
führt er 1528 einen Wolf. Zu denken gibt aber, daß der Kaufvertrag 
von 1531 März 11 außer mit Landgraf Philipps Siegel auf ausdrück- 
liche Bitte der Frau Elisabeth von „ihrem lieben Junker'* Tue Wolf 
von Gudenberg, Herrn zu Itter besiegelt ist. 

*) Siegelabdruck von 1508 Dez. 12 im St. A. Mbg., Quittungen. 

^) Abdrücke von 1513 März 30 im Samtarchiv Mbg. (Nachträge, Be- 
ziehungen zu Medebach), von 1515 Dez. 6 im Haus- und St. A. zu Darm- 
stadt (Mühlen, Schotten), von 1527 Mai 29 im St. A. Mbg., M. St. S. 1581. 

®) Abdruck von 1514 Juli 29 in den Akten betr. die Rumpsche 
Fehde im.. St. A. Mbg. 

^) Über ihn hat Landau in dieser Zeitschrift A. F. Band VIII 



— 293 — 

bürtiger Bruder Johanns, über den eben berichtet worden 
ist. Er kommt 1489 einmal als „der junge Wilhelm" vor^) 
und verschwindet dann, falls nicht etwa die vorn unter 
seinem Halbbruder Wilhelm von Hessen dem älteren er- 
wähnte Mainzer Urfehde von 1491 auf ihn zu beziehen 
ist, bis zum 25. Juli 1506, wo Landgraf Wilhelm der Mitt- 
lere ihm, seinem „natürlichen Bruder, Rat und lieben Ge- 
treuen" einige Lehen zu Melsungen, ObermöUrich etc. ver- 
leiht. Im nächsten Lehnbriefe vom 14. August 1506 wird 
er vom Landgrafen als Wilhelm von Hessen der jüngere, 
unser natürlicher Bruder „itzt unser Thorwarter und lieber 
Getreuer" genannt. Er scheint dem Landgrafen nahe ge- 
standen zu haben; während der schlimmsten Zeit der 
Krankheit Wilhelms II., als der Fürst in seiner Not von 
fast allen verlassen und von den Räten und der Diener- 
schaft sehr schlecht behandelt wurde, blieb der Halbbruder 
hilfreich in der Nähe des Herrn, bis auch er 1507 oder 
1508 von den Räten entfernt wurde. ^) 

Wir begegnen ihm in dieser Zeit häufig, 1507 und 
1508 am Hofe, dann 1508 auf einer Reise nach Frank- 
furt ^) ; 1508 steht er in engem Zusammenhang mit dem 
Kanzleiverweser Peter von Treisbach und Balthasar 
Schrautenbach. "^j Sein Landesherr zeigte sich, als es ihm 
ein wenig besser ging, dankbar, setzte beim Kaiser seine 
Erhebung in den Freiherren stand durch und belehnte ihn 
wenige Monate vor seinem Tode, am 13. Februar 1509, 
sehr zum Verdruß der Räte^) mit Burg und Herrschaft 
Landsburg. ^) 



Seite 397—399 und in den hessischen Ritterburgen Bd. 4 Seite 231 
ziemlich ausführhche Nachrichten gebracht, neuerdings meist auf 
Landaus zuerst erwähntem Aufsatze fußend, ohne Kenntnis des zweiten 
in ziemlich oberflächlicher Weise L. Armbrust in der Zeitschrift 
fiessenland Bd. XX S. 244—245. 

*) St. A. Mbg., Kammerrechnung 1489, Blatt 157': item 18 albus 
dem jungen Wilhelmen von synen cleydern und vor futertuch zcu 
machen. 

*) Rommel, Hess. Geschichte III, Anm. S. 127. — G lag au, 
Hess. Landtagsakten I S. 15. 17. 

'*) St. A. Mbg., aus ungeordneten Belegen des Kammerarchivs. 

*) Schreiben des Epsteiner Amtmanns Jost von Draxdorff von 
1508 Jan. 12 früher im St. A. Mbg., Generalrepertorium Epstein, jetzt 
wohl im St. A. Wiesbaden. 

*) Glagau, Hess. Landtagsakten I S. 60. 

•) Im Adelsarchiv am K. K. Ministerium des Inneren zu Wien 
sind keine Akten über diese Standeserhöhung vorhanden. Auch im 
K. u. K. Haus-Hof- und Staatsarchiv zu Wien haben sich weder in 
•der Reichsregistratur noch in deft übrigen Beständen irgendwelche 

19* 



— 294 — 

Die Treue, die Wilhelm von Hessen dem Landgrafen 
gehalten hatte, wahrte er auch als Freiherr zur Landsburg 
der Witwe seines Landesherrn. Als Rat der Landgräfin 
Anna finden wir ihn 1509 ^) in Dienstgeschäften im Ober- 
fürstentum und am Rhein ^), auch in Worms ^) und später 
im November und Dezember auf dem Schiedstage in 



Akten darüber gefunden mit Ausnahme eines Creditivs des Landgrafen 
für den Rentmeister Balthasar Schrautenbach („Schruttenbach") an 
Sernteiner vom 30. April 1509 mit der eigenhändigen Beischrift des 
Landgrafen: „geib dem serentyner C gülden dank in die hant". In 
dem hessischen Lehnbriefe aber, den wir hier im Auszuge (nach dem 
Lehnreverse im St. A. Mbg.) abdrucken, sind die betreffenden Wen- 
dungen wörtlich aus dem verloren gegangenen kaiserlichen Diplom, 
das Schrautenbach vom Wiener Hofe geholt hatte (Glagau, Hessische 
Landtagsakten I 267) übernommen: 

Wir Wilhelm . . . lantgraffe zu Hessen etc. . . . bekennen 

als die Ro : kay : maiestet .... uns zu gnedigem wolgefallen und uf 
unser begeren auch us andern beweglichen Ursachen dem edeln un- 
serm naturlichen Bruder rathe und lieben getreuen Wilhelmen von 
Hessen mit wolbedachtem muthe .... das schlos Landspurgk 
in unserm furstenthumb gelegen mit seiner zugehorung 
zu einer herschaft erhebt, ine auch daruff gefreihet 
und in den stand und grad der freiherren gesetzt, ge- 
wirdigt und zu freiherren gemacht hat, also das nun hin- 
further er und sein eelich leibserben und derselben erbenserben für 
und für in ewig zeit recht geporn freiherren und freien freulein zur 
Landspurgk sein und von menniglichem darfur geert, geheißen, genent, 
geschribben, geacht und gehalten werden, als ob sie von iren vier 
anen, vattern, muttern und gesiechten recht freiherren und freien- 
freulin edel und rittermessig leut geporn weren, doch mit dem fur- 
geding, das gedachter Wilhelm und sein eelich manlich leibserben 
dasselbig schlos und herschaft mit iren zugehorungen furohin allezit 
so oft sollichs zu vellen kombt und die notturft erfordern wurdet, von 

einem iden regierenden lantgrafen zu Hessen nach lehensrecht 

zu lehen haben, tragen und entphahen sollen ungeverlich, das 

wir demnach dem vorgedachten Wilhelmen von Hessen, freiherren zu 
Landsburgk in ansehung seiner verwantnus, darzu getruwer annemiger 
dienste, so er uns bishere unverdrießlich erzeigt und vilfaltiglichen 

bewist hat, auch hinfur erzeigen und thun sol und mag, das 

obgedacht schloß und herschaft . . . . , wie das Appel von Greusßen 
bis daher innegehabt .... von neuwem zu rechtem manlehen ange- 

satzt und geluwen haben Cassel auf dinstag 

nach sant Appolonien der jungfrauwen tage 1509. 

*) Glagau a.a.O., S. 42, auch St. A. Mbg., Rentschreiberei- 
rechnung 1509. — Im Darmstädter Archive sind ebenfalls eine Anzahl 
Quittungen von ihm aus dem Jahre 1509. 

') St. A. Mbg., ungeordnete Belege des Kammerarchivs, Zehrungs- 
zettel Wilhelms ,,also ich an die Leune, Fogelsberg und oberngrafschaft 
der freucht halbin greittin was." 

*) St. A. Mbg., Quittungen : 1509 VI 10 . . . „zu avequittung der 
rett zum tage zu Wormes." 



— 295 — 

Mühlhausen. *) Auf ausdrücklichen Wunsch der Land- 
gräfin blieb er noch bis Michaelis 1510 in ihren Dien- 
sten^), dann aber zog er sich vom Casseler Hofe zu- 
rück und hielt sich vom politischen Treiben fern. Er 
nahm seinen Aufenthalt auf dem Schöneberg bei Hof- 
geismar, der seit 1506 in seinen Händen war^), trat auch 
1510 auf 3 Jahre in Mainzischen Sold als Diener von 
Haus aus*), was wohl in den alten Mainzischen Bezie- 
hungen zum Schöneberg seine Erklärung findet, ist an- 
scheinend jedoch niemals zur praktischen Ausübung seiner 
Dienstverpflichtungen gegen Mainz gekommen. Aber sein 
Aufenthalt und seine Verwaltungstätigkeit auf dem Schöne- 
berg zeitigte 1511 ein Begebnis, das verhängnisvoll für 
ihn sein sollte. Bei der Eintreibung von rückständigen 
Gefällen in Calden wurde durch ein Mißverständnis seiner 
Knechte der Grebensteiner Amtmann Dietrich von Schachten 
schwer verletzt. Die vormundschaftliche Regierung zog 
Wilhelm zur Verantwortung, sie war ja schon von seiner 
früheren Tätigkeit in Cassel her nicht gut auf ihn zu 
sprechen. Und trotzdem er anscheinend durchaus un- 
schuldig an dem bedauerlichen Vorfall war, wurden ihm 
seine Güter genommen, und er selbst mußte außer Landes 
gehen. Erst nach dem Sturze der Regentschaft durch 
die Landgräfin Anna öffnete ihm ein zu seinen Gunsten 
ausgestelltes kaiserliches Dekret, das er sich erwirkt hatte, 
wieder das Land. Auf mehrere dringende Eingaben hin 
(1514 und 15), in denen er mit den schärfsten Wendungen 
den Urteilsspruch der Regenten als völlig ungerecht und 
grundlos hinstellt, durfte er in die Heimat zurückkehren 
und erhielt am 17. April 1515 auch seine Besitzungen 
zurück. ^) 

Doch er schien sich in der Diemelgegend nicht mehr 
wohl zu fühlen. Am 21. August 1517^) erhielt er von der 

*) St. A.Mbg., ungeordnete Belege des Kammerarchivs, und Glagau 
a. a. 0. 66. 

*) 2 undat. Eingaben (von Ende 1509 und etwa Anfang Sept. 
1510), an den Hofmeister L. v. Boyneburg und an diesen und die Räte, 
worin er sich „Wilhalm geporn von Hessen" und „Wilhalm von 
Hessen" unterschreibt, enthalten einiges über seine persönlichen Ver- 
hältnisse (Mitt. von Dr. Gundlach aus dem St. A. Marburg). 

») Lehnrevers von 1506 VIII 14 im St. A. Mbg. 

*) Mainzer Ingrossaturbuch Nr. 50, fol. 210 im Kreisarchive zu 
Würzburg (nach gütiger Mitteilung des Herrn Archivdirektors Dr. G. 
Freiherrn Schenk zu Schweinsberg in Darmstadt). 

*) St. A. Mbg., Adelsrepositur „von Hessen", M. St. S. 1581. Dazu 
Landau, hess. Ritterburgen IV S. 231. 

«) Im Jahre 1517 kommt Wilhelm gelegentlich noch einigemale 



— 296 — 

Landgräfin und den Räten auf seinen Antrag die Ge- 
nehmigung zur Übergabe von Schloß Schöneberg mit Zu- 
behör gegen Zahlung der Summe, für die es ihm einst 
vom Landgrafen Wilhelm zugestellt war, an Dietrich von 
Schachten. Zu Beginn des nächsten Jahres (1518 Febr. 22) 
löste Landgraf Philipp den Schöneberg von Wilhelm ein ^) 
und verschrieb ihm für die Ablösungssumme von 3000 
Gulden 1520 eine jährliche Rente von 100 Gulden aus dem 
Amte Homberg, dazu 120 Vierteln Frucht halb Korn halb 
Hafer, ablöslich mit 3000 (julden. 2) 

Die Übergabe der Herrschaft an Dietrich von Schachten 
erfolgte Ende Juni 1518, nicht ohne daß es dabei wieder 
zu Streitigkeiten zwischen Wilhelm imd dem neuen Pfand- 
inhaber gekommen wäre. ^) Als Dietrich einige Jahre 
später starb, nahm sie Landgraf Philipp von dessen Erben 
wieder zurück und verschrieb sie 1525 (Jan. 14) von neuem 
für 3300 Gulden seinem Rat Tyle WolfF von Gudenberg 
zu Itter und Dietrichs Sohn Jorge von Schachten.^) 

Seit 1518 wohnte Wilhelm auf der Landsburg, die 
ihm den Namen gegeben hatte, bis zum Jahre 1544, in 
dem er dem Landgrafen die Herrschaft Landsburg gegen 
eine lebenslängliche Rente von 75 Gulden 12 Albus 9 
Hellern aus den Amtsgefällen von Ziegenhain, dazu 48 
Mött Korn, 53 Mött Hafer, 208 Hähnen und 54 Fastnachts- 
hühnern, 4 Metzen Weizenmehl etc. zurückgab. ^) 

Eine kurze Unterbrechung bildete sein Aufenthalt in 
Marburg vom Herbst 1527 bis gegen Ostern 1528, als ihn 
Landgraf Philipp an einen besonders wichtigen Vertrauens- 
posten gestellt und ihn als hessischen Prokurator dem 
deutschen Orden aufgedrungen hatte. ^) 

Den Rest seines Lebens, in dem er politisch nach 



vor: am 3. Februar leiht er 8 Goldgulden von Matheus Kannengißer 
und seiner Frau Gele (St. A. Mbg., Urk. des Klosters Weißenstein) und 
am 25. März kauft er vom Franziskanerkloster in Hofgeismar für 60 
Gulden 3 Gulden Zins aus dem Steinhause etc. (St. A. Mbg., Urk. des 
Kl. Hofgeismar, vgl. auch Rommel, hess. Gesch. 111, Anm. S. 282). 

1) St. A. Mbg., M. St. S. 1581 „von Hessen." 

2) St. A. Mbg., Lehnsrevers von 1520 Nov. 23. 

8) St. A. Mbg., 0. St. S. 732, Samt-Hofgericht, Fragmenta actorum 
XXIX Nr. 7. 

*) St. A. Mbg., Copialbuch J 1, Blatt 227—230 : Verschreibung von 
1525 Samstag nach Erhardi. 

*) St. A. Mbg., M. St. S. 1581 „von Hessen." 

•) Hierüber siehe die Abhandlung von A. Huyskens „Philipp 
der Großmütige und die Deutschordensballei Hessen" in dieser Zeit- 
schrift N. F. Bd. 28, S. 116 ff. 



— 297 — 

1528 nicht mehr hervortrat, verbrachte er in Melsungen, 
wo er am 13. Februar 1550 in hohem Alter kinderlos^) 
starb. 2) 

Einige Zeit vorher machte er noch eine Stiftung von 
200 Gulden für die Armen, deren nähere Bestimmungen 
am Tage nach seinem Tode der Melsunger Pfarrer Johann 
Lening, Johann Nordeck, der Melsunger Rentschreiber 
Henrich Geyse und Claus Pfeil, Bürgermeister zu Mel- 
sungen zur Ausführung zu bringen begannen. Zur Be- 
zahlung seiner geringen Schulden sollte ein Wilhelm ge- 
höriges Häuslein in Fritzlar verkauft werden. ^) 

Aus seinem Privatleben sind uns ziemlich viel Züge 
bekannt, die nicht gerade geeignet sind, einen besonders 
günstigen Eindruck von seiner Persönlichkeit zu erwecken. 
Er scheint ein unruhiger Geist gewesen zu sein. Von 
einem Prozeß, den er 1504 gegen einen Falckenberg 
führte, wissen wir wenig.*) 1509 und die folgenden 
Jahre lag er im Streit wegen des Nachlasses Thyms 
von Wildungen, mit dessen heim gefallenen Melsunger 
Burglehen er 1506 belehnt worden war. Hans Werner, 
Bürger in Melsungen, der die einzige Tochter Thyms, 
Elisabeth, zur Frau hatte, klagte beim Hofgericht in Mar- 
burg, daß Wilhelm widerrechtlich Wildungische Güter 
zu Dackenborn, Tabelshausen (= Dagobertshausen), Elfers- 
hausen, Schwarzenberg und Gudensberg, auch einiges 
Hausgerät in Besitz genommen habe. ^) Aber Wilhelm 
erhielt anscheinend hier ebenso Recht wie 1514 in einem 
ähnlichen Prozeß mit Thyms Neflfen Johann von Wildungen 
über gewisse Lehen. ^) 

Johann Starckenbergk, Bürger zu Cöln, der dem 
Landsburger 1513 (Dienstag nach Palmarum, 22. März) 
für 714 Gulden 1 Schilling in Gold Tuch geliefert hatte, 
war 1525 noch nicht völlig befriedigt, obwohl ihm 1513 

*) Auch seine Frau, die 1544 noch erwähnt wird (M. St. S. 1581), 
war 1550 nicht mehr am Leben. 

*) Nach seinem Grabsteine in der Melsunger Kirche soll er auf 
Agathentag, das wäre am 5. Februar, gestorben sein (Hessenland XX 
S. 226). Nach den Akten ist aber der 13. Februar der richtige Todes- 
tag. (M. St. S. 1581). Über seine heimgefallenen Güter und Lehen 
wurde 1550 Juli 7 in einer Ratssitzung Beschluß gefaßt. (Polit. Archiv 
Philipps I. 978). 

3) St. A. Mbg., M. St. S. 1581. 

*) Marb. Hofgerichtsprotokoll 1503—1506, Blatt 102 u. 105. 

*) St. A. Mbg., Adelsrep. „von Hessen", M. St. S. 1581. 

*) G lag au, Hess. Landtagsakten I S. 376. 



— 298 — 

alle Erbgüter, Renten und Gefälle von Wilhelms Hof und 
Gütern in und außerhalb Melsungen samt dem Rittergut 
zu Schneibach ^) zum Unterpfand gesetzt waren. ^) 

1515 und 1516 lag Wilhelm im Prozeß mit Jost 
Ratzenberg und Engelhart von der Malsburg, die Forde- 
rungen an ihn hatten^); 1516 klagte das Kloster Heyda 
eine Schuld gegen ihn ein, ebenso 1517 Alheit, Geil Geyls 
Witwe zu Marburg.*) 1527 hatte er mit seinem Bruder 
Johann von Hessen einen Rechtsstreit über den Hof zu 
Schnelnbach ^), den er in erster Instanz verlor, aber weiter 
ans Reichskammergericht brachte.^) Im selben Jahre 
mußte der Landgraf als Vermittler zwischen ihn und seine 
Untertanen in der Herrschaft Landsburg treten, mit denen 
er in heftigen Irrungen wegen der Leistung von Diensten, 
Zahlung von Rodzinsen, über Recht der Viehtrift, Behei- 
zung und SchefFenweisung lag. Noch 1535 hatten sich 
die Kastenmeister zu Allendorf (an der Landsburg) über 
ihn wegen der zu zahlenden Rodzinsen zu beklagen. ^) 
1528 hatte das Hofgericht zwischen ihm und Georg von 
Urff in Geldstreitigkeiten zu entscheiden. '^) 

Zum Schlüsse gebe ich noch eine Zusammenstellung 
seiner hessischen Lehen. Mit dem Burglehen in der 
Stadt Melsungen, das von Thimme von Wildungen heim- 
gefallen war, wurde Wilhelm von Hessen zuerst 1506 
Juli 25 von Wilhelm dem Mittleren und dann 1520 Nov. 21 
vom Landgrafen Philipp belehnt: ^) Dies Lehen veräußerte 
er mit fürstlichem Konsens in seinen letzten Lebensjahren 
an den hessischen Rat Johann Nordeck, der damit von 
Landgraf Philipp und darauf 1568 Juni 10 von Landgraf 
Wilhelm IV. belehnt wurde. ^) 

Zu gleicher Zeit mit dem ersten Lehen, am 25. Juli 
1506, verlieh Landgraf Wilhelm seinem Halbbruder das 
ehemals Otto von Lynne zuständige Dorf Obermöllrich 
mit Zubehör (abgesehen von der Gerechtigkeit des deut- 



•1 



^) Schnellbach im Schmalkaldischen ? 

«) St. A. Mbg., 0. St. S. 683, Samt-Hofgericht S 586. 

St. A. Mbg., Samt-Hofgericht, fragmenta actorum XXII. 

Marb. Hofgerichtsprotokoll 1516—22 und 1517—18 im St.A. 
Marburg. 

^) StA. Mbg., O.St. S. 141, R. K.G.Akten H 141. 

ö) St.A. Mbg., Samt-Hofgericht, fragmenta actorum XXII. 

') St. A. Mbg., Samt-Hofgericht H 261, 0. St. S. 578. 

8) St. A. Mbg., Lehnsreverse „von Hessen". 

») St. A. Mbg., Lehnsrevers „Nordeck" von 1568 VI 10. 



- 299 - 

sehen Ordens daselbst^)), nämlich zu Maden, Dancken- 
rade (= Dankerode), Gudensberg, Altenburg, Heckers- 
hausen, Niedenstein, Marsheim (= Morschen?) und Ost- 
heim, wie sie Thimme von Wildungen und Otto von Lynne 
innegehabt hatten. Auch diese Lehen erneuerte 1520 
Nov. 21 Landgraf Philipp. 2) 

Wenige Tage nach der Belehnung mit diesen beiden 
Gruppen von Lehen erfolgte dann 1506 Aug. 14 Wilhelms 
Belehnung mit 3000 Gulden auf dem Schlosse Schöneberg, 
die, wie wir vorn gesehen haben, 1518 abgelöst wurden. 
Landgraf Philipp verschrieb ihm dafür 1520 Nov. 23 eine 
mit 3000 Gulden ablösliche Rente von 100 Gulden aus 
dem Amte Homberg und 120 Vierteln Frucht halb Korn 
halb Hafer. 

Das vierte und Hauptlehen war Schloß und Herr- 
schaft Landsburg, die er 1509 Febr. 13 erhielt. Landgraf 
Philipp belehnte ihn 1520 Nov. 21 von neuem damit ^), 
erhielt die Herrschaft aber durch einen Vergleich 1544 
Sept. 29 (Michaelis) gegen eine lebenslängliche Rente aus 
Ziegenhainer Amtsgefällen zurück, wie vorn genauer be- 
richtet worden ist. ^) 

Bis zu seiner Standeserhebung siegelte Wilhelm von 
Hessen mit einem Wappen, das einen halben (wachsenden) 
Löwen im Schilde und auf dem Helme die durch einen 
Querfaden durchschnittenen BüfFelhörner des Landgrafen- 
helms zeigt. ^) Ein Spruchband enthält die Aufschrift: 

Seit 1509 führte er einen geteilten Schild, dessen 
oberes Feld einen schreitenden Löwen zeigt, während das 
untere Feld geschindelt (schmalgeschacht) ist. Die Helm- 
zier besteht aus einem kauernden Löwen, aus dessen Krone 
3 Pfauenfedern hervorragen. ^) Auf der Umschrift seines 
Siegels lesen wir: 

Wilhelm frei^er ju Unfp^f 

1) Nacli Landau in dieser Zeitschrift A. F. VIII S. 398 kaufte 
Wilhelm (um 1520) auch die Güter des deutschen Ordens in Ober- 
möllrich an. 

2) St. A. Mbg., Lehnsreverse „von Hessen". 
8) StA. Mbg., M.St. S. 1581. 

*) 2 Abdrücke von 1506 Juli 25, einer von 1506 Aug. 14 an den 
Lehnsreversen Wilhelms im St. A. Mbg. 

*) Abdrücke von 1509 Febr. 13 (Lehnsrevers), 1515 April 15 
(M.St. S. 1581), 1520 Nov. 21 (an 3 Lehnsreversen), 1520 Nov. ^a 



— 300 — 

IL Heinrich III. der Reiche.^) 

In der Jahresrechnung des deutschen Ordens zu Mar- 
burg vom Jahre 1480^) findet sich unter „ußgeben die 
gemeyn" folgender Eintrag: 

item 7 Ib. scilizet 4 g. in auro der comptur geschengkt 
zu unsers hern unelich tochter hochzcyt quinta 
post assumpcionis (= August 17). 

Wenn Landau^) diese Tochter für ein Kind des zu 
Cassel residierenden Landgrafen Ludwig IL hält, so ist er 
doch wohl im Irrtum. Natürlicher ists jedenfalls, wenn 
der Marburger Comptur die Tochter seines Marburger 
Landesherrn Heinrich beschenkt. 

III. Hermann von Hessen, Erzbischof zu Cöln. 

Hermanns Name und Geschlecht lebte fort in einem 
jüngeren Hermann v o n H e s s e n , einem Sohne, den der 
spätere Erzbischof vor Empfang der höheren Weihen als 
Subdiaconus gezeugt hatte. Die erste Erwähnung dieses 
„Hermannus ex lantgraviis Hassie", der später meist Her- 
mannus ab Hassia oder Hermann von Hessen genannt 
wird, ist vom Jahre 1491. Papst Innocenz VIII. trägt in 
einem Breve vom 9. November dieses Jahres^) dem 
Cassiusstift in Bonn auf, ihn trotz seiner unehelichen Ge- 
burt alsCanonicus anzunehmen.^) In kurzer Zeit wurden 

(Lehnsrevers), 1525 März 16 (Samt-Hofgericht S 586) und 1528 Aug. 5 
(Samt-Hofgericht H 261). 

^) An dieser Stelle mag eines natürlichen Bruders von Heinrichs 
Gattin Anna gedacht werden, des letzten männlichen Katzenelnbogers. 
Dieser Conrad (oder Contze) von Darmstadt (1452. 1467) oder 
Conrad von Katzenelnbogen (1469 ff.) genannt, findet sich 1469 
als Landschreiber (seines Vaters), des Grafen Philipp von Katzen- 
elnbogen, seit 1479 als Landschreiber des Landgrafen Heinrich zu 
Darmstadt (1479. 80. 81. 88. 86. — 1480 auch Rat genannt), 1489 als 
Amtmann zu Dornburg und Rat Landgraf Wilhelms III. Er starb kurz 
vor 1491 Febr. 14 als Dornburger Amtmann mit Hinterlassung einer 
Witwe Germoid oder Germut, die schon vor 1479, dann 1480 u. 1489 
genannt wird. Im Siegel (2 verschiedene Stempel) führte er den 
ßatzenelnboger Löwen mit Bastardfaden. (St. A. Marburg : 7 Lehns- 
urkunden ca. 1479. 1480. 1489; Copialbuch 17, Blatt 23/24 und 43/44 
von 1489 und 1491; Katzenelnb. Urk. 1478, Generalrepert. „Walborn" 
1481; „Quittungen" v. Walborn 1483. — Samtarchiv Marburg, Nach- 
träge 1452). 

2) St. A. Mbg., Deutschordensarchiv. 

3) In dieser Zeitschrift A. F. VIII S. 397 Anmerkung. 

*) Im St. A. zu Düsseldorf, Cassiusstift Nr. 482, abgedruckt in 
der Beilage auf Seite 308. 

*) Diese Bestimmung, wonach unehelich Geborene nicht in ein 



— 301 — 

dem jungen Geistlichen noch eine ganze Reihe von geist- 
lichen Würden zuteil. Zwischen 1491 und 1496 übertrug 
man ihm noch die Pfarrkirche zu „Wynnungen" (= Win- 
ningen) in der Trierer Diözese und ein Kanonikat zu Sankt 
Severin in Cöln. i) Und 1496 am 21. Juni (XI. Kai. Julii) 
wurde er durch eine Bulle des Papsts Alexander VI. Ca- 
nonicus und Decanus an St. Maria ad Gradus in Cöln. ^ 
Vorübergehend war Hermann seit dem 21. März 1503 
auch Propst des Apostelstifts zu Cöln. Diese Dignität 
mußte er aber bereits 1505 auf päpstlichen Befehl an Jo- 
hann Inghenwinckel abtreten.^) 

Einige Jahre später trat er auch in Beziehungen zum 
Heimatlande seines Vaters. Sein Oheim Landgraf Wil- 
helm der Mittlere begabte ihn mit einem Altare zu Ar- 
heiligen ^) bei Darmstadt, dessen Besitz ihm allerdings 
später viel Kummer bereiten sollte. In den ersten Jahren 
bezog er regelmäßig und ohne Störung die von der Vi- 
karei zu Arheiligen entfallenden Zinsen und Renten. Die 
geistlichen Pflichten erfüllte für ihn sein Caplan, er selbst 
hatte als Dechant zu sanct Marien Graden •'*) seinen Wohn- 
sitz in Cöln. Eines Tages aber fiel es dem hessischen 
Amtmann in Darmstadt, Bath Horneck (Hornigk) von 
Hornberg, ein, die Einkünfte zu sperren, man weiß nicht 
aus welchem Grunde, Hermann behauptete, ohne Ursache, 
nur aus Bosheit oder Mutwillen; wahrscheinlich aber war 
der Grund, daß Hermann trotz vielfachen Ausbesserungen 
dem Amtm.ann noch nicht genug zur Erhaltung des sehr 



Stift aufgenommen werden durften, findet man mehr, so steht in der 
Confirmatio privilegiorum des Martinsstifts zu Cassel durch Landgraf 
Heinrich III. vom Jahre 1478 ausdrücklich : „Wir wollen auch, das sie 
. . . fort nymandes zcu gleddemaßen desselben stifftis vor canoniken 
ufTnemen sollen, der oder die nit echt und recht geboren weren, es 
were dan eyn bastart von Heßen". (Kuchenbecker, Analecta 
Hassiaca, collectio IX, Marburg 1735, S. 222.) 

^) Erwähnt in der Bulle von 1496 Juni 21. 

*) Abgedruckt in Hedderichs Subsidia miscellanea historiam 
et jurisprudentiam ecclesiasticam Coloniensem praecipue illustrantia 
(Bonnae s. a.), Seite 33—39. 

^) StA. Düsseldorf: Catalogus der Pröbste und Dechanten des 
Apostelstifts zu Cöln vom Vicarius Alfter (18. Jhdt.), Apostelstift zu 
Cöln Nr. .1. 

*) Über die kirchlichen Verhältnisse von Arheiligen einige Nach- 
richten in den Beiträgen zur hessischen Kirchengeschichte von G. Frhr. 
Schenk zu Schweinsberg im Archiv für hessische Geschichte 
u. A. XV 1884, S. 573-576. 

^) Dies ist der einzige Titel, den Hermann in diesen Jahren 
seinem Namen beifügt. 



— 304 — 

an der Universität Marburg immatrikuliert *), findet sich 
ungefähr seit 1547 im Dienste von Landgraf Philipps 
Schwester, der Herzogin Elisabeth von Rochlitz, war 1552 
ihr Küchenschreiber, 1556 ihr Rentmeister in Schmalkalden, 
wird 1557 (Jan. 12) hessischer Rentmeister in Schmalkalden 
genannt und bekleidete diese Stelle wohl auch noch 1558 
Jan. 19). 2) Am 12. März 1562 trat er in Landgraf Wil- 
lielms Hofdienste mit einem jährlichen Gehalt von 30 Tha- 
lern und einer Hofkleidun^. ^) 1566 war er bereits 
tot. ^) Seine Hochzeit mit Elisabeth Sachs, Tochter des 
Wirts zum roten Löwen ^) in Cassel, wurde ihm auf 
die Bitte der Herzogin Elisabeth, die selbst dazu nach 
Cassel kam, Ende August 1554 vom Landgrafen aus- 
gerichtet. ^) Als Witwe heiratete Elisabeth Sachs vor 
1574 Juni 12*^) Japhet Baun aus Gudensberg, der seit 
1539 in Marburg studiert hatte ^) und später Bürgermeister 
in Fritzlar war. Am 1. Juli 1575 wurde in der Altstädter 
Gemeinde zu Cassel „burgemeister Japhet Baun zu Fritzlar 
hausfrau Elisabet zum Lewen" begraben. ^) 

Ein Sohn Christoph Kraushaars und Enkel der Ca- 
tharina von Hessen, Friedrich Kraushaar, als Fridericus 
Cincinnatus Cassellanus 1565 in Marburg immatrikuliert ^), 
Weihnachten 1567 zu Cassel (Altstadt) konfirmiert, war 
1574 am 12. Juni noch unmündig. An diesem Tage 
verkauften seine Vormünder sein Freihaus am Renthofe 
in Marburg für 400 Gulden an den fürstlichen Pirschknecht 
Henrich Seibelitz zu Marburg. ') Friedrich K. lebte 1577. 
78. 79 in Ziegenhain, 1580 bis 83 in Cassel, war 1583 
und noch kurz vor 1595 hessischer Keller zu Hohenstein 



^1 I^ärb Afätriksl 

*) Polit.* Archiv Philipps des Großmütigen I 62. 63. 69. 70. 71. 72. 
Auch in der Schmalkalder Stadtrechnung von 1556 kommt er als 
hess. Rentmeister vor. 

^) St. A. Mbg., Bestallungen. 

*) 1566 IX 12 wird in Cassel Christoffel Kraushars seligen 
Sohn Curt begraben (Kirchenbuch der Altstadt Cassel). 

^) Der rote Löwe in Cassel wird schon 1508 erwähnt (Rommel, 
Hess. Gesch. III, Anm. S. 126). 1523 wurden während Landgraf Philipps 
Hochzeit im roten Löwen 27 Pferde aus dem Gefolge Herzog Erichs 
untergebracht (St. A. Mbg., Quartierliste 1523 im Kammerarchiv). — 
Maria Sachsin Witwe, Bürgerin zu Cassel im roten Löwen und ihr 
Tochtersohn Johannes Pfeffer kommen in einer Urkunde von 1566 
Sept. 20 vor. (St. A. Mbg., Generalrepert. „Cassel")- „Maria die alte 
zum roten lewen" wurde 1578 VI 27 zu Cassel begraben (Altstadt). 

«) Polit. Archiv Philipp d. Gr. I 69. 

') St. A. Mbg., Geh. Ratsakten Nr. 404S. 

^) Kirchenbuch der Altstadt Cassel. 



— 305 — 

und wohnte später bis zu seinem Tode als hess. Lehn- 
träger zu St. Georgen bei Homberg. Er war seit dem 
2. April 1578 mit Elisabeth Geilmann, Tochter des Hans 
Geilmann zu Homberg, eines Stiefbruders von Simon Bing, 
verheiratet. ^) 

2. Merge Hessen, eine Schwester der Catharina 
von derselben Mutter, „hat meyn her seliger [Landgraf 
Wilhelm L] ins cloister [Heyda] gethain und 100 gülden 
mitgeben". ^) Sie ists, von der Landgraf Philipp am 29. Mai 
1520 (Dienstag nach Pfingsten) von Cassel aus an seinen 
Rentschreiber in Spangenberg schreibt: „unser meinung 
ist, das du der halben landgrevin, unser wasen zur Heyda 
im cloester einen schwarzen lundischen rock von unsert- 
wegen kaufest". ^) 

Die Klosterpforten öffneten sich auch für sie im Jahre 
1527. Von ihrer Mitgift erhielt sie bei der Abfindung am 
26. Dez. 1527 (Donnerstags Stephani) 50 Gulden bar, dazu 
50 Gulden auf einer Hube Landes zu Grebendorf bei 
Eschwege (oder aber 16 Malter Frucht partim Eschweger 
Maßes von dieser Hube) zugebilligt, ablöslich mit 100 
Gulden. ^) 

Sie trat in den Ehestand, anscheinend mit Jorge 
Schusseler, der am 22. Februar 1562 dem hessischen Kammer- 
meister Hermann Ungefug über die Ablösungssumme von 
100 Gulden quittierte.*) Merge selbst war kinderlos be- 
reits 1554 zu Eschwege gestorben, wie wir aus einer Ein- 
gabe ihres Neffen Christoph Kraushaar wegen der Hinter- 
lassenschaft der Verstorbenen erfahren. ^) 

V. Wilhelm IL der Mittlere. 

Ein nicht mit Namen genannter Sohn Wilhelms, also 
ein Halbbruder des Landgrafen Philipp, befand sich 1507 



*) St. A. Mbg., Samt-Hofgerichtsakten K 204 : Friedrich Kraushaar 
c. Burkhard von Galenberg ; und St. A. Mbg., Lehnsakten (Kraushaar- 
Geilmann'sche Erben) M. St. S. 8601, 709 sp. — Der Eintrag über seine 
Kopulation steht im Ziegenhainer Kirchenbuche, wo er auch noch 
einmal 1577 und seine Frau 1579 erwähnt wird. In den Jahren 1580, 
81 und 83 wurden ihm in Cassel 3 Söhne Reinhart, Justus und Cristoph 
geboren (Kirchenbuch der Altstadt Cassel). 

*) Verzeichnis der abgefertigten Ordenspersonen von 1527 (Pro- 
tokoll über die Abfertigung) im St. A. Mbg., unter Heyda und irrtümlich 
{aber getilgt) unter Germerode. 

■) Rechnungsbeleg im Kammerarchiv (St. A. Mbg.). 

*) St. A. Mbg., Urk. über ihre Abfertigung von 1527 Dez. 26. 

^) Polit. Archiv Philipps des Großmütigen I 69. 



— 306 — 

in Kost und Lehre bei den Kugelherren im Weißenhofe 
zu Cassel. ^) Später hören wir nichts mehr von ihm. 

VI. Wilhelm IIL der Jüngere. 

Er hatte von seiner Gemahlin Elisabeth von der Pfalz 
keine Kinder, aber einen natürlichen Sohn Henricus Batten- 
berg. Diesen „bieson** des Landgrafen ließ 1503 Land- 
graf Wilhelm der Mittlere von Battenberg nach Cassel 
holen und in den Weißenhof zu den Kugelherren in die 
Schule tun. ^) Dort befand er sich im Jahre 1507 zusammen 
mit seinem Vetter, einem nicht mit Namen genannten 
Sohne Wilhelms des Mittleren^), und noch Ende 1510. 
Zwei Belege *) zur Casseler Kammerschreiberrechnung von 
1507 bringen uns einige Nachrichten über die beiden 
Schüler und die Schule: 

1. Berecht cziddel der hern im Weissenhoffe zcu 
Cassel dovor sie m. g. h. son und m. g. h. seligen son 
gekauft haben. 

Item Verlag von beyder jungen wegen sunderlich be- 
treffende Henricum Battenburg lantgrave Wilhelms 
son von der Lone dem got gnade geschehen im jar nach 
Christi gebort unßers herrn alß man czalt tusent funff- 
hundert und seuben. 

Item dry wyspennige vor eyn buch genant prima 

pars Alexandri 

item 4 heller in convivio 

item dry heller vor weyschgelt 

item 6 heller vor eyn pennale 

item 3 heller vor rymen 

item 2 albos vor schoe 

item 2 heller vor bapir 

item 5 albos vor eyn buch daz man nennet Herman- 

nus Torrentini 

item 6 ^ vor bapir 

item 3 albos den bochbendere zu planeren und zu 

bynden 

item 5 heller vor eyn messer 

item 3^/2 albos vor eyn bete buch 

*) Siehe den unten unter Wilhelm III. abgedruckten „Berecht- 
cziddel der hern im Weissenhoffe*' vom Jahre 1507. 

*) Beleg zur Casseler Kammerschreiberrechnung von 1503 im 
St. A. Mbg., Kammerarchiv. 

^) Über diesen siehe vorn unter Wilhelm II. 

*) St. A. Mbg., Kammerarchiv. 



- 307 — 

item 26 heller vor eyn par schoe 

item 2 albos vor rymen een beyden vor rymen 

item 1 albos (!) vor bapir 

item 7 schillunge vor schoe 

item 20 heller zu läppen dy schoe 

item 6 albos vor grammatica Hen Richman 

item 10 albos vor czwen hude een beyden 

item 6 albos vor czwefeltige schoe 

item 9 ^ vor bapir 

summa 2 gülden. 

2. Der hern im Weissenhof zcu Cassel quitancz uf 
13 gülden: 

Ich bruder Jost pater im Wysßenhobe bynnen Cassel 
bekenne öffentlich vor mich und dy ganczen vorsamelung 
daselbst, daß ich enphangen hab von dem ersamen Con- 
rado Scherer kammerschryber unßers gnedigen herrn von 
Hesßen, czwölff gülden vor kößtgelt und eyn vor lere- 
lone von wegen unßers gnedigen herrn umb eyns jungen 
wyllen genant Henricus Battenberg halber sone des 
hochgebornen fursten seiger nehist an der Löne verstorben 
iczt by uns in kößt und lere bestallt und gesandt im jär 
nehist vor dato dißer myner eigen hantschriffl geweßt, 
sagen hirumb den hochgebornen irluchtigen fursten unßern 
gnedigen herrn und syner f. g. genanten kammerschryber 
solcher gutlicher beczalung von genantem jare und all 
vorgangenen cziden schuld etc. mit dißer myner hantschriffl 
quidt ledig und löß sonder all geverde und argelist. 

Datum Marpurgk in die Brictii confessoris anno jv® 
septimo (= Nov. 13). 

Ein dritter Beleg, eine Quittung, die vom Pater Ni- 
colaus Gyßen für den Convent des Weißenhofes am 10. No- 
vember 1510 über 13 Gulden Kostgeld „von Henrichen 
dem knaben m. g. h. an der Laen seel. söhn" dem hessi- 
schen Kammerschreiber Adam von Usingen ausgestellt 
worden ist, hat sich nicht wieder auffinden lassen. ^) 

VII. Philipp der Großmütige. 
Zu den Nachrichten über Landgraf Philipps Tochter 
Ursula, Claus Ferbers Stieftochter, die Rockwell aus dem 
Marburger Staatsarchive gebracht hat ^, mögen noch drei 
Belegstellen hier ihren Platz finden. 



:! 



St. A. Mbg., Repertorium der Quittungen. 
Rockwell, Die Doppelehe des Landgrafen Philipp von Hessen 
1904 S. lU. 

N. F. BD. XXX. 20 



Zur Rotenburger Fruchtrechnung von 1556 ist ein 
Belegt) vorhanden, der lautet: 

. . Jorge Oesten wirts zu Breydenbach knecht hat 
den behangen wagen, dorin die firauen und Jungfrauen 
meins g. f. und hern bephelch nach seiner f. g. natür- 
liche tochter, Hansen Henckels schottheissen zu Fels- 
pergs vertrauete braut zu Schmalkalden mit holen solten, 
gefurt, dieselbigen zu Rottenbergk aufgeladen, ver- 
fuettert . . 

Actum am ersten octobris anno etc. 56. 

In der Schmalkalder Stadtrechnung von 1556^) lesen 
wir: 

sonnabents nach Michaelis (= Okt. 3) ist uff unsers 
g. f. und herrn zu Hessen etc. schreiben und ladunge 
Jörg Zilfelder gmeinvormund von raths w^egen neben 
Clausen dem knecht gein Velßbergk zum hoffe seiner 
f. g. naturlichen dochter und des schultheisen zu Velß- 
bergk Johann Hengkel gnant abgefertigt, hat breutigam 
und braut von der stat wegen geschengkt 8 gülden in 
golde, thun in muntz 10 gülden. 

Und der Limburger Chronist Johannes Mechtel, der 
seine Kenntnis wohl aus einer Limburger Stadtrechnung 
gewonnen hat, berichtet in seinem Pagus Logenahe ^); 

Anno 1556 dinstags nach s. Francisci (= Okt. 6) 
der lantgraffe Philips bestattet eine naturliche dochter 
ahn den schulteßen von Velßperg, hatt den raht von 
Lintburg uff die hochzeit beschrieben, haben 8 taler ge- 
schicket, welche der botte selbst in beysein der fursten 
ins becken hat legen müssen, auch ime aus dem becken 
ein halb daler hinwider verehret und großer dank ver- 
dinet worden. 



Beilage.*) 

Innocentius papa VIIL 
Dilecti filii salutem et apostolicam benedictionem. 
Accepimus, quod in statutis et consuetudinibus ecclesie 



^) St. A. Mbg., Kammerarchiv. 
2) Stadtarchiv zu Schmalkalden. 

8) Joh. Mechtel, Pagus Logenahe, ca. 1630, Blatt 120/121, Hand- 
schrift in der fürstl. Stolberg. Bibliothek zu Wernigerode. 
*) Zu Seite 300. 



— 309 - 

nostre sancti Cassii Bonnensis Coloniensis diocesis inter 
alia cavetur expresse, quod nuUus in illa canonicatum et 
prebendam obtinere possit, nisi de legitimo matrimonio 
procreatus fuerit, vosque statuta huiusmodi observare et 
nuUum illegitimum ad canonicatum et prebendam dicte 
ecclesie admittere propriis iuramentis promisistis. Nos igi- 
tur qui alias cum dilecto filio Hermanne ex lant- 
graviis Hassie clerico dicte diocesis, qui defectum na- 
talium patitur, de subdiacono ex magnorum nobilium genere 
procreato genitus et soluta, ut eo non obstante defectu ad 
omnes etiam sacros ordines promoveri ac quecunque, quot- 
cunque et qualiacunque beneficia ecclesiastica cum cura 
et sine cura se invicem compatientia recipere et retinere 
valeret, etiam cum derogatione statutorum huiusmodi aposto- 
lica auctoritate dispensavimus. Cupientes igitur, ut ipse 
Hermannus canonicatum et prebendam dicte ecclesie nostre 
sublato quovis obstaculo assequi possit, vobis et cuilibet 
vestrum iuramenta predicta ad hoc, ut dictum Herman- 
num ad canonicatum et prebendam dicte ecclesie vestre, 
si sibi alias canonice conferantur sive ad illos presentetur, 
eligatur sive nominetur, libere et licite admittere valeatis, 
auctoritate predicta tenore presentium relaxamus, decer- 
nentes vos aut aliquem vestrum propter admissionem huius- 
modi nuUum periurii reatum incurrere. Non obstantibus 
constitutionibus et ordinationibus apostolicis ac predictis 
nee non aliis eiusdem ecclesie statutis et consuetudinibus 
etiam iuramento confirmatione apostolica vel qua vis alia 
firmitate roboratis ceterisque contrariis quibuscunque. 

Datum Rome apud sanctum Petrum sub annulo pis- 
catoris die Villi Novembris MCCCCLXXXXI pontificatus 
nostri anno octavo. 

(rechts unten:) Jo. Pe. Arrivabenus. 

(Auf der Rückseite :) Dilectis filiis decano et capitulo 
ecclesie sancti Cassii Bonnensis Coloniensis diocesis. 

Perg., Ausfertigung mit Rest des Verschlußsiegels 
auf der Rückseite im Staatsarchiv zu Düsseldorf, Cassius- 
stift zu Bonn. 



Zur Bangesehiehte des alten Gasseier Land- 
grafensehlosses. 



Von 
Carl Knetsch. 



Auf der Stelle, wo hunderte von Jahren die Land- 
grafen von Hessen residiert haben, auf einer Anhöhe über 
der Fulda inmitten der alten Stadt Cassel erhebt sich jetzt 
das Ende der 70 er Jahre des 19. Jahrhunderts erbaute, 
1881 vollendete Regierungs- und Gerichtsgebäude, der 
„Justizpalast", ein wenig zu der malerischen Umgebung, 
zum Renthof und dem Marstall mit ihren altertümlichen 
Renaissancegiebeln passender, nüchterner, gradliniger 
Riesenbau. 

Seine Vorgängerin, die „Chattenburg", die in groß- 
artigster Weise, allerdings unserm heutigen Empfinden 
auch wenig entsprechend, die Größe und hohe Stellung 
Hessens und seines Kurfürstenhauses bekunden sollte, ist 
nie fertig geworden.^) Wilhelm IL ließ den 1819 von 
seinem Vater begonnenen, bis zum ersten Stockwerk ge- 
diehenen Bau unvollendet liegen, und so bildete sich im 
Laufe der Jahre mitten in der Stadt eine riesige künstliche 
Ruine, die völlig überwuchert und überwachsen die 
schönste, romantischste Stätte für die Kinderspiele unserer 
Väter wurde. Nach fast 60 jähriger Ruhe entstand dann 
unter gänzlich anderen Zeitverhältnissen nach völlig ver- 
ändertem Plane das neue kolossale Gebäude, das wir heute 
sehen, nicht mehr als Residenz für das alte Fürstenhaus, 
das zu regieren aufgehört hatte, sondern als Sitz preußischer 
Verwaltungs- und Gerichtsbehörden. 

Die Chattenburg nun wieder war an Stelle des alten 
Landgrafenschlosses errichtet, das in einer stürmischen 
Novembernacht des Jahres 1811 während der französischen 
Fremdherrschaft ein Raub der Flammen geworden war.*) 

^) Über die Grundsteinlegung findet sich ein ausführlicher Be- 

"" ^ei Fr. Müller, Kassel seit 70 Jahren, 1876, Band I, S. 124—132, 

Ein interessanter gleichzeitiger Bericht über den Brand des 

Schlosses in der Nacht vom 23/24. Nov. befindet sich auf 



— 311 — 

Damit war ein wunderbar stimmungsvolles, einheitliches 
Bild einer alten deutschen Fürstenresidenz unwiederbring- 
lich verloren. 

Der Grund zu diesem Schlosse war um 1277 durch 
den ersten hessischen Landgrafen aus Brabanter Stamme, 
Heinrich das Kind von Hessen, der bereits eine Burg an 
derselben Stelle vorgefunden hatte, gelegt worden. ^) Diese 
Burg Heinrichs, die fast 200 Jahre seinem Geschlechte als 
Residenz gedient hat, war nicht wesentlich befestigt, sie 
bestand wohl nur aus den notwendigsten Wohn- und Nutz- 
gebäuden innerhalb der Befestigungslinie der Stadt. So 
kam es, daß man in Zeiten innerer Gährung, als auch 
von außen ein starker Feind dem Herrscherhause und 
Lande schweres Unheil drohte, im Jahre 1386, sehr in Sorge 
sein mußte, daß die Burg von den unzuverlässigen Ele- 
menten in der Stadt genommen und dem feindlichen Heere 
überliefert werden könnte, war doch tatsächlich wenige 
Jahre vorher, 1378 das Schloß von den Bürgern über- 
rumpelt worden.^) Seit der Zeit wurde die Befestigung 
der Burg gemehrt und gebessert.^) Gebaut ist natürlich 
wie an allen größeren Gebäudegruppen, so auch an der 
Casseler Burg zu allen Zeiten, so daß man sich nicht 
wundert, wenn sich fast in allen erhaltenen Rechnungen 
des ausgehenden Mittelalters und der späteren Zeit größere 
oder kleinere Posten für Ausbesserungen, Umbauten oder 
Veränderungen und Neubauten größeren Stils finden. 

Gelegentlich hören wir von kleineren Zimmerarbeiten 
an der Zugbrücke der Burg- oder am Tore der Küche, 
die 1442 ausgeführt wurden.*; Größere Bauten, ja wohl 

S. 89—93 von L. Müllers Marburger und hessischen Denkwürdigkeiten, 
Marburg 1894. 

*) Hessische Congeries, herausgeg. von Nebelthau in 
dieser Zeitschrift, A. F. Bd. 7, Seite 319. — Die hess. Congeries ist 
nach P i s t o r (in dieser Zeitschrift N. F. Bd. 17, S. 53 und 18, S. 130) eine 
Compilation des 16. Jahrhunderts, die die älteren Nachrichten z. T. 
aus Gerstenberg, aus dem Anonymus bei Senckenberg etc. z. T. auch 
aus Inschriften, städt. Urkunden und Rechnungen nimmt. 

*) Congeries Seite 329. 

8) Anonymi chronicon Thuringiacum et Hassiacum inSencken- 
b e r g s selecta iuris et historiarum III S. 396, cap. 76 zu 1386, Verrat 
der Bürger in Cassel: „dazumahl war keine Festung zu Cassel an 
der borcke, aber es hat sich nun von dag zu dag gebessert." Nach 
Pistor (in dieser Zeitschrift N. F. XVIII, S. 148 f.) ist diese Thü- 
ringisch-Hessische Chronik eine Compilation verschiedener Schriften 
des Johann Nohen, der gegen Ende des 15. Jahrhunderts schrieb. 

*) Staatsarchiv Marburg, Casseler Schultheisenrechnung 1442: 
An der Zugbrücke arbeiteten die Kaufunger Zimmerleute Gurt Molner, 
Gotberaedt, Hermann Fyme und Bernhart, am Küchentore 
etc. die Zimmerleute Hermann Pylmaen und Wyshenne. 



— 312 — 



ein förmlicher Umbau, begannen in den 1460 er Jahren 
unter der Regierung des Landgrafen Ludwig II. 1462 
wird ein neuer Saal errichtet und ausgeschmückt^ 
daneben wurden in demselben Jahre die beiden Berg- 
friede, die sicher der Burg ein recht stattliches Aussehen 
verliehen haben, neu gedeckt.^) Von dem umfangreichen 
„neuen Bau" ist in dieser Zeit viel die Rede. ^) Die Leitung 
der Schloßbauten wird zu Zeiten Ludwigs I. (f 1458) 
Bartholmes der Zimmermann in Händen gehabt haben^ 
der Vorgänger des Meisters Johann Herber, der am 
21. Februar 1463 von Ludwig II. als Werkmeister und 
Zimmermann „uns unser buwe, wo uns der not ist, zu 
machen" in Dienst genommen wurde. ^) Nach alten 

^) St.A.Mbg., Casseler Kammerschreiberrechnung 1462: „ — dem 
zcygeler, der die zcygel zcu den bergfrydden bornet." 

*) In derselben Rechnung von 1462: Erwähnt werden die Namen : 
Meister Johann der Zimmermann, Henne Nodung der Zimmer- 
knecht, Conzvon Siegen, Jacob, Frangke, Niclas Bergken- 
felder, alle Zimmerleute, daneben Manegold der Schmied etc. 

8) St. A. Mbg., Bestallungen, 1463 Montag nach Valentini martyris, 
Landgraf Ludwig nimmt Meister Johann Herbern zu seinem 
Werkmeister und Zimmermann an . . . und verleiht ihm die Neue 
Mühle bei Bergshausen an der Fulda, wie sie früher Bartholmes 
der Zimmermann von des Landgrafen Vater zu Lehen getragen hat. 
(Perg., Conzept). Johann Herber ist wohl der Stammvater einer im 
16. und 17. Jahrhundert in Cassel sehr tätigen Bildhauerfamilie, deren 
bedeutendste Vertreter wir (nach den Kirchenbüchern der Altstadt (A.), 
Freiheit (Fr.) und Unterneustadt (U.)) in Form einer Stammtafel hier 
aufführen: Andres Herber 

Bildschnitzer in Cassel 1551 
(St. A. Mbg., 0. W. S. 103, Hofhaltung Philipps) 



Antonius Herber 
Bildschnitzer in Cassel 

1557—1635 (A.) 
r>0 1585 Gertrud Nuss- 

picker (A.) 
t 1630 alt 64 J. (A.) 



Andres Herber 

Bildschnitzer in Cassel 

t 1614 (Fr.) 

CV 1) 1586 Marga- 

rethe, Witwe des 

Jorge Müller (A.) 

CS) 2) 1606 Elisabeth 

genannt die Hauben- 

strickersche (A.) 

t 1614 (Fr.) 



Peter Herber 

Bildhauer in Cassel 

1586-1625 (A. u. Fr.) 

OO 1615 Gertrud, 

Tochter des Culmann 

Stallhans (Fr.) 



Johannes Herber 

theologiae cand. 

t 1626 alt 26 Jahr (A.) 



Jorge Herber 

Bildhauer in Cassel 

1565—1611 (A. u. U.) 

OO 1594 Catharina 

Homans (A.) 
t 1626 alt 60 J. (U.) 

- Hans George Herber 

Bildschnitzer in Cassel 

1605-1671 (A.) 

OO 1) 1635 Anna, 

Tochter des Schreiners 

Hans Lohmann (A.) 

oo 2) 1645 Anna, 

Tochter des Antonius 

Marsteller 



V. d. Eschenstruth (A.) 
- L) 



1 1688 im 78. Jahr (A.) 



Rudolf Herber, Bildhauer in Cassel, geb. 1650 (A.), lebte noch 
), (auch bei Hoffmeister, Nachrichten über Künstler und Kunst- 
handwerker in Hessen, 1885, S. 44 erwähnt). 



— 313 — 

chronikalischen Aufzeichnungen entstand der Hauptbau im 
Jahre 1466. Danach errichtete Landgraf Ludwig damals 
nach der Stadtseite hin einen großen neuen Schloßflügel 
mit gewaltigem steinernen Unterbau, darauf „ein holtzern 
Stockwerk mit hübschen Spitzen und Zinnen gezieret" ^), 
das aber nach Di lieh durch eine Pulverexplosion 1469 
stark beschädigt und dann massiver wieder aufgerichtet 
worden ist. Wilhelm Dilich hat uns in seiner hessischen 
Chronik eine hübsche Abbildung dieses Schloßbaus etwa 
vom jetzigen Marställer Platz aus gesehen überliefert, die 
wohl im wesentlichen als authentisch anzusprechen ist. ^) 
Allerdings ist Dilich selbst ja erst einige Zeit nach dem 
Verschwinden dieses Bauwerks geboren ^), aber es werden 
ihm noch Ansichten vorgelegen haben, die er für seine 
mit der Jahreszahl 1490 versehene Ansicht verwerten 
konnte. Ein zweites Bild, das unbedingten Anspruch auf 
Naturtreue machen kann, ist uns in zwei ganz außer- 
ordentlich interessanten, für die Topographie des alten 
Cassel äußerst wertvollen Plänen der Stadt*) erhalten, die 
während der Zerstörung der von Philipp angelegten 
Festungswerke um 1548 angefertigt worden sind. Auf 
diesen großen, kolorierten Plänen (Ansichten aus der Vogel- 
schau), mit denen wir uns später noch zu beschäftigen 
haben, finden wir ebenfalls noch den Steinbau mit dem 
charakteristischen Fachwerkaufsatz und den schmucken 
Türmchen, wie er in Landgraf Ludwigs Zeiten auf- 
gerichtet war. 

In den nächsten 100 Jahren hören wir ziemlich viel 
von Bauten am Schlosse oder, wie man damals sagte, an 
der Burg, die am Schlüsse dieser Bauperiode ein völlig 
anderes Bild bieten sollte. 



^) Congeries Seite 342. Dilich, hess. Chronik 1605, S. 158. 

2) Dilich, Hess. Chronik 1605. 

^) Dilich ist 1571, spätestens zu Anfang 1572 in Wabern ge- 
boren (Theuner, Wilhelm Dilichs Ansichten hessischer Städte aus 
dem Jahre 1591, Marburg 1902, S. III). 

') Ein Exemplar im Staatsarchive zu Marburg, das zweite (zeitlich 
später) im Besitz des Hessischen Geschichtsverems in Cassel. Beide 
Pläne sind zweifellos in amtlichem Auftrage gemalt, der Marburger 
durch den hessischen Hofmaler Michel Müller, der zweite mit 
manchen vielfach durch Mißverständnisse veranlaßten Abweichungen 
von anderer Hand auf Grund der Müllerschen Aufnahme, nur mit 
den bereits vollzogenen und noch im Gange befindlichen Entfestigungs- 
arbeiten Cassels. Ich bringe hier einen Ausschnitt fius dem Marburgc 
Plane, der uns das Schloß und seine nächste Umgebung zeigt 



— 314 — 

1468 mußte wieder die Zugbrücke erneuert werden.^) 
Um 1469/70 mag die vergrößerte Burgkapelle fertig" 
geworden sein^), 1471 wurde an dem „phorthuß" des 
„nuwen buwes" ^) und an einem neuen Turme oder 
Bergfried „hinter Johann Rentmeister" gearbeitet, wo- 
zu man viel Latten und Ziegel, schließlich zum Abschluß 
noch einen Knauf vom Kannengießer gebrauchte. *) 

Nach Ludwig II. Tode (1471) traten seine Söhne 
bald in die Fußstapfen des baulustigen Vaters. 1479 und 
1480 wurden Küche und Keller in der Burg neu her- 
gerichtet, 1480/81 die Brücke im Baumgarten durch 
2 Pfeiler gestützt. 1481 entstand mit ziemlichem Kosten- 
aufwand die neue, schön verglaste und vergitterte 
„Schenk Stätte" oder „Bottelige** an der Haupthalle des 
Saalbaus, dann zu der Herrschaft Bequemlichkeit eine 
Badestube. ^) Auch 1484 ist wieder die Rede von 
Mauerarbeiten an einem neuen Turme auf der Burg" 
bei der Küche, der bis zum Knauf fertig gestellt wurde, 
an „meiner gnädigen Frauen" Gemach und an der 
Lichtkammer. ^) 1485 ließ Landgraf Wilhelm der Ältere 
mehrere Ställe und Häuser am Schlosse abbrechen. "^ 
Dafür entstanden in den nächsten Jahren neue Wirtschafts- 
gebäude, so 1489 ein Schafstall. «) 1497 ließ Wilhelm der 
Mittlere durch seinen Baumeister Joist große Bauten in 
Cassel aufrichten, sehr wahrscheinlich am Schlosse.^) 1498 
wurde fleißig an den Befestigungsarbeiten der Burg ge- 
schaflft, der Graben „zwischen dem neuen Bollwerk bis 
zur Fulda" ausgeworfen, zu gleicher Zeit aber auch am 
Ausbau des Fürstensitzes weiter gearbeitet. Im neuen 



? 



St. A. Mbg., Kammerschreiberrechnung 1468. 
Schminke, Versuch einer . . . Beschreibung der . . . Stadt 
Cassel . . . 1767, S. 100. 

') St. A. Mbg., Kammerschreiberrechnung 1471. 

*) Stölzel, Casseler Stadtrechnungen (in dieser Zeitschrift, 
N. F. Suppl. III) S. 51. 53. 54. 55. 

») St. A. Mbg., Casseler Schultheißenrechnungen 1479. 80. 81. — 
Erwähnt werden Curd (oder Conz) der Zimmermann, Meister Claus 
der Steinmetz, Hermann Steindecker, Meister Heinrich der Stein- 
metz, Lud ewig Glesener. 

•) St. A. Mbg., Casseler Schultheißenrechnung 1484. — Außer den 
eben genannten werden noch viele Namen aufgeführt, u. a. Hans 
Michelbach der Steinmetz. 

') Congeries S. 350. 

*) St. A. Mbg., Kammerrechnung 1489. — Ger lach der Steinmetz. 

•) St. A. Mbg., Casseler Bauregister 1497. 




IJas Casseler Schloß im Jahre 1548 
Au.«.hniH MS dam großen C«sseler Pl«n im Marburg.« St^v^e«.^ 



^^^\.<iA>\^'^C^^| 



— 315 — 

Gemach legte man den Estrich, das Gemach der Land- 
gräfin wurde ausgemalt, eine große Menge von Stein- 
metzen und Zimmerleuten waren in steter Tätigkeit. 1500 
verursachten neben einem neuen Bau im Renthofe vor 
dem Schlosse vor allem die Arbeiten „an dem nuwen 
huse uff der snyderie pober der lichtkamern" große 
Kosten. Wir finden, daß im Laufe der Bauarbeiten ein 
Haus vor dem Schlosse abgebrochen werden mußte, daß 
des Statthalters Gemach, ein Fischerhaus und eine 
Jungfernstube neu entstand, und hören, daß die Ge- 
mächer der Herrin, auch der Saal, „do min gnedige 
frauwe pleget zu sitzen**^), durch Henchen Probst 
aus Cassel neu verglast wurden. Auch für eine behag- 
liche innere Einrichtung trug man Sorge. So w^urde für 
den neuen Bau aus 300 grünen Kacheln ein mächtiger 
neuer Ofen hergestellt. 

Junker Ludwig von Boyneburg der Statthalter 
hatte wohl die Oberaufsicht über die Bauten, er verdingte^ 
z. B. 1501 die den Steinmetzen übertragenen Arbeiten; 
die Baurechnungen führte (1501) der Bauschreiber (?) La- 
zarusNolde. 2) Im Jahre 1502 wurde endlich der große 
Flügel an der Wasserseite fertig. ^) Es war ein türmchen- 
geschmücktes Fachwerkgebäude mit Steinfuß, wie wir auf 
dem vorn erwähnten Bilde von 1548 sehen, ganz ähnlich 
dem Ludwigsbau von 1466. An seine Stelle trat später 
unter Wilhelm IV. der Teil des neuen Schlosses, der einen 
berühmten Saal, den 1573/74 mit dem Stammbaume des 
hessischen Hauses ausgemalten sogenannten „roten Stein***) 
umschloß. 

Im selben Jahre 1502 wurde auch die von Landgraf 



*) Dem Brüderkloster gegenüber in dem Hause, das zusammen 
mit der Schloßkapelle Landgraf Ludwigs Schloß von 1466 mit dem 
von Wilhelm dem Mittleren 1502 vollendeten Flügel am Flusse verband. 

») St. A. Mbg., Casseler Bauregister 1498. 1500. 1501. — Viele 
Namen, so 1498: Steinmetzen: Meister Heinrich der Steinmetz, 
Grunewald, Jacob von Albishusen, Bernt von Immen- 
husen, Voyler der Steinmetz, Glas Voypel der Steinmetz, 
Tubenesser, Jorge von Isenhusen, Wentzel, Meister Hans 
der Steinmetz, Hermann, Meister Hans Lehrknecht, Ludwig Stein- 
metz, Hans ßernygke, Christoffel Bernygke, Hans Nymand, 
Andrebs Trumme(n); Zimmerleute: Herman Sneylspergk, 
Meister Andrebes der Zimmermann, Meister Curd der Zimmer- 
mann etc. etc. 

') Congeries S. 354. 

*) Schon der alte Bau wird 1553 „der Rauttenstein" genannt. 
(St. A. Mbg., 0. W. S. 104.) 



^ 316 — 

Ludwig um 1470 in sehr großen Verhältnissen errichtete 
Schloßkirche, die sich an der Ecke über dem heute noch 
vorhandenen Rondel an der Fulda erhob, erheblich ver- 
kleinert, so daß sich nach dem Umbau die neue Kapelle 
auf den Chor der alten Kirche beschränkte. ^) Der Hoch- 
altar war der heiligen Dreifaltigkeit geweiht. In einer 
Urkunde vom 18. August 1502 erteilt der Kardinal Ray- 
mundus auf Bitten des Landgrafen der ganz kurz zuvor 
vollendeten Schloßkapelle einen lOOtägigen Ablaß. ^) 

Nach Wilhelms des Mittleren Tode (1509) in den 
Zeiten der Regentschaft muß zeitweise, so 1513, wieder 
viel am Schlosse gebaut worden sein. ^) Zimmerleute, 
Maurer, Steinbrecher, Kalkbrenner und Tagelöhner fanden 
bei den Arbeiten reichliche Beschäftigung. Auch wurde 
im Jahre 1515 von der Landgräfin Anna und den ver- 
ordneten Räten ein neuer Bau- und Werkmeister ange- 
nommen, der Steinmetz Balthasar von Germesheim*), 
dem 1522 Jacob von Etlingen^) folgte. Landgraf 
"Philipp hatte sich in der ersten Zeit seiner Regierung mit 
dem ihm vom Vater überkommenen Schlosse begnügt, 
das außer den Wohngebäuden Küche, Keller, Backhaus 
und Lichtkammer umfaßte und durch zwei Pforten mit 
der Stadt verbunden war. ^) Seit 1523 aber ließ er, wohl 
unter Jacobs Leitung, seine Residenz stark mit Wällen 
und Rondelen befestigen.*^) Den wichtigsten Anteil aber 
an Befestigung von Schloß und Stadt, wie an den Bauten 
des Schlosses in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, 
hat ein Casseler Kind gehabt, Jost Riemenschneider, 
der zuerst im Auslande sein Brot gesucht hatte, unter 
Herzog Heinrich dem jüngeren von Braunschweig Amt- 



^) Congerie 
2) St. A. Mb 



geries S. 354. 

.Mbg., Urk. von 1502 VllI 18 im Generalrepert. Cassel. 
Weitere Urkunden über die Schloßkapelle aus den Jahren 1502. 1503. 
1518. 30. 31. 34. 48. 51 im Generalrepert. Cassel und in Urk. der Cass. 
Schloßkapelle. 

') St. A. Mbg., Gasseier Küchenregister 1513. 

*) Samtarchiv Mbg., Revers von 1515 X 23. 

^) Auch Jacob von Otlingen genannt, 1522 Montag nach Pal- 
marum (= April 14) vom Landgrafen Philipp auf 3 Jahre zum Bau- 
und Werkmeister bestellt. (St. A. Mbg., Dienerbuch Landgraf Philipps.) 

*) Stölzel, Casseler Stadtrechnungen S. 144, 172. 

') Congeries S. 360. Vgl. auch Bernhardi im hess. Jahrbuch 
für 1855, R o m m e 1 in seiner hess. Geschichte an mehreren Stellen, 
Schminke, Versuch einer . . . Beschreibung der . . . Residenz- und 
Hauptstadt Cassel, 1767, Winkelmann, ... Beschreibung der 
Fiircf anfümer Hessen und Hersfeld . . . 1697 etc. etc. 



— 317 — 

mann zum Fürstenberge gewesen war und dann die 
Festungsarbeiten zu Wolfenbüttel geleitet hatte. ^) Der 
erfahrene Mann trat 1525 als Baumeister in die Dienste 
seines angestammten Landesherrn mit der ausgesprochenen 
Hauptbestimmung, den angefangenen Schloßbau in Cassel 
möglichst zu fördern und der Vollendung entgegen zu 
führen. ^) Aber weit größeres noch als am Schlosse leistete 
er in den nächsten 10 Jahren in Gemeinschaft mit seinem 
ihm kongenialen Sohne und späteren Nachfolger, dem 
Baumeister Thönges Riemenschneider ^) an den 
Festun gsbauten zu Cassel (ca. 1527 — 30) und zu Gießen 
(1531).*) 

Zu den neuen Bollwerken und Mauern des Schlosses 
wurden auch die Steine der 1527 abgebrochenen Pfarr- 
kirche St. Cyriaci auf dem (Marställer) Platze vor dem 
Schlosse verwandt, ebenso der in dieser Zeit beseitigten 
Klostergebäude neben der Carmeliter(Brüder-)kirche. ^) 
Seit 1540 war Johann Stehen als „Werk- und Meuer- 
meister" in Cassel tätig. *^) Die Ende der 1520er Jahre 
hergestellten Befestigungen ') der Stadt wurden in den 
Jahren 1541 bis 1547 nochmals mit sehr großen Kosten 



^) St. A. Mbg., Ortsrepos. Cassel, M. St. S. 818. Eingabe der 
Kinder und Erben des f Baumeisters Tönnies Riemenschneider, zu 
Tmmenhausen 1588. 

»)St. A. Mbg., Dienerbuch Philipps: 1525 VI 23 wird Jost 
Rymensnyder zum Hausvogt in Cassel und Baumeister bestellt, 
„also das er unsern angefangenen bau unsers schlos zu Cassel allent- 
halben mit vleis und getrulich obsein etc. etc." 

8) Tönnies R. 1540 41. 53/54 landgräfl. Baumeister, erhielt 1569 
V 1 von Wilhelm IV. eine neue Bestallung als Baumeister und Diener, 
wurde später Vogt zu Oberkaufungen (vor 1579, wohl schon vor 1560, 
wo er als „alter" Baumeister zu Kaufungen genannt wird), f vor 1582 
II. Er hinterließ nur Töchter, seine „Kinder und Erben" wohnten 
1588 in Immenhausen (St. A. Mbg., M. St. S. 818). 

^) Polit. Archiv Philipps, I 275 ; S t ö 1 z e 1 , Casseler Stadt- 
rechnungen S. 256. 260 (ca. 1527/28. 1530). — St. A. Mbg., Revers des 
Baumeisters Joest R. über Belehnung mit einem Hofe zu Nieder- 
zwehren (in Anbetracht der mannigfaltigen, von ihm und seinem Sohne 
Antonius dem Landgrafen treu geleisteten Dienste, besonders an 
unserm Bau in Cassel) 1529 X 18. Später neue Belehnung des 
Antonius R. mit demselben Hofe etc., Revers von 1568 X 12. Sein 
Lehen erhielt 1582 I 1 der Kammerschreiber Otto Gleim. — Abt. 
„Quittungen" 1530. 31. — 

*) Congeries S. 363. 

®) St. A. Mbg., Bestallung von 1540 Dienstag nach Allerheiligen 
(= Nov. 2). 

^) Für die Casseler Tore verfertigte Helius Eobanus Hessus 
die lateinischen Inschriften 1536. (Polit. Archiv Philipps I, Nr. 461). 



— 318 — 

aufs neue außerordentlich verstärkt^), so daß Cassel für 
eine fast uneinnehmbare Festung galt. Kaum aber waren 
die riesigen Bauten vollendet, da mußten sie schon wieder 
fallen. 

Nach der Gefangennahme Philipps wurden auf Grund 
der Hallischen Kapitulation die Festungen des Landes mit 
Ausnahme von Ziegenhain, an erster Stelle natürlich das 
fast unüberwindliche Cassel, völlig geschleift. Wir be- 
sitzen einen interessanten Bericht vom 30. Oktober 1548 ^) 
über das Zerstörungswerk, das mit einer unbeschreiblichen 
Gründlichkeit ausgeführt wurde. Die Sächsisch-Branden- 
burgischen Räte Franz Kram und Dr. Timotheus Jung, 
die zur Besichtigung der gebrochenen Festungswerke in 
Cassel weilten, schildern genau die Abbruchsarbeiten und 
ziehen die Schlußfolgerung: „und ist also aus der statt 
Cassel fast ein dorf gemacht und die festunge dermassen 
geschleift, zerrissen und zerwühlet, das unsers erachtens 
ein jeder unparteiischer und dieser dinge verstendiger 
augenscheinlich sehen kann und bekennen muß, das dieser 
festunge gewaltiglich das herz genommen, ja das sie nicht 
mehr vor eine festunge geachtet . . . werden mag . . ." 
Auch die Gebäude des Schlosses selbst waren in dieser 
Zeit in großer Gefahr. Nur mit Mühe wurde ein gleiches 
Schicksal vom Schlosse abgewandt. Als sich die Ge- 
sandten in Cassel aufhielten, hatte man bereits auf allen 
4 Seiten große Breschen in die Schloßumwallung gerissen, 
„und wollen zum furderlichsten Statthalter und rethe den 
ganzen wall umb das schloß den angezognen vier löchern 
gleich schleifen lassen, das also der wall allenthalben fast 
dem auswendigen graben gleich und eben werden soll, 
wiewol sie meinen, das es nicht so großer schade wer, 
wann man das ganze schloß ausbrennte oder 
mit bulfer zersprengte, als dies schleifen kosten will'^ 
Dieser Hinweis auf eine beschleunigtere Art der Ver- 
nichtung durch Feuer oder Pulver wird nun wohl nur als 
der Ausdruck der augenblicklichen gänzlichen Hoffnungs- 
losigkeit und Niedergeschlagenheit der hessischen Räte 
aufzufassen sein. Jedenfalls muß es fürchterlich in Cassel 
ausgesehen haben. Wir können durch die beiden mehr- 
fach genannten großen Bilder der Stadt ungefähr einen 
Begriff von der furchtbaren Zerstörung und Verwüstung 

*) Schminke, a. a. 0. S. 76. 

*)Meinardus, Der Katzenelnbogische Erbfolgestreit, II, 1902, 
S. 164 ff. 



— 319 — 

bekommen, die rings um die Stadt durch die erbarmungs- 
lose Niederreißung des kunstvoll errichteten Verteidigungs- 
gürtels entstand. ^) Das eine Bild, das sich im Marburger 
Staatsarchiv befindet, zeigt uns Stadt und Festung noch 
völlig unversehrt, während wir auf dem zweiten (im Be- 
sitze des hessischen Geschichtsvereins zu Cassel) das genau 
als Gegenstück gedacht und aufgenommen ist, eine Menge 
Leute an der Arbeit sehen, das mühevoll Errichtete ein- 
zureißen und zu vernichten. Die beiden großen Bilder 
geben uns einen völligen Überblick 'über die Stadt mit 
sämtlichen Straßen und Bauwerken. Das alte Schloß mit 
seinen beiden, durch einen Querbau verbundenen Haupt- 
flügeln und der starken Sonderbefestigung, gewissermaßen 
die Citadelle der Stadt, die Martinskirche, das alte Rat- 
haus am Markt, der Zwehrenturm mit dem mächtigen 
Helme und der Druselturm mit seinen Ecktürmchen, die 
ihm vor kurzem nun auch ja wiedergegeben sind, alles 
tritt, wenn auch vielfach verzeichnet und in falscher Per- 
spektive gesehen, deutlich hervor. Es wäre sehr zu wün- 
schen, daß diese Pläne publiziert und von kundiger Seite 
genau bearbeitet würden. 

Die Zeit der Erniedrigung dauerte glücklicherweise 
nur wenig Jahre. Als Landgraf Philipp wieder frei ge- 
worden war, ging er sofort daran, seine Hauptstadt wieder 
fest und verteidigungsfähig zu machen; und das ist dank 
der Umsicht und hervorragenden Tüchtigkeit des jungen 
Landgrafen Wilhelm, dem der Vater die Oberaufsicht und. 
Leitung der Bauten anvertraute, und der technischen Fähig- 
keit des oben schon genannten Baumeisters Antonius 
Riemenschneider, in der großartigsten Weise gelungen. 
Am Schlüsse dieser Bauperiode, die von 1552 bis 1559 
reichte, stand Hessens Hauptstadt wieder als Festung 
allerersten Ranges da. 

Philipp ging nun zu gleicher Zeit auch an den Um- 
bau des Schlosses, das sehr vergrößert wurde. Im No- 
vember 1556 ließ er im Schlosse „alte bheue** abbrechen. ^) 
1557 erwuchs der neue Küchenbau') auf dem Gelände 

*) Über die Entfestigungsarbeiten befinden sich sehr viel Akten 
im St. A. Marburg, vgl. Küch, das polit. Archiv Philipps, I 1012. 13. 
14. 16. 28. 29. etc. Genauere Nachrichten auch bei L. Voltz, die 
kaiserhche Kommission des Grafen Reinhart zu Solms in der Darm- 
städter Festschrift von 1904: Philipp der Großmütige, Beiträge zur 
Geschichte seines Lebens und seiner Zeit. 

*) St. A. Mbg., M. St. S. 817, Ortsrepos. Cassel. 

*) Congeries S. 377. Über die Bauten am Schlosse etc. in diftp'*'' 



— 320 — 

des alten Schloßgrabens nach der späteren Rennbahn hin. 
Landgraf Wilhelm legte selbst am 25. März 1557 am 
Steinweg den ersten Stein zu diesem Hause, das bis zum 
15. Oktober desselben Jahres fertiggestellt war.^) 1559 
fiel der alte nach dem Renthofe gerichtete Frauenzimmer- 
bau und wurde 1560 bis 1562 in neuer Gestalt wieder 
aufgerichtet. 2) An dem ebenfalls 1560 begonnenen Teile 
des Schlosses, unter dem das Backhaus war, ließ Wilhelm 
seinen jüngeren Bruder Philipp in der Nähe der Schloß- 
pforte den ersten Hammerschlag tun. ^) Leider gingen 
die Arbeiten nicht ohne Unglück vor sich. Am 29. Juli 
1560 wurden durch Einsturz eines Gewölbes im Renthof- 
flügel 6 Menschen getötet. *) Während des Baues stellten 
sich noch Schwierigkeiten heraus, mit denen nicht ge- 
rechnet worden war. Jahrzehnte vorher war eine Wasser- 
leitung ins Schloß gelegt worden, und durch einen nicht 
zeitig bemerkten Rohrbruch war vom Wasser das Funda- 
ment des alten Bierkellers auf eine Strecke von 23 Fuß 
unterwühlt und das Erdreich derart weggeschlämmt, daß 
die Gefahr eines Einsturzes sehr groß war. Man beschloß 
deshalb im Frühjahr 1560, das ganze alte Gebäude an 
dieser Stelle abzubrechen und von Grund auf neuzumauern, 
allerdings kostete dieser Zwischenfall die Summe von 2000 
bis 2500 Gulden, die noch zu den vom Landgrafen Philipp 
bis zum März 1560 für das eine Jahr bereits bewilligten 
8800 Gulden hinzukamen. ^) 1562 müssen im wesentlichen 
die von Philipp angeordneten Bauarbeiten beendigt ge- 



Zeit siehe u. a. Rommel, hess. Geschichte IV, Anmerkungen S. 
425/26. Material im St. A. Mbg. u. a. im M. St. S. 815. 

*) Congeries S. 377. 

*) Nach Bernhardi (Cassel ums Jahr 1580, im Hessischen 
Jahrbuch für 1855, S. 13) ist beim Abbruche des Bogenganges am 
Frauenzimmerbau eine lateinische Inschrift im Fundamente gefunden, 
die im Museum zu Cassel aufbewahrt wird. Die Inschrift lautet nach 
Rommel (hess. Geschichte IV, Zusätze S. 490 und V S. 462), der sie 
aber fälschlich auf den Stadtflügel bezieht, folgendermaßen : Guilielmus 
Hassiae princeps cum rerum astronomicarum tum architectonicae 
reliquarumque et artium liberalium et rerum biblicarum co^nitione 
instructissimus post restitutum patriae vi bellica patrem Philippum 
fundamentis huius aedificii positis opus incoeptum impensis propriis 
superstruxit A. Sal. 1560. — 1560 (Juni 27) wird Hans von Ulm als 
fürstlicher Baumeister genannt (Statthalter, Marschalk und Räte in 
Cassel an Landgraf Philipp: polit. Archiv Philipps, Braunschweig- 
Calenberg, betr. den Sonder 1558—1560). 

») Congeries S. 377. 
Congeries S. 378. 
Polit. Archiv Philipps, I 42 und St. A. Mbg., 0. W. S. 104. 



:i 



— 321 — 

wesen sein, wie wir aus einer schon zu Schminkes Zeiten 
(1767) fast unleserlichen Inschrift überm Portal des äußeren 
Schloßhofes entnehmen ^) : 

Philips der Eitere von Gottes Gnaden Lantgrave 
zu Hessen, Graf zu Catzenellenbogen, Dietz, Ziegen- 
hain und Nidda angefangen den 25 ten . . . 

Anno . . . und mit . . . geendiget 1562. 
Damit war das knapp 100 Jahre vorher errichtete Schloß 
Ludwigs II. durch einen völlig neuen Bau ersetzt, dem 
sich 2 ebenfalls neue Querflügel als Verbindungsbauten 
mit dem Gebäude von 1502 an der Fulda anschlössen. 
Dieser Flügel am Wasser fiel erst nach Philipps Tode 
unter des Erbauers Enkel Wilhelm IV. 1563 wurde die 
Schloßkapelle neu hergerichtet und mit einem Kostenauf- 
wand von 200 Gulden durch Michel Müller 2) ausgemalt^), 
zugleich auch ein Türmchen auf den alten „Windelstein** 
gesetzt, wohl in der Nähe der Kapelle.*) 

Bei so gewaltigen Bauten waren natürlich eine Menge 
Arbeiter beschäftigt, die Maurer und Steinmetzen rekru- 
tierten sich aus aller Herren Ländern. Da kam es wohl 
auch mal vor, daß es Unfrieden gab, oder daß wegen 
Lohnfragen und Bezahlung der abgelieferten Arbeit 
Schwierigkeiten entstanden, ja einmal wurde regelrecht 
gestreikt.^) Darin verstand nun Wilhelm keinen Spaß. 
Er ließ aufs schärfste gegen die ungehorsamen Steinmetzen 
vorgehen und befahl, sie ohne Gnade in die Eisen zu legen 
und zwangsweise arbeiten zu lassen.*) So wurden denn 
die feiernden Steinmetzen Thoma von der Freystadt, Con- 
rad von Heidelberg, Paul von Gothen, Wentz von Butz- 
bach, Jeorg von der Langen Argen, Hans von Würzburg, 
Hans von Mainz, Martin von Wenden, Urban von Kalitz, 
Thomas von Linz, Endres von Hamburg (Bildhauer) und 
Jacob von OfFenburg, die sich weigerten, ihre Arbeit zu 
verrichten, für einige Tage in die „Kottenchammer" gesetzt 
und erst, nachdem sie Urfehde geschworen und versprochen 



*) (Schminke), Versuch einer . . . Beschreibung der . . . Residenz- 
und Hauptstadt Cassel . . . Cassel 1767. 

2) V. Drach-Könnecke, Die Bildnisse Philipps d. Gr. 1905, S. 69. 

») St. A. Mbg., Ortsrepos. Cassel, M. St. S. 818, 0. W. S. 103. 

*) St. A. Mbg., 0. W. S. 108. 

*) St. A. Mbg., Ortsrepos. Cassel, M. St. S. 817, Korrespondenz 
Wilhelms mit seinen Räten etc. vom 30. Juni bis 7. Juli über den Bau. 

') Zwei sehr charakteristische Schreiben Wilhelms in dieser 
Angelegenheit werden in der Beilage 2 abgedruckt. 



— 322 — 

hatten, daß kein „verseumnus der arbeit oder rotterey** 
mehr vorkommen sollte, auf Fürsprache der Werkmeister 
und Führer wieder freigelassen. Dieser Zwischenfall war 
im Juli 1557 eingetreten. Als Bürgen für die Bestraften 
traten 6 Männer ein, die vielfach die Verantwortung für 
die praktische Ausführung der Baupläne trugen, an erster 
Stelle Meister Jost Scheffer ^) (,Jost der Werkmeister") aus 
Eschwege, der am 5. März 1555 zu Landgraf Philipps 
Werkmeister und Diener angenommen war^), dann An- 
dreas von Lindau, die Mauermeister Hans Edelmann ^) und 
Hans Moß von Marburg, dazu Hans von Zürich, Valtin 
von Ulm und Ludwig Mebes. *) Ferner werden mehrfach 
in dieser Zeit (1557) genannt die Bildhauer Galle von 
Marienberg, Christoffer Schnebach und Christoffer von 
Dresden, die Maurer Henrich vom Wolfhain und Jacob 
von Ulm, der noch 13 Jahre nach seinem ersten Auftreten 
am 1. Mai 1570 vom Landgrafen Wilhelm eine Bestallung 
als Werkmeister und Diener bekam. ^) Er hieß mit vollem 
Namen Jacob BoUing und ist der Mann, der den leider 
vor 10 Jahren ohne Not entfernten malerischen Brunnen 
am Brink in Cassel gemeißelt hat. Auch ein Martin Munch 
wird gelegentlich (1557) erwähnt. 

Die technische Leitung des Schloßbaues hatten die 
Bauschreiber H ö g e P) (1557), Caspar Pfeffer (1557. 
1562) und Christoffel Hopf (1562/63). ^) In besonders 
schwierigen Fragen '^) wurde der alte Tönnies Riemen- 
schneider herangezogen, der mittlerweile (schon 1560) 
einen Gnaden- und Ruheposten als Vogt in Oberkaufungen 
bezogen hatte. ®) Die Schreinerarbeiten leitete (1560. 1565) 
Meister Christoph Müller, der später (seit 1568 Casseler 
Bürger) Landgraf Wilhelms Hofschreiner (1568 jBF. 1575) 
war und 1577. 1588 als Baumeister vorkommt. Dieser 
sehr tüchtige Mann wurde auch zu anderen wichtigen 

^) Der Werkmeister Jost Scheffer starb 1597 XII 28 (Schreiben 
des Otto Harsack aus Eschwege an den Landgrafen d. d. 1598 III 18 
im St. A. Mbg., Ortsrepos. Eschwege). 

^) St. A. Mbg., Bestallungen. 

8) Hans Edelmann bgr. 1605 X 23 (Kirchenbuch der Unterneu- 
stadt Cassel). 

*) Siehe die als Beilage 1 abgedruckte Bauordnung von 1557 (?) 

*) Es ist der bekannte Hofkomponist Landgraf Philipps Johann 
Heugel, über den W. Nagel in der Darmstädter Festschrift zum 
Philippsjubiläum 1904 S. 353—390 ausführlich berichtet. 

«) St. A. Mbg., Ortsrepos. Cassel, M. St. S. 816. 817. 818. 

') So bei dem Rohrbruch vom Frühling 1560, siehe vorn Seite 320. 

8) Siehe vorn Seite 317. 



— 323 — 

Arbeiten herangezogen, so an der Fuldabrücke 1573/74, 
die er mit Geschick und Glück zu Ende führte.^) 

Die Ausnaalung ^) der Säle lag wohl in der Haupt- 
sache dem Hofmaler Meister Michel Müller ob, den 
wir 1563 neben seiner Arbeit in der Schloßkapelle auch 
noch in Landgraf Wilhelms Diensten beschäftigt finden. 
Michel Müller ist annähernd 40 Jahre in landgräflichen 
Diensten gewesen. Die letzten Erwähnungen stammen 
aus den Jahren 1573 und 1574. Im ersten Jahre hatte 
er die „Contrafactur" eines im Reinhartswalde geschos- 
senen Hirsches für den Landgrafen zu malen, 1574 er- 
hielt er den Auftrag, im Fürstengemach des Ziegen hainer 
Schlosses zusammen mit seinem Sohne die Balken mit 
Laubwerk „auszustreichen", auch die Zeiger der Uhr und 
den Wappenstein an der Pforte zu bemalen.^) 

Auch Hans Schröer*) von Augsburg (1572), Jörge 
Cornet (1579)^) und Christoffel Jobst von Dippoldis- 
walde ^) mögen an den Malereien beteiligt gewesen sein. 
Bestimmt wissen wir das von Jaspar van der Borcht, 
in dessen Hand die Ausstattung des goldenen Saales 



^)St.A. Mbg.: O.W.S. 32; M. St. S. 818. 820; Mannbuch des 
Landgrafen Moritz L 14. — Casseler Bürgerbuch. — Er starb vor 1593. 
— 1571. 74 ist Hans Wetzel Baumeister Landgraf Wilhelms (St. A. 
Mbg., 0. W. S. 32), 1585 kommt Christoffer Koch als Bauschreiber in 
Cassel vor (M. St. S. 818), der 1574. 75. 79 Bauschreiber in Rotenburg 
war (0. W. S. 32. 104). 

*) St. A. Mbg., O.W.S. 32: 1573 Sept.: 1 fl. 25 alb. den malern 
in meins g. f. und hern gemach. — 1574 Nov. 27: 5 fl. 16 alb. den 
mahlern im roten stein an der genealogie (ebenso 1574 Sept. 18 und 
1574 Nov. 20 5 fl. 16 alb. und 3 fl. 3 alb.). 

») St. A. Mbg., O.W.S. 32. Ober Michel Müller, einen Schüler 
Lucas Cranachs, der seit 1536 Juli 25 Landgraf Philipps Maler und 
Diener war, finden sich die meisten Nachrichten in der Festschrift 
von V. Brach und Könnecke ,,Die Bildnisse Philipps des Großmütigen" 
Marburg 1905, Seite 67 fif., einiges in der Einleitung von v. Brach 
zum Bd. XXVIII (N. F.) dieser Zeitschrift (Philippsfestschrift), in einem 
Aufsatze vonKüch „Urkundliche Nachrichten über Wandmalereien im 
Schlosse zu Ziegenhain" in dem Kalender Hessen-Kunst 1907, dann 
eine Notiz in der Zeitschrift Hessenland 1901, S. 207—208, und Be- 
richte über einen Vortrag Diemars in den Mitt. . . des Vereins f. 
hess. Gesch. u. Lk. 1898, S. 51—52, 73, im Casseler Tageblatt 1899 
März 30, Nr. 89 und im Hessenland 1899, S. 102. 

*) Meister Hans Schroer, Maler in Cassel 1572 (O.W.S. 32) 
war von Augsburg gebürtig und starb 1601 (begr. Aug. 11, Kirchen- 
buch der Altstadt Cassel). 

*) St. A. Mbg., 0. W. S. 104. 

*) Nach einer Notiz von Rogge-Ludwig im Hessenland IV, 
1890, S. 54 1580 zum hess. Hofmaler ernannt. Siehe auch Hessen- 
land XIII 1899, S. 115. 

N. F. BD. XXX. 21 



— 324 — 

in den 1580 er Jahren lag ^), und von Jost vom Ho ff 2) 
(vom Hoffe, van Hove), der ebenfalls schon 1581 damit 
beschäftigt war, Bildnisse für denselben Saal zu malen. 

Mit den feineren Bildhauerarbeiten im Schlosse waren 
die beiden hervorragenden Meister Elias Godefroy von 
Cambray und Adam Liquir Beaumont ^) (meist nur 
Meister Adam Bildhauer oder M. Adam Lacquiers [Lac- 
quier, Lackquir, Leckquir] genannt), die Schöpfer des 
Philippsdenkmals in der großen Kirche, betraut. Elias 
Godefroy, der unter anderem schon vor 1560 *) das Ala- 
bastergemach ausgeschmückt hatte, starb schon im Sep- 
tember 1568. 

Meister Adam finden wir 1573 mit Skulpturen 
(Wappen etc.) für den Giebel des Ahnaberger Tores und 
mit Arbeiten an einem Zierbrunnen im Lustgarten be- 
schäftigt, wobei ihn der Bildhauer Henrich Kaps ^) (1573) 
unterstützte. Seine letzte Arbeit in Hessen, einige Kamine 
für das Rotenburger Schloß, ließ Beaumont 1574, nachdem 
er fast den ganzen Herbst, wie auch schon 1569, schwer 
krank gewesen war ^), unvollendet im Stich. Er entfernte 
sich heimlich aus Cassel und trat zum größten Zorne 
Wilhelms in die Dienste des Herzogs Julius von Braun- 
schweig, für den er sofort (1574/75) eine ganze Reihe von 
Werken, einen Tanzsaal, eine Hofstube etc. lieferte. Er 
war nicht nur bis 1576, selbst nicht trotz mehrfachen 



») StA.Mbg., O.W.S. 104. Jaspar van der Borcht (Caspar 
von der Burg) wurde (wohl als Nachfolger Michel Müllers, der demnach 
im Laufe des Jahres 1576 gestorben sein mag) am 1. Dez. 1576 als 
Wilhelms Hofmaler und Diener angenommen (Revers) und erhielt 
unter Moritz am 18. August 1593 eine neue Bestallung. — Über diese 
und andere gleichzeitige Casseler Maler siehe Hessenland 1899, 
S. 114—115, mehr noch in einem Aufsatze Carl Scherers im Re- 
pertorium für Kunstwissenschaft XXI 1 über „die Familienbilder im 
Landgrafenzimmer der Wilhelmsburg zu Schmalkalden". 

2) Jost vom Hoff, „der itzo (1579 Nov.) die contrafeit macht und 
in der canzley die arbeit itzo vornimpt" (St. A. Mbg., 0. W. S. 104). 
Danach ist der Maler des großen Wandgemäldes im Renthofe nicht 
Caspar van der Borcht, wie Scherer (Hessenland 1898, S. 319) an- 
nimmt, sondern Meister Jost vom Hoffe. — Jost vom Hoffe wurde am 
24. Febr. 1592 zu Cassel begraben (Kirchenbuch der Altstadt Cassel). 

*) Einiges über diese beiden Künstler in v. Drach und Kön- 
neckes Bildnissen Philipps S. 99. 

*) St. A. Mbg., M. St. S. 816. — Von Godefroys Arbeiten für das 
Alabastergemach sind einige Reliefs im Casseler Museum erhalten 
(Bildnisse Philipps, S. 99, Anm. 1). 

*) Heinrich Kaps von der Lichtenau wurde 1570 XI 23 mit Elisa- 
bet Kniebe copuliert (Kirchenbuch der Altstadt Cassel). 

«) St. A. Mbg., 0. W. S. 32. 104. 



— 325 — 

dringenden Mahnungen nach Cassel zurückgekehrt, son- 
dern veranlaß te im Juli (?) 1575 auch noch die Übersiede- 
lung seines ehemaligen Arbeitsgenossen Kaps ins Braun- 
schweig^sche, der ebenfalls vom Herzog Julius als Bild 
hauer angenommen wurde. ^) 

Auch Willem Vernuken, der seit dem 1. Mai 
1577 als landgräflicher Bildhauer in Cassel weilte, mag 
noch genug zu tun im fürstlichen Schlosse gefunden haben. 
1581 arbeitete er an den Stuckarbeiten im goldenen Saale ^), 
1590 am Gewölbe der Kapelle. 

Wie wir schon aus den oben genannten Jahreszahlen 
gesehen haben, führte Wilhelm auch nach des Vaters Tode 
(1567) die Bauten fort, ja fast mit noch größerem Eifer. 
Im ersten Jahre seiner Regierung ließ er die hohe Mauer 
hinterm Schloß errichten und das Rondel an der Fulda 
erneuern.^) 1568 wurde das Schlachthaus, das auch noch 
einer Reihe von anderen Zwecken diente, vor dem eigent- 
lichen Schloßgebäude nach der (späteren) Rennbahn hin 
oberhalb der kleinen Fulda fertiggestellt.*) 

Ende der 1560 er Jahre wurde der Flügel an der 
Fulda (von 1502) gänzlich umgebaut und den übrigen 
Schloßbauten angepaßt. Im September 1569 waren Stein- 
metzen- und Mauerarbeiten am Rotenstein soweit fertig, 
daß Meister Christoffel Müller anfangen konnte, den Boden 
zu legen. 1584 war auch der „güldene Saal" vollendet^), 
dessen künstlerische Ausschmückung und Ausmalung eben- 
so wie die Anbringung vieler von auswärtigen Höfen er- 
worbener Fürstenbildnisse in der Hand Jaspars van der 
Borcht und Josts vom Hoff lag. ^) 

Auch die Arbeiten an der Festung Cassel ruhten 
nicht. Seit 1571 wurden die großen Bastionen nach den 
neuesten Erfahrungen umgebaut, 1574 erwuchs der Zeug- 
mantel neben den anderen Bastionen am Zwehrenberg, 
Totenberg, Giesberg, Wilhelmsberg und Ahnaberg. Graf 
Rochus von Lynar, der geniale Festungsbaumeister, leitete 

») St. A. Mbg., 0. W. S. 32. — Heinrich Kaps (Kappes) kehrte 
später nach Cassel zurück, wo er 1582 starb (bgr. 1582 II 9 in der Alt- 
stadt Cassel, Kirchenbuch). 

*) St. A. Mbg., Bestallungen, dann 0. W. S. 104. — Kirchenbuch 
der Freiheit Cassel : 1607 X 26 bgr. Wilhelmen Vernugken wergmeister. 

5) St. A. Mbg., Ortsrepos. Cassel, M. St. S. 818, Schreiben Simon 
Bings an Landgraf Wilhelm vom 20. Juli 1567. 

*) Nach Inschrift, vgl. Schminke S. 108, Winkelmann S. 274. 

*) Laut Inschrift, vgl. Schminke a. a. 0., S. 102, Winkel- 
mann S. 274 etc. 

«) St. A. Mbg., 0. W. S. 104. 

21* 



— 326 — 

die Bauten, Georg von SchoUey hatte die Aufsicht. ^) Auf 
diese und andere Werke Wilhelms, eines sehr baulustigen 
und sehr bauverständigen Herrn, will ich hier nicht weiter 
eingehen. Als prächtige Beispiele der soliden und ge- 
schmackvollen Bauart zur Zeit Wilhelms IV. sind uns die 
stattlichen Gebäude des Zeughauses, des Renthofs und 
Marstalls erhalten. 

Vom Landgrafen Moritz, Wilhelms Sohn, stammt am 
Schlosse fast nur der Wall nach der Stadtseite mit dem 
zierlichen Barockportal und der neuen Brücke, die an 
Stelle des sehr morschen und gefährlichen alten Über- 
ganges ^) in der ersten Regierungszeit des jungen Fürsten 
trat, und die 1593 neu angelegte Rennbahn vor der West- 
front der Residenz, zu der zugleich ein direkter Zugang 
durch den Wall geschaffen wurde. 

Hier mögen noch einige Worte über die Schloß- 
kapelle in der Gebäudegruppe des 16. Jahrhunderts Platz 
finden. Sie war 1563 neu in Stand gesetzt, lag, wie wir 
aus Abbildungen Dilichs von 1591 und 1601 ^) wissen, 
an der Südostecke des Schlosses über dem Rondel an der 
Fulda und hatte ein steiles Dach, das die anstoßenden 
Wohngebäude weit überragte. Um die Wende des Jahr- 
hunderts *) muß ein durchgreifender Fassadenumbau daran 
erfolgt sein, auf späteren Ansichten (schon 1605) ^) kann 
man die Schloßkirche nicht mehr entdecken. Die Kapellen- 
höhe wurde etwas vermindert, die mit hohen spitzbogigen 
Fenstern geschmückte Außenwand mußte verschwinden, 



:! 



St. A. Mbg., M. St. S. 817, 0. W. S. 104. Vgl. auch Schminke etc. 
Das alte durch einen daneben stehenden niedrigen Turm ge- 
schützte (einzige) Portal aus Phihpps Zeit, lag nicht an derselben 
Stelle wie das neue, sondern genau in der Mitte der nach der Stadt 
gewandten Schloßseite. — 1589 (praes. 5. Febr.) zeigt der Oberburggraf 
Valtin Tonges an, daß die Schloßbrücke gar baufällig ist und 
unbedingt 'bald ausgebessert werden muß, damit Unglück verhütet 
werde, „dan balken und alles gar faul und boes ist" etc. (St. A. Mbg., 
M. St. S. 817). 

^) Theuner, Wilhelm Dilichs Ansichten hessischer Städte aus 
dem Jahre 1591, Marburg 1902; und „Beschreibung und Abriß dero 
Ritterspiel " durch Wilhelm Di lieh, Cassel 1601. 

1) Vielleicht 1603/04, St. A. Mbg., 0. W. S. 104, Schreiben des 
Leibmedicus Hermann Wolff an den Landgrafen d. d. Cassel 1603 
Nov. 2. — Im Oktober 1590 war Wilhelm Vernuken mit Beschüttung 
des Gewölbes über der Kapelle beschäftigt, wie wir aus einem Schreiben 
des Landgrafen an den Bildhauer vom 20. Okt. 1590 wissen (St. A. Mbg., 
Kammerarchiv Nachträge), aber mit dem Umbau haben diese Arbeiten 
nichts zu tun. 

«^j Dilich, hess. Chronik 1605. 



— 327 — 

an ihre Stelle trat der Gleichmäßigkeit halber ein großer 
Renaissancegiebel genau nach dem Vorbilde der bereits 
an der Nordostecke, der Brüderkirche gegenüber befind- 
lichen; zwei der alten Strebepfeiler der Kapelle blieben 
jedoch stehen. Die Ecke des Schlosses, an der früher 
das noch gotischer Zeit entstammende Gotteshaus als hohe 
selbständige Halle ziemlich unvermittelt angegliedert ge- 
standen hatte, bekam jetzt einen oben mit Altan ver- 
sehenen, flachgedeckten Anbau, ebenso auch die Süd- 
westecke. Nach Winkelmann (1697) ^) reichte das Ge- 
wölbe der Kapelle nur noch bis ins dritte Stockwerk, man 
scheint die alte Kirche also in Höhe und Länge nicht un- 
wesentlich verkleinert zu haben. 

Das Casseler Schloß hat im allgemeinen das Ansehen 
und die Gestalt, die es ums Jahr 1600 hatte, bis zu seinem 
Untergang im Jahre 1811 behalten, nur die Umwallung ist 
bereits seit 1760 allmählich abgetragen und verschwunden.*) 

Betrachten wir uns zum Schlüsse das hochgebaute, 
mächtige Schloß, wie es zu Zeiten des Landgrafen Moritz 
des Gelehrten aussah, etwas genauer. Wir treffen unge- 
fähr der Mündung des heutigen Grabens in den Steinweg 
gegenüber auf eine, den breiten Graben vor dem hohen 
Walle überspannende Zugbrücke, die wir überschreiten, 
treten zwischen zwei einfachen Wachthäuschen hindurch 
in den von Moritz erbauten schmucken Torbau, den Haupt- 
eingang zum Schlosse, ein sehr zierliches, mit drei ver- 
schnörkelten Renaissancegiebeln und einer offenen funf- 
bogigen Halle über dem wappengeschmückten Tore ver- 
sehenes Häuschen, und kommen so durch die mächtige 
Umwallung in den äußeren Schloßhof. Ein breites Säulen- 
tor in strengen Renaissanceformen gewährt uns in der 
Mitte des westlichen Schloßflügels, des nach der Renn- 
bahn gerichteten Küchenbaus, Eintritt in den eigentlichen 
Schloßhof, einen ziemlich geräumigen fast rechteckigen Platz, 
der auf allen vier Seiten von mächtigen dreistöckigen Ge- 
bäuden aus Quadersteinen begrenzt ist. Die breiten Flächen 
der hohen Schieferdächer werden nac]^ der Außenseite 
und nach dem Hofe zu durch mehrere große, schön mit 
steinernen Voluten geschmückte Giebel, wie wir sie sehr- 
ähnlich noch am Marstall sehen, unterbrochen, dazu durch 



^) Johann Just Winkelmann, Gründliche und warhafte Beschrei- 
bung der Fürstenthümer Hessen und Hersfeld . . ., Bremen 1697, Seite 274. 

«) Schminke, a. a. 0., S. 108, 109: 1760 die Katz abgetragen. 
1760 und 1763 der Bärengraben (gegen die Rennbahn) zugeworfen. 



— 328 — 

eine große Menge von kleinen Dachfensterchen und Aus- 
gucken. In den vier Ecken stehen Treppentürme mit 
verschiedenen Helmen, einfach spitzen Dächern und wel- 
schen Hauben. Der 1557 errichtete Küchenbau, durch 
den wir gekommen sind, enthält außer der Küche den 
Küchensaal, der 1756 erneuert wurde und seitdem auch 
den Namen blauer Saal führte, und unter vielen an- 
deren Räumen auch im dritten Stockwerk an der Nord- 
westecke das berühmte von Elias Godefroy gearbeitete 
Alabastergemach. ^) 

Gerade uns gegenüber auf der nach dem Renthof 
gelegenen Schmalseite des Schlosses, die noch ein Stück 
schmaler ist als der Küchenbau, zieht sich, durch die bei- 
den Ecktürme links und rechts begrenzt, in sehr reizvoller 
Anlage in drei Stockwerken übereinander eine oflFene, 
durch steinerne Rundbogen verbundene Säulenhalle, die 
1560 von Wilhelm auf eigene Kosten erbaut worden ist. ^) 
Dahinter befinden sich die Gemächer der Frau Landgräfin. 
Es ist der sogenannte Frauenzimmerbau, der, wie wir 
vorn gehört haben, auch die gewölbte und ausgemalte 
Schloßkapelle birgt. 

Zur Rechten sehen wir den durch Wilhelm IV. an 
der Stelle des Wilhelmsbaus von 1502 errichteten ziemlich 
einfach gehaltenen Schloßflügel und unmittelbar daran an- 
stoßend ein etwas niedrigeres Gebäude, das bei der Ver- 
größerung des Schlosses 1557 zur Verbindung mit dem 
auf dem Grund des ehemaligen Grabens entstandenen 
Küchenbau neu aufgerichtet worden ist. An einem Teile 
dieses Anbaus ist ebenfalls eine zierliche, bis zum zweiten 
Stock reichende Galerie nach dem Hofe zu angebracht; 
in der Ecke nach dem Küchenbau zu erhebt sich ein 
reich mit Säulen und anderen Ornamenten geschmückter 
Renaissanceturm. Dieser Schloßflügel über dem Wasser 
enthält den Rotenstein, einen Prunksaal mit geschnitzter 
Holzdecke ^), an dessen Wänden seiner Zeit sehr berühmte 
Malereien zu sehen sind, namentlich die Genealogie der 
hessischen Fürsten, eine etwas naive Darstellung der Ab- 
stammung des Hauses Brabant von Karl dem Großen 

1) Schminke, S. 103. Winkelmann S. 275. 

*) Nach der Inschrifttafel, die beim Abbruch des Gebäudes im 
Grundsteine aufgefunden wurde und jetzt im Casseler Museum ist. 
(Bernhardi a.a.O. S. 13). 

*) Diese ,,sehr künstliche von köstlichem Holzwerk gemachte 
Decke", wie Winkelmann S. 274 sagt, ist 1571 durch den Hof- 
schreiner Christoph Müller angefertigt. (St.A.Mbg., 0. W. S. 104). 



— 329 — 

auf zwiefache Weise, durch Vermittelung der Thüringer 
Landgrafen wie des Brabanter Herzoghauses. ^) Wenn wir 
durch den Brand des Schlosses auch diese 1573 und 1574 
wohl unter der Leitung Michel Müllers geschaffenen Fresken 
eingebüßt haben, so ist uns doch eine Nachbildung davon in 
Kupferstich im Monumentum sepulcrale . . . Mauritii Hassiae 
landgravii von 1640 erhalten. Daraus können wir sehen, daß 
vom künstlerischen Standpunkt aus nicht allzuviel verloren ist. 

Die vierte, nach der Stadt gerichtete Seite ist eben- 
falls ziemlich bescheiden, ein großer Schneckengiebel in 
der Mitte schmückt das Dach. In diesem Flügel befindet 
sich im zweiten Stock der bis 1584 entstandene gewölbte 
„güldene Saal", der durch des Bildhauers M. Wilhelm 
Vernucken Hand unter Christoph Müllers Aufsicht^) 
mit „vielem ausgehauenen vergültenen Laubwerk gezieret" 
war. ^) Er enthielt außer einer großen Menge von Wap- 
pen und etwa 150 Gemälden, die sämtliche im Zeitraum 
von 1530 bis 1581 lebenden Herrscher christlicher Länder 
darstellten, meist von der Hand des Hofmalers Jaspar van 
der Borcht und Josts vom Hoff^), noch eine Galerie von 
bemalten Büsten aller hessischen Landgrafen und ihrer 
Gemahlinnen von Philipp bis auf Moritz den Gelehrten*), 
von der uns Reste im Casseler Museum erhalten sind. ^) 

Alle diese geräumigen Bauten umschlossen natürlich 
eine große Menge heute nach ihrer Bestimmung nicht 
mehr genau festzulegender Zimmer, die ungemein prächtig 
ausgestatteten Wohnräume der landgräflichen Herrschaften, 
zum Teil mit kostbaren Gobelins („Tapezereien" mit Dar- 
stellungen aus der biblischen und römischen Geschichte etc.) ^), 

1) Winkelmann a. a. 0., S. 274 Schminke S. 103. 

«) St. A. Mbg., 0. W. S. 104. 

^) 120 kleine fürstl. Porträts auf Holz, die sich im Casseler Museum 
befinden, haben wahrscheinlich den Gemälden im goldnen Saale als 
Vorlagen gedient. 

*) Winkelmann S. 274. Schminke S. 101. 

^) Ich halte die bemalte Thonbüste Philipps, die in den Bild- 
nissen Philipps von v. Brach und Könnecke auf S. 77 abgebildet 
und wohl ohne Berechtigung etwa dem Jahre 1710 zugeschrieben ist, 
für ein Stück der ehemals im güldenen Saale aufgestellten Landgrafen- 
büsten. Schon die Inschrift PHILIPS • LANDGRAVE • ZU • HESSEN • 
und die Form der Buchstaben weist auf eine viel frühere Entstehungszeit. 

«) St. A. Mbg., 0. W. S. 108. — Landgräfl. Teppichwirker war 
seit 1566 Franz Steinbach („Frans van Steenbach van Audenarde"), 
der 1574 Casseler Bürger wurde. Er war mit einer Tochter Michel 
Müllers verheiratet (v. Drach-Könnecke, Bildnisse Philipps, S. 69). 
Seine Tochter Catharina wurde 1598 mit Vsüentin Siegrried zu 
Suhl vermählt (Kirchenbuch von Suhl). 



— 330 — 

die der Dienerschaft, das Hofarchiv, die 1557 erbaute Licht- 
kämmerei *), die uralte, berühmte Hofapotheke, zeitweise 
auch Dienstwohnungen für hohe Hof- oder Staatsbeamte 
und Geschäftszimmer von Behörden, wie z. B. der Rent- 
kammer. ^ 

Die beiden Ecken des Fuldaflügels waren mit hohen, 
turmähnlichen Ausbauten versehen, von deren Altanen 
man ebenso wie aus den langen Fensterreihen einen ent- 
zückenden Blick über die Fulda und den Lustgarten auf 
die weite, durch die Söhre begrenzte Landschaft gehabt 
haben muß. Mehrere Erker schmückten die Gebäude- 
^uppe, am meisten ein langer, schlanker, der auf zier- 
licher spätgotischer Konsole ruhte, in der Mitte des Flü- 
gels an der Wasserseite, wohl noch dem Bau von 1502 
angehörig. 

Außerhalb der Wälle, über der kleinen Fulda, die 
damals bedeutend breiter war als heute, erhub sich das 
unter Philipp schon 1560 angefangene, aber erst 1568 voll- 
endete Schlachthaus, das zugleich Back- und Brauhaus 
und Faßbinderhaus umschloß.^) 

Ein kleines Pfortchen, bis zu Landgraf Moritz das 
einzige außer dem Haupteingange von der Stadt aus, 
fährte durch den Schloßwall und über eine lange Brücke 
mit weitgespanntem Bogen, die 1569 von Wilhelm sinn- 
reich konstruierte Narrenbrücke*), hinunter in die Aue, 
den ,,neuen Lustgarten".*) Tor und Brücke verschwanden 
1749 und wurden in größeren Verhältnissen wieder her- 
gestellt*^ 

Das Schloß w*ar, wie wir gehört haben, als Mittel- 
punkt der Stadt sehr stark befestigt. Eine runde Bütstei 
stand der Brüderkirche geg^enüber, sie gehörte schoc rxir 
ersten, in den 1520er Jahren durch Philipp angelegten 
Befestigungslinie, war mit \ielen, hübschgeghederten 

*^ Schminke S. 107. 

*> St. A. Mbg.. KammenrcliiT. Nachtrag CasseL M. St S. 4o^. 

*> Schminke S. lOa 

*) IVr Lust^paarten wurde in der Aue seit 1568 durch Wilhelm 
anfeleft v^ehminke S. 118. Winkelmann S. 276 . um 1571 eat- 
stauid das Ti^rtürmi^j;:« Lasthaus mit einem kunstreichen Sprin^bninnen 
im Inneren, in dessen Herstellung sich mehrere Mdster teüten. Der 
Frankfurter Bllr^r und Brannenmacher Caspar Reinhardt leitete 
157^ die technischen W'asserkunstanla^en. Mnster Adam Beaumont 
lLac^|uiers> ferti;^« aus Eschwe^r Stein die kunstroUen i^ulpturen. 
Isiael K eitler aus Ci^assel hatte die Blechschmiedearbeiten xn liefern. 
^St. A. Mhf^ a W. S. lOIK 

»> Schminke S. lOlEi^lOa 



— 331 — 

Frührenaissance-Dachgiebeln, und einem turmartigen Auf- 
satze in der Mitte geschmückt und hatte die Zerstörung 
von 1548 überdauert. Nur wenig verändert hat sie sich 
bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhalten. Die 
zweite, bei weitem stärkste Bastion an der Fulda, die 
ebenfalls der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstammte, 
in der Mitte des 17. Jahrhunderts durch die Fluten der 
Fulda stark mitgenommen wurde und laut Inschrift durch 
Wilhelm VI. 1652 wieder hergestellt werden mußte, zeugt 
noch heute von den gewaltigen Bauten dieser Zeit. Eine 
dritte, niedrige Bastei mit 4 Dachtürmchen und Zwiebel- 
helm, die „Katz" stand am Stein weg, etwa dem heutigen 
Polizeigebäude gegenüber.^) Zwischen dem Fuldarondel 
und der Bastei an der Brüderkirche befand sich ein mäch- 
tiger Wall und Graben, die sich bis zur Steinwegbastion 
und um das ganze Schloß weiterzogen. Die Schloßfront 
nach der Stadt hin war nach der Zerstörung von 1548 
völlig unbefestigt gebheben. Erst Landgraf Moritz legte 
Ende des Jahrhunderts von neuem Wall und Graben ^) 
und zugleich das oben beschriebene Hauptportal an. 

Am stärksten war die vierte, nach der Richtung des 
heutigen Friedrichsplatzes gewandte Seite befestigt, ein 
kolossaler Wall verdeckte das Schloß fast bis ins dritte 
Stockwerk. Auf eine Bastion an der Südwestecke über 
der kleinen Fulda hatte man verzichtet, weil der mächtige, 
vorgeschobene Block des Zeugmantels (etwa da, wo jetzt 
die katholische Kirche steht) genügend Schutz zu ge- 
währen schien. 

Die Rennbahn (später Paradeplatz), die den Platz 
vor dem Justizpalaste und zum Teil das Gelände der heu- 
tigen Kriegsschule einnahm, entstand erst, wie oben be- 
reits erwähnt, seit 1593 unter Landgraf Moritz, der zugleich 
auch einen Durchgang (Tor und Brücke) vom äußeren 
Schloßhofe zur Rennbahn anlegen ließ. 

Wir sind mit unserer Beschreibung des Schlosses zu 
Ende. Der stattliche Bau selber, an dem Generationen 
geschafft haben, eine Zierde der alten Stadt Cassel, ist 
verschwunden. Aber glücklicher Weise sind uns eine 
ganze Menge von Kupferstichen und Aquarellen, zum 
Teil bedeutender Meister, erhalten, die uns dcis Landgrafen- 

^) Sie wurde nach Schminke (S. 108) 1760 abgetragen. 

') In dem trockenen Graben beim Marställerplatz war später 
eine Edelsteinschleiferei, im Graben nach der Rennbahn hin wurden 
Bären gehalten. (Schminke S. 109. 110). 



— 332 — 

schloß von fast allen Seiten vorführen, so daß man sich 
mit Hülfe von alten Aufzeichnungen und Archivalien wohl 
ein gutes Bild machen kann, wie*s gewesen ist. Allzuviel 
Erinnerungen an die ruhmreiche Vergangenheit hat unsere 
Stadt in ihren Mauern nicht mehr. Noch in den letzten 
Jahren ist unverantwortlicher Weise vieles zerstört, man- 
ches verschwunden, was bei gutem Willen leicht hätte 
erhalten werden können. Möge wenigstens das, was wir 
jetzt noch haben, ein für allemal den Schutz der städtischen 
und königlichen Behörden finden. Es ist ein ideales, un- 
schätzbares Gut, das uns von den Vätern überkommen ist. 
Diesen Besitz zu erhalten und zu wahren, vor Entstellung 
oder gar völliger Vernichtung zu schützen, ist nicht nur 
unser aller gutes Recht, sondern eine heilige Pflicht. 



Beilage 1. 

Bauordnung etwa aus dem Jahre 1557. ^) 

Verordenung 6 personen, so allenthalben mit 
zusehen sollen zur bauarbeit. 

Zum ersten meuß unser gnediger fürst und herr land- 
graff Wilhelm uff den platz des baues sechs guter gesellen 
ordenen, die sollen den morgen zum ersten uff der arbeit 
sein, desgleichen zu acht uhren und zu einer uher, und 
nit von dem baue gehen, die arbeiter seien dan alle von 
der arbeit abgangen. 

Zum andern muessen die maurmeister als Hans 
Eddelman und Hans von Marpurgk alle die stein, 
so sie in grund und uff den ganzen bau bedorffen, mit 
einer kolen zeichnen und ein kreuz daruff machen, und 
darnach der sechs bevelhaber einem anzeigen, wilche stein 
in grund und zum baue getragen werden sollen. 

Zum dritten mueß Lodewigk Mebes uff dem 
platze vor und vor pleiben, wans mangelt am wergkge- 
zeuge, alsdan weiß derselbige allen bescheit. 

Zum vierten mueß einer geordent werden uff den 
baumgarten, der fleißlich zusihet, daß die mauerstein und 
hauestein uff den bau zurechte gefurt werden. 

Zum fünften mueß einer geordent werden uff den 
platz, wan meister Jost der wergkmeister die haue- 

>) St. A. Mbg., M. St. S. 815, Ortsrep. Cassel. 



— 333 — 

stein im schlösse versetzet, daß derselbige vleissigk zu- 
sieht, daß die stein woel ufFgeladen, zurechte gebracht 
und nicht zerbrochen werden. 

Zum sechsten müssen zwene geordent werden, die 
uff die kalkdreger vleißigk zusehen, daß den meurern kalks 
genugk werde zugetragen. 

Zum siebenden müssen zwene uff den platz geordent 
werden, die uff die meurer vleissigk zusehen, daß die 
meurer kalkes genugk in den zobbern haben. 

Beilage 2. 

Zwei Schreiben Wilhelms IV. an die Räte in Gassei 
über den Schloßbau 1557.-) 

1. Wilhelm von Gots gnaden landgrave zu Hessen grave 
zu Catzenelnpogen etc. 

Lieben getreuen, wir haben den auszug der rechnung 
von der vferten wochen des ^U jars entpfangen und ge- 
lesen, und dunkt uns, nachdem vill wöchentlich uff di 
Steinmetzen geben wird, das sie wenig dargegen liefern, 
dan ye was sie diese woche geliffert haben, als nemlich 
vier fenster und eine thur, die können über 29 gülden nit 
gelaufen, da ir 64 gülden darauf verrechnet. 

Was sie die vorige woche geliffert haben, leuft auch 
über 23 gülden nit, da ir hat 61 verrechnet. 

Di dritte woche zuvor habt ir 61 gülden verrechnet, 
da si doch nit mehr dann vor 18 gülden geliffert haben. 

Und also vort aus halt irs meistlich alle wochen, das 
wir nit wissen, wie wirs verstehen sollen, ob du der bau- 
schreiber oder sie di steinmitzen schelk seien, dan das 
wissen wir woU, wan eine woche in di ander uff di Stein- 
metzen, so im gedinge hauen, 40 gülden ginge und geben 
wurde, das sie auch uff sovil gelts arbeiten wöchentlich, 
das nit viel steinwerks am gibein, Schnecken und anderen 
geschwey, dan an fenstern und thuren in di mittelwande- 
rung noch wurd zu machen sein. 

Derhalben sehet zu, wie irs durch ein andern kocht, 
dan finden wirs unrecht, solt ir di bauschreiber und Stein- 
metzen sehen, das ir keinen scherzvogeln an uns haben 
solt. 

Ir, der stadthalter und marschalk wollet euch, wie 
wir euch vielmals bevohlen, einen auszug aus den re- 

») St. A. Mbg., M. St. S. 817, Ortsrep. Gassei. 



~ 336 — 

leubnus nit hinwegk laufen, auch darauf sehen, daß es 
von inen und den andern nit beschee, dan sunst kan man 
mit dem bhau nirgents fortkomen. 

Wir sorgen, woe ir nit ein ernst wurdet prauchen, 
sie wurden bald über euch herhuppen ; darumb wer noch 
unser rath, daß es geschee. 

Unserm stathalter und marschalck zu Cassell, rethen und 
lieben getreuen Heidrichen vom Kaienberge und 
Fridrichen von Roishausen. 



Cito 
Ifo"*"^ (pres. 8. Juli 1557) 



Beilage 3. 

Die wichtigsten Ansichten des alten Casseler Land- 
grafenschlosses. ^) 

I. Das ältere Schloß etwa bis zum Jahre 1552. 

1. Es gibt nur eine authentische Ansicht, auf dem im 
Text genauer besprochenen großen Plane von Cassel 
aus dem Jahre 1548. Eine ausführlichere Beschreibung 
kann unterbleiben, weil eine Nachbildung dieser wohl 
von Michel Müller in Wasserfarben gemalten An- 
sicht meinem Aufsatze beigegeben wird. Der Plan 
befindet sich im Staatsarchive zu Marburg. — Das etwa 
gleichzeitige Exemplar im Besitze des hessischen Ge- 
schichtsvereins zu Cassel ist weniger zuverlässig, das 
Müllersche Bild ist ziemlich handwerksmäßig kopiert, 
manches ist mißverstanden. 

2. Wilhelm Dilich bringt in seiner hessischen Chronik 
von 1605 eine kleine Abbildung mit der Beischrift 
Arx vetus 1490, die bis auf kleine Abweichungen (4 
statt 3 Dachtürmchen etc.) mit dem Bilde von 1548 
übereinstimmt. Dilich muß noch glaubwürdige Vor- 
lagen gehabt haben, der alte Schloßbau selbst ist schon 
etwa 20 Jahre vor Dilichs Geburt abgebrochen. Die 
Casseler Landesbibliothek besitzt eine gleichzeitige 
schlechte Kopie (Federzeichnung) dieses Bildes. 

*) Vollständigkeit der Ansichten wird nicht angestrebt, ich zähle 
nur die wichtigsten Bilder auf, die mir bekannt geworden sind. Die 
Bilder in den Werken von Braun und Hogenberg, Bertius, Meißner, 
Abraham Säur etc. kommen hier nicht in Betracht. — Eine sehr 
umfangreiche Zusammenstellung von Ansichten und Plänen der Stadt 
Cassel überhaupt gibt Jacob Hoffmeister in seiner 2. Auflage von 
Piderits Geschichte von Cassel. 



— 337 — 

II. Das neue von Philipp und Wilhelm IV. ge- 
baute Schloß mit späteren geringfügigen Änderungen. 

1. Federzeichnung von Wilhelm Dilich, Blick auf 
die Stadt Cassel von Nordosten etwa aus der 
Gegend vor dem Wesertore 1591. Das Schloß (mit 
Kapelle) hebt sich deutlich heraus. Im Staatsarchiv 
zu Marburg, neuerdings publiziert durch E. Theuner 
in „Wilhelm Dilichs Ansichten hessischer Städte aus 
dem Jahre 1591, naqh den Federzeichnungen in seiner 
Synopsis descriptionis totius Hassiae". Marburg 1902. 

2. Ansicht Cassels von Norden, mit reicher Staflfage, 
im Vordergrunde das Müllertor, links im Hintergrunde 
in ganzer Länge (Fassade nach dem Renthof mit 
Schloßkirche und der Flügel nach der Stadt zu) mächtig 
hervortretend der Renaissancebau des Schlosses. Kupfer- 
stich von W. Dilich 1601 (1598), querfolio, Doppel- 
blatt nach Seite 5 des ersten Teils der „Beschreibung 
und Abriß dero Ritterspiel / so der Durchleuchtige / 
Hochgeborne Fürst und Herr / Herr Moritz / Land- 
graff zu Hessen / etc. ...... halten lassen / ver- 
fertiget Durch Wilhelm Dilich. Gedruckt zu Cassel 
durch Wilhelm Wessel. Anno M.DCI. (Die Vorrede 
und Widmung ist datiert vom 9. August 1598). — 
Eine verkleinerte, schlechte Wiedergabe dieses inter- 
essanten Blattes findet sich in Jacob Hoffmeisters 
zweiter Auflage der Geschichte der Haupt- und Resi- 
denzstadt Cassel von Dr. F. C. Th. Piderit, Cassel 1882. 

3. Darstellung von allerhand künstlichem Feuerwerk etwa 
vor dem Wesertore. Im Hintergrunde die Umrisse 
von Cassel in nächtlichem Dunkel. Schloß mit Ka- 
pelle deutlich zu sehen. Kupferstich von W. Dilich 
1601, querfoho, Doppelblatt nach Seite 77 von Teil 1 
des ebengenannten Werks. 

4. Innerer Schloßhof zu Cassel mit Staffage (Fuß- 
turnier). Blick von Norden auf den Fuldaflügel. Von 
den Bauten sehr wenig zu sehen (2 Renaissancepforten 
im Hauptbau, daneben rechts der spätere Anbau mit 
kleiner Säulenhalle). Kupferstich von W. Dilich 1601 
nach Seite 7 von Teil 1 desselben Werks. 

5. Innerer Schloßhof mit StaflFage (Feuergefecht mit 
sehr viel Rauch), ebenfalls von Norden gesehen. Dies- 
mal durch den Rauch der untere Teil der Gebäude 
verdeckt, besonders deutlich die beiden den Fulda- 



— 338 — 

flügel begrenzenden Ecktreppentürme, links ein sechs- 
eckiger mit spitzem Helm, rechts ein reicher Re- 
naissanceturm (ebenfalls sechseckig) mit welscher Haube. 
Hinter dem linken Turme das hochragende Dach der 
Kapelle, noch weiter links die offenen Säulenhallen 
des Frauenzimmerbaus. Kupferstich von W. Dilich 
1601 vor Seite 8 des 1. Teiles etc. 

6. Blick von Westen auf den großen, freien Platz (Renn- 
bahn) vor der Westfront des Schlosses mit sehr 
interessanter Ansicht des durch den Wall halb ver- 
deckten Küchenbaus und der Stadt etwa vom Mar- 
ställerplatz bis zur Unterneustadt (mit Siechenhof). 
Kupferstich von W. Dilich 1601, Doppelblatt nach 
Seite 15 der . . Ritterspiel . . Schlechte, verkleinerte 
Wiedergabe bei Piderit-Hoffmeister. 

7. Derselbe Platz (die Rennbahn) wie 6, aber von Süden 
gesehen. Blick auf die Stadt ^ mit Druselturm und 
großer Kirche. Vom Schlosse sieht man rechts nur 
noch einen Teil der Umwallung und die Eckbastion 
(die Katz). Doppelblatt nach Seite 9 und noch einmal 
nach Seite 41 des 2. Teiles von W. Dilichs Beschrei- 
bung . . . dero Ritterspiel ... 1601. 

8. Innerer Schloßhof mit Staffage von Süden aus 
gesehen. Blick auf den Stadtflügel mit großem Re- 
naissancetore und zwei kleineren Türen; das Dach 
schmückt ein großer Schneckengiebel, von zwei kleinen 
Dachgiebeln trägt einer ein Zifferblatt. Ein kleiner 
Dachreiter (Glockentürmchen) ist gerade noch zu er- 
kennen. Links und rechts je ein Treppenturm, links 
der Küchenbau mit Hauptportal zum äußeren Schloß- 
hofe, rechts die dreifache Säulenhalle des Frauenzimmer- 
baus. Kupferstich von W. Dilich 1601 nach Seite 39 
des 2. Teils der Ritterspiele. 

9. Ansicht von Cassel 1605, etwa von demselben 
Standpunkt aus wie die Zeichnung von 1591 (II 1). 
In der Mitte das Schloß (ohne Kapelle). Unter diesem 
Bilde links die oben unter I 2 beschriebene Ansicht 
der arx vetus von 1490 und zum Vergleich damit 
die arx nova 1605 mit den drei (hier wohl nicht 
der Wirklichkeit entsprechend fast ganz gleichartig 
gezeichneten Rondelen) und dem neuen Torhause des 
Landgrafen Moritz, von der Nordostecke aus aufge- 
nommen. Rechts ein sehr kleiner Plan der Stadt, in 



— 339 — 

der Mitte Casseler Wappen und Dedikation. Kupfer- 
stich in Dilichs hessischer Cronik 1605. Ungefähr 
gleichzeitige schlechte Nachzeichnungen der beiden 
kleinen Ansichten von 1490 und 1605 im Besitz der 
Landesbibliothek zu Cassel. 

10. Ansicht des Schlosses von Süden (von der 
Fuldaseite aus) aus der Vogelperspektive. Feder- 
zeichnung in folio von der Hand des Landgrafen 
Moritz, sehr übersichtliches interessantes Blatt. Dabei 
ebenfalls von seiner Hand die Zeichnung eines ge- 
planten, aber nicht ausgeführten neuen Schloßbaus, 
einer Verlängerung des den Rotenstein umfassenden 
Fuldaflügels über die Südwestecke des Schlosses hinaus, 
von Nordwesten gesehen. Im Besitz der Landes- 
bibliothek zu Cassel (Mscr. Hass. fol. 107). 

11. Grund- und Aufriß des Casseler Schlosses, 
auf dem 1636 von Fürck gestochenen Porträt des 
jüngeren Johann Wilhelm Dilich. Kupferstich in hoch- 
quart. (Aus dem handschriftlichen Kataloge von Jacob 
Hoffmeisters jetzt im Darmstädter Museum befindlichen 
hessischen Bildersammlung. — Das Bild hat mir nicht 
vorgelegen.) 

12. Abbildung von Cassel von der Südostseite. Im 
Vordergrunde der von Eschwege kommende große 
Leichenkondukt mit der Leiche des Landgrafen Moritz 
kurz vor dem Einzug in Cassel. Unzuverlässiges Bild, 
das Schloß ist gänzlich verzeichnet und unrichtig. 

Auf einem zweiten Blatt, das den Leichenzug 
vom Schloß zur Martinskirche darstellt, ist ein kleines 
Stück vom Schloßtor und Wall zu sehen. 

Beide Bilder (in Kupferstich) im Monumentum 
sepulcrale ad . . . Mauritii Hassiae Landgravii . . . me- 
moriam . ., Cassel 1640. 

13. Blick auf Cassel von Südsüdost. Gutes Bild in 
Merlans Topographia Hassiae etc. 1655, Kupfer- 
stich in querfolio. Das Schloß mit Befestigung (Fulda- 
front) tritt gut hervor. Kleine Nachbildung bei Piderit- 
HofFmeister. 

14. Plan von Cassel aus der Vogelperspektive, 1655. 
Die Darstellung des Schlosses ist ungenau, an vielen 
Stellen direkt falsch, sie widerspricht sogar in den 
meisten Punkten der eben (in 12) besprochenen An- 
sicht in demselben Buche. Kupferstich in querfolio in 

N. F. BD. XXX. 22 



— 340 — 

Merlans Topographie 1655. Kleine Nachbildung bei 
Piderit-Hoffmeister. 

15. Blick von Nordwest aus der Vogelperspektive auf das 
Schloß zu Cassel, 1665. Darstellung des Leichen- 
zugs Landgraf Wilhelms VI (1663), der sich aus dem 
Schloßtore heraus entwickelt. Das Schloß ist fast 
völlig sichtbar, namentlich der Küchenbau mit Haupt- 
eingang, der äußere Schloßhof, die Umwallung und 
das reiche Torhaus des Landgrafen Moritz. Kupfer- 
stich in großfolio von E. v. Lennep in der „Ehren- 
seule dem durchleuchtigsten Fürsten und Herrn Hn. 
Wilhelmen dem Sechsten Land'graffen zu Hessen etc. etc. 
. . . auffgerichtet". Rinteln (o. J.). Ich gebe eine kleine 
Nachbildung dieses interessanten Bildes vorn nach 
Seite 326. 

16. Ganz genaue Aufrisse, Durchschnitte und Grundrisse 
des Moritzschen Torbaus, Handzeichnungen von 
C. Range und dem Schleusenbauschreiber C.L. Göbell 
1748 im Staatsarchiv Marburg (Acc. 1904/20, Nr. 24 
bis 26). 1) 

17. Federzeichnung (in Umrissen) des Torbaus, ca. 1750 
im Staatsarchiv Marburg. (Acc. 1903/64. Chatten- 
burg und altes fürstl. Schloß zu Cassel, 17 Handrisse, 
Nr. 5.) 

18. Aufriß des Schloßflügels nach dem Renthofe 
hin, mit Projekt zu einem an diesen Teil des Schlosses 
zu erbauenden großen Turmes, Handzeichnung ca. 
1750 (interessant). Im Staatsarchive zu Marburg. 
(Acc. 1906/12). 

19. Kleine Federzeichnung der Rennbahnfassade, 
ca. 1750, im Staatsarchive zu Marburg. 

20. 2 große Aufrisse der fünfgiebligen Fassade über 
der Fulda, Tuschzeichnungen ca. 1750. Dabei eine 
große Zeichnung desselben Flügels nach einem proiek- 
tierten Umbau mit Mansardendach ohne Giebel, ca. 
1750. Im Staatsarchive Marburg (Acc. 1904/20, Nr. 
20. 27. 29). 

21. Flüchtige Bleistiftskizze des Renaissancehaupt- 
portals am Küchenbau (im äußeren Hof) ca. 1750, 
im Staatsarchive Marburg (Acc. 1903/64. Chattenburg 
etc., 17 Handrisse, Nr. 7). 

^) Im Marburger Staatsarchive befinden sich außer den hier 
erwähnten noch eine ganze Reihe von Plänen und Rissen des alten 
Schlosses. 



— 341 — 

22. Blick (etwa vom Polizeigebäude am Steinweg aus) 
auf die West- und Nordfront des Schlosses. 
Die Umwallung des Schlosses ist zum größten Teile 
verschwunden. Längs des Nordflügels zieht sich eine 
Promenade von 5 Baumreihen. Neuere Photographie 
von Rothe in Cassel nach einem Aquarellbild von 
etwa 1775, das mir nicht zu Gesicht gekommen ist. 
Je ein Exemplar der Photographie besitzt die Landes- 
bibliothek und die Bibliothek des hessischen Geschichts- 
vereins in Cassel. Eine Nachbildung findet sich in 
der Festschrift zur 75. Versammlung deutscher Natur- 
forscher und Ärzte in Cassel „die Residenzstadt Cassel" 
(1903). Das Bild gebe ich ebenfalls als Beilage. 

23. Ansicht der alten Fuldabrücke, des Renthofs 
und des dahinter liegenden majestätischen Schlosses 
Blick etwa vom Kastell an der neuen Brücke aus. 
Aquarell mit hübscher Staffage auf der mit 3 Häus- 
chen besetzten Brücke und der Schlagd. Das Rondel 
an der Fulda trägt noch einen Garten, darüber erhebt 
sich zwischen Renthof und Schloß ein Haus mit 
Mansardendach. Gemalt von dem Obermaler in der 
landgräflichen Porzellanfabrik zu Cassel, Johann 
Heinrich Eisenträger^) 1772. Größe 44:26 cm. 
In meinem Besitze. Eine Nachbildung befindet sich 
nach Seite 340. 

24. Aquarell, bezeichnet J. H. Müntz, Major A. 1788. 
Standpunkt etwa Eingang von der Aueseite zur heutigen 
Drahtbrücke. Links das Schloß, gerade aus Blick auf 

die alte Brücke, rechts die Unterneustadt. Im Vorder- 
grunde ein Steg über die Fulda mit hübscher Staffage. 
Das Bild ist unmittelbar vor dem Abbruch der alten 
Brücke aufgenommen worden. Der Steg (Schiffbrücke) 
diente als Ersatz bis zur Fertigstellung der neuen 
Wi Ihelmsbrücke. 

Im Besitz der Landesbibliothek zu Cassel. Nach- 
bildung in der Festschrift zur 75. Versammlung 
deutscher Naturforscher und Ärzte in Cassel 1903. 
Siehe auch die Abbildung am Schlüsse dieses Buches. 

25. Kleine Ansicht des Schlosses von der Renn- 
bahn aus. Radierung von W. Unger in der Schrift 

*) Über ihn einige Nachrichten in einem Aufsatze von v. Brach 
im „Hessenland'* 1891, S. 138 und von Lenz im Jahrbuch der Königl. 
Preuß. Kunstsammlungen II S. 219 ff. (auch abgedruckt in der „Wart- 
burg", Organ des Münchener Altertumsvereins VIII 1881 Seite 157 ff. 



— 342 — 

von V. Apell, „Cassel und die umliegende Gegend. 
Eine Skizze für Reisende", Cassel 1792. 

26. Blick auf die neue Brücke, Stadtbau, Renthof, Schloß. 
Radierung von Sieber in der zweiten Auflage der 
ebengenannten Schrift v. Apells, Cassel 1796. 

27. „Ansicht des Fürstlichen Schlosses außer der 
Stadt Cassel am lincken Ufer der Fulda, nebst einem 
Theile der Altstadt und Unterneustadt." Kupferstich 
in großquerfolio von Johann Werner Kobold 1793. 
Fast vom selben Standpunkt wie (Nr. 23) das Müntzsche 
Aquarell aufgenommen, auch wohl nach einer Zeichnung 
des Jahres 1788 (die alte Brücke steht noch, im Vorder- 
grunde die Schiffbrücke). Der Maler hat sich und 
seinen Sohn auf dem Stiche verewigt. — Schlechte 
Nachbildung bei Piderit-Hofifmeister, Geschichte von 
Cassel. 



Literatur. 



Erste bis Fünfte Veröffentlichung des Fuldaer Geschichts- 
vereins. Fulda, Actiendruckerei 1899—1905. (1. 35 SS. gr. 4^ 
mit 2 PL und 7 Tfln. 1899. 2. VJI u. 72 SS. 8<> 1900. 3. 19 SS. 
gr. 4« mit 2 PL 1 Beil. und 2 Tfln. 1901. 4. 272 SS. 8<> 1904. 
5. 11 SS. gr. 4<> mit 2 PL, 4 Karte, 2 Tfln. u. 1 Beil. 1905.) 
Festgabe zum Bonifatius-Jubiläum 1905. Mit 4 Lichtdruck- 
tafeln und 11 Abbildungen. LXXVI u. 37 SS. gr. 4<>. Fulda, Actien- 
druckerei 1905. 
Fuldaer Geschichtsblätter. Monatsbeilage zur Fuldaer Zeitung, 
Zeitschrift des Fuldaer Geschichtsvereins. Jahrg. 1 — 5. 1902 — 1906. 
Je 192 SS. 8^ nur Jahrg. 4 : 208 SS. Jahresbeitrag Mk. 2.00. 
•Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei und 
der Diözese Fulda. Im Auftrage des Historischen Vereins der 
Diözese Fulda hera. von Greg. Richter. Fulda, Actiendruckerei 
1904—5. I : L u. 118 SS. 8^ II mit 3 Abbildungen, VIII u. 191 SS. 8^ 
Unter den nicht ganz wenigen Geschichtsvereinen, die in beiden 
Hessen und Waldeck erst im neuen Jahrhundert entstanden und mit 
Veröffentlichungen hervorgetreten sind, hat die regste Tätigkeit der 
Fuldaer entwickelt. Der Raum gestattet mir leider nicht auf die 
fünf „Veröffentlichungen" der Jahre 1899 — 1905 näher einzugehen. Die 
1., 3. u. 5. sind der vorgeschichtlichen Forschung gewidmet. In statt- 
lichen Heften in Großquart, denen zahlreiche Tafeln und Pläne beige- 
fügt sind, belehrt uns Herr Lehrer Joseph Vonderau über (Heft 1) 
„Pfahlbauten im Fuldatale" [innerhalb der Stadt Fulda], über 
Ringwälle des Fuldaer Landes, nämlich (Heft 3) „Zwei vorgeschicht- 
liche Schlackenwälle im Fuldaer Lande" [A: auf dem Haimberg, 
B: auf dem Sengersberg bei Salzschlirf], (Heft 5) „Der Ring wall am 
nördlichen Heidenküppel bei Unterbimbach imKreiseFulda". 
Zur Einführung weiterer Kreise in diese Studien sind trefflich geeignet 
die Aufsätze desselben Verfassers: „Der heutige Stand der vor- 
geschichtlichen Forschung im Fuldaer Lande" in den Fuldaer 
•GeschichtsbL 4. Jahrg. (1905) Nr. 3 und 5, Nachtr. Nr. 12. 

Die beiden ersten Jahrgänge dieser Zeitschrift (1902 — 3) wurden 
von Dr. Jos. Karteis, Stadtarchivar von Fulda, herausgegeben. Karteis 
hat sie zum guten Teile selbst geschrieben und in großer Vielseitigkeit 
namentlich Fragen der Stadt-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte, oft in 
Anlehnung an einen archivalischen Fund, immer in Imappem Rahmen, 
a.ber für weite Kreise anregend und belehrend behandelt. Karteis hat 



— 344 — 

auch im Jahre 1903 die bisher umfangreichste (4.) Veröffentlichung ge- 
liefert mit den „Rats- und Bürgerlisten der Stadt Fulda", einer 
dankenswerten Vorarbeit für eine Stadtgeschichte Fulda's, einer Quelle 
für familiengeschichtliche und Namens - Forschungen. Für das ganze 
Mittelalter waren nur Namen aus einzelnen Urkunden zusammen zu 
tragen, eine reiche, fortlaufende Überlieferung setzt erst mit dem Jahre 
1525 ein. Diese Arbeit mühsamen Fleißes, die mit Anmerkungen, An- 
lagen und einem Namensverzeichnis ausgestattet ist, reicht bis zur 
Säkularisation im Jahre 1802. Eine wertvolle Besprechung des Bandes 
lieferte der Fuldaer Bibliothekar Karl Scherer in den Fuldaer Ge- 
schichtsblättern 2 (1903) S. 184—7. Die S. 22 Anm. nach dem 
Stadtarchiv von Fulda angeführte Urkunde König Adolfs von Nassau 
wurde von Dronke im Jahresbericht des Gymnasiums 1845/6 S. 4 ver- 
öffentlicht. 

Von Jahrgang 3 ab hat Gregor Richter, Doktor der Theologie 
und Philosophie, Professor an der philos.-theolog. Lehranstalt zu Fulda, 
die Leitung der Fuldaer Geschichtsblätter übernommen und selbst 
in so manchen großen und kleinen Beiträgen sein Interesse für kirch- 
liche Verfassungsgeschichte, für Kunstgeschichte, für die Geschichte des- 
geistigen Lebens, wie seine Vertrautheit mit diesen Disziplinen bewährt. 
Wenn man weiß, wie schwer Ergebnisse, die in allgemeingeschichtlichen 
Zeitschriften und großen Quellenpublikationen gewonnen wurden, in 
die Kreise der Lokalforscher eindringen, so erscheint besonders dankens- 
wert die Reihe von Aufsätzen Richters im letzten Jahrgang, welche 
sich unter dem Titel „Bonifatiana" mit Levisons Ausgabe der Bio- 
graphien des heiligen Bonifatius und mit den Aufsätzen Walther Köhlers 
und Mich. Tangl's (vergl. in diesem Bande oben S. 172—4) beschäftigen, 
die Ergebnisse Köhlers ablehnend, wie auch ich es tue, Tangls Fest- 
legung des Todesjahrs 754 (statt 755) in selbständiger Darlegung be- 
kräftigend. Zur Seite stelle ich die beiden Aufsätze Richters in den 
letzten Monatsheften des Jahres 1906 „neuere Hrabanusliteratur", 
die auch dem Forscher auf diesem Gebiete willkommen sein werden. 

Seine Vertrautheit mit den Quellen der ältesten und größten 
Jahrhunderte der Fuldischen Geschichte hat Richter femer bewährt 
in der selbständigen Schrift „die ersten Anfänge der Bau- und 
Kunsttätigkeit des Klosters Fulda" (2. Veröffentl. 1900) „zugleich 
erster Teil einer Kunstgeschichte des Klosters Fulda". Leider reicht 
dieser gediegene Beitrag zur Baugeschichte des Klosters wie zur Ge- 
schichte der anderen bildenden Künste unter den Mönchen Fulda's nur 
bis zum Tode des Abtes Sturm im Jahr 779. Die Schrift macht dem 
Schüler von F. X. Kraus alle Ehre, sie enthält auch (S. 21—3) eine 
längere Ausführung über die handschriftliche Überlieferung der Vita 
Sturmi, welche das Verlangen nach einer neuen Ausgabe dieser Quelle 
rege macht. 

War diese kleine Schrift nur als Vorstudie gedacht für eine Ge- 
schichte der gesamten Bau- und Kunsttätigkeit des Klosters Fulda in 
karolingischer Zeit, so erwies sich die Ausführung dieses Planes zu- 
nächst als unmöglich. Als ein gewisser Ersatz sind zu betrachten die 
„Beiträge zur Geschichte der Grabeskirche des heiligen 
Bonifatius in Fulda", welche Gr. Richter in der „Festgabe zum 
Bonifatius-Jubiläum"^) S. I — LXXVI geboten hat. In einem ersten 

^) Es sei gestattet, um oben den Zusammenhang nicht zu unter- 
brechen, die zweite Abhandlung der „Festgabe" in dieser Anmerkung 



— 345 — 

Abschnitt verzeichnet und würdigt R. „die Quellennachrichten über die 
Basilica Ratgars (erbaut 791—819) aus karolingischer Zeit", in einem 
zweiten erörtert er „die weiteren Schicksale der Grabeskirche des hei- 
ligen Ronifatius im Mittelalter" unter Mitteilung der wichtigsten Quellen- 
stellen, in einem dritten Abschnitt handelt er nach Quellen in Wort 
und Bild von der „Stiftskirche zu Fulda im 16. und 17. Jahrhundert". 

Der kirchlichen Rechts- und Verfassungsgeschichte der Abtei 
Fulda hauptsächlich im 17. und 18. Jahrhundert ist eine andere Ver- 
öffentlichung Richters die Statuta majoris ecclesiae Fuldensis 
(Qu. u. Abh. 1) gewidmet. Reformations- und Visitationsdekrete päpst- 
licher Bevollmächtigter aus den Jahren 1627, 1693 und 1710 sind der 
Hauptbestandteil des Bandes, es sind Urkunden gesetzgeberischer Tätig- 
keit für die Abtei, Bestimmungen für Abt, Kapitel und Pröbste. Voraus- 
geschickt wird die Wahlkapitulation vom 1. Sept. 1395 in 25 Para- 
graphen, die als „alte Statuten des Stiftes Fulda'* mit einigen Modi- 
fikationen auch neben den „apostolischen Dekreten der Visitatoren des 
17. und 18. Jahrhunderts" in Geltung blieb. Der Inhalt dieser für die 
Kenntnis der Rechtsverhältnisse des Fuldaer Stiftskapitels wichtigsten 
Quellen ist natürlich auch von typischem Interesse. Eine Ergänzung 
dieses Bandes bot Richter in den Aaifsätzen ..die adligen Kapitulare 
des Stiftes Fulda seit der Visitation Carafa's (1627 — 1802)" 
in den Fuld. Geschichtsbl. 3, 65—93 und 115—28, auch im S.A. 1904 
erschienen. 

Noch manche kleinere Quellenpublikation der Fuld. Geschichtsbl. 
möchte ich anführen: Die Stausenbacher Chronik des Kaspar 
Preis von 1637—67 mitgeteilt von Postsekretär Ruhl-Marburg 
in Jahrg. 1 Nr. 8 — 12, die Hauschronik des Johann Lutz von 
Salmünster (t 1693) von 1631—1679 hera. von Dr. Karl Scherer 
Jahrg. 3 Nr. 2 — 11. Die Anführung noch kleinerer Quellenbeiträge 
muß ich unterlassen, nur sei hingewiesen auf die zahlreichen hübschen 
Mitteilungen von A. Pabst aus dem Hünfelder Stadtarchiv im 4. und 
5. Jahrgang und auf eine Mitteilung von weiter reichendem Interesse 
aus einer Dresdner, ursprünglich Eisenacher Handschrift des 15. Jahr- 
hunderts. Es handelt sich da um einen Reiseführer in knappster 
Form für die „Reise von Isenach durch die buchen uff Frangk- 
furt" und von da einerseits über Speier, Straßburg und Basel nach 
Konstanz, andrerseits über Mainz, den Rhein abwärts nach Koblenz, 
Köln und Amsterdam. Der Herausgeber, der Franziskaner Mich. Bihl 
(dem wir auch einige gute Beiträge zur Franziskanergeschichte 
Fuldas in den Geschichtsbl. 4, 30 f. und 190 f. verdanken) hat das 
Itinerar sorgfältig erläutert. 



zu besprechen. Karl Scherer handelt auf S. 1—37 über die (3) 
Codices Bonifatiani in der Landesbibliothek zu Fulda, über 
den sogenannten Victor-Codex des neuen Testaments, den Bonifatius 
tatsächlich besessen und benutzt habe, über die Ragyndrudis-Handschrift, 
die er wahrscheinlich auf seiner letzten Missionsreise bei sich hatte 
und den Friesen zum Schutze seines Hauptes entgegenhielt; ihren 
Hieben sind dann die erheblichen Verletzungen des Codex zu verdanken. 
Der dritte angeblich von Bonifatius geschriebene Codex ist von einem 
Iren Cadmug im ersten Drittel des 8. Jahrhunderts geschrieben. Diese 
Untersuchung schon viel erörterter Fragen ist mit aller Umsicht und 
Schärfe geführt und dürfte auch aus methodischen Gründen so manchen 
anziehen. 



— 346 — 

Mich. Bihl besorgte auch in dankenswerter Weise die neue 
Ausgabe der früher von Herschel mangelhaft veröffentlichten Chronik 
des Franziskanerkonvents zur heiligen Elisabet unterhalb 
der Wartburg im Anhang zu Jos. Kremer's Beiträgen zur Ge- 
schichte der klösterlichen Niederlassungen Eisenachs im 
Mittelalter (Qu. u. Abh. II 1905). Der Hauptinhalt dieses Bandes, 
die Arbeit Kremers, kann leider wissenschaftlichen Ansprüchen durch- 
aus nicht genügen. Darüber darf ich hier auf meine Anzeige in der 
Zeitschr. für Kirchengeschichte 28 Heft 1 verweisen, weil das Arbeits- 
gebiet des histor. Vereins der Diözese Fulda in diesem Falle über die 
Grenzen Hessens hinausragt. Nur daß die Klöster und Stifter Eisenachs 
nicht selten Zuzug aus Hessen bekommen haben, was man gern in einer 
Zusammenstellung vorgeführt sähe, sei hervorgehoben. 

Bekunden die vorstehenden Ausführungen im allgemeinen ein 
lebhaftes Interesse und einen gut geleiteten Arbeitseifer für die Ge- 
schichte Fuldas in Stadt und Land, so wird man das dringende Ver- 
langen nach dem Erscheinen des von der Historischen Kommission 
vorbereiteten Fuldaer Urkundenbuchs begreifen und ihm baldige Er- 
füllung wünschen. 

Marburg. K. Wenck. 

Beiträge zur Hessischen Kirchengeschichte redigiert 
von Lic. Dr. Wilh. Diehl [und] Lic. Dr. Walter Köhler. Er- 
gänzungsband I (II, III) zum Archiv für Hessische Geschichte und 
Altertumskunde. Neue Folge. Darmstadt. Im Selbstverlag des 
Historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen. (In Kommission 
der Verlagsbuchhandlung von A. Bergstraeßer). Bd. I: XVI u. 375 SS. 
1903. Bd. II: XVI u. 382 SS. 1905. Bd. III Heft I S. 1-88, Heft 2 
S. 89—104. 1906. (1 Bd. = 4 Hefte ä Mk. 2.00.) 

Wie in vielen deutschen Landschaften ist seit einigen Jahren 
auch im Großherzogtum Hessen eine Vereinigung für landesgeschicht- 
liche Kirchengeschichte hervorgetreten. Ihre Zeitschrift hat begreif- 
licher Weise ihren Schwerpunkt in den Jahrhunderten der Reformation 
und Gegenreformation. Für das Mittelalter stellt der Erzstuhl Mainz, 
der in ihr Gebiet fällt, gewaltige Aufgaben, und treffliche Beiträge zur 
kirchlichen Rechts- und zur Finanzgeschichte des Erzstifts vom 13. bis 
17. Jahrhundert wurden schon von Fritz Vi gener und Fritz Herr- 
mann geliefert. Hier kann nur Erwähnung finden, was sich auf beide 
Hessen zusammen bezw. auf Kurhessen bezieht. Darüber hinaus ist 
wohl einmal ein Beitrag als vorbildlich für unsere Forscher und Mit- 
arbeiter zu nennen. Das erste Heft wird (S. 1 — 16) eröffnet durch 
einen anregenden Aufsatz des Gießener Kirchenhistorikers W.Köhler 
„über die Aufgaben auf dem Gebiete hessischer Kirchen- 
geschichte", der auf Grund einer Umschau über das bisher geleistete 
zeigt, wieviel auf dem Boden der mittelalterlichen und neueren Kirchen- 
geschichte Hessens noch zu leisten ist. Ein Beitrag desselben Ge- 
lehrten „Hessische Archivalien aus außerhessischen Archiven" 
Bd. 2, 41—48 schöpft aus der Baseler Universitätsbibliothek Nachwei- 
sungen betreffend Schriften Heinrichs von Langenstein namentlich aber das 
16. Jahrhundert. — Sehr dankenswert sind die beiden eingehenden Be- 
sprechungen von J. B. Rady's „Geschichte der katholischen Kirche von 
Hessen vom heiligen Bonifatius bis zu deren Aufhebung durch Philipp 
den Großmütigen (722—1526) Mainz 1904, welche Fritz Herrmann 
(mit Rücksicht auf die Zustände des ausgehenden Mittelalters und die 



— 347 — 

Reformation) und Wilh. Dersch (ohne Beschränkung) Bd. 2, 277 — 83 
und 333— 61 geliefert haben. — Als kleinere Quellenbeiträge ver- 
zeichne ich 1) einen sehr lesenswerten ,.Brief Martin Butzers an 
den Ritter Hans Landschad von Steinach über das heilige 
Abendmahl" 1526, Bd. 3, 103—16, 2) ein [lateinisches] Mainzer 
Drohgedicht gegen Philipp den Großmütigen aus der Zeit 
der Packschen Händel hera. von Fr. Herrmann, Bd. 1, 100—2, 

3) die gravamina der „Pfarrherren in der Dreieich" an die Grafen von 
Isenburg vom Jahre 1562, ein packendes, urwüchsiges Bild des kirch- 
lichen Lebens jener Zeit, eine wundervolle, freilich nicht erfreuliche 
Quelle der religiösen Volkskunde, mitgeteilt von W. Diehl unter der 
Überschrift „zur Kirchenkunde der Dreieich", Bd. 1, 75 — 92, 

4) die Chronik M. Joh. Dan. Mincks über den dreißigjährigen 
Krieg aus dem Saalbuch der Kirche zu Großbiberau mitgeteilt von 
Wilh. Krämer, Bd. 2, 1 — 38. Unsere kurhessischen Pfarrer zu ähn- 
lichen Veröffentlichungen anzuregen, nenne ich den aus Kirchenbüchern 
geschöpften Beitrag Joh. Schneider's „die Pest in Neckarsteinach 
während des dreißigjährigen Krieges", Bd. 1, 197 — 202, und 
einen andern von Alex. Schuchard, „kirchen- und kultur- 
geschichtliche Nachrichten aus dem ältesten Reinheimer 
Kirchenbuch" [betr. die Jahre 1574—1638] Bd. 1, 245—54. 

An letzter Stelle nenne ich eine Abhandlung Hugo Brunner's 
„die kirchliche Verwaltung der Abtei Fulda zur Zeit der 
hessen-kasselschen Oberhoheit 1632—34", Bd. 1, 342—58. Der 
siegreiche Schwedenkönig Gustav Adolf hatte die Abtei an Landgraf 
Wilhelm V. geschenkt. Dessen Hofprediger Theophilus Neuberger über- 
kam die GeschäftsfühiTing. Nach der Schlacht von Nördlingen im 
Sept. 1634 ging die Abtei wieder Hessen verloren. H. Brunn er hat im 
Jahre 1904 in der Zeitschrift für Kirchengeschichte 24, 375—400 
und 549 — 93 eine sehr interessante und lehrreiche Biographie Neu- 
bergers (f 1656) geliefert, femer erschien gleichzeitig mit dem oben 
genannten Aufsatz, ihn ergänzend, das Schriftchen von Joh. Hatten- 
dorf, „Geschichte des evangelischen Bekenntnisses in Stadt 
Fulda mit hauptsächlicher Benutzung archivalischen Ma- 
terials, Hamburg, Henr. Grand. 60 SS. 1903. Mk. 1.00 (es handelt 
von drei Epochen: 1523 ff., 1632—34 und 1803 ff.) und bald nachher 
der treffliche Aufsatz von Carl Scherer, „zur Geschichte von 
Stadt und Land Fulda im Jahre 1631 und 32" in den Fuldaer 
Geschichtsblättem 2 (1903) S. 81—95 und 97—108. — Wir zweifeln 
nicht, daß die „Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte" sich viele 
Freunde erwerben werden. 

Marburg. K, Wenck. 

Geschichtsblätter für Waldeck und Pyrmont. Heraus- 
gegeben vom Geschichtsverein für Waldeck und Pyrmont. Mengering- 
hausen, Druck und Kommissionsverlag der Weigelschen Hofbuch- 
druckerei. Bd. 1: VI und 145 SS. 1901. Bd. 2: 165 SS. 1902. 
Bd. 3: 123 SS. 1903. Bd. 4: 167 SS. 1904. Bd. 5 u. 6: 350 SS. 
1906. Jahresbeitrag Mk. 2.00. 

Im Jahre 1874 hatte der historische Verein für die Fürstentümer 
Waldeck und Pyrmont ein letztes Heft seiner „Beiträge" veröffentlicht. 
Im Jahre 1900 wurde er mit wenig verändertem Namen zu neuem 
Leben erweckt, und gern berichten wir über die seither unter der Schrift- 
leitung des bekannten Kirchenhistorikers Prof. Dr. Viktor Schultze 



— 348 — 

in Greifswald erschienenen Vereinsschriften, soweit sie nicht rein lokal- 
geschichtlichen Inhalts sind. Das erste Heft (S. 1 — 114) wurde er- 
öffnet mit einer lehrreichen Geschichte des Kloster Ar olsen, 
einer unterlassenen Arbeit des Gymnasialprofessor Bosch. Ich hebe 
hervor die Bemerkungen auf S. 17 über den sogen, sächs. Hessengau 
und die Erzählung über die Auflösung des Klosters im Jahre 152G und 
den bezüglichen Anteil Landgraf Philipps S. 102—11. An die Forscher 
richtet sich der aus dem Marburger Archiv erstattete Bericht über „die 
Waldeckischen Archive" S. 134 — 8. Bekanntlich ist das Waldeckische 
Archiv zur Ordnung seiner reichen Bestände seit 1897 nach und nach 
nach Marburg geschickt worden. — Einen willkommenen Beitrag zur 
Geschichte der Universität Marburg im IG. Jahrhundert bietet Bd. 2, 
35 — 47: Aug. Heldmann in dem aus Universitätsakten geschöpften 
Aufsatz „Landgraf Wilhelms IV. von Hessen Verbot der 
theologischen Doktorpromotion Philipp Nicolai's" des be- 
deutenden Theologen und Dichters geistlicher Lieder aus Mengering- 
hausen. Zu Eingriff und schroffer Stellungnahme im Jahre 1590 wurde 
der Landgraf bewogen durch seine Abneigung gegen die von Nicolai 
und dessen Gönner Aug. Hunnius vertretene Ubiquitätslehre. Auch für 
Niederhessen interessant ist der „zeitgenössische Bericht [des 
Pfarrers Crantz zu Bohne und Königshagen] über den sieben- 
jährigen Krieg (betr. die Jahre 1759 — 02) mitgeteilt von Viktor 
Schnitze: Bd. 3, 60—72". Sehr anziehend sind die ebenfalls von 
V. Schnitze Bd. 3, 83—88 mitgeteilten (4) Briefe der Gräfin 
Anastasia zu Schwarzburg an ihren Verlobten Grafen 
Wolrad II. 1545/6 (während des Regensburger Reichstags). In ihrer 
schlichten Herzenswärme machen sie uns die tiefe Liebe, welche nach 
der schönen Schilderung V. Schnitzes in s. Wal deck. Ref.gesch. S. 429 ff. 
ihr Gatte und Witwer (seit 1570) für Anastasia empfand, recht ver- 
ständlich. — Sehr verdienstlich sind die ungemein fleißig und umsichtig 
auf Grund der gedmckten Universitätsmatrikeln gearbeiteten Aufsätze 
,. Studierende Waldecker vom 13. bis zum 19. Jahrhundert" 
Bd. 4, 1—78, Bd. 5/'(), 159—298. Prof. A. Leiß in Wiesbaden dient 
damit der Gelehrten- und der Familiengeschichte in gleicher Weise. — 
Über ein schönes Bild Graf Philipps III. von Waldeck (f 1539) 
von Heinrich Aldegrever, das im Jahre 1900 in einer einfachen 
Berliner Gastwirtschaft entdeckt und für Arolsen erworben wurde, be- 
richtet Bd. 4, 112—9 der dabei tätig gewesene Berliner Kunsthistoriker 
Frz. Weinitz. Das 1537 gemalte, zuletzt seit Jahrzehnten verschollene 
Bild, das die Verwandtschaft von Aldegrevers Kunst mit derjenigen 
Dürers entschieden bezeugt, ist in gutem Lichtdruck wiedergegeben. — 
Von allgemeinerem Interesse ist auch der Aufsatz von Prof. A. Leiß, 
Bd. 4, 133—42 „Die ältesten Karten von Waldeck". — Nahezu die 
Hälfte des letzten starken Doppelheftes (Bd. 5/6, 1 — 158) füllt das 
„Lebensbild des Fürstlich Waldeckischen Geheime rats 
CarlWilhelm von Stockhausen, verbunden mit Mittei- 
lungen aus dem Waldeckischen Fürstenhause und aus 
der Walde ckischen Verfassungsgeschichte" von [seinem 
Sohne] Landgerichtspräs. a.D. Emil Stockhausen. Wir empfangen 
die Biographie einer sehr sympathischen Persönlichkeit, die in einem 
langen Leben (1804 — 88) an der Seite des Fürsten Georg Victor sich 
in Treue und Tüchtigkeit bewährte. Bei der persönlichen Vertrauens- 
stellung St's ist sein Lebensbild wie für die Waldeckische Geschichte 
in den Jahren 1848—52 so für den Gang der deutschen Frage in den 



— 349 — 

GOiger Jahren und für das Zustandekommen des Accessionsvertrags im 
Jahre 1867 von nicht geringem Interesse. 

Marburg. K. Wenck. 

Hessen im Munde der Dichter. Vaterländische Dichtungen alter 
und neuer Zeit für Schule, Haus und Heer im Großherzogtum Hessen 
gesammelt und herausgegeben von Alfred Börkel und Philipp 
See. Mit Buchschmuck von Prof. Peter Halm. Mainz 1907, Druck 
und Verlag von Philipp von Zabern, Großherzoglich Hessische Hof- 
dmckerei. 251 SS. 8^ Mk. 3.00. 

Der Haupttitel, den der Außenumschlag allein bietet, birgt für 
uns eine Enttäuschung, über die wir zum Glück schon durch den ver- 
deutlichenden Zusatz des Innentitels aufgeklärt werden. Wir Kurhessen 
müssen uns schon daran gewöhnen, daß unsere Vettern südwärts schlank- 
weg den Hessennamen für sich allein occupieren, nachdem Hessen- 
Kassel aufgehört hat ein selbständiger Staat zu sein. — Es handelt 
sich um eine Sammlung von über 150 Gedichten vaterländischen Ge- 
halts und patriotischer Absicht, und die Absicht ist zuweilen etwas auf- 
dringlich. In erster Linie hat man dabei wohl die Schulfeiern im Auge 
gehabt, nicht wenige der neuern 'Gedichte, die hier geboten werden, 
mögen wohl direkt auf derartige oder ähnliche Anlässe zurückgehen: 
vom kindlichen Gestammel der untersten Mädchenklasse bis zum dröh- 
nenden Pathos der Kriegervereine ist die ganze Skala patriotischer und 
loyaler Empfindungen und Töne vorhanden. Mit den alten Chatten be- 
ginnt und mit Großherzog Ernst Ludwig und Großherzogin Eleonore 
schließt der Preis hessischer Tapferkeit und Tugend. Die mannigfachen 
historischen Erinnerungen und die landschaftlichen Schönheiten des 
Landes zwischen Lahn und Neckar werden von beredten und unberedten 
Zungen gepriesen. Daß Mainz und Worms mit dem Strahlenglanze 
ihrer Sage und Geschichte zu diesem neuen 'Hessen' gehören, erhöht 
natürlich auch den Reichtum des vorliegenden Buches. Aber der ka- 
tholische Teil der Bevölkeiiing — und die Mainzer Simultanschule ? — 
haben auch wieder Rücksichten verlangt, denen zu entsprechen den 
Herausgebern und Mitverfassern nicht schwer geworden zu sein scheint. 
'Gedichte vorwiegend erotischen oder konfessionellen Inhalts bleiben 
ausgeschlossen' — und so muß sich denn Philipp der Großmütige recht 
kümmerlich abspeisen lassen : während der beängstigend fruchtbare 
Mitherausgeber Pliilipp See eine ganz falsche Auffassung und Herlei- 
tung seines Beinamens in Reime bringt, bleibt dem Buche ein solches 
Prachtstück wie Conrad Ferdinand Meyers Ballade 'Der Landgraf vor- 
enthalten. Anderseits herrscht eine naive Ungeniertheit, den hessischen 
Schauplatz zu erweitern oder direkt unterzuschieben: die Geschichte 
von der Jungfrau Maria als Ritter z. B., die Caesarius von Heisterbach 
(im 'Dialogus miraculorum' VII 88) von seinem Zeitgenossen Walther von 
Birbach erzählt, wird in der Ballade von Karl Schäfer S. 8G— 88 — mit 
Beibehaltung des Namens ! — nach Darmstadt und ins Jahr 1403 verlegt ! 
Wir treffen viele Hebe alte Bekannte, von Walther von der Vogel- 
weide ab, dessen beide Strophen auf Diether von Katzenellenbogen 
mitgeteilt werden, bis auf Rückert und Uhland, Roquette und Dingel- 
stedt. Auch unter den neuen Erzeugnissen der wetterauischen, Mainzer 
und Darmstädter Muse sind allerlei liebenswürdige kleinere Sachen, 
vor allem Dialektdichtungen, deren recht wohl noch mehr hätten ge- 
bracht werden können. Wo dafür Abstriche zu machen wären, das 
wäre nicht schwer vorzuschlagen. Vor allem sollte der eine der beiden 



— 350 — 

Herausgeber, Herr Philipp See, der reichlich ein Viertel des Bandes 
zusammengereimt hat, mehr Zurückhaltung üben. Hier wäre weniger 
wieder einmal mehr gewesen! Edward Schröder, 

Ferd, JustI, *) Hessisches Trachtenbuch. Mit 32 Blättern in 
Farbendruck, einer Karte und 6 in den Text gedruckten Abbildungen. 
95 Seiten Text. Marburg, N.G.Elwert. 1900—1905. Fol. Mk. 24,00. 
A. u. d. T.: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für 
Hessen und Waldeck. I 
Hessische Landes- und Volkskunde. Das ehemalige Kur- 
hessen und das Hinterland am Ausgange des 19. Jahrh. In Ver- 
bindung mit dem Verein für Erdkunde [zu Kassel] und zahlreichen 
Mitarbeitern hgg. von Carl Heßler. Bd. IL: Hessische Landes- 
und Volkskunde. Marburg, N. G. Elwert. 1904. 8^. Abschnitte über 
Trachten: S. 42 ff. und 135 ff. (Das fränkische Niederhessen und 
Oberhessen, von C. Heßler), 192 ff. (Das Hinterland, von M. J. 
Flach), 236 ff. (Die Schwalm, von J. H. Schwalm), 341 ff. (Bucho- 
nien, von J. Thiel), 366 ff. u. 411 ff. (Das Kinzigtal und das thü- 
ringische Niederhessen, von C. Heßler), 467 ff. (Das Schmalkalder 
Land, von A. Vilmar), 504 ff. (Das sächsische Niederhessen, von 
W. Heckmann), 545 ff. (Das Schaumburger Land, von P. Gündel). 
Friedr, Hottenroth, Die Nassauischen Volkstrachten. Auf 
Grund des vom f Amtsgerichts rat a. D. Dussel gesammelten Ma- 
terials bearbeitet. Hgg. vom Verein für Nassauische Altertumskunde 
und Geschichtsforschung. Mit 29 farbigen Tafeln, 89 Trachten- 
abbildungen und einer Religionskarte im Text sowie einer Trachten- 
typen-Karte. Wiesbaden, Selbstverlag des Vereins. 1905. XII, 225 S. 8®. 
Obwohl ich bereits an anderer Stelle über Justis Hessisches 
Trachtenbuch, mit dem sich die Historische Kommission für Hessen 
und Waldeck höchst vorteilhaft literarisch eingeführt hat, ausführlicher 
berichten konnte (Hessische Volkstrachten: Beilage zur Allg. Zeitung, 
München 1901 No. 179 u. 180, 1905 No. 299), glaubte ich mich doch 
der dringenden Aufforderung des Herrn Redaktors dieses kritischen 
Teiles unserer Zeitschrift, auch hier das Werk noch einmal anzuzeigen, 
der Sache und der Heimat zu Liebe nicht versagen zu dürfen: zumal 
inzwischen auch noch zwei andere Werke erschienen sind, die sich 
mit hessischen Volkstrachten befassen; ich meine Heßlers Hessische 
Landes- und Volkskunde Bd. II und Hottenroths Nassauisches Trachtenbuch. 
Legt man, wie es billig ist, den Maßstab strengster Wissen- 
schaftlichkeit an diese drei Werke, so gebührt die Palme unbedingt 
dem zuerst genannten Prachtwerk unseres greisen Landsmannes Ferdi- 
nand Justi. Und zwar, obgleich dasselbe nicht, wie der (übrigens 
nicht auf das Konto des Verfassers kommende) Titel besagt, ein 
„Hessisches Trachtenbuch" schlechthin ist, sondern nur ein „Trachten- 
buch des Landes an der Lahn" oder „des Oberfürstentums Hessen" — 
so sollte der Titel von Rechts wegen heißen. Denn es enthält nur die 
Trachten des Breidenbacher Grundes (Obergericht S. 16 — 25, Unter- 
gericht S. 26—30), die Trachten westlich der Lahn in den Kreisen 
Marburg (S. 31—42) und Biedenkopf (S. 43—49), die Tracht von Batten- 
berg (S. 50 — 52), die der katholischen Dörfer um Amöneburg (S. 52 — 56) 

*) Am 17. Februar wurde F. Justi von längerem Leiden durch 
den Tod erlöst. Die obige Besprechung hat ihm in Korrekturabzug in 
den letzten Tagen vor seinem Tode vorgelegen. K. W. 



— 351 — 

und vor allem die schmucke, malerische Tracht bei Marburg (S. 56—87), 
Es ist ein Teil der in zahllosen Skizzen, Bildnissen und Aquarellen 
von Land und Leuten festgehaltenen reichen und wertvollen Ausbeute, 
die ein von warmer Liebe zu seiner schönen Heimat durchglühter 
Künstler und Forscher schon seit Ende der 1870er Jahre von seinen 
Wanderfahrten durch das oberhessische Bergland in die stille Studier- 
stube am Barfüßertore mit heimgebracht hat, nur ein Teil, der hier in 
32 sauberen lithographischen Farbendrucken mit erläuterndem Text 
unserm hessischen Volke und der Wissenschaft Dank der Munifizenz 
der Frau Geh. Kommerzienrat Henschel in Kassel und der Opferwillig- 
keit des Herrn Verlegers für verhältnismäßig wenig Geld dargeboten wird. 

Justis Werk bedeutet in mehr als einer Hinsicht einen wichtigen 
Fortschritt auf dem Gebiete der Trachtenkunde und Kostümgeschichte. 
Über die leitenden Gesichtspunkte spricht sich der Verfasser in der 
Einleitung aus, die zugleich eine musterhafte Geschichte der Moden 
und Trachten im Zusammenhang mit den politischen und wirtschaftlichen 
Verhältnissen, den Anschauungen und geistigen Bewegungen der ein- 
zelnen Zeitabschnitte in großen Zügen enthält. Was J. in seinen 
Aquarellen bietet, sind vor allem keine Kostümpuppen, sondern leib- 
haftige Bauern und Bäuerinnen aus Oberhessen. Jedes Blatt trägt als 
beglaubigende Unterschrift den Vor- und Zunamen des bezw. der Ab- 
gebildeten und den Namen des Heimatsortes. Da steht man auf festem 
Boden. Diese Sicherheit würde noch verstärkt worden sein, wenn auch 
die Jahreszahlen der Aufnahmen auf den Blättern stünden. Zwar lassen 
die Bilder inbezug auf die Wiedergabe sowohl der unter den Kostümen 
steckenden Menschen wie der räumlichen, insbesondere der landschaft- 
lichen Umrahmung mancherlei zu wünschen übrig: aber daß zu Volks- 
trachtenbildern auch das ethnographische und örtliche Milieu gehört, 
ist doch ein wissenschaftlich wertvoller Gedanke, — ebenso wertvoll 
wie die andere Beobachtung, die wohl mancher schon gemacht, aber 
erst Justi klar ausgesprochen hat : daß nämlich die Körperhaltung und 
-bewegung von dem eigenartigen Zuschnitt der Kleidungsstücke be- 
einflußt wird. 

Und gerade hier nun liegt die eigentliche Bedeutung der Justischen 
Zeichnungen, daß sie mit jener peinlichen Genauigkeit, wie nur ein- 
gehendste jahrelange Beschäftigung mit den Gegenständen einerseits, 
ein großes Format der Abbildungen andererseits sie ermöglichen, die 
minutiösesten Feinheiten und Eigentümlichkeiten der oberhessischen 
Volkstrachtenstücke, gelegentlich unter Hinzufügung von Schnittmustern 
im Textband, wiedergeben. Nimmt man die ebenso sorgfältig auf die 
Details eingehenden und sich nicht nur auf die hier vorliegenden Ab- 
bildungen beschränkenden Beschreibungen des Textes hinzu, deren 
ruhiges Studium nur leider durch das auch für den Textband gewählte 
und hierfür schrecklich unhandliche größte Folioformat stark beein- 
trächtigt wird, so ersetzt uns Justis Werk ebensowohl ein bäuerliches 
Modejournal des 19. Jhdts. wie bis zu einem gewissen Grade sogar ein 
oberhessisches Trachtenmuseum. Wenigstens möchte ich glauben, daß 
es einem perfekten Kleiderkünstler keine sehr große Mühe verursachen 
kann, nach Justis Kostümbildern und eingehenden Erläuterungen die zu- 
grunde liegenden Gewandstücke im großen und ganzen richtig zu re- 
konstruieren. Und für die wissenschaftliche Behandlung der ober- 
hessischen Volkstrachtenkunde hat J. damit für alle Zukunft das grund- 
legende Quellenwerk geschaffen. 

Aber J. führt uns nicht nur die einzelnen Kostüm stücke der 



— 352 — 

oberhessischen Bauern bis in das Detail der Schnitte und Fadenführungen 
hinein in Bild und Wort vor: er unterrichtet uns zugleich über die 
Herkunft der verwendeten Stoffe. Er zeigt uns, wie mit dem „haus- 
machenden" Gewerbefleiß des Bauernhauses die Industrieen der ver- 
schiedensten Gebiete des In- und Auslandes zusammenwirken, um dem 
bäuerlichen Geschmack die Herstellung der reichen und vielfarbigen 
Trachten zu ermöglichen. Da liefert Bielefeld Leinen zu Schürzen 
(S. 23) und Mühlhausen die mehr und mehr abkommende blaugestreifte 
Beiderwand für Röcke (S. 74), Greiz geblümte Kaschmirstoffe und 
Emsttal in Sachsen Ripse mit eingewebten Blumen (S. 71), Barmen und 
Elberfeld geblümte Seidenhalstücher (S. 73 und 75) und Remscheid 
Seidenflorettbänder (S. (59): aus Annaberg kommen die Seidenpassemen- 
terien der „Guimpen" und kostbare breite Silberbrokatbänder (S. (59. 55), 
aus Lyon seidene Brusttücher (S. 3H) und aus der Schweiz Bänder von 
schwarzem oder lila Taft und Atlas mit eingewebten Blumen (S. 75). 
So tauchen neben den Fragen des bäuerlichen Kunstgewerbes (denn 
manche Trachtenstücke sind kunstgewerbliche Erzeugnisse) und Ge- 
schmacks mit einem Male auch wirtschaftliche Fragen des Handels 
und Gewerbes aus der Trachtenkunde hervor. 

Und damit kommen wir schließlich zu dem großen Zug. der das 
ganze Werk bei allem Kleinkram erfüllt, mit dem es notwendig zu tun 
hat. J. malt und beschreibt die einzelnen Kostümstücke des von ihm 
behandelten Gebietes nicht nur als Illemente bestehender Trachten, 
sondern er weiß auch das von ihm gesammelte Quellenmaterial aus- 
giebig zu verwerten, indem er es in den großen Zusammenhang der 
kostümgeschichtlichen, ja der geschichtlichen Entwickelung überhaupt 
stellt. Es ist einfach staunenswert, mit welcher Fülle vom Vergleichs- 
und Erläuterungsmaterial aus allen Zeiten und Zonen er den Leser in 
seinem tiefgründig gelehrten, vielleicht zu gelehrten Text überschüttet. 
Sprache und Literatur, die Denkmäler vor allem der Kunstgeschichte 
im weitesten Sinne aus so ziemlich allen Gallerien Europas und der 
Nachbargebiete, historische Kostüme aus privatem Besitz und öffentlichen 
Museen, die lebendigen Volkstrachten weit über Hessens Grenzen 
hinaus, namentlich was Abbildungen angeht zum Teil ganz entlegenes 
Material, das alles wird in einem Umfang herangezogen, wie das bis- 
her wohl noch niemals einer kostümgeschichtlichen Monographie zu 
Teil geworden ist. Das alles tritt in den Dienst der heimatlichen Ge- 
schichte, deren festen Boden der Verf. niemals unter den Füßen ver- 
liert. Es wäre unbillig, über Einzelheiten der Auffassung mit dem 
gelehrten Forscher an dieser Stelle rechten zu wollen: aber das ist 
sicher, er hat hier ein Werk geschaffen, an dem auch die landes- 
geschichtliche Erforschung Oberhessens niemals mehr vorübergehen 
kann. Müßte ich nicht den Blaustift unseres Herrn Redaktors fürchten, 
so würde es mich gereizt haben, an der Geschichte allein der ver- 
schiedenartigen Kopfbedeckungen der oberhessischen Bäuerinnen — diese 
Kostümteile gehören, wie jeder Trachtenkenner weiß, zu den charak- 
teristischsten und am zähesten festgehaltenen Stücken der Volks- 
trachten — zu zeigen, wie sich in ihrem Nebeneinander in der Richtung 
von dem entlegenen Westen Oberhessens nach Osten hin politische und 
Kulturströmungen von Jahrhunderten offenbaren, die zuerst das Zentrum 
Oberhessens, den Marburger Fürstenhof, von dem Einzug der Brabanter 
Herzogin und ihres Söhnleins (1248) ab berührt haben und sich dann 
auch auf dem Lande auszuwirken suchten. Denn was uns in den hessischen 
Dörfern heutigentages als Volkstracht begegnet, das war einmal vor- 



— 353 — 

nehme Tracht, die sich vom Hofe aus über die Kreise des Landadels 
und Bürgertums unter den Bauern verbreitet hat. Neue Moden kamen 
auf: sie nahmen denselben Weg und drängten die älteren, als Volks- 
trachten erstarrten in die entlegeneren Gegenden zurück, wo sie sich 
namentlich dann selbständig fortbildeten, wenn territoriale Grenzen, die 
seit der Reformationszeit in der Regel auch konfessionelle Grenzen 
waren, ihren scheidenden Einfluß ausübten. Die Trachten der beiden 
Gerichte des Breidenbacher Grundes, die Tracht des Gerichts Batten- 
berg, die Biedenkopfer „Ämtertracht", die Tracht des Amtes Blanken- 
stein-Gladenbach, die Trachten schließlich überhaupt des im 17. Jhdt. 
hossen-darmstädtisch gewordenen Hinterlandes im Westen, die Schwälmer 
Tracht der ehemaligen Grafschaft Ziegenhain und die Tracht der 
katholischen ehedem mainzischen Dörfer im Osten von Marburg bilden 
die lehrreichsten Beispiele für diese Entwickelung. 

Es ist ein ganz neues Quellengebiet unserer hessischen Ge- 
schichte, das J. uns in seinem Trachtenwerk erschlossen und mit pro- 
funder Gelehrsamkeit und künstlerischer Kombinationsgabe zugleich 
erstmalig intensiv ausgeschöpft, nicht erschöpft hat. Kein Zweifel, daß 
dieses Werk auf unsere volkskundliche und landesgeschichtliche For- 
schung einen nachhaltigen Einfluß ausüben wird, ja, daß kein Trachten- 
forscher Deutschlands überhaupt sich dem gründlichen Studium des- 
selben wird entziehen können — obwohl es leider nur einen kleinen 
Teil von Hessen umfaßt. Und das ist schließlich der schmerzliche Ge- 
danke, mit dem man diese Blätter und diese Untersuchungen aus der 
Hand legt, daß es Justi nicht vergönnt gewesen ist, auch die übrigen 
hessischen Volkstrachten, vorab die Schwälmer, systematisch in den 
Kreis seiner Forschungen einzubeziehen, bevor sie der immer schneller 
fortschreitenden Auflösung anheimfallen. Wer wäre Forscher und 
Künstler und — Hesse zugleich und genug, um Justis Werk auch nur 
annähernd ebenwertig fortzusetzen? 

Da hat ja nun freilich inzwischen Carl Heß 1er im 2. Band 
seines verdienstlichen Sammelwerkes mit Hilfe namentlich von Volks- 
schullehrern zahlreiches, meist durch photographische Aufnahmen unter- 
stütztes Material über die Volkstrachten ganz Hessens vom Edderkopf 
bis zum Inselsberg und von der Kinzig bis zur Diemel (die nieder- 
sächsische Grafschaft Scliaumburg mag außer Betracht bleiben) herbei- 
geschafft. Aber das ist, neben Justi gehalten, doch nur ein beschei- 
dener Ersatz. Nette Genrebildchen, gewiß, auf denen unter den Kostümen 
auch besser getroffene Bauerngestalten hervortreten, als Justis Pinsel 
sie zu verewigen vermocht hat, und man bekommt auch schließlich so 
etwas wie einen Eindruck von der Gesamtwirkung der Volkstrachten: 
aber da ist es das kleine Visitbildformat, da ist es vor allem das Fehlen 
aller und jeder Farben, was diese Bildchen imi den Wert wirklicher 
Volkstrachtenbilder bringt. Daraus kann sich niemand eine zutreffende 
Vorstellung von unseren malerischen Volkstrachten im einzelnen und 
im ganzen machen, der sie nicht bereits kennt. Besser sind da noch 
die gelegentlich beigegebenen Federzeichnungen namentlich von Kopf- 
bedeckungen (S. 44 ff. H)8. 194. 2(X)), deren charakteristische Orna- 
mente wenigstens einigermaßen daraus erkennbar werden. Und wie 
nahe hätte es doch gelegen, das vorzügliche Hinterländer Trachtenbild 
aus dem Atelier Stephani in Biedenkopf (S. 208/9) als farbiges Kunst- 
blatt in doppelt so großem Format beizugeben ! (Die Amateuraufnahme 
aus der Rhön, S. 344, eignet sich mit ihrer einfach gräßlichen Personen- 
fülle und steifen Gruppierung weniger dazu.) Wertvoller als der Durch- 



— 354 — 

schnitt der Abbildungen ist der Text : summarisch zwar, aber von orts- 
kundigen Autoren verfaßt. An Justi reicht das natürlich alles nicht 
entfernt heran, will es auch gar nicht, und ein zukünftiges hessisches 
Trachtenbuch wird hier noch tüchtige Nachlese halten müssen. Aber 
so lange wir das nicht haben, müssen wir für das Dargebotene herzlich 
dankbar sein. Immerhin hätte auch im Rahmen dieses Werkes z. B. 
der Herausgeber selbst über die jetzige Männertracht in der Umgegend 
von Marburg etwas mehr bringen können als die 10 Zeilen auf S. 135, 
wo nicht einmal der langschößige blaue Kirchenrock, das „Kamisol", 
erwähnt ist. Und ob im Kreise Frankenberg nicht auch zu Ende des 
19. Jahrh. noch einzelne alte Bauern wie in meiner Jugend ihre „Samft- 
manschestemen" getragen haben? 

Was uns für Hessen bislang noch fehlt und für lange Zeit hinaus 
vermutlich auch noch fehlen wird, ein sämtliche Volkstrachten unseres 
Landes systematisch in Wort und farbigem Bild behandelndes wissen- 
schaftliches Werk, das hat „drüben" der Verein für Nassauische Alter- 
tumskunde und Geschichtsforschung auf Grund der von seinem früheren 
Vorsitzenden Dussel gesammelten Volkstrachten im Wiesbadener 
Landesmuseum und hinterlassenen bildlichen und handschriftlichen Vor- 
arbeiten durch Friedrich Hottenroth herstellen lassen. Hottenroth 
hat sich durch mehrere große Werke als einen der namhaftesten Er- 
forscher und Kenner unserer deutschen Volkstrachten längst vorteilhaft 
bekannt gemacht. Er überblickt den Gesamtverlauf der kostümgeschicht- 
lichen Entwickelung wie nur einer; aber daß er dabei nicht überall 
auf eigenen Studien fußen kann, ja, daß ihm im einzelnen gelegentlich 
recht tüchtige Irrtümer mit unterlaufen, ist nur selbstverständlich. Als 
Meister monographischer, streng wissenschaftlicher und durchaus zu- 
verlässiger Trachtenforschung ist ihm unser Justi zweifellos weit über- 
legen. Auch sein neuestes Werk zeigt alle Vorzüge und Schwächen 
Hottenrothscher Arbeitsweise. 

Die Einleitung gibt einen instruktiven, knappen Überblick über 
die Geschichte der älteren Bauerntrachten vom 11. Jhdt. an bis zur 
Entwickelung der Volkstracht, d. h., wie H. definiert, nicht der Bauem- 
tracht, sondern der Landschaftstracht (S. 20), deren Ausbildung zwar 
ganz zutreffend mit der steigenden religiösen Zerklüftung und der poli- 
tischen Absonderung der einzelnen Staaten Deutschlands in Zusammen- 
hang gebracht, aber, wie ich meine, mit der Zeit nach dem 30jährigen 
Krieg allgemein doch zu spät angesetzt wird. Man wird unterscheiden 
müssen zwischen verkehrsnäheren und verkehrsferneren Gegenden. Die 
Tracht des Breidenbacher Obergerichts (Perfgau) mit der „braban tischen 
Mütze" (Justi Bl. 9 u. S. 24 f.) muss lange vor dem 17. Jahrh. fes 
geworden sein. Einzelheiten: Der Ssp. wird (S. 3) zu bestimmt ins 
Jahr 1230 gesetzt und vollends die Heidelberger Ssp.-Hds. (Abb. 1, 5) 
gehört erst dem Ende des 13. Jahrhs. an. Der sächsische Chronist 
(S. 3) heißt nicht Wittekind, sondern Widukind. Die Schecke (S. 4t 
entstammt nicht französischer, sondern englischer Mode, die seit 136) 
über das Elsaß in Deutschland eindrang ; der Scheckenrock (S. 5) wurdö 
über den Kopf angezogen, Abb. 2, 12 dagegen ist ein vom offener Rocke 
wie er S. 6 beschrieben wird. Abb. 5, 3 zeigt wohl nicht den „zum, 
Lederkoller umgewandelten Leib des Rockes" (S. 17), sondern einen 
Lederschoß und -wams statt des eisenbesetzten als Rest der alten 
Rüstung des 15. Jahrhs. „Kappe" kommt nicht von Kapuze, ist nicht 
aus dieser „durch Verkürzung entstanden" (S. 21), sondern vom spät- 
latein. cappa, von der umgekehrt das caputium der den Kopf bedeckende 



— 355 — 

Auf die Einleitung folgt eine Übersicht über die territoriale, ad- 
ministrative und konfessionelle Entwickelung und Zusammensetzung 
Nassaus und die sich daraus ergebenden 7 Haupttypen der Volks- 
trachten, die auf S. 25 nach den 15 preußischen Kreisen — außer 
Usingen und Höchst umfaßt jeder derselben 2 — 3 nassauische Ämter — 
tabellarisch übersichtlich zusammengestellt werden. Hottenroth legt 
seiner Stoffbehandlung das konfessionelle Einteilungsprinzip zugrunde 
— für ein konfessionell so gemischtes Land wie Nassau durchaus zweck- 
mäßig. Während die 5 katholischen Gebietsteile nur 2 Trachtentypen 
aufweisen, den kurmainzischen und den kurtrierischen, finden sich 
in den 6 evangelischen Bezirken 5 Typen, die aber zum Teil mitein- 
ander vermischt worden sind : der hessische, altnassauische, saynische, 
wiedische und pfälzische. 

Für uns kommt hier nur der hessische Typus in betracht, der 
sich, abgesehen von dem jetzt leider ganz geschichts- und naturwidrig 
zum Reg.-Bez. Wiesbaden gehörigen hessischen Hinterland (S. 29—40), 
dem Ausgangspunkt des Hottenrothschen Werkes, rein im sog. Blauen 
Ländchen (S. 70—85), gemischt mit dem altnassauischen TyP^s im 
östlichen Taunus (S. 40 — 70) und im nordwestlichen Taunus, dem Ge- 
biet der ehemals hessischen Niedergrafschaft Katzenellenbogen (S. 134 
bis 137), findet. Da haben wir knappe, klare Beschreibungen der jetzt 
noch vorhandenen Trachten und wertvolle Beiträge zur Kenntnis des 
Verbreitungsgebietes der hessischen Trachten nach S. und SW. hin bis 
an den unteren Main und den Rhein. Im einzelnen ist freilich manches 
recht problematisch, z. B. daß die Tracht des östlichen Taunusgebietes 
„namentlich von der Schwalm her" ausgegangen sei (S. 40). Sollten 
nicht vielmehr beide Trachten ihre gemeinsame Wurzel in einer ein- 
heitlichen oder wenigstens in verwandten Moden einer vergangenen 
Zeit haben? 

Die Berücksichtigung der Hinterländer Tracht lag ursprünglich 
nicht im Plane des Werkes. Sie ist, wie der Vereinsvorstand als Heraus- 
geber (Vorw. S. V) sagt, auf ausdrücklichen „Wunsch des Bearbeiters" 
erfolgt und dem „der ßiedenkopfer Tracht gewidmeten Kapitel" soll 
„auch dem Justischen Werke gegenüber eine selbständige Bedeutung 
zuerkannt werden müssen". Ist das nun wirklich so ? Das ist für un- 
sere hessische Forschung eine wichtige Frage. Zunächst ist es nicht 
richtig, daß Hottenroth „die jetzt noch lebenden Trachten des Kreises 
Biedenkopf" behandele (Vorw. S. V) : es fehlt die Battenberger und die 
durch die sog. „Schneppekapp" gekennzeichnete Tracht aus dem Ge- 
richt Blankenstein-Gladenbach (Justi S. 50 ff. u. 31 ff.). Was H. bietet, 
sind nur die Trachten des Breidenbacher Untergerichts (S. 29 ff.) und 
Obergerichts (S. 34), die östlich daran grenzende, von Justi (S. 34 ff.) 
als „Tracht westlich der Lahn" bezeichnete sog. „Ämtertracht", die sich 
keineswegs nur „in dem Dorfe Bottenhorn" findet, sondern in einem 
breiten Landstreifen von Katzenbach, Eckeishausen und Kombach im 
N. bis nach Hartenrod, Günterod imd Endbach im S. und durch die 
sog. „Dell-Mutsche" (H. S. 37 sagt einfach „Mutsche") gekennzeichnet 
wird, aber in Bottenhorn allerdings eine besonders chrakteristische Aus- 
prägung erhalten hat, und endlich die neuere Marburger Tracht (S. 32 ff.), 
die doch nur ganz allmählich ins Hinterland vordringt. Was femer H. 
an Abbildungen vorlegt, stammt aus Justi : H. Taf. I = J. Bl. XI ; 
H. Taf. II 1 = J. Bl. XII; H. Taf. H 2 = J. BL HI; H. Taf. HI 1,2,3 
= J. Bl. I, IX, VII ; H. Taf. IV 1 = J. Bl. XV, nur daß hier der Bauer 
nicht in Kniehosen steckt; H. Taf. IV 2 ist eine Kombination aus J. 

N. F. BD. XXX. 23 



— 356 — 

Bl. XVI u. XVIII. Auf Abb. 7 (S. 33) vereinigt H. 4 Brustlätze und 
die obere Hälfte des Rückendeckels einer Haube aus dem Breiden- 
bacher Grund — alles gute Bekannte : No. 1 (Brustlatz aus Vomhausen) 
= J. Taf. XIII (aus Wolzhausen), No. 2 (Brustlatz aus Holzhausen) = 
J. Taf. II (aus Momshausen), No. 4 u. 5 (Brustlätze, beide aus Breiden- 
bach) = J. Taf. X u. VI (beide aus Steinperf), No. 3 (Haubendeckel 
aus Breidenbach) = J. Taf. XVI (aus Breidenbach). Durchweg die- 
selben Muster, nur No. 2 u. 5 die Negative zu den Justischen! Und 
wie merkwürdig, dieser Parallelismus in den Ortsnamen: Wolzhausen 
(J.) — Holzhausen (H.), — Momshausen (J.) — Vomhausen (H.) — 
2 Steinperf (J.) — 2 Breidenbach (H.) ! Wo liegt eigentlich Vomhausen? 
Ein Drackfehler kanns nicht sein, denn auch das Register (S. 224) 
schreibt so. In der Generalstabskarte finde ich aber den Ort nicht. 
Ebensowenig in Neumanns und Ritters Orts-Lexicis und dem Gemeinde- 
lexikon des Deutschen Reiches. 

Aber ist denn der Breidenbacher Gmnd wirklich so arm an hübschen 
„Steckem", daß H., der für seine Ausfühmngen „selbständige Bedeu- 
tung" neben Justi beanspmcht, gerade nur dieselben Muster ausfindig 
machen konnte, die schon J. in seinen gerade hier besonders feinen 
farbigen Blättem bekannt gegeben hatte? Dem gegenüber darf ich 
vielleicht verraten, daß mir J. schon vor Jahren mitgeteilt hat, daß 
noch „sehr viele" andere Bmstschmuckbilder sich in seinen Mappen 
befinden. Es wird also doch wohl so sein, daß H. in den hier er- 
wähnten Abbildungen trotz des darauf stehenden „Fr. H." und der ge- 
legentlich hinzugeMgten Floskel „um 1900" oder „am Ende des 19. Jhs." 
lediglich mit Justis z. T. erheblich älterem (s. o.) Material gearbeitet 
hat. Selbständigen Wert haben unter ihnen allen, soweit ich nachkommen 
kann, nur die Abbildungen 8 u. 9 (Hessische Kopfbedeckungen und Trauer- 
umhänge). Aber auch der Text ist unselbständig, nur sind hier die Zwangs- 
anleihen bei Heßler-Flach gemacht, ohne daß dieses Werk auch nur einmal 
erwähnt würde, ja, ohne daß auch nur einmal durch Anfühmngsz eichen 
die oft wörtlichen Entlehnungen kenntlich gemacht wären. H. hat mit 
dieser Art von Arbeitsweise seinem guten Ruf als Trachtenforscher 
keinen Dienst erwiesen. Soweit das hessische Hinterland in betracht 
kommt, kann die Forschung jedenfalls sein Werk mhig unberücksichtigt 
lassen, um so mehr, als sich hier noch obendrein tatsächliche Unrichtig- 
keiten finden. Trauermäntelchen z. B. werden von den Frauen nicht 
nur im Kreise Biedenkopf (S. 20), sondem auch weiter lahnabwärts 
getragen. Der Motzen in der „Ämtertracht" ist ferner nicht einfach 
„untenher mit einem weißen wollenen Streifen besetzt" (S. 37), sondem 
untenher auf der Innenseite und erst dadurch, daß diese umgeschlagen 
wird, kommt der Streifen zum Vorschein. — 

Ich bin ausführlicher mit meiner Besprechung geworden, als ich 
eigentlich vorhatte. Aber da es sich hier um ein ebenso wichtiges 
wie interessantes Gebiet der Volkskunde und Landesgeschichtsforschung 
handelt, das allerorten viele Freunde besitzt, so glaubte ich die größere 
Ausführlichkeit schon verantworten zu können. Denn unsere Trachten 
sind nicht Kuriositäten, die man durch Trachtenfeste zur Schau stellen 
sollte, sondem ehrwürdige Zeugen der Vergangenheit unseres Volkes, 
die leider unrettbar dem Untergang verfallen sind. Deshalb hat vor- 
nehmlich die Wissenschaft einen Ansprach an sie, und wie weit dieser 
Anspmch bis jetzt befriedigt worden ist, das eben wollte meine Be- 
sprechung zeigen — teils zur Wamung, vor allem aber zur Ermunterung. 
Halle ajS, im Dezember 1906, Karl Heldmann. 



— 357 — 

F. Hoffmann und B. Zölffel, Beiträge zur Glockenkunde des 
Hessenlandes. Mit 30 Tafeln Abbildungen. Herausgegeben vom 
A^erein für hessische Geschichte und Landeskunde. Kassel. Im Kom- 
missionsverlag von Georg Dufayel. (XV. Supplement der Neuen Folge 
der Zeitschrift). 28 Seiten Text. 4^ Mk. 3.00. 

Dies Buch enthält eine Beschreibung von 195 Glocken älterer 
wie neuerer Zeit und auf 30 Tafeln die Abbildungen von 33 mittel- 
alterlichen Glocken aus den Kreisen Fritzlar, Melsungen, Fulda, Gers- 
feld, Hünfeld, Hersfeld, Witzenhausen, Wolfhagen und Marburg. Be- 
schreibung und Abbildungen gründen sich auf persönliche Aufnahmen 
und Zeichnungen der Verfasser. Der Schlußabschnitt stellt die Resul- 
tate in Bezug auf Alter, Datierung, Schriftzeichen, Namen und Familien 
der Glockengießer zusammen. 

Die älteste Glocke des Verzeichnisses ist die Lullusglocke zu 
Hersfeld aus der Mitte des 11. Jahrhunderts, eine der 17 bisher be- 
kannten Theophilusglocken, d. h. jener Glocken, deren Form mit der 
Anleitung der Schedula diversarum artium des Mönches Theophilus aus 
dem Anfang des 12. Jahrhunderts übereinstimmt. Die ältesten datierten 
Glocken von 1369 befinden sich im Dom zu Fritzlar. Auch eine Al- 
phabetglocke wird genannt, aus der Zeit um 1400 (Nr. 194). Bildlicher 
Schmuck ist verhältnismäßig selten. 

Das Buch, auf langjährigen und mühevollen Studien beruhend, 
bildet einen wertvollen Beitrag zur deutschen Glockenkunde, die in 
den letzten Jahrzehnten so große Fortschritte gemacht hat. Es bietet 
dem Altertumsfreund Anregung nach den verschiedensten Richtungen 
hin. Auf die Bedeutung der Glockeninschriften und Glockennamen 
für die Geschichte der Volksreligion im Mittelalter wurde neuer- 
dings mehrfach aufmerksam gemacht. Es sei nur an den kürzlich er- 
schienenen Aufsatz von F. Loose in den Mitteilungen des Anhaltischen 
Geschichtsvereins X, 3. Heft 1906 erinnert. Die Ausführungen Looses 
über „mittelalterliche Glockenkreuze" lassen sich durch die Mitteilungen 
in unserem Werk trefflich ergänzen. Eine weitere wichtige Anregung 
eines solchen Werkes liegt in seiner Bedeutung für die Denkmalpflege : 
möge es dazu beitragen, daß die noch vorhandenen Schätze in unserem 
Hessenland beachtet und vor Zerstörung bewahrt werden. Die Verfasser 
nennen ihr Werk „Beiträge". Es bildet allerdings nur die Grundlage 
zu einer vollständigen und umfassenden Aufnahme der Glockenbestände 
in Hessen, die wohl erst nach der Inventarisierung der Kunstdenkmäler 
möglich ist. Unser Werk enthält nämlich vollständig nur die Glocken 
aus dem Kreise Fritzlar, aus den übrigen Kreisen sind die bemerkens- 
wertesten ausgewählt. 

Von Einzelheiten sei noch folgendes erwähnt. Die beigegebenen 
Zeichnungen machen in Bezug auf die Form und die Inschriften der 
Glocken den Eindruck der Zuverlässigkeit und der treuen Wiedergabe 
der Originale. Die Zeichnungen der bildlichen Darstellungen genügen 
dagegen den heutigen Anforderungen nicht. Gerade sie sind unter 
Umständen für die Datierung der Glocken und ihre Zuweisung an be- 
stimmte Glockengießerfamilien von hohem Wert. So befinden sich z. B. 
auf der größten Glocke im Südturm der Elisabethkirche in Marburg 
zwei Darstellungen, die von den Verfassern für die Datierung der Glocke 
verwendet werden, eine Kreuzigung und eine heilige Elisabeth mit 
einem Krüppel und einem Engel. Von dieser Glocke glaubte Bickell, 
daß sie schon bei der Einweihung 1283 gebraucht worden sei. Unser 
Werk hält dies auf Grund ikonographischer Beurteilung der beiden 

23* 



— 358 — 

Bilder und des Schriftcharakters nicht für möglich und gibt als Ent- 
stehungszeit ca. 1400 an. Soweit die Zeichnungen ein Urteil zulassen, 
scheinen mir die Bilder nicht gegen das Ende des 13. Jahrhunderts- 
zu sprechen. Dabei kommen aber stilkritische Erwägungen in Betracht, 
die nach Zeichnungen nicht mit Sicherheit zu geben sind. Hier und 
in anderen Fällen wären eben Abbildungen nach Abdrücken nötig, da 
ja die direkte Photographie nach dem Original meistens ausgeschlossen 
ist. Zu bedauern ist auch, daß die rätselhafte Inschrift der Lullus- 
glocke in Hersfeld nicht vollständig mitgeteilt ist. Die Übersetzungs- 
oder Deutungsversuche der Inschriften in unserm Buch wurden schon 
mehrfach ergänzt und verbessert durch L. Armbrust, Hessenland, XX, 
Nr. 22 vom 16. Nov. 1906. 

Marburg. Johannes Bauer, 

Willi Pessler. Das altsächsische Bauernhaus in seiner 
geographischen Verbreitung. Mit 171 Illustrationen im Text, 
6 Tafeln, 1 Original und 4 Karten. Braunschweig, Vieweg und Sohn 
1906. XVI und 260 SS. Mk. 10.00. 

Durch das vorliegende Buch wird die Landes- und Volkskunde 
unserer engeren Heimat wesentlich gefördert, denn das altsächsische 
Bauernhaus beherrscht im Norden des Kurfürstentums, in den Kreisen 
Hofgeismar und Wolfhagen, zahlreiche Städte und Dörfer. Folgende 
Orte aus diesen beiden Kreisen erscheinen in dem Register der geo- 
graphischen Namen des besonderen Teiles als solche, deren Bauweise 
mehr oder weniger von dem Verfasser behandelt worden ist : Arenbom, 
Balhom, Bründersen, Burghasungen, Burguffeln, Deisel, Dömberg, Ehlen, 
Ehringen, Ehrsten, Eiben, Fürstenwald, Gieselwerder, Gottsbüren, 
Grebenstein, Heisebeck, Heimarshausen, Hofgeismar, Hohenkirchen, 
Holzhausen, Hümme, Immenhausen, Istha, Kalden, Karlshafen, Lippolds- 
berg, Mariendorf, Martinhagen, Meimbressen, Naumburg, Niederelsungen, 
Niederlistingen, Niedermeiser, Oberlistingen, Obermeiser, ödelsheim, 
ölshausen. Stammen, Trendelburg, Udenhausen, Vaake, Veckerhagen, 
Vemawahlshausen, Viesebeck, Westuffeln, Wolfhagen und Zierenberg. 

Das Buch beruht auf gründlichen und vielseitigen Vorarbeiten. 
In umfassender Weise hat P. die bisherige Literatur über das Wesen 
und die Verbreitung des altsächsischen Bauernhauses, die allgemeine, 
wie die geographische, agrarische und technische Literatur, gesammelt 
und besprochen, vor allem aber hat er selbst eine große Entdeckungs- 
reise nach dem altsächsischen Bauernhaus unternommen. Er hat das 
gesamte ausgedehnte Forschungsgebiet von Nord nach Süd, von Ost 
nach West, zu Fuß und mit jeder Art Beförderungsmittel durchquert, 
um selbst zu beobachten. Siebzehn Einzelreisen, deren Gesamtdauer 
zwölf Monate betrug, haben den jugendlich eifrigen Verfasser auch mit 
zahlreichen Historikern, Geographen und Altertumsforschem in persönliche 
Berührung gebracht und seinem Unternehmen vielfältige Sympathien 
gewonnen. - 

Eine umfassende Abgrenzung des Bereichs des Sachsenhauses 
fehlte uns noch. Es galt seine Verbreitung und Eigenart unter Be- 
mcksichtung des Gemeinsamen und des Abweichenden festzustellen. 
Gegenstand der Forschung war das allbekannte vielbeschriebene und 
poetisch verklärte altehrwürdige Bauernhaus des westlichen Nieder- 
deutschlands, das als Langhaus, gleichsam als ein konzentriertes Gehöft, 
den Landmann, sein Vieh und seine ganze Habe unter einem mächtigen 
Dache vereinigt, das in dem urtümlichen, niedrigen Herde seinen 



— 359 — 

erwärmenden und belebenden Mittelpunkt hat und in seiner einheitlichen 
Geschlossenheit den Charakter seiner Bewohner trefflich wiederspiegelt. 

Ich übergehe den umfangreichen Literaturbericht des allgemeinen 
Teils, dessen Gebrauch durch ein Verzeichnis der Verfasser und ein 
Sachregister in dankenswerter Weise erleichtert ist. Zu Anfang des 
besonderen Teiles gibt P. eine genaue Beschreibung des altsächsischen 
Bauernhauses im Anschluß an das Haus des Halbhufners Klaus Heins 
zu Biüttendorf bei Zeven im Regierungsbezirk Stade. Für den im 
niederdeutschen Sprachgebiet wohnenden Hochdeutschen ist die platt- 
deutsche Bezeichnung der einzelnen Teile des Bauernhauses und deren 
Erklärung sehr lehiTeich. Ebenso anziehend wirken die eingestreuten 
Bemerkungen über die Beziehungen der Wohnung zur Bodenbeschaffen- 
heit und zur Eigenart des bewohnenden Volksstamms. 

Das eigentliche Schwergewicht des Buches liegt in der Fest- 
stellung der Grenzen des Sachsenhauses S. 135 — 240. Über das sächsische 
Stammland von Westfalen bis Schleswig-Holstein hinaus hat es auf dem 
Boden der sächsischen Kolonisation weite Gebiete von Mecklenburg, 
Brandenburg und Pommern erobert. Karten dienen zur Veranschau- 
lichung der Grenzzonen und auch das Verhältnis der Grenze des alt- 
sächsischen Bauernhauses zur niederdeutschen Sprachgrenze ist karto- 
graphisch dargestellt. 

Vorläufig zurückgestellt zu künftiger eingehender Behandlung 
wurden die Abarten des altsächsischen Hauses, die Verbreitung der 
Pferdeköpfe als Giebelzierden, die Verbreitung der plattdeutschen Be- 
zeichnungen für Teile des Sachsenhauses. 

Ein reicher Strom von Anregung wird, so hoffen wir, aus dem 
von warmer Liebe für den Gegenstand erfüllten, auch mit zahlreichen 
Abbildungen geschmückten Buche ausgehen. 

Hofgeismar. Gg. Wissemann. 

Fritz Hnfschmidt, Versuch einer Geschichte des oberen 
Warmetales, insbesondere der Stadt Zierenberg, der 
Dörfer Dörnberg (folgen noch 10 Ortsnamen). Mit einer Karte 
und mehreren Abbildungen. XII und 275 S. S. 8^ Wolfhagen, Wilhelm 
Borner 1905. 

Zu den Stadtgeschichten von Lichtenau, Neustadt, Melsungen, die 
wir in den letzten Jahren erhielten, hat sich die Geschichte Zierenbergs 
gesellt und darf, schon weil Zierenberg im niederdeutschen Sprach- 
gebiet liegt, neben den übrigen als besonders willkommen erscheinen. 
Unzweifelhaft gehört eine wissenschaftliche Stadtgeschichte heute zu 
den allerschwierigsten Aufgaben, weil ihr Verfasser zugleich Rechts- 
und Wirtschaftshistoriker, Philologe und Kunsthistoriker sein möchte. 
Der Verfasser dieses Buches, Kantor in Zierenberg, erklärt ausdrücklich, 
daß sein Buch weder einen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit noch 
auf die Anerkennung einer literarischen Leistung erhebe, sondern allein 
dem Volke dienen wolle, die Liebe zur Heimat pflegen und stärken 
möchte. Damit sollte die Kritik entwaffnet sein! Aber indem der 
Verfasser in Text und Anmerkungen zahlreiche Quellenstellen anführt, 
auch recht viel lateinische, gibt er der Kritik doch ein Recht, sich mit 
dem Buche zu beschäftigen. Gern erkenne ich H.'s Fleiß an, sein Be- 
streben sich aus alter und neuer Literatur auf den mannigfachsten Ge- 
bieten zu unterrichten, und femer unmittelbar aus den Quellen, ge- 
druckten und ungedruckten, seine Darstellung zu beleben. Ich bedaure 
aber, daß er nicht mit ein klein wenig mehr Aufwand von Genauigkeit 



— 360 — 

in der Anführang von Quellen und Literatur sein Buch zu einem ohne 
weiteres brauchbaren Beitrag für die Rechts- und Verfassungsgeschichte 
unseres Landes gestaltet hat. Es ist ganz zufällig, ob für eine Urkunde 
ein Druckort angegeben ist oder nicht, und wenn es geschieht, so ist 
das Zitat vielfach ungenügend, und wenn vollständig, leider recht oft 
falsch. Um nur zwei Beispiele anzuführen : Warum ist für die wichtige 
Urkunde Landgraf Heinrichs L vom 28. April 1298, aus der S. 89 
sieben Zeilen im Wortlaut angeführt werden, dort nicht der Druckort 
genannt? S. 93 werden andere fünf Zeilen aus derselben Urkunde 
angeführt mit dem Zitat : „Wenck Urkundenbuch 11", die Urkunde st^ht 
aber in Wencks hessischer Landesgeschichte 3 1', 171. — S. 137 wird 
für Auslassungen aus Zierenberger Zunftbriefen auf G. L. von Maurer, 
Gesch. der Städteverfassung III verwiesen — statt auf Bd. 2, 427 oder 
besser daneben auf die Quelle Maurers: U. F. Kopp, Bruchstücke zur 
Erläuterung der deutschen Geschichte und Rechte 1 (Cassel 1799) 
S. 188, eventuell mit der Bemerkung, daß dem Verfasser dies Buch 
nicht erreichbar sei. — Eine vollständige Anführung der Druckwerke, 
aus denen die Quellenstellen oder ganze Urkunden mitgeteilt werden, 
wäre um so erwünschter, damit deutlich sich die aus dem Marburger 
Staatsarchiv und aus dem Zierenberger Stadtarchiv stammenden Stücke 
abhöben. Man möchte sie in ein Verzeichnis zusammengestellt sehen. 
— Für die Aufhebung des Heiratszwangs durch Landgraf Wilhelm I. 
wird S. 141 die vollständige Urkunde vom 1. Okt. 1490 mitgeteilt, wahr- 
scheinlich aus dem Original des Stadtarchivs. Da wäre mit dem Hin- 
weis auf das gleichlautende Privileg für die benachbarte Stadt Wolf- 
hagen vom selben Tage, das dem Verfasser durch Lynker's Gesch. der 
St. Wolfhagen (Z. H. G. Suppl. 6, 90) in Ledderhose's kleinen Schriften 
5, 248 nachgewiesen werden konnte, und mit einer freien Heraushebung 
der wesentlichen Sätze den Lesern sehr viel mehr als mit dem voll- 
ständigen Abdnick des Privilegs gedient gewesen. Eine grundsätzliche 
Beachtung der neueren Stadtgeschichten, hessischer und nicht hessischer, 
möchte ich unsem Lokalhistorikeni, auch damit immer mehr die Vor- 
züge nachgeahmt, die Mängel vermieden werden, dringend empfehlen. 
Zum Schluß bleibe nicht unei-wähnt, daß der Verfasser auch über den 
gegenwärtigen Zustand der Stadt Zierenberg schätzbares Material mit- 
teilt. Für das Kapitel ,, geographische Lage" möchte ich hinweisen auf 
das große Werk des Geh. Baurats H. Keller, Weser und Ems, ihre 
Stromgebiete und ihre wichtigsten Nebenflüsse, eine hydrographische, 
wasserwirtschaftliche und wasserrechtliche Darstellung Bd. II (Quell- 
und Nebenflüsse der Weser, Berlin 1901) S. 142 u. 149, 516 f. — Für 
die Zierenberger Geistergeschichte von 1849 auf S: 65 f. ist manchem 
vielleicht ein Hinweis auf die niederdeutschen Erzählungen aus dem 
15. Jahrhundert in Frz. Pfeiffers Germania 9 (1864) S. 282 f. erwünscht. 
Dort wird Reineke's Geschichte aus der deutschen Bearbeitung von 
Hermann Korners Chronik wiedergegeben. 

Marburg. K. Wench, 

Urkundenbuch der Stadt Friedberg. Herausgegeben von G. 

Frhr. von der Ropp. 1. Bd. 1216—1410. Bearbeitet von M. 

Foltz. Marburg, Elwert, 1904. (Veröffentlichungen der histof. 

Kommiss. f. Hessen und Waldeck). XVIII, 698 S. S. 8« Preis Mk. 16.00. 

In dem vorliegenden ersten Bande der Urkundenbücher der 

wetterauischen Reichsstädte sind unter. 844 Nummern an 1200 Urkunden 

"ffentlicht. Schon diese Zahlen lassen erkennen, daß so manche 



— 361 — 

Stücke nur im Auszug, mit sachlich oder zeitlich zusammengehörigen 
Urkunden zusammengestellt, wiedergegeben wurden, ebenso auszugs- 
weise auch solche Stücke, die in neueren Urkundenbüchem gedruckt 
vorlagen oder eines vollständigen Abdruckes nicht würdig schienen, 
z. B. Privaturkunden oder solche, welche die Stadt Friedberg nicht 
näher angehen. Meines Erachtens hätte der Bearbeiter hie und da mit 
dem Kürzen noch etwas weiter gehen können. Ausgeschieden sind 
auf Beschluß des Vorstandes der Kommission „die auf Klöster und 
Stifter sowie auf die Burg Friedberg bezüglichen Urkunden, soweit 
diese nicht von Stadtbehörden ausgestellt oder für die bürgerlichen 
Verhältnisse von Bedeutung sind". Diese Ausscheidung der auf die Burg 
allein sich beziehenden Urkunden wird in einer Kritik von A. Werming- 
hoff (Historische Zeitschrift 97, 613 f.) getadelt. Dem gegenüber dürfen 
wir annehmen, daß es auch aus finanziellen Gründen erwünscht war, 
möglichst viele rein städtische Urkunden im ersten Band zu vereinigen 
und deshalb anderes Material wenigstens fürs erste bei Seite zu lassen. 
Wenn Werminghoff femer bedauert, daß der Bearbeiter zur Raum- 
ersparnis sachlich zusammengehörige Urkunden unter einer Nummer 
vereinigte auf Kosten der chronologischen Reihenfolge, so darf man 
feststellen, daß die Mängel dieser Anordnung doch durch das besondere 
Verzeichnis (S. 606 f.) in einer für alle praktischen Zwecke hinreichenden 
Weise beseitigt werden. Hie und da hat der Bearbeiter allerdings des 
Guten etwas zu viel getan. 

Treten wir dem Inhalt des Bandes näher, so erfreut vor allem 
die stattliche Reihe von Königs Urkunden. Von allen Herrschern 
seit Friedrich 11. bis auf Ruprecht von der Pfalz vermissen wir nur 
einige Gegenkönige, und diese ohne Schmerzen. Unter den Urkunden 
und Briefen Wenzels und Ruprechts befinden sich einige bisher ganz 
unbekannte Stücke. Zum ersten Male wird in einer Urkunde Friedrichs II. 
vom 26. Oktober 1216 die Burg Friedberg, drei Jahre später die Stadt- 
gemeinde ei*wähnt. Der Rats Verfassung begegnen wir zuerst im Jahre 
1285 ; entsprechend der wachsenden Selbständigkeit der Gemeinde treten 
Burggraf und Schultheiß mehr und mehr zurück. 1318 erscheint zuerst 
der Name des proconsul (Bürgermeisters), 1334 in der Mehrzahl. Das 
Interesse der äußeren Geschichte Friedbergs wird im Vergleich zu der- 
jenigen W^etzlars dadurch vermindert, daß keine größeren Dynasten in 
seiner Nachbarschaft wohnten, daß das mächtige Frankfurt und die 
oberrheinischen Städte (Mainz, Worms, Speyer) nicht allzufem waren, 
während Wetzlar vielfältig mit dem benachbarten Landgrafen von Hessen, 
den Grafen von Nassau und Solms in Streitigkeiten verwickelt erscheint. 
In Friedbergs Geschichte erscheinen die genannten Fürsten und Herren 
nur selten. Wohl wird die Stadt als Mitglied des großen rheinischen 
Bundes von 1254 und des gleichnamigen Bundes von 1382 und mancher 
Landfriedensbündnisse genannt, eine bedeutende Rolle hat sie aber 
darin nicht gespielt, ja sie kam in Gefahr zur Landstadt kleiner Dynasten 
zu werden. 

Als nämlich nach dem Tode Ludwigs des Baiem (f 1347) die 
wittelsbachische Partei wider Karl IV. in Günther von Schwarzburg 
einen Gegenkönig aufstellte, trat Friedberg, dessen Unabhängigkeit 
Karl vorher durch Verpfändung an Kraft von Hohenlohe bedroht hatte, 
auf die Seite dieses Gegenkönigs, mußte aber, als Karl Günther zum 
Verzicht auf sein Königtum bewog, die Unkosten dieses Ausgleichs in 
neuer Verpfändung bezahlen. Jetzt empfingen neben dem bald darauf 
gestorbenen Günther die Grafen von Hohenstein die Stadt als Pfand, 



— 362 — 

und mindestens durch den ganzen Zeitraum, welchen das Urkundenbuch 
beherrscht ( — 1410), befindet sich die Stadt in einem unklaren Ver- 
hältnis, das auch die Forschung unserer Tage vielleicht nie völlig lösen 
wird (vergl. Werminghoff, a. a. 0. 616 f.). Ist sie unmittelbar unter dem 
Reichsoberhaupt Herrin ihrer Geschicke, oder muß sie jene thüringischen 
Dynasten als Herren anerkennen? 

Sehr lebhaft sind die Beziehungen der Stadt zur Burg, und zwar 
oft durch kleinliche Streitigkeiten getrübt. Immer wieder und wieder 
müssen der König oder benachbarte Fürsten oder Herren als Schieds- 
richter zwischen der Stadtgemeinde und der Burg vermitteln; stets 
erscheint infolge von Gewalttätigkeiten der Burgmannen oder von Über- 
griffen der Stadtgemeinde der Friede bald wieder gestört und neue 
Sühne erforderlich. Die Aufrollung dieser unaufhörlichen Kette im 
einzelnen an dieser Stelle ist unmöglich. Auch auf die Geschicke der 
Pfarrkirche, für welche der Band so manches Material bietet, soll hier 
nicht näher eingegangen werden. Hingewiesen sei auf die zahlreichen 
Privaturkunden. Wertvolles Material für die Einnahmen und Ausgaben 
der Stadt aus den Jahren 1361 bis 1868 bietet der von v. d. Kopp be- 
arbeitete Anhang, von dessen Hand auch die Zusätze und Berichtigungen 
(S. 603 — 605) stammen. Ein zuverlässig bearbeitetes Personen- und 
Ortsregister von Dr. W. Dersch und ein Wort- und Sachregister von 
Dr. M. Foltz beschließen den Band. ^) 

Marburg. Ernst Wiese. 

Die Bildnisse Philipps des Großmütigen. Festschrift zur 
Feier seines 400. Geburtstags (13. Nov. 1904). Bearb. von Alhard 
von Drach und Gustav Könnecke. Mit 150 Abbildungen im 
Texte, Titelbild und 26 Tafeln. Herausg. von der Histor. Kommiss. 
f. Hessen und Wal deck mit Unterstützung des Bezirksverb, des Re- 
gierungsbez. Kassel. Marburg, Elwert, 1905. groß Imperial-Folio. 
103 Seiten Text. Geb. in Leinwand Mk. 20.00. 

Im Jahre 1520 schrieb Dürer an den ihm befreundeten Spalatin 
nach Wittenberg: „Und hilft mir Gott, daß ich zu Doctor Martinus Luther 
kumm, so will ich ihn mit Fleiß kunterfetten und in Kupfer stechen, 
zu einer langen Gedächtnus des christlichen Mannes, der mir aus 
großen Ängsten geholfen hat". Ein tief beklagenswertes Geschick hat 
es gefügt, daß Dürer nicht zur Ausführung dieses Vorhabens gekonmien 
ist. Das deutsche Volk ist dadurch um sein bestes Lutherbildnis, um 
das Lutherbildnis gebracht worden. Denn was der Erzphilister Lucas 
Cranach uns an Lutherbildem hinterlassen hat, bleibt an der Außen- 
seite der Erscheinung haften, stellt allenfalls „das sanft lebende Fleisch 
zu Wittenberg" dar, aber nicht den geistesmächtigen Helden, der eine 
Welt aus den Angeln hob. Alle Versuche neuerer Künstler vermögen 
diese Lücke nicht mehr auszufüllen. Dürer war der einzige unter den 



^) Wer sich mit Friedbergs Geschichte näher bekannt machen 
möchte, den verweise ich hiermit auf: Seidenberger, Heitmatkunde von 
Friedberg und der Wetterau und ihre Verwertung im Geschichtsunter- 
richt. Beilage zum Jahresbericht der großherzoglichen Augustinerschule. 
Friedberg i. H. Ostern 1905, 103 S. 8®. Im Buchhandel erschienen 
unter dem Titel : Friedberg und die Wetterau im Rahmen der deutschen 
Reichsgeschichte. Für Haus und Schule. 108 S. 8** Leipzig. Dyck, 
Preis Mk. 1.60. Der Verfasser hat bereits das Friedberger Urkunden- 
buch benutzt. 



— 363 — 

damaligen deutschen Künstlern, der zu einer vollwertigen künstlerischen 
Erfassung der Persönlichkeit Luthers befähigt war. Was hat er aus 
dem Kopfe des an und für sich nicht sonderlich bedeutenden Nürn- 
berger Patriziers Hieronymus Holzschuher zu machen gewußt — ein 
Prophet und ein Held zugleich ! Und sein kleines in Kupfer gestochenes 
Profilbildnis Melanchthons aus dem Jahre 1526 stellt alle anderen Dar- 
stellungen des Praeceptor Germaniae weit in den Schatten. 

Das gleiche ungünstige Schicksal scheint über den Darstellungen 
des tapferen weltlichen Vorkämpfers der Reformation, des Landgrafen 
Philipp des Großmütigen von Hessen, zu walten. Unsere Zeit, in ihrem 
lebhaften Drange nach geschichtlicher Gerechtigkeit, zieht so gern neben 
den literarischen Quellen die Porträts großer Männer heran, um aus 
ihren Gesichtszügen zu lesen was die Quellen verschweigen, und um 
den geheimen Gängen ihres Innenlebens auf die Spur zu kommen. Wie 
würde sie es zu schätzen wissen, wenn wir von dem genialen, groß- 
zügigen und dabei in vielen Dingen so schwer zu verstehenden Philipp 
ein Bildnis aus der Hand eines Zeitgenossen besäßen, der ihn „ver- 
standen" hat. Mit bewundernswertem Eifer haben Drach und Könnecke 
anläßlich der vierhundertsten Wiederkehr des Geburtstages dieses volks- 
tümlichsten Fürsten der Reformationszeit die Galerien und Schlösser, 
Kupferstichkabinette, Bibliotheken und Münzsammlungen durchforscht 
und ein staunenerregendes Material an Bildnissen Philipps aus alter 
und neuer Zeit zusammengebracht, ein rühmendes Denkmal deutschen 
Gelehrtenfleißes und deutscher Gründlichkeit. Ölgemälde und Holz- 
schnitte, Kupferstiche und Lithographien, Münzen und Medaillen, Re- 
liefs, Büsten und Statuen, Medaillons und Plaketten, ja selbst Buch- 
deckel und Kanonenrohre haben sie in den Kreis ihrer Untersuchung 
gezogen und in mustergültiger Wiedergabe zur selbständigen Prüfung 
vor dem Leser ausgebreitet. Eine Unmenge geschichtlichen Materiales 
und wertvoller Einzeluntersuchungen liegt in dem ausführlichen Be- 
gleittexte des großen Bilderwerkes aufgespeichert. Bis in die fernsten 
Verstecke sind die beiden Verfasser unermüdet den Philippsbildem nach- 
gegangen und haben den überreichen Stoff so klar und übersichtlich 
geordnet, daß das geschichtliche, kultur- und kunstgeschichtliche Wissen 
nach den verschiedensten Richtungen hin bedeutende und bleibende 
Bereicherung dadurch erfährt. Aber fragen wir, wie weit diese hin- 
gebende F'orscherarbeit durch Auffindung guter zeitgenössischer Porträts 
Philipps belohnt worden ist, so lautet die Antwort einigermaßen weh- 
mütig. 

Nur einmal in seinem Leben scheint Philipp einem Bildnismaler 
von Gottes Gnaden gesessen zu haben. Das war im Jahre 1548 in 
oder bei Augsburg, als Karl V. den großen Tizian kommen ließ, um 
sich und viele bedeutende Zeitgenossen, darunter auch seine beiden 
Gefangenen, den Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen und den 
Landgrafen Philipp von Hessen, von ihm malen zu lassen. Selbst wenn 
die Persönlichkeit des gefangenen nordischen Ketzers den Venezianer 
nicht sonderlich interessiert haben sollte, — ein Bildnis, mit dem psy- 
chologisch mehr anzufangen wäre, als mit allen andern bekannt ge- 
wordenen Philippsbildern, muß es doch gewesen sein. Das beweist das 
Gegenstück, das große Kniebild Johann Friedrichs, das sich im Magazin 
des Prado-Museums zu Madrid erhalten hat, das beweist auch die Tat- 
sache, daß der große Rubens später das Philippsbild für sich zu ko- 
pieren für wert fand. Aber nicht nur das Tizian'sche Gemälde ist — 
wahrscheinlich schon im Jahre 1734 bei einem Brande — zu Grunde 



— 364 — 

gegangen, sondern auch die Rubens'sche Kopie. Wenigstens bleibt 
auch diese verschollen. 

Wohl ist es den Verfassern gelungen, mit großem Scharfsinn 
eine Anzahl Ableitungen und Nachbildungen, die sich mehr oder we- 
niger an das Tizianbild anlehnen, herauszufinden. Aber keines davon 
vermag auch nur entfernt einen Ersatz für das verlorene Original zu 
bieten. 

Von allen möglichen wenig oder gar nicht bekannten italienischen 
Duodezfürsten, Condottieri und Nobili haben sich meisterhafte Porträts 
von Tizians Hand erhalten, — das unersetzliche Philippsbild nicht! 

Mit Holbein, dem großen Herzenskündiger um die Mitte des 
16. Jahrhunderts, ist Philipp nicht zusammengeführt worden, und Dürer 
starb schon 1528, als Philipp erst 24 Jahre alt war. So blieb wieder 
nur der langweilige Lucas Cranach übrig. Der hat den Land- 
grafen wiederholt porträtiert und mit der ihm eigenen geschäftsmäßigen 
Betriebsamkeit das Konterfei auch in fliegenden Blättern in die Lande 
ausgehen lassen. Mit Darstellungen dieses populären Fürsten, der durch 
sein tragisches Geschick nur noch mehr das allgemeine Interesse er- 
regte, war „ein Geschäft zu machen". Sorgfältig und umsichtig haben 
die Verfasser die direkt oder indirekt auf Cranach zurückgehenden Ge- 
mälde, Kupferstiche und Holzschnitte gesichtet und gegliedert, ganze 
Stammbäume für einzelne Philippstypen aufgestellt und unsere Kenntnis 
über das Bilderwesen und die Bilderfabrikation der Zeit in der dankens- 
wertesten Weise bereichert. Aber nicht einmal die Originale von Cra- 
nachs Hand, — es sind ihrer eine ganze Reihe gewesen — , hat uns 
das Schicksal gegönnt. Auch hier sind wir nur auf Wiederholungen 
und Ableitungen, zum Teil von sehr geringer Hand und in sehr schlechtem 
Erhaltungszustande, angewiesen. Eine Ausnahme davon macht allen- 
falls das Porträt des Monogrammisten 1. S. in der Galerie zu Gotha, 
das nahe Beziehungen zu Cranachs Werkstatt verrät. Es gehört zu 
den glücklichsten Funden der an kunstgeschichtlichen Ergebnissen auch 
sonst recht reichen Arbeit, daß es den Verfassern gelungen ist, diesen 
Monogrammisten, der schon auf der Erfurter Ausstellung des Jahres 
1903 Aufsehen erregte, urkundlich als den Meister Johannes Stetter 
aus Frankfurt und als einen geschätzten Bildnismaler der Zeit, zu er- 
weisen. Freilich dem sanguinischen, überlegenen Wesen Philipps wird 
diese Darstellung eines kraftlosen melancholischen Betbruders in keiner 
Weise gerecht, so sorgfältig sie auch im einzelnen gemalt ist. 

Das einzige einigermaßen erträgliche Porträt Philipps von der 
Hand eines Zeitgenossen ist das Ölgemälde im Rathause zu 
Kassel, angefertigt im Jahre 1570, also drei Jahre nach Philipps Tode, 
von dem hessischen Hofmaler Michael Müller. Mit gutem Rechte 
haben die Verfasser dieses Bildnis in einem vorzüglichen großen Licht- 
drucke als Titelbild ihrem schönen Werke vorgesetzt. 

Der äußere Habitus Philipps an der Schwelle des Alters ist hier 
gewiß mit all der Treue wiedergegeben, die wir bei einem Hofmaler, 
der lange Jahre in persönlichem Verkehre mit dem Dargestellten ge* 
standen und ihn oftmals gemalt hat, voraussetzen dürfen. Die ver- 
traute Kenntnis der Züge gibt diesem Bildnisse urkundlichen Wert. 
Aber nur für das Äußerliche. Von Philipps Geist und innerstem Wesen 
vermochte der brave Michael Müller uns wenig zu künden. Gleiches 
kann nur von Gleichem erfaßt werden. Gerade das was Müller nur 
anzudeuten vermag, läßt ahnen, wieviel uns dadurch verloren gegangen 
ist, daß kein congenialer Künstler diesen Charakterkopf nachgebildet 



— 365 — 

hat. Die Ähnlichkeit eines Porträts allein tuts freilich nicht. Bismarck, 
Moltke, Kaiser Wilhelm I., Döllinger, Leo X. werden durch die Bild- 
nisse von Lenbachs Hand in ihrem Wesen der Nachwelt unmittelbar 
lebendig- bleiben, nicht weil diese Bildnisse besonders „ähnlich" sind, 
sondern weil sie den geistigen Kern des Dargestellten erfaßt, das 
Bleibende aus der zufälligen Form der Erscheinung herausgeschält haben. 
Die Arbeit Drachs und Könneckes gibt eine Fülle von Anregungen, 
die angeknüpften Fäden nach den verschiedensten Richtungen hin 
weiter zu verfolgen. Wenn doch dabei noch irgend ein voll be- 
friedigendes Bildnis Philipps aufgefunden würde ! Eines, das den jugend- 
lichen Sieger von Lauffen, den begeisterten, unerschrockenen Wort- 
führer auf den Reichstagen zu Speyer und Augsburg, den tatendurstigen 
Feldherm des schmalkaldischen Bundes darstellte, so wie er in der Er- 
innerung des evangelischen Volkes nachlebt, nicht den durch lange 
Gefangenschaft innerlich gebrochenen, durch seine Leibesfülle zum 
Phlegma venirteilten Greis, der die Kriegsrüstung längst abgelegt hati 
Das Problematische in der Natur Philipps muß sich gerade in jüngeren 
Jahren deutlich auf seinen Zügen ausgeprägt haben. Beim Durchblättern 
des umfangreichen Bilderwerkes überfällt den Betrachter geradezu ein 
Gefühl der Trauer, wie äußerlich und oberflächlich die Porträtisten 
des IG. und der folgenden Jahrhunderte sich mit diesem Kopfe ab- 
gefunden haben. Daß die gegenwärtig in Geschichtsbüchern etc. um- 
laufenden Philippsbilder zum großen Teile aus recht trüben Quellen 
abgeleitet sind, sei nur nebenbei erwähnt. Dieses Schicksal teilt Philipp 
mit vielen anderen bedeutenden Persönlichkeiten der Weltgeschichte. 
Aber schon Dieses festgestellt und nun durch Darbietung besseren 
Materiales hier Wandel geschafft zu haben, ist ein großes Verdienst 
des sorgfältigen Philippsbuches. Dabei ist es höchst interessant zu be- 
obachten, wie die einzelnen Perioden sozusagen unbewußt gefälscht 
haben. Jede hat anderes aus den alten Vorlagen herausgelesen und 
das geschichtliche Ideal, das ihr von einer ritterlichen Persönlichkeit 
der Reformationszeit vorschwebte, verbunden mit dem Schönheitsideal 
der eigenen Zeit in allerliebster Weise in die Wiedergabe der Philipps- 
bilder hineinprojiziert, sodaß sich die geschichtliche und Gefühls- 
stimmung der einzelnen Epochen überraschend daraus ablesen und be- 
urteilen läßt. Objektives Sehen, wie wir es im Zeitalter der Photographie 
gelernt haben, kannte man bis etwa 1860 noch nicht. Und auch jetzt 
noch steht der Zeichner unter dem Banne gewisser Schönheitslinien, 
wenn er kopiert. Nach dieser Richtung ist eine vergleichende Be- 
trachtung der einzelnen Bilderstammbäume, welche die Verfasser über- 
sichtlich vom 16. Jahrhundert bis auf die Gegenwart zusammengestellt 
haben, höchst lehrreich und unterhaltsam. 

Hiermit sollen nur einige der mannigfaltigen Anregungen an- 
gedeutet sein, welche sich aus dem inhaltreichen Prachtwerke ergeben. 
Die Forschung kann für diese musterhaft durchgearbeitete Festgabe 
nur von Herzen dankbar sein. Freilich ist das Format recht unhandlich. 
Es kostet Überwindung, den mächtigen Band aus dem Mappengestell 
oder wo er sonst untergebracht wird, hervorzuziehen, — in einem Bücher- 
brette findet er überhaupt keinen Platz. Aber dieses Maß ergab sich 
mit Notwendigkeit aus der Wiedergabe großer Flugblätter und Tafel- 
bilder. Verkleinerungen wirken da immer bedauerlich und erschweren 
die künstlerische Wertung. Landgraf Philipp hat es schon um uns 
verdient, daß man sich seinetwegen eine kleine Mühe auferlegt. 
Jena im Januar 1907, Prof, Dr. Faul Weber, 



— 366 — 

Julius Friedrich, Dr. jur., Landrichter in Gießen, Die Entstehung 
der Reformatio ecclesiarum Hassiae von 1526. Eine 
kirchenrechtliche Studie. Gießen, Alfred Töpelmann, 1905, 128 S. 
8^ 2,80 Mk. 
Walther Köhler, Die Entstehung der Reformatio ecclesia- 
rum Hassiae von 1526. Eine kritische Auseinandersetzung mit 
J. Friedrich. Zeitschrift für Kirchenrecht 3. F. Bd. 16 (1906) S. 199—232. 
Den wenigen Quellen zur Geschichte der sogenannten Homberger 
Synode (Lauze, Lambert von Avignon, Nikolaus Ferber) steht eine 
umfangreiche Literatur gegenüber, die sich mehr oder weniger auch 
mit der Entstehung, dem Verfasser und der Abfassungszeit der „Re- 
formatio ecclesiarum Hassiae" befaßt. Nachdem die Handschrift dieser 
ersten hessischen Kirchenordnung, die Fr. Chr. Schmincke im Jahre 
1748 im zweiten Teil seiner Monimenta Hassiaca (S. 588 — 656) ver- 
öffentlicht hat, verschollen ist, bewahrt nur noch das Haus- und Staats- 
archiv in Darmstadt eine 1629 vom Kanzler Nikolaus Vigelius angefertigte 
Abschrift, die K. A. Credner 1852 mit einem unfangreichen Vorwort 
herausgegeben und übersetzt hat. Eine neue Ausgabe bringt jetzt 
Julius Friedrich, die „in erster Linie die fortgesetzte Kontrolle 
der Beweisführung" bei der Frage nach dem Verfasser und der Ent- 
stehung der „Reformatio" ermöglichen soll. 

Im ersten Kapitel seiner Ausführungen behandelt Friedrich unter 
Anlehnung an die bekannten Arbeiten von Friedensburg und Küch den 
„religiösen und kirchenpolitischen Entwicklungsgang" des Landgrafen 
Philipp in den Jahren 1521 bis 1526. Philipps aristokratischer Charakter 
und ausgeprägte Stellung als Landesherr steht dem Verfasser im Wider- 
spruch zu der „rein demokratischen Kirchenregierung der Reformatio" 
(S. 28). Zur Lösung dieses Rätsels wirft Fr. die „Vorfrage" auf: Läßt 
sich die Reformatio in einen „philippinisch-lutherischen" und einen 
fremden (Franz Lambert von Avignon) Bestandteil zerlegen ? Auf grund 
zahlreicher Einzelbeobachtungen glaubt er nun in den Kapiteln 1 — 3, 
5 — 11, 13, 14, 16—19, 21 und 34 sächsisch-lutherische und philippinische 
Anschauungen feststellen zu können, während er die Einleitung und 
die übrigen Kapitel der Reformatio Lambert zuweist (S. 30 — 65) und 
als dritten Bestandteil einen Anhang sozial- und schulpolitischen Inhalts 
herausschält (Kap. 12 und 27—33). Wann und wie diese drei Bestand- 
teile zu einem Ganzen vereinigt worden sind, behandelt Fr. im letzten 
Abschnitt seiner Arbeit (S. 66—78). Er nimmt an, daß ein „die Grund- 
prinzipien für die vorzunehmende Reformation in Hessen enthaltender 
Vorentwurf" (Reformationsprogramm), von Philipp oder seinen Räten 
verfaßt, der Synode vorgelegt worden sei, und daß dieser Vorentwurf 
mit dem oben erwähnten philippinisch-lutherischen Bestandteil über- 
einstimme (S. 66 und 67). Zu beachten ist, daß der Vorentwurf die 
im Kap. 15 ff. enthaltenen Verfassungsbestimmungen noch nicht ent- 
halten hat. Diese fanden erst Aufnahme durch Lambert, der den Vor- 
entwurf umarbeitete. Die Lambert'sche Fassung wurde von der Synode 
angenommen, später aber, nachdem Luther sich dagegen ausgesprochen 
hatte, nochmals von Philipp oder seinen Räten redigiert und durch 
Anfügung des dritten Bestandteils zur Reformatio ausgestaltet, wie sie 
uns heute vorliegt: „eine Privatarbeit Lamberts, modifiziert durch Zu- 
sätze Philipps oder seiner Räte" (S. 76). 

Gegen Friedrichs Beweisführung hat sich jüngst Walther 
Köhler eingehend in der oben an zweiter Stelle genannten Abhandlung 
gewandt, indem er eine Reihe der von Fr. für das Vorhandensein von 



— 367 — 

drei Bestandteilen vorgebrachten Gründe als Folge einer gesuchten und 
irrigen Auslegung des Wortlautes der Reformatio ansieht. Mit Recht 
weist K. darauf hin, daß der Beweis für das in den Verfassungs- 
bestimmungen (Kap. 15 ff.) enthaltene „franziskanische Verfassungsideal" 
aus den übrigen Schriften Lamberts noch zu erbringen sei, und daß 
auch diese Kapitel in Lutherischen Verfassungsformen ihr Vorbild fänden 
(S. 210 — 223). Überhaupt muß eine Beurteilung der damaligen tat- 
sächlichen Verhältnisse nach den streng kirchenrechtlichen, sich erst 
entwickelnden Gesetzen ein falsches Bild geben. Gewichtige Bedenken 
weiß K. auch gegen die Annahme eines Vorentwurfs und dessen um- 
ständliche Verwandlungen bis zur Form der Reformatio (frühstens Ende 
1526, S. 78) beizubringen. Wenn er sich aber über die merkwürdige 
Schreibweise des Vigelius (tivinus, synotus, eotem tie, rettere u. s. f.) 
wundert und darin eine sprachliche Eigentümlichkeit des 17. Jahr- 
hunderts (S. 225) erblickt, so beruht das auf einem bedauerlichen 
palaeographischen Irrtum. Fr. hat durchweg die bekannten, mit einem 
Anstrich von der Grundlinie aus versehenen d als t gelesen und somit 
einen ungenießbaren Text geschaffen, der obendrein dadurch, daß die 
Abkürzungen teils aufgelöst werden, teils als solche stehen bleiben 
(oibus, Dno, ee) sehr ungleichartig wird. 

K. bestreitet das Vorhandensein eines Vorentwurfs, den Fr. aus 
einer Relation des Vigelius urkundlich festlegen will (S. 67. 68), und 
hält die Vorlage des Vigelius für „ein getreues Exemplar der Reformatio", 
das dieser bewußt und willkürlich geändert hat (S. 231), sieht aber in 
der Reformatio selbst ein einheitliches Werk, an dem Lambert her- 
vorragend beteiligt ist. Daß dieses erst nach der Hornberger Ver- 
sammlung durch den ernannten Ausschuß zu stände gekommen ist, 
hält K. für möglich (S. 232) und wird geradezu wahrscheinlich, wenn 
man die geschichtliche Entwicklung, wie sie Küch klargelegt hat (N. F. 
dieser Zeitschrift 28 S. 217 ff.), genügend beachtet. 

In erster Linie ist zu berücksichtigen, daß die Haltung Philipps 
seit dem Speyrer Reichstag und namentlich auch auf der Homberger 
Versammlung durchaus neutral war. Der Landgraf hatte Franz Lambert 
von Avignon mit der Abfassung der Thesen beauftragt, über die in 
Homberg verhandelt wurde, nachdem er außerdem die Wittenberger 
Reformatoren und den Kurfürsten von Sachsen um Rat gefragt hatte. 
Es ist nicht anzunehmen, daß in Homberg mehr als die Lambert'schen 
Leitsätze vorgelegen habe oder gar ein von Philipp oder seinen Räten 
verfaßter Vorentwurf. Die neutrale und vorsichtige Haltung Philipps 
berechtigt nicht zu der von Friedrich aufgeworfenen Frage nach einem 
„philippinisch-lutherischen" Bestandteil der Reformatio. Urkundlich 
steht fest, daß den Teilnehmern der Homberger Synode vor Schluß der 
Verhandlungen eine Kirchenordnung versprochen (vgl. N. F. 28 S. 223 
Anm. 1) und daß ein Ausschuß bestimmt worden war, der diese „Summa 
der christlichen Lehre" (Lauze S. 138) bearbeiten sollte. Dem Aus- 
schuß haben wohl angehört Lambert, Adam Kraft, Johannes Campis 
u. a. hessische Theologen, die in angestrengter Arbeit bis Mitte Dezember 
den „Haufen Gesetze" (Luther) fertigstellten. Da die Arbeit erst Ende 
Dezember an Luther zur Begutachtung geschickt wurde, ist es un- 
wahrscheinlich, daß sie viel früher abgeschlossen war. Sicherlich haben 
die Mitglieder des Ausschusses auf die Gestaltung des Textes der 
Reformatio Einfluß ausgeübt, aber aach hier handelt es sich nicht um 
„philippinische" Anschauungen, sondern um lambertsche und allgemein- 
hessische, die durch sächsisthe Vorbilder beeinflußt sind. Der Haupt- 



— 368 — 

anteil an dem Zustandekommen der Reformatio gebührt ohne Zweifel 
Franz Lambert von Avignon (vgl. auch Varrentrapp in seiner Festrede, 
Lg. Philipp V. H. und die Universität Marburg, 1904, S. 12 und 39). 
Marburg. Wilhelm Bersch. 

Dr. Franz Fischer, Die Reformationsversuche des Bischofs 
Franz von Wal deck im Fürstbistum Münster. (Beiträge 
für die Geschichte Niedersachsens und Westfalens, 1. Jahrg. 6. Heft) 
Hildesheim, A. Lax 1907. 176 SS. Mk. 3.00. 

Ein trefflicher Beitrag zur Geschichte der Reformation in Nord- 
deutschland. Die Benutzung eines reichen bisher unbeachteten Materials 
(des Marburger Staatsarchivs, nachgewiesen durch Küchs Inventar), ein 
bei einer Erstlingsschrift überraschend reifes Urteil und eine klare an- 
ziehende Darstellung machen ihren Wert aus. F. erörtert die Be- 
mühungen des Münsterer Bischofs Franz von Waldeck (1532—53), d,er 
zugleich Bischof von Minden und Osnabrück war, die neue ihm in 
seiner Heimat nahegetretene evangelische Glaubenslehre in seinen Stif- 
tern zur herrschenden zu machen — trotz des Widerstandes von Dom- 
kapitel und Kitterschaft im Bistum Münster. Das Schwergewicht der 
Arbeit liegt in den Jahren 1538—46 und in den Beziehungen des 
Bischofs zu Landgraf Philipp von Hessen, der als Evangelischer das 
allergrößte Interesse an der Frage hatte, daß in jenen drei nachbar- 
lichen Stiftern das Evangelium durchdrang, aber durch die politische 
Berechnung, bei einer Verwandlung der drei Stifter in ein weltliches 
Erbfürstentum werde an den Grenzen Hessens ein neues großes welt- 
liches Fürstentum entstehen, sich abhalten ließ, die Absichten Franzens 
rückhaltlos zu unterstützen, ja vielmehr für die hessische Hausmacht 
sorgen wollte, indem er einen seiner Söhne zur Koadjutorie empfahl. 
Neben der Meinungsverschiedenheit über das Endziel hemmte auf evan- 
gelischer Seite die Tatenscheu des Schmalkaldischen Bundes, besonders 
der norddeutschen Reichsstädte, die das Übergewicht der fürstlichen 
Genossen im Bunde fürchteten. Bei den katholischen Ständen Münsters 
spielte die Rücksicht auf die Erhaltung der ständischen Macht gegen- 
über dem Landesherm die erste Rolle. Gerade dafür, wie sich die 
kirchlichen und politischen Interessen und Gegensätze im Reich und in 
den Territorien durchdringen und kreuzen, liefern die in dieser Schrift 
dargestellten Vorgänge ein Musterbeispiel. Das Urteil über Bischof 
Franz, der trotz aller Mißerfolge bei den Schmalkaldenem in seinen 
Absichten nicht erlahmte und erst (1548) die kirchlichen Neuerungen 
widerrief, als ihm auch das Haus Waldeck keinen Rückhalt für sein 
ferneres Leben bot, stellt sich wesentlich günstiger als früher. 

Marburg. K. Wench. 

-Walther Wolfgang Zschau, Quellen und Vorbilder in den „Lehr- 
reichen Schriften" Johann Balthasar Schupps. Hallische 
Dissertation. 1906. 110 SS. 8<>. 

Der Verfasser weist völlig überzeugend nach, daß Schupp von 
Valentin Andreae und andern deutschen Satirikern, wie z. B. von Rollen- 
hagen, abhängig ist, und daß er seine Ideen über Kirche, Schule und 
Staat in der Hauptsache von Bacon übernommen hat. Merkwürdiger 
Weise geht er nicht ein auf das Verhältnis Schupps zu den Holländern, 
vor allem zu dem Prof. der Beredsamkeit Boxhom; er erwähnt nur 
Caspar Barläus als Schupps Vorbild (S. 40) und behandelt diese Holländer 
unter den deutschen Vorbildern. 

Marburg. Joh, Lühmann, 



— 369 — 

Der Versuch zum Entsätze Landaus und die Schlacht 
am Speyerbach, bei Speyer, Dudenhofen oder Hei- 
|igenstein, am 15. Nov. 1703. Nach bisher unbenutzten Quellen 
von F. V. Apell, Generalmajor z. D. Mit einem Plan. Marburg, 
Eiwert, 1906. 111 S. 8^ Mk. 2.00. 

Trotzdem der unglückliche Tag von Speyerbach wie kein anderer 
aus der hessischen Kriegsgeschichte sich im Gedächtnis des Volkes er- 
halten hat, so hat es doch bis zum Erscheinen der vorliegenden Schrift an 
einer eingehenden gründlichen Darstellung seiner Ereignisse von hes- 
sischer Seite gefehlt. Was Ditfurth in den „Erzählungen aus der 
hessischen Kriegsgeschichte" über die Schlacht berichtete, beruhte zum 
großen Teil auf legendenhaftem Material und konnte nur als eine gut- 
gemeinte patriotische Erzählung gelten. Anspruchsvoller traten neuer- 
dings die österreichischen Verfasser der „Feldzüge des Prinzen Eugen" auf, 
ohne jedoch bei dem Mangel an Quellen mehr als eine schwung- und phan- 
tasievolle Darstellung des Herganges liefern zu können. Weit sachgemäßer 
verfuhr der Gymnasiallehrer A. Kennel, der in dem Speyrer Gymnasialpro- 
gramm für 1894/95 nach bayrischen und niederländischen Akten namentlich 
die Vorgeschichte der Schlacht einer gründlichen und fruchtbaren Unter- 
suchung unterwarf. Generalmajor v. Apell, dessen vorliegende Schrift 
eine Vorarbeit zu seinem geplanten größeren Werke über den Land- 
grafen Karl und seine Truppen im Spanischen Erbfolgekrieg ist, hat 
nun auch das bisher noch nicht benutzte Material der Berliner, Nürn- 
berger, Meininger, Frankfurter, Stuttgarter und Karlsruher Archive unter- 
sucht und verwertet und damit eine Grundlage für eine neue, von den 
bisherigen nicht unwesentlich abweichende Darstellung des mißglückten 
Entsatzversuchs der Festung Landau im J. 1703 gewonnen. (In Mar- 
burg war über die Schlacht von Speyerbach so gut wie nichts vor- 
handen und die hannoverischen Militärakten aus dem spanischen Erb- 
folgekrieg waren nicht aufzufinden, was den Verfasser zu einer wohl 
nicht unberechtigten Klage über die teilweise Verzettelung von Archi- 
valien der annektierten Länder durch Abgabe an Berliner Archive ver- 
anlaßt hat.) Der erste Gedanke, den Erbprinzen Friedrich von den 
Niederlanden aus eine Diversion an der Mosel machen zu lassen, um 
dadurch die ungünstige Kriegslage am Oberrhein zu verbessern, ging 
von dem Landgrafen Karl aus, nicht von dem Markgrafen von Baden, 
wie in den „Feldzügen des Prinzen Eugen" behauptet wird, gegen deren 
den Hessen wenig günstige Darstellung A. mehrfach Stellung nimmt. 
Leider zögerten die im Dienste der Generalstaaten stehenden Braun- 
schweigischen Truppen aus Eifersucht, sich an der Aktion zum Ent- 
sätze Landaus zu beteiligen unter dem Vorwande, daß kein Spezial- 
befehl ihrer Fürsten die Mosel zu überschreiten vorläge. Das Aus- 
bleiben dieses nicht unbeträchtlichen Kontingentes (10 Bataillone und 
14 Eskadrons) trug nicht wenig zu dem unglücklichen Ausgange des 
Zuges bei. Auch die Mißhelligkeiten, die nach der Vereinigung des 
Erbprinzen Friedrich mit dem Corps des Grafen von Nassau-Weilburg 
zwischen beiden Generalen über die Abgrenzung ihrer Befehlsbefugnisse 
entstanden, mußten die Aktionstätigkeit der Corps schwächen. Dagegen 
weist A. den auch von österreichischer Seite erhobenen Vorwurf zurück, 
daß die Feier des kaiserlichen Namenstages am 15. November Schuld 
daran gewesen sei, daß die Verbündeten durch die von Landau aus 
anrückenden Franzosen überrumpelt wurden. Die Hauptursache des 
gelungenen Überfalls war vielmehr die ungenügende Rekognoszierung 
durch den kurpfälzischen Obersten v. Franckenberg, der die gewonnene 



— 370 — 

Fühlung mit dem Feinde achtlos aufgab und damit die Katastrophe 
heraufbeschworen hat. In dem Kampfe selbst hielt sich das Corps des 
Erbprinzen ausgezeichnet, nahm dem Feinde sogar in mehreren sieg- 
reichen Attacken 19 Standarten und 3 Paar Paucken ab und zog sich 
erst in guter Ordnung zurück, als die völlige Niederlage des leider 
von ihm getrennten Corps des Grafen v. Nassau nicht mehr zu bezweifeln 
war. Der Erbprinz selbst wurde durch einen Degenhieb verwundet. 
A. bestjpitet die namentlich von Ditfurth ausführlich erzählte Geschichte 
von der Rettung des Erbprinzen durch einen Schulenburgschen Dra- 
goner als deren Quelle er eine Ditfurthische Familienlegende annimmt. 
Die Verluste der Verbündeten war außerordentlich groß. Daß die Zahl 
der Verwundeten gegenüber der der Toten nur sehr gering war, erklärt 
A. dadurch, daß die Franzosen die auf dem Schlachtfeld gebliebenen 
Verwundeten einfach umbrachten. — Dies ist im wesentlichen der In- 
halt der sehr gründlichen und für die hessische Kriegsgeschichte wert- 
vollen Arbeit A's. 

Steglitz. Philipp Losch. 

Arthur Chuquet, membre de l'institut, Un prince Jacobin. Charles 
de Hesse ou le general Marat. Paris, Fontemoing 1906. Col- 
lection Minerva, 423 pp. 8**. 10 francs. 

Dies Buch erscheint mir in erster Linie von psychologischem 
Interesse, und insofern der Titelheld durchaus kein wirklicher Held, 
sondern ein wunderlicher abstoßender Mensch ist, fühlt man sich ver- 
sucht, es einen Beitrag zur Geschichte der menschlichen Narrheit zu 
nennen. 

Ein nachgeborener deutscher Prinz, Karl von Hessen-Rheinfels, 
begibt sich als vierzehnjähriger Knabe (1765) in französischen Heeres- 
dienst. Er kommt dank seiner Abkunft schnell zu Rang und Einkünften, 
nach seiner Selbstschätzung freilich längst nicht genug, und so stellt 
er sich bei Ausbruch der großen Revolution auf Seiten der entschie- 
densten Gegner des Königtums. Er macht sich zum Werkzeug der 
Jakobiner und verfolgt mit ihrer Hilfe seine persönlichen Wünsche, die 
auf eine leitende Stelle ohne Pulvergeruch, auf die Beseitigung aller 
derer, welche ihm unbequem oder gefährlich erscheinen, hinauslaufen. 
Gänzlich unbedenklich in der Wahl seiner Mittel wird er zum gewerbs- 
mäßigen Denunzianten, seine schreiblustige Feder verkündet ebenso 
ausgiebig das eigene geträumte Verdienst, als die Niedertracht und 
Verräterei anderer. Er bringt manchen Gegner zu Fall, aber mehr und 
mehr geben nicht so sehr Eitelkeit und der Drang nach neuem, zwei 
hervorstechende Züge seines Wesens, m. E. die Triebfedern seines Ja- 
kobinertums, ihm den Anlaß, immer wieder den Schauplatz seiner Tätig- 
keit, in zwölf Monaten (Februar 1792 bis Februar 1793) fünf Mal, die 
Garnison zu wechseln, sondern er wird hin weggeschoben durch den 
Überdruß, den er seiner Umgebung erregt, während auch das Kriegs- 
ministerium gründlich müde wird des ewigen Nörglers, der auch schwere 
Blutschuld auf sich geladen und damit den Namen des „General Marat'' 
verdient hat. 

Im Oktober 1793 ist seine militärische Laufbahn zu Ende, wenn 
er auch seinen Abschied erst im Januar 1796 erhält. In der Zwischen- 
zeit hat sich der Radikalismus gegen den deutschen Prinzen als solchen 
gekehrt, mehr als einmal hat er im Kerker gesessen, einmal ein ganzes 
Jahr; in den letzten Tagen vor Robespierre 's Sturz drohte ihm die 
Guillotine. Seit 1795 wurde er Journalist in Paris. Die Fragen der 



— 371 — 

großen Politik beschäftigen ihn, er haßt England und Österreich und 
ändert das Kartenbild Europa's. Überreizt wie immer steht er auch 
jetzt auf der Höhe der Revolution, während unter dem Direktorium der 
Zug nach Äläßigung Platz greift. Er kommt nicht ohne Grund in das 
Licht eines Verschwörers gegen die Gewalthaber und wird im November 
1799 verhaftet, zunächst nur auf Wochen, aber nun erregt er das Miß- 
fallen Bonaparte's, hat zwei Jahre auf der Insel Re zu verbringen und 
sollte sich glücklich schätzen, durch Landesverweisung nach Deutsch- 
land im April 1803 seine Freiheit wiederzuerlangen. Statt dessen rast 
er über die Undankbarkeit des Adoptiwaterlandes für sechsunddreißig- 
jährige Dienste. 

Hochmütig aber ohne edlen Stolz nimmt er, der einst vom Chef 
seines Hauses aus der Familie ausgestoßene, jetzt die Rechte seiner 
Geburt in Anspruch, wird Pensionär desselben Kurfürsten von Hessen, 
natürlich nicht ohne sich ihm in jeder Weise unliebsam zu machen, 
und, als der Kui*fürst von Napoleon gestürzt war, ebenso des Land- 
grafen von Hessen-D annstadt. Zwischendurch wirft er sich auch an 
Jerome und an Napoleon heran, und, als der Kurfürst nach der Schlacht 
bei Leipzig in sein Land zurückgekehrt war, erbat er wieder mit dem 
üblichen Nachdruck, von dem „erhabenen Chef des alten Hauses Hessen" 
die erwünschten Gelder. Er lebte dann noch bis 1821 in Frankfurt. 

Wie kam Arthur Chuquet, der treffliche Kenner der deutschen 
Literatur am Ausgang des 18. Jahrhunderts, dessen Arbeiten auf diesem 
Gebiete, wie auf dem der französischen Revolution, dessen Geschichte 
des deutsch-französischen Krieges in Fachkreisen und weit darüber 
hinaus wohlverdientes Ansehen genießen, dazu, diesem Karl von Hessen, 
dessen Bild stark pathologische Züge trägt, ein Buch von 423 Seiten 
zu widmen ? Es enthält eine aus massenhaftem Akten- und Briefmaterial 
mit größter Sorgfalt und glücklicher Verwertung der Quellen geschöpfte 
Darstellung, die vielleicht um so eindnicksvoller wirkt, je mehr der 
Verfasser hinter den Quellen zuriicktritt. In dem kurzen Vorwort recht- 
fertigt er sein Unternehmen mit dem verhängnisvollen Einfluß, den 
Karls Angebertum auf die Lebensschicksale namhafter Männer der Re- 
volution geübt hat, und glaubt einen bescheidenen aber nützlichen Bei- 
trag zur Geschichte der revolutionären Periode zu liefern. Wir möchten 
das Verdienst des Buches noch anders formulieren. Erwägen wir, daß 
gerade zwei Drittel der Darstellung der militärischen Wirksamkeit Karls 
vom Febi-uar 1792 bis Oktober 1793 gewidmet sind, so ergibt sich un- 
zweifelhaft, daß hier das Schwergewicht des Werkes liegt. Diese Par- 
tien aber geben neben dem biographischen Stoff ein wirkungsvolles 
Gemälde der militärischen Desorganisation, die unter dem Einfluß der 
Revolution in Frankreich um sich griff, sie zeigen, wie unverträglich 
Farteigeist und militärische Subordination sind. 

Für die Beziehungen Karls von Hessen zu dem hessischen Fürsten- 
hause konnte sich Chuquet auf die Materialsammlung stützen, die 
Artur Kleinschmidt im 35. Bande unserer Zeitschrift (1901) S. 31—102 
gegeben hat. Er hat Kleinschmidts einleitende Darstellung stillschwei- 
gend in wichtigen Punkten berichtigt. Einiges selbständige bietet in 
vier wohlgelungenen biographischen Aufsätzen, die sich an Chuquet 
und Kleinschmidt anschließen, unter dem Titel „Charles Hesse, der 
Rotenburger Jakobinerprinz" Philipp Losch in den Hessischen 
Blättern (hera. v. W. Hopf) vom 4., 7., 11. und 15. April 190(5. — Ich 
habe unsere Leser zu dem Buche selbst hinführen wollen. 

Marburg. Karl Wenck. 

N. F. BD. XXX. 24 



— 372 — 

D. ErnstConstantin Ranke, Professor der Theologie zu Marburg. 
Ein Lebensbild gezeichnet von seiner Tochter Etta Hitzig. Mit 
einem Bildnis vom Jahre 188(5. Leipzig, Dunker und Humblot 1906, 
VI, 363 SS. 8^ Mk. 6.00. 

Dies Buch, vom Gesichtspunkt der Biographie einer menschlich 
ungemein liebenswürdigen Persönlichkeit überaus anziehend, bedeutsam 
durch die Rolle, welche der Altmeister der Geschichtswissenschaft Leo- 
pold von Ranke, der älteste Bruder E. R's, und Hans von Kleist-Retzow, 
der bekannte konservative Politiker, sein treuer Freund in dem mit- 
geteilten Briefwechsel (S. 91—363) spielen, soll an dieser Stelle er- 
wähnt werden, weil sich in dem Briefwechsel des Marburger Theologie- 
professors von 1850 — 88 mancher Zug zur Charakteristik der theolo- 
gischen Studien an unserer Hochschule während jener Jahre findet ^), 
weil sich der Gang der Verfassungsfrage der hessischen Kirche darin 
widerspiegelt, so wenig E. Ranke eine streitbare Natur war. 

In der Geschichte des geistigen Lebens Marburgs, das Leopold 
V. R. als „üniversitätsdorf" charakterisiert hat (Brief Emst's vom 9. Okt. 
1854), wird der Name E. R's fortleben als Stifters eines akademischen 
Gesangvereins (im Jahre 1852), aus dem sich später der Konzertverein 
entwickelte, und als Begründers der „Herberge zur Heimat" (1881) ; in 
der hessischen Geschichtsforschung wird man seiner Studien zur Bio- 
graphie und zur Geschichte des Kultus der heiligen Elisabeth nicht 
vergessen. Wenn in den Briefen vor allem der sinnige Zug und eine 
einzigartige Gabe anschaulicher Darstellung hervortritt, so wächst sein 
Bild in der Spiegelung, die es aus den Briefen Leopolds von R. und 
Kleist-Retzow's erhält. Besonders hingewiesen sei übrigens hier auf 
eine längere Auslassung des letzteren in dem Brief vom 12. Jan. 1841 über 
die Anstellung Hassenpflugs in preußischem Dienst durch Friedrich 
Wilhelm IV. S. 164/5. — Etta Hitzig, die Tochter E. R^s hat unzweifel- 
haft mit diesem Buche, in dem sie vor dem Briefwechsel die Bruch- 
stücke einer Selbstbiographie, eine eigene Fortsetzung auf Grund von 
Tagebüchern und Briefen, endlich ausgewählte Gedichte des Vaters 
bietet, diesem ein Denkmal errichtet, für das ihr viele Leser aufrichtig 
Dank wissen werden. 

Marburg. K. Wenck. 

Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars. Erinne- 
rungen und biographische Aufsätze von Otto Hartwig. Mit dem 
Bildnis des Verfassers. Marburg, Elwert, 1906. V u. 387 SS. 8^. 
Mk. 5.00. 

Dies Buch ist bereits vor mehr als Jahresfrist erschienen, aber 
ich weiß nicht, ob es unter meinen Landsleuten das Interesse gefunden 
hat, das es nicht nur um seines Verfassers willen, der sich gern einen 
'Stockhessen' nannte, sondern auch durch seinen Inhalt verdient : es ist 
wirklich einer der wertvollsten autobiographischen Beiträge zur intimem 
Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts, die unsere hessische Literatur 
aufzuweisen vermag. 

Denn was hier der Schwiegersohn des Verstorbenen in drei Ab- 
teilungen mit den Überschriften 'Zur eigenen Lebensgeschichte', 'Bio- 
graphische Aufsätze', 'Zur kurhessischen und zur Zeitgeschichte' zu- 

*) Vergleichsweise führe ich das Kapitel „Auf der Hochschule 
in Marburg [1853 — 54J in Hm. Dalton's Lebenserinnerungen Bd. 1 (Berl. 
1906) S. 299—349 an, über E. R. S. 321/'22. 



— 373 — 

sammengestellt hat — es trägt im Grunde alles mehr oder weniger 
autobiographischen Charakter, selbst die Biographien der heimgegangenen 
Freunde, £e hier ausgewählt sind : des Essayisten und Kulturvermittlers 
Karl Hillebrand, des Politikers Ludwig Bamberger und der Dichterin 
Louise von Frangois. Aus nahen, durch lange Jahre gepflegten und 
nie erschütterten freundschaftlichen Beziehungen erwachsen, sind sie 
sprechende Zeugen auch für den Überlebenden, der der hingebende 
Freund seiner Freunde so gut war, wie der grimmige Hasser seiner 
Feinde. 

Es ist zugleich ein höchst sachliches und ein höchst persönliches 
Buch. Es enthält eine überraschende Fülle zeitgeschichtlichen und 
kulturgeschichtlichen Stoffs, innerhalb dessen die Person des Verfassers 
nirgends mehr hervortritt, als es die Darstellung verlangt; aber es 
zeigt diesen reichen Stoff stets in einer energischen persönlichen Auf- 
fassung und Beleuchtung ; der ausgezeichnete Geschichtskenner und er- 
probte Geschichtsforscher, der Otto Hartwig war, vermag doch nirgends 
den im Zeitalter heftiger politischer Gegensätze scharfkantig geschliffenen 
Parteimann zurückzudrängen, und das kritische Räsonnement stellt sich 
oft auch da ein, wo wir uns eben an der behaglichen oder amüsanten 
Darstellung verflossener Kulturzustände erfreuen wollen, wie in dem 
Abschnitt 'Marburg vor einem halben Jahrhundert' (S. 36—64). 

Als sich Hartwig im Jahre 1898 von der Leitung der durch ihn 
völlig umgeschaffenen Hallischen Universitätsbibliothek nach zweiund- 
zwanzigjähriger Amtsführung nach Marburg zurückzog, begann er eine 
ausführliche Selbstbiographie, die aber in weit gespanntem Rahmen 
einmal eine ausführliche Darstellung der politischen Zustände insbeson- 
dere seiner kurhessischen Heimat, und dann eine breite Schilderung 
der deutschen Bibliotheksverhältnisse und ihrer Wandlungen im letzten 
Viertel des 19. Jahrhunderts bieten sollte. Davon sind einzelne Ab- 
schnitte rasch fertig geworden und im Privatdruck den Freunden schon 
friiher zugänglich gewesen, anderes tritt jetzt aus dem Nachlaß her- 
vor: zum Teil noch weniger stilistisch gesäubert und gefeilt als das 
friiher gedruckte, und hier und da mit störenden Wiederholungen, die 
eine Schlußredaktion gewiß beseitigt hätte. In jenem oben angedeuteten 
Rahmen hätte auch der Aufsatz 'Vümar und Hassenpflug' seinen 
passenden Platz gefunden: wie er hier (S. 99—127) an den Schluß der 
bereits über den Tod der beiden hinausgeschrittenen Selbstbiographie 
angehängt wird, muß er zunächst störend wirken, und er scheint direkt 
überflüssig, wenn wir am Ende des Bandes (S. H50— 387) die 'Kur- 
hessischen Erinnerungen' aus der 'Nation' von 1894 und 1895 finden, 
Herzensergießungen aus Anlaß des Erscheinens von Otto Bährs Schrift 
'Das frühere Kurhessen', die offenbar in einer sehr viel glücklicheren 
Stunde geschrieben sind und doch H.s Porträtierung seiner ärgsten 
politischen Gegner völlig ausreichend mit enthalten. 

Gewiß, Hartwig hat diese beiden gehaßt bis aufs Blut, und er 
war durchdrungen davon, daß sein Haß aus einer starken sittlichen 
Wurzel stamme. Aber ein Buch wie dieses, wo an allen Ecken und 
Enden, vom und hinten und in der Mitte, immer wieder auf sie los- 
gehackt wird — das hätte er so nicht hinausgehn lassen! Es ist ein 
entschiedener Mißgriff des Herausgebers, der in dem Wunsche, nichts 
hessisches aus dem autobiographischen Nachlaß H.s zu unterdrücken, 
diese sich mehrfach verschärfenden Wiederholungen gebracht hat, die 
einen peinlichen Eindruck machen, obwohl Prof. Liesegang bestrebt 
gewesen ist, sie der ärgsten persönlichen Spitzen zu entkleiden (S. HO 

24* 



— 374 — 

Anm.). Für manche Anzeichen der nie ruhenden persönlichen Ge- 
reiztheit fehlt dem Herausgeber entschuldbarer Weise der Blick : es 
wirkt direkt kleinlich, wenn Hartwig — übrigens ganz wie sein Lehrer 
Heinrich von Sybel — den Minister Hassenpflug immer wieder mit 
seinen Vornamen einführt (S. 103. 116. 366. 377): wir Kurhessen wissen, 
welcher komische Klang in diesem ^Hans Danjel' lag. Und Kopf- 
schütteln erregt auch die bis auf die Spitze getriebene Tendenz, dem 
Ministerium Hassenpflug alle und jede Einsicht und jedes Verdienst ab- 
zusprechen, wenn wir etwa in dem vorliegenden Bande wiederholt die 
Berufung des Chirurgen Roser (S. 59. 68) so dargestellt finden, daß 
sie 'nur dem persönlichen Eingreifen des berühmten Göttinger Chirurgen 
Baum bei dem Minister H. zu verdanken war'. Ja, wie soll denn sonst 
ein Minister selbständige Einsicht in Universitätsfragen betätigen, als 
daß er sich dem Urteil der Tüchtigsten anschließt? 

Ich habe absichtlich hervorgehoben, daß ich gegenüber den 
Mängeln des Buches, die durch die Schuld der Redaktion stärker her- 
vortreten, nicht blind bin. Ich füge auch aus eigener Kenntnis der 
Persönlichkeit Hartwigs, der mir in seinen letzten Marburger Jahren 
ein verehrter Freund und Gönner war, hinzu, daß er eine gefährliche 
Neigung hatte, durch Anekdoten zu charakterisieren, und daß er der- 
artigen Anekdoten gegenüber nicht das Maß von Kritik besaß, das er 
als Forscher gegenüber den Dokumenten immer bewährt. Aber er hat 
nie gegen die Person gestritten, wo er nicht gegen die verkehrte oder gar 
die unsittliche Sache streiten zu müssen glaubte; er war wohl recht- 
haberisch und eigensinnig, aber seine Seele war frei von Eigennutz und 
Eitelkeit, und die Ideen, für die er in den Kampf trat, das waren eben 
die Ideen, die Deutschland geistig und politisch groß gemacht haben. 

Edward Schröder. 

Heymann, Ernst, Professor Dr., Parochialänderung und Katho- 
lizitäts-Prinzip nach kurhessischem Kirchenrecht. Ein 
Gutachten. Zugleich ein Beitrag zur Rechtsgeschichte der Toleranz. 
Erweiterte Ausgabe. Marburg 1906. XVI u. 77 S. Mk. 1.60. 

Lange Zeit hindurch hat der Streit um die kirchliche Zugehörige 
keit der evangelisch-lutherischen Bewohner der Vororte Kassels nach 
ihrer Eingemeindung und um deren Folgen für den Ausbau jener kirch- 
lichen Gemeinden die Gemüter bewegt. H. wurde von ihren Presby- 
terien damit beauftragt, hierüber ein Gutachten abzugeben. 

Seine Schrift baut sich auf durchaus geschichtlicher Gmndlage 
auf, untersucht also die Stellung der Lutheraner in Kassel, die sich 
anfangs durchaus nach dem starren Katholizitätsprinzip bestimmt und 
erst durch das Privileg vom 7. März 1768 — die Gemeinde läßt sich 
bereits seit 1719 nachweisen — etwas gemildert wurde. Jerome Na- 
poleon befreite sie dann durch das Edikt vom 22. Januar 1808, das 
auch nach der Wiederherstellung des alten Staates seine Gültigkeit 
behielt, von dem hier reformierten Pfarrzwang jenes Prinzips. Damit 
erhielt die lutherische Gemeinde zu Kassel eigene Kirchspielsgrenzen, 
die sich natürlich mit den Gesamtgrenzen der damaligen Kasseler 
Gemeinden decken mußten. Die lutherische Gemeinde hat also kein 
Recht, bei Eingemeindungen sich in Nachbarkirchengemeinden hinein 
zu erstrecken. So bedeutet die Einbeziehung der in den Kasseler Vor- 
orten wohnenden Lutheraner in die lutherische Kirchengemeinde von 
Kassel eine Neuabgrenzung des lokalen Sprengeis dieser Gemeinde und 
unterhegt daher den rechtlichen Grundsätzen über Parochialändenmgen, 



— 375 — 

durch die die in eine andere Kirchengemeinde übersiedelnden Mitgliedei 
zur Entschädigung der alten hinsichtlich der Baulasten und der Kirchen- 
steuern verpflichtet sind. 

Bei allen diesen Parochialänderungen bedarf es der Zustimmung 
der alten Presbyterien, also hier der reformierten Vorortsgemeinden. 
Wo sie nicht gehört sind, besteht die Mitgliedschaft aller Beteiligten 
unverändert fort. Sobald die lutherische Gemeinde in Kassel in den 
Vororten nur eine Kirche bauen will, bloß um ihre in Altkassel woh- 
nenden Parochianen von dort aus zu versorgen, stehen ihrem Vorhaben 
keine rechtlichen Bedenken entgegen. 

Soweit der Inhalt der Schrift, die über die Lokalfrage hinaus 
für die Zukunft in allen kirchenrechtlichen Fragen ehemals kurhessischer 
Einzelgemeinden ihre Bedeutung behalten wird. In den weiteren Rahmen 
der allgemeinen Geschichte gehören die Bemerkungen über die Toleranz ; 
namentlich die urkundlichen Beilagen, die aus den Jahren 1680, 1714 
und 1730 mitgeteilten Aktenstücke, sind ein interessanter Nachweis da- 
für, daß die wandernden Handwerksgesellen dazu beitrugen, die Ein- 
seitigkeit und Geschlossenheit der streng bekenntnismäßigen Kirchen- 
gemeinden zu sprengen ; in Kassel waren es die Schuhknechte, die viel 
zur Begründung einer bürgerlichen lutherischen Gemeinde beitrugen 
und dadurch eine praktische Toleranz heraufführen halfen. Die übrigen 
im Anhang mitgeteilten Aktenstücke befassen sich mit der Stellung der 
Königin Ulrike Eleonore von Schweden zu der freien Religionsübung 
der Lutheraner und der praktischen Handhabung der durch Jerome Na- 
poleon hergestellten Normen. 

Müsebeck. 

Heinrich Naumann, Nanzhausen bei Lohra, Vom Heimatacker. 
Geschichten eines hessischen Bauersmanns. Mit einem Bild- 
nis des Verfassers. (Bücherschatz des deutschen Dorfboten.) 
Im Auftrage des deutschen Vereins für ländliche Wohlfahrts- und 
Heimatspflege herausgegeben von Heinrich Sohnrey. 174 SS. 8^ 
Berlin SW. 11 Deutsche Landbuchhandlung 190G. Mk. 1.50. 

Obwohl die schöne Literatur nicht in den Rahmen unserer Be- 
sprechungen fällt, möge mit zwei Worten hier des obengenannten Büch- 
leins gedacht sein, da es in Zukunft wohl als eine treue Quelle für 
das Leben, Denken und Meinen des oberhessischen Bauernvolkes in der 
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelten mag. Heinrich Sohnrey hat 
unsern Nanzhauser, der ja seit Jahrzehnten neben Hacke und Spaten 
die Feder führt, aufgefordert, aus den in verschiedenen Wochenschriften 
und dergl. verstreuten Aufsätzen ein Büchlein zu€ammen zu stellen. 
Er hat dann selbst die Auslese der 30 hier gebotenen Stücke aus 250 
ihm übersandten Erzählungen, Schilderungen, Skizzen und Gedichten 
vorgenommen. Aus allen erkennen wir nicht nur die Absicht N's seine 
bäuerlichen Volksgenossen zu allem guten und schönen zu erheben und 
zu stärken, ihre Schwächen rückhaltlos darzustellen und zu bekämpfen, 
sondern auch die sinnige dichterische Begabung und die warme Heimats- 
liebe N's. Möchte das Bändchen einen vollen Erfolg haben, und dieser 
die etwas schwermütige Stimmung des nicht mehr jungen Verfassers, 
die wir zwischen den Zeilen finden, freudiger und heiterer gestalten. 
Darauf dürfen wir wohl hoffen, da die Zeitungen melden, daß auf Ver- 
anlassung des Oberpräsidenten das Buch „möglichst vielen Volks- 
bibliotheken unserer Provinz" überwiesen wurde. 

Marburg, K. Wenck. 



— 376 — 

Zur Besprechung gingen femer ein: K. Müller, Die selbständige^ 
evangelisch-lutherische Kirche in den hessischen Landen. Elberfeld, 
Verlag des luther. Büchervereins. 1906. — H. Th. Kimpel, Geschichte 
des hessischen Volksschulwesens von seinen ersten Anfängen bis zum 
Jahre 1800. Kassel, R. Röttger 1906. — H. Buchen au. Der Bracteaten- 
fund von Seega. Marburg, Elwert 1905. 

In dem neuesten 14. Bande der Mitteilungen des Ober- 
hessischen Geschichtsvereins, die jetzt unter der Schriftleitung 
des Privatdozenten Dr. E. Vogt stehen, veröffentlicht Fr. Vigener 
S. 1 — 43 einen gediegenen trefflich geschriebenen Aufsatz zur Geschichte 
des Erzstifts Mainz Kuno von Falkenstein und Erzbischof 
Gerlach von Mainz in den Jahren 1354 — 1358, femer be- 
handelt S. 44 — 61 Ludwig Schädel, „der Gründer derLudovi- 
ciana in der Haft des Winterkönigs" in anregender Vortrags- 
form den Marburger Erbfolgestreit mit besonderer Zuspitzung auf die 
Kriegsereignisse des Mai-Juni 1622. Beide Aufsätze haben archivalische 
Beilagen. Mit zwei Urkunden Papst Gregors IX. vom Januar 1235 be- 
reichert E. Vogt das Material für die Geschichte des Übergangs des 
Klosters Lorsch an das Erzstift. Die Vereinschronik handelt insbeson- 
dere von der Einweihung des neuen Gießener Museums im alten Schloß. 

In den letzten beiden Jahren hat sehr erfreulicher Weise auch 
Hessen, wie längst andere deutsche Landschaften, einen dem Sinn für 
Kunst und Geschichte gewidmeten Kalender erhalten: Hessen-Kunst 
Kalender für alte und neue Kunst 1. 2. Jahrg. Herausgeg. von Dr. Chstn. 
Rauch. Marburg 1906 bezw. 1907. Osk. Ehrhardt. Je 1 Mk. Der Jahr- 
gang 1906 stand künstlerisch unter dem Zeichen Otto Ubbelohde's, 
der neueste in verstärktem Maße unter dem Wilh. Thielemanns. 
Hier soll nur kurz hingewiesen werden auf die aus den Quellen ge- 
schöpften historischen Beiträge, die unser Arbeitsgebiet betreffen und 
in diesen Kalendern künftig der Benutzung durch die Forscher entgehen 
könnten: G. Eisentraut, die vorgeschichtlichen Dorfanlagen 
der Milsenburg, A. von Drach, von St. Elisabeth Krone und 
Ring, K. Wenck, zum Leumund der Hessen, Chstn. Rauch, 
Fritzlar, F. Küch, Marburger Kunstleben am Ausgang des 
Mittelalters (handelt insbesondere von den Gebr. von der Leyten und 
von Ludwig Juppe), F. Küch, Marburger Student aus dem Jahre 
1578, Erich Haenel, Hessische Arbeiten in der königlichen 
Gewehrgalerie zu Dresden. (Einen ausführlichen Bericht über 
diesen Jahrgang gab Gr. Richter in den Fuldaer Geschichtsbl. 4, 205 — 7.) 
— Im 2. Jahrgang hebe ich hervor eine sehr belehrende Gegenüber- 
stellung (mit Bild) von „Breitenau und Paulinzella" von A. Holt- 
meyer, der 1905 in der Zeitschr. f. thüring. Gesch. 23, 71 — 242 ge- 
diegene „Beiträge zur Baugeschichte, der Paulinzeller Klosterkirche" 
veröffentlichte, und daneben den Aufsatz F. Küch's „urkundliche 
Nachrichten über Wandmalereien im Schloß zu Ziegenhain*' 
aus der Zeit des Landgrafen Philipp und des Landgrafen Moritz. Quelle 
sind eine Rechnung des Malers Hans Wilhelm Kirchhof, des jüngeren, 
von 1615 und ein Heftchen mit 18 Kopien der Wandgemälde von der 
Hand des Künstlers. 

Ohne Wort nur durch 12 Monatsbilder und 1 Titelbild wirkt der 
für 1907 zum vierten Mal ausgegebene Hessische Kalender heraus- 
gegeben von Hans Meyer- Cassel, verlegt von E. Hühn-Cassel. 
Mk. 2.50. Mit besonderem Dank wird jeder Geschichtsfreund die Zeich-- 



— 377 — 

nungen von Fritzlar, der Festung Ziegenhain, Altenburgs an der Eder, 
der Hersfelder Kirchenruine, des Klosters Haina begrüßen. 

Das letzte Heft der „Hessischen Blätter für Volkskunde" 
(Bd. V Heft 2/3) enthält S. 92—108 einen Aufsatz des Gießener Kunst- 
historikers Brunp Sauer (mit 2 Tafeln, 10 Abbildungen) „Ober- 
hessische Dorfkirchen". 

Das „Hessenland", das im vergangenen Jahre auf eine 
zwanzigjährige Vergangenheit zurückblickte, ist den Lesern unserer Zeit- 
schrift keine unbekannte Größe. Es ist gut, daß in vielen deutschen 
Landschaften jetzt landesgeschichtliche Blätter zu linden sind, die bei 
häutigem Erscheinen ohne streng- wissenschaftliches Gewand den ge- 
schichtlichen Sinn in weiten Kreisen zu pflegen berufen sind. Dabei 
können sie der geschichtlichen Erkenntnis mancherlei dankenswerten 
Stoff zuführen. | Das eine wie das andere dürfen wir von dem im Jahre 
190G erschienenem 20. Jahrgang des „Hessenlandes" rühmen, und das 
Verdienst ist nicht am wenigsten Herrn Paul Heidelbach zuzu- 
schreiben, der nach dem Tode von W. Bennecke schon in Nr. 2 die 
Schriftleitung übernahm. Ich verzeichne eine Reihe von Aufsätzen 
militärgeschichtlichen Inhalts, die aus archivalischem oder 
anderem handschriftlichen Material geschöpft sind: 1) J. Fürer, die 
hessische Kavallerie bei Laffelt 2. Juli 1747, 2) A. Woringer, 
zwei Briefe hessischer Offiziere [von 1783 aus Amerika, von 1849 
aus Hadersleben 1, 3) P. Heidelbach, das in London aufbewahrte 
Verzeichnis der Truppen von Hessen-Kassel [1783], 4) von 
Geyso, über die Expedition hessischer Truppen nach der 
Insel Wight [1793], 5) Phil. Losch, Generalmajor George 
Coleraine, sonst Hangher genannt [f 1824]. Zur Fürsten- 
geschichte lieferte einen hübschen Beitrag der Aufsatz P. Heidel- 
bachs, die Aussöhnung Landgraf Friedrichs II. mit seinen 
Söhnen [1782/83 nach der hsl. Selbstbiographie von Friedrichs Minister 
von Wittorff]. Ich schließe die beiden numismatischen Beiträge von 
Th. Meyer (Groschen Landgraf Hermanns des Gel.) und P. 
Weinmeister (Groschen Landgraf Wilhelm II.) an. In das Ge- 
biet der Rechts- und Wirtschaftsgeschichte fallen die Aufsätze von L. 
Armbrust, Melsunger Rechtsfälle (1513 — IGIO) und A. Woringer, 
Zoll und Schmuggel in Hessen im 18. und 19. Jahrhuntert (es 
sind vier aus mannigfachen Quellen geschöpfte lehrreiche Studien), in 
das Gebiet der Namenforschung: 0. Bethge, sächsische und 
fränkische Siedlungen in Hessen (B. stellt hessische Ortsnamen 
mit sächsischer bezw. mit fränkischer Färbung zusammen) und A. 
Woringer, die neuen Kasseler Straßennamen. Der Kasseler 
Lokalgeschichte wenn auch mit dem Schwergewicht zur neuen Heimat 
dient P. Weinmeister in dem Aufsatz kirchliche Beziehungen 
zwischen Kassel und Leipzig vor zwei Jahrhunderten (es 
handelt sich um die französische Gemeinde hier und dort), endlich C. 
Neuber, das Kastell in Kassel. Sehr dankenswert ist die schnelle 
und eingehende Berichterstattung über die Sitzungen des Geschichts- 
vereins in Kassel und Marburg und die hessische Zeitschriften- 
schau von W. Schoof. 

Eine eingehende Würdigung Würdtweins, wie sie der Freiburger 
Stadtarchivar Peter P. Albert in einem um Anmerkungen bereicherten 
Vortrag „Der Wormser Weihbischof Stephan Alexander Würdt- 
wein und seine Verdienste um die deutsche Geschichtsfor- 



— 378 — 

schung" im Freiburger Diözesanarchiv 34 (1906) S. 75 — 106 ge- 
boten hat, würde bei der großen Bedeutung von Würdtweins Arbeiten 
für die hessische Geschichtsforschung uns sehr willkommen sein, auch 
wenn sie nicht als Beilage 2 S. 106 — 19 (Beilage 1 ist eine Bibliogra- 
phie von W.'s Schriften) zwölf Briefe H. B. Wencks an Würdtwein 
aus den Jahren 1780—88 enthielte, die für die Charakteristik Wencks, 
insbesondere seiner Arbeitsweise schätzbares Material liefern. 

Einen beachtenswerten Nachruf auf den Historiker Cornelius 
Will (t 8. Dez. 1905) von Dr. Ludwigs bringt (41 SS. lang) der 
57. Band der „Verhandlungen des historischen Vereins von Oberpfalz 
und Regensburg. Will gehört durch Geburt (1831 zu Großenlüder) und 
Studium zu uns, er war Schüler Heinrichs von Sybel in Marburg und 
hat hier 1856 und 1859 seine ersten Bücher erscheinen lassen. In dem 
Nekrolog wird man neben der kurzen Schilderung seines Lebensganges, 
für welchen die Anknüpfung mit Joh. Fr. Böhmer im Jahre 1861 ent- 
scheidend wurde, besonders die Übersicht über die Würdigungen seines 
Hauptwerkes, der Mainzer Regesten (Bd. 1 und 2, 1877 und 1886), an- 
gesichts des bevorstehenden Erscheinens einer viel weitergehenden An- 
, Sprüchen entgegenkommenden Fortsetzung, mit Interesse lesen. Will 
starb in Regensburg, wo er fast vierzig Jahre lang Vorstand des Fürst- 
lich Thum und Taxisschen Centralarchivs gewesen war. 

In dem Bericht über die Fortschritte der Römisch-Ger- 
manischen Forschung im Jahre 1905, den die Römisch-Ger- 
manische Kommission des Kaiserlichen Archäologischen In- 
stituts 1906 (wie betr. 1904 im Jahre 1905) herausgegeben hat — 
Frankfurt a. M., Jos. Baer u. Comp. 114 SS. gr. 8^ — kommt für uns 
besonders in Betracht 1) der Aufsatz von Ed. Anthes, der gegenwärtige 
Stand der Ringwallforschung S. 26—48. Dort wird „nach einem vor- 
läufigen Bericht von Bö hl au (S. 46 — 48) unter Beigabe eines Planes 
der Altenburg (Maßstab 1:12500) über die Ausgrabungen auf der 
Altenburg bei Niedenstein in Hessen gehandelt. Die Scherben- 
funde gehören der La-Tene-Zeit an. Die Frage, ob die Altenburg mit 
Mattium, dem caput gentis, dem Hauptort des Chattenstamms, identisch 
sei, wird aufgeworfen (mehr bietet bereits in verneinendem Sinne die 
Skizze eines Vortrags Böhlau's im Kasseler Geschichtsverein April 1906, 
im Hessenland 20. Jahrg. S. 129 f., vergl. S. 253). 2) die Abhand- 
lung von G. Wolff, Besiedlung der südlichen Wetterau in 
vorgeschichtlicher und römischer Zeit S. 69 — te. W. hatte 
früher schon wiederholt auf die Kontinuität der Kultur in der Wetterau 
— aus römischer Zeit durch die Stürme der Völkerwanderung in die 
fränkische Zeit — hingewiesen. Auch den Gedanken, daß die Römer 
die Wetterau bereits angebaut fanden, gerodet imd dem Ackerbau über- 
geben von den Vertretern der La-Tene-Kultur — und sie das Land mit 
eigentümlicher Ausbuchtung des Limes in erster Linie wegen seiner be- 
kannten Fruchtbarkeit in Besitz nahmen, hatte er schon ausgesprochen. 
Nach beiden Beziehungen haben die Funde der letzten Jahre seine An- 
schauungen bestätigt. 

In den Monumenta Germaniae historica (Hannover, Hahn) 
ist 1906 der längst erwartete erste Band der Karolingerurkunden 
(die Urkunden Pippins Karlmanns und Karls des Großen) er- 
schienen. Dort finden wir die Königsurkunden für Fulda und 
für Hersfeld bis zum Jahre 814 nach dem heutigen Stande dei 
Urkundenwissenschaft bearbeitet, man sollte fortan auch bei uns 



— 379 — 

auf die Benutzung der Drucke bei Schannat, Dronke, H. B. Wenck 
verzichten. In dem Empfängerverzeichnis findet man bequem die beiden 
Abteien verliehenen Urkunden zusammengestellt, danach (S. 487) hat 
Fulda 12 echte und 11 unechte, (S. 488) Hersfeld 11 echte und "3 un- 
echte Königsurkunden aus dieser Zeit aufzuweisen. Natürlich finden 
wir hier auch die für die Siedlungsgeschichte so wichtigen Urkunden 
Karls des Großen für Bennit und Asig (Nr. 213 und 218). Besonderer 
Dank sei Mich. Tangl ausgesprochen, der die Arbeit Mühlbachers 
nach dessen Tode aufnahm und vollendete. — Der ebenfalls 1906 ab- 
geschlossene dritte Band der Constitutiones et acta publica im- 
peratorum et regum, die Jahre 1273 — 98 umfassend, bringt so 
manche für die Anfänge des hessischen Territorialstaates wichtige 
Urkunde, z. B. unter Nr. 47() — 78 die Constitutio principatus 
Hassiae von 1292. Jakob Schwalm hat auch bereits Bd. 4, 
1. Hälfte, die Jahre 1298 — 1311 umfassend, erscheinen lassen. 

In der monumentalen wirklich schön ausgestatteten Festschrift 
für den Mainzer Domkapitular Friedrich Schneider „Studien aus 
Kunst und Geschichte. Friedrich Schneider zum siebzigsten 
Geburtstag gewidmet von seinen Freunden und Verehrern". Freib. i. B. 
Herder 1906, XXVII und 582 SS. 4^ In Leinwd. geb. Mk. 50.00, finden 
sich unter 51 Aufsätzen, auf die wir Forscher und Freunde der Kunst- 
geschichte und der Geschichte von Stadt und Erzstift Mainz im allge- 
meinen verweisen, zwei Hessen betreffende Abhandlungen l) S. 509 — 30 
Rudolf Kautzsch in Darmstadt, die Herakliusbilder zu Frau- 
Rombach in Oberhessen. Im Jahre 1901 bei Restauration der 
Kirche zu Frau-Rombach bei Schlitz in Oberhessen von Architekt und 
Maler Prof. Bronner entdeckt wurde der Bilderkreis, von dem fünf 
Neuntel erhalten sind, zuerst von Prof. Richter-Fulda auf den Wunder- 
knaben und nachmaligen Wiedereroberer des heiligen Kreuzes Heraklius 
(629 n. Chr.) bezogen. Aus der anziehend und überzeugend geführten 
quellenkritischen und kunsthistorischen Würdigung Kautzsch's, des 
Darmstädter Kunsthistorikers, ergibt sich nun folgendes : der Maler ent- 
nahm den Stoff zu seiner Bilderreihe nicht aus dem französischen Epos 
Eracle von Walther von Arras und nicht aus Jansen Enikels Weltchronik; 
seine Darstellung stimmt bis auf eine Abweichung mit deijenigen im 
höfischen Epos „Eraclius" des 13. Jahrhunderts von ^.Meister Otte". 
Dieser darf als in Oberhessen heimisch angesehen werden, wenn wir 
mit Ed. Schröder annehmen, daß die fränkisch-bairischen Elemente 
seiner Sprache sich aus zeitweiligem Aufenthalt an einem fränkisch- 
bairischen Hofe (als Kanzleibeamter?) erklären. Die eine Abweichung 
von Otte und die Erwägung, daß ein weltliches Epos als Vorlage für 
Kirchenmalerei überraschend wäre, macht Benutzung durch das Mittel- 
glied einer Weltchronik in uns unbekannter Fassung wahrscheinlich. 
Der Maler erhielt seinen Auftrag vom Kollegiatstift Hünfeld ad sanctam 
crucem (Heraklius Wiedereroberer des Kreuzes Christi!) dem Patron 
der Kirche zu Frau-Rombach. Die kunstgeschichtliche Würdigung führt 
mit Bestimmtheit dahin, die Entstehung der Wandmalerei in die erste 
Hälfte des 14. Jahrhunderts zu verlegen. 2) In dem Aufsatz „Kardinal 
Albrecht von Brandenburg und die Reliquiensammlung der 
Barfüßer zu Fritzlar" (S. 119—23) berichtet Johannes Baptist 
Kießling in Mainz auf Grund eines Mainzischen, heute in Würzburg 
befindlichen Aktenstücks, wie der sehr heruntergekommene Franzis- 
kanerkonvent zu Fritzlar im Jahre 1516 dem Erzbischof zur Reform 



— 380 — 

empfohlen wurde, bei einem Besuche Albrechts dessen Verlangen nach 
den dort befindlichen Reliquien erregte, wie die Fritzlarer Franziskaner 
nach Ausbreitung der neuen Lehre in Hessen durch das Ausbleiben 
der Spenden der Gläubigen in Not gerieten und nun im Jahre 1528 
mit dem Erzbischof wegen Verkaufs der Reliquien, auch einiger „Klei- 
nodien und Zierrat" in Verhandlung traten. Kardinal Albrecht war dank 
seines Sammeleifers sehr begierig nach der Erwerbung, aber auch ge- 
neigt mit Hinweis auf den Abfall der Gläubigen den Preis zu drücken. 
Für die Überlassung einer großen Monstranz bedurfte es der Zustim- 
mung des Rates von Fritzlar, die leicht zu erlangen war. 1529 kam 
der Handel zu Stande. Albrecht gewährte dem Konvent für Reliquien, 
Monstranz und ein silbernes Kreuz eine Jahresrente von 30 Gulden. 
Kießling teilt das merkwürdige Reliquienverzeichnis mit (S. 121/2) und 
bemerkt richtig, es zeige, wie Albrecht in diesem Falle noch so ganz 
mit der Kritiklosigkeit einer früheren Epoche verfuhr. Über ein Nach- 
spiel zu diesen Verhandlungen im Jahre 1543 yergl. Falckenheiner, 
Gesch. hess. Städte und Stifter 2, 33. 

Veranlaßt durch die vom Kasseler Konsistorium auf Anregung 
der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck .an die Pfarrer 
seines Bezirks gesandte Auffordemng in den Reposituren und Archiven 
ihrer Pfarreien nach Urkunden und Aktenmaterial aus der Refonnations- 
zeit (1517 — 70) zu suchen, hat Pfarrer Lic. Wagner in Ottrau 
unter der Überschrift y,was man aus alten Kastenrechnungen 
lernen kann" in den „Blättern aus dem Prediger- Seminar 
zu Hofgeismar'^ Jahrg. 2 Nr. 2 (Febr. 1905) S. 5—14 „an der Hand 
von Kirchenkastenrechnungen aus den Jahren 1577 — 1750 zu zeigen 
versucht, wie mancher Lichtstrahl von da auf Kirchengeschichte, Welt- 
geschichte und Ortsgeschichte fällt.'' Seine dankenswerten Zusammen- 
stellungen hat er gut gegliedert. Wir treffen da 1) Anspielungen auf 
hervorragende Ereignisse der hessischen Kirchengeschichte, 2) Nach- 
richten über kirchliche Einrichtungen und Zustände, a) die Stellung der 
Pfarrer, b) der Kirchenältesten, c) des Opfermanns (Küsters und Lehrers), 
d) der Superintendenten und Metropolitane, e) über das gottesdienstliche 
Leben, f) über das Almosenwesen (besonders interessant), g) über die 
Kirchenzucht, h) Andeutungen über den Bekenntnisstand der nieder- 
hessischen Kirche. Wir begrüßen diese Mitteilungen mit einem kräftigen 
Vivat sequens und erinnern unsere hessischen Pfarrer bei dieser Gelegen- 
heit an die Mahnung von Paul Drews-Gießen in der „Monatsschrift 
für kirchliche Praxis 1 (1901), religiöse Volkskunde zu treiben und an 
die entsprechende Anregung von E. Mogk-Leipzig, „die Volkskunde im 
Rahmen der Kultureiitwickelung der Gegenwart" in den „Hessischen 
Blättern für Volkskunde" 3 (1904) S. 6 f., wir tragen endlich den s. Zt. 
von unseren Bibliographen übersehenen lehiTeichen Aufsatz Wilhelm 
DiehTs nach: Die Aussagen der Protokolle der großen 
hessischen Kirchenvisitation von 1628 über den im 
VolkvorhandenenAberglauben, Zeitschrift für Kulturgeschichte 
Bd. 8 (1901) S. 287—324. Er enthält viel interessantes über das Segen- 
sprechen im Marburger Land, vergl. die Anzeige von Ad. Strack in 
„Blättern für hess. Volkskunde" 3. Jahrg. 1901 Nr.' 2 S. 8. 

In dem Universitätsprogramm zur Geburtstagsfeier des Kaisers 
am 27. Januar 1907 teilt Th. Birt die Marburger Universitäts- 
matrikel für die Jahre 1700 — 1720 mit. Wir wollen hier nur 
darauf hinweisen, wie sehr in diesen letzten vor Chstn. Wolffs Berufung 



— 381 — 

fallenden Jahrzehnten die Zahl der Hessen die der „Ausländer" über- 
wiegt. Unter dem 27. Mai 1704 finde ich einen ,Maistro di lingua 
Italiana' immatrikuliert, nun — seit diesem Winter, haben wir ja wieder 
einen italienischen Lektor! 

In der kleinen Schrift „Der erste Lippische Erbfolge- 
krieg, ein Vorspiel zur lippischen Frage," Melsungen Hopf, 
40 SS. 8^ 1905, Mk. —.30, benutzt Philipp Losch die gelegentlich 
des Lippischen Erbfolgestreites unserer Tage, namentlich von dem Heidel- 
berger Rechtslehrer G e r h. A n s c h ü t z „der Fall Friesenhausen" 
19c5 (vergl. die Bibliographie uns. Ztschr. Bd. 39, 272) veröffentlichten 
Archivalien zu einer geschickt und mit Humor geschriebenen Darstellung 
der Hoffnungen, Ansprüche und Unternehmungen, welche die Ver- 
heiratung des Reichsgrafen Friedrich Ernst von Lippe-Alverdissen mit 
der einfachen Adligen Elisabeth von Friesenhausen bei den Landgrafen 
von Hessen als den annexionslüstemen Lehnsherrn der Grafschaft 
Lippe-Schaumburg erweckte. Wir erhalten ein lebendiges Bild aus der 
deutschen Kleinstaaterei des 18. Jahrhunderts. Man wird aber das 
Urteil von Losch über Landgraf Friedrich IL, der beim Aussterben der 
Bückeburger Linie 1777 aus Mangel an Energie unterlassen habe, die 
Successionsfähigkeit des Sohnes der Friesenhausen zu bestreiten und 
die Lehnseinziehung anzubahnen, nicht unterschreiben mögen, um so 
weniger, als aus dem Rechtsstreit unserer Tage sich die Ebenbürtigkeit 
der Ehe mit der von Friesenhausen — auch ohne die kaiserliche 
Deklaration von 1752 — ergeben hat, man wird den gewalttätigen und 
völlig mißlungenen Versuch Landgraf Wilhelms IX., bei neuem Todesfall 
(1787) durch militärische Besetzung des kleinen Landes die nun längst 
entschiedene Frage zu Gunsten Hessen-Kassels umzuwerfen, als das 
Werk unkluger Großmannssucht ansehen, das Urteil von Losch über 
Wilhelm IX. als „einen wirklich bedeutenden Regentef^" sehr in Zweifel 
ziehen und auf der anderen Seite die gegen verschiedene Glieder des. 
preußischen Königshauses gerichteten Urteile als recht scharf zugespitzt 
ablehnen. 

Marburg. K, Wenck. 



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Verzeichnis 
neuer hessischer Literatur. 



Von 
Adolph Fey. 



Für alle Beiträge sage ich auch dieses Mal verbindlichsten Dank. 
Leider haben sich nur wenige von den Herren, die ich früher genannt, 
jetzt wieder beteiligt. Und doch ist zur Erzielung von annähernder 
Vollständigkeit der Herausgeber einer Bibliographie auf die Mitwirkung 
anderer unbedingt angewiesen ! Ich bitte deshalb nochmals alle Inter- 
essenten um gütige Mitarbeit. 



Erscheinungen des Jahres 1005/6. 

1. Aly, Friedrich. Das Album des akadem. Pädagogiums von 
1653 — 1833 = Festschrift des Kgl. Gymnasiums zu Marburg. Mar- 
burg (Elwert.) 1904. 4. 

la. Amelung, Ernst Wilhelm. Tagebuch für Ernst Wilh. Ame- 
lung, Feldprediger bei dem hess. hochlöbl. Leib-Infanterie-Regiment 
1792. In: Hessische Blätter hgg. v. Wilh. Hopf v. 1. 5. 8. 12. 15. 
19. Sept. 1906. Melsungen, 1906. (Amelung war später Pfarrer 
in Reichensachsen und Breitenbach, wo er 1851 starb.) 

2. Amrhein. Das fuldische Propsteikloster Holzkirchen. In: 
Fuldaer Geschichtsblätter Jahrg. 4. Fulda (Actiendr.) 1905. 8. 

3. [Andersen, H. Chr. — ] Hessische Ahnen des Dichters An- 
dersen. Von Ph. L. [osch.] In: Hessenland XIX Nr. 21. Cassel, 
1905. 

4. A pell, F. v. — Der Versuch zum Entsätze Landaus und die 
Schlacht am Speyerbach, bei Speyer, Dudenhofen oder Heiligenstein, 
am 15. Nov. 1703 . . . Marburg (Elwert.) 1906. 8. 

5. Archiv f. Hess. Geschichte u. Altertumskunde. Neue Folge. 
Bd. 4 Heft 2. Hgg. von Eduard Anthes. Darmstadt (Selbstverl.) 
1906. 8. 

6. [Archiv.] Polit. Archiv des Landgrafen Philipp d. Großm. 
hgg. von Fr. Küch. Bespr. von F. Seeling in Hessenland XIX 
Nr. 3. Cassel, 1905. 



— 383 — 

7. Armbrust, L. — Anna von Braunschweig, Landgräfin zu 
Hessen. — In: Zeitschrift d. Ver. f. hess. Gesch. N. F. 30. p. 1. 
Kassel, 1906. 8. 

8. Armbrust, L. — Ein englischer Paß von 1599. In: Zeit- 
schrift d. Ver. f. hess. Gesch. N. F. 30. S. 166. Kassel, 1906. 8. 
Bespr. von Schenk zu Schweinsberg in: Quartalblätter 
d. bist. Ver. f. d. Großh. Hessen. Bd. III Nr. 17/18. 

9. Armbrust, Ludwig. Geschichte d. Stadt Melsungen bis zur 
Gegenwart. ... In: Zeitschrift des Vereins f. hess. Gesch. N. F. 
Suppl. 14. Cassel, 1905. 8. Bespr. von Ph. L[osch] in Hessenland 
XIX Nr. 20. Cassel, 1905. 

10. Armbrust, L. — Melsunger Rechtsfälle im 16. Jahrhundert. 
In: Hessenland XX S. 200. Cassel, 1906. 

11. Armbrust, L. — Wilhelm von Hessen, Freiherr von Lands- 
burg. In: Hessenland XX 1906. S. 244. 

12. Baltzer, Jeanette. Heimatsbilder. Hanau (Clauss & Fed- 
dersen.) 1907. 8. 

13. Bardeleben, Carl v. — Stammtafeln der beiden uradligen 
Geschlechter von Bardeleben. Görlitz (Starke) 1906. 8. 

14. Basse, Fritz. Das Monument auf dem Carlsberg zu Wilhelms- 
höhe „0 c 1 g n" genannt. In : Tageblatt v. 19. Oct. Cassel, 1905. 
(Mit Benutzung von hinterlassener Aufzeichnung des Hofbaurat Knyrim.) 

15. Bau mann, K. — Die Einführung der Verbesserungspunkte 
in Hessen. In: Allg. Ev.-Luth. Kirchenzeitung 1906 Nr. 1 u. f. 
Leipzig (Dörffling & Fr.) 1906. 4. 

16. Becker, Eduard. Eine Handschrift zur Geschichte d. Butt- 
larischen Rotte. Darms ladt, 1905. 8. 

17. Benedikt XIV. Ein Brief Benedikts XIV. an Franz L zu 
Gunsten des Erbprinzen Friedrich von Hessen. In: Hessenland 
XIX Nr. 1. Cassel, 1905. 

18. Bennecke, Wilhelm. Das Hoftheater in Kassel von 1814 
bis zur Gegenwart. Beiträge, z. Bühnengesch. Kassel (Victor) 1906. 8. 
Bespr. von Edw. Schröder in: Zeitschr. d. Ver. f. hess. Gesch. 
N. F. 30. S. 187. 

19. Bennecke, W. — Die Schiller-Aufführungen am Hoftheater 
in Kassel. In: Hessenland XIX Nr. 9. Cassel, 1905. 

20. Bennecke, Wilhelm. Kasseler Skizzen IIL [Der Königs- 
platz.] In: Hessenland XX S. 250. Cassel, 1906. 

21. Bericht über die am 13. Sept. 1905 zu Hanau abgehaltene 
Diözesan-Synode d. Diöz. Hanau. Hanau (Waisenhaus) 1905. 8. 

22. Berta, R. — Soden-Stolzenberg. Beiträge zur Gesch. d. 
Salzquellengebietes, der Stadt und des Bades. In: Fuldaer Ge- 
schichtsblätter Jahrg. 5. Fulda (Actiendr.) 1906. 8. 

23. [Bess.] Das Verhalten der verfassungstreuen Offiziere bei 
der Vereidigung der Kasseler Garnison im Dez. 1847. In: Landes- 
zeitung XXI Nr. 247. Marburg, 1906. 

24. Bethge, 0. — Sächsische und fränkische Siedelungen in 
Hessen. In: Hessenland XX S. 320 u. 337. Cassel, 1906. 

25. Bibliothek. Die Murhardsche Bibliothek in Kassel. In: 
Hessenland XIX Nr. 6. Cassel, 1905. 

26. Bihl, Michel. Pfarrer Eduard Henkel, ein Erforscher d. 
Lokalgeschichte Dermbachs . . (1892.) In : Fuldaer Geschichtsbl. 
Jahrg. 5. Fulda (Actiendr.) 1906. 8. 

27. [Bildnisse.] Bie Bildnisse Philipps des Großmütigen von 
Drach u. Könnecke. Bespr. von F. Seeling in Hessenland Nr. 24. 
Cassel, 1905. 



— 384 — 

28. Bilfinger (Sanitätsrat Dr.) Nichtschuldig! Verurteilung 
«ines Unschuldigen zu 7 Jahren Zuchthaus ! Überzeugende Klarlegung, 
daß der angekl. Gattenmörder Weissei ... 5. Juli 1905 in Kassel irr- 
tümlich schuldig gesprochen worden ist. Kassel (Selbstverl.) 1905. 8. 

29. Biographie. Allgemeine Deutsche Biographie Bd. 51. 
Leipzig (Duncker&Humblot) 1906. 8. Darin Hessen: J. G. Kaupert 
aus Cassel bespr. von Weizsäcker. — Joh. Aug. Kaupert von Hantzsch. 

— E. F. W. Klinkerfues aus Hofgeismar von Günther. — Joh. Fr. 
Knapp von Anthes. — Ernst Koch aus Singlis von Frz. Brummer. 

— Georg Koch aus Cassel von Katzenstein. — Joh. Wilh. Kr äfft 
aus Marburg von Achelis. — Ludw. Lemcke (1863 — 67 Prof. in Mar- 
burg) von Edw. Schröder. 

30. Biographie. Allgemeine Deutsche Biographie Bd. 52. 
Leipzig (Duncker & Humbiot) 1906. 8. Darin Hessen: G. W. R. 
Linker aus Marburg bespr. v. C. Haeberlin. — Frz. Ludw. Ferd. 
Löwe aus Cassel von H. A. Lier. — Karl Lucae (1867—1888 Pro- 
fessor in Marburg) von Edw. Schröder. — Ludwig I. u. IL, Land- 
grafen von Hessen von H. Diemar. — Heinr. Ludwig aus Hanau von 
Beringer. — Karl Fr. Wilh. Ludwig aus Witzenhausen von P. Grützner. 

— Wilh. Mangold aus Cassel von A. Kamphausen. — Viktor v. Mei- 
bom von V. Schulte. 

31. Blätter. Gemeinnützige Blätter f. Hessen u. Nassau. Zeit- 
schrift f. soz. Heimatkunde. Red. W. Kobelt. Jahrg. 8. Frankfurt 
1906. 8. 

32. Blätter. Hessische Blätter f. Volkskunde (begründet von 
Strack) hgg. von Karl Helm und Hugo Hepding. Bd. IV u. V. 1. 
Leipzig (Teubner) 1906. 8. Bespr. von Georg Steinhausen in 
Archiv f. Kulturg. IV p. 244. Berlin, 1906. 

33. [B o 1 1 e n s t e r n , Otto von.] Am Hofe König J^römes. Bespr. 
von Heidelbach in Hessenland XIX Nr. 14. Cassel, 1905. 

34. [Brand au, Karl.] Ruhmestat eines hess. Ingenieurs [Karl 
BrandauJ. Der Durchstich des Simplon. In: Hessenland XIX Nr. 6. 
Cassel, 1905. 

35. Brehm, Helene. Allerlei hessische Volksbräuche. In: Hes- 
senland XX S. 6. Cassel, 1906. 

36. B r e i t e n a u. [Aus E. Happel, Romanische Bauten in Nieder- 
hessen.] In: Hessenland XX S. 78. Cassel, 1906. 

37. Brentano, Clemens. Ungedruckte Briefe von Clemens Bren- 
tano. Mitgeteilt von Luzian Pfleger. In Histor.-pol. Blätter Bd. 136. 
München (Lit. art. Anstalt) 1905. 8. 

38. Briefe. Zwei Briefe hessischer Offiziere. [Joh. Heinr. 
Henkelmann und Frz. Karl Hill ehr and] von Woringer. In: 
Hessenland XX S. 341. Cassel, 1906. 

39. Brunn er, C. — Das Beerdigungswesen in der Residenzstadt 
Cassel. Versuch e. Darstellg. a. Grund der städt. Akten. Cassel 
(Druck von Weber & Weidemeyer) 1905. 8. 

40. B r u n n e r , Hugo. Die Besitznahme Hessen-Cassels durch die 
Franzosen (am 1. Nov. 1806). Vortrag in: 1) Allgem. Zeitung Nr. 302 
und 303. 2) Tageblatt Nr. 512/518. 3) Hessenland XX Nr. 21 
Cassel, 1906. 

41. Brunner, Hugo. Joseph Maria von Radowitz. In: Casseler 
T a g e b 1 a 1 1 Nr. 79. 81. 83. Cassel, 1905. 

42. Buchenau, H. — Der Bracteatenfund von Seega. Ein Bei- 
trag zur Erforschung d. dtsch. Münzdenkmäler a. d. Zeitalter der stau- 
fischen Kaiser. Marburg (Elwert) 1905. fol. = VeröffentL der 



— 385 — 

Historischen Kommission für Hessen und Waldeck... (Enthält 
eine ganze Anzahl hess. u. fuldischer Münzen.) 

43. Buchenau, H. — Weilburger Erinnerungsmünze. In: 
Blätter f. Münzfreunde XLI Nr. 9. Dresden (Thieme) 1906. 8. 

44. Bürgerbuch der Stadt Hanau. Hanau (Waisenhaus) 1905. 8. 

45. Bunsen, Chr. Karl Jos. — Zwei Briefe Bunsens aus Marburg. 
Mitgeteilt von Wilhelm Schoof. In Hessenland XIX Nr. 15. 
Cassel, 1905. 

46. [Cassel.] Wie sich Cassel in Berliner Köpfen spiegelt von 
R. W. — (Cassel im Berl. Tageblatt von Heinrich Lee) besprochen in 
AUgem. Zeitung XXII Nr. 148. Kassel, 1906. 

47. Centennarfeier. Die Centennarfeier des Kgl. Gymnasiums 
zu Fulda. In: Hessenland XIX Nr. 19. Cassel, 1905. 

48. [Chroniken.] Zwei Kasseler Chroniken .. . Hgg.v. Losch. 
Bespr. 1) von Georg Steinhausen in Archiv f. Kulturgesch. 
Bd. III. 1. 2) von A. S. in Hess. Blätter f. Volksk. IV. 1. Leipzig, 
1906. 

49. Chuquet, Arthur. Un prince Jacobin. Charles de Hesse 
ou le g^neral Marat. Paris (Fontemoing) 1905. 8. Bespr. von Ph. 
Losch in Hess. Blätter 1905. S. 3250—53. 

60. Dalwigk [Alexander] Freiherr von. Briefe des Freiherrn 
von Dalwigk 1794—1807. Hgg. von seinem Enkel Freiherr von Dal- 
wigk zu Lichtenfels . . Oldenburg (Stalling) o. J. 8. 

51. Dalwigk, Frhr. von. Die Demobilmachung und die Wieder- 
mobilmachung des Kurhess. Armeekorps im August d. J. 1814. In: 
Zeitschrift d. Ver. f. hess. Gesch. N. F. 29. S. 15. Kassel 1905. 8. 

52. Deahna, [Aug.] Die Schaumünzen der Grafen und Fürsten 
von Henneberg. S.-A. a. J. Erbstein, Münz- u. Medaillen-Freund 
Nr. 72. [Dresden, 1906.J 4. 

53. Die hl, Wilhelm. Martin Butzers Bedeutung für das kirchl. 
Leben in Hessen. In: Schriften des Ver. f. Reformationsgesch. 
Nr. 83. Halle (Niemeyer) 1904. 8. 

54. Dithmar. Die landesmütterliche Fürsorge der Landgräfin 
Hedwig Sophie f. d. Herrsch. Schmalkalden (1649-1683). In: Thüringer 
Warte. Heft 3. Pösneck (Feigenspan) 1905. 8. 

55. [Dreydorff, Joh. Georg, f 22. Dez. 1905. Nekrolog auf:] 
Dr. theol. et phil. Marburgensis Dreydorff. In: Hessenland XX 
S. 10. Cassel, 1906. 

56. Drinnenberg, C. A. — Die allgemeine Gütergemeinschaft 
nach dem B. G. nebst Ausführungen üb. die wichtigsten Bestimmungen 
d. Fuldaer Güterrechts u. e. Zusammenstellung des alten und neuen 
Güterrechts im Oberlandesgericht Cassel. Fulda (Actiendr.) 1906. 8. 

57. [Duviquet, Maurice.] Aus den Lebenserinnerungen des kgl. 
westfäl. Direktors der Pulver- u. Salpeterwerke [Maurice Duviquet]. 
Mitgeteilt von H. Blumenthal. In: Hessenland XIX Nr. 23 u. 24. 
Cassel, 1905. 

58. Eckermann. Eckermann an Goethe. Zwei ungedruckte 
Briefe mitgeteilt von H. Gerstenberg. In: Grenzboten Jahrg. 65 
Nr. 29 S. 129 ff. Leipzig (Grunow) 1906. 4. Enth. u. a. Cassel er 
Theater Verhältnisse. 

59. Eggebrecht, Albrecht. Die Pipelhühner. Berlin (Fisher & 
Co.) 1905. 8. Marburger Studentenroman. 

60. [Eisentraut, Gustav.] Briefe und Berichte hessischer Gene- 
rale an den Landgrafen Wilhelm VIII. a. d. Anfang des 7iähr. Krieges. 
{Nach Vortrag von E.l In: 1) Hessenland XX 1906, 2) Tageblatt 
Nr. 166 und 3) Allg. Zeitung Nr. 92. Cassel, 1906. 



— 386 — 

61. Eisentraut, Gust. — Der Briefwechsel zwischen dem Land- 
grafen Wilhelm VIII. von Hessen und seinem Generaladjutanten . . . 
Frhr. v. Fürstenberg i. d. J. 1756/57. In: Zeitschrift d. Ver. f. 
hess. Gesch. N. F. 30 S. 72. Kassel, 1906. 8. 

62. Eisentraut, Gust. — Der Eintritt des Erbprinzen Friedrich 
von Hessen-Kassel in die preuß. Armee im Jahre 1756. In: Casseler 
Tageblatt Nr. 519, Hess. Morgenzeitung Nr. 305. Cassel, 1905. 

63. Eisentraut, Gust. — Die Verhaftung des niederländischen 
Gesandten Graf von Wartensleben zu Cassel im Nov. 1763 ... In: 
Zeitschrift d. Ver. f. hess. Gesch. N. F. 29. S. 45. Kassel, 1905. 8. 

64. Eisentraut, Gust. — Spießruten- oder Gassenlaufen. In: 
Hessenland XIX Nr. 6. Cassel, 1905. Betrifft Hessen im 7jähr. 
Kriege. 

65. Entwicklung. Die Entwicklung des Kurhess. Militär wesens 
[von Claus von Bredow]. In: ßredow-Wedel, Rang- u. Stamm- 
liste d. dtsch. Heeres. S. 1041—1066. Berlin (Scherl) 1905. 8. [Das 
Buch ist voller Irrtümer und Ungenauigkeiten.] 

66. Erinnerungen eines Fuldaer Jungen an die Jahre 1848 bis 
1850. Von E. K. In: Hessenland XIX Nr. 3. Cassel, 1905. 

67. Erinnerungsblätter an das 1150jähr. Bonifatius-Jubiläum 
in Fulda vom 4.— 11. Juni 1905. Hgg. im Auftrage des Komitees. 
Fulda (Actiendruckerei) 1906. 8. 

68. Estor, Johann Georg. [Biogr.] In: Marburger akademischer 
Kalender S. S. 1905. Marburg (Elwert) 1905. 8. 

69. Ewald, T. og H. F. — En Slaegts Historie gennem et Aar- 
hundrede. Job. V. Ewald, Carl v. Ewald, H. F. Ewald. Bd. 1. Kopen- 
hagen (Gyldendal) 1905. 8. Vgl. Ph. Losch, Eine althess. Fa- 
milie in Dänemark. 

70. Festblatt zur 1150 jähr. Jubelfeier des Todestages des heil. 
Bonifatius v. 4. bis 11. Juni 1905 in Fulda. Fulda (Actiendrucker.) 
1905. fol. 

71. [Festgabe] zum Bonifatius Jubiläum 1905. Bespr. von 
Seeling in Hessenland. XIX Nr. 24 Cassel, 1905. 

72. Festschrift des Kgl. Gymnasiums zu Marburg zu Ehren 
Ldgr. Philipps. Marburg (Elwert) 1904. 4. Ei4h.: Das Album des 
akadem. Pädagogiums von 1653 — 1833 . . . von Friedrich Aly. 

73. [Festschrift] zum Gedächtnis Philipps des Großmütigen. 
Bespr. von Ph. L[osch] in Centralblatt Liter. V Nr. 7. 

74. Festschrift z. 28. Mittelrhein. Kreisturnfest zu Hanau a. M. 

1906 Hanau (Prior.) 1906. 8. Enth. u. a.: Jahn u. d. Brüder 

Grimm von Heinr. Heusohn. — Aus der Hanauer Turn- 
geschichte von demselben. 

75. Festschrift zur Gedenkfeier des 100jährigen Bestehens des 
Kgl. Gymnasiums seit seiner Neugestaltung 1805 — 1905. Fulda (Actien- 
druckerei) 1905. 4. 

76. Fey, Adolph. Verzeichnis neuer hessischer Literatur. Er- 
scheinungen d. J. 1903/5. In : Zeitschrift des Ver. f. hess. Gesch. N. F. 29. 
S. 271. Kassel, 1905. 8. 

77. Fischer, Karl. Im Spital zu Hanau. (Aus K. Fischers 
Denkw. u. Erinnergn. eines Arbeiters Bd. 2.) In: Kunst wart J. 17 
H. 21. München (Callwey) 1904. 8. 

78. [Fo er st er, Karl, f ^1« Dec. Nekrolog auf den] Zahnarzt 
Karl Foerster. In: Hessenland XIX Nr. 1. Cassel, 1905. 

79. [Francke, Rudolf.] Christi. Liebesthätigkeit in Kurhessen. 
Bespr. von Lange in Hessenland XIX Nr. 1. Cassel, 1904. 



— 387 — 

80. [Franz, Richard.] Professor Franz f. In: Allgemeine Zei- 
tung XXII Nr. 148. Kassel, 1906. 

81. Frederking, Hugo. Spangenberg. [Architektonisches und 
Sehensw.]. In: Hessenland XX S. 209. 1906. 

82. Friedrich, Jul. — Die Entstehung der Reformatio ecclesiarum 
Hassiae v. 1526 .... Giessen (Töpelmann) 1905. 8. Bespr. 1) von 
Gust. Wolff in Mitteilungen a. d. hist. Literatur XXIV 1906. 2) 
von E. Fried berg in Ztschr. f. Kirchenrecht 16, 141. 3) von 

F. Herrmann in Ztschr. f. Kirchengesch. 27, 384. 

83. Führer, Wilhelm. Geschichtliches aus Harleshausen. Vor- 
trag . . . S. A. aus der „Neuen Casseler Zeitung" Cassel (Becker u. 
Rennert) o. J. [1906.] 8. 

84. Für er, Justus. Die hessische Kavallerie bei Laffelt (2. Juli 
1747.) In: Hessenland XX S. 174. 186. Cassel, 1906. 

85. Gedenktafel. Eine Gedenktafel für Hessen - Kasselische 
Krieger in der Kirche zu Whippingham auf der Insel Wight (England.) 
In: Hessenland XX S. 146. Cassel, 1906. 

86. [Gedike.] Der Universitäts-Bereiser Friedrich Gedicke u. s. 
Bericht an Friedrich Wilhelm II. Mitget. von Rieh. Fester. Berlin, 
(Duncker) 1905. 8. = Ergänzungsheft d. Archivs f. Kultur- 
gesch. S. 36 — 41, Marburg. 

87. Gelder — Berlin, H. — Rotenburger Familiennamen aus d. 
16. Jahrh. Nach einem Kämmereibuch d. Stadt Rotenburg a. F. v. 
Jahre 1590. Zusammengestellt aus — . In: Roland (Archiv f. Stamm- 
u. Wappenkunde) Jahrg. VI 1905/6. Papiermühle, 1906. 

88. [Gerold.] Die Geschichte von Junker Gerold, dem letzten 
Gefangenen im Druselturm. Von A. Z. In: Hessenland XX S. 23 
u. 37. Cassel, 1906. 

89. Geschichtsblätter. Fuldaer Geschichtsblätter. Hgg. v. 

G. Richter, Jahrg. 4. 5. Fulda (Actiendruckerei) 1905/6. 8. 

90. G e y s o , v. — . Ueber die Expedition hessischer Truppen nach 
der Insel Wight. In: Hessenland XX S. 214. Cassel, 1906. 

91. Gilsa, F. von und zu. Aus dem Feldpostbriefe eines hess. 
Kriegsfreiwilligen vom 2. Jan. 1871. In: Hessenland XX S. 5. 
Cassel, 190(). 

92. Gilsa, Felix v. — . Worte Bismarcks über die Annexion 
Kurhessens bei einem Besuche in Friedrichsruhe am 21. Febr. 1892. 
In: Hessenland XX S. 318. Cassel, 1906. 

93. [Gissot, Georg August] Major Georg August Gissot. Am 
4. Apr. werden es 100 Jahre .... In: Hessenland XIX Nr. 7. 
Cassel, 1905. 

94. G lag au, Hans. Landgraf Philipp von Hessen im Ausgang 
des Schmalkald. Krieges. In: Histor. Vierteljahrsschr. J. VIII. 
Leipzig (Teubner) 1905. 8. 

95. Graefe, v. — Kurzgef. Geschichte des Husaren-Regiments 
Landgraf Friedrich II. v. H.-Homburg. (2. Hessisches) Nr. 14. Berhn 
(Bajanz u. St.) o. J. 8. 

96. Grau, Jos. — Drei Neuhöfer Amtsvögte aus der Familie 
Rang. In: Fuldaer Geschichtsblätter Jahrg. 4. Fulda (Actiendr.) 
1905. 8. 

97. Grebe, E. R. — Geschichte der hessischen Renitenz. Cassel 
(Vietor) 1905. 8. 

98. Grimm, Brüder. Kinder und Hausmärchen. 32. Aufl. hgg. 
von Reinh. Steig. Stuttgart (Cotta) 1906. Bespr. von St[olll i*- " 
Tageblatt 1906. Nr. 585. 

N. F. BD. XXX. , 9 



— 388 — 

99. Grimm, Herm. und Gisela. Briefe von Grimm an die 
Schwestern Rings eis ges. v. Bettina Ringseis. Berlin (Fontane) 
1905. 8. 

100. Gundlach, Franz. Zur Marburger Universitätsmatrikel. 
In: Zeitschrift d. Ver. f. hess. Gesch. N. F. 29. S. 262. Kassel, 
1905. 8. 

101. Haas. Der Ortsname Horas. In: Fuldaer Geschichtsbl. 
Jahrg. 5. Fulda (Actiendruckerei) 1906. 8. 

102. [Hafner, Philipp.] Geschichte d. Gymnasiums zu Hersfeld. 
Bespr. von E. B. in Hessenland XIX Nr. 1. Cassel, 1905. 

103. [Hanau, Fürst Karl von, f 27. Jan. Nekrolog auf den:] 
Fürst von Hanau und Horschowitz. In: Hessenland XIX Nr. 3. 
Cassel, 1905. 

104. Hanemann, A. — Schloß Gorvey a. d. Weser, ein Abriß 
s. Gesch. ... 2. Aufl. Gorvey (Selbstverl.) 1905. 8. 

105. Happel, Ernst. Die Burgen im oberen Hessen . . . Marburg 
(Elwert) 1905. 8. 

106. Happel, Ernst. Die neuere Burgenkunde. In: Hessen- 
land XDC Nr. 11. Cassel, 1905. 

107. Happel, Ernst. Romanische Bauwerke in Niederhessen. Mit 
24 Zeichnungen. Cassel (Vietor) 1906. 8. Bespr. 1) von Wilh. Dersch 
in Zeitschrift d. Ver. f. hess. Gesch. N. F. 30. 2) von Heidelbach 
in Hessenland XX S. 211. 

108. Happel, Ernst. „Tapfer und treu." Geschichte a. d. Tagen 
des Kurh. Leibgarde-Regiments. Kassel (Schönhoven) 1905. 8. 

109. Harald, Ferd. — Ludwig Spohr. In: Dur u. Moll. Jahrg. 3 
Heft 5. Leipzig, fol. 

110. [Hartmann, Eduard, f 23. Dez. Nekrolog auf:] Prof. Dr. 
Eduard Hartmann. In: Hessenland XIX Nr. 1. Cassel, 1905. 

111. Hartwig, Otto. Aus dem Leben eines deutsch. Bibliothekars. 
Erinnerungen und biogr. Aufsätze. M. d. Bildn. d. Verf. Marburg 
(Elwert) 1906. 8. Für die Marburger Stadt, Universität und 
Bibliotheksgeschichte von größtem Interesse. 

112. [Hassel, Paul.] Joseph Maria v. Radowitz. Bd. 1. Bespr. 

1) von Fr. M. in Historische Zeitschrift III. Folge Bd. 2 Heft 1 und 

2) in Mitteilungen a. d. bist. Literatur XXIV. 1906. 

113. [Heer.] Marburger Studentenverbindungen bis zum Schlüsse 
des 18. Jahrb. In: Oberhessische Zeitung. Jahrg. 41 Nr. 16. Mar- 
burg, 1906. fol. 

114. Heidelbach, [Paul.] Das alte Landgrafen schloß zu Kassel 
und der große Brand im Jahre 1811. In: Tageblatt Nr. 97. 99. 
101—103. 113. Cassel, 1906. 

115. Heidelbach, Paul. Das in London aufbewahrte Verzeichnis 
der Truppen von Hessen-Kassel. In: Hessenland XX S. 118. Cassel, 
1906. 

116. Heidelbach, Paul. Die Aussöhnung des Landgrafen Frie- 
drich II. mit seinen Söhnen. In: Hessenland XX S. 242. Cassel, 
1906. 

117. Heidelbach, Paul. Ein philosophischer Bildhauer [Arnold 
Rechberg, Künstler aus Hersfeld nach dem Pariser Figaro illustr6 
Nr. 193 geschildert.] In: Allgem. Zeitung XXII Nr. 149. Kassel, 
1906. 

118. Heidelbach, Paul. Zur Beraubung des Wilhelmshöher 
Schlosses unter J^röme Napoleon. In: Hessenland XIX Nr. 4 u. 5. 
Cassel, 1905. 



— 389 — 

119. Heimat. Hessische Heimat. Ein literarisches Jahrbuch 
Bd. II, Hgg. von P. Heidelba ch, Kassel (Vietor.) 1906. 8. Bespr. 
von Lotze in Hessenland XX S. 348. 

120. Hering, Kurt. Die Erfindung der Dampfmaschine. Zum 
200 jähr. Pap in- Jubiläum (1706—1906.) In: Hessenland XX S. 
134 u. 147. Cassel, 1906. 

121. Herrmann, Fritz. D. Tilemann Schnabel, der Reformator 
4eT SUdt Alsfeld. Alsfeld (Cellarius.) 1905. 8. 

122. Hertel, Ludwig. Der Name der Weser. In: Zeitschrift 
f. dtsche. Mundarten VI 6. Heidelberg (Winter.) 1905. 8. 

123. [Hessen, Landgraf Alexis von, f 16. Aug. Nekrolog.] In: 
Hessenland XIX Nr. 16. Cassel, 1905. 

124. Hessen-Kunst. Hessen-Kunst, Kalender f. alte u. neue 
Kunst. Jahrg. 1 u. 2. Hgg. von Christian Rauch. Marburg (Ehr- 
hardt) 1906/7. 4. Bespr. 1) Jahrg. 1 von G. R[ichter] in Fuld. Ge- 
schichtsbl. 4 S. 205. 2) Jahrg. 2 von Heidelbach in Hessen- 
land XX 1906 S. 348. 

125. Hessenland. Zeitschrift f. hess. Gesch. u. Literatur .... 
Jahrg. XIX red. von Wilh. Bennecke, Jahrg. XX red. von Paul 
Heidelbach. Cassel (Scheel) 1905/6. 4. 

126. [Hessenstein, Auguste] v. — (Illegitimes aus dem alten 
Kurhessen. Betrifft die Gräfin Auguste v. H.]. In: Frankf. Zeitung 
Nr. 229, Kl. Feuilleton. Frankfurt, 1905. 

127. [Heydenreich, Eduard.] Das älteste Fuldaer Cartular im 
Staatsarchive zu Marburg. Bespr. von Eggers in Mühlhäuser Ge- 
schichtsblätter J. 2. Mühlhausen (Albrecht) 1901. 4. 

128. Hey mann, Ernst. Parochialänderung und Katholizitäts- 
Prinzip nach Kurhessischem Kirchenrecht. Ein Gutachten .... Er- 
weiterte Ausgabe. Marburg (Elwert) 1906. 8. 

129. Hitzig, Etta. D. Ernst Constantin Ranke, Prof. d. Theologie 
zu Marburg. Ein Lebensbild . . . Leipzig (Duncker u. Humblot.) 1906. 8. 

130. Hochapfel, H. Reinh. — Der Kasseler Weinberg. Eine 
Plauderei über seinen früheren Zustand u. s. Besiedelung. Mit An- 
merkungen von Philipp Losch. In: Hessenland XX S. 110. 125. 
138. 149. 162. Cassel, 1906. 

131. Hockergräber. Steinzeitliche Hockergräber und Wohn- 
stätten a. d. Schulzenberg bei Fulda von J. V. In: Fuldaer Ge- 
schichtsbl. IV. Fulda (Actiendr.) 1905. 8. 

132. Hoffmann, F. — Beiträge zur Glockenkunde des Hessen- 
landes V. Hoffmann u. B. Zölffel. Zeitschrift d. Ver. f. hess. Gesch. 
N. F. Suppl. 15. Cassel, 1906. 8. Bespr. von Armbrust in Hessen- 
land XX 1906 S. 311 und von Heidelbach S. 315. 

1.33. [Hoftheater.] Vom Kasseler Hoftheater von B. In: Hessen- 
land XIX Nr. 4. 13 u. 23 und XX S. 93. 180. 293. Cassel, 1905/6. 

134. Hohenlohe-Schillingsfürst, Chlodwig Fürst zu. Denk- 
würdigkeiten des Fürsten Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst .... 
Hgg. von Friedrich Curtius. Stuttgart (Verlags-Anstalt) 1906. 8. 2 Bde. 
[berichtet auch aus seiner Jugend in Rotenburg a/F. 
etc. etc.] 

135. [Holzbauten.] Hess. Holzbauten von L. Bickell. Bespr. 
in Hessenland XIX Nr. 3. Cassel, 1903. 

136. [Hopf, Wilhelm.] Luxemburg [enth. Mitteilungen über Ernst 
Kochs Grab.] In: Hessische Blätter XXXV Nr. 3272 u. 73. Mel- 
sungen, 1906. 

25* 



— 390 — 

137. Horwitz, L. — Aus vergangenen Zeiten der Marburger 
Universität. In: Isr. Familienblatt X Nr. 3. Hamburg (Lessmann) 
1907. 4. 

138. [Hufschmidt, Fritz.] Geschichte des oberen Warmethaies. 
. . . Bespr. von Ph. L[osch] in Hessenland XIX Nr. 23. Cassel, 1905. 

139. Huyskens, Albert. Des Antonius Corvinus Schrift an den 
sächsischen Adel. In: Zeitschrift d. Ver. f. hess. Gesch. N. F. 29. 
Kassel (Dufayel) 1905. 8. 

140. Huyskens, Albert. Die Krisis des deutschen Handels wäh- 
rend des geldrischen Erbfolgekrieges 1542/43. In: Annalen d. hist. 
Ver. N.-Rhein. Heft 81. 1906. Enthält u. a. Landgraf Philipps 
Einspruch gegen die Verlegung der Handelsstraße von 
Augsburg nach Hamburg. 

141. Huyskens, Albert. Gibt es einen Vertrag von Friedewald 
a. d. Jahre 1551? In: Zeitschrift d. Ver. f. hess. Gesch. N. F. 29. 
S. 74. Kassel, 1905. 8. 

142. Jahrbuch, Biograph, und Deutscher Nekrolog . . hgg. von 
Bettelheim. Bd. 8. Berlin (Reimer) 1905. 8. Hierin Hessen: 
H. Reinh. Hochapfel in Cassel von Ph. Losch. Fritz Klingelhöfer 
in Marburg von Ph. Losch. Walther Em. Merkel in Cassel von Ph. 
Losch. Otto Schmidt, General in Cassel von Lorenzen. Friedr. Em. 
Neumann in Cafesei von Ph. Losch. Nina Zottmayr von Ph. Losch. 
Heinr. Möhl in Cassel von Ph. Losch. Georg von Bauer, General- 
leutnant in Cassel von Lorenzen. Daniel Joh. Saul aus Balhorn von 
Ph. Losch. Otto Klingelhöffer aus Dorheim von Ph. Losch. Heinr. 
Köhler aus Cassel von Birk. Viktor v. Lossberg, General in Cassel 
von Lorenzen. Otto Hartwig in Marburg von Karl Gerhard. 

143. Jahrbuch, Biograph, und Deutscher Nekrolog . . hgg. von 
Bettelheim. Bd. 9. Berlin (Reimer) 1906. 8. Hierin Hessen: 
E. E. M. V. d. Embde, W. J. F. N. Schell aus Fulda — C. J. E. B. 
Sallmann aus Cassel — H. J. J. Schneider aus Fulda — Gideon 
Vogt aus Cassel. Bespr. von Ph. Losch. — Eduard Goebel aus 
Fulda von F. Brummer. — H. 0. Lehmann aus Marburg von Joh. 
Sass. — Malvida v. Meysenbug aus Cassel von Fr. Spiro. 

144. Jonas, Heinrich. Fünf Geschichderchen vun Kasselänern 
die de in d'r Wulle gefärwed sinn. 2. Aufl. Kassel (Victor) 1904. 8. 

145. [Jonas, Heinrich.] Heinrich Jonas f. Von P. Heidelbach. 
In: Hessenland XX S. 20. Cassel, 1906. 

146. [Justi, F. — J Hess. Trachtenbuch . . . Bespr. von Otto 
Gerland in Hessenland XIX Nr. 3. Cassel, 1905. 

147. Kaiserin-Besuch. Der Besuch Ihrer Majestät der Kaiserin 
in Treysa. In: Tageblatt LIII. Nr. 380 u. 386. Cassel, 1906. 

148. Kalender für Kurhessen auf das Jahr des Heils 1907. Hgg. 
von Bruno Jacob. [Jahrg. I.] Kassel (Jacob) 1907. 4. 

149. Kalender. Hessischer Kalender 1907. Hgg. von Hans 
Meyer. Cassel (Huhn) 1906. 4. 

150. Kalender. Marburger Akademischer Kalender. Ausg. 17 
bis 21. Marburg (Elwert) 1904/6. 8. 

Kalender s. a. Hessen-Kunst. 

151. [Kalkbrenner, Christian.] Musikgeschichtliches. Am 22. 
Sept. 1755 wurde in Kassel Christian Kalkbrenner . . geboren, [ßiogr.] 
In: Hessenland XIX Nr. 18. Cassel, 1905. 

152. Kassel. Deutsche Städtebilder. Kassel von F. — In: Der 
Tourist. Ulustr. Zeitschrift XXI Nr. 20. Frankfurt a/M. 1904. 4. 



— 391 — 

153. Kassel. Die Residenzstadt Kassel. In: Niedersachsen. 
Jahrg. 11. Nr. 15. Bremen (Schünemann) 1906. 4. 

154. Katalog. Offizieller Katalog der Jubiläums-Gewerbe- Aus- 
stellung zu Cassel . . . 1905 . . . Cassel (Haasenstein u. V.) 1905. 8. 

155. Keck, Hermann. Die Entwickelung des Oberappellations- 
gerichts zu Cassel. Inaug.-Diss. Marb. Cassel (Druck v. Schönhoven) 
1906. 8. Bespr. von Karl Wenck in: Zeitschrift d. Ver. f. 
hess. Gesch. N. F. 30. 

156. [Keller-Jordan, Henriette.] Frau Henriette Keller- Jordan. 
Zu ihrem 70. Geburtstag. Von Paul Tesdorpf. In: Beilage z. Allgem. 
Zeitung Nr. 129. München 1905. 

157. Killmer, W. — Gemeinde-Leiden in alter Zeit. I. Pfarrer 
Suerbier. II. Grebe Rüppell. In: Hessenland XX S. 165. Cassel, 
1906. 

158. Killmer, W. — Klein- und Großalmerode. Ein geschichtl. 
Vergleich. In: Hessenland XX S. 202. Cassel, 1906. 

159. Kimpel, Heinr. Theod. — Geschichte des hess. Volksschul- 
wesens von s. ersten Anfängen bis zum Jahre 1800. Kassel (Röttger) 
1906. 8. 

160. [Klein.] Pestepidemien in Oberhessen im 16. u. 17. Jahrb. 
besonders in Gemünden. In: Hess. Landeszeitung XXI Nr. 276. 
Marburg, 1906. 

161. Kleinschmidt, Alb. — Aus Hessens Vorzeit .... Brinno, 
der Chattenfürst. Aus der Zeit der Varusschlacht. 2. Aufl. Gießen 
(Roth) 1905. 8. 

162. Klingender. Kann die Eingemeindung von Vororten in die 
Stadt Cassel den Bestand ihrer Kirchengemeinden verändern? Gut- 
achten von Klingender und Brandt. Cassel (Lometsch) 1906. 8. 

163. Koch-Gottschon, Theodor. Heinrich Naumann, ein 
hessischer Dorfgeschichtenerzähler. In: Tageblatt LIII Nr. 431. 
Cassel, 1906. 

164. Köhler, W. — Die Doppelehe Landgr. Philipps v. Hessen. 
In: Histor. Zeitschrift N. F. Bd. 58. München (Oldenbourg) 1905. 8. 
(K. nimmt an: daß Landgraf Ph. ursprünglich nicht an eine 
formelle Doppelehe gedacht habe, sondern erst durch die 
Mutter der Margarethe dazu veranlaßt wurde.) 

165. [Kord eil, Karl f 26. April. Nekrolog auf den Kommandeur 
und Lotseninspektor . . . Karl Kördell.] In: Hessenland XX 1906. 

166. Kohlblatt für Marburg, Narrenburg u. Umgegend. Jahrg. 1 
Nr. 1. Narrenburg a. L. 1899. 4. 

167. Kolonialschule. Die Kolonialschule zu Witzenhausen (von 
M. A.) In: Grenz boten Jahrg. 64 IV. S. 191—194. Leipzig Grunow) 
1905. 8. 

168. Kommission. Historische Kommission für Hessen undWal- 
4eck. [IX. Jahresber.] als Sonderdruck und in Hessenland XX 1906. 

169. Kos er, Reinhoid. Zur Geschichte der Berufung der Brüder 
<jrimm nach Berlin. Aus: Sitzungsberichte d. preuß. Akademie 
d. W. S. 1004—14. Berlin (Reimer) 1905. 8. 

170. Kr am er, Hugo. — Milde Stiftungen in Fulda. In: Fuldaer 
Geschichtsbl. Jahrg. 5. Fulda ( Actiendr .) 1906. 8. 

171. Krüger, Herm. Anders. Pseudoromantik. Friedrich Kind 
und der Dresdener Lieder-Kreis. Leipzig (Haessel) 1904. 8. Darin 
S. 148—150 und andernorts über Ernst v. d. Malsburg. 

172. Küch, F. — Ein unbekannter Brief von Euricius Cordus. 
XVon demselben:] Zum Briefwechsel des Landgrafen Philipp mit 



— 392 — 

Luther und Melanchthon. In: Zeitschrift d. Ver. f. hess. Gesch. 
N. F. 30 S. 158. Kassel, 1906. 8. 

173. Ktich, Friedrich. Die ältesten Salbücher des Amtes Marburg. 
In: Zeitschrift d. Ver. f. hess. Gesch. N. F. 29 S. 145. Kassel, 

1905. 8. 

174. Kunst. Die Kunst der Glasmalerei in ihren besonderen Be- 
ziehungen zu Hessen: — o. In: Tageblatt LIII. Nr. 422. Cassel, 
1906. 

175. Landes- u. Volkskunde. Hessische Landes- u. Volks- 
kunde. Das ehemalige Kurhessen und das Hinterland am Ausgang 
des 19. Jahrhunderts .... Hgg. von Carl Hessler. Bd. I: Hess. 
Landeskunde. 1. Hälfte. Marburg (Elwert) 1906. 8. Bespr. 1) von 
Heidelbach in Hessenland XX S. 75. Cassel, 1906. 2) von 
Schoof in Zeitschr. f. dtsche. Mundarten VI 6. 

176. Lange, W. — Prähistorische Forschungen in der Rhön. 
[Von demselben:] Eine befestigte Wohnstätte aus der Vorzeit. In: 
Tour. Mitteilungen J. 13. Kassel (Weber u. W.) 1906. 8. 

177. Lange, Wilhelm. Hessen in vor- u. frühgcschichtlicher Zeit. 
In: Landes- u. Volkskunde ßd. 1. [Cassel 1906. 8.] 

178. Latwesen,A. — Zum 75 jähr. Jubelfest (der Casseler Lieder- 
tafel.) Cassel (Stöhr) 1905. 8. 

179. [Lejeune, Ernst.] Die Münzen d .... Burg Friedberg .... 
Bespr. von Edw. Schröder. In: Zeitschrift d. Ver. f. hess. Gesch. 
N. F. 30. Cassel, 1906. 

180. [Leiningen-Westerburg. Josephine Gräfin von.] 70. Ge- 
burtstag. Am 8. April d. J. begeht Josephine Grälin. — In: Hessen- 
land XIX Nr. 6. Cassel, 1905. 

181. Lesesaal. Der Lesesaal der Landesbibliothek zu 
Cassel von e. In: 1) Allgemeine Zeitung Nr. 218. Cassel, 1906. 2) 
Morgenzeitung Nr. 219. Cassel, 1906. 

182. Lewalter, Johann. Der „Yankee doodle" ein Schwälmer 
TanzV In: Hessenland XIX Nr. 2. Cassel, 1905. 

183. Liste der bei Laffelt verwundeten hess. Kavalleristen. In: 
Hessenland XX S. 188. 1906. 

184. Lohmeyer, Edward. Die Kasseler Grimm-Gesellschaft 
1896 bis 1905. Erster Geschäftsbericht . . . erstattet von — Kassel 
(Grimm-Gesellsch.) 1906. 8. Besprochen von Karl Detlev Jessen. 
In: Modern Language Notes XXII Nr. 1. Baltimore, 1907. 

185. [Lohr, Wilhelm.] Reden gehalten b. d. Begräbnisfeier des 
. . . General - Superintendent . . . Wilhelm Lohr . . . Cassel (Lometsch) 

1906. 8. 

186. Looff, Eduard. Der Grenzgang der Stadt Felsberg. In: 
Hessenland XIX Nr. 21. Cassel, 1905. 

187. Looshorn, J. — Kloster Kaufungen. In: Hist.-pol. Blätter 
Bd. 135. München (Anstalt) 1905. 8. Bespricht Roques' Urkunden- 
buch. 

188. Losch, Philipp. Der erste lippische Erbfolgekrieg. Ein 
Vorspiel zur lippischen Frage. Melsungen (Hopf) 1905. 8. Bespr. 
von Bennecke in Hessenland XIX Nr. 21. Behandelt den Ver- 
such Landgraf Wilhelms IX. im Jahre 1787 die Grafschaft 
Schaumburg lipp. Anteils als erledigtes hess. Lehn einzu- 
ziehen. 

189. Losch, Philipp. Eine althessische Familie in Dänemark 
[Johann und Karl v. Ewald.] In: Hessenland XX S. 2. 17. 85. 
Cassel, 1906. 



— 393 — 

190. Losch, Philipp. General-Major Lord George Coleraine, sonst 
Haagher genannt. In: Hessenland XX S. 246 u. 261. Cassel, 1906. 

191. Losch, Philipp. Zur Geschichte der hessischen Renitenz. 
In: Zeitschrift f. Kirchengeschichte Jahrg. 27. S. 209—219. Gotha 
(Perthes) 1906. 8. 

192. Lullusbrunnen. Der Lullusbrunnen. Hersfeld (Hoehl) 1905. 8. 

193. Luthardt. Aus Briefen Luthardts an Henke. Mitget. von 
D. Rade, Marburg. In: Beiträge z. Sachs. Kirchengesch. H. 18. 
Leipzig (Barth) 1905. 8. (Luthardt war 1854—56 Professor zu 
Marburg, die Briefe betreffen hessische Verhältnisse zum 
Teil.) 

194. [Lynker, Karl.J Erinnerungstag. Am 29. Mai werden 50 
Jahre verflossen sein. In: Hessenland XIX Nr. 10. Cassel, 1905. 

195. [Malsburg, Ernst v. d. — ] Für das Leben u. litt. Würdi- 
gung des Dichters E. v. d. M. (1786—1824) siehe: Krüger, H.A. und 
Pissin, Raimund. 

196. Matter, PauL La Prusse au temps de Bismarck. La d6- 
faillance d'Olmütz. In: Revue histor. T. 86 p. 242 u. ff. Paris. 
Handelt ausführlich über den hessischen Konflikt v. 1850. 

197. [Maurer.] Brief eines Hessen aus der Zeit des englisch- 
nordamerikanischen Kriegs. Von Fritz Maurer. In: Hessenland XX 
S. 48. Cassel, 1906. 

198. Maurer, Fritz. Das angeblich in London aufgefundene 
Verzeichnis der hessischen Subsidientruppen ... In: Hessenland 
XX S. 65. Cassel, 1906. 

199. Mentzel, E. — Karoline von Hessen-Darmstadt, die große 
Landgräfm, Ihr Aufenthalt in Prenzlau 1750 bis 1756. Darmstadt 
(Müller & Rühle) 1906. 8. 

200. Mentzel, E. — Theater in Marburg 1789. In: Hessen- 
land XIX Nr. 18. Cassel, 1905. 

201. Meyer, Theodor. Die Preismedaillen für den Handels- und 
Gewerbe-Verein in Kurhessen. In: Hessenland XIX Nr. 15. Cassel, 
1905. 

202. Meyer, Theodor. Ein Groschen Landgrafen Hermanns des 
Gelehrten zu Hessen (1367—1413). In: Hessenland XX S. 308. 
Cassel, 1906. 

203. Meysenbug, Malvida von. Briefe an ihre Mutter. Ham- 
burg 1850 — 1852 hgg. von Gabriel Monod (Paris). In: Deutsche Revue 
XXX S. 217 u. f. Stuttgart (Verlagsanstalt) 1905. 8. 

204. Meysenbug, 0. Frhr. v. — Louis Spohr in seinen Be- 
ziehungen zu Detmold. ... In: Mitteilungen a. d. lippischen Ge- 
schichte Jahrg. III. Detmold 1905. 8. 

205. Mirbt, Carl. Die katholisch-theologische Fakultät zu Mar- 
burg. Ein Beitrag z. Geschichte d. kath. Kirche in Kurh. . . Marburg 
(Elwert) 1905. 8. Bespr. 1) von K. Wenck in Zeitschr. d. Ver. 
f. hess. Gesch. N. F. 30; 2) von Kattenbusch in Hist. Zeit- 
schrift m. Folge Bd. 2 Heft 1, München, 1906. 

206. Mitteilungen a. d. Mitglieder des Vereins f. hess. Gesch. 
Jahrg. 1903/4, 1904/5. Kassel (Doli) 1904/5. 8. 

207. Mitteilungen des Oberhess. Geschichtsvereins N. F. Bd. 14. 
Gießen (Töpelmann) 1906. 8. 

208. Mitteilungen. Touristische Mitteilungen hgg. von W. C. 
Lange. Jahrg. 13. Kassel (Weber & W.) 1905. 8. 

209. Mitteilungen zur Geschichte hessischer Familien und 
hessischer Heeresverhältnisse a. d. Zeit des 30 jähr. Krieges. [Luca- 



— 394 — 

nus, Wasserhuhn, Joh. Geysso.] In: Hessenland XIX Nr. 18. 
Cassel, 1905. 

210. [Mohr, Ludwig.] Enthüllung einer Gedenktafel für Ludwig 
Mohr. In: Hessenland XIX Nr. 14. Cassel, 1905. 

211. Mott, A. — Die Kreuzessymbolik bei Hrabanus Maurus. 
In: Fuldaer Geschichtsblätter Jahrg. 4. Fulda (Actiendr.) 1905. 8. 

212. [M o y 6 , Eduard.] Jubiläum. Am 22. Juni beging der Oberst 
Eduard Moye In: Hessenland XIX Nr. 13. Cassel, 1905. 

213. Müller, Karl. Die selbständige evangelisch - lutherische 
Kirche in den hessischen Landen. . . . Elberfeld (Bücherverein) 1906. 8. 

214. Müller, L. — Die Fürstengräber in der St. Elisabethkirche 
zu Marburg zur Zeit der letzten Restauration. In: Oberhess. Zeitung 
1906. 

215. Müller, L. — Beiträge zur Chronik von Marburg. [Marburg 
1906.] 4. 

216. Müller, Nikolaus. Zur Digamie des Landgrafen Philipp von 
Hessen. In: Archiv f. Reformations geschieh te I 1903/4. Berlin 
(Schwetschke) 1904. 8. 

217. Müller, Ph. — Kassel und Paris. Ein Andenken an 1870/71. 
Elberfeld (Lucas) [1906]. 8. 

218. Münzenfund. MittelalterUcher Münzenfund. In Aue bei 
Hersfeld Von P. W. In: Hessenland XIX Nr. 5. Cassel, 1905. 

219. Musen-Almanach. Hessischer Musen- Almanach. Ein Jahr- 
buch f. hess. Kunst hgg. von Neurath. Jahrg. 1. Gießen (Frees) 
1906. 8. 

220. Museum. Aus dem Königlichen Museum zu Kassel [unter- 
zeichnet von 0. Eisenmann und J. Boehlau]. In: Mitteilungen 
a. d. Mitglieder des Vereins f. hess. Gesch. Jahrg. 1904/5. Kassel 
(Doli) 1905. 8. 

221. Naumann, Heinrich. Vom Heimatacker. Geschichten eines 
hessischen Bauersmanns. Berlin (Landbuchh.) 1906. 8. A. u. d. T. : 
S o h n r e y , Bücherschatz Bd. 3. (Kulturgeschichtl. über Hessen.) 

222. Neubau. Der Neubau des Königl. Theaters in Kassel. Gut- 
achten d. kgl. Akademie d. Bauw. [gez. v.J Schroeder. In: Zentral- 
blatt d. Bauverwaltung XXVH Nr. 7. Berlin (Ernst & Korn) 1907. 4. 

223. Neuber, C. — Das Kastell in Kassel. In: Hessenland 
XX S. 271 u. 286. Cassel, 1906. 

224. Neuber, Carl. Das RiesenschloS a. d. Karlsberge und die 
Herkules-Statue. In: Tagebl. u. Anz. Nr. LH 512/13. Cassel, 1905. 

225. Neuber, Carl. Der Forst. In: Neue Casseler Zeitung 
Nr. 156. 184. Cassel, 1906. 

226. Neuber, C. — Die Plätze von Cassel. In: Casseler Tage- 
blatt Nr. 89. 91. 93. Cassel, 1906. 

227. Neuber, Carl. Die Teilnahme der Hessen am Feldzuge 
gegen Frankreich i. J. 1815. In: Tageblatt LH Nr. 536. Cassel, 
1905. 

228. [Neuber, Carl.] Ehrung. Herrn Kanzleirat Neuber in Kassel 
... In: Hessenland XIX .Nr. 16. Cassel, 1905. 

229. Neuber, C. — Ober die Gasthäuser in Hessen, besonders 
in Cassel. In: AUgem. Zeitung Nr. 69. 72. 73. Cassel, 1906. 

230. Neuber, C. — Zur Geschichte der Kasseler Rathäuser. 
In: Hessenland XIX Nr. 10. Cassel, 1905. 

230a. [Neuhof, Ferdinand, f 18. Aug. Nekrolog auf:] Todes- 
fälle. Der Oberstleutnant a. D. Ferdinand Neuhof. [Nekrolog in:] 
Hessenland XIX Nr. 20. Cassel, 1905. 






— 395 — 

231. Nikolaus. Nikolaus von Landau Sermone als Quelle für 
die Predigt Meister Eckharts u. s. Kreises von Hans Zuchold. Halle 
(Niemeyer) 1905. 8. [A. u. d. T.:] Hermaea hgg. v. Strauch. Bd. 2. 
Wiedergabe einer a. d. hies. Landesbibliothek befindlichen 
Handschrift. 

232. Noll, Gustav. Otto der Schütz in der Literatur. Tübinger 
Inaug.-Diss. Straßburg (Trübner) 1906. 8. Bespr. von Edw. Schröder 
in Zeitschr. d. Ver. f. hess. Gesch. N. F. 30. 

233. [Ochsenius, Carl Christian, f 9. Dez. Nekrolog auf:] den 
Konsul Dr. Carl Christ. Ochsenius ... In: Hessenland XX 1906. 
S. 346. 

234. Oettingen, Burch. — Stutbuch des Kgl. Preuß. Hauptgestüts 
Beberbeck. Bd. 1. 2. Von Oettingen und Ed. Mieckley. Berlin 
(Mittler) 1905. 8. 

235. Oldendorf. Hessisch - Oldendorf . . In: Niedersachsen 
Jahrg. 11 Nr. 15. Bremen (Schünemann) 1906. 4. 

236. Oppermann, P. von. Die Artillerie- und Genieschule im 
Königreich Westfalen .. . In: Zeitschrift d. Ver. f. hess. Gesch. 
N. F. 29. S. 1. Kassel, 1905. 8. 

237. Pabst, A. — Amöneburg im siebenjährigen Kriege. In: 
Fuld. Geschichtsblätter Jahrg. 5. Fulda (Actiendr.) 1906. 8. 

238. Pabst, A. — Der alte „ßramforst" und die Hünfelder Stadt- 
waldung „Praforst". In: Fuldaer Geschichtsbl. Jahrg. 4. Fulda 
(Actiendr.) 1905. 8. 

239. Pabst, A. — Woher kommt der Straßenname „Eichsfeld" 
in der Stadt Fulda? In: Hessenland XX S. 190. Cassel, 1906. 

240. Pappenheim, Gust. Frhr. Rabe von. — Aus der Studien- 
zeit eines hessischen Edelmannes i. d. J. 1767 — 1770. [Ludwig Heinr. 
Wilh. Christian Rabe v. P.] In: Hessenland XIX Nr. 19 u. 20. 
Cassel, 1905. 

241. [Pappenheim, Rabe von.] Erinnerungsblätter a. d. Dienst- 
zeit des — , und Urkundl. Nachrichten über die Ursprünge des Namens 
und Wappens . . . Bespr. von L. in Hessenland XIX Nr. 1. Cassel, 
1905. 

242. Pappenheim, G. R. Frhr. v. — Erste Folge der Erinne- 
rungsblätter a. d. Dienstzeit . . . Carlshafen (Meinhardt) 1906. 8. 

243. Parade. Große Parade auf dem Bowlingreen in althessi- 
scher Zeit . . . Von Th. M. In : Hessenland XX S. 136. Cassel, 1906. 

244. Paulus, N. — Das Beichtgeheimnis u. die Doppelehe Phi- 
lipps von Hessen. In: Hist.-polit. Blätter Bd. 135. S. 317-333. 
München, 1905 8. (Bekämpft die Auffassung, daß Luther in 
dieser Angelegenheit die Rolle eines zur Verschwiegen- 
heit verpflichteten Beichtvaters gespielt.) 

245. Paulus, N. — Cajetan u. Luther üb. d. Polygamie. In: Hist.- 
polit. Blätter 135. S. 81—100. München (Anstalt) 1905. 8. Han- 
delt über die Doppelehe des Landgr. Philipp. 

246. Pf äff, F. — Aus dem letzten Jahrzehnt des dreißigjährigen 
Krieges [Stollenbeckersche Stiftung]. In: Hessenland XX S. 187. 
Cassel, 1906. 

247. Pf äff, F. — Die Neubegründung des Hospitals in Hofgeis- 
mar durch Philipp den Großmütigen. In: Hessenland XIX Nr. 18. 
Cassel, 1905. 

248. Pf äff, F. — Die Schlacht bei Wilhelmsthal (24. Juni 1762). 
In: Hofgeismarer Zeitung, Beilage XL Nr. 72. 75. 78. 81. Hofgeis- 
mar, 1906. 



— 396 — 

249. Pf äff, F. — Spuren des siebenjährigen Krieges im nördl. 
Hessen. In: Allgemeine Zeitung XXII Nr. 151 u. 152. Cassel, 1906. 

250. [Pfeiffer, Louis.] Gedenktag. Am 4. Juli 1805 wurde 
Louis Pfeiffer, der sich als Naturforscher ... in Kassel geboren. In: 
Hessenland XIX Nr. 13. Cassel, 1905. 

251. [Pfeiffer, Richard, f 6. Mai. Nekrolog des:] Oberlandes- 
gerichtsrat Richard Pfeiffer. In: Hessenland XX. Cassel, 1906. 

252. [Philippi, R. A. f 28. Juli.] Dem am 23. Juli 1904 zu 
Sant-Jago in Chile verstorbenen Dr. Rudolf Amandus Philippi widmet 
Carl Ochsenius, Marburg, einen längeren Nachruf. In: Hessen- 
land XX S, 72. Cassel, 1906. 

253. Pissin, Raimund. Otto Heinrich Graf von Loeben (Isi- 
dorus Orientalis) sein Leben u. s. Werke. Berlin (Behr) 1905. 8. 
(S. 299 u. ff. Verhältnis zu E. v. d. Malsburg, Aufenthalt in 
Escheberg im Sommer 1822.) 

254. Privataufzeichnungen eines Hünfelder Bürgers aus der 
ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Aufgez. von A. P a b s t. In : Ful- 
daer Geschichtsblätter Jahrg. 5. Fulda (Actiendr.) 1906. 8. 

255. Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei und 
der Diözese Fulda . . . hgg. von Gregor Richter. 2. Fulda (Actien- 
druckerei) 1905. 8. 

256. [Rady, J. B. — ] Gesch. d. kath. Kirche. Bespr. in: 1) Hist.- 
polit. Blätter Bd. 136. S. 633. UK)5, 2) von F. Herrmann u. W. Dersch 
m den Beiträgen z. Hess. Kirchengesch. IL S. 277 — 283 u. 335 — 361. 

257. Ransson, M. — Marbourg et les moeurs des 6tudiants 
allemands. In : Revue internationale de Tenseignement. Ann§e 25 
vol. 50 S. 221 u. f. Paris, 1905. 

258. Rauch, Christian. Führer durch Fritzlar. Mit statist. An- 
hang von Höschen. Fritzlar (Ehrhardt) 1905. 8. ßespr. von Ph. L. 
in Hessenland XIX Nr. 23. 

259. Rauch, Christian. Kloster Altenberg an der Lahn. In: 
Hessenland XX S. 108. Cassel, 1906. s. a. Hessen-Kunst. 

260. Reden. Marburger akademische — . Nr. 14. 15. Marburg 
(Elwert) 1905/6. 8. 

261. Reinach, Salomon. Notes de voyage. Cassel. Aus: 
Revue Arch^ologique Serie IV Nr. 7. Paris (Leroux) 1906. 8. Be- 
spricht viele Handschriften und anderes Material der 
hiesigen Landesbibliothek. 

262. Renner, Friedrich. Das Famihen-Fedeikommiß des kurf. 
Hessischen Hauses in seiner geschichtlichen Entwicklung ... In: 
Zeitschr. d. Ver. f. hess. Gesch. N. F. 29. S. 91. Kassel, 1905. 8. 

263. [Rettberg, Friedrich Wilh. — Biographie von Friedrich 
Wieg and.] In: Marburger Akademischer Kalender. W.-S. 1905/6. 
Marburg (Elwert) 1905. 8. 

264. [Rettberg, Friedr. Wilh.] Gedenktag. Am 21. Aug. d. J. 
werden 1(K) Jahre verflossen sein, daß der Kirchenhistoriker Rett- 
berg ... In: Hessenland XIX Nr. 16. Cassel, 1905. 

265. Reul, Friedrich. Der Maler Heinrich Faust. Skizze von 
Reul. In: Hessenland XIX Nr. 8 u. 9. Cassel, 1905. 

266. Richter, Gregor. Mittelalterliche Baudenkmäler der ful- 
dischen Propstei Rohr. . . In: Fuldaer Geschichtsblätter Jahrg. 4. 
Fulda (Actiendruckerei) 1905. 8. 

267. Richter, Gregor. Die Säkularisation des Kollegiatstifts Ras- 
dorf. In : Fuldaer Geschichtsblätter Jahrg. 4. Fulda (Actiendr.) 
1905. 8. 



— 397 — 

2ßS. Richter, Gregor. Der Fuldaer. Rechtsgelehrte Eugen T h o - 
mas (t 1818). In: Fuldaer Geschichtsblätter Jahrg. 4. Fulda 
(Actiendr.) 1905. 8. 

269. Richter, G. — Bonifatiana. In: Fuldaer Geschichts- 
blätter Jahrg. 5. Fulda (Actiendr.) 1906. 8. 

270. Richter, G. — Zur Geschichte des Bauernkriegs im Hoch- 
stift Fulda. In: Fuldaer Geschichtsblätter Jahrg. 5. Fulda 
(Actiendr.) 1906. 8. 

271. Rinteln. Rinteln ... In: Nie der Sachsen XI Nr. 15. 
.Bremen (Schünemann) 1906. 4. 

272. [Rockwell, W. W. — ] Doppelehe des Landgrafen Philipp 
bespr. von B. Rogge in Dtsch.-Evang. Blätter XXX S. 198u.f. 1905. 

273. Roeper. Das Infanterie-Regiment Nr. 83 in der Schlacht 
bei Wörth am 6. Aug. 1870. Berlin (Mittler) 1905. 8. 

274. Roqucs, Franz v. — Stammliste der Offiziere des 1. Kurh. 
Inf.-Reg. Nr. 81 seit 1866 . . . Frankfurt (Mahlau u. W.) 1905. 8. 

275. Rosenstock, G. — Fuldaregulierung und Brückenbauten, 
ihre Bedeutung f. d. Stadt Cassel . . . Cassel (Selbstverlag) 1905. 8. 

276. [Rubel, Karl.] Die Franken . . . bespr. von: 1) G. Caro in 
Westdeutsche Zeitschrift Bd. 24 S. 60—71 und 2) von Ulrich Stietz 
in der Zeitschrift der Savignystiftung Germ. Abt. 26. S. 349—363. 

277. Rückblick. Statistischer Rückblick auf das Kgl. Theater zu 
Cassel f. d. Spielzeit 1905/6. 0. 0. u. J. [Schreibmasch.] 1906. 4. 

278. Ruppel, Aloys. Die Taten des Fuldaer Abtes Heinrich VL 
von Hohenberg (1315—1353) in der Schilderung eines Zeitgenossen. 
In: Fuldaer Geschichtsblätter Jahrg. 5. Fulda (Actiendr.) 1906. 8. 

279. Ruthe, J. Fr. — Auf der Flucht vor den Strickreitern im 
Königreich Westfalen 1809—1811. Braunschweig, 1906. 8. 

280. Schaeffer, Emil. Friedrich Karl Hausmann. Ein deut- 
sches Künstlerschicksal. Berlin (Bard.) 1907. 8. Bespr. 1) v. K. 
Siebert in Monatshefte f. Kunstw. Literatur 1906 Nr. 10; 2) v. K. 
Siebert in Hessenland 1906 Nr. 22; 3) v. E. J. Zimmermann in 
Hanauer Zeitung 1906 Nr. 279. 

281. Schaffnit's neue Verkehrs-Karte v. Westfalen u. Hessen- 
Nassau. Aus Kochu. Opitz Eisenb.- Verkehrs-Atlas 3. Aufl. 1 : 600,000. 
Düsseldorf (Schaffnit) 1905 47 X öO. 

282. Schanze, W. — Kurze Darstellung der Geschichte u. Tätig- 
keit des Handels- u. Gewerbevereins zu Cassel. Zur Jubelfeier . . . 
Cassel (Selbstverlag) 1905. 8. 

283. Schanze, W. — Die Jubiläums-Gewerbeausstellung in (^.assel 
V. 1. Juli bis 4. Sept. 1905 . . . Cassel (Weber u. Weidemeyer) 1906. 4. 

284. [Schaumburg, Karl Aug. Graf von f] Se. Durchl. Prinz 
Phlilipp von Hanau wurde von einem Unglück betroffen .... In : 
Hessenland XIX Nr. 24. Cassel, 1905. 

285. Schauspieler. Die französischen Schauspieler am Hofe 
des Landgrafen Friedrich IL von Hessen-Kassel. Von W. Bennecke. 
In: Hessenland XIX Nr. 19. 20 u. 21. Cassel, 1905. 

286. Schlarbaum, J. C. — Die Konfirmation des Erbprinzen 
Wilhelm von Hessen, den späteren Kurfürsten Wilhelm II. zu Marburg 
am 2. Oktober 1791 von C. K. In: Hessenland XX S. 113. Cassel, 
1906. 

287. Schien eher, Fritz. Die Ronneburg. Ein Führer durch die 
Burg und ihre Umgebung. 2. Aufl. Gelnhausen (Wettig) 1906. 8. 

288. Schneider. Emil. Hessisches Sagenbüchlein ... bearb. u. 
hgg. 2. Aufl. Marburg (Elwert) 1905. 8. 



— 398 — 

289. Schöner, Gustav. Der Bachtanz zu Langenselbold. In: 
Hessenland XIX Nr. 21. 22. Cassel, 1905. 

290. Schöner, G. — Heimatpflege und Ortsnamenkunde. In: 
Hessenland XIX Nr. 10. Cassel, 1905. 

291. Schöner, G. — Alte Rechtsverhältnisse und deren Ablösung 
im Bereich des Büdinger Waldes. In: Hessenland XX S. 274.288 
u. 305. Cassel, 1906. 

292. Schönheiten-Galerie. Die Schönheiten-Galerie im Schlosse 
Wilhelmsthal bei Cassel. München (Hanfstängl.) [1905] fol. 

298. [Schönian.] Ober-Regierungsrat Schönian f [Nekrolog] ... 
In: Tageblatt LIII Nr. 317. Cassel, 1906. 

294. Schoof, Wilh. — Beiträge zur Kenntnis der Schwälmer 
Mundart. I. Die Verbalflexion der Schwälmer Mundart. In: Zeit- 
schrift für hochdeutsche Mundarten Jahrg. VI Heft 5. Heidelberg 
(Winter) 1905. 8. Bespr. von A Fuckel in Hessenland XX 
1906. S. 114. 

295. Schoof, Wilhelm. Der Schillerkultus in Hessen. In: Hessen- 
land XIX Nr. 10. Cassel, 1905. 

296. Schoof, Wilhelm. Henriette Keller-Jordan zu ihrem 
70. Geburtstage. In: Hessenland XIX Nr. 10 bis 12. Cassel, 1905. 

297. Schoof, Wilhelm. Neue Briefe der Brüder Grimm. In: 
Hessenland XIX Nr. 8 u. 9. Cassel, 1905. 

298. Schoof, Wilhelm. Sprachproben in Schwälmer Mundart. 
In: Zeitschrift f. dtsche. Mundarten 1906 Heft 1—4. Heidelberg 
(Winter) 1906. 8. D e r s. Sprachproben aus Balhorn. Ebendaselbst VI 6. 

299. Schornbaum, Karl. Zur Politik des Markgrafen Georg 
von Brandenburg . . . München (Ackermann) 1906. 8. Enthält : Den 
Tag von Schmalkalden, Markgraf Georg und der schmal- 
kald. Bund (sehr viele Beziehungen zu Ldgrf. Philipp.) 

300. Schulze, E. — Die Landgrafen von H.-Homburg in ihrem 
Verhalten der Spielbank gegenüber. In: Grenzboten J. 63 Bd. 3 
S. 265 u. f. Leipzig (Grunow) 1904. 8. 

301. Schwan, Johannes. Johannes Schwan aus Marburg, 
Franziskaner zu Basel, Buchdrucker und Bürger zu Straßburg. [Bio- 
graphie] in Clemen, Beiträge zur Reformationsgesch. Heft 1. Berlin 
(Schwetschke) 1900. 8. 

302. Schwarzkopf, Carl. Das Schloß zu Rauschenberg in 
Oberhessen. In: Hessenland XIX Nr. 19. Cassel, 1905. 

303. Schwarzkopf, Carl. Die Erhebung der Kasseler Bevöl- 
kerung im Jahre 1813. In: Hessenland XIX Nr. 24. Cassel, 1905. 

304. [Schwarzkopf, Carl.] Die Flucht des Doktor Kellner 
aus dem Kastell zu Cassel am 13. Febr. 1852. Nach d. Vortrag im 
Geschichtsver. In: Tageblatt LIII Nr. 63. Cassel, 1906. 

305. Schwarzkopf, Carl. Der Einmarsch der Franzosen in 
Cassel am 1. Nov. 1806. Eine Säcular-Erinnerung. In: Tageblatt 
LIII Nr. 532/.39. Kassel, 1906. 

306. [Schwarzkopf, Carl.] Erinnerungen an den Einmarsch 
der Bayern und Oesterreicher in Kassel am 22. XII. 1850. In : Kasseler 
Tageblatt 1906 Nr. 97. 99. 101—103. 113. Cassel, 1906. 

307. Seh wiening, Georg. Wilhelm Bennecke. ln:Hessen- 
1 and XX S. 14 u. 30. Cassel, 1906. 

308. [S e e 1 i g , Wilhelm. Nekrolog des :] Geh. Regierungsrat Prof. 
Dr. Wilhelm Seelig ... In:HesseplandXXS. 226. Cassel, 1906. 

309. Seeling, F. — Adalbertus Endert, Bischof von Fulda f. 
In: Hessenland XX S. 224. Cassel, 1906. 



— 399 — 

310. Seeling, Fritz. Die gesamte Literatur über Philippum 
Magnanimum, Landgraf zu Hessen . . . Erstes Drittel. Aus: Hessen- 
land. Bronnzeil (Selbstverlag) 1905. 4 

311. Seeling, Fritz. Schillers Beziehungen zur Landgrafschaft 
Hessen-Cassel. In: Hessenland XIX Nr. 9. Cassel, 1905. 

312. Seidenberge r. Friedberg und die Wetterau im Rahmen 
dtsch. Reichsgeschichte . . . Friedberg i. H. 1905. 8. 

318. Siebert, K. — Ein Hesse als Pionier der Wissenschaft im 
Orient. [Theodor Wieg and in Konstantinopel.] In: Hessenland 
XX S. 270. Cassel, 1906. 

314. Siebert, Karl. Georg Cornicelius. Sein Leben u. s. 
Werke = Studien z. dtsch. Kunstgeschichte, Heft 63. Straßburg 
(Heitz) 1905. 8. Bespr. : 1) von Zimmermann in Hanauer-A n z e i g e r 
1905 Nr. 264, 2) von Schlang in Breisgauer Erzähler 1905 Nr. 46, 
3) von K. S. in Liter. Centralblatt 1906 Nr. 42, 4) von Neuwirth in 
AUg. Literaturblatt 1906 Nr. 20. 

315. Simon, Hugo. — Beiträge zur Schmalkalder Geschichte. 
Schmalkalden (Wilisch) 1905. 8. 

316. [Sopp, Ernst Wilh. Christ.] Zur Erinnerung an unseren 
unvergessl. Vater Ernst Wilhelm Christian Sopp, Superintendent .... 
zu Hanau, geb. 1829 zu Rotenburg, gest. 1904 zu Hanau. Hanau 
(Waisenhaus) 1905. 4. 

317. Staerk, P. — Wanderungen an der Werra. Reise- 
Erinnerungen in Wort und Bild. In : Das Neue Blatt 1904 Nr. 21—23. 
Leipzig (Payne) 1904. 4. 

318. Stein, Ernst. Fechenheim zu Kriegszeiten. Bearbeitet nach 
amtl. Quellen von Stein. Fechenheim (Schack) 1905. 8. 

319. Steinhausen, Georg. Der Neubau der Murhardsch. Bi- 
bliothek der Stadt Cassel. In: Zentralblatt f. Biblioth. J. 22 S. 
297-307. Leipzig (Harrassowitz) 1905. 8. 

320. Stendell, E. — Eine zu Eschwege vollzogene fürstl. Ehe- 
schhetJung a. d. 17. Jahrh. . . . Eschwege (Braun) 1905. 8. 

321. Stern. Album der domänenfiskalischen Bäder und Mineral- 
brunnen im Königr. Preußen. Im Auftrage des Herrn Ministers . . . 
von Stern. [Aachen, Druck der Verlags- und Druckereigesellsch. 1906.] 
fol. Hierin Nenn dor f. 

322. Strafkommando. Ein Strafkommando im Jahre 1826. 
[Wegen Schmuggel bei Hünfeld.] In: Hessenland XIX Nr. 21. 
Cassel, 1905. 

323. Stromberger, A. — Ein Gedenkblatt für Luise von 
Ploennies. In: Hessenland XX S. 235. Cassel, 1906. 

324. Tiesmeyer,L. — Die Erweckungsbewegung in Deutsch- 
land während des 19. Jahrh. Heft 5. Ehemaliges Kurfürstent. Hessen. 
Kassel (Röttger) 1905. 8. 

325. Totenschau. Hessische Totenschau von 1904. In: Hessen- 
land XIX Nr. 1. Cassel, 1905. 

326. Totenschau. Hessische Totenschau von 1905. In: Hessen- 
land XX S. 11. Cassel, 1906. 

327. Treller, Franz. Athene parthenos. Kassel (Scheel) 1906. 
8. [Behandelt u. a. die Kämpfe von Hessen gegen die 
Türken.] 

328. Treller, Franz. Denis Pap in. In: Hess. Morgen- 
zeitung Nr. 158. Cassel, 1906. 

329. Tschudi, H. v. — Aus Menzels jungen Jahren. In: 
Jahrbuch d. Kgl. Preuß. Kunstsamml. XXVI S. 215—314. Berlin 



— 400 — 

(Hofb.) 1905. fol. Enthält M.'s Briefe an den Casseler Fabri- 
kanten C.H.Arnold, in dessen Hause er 1847/48 den Carton 
„Einzug der Herzogin Sophie von Brabant in Marburg" 
malte. 

330. Ubbelohde, Otto. Aus Alt-Marburg. Federzeichnungen. 
Marburg (El wert) 1906. 8. Bespr. von Heidelbach in Hessen- 
land XX S. 348. Cassel, 1906. 

331. Unruhen. Die Unruhen in Kassel von Sept. 1830 bis Febr. 
1831. In: Hessenland XIX Nr. 17 u. 18. Cassel, 1905. 

332. Urkundenheft zu der Gesch. d. waldensischen Kolonie 
Waldensberg. Hgg. von A. Heilmann. = Geschichtsblätter 
des Deutschen Hugenottenvereins ßd. 12 Heft 10. Magdeburg (Hein- 
richshofen) 1905. 8. 

333. [Varrentrapp, C. — ] Landgraf Philipp von Hessen und d. 
Univ. Marburg. Marburg (El wert) 1905. 8. Besprochen von Ph. 
Losch in Mitteilungen a. d. bist. Literatur XXIV. 1906. 

334. Verdy du Vernois, J. — Der Zug nach Bronzell. 1850. 
Jugenderinnerungen. In: Deutsche Rundschau Jahrg. 32. Berlin 
(Paetel) 1905. 8. 

335. [Verein f. hess. Geschichte.] 72. Mitglieder-Versamm- 
lung des Vereins f. hess. Gesch. zu Melsungen. In: Hessenland 
XX S. 220 u. 232. Cassel, 1906. 

336. [Verein] für hess. Geschichte und Landeskunde, Jahres- 
versammlung in Melsungen. Bericht darüber in : 1) Tageblatt Nr. 371. 
373. 374. 376. 2) Allgem. Zeitung Nr. 219—221. 3) Morgenzeitung 
Nr. 220. 223. 224. Cassel, 1906. 

337. Verein zur Erforschung und Pflege der hess. Mundarten 
[ins Leben gerufen durch Dr. H. Brunne rj. In: Hessenland XIX 
Nr. 20. Cassel, 1905. 

338. Veröffentlichung des Fuldaer Geschichtsvereins. 5. Fulda 
(Actiendruckerei) 1905. 4. 

339. Voltz, Ludwig. Zur Kapitulation von Ziegenhain 1547. In: 
Archiv f. Hess. Gesch. N. F. IV. 2. Darmstadt (ßergstraeser) 1906. 8. 

340. Vonderau, J. — Der heutige Stand der vorgeschichtlichen 
Forschung im Fuldaer Lande. In: Fuldaer Geschichtsblätter. 
Jahrg. 4. Fulda (Actiendruckerei) 1905. 8. 

341. Vonderau, Joseph. Der Ringwall am nördl. Heidenküppel 
bei Unterbimbach im Kreise Fulda. In: Veröffentlichung d. 
Fuld. Geschichtsv. H. 5. Fulda (Actiendruckerei) 1905. 4. 

342. Vonderau, J. — Steinzeitliche Hockergräber und Wohn- 
stätten auf dem Schulzenberge bei Fulda. In : Fuldaer Geschichts- 
blätter J. 4. Fulda (Actiendruckerei) 1905. 8. 

343. Waddington, Richard. La guerre de sept ans. Histoire 
dipl. et milit. Paris (Firmin Didot.) 0. J. 8. 3 Bde. Darin: Hess.: 
Diversion de Soubise en Hesse. Combat de Sanders- 
hausen. Campagnes enHesse. L'armee de Contades par 
la Hesse. Abandon de Cassel etc. etc. 

344. Wagenführer, Otto. Kleine Heimatkunde des Kreises 
Grafsch. Schaumburg. Rinteln (Wehhng) 1905. 8. 

345. [Walther, Hermann f.] Hermann Walther f (Preuß. Jahr- 
bücher Bd. 84 Maiheft 1896 von Hans Delbrück). In: Delbrück, 
Erinnerungen, Aufsätze und Reden, 3. Afl. Berlin (G. Stilke.) 1905. 8. 
Herm. Walther, Sohn des Stadt-Gerichtsdirektors W. 
aus Kassel, Verleger der Preuß. Jahrbücher. 



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346. [Wartensleben.] Zur Geschichte der Offiziere des Re- 
giments „Wartensleben", später „Prinz George und Prinz Karl". In: 
Hessenland XIX Nr. 16. Cassel, 1905. 

347. Weber, Rudolf. Die Eingemeindung der Vororte in Cassel 
.... Cassel (Druck von Becker u. Rennert) 1905. gr. 8. 

348. Wehr, Georg. Die Festung zu Rüsselsheim [nach Sturm- 
fels, Gesch. Rüsselhe