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Full text of "Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft"

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JULES MARCOU 












FOR THE "PEOPLE 

FOR. EDVCATION 

FOR SCIENCE 






LIBRARY 

OF 

THE AMERICAN MUSEUM 

OF 

NATURAL HISTORY 








Zeitschrift 



• • 



der 



Deutschen geologischen Gesellschaft. 



I, Band. 

1849. 



Mit neun Tafeln. 



Berlin, 1849. 

Bei Wilhelm Hertz (Bessersche Buchhandlung). 

Behrenstrasse No. 44. 



«3 • * 



/ S4-<f 



Bestand der Bibliothek 

der 

Deutschen geologischen Gesellschaft, Ende 1849. 



A. Bücher. 

No. 

1. Abhandlungen des zoologisch - raineralogischen Vereins 

in Regensburg. 1. Heft. Regensburg, 1849. 

2. Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in 

Mecklenburg. 1. u. 2. Heft. 

3. Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russland, her- 

ausgegeben von A. Er man. 7 Bände von 4 Heften 
und Bd. 8 Heft 1 und 2. 

4. Bericht über die Verhandlungen der naturforschenden 

Gesellschaft in Basel. Bd. 2—8. 

5. Controverse über die Frage: Was ist Mineralspecies ? 

Und Struvit. Beides in Duplo. 

6. Correspondenzblatt des zoologisch- mineralogischen Ver- 

eins in Regensburg. Heft 1 (1847). Heft 2 (1848). 

7. Debey, Beiträge zur Naturgeschichte der Rüsselkäfer. 

8. Delesse, sur le diorite orbiculaire de Corse et la pro- 

togyne des Alpes. 

9. id Observations sur la prelsence cFeau de combinaison dans 

les roches feldspathiques . 



No. 

10. Delesse, sur le pouvoir magnetique des miner aux et 

des roches. 

11. id. Memoire sur la protogyne des Alpes, 

12. id. Procede me'canique pour deter miner la composition 

chimique des roches. 

13. id. Recher ches sur les verres provenant de la fusion des 

roches. 

14. id. Reimion extraordinaire de la societe geologique de 

France a Epinal le 10 — 23. Sept. 1847. 

15. Gold fu ss, Beiträge zur vorweltlichen Fauna des Stein- 

kohlengebirges. 

16. Göppert, über Beobachtungen in der älteren Kohlen- 

formation. In duplo. 

17. Geinitz, das Quadersandsteingebirge oder Kreide- 

gebirge in Deutschland. 1. Hälfte. Freiberg, 1849. 

18. Jahresbericht von der K. Kreis -Landwirthschafts- und 

Gewerbschule zu Bayreuth für 1848 — 49. Enthal- 
tend: Braun, Beiträge zur Urgeschichte der Pflanzen. 

19. Katalog des antiquarischen Bücherlagers von Schmidt. 
No. 32 

20. Karsten, Verzeichniss der im Rostocker Museum be- 

findlichen Versteinerungen von Sternberg. 

21. Müller, Monographie der Petrefakten der Aachener 

Kreideformation . 

22. Reu ss, die fossilen Polyparien des Wiener Tertiär- 

beckens. (Aus den naturwissenschaftlichen Abhand- 
lungen, gesammelt von Hai ding er.) 

23. Statuten des naturhistorischen Vereins Lotos. 

24. v. Struve, Beiträge zur Mineralogie und Geologie des 

nördlichen Amerika. Hamburg, 1822. 

25. Thurmann, Essai de phytostatique , 2 vol. Bern, 

1849. 



No. 

26. Tagesblatt No. 1 — 8 der 26. Versammlung deutscher 

Naturforscher und Aerzte zu Regensburg im Jahre 
1849. 

27. Uebersicht der Arbeiten der schlesischen Gesellschaft 

für vaterländische Kultur Jahrg. 1845 — 47. (3 Hefte.) 

28. Verhandlungen des naturhistorischen Vereins der preus- 

sischen Rheinlande Jahrg. 1 — 5. 

29. Wiebel, die Insel Helgoland. Nebst einem Atlas. 



B. Karten. 

1. Geognostische Uebersichtskarte der österreichischen Mo- 

narchie in 9 Blättern. Nebst Bericht. 

2. Geognostische Wandkarte von Deutschland , von V ö 1 - 

ter. 2. Aufl. (von der Dannheimerschen Buchhand- 
lung in Esslingen.) 

3. (L. v. Buch, Karte vom) Karlsbader Gebirge. 



.; 



Inhalt. 



Seite. 

A. Verhandlungen der Gesellschaft ... 1. 81. 245. 389 

B. Briefliche Mittheilungen der Herren Germar .... 40 
E. Hoffmann, Giebel, G. Bischof, Emmrich, Freih. v. Beust, 

v. Buch 91 

Ludwig, Reuss, Oswald, Is. Lea 261 

Krug v. Nidda, Emmrich 448 

C. Aufsätze. 

Nachricht von dem Erscheinen einer geologischen Karte Schle- 
siens 41 

Leichhardt. Ueber die Kohlenlager von Newcastle am 

Hunter 44 

Germar. Ueber einige Insekten aus Tertiärbildungen ... 52 

Beyrich. Ueber das sogenannte südliche oder Glätzer Ueber- 

gangsgebirge 66 

B r u h n s. Ueber das Vorkommen von Kreide im Hobbersdor- 

fer Holze 111 

v. Strombeck. Beitrag zur Kenntniss der Muschelkalkbil- 
dung im nordwestlichen Deutschland 115 

Rammeisberg. Ueber die mineralogischen Gemengtheile 
der Laven, insbesondere der isländischen, im Vergleich mit 
den älteren Gebirgsarten und den Meteorsteinen . . . 232 

Emmrich. Geognostische Notizen über den Alpenkalk und 

seine Gliederung im bairischen Gebirge 263 

Beyrich. Ueber die Zusammensetzung und Lagerung der 
Kreideformation in der Gegend zwischen Halberstadt, Blan- 

kenburg und Quedlinburg -288 

(Nachträgliche Bemerkung hierzu S. 3S6.) 

Girard. Ueber die geognostischen Verhältnisse des nordöst- 
lichen deutschen Tieflandes 352 

G. Rose. Ueber die zur Granitgruppe gehörenden Gebirgs- 
arten 386 



Seite. 

v. Strombeck. Ueber Cucullaea Beyricbi aus dem Muschel- 
kalke 451 

R. Richter. Silurische Versteinerungen des Thüringer Waldes 456 

v. Strombeck. Ueber die Neocomien - Bildung in der Um- 
gegend von Braunschweig 462 

B a u r. Erläuterungen zu den Profilen des linksrheinischen 

Gebirges 466 

Zerrenner. Ueber den Magnetberg Katschkanar am Ural 475 

— — Ueber die Diamantgrube Adolphsk am Ural . 482 



Zeitschrift 

der 

Deutschen geologischen Gesellschaft. 

1. Heft (December 1848 u. Januar 1849.) 
A. Verhandlungen der Gesellschaft. 



1. Aufforderung zur Bildung der Gesellschaft. 

Von der Ueberzeugung ausgehend, dass das Studium der 
Geologie in Deutschland, so alt und ausgedehnt es daselbst 
auch ist, doch eine noch allgemeinere Verbreitung und einen 
neuen Aufschwung erhalten werde, wenn die zahlreichen 
zerstreut wirkenden Kräfte sich zu gemeinsamer Thätigkeit 
vereinigen, machen die Unterzeichneten den Vorschlag, eine 
deutsche geologische Gesellschaft zu gründen. 
Da eine Gesellschaft, wie wir sie entstehen zu sehen wün- 
schen, Sammlungen und eine Bibliothek anlegen muss, da 
für ihr Gedeihen mündlicher Verkehr Bedürfniss ist, und da 
zugleich ihre literarische Thätigkeit von einem Punkte aus 
geordnet werden muss, so ist erforderlich, dass dieselbe einen 
bestimmten Central -Sitz habe. Wenn wir glauben, dass 
sich Berlin hierzu eigne, übersehen wir nicht die aus der 
Mitte Deutschlands herausgerückte Lage der Stadt; wir 
glauben aber, dass die Verbindung durch Eisenbahnen mit 
allen Theilen Deutschlands und die Vereiniguug aller für 
das Gedeihen des Unternehmens nöthigen wissenschaftlichen 
Hülfsmittel die mit der Lage verbundenen Uebel stände min- 
dere. In dem nachstehend abgedruckten Entwürfe haben 
wir diejenigen Bestimmungen zusammengestellt, von welchen 
wir glauben, dass sie zweckmässig die Grundlagen des Sta- 
tuts der Gesellschaft bilden würden. Indem wir Sie bitten, 
sich dahin zu erklären, ob Sie geneigt sein würden, sich bei 
einer im Wesentlichen auf den angegebenen Grundlagen zu 
I. l. 1 



stiftenden Gesellschaft als Mitglied zu betheiligen, erlauben 
wir uns, Ihnen zugleich das Verzeichniss derjenigen Perso- 
nen niitzutheilen, an welche wir die gleiche Aufforderung 
gerichtet haben. Im Laufe des Monats November beabsich- 
tigen wir alle, welche ihren Beitritt zusagen werden, zu 
einer allgemeinen Versammlung in Berlin einzuladen, in wel- 
cher die Gesellschaft ihre Statuten bestimmen und sich con- 
stituiren könne, um alsbald ihre Thätigkeit zu beginnen. 
Wir würden mit Dank alle Rathschläge entgegen nehmen, 
welche Sie uns für den Fall, dass Sie der constituirenden 
Versammlung nicht beiwohnen könnten, im Interesse des 
Unternehmens, insbesondere auch zur Beachtung bei Bera- 
thung der Statuten, schriftlich zukommen lassen wollten. 

Berlin im Juli 1848. 

Gr. v. Beust, Beyrich, L. v. Buch, v. Carnall, 

Ehrenberg, Ewald, Girard, A. v. Humboldt, 

Karsten, Mitscherlich, J.Müller, 

G. Rose, Weiss. 

Die Correspondenz haben v. Carnall (Geh. Bergrath, 
Klosterstrasse Nr. 36.) und Beyrich (Professor, Hausvoig- 
tei-Platz Nr. 5.) zu führen übernommen. 



Grundlagen für das Statut der Gesellschaft. 

1. Die Gesellschaft führt den Namen: Deutsche geo- 
logische Gesellschaft. 

2. Der Zweck der Gesellschaft besteht darin, die Geologie 
im Allgemeinen zu fördern, und besonders die geologi- 
schen Verhältnisse von Deutschland sowohl an sich, als 
auch in Bezug auf Gewerbe und Ackerbau zu erforschen. 

3. Die Gesellschaft ernennt nur wirkliche Mitglieder, deren 
Zahl unbeschränkt ist. Deutschen so wie Ausländern 
steht der Beitritt offen. Zur Aufnahme ist erforderlich 
der Vorschlag durch zwei Mitglieder, die Beistimmung 
der Majorität einer allgemeinen Versammlung, und die 
Unterzeichnung des Gesellschafts-Statutes. 



4. Die Versammlungen der Gesellschaft bestehen : 

a) in allgemeinen Versammlungen, welche jährlich in 
der ersten Hälfte des Monats September in irgend einer 
deutschen Stadt stattfinden. In der letzten Sitzung 
einer jeden allgemeinen Versammlung wird der Ort 
derselben für das nächste Jahr bestimmt. 

b) In besonderen Versammlungen, bestehend in mo- 
natlich einmal, vom November bis zum Juli, in Berlin 
gehaltenen öffentlichen Sitzungen der daselbst anwe- 
senden Mitglieder. 

5. Die Leitung der laufenden Geschäfte der Gesellschaft 
wird einem Verwaltungsrath in Berlin übertragen. Der- 
selbe besteht aus acht Mitgliedern: 

einem Vorsitzenden, 

einem stellvertretenden Vorsitzenden, 

zwei Schriftführern, 

zwei stellvertretenden Schriftführern, 

einem Schatzmeister, 

einem Archivar. 
Die Wahl des Verwaltungsrathes geschieht in den all- 
gemeinen September- Versammlungen. Der Vorsitzende 
und der stellvertretende Vorsitzende werden auf ein 
Jahr, die übrigen Mitglieder des Verwaltungsrathes auf 
drei Jahre gewählt. Die Theilnehmer der allgemeinen 
Versammlungen wählen für deren Dauer zu ihrer Lei- 
tung jedesmal einen besonderen Ausschuss. 

6. Die Gesellschaft veröffentlicht a) eine Zeitschrift in Vier- 
teljahresheften und b) Abhandlungen. — Die Zeitschrift 
enthält die Berichte über die Versammlungen. Brief- 
liche Mittheilungen wissenschaftlichen Inhalts und klei- 
nere Aufsätze werden in dem nächsterscheinenden Hefte 
der Zeitschrift abgedruckt. Mit dem Berichte über die 
allgemeinen Versammlungen beginnt der Jahrgang. — 
Die Abhandlungen enthalten grössere Arbeiten, über 
deren Druck die allgemeinen Versammlungen der Ge- 
sellschaft entcheiden. 



7. Die Gesellschaft bildet eine Bücher- und eine geologische 
Sammlung durch Tausch und Geschenke; die eingegan- 
genen Gegenstände werden in den Berichten mit den 
Namen der Geber bekannt gemacht. Die Sammlungen 
jeder Art werden durch Zusendungen für die nicht in 
Berlin anwesendeu Mitglieder nutzbar gemacht. 

8. Jedes Mitglied zahlt einen jährlichen Beitrag von sechs 
Thalern, welcher für die in Berlin ansässigen Mitglieder 
auf acht Thaler erhöht wird. Die von der Gesellschaft 
veröffentlichten Schriften werden den Mitgliedern unent- 
geldlich zugesendet, nachdem der Beitrag für das lau- 
fende Jahr berichtigt ist. 

9. Das Budget wird in den allgemeinen Versammlungen 
festgestellt. Der Verwaltungsrath hat für das abgelau- 
fene Jahr bei den allgemeinen Versammlungen den 
Rechenschaftsbericht einzureichen, welcher in den ge- 
druckten Berichten bekannt gemacht wird. 

10. Aenderuno'en in den Statuten der Gesellschaft können 
nur durch die allgemeinen Versammlungen beschlossen 
werden. Wenn Aenderungs-Vorschläge durch die Majo- 
rität der bei einer allgemeinen Versammlung anwesenden 
Mitglieder unterstützt worden sind, so kommen sie bei 
der allgemeinen Versammlung des nächsten Jahres zur 
Beschlussnahme. 

11. Sollte sich die Gesellschaft dereinst auflösen, so entschei- 
det eine allgemeine Versammlung über die Verwendung 
des Gesellschafts-Eigenthums. 



2. Einladung zur constituirenden Versammlung. 

Der Plan eine deutsche geologische Gesell- 
schaft zu gründen hat, wie die eingegangenen Erklärungen 
über das von den Unterzeichneten im Juli d. J. verfasste Pro- 
gramm zeigen, vielseitig eine grosse Theilnahme gefunden. 
Wir beehren uns deshalb, gemäss der in dem Programm 
enthaltenen Ankündigung die Einladung zu einer allgemei- 



5 

nen Versammlung behufs der Statuten-Berathung und Con- 
stituirung der Gesellschaft zu erlassen. Die Rücksicht, dass 
Auswärtigen der Besuch der Versammlung dadurch könnte 
erleichtert werden, hat uns bestimmt für dieselbe statt des 
Monats November die Zeit zwischen dem Weihnachts- und 
Neujahrsfest zu wählen. Die Versammlung wird am 28. De- 
cember Nachmittags 5 Uhr im Königl. Gewerbe - Institut, 
Klosterstrasse No. 36, eröffnet werden. 

Berlin, im November 1848. 

Gr. v. Beust, Beyrich, L. v. Buch, v. Carnall, 

Ehrenberg, Ewald, Girard, A. v. Humboldt, 

Karsten, Mitscherlich, J. Müller, 

G. Eose, Weiss. 



3. Protokoll der Versammlung vom 28. December 1848. 

Die Herrn von Carnall und Beyrich, von dem 
im Juli d. J. zur Bildung einer deutschen geologischen Ge- 
sellschaft zusammengetretenen Comite mit Führung der Cor- 
respondenz beauftragt, eröffnen die Versammlung durch einen 
Bericht über die bis dahin eingegangenen Beitritts-Erklärun- 
gen von ausserhalb. 

Es haben sich bisher 106 Auswärtige bereit erklärt, zu 
der Gesellschaft zu treten, zum Theil den im Circular vom 
Juli abgedruckten Grundlagen für das Statut der Gesell- 
schaft unbedingt, zum Theil bedingt beistimmend. Ausser- 
dem haben durch Namensunterschrift 48 Anwesende ihren 
Eintritt ausgesprochen, unter welchen nicht bloss Einhei- 
mische, sondern auch ein Theil der auswärtigen Mitglieder 
sich befinden, so dass die Gesammtzahl, der theils persönlich 
theils schriftlich angemeldeten Mitglieder 143 beträgt. 

Es wird hierauf der Entwurf des Statuts, wie er im 
Juli- Circular sich findet, verlesen und dabei bemerkt, zu 
welchen Paragraphen Ausstellungen von auswärts gemacht 
worden sind. 



6 

Die Paragraphen 1., 2., 5., 9., 10. und 11. sind nicht 
beanstandet worden, zu den Paragraphen 3., 4., 6., 7. und 8. 
sind dagegen mehrfache Vorschläge zu Aenderungen einge- 
gangen. Ausserdem ist der Gesellschaft empfohlen worden, 
Corporations - Kechte und allgemeine deutsche Portofreiheit 
nachzusuchen. Es waren die bezüglichen Stellen aus den 
Briefen der Herrn Burkart, Debey, vonDechen, 
Geinitz, Hörnes, Jäger, Merian, Müller 
(Aachen) Nöggerath, Plieninger, G. Sand- 
berg e r und von Strom beck ausgezogen, und wur- 
den bei jedem Paragraphen, welchen sie betrafen, wörtlich 
vorgetragen. 

Hiermit erklärten die obgenannten Herrn den Bericht 
über die bisherige Thätigkeit des Comites für geschlossen. 
Dieselben wurden sodann aufgefordert mit dem einstweiligen 
Schriftführer G i r a r d die wejtere Leitung der Geschäfte 
bis zur Constituirung der Gesellschaft zu übernehmen und 
erklärten sich dazu bereit. 

Herr von Carnall fordert nun zu einer prin- 
cipiellen Berathung der einzelnen Paragraphen des Sta- 
tut-Entwurfs auf und schlägt vor, nach dieser Berathung 
eine Commission zur bestimmten Fassung desselben zu wäh- 
len, damit das Statut in der nächsten Sitzung zur definitiven 
Annahme vorbereitet sei. 

Zunächst wird die allgemeine Tendenz des ganzen Sta- 
tuts angenommen und dann zur Berathung der einzelnen 
Paragraphen übergegangen. 

§. 1. geht ohne Discussion durch. 

Zu §. 2. wird der Vorschlag gemacht und unterstützt, 
in demselben auszusprechen, dass der Zweck der Gesellschaft 
dahin gehe, Geologie und Mineralogie im Allgemeinen 
zu fördern und besonders die geologischen Verhältnisse von 
Deutschland, sowohl an sich, als auch in Bezug auf Berg- 
bau, Gewerbe und Ackerbau zu erforschen. 

Bei §. 3. werden zu den ersten beiden Sätzen keine 
Ausstellungen gemacht, doch wünscht man im zweiten 



Satze ausgedruckt, dass jedem „Gebildeten" der Zutritt frei 
stehe, um dadurch die Geneigtheit der Gesellschaft auszu- 
drücken, auch Mitglieder aufzunehmen, die nur ein allgemei- 
neres Interesse mit den Zwecken der Gesellschaft verbindet. 
Ueber den dritten Satz , welcher die Bedingungen der 
Aufnahme enthält, entwickelt sich eine lebhafte Discussion, 
welche zu dem Resultate- führt, dass man sich bei der Ab- 
stimmung über die Frage : 

„ob man eine Entscheidung über die Aufnahme durch 

Abstimmung und Majorität wolle?" 
gegen diesen Wahl-Modus entscheidet, dagegen den von 
auswärts gemachten und in der Versammlung unterstützten 
Vorschlag annimmt, dass der Vorschlag dreier Mit- 
glieder zur Aufnahme eines neuen Mitgliedes 
genüge. Ausserdem wird angenommen, dass die Aufnahme 
nicht bloss in den allgemeinen, sondern in allen Versamm- 
lungen stattfinden könne. Ein Vorschlag auf Unterzeich- 
nung des Statuts durch jedes eintretende Mitglied fällt durch, 
weil man darin eine unnöthige Weitläufigkeit findet. 

Zu §. 4. a. sind vielfache Bemerkungen und Abänderungs- 
Vorschäge eingegangen, die zumeist dahin gehen, dass es 
nothwendig sei, auf Vermeidung einer Störung für die 
allgemeinen Versammlungen der Naturforscher und Aerzte 
Rücksicht zu nehmen. Von mehreren Seiten wird der Bei- 
tritt zur Gesellschaft an die Bedingung geknüpft, sich an 
demselben Orte, zum Theil sogar zu derselben Zeit wie diese 
Gesellschaft zu versammeln. Dagegen wird hervorgehoben, 
welche Nachtheile aus einem unbedingten Anschlüsse an die 
Naturforscher- Versammlung für die Zwecke der geologischen 
Gesellschaft entstehen können und man erkennt an, dass, 
wenn es auch im Allgemeinen wünschenswerth erscheine, mit 
der Naturforscher- Versammlung zusammenzutreffen oder sich 
in deren Nähe zu versammeln, es doch Fälle geben könne, 
wo der Ort ihrer Zuzammcnkunft einer geologischen Gesell- 
schaft durchaus nicht zusagen würde. 

Man spricht sich daher im Allgemeinen dafür aus, die 



8 

Versammlungen der Geologen, unmittelbar nach denen 
der Naturforscher zu halten, beschliesst indess die definitive 
Fassung dieses Paragraphen, auch deshalb weil nicht viele 
Auswärtige zugegen sind, bis zur nächsten allgemeinen Ver- 
sammlung auszusetzen, welche man im kommenden Jahre zu 
Regensburg nach der dortigen Naturforscher- Versamm- 
lung zu halten denkt. 

§. 4. b. geht ohne Bemerkungen durch. 
Zu §.5. wird zunächst der Vorschlag gemacht, den 
Vorstand aus neun Mitgliedern bestehen zu lassen, näm- 
lich aus : 

einem Vorsitzenden, 

zwei Stellvertretern, 

vier Schriftführern, 

einem Schatzmeister, 

einem Archivar. 
Der Vorschlag wird angenommen. 

Ueber den Punkt, ob die Wahl des Vorstandes in den 
allgemeinen oder besonderen Versammlungen vorzunehmen 
sei, entspinnt sich eine lebhafte Debatte. Man vertheidigt, 
zum Theil von Seiten des Comites, den Vorschlag des Cir- 
culars ; dagegen wird, zum Theil von auswärts, erwidert, dass 
die Mitglieder der besonderen Versammlungen, eine grössere 
Kenntniss der Persönlichkeiten besitzen würden, dass der 
Vorstand nur aus dort wohnenden Personen bestehen könne, 
und dass man bei einer auswärts stattfindenden Wahl oft 
über Annahme derselben ungewiss sein, im Falle einer Ab- 
lehnung aber in Verlegenheit kommen möchte. Ferner wird 
der Vorschlag gemacht, den Vorsitzenden in den allgemeinen, 
die übrigen Beamten der Gesellschaft in einer der besonde- 
ren Versammlungen zu wählen, wird indess nicht angenom- 
men und man einigt sich zuletzt dahin, die Wahl des 
Vorstandes in einer vorher zu bestimmenden 
und bekannt zu machenden besonderen Ver- 
sammlung vorzunehmen, dabei aber Stimmzettel ab- 
wesender Mitglieder gelten zu lassen. 



Weiter wird vorgeschlagen und angenommen, dass alle 
Mitglieder des Vorstands nur auf ein Jahr ge- 
wählt werden. 

Endlich wird beschlossen, dass die Theilnehmer der all- 
gemeinen Versammlungen stets einen Geschäftsführer für 
die nächstfolgende zu ernennen haben, welcher die nöthigen 
Vorbereitungen zu treffen und die Versammlung zu eröffnen hat. 

Gegen §. 6. a. erhebt sich lebhafter Widerspruch. Es 
scheint einzelnen Mitgliedern nicht nöthig, eine Zeitschrift 
heraus zu geben, da wir eine solche für Geologie und Mine- 
ralogie besitzen, indess erklärt sich nach sorgfältiger Prüfung 
des Gegenstandes doch eine bedeutende Majorität für die 
Herausgabe einer Zeitschrift und zwar in vier- 
teljährlich erscheinenden Heften. 

b. wird angenommen. In Folge der aufgeworfenen Frage : 
4 ob alles, was für die Zeitschrift eingehe, unbedingt darin auf- 
genommen werden müsse? — fand eine längere Debatte statt, 
und ward zuletzt durch Stimmen-Mehrheit entschieden, dass 
es dem Vorstande zustehen soll, bei den kleineren Aufsätzen 
den Druck zu beanstanden, dass in solchem Falle aber die 
allgemeine Versammlung die definitive Entscheidung hat. 

Der dritte und letzte Absatz desselben §. geht unver- 
ändert durch. 

Bei §. 7. fand die Anlegung einer geologischen 
Sammlung mehrfachen Widerspruch, theils unter den Ab- 
wesenden, theils in der gegenwärtigen Versammlung, während 
die Anlage einer Bibliothek vielseitig gebilligt wird. Es 
geht indess der Vorschlag durch, die Entscheidung hierüber 
auf die nächste Sitzung zu vertagen. 

§. 8. wird in der Beitrags - Bestimmung angenommen, 
obgleich von einer Seite her bemerkt ist, der Beitrag von 
6 Thlrn. für Auswärtige scheine etwas hoch. 

Für die Veröffentlichung der Schriften der Gesellschaft 
geht der Vorschlag durch, dass die besonders erscheinenden 
Abhandlungen nicht allen Mitgliedern unentgeltlich zu- 
gesandt werden, sondern nur denjenigen Mitgliedern zum 



10 

Kostenpreise, welche sich zu den einzelnen Abhandlungen 
besonders gemeldet haben. 

Die §§. 9., 10. und 11. werden ohne Aenderung ange- 
nommen. 

Schliesslich überträgt die Versammlung den drei Vorsit- 
zenden Mitgliedern die Redaction des neuen Statut-Entwurfs 
und setzt die nächste Versammlung auf morgen den 29. Vor- 
mittags 11 Uhr an. 

v. w. o. 
(gez.) v. Carnall. Beyrich. Girard. 



4. Protokoll vom 29. December 1848. 
Vormittags - Sitzung. 

Herr v. Carnall eröffnet die Sitzung und lässt das 
Protokoll der gestrigen ersten Sitzung verlesen. Dieses wird 
nach einer Ausstellung in Betreff des §. 7. und erfolgter 
Aenderung angenommen. Darauf wird der von der Redac- 
tions-Commission ausgearbeitete Entwurf des Statuts verle- 
sen. Er lautet: 

Entwurf des Statuts 
der deutschen geologischen Gesellschaft 

(nach den Beschlüssen in heutiger Sitzung redigirt). 

1. Die Gesellschaft führt den Namen: Deutsche 
geologische Gesellschaft. 

2. Zweck der Gesellschaft ist: 

Förderung der Geologie, so wie der damit in Verbin- 
dung stehenden Wissenschaften ; Erforschung der 
geologischen Verhältnisse Deutschlands mit besonderer 
Rücksicht auf Bergbau, Gewerbe und Ackerbau. 

3. Die Gesellschaft ernennt nur wirkliche Mitglieder, 
deren Zahl unbeschränkt ist. Jedem gebildeten Manne, 
Deutschen wie Ausländem, steht der Beitritt offen. 
Zur Aufnahme genügt der Vorschlag durch drei Mit- 
glieder und Verzeichnung des Vorgeschlagenen in den 
Listen. 



11 

4. Die Versammlungen der Gesellschaft sind: 

a) Allgemeine in einer Stadt Deutschlands im Mo- 
nat September. Ort und Zeit werden stets für das 
nächste Jahr im Voraus, doch so gewählt, dass da- 
durch der Besuch der Versammlung deutscher Natur- 
forscher und Aerzte nicht gestört wird. 

b) Besondere, welche vom November bis Juli, in 
monatlich einmaligen Sitzungen, zu Berlin öffentlich 

gehalten werden und zwar an jedem ersten 

eines jeden der obbezeichneten Monate. 

5. Jede allgemeine Versammlung wählt sich aus ihrer 
Mitte einen Vorstand für die Dauer ihrer Sitzungen 
und bestimmt einen Geschäftsführer im Voraus für 
die nächstjährige Versammlung. 

6c Die Leitung der laufenden Geschäfte versieht ein Vor- 
stand in 'Berlin, bestehend aus: 
einem Vorsitzenden, 
zwei stellvertretenden Vorsitzenden, 
vier Schriftführern, 
einem Schatzmeister, 
einem Archivar. 
Die Wahl dieses Vorstandes geschieht in der November- 
Sitzung für das mit dieser Sitzung beginnende Ge- 
schäftsjahr — nach einfacher Majorität. Bei letzterer 
werden die von auswärts eingegangenen Stimmzettel 
mitgezählt. 
7. Die Gesellschaft veröffentlicht: 

a) eine Zeitschrift in Vierteljahrsheften; diese 
enthalten : 

1 . Berichte über die Versammlungen, Zutritt von. Mit- 
gliedern, ökonomische und andere Verhältnisse der 
Gesellschaft. 

2. Briefliche Mittheilungen und 

3. kleinere Aufsätze. 

Die Aufnahme von Aufsätzen kann von dem Vorstande 
(§. 6.) beanstandet werden, doch bleibt die definitive 



12 

Entscheidung darüber der nächsten allgemeinen Ver- 
sammlung vorbehalten, 
b) Abhandlungen in besonderen Heften. Ueber den 

Druck der Abhandlungen entscheidet die allgemeine 

Versammlung. (§. 4. a.) 

8. Die Gesellschaft bildet eine Bücher-, Karten- und 

Sammlung durch Tausch und Geschenke. 

Die eingegangenen Gegenstände werden in den Berich- 
ten mit den Namen der Geber bekannt gemacht. 

Die Sammlung wird durch Zusendung für die nicht 
in Berlin anwesenden Mitglieder nutzbar gemacht. 

9. Jedes Mitglied zahlt einen jährlichen Beitrag von 

sechs Thalern, welcher für die in Berlin ansässigen 
Mitglieder auf acht Thal er erhöht wird. 

Die Vierteljahrsschrift wird jedem Mitgliede unentgelt- 
lich zugesendet. 

Das Ausbleiben ist in vorkommenden Fällen als Er- 
innerung an die rückständige Beitragszahlung anzusehen. 

Die Abhandlungen werden nur denjenigen Mitgliedern 
zugesandt, welche sich zu den einzelnen besonders ge- 
meldet haben. Sie haben dafür nur den Kostenpreis zu 
zahlen. 

Wer zwei Jahre lang mit seinem Beitrage zurück- 
bleibt, wird als aus der Gesellschaft ausgeschieden an- 
gesehen und sein Name im Mitglieder-Verzeichniss ge- 
strichen. 

10. Das Budget wird in den allgemeinen Versammlungen 
festgestellt. 

Der Vorstand (§. 6.) hat für das abgelaufene Ge- 
schäftsjahr bei den allgemeinen Versammlungen seinen 
Rechenschafts-Bericht einzureichen, welcher in der Vier- 
teljahrsschrift bekannt gemacht wird. 

11. Aenderungen. des gegenwärtigen Statuts können nur 
durch die allgemeinen Versammlungen beschlossen werden. 

Wenn Aenderungs-Vorschläge durch die Majorität der 
bei einer allgemeinen Versammlung anwesenden Mitglie- 



13 

der unterstützt worden sind, so kommen sie bei der all- 
gemeinen Versammlung des nächsten Jahres zur Be- 
schlussnahme. 
12. Sollte sich die Gesellschaft dereinst auflösen, so entschei- 
det eine allgemeine Versammlung über die Verwendung 
des Gesellschafts-Eigenthums. 

Berlin, den 28. December 1848. 
Die Kedactions-Commission 
v. Carnall. Beyrich. Girard. 

Allgemeine Ausstellungen werden nicht gemacht. 
Bei der Berathung der einzelnen Paragraphen wird: 

§. 1. angenommen. 

§.2. wird in seiner neuen Fassung motivirt. Einerseits 
wird bemerkt, wie es wünschenswerth erscheine, zu sa- 
o-en: „Zweck der Gesellschaft ist, Förderung 
der Geologie und Mineralogie", andrerseits sol- 
ches lebhaft bestritten. Nach längerer Debatte über diesen 
Punkt, so wie über die Zusätze „insbesondere" vor Er- 
forschung und „andere" vor Gewerbe, geht das Amen- 
dement durch, zu sagen: „Förderung der Geolo- 
gie und aller andern Naturwissenschaften, 
so weit sie zur Geologie in einer unmittel- 
baren Beziehung stehen, und insbesondere 
Erforschung der geologischen Verhältnisse 
Deutschlands, mit Rücksicht auf Bergbau, 
Ackerbau und andere Gewerbe." 

§. 3. Der erste Satz wird angenommen. Der zweite verliert 
die Bestimmung „Jedem gebildeten Manne" und es 
bleibt daher die ursprüngliche Fassung „deutschen 
wie Ausländern steht der Beitritt offen." 
Beim dritten Satze fällt der zweite Theil, die Verzeich- 
nung des Vorgeschlagenen in den Listen, fort. 

§. 4. Der erste Theil über die allgemeinen Versamm- 
lungen wird mit dem Zusätze angenommen, „dass der 
nächsten allgemeinen Versammlung vorbe- 



14 

halten bleibt; die definitive Fassung dessel- 
ben oder auch eine andere Bestimmung an- 
zunehmen. Der zweite Theil des §. wird dahin näher 
bestimmt „dass die besonderen Versammlungen vom 
November bis August dauern und am ersten Mitt- 
woch jedes Monats stattfinden sollen. 

§. 5. wird in der vorgeschlagenen Fassung angenommen. 

§. 6. wird ebenfalls unverändert angenommen. Es war der 
Vorschlag gemacht worden, einen Ehren-Präsiden- 
ten zu wählen, derselbe ist aber nach der Bemerkung 
gefallen, dass der Berliner Vorstand besonders dazu da 
sein solle, die Geschäfte der Gesellschaft zu führen und 
nicht um eine besondere auszeichnende Stellung einzu- 
nehmen. 

§. 7. Der erste Theil unter a. wird angenommen, jedoch der 
Zusatz „bestimmt erscheinenden" zu Viertel- 
jahrsheften beliebt. Der zweite Theil unter b. geht un- 
verändert durch. 

§. 8. Es entwickelt sich über die Frage, ob eine geolo- 
gische Sammlung anzulegen sei, eine lebhafte Debatte, 
in welcher gegen die Anlage einer solchen Sammlung 
besonders hervorgehoben wurde, dass die Beschaffung 
der Räumlichkeiten zur Aufstellung allzu kostbar sei, 
und dass die Gesellschaft besser thue, ihre Geldmittel 
auf Publicationen zu verwenden. Bei der Abstimmung 
entscheidet sich auch die Mehrheit gegen eine geolo- 
gische Sammlung, worauf der erste Satz des §. in der 
Fassung „die Gesellschaft bildet eine Bücher- 
und Karten-Sammlung durch Tausch und 
Geschenke" angenommen wird. Der übrige Theil 
des §. bleibt unverändert. 

§. 9. Der erste und zweite Satz werden ohne Ausstellun- 
gen angenommen. Ueber den dritten entspinnt sich 
eine lebhafte Verhandlung, weil von einer Seite darauf 
gedrungen wird, dass von allen Abhandlungen jedem 
Mitgliede ein Exemplar zukomme. Von der andern 



15 

Seite wird der dadurch verursachte grosse Kostenauf- 
wand hervorgehoben und der Vorschlag gemacht, die 
Mitglieder der Gesellschaft nur den halben Kosten- 
preis (d. h. ohngefähr j des Ladenpreises) zahlen zu 
lassen. Dieser Vorschlag geht bei der Abstimmung 
durch und der Satz erhält die Fassung. Jedes Mit- 
glied erhält ein Exemplar der Abhandlun- 
gen, insofern sich dasselbe zu den einzel- 
nen besonders gemeldet hat. Es ist in die 
sem Falle dafür der halbe Kostenpreis zu 
zahlen." Der vierte Satz wird in der Fassung dahin 
abgeändert, dass er heisst : „W er zwei Jahre lang 
mit seinem Beitrage rückständig bleibt, 
wird als ausgeschieden betrachtet." 
§. 10., §. 11. und §. 12. werden darauf ohne Abände- 
rungen angenommen. 

Nachdem der Vorsitzende gefragt hatte, ob noch Jemand 
Zusätze beantragen wolle und Niemand dergleichen meldete, 
erklärte er das Statut für geschlossen und die vorbereiten- 
den Sitzungen für beendet. 

Die Versammlung nahm hierauf das so berathene Statut 
einstimmig an und erklärte sich als „Deutsche geolo- 
gische Gesellschaft" constituirt. 

Hachmittags-Sitzung. 

Die Sitzung bezweckte die Wahl des Vorstandes für 

das erste Geschäftsjahr. Diese Wahl erfolgte unter Leitung 

der Herrn Ewald und Girard, vermittelst Stimmzetteln 

nach absoluter Majorität. Es wurden gewählt: 

zum Vorsitzenden: Herr v. Buch, 

zu stellvertretenden Vorsitzenden : die Herrn v. Carnall 

und Weiss, 
Herr Weiss lehnte die auf ihn gefallene Wahl ab, und 
wurde bei einer neuen Abstimmung Herr Karsten 
ernannt. 



16 

zu Schriftführern, die Herrn Beyrieh, Ewald, Gi- 

rard und G. Kose, 
zum Schatzmeister, Herr Tamnau, 
zum Archivar, Herr Rammeisberg. 

Darauf übernahm, in Abwesenheit des Herrn v. Buch, 
Herr v. Carnall den Vorsitz, forderte die Gesellschaft auf, 
am folgenden Tage (den 30.) die Verhandlungen fortzusetzen 
und erklärte, als dies angenommen war, die Sitzung für ge- 
schlossen. 

v. w. o. 

(gez.) v. Carnall. Beyrieh. Girard. Ewald. 



5. Protokoll yom 30. December 1848. 

Der Vorsitzende erklärt, dass das Protokoll der gestri- 
gen Sitzungen wegen Kürze der Zeit noch nicht hat ausge- 
arbeitet werden können. Er verliest daher nur das ange- 
nommene Statut und fordert auf, etwanige Bemerkungen ge- 
gen die Fassung desselben zum Vortrage zu bringen. Da 
dies nicht geschieht, wird das unten beigefügte Statut als 
angenommen betrachtet. 

Man geht darauf zu der Wahl des Ortes für die 
nächste allgemeine Versammlung über, und ent- 
scheidet sich einstimmig für Regensburg, wo die Gesell- 
schaft am 25. September zusammentreten wird. Der Vor- 
stand übernimmt es für die Wahl eines Geschäftsfüh- 
rers in Regensburg zu sorgen, da dieserhalb noch erst Er- 
kundigungen eingezogen werden müssen. 

Der Vorsitzende geht darauf zur Veranschlagung des 
Budgets über. Nach den eingelaufenen Erklärungen 
dürfte die Einnahme durch die Beiträge der Mitglieder un- 
gefähr betragen: 

Von 100 Auswärtigen ä 6 Thlr. — 600 Thlr. 
Von 40 Einheimischen a 8 Thlr. — 320 Thlr. 

Summa 920 Thlr. 



17 

Für den Verkauf der Schriften der Gesellschaft, so wie für 
ausserordentliche Einnahmen, möchte wohl noch nichts zu 
veranschlagen sein, wonach die zu erwartende Gesammt-Ein- 
nahme auf 920 Thlr. anzunehmen sei. 

Wegen des Verkaufs der Zeitschrift bestimmt die Ge- 
Seilschaft, dass der Preis derselben eben so hoch als der Bei- 
trag der Mitglieder, nämlich 6 Thlr. für den Jahrgang, be- 
tragen solle, dass aber für jetzt in das Budget eine derartige 
Geld-Einnahme noch nicht in Ansatz zu bringen sei. 

Bei den Ausgaben wird zunächst hervorgehoben, dass 
das Hauptaugenmerk auf die Kosten für Herausgabe der 
Zeitschrift zu richten sei, da diese den bedeutendsten Posten 
bilden würde, so wie dass die Kosten für die Berliner Ver- 
sammlungen den Mehrbetrag, welchen die Mitglieder zah- 
len, nicht übersteigen dürften. 

Man beschliesst von der Zeitschrift 500 Exemplare, vom 
ersten Hefte jedoch 750, drucken zu lassen. 

Es sollen nämlich von diesem Hefte jedem Mitgliede 
zwei Exemplare übergeben werden, um dadurch die Mit- 
theilung über Wesen und Zweck der Gesellschaft zu erleich- 
tern, auch sollen noch anderweitig Exemplare durch den 
Vorstand versandt werden, um die Kunde von der Gesell- 
schaft möglichst zu verbreiten. 

Demnach werden für die Zeitschrift ausgeworfen : 

a) Für Druck, Papier und Buchbinder - Arbeit 300 Thlr. 

• b) Für Kupfertafeln, Lithograhien etc. . . . 150 - 

Summa 450 Thlr. 
Man debattirt sodann darüber, ob für den 

Druck von Abhandlungen etwas auszusetzen sei, 
oder nicht? — die Versammlung beschliesst dies 
nicht zu thun, da im gegenwärtigen Geschäftsjahre 
eine Herausgabe von Abhandlungen noch nicht ab- 
zusehen sei. 

Dagegen werden zur Deckung der Kosten bei 
der nächsten allgemeinen Versammlung ausgeworfe n 100 Thlr. 

üebertrag 550 Thlr. 

Z.'d. d. geol, Ges. I. 1. 2 



18 

üebertrag 550 Thlr. 

Ferner für Miethe eines Lokals in Berlin für 
die Sitzungen 30 - 

Für Beleuchtung und Heizung 20 - 

Zur Anschaffung von zwei geräumigen Bü- 
cherspinden ä 30 Thlr 60 - 

Miethe für die Bibliothek fällt für dieses Jahr 
noch fort. 

Ferner für Abschriften 15 - 

An Büreaukosten 20 - 

An Porto und Botenlohn 40 - 

Ausserdem sind die Kosten für die ersten 
Einladungen und deren Versendung, so wie die 
Kosten bei der constituirenden Versammlung ver- 
anschlagt mit . 40 - 

Endlich ist ein Deckimgsfond ausgeworfen mit 45 - 

Summa aller Ausgaben 820 Thlr. 
Dagegen die Geld-Einnahme 920 - 

Es bleiben demnach zur künftigen Verwen- 
dung nach Bestimmung der nächsten allgemeinen 
Versammlung 100 Thlr. 

Nachdem dieser Anschlag noch eimnal verlesen, wurde 
er seinem ganzen Inhalte nach einstimmig angenommen. 

Herr Beyrich macht hierauf in Folge eines Schreibens 
des Herrn v. Dechen der Gesellschaft den Vorschlag, den 
Vorstand zu ermächtigen, die nöthigen Schritte zur Erwer- 
bung von Korporations-Rechten und Erlangung von 
Porto- Fr ei he it. zu thun. Beide Vorschläge werden ein- 
stimmig angenommen, ebenso derjenige des Vorsitzenden, 
dem Erzherzog-Reichsverweser die Bildung der Gesellschaft 
anzuzeigen. 

Auf die Anfrage des Vorsitzenden, ob noch Jemand etwas 
im Interesse oder für die Zwecke der Gesellschaft mitzutheilen 
habe? — legt Herr Beyrich den ihm von den Verfassern 
dazu übersandten Prospectus zu einem Werke über die Ver- 
steinerungen des Nassauischen Uebergangsgebirges von G. 



19 

und F. Sand berger vor nnd Herr G. Rose übergiebt die 
ihm ebenso zugegangene Ankündigung eines Werkes von 
Herrn Bar an de über das silurische System in Böhmen. 

Herr Rammeisberg zeigt der Gesellschaft an, dass 
mit einem Briefe des Herrn Wie bei in Hamburg das 
Werk desselben über die Insel Helgoland als Erstling 
für die Bibliothek eingegangen ist und Herr Tuch über- 
giebt für die Kartensammlung der Gesellschaft die eigenhän- 
dige Zeichnung des Herrn v. Buch von der bei ihm (Si- 
mon Schropp et Comp.) 1847 erschienenen Karte der Um- 
gegend von Carlsbad. 

Der Vorsitzende dankt darauf den Auswärtigen, welche 
an der Constituirung der Gesellschaft Theil genommen haben, 
im Namen der einheimischen Mitglieder und schliesst sodann 
die Sitzung und die Versammlung. 

v. w. o. 

(gez.) v. Carnall. Beyrich. Ewald. 

G. Rose. Girard. 



6. Statut der Deutschen geologischen Gesellschaft. 

§• 1. 
Die G esellschaft führt den Namen: deutsche geolo- 
gische Gesellschaft. 

§• 2 - 
Zweck der Gesellschaft ist: Förderung der Geolo- 
gie und aller anderen Naturwissenschaften, so weit sie zur Geolo- 
gie in einer unmittelbaren Beziehung stehen, und insbesondere 
Erforschung der geologischen Verhältnisse Deutschlands, mit 
Rücksicht auf Bergbau, Ackerbau und andere Gewerbe. 

§.3. 
Die Gesellschaft ernennt nur wirkliche Mitglie- 
der, deren Zahl unbeschränkt ist. Deutschen wie Auslän- 
dern steht der Beitritt offen. 

Zur Aufnahme genügt der Vorschlag durch drei Mit- 
glieder. 

2* 



20 

§• 4. 

Die Versammlungen der Gesellschaft sind : 

a) allgemeine, in einer Stadt Deutschlands, im Mo- 
nate September jeden Jahres. Ort und Zeit werden 
stets für das nächste Jahr im Voraus, jedoch so ge- 
wählt, dass dadurch der Besuch der Versammlung 
deutscher Naturforscher und Aerzte nicht gestört wird. 

(Es bleibt der nächsten allgemeinen Versammlung 
vorbehalten, die vorstehende Fassung definitiv 
festzustellen oder auch eine andere Bestimmung an- 
zunehmen.) 

b) besondere, welche vom November bis August 
in monatlich einmaligen Sitzungen zu Berlin öffent- 
lich gehalten werden, und zwar an dem ersten Mitt- 
woch eines jeden der obbenannten Monate. 

§.5. 
Jede allgemeine Versammlung erwählt sich aus ihrer 
Mitte einen Vorstand für die Dauer ihrer Sitzungen und 
bestimmt einen Geschäftsführer im Voraus für die 
nächstjährige Versammlung. 

§. 6. 
Die Leitung der laufenden Geschäfte versieht ein 
Vorstand in Berlin, bestehend aus: 
einem Vorsitzenden, 
zwei stellvertretenden Vorsitzenden, 
vier Schriftführern, 
einem Schatzmeister, 
einem Archivar. 
Die Wahl dieses Vorstandes geschieht in der Novem- 
bersitzung für das mit dieser Sitzung beginnende Ge- 
schäftsjahr nach einfacher Majorität. Bei letzterer werden 
die von Auswärts eingegebenen Stimmzettel mitgezählt. 

§• 7. 
Die Gesellschaft veröffentlicht: 
a) eine Zeitschrift in bestimmt erscheinenden 
Vierteljahrs heften. Diese enthalten: 



21 

1. Berichte über die Versammlungen, Zutritt von Mit- 
gliedern, ökonomische und andere Verhältnisse der 
Gesellschaft ; 

2. Briefliche Mittheilungen und 

3. Kleinere Aufsätze. 

Die Aufnahme von Aufsätzen kann von dem 

Vorstande (§. 6.) beanstandet werden, doch bleibt 

eine definitive Entscheidung darüber der nächsten 

allgemeinen Versammlung vorbehalten. 

b) Abhandlungen in besonderen Heften. Ueber den 

Druck der Abhandlungen entscheidet die allgemeine 

Versammlung (§. 4., a.). 

§.8. 
Die Gesellschaft bildet eine Bücher- und Karten- 
Sammlung durch Tausch und Geschenke ; die einge- 
gangenen Gegenstände werden in den Berichten (§. 7. a., 1.) 
mit dem Namen der Geber bekannt gemacht. 

Die Sammlung wird durch Zusendungen für die nicht 
in- Berlin anwesenden Mitglieder nutzbar gemacht. 

§• 9 - 

Jedes Mitglied zahlt einen jährlichen Beitrag von 
sechs Thalern, welcher für die in Berlin ansässigen Mit- 
glieder auf acht Thaler erhöht wird. 

Die Vierteljahrsschrift wird jedem Mitgliede unentgeltlich 
zugesendet. Das Ausbleiben ist in vorkommenden Fällen als 
Erinnerung an die rückständige Beitragszahlung anzusehen. 

Jedes Mitglied erhält ein Exemplar der Abhandlungen, 
insofern sich dasselbe zu den einzelnen besonders gemeldet 
hat. Es ist in diesem Falle dafür der halbe Kostenpreis 
zu zahlen. 

Wer zwei Jahre lang mit seinem Beitrage rückständig 
bleibt, wird als aus der Gesellschaft ausgeschieden angesehen 
und sein Name im Mitglieder- Verzeichniss gestrichen. 

§. 10. 

Das Budget wird in den allgemeinen Versammlungen 
festgestellt. 



22 

Der Vorstand (§.6.) hat für das abgelaufene Geschäfts- 
jahr bei der allgemeinen Versammlung seinen Rechenschafts- 
Bericht einzureichen, welcher in der Vierteljahrsschrift bekannt 
gemacht wird. 

§. 11. 

Aenderungen des gegenwärtigen Statuts 
können nur durch die allgemeinen Versammlungen beschlos- 
sen werden. 

Wenn Aenderungsvorschläge durch die Majorität der bei 
einer allgemeinen Versammlung anwesenden Mitglieder un- 
terstützt worden sind, so kommen sie bei der allgemeinen 
Versammlung des nächsten Jahres zur Beschlussnahme. 

§. 12. 

Sollte sich die Gesellschaft dereinst auflösen, so ent- 
scheidet eine allgemeine Versammmlung über die Verwen- 
dung des Gesellschafts-Eigenthumes. 



7. Badget der deutschen geologischen Gesellschaft für 

das erste Geschäftsjahr, vom 28. December 1848. bis 

7. November 1849. oder pro 1849. 



Principien. 

A. Hinsichtlich der Geld-Einnahmen. 

1. Die Beiträge der Mitglieder sind nicht nach deren wirk- 

licher Zahl, sondern nach dem zu erwartenden Eingange 
der Beiträge bemessen. 

2. Die Zeitschrift kann, wie z. B. an Bibliotheken, zu 6 Thlrn. 

pro Jahrgang verkauft werden. 

3. Die Abhandlungen werden an Mitglieder, welche sich 

dazu melden, und zwar zum halben Kostenpreise 
verkauft. 

4. Die Abhandlungen sollen zwar auch anderweitig verkauft 

werden können, indessen wird solcher Verkauf in der 
Regel einem Verleger überlassen werden und dies den 



23 



Kosten der Herausgabe zu gute kommen, wonach eine 
besondere Geld - Einnahme nicht in Ansatz zu brin- 
gen ist. 

B. Hinsichtlich der Geld- Ausgaben. 

1. Ueber die Kosten bei der allgemeinen September -Ver- 

sammlung wird von dem dortigen Vorstande eine beson- 
dere Rechnung aufgestellt. 

2. Die einzelnen Positionen eines Titels sind übertragbar. 

3. Ueberschreitungen der Titelsummen sollen in der Regel 

nicht vorkommen, jedoch gerechtfertigt erscheinen, wenn 
sie Folge einer Vermehrung der Mitgliederzahl, also 
auch durch Mehr-Einnahmen zu decken sind. 

4. Der im letzten Titel ausgeworfene Deckungsfond soll so- 

wohl zur Tragimg etwaiger Mehr - Ausgaben , als auch 
zur Sicherung gegen Einnahme-Ausfälle dienen. 

C. Der verbleibende Geldbestand 

wird in das nächstfolgende Geschäftsjahr zur Verwen- 
dung übernommen. 



Geld -Einnahme. 



Special- I Haupt- 
Summen. 



Tblr. Sj 



Pf. 



Thlr.|Sg 



Pf 



I. 



II. 



III. 



An Bestand 

An Einn ahm e -Res te 



nj 



vacant. 



An Beiträgen der Mitglieder 
pro 1849. 

a. Von 100 Mitgliedern zu 6 Thlr. . . j 600 

b. Von 40 zu Berlin wohnenden Mitglie- I 
dem zu 8 Thlr 320 



Sa. Tit. I. 



■ein Gelde \ 

lieh ge- f 
inde . ) 



vacant. 



Vom Verkauf der Schriften. 
Vom Verkauf der Zeitschrift, vacat. 
Vom Verkauf von Abhandlungen an Mit- 
glieder, vacat. 

An extraordinairen Einnahmen. 
An Geschenken in baarem Gelde 
An Vermächtnissen 
Vom Verkauf entbehrlich 
wordener Gegenst ände 

Summa der Geld-Einnahme | — 



920 



-I 920|-|- 



24 



i. 



ii. 

in. 



IV. 



V. 



VI. 






Geld- Ausgabe, 



Special- I Haupt- 
Summen. 

Thlr. [Sg.1 Pf-B Thlr. [sg-lPf. 



nl 



vacant. 



An Vorschüssen 
An Ausgab e -Res te 

Für Herausgabe der. Schriften. 
Für die Zeitschrift, 

a. Druck, Papier u. Buchbinder-Arbeit 

b. Kupfertafeln, Lithograp hien etc. 



300 
150 



Für Abhandlungen, vacat. 



Sa. Cap. 1. 



Sa. Tit. I. 



An Kosten bei der allgemeinen 
September -Versammlung 

Für Local etc. in- Berlin. 

Miethe eines Locals für die Sitzungen 
Beleuchtung, Heizung etc. • • • ■ 



450 



30 
20 



Sa. Cap. 1. 
Miethe eines Raumes für die Bibliothek, 

vacat. 
Zu Anschaffung zweier Bücherspinde 

a 30 Thlr ■ . . 

Sa. Tit. HL 

An sonstigen Ausgaben. 

Für Abschriften aller Art . 
An Bureau -Kosten . . . 
An Porto und Botenlöhnen 



50 



60 



15 

20 
40 



Sa. Tit. IV. 

Ext raordinaire Ausgaben. 

Für die ersten Einladungen und deren 
Versendung, Kosten bei der jetzigen 
constituirenden Versammlung etc. 

Deckungsfond 



450 



100 



110 



75 



40 

45 



Summa aller Geld- Ausgaben J — | — |— | 820 1 — | — 



Scbluss - Balance* 

Die Geld-Einnahme beträgt 920 Thlr. 
Die Geld-Ausgabe dagegen 820 

bleibt Bestand - IÖÖ~Thlr. 
zur künftigen statutmässigen Verwendung. 

Vollzogen auf Grund der Beschlussnahmen in heutiger allge- 
meinen Sitzung der Gesellschaft. Berlin, den 30. December 1848. 

Der erwählte Vorstand. 

(gez.) v. Carnall. Beyrich. Ewald. Girard. 

Gr. Rose. Rammelsberg. Tamnau. 



8. 



l. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 



25 

Verzeichnis der Theilnehmer an der Constituirung 
der Gesellschaft. 

(Am 28. 29. und 30. December 1848.) 



von Beust aus Freiberg. 

Beyrich aus Berlin. 

Breilhaupt aus Freiberg. 

L. von Buch aus Berlin. 

von Carnall aus Berlin. 

Cot ta aus Freiberg. 

Dove aus Berlin. 

Ehrenberg aus Berlin. 

Ewald aus Berlin. 

Giebel aus Halle. 

Gifard aus Berlin. 

Haar dt aus Berlin. 

Henrici aus Berlin. 

Honigmann aus Berlin. 

^4. con Humboldt aus Berlin. 

Karsten aus Berlin. 

Khün aus Berlin. 

/focÄ aus Berlin. 

Körfcr aus Berlin. 

Kremski aus Berlin. 

Leuschner aus Berlin. 

Martins aus Halle. 

Methner aus Berlin. 

Meyn aus Seegeberg. 

uow Mil^cki aus Rüdersdorf. 



26. Mitscherlich aus Berlin. 

27. tf<m Olfers aus Berlin. 

28. Overweg aus Berlin. 

29. Plettner aus Berlin. 

30. Plümicke aus Eisleben. 

31. Rammeisberg aus Berlin. 

32. Reich aus Freiburg. 

33. 7?ies5 aus Berlin. 

34. Rodenberg aus Berlin. 

35. G\ .Rose aus Berlin 

36. //. .ßose aus Berlin. 

37. jR.o/A. aus Berlin. 

38. Prinz- Sckönaich - Carolath aus 

Königsbütte. 

39. Schüler aus Jena. 

40. »Se//o aus Berlin. 

41. Sptitgerber aus Berlin. 

42. Tamnau aus Berlin. 

43. «o« Tschepe aus Berlin. 

44. Tmcä aus Berlin. 

45. «cm Fe/se» aus Berlin. 

46. Wache aus Berlin. 

47. Wächter aus Berlin. 

48. C. S. Weiss aus Berlin. 

49. Werther aus Berlin. 



9. Geschäfts-Ordnung für den Vorstand der 
Gesellschaft. 

A. Gemeinschaftliche Geschäfte. 

§. 1. Der Vorstand (§. 6. des Statuts) versammelt sich so 
oft, als zur Erledigung der Geschäfte nothwendig ist, 
mindestens jedoch einmal in jedem Monate (November 
bis August; §. 4. b. d. St.) 

§. 2. Der Vorstand ist beschlussfähig, wenn ausser einem 
Vorsitzenden mindestens vier Mitglieder anwesend sind. 



26 

Einfache Stimmenmehrheit entscheidet; bei Gleichheit 
der Stimmen giebt diejenige des Vorsitzenden den Aus- 
schlag. 
§. 3. In den Vorstand Sitzungen kommen die nach- 
folgend angegebenen Gegenstände zum Vortrage, bezie- 
hungsweise zur Beschlussnahme: 

a) Anzeige neuer Mitglieder und Eintragung der Na- 
men in das Haupt- Verzeichniss (§. 3. d. St.) 

b) Streichung von Mitgliedern im Falle von §. 9. d. St. 

c) alle von Mitgliedern der Gesellschaft eingehenden Briefe. 
Sind diese ganz oder auszugsweise für die Zeitschrift 
bestimmt : so hat der betreffende Schriftführer darüber 
Vortrag zu machen, (m. v. unten §. 23.) 

d) die für die Zeitschrift eingegangenen Aufsätze. 
Walten gegen die Aufnahme Bedenken ob, so ist ein 
motivirtes Gutachten (§. 26.) abzufassen, mit welchem 
zu seiner Zeit der Aufsatz an die allgemeine Ver- 
sammlung geht (§. 7. a. 3. d. St.) 

e) Anordnung des Textes für die Zeitschrift und äussere 
Ausstattung derselben. 

f) Herausgabe der von der allgemeinen Versammlung zum 
Abdruck bestimmten Abhandlungen. (§. 7. b. d. St.) 

g) Wahl des Lokales für die besonderen Versammlun- 
gen der Gesellschaft. 

h) Feststellung der Tages-Ordnung für die nächste 
besondere Versammlung. 

i) Anschaffungen aller Art, innerhalb der Bewil- 
ligungen des Budgets. 

k) Eingang von Büchern und Karten für die Sammlung. 

1) Einrichtung der Bibliothek, der Registratur 
und des Kassen- und Rechnungswesens, 
m) Rechenschaftsbericht (§. 10. d. St.) 

n) Entwurf eines Budgets für das nächstfolgende Ge- 
schäftsjahr. (§. 10. cl. St.) 

o) Vollziehung der Jahres - Rechnung nach Prüfung der 
dazu gehörigen Belege. 



27 

§. 4. Im September jeden Jahres sind 

a) der Rechenschafts - Bericht von den Arbeiten bis ein- 
schliesslich August (§. 16.) 

b) die Kassen-Uebersicht von Ende August (§. 57.) 

c) die Rechnung vom vorletzten Geschäftsjahre mit zu- 
gehörigen Belegen (§. 55. u. f.) und 

d) ein Budget - Entwurf für das nächste Geschäftsjahr 
(§. 16.) endlich auch 

e) Aufsätze, deren Aufnahme in die Zeitschrift beanstan- 
det worden ist, nebst zugehörigen Gutachten (§. 26.) 

an den für die allgemeine Versammlung bestimmten 
Geschäftsführer zu senden.. 
§. 5. Für die Zeitschrift gilt als Regel, dass 

a) ein Heft zum 1. April erscheint, dessen Inhalt mit 
Ende Januar schliesst; 

b) ein zweites zum 1. Juli, Ende April schliessend; 

c) ein Drittes zum 1. October, Ende Juli abgeschlossen, 
und dass 

d) das vierte zum 1. Januar erscheinende Heft den Be- 
richt von den Arbeiten der allgemeinen September- 
Versammlung enthalten soll. 

In Betreff des ebengedachten Berichts wird angenom- 
men, dass derselbe spätestens Mitte November in Berlin 
eingehen könne. 

B. Geschäfte des Vorsitzenden. 

§. 6. Der Vorsitzende oder einer der Stellvertreter leitet 
die Verhandlungen, sowohl in den besonderen Versamm- 
lungen der Gesellschaft, als auch "in den Sitzungen des 
Vorstands, in ersteren nach der Tagesordnung, §. 3. h. 

§. 7. Derselbe macht das gewählte Lokal und die Tages- 
zeit entweder durch Umschreiben oder durch die öffent- 
lichen Blätter so lange bekannt, als beides nicht ein für 
allemal zu bestimmen sein wird. 

§. 8. Vorstandsitzungen hat derselbe so oft als nothwendig 
anzuberaumen und dafür Ort und Zeit zu bestimmen. 



28 

§. 9. Alle unter anderer Adresse als der seinigen eingehen- 
den Briefe sind demselben zuerst und alsbald zuzu- 
stellen, werden von ihm, dem Inhalte nach, den betref- 
fenden Vorstandsmitgliedern zur Bearbeitung zugeschrie- 
ben, und nach vorheriger Eintragung in das dazu an- 
gelegte Journal, diesen zugesandt. 

§. 10. Seiner eignen Bearbeitung verbleiben alle Briefe, de- 
ren Inhalt die Gesellschaft im Allgemeinen angeht und 
sich nicht auf solche Gegenstände bezieht, welche in die 
weiter unten angegebenen Geschäftskreise der einzelnen 
Vorstandsmitglieder fallen. 

§.11. Es liegt ihm ob, die im Namen des Vorstands ab- 
gehenden Schreiben zu unterzeichnen. 

§. 12. Derselbe veranstaltet den Abdruck der Zeitschrift, deren 
Correctur, Anfertigung und Abdruck von Kupfer- oder 
Steinplatten, Colorirung derselben, Buchbinder - Arbeit 
etc., nöthigen Falles unter Abschluss besonderer Ver- 
träge. Er kann indessen zu solchen Geschäften für ein- 
zelne Fälle oder auch ein für allemal eines der Vorstands- 
Mitglieder ermächtigen. 

§. 13. Was hier (§. 12.) wegen der Zeitschrift bestimmt, 
gilt ebenso von den herauszugebenden Abhandlungen. 

§. 14. Der Vorsitzende etc. hat von jeder Geld-Ausgabe 
der Gesellschaftskasse vorher Kenntniss zu nehmen und 
alle Ausgabebelege zur Zahlung anzuweisen. Diese Be- 
lege müssen ausserdem noch von mindestens einem Vor- 
standsmitgliede gezeichnet sein. 

§. 15. Derselbe hat das Curatorium über die Gesellschafts- 
kasse, über die Bücher- und Karten Sammlung und das 
Inventarium. 

§. 16. Er bearbeitet den Eechenschaftsbericht (§. 4. a.) und 
den Budget-Entwurf (§. 4. d.) 

§.17. Im Allgemeinen hat der Vorsitzende etc. darauf zu 
sehen, dass alle Vorstands-Geschäfte so geführt werden, 
wie gegenwärtige Geschäfts -Ordnung bestimmt. 



29 

C. Geschäfte der Schriftführer. 

§. 18. In jeder besonderen Versammlung der Gesellschaft 
haben zwei der Schriftführer das Verhandelte zu ver- 
merken; danach ist ein Pro to coli niederzuschreiben, 
welches in der nächsten Versammlung verlesen wird. 

§.19. In diesem Protokolle sind solche Vorträge, wel- 
che als Aufsätze in die Zeitschrift aufgenommen wer- 
den, nur ihrem wesentlichsten Inhalte nach anzufüh- 
ren, während andere Vorträge so ausführlich anzugeben 
sind, als überhaupt in einem Protokolle angemessen ist. 
Es bleibt übrigens den Protokollführern überlassen, im 
letzteren Falle den Vortragenden um eigne Aufzeichnung 
des Gegenstandes anzugehen und dessen Aufzeichnung 
in das Protokoll einzurücken. Es versteht sich aber, 
dass das Protokoll nicht mehr enthalten darf, als wirk- 
lich vorgetragen wurde. 

§. 20. In der Vorstandsitzung wird ein Protokoll nicht ge- 
führt, sondern das Verhandelte von einem der Schrift- 
führer nur in einem dazu angelegten Buche vermerkt. 

§.21. Die Portokollführer (§. 18.) haben auch die vorkom- 
menden Berichte über Arbeiten und Verhält- 
nisse der Gesellschaft, überhaupt alles das abzu- 
fassen, welches in dieser Beziehung in die erste Abthei- 
lung eines jeden Heftes der Zeitschrift (§. 7. a. 1. d. St.) 
aufzunehmen ist. Eine Ausnahme hiervon macht nur 
der Bericht über die Arbeiten der allgemeinen Septem- 
ber-Versammlung, über dessen Abfassung diese Ver- 
sammlung oder der von ihr erwählte Vorstand zu ent- 
scheiden hat. 

§. 22. Einer der Schriftführer hat ausschliesslich die Cor- 
respondenz wegen Zutritt neuer Mitglieder zu 
besorgen und darüber eine Haupt -Liste zu führen. 
Diese Liste ist am Schlüsse eines jeden Halbjahres dem 
Schatzmeister vorzulegen, um daraus die Soll-Einnahme 
an Beiträgen der Mitglieder zu ersehen. Die in Berlin 
wohnenden Mitglieder müssen darin besonders bezeich- 



30 

net sein, damit der Schatzmeister ersehen kann, welche 
Mitglieder 8 Thlr. und welche 6 Thlr. zu zahlen haben. 
(§. 9. d. St.); ebenso diejenigen Mitglieder, welche ih- 
ren Beitrag in zwei halbjährigen Raten zahlen zu wol- 
len sich erklärt haben. 

§.23. Einem der Schriftführer werden alle für die Zeit- 
schrift eingehenden brieflichen Mitth eilungen 
zugeschrieben; er hat, falls nur Auszüge zu machen 
sind, diese anzustreichen, den Brief mit der nöthigen 
Ueberschrift zu versehen und in der nächsten, oder spä- 
testens in derjenigen Vorstandsitzung zum Vortrage 
zu bringen, wo das Material für die Zeitschrift geordnet 
wird. In der Regel wird der Inhalt auch in einer Ver- 
sammlung der Gesellschaft mitgetheilt, wobei es aber 
in dem Sitzungsprotokolle nur einer kurzen Anführung 
bedarf. 

§. 24. Die eingehenden Aufsätze werden, ihrem Inhalte 
nach, unter die Schriftführer vertheilt. "Wenn der Ein- 
sender nicht ausdrücklich den Wunsch ausgesprochen 
hat, dass der Aufsatz in einer Gesellschafts-Versamm- 
lung vorgetragen werde, so bleibt solches dem Ermes- 
sen des betreffenden Schriftführers überlassen. 

§. 25. Jeder Aufsatz ist, wenn er nicht schon eine Ueber- 
schrift trägt, mit einer solchen zu versehen und dem 
Vorsitzenden zuzustellen. Geschieht dies ohne irgend 
eine Bemerkung, so wird angenommen, dass sich gegen 
Aufnahme in der Zeitschrift nichts zu erinnern gefun- 
den habe. 

§. 26. Im Falle der Beanstandung eines Aufsatzes hat der 
Schriftführer darüber ein schriftliches Gutachten abzu- 
fassen und ihn mit diesem in nächster Vorstandsitzung 
zum Vortrage zu bringen. 

§. 27. Briefliche Mittheilungen und Aufsätze sind stets so- 
bald als möglich abzugeben, da erstere unbedingt und 
letztere nach Maassgabe des Raumes, in das nächst er- 
scheinende Heft aufgenommen werden sollen, insofern 



31 

sie zwei Monate vor dem für die Versen- 
dung des Heftes bestimmten Zeitpunkte ein- 
gegangen sind. 

§. 28. Wenn durch die allgemeine September- Versamm- 
lung der Druck einer Abhandlung bestimmt und 
diese dem Vorstande in Berlin zugegangen ist, so wird 
einer der Schriftführer die Besorgung des Druckes etc. 
zu übernehmen haben. 

§. 29. In der Regel wird der Bericht über die allge- 
meine Versammlung sofort zum Druck zu beför- 
dern sein, um zu Anfang des nächst folgenden Jahres 
zu erscheinen. (§. 5. d.) Es wird jedoch einer der 
Schriftführer zu Berlin die dabei etwa noch vorkommen- 
den Arbeiten, welche nur die äussere Form betreffen 
können, zu besorgen haben. 

§. 30. Obwohl die Geschäfte §. 18. u. f., §. 22. und §. 23. 
unter die vier Schriftführer ein für allemal vertheilt 
werden, so schliesst dies doch nicht aus, dass Einer den 
Anderen darin ablösen oder vertreten kann ; nur muss 
solches dem Vorsitzenden mitgetheilt werden. Letzteres 
soll auch geschehen, wenn ein Schriftführer eine ihm 
bereits zugeschriebene Sache oder ein sonstiges Ge- 
schäft an einen anderen Schriftführer zur Bearbeitung 
abgiebt. 

D. Geschäfte des Archivars. 

§. 31. Der Archivar besorgt die Anlegung und Fortführung 
der Acten der Gesellschaft, worin alle Schrif- 
ten, Briefe und sonstige Papiere derselben aufbewahrt 
werden. Er hat darauf zu sehen, dass diese ihm voll- 
ständig zukommen. 

§. 32. Derselbe verwaltet die Bücher- und Karten- 
sammlung der Gesellschaft, führt über Eingang der 
Werke, so wie über die Ausgabe ein Journal und bear- 
beitet den die Bibliothek betreffenden Briefwechsel, so- 
wohl mit Mitgliedern der Gesellschaft, als mit anderen 
Gesellschaften, Vereinen und Bibliotheken. 



32 

§. 33. Von der Bücher- und Kartensammlung hat der Ar- 
chivar einen Katalog anzulegen und nachzutragen. 

§. 34. Derselbe führt über Einnahme und Ausgabe 
der Drucksachen eine fortlaufende Notiz : , woraus 
der jedesmalige Bestand zu ersehen ist, und sorgt für 
sichere Aufbewahrung des letztern. 

§. 35. Derselbe besorgt die Ausgabe der Zeitschrift 
in der Weise, dass er der zur. Versendung angenom- 
menen Buchhandlung jedesmal angiebt, wohin das fer- 
tige Heft zu schicken ist. Er erhält zu diesem Zwecke 
von dem §. 22. gedachten Schriftführer ein Verzeichniss 
der Mitglieder und von dem Schatzmeister eine Angabe 
(§. 47.) derjenigen, welche mit ihrem Beitrage im Rück- 
stande geblieben sind (§. 9. d. St.). 

§. 36. Durch dieselbe Buchhandlung erfolgt auch der Ver- 
kauf der Zeitschrift, worüber der Archivar eine 
besondere Notiz führt, und halbjährig dem Schatzmeister 
mittheilt, wie viele Exemplare zum Verkaufe ausgege- 
ben und der Buchhandlung zur Last zu stellen sind. 

§. 37. Ueber solche Exemplare, welche als Probeblätter der 
Zeitschrift unentgeltlich versendet werden, ist eine 
Bescheinigung desjenigen Vorstandsmitgliedes beizubrin- 
gen, welches diese Versendung besorgt hat. 

§. 38. Ueber Exemplare, welche gegen Schriften anderer 
Gesellschaften oder Vereine ausgetauscht werden, 
ist eine fortlaufende Notiz zu führen. 

§. 39. Wenn Abhandlungen (§. 7. b. d. St.) zum Druck 
kommen, hat der Archivar die darauf eingehenden Be- 
stellungen (§. 9. d. St.) zu sammeln und danach die 
Versendung anzuordnen. Wegen Einziehung der Kosten 
findet auch hier die Bestimmung in §. 36. Anwendung, 
nur dass der Buchhandlung sowohl, als dem Schatzmeister 
mitzutheilen ist, wie viel Exemplare zu dem halben 
Kosten preise (§. 9.'d. St.) und wie viele zu dem 
Ladenpreise in Rechnung zu stellen sind. 

§. 40. Der Archivar hat den Eingang von Büchern und 



33 

Karten in der nächsten Versammlung der Gesell- 
schaft, bei Geschenken auch zugleich den Namen der 
Geber bekannt zu machen. (§. 8. d. St.) 

§.41. Derselbe besorgt den Einband von Büchern, so wie 
die Anschaffung der zur Aufbewahrung der Bücher, Kar- 
ten etc. nöthigen Schränke oder anderer Inventarstücke, 
über welche ein Inventarium zu führen ist; ingleichen 
liegt ihm ob, Schreib- und Verpackungs-Materialien dem 
Bedarfe gemäss anzuschaffen. Er bescheinigt die betref- 
fenden Rechnungen, sowohl hinsichtlich des Geldbetra- 
ges, als auch bezüglich der erfolgten Inventarisirung der 
Gegenstände, und stellt diese Belege dem Vorsitzen- 
den zu. 

§. 42. Der Archivar betheiligt sich auch an den §. 24. ff. 
gedachten Arbeiten, wenn ihm Aufsätze zur Durchsicht 
zugeschrieben werden. 

E. Geschäfte des Schatzmeisters. 

§. 43. Der Schatzmeister verwaltet die Kasse der Ge- 
sellschaft und versieht die damit in Verbindung ste- 
henden Geschäfte. 

§. 44. Derselbe führt ein Haupt- Kassenbuch, worin 
alle Geld - Einnahmen und Ausgaben sofort gebucht 
werden. 

§. 45. Da die Einrichtung getroffen ist, dass die Gesell- 
schafts-Mitglieder ihre Beiträge an die Bessersche 
Buchhandlung (W. Hertz, Behrenstrasse No. 44.), 
welche von dem Vorstande zur Quittungsleistung er- 
mächtigt ist, einzahlen, und diese Buchhandlung die 
eingegangenen Beträge in Summen von 50 Thlrn. und 
darüber abführt, so stellt der Schatzmeister nur über 
diese Summen Quittungen aus, hat jedoch die Beiträge 
einzeln zu buchen und eine Nachweisung darüber als 
Beleg zur Rechnung zu bringen. 

§. 46. Für die Soll-Einnahme dient die §.22. angege- 
bene Mitgliederliste. In dieser Liste muss ersichtlich 

Zeits. d. d. geol. Ges. I. 1. 3 



34 

sein, welche Mitglieder sich dafür erklärt haben, ihren 
Beitrag in zwei (halbjährigen) Raten zu zahlen, während 
von allen übrigen Mitgliedern angenommen wird, dass 
sie den Beitrag ungetheilt am Anfange eines jeden Ka- 
lenderjahres für dieses einzahlen wollen. 

§. 47. Am Schlüsse eines jeden Halbjahres macht der Schatz- 
meister einen Auszug aus der Liste (§. 46.), diejeni- 
gen Mitglieder der Gesellschaft nachweisend, welche 
mit ihrem Beitrage ein halbes Jahr oder län- 
ger im Rückstände sind, und giebt dieselbe dem 
Vorsitzenden zu weiterer Veranlassung. (§. 35.) 

§. 48. Die Gelder vom Verkaufe der Zeitschrift 
(6 Thlr. für den ganzen Jahrgang), so wie für Ab- 
handlungen werden ebenfalls durch die Bessersche 
Buchhandlung eingezogen. Die Nachweise über die der- 
artige Soll -Einnahme liefert der Archivar (§.36. u. 39.). 
Halbjährig sind Rest-Nach Weisungen einzugeben. 

§. 49. Sonstige Einnahmen werden auf Grund besonderer 
Anweisungen des Vorsitzenden in Rechnung gestellt. 

§. 50. Die Auszahlungen erfolgen auf Grund von Belegen, 
welche vorher mit Anweisung versehen sein müssen. 
Jede Zahlungs-Anweisung muss von dem Vorsitzenden 
und mindestens noch einem Mitgliede des Vorstandes 
unterzeichnet sein. 

§. 51. Die Bessersche Buchhandlung kann bei Abführung 
der Beiträge (§. 45.) gemachte Auslagen oder eigne 
Forderungen in Anrechnung bringen. 

§. 52. Der Schatzmeister hält mindestens halbjährig mit der 
Buchhandlung Abrechnung, und bringt diese in einer 
Vorstandssitzung zum Vortrage. 

§. 53. Den im Budget als Zuschuss zu den Kosten 
der September -Versammlung ausgeworfenen 
Geldbetrag hat der Schatzmeister zu seiner Zeit postfrei 
an den dortigen Geschäftsführer (§. 5. d. St.) zu senden. 

§. 54. Ende Mai ist eine Uebersicht von Lage der Kasse 
aufzustellen und vorzulegen. 



35 

§. 55. Die Jahres -Rechnung ist nach dem letzt voll- 
zogenen Budget anzufertigen und darauf zu sehen, dass 
jede Ausgabe unter der bezüglichen Abtheilung des Bud- 
gets verrechnet werde. Es sind daher die Ausgaben 
schon in den Belegen gehörig getrennt zu halten. 

§. 56. Wenn bei einem Geldposten eine Ueberschreitung 
der im Budget dazu bewilligten Summe vorkommt, so 
ist dies alsbald zur Sprache zu bringen, in der Rech- 
nung aber zu seiner Zeit zu erläutern. 

§. 57. Jede Rechnung soll ein volles Geschäftsjahr 
umfassen; dies beginnt mit dem ersten Mittwoch des 
Monats November und schliesst mit demselben Sitzungs- 
tage im nächsten Jahre. Dem Schatzmeister' ist je- 
doch zur Ablieferung der Rechnung nebst Belegen bis 
zum Schlüsse desselben Jahres Frist gegeben. 

§. 58. Da die allgemeine September -Versammlung nicht 
mit dem Rechnungs - Abschluss (§. 57.) zusammenfällt, 
so kann die Rechnung erst der nächstjährigen allge- 
meinen Versammlung behufs Prüfung derselben und Ent- 
lastung zugestellt werden. Der Schatzmeister hat jedoch 
Ende August eine Uebersicht von dem Kas- 
sen- Zustande zu fertigen, welche sich an die nächst 
vorherige Jahres-Rechnung anschliesst und alle bis Ende 
August vorgekommenen Einnahmen und Ausgaben nach- 
weist. Diese Uebersicht wird von dem Vorsitzenden mit 
den Belegen und dem Baarbestande verglichen, beschei- 
nigt und geht an die allgemeine Versammlung (§. 4. b.) 

§. 59. Wenn bei dem Abschlüsse der Jahres-Rechnung Soll- 
Einnahmen rückständig geblieben sind, wie namentlich 
Beiträge von Mitgliedern, so sind solche Einnahme- 
Reste in der Rechnung hinter dem Haupt- Abschlüsse 
nachzuweisen, ebenso etwaige Aus gaber est e. 

§. 60. Ferner ist hinter dem Abschlüsse der Rechnung an- 
zugeben, was die Gesellschaft an Inventarstücken 
besitzt, und dieser Nachweis wird in jede nächste Rech- 
nung übernommen, Auf Belegen, welche die Anschaf- 

3* 



36 

fung solcher Stücke betreffen, muss deren erfolgte In- 
ventarisirung von dem Archivar bescheinigt sein. (§. 41.) 
§. 61. Im Falle einer mehr als einwöchentlichen Entfernung 
des Schatzmeisters von Berlin, übernimmt, nach näherer 
Bestimmung des Vorsitzenden, ein anderes Vorstands- 
Mitglied dessen Geschäft für die Zeit der Abwesenheit. 



§. 62. Die an gewisse Zeitabschnitte geknüpften Geschäfte 
sollen in einem Termin-Kalender zusammenge- 
stellt und von diesem sämmtlichen Vorstandsmitgliedern, 
zugleich mit gegenwärtiger Geschäfts-Ordnung, Ab- 
schriften eingehändigt werden. 



10. Rundschreiben des Vorstands, die Constituirung 
der Gesellschaft anzeigend. 

(An sämmtliche Mitglieder.) 

Die am 28. Dezember v. J. behufs der Statut -Bera- 
thung und Constituirung einer deutschen geologischen Ge- 
sellschaft zusammengetretene Versammlung Auswärtiger, so 
wie Einheimischer hat nach mehrtägiger Berathung dem 
Statute der Gesellschaft die nachstehende Fassung gegeben: 

(folgt das bereits oben unter Nr. 6. abgedruckte Statut) 

Nach Festsetzung des Statuts wurden von der Versamm- 
lung zu Mitgliedern des Vorstands gewählt : 
Herr L. v. Buch als Vorsitzender 

f als stellvertretende Vorsitzende 
Karsten 

Beyrich 

^ . , }• als Schriftführer 
Ijrirard 

Ewald 

Tarn n au als Schatzmeister 

Bammelsberg als Archivar 



37 

Das erste Heft der Zeitschrift, welches zum ersten April 
d. J. erscheint, wird den ausführlichen Bericht über die statt- 
gehabten Berathungen enthalten. 

In Betreff der Einzahlung des Beitrages ist von dem 
Vorstande die Einrichtung getroffen worden, dass die Bei- 
träge einzusenden sind an 

die Bessersche Buchhandlung (W. Hertz.) 
Behrenstrasse Nr. 44., 
welche von dem Vor stände ermächtigt ist, über die erfolgten 
Einzahlungen Quittung auszustellen. 
Berlin im Januar 1849. 
Der Vorstand der deutschen geologischen Gesellschaft. 



11. Protokoll der Januar-Sitzung. 

Verhandelt Berlin den 4. Januar 1849. 

Der stellvertretende Vorsitzende Herr v. Carnall er- 
öffnet die Sitzung und theilt mit, dass in Zukunft vor und 
während der Sitzung stets ein Bogen ausgelegt sein wird, 
auf welchem diejenigen, welche etwas vortragen wollen, sich 
der Reihe nach einzutragen haben. 

Darauf zeigt Herr B e y r i c h das erste Blatt eines grös- 
sern geologischen Kartenwerkes vor, welches Schlesien und 
zwar zunächst den westlichen Theil dieser Provinz umfassen 
wird, und giebt einen Ueberblick von den auf der Nordseite 
des Riesen- Gebirges auftretenden Gebirgs -Formationen. 

Herr Girard, welchem durch Sir Robert Schomburgk 
in London geognostische Beobachtungen des berühmten Rei- 
senden Dr. Leichhardt im östlichen Australien zugegangen 
sind, liest einen Theil dieser Arbeit, über die Kohlen-Lager 
von Newcastle am Hunter handelnd. 

Herr Q er mar aus Halle spricht über das Vorkommen 
von Insekten im Braunkohlengebirge und übergiebt einen 
Aufsatz darüber. 

Sodann theilt Herr Weiss aus einem Briefe des Herrn 
Geinitz in Dresden die Nachricht mit, dass Herr Koch 



38 

daselbst neuerdings sehr wohl erhaltene Reste des Zeuglodon 
ausgepackt hat, durch welche sich die delphinartige Natur 
des Thieres bestätigt. 

Der Vorsitzende macht darauf bekannt, dass Herr 
H. Müller in Freiherg als Mitglied aufgenommen ist, vor- 
geschlagen durch die Herren von Buch, Reich und Cotta. 

Herr v. Olfers bietet darnach die Bibliothek im Kö- 
niglichen Museum als Lokal für die künftigen Versammlun- 
gen an, was mit Dank angenommen wird. 

Endlich bemerkte der Vorsitzende, dass Ort und Tages- 
zeit für die Versammlungen künftig durch die Zeitungen 
vorher angezeigt werden sollen und schliesst die Sitzung. 

v. w. o. 
(gez.) v. Carnall. Ewald. Girard. 



12. Verzeichniss der Mitglieder der Gesellschaft. 

(Geschlossen Ende Januar.) 

Cotta in Freiberg. 
Credner in Gotha. 
Debey in Aachen. 
von Decken in Bonn. 
Degenhardt in Orzesze bei Ni- 
kolai. 
Dieterici in Berlin. 
Dove in Berlin. 
Dunker in Cassel. 
Ehrenberg in Berlin. 
Eichicald in Petersburg. 
Emmerich in Meiningen. 
Erbreich in Brieg. 
Eicald in Berlin. 
Fabian in Schönebeck. 
Graf von Fernemont in Berlin. 
Geinitz, in Dresden. 
Germar in Halle. 
Giebel in Halle. 
Girard in Berlin. 



1. 


von Alberli in Rottweil. 


20. 


2. 


Althaus in Rotenburg a. d. Fulda. 


21. 


3. 


Baur in Eschweilerpumpe bei 


22. 




Aachen. 


23. 


4. 


Beinert in Charlottenbrunn. 


24. 


5. 


von Beurmann in Halberstadt. 




6. 


Freiherr von Beust in Freiberg. 


25. 


7. 


Graf von Beust in Dresden. 


26. 


8. 


Beyrich in Berlin. 


27. 


9. 


Birnbaum in Berlin. 


28. 


10. 


G. Bischof in Bonn. 


29. 


11. 


Bocksch in Waidenburg. 


30. 


12. 


Boll in Neu-Brandenburg. 


31. 


13. 


Brade in Waidenburg. 


32. 


14. 


Braun in Baireuth. 


33. 


15. 


Breithaupt in Freiberg. 


34. 


16. 


L. von Buch in Berlin. 


35. 


17. 


Burkart in Bonn. 


36. 


18 


Burmeister in Halle. 


37. 


19 


. von Carnall in Berlin. 


38. 



39 



39. 


Glocker in Breslau. 


81. 


40. 


Göppert in Breslau. 


82. 


41. 


Graf in Speyer. 




42. 


Grundmann in Kattowitz. 


83. 


43. 


Gutberiet in Fulda. 




44. 


Haardt in Berlin. 


84. 


45. 


von Hagenow in Greifswald. 


85. 


46. 


Haidinger in Wien. 


86. 


47. 


F. von Hauer in Wien. 




48. 


J. von Hauer in Wien. 


87. 


49. 


Hausmann in Göttingen. 


88. 


50. 


von der Heydt in Berlin. 


89. 


51. 


Hehl in Stuttgart. 


90. 


52. 


//eite in Neurode. 


91. 


53. 


Henrici in Berlin. 


92. 


54. 


Herold in Bochum. 


93. 


55. 


Hoffmann in Petersburg. 


94. 


56. 


Hoffmann in Zabrze bei Gleiwitz. 


95. 


57. 


Honigmann in Berlin. 


96. 


58. 


Höninghaus in Crefeld. 


97. 


59. 


Hörnes in Wien. 


98. 


60. 


.4. t>o« Humboldt in Berlin. 


99. 


61. 


Hundt in Olpe. 


100. 


62. 


Hiiser in Brilon. 


101. 


63. 


Jäger in Stuttgart. 


102. 


64. 


Jacob in Bochum. 


103. 


65. 


Jasche in Ilsenburg. 


104. 


66. 


Jordan in Saarbrücken. 


105. 


67. 


Jugler in Hannover. 


106. 


68. 


C. Karsten in Berlin. 


107. 


69. 


G. Karsten in Kiel. 


108. 


70. 


ÄMn in Berlin. 


109. 


71. 


Ä"ocA in Berlin. 


110. 


72. 


ÄocA in Grünenplan bei Delligsen. 


111. 


73. 


Körfcr in Berlin. 


112. 


74. 


Krantz in Berlin. 


113. 


75. 


Krause in Kupferberg. 


114. 


76. 


Kremski in Berlin. 


115. 


77. 


Ärtf# Don. Nidda in Tarnowitz. 


116. 


78. 


Langenmeyer in Berlin. 


117. 


79. 


Leuschner in Berlin. 


118. 


80 


Lin/e in Berlin. 


119. 



Ludorff in Berlin. 
Ludwig in Schwarzenfels bei 
Schlüchtern. 

Ludwig in Rohnau bei .Landes- 
hut. 

Magnus in Berlin. 

Graf von Mandelsloh in Ulm. 

Mannte eiler in Hohenloh-Hütte 
bei Beuthen. 

Martins in Halle. 

Menke in Pyrmont. 

Mentzel in Königshütte. 

Merian in Basel. 

Methner in Berlin. 

P. von Meyendorff in Berlin. 

Meyn in Segeberg. 

A. von Miel^cki in Dortmund. 

St. von Mile^cki inRüdersdorf. 

von Minnigerode in Dürrenberg. 

Mitscherlich in Berlin. 

H. Midier in Freiberg. 

J. Müller in Berlin. 

Midier in Aachen. 

Naumann in Leipzig. 

Nehler in Reichenstein. 

Nöggeralh in Bonn. 

von Oeynhausen in Brieg. 
, flow Ol fers in Berlin. 

Ostcald in Oels. 
, Overweg in Berlin. 
, Peters in Berlin. 
. Plattner in Freiberg. 

Pleitner in Berlin. 

Plieninger in Stuttgart. 
, Plümicke in Eisleben. 

von Pommer-Esche IL in Berlin. 
, Rammeisberg in Berlin. 
, von Raumer in Erlangen. 
. Äeic/i in Freiberg. 
, dom Rcichenbach in Wien. 
, von Rennenkampff in Oldenburg. 
. Äewss in Bilin. 



40 



120. 


Ribbcntrop in Schwemsal. 


146. 


121. 


Richter in Saalfeld. 


147. 


122. 


Riess in Berlin. 


148. 


123. 


Ritter in Berlin. 


149. 


124. 


Rodenberg in Berlin. 


150. 


125. 


Rohland in Rybnick. 


151. 


126. 


F. Roemer in Bonn. 


152. 


127. 


F. A, Roemer in Clausthal. 


153. 


128. 


H. Roemer in Hildesheim. 


154. 


129. 


G. Rose in Berlin. 


155. 


130. 


H. Rose in Berlin. 


156. 


131. 


Roth in Berlin. 


157. 


132. 


Russegger in Wieliczka. 


158. 


133. 


F. Sandberger in Wiesbaden. 


159. 


134. 


G. Sandberger in Wiesbaden. 


160. 


135. 


Schafhäutl in München. 


161. 


136. 


Scheerer in Freiberg. 


162. 


137. 


Schnackenberg in Berlin. 




138. 


Prinz Schönaich - Carolath in 


163. 




Königshütte. 


164. 


139. 


Schnoedt in Münster am Stein 






bei Kreuznach. 


165. 


140. 


Schüler in Jena. 




141. 


Schwarze in St. Goar. 


166. 


142. 


Sello in Saarbrücken. 


167. 


143. 


Sello in Berlin. 


168. 


144. 


Skalley in Berlin. 


169. 


145. 


Splittgerber in Berlin. 


170. 



Steininger in Trier. 

Stifft in Bieberich. 

von Strombeck in Braunschweig. 

Tamnau in Berlin. 

Tantscher in Waidenburg. 

Thürnagel in Tarnowitz. 

von Tschepe in Berlin. 

Tuch in Berlin. 

von V eisen in Unna. 

V olger in Göttingen. 

Wache in Berlin. 

Wächter in Berlin. 

von Waltershausen in Göttingen. 

Weiss in Berlin. 

Werther in Berlin. 

Wiebel in Hamburg. 

von Winckler in Miechowitz bei 

Beuthen. 
Wähler in Göttingen. 
von Wulff en in Pietzpuhl bei 

Burg. 
Graf Wilhelm von Würtemberg 

in Stuttgart. 
Zeiler in Coblenz. 
Zeuschner in Krakau. 
Zimmermann in Hamburg. 
Zinc/ten. in Ballenstedt. 
Zobel in Reichenstein. 



H. Briefliche Mittlieilungeii. 



Herr Ger mar an Herrn Beyrich. 

Halle den 24. October 1848. 

Bei Wettin haben wir einen neuen interessanten 

Fund gemacht. Bei dem Schachtabteufen fand sich in dem 
rothen thonigen Sandstein der hangenden Lagen des Stein- 
kohlen-Gebirges eine etwa einen Zoll mächtige, auf beiden 



41 

Seiten mit Kalkspathkrystallen überzogene Kluft. Auf die- 
sen Kalkspathkrystallen lag stellenweise, gleichsam wie ein 
dünner Brei aufgestrichen, ein Erdharz von weingelber, stel- 
lenweise in das Oelgrüne übergehender Farbe, durchsichtig 
bis halbdurchsichtig, glänzend, dickflüssig, doch so, dass es 
bei einer Temperatur von 16 — 20° R. seine Lage nicht ver- 
ändert, aber selbst bei einer Temperatur von 10 — 12° R. an 
dem Finger kleben bleibt. Es sind nur zwei Exemplare da- 
von vorhanden, von welchen das eine unser Museum besitzt 
und die Quantität auf diesem ist zu gering, um ohne Auf- 
opferung oder doch grosse Beschädigung des Stückes, so viel 
abnehmen zu können, dass es zu einer Analyse hinreichte. 
Auf einer Pincette ein kleines Pröbchen in die Weingeistflamme 
gebracht, zerfloss es sogleich, brannte mit Flamme, ohne Ge- 
ruch und im Anfang mit einigem Knistern. — Es scheint 
ein neues eigenthümliches Erdharz zu sein, dem ich den 
Namen Chris matin geben möchte. 

Das zweite Exemplar hat das Königliche Bergamt in 
Wettin 



C. Aufsätze« 



1. Nachricht von dem Erscheinen einer geologischen 

Karte Schlesiens. 

Im ganzen Umfange des preussischen Staates sind seit 
dem Jahre 1841 auf Antrag des Herrn Berghauptmann 
v. Dechen für Rechnung der Staats-Regierung geologische 
Untersuchungen ausgeführt worden, welche die Herstellung 
genauer dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft ent- 
sprechender geologischer Karten zum Ziel haben. Unter der 
Fürsorge des Königlichen Oberberghauptmanns, Herrn Gra- 
fen v. Beust, waren für die geologische Karte Schlesiens, 



42 

welche als ein besonderes Kartenwerk von Seiten der Staats- 
Regierung herausgegeben werden soll, bis zum Schlüsse des 
vergangenen Jahres die Arbeiten so weit vorgeschritten, dass 
der Versammlung der deutschen geologischen Gesellschaft in 
Berlin am 4. Januar dieses Jahres eine Sektion der Karte 
vollendet vorgelegt werden konnte. Dem Beginn des Er- 
scheinens der Karte selbst und den ihr beizugebenden Er- 
läuterungen möge die folgende Nachricht über den Umfang 
und die Eintheilung der Karte vorangehen. 

Die Karte ist im Maassstabe von 1 : 100,000 gezeichnet. 
Situation nebst Bergzeichnung wurden den im gleichen 
Maassstabe ausgeführten nicht publicirten topographischen 
Karten des Generalstabes entnommen, welche auch bei der 
geologischen Untersuchung zum Grunde gelegt wurden. Da 
für eine geologische Karte das Haupterforderniss ist, dass 
das Farbenbild klar hervortrete, so wurden alle Culturzeichen, 
wie Wald, Wiese und andere ganz fortgelassen und die oro- 
graphischen Verhältnisse in vereinfachter Weise wiedergege- 
ben. Die nördliche Grenze der Karte ist in 51° 22^' Breite 
gezogen worden; es wird daher der über diese Breite hin- 
ausreichende nördlichste Theil der Provinz Schlesien auf der 
Karte nicht mit dargestellt werden. Die dem Nordrande der 
Karte am meisten genäherten Städte Schlesiens sind Bunz- 
lau, Haynau, Parchwitz und Prausnitz. Bei Bestimmung 
jener Grenze war die Rücksicht leitend, dass noch die äus- 
serten Punkte anstehender Gesteine von höherem Alter als 
Tertiär - und Diluvialbildungen, in dem Räume der Karte 
eingeschlossen sein sollten. Die westliche Grenze, in 32° 
39' Länge, wurde so gezogen, dass die Karte einen voll- 
ständigen Anschluss an die geologische Karte des König- 
reichs Sachsen bildet; die Stadt Görlitz liegt am westlichen 
Rande der Karte. 

Bei der grossen Erstreckung Schlesiens in der Rich- 
tung von West gegen Ost erschien es zweckmässig, die 
ganze Karte in zwei Theile zu zerfallen, deren jeder als 
ein selbstständiges Ganze bearbeitet wird. Die beiden Theile 



43 

entsprechen ohngefdhr der Eintheilung der Provinz in Nie- 
der - und Ober -Schlesien, so dass eine geologische 
Karte von Nieder - Schlesien und eine andere, die östliche 
Fortsetzung davon bildende Karte von Ober- Schlesien er- 
scheinen werden. Die Grenze beider Karten geht durch 
den 35. Längengrad, nahe bei der Stadt Neisse vorbei. Zur 
Veröffentlichuug wird zunächst die Karte von Nieder- Schle- 
sien vorbereitet, welche in 9 Sektionen getheilt ist, drei nörd- 
liche, drei mittlere und drei südliche. Die nördlichen dieser 
Sektionen haben an der Nordgrenze (in 51° 22y Breite) ent- 
lang eine Grösse von je 20,6 rheinischen Zollen, die südli- 
chen Sektionen an der Südgrenze (in 50° 5' Breite) entlang 
eine Grösse von je 21,23 Zoll; die bei allen Sektionen gleiche 
Höhe (25-f- Minuten) beträgt 18,3 Zoll. Die westlichste der 
drei südlichen Sektionen fällt ganz ausserhalb der Grenzen 
des preussischen Staates und ist zu Titel und Farbentafel 
bestimmt. Nur drei Sektionen der Karte berühren nicht die 
Landesgrenze. Der gänzliche Mangel brauchbarer publicir- 
ter topographischer Karten von Böhmen war leider bis jetzt 
ein unüberwindliches Hinderniss, die an Böhmen anstossen- 
den Grenz-Sektionen über die Landesgrenze hinaus auszu- 
führen; es werden deshalb diese Sektionen vorerst an der 
Grenze abgeschnitten bekannt gemacht werden, mit der Ab- 
sicht für dieselben in der Folge, wenn die schon lange er- 
warteten österreichischen topographischen Karten von Böh- 
men werden erschienen sein, Ergänzungsausgaben nachfolgen 
zu lassen. 

Die Herausgabe wird mit den nordwestlichen Sektionen, 
welche an die geologische Karte Sachsens anstossen, begin- 
nen. Sowohl für die zunächst erscheinenden wie für alle 
übrigen Sektionen der Karte Nieder-Schlesiens wurde bisher 
die geologische Untersuchung des Landes von den Herren 
G. Rose und Beyrich ausgeführt, welche später auch die 
zur Karte nöthigen Erläuterungen bekannt machen werden. 



44 

2. Ueber die Kohlenlager von Newcastle am Hunter 
von Ludwig Leichhardt in Australien. 

Mitgetheilt von H. Girard in Berlin. 

(Hierzu Tafel I.) 

Das Studium der geologischen Verhältnisse von Austra- 
lien beschränkte sich bis vor einigen Jahren nur auf die 
Küsten des Meeres. Hier kommt die Natur dem Geologen 
in schönen Durchschnitten zu Hülfe, in welchen sie die ver- 
schiedenen Gesteinslagen auf das Deutlichste offen legt und 
die Verhältnisse derselben gegen einander auf weite Ent- 
fernungen anschaulich macht. Im Inlande begegnet der 
Geologe selten belehrenden Durchschnitten. Die Hügel 
sind gleichmässig abgerundet und mit Erde bedeckt, oder 
nur massig in Wasserläufen eingeschnitten und wo sich 
Durchschnitte finden, kommen die tiefsten Bildungen nur 
sehr selten zu Tage. Dies macht es sehr schwierig die 
Aufeinanderfolge der Schichten mit Sicherheit zu bestim- 
men. Keine öffentlichen Werke, keine Strassen, keine 
Kanäle, Tunnels oder Fortificationen kommen dem Geologen 
bei seinen Untersuchungen zu Statten. Selten nur finden 
sich die Bewohner veranlasst Brunnen zu graben, und da 
sie sich beim Graben der Brunnen häufig getäuscht finden, 
indem sie auf salzhaltiges Wasser kommen, so ist auch von 
diesen für die Zukunft wenig zu hoffen. 

Ich bin überzeugt, dass die Geologie von Australien im 
Allgemeinen von Newcastle ihren Anfang nehmen muss, und 
dass der Geologe sich von hier schrittweise nach Norden, 
Süden und Westen zu wenden habe. Denn hier findet sich 
eine Reihe von Schichten, welche gegen Westen und viel- 
leicht in der ganzen Küstenlinie Australiens nie wieder so 
vollständig hervortreten. 

Ich habe die geologischen Verhältnisse von Newcastle 
einerseits gegen Brishbanewater d. i. gegen Süden, ander- 
seits gegen Westen den Hunter-Fluss hinauf zu' verfolgen 



45 

gesucht, habe dann die Liverpool-Plains im ;Nord- Westen der 
Liverpool-Range besucht und bin von dort nach Moutonbay 
gewandert, in dessen Bezirken ich mich mehrere Monate 
aufhielt. Auf meiner Rückreise wählte ich den Weg über 
das Hochland von Neu - England und ging über die Kette, 
welche den Hastings und den Gloucester scheidet, nach Port 
Stephens hinab. 

Die vollständigsten Durchschnitte in der Gegend von 
Newcastle, wie sie bei Captain Morris's Bade (Morris 's batfi) 
und unter Shepherds Hill vorkommen, zeigen von oben nach 
unten folgende Schichten: 

(Siehe das Profil auf Tafel I.) 

1. Unmittelbar unter der Erdkrume einen Pudding:- 
stein (Iron Conglomerate), welcher eine Menge von Porphyr- 
und Granitgeröllen und Kieselfels einschliesst. Dieser Pud- 
dingstein ist über das ganze Becken des Hunters hin sicht- 
bar. Er enthält ausser den erwähnten Gerollen häufig 
scharfe Stücke eines weissen Quarzes, besonders im obern 
Theile des Hunters am Wybong. Ausserdem finden sich 
Gerolle eines dunkelblauen Gesteines, das wahrscheinlich 
eine Art verhärteten Thongesteins ist (Melaphyr?), wie ich 
dergleichen z. B. am Gwydir in grosser Ausdehnung anste- 
hen fand. Diese Gerolle sind von grosser Wichtigkeit. Mit 
Ausnahme der letztern, über deren Natur ich zweifelhaft 
bin, lassen sie sich alle mit den verschiedenen feurigen Ge- 
steinen identificiren , welche im Becken des Hunter auftre- 
ten, während das Gestein der Liverpool - Range nicht vor- 
handen ist. 

2. Unter dem Pudding, dessen Mächtigkeit an ver- 
schiedenen Orten von einigen Fuss bis zu hohen Bergmas- 
sen wechselt , folgt ein schwacher Saum eines braunen bitu- 
minösen Thons, eine Art Kohlenletten mit Farrenkräuterab- 
drücken. Dieser Saum verwandelt sich indessen in geringer 
Entfernung in ein wahres Kohlenlager, zu welchem man an 
der steilen Klippe zwar nicht gelangen kann, das man indess 
von Morris's Bade aus sehr wohl als den obersten Kohlen- 



46 

säum unterscheidet. Es scheint dieser Kohlensaum den 
höchsten Kohlenlagern auf Nobby's Island zu entsprechen. 

3. Verhärteter Thon und Sandstein, 20' — 30' mächtig. 
Dieses Gestein ist an ^andern Orten von hellgelber Farbe, 
weich und von der Atmosphäre angefressen und ausgehölt. 
In einem Steinbruch auf Shepherd's Hill fand ich den Abdruck 
eines Calamiten in diesem Sandstein. Auf Nobby's - Island 
sind die Thone 10' dick, der gelbe Sandstein 26' "und ein 
weislicher Sandstein 10'. Auf der Meeresseite von Nobby's 
Island sind die Thone und Sandsteine von einem Basalt-dyke 
durchbrochen und die Hitze hat sie so verwandelt, dass man 
kaum glauben würde, dieselben Gesteine vor sich zu sehen, 
könnte man sie nicht in einander verfolgen. 

4. Das zweite Kohlenlager. Dies erscheint in andern 
Durchschnitten wie z. B. unter dem Firebeacon als das erste, 
indem der schwache obere Saum häufig ganz fehlt, oder in 
den hohen Klippen nicht erkannt wird. Dieses Kohlenlager 
ist von Kohlenletten bedeckt, welchen die Arbeiter Chittars 
nennen. Es ist nicht so gut als das 3te und 4te Kohlenlager. 
Die benachbarten Thonletten sind voll von Farrenkräuterab- 
drücken. (6') 

5. Ein bläulicher thoniger Sandstein. Er ist mächtig 
und theilt sich in grosse Blöcke. Man gebraucht ihn zum 
Bau des Hafendammes, welcher Nobby Island mit dem Fest- 
lande verbinden soll. Dieser Sandstein enthält unter dem 
Firebeacon Anhäufungen eines fast losen Sandes, verkohlte 
Holzstämme mit Eisenkies Anflug, welche oft senkrecht ste- 
hen, ein Lager von Strontiän (?) -Nieren und eine mehlige 
Substanz. Unter dem Nierenlager fand ich Kohlen stücke. 
Unter Morris's Bade sieht man im obern Theile häufig Eisen- 
stein-Nieren, in welchen Kristalle kohlensauren Eisens vorkom- 
men. Unter dem Firebeacon ist dieser Sandstein 20' mächtig. 

6. Drittes Kohlenlager im Niveau des Fluthwassers. 
Die eigentliche Kohle ist wiederum von Thonletten mit Farrn- 
kräuter- Abdrücken und Equisetum bedeckt. Letten und Kohle 
bilden ein Lager von 5'. 



47 

7. Ein Puddingstein, welcher in Eisen verwandelte Baum- 
stämme enthält. Die Stämme sind von verschiedener Dicke, 
etwas zusammengedrückt, und gewöhnlich mit einer tiefen 
Furche an einer Seite. Oft ist es der Stamm, oft Zweige, 
oft das untere Stammende mit den Wurzeln. Sie liegen in 
den verschiedensten Kichtungen, und scheinen hier abgelagert, 
als sich das Conglomerat bildete, in welchem sie sich befin- 
den. Die Elemente des Puddingsteins sind dieselben, welche 
man im obern Pudding findet, so dass man, wo Blöcke des 
oberen Gesteins losgebrochen und zum Strande niedergerollt 
sind, nur an der lichteren Farbe erkennt, dass sie den höhe- 
ren Schichten angehören. Man hat indessen häufig Gelegen- 
heit, den Uebergang des Puddings in einen bläulichen, tho- 
nigen Sandstein wahrzunehmen und man findet, indem man 
über das harte Felsenufer hinschreitet, dieselben Unterschiede 
des Gesteins, welche man auf der gegenwärtigen Küste 
wahrnimmt, wo grosse Strecken von Gerollen mit feinen 
weissen Sanden und Thonen wechseln. Während die Baum- 
stämme, welche in diesem Pudding liegen, von Eisenoxyd 
durchdrungen sind, findet sich fossiles verkieseltes Holz 
auf der Oberfläche des Bodens sehr häufig, nicht nur um 
Newcastle, sondern um Scone, Invermine u. s. w. verbreitet. 
Ich habe nur im Districte von Moutonbay verkieseltes Holz 
im Sandsteine gefunden, während auf Darling Downs, die in 
Eisenoxyd verwandelten Stämme im Sandstein der Condamine 
sehr häufig waren. 

8. Das vierte Kohlenlager. Dies erscheint unter dem 
Firebeacon nur während der Ebbe. Bei Morris' s Bade ist es 
an 12'— 16' über dem Meeresspiegel. Weiterhin sinkt es 
indessen wieder zum Meeresufer zurück. Es ist an der 
Küste das einzige Lager, über welchem Quellwasser hervor- 
tritt, und man sagte mir, dass man in den Kohlenwerken 
der Australian-Company besonders von diesem Wasser leide. 
Das Lager ist mit seinen Letten ungefähr 7 ' dick, und die 
obern Schichten werden von den untern durch eine Lage 
plastischen Thons getrennt. 



48 

9. Unter der letzten Kohle erscheint ein grauer weicher 
thoniger Sandstein, welcher dem Gestein zwischen der 3ten 
und 4ten Kohle, wo es nicht Pudding ist, sehr gleicht. Es 
enthält eine Menge von Eisensteinnieren, in welchen sich 
schöne Farrenkräuterabdrücke finden. 

Die fossilen Pflanzenabdrücke, welche man in den ver- 
schiedenen Thonletten findet, haben im Allgemeinen in allen 
denselben Charakter, doch bestehen einige Unterschiede, 
welche vielleicht mehr den Localitäten als den verschiedenen 
Lagern angehören. Schöne Abdrücke von Glossopteris findet 
man auf Nobby's Island im obersten Kohlenlager. Taeniopte- 
ris kommt sehr gross und breit im 3ten Kohlenlager unter 
Great Red Heat vor. Pecopteris ist sehr häufig am Morris's 
Bade in einem Saum unter dem 4ten Kohlenlager. In den 
Eisensteinnieren sind die Glossoptoris sehr schön. Equiseten 
findet man besonders im obersten Kohlenlager von Nobby's 
Island. Doch kommen sie auch in den übrigen Lagern vor. 
Einige Abdrücke scheinen Algen zu sein, andere linealisch 
mit parallelen Venen, Süsswasser- oder Sumpfpflanzen. Herz- 
förmige Eindrücke ungefähr 2 '" breit und 3 "' lang sind viel- 
leicht Fruktificationen. Ein Eindruck erinnert fast an den 
Saamenstand von Botrychium. 

Nur zwei von mir gesehene Reste gehören dem Thier- 
reiche an. Der eine ist ein Fisch, der andere eine Coralline, 
welche Herr Witton in den oberen Kohlenletten von Nobby's 
Island fand. 

Der Mangel an fossilen Muscheln macht es schwierig, 
die verschiedenen Lager der Kohle und des Sandsteines mit 
den Sandsteinen am mittleren und "oberen Hunter zu verglei- 
chen und die grosse Uebereinstimmung der Pflanzenabdrücke 
in den 4 Kohlenlagern macht es gleichfalls unmöglich, die 
Eindrücke im Sandstein von Harpers Hill und von Glendon 
mit denen eines bestimmten Kohlenbettes zu vereinigen. 

Die Kohlenlager und die thonigen Sandsteine von New- 
castle sind von mehreren Gängen eines basaltischen oder 
phonolitischen Gesteins durchbrochen, welche die Natur der 



49 

benachbarten Gesteine oft recht auffallend veränderten. Den 
merkwürdigsten dieser Gänge sieht man auf der Ostseite 
von Nobbys Island, einer kleinen Felsen - Insel, welche mit 
ihren schroffen Klippen wie vom Festlande gewaltsam losge- 
rissen scheint. Die Richtung des Ganges ist von NW. zu 
N. gegen SO. zu S. Man sieht die Spalte in der ganzen 
Höhe der Felsen wand. Die Thonletten und der Sandstein 
sind in ein hartes feuersteinartiges Gestein verwandelt. 
Zwischen dem Firebeacon und Morris's Bade sieht man noch 
drei andere, so wie Spalten, welche vor Morris's Bade das 
Felsenufer durchsetzen. Vergleicht man die Richtung der 
Spalten, so ergiebt sich nicht eine einfache Linie, sondern 
ein Band, welches zwischen SO. zu S. und SjW. liegt und 
also ungefähr 36° 35' breit ist. Ist nun anzunehmen, dass 
die Richtung des vulkanischen Stosses auf dieser Richtung 
senkrecht steht, so werden wir vielleicht nach Neu-Caledo- 
nien und nach den dieser Insel benachbarten Vulkanen, als 
dem Heerde früherer vulkanischer Thätigkeit geführt. Erd- 
stösse sind auch gegenwärtig hier nicht selten und ich selbst 
hatte Gelegenheit am 28. October 1842 am Morgen um 6 Uhr 
einen recht starken Stoss zu fühlen. Herr Wilton sagte mir, 
dass dies der 4te war, welchen er während seines Aufent- 
halts in Newcastle empfunden. 

Aehnliche Gänge wie die erwähnten finden sich zwischen 
Lake Macquarry und Tukkerah beach lake, wo sie den Pud- 
ding durchsetzen, und auf Point Stephens, dem südlichen 
Berg von Port Stephens, wo sie durch den Porphyr hindurch 
gedrungen sind. Der erstere streicht von SW. nach NO. und 
erscheint in mehreren folgenden Head-lands (Landspitzen) 
wieder, eine engere Spalte läuft ihm parallel; der andere 
3'— 4' breit streicht von OSO. gegen WNW. und wird 
gleichfalls von einer engern parallelen Spalte begleitet, beide 
setzen plötzlich ab und verschieben sich um 3' — 4'. Der 
Basalt enhält hier viel Olivin. 

In Folge dieser Erschütterungen haben die Schichten 
häufige Veränderungen erlitten, und man sieht an mehreren 

Zt d, d, geol, Ges. !• 1. 4 



50 

Orten sehr bedeutende Verschiebungen. Ja, es wird schwie- 
rig die verschiedenen Kohlenlager von Newcastle mit denen 
von Lake Macquarry zu identificiren. Eine der auffallendsten 
Verschiebungen findet sich kurz ehe man zu der Lagune 
kommt, welche am Eingang des Palmen-Thals liegt. Hier 
scheinen die Kohlenschichten, welche östlich von der Kluft 
liegen, die die Fortsetzung der Schichten unterbricht, weit 
über den Meeresspiegel erhoben zu sein. Denn am Eingange 
des Thaies sieht man zwei Kohlenschichten, von einem grauen 
Thonlager und Sandstein getrennt, im Niveau des Meeres, 
und diese beiden Kohlenbetten vereinigen sich einige hundert 
Schritte östlich zu einem einzigen. 

Kurz ehe man zu den Klippen von Great Red Head 
kommt, war früherhin ein Kohlenlager in Feuer und man 
findet eine Menge von Schlacken am Abhänge. Die älteren 
Schwarzen erinnern sich noch recht wohl dieses Feuers, wel- 
ches ebenso wie das Feuer, was im Innern von Mount Win- 
gen, am obern Hunter, noch heut fortbrennt, durch die Wir- 
kung des Wassers auf Eisenkies haltige Kohle veranlasst 
und unterhalten wurde. 

Betrachten wir nun die vier regelmässigen Kohlenlager 
in der Nähe von Newcastle und sinnen wir über die Ver- 
hältnisse nach, in welchen sie sich bildeten, so treten hier die 
Schwierigkeiten einer Erklärung vielleicht augenscheinlicher 
hervor als in einem andern Kohlenbezirke. Diese Kohlenla- 
ger sind entweder niedergepresste und zermalmte Wälder, wie 
sie noch heute den an vegetabilischen Stoffen reichen Boden 
Süd - Amerika's bedecken, oder es sind die Pflanzenstoffe, 
welche durch das Wasser aus dem Innern grösserer Inseln 
gebracht wurden, und die dann die ruhigen Wasser entweder 
in weiten Mündungen fallen Hessen, oder die, von Strömun- 
gen erfasst, über den Meeresboden ausgebreitet wurden. 
Nehmen wir das erstere an, so folgt, dass der Boden vier- 
mal aus dem Wasser hervortrat und sich mit dichter Vege- 
tation bedeckte, und dass er viermal weit unter das Niveau 
des Meeres hinabsank, um die Vegetation von den fol- 



51 

genden Pudding , Sandstein und Thon - Lagern begraben 
zu lassen. 

Wir finden nun, dass die Thonletten, welche die Koh- 
lenmassen begleiten , besonders reich an Abdrücken von 
Farrnkräutern sind. 

Die grössere Anzahl von Farrnkräutern, welche wir 
lebend beobachten, haben kein hinfälliges Laub, es vertrock- 
net am Stamme und vermodert allmählig. Doch die Farrn- 
kräuter-Abdrücke, welche wir in den Thonletten finden, zei- 
gen nie Wurzeln, zeigen sich nie verkümmert — sie sind 
schön und vollkommen, wie wenn sie von ihren Stämmen 
sorgsam abgeschnitten und zwischen Thonschichten einge- 
packt wären. Sie können nicht an dem Orte gewachsen 
sein, wo wir sie finden — warum wäre der Wurzelstock so 
allgemein für uns verloren gegangen? Einige Abdrücke, 
welche ich für Algen halte, zeigen eine Art Wurzel- 
stock. Sie wurden deshalb wahrscheinlich in dem ihnen zu- 
gehörigen Elemente von sich ablagernden Thonschichten be- 
graben. Wäre die Kohlenmasse ein Urwald gewesen, wel- 
cher auf den untenliegenden Thonletten wurzelte, so würden 
wir auch in ihnen Stämme und Wurzeln, oder diesen entspre- 
chende Vertiefungen finden. 

Es wäre möglich, dass sich Pflanzen Stoffe in weiten Torf- 
mooren und Morästen anhäuften, welche bei der Veränderung 
des Niveaus vom Meere bedeckt wurden, in welchen sich die 
Thone, Sande oder Gerolle auf sie auflagerten. Dieser An- 
nahme widerstreiten indessen einige Umstände in der Compo- 
sition der Kohlenschichten. Die Schichten der Thonletten 
enthalten um so mehr Pflanzenabdrücke, als sie der Kohle 
näher liegen ; oft finden sich dünne Kohlensäume von der 
Hauptmasse getrennt ; die erste Kohlenschicht von Newcastle 
verdünnt sich bisweilen zu einem dünnen Lager von Koh- 
lenletten. Warum sollten wir, gezwungen, wie wir sind, die 
Bildung von Thonletten durch Absatz herbeigeschwemmter 
Thone und Farrnkräuter zu erklären, zur Erklärung, selbst 
des dünnsten Kohlensaumes, zum gewaltsamen Mittel der 

4* 



52 

Niveauveränderung unsere Zuflucht nehmen , anstatt uns vor- 
zustellen, dass sich vegetabilische Stoffe, welche bedeutende 
Flutken und Ueberschwemmungen aus dem Innern einer 
Insel brachten, in grösseren -oder geringeren Massen abge- 
setzt haben? 

Die Lage der Schichten ist im allgemeinen horizontal, 
oder besser vielleicht wellig (undulirend). So sehen wir, 
dass die Schichten vom Fire beacon zu Morris's Bade hin 
sich erheben, und dann gegen Long beach sich wieder sen- 
ken. Aehnliche Höhenverschiedenheit finden wir im Ver- 
lauf der Küste gegen Lake Macquarry. 

Der Lage der Schichten nach zu urtheilen, bildete sich 
der ganze östliche Küstensaum von Neu-Holland, und wahr- 
scheinlich ein grosser Theil des Continents zu gleicher Zeit 
und es scheint, dass die Kohlenlager gegen Süden in dem 
Pudding und Sandstein in dünnen Lagen auslaufen, welche 
dann wohl ganz verschwinden, doch an andern Orten, unter 
ähnlichen Verhältnissen und in ähnlichen Höhen wieder her- 
vortreten. So finden wir dünne Lagen von Thonletten mit 
undeutlichen Abdrücken von Pflanzenüberresten im Sand- 
stein von Sydney und ein dünner Kohlensaum wurde von 
mir im Sandstein von Glendon beobachtet. 



3. Ueber einige Insekten aus Tertiärbildungen. 
Von Herrn Ger mar in Halle. 

Hierzu Taf. II. 

Es dürfte unter allen Thierklassen keine sein, bei der 
die äusseren Formen so an Beschaffenheit der Erdoberfläche, 
Clima, Element, Vegetation gebunden wären, wie die der 
Insekten, und darum wird die Kenntniss der Insekten der 
Vorwelt für die gesammte Naturgeschichte der Erde von der 
grössten Wichtigkeit. Heer hat das Verdienst für die 
Kenntniss der Insekten (vorläufig nur für die Käfer) der 



53 

tertiären Gebilde gewissermassen die Bahn gebrochen zu ha- 
ben; denn die Beiträge, welche ich (Insect. protog: speeim. 
Hai. 1837. J, Charpentier u.a. lieferten, waren zu fragmen- 
tarisch, um zu allgemeineren Schlussfolgen führen zu kön- 
nen. Auch noch jetzt ist ein sehr geringes Material vorhan- 
den, und die nachstehenden Beiträge geben nur einen spar- 
samen Zuwachs, indessen dürften sie doch durch die Methode 
der Behandlung und als Nachträge zu meinen früheren Mit- 
theilungen einigen Werth haben. 

Es ist auffallend, dass, so weit die bisherigen Erfahrungen 
reichen, fast jedes bekannt gewordene Exemplar eines Insek- 
tes auch einer besonderen Art angehört und man also weit- 
verbreitete, in grosser Menge der Individuen vorkommende 
Arten, bis jetzt nicht kennt. Heer hat nur wenige Bei- 
spiele, wo ihm von einer und derselben Art mehrere Exem- 
plare vorlagen, und noch weniger sind Eälle bekannt, dass 
ein und dieselbe Art an entlegenen Orten vorkomme; in- 
dessen möchte sich dies wohl dadurch erklären lassen, dass 
auch jetzt die meisten Insekten einzeln leben und der Beo- 
bachtungen noch zu wenige sind, um über die Verbreitung 
der fossilen Insekten ein Urtheil zu fällen. Der verstüm- 
melte Zustand, in welchem fast alle Braunkohlen - Insekten 
sich finden, zeigt, dass sie nach ihrem Tode noch längere 
Zeit der Fäulniss und äusseren Verletzungen unterworfen 
waren, bevor sie eingehüllt wurden und wahrscheinlich durch 
Fortschwemmungen an ihren jetzigen Fundort kamen. Die 
Bernstein-Insekten, von denen mir noch keine Art zu Ge- 
sicht kam, die mit einer Art der Braunkohle ident wäre, sind 
dagegen in der Regel vollständig erhalten. Auch die Insek- 
ten, welche im Süsswassermergel bei Aix im Departement 
du Var in Provence vorkommen, sind ungleich besser erhal- 
ten, als diejenigen der Braunkohle. 

Es ist noch nicht möglich die klimatischen Verhältnisse, 
welche durch die fossilen Insekten der Tertiärzeit angezeigt 
werden, mit hinlänglicher Genauigkeit zu bestimmen. Ein 
tropischer Charakter tritt nirgends hervor, auch fehlen die 



54 

neuholländischen und ostindischen Formen. *) Es würde die 
Insektenfauna, wie wir sie jetzt etwa von 35 bis 45 Grad 
nördlicher Breite haben, der Insektenfauna der Terti'ärzeit am 
meisten entsprechen; doch fällt es auf, dass wir von den 
mannigfaltigen Formen der Heteromeren, welche jetzt dieses 
Clima charakterisiren, so wenige finden. 

Dass von allen Insekten der Terti'ärzeit nicht eine ein- 
zige Art noch jetzt existirt, lässt sich bei dem Vergleiche des 
grossen Einflusses, den noch jetzt die äussern Lebensbedin- 
gungen auf das Vorkommen der Insekten haben, muthmassen ; 
aber wesentlich abweichende Formen, die das Vorhandensein 
besonderer Familien oder Gattungen im älteren Sinne des 
Wortes anzeigten, sind nur sehr wenige vorhanden. Will 
man freilich Gattungen in derjenigen Weise errichten, wie 
es jetzt von den meisten Entomologen geschieht, dann würden 
Hipporhinus Heerii, Sitona margarum, Anthracida xylotona 
und vielleicht ein Drittheil aller Braunkohleninsekten unter 
besondere Gattungen gebracht werden können. 

Unter den Braunkohleninsekten des Berliner akademi- 
schen Museums fanden sich noch die Flügel einer Noctua 
und ein einzelnes Deckschild einer Buprestis ; es ist aber 
nicht gerathen und führt nur zu Verwirrungen, auf einzelne 
Theile, die kein Bild des ganzen Körpers geben, Bestim- 
mungen zu gründen und Beschreibungen zu entwerfen. . 

Man hat bei den Braunkohleninsekten drei verschiedene 
Zustände zu unterscheiden, die verschiedene Ansichten ver- 
ursachen können; denn wir haben entweder die in eine Koh- 
lenhaut verwandelte äussere Körperbedeckung vor uns, oder 
deren Gegendruck, in welchem ursprünglich erhabene Theile 
vertieft und umgekehrt erscheinen, oder die Kohlenhaut ist 
abgesprungen und wir sehen den Abdruck der unteren Seite 
der Körperbedeckung, wo z. B. oben gestreifte Deckschilde 
als glatt erscheinen können. Ueberdiess muss man den star- 



*) Hipporhinus Heerii bildet die einzige mir bis jetzt bekannte Aus- 
nahme, da die Gattung Hipporhinus im südlichen Africa und Austra- 
lien einheimisch ist. 



55 

ken Druck, dem die Insekten erlagen, in Rechnung bringen, 
wodurch erhabene Theile der untern Seite so durchgepresst 
wurden, dass sie aufgehoben sichtbar werden, wie man z. B. 
die Beine und die Abschnitte des Hinterleibes die Deck- 
schilde häufig durchsetzen sieht. 



Buprestis xylographica. — Taf. IL Fig. 1. *) 
Von Stösschen bei Linz am Rhein. 

Die Bupresten bilden eine in den Braunkohlen an Re- 
präsentanten reiche Familie , wie sie auch jetzt noch in den 
wärmeren Gegenden zahlreiche Arten und Individuen auf- 
weisen. Aber tropische Formen bemerkt man nicht; die 
Gattungen Dicerca, Chrysobothris, Sphenoptera u. a., die noch 
jetzt Bewohner des südlichen Europa's, nördlichen Afrika' s 
und der vereinigten Staaten sind, sind es auch, die hier vor- 
zugsweise gefunden werden und der Gattung Chrysobothris 
dürfte auch die vorliegende Art, so weit sich aus der Total- 
form, der Gestalt des Halsschildes, dem Aderverlauf der 
Deckschilde und dem gekielten letzten Hinterleibringe schlies- 
sen lässt, angehören, ja selbst die eingedrückten goldnen 
Flecken der Deckschilde , welche die erhaltenen Längslinien 
unterbrechen , scheinen vorhanden gewesen zu sein , wiewohl 
sie etwas schmäler als alle mir bekannten Arten ist. 

Die Länge des Käfers vom Kopf bis zur Deckschild- 
spitze beträgt 10 Linien, die Breite des einzelnen Deckschil- 
des in der Mitte lj Linie und die Kohlenhaut ist noch 
grösstentheils erhalten, aber doch vielfach so zersprungen und 
verändert, dass sich ihre Sculptur nicht bis in das Detail ver- 
folgen lässt. 

Der Kopf ist quereirund und etwas aus dem Hals- 
schilde herausgepresst , so dass man den Hals , der sonst 
im Halsschilde verborgen ist, sehen kann und die grossen, 
quereirunden Augen ziemlich in der Mitte an den Seiten 
liegen. Von Fühlern ist keine Spur vorhanden. 



") Die Striche zttr Seite der Figuren zeigen die natürliche Grösse an. 



56 

Das Halsschild ist etwas breiter als der Kopf, etwas 
breiter wie lang, vorn gerade abgeschnitten, die Seiten wenig 
gerundet; die Gränzen des Hinterrandes lassen sich nicht 
scharf erkennen , doch sieht man, dass er sich nach der Ge- 
gend des ebenfalls nicht scharf unterscheidbaren Schildchens 
etwas hervorzieht; die Oberfläche scheint gerunzelt gewesen 
zu sein. 

Die Deckschilde sind etwas über dreimal so lang wie 
das Halsschild, ihr Innenrand läuft gerade, der Seitenrand 
ist unter der Schulter etwas ausgebuchtet und verschmälert 
sich von der Mitte weg im stumpfen Bogen nach der ziem- 
lich scharfen unausgerandeten Spitze. Man bemerkt auf ih- 
nen drei schmale erhabene Längslinien: eine von der Schul- 
ter weg, parallel dem Seitenrande, die bis zur Spitze läuft; 
eine zweite, der vorigen ziemlich parallel, die jedoch stellen- 
weise unterbrochen zu sein scheint und unterhalb der Schultern 
aufhört ; eine dritte ziemlich in der Mitte, ebenfalls nach der 
Wurzel zu abgekürzt, und mit der vorigen kurz vor der 
Spitze sich vereinigend. 

Die Deckschilde sind auseinandergepresst, wodurch der 
Leib sichtbar wird, bei dem man die einzelnen Abschnitte 
nach der Spitze hin deutlich erkennt. Das spitzwinkelig 
dreiseitige Afterglied scheint an der Spitze zweizähnig zu 
sein, ragt noch über die Spitze der Deckschilde hinaus und 
zeigt einen Längskiel, der jedoch wahrscheinlich als 
durchgedrückt anzusehen ist, wie dergleichen Durchdrückun- 
gen der Unterseite häufig bei den Braunkohleninsekten be- 
merkt werden, indem ein solcher Längskiel bei den Männ- 
chen mehrerer Arten von Chrysobothris auf der Unterseite des 
letzten Segmentes sich findet. 

Von Beinen sind einige der Kohlenhaut entblösste und 
darum nicht scharf begränzte Spuren vorhanden. Auf der 
rechten Seite des Halsschildes liegt ein Schenkel, der durch 
seine Verbreiterung nach der Spitze hin es wahrscheinlich 
macht, dass er hier einen Zahn führte. Auf der linken Seite 
des Halsschildes und ihr parallel zeigt sich der Eindruck ei- 



57 

ner Schiene und in der Mitte des Seitenrandes des rechten 
Deckschildes bemerkt man den Abdruck eines Hinterschen- 
kels. — 

Geotrupes proaevus. — Taf. II. Fig. 2. 
Von Orsberg. 

Dem Geotr. vetustus {Ins, prot. spec. tob. 6.) sehr ähn- 
lich, aber durch mindere Grösse, noch kürzere Gestalt, 
welche ihn dem G. laevigatus nahe bringt, verschiedene Strei- 
fung der Deckschilde, und weniger an den Seiten gerundetes 
Hals schild verschieden. 

Die Geotrupen der gegenwärtigen Welt finden sich aus- 
schliesslich in der nördlichen Hälfte der Erde, in der alten 
wie in der neuen Welt, von Lappland bis Algier und von Ca- 
nada bis Mexico hinabgehend, wo sie im Dünger, aber auch 
in faulenden vegetabilischen Substanzen leben. 

Das vorliegende Exemplar, von welchem auch der Ge- 
gendruck vorhanden ist, misst 6y par. Lin. Länge und die 
grösste Breite beträgt 4 Lin. Die Kohlenhaut ist theilweise 
in dem einen, theilweise in dem andern Exemplare zurück- 
geblieben. 

Der Kopf ist vor den vortretenden Augen jäh verengt, 
vorn stumpf gerundet, wie es scheint mit einem kleinen Stirn- 
höcker versehen, aber ohne bemerkbare Punkte. . 

Das Halsschild ist vorn kaum breiter als der Kopf und 
zur Aufnahme desselben ausgerandet, hinten aber fast dreimal 
breiter und auch zwei und ein halb mal breite rals lang; die 
Seiten laufen in schwachem Bogen fast gerade von den Vor- 
derecken nach den Hinterecken; die Oberfläche scheint ohne 
Punkte gewesen zu sein. 

Die Deckschilde sind etwas mehr als doppelt so lang 
wie das Halsschild und schliessen in gleicher Breite an das- 
selbe an, die Seiten runden sich von der Mitte weg in ei- 
nem Kreisbogen nach hinten, man zählt auf jedem eilf ziem- 
lich feine unpunktirte Streifen, welche auf dem Stücke, das die 
Kohlenhaut enthält, als erhabene Linien erscheinen und da- 



58 

her auf die Vermuthung bringen, dass der Käfer breit und 
sehr flach gefurchte Deckschilde gehabt habe, als deren Zwi- 
schenräume die erhabenen Linien zu betrachten wären, oder 
dass man die Deckschilde als fein und erhaben gerippt an- 
nehmen müsse, was bei keiner der jetzt lebenden Arten der 
Fall ist. 

Die Beine sind sämmtlich wiewohl in nicht recht schar- 
fen Umrissen vorhanden ; man bemerkt aber doch, dass die 
Schienen äusserlich dreizähnig waren. Die eine Vorder- 
schiene, welche seitwärts des Kopfes liegt, scheint abgebro- 
chen gewesen zu sein und liegt in umgewendeter Richtung. 



Spondylis ? tertiarius. — Taf. II. Fig. 3. 

Es ist sehr zweifelhaft, ob dieser Käfer wirklich in diese 
Gattung gehört, und man kann mit ziemlicher Sicherheit 
annehmen, dass er sich in keine der bekannten Gattungen 
einreihen lässt. Ihn zu den Buprestiden zu bringen, vielleicht 
ganz mit der Gattung Fuesslinia (Heer) zu verbinden, ver- 
bieten das grosse erste Fühlerglied und die viergliederigen 
Tarsen. 

Das vorhandene Exemplar bietet die Oberseite des Kör- 
pers dar , und hat noch die Kohlenhaut , mit Ausnahme der 
Deckschilde, deren Kohlenhaut im Gegendruck sitzen geblie- 
ben ist. Der Gegendruck bietet aber ausserdem wenig Deut- 
lichkeit dar. Von der Unterseite werden nur die Umrisse 
der Schenkel, welche durchgedrückt sind, erkennbar, aber nicht 
so scharf, um ihre Hüften und übrigen Merkmale zu sehen. 

Die ganze Länge des Käfers beträgt 8 Linien, seine 
Breite in der Mitte, die sich fast der ganzen Länge nach 
gleich bleibt, 2|- Linien. 

Der Kopf ist mehr als doppelt so lang als breit und bildet 
einen Kreisabschnitt, von Augen und Mundtheilen wird nichts 
bemerkbar, sein Vorderrand ist jedoch nicht vollständig erhal- 
ten. Es ist nach der Form nicht unwahrscheinlich, dass nur 
der Scheitel sichtbar wird, dass die Stirn und der Mund 



59 

senkrecht hinabgebogen waren und von oben unsichtbar blie- 
ben. Auf jeder Seite wird ein ziemlich dickes Fühlerglied, 
das an den Seiten vor den Augen eingesetzt ist, und verhält- 
nissmässig lang ist, bemerklich; auf der rechten Seite sind 
noch Spuren der nächstfolgenden Fühlerglieder , die jedoch 
keine weitere Deutung gestatten. 

Das Halsschild ist doppelt so breit wie der Kopf, brei- 
ter als lang, vorn schwach zweimal gebuchtet ; die Seiten sind 
im Bogen gerundet, jedoch nach hinten stärker verengt, ohne 
bemerkbare Hinterecken, sondern nach der Schildchenspitze 
hin allmählig verschmälert. Die Gränze des Hinterrandes 
des Halsschildes ist nicht genau zu bestimmen, und die von- 
einanderklaffenden Deckschilde lassen das Schildchen sehr 
breit erscheinen, indem man wahrscheinlich nicht allein das 
Schildchen, sondern den ganzen Mittelrücken zu sehen be- 
kommt. Von der Sculptur lässt sich nichts als eine feine 
Längslinie entdecken. 

Die Deckschilde waren ziemlich drei mal so lang wie 
das Halsschild, und beide zusammen hatten die Breite der 
Mitte des Halsschildes. Sie bedeckten den Hinterleib fast voll- 
ständig, ihre Seitenränder liefen parallel und verschmälerten 
sich erst kurz vor der Spitze in einem Bogen nach der Naht- 
ecke hin, ohne Spur einer Zahnung oder vorspringenden 
Nahtecke. Man sieht ziemlich grobe, aber seichte Punkte 
ohne Ordnung und ziemlich weitläufig zerstreut auf ihrer 
Oberfläche, die nach der Spitze hin zu verschwinden schei- 
nen. 

Der Hinterleib war nicht breiter als die Deckschilde, 
an der Spitze stumpf gerundet; die Afterspitze selbst tritt 
etwas hervor und scheint von den Deckschilden nicht voll- 
ständig bedeckt gewesen zu sein. 

Von den Beinen lässt sich erkennen, dass die eirunden 
oder elliptischen Schenkel an der Wurzel sehr nahe aneinander 
standen, dass die Schienen platt, ohne Zähne und Enddor- 
nen waren, und ohngefähr die Länge der Schenkel besassen 
und dass die Tarsen wahrscheinlich aus vier breiten Glie- 



60 

dem bestanden , von denen das vorletzte tief gespalten war, 
im Ganzen aber die Länge der Schienen nicht erreichten. 
Bei Spondylis sind zwar die Tarsen in so fern fünfgliederig, 
als das Klauenglied an der Wurzel noch ein sehr kleines 
Glied trägt, was jedoch in einem solchen Abdrucke unsichtbar 
bleiben muss, und daher der Aehnlichkeit im Ganzen keinen 
Eintrag thut. 

Trogosita emortua. — Taf. II. Fig. 4. 
Von Orsberg. 

Es ist zweifelhaft, ob diese Art von der Trog, tenebrioi- 
des Germ. (Insect. protog. specim. tob. 9.) wirklich verschie- 
den sei, denn sie unterscheidet sich fast nur durch die ver- 
hältnissmässig etwas grössere Länge der Deckschilde, was 
individueller Unterschied sein könnte, und durch Mangel 
deutlicher Punktstreifen und Punktirung derselben, was von 
der verschiedenen Conservation herrühren könnte, da, so viel 
ich mich erinnere, das dort abgebildete Exemplar keine Koh- 
lenhaut besass, während diese hier grösstenteils vorhan- 
den ist. 

Die ganze Länge des Käfers beträgt 7, die Breite 2 pa- 
riser Linien. Der Kopf ist fast doppelt so breit als lang, 
vorn gerundet mit gezahnter Stirn und man sieht an seiner 
Spitze die vorragenden Mandibeln. Die ziemlich kleinen Au- 
gen liegen an den Seiten und vor ihnen wird auf einer Seite 
der Eindruck eines kurzen, am Ende knopfförmig verdickten 
Fühlers bemerkbar, der völlig mit der Gestalt eines Fühlers 
von Trogosita, bei welchem zwei Endglieder abgebrochen 
sind, übereinstimmt. Die Oberfläche des Kopfes ist ziemlich 
dicht punktirt, mit einer eingedrückten feinen Linie versehen. 

Das Halsschild ist einhalbmal breiter wie lang, etwas 
breiter wie der Kopf, an den Seiten gerundet und nach hin- 
ten verengt , mit abgerundeten Hinterecken , die Oberfläche 
ist ziemlich dicht punktirt. Das Schildchen ist klein, 
dreieckig. 



61 

Die Deckschilde sind zwei und ein halbmal so lang 
wie das Halsschild und so breit wie dessen Vorderrand , die 
Seiten laufen gerade , und die Spitze ist kreisförmig gerun- 
det. Von der Sculptur ist wenig zu entdecken, denn die 
an der vordem Hälfte und dem äussern Rande der einen 
Seite erhaltene Kohlenhaut ist so abgesplittert und zersprun- 
gen, dass dieselbe nicht bemerkbar wird, nur am Eande be- 
merkt man eine Punktirung und in Reihen gestellte Punkte. 
Da wo die Kohlenhaut abgesprungen ist, werden die Ab- 
schnitte des Hinterleibes sichtbar, doch kann man auch die 
Eindrücke der Naht sehen. 

Beine sind nicht sichtbar. 

Die Trogositen der jetzigen Welt sind über alle Erd- 
theile verbreitet, vorzugsweise jedoch in Nord- und Südame- 
rika einheimisch. Die Untergattung Alindria Erichs., durch 
schmäleren, stärker gewölbten Körperbau von den übrigen 
unterschieden, möchte für unsern Käfer am meisten passen. 



Sitona margarum. — Taf. H. Fig. 5. 
Aus dem Süsswassermergel von Aix. 

Wenn auch schon dieser 3| par. Lin. lange Rüsselkä- 
fer nicht streng zu der Gattung Sitona gehören möchte, so 
lassen sich doch, da Fühler imd Tarsen nicht sichtbar sind, 
keine Merkmale auffinden , welche zu einer Trennung be- 
rechtigten, oder eine andere Gattung als näher verwandt an- 
zeigten. Bei dem ersten Anblick erinnert er an Bagous oder 
auch an Gronops , von denen ihn jedoch der kurze, dicke, 
stark gerinnte Rüssel sogleich unterscheidet. 

Der Rüssel ist kaum länger als dick, mit starker Mittel- 
furche , die vorn von der dreieckigen Lefze begränzt wird, 
so dass der Rüssel an der Spitze wie ausgerandet erscheint. 
Die runden Augen stehen an den Seiten des Kopfes, der 
doppelt so dick wie der Rüssel und eben so lang ist, stark 
hervor. 



62 

Das Halsschild ist ziemlich um die Hälfte breiter als 
lang, wenig breiter als der Kopf, Vorder- und Hinterrand 
sind gerade abgeschnitten, die Seiten laufen parallel und die 
Oberfläche scheint genarbt und mit einer Mittelfurche ver- 
sehen gewesen zu sein. Ein Schildchen wird nicht er- 
kennbar. 

Die Deckschilde sind etwas breiter als das Halsschild 
und etwas mehr als zweimal so lang. Sie waren walzen- 
förmig, mit stumpfen Schultern und ziemlich stumpf gerun- 
deter Spitze, und hatten Punktstreifen, bei denen die abwech- 
selnden Zwischenräume kielförmig erhaben sind. 

Die Vorder- und Hinterbeine sind beträchtlich verlän- 
gert, fast wie bei Pandeletejus nubilosus Schöne., die Schenkel 
elliptisch, die vordersten Schienen auf der Innenseite schwach 
geschweift. Von einer Hintertarse wird eine Spur sichtbar, 
aus der sich nur sehen lässt, dass die Tarsen ziemlich die 
Länge der Schienen hatten. 



Hipporhinus Herii. — Taf. II. Fig. 6, 6 a. 
Von Aix. 

Diese jetzt ausschliesslich in Südafrika und Neuhol- 
land einheimische Gattung charakterisirt sich vorzüglich durch 
den dicken, fast viereckigen, an der Spitze verdickten, mit 
Längsfurchen versehenen Rüssel , ziemlich walzenförmigen 
mit erhabenen Körnern oder Dornen versehenen Körper, 
dicht zusammenschliessende, keine Flügel bedeckende Deck- 
schilde , verdecktes Schildchen , unbewehrte Schenkel und 
ziemlich breite, unten gepolsterte Tarsen. Eine Abtheilung 
dieser Gattung, in welche auch unser vorweltlicher Käfer ge- 
hört, zeichnet sich auch noch dadurch auffallend aus, dass 
der Rüssel an seiner Wurzel durch eine deutliche Querfurche 
von dem Kopfe wie abgeschnitten erscheint, ein Verhältniss, 
das in dieser Deutlichkeit bei keiner andern Gattung der 
Rüsselkäfer gefunden wird. 



63 

Es sind zwei Exemplare vorhanden, welche beide die 
Seitenansicht in ziemlich gleicher Lage gewähren ; das eine 
besitzt noch zum Theil die natürliche Bedeckung, bei dem 
andern ist sie völlig abgesprungen; das erste Exemplar bie- 
tet grösstentheils die Oberfläche selbst, das zweite deren Ab- 
druck dar; ersteres hat von der Rüsselspitze bis znr Deck- 
schildspitze 7 par. Lin., das letztere nur 6 Lin. Länge. 
Ein drittes weniger deutliches Exemplar besitzt das hiesige 
Museum. 

Der Rüssel ist wenig länger als dick, nach der Wurzel 
hin etwas schmäler; man sieht in beiden Exemplaren deut- 
lich, dass er oben durch eine tiefe Querfurche vom Kopfe 
getrennt war, die Fühlerrinne von der Spitze weg in schwa- 
chem Bogen nach dem Augenwinkel hinlief und auf der 
Oberseite noch zwei Längsfurchen vorhanden waren. Von 
den Fühlern ist kein bestimmbarer Ueberrest geblieben. Der 
Kopf ist doppelt so breit wie der Rüssel, ohne bemerkbare 
Sculptur und die Augen scheinen eingesenkt und flach ge- 
wesen zu sein. 

Die Gestalt des Halsschildes lässt sich wegen der schie- 
fen Lage des Käfers und des Mangels deutlich sichtbarer 
Begränzungen nicht genau bestimmen, es war aber fast 
doppelt so breit wie lang, breiter wie der Kopf, der Vorder- 
rand ziemlich gerade abgeschnitten, tritt aber, wie man bei 
dem ersten Exemplar bemerken kann, bei den Augen auf 
jeder Seite mit einem lappenförmigen Vorsprunge hervor. 
Die Oberfläche ist im zweiten Exemplare mit ziemlich gro- 
ben Punkten gleichmässig aber nicht sehr dicht besetzt, und 
nach dem ersten Exemplare ist ein mittlerer Längskiel an- 
gedeutet, und die Oberfläche scheint hier gekörnt gewesen 
zu sein. 

Die Deckschilde sind reichlich einhalbmal länger als 
Kopf und Halsschild zusammen, etwas breiter als das Hals- 
schild, mit wenig vorstehenden Schultern, und hatten gewölb- 
ten Rücken, der sich nach der Spitze hin, die nach dem zwei- 
ten Exemplare etwas vorgezogen gewesen zu sein scheint, all- 



64 

mählig herabbiegt. Man bemerkt auf jedem ohngefähr sechs 
schmale Längskanten, deren Oberfläche mit einer Reihe Kör- 
ner besetzt war; die vertieften Zwischenräume zeigen selbst 
auf dem ersten Exemplare keine Vertiefung oder Runzeln. 

Die Beine sind massig lang, die Schenkel wenig ver- 
dickt, die Schienen schmal, zusammengedrückt, die vorderen 
auf der Innenseite geschweift, die innere Ecke der Spitze 
dornförmig vorgezogen. Von den Tarsen sind nur auf dem 
zweiten Exemplare Andeutungen vorhanden, aber zu unvoll- 
kommen, um eine genauere Bestimmung zu erlauben. 

Hope hat im 4. Bande der Tr ansäet, of the entomologi- 
cal society of London pag. 254. drei fossile Insekten aus Aix 
beschrieben und tob. 1 9. fig. 1 — 3 abgebildet. Sein Rhyn- 
chaenus? Solieri ist nach der Abbildung unserem Hipporh. Heerii 
ähnlich, aber fast nur halb so gross, und die Beschreibung 
passt sehr unvollkommen, aber es wäre doch möglich, dass 
der Käfer wenigstens in diese Gattung gehört, da die Abbil- 
dung nicht gerade widerspricht, und sämmtliche dort von 
Hope gegebenen Beschreibungen äusserst mangelhaft und 
zum Theil unverständlich sind. 



Anthracida xylotona. — Taf. II. Fig. 7, 7a. 

Von Orsberg. 

Es ist bei den ganz platt gedrückten Körpern der Zwei- 
flügler in den Braunkohlen ungemein schwer, die Gattung 
genau zu bestimmen. Mundtheile und Fühler sind entweder 
gar nicht oder sehr unvollkommen sichtbar, die Behaarung 
wird nicht erkennbar, vom Hinterleib lässt sich nicht sagen, 
ob er walzig, platt oder eirund war und so geht selbst der 
Totaleindruck, der auf den ersten Blick die Familie erkennen 
lässt, verloren, oder wird wenigstens unsicher. Nur der 
Aderverlauf der Flügel, die Zahl der Hinterleibsringe und 
mitunter die Länge der Beine, wenn sie deutlich erkennbar 
sind, gewähren noch einigen Anhalt, und nach diesen Merk- 
malen reihe ich dieses Thier unter die Anthraciden, wiewohl 



65 

es in keine der bestehenden Gattungen scharf passt, und ich 
sein Bürgerrecht nicht zu behaupten vermag. 

Die Länge des Körpers beträgt bj Linien, die Länge 
des einzelnen Flügels nicht völlig so viel und die grösste 
Breite desselben 2 Linien. Der Kopf ist kurz, unmittelbar 
an den Mittelleib anschliessend, und endigt vorn in zwei kur- 
zen Spitzen, welche vielleicht die Eudimente der Fühler sein 
könnten. 

Der Mittelkörper ist etwas breiter als der Kopf und 
fast etwas breiter wie lang; unter gewissen Richtungen ge- 
gen das Licht sieht man die Umrisse des an ihn anschliessen- 
den Schildchens. 

Der Hinterleib hat 3| Linien Länge und 1| Linien 
Breite und schliesst mit voller Breite an den Mittelleib an; 
seine Spitze ist ziemlich stumpf gerundet und besteht aus 
sieben Abschnitten, die mit Ausnahme des ersten und letzten, 
die sich durch mindere Länge auszeichnen, ziemlich gleich 
lang sind. 

Die Flügel ragen ohngefähr mit dem vierten Theile ih- 
rer Länge über den Hinterleib hinaus, und sind etwas mehr 
als doppelt so lang wie breit. Ihre Adern sind ziemlich fein, 
von den sechs oder sieben Längsadern theilen sich einige vor 
der Spitze gabelförmig. Die zweite und dritte Längsader 
sind etwas unterhalb der Mitte, die dritte und vierte etwas 
oberhalb der Mitte durch eine kleine Querader verbunden, 
ausserdem aber sind keine Queradern bemerkbar. 

Von den Beinen lässt sich keine weitere Bestimmung 
geben, als dass sie, wie bei den Anthraciden, dünn und ver- 
hältnissmässig kurz waren. 

Von den Anthraciden weicht diese Fliege im Aderverlauf 
der Flügel vorzüglich dadurch ab, dass die äusseren Rand- 
adern sich nicht an ihrer Spitze unter fast rechtem Winkel 
nach dem Vorderfande hin biegen; man möchte jedoch darauf 
darum kein bedeutendes Gewicht legen, weil in dieser Fa- 
milie fast jede Art ihren besondern Aderverlauf zeigt. 



Zeits. d. d. geol, Ges* I. 1. 



66 

Apiaria dubia. — Taf. IL Fig. 8. 

Von Orsberg. 

Dass der vorliegende Abdruck zu den Apiarien gehört, 
bezeugt sowohl der äussere Umriss als die eine übrig geblie- 
bene Hinterschiene zur Genüge, und die ziemlich scharf be- 
grenzten Umrisse des Körpers machen es wahrscheinlich, 
dass keine sehr starke Behaarung des Körpers da war, und 
schliessen die Gattung Bombus aus. Die Gestalt des Hin- 
terleibes und die fast gleiche Länge seiner Abschnitte spre- 
chen am meisten für Megilla. Da aber die Gattungen der 
Apiarien sich vorzugsweise durch die Mundtheile und den 
Aderverlauf der Flügel, die Arten durch Grösse und Farbe 
sich unterscheiden, so wird eine schärfere Bestimmung der 
Gattungs- und Artkennzeichen in dem vorliegenden Exem- 
plare, das den Anblick dieser Theile nicht gewährt, unmög- 
lich. Wir beschränken uns daher darauf eine möglichst ge- 
treue Abbildung in vergrösserter Darstellung zu geben. 



4. Ueber das sogenannte südliche oder Glätzer 
Uebergangsgebirge. 

Von Herrn Beyrich in Berlin. 

Mit dem Namen südliches Uebergangsgebirge 
belegte Karl von Baumer im J. 1819 in seinem Werke 
über das Gebirge Nieder- Schlesiens und auf der dazu gehö- 
renden geognostischen Karte einen Theil des schlesischen 
Gebirges, welcher mit sehr geringen Aenderungen in der 
Begrenzung seit jener Zeit als ein der Uebergangsformation 
angehörendes Gebirge auf unseren Karten dargestellt blieb. 
In unveränderter Ausdehnung ist derselbe Gebirgstheil in 
der geognostischen Beschreibung von einem Theile des Nie- 
der- Schlesischen, Glätzischen und Böhmischen Gebirges von 
den Herren Zobel und von Carnall als südliches oder 



67 

Glätzer Uebergangsgebirge ausführlicher beschrieben 
worden. Sehr wesentlich unterscheidet sich dieses sogenannte 
südliche Uebergangsgebirge in seiner Zusammensetzung von 
den übrigen in ihrer selbstständigen Sonderung von Karl 
von Raumer ganz naturgemäss aufgefassten Bezirken des 
Uebergangsgebirges im schlesischen Gebirge, dem nördli- 
chen und dem Hausdorfer Uebergangsgebirge. Wäh- 
rend diese letzteren sich überall scharf von den anstossenden 
Räumen des schiefrigen Urgebirges scheiden, welches ganz 
in dem Sinne der älteren deutschen Geognosie für dieselben 
ein wahres Ur- oder Grundgebirge ist, würde bei dem süd- 
lichen Uebergangsgebirge eine solche Scheidung nicht vor- 
handen sein, wenn die bisherigen Beschreibungen eine rich- 
tige und naturgemässe Darstellung von dem Zusammenhange 
der verschiedenen dasselbe zusammensetzenden Gesteine gä- 
ben. Eine genaue und zusammenhängende Untersuchung 
dieses Gebirgstheiles , welche ich für die geologische Karte 
Schlesiens auszuführen veranlasst war, hat mir aber gezeigt, 
dass derselbe aus zwei sehr verschiedenen Theilen besteht, 
von welchen der eine ein Glied des schiefrigen Urgebirges 
der Sudeten ist, während der andere dem schlesischen Grau- 
wackengebirge zuzurechnen ist, welches als älteste versteine- 
rungsführende Gebirgsformation im schlesischen Gebirge das 
devonische Uebergangsgebirge anderer Gegenden in Verbin- 
dung mit der unteren den Kohlenkalk einschlies senden Ab- 
theilung der Steinkohlenformation repräsentirt. Die beiden 
Theile, in welche ich den alten Bezirk des südlichen oder 
Glätzer Uebergangsgebirges zerfalle, will ich im Folgenden 
unter den Benennungen Glätzer Urschiefer und War- 
thaer Grauwackengebirge unterscheiden. 

Dem Bezirke der Glätzer Urschiefer gehört der kleinere 
westliche Theil des alten südlichen Uebergangsgebirges an. 
Die'Grenze, w r elche ihn von dem östlich anstossenden Bezirk 
des Warthaer Grauwackengebirges scheidet, verläuft so, dass 
von der Zunge, mit welcher das südliche Uebergangsgebirge 
zwischen den beiden Buchten des Rothliegenden von Gabers- 



68 

dorf und Schwenz vorspringt, nur die nördlichste Spitze 
zwischen Eckersdorf und Eoth- Waltersdorf und ein schmaler 
Saum am östlichen Eande des Hohberges dem "VVarthaer 
Grauwackengebirge zufallen ; sie durchschneidet das Dorf 
Wiesau, durchschneidet die Steine dicht vor ihrem Zusam- 
menflusse mit der Neisse, durchschneidet die Neisse nahe 
nördlich von Glatz am oberen Ende der Dörfer Halldorf 
(oder Halbendorf) und Hassitz, berührt fast die untersten 
Häuser von Königshayn und biegt sich derart gegen die 
Grenze des Raum er sehen ostglätzer Syenites hin um, dass 
Colonie - Josephsthal und Neu -Hansdorf noch im Gebiete 
des Warthaer Grauwackengebirges liegen. 

Die Gesteine, welche in dem Bezirke der Glätzer Ur- 
schiefer herrschend auftreten, sind Hornblendschiefer, grüne 
Schiefer und Thonschiefer, diesen untergeordnet dünnflasriger 
Gneuss und Ghmmer schiefer und Lager von körnigem Kalk- 
stein. Massige plutonische Gesteine kommen innerhalb des 
Bezirkes nördlich einer vom rothen Berge bei Putsch gegen 
Nie der-Hans dorf hin gezogenen Grenzlinie nirgend vor, also 
auch keine Grünsteine, wenn man unter diesem Namen nur 
entschieden massige Gesteine versteht. Ein am rothen Berge 
bei Putsch zwischen schiefrigen Urgesteinen hervorbrechen- 
des plutonisches Gestein betrachtete schon Räumer sehr 
richtig als den letzten Ausläufer der den Bezirk des ost- 
glätzer Syenites charakterisirenden plutonischen Bildungen. 

Die Hornblendschiefer sind zum Theil ausgezeichnete 
krystallinische Gemenge von Hornblende und weissem Feld- 
spath, in welchen die Hornblende gewöhnlich in sehr regel- 
mässigen und ebenen Lagen parallel der Schieferung den 
Feldspath einschliesst. Es kommen zwischen diesen Gestei- 
nen einzelne Lager oder Partieen vor, wo die Schieferung 
weniger regelmässig wird und das Gefüge dem körnigen 
sich nähert; aber solche Vorkommen sind untergeordnet und 
können nicht mit massigen Gesteinen verwechselt werden. 
Die ausgezeichneten krystallinisch gemengten Hornblend- 
schiefer zeigen sich vornehmlich in der nordwestlichen Zunge 



69 

der Glätzer Urschiefer zwischen Mittel- S teine , Eckersdorf 
und Böhmisch- Winkel. 

Verbreiteter sind in dem Bezirke andere Hornblend- 
schiefer, in welchen der Feldspath fast ganz oder ganz für 
das Auge zurücktritt und die Hornblende allein in sehr kleine 
Individuen zertheilt das Ansehn des immer noch krystalli- 
nisch-schiefrigen Gesteines bedingt. Diese Hornblendschie- 
fer gleichen dem bekannten Gestein von Kupferberg, wäh- 
rend jene ersteren mehr mit solchen übereinstimmen, welche 
anderwärts untergeordnet zwischen Gneuss und Glimmer- 
schiefer vorkommen. Man trifft sie namentlich von Nieder- 
Steine gegen Möhlten hin, auf den Höhen zwischen Wiesau, 
Birkwitz und Hollenau, und auf der linken Neisse-Seite auf 
den Höhen nördlich von Soritsch. 

An allen Orten ihres Vorkommens sind die letzt be- 
schriebenen feldspatharmen Hornblendschiefer verbunden mit 
unreinfarbigen grünlichen Thon schiefern, welche man als ein 
Mittelfestem zwischen Hornblendschiefer und Thonschiefer 
anzusehen geneigt wird und welche übergehen in sehr reine 
und frische glänzende Thonschiefer von bläulich - schwarzer 
Farbe. Zwischen den grünen Schiefern zeigt sich an vielen 
Orten, ihnen in festeren Bänken untergeordnet und mit ihnen 
wechsellagernd, ein eigenthümliches Gestein, welches durch 
Aufnahme von reichlichem Feldspath ein gneussähnliches 
Ansehn erhält, aber zwischen dem Feldspath keinen Quarz, 
sondern nur in verworren schiefrigem Gefüge ein undeutlich 
sich sonderndes Gemenge von Glimmer und Hornblende un- 
terscheiden lässt. Dieses Gestein, auf welches keine der all- 
gemeiner angewendeten Benennungen schiefrig krystallinischer 
Gesteine passt, ist vorzugsweise in der Gegend von Glatz 
entwickelt, wo es namentlich auch an der Zusammensetzung 
der Festungsberge Theil nimmt; man sieht es am Neisse- 
Wehr oberhalb Glatz und verbreitet in dem ganzen auf der 
rechten Neisse-Seite liegenden Theil des Bezirkes. Ein sol- 
ches Gestein zeigt sich nirgend zwischen den so ausgedehn- 
ten grünen Schiefern im östlichen Theile der Urthonschiefer 



70 

des nördlichen Riesengebirges, für welche auch ausserdem 
unterscheidend von den grünen Schiefern in den Glätzer 
Urschiefern das Verhalten bezeichnend ist, dass sie sich 
nicht mit eigentlichen Hornblendschiefern vermischen und 
gerade da in ihrer charakteristischen Entwicklung verschwin- 
den, wo an der Ostseite des Centralgranites des Riesenge- 
birges die wahren Hornblendschiefer erscheinen. 

Die ausgezeichnetsten glänzenden Thonschiefer liegen 
im Bezirk der Glätzer Urschiefer in dem nördlichsten Theil 
der zwischen Eckersdorf und Gabersdorf vorspringenden Zunge. 
Das Vorkommen von untergeordnetem Gneuss und Glimmer- 
schiefer ist beschränkt auf eine schmale Zone, welche an 
der östlichen Grenze zwischen Hollenau und Steinwitz be- 
ginnend in westlicher Richtung zu dem Dorfe Pischkowitz 
und über dasselbe hinaus bis an die westliche Grenze süd- 
lich von Böhmisch- Winkel hinläuft. In dem Thalgrunde öst- 
lich der Grenzhäuser sieht man die Glimmerschiefer Graphit 
aufnehmen und von Graphit schwarz gefärbte oder schwarz 
und weiss gestreifte Quarzlager einschliessen. 

Die Kalksteine, welche die Glätzer Urschiefer als Lager 
einschliessen, sind, wie alle Kalksteine des schiefrigen Urge- 
birges, krystallinisch körnig, von weisser, gelblicher oder 
bläulichgrauer Farbe. Sie sind häufig durchzogen von Glim- 
mer und begleitet von Gesteinen, welche öfters für Glim- 
merschiefer angesehen wurden, aber nichts anderes sind als 
Gemenge von Glimmer und Kalkspath in schiefrigem Ge- 
füge. Da ein solches Zutreten des Glimmers die körnigen 
Kalklager des Urgebirges auszeichnet, auch wenn weithin die 
umgebenden Gesteine keinen Glimmer enthalten, so muss 
man schliessen, dass die Krystallisation des Glimmers erleich- 
tert oder befördert wurde, wo sich krystallinischer Kalk 
bildete. 

Das ansehnlichste Lager von Urkalk liegt in den grü- 
nen Schiefern des Hohberges nördlich der Dörfer Hohberg 
und Wiesau; ein anderes Kalklager schliesst der Hornblend- 
schiefer ein nördlich von Böhmisch- Winkel; unbedeutend ist 



71 

ein Kalklager im Hornblendschiefer nördlich von Soritsch 
und ein anderes in den grünen Schiefern des rothen Berges 
bei Putsch. 

Sämmtliche Gesteine des Glätzer Urschieferbezirkes be- 
finden sich in stark aufgerichteter Stellung und haben die 
herrschende Streichungsrichtung von h. 7 bis h. 8; das Ein- 
fallen ist meist südlich. 

Die gegebene Skizze von der Zusammensetzung des 
Glätzer Urschiefergebirges wird genügen zur Rechtfertigung 
des Ausspruches, dass ein so zusammengesetzter Gebirgs- 
raum getrennt gehalten werden muss von einem versteine- 
rungsführenden Schichtensystem, welches Schichten mit or- 
ganischen Resten des Kohlenkalkes einschliesst; es bedurfte 
zur Vornahme der Trennung, deren Notwendigkeit schon 
Karl von Raumer fühlte*), nur der Beobachtung, dass 
in der Natur auch wirklich eine Grenze vorhanden ist. 
Diese Grenze ist aber scharf und bestimmt gezogen und 
die Glätzer Urschiefer sind mit dem gleichen schneidenden 
Absatz von den Massen des östlich anstossenden Grauwak- 
kengebirges geschieden, welcher in Schlesien das nördliche 
und eben so das Hausdorfer Uebergangsgebirge von den 
Gesteinen des schiefrigen Urgebirges scheidet; sie sind ein 
Theil der alten Ablagerungsbasis oder des Grundgebirges für 
das Warthaer Grauwackengebirge. 

Als ein Glied des schiefrigen Urgebirges betrachtet, ste- 
hen die Glätzer Urschiefer in der nächsten und unmittelba- 
ren Verbindung mit dem grossen Gneuss- und Glimmerschie- 
ferbezirke, welchen Raum er südliches Urgebirge nannte. 
Nur theilweise ist dieser Zusammenhang unterbrochen durch 
das Zwischentreten der massigen plutonischen Gesteine, wel- 

*) In dem Abschnitte seines Werkes (§. 84.), in welchem er die selbst- 
erkannten Mängel desselben aufzählt, sagt Karl vonRaumer (pag. 146.), 
dass er lange angestanden habe, den westlichen Theil des südlichen Ue- 
bergangsgebirges, dessen Gebirgsarten meist mehr dem Begriff der Urge- 
birgsarten entsprechen , dem Uebergangsgebirge zuzurechnen ; er führt 
die Gründe auf, welche ihn von der Trennung abhalten, fügt aber hinzu, 
dass ihm selbst seine Gründe nicht genügen. 



72 

che den Bezirk des ostglätzer Syenites auszeichnen, und de- 
ren Betrachtung als massige Gesteine von derjenigen des 
schiefrigen Urgebirges getrennt gehalten werden muss. Ein 
Uebergang aus den Glätzer Urschiefern in die Syenitbildung 
in dem Sinne, wie sie Zobel und von C am all als be- 
zeichnend für das südliche Uebergangsgebirge ansahen, findet 
nicht statt. Die durch Uebergänge in den Gesteinen ver- 
mittelte Verbindung von schiefrigen Hornblende s;esteinen mit 
Thonschiefern bei nur untergeordnetem Erscheinen von Gneuss 
und Glimmerschiefer ist das Auszeichnende, wodurch die 
Glätzer Urschiefer eine gewisse Selbstständigkeit als Glied 
des schiefrigen Urgebirges erhalten ; sie stellen eine bestimmte 
Entwickelungsform, oder, wenn man will, Formation des 
schiefrigen Urgebirges dar. Bei einer solchen Auffassung 
muss der gesammte Inhalt des Glätzer Urschieferbezirkes 
als ein zusammenhängendes geologisches Ganzes auf den 
Karten durch eine bestimmte Formationsfarbe zusammenge- 
fasst werden , eben so wie die grossen ausschliesslich oder 
überwiegend aus Gneuss und Glimmerschiefer, und die über- 
wiegend aus Thonschiefern oder aus Thonschiefern in Ver- 
bindung mit grünen Schiefern zusammengesetzten Räume des 
schiefrigen Urgebirges als besondere Entwickelungsformen 
oder Formationen des Urgebirges durch eigene Farben un- 
terschieden werden. Die weitere Unterscheidung besonderer 
Gesteine innerhalb eines solchen Raumes nach petrographi- 
schen Merkmalen hat nur ein sehr untergeordnetes Interesse, 
und hat nur da einigen Nutzen, wo durch Angabe der Ver- 
breitung^ eines bestimmten Gesteines die innere Struktur der 
gesammten Gebirgsmasse anschaulich gemacht wird. In dem 
schlesischen Gebirge werden alle solche Theile des schiefri- 
gen Urgebirges mit der gleichen Farbe wie die Glätzer Ur- 
schiefer zu belegen sein, wo eine ähnliche Verbindung von 
verschiedenen Gesteinen die gleichartige und gewiss auch 
gleichzeitige Bildung anzeigt. Die Urschiefer am östlichen 
Rande des Riesengebirgs- Granites, zu welchen die Kupfer- 
berger Hornblendschiefer gehören, möchten den Glätzer Ur- 



73 

schiefern zunächst vergleichbar sein. Die Gegend von Le- 
win ist eine andere, wo den Glätzer Urschiefern gleichende 
schiefrige Gesteine, wenn auch von massigen Gesteinen durch- 
setzt, auftreten. 

In dem Warthaer Grauwackengebirge, dem 
östlichen Theil des alten südlichen Uebergangsgebirges, er- 
hält man durch das Vorkommen sehr bezeichnender organi- 
scher Formen in Verbindung mit der Lagerung der sie ein- 
schliessenden Massen sichere Anhaltspunkte zur Bestimmung 
der Analogieen und Verschiedenheiten zwischen dieser und 
den übrigen Grauwackenbildungen des schlesischen Gebirges. 
Es ist bekannt, dass das östlich von Ebersdorf bei Colonie 
Volpersdorf beginnende und in ununterbrochenem Zusam- 
menhange bis nach Silberberg am Rande des Eulengebir- 
ges hinziehende Kalklager, welches nur durch ein sehr gro- 
bes grossentheils aus Gneusstrümmern zusammengesetztes 
Conglomerat vom Gneuss getrennt gehalten wird, Kohlenkalk- 
stein ist; es ist ferner durch Herrn L. v. Buch 's Aufsatz 
über die Clymenien und Goniatiten in Schlesien bekannt gewor- 
den, dass in nicht grosser Ferne westlich von dem Nordende 
jenes Kalklagers im Kalkberge von Ebersdorf eine dem Cly- 
menienkalke des Fichtelgebirges gleichstehende Kalksteinbil- 
dung entwickelt ist. Es war aber bis jetzt sehr zweifelhaft, 
was für eine Stellung die sehr mächtigen im Hangenden des 
Kohlenkalksteines entwickelten Massen von Sandsteinen und 
schiefrig thonigen Gesteinen einnehmen, welche die Höhen 
zwischen Wiltsch, Herzogswalde und Neudorf zusammensez- 
zen und welche in dem genauesten Zusammenhange stehen 
mit den Massen, welche sich zwischen dem Kohlenkalke bei 
Colonie- Volpersdorf und dem Clymenien-Kalke bei Ebersdon 
verbreiten. Von den Thatsachen ausgehend, dass der Cly- 
menien-Kalk älter ist als der Kohlenkalk und dass an den 
übrigen Punkten, wo der Kohlenkalk oder dem Kohlenkalke 
geologisch gleichstehende Bildungen in den Grauwacken des 
schlesischen Gebirges vorkommen, bei Altwasser nämlich, 
und bei Glätzisch-Falkenberg und Hausdorf, das Kohlenge- 



74 

birge in gleichförmiger Lagerung dem Kohlenkalke sehr nahe 
folgt, habe ich in meinem Aufsatze über die Entwickelung 
des Flötzgebirges in Schlesien die Ansicht ausgesprochen, 
dass die Hauptmasse jener Sandsteine und schiefrig thoni- 
gen Gesteine mit dem Clymenien-Kalke verbunden ein de- 
vonisches Uebergangsgebirge sein müsse, und dass nur das 
Kohlenkalklager von Neudorf bis Silberberg mit dem unter- 
liegenden Conglomerate als eine jüngere in dieser Gegend die 
untere Abtheilung der Steinkohlenformation darstellende Bil- 
dung getrennt zu halten sei. Aber diese Ansicht ist nicht 
richtig, sondern mehrere bisher nicht bekannt gewordene 
Thatsachen setzen es ausser Zweifel, dass die Hauptmasse 
des Warthaer Grauwackengebirges ein sehr mächtiges 
Schichtensystem von jüngerem Alter als der Kohlenkalkstein 
ist, für welches man im schlesischen Gebirge kein Analogon 
kennt und, wenn man in weiterer Entfernung in Deutsch- 
land nach Vergleichungspunkten sucht, nur in dem flötzleeren 
Sandsteine Westphalens einen solchen findet. 

Zu diesem Schlüsse gelangt man, wenn man vom Kalk- 
berge bei Ebersdorf ausgehend, das Warthaer Grauwacken- 
gebirge längs seiner Westgrenze genauer verfolgt. 

Die Schichten, welche am Ebersdorfer Kalkberge die 
Clymenien einschliessen, sind die obersten Bänke eines Kalk- 
lagers von ansehnlicher Mächtigkeit, welches h. 11. streicht 
und unter 50 — 60° gegen O. einfällt. Die Unterlage dieses 
Kalklagers kömmt nicht zu Tage, indem sich unmittelbar 
an den Kalk die Formation des Rothliegenden anlegt, welche 
sich zwischen dem Volpersdorfer Gabbro und dem Grau- 
wackengebirge hindurch in die Bucht von Rothwaltersdorf 
und Gabersdorf hineinzieht. Die Clymenien- Schichten wer- 
den bedeckt von glimmerreichen Grauwacken und Conglo- 
meraten, die an der Ostseite des Kalkberges ein anderes 
Kalksteinlager einschliessen, welches eben so im Gestein wie 
in seinen Einschlüssen ident ist dem am Rande des Eulenge- 
birges hinziehenden Kohlenkalke. Dieselben grossen Producten 
und Spiriferen, welche das Alter des Kalksteines bei Neudorf und 



75 

Silberberg bestimmten, sind auch hier gefunden. Die Zwi- 
schenlager, welche den Clymenien-Kalk vom Kohlen-Kalke 
trennen, dürften die Mächtigkeit von 80' nicht übersteigen. 
Es liegen hiernach am Kalkberge bei Ebersdorf im Han- 
genden des Clymenien - Kalkes Schichten, welche den am 
Rande des Eulengebirges dem Gneuss aufliegenden vollkom- 
men gleich stehen; daraus folgt, dass der Kohlenkalkstein be- 
deckt wird durch die Sandsteine und Schiefer, welche sich 
von dem Kohlenkalke bei Neudorf und Colonie - Volpersdorf 
aus in der Richtung gegen den Kohlenkalk an der Ostseite 
des Ebersdorfer Kalkberges hin verbreiten. 

Wenn man vom Ebersdorfer Kalkberge aus der Grenze 
des Grauwackengebirges und des rothen Sandsteines folgt, 
trifft man an einer Stelle nahe dieser Grenze, zwischen Roth- 
waltersdorf und Gabersdorf an einem von ersterem Dorfe nach 
Böhmer- Wald hinaufführenden Wege, bezeichnende Verstei- 
gerungen des Kohlenkalksteines, grosse Producten und an- 
dere; sie liegen hier, mit ihrer Schale erhalten, in einem 
schiefrig thonigen Gestein, ähnlich wie sie bei Altwasser 
vorkommen. Karl von Raumer allein hat früher schon 
dieses für das Verständniss des Gebirges sehr wichtigen 
Vorkommens von Versteinerungen gedacht. Ebenso wie am 
Kalkberge von Ebersdorf fallen aber auch längs des ganzen Ge- 
hänges zwischen Rothwaltersdorf und Gabersdorf die Schich- 
ten des Grauwackengebirges ostwärts, bei ziemlich gleichem 
mittleren Streichen von h. 10. Bei diesem Verhalten kann 
man nicht zweifeln, dass die ganze Gebirgsmasse vom Ost- 
ende des Kohlenkalklagers unter der Festung Silberberg an 
über Böhmer- Wald hinaus bis zum Rande des Grauwackenge- 
birges in Ober- Gabersdorf nichts anderes als die Fortsetzung 
des nur breiter und mächtiger ausgebildeten Schichtensy- 
stemes ist, welches dem Kohlenkalke zwischen Neudorf und 
dem Ebersdorfer Kalkberge aufliegt. Dieses selbe Schich- 
tensystem ist es aber auch, welches in ununterbrochener Fort- 
setzung immer weiter und mächtiger sich ausbreitend, von 
Wartha gegen Glatz hin die Gehänge des jäh eingeschnitte- 



76 

nen Neisse-Thales bildet und über das Neisse-Thal südlich 
fortsetzend den ansehnlichen Gebirgsstock zusammensetzt, 
welcher in dem Spitzberge zwischen Königshayn und Gie- 
richswalde seine bedeutendste Höhe erreicht. 

Ausser den beiden Vorkommen am Kalkberge bei Ebers- 
dorf und zwischen Rothwaltersdorf und Gabersdorf sind mir 
andere Punkte nicht weiter bekannt geworden , wo durch 
deutliche und sicher bestimmbare Versteinerungen die weitere 
Fortsetzung des Kohlenkalksteines erwiesen wäre. Dennoch 
glaube ich nicht zu irren, wenn ich noch einige Kalkstein- 
vorkommen längs der Grenze zwischen dem Warthaer Grau- 
wackengebirge und den Glätzer Urschiefern dem Kohlenkalke 
zurechne. Diese Kalksteinvorkommen stehen eben so wenig 
mit einander in nachweisbarer Verbindung, wie der Kohlen- 
kalk bei Ebersdorf mit den Producten - führenden Schichten 
zwischen Rothwaltersdorf und Gabersdorf; es ist aber sehr 
bezeichnend, das alle diese Vorkommen hart an der Grenze 
der Glätzer Urschiefer auftreten, welche für das Warthaer 
Grauwackengebirge in gleicher Weise die Ablagerungsbasis 
abgaben, wie der Gneuss des Eulengebirges, an dessen Rande 
der Kohlenkalk von Colonie-Volpersdorf bis Silberberg ab- 
gesetzt wurde. Auf diese Analogie ist deshalb insbesondere 
auch ein grosses Gewicht zu legen, weil an keiner Stelle 
im Inneren des mächtigen den Kohlenkalk bedeckenden 
Schichtensystemes auch nur die geringste Spur eines Vor- 
kommens von Kalkstein mit organischen Resten bekannt ge- 
worden ist. 

Wenn man der östlichen Grenze der Glätzer Urschiefer 
vom unteren Ende von Rothwaltersdorf an südwärts entlang 
geht, sieht man zuerst nördlich des Neuhofes grauwacken- 
artige Gesteine sich zwischenschieben zwischen die Urschie- 
fer und das Rothliegende. Zuvor aber schon nordwestlich 
des Neuhofes trifft man einen Steinbruch in einem dünn- 
geschichteten, dunkelblauen, von weissen Kalkspathadern 
durchzogenen Kalksteine, dessen steil aufgerichtete und un- 
regelmäsig gewundene Schichten in h. 11. streichen. Schon 



77 

die Herren Zobel und von Carnall bemerkten , dass 
dieser Kalkstein sich sehr unterscheide von den ganz in der 
Nähe gebrochenen körnigen Kalksteinlagern des Urschie- 
fergebirges und sie verglichen ihn mit dem Kalksteine bei 
Ebersdorf, in dessen oberen Schichten die Clymenien liegen. 
Indess habe ich keinen hinreichenden Grund, diesen Kalk- 
stein für wesentlich verschieden zu halten von den folgenden 
in ihrem Ansehen entschieden mehr auf Kohlenkalk hinwei- 
senden Ablagerungen. 

Das zweite Vorkommen von Kalkstein an der Urschie- 
fergrenze ist in einem Steinbruche nördlich nahe von Wiesau 
zu beobachten. Der Kalkstein ist hier verbunden mit con- 
glomeratischen Grauwacken, welche sich nicht scharf von 
dem Kalke scheiden, sondern mit ihm verwachsen sind und 
sich in den Kalk hineinziehen, in ähnlicher Weise, wie Con- 
glomerat und Kohlenkalk am Rande des Eulengebirges ganz 
in einander verlaufen. Auch am Kalkberge bei Ebersdorf 
sieht man häufig im Kohlenkalk sehr gross werdende Stücke 
von Gneuss eingeschlossen und an andern Stellen den Kalk 
ganz von Sandkörnern und Glimmerblättern durchzogen, 
während der Clymenienkalk an seiner oberen Grenze sich 
nicht mit der Sandstein- und Conglomeratbildung vermischt. 
In dem Steinbruch von Wiesau ist nur eine einzige etwas 
reinere Kalkbank zu sehen; sie fällt von den Urschiefern 
ostwärts ab; das Streichen ist h. 2. 

Weiter südlich folgt am Rande der Urschiefer der Kalk- 
stein bei Hollenau, ein dunkles Gestein, welches ähnlich dem 
Kalke bei Wiesau mit conglomeratischen Gesteinen verbun- 
den- ist, sich jedoch in grösserer Mächtigkeit reiner aus die- 
sen herausschält. Er enthält zahlreiche Stücke von Crinoi- 
deen, die indess nur in späthigen Durchschnitten sichtbar 
werden und keine nähere Bestimmung gestatten. Wahr- 
scheinlich in der Nähe dieses Kalksteines bricht ein schwar- 
zer, matter und erdiger Thonschiefer mit vegetabilischen Ein- 
schlüssen, welcher in älterer Zeit Versuchsarbeiten auf Stein- 
kohle veranlasst zu haben scheint; ich schliesse dies nach 



78 

den Angaben von Etiketten alter in unseren Sammlungen noch 
aufbewahrter Stücke. 

Ohne Zweifel von gleichem Alter mit dem Kalksteine 
von Hollenau ist der Kalkstein, welcher nördlich von Glatz in 
Halldorf am Ufer der Neisse entblösst ist ; er ist in sehr re- 
gelmässige Schichten getheilt, welche mit Thonschieferlagen 
wechseln und in Thonschiefer übergehen ; die Schichten strei- 
chen h. 8|- und fallen gegen N. Dies ist das letzte Vor- 
kommen von Kalkstein an der Grenze der Glätzer Urschie- 
fer, welches ich beobachtet habe. 

Vergebens sucht man am Ostrande des Warthaer Grau- 
wackengebirges von Silberberg k über Nicklasdorf nach War- 
tha und darüber hinaus bis nahe vor Hemmersdorf, oder 
läno-s der südlichen Grenze, wo dasselhe bis nach Nieder- 
Hansdorf hin mit dem alten Gebiet des ostglätzer Syenites 
zusammenstösst, nach ähnlichen Erscheinungen wie sie die 
ganze Westgrenze und die Nordgrenze von Colonie-Volpers- 
dorf bis Silberberg auszeichnen. Nach dem Verschwinden 
des Kohlenkalkes bei Silberberg ist längs des ganzen Ostran- 
des keine Spur desselben weiter zu entdecken, und ebenso 
wenig wie der Kalkstein sind die ihn begleitenden Conglo- 
merate aufzufinden. Da hier der Ostrand des Grauwacken- 
gebirges grossentheils mit dem Gebirgsrande zusammenfällt 
und die dem Gebirgsrande folgenden Diluvialablagerungen 
die unmittelbare Grenze des Grauwackengebirges mit dem 
unterliegenden in einiger Entfernung erst östlich aus dem 
Diluvium wieder hervortretenden Urgebirge verdecken, so 
könnte man glauben, dass aus diesem Grunde allein hier der 
Kohlenkalk nicht weiter zu sehen ist. Dies ist jedoch nicht 
wahrscheinlich, da, schon ehe die Grenze zwischen Urgebirge 
und Grauwackengebirge am Gebirgsrande abgeschnitten wird, 
nämlich vom unteren Ende des Dorfes Herzogs walde, bis wohin 
der Gneuss des Eulengebirges sich herabzieht, bis zum Ostende 
des Kohlenkalklagers in W. der südlichen Festungswerke von 
Silberberg, die tieferen Bildungen des Kohlenkalkes und der 
Conglomerate fehlen, also das den Kohlenkalk bedeckende 



79 

Gebirge unmittelbar dem Urgebirge aufliegt. Eben so we- 
nig kann man glauben, dass das Fehlen des Kohlenkalkes 
und der mit ihm verbundenen Gesteine an der Grenze des 
ostglätzer Syenitbezirkes in Zusammenhang damit stehe, 
dass hier plutonisch massige Gesteine längs des grösseren 
Theiles der Grenze das Grauwackengebirge abschneiden. 
Nach Professor Kose's Untersuchung sind die massigen 
Gesteine, welche innerhalb des Bezirkes des ostglätzer Syeni- 
tes auftreten, ihrer mineralogischen Zusammensetzung nach 
sehr verschiedene theils granitische, theils syenitische, theils 
Hystersthen - Gesteine ; seine Beobachtungen beweisen , dass 
diese Gesteine an der Grenze des Grauwackengebirges in 
dasselbe eingreifen und nach dessen Ablagerung erst in 
ihre jetzige Stellung gekommen sein können. Diese mas- 
sigen Gesteine bildeten also nicht die ursprüngliche Basis 
für das Grauwackengebirge, gewiss aber die schiefrigen kry- 
stallinischen Gesteine, zwischen welchen die massigen her- 
vortraten. Das Zwischentreten der letzteren würde kein 
Hinderniss sein, noch jetzt conglomeratische oder dem Koh- 
lenkalke gleichende Gesteine wiederzuerkennen, wenn letztere 
hier überhaupt als Unterlage des Grauwackengebirges sich 
den krystallinischen Schiefern des Urgebirges zunächst auf- 
gelagert hätten. 

Weder das Fehlen des Kohlenkalkes an der Ost- und 
Süd-Grenze des Grauwackengebirges, noch die Unregel- 
mässigkeit seines Erscheinens längs der Westgrenze, wo sein 
Vorhandensein zuerst durch die am Kalkberge bei Ebersdorf 
und an der oben bezeichneten Stelle zwischen Rothwalters- 
dorf und Gabersdorf aufgefundenen Versteinerungen angezeigt 
wurde, können als ein Einwand angesehen werden gegen die 
Richtigkeit der vorhin ausgesprochenen Ansicht, dass die grosse 
Hauptmasse des Warthaer Grauwackengebirges ein den Koh- 
lenkalk bedeckendes Schichtensystem sei, welches dem Westphä- 
liscben flötzleeren Sandstein dem Alter nach gleichsteht. Der 
flötzleere Sandstein bildet hier die Ausfüllung einer Mulde, an 
deren Rändern nur die den Kohlenkalk einschliessende Un- 



80 

terlage desselben zu Tage kömmt. Das Hervortreten des 
Clymenien-Kalkes im Liegenden des Kohlenkalkes bei Ebers- 
dorf allein zeigt an, dass auch noch ältere dem devonischen 
Uebergangsgebirge zuzurechnende Schichten im Grunde der 
Mulde bedeckt liegen. Wenn ich das Ganze unter der Be- 
nennung eines Grauwackengebirges zusammenfasste, so hatte 
ich die Thatsache im Auge, dass im schlesischen Gebirge 
eben so wenig wie im Fichtelgebirge und vielleicht in allen 
ostdeutschen Gebirgen die Uebergangsformation und die un- 
tere Steinkohlenformation, welcher der Kohlenkalk sowohl 
wie der flötzleere Sandstein angehören, scharf geschieden 
vor uns liegen. Der Natur in unseren deutschen Gebirgen 
ganz entsprechend war die Auffassung unserer älteren deut- 
schen Geognosten, welche erst da, wo sie Kohlenflötze sahen, 
eine Formation sgrenze zogen und alle älteren Bildungen un- 
ter einer Gesammtbenennung als Uebergangsgebirge zusam- 
menfassten. Wir bedürfen auch jetzt noch, wenn wir den 
Bau unserer deutschen Gebirge naturgemäss darstellen wol- 
len , einer Gesammtbenennung , welche , dem Uebergangs- 
gebirge der älteren deutschen Geognosie entsprechend, die 
Uebergangsformation sowohl wie die untere Abtheilung der 
englischen Steinkohlenformation umfasst. Den Namen Grau- 
wackengebirge in diesem Sinne in Deutschland zu gebrau- 
chen, steht kein Hinderniss entgegen. 



Druck von J. F, Starcke in Berlin. 



Zeitschrift 

der 

Deutschen geologischen Gesellschaft, 

2. Heft (Februar, März, April 1849.) 
A. Verhandlungen der Gesellschaft. 



1. Protokoll der Februar - Sitzung. 

Verhandelt Berlin den 7. Februar 1849. 

Der stellvertretende Vorsitzende, Herr Karsten, eröffnet die 
Sitzung mit einem Danke an das Mitglied Herrn v. Olfers, 
General -Direktor der Königl. Museen, für die Erlaubniss, 
das Lokal der Bibliothek derselben zu den Sitzungen der 
Gesellschaft zu benutzen. Derselbe theilt sodann die Auf- 
nahme der neuen Mitglieder mit: 
Herr Zimmermann in Berlin, 

vorgeschlagen durch die Herren Tuch, Beyrich und 

Girard; 
Herr Nauk in Berlin, 

vorgeschlagen durch die Herren G. Rose, Beyrich 

und Girard; 
Herr Jagor in Berlin, 

vorgeschlagen durch die Herren H. Rose, G. Rose 

und Girard. 

Herr G. Rose spricht darauf über die Kristallform des 
Wismuth, die nicht, wie man bisher geglaubt, regulär, son- 
dern rhomboedrisch ist und daher isomorph mit Antimon, 
Tellur und Arsenik. Darauf theilt derselbe die Entdeckung 
von Brookit und Anatas im Granit des Riesengebirges bei 
Hirschberg durch Herrn Brücke mit. Es kommen diesel- 
ben auf Drusenräumen der Gänge des grobkörnigen Grani- 
tes vor. Endlich liest derselbe einen Brief des Obristen Hof- 

Zeits. d. d. geol. Ges. I. 2. 6 



82 

mann in Petersburg über dessen Expedition in den nörd- 
lichsten Theilen des Urals vor. 

Sodann spricht Herr v. Dechen aus Bonn über das 
Vorkommen der Porphyre, Melaphyre und Mandelsteine im 
Kohlengebirge von Saarbrücken und legt geognostisch colo- 
rirte Blätter der Reymann' sehen Karte vor, welche diese 
Gegend umfassen. Er unterscheidet fünf verschiedene Grup- 
pen des Porphyrs im Kohlengebirge. Die erste Hegt bei 
Kreuznach, die zweite bildet den Donnersberg, die dritte 
tritt bei Wolfstein auf, die vierte und grösste bei Birken- 
feld und die fünfte bei Duttweiler. Das Kohlengebirge fällt 
theils gegen diese Porphyrmassen ein, theils von ihnen ab, 
während die Schichten des Rothliegenden immer denselben 
aufgelagert sind. 

Derselbe übergiebt der Gesellschaft die Verhandlungen 
des naturhistorischen Vereins der preussischen Rheinlande 
vom Jahre 1847 als Geschenk des Vereins und fügt noch 
eine Notiz über die Herausgabe der geologischen Karten 
von Belgien hinzu. Seit 1837 ist Herr Dumont beauf- 
tragt, zwei Karten von Belgien, die eine im Maassstab von 
ti0 Q 00 in 9 Sektionen, die andere in 6Q0 000 als Uebersichts- 
karte auszuarbeiten. Jetzt ist noch der Befehl ergangen, eine 
Karte in 20000 vorzubereiten , um durch diese dem Berg- 
bau wie dem Ackerbau besonders nützlich zu werden. 

Herr G i r a r d übergiebt einen Aufsatz des Hrn. B r uh n s 
in Eutin, über das Vorkommen von Kreide-Blöcken im auf- 
geschwemmten Lande der dortigen Gegend, welcher mit ei- 
nem Briefe des Herrn v. Rennen kämpf in Oldenburg an 
ihn gelangt ist, in dem auch über ein Vorkommen von nor- 
dischen Kalk - Gerollen bei Jever berichtet wird, über das 
Herr Mitscherlich noch einige nähere Auskunft giebt. 

Darauf spricht Herr Girard über die Gliederung des 
Uebergangs- Gebirges in Westphalen, nach seinen Untersu- 
chungen in den Jahren 1847 und 1848 und legt dazu vier 
geognostisch colorirte Blätter der Generalstabs - Karte von 
Westphalen vor. 



83 

Herr Ehrenberg zeigt eine von Herrn Nöggerath 
in Bonn eingesandte rothe Substanz vor, die auf Klüften im 
Trachyt vom Drachenfels vorkommt. Sie enthält nichts Or- 
ganisches. Eine nähere chemische Untersuchung hat Herr 
Nauk übernommen. Ferner berichtet derselbe über das 
Vorkommen von Infusorien-Lagern in der Gegend der Strom- 
schnellen des Oregon, in denen er 73 verschiedene Species 
aufgefunden hat, von denen sich die meisten in ihren For- 
men zunächst an die europäische Infusorien-Fauna anschliessen. 

Herr Rammeisberg theilt darauf den Haupt -Inhalt 
des von Hrn. W i e b e 1 übergebenen Buches über Helgoland mit. 

Endlich theilt Herr Beyrich aus einem Briefe des 
Herrn Giebel in Halle die Resultate mit, zu welchen der- 
selbe bei Untersuchung der in den Halle' sehen Sammlungen 
enthaltenen Versteinerungen, in Bezug auf die Gliederung 
der norddeutschen Kreide-Formation gelangt ist. 

Darauf erklärt der Vorsitzende die Sitzung für geschlossen, 
v. w. o. 
Karsten. Girard. Ewald. 



2. Protokoll der März - Sitzung. 

Verhandelt Berlin den 7. März 1849. 

Der stellvertretende Vorsitzende, Herr v. Carnall, 
eröffnete die Sitzung und Hess das Protokoll der vorherigen 
verlesen. Nachdem dies angenommen war, wurden als neue 
Mitglieder angezeigt: 

Herr v. Struve in Hamburg, 

vorgeschlagen durch die Herren v. Buch, G. Rose, 
Girard; 
Herr Heideprim in Berlin, 

vorgeschlagen durch die Herren G. Rose, Beyrich 
und Girard; 
Herr Websky in Bonn, 

vorgeschlagen durch die Herren v. Carnall, Girard 
und Tamnau. 

6* 



84 

Darauf theilte Herr v. Carnall das Wichtigste über 
Redaction, Eintheilung und Inhalt der Zeitschrift der Ge- 
sellschaft mit. 

Herr Ewald sprach sodann über den Zusammenhang 
nord- und südeuropäischer Ausbildungen der Kreideforma- 
tion und wies nach , dass das Kreidegebirge von Dresden 
und Teplitz grosse Uebereinstimmung zeigt mit den über 
dem Gault liegenden Schichten der westlichen und nament- 
lich der provencalischen Alpen. In beiden Gebieten findet man 
zu unterst ein System sandiger Schichten, welches in Sach- 
sen und Böhmen durch den Quadersandstein, in der Pro- 
vence ebenfalls durch Sandsteine, die mit Exogyra Columba 
erfüllt sind, gebildet wird. Es ist dies der obere Grünsand 
der Engländer. Darüber folgt eine kieslig kalkige Bildung, 
hier aus den Plänerconglomeraten, dort aus den Schichten 
von Uchaux bestehend. Diese Bildung, welche in Sachsen 
und Böhmen zahlreiche, wenngleich nicht zu ganzen Bänken 
vereinigte Radioliten enthält, stimmt überein mit der Tour- 
tia Belgiens und des Sarthe- Departements so wie mit. den 
versteinerungsreichen Schichten von Essen. Ueber der Tour- 
tia folgt ein kalkiges Schichtensystem, bei Dresden und Te- 
plitz durch den Plänerkalk, in den westlichen Alpen durch 
die Hippuritenbänke , die den Hippurites organisans enthal- 
ten, gebildet und in beiden Gebieten nur dadurch verschie- 
den, dass dort die Ammonitenfacies , hier die Hippuritenfa- 
cies dieser Schichten entwickelt ist. Noch jüngere Kreide- 
bildungen scheinen weder in dem einen noch in dem anderen 
Distrikt vorhanden zu sein, und ist ein oberer Quader, wie 
er sonst in Deutschland vorkommt, in den Umgebungen von 
Dresden und Teplitz nicht entwickelt. 

Hieran knüpften sich Bemerkungen über eine allgemei- 
nere Parallelisirung der Ammoniten - und Rudisten - Schich- 
ten der Kreide. Die Caprotinenbänke , welche die Neo- 
comienschichten des Ammonites asper ersetzen , sind in 
Deutschland noch nicht beobachtet worden ; eben so wenig 
die Ichthyosarkolithen-Bänke, welche denjenigen Ammoniten- 



85 

schichten zu parallelisiren sind, die an der Grenze stehen 
zwischen dem Gault mit Ammonites monile und den Schich- 
ten mit Ammonites Rhotomagensis. Die in Deutschland ge- 
fundenen Rudisten stammen sämmtlich aus Schichtensystemen 
her, welche denen des Ammonites Rhotomagensis entspre- 
chen. Die ältesten dieser Rudisten sind die sehr seltenen 
des Sächsischen Quaders , darüber folgen die häufigeren der 
deutschen Tourtia und darüber endlich die häufigsten, die 
Plänerkalk - Hippuriten von Salzburg und Wien. Die zur 
weissen Kreide zu rechnenden Hippuriten und Radioliten sind 
wiederum nur ausserhalb Deutschlands vorgekommen. 

Darauf sprach Herr Beyrich über zwei neue Punkte 
in der Mark, an denen Thonlager mit den Versteinerungen, 
die bei Hermsdorf vorkommen, aufgefunden sind , nemlich 
bei Freienwalde und bei Pietzpuhl unweit Burg. Am letz- 
tern Orte wurde durch Herrn v. Wulffen ein Bohrloch 
von 591' Tiefe niedergebracht. Bis zu 148' hat man Dilu- 
vial-Sand mit Gerollen gefunden, darauf in 257' Mächtig- 
keit Mergel mit Kalklagen und dann von 405' — 591' san- 
dige und thonige Schichten, jedoch keine Braunkohle. Die 
tiefsten der durchbohrten Lager scheinen Keuper zu sein. 

Danach legte Herr v. Carnall Zeichnungen von dem 
Vorkommen der Sphärosiderite im Thoneisensteingebirge von 
Ober - Schlesien vor, so wie Profile aus der Thoneisenstein- 
Grube Seegen-Gottes bei Siegburg und gab dazu Erläute- 
rungen, in denen besonders entwickelt wurde, dass je rei- 
ner im Allgemeinen die Thonlager sind, desto reiner und rei- 
cher auch die darin vorkommenden Sphärosiderite. 

Hierauf las Herr Girard einen Brief des Herrn v. 
Buch über den Monte - Nuovo vor , welchen Herr Nau- 
mann in Leipzig zur Mittheilung an die Gesellschaft über- 
sandt hatte. 

Herr v. Carnall liess sodann eine Zeichnung über das 
Vorkommen von Graubraunstein erz im Letten -Gebirge über 
Dolomit auf der Grube Hofereich bei Weilburg im Nassaui- 
schen herumgehn und gab Erläuterungen dazu. 



86 

Herr Rammeisberg sprach endlich über die Deutung 
der Grundmasse verschiedener Laven und suchte nachzu- 
weisen, wie sich aus guten Analysen derselben immer be- 
rechnen lasse, dass sie ein inniges Gemenge derjenigen Mi- 
neralien sind, welche sichtlich ausgeschieden darin vorkom- 
men. Er verglich insbesondere die Laven südeuropäischer 
Vulkane mit denen Islands und suchte darzuthun. dass der 
feldspathartige Bestandtheil sie besonders charakterisire. Auch 
machte er auf die Analogie der Laven mit gewissen älteren 
Gesteinen, so wie mit den Meteormassen aufmerksam. 

Nachdem Herr Rose hieran eine kurze Entgegnung 
geknüpft hatte, in der er das Vorkommen von Oligoclas in 
Laven bestritt, wurde die Sitzung geschlossen. 

v. w. o. 
Carnall. Ewald. Girard. 



3 Protokoll der April- Sitzung. 

Verhandelt Berlin den 4. April 1849. 

Nach Eröffnung der Sitzung macht der stellvertretende 
Vorsitzende, Herr v. Carnall, der Gesellschaft die Anzeige, 
dass die folgenden Herren derselben als Mitglieder beigetre- 
ten sind: 

Herr v. Grote in Oldenburg, 

vorgeschlagen durch die Herren Mitscherlich, G. 

Rose und v. Carnall; 
Herr Weichsel in Blankenburg, 

vorgeschlagen durch die Herren Beyrich, Girard 

und v. Carnall; 
Herr Landgrebe in Cassel, 

vorgeschlagen durch die Herren v. Buch, G. Rose 

und Tamnau; 
Herr Kuh in Breslau, 

vorgeschlagen durch die Herren Weiss, Beyrich 

und v. Carnall; 



87 

Herr Eedenbacher in Pappenheim, 

vorgeschlagen durch die Herren v. Buch, Weiss und 

Beyrich. 

Herr v. Carnall übergiebt darauf die als Geschenk des 

Verfassers für die Bibliothek der Gesellschaft eingegangenen 

Abhandlungen des Herrn v. Struve: 

1) Struvit und 

2) Controverse über die Frage : Was ist Mineral- Species ? 
Herr v. Strombeck aus Braunschweig übergiebt für die 

Zeitschrift eine Abhandlung : Beitrag zur Kenntniss der 
Muschelkalkbildung im nordwestlichen Deutsch- 
land, und entwickelt in gedrängter Uebersicht die ausführlicher 
in diesem Aufsatze dargelegten Resultate, zu welchen er bei 
Untersuchung der Muschelkalkbildung in ihrer Verbreitung 
zwischen den älteren Bildungen der Gegend von Magdeburg 
und derer des Harzrandes gelangt ist. Der Muschelkalk bil- 
det in dieser Gegend langgezogene Erhebungen, deren Inne- 
res aus buntem Sandstein besteht, von welchem nach beiden 
Seiten hin der Muschelkalk abfällt. In grosser Beständig- 
keit lassen sich, sowohl durch die Petrefakten wie petrogra- 
phisch ausgezeichnet, 3 Abtheilungen des Muschelkalks un- 
terscheiden. Die oberste Abtheilung setzen gleichförmig ab- 
wechselnd dünne Schichten von Kalk und Thon zusammen 
von gelblich-grüner Färbung : die mittlere Abtheilung besteht 
nach oben aus mächtigeren Kalkstein bänken mit wenigerem 
Thon, in ihrem unteren Theil aus Dolomit und dolomiti- 
schem Mergel; die dritte untere Abtheilung bildet der Wel- 
lenkalk, welcher nach oben den Mehlkalk d. i. einen ziem- 
lich kompakten Schaumkalk einschliesst. Von den Verstei- 
nerungen gehen einige, wie Gervillia socialis, Melania Schlott- 
heimii und einige Trigonien durch alle Abtheilungen durch. 
Für die obere Abtheilung ist bezeichnend das sehr häufige 
Vorkommen des Ammonites nodosus in ihren oberen Schich- 
ten, während Encriniten, Terebrateln und Lima derselben 
ganz fehlen. In der mittleren Abtheilung sind zu oberst die 
Encriniten-Reste so häufig, dass sie den Trochiten-Kalk bil- 



88 

den; sie werden stets begleitet von Lima striata und sehr 
häufig zeigt sich daneben Trigonia vulgaris. In den Schich- 
ten unter dem Trochiten - Kalk sind Nothosaurus - und Pla- 
codus-Reste häufig ; sie liegen oft in einem porösen , ooli- 
thischen Schaumkalk-artigen Gestein, welches jedoch von dem 
eigentlichen Schaumkalk der unteren Abtheilung wohl zu un- 
terscheiden ist. In den dolomitischen Schichten fehlen Ver- 
steinerungen ganz. In der unteren Abtheilung sind Ver- 
steinerungen selten und mehr an einzelnen Stellen zusam- 
mengehäuft; Turritella scalata, Trochus Albertinus, Trigo- 
nia curvirostris sind die häufigsten. Verglichen mit der Ent- 
wicklung des Muschelkalks in andern Gegenden Deutsch- 
lands ist unterscheidend das gänzliche Fehlen der Anhydrit- 
Gruppe des südwestlichen Deutschlands ; nur die Dolomite 
und dolomitischen Mergel sind als deren Vertreter zu be- 
trachten. Von den beiden Enkrinitenkalken, welche im süd- 
westlichen Deutschland als oberer und unterer Enkriniten- 
kalk unterschieden werden, entspricht der obere dem Trochi- 
tenkalk, der untere dem oolithischen Kalk in Norddeutsch- 
land. Die Verbreitung der Versteinerungen harmonirt sehr 
mit der in Thüringen; weniger ist eine Uebereinstimmung 
mit den Angaben im südwestlichen Deutschland hervortre- 
tend. Von neuen Formen haben sich nur zwei Arten der 
Gattung Pterinea gefunden. 

Herr Ewald spricht hierauf über die Art, wie in den 
savoyischen und französischen Alpen die Vorberge, von de- 
nen die Centralmassen westlich umgeben sind, sich in 
Gruppen vertheilen. Bezeichnet man die von den Central- 
massen am weitesten entfernten Höhenzüge, welche, wie schon 
Saussure beobachtete, die auffallende Erscheinung zeigen, 
dass ihre Schichten gegen das Centrum der Alpen einfal- 
len, mit dem Namen der äusseren Wälle, den die kry- 
stallinischen Gesteine zunächst begrenzenden Höhenzug, des- 
sen Schichten regelmässig vom Centrum des Gebirges ab- 
fallen, mit dem Namen des inneren Walls, so muss man 
dazwischen noch eine dritte Region unterscheiden ; diese wird 



89 

durch plateauartige Berggewirre gebildet, in denen kein an- 
dauerndes Fallen noch Streichen zu beobachten ist. Wäh- 
rend im inneren Walle die Wirkungen der Hebung, in den 
äusseren Wällen die des Einsturzes von Gebirgsmassen beson- 
ders hervortreten, ist die Unregelmässigkeit in der mittleren 
Region durch das Zusammenwirken beider Ursachen zu erklä- 
ren. Die krystallinischen Centralmassen , deren Erhebung 
diesen Vorbergen ihr Hauptrelief gegeben hat, bilden einen 
Gürtel von ellipsoidischen Massen, welche aus Granit, Gneuss 
und Protogyn bestehen und in der Erstreckung vom Gott- 
hard bis Nizza auf folgende Vier, die in ihrer Richtung 
stark von einander abweichen, zu reduciren sind: i) Stu- 
der's Finster- Aarhorn- Gruppe , 2) die das Chamounixthal 
nordwestlich begrenzende Masse, 3) die von E. de Beau- 
mont beschriebene, welche von der Pointe d'Ornex nach dem 
Roc de Taillefer hinzieht und an welche sich südlich der 
Gebirgsstock des Oisans anschliesst und 4) die nach einiger 
Unterbrechung südöstlich vom Oisans eintretende provenca- 
lische Masse. Dieser äussere krystallinische Gürtel ist be- 
kanntlich von einem inneren wohl zu unterscheiden, welcher 
durch Kalkgebirge davon getrennt ist und in welchem zu 
den Gesteinen des äusseren noch der Gabbro hinzukommt. 
Erst jenseits dieses inneren Gürtels gelangt man endlich in 
die Region, wo ausserdem auch noch die alpinen Melaphyre 
zu Tage kommen, welche also, 'wie L. v. Buch es für die 
Melaphyre der Alpen überhaupt bewiesen, auch hier am in- 
nersten Rande des Gebirges hervorbrechen, indem sie zu- 
gleich die übrigen krystallinischen Gesteine durchsetzen. 

Bei näherem Eingehen auf die Ausbildung der drei Ca- 
thegorien von Vorbergen in den westlichen Alpen wurde nun 
zunächst gezeigt, dass der innere Wall ohne Unterbrechung 
von der Schweiz bis an das südliche Ende des Oisans-Ge- 
birges, um welches er herumbiegt, zu verfolgen ist. Das 
Gresivaudan mit seinen Fortsetzungen ist ein durch Zerstö- 
rung der Oxfordbildungen gebildetes Längenthal in diesem 
inneren Wall. 



90 

Zu der mittleren Region gehören die plateauartigen Berg- 
gruppen der Beauges östlich von Chambery, der Grande 
Chartreuse, des Royannais und Vercors. 

Die äusseren Wälle bilden ein System kleinerer Höhen- 
züge, deren oft mehrere in einem und demselben Profil hin- 
ter einander folgen. Der Mont Saleve, die Montagne de 
Chambotte, der Mont du Chat in Savoyen, der Höhenzug 
westlich von St. Laurent du Pont im Dauphine und viele 
andere gehören dahin. Diese Berge treten zum Theil un- 
mittelbar an den Jura heran, lassen sich aber fast überall 
durch ihre Erhebungsart scharf dagegen abgrenzen. In die 
Kathegorie der äusseren Alpenwälle gehören auch diejeni- 
gen Berge der westlichen Provence, welche von Ost nach 
West streichen und nach Norden fallen. Dieselben können 
nur auf die nach Norden vorliegende Oisans-Masse bezogen 
werden. Allerdings stimmen sie auch in ihrem Alter mit 
den Voralpen von Savoyen und Dauphine überein. Wie 
nämlich dort die H a u p t erhebung der Voralpen zwischen 
dem Absatz des alttertiären Nummulitenterrains und der mit- 
teltertiären Molasse erfolgt ist, so findet sich hier das altter- 
tiäre Süsswasserterrain gehoben , während die Molasse hori- 
zontal dagegen abgelagert und nur stellenweise durch spä- 
tere Ereignisse in ihrer Lage gestört ist. 

Herr v. Carnall erläutert ein von Herrn Baur ange- 
fertigtes Blatt mit Profilen, welche in der Richtung von Norden 
gegen Süden aus der Gegend von Aachen bis nach den süd- 
lichsten bekannten Partieen des Eifeler Kalkes gezogen wurden. 

Derselbe erläutert einen selbst aufgenommenen Grund- 
riss nebst Längenprofil von der Galmeigrube Altenberg bei 
Moresnet, ohnweit Aachen. 

Herr Ehrenberg berichtet, dass er in einer ihm von 
Herrn Wohl er zugesendeten, früher schon von Klaproth 
untersuchten und bisher für eine Meeresbildung gehaltenen 
Substanz bis jetzt nur Süsswasserthierchen aufgefunden hat. 

Derselbe hat unter Erdproben, welche der Missionär 
Halleur von Guinea sendete, eine Erdart gefunden, die ih- 



91 

rem mikroskopischen Inhalt nach entschieden Kreide ist und 
auch in ihrer Substanz der Schreibkreide gleicht. 

Herr v. Carnall legt eine von Herrn Ruhland an- 
gefertigte Karte vor, auf welcher die Grenzen zwischen der 
Braunkohlenformation und dem vulkanischen Gebiete des 
Siebengebirges dargestellt sind. 

v. w. o. 
v. Carnall. Beyrich. Ewald. 



B. Briefliche Mittheilnngen. 



1. Herr E. Hof mann an Herrn G. Rose. 

Petersburg den 11. Januar 1849. 

Vor ein Paar Wochen bin ich von den Ufern des Ka- 
rischen Meeres zurückgekehrt. Sie haben vielleicht durch 
Helmersen gehört, dass die russische geographische Ge- 
sellschaft eine Expedition ausrüstete , um über den nördli- 
chen Verlauf des Ural ins Reine zu kommen , und ihn na- 
turwissenschaftlich zu untersuchen, so weit es zwei kurze 
Polar-Sommer erlauben, in welchen noch vielfache, durch die 
gänzliche Unkenntniss der zu durchwandernden Strecke ent- 
stehende Schwierigkeiten zu überwinden waren. Ich führte 
diese Expedition, die nicht ungünstige Erfolge gehabt hat. 
Die geographischen Ergebnisse sind von der Gesellschaft, 
wenn ich nicht irre , nebst einer kleinen Karte von dem 
Nordende des Ural und dem Kara-Lande, Herrn v. Hum- 
boldt mitgetheilt, und ich will Sie deshalb nicht noch einmal 
mit der Wiederholung langweilen. Ueber die geognostischen 
Verhältnisse nur so viel, dass das Gebirge sich merkwürdig 
gleich in seiner Zusammensetzung bleibt. Am Ostabhange 
Grünsteine und Porphyre, auf dem Kamm und am Westab- 
hange metamorphische Schiefer in endloser Erstreckung, nur 
zuweilen durch sichtbares Hervortreten von Granit, Sienit 



92 

und Serpentin unterbrochen, so dass man sehr geneigt wird 
zu glauben, die Erhebung habe mehr Einfluss auf die 
Metamorphosirung als die Nähe eines durchbrechenden 
Gesteins. Dass aber alle die dort brechenden Schiefer, wie 
verschieden sie auch sind, eben wie die reinen Quarzite 
wirklich aus den Thonschiefern und Sandsteinen der dort 
verbreiteten silurischen (?) Formation hervorgegangen sind, 
das zeigt jeder Durchschnitt aus der Tundra ins Gebirge. 
Ich halte die in der Tundra vorkommenden Schichten, ein 
Wechsel von Thonschiefer, Grauwacke und Kalkstein, nach 
Schlüssen aus der Lagerung für silurisch, kann aber erst 
eine bestimmte Behauptung wagen, wenn die wenigen Pe- 
trefacten, die ich dort fand, hier angekommen sind, und mit 
besseren Mitteln als mir dort zu Gebot standen, bestimmt 
sein werden. Ich hoffe Graf Keyserling wird die Be- 
stimmung übernehmen. Das Gebirge fallt jäh in die Tun- 
dra unter 68° 28' N. B. ab, ist die letzten Paar Hundert 
Werst eine kahle zackige Felsmauer; die höchsten Berge, 
welche ich im vorigen Sommer sah, sind wenig über 3000 
Fuss hoch, sehen aber höher aus, weil das Gebirge unmit- 
telbar aus der bäum- und strauchlosen Tundra aufsteigt. 
Im vorigen Jahre, d. h. 1847, kam ich durch höheres, wenn 
auch minder schroffes Gebirge. Trotz der hohen Breite 
giebt es keine eigentlichen Schneeberge, aber fast alle ha- 
ben einzelne Schneeflecke, und in den Schluchten liegen 
dicke Schneemassen, die viele Jahre nicht gänzlich geschmol- 
zen sind. Nahe vom Meere finden sich auf der ebenen Tun- 
dra in den flachen Vertiefungen noch mächtige Schneefel- 
der. — Gerolle finden sich nur in den aus dem Gebirge 
kommenden Fluss - Thälern. Von Schrammen und derglei- 
chen Geschichten keine Spur. Nur einmal fand ich eine ge- 
schrammte Schicht, die aber noch von anderen Schichten 
bedeckt war, also mehr gegen als für die beliebte Erklä- 
rungsweise spricht. 



93 

2. Herr Giebel an Herrn Beyrich. 

Halle den k 27. Januar 1849. 
Noch immer beschäftigen mich die Faunen für die ein- 
zelnen Glieder des Kreidegebirges und bin ich mit der Ver- 
gleichung des in den hiesigen Sammlungen befindlichen Ma- 
teriales bald zu Ende. Dieselbe Unklarheit, welche in der 
Unterscheidung der Formationsglieder herrscht, spricht sich 
auch in den langen Verzeichnissen von „wahren Leitmu- 
scheln" aus, die in mehreren Arbeiten über das Kreidege- 
birge entworfen sind. Unter einer wahren Leitmuschel kann 
ich nur eine solche verstehen, die in der Schichtenreihe, zu 
deren Altersbestimmung sie leiten soll, häufig und ganz be- 
schränkt vorkommt. Da die Zahl solcher Arten für einzelne 
Formationsglieder immer aber sehr gering ist, so kann man 
noch diejenigen hinzufügen, welche nur hier in der betref- 
fenden Schichtreihe häufig, in Jüngern Schichten aber spar- 
sam und vereinzelt gefunden werden. Wenn ich mit dieser 
Definition der Leitmuschel die Verzeichnisse durchsehe, so 
reduciren sich dieselben überall auf einen oder auf sehr we- 
nige Namen, zumal wenn noch die geographische Verbrei- 
tung, die doch ebenfalls sehr wichtig ist, berücksichtigt wird. 
Reu ss führt z. B. in seinem Böhmischen Kreidegebirge II. 
S. 116. als charakteristisch für den untern Quader die Ko- 
stellaria Parkinsonii auf. Eben diese Art hat er aber auch 
als Leitmuschel für den Plänermergel genannt. Geinitz 
fand sie im Plänerkalk bei Strehlen, ich habe sie vom Salz- 
berge bei Quedlinburg, H a g e n o w führt sie von Rügen auf 
und bei d' O r b i g n y steht sie unter den Leitmuscheln für 
den Gault. Sie ist also eine wahre Leitmuschel für die 
ganze Kreideformation , aber keineswegs für den Untern 
Quader. Dasselbe gilt von den andern Leitmuscheln dieses 
Gliedes bei Reuss, als von Natica vulgaris, Area glabra, Ve- 
nus faba u. a. Die charakteristischen Arten des als dritte Ab- 
theilung im Untern Quader angesprochenen Grünsandsteines 
S. 117 u. 118 derselben Monographie kommen ohne Aus- 
nahme auch im Plänermergel vor. Wie können solche Ar- 



94 

ten zur Bestimmung des Alters leiten? In Römer' s Nord- 
deutschem Kreidegebirge sind die Leitmuscheltabellen ohne 
alle Rücksicht auf das Vorkommen der genannten Arten ent- 
worfen. Von den leitenden Arten seiner Obern Kreide fin- 
det sich Apiocrinites ellipticus auch im Plänerkalk, Pecten 
Faujasii im Plänersandstein, Exogyra laciniata, Pectunculus 
lens, Turritella nodosa u. a. zugleich auch im Untern Qua- 
der. Seine Untere Kreide enthält nur Arten aus dem Plä- 
nerkalk und Plänermergel, mit dem auch die angeführten Lo- 
kalitäten gleiches Alter haben. Der Turrilites costatus aber 
und der Inoceramus latus können unter keiner Bedingung 
für den Plänerkalk als Leitmuscheln gelten. Eben so we- 
nig der Nautilus simplex und N. elegans für den Grünsand, 
denn sie gehen durch den Plänerkalk in Römer's Obere 
Kreide hinauf. Wenn Sie Essen aus der Rom er' sehen 
Hilsbildung streichen, so stimme ich Ihnen darin nach Durch- 
sicht der Arten in Hrn. Sack 's Sammlung vollkommen bei. 
Es müssen daher auch alle Arten von Essen, welche Rö- 
mer in der Tabelle für den Hils aufzählt, über den Hils 
gestellt werden. Auch Quenstedt verkannte das Alter 
von Essen, denn er parallelisirt in seiner Petrefaktenkunde 
S. 202. diese Ablagerung wegen des Spatangus retusus = 
Sp. Bucklandii mit dem Neocomien. In eben dieser Petrefak- 
tenkunde werden die Schichten von Kieslingswalde , vom 
Salzberge, vom Luisberge, vom Gehrdnerberge, vom Sud- 
merberge unter den Plänerkalk verlegt. Sie liegen sämmt- 
lich über demselben. Am sichersten geht man bei der Be- 
stimmung der einzelnen Glieder immer vom Plänerkalk aus. 
Er bildet das Centrum in der Formation und ist nie zu ver- 
kennen. Auch seine Leitmuscheln wie Spondylus spinosus, 
Scyphia angustata, Spatangus cor anguinum, Ptychodus la- 
tissimus, Pt. mammillaris, Pt. decurrens u. a. gewähren stets 
einen sichern Ausgangspunkt. Von ihm aus steigt man 
durch merglige Sandsteine in den Untern Quader hinab und 
durch ähnliche Gesteine in den Obern Quader hinauf. Diese 
mergligen Sandsteine bald als Grünsand, bald als Kreide- 



mergel und anders bezeichnet, auch mit dem Gault identi- 
ficirt, haben die Verwirrung* in dem Schichtensystem veran- 
lasst. Für die Abtheilung unter dem Plänerkalk kann Es- 
sen als Anhaltepunkt genommen werden. Der Ammonites 
Stobaei, A. varians, Ostraea carinata, Spondylus hystrix, Pec- 
ten cretosus, P. asper, P. notabilis, Galerites subuculus, Nu- 
cleolites carinatus, N. lacunosus und einige andere gehen 
nirgends in den Plänerkalk über. Im Allgemeinen hat auch 
dieser untere merglige Sandstein weniger Arten mit dem 
Plänerkalk gemein als der über diesem liegende. Zu letzte- 
rem gehören bestimmt Kieslingswalde, der Luisberg, der 
Salzberg, der Gehrdner Berg, ßaculites anceps, Trigonia 
alaeformis, Corbula aequivalvis, mehrere Pectunculus, Venus 
und Nuculen gehen nicht in den Plänerkalk hinab. Viele 
der bisjetzt allgemein beliebten Leitmuscheln charakterisiren 
diese ganze Abtheilung, aber nicht die einzelnen Glieder. 
So finden sich z. B. in den Schichten von Essen, durch den 
Plänerkalk bis in den Salzberg Asterias quinqueloba, Cida- 
ris vesiculosus, Ostraea vesicularis und O. flabelliformis, 
Exogyra haliotoidea, Serpula gordialis, einige Inoceramen 
u. a. Andere Arten fehlen dem Plänerkalk und charakteri- 
siren beide Mergelsandsteine, z. B. Fungia coronula, Spa- 
tangus lacunosus, einige Terebrateln u. s. f. Der Sudmer- 
berg wird trotz seiner ausgezeichneten Schwämme nicht Es- 
sen, sondern dem Salzberge parallelisirt werden müssen. 
Hrn. Sack's Sammlung enthält daher schöne Exemplare 
von Scyphia marginata Rom., Sc. ocellata R., Sc. tuberosa 
R., Sc. seriatoporum R., Sc. turbinatum R., Sc. distans R., 
Scyphia Mantelli Goldf., Siphonia ficus Goldf., S. punctata 
G., Manon peziza G. und Manon miliare Reuss. Die Rö- 
mer sehe Gattung Pleurostoma beruht auf Bruchstücken. Es 
sind keine walzenförmigen Schwämme, sondern auf einer 
blattartig verästelten Wurzel erhebt sich der Schwamm, wel- 
cher sogleich in vier flach gedrückte, senkrechte Aeste aus- 
einander geht. Die beiden Arten PL radiatum und PI. la- 
eunosum führt Römer von Peine und vom Lindnerberge 



96 

an, sollten die Fundorte mit dem Sudmerberge verwechselt 
sein? — Ausser andern mehr oder weniger von den genann- 
ten abweichenden Schwämmen sah ich noch zwei ausge- 
zeichnete Formen, die ich Ihnen näher charakterisiren muss. 
Auf einer sehr dünnen Wurzel erhebt sich ein vierseitiger, 
verkehrt pyramidaler Schwamm mit abgerundeten Kanten. 
Der Scheitel hat einen oblongen oder auch trapezoidalen Um- 
fang und ist eben oder nur wenig eingesenkt. Die innere 
Structur des Schwammes ist auffallend cerioporenähnlich. 
Die Oberfläche ist überall mit rundlichen oder unregelmäs- 
sigen Poren besetzt, deren Zwischenräume eben so gross als 
sie selbst sind. Auf dem Scheitel stehen runde , mit erha- 
benem scharfen Bande umgränzte Mündungen von höchstens 
einer halben Linie Durchmesser. Diese haben das Streben, 
sich in regelmässige Reihen zu ordnen, aber es drängen sich 
hie und da einzelne unregelmässig dazwischen. Die zweite 
Form hat eine ähnliche Gestalt, doch unregelmässiger, in- 
dem die Seiten hie und da wulstig aufgetrieben sind. Der 
Scheitel ist unregelmässig und tief eingesenkt und nur der 
Rand mit runden, erhaben umrandeten Mündungen besetzt, 
welche nirgends regelmässig angeordnet sind. Die Poren 
der Oberfläche allermeist rundlich, werden durch grössere 
Zwischenräume getrennt als vorhin, drängen sich an einzel- 
nen Stellen jedoch eben so eng zusammen. Jene erste Form 
habe ich in der Sammlung als Manon pyramidale, diese letz- 
tere als Manon mirum bezeichnet. 

Auch vom Luisberge bei Aachen findet sich in Sack's 
Sammlung eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Versteine- 
rungen, die ich zur Vergleichung ziehen konnte. Wir haben 
über einen Theil derselben die Abhandlung von Jos. Müller. 
Nur was derselbe über die Conchifera sagt, hatte ich Gele- 
genheit zu prüfen. Gestatten Sie mir einige Bemerkungen 
darüber. Den Pectunculus Marottianus d'Orbg kennt Müller 
daher nicht. Unter Area glabra Goldf. S. 19. heisst es: 
Area fibrosa d'Orbigny scheint nur wenig abzuweichen. Das 
ist ein Irrthum, denn d'Orbigny identificirt die fibrosa mit 



97 

der Goldfussischen glabra und wählt nur den älteren Namen. 
Doch kann ich d'Orbigny nicht beistimmen. Er berücksich- 
tigt die Parkinson-Sowerbysche glabra nicht , wiewohl die- 
selbe mit der Jüngern fibrosa identisch ist. Der Name glabra 
hat also die Priorität. Die d'Orbignysche A. Matheroniana 
scheint mir ebenfalls kaum specifisch verschieden und ist von 
Matheron auch für glabra gehalten. A. ligeriensis d'Orbg. 
muss ich gegen Müller nach den Exemplaren bei Sack 
verschieden halten und A. santonensis d'Orbg. ist gewiss 
eigenthümlich. Die A. Marceana d'Orbg. kannte Müller vom 
Luisberge nicht. — Cardium tubuliferum Goldf. hat allerdings 
Linienhohe Röhren, die mit feinen Stacheln dicht besetzt sind, 
daher die Rom ersehe Benennung tuberculiferum nicht an- 
nehmbar ist. Falsch ist Römers Angabe der nach abwärts 
gerichteten Stacheln. Von Quedlinburg sind mir nur sehr 
fragliche Steinkerne bekannt. Ob wohl d'Orbigny's Cardium 
alternatum verschieden sein mochte? Cardium Cottaldinum 
d'Orbg. und C. produetum Sowb. erwähnt Müller nicht, 
ebenso eine dritte Art, die ich nirgends beschrieben finde. 
Dieselbe ist massig gewölbt, mit stark bogigem Unterrande, 
tiefem Male, stark eingekrümmten Buckeln versehen und hat 
dicke scheinbar glatte Schalen. Unter der Loupe sieht man 
feine runzlige Anwachsfalten und ebenso feine scharfe Li- 
nien , welche vom Buckel zum Rande strahlen. An einer 
Stelle, wo die Sehale abgesprungen ist, zeigt der Steinkern 
scharfe Furchen in gleichen Abständen, drei auf dem Räume 
einer Linie; Länge der Muschel 1" 6'", Breite 1" 3'". Ueber 
die Bemerkungen von Yenus und Lucina S. 23 und 24 be- 
halte ich mir Einiges vor. Lucina campaniensis d'Orbg. und 
Venus immersa Sowb. w T erden bei Müller nicht erwähnt, 
ebenso wenig die Teilina royana d'Orbg., deren Schale sehr 
fein concentrisch gestreift ist. In der Trennung des Solen 
compressus Goldf. von S. aequalis d'Orbg. stimme ich Müller 
bei gegen Reuss. Panopaea plicata d'Orbg. und P. gurgitis 
d'Orbg. vereinigt Müller, wahrscheinlich veranlasst durch 
die Goldfussische Namenverwechslung, denn P. gurgitis 

Zeits. d. d. geol. Ges. I. 2. 7 



98 

Goldf. ist Mya plicata Sowb. und Panopaea plicata Goldf. 
ist Lutraria gurgitis Brongn. Unter Pecten vermisse ieh 
Pecten Cottaldinus d'Orbg., und Pecten divaricatus Reuss fällt 
mit P. arcuatus Goldf. zusammen, welche beide dem altern 
P. virgatus Nils, gehören. Den P. arcuatus Sowb. sollte 
man hier ganz aus dem Spiele lassen und den P. curvatus 
Geinitz nicht so unbedingt damit identificiren wie es Reus's 
gethan hat. Ausser Lima multicostata und Lima semisulcata 
findet sich auch L. Hoperi Desh., ebenso eine kegelförmige 
Unterschale von Spondylus Coquandianus d'Orbg. Merk- 
würdig ist mir, dass ich in dieser ganzen Suite keine ein- 
zige von den 25 Arten gefunden habe, welche Müller in 
seiner Abhandlung als neu beschreibt. Unbestimmbar meh- 
rere Arken (z. Th. der A. nana d'Orbg. sehr ähnlich), junge 
Brut von Venus, kleine Pectunculen, ein Solen, Perna, Teredo 
(vielleicht Requienianus d'Orbg.). Von der Panopaea sinuata 
Reuss sah ich einen sehr fein und ganz regelmässig concen- 
trisch, über der Kante aber längsgestreiften Steinkern, der 
allerdings für Anatina mehr spricht als für Panopaea Reuss 
S. 17. Aus den von Müller noch nicht bearbeiteten Ord- 
nungen enthält die Sammlung folgende Arten: Eschara pyri- 
formis Goldf., E. cyclostoma Goldf., Turbinolia conulus Mich., 
Fungia coronula Goldf. Das Dentalium glabrum ist beträcht- 
lich grösser als bei Geinitz. Pleurotomaria Roemeri Reuss, 
Turbo Renauxianus d'Orbg., Pyrula carinata Roem. Eine 
zweite Pyrula trägt auf jedem Umgange eine Reihe dicker, 
gleichmässig abgerundeter, warzenförmiger Höcker. Natica 
exaltata Goldf. und Litorina rotundata Sowb., die Reuss 
nicht streng von einander geschieden zu haben scheint. 
Rostellaria stenoptera Goldf., R. Parkinsonii Mant., R. cari- 
nata Mant., Avellana Hugardiana d'Orb. und A. incrassata 
Duj., die beide wohl nur eine Art ausmachen; Turritella 
multistriata Reuss und eine zweite der T. Buchiana Goldf. 
im Allgemeinen ähnlich, aber ohne Mittelfurche auf den Um- 
gängen, ohne scharfe Naht, und mit ziemlich regelmässigen 
feinen Streifen und deutlichen Knoten am untern Theile der 



99 

Umgänge. Voluta Guerangeri d'Orbg. (? Pleurotoma remo- 
telineata Geinitz), Corax heterodon und ein aus sechs Rin- 
gen bestehender Krebsschwanz. Von Cephalopoden sah ich 
den Nautilus elegans, den Baculites anceps, Scaphites com- 
pressus und Toxoceras gracilis d'Orbg. Letztere Bestimmung 
ist indess sehr zweifelhaft. Das einzige Exemplar ist 2 Zoll 
lang und am dicksten Theil 2\ Linie im Durchmesser. Im 
untern stärker gekrümmten Theile stehen in meist gleichen 
Abständen scharfe Rippen, welche im dickern Theil en- 
ger zusammenrücken und zugleich unregelmässiger werden. 
D'Orbigny kannte die Kammernäthe nicht, daher die Unter- 
suchung derselben den Zweifel nicht löste. Ein andres 
Exemplar ist mir noch merkwürdiger. Es ist nur 6 Linien 
lang und noch einen Zoll weit im Abdruck vor- 
handen. Die Rippen sind scharf und regelmässig, 
plötzlich aber stossen sie auf der Seite unter einem 
scharfen Winkel zusammen, wie beistehende Figur 
zeigt. 

Die Hoffnung, von dem in den Bronn 'sehen Jahr- 
büchern 1847, S. 821 erwähnten Sidetes noch bessere Exem- 
plare zu erhalten oder auch nur durch Reinigung des vorlie- 
genden das Räthselhafte dieser Schale zu lösen, ist nicht in 
Erfüllung gegangen. Die Schale stellt im Umriss ein Halb- 
oval dar, der Bogenrand war der freie und an dem graden 
muss sich jedenfalls eine ganz entsprechende Schale angelegt 
haben. Die Verbindung beider Schalen geschah durch weiche 
Theile, denn der Rand ist grade und kein Schloss vorhan- 
den. Diese weichen Theile bestanden wahrscheinlich in einem 
sehnigen Bande, welches auf der Aussenseite der Schalen 
deren graden Rand gemeinschaftlich bedeckte und in der 
vorhandenen Rinne, die einer Hohlkehle glich und nur in der 
Mitte etwas sich verschmälerte, genügenden Platz hatte. 
Die Schale ist flach convex, so jedoch, dass der höchste Punkt 
der Wölbung in der Mitte des graden Randes liegt und von 
hier aus die Wölbung nach allen Seiten gleichmässig und 
sanft abfällt. Feine concentrische Linien, dem Bogenrande 

7* 




100 



parallel, bedecken die ganze Oberfläche und zwar sehr regel- 
mässig, denn nur am Rande selbst springt eine Linie etwas 
über die andere hervor. Die Breite der Schale beträgt m , 022 
und die Länge etwa das Doppelte der Breite. Die Substanz 
der Schale ist wie bei allen Versteinerungen in den festen 
Sandsteinbänken des Salzberges nicht erhalten. Bei der 
Deutung dieses Fossils braucht man trotz der Unvollständig- 
keit nicht lange zu suchen. Die ganze Form der Schale 
spricht für die Anwesenheit einer gleichen zweiten Schale. 
Also ein Zweischaler, aber kein Cormopode, 
denn der völlig grade Schlossrand und die 
auffallende Symmetrie kommen diesen Thie- 
ren nicht zu. Der letzte Charakter erinnert 
an die Brachiopoden, aber auch diese schliesst 
der Schlossrand aus. Es bleibt nur noch 
Aptychus über und das Fossil neben diesen 
zu stellen hindert Nichts. Ich halte die Ap- 
tychus für Sepien mit getheilter Rücken- 
schale. Beistehende Zeichnung des Sidetes 
wird meine Beschreibung unterstützen. 
In der letzten Sitzung unseres naturwissenschaftlichen 
Vereines sprach ich über den Bau des Steinkohlengebirges 
im Selkethal und hatte zu diesem Zwecke die hier vorhan- 
denen Versteinerungen desselben sorgfältig bestimmt. So 
gering deren Zahl auch ist, so sind ihre Formen doch sehr 
bestimmt. Nur aus drei Schichten sind mir Reste daher be- 
kannt. Der dunkel bläulichgraue kalkige Sandstein im Lie- 
genden des Kohlenflötzes enthält Sphenopteris artemisiaefolia 
sehr gemein, Neuropteris heterophylla und Cardinia ovalis. 
Die erstre besitzt unser Museum in demselben Gesteine von 
Newcastle , die zweite liegt in Schieferthonen bei Saarbrücken. 
Von Wettin sind mir beide noch nicht bekannt, wohl aber 
die Cardinia in zahlreichen Exemplaren. Im Hangenden 
des Bestegs tritt ein schwarzer bituminöser Kalkstein mit 
Pecopteris abbreviata und fruchttragender Pecopteris arbo- 
rescens auf, beide in allen Kohlengebirgen bekannt. Gleich- 
zeitig mit dem Kalksteine kommt ein von undeutlichen Fu- 




101 

coiden, Lycopoditen, Sphenopteren etc. erfüllter Brandschiefer 
vor, der .ein deutliches Exemplar der Neuropteris auriculata 
zeigt. Schöner haben wir diese Pflanze in einem glimmer- 
reichen, sehr feinkörnigen thonigen Sandsteine von Wettin. 
Der bräunliche, grünliche und schwarze Schieferthon enthält 
häufig Lycopodites Bronnii, Pecopteris polymorpha, Pecopte- 
ris oreopteridis , P. arborescens, Annularia longifolia, zahl- 
reiche Cardinien, auch (?) Cypris und wahrscheinlich die Ed- 
mondia unioniformis Koninck, die ich in meiner Dissertation 
über die subhercynischen Hügel als E. Hercyniae n. sp. ange- 
führt habe. Das Exemplar ist nicht gut erhalten und mag 
vorläufig als Jugendzustand von Konincks Art bezeichnet 
werden. Diese Pflanzenreste sprechen für die Gleichaltrig- 
keit der Meisdorfer Kohlen mit den Wettiner, Saarbrücker 
und anderen. Auch bei Ilefeld ist Pecopteris arborescens und 
Annularia longifolia keineswegs selten. 



3. Herr G. B i s c h o f an Herrn Rammeisberg. 

Bonn, den 7. Februar 1849. 

Seit 22 Jahren (Vulkan. Mineralq. S. 255 ff.) haben die 
Kohlensäure - Extraktionen , dieses grossartige Phänomen, 
meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Vor 12 Jahren 
(Wärmelehre S. 323) habe ich auf die Möglichkeit einer Ent- 
wicklung der Kohlensäure aus dem Aufeinander wirken von 
Kalkcarbonat und Kieselsäure-haltigen Gesteinen in der Glühe- 
hitze gedeutet. Sollte aber eine Zersetzung von Kalkcarbo- 
nat durch Kieselsäure nicht auch auf nassem Wege erfol- 
gen können? — Folgende Versuche bejahen diese Frage. 

Kohlensaurer Kalk und Kieselsäure in einer Retorte mit 
Wasser Übergossen und letzteres abdestillirt führt so viel 
Kohlensäure mit sich, dass Kalkwasser nach längerem Durch- 
strömen der Wasserdämpfe getrübt wird. Damit nicht die 
atmosph. Luft in der Retorte oder eine geringe Menge Koh- 
lensäure im dest. Wasser das Resultat zweifelhaft machen 
konnte, Hess ich letzteres anhaltend kochen, und erst als alle 
atmosph. Luft ausgetrieben war, leitete ich durch eine ge- 



102 

krümmte enge Röhre die Wasserdämpfe in das Kalkwasser. 
Bald zeigte sich die Trübung und sie nahm zu, bis der Rück- 
stand trocken geworden war. Nach dem Erkalten hatte sich 
so viel kohlens. Kalk niedergeschlagen , dass er geprüft 
werden konnte. Ich habe den Versuch mehrmals wiederholt 
theils mit Kieselsäure in ihrer auflöslichen Modification, theils 
in ihrer unauflöslichen, theils als fein geschlämmtes Quarz- 
pulver, und immer mit demselben Erfolge. Bei Anwendung 
der Kieselsäure in ihrer unauflöslichen Modification war je- 
doch die Trübung des Kalkwassers schwächer. Auch die Zer- 
legung des fein geschlämmten Eisenspaths mit Kieselsäure 
gelingt auf dieselbe Weise. 

Diese Zerlegung von Carbonaten in der Siedhitze des 
Wassers zeigt die Möglichkeit, wie selbst in sedimen- 
tären Formationen, wenn sie nur bis zu solcher Tiefe reichen, 
wo Siedhitze herrscht, aus quarzhaltigem kohlens. Kalk 
Kohlensäure entwickelt werden kann , und dass die Folge 
davon die Bildung von Kalksilicaten auf nassem Wege ist. 

Payen's Analyse wies in den Gasen der Suffioni in 
Toscana 57,3 -| Kohlensäure nach. Nach Hoffmann dringen 
die siedendheissen Wasserdämpfe der Lagunen vom Monte 
Cerboli aus Spalten im Kalksteine ; der Hügel , welcher die 
Fumacchien von der Possera trennt, besteht aus sehr ver- 
wittertem Kalkstein. Auch jenseits dieses Flusses . treten die 
Dampfsäulen aus seigerfallenden Kalksteinbänken. Bei der 
grossen Fumacchie di Castel nuovo ist feinkörniger Sandstein 
mit mergeligem Bindemittel herrschend , welcher mit Schie- 
fermergel und Letten wechselt und gegen Osten von Kalk- 
stein bedeckt wird. Hier haben wir alle Bedingungen zur 
Entwicklung von Kohlensäure auf dem bezeichneten Wege: 
kohlens. Kalk, Quarz, Siedhitze und Wasserdämpfe. Liegt 
es daher nicht sehr nahe, dass jene Kohlensäure, welche sich 
mit den Wasserdämpfen entwickelt, aus kohlens. Kalk durch 
Quarz in der Siedhitze ausgeschieden werde ? Wir brauchen 
nur eine Tiefe von ungefähr 8000 F. für 80° R. in Toscana. 

Nimmt im Bohrloche von Neusalz werk die Temperatur 
von der Sohle des Bohrloches an, welches bekanntlich im 



103 

Muschelkalk steht, in demselben Verhältnisse zu, als von der 
Oberfläche bis dahin: so herrscht in einer Tiefe von 8596 F. 
unter der dortigen Oberfläche Siedhitze. Finden sich in 
dieser Tiefe quarzhaltige Kalksteine und dringen bis dahin 
Gewässer : so dürfte die Entwicklung der bedeutenden Menge 
Kohlensäure aus der aufsteigenden Soole (B. I. S. 155 und 
277 meiner Geol.) ihre wahrscheinliche Erklärung finden. 

Denselben Ursprung möchte ich auch für die enormen 
Kohlensäure - Exhalationen in den Umgebungen des Laacher- 
See's und der Eifel annehmen. Ich bemerkte schon (B. I. S. 248) 
dass sie in jener Gegend höchst wahrscheinlich sämmtlich aus 
dem Thon schiefergebirge kommen. Diess führte mich daher 
zur Annahme, dass der Heerd ihrer Entwicklung unter die- 
sem Gebirge liegen müsse, weil in dieser sedimentären Bil- 
dung keine bis zur Glühehitze steigende Temperatur anzu- 
nehmen ist. Bis zur Siedhitze steigt aber in ihr gewiss die 
Temperatur, wenn auch vonOeynhausen's wohl begrün- 
dete Schätzung von einer Mächtigkeit über eine Meile zu 
hoch- sein sollte ; denn wir brauchen nur ungefähr eine Mäch- 
tigkeit von 8600 F. und wir erreichen schon die Siedhitze. 

Die Zersetzung von kohlensaurem Kalk, kohlensaurem 
Eisenoxydul und wahrscheinlich auch von kohlensaurer Mag- 
nesia (diesen Versuch habe ich noch nicht angestellt) durch 
Kieselsäure in der Siedhitze zeigt auch die Möglichkeit von 
der Bildung von Silicaten aus diesen Salzbasen, und wir be- 
greifen, wie in Tiefen, wo Siedhitze herrscht, metamorphi- 
sche Processe von Statten gehen können, wodurch Carbonate 
und namentlich Kalk- und Eisenoxydul- Carbonate in Silicate 
umgewandelt werden; eine Umwandlung, die unter den ge- 
wöhnlichen Umständen in niederen Temperaturen nicht er- 
folgen kann. 



4. Herr E mm rieh an Herrn Beyrieh. 

Meiningen, den 9. März 1849. 

Mich beschäftigen in meinen freien Stunden 

noch immer die Alpen und auch in diesem Sommer hoffe ich 



t04 

meine Arbeiten dort fortführen zu können. Die von Herrn 
v. B u c h schon lange entdeckte Gervillienschicht bei Kreuth 
erweist sich nach meinen Untersuchungen als ein weitver- 
breitetes Glied des deutschen Alpenkalkes und als ausge- 
zeichneter Horizont. Sie ist mir zu einem Ariadnefaden in 
dem scheinbaren Labyrinth des deutschen Alpenkalkes ge- 
worden. Der wichtige ammonitenreiche obre „rothe Marmor", 
der rothe Kalkstein von Hallstadt u. s. w. , ruht auf jenen 
Schichten des braunen Jura. Schiefrige Bildungen mit Lias- 
versteinerungen unterteufen sie. Die Amaltheenmergel Schaf- 
häutl's, die Gervillienschicht und der rothe Marmor bilden 
eine durch schiefrige Mergel verknüpfte mittlere Abtheilung, 
welche den Alpenkalk Baierns in zwei scharfgetrennte Haupt- 
abtheilungen scheiden, den unteren, der vielleicht ein Aequi- 
valent des Muschelkalkes sein könnte und den oberen (Hoch- 
gebirgskalk), ein Aequivalent des weissen süddeutschen Jura, 
über welchem die Ammergauer Wetzsteine mit ihrem Apty- 
chus lamellosus liegen. 



5. Herr Freiherr von Beust an Herrn von Buch. 

Freiberg, den 26. April 1849. 

Ich erlaube mir, Ihre Aufmerksamkeit für das , in weni- 
gen Wochen erscheinende, 3te Heft der, vom Professor C o 1 1 a 
herausgegebenen, Gang-Studien in Anspruch zu nehmen und 
würde es sehr dankbar erkennen, wenn Sie es der Mühe 
werth erachten wollten, von dieser Mittheilung der deutschen 
geolog. Gesellschaft Kenntniss zugeben. Jenes Heft enthält die 
Fortsetzung der im 2ten Hefte begonnenen Beschreibung der 
Erzlagerstätten bei Freiberg von H. Mülle r und beschliesst 
damit den ersten Abschnitt einer langen Reihe von Unter- 
suchungen,, welche auf oberbergamtliche Veranlassung unter 
Leitung einer besonders beauftragten Commission seit zwei 
Jahren eingeleitet worden sind und nach und nach über alle 
Erzlagerstätten unseres Gebirges ausgedehnt werden sollen. 
Ihr Zweck ist zunächst ein praktisch bergmännischer, indem 



105 

man sich dabei die Aufgabe gestellt hat, den Ursachen der 
Veredlung und Verunedlung nachzuforschen und wo möglich 
die Gesetze zu ermitteln, nach denen die Erzvertheilung, 
besonders auf den Gängen, stattgefunden hat , um hierdurch 
brauchbare Anhaltepunkte für den Grubenbetrieb zu gewin- 
nen. Soviel sich bis jetzt beurtheilen lässt, dürfen wir auf 
einen befriedigenden Erfolg dieser Untersuchungen hoffen und 
jedenfalls wird dadurch ein nicht unwesentlicher Fortschritt 
in der Kenntniss der Erzgänge angebahnt werden. Es ist 
deshalb ein recht gemeinnütziges und verdienstliches Unter- 
nehmen, dass Professor Cotta die Hauptergebnisse jener 
Beobachtungen dem Publikum so schnell als möglich zu- 
gänglich macht. Je schwieriger derartige Beobachtungen 
sind, desto erfreulicher ist es, wenn man schon nach verhält- 
nissmässig kurzer Zeit dahin gelangt ist, eine grosse Zahl 
sehr wohl übereinstimmender Thatsachen zu constatiren, welche 
die Existenz bestimmter Gesetze ahnen lassen , deren nähere 
Erforschung die Lösung der gestellten Aufgabe erwar- 
ten lässt. 

Ich hoffe zuversichtlich, dass das entschiedene Beobach- 
tungs- und Combinationstalent des Herrn Müller auf die- 
sem Felde sehr Bedeutendes leisten wird; gestatten Sie mir, 
aus den Ergebnissen seiner bisherigen Beobachtungen nur 
einige Hauptmomente herauszuheben, welche mir geeignet 
scheinen, ein allgemeineres Interesse zu erwecken. 

1. Unsere sämmtlichen Gangbildungen, deren ausser- 
ordentliche Mannichfaltigkeit Ihnen bekannt ist, scheinen auf 
2 grosse Gruppen zurückgeführt werden zu können, deren 
eine — die Zinn- und älteren Silber- (Blei- und Kupfer-) 
Gänge enthaltend, — in die Periode der rothen Porphyre, 
die andere — durch Schwer- und Flussspath characterisirt 
(oft mit reichen Silbererzen) sowie die Kobalt- und Eisen- 
steingänge — in die Epoche der Basalteruptionen fällt. 

2. Jener älteren Klasse von Gängen scheint auch die 
Erzführung der vielen Lager anzugehören, welche im Ober- 
erzgebirge, namentlich bei Geyer, Eiterlein und Schwarzen- 



106 

berg bebaut worden sind und deren Zusammensetzung u. 
A. Freiesleben im 5ten Bande seiner geognostischen Ar- 
beiten und Cotta in den Erläuterungen zur geognostischen 
Charte von Sachsen Heft II. Seite 219 folg. beschrieben hat. 
Sie finden sich ziemlich genau in der südwestlichen Fort- 
setzung des, aus der Eibgegend oberhalb Meissen über Frei- 
berg bis jenseit der Grube Himmelsfürst sich erstreckenden 
grossen Gangzuges, auf welchem die kiesige und die edle 
Bleiformation (v. Herder, der tiefe Meissner Stollen S. 15 
u. 16) so vollständig entwickelt sind. Ihre Erze und die 
solche begleitenden Gangarten zeigen eine grosse Ueberein- 
stimmung und es gewinnt allerdings den Anschein als ob 
diese nemlichen Mineralien, welche in dem Freiberger Gneuse 
sowie in dem Porphyr des Silbergrundes bei Mohorn und 
in dem Sienit von Scharfenberg an der Elbe zu regelmäs- 
sigen Gängen vereinigt sind, in dem für die Gangspalten- 
bildung überaus ungünstigen Gebiet des obererzgebirgischen 
Glimmerschiefers sich nur an einzelnen Punkten zwischen 
den Schichten eingedrängt und lagerartige Massen gebildet 
hätten, besonders da, wo Grünstein', Kalkstein oder gneus- 
artige Gesteinszonen als Träger der Erzführung auf die Con- 
centration günstig einwirken konnten. 

3. Von ganz entschiedenem Einfluss zeigt sich bei allen 
Arten von Gängen die Beschaffenheit des Nebengesteins. 
Diese Erfahrung ist zwar im Allgemeinen durchaus nicht 
neu, wohl aber war sie gerade bei uns viel schwerer festzu- 
stellen als in den meisten anderen Gegenden, weil die Ge- 
steinsverschiedenheit hier sehr häufig nur auf einer, ohne ge- 
naueres Studium kaum erkennbaren, Modifikation einer und 
derselben Gebirgsart beruht. Unser, bisher auf allen Charten 
mit einer Farbe angegebenes, Gneusterrain zerfällt dadurch 
in eine grosse Anzahl verschiedenartiger Zonen, von denen 
manche wenigstens, nach ihren Schichtungs- und Lagerungs- 
beziehungen als völlig fremde Massen nebeneinander stehen, 
während andere vielleicht nur als verschiedene Typen einer 
und derselben Bildung zu betrachten sind oder wohl auch 



107 

durch partielle Metamorphose ihre von einander abweichende 
Physiognomie erhalten haben mögen. 

Diese wenigen Andeutungen dürften genügen, um den 
Gegenstand der Aufmerksamkeit des geologischen Publikums 
zu empfehlen. 



6. Herr v. Buch an Herrn Naumann.*) 

Berlin den 8. December 1848. 

„Wo hinaus liegt das Ziel Ihrer Wanderung ?" — Mit 
dieser Frage kommt mir der edle Marchese Lorenzo Pa- 
reto, der ausgezeichnete genueser Geognost, entgegen, als 
ich am 11. September 1845 Morgens 7 Uhr in das Caffe de 
l'Europe , strada Toledo in Neapel, eintrat , den Hammer in 
der Hand. Meine Absicht ist, den Monte Nuovo zu besu- 
chen. Ich war dort mit Dufrenoy am 11. October 1834. 
Wir hatten uns überzeugt, der Berg könne nicht ausgewor- 
fen sein, sondern müsse sich in Masse aus dem Innern er- 
hoben haben. Die Tuffschichten, aus welchen das* Innere 
besteht, erlauben gar nicht, an ein Auswerfen und Erheben 
des Berges durch ausgeworfene Steine und Schlacken zu 
denken. Es ist ein deutlicher Erhebungskrater. Aber 
Philipp i, der so lange in Neapel lebte, setzt sich diesen 
Ansichten entgegen, und hält sie sogar für widersinnig. Er 
meint, da Wasserdämpfe ohne Zweifel bei dem Ausbruch 
emporgestiegen, so mögen durch feuchte Dämpfe wohl Bims- 
steinstücke zusammengeleimt worden sein, das zu unserem 
Irrthum Veranlassung gegeben habe, solche zusammen- 
geleimte Massen für anstehende Tuffschichten zu halten. 
Herr Philippi scheint wenig Vertrauen auf Ihre Beobach- 
tungsgabe zu haben, sagte Pareto. — Das ist nun einmal 
deutscher Charakter; man muss sich darin finden. Meine 
Absicht ist, mich zu überzeugen, ob ich und Dufrenoy 
wirklich auf so unverantwortliche Art uns getäuscht haben. 

*) Vergleiche Naumann: Handbuch der Geognosie S. 151, 



108 

Um so mehr bin ich begierig, diesen berühmten Ausbruch 
wieder zu sehen, da ich ihn in einem Aufsatze (Poggen- 
dorff's Annalen, Jahrgang 1836) zum Ausgangspunkt ei- 
ner ganzen Reihe zusammenhängender vulkanischer Erschei- 
nungen benutzt habe. — Darf ich Sie denn nicht beglei- 
ten? sagte Pareto. — Herr Marchese, Sie machen mich 
glücklich, Ihr Urtheil soll mich bestimmen und leiten. — 
Pareto hatte vorher diese Gegend noch niemals gesehen. 
Wir traten aus dem grossen Thor der Posilippgrotte hervor; 
wie doch nach Jahrhunderten die Spuren des gewaltigen 
Ausbruches so wenig verwischt sind. Alle diese braunen 
und schwarzen Rapilli, welche noch fusshoch Wege und 
Felder bedecken, sie sind alle vom Monte Nuovo ausgewor- 
fen worden, und man begreift, wie ihr Fall alle Bewohner 
von Puzzuoli zur eiligen Flucht nöthigen konnte. Allein, 
bemerken Sie wohl, es ist zerriebener Trachyt, kein Bims- 
steinstück lässt sich sehen. Auch nahe bei Puzzuoli nicht, noch 
weniger auf dem Abhänge selbst, werden Sie Bimssteine 
finden. Die durchbrochenen Tuffschichten haben, im Ver- 
gleich zur übrigen ausgeworfenen Masse, zu wenig Bims- 
stein geliefert; er verliert sich zwischen Rapilli und Schlak- 
ken. Wenn daher Berichte von Bimssteinausbrüchen reden, 
so scheint es wohl am rathsamsten, seinen eigenen Augen 
mehr zu trauen, und zu glauben, die Berichte unterscheiden 
nicht eben so sorgfältig die Produkte des Ausbruches. — 
Immer grösser werden die ausgeworfenen Stücke, und, da 
wir nun am Abhänge des Monte Nuovo heraufsteigen, rol- 
len die Schlackenstücke unter unseren Füssen über einan- 
der. Am ganzen Abhänge weit und breit lässt sich nichts 
anderes als diese geschmolzenen, gedrehten, gewundenen, 
aufgeblasenen Klumpen entdecken; am wenigsten irgend 
eine anstehende Schicht; Wasserrisse hatten das Innere tief 
herunter eröffnet. Pareto, sehr nachdenkend, untersuchte 
sehr sorgfältig die Seiten dieser eröffneten Schlünde. Nichts 
als rollende Schlacken. Da ward er unruhig. Das ist doch 
sehr bedenklich, sagte er ; wie soll ich das mit Ihrer Ansicht 



109 

der Erhebung vereinigen? - — Wir sind noch nicht oben, er- 
wiederte ich. — Nun wohl, so lassen Sie uns eilen. Und 
mit wenigen Sprüngen stand er am Rande des Kraters, dort, 
wo man sogleich, mit grosser Ueberraschung , den ganzen 
Krater übersieht. Er stand unbeweglich. — Sie scheinen 
erstaunt, Herr Marchese? — Ja, ich bin es, sagte er, ich 
bin es mehr als ich sagen kann. Was sehe ich vor meinen 
Augen! kann man doch kaum ein Flötzgebirge regelmässiger 
zeichnen ; so liegen die weissen Schichten übereinander. 
Sorgfältig untersuchte er vom Abhänge zum Boden des Kra- 
ters diese Schichten, ob man sie für angelehnt oder in das 
Innere eindringend halten müsse. Es ist kein Zweifel, sie 
neigen sich in den Berg herein, am Abhänge herunter. Es 
sind anstehende Schichten von Posilipp-Tuff. Wir um- 
gingen den Krater. Wie ist es doch möglich, sagte er, dass 
man hier jemals an einen Aufschüttungsberg hat denken kön- 
nen? wo wir nur hingehen, sehen wir die zusammenhängen- 
den Tuffschichten fortsetzen, und man kann sie fast ringsum 
im Innern des Kraters verfolgen. Und wie schön sind nicht 
hier die ausgeworfenen Schlacken von den festen Tuffschich- 
ten getrennt ! Sie bilden eine obere Schicht , welche sich 
scharf von der weissen Unterlage abschneidet. Ich glaube 
sogar, fuhr Pareto fort, man kann die Richtung des Win- 
des bestimmen, der die Auswürflinge entführt und sie über 
die ganze Gegend zerstreut hat ; denn gegen West und Süd- 
West ist die Schlackenschicht auf dem Tuff viel höher, als 
nach Osten hin. Ihre Bemerkung ist sehr gegründet, erwie- 
derte ich, um so mehr, da gerade auch dorthin die Schlak- 
ken besonders gross, zum Theil auch zusammengesintert sind, 
weshalb man sie auch oft. für einen Lavenstrom gehalten und 
als solchen beschrieben hat. — Und nun, scheint Ihnen nicht 
diese merkwürdige und höchst lehrreiche Thatsache eines 
Besuches, einer besonderen Untersuchung der ganzen geo- 
gnostischen Sektion der Naturforscherversammlung höchst 
würdig? So sehr, sagte Pareto, dass ich sogleich die 
Sektion veranlassen werde, sich nach diesem Berge zu bege- 



110 

ben. — Und so geschah es. Schon am 23. September fuhr 
am Morgen eine lange Wagenreihe durch den Posilipp dem 
Monte Nuovo zu. Am Abhänge verweilte man nicht lange, 
die Ungeduld trieb zum Krater-Rande hinauf. Die Ueber- 
raschung war allgemein. Mehr als dreissig Geognosten dräng- 
ten sich um die Tuffschichten, sie in allen ihren Theilen zu 
untersuchen. Da schrie plötzlich Collegno, der Turiner: 
Turritellen, hier sind Turritellen im Tuff. Und sogleich 
wühlten die dreissig Hämmer bis in das Innere der Schicht: 
— der Ausbruch hat sie von unten aus dem Meere mit her- 
vorgebracht, sagt Scacchi, da ist nichts zu verwundern. — 
Nein, onein, schallte es von allen Seiten. Hier sind Pecten- 
Fragmente in Menge, Pecten opercularis; hier Cardium 
edule, Buccinum mutabile; und das v.ohl in der Schicht 
selbst, die den Körper des Berges bildet, sie liegen so tief 
herein, als man nur in dieser Schicht eindringen kann. Wenn 
das ist, meinte Pasini von Schio, der Präsident der Sek- 
tion, so müsste man diese Versteinerungen, diese Muscheln 
auch jenseits auffinden können ; denn diese Schicht lässt sich 
fast ohne Unterbrechung bis zur gegenüberstehenden Seite 
des Kraterabhanges verfolgen. Mehr als ein Dutzend Häm- 
mer w T aren bei diesen Worten schon die zweihundert Fuss 
bis zum Boden des Kraters herabgesprungen und jenseits 
wieder herauf, und bald schallte es von jenseits herüber: 
Eccoli, Eccoli! Ganz so wie dort, vergraben im Tuff. — 
Scacchi verstummte, und Neapel sähe keinen Geognosten 
zurückkommen, der nicht von der Erhebung des Berges voll- 
kommen überzeugt gewesen wäre. Am anderen Tage er- 
freute uns Pareto in der Sektion mit einem eben so zier- 
lich gesetzten, als gründlichen und klaren Bericht über Al- 
les, was am Monte Nuovo gesehen und gelernt worden war. 
Wäre der Ausbruch noch stärker gewesen, so hätte sich, 
wie so schön in Astroni, aus dem Inneren eine Trachytkup- 
pel erhoben, der Anfang eines neuen Vulkans. Diese schöne 
Darstellung ist in den Berichten der Sektion gedruckt; al- 
lein Scacchi, ein gründlicher Mineralog, Krystallograph und 



111 

Conchiolog, aber eifersüchtig wie alle Italiener, die jederzeit 
bestreiten, was ein Fremder gesehen hat, Scacchi erzählt 
in seinem Generalbericht, dass die Sektion den Monte Nuovo 
besucht habe, aber vom Erfolge des Besuches kein Wort. 



€• Aufsätze. 



1. Ueber das Vorkommen von Kreide im Hobbers- 

dorfer Holze. 

Aus einem durch Herrn v. Kennenkampff in Oldenburg 

mitgetheilten Bericht des Wegeinspektors Bruhns d. d. 

Eutin, am 12. August 1848. 

Hierzu Taf. III. 
Der Pariner Berg gehört zu den höchsten Kuppen der- 
jenigen Hügelkette, welche den nordöstlichen Theil Holsteins 
dünenartig gegen die Ostsee begrenzt. Seine Höhe mag 
etwa 400 Fuss betragen. In seinem nördlichen Abhänge 3 
Terrassen bildend, ist der Fall auf -J- Meile etwa 100 Fuss, 
und in dieser Höhe (also circa 300 Fuss über der Ostsee) 
ist es, wo in einem sehr coupirten Terrain des Hobbersdor- 
fer Holzes das Kreidelager sich befindet. *) Es liegt hier 
an der westlichen Abdachung eines lang gezogenen Hügels, 
3 Fuss unter seiner Kuppe. Die Ausdehnung und Mäch- 
tigkeit der Kreide wurde durch Bohrungen und Schürfungen 
möglichst genau ermittelt. Die Resultate hievon zeigt die 
von Osten nach Westen laufende Profilzeichnung. (Taf. IH. 
Fig. 1 .) Hiernach ist die Kreide nicht anstehend, son- 
dern nur ein Geschiebe, welches in zwei grosse Stücke ge- 
brochen ist, die l£ Fuss von einander getrennt liegen. Die 
Länge der Kreide ist von Osten nach Westen 86 Fuss, von 
Norden nach Süden 80 Fuss, ihre grösste Mächtigkeit 12 



*) Es liegt circa 15 Ruthen vom Pariner Schlagbaum, theil weise 
unter dem Holzwege. 



112 

Fuss 6 Zoll. Der muthmanssliche Inhalt der ganzen Kreide- 
masse beträgt 20,000 Kubikfuss. 

Die Oberfläche des Kreideblocks ist überaus knollig und 
traubig; frisch gebrochen ist die Kreide feucht, gelblichweiss 
mit gelben Schweifen und bogenförmigen concentri sehen 
Streifen durchzogen, im trocknen Zustande verschwinden 
diese Zeichnungen und die Masse wird rein weiss. Die Kreide 
ist fest, so dass sie sich nur schwer mit einer Hacke und 
einer spitzen eisernen Stange brechen lässt, besonders da, 
wo die Mächtigkeit 8 Fuss und darüber beträgt. Feine 
Eisse durchziehen den ganzen Block nach allen Richtungen, 
so dass sich wohl kaum 4- Fuss ohne dieselben findet. In 
der ganzen Masse sind die Feuersteine ziemlich regellos ver- 
breitet, nur an einer Stelle scheint ihre Ablagerung schich- 
tenförmig zu sein. Es kommen Feuersteine von 1-J- Fuss 
Durchmesser darinnen vor, alle sind aber zerbrochen; aus- 
nahmsweise findet man nur noch einige ganze Knollen, die 
dann in der Kegel sehr klein sind. Grösstentheils sind alle 
Feuersteine an ihrem Lagerplatz zertrümmert, so dass man 
aus den unzähligen grösseren und kleineren Splittern, zwi- 
schen welchen Kreidemassen eingedrungen sind, noch die 
Grösse und Form der früheren Knolle ziemlich deutlich er- 
kennen kann. 

Folgende organische Einschlüsse wurden In der Kreide 
aufgefunden: Cidarites vesicalosus, Goldf., birnförmige und 
andere Echinitenstacheln , Apiocrinites ellipticus Mill., Ser- 
pula heptagona v. Hag., Ceriopora nueiformis v. Hag., Ce- 
riopora striato-punetata v. Hag., Ceriopora Roemeri v. Hag., 
Ceriopora gemmata v. Hag., Eschara disticha Goldf.^ Eschara 
irregularis v. Hag., Eschara elegans v. Hag., Retepora trun- 
cata Goldf., Asterias quinqueloba Goldf. 

Die Lagerungsverhältnisse des Bodens, welcher den 

Kreideblock um schliesst, giebt das nachfolgende Bohrregister : 

P l- f gelbbrauner Geschiebesand, aus abgerundeten gelb- 

1 liehen Quarzkörnern und eingesprengten chlori- 

( tischen Körnern. .... 2' 

Uebertrag 



Koral- 
lensand. 



Koral- 
lenmer- 
gel. 



113 

Uebertrag 2' 

Kreide 10* 

hellgrauer feiner Mergel ... 2' 

gelbbrauner sandiger Mergel mit Feuerstein- 
splittern und Fragmenten von Braunkohlen 2' 
hellgrauer feiner Quarzsand (Formsand) 9' 

hellbrauner grober Quarzsand (Quelle) \' 

feiner gelbbrauner Mergel ... 1' 

feiner graublauer Mergel mit einigen Quarz- 
körnern und Feuersteinsplittern . i\ 
grauer sehr sandiger Mergel mit Quarzkör- 
nern und Feuersteinen ... 5' 
grauer sandiger Mergel mit Braunkohlenfrag- 
menten, Korallen, Feuersteinsplittern und 
andern Geschieben .... 7' 
grauer sandiger Mergel mit microscopisch 
haarförmig zelligen Einschlüssen . 16' 



56' 

Die Bohrung konnte ohne Röhren nicht weiter fortge- 
setzt werden, weil der Sand in der Tiefe von 16 bis 2§\ 
Fuss keine feste Wand bildete, und daher das Bohrloch be- 
ständig verschüttet wurde. 

Zehn Ruthen von der Kreide entfernt, wurden in allen 
vier Himmelsgegenden Bohrlöcher bis zu resp. 20 und 30 
Fuss, eingetrieben, die ein ähnliches Schichtenverhältniss, 
aber Kreide nur in kleinen Knollen als Einschlüsse des Mer- 
gels zeigten. 

Der Umstand, dass in der Kreidegegend der Huflattig sehr 
häufig vorkam, veranlasste noch eine Bohrung am östlichen 
Fuss und auf der Kuppe des Hügels, in dem die Kreide liegt, 
weil diese Pflanze an den bezeichneten Stellen üppig wuchs ; 
allein auch hier fanden sich nur Kreideknollen im Mergel. 

Ein weiteres Vorkommen der Kreide im Bereiche des 
Holzes hat nicht ermittelt werden können, wohl tritt die- 
selbe aber südöstlich von dem gedachten Fundort in einer 
Gr. Pariner Koppel auf. Dieselbe liegt hier, stark zerklüf- 
tet in gewundenen Schichten, von höchstens 2 Fuss Mäch- 
tigkeit. Das Profil Taf. III. Fig. 2. giebt über dies Vor- 



Zeits. d. d. geol. Ges. I. 2. 



8 



114 

kommen nähere Erläuterungen. An Versteinerungen fanden 
sich in dieser Kreide Fragmente von Inoceramus und Be- 
lemnites mucronatus. 

Die Schichten des obigen Bohrregisters, welche die 
Kreide einschliessen, sind in 3 Abtheilungen : Geschiebesand, 
Korallensand, Korallenmergel zusammengezogen. Der Ge- 
schieb es and ist gewöhnlich nicht kalkhaltig und hat Ge- 
schiebe als Einschlüsse. Der Korallensand besteht in 
seiner deutlichsten Form aus hellgrauem feinem Sande mit 
einer Menge von Korallenfragmenten, die aber auch häufig 
ganz aufgerieben sind , so dass nur ein Kalkstaub sich zwi- 
schen dem Sande befindet. Der Korallen mergel ent- 
hält ausser Kreideknollen und Feuersteinen auch noch Ko- 
rallenfragmente, welche ihm den Namen gegeben haben. 

Der ganze Höhenzug des Pariner Berges besteht dem 
grössten Theil seiner Schichtung nach aus Korallensand und 
Korallenmergel, welche mit Geschiebesand oder Lehm be- 
deckt sind. Die Versteinerungen jener beiden Schichten sind 
vollkommen gleichartig, sie sind dieselben, welche sich in 
dem Kreideblock befinden, und diese sind wieder ganz über- 
einstimmend mit den Einschlüssen der Rügener Kreide. 
Kalkgehalt und Versteinerungen des Sandes und Mergels 
können daher nur aus einem zerstörten Kreidegebirge ab- 
stammen, von welchem die vielen Kreideknollen des Mer- 
gels noch der Schutt sind; der grosse Ueberrest desselben, 
welcher im Hobbersdorfer Holze liegt, hat zwar gewaltige 
Erschütterungen erlitten, da er durchbrochen und von un- 
zähligen Rissen durchsetzt ist, so dass die Feuersteine in 
ihm zersplitterten, aber er hat sich doch noch in solcher 
Grösse erhalten, dass man nicht annehmen kann, er sei durch 
Wellen oder Eisschollen weit her nach dieser Stelle geschleu- 
dert. Eine Reihe von festen Kreidepunkten zwischen Rü- 
gen, Lüneburg und Helgoland, welche in Meklenburg lie- 
gen, und einer bei Itzehoe, geben unter den vorliegenden 
Umständen der Vermuthung Raum, dass hier vielleicht in 
geringer Tiefe ein Kreidegebirge sich befindet. 



115 



2. Beitrag zur Kenntniss der Muschelkalkbildung im 
nordwestlichen Deutschland. 

Von Herrn A. v. Strombeck in Braunschweig. 

§. 1. Einleitung. 

In dem Muschelkalke des nordwestlichen Deutschlands 
sind mehrere Abtheilungen, die einen constanten geognosti- 
schen Horizont einnehmen, und sich durch eine eigenthüm- 
liche Fauna oder durch eine besondere Beschaffenheit des 
Gesteins auszeichnen, zeither nicht erkannt. Der Grund 
hiervon mag darin liegen, dass grössten Theils hier die eine 
Abtheilung, dort eine andere aufgeschlossen ist, — dann aber 
auch, was namentlich die Fauna anbetrifft, darin, dass letz- 
tere beim Muschelkalke mehr, als in andern Gesteinsschich- 
ten, nur mit Schwierigkeiten festzustellen steht. Enthält der 
Muschelkalk zwar einen grossen Reichthum an Versteinerun- 
gen, ja bestehen ganze Bänke in ihm fast lediglich aus or- 
ganischen Resten, so ist doch die Anzahl verschiedener Spe- 
cies verhältnissmässig gering, und lässt ferner der Zustand 
ihrer Erhaltung manches zu wünschen übrig. Bestimmbare 
Exemplare werden vorzugsweise in dem Materiale getroffen, 
das in Steinbrüchen bereits gewonnen und nicht mehr an- 
stehend ist. Treten dann in diesen verschiedene Abtheilun- 
gen auf, die sich in petrographischer Hinsicht wenig oder 
gar nicht unterscheiden, so kann eine Verwechselung der 
Fundstellen und damit eine Gleichhaltung der Vorkomm- 
nisse in den betreffenden Schichten leicht unterlaufen. Da 
jedoch der Muschelkalk die Mächtigkeit von durchschnitt- 
lich etwa 500 bis 600 Fuss zeigt, und die Zeitperiode, die 
zur Bildung so mächtiger Ablagerungen, die überwiegend 
kalkiger Natur sind, von erheblicher Dauer sein musste, so 
dürfte es schon von vorn herein unwahrscheinlich sein, dass 
während derselben der Organismus völlig gleich geblieben 
sei. Vielmehr liegt die Vermuthung sehr nahe, dass im 

8* 



116 

Muschelkalke ähnliche Abschnitte vorhanden sind, als z. B. 
in der Jura- oder der Kreide-Formation, nur darf nicht aus- 
ser Rücksicht bleiben, dass in jenem die Fauna an und für 
sich wenig mannichfach ist. Im Allgemeinen darzuthun, in 
wie weit günstige Beobachtungspunkte diese Vermuthung in 
Betreff der Umgegend von Braunschweig, d. h. des Land- 
striches zwischen dem Alvensleber Höhenzuge in Südwest 
von Magdeburg und dem nordöstlichen Harzrande bestätigen, 
und dadurch Andere zur Vergleichung mit demjenigen Mu- 
schelkalke, den sie zu untersuchen Gelegenheit haben, auf- 
zumuntern, ist der Zweck der nachfolgenden Zeilen. 

Die orographische Beschaffenheit der bezeichneten Ge- 
gend als hinreichend bekannt aus Hoffmann's nord- 
westl. Deutschland I. pag. 286 ff. und aus meiner Notiz über 
das bei Schöningen erbohrte Steinsalz, in Karsten 's Ar- 
chiv 1848 Bd. 22. pag. 215 ff. vorausgesetzt, wird nur er- 
wähnt, dass das Terrain daselbst eine grosse, durch wellen- 
artige Erhebungen unterbrochene geognostische Mulde von 
gleichem Streichen mit dem Harze bildet, die in NW. und 
SO. nicht bestimmt geschlossen, in NO. undSW. aber durch 
die älteren Gesteine von Magdeburg und des Harzes be- 
grenzt ist. Die ältesten Schichten, welche innerhalb dieser 
Mulde in einzelnen kleinen Partien zum Vorschein kommen, 
gehören dem bunten Sandstein an. Dagegen nimmt der 
Muschelkalk eine bedeutende Verbreitung über Tage ein, 
weniger jedoch in ungetrennten grossen Massen, als durch 
öfteres Auftreten. Er fehlt an keiner Höhe von einiger Er- 
heblichkeit. An den Abhängen und in den Niederungen be- 
decken ihn Keuper, Lias, Kreide und noch jüngere Bil- 
dungen. So kommt der Muschelkalk, von Nordwest nach 
Südost schreitend, an folgenden im Allgemeinen das nord- 
östliche Hauptstreichen innehaltenden Höhenzügen vor: zu- 
nächst am Rande der grossen Mulde auf der Linie zwischen 
Weferlingen und Walbeck bis Seehausen, jedoch mit Unter- 
brechungen; dann am Dorme und Rieseberge, ersterer in 
NO., letzterer in NW. von Königslutter; auf dem Elme, hier 



117 

zusammenhängend die grösste Fläche einnehmend; an der 
Asse und am Heeseberge, von gr. Denkte bis Jerxheim, nur 
durch die Niederung bei Barnstorf unterbrochen; am Thie- 
der-Lindenberge und Oesel, zwei Hügel unweit Wolfenbüt- 
tel ; am grossen Fall steine und Huy ; an den Lichtenbergen 
bei Salder und dem ganzen diese mitbegreifenden Höhen- 
zuge, einer Seits bis zum Vorholze, anderer Seits bis über 
Salzgitter hinaus ; am Harlyberge unweit Vienenburg und 
endlich unfern des Harzes, mit dessen Fuss parallel, von 
Goslar bis Blankenburg, beide Orte jedoch im Streichen wei- 
ter überschreitend an einem ausgezeichneten Bergrücken, der 
öfter ( ' durch Thaleinschnitte und sonstige Niederungen un- 
terbrochen wird, und verschiedene Namen trägt. 

An allen diesen Localitäten ist der Muschelkalk durch 
zum Theil sehr zahlreiche Steinbrüche aufgeschlossen, die 
die Umgegend mit nothwendigen Erfordernissen versehen, 
und zugleich einer Menge Menschen ihren Lebensunterhalt 
gewähren. Steinsalz ist darin zwar nicht entdeckt, dessen 
reichliches Vorkommen in seinem Niveau an andern Orten 
erhöht jedoch das Interesse für sorgfältige Untersuchungen. 

Der Muschelkalk wird im Folgenden nach dem Alter 
in drei Abtheilungen gesondert. Da ihre Grenzen mit de- 
nen des Kalksteins von Friedrichshall, der Anhydrit- Gruppe 
und des Wellenkalks nicht übereinstimmen, so sind, um Ver- 
wechselungen zu vermeiden, statt dieser Benennungen, jene 
drei Abtheilungen, als obere, mittlere un: untere bezeich- 
net. Es soll nun zuförderst eine Darstellung der Beschaf- 
fenheit von einer jeden derselben für sich, was Gestein und 
organische Einschlüsse betrifft, und sodann ihre Vergleichung 
unter einander und mit den Erscheinungen in andern Ge- 
genden versucht werden. 



118 



I. Abschnitt. 

Geognostische Beschaffenheit der drei Abtheilungen des Mu- 
schelkalks bei Braunschweig, jede für sich. 

A. Obere Abtheilung. 
§. 2. Grenzen. 

Die obere Abtheilung des Muschelkalks schliesst sich 
oben entweder an die Lettenkohlen - Gruppe des Keupers, 
oder, wo diese fehlt, an die bunten Mergel desselben und 
zwar der Art an , dass auch bei nicht entblösstem Gesteine 
gewöhnlich die Grenze ziemlich scharf angegeben ist, indem 
der Keuper neben den Höhen, die aus Muschelkalk beste- 
hen, einen andern parallelen Höhenzug, jedoch immer von 
minderer Erhebung, oder am Abhänge der Muschelkalkhü- 
gel, einen besonderen Absatz bildet. 

An der Höhe von Abbenrode, der nordwestlichen Spitze 
des Elms, ist durch die kürzliche Verlegung der von Braun- 
schweig nach Königslutter führenden Chaussee , für diese 
ein Einschnitt ausgearbeitet, der die Grenz -Gesteine besser 
als irgendwo beobachten lässt. Das Streichen der Schich- 
ten ist hier h. 4 — 5 und deren Fallen 10 — 20° in Nordwest. 
Letzteres variirt jedoch , da der Einschnitt nicht tief, und 
nur die Ausgehenden der Schichten zum Vorscheine gelan- 
gen. Dasselbe kann daher nur im Allgemeinen als richtig 
betrachtet werden. Am Fusse der Anhöhe kommen in dem 
h. 9. streichenden Chaussee - Einschnitte, auf einer Erstrek- 
kung von 8 Ruthen, die unverkennbaren braunrothen und 
blaugrünen Thon-Mergel des Keupers zu Tage. Mehr auf- 
wärts steigend, jedoch in immer ältere Schichten gelangend, 
sieht man unmittelbar unter jenem Mergel, auf 32 Ruthen 
Erstreckung, Abwechselungen von graublauem, etwas schief- 
rigen Thon, grauem glimmerreichen Sandschiefer und schmut- 
zig weissem, zum Theil braungelben feinkörnigen, stellen- 
weise sehr thonigen milden Sandstein. Die einzelnen Schich- 
ten zeigen eine verschiedene Mächtigtigkeit von 1" bis 1'. 



119 

Es waltet oben der Thon, unten der Sandstein vor. Die 
ganze Ablagerung, deren Mächtigkeit sich nach obigem auf 
etwa 100 Fuss beläuft, gehört der Lettenkohlen- Gruppe an, 
die den Elm umgebend, hierher von Königslutter aus gelangt 
und anderer Seits sich nach Lucidum zu verbreitet. An 
den beiden letztgedachten Orten sind darin in den oberen 
Schichten durch frühere Bohrversuche schwache nicht bau- 
würdige Flötze von Schwarz-Kohle und kohligem Thone ge- 
funden, wogegen bei Abbenrode keine Spuren davon bemerkt 
worden. — Unmittelbar unter einer Schicht schmutzig weis- 
sen und wenig festen sandigen Mergels der Lettenkohlen- 
Gruppe gelangt man, an der Abbenröder Anhöhe, etwa in 
der Mitte von deren Fusse bis zum Wirthshause, an einen 
löcherigen, rauchgrauen festen Kalkstein von splittrigem 
Bruche und mit vielen Steinkernen von Trigonien, die ober- 
ste Schicht des wirklichen Muschelkalks. Dieser Kalkstein 
wechsellagert dann auf kurze Distanz an der Chaussee, mit 
grüngelbem Thone, verbirgt sich aber hiernächst unter Ge- 
rolle und Dammerde. Wenige Schritte südwärts von der 
Chaussee, in etwas höherem Niveau, werden indessen einige 
kleine Steinbrüche betrieben, in denen das Gestein zum 
Theil mit obigem von gleicher Beschaffenheit , zum Theil 
ohne Löcher erscheint. 

Es findet somit hieselbst dem Gesteine nach eine völlig 
scharfe Abgrenzung zwischen der Lettenkohlen-Gruppe und 
dem Muschelkalke statt. 

Die untere Grenze erfolgt mit dem ersten Auftreten 
der Encriniten. Sie ist zwar ohne allen Uebergang genau 
bestimmt und eben so scharf, als die nach oben, jedoch durch 
keinerlei Absatz oder Terrasse über Tage angedeutet. Ge- 
meiniglich sind m den Steinbrüchen, welche in der mittleren 
Abtheilung betrieben werden, mehr oder weniger Schichten 
der vollkommen gleichförmig aufgelagerten oberen aufge- 
schlossen. 



120 

§. 3. Beschaffenheit des Gesteins. 

Die Beschaffenheit des Gesteins, das die obere Abthei- 
lung bildet, zeichnet sich im Allgemeinen durch eine grosse 
Gleichförmigkeit aus. Vorzugsweise treten in ihr abwech- 
selnde Lagen von compactem, ziemlich festen, mehr oder we- 
niger reinen Kalkstein von asch- oder rauchgrauer, auch 
ins gelbliche übergehender Farbe und splittrigem oder musch- 
ligem Bruche — und von gelblich grünem, ins bräunliche 
fallenden, etwas plastischen, nie schiefrigen Thone, der mit 
Säuren braust, auf. Es pflegt die Mächtigkeit der Lagen 
des ersteren 4" nicht zu überschreiten und unter 1" nicht 
herabzufallen, während die des Thons geringer ist, und zwi- 
schen dem dritten Theile bis zur Hälfte von jenen schwin- 
det. Selten kommt beim Kalkstein innerhalb ein und des- 
selben Lagers eine Schichtabsonderung vor. Nur da, wo 
dieselben die grösste Stärke haben, finden hin und wieder 
Ausnahmen Statt. 

Der Thon pflegt vom Kalke scharf geschieden zu sein. 
Die oberen und unteren Flächen des letztern sind bis auf die 
Stellen , wo Versteinerungen aufliegen , eben. Wurmartige 
Concretionen finden sich in dieser Abtheilung nur selten. 
Stylolithen zeigen sich darin gar nicht. 

Die der Schichtung senkrechte Zerklüftung ist immer 
nicht unerheblich, eine noth wendige Folge des zwischenlie- 
genden Thons. Die Zerklüftung nimmt ausserdem, wie dies 
für den gesammten Muschelkalk gilt, mit dem mehreren 
Einfallen der Schichten zu. 

Jene Abwechselungen von Kalkstein und Thon, die in 
einer ungewöhnlichen Regelmässigkeit zwischen nicht unbe- 
deutenden Unterschieden im Niveau andauern, geben dieser 
Abtheilung einen sehr monotonen, und dem Muschelkalke 
vor anderen Gebirgsschichten eigenthümlichen Charakter. 
Stellenweise zeigt der Kalkstein jedoch eine ins bläuliche fal- 
lende Farbe und bis zum erdigen Bruch. Er ist dann min- 
der fest und durch Aufnahme von Thon verunreinigt. Nur 
zu oberst und unten ist auf wenige Fuss Mächtigkeit , je- 



121 

doch ziemlich constant, die petrographische Beschaffenheit 
des Kalksteins etwas abweichend. Die oberen Schichten be- 
stehen aus einem löcherigen, jedoch festen, rauchgrauen 
Kalksteine von splittrigem Bruche, der als die jüngsten 
Schichten, auch bei Abbenrode erkannt wurde. In diesen 
Kalkstein ist eine braune Masse von sehr thonhaltigem 
Kalke, der durch Eisen gefärbt ist, etwa bis zu | des Gan- 
zen, in allen möglichen Formen, die sich in keiner Richtung 
vorzugsweise erstrecken, eingesprengt, oder es ist vielmehr 
das eine Gestein vom andern durchwachsen, doch so, dass 
die Trennung scharf bleibt. Die braunen Partien mögen der 
Auflösung durch die zunächst auf diese oberen Schichten 
einwirkenden Gewässer am wenigsten widerstanden haben, 
und werden so die zelligen Löcher entstanden sein, zumal 
diese überall mit braunem Oker ausgekleidet erscheinen. In 
den untersten Schichten dagegen, bis zur Höhe von 10 — 15 
Fuss, ist der Kalkstein äusserst fest und compact, von splitt- 
rigem, etwas ins Körnige hinneigenden Bruche, und vor- 
zugsweise von graugelber, ins hellbraune fallender Farbe. 
Die Mächtigkeit der Kalklagen erreicht hier ihren höchsten 
Grad und steigt ausnahmsweise selbst bis zu 12". 

Wirklicher Dolomit ist in der ganzen oberen Abthei- 
lung bislang noch nicht gefunden. Dagegen pflegen dem 
Kalksteine einige Procente kohlensaure Talkerde, hin und 
wieder auch etwas Quarzsand, beigemengt zu sein. Auch 
andere Gebirgsarten kommen nicht vor, wenn nicht etwa in 
ihr, wie wahrscheinlich ist, die beiden Gipsstöcke am 
Oesel und bei Klein Vahlberg (siehe Karsten's Archiv 
von 1848 Heft 1. pag. 228 und 233) aufsetzen, doch fehlen 
an einer völlig unzweifelhaften Bestimmung der über und 
unter ihnen befindlichen Muschelkalk - Schichten, die hinrei- 
chenden Aufschlüsse. 

§. 4. Mächtigkeit. 

Die gesammte Mächtigkeit der oberen Abtheilung va- 
riirt zwischen 100 und 150 Fuss. 



122 

§. 5. Beobachtungspunkte. 

Durch Steinbrüche von einiger Erheblichkeit ist die 
obere Abtheilung ohne Erreichung der tieferen Schichten 
aufgeschlossen : 

bei Abbenrode , zunächst am Orte , — am Eichberge 
bei gr. Veitheim unweit Erkerode, — vor dem Holze in 
der Schilligrund bei Wobeck, — und vorzüglich bei Schö- 
ningen, in vielen und ausgedehnten Brüchen vor dem Raths- 
holze und dem Klosterholze, sämmtliche Localitäten am 
Elme, — dann auch auf dem Neinstädter - Berge , zwischen 
Watenstedt und Ingeleben, unfern des Heeseberges. Ferner 
ist mehr oder weniger der untersten Schichten überall auch 
da aufgeschlossen, wo sich Steinbrüche in der mittlem Ab- 
theilung befinden. 

§. 6. Nutzanwendung. 

Die Verwendung des Kalksteins besteht vorzüglich in 
Benutzung zum Wegebau. In der Umgegend von Schönin- 
gen, wo die Mächtigkeit der Schichten ihren höchsten Grad 
erreicht, giebt derselbe auch einen guten Baustein. Zur Be- 
reitung von Aetzkalk sind die reineren Schichten zwar ge- 
eignet, bedürfen jedoch wegen ihrer Festigkeit viel Brenn- 
material, weshalb sie hierzu nur da genommen werden, wo 
die unteren Abtheilungen nicht ohne bedeutendere Kosten 
zu erreichen sind. 

§. 7. Organische Einschlüsse. 

Die organischen Einschlüsse bestehen hauptsäch- 
lich in Mollusken. Schichtenweise sind sie im Kalksteine zu 
bedeutender Menge, in ein und derselben Species, ange- 
häuft. Mitten in den Schichten pflegt die Schale durch 
Kalkspath ersetzt zu sein , der mit dem umgebenden Ge- 
steine so fest verwachsen ist, dass daraus höchst selten ein 
erkennbares Exemplar zu gewinnen steht. Eine reichere 
Ausbeute liefern die Schichtabsonderungs-Flächen, wo diese 
gegen den Thon grenzen. Hier zeigen sich jedoch bis auf 



123 

wenige Species, deren Schale die Eigenthümlichkeit besass, 
der Auflösung besser zu widerstehen , als die der übrigen, 
nur Steinkerne. Der Thon ist nicht versteinerungsführend. 
Zwar finden sich einzelne Exemplare nahe den Grenzen, von 
ihm ganz umschlossen. Sie dürften jedoch von Individuen 
herrühren, die während der Kalkbildung existirten. Die in 
der oberen Abtheilung zeither gefundenen Versteinerungen 
sind folgende: 

I. Niedere Thiere* 

1. Serpula valvata Gold/. 

Goldf. Petref. German. Tab. 67, /,. Namentlich auf Pe- 
cten laevigatus haftend , findet sich ziemlich selten , in den 
mittleren und oberen Schichten am Elme bei Schöningen. Ob 
sie auch in der mittleren Abtheilung des Muschelkalks vor- 
kommt, ist nicht gewiss. 

2. Nautilus bidorsatus Schloth. 

(Naut. arietis Kein. fig. 70 und 71) Schloth. Nachtr. 
Tab. 31, 2; Ziet. Tab. 18, i; Lethaea pag. 177. Tab. 11, > i j 
bei Quenstedt Petref. pag. 54. Naut. arietis Rein, und bi- 
dorsatus Schi. Tab. 2, i3. 

Der Muschelkalk führt nur diese eine Species von Nau- 
tilus, die zwar einigermaassen variirt, bei der jedoch ein 
durchgreifender Charakter nicht zu verkennen ist. Nur muss 
man sich hüten, aus Verdrückungen, die häufig vorkommen, 
falsche Schlüsse zu ziehen. Sein Durchmesser wechselt zwi- 
schen 2" und 16". Vor allen zeichnet ihn der trapezoidale 
Querdurchschnitt der Windungen und der mehr oder weni- 
ger eingedrückte Rücken aus. So involute Formen, wie bei 
Bronn und Z i e t e n abgebildet sind , kommen hier nicht 
vor. Die Hälfte bis selbst drei Viertheile der vorherigen 
Windung bleiben sichtbar. Die Windungszunahme variirt 
von 100 : 33 bis 50, d. h. die Höhe der letzten Windung 
ist zwischen 3 und 2 mal so gross, als die der vorhergehen- 
den. Im mehreren Alter, bei den Exemplaren von grösse- 
rem Durchmesser, scheint im Allgemeinen die Windungszu- 



124 

nähme am bedeutendsten zu sein. Ebenso schwankt das 
Verhältniss von der Höhe zur Breite. Beide sind sich nahe- 
zu gleich, in der Regel jedoch, namentlich im späteren Alter, 
übertrifft die Höhe die Breite um ein Viertheil bis die 
Hälfte. Jedoch besitzen wir zwei zusammenhängende Kam- 
mern, die allem Anscheine nach unverdrückt sind, deren 
Höhe 2" 3'", bei einer Breite von 3" 11"'. Constant ist je- 
doch die Breite am Rücken am geringsten. Die Anzahl der 
Kammern beträgt, bei 1 2" Durchmesser, im letzten Umgange 
30 bis 40. Der Sipho, dessen perlschnurartige Duten auf- 
fallen, liegt ein wenig unterhalb der Mitte, nach dem Ven- 
tralrande zu. 

Quenstedt unterscheidet N. arietis Rein, und N. bi- 
dorsatus Schi., von denen bei jenem die Höhe der Mundöff- 
nung grösser, als die Breite, während bei diesem das um- 
gekehrte Verhältniss Statt findet. Da indessen zwischen 
beiden Uebergänge durch Zwischenformen Statt finden, so 
dürften sie lediglich als Varietäten von ein und derselben 
Species zu betrachten sein. N. bidorsatus kommt in allen 
Grössen und Varietäten, ohne dass der einen oder andern 
Schicht eine bestimmte Form eigenthümlich wäre, überall 
in der oberen Abtheilung des Muschelkalks, nie jedoch sehr 
häufig, vor. Im Allgemeinen zeigt sich derselbe indessen in 
den oberen Schichten mit A. nodosus mehr, als in den tieferen. 

3. Ämmonites nodosus 3rug. 

(A. undatus Rein. Xaut. Tab. 8, gt-. A. subnodosus und 
latus Münst. in Leonhard's Jahrb. 1831 p. 274) v. Schlth. 
Petref. Nachtr. Tab. 31, , ; Ziet. Tab. 2, i ; Leth. p. 178. 
Tab. 11, 20 und 

4. Ämmonites semipartitus Montf. 

(A. bipartitus Gaill. bei Münst. im Jahrb. 1831. p. 274 
und in der Leth. p. 179; A. enodis Quenst. Petref. p. 70. 
Tab. 3, 15.) 

beide aus der Familie der Ceratiten v. Buch 's. Von 
A. semipartitus sind zeither nur wenige Exemplare an der 
Asse und bei Gebhardshagen , mit A. nodosus zusammen 



125 

vorkommend gefunden. A. nodosus ist dagegen sehr häufig, 
grösstentheils 3 — 4" im Durchmesser. Er ist eine Haupt- 
leitmuschel und an einen ziemlich eng begrenzten Horizont 
gebunden. In den Schichten zunächst unter dem Keuper 
zeigt er sich am häufigsten, während von ihm im Keuper 
selbst keine Spur vorhanden ist. Dagegen beginnt der A. 
nodosus in einzelnen Exemplaren zunächst über der untern 
Hälfte der oberen Abtheilung des Muschelkalks. Tiefer, in 
der untern Hälfte, habe ich selbst ihn nicht angetroffen. Doch 
machen anderweite Exemplare nicht ganz unwahrscheinlich, 
dass sein Auftreten schon in dieser letztern, als grosse Sel- 
tenheit, beginnt. Ueberall, wo derselbe in mehreren Exem- 
plaren erscheint, kann man versichert sein, sich in der obe- 
ren Hälfte der oberen Abtheilung zu befinden. Dies ist der 
Horizont, für den er sehr charakteristisch ist. 

Der A. nodosus hat mit mehreren anderen Versteine- 
rungen des Muschelkalks das gemein, dass er zuerst selten, 
dann häufiger , und endlich in sehr grosser Menge , gewis- 
sermassen dem Culminationspunkte, auftritt, hiernächst aber 
rasch aus der Fauna, um nicht wieder zu kehren, verschwin- 
det. Dies Verhalten zeigen mit ihm Encrinus liliiformis, 
Terebratula vulgaris und gewisse Arten von Trigonien. 

Hauptfundorte : Steinbruch vor dem Rathsholze am Elme 
zwischen Schöningen und Esbeck, so wie die ganze Um- 
gegend daselbst , wo er auf den Aeckern ausgepflügt wird ; 
Abbenrode am Elm ; Forstort Hardeweg bei Gebhardshagen.*) 

Die übrigen Ceratiten des Muschelkalks , v. Buch's 



*) Nachdem dies bereits niedergeschrieben, ist Leopold v. Buch's 
Werk über Ceratiten, eine in der Königl. Akademie der Wissenschaften 
zu Berlin gelesene Abhandlung. Berlin, 1849, mit VII Kupfertafeln , er- 
schienen. A. nodosus s. das. pag. 4. u. Tab. 1, \,2. Tab. 2, i. u. Tab. 
5, 1—5, (sämmtlich vom Elme bei Braunschweig) — und A. semipartitus 
ib. pag. 9. Tab. 2, 2, 3, 5, Tab. 3, i, 2. Wir verweisen hierauf hinsicht- 
lich der Charakteristik, anstatt diese unvollständiger wiederzugeben. — 
Vorläufige Notizen über v. Buch's Ceratiten des Muschelkalks s. aus 
den Berliner Monatsberichten 1848 pag. 70 — 72, in Karsten's Archiv 
1848, Bd. 22, 2. pag. 644 und im Jahrbuche 1848 pag. 510. 



126 

Am. parcus, Ottonis etc. sind in dem untersuchten Bezirke 
noch nicht gefunden. 

5. Turbo helicites Mstr. und 

6. Natica Gaillardoti Lefroy, 

sind zwei Versteinerungen, die, so entfernt sie auch in den 
Normalformen stehen , doch durch Zwischengestalten nicht 
nur unter sich, sondern auch zu Turbo gregarius Mstr. ge- 
nähert werden. Ist schon die Gesteins - Beschaffenheit im 
Muschelkalke im Allgemeinen nicht geeignet, die ursprüng- 
liche Gestalt der vorweltlichen Reste ohne weiteres erkennen 
zu lassen, so ist besondere Vorsicht nöthig, wo etwa nur 
Steinkerne vorliegen. Es kommt nicht selten vor, dass ku- 
gelige Versteinerungen, auf Steinplatten aufliegend, ganz das 
Ansehen von Natica haben, während, wenn die Stücke zer- 
schlagen, dieselben Formen, durch längeres Gewinde und die 
Art der Mundöffnung, sich im Inneren als Turbo erweisen. 
Fände sich im Muschelkalke in mehreren Niveaus ein Ge- 
stein, wie der Schaumkalk in der unteren Abtheilung, so 
würden wenig Ungewissheiten entstehen; so bleiben aber 
immer noch einige Zweifel. Unter diesen Umständen dürfte 
es gerechtfertigt sein, wenn im folgenden unter Natica Gaillar- 
doti Lefr. (Goldf. Tab. 199, 7 . und Ziet. Tab. 32, 7.), auch 
Natica pulla Ziet. Tab. 32, s. und Natica oolithica Zenk. bei 
Geinitz im Jahrb. 1842 pag. 577. Tab. 10, /. — e, als ledig- 
lich in der Grösse verschieden, begriffen und hiervon dieje- 
nigen Formen, als Turbo helicites Mstr. bei Goldf. Tab. 
193, 2. (= Helicites turbilinus Schloth. Nachtr. Tab. 32, 5, 
Buccinum turbilinum Geinitz 1. c. Tab. 10, 7. und Turbo so- 
cialis Mstr.) getrennt werden, welche eine etwas verlängerte 
Spira, 3 bis 4 Umgänge, eine fast runde, wenig ovale Mund- 
öffnung und die Grösse eines Senfkornes bis zu 3'" haben. 
In dieser Weise unterscheidet sich Turbo helicites von Turbo 
gregarius Mstr. bei Goldf. Tab. 193, 3. (= Buccinum gre- 
garium Schloth. Tab. 32, 6. und Geinitz 1. c. Tab. 10, *.) 
lediglich dadurch, dass dieser 4 — 5 Umgänge, von denen der 
letzte den vorhergehenden bis zur Hälfte umschliesst, eine 



127 

sehr ovale Mundöffnung und die Grössen von 3 bis 7"' zeigt. 

— Buccinum obsoletum Schi. Nachtr. Tab. 32 s, das von ei- 
nigen Schriftstellern aus dem Muschelkalke citirt wird, ge- 
hört nicht diesem, sondern dem Portlandkalke an. Schlot- 
heim hatte davon, so wie vom Strombites denticulatus Schi, 
ib. Tab. 32, 9. — beide sind = Pteroceras oceani AI. Brongt. 

— die Fundorte verwechselt. — (vid. v. Strombeck 
in Karsten's Archiv IV. p. 395 ff. und Quenstedt im 
Flötzgeb. pag. 31.) 

Turbo helicites und Natica Gaillardoti füllen in den No- 
dosus-Schichten, in grosser Menge vereinigt, mit Dentalium 
laeve, Melania Schlotheimi etc. ganze Schichten, so vorzüg- 
lich am Elme in der Umgegend von Schöoingen aus. Spar- 
sam finden sie sich ferner in den tieferen Schichten, dann 
auch in älterem Gestein, als die obere Abtheilung. 
7. Melania Schlotheimi Quenst. 

Quenstedt hat im Flötzgebirge Würt. pag. 31. die 
Verwirrung, welche hinsichtlich dieser Species eine Zeitlang 
herrschte, beseitigt und es dürfte deshalb der von ihm ge- 
gebene Name Anspruch auf Beibehaltung haben. Die Stein- 
kerne, welche sich von ihr nur finden, sind von veränder- 
licher Grösse, 1 bis 4" lang, haben 6 — 8 gleichförmig stark 
gewölbte, glatte Windungen. Die Mundöffnung ist ellip- 
tisch, oben sich verengend, unten ohne Canal, bei nicht ver- 
drückten Exemplaren fast doppelt so hoch , als breit. Die 
beste Abbildung giebt Zieten Tab. 36. fig. l a - und b - als 
Turritella obsoleta Goldf., dann auch Schloth. Nachtr. Tab. 
32, 7. — Melania dubia Münst. bei Bronn, Leth. p. 175 und 
1286. Tab. 11, 15. dürfte hierher gehören. Exemplare, die 
ich vom Laineckerberge bei Bayreuth mit den Etiketten Me- 
lania gigantea, intermedia, elongata und vulgaris Münstr., je 
nachdem sie mehr oder minder gross, erhalten habe, stim- 
men mit den hiesigen überein. Fusus Hehli Ziet. Tab. 36, 2. 
würde als ein Exemplar, dessen untere Windung durch 
Verdrückung vergrössert, und an dem durch denselben Um- 
stand unten scheinbar ein Canal entstanden ist, zu halten 



128 

sein, wenn nicht auf Quenst. Flötzgeb. Würt. p. 66. Ge- 
wicht zu legen wäre, „dass daran ein bedeutender Canal, ob- 
gleich auf Steinkernen immer zerstört, doch wenigstens Spu- 
ren zurückgelassen habe." Verschiedene Stücke aus dem 
Trochiten - Kalke von Erkerode haben das Ansehen der Zie- 
tenschen Abbildung, doch ist die Mundöffnung nicht genau 
zu beobachten. — Huldigt man der Ansicht von d'Orbigny 
und Anderen, dass sich Melania auf süsses Wasser beschränkt, 
so wird Melania Schlotheimi, die ausgezeichnet marinen Bil- 
dungen angehört, in das Genus Eulima zu versetzen sein. — 
Verbreitet ist diese Versteinerung, obwohl nicht sehr häufig, 
o-leichmässig durch die ganze obere Abtheilung. Sie er- 
scheint nicht nur zusammen und zwar in denselben Schich- 
ten, mit A. nodosus, Dentalium laeve etc., sondern auch wei- 
ter unten. Sie kommt ferner auch in der mittleren und un- 
teren Abtheilung des Muschelkalks vor. Quenstedt führt 
sie in den Dolomitmergeln, die den bunten Sandstein unmit- 
telbar überlagern, an. Der Melania Schlotheimi steht somit 
ein besonderer Horizont innerhalb des Muschelkalks, dem 
allein von der Trias sie angehört, nicht zu. Fundorte, wo 
sie in der oberen Abtheilung vorzugsweise vorkommt, sind 
nicht vorhanden. Dieselbe findet sich vielmehr überall, wo 
die betreffenden Schichten zu Tage Hegen. 
8. Dentalium laeve Schloth. 
Schloth. Nachtr. Tab. 32, i und Goldf. Tab. 166,4. Etwa 
1" lang, etwas gekrümmt, drehrund und vorn ziemlich 
spitz zulaufend. Obwohl oftmals Zweifel bleiben, ob Stein- 
kerne oder die Schale vorliegen, so lässt sich doch da, wo 
diese im Innern der Kalkschichten in Kalkspath verändert 
ist, mit Deutlichkeit erkennen, dass die Schale vollkommen 
glatt war, wie sie Goldfuss darstellt. Die Ansicht, dass 
Dentaliuin laeve der Steinkern von Dentalium torquatum 
Schi. (Nachtr. Tab. 22, i.) sei, die Geinitz im Thüringer 
Muschelkalke, Jena 1837, pag. 27. aufzustellen scheint, dürfte 
daher nicht zutreffen. Dentalium torquatum^ das hier übrigens 
nicht gefunden, wird noch der weitern Bestätigung bedürfen. 



129 

Dentalium laeve lebte gesellig; da, wo dasselbe auftritt, 
erscheint es in unzähliger Menge. Es kömmt vornämlich in 
einer Schicht, wenige Fuss über der untern Grenze mit Avi- 
cula socialis, Pecten discites, Turbo helicites, Trigonia vul- 
garis und kleine Melania Schlotheimi vor, beschränkt sich 
jedoch auf dieses Niveau nicht, sondern erscheint ferner in 
der unteren Abtheiluno;. Fundorte in der oberen Abtheiluno; : 
Erkerode und südlicher Theil des Mühlencampes bei Uehrde. 
9. Myacites musculoides. 

Unter dieser Benennung führt Schloth. Steinkerne von 
Bivalven auf, die gleichklappig , ungleichseitig, der Quere 
nach verkehrt - eiförmig oder oval sind, deren vordere Seite 
oben eine etwas vertiefte herzförmige Fläche bildet, unten 
mehr oder weniger vorstehend, abgerundet und zusammen- 
gedrückt ist, und deren unterer Rand dem horizontalen Schloss- 
rande ziemlich parallel, hinten plötzlich emporsteigt. Die 
starken Wirbel liegen in der vorderen Hälfte, fast zusam- 
menstossend. Die Schalen klaffen hinten, vorn, wie es scheint, 
nicht, sind concentrisch gerunzelt und zeigen mehr oder we- 
niger deutlich, eine etwas schräg vom Wirbel nach dem un- 
teren Rande laufende Bucht. Schlosszähne und Mantelein- 
druck nicht erkennbar. Bei solchen unbestimmten Merkma- 
len steht das Genus noch nicht ganz fest, zu dem diese 
Steinkerne gezählt werden müssen. Es ist ihnen deshalb 
von Bronn in der Leth. p. 174. der alte Schlotheimsche Name 
Myacites gelassen, unter der Bevorwortung jedoch, „dass da- 
mit keinesweges auch nur die Wahrscheinlichkeit ausgedrückt 
werden solle, dass sie dem Genus Mya Lamark's angehö- 
ren." Dasselbe thut Goldfuss Bd. II. p. 259. Agassiz 
(Etudes crit. Liv. IV. pag. 231 ff.) rechnet sie zu seinem 
Genus Pleuromya , d' O r b i g n y indessen (Terr. cr&. III. 
p. 326.) der dieses verwirft, und mit ihm Geinitz (Petre- 
factenkunde p. 401.) zu Panopaea. Neuerdings führt Bronn 
im Nomencl. p. 998. einen Theil unter Pleuromya und einen 
andern unbestimmteren, fernerweit als Myacites (ib. p. 762.) 
auf. — Mit Panopaea stimmen sie nicht überein, denn ab- 

Zeits. d. d. geol. Ges. I. 2. 9 



130 

gesehen davon, dass keine Spur von deren eigentümlichem 
Schosse vorhanden, — bei den häufigen, in der Wirbel-Ge- 
gend verschobenen Exemplaren müssten Andeutungen zu 
bemerken sein, — scheinen unsere Muscheln vorn nicht klaf- 
fend zu sein. Mit Pleuromya, wenn diese vorn nicht klaf- 
fen, kömmt dagegen wohl die Form im Allgemeinen überein, 
es möchten jedoch einer Seits der Begriff von Pleuromya 
noch näher festzustellen, und anderer Seits die generischen 
Merkmale an unseren Versteinuerngen noch näher zu ermit- 
teln zu sein, bevor sie dazu oder zu irgend einem andern 
Genus mit Zuverlässigkeit gerechnet werden können. Un- 
ter diesen Umständen wird es gerechtfertigt sein, den alten 
Schlotheim sehen Genus -Namen Myacites, der wegen seiner 
Verschiedenheit von Mya, eine Verwechselung mit dieser 
nicht zulässt, einstweilen bestehen zu lassen. 

Myacites musculoides variirt sehr, und sind die verschie- 
denen Abarten in mehrere Species getrennt, die jedoch be- 
reits Agassiz und noch mehr Geinitz wieder vereinigen. 
Diebesten Abbildungen giebt Goldfuss. Die Normalform 
ist Myacites musculoides Schloth. (Goldf. Tab. 153, n> ; Schloth. 
Nachtr. Tab. 33, i ; Ziet. Tab. 71, 5.) Wenig davon abwei- 
chend ist M. ventricosus Schi. (Goldf. Tab. 153, n ; Schi. 
Tab. 33, 2.) Die vordere herzförmige Fläche reicht etwas 
weniger tief herab, und die Bucht vom Wirbel nach dem 
untern Rande läuft schiefer nach hinten. Formen, die nach 
hinten sehr verlängert sind, geben M. elongatus Schi. (Goldf. 
Tab. 153, 125 Schi. 33, ^ Leth. p. 174. Tab. 11, \^.) Ist 
die Bucht vom W T irbel nach dem untern Rande nicht bemerk- 
bar, so entsteht M. mactroides Schi. (Goldf. Tab. 154, ); 
Schi. Tab. 33, 4.) Zeigen sich vor und hinter dieser Bucht 
einige schwach angedeutete Linien, die im Uebrigen nicht 
constant sind, so entsteht M. radiatus Münstr. (Goldf. Tab. 
153, vi) M. grandisMstr. bei Goldf. Tab. 154, 2. ist nichts, 
als ein grosses Individuum, das etwas zusammengedrückt 
wurde, so dass die Wirbel von vorn entfernt erscheinen. Der- 
gleichen Exemplare zeigen sich vorzüglich mit einer Schale 



131 

flach auf den Schichtungsflächen liegend. Die Bucht ist bei 
ihnen nicht deutlich sichtbar. M. Albertii Voltz bei Goldf. 
Tab. 154, .5. aus dem bunten Sandsteine von Sulzbad, sind 
eben solche, jedoch kleinere Individuen. Area inaequivalvis 
Ziet. Tab. 70, 3. = Acromya inaequivalvis Agas. etudes crit. 
III. p. 176. Tab. 9' hg. 1 — 9. sind verschiedene Spielarten, 
die unter den obigen bereits begriffen sind. *) Gestalten, 
wie M. obtusus Goldf. Tab. 154, », wo die vordere Seite 
unten nicht nach vorn vorsteht, bilden sich nicht selten durch 
Verdrückung. — Alle diese Formen gehen nicht nur in ein- 
ander über, so dass sich in gleicher Behandlung noch unzäh- 
lige andere Species bilden Hessen, sondern sie erscheinen 
auch mit einander in ein und derselben Schicht. Sie gehö- 
ren somit sämmtlich einer Species an, die füglich als Mya- 
cites musculoides bezeichnet werden kann, und hat deren 
Trennung in Abarten überall keinen praktischen Werth, 

Myacites musculoides kömmt in der oberen Abtheilung, 
wenn auch nicht sehr häufig, jedoch oben und unten, bei 
Erkerode, Schöningen, auf der Asse etc. vor, zeigt sich fer- 
ner in der mittleren Abtheilung und noch tiefer, so dass für 
diese Versteinerung ein hestimmtes Niveau im Muschelkalke 
nicht vorhanden ist. Sie findet sich nicht nur in dem com- 
pacten Kalke, sondern mehr noch in den damit abwechseln- 
den Thon-Schichten. Ohnstreitig lebte sie während der Kalk- 
bildunor senkte sich aber in den hereits vorhandenen Thon- 
schlämm ein, wo sie ohne weitere Ortsbewegung ihre ganze 
Lebenszeit zubrachte, und ihren Tod fand. In dieser Ei- 
genthümlichkeit , die nach d'Orbigny seiner Familie der 
Myaciden zukömmt, liegt der Grund, weshalb sich — was 
bei anderen Versteinerungen des Muschelkalks selten — M. 



*) Ob Area Schmidi Geinitz im Jahrbuche 1842 p. 577. Tab. 10, 9 
und Schi. Tab. 33, 5 und Venus nuda Goldf. bei Ziet. Tab. 71, 3 und 
Geinitz im Jahrbuche 1842 p. 578. Tab. 10, 10. ebenfalls hierher gehö- 
ren, möchte zweifelhaft sein können. Damit ziemlich übereinstimmende 
Steinkerne, auf Kalkplatten aufliegend, die sich in unserer Sammlung be- 
finden, halten wir für verdrückte Individuen von Myacites musculoides. 

7* 



132 

musculoides häufig frei von anhängendem Gesteine in Samm- 
lungen aufbewahrt findet. 

10. Trigonia (Myophoria Bronn, *) Lyrodon, rectius 
Lyriodon Goldf.) vulgaris Schloth. 

Schi. Nachtr. Tab. 36, 5; Leth. p. 170. Tab. 11. fig. 6 a 
und b ; Goldf. Tab. 135, i 6; Ziet. 58, 2. 

Die Steinkerne sind platt, bis 1" lang, gewöhnlich jedoch 
nur halb so gross. Von der Seite gesehen, bilden sie ein 
Dreieck, das vorn abgerundet und zusammengedrückt und 
nach hinten mehr oder weniger verlängert ist. Von den vorn 
liegenden deutlich nach vorn eingekrümmten Wirbeln zieht 
ein grösstentheils stark angedeuteter ,Grath nach der hinteren 
Ecke und theilt das Schildchen von der übrigen Schale ab. 
Eine mehr oder weniger starke, immer jedoch erkennbare 
Rippe läuft vom Wirbel nach dem Unterrande, so dass der 
Raum zwischen ihr und dem Grath höchstens halb so gross, 
als der von vorn bis zur Rippe. Das Schildchen wird durch 
zwei flache Rippen in drei ziemlich gleiche Theile getheilt. 
Es ist dachförmig und bildet mit den Seitenflächen eine 
rechte oder doch nicht sehr stumpfe Kante. Die selten er- 
haltene Schale ist concentrisch fein gereift. Von ihr werden 
die in der Schlotheimschen Abbildung eines Steinkerns sich 
zeigenden Reifen herrühren, die wir an Steinkerne von die- 
ser Species nie wahrnahmen. 



*) Die Streifuug der Schlosszähne hahen wir an den Trigonien des 
Muschelkalks zwar nie, selbst nicht an grösseren Exemplaren von Tri- 
gonien ovata Goldf. aus dem Mehlsteine der untern Abtheilung wahrge- 
nommen, jedoch zweifeln wir nicht an deren Vorhandensein, zumal Gold- 
fuss (Petref. Bd. % p. 196.) u. Alberti (Jahrb. 1845. S. 673.) solche 
wirklich beobachtet haben. Das Gestein in der Muschelkalkbildung ist 
im Allgemeinen nicht geeignet, dergleichen zierliche Zeichnungen zu con- 
serviren. Das weitere Unterscheidungs - Merkmal, die Einkrümmung der 
Buckel bei Myophoria nach vorn, und bei den übrigen Trigonien nach 
hinten, ist in einigen Species schwer zu erkenneu, wie es scheint, auch 
nicht vorhanden. Es werden deshalb im Nachstehenden die Trigonien 
des Muschelkalks nicht als besonderes Genus aufgeführt. — Die fehlende 
Tr. pes anseris ist in hiesiger Gegend noch nicht entdeckt. 



133 

Tr. curvirostris Schi. Nachtr. Tab. 36, c. (non Goldf. u. 
Bronn) gehört hierher. 

Vorkommen : oben und unten, ohne an bestimmte Schich- 
ten gebunden zu sein ; findet sich indessen auch tiefer und 
namentlich in der untern Abtheilung. 
11. Trigonia simplex. 

Unter dieser von Schi, gegebenen Benennung begreifen 
wir Steinkerne , von denen eine zutreffende Abbildung noch 
fehlt, indem die bei Goldf. Tab. 135, \h. nicht hierher gehö- 
ren dürfte, die aber leicht zu erkennen sind. Ihre Form im 
Allgemeinen ist die von Tr. vulgaris , unterscheidet sich je- 
doch von dieser hauptsächlich in dreierlei Beziehung: 

a) ist ihre Grösse bedeutender. Trigonia simplex wird am 
untern Kande bis 2" lang, gewöhnlich aber 1"; 

b) fehlt ihr jede Andeutung der von dem Wirbel nach un- 
ten herablaufenden mittleren Rippe. Statt dessen sind 
die Seitenflächen in der Nähe des Graths eingedrückt; 

c) feine concentrische Reifen bedecken die ganze Seite. 
Sie endigen auf dem Grathe. Das Schildchen ist da- 
von frei. 

Im Uebrigen macht das hintere Schildchen, das mit zwei 
flachen Rippen versehen, mit der Seite eine stumpfe Kante, 
auf welcher letzteren der Grath durch die Einbuchtung der 
Seite stark hervortritt. Schale unbekannt. 

Trigonia simplex würde als besondere Species nicht be- 
stehen können, sondern mit Trigonia vulgaris zu vereinigen 
sein, wenn nicht an vielen wohl erhaltenen Exemplaren die 
obigen drei unterscheidenden Merkmale, namentlich das Feh- 
len der Mittelrippe, constant bliebe, und wenn nicht ausser- 
dem jener Versteinerung ein bestimmter Horizont zukäme. 

T. simplex hat vertical keine sehr grosse Verbreitung, 
sondern ist lediglich der oberen Hälfte der oberen Abthei- 
lung eigenthümlich und kömmt namentlich mit Amm. nodo- 
sus in unglaublicher Menge vor. So am Elme bei Abben- 
rode und bei Schöningen, bei Gebhardshagen u. s. w. 



134 

12. Nucula Goldfussi Alb. 

Goldf. Tab. 124, 13. Mit dieser Abbildung im Allge- 
meinen übereinstimmenden Formen finden sich nicht selten, 
dann zu vielen Exemplaren vereinigt, in den oberen und un- 
teren Schichten am Elme etc., wie auch tiefer in der unte- 
ren Abtheilung. Geinitz (Jahrb. 1842 p. 578.) hält damit 
Corbula dubia Mstr. bei Goldf. Tab. 151, u. für identisch. 
An den ziemlich kleinen Exemplaren der oberen Abtheilung 
ist eine Spur von Zähnen nicht bemerkbar. Dagegen lassen 
solche die Steinkerne aus dem Schaumkalke der unteren Ab- 
theilung wahrnehmen, so dass über die Genusbestimmung 
kein Zweifel bleibt. 

Aehnliche kleine Muscheln, von der Form wie Nucula 
incrassata Mstr. (Goldf. Tab. 124, iV.) und N. gregaria Mstr. 
(ib. Tab. 124, 1 ■_».), jedoch meistens von indifferentem Anse- 
hen, werden ferner im hiesigen Muschelkalke, ohne an einen 
bestimmten Horizont gebunden zu sein, angetroffen. Es fin- 
den sich davon nur Steinkerne, und zwar in einem Gesteine, 
das nicht geeignet ist, an zierlichen Formen die erforderli- 
chen Merkmale zu conserviren, so dass die Uebereinstim- 
mung oder Verschiedenheit unentschieden und selbst das Ge- 
nus , dem sie angehören , zweifelhaft bleibt. Viele mögen 
junge Brut von Trigonien und Myaciten sein, andere wer- 
den vielleicht anderen Genus beizuzählen sein. Bis zu gün- 
stigeren Beobachtungen sind diese Steinkerne weder von 
geognostischem, noch zoologischen Interesse, und gehen wir 
daher auf deren Diagnose nicht weiter ein. 

13. Mytilus eduliformis Schi. 

Nachtr. Tab. 37, * ; Leth. pag. 168. Tab. 11, \- = My- 
tilus vetustus Goldf. bei Ziet. Tab. 59, a. und Goldf. Tab. 
128, 7. Davon nicht zu trennen Mytilus incertus Schi. Nachtr. 
Tab. 37, ,*, — auch nach Geinitz (Petref. pag. 454.,) und 
Schmidt (Saalthal. p. 41.) Mytilus arenarius Zenker. 

Kleine Exemplare sind ziemlich selten in den untern 
Schichten auf der Asse und bei Uehrde. Findet sich in den 
unteren beiden Abtheilungen in grösserer Menge. 



135 

14. Avicula Alber tu Geinitz. 

Diese Muschel ist zuf orderst von G o 1 d f u s s als Pecten 
Albertii bezeichnet und als solche in Alberti's Monographie 
aufgeführt. Dann wurde dieselbe in Goldf. Petref. II. pag. 
42. Tab. 89, i,„ und in der Lethaea pag. 162. Tab. 13, 7. 
als Pecten inaequistriatus Mstr. beschrieben und abgebildet. 
Später erkannte Goldfuss, nachdem Bronn 1. c. auf die 
Aehnlichkeit beider aufmerksam gemacht hatte, deren Iden- 
tität an, setzte sie zu Monotis als M. Albertii, und gab von 
ihr in der Petref. II. pag. 138. und Tab. 120, o. eine neue 
Diagnose und Abbildung. Geinitz gedenkt ihrer in sei- 
ner Petrefk. pag. 458. als Avicula Albertii, als welche sie 
auch im Nomenciator pag. 137. mit den Syn. steht, (cf. noch 
Ziet. pag. 69. Tab. 53, 3. und Quenstedt's Würtemb. pag. 
67.) Die Benennung von Geinitz wird füglich bestehen 
bleiben können, da Avicula Albertii Münster bei Goldf. Tab. 
116, 9, eine sehr verschiedene Form, nicht hinreichend cha- 
rakterisirt ist, und aller Wahrscheinlichkeit nach einem an- 
deren Genus angehört. — So verbreitet indessen jene Mu- 
schel in der hiesigen Gegend ist, so vermögen wir doch 
nicht über die Genus -Merkmale etwas Entscheidendes mit- 
zutheilen, sondern folgen lediglich den neuesten Bestimmun- 
gen von Geinitz und Bronn. 

Die hiesigen Exemplare haben genau die Grösse und 
Form, wie sie Goldf. Tab. 120, & a. darstellt. Die Strahlen 
jedoch, die sich dem Rande zu durch Dichotomirung und 
durch Einschachtelung vermehren, pflegen in der doppelten 
Anzahl vorhanden zu sein. Auf dem Rücken bis etwa j 
der Höhe sind die sonst äusserst scharfen Strahlen in der 
Regel verwischt. Concentrische Anwachsstreifen unterbre- 
chen dieselben. 

Vorkommen : in den Schichten, welche der mittleren Ab- 
theilung zunächst liegen mit Pecten discites etc. bei Uehrde, 
Erkerode, an der Asse etc. Auch in tieferen Schichten. 

15. Gervillia socialis Quenst. 

So verbreitet diese Muschel durch den ganzen Muschel- 



136 

kalk ist, wo von ihr oft Schichten gebildet werden, so blei- 
ben über sie in zoologischer Hinsicht doch noch einige Zwei- 
fel. Schlotheim bildete sie in den Nachtr. Tab. 37, i. als 
Mytulites socialis ab. Bronn stellt sie im Jahrbuche 1829. 
I. pag. 76. zum Genus Avicula, macht jedoch bereits in der 
Leth. pag. 166. (Abbild, ib. Tab. 11, 2.) auf ihre Verwandt- 
schaft zu Gervillia aufmerksam. Quenstedt erwähnt in 
(Wiegm. Arch. 1835. II. p. 87.) auf Grund von Beobach- 
tung des Schlosses, ihrer Verschiedenheit von Avicula und 
Gervillia, führt sie jedoch später im Flötzgeb. Würtb. p. 33. 
als Gervillia auf. In dieses Genus ist sie nun auch von 
Bronn im Nomencl. pag. 530. gestellt. Als Avicula wird 
sie abgebildet und beschrieben bei Ziet. Tab. 69, 75 Goldf. 
IL pag. 128. Tab. 117, 2; Geinitz Petref. pag. 457. Tab. 
20, 1. Wir haben nicht Gelegenheit gehabt ein deutliches 
Schloss zu sehen. Die hiesigen Exemplare liegen nämlich 
theils im mergeligen Thone ganz frei oder mit der flachen 
Seite auf Kalkplatten , da wo diese an Thon grenzen , und 
haben dann noch die äussere Schale, theils aber im festen 
Kalksteine mit in Kalkspath verwandelter Schale, in wel- 
chem letzteren Falle entscheidende Stücke nicht zu gewin- 
nen stehen. Die sich zwar häufig auch im Schaumkalke 
der unteren Abtheilung findenden Steinkerne sind durch kleine 
Kalkspathkrystalle und Kalkschlamm undeutlich geworden. 
Spuren von vorn unter dem Wirbel liegenden Schlosszähnen, 
so wie die ganze Form der Muschel, die sie von Avicula 
entfernen, lassen auf Gervillia schliessen, und folgen wir die- 
serhalb , hinsichtlich der Genus - Bezeichnung, der Autorität 
von Quenstedt und Bronn. Anderer Seits darf nicht 
ohne Erwähnung gelassen werden, dass wir an einigen ziem- 
lich guten Steinkernen die das Genus Gervillia charakteri- 
sirenden parallelen Grübchen in dem klaffenden Schlossrande, 
die zur Aufnahme des Bandes bestimmt sind, auch wo min- 
destens Spuren hätten bemerkbar bleiben müssen, vermissen, 
dass wir vielmehr an solchen Steinkernen eine oder mehrere 
Leisten und Vertiefungen wahrgenommen zu haben glauben, 



137 

die sich hinter den Wirbeln schief nach hinten herabziehen. 
Dies mit den Andeutungen von vorderen Schlosszähnen wür- 
den die Muschel dem Genus Pterinea von Goldfuss nä- 
hern. — Was im Uebrigen John im Jahrb. 1845 p. 422 ff. 
über Gervillia socialis sagt, scheint sich — wie auch Bronn 
in einer zugefügten Bemerkung wahrscheinlich macht — auf 
eine andere Muschel zu beziehen, da die dort gegebene 
Zeichnung Tab. 3, .-,. keines weges die Form derselben zeigt. 
G. socialis kommt in allen Schichten der oberen Abtheilung 
vor, oft in unzähliger Menge angehäuft; die in dem oberen 
Niveau zeichnen sich durch ihre Grösse bis zu 3" lang aus. 
16. Pecten laevigatus Bronn. 
Diese Muschel, welche hier eine Höhe von 1| bis 4" 
hat, liegt fast immer mit der rechten flachen Klappe auf den 
Schichtungsflächen des Kalksteins, so dass nur die linke 
Klappe, welche vom darüber befindlichen mergeligen Thone 
eingeschlossen wurde, und die deshalb ihre dünne Schale 
beibehielt, sichtbar ist. Das umgekehrte Verhältniss haben 
wir nie bemerkt. Es stimmt dies mit der Stellung die die 
Muscheln im lebenden Zustande hatten. Doch kommen auch 
einzelne Exemplare, die ganz vom Thone umschlossen wa- 
ren, vor, und beide Klappen zeigen. Diess sind diejenigen 
Individuen, die während der Bildung des untersten Theils 
der Kalkschicht lebten, und hier ihren Byssus befestigten. 
Mehr im Inneren der compacten Kalkschichten sind derglei- 
chen ohnstreitig auch vorhanden, hier aber nicht erkennbar. 
Schlotheim beschrieb die Muschel als Octracites Pleuro- 
nectites laevigatus (Abb. Nachtr. Tab. 35, >.) und Bronn 
reihte sie (Jahrbuch 1829. p. 76.) mit demselben Species- 
Namen zu dem Genus Pecten (Beschreibung und Abb. 
vid. Leth. pag. 161. Tab. 11, m.). Wenn daher dieselbe 
Goldfuss Vol. II. pag. 72. Tab. 98, 9. als Pecten vestitus 
Goldf. aufgeführt, so wird die ältere Benennung P. laevi- 
gatus beizubehalten und der tertiären P. laevigatus Goldf., 
wenn nicht mit einer anderen Species zusammenfallend, an- 
derweit zu bezeichnen sein. — Die fast rechtwinklichen Oh- 



138 

ren der grössern linken Klappe sind, wenn nicht völlig, doch 
ziemlich gleich, in unbeschädigten Exemplaren nie so ver- 
schieden, wie bei Goldf. Sie verlaufen sich allmählig zu dem 
hochgewölbten Rücken , ohne dass zwischen diesem und ih- 
nen eine scharfe Grenze, wie in den Abb. bei Schi, und Ziet. 
Tab. 69, .(., vorhanden wäre. Es ist dieses eine im Genus 
Pecten ungewöhnliche Erscheinung, die an der linken Klappe 
auch bei Pecten crassitesta Rom., bei d'Orb. Ter. cret. III. 
Tab. 430, i — v. (hier jedoch nicht ganz richtig gezeichnet) 
= P. circularis Goldf. Tab. 99, Fig. 10 b -, aus dem hies. 
Hils-Thone und Congl., vorkömmt. Das vordere Ohr der 
rechten Klappe ist tief ausgeschnitten, so wie dies die Figur 
ll b - Tab. 11. in der Leth. zeigt, und mit S förmig gebogenen 
Anwachsstreifen versehen. Gemeinlich fehlt dasselbe wegen sei- 
ner grossen Zerbrechlichkeit, wie in den Goldf.'schen Figu- 
ren. Der untere Rand des Ausschnittes pflegt mit einer 
Reihe schwieliger, zum Theil zahnartiger Erhöhungen be- 
setzt zu sein. Auffällig und, wie es scheint constant, ist 
noch, dass die beiden Wirbel gegen einander verschoben sind, 
indem der der linken gewölbteren Klappe, bei aufrechter 
Stellung, etwas mehr nach vorn liegt, als derjenige der rech- 
ten Klappe. — Die hohe Wölbung der linken Klappe, die 
flache Beschaffenheit der rechten, wie auch die Verflächung 
des Rückens in die Ohren, ohne Absatz, lassen P. laeviga- 
tus leicht von anderen platten Arten unterscheiden. 

Vorkommen: ziemlich verbreitet in allen Schichten der 
oberen Abtheilung, so vorzüglich am Elm-Rande bei Schö- 
ningen, dann auch noch tiefer. 

17. Pecten discites Bronn. 

Unter dieser Species (vid. Beschreibung und Abbildung : 
Schloth. Nachtr. Tab. 35, 3; Ziet. Tab. 69, 5; Leth. pag. 161. 
Tab. 11, 12; Goldf. Tab. 98, io.) werden sämmtliche nicht zu 
Pecten laevigatus gehörige glatte im Muschelkalke bekannte 
Pecten zusammengefasst. Im Allgemeinen sind sie ziemlich 
kreisrund , flach , gleich- oder ziemlich gleichschalig , (wir 
schliessen dies aus der Ansicht getrennter Klappen, da beide 



139 

zusammenhängend nicht vorliegen) ; der Schlossrand ist grade 
und oben halb so lang, als die ganze Muschel. Die etwas 
stumpfwinklichen , fast gleichen Ohren sind durch scharfe 
Eindrücke von der übrigen Schale gesondert, das vordere der 
rechten Klappe, in Form eines S ein wenig gebogen und 
ausgeschnitten. Der Schlosskantenwinkel ist ohngefähr ein 
rechter Winkel. Die concentrischen An wachs streifen sind 
fast unbemerkbar. Die Höhe der ganzen Muschel variirt 
zwischen \" und 2". Eine Varietät zeigt die in den Figu- 
ren Tab. 35, a c - bei Schi, und Tab. 98, io c - u. *■ bei Goldf. 
angedeutete, beiderseits vom Wirbel ausstrahlende und in oder 
unter der Mitte der Höhe am Rande schwach auslaufende, 
zwischen den Schlosskanten und Rücken liegende Eindrük- 
kung. Exemplare, an denen die obere Schicht der Schale 
entfernt ist, lassen in mehr oder weniger Länge fortsetzende, 
auch nur punctirte, radienartig, jedoch wie bei den Arcua- 
ten, nach den Rändern zu divergirende Linien wahrnehmen, 
die nicht mit wirklichen Strahlen, die anderen Organen des 
Thieres entsprechen , zu verwechseln sind. Hin und wieder 
bemerkt man jene Linien auch an der inneren Fläche der 
Schale. Auf dem mittleren Theile des unteren Rückens 
scheiden sich die Linien von einander ab, ja durchkreuzen 
sich. Es entstehen dann zickzackförmige Zeichnungen, ähn- 
lich denen, wie sie bei Pecten tenuistriatus Münstr. , bei 
Goldf. Tab. 88, \<i. dargestellt sind. Da aber diese Erschei- 
nung im Genus Pecten bei wirklichen Strahlen nicht wohl 
vorkommen kann, so dürfte P. tenuistriatus ein P. discites 
mit fehlender oberen Schalenschicht sein, an dem jene Linien 
der Länge nach mehr, als gewöhnlich fortsetzen. — Wahr- 
scheinlich werden mehrere verschiedene Species unter P. 
discites vereinigt. Es hat bislang jedoch nicht gelingen wol- 
len, constante Unterschiede zu ermitteln, ja es hält zum 
Theil schwer, ihn von einigen anderen benannten Arten 
jüngerer Schichten zu erkennen, wenn lediglich die Merk- 
male der Muschel in Betracht gezogen werden. Eine Tren- 
nung des P. discites in verschiedene Species ist aber min- 



140 

destens für jetzt ohne praktischen Nutzen, da die abweichen- 
den Formen an kein bestimmtes Niveau gebunden zu sein 
scheinen. 

Pecten discites kommt zu oberst in der oberen Abthei- 
lung nur einzeln vor, dagegen bildet er mehr nach unten in 
derselben, theils für sich allein, theils in Gemeinschaft mit 
Avicula Albertii ganze Schichten, so namentlich bei Erke- 
rode, Uehrde, am Neinstädter Berge unweit Ingeleben zwi- 
schen Schöppenstedt und Schöningen u. s. w. Vollständige 
Exemplare aus diesen Schichten zu erlangen, hält jedoch sehr 
schwer. 

18. Austern , nicht gefaltete, j bis i\" gross, etwa 
von der Form der Ostrea Schübleri Alb. bei Goldf. Tab. 
89, 3. oder reniformis Münstr. ib. Fig. 4., jedoch nicht so- 
weit erkennbar, dass sie zu bestimmen stehen, kommen spar- 
sam, mit dem dichten Kalksteine verwachsen, auf andern 
Muscheln nicht aufsitzend, in der oberen Abtheilung, na- 
mentlich in den untersten Schichten vor. Ostera placunoi- 
des Mstr. (Goldf. Tab. 89, ».) zu vielen Exemplaren, vor- 
züglich auf Pecten laevigatus mit der ganzen untern Schale 
aufsitzend, ist nicht selten in der Umgegend von Schöningen. 



II. Reste von Thieren höherer Organisation. 

1. Von Nothosaurus liegt aus der oberen Abtheilung 
lediglich ein f-" langer, etwas gekrümmter Zahn aus den un- 
tern Schichten der Schilligrund bei Wobeck am Elme vor. 

2. Placodus Andriani Mstr. 

(Agassiz. Poiss. fos. Vol. II, 2. pag. 219. Tab. 70, s— 13.) 
hierher gehört allem Anscheine nach ein vollständiger Un- 
terkiefer mit 6 Mahlzähnen in 2 Eeihen, in dessen vorderen 
schnautzenartigen Verlängerung die Alveolen für eine Reihe 
Schneidezähne sich befindet. Grösse und Umriss entspre- 
chen dem Oberkiefer bei Ag. 1. c. Fig. 8. Zu diesem Ober- 
kiefer verhält sich unser Stück ohngefähr wie in der Spe- 
cies Placodus gigas der Unterkiefer ib. Fig. 15. und 16. zum 



141 

Oberkiefer ib. Fig. 14. Die Verlängerung vorn mit den 
Schneidezahn - Alveolen ist erst nach einer überaus mühsa- 
men Befreiung vom umgebenden Gesteine zum Vorschein 
gekommen. Dieses werthvolle Stück, dessen nähere Be- 
schreibung vorbehalten bleibt, rührt aus dem Steinbruche her, 
welcher in Nordwest vom Gipsofen bei Gebhardshagen liegt. 
Dasselbe kam zwar erst ein Jahr nach seinem Funde durch 
Steinbrecher in unsern Besitz , sofort angestellte Nachfor- 
schungen haben jedoch ergeben, dass es den untern Schich- 
ten der obern Abtheilung angehört. Es wird dieses Vor- 
kommen um so weniger zu bezweifeln sein, als wir selbst 
kürzlich im gleichen Niveau einen Gaumenzahn mittlerer 
Grösse bei Erkerode fanden. 

3. Hybodus plicatilis Ag. Ein Zahn von der Form 
und Grösse, wie bei Agass, III. Tab. 24, to. fand sich in 
dem oberen Discites-Kalke bei Erkerode. 

4. Gi/rolepis Albert ii Ag. (Colobodus varius Giebel, 
Fauna I. »-. pag. 181.) Einzelne rhomboidale Schuppen mit 
nach hinten laufenden Schmelzfalten, in der Weise, wie sie 
Geinitz Beitr. zur Kenntniss des Thüringer Muschelkalks 
Tab. 3, 3. abbildet, sind in der untern Hälfte, auch noch et- 
was darüber, an mehreren Stellen, z. B. bei Erkerode und 
vor dem Holze bei Schöningen nicht ganz selten. Ein etwa 
j langes Schwanzende dieses Fisches wurde unter Chaus- 
seesteinen bei Schöningen gefunden. Die Schicht, der das- 
selbe angehörte, ist zwar nicht genau bekannt, doch stammt 
dasselbe allem Anscheine nach aus der oberen Abtheilung. 

5. Saurichtys apicalis Ag. (Münster Beiträge I. pag. 
123. Tab. 14, i und •>. und Agass Poiss. fos. II. pag. 85. Tab. 
55 a , 6— n.). Einige Zähne mit dem vorhergehenden ge- 
meinschaftlich. 

6. Von kleinen glänzend braunen Schuppen und 
Knochentheilchen sind einige der unteren Schichten 
mit Pecten discites bei Erkerode imd Schöningen ganz voll. 
Ohngeachtet der grossen Anzahl hat jedoch ihre Bestimmung 
noch nicht gelingen wollen. 



142 



B. Mittlere Abtheilung. 

§. 8. Grenzen. 

Die Grenze zwischen der oberen und mittleren Abthei- 
lung wird in jener durch die ziemlich constant auftretenden 
Schichten, in denen Pecten discites in sehr grosser Menge 
angehäuft ist, und in dieser durch das Auftreten der Tro- 
chiten bezeichnet. Die untere Grenze dagegen bilden mäch- 
tige Dolomite und dolomitische Mergel, so dass beide noch 
zur mittleren Abtheilung gehören. Sie ist wegen der leich- 
ten Verwitterbarkeit der Mergel in der Regel mit Dammerde 
hoch bedeckt, auch, da dieses Gestein keine Nutzanwendung 
findet, durch besondere Steinbrüche nicht aufgeschlossen. 
Ueber Tage pflegt die untere Grenze indessen durch eine 
kleine Terrasse angedeutet zu sein, auf die um so mehr Ge- 
wicht zu legen sein dürfte, als mit ihr auch eine Aenderung 
im Gestein eintritt. Durch dergleichen Terrassen werden im 
Uebrigen im nordwestlichen Deutschland fast beständig die 
Grenzen der verschiedenen Formationen, ja sogar die vor- 
züglichsten Glieder derselben, wo sie keine besondere Hügel- 
züge formiren, angezeigt. Jene Terrasse ist die einzige, die 
in der Umgegend von Braunschweig innerhalb des ganzen 
Muschelkalks vorkömmt. Sie ist entweder local hier eine 
Unterbrechung in der Ablagerung der Gesteine , während 
solche an andern Orten mit Gliedern, die hier fehlen, weiter 
fortschritt, oder sie deutet einen allgemeineren Abschnitt an. 

§. 9. Beschaffenheit des Gesteins und Reihenfolge. 

Die Kalksteine, welche in der mittleren Abtheilung auf- 
treten, sind etwas mannigfaltiger, als die der oberen Abthei- 
lung. Der Thon scheidet sich namentlich in den jüngsten 
Schichten weniger rein aus, und hier erlangen diese fast 
überall eine bedeutende Mächtigkeit. 

Die Reihenfolge der Gesteine ist im Grossen 
betrachtet völlig constant, und findet in nachstehender Be- 
schaffenheit von oben nach unten Statt. 



143 

a. Eigentlicher Trochiten-Kalk, 6 — 10' mäch- 
tig. Eine Bank, die sich bei der Gewinnung in 1 — 2' starke 
Lagen, jedoch ohne alle Zwischenlagen von Thon, abson- 
dert. Die aus einem schmutzig weissen ins bläuliche hin- 
neigenden Kalkspath bestehenden Stielglieder von Encrini- 
ten (Trochiten) sind, in schmutzig weissem Kalkstein, der 
mit etwas gelben Thon und Kalkschwamm innig durchwach- 
sen ist, eingelettet. Der Kalkstein ist in der Regel milde 
und dicht, oder lässt mehr oder weniger kleine offene Räume 
erkennen , die von reabsorbirten Muschelschalen herrühren. 
Das Ganze hat im Allgemeinen eine geringe Festigkeit. 
Stellenweis liegen die Trochiten dicht an einander, so dass 
das wenige, dann mehr thonige Bindemittel eben hinreicht, 
einigen Zusammenhalt zu bewirken. Anderer Seits, vorzüg- 
lich im untern Niveau, vermindern sich dieselben und machen 
einer ungemeinen Zusammenhäufung anderer Thierreste Platz. 
Das Gestein erhält da, wo die Räume, welche durch die 
Schale eingenommen wurden, nicht ausgefüllt sind, ein zel- 
liges Ansehen. Thon ist hier nicht rein ausgeschieden. Da- 
gegen pflegt dieser da, wo der Trochiten-Kalk mächtig ent- 
wickelt ist, zu oberst ziemlich rein, von compacten etwas 
erdigen Kalkstein , der in Kalkspath verwandelte Muschel- 
schalen enthält, etwa zur Hälfte des Ganges durchwachsen, 
vorhanden zu sein und eine überaus lose zerbröckliche Ge- 
steinsmasse zu bilden. 

b. Oolithischer Kalk, 1 — 1^ Fuss starke, nur 
durch Absonderungsflächen, ohne zwischenliegenden Thon 
getrennte Bänke, die im Ganzen eine Mächtigkeit von 6 bis 
18' haben. Zwischen diesem und dem eigentlichen Trochi- 
ten-Kalke tritt hin und wieder eine bis 1 ^ starke Lage Thon 
auf. Der oolithische Kalk ist von schmutzig gelb weisser bis 
rauchgrauer Farbe. Den in grauem Kalke liegenden Ooli- 
then von Hirsengrösse, die sich zum Theil dicht neben ein- 
ander, zum Theil namentlich in den unteren Schichten nur 
sparsam finden, kommt diese Benennung nicht mit vollem 
Rechte zu, denn sie bestehen in der Regel lediglich aus gel- 



144 

bem Kalkschlamm, so dass eine concentrische Bildung nicht 
wahrnehmbar ist. Doch finden sich auch einzelne Körner- 
chen, deren Mittelpunkt aus demselben Kalke besteht, als 
die umgebende Masse. Ihre Form ist im Allgemeinen rund, 
da wo sie sich sehr häufen, länglich. Auf bedeutende Er- 
streckung ist die Masse, aus denen diese Oolithkörnchen be- 
standen, verschwunden. Statt ihrer sind dann leere Räum- 
chen vorhanden, und es entsteht ein dem Schaumkalke ähn- 
liches Gestein. Die Porosität wird noch vermehrt, wenn die 
umschlossen gewesenen Muschelschalen reabsorbirt und nicht, 
wie dies an andern Orten der Fall ist, durch Kalkspath er- 
setzt sind. Da wo der oolithesche Kalk fehlt, wie dies nicht 
selten, pflegen die Schichten a. eine grössere Festigkeit zu 
besitzen, als sonst. Letztere sind dann von dunkel rauch- 
grauer Farbe und splittrigem Bruche. In Kalkspath ver- 
wandelte, jedoch, weil sie mit der umgebenden Masse innig 
verbunden, völlig unkennbare Muschelreste, bilden häufig vor- 
zugsweise die Masse. 

c. 12 — 20' Abwechselungen von 2 bis 6" starken 
Kalkbänken und 1 — 4" starken Thonschichten. Thon 
und Kalk haben ziemlich dieselbe Beschaffenheit, wie in den 
unteren Schichten der oberen Abtheilung; der Kalk ist ge- 
meiniglich sehr fest, von splittrigem oder muschligem Bruche, 
aschgrau, grösstenteils aber schmutzig strohgelb. 

d. Hierunter folgen 2" bis 1' starke Lagen von einem 
hellgelblich grauem milden dolomitischen Mergel, ohne 
reine Thonausscheidungen auf den Schichtabsonderungen, und 
diese völlig eben, ohne Wülste. Spuren von organische 
Reste haben sich darin zeither nicht gefunden. Die Behand- 
lung mit verdünnter Essigsäure in der Kälte (vid. Karsten 
im Archiv 1848. Bd. 22, 2.) hat ergeben, dass darin die 
kohlensaure Talkerde sowohl als solche, als auch in chemi- 
scher Verbindung mit kohlensaurer Kalkerde, als Dolomit, 
enthalten ist. — In diesen Mergeln von sehr gleichförmiger 
Beschaffenheit setzen Massen von wirklichem Dolomit mit 
12 bis 20' Mächtigkeit auf, die am Hardewege, etwa in der 



145 

Mitte zwischen Gebhardshagen und dem dortigen Gipsofen, 
und am Hamberge unweit Salzgitter durch Steinbrüche auf- 
geschlossen sind. Am Hardewege, wo indessen keine be- 
deutende Tiefe erreicht ist, bildet das Gestein eine Art Brec- 
cie von nuss- bis handgrossen eckigen Stücken von asch- 
grauem , compakten Muschelkalke , die durch einen grauen 
krystallinischen, sehr porösen Dolomit verbunden sind. Eine 
chemische Untersuchung hat gezeigt , dass der umgebene 
Kalkstein zwar eine geringe Menge Talkerde, jedoch nicht 
als Dolomit, enthält. Am Hamberge ist der Dolomit völlig 
rein, krystallinisch , weissgrau, ziemlich fest und etwas po- 
rös, die Löcher mit kleinen Rhomboedern besetzt. Derselbe 
sondert sich in Bänke von 1 — 2' Mächtigkeit ab. Am zwei- 
ten Punkte scheint ausserdem noch eine andere, mehr san- 
dige Dolomitmasse aufzutreten. — Auch im eigentlichen Do- 
lomit fehlen organische Reste. — In der Regel sind diese 
Dolomite und dolomitische Mergel, wegen ihrer leichten Ver- 
witterbarkeit, wo keine steile Abhänge vorhanden, mit hoher 
Dammerde bedeckt, und der genauen Untersuchung in Be- 
ziehung auf ihre gegenseitigen Verhältnisse entzogen. Die 
Steinbrüche am Hardewege bei Gebhardshagen unweit der 
Gipshütte lassen jedcch die oberen Mergelschichten, ohne dass 
der Dolomit bereits erreicht wäre, bis zu 20' Mächtigkeit 
erkennen, und dortige Schürfversuche machen wahrscheinlich, 
dass durch sie und die Dolomite der gesammte Raum bis 
zur unteren Abtheilung eingenommen wird, so dass ihre Mäch- 
tigkeit 100 — 120' betragen dürfte. 

Von Gips und Anhydrit ist hier in der Umgegend 
von Braunschweig bislang keine Spur gefunden. Wären 
diese Gesteine in den unteren dolomitischen Schichten vor- 
handen, so müssten mindestens die steilen Abhänge davon 
Andeutungen geben. Auch das Bohrloch nach Steinsalz bei 
Schöningen, mit dem der gesammte Muschelkalk und noch 
ein Theil des bunten Sandsteins durchsunken ist, hat davon 
nichts gezeigt. 

Zeits. d. d. geol. Ges. 1. 2. 10 



146 

§. 10. Wurmförmige Bildungen und Stylolithen. 
Wurm förmige Bildungen auf den Absonderungs- 
flächen zeigen sich in dieser Abtheilung gar nicht oder nur 
als Ausnahmen in den Schichten c. Dagegen sind Stylo- 
lithen die obersten, die im Muschelkalke vorkommen, in- 
nerhalb der oolithischen Schichten, vorzüglich, wo diese mäch- 
tige Bänke bilden, ziemlich häufig. 

§. 11. Mächtigkeit. 

Die gesammte Mächtigkeit der Schichten zwischen der 
oberen Grenze und dem Absätze, der die mittlere und un- 
tere Abtheilung trennt, schwankt zwischen 140 u. 150 Fuss. 

§. 12. Beobachtungspunkte. 
Durch Steinbrüche von einiger Bedeutung ist die mitt- 
lere Abtheilung aufgeschlossen: am Rieseberge, auf dessen 
Höhe; am Elme bei Hemmkenrode, Erkerode, Kneitlingen 
und im Holze in der Schilligrund bei Wobeck; an der Asse 
unweit gr. Denkte, im Wittmarshorne und im Wittmarschen 
Gemeindebruche, unweit des Wirthshauses daselbst, ferner 
zwischen den Forstorten Klara und Buchen, bei Klein Vahl- 
berg, bei Berklingen zunächst dem Orte, und endlich am 
Mühlenberge bei Uehrde; am südlichen und südwestlichen 
Fusse des Oesels unweit Wolfen b üt tel ; bei Gebhardshagen 
am Hardewege vor und hinter der Gipshütte, wie auch von 
da nach Gustedt zu und am Dahlenberge; bei Salzgitter am 
Hamberge, Greif holze und Tiefenkampe; und endlich zu- 
nächst dem Harze bei Langeisheim am Schwalenklinte und 
Grimmberge. — Fast an alle diesen Localitäten sind auch 
mehr oder weniger Schichten der oberen Abtheilung vor- 
handen. 

§. 13. Nutzanwendung. 

Der Trochiten-Kalk da, wo er durch Vorherrschen der 
Trochiten keinen zu geringen Zusammenhalt zeigt, und die 
oolithischen Schichten geben einen vorzüglichen Baustein, 
der namentlich von Erkerode und Hemmkenrode weit ver- 



147 

sendet wird. Der Abfall aus diesen Bänken und die reinen 
Kalkschichten darunter, die sich wegen geringerer Mächtig- 
keit zu Bausteinen nicht eignen, liefern guten Aetzkalk. Die 
härtesten Abänderungen werden als Chausseesteine benutzt. 
Der Dolomit von Gebhardshagen wird bei der Bereitung von 
hydraulischem Mörtel mit verwendet. 

§. 14. Organische Einschlüsse. 

Wenn schon die zum Theil nicht unbedeutende Mäch- 
tigkeit der einzelnen Schichten auf eine mehrere Stetigkeit, 
als solche in der oberen Abtheilung Statt fand, hindeutet, so 
folgt ferner aus den organischen Resten, die die mittlere Ab- 
theilung einschliesst und deren Art der Erhaltung, dass ihre 
Ablagerung unter hoher Meeresbedeckung und mit einer ge- 
wissen ruhigen Entwickelung vor sich ging. Dass die Stiele 
der Encriniten in ihre einzelne Glieder zerfallen sind, wie- 
derspricht, bei deren geringem Zusammenhalt, einer solchen 
Ruhe nicht, eben so wenig, wie der Umstand, dass die zwi- 
schen den Stiel gliedern liegenden Muscheln fast ohne Aus- 
nähme zerbrochen sind. Letztere mussten unter dem Ge- 
wichte von jenen zerdrückt werden. Wo dergleichen oder 
ähnliche Verhältnisse nicht vorhanden waren, zeigen sich die 
Muschelschalen nicht zertrümmert. Die Steinkern - Bildung 
,in der oberen Abtheilung findet auch in der mittleren, jedoch 
in vermindertem Grade, Statt. Im Trochiten-Kalk sind die 
Muscheln mit der Schale oder als Steinkerne vorhanden. Im 
oolithischen Kalke pflegen dieselben reabsorbirt, und nicht in 
Kalkspath verwandelt zu sein. Die in der mittleren Abthei- 
lung des Muschelkalks bislang aufgefundenen Thier-Reste 
sind nachfolgende. Es ist hierbei zu berücksichtigen, dass 
die unteren oder dolomitischen Schichten dergleichen nicht 
einschliessen. 

I. ÄTiedere Thierc 

1. Nautilus bidorsatus Schloth. 
ist im eigentlichen Trochiten-Kalke überaus selten. Wir be- 

10* 



148 

sitzen nur ein 10" Rh. grosses Exemplar aus dem oberen 
Theile desselben von der Asse, und ein anderes von 2'' Durch- 
messer aus den untern Bänken desselben vom Hamberge bei 
Salzgitter. Dagegen erscheint, jedoch nur die von Quen- 
stedt in seiner Petrefkd. pag. 54. und Tab. 2, 13. als N. 
bidorsatus dolomiticus dargestellten Varietät, häufig in den 
untersten Schichten des oolithischen Kalks in dem Günter- 
schen Steinbruche bei Erkerode. Die Exemplare haben hier 
gewöhnlich einen Durchmesser von 3y". Ueber 4" erreichen 
sie nicht. In noch tieferen Schichten, so wie in der unteren 
Abtheilung ist in hiesiger Gegend von N. bidorsatus keine 
Spur gefunden. 

2. Rhyncholithus hirundo Faure-Biguet und 

3. Conchorhynchus avirostris Bronn. 

(Vid. beide Leth. pag. 180 und 181. Tab. 11, Fig. 17 
und ig; Ziet. 37. 3 u. 2; Münster 's Beiträge Heft 1. pag. 
69 u. 70. Tab. 5, 6—10 und 2—3; Geinitz Versteinerungsk. 
p. 280. und Quenstedt Petrefk. Tab. 2, 4, 5.) 

Es möchte nicht zweifelhaft sein, dass diese Thierreste 
nackten Cephalopoden, und zwar Nautilineen (vid. Bronn im 
Nomencl. p. 323 und 1087.) angehört haben, doch steht der 
Annahme, die aus der Analogie mit dem lebenden Nautilus 
gefolgert ist, dass sie Theile, Kiefer oder dergleichen, von 
Individuen (d'Orbigny Ter. Jur. p. 145, 156 und 165.) aus 
dem Genus Nautilus bildeten, Mehreres entgegen. Berück- 
sichtigt man allein den Muschelkalk, so hat nämlich allein 
Münster 1. c. viererlei dergleichen Schnäbel von einer Lo- 
calität, Laineck bei Bayreuth, beschrieben, während sich im 
ganzen Muschelkalke doch nur eine Species von Nautilus 
findet. Sollte sich nun der hieraus abzuleitende Einwurf auch 
damit beseitigen lassen , dass man entweder jene Schnäbel 
auf nur zwei verschiedene Formen reducirt und zulässt, dass 
beide zusammen einem Individuum von Nautilus entsprachen, 
oder dass man die Varietäten von Naut. bidorsatus zu meh- 
reren Species erhebt, so bleibt doch immer noch der wesent- 
liche Umstand mit jener Annahme nicht in Uebereinstimmung 



149 

zu bringen, dass hier in der Gegend in der oberen Abthei- 
lung des Muschelkalks, wo Naut. bidörsatus am häufigsten 
ist, Conchorhynchus und Rhyncholithus gänzlich fehlen, diese 
sich auf den mittleren Muschelkalk beschränken und vorzugs- 
weise im eigentlichen Trochiten-Kalke vorkommen, in wel- 
chem letzteren Naut. bidörsatus so sehr selten erscheint. Doch 
darf nicht verschwiegen werden, dass in der sogenannten Ei- 
serschicht, dem unteren Oolithen - Kalke, der gedachte Nau- 
tilus und die Schnäbel etwa in gleicher Anzahl vorhanden 
sind. Wären aber die Schnäbel Theile des Naut. bidörsa- 
tus gewesen, so ist die Thatsache schwer oder gar nicht zu 
erklären, dass sich beide nicht gleichmässig in den betreffen- 
den Schichten zeigen, ja sogar verschiedenen Niveaus ange- 
hören. Unter diesen Verhältnissen, die ähnlich in anderen 
Formationen wiederkehren, dürfte es für jetzt am Wahr- 
scheinlichsten sein , dass Conchorhynchus und Rhyncholithus 
Theile von nackten Cephalopoden waren, die weitere Reste 
nicht zurückgelassen haben, und deren Stellung im Systeme 
durch den sepiaartigen Ueberzug, den sie mit wenigen Aus- 
nahmen führen, einigermaassen angedeutet wird. Die Haupt- 
Fundorte der obigen Schnäbel, von denen beide Arten zu- 
sammen und etwa in gleicher Zahl — jedoch immer verein- 
zelt, sich zeigen, sind die unteren und mittleren Schichten 
bei Erkerode am Elme und Berklingen an der Asse. In der 
ganzen unteren Abtheilung des Muschelkalks sind dieselben 
nicht angetroffen. 

4. Trochus Alhertianus Goldf. 
Ziet. Tab. 68, 5. 
Goldfuss giebt, Theil III. pag. 53. Tab. 178, 12. nach 
Abdrücken, die ungemein häufig im Schaumkalke der unte- 
ren Abtheilung: des Muschelkalks auf dem Elme vorkom- 
men, eine vortreffliche Darstellung einer kleinen, in der Re- 
gel 3 — 6'" hohen Schnecke von 4 bis 5 Windungen, die von 
ihm Trochus Hausmanni genannt wird. Der Rand an 
der oberen Nath ist mit 25 bis 30 grösseren Höckerchen, 
der obere Rand des Kiels mit etwa doppelt so viel kleineren 



150 

besetzt. Feine Spirallinien, die jedoch auf dem Kiele oft- 
mals nicht erkennbar bleiben, bedecken das Ganze. Die in 
jenen Abdrücken zum Theil befindlichen Steinkerne sind völ- 
lig glatt, zeigen weder Höckerchen noch Längslinien und 
stimmen vollkommen mit Zieten's Trochus Albertianus 
Goldf. Es ist daher Tr. Hausmanni der äussere Abdruck 
und Tr. Albertianus der Kern von ein und derselben Spe- 
cies, für welche die letztere Benennung, als die ältere, allein 
beizubehalten sein wird. Ob damit auch Turbo Hausmanni 
Goldf. Tab. 103, i, als jüngere Exemplare, an denen zufäl- 
lig die Körnelung des Kiels und die Längslinien verwischt 
waren, wie dies in einem Gesteine, wie der Muschelkalk, 
leicht vorkommen kann, identisch ist, bleibt noch weiter zu 
untersuchen. — Tr. Albertianus Goldf. scheint von Bronn 
im Enum. pag. 426. (der Nomencl. liegt noch nicht vollstän- 
dig vor) als Pleurotomaria Albertiana Wissm. (Jahrb. 1842 
pag. 310.) aufgeführt zu werden. Wenn gleich diese Ge- 
nusbestimmimg wegen der Höckerchen, die Tr. Albertianus 
in Abdrücken an der Nath zeigt, und die sich nach unten 
und hinten schwach verlängern, wie auch wegen der Form 
des Kieles selbst, einiges für sich haben könnte, so haben 
wir doch, auch auf den scharfen Abdrücken im Schaum- 
kalke, nie die Spuren eines Spalts wahrnehmen können, und 
halten deshalb die Genus-Annahme von Goldf. für die wahr- 
scheinlichere. 

Trochus Albertianus kömmt in der oberen Abtheilung 
des Muschelkalks nicht vor. In der mittleren findet er sich 
höchst selten nur im eigentlichen Trochiten - Kalke bei Er- 
kerode und auf der Asse. Wo er in hiesger Gegend häufi- 
ger auftritt, kann man mit grösster Wahrscheinlichkeit auf 
ein tieferes Niveau schliessen. 

5. Turbo helicites Mstr. 
und 

6. Natica Gaillardoti Lefroy 

finden sich vereinzelt im Trochiten-Kalke von Erkerode und 
am Rieseberge. 



151 

7. Melania Scklotheimi Quenst. 

kömmt in der mittlem Abtheilung des Muschelkalks oben 
und unten, gleich wie in der oberen Abtheilung vor. In den 
jüngsten Schichten des Trochiten- Kalks findet sie sich an 
der hohen. Leiter bei Uehrde, mitten in demselben in einzel- 
nen Windungen von sehr grossen Exemplaren (Fusus Hehli 
Ziet.) bei Erkerode, und in ziemlich bedeutender Anzahl zu- 
nächst unterhalb desselben am Hamberge bei Salzgitter. 

8. Myacites musculoides 

selten in den obersten thonigen Schichten von Uehrde, fer- 
ner sehr häufig in dem unteren Trochiten-Kalke am Harde- 
wege bei Gebhardshagen und am Hamberge bei Salzgitter. 

9. Trigonia vulgaris Schi. 

findet sich einzeln zerstreut in der ganzen Abtheilung. 

10. Trigonia ovata Goldf. 

Goldf. Tab. 135, 1 1; Mactra trigona Goldf. bei Ziet. Tab. 
71, 4. und in der Leth. pag. 174. Tab. 13. to. Dass diese 
Versteinerung wirklich eine Trigonie ist, geht aus den Stein- 
kernen hervor, die den Zahnapparat, den Einschnitt der sehr 
starken vordem Leiste, die Muskeleindrücke und den diese 
verbindenden Mantel - Eindruck , scharf ausgedrückt zeigen. 
Die Steinkerne sind quer-oval, doppelt so lang, als hoch, ge- 
wöhnlich 2", jedoch bis 2j" lang, und vorn und hinten zu- 
sammengedrückt. Die wenig gewölbte Seite verflächt sich 
ziemlich allmählig, ohne dass eine scharfe Kante das Schild- 
chen absonderte. Diese Verflächung rührt offenbar daher, dass 
das Schildchen geringe Breite hat und der hintere starke 
Muskel-Eindruck sich etwas nach vorn, zum grössten Theile 
bereits auf der Seite, befindet. Die sehr wenig oder gar 
nicht nach vorn eingekrümmten Wirbel liegen j der ganzen 
Länge von vorn. Die Schale ist, nach den in der untern 
Abtheilung sich findenden Abdrücken glatt, die Kante zwi- 
schen der Seite und dem Schildchen, etwas mehr, als auf 
den Steinkernen hervortretend, jedoch ohne allen Grath. 

Vorkommen als Steinkerne: häufig in dem oolithischen 
Kalke von Erkerode, seltener in den Schichten zunächst dar- 



152 

unter. Im eigentlichen Trochiten - Kalke und in der oberen 
Abtheilung nicht gefunden. 

11. Mytilius eduliformis Schi. 

Ist häufig in 1 — 2" grossen Exemplaren in allen Schich- 
ten der mittlem Abtheilung. Im Trochiten-Kalke von Er- 
kerode, Hemmkenrode und Uehrde, in dem oolithischen Kalke 
und noch tiefer bei Erkerode. Seine Verbreitung erstreckt 
sich noch tiefer. 

12. Avicula Albertii Geinitz, 

selten in den obersten Trochiten- Schichten, bei Erkerode und 
Uehrde, sehr häufig dagegen, und ganze Schichten bildend, 
mehr in der Mitte der mittlem Abtheilung, namentlich in 
den abwechselnden Kalk- und Thonschichten unter dem ooli- 
thischen Kalke bei Erkerode. Hier mit Trochiten und Pec- 
ten discites. In der unteren Abtheilung scheint diese Ver- 
steinerung zu fehlen. 

13. Gervillia socialis Quenst. 

zeigt sich in allen Kalkschichten der mittlem Abtheilung 
eben so häufig, als in der obern Abtheilung. 

14. Gervillia costata Quenst. 

(Avicula Bronni Alb. vid. in der unteren Abtheilung No. 18.) 
findet sich ziemlich häufig mit der Schale auf den Absonde- 
rungsflächen der oberen und mittleren Schichten bei Erke- 
rode, am Rieseberge, auf der Asse etc. 

15. Lima striata Goldf. 

Aus dem Genus Lima des Muschelkalks sind erkenn- 
bar beschrieben oder abgebildet folgende Species: 
a. von Schlotheim. 

1) Chamites striatus Nachtr. Tab. 34, i. 

2) — laevis ib. Tab. 34, i, 

3) — punctatus ib. Tab. 34, 3. 

4) — lineatus ib. Tab. 35, 1. 

No. 2 und 3. werden von Schloth. als nicht unzweifelhaft 
aus dem Muschelkalke angegeben. No. 2. dürfte aus einer 
jüngeren Formation, etwa aus dem Lias herrühren und L. 
gigantea Desh. sein. No. 3. wird im Nomencl. pag. 646. 



153 

als synonym mit L. longissima Voltz und interpunctata Alb. 
gesetzt. Schmid (vid. Saalthal p. 42.) ist geneigt, L. 
punctata, interpunctata und radiata von L. lineata nicht zu 
trennen, welcher Ansicht wir einstweilen beitreten. Es blei- 
ben deshalb No. 2 und 3. unberücksichtigt. — Lima striata 
und L. lineata unterscheiden sich durch mehrere Grösse, 
längere Form und durch breitere, flachere, zum Theil kaum 
sichtbare Rippen bei letzterer. 

b. von Zieten werden als Plagiostomen, L. striata 
Tab. 50, i. und L. lineata Tab. 50, 2. wiedergegeben, und 
noch hinzugefügt: 

5. Plag, ventricosum Ziet. Tab. 50, 3. Es ist diese der 
L. lineata ähnlich und soll sich von letzterer dadurch unter- 
scheiden, dass sie hinten am Rande weiter ausgebreitet ist, 
auch ungleiche Rippen führt. 

6. Plag, reguläre Klöden bei Ziet. Tab. 69, 3. dürfte 
eine Varietät von L. striata oder lineata (von letzterer nach 
Quenst. Flötzgeb. pag. 557. und dem Nomencl. pag. 646.) 
sein. 

c. Von Bronn werden in der Lethaea pag. 163 und 
164, mit der diesem classischen Werke eigenthümlichen Gründ- 
lichkeit als besondere Species unterschieden: L. striata, li- 
neata und ventricosa, die beiden erstem auch Tab. 11, 9 und 
iü. abgebildet. 

d. Goldfuss giebt Tab. 100, 1. L. striata und Tab. 
100, 3. L. lineata. Zu letzterer wird L. ventricosa Ziet. als 
Varietät gerechnet. Ausserdem stellt derselbe als neue Spe- 
cies auf: 

7. L. costata Mstr. Tab. 100, 2. die Form ohngefähr, 
wie vom L. striata, jedoch mit wenigen, nur 10 — 12 Rip- 
pen, „die zwischen sich breitere Furchen lassen, deren jede 
in der Mitte durch einen Streifen getheilt ist," und 

8. L. radiata Goldf. Tab. 100, 1, Sie schliesst sich 
durch die Breite und Theilung der Rippen an L. lineata, 
soll sich von dieser jedoch hauptsächlich durch weiter vorra- 
gende Wirbel unterscheiden. 



154 

e. Geinitz in seiner Versteinerungsk. pag. 471. ver- 
einigt mit L. lineata , L. ventricosa Ziet. und L. radiata 
Goldf., während derselbe zwar die Aehnlichkeit dieser Spe- 
cies mit L. striata anerkennt, letztere jedoch als besondere 
Species bestehen lässt. Selbst nach der beschränkten An- 
zahl von Exemplaren der L. radiata Goldf., welche wir Ge- 
legenheit hatten zu untersuchen, sind constante Merkmale, 
die sie von L. lineata trennen, nicht vorhanden. L. radiata 
Goldf. dürfte daher nach Geinitz's Vorgange zu beseiti- 
gen sein. 

Im Nomenciator wird pag. 643. PI. ventricosum Ziet., 
als gleichbedeutend mit der bereits früher von Deshayes auf- 
gestellten L. cordiformis abgesondert, wie schon in der Le- 
thaea geschehen. Es scheint jedoch diese Form einer Seits 
durch verminderte Ausbreitung am hinteren Rande im L. 
lineata und anderer Seits durch geringere Breite der Rip- 
pen in L. striata überzugehen, und nehmen wir keinen An- 
stand, sie, nach dem Vorgange von Goldf. und Geinitz, de- 
nen sich auch Quenstedt, der im Flötzgeb. Würtembg. pag. 
554. die Zieten'sche Form als L. lineata bezeichnet, an- 
schliesst, als keine besondere Species zu betrachten. 

Somit möchte es unzweifelhaft sein, dass die verschie- 
denen Formen des Genus Lima aus dem Muschelkalke sich 

— bis auf die nicht vollständig bekannte L. longissima Voltz 

— auf die beiden Hauptformen L. striata und lineata zurück- 
führen lassen. Doch scheinen auch diese beiden Hauptfbr- 
men, wenn eine grössere Anzahl von Exemplaren, und diese 
aus entlegenen Gegenden , betrachtet wird , durch constante 
Merkmale specifisch nicht trennbar zu sein. Wenn es aber 
wahrscheinlich ist, dass beiden nicht nur eine verschiedene 
horizontale, sondern auch, was wesentlicher, im Allgemeinen 
eine verschiedene verticale Verbreitung (L. striata in der 
Regel in höheren Schichten, als L. lineata) eigen ist, so wird 
es nützlich sein, sie mindestens als besondere Varietäten ge- 
trennt zu halten. 

In der Gegend von Braunschweig kömmt vornämlich 



155 

die Var. striata vor, von Grösse und Umriss, auch Form 
und Anzahl der Rippen, wie die Abbild. Tab. 100. Fig. l,d, 
bei Goldf. — Die Schale ist dünne, und zeigen Steinkerne 
die Rippen und Anwachsstreifen fast gleich scharf. Exem- 
plare, wo auf der rechten oder linken Klappe sich eine oder 
mehrere von den 28 — 30 deutlichen Rippen, die die beiden 
Seiten bekleiden, theilen, sind nicht selten. Mit den schwä- 
cheren Rippen vorn und hinten ist dies öfter der Fall. Ge- 
meinlich nehmen mit dem Alter die Rippen und die Räume 
dazwischen gleichmässig zu. Doch ist dies keinesweges Re- 
gel, indem an einigen Localitäten verhältnissmässig die Rip- 
pen, an andere die Zwischenräume, in der Breite mehr wach- 
sen. — Selten wird die Grösse der Goldfuss 'sehen Ab- 
bildung überschritten. Die Form wird dann höher, indem 
in dieser Dimension mit dem Wachsthume eine grössere Zu- 
nahme Statt findet, als früher. Solche Exemplare nähren 
sich in dem Umrisse der Form von L. lineata. Nie erschei- 
nen jedoch hier die Rippen so breit, wie bei Goldf. Tab. 100. 
Fig. 4, G. Auch sind auf den Seitenflächen die Rippen nie 
verwischt, so dass hier die Normalform der var. lineata nicht 
auftritt. 

Von Lima hat sich an keiner Localität irgend eine Spur 
in der öbern Abtheilung gezeigt, und es bedarf der weite- 
ren Bestätigung, wenn sie daraus, wie z. B. in Thüringen, 
citirt wird. Dagegen erscheint sie überall sehr häufig in 
der mittlem Abtheilung. Hier ist dieselbe vorzüglich mit 
Encriniten und Terebrateln im eigentlichen Trochiten-Kalke 
vergesellschaftet. Die oberen Schichten desselben bestehen 
zum Theil, wie bei Erkerode, Gebhardshagen, Salzgitter, an 
der Asse etc. fast ganz aus dicht an einander gehäuften Scha- 
len derselben. Doch geht Lima auch in die untere Abthei- 
lung über. 

16. Pecten laevigatus Bronn. 

Sehr selten in den oberen Schichten, so im Trochiten- 
Kalke von Erkerode und am Dahlenberge bei Gebhardshagen. 
Tiefer, namentlich in der untern Abtheilung, nicht gefunden. 



156 

17. Pectcn discites Bronn 

ist im eigentlichen Trochitenkalke selten, dagegen füllt er in 
der Mitte der mittleren Abtheilung, im Vereine mit einzel- 
nen Encriniten- Stielgliedern und mit Avicula Albertii ganze 
Schichten aus, so vorzüglich bei Erkerode. 

18. Steinkerne von Austern, 3 — 4" gross, mit star- 
ker Bandgrube, finden sich häufig z. B. bei Erkerode oben 
im Trochitenkalke, und in den oolithischen Schichten, in wel- 
chen letztere sie stellenweise so angehäuft sind, dass das 
Gestein durch die verschwundene Schale löcherig, grossäu- 
gig, wie die Arbeiter sagen, erscheint. Die Abdrücke der 
Schale sind überall so undeutlich, dass eine zuverlässige Be- 
stimmung nicht thunlich ist. An den Rändern der Steinkerne 
werden indessen die Andeutungen von zahlreichen Falten 
wahrgenommen und möchten sie danach zu Ostrea spondy- 
loides Schi. (Schi. Nachtr. Tab. 36, i *■ ; Goldf. Tab. 72, 5.) 
oder O. multicostata Münst. (Goldf. Tab. 72, 2.) gehören. 

19. Terebratula vulgaris Schi. 

aus der Abtheilung der Laeves Jugatae, mithin eine glatte 
Terebratel, deren Dorsal- Schale in der Mitte an der Stirn 
zu einem Sinus eingesenkt ist, und zwar aus der Unterab- 
theilung der Repandae, wo sich dieser Sinus mehr durch 
Ausbiegung der Stirnkante gegen die Ventralschale hin, als 
durch wirkliche Einsenkung zwischen den Seiten verräth, ist 
durch v. Buch (Terbr. pag. 92.) als besondere, sich von 
ähnlichen bestimmt unterscheidende Species charakterisirt. 
Abbildungen vid. Schi. Nachtr. Tab. 37, 5-9; Ziet. Tab. 39, 
i; Lethaea Tab. 11, 5 und mit Farbenzeichnung bei Alberti 
im Jahrb. 1845. pag. 672. Tab. 5, i_ 5 . 

Abarten von der Normalform kommen in unserer Ge- 
gend nicht vor. T. vulgaris erreicht das Maximum ihres 
Erscheinens in den obersten Schichten der mittlem Abthei- 
lung des Muschelkalks. Noch höher in der oberen Abthei- 
lung fehlt sie gänzlich, und wenn ihrer von dort aus ande- 
ren Gegenden erwähnt wird, so dürfte dies der weiteren Be- 
stätigung bedürfen. An den Grenzen des eigentlichen Tro- 



157 

chitenkalks tritt sie stellenweise zu Millionen vereinigt auf, 
der Art, dass sie vorzugsweise an die unteren und oberen 
Schichten desselben gebunden, jedoch nicht überall erscheint. 
Da, wo T. vulgaris in solcher Menge gefunden wird, kann 
man mit Sicherheit darauf rechnen, dem Trochiten - Kalke 
ganz nahe zu sein. So bei Hemkenrode am Elm, auf dem 
Rieseberge, bei Salzgitter etc. Dagegen ist sie in demsel- 
ben Niveau bei Erkerode (mindestens jetzt, nicht früher) bei 
Uehrde, auf der Asse etc. nicht so häufig. In der Regel 
pflegt das Gestein, woran dort diese Muschel gebunden ist, 
ziemlich thonhaltig zu sein. Die Schale ist dann völlig er- 
halten. Vereinzelt findet sich Tr. vulgaris auch mitten 
im wirklichen Trochiten - Kalke und den tieferen Schichten 
der mittlem Abtheilung, jedoch nie in sehr bedeutender An- 
zahl zusammen. In der unteren Abtheilung ist dagegen ihr 
Auftreten stellenweise wieder sehr häufig. 
20. Encrinns liliiformis Lam. 
Schi. Tab. 23, i ; Leth. pag. 155. Tab. 11, , ; Geinitz. 
Verstkd. pag. 539. Tab. 23, i ; als Encr. moniliformis Mill. 
bei Goldf. I. pag. 177, Tab. 53, s, Wurzelstücke und Stiel- 
glieder, Tab. 54. der Kelch und dessen Theile. Dieser Cri- 
noidee, dessen wohl erhaltene Kelche aus hiesiger Gegend, 
von Erkerode am Elme, allgemein bekannt sind und eine 
Zierde der Sammlungen bilden, ist von Goldfuss 1. c. so aus- 
führlich beschrieben, dass nichts hinzuzufügen bleibt. Nur 
zwei, wenn man so sagen will, Abarten, die jedoch spe- 
cifisch nicht verschieden sind, und neben einander vorkom- 
men, wollen wir erwähnen. In der einen ist das Becken, 
die Basalglieder, sichtbar, wie in Goldf. Abbildung Tab. 54. 
Fig. D., in der andern ist dasselbe in das Innere des Kelchs 
gedrückt. Im letzteren Falle treten die gewölbten Rippen- 
Glieder der ersten, unteren Reihe bis dicht an den Stiel 
und verdecken das Becken, das, wenn es von aussen auch 
völlig unsichtbar, doch jederzeit im Innern vorhanden ist* 
Diese Verschiebung des Beckens nach Innen wird durch des- 
sen nicht solide Befestigung an die ersten Rippenglieder be- 



158 

dingt, so dass die Schwere des Kelches oder sonstige Um- 
stände hinreichten, ein Eindringen nach Innen zu gestatten. 
Es ist. dieses Verhältniss indessen nicht vorzugsweise an 
grösseren Exemplaren zu bemerken, sondern es zeigt sich 
an kleinen und grossen gleich häufig. Ausserdem verbinden 
Uebergänge beide Varietäten, so dass die Entwickelung in 
der einen oder andern Weise rein zufällig sein dürfte. — 
Eine besondere Aufmerksamkeit verdient, wegen der Ver- 
wechselungen die daraus leicht entstehen , der Zustand des 
Stiels zunächst am Kelche. Derselbe ist hier, wie schon 
Goldfuss I. pag. 178. bemerkt, oftmals von gerundet fünf- 
seitigen Umfange, und schliesst sich in dieser Weise dem 
höchsten, sternförmigen Gliede der Form nach in etwas an. 
In einem Exemplare unserer Sammlung hat diese Form der 
Stiel bis 2j" Länge unter dem Becken. Der Kelch ist da- 
bei völlig normal gebildet. Im Allgemeinen scheint die fünf- 
seitige Beschaffenheit um so tiefer herabzugehen, als eine 
mehrere Abwechselung von schmäleren und breiteren Glie- 
dern Statt findet, d. h. so lange noch ein kräftiger, produc- 
tiver Wachsthum Statt fand. Die oberen Glieder könnte 
man, einzeln gefunden, dem Umfange nach , füglich für von 
Pentacriniten herrührend halten, zumal da die Zeichnung auf 
den dortigen Gelenkflächen (vid. Goldf. Tab. 53. Fig. 8. p 
und a) zur Täuschung noch mehr verleitet. An anderen 
Exemplaren, und diese mögen reichlich die Hälfte ausmachen, 
sind die Stielglieder unmittelbar unter dem Becken, dreh- 
rund, wie auch bei jenen in allen Fällen tiefer herab. 

Wir wollen nun vier Missbildungen von Kelchen, 
die in unserer Sammlung von Erkerode und der nächsten 
Umgegend aufbewahrt werden, etwas näher bezeichnen. Alle 
sind aus dem Gesteine gehoben, also ringsum zu beobach- 
ten. Zuförderst ein völlig unbeschädigter Kelch von 1' 11" 
Rh. Länge und daran befindlichen drei, sehr fünfseitigen 
Stielgliedern. Das Becken nicht sichtbar. Die ersten und 
zweiten Kippenglieder, wie auch die dreieckigen Schulter- 
glieder sind ganz normal gebildet, jedoch allerseits nur zu 



159 

vier an der Zahl — nicht zu fünf, wie normalmässig wäre 
— vorhanden. Eine Verwachsung von zwei vertikalen Glie- 
derreihen in eine hat nicht Statt gefunden, sondern es fehlt 
in der That die eine solche Reihe. Auf den schiefen Flä- 
chen der Schultergliedern ruhet beiderseits ein Ann von 6 
Gliedern. Das dann folgende 7te Glied reicht schon nicht 
mehr ganz über, und es entsteht allmählig weiter nach oben, 
wie gewöhnlich, die Zertheilung eines jeden Arms in zwei 
Finger, von welchen letztern im Ganzen zwei etwas nach 
aussen gebogen, die Tentakalen sehen lassen, alles, einzeln 
betrachtet, durchaus normalmässig zusammengesetzt. Somit 
sind an diesem Exemplare nur 8 Arme und 16 Finger vor- 
handen. Weit entfernt in dieser Beschaffenheit, irgend et- 
was anderes, als eine seltene Monstrosität zu erkennen, le- 
gen wir doch auf deren Bildung, zur besseren Verständi- 
gung über das Nachfolgende einiges Gewicht. — Am zweiten 
Stücke misst der Kelch, von denen einige Arme oben etwas 
abgebrochen sind, 2". Vollständig mag derselbe 2~" lang 
gewesen sein. Daran haften noch vier Stielglieder, das un- 
terste grössere vollkommen fünfseitig. Das Becken weit 
sichtbar. Vier Seiten des Kelches zeigen völlig normale Be- 
schaffenheit. Nicht so die fünfte. Diese führt über dem er- 
sten und zweiten Rippengliede kein Schulterglied. Letzte- 
res fehlt gänzlich, und über dem zweiten Rippengliede folgt 
ein drittes Rippenglied und dann auf diesem in der Mitte, 
dasselbe nicht ganz bedeckend, ein sehr kleines linsenförmi- 
ges zweites Schulterglied, hierauf und soweit es nicht deckt, 
auf dem dritten Rippengliede, ruht ein im übrigen normal- 
massig gebauter Arm. Der zweite Arm an dieser Seite 
fehlt, und besitzt das ganze Stück daher nur 9, anstatt iO 
Arme. — Das dritte Exemplar ist unten und bis etwas über 
2" unversehrt. Die Spitze des Kelches ist abgebrochen. Der- 
selbe hat besonders starke Dimensionen und dürfte, wohl er- 
halten, 4" lang gewesen sein. Vom Stiele sind 7'" Länge 
mit 8 gleich hohen, völlig drehrunden Gliedern, die keine 
Spur von Hülfsarme wahrnehmen lassen, ansitzend. Das 



160 

Becken nicht sichtbar. Erste und zweite Rippenglieder, wie 
auch die Schulterglieder in Dormalmässiger Anzahl zu je 5 
vorhanden. Ueber drei von diesen Schultergliedern — zwei 
neben einander liegenden und einem einzelnen — ist die Bil- 
dung der Arme (von je G Gliedern bis zum Beginn der 
Spaltung) und Finger normalmässig, nicht so über den bei- 
den andern Schultergliedern. Die letzteren tragen nämlich 
gleichförmig je drei Arme und zwar an beiden die rechte 
(auf den Beschauer bezogen) schiefe Fläche des Schulterglie- 
des einen Arm, die andere linke schiefe Fläche dagegen je 
zwei Arme. Der einzeln stehende rechte Arm besteht bis 
zur Spaltung aus 7 Gliedern, und ist im übrigen normalmäs- 
sig. Auf der linken schiefen Fläche des Schultergliedes liegt 
zuförderst wieder ein viereckiges Rippenglied und dann noch- 
mal ein kleines, dreieckiges Schulterglied. Auf den beiden 
schiefen Flächen dieses letztern steht je ein Arm, der bis zur 
Spaltung 6 Glieder zeigt. Ueber dem untern eigentlichen 
Schultergliede liegt somit rechts ein Armglied mehr, als 
links , wenn das dortige zweite Schulterglied als Armglied 
gerechnet wird, ein Mehr in der Zahl, das dadurch in der 
Höhe ausgeglichen wird , dass das untere Glied des einzel- 
nen Arms gleiche Höhe mit dem zweiten Schulter- und dar- 
unter liegenden viereckigem Gliede zusammengenommen hat. 
Sämmtliche Finger sind allem Anscheine nach mit Tenta- 
keln versehen gewesen, jedoch füllen diese grössten Theils 
im verworrenen Zustande das Innere des Kelches aus. Die- 
ser Kelch hat somit 12 Arme und 24 Finger resp. 2 und 4 
mehr, als die Normalform. *) — Das vierte Exemplar misst 
1" 10"' und ist völlig erhalten. Becken ganz sichtbar. Der 
Stiel fehlt. Nur die untere fünfseitige Gelenkfläche des ober- 
sten Stielgliedes ist sichtbar. Wie gewöhnlich sind 5 erste 



*) Ein anderer, völlig erhaltener Kelch von 2" 11"' Länge, zeigt die 
vorstehende abnorme Bildung nur über einem Schultergliede , so dass 4 
Seiten regelrecht beschaffen sind. Derselbe führt mithin 11 Arme und 
22 Finger. An der fünften Seite liegt auch hier der einzelne Arm nach 
rechts. 



161 

und zweite Rippen- und Schultorglieder vorhanden. Von 
letzteren sind drei, die neben einander liegen, mit je zwei 
Armen, die aus 6 ganz übergreifenden Gliedern bestehen, und 
sich dann in Finger zu sondern beginnen, völlig normalmäs- 
sig versehen. Ueber den beiden anderen neben einander be- 
findlichen Schultergliedern findet aber eine abnorme Bildung 
statt, und zwar über beiden wieder verschieden , indem das 
rechts 4 Arme, das links 3 Arme trägt. Die Bildung über 
dem linken Schultergliede mit 3 Armen ist gleich mit der 
Abnormität im dritten Exemplare, nur liegt der einzelne 
Arm nicht rechts, sondern links vom Beobachter, und besteht 
derselbe nur aus 4 Gliedern, während der Doppelarm der- 
gleichen 6 hat, das sich wiederholende Schulter- und Rip- 
penglied mitgerechnet. Ueber dem rechts belegenen Schul- 
tergliede ruhen dagegen über seinen schiefen Flächen beider- 
seits gleiche Theile, zunächst nämlich ein drittes Rippenglied 
und dann ein zweites Schulterglied. Auf den beiden zwei- 
ten Schultergliedern befinden sich die Arme, auf jedem der- 
selben zu zwei an der Zahl. Die beiden äusseren Arme be- 
stehen aus 6, die beiden inneren aus 4 übergreifenden Glie- 
dern, bevor die hiernächst beginnende Theilung in Finger 
erfolgt. Der Kelch hat hiernach 13 Arme und 26 Finger. 
Derselbe ist ringsum geschlossen, so dass von den Tentaka- 
ten nichts zu sehen. — Es w r ird Niemandem in den Sinn 
kommen, in diesen letzten beiden Exemplaren, gleichwie in 
den ersten, etwas anderes, als Missgestalten zu erkennen, 
die ebenso bei den Enkriniten, wie bei anderen Geschöpfen 
vorkommen. Unwillkührlich kam uns, als wir die Abnormi- 
tät an dem letzten Kelche bemerkten, ins Gedächtniss zu- 
rück, dass wir denselben von einem Steinbruchsarbeiter em- 
pfangen hatten, der an der einen Hand 6 Finger und an dem 
einen Fusse 6 Zehen besitzt. Gleichwie aber dieser Arbei- 
ter, und gewiss mit Recht, nicht ansteht, sich für einen Men- 
schen auszugeben, so dürften auch die beschriebenen 4 In- 
dividuen von Crinoideen zu keiner andern Species , als zu 
Encrinus liliiformis gehören. Nicht nur sind daran einige 

Zeits. d. d. geol. Ges. 1. 2. 11 



162 

Seiten völlig normalmässig gebildet, sondern es ist auch in 
die Augen fallend, an den abnormen Seiten der durchgrei- 
fende Typus zu erkennen. Die Arme bestehen in regelrecht 
zusammengesetzten Individuen aus einer unbestimmten An- 
zahl von Gliedern, die ganz abgesehen von der Grösse des 
Kelchs zwischen 3 — 8 schwankt, ja es findet in dieser Hin- 
sicht an ein und demselben Exemplare hin und wieder eine 
Verschiedenheit Statt, und mag eben diese Unbestimmtheit 
das Entstehen jener abnormen Gestalten begünstigt haben. 
Im Uebrigen sind Missbildungen, wie die obigen, höchst 
selten, indem die beschriebenen Exemplare die einzigen sind, 
die wir in hiesiger Gegend seit einer Reihe von Jahren, al- 
ler Aufmerksamkeit ungeachtet, angetroffen haben. In dieser 
Beschränktheit des Vorkommens dürfte auch keine Veran- 
lassung liegen, jene Formen als besondere Abarten von Encr. 
liliiformis zu bezeichnen. 

Wenn nun aber die beschriebenen Exemplare den Cha- 
rakter von Missbildung an der Stirn tragen, so ist dies nicht 
in dem Maasse der Fall, bei einigen anderen anderweit be- 
kannt gemachten, aus denen neue Species, ja ein neues Ge- 
nus formirt wurde. Nach Vorstehendem wird es indessen 
unzweifelhaft, dass auch hier lediglich Abnormitäten von der 
Species Encr. liliiformis vorliegen. Zuförderst fällt die Ueber- 
einstimmung mit Encrinus pentactinus, den Bronn im Jahr- 
buche 1837 pag. 30 — 33. beschrieben und Tab. K. abgebil- 
det hat, auf. Das Exemplar rührt vom Falkenkruge bei 
Detmold her. Es sind daran vom Kelche eine Seite voll- 
ständig und zwei zum grössten Theile zu sehen, während 
der Rest der letzteren und zwei volle Seiten durch Gestein 
bedeckt werden. Die Eigentümlichkeit besteht nun darin, 
dass die ganz sichtbare Seite auf dem eigentlichen Schulter- 
gliede, nachdem unmittelbar darüber jederseits nochmal ein 
Rippen-, ein zweites und Schulterglied folgte, anstatt zweier 
Arme, deren vier trägt, eine Bildung vollständig der gleich, 
die zuletzt an unserem vierten Exemplare erkannt wurde. 
Die beiden nicht ganz sichtbaren Seiten des Bronn 'sehen 



163 

Stücks sollen dieselbe Zusammensetzung haben. Auf der Ab- 
bildung ist dies jedoch nicht deutlich zu sehen, indem es 
dennoch der Fall sein könnte, dass der beiderseits zunächst 
auf dem Gesteine liegende Arm, ein einzelner, kein Doppel- 
arm wäre, und dann den dortigen unteren Schultergliedern 
nicht wieder vier, sondern nur drei Arme entsprächen. Wie 
dem aber auch sei, so wird in dem Bronn 'sehen Exemplare, 
eben so wie in dem unsrigen, lediglich eine abnorme Form 
von Encr. liliiformis erkannt werden müssen. Denn ange- 
nommen auch, es habe sich an jenem dieselbe Missbildung, 
nicht nur auf einer Seite, sondern ringsum, auf allen 5 Sei- 
ten (es ist jedoch zu vermuthen, dass, wenn die Versteine- 
rung völlig vom Gesteine befreiet wäre, die jetzt unsichtba- 
ren Seiten ein anderes ergeben würden) wiederholt, so macht 
unser Stück, wo dies evident nicht der Fall ist, den Ueber- 
gang zur Normalform. In dem 9'" langen Stielrande des 
B ronn 'sehen Encriniten, der etwas weit herab deutlich fünf- 
seitig ist, dürfte nichts gegen die Regel zu finden sein, wenn 
nicht etwa dass die deutliche Fünfseitigkeit an dem untersten 
Gliede nicht schon mehr in's Stielrunde hinneigt. Auffällig 
bleiben aber die Hülfsarme am Stiele. Dem ähnliches ist in 
hiesiger Gegend bislang nicht gefunden. Sollten sie auf Täu- 
schung beruhen? 

Etwas entfernter steht die Kelchform, die Quenstedt 
in Wiegmann's Archive 1835, Bd. 2. pag. 233 ff. und 
Tab. 4. Fig. 1. unter der Benennung Encr. Schlotheimi dar- 
stellt, und als aus dem Muschelkalke von Göttingen herrüh- 
rend, in der Königlichen Sammlung zu Berlin aufbewahrt 
wird. Nach der Abbildung sind 2 der 5 Seiten vollständig 
und eine dritte, rechts vom Beschauer, halb sichtbar, das 
übrige liegt im Gestein. Die ersten und zweiten Rippen- 
und die eigentlichen Schulterglieder zunächst dem Becken 
sind normal. Nicht so der Bau oberhalb der Schulterglie- 
der. Die beiden ganz sichtbaren Seiten sind sich gleich, 
aber abweichend von ihnen die andere rechte Seite. In je- 
nen beiden, folgt auf das wirkliche Schulterglied beiderseits 

11* 



164 

auf dessen schiefen Flächen ein Paar Glieder, das aus einem 
dritten Rippen- und darüber einem zweiten Schultergliede 
besteht. Das rechts vom Beschauer liegende zweite Schul- 
terglied trägt zwei Arme, ebenso die rechte schiefe Fläche 
des linken zweiten Schultergliedes , einen Arm. Die linke 
Fläche dieses Gliedes aber ist nochmals mit einem Paar Glie- 
dern, einem vierten Rippen- und dritten Schultergliede ver- 
sehen, und erst auf diesem letztern ruhen 2 Arme. Auf der 
Seite, die nur halb bloss liegt, ist vom eigentlichen Schul- 
terblatte nur die eine linke schiefe Fläche zu sehen. Auf 
dieser folgt ein drittes Rippen- und ein zweites Schulterglied, 
welches letztere links mit einem Arme und rechts, nachdem 
noch ein viertes Rippen- und drittes Schulterglied folgten, 
mit 2 Armen versehen ist. Hier liegt also der einzelne Arm 
über dem dritten Schultergliede links, während solcher an 
jenen beiden Seiten rechts lag. Einem wirklichen Schulter- 
gliede correspondiren somit 5 Arme, und führt der ganze 
Kelch, wenn er auf der Rückenseite eben so zusammenge- 
setzt wäre, (was jedoch nicht wahrscheinlich) im Ganzen 25 
Arme. Die Arme sind übrigens normalmässig beschaffen. 
Es findet hier gegen das Bronn 'sehe Stück nur die Ver- 
schiedenheit statt, dass dort noch ein viertes Rippen- und 
ein drittes Schulterglied hinzugekommen, und damit auf je- 
der Seite die Anzahl der Arme um einen, von 4 auf 5, ver- 
mehrt ist — oder der Sache entsprechender ausgedrückt : die 
Abnormität an unserm dritten Exemplare und der damit über- 
einstimmenden im vierten, hat sich im Qu enstedt 'sehen 
Stücke noch um einen Grad weiter von der Normalform ent- 
fernt. Während — nur eine abnorme Seite betrachtet — 
an unsern Exemplaren in No. 1. gar kein Arm, in No. 2. 
ein Arm, (in beiden unter der Normalzahl 2 zurückbleibend) 
in No. 3. resp. 4, 3 Arme und in No. 4. rechts, 4 Arme, 
nebst den für sie unentbehrlichen Theilen vorhanden sind, 
zeigt der Quenstedt'sche Encrinit 5 Arme. Wer aber 
hiernach und namentlich bei Ansicht unserer Exemplare No. 
3 und 4. noch daran zweifelt, ob das Quenstedt'sche Stück 



165 

eine Missbildung sei, der kann in diesem Stücke selbst wei- 
tere Aufklärung finden. Da nämlich die rechts vom Be- 
schauer liegende Seite eine andere Art der Zusammensetzung 
zeigt, als die beiden Seiten links, in den normalen Enkrini- 
ten aber alle Seiten äusserlich von gleichem Baue sind, eine 
Verschiedenheit von rechts und links nicht Statt findet, so 
folgt schon hieraus, dass ein verunstaltetes Individuum vor- 
liegt. Unter diesen Verhältnissen dürfte als erwiesen anzu- 
nehmen sein, dass auch Encrinites Schlottheimi Quenst. nichts 
als eine Missbildung von Encr. liliiformis ist, und daher 
auch jene Species als beseitigt betrachtet werden muss. Wir 
halten uns nicht für berechtigt, aus den beschriebenen Miss- 
gestalten No. 1 — 4. neue Species zu formiren , machen je- 
doch im Voraus darauf aufmerksam, dass, wenn fernerweit 
dergleichen mit noch mehreren Armen und ähnlicher Bauart 
angetroffen werden sollten, auch hierin neue Arten nicht zu 
erkennen sein werden. Wenn ferner H. v. Meyer (Jahrb. 
1837 pag. 316 und Mus. Senkenb. II. pag. 260, welche letz- 
tere Abhandlung uns nicht vorliegt) aus denjenigen Encri- 
niten , die auf dem unteren winklichen Schultergliede noch- 
mals ein drittes Rippen- und zweites Schulterglied führen, 
ein besonderes Genus bildet, das er Chelocrinus nennt, hierin 
den Encr. pentactinus Bronn und Encr. Schlottheimi Quenst. 
zusammenstellend, so muss auch dieses Genus verschwinden, 
da es lediglich auf Missgestalten von Encr. liliiformis begrün- 
det ist. Es wären ja in unseren beiden obigen Exemplaren 
No. 3 und 4. in ein und demselben Individuum zwei ver- 
schiedene Genus, Encrinus und Chelocrinus, vereint vorhan- 
den, je nachdem diese oder jene Seite betrachtet wird. Auch 
wird Bronn, der im Enum. pag. 174. und im Nomencl. 
pag. 286 u. 287. zwei Subgenus von Encrinus zulässt , das 
eine als Chelencrinus mit Encr. pentactinus und das andere 
Chelocrinus mit Encr. Schlottheimi, diese beiden Subgenus 
fallen zu lassen haben. 

Encrinus liliiformis fehlt in der oberen Abtheilung des 
Muschelkalks gänzlich, wo ihm vielleicht die aus der häufi- 



166 

gen Abwechselung von mehr oder minder thonigen und kal- 
kigen Schichten von geringer Mächtigkeit, zu folgende Un- 
beständigkeit nicht zusagte. Er starb mit der Ablagerung 
der mittlem Abtheilung, in deren obere Schichten sein Maxi- 
mum der Entwickelung liegt, aus. Stellenweis bestehen da- 
selbst die mächtigen Bänke ganz aus einzelnen Gliedern von 
Stielen, die nur durch wenig Bindemittel von Kalkschlamm locker 
zusammen gehalten werden, und bilden den eigentlichen Tro- 
chiten-Kalk. Selbst wenn die Stiele eine beträchtliche Länge 
erreichten, und einer derselben aus vielen Gliedern bestand, 
so müssen doch Millionen von Individuen, die, wie Halm- 
früchte in den Kornfeldern , nebeneinander standen , vorhan- 
den gewesen sein, um jene weit verbreiteten Bänke zu bil- 
den. — In der hiesigen Gegend fehlt in den oberen Schich- 
ten der mittlem Abtheilung der Trochiten-Kalk niemals, so 
dass durch ihm ein bestimmter Horizont bezeichnet wird, 
der, wenn andere Merkmale fehlen, ein untrügliches Mittel 
zur Orientirung abgiebt. In der Mitte des Trochiten-Kalks 
war alle andere Vegetation unterdrückt. Erst da, wo nicht 
mehr Glied an Glied liegt, erscheinen auch andere Geschöpfe. 
Von diesen vorzugsweise Lima striata, deren Lebensbedin- 
gungen mit denen von E. liliiformis ziemlich gleich sein 
mussten, und Terebr. vulgaris. E. liliiformis ist jedoch nicht 
auf diese oberen Schichten des mittlem Muschelkalks be- 
schränkt, sondern er zeigt sich in minderer Häufigkeit, stel- 
lenweis und vorzüglich, wo die Schichten von geringer Stärke, 
sogar nur selten, durch die ganze Abtheilung, keine Kalk- 
schicht ausgeschlossen. Reine Thonschichten , die überall 
nicht versteinerungsführend sind, bleiben auch von ihm frei. 
Zu den Ausnahmefällen kann gezählt werden, wenn ein Stück 
Kalk der mittlem Abtheilung von 1' cub. Grösse, aussen, 
nicht mindestens ein Glied zeigt. Am seltensten finden sie 
sich in den Schichten c, unmittelbar über den dolomitischen 
Mergeln. 

Alle Theile der Encriniten sind selbst da, wo die Scha- 
len von sämmtlichen andern Muscheln reabsorbirt erscheinen. 



167 

wie z. B. im oolithischen Kalke von Erkerode, in schmutzig 
gelben oder blaugrauen Kalkspath verwandelt. Es wer- 
den hierdurch die einzelnen Glieder im dichten Kalksteine, 
wo andere organische Reste nicht oder schwer erkennbar, 
sehr auffallig. Wohlerhaltene Kelche, obgleich immerhin 
sparsam, finden sich namentlich im Trochiten-Kalke bei Er- 
kerode. Erreicht das Gestein einen gewissen Grad der Fe- 
stigkeit, so sind sie daraus in der Regel nicht ohne Beschä- 
digung zu gewinnen. Ein Fund mit ansitzendem Stiele muss 
als ein besonderes Glück betrachtet werden. Lässt man sich 
etwa verleiten, solchen Stücken ein entsprechendes Format 
zu geben, so fällt der nur lose befestigte Stiel grösstentheils 
ab. In den tieferen Schichten der mittlem Abtheilung sind 
die Kelche eine überaus seltene Erscheinung. In einander 
verschlungene Wurzel-Stücke nehmen bei Erkerode auf den 
Schichtabsonderungs-Flächen des Trochiten-Kalks stellenweise 
eine ziemliche Verbreitung ein. Ihnen geht der Zusammen- 
hang indessen der Art ab, dass gute Stücke kaum zu er- 
halten stehen. 

Kelche und Stielenden von einiger Länge liegen über- 
all parallel den Schichtungsflächen. Nur kurze Stielstücke 
haben hin und wieder eine andere Lage. Es möchte hier- 
aus zu schliessen sein, dass dem Leben der Encriniten mehr 
durch natürliches Absterben, als durch plötzliche Ueber- 
schüttung mit Schlamm, das Ziel gesetzt wurde. 

Encrinus gracilis v. Buch, 
(vid. Berliner Monatsberichte 1845, pag. 25 ff. und Jahrb. 
1845, pag. 509.) aus dem Muschelkalke von Ober -Italien 
und Schlesien, dessen 10 Arme sich nicht in Finger theilen, 
ist in hiesiger Gegend noch nicht gefunden. 

II. Reste von TMeren höherer Organisation 

1 . Verschiedene Theile von Nothosaurus, als einzelne 
Zähne und namentlich Wirbel von ovalem Querschnitt und 
verschiedener Grösse, finden sich ziemlich käufig im oolithi- 



168 

sehen Kalke bei Erkerode. Ausserdem ist bislang nur ein- 
mal ein dergleichen Wirbel, T" lang und 1" 3'" hoch, von 
völlig rundem Querschnitt und sehr vertieften Gelenkflächen 
im obersten Trochitenkalke von Uehrde angetroffen. Wir 
befinden uns für jetzt ausser Stande, die Species zu bestim- 
men, denen diese Reste angehörten, hoffen indessen, dass 
das Saurier- Werk vom H. v. Meyer, sobald solches voll- 
endet ist, dazu die Mittel bieten werde. 

2. Placodus gigas Ag. 

In dem oolithischen Kalke bei Erkerode sind einzelne 
Mahlzähne der inneren und äusseren Reihen (letztere, die 
kleineren, vom Oberkiefer) wie auch Schneidezähne, diese 
in der Regel von der Form, wie Fig. 18. Tab. 70. Vol. II. 
bei Agassiz, nicht selten. Schädel - oder Kieferstücke sind 
noch nicht angetroffen. Da aber einzelne Zähne von PI. 
gigas und PL Andriani für jetzt nicht zu unterscheiden sein 
dürften, so bleibt es zweifelhaft, ob jene Erkeröder Placodus- 
Zähne in Betreff der Species richtig gedeutet sind. Wir 
führen sie indessen als PI. gigas auf, da sie unter dieser 
Benennuno; bekannt sind. 

3. Acrodus Gaülardoti Ag. 

Einzelne Zähne, wie bei Ag. Vol. III. Tab. 22, 1 7. sind 
bei Erkerode hin und wieder im eigentlichen Trochitenkalk, 
namentlich dem oberen Theile desselben, gefunden. 

§. 15. Schichten - Folge bei Erkerode. 

Beispielsweise für die obere und mittlere Abtheilung des 
Muschelkalks mag hier noch eine Uebersicht der Schichten 
Platz finden, so wie sie in den an einander grenzenden 
Günter 'sehen und Mü Her 'sehen Steinbrüchen bei Erke- 
rode, unmittelbar in Nord neben diesem Orte, aufgeschlos- 
sen sind. Daselbst findet sich von oben nach unten : 

1) 3 — 4' Dammerde und Schutt, in diesen abgerundete 
Stücke von compaktem, zum Theil löcherigen, rauchgrauem 
Kalkstein mit Ammonites nodosus und Trigonia simplex etc. 
aus jüngeren, hier nicht anstehenden Schichten, herrührend, 



169 

und von einem compakten schmutzig gelben Kalke mit sehr 
vielen Avicula Albertii, wahrscheinlich aus der mittleren Ab- 
theilun^ stammend. Die festeren Sorten davon werden von 
den Arbeitern ausgehalten und mit dem vom anstehenden 
Gestein gewonnenen Material vermengt, zum Verkaufe auf- 
geschichtet. Man muss sich daher wohl hüten, durch das 
Gestein aus diesem Schutte nicht irre geführt zu werden. 

2) 10' Abwechselungen von Lagen grünlich grauen 
Thons und thonigen Mergels, 1 — 3" stark, mit compaktem 
Kalkstein 1 — 2" stark, der grössten Theils fest, splitterig 
und rauchgrau ist. Darin, jedoch nicht sehr häufig, Gervil- 
lia socialis, Trigonia vulgaris, Pecten laevigatus, Nautilus bi- 
dorsatus und Myacites musculoides. Der Thon also etwas 
vorwaltend. 

3) l' compakter fester rauchgrauer Kalkstein mit musch- 
ligem Bruche, ohne Versteinerungen. 

4) 3' Abwechselungen , wie sub 2 , Kalk und Thon — 
jedoch etwa zu gleichen Theilen. 

5) 8" fester Kalk, wie sub 3, in der Mitte viele in Kalk- 
spath verwandelte, nicht erkennbare Bivalven, wie auch Uni- 
valven, wahrscheinlich Melania Schlottheimi und Turbo he- 
licites. 

6) 5' Abwechselungen, wie sub 2, der Thon jedoch un- 
tergeordnet, und der Kalk in Lagen von 2 — 3" Stärke. Letz- 
terer enthält viele unbestimmbare Versteinerungen. 

7) 8" weissgrauer splittriger Kalk mit viel Pecten dis- 
cites, auch Schuppen von Fischen und sehr kleinen glänzend 
braunen Knochentheilen. 

8) 2' schmutzig hell gelbbrauner Kalk mit etwas Quarz- 
sand, ohne Versteinerungen, oben in Thonmergel, unten in 
compacten dichten grauen Kalkstein übergehend. 

9) 6" Kalk, wie sub 7. 

10) 4' Abwechselung wie sub 2, Thon und Kalk zu glei- 
chen Theilen. 

11) 8" Kalk, wie sub 7. 

12) 4' Abwechselung wie sub 2. 



170 

13) 8" compacter, fester Kalkstein von gelblicher Fär- 
bung, ohne Versteinerungen. 

14) 1' 6" Abwechselungen von \" starke Thonmergel 
und 1 — 2" stark Kalk. Letzterer compact und fest, aschgrau 
und gelblich, mit vielen in Kalkspath verwandelten Muschel- 
schalen. Darunter Pecten discites erkennbar, auch kleine 
Knochenfragmente. 

15) 8" Kalk, wie sub 7. 

16) 4' Abwechselungen, wie sub 14. 

17) 10" wie sub 7, darin ungemein viel Pecten discites 
und Avicula Albertii. 

18) 8" sehr dünne Schichten von grauem Kalke ohne 
Versteinerungen, und Thonmergel. 

19) 12" wie sub 17. 

20) 6" wie 18. 

Die Schichten sub 2 bis 20 von insgesammt 41' 4" 
Mächtigkeit gehören zu den untersten der oberen Abthei- 
lung des Muschelkalks, in denen der Am. nodosus eine 
grosse Seltenkeit ist, oder ganz fehlt. Die jüngeren Schich- 
ten, welche durch ihn bezeichnet werden, sind in jenen Stein- 
brüchen anstehend nicht vorhanden. Es folgen nun weiter 
nach unten von der mittleren Abtheilung: 

21) T Kalkstein, wie er als Trochitenkalk beschrie- 
ben, (von den Arbeitern erste oder obere Bank genannt) theilt 
sich bei der Gewinnung in 3— 4 Lagen. Die obere 1 — lf 
(das Kopfstück vul.) ist in der Kegel so thonig, dass sie zu 
nichts verwendet werden kann, Der Rest giebt einen guten 
Baustein. Im Kopfstücke sind Encriniten - Stielglieder und 
andere organische Reste sparsam. Dagegen sind in den dann 
folgenden 3 — 4' namentlich die Trochiten in ausserordentli- 
cher Anzahl angehäuft. Hier finden sich auch die schönen 
Kelche. Eine Unzahl von Lima striata, jedoch immer in 
Fragmenten der dünnen Schale, liegen dazwischen. Sparsam 
erscheinen im oberen und untern Theile der Bank Rhyncho- 
lithen, Gervillia socialis und costata, Melania Schlottheimi 
var. Fusus Hehli, wie auch Austern. Terebr. vulgaris, de- 



171 

ren hauptsächlicher Horizont hier ist, zeigt sich in den Er- 
keröder Steinbrüchen höchst selten. Sehr häufig findet sie 
sich dagegen in dieser selbigen Schicht, in den etwa 1 Stunde 
entfernten Brüchen bei Hemmkenrode. 

Die hierunter folgenden I6j bestehen aus oolithi- 
schem Kalke. Die Arbeiter nennen davon: 

22) Die oberen 11' weisse Schichten, weil sie vorzugs- 
weise von weisser Farbe sind, jedoch nicht schnee-, sondern 
schmutzig -weiss. Sie sondern sich in 4 bis 6 Bänke ab, 
und geben einen vortrefflichen Baustein, der mehr als hin- 
längliche Festigkeit besitzt, jedoch auch wieder nicht so fest 
ist, dass er sich nicht füglich bearbeiten Hesse. Zum Aus- 
arbeiten von architectonischen Verzierungen eignet sich in- 
dessen derselbe, wie alles übrige Material der mittlem Ab- 
theilung, nicht. Es fehlt dafür die Gleichmässigkeit. In der 
Mitte sind die weissen Schichten gemeinlich, wie die Arbei- 
ter sagen, grossäugig, d. h. porös von reabsorbirten Mu- 
scheln. Stielglieder von Encriniten sind durch die ganze 
Masse ziemlich gleichförmig, jedoch nicht so häufig als in 
der oberen Bank, vertheilt. In einem handgrossen Stücke 
pflegt ein Glied nicht zu fehlen. Damit finden sich Gervil- 
lia socialis, Austern, Trigonia ovata und vulgaris, Mytilus, 
Lima. Hier kommen ferner die Eeste höherer Thiere vor, 
als Zähne von Placodus gigas, wie auch Zähne und Knochen 
von Nothosaürus. Stylolithen sind häufig auf den Absonde- 
rungsflächen, wie auch in der Mitte der Bänke. 

23) 4' Blatter- Schichten, die untere Hälfte auch wohl 
schwarze Schicht genannt. Sondert sich unregelmässig in 
mehreren Lagen und hat etwas mehr graue Farbe; die Oo- 
lithkörnerchen pflegen sparsamer zu sein und die Muschel- 
schalen bestehen aus Kalkspath. Hierin dieselben Verstei- 
nerungen, wie sub 22, zu denen sich noch Avicula Albertii 
gesellt. Doch scheinen Fische und Saurier zu fehlen. 

24) 1' 6" Eiserschicht. Die Beschaffenheit des Gesteins 
ist wie von 23, nur etwas fester. Die Fauna, wie dort. 
Ausserdem nicht sehr selten ein kleiner Nautilus bidorsatus. 



172 

Conchorhynchus und Rhyncholithus. Hiermit schliesst der 
oolithische Kalk. 

Es folgen ferner nach unten: 

25) 2' (vul. dicke Schicht,) ein gelblicher, ziemlich fester 
compacter Kalkstein, der sich in 3 — 4 Lagen absondert und 
neben ziemlich häufigen Stielgliedern von Encriniten sehr 
viele in Kalkspath verwandelte Muscheln, unter welchen letz- 
tere indessen nur Lima striata in 1 — lj" grossen Exempla- 
ren erkennbar ist. Guter Baustein. 

26) 3' (vul. Kleischichten) Abwechselungen von 1 — 2" 
starken unregelmässig abgesonderten Lagen von grau -grü- 
nem Thon und sehr thonigem, milden grauem Kalkstein, 
ohne Versteinerungen. 

27) 5' Abwechselungen von 1 — 2" starkem Thonmergel 
und 2 — 6" starken Kalklagen. Der Kalk compact und fest, 
aschgrau, grössthentheils gelblich. Darin eine Unzahl von 
in Kalkspath verwandelten Muscheln, als Pecten discites, 
und vorzüglich Avicula Albertii, auch einzelne Stielglieder 
von Encriniten und Lima striata. 

Tiefer nieder geht der Steinbruchs - Betrieb nicht. Un- 
ter No. 27 liegen wieder 2 — 3' Schichten wie No. 26, und 
dann soll, den Aussagen zufolge, noch eine Schicht wie 2 5, 
von 2' Mächtigkeit erreicht sein. — Die zuletzt aufgeführ- 
ten Gesteine No. 25 — 27. gehören zu den Seite 144. mit c. 
bezeichneten Schichten. Die darunter liegenden dolöini ti- 
schen Mergel kommen in der näheren Umgegend von Er- 
kerode nicht zum Vorschein. 

C. Untere Abtheilung. 

§. 16. Grenzen. 
Die untere Abtheilung des Muschelkalks nimmt den ge- 
sammten Raum zwischen der mittlem Abtheilung und dem 
bunten Sandsteine ein. Oben schliesst sie sich an die ver- 
steinerungsleeren dolomitischen Gesteine der mittlem Abthei- 
lung an. 



173 

Ihre untere Grenze scheint durchaus scharf, ohne je- 
den Uebergang, zu sein. Sie ist jedoch in dem untersuch- 
ten Bezirke nur bis auf einige Fuss Entfernung zu beobach- 
ten, wie z. B. am Heeseberge bei Watenstädt und am Thie- 
der-Lindenberge bei Wolfenbüttel. Dort bestehen die ober- 
sten Lagen des bunten Sandsteins aus einem nicht sehr ver- 
breiteten feinkörnigen gelblich weissem Quarz-Sandstein, un- 
ter dem zunächst bunter Thonmergel und dann der eigent- 
liche bunte Sandstein mit Hornmergel und Roggenstein fol- 
gen. Am Lindenberge tritt der Muschelkalk ohne Weite- 
res an die bunten Thonsteine. Gegen das eine wie das an- 
dere Gestein sticht die untere Abtheilung des Muschelkalks 
scharf ab. 

§. 17. Beschaffenheit des Gesteins und Reihenfolge. 

Die Beschaffenheit des Gesteins ist höchst monoton, mehr 
noch als in der oberen Abtheilung. Etwa j der gesammten 
Mächtigkeit besteht, ohne dass sich oben oder unten eine 
constante Verschiedenheit zeigt, im Wesentlichen aus ein 
und demselben Gestein. Es ist dies der sogenannte Wel- 
le n k a 1 k , ein rauchgrauer, sich ein Wenig ins blauliche hin- 
neigender dünnschichtiger Kalkstein. Nie, oder höchst sel- 
ten, sind die Absonderungsflächen der Schichten eben. Sie 
werden vielmehr durch wurmförmige Erhöhungen, die in 
allen Richtungen mehr oder weniger gekrümmt und sich un- 
ter einander verschlingen, auch senkrecht die Schichten durch- 
setzen, und j bis 3" Durchmesser besitzen, zum Theil mit 
dem umgebenden Gestein, das in gleicher Beschaffenheit sie 
selbst bildet, fest verwachsen, zum Theil sich davon ablö- 
send, — uneben gemacht , oder es besteht die Hauptmasse 
des Gesteins aus nach einer, der Schichtung parallelen Rich- 
tung, verlängerten Partien von Kalkstein, der Breccienartig 
durch Thon und thonigen Mergel cementirt ist. Auch im 
letzteren Falle sind die Schichten wenig mächtig, selten über 
2" stark, und gewinnen die Absonderungsflächen durch die 
Hervorragungen der in die Länge gezogenen Kalkstein-Par- 



174 

tien ein welliges Ansehen. Diese wellenförmigen Erhöhun- 
gen sind jedoch keinesweges von der Regelmässigkeit , wie 
sie durch eigentlichen Wellenschlag bewirkt, ausgezeichnet 
im bunten Sandstein, vorkommen. Waren die Schichten- 
köpfe von solchem Gesteine der Einwirkung der Witterung 
ausgesetzt , so wittert der verbindende Thon aus , und das 
breccienartige Ansehen wird noch vermehrt. Ein Schlag mit 
dem Hammer bringt die unregelmässigsten , eckigen Stücke 
hervor. So ist im Allgemeinen der Charakter des bedeuten- 
deren Theils des Gesteins der untern Abtheilung. Dasselbe 
zeigt indessen auch Abänderungen, die jedoch nur in eini- 
gen dünnen Schichten auftreten. Der Thon scheidet sich 
z. B. nicht rein aus, sondern bleibt mit dem Kalkstein ver- 
mengt. Dann pflegt sich eine Hinneigung zum dünnschiefri- 
gen Gefüge mit höchst unebenen Absonderungsflächen ein- 
zustellen. Oder es bestehen geringe Schichten fast ganz 
aus Conchylien, von denen entweder nur die Kerne übrig 
sind, oder deren Schale durch Kalkspath ersetzt ist. La- 
gen von reinem Thone kommen nicht vor. 

Einige Abwechselung bringt ein fremdartiges Gestein 
hervor, das constant in dem oberen Viertheil, die untergeord- 
neten Schichten mitgerechnet, zu einer Mächtigkeit von 30 — 
40 Fuss auftritt. Es sind dies in der Hauptsache 3 bis 6' 
mächtige und sich mehrfach wiederholende Ablagerungen von 
Schaumkalk, oder einem in diesem übergehenden, chemisch 
sehr reinem dichtem Kalksteine. Dieselben sondern sich in 
Bänke von 6" bis 3' Mächtigkeit ab, ohne dass eine Spur 
von Thon dazwischen auftritt. Ihre Farbe ist schmutzig 
gelb weiss bis dunkel grau, oder, wo das Gestein durch min- 
dere Porosität sich vom Schaumkalke etwas entfernt, hell 
gelblich braun. Die Poren sind zum Theil von so geringer 
Dimension, dass sie mit unbewaffnetem Auge nicht wahrge- 
nommen werden. Unter der Lupe betrachtet, zeigt sich auch 
dann eine völlig schwammartige Textur. In der Kegel fal- 
len aber einzelne grössere Poren bis zu \ Linie im Durch- 
messer dem blossen Auge auf. Wegen dieser Beschaffen- 



175 

heit bringt schon ein nicht sehr starker Schlag mit dem 
Hammer viel Mehl hervor. Die Arbeiter nennen daher das 
Ganze Mehlstein. Stellenweise hat darin Muschel neben 
Muschel gelegen, und da deren Schalen fast ohne Ausnahme 
reabsorbirt sind, so entsteht hier ein grosslöcheriges Gestein. 
Doch bleibt auch diesem noch immer so viel Festigkeit, dass 
es einen gesuchten Baustein abgiebt. Ursprünglich mag die- 
ses Gestein aus zweierlei Masse bestanden haben, von de- 
nen diejenige, die einstens die dermaligen Poren ausfüllte, — 
vielleicht Kalkschaum von wenig compacter Beschaffenheit, 
welcher der im durchsickernden Wasser enthaltenen Kohlen- 
säure am wenigsten widerstand — mit den Muschelschalen 
zugleich fortgeführt wurde, und zur Bildung der Kalktuffe 
an den Muschelkalk -Höhen wesentlich beitrug. Diese An- 
sicht wird dadurch unterstützt, dass einzelne Varietäten dem- 
jenigen oolithischen Kalke der mittlem Abtheilung auffal- 
lend ähneln, aus welchem die Oolithen verschwunden sind. 
Doch haben sich noch an keiner Localität in der unteren Ab- 
theilung Schichten gefunden, die jene beiden Massen noch 
jetzt zeigten. Fast überall ist das, die einzelnen Bänke bil- 
dende Gestein völlig homogen, nur hin und wieder liegen 
darin dichtere Partien von Nuss- bis Handgrösse, die zum 
Theil ganz compact sind, ohne regelmässige oder scharfe 
Absonderung. Die umgebende Masse hat jedoch immer eine 
mehr oder minder auffällige schaumkalkartige Beschaffenheit. 
Dies pflegt vorzugsweise da der Fall zu sein, wo die Farbe 
gelb-braun ist. 

Die einzelnen Schaumkalk- oder Mehlstein - Ablagerun- 
gen, deren zwei oder drei vorhanden sind, und die nirgends 
fehlen, scheinen sich von einander im Allgemeinen nicht zu 
unterscheiden. Auf geringe Distanzen lassen sie sich zwar 
an der mehr oder minderen Porosität und Gleichmässigkeit 
des Gefüges, der Gesammt - Mächtigkeit und der Stärke der 
sie bildenden Lagen erkennen, in einiger Entfernung bleiben 
diese Merkmale indessen nicht constant. Beständiger ist da- 
gegen die Beschaffenheit der jene Ablagerungen von einan- 



176 

der trennenden Schichten. Die zwischen der obern und mitt- 
lem von 8 — 20' Gesammtm'äclitigkeit gleichen petrographisch 
im Allgemeinen dem übrigen Wellenkalke. Die einzelnen 
Lagen überschreiten seilten, eine Stärke von 1". Zum Theil 
sind sie sogar dünnschiefrig. Thon liegt dazwischen entwe- 
der gar nicht, oder nur als Anflug. Die Absonderungsflä- 
chen sind uneben, häufig mit wurmförmigen Concretionen 
versehen. Die vorherrschende Farbe ist ein Mittel zwischen 
grau und grünlich gelb, die Festigkeit gering und der Bruch 
erdig. Stellenweise tritt eine festere Lage von rauchgrauer 
Farbe auf, die dem Kalksteine der oberen Abtheilung ähnelt. 
Die Schichten zwischen dem mittlem und unteren Mehlsteine 
nimmt ein 2 — 8' mächtiger, meistens sehr zerbröckelicher 
Kalkstein ein, der von Weitem betrachtet, ein Conglomerat 
zu sein scheint. - Derselbe wird von den Arbeitern Grind 
genannt, und besteht aus Hasselnuss- bis Eigrossen compac- 
ten Partien von hellgrauer Farbe und erdigem, ins musch- 
lige übergehenden Bruche, die nicht scharf abgesondert in 
den umgebenden schmutzig-gelben Kalkschlamm übergehen. 
Das Gestein ist somit kein Conglomerat, sondern es haben 
sich nur einzelne Theile desselben zu einer dichteren Masse, 
wie Concretionen, gebildet. Selten geht dasselbe in etwas 
dichten Schaumkalk über. — Noch verdienen einige Schich- 
ten von 4 bis 10" einer Erwähnung, die am Elme unmittel- 
bar über oder unter den einzelnen Mehlstein - Ablagerungen 
erscheinen , jedoch auf einiger Erstreckung hin nicht sehr 
ausdauernd sind, an anderen Localitäten auch ganz zu fehlen 
scheinen. Sie bestehen zum Theil aus Schaumkalk, zum 
Theil aus einem dichtem festen Gesteine, das Kollstücke von 
2 — 4" Länge und Breite und \ bis £■" Stärke einschliesst, 
die aus dunkel blaugrauem compacten festen Muschelkalke 
bestehen und schon durch ihre Farbe auffallen. Diese Roll- 
stücke sind völlig abgerundet, nie eckig, scharf abgesondert 
und liegen überall parallel der Schichtung, zum Theil in sol- 
cher Menge, dass das Ganze etwa zur Hälfte daraus beste- 
hen mag. Es sind dies mithin wirkliche Conglomerate , die 



177 

einzigen, die im Muschelkalke der Umgegend von Braun- 
schweig angetroffen werden. Dolomit ist in der unteren 
Abtheilung nur am Lindenberge bei Thiede, unweit Wolfen- 
büttel, aufgeschlossen. Derselbe liegt 90 bis 100 Fuss über 
der untern Grenze und hat, bei 4' Mächtigkeit, dasselbe 
Streichen und Einfallen, wie das Nebengestein. (St. h. 1 — 2 
mit 45° in Ost.) Er ist ohne regelmässige Absonderung in 
mehreren Bänken, krystallinisch auch dicht, von gelb brau- 
ner Farbe. Im Hangenden und Liegenden wird er erdig 
und geht zum Theil in Thon über. Nach der Behandlung 
mit Essigsäure in der Kälte enthält das Ganze die kohlen- 
saure Talkerde sowohl als solche, wie auch als Dolomit, die- 
sen vorzugsweise in der Mitte. Das Nebengestein, so wie 
zum Theil die Masse selbst wird von häufigen Schnürchen 
von fleischrothem und weissem Braunspath, die offenbar spä- 
terer Bildung sind, durchsetzt. 

Sonstige fremde Mineralien, Gips, Cölestin oder derglei 
chen, sind im untern Muschelkalke von Braunschweig bisjetzt 
nicht angetroffen. 

§. 18. Wurmförmige Bildungen und Stylolithen. 

Wurmförmige Concretionen von allen möglichen 
Gestalten und 4- — 2" Durchmesser charakterisiren die untere 
Abtheilung vorzugsweise. Sie erscheinen häufig auf den Ab- 
sonderungsflächen des Wellenkalks, nur allein nicht da, wo 
dieser sehr dünnschiefrig ist. Von organischem Ursprünge 
steht daran nichts wahrzunehmen. Dem Mehlsteine sind sie 
fremd. 

In diesem und vorzugsweise in den Schichten zwischen 
der untern und mittlem Mehlstein- Ablagerung stellen sich 
dagegen Stylolithen ein. Ihre Häufigkeit nimmt mit der 
Mächtigkeit der Bänke zu. *) Unwahrscheinlich bleibt es, 



*) Vergleiche über Stylolithen Quenstedt in Wiegmann's Ar- 
chiv 1837 pag. 137. und im Flötzgeb. pag. 57., wie auch Bronn in 
Geschichte der Natur Bd. 2. pag. 536. und v. Alber ti in der Mono- 
graphie pag. 72. 

Zeits. d. d. geol. Ges. I. '-J. 12 



178 

dass die Stylolithen lediglich ,, durch organische Reste gelei- 
tete Absonderungen" sind. Dergleichen Reste auf den Sty- 
lolithen haftend, kommen in hiesiger Gegend überaus selten 
vor. Dagegen finden sich ohne sie sehr schön gebildete For- 
men sowohl im Schaumkalke, als auch in dem von Verstei- 
nerungen ganz freien mächtigeren Schichten des bunten Sand- 
steins. Ohnstreitig sind einige Stylolithen durch organische 
Reste hervorgebracht, bei der überwiegenden Mehrzahl dürfte 
indessen die Stelle einer Muschel das Gestein selbst vertre- 
ten haben. Immerhin wird aber eine gewisse ungleichför- 
mige Contraction dieses letzteren, die nach seiner Ablage- 
rung erfolgte, die Hauptbedingung gewesen sein. 

In anderen Muschelkalkschichten, als im oolithischen 
Kalke der mittlem Abtheilung und dem Mehlsteine, sind 
Stylolithen nicht gefunden. In diesem letztern zeigen sie sich 
in grösster Menge am Steinkuhlenberge auf dem Elme. 

§. 19. Mächtigkeit. 

Im Durchschnitt beläuft sich die gesammte Mächtigkeit 
der untern Abtheilung auf 2^0 — 280 Fuss. Stellenweise 
scheint sie jedoch durch Vorherrschen der Mehlstein- Ablage- 
rungen, oder des untern Wellenkalks bis auf 300 zu steigen. 

§. 20. Beobachtungspunkte. 

Der Schaumkalk und der über ihm liegende Wellenkalk 
sind durch Steinbrüche aufgeschlossen: am Dorme bei der 
Herrschaftl. Kalkbrennerei am Heinenberge oberhalb gr. Stei- 
num, w r ie auch an verschiedenen Punkten von da in Ost nach 
Süpplingenburg zu; am Elme; oberhalb des Springes bei 
Königslutter, am Steinkuhlenberge, am Düsternwinkel und 
beim Tetzels-Denkmale, sämmtliche Localitäten in der Nähe 
der Chaussee von Königslutter nach Schöppenstedt, — fer- 
ner im Gemeindeholze von Bornum oberhalb dieses Orts, 
und am Grotewege unweit Appenrode ; bei Uehrde an der 
Chaussee, von da nach Schöppenstedt, und an der hohen 
Leiter; am Heeseberge oberhalb Watenstedt (s. g. Remme'- 



179 

sehe Versuch) und bei der Kalkbrennerei unweit Jerxheim; 
am Kappenberge bei GebhardsLagen ; am Hamberge (oben) 
bei Salzsritter und an der Horst warte in Ost von Wernige- 
rode. In dem unter dem Schaumkalke liegenden Wellen- 
kalke befinden sich erhebliche Steinbrüche nur bei der Kalk- 
brennerei unweit Watenstedt und am Lindenberge bei Thiede 
unweit Wolfenbüttel. Die Schichtenköpfe desselben stehen 
entblösst mehrfach zu Tage an dem Hügelzuge zunächst dem 
Harze zwischen Goslar und Blankenburg, auf der Spitze des 
Oesel bei Wolfenbüttel etc. 

§. 13. Nutzanwendung. 

Der Schaumkalk eignet sich ganz vorzüglich zu Bau- 
stein, da er nicht nur Quader von jeder erforderlichen Grösse 
giebt, an denen, wenn das Gestein durch reabsorbirte Mu- 
scheln nicht zu löcherig ist, architectonische Verzierungen 
ausgearbeitet werden können, sondern auch, weil er ein trock- 
nes Gemäuer liefert. Mächtige Werkstücke pflegen indes- 
sen nur da gewonnen werden zu können, wo die Lagerung 
der Schichten wenig von der Horizontale abweicht. Mit dem 
mehreren Einfallen nimmt nämlich die Zerklüftung zu. Die- 
senfälls steht der Mehlstein nur zum Brennen zu benutzen. 
Hierzu wird er vielfach verwendet, und zeichnet sich der dar- 
aus bereitete Aetzkalk durch grosse Reinheit von fremden 
Bestandtheilen aus. Auch erfordert derselbe zum Brennen 
we^en seines lockern Gefüges den geringsten Aufwand von 
Brennmaterial. Der Wellenkalk ist an keiner Stelle zu Bau- 
stein tauglich. Hin und wieder wird er in den reineren Va- 
rietäten zum Brennen gewonnen. Ausserdem werden die 
härteren Schichten, in Ermangelung besseren Materials, zum 
Chausseebau verwendet. 

§. 14. Organische Einschlüsse. 
Die organischen Reste sind in der unteren Abtheilung 
des Muschelkalks in einigen wenigen der oberen Schichten 
zusammengedrängt. Einzelne dünne Bänke über oder zwi- 

12* 



180 

sehen dem Schaumkalke, und zunächst unter demselben, be- 
stehen fast ganz aus Versteinerungen. Im Allgemeinen ist 
der Wellenkalk aber, namentlich der tiefere, unter dem 
Schaumkalke liegende, sehr arm daran. Nur hin und wie- 
der zeigt sich bei sorgfältigem Suchen ein einzelnes Exem- 
plar. Im Schaumkalke dagegen sind Versteinerungen überall 
in grosser Menge, zum Theil in ausserordentlich grosser An- 
zahl vereinigt. In diesem ist die Schale, bis auf die der 
Terebrataln, immer reabsorbirt und nicht durch Kalkspath 
ersetzt. Die Abdrücke in dem Schaumkalke pflegen indes- 
sen die zartesten Merkmale conservirt zu haben, so dass sich 
darin die Fauna vorzugsweise zum Studio eignet. Im Wel- 
lenkalke sind die Muscheln zum Theil gleichfalls reabsorbirt, 
zum Theil aber in Kalkspath verwandelt. 

I. Xiedere Tliiere- 

i. Trochus Albertianus Goldf. 
ist, wenn er vereinzelt auch schon in jüngeren Schichten er- 
kannt wurde, für die untere Abtheilung des Muschelkalks, 
vorzüglich den eigentlichen Schaumkalk, sehr bezeichnend. 
Hier ist er in den oberen und unteren Schichten überall ver- 
breitet, und füllt dieselben stellenweise, jedoch nur als Stein- 
kern oder als äusserer Abdruck, in bedeutender Anzahl ver- 
einigt, theils für sich allein, theils mit Gervillien, Trigonien, 
Turbo gregarius und Turritella scalata aus. So auf dem 
Elme, am Steinkuhlenberge , beim Tetzel's- Denkmale und 
am Grotewege, ferner am Dorme und an der hohen Leiter 
bei Uehrde. Etwas sparsamer, und weil grösstentheils nur 
in Fragmenten schwerer zu erkennen, zeigt er sich am Kap- 
penberge bei Gebhardshagen und dem Hügelzuge zunächst 
dem Harze, an diesem namentlich bei der Warte am Horst- 
berge unweit Wernigerode. Unter und über dem Schaum- 
kalke, im eigentlichen Wellenkalke, fehlt derselbe. 

2. Turbo gregarius Mstr. 
ist in der Form , die für ihn oben beansprucht , auf die un- 
tere Abtheilung beschränkt, und namentlich für die oberen 



181 

Schichten derselben, den Mehlstein, und was diesem zunächst 
liegt, bezeichnend. Im Mehlsteine findet sich T. gregarius 
überall , vorzugsweise aber am Heimberge auf dem Dorme. 
Hier, wie allgemein im Mehlsteine, tritt seine Gestalt voll- 
kommen erhalten auf. Die Mundöffnung ist in ausgewach- 
senen Exemplaren von 6'" Länge, fast doppelt so lang, als 
breit. Derselbe bildet ferner stellenweis zunächst über und 
unter dem Mehlsteine, einige 1 — 2" mächtige Schichten, die 
fast ausschliesslich aus ihm bestehen , so am Dorme , am 
Grotewege auf dem Elme , am Kappenberge bei Gebhards- 
hagen, am Heeseberge, bei der Kalkbrennerei unweit Jerx- 
heim etc. 

3. Turritella scalata Goldf. 
von Schlotheim in den Nachträgen Tab. 32, io. als Strom- 
bites scalatus Schrot, abgebildet, von Goldfuss bei Dechen 
als Turritella scalata und bei Alberti als Rostellaria scalata 
Goldf. bezeichnet, dann von Goldfuss Petref. Tab. 196, n. 
als Turritella obliterata Goldf. vortrefflich dargestellt. Vid. 
ferner Leth. pag. 176. Tab. 11, n. und Quenstedt Flötz- 
geb. pag. 65. Sie hat ausgewachsen 8—10 völlig glatte 
Umgänge und eine Länge von etwa 4", während der Durch- 
messer des letzten Umganges zwischen 1" 1"' und 1" 4'" va- 
riirt. Ihre Umgänge sind durchaus nicht bombirt, sondern 
ganz flach. Hierdurch, und da sich die Umgänge in ihrer 
ganzen Breite an einander schliessen, hat diese Turritelle, 
von der jedoch nur Abdrücke und Steinkerne vorkommen, 
einen glatten, nicht unterbrochenen Kegel gebildet. Der 
Querschnitt der Umgänge ist rhombisch, die äussere Lippe, 
nach den jedoch selten zu bemerkenden Zuwachsstreifen, in 
ihrer Mitte etwas ausgebuchtet. Die Schale musste sich 
während des späteren Alters oben sehr verdicken, denn hier 
stehen an den Steinkernen die Windungen verhältnissmässig 
weit von einander ab, und zeigen einen fast runden Quer- 
schnitt, etwa wie bei Tab. 11, 15. in der Lethaea. Liegen 
nur diese obern Windungen von Steinkerne vor, so kann eine 
Verwechselung mit Melania Schlotheimi leicht unterlaufen« 



182 

Die unteren Windungen sind jedoch flach, ja im letzten Sta- 
dio in der Mitte selbst etwas eingedrückt. Sind daher Frag- 
mente von nur einiger Länge vorhanden, so fällt der Unter- 
schied von M. Schlotheimi sofort in die Augen. 

T. scalata ist eine wahre Leitmuschel für die oberen 
Schichten der unteren Abtheilung, wo sie in hiesiger Ge- 
gend auf den Mehlstein beschränkt ist. Darin erscheint sie 
überall, stellenweise, wie am Steinkuhlenberge auf dem Elme, 
in sehr grosser Menge vereinigt. Die tieferen Schichten, so 
wie die obere und mittlere Abtheilung, ist davon ganz frei. 

4. Melanin Schlotheimi Quenst. 

kommt selten in den Schichten über dem Mehlsteine in 1 
bis ly" langen Exemplaren vor, so namentlich in den ver- 
lassenen Steinbrüchen oberhalb des Springes bei Königslut- 
ter. Im Mehlsteine selbst zeigt sich diese Versteinerung 
vereinzelt am Kappenberge bei Gebhardshagen. Der eigent- 
liche Wellenkalk scheint sie nur selten zu führen. 

5. Natiou Gaillardoti Lefroy 

scheint im Mehlsteine nicht enthalten zu sein. Dagegen tritt 
sie einzeln, noch etwas kleiner als die Zieten'sche Abbil- 
dung, im eigentlichen Wellenkalke am Lindenberge bei Thiede 
auf. — Turbo helicites wird in der unteren Abtheilung des 
Muschelkalks durch Turbo gregarius ersetzt. 

6. Üentalium laeve Schi. 

findet sich häufig im Mehlsteine, namentlich am Steinkuh- 
lenberge auf dem Elme, ferner in einer dünnen Schicht zu- 
nächst darunter mit Turbo gregarius am Kalkofen bei Jerx- 
heim und am Zieorenberge bei Heimburg. Noch tiefer im 
Wellenkalke ist dasselbe nicht angetroffen. 

7. Myacites musculoides. 

Sehr selten in den Schichten zwischen dem Mehlsteine am 
Grotewege auf dem Elme bei Abbenrode. Im Mehlsteine 
und dem darunter liegenden Wellenkalke bislang nicht ge- 
funden. 

8. Trigonia vulgaris Schi. 

kömmt hier häutiger als in den oberen beiden Abtheilungen 



183 

vor, und bildet 1 — 2" mächtige Schichten, zunächst über und 
unter dem Mehlsteine, auch zwischen demselben, die Stellen- 
weise fast ganz daraus bestehen. So bei Uehrde. am Gro- 
tewege auf dem Elme bei Abbenrode, auf dem Kappenberge 
bei Gebhardshagen u. s. w. Im Mehlsteine sehr selten, und 
gehört ferner zu den wenigen Versteinerungen des tieferen 
Wellenkalks. 

9. Trigonia curvirostris Bronn, (non Schloth.) 
Leth. pag. 171. Tab. 11. Fig. 6 C und vortrefflich ab- 
gebildet bei Goldf. Tab. 135, n. Sie ist bis f" lang, 
fast rund, nur durch die ein wenig hinaustretende un- 
tere hintere Ecke etwas dreieckig. Die Wirbel liegen et- 
was vor der Mitte, und sind wenig bemerkbar nach vorn 
eingekrümmt. Das dachförmige Schild, welches ein starker, 
vom Wirbel nach der hintern untern Ecke laufender Grath 
von der Seite trennt, macht mit dieser einen sehr stumpfen 
Winkel und nimmt fast so viel Raum ein , als die Seite 
selbst. Dasselbe wird durch eine scharfe, fast in der Mitte 
liegende Furche getheilt. Vor dem Grathe zieht sich vom 
Wirbel nach unten eine unten breiter werdende sehr mar- 
kirte Rinne herab. Die Seite war, nach den Abdrücken, mit 
25 bis 30 scharfen concentrischen Rippchen bedeckt, die Zwi- 
schenräume zwischen ihnen doppelt so breit, wie sie selbst. 
Die Rippchen sind auch auf dem Grath stark ausgedrückt, 
werden aber auf dem Schilde schwächer und gedrängter. 
Gut erhaltene Steinkerne zeigen sehr schwache concentrische 
Linien. Im Allgemeinen sind diese jedoch nicht erkennbar. 

Vorkommen als Abdrücke und Steinkerne lediglich im 
Mehlsteine, in diesen jedoch ziemlich häufig und gleichmäs- 
sig vertheilt. Steinkuhlenberg auf dem Elme, Dorm, Uehrde, 
Remme'scher Versuch bei Watenstedt, Kalkofen - Bruch bei 
Jerxheim, Kappenberg bei Gebhardshagen etc. 

10. Trigonia cardissoides. 

Leth. pag. 173. Tab. 13, 9; Ziet. 58, ,j bei Goldf. Tab. 135, 
i3. als Lyrodon deltoideum Goldf. Dazu gehörig Tr. laevi- 
gata Goldf. bei Ziet. Tab. 71, -i- Goldf. 135, i > ; Leth. pag. 



184 

173. Die Steinkerne sind völlig glatt, schief dreieckig, bis 
lf" lang, und haben im Allgemeinen die Form von Tr. vul- 
garis und simplex. Die flache Seite und das Schildchen bil- 
den eine mehr oder weniger stumpfe , selbst rechtwinkliche 
Kante. Auf dem Schildchen eine oder zwei Rippen schwach 
angedeutet. Eine Mittelrippe auf den Seiten fehlt gänzlich« 
Zum Theil sind diese jedoch in der Nähe jener Kante et- 
was eingedrückt; dann und wenn die Kante ziemlich recht- 
winklich, erhebt sich letztere rippenartig. Individuen dieser 
Art , die zugleich nach hinten mehr als gewöhnlich verlän- 
gert sind, werden vorzugsweise als Tr. cardissoides bezeich- 
net. Diejenigen ohne Eindrückung an der Kante, an de- 
nen die Seite mit dem Schildchen einen stumpfen Winkel 
macht, und die untere Ecke nach hinten nicht besonders her- 
austritt, werden als Tr. laevigata aufgeführt. Beide Formen 
gehen jedoch in einander über und kommen zusammen vor. 
Es erscheint daher nicht zulässig, sie in verschiedene Spe- 
cies zu trennen. Die Schale ist den Abdrücken nach glatt. 
Tr. cardissoides ist leicht zu unterscheiden von Tr. vul- 
garis, durch die bei dieser auf der Seite befindliche Rippe, 
und von Tr. simplex, durch die bei dieser auf den Steinker- 
nen nicht fehlende scharfe concentrische Streifung. Schwie- 
riger ist es die Steinkerne von Tr. curvirostris von gewis- 
sen Varietäten der Tr. cardissoides zu trennen. Eine starke 
Rinne — nicht Eindrückung — vor einem Grathe und eine 
deutliche Rinne — nicht Andeutung von einer oder mehreren, — 
auf dem Schilde, neben dem verhältnissmässig grossen Räu- 
me, den dieses letztere einnimmt, wird auch bei solchen Va- 
ritäten Tr. cardissoides ausschliessen , und auf Tr. curviro- 
stris hindeuten. Sind indessen Abdrücke der Schale vorhan- 
den, so bleibt kein Zweifel übrig. Vorkommen als Abdrücke 
und Steinkerne : mit der vorigen Species zusammen im Mehl- 
steine, ferner in den Schichten dazwischen am Grotewege bei 
Abbenrode, auch, jedoch sehr sparsam, im darunter liegenden 
Wellenkalke bis zur Grenze an den bunten Sandstein, wie 
am Lindenberge bei Thiede. In der obern und mittlem Ab- 



185 

theilung ist Tr. cardissoides in der Umgegend von Braun- 
schweig nicht angetroffen. 

11. Trigonia ovata Goldf. 

als Abdrücke und Steinkerne ziemlich häufig im Mehlsteine 
mit Trigonia curvirostris und cardissoides zusammen, vorzüg- 
lich am Steinkuhlenberge auf dem Elme und im Remrae'- 
schen Versuche bei Watenstädt. Darüber und darunter im 
Wellenkalke nicht gefunden. 

Kleinere, wenig ovale, sondern fast kreisrunde Stein- 
kerne, die im Uebrigen mit Tr. ovata übereinstimmen, auch 
einzeln damit im Mehlsteine vorkommen, und Leth. p. 174. 
Tab. 13, ii. und Goldf. Tab. 135, io. als Tr. orbicularis Bronn 
aufgeführt werden , dürften schwerlich eine besondere Spe- 
cies bilden. 

12. Nucula Goldf us si Alb. 

kömmt in den Schichten zunächst über und unter dem Schaum- 
kalke, wie auch in und namentlich zwischen diesem, vor, so 
auf dem Elme am Steinkuhlenberge und Grotewege, auf der 
Spitze des Hamberges bei Salzgitter und am Hardewege bei 
Gebhardshagen . 

13. Nucula specwsa? Mstr. 

Bei Goldf. Tab. 124, io. Damit der Form nach überein- 
stimmende Steinkerne finden sich nicht selten im Mehlsteine 
des Steinkuhlenberges auf dem Elme etc. Doch bleibt es 
noch einigermassen zweifelhaft, ob die hiesigen Exemplare 
mit jener Abbildung wirklich identisch sind, weil Spuren 
von Zähne daran zeither nicht wahrgenommen sind. 

14. Mytüus eduliformis Schi., 

als Abdrücke und Steinkerne sehr häufig im Mehlsteine und 
den zwischenliegenden Schichten, namentlich des Steinkuh- 
lenberges auf dem Elme. Bis zu 4" grosse Exemplare, die 
im Uebrigen mit den kleinen übereinstimmen, finden sich zu- 
weilen im Mehlsteine des v. Gramm 'sehen Bruchs, unweit 
des Tetzel-Denkmals auf dem Elme. 

15. Pterinea polyodonta. 

Diese Muschel, die bislang nur in Abdrücken der äussern 



186 

und inneren Schale, immer die rechte von der linken ge- 
trennt, gefunden wurde, ist darnach sehr ungleichseitig, fast 
rhombisch, mit einem langen graden Schlossrande versehen, 
der mit der Achse einen Winkel von etwa 35° macht. Die 
hohen, etwas übergreifenden Wirbel liegen vorn, so dass vom 
Schlossrande 3 — 4 mal so viel darhinter, als davor erscheint. 
Der vordere Flügel ist klein und spitz, der hintere viel grös- 
ser und etwas stumpfeckig. Der Rücken verflacht sich in 
die Flügel allmählig, doch zeigt die äussere Seite der Schale, 
namentlich beim hinteren Flügel , eine bestimmtere Begren- 
zung als die innere. Der vordere Rand lauft wenig abge- 
rundet, fast parallel mit der Achse und geht in den untern, 
dem Schlossrande ziemlich parallelen Rand über. Die hin- 
tere untere Ecke tritt bedeutend heraus, und macht der hin- 
tere Rand, da wo der Flügel beginnt, eine geringe Biegung 
von der Form eines S. Die Schale scheint aussen glatt, 
ohne bemerkbare Anwachsstreifen gewesen zu sein. Ein Aus- 
schnitt für den Durchgang des Byssus wird nicht wahrge- 
nommen. Ob die Muschel gleichklappig ist, hat nicht er- 
mittelt werden können. Ein grosser Unterschied in Form 
und Dimension kann indessen zwischen der rechten und lin- 
ken Schale nicht Statt gefunden haben, da sich beide gleich 
gross und gewölbt finden. Gewöhnliche Exemplare haben 
einen Schlossrand von 1" Rh. Länge. Ihre Höhe beträgt y", 
und die Entfernung der Ecke des vordem Flügels von der 
hintern untern Ecke 1" bis 1" 3"'. 

Diese allgemeine Form ergiebt, dass die Muschel zu den 
Aviculineen gehört. Zur näheren Erkennung derselben — 
zumal des Genus, in welches sie classificirt, zeither im Mu- 
schelkalke nicht entdeckt ist, auch für diesen durch das frag- 
liche Genus ein mehrer Anschluss an die zunächst älteren 
Formationen sich herausstellt — wollen wir hier eine genaue 
Beschreibung der inneren Abdrücke der Schale, wobei jedoch 
zu beachten, dass beide Klappen getrennt vorkommen, — 
mit Deutung der Wahrnehmungen, folgen lassen. Es haben 
dabei mehrere Exemplare vorgelegen. Einzelne derselben 



187 

können wegen ihrer Undeutlichkeit oder unvollkommenen 
Beschaffenheit leicht zu irrigen Ansichten verleiten. 

Bei dem Abdrucke der rechten Schale liegt am graden 
Schlossrande in einer Entfernung von 1'" von vorn (der ganze 
Schlossrand = l", und der Wirbel etwa 2, 5"' von vorn) 
eine senkrechte dreieckige Erhöhung, 0, 5"' von oben nach 
unten lang, die scharfe Spitze nach oben, — eine Zahngrube 
in der rechten Klappe anzeigend. 

Diesem entsprechend, lässt der innere Abdruck der lin- 
ken Schale eine eben solche Grube sehen, durch den corre- 
spondirenden Zahn der linken Klappe gebildet. Von dieser 
Grube resp. jener Erhöhung an bis noch etwa 2'" hinter dem 
Wirbel liegen auf der l'" breiten SchlossfTäche der linken 
und rechten Schalen- Abdrücke 10 bis 14 leistenförmige Er- 
höhungen, durch Zwischenräume von der Breite, wie sie 
selbst , getrennt. Die vordem dieser leistenförmigen Erhö- 
hungen laufen fast senkrecht von oben nach unten, diejeni- 
gen unter den Wirbeln, mit der Achse parallel, und diejeni- 
gen hinter den Wirbeln nähern sich etwas mehr einer hori- 
zontalen , so dass die verschiedenen Neigungen allmählig in 
einander übergehen , und mit der minderen Neigung ihre 
Länge zunimmt. Oben sind sie gedrängter, während sie 
nach unten divergiren. Wahrscheinlich correspondiren die 
Leisten und Vertiefungen auf beiden Abdrücken, und ent- 
sprechen jene den Zahngruben, diese den Zähnen an den 
Klappen selbst. Die Leisten und Vertiefungen haben gleiche 
Stärke bis auf eine , grade unter dem Wirbel. Diese letz- 
tere, eine Zahngrube in der rechten Klappe und einen cor- 
respondirenden Zahn in der linken Klappe angebend, zeich- 
net sich durch mehrere Stärke aus. Da , wo 2'" hinter den 
Wirbeln die obigen leistenförmigen Erhöhungen fehlen, be- 
ginnt etwas unter dem Schlossrande, zuförderst undeuttich, 
dann auffälliger, und hiernächst in gleicher Entwickelung 
2,5 — 3"' fortlaufend, nach hinten sich ein Wenig senkend, auf 
dem rechten Schalenabdrucke eine dünne Leiste, zunächst 
und längs derselben je oben und unten eine Rinne , auf dem 



188 

linken Schalenabdrucke aber hiermit correspondirend in der 
Mitte eine scharfe Rinne und zunächst und längs derselben 
je oben und unten eine Leiste. Diese Rinnen und Leisten 
zeigen an, dass ausser den eigentlichen Schlosszähnen, in der 
rechten Klappe zwei lange Seitenzähne mit einer dazwischen 
liegenden Zahngrube, und hiermit correspondirend in der lin- 
ken Klappe ein langer Seitenzahn und längs und neben die- 
sem, ihn einschliessend, zwei Zahngruben vorhanden waren. 

Der Raum zwischen dem Schlossrande und diesen Sei- 
tenzähnen, der, wie aus der Lage dieser letztern folgt, drei- 
eckig, vorn spitz und hinten 1 — 1,5'" breit, ist völlig eben. 
Es dürfte in ihm das Ligament gelegen haben, jedoch sehr 
dünn, da der Raum, allem Anscheine nach, nicht; oder doch 
nur höchst wenig, klaffend gewesen ist. 

Da wo diese Seitenzähne hinten endigen, glauben wir 
an den inneren Abdrücken auf dem hintern Flügel eine ziem- 
lich verbreitete, aber ganz schwache Erhabenheit, einen hin- 
teren Muskeleindruck, zu bemerken. Dagegen zeigt sich 
auf dem vorderen Flügel, etwa in der Mitte zwischen der 
vordem Ecke desselben und dem Wirbel, unmittelbar unter 
dem vordem Schlosszahne resp. dessen Grube eine Erhö- 
hung von minderem Umfange, jedoch von unverhältnissmäs- 
siffer Höhe, die wir für den vordem Muskeleindruck halten. 
Der Manteleindruck ist auf keinem Exemplare deutlich be- 
merkbar. 

Die Muscheln von dieser Beschaffenheit können nicht 
zu Gervillia gestellt werden, da ihnen die diese charakteri- 
sirenden senkrechten Ligamentgruben längs des Schlossran- 
des fehlen. Von Avicula entfernen sie sich durch das com- 
plicirte Schloss, selbst wenn man auch hierbei einige Ver- 
schiedenheit in den Arten älterer und jüngerer Formationen 
zulässt. Dagegen stimmt nicht nur die äussere Form, son- 
dern auch das Schloss, mehrere nach vorn aufsteigende Zähne 
vor und unter dem Wirbel, und einige andere längere dar- 
hinter, mit Goldfuss's Genus Pterinea, vollständig über- 
ein. In auffallender Weise ähnelt das ganze Schloss dem 



189 

von P. elongata Goldf. aus der Grauwacke vom Ems, so wie 
dies aus Goldf. Tab. 119. Fig. 5. b u. c - hervorgeht, nur sind 
bei unserer Muschel die vordem Zähne in grösserer Anzahl 
vorhanden, und die hinteren grader und leistenartiger, etwa 
wie bei P. laevis Goldf. Tab. 119. Fig. 1. (auch Leth. Tab. 
3, 7 ) Ein Byssus war nach dem gesammten Habitus der 
Muscheln gewiss vorhanden, obgleich die Stelle seines Aus- 
tritts wegen der unvollkommenen Erhaltung der vorliegen- 
den Exemplare nicht völlig genau nachzuweisen steht. Auch 
wird dem Genus - Charakter nicht entgegenstehen, dass der 
hintere Muskel- Eindruck an unseren Formen nicht so her- 
vorstechend auffällt, als in denen aus älterm Gebirge. Schon 
die dem Anscheine nach bei jenen Statt findende mindere 
Dicke der Schale mag zu dieser Abweichung die Veranlas- 
sung sein. 

Unter diesen Umständen möchte nicht in Zweifel zu 
ziehen sein, dass die fragliche Muschel des Muschelkalks in 
der That eine wirkliche Pterinea ist, die sich zwar denen 
aus dem Grauwacken- und Kohlengebirge nahe anschliesst, 
von dieser jedoch als Species unterschieden ist. Der obige 
Name, den wir für sie vorschlagen, hebt diese Verschieden- 
heit hervor. 

Avicula Albertii Mstr. bei Gcldf. Tab. 116. Fig. 9. aus 
dem bunten Sandsteine von Sulzbach und Zweibrüchen kommt 
damit in der äusseren Form überein , und wird, wenn auch 
der Zahnapparat (worüber die Beschreibung nichts enthält) 
stimmt, damit identisch sein. 

Pterinea polyodonta hat sich bislang nur im Mehlsteine 
der untern Abtheiluno; als seltene Erscheinuno- zusammen mit 
Turritella scalata, Trochus Albertianus, Trigonia curvirostris 
etc. gezeigt, und zwar am Elme in den Brüchen des Stein- 
kuhlenberges, wie auch des Groteweges, dann aber nament- 
lich am Dorme und in den Brüchen der Kalkbrennerei am 
Heeseberge unweit Jerxheim. 

16. Pterinea Goldf ussi. 
Diese Muschel bedarf annoch der Erwähnung, nicht aus dem 



190 

Antriebe neue Species zu schaffen , worin wir keine Berei- 
cherung der Wissenschaft finden, sondern weil sie häufiger 
vorkömmt, und für das Auftreten von Pterinea im Muschel- 
kalke einen weitern Belag giebt. Die Muschel, von der die 
Schalen bislang noch nicht entdeckt, sondern nur innere und 
äussere Abdrücke angetroffen sind, hat eine veränderliche 
Gestalt. Sie ist fast quadratisch bis rhombisch. Sehr un- 
gleichseitig. Die Klappen scheinen fast gleich zu sein, doch 
haben sich, so viele Abdrücke der linken Klappe vorliegen, 
zeither nur wenige der rechten gezeigt. Der Schlossrand ist 
grade. Die überstehenden Wirbel liegen sehr weit vorn. 
Der Rücken, mehr oder weniger, zum Theil hoch gewölbt, 
senkt sich nach unten und hinten parallel mit dem vordem 
Rande, in geringer Entfernung von diesem. So entsteht hin- 
ten ein grosser Flügel, in den der Rücken auf den Steinker- 
nen allmählig übergeht, während in den äusseren Abdrücken 
beide mehr oder weniger scharf geschieden sind. Die Ecke 
des vorderen kleinen Flügels tritt oben etwas hervor, und ist 
sehr spitz. Hierdurch entsteht in dem vordem Rande, der 
sich mit der Achse parallel mit 40 — G0° nach hinten und 
unten senkt, oben eine geringe Einbiegung, wahrscheinlich 
durch den Austritt des Byssus bedingt. Die untere hintere 
Ecke ist abgerundet, mehr oder weniger spitz bis fast recht- 
eckig. Die hintere Kante, die gewöhnlich unten etwas her- 
austritt, also nicht völlig senkrecht ist, pflegt am Flügel eine 
bedeutende Einbiegung zu haben, während solche bei meh- 
reren Exemplaren nur angedeutet ist. Die Schale war aus- 
sen im Allgemeinen glatt, doch zeigt sich an einzelnen Exem- 
plaren eine undeutliche Anwachsstreifung. Die Länge des 
Schlossrandes beträgt 7 — 10'" Rh., die Höhe 5 — 7", die Ent- 
fernung der obern vordem von der untern hintern Ecke 8 — 12'". 
So erinnert die Form der Muschel sehr an gewisse Va- 
ritäten von Gervillia socialis und costata, ja es würde un- 
möglich sein, sie von beiden zu sondern, wenn der Schloss- 
apparat unberücksichtigt bleibt. Durch diesen ist sie von 
G. costata völlig getrennt. Zweifelhafter bleibt dies aber 



191 

hinsichtlich der G. socialis , insofern an dieser das Schloss 
(wir haben letzteres an entschieden dazu zu rechnenden 
Exemplaren noch nicht deutlich gesehen) noch nicht ermittelt 
sein sollte. In der fraglichen Muschel zeigen sich nämlich, 
nach den Abdrüchen am Schlossrande , unmittelbar vor dem 
Wirbel, in der rechten Klappe ein starker dreieckiger Schloss- 
zahn, senkrecht stehend, die Spitze nach oben, und diesen 
einschliessend zwei tiefe Zahngruben ; dem correspondirend 
in der linken Klappe zwei Schlosszähne und dazwischen eine 
Zahngrube. Von den Zähnen dieser letztern steht der vor- 
dere kleinere fast senkrecht, der längere hinten läuft mit der 
Achse der Muschel fast parallel. Unmittelbar hinter dem 
Wirbel beginnt am Schlossrande zuförderst undeutlich, dann 
stärker, nach hinten sich ein Wenig vom Schlossrande ent- 
fernend, in der linken Klappe ein leistenförmiger Seitenzahn, 
wie es scheint seitlich von zwei undeutlichen Furchen be- 
gleitet, der erst in der Nähe des hintern Randes endigt, und 
dem correspondirend in der rechten Klappe eine tiefe Zahn- 
grube. Von Muskeleindrücken ist ein kleiner starker auf 
dem vordem Flügel, und ein zweiter undeutlicher, aber weit 
grösserer, auf den hintern Flügel, etwas unterhalb des Sei- 
tenzahns, vorhanden. Manteleindruck nicht erkennbar. 

Die Form von Avicula und Gervillia, verbunden mit 
dem langen Seitenzahne, dürften die Muschel als Pterinea 
charakterisiren und wird um so mehr Veranlassung sein, sie 
diesem Genus zuzuzählen, als dessen Vorkommen im Mu- 
schelkalke durch P. polyodonta entschieden feststeht. Wir 
schlagen vor, die Muschel zu Ehren des Gelehrten von Bonn, 
der das Genus Pterinea begründete, P. Goldfussi, wie oben 
geschehen, zu nennen. 

Von Pterinea polyodonta unterscheidet sie sich durch 
ihre weniger in die Länge gezogene Form, auch dadurch, 
dass ihre Achse mit dem Schlossrande einen minder spitzen 
Winkel macht, dann aber vorzüglich durch die wesentliche 
Abweichung im Baue der Schlosszähne. 

P. Goldfussi hat sich bis jetzt, als äussere und innere 



192 

Abdrücke der Schale, auf den Mehlstein beschränkt gezeigt, 
und ist am Elme auf dem Steinkuhlenberge und am Grote- 
wege, am Dorme in den Steinbrüchen der herrschaftlichen 
Kalkbrennerei, ferner bei Uehrde und endlich in den Brüchen 
der Kalkbrennerei am Heeseberge unweit Jerxheim, nicht 
sehr selten gefunden. 

17. Gervülia socialis Quenst. 

findet sich über und unter dem Mehlstein im eigentlichen 
Wellenkalke überall, jedoch nicht so häufig, als in den bei- 
den obern Abtheilungen. Im Mehlsteine selbt ist sie eine 
sehr seltene Erscheinung, und liegen aus ihm nur einige we- 
nige Exemplare vor, an denen der Schlossapparat nicht er- 
kennbar. Ein glücklicher Fund in diesem Gesteine wird die 
noch obwaltenden Zweifel über die zoologische Deutung der 
Muschel beseitigen. 

18. Gervülia costata Quenst. 

Avicula Bronni, benannt von Alberti Monographie p. 55, 
zur Unterscheidung von Smith 's A. costata (Sow. Min. 
Conch. Tab. 244, i.) aus der Jura-Formation, eine Muschel 
die bereits Schlotheim (Nachtr. Tab. 37, 2.) als Mytuli- 
tes costatus abgebildet hat, und die mit Alberti 's Namen 
in der Leth. p. 165. Tab. 11, 3; bei Ziet. Tab. 55, 3; Goldf. 
117, 3. und Geinitz Petref. p. 457. Tab. 20, 3. wieder ge- 
geben wird. Dieselbe hat zwar viel Aehnlichkeit mit Ger- 
vülia socialis, unterscheidet sich von dieser aber schon da- 
durch, dass sie nur einfach gekrümmt, fast gleichklappig und 
nicht viel länger als hoch ist. Dabei sind beide Flügel im- 
mer ziemlich scharf begrenzt, der vordere kleinere spitz, der 
hintere an dem vorliegenden Exemplare stets etwas eingebo- 
gen. Der Schlossrand bildet eine grade Linie. Der Rücken 
ist hochgewölbt und die Wirbel greifen über. Die ganze 
Schale ist mit mehr oder weniger stark hervortretenden Zu- 
wachsstreifen, die sich in einigen Exemplaren leistenförmig 
erheben, bedeckt. Der vordere Rand ist im obern Drittheil 
seiner Länge etwas eingedrückt, wie diess auch an den Goldfi- 
schen Abbildungen zu sehen ist. Die Länge des graden 



193 

Schlossrandes = T" Rh., ganze Höhe = 6"', die Entfernung 
der Spitze des vordem Flügels von der hintern untern Ecke 
== 9 /f . Quenstedt im Flötzgeb. Würtemb. p. 49. sah an 
dieser Muschel weder Ligamentgruben, noch Schlosszähne. 
Er hält sie deshalb dort weder für eine Avicula, noch für 
eine Gervillia, sondern ist geneigt, dieselbe dem Genus Myti- 
lus anzureihen, führt sie jedoch ib. p. 555. als Gervillia co- 
stata auf. Abdrücke der inneren Schale, die im Mehlsteine 
hiesiger Gegend angetroffen werden, die linke von der rech- 
ten immer getrennt, lassen jedoch, wenn man mehrere Exem- 
plare zur Hand nimmt, die Merkmale erkennen, aus de- 
nen das Genus zur Genüge hervorgeht. Darnach befanden 
sich nämlich in der linken Klappe , etwas vor , fast unter 
dem Wirbel, [am k Schlossrande und dicht neben einander, 
zwei Schlosszähne, der vordere fast senkrecht, der hintere 
ein wenig geneigt, und auf der linken Klappe, zwischen 
jene beiden Zähne eingreifend, ein Zahn. Der Schlossrand 
hinter dem Wirbel hat eine etwa 0,5'" breite, sehr klaffende 
Fläche, die vom Wirbel nach vorn zu nicht fortzusetzen 
scheint. Auf dieser Fläche liegen, ihre ganze Höhe ein- 
nehmend, 5 (auf einigen Exemplaren scheinen nur 4 vorhan- 
den zu sein) Ligamentgruben von etwa \ r " Breite, mit un- 
gleichen Zwischenräumen, wie es scheint, constant mehr in 
der Nähe des Wirbels , gedrängter. Die Oberfläche der in- 
neren Abdrücke ist, was den Rücken und zum Theil die 
Flügel betrifft, an den vorliegenden Exemplaren rauh, und 
lässt sich daher die Anzahl und Lage der Muskeleindrücke, 
wie auch der Manteleindruck, nicht deutlich ersehen. 

Es kann hiernach nicht zweifelhaft sein, dass die Mu- 
schel zum Genus Gervillia gehört. Da nun aber hiermit 
der Grund, weshalb v. Alberti den ursprünglichen Spe- 
cies-Namnn abänderte, wegfällt, auch Koch und Duncker 
(vid. Norddeutschi. Oolith. 1837 pag. 36. Tab. 3, i.) bereits 
eine Versteinerung aus dem oberen Jura als Gervillia Bronni 
beschrieben haben , so wird man füglich zu der Schlot- 
h ei m 'sehen Species-Benennung zurückkehren, und die Mu- 

Zeits. ä, d, geol, tfes, I. 2. 13 



194 

schel als Gervillia costata, wie oben geschehen, bezeichnen 
können. Gervillia costata findet sich, ausser in der mittlem 
Abtheilung, in der unteren lediglich im Mehlsteine, hier je- 
doch nicht selten am Steinkuhlenberge auf dem Elme, auf 
dem Dorme etc. 

19. Lima striata Goldf. 

findet sich, obwohl selten, im Mehlsteine des Elms, am 
Steinkuhlenberge und am Grotewege bei Abbenrode. Län- 
gere Zeit sind Zweifel geblieben, ob Lima in der unteren 
Abtheilung unseres Muschelkalks vorkomme, bis ein völlig 
deutliches Exemplar an letzterer Localität, welches wir in 
dem dortigen oberen Mehlsteine fanden, den Beweis von der 
Existenz von Lima auch in der unteren Abtheilung lieferte. 
Dasselbe ist ein 1" hoher und -f-" breiter Steinkern, auf dem 
gewölbten Rücken mit 26 deutlichen schmalen aber hohen, 
jedoch ungetheilten Kippen, die durch Zwischenräume von 
etwas minderer Breiten getrennt sind, und gehört mithin zur 
var. striata. 

Im Wellenkalke ist das Genus Lima in hiesiger Ge- 
gend bislang nicht angetroffen. 

20. Pectcn discites Bronn. 

kömmt sparsam in kleinen Exemplaren im Mehlsteine über- 
all vor, bildet dagegen zunächst über und unter demselben, 
in grosser Menge angehäuft, dünne, bis 2" mächtige Schich- 
ten, so bei Jerxheim am Heeseberge, bei Uehrde und Geb- 
hardshagen. Auch dem unteren Wellenkalke ist er nicht fremd, 
wird hierin jedoch, wie alle sonstigen Versteinerungen, nur 
selten gefunden, so am nördlichen Fusse des Lindenberges 
bei Thiede zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel. 

2 1 . Austern kommen überall im Mehlsteine nicht sel- 
ten, vorzugsweise am Steinkuhlenberge des Elms, in Ab- 
drücken und Steinkerne vor. Sie sind von 1" bis i\" Grösse, 
stark gewölbt, mit 8 — 16 scharfen und hohen Falten, die auch 
auf den Steinkernen bis etwa zur halben Höhe sichtbar blei- 
ben. Beide Schalen, von denen die untere aufgewachsen, 
scheinen ziemlich gleich zu sein. Sie gehören sämmtlich zu 



195 

einer und derselben Species, vielleicht Ostrea crista diffor- 
mis Schi. (Nachtr. Tab. 36, 2.) oder O. complicata Goldf. 
(Tab. 72, 3.). Im Wellenkalke bislang nicht angetroffen. 

22. Terebratula vulgaris Schloth. 

kömmt vereinzelt in den Schichten über und zwischen dem 
Mehlsteine bei Uehrde, am Grotewege bei Abbenrode und 
am Heeseberge bei Jerxheim, wie auch in dem unteren Wel- 
lenkalke am Lindenberge bei Thiede vor. Häufiger, zum 
Theil äusserst zahlreich, ist sie in einigen Schichten des 
Mehlsteins, hier jedoch nur als Steinkern, oder mit Hinter- 
lassung des inneren perlmutterartigen Theils der Schale. Sie 
ist hieran auch in Fragmenten leicht zu erkennen, da im 
Mehlsteine von sonstigen Muscheln nur an wenig Localitäten 
die Schale ganz oder theilweise erhalten ist. Das zahlreiche 
Erscheinen von T. vulgaris bezeichnet somit im Muschelkalke 
zwei sehr bestimmte Horizonte, den obern im Trochitenkalke, 
den untern im Mehlsteine. 

23. Encrinns liliiformis Lam. 

erscheint als Seltenheit in einzelnen Stielgliedern im obern 
und untern Mehlsteine, so wie in den Schichten dazwischen, 
jedoch nie in der Menge, als selbst in den untersten verstei- 
nerungsführenden Lagen der mittlem Abtheilung. Da in- 
dessen, wo sich ein Glied zeigt, pflegen deren mehrere vor- 
handen zu sein, wovon der Grund vielleicht darin liegt, dass 
die Theile ein und desselben Individuums ziemlich beisam- 
men blieben. So am Steinkuhlenberge und am Grotewege 
auf dem Elme, wie auch bei der hohen Leiter zunächst Uehrde. 
Im Allgemeinen haben diese Glieder einen geringeren Durch- 
messer als die der mittlem Abtheilung. Immer sind sie, 
auch im eigentlichen Mehlsteine, wo mit Ausnahme der Te- 
rebrateln, alle Schalen reabsorbirt wurden, in Kalkspath ver- 
wandelt. Mit dem Gesteine zeigen sie sich fest verwachsen, 
und erst wenn dieses längere Zeit der Witterungs - Einwir- 
kung ausgesetzt gewesen, treten die Glieder über die Ober- 
fläche hervor. Mehrere Glieder zusammenhängend, oder Kel- 
che sind bislang nicht gefunden, und dürften auch schwerlich 

13* 



196 

gefunden werden, da in diesem Niveau selbst die Schalen der 
Bivalven grössten Theils von einander getrennt sind. Im 
Uebrigen kann ein Zweifel darüber, ob diese Stielglieder mit 
denen von Encrinus liliiformis aus der mittlem Abtheilung 
wirklich identisch sind, nicht vorhanden sein. Sie sind von 
rundem Umfange, in der Mitte vom kleinen Nahrungs - Ca- 
nale durchbohrt, der auf den Gelenkflächen entweder mit ei- 
nem erhabenen Sternchen, oder mit einer ebenen Fläche um- 
geben ist, welche letztere nach dem Umfange hin, mit mehr 
oder weniger langen und tiefen Strahlen, den Rändern zum 
Theil eine zahnartige Einfassung gebend, unterbrochen werden. 
In den Schichten unterhalb des Mehlsteins, im eigent- 
lichen Wellenkalke, haben sich bislang keine Spuren von 
Encrinus gefunden. 

24. Encrinus dubius Quenst. 
Sehr selten, liegen im oberen Mehlsteine des Groteweges 
unweit Abbenrode am Elme, mitten zwischen Stielgliedern 
von Encrinus liliiformis, andere Stielglieder, die dieser Form 
nicht angehört haben können, von i\ bis etwas über 2'" 
Durchmesser und j bis 1"' Höhe. Ihr Umfang bildet ein 
Fünfeck, jedoch ein wenig abgerundet, so dass die Kanten 
nicht scharf, auch die Seiten nicht eingedrückt erscheinen, 
eine Form, wie sie etwa den obern Stielgliedern von Encr. 
liliiformis eigenthümlich , nur fehlt die erhabene Randeinfas- 
sung. Eindrücke von Hülfsarme haben wir auf den Seiten 
nicht wahrgenommen, doch kann dies lediglich in der gerin- 
gen Menge vorliegender Exemplare begründet sein. Auf ei- 
nem Stücke unserer Sammlung von Handgrösse, das ein 
fünfeckiges Glied trägt, und daneben mehrere unzweifelhafte 
Stielglieder von Encr. liliiformis, liegen nämlich auch einzelne 
runde sehr dünne Glieder von unverhältnissmässiger Länge, 
die wegen ihrer Kleinheit eine deutliche Zeichnung auf den 
Gelenkflächen nicht erkennen lassen. Es sind dies vielleicht 
Theile von Hülfsarme. Jene fünfseitigen Glieder unterschei- 
den sich durch die Zeichnung auf den Gelenkflächen, die 
auf allen vorhandenen Exemplaren gleichmässig ist, sehr 



197 

wesentlich von denen vom Encr. liliiformis. In jenen wird 
nämlich der sehr feine Nahrun gs-Canal in der Mitte, dessen 
Begrenzung nicht so deutlich ist, dass mit Bestimmtheit zu 
erkennen wäre, ob seine Form rund oder etwa fünfeckig, von 
einem wenig erhabenen Sternchen umgeben, der nach aus- 
sen nicht scharf absetzt, sondern sich allmählig verwischt. 
Dieses Sternchen nimmt etwa ~ des ganzen Glied-Durch- 
messers ein. Zwischen ihm und dem äusseren Umfange des 
Gliedes liegen tiefe Rinnen, nach aussen und innen gleich 
tief bleibend. Diese Rinnen, den Strahlen auf den Gelenk- 
flächen der Stielglieder von Encr. liliiformis entsprechend, 
stehen rechtwinklich auf den 5 Seiten der Glieder und brin- 
gen von je zwei Seiten nach innen zusammenlaufend , die 
Form eines lateinischen V hervor, etwa wie auf Goldfus's 
Abbildung von Rhodocrinus echinatus Tab. 60. Fig. 7. G. 
Doch sind die Rinnen weit tiefer, als hier, auch nur in der 
Zahl von 3 Doppelten auf jeder Seite vorhanden. Die Er- 
höhungen zwischen den Rinnen haben mit diesen gleiche 
Breite. — Gehörten diese Stielglieder dem Encrinus liliifor- 
mis an, so müssten sie, wegen ihrer fünfseitigen Beschaffen- 
heit, von dessen oberen Stielende herrühren. Hier findet sich 
aber auf den Gelenkflächen, ganz abgesehen von der Form 
der Zeichnung, diese nie so tief eingreifend. Etwas vollkom- 
men Aehnliches zeigt endlich keine uns bekannte Abbildung 
eines Crinoideen. Dagegen scheint es, dass die vorliegen- 
den Stielglieder, auch was die Einkerbungen auf den Ge- 
lenkflächen anbetrifft, sich auf diejenigen zurückführen las- 
sen, die Goldf. Tab. 53, 6. als Pentacrinites dubius und 
Quenstedt in Wieg mann's Archiv 1835. Bd. 2. pag. 225. 
und Tab. 4, 2. als Encrinites dubius darstellt. Der Unter- 
schied, der in der weitem Verbreitung des den Nahrungs- 
Canal umgebenden Sternchens und der minderen Tiefe der 
senkrecht auf den Seiten stehenden Einkerbungen besteht, 
könnte bei den Gliedern näher an der Wurzel, als welche 
dann die unserigen zu betrachten wären, wegfallen. Da aus- 
serdem die von Goldfuss und Quenstedt beschriebene 



198 

Form unzweifelhaft aus dem Muschelkalke herrührt, so 
wird es sehr wahrscheinlich, dass sie und die hiesigen Exem- 
plare zu ein und derselben Species gehören, die jedoch von 
Encr. liliiformis verschieden ist. Dass aber Pentacrinites du- 
bius Goldf. ein Encrinus sei, nehmen Quenstedt I.e. und 
Bronn im Nomencl. pag. 460. an. Wir schliessen uns die- 
sen Autoritäten an. Denn einer Seits bleibt die Genus-Be- 
stimmung lediglich nach Stielgliedern gewagt, und können 
die Fragmente von Crinoideen des älteren Gebirges, die für 
Pentacrinus angesprochen sind, füglich zu anderen Geschlech- 
tern gehören, so dass das Erscheinen der wirklichen Penta- 
crinen erst mit dem Lias beginnt, anderer Seits aber möchte 
es , so lange nicht Kelche oder sonst entscheidende Theile 
entdeckt sind, die Sache also zweifelhaft bleibt, ganz natur- 
gemäss sein, jene Stielglieder des Muschelkalks demjenigen 
Genus zuzurechnen, das ihm eigenthümlich ist, darin minde- 
stens in der Species Encrinus liliiformis einen so eminenten 
Höhenpunkt der Entwickelung erreicht. Vorläufig dürfte 
somit das Genus Pentacrinus als im Muschelkalke nicht vor- 
kommend zu betrachten sein. 

Von Encrinus dubius ist in der mittlem Abtheilung des 
Muschelkalks, so wie im Mehlsteine anderer Localitäten, als 
dem Grotewege, bislang noch keine Spur gefunden. 

II. Reiste von Thieren höherer Organisation 

haben sich bei Braunschweig in der ganzen unteren Abthei- 
lung des Muschelkalks noch nicht gezeigt. Im Mehlsteine 
derselben müssen sie aller Orten in der hiesigen Gegend 
gänzlich fehlen, weil im entgegengesetzten Falle, in den vie- 
len zum Theil grossartigen Steinbrüchen, davon mindestens 
eine Andeutung bemerkt sein würde. Anders mag sich 
dies mit dem durch Steinbrüche weniger aufgeschlossenen 
unteren Wellenkalke verhalten, welcher dergleichen an an- 
dere Orten führt. 



199 

§. 23. Schichtenfolge am Steinkuhlenberge auf dem Elme. 
Bei der grossen Einförmigkeit, welche in der unteren 
Abtheilung, mit alleiniger Ausnahme der Mehlstein - Schich- 
ten Statt findet, dürfte es genügen, lediglich von diesen letz- 
tern ein Beispiel der speciellen Schichtenfolge zu geben. Wir 
wählen hierzu den Fricke 'sehen Bruch neben Schrader's 
Kalkofen am Steinkuhlenberge auf dem Elme, da hier sämmt- 
liche in der dortigen Gegend vorkommende Mehlstein-Schich- 
ten aufgeschlossen sind. Dieselben streichen in diesem Bru- 
che h. 4. und fallen mit etwa 10° in N.O. Es folgen da- 
selbst von oben nach unten nachstehende Schichten, denen 
die Steinbruchs-Arbeiter allgemein auf dem Elme die in Pa- 
renthese beigefügten Benennungen geben : 

1) 3 — 4' Dammerde und Schutt. 

2) ly (Erdlinge) hell gelblich- weisser, ziemlich dichter 
Schaumkalk, sehr homogen, ohne alle Absonderung in meh- 
rere Schichten. Fast chemisch reiner Kalk. Versteinerun- 
gen sind darin weniger häufig, als in den tieferen Mehlstein- 
Bänken, mindestens liegen sie darin nur einzeln, nicht zu 
grossen Massen neben einander vereinigt. Die häufigeren 
derselben sind : Turritella scalata (jedoch meistens in klei- 
nen Exemplaren) Trigonia ovata, Gervillia costata und Tro- 
chus Albertianus. Diese Bank ist hier ziemlich zerklüftet, 
so dass daraus nur selten Quader gewonnen werden können, 
dagegen liefert sie das gesuchteste Material zur Bereitung 
von Kalkmörtel. In den einige hundert Schritte mehr in 
West belegenen Steinbrüchen ist dieselbe nicht mehr vor- 
handen, indem ihr Ausgehendes schon vorher erfolgt. Da- 
gegen beträgt ihre Mächtigkeit in dem Bruche etwas in Süd, 
am Forstorte Düsternwinkel, neben der Chaussee von Kö- 
nigslutter nach Schöppenstedt, 3'. Am letzteren Punkte be- 
gleiten sie oben und unten zwei Schichten Kalkconglomerat 
von 14" und 4", die bei Fricke gänzlich fehlen. 

3) 3' (Erdlingsscholen) gelblich-grauer milder Kalkstein, 
ein Uebergang vom Schaumkalke in dichten Kalkstein, in 
Schichten von 1 — 3" Stärke abgesondert, jedoch ohne zwi- 



200 

sehen liegenden Thon. Die Schichtungsflächen ziemlich eben. 
Ohne Versteinerungen. 

4) 8' (weisse Erde) gelblich-grauer welliger Karkmer- 
gel, sehr zerbröcklich, fast ohne regelmässige Schichtabson- 
derung. Da wo dieselbe sich zeigt, die Absonderungsflächen 
mit -vielen Wülsten und wurmartigen Concretionen versehen. 
Dann auch ein geringer Anflug von Thon. Versteinerungen 
sind darin stellenweise in einzelnen dünnen Schichten zusam- 
mengedrängt, namentlich Trigonia vulgaris, Nucula Gold- 
fussi und Melania Schlotheimi. 

5) 6 — 8" (Eiserscholen) Kalkconglomerat von mehr oder 
weniger dichtem hellgelben Schaumkalk mit vielen Geschie- 
ben von dunkel grau blauem sehr festen compacten Kalkstein. 
Es werden daraus gute Deckplatten, auch hin und wieder 
Trottoirs, angefertigt. Versteinerungen sind darin sehr selten. 

6) 3' 9" (Oberbruch) gelblich-weisser Schaumkalk, eine 
Bank, die, weil sie nur selten in mehrere Schichten sich son- 
dert und im Allgemeinen sehr homogen ist, vortreffliche Werk- 
steine liefert. Reabsorbirte Muscheln sind darin in unglaub- 
licher Menge vorhanden, und stellenweise so angehäuft, dass 
das Gestein keine feine Bearbeitung gestattet. Hin und 
wieder liegen diese Anhäufungen nicht parallel der Schich- 
tung, sondern bilden damit Winkel von 25 — 40°, die neben 
und über einander auf kurze Entfernungen abwechseln. Oben 
im Oberbruche finden sich an dieser Stelle vorzugsweise 
viele in Kalkspath verwandelte getrennte Stielglieder von 
Encrinus liliiformis. Dazwischen und weiter unten zeigen 
sich in grosser Menge : Trigonia curvirostris, cardissoides und 
ovata, Mytilus eduliformis, Terebratula vulgaris, Lima striata, 
Gervillia costata, Dentalium laeve, Turritula scalata, Trochus 
Albertianus, Turbo gregarius etc. 

7) 3' 9" (Grind) sehr zerbröcklicher Kalkstein, hellgraue 
compacte, nicht scharf getrennte Concretionen , die in Kalk- 
schlamm oder in etwas dichtem Mehlstein übergehen. In 
andern Steinbrüchen, wo dieses Gestein nicht gleichmässig 
ist, wird dasselbe als klarer und grober Grind unterschie- 



201 

den, je nachdem es mehr oder weniger schaumkalkartig er- 
scheint. Der klare Grind giebt einen mittelmässigen Bau- 
stein. Schichtungsabsonderung pflegt das Gestein nicht zu 
zeigen. In seiner Mitte grosse Anhäufung von Terebratula 
vulgaris. Andere Versteinerungen sind darin sehr selten. In 
dieser Bank kommen vorzugsweise Stylolithen vor. 

8) 9 — 10" (Grindscholen) schmutzig- weisser bröcklicher 
Mehlstein, zum Theil dicht, stellenweise fast ganz aus Tro- 
chus Albertianus und Turbo gregarius bestehend. 

9) 2' 6" (Unterbruch) Schaumkalk, wie No. 6., jedoch 
stellenweise in 2 — 3 Schichten bei der Gewinnung sich ab- 
sondernd. Giebt vortreffliche Quader, jedoch nicht von der 
Grösse, wie No. 6. Dieselben eignen sich vorzugsweise zu 
feiner Bearbeitung, weil verabsorbirte Versteinerungen darin 
nur einzeln vorkommen. Unter diesen vorzüglich Turritella 
scalata, Trochus Albertianus, Turbo gregarius, Trigonia cur- 
virostris und cardissoides. 

10) 15" (blaue Scholen) Kalkstein wie No. 3. 
Hierunter folgt Wellenkalk, der unberührt stehen bleibt, da 
die Arbeiter aus Versuchen wissen, dass tiefer darin keine 
Mehlsteinschichten vorkommen. 



II. Abschnitt. 

Gegenseitige Verhältnisse der drei Abtheilungen des Muschel- 
kalks bei Braunschweig und Vergleichung mit dem Vorkommen 

in anderen Gegenden. 

§. 24. Zusammen- Vorkommen uud Beobachtungspunkte desselben. 

Die langgestreckten Höhenzüge, die mit wenigen Aus- 
nahmen parallel dem Harze streichen, und als wahre Run- 
zelungen die Umgegend von Braunschweig charakterisiren, 
bestehen, wenn ihre Erhebung von einiger Bedeutung ist, 
aus Muschelkalk und buntem Sandstein. Diesen Falls nimmt 
letzterer die Mitte ein und bildet länp;s desselben und bei- 
der Seits der Muschelkalk abgesonderte höhere oder niedri- 



202 

gere Erhebungen, in denen die Schichten von der Central- 
linie mit einer Neigung von 45° bis 90° abfallen. Es sind 
dies somit Sättel, deren beide Flügel -Köpfe nicht mehr zu- 
sammenhängen. Solche Erscheinungen zeigen sich z. B. am 
südöstlichen Theile des Dorms, am nordwestlichen Theile 
der Asse, am Huy und in der Gegend zwischen Salzgitter 
und Lichtenberg. Zum Theil ist jedoch nur die eine Hälfte 
von dergleichen Sätteln wahrzunehmen, wie z. B. beim Oe- 
sel, beim Thieder Lindenberge und in der südöstlichen Fort- 
setzung der Asse von Gross - Vahlberg bis Uehrde; sei es 
nun, dass dies wirklich einseitige Erhebungen sind, oder dass 
die eine nicht zu bemerkende Sattelseite in grösserer Tiefe 
geblieben und durch Ueberdeckung mit jüngeren Gebilden 
der directen Beobachtung entzogen wird. Seltener sind we- 
niger langgestreckte, mehr ovale Erhebungen, deren beide 
Achsen sich, was ihre Dimensionen betrifft, nähern, von de- 
nen die grössere Achse jedoch das allgemeine Hauptstreichen 
besitzt, unter diesen vorzugsweise der Elm. Hier kömmt 
der bunte Sandstein entweder gar nicht, oder nur mit we- 
nig Oberfläche zu Tage, während der Muschelkalk viel Raum 
einnimmt. Sie würden, wenn man sich in vulkanischem Ge- 
steine befände, als mächtige Blasen zu betrachten sein. Das 
Einfallen der Schichten, im Grossen von der Höhe immer 
abwärts , pflegt bei ihnen gering zu bleiben. Die älteren 
Schichten liegen oben; mehr und mehr nach dem Fusse zu, 
folgen immer jüngere, bis endlich die jüngsten und der Keu- 
per erscheinen. Offenbar hingen die jüngeren Schichten, die 
die Abhänge formiren, einstens zusammen, und mag ihre 
Trennung weniger durch Wegwaschungen, als dadurch ent- 
standen sein, dass bei blasenartigen Formen die äussere Ober- 
fläche von grösserer Dimension ist, als das Innere. Sie bie- 
ten ein Bild der Zerrissenheit dar, und kann, zumal wenn 
Längen- und Querthäler vorhanden sind, die Orientirung erst 
dann erfolgen, wenn man das Ganze und im Grossen be- 
reits aufgefasst hat. — Für die Erkennung der Gesteins- 
Folge bieten jene langgezogene Bergrücken mehr Stoff. Sie 



203 

entschädigen aber auch, bei den ihnen zustehenden Eigen- 
tümlichkeiten und bei den vielfachen Aufschlüssen durch 
Steinbrüche, in einer Weise, die nichts zu wünschen übrig 
lässt. Mit wenigen Ausnahmen ist an jedem derselben die 
gesammte Muschelkalk - Bildung in ihren verschiedenen drei 
Abtheilungen zu beobachten, constant bei dem einen immer 
dieselbe Aufeinanderfolge, wie bei dem anderen. Und da der 
Landstrich, welcher speciell untersucht und nach dem die 
obige Darstellung der einzelnen Abtheilungen entworfen ist, 
eine nicht unbedeutende Ausdehnung hat, so darf wohl nicht 
ohne Grund die bezeichnete Reihenfolge der Schichten des 
Muschelkalks als allgemeines Gesetz betrachtet werden, das 
in seinen Grundzügen auch in anderen Gegenden herrschen 
muss. Dortige Abweichungen möchten als zweifelhaft zu 
bezeichnen sein, wenn nicht gleiche Begünstigung durch die 
Beschaffenheit des Terrains Statt findet. 

Von den vielen Hügelzügen, wo die verschiedenen Ge- 
steine des Muschelkalks in ihrer ganzen Mächtigkeit offen 
vorliegen, verdienen zwei Localitäten, als sich für das Stu- 
dium besonders eignend, hervorgehoben zu werden, nämlich 
die beim Gipsofen, unweit Gebhardshagen und die am Müh- 
lenberge bei Uehrde. An beiden Stellen sind nahe bei ein- 
ander nicht nur die drei Abtheilungen des Muschelkalks, 
sondern auch der Keuper und bunte Sandstein zum Theil 
durch bedeutende Steinbrüche aufgeschlossen. Der erste 
Punkt ist zum Besuche am meisten zu empfehlen, doch muss 
daselbst beachtet werden , dass der Muschelkalk im grossen 
Bruche in West des Gipsofens, zwar sehr steil, aber recht- 
sinnig vom bunten Sandstein abfällt, dass dagegen der Mu- 
schelkalk in dem wenige Schritte entfernten Bruche in Ost 
des Gipsofens, mit etwa 50° unter den bunten Sandstein, 
also widersinnig, einfällt, und dass sich letzteres Einfallen 
ziemlich weit verbreitet. 



204 

§. 25. Zusammenhang des Muschelkalks im Nordost des Harzes unter 

sich und mit anderen. 

Betrachtet man die Karte, so wird es wahrscheinlich, 
dass in der Nähe der Linie, welche Weferlingen, Walbeck 
und Seehausen mit einander verbindet, zur Zeit der Ablage- 
rung des Muschelkalks ein Ufer vorhanden war, das von den 
Magdeburger älteren Gesteinen gebildet wurde, und dass in 
Nordost von jener Linie der Muschelkalk unter jüngeren Bil- 
dungen erst in grösserer Entfernung wieder zu suchen sein 
wird. Zwischen der gedachten Linie aber und dem nord- 
östlichen Harzrande wiederholen sich die 'Runzelungen, de- 
ren Höhen den Muschelkalk zu Tage bringen. Die erheb- 
lichsten derselben sind, von Nordost nach Südwest vorschrei- 
tend: 

a. der Dorm und die Hügel bei Alversdorf und Bar- 
neberg, an welchen letzteren beiden jedoch nur der bunte 
Sandstein, ohne Begleitung von Muschelkalk, aus Tertiairen- 
Schichten zu Tage geht ; 

b. der Elm; 

c. die Asse und der Heeseberg; 

d. der Fallstein und Huy ; 

e. die Hügelzüge zwischen Lichtenberg, Salzgitter und 
Liebenburg, die in ihrem weiteren Verlaufe nur einen ge- 
ringeren horizontalen Abstand von dem Harry-Berge bei Vie- 
nenburg haben, und endlich 

f. der Kücken vor dem Harze, der sich von Langels- 
heim über Goslar, Harzburg, Wernigerode, Heimburg bis 
über Blankenburg hinaus erstreckt. 

So wie sich bei der Runzelung a. der Muschelkalk ei- 
ner Seits am nordöstlichen Fusse durch Einfall in Nordost 
an den des Ufers bei Walbeck (welcher letzterer in Südwest 
fällt) und anderer Seits am südwestlichen Fusse durch Ein- 
fall in Südwest mit dem des Elmes verbindet, so findet eine 
gleiche Verbindung, wenn von einigen localen Unterbrechun- 
gen abstrahirt wird, unter den übrigen Runzelungen Statt. 
Nur allein die sub f, zunächst dem Harze, fällt fast auf ihrer 



205 

ganzen Länge dem Harze zu, nicht nur den bunten Sand- 
stein, sondern auch das noch ältere Gebirge untertäufend, 
eine Erscheinung , die keinesweges einzeln dastehend , ver- 
schieden gedeutet werden kann, die indessen jedenfalls mit 
der Erhebung des Harz-Gebirges zusammenhängt. Es geht 
aus jenem Verhältnisse aber hervor, dass der Muschelkalk 
zwischen den obigen Runzelungen in der Tiefe überall vor- 
handen ist, hier Mulden bildend , in denen er durch jüngere 
Schichten bedeckt wird. Und dass dieses wirklich der Fall 
ist, hat die vom glücklichsten Erfolge gekrönte Bohrung nach 
Steinsalz unweit Schöningen, mit der der Keuper, dann der 
Muschelkalk in seiner ganzen Mächtigkeit und endlich die 
oberen Schichten des bunten Sandsteins durchsunken sind, 
bestätigt. Mit einer an Gewissheit grenzenden Wahrschein- 
lichkeit kann hiernach auch die Behauptung aufgestellt wer- 
den, dass vor der Entstehung der Runzelungen, die in ihnen 
jetzt getrennten Schichten - Köpfe des Muschelkalks zusam- 
men hingen, und dass das Meer, unter welchem sich dieser 
ablagerte, ohne inselartige Erhöhungen, sich vom Harzrande 
bis an das Magdeburger ältere Gebirge erstreckte. Ja es 
ist, wenn man die Annahme zulässt, dass der Harz selbst, 
sowohl was seine neptunischen und veränderten, als auch 
was seine plutonischen Gesteine anbetrifft, aus der Tiefe 
zwischen geschoben sei, nicht unwahrscheinlich, dass einstens 
die Schichtenköpfe des Muschelkalks, welche dem nordöst- 
lichen Harzrande zunächst liegen, von denen jenseits dessel- 
ben ungetrennt waren. In der That aber steht auch über 
Tage, an der nordwestlichen Spitze des Harzes zwischen 
Lutter am Barenberge und Gandersheim, unser Muschelkalk 
einer Seits über Eschershausen mit dem westwärts der We- 
ser, und anderer Seits über Nordheim mit dem von Göttin- 
gen, und durch den letzteren mit dem Thüringer Muschel- 
kalke in continuirlicher Verbindung. Es ist endlich nicht an- 
zunehmen, dass der jetzt nur auf kurze Strecken fehlende 
Zusammenhang des Thüringer Muschelkalks mit dem von 
Bayreuth einer Seits, und anderer Seits mit dem der sich 



206 

von Basel ab, über den Schwarzwald, Odenwale, Würzburg 
bis vor den Thüringer - Wald ohne Unterbrechung erstreckt, 
auch vor des letztern Emporhebung bestanden hat. Somit 
dürfte der gesammte Muschelkalk, welcher von Basel ab 
Deutschland bis an die flachen Gegenden in Nordwest durch- 
zieht, und der von demjenigen des östlichen Frankreichs 
nicht zu sondern ist, unter einer einzigen stetigen Meeres- 
bedeckung abgelagert sein, ein Umstand, der auf eine grosse 
Gleichförmigkeit der Zusammensetzung schliessen lässt. Da- 
gegen scheinen gleiche Bildungsverhältnisse mit dem Mu- 
schelkalke in Schlesien, bei St. Castian, im nördlichen Ita- 
lien u. s. w. nicht obzuwalten. 

§. 26. Vergleichung der drei Abtheilungen, so wie sie bei Braunschweig 
vorkommen, unter einander. 

Aus einer Vergleichung der drei Abtheilungen des Mu- 
schelkalks unter einander, so wie deren Beschaffenheit in pe- 
trographischer und paläontologischer Hinsicht darzustellen 
versucht ist, ergiebt sich zuförderst, dass ein besonderer Ty- 
pus des Gesteins, von oben bis unten, wenn auch in ver- 
schiedenen Höhen modificirt, in die Augen fällt. Es bezieht 
sich derselbe auf den dünn schichtigen compacten rauchgrauen 
oder schmutzig gelben Kalkstein, von muschligem oder splitt- 
rigem Bruche, der in der Art wie im Muschelkalke in kei- 
ner andern Bildung vorkömmt, und der selbst in kleinen 
Handstücken von dem Kalke aus anderen Formationen leicht 
unterschieden wird. Jener Typus tritt in der reinsten Form 
in der oberen Abtheilung auf, und zwar ohne dass, ausser 
Thon und thonigem Mergel, fremde Gesteinsarten von eini- 
ger Bedeutung an deren Zusammensetzung Theil nehmen. 
In der mittleren Abtheilung erscheint derselbe in den mittle- 
ren Schichten zwar wieder, jedoch schon etwas verändert, ja 
er wird in den oberen und unteren Schichten ganz verdrängt ; 
die untere Abtheilung wird zu oberst aus Massen zusammen- 
gesetzt, die der oberen Abtheilung in der Art ähneln, dass 
die beiderlei Schichten, wenn man nur die Beschaffenheit desGre- 



207 

steins berücksichtigt, oder die Wahrnehmung anderer Merkmale 
nicht gestattet ist, Verwechselungen entstehen können. Tiefer 
dagegen und bis an die untere Grenze, wo der eigentliche 
Wellenkalk vertical eine grosse Verbreitung einnimmt, ent- 
fernt sich die Beschaffenheit des Gesteins im Allgemeinen 
am Meisten von dem Typus. Nur in einzelnen Varietäten 
sticht derselbe auffallend hervor. Neben diesen Modificatio- 
nen des Muschelkalks -Typus in gewissen Schichten, sind 
jeder der beiden untern Abtheilungen noch besondere Ge- 
steine eigentümlich, die nicht wiederkehren, und sie daher 
charakterisiren , in der mittlem nämlich zu oberst der Tro- 
chiten-Kalk und der oolithische Kalk, welcher letzterer durch 
Auswitterung der Oolithen und Reabsorbirung der organi- 
schen Reste, zum Theil ein poröses, dem Schaumkalke ähn- 
liches Gefüge annimmt, und zu unterst mächtige Bildungen 
von Dolomit und dolomitischen Mergel, in der unteren Ab- 
theilung der Schaumkalk, (Mehlstein) der selbst in seinen 
Varietäten nicht zu verkennen ist. Wird ferner erwogen, 
dass die ganze obere Abtheilung eine regelmässige Abwech- 
selung von mehr oder minder dünnen Lagen von Kalk 
und Thon zusammensetzt, dass in der mittleren Abtheilung 
ohne eine solche einförmige Wiederkehr, eine grössere Mäch- 
tigkeit der Schichten vorherrscht, und dass in der untern 
Abtheilung Ausscheidung von reinem Thone wenig Statt 
findet, sondern diese zum bei Weitem grössten Theile aus 
Wellenkalk gebildet ist, so ist, was die petropraphische Be- 
schaffenheit anbetrifft, im gesammten Muschelkalke ein durch- 
greifender Charakter zwar nicht zu verkennen, jedoch ande- 
rer Seits auch nicht in Abrede zu stellen, dass jede Abthei- 
lung von den beiden andern wesentliche Verschiedenheiten 
zeigt. Diese Verschiedenheiten sind indessen, wenn nicht 
charakteristische Schichten vorliegen, nur im Grossen be- 
trachtet, wahrzunehmen. Fehlen Aufschlüsse von einiger 
Bedeutung, so reicht die petrographische Beschaffenheit zur 
vollständigen Orientirung nicht überall hin. Dann muss zur 
Erkennung des Niveaus, in dem man sich befindet, die 



208 

Fauna zu Hülfe genommen werden. Zur Uebersicht dersel- 
ben folgt hier zuförderst eine Tabelle, worin die in der Um- 
gegend von Braunschweig gefundenen niederen Thiere 
nach den Höhen zusammengestellt sind. Es wird solche 
noch wesentlicher Berichtigungen bedürfen, indem sie ledig- 
lich auf unsere Funde beschränkt ist, und die zweifelhaften 
derselben gänzlich fortblieben, in so fern nicht auch sie eine 
grössere an Gewissheit grenzende Wahrscheinlichkeit für sich 
hatten. Die dariu ohne Fragezeichen aufgeführten Vorkom- 
men werden indessen verbürgt, und dürften sich demnäch- 
stige Berichtigungen allein auf die weitere verticale Verbrei- 
tung beziehen. Das Auftreten der verschiedenen Species 
in den verschiedenen Abtheilungen, die zur Erreichung meh- 
rerer Bestimmtheit noch in einige Unterabtheilungen geson- 
dert sind, ist durch doppelte oder einfache Linien, je nach 
der Häufigkeit, angegeben. Die untersten Schichten der 
mittlem Abtheilung (Dolomit und dolomitische Mergel) sind 
als nicht versteinerungsführend unberücksichtigt geblieben. 
(Viel, die Tabelle auf der folgenden Seite.) 

Die Fauna des Muschelkalks bildet ein geschlossenes 
Ganze, die den Keuper und bunten Sandstein mit vertre- 
tend, völlig gesondert dasteht. Nicht eine Species des Mu- 
schelkalks findet sich in jüngeren oder älteren Formationen 
wieder. Die Lebensbedingungen mussten daher während sei- 
ner Ablagerung wesentlich verschieden von denjenigen der 
zunächst stehenden Bildungen gewesen sein, und da nach 
Ansicht der in der Tabelle aufgezählten organischen Reste 
und bei dem Mangel an Corallen, sein Entstehen zu über- 
wiegendem Theile unter hoher Meeresbedeckung Statt ge- 
funden hat, so kann jene Verschiedenheit nicht aus dem Vor- 
handensein kleiner neben einander belegener Basseins herge- 
leitet werden, denen besondere Eigenthümlichkeiten zustan- 
den. Selbst ganze Genera sind auf ihn beschränkt, unter 
denen von den Thieren höherer Organisation, die im Allge- 
meinen selten sind, abstrahirt, vor allen das von Encrinus in 
die Augen fällt. Es sondert ihn ab nach oben hin der ganz- 



209 

Tabelle 

über das Vorkommen der wirbellosen Thiere des Muschel- 
kalks in den verschiedenen Abtheilungen desselben. 



A. Obere 


B. Mitt- 


C. 


TT^ + 


Abthei- 


lere Ab- 


Unt 


lung. 


lung. 


iVD 


theilu 


1 
O fO 

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O 


.5 
'S 

CO 



a 
v 

r— ( 

r— ( 



1. 

2, 

3 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 

20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29, 
30. 
31. 

32. 



33. 
34, 



Serpnla valvata Goldf. 
(Nautilus bidorsatus Schi. 
Rhyncholithus hirundo Big. 
Conchorhynchus avirostris Bronn 
Ammonites nodosus Brug. 

— semipartitus Montf. 

Trochus Albertianus Goldf. 
Turbo helicites Mstr. 

— gregarius Mstr. 
Turritella scalata Goldf. 
Melania Schlotheimi Quenst. 
Natica Gaillardoti Lefroy 
Dentalium laeve Schi. 
Myacites musculoides 
Trigonia vulgaris Schi. 

— simplex 

— curvirostris Bronn 

— cardissoides 

— ovata Goldf. 

— pesanseris Brorm fehlt 
Nucula Goldfussi Alb. 

— speciosa? Mstr. 
Mytilus eduliformis Schi. 
Avicula Albertii Geinitz 
Pterinea polyodonta 

— Goldfussi 
Gervillia socialis Quenst. 

— costata Quenst. 
Lima striata Goldf. 
Pecten laevigatus Bronn 

discites Bronn 
Ostrea, verschiedene Species 
Spirifer fragilis v. Buch fehlt 
Terebratula vulgaris Schi. 

— trigonella Schi. u. 
Mentzeli v. Buch fehlen. 
Ophiura u. Cidaris fehlen. 
Encrinus liliiformis Lam. 

— dubius Quenst. 



Zsit*. d, d, geol. Gta, 1, 



14 



210 

liehe Mangel an Belernniten, nach unten hin das Fehlen der 
Producten. Bei alle dem deuten schon die niederen Thier- 
reste des Muschelkalkes das Alter , welches dieser in der 
Reihenfolge des geognostischen Systems einnimmt, mit Be- 
stimmtheit an. Die Pterineen, die in jüngeren Epochen nicht 
gefunden sind, schliessen ihn an das ältere Gebirge, die Tri- 
gonien, die bis dahin noch fehlten, in den jüngeren Bildun- 
gen aber in mannigfachen Formen auftreten, an das jüngere. 
Eine wichtigere Verbindung bringen indessen die Ceratiten, 
die nur unten, nicht auf den Sätteln, gezähnte Loben be- 
sitzen, und das vermittelnde Glied zwischen den älteren Go- 
niatiten und den jüngeren Ammoniten darstellen, hervor. 

Werden aber die auch anderweit entdeckten höheren 
Thiere mit berücksichtigt, so folgt, dass der Muschelkalk, 
wegen des ersten Auftretens in ihm von langschwänzigen 
Krebsen und der grossen Entwickelung von Reptilien, sich 
den spätem Perioden nährt, während ihn seine eigenthüm- 
lichen Fische zum Theil den frühern anschliessen. 

Innerhalb der Muschelkalk-Bildung selbst steht das Fort- 
schreiten der Organisation für jetzt nicht wahrzunehmen. 
Es mag dieses daher kommen, dass theils an den niederen 
Thieren ein solches Fortschreiten bei dem dermaligen Stande 
der Wissenschaft überhaupt mit Bestimmtheit nicht zu er- 
kennen ist, die Reste von höheren Thieren an anderen Or- 
ten sich aber meistens in Schichten finden, über deren Ni- 
veau noch Zweifel herrschen, — Theils auch daher, dass wäh- 
rend ein und derselben Formation das Maass der Verschie- 
denheit in der Fauna oben und unten nur gering sein kann. 
Von H. v. Meyer 's umfassenden Arbeiten über die Saurier 
des Muschelkalks steht dazu der Schlüssel zu erwarten. Ein 
anhaltendes Studium wird auch die subtilsten Unterschiede 
ergründen. Dass aber die Lebensbedingungen während der 
gesammten Muschelkalk - Bildung nicht vollkommen gleich 
waren, zeigt die nähere Betrachtung der obigen Tabelle. 
Vier Species von wirbellosen Thieren haben sich darnach in 
allen Abtheilungen, ja in den sämmtlichen angenommenen 



211 

verschiedenen Unterabtheilungen des Muschelkalks gefunden, 
nämlich : 

Melania Schlotheim i Quenst. 

Trigonia vulgaris Schi. 

Gervillia socialis Quenst. und 

Pecten discites Bronn. 
Bei drei anderen : 

Natica Gaillardoti Lefr. 

Dentalium laeve Schi, und 

Nucula Goldfussi Alb. 
ist letzteres zwar nicht der Fall, doch muss solches mit ei- 
niger Bestimmtheit durch spätere Beobachtungen oder in an- 
deren Gegenden etwartet werden, da sie in den oberen und 
unteren Schichten vorhanden sind. 

Endlich haben sich noch zwei andere: 

Myacites musculoides 

Mytilus eduliformis Schi. 
in den drei verschiedenen Abtheilungen, aber nicht durch- 
greifend von den obersten bis zu den untersten Schichten 
gezeigt. Von den übrigen 25 Species niederer Thiere sind 
— bei einer (Serpula valvata Goldf.) zweifelhaften, und bei 
einer unbestimmt gebliebenen (Ostrea) — 4 Species der obe- 
ren und mittleren und 6 Species der mittlem und unteren 
Abtheilung gemeinschaftlich, während die übrigen 13 Spe- 
cies sich auf eine oder die andere Abtheilung allein beschrän- 
ken. Möchte auch auf das Verhältniss der lediglich zweien 
gemeinschaftlich zustehenden Species von 4 : 6, bei der ge- 
ringen Anzahl , warum es sich handelt , nur wenig Gewicht 
zu legen sein, so nähert sich doch die untere Abtheilung der 
mittlem mehr, als die mittlere der obern, weil unter den je- 
nen beiden gemeinsam zukommenden sich Encrinus liliifor- 
mis Lam., Terebratula vulgaris Schi, und Lima striata Goldf. 
befinden, Species, die durch ihre ungemeine Häufigkeit und 
ihr überwiegendes Vorwalten schon an und für sich den 
Ausschlag geben. Diejenigen Species, welche nur je in ei- 
ner Abtheilung vorhanden sind, bieten zwar Unterscheidungs- 

14» 



212 

Merkmale, jedoch nicht in demselben Maasse, da sie nicht 
alle gleich häufig und gleich leicht erkennbar sind. Für die 
Praxis dürfte es angemessen sein, ausser den eigentlichen 
Leitmuscheln, diesen noch einige andere gleich zu achten, 
die sich zwar nicht auf eine Abtheilung allein beschränken, 
die sich indessen mit Zuhülfenahme von sonstigen Umstän- 
den zur Orientirung besonders eignen. 

Als solche charakterisirende Versteinungen 
werden vornämlich die folgenden dienen können: 

a. für die obere Abtheilung: 

Ammonites nodosus Brug. (Leitmuschel) und 

Trigonia simplex Schi. (Leitm.) 
beide für die jüngsten Schichten, letztere jedoch, da sie im 
unvollkommenen Zustande nicht immer von Tr. vulgaris Schi, 
leicht zu unterscheiden, im minderen Grade als erstere. Für 
die unteren Schichten ist Pecten discites Bronn, ganze La- 
gen ausfüllend, bezeichnend, jedoch da derselbe in den mitt- 
leren Schichten der mittlem Abtheilung auch ziemlich häufig 
auftritt, maassgebend nur in der Art, dass Encriniten mit 
ihm nicht zusammen vorkommen dürfen. P. laevigatus Bronn, 
der sehr selten auch tiefer liegt, lässt auf die obere Abtei- 
lung schliessen. 

b. Der mittlem Abtheilung sind zwar Rhyncholithus 
hirundo Big. und Conchorhynchus avirostris Bronn, aus- 
schliesslich eigen, doch können sie wegen ihrer Seltenheit 
nicht wohl als leitende Versteinerung gelten. Dergleichen 
fehlen für sie. Dagegen bezeichnen dieselben hinreichend, 
Encrinus liliiformis Lam., Lima striata Goldf. und Terebra- 
tula vulgaris Schi., die zwar auch tiefer, jedoch in weit min- 
derer Anzahl und vergesellschaftet mit vielen anderen Mu- 
scheln erscheinen, während sie in der mittlem Abtheilung, 
theils einzeln für sich, theils alle drei zusammen, mit wenig 
Cement mächtige Bänke, jede andere Thierart fast verdrän- 
gend, zusammensetzen. — Gemeinschaftlich mit der oberen 
Abtheilung führt die mittlere von Mollusken (ausser den den 
ganzen Muschelkalk durchsetzenden) Nautilus bidorsatus Schi.. 



213 

Turbo helicites Mstr., Avicula Albertii Geinitz, und Pecten 
laevigatus Bronn. 

c. Für die untere Abtheilung gelten als wahre Leit- 
muscheln vor allen Turritella scalata Goldf. und Turbo gre- 
garius Mstr. Ihr ausschliesslich eigen sind ferner nach der 
Häufigkeit des Vorkommens geordnet: 

Trigonia curvirostris Bronn (non Schi.) und T. cardis- 
soides, Nucula speciosa Mstr., Pterinea polyodonta und Gold- 
fussi und Encrinus dubius Quenst. — Gemeinschaftlich mit 
der mittleren Abtheilung führt die untere an niederen Thie- 
ren, (ausser den den ganzen Muschelkalk durchsetzenden) 
Trigonia ovata Goldf., Trochus Albertianus Goldf., Gervil- 
lia costata Quenst., Terebratula vulgaris Schi., Encrinus li- 
liiformis Lam. und Lima striata Goldf. 

Von den Thieren höherer Organisation schei- 
nen sich Hybodns plicatilis Ag., und vielleicht auch Gyrole- 
pis Albertii Ag. auf die obere Abtheilung, und Acrodus 
Gaillardoti Ag. auf die mittlere zu beschränken. Die Ge- 
nus Nothosaurus und Placodus sind beiden gemeinschaftlich. 
AVelche Species davon der einen oder der anderen eigenthüm- 
lich angehören, lässt sich bei dem dermaligen Stande der 
Wissenschaft noch nicht entscheiden. Da Reste von höhe- 
ren Thieren im Allgemeinen im Muschelkalke selten sind, 
und ihr Vorkommen sich auf einzelne Localitäten beschränkt, 
so haben die aus ihnen abgeleiteten Merkmale für die Orien- 
tirung um so mehr einen untergeordneten Werth, als von 
Zähnen, die sich noch am meisten zeigen, ein und dieselbe 
Species sehr verschiedene Formen führt, und die der einen 
von denen der andern für jetzt zum Theil gar nicht, oder 
doch nur mit Unsicherheit unterschieden werden können. 

Das Erscheinen von Stylolithen beschränkt sich auf 
die oolithischen Schichten der mittlem Abtheilung und den 
Schaumkalk der unteren. 

Wurmartige Concretionen auf den Absonderungs- 
flächen, in geringerer Menge in den jüngeren Schiebten vor- 
kommend, charakterisiren vorzugsweise die untere Abtheilung. 



214 

Aus vorstehender Vergleichung geht mit Evidenz hervor, 
dass in der Muschelkalk - Bildung verschiedenartige Schich- 
ten in einer völlig bestimmten Reihenfolge erscheinen, die 
jedoch, zum Beweise, dass sie alle ein und derselben Forma- 
tions-Gruppe angehören, durch einen gemeinsamen Typus, 
was die Beschaffenheit des Gesteins und die organischen 
Einschlüsse anbetrifft, verbunden sind, und dass ferner der 
Muschelkalk ungezwungen und naturgemäss in drei Abthei- 
lungen zerfällt, deren jede für sich besondere Eigenthümlich- 
keiten besitzt. In wenig Worten lauten diese so: 

Obere Abtheilung. Regelmässige Abwechselung 
dünner Schichten vom typischen Kalkstein und Thon. Leit- 
muschel für die jüngeren Schichten = Ammonites nodosus; 
die älteren stellenweise fast ganz aus Pecten discites beste- 
hend. Jede Spur von Encriniten, Lima striata und Tere- 
bratelen fehlt. 

Mittlere Abtheilung. Im Allgemeinen herrschen 
mächtige Schichten vor. Zu oberst der eigentliche Trochi- 
ten-Kalk, stellenweise Anhäufung von Terebr. vulgaris und 
Lima striata. Darunter, jedoch hin und wieder fehlend, oo- 
lithischer Kalk, nicht selten mit Resten von Placodus und 
Nothosaurus, und mit Stylolithen. Dann Abwechselungen 
von typischen Kalkstein und Thon. In diesen Schichten, de- 
ren einige voll von Pecten discites, und in dem oolithischen 
Kalke überall, einzelnen Trochiten. Zu unterst versteine- 
rungsleere dolomitische Mergel und Dolomit. 

Untere Abtheilung. Wellenkalk. Oben und in ein- 
zelnen Schichten auch tiefer, typischer Kalk, auf den Schich- 
tungsflächen ungemein viel wurmartige Erhöhungen. Darin 
im Allgemeinen die organischen Einschlüsse selten. Einige 
wenige dünne Schichten jedoch voll von Turbo gregarius 
etc. Im oberen Theile ist Schaumkalk mit Stylolithen und 
vielen Versteinerungen eingelagert. Leitmuscheln = Turbo 
gregarius und Turritella scalata. 



215 

§. 27. Rechtfertigung der Abtheilungs-Grenzen, 
Die verticale Begrenzung der Abtheilungen, so wie sie 
oben angenommen ist, bedarf annoch einiger Rechtfertigung. 
Je kleiner ein untersuchter Bezirk ist, um so mehr Gren- 
zen kann man bilden. Sollen diese aber eine allgemeinere 
Bedeutung haben, so müssen sie durchgreifende Momente 
begründen. In Erwägung dessen ist bei Abgrenzung der 
Abtheilungen auch das, was über die Beschaffenheit des Mu- 
schelkalks im südwestlichen Deutschland und Thüringen be- 
kannt geworden, mit den Beobachtungen in hiesiger Gegend 
combinirt. Der Muschelkalk von St. Cassian, dem nördli- 
chen Italien, Schlesien etc., wo er von der Norm abzuwei- 
chen scheint, ist ausser Berücksichtigung geblieben. Die An- 
zahl der Abtheilungen von drei hätte zwar noch um einige 
vermehrt werden können , doch hat das Bestreben , dies zu 
vermeiden, vorgewaltet. Die Grenze zwischen der oberen 
und mittlem Abtheilung, die vorzüglich auf das gänzliche 
Verschwinden der Encriniten basirt ist, scheint, wenn auch 
nicht mit der Auffälligkeit, wie hier, wo sie oben in der mitt- 
lem Abtheilung ihren Höhenpunkt der Entwickelung erreichen, 
und in den unmittelbar darauffolgenden jüngeren Schichten ohne 
jede Spur fehlen, in jenen andern Gegenden ebenfalls vor- 
handen zu sein. Es dürfte daher dieser Abschnitt sich auf 
weite horizontale Erstreckung hin verbreiten, und — durch 
Verschiedenheit der Fauna, wie auch durch eine Aenderung 
der Gesteins-Beschaffenheit bezeichnet — eben so der Natur 
entsprechend , als auch für die Praxis , was Orientirung an- 
betrifft, nützlich zu sein. Es könnte nur die Frage entste- 
hen, ob nicht in gleicher Rücksicht aus den unteren Schich- 
ten der oberen Abtheilung, die sich durch Pecten discites 
auszeichnen, zumal dergleichen Schichten im oberen Muschel- 
kalke auch aus andern Gegenden hervorgehoben werden, 
eine besondere Abtheilung zu formiren sei ? Da aber in den 
jüngeren und älteren Schichten der oberen Abtheilung eine 
überaus grosse petrographische Aehnlichkeit Statt findet, und 
ferner Pecten discites schon in jenen, wenn auch minder hau- 



216 

fig, erscheint, so ist die scharfe Sonderung, wie solche eine 
Formations - Abtheilung bedingt, nicht vorhanden. Ausser- 
dem treten ähnliche Pectiniten- Schichten in der mittlem und 
untern Abtheilung auf. Es wird daher die Frage entschie- 
den zu verneinen sein. Da indessen, wo, wie hier, die obere 
Abtheilung sich mächtig entwickelt hat, mögen die in Rede 
stehenden älteren Lagen immerhin, wie auch oben gesche- 
hen, als Unterabtheilung, jedoch ohne völlig bestimmte Grenze 
nach oben zu, betrachtet werden können. — Von einer Tren- 
nung der oberen und mittlem Bänke in der mittleren Ab- 
theilung muss von vorn herein abstrahirt werden, da sie zu 
local sein würde. Dagegen entsteht ungezwungen die Frage, 
ob nicht die unteren dolomitischen Schichten als selbststän- 
diee Abtheiluns: anzunehmen seien? Sie sondern sich nach 
oben und unten nicht nur durch ihre petrographische Be- 
schaffenheit, sondern auch durch den Mangel an Versteine- 
rungen ab, und kömmt ihnen ferner eine grosse horizontale 
Verbreitung zu. Mit vollem Rechte ist für diese Gesteine, 
die im südwestlichen Deutschland, wo sie als die Begleiter 
einer für Industrie so überaus wichtigen Gips-, Anhydrit- 
und Steinsalz-Bildung auftreten, in einer Zeit, wo von sol- 
cher Bildung die Entstehungweise noch nicht erkannt war, 
eine grössere Bestimmtheit der Lagerung im geognostischen 
Systeme beansprucht, als sie wirklich besitzen. Jetz aber, 
nachdem die sedimentaire Natur des Steinsalzes nicht mehr 
anerkannt, sondern dasselbe als eine in den Schichten - Ver- 
band eingeschobene Masse, der kein constantes Niveau ent- 
spricht, angesehen wird, dürfte auch den begleitenden Ge- 
steinen nur eine abhängige und untergeordnete Stellung zu- 
stehen. Wir legen deshalb auf die Trennung der dolomiti- 
schen Gesteine, die übrigens auch in den anderen Abtheilun- 
gen, wenn gleich in hiesiger Gegend nicht in gleichem Maasse, 
auftreten, kein besonderes Gewicht, und schliessen sie, um 
die Anzahl der Abtheilung nicht ohne Noth zu vermehren, 
der mittleren um so mehr an, als ihre Neigung dahin be- 
sonders hervortritt, auch zu ihrer Scheidung von der unte- 



217 

ren Abtheilung schon der Absatz . der sich über Tage oft- 
mals bemerklich macht, einen Fingerzeig giebt. — In der 
unteren Abtheilung bringt zwar der Schaumkalk eine ziem- 
lich scharfe Grenze hervor, doch müssen weitere Beobach- 
tungen erst feststellen, ob derselbe lediglich eine mehr oder 
minder locale Einlagerung bildet, oder sich allgemein findet. 
Eine weitere Trennung, als in nicht völlig bestimmte Un- 
terabtheilungen , ist einstweilen nicht für zulässig erachtet, 
weil die zunächst unter und über dem Schaumkalke liegen- 
den Schichten in mehrfacher Beziehung übereinstimmen. 
Wollte man hierauf und auf den Absatz zwischen der mitt- 
leren und unteren Abtheilung keine Rücksicht nehmen, so 
würde sich, lediglich nach den Wahrnehmungen aus der Um- 
gegend von Braunschweig, die Zurechnung der Schichten 
bis zur unteren Grenze des Schaumkalks zur mittlem Ab- 
theilung empfehlen. Dann beschränkten sich Lima striata 
und die Encriniten allein auf die mittlere Abtheilung. Es 
ist jedoch von einer solchen Anordnung abgestanden, zumal 
in anderen Gegenden die Encriniten noch tiefer herab sich 
finden. 

§. 28. Vergleichung mit anderen Muschelkalk - Bildungen. 

Wenngleich der nahe Zusammenhang in dem der Mu- 
schelkalk in Nordost des Harzes zu dem in dem übrigen 
westlichen Theile von Deutschland steht, auf eine grosse 
geognostische Gleichheit schliessen lässt, so bleibt noch übrig 
zu untersuchen, in wie weit diese den Beobachtungen nach 
wirklich vorhanden ist. Wir beschränken uns in dieser Hin- 
sicht, bei dem Mangel neuerer eigenen Untersuchungen in 
fremden Gegenden, auf Vergleichung mit dem Muschelkalke 
im südwestlichen Deutschland und Thüringen, von dem um- 
fassende Darstellungen vorliegen. 

Was zuförderst den Muschelkalk im südwestli- 
chen Deutschland anbetrifft, so ist dieser zuerst durch 
die ausgezeichneten Werke v. Alberti'6 Gebirge des Kö- 
nigreichs Würtemberg, Stuttgard und Tübingen, 1826, und 



218 

Monographie des bunten Sandsteins, Muschelkalks und Keu- 
pers ib. 1834 näher bekanntgeworden. Späterhin hat Quen- 
stedt denselben Gegenstand in seinem Flötzgebirge Wür- 
tembergs, Tübingen, 1843, behandelt. Beide Schriftsteller 
unterscheiden von oben nach unten folgende Glieder des Mu- 
schelkalks : 

a) Kalkstein von Friedrichshall (Hauptmuschelkalk von 
Quenst.) 

b) Anhydrit-Gruppe mit Gips, Steinsalz und Dolomit, und 

c) Wellenkalk, unten Dolomit. 

Es fällt nun zuvörderst auf, dass in unserer Gegend die 
Anhydrit-Gruppe im Muschelkalke gänzlich fehlt, und dass 
sie hier nicht nur über Tage, sondern auch in der Tiefe nicht 
vorhanden ist, beweist die Bohrung nach Steinsalz bei Schö- 
ningen. Da aber in Karsten's Archiv 1848 Bd. 22. Heft 
2. Seite 215. ff. aus dem Auftreten von geognostisch gleichen 
stockförmigen Gips- und Anhydrit- Massen, die das Stein- 
salz begleiten , in den verschiedenen Formationen , und aus 
dem sonstigen Verhalten derselben zum Nebengestein erwie- 
sen ist, dass diese Steinsalzbildung nicht auf sedimentairem, 
sondern auf eruptivem Wege entstand; so kann deren Er- 
scheinen auch nicht mehr als geognostisches Merkmal die- 
nen, sondern höchstens nur local bezeichnend sein, in so fern 
die Steinsalzbildung sich in der einen Gegend vorzugsweise 
in dieses, in der andern vorzugsweise in jenes Niveau ein- 
geschoben findet. Während sie im südwestlichen Deutsch- 
land in der Mitte des Muschelkalks in einem constanten Ho- 
rizonte angetroffen wird , scheint dieselbe im nördlichen 
Deutschland einen entsprechenden Weg und den Schutz ge- 
gen baldige Auflösung hauptsächlich in tieferen Schichten, 
den oberen Lagen des bunten Sandsteins, gefunden zu ha- 
ben. Doch möchte es, mindestens für jetzt, durchaus nicht 
zweckmässig sein, im nördlichen Deutschland das Steinsalz 
allein in diesen letztern Schichten zu suchen, da es ja der 
Natur der Sache entspricht, dass es auch in andern Horizon- 
ten vorhanden sein kann. Auf das Niveau zwischen der 



219 

mittlem und unteren Abtheilung des Muschelkalks wird in 
dieser Hinsicht nach den Erfahrungen im südwestlichen 
Deutschland besonders iVcht zu geben sein, zumal wo Be- 
gleiter des Steinsalz, dolomitische Gesteine, mit erhebli- 
cher Mächtigkeit erscheinen. Diese dolomitischen Gesteine 
aber fehlen in dem Muschelkalke nordöstlich vom Harze kei- 
neswegs. Sie zeigen sich darin, als Dolomit und dolomiti- 
scher Mergel, in den unteren Lagen der mittleren Abthei- 
lung, also zwischen dem Encriniten-Kalke und Wellenkalke 
und stimmt nicht nur ihr Horizont, sondern auch was ihr 
gänzlicher Mangel an Versteinerungen betrifft, mit den glei- 
chen Gesteinen der Anhydrit - Gruppe des südwestlichen 
Deutschlands überein. Sie bieten zugleich in den beiderlei 
Gegenden ein Niveau, das weitere Vergleichungen erleich- 
tert. Alles nämlich, was vom Muschelkalke über diesen do- 
lomitischen Gesteinen liegt, unsere obere und mittlere Ab- 
theilung, wird dem Kalksteine vom Friedrichshall, und was 
darunter liegt, unsere untere Abtheilung, dem Wellenkalke 
parallel sein. Wir wollen nun weiter sehen, wie die Be- 
schaffenheit der betreffenden Schichten mit einander harmo- 
nirt, und zu dem Ende, was den Kalkstein von Friedrichs- 
hall betrifft, dessen Schichtenfolge, von oben nach unten, im 
südwestlichen Deutschland nach Alberti's Monographie, mit 
der hiesigen zusammenstellen. 

Südwestliches l$eutsch- Braunschweig. 

land. 

Kalkstein von Fried- Obere Abtheilung, 

richshall. 

1 ) Dolomit (Nagelfelsen) §.122. fehlt. 

2) grauer Kalkstein in dünnen Abwechselungen von dünnen 
Schichten, mitThonabwech- Schichten compacten rauch- 
selnd. Arm an Versteinerun- grauen, zum Theil gelblichen 
gen. §. 93 und 117. Kalksteins mit Thon, 

obere Schichten: Am. nodo- 
sus. 



220 

3) Schichten erfüllt von Pec- untere Schichten: zum Theil 
ten discites. §. 113. voll von Pecten discitesetc. 

und unbestimmten Reste von 
höheren Thieren. 
Mittlere Abtheilung. 

4) Roggen stein. §. 113. fehlt. 

5) Mächtige Kalkstein- Bänke Eigentlicher Trochitenkalk. 
fast ausschliesslich aus En- 

criniten- Gliedern bestehend. 
Oberer Trochitenkalk. §.114. 

6) Kalk mit Pemphix Sueuri fehlt. 
Bronn, ausserdem ohne Ver- 
steinerungen. §. HO. 

Oolithischer Kalk mit-Trochi- 
ten etc. und Resten von Wir- 
belthieren, auch Stylolithen : 

7) ? Obere Schichten, 

8) Unterer Trochitenkalk. §. 1 08. Untere Schichten. 

9) fehlt. Abwechselungen von compac- 

tem Kalkstein mit Pecten 
discites etc. und Thon, ähn- 
lich den unteren Schichten 
der oberen Abtheilung. 

10) Anhydrit -Gruppe Dolomitische Mergel und Do- 
mit dolomitischen, von Ver- lomit, beide ohne alle Ver- 
steinerungen freien, Gestei- steinerungen , unterste La- 
nen. gen der mittlem Abtheilung. 

Die grosse Uebereinstimmung der beiderseitigen Gesteine 
in eo bedeutender Entfernung ist nicht zu verkennen. Die 
Unterschiede dürften lediglich local, oder in einer unrichtigen 
Auffassung der süddeutschen Schichten durch uns begründet 
sein. Sie bestehen hauptsächlich darin, dass bei Braunschweig 
der Dolomit No. 1. fehlt, doch scheint dieser vorzugsweise 
nur am oberen Neckar (§. 121.) vorzukommen. Vielleicht 
findet derselbe bei Braunschweig sein Aequivalent in den 
stellenweise vorhandenen löcherigem Kalkstein, der sich auf 



221 

die jüngsten Schichten beschränkt. Eine mehrere Abwei- 
chung findet anscheinend im Niveau der mittleren Abthei- 
lung Statt. Dass hier der Pemphix-Kalk fehlt, ist keinen- 
falls wesentlich, da solcher auch im südwestlichen Deutsch- 
land nur untergeordnet und an wenigen Localitäten bekannt 
ist. Dagegen fällt im südwestlichen Deutschland die Lage- 
rung des Koggensteins über dem Trochitenkalke auf. Uni 
Uebereinstimmung hervorzubringen, müsste man annehmen, 
dass dieser Roggenstein hier und unser oolithischer Kalk 
dort fehlt. Da aber in der Umgegend von Braunschweig 
die Reihenfolge der Gesteine völlig unzweifelhaft vorliegt, so 
fragt es sich, ob Gelegenheit gewesen ist, im südwestlichen 
Deutschland gleich scharf bestimmende Beobachtungen anzu- 
stellen? Es möchte dies nicht der Fall sein, da Quenstedt 
im Flötzgebirge pag. 55. den Roggenstein, den er jedoch als 
Schaumkalk (Roggenstein, aus dem die Oolithe verschwun- 
den) bezeichnet, in den unteren Lagen seines Hauptmuschel- 
kalks anführt. Muss aber, wie wahrscheinlich, der süddeut- 
sche Roggenstein No. 4. zwischen No. 5. und 8. versetzt 
werden, so findet innerhalb der mit Encriniten angefüllten 
Bänke eine so grosse Gleichförmigkeit Statt, wie solche bei 
der weiten Entfernung nur durch ein und dieselbe Meeres- 
bedeckung zu erklären ist. Denn dann steht sich gegenüber 
im südwestlichen Deutschland und bei Braunschweig 
(5) oberer Trochitenkalk und eigentlicher Trochitenkalk, 
(4) Roggenstein und oberer oolithischer Kalk, 
(8) unterer Trochitenkalk und unterer oolithischer Kalk, 
welcher letzterer Stellenweise nur wenig Oolithen ent- 
hält, aber nie frei von Trochiten ist, 
und könnte es wohl sein, dass der Pemphix-Kalk (6) durch 
durch die Thonschicht repräsentirt würde, die bei Braun- 
schweig hin und wieder den eigentlichen Trochitenkalk von 
dem oolithischen Kalke trennt. Die unter den oolithischen 
Bänken liegenden Schichten No. 9. von Thon und Kalkstein 
mit Pecten discites fehlen im südwestlichen Deutschland, in- 
sofern sie nicht mit den ähnlichen untern Schichten der obe- 



222 

ren Abtheilung No. 3. (v. Alberti 1. c. §. 113. Seite 88.) 
zusammengefasst sind. Diesen Falls erklärte sich auch, wes- 
halb der auffällige Abschnitt zwischen der obern und mitt- 
lem Abtheilung, weder von v. Alberti noch von Quen- 
stedt hervorgehoben ist. 

Unter der Anhydrit- Gruppe befindet sich am Odenwalde 
der Wellenkalk, der, wie ihn v. Alberti §. 59 ff. und 
Quenstedt Seite 46 ff. beschreiben, in petrographischer 
Hinsicht vollständig mit dem unserer untern Abtheilung über- 
einstimmt. Dagegen wird von dort und aus dem ganzen 
südwestlichen Deutschland des Schaumkalks, der bei Braun- 
schweig in dem oberen Wellenkalke eingelagert ist, nicht er- 
wähnt. Der Schaumkalk dürfte, zumal er sehr auffällig ist, 
und sich durch seine Petrefacten auszeichnet, dort fehlen. 

Da aber dem Vorstehenden zufolge die Beschaffenheit 
des Gesteins und dessen Reihenfolge im Muschelkalke des 
südwestlichen Deutschlands und der Gegend von Braun- 
schweig — allein mit der Ausnahme, dass dort der Schaum- 
kalk im Wellenkalke und hier die Anhydrit- Gruppe bis auf 
ihre dolomitischen Begleiter fehlt, — eine Conformität bis 
in das grösste Detail zeigen, so sollte man vermuthen, dass 
dasselbe auch mit den organischen Einschlüssen der Fall 
wäre. Dies bestätigt sich jedoch nicht vollständig nach den 
vorhandenen Beschreibungen, selbst nicht nach der neuesten 
von Quenstedt in seinem Flötzgebirge Würtembergs. Zwar 
kommen nach letzterer Ammonites nodosus (pag. 56.) über 
den Encriniten (pag. 55.) und unter diesen Trigonia curvi- 
rostris (pag. 48.) — in Uebereinstimmung mit dem, was bei 
Braunschweig beobachtet ist — vor, allein da im Würtem- 
bergschen über die scharfe Begrenzung der verschiedenen 
Schichten im Allgemeinen manches im Unklaren (1. c. p. 57.) 
bleibt, so können auch die von dort gezogenen Schlüsse 
nicht maassgebend sein, und enthalten wir uns hinsichtlich 
der Fauna der weiteren Vergleichung. Dass in gleichzeiti- 
gen sedimentairen Bildungen an entlegenen Orten petrogra- 
phisch verschiedene Gesteine vorkommen, ist in der Geogno- 



223 

sie zwar eine sehr erklärbare Thatsache, dass aber in einer 
pelagischen Formation desselben grossen Beckens bei gleicher 
Beschaffenheit und Reihenfolge der Gesteine, in diesen die 
Fauna nicht identisch ist, das wäre eine einzeln stehende Er- 
scheinung, die keine Wahrscheinlichkeit für sich hat. 

Was den Muschelkalk von Thüringen anbetrifft, 
so haben wir bei der Vergleichung mit demselben folgende 
Litteratur benutzt: 

Geinitz, Beitrag zur Kenntniss des Thüringer Mu- 
schelkalks-Gebirges. Jena, 1837. 

Credner, Uebersicht der geognostischen Verhältnisse 
Thüringens und des Harzes. Jena, 1843. 

Gäa von Sachsen von Naumann etc., Dresden und 
Leipzig, 1843. Darin pag. 100 ff. von Geinitz eine Zu- 
sammenstellung der Versteinerungen des Muschelkalks. 

Schmid und Schieiden, geognostische Verhältnisse 
des Saalthaies bei Jena. Leipzig, 184G und 

Credner in Leonh. und Bronn' s Jahrbuche 1847. Heft 
3. pag. 314 ff. 

Es dürfte nach dem, was Credner in der zuletzt ge- 
dachten gehaltreichen Abhandlung anfuhrt, unzweifelhaft sein, 
dass die Schaumkalk- Schichten bei Jena zu dem oberen Wel- 
lenkalke gehören. Zu ihrer irrthümlichen Versetzung über 
die Anhydritgruppe mag das Tableau in Quenstedt's 
Flötzgebirge pag. 543. Veranlassung gegeben haben, wo ei- 
nes Schaum- und Stylolithen - Kalks Erwähnung geschieht, 
der das Aequivalent eines Theils von unserem oolithischen 
Kalke der mittlem Abtheilung sein wird. Jenes aber fest- 
gestellt, so gestaltet sich die Schichten - Folge in Thüringen 
nach Credner im Jahrbuch 1. c. pag. 316. von unten nach 
oben, wie folgt: 



224 



Bei Jena« 

Unterer Muschelkalk 
von Schmid (etwa 25(/): 

1) Ebene Kalkschichten mit 
unregelmässigen Einlage- 
rungen von Cölestin. In je- 
nen Pecten tenuistriatus und 
Fisch- u. Saurierreste. (30') 

2) Wellenkalk, im Ganzen arm 
an Versteinerungen, diese 
in einzelnen dickeren Schich- 
ten zusammengehäuft. Buc- 
cinum gregarium, Plagio- 
stoma lineatum, Pecten dis- 
cites, Encrinus liliiformis, 
Peutacrinites dubius etc. 

Oberer Muschelkalk 
von Schmid (c. 290'): 

3) Terebratuliten-Kalk, theil- 
weise mit Terebr. vulgaris, 
theils mit Encriniten- Glie- 
der angefüllt ; ausserdem 
Plag, lineatum, Avicula so- 
cialis etc. 

4) Welliger Kalkstein, theils 
mit Trochus Albertinus und 
Dentalium laeve etc., theils 
mit Encrinus liliiformis u. 
Pent. dubius. (Schmid §.38.) 

5) Schaumkalk, ausgezeichnet 
durch Stylolithen- Bildung, 
Petrefactenreich, namentlich 
mit Turritella scalata, Myo- 
phoria curvirostris und lae- 



In der Umgegend von 
Gotha, Arnstadt u. s- >v. 



1, 2, 3 und 4. Wellenkalk, 
oben einzelne Bänke ange- 
füllt mit Buccinum grega- 
rium, andere mit Encrinites 
liliiformis und Pentacrinites 
dubius. 



5) Schaumkalk mit Myopho- 
ria laevigata und curviro- 
stris, Avicula Bronni und 
eocialis, Pecten discites, Tro- 
chus Albertii, Kostellaria 



225 



vigata, Avicula socialis,Pec- 
ten discites, Encrinus li- 
liiformis , Pentacrinus du- 
bius, Dentalium torquatum. 
6) Dolomitischer Mergelkalk, 
meist schiefrig, im Rauh- 
thale reich an Saurier-Re- 
sten, sonst Versteinerungs- 
leer, dazwischen eine Kalk- 
stein-Bank mit Hornstein- 
Nieren. 



7) Oolithischer Kalkstein, nur 
im Rauchthal beobachtet. 



8) Bräunlich-grauer Kalkstein 
in starken Bänken mit Pla- 

Zeits. d, d. gcol, Ges. I. '«. 



scalata , Encrinus liliifor- 
mis , Pentacrinus dubiu s, 
Dentalium torquatum etc. 

6) Mittlere Muschelkalk- 
Gruppe, 

a. nach unten Gips und An- 
hydrit vorherrschend, 

b. nach oben dolomitischer 
Mergelkalk , lichtgelblich- 
grau, meist dünn und eben 
geschichtet, nach unten zu 
mit einer Bank von kör- 
nigem und porösem Do- 
lomit ; gegen die Mitte hin 
mit Bänken eines dichten, 
dem Solenhofer ähnlichen 
Kalksteines ; nach oben zu 
mit einer von Hornstein- 
Nieren durchzogenenKalk- 
stein-Bank. 

7) Oolithische Schicht, theils 
ausgezeichnet oolithisch , 
theils durch einen wulstigen, 
hellgrauen Mergelkalk, der 
Grundmasse des Roggen- 
steines, vertreten, mit En- 
crinus liliiformis , Terebra- 
tula vulgaris, Plagiostoma 
striatum , Pecten discites, 
Rostellaria scalata, Turbi- 
nites dubius, Mytilus vetu- 
stus ? Myophoria vulgaris 
u. s. w. 

8) Bräunlich-grauer, im fri- 
schen Bruche blau - grauer 

15 



226 



giostoma striatum, Avicula 
socialis, Terebratula vulga- 
ris, Encrinus liliiformis u. 



s. w. 



9) Kalkstein mit Ammonites 
nodosus, Nautilus bidorsa- 
tus, Pecten laevigatus u. 
s. w. 



Kalkstein, durch Encrini- 
ten- Glieder, oft von späthi- 
gem Ansehen, in 2 bis 3 
Fuss mächtigen Bänken, mit 
Plagiostoma striatum, Avi- 
cula socialis und Avicula 
Bronni, Pecten discites, Te- 
rebratula vulgaris, Pecten 
inaequistriatus u. s. w. 
9) Dichter hellgrauer Kalk- 
stein in schwachen Bänken 
mit schiefrigem Thon wech- 
selnd, mit Ammonites no- 
dosus, Nautilus bidorsatus, 
Pecten laevigatus, Avicula 
socialis , Avicula Bronni , 
Terebratula vulgaris, Mya 
elongata, Myophoria vulga- 
ris u. s. w. 

dass nach die- 
ser Uebersicht der Thüringer Muschelkalk mit dem von 
Braunschweig in petrographischer und paläontologischer Hin- 
sicht fast vollständig übereinstimmt. No. 1 bis 5. entspre- 
chen unserer unteren Abtheilung, No. 6 bis 8. der mittleren 
Abtheilung und No. 9. der oberen Abtheilung. Die localen 
Eigenthümlichkeiten und sonstigen Abweichungen beschrän- 
ken sich auf Folgendes : 

a) Von v. Alberti's Anhydrit-Gruppe kömmt bei Go- 
tha etc. auch der weiter nördlich und bei Brsunschweig nicht 
gefundene Anhydrit und Gips vor. Von dort ab scheinen 
diese Gesteine und mit ihnen das Steinsalz ein anderes Ni- 
veau einzunehmen. 

b) Die unteren Schichten unserer oberen Abtheilug, die 
sich durch Pecten discites auszeichnen, scheinen sich in Thü- 
ringen noch weniger bestimmt von den jüngeren abzuson- 



Es bedarf keiner weiteren Erläuterung, 



227 

dem, als bei Braunschweig, mindestens ist davon in den obi- 
gen Werken keine Rede. 

c) Hinsichtlich der Fauna sticht hervor, dass Saurier- 
und Fischreste in Thüringen auch in dem untersten Wellen- 
kalke (oben No. 1., Schmid pag. 17.) im Terebratuliten- 
Kalke (No. 3., ib. pag. 22.) und im Schaumkalke (No. 5., 
ib. pag. 23.) — Schichten, die sämmtlich zur unteren Ab- 
theilung gehören, — dann ferner (vorzüglich in den die un- 
tersten Schichten der mittlem Abtheilung bildenden Saurier- 
kalk (No. 6. ib. pag. 25.) vorkommen. Es folgt hieraus und 
nach dem, was aus der Umgegend von Braunschweig be- 
kannt ist, dass dergleichen Thiere zu allen Zeiten der Mu- 
schel-Ablagerung lebten, und wird nur noch zu ermitteln 
sein, welche Species den verschiedenen Abtheilungen eigen- 
tümlich sind. Hinsichtlich der Saurier steht hierüber in 
dem umfassenden Werke von H. v. Meyer, dessen rasche 
Fortsetzung sehr zu wünschen ist, weitere Auskunft zu er- 
warten. 

Im Uebrigen reicht in Thüringen Encrinus liliiformis 
bis zur untern Hälfte der unteren Abtheilung ( Schmid 
pag. 21. und Credner im Jahrb. pag. 316, Uebers. von 
Gotha No. 1 und 2.) herab, und was, wenn es sich bestä- 
tigt, wichtiger ist, es erscheint dort Terebratula vulgaris, die 
bei Braunschweig nach untern erst mit der mittlem Abthei- 
lung beginnt, auch höher. Wenn dagegen Ammonites no- 
dosus aus der untern und Turritella scalata aus der mittlem 
und oberen Abtheilung citirt wird, so ist mit Bestimmtheit 
anzunehmen, dass hierbei Verwechselungen Statt gefunden 
haben. Dasselbe dürfte mit Lima striata der Fall sein, das 
Geinitz im Beitr. pag. 5. und in der Gäa pag. 107. aus 
dem jüngsten Muschelkalke von Mattstedt anführt. 

§. 29. Schlussfolgeruiigen. 
Aus der vorstehenden Darstellung ergiebt sich Fol- 
gendes : 

15* 



228 

1) In der Umgegend von Braunschweig, d. h. zwischen 
dem Magdeburger älteren Gebirge und dem nordöstlichen 
Harzrande, hat ohne horizontale Unterbrechung eiüe Abla- 
gerung von Muschelkalk Statt gefunden, die an und auf den 
Höhen zu Tage kömmt, und in den Tiefen von jüngeren 
Schichten bedeckt ist. 

2) Diese Muschelkalk - Bildung hat eine sehr constante 
Gliederung. Sie zerfällt in drei Abtheilungen, die obere, 
mittlere und untere, deren jede besondere Eigenthümlichkei- 
ten, in petrographischer und paläontologischer Hinsicht, 
besitzt. 

3) Dieselbe Gliederung nebst den Eigentümlichkeiten 
findet sich in Thüringen und dem südwestlichen Deutschland 
wieder, so dass die gesammte Muschelkalk-Bildung, welche 
Deutschland von Süd nach Nord als ziemlich continuirlicher 
Saum von mehr oder minderer Breite durchschneidet, in ih- 
ren Schichten von sedimentairer Beschaffenheit eine sehr 
grosse Gleichförmigkeit und Beständigkeit der Zusammen- 
setzung zeigt. 

4) Von der Anhydrit - Gruppe v. Alberti's sind die 
geognostisch abnormen Bildungen , ( Gips , Anhydrit und 
Steinsalz) innerhalb des Muschelkalks des nördlichen Deutsch- 
lands bislang nicht aufgefunden. Sie scheinen hier lediglich 
in einem älteren Niveau aufzutreten. 



Inhalts- Uebersicht der vorstehenden Abhandlung. 

Seite 
§. 1. Einleitung. 115 

I. Abschnitt. 

Geognostische Beschaffenheit der drei Abtheilungen 

des Muschelkalks bei Braunschweig, jede für sich. 

A. Obere Abtheilung. 

§. 2. Grenzen .... 118 

§. 3. Beschaffenheit des Gesteins 120 

§. 4. Mächtigkeit 121 



229 



5. 
6. 

7. 

8. 

9. 

10. 

11. 

12. 

13. 

14. 

15. 

16. 

17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 



§• 24. 
§• 25. 

§ 26. 



27. 
28. 
29. 



Seite 

Beobachtungspunkte. 122 

Nutzanwendung. . ....... 122 

Organische Einschlüsse 122 

B. Mittlere Abtheilung. 

Grenzen. . . ? 142 

Beschaffenheit des Gesteins und Reihenfolge. . . 142 

Wurmförmige Bildungen und Stylolithen. . . . 146 

Mächtigkeit. . 146 

Beobachtungspunkte. 146 

Nutzanwendung 146 

Organische Einschlüsse 147 

Schichtenfolge bei Erkerode 168 

C. Untere Abtheilung. 

Grenzen. ......... 172 

Beschaffenheit des Gesteins und Reihenfolge. . . 173 

Wurmförmige Bildungen und Stylolithen. . . . 177 

Mächtigkeit 178 

Beobachtungspunkte. 178 

Nutzanwendung. ........ 179 

Organische Einschlüsse. ...... 179 

Schichtenfolge am Steinkuhlenberge auf dem Elme. . 199 

II. Abschnitt. 

Gegenseitige Verhältnisse der drei Abtheilungen des 

Muschelkalks bei Braunschweig und Vergleichung 

mit dem Vorkommen in andern Gegenden. 

Zusammen-Vorkommen und Beobachtungspunkte desselben. 201 

Zusammenhang des Muschelkalks im Nordost des Harzes 

unter sich und mit andern. ..... 204 

Vergleichung der drei Abtheilungen, wie die bei Braun- 
schweig vorkommen, unter einander. . . . 206 

Rechtfertigung der Abtheilungs-Grenzen. . . . 215 

Vergleichung mit andern Muschelkalk - Bildungen. . 217 

Schlussfolgerungen. 227 

Profil 230 



230 



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232 



3. Ueber die mineralogischen Gemengtheile der Laven, 

insbesondere der isländischen, im Vergleich mit den 

älteren Gebirgsarten und den Meteorsteinen. 

Von C. Ramm eis berg. 

So scharf bestimmt der Begriff der Lava in geologi- 
scher Beziehung ist, so unvollständig ist noch immer ihre 
chemische und mineralogische Natur ermittelt, und sie theilt 
hierin das Schicksal mancher älteren Gesteine. Allerdings 
ist die Zeit längst vorüber, in der man die Lava als ein be- 
sonderes Mineral zu betrachten pflegte, denn man hat einge- 
sehen, dass ihre Natur eine sehr mannigfaltig wechselnde 
sein müsse, je nachdem die auf dem Heerde der vulkani- 
schen Thätigkeit verarbeiteten Stoffe in ihre Masse einge- 
hen. Wir wissen ja, dass ein und derselbe Vulkan zu ver- 
schiedenen Zeiten auch ganz verschiedene Laven ergossen hat. 

Lassen wir hier die glasigen Massen, die Obsidiane 
und Bimsteine, ausser Acht, deren lokales Vorkommen be- 
sonderen Ursachen zuzuschreiben ist, so bietet die überwie- 
gend grosse Zahl der steinartigen Lava, ganz überein- 
stimmend mit vielen älteren Gesteinen, entweder das Bild 
einer scheinbar gleichartigen dichten Masse dar, oder einer 
solchen, in der gewisse erkennbare Mineralien in grösserer 
oder geringerer Häufigkeit auftreten. Es sind insbesondere 
Feldspath ( glasiger Feldspath , Ryakolith , Anorthit , Labra- 
dor), Leucit, Augit, Olivin, Magnet- und Titaneisen, welche 
man als unzweifelhafte Gemengtheile von Laven antrifft. 
Welcher Natur ist aber die scheinbar homogene Grundmasse 
in allen diesen Fällen? 

Diese Frage zu beantworten, reichen physikalische Hülfs- 
mittel nicht aus, denn wenn auch die Loupe oder das Mi- 
kroskop häufig nachweis't, dass eine solche anscheinend gleich- 
artige Masse nichts weiter als ein sehr inniges Gemenge 
verschiedener Substanzen ist, so wird doch bei der Klein- 



233 

heit der Theilchen ein weiterer Aufschluss nicht erlangt, ab- 
gesehen davon , dass selbst das bewaffnete Auge zuweilen 
keine Verschiedenheiten wahrnehmen kann. Es bleibt im- 
mer nur eine, wenn auch im hohen Grade wahrscheinliche 
Vermuthung, dass die Grundmasse porphyrartiger älterer 
Gesteine und der Laven nichts anderes als ein sehr inniges 
Gemenge derjenigen Mineralsubstanzen sei, welche sichtlich 
ausgeschieden vorkommen. 

Dagegen bietet eine gute chemische Analyse sol- 
cher Gesteine in vielen Fällen ein Mittel dar, die Natur 
scheinbar gleichartiger oder sehr innig gemengter Massen zu 
entziffern, indem man in der Regel im Stande ist, aus dem 
Resultat durch Rechnung die Gemengtheile darzustellen. 
Dieser Weg gewährt natürlich nur in denjenigen Fällen 
grösste Sicherheit, wenn die Verbindungen, welche sich aus 
dem Gemenge herausrechnen lassen, sichtbar ausgeschieden 
an einzelnen Stellen vorkommen, und um so mehr, wenn der 
Chemiker auch diese für sich untersucht hat. Auf diesem 
Wege hat sich ergeben, dass sowohl in Melaphyren, den 
neueren Arbeiten von D e 1 e s s e zufolge, als auch in Laven, 
wie Abich gefunden hat, die Grundmasse des Gesteinsaus 
denselben Mineralien besteht, welche aus ihr krystallisirt her- 
vortreten, d. h. Labrador, Augit, Leucit u. s. w. 

Es ist allerdings gewagt, auch die Analyse solcher Ge- 
steine, welche frei von kenntlichen Einschlüssen sind, der 
Rechnung zu unterwerfen. Allein, wenn es gelingt, die 
Masse dadurch in einige wenige ganz allgemein verbreitete 
Mineralien zu zerlegen, welche das Gestein in anderen Ge- 
genden zusammensetzen , so mochte einer solchen Deutung 
nichts entgegenzusetzen sein, wenigstens ist diese Art der 
Betrachtung eine viel mehr wissenschaftliche, als jene, die 
in der Masse einer Lava nur ein einzelnes Mineral sieht, 
wogegen fast immer die entschiedensten Gründe sprechen. 

Wenn wir in dem Folgenden eigentlich die Heklalaven 
vorzugsweise in Betracht ziehen, so schien es doch des Zu- 



234 

sammenhanges wegen angemessen, auch bei anderweitig un- 
tersuchten Laven die Gemengtheile anzuführen. 

Aetna. Nur die Lava von dem grossen Ausbruche 
des J. 1669 ist in neuerer Zeit vollständig untersucht wor- 
den, und zwar von A. Löwe, obwohl schon früher Ken- 
nedy diese sowohl als die L. von Santa Venere analysirt 
hat. In dieser Lava bemerkt man Labrador, Augit und 
Olivin. Legt man Lowe's Analyse zum Grunde, und be- 
rechnet, von dem Gehalt an Thonerde und Alkali ausgehend, 
die zur Bildung von Labrador erforderlichen Mengen Kalk- 
erde und Kieselsäure , so bleibt ein Rest , dessen Mischung 
deutlich zeigt, dass er im Wesentlichen ein Gemenge aus 
Singulo- und Bisilikaten sein muss. Abich hat, unstreitig 
von denselben Grundsätzen ausgehend, die Aetnalava berech- 
net zu 

54,80 Labrador 

34,16 Augit 
7,98 Olivin 
3,06 Magneteisen 



100. 

Stromboli. Hier liegt Abich's Analyse einer Lava 
vom J. 1836 zum Grunde. Nach Abzug von Labrador bleibt 
ein Rest, der entweder zu Augit und Magneteisen, oder zu 
Augit und Olivin berechnet werden kann. Wahrscheinlich 
sind sie sämmtlich vorhanden, und eine Bestimmung des Ei- 
senoxyds in dem durch Säuren auflöslichen Theil der Lava 
hätte darüber Aufschluss geben können. Man kann daher 
mit Abich 48,18 Labrador, 44,91 Augit und 6,91 Magnet- 
eisen annehmen, oder 44,30 Labrador, 39,12 Augit und 16,58 
Olivin, wiewohl die Menge des letzteren sicher zu gross, 
und Magneteisen jedenfalls vorhanden ist. 

Vesuv. Von den neueren Laven des Vesuvs haben 
D u f r e n o y und Abich Untersuchungen geliefert. Beide 
heben die Eigentümlichkeit derselben, von Säuren grössten- 
theils (zu 70 bis 90 p. C.) zersetzt zu werden, hervor. Die 
Ursache ist ein bedeutender Leucitgehalt, der diese Laven 



235 

charakterisirt, und sich auch in den weissen krystallinischen 
Körnern der Lava zeigt, welche nach Abich 's Untersuchung 
aus einem Leucit mit 9 p. C. Natron (glasigem Leucit) be- 
stehen. Seine Analyse der Grundmasse der Lava vom J. 
1834 berechnet er zu 

60,19 glasigem Leucit 

20,44 Augit 

10,42 Olivin 
8,95 Magneteisen 
100. 
Zu einem ähnlichen Resultat führen auch Du fr enoy 's Ver- 
suche, welche Lava aus dem Krater, von Granatello, von la 
Scala, von der Eruption von 1834, und Asche von 1822 be- 
treffen, welche letztere ganz gleich der Lava zusammenge- 
setzt ist. Sowohl der durch Säuren zersetzbare, als der un- 
zersetzbare Theil lassen sich, den Sauerstoffproportionen zu- 
folge, wesentlich in Leucit, Augit und Magneteisen zerlegen. 
Alle diese Laven sind nach Abich umgeschmolzener Leu- 
citophyr, ein Gemenge jener beiden Mineralien, und die Ent- 
stehung dieser letzteren lässt sich aus der Einwirkung von 
Feldspathgesteinen auf magnesiahaltige Kalksteine in der 
Hitze erklären. 

Island. Die von Bunsen am Hekla gesammelten 
Laven sind vor einiger Zeit von Genth analysirt worden, 
aber die Resultate scheinen eine andere Deutung zuzulassen, 
als Genth ihnen gegeben hat, sowohl was die Natur ein- 
zelner darin vorkommender Substanzen, als der ganzen Grund- 
masse betrifft. 

1 . Thjorsä-Lava, von einem der ältesten Ströme 
an der Westseite des Hekla. In der grauschwarzen Grund- 
masse liegt ein weisses krystallinisches Mineral, von dem 
Genth geglaubt hat, dass es neu sei, weshalb er den Na- 
men Thjorsauit dafür in Vorschlag bringt. Es ist in- 
dessen ohne allen Zweifel Anorthit, den Forchhammer 
schon früher in grossen Krystallen, und mit Augit in einem 
vulkanischen Tuff am Selfjall bei Lamba, unterhalb Kalda- 



236 



dal aufHusafell gefunden hat. Die Identität des isländischen 
und vesuvischen Anorthits zeigt folgende Vergleichung : 





Vesuv. 


SelfjaU. 


Hekla. 


Sp. Gew. 


2,76 


2,70 


2,688. 


Zusammensetzung : 


Abich. 


Forchhammer. 


Genth. 


Kieselsäure 


44,12 


47,63 


48,75 


Thonerde 


35,12 


32,52 


30,59 


Eisenoxyd 


0,70 


2,01 


1,50 


Kalkerde 


19,02 


17,05 


17,22 


Talkerde 


0,56 


1,30 


0,97 


Natron 


0,27 


1,09 


1,13 


Kali 


0,25 


0,29 


0,62 



100,04 



101,89 



100,78 



Der Anorthit von SelfjaU ist krystallisirt, und seine 
Form die des vesuvischen ; der vom Hekla bildet krystalli- 
nisch blättrige Massen. Farbe , Glanz , Spaltbarkeit und 
Härte widersprechen bei letzterem der Annahme, es sei Anor- 
thit, nicht. Was die chemischen Verhältnisse betrifft, so 
führt Genth allerdings an, das Mineral sei in Säuren un- 
löslich, doch soll dies wohl nicht heissen, dass es dadurch 
nicht zersetzt werde. Der grössere Gehalt an Kieselsäure 
und der geringere an Thonerde bei dem isländischen Anor- 
thit ist vielleicht nicht so zufällig, dass er auf Rechnung von 
Beimengungen zu setzen wäre, sondern könnte wohl darin 
seinen Grund haben, dass ein Theil Kieselsäure die Stelle 
von Thonerde vertritt, wenigstens ist in der Analyse Genths 
die Summe des Sauerstoffs beider fast genau die 7fache von 
dem der Basen. Dass die Mischung des Anorthits differi- 
ren könne, dafür spricht G. Rose 's Analyse, in welcher 
5,26 p. C. Talkerde doch nicht als von einer Beimischung 
herrührend zu betrachten sind. 

Neben dem Anorthit, welcher in den Höhlungen und in 
der dichten Grundmasse auftritt, enthält die Thjorsa-Lava 
auch Oliv in, welcher nach Genth ein spec. Gew. von 
3,226 besitzt, und aus 43,44 Kieselsäure, 49,31 Talkerde, 
6,93 Eisenoxydul und 0,32 Nickeloxyd besteht. 



237 



Genth fand in 100 Theilen dieser Lava: 



Kieselsäure 


49,60 


Thonerde 


16,89 


Eisenoxydul 


11,92 


Talkerde 


7,56 


Kalkerde 


13,07 


Natron 


1,24 


Kali 


0,20 



100,48 
Die Grundmasse der Lava bildet etwa Zweidrittel des 
Ganzen, und ist mit den beiden angeführten Mineralien in- 
nig durchwachsen. Man kann daher mit Recht davon aus- 
gehen, dass die 16,89 Thonerde dem Anorthit angehören, 
dessen Menge nach seiner Analyse sich berechnen lässt. Man 
erhält alsdann: 





Anorthit. 




Rest. 


Sauerstoff. 


Kieselsäure 


26,92 




22,68 


11,78 


Thonerde 


16,89 


Eisenoxydul 


11,17 


2,48 j 


Eisenoxyd 


0,83 


Talkerde 


7,03 


2,76 1 

1,01 f 6 ' 38 


Kalkerde 


9,51 


Kalkerde 


3,56 


Talkerde 


0,53 


Natron 


0,53 


0,13 ) 


Natron 


0,71 




44,97 




Kali 


0,20 









55,59 
Die Deutung dieser Reste ist leicht, da seine Sauer- 
stoffproportionen ein Gemenge von Singulo- und Bisilikat 
anzeigen. Jenes ist Olivin, dieses ist Augit. Berechnet 
man den Olivin nach Anleitung der dafür gefundenen und 
oben mitgetheilten Zahlen, so erhält man für diesen Rest: 

Olivin. Sauerstoff. Augit. Sauerstoff. 

Kieselsäure 1,88 0,98 20,80 10,8 

Eisenoxydul 0,31 0,07 1 10,86 2,41 

-. „ f 0,98 
0,91 J 4,71 

Kalkerde 3,56 

Natron 0,53 



Talkerde ^32 
T,6i 




5,4 



238 



Die Thjorsa-Lava besteht hiernach aus: 
55,59 Anorthit 
40,46 Augit 
4,51 Olivin 
100,56. 

2. Lava von Hals, von einem späteren Ausbruche; 
krystallinisch, grauschwarz. Spec. Gew. = 2,919. 

3. Lava von Efrahvolshraun, noch jünger; un- 
krystallinisch, schwarz ins Graue; spec. Gew. == 2,776. 

4. Lava von der Eruption vom J. 1845, vom 
unteren Ende des Stroms, oberhalb Naefurholt ; wie die vo- 
rige; sp. G. = 2,819. 

5. Asche von demselben Ausbruch; kleine schwarze, 
graue und rothe Schlackentheilchen ; sp. G. = 2,815. 

Alle diese Laven enthalten ein weisses feldspathartiges 
Mineral, und, wiewohl in geringer Menge, Olivin und Mag- 
neteisen. 

Die Analysen dieser Produkte, unter sich gut überein- 
stimmend, zeigen einen wesentlichen Unterschied, im Ver- 
gleich mit der älteren Thjorsa - Lava , indem sie reicher an 
Kieselsäure und Alkalien, ärmer an Kalk- und Talkerde 
sind. No. 2, 4 und 5 weichen unter sich kaum mehr von 
einander ab, als dieselbe Substanz bei wiederholten Versu- 
chen, weshalb wir, um ihre gemeinsame Natur zu entziffern, 
uns wohl erlauben dürfen, nur das Mittel der Analysen zu 
benutzen. Dasselbe ist: 







Sauerstoff'. 


Kieselsäure 


56,50 


29,36 


Thonerde 


14,73 


6,88 


Eisenoxydul 


14,33 


3,18 1 


Talkerde 


4,12 


1,62 / 


Kalkerde 


6,39 


1,82 > 7,59 


Natron 


2,77 


0,71 l 


Kali 


1,55 


0,26 J 



100,39 
Wenn es nun nicht statthaft ist, hierin ein einzelnes 



239 

bestimmtes Mineral zu erblicken, wie es Genth gethan hat, 
welcher glaubt, dass diese Laven mit dem Wichtyn, einem 
wenig bekannten finnländischen Mineral, übereinstimmen, so 
ist die nächste Aufgabe die Bestimmung des feldspatharti- 
gen Bestandtheils. 

Geht man von der Thonerde aus und sucht die für 
Anorthit erforderlichen Quantitäten der übrigen Bestand- 
teile auf, so bleibt ein Kest, fast 52 p. C. betragend, des- 
sen Säure 3-^ — 4 mal so viel Sauerstoff als die darin befind- 
lichen Basen enthält. Die neueren Heklalaven können mit- 
hin nicht, wie die älteren, Anorthit enthalten, wenigstens 
nicht als wesentlichen Bestandtheil. Ihr Feldspath muss ein 
mehr Säure und Alkali und weniger Kalk enthaltender sein. 

Untersucht man in gleicher Art, ob der Feldspath die- 
ser Laven Labrador sein könne, und legt dabei Forch- 
hammer 's Analyse des Labradors aus dem Doleritporphyr 
der Färöer zum Grunde, so findet man, dass für die gege- 
bene Menge Thonerde zuviel Alkali vorhanden ist. Wollte 
man aber auch zugeben, dass der isländische Labrador von 
dem der Färöer durch einen geringeren Kalkgehalt sich un- 
terscheide, und berechnet seine Menge, indem man zu der 
Thonerde die Alkalien und so viel Kalk, so wie Kiesel- 
säure in dem Verhältniss hinzunimmt, dass der Sauerstoff 
von R, AI und Si = 1 : 3 : 6 ist, so bleibt auch hier noch 
ein Rest, welcher zwischen einem Bi- und Trisilikat mitten 
inne steht, was nicht sein kann, da er Olivin, und vielleicht 
selbst etwas Magneteisen enthält. 

Es können mithin diejenigen feldspathartigen Minera- 
lien, deren Säure nur 4 und 6 mal soviel Sauerstoff als die 
stärkeren Basen enthält, d. h. Anorthit und Labrador (Rya- 
kolith) in diesen Heklalaven nicht vorhanden sein, wofür auch 
der Widerstand spricht, den sie der Einwirkung der Säuren 
entgegensetzen, der zugleich die Leucitsubstanz ausschliesst. 

Die Feldspathverbindung mit dem Sauerstoffverhältniss 
von 1:3:9, welche zwischen Labrador und eigentlichem 
Feldspath genau die Mitte hält, und ein natürliches Glied 



240 

der ganzen Reihe bildet, ist der Oligoklas, früher Na- 
tronspodumen genannt. Man hat ihn besonders in Granit, 
Gneis und Hornblendegesteinen gefunden, also in Gesteinen, 
welche freie Kieselsäure oder doch säurereichere Silikate ent- 
halten. Später wurde sein Vorkommen in Porphyren be- 
kannt, in denen er und Augit die wesentlichen Bestandteile 
bilden, wie z. B. in der Gegend von Katharinenburg am 
Ural. Alle diese Oligoklase zeichnen sich durch einen zwi- 
schen 2 und 5 p. C. variirenden Kalkgehalt aus, während 
die Menge der Alkalien, von denen das Natron bei weitem 
überwiegt, zuweilen allein vorhanden ist, 9 — 12 p. C. beträgt. 

Dass aber dieselbe Feldspathverbindung auch in vulka- 
nischen Gesteinen, in Laven, vorkomme, setzen mehrseitige 
Beobachtungen ausser Zweifel. Zunächst von Island selbst, 
und zwar vom Havnefjord, hat Forchhammer*) eine 
Lava beschrieben, in welcher Titaneisen, Augit und ein ta- 
felartig krystallisirtes Mineral enthalten ist, das, anscheinend 
1- und 1 gliedrig, ein sp. G. von 2,7296 hat, und bei der 
Analyse gegen fast 9 p. C. Kalk nur 2| p. C. Alkali, und 
zwar vorherrschend Natron, gab. Aber die Sauerstoffquan- 
titäten dieser Basen, der Thonerde und der Säure verhalten 
sich = 0,92 : 3,08 : 9, also offenbar =1:3:9, d. h. wie 
im Oligoklas, weshalb Forchhammer das Mineral Kalk- 
oligoklas oder Havnefjordit genannt hat. Er bemerkt, 
dass das Gestein auf Island sehr verbreitet sei **). 

Aber auch in den Vulkanen anderer Gegenden tritt der 
Oligoklas an die Stelle der übrigen Feldspathe. Deville 
hat die Gesteine von Teneriffa gesammelt, um insbesondere 
die Natur des feldspathartigen Gemengtheiles zu ermitteln, 
welcher, von der Grundmasse sorgfältig getrennt, von ihm 
genau analysirt wurde ***). Die Kry stalle stammten theils 



*) Aus der Oversigt over det k. danske Vidensk. Selsk. Forh. i 
Aaret 1842 im J. f. prakt. Chem. Bd. 30. S. 385. 

**) Svanberg hat auch bei Sala in Schweden Oligoklas gefunden, 
welcher in Betreff des Kalkgehalts zwischen dem älteren und dem islän- 
dischen steht. S. Berzelius Jahresbericht, XXVII. S. 248. 

***) Compt. rend. T. XIX. p. 46. 



241 

aus älterem Trachyt, theils aus losen Blöcken, theils aus 
neuerer Lava. Ihre Form ist 1 und 1 gliederig, obwohl die 
Messungen keine scharfen Winkelbestimmungen geben; ihr 
spec. Gewicht = 2,58 — 2,59. Das. Mittel aus fünf gut 
übereinstimmenden Analysen giebt für den Sauerstoff der 
Basen R, der Thonerde und der Säure das Verhältniss von 
0,98 : 2,87 : 9 , also 1:3:9. Merkwürdiger Weise sind 
die Aequivalente der Kalkerde, des Natrons und Kali's in 
diesem O. von Teneriffa genau dieselben wie in dem O. der 
Granite. 

Wir sehen also, dass die Feldspathverbindung , welche 
in älteren Gesteinen durch den Oligoklas repräsentirt ist, auch 
in Laven vorkommt, und es ist höchst wahrscheinlich, dass 
sie in den Vulkanen der Cordilleren eine wichtige Rolle spielt. 
Aber es ist dadurch auch völlig gerechtfertigt, bei der Deu- 
tung der Gemengtheile der neueren Heklalaven von Oligoklas 
auszugehen, dessen Menge sich aus derjenigen der Thonerde 
berechnen lässt, und wozu das Alkali und ein Theil der 
Kalkerde gehören. Man erhält alsdann für das oben angeführte 
Mittel der Laven und Asche (2, 4 und 5) 





Ol 


igokh 


IS. 


Rest. 


Sauerstoff. 


Kieselsäure 


39,72 




16,78 


8,7-2 


Thonerde 




14,73 


Eisenoxydul 


14,33 


3,18 \ 


Kalkerde 




4,64 


Talkerde 


4,12 


1,62 l 5,3. 


Natron 




2,77 


Kalkerde 


1,75 


0,50 ) 


Kali 




1,55 




36,98 





63,41 

Nun enthalten alle diese Laven Olivin und Magnet - 
eisen, daher der Rest für die reine Augitmischung zuviel 
Basis hat. Für die Berechnung der Menge des Magneteisens 
fehlen die analytischen Data ; wir müssen es daher hier einst- 
weilen unberücksichtigt lassen ; seine Quantität ist jedenfalls 
nicht bedeutend. Sieht man nun in jenem Rest nur Augit 
und Olivin (dessen Zusammensetzung aus der früher erwähn- 
ten Analyse folgt), so sind die relativen Mengen beider fol- 
gende : 

Zolls. (1. (1. geol. Ges. I. 2. { Q 



242 





36,98 Rest = 

Augit. Sauerstoff. 


Olivin. 


Sauerstoff. 


Kieselsäure 


13,12 6,82 


3,66 


1,9 


Eisenoxydul 
Kalkerde 


13,07 2,9 i 
- V3,4 
1.75 0,5 f ' 


1,26 
Talkerde 4,12 


0,28 j 



27,94 



9,04 



Hiernach würden die Lava von Hals und von der letz- 
ten Eruption des Heida, so wie die vulkanische Asche von 
letzterer ungefähr aus 

63 Kalk - Oligoklas, 
28 Augit, 
9 Olivin 
einschliesslich einer kleinen Menge Magneteisen bestehen. 

Die Lava von Efrahvolshraun (3) weicht ihrer Zu- 
sammensetzung nach nur wenig von den vorigen ab; sie ist 
reicher an Säure, Thonerde und Alkali. Genth fand 
nämlich : 

Kieselsäure 60,06 
Thonerde 16,59 
Eisenoxydul 11,37 



Talkerde 
Kalkerde 
Natron 
Kali 



2,40 
5,56 
3,60 
1,45 



101,03. 
Dies beweist, dass sie reicher an dem feldspathartigen 
Bestandteil, auch hier Oligoklas, und ärmer an Augit und 
namentlich an Olivin ist. Eine nach den oben entwickelten 
Prinzipien durchgeführte Rechnung giebt 
71,37 Kalk-Oligoklas , 
29,66 Augit (incl. Olivin und Magneteisen). 



Uebersieht man die Zusammensetzung der näher betrach- 
teten Laven, wie sie sich aus dem Angeführten als die wahr- 
scheinlichste ergiebt und wie sie gewiss auch für die Pro- 
dukte der übrigen Vulkane gilt, so leuchtet die grosse 



243 

Einfachheit in der Natur der Gemengtheile ein ; und während 
Augit, Olivin und Magne t eisen in allen Laven immer 
wiederkehrende Gemengtheile sind , ist es nur die Feld- 
spaths ubstanz, welche wechselt. In dem Anorthit, La- 
brador (Ryakolith), Leucit (Andesin) und Oligoklas haben 
wir Glieder einer Reihe, welche der eigentliche Feldspath 
schliesst, und in der, bei stets gleich bleibendem Sauerstoff- 
verhältniss zwischen den stärkeren Basen und der Thonerde 
(1 : 3), der Sauerstoff der Kieselsäure von 4 : 6 : 8 : 9 : 12 
fortschreitet. 

Gewiss ist es von grossem Interesse, die Analogie zu 
verfolgen, welche zwischen Massen stattfindet, die evident einst 
einen feurigflüssigen Zustand besassen, und den älteren Ge- 
steinen, bei denen die Theorie einen solchen gleichfalls vor- 
aussetzt. Diese Analogie ist zum Theil völlige Identität. 
Denn wir haben Gesteine, welche, wie die Labradorlaven des 
Aetna und der Liparen , wesentlich aus Augit und Labrador 
bestehen; ein grosser Theil der Porphyre, Melaphyre, und 
die Dolerite gehören hierher ; der Basalt aber ist hur dadurch 
unterschieden, dass in ihm, in Folge späterer Einwirkung 
des Wassers, der Labrador zur Bildung von Zeolithsubstanz 
Anlass gegeben hat. Den Oligoklaslaven entspricht der 
Oligoklasporphyr mit gleichen Hauptgemengtheilen. Und 
während so die augitischen Gesteine jüngerer Entstehung 
sich in den älteren Massen wiederholen, finden die Trachyte 
in den Phonolithen , Feldspathporphyren und granitischen 
Gesteinen ihre Vorgänger; in allen herrscht eine Feldspath- 
substanz von höherem Säuregehalt, und zum Theil selbst 
freie Säure in Form von Quarz. 

Vielleicht noch grösser ist die Analogie der Laven mit 
den Meteor steinen, und sie muss noth wendig in Betracht 
kommen, wenn der Ursprung dieser räthselhaften Massen er- 
klärt werden soll. Die Aehnlichkeit beider offenbart sich 
zum Theil schon in dem äusseren Ansehen, insbesondere bei 
derjenigen Klasse von Meteorsteinen, welche frei von metal- 
lischem Eisen sind. Das Vorkommen dieses letzteren deutet 
allerdings auf Verhältnisse , welche den tellurischen nicht 



244 

entsprechen, auf die Abwesenheit des Sauerstoffs an dem 
Orte, wo die Massen einer hohen Temperatur ausgesetzt 
waren , mag man diesen Sauerstoff sich frei oder in Wasser- 
dämpfen enthalten denken. 

So hat der Meteorstein von Juvenas dieselben Gemeng- 
theile wie die Thjorsa- Laven des Hekla; er besteht, Avie 
diese, wesentlich aus Augit und Anorthit, selbst in an- 
nähernd gleichen relativen Mengen. Aber auch w t o der feld- 
spathartige Gemengtheil nicht für sich untersucht werden 
kann , führt die Berechnung der Analysen zu der Annahme, 
dass neben Augit und Olivin, die fast immer wiederkehren, 
jener entweder Labrador (wie in den Met. von Chateau- 
Renard , Nordhausen) oder Oligoklas (wie in denen von 
Blansko, Chantonnay, Utrecht) sei, d. h. wie in den Laven 
vom Aetna, von Stromboli und in den neueren des Hekla. 

Fortgesetzte chemische Untersuchungen werden ohne 
Zweifel diesen Gegenstand immer mehr begründen, und das 
Hypothetische, welches noch darin liegt, beseitigen. 



Druck von J. F. Slarcke in Berlin. 



Zeitschrift 

der 

Deutschen geologischen Gesellschaft. 

3. Heft (Mai, Juni, Juli 1849.) 
A. Verhandlungen der Gesellschaft. 



1. Protokoll der Mai -Sitzung. 

Verhandelt Berlin, den 9. Mai 1S49. 

JN achdem unter dem Vorsitz des stellvertretenden Vorsitzenden 
Herrn v. Ca r na 11 die Sitzung eröffnet worden, werden die 
Protokolle der März- und Aprilversammlung verlesen und 
angenommen. 

Der Vorsitzende macht bekannt, dass der Gesellschaft 
als Mitglieder beigetreten sind : 

Herr Oberbergamts-Assessor Frh. v. Herder zu Freiberg, 
Herr Oberbergamts-Assessor v. Warnsdorff zu Frei- 
berg und 
Herr Kammerrath Dr. Herbst zu Weimar, 

sämmtlich vorgeschlagen durch die Herren Breithaupt, 
B. Cotta und Reich; 
Herr v. Ben nigsen - Förder, Hauptmann a. D. in 
Salzwedel, 
vorgeschlagen durch die Herren v. Ca mall, Tuch 
und Beyrich; 
Herr Esch weil er, gegenwärtig in Berlin, 

vorgeschlagen durch die Herren v. Carnall, Beyrich 

und Ewald. 

Es wird ein Schreiben des Freiherrn v. Beust an Herrn 

L. v. Buch d. d. Freiberg den 26. April 1849 verlesen, 

worin auf das bald erscheinende dritte Heft der von Herrn 

Zeits. d. d. geol. Ges. I. 3. 17 



246 

B. Cotta herausgegebenen Gangstudien aufmerksam gemacht 
wird. 

Der Vorsitzende zeigt an, dass der Verein der Freunde 
der Naturwissenschaften in Mecklenburg, durch Vermittlung 
des Herrn Boll in Neu-Brandenburg, die bisher erschienenen 
Hefte seines Archivs eingesandt und das Anerbieten gestellt 
hat, seine Schriften künftig gegen die der Gesellschaft aus- 
zutauschen, welches Anerbieten dankbar angenommen wird. 
Eine Anzahl Ankündigungen einer von Herrn Dickert, 
Conservator des naturhistorischen Museums bei Bonn ver- 
fertigten, mit geognostischer Bezeichnung versehenen Relief- 
Darstellung des Vesuvs und Monte-Somma wird unter die 
Mitglieder vertheilt. 

Herr Beyrich berichtet, dass für die Zeitschrift ein 
Aufsatz des Herrn Emmrich über den Alpenkalk in Bayern 
eingegangen ist, und hebt die Hauptpunkte der darin ent- 
haltenen Ergebnisse hervor. 

Der Vorsitzende theilt mit, dass der naturhistorische 
Verein der Preussichen Rheinlande die früheren Jahrgänge 
seiner Verhandlungen eingeschickt hat und dass ein regel- 
mässiger Austausch der ferner erscheinenden Schriften dieses 
Vereins gegen die Zeitschrift der Gesellschaft Statt finden 
wird. Ferner kommt eine Anzahl durch Herrn v. Dechen 
mitgetheilter Abdrücke eines in jenen Verhandlungen enthal- 
tenen Aufsatzes von Göppert zur Vertheilung, worin eine 
Anweisung zur Beobachtung der im Kohlengebirge vorkom- 
menden aufrecht stehenden Baumstämme enthalten ist. Es 
wird vom Vorsitzenden hinzugefügt, dass es wünschenswerth 
sei, diesen Aufsatz, zur Beförderung einer vielfachen prakti- 
schen Anwendung desselben , in die Zeitschrift der Gesell- 
schaft aufzunehmen. 

Herr v. Buch spricht hierauf über den Muschelkalk. 
Dem Norddeutschen Muschelkalk, auf dessen Gliederung 
die neuen Arbeiten von Strombeck's die Aufmerksamkeit 
gelenkt haben, gehört seinen organischen Einschüssen nach 
auch der von Rüder sdorf an; der Oberschlesische dagegen 



247 

bietet eigentümliche Verhältnisse dar, durch welche er sei- 
nerseits sich mit dem Oberitalienischen verbindet. Rovigliana 
und Tarnovvitz liefern eine Reihe gemeinsamer nur in Ita- 
lien und Schlesien vorgekommener organischer Formen. Un- 
ter diesen ist ausser der gefalteten mit seitlichen Eindrücken 
versehenen Terebratula Mentzeli, welche in Italien auch noch 
an der Piave vorgekommen ist, zunächst der glatte Spirifer 
besonders auszuzeichnen, welcher mit dem rostratus vergli- 
chen worden, von diesem jedoch durch die scharfe Kante, von 
welcher seine Area begränzt wird, unterschieden ist. Er 
bildet die einzige glatte Spirifer-Art des Muschelkalks und 
ist noch ohne Name. Als besonders wichtig für den Mu- 
schelkalk Schlesiens und Italiens ist ferner Encrinites gracilis 
mit seinen perlschnurartigen Reihen von Stielgliedern zu be- 
zeichnen. Eine merkwürdige in Schlesien vorgekommene 
Form ist noch Ammonites Ottonis. Es wird hervorgehoben, 
dass über die Art, wie diese organischen Reste durch die 
verschiedenen Schichten des Oberschlesischen Muschelkalks 
vertheilt sind, wenige Daten vorliegen, und wie wünschens- 
werth es sei, genaue Auskunft darüber zu erlangen. Dies 
gilt auch von dem Oberschlesichen Vorkommen des Ammo- 
nites nodosus ; über Terebratula trigonella. welche bei Rovi- 
gliana ganze Schichten zusammensetzt, weiss man in Betreff 
ihres Vorkommens in Oberschlesien nur, dass sie daselbst im 
Sohlgestein vorhanden ist. 

Herr Beyrich legt eine geognostische Karte der Ge- 
gend zwischen Halberstadt, Blankenburg, Quedlinburg und 
Ballenstedt vor, auf welcher speciell die Verbreitung der ver- 
schiedenen die Kreideformation in dieser Gegend zusammen- 
setzenden Glieder dargestellt ist. Dieselben sind auf der 
Karte in vier Abtheilungen geschieden unter den Benennun- 
gen unterer Quader, Zwischen -Quader, oberer Quader und 
Ueber- Quader. Den unteren Quader bildet ein Sandstein 
(Quadersandstein), welcher in dieser Gegend zwar verstei- 
nerungsarm ist, aber seiner Lagerung nach den unter dem 
Planer liegenden durch Exogyra Columba und Ammonites 

17* 



248 

Rhotomagensis bezeichneten Sandsteinen in Sachsen, Böhmen 
und Schlesien gleichgestellt werden muss. Der Zwischen- 
Quader ist der Planer. Der obere Quader besteht nach unten 
aus einer im Allgemeinen mergligen Bildung , in der Mitte 
aus einer im Gestein dem Sandstein des unteren Quaders glei- 
chenden Sandsteinmasse, nach oben wieder aus lockeren sandig- 
mergligen Ablagerungen. Die durch ihren Reichthum an Ver- 
steinerungen bekannten Mergel des Salzberges bei Quedlin- 
burg gehören dem unteren Theile dieses oberen Quaders an ; 
mit ihnen beginnen die Ablagerungen, welche, wie Ad. Roe- 
mer zuerst richtig betimmte, in dieser Gegend als Aequivalente 
der weissen Kreide betrachtet werden müssen. Die den Ueber- 
Quader bildenden Ablagerungen sind herrschend Sandsteine, 
bezeichnet durch Einlagerungen von farbigem Thon und von 
Kohlen ; für den unteren Theil der Abtheilung sind Sandsteine 
bezeichnend, welche durch ein kiesliges Bindemittel eine aus- 
nehmende Festigkeit erhielten und theils in der Form von 
Blöcken mit glasig glänzender Oberfläche, theils als in lockerem 
Sande und Sandstein einliegende Lager erscheinen. An der 
Nordseite des Riesengebirges entspricht die den Thon von 
Bunzlau und die Kohlen von Wenig-Rackwitz und Ottendorf 
einschliessende Saudsteinbildung, sowohl ihrer Lagerung als 
ihrer Zusammensetzung nach vollkommen dem Ueber-Quader 
der Kreideformation an dem Nordrande des Harzes. 

Herr Ewald legt einen Scaphiten aus den der unteren 
weissen Kreide zu parallelisirenden Schichten von Haldem 
in Westphalen vor, in welchem sich ein Aptychus in noch 
ursprünglicher Lage befindet. Derselbe weicht in Form und 
Schalstructur von den Aptychen der älteren Kreide sowohl, 
wie der Juraformation ab und liefert den Beweis, dass in der 
oberen Abtheilung der Kreideformation eine besondere Gruppe 
von Aptychus-Arten unterschieden werden muss, welche den 
Scaphiten und nicht den Ammoniten dieser Schichten ange- 
hören, 

Herr v. Carnall sprach im Anschluss an seine in letz- 
ter Sitzung vorgetragenen Bemerkungen über die Schichten* 



249 

aufrichtung im Rheinischen Schiefergebirge, von den Bewei- 
sen, welche man dafür im angrenzenden westphälischen Stein- 
kohlengebirge finde. Derselbe wies an vorgelegten .Profilen 
nach, dass da, wo scharfe Mulden und Sättel, namentlich 
letztere vorkommen, Unterschiebungen der getrennten Mas- 
senstücke beobachtet werden, welche nur durch seitliche 
Quetschungen zu erklären sind. 

Hierauf ward die Sitzung geschlossen, 
v. w. o. 
v. Ca r na 11. 



2. Protokoll der Juni - Sitzung. 

Verhandelt Berlin, den 6. Juni 1849. 

Herr v. C am all führt den Vorsitz. 

Das Protokoll der Mai-Versammlung wird verlesen und 
angenommen. 

Der Vorsitzende macht Mittheilungen über die im Mai 
d. J. zu Bonn stattgehabte Generalversammlung des natur- 
wissenschaftlichen Vereins der Preussischen Rheinlande und 
hebt diejenigen daselbst verhandelten Gegenstände , welche 
für die geologische Gesellschaft ein besonderes Interesse ge- 
währen, hervor. 

Hierauf giebt derselbe Kenntniss von einem Schreiben 
des Herrn Göppert, welches sich auf dessen bereits in der 
Mai- Sitzung zur Sprache gekommene Anweisung zur Beob- 
achtung aufrecht stehender Baumstämme im Steinkohlen- 
gebirge bezieht. 

Herr G. Rose übergiebt ein von Herrn H a i d i n g e r 
im Namen des montanistischen Museums in Wien übersand- 
tes und für die Gesellschaft bestimmtes Exemplar der geo- 
logischen Uebersichtskarte der Oesterreichischen Monarchie. 
Dieselbe besteht aus 9 Blättern und ist im Maassstabe von 
86 4 | 000 ausgeführt. Herr Rose spricht über die Ausdeh- 
nung und geologische Bedeutung des von dieser Karte um-* 



250 

fassten Gebiets und giebt einen Ueberblick der auf dersel- 
ben dargestellten Gebirgszüge. Es wird ferner auf die wohl 
gelungene technische Ausführung der Karte und namentlich 
des für dieselbe angewandten Farbendrucks hingewiesen. 
Die Herren Hörnes und F. v. Hauer sind damit beschäf- 
tigt, diese Karte in grösserem Maassstabe zu bearbeiten. 

Herr Roth macht Mittheilungen über die geognostischen 
Verhältnisse von Lüneburg. Von dem Muschelkalke ausge- 
hend weist derselbe die Gegenwart des Keupers bestimmt 
nach, welcher in der Form der Lettenkohlengruppe auftritt; 
es werden sogenannter krystallisirter Sandstein und Thon- 
quarze aus den bunten Mergeln vorgezeigt; es wird die Kreide 
kurz berührt, die Stellung des Kalkberges dagegen aus Man- 
gel an entscheidenden Beweisen fraglich gelassen. Die Iden- 
tität des schwarzen Thones mit dem von Reinbeck bei Ham- 
burg etc. wird durch Petrefakten nachgewiesen , so wie auf 
den Zusammenhang der alttertiären Ablagerungen im nord- 
östlichen Deutschland aufmerksam gemacht; die kalkig-san- 
digen Zwischenlager des Thons werden als wahrscheinlich 
identisch mit den ,,Sternberger Kuchen" bezeichnet, in der 
Art, dass von oben nach unten die nordostdeutschen alttertiä- 
ren Schichten folgende Reihe bilden: 

Lüneburger schwarzer Thon (Sternberg, Reinbeck, Meck- 
lenburg). 
Septarienthon (Hermsdorf, Görzig). 
Magdeburger Sand (Biere). 
Braunkohlen. 
Die so grosse Aehnlichkeit des Lüneburger Muschelkalks 
mit einem Theile der Krienbergschichten bei Rüdersdorf (die 
selben grünen Partikeln eingesprengt, dieselben Petrefakten, 
ihre gleiche Häufigkeit, dieselbe Verwitterung) führt noth- 
wendig zu der Annahme des Zusammenhanges in der Em- 
porstossung beider Ablagerungen; das von Volger behaup- 
tete, von Wieb el geläugnete Auftreten des Keupers an der 
Lieth bei Elmshorn, das Vorkommen von Keuper und Mu- 
schelkalk bei Helgoland, die Gypse von Segeberg und Stips- 



251 

dorf, machen eine zusammenhängende Untersuchung höchst 
wünschenswerth, um die Existenz einer Hebungsaxe von 
S. W. nach N. O. für alle diese Punkte nachzuweisen. Nach 
den in Lüneburg eingezogenen Nachrichten über das Anla- 
gern des schwarzen Thons an den Gyps des Schildsteins 
inuss die Emporstossung der Lüneburger Schichten nach 
dem Absatz der weissen Kreide und nach der Ablagerung 
des alttertiären Thones erfolgt sein. 

Von Petrefakten sind im Lüneburger Muschelkalk vor- 
gekommen : 

Myophoria pesanseris, (Myophoria vulgaris?), 

Monotis Albertii, 

Acrodus Gaillardoti, 

Hybodus plicatilis, 

Strophodus angustissimus, 

Gyrolepis Albertii und tenuistriatus, 

Knochenfragmente. 

Herr Tuch legt einen Karten-Entwurf vor, welcher dar- 
auf berechnet ist, als Grundlage zu dienen zu einer von der 
geologischen Gesellschaft herauszugebenden, unter dem Zu- 
sammenwirken ihrer Mitglieder zu bearbeitenden geologischen 
Uebersichtskarte von Deutschland, welche für einen möglichst 
geringen Preis an die Mitglieder zu überlassen wäre. In 
diesem Entwürfe ist ganz Deutschland auf zwei Blättern ent- 
halten , auf welchen sich , da sie bis über Triest und Genua 
hinausreichen, noch der grösste Theil der Alpen befindet. 
Der Maasstab ist hTöitöTö* d. i. doppelt so gross wie auf 
der Dechen' sehen Karte. 

Bei der hierüber sich entspinnenden Besprechung weist 
Herr v. Carnall auf die Vortheile hin, welche daraus er- 
wachsen würden, wenn die Karte unkolorirt in die Hände 
der Mitglieder gegeben würde , die dann dasjenige , was sie 
auf Specialkarten bearbeitet haben , selbst auf die General- 
karte auftragen könnten, und wenn alle vereinzelten Beob- 
achtungen, welche von Mitgliedern in der Nähe ihres Wohn- 
ortes gemacht werden, hier eine Stelle finden könnten, 



252 

Die weiteren Bestimmungen über ein derartiges Unter- 
nehmen wurden der nächsten Generalversammlung zu Re- 
gensburg vorbehalten. 

v. w. o. 
v. Carnall. 



3. Protokoll der Juli-Sitzung. 

Verhandelt Berlin, den 4. Juli 1849. 

Herr v. Carnall eröffnet die Sitzung und zeigt die 
Aufnahme folgender Mitglieder an: 
Herr v. Breda zu Haarlem, 

vorgeschlagen durch die Herren H. Rose, G. Rose 

und v. Carnall; 
Herr B u n s e n zu Marburg, 

vorgeschlagen durch die Herren G. Rose, v. Carnall 

und Ewald. 
Der Vorsitzende macht Mittheilung von einer Stelle aus 
einem Briefe des Hrn. Ingenieur-Lieutenants Rost an Hrn. 
Tuch, worin über die gelungene Auffindung eines Stein- 
salzlagers bei Arnstadt unweit Erfurt berichtet wird. Das 
Lager ist 38 Fuss mächtig, der Anfang desselben ist in 871 
Fuss Tiefe und es hält an bis 909 Fuss Tiefe. Das Salz 
ist von vorzüglicher Reinheit. 

Herr G. Rose hält einen Vortrag über die zur Granit- 
gruppe gehörenden Felsarten. Er unterscheidet davon 5 Ge- 
birgsarten, die er vorläufig mit folgenden Namen bezeichnet: 

1) Granit mit weissem Glimmer. 

2) Granit ohne weissen Glimmer. 

3) Syenit. 

4) Porphyr. 

5) Syenitporphyr. 

1) Der Granit mit weissem Glimmer ist ein Ge- 
menge von Feldspath mit gewöhnlich weisser Farbe , von 
Quarz, weissem Kali-Glimmer und von Magnesia-Glimmer, 



253 

gewöhnlich von schwärzlichbrauner, seltener grünlichschwar- 
zer Farbe. Der Magnesia-Glimmer tritt öfter aus dem Ge- 
menge ganz zurück, dagegen stellt sich Oligoklas gewöhn- 
lich noch ein, wenn auch nur in untergeordneter Menge, und 
zuweilen auch noch Hornblende in geringer Menge. Dieser 
Granit findet sich z. B. am Schwarzbrunner Berg bei Ga- 
blonz, in der Gegend von Schweidnitz, am Ramberg und der 
Rosstrappe am Harz, zu Pontroy in der Normandie u. s. w. 

2) Der Granit ohne weissen Glimmer ist ein 
Gemenge von gewöhnlich rothem Feldspath, vielem Oligoklas, 
von Quarz und schwärzlichgrünem Magnesia-Glimmer. Horn- 
blende tritt zuweilen in geringer Menge hinzu, weisser Glim- 
mer gar nicht. Im Riesengebirge, zu Melius im Thüringer- 
wald, Heidelberg, Conquet bei Brest u. s. w. 

3) Syenit besteht aus Feldspath, Oligoklas, gewöhn- 
lich von bräunlichrother Farbe, Hornblende, schwärzlichgrü- 
nem Magnesia- Glimmer und Quarz; selten aber finden sich 
alle diese Gemengtheile zusammen; entweder sieht man in 
dem Gemenge nur Hornblende (Friedrichswern im südlichen 
Norwegen), oder Feldspath, Oligoklas und Hornblende 
(Plauenscher Grund bei Dresden), oder es stellt sich in dem 
Maasse wie die Hornblende verschwindet, Magnesia-Glimmer 
und Quarz ein (Meissen), oder es ist nur Feldspath, Oligo- 
klas und Magnesia-Glimmer vorhanden. (Frauenstein in Sach- 
sen, Polaun im Riesengebirge.) 

Die Schilderung der übrigen Gebirgsarten dieser Gruppe 
verschob Herr G. Rose bis zur nächsten Sitzung. 

Herr v. Carnall legt die neu erschienene geognosti- 
sche Karte der Umgegend von Stuttgart vom Topographen 
B acn ( 1 5 ö o o Maassstab) vor und macht darauf aufmerksam, 
wie in der Colorirung die horizontale Lagerung der Schich- 
ten schön hervortrete. 

Herr Ramm eis b er g gab eine Uebersicht der Arbei- 
ten des Herrn Delesse, betreffend den Syenit der Voge- 
sen und die Protogyne der savoyischen Alpen. 

Der Syenit des Ballons in den Vogesen enthält zwei 



254 

verschiedene Feldspatharten. Die eine , stets röthlich oder 
violett gefärbt, zum Theil gut krystallisirt, erweist sich durch 
seine mineralogischen Eigenschaften und durch die chemische 
Analyse als Orthoklas, 2 Atome Natron gegen 5 Atome Kali 
enthaltend. — Die andere ist von gelblicher oder grünlicher 
Farbe, durch Verwitterung stets intensiv roth gefärbt, hat ein 
spec. Gew. von 2,65 — 2,68, seine Spaltbarkeit und die 
Streifung seiner Zwillingskrystalle beweisen, dass er zu den 

1 und 1 gliedrigen Feldspäthen gehört, aber die Analyse that 
dar, dass er nicht, wie man annehmen durfte, Oligloklas sei, 
sondern, da der Sauerstoff der starken Basen , der Thonerde 
und der Kieselsäure sich wie 1:3:8 verhalten, mit dem von 
Ab ich beschriebenen Andesin übereinstimme, Natron und 
Kalk herrschen unter jenen Basen vor. Die Hornblende des 
Syenits bildet dunkelgrüne Krystalle und krystallinische Mas- 
sen , und hat fast dieselbe Zusammensetzung, wie die von 
Fahlun und Nordmarken. Quarz fehlt dem Gestein niemals ; 
er ist meist derb, durchscheinend und röthlich gefärbt. — Ti- 
tanit ist ein charakteristischer Gemengtheil dieser und ande- 
rer Syenite, während Magneteisen , Glimmer und Schwefel- 
kies sehr sparsam vorkommen. In kleinen Adern und Gän- 
gen des Gesteins trifft man Epidot und Kalkspath mit Quarz 
und einem eisenreichen Chlorit. — Der Syenit der Vogesen 
schmilzt im Glasofenfeuer zu einem dunkelgrünen Glase. 

Der Protogyn der Savoyer Alpen besteht gewöhnlich 
aus einem Gemenge von Quarz, zwei verschiedenen Feldspä- 
then , Glimmer und Talk. Der eine dieser Feldspäthe ist 
Orthoklas von weisser oder grauweisser Farbe, 1 At. Natron 
gegen 3 At. Kali enthaltend ; der andere ist Oligoklas, grün- 
lich weiss und von der Zusammensetzung des Oligoklas aus 
dem schlesischen Granit. Der Glimmer ist dunkelgrün, und 
lässt sich als eine Verbindung von 1 At. Kali-Glimmer und 

2 At. Magnesia -Glimmer ansehen. Der Talk bildet grüne 
perlglänzende Blättchen, die besonders den Oligoklas durch- 
dringen. Zufällige Gemengtheile sind: Hornblende, Tita- 
nit, Granit, Epidot und Schwefelkies. 



255 

Herr Delesse glaubt gefunden zu haben, dass es 2 
Varietäten von Prc-togyn giebt, eine von granitischer Struc- 
tur reich an Quarz und arm an Talk , welche in der Mitte 
der Formation und an den höchsten Punkten vorherrscht, 
und eine schiefrige, talkreiche, welche vorzugsweise an den 
Rändern und am Fusse der höchsten Erhebungen auftritt. 

Herr Rose fügt hinzu, es sei sehr interessant zu erfah- 
ren, dass der rothe Bestandtheil im Syenit der Vogesen nicht 
identisch sei mit den Granitbestandtheilen; ferner dass der 
Protogyn nicht Granit genannt werden könne, Granit und 
Gneiss gingen nicht in einander über. 

Herr O v e r w e g legt ein Petrefakt von Rüdersdorf vor, 
durch welches sich eine überraschende Beziehung des nord- 
deutschen Muschelkalks zu den so vielfach gedeuteten Kalk- 
lagern des Salzkammerguts, die man in neuerer Zeit aus im- 
mer gewichtigern Gründen dem Muschelkalk nahe gestellt hat, 
zu eröffnen scheint. Es ist dies ein Ammonit mit gez äh- 
nelten Sätteln und Loben. Eine vorläufige Vergleichunsf mit 

OD O 

Hallstädter und Ausseer Cephalopoden hat manche Analo- 
gieen mit einigen von diesen ergeben, er gehört jedoch wohl 
keiner der von dort bekannten Arten an. Eine nähere Be- 
schreibung behält sich Herr O. für die Monogrophie von 
Rüdersdorf vor, welche derselbe vorbereitet. Die nähere 
Fundstelle sind die porösen Kalklagen (schaumige Lagen), 
in denen sich so häufig Turritella scalata , Melania Schlot- 
heimi Quenst., und mehrere Myophorien finden; diese schau- 
migen Lagen liegen noch tief unter den Schichten des Krien- 
berges, welche den Ammonites nodosus führen. Das vorge- 
zeigte Eyemplar ist Eigenthum der Sammlung des Bergamts 
zu Rüdersdorf, welche den Bemühungen des Herrn Bergraths 
Brahl Reichhaltigkeit an seltenen und schönen Exemplaren 
verdankt. 

Herr v. Carnall theilte in Bezug auf den y ortrag des 
Herrn v. Buch in einer der vorangegangenen Sitzungen das- 
jenige mit, was ihm hinsichtlich der Lagerung des sogenannten 
Oppatowitzer Kalksteins in der Gegend von Tarnowitz be- 



256 

kannt sei und zeigte besonders in einem Profile, welche Stel- 
lung jene Schichten gegen den dortigen Dolomit und den 
unterliegenden Sohlenkalkstein einnehmen. 

Herr Tamnau macht Mittheilung von zwei neuen deut- 
schen Vorkommnissen des Zirkon's, welche beide nicht pri- 
mitiv sondern sekundär sind. 

Das erste bezieht sich auf kleine Krystalle aus der wie- 
der aufgegebenen Goldwäsche an der Diemel; sie bestehen 
aus der ersten und zweiten Säule, der vier- und der acht- 
seitigen Pyramide. Sie stammen daher wahrscheinlich aus 
dem vulkanischen Gestein der dortigen Umgegend. 

Das zweite ist ein Berliner Vorkommen. Das Gestein 
ist ähnlich mit Norwegischem, ein Gneuss mit schwarzem 
Dichroit, und mitten in diesem Dichroit ist ein hyacinthrother 
Krystall von Zirkon. Die erste Säule herrscht vor, während 
in der Auvergne die zweite vorherrscht, was Werner mit 
veranlasste den Hyacinth vom Zirkon zu trennen. 

Die Sitzung ward hiermit geschlossen. 
v. w. o. 
v, Carnall. 



B. Briefliche Mittheilungen. 



1. Herr J. F. Ludwig an Herrn v. Garnall. 

Rohnau bei Landeshut in Schlesien den 24. Mai 1849. 

In der nächsten Umgebung der Stadt Jauer kom- 
men anscheinend nur Thonschiefer, Granit mit vereinzelten 
Basaltkuppen und Alluvial-Bildungen vor, was ich selbst zu 
glauben geneigt gewesen bin, bis eine Schurfarbeit, welche 
ich im verflossenen Jahre längere Zeit hindurch leitete, mich 
eines Anderen belehrte. Veranlassung zu dieser Schurfarbeit 
gab ein gelegentlicher Braunkohlenfund in dem Dorfe Brem- 



257 

berg. Ueber dies Vorkommen vermag ich einen erschö- 
pfenden Bericht nicht zu geben, weil Streitigkeiten mit con- 
currirenden Schürfern mich veranlassten, die von mir begon- 
nene Arbeit, welche eine weitere Untersuchung des eben er- 
wähnten Fundes bezweckte, zu verlassen, worauf sie von 
jenen aufgenommen und weiter fortgeführt wurde. Ich glaube 
mich inzwischen zu der Behauptung berechtigt, dass die hier 
vorkommende Braunkohle — welche gänzlich bitumenleer 
und ein wahrer Braunkohlen-Anthracit ist — in einem dem 
Basalt untergeordneten Lager auftritt, dessen Dach und Sohle 
aus Basalttuff gebildet werden. Das erstere habe ich voll- 
ständig durchbrochen und ich erlaube mir anbei einen darin 
aufgefundenen Hyacinth - Krystall und mehrere Stückchen 
eines Minerals vorzulegen, welches ich für glasigen Feldspath 
zu halten geneigt bin. Ausserdem hat sich auch Titaneisen 
vorgefunden. Mir scheint das Vorkommen des ersten und 
des letztgenannten Minerals darum vorzüglich der Aufmerk- 
samkeit werth , weil sie einen Gemengtheil des unfern vor- 
kommenden goldführenden Gebirges ausmachen. 

Theils zufällige Aufschlüsse und sonstige Entblössun- 
gen, vorzüglich aber längere Zeit hindurch betriebene Bohr- 
arbeiten haben gelehrt, dass in der in Rede stehenden Ge- 
gend nicht nur jene beiden sehr umfangreichen Kegel, wel- 
che der Peterwitzer und Hermannsdorfer Weinberg heissen, 
aus Basalt bestehen, sondern dass diese Gebirgsart die Sohle 
des Thaies der wüthenden Neisse bildet, von Peterwitz an, 
vielleicht auch noch weiter östlich darüber hinaus , bis nahe 
dahin, wo das genannte Wasser sich mit der Katzbach ver- 
einigt. Hiernach würde die Grundlage des ganzen Katz- 
bach-Schlachtfeldes aus Basalt bestehen. Wo er im Bereiche 
dieses Terrains nicht zu Tage anstehend angetroffen worden 
ist, da spricht doch das Vorhandensein gewisser, die Natur 
des Alluviums tragenden Bildungen für sein Vorhandensein. 
Namentlich finden sich in solchen Fällen graue, weisse uud 
rothe Thone, desgleichen verschiedentliche Sand- und Ge- 
rolle-Ablagerungen, in denen hie und da kleine Bruchstücke 



258 

von Braunkohle nicht selten vorkommen, und uuter denen 
der Basalt bis 10 — 12 Lachter tief auf mehreren Stellen er- 
bohrt worden ist. Die letzterwähnten Geröllmassen zeigen 
eine unverkennbare Aehnlichkeit mit manchen Straten des 
benachbarten Goldberger Goldsandgebirges. Vielleicht haben 
schon die ältesten Bewohner der Gegend dies erkannt und 
sind vorzugsweise dadurch bewogen worden, hier ihre Woh- 
sitze aufzuschlagen. Es sind nämlich merkwürdiger Weise 
in der Nähe von Bremberg und des benachbarten Brechtels- 
hof verschiedentliche Grabstätten aus urältester Zeit aufge- 
funden worden. Die eine Art derselben zeigt, dass die Tod- 
ten verbrannt wurden, eine andere, dass dies nicht geschehen 
ist. Berücksichtigt man nun , dass uncultivirte Völker sich 
am ersten da ansiedelten, wo irgend ein leicht zu erreichen- 
der Vortheil in Aussicht stand, so musste auch die in Rede 
stehende Gegend derartiges darbieten, und ich bin geneigt 
zu glauben, dass, wenn ich mich auch nicht im Stande be- 
finde, das Vorhandensein des Goldes nachzuweisen, dies nichts 
desto weniger zu finden sein dürfte, und nicht nur die er- 
sten Bewohner der Gegend hierher gelockt, sondern auch 
veranlasst hat, dass mehrere verschiedene Völkerschaften hier 
ihre Wohnsitze aufschlugen. Sollten demnach jemals wieder, 
veranlasst durch die alten Nachrichten über den alten Gold- 
reichthum des Landes, Versuche auf Gold unternommen 
werden, so würde das Thal der wüthenden Neisse einer Be- 
rücksichtigung werth sein. — — 

Da die deutsche geologische Gesellschaft sich nicht nur 
das entere Ziel gesteckt hat, die Geognosie als abstrakte 
Wissenschaft zu fördern, sondern auch das weitere, sie für 
die National- Wohlfahrt nutzbringend zu machen, so erlaube 
ich mir an Obiges noch die Bemerkung zu knüpfen, dass 
der Bremberger BasalttufF nicht nur ein nützliches Baumate- 
rial abgeben, sondern auch als Düngungsmittel zu benutzen 
sein dürfte. In letzterer Beziehung kann ich behaupten, nie 
etwas schöneres gesehen zu haben, als ein Roggenfeld, wel- 
ches im Bereiche der Anschwemmungen jenes Minerals ge- 



259 

legen war, und ungeachtet der Boden anscheinend haupt- 
sächlich aus Sand , — von der wtithenden Neisse ange- 
schwemmt — bestand, eine seltene Entwickelung der Ve- 
getation zeigte. — — 



2. Herr Reuss an Herrn Beyrich. 

Bilin in Böhmen den 9. Juui 1849. 

— — Für die gütigst übersendeten Proben des Eocen- 
thons von Hermsdorf danke ich Ihnen herzlich.. Ich habe 
den Thon bereits geschlemmt und bei oberflächlicher Be- 
trachtung ebenfalls gefunden, dass er wohl eine beträchtliche 
Anzahl Foraminiferen , aber keine Entomostraceen enthält. 
Erstere werde ich sobald ich Zeit finde näher untersuchen 
und Ihnen das Resultat mittheilen. — — 

Bilin in Böhmen den 28. Juni 1849. 
Ich beeile mich , Ihnen eine kurze oberflächliche Notiz 
über die in dem mir gütigst übersendeten Septarienthon von 
Hermsdorf enthaltenen Foraminiferen 'zu geben. Bis jetzt 
habe ich. 50 Spezies darin aufgefunden, welche den Gattun- 
gen Glandulina, Nodosaria, Dentalina, Robulina, Nonionina, 
Rotalma, Bulimina, Valvulina, Uvigerina, Spirolina, Ver- 
neuilina, Globulina, Guttulina, Polymorphina, Dimorphina, 
Textularia, Gaudryina, Bolivina, Chilostomellam., Biloculina, 
Triloculina , Quinqueloculina, Sexloculina und Frondicularia 
und einem neuen Genus angehören. Die Species, soweit ich 
sie bis jetzt überblicken konnte, stimmen mit denen des Pa- 
riser Beckens nur sehr wenig überein. Die Foraminiferen des 
englischen Londonclay kenne ich leider zu wenig und die 
der Schichten von Boom und Baesele gar nicht, so dass ich 
dieselben nicht vergleichen kann. — Sobald ich die Untersu- 
chung beendigt habe, sende ich Ihnen die Beschreibung und 
Abbildung aller Species, damit Sie darüber verfügen können. 



260 

3. Herr Oswald an Herrn Beyrich. 

Oels den 21. Juni 1849. 

Die geringe Baulust im vorigen und laufenden Jahre 
hat auf die Kalkgewinnung in den Sadewitzer und Neu- 
Schmollener Kalkgruben insofern nachtheilig eingewirkt, als 
nur der nöthigste Bedarf von Kalk zu Tage gefördert wurde. 
Eine nur sehr geringe Ausbeute von Petrefakten, über deren 
seltenes Vorkommen ohnehin sehr zu klagen , ist die not- 
wendige Folge davon. Seit langer Zeit wurden fast nur un- 
vollkommene Fragmente der gewöhnlichsten Petrefakten des 
Lagers herangebracht. Dieser Tage erhielt ich indess zum 
ersten Male ein fast ganz erhaltenes Schwanzstück von Li- 
chas scabra. Der Ausschnitt an der Spitze des Pygidium ist 
lädirt, daher nicht mehr genau zu erkennen, im Uebrigen 
stimmt das Stück in Grösse und Form genau mit den Ab- 
bildungen in : ,.B e y r i c h ' s Untersuchungen über Triboliten'' 
Heft I. Fig. 16 und Heft IL Tab. I. Fig. 46. — Gleichzei- 
tig erhielt ich einen Steinkern von Trochus rupestris Eich- 
wald, welcher frei ist und deutlich die Streifung der Schale 
zeigt, wodurch das einzige Exemplar, welches ich früher er- 
hielt, und welches fest im Kalk mit anderen Petrefakten zu- 
sammenhängt, ergänzt und vervollständigt wird. Bis jetzt 
habe ich noch keine Analye des Sadewitzer Kalks vorge- 
nommen, da man aber in neuester Zeit in den meisten Mer- 
geln mehr oder weniger phosphorsauren Kalk aufgefunden 
hat, und diese Untersuchung in agronomischer Hinsicht von 
"Wichtigkeit ist , so werde ich meine nächsten Mussestunden 
dieser Untersuchung widmen, wobei ich meine Aufmerksam- 
keit auch darauf richten will, zu erforschen, welchen Einfluss 
das Verwesen grösserer thierischer Massen, z. B. Trilobiten, 
Cephalopoden etc. auf die nächst umgebenden Kalktheile aus- 
geübt hat. — Sobald ich diese Arbeit beendet haben werde, 
erleube ich mir dieselbe , als dem Zwecke unserer geologi- 
schen Gesellschaft entsprechend, einzusenden. 



261 



3. Herr Isaak Lea an Herrn v. Buch. 

Philadelphia, den 1. Juli 1849. 

Es wird Sie gewiss interessiren von einem 4füssigen 
Reptil zu hören, welches sich in einer so tiefen Schicht, wie der 
alte rothe Sandstein ist, gefunden hat. Bei einem neulichen 
Besuch des südlichen Kohlendistricts von Pennsylvanien hatte 
ich bei meinen geologischen Untersuchungen das Glück, feinkör- 
nigen alten rothen Sandstein aufzufinden, der Fuss-Eindrücke 
eines Sauriers zeigte. Beiliegend sende ich Ihnen einen Aus- 
zug der Mittheilung, welche der Amerikanischen Philosophi- 
cal Society für ihre Proceedings gemacht wurde. Für ihre 
Transactions beabsichtige ich eine ausführlichere Abhand- 
lung mit Abbildungen zu liefern. — — 

Der Name, welchen ich für das Thier vorschlage, ist 
Sauropus primaevus. 



„Der Zweck dieser Mittheilung ist der Gesellschaft an- 
zuzeigen , dass ich die halberhabenen Fusstapfen eines vier- 
füssigen Reptils tiefer in der Sehichtenfolge, als bisher beob- 
achtet ist, entdeckt habe. Am 5. April d. J. , als ich die 
Schichten in dem Einschnitt des Sharp Mountain , nahe bei 
Pottsville, wo der Schuylkill sie durchbricht, untersuchte, 
zog eine grosse Masse eines besonders feinkörnigen Oldred- 
Sandsteins meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich war erstaunt, 
darauf sechs verschiedene Eindrücke von Fusstapfen, in einer 
doppelten Reihe zu finden; jede Fussspur war doppelt, da 
der hintere Fuss in den Eindruck des vorderen hineinfiel, 
oder selbst ein wenig weiter vor ging. Die Schichten sind 
hier ein Weniges überstürzt, und die entblösste Oberfläche 
des Felsens war ungefähr 12 Fuss hoch und 6 Fuss breit; 
diese ganze Oberfläche war bedeckt mit Spuren von Wellen- 
schlag und den Eindrücken von Regentropfen, die schön in 
der sehr feinen Textur des tief rothen Sandsteins ausgedrückt 
waren. 

Die sechs doppelten Eindrücke zeigen deutlich, 

Zeils. d, J. geol. Ges. I 3. jg 



262 

in den zwei parallelen Reihen, von den linken Füssen auf 
der einen Seite und den rechten Füssen auf der andern, dass 
das Thier fünf Zehen an den vorderen Füssen hatte, von 
denen drei Zehen augenscheinlich mit nagelartigen Theilen 
versehen waren. Die Länge des doppelten Eindrucks ist 4^ 
Zoll; die Breite 4 Zoll; die Entfernung zwischen den Fuss- 
tapfen in der Länge ist 13 Zoll, quer von aussen nach aussen 
8 Zoll Die Spuren des nachgeschleiften Schwanzes sind 
deutlich und verwischen einen kleinen Theil der Fusseindrücke. 
Die Welleneindrücke sind von 7—8 Zoll und sehr deutlich, 
ebenso wie die Aushölungen der Regentropfen. 

Die Fussspuren gleichen merkwürdig denen des leben- 
den Alligator Mississipiensis und sind gewiss dem 
Cheiroth erium etwas analog. 

Die geologische Stellung dieses vierfüssigen Reptils ist 
von grossem Interesse, der Thatsache wegen, dass zuvor keine 
solche Thierreste so tief in der Schichtenfolge entdeckt sind. 
Diejenigen, welche Dr. King in dem grossen westlichen 
Kohlen -District beschrieben hat, sind nur 800 Fuss unter 
der Oberfläche der Kohlenformation (No. 13 von Prof. Ro- 
gers, the State geologist). Die Pottsviller Fussspuren lie- 
gen ungefähr 8500 Fuss unter dem oberen Theil der Koh- 
lenformation, welche dort ungefähr 6750 Fuss mächtig ist 
nach Prof. Rogers, und sie sind in dem rothen Schie- 
fer (seine No. 11); die dazwischen liegenden kieseligen Con- 
glomerate (No. 12) sind von ihm als 1031 Fuss mächtig be- 
stimmt. Diese Messungen würden diese Fussspuren unge- 
fähr 700 Fuss unter die Oberfläche des alten rothen Sand- 
steins stellen." 



263 
C. Aufsätze. 

Geognostische Notizen über den Alpenkalk und seine 
Gliederung im bairiscben Gebirge. 
Von Herrn E mm rieh in Meiningen. 

Der Verfasser hatte den August 1846 im Lande zwi- 
schen Salzach und Inn zugebracht, um die Molasse- und 
Kreidebildungen dortiger Gegend kennen zu lernen. Damals 
kamen ihm zu Traunstein durch die freundliche Güte des 
Herrn Landgerichtsrathes Dr. Hehl und des Herrn Mein- 
hold, gegenwärtigen Salineninspectors zu Orb, auch manche 
Versteinerungen des bairischen Alpenkalks zu Händen; un- 
ter ihnen auch von Kössen und aus der Gegend von Par- 
tenkirchen Kalkstein mit der Gervillia tortuosa des mittleren 
Jura. Das mussten dieselben Kalksteine sein, die L.v. Buch 
in seiner ebenso wichtigen , als wenig bekannt gewordenen 
Abhandlung über die bairischen Alpen in den Schriften der 
Berliner Akademie von 1831 aus der Gegend von Kreuth 
beschrieben hatte. In ihnen, die ich an drei von einander so 
entlegenen Punkten desselben Gebirges in gleicher Weise 
wiederkehren sah, hoffte ich einen leicht erkennbaren, siche- 
ren Horizont für die Sonderung und Bestimmung der ver- 
schiedenen Glieder des Alpenkalkes gefunden zu haben, und 
ich sollte mich nicht täuschen. Ein kurzer Ausflug, den ich 
so glücklich war im August des folgenden Jahres 1847 in 
der Gesellschaft Herrn v. B u c h ' s zu machen , bestätigte 
meine Vermuthung. Folgendes sind die wichtigsten Bemer- 
kungen und Resultate der letztgenannten Reise. 

Wir nahmen unsern Weg über Starnberg und den 
Hohen Peissenberg nach A mm er g au. Je näher wir 
Starnberg kamen, um so häufiger lagen die erratischen Blöcke 
auch hier über dem Diluviumgerölle und Kies zerstreut. 
Gneisse und Hornblendeführende Gesteine, wie ich sie ebenso 
an den direkt südlich davon gelegenen Mosern bei Telfs und 

18* 



264 

bei Seefeld gefunden hatte und wie sie Herr v. Buch noch 
hoch über Seefeld an den Bergen gesehen, herrschten auch 
hier vor. Seefeld liegt 3760' über dem Meer, Zirl am Inn 
195G; demnach liegen die dortigen erratischen Blöcke wenig- 
stens 2000' über dem Spiegel des Inn. Grandiose Gletscher, 
die das ganze tiefe Innthal ausfüllen und dann noch so hoch 
an den Gebirgsrändern emporsteigen und dort ihre Moränen 
absetzen konnten (?!). 

Der Kohlenbergbau am Peissenberg, wie die vielfachen 
ausgezeichneten Durchschnitte derAmpr durch das Molassen- 
gebirge, vornehmlich bei Vaitenbuch und Echelsbach, 
machen diese Gegend für das Studium der Molasse Süd- 
baierns vorzüglich lehrreich. Diesmal war aber der Alpen- 
kalk das Ziel. Bei Saulgrub erschloss sich uns zuerst der 
Blick in den schönen Ammergau. 

Am mergau. 

Er ist nach Norden weit geöffnet. Links und rechts 
vom Eingange erheben sich steil über dem Molasseplateau bis 
hoch hinauf bewachsene Berge ohne Spur festen Gesteins. 
Links oder westwärts vom Eingang die Ausläufer des hohen 
Trauchberges, ostwärts der Geisberg; beide aus Flysch 
gebildet. Im schroffen Gegensatz zu ihnen erhebt sich im 
südlichen Hintergrunde der steil mauerförmig abfallende 
aus Kalkstein gebildete Sonnenberg, mit direkt ostwestlichem 
Streichen. Er erhebt sich an seinem Ostende noch einmal 
zum aufgerichteten Kofel dicht über der Amper (ad Co- 
celiacos nannten die Römer schon Ammergau). Jenseits, 
ihm gegenüber, liegt der massenhafte, höckerige, gemsen- 
reiche Laberberg, aus dessen waldigen Steilabhängen 
aber gleichfalls überall der nackte Kalkfels her vorsieht. Die 
Berge von Etlal, die Noth, die zwischen Sonnen- und 
Laberberg hervorsehen , bestehen gleichfalls aus Kalkstein, 
sind aber abgerundet, hierherzu arm an Felsen. Die Steil- 
heit jenes vorderen Kalkzuges hat in der steil gegen Süden 
aufgerichteten Schichtenstellung desselben ihren Grund. An 



265 

den hinteren Laberköpfen, von Ober- Ammergau aus im Profil 
gesehen, fallen die Schichten unter 70-80° gegen Norden; 
anderwärts ist die Schichtenstellung minder steil, aber immer 
ansehnlich genug und stets gegen Norden gerichtet. Wäh- 
rend im Osten die in der Fortsetzung des Geisberges lie- 
genden Flyschberge sich fast unmittelbar an den Laberberg 
anschliessen, so dass sie nur durch einen schmalen Sattel 
von demselben getrennt sind ; breitet sich dagegen im Westen 
zwischen dem Ostende des hohen Trauchberges und dem 
Kalkriff des Sonnenberges noch eine Zone etwas niedrigerer 
Kalkberge aus, aus denen sich in enger, waldiger Felsschlucht, 
belebt durch zahlreiche Schleifmühlen, der Schleifmühlenbach 
nach Unter -Ammergau hinaus seinen Weg bahnt. Nord- 
wärts des Baches, am nördlichsten dieser Kalkköpfe, ist eine 
der Fundstätten der berühmten Wetzsteine von Ammergau. 
Zwischen all diesen Bergen und einem in Norden vorliegen- 
den niedrigen Hügel, dessen Gestein durch Schutt bedeckt 
ist, liegt ein ebener Thalboden mit den beiden gewerbreichen 
Orten Unter- und Oberammergau, aus dem sich jedoch 
unmittelbar hinter ersterem noch ein ringsum von Steinbruch- 
arbeiten angegriffener, völlig isolirter Sandsteinhügel erhebt, 
dessen feinkörniger Sandstein Schleifstein liefert. Sein Ge- 
stein ist allerdings dem Molassesandstein sehr ähnlich; innen 
grau, aussen durch Verwitterung gelblich grau; führt ein- 
zelne gröbere Quarz- und Hornsteinkörner, und ist voll klei- 
ner Blättchen eines silberweissen Glimmers oder Talks. 
Schwarze Schieferthone lagern sich zwischen die tieferen Bänke, 
die auf ihren Ablösungen und im Innern voll undeutlicher 
Pflanzenreste sind. Hierdurch werden sie den Schleifsteinen 
bei Haubauern sehr ähnlich, letztere sind ohne Zweifel ein 
Glied derNummulitensandsteine. Dies, zusammengenommen 
mit der Nähe des , die Nummulitenformation abschliessenden 
und bedeckenden Flysches einerseits und mit dem, wenn der 
Sandstein als Molasse betrachtet werden sollte, aller Analogie 
entbehrenden Vorkommen mitten im Ausgange eines Quer- 
thales anderseits , lässt mich auch dies Gestein , trotz seiner 



266 

Aehnlichkeit mit der Molasse, eher für den Rest der hier 
zerstörten Nummulitenbildung halten als für Molasse, mit der 
ihn Escher von derLinth auch nur mit Widerstreben 
verbindet. An jenem Hügel findet sich zugleich eine Muster- 
karte der verschiedenen Alpenkalke des oberen Ampergebietes 
in Geschieben. — Beim Schwabenwirth in Ober-Ammergau 
fanden wir gastliche Aufnahme. — Anderen Morgens war 
es mein erster Gang die Wetzsteinbrüche von Unter- Ammer- 
gau zu besuchen, die mir schon durch Escher undSchaf- 
häutl als Fundorte des Aptychus lamellosus bekannt 
waren. Sie beginnen gleich im Westen über jenem Orte, 



wo sich staffelförmig in 2 Zügen zahlreiche Brüche in der 
Richtung der hier unter 40 — 50° südlich einfallenden Schich- 
ten am Berge hinaufziehen. Mächtige, kegelförmige, weisse» 
tief herabreichende Schutthalden verkünden sie von ferne. 
Von hier an finden sich die Brüche wohl noch auf eine 
Strecke von 2 Stunden hinter dem hohen Trauchberge ent- 
lang. Die von fein vertheilter Kieselerde durchzogenen, 
bald härteren, bald weicheren, in dünne Platten abgesonder- 
ten Kalkschiefer sind vorherrschend lichtgrau, grünlichgrau 
oder röthlich , theilweise aber auch buntgeflammt. Mit den 
härteren , kieselreicheren Schichten wechseln thonreichere ab. 
In dem Schleifmühlentobel, wo die dunkeln, vornehmlich ro- 
then Farben vorherrschen, sind sie vorzüglich reich an rothem 
und schwarzem Hornstein , der in Knauern und Bändern 
in ihnen liegt. Hier im Tobel bilden die Schichten ausser- 
ordentlich zahlreiche, ausgezeichnete Wellenbiegungen, deren 
steileres Einfallen gegen Nordosten dem Thale zugekehrt 
ist. In den Wetzsteinbrüehen ist der Aptychus lamellosus, 
in eigenthümlicher Form, häufig; man findet einzelne, zu- 
weilen auch doppelte Schalen. Einen Ammoniten konnte 
ich jedoch nicht auffinden. Sollten sie wirklich Ammoniten- 
deckel sein; wie merkwürdig w 7 äre es dann, dass ich zu den 
wenigstens 50 bis 60 Deckeln, die ich in kurzer Zeit sah, 
auch nicht eine zugehörige Ammonitenschale fand; wo soll- 
ten alle cjiese Schalen hingekommen sein? Dagegen fand 



267 

ich den Belemnites semisulcatus v. M. in mehreren deutlichen 
Exemplaren. Beides, Aptychus und Belemnites semisulcatus 
sind Versteinerungen, welche für die in manchen Beziehun- 
gen sehr ähnlichen Solenhofer Schiefer charakteristisch sind. 
Die beschriebenen Kalkschiefer bilden das äusserste 
Glied des Alpenkalkes dieser Gegend. Unmittelbar nördlich 
begrenzt sie der Flysch , dessen Schichten , wie es aus den 
Beobachtungen des Herrn Akad. Schafhäutl im Halblech- 
thal hervorzugehen scheint, vielleicht stellenweise noch über- 
greifend über sie und über noch ältere Bildungen hergela- 
gert sein mögen. Auch im Schleifmühlentobel würde sich 
auf diese Weise das Vorkommen zahlreicher Blöcke eines 
dem Macigno sehr ähnlichen Sandsteins leicht erklären. Mit 
ihnen liegt noch eine aus kleinen eckigen Kalk- und Horn- 
steinbruchstücken gebildete Kalknagelflue in Blöcken umher, 
deren meist dunkle Kalksteinstücke weit aus der verwitter- 
ten Grundmasse hervorstehen. Die Kürze der Zeit erlaubte 
es mir leider nicht, den genannten Tobel und seine Umge- 
bung, in der beide Gesteine wahrscheinlich noch anstehend 
zu finden sein werden, weiter zu verfolgen. — Einwärts von 
unsern Schiefern, dem Gebirge zu, herrschen weisse Dolomite 
und Kalksteine ; so an den Bergen südlich von Schleifmüh- 
lentobel, wo eine dolomitische Breccie hervorzuheben ist, so 
am Sonnen- und Laberberg. Die Schichtenstellung ist, wie 
erwähnt, eine mit steil nördlichem Einfallen. Schmitz pe- 
trographische Karte der bairischen Alpen zwischen Wertach 
und Isar giebt auch in den westlicher gelegenen Wetzstein- 
brüchen nördliches, also dem südlich davon gelegenen Kalk- 
steine conformes, Schichtenfallen an. Nehmen wir dazu, dass 
auch bei Ober- Ammergau, unmittelbar hinter dem Ort am 
Wege nach Ettal, graue und weisse schiefrige Kalksteine 
anstehen, in deren Fortsetzung nach Osten Herr Schmitz 
a. a. O. auch wirklich Wetzschiefer anführt, und dass auch 
diese Schichten nördliches Einfallen besitzen ; so werden wir 
wohl kaum von der Wahrheit abirren, wenn wir uns das 
entgegengesetzte Einfallen der Wetzschiefer über Unter- Am- 



268 

mergau aus einer muldenförmigen Umbiegung derselben 
erklären, und trotzdem die Schiefer nicht allein als das äus- 
serste , sondern auch als das jüngste Glied des Alpenkalkes 
ansehen. Die Kalksteine und Dolomite des Laber- und Son- 
nenberges werden von ihnen überlagert und sind älter. 

Umgeht man nun im Einschnitt der Amper den Fuss 
des Laberberges , so trifft man bald auf eine Wand rothen 
Marmors, ganz dem an so vielen Orten des bairischen Ge- 
birges auftretenden Ammonitenmarmor in Korn und Farbe 
gleichend. Dieser Kalkstein mag, wie es die schönen Säu- 
len der jetzt verfallenen, aber immer noch grossartigen Kirche 
vom Kloster Ettal beweisen, auch noch anderwärts hier an- 
stehen. Herr Es eher fand hier Crinoideenkalk, der dann 
über dem rothen Kalkstein zu suchen wäre. Nicht selten 
waren im Grünsandsteinbruch bei Unter -Ammergau Blöcke 
eines solchen Kalksteins. Er ist aussen gebleicht, innen 
bläulichgrau, von eigentümlich weichem Ansehn, dabei er- 
füllt von späthigen Pentacrinitengliedern (auf der Oberfläche 
waren dem Pentacrinites pentagonalis und basaltiformis ähn- 
liche, wahrscheinlich identische Formen ausgewittert). Mit 
diesen Geschieben fanden sich dort andere innen gleichfalls 
graue, aber aussen von einer ockergelben Verwitterungsrinde 
überzogene Kalksteine mit der Terebratula ornithoeephala 
u. a., wie wir sie bald weiter kennen lernen werden. Diese 
letzten Gesteine sind theils die Nachbarn, theils Glieder einer 
demnächst zu betrachtenden Gruppe leicht zerstörbarer Ge- 
steine, in denen wir ein Aequivalent des braunen Jura und 
des Lias erkennen werden. — Das Thal, in welches wir nun 
eintreten, ist das ansehnlich breite, griesige Längenthal von 
Graswang, welches diese Breite wohl dem Auswaschen jener 
weicheren Gesteine verdanken könnte. v. Flurl kennt 
schon im Liegenden der Kalksteine des Graswangthals an 
der Oelmauer und Saalmannsgries Stinksteine wechsellagernd 
auf dunkeln Schiefern, die theilweise zu Brandschiefern wer- 
den. In der Fortsetzung desselben zum Loisachthale ge- 
langen wir zu den Gypsbrüchen von Oberaun. 



269 

Soviel über die Gegend des Ober-Ammergau, die einer 
grösseren Beachtung und genaueren Untersuchung, als ihr 
bis jetzt zu Theil geworden, werth ist; vornehmlich auch 
um die Verhältnisse jenes oben erwähnten Sandsteins (Ma- 
cigno) im Schleifmühlentobel , den Esc her auch bei Ettal 
auffand, zu ermitteln. Schmitz Karte führt über den La- 
berberg; hin eine Reihe von drei hintereinander liegenden 
Sandstein- und Mergelpartieen , anderorts sind sie Glieder 
des mittleren Jura; hier könnten sie vielleicht zur alpinen 
Kreide gehören. Doch dies ist nur Vermuthung. Dagegen 
ergiebt sich uns mit ziemlicher Sicherheit aus oben Mitge- 
theiltem als Schichtenfolge des hiesigen Alpenkalkes in ab- 
steigender Folge ; zu oberst : 

1) Aptychus- oder Wetzschiefer, darunter 

2) der mächtige weisse obere Alpenkalkstein und 
Dolomit, mit welchem hier auch grauer Crinoi- 
deenkalk verbunden ist; und 

3) rother Marmor. Was unmittelbar darunter liegt ist 
meist versteckt; zu ihm gehören aber offenbar 

4) die schwarzen bituminösen Kalksteine und Schiefer, an 
welche sich das Gypsgebirge von Oberaun anschliesst. 

Oberes Loisachgebiet. 

Auf einer gegenwärtig sehr verlassenen Strasse, auf der 
aber vor Zeiten schon die Römer friedlich und mit Heeres- 
macht durch Rhätien nach Vindelicien heraufzogen und im 
Mittelalter noch der Levantehandel seinen Weg nach Augs- 
burg nahm,- steigt man steil ins Loisachthal hinab. Es ist 
ein Thal mit breitem, schönem Thalboden, welches eine 
Stunde unterhalb Oberaun bei Escherlohe sich in das flachere 
Baiern öffnet. Dort breitet sich jetzt vor ihm ein weites 
Moos aus, das Murnauer, aus dem in zahlreichen kleinen 
bewaldeten Hügeln, die sämmtlich wegen südlichen Einfal- 
lens der Schichten, einen steilen, gegen Norden gerichteten 
Abfall besitzen, das Flyschgebirge hervorsticht. Vor Zeiten 
war dort offenbar ein inselreicher, jetzt durch den Schutt und 



270 

Schlamm der Loisach , und anderer aus den Xachbarbergen 
entspringenden Bäche, ausgefüllter See. Im Westen und 
Südwesten des Moores erheben sich die gerundeten Flvsch- 
berge, welche wir oben als Ostbegrenzung des Ammersaus 
kennen gelernt haben. (Aufacker, Geisberg). Gerade süd- 
lich bei Escherlohe erhebt sich mit dem Burgberg von Escher- 
lohe der Kalkstein, der sich hinauf zum Ettaler Mand'l und 
weiter zum Laberberg zieht. Hier und nach Oberaun zu 
ist es der weisse und lichtgraue obere Alpenkalk und Dolo- 
mit, der in einer niedern Felswand das Thal gegen Oberauu 
hin begrenzt. Unter diesem Kalkstein tritt das Gvpsgebirge 
von Oberaun hervor. Jenseits des Ettaler Strasseneiuschnit- 
tes bildet der Kalkstein eine waldige Bergwand, an der durch 
einzelne hervortretende Felsgewände ein südliches Einlallen 
der Schichten angedeutet ist; der enge Thaleinschnitt des 
zum Hirschbühl hinaufführenden und bei Fragant münden- 
den Lahnenwiesgraben trennt sie von dem höheren, steileren, 
felsigen hohen Kramer, an dem wieder der lichte obere 
Alpenkalk mit steil südlichem Einfallen der Schichten auf- 
tritt. So besitzt der westliche Thalrand vorherrschend be- 
waldete, wenig felsige Berge. — Ganz entgegengesetzt ist 
aber der Charakter der gegenüberliegenden östlichen Thal- 
seite: einmal reicht dort das Kalkgebirge ungleich weiter 
nördlich; es beginnt schon ausserhalb Escherlohe's mit den 
Wetzschiefern bei Ohl Stadt, welche ganz mit denen von 
Ammergau übereinstimmen und auch hier durch mächtige 
Steinbruchsarbeiten aufgeschlossen sind. Südlich davon er- 
hebt sich der weisse obere Alpenkalk mit nördlichem Einfal- 
len im Osterfeuerspitz zu beträchtlicher Höhe. Durch den 
tiefen Eschenlahngraben von ihm getrennt . erhebt sich der 
hohe Kisten- und der Krotenkopf. welche zusammen 
die hohe, einer zusammenhängenden Felsmauer gleichende, 
östliche Thalwand bilden, die endlich mit dem mehr gerun- 
deten , wenig felsigen Eckenberg über Partenkirch endet. 
Beide oben genannten Berge sind offenbar in der Richtung 
des Streichens ihrer Schichten abgerissen, denn weithin las- 



271 

sen sich die Schichten parallel und oft völlig horizontal an 
den Felswänden verfolgen. Ihr Fallen ist gegen Süd 
gerichtet. Die durch Giesbäche herabgeführten Gerolle be- 
weisen, das vom Eschengraben an dunkelgraue, feinkörnige 
Dolomite vorherrschen, doch finden sich auch häufig bräun- 
liche und graue Kalksteine. Erst mit dem Eckenberg hört 
die geradlinige, mauerförmige Begrenzung des Thaies auf; 
der Eckenberg hat gerundete Pormen und anderes Gestein. 
In zahlreichen Steinbrüchen werden an seinem Fusse die 
Platten eines dunkelgrauen Sandsteines gebrochen, der sich 
durch seine eigenthümlich höckerigen , mit schwarzem 
Schieferthon überkleideten Absonderungsflächen auszeichnet. 
Schwarze, bituminöse, zuweilen pfauenschweifig angelaufene 
Mergelschiefer, wahre Stink schiefer, sind ihm eingelagert. 
Von Escher vergleicht ihn mit dem Kalkstein von S. Tri- 
phon. Auch dem Kalksteine des Pötschen bei Au- 
gleicht er auf das Frappanteste, nur dass derselbe häufig 
Hornstein und Encrinitenstielglieder führt. Eckenberg und 
hoher Kramer sind die Pfeiler, hinter denen sich west- und 
ostwärts das schöne Partenkircher und Kaltenbrunner Län- 
genthal ausbreitet. — So weichen demnach die Ost- und 
"Westseite des Loisachthals zwischen Eschenlohe und Par- 
tenkirchen in Schichtenstellung und Gesteinszusammensetzung 
wesentlich von einander ab: es ist eben das Loisachthal, 
wie so viele andere ausgezeichnete Querthäler der Alpen, 
eine Verwerfungsspalte. 

Der Eintritt in das Gebirge bei Eschenlohe und der 
"Weg im Loisachthal aufwärts gehört zu dem herrlichsten 
im bairischen Geb:rge. An dem Tage konnte ich aber nichts 
von Alledem sehen , am Wenigsten den grossartigen , das 
Thal im Süden schliessenden Gebirgshintergrund des Wet- 
tersteingebirges mit seiner steil gegen Westen abstürzenden 
Zugspitze. Vom Gebirge nieder und aus dem Lande her- 
ein, wälzten sich die schwer bis zur Erde niederhängenden 
"Wetterwolken und noch vor Fragant ereilte mich ein Gewitter- 
sturm, wie man ihn in so wilder Grossartigkeit nur in den 



272 

Alpen erleben kann. — Partenkirch ist eines der besuchte- 
ren Bäder des bairischen Gebirges; in diesem Jahre war es 
ziemlich verödet. 

Partenkirchen liegt am Nordrande eines schönen 
Thalbodens , der als tiefere Stufe nahe die Mitte eines be- 
deutenden Längenthals einnimmt, indem die Loisach von 
Süden her die Partenach, von Osten die Kanker sammelt, 
um sie durch das beschriebene Thal aus dem Gebirge hin- 
aus zu führen. Hohe Kram er und Eckenberg liegen an 
seiner Nordseite. Die von Eckenberg ostwärts ziehenden 
Berge senken sich bald und verflachen sich endlich gegen 
die Isar hin zu einem wellenförmigen Hügelland mit mehre- 
ren kleinen Seen. 

Dagegen schliesst sich westlich an den hohen Kra- 
mer der gleichartige hohe Griesberg an. — Südwärts 
wird das Thal von dem höchsten Gebirgskamm des Wet- 
tersteins und der Zug spitz noch, durch einen Zug von 
Wald und Alpen bedeckten Berglandes getrennt, welches 
sich ostwärts zum Kreuzschrofen erhebt und jenseit des 
tiefen Höllthals im Kamme des Wexensteins endet, 
jenes von Partenkirch aus gesehen als grossartiger Pfeiler vor 
der Zugspitz erscheinenden Felsberges. Das Längenthal der 
Elmau trennt beide im Osten und lässt sich noch jenseits 
des vordem Rheinthals, durch welches die Partenach 
sich nach Partenkirch hinauswindet, westwärts verfolgen. 
Der höchste Gebirgszug ist übrigens selbst wieder zweithei- 
lig. Das muldenförmig hinter der Zugspitz beginnende, 
bald als tiefe Spalte fortsetzende hintere Rheinthal trennt 
beide Züge des Alp spitz und Wettersteins, die in der 
Zugspitz selbst als einem Knotenpunkt zusammenstossen. 
Mit letzterem stürzt das Gebirge von seiner höchsten Höhe 
jählings hinab in den tiefen Gebirgskessel von Lermos, 
Auch südwärts fällt das Gebirge steil ab in ein Längenthal, 
wodurch es von dem an Höhe und Grossartigkeit wenig 
nachgebenden hohen Mieminger getrennt wird. 

Wenden wir uns von der etwas weitläufig ausgefallenen 



273 

geographischen Skizze dieser Gegend zu ihren Felsbildun- 
gen. — Schon früher beschrieb ich die plattenförmigen, 
grauen Kalksteine mit eingelagerten Stinkschiefern am Ek- 
kenberg als über den braunen und grauen Dolomiten und 
Kalksteinen des Krotenkopfes gelegen. Die Schichten am 
Eckenberge haben südöstliches Einfallen. Ueber diesen grauen 
Kalksteinen steht nun in Partenkirchen selbst derGyps an, 
der in seinem Vorkommen durchaus dem von Oberaun gleicht. 
Er ist vorherrschend feinkörnig, dünnschiefrig, von Schiefer- 
thon durchzogen; mergelige, ganz von Adern fasrigen Gyp- 
ses durchschwärmte und dolomitische Schichten begleiten ihn. 
Auch hier südliches Einfallen. Am Ausgange des Ortes, 
an der Strasse nach Mittenwalde wieder Dolomit und weiterhin 
schwarze, schiefrige Mergel, in denen unfern des Ortes meh- 
rere Bänke eines festen , kalkigen , aus Muschelschalen zu- 
sammengesetzten Gesteins anstehen, welches äusserlich durch 
Verwittern schmutzig gelb wird und ganz das Aussehen der 
Gervillienschichten dadurch erhält, aber andere Petrefakten 
führt. Ausgezeichnet war von Allem eine Bank auf der 
Schichtenablösung wie im Innern erfüllt von den Schalen 
einer kleinen Univalve, ganz wie die Paludinenschichten jün- 
gerer Süsswasser- und brackiger Bildungen. Die dickscha- 
lige Univalve hat aber eine unvollständige MundöfTnung und 
ist vielmehr eine kurze dicke Melania wie die M. paludinaris 
von St. Cassian, von der sie jedoch verschieden ist. Län- 
gere thurmförmige Melanien, Ganoidenschuppen und undeut- 
liche Zweischaler waren das Einzige, was ich dazwischen 
fand. Eine andere nur durch wenig Fuss Schieferthon da- 
von getrennte Bank führte hochgewölbte, kreisförmige Zwei- 
schaler (Lucina?), daneben eine Trigonia oder Cardita, die 
einer noch unbeschriebenen Cassianer Form zunächst steht 
(Schale schief eiförmig von der hintern hohen Kante mit noch 
sechs anderen vom Wirbel ausstralenden Rippen), und mit 
ihnen zwei in den Gervillienschichten des Hirschbühls vor- 
kommende Arten (eine Nucula, ein Pecten). So finden sich 
hier Bildungen mit den Mollusken des brackigen Wassers 



274 

und des Meeres dicht neben einander. Küstenbildungen mit- 
ten zwischen dem massenhaften Alpenkalkgebirge. Leider 
ist von diesen Schichten äusserst wenig entblösst; wenige 
Jahre, und sie sind wieder bis zur Unkenntlichkeit verrast 
und bedeckt. — Im weitern östlichen Verlaufe stehen diese 
dunkeln thonigen Schiefer und mit ihnen der Gyps noch 
mehrfach an, auch Crinoideenkalk, der über ihnen folgt, und 
endlich folgt bei K 1 a i s der obere weisse Kalkstein , hier 
reich an Echinodermen und Korallenresten, dem Untersberger 
Marmor ganz vergleichbar. Ammonitenkalk unter und Apty- 
chusschiefer über ihm fand ich nicht, freilich fehlte es mir 
auch an Zeit sie zu suchen. 

Das im Süden gelegene Gebirge wird durch die bis in 
ihr Innerstes eindringende Partenach aufgeschlossen. Un- 
mittelbar vor der OefTnung ihres engen Thaies liegen in den 
Wiesen zerstreut zahlreiche Blöcke eines innen grauen Cri- 
noideenkalkes von einem durch die zahlreichen späthigen 
Partieen bedingten eigenthümlich milden Ansehn auf dem 
frischen Bruche. Aus seiner weissen Verwitterungsrinde 
sahen überall kleine tonnenförmige, verkieselte Stielglieder 
hervor, welche dem Eugeniacrinites Hoferi v. M. aus dem 
weissen Jurakalk von Franken und Schwaben zunächst ver- 
wandt sind. Der betreffende Crinoidee hat eine ziemliche 
Verbreitung in dieser Gegend (Partenkirch, Eibsee, Keutle, 
Lermos) und kommt überall in Kalksteinen von demselben 
Ansehn vor. — Das an sich enge Thal schnürt sich zwei- 
mal zu engen Felsklammern zusammen ; dann gabelt es sich, 
ostwärts geht es in die Elmau, sudwestwärts ins Rheinthal. 
Schon bis hierher zeigen die Schichten bedeutende Störun- 
gen, sie bilden gleichsam grosse mächtige Wellenschläge. 
Beim Eintritt ins Thal sieht man sie auf beiden Seiten des 
Thaies südwärts einfallen, dann biegen sie sich gegen Süden 
in die Höhe und fallen nördlich , und dies wiederholt sich. 
Steigt man nun aber im Vorderrheinthal eine Stufe höher hin- 
auf, so sieht man, dem eigentlichen Hochgebirge gegenüber- 
stehend, wie dieselben Schichten sich in kühnen Wellenlinien 



275 

immer höher und höher am Gebirge hinaufziehen und sich 
zu schroffen Mauern aufthürmen, so dass hoch oben dieselben 
Schichten wiederkehren, die wir in der Tiefe sahen. Leider 
konnte ich nur eine flüchtige kurze Excursion dahin machen. 
Am Ausgange des Thaies finden sich als Tiefstes 
schwarze thonige Schiefer, denen einzelne aussen durch Ver- 
wittern gelbliche, in parallelepipedische Stücke abgesonderte, 
auf den Absonderungsflächen mit Kalkspath bedeckte Kalk- 
steine eingelagert sind, die ganz den obenerwähnten verstei- 
nerungsreichen Bänken von Partenkirch gleichen. Kalksteine 
von dem milden Ansehn der Crinoideenkalke im Innern be- 
decken sie. An der ersten nach Osten aufsteigenden Fels- 
schlucht dieselben Schichten mit nördlichem Einfallen. Dort 
führen einzelne aussen bräunliche, den thonigen Schiefern 
eingelagerte Kalksteinbänke die Terebratula ornithocephala. 
Ueber den Schiefern ruht auch hier der Crinoideenkalk, aber 
unter ihnen tritt noch ein tieferes Gestein hervor, ein grauer 
Kalkstein mit unebenen Schichtenablösungen, aus dessen 
gelblicher Oberfläche gelbliche Kalkquarze (sog. Hornstein) 
in unregelmässigen Schnüren und Knauern herauswittern; 
wahrscheinlich gleichfalls ein Glied der Gervillienbildung. — 
An der Klamm von der Vereinigung der Elmau und Parte- 
r:ach wiederholt sich dasselbe Schichtensystem. — Auf dem 
Wege zum Reinbauern liegen überall Bruchstücke eines 
eigenthümlichen graulichen, durch Verwittern braun werden- 
den Kalksandsteins voll silberglänzender Talkblättchen, ähn- 
lich dem Gestein von Ammergau, der einerseits dem Ma- 
cigno sehr gleicht, andernseits aber auch einem als Geschiebe 
im Kaltenbrunnerthal bei St. Gerold vorkommenden Gesteine 
voll Cardita cf. crenata, wie sie mit der Gervillia tortuosa 
zusammenliegt. Anstehend fand ich es nicht, wenn ich es 
gleich der Beschaffenheit der Bruchstücke nach zu urtheilen 
dort vermuthete. Dagegen sieht man auch hier wieder Fels- 
gewände aus Crinoideenkalken, über denen dann die lichte- 
ren oberen Alpenkalke und Dolomite folgen. Im Sattel zur 
Hochalp hinüber steht wieder der schwarze thonige Schie- 



276 

fer und bildet das Joch zwischen den beiden Kalkbergen, 
zwischen denen der Weg herüberführt. Ebenso besteht das 
Joch zwischen Hochalp und Hammersbacheralp aus 
ihnen. Hier führen sie Brauneisensteine und so mögen wohl 
auch die Eisensteine weiterhin an der Nordseite der Wetter- 
steinkette anstehen. Ein Block eines Gesteins voll Trümmer 
weisser Muschelschalen gleicht ganz Vorkommnissen des 
Nadernachthales und des Hirschbühls und zeugt für mittle- 
ren Jura, der von den weissen Kalksteinen und Dolomiten 
des Hochgebirgs überlagert wird. Auf dem Wege durch 
die wilde Schlucht des Höllthals hinab nach Hammersbach 
überfiel mich die Nacht. Auch den Fuss des Wachsensteins, 
an dem Hr. Salineninspector Mein hold einen grauen, ganz 
von den späthigen Schalen der Terebratula quadriplicata er- 
füllten Kalkstein auffand, konnte ich nicht mehr untersuchen. 
Dagegen hatte ich früher um den Eibsee herum zwischen 
den grossen Blöcken des obern Alpenkalkes häufige Bruch- 
stücke von grauem, aussen durch eine gelbe oder braune Ver- 
witterungsrinde überkleideten Kalkstein aufgefunden voll Ver- 
steinerungen, welche zum Theil dem braunen Jura angehören. 
Ich erwähne: Ostrea explanata Goldf. ; Avicula aequivalvi 
affinis der Gervillienschichten; Avicula cf. inaequivalvis; 
Avicula aus der Abtheilung der Gryphaeaten, der tenuistria 
und decussata ähnlich, aber wie es scheint von beiden we- 
sentlich verschieden; Lima; Trigonia? (mit 7 stielenden 
knotigen Rippen und breiten durch die scharfhaarförmigen 
Anwachsstreifen quergestreiften Zwischenräumen); Terebra- 
tula quadriplicata ] Cidaris cf. subcrenularis von St. Cassian; 
Serpula cf. gordialis. 

Fassen wir in Kürze das Ergebniss der vorstehenden 
Mittheilungen zusammen; so finden wir hier zuoberst 

1) einen lichten, oft ganz weissen Dolomit und Kalkstein, 
der Korallen führt. Tiefer dann 

2) einen crinoideenreichen Kalkstein; 

3) schwarze schiefrige Mergel, denen Kalksteine mit gel- 
ber Verwitterungsrinde eingelagert sind; 



277 

4) Gyps begleitet von Mergeln und Rauchwacke. Unter 
ihm folgt 

5) der plattenförmig brechende Kalkstein des Eckenberges 
mit seinen Stinkschiefern, welcher endlich 

6) graue und braune Dolomite und Kalke zum Liegenden hat. 
Ammonitenkalke konnte ich hier auf den wenigen Excur- 

sionen nicht auffinden. 

Jetzt gilt es noch den Gervillienschichten ihre Stellung 
nachzuweisen. Herr Meinhold hatte sie am Hirschbühl 
hinter dem hohen Geisberg aufgefunden. Der Lahnwies- 
graben führt von Fragant aus dorthin aufwärts hinter dem 
hohen Kramer hin. Die Schichten fallen südlich; im Norden 
finden sich dunkle Alpenkalke wie am Eckenberg (?), gegen- 
über im Süden die lichten oberen Kalke. Wenn gleich am 
Wege alles verwachsen oder mit Schutt bedeckt war, so 
lässt sich jedoch in den Gesteinsblöcken und Stücken, mit 
denen der Wald gleichsam übersät ist, bei Müsse gewiss eine 
reiche Ernte an Versteinerungen halten. Die Kalksteine, 
welche fast nur aus den Schalen der Gervillia tortuosa zu- 
sammengekittet scheinen, sind vor Allem häufig. Auf der 
Mitte des Weges stiess mir im Wege ein dunkelgrauer 
Kalkmergel auf, der aussen durch Verwittern graulichgelb 
wird, voll wohlerhaltener Muscheln mit perlmutterglänzenden 
Schalen. (Nucula mucronata, Venus, Turritella). Schon in- 
nerhalb der Umzäunung der höher gelegenen Alp lagen 
Blöcke mit Gervillien und zugleich voll von der Cardita cf. 
crenata (von ihr nur durch geringere Wölbung der Schale 
unterschieden). Unfern fanden sich grosse Exemplare einer 
Avicula aus der Familie der Gryphaeaten mit gegitterter 
Oberfläche nebst einem kleinen Pecten aus der Familie der 
Arcuaten und eine zw T eite Avicula, welche sich der A. Müns- 
teri Br. aus dem fränkischen Eisenoolith anschliesst. — 
Hier lagen auch schwarze Schiefer als Schrittsteine über 
eine sumpfige Stelle, auf deren Schichtenablösungen sich wie 
in den Posidonienschiefern des Lias zahlreiche bis zur Papier- 
dünne zusammengedrückte Ammoniten fanden. Eine Art 

Zeits. d. d. geol. Ges. I. 3. 1 9 



278 

wurde schon von Graf Münster als Ammonites costatus 
bestimmt, eine andere ist dem lineatus wohl identisch; ein 
drittes Bruchstück ist vom Ammonites crassus Phill. aus dem 
Lias sckwerlich zu unterscheiden. Mit dem Ammonites co- 
status lag in ähnlichen, aber grauen Schiefern eine Pholado- 
mya zusammen, welche Goldfuss nicht abbildet. Ein voll- 
ständig klar entwickeltes Profil dieser den Lias und braunen 
Jura repräsentirenden Schichten suchte ich hier vergebens ; 
dagegen fand ich am Hirschbühl selbst rothe schiefrige Kalk- 

CT CT "— ' 

steine und Mergelkalke mit Ammoniten, Nautiliten, Belem- 
niten, zu deren Herausarbeiten mir es aber an Werkzeugen 
fehlte, über den weichen schiefrigen Gesteinen. Lichte Kalke 
bilden die Höhe des Hirschbühls, von dem eine herrliche 
Aussicht auf das ganze Wettersteingebirge und gegen den 
Karwendel hin sich eröffnete. 

Dieselben versteinerungsreichen Bildungen des mittleren 
Jura, die ich hier theils anstehend, theils in Blöcken zer- 
streut fand, war ich schon so glücklich gewesen auf dem 
Wege aus dem Loisachthal nach dem Plansee hinüber anzu- 
treffen. Da wo man das Loisachthal verlässt, schon am Mit- 
terberg, traf ich wieder die mir wohlbekannten aussen gel- 
ben Kalksteine in Bruchstücken und suchte nicht vergebens 
nach Versteinerungen. Auch hier lag die Terebratula qua. 
driplicata mit einer reichfaltigeren Form, die Herr v. Buch 
mit Terebratula nuciformis Sow. verglich, und mit ihr eine 
der quadriplecta von S. Cassian sehr nahe stehende dritte 
beisammen. Dazu kam eine neue Lima fast vom Umriss 
und mit den grossen Falten der Lima proboscidea, aber mit 
höchst dünner Schale. Endlich fand sich da, wo der Nader- 
nachbach die Grenze zwischen bairischem und österreichi- 
schem Gebiet macht, hinter der bairischen Mauth Griesen 
anstehendes Gestein durch den neuen Fahrweg zum Plansee 
im Thale entblösst. 

Die südlich einfallenden Schichten bestehen vorherr- 
schend aus schwärzlichen oder dunkelgrauen, thonreichen 
Schiefern, denen nach dem Hangenden zu immer mehr vor- 



279 

herrschende Kalke und Mergelkalke eingelagert sind. Die 
oberen Kalksteine sind aussen gelblich von Farbe und sehr 
uneben, voll länglich runder Höcker und voll entsprechender 
tiefer Eindrücke , welche von der Gervillia tortuosa her- 
rühren, die hie und da schön auswittert. Auf dem Quer- 
bruch sieht man die Muscheldurchschnitte, beim Verwittern 
treten sie dann scharf über das Bindemittel hervor. Dane- 
ben kalkige Mergelschichten wie am Wege zum Hirschbühl, 
die gleichfalls aussen gelb verwittern und auf den Klüften 
von röthlich- und schwärzlichbraunen Dendriten bedeckt sind. 
Sie sind voll Zweischaler, deren weisse Schalen den voll- 
kommensten Perlmutterglanz besitzen. Sie führen Nuculen 
(cf. nuda und lineata von St. Cassian) Venus?, Cardium 
striatulum, Ganoidenschuppen , Fischzähne von der Ge- 
stalt einer etwas abgestutzten dreiseitigen Pyramide. Zwi- 
schen diesen Schichten lagen andere graue Kalksteine, wel- 
che fast ganz mit dicht zusammengehäuften, ziemlich dicken, 
späthigen , weissen Muschelschalen erfüllt sind. Nach dem 
Liegenden zu lagern dagegen graue Muschelbänke zwischen 
den schwarzgrauen Schiefern , welche ganz aus der kleinen 
Avicula (cf. aequivalvis, aber verschieden) von Kreuth beste- 
hen. Die ammonitenführenden Lagen des untern Schiefers, 
wie sie am Hirschbühl vorkommen, konnte ich nicht auffin- 
den. Schutt von grauen mit weissen Spathadern durch- 
zogenen Kalksteinen, von weissen Kalken und Dolomiten 
bedeckten dann alles Uebrige. Das war das Ergebniss einer 
flüchtigen Excursion zum Plansee. 

Auch jenseits des Plansee's bei ßeutle stehen im Thale 
wieder die schwarzen thonigen Schiefer (Schieferthone und 
dunkle Mergel) an, denen der Gyps von Breiten wang sich 
anschliesst. Ueber ihnen liegt der schon viel erwähnte Cri- 
noidenkalk mit den kleinen tonnenförmigen Eugeniacriniten- 
gliedern, auf dem unter dem Ehrenberg und ebenso jenseits 
des Lechs unfern Reutle Steinbruchsarbeiten stattfinden. 
Dem Wellenkalke ähnlicher Kalkstein ist am letzten Orte 
über ihm gelagert, dann folgt eine von Rasen bedeckte Lücke 

19* 



280 

von einigen hundert Fuss , und darauf endlich der obere 
weisse Alpenkalk , dessen nördlich einfallende Bänke sich 
steil vom Thale aus bis zum Gipfel des Metzenarsches ver- 
folgen lassen. Er umschliesst Korallenbänke; so hier; so 
am Wege von der Ehrenberger Klause nach Hinter wang, so 
am Wege zwischen Partenkirch und Mittenwald bei Klais- 
Der weisse Kalk bildet offenbar auch die im Norden gegen- 
überliegenden höchsten Höhen, den hohen Säuling u. s. w., 
ebenso die Höhen der felsigen Bergwand, die sich nach Vils 
herumzieht. Dort finden sich bei Vils am Fusse derselben 
Blöcke des rothen Ammonitenmarmors , hydraulische Mergel 
und vor Allem die grossen Blöcke weissen Terebratuliten- 
kalks, in denen eine Terebratula concinna, pala und antiplecta 
neben der andern liegt; ausser mehreren anderen minder 
häufig vorkommenden Terebratelspezies (biplicata, quadri- 
plicata, spinosa und noch zu bestimmenden Arten) fand 
ich gar nichts Anderes in dem ganz aus Terebrateln gebil- 
deten Gestein. Die Terebrateln sind, was nicht neu, Arten 
des braunen Jura. Gern hätte ich die Schlucht, vor welcher 
all dieser Reichthum auf einem kleinen Hügel aufgestapelt 
ist, besucht, allein die Nacht war hereingebrochen, ehe ich 
es mir versähe. 

Bei Reutle verliess ich Herrn v. Buch, der nach Mün- 
chen zurückging, um dann südwärts zum Congress italieni- 
scher Gelehrten nach Venedig zu ziehen, tief bedauernd, 
dass es mir nicht vergönnt war seiner freundlichen Einladung 
dahin zu folgen. ]^ ur wenige der schon vorher beschriebe- 
nen Excursionen wurden noch von Partenkirch aus gemacht ; 
dann eilte ich unaufhaltsam heimwärts. 

Das Vorhergehende enthält das Wichtigste von dem, 
was ich in einer kurzen Zeit im bairischen Kalkalpengebirge 
sähe; die Beobachtungen sind lückenhaft, was jeder, der die 
Grösse des Gebirges mit der Kürze der auf die Wanderung 
verwandten Zeit vergleicht, erklärlich finden wird; trotzdem 
führen sie schon in dieser Ausdehnung zu einigen Resulta- 
ten. Es lassen sich aus ihnen zwei Horizonte feststellen, die 



281 

nicht allein für die Sonderung der Alpenkalk b 
Glieder, sondern auch für die relative Altersbestimmung der- 
selben sichere Anhaltspunkte liefern ; ich meine 1 ) die Wetz- 
schiefer mit Aptychus und 2) die Gervillienschichten ; erstere 
entsprechen den Solenhofer Schiefern, letztere dem braunen 
Jura Schwabens und Frankens. Wie zwischen letztern der 
weisse Jurakalkstein liegt; so zwischen den erstem der obere 
Alpenkalk. Der obere rothe Ammonitenkalkstein ruht auf 
dem braunen Jura und wird von dem obern weissen, koral- 
Jenreichen Kalkstein bedeckt, wie der Oxfördthon Süd- 
deutschlands, der gleichfalls an Ammoniten so reich ist. Mit 
dem braunen Jura sind in unserm Gebiete die Schiefer des 
Lias petrographisch auf das Innigste verknüpft. In den bi- 
tuminösen Schiefern und den grauen Kalkplatten des Ecken- 
berges möchte ich die ältesten liasischen Bildungen unserer 
Gegend finden, welche dann auf dem hier äusserst mächtigen 
untern Alpenkalk, vielleicht wie der südalpine einem Aequi- 
valent des Muschelkalkes, aufruhen. Tiefere Glieder des ro- 
then Sandsteins sind hier nicht entblösst. 

Verfolgen wir diese Glieder des hiesigen Gebirges noch 
in aller Kürze nach ihrer horizontalen Verbreitung auch über 
andere Alpengebiete. 

1. Aptychus- oder Wetzschiefer. 

Dies oberste Glied des Alpenkalkes im Ammergau lässt 
sich von Unter-Ammergau aus noch 3 Stunden weit 
westwärts als zusammenhängender Zug hinter dem Trauch- 
berg hin verfolgen, wo zahlreiche Brüche in ihm eröffnet 
sind. Am Jagdsberg südlich von Büching bei Füssen 
stehen sie gleichfalls an und werden gleichfalls gewonnen; 
ebenso weiter ostwärts von Ammergau am Ausgang des 
Loisachthales bei Ohlstedt. Auf Hrn. Prof. Schafhäutl's 
Kärtchen werden diese Schiefer als zusammenhängender Zug 
bis au die Grenzen Salzburgs angegeben (Jahrb. 1836) und 
so mag es sich auch verhalten. Dort wird ihm aber überall 
der rothe Marmor als nächster Nachbar gegeben; bei Un- 



282 

ter-Ammergau ist es aber nicht so, dort liegt ein mächtiges 
Kalkgebirge trennend zwischen beiden, und so mag es auch 
anderorts, wo sie nicht durch Verwerfung in zufällige Be- 
rührung gekommen sind, der Fall sein. Dieselben Schichten 
sind es, die Lill von Lilienbach in seinem ersten Profil (Jahrb. 
1830) unter 5 und 6 als schiefrige Kalke und Mergel und 
als kalkige Schiefer zusammenstellte. Es sind die Schie- 
fer von Abtswald und Rossfeld , die er damals , wie Prof. 
Schafhäuti zwischen seinen Ammonitenkalk 4 und sein 
Thon- und Gypsgebirge No. 7 stellt. — Auf seinem zweiten 
Profil (Jahrb. 1833) dagegen giebt Lill diesen Schichten 
ihre richtige Stellung; er stellt sie als No. 10 schiefrige 
Mergel und Sandsteine über 9, den dichten weissen Kalk- 
stein des Schwammbachs und Untersbergs. Wie hier im 
Salzburgischen, nicht am Nordrande des Alpenkalkes, son- 
dern mehr gegen sein inneres Gebiet hin, treten diese Schie- 
fer auch noch nach den Aptychen (latus, imbricatus), die 
Hr. Graf Keyserlingk mitbrachte , im Gfällerthal bei Lofer 
auf. — Fndlich kennen wir sie noch am Ostende der deut- 
schen Alpen zu St. Veit unfern Wien, wo sie ausser dem 
Aptychus lamellosus nach Hrn. von Buch auch Belemnites 
clavatus und Ammonites triplicatus führen. 

Studers Untersuchungen der Westalpen der Schweiz 
lassen sie uns auch bis dahin verfolgen. Er giebt a. a. O. 
pag. 280 solche Kalkschiefer als das oberste Glied in der 
Gastlosen und Spielgärten Kette an. Rothe Kalksteinschie- 
fer bedecken den Hauptkalkstein. Versteinerungen fehlen. — 
In der Beschreibung der Stockhornkette (pag. 351) giebt er 
als 6tes Glied einen hellgrauen, schwarzgefleckten, dünnge- 
schichteten dichten Kalkstein an voll Hornsteinknauer und mit 
Ammonites Raspaillii, Belemniten und Aptychus lamellosus. 
Darüber 7. bunte, meist rothe thonige Kalkschiefer; ganz 
wie im Ammergau, wo gleichfalls die mehr rothen, thonrei- 
chern Schichten über den grauen, kalkigen, zu liegen schei- 
nen. Dort sind sie vom Portland der Pfadfluh bedeckt. 



283 

Auch im Chätelkalk finden wir die Aptychen mit dem Be- 
lemnites hastatus und Ammonites biplex. 

So lassen sich demnach die Kalkschiefer mit Aptychus 
lamellosus mit grosser Wahrscheinlichkeit als ausgezeichnetes 
Glied der Alpenkalkbildung vom Ost- bis Westende deut- 
scher Alpen verfolgen. In den Karpathen und Südalpen 
scheint die vertikale Verbreitung des Aptychus eine grössere 
zu sein. 

Die Gesteinsbeschaffenheit, die Lagerung an der Pfad- 
fluh, die Versteinerungen sprechen dafür, dass wir in ihnen 
ein Aequivalent der Solenhofer Schiefer Baierns und der 
Nussplinger Schwabens zu suchen haben; damit bestimmt 
sich das Alter des nnter ihnen liegenden Gliedes ; nämlich 

2. des lichten oberen Alpenkalkes und Dolomits 

(Korallenkalk) 

des Hochgebirgskalkes Escher von der Linth's als ein Aequi- 
valent des weissen Jurakalksteins und Dolomits der schwä- 
bischen und bairischen Alp. Dieser Kalk bildet von der 
übigessener Alp an bis zur Mädelsgabel, von der Salzach bis 
zum Lech, soweit ich das Gebirge kenne, die höchsten Ge- 
birgspartieen , verschmäht aber auch die Tiefen nicht; wie 
wir ihn oben ja im niederen Hügelland kennen gelernt ha» 
ben, welches die Isar unterhalb Mittenwald zur linken Seite 
begrenzt. Die Felsrücken im ebenen Thalboden zwischen 
Germisch und Obergrainau scheinen auch zu ihm zu gehö- 
ren. So zahlreich auch Korallenbänke in ihm sind (s. o.) 
ebenso Reste von Echinodermen, hier und daNerineen (Plas- 
sen bei Hallstadt), selbst Ammoniten (Schalberg und Dach- 
stein), so wenig sind seine Versteinerungen doch bis jetzt 
gesammelt und untersucht. 

Bei Reutle folgt darunter ein andres im bairischen Ge- 
birge ziemlich verbreitetes Glied, was freilich eher eine be- 
sondere Abtheilung des eben erwähnten obern Alpenkalkes 
bildet; es ist der vielerwähnte Crinoideenkalkstein, 
jener leicht kenntliche aussen weisse, innen graue Kalkstein 



284 

von mildem Ansehen voll Crinoidenstielglieder, unter denen 
die tonnenförmigen eines noch unbeschriebenen Eugeniacrini- 
tes am ausgezeichnetsten sind. In ganz gleichem Gestein 
fanden sich Pentacriniten des schwäbischen weissen Jura 
(P. pentagonalis). Seine Verbreitung s. o. bis Partenkirch. 

3. Der obere Ammonitenmarmor 

mag nun folgen, obgleich ich sein Lagerungsverhältniss zum 
vorigen Kalk noch nicht bestimmen konnte, da ich beide 
noch nicht an derselben Localität beisammen fand. 

Der meist dunkler oder lichter bräunlich rothe, zuwei- 
len aber auch lichtgraue, Kalkstein, der durch sein feines 
Korn, durch schöne Färbung längst die Aufmerksamkeit auf 
sich gezogen hat und weit und breit durch Südbaiern und 
Salzburg als Schmuck der Kirchen und Gebäude verarbeitet 
wird, ist durch Hrn. Prof. Schafhäutl's Untersuchungen 
als ein im bairischen Gebirge weit verbreitetes Glied des 
Alpenkalkes und als identisch mit den Ammonitenkalken 
der Hallstätter und Ausseer Salzwerke nachgewiesen worden. 

Ausser den bei Schafhäutl schon angeführten Vorkomm- 
nissen an der rothen Wand bei Füssen, längs der Nordseite 
des Graswangthaies am Fusse des Sonnenbergs, bei Ettal 
am Fusse des Laberberges, am Rötheistein vor dem Hain- 
garten, an der Wagscheid bei Langgries, an der Königsalm 
hinter dem Tegernsee, (an der rothen Wand im Landgr. 
Aibling, Flurl, denn wo rothe Wand in Gebirge kann man 
auf ihn rechnen), bei Marquartstein ; am Haselberg hinter 
Traunstein führt ihn schon Lill von Lilienbach in zahlreichen 
Schluchten an, welche in das Berchtesgadner Becken von 
den höhern Kalkbergen seiner Umgebung herabführen, so in 
den Weissbach-, Rothmanns- und Hammerstielgraben gegen 
den Untersberg hinauf, im Wimbach zwischen Watzmann 
und Götschen; am Faselsberg ; im Krautkrüser und Scharitz- 
kehlgraben am hohen Göhl. Auch das von Schafhäutl 
angeführte Vorkommen an der Kammerkehrplatte zwischen 
Königssee und Traungebirge und unter der Loferalp gehört 



285 

hierher. In den Zwischenraum zwischen Untersberg und 
hohen Göhl fällt das Vorkommen bei Schellenberg, am Baum- 
stein über Hallein und am Dürrenberg. Ueberall tritt er 
hier als die Unterlage des obern lichten, korallenreichen 
Kalksteins des Untersbergs, hohen Göhls etc. hervor, aufs 
mannigfaltigste in der Lagerung gestört , verbogen , verwor- 
fen. Auch bei Hallstadt hat er den weissen Kalkstein des 
Plassen mit seinen Nerineen über sich; ebenso bei Aussee. 
Von weiteren Fundorten füge ich noch bei: den Fuss des 
Bärenkogels im Oberwissbachthal, den linken Thalrand des 
Frohenwiesthales und das Gfällerthal bei Unken ; Vorkomm- 
nisse welche durch Graf K eys erlin gk entdeckt wurden. 
Ferner sieht man zu St. Johann und Weidering Tischplat- 
ten aus demselben Marmor, welche nach Unger von den 
Platten bei Waidering stammen mögen. Ausser dem Vor- 
kommen, was ich am Hirschbühl auffand, giebt Hr. Es eher 
ihn auch noch weiter östlich unfern des Oberjochs hinter 
Hindelang an. Im Vorarlbergischen und weiter westwärts 
scheint dieses ausgezeichnete Gebilde ganz zu fehlen, wäh- 
rend es sich ostwärts bis über die Alpen hinaus, in die Kar- 
pathen verfolgen lässt. — Herr von Hauer hat den Reich- 
thum dieser Bildung an Cephalopoden zu heben begonnen, 
ohne ihn jedoch schon erschöpft zu haben. — Andere rothe 
Ammonitenkalke, wie die vom Kochelsee und Adneth ge- 
hören ihren Ammoniten nach nicht hierher, sondern zeisren 
sich vielmehr als liasische Bildungen. 

Unter jenem oberen Ammonitenkalkstein folgt nun ein 
zweiter durch seine Versteinerungen bestimmbarer Horizont; 
es ist ein System leicht zerstörbarer Schichten mit festeren, 
eingelagerten Kalksteinbänken, unter denen die mit der Ger- 
villia tortuosa erfüllten vor allen anderen ausgezeichnet und 
leicht erkennbar sind. Nach diesem Fossil möchte ich das 
ganze System einstweilen 

4. die Gervillienschichten 
nennen. Es sind innen graue, durch Verwitterung bräunlich 
gelb werdende Kalke und Mergelkalke, welche schwarzen 



286 

und grauen schiefrigen Mergelschichten eingelagert sind. 
Nach abwärts werden die thonioreren Schiefer vorherrschend 
und scheinen so ohne allen sichtbaren Abschnitt in die, von 
Hrn. Prof. Schafhäutl sogenannten 

5. Amaltheenmergel 

überzugehen. Das Alter beider Bildungen ist durch Ver- 
steinerungen mit genügender Sicherheit bestimmt. In den 
ersteren finden sieh an Leitmuscheln: Ostrea explanata, 
Gervillia tortuosa, Nucula mucronata, Cardium cf. stria- 
tulum, Terebratula ornithocephala, pala, quadriplicata, concinna. 
Für diese Bildungen selbst sind die beiden kurz characteri- 
sirten Aviculen und Carditen in den Alpen leitend. In den 
Amaltheenmergeln finden sich Ammonites costatus, linea- 
tus?, crassus Phill. und mit ihnen nach Schafhäutl noch A. 
Amaltheus. Durch diese Petrefäkten charakterisiren sich 
beide Bildungen genügend; erstere als brauner Jura, letztere 
als Liasschiefer. 

Beide Bildungen sind weit und breit in den Alpen 
nordwärts und ostwärts vom Inn verbreitet. Ausser den 
oben angeführten Lokalitäten (Kessel von Reutle; Nadernach- 
thal; Fuss des Waxenstein ; Joche zwischen Hammerbach, 
Hoch- und Ochsenalm; Gegend von Partenkirch; Lahnwies- 
graben und Hirschbühl; Graswangthal; Jachenau; Kreuth; 
Kössen ; unfern davon bei Reit im Winkel ein grauer Kalk- 
stein voll Terebrateln, Terebr. ornithocephala mit zwei neuen, 
welche mit tumida und Wilsoni verwechselt wurden, aber 
von beiden wesentlich verschieden sind ; Bergen (von wo Hr. 
v. Buch längst Liaspetrefakten, Ammoniten und Belemniten 
anführt s. a. a. O.; Ruhpolding (von dort stammt eine aus- 
gezeichnete gefaltete Delthyris des Lias, welche Hr. Mein- 
hold entdeckte); im Berchtesgadener Becken finden sich un- 
ter dem Ammonitenkalke ähnliche Schiefer, doch Versteine- 
rungen daraus sind noch unbekannt. Dieselben Bildungen 
sind es offenbar, welche Lill als dunkle Mergelkalke und 
Schiefer in seinem zweiten Profil am Fusse des Schmidten- 



287 

stein, am Mertelbach und weiter im Wiesthal aufführt, und 
unter 7 zusammenfasse Auch dort bituminöse schwarze 
Schiefer mit eingelagerten kalkigen Nieren und Bänken, auch 
da die weichen thonigen Sphärosiderite wie in dem Parte- 
nachgebiet. Auch die Gervillienschichten beschreibt Lill aus 
dem Wiesthal in einer Weise, dass sich die Identität mit 
den Schichten des Nadernachthales, des Hirschbühls, des 
Weitendes der Jachenau, der Gegend von Kreuth und Küs- 
sen nicht verkennen lässt. Weiter östlich ist dann nun der 
Lias, aber in ausgezeichneter Weise entwickelt, bekannt ge- 
worden. Die Verbreitung des Eisenooliths in der Schweiz 
ist bekannt genug ; vielleicht lassen sich in den Mnschelkalk- 
steinen am Glärnisch und Tödi auch noch die Gervillien- 
bänke entdecken. 

Unter dem braunen Jura mit den liasischen Schiefern 
verknüpft, ihnen theil weise untergeordnet, dürften nun die 
wichtigen Anhydrit-, Gyps- und Steinsalzstöcke der Alpen 
gelagert sein; ich sage dürften, weil bis jetzt wohl der obere 
Ammonitenkalk über dem Steinsalz von Aussee, Hallstatt 
und Berchtesgaden , der Muschelmarmor von Lavatsch über 
dem von Hall, aber noch keine Gervillia tortuosa aufgefunden 
wurde. 

Unter dem Gyps von Partenkirch folgen endlich 

6. der dunkelgraue Kalkstein und die bituminö- 
sen Schiefer des Eckenberge s. 

Versteinerungen konnte ich nicht in ihnen finden ; ihre 
Lagerungsverhältnisse und Gestein sbeschaffenheit erinnern 
aber ganz an die Schiefer von Seefeld, und diese sind evi- 
denter Lias. Herr E scher von der Linth vergleicht sie 
mit dem Kalkstein von Triphon; mir erschienen sie ganz 
gleich geartet dem Kalkstein des Pötschen , über welchem 
dort graue und dunkle Mergelschiefer (Liasschiefer) folgen. 

Endlich folgt in der Partenkircher Gegend und längs 
des Oberinnthals von Seefeld aufwärts unter vorigen Ge- 
steinen 



288 

7. der untere Alpenkalk, 

graue Dolomite und braune Kalksteine, in denen Versteine- 
rungen bis dato nicht aufgefunden worden sind. Auch das 
Liegende dieser Bildungen ist hier nicht aufgeschlossen; doch 
dürfte es ohne Zweifel der rothe Sandstein sein , der auch 
unfern auf Tyroler Boden im Innthale ansteht. Dieser un- 
tere Alpenkalk würde sich dann als zwischen dem rothen 
Sandstein und dem evidenten Lias zwischengelagert als Mu- 
schelkalk ansehen lassen; denn wenn er gleich hier im Nor- 
den aller Versuche spottet sein relatives Alter zu bestimmen; 
so ist am Südabhang der Alpen dagegen in gleicher Lage- 
rung über einem ganz gleichartigen Sandstein der Muschel- 
kalk mit Evidenz nachgewiesen. Die weitere Vergleichung 
der beschriebenen Glieder des südbaierischen Alpenkalkes 
mit den Bildungen am Südabhang der Alpen und mit denen 
des im Norden gegenüberliegenden schwäbischen und bairi- 
schen Iura unterlasse ich für jetzt. 



Ueber die Zusammensetzung und Lagerung der Kreide- 
te) nnation in der Gegend zwischen Halberstadt, 
Blankenburg and Quedlinburg. 
Von Herrn Beyrich in Berlin. 

(Hierzu die geognostische Karte Taf. IV.) 

Durch das Studium der Kreideformation an der Nord- 
seite des Riesengebirges wurde zuerst der Wunsch in mir 
angeregt, die dort als wesentlich getrennt erkannten und auf 
der geologischen Karte von Nieder- Schlesien gesonderten Glie- 
der der Formation in einer anderen Gegend wiederzufinden, 
um das allgemeiner Giltige von dem, was nur lokale Bedeu- 
tung hat, unterscheiden zu lernen und Aufklärung zu erhal- 
ten über einzelne mir noch zweifelhaft gebliebene Punkte. 
Sowohl ältere in unserer Literatur schon niedergelegte An- 
gaben, als eigene Anschauungen aus früherer Zeit Hessen 



289 

mich erwarten, in der Gegend von Quedlinburg eher, als 
anderwärts das Gesuchte zu finden. Auf eine an den Herrn 
General v. Key her dahin gerichtete Bitte wurden mir mit 
der bereitwilligsten Güte die noch einer Revision zu unter- 
werfenden und deshalb noch nicht veröffentlichten, die zu be- 
reisende Gegend umfassenden Sektionen der topographischen 
Karte des Generalstabes im Maassstabe von 1 : 100,000 mit- 
getheilt; ihnen ist für die diesem Aufsatze beigegebene geo- 
gnostische Karte die Situation entnommen. Herr Giebel, 
welchen ich von meiner Absicht die Gegend von Quedlin- 
burg zu besuchen, benachrichtigte, hatte die Freundschaft für 
mich, mir in der so genau von ihm gekannten Gegend einige 
Ta^e hindurch Führer zu sein; seiner Freundschaft habe 
ich es zu verdanken, wenn es mir gelang, in einer verhält- 
nissmässig kurzen Zeit das so mannigfaltige Detail der bei 
dem ersten Blick so verworrenen Gegend, deren Umriss die 
Karte darstellt, vollständig kennen zu lernen und ein in 
seinen Hauptzügen wenigstens gewiss nicht falsches Bild der- 
selben zu entwerfen. Leider war es mir nicht vergönnt, 
bei meiner Arbeit die während eines längeren Aufenthaltes 
in Quedlinburg früher von Hrn. Frapolli angestellten Beob- 
achtungen zu benutzen; es ist mir unbekannt, in wie weit 
das von ihm entworfene Bild der geognostischen Struktur 
der Gegend von Quedlinburg mit dem hier gegebenen über- 
einstimmt oder von ihm abweicht. Zu erwähnen habe ich, 
dass Herrn Geini t z ' s Besuch der Gegend von Quedlinburg, 
welcher die Bekanntmachung der Notiz „über oberen Qua- 
der" in Leonhard und Bronn 's Neuem Jahrbuch vom 
Jahre 1848 S. 778 fgg. zur Folge hatte, in einer etwas spä- 
teren Zeit desselben Jahres stattfand, in welchem ich die 
hier veröffentlichte Karte ausgearbeitet hatte; das Hrn. Gei- 
nitz von Giebel mitgetheilte Profil (1. c. Taf. X. Fig. 4, 5.) 
auf meiner frühern Reise entworfen, würde ungefähr dem 
Profil meiner Karte in der Linie DC correspondiren. Bei 
einem erneuerten Besuche der Gegend zwischen Halberstadt 
und Blankenburg im Frühjahre des laufenden Jahres in 



290 

Herrn v. Strombeck's Gesellschaft hatte ich Gelegenheit, 
die im Jahre vorher angefertigte Karte noch in einigen we- 
sentlichen Punkten zu ergänzen und zu erweitern; es war 
mir erfreulich , die Arbeit noch vor ihrer Veröffentlichung 
dem JJrtheile eines Mannes unterwerfen zu können, der mit 
dem Bau des Braunschweiger Landes inniger vertraut ist, 
als irgend ein anderer Geognost in Deutschland. 

Die hier zu betrachtenden der Kreideformation ange- 
hörenden Ablagerungen am Nordrande des Harzes, in dem 
Landstriche zwischen Halberstadt, Derenburg, Quedlinburg 
und Ballenstedt, unterscheiden sich sehr, sowohl in ihrer 
äusseren Erscheinung wie in der Reihenfolge und Entwick- 
lung der sie zusammensetzenden Schichten von allen übrigen 
Kreidebildungen im nordwestlichen Deutschland, deren äusser- 
stes östliches Ende sie auf unseren Karten zu bilden schei- 
nen. Alle Höhen, welche Glieder der Kreidefbrmation ein- 
nehmen, werden von Sandsteinen gebildet, welche in ihrem 
petrographischen Ansehn eben so wie in ihren äusseren For- 
men so sehr dem Quadersandstein in Sachsen, im nördlichen 
Böhmen und im schlesischen Gebirge gleichen, dass man 
auch äusserlich schon für die Gegend von Blankenburg und 
Quedlinburg wohl Vergleichungspunkte in diesen nordost- 
deutschen Gebirgen findet, aber nicht in den Kreide-Gegen- 
den von Hannover oder in Westphalen. Schon in den in 
nordwestlicher Richtung nächst anstossenden Gegenden an 
der Nordseite des Harzes, in der Richtung über Ilsenburg 
und Goslar hinaus, hört der Quadersandstein auf, das be- 
zeichnende Glied der Kreideformation zu sein und allein im 
Teutoburger Walde tritt er vielleicht noch einmal auf, um 
sich von da gegen Westen nirgend weiter zu zeigen. Der 
Quadersandstein ist eine der Kreideformation des nordöstli- 
chen Deutschlands eigenthümliche Erscheinung; er ist schon 
im Oderthal verschwunden, und wie viel auch noch Sand- 
steine und Sand in Kreidegebirgen auftreten mögen, so sucht 
man doch den nordostdeutschen Quadersandstein vergebens in 
den Karpathen, wie in den Alpen, durch ganz Frankreich, wie 



291 

in England , in Schweden , wie in Polen und im südlichen 
Russland. Schon Friedrich Hoffmann, welcher für die 
geologische Kenntnis des nordwestlichen Deutschlands so 
Grosses leistete, zeichnete unsere Gegend von allen übrigen 
aus Ablagerungen der Kreideformation zusammengesetzten 
Gebirgsgegenden im nordwestlichen Deutschland aus und be- 
schrieb sie gesondert als ein eigenthümliches Quadersand- 
steingebirge; wir können seine Benennung beibehalten und 
dasselbe zur Unterscheidung von anderen deutschen Qua- 
dersandsteingebirgen das subhereynische nennen. 

Wie überall, wo der Quadersandstein in seiner charak- 
teristischen Entwicklung auftritt, so repräsentirt er auch in 
dem subhereynischen Quadersandsteingebirge nicht für sich 
allein die ganze Kreideformation, sondern zeigt sich verbun- 
den mit kalkigen , mergeligen und thonigen Ablagerungen, 
deren Beziehungen zum Quadersandstein von jeher in sehr 
verschiedener Weise beurtheilt wurden. Friedrich Hoff- 
mann hatte sehr richtig die allgemeinsten Strukturverhält- 
nisse des subhereynischen Quadersandsteingebirges aufgefasst ; 
er zog hier zuerst mit sichrer Hand und ohne Irrthum die 
Grenzen für das überhaupt der Kreideformation Zuzurech- 
nende; er widerlegte zugleich, überall im Recht, die falschen 
Vorstellungen, welche gleichzeitig mit ihm Keferstein, 
zwar fleissig beobachtend, aber ohne Verständniss des inneren 
Zusammenhanges und des Lagerungsgesetzes, über die Kreide- 
formation dieser Gegend entwickelte. Hoff mann wusste 
sehr wohl, dass der Quadersandstein zwischen Halberstadt 
und Blankenburg nicht die Unterlage der mit ihm verbunde- 
nen Kalksteine und Mergel der Kreideformation bildet, son- 
dern diese letzteren einschliesst ; er sagt wörtlich , dass man 
in dieser Gegend nur ein Zwischenlager von Kreidekalkstein 
innerhalb des in eine obere und untere Abtheilung getheilten 
Quadersandsteins vor sich habe.*) Auffallend genug und 



*) Vergleiche S. 459 und S. 473 der Uebersicht der orographischen 
und geognostischen Verhältnisse vom nordwestlichen Deutschland , des- 
gleichen den betreffenden Theil des Profils durch den Thüringer Wald 



292 

gewiss nur, weil er den Quadersandstein in seiner grösseren 
östlichen Verbreitung in Sachsen, Böhmen und Schlesien 
nicht genauer kennen gelernt hatte, vergass er selbst später 
seine eigenen Beobachtungen oder betrachtete das Gesehene 
nur als eine lokale Ausnahme, indem er die lange nachher 
noch von allen Geognosten Deutschlands als allgemein giltig 
angenommene Regel aufstellte, dass im Allgemeinen alle san- 
digen Ablagerungen der Kreidefbrmation in Deutschland den 
unteren sandigen Gliedern der Kreideformation in England, 
bis zum oberen Grünsand aufwärts, die kalkigen und mergligen 
Ablagerungen den oberen kalkigen Gliedern der englischen 
Kreideformation entsprächen. Obgleich wohl kein Geognost 
in Deutschland noch in Zweifel darüber ist, wie wenig eine 
solche Vorstellung auf die deutschen Verhältnisse passt, so 
unterscheiden doch in diesem Augenblicke noch alle unsere 
geognostische Karten von Norddeutschland nicht anders, wie 
Hoffmann, nur Kreide-Sandsteine und Kreide-Kalksteine, 
und sie geben ein eben so rohes und falsches Bild von der 
Natur unseres Kreidegebirges, wie das von Hoffmann ent- 
worfene und noch jetzt nicht verbesserte Bild des norddeut- 
schen Jura , in welchem ohne Beachtung des Niveau's nur 
petrographisch Jura-Kalksteine, Jura-Sandsteine und Jura- 
Thone mit verschiedenen Farben getrennt wurden. 

Lange schon vor Hoffmann's Beobachtungen über die 
Zusammensetzung des Quadersandsteingebirges am Harzrande 
war im schlesischen Gebirge Carl v. Raum er**) zu der 
Einsicht gelangt, dass der Pläner, die mächtigste mit dem 
Quadersandstein verbundene Kalksteinbildung, keinesweges 
in bestimmter Lagerung dem Quadersandstein entweder 
überall aufliege oder von ihm bedeckt werde; er unterschied 
schon als Zwischengestein zwischen Planer und Quadersand- 
stein Pläner-Sandsteine und Pläner-Mergel und glaubte alle 



und den Harz bis in die Magdeburger Ebene im Geognostischen Atlas 
vom nordwestlichen Deutschland. 

**) Vergleiche insbesondere: das Gebirge Nieder -Schlesiens, der 
Grafschaft Glatz u. s. w. 1818 S. 125. 



293 

diese Gesteine zu einem und demselben Formations-Ganzen 
verbinden zu müssen , welchem er den Namen Pläner- und 
Quadersandstein- Gebilde gab. Auf Carl v. Raum er 's 
Karten waren deshalb Pläner und Quadersandstein nicht ge- 
trennt, eben so wenig auf den Karten derselben Gegend, 
welche später verbessert die Herren Zobel und v. Carnall 
ausarbeiteten. Wenn dennoch auf anderen Karten in dersel- 
ben Gegend später nach kaum zu errathenden Principien 
Grenzlinien gezogen wurden zwischen Quadersandstein und 
Planer, so wurde dadurch das geologische Bild des Gebirges 
weder verbessert uoch berichtigt. 

Nach Ho ff mann wurden zuerst durch Adolph Roe- 
mer's wichtige und einflussreiche Arbeiten die in neuester 
Zeit so umfangreich gewordenen Untersuchungen über die 
paläontologische Gliederung der Kreideformation in Nord- 
Deutschland angeregt. Mit bewundernswerthem Takt lehrte 
Eoemer zuerst, nur in Einzelnem noch irrend, das wesent- 
lich Geschiedene von dem Unwesentlichen trennen; er zu- 
erst lehrte den norddeutschen Hils, eine früher ganz un- 
bekannt gebliebene oder ganz verkannt gewesene Bildung, 
als ein dem Neocom entsprechendes unteres Glied der Krei- 
deformation kennen , er deutete zuerst die verkiesten Petre- 
fakten Helgolands, er gab zuerst dem Pläner seine richtige 
Stellung und verwarf die schon von Ho ff mann (Nordw. 
Deutschi. S. 4SI) gefasste irrige Meinung, dass der Planer 
dem englischen Gault, der ihn bedeckende obere Quadersand- 
stein dem oberen Greensand, der unterliegende dem unteren 
Greensand correspondire, er sprach es zuerst aus, dass viele 
in Deutschland schlechtweg Grünsandstein genannte Sand- 
steinbildungen der Kreideformation schon ihrer organischen 
Einschlüsse w r egen eine viel höhere Stellung, irn Niveau der 
weissen Kreide, einnehmen müssen. Auch in der Gegend von 
Halberstadt und Quedlinburg wies Roemer den wichtigsten 
versteinerungsführenden Gesteinen die ihnen zukommende 
Stellung an ; er beobachtete sehr genau , dass der Quader- 
sandstein der Spiegelsberge und der Clus bei Halberstadt, 

Zeits. d. d. geol. Ges. I 3 20 



294 

wie es Hoff mann ja auch schon längst gesehen hatte, dem 
Pläner aufliegt nnd von ihm noch getrennt ist durch eine 
mächtige Ablagerung von Mergeln, welche er untere Kreide- 
mergel nannte , während er auf die Erscheinung des oberen 
Sandsteins sehr wenig Werth legte, weil er arm ist an 
organischen Einschlüssen. Alle diese so richtig aufgefassten 
Thatsachen würden ohne Zweifel viel schneller noch zu einer 
allgemeineren Anerkennung gelangt sein, wenn ßo einer 
sich bemüht hätte, das Unterschiedene durch zusammen- 
hängende Beobachtung auch auf geognostischen Karten der 
Erscheinung in der Natur entsprechend wiederzugeben, wenn 
die paläontologische Betrachtung nicht zu sehr die geogno- 
stische Beobachtung in den Hintergrund gedrängt hätte. 

Nachdem Hoff mann 's, Kauiner's und ßoemer's 
Arbeiten schon so wichtige Daten für die Beurtheilung der 
Beziehungen des Pläners zum Quadersandstein geliefert hat- 
ten, erstaunte man auffallend genug noch in Sachsen, als 
Naumann auch dort den Pläner als eine Einlagerung im 
Quadersandstein erkannte. Während Eoemer schon so be- 
stimmt nachgewiesen hatte, dass der Pläner das Aequivalent 
des unteren Theiles der englischen Kreide ist, wollte man in 
ihm noch lange in Sachsen und Böhmen, das auf die deut- 
schen Verhältnisse gar nicht passende englische Schema zum 
Grunde legend, den Gault wiedererkennen, und als Gei- 
nitz zuletzt als Endresultat seiner Untersuchungen erklärte, 
dass alle Petrefakten, welche dem unteren Sandstein mit Exo- 
oyra Columba unterhalb des Pläners angehören, auch in dem, 
was man nun in Sachsen oberen Quadersandstein nannte, 
wiederkehren, da konnte es nicht anders sein, als dass überall 
an der naturgetreuen Auffassung der Verhältnisse in Sach- 
sen und Böhmen gezweifelt wurde und dass man mit Vor- 
sicht und Misstrauen, oder als Unterscheidungen von nur sehr 
untergeordneter Bedeutung alle die neuen Namen für früher 
nicht gekannte Glieder der Kreideformation, wie sie uns 
hingestellt wurden, aufnahm. Vielleicht liegt der Grund, 
dass hier auch jetzt noch manches unklar und unsicher ge- 



295 

blieben ist , allein darin , dass auch hier die geognostische 
Beobachtung nicht hinreichend Hand in Hand ging mit der 
paläontologischen und gewis3 war es ein Fehler der sächsi- 
schen Geologen, welche auf ihre neuen Unterscheidungen 
einen so grossen Werth legten, dass sie die angenommenen 
Abtheilungen nicht auch auf ihren Karten wiedergaben. Erst 
in der allerletzten Zeit hat man endlich in Sachsen die alten 
Irrthümer fahren lassen und erst das letzte Schema, welches 
Geinitz für die Zusammensetzung des Quadersandstein- 
gebirges in Deutschland entwarf, hat im Wesentlichen den 
Standpunkt erreicht, welchen Adolph Roemer von An- 
fang an einnahm. 

Bei Betrachtung irgend einer der Gebirgsgegenden 
Deutschlands, in welchen der Quadersandstein das hervortre- 
tende die ganze Entwicklung der Formation bezeichnende 
Gestein ist, das unterste zugleich wie das oberste, erscheint 
es natürlich, wenn man, von ihm ausgehend, das Ganze un- 
ter der Benennung eines Quader sandsteingebirges 
oder besser noch Quadergebirges zusammenfässt. Man 
kann bei dem Worte Quader, ohne Zusatz, den Begriff des 
Gesteins vergessen und wird sich weniger sträuben, Mergel 
und Kalksteine als Glieder eines Quadergebirges, wie als 
Glieder eines Quadersandsteingebirges zu unterscheiden. Da 
die untersten Quadersandsteine Deutschlands das Niveau der 
Exogyra Columba einnehmen und mit diesem Niveau nach 
der jetzt in Frankreich eingeführten zweckmässigen Einthei- 
lung des gesammten Kreidegebirges in drei Hauptabtheilungen 
die oberste Abtheilung beginnt, so ist klar, dass man das Wort 
Quadergebirge, wenn man sich desselben bei uns bedienen 
will, auch nur als synonym mit oberem Kreidegebirge ge- 
brauchen darf. Für die untere und die mittlere Abtheilung 
des gesammten Kreidegebirges hat man zwei treffliche Na- 
men , w T elche allgemeiuen Eingang fänden , weil sie kein be- 
stimmtes Gestein anzeigen, die Namen Neocom undGault; 
für die obere Abtheilung fehlt noch ein solcher Name, und 
wie man ihn auch wählen mag, nur für ihn wird das Qua- 

20* 



296 

dergebirge im nordöstlichen Deutschland gleichbedeutend wer- 
den. Wenn demnach das Quadergebirge nur einen bestimm- 
ten Theil des Kreidegebirges in Deutschland repräsentirt und 
überdies in seiner ganzen eigenthümlichen Erscheinung nur 
auf einen bestimmten Theil von Deutschland, das nordöst- 
liche Deutschland, beschränkt ist, so kann man auch dem in 
seiner neuesten Schrift von Geinitz gemachten Vorsehlag, 
das gesammte ,, Kreidegebirge" in Deutschland „Quader- 
sandsteingebirge" zu nennen, nicht beistimmen ; eine solche 
Neuerung würde nur zu neuen Unklarheiten und Verwirrun- 
gen führen. Der Geognost in Hannover, in einer Gegend, 
wo es keinen Quadersandstein mehr giebt, wird nie einsehen, 
dass es zweckmässiger sei , sein Neocom , die Hilsbildungen 
Roemer's, ein unteres Glied des Quadersandsteingebirges 
statt des Kreidegebirges zu nennen ; der Geognost in West- 
phalen und bei Aachen wird nie sein oberes Kreidegebirge 
ein Quadersandsteingebirge nennen, und weder in den Kar- 
pathen noch in den Alpen, noch bei Regensburg, noch in 
Schweden wird man jemals von Quadersandstein reden. 

Nachdem ich das subhereynische Quadergebirge kennen 
gelernt und in allem Detail das Quadergebirge an der Nord- 
seite des Riesengebirges und im Innern des schlesischen und 
böhmischen Gebirges das bei Grüssau beginnende bis gegen 
Reinerz und Glatz hin untersucht habe, glaube ich 4 auch 
paläontologisch begrenzte Abtheilungen unterscheiden zu müs- 
sen, in welche sich alle verschiedenen im deutschen Quader- 
gebirge auftretenden Schichten vertheilen lassen ; ich werde 
diese 4 Abtheilungen mit den Benennungen „Unterer 
Quader", „Z wischen-Quader", „Oberer Quader" 
und „Ueb er- Quader" belegen. Eine allgemeinere Ver- 
gleichung der Entwicklung dieser 4 Abtheilungen im Qua- 
dersandsteingebirge des Harzrandes mit derjenigen im schle- 
sischen Gebirge möge der Auseinandersetzung ihrer Lage- 
rung und Verbreitung in der hier zunächst dargestellten 
Gegend vorangehen. 

Der untere Quader besteht aus einem am Harz wie 



297 

in Schlesien ungegliederten Quadersandstein, in welchem, wo 
er organische Einschlüsse enthält, Exogyra Columba zuerst 
als die Horizont bildende Leitmuschel auftritt. Da es in 
Deutschland keinen älteren Quadersandstein giebt, so kann man 
auch ohne Bedenken diesem Quadersandstein den Namen „un- 
terer Quader Sandstein" beilegen, wenn man mit dieser 
Benennung zugleich den Begriff des Niveau' s der Exogyra 
Columba verbindet. Die Exogyra Columba wird in Sachsen 
und Böhmen von einer sehr bestimmten Conchylien - Fauna 
begleitet, in welcher von Cephalopoden, wie auch Ewald 
annimmt, Ammonites Bhotomagensis allein als verbreitetere 
Art hervortritt. Wo man Sandsteine mit dieser Conchylien- 
Fauhä oberen Quadersandstein genannt hat, konnte nur eine 
falsche Deutung des Beobachteten der Grund sein. Am 
Harzrande ist der untere Quadersandstein fast ganz verstei- 
nerungsleer, aber die Lagerung bestimmt ihn. Dem unteren 
Quadersandstein Sachsens ganz eigenthümlich ist die Einla- 
gerung der pflanzenreichen Schichten von Nieder-Schöna, in 
welchen man wunderlich genug eine Zeit lang ein Aequivalent 
des Wälderthongebirges zu sehen glaubte. Der Flora von 
Nieder-Schöna sind die in Schlesien und Böhmen gefundenen 
Dammarites- Zapfen als eigenthümliche derselben Zeit ange- 
hörende Pflanzenreste zuzurechnen. Der untere Quader- 
sandstein entspricht dem oberen Grünsand Englands; für ihn 
sind die Aequivalente im südlichen Frankreich, bei Nizza, in 
den Karpathen und in der Krimm gekannt. 

Der Plan er, das verbreitetste kalkige Glied des Qua- 
der-Gebirges, dessen Zwischenlagerung zwischen Quader- 
sandsteinen am Harz so handgreiflich zu Tage liegt, mag; 
den Ausgangspunkt für die zweite Abtheilung bilden, welche 
ich Zwischen- Quader nenne. Der Pläner, wie er in 
typischer Entwicklung bei Quedlinburg, zu Weinböhla, zu 
Hundorf innerhalb des Quader- Gebirges gekannt ist, hat 
eine sehr bestimmte, in merkwürdiger Uebereinstimmuns: 
überall, wo er deutlich ausgebildet ist, wiederkehrende 
Fauna, welche, so nahe sie auch derjenigen der weissen 



298 

schreibenden Kreide steht, doch in den sie eigentümlich un- 
terscheidenden Zügen von Roemer sehr gut erfasst wurde. 
Die Eigentümlichkeit seiner Fauna macht es, dass man den 
Pläner auch über die Grenzen des deutschen Quadersand- 
stein-Gebirges hinaus noch wiedererkennt, bei Paderborn, bei 
Rheine, wie an der Oder bei Oppeln. Wo in der englischen 
Schichtenfolge das Aequivalent des Planers zu suchen ist, 
hat Roemer gelehrt. In Frankreich scheidet er sich weni- 
ger; ihm entspricht dort der obere Theil dessen, was d'Or- 
bigny unter der gemeinsamen Benennung des Terrain tu- 
ronien zusammenfisst. In Polen, in Galizien kennt man kei- 
nen Planer mehr. In Sachsen und Böhmen hatte man den 
sehr bestimmten Begriff, welcher mit dem Namen Pläner zu 
verbinden ist, dadurch verwischt, dass man mit glücklicher- 
weise anderwärts nicht weiter angewendeten Benennungen 
als unterer, mittlerer und oberer Pläner, als Pläner-Mergel, 
Pläner-Sandstein und Planer- Conglom erat, Ablagerungen un- 
terschied, welche zum Theil nichts weiter sind als eben der 
Pläner, zum Theil eich nur lokal sondernde und dem Pläner 
als integrirende Theile noch angehörende Bildungen, zum 
Theil aber solche, welche mit dem Pläner und Zwischen- 
Quader überhaupt gar nichts mehr zu thun haben und klei- 
nentbeils nur Ablagerungen, welche durch eine wirklich eigen- 
tümliche und jetzt in weiterer Verbreitung in bestimm- 
tem Niveau durchgehend wiedererkannte Fauna ein wirklich 
wichtiges und festzuhaltendes Glied des oberen Kreidegirges 
geworden sind und zwar zwischen dem Pläner und dem 
unteren Quadersandstein. Die Fauna der die Spalten des 
Syenits im Plauenschen Grunde ausfüllenden Massen und 
wie Ewald zuerst auseinandersetzte, die Hippuriten- Ge- 
steine in Böhmen gehören hierher und correspondiren dem 
von Roemer irrig dem Hils-Conglomerat zugerechnet ge- 
wesenen Grünsand von Frohnhausen bei Essen und der 
Tourtia in Belgien. Wo sich innerhalb des deutschen Qua- 
der-Gebirges, durch die Lagerung bestimmt, zwischen dem 
unteren Quadersandstein und dem Planer besondere Abla- 



299 

gerungen, welches ihr Gestein auch sein mag, entwickeln, 
muss man sie auf Karten diesem Gliede des oberen Kreide- 
Gebirges zurechnen , auch wenn die bezeichnenden Verstei- 
nerungen nicht zu sehen sind ; ich werde solche Ablagerun- 
gen allgemein als unteren Zwischen -Quader von 
dem Pläner als oberen Zwischen-Quader unterschei- 
den. Der Zwischen-Quader umfasst hiernach in seiner pa- 
läontologischen Begrenzung 2 Faunen, die der Tourtia als 
die äitere und die des Pläners als die jüngere; verbunden 
mit dem unteren Quader correspondirt er dem Terrain turo- 
nien d'Orbigny's. In dem Schema von Geinitz in der 
Schrift: ,, Das Quadersandstein-Gebirge oder Kreide-Gebirge 
in Deutschland" entsprechen im Wesentlichen die Abthei- 
lungen des sogenannten unteren und mittleren Quadermer- 
gels dem unteren und oberen Zwischen-Quader. Nicht leicht 
wohl hätten unglücklichere Benennungen aufgefunden werden 
können , als diese jetzt neu gewählten auf eine bestimmte 
Gesteinsbeschaffenheit hinweisenden und doch wieder nur für 
ein bestimmtes Niveau in Vorschlag gebrachten Namen; wer 
wird denn Ablagerungen, die», wie die des unteren Zwischen- 
Quaders, in den meisten Fällen nichts weniger als Mergel 
sind , gern Quadermergel nennen ? oder den Pläner einen 
Mergel, der in seiner typischen Entwicklung von den be- 
nachbarten Gesteinen gerade dadurch sich unterscheidet, dass 
er kein Mergel , sondern ein Kalkstein ist? Aber auch die 
ganze Hauptabtheilung des Quadermergels in Geinitz's 
Schema ist kein natürlich und zweckmässig begrenzter Ab 
schnitt, wenn man bei der Betrachtung des deutschen Qua- 
dergebirges zugleich die Entwicklung des oberen Kreide- 
gebirges anderer Länder im Auge hat. Geinitz's oberen 
Quadermergel halte ich für nöthig mit dem oberen Quader- 
sandstein als Theil derselben Hauptabtheilung zu verbinden und 
ich würde deshalb, auch abgesehen von der Abneigung gegen 
die Namen, die von Geinitz vorgeschlagenen Benennungen 
von unterem und mittlerem Quadermergel nicht auf die beiden 
Theile meines Zwischen-Quaders haben übertragen können. 



300 

In dem subhercynischen Quadersandsteingebirge spielt 
der untere Zwischen-Quader eine sehr untergeordnete Rolle ; 
nur an ein paar Punkten zeigen sich zwischen dem unteren 
Quadersandstein und dem Planer dahin zu rechnende Schich- 
ten, so gering in ihrer Mächtigkeit, so unbedeutend in ihrer 
horizontalen Erstreckung und so ohne allen Einfluss auf die 
Zusammensetzung und die Formen des Gebirges im Grossen, 
dass ich es nicht für thunlich hielt, ihr Auftreten auf der Karte 
und in den Profilen besonders hervorzuheben. In dem Quader- 
sandsteingebirge von Reinerz und Glatz bis gegen Grüssau 
hin folgt dagegen dem unteren Quadersandstein eine sehr 
mächtig werdende und einen grossen Fläehenraum des Gebir- 
ges einnehmende Ablagerung eines thonig-kieseligen Gesteins, 
welches vorzugsweise von Raumer und später von Zobel 
und v. Carnall Pläner-Sandstein genannt wurde. Diesem 
unteren Zwischen-Quader folgt der Pläner, welcher vom obe- 
ren Quadersandstein bedeckt wird. An der Nordseite des 
Riesengebirges lässt sich der untere Zwischen-Quader nicht 
mit Bestimmtheit nachweisen, weil der Pläner nur sehr un- 
tergeordnet und in geringer Erstreckung auftritt; ich glaube, 
dass hier, wo der Pläner fehlt, auch der untere Zwischen- 
Quader nicht entwickelt ist und dass die dem unteren Theil 
des oberen Quaders zuzurechnenden Alagerungen unmittel- 
bar den unteren Quader-Sandstein bedecken. 

Die beiden oberen Abtheilungen des Quadergebirges, 
der obere Quader und der Ueber-Quader, werden 
von denjenigen Ablagerungen gebildet, welche theils nach 
ihrer Lagerung, theils nach ihren organischen Einschlüssen 
für Aequivalente der weissen schreibenden Kreide mit Be- 
lemnites mucronatus zu halten sind. Adolph Roemer 
glaubte innerhalb des hierdurch bezeichneten Niveau's von 
paläontologischem Standpunkte aus durch ganz Norddeutsch- 
land noch zwei Stufen unterscheiden zu können, welche er 
untere und obere Kreide nannte. Es scheinen jedoch die 
verschiedenen von ihm theils der einen, theils der andern 
Stufe zugerechneten Ablagerungen mit ihren Faunen so sehr 



301 

ineinander zu verlaufen, dass hier kein allgemeineres paläon- 
tolo°;isches Gesetz mehr festzuhalten und dem, wenn auch 
beim ersten Blick oft sehr Verschiedenen in seiner Sonderung 
doch nur eine lokale Bedeutung zuzuschreiben ist. Indem 
ich es somit für noth wendig halte, Roemer's Unterschei- 
dungen von unterer und oberer Kreide in Norddeutschland 
ganz fallen zu lassen, bin ich auch weit davon entfernt, den 
oberen und den Uebcr- Quader etwa für zwei der unteren 
und oberen Kreide in Roemer's Sinn entsprechende Ab- 
theilungen zu erklären ; ich betrachte sie vielmehr als zwei in 
ihrer eigenthümlichen Scheidung auf die Erstreckung des 
Quadergebirges im nordöstlichen Deutschland beschränkte 
Stufen, als dem Quadergebirge eigenthümliche Glieder, mit 
welchen ebensowenig die verschiedenen das Aequivalent der 
weissen schreibenden Kreide in Westphalen, bei Aachen und 
in Belgien bildenden Ablagerungen, als die in Frankreich oder 
gar in alpinen Gebirgen in Parallele gebracht werden dürfen. 
Auf geologischen Special -Karten wird man solche Glieder 
unterscheiden können, man wird sogar bei Betrachtung ein- 
zelner Gegenden noch weitere auf noch engere Grenzen be- 
schränkte Unterabtheilungen angeben ; aber auf Uebersichts- 
karten wird man sie verbinden und bei ihrer Darstellung die 
allgemeinere paläontologische Basis zum Grunde legen. 

Das Auftreten eines Sandsteines, welcher in seiner gan- 
zen äusseren Erscheinung dem unteren Quadersandstein voll- 
kommen gleicht, der obere Quader Sandstein, zeichnet 
zunächst die Abtheilung des oberen Quaders am Harz, wie 
in Sachsen, in Schlesien und Böhmen aus. So wichtig die- 
ser Sandstein durch seine Mächtigkeit und Verbreitung für 
die Zusammensetzung des Quadergebirges in Deutschland 
auch wird, so wenig erhält er doch durch die in ihm vor- 
kommenden organischen Reste eine paläontologische Selbst- 
ständigkeit als eigenthümliches Glied des oberen Kreide- 
gebirges, welches man für weitere Parallelen zum Ausgangs- 
punkt wählen könnte. Läge dieser Sandstein im Quaderge- 
birge für sich allein über dem Planer, so wäre es nichts als 



302 

die Lagerung, was ihn als ein Aequivalent der weissen Kreide 
bestimmte; denn die wenigen Formen, welche in ihm vor- 
kommen, liefern keinen positiven Beweis für eine solche Deu- 
tung, sie sprechen nur nicht dagegen und unterstützen nur 
negativ die ausgesprochene Ansicht. Bei einem solchen Ver- 
halten ist es ganz unthunlich, in der Weise, wie Geinitz 
vorschlägt, den oberen Quadersandstein für sich allein nicht 
blos als ein Hauptglied des Quadergebirges, sondern gar, 
wie Geinitz will, des ganzen Kreidegebirges, gleich werthig 
dem Neocom und dem Gault hinzustellen, als eine Haupt- 
abtheilung des ganzen Kreidegebirges , welche erst über 
der weissen schreibenden Kreide ihre Stelle einnehmen soll. 
Diese Vorstellung schwebt ohne allen Halt so ganz in der 
Luft, dass sie nur neue Verwirrungen in die Betrachtung 
des Quadersandsteins in Deutschland zu bringen geeignet 
wäre; der verdienstliche Bearbeiter der sächsischen Kreide- 
versteinerungen würde sie nie gefasst haben, wenn er mit 
der Struktur des Kreidegebirges anderer Gegenden durch 
eigene Anschauung in gleichem Grade genau vertraut wäre, 
wie mit der des Kreidegebirges in seinem Vaterlande. 

Am Harz ist der obere Quadersandstein von dem Plä- 
ner noch durch theils lockere, theils feste, im Allgemeinen 
merglige Ablagerungen, Sandmergel und Mergelsandsteine, 
getrennt, welche mit dem oberen Quadersandstein am natür- 
lichsten als ein unterer Theil des oberen Quaders zu einer 
Hauptstufe des Quadergebirges verbunden werden. Zu die- 
sen Ablagerungen gehört der versteinerungsreiche Salzberg 
bei Quedlinburg, dessen Fauna Eoemer schon für so jung 
und so wesentlich von der des Pläners verschieden erkannte, 
dass er dieselbe in seine obere Kreide versetzte. In glei- 
cher Weise, wie es hier geschieht, vereinigte auch er bei 
Halberstadt und Quedlinburg den oberen Quadersandstein 
mit seiner Unterlage als innig zusammengehörende Bildun- 
gen; er ging von dem versteinerungsreichen Gestein aus 
und ordnete ihm das aufliegende versteineruno-sleere Gestein 
unter. Für den ausschliesslich paläontologischen Standpunkt, 



303 

welchen Eoemer einnahm, war eine solche Betrachtung viel- 
leicht genügend: eine geognostische Darstellung des Kreide- 
gebirges am Harzrande kann aber nicht den Quadersandstein 
der Spiegelsberge und des Regensteins als Kreidemergel auf- 
führen. Wie am Harz in der Stufe des oberen Quaders als 
Unterlage des oberen Quadersandsteins, also als ein unterer 
Theil des oberen Quaders, ein besonderes Glied zu unter- 
scheiden ist, so zeichnet sich auch als Decke des oberen 
Quadersandsteins eine Ablagerung lockerer sandiger Massen 
aus, welche aber frei ist von allen organischen Einschlüssen 
und daher nur eine ganz lokale Bedeutung erhält. Die Glie- 
derung des oberen Quaders, wie sie die beigegebene Karte 
der Gegend von Quedlinburg angiebt, betrachte ich daher 
nur als eine dem subhercynischen Quadergebirge eigenthüm- 
liche Erscheinung ; man wird sie in gleicher Weise mit glei- 
chen Gesteinen sich, entwickelnd vielleicht in keiner Gegend 
des deutschen Quadergebirges wiederfinden und man könnte 
sehr wohl anderwärts Ablagerungen wie die des Salzberges 
zwischen oder über Sandsteinen antreffen, welche man nach 
ihrer Lagerung über dem Planer oberen Quadersandstein 
nennen müsste. 

In dem Quadergebirge von Grüssau bis Reinerz bildet 
der obere Quadersandstein eine Reihe von insularen Massen, 
welche rings von dem unterliegenden Pläner umgeben , die- 
sem unmittelbar aufliegen, ohne von Gesteinen abweichender 
Beschaffenheit begleitet zu sein. Die nördlichste dieser Inseln 
von oberem Quadersandstein bilden die zunächst um Gür- 
telsdorf und Neuen liegenden Sandsteine, weiter südlich fol- 
gen die Sandsteinfelsen von Adersbach und Weckelsdorf, dann 
eine ähnliche Felsenmasse zwischen Lechau und Wostacz, 
eine kleinere von Politz gegen Gross -Labney hin und zu- 
letzt als kleinste aber ansgezeichnetste Insel der Fels der 
grossen und kleinen Heuscheuer. Ganz anders sind die Ver- 
hältnisse an der Nordseite des Riesengebirges. Hier lagert 
zwischen dem oberen und unteren Quadersandstein eine be- 
trächtliche Masse von Thonmergeln und Thonsandsteinen 



304 

welche in ähnlicher Weise, wie am Harz die Mergel des 
Salzberges, als unterer Ober- Quader mit dem oberen Qua- 
dersandstein zu verbinden sind; sie entsprechen weder im 
Gestein noch in ihren Versteinerungen den von Grüssau bis 
Reinerz so ausgebreiten Zwischen-Quaderbildungen, für wel- 
che man sie sonst vielleicht halten könnte , da der Planer 
nicht neben ihnen in regelmässiger Lagerung entwickelt ist. 
Der Ueber-Quader ist eine mir bis jetzt nur in auffal- 
lender Ueberein Stimmung bei Quedlinburg und an der Nord- 
seite des Riesengebirges bekannt gewordene Bildung; sie fehlt 
ganz dem Kreide- oder Quadergebirge von Grüssau gegen 
Reinerz hin und ist auch nicht im oberen Neisse - Thal ge- 
kannt; vielleicht dürfte aber ein Theil des sogenannten un- 
teren Braunkohlensandsteins im nördlichen Böhmen ihr ange- 
hören. Im Allgemeinen besteht der Ueber-Quader, gleich 
dem unteren und oberen Quader aus sandigen Ablagerungen, 
zwischen welchen Sandsteine vom Charakter des Quader- 
sandsteins nicht ausgeschlossen sind. Ueberwiegend aber 
und bezeichnend sind lockere Anhäufungen von Sand und 
Quarzkieseln , in welchen als festere Zusammenziehungen in 
Form von losen Blöcken der verschiedensten Grösse, seltener 
als regelmässig aushaltende Lager, Massen von sehr festen 
Kieselsandsteinen und Kieselconglomeraten inne liegen. Sind 
diese Massen ringsum freie Blöcke, so zeigen sie in der 
Regel bei möglichst unregelmässig gestalteten äusseren For- 
men eine wie polirt glänzende allen Unebenheiten der Form 
folgende Aussenfläclie und gleichen alsdann sehr ähnlichen 
tertiären im Braunkohlensande gebildeten Blöcken ; Herr 
v. Dechen nannte sie glasirte Blöcke. Weiter sind 
für den Ueber-Quader bezeichnend Einlagerungen von far- 
bigen Thonen und von Kohle. Bei Quedlinburg aber so 
wie am Queiss und am Bober sind die in Nähe der Koh- 
lenflötze liegenden Muscheln entschieden marin und eben so 
wenig bei dieser Kohlenbildung wie bei der des unteren 
Quaders bei Freiberg hat man Grund, wie Geinitz meint, 
an lokale Süsswasserbildungen zu denken. Eine genauere 



305 

Betrachtung der dem Ueber- Quader angehörenden organi- 
schen Reste wird, glaube ich, die Unterscheidung dieser 
Bildung als ein eigentümliches Formationsglied des Kreide- 
gebirges im nordöstlichen Deutschland rechtfertigen. Die 
speziellere Zusammensetzung des Ueber-Quaders aus einem 
unteren und oberen Theil am Harzrande betrachte ich in 
gleicher Weise wie früher die des oberen Quaders nur als 
eine lokale Gliederung; sie ist bedingt dadurch, dass dem 
unteren Theil hier ausschliesslich die Einlagerungen von Kie- 
selsaudsteinen angehören, während an der Nordseite des Rie- 
sengebirges die entsprechenden Gesteine gerade umgekehrt 
sich mehr in dem oberen Theil der Bildung zeigen. 

Nachdem im Vorhergehenden die allgemeineren Princi- 
pien festgestellt wurden, welche bei Unterscheidung der ver- 
schiedenen Schichten der Kreideformation im subhercynischen 
Quadersandsteingebirge leitend waren, lasse ich zur Erläute- 
rung der Karte die spezielleren Angaben über Lagerung und 
Verbreitung der einzelnen Glieder folgen. 

Das subhercynische Quadersandsteingebirge verdankt 
seine gegenwärtigen Formen und seinen inneren Bau densel- 
ben Kräften, durch welche erst nach Ablagerung der Kreide- 
formation von den äussersten Ausläufern des Teutoburo-er 
Waldes bis zum Harz und zur Elbe hin die zahlreichen im 
Grossen einer und derselben Richtung folgenden , einander 
parallelen Bergketten entstanden. In keinem anderen Theile 
Deutschlands ist eine ähnliche Gebirgsbildung wiederzufin- 
den ; ja es scheint, dass von allen Gebirgsländern des euro- 
päischen Festlandes allein der schweizer Jura einen ähnli- 
chen Bau besitzt. Wie in dem schweizer Jura sehen wir 
in Mittel - Norddeutschland über bestimmten Axen oder Er- 
hebungslinien die geschichteten Massen bald zu langgezoge- 
nen Gewölben erhoben, von deren Dach sich die Schichten 
nach beiden Seiten regelmässig abwärts senken, bald zu 
langgezogenen Rücken mit einseitigem Schichtenabfall, bald 
sehen wir sie, wo festere mit lockeren, sandige oder kalkige 
mit thonigen Bildungen wechselnd aufgebrochen wurden, 



306 

complicirtere Ketten-Systeme bilden mit allen den charakte- 
ristischen Erscheinungen, welche T hur man zuerst in den 
Juraketten bei Pruntrut nach bestimmten Gesetzen ord- 
nete. Die Kettenbildung des nördlichen Deutschland ist noch 
mannigfaltiger als die des schweizer Jura , weil eine noch 
grössere Zahl von Formationen und Formationsgliedern an 
der Zusammensetzung der Ketten Theil nimmt; sie ist aber 
auch zugleich in einzelnen Theilen weniger regelmässig, weil 
schon vor der erfolgten Ruuzelung der Erdrinde, deren Pro- 
dukt die Kettenbildung war, die aufgeworfenen Formationen 
nicht wie Schalen innerhalb des ganzen der Runzelung un- 
terworfenen Distriktes einander regelmässig überlagerten, 
vielmehr durch früher vorhandene Niveauverhältnisse bedingt 
bei ihrer Ablagerung schon in anderen Richtungen sich ge- 
geneinander begrenzten , und weil früher schon als Festland 
hervorgehobene Erdtheile, der Runzelung selbst nicht mehr 
folgend, doch einen nothwendigen Einäuss ausüben mussten 
auf die Richtung sowohl wie die Erstreckung der ihrem Be- 
reich sich nähernden Runzeln. 

Die Masse des Harzes war eine solche schon lange 
Zeiten hindurch vor Entstehung der Gebirgsketten des nörd- 
lichen Deutschland als Festland aus den umgebenden Mee- 
ren hervorragende Gebirgsinsel; seine Ränder bedingten 
schon die Ablagerungsgrenzen für die Formationen des Roth- 
lieo-enden und des Zechsteins und seine innere Struktur hat 
nichts zu thun mit der Kettenbildung, welche nur die Rän- 
der des Harzes berühren, aber keinen Einfluss mehr auf sei- 
nen innern Bau ausüben konnte. Bedingt durch die schon 
vorhanden gewesenen Ränder des Harzes sieht man die sei- 
nem Nordrande nächstliegenden Bergketten, in ihrer Richtung 
etwas abweichend von der normalen Richtung der norddeut- 
schen Kettensysteme, in entschiedenem Parallelismus dem 
Harzrande folgen und nach der entgegengesetzten Richtung 
hin sieht man diejenigen Bergketten aus der normalen Rich- 
tung sich entfernen, welche sich dem Westrande des Harzes 
nähern. Aber der Harz, wenn sich auch die ihn zusammen- 



307 

setzenden lange vorher schon in anderer Weise aufgerichte- 
ten älteren Gebirgsmassen nicht mehr zu Kettensystemcn 
runzeln konnten, blieb doch nicht unbetroffen von den he- 
benden Kräften , seine ganze Masse wurde als ein festes in 
sich nicht mehr bewegliches aber wohl noch gegen seine Um- 
gebung verschiebbares Erdstück, aufwärts gestossen und es 
entstand in seinem Umkreis eine besondere Zone von Auf- 
richtungen, welche nicht von linearen Ketten -Axen, son- 
dern von den Rändern des emporgeschobenen Gebirgsstockes 
ihren Ausgang nehmen. Mit besonderer Heftigkeit scheint 
die Aufstossung des Harzes in seinem nördlichen Theile vor 
sich gegangen zu sein ; denn wir sehen längs der ganzen 
Nordgrenze von Langeisheim nordwestlich Goslar bis über 
Ballenstedt hinaus alle Formationen vom Rothliegenden auf- 
wärts bis zu den obersten Schichten der Kreideformation, 
so weit sie innerhalb des Bereiches der Aufrichtungen des 
Harzrandes liegen, in steiler, vertikaler oder selbst weit- 
hin übergestürzter Schichtenstellung. Auf eine so grosse 
Erstreckung hin sind hier ganze Reihen von Gebirgsfor- 
mationen in den regelmässigsten Profilen durch dieselbe Ur- 
sache, die abgeschlossene Bewegung eines festen Erdstückes 
emporgeschoben, durch welche in Folge einer Bewegung der 
alten Urgebirge des Lausitzer Gebirges kleine Stücke ju- 
rassischer Bildungen unter den bedeckenden Kreideschichten 
hervor aus der Tiefe an die Tagesoberfläche gezogen wur- 
den. Die Breite der Aufrichtungszone des nördlichen Harz- 
randes dürfte an keiner Stelle über \ Meile hinausgehen; 
ihre nördliche Grenze ist für den auf der Karte dargestell- 
ten Theil derselben angezeigt. Der Regenstein, der Heidel- 
berg, die Teufelsmauer zwischen Weddersieben und Thale 
und der Rücken der Gegensteine bei Ballenstedt sind die 
bedeutenderen Erhebungen des subhercynischen Quader- 
sandsteingebirges, welche dieser Zone angehören. 

Der bei weitem grösste und wichtigste Theil des sub- 
hercynischen Quadersandsteingebirges bildet ein besonderes 
kleines Kettensystem, welches das Quedlinburger Kettensy- 



308 

stem genannt werden kann, da seine Central- Axe die Stadt 
Quedlinburg durchschneidet. Durch die Erhebung dieser 
Kette wurde nicht nur die ganze Kreideformation aufgebro- 
chen und bis zu ihren tiefsten Schichten blosgelegt, sondern 
Lias , Keuper und Muschelkalk wurden noch als Unterlage 
derselben im Centrum der Kette aufgedeckt. Lias und Keu- 
per. als überwiegend thonige und lettige Massen, bilden von 
Börnecke bis Quedlinburg ein ausgezeichnetes Central-Thal, 
an dessen Rändern die aufgebrochenen Wände der tiefsten 
Schichten des Kreidegebirges, des unteren Quadersandsteins, 
als zwei schöne Parallel-Rücken sich hinziehen. Die beiden 
Parallel-Rücken verbinden sich im Hoppelberg, der als Cen- 
tral-Rücken über der Axe emporsteigt, wo bei Börnecke das 
aus Lias und Keuper gebildete Central-Thal sich schliesst. 
Auf der rechten Thalseite der Bode erhebt sich auf der 
Ketten-Axe nnter dem Keuper hervor noch der Muschelkalk 
und bildet den Central-Rücken der Seweckenberge. 

Ein kleiner Theil des Quadersandsteingebirges, von der 
nördlichen Grenze der Quedlinburger Kette gegen Halber- 
stadt und Ditfurth hin sich ausbreitend, gehört seiner Schich- 
tenstellung nach einem anderen Kettensysteme an, dessen 
Axe nicht mehr in den Bereich der Karte fällt. Die Er- 
hebungen der Rücken des grossen Fallstein, des Huy und 
des Hackel sind die Centraltheile eines grösseren Ketten Sy- 
stems, welchem noch die Quadersandsteinberge der Spiegels- 
berge, der Clus und des Heideberges angehören. — Die 
Profile der Karte nach den Linien BA und DC, auf wel- 
chen die Axe und die Grenzen der Quedlinburger Kette an- 
gedeutet sind, werden die gegebene Eintheilung des subher- 
cynischen Quadersandsteingebirges erläutern. 

Von den Formationen, welche die Unterlage der Kreide- 
formation bilden, treten, so weit die Karte reicht, nur Lias 
und Keuper in Berührung mit verschiedenen Gliedern des 
Quadergebirges. Der Lias bildet die Unterlage des Pläners 
von Halberstadt über Harsleben hinaus, wahrscheinlich bis 
Ditfurth hin; man kann nicht zweifeln, dass er weiter nörd- 



309 

lieh überall durch Keuper vom Muschelkalk des Huy und 
desHackel getrennt wird. Keuper und Lias bilden die Un- 
terlage des unteren Quadersandsteins in dem Central -Thal 
der Quedlinburger Kette vom Hoppelberg bis nach Quedlin- 
burg hin, der Keuper allein am südlichen Rande der Se- 
weckenberge. Längs des Harzrandes kömmt von Heimburg 
bis Ballenstedt kein Lias zu Tage, sondern von Blankenburg 
hin bis über Ballenstedt hinaus trägt allein der Keuper, und 
von Heimburg gegen Blankenburg auch noch der Muschel- 
kalk und der bunte Sandstein die verschiedensten Glieder 
des Quadergebirges. Hiernach findet eine doppelte Unregel- 
mässigkeit statt in den Beziehungen der unterliegenden For- 
mationen zur Kreideformation, indem weder die unterliegen- 
den Formationen überall in regelmässiger Folge als Basis 
der Kreideformation hervorgehoben wurden, noch die verschie- 
denen Glieder der letzteren in regelmässiger Folge von den 
untersten beginnend über ihrer Unterlage sich erheben. Sol- 
che Unregelmässigkeiten können nur die Folge davon sein, 
dass hier die ursprünglichen Ablagerungsgrenzen der einzel- 
nen Formationen und Formationsglieder nicht einander con- 
form verliefen. Es kann z. B. der Lias, welcher bei Goslar 
auch in den Profilen des Harzrandes auftritt, von Blanken- 
burg nach Ballenstedt hin schon ursprünglich nicht bis zum 
Fuss des Harzes heran, wie Keuper und Muschelkalk und 
was unter diesen noch zu Tage kömmt, abgesetzt sein; und 
der untere Quadersandstein , welcher von Halberstadt gegen 
Ditfurth über dem Lias nicht sichtbar ist und auch nur am 
Harzrande in kurzen Erstreckungen sich zeigt , muss ur- 
sprünglich schon mehr nur den mittleren Raum der vom sub- 
hereynischen Quadergebirge ausgefüllten Meeresbucht einge- 
nommen haben. 

Die Zechstein formation, welche in ununterbroche- 
nem Zusammenhange mit ihrer ausgedehnteren Verbreitung 
an der Ost- und Südseite des Harzes nur bis Opperode bei 
Ballenstedt sich erstreckt, wird von Gernrode bis Stecklen- 
burg hin durch ein paar von Dolomit begleitete Gypsmas- 

Zehs. d. d. geol. Ges. I. 3. 21 



310 

sen vertreten, von welchen die zwischen Gernrode und Sude- 
rode auf der Karte noch angezeigt ist. Ein schmaler Strei- 
fen von Rothliegendem scheidet diesen Gyps noch vom 
nahe dahinter aufsteigenden Grauwackengebirge des Har- 
zes. Da nach Hoffmann (Beiträge etc. 1822 S. 34 und 
78) auch am Stubenberge bei Gernrode das Rothliegendc 
sowohl wie der Kupferschiefer gekannt ist, und nach von 
Strom beck's Beobachtungen auch bei Blankenburg ein 
Stück Kupferschiefer auftritt, so ist der Zechsteingyps bei 
Gernrode weder eine sehr auffallende noch eine isolirt daste- 
hende Erscheinung. Wie Frapolli darauf kam, gerade 
diesen Gyps für einen umgewandelten Kreidekalkstein zu 
halten, wird jedem ein Räthsel bleiben, der die grosse Regel 
in den Profilen des nördlichen flarzrandes erkannt hat. Wie 
könnte hier ein Stück Kreidegebirge eingeklemmt sein zwi- 
schen der Uebergangsformation und dem bunten Sandstein? 
Schon Giebel bezweifelte hier die Richtigkeit der Fra- 
polli 'sehen Beobachtungen, bei welchen dieselbe lebhafte 
Phantasie muss im Spiele gewesen sein, welche die von 
Bischof so scharf gegeisselten Theorieen entwickelte. Einen 
Kreide-Gyps giebt es am Harz nicht. 

Der bunte Sandstein zieht von Heimburg gegen 
Ballenstedt am Harzrande hin als ein Band von sehr unglei- 
cher Breite; er bildet die Unterlage theils des Muschelkal- 
kes und Keupers, theils bei Blankenburg schon von Glie- 
dern der Kreideformation. Bei Suderode längs der von der 
Neuen Schenke herabkommenden Chaussee sieht man ihn in 
seiner ganzen Breite überoestürzt und unter Winkeln von 70 
bis 80° gegen den Harz hin einfallen. An dieser Umstür- 
zung nehmen auch noch die Schichten des nördlich vorliegen- 
den Muschelkalkrückens TheiL 

Dem obersten Theil des bunten Sandsteins, als unmit- 
telbare Unterlage des Muschelkalkes, bin ich geneigt noch 
den oftbeschriebenen Gyps der Seweckenberge zwischen 
Quedlinburg und Badeborn zuzurechnen. Weit davon ent- 
fernt, der Ansicht Hoffmann 's zu folgen, welcher durch 



311 

das häufige Erscheinen von Gyps -Stöcken in den Centren 
der verschiedenen Kettensysteme nördlich des Harzes ver- 
leitet wurde, einen ursächlichen Zusammenhang anzunehmen 
zwischen der Erscheinung des Gypses und der Entstehung 
der Ketten, glaube ich vielmehr, dass den in der Natur ge- 
gebenen Verhältnissen hier allein die Auffassung der älteren 
deutschen Geognosten entspricht, welche den Gyps in seiner 
Entstehungszeit als gebunden ansahen an die Formationen, 
von welchen er eingeschlossen ist, daher den Gyps der Zech- 
steinformation als älteren Flötzgyps unterschieden von den 
jüngeren dem bunten Sandstein, Muschelkalk und Keuper 
angehörenden Gypsmassen. 

Die in den Centren von Kettensystemen liegenden Gyps- 
massen , wie im Huy, Elm, der Asse und so auch in den 
Seweckenbergen, zeigen sich in den Centren, weil gerade hier 
nur bei Erhebung der Ketten in Folge des Aufbrechens der 
jüngeren Formationen die älteren den Gyps einschliessenden 
Formationen blossgelegt wurden. Die Entstehung des Gyp- 
ses steht daher in keinem Zusammenhang mit der in eine 
viel spätere Zeit fallenden Erhebung der Ketten ; er fehlt 
in den jüngeren Formationen, wo nur diese erhoben wurden 
und ist in der hier betrachteten Gegend weder ein plutoni- 
sches noch ein Um wandlungs -Produkt. Wie leicht es ist, 
im Gebiete der Geognosie einzelne Erscheinungen aus ihrem 
Zusammenhange herauszugreifen, um damit falsche Theorieen 
zu stützen, zeigt eine Beschreibung, welche vor Kurzem erst 
von dem Gypse in den Seweckenbergen gegeben wurde. 

Der aus Muschelkalk bestehende Rücken dieser Ber^e 

o 

hat seine Längsaxe genau in der Richtung der Centralaxe 
des Quedlinburger Kettensystems. Gerade auf der Höhe 
des Muschelkalkrückens in der Rückenlinie und also auch 
in der Längsrichtung der Kettenaxe zieht sich der in sei- 
ner ganzen Länge von ziemlich gleicher Breite bleibende 
Gypsstock hin. Die zu beiden Seiten den Gyps einschlies- 
senden Muschelkalkschichten stehen vertikal und auch der 
südwärts folgende Keuper zeigt oberhalb der Schäferei bei 

21* 



312 

der Gersdorfschen Burg noch eine vertikale und selbst etwas 
übergestürzte Schichtenstelhmg. An einer Stelle gegen das 
Nordwestende des Gypses sind in Berührung mit demselben 
intensiv rothe Letten mit eingeschlossenen Gypslagen sicht- 
bar, während er in dem grössten Theil seiner Erstreckung 
nur mit Muschelkalk in Berührung steht. Die ganze Masse 
des Gypses sondert sich nach seiner Längsrichtung in zwei 
nebeneinander herlaufende Hälften; in der nördlichen ist der 
Gyps im Allgemeinen körnig, ohne Fasergyps zu enthalten, 
in der südlichen zeigt er eine Menge von wellenförmigen 
Biegungen und Quetschungen in Verbindung mit Einschlüs- 
sen von Fasergyps. Aehnliche Windungen und Quetschun- 
gen zeigen die Schichten des Muschelkalkes an einigen 
Stellen, wo sie den Gyps unmittelbar berühren. Gerade auf 
der Grenze beider Hälften des Gypsstockes zieht sich eine 
unregelmässige Spalte oder Längshöhlung hin, welche mit 
dem Knochen führenden, durch Giebel's Ausgrabungen so 
bekannt gewordenen Diluvial - Lehm ausgefüllt ist. In letz- 
terem liegen grosse Klumpen eines beim ersten Blick dem 
Zellendolomit des Zechsteins ähnelnden und früher auch da- 
für gehaltenen Gesteins, welches nach Giebel hier nirgend 
ansteht und nur durch Cementirung von Gyps- und Kalk- 
stein-Trümmern und spätere theilweise Auswaschung der 
letzteren als eine ganz neue Breccie gebildet sein kann. 
Keine der aufgeführten Thatsachen ist unverträglich mit der 
Annahme, dass der Gyps der Seweckenberge ursprünglich 
die Unterlage des Muschelkalkes bildete und nur in Folge 
der Erhebung des Centralrückens in der Mitte des über der 
Axe aufgebrochenen Muschelkalkes sichtbar wurde (S. Profil 
der Karte in der Linie FE.). Die Verbindung der rothen 
Letten mit dem Gyps bestimmt mich, ihn nicht als dem un- 
teren Muschelkalk eingelagert, sondern noch als dem oberen 
bunten Sandstein angehörend zu betrachten. 

Der Muschelkalk ist auf der Karte östlich der Se- 
weckenberge noch am Kuhmberge in O. von Badeborn an- 
gegeben. Dieser Berg bildet nicht eine Fortsetzung der 



313 

Seweckenberge ; er liegt weder in der verlängerten Richtung 
der letzteren noch hat er ihre Struktur. Dem Ruhmberge 
fehlt ganz die Rückenform, welcher die Seweckenberge als 
den Ccntralrücken eines Kettensystems auszeichnet; er ist 
eine flach gerundete Höhe mit sanft abfallenden Gehängen, 
welchen die ruhige Lage der Schichten entspricht. Der 
Ruhmbero; verdankt daher seine Entstehung nicht mehr de r 
Aufrichtung des Quedlinburger Kettensystems, dessen Um- 
fang nach Osten hin nicht über Badeborn herausreicht. 

In der Zone der Aufrichtungen des Harzrandes erscheint 
der Muschelkalk als die vornehmlich rückenbildende For- 
mation. Er bildet den in der Richtung von O. gegen W. nörd- 
lich von Ballenstedt vorbeiziehenden Rücken der Steinberge, 
erhebt sieh dann nördlich von Gernrode zu dem höheren 
Rücken des Bückeberges und weiter gegen N.W. gegen 
Thale hin zu dem Rücken des Ruhmberges. Bei Thale bil- 
det die breite Ebene des Bode-Thales eine kurze Unterbre- 
chung in dem Zusammenhang des Muschelkalkes, der sich 
aber bald jenseits Thale in seiner charakteristischen Rücken- 
fbrm wieder erhebt und ohne Unterbrechung bis Cattenstedt 
hinzieht. Hier verschwindet derselbe am Harzrande, um 
erst jenseits Michaelstein gegen Heimburg hin wieder her- 
vorzutreten. In dem Rücken der Steinberge sieht man 
an der Strasse von Ballenstedt nach Quedlinburg die Schich- 
ten des Muschelkalks vertikal und zum Theil noch etwas 
übergestürzt; eben so sind sie steil aufgestürzt am Gehänge 
des Bückeberges an dem von Gernrode zur Bücke -Mühle 
hinführenden Wege. Minder geneigt, unter Winkeln von 
40 — 50° gegen N. fallend, sind die Schichten am Kahleberg 
nordwestlich von Thale entblösst. 

Der Keuper, in dem Umfang der Karte nur zusam- 
mengesetzt aus bunten Letten mit dünnen Lagen von Dolo- 
mit und Fasergyps, muss der Natur seines Gesteins nach 
im Gegensatz gegen den Muschelkalk in den Kettenaufrich- 
tungen eine vorzugsweise thalbildende Formation werden. 
In dem Central -Thal der Quedlinburger Kette, vom östli- 



314 

chen Fuss des Hoppelberges gegen Quedlinburg hin, ver- 
richtet er diese Funktion gemeinschaftlich mit dem aufliegen- 
den Lias ; er nimmt den oberen Theil des Thaies ein nörd- 
lich von Börnecke und Westerhausen. Besonders schön ist 
hier die Zusammensetzung und Lagerung des Keupers in dem 
obersten Ende des Thaies bei Börnecke zu beobachten, wo 
sich das Thal im Halbcircus von den aufgebrochenen \Yän- 
den des unteren Quadersandsteins umgeben schliesst. Wich- 
tig für die Beurtheilung der Erstreckung des Keupers im 
Central-Thal abwärts ist die Entblössung desselben an einem 
Wege, welcher von Westerhausen aus westlich am Königstein 
vorbei über den unteren Quadersandstein fort in das Central- 
Thal hineinführt. In dem unteren Theil dieses Thaies bis 
Quedlinburg wird der Keuper nicht sichtbar; er zeigt sich 
aber nahe Quedlinburg auf der rechten Thalseite der Bode 
beim Johannishof, wenn auch nur in einer geringfügigen Ent- 
blössung. Da an derselben Stelle über dem Keuper auch der 
untere Lias noch sichtbar ist, muss man annehmen, dass der 
zu Tage tretende Keuperfleck ein Stück eines sehr schmalen 
Keuperitreifen ist, welcher in der gegen die Seweckenberge 
hin von den Bode-Alluvionen bedeckten Fortsetzung des Cen- 
tral-Thales einen Theil seines Südrandes bilden müsste. Be- 
deutender ist das Auftreten an der Südseite der Sewecken- 
Berge, wo derselbe eine sehr markirte Einsenkung zwischen 
dem Sandsteinrücken des Ochsenkopfes und dem Kalkstein- 
rücken der Sewecken-Berge bildet ; die besten Entblössungen 
sind oberhalb der Schäferei bei der Gersdorfschen Burg. 

Längs des Harzrandes giebt die Karte den Keuper in 
gleicher Erstreckung wie den Muschelkalk an, als eine con- 
tinuirlich dem letzteren folgende und ihn überall von der 
Kreideförmation trennende Zone. Dennoch ist er hier nur 
an wenigen Punkten deutlich beobachtbar entblösst. Zwi- 
schen dem sehr bestimmt sich hervorhebenden und deshalb 
leicht zu begrenzenden Muschelkalk und den nächsten nörd- 
lich davon hervorragenden Kreidegesteinen liegt nieist eine 
Einsenkung des Bodens, in welcher eine dicke Decke von 



315 

Damm- und Ackererde fast ganz das anstehende Gestein ver- 
steckt ; man weiss, dass man den Muschelkalk verlassen hat, 
ohne positiv das ihm zunächst Folgende bestimmen zu kön- 
nen. Die Stellen , wo der Keuper über dem Muschelkalk 
deutlich sichtbar ist, sind indess zahlreich genug, um die 
Annahme zu rechtfertigen, dass die Letten des regelmässig 
dem Muschelkalk folgenden Keupers jener Einsenkung des 
Bodens zum Grunde liegen. Als die wichtigsten Beobach- 
tungspunkte für den Keuper sind hier hervorzuheben der 
nördliche Abfall des Bückeberges nördlich von Gernrode, und 
die Gegend von Thale, wo man den Keuper von dem nach 
Warnstedt führenden Wege deutlich, oberhalb des Muschel- 
kalks am linken Thalgehänge der Bode fort, bis zum Bode- 
Thale herab verfolgen kann. 

Der Lias fehlt, wie oben schon hervorgehoben, am 
Harzrande, zeigt sich dagegen verbreitet im Centrum der 
Quedlinburger Kette und als Unterlage des Pläners von 
Halberstadt gegen Ditfurth hin. Nur unterhalb der Stadt 
Quedlinburg und von hier in den unteren Theil des Central- 
Thales sich hinaufziehend sind obere Liasbildungen ge- 
kannt, Thone mit Sphärosideritnieren oft voll von schön mit 
ihrer Schale erhaltenen Muscheln und Mergelkalke mit Be- 
lemniten, das Ganze dem Niveau des Ammonites costatus 
und A. Amaltheus angehörend. Posidonienschiefer fehlen. 
Goslar, die Umgebungen der Asse und des Elm und die 
Gegend von Helmstädt sind die nächsten Orte von hier, wo 
entsprechende Lias-Schichten auftreten. Am besten entblösst 
sind die oberen Lias- Thone zu sehen in einer Thongrube 
nordwestlich von Quedlinburg, von wo man sie früher zum 
Ziegelbrennen benutzte. Von Versteinerungen findet man 
jetzt wenig; was in Sammlungen, durch Krüger zuerst ver- 
breitet, enthalten ist, wurde meist beim Anlegen des westli- 
chen Stadtgrabens von Quedlinburg gefunden; von letztcrem 
Punkte allein sind die Mergelkalke mit Belemniten gekannt. 

Der untere Lias, in dem Hügellande nördlich des 
Harzes eines der wichtigsten Formatione - Glieder , ist hier, 



316 

soweit sich nach den vorhandenen Beobachtungen über ihn 
urtheilen lässt, im Wesentlichen eine Sandsteinbildung, wel- 
che Thon, Eisenerze, Thon- und Sandkalke untergeordnet 
einschliesst. Er repräsentirt das Niveau der Gryphaea ar- 
cuata, der Arieten und der anderwärts in noch tieferem Ni- 
veau liegenden Glieder des Lias. In dem Central-Thal der 
Quedlinburger Kette zeigt sich dieser untere Lias am aus- 
gezeichnetsten in der Nähe der Bruchmühlen im sogenannten 
Hinterkley. In einem Steinbruch östlich der unteren Bruch- 
mühle sah ich einen ganz lockeren zerreiblichen Sandstein 
grosse schalig auseinanderfallende Eisensteinnieren einschlies- 
sen, ohne organische Reste. Ausser diesen enthält der Sand- 
stein grosse klumpige Ausscheidungen eines überaus festen 
und zähen, zur Benutzung als Chausseematerial aufgesuchten 
kalkigen Sandsteins, welcher alle jene ausgezeichneten Pflan- 
zen- und Konchylienreste einschliesst , welche durch Dun- 
ker's Beschreibung bekannt geworden sind. Dasselbe Ge- 
stein, jedoch kalkreicher und minder fest, mit den gleichen 
Konchylien liegt an anderen Stellen in Platten regelmässig 
geschichtet. Solche Platten wurden noch westlich der obe- 
ren Bruchmühle bei Ziehung eines Grabens blosgelegt. Als 
Seltenheit nur findet sich hier auch Gryphaea arcuata. Nörd- 
lich von Börnecke am Wege nach Halberstadt zeigen sich 
in schönem Profil blossgelegt zwischen den bunten Keuper- 
letten und dem unteren Quadersandstein von unten nach oben 
zuerst 10' etwa mächtig lichter zerreiblicher feiner Sand- 
stein und darüber 20' etwa mächtig Thon, welcher nach un- 
ten Thoneisensteinnieren, höher dünne Zwischenlagen, bis ein 
paar Zoll stark, von feinem graulich weissem Sandstein mit 
Glimmer Schüppchen einschliesst. Diese ganze Masse rechne 
ich dem unteren Lias zu und vergleiche den hier auftreten- 
den Thon mit gleichen bei Halberstadt im unteren Lias 
liegenden Thonmassen. Weder mittel- noch oberjurassische 
Bildungen, welche Giebel zu sehen glaubte, sind in dieser 
Gegend nachweisbar. 

Oestlich von Quedlinburg beim Johannishof liegen über 



317 

den Keuperletten lichte Sandsteine, welche denen nördlich 
von Börnecke gleichen und wie diese nur unterer Lias sein 
können. Wenig entfernt davon gegen O. ist am Fuss des 
Ochsenkopfes eine Stelle bekannt, wo Gryphaea arcuata in 
ausserordentlicher Menge gefunden wird. Nach Giebel' s 
Mittheilung Hess Frapolli die Schichten, in welchen die 
Muschel liegt, aufdecken und beobachtete sie in vertikal auf- 
gerichteter Stellung. 

Die nächste Umgebung von Halberstadt lehrt am Besten 
die Zusammensetzung des unteren Lias kennen, wie er von 
Halberstadt gegen Ditfurth hin die Unterlage des Pläners 
bildet. Hier ist der Kanonenberg, die Anhöhe dicht bei der 
Stadt, über welche die nach Derenburg , Wernigerode und 
Blankenburg führende Strasse fortgeht, der Fundort, welcher 
bei Anlegung der Chaussee die meisten der von Dunker 
verarbeiteten Materialien lieferte. Ein lockerer feiner gelber 
Sand oder leicht zerreiblicher Sandstein enthält in Klumpen 
oder Lagen festere Gesteinsmassen, ganz so wie im Hinter- 
kley bei Quedlinburg, wo auch dieselben Versteinerungen 
sich fanden. Derselbe feine weisse und gelbe zerreibliche 
Sandstein mit Glimmerschüppchen , wie am Kanonenberge 
wird westlich von Halberstadt am linken Ufer der Holzemme 
als Sand gegraben. Der Thon, welcher bei der grossen Zie- 
gelei am Fuss des Kanonenberges gegraben wird, ist eine 
diesem Lias -Sandstein eingelagerte Masse; er gleicht voll- 
kommen mit seinen Einschlüssen von Schwefelkies und Thon- 
eisensteinen den oberen Lias-Thonen, hat aber noch nie et- 
was von Versteinerungen geliefert. In gleicher Lagerung 
zeigt sich ein Thon w r eiter östlich an einem der gegen die 
Clusberge hinführenden W T ege. Gesteine von abweichendem 
Ansehn, zum Theil Kalkschichten, setzen die Höhe des Gal- 
genberges, von Halberstadt gegen Harsleben hin, zusammen. 
Von Interesse sind andere Gesteine, welche man südöstlich 
von Harsleben bis zu dem in gerader Richtung von Wege- 
leben nach Westerhausen hinführenden Wege antrifft: Mer- 
gelkalke und Mergelsandsteine, zum Theil voll von vegetabi- 



318 

ischen Eesten, unter deDen deutliche Equiseten hervortreten. 
Die Bestimmung der Lagerungsfolge dieser verschiedenen 
Gesteine würde noch eine nähere Untersuchung erfordern. 

Nach diesen die verschiedenen älteren Formationen be- 
treffenden Bemerkungen kommen wir zu den einzelnen Glie- 
dern der Kreideformation selbst. 

Der untere Quadersandstein, als tiefstes Glied 
des Quadergebirges, hob sich in Folge der Aufbrechung des 
Quedlinburger Kettensystems aus den umgebenden jüngeren 
Gliedern schon nördlich von Langenstein hervor, wo er längs 
der nach Blankenburg führenden Strasse leicht zu beobach- 
ten ist. Erst von Langenstein an aber steigt er höher auf 
über der von Langenstein bis zu den Seweckenbergen hin 
fast vollkommen gradlinig verlaufenden Central-Axe und bildet 
den durch seine Form sehr ausgezeichneten und naturgetreu 
von Hoff mann beschriebenen Hoppelberg. Weithin in die 
Augenfallend, sagt Hoffmann, hat der Berg eine ausgezeich- 
net scharf dachförmige Gestalt mit ungefähr gleich geneigten 
Abhängen nach N. und S. Gegen O. und W. dagegen ist 
er steil abgeschnitten. Er erscheint daher, von diesen Seiten 
her gesehen, auffallend scharf kegelförmig, während man seine 
Formen von N. und S. mit der Gestalt eines Sarges zu ver- 
gleichen pflegt, und ihn in Halberstadt daher gewöhnlich den 
Sargberg nennt. Dies ist die Form, welche dem regelmässig 
erhobenen Centralrücken eines Kettensystems zukömmt. 

Gegen Langenstein zieht sich von der Höhe des Hop- 
pelberges ein sehr scharfer klippiger Kücken herunter, des- 
sen Fuss noch einen Theil des Ortes trägt. Am östli- 
chen steilen Abschnitt des Hoppelberges dagegen beginnt 
die Spaltung des unteren Quadersandsteins in zwei die 
Ränder des Central - Thaies der Kette bis zur Bode hin 
bildende Parallelzüge, in welchen die Schichten nach entge- 
gengesetzten Richtungen, in dem nördlichen gegen N. , in 
dem südlichen gegen S. hin einschiessen. Nur der süd- 
liche dieser beiden Parallelzüge verlängert sich über die 
Bode hinaus in den Erhebungen des Ochsenkopfcs und von 



319 

da bis zur Gersdorfschen Burg, der nördliche ist mit allen 
übrigen Gliedern des Quadergebirges in N. der Sewecken- 
Berge versenkt unter jüngeren Schuttanhäufungen. Seeberg, 
Königstein, Langenberge, Stroh berg und Münzenberg sind 
Namen, mit welchen die Pap en sehe und die General- 
stabskarte einzelne Theile des südlichen Zuges vom Hop- 
pelberg bis zur Bode hin bezeichnen; Zellberg, Helmstein, 
Sattelberg, Weinberg sind andere Namen in dem nördlichen 
Zuge des unteren Quadersandsteins. Beide Züge erscheinen 
in ihrer grösseren Erstreckung nicht als einfache Kücken 
oder Kämme, sondern als zusammengesetzt aus mehreren 
kleineren Parallelkämmen, welche durch bald schmälere bald 
breitere Rinnen von einander getrennt sind. Mit frappiren- 
der Regelmässigkeit laufen zwei solcher Parallelkämme, ein 
liegender, ein hangender, von Börnecke bis nach Wester- 
hausen hin; bei Börnecke spaltet sich der hangende Kamm 
von neuem, so dass von hier nordwestwärts drei Parallelkämme 
den südlichen Zug des unteren Quadersandsteins bilden. 
Trefflich zeichnet die Papensche Karte die Formen dieser 
Gegend. Von Westerhausen gegen Quedlinburg hin lassen 
sich die beiden zwischen Börnecke und Westerhausen so 
scharf geschnittenen Parallelkämme zwar weiter verfolgen, 
aber sie laufen nicht so regelmässig neben einander her, son- 
dern der hangende Kamm senkt sich bald einmal, bald hebt 
er sich wieder hervor und wird nur durch reihenweise hin- 
tereinander aus dem Boden hervorstehende Hügel angedeutet. 
Bei Quedlinburg selbst erkennt man diesen eigenthümlichen 
Bau noch sehr deutlich wieder in dem schönen Profil länss 
des Weges auf der linken Thalseite der Bode. Der liegende 
Kamm nämlich endet im Bodethal mit dem Münzenberg, wäh- 
rend der am Wiperti- Kloster in das Thal herabkommende 
Rücken die Fortsetzung des hangenden Kammes ist; der 
Brühlkirchhof steht in der Einsenkung zwischen beiden. 
Aehnliche Erscheinungen zeigt auch der nördliche Quader- 
sandsteinzug in seiner östlichen Hälfte, desgleichen der Rücken 
des Ochsenkopfes. Bei Börnecke ist deutlich zu beobachten, 



320 

dass die Einlagerung eines mehr thonigen Sandsteins in dem 
gewöhnlichen Quadersandstein die Bildung jener Parallel- 
kämme verursacht und man darf annehmen, dass die gleiche 
Ursache überall die gleiche Erscheinung hervorbringt. Im 
Allgemeinen herrschen in beiden Sandsteinzügen massige 
Neigungen der Schichten vor; man kann 30—40° als mitt- 
lere Neigung annehmen. Eine ungewöhnliche Erscheinung 
ist es hier, wenn sich, wie in der Felsmauer des Königsteins 
bei Westerhausen , die Schichten vertikal in die Höhe ge- 
worfen zeigen. 

Nicht die ganze Masse des Quadersandsteins entspricht 
in der Beschaffenheit des Gesteins dem Begriff, welchen man 
mit dem Worte Quadersandstein zu verbinden gewohnt ist. 
Ausser dem oben erwähnten bei Börnecke deutlich beobacht- 
baren Vorkommen von untergeordneten thonigen Sandsteinen 
verdient noch einiges Andere Erwähnung. Eine beträchtliche 
Men^e von grünen Körnern nimmt das Gestein hier und da 
bei Börnecke auf. Braune eisenschüssige Gesteine sieht 
man an vielen Stellen als Oberstes die äusseren Gehänge 
sowohl im südlichen, w 7 ie im nördlichen Sandsteinzuge be- 
decken, so namentlich an den Langenbergen und in den 
Einschnitten der von Börnecke und von Quedlinburg nach 
Halberstadt führenden Strassen. Oestlich von Langenstein, 
in S. vom Landhaus, fällt am Rande des erhabenen Hoppel- 
berges ein kleinerer mit Trümmerblöcken ganz bedeckter 
Rücken auf, welchen die Generalstabskarte mit einem beson- 
deren Namen als Zweiberg auszeichnet. Das ihn zusammen- 
setzende die unmittelbare Unterlage des Pläners bildende 
Gestein ist ein sehr fester blendend weisser Sandstein, wel- 
cher sich bis zum Wege von Börnecke nach Halberstadt hin 
verfolgen lässt ; es zeigt sich auch an der Südseite des Hop- 
pelberges, aber sonst hier nicht weiter. Viel befremdender 
zeigt sich bei Quedlinburg am östlichen Ende des nördlichen 
Sandsteinzuges ein stark eisenhaltiges thonigkalkiges Gestein, 
welches an manche den Hilsbildungen angehörende Massen 
erinnert ; es enthält viele organische Reste, jedoch wenig deut- 



' 321 

liches , darunter einen feinstreifigen Pecten und in Menge 
eine kleine Exogyra. Am besten ist dasselbe zu beobachten 
bei der Kaddi sehen Ziegelei und an der Strasse nach Hal- 
berstadt; an letzterer Stelle liegt unter ihm etwa 20' mächtig 
beobachtbar grauer Sandstein; über ihm erst folgt die 
Hauptmasse des unteren Quadersandsteins. Die Mächtigkeit 
dieses Zwischenlagers mag 20 — 30' betragen. Als eine ganz 
ungewöhnliche Erscheinung im unteren Quadersandstein sieht 
man dicht bei Langenstein eine Lage von rothem Thon. Die 
Gesammtmächtigkeit des unteren Quadersandsteins ist sehr 
verschieden; ich schätzte sie an verschiedenen Stelleu von 
50 bis zu 150' hin. 

Am Harzrande liegt bei Thale zwischen Keuper und 
Pläner, daher durch die Lagerung sicher bestimmt als unte- 
rer Quadersandstein, eine nur wenig ausgedehnte und höch- 
stens 30 — 40' mächtige Masse eines sehr festen weissen Sand- 
Steins, welcher ganz dem oben erwähnten Gestein des Zwei- 
berges gleicht. Dieses Gestein bildet die oberste Höhe des 
Rückens zwischen der Teufelsmauer und dem Bode-Thal und 
lässt sich von hier , in grossen Blöcken zu Tage liegend, 
bis nahe an den Weg von Warnstedt nach Thale verfolgen. 
Oestlich von hier nach Ballenstedt hin fehlt der untere Qua- 
dersandstein ganz ; dagegen tritt er nordwestlich Blankenburg 
unterhalb Michaelstein über dem bunten Sandstein hervor 
und zieht sich von hier gegen Heimburg hin fort. 

Wo der untere Quadersandstein vom Planer bedeckt 
wird, ist scharfer Absatz beider Formationsglieder die Regel. 
Nur an zwei Stellen liegt zwischen ihnen eine geringfügige 
Zwischenlagerung abweichender Gesteine, durch, welche allein 
in dem ganzen Gebiet der Karte das Glied des unteren 
Zwischenquaders angedeutet sein könnte. An der einen 
Stelle, nordwestlich von Quedlinburg in S. von der Neuen 
Mühle (auch Steinholz-Mühle genannt) am Zapfenbach, be- 
steht das Zwischenlager aus einem 10' mächtigen lockeren 
theils eisenschüssigen, theils weissen, theils intensiv grün 
gefärbten Sand und Mergelsand, welchen Geinitz sah und 



322 ' 

unverhältnissmässig ausgedehnt als unteren Quadermergel im 
Profil angab. Nach keiner Seite lässt sich diese Ablagerung 
von hier weiter verfolgen. An der anderen Stelle, nahe der 
Mühle am Goldbach unterhalb Langenstein, liegen über dem 
unteren Quadersandstein zuerst etwa 4' intensiv grüne Mer- 
gel, darüber folgt der Planer, dessen untere Schichten noch 
voll stecken von grünen Körnern , die sich allmälig nach 
oben verlieren. Die letztere Stelle kannte Keferstein, der 
ihrer im dritten Bande seines Teutschland S. 270 gedenkt. 

Von besonderer Wichtigkeit ist die Verbreitung des 
PI an er s, weil durch ihn zunächst die Begrenzung aller 
höheren Glieder des Quadergebirges bestimmt wird. Er be- 
deckt mit der grössten Regelmässigkeit und Schritt für 
Schritt verfolgbar den unteren Quadersandstein vom Gold- 
bach bis zur Bode hin in der nördlichen Hälfte des Qued- 
linburger Kettensystems. In dieser ganzen Erstreckung liegt 
der Planer nur am Fuss oder an den unteren Gehängen der 
vom unteren Quadersandstein gebildeten Erhebungen und in 
Verbindung mit den unteren Mergeln des oberen Quaders 
bildet er ein ausgezeichnetes Ketten-Längsthal, welches pa- 
rallel dem Central -Thal der Kette sich zwischen den von 
unterem und oberem Quadersandstein gebildeten Rücken hin- 
zieht. Der Pläner verhält sich daher in seinem Einfluss auf 
die Ketten -Formen ganz anders wie der Muschelkalk, weil 
seine thonreichen, an der Oberfläche überall zerbröckelnden 
und in kleine Stücke zerfallenden Schichten nicht die nöthige 
Festigkeit hatten, um selbstständige Erhebungen zu bilden. 
Wo er sich einmal etwas hervorhebt, wie z. B. in der Ge- 
gend des Helmsteins, ist es immer nur zu kleineren Buckeln, 
welche zwischen den Sandsteinhöhen für das Auge fast ver- 
schwinden. Schöne Durchschnitte durch den Pläner hat man 
in den Entblössungen am Goldbacb und in den Steinbrüchen 
an der Bode unterhalb Quedlinburg. In letzteren zeigt sich 
der Planer mächtiger, als meist in der Gegend. Festere 
thonärmere Kalkbänke alterniren mit thonreicheren schie- 
frijr bröckelnden Gesteinen. Nach unten zu sind die fe- 



323 

steren Kalkbänke überwiegend und die thonigeren Schichte 
bilden nur schwache Zwischenlager; nach oben kehrt siel 
das Verhältniss um. 

In gleicher Regelmässigkeit wie vom Goldbach bis zui 
Rode unterhalb Quedlinburg und mit gleicher Sicherheit ic 
ununterbrochenem Zusammenhang zu beobachten, erstreckt 
sich der Pläner von der Bode bei Ditfurth über Harsleben 
hinaus bis zur Holzemme bei Mahndorf und setzt sich von 
hier mit dem Pläner nördlich von Langenstein in Verbin- 
dung. Die Zone, welche der Pläner am Fuss der Quader- 
sandsteinhöhen von den Spiegelsbergen bis über den Heide- 
berg hinaus flach ausgebreitet einnimmt, ist breiter wie die 
parallele Zone des Quedlinburger Kettensystems, weil die 
Schichten des Pläners, weil entfernter von ihrer Aufrich- 
tungsaxe, unter sehr schwachen Winkeln nur gegen den 
Quadersandstein hin einschiessen ; so unter 7° höchstens bei 
Ditfurth und an anderen Stellen vielleicht noch flacher. Be- 
trachtet man die bezeichnete Erstreckung des Planers in 
Verbindung mit der Stellung seiner Schichten , so kann es 
abgesehen von aller weiteren Deutung nie einem Zweifel un- 
terliegen, dass die gesammte von beiden Plänerzonen einge- 
schlossene Masse von Gesteinen wie in einer abgeschlossenen 
Mulde dem Pläner aufliegt. 

Viel weniger regelmässig in seiner Verbreitung, aber 
eben so wichtig für die Bestimmung der Formationsglieder 
zeigt sich der Pläner in dem südlichen Theil des Quedlin- 
burger Kettensystems und am Harzrande. Nur an drei Stel- 
len bedeckt er den unteren Quadersandstein längs der südli- 
chen Grenze desselben von Langenstein bis zu den Sewecken- 
bergen hin; 1) am Gehänge des Hoppelberges südöstlich von 
Langenstein, hier mit steil aufgerichteten Schichten, zum 
Theil röthlich gefärbt; 2) nordwestlich von Börnecke an der 
alten Strasse von Halberstadt nach Blankenburg; auch hier 
kommen rothe Färbungen vor, welche man bei Quedlinburg 
und anderwärts in dieser Gegend im Pläner nicht antrifft, 
jedoch eben so wie hier auch am entgegengesetzten Gehänge 



324 

des Hoppelberges südostwärts vom Landhaus ; 3) an der 
Südseite der Seweckenberge bei der Gersdorfschen Burg* 
An allen drei Stellen hat der Pläner nur eine sehr geringe 
oberflächliche Erstreckung. Am Harzrande bedeckt der Pla- 
ner den unteren Quadersandstein bei Thale und erscheint, 
in ähnlicher Weise wie von Halberstadt gegen Ditfurth hin, 
als unterstes zu Tage kommendes Glied der Kreideformation 
von der Bode bei Thale ab bis gegen Ballenstedt hin; er 
fehlt ganz von Thale nordwestwärts über Blankenburg fort 
bis Heimburg. Der westlichste Punkt, wo er bei Thale zu 
sehen ist, ist die Höhe des Eberskopfes seitlich des Weges 
von Warnstedt nach Thale; von hier zieht er am nördlichen 
Gehänge des Rückens zwischen der Teufelsmauer und dem 
Bodethal entlang bis in das Bodethal herunter; in einem 
alten Steinbruch auf der Höhe stehen seine Schichten sehr 
steil, mindestens 70°, flacher, etwa 40°, liegen sie unten im 
Bodethal; seine Mächtigkeit schätzte ich hier auf 50 — 60'. 
Oestlich vom Thale ist der Pläner leicht und zusammenhän- 
gend zu verfolgen in einer Zone parallel dem Fuss der Mu- 
schelkalkrücken des Rumberges und des Bückeberges; klei- 
nere und grössere Steinbrüche geben gute Durchschnitte, der 
grösste auf der rechten Thalseite des Suderoder Wassers, 
nahe der grossen Bücke -Mühle. Gleich östlich von Rieder 
findet man den Pläner wieder im Liegenden des Sandstein- 
rückens, welcher von den Gegensteinen her bis Rieder sich 
fortzieht; von hier gegen O. lässt er sich zusammenhängend 
verfolgen bis zur Chaussee von Ballenstedt nach Quedlin- 
burg, welche ihn durchschneidet. 

Durch die Erhebung des Muschelkalks, Keupers, Lias, 
des unteren Quadersandsteins und des Pläners in der Mitte 
des Quedlinburger Kettensystems sind die höheren Theile des 
Quadergebirges, des Ober- und Ueber-Quaders in zwei voll- 
kommen getrennte Räume geschieden, und liegen in diesen 
wie in muldenförmiger Lagerung, weil sie die Mitte zwi- 
schen je zwei Aufrichtungssystemen einnehmen. Wir kön- 
nen der Bequemlichkeit halber die beiden Räume hier die 



325 

nördliche und südliche Mulde nennen und haben zuerst den 
Ober-Quader in beiden Mulden zu verfolgen. 

Für sich allein nimmt der Ober-Quader die ganze nörd- 
liche Mulde ein, in ausnehmender Regelmässigkeit zusam- 
mengesetzt aus den drei auf der Karte unterschiedenen Glie- 
dern, einem unteren Mergel, einem mittleren Sandstein und 
einem oberen Sande. Der mittlere Sandstein, obere Qua- 
dersandstein, ist das durch seine Formen von allen Sei- 
ten her zuerst in die Augen fallende Glied. Er bildet zwei 
einander parallel fortziehende Bergrücken, welche in voll- 
kommener Symmetrie ein jeder einen schroffen Abfall mit 
felsigen Wänden nach aussen kehren gegen die Erhebungs- 
axen hin, zu welchen sie gehören, ein ganz sanftes Gehänge 
dagegen nach der Mulden-Mitte hin, in deren Centrum das 
Gehöfte Münchenhof steht. Beide Parallelrücken verbinden 
sich mit ihren Enden, so dass auch gegen N.W. über dem 
Thal des Goldbaches und gegen S.O. über dem Thal der 
Bode der obere Quadersandstein mit sehr bestimmtem Absatz 
über seine Unterlage hervortritt; nur zur Seite der Sültze 
verflachen sich etwas die Formen. Die Höhen der Spiegels- 
berge, der Clusberge und des Heideberges sind die hervor- 
tretenderen Höhen des nördlichen der beiden Kücken , die 
Höhen der Halberstädter Steinbrüche, der Hinterberge und 
des Steinholzes die des südlichen. Nach allen Seiten hin 
treten an den Rändern der Mulde unter dem unteren Qua- 
dersandstein die ihm unterliegenden und ihn vom Pläner 
trennenden Mergel hervor, welche, als unterer Ober -Qua- 
der der hiesigen Gegend, hier nach dem der südlichen Mulde 
angehörenden Vorkommen am Salzberge bei Quedlinburg 
den Lokalnamen der Salzbergs- Mergel führen mögen. 
Unterhalb der felsigen Gehänge des oberen Quadersand- 
steins bilden die Mergel den sanfter geneigten Fuss der Berge; 
mit dem Pläner verbunden bilden sie im Quedlinburger Ket- 
tensystem das oben schon berührte Längsthal, welches die 
Rücken des unteren und des oberen Quadersandsteins von 
einander trennt ; im Bode-Thal von Ditfurth bis Quedlinburg 

Zeits. d. d. geol. Ges. I. 3 22 



326 

bilden sie allein auf der linken Thalseite die vordere Ter- 
rasse, über welcher erst die Sandsteinberge sich höher er- 
heben. 

Die unteren Mergel erscheinen in der nördlichen Mulde 
im Allgemeinen als ein thonigkalkiger Sand oder Sandstein 
mit vielen grünen Körnern, zuweilen so voll von letzteren, 
dass sie, wie z. B. an den Gehängen unter den Clus- und 
Spiegelsbergen, schon von weitem her gesehen durch die 
grüne Farbe des Bodens auffallen. An vielen Stellen liegen 
in den lockeren Mergeln unregelmässige Knollen oder Klum- 
pen eines festeren Gesteins, welche durch Ausscheidung eines 
harten kalkigen Bindemittels entstanden. Auf der rechten 
Seite des Goldbachs fallen in den lockeren Mergeln ein paar 
festere conglomeratartige Bänke auf, in welchen Kalkspath 
das Bindemittel ist. Die mittlere Mächtigkeit der ganzen 
Ablagerung schätze ich auf 50'. 

Der obere Quadersandstein ist im Allgemeinen ein weis- 
ser feinkörniger Sandstein , welcher als Haustein aufgesucht 
wird, während man den unteren Quadersandstein von Langen- 
stein bis Quedlinburg hin nicht als solchen verwendet. In 
Schnüren und unregelmässigen Partieen wird das Gestein 
durch Aufnahme grösserer Quarzbrocken conglomeratartig. 
Bei den Clusbergen sind die untersten dem Mergel zunächst 
aufliegenden Bänke grünlich gefärbt. In den Steinbrüchen am 
Steinholz zeigen sich auch nach oben einzelne grüne Bänke. 
An letzt genannter Stelle schätzte ich die Mächtigkeit des 
oberen Quadersandsteins nicht höher als 5Ü'; sie steigt an 
anderen Punkten gewiss über 100'. 

Der obere Sand , welcher in der Mitte der Mulde den 
oberen Quadersandstein bedeckt, der Sand um München- 
hof, ist eine lockere Ablagerung, bald grün, bald bräunlich- 
gelb bis braun, aus Sandkörnern bestehend gemischt mit grü- 
nen Körnern oder mit eisenhaltigem Thon. Dieser oberen 
Decke verdankt die Mitte der Mulde ihren fruchtbaren Acker- 
boden, während sie einen sterilen Sandboden darbieten müsste, 
wenn der Sandstein der rings die Mulde umgebenden Höhen 



327 

bis zum Centrum hin ihre Unterlage bildete. Als Stellen, 
wo die lockeren Ablagerungen der Mitte gut entblösst zu 
beobachten sind, lassen sich hervorheben der Nordabhano- des 
Petersberges südlich von Münchenhof und die Wege am Ge- 
hänge des Heidebergs gegen den Münchenhof herab. 

In der südlichen Mulde zwischen den Central-Erhebun- 
gen der Quedlinburger Kette und dem Harzrande ist der 
obere Quader in der westlichen Hälfte überwiegend verbrei- 
tet; nach Ost wird er von den Massen des Ueber- Quaders 
bedeckt und zuletzt auf der rechten Seite der Bode ganz von 
diesen verdrängt. Nur die unteren Mergel des Salzberges 
und der obere Quadersandstein sind in der südlichen Mulde 
entsprechend wie in der nördlichen geschieden ; eine dem 
Sand um Münchenhof gleichende Ablagerung ist nicht vor- 
handen. 

An der südlichen Grenze des unteren Quadersandsteins 
der Quedlinburger Kette liegen die Salzbergs -Mergel am 
Salzberge selbst bei Quedlinburg wie ein Keil zwischenge- 
schoben zwischen dem unteren Quadersandstein und dem 
zum Ueber-Quader gehörenden Sandstein der Altenburg. In 
dem Profil des Bode -Thaies beobachtet man zu unterst ein 
bläulichgraues kalkigsandiges Gestein , darüber ein sandiges 
Gestein von mehr gelblicher ins grünliche gehender Farbe, 
welches festere kalkreichere Schichten voll von Muscheln ein- 
schliesst, hierüber mehr thoniglettige Schichten mit Lagen 
von blättrigem Schieferthon, welcher Pflanzenreste, Coniferen 
und andere, enthält; darauf folgt der Sandstein der Al- 
tenburg. Das Ganze hat eine Mächtigkeit von 40 — 50'. 
Nur auf kurze Erstreckung gegen N.W. kann man vom 
Bode-Thal aus die Gesteine des Salzberges weiter verfolgen : 
sie werden nach Giebel dem Salzberge gegenüber an der 
auf der Karte angegebenen Stelle auch auf der rechten Thal- 
seite sichtbar und sind hier das einzige Vorkommen von 
Ober-Quader in der südlichen Mulde östlich des Bode-Thals # 
Könnte man am Salzberg bei Quedlinburg allein die ihn zu- 
sammensetzenden Gesteine beobachten, so würde die Stellung 

22* 



328 

derselben zum Planer und zu den verschiedenen Sandsteinen 
des Quadergebirges ganz zweifelhaft bleiben ; ja man hätte 
nicht einmal einen sicheren Anhaltspunkt für die Parallelisi- 
rung derselben mit den Mergeln zwischen Pläner und oberem 
Quadersandstein in der nördlichen Mulde , in welcher die 
muschelreichen Schichten des Salzberges nicht gekannt sind. 
Den positiven Beweis für die Lagerung der Salzbergsmergel 
über dem Planer erhält man erst durch ihr Wiedererscheinen 
an der Westseite des Hoppelberges und westlich von Lan- 
genstein. Mit den ganz gleichen Gesteinen wie am Salz- 
berge und insbesondere mit denselben die gleichen Arten ent- 
haltenden muschelreichen Bänken breiten sie sich hier zwi- 
schen dem unteren Quadersandstein des Hoppelberges und 
dem oberen von Derenburg zum Regenstein sich hinziehen- 
den Sandstein aus; in ihrer Lagerung scharf bestimmt durch 
das Erscheinen des Pläners am Gehänge des Hoppelberges 
bestimmen sie ihrerseits wieder die Stellung des aufliegenden 
Sandsteins. Die gleiche Lagerungsfblge lässt hier auch nicht 
zweifeln, dass es dieselben Mergel sind, welche am Goldbach 
die Unterlage des Sandsteins der Spiegelsberge und der 
Halberstädter Steinbrüche bilden , und daher auch dieselben, 
welchen in der ganzen nördlichen Mulde der obere Quader- 
sandstein aufliegt. Die Entblössungen im Gold bach - Thal 
oberhalb Langenstein und längs der Chaussee von Halber- 
stadt nach Blankenburg sind vorzugsweise in der besproche- 
nen Gegend zu beachten; an der Chaussee sind nahe dem 
Meilenstein die muschelreichen Bänke aufgedeckt. 

Am Harzrande zeigen sich die Mergel von Timmenrode 
ab als tiefstes Glied des Quadergebirges in einer schmalen 
Zone zwischen dem Keuper und dem Sandstein des Heidel- 
berges. Dicht bei Blankenburg zur Seite des Weges nach 
Cattenstedt sieht man sie am Fuss der steil abstürzenden 
Wand des Heidelberges , und erkennt hier durch die Stel- 
lung von ein paar festeren in den lockeren Mergeln liegen- 
den Gesteinslagen, dass sie sowohl, wie mit ihnen derTobere 
Quadersandstein des Heidelberges, in vertikaler und noch et- 



329 

was übergestürzter Lage sich befinden; daher die schroffen 
Formen des Heidelberges, sein mauerförmiges Emporstehen 
mit steilen Abfällen nach beiden Seiten. Dieselben Mergel, 
welche sich von Blanken bürg aus nach Timmenrode schmal 
hinter dem Heidelberge fortziehen, breiten sich nordwestlich 
von Blankenburg in grösserer Mächtigkeit weiter aus und 
nehmen die ganze Niederung ein, durch welche die Felsen- 
masse des Regensteins und der die Fortsetzung davon bil- 
dende Rücken des Papenberges vom Fuss des Harzes ge- 
trennt bleiben. Leicht könnte man hier über die wahre La- 
gerung der Mergel getäuscht werden. Unter massigen Nei- 
gungen sieht man sie mit den ihnen untergeordneten feste- 
ren Schichten am Plattenberge südlich des Regensteins von 
dem Sandstein des Regensteins ab dem Harz zufallen , also 
scheinbar den Sandstein bedecken. Aber nicht allein hier, 
sondern überall von Heimburg und Blankenburg aus bis an 
den Sandstein des Regensteins heran, fallen die Kreidemer- 
gel , wo sie nicht vertikal stehen , gegen den Harz hin ein 
und zwar, wie es scheint, mit immer flacher werdenden Nei- 
gungen, je weiter man sich vom Fuss des Harzes entfernt. 
Deshalb kann man nicht anders als annehmen, dass das ganze 
Kreidegebirge von Heimburg und Blankenburg bis zur 
Grenzlinie der Aufrichtungen des Harzrandes heran, welche 
am Fuss der nördlichen Wand des Regensteins vorbeiläuft, 
übergestürzt liegt, so wie das Profil der Karte nach der Li- 
nie BA andeutet. So allein versteht man, wie dieselben 
Mergel, welche südlich von Langenstein unter den mit dem 
Regenstein in ununterbrochenem Zusammenhang stehenden 
Sandsteinen hervortreten, an der Südseite des Regensteins 
demselben Sandstein anscheinend aufliegen können. Dadurch 
allein erklärt sich die vorgeschobene Lage des Regensteins 
dessen Gesteinsmasse doch nur eine Fortsetzung von der des 
Heidelbergs ist; dadurch erklärt sich auch die auffallende 
Form des Regensteins, der sanft vom Harz her ansteigt, 
während ihn senkrechte Wände gegen Nord abschneiden. 
Der Plattenberg ist ein seit alten Zeiten her bekannter 



330 

Fundort von Versteinerungen. Diese liegen eingeschlossen 
in festeren den Mergeln untergeordneten plattenförmig bre- 
chenden Bänken eines Sandsteins mit kalkigem Bindemittel, 
welches auch wohl krystallinischer Kalkspath wird, gleich wie 
bei den oben schon erwähnten festeren Bänken in den Mergeln 
am Goldbach zwischen Halberstadt und Langenstein. Nur 
der Oberfläche des Bodens nahe liegende und der Einwirkung 
des atmosphärischen Wassers anhaltend ausgesetzt gewesene 
Theile dieses Gesteins sind verkieselt und liefern die in 
Sammlungen verbreiteten Hornstein -Versteinerungen , unter 
welchen eine besonders häufige Turritella von Schlotheim 
schon 1813 als Turbinites regenbergensis ausgezeichnet wurde. 
Aehnliche Gesteine, wie die am Plattenberge sieht man in 
den Mergeln bei Heimburg theils als knollige Concretionen, 
theils als regelmässige Lagen und oft ganz erfüllt von Mu- 
scheln. Das aus Sand und Kalk zusammengesetzte Gestein 
erregte hier Keferstein's Aufmerksamkeit, der es mit dem 
Kalkspath Sandstein von Fontainebleau verglich und auch 
schon vermuthete, dass es dem Salzberg bei Quedlinburg 
entspreche. Auch von Blankenburg gegen Michaelstein hin 
treten aus den Mergeln festere Gesteinsbänke hervor und bil- 
den einen kleinen sich etwas erhebenden Rücken parallel dem 
Fuss des Harzes; eine sehr feste Sandsteinbank von etwa 
2' Dicke begleitet hier die Bänke vom Gestein des Platten- 
berges und dürfte hauptsächlich die Ursache der scharfge- 
schnittenen Form des kleinen Kückens sein. 

In dem oberen Quadersand steia der südlichen Mulde kom- 
men, wie in dem der nördlichen, nur sparsam und an weni- 
gen Punkten Versteinerungen vor. Am bekanntesten sind 
die grossen Credneria-Blätter aus den grossen Steinbrüchen 
an der Nordseite des Heidelberges. Unbeachtet blieb bis 
jetzt ein durch Hrn. v. Strombeck zuerst aufgefundenes 
Vorkommen von Versteinerungen am Papenberge, welches 
eine merk würdige Uebereinstimmung darbietet mit den bei Giers- 
dorf nordostwürts von Löwenberg an der Nordseite des Rie- 



331 

sengebirges vorkommenden Formen.*) Mit derselben Ne- 
rinaea, welche bei Giersdorf in so erstaunlicher Menge be- 
graben liegt, findet sich am Papenberge eine auch bei Giers- 
dorf vorkommende noch nicht beschriebene etwa zollgrosse 
Actaeonella-Art. Eben so isolirt wie das Vorkommen dieser 
Muscheln im Steinbruche bei Giersdorf an der Nordseite des 
Kiesengebirges ist das am Papenberge an der Nordseite des 
Harzes. 

Von dem gewöhnlichen Gesteinsansehn des oberen Qua- 
dersandsteins weichen die frei hervorstehenden Felsen auf 
dem Kamm des Heidelberges ab. Sie sind nach allen Rich- 
tungen hin unregelmässig durchzogen von Hornsteinadern, 
welche ihrer Entstehung nach den Kalkspathadern zu verglei- 
chen sind , welche oft kalkhaltige Gesteine durchsetzen ; die 
Adern können nur das Produkt der Einwirkung des atmo- 
sphärischen Wassers auf das Gestein sein , welches selbst 
das Material für die Ausfüllungsmasse der Adern hergab. 
Aehnliches sieht man auch, doch weniger ausgezeichnet in 
der Umgegend des Regensteins; man trifft hier Stellen an, 
wo nach Zerstörung des Gesteins die zurückgebliebenen Horn- 
stein - Ausfüllungen der Adern wie Scherben umherliegen. 
Von anderen ungewöhnlichen Gesteinsabänderungen ist ein 
plattenförmig brechender braun gefärbter eisenschüssiger Sand- 
stein zu erwähnen, welcher am grossen Lästerberge westlich 
von Westerhausen das südliche Gehänge des Berges bedeckt; 
seine Schichten fallen unter 25° etwa gegen S. Endlich er- 
wähne ich das Vorkommen einer Lage von violettem Thon 
in einem der Steinbrüche am Heidelberg und eines anderen 
iirauen Thones im Sandstein bei Timmenrode. 

CT 

Die letzte Abtheilung des Quadergebirges, der Ueber- 
Quader, erstreckt sich vom nördlichen Fuss des Regen- 
steins ab in der Mulde zwischen der Quedlinburger Kette und 
dem Harzrande fort bis über die Grenzen der Karte hinaus 



*) Der Sandstein von Giersdorf wurde von Geinitz (Verst. von 
Kieslingswalda S. 1) falsch gedeutet; er ist oberer, nicht unterer Qua- 
dersandstein. 



332 

und wird wahrscheinlich bis zum Selkethal gegen Hoymb, 
Reinstedt und Ermsleben hin sich weiter verbreiten. Der 
untere auf der Karte besonders unterschiedene Theil der Ab- 
theilung, ausgezeichnet von dem oberen durch das ihm allein 
angehörende Auftreten harter festeementirter Sandsteine, tritt 
nur an den Rändern der Mulde hervor und ist in den ver- 
schiedenen Punkten seines Auftretens zunächst zu verfolgen. 
Am ausgezeichnetsten ist die Erscheinung des unte- 
ren Ueber-Quaders am nördlichen Rand der Mulde bei 
Westerhausen. Ueberraschend ist der Blick auf die Umge- 
bung dieses Dorfes , wenn man auf der Höhe , von Warn- 
stedt herkommend , plötzlich eine Gruppe von Buckeln und 
Rücken hervortreten sieht, welche mit festen Gesteinsblöcken 
bedeckt zuerst den Eindruck einer gewaltigen Zertrümmerung 
machen. Gleich frappirend ist der Contrast der äusseren 
Formen dieser Blockberge gegen die sanften Formen der Hö- 
he, auf welcher man von Warnstedt her anstieg, wie gegen die 
Formen des hinter Westerhausen ruhig vorüberziehenden 
Rückens des unteren Quadersandsteins. Untersucht man die 
Struktur der auffallenden Berge näher, so zeigt sich, dass 
die auf der Oberfläche übereinandergethürmten Blöcke ur- 
sprünglich schon als solche von einem lockeren Sand rings umhüllt 
waren, nach dessen Fortspülung die Blöcke zurückblieben 
und übereinanderstürzten , wo sie ihre Unterlage verloren. 
Die Blöcke werden der Festigkeit ihres Gesteins wegen als 
Strassen-Material gesucht, und man erhält dadurch vielfach 
Gelegenheit, sie in ihrer ungestörten Lage zu beobachten* 
Man sieht die Blöcke bald ringsum frei, bald an den Seiten 
zu unvollkommenen Lagern verwachsen, mit glasig glänzen- 
der Oberfläche, wo diese frisch entblösst ist. Nie gleichen 
solche Blöcke Gerollen, sondern sie erhielten ihre unregel- 
mässigen eher wie ausgenagt oder ausgespült als wie gerollt 
aussehenden Formen gleich bei ihrer Entstehung. Dies geht 
daraus hervor, dass die glasirte Aussenfläche unabhängig von 
der äusseren Form auf den vertieften Stellen eben so wie 
auf den erhabenen vorhanden ist. Das sehr feste Gestein 



333 

besteht aus denselben Sandkörnern, welche als lockerer Sand 
die Blöcke umhüllen ; dem Zutritt eines , wenn auch nur in 
geringer Menge ausgeschiedenen kieseligen Cements ver- 
dankt es seine Entstehung. Die Generalstabskarte nennt die 
hervortretenderen der hierher gehörenden Höhen bei Wuster- 
hausen Kukuksberg, Giebel nennt sie Eselstall. 

Von Westerhausen gegen Ost zur Bode hin verschwin- 
den, wie die Karte angiebt, die beschriebenen Ablagerungen 
am Rande des unteren Quadersandsteins, noch ehe die Mer- 
gel des Salzberges hervortreten. Auch gegen West in der 
Richtung zum Regenstein kann man sie nicht zusammen- 
hängend verfolgen, trifft sie aber wieder in vollkommener 
Uebereinstimmung mit ihrer Erscheinung bei Westerhausen 
als äusserstes Ende der Mulde nordwärts vom östlichen Ende 
des Regensteins. Ihr Vorkommen ist hier von grosser Wich- 
tigkeit, weil es bestimmter als irgend ein anderes Verhalten 
beweist, dass der Ueber- Quader hier nicht etwa für eine 
einfache Fortsetzung des oberen Quadersandsteins gehalten 
werden könnte, welcher lokal nur eine abweichende Ent- 
wicklung erhalten hätte. 

Am Harzrande betrachte ich die Teufelsmauer zwischen 
Warnstedt, Weddersieben und Thale als das Aequivalent der 
Blöcke von Westerhausen am Südrande der Mulde. Als ein 
scharfes geradliniges Felsriff steigt die Teufelsmauer südlich 
von Warnstedt aus dem Boden hervor und zieht von hier zur 
Bode hin zwischen Weddersieben und Neinstedt. Mit dem 
viel erhabneren und massigeren Heidelberge bei Blankenburg, 
für dessen Fortsetzung sie bisher stets gehalten wurde, steht 
sie äusserlich so wenig wie im Gestein in Verbindung. Das 
ganze Riff der Teufelsmauer ist nichts anderes als eine verti- 
kal aufgerichtete Gesteinsbank und verdankt seine Form der 
Festigkeit des Gesteins. Aehnlich wie bei dem Gestein der 
Blöcke von Westerhausen fällt auch bei der Teufelsmauer 
an vielen Stellen das zerfressene Ansehn der Felsen und die 
glänzend glatte Oberfläche derselben auf. Abweichend von 
den Verhältnissen bei Westerhausen ist nur, dass statt in 



334 

getrennten Blöcken das gleiche Gestein hier als ein mehr zu- 
sammenhängendes Lager gebildet wurde. Das flach einge- 
senkte Längsthal, welches parallel dem Riff der Teufelsmauer 
in ihrem Liegenden sich hinzieht, lässt vermuthen, dass auch 
hier lockere sandige Ablagerungen ihre Unterlage bilden. 
Doch ist zu bemerken, dass südlich von Weddersieben am 
Ostende der Mauer als nächst unterliegendes Gestein der 
harten Bank des Riffes ein als Haustein gebrochener Sand- 
stein blos liegt. 

Oestlich der Bode bildet eine der Tenfelsmauer nicht 
blos ähnliche, sondern gewiss ein und dieselbe feste Sand- 
steinbank den langen Rücken, welcher beim Dorfe Rieder 
beginnend über die Gegensteine nördlich von Ballenstedt 
fort in der Richtung auf das Dorf Radisleben hinläuft. Auf 
dem Kamm des Rückens ragt die Bank, deren Mächtigkeit 
an den meisten Stellen nicht mehr als 20' betragen mag, in 
Form einer vielfach zerrissenen und eingestürzten, hier und 
da auch wohl künstlich zerschnittenen und abgebrochenen 
Felswand hervor. Die beiden Gegensteine sind nur ein paar 
grössere Stücke dieser Wand. Sehr deutlich lässt sich er- 
kennen, dass die Bank auch hier, wie in der Teufelsmauer, verti- 
kal aufgestürzt ist und also die gleiche Schichtenstellung hat 
mit dem Muschelkalk im Rücken der Steinberge, so wie mit 
dem Muschelkalk und bunten Sandstein nördlich von Gern- 
rode. Von Rieder nach Neinstedt hin ist die Bank und mit 
ihr die gesammte Masse des Ueber- Quaders fast ganz ver- 
senkt unter den Alluvial- und Diluvial-Ablagerungen, welche 
die breite Ebene östlich der Bode zwischen Quedlinburg, 
Neinstedt und Rieder erfüllen. Nur in der Nähe des Leth- 
Thurms nordwestlich von Rieder ragen anstehende Gesteine 
hervor , und leicht erkennt man hier in drei dem Lauf des 
Wellbachs parallel in Stunde 8 hintereinander liegenden 
Buckeln das Gestein der Teufelsmauer und des Rückens der 
Gegensteine wieder. 

Am nördlichen Rande der Mulde östlich der Bode zeigt 
sich nur dicht bei Badeborn am Steinberge das den unteren 



335 

Ueber- Quader charakteristisch auszeichnende Gestein. Auf 
kurze Erstreckung nur tritt es hervor wie eine Klippe, in 
seiner Erscheinung den in älteren Gebirgen klippenförmig 
vorragenden Quarzgängen vergleichbar. Der feste Fels ist 
von mürbem zerrei blichen Sandstein und von losem Sand 
umgeben, welcher in Sandgruben als feinster weisser Streu- 
sand gegraben und weit in der Gegend verführt wird. 

Die oberen Ablagerungen des Ueber-Quaders, Sandstein 
und Sand mit Einlagerungen von Thon und Kohle, erlangen 
ihre grösste Entwickelung im westlichen Theil der Mulde 
zwischen Quedlinburg, Westerhausen, Warnstedt und Wed- 
dersleben. In dem Profil auf der linken Seite der Bode fol- 
gen sie unmittelbar nach dem Salzberge am Fuss der Alten- 
burgsberge. Ueber den Mergeln des Salzberges liegt zuerst 
eine gegen 200' mächtige Masse eines feinkörnigen Sandsteins 
von geringer Festigkeit, welcher zwei mächtige Zwischenlager 
von rothem und violettem Thon oder Schieferthon und von 
grauem Thon mit Pflanzenresten einschliesst. Auf diesem 
Sandstein steigt man aus dem Bodethal zur Höhe der Alten- 
burg auf und verfolgt ihn von hier in ununterbrochenem Zu- 
sammenhang bis zu den Höhen, welche südlich von Wester- 
hausen den mit Blöcken bedeckten Buckeln des Kukuksber- 
ges oder Eselstalls vorliegen. Man gelangt hierdurch zur 
Ueberzeugung, dass der Sandstein der Altenburg jünger ist 
als die blockführenden Ablagerungen bei Westerhausen, wel- 
che nicht bis zum Bodethal fortsetzen. In ihrer Verlängerung 
gegen West verliert die im Bodethal so mächtige Sandstein- 
masse an Mächtigkeit. Südlich von Westerhausen, wo man 
sie auf dem Wege von Warnstedt her in schönem Profil 
durchschneidet, wird sie kaum über 100' stark sein; die Thon- 
einlagerungen sind hier zahlreicher, so dass man in buntem 
Wechsel rothe und weisse sandige Thone zwischengelagert 
sieht zwischen Sandsteinbänken von 2, 3 bis 5' Dicke. 

Im Bodethal folgt über dem Sandstein der Altenburg 
bis zum Jordansbach hin eine andere auf 60 bis 100' Mäch- 
tigkeit zu schätzende Masse eines lockeren Sandes, welcher 



336 

nur hier und da fester zusammenbackend wechsellagert mit 
thonigem Sand und mit Thon von blauen, weissen, rothen, 
überhaupt bunten Farben. In dieser Masse liegen die Kohlen- 
flötze, welche man hier gegenwärtig abzubauen versucht. Die 
Kohle, welche im festesten Zustande das Ansehn einer schwar- 
zen Pechkohle hat, und die sie zunächst begleitenden Ge- 
steine gleichen ununterscheidbar den entsprechenden Gestei- 
nen bei Wenig-Rackwitz, Ottendorf, Siegersdorf und Wehrau 
nördlich des Riesengebirges. 

Alle in diesem Schichtensystem vorkommenden Thone, 
welches auch ihre Farbe sein mag, sind abfärbend; es sind 
Farbethone, welche als solche auch, die gelben als Gelberde, 
gewonnen werden; sie werden vielfach zu Ziegeln gebrannt 
und die reineren als Töpferthon verwendet. 

In dem südlicheren Theil der Mulde, bei Weddersieben 
und nördlich der Teufelsmauer, treten diein den Altenburgs- 
bergen so mächtig werdenden Sandsteine mehr zurück und 
bilden nur einzelne untergeordnete Lager. Dicht am Fuss 
der Teufelsmauer oberhalb Weddersieben werden noch blaue 
und gelbe Thone gegraben. Begleitet von Sandstein sieht 
man die farbigen Thone am Eckberge bei Warnstedt. Dass 
auch Spuren von Kohlenflötzen in dieser Gegend gekannt sind, 
zeigen die Halden von Schächten am Wege von Warnstedt 
nach Thale nahe dem westlichen Ende der Teufelsmauer. 

Eine speciellere Erwähnung verdient das Profil, welches 
gerade in der Mitte der Mulde am Ufer der Bode vom Jor- 
dansbach bis Weddersieben entblösst ist. In fast horizonta- 
ler Lagerung, wie es in einer Mulden-Mitte sein muss, lie- 
gen hier übereinander 

1 ) bläulich grauer schiefrig bröckelnder Thon . . 1 Fuss 

2) grauer Thon und sandiger Thon mit Ausschei- 
dungen von gelben Thoneisensteinnieren . . 5 „ 

3) rother Thon mit Sandkörnern 1 „ 

4) gelber und weisser feiner Sand , nur schwach 
zusammenbackend 5 „ 

5) grauer Thon 4 „ 



ö 



337 

6) kleinkörniger fester Sandstein, vom Ansehn ei- 
nes gewöhnlichen Quadersandsteins .... 20 Fuss 

7) dunkelgrauer schiefriger Thon .,..,. 3 „ 

8) unreiner grauer Thon 10 „ 

Auf letzterem Thon steht der nördliche Theil des Dorfes 
Weddersieben. Nicht an allen Stellen des Profils haben die 
einzelnen Lagen die gleiche Mächtigkeit ; auch verändert wohl 
eine Schicht ihr Gestein in der Verlängerung ; lockerer Sand 
wird eine festere Sandsteinschicht oder er nimmt Thon auf 
und verfliesst mit den zwischenliegenden Thonlagen. Die 
farbigen Thonlagen geben den Anhalt, um die gleichen Stel- 
len des Profils an verschiedenen Punkten wiederzuerkennen. 
Die Eisensteinnieren im Thon bei Weddersieben enthalten 
Versteinerungen, welche in alten Zeiten schon sich in Samm- 
lungen verbreiteten. Am ausgezeichnetsten darunter tritt eine 
Gasteropoden-Form hervor, welche Walch ohne Schale auf 
P. II. C. VII. fig. 1 und 2 abgebildet hat; sie hat einige 
Aehnlichkeit mit der Turritella Buchiana bei Goldfuss Tab. 
CXCVII. fig. 7 und wurde unpassend von Schlotheim 
mit seinem Turbinites regenbergensis vom Plattenberge am 
Regenstein verbunden. Die Schale dieser Schnecke findet 
sich als Kalkschale erhalten, was wohl in Verbindung damit 
steht, dass auch einzelne Thonlagen hier Kalk enthalten und 
selbst lebhaft in Säuren brausen. 

Nur wenig ist vom oberen Ueber-Quader in dem west- 
lichen Theil der Mulde zwischen Westerhausen, dem Regen- 
stein und dem Heidelberge zu sehen ; er versteckt sich fast 
ganz unter einer ebenen von einem Torfmoor bebeckten 
Fläche. Sein Vorhandensein nördlich des Heidelberges er- 
giebt sich aus dem genauen Bericht Zuckert 's in der Na- 
turgeschichte einiger Provinzen des Unterharzes (Berlin 1763) 
S. 107. Zuckert erzählt nämlich, dass sich im Heidel- 
berge ein Sandsteinbruch und eine Thongrube befinde, dass 
ohnweit von jenem Steinbruch ein zugeworfenes Loch sei, 
in welchem man ehedem nach Steinkohlen gegraben habe, 
die aber nichts taugten, und dass man in der Thongrube 



338 

verschiedene Erden finde, welche, wenn sie im Wasser ge- 
schlemmt und von dem beigemischten Sande befreit werden, 
von den Malern sehr gut zu Farben können gebraucht wer- 
den, vornehmlich ockergelbe, aschfarbige, blauschieferfarbige 
und rothe Erden. Auch Keferstein (Teutschland VI., 
1830, S. 522) sagt, dass unter dem Sandstein des Heidel- 
berges (soll wohl heissen : am Fuss des Heidelberges) ein 
rothgefärbter Thon liege, dessen Mächtigkeit man nicht 
kenne. 

Dem oberen lieber -Quader zuzurechnen ist der Sand- 
stein, welcher nahe dem Westende der Teufelsmauer in S. 
von Warnstedt in einem besonderen kleinen Kücken hervor- 
tritt. Der Rücken streicht mit den ihn zusammensetzenden 
Gesteinen von O. n. W., (Stunde 7£ des Compasses), und 
ist daher auch in seiner Richtung schon nicht eine Fortset- 
zung der Teufelsmauer. Die unter 30 ° gegen Nord einfal- 
lenden Schichten bestehen aus einem groben Sandstein von 
sehr ungleichem Korn, in welchem bis erbsgross werdende 
Quarzkörner zerstreut liegen. Ein ähnlicher Sandstein schiebt 
sich am Nordrande der Mulde nahe dem Ostende der von 
Westerhausen herkommenden Blocklager zwischen diese und 
den Sandstein der Altenburg ein. 

Oestlich der Bode wird der obere Ueber-Quader, gleich 
dem unteren, erst in weiter Entfernung vom Bodethal sicht- 
bar; er breitet sich vom Fuss des Ochsenkopfes und der 
Seweckenberge bis zum Rücken der Gegensteine aus. Ihm 
gehört ein kleiner Sandsteinrücken an ( Langeberg auf 
der Generalstabskarte genannt), welcher südwestlich des 
Steinberges bei Badeborn in der Richtung von NW. gegen 
SO. aufsteigt mit unter 30 ° gegen Südwesten einschiessenden 
Schichten. Diesem Sandstein correspondirt am anderen Mul- 
denrande der Sandstein, auf welchem der Leththurm steht. 
Mehr in der Mitte der Mulde in der Nähe des Vorwerkes 
Asmusstedt sind bunte Farbethone zu sehen. Nach Giebel 
liegen Thone auch bei der Bücklingswarte. Hierher endlich 
müssen auch die Eisensteine gehören, welche nach Kefer- 



339 

st ein (a. a. O. S. 563) unweit des stummen Gegensteins 
und bei Badeborn gegraben werden. 



lieber die geognostischen Verhältnisse des nordöstlichen 

deutschen Tieflandes. 

Von Herrn Girard in Berlin. 

Wenn man die Oberflächen -Verhältnisse der grossen 
norddeutschen Ebene näher ins Auge fasst, so gewahrt man 
bald, dass ein wesendicher Unterschied einen westlichen und 
einen östlichen Theil von einander trennt. 

Das Tiefland, welches sich vom nördlichen Holland bis 
zu der Wasserscheide zwischen der Nordsee und dem schwar- 
zen Meere ausbreitet, wird durch den Lauf der unteren Elbe 
in zwei Theile getrennt , deren westlicher eine fast gleich- 
förmige Ebene bildet, die sich fast ohne Höhenzüge und 
ohne stehende Gewässer, ausser am Rande des Meeres, gleich- 
förmig ausbreitet. Das Steinhuder Maar und der Dümmer- 
See bei Diepholtz, sowie der kleine Arendsee, dicht an der 
Elbe, sind die einzigen Wasser- Ansammlungen in dieser west- 
lichen Fläche. 

Jenseits der Elbe dagegen beginnen Höhenzüge und mit 
ihnen spaltenförmige Vertiefungen in der Oberfläche, welche 
mitunter tiefer als das Niveau der nächst gelegenen Meere 
hinabgehen , und damit Veranlassung geben zur Bildung 
zahlloser Seen, welche von der Elbe an, zu Tausenden bis 
nach Polen und Russland hinein, sich verbreiten. 

Es sind diese Wasseransammlungen vorzüglich in den 
höher gelegenen Gegenden zu Hause, so dass man sicher 
sein kann, im Allgemeinen auch die höchsten Erhebungen 
des Flachlandes da zu finden , w t o diese in grösserer Zahl 
auftreten. 

Die Verbreitung von Landrücken schliesst sich in der 
Nähe der älteren Gesteine der Richtung an , welche in die- 
sen vorherrschend erscheint, und Leopold v. Buch hat schon 



340 

vor 25 Jahren darauf hingewiesen, dass dies für das nörd- 
lichste Deutschland die Richtung von Südost gegen Nord- 
west ist. 

In dieser Richtung liegen die schwachen Erhebungen 
nördlich der Oder, ober und unter Breslau, welche den Na- 
men der ,.Trebnitzer Berge" führen, sowie der Flemming 
und das Plateau der Lüneburger Heide, und derselben Rich- 
tung folgen die Niederungen, in denen die Elbe und die Oder 
ihren Lauf nehmen. 

Weiter entfernt vom gebirgigen Festland des mittleren 
Deutschlands folgen die Höhenbildungen, wie es scheint, an- 
deren Gesetzen, da die Erhebungen in Mecklenburg, Pom- 
mern und Preussen nicht mehr mit der erwähnten Hebungs- 
linie in Zusammenhang zu stehen scheinen. 

Durch diese Oberflächen- Verhältnisse ist der Ablauf der 
Gewässer durch die Ebene bestimmt und v. Buch hat zu- 
erst darauf hingewiesen, wie bei den grösseren Strömen die 
Hauptrichtung, von Südost gegen Nordwest, bei verschiede- 
nen Gewässern doch nur eine gerade fortsetzende Linie 
bildet. 

Er zeigte, wie das Thal der Elbe von Dresden bis Mag- 
deburg in derselben Richtung fortgesetzt wird durch den 
Lauf der Aller und Weser bis Bremen und wie der Lauf 
des Oder -Thaies vom Süden der Trebnitzer Berge bis süd- 
lich von Frankfurt zusammenfällt mit der Richtung der un- 
teren Elbe von Havelberg bis über Hamburg hinaus. 

Der verstorbene Friedrich Hoff mann hat es versucht 
darzuthun, dass man annehmen kann, es habe wirklich frü- 
her bei einer höheren Lage der Flussthäler, ehe sie sich bis 
zu der jetzigen Tiefe im lockeren Boden der Ebene einge- 
schnitten hatten, ein solcher Lauf der Elbe durch das Thal 
der Oehre über den Drömling fort, zum jetzigen Aller- und 
Weser-Thal statt gefunden, und ich habe mich bemüht, in 
einem Aufsatz über den ehemaligen Lauf der Oder zu bewei- 
sen, dass dieser südlich von Frankfurt sich unter ähnlichen 
Verhältnissen nicht gegen Norden, sondern gegen Westen 



341 

wendete, und das Thal bildete, in dem von Müllrose bis Span- 
dau jetzt die Spree läuft und das von dort bis Havelberg vom 
grossen havelländischen Lug eingenommen wird. 

In diesen Gegenden sprechen die Oberflächen - Verhält- 
nisse schlagend für diese Annahme, da eine besondere Ver- 
anlassung gewesen sein muss, welche die Spree nöthigte, 
den weiten und langsamen Abfluss von Müllrose bis zur Elbe 
zu nehmen, während sie viel leichter und schneller durch 
das Thal des jetzigen Müllroser Canals mit 80' Gefälle auf 
drei Meilen Entfernung zur Oder hätte gelangen können. 
Würde man jetzt die Schleusen dieses Canals öffnen, so 
würde die ganze Spree ein Nebenfluss der Oder werden. 

Diese merkwürdige Erscheinung erklärt sich nur dadurch, 
dass man eine allmälige Ablenkung der Oder aus ihrem 
ehemaligen Lauf, über das Plateau von Frankfurt fort, an- 
nimmt, welche bei alljährlichem Hochwasser nach und nach 
den schmalen Abzugskanal eingeschnitten hat, in dem sie 
jetzt von Brieskow bis Göritz läuft. Während dadurch die 
Wassermenge im alten Thale nach und nach vermindert 
wurde, konnte die Spree an der östlichen Seite ihrer Mün- 
dung ins Oderthal allmälig die Sandmassen aufwerfen und 
verbreiten, welche später, als die Oder diesen Lauf ganz ver- 
lassen hatte, ihren Abfluss zum neugebildeten Thale verhin- 
derten. 

Verfolgt man die Ränder des Oder -Thals am linken 
Ufer von Neuzelle abwärts, so sieht man, dass diese in nord- 
westlicher Richtung oberhalb Fürstenberg bis nach Müllrose 
ununterbrochen fortsetzen. Ebenso kann man auf der Nord- 
seite des Müllroser Thals, von Brieskow aufwärts, einen deut- 
lichen Thalrand verfolgen, welcher mit dem Thalrand der 
Spree von Briesen und Fürstenwalde ununterbrochen zusam- 
menhängt, so dass hiedurch das südliche Plateau von Bees- 
kow, Müllrose und Fürstenberg von dem nördlichen Plateau 
von Frankfurt, das bis über Berlin hinaus fortsetzt, scharf 
getrennt wird. Während nun solche bestimmte Einschnitte 
in unserem Tieflande nur durch den Lauf der Gewässer ge- 

Zeits. d. d. geol. Ges. I. 3. 23 



342 

bildet werden, ist doch in diesem Thale zwischen Spree und 
Oder jetzt gar kein fliessendes Gewässer vorhanden ; was um 
somehr dazu drängt, einen ehemaligen Flusslauf als Ursache 
dieses Einschnittes anzunehmen. 

Wenn es hiernach erlaubt scheint, den ehemaligen Oder- 
lauf in das jetzige Spreethal zu legen , so können wir doch 
nicht den weiter westlichen Abfluss dieses Stromes mit dem 
jetzigen Lauf der Spree und Havel vereinigen, da die Rich- 
tung der Niederung, welche zwischen Spandau und Tegel 
sich ausbreitet, ihre unmittelbare Fortsetzung im grossen ha- 
velländischen Lug und in dem Rhinthal gegen Havelberg 
findet. Die Thalgehänge, welche unterhalb Berlin auf der 
Nordseite bei Dalldorf, Tegel und Heiligensee bestimmt er- 
scheinen, finden ihre Fortsetzung jenseits der Havel am Rande 
des Plateaus von Wansdorf, Brünefeld, Dechtow bis gegen 
Fehrbellin und setzen dann gegen Neustadt a. d. D. und Ha- 
velberg fort. 

Ebenso erscheinen auf der Südseite die Gehänge von 
Schöneberg und Charlottenburg fortgesetzt im Rande des 
höher gelegenen Landes westlich von Spandau bei Dallgow, 
Zestow, Ribbeck, Friesack und Rhinow bis zu den Hügeln, 
welche südlich von Sandow, Havelberg gegenüber, anstehen. 
Dadurch erscheint die Niederung der Wische, am linken Eib- 
ufer, als eine Ausspülung des ehemaligen Oderstroms, indem 
später, als die Elbe in dieses Thal hineindrang, der frucht- 
bare Schlick- und Thonboden abgesetzt wurde, welcher jetzt 
dieses Tiefland auszeichnet. 

Verbindet man auf diese Weise den mittleren Oderlauf 
mit dem unteren Thal der Elbe, so bildet sich eine gerade 
Linie, welche im Süden der Trebnitzer Berge beginnt, im 
Norden des Flemmings und der Lüneburger Haide fortsetzt 
und parallel der vorerwähnten Richtung von Dresden über 
Magdeburg nach Bremen sich erstreckt. 

Diese Hauptrichtung des Abialls wiederholt sich in ei- 
ner Niederung, welche zwischen diesen beiden grossen Fluss- 
thälern liegt und von der Gegend von Forste a. d. Neisse durch 



343 

den Spreewald über Lübben, Baruth, Luckenwalde und Brück 
gegen Brandenburg und Genthin fortsetzt. 

Gewiss hat sich erst in jüngst vergangener Zeit der 
Lauf des süssen Gewässers in unserer Tiefebene so geregelt, 
wie wir ihn jetzt kennen und ehe im Lauf der Zeit die tief 
eingeschnittenen jetzigen Flussthäler gebildet wurden, hat 
sicherlich ein mannigfacher Wechsel in der Richtung und 
Verbindung der Wasserzüge stattgefunden. 

Noch jetzt kommt ein Beispiel hiefür in Polen vor, wo 
in der niedrigen Gegend zwischen Warschau und Kaiisch 
ein Nebenfluss der Weichsel Bzura mit einem Nebenfluss der 
Warthe bei Lenczyca in so niedriger Gegend zusammen- 
kommt, dass bei hohem Wasserstande in der Weichsel ein 
Theil der Bzura zur Warthe abfliessen soll. Ebenso muss 
bei früherem höheren Lauf der Warthe diese entweder ganz, 
oder doch zum Theil, durch das Obra Bruch zur Oder ge- 
gangen sein. Wir haben hiemit noch jetzt eine fast unmit- 
telbare Wasser-Communikation zwischen Weichsel und Oder. 

Die Canal- Verbindung, durch welche man künstlich die 
Weichsel mit der Netze vereinigt hat, ist aber auch nur 
möglich geworden durch jene Vorarbeiten der Natur, welche 
es erlaubten bei Müllrose Spree und Oder zu verbinden. 
Der Bromberger Canal liegt ebenso in einem verlassenen 
Strombette, wie der von Müllrose. Dieselben Oberflächen- 
Erscheinungen, welche dazu nöthigen das Oderthal mit dem 
jetzigen Spreethal zu vereinigen, zwingen auch dazu, bei 
Bromberg einen ehemaligen Lauf der Weichsel durch das 
Thal der Netze und W r arthe in den jetzigen unteren Oder- 
lauf anzunehmen. 

Es mag im ersten Augenblick gewagt erscheinen, einem 
Strome, der so nah dem Meere sich befand als die Weichsel 
bei Bromberg, einen so weit westlichen Lauf noch zuzumessen ; 
allein es ist diese Entfernung nicht grösser von Bromberg 
bis Stettin, als die von Brieskow südlich Frankfurt bis nach 
Hamburg. Der Landrücken, welcher durch Pommern und 
Preussen sich hinzieht, erreicht gerade an der unteren Weich- 

23* 



344 

sei eine Erhebung von mehr als 1000 Fuss und dieser hat 
daher mit seinen Ausläufern wahrscheinlich ehemals den Ab- 
fluss des Stromes gegen Norden erschwert. 

Man überzeugt sich bald von der Wahrscheinlichkeit 
dieser Annahme, wenn man das Thal der Netze etwas näher 
ins Auge fasst. Der kleine Fluss, der zwischen Bromberg 
und Nakel mit sehr schwachem Gefälle von Süden her in 
ein breites offenes Thal hineintritt, hat unmöglich diese tiefe 
Auswaschung hervorbringen können, die meist mehr als j 
Meile Breite und an einigen Stellen wie z. B. bei Chodzie- 
sen J- Meilen Breite erlangt. Ausserdem zeigt sich hier 
dieselbe Erscheinung zwischen Netze und Weichsel wie zwi- 
schen Spree und Oder. Vertieft man den Bromberger Canal 
ein wenig, so läuft die Netze mit mächtigem Gefälle in die 
Weichsel und nicht in die Oder. 

So wie man annehmen muss, dass die Oder die Aus- 
waschung der Wische in der Altmark hervorgebracht hat, 
so hat die Weichsel das Oderbruch gebildet. Wenn man 
die Gehänge des Oderbruches näher untersucht, so erstaunt 
man über die schmale hohe Landzunge, welche von Lebus 
bis Reitwein gegen Norden vorspringt und dann über Bo- 
delzig fast in derselben Richtung wieder zurückkehrt. Das 
Plateau erhebt sich hier 80 — 100' über die Niederung und 
man sieht leicht ein, dass unmöglich die gegen Norden ab- 
fliessende Oder eine solche Ausspülung hätte hervorbringen 
können. Diese erscheint aber einfach als eine Fortsetzung 
des südlichen Randes vom Netze-Thal, das sich hier gegen 
Norden wendete, und auf der Südseite denselben Bogen 
zwischen Reit wein und Seelow macht, wie auf der Nordseite 
zwischen Tamsel und Klossow. 

Zwei andere Erscheinungen unterstützen diese Annahme 
noch wesentlich, nämlich das weite leere Thal der Randow 
und die drei Mündungen der Oder in die Ostsee. Die 
grosse Thalweitung, in deren Mitte Vierraden liegt, so wie 
das weite Thal, das fast ohne Gewässer von hier gegen 
Norden bis Ukermünde fortsetzt, ist offenbar nicht von der 



345 

Oder gebildet und derselbe Strom brauchte zu seinem Aus- 
fluss in die Ostsee kaum den einen weiten Durchbruch der 
Swine, wie viel weniger noch 2 Nebenwege, um in das 
Meer zu gelangen. Wer die Gegend, zwischen Misdrow und 
Swinemünde näher untersucht hat, wird sich überzeugt ha- 
ben, dass hier allein schon mehr Raum als nöthig vorhanden 
war, einen^Strom wie die Oder, selbst beim höchsten Was- 
serstande ins Meer zu führen, wie viel weniger bedurfte es 
noch zweier flussähnlich eingeschnittener Mündungen, wie die 
der Peene bei Wollgast und die der Diewenow bei Wol- 
lin. Es musste ein viel grösserer Strom sein, der unter- 
halb Schwedt 2 mächtige Ausflussthäler bildete, und mit 3 
Mündungen sich in das Meer ergoss, und das war die 
Weichsel. 

Wenn so die Einzelheiten der Oberflächen-Verhältnisse 
besonders durch die Einwirkung des süssen Gewässers auf 
die lockeren Schichten, welche die Oberfläche bedecken, her- 
vorgerufen sind, so scheinen doch die Terrain- Verhältnisse 
im Grossen Bewegungen der Massen ihren Ursprung zu ver- 
danken, welche von tiefer liegenden geologischen Ursachen 
herrühren. 

Vulkanische und plutonische Gesteine treten zwar in der 
norddeutschen Tiefebene anstehend nicht auf und von den 
älteren neptunischen Gesteinen bis zur Kreide kommen nur 
einzelne kleine Lager zwischen den Tertiär-Bildungen zum 
Vorschein, aber doch müssen wir annehmen, dass die Erhe- 
bungen der Landrücken und die Bildung mancher tiefen 
Spalten, auch in losen Gesteinen, eine Folge der Bewegun- 
gen im Erd- Innern sind, welche auch ältere und festere 
Massen anderer Gegenden erhoben und zerrissen haben. Wir 
finden nämlich, wo man bisher die tieferen Schichten unseres 
aufgeschwemmten Landes untersucht hat, diese nicht mehr 
in ursprünglicher horizontaler Lagerung, sondern mannigfach 
erhoben und gesenkt, wie dies von den ältesten Schichten an 
in den neptunischen Bildungen vorzukommen pflegt. 

Man hat über diese Lagerungs-Verhältnisse in neuester 



346 

Zeit mannigfachen Aufschluss dadurch gewonnen, dass man 
in ihnen Braunkohlenlager entdeckt, und diese an vielen 
Punkten ausgebeutet hat. 

Die Braunkohlen-Bildungen treten als unterste Lage der 
Tertiärgesteine unseres Tieflandes auf. Sie bedecken da, wo 
sie das anstehende Gestein erreichen, dieses zuerst, und legen 
sich, so z. B. in der Magdeburger Gegend, auf bunte Sand- 
lagen auf, welche der Analogie nach zum Keuper gerechnet 
werden müssen. Von der Elbe bis über die Oder hinaus 
begleiten sie den Rand der älteren Gesteine und setzen dann 
gegen Norden bis gegen die Nord- und Ostsee, sowie gegen 
Osten bis über den Niemen fort. Mehrere tausend Quadrat- 
meilen werden, wie es scheint, ununterbrochen von ihnen be- 
deckt und sie bieten damit einen Reichthum an Brennmate- 
rial dar, der mit den mächtigsten Kohlen -Ablagerungen an- 
derer Gegenden wetteifern kann. Zwar befinden sich die 
Schichten derselben nicht überall unter Verhältnissen, welche 
den Abbau leicht und nicht kostspielig machen, aber doch 
giebt es zahlreiche Punkte, in denen dieses wichtige Hülfs- 
mittel der Cultur und Industrie zu einem äusserst geringen 
Preise in ausserordentlichen Quantitäten gewonnen werden 
kann. 

So würden z. B. die Lager der Rauenschen Berge bei 
Fürsten walde allein nach ungefährer Schätzung 1200 — 1500 
Millionen Cubikfuss Kohlen liefern können, was für den Be- 
darf von Berlin auf 150 — 200 Jahre ausreichen könnte. 
Und doch sind diese Rauenschen Berge nur einer der vielen 
Punkte, welche zwischen Elbe und Oder den Bau der Braun- 
kohlen unter günstigen Verhältnissen gestatten. 

Die ganze Formation ist wesentlich eine Sandbildung, 
in der die Kohlen als untergeordnete Zwischenlagen auftre- 
ten. Der Sand, in dem sie liegen, ist theils grau, theils weiss, 
niemals aber von gelber, brauner oder röthlicher Färbung. 
Zwar finden sich in der unmittelbaren Nähe der Kohlenlager 
gelbliche und bräunliche Schichten, aber diese Farbe ist nicht 
dem Quarz des Sandes eigentümlich, sondern bituminösen 



347 

Ursprungs und aus den Kohlen in ihn hineingezogen. Die 
Quarzkörner sind an sich entweder farblos oder milchweiss, 
dabei sehr gleichkörnig und von keinem anderen Mineral be- 
gleitet, als von kleinen weissen Glimmerschüppchen. Diese 
einfache Zusammensetzung, sowie die Gleichkörnigkeit dieses 
meist sehr feinen Sandes und der Mangel aller fremden Ge- 
schiebe charakterisiren ihn sehr scharf. In den oberen 
Schichten über den Kohlenlagern kommen zwar mitunter 
grobkörnigere Sande vor, aber immer enthalten sie nur weis- 
sen Quarz, kleine Glimmerschuppen und mitunter einzelne 
schwarze Kieselschiefer. In diesen oberen Lagen treten auch 
untergeordnete Thonlagen auf, von denen man nicht sagen 
kann, ob sie noch zu den Braunkohlen-Bildungen oder zu der 
darauf folgenden Abtheilung zu rechnen sind, nie habe ich 
aber bis jetzt reine Thonlager zwischen den Braunkohlen ge- 
funden. Ein kohlen - und schwefelkiesführender Thon tritt 
in der Gegend von Freienwalde, Buckow, Frankfurt und 
Fürstenwalde über den Kohlen auf und wird bei Freien- 
walde als Alaun -Erz benutzt. Der feine gleichförmige Sand, 
welcher über und zwischen den Kohlenlagern sich findet, 
dient als Formsand für die Eisengiessereien und wurde vor 
einiger Zeit von Fürsteuwalde aus sogar nach England aus- 
geführt. 

Die Beschaffenheit der Kohlen ist in den verschiedenen 
Lagern, welche übereinander vorkommen, nicht völlig gleich, 
sondern es gilt die Regel, dass die oberen lockerer und bröck- 
licher, die unteren dagegen fester und an Brennstoff reicher 
sind. Diese unteren Kohlenlager geben den Braunkohlen an- 
derer Gegenden nichts nach, nur können sie nicht mit den 
Kohlen von Böhmen oder Hessen verglichen werden, welche 
durch die Nähe oder Berührung de3 Balsates verändert und 
gewissermassen verdichtet worden sind. 

Die Lagerung der Kohlenschichten ist an den Stellen, 
wo man sie bisher in Angriff genommen hat, meist eine ziem- 
lich unregelmässige gewesen, indem sie viele Sättel und Mul- 
den bilden, die zwar nicht so grossartig wie bei den Stein- 



348 

kohlen sich verwerfen, aber doch auch nie auf weite Strecken 
hin gleichmässig fortsetzen. 

Ueber die Braunkohlen - Bildungen fort lagert sich an 
den Stellen, wo diese mehr oder weniger horizontal ausge- 
breitet erscheinen, eine mächtige Thonbildung, welche beson- 
ders in den östlichen Gegenden unseres Tieflandes allgemei- 
ner verbreitet und bedeutend entwickelt scheint. Im Gross- 
herzogthum Posen und an der Weichsel bis gegen Dirschau 
hinab tritt ein mächtiges Thonlager zu Tage, das bei Po- 
sen selbst 120' Mächtigkeit erreicht und den Bildungen des 
London-Thons zugerechnet werden muss. Die Thone dieser 
Abtheilung treten weiter westlich mehr sporadisch auf und 
scheinen besonders da vorzukommen, wo die Braunkohlen- 
Lager nicht aus ihrer ursprünglichen Lage gerückt worden 
sind. Es ist nämlich bemerkenswerth, dass weder bei Frank- 
furt noch bei Fürstenw r alde, Buckow oder Freienwalde diese 
Thone über den Braunkohlen selbst liegen, sowie, dass sie 
auch auf dem Kalklager von Rüdersdorf nirgend vorkommen, 
während sie doch in diesen Gegenden der Mark bei Freien- 
walde und bei Boilersdorf unweit Buckow in unmittelbarer 
Nähe der Kohlen, aber an tiefer gelegenen Punkten abgela- 
gert sind. Es scheint danach, dass sie erst nach der Auf- 
richtung der Braunkohlenschichten an solchen Stellen abge- 
setzt worden sind, wo diese nicht aus ihrem ursprünglichen 
Niveau gehoben waren. Der Beweis, dass diese Thone zu 
der Abtheilung des London-Thons gerechnet werden müssen, 
hat sich dadurch geführt, dass ich vor einigen Jahren in den 
Gräbereien von Hermsdorf zwischen Berlin und Oranienburg 
Versteinerungen entdeckt habe, welche zum Theil mit den 
in England vorkommenden , fast ganz aber mit denen der 
Thonlager von Belgien und Holland gleichen Alters überein- 
stimmen. Sie enthalten auch ganz wie die englischen Thone 
eigenthümliche eisen- und thonhaltige Konkretionen, welche 
unter dem Namen der London-Thon-Septarien lange bekannt 
sind und in England allgemein zur Darstellung von Cement 



349 

benutzt werden. Auch in unseren Gegenden wird man 
hoffentlich bald dazu kommen, dieses vortreffliche Material zu 
gleichem Zwecke zu benutzen. 

Ueber den Thonlagen findet sich an einigen Stellen ein 
feinkörniger Sand mit Glimmerschüppchen, ähnlich dem Braun- 
kohlensand, nur dadurch unterschieden, dass er kleine, 
schwarze, feste Körner enthält, die chloritischer Natur zu 
sein scheinen. 

Ueber diese älteren Bildungen fort, legt sich ganz allge- 
mein eine Thon- und Sandbildung, welche am besten durch 
den Namen der nordischen Formation in unseren Gegenden 
bezeichnet wird. Sie besteht zu unterst aus einer Sandschicht, 
die von einem kalkigen mit Sand gemengten Lehm bedeckt 
wird, der an seiner Oberfläche wieder in mehr oder weniger 
mächtige Sandlager übergeht. Das charakteristische Kenn- 
zeichen dieser Bildung liegt in dem Vorkommen der Scan- 
dinavischen und Finnischen Gerolle, welche darin verbreitet 
sind und besonders im Lehm und im oberen Sande ihre 
Lagerstätte haben. 

Die ganze Schichtenfolge verdankt ihren Ursprung der 
Zerstörung der krystallinischen Gesteine und der Transitions- 
und Kreidebildungen, welche in Scandinavien und Finnland 
vorkommen, was sowohl durch einige Arten von granitischen 
und Hypersthen- Gesteinen, als auch durch die Beschaffenheit 
und die Versteinerungen der Kalksteine unzweifelhaft darge- 
than wird. Ausserdem ist auch die Zusammensetzung des 
Sandes so eigentümlich und von den älteren Sandbildungen 
so verschieden, dass auch dadurch schon ein angenehmes 
Kennzeichen zur Unterscheidung derselben von den London- 
Thon- und Braunkohlen-Bildungen gegeben ist. Dieser obere 
Sand enthält keinen weissen Glimmer und keinen weissen 
Quarz, sondern nur gelbe meist durchsichtige Quarzkörner 
und als steten Begleiter fleischrothen unzersetzten Feldspath. 
Auch das Korn des Gemenges ist fast niemals so gleichförmig 
und so fein, als das des älteren Sandes, da überall Brocken 
jener nordischen Gesteine darin vorkommen, die bis zu der 



350 

Grösse von 25' Durchmesser, wie ihn der Markgrafen stein*) 
in den Rauenschen Bergen zeigte, sich finden. Durch diese 
Zusammensetzung erscheint die Farbe des nordischen Sandes 
immer erbsgelb, was ihn schon im Grossen und Ganzen eben- 
falls von den älteren Sanden unterscheidet. 

Eine ähnliche, nur etwas dunklere Farbe zeigt der Lehm, 
der zwar ursprünglich blaugrau gefärbt ist, was man an 
manchen Stellen an seinen tiefsten Lagen noch erkennen 
kann, durch den Einfluss des lufthaltigen Wassers aber sei- 
nen färbenden Gehalt an kohlensaurem Eisenoxydul verloren 
und gelbbraunes Eisenoxyd-Hydrat gebildet hat. 

Wo die Einwirkung des fliessenden Wassers diese Bil- 
dungen nicht zerstört und zum Theil fortgeführt hat, da be- 
decken sie in gleichförmiger Lagerung die ganze Oberfläche 
des norddeutschen Tieflandes und nur in Flussbetten oder 
Seebetten finden wir die Verhältnisse geändert. Hier hat 
das Gewässer die feinen Theile des Thones und Kalkes aus- 
o-eschlemmt und nur den Sand zurückgelassen , der hin und 
wieder in manchmal weiter Ausdehnung Sandsteppen und 
dünenartige kleine Rücken bildet. 

So finden sich dergleichen im ehemaligen Oderbett von 
Fürstenberg bis Havelberg verbreitet und auch in der Niede- 
runo* zwischen dem Spreewald und der Elbe an vielen Punk- 
ten. Die Lange - Horst und die ihr parallelen kleinen Dü- 
nenzüce zwischen Baruth und Luckenwalde zeigen solche 
Süssw r asser-Dünen, die meilenweit ununterbrochen fortsetzen. 

An einigen Stellen, wie z. B. im Havelland zwischen 
Brandenburg, Genthin und Rathenow, hat der auf diese Weise 
aus^eschlemmte Thon sich in den weiten Niederungen dieser 
Gebend als jüngste Bildung wieder abgesetzt, und bildet dort 
unmittelbar unter der Pflanzendecke der Wiesen eine wenige 
Fusß starke Schicht, welche das Material zu den schweren 
bei uns sogenannten Rathenower Mauersteinen liefert. Auch 



*) Die grosse Schaale vor dem Museum zu Berlin ist aus dem grös- 
seren Theil dieses Steins gearbeitet worden. 



351 

diese Bildung ist daher als ein Produkt des süssen Wassers 
anzusehen. 

Wo die Gehänge des allgemeinen Plateaus nicht sehr 
scharf gegen die Niederungen abgeschnitten sind, sieht man 
die vorerwähnten Lagerungs- Verhältnisse selten zu Tage 
kommen, da an jeder flachansteigenden Erhöhung der ausge- 
schlemmte Sand den Abhang bedeckt. Man sieht dies deut- 
lich an vielen Stellen der Spree- und Oder-Ufer, wie z. B. 
an der Hasenhaide bei Berlin, an den Gehängen zwischen 
Schöneberg und Charlottenburg und an den westlichen Rän- 
dern des Oderbruchs. Die Durchstiche für die Eisenbahnen, 
welche von Berlin ausgehen, haben dies, sowohl bei der 
Potsdamer, als bei der Anhaltischen und Stettiner Bahn deut- 
lich dargethan. Die Bahnen nach Hamburg aber und nach 
Frankfurt, welche weithin im alten Oderthale fortgehen, ha- 
ben dies nicht zeigen können. 

Auf dem Plateau ist die oberste Sandschicht meist nicht 
mächtig, so dass der darunter liegende Lehm durch den 
Ackerbau erreicht wird, und der beste Ackerboden unserer 
Gegenden ist daher im Allgemeinen auf diesem höheren Ter- 
rain zu suchen. Hier findet man es daher je länger je mehr 
vorteilhaft, den Boden zum Ackerbau zu verwenden, und die 
Wälder verschwinden von diesen Flächen , während ihre 
Cultur in den Niederungen, wo die Lehmschicht fortgerissen 
wurde, und nur Sand oft in weiter Ausdehnung zurückblieb, 
als die vortheilhafteste Verwerthung des Bodens erscheint. 
So liegen denn auch zwischen Berlin und Frankfurt die be- 
deutendsten Waldungen im weiten alten Oderbett und wer 
jemals von den Kranichsbergen bei Erkner einen Blick ge- 
gen Süden und Osten gethan hat, wird erstaunt gewesen 
sein über das schwarze Meer von Kiefern, das sich meilen- 
weit zu seinen Füssen ausbreitet. 

Diese doppelte Art der Cultur unseres Bodens wird hoffent- 
lich je länger je mehr um sich greifen, besonders da man 
entdeckt hat, dass die tieferen Schichten der nordischen 
Lehmbildung bei einem grösseren Kalkgehalt als die oberen 



352 

sich meist vortrefflich zum Mergeln der sandigen Felder 
eignen. 

Die Niederungen, welche durch die Einwirkung des 
Gewässers auf diese Weise gebildet oder bedeckt worden 
sind, sind immer, da das Wasser nur allmälig von ihnen sich 
entfernt hat, mit einer Schicht schwarzen sauren Humusbo- 
dens bedeckt, der an günstigen Stellen die Veranlassung zu, 
mitunter ausgedehnten, Torflagern gegeben hat. Solche Torf- 
lager sind die des Havelländischen Luches und der daran 
grenzenden Niederungen, Bildungen, welche durchaus nicht 
mit den Torfmooren der Gebirge oder der westdeutschen 
Niederungen verwechselt werden dürfen. Bleiben solche Moor- 
gegenden lange Zeit dem Zugang des Wassers ausgesetzt 
und sind eisenhaltige Sand- oder Thonschichten in ihrer Nähe, 
so pflegen sich Raseneisenstein-Absätze zu bilden, wie dies 
in der Niederlausitz, in der Gegend von Peitz und zwischen 
Baruth und Luckenwalde noch jetzt geschieht. 

Dies Beides, die Bildungen von Torf und Raseneisen- 
stein, sind die Erscheinungen, welche in unseren Gegenden 
die geologische Thätigkeit aus der Vergangenheit in die Ge- 
genwart hinüber führen. 



Ueber die zur Granitgruppe gehörenden Gebirgsarten. 

Von Herrn Gustav Rose in Berlin. 

(Vorgetragen in den Sitzungen der Gesellschaft am 4. Juli und am 

1. August.) 

Das Ansehen der zur Granitgruppe gehörenden Gebirgs- 
arten ist so mannigfach, die Zahl der Abänderungen so gross, 
dass es eine vergebene Mühe zu sein scheint, zu bestimmten 
Gesetzen in der Vertheilung der diese Gebirgsarten zusam- 
mensetzenden Mineralien zu gelangen. Auch ist dies wohl 
durch das Studium der in den Sammlungen aufbewahrten 
Exemplare nicht möglich ; bei Untersuchungen in der Natur 
ist es jedoch anders; man sieht, was herrschend oder unter- 



353 

geordnet ist, was ineinander übergeht oder von einander ge- 
schieden bleibt, und gelangt so zu einer gewissen Ueberzeu- 
gung. Ich habe mich seit einer Reihe von Jahren mit 
geognostischen Untersuchungen in Gegenden beschäftigt, in 
denen der Granit herrschend vorkommt, wie in Schlesien, der 
Lausitz, Sachsen, im nördlichen Böhmen und im Harze; ich 
habe mit dem Granite dieser Gegenden den von anderen 
Ländern verglichen, den ich theils an Ort und Stelle gese- 
hen habe, theils in der hiesigen Königlichen Sammlung vor- 
fand, die durch den Reichthum ihrer Localsammlungen, Dank 
den Bemühungen so vieler ausgezeichneten Geognosten. viel- 
leicht einzig in ihrer Art ist, und will nun in der Kürze die 
Resultate meiner Untersuchungen einer verehrten Gesellschaft 
zur Prüfung vorlegen. 

Die zur Granitgruppe gehörenden Gebirgsarten sind 
hauptsächlich Gemenge von 6 Mineralien, von Feldspath, 
Oligoklas, Quarz, weissem (Kali-) Glimmer, 
seh warzem (Magnesia-) Glimmer und Hornblende, 
anderer unwesentlicher Gemengtheile nicht zu erwähnen, 
und sind, wie mir scheint in 5 Gebirgsarten zu theilen, die 
ich vorläufig mit den Namen : 

1) Granit, 

2) Granitit, 

3) Syenit, 

4) Porphyr, 

5) Syenitphorphy r 

bezeichnen will. Vielleicht sind auch der Diorit und der 
Dioritporphyr zu dieser Gruppe zu zählen, doch habe ich 
diese noch nicht hinreichend untersucht, und schliesse sie da- 
her hier noch aus. 

a. Wesentliche Gemengtheile. 

1) Der Feldspath der Granitgruppe ist gewöhnlich 
von weissen und rothen, seltener von gelben Farben, gewöhn- 
lich nur an den Kanten durchscheinend, und auf den Spal- 
tungsflächen perlmutterartig glänzend. Er findet sich in un- 



354 

regelmässig oder in regelmässig begrenzten theils einfachen 
theils regelmässig verbundenen Individuen, und ist hauptsächlich 
nach den 2 sich unter rechten Winkeln schneidenden Flächen 
P und M sehr vollkommen und mit glatten Flächen spaltbar. 
Die einfachen Krystalle erscheinen gewöhnlich durch Vor- 
herrschen der Flächen P und M als rechtwinklige Prismen, 
die Zwillingskrystalle als symmetrisch - sechsseitige Prismen, 
die durch Vorherrschen der Flächen M mehr oder weniger 
tafelartig werden, und bei denen die Flächen P der verschie- 
denen Individuen in entgegengesetzten Richtungen liegen. 
Die Oberfläche der Krystalle ist natürlich am glattesten, wo 
sie in einer dichten Masse liegen, doch kommen sie auch 
schon in einer kleinkörnigen Masse recht glattflächig vor, 
und lassen sich aus diesen gewöhnlich noch leichter als aus 
den dichten herauslösen. Sie erreichen zuweilen eine Grösse 
von mehreren Zollen, und sind überhaupt in der Regel grös- 
ser, wenn sie in einer körnigen Masse, als wenn sie in einer 
dichten liegen. 

Zuweilen bemerkt man an dem Feldspath einen eigen- 
thümlichen blauen Lichtschein, der sich, w 7 as noch auszuma- 
chen ist, entweder auf der Abstumpfungsfläche der stumpfen 
Seitenkante des rhombischen Prisma von ungefähr 119° oder 
auf einer unter einem sehr spitzen Winkel gegen die Axe 
geneigten, hinteren schiefen Endfläche findet, die aber als 
Krystallfläche noch nicht beobachtet ist. 

Der Feldspath der Granitgruppe enthält, wie es scheint, 
stets etwas Natron , und noch geringere Mengen Kalkerde, 
doch sind die Analysen, wenigstens die neueren, bei denen 
man erst auf die Anwesenheit des Natrons Rücksicht genom- 
men hat, selten mit Stücken gemacht, die aus dem Gemenge 
herausgeschlagen sind, sondern gewöhnlich mit Krystallen, 
die in Drusenräumen vorkommen, daher sich noch nichts Be- 
stimmtes in dieser Rücksicht sagen lässt. 

2) Der Oligoklas ist von gelblich-, grünlich-, grau- 
lich- oder schneeweisser Farbe, und in Vergleich mit Feld- 
spath gewöhnlich, doch nicht immer, von geringerer Durch- 



355 

scheinenheit und geringerem auch mehr fettartigem Glänze. 
Er findet eich gewöhnlich in unregelmässig, seltener in re- 
gelmässig begränzten Individuen , und dann in breiten un- 
symmetrisch sechsseitigen Prismen , und ist ähnlich wie der 
Feldspath vorzugsweise nach zwei Richtungen spaltbar; die 
erste Spaltungsfläche P ist aber hier unter einem Winkel 
von ungefähr 93y ° gegen die zweite M geneigt , und in 
Folge einer stets vorkommenden Zwillingsverwachsung nach 
den Kanten mit M mehr oder weniger fein gestreift.*) In 
Kücksicht der Grösse der Individuen steht er gewöhnlich 
dem Feldspath sehr nach. 

Der Oligoklas kommt nicht selten in regelmässiger Ver- 
wachsung mit dem Feldspath vor, beide Minerale haben dann 
Hauptaxe und Abstumpfungsfläche der scharfen Seitenkante 
(d. i. die zweite Spaltungsfläche M) in paralleler Lage. Der 
Oligoklas ist aber später gebildet, und umgiebt stets den 
Feldspath in einer mehr oder weniger dicken Hülle, nie um- 
gekehrt. Die ersten Spaltungsflächen 
P beider Minerale fallen nun beinahe 
in eine Ebene, die des Oligoklas er- 
scheint aber auch hier stets auf die an- 
gegebene Weise gestreift, wie in neben- 
stehender Figur angedeutet ist, welche 
den Durchschnitt einer solchen Ver- 
wachsung parallel P aus dem Granitit 
von Wiborg nach einem Stücke in der 
Berliner Sammlung in natürlicher Grösse 
darstellt. 
3) Der Quarz ist am häufigsten graulichweiss, zuwei- 
len auch rauchgrau, blaulich- und milch weiss, und findet sich 

*) Jedes auf den Flächen P gestreifte scheinbar einfache Individuum 
ist nämlich immer eine Grnppe vieler regelmässig verbundener Indivi- 
duen , von denen je 2 benachbarte eine Fläche M zur Zwillingsebene, 
und je 2 abwechselnde dieselbe Lage haben. Diese Streifung ist aber 
ein glücklicher Umstand für die Erkennung des Oligoklases, indem er 
sich hierdurch gleich von dem Feldspath unterscheiden lässt , selbst wo 
er mit diesem von gleicher Farbe ist. 



356 

in Körnern, körnigen Partieen oder in Krystallen mit mehr 
oder weniger abgerundeten zuweilen auch sehr scharfen Kan- 
ten. Die Krystalle sind dann in der Regel nur Hexagon- 
Dodecaeder, an den Seitenkanten gar nicht oder nur schwach 
abgestumpft. 

4) Der weisse (Kali-) Glimmer ist silber- bis gelb- 
lich-weiss, und findet sich in unregelmässig begränzten Blätt- 
chen, zuweilen auch in deutlichen rhombischen Tafeln. 

5) Der schwarze (Magnesia-) Glimmer ist dun- 
kel tombakbraun bis pechschwarz oder dunkel lauchgrün bis 
grünlichschwarz und gewöhnlich von geringer Durchsichtig- 
keit, so dass er oft in sehr dünnen Blättchen noch nicht 
durchscheinend ist. Er findet sich auch in unregelmässig 
begränzten Blättchen, doch schon häufiger als der weisse 
Glimmer in regelmässiger Begrenzung und zwar in sechs- 
seitigen Tafeln.*) Nicht selten finden sich die braunen Ab- 
änderungen des Glimmers in regelmässiger Verwachsung mit 
dem weissen und zwar so dass die Spaltbarkeit aus dem einem 



*) Ist der Magnesia -Glimmer der Granitgruppe identisch mit dem 
grünen Glimmer vom Vesuv, dem einzigen, den ich messbar befunden 
habe, so sind die Tafeln symmetrisch-sechsseitige Tafeln, wenn sie auch 
in den Winkeln den regulären nahe kommen, da die Krystalle vom Ve- 
suv zwei- und eingliedrig sind. (Vergl. Poggendorffs Annalen B. 61 
S. 384). Es ist aber möglich, dass der braune Glimmer eine von dem 
grünen ganz verschiedene Gattung bildet, und demnach in einer verschie- 
denen Krystallform vielleicht in regulären 6seitigen Tafeln krystallisirt, 
weil er sich in der That von dem grünen immer sehr getrennt hält. 
Derselbe findet sich, wie später gezeigt werden wird, im Granit, der an- 
dere im Granitit; nur sehr selten kommt in dem ersteren neben dem 
weissen und braunen Glimmer auch grüner vor, wie z. B. in dem Gra- 
nit von Thale am Harz ; aber auch dieser Umstand , dass sie an einer 
und derselben Stelle nebeneinander vorkommen, spricht nur für eine 
Trennung derselben. Chemische Untersuchungen dieser Glimmer, wie 
überhaupt der Mineralien, die das Gemenge der Gebirgsarten ausmachen, 
besitzen wir leider noch sehr wenig. Der grüne Glimmer aus dem Gra- 
nitit von Rosendal bei Stockholm ist nach Svanberg's Analyse nicht 
sehr abweichend von dem grünen Glimmer aus dem Miascit und vom 
Vesuv nach den Analysen meines Bruders und von Brom eis, von dem 
braunen Glimmer aus dem Granite sind mir aber gar keine Analysen 
bekannt. Es wäre daher sehr wünschenswerth , dass auch dieser unter- 
sucht und mit dem grünen genau verglichen würde. 



357 

in den andern in unveränderter Richtung fortsetzt, der weisse 
Glimmer aber an den Rändern den braunen umhiebt, so dass 
der letztere der später gebildete sein muss, wie in nebenste- 
^s^ hender Fig., welche den Durchschnitt parallel der 
^^ Spaltungsfläche einer solchen Verwachsung aus dem 
Granit des Capellenberges bei Schönberg im Voigtlande in 
natürlicher Grösse darstellt.*) 

6) Die Hornblende ist von graulichschwarzer Farbe, 
undurchsichtig und findet sich in mehr oder weniger grossen, 
gewöhnlich unregelmässig begränzten, wo sie als unwesent- 
licher Gemengtheil vorkommt, oft nur sehr kleinen prismati- 
schen Krystallen, die nach den 2 unter Winkeln von 124^-° 
sich schneidenden Richtungen sehr deutlich spaltbar sind. 

b. Unwesentliche Gemengtheile. 

1) Granat von rother Farbe, wahrscheinlich Eisenthon- 
granat, in meistens nur kleinen, aber oft sehr scharf be- 
gränzten Krystallen. 

2) Zirkon in Krystallen von brauner Farbe und ver- 
schiedener Grösse, die zuweilen die eines Zolles übersteigt 
wenngleich sie in der Regel viel kleiner ist. 

3) Cordierit in oft ziemlich grossen Krystallen, die 
aber gewöhnlich zersetzt und in Pinit umgeändert sind.**) 

4) Nephelin in kleinen derben Parthieen oder krystal- 
lisirt von grüner und rother Farbe. 



*) Diese Verwachsung ist fast bei je- 
dem Granite zu sehen , wo beide Glimmer •<& 

e « 
vorkommen. Eh renberg beobachtete sie " " 

auch bei dem käuflichen weissen Glimmer, '" 

den man zu mikroskopischen Untersuchun- /* 

gen gebraucht. Hier finden sich, wie die * • 

nebenstehende Figur zeigt, in den weissen 

Blättern häufig kleine dunkelbraune scharf * "*'.'■ 

begränzte sechsseitige Tafeln , oft nur von ^ 

der Grösse einer halben Linie und darunter. 

**) Im frischen Zustande habe ich den Cordierit in den Gebirgsarten 
der Granitgruppe noch nie gesehen. 

Zeits. d. d. geol. Ges. I. 3. o / 



358 

5) Orthit (Buklandit) in gewöhnlich kleinen, seltener 
bis 1 Zoll grossen prismatischen Krystallen von schwarzer 
Farbe, auch in kleinen derben Parthieen. 

6) Polymignit in kleinen schwarzen prismatischen 
Krystallen. 

7) Pyrochlor in kleinen octaedrischen Krystallen. 

8) Titanit in kleinen braunen gewöhnlich stark glän- 
zenden Krystallen, die stets in dem Prisma von 136° krystal- 
lisirt sind. 

9) Apatit in kleinen sechsseitigen Prismen von röthlich- 
brauner oder lauchgrüner Farbe. 

10) Magneteisenerz derb und eingesprengt, auch 
in kleinen Octaedern krystallisirt. 

11) Eisenglanz in kleinen stark metallisch glänzen- 
den Schüppchen. 

12) Eisenkies in kleinen Parthieen eingesprengt. 

13) Kupferkies desgleichen. 

14) Molybdänglanz in sechsseitigen Tafeln krystal- 
lisirt.*) 

Gebirgsarten. 

1. Granit. 

Der Granit besteht aus Feldspath, Quarz, weis- 
sem (Kali-) Glimmer, schwarzem (Magnesia- ) 
Glimmer und Oligoklas. 

Der Feldspath des Granits ist gewöhnlich von weisser 
Farbe, schneeweiss, gelblich- oder blaulichweiss, sehr selten 
röthlichweiss oder fleischroth. Er findet sich in unregelmässig 
begränzten, nicht selten aber auch in regelmässig begränzten 
Krystallen, die selbst zuweilen recht glatte Flächen habe^ 
wie z. B. zu Fichtelberg am Fichtelgebirge, weniger zu Ein- 
bogen. Die Krystalle kommen oft von bedeutender Grösse, zu 
Schönfeld in Böhmen z. B. bis zu einer Länge von 4 Zoll vor. 



*) Ausser diesen unwesentlichen Gemengtheilen kommen noch andere 
in den Drusen vor, die ich aber hier übergehe, weil ich mich nur auf 
das Nothwendigste zur Charakteristik der Gebirgsarten beschränken muss, 



359 

Der Quarz ist graulichweiss, und findet sich in Kör- 
nern, seltener in körnigen Parthieen vereinigt, zuweilen auch 
in kleinen, in den Feldspath unregelmässig eingewachsenen 
Krystallen, wie z.B. am Prudelberg bei Stonsdorf im Hirsch- 
berger Thal, zwischen Liebwerda und Weissbach im Iser- 
gebirge, zu Bohrauseiffersdorf bei Striegau.*) 

Der weisse Glimmer findet sich in unregelmässiii be- 
gränzten Blättchen, zuweilen auch in deutlichen rhombischen 
Tafeln, wie zu Benkendorf bei Schweidnitz, wo der Längen - 
durchmesser der Tafeln 3 Linien, oder am Capellenberge bei 
Schönberg im Voigtlande, wo er zuweilen einen Zoll beträgt. 
Ganz ungewöhnlich erscheint er in dem grobkörnigen Granit 
des Ilmengebirges bei Miask in 2 — 3 Zoll grossen prismati- 
schen Krystallen. 

Der schwarze Glimmer findet sich gewöhnlich von 
schwärzlichbrauner bis dunkel tombakbrauner, sehr selten von 
schwärzlichgrüner Farbe, und kommt sehr gross und regel- 
mässig krystallisirt in Hertigswalde bei Sebnitz, wie überhaupt 
im Lausitzer Granit vor; sehr häufig in regelmässiger Ver- 
wachsung mit dem weissen Glimmer, wie bei Schönberg im 
Voigtlande, Kohlstadt und Langenbrück bei Gablonz in 
Böhmen u. s. w. 

Der Oligoklas findet sich von der angegebenen Farbe 
und Beschaffenheit gewöhnlich nur in unregelmässig , sehr 
selten in regelmässig begrenzten Individuen. 

Von unwesentlichen Gemengtheilen finden sich: 

Hornblende in kleinen unregelmässig begränzten Pris- 
men am Mühlberge bei Striegau in Schlesien. 

Granat in kleinen Krystallen, die oft nur die Grösse 
von Hirsekörnern erreichen , am Zobten und am Schwarz- 
brunner Berg bei Gablonz. 

Orthit in kleinen derben Parthieen am Mühlberge bei 
Striegau. 



*) Die regelmässige Verwachsung von Quarz und Feldspath, die den 
sogenannten Schriftgranit bildet, findet sich immer nur hei den 
Feld6pathkrystallen, die in den Drusen des Granit6 vorkommen. 

24* 



360 

Titanit in sehr kleinen aber stark glänz enden Krystal- 
len in dem Granite von Guhlau bei Schweidnitz, sparsam. 

Apatit in kleinen grünlichweissen Krystallen und Kör- 
nern am Engelberge beim Zobten. 

Eisenkies in kleinen Körnern am Engelberge. 
Der Granit ist grobkörnig bis kleinkörnig, seltener 
feinkörnig; gewöhnlich ist er gleichmässig körnig, seltener 
porphyrartig körnig, wenn der Feldspath die übrigen Ge- 
mengtheile a n Grösse übertrifft, und auf diese Weise in ei- 
nem körnigen Gemenge der übrigen porphyrartig eingewach- 
sen erscheint. Dergleichen porphyrartige Granite kommen 
sehr ausgezeichnet zu Einbogen bei Carlsbad, zu Fichtel- 
berg im Fichtelgebirge u. s. w. vor. 

Zu den Gemengtheilen, die in dem Granit nicht allein 
in der grössten Menge, sondern auch in den grössten Indi- 
viduen enthalten sind, und dem Gemenge nie fehlen, gehö- 
ren Feldspath und Quarz. Ersterer waltet öfter noch vor, 
besonders durch Grösse der Individuen, wie am Prudelberge 
im Hirschberger Thal, zu Fichtelberg und Einbogen, aber 
nicht immer; zuweilen übertrifft der Quarz noch den Feld- 
spath an Grösse wie an Menge der Individuen, wie z. B. 
am Schwarzbrunner Berg bei Gablonz in Böhmen , was be- 
sonders auf der verwitterten Oberfläche zu sehen ist, wo der 
Quarz bei seiner Unzerstörbarkeit hervortritt. Der Glimmer, 
sowohl der weisse als der schwarze, ist überall in dem Gra- 
nite nur in viel geringerer Menge enthalten. Gewöhnlich 
kommen beide Glimmerspecies zusammen vor und in ziem- 
lich gleicher Menge, w T ie am Schwarzbrunner Berg, zuweilen 
ist aber der weisse Glimmer vorherrschend oder nur allein da, 
wie zu Gurkau am Zobten in Schlesien, zu Schönberg im 
Voistlande; an anderen Orten ist wiederum der weisse 
Glimmer in geringerer Menge enthalten, wie beim Lausitzer 
Granit, und fehlt auch gänzlich, wie am Prudelberge, zu 
Einbogen und Marienbad in Böhmen, und zu Guhlau und 
Qualkau zwischen Schweidnitz und dem Zobten. Der Oli- 
goklas kommt meistens in viel kleineren Individuen und in 



361 

geringerer Menge als der Feldspath vor, wiewohl dies Ver- 
hältniss, wo er von gleicher Farbe mit dem Feldspath vor- 
kommt, doch schwer zu schätzen ist; zuweilen scheint er 
auch ganz zurückgetreten. So ist er vorhanden, aber in ge- 
ringerer Menge als der Feldspath, in dem Granite von Ein- 
bogen, er fehlt fast gänzlich in dem Granite vom Prudel- 
berg*) und dem Schwarzbrunner Berg, und ist zuweilen in 
grösserer Menge als der Feldpath vorhanden in dem Gra- 
nite der Lausitz. 

Wollte man hiernach Unterarten machen , so könnte man 
unterscheiden : 

1) Granit mit Feldspath, Quarz, braunem und weissem 
Glimmer und wenigem Oligoklas: Granit vom Schwarz- 
brunner Berg. 

2) Granit mit Feldspath, Quarz, braunem Glimmer, häu- 
figem Oligoklas, und wenigem weissen Glimmer: Granit der 
Lausitz. 

3) Granit mit Feldspath, Quarz, braunem Glimmer, we- 



*) Der Granit vom Prudelberge ist ein Gemenge von weissem Feld- 
spath, graulichweissem Quarz und schwärzlichbraunem Glimmer, worin man 
nur mit Mühe hier und da etwas Oligoklas entdecken kann. Dass dieser 
nur in sehr geringer Menge in diesem Granite enthalten ist , bestätigte 
auch eine chemische Untersuchung, die Herr Whitney in dem Labo- 
ratorium meines Bruders ausführte. Er fand nämlich in den Rückstän- 
den des Granits vom Prudelberg, aus welchem nur Quarz und Glimmer 
ausgesucht waren , im Mittel aus 2 Analysen , von denen die eine mit 
kohlensaurem Natron, die andere mit Flusssäure angestellt war : 



Kieselsäure . 


65,74 


Thonerde . . 


18,28 


Eisenoxyd 


1,32 


Zinnoxyd . . 


0,13 


Kalkerde . . 


1,26 


Talkerde . . 


0,20 


Kali . . . 


. 9,25 


Natron . . 


4,20 



100,38 
Diese Zusammensetzung stimmt sehr gut mit der eines reinen Feldspaths 
überein; das speeifische Gewicht fand er 2,591, wie bei allen sehr natron- 
haltigen Feldspäthen etwas höher als beim Adular. 



362 

nigem oder keinem Oligoklas und keinem weissen Glimmer: 
Granit von Striegau, Guhlau und Qualkau, Einbogen. 

4) Granit mit Feldspath, Quarz, weissem Glimmer ohne 
braunen Glimmer und Oligoklas: Granit von Gurkau am 
Zobten. 

Der Granit ist das verbreitetste Glied der Granitgruppe. 
Er findet sich :*) in Deutschland auf der Ostseite der Sude- 
ten in grosser Erstreckung, bei Striegau, Schweidnitz, am 
Zobten, bei Strehlen und Nimtsch , wenngleich hier nie zu 
hohen Bergen emporsteigend ; im Riesengebirge dagegen 
nur sehr untergeordnet in einer kleinen Parthie am Prudel- 
berg bei Stonsdorf ostwärts von Warmbrunn, und ebenso im 
Isergebirge zwischen Liebwerda und Weissbach, doch ausser- 
dem hier noch an der Südwestseite in einem 4 Meilen lan- 
gen Zuge von Kratzau bis Przischowitz, den Granitit umge- 
bend und den hohen Schwarzbrunn er Berg bildend. Sehr 
verbreitet ist er wieder in der Lausitz von Görlitz bis Bi- 
schofs werda , und im Erzgebirge zwischen Eiben stock und 
Carlsbad, wo der Feldspath röthlich und vieler weisser Glim- 
mer vorhanden , dagegen wieder weiter südlich bei Einbo- 
gen und Marienbad der Feldspath wie der Oligoklas weiss, 
und nur oder fast nur brauner Glimmer in ihm enthalten ist. 
— Im Fichtelgebirge findet er sich ebenfalls sehr ausgezeich- 
net bei Markleuthen und Fichtelberg, die grossen Feldspath- 
krystalle enthaltend, die besonders an letzterem Orte gross 
und glattflächig sind; im Böhmerwald zu Freienstein (in 
Wien als Pflasterstein benutzt); im Mährischen Gebirge bei 
Krzman zwischen Olmütz und Kokor und zu Rudoletz ; im 
Harz endlich am Ramberge und der Rosstrappe auf der Ost- 
seite, und am Ziegenrücken auf der Westseite des Brockens. 



*) Die hier wie bei den übrigen Gliedern der Granitgruppe folgende 
Uebersicbt, weit entfernt vollständig zu sein, giebt wenigstens ein Ver- 
zeichniss der Stellen, an welchen die in Rede stehende Gebirgsart mit 
einiger Sicherheit bekannt ist, da sich von allen genannten Gegenden 
Exemplare der Gebirgsart in der systematischen geognostischen Samm- 
lung des Königl. Mineralien-Kabinets in Berlin befinden. 



363 

In Frankreich findet er sich in den Vogesen bei Bru- 
yeres, mit weissem Feldspath, röthlichem kleinkörnigen Oligo- 
klas und mit weissem und braunen Glimmer, ersteren in deut- 
lichen rhombischen Tafeln enthaltend, und zu Gerardmer, wo 
der Oligoklas wieder blaulichweiss ist; ferner im Forez, z. B. 
an der Noire table zwischen Feurs und Thiers, wie auch in 
der Auvergne bei Clermont in vollkommenster Uebereinstim- 
mung mit dem Elnbogener Granit, endlich in der Bretagne 
bei Pontivy und St. Troffine mit vielem weissen Glimmer. 

In England in Com wall, zwischen Coxtorhill und Pri- 
son of war, grosse weisse Feldspathkrystalle enthaltend, in 
Schottland bei Aberdeen mit röthlichweissem Feldspath, in 
Irland zu Morne. 

In Spanien zu Toledo. 

Im Russischen Reiche findet er sich im Ural nur unter- 
geordnet, doch sehr grobkörnig, und mit grossen säulen- 
förmigen Krystallen von weissem Glimmer auf der Ostseite 
des Ilmengebirges. Im Altai kommt er bei Buchtharminsk 
vor, wieder mit grosser Aehnlichkeit mit dem Elnbogner 
Granit. 

In Mexico zu Acapulco mit vielem weissen Glimmer. 

2. Granitit.*) 

Der Granitit besteht aus Feldspath, Oligoklas, 
Quarz- und Magnesia-Glimmer. 

Der Feldspath des Granitits ist im Gegensatz mit 
dem Feldspath des Granits gewöhnlich von rother Farbe, er 
ist fleisch-, bräunlich- auch ziegelroth, sonst von der nämlichen 
Beschaffenheit wie im Granit. Er kommt ebenfalls nicht 
selten in dem Gemenge der übrigen Gemengtheile in ein- 
fachen und Zwillingskrystallen ausgeschieden vor; recht glatt- 
flächige Krystalle finden sich am Scholzenberge bei Warm- 
brunn, am Cavalierberge bei Hirschberg u. s. w. 



*) Ich schlage diesen Namen für die Gebirgsart vor , um schon in 
dem Namen die grosse Aehnlichkeit mit dem Granite anzudeuten, von 
dem er bisher noch nicht getrennt worden ist. 



364 

Der Ol i goklas ist wie im Granit gefärbt,*) und bei 
der gewöhnlich rothen Farbe des Feldspatlis daher in der 
Regel von diesem in der Farbe verschieden, am auffallend- 
sten vielleicht in dem Granitit von St. Joao in Monte-Video, 
wo der Feldspath^ziegelroth und der Oligoklas graulichweiss 
ist. Er findet sich gewöhnlich in unregelmässig begrenzten 
Individuen, zuweilen aber auch in deutlich ausgebildeten 
Krystallen, und kommt auch häufig mit dem Feldspath in 
regelmässiger Verwachsung vor, was bei der gewöhnlich 
verschiedenen Farbe beider Minerale besonders auffällt. Man 
sieht dies sehr schön bei dem Granitite von Schreibershau 
im Riesengebirge, wo der Feldspath fleischroth und der Oli- 
goklas schnee weiss ist, besonders aber, wie schon oben er- 
wähnt ist, bei den noch grösseren Krystallen in dem Gra- 
nitite von Wiborg, wo der Feldspath fleischroth und der Oli- 
goklas grünlichweiss ist.**) 

Der Quarz ist graulichweiss bis rauchgrau und in 
Körnern eingemengt, zuweilen aber auch hier in Krystallen 
in den Feldspath eingewachsen, wie in dem Granitite von 
Wiborg. 



*) Dass der neben dem Feldspath vorkommende feldspathähnliche 
Gemengtheil in dem Granit von Warmbrunn nicht Albit, wofür man ihn 
früher gehalten, sondern Oligoklas sei, habe ich schon früher bewiesen. 
Er ist grünlichweiss , wenig durchscheinend , doch auf den Spaltungs- 
flächen von ziemlich starkem Perlmutterglanz. Er schmilzt vor dem 
Löthrohr leichter als Feldspath; sein specifisches Gewicht beträgt 2,6S2. 
Dieselbe Menge, mit der ich das spec. Gewicht bestimmte, wurde von 
Rammeisberg analysirt, welcher fand: 



Kieselsäure . 


. 63,94 


Thonerde . . 


, 23,71 


Eisenoxyd 


Spur 


Kalkerde . . 


. 2,52 


Talkerde . . 


Spur 


Natron . . 


. 7,66 


Kali . . . 


. 2,17 



(Vergl. Poggendorff 's Annal. B. 56, S. 618., und R ammelsberg's 
Handwörterbuch der Min. Suppl. 1, S. 104.) 

**) Die 95 geschliffenen Säulen in der Kasanschen Kirche in Peters- 
burg bestehen aus diesem Granitit und lassen diese Erscheinung besonders 
schön wahrnehmen. 



365 

Der Magnesia-Glimmer ist von schwärzlich grüner, 
gewöhnlich sehr dunkler Farbe, zuweilen in sechsseitigen Ta- 
feln regelmässig krystallisirt, wie in dem Granitit von Warm- 
brunn, doch im Allgemeinen seltener und in kleineren Kry- 
stallen als der braune Magnesia- Glimmer im Granit. 

Von unwesentlichen Gemengtheilen finden sich: 

Hornblende in kleinen prismatischen unregelmässig 
bekränzten Individuen in dem Granitite von Schreibershau 
im Riesengebirge nicht sehr häufig. 

Orthit (Buklandit) in ziemlich langen, doch sehr 
schmalen Krystallen in Schreibershau und Hayne im Rie- 
sengebirge, in dickeren Krystallen in Werchoturje im Ural; 
in kleinen derben Parthieen zu Skepsholm bei Stockholm. 

Zirkon in kleinen Krystallen in Skepsholm. 

Titanit in braunen glänzenden Krystallen zu Kathari- 
nenburg im Ural, Conquet bei Brest nicht sehr selten, zu 
Warmbrunn sehr selten. 

Eisenkies sowie Kupferkies fein eingesprengt zu 
Warmbrunn selten. 

Molybdänglanz in kleinen Krystallen in Westman- 
land in Schweden, sparsam. 

Der Granitit ist grob- und kleinkörnig; und ferner 
gleichmässig- oder porphyrartig -körnig, und letzteres häufi- 
ger noch als ersteres. Die porphyrartige Struktur entsteht 
auf dieselbe Weise wie bei dem Granit ; tritt aber hier bei 
der verschiedenen Farbe des Feldspaths und Oligoklases noch 
mehr hervor. Die neben dem Feldspath auftretenden Ge- 
mengtheile, welche nun die körnige Grundmasse bilden, worin 
die grösseren Feldspathkrystalle eingewachsen sind , werden 
dann oft sehr klein ; in dem Maasse aber, als dies geschieht, 
scheiden sich dann auch noch einzelne grössere Krystalle 
von Oligoklas, Quarz und selbst Glimmer aus der Grund- 
masse aus und liegen mit dem Feldspath in derselben, wenn 
sie gleich dem letzteren an Grösse nicht gleichkommen. 
In diesem Falle scheint denn auch dem feinkörnigen Ge- 
menge, worin die grösseren Krystalle liegen , wenigstens in 



366 

manchen Fällen, der Feldspath nicht zu fehlen, was aus der 
rechlichen Farbe, die die Grundmasse zuweilen annimmt, wie 
z. B. an der Hampelbaude im Riesengebirge, zu schliessen 
ist. Dergleichen porphyrartige Abänderungen, worin sich 
sämmtliche Gemengtheile porphyrartig ausgeschieden haben, 
finden sich sehr ausgezeichnet im Riesengebirge an dem 
Scholzenberge bei Warmbrunn, am Cavalierberge bei Hirsch- 
berg, im Mälzergrunde und bei der Hampelbaude an der 
Schneekoppe. 

Zuweilen wird die Structur nicht nur porphyrartig, son- 
dern auch ausgezeichnet kuglig, wie z. B. zu Schwarzbach 
bei Hirschberg. 

Was die relative Menge der Gemengtheile anbetrifft, 
so übertrifft darin der Feldspath gewöhnlich die übrigen Ge- 
mengtheile. Wo er porphyrartig ist, treten auf der verwit- 
terten Oberfläche die grossen Feldspathkrystalle oft in un- 
zähliger Menge dicht gedrängt hervor, wie z. B. am Kynast 
bei Warmbrunn.*) Der Oligoklas ist in der Regel gegen 
den Feldspath in geringerer Menge und in kleineren Indivi- 
duen, aber doch in entschieden grösserer Menge enthalten als 
im Granit, und bildet daher im Granitit einen sehr wesent- 
lichen Gemengtheil. Zuweilen übertrifft er selbst den Feldspath 
an Menge, wenn auch nicht an Grösse der Individuen, wie 
z. B. zu Magurka in Ungarn, wo der fleischrothe Feldspath 
nur sparsam in dem kleinkörnigen Gemenge von grünlich- 
weissem, undurchsichtigen Oligoklas, graulichweissem Quarz 
und schwärzlichgrünem Glimmer liegt. Etwas ähnliches kommt 
auch selbst zu Krummhübel im Riesengebirge vor. " 

Der Quarz steht gewöhnlich an Menge dem Feldspath 
viel nach, findet sich aber auch zuweilen in vielen und gros- 
sen Individuen, der Glimmer ist immer in der geringsten 
Menge enthalten. 



*) Er bildet darin einen entschiedenen Gegensatz mit dem an den 
Grauitit des Riesengebirges angränzenden Granit des Schwarzbrunner Ber- 
ges, auf dessen verwitterter Oberfläche in gleichem Maasse die grossen 
Quarzkörner hervortreten. 



367 

Der Granitit bildet die Hauptmasse des Riesen- und 
Isergebirges von Kupferberg bis Reichenberg und ist in be- 
sonders grobkörnigen und schönen Abänderungen bei Fisch- 
bach, Warmbrunn, Schreibershau und Reichenberg zu se- 
hen. Von Kratzau bis Popelnitz an der Vereinigung der 
Desse mit der Kamnitz grenzt er an den Granit, und ist 
von ihm überall scharf geschieden, so dass ein Uebergang 
der einen Gebirgsart in die andere durchaus nicht stattfin- 
det. Unmittelbar unterhalb der Vereinigung jener beiden 
Bäche sieht man deutlich sowohl im Flussbette der Kamnitz 
als an der ganzen linken Thalwand , wie der Granitit den 
Granit unterteuft und also jünger als dieser ist. — Auf eine 
ähnliche Weise erscheint er am Harz , wo er den Brocken 
bildet, also im Osten und Westen von dem Granit des Ram- 
berges und des Ziegenrückens umgeben ist ; und wenngleich 
er hier durch andere Gebirgsarten getrennt mit dem Gra- 
nite nicht in unmittelbare Berührung tritt, so scheint es doch, 
dass er auch hier denselben unterteuft , und jünger als die- 
ser ist. 

Der Granitit findet sich ferner im Thüringer Wald zu 
Mehlis bei Suhl, nnd im Ilmthal bei Ilmenau; im Odenwald 
zu Schriesheim, und Altenbach bei Heidelberg, und im Lax- 
thal bei Waldmichelbach, hier in völliger Uebereinstimmung 
mit dem von Ilmenau. 

In Italien findet er sich in einer schönen Abänderung 
zu Baveno am Lago maggiore in Mailand mit fleischrothem 
Feldspath, schneeweissem Oligoklas, sehr lichtem graulich- 
weissem Quarz und schwärzlichgrünem Glimmer. 

In Frankreich in der Bretagne zu Conquet bei Brest, 
ähnlich der schönen Abänderung von Warmbrunn, nur mit 
noch durchscheinenderem und mehr graulichweissem Oligoklas 
und etwas bräunlichrothem Feldspath*), in der Normandie, 
am Cap Flamanville und im Dauphine bei Bourg d'Oisans. 



*) Aus diesem Granitit bestehen die Stufen der Vendome -Säule zu 
Paris, 



368 

In Schottland zu Gelloway, von wo er in Liverpool zum 
Strassenpflaster benutzt wird. 

In Schweden in Westmanland und in der Gegend von 
Stockholm, wo er bei Skepsholm Gänge im Gneiss bildet. 

In Ungarn im Liptauer Comitat zu Magurka. 

In Russland zu Wiborg, und am nördlichen Ufer des 
Ladoga-Sees, wo er in einer sehr schönen krystallinischen 
Abänderung ansteht. Im Ural sehr verbreitet in der Gegend 
von Katharinenburg und bei Mursinsk. 

In Aegypten zu Syene mit etwas schwarzer Hornblende. 

In Monte-Video zu Joao Manael und Baye ausgezeich- 
net durch den grossen Gegensatz in den Farben des Feld- 
spaths und Oligoklas. 

In Van -Diemens Land in fast völliger Uebereinstim- 
mung mit dem Granitit von Warmbrunn. 

3. Syenit. 

Der Syenit besteht aus Feldspath, Oligoklas, 
Hornblende, Magnesia- Glimm er und Quarz. 

Der Feldspath ist wie bei dem Granitit von meistens 
rother, gewöhnlich bräunlichrother , doch auch von weisser 
Farbe, wie z. B. bei Grossenheim in Sachsen oder im Ler- 
bacher Thal im Odenwald und findet sich in unregelmässig 
begrenzten Individuen, auch zuweilen in mehr regelmässig 
begränzten Krystallen , wie z. B. zu Geising bei Altenberg 
in Sachsen. Zuweilen sind die Krystalle auch durch Vor- 
herrschen der Flächen tafelartig , wie z. B. im Plauen- 
schen Grunde bei Dresden.*) In Friedrichswern im südli- 
chen Norwegen, wo der Feldspath in sehr grosskörnigen In- 
dividuen vorkommt, ist er durch den erwähnten blaulichen 
Lichtschein ausgezeichnet. 

Der Oligoklas ist vorherrschend von bräunlichrother 
Farbe, was für den Syenit und Syenitporphyr charakteristisch 



*) Sie sind hier etwa 3 — 4 Linien breit und eine halbe Linie dick. 



369 



ist, findet sich sonst aber auch hier stets in kleineren Indi- 
viduen als der Feldspath.*) 



*) Der neben dem Peldspath in den Syeniten der Vogesen auftre- 
tende Gemengtheil ist von Delesse 1 ) untersucht worden. Derselbe ist 
nach seiner Beschreibung seltener grünlich- oder gelblichweiss , durch- 
scheinend und etwas fettglänzend , häufiger milchweiss oder korallenroth 
und undurchsichtig. Das specifische Gewicht einer milchweissen Abände- 
rung aus dem Syenit vom Ballon de Servance fand er 2,683 , einer ko- 
rallenrothen von Coravillers 2,(>51. Die Zusammensetzung des ersten 
fand er 



er 








Sauerstoff. 




Kieselsäure . 


58,92 


. . . . 30,614 




Thonerde . . 


25,05 


. . . . 11,708 




Eisenoxyd 


Spur 






Kalkerde . . . 


5,64 


. 1,294] 






Talkerde . . . 


0,41 


. 0,163 






Natron . . 


7,20 


. 1,842 


► 4,044 




Kali . . . 


2,06 


. 1,349 






Wasser . . . 


1,27 


i 1 124 

3 . 1,1 azj 








100,55 




Die 


Zusammensetzung des 


letzteren 


Sauerstoff. 




Kieselsäure . 


. 58,91 


.... 30,609 




Thonerde . . 


24,59 


. 11,494) 




Eisenoxyd 


0,99 


. 0,303} U > 797 




Kalkerde . . 


. 4,01 


. 1,126* 




Talkerde . . 


0,39 


. 0,155 1 




Natron . . 


7,59 


. 1,941 i 3,943 




Kali . . . 


2,54 


. 0,431 1 




Wasser . . 


. 0,98 


1. 0,871 





100,00 

Delesse nimmt an, dass das Wasser chemisch gebunden sei und 
nach Scheerer's Theorie -i Atom der Talkerde oder ein -atomigen 
Basen ersetze; er hält auf diese Weise das Verhältniss des Sauerstoffs 
der Bestandtheile = 1:3:8 und betrachtet daher diesen Gemengtheil 
als identisch mit Abich's Andesin. 

Abgesehen davon, dass auch unter dieser Voraussetzung die Zusam- 
mensetzung dieses Gemengtheils mit der des Andesins nicht genau stimmt, 
so ist doch weder Scheerer's Theorie bestimmt erwiesen, noch selbst 
die Selbstständigkeit von Abich's Andesin mit Gewissheit ansgemacht, 
da sie nur auf einer Analyse beruht, und Francis den feldspathähn- 
lichen Gemengtheil aus dem Dioritporphyr von Pisoje bei Popayan, wel- 
cher mit dem von Ab ich analysirten von Marmato so grosse Aehnlich- 
keit besitzt, anders zusammengesetzt gefunden hat. 2 ) Es scheint mir da- 



1) Jahrbuch der Min. etc. von v. Leonharri u. Bronn, von 1S4S S. 761), 

2) Poggeudorffs Annalen Ed. 52, S. 471. 



370 

Die Hornblende ist von graulichschwarzer Farbe, 
was sie von der Hornblende des Diorits unterscheidet, die 
gewöhnlich von grünlichschwarzer Farbe ist, und findet sich 
in körnigen oder prismatischen Individuen' gewöhnlich von 
unregelmässiger Begrenzung. 

Der Magnesia-Glimmer in dünnen Blättchen von 
schwärzlichgrüner, stets sehr dunkler Farbe. 

Der Quarz von graulichweisser bis rauchgrauer und 
nelkenbrauner Farbe. 

Unwesentliche Gemengtheile finden sich häufig ; zu den 
gewöhnlicheren gehören: Titanit, der auch zuweilen in 
ziemlicher Menge vorkommt, wie z. B. bei Dresden im 
Plauenschen Grunde, bei Meissen und besonders bei Gros- 
senhain; Apatit, der z. B. bei Meissen jedoch nur sparsam 
und in kleinen Krystallen von bräunlichrother Farbe, bei 
Friedrichswern in grösseren Krystallen sich findet, und Mag- 
neteisenerz, das gewöhnlich nur in kleinen Körnern oder 
körnigen Parthieen wie zu Meissen, seltener in Krystallen wie 
zu Friedrichswern vorkommt. Zu den selteneren oder weni- 
ger verbreiteten gehören diejenigen, welche dem südlichen 
Norwegen eigentümlich sind, wie Zirkon, Nephelin, 
Polymignit, Pyrochlor u. s. w. 

Der Syenit kommt grosskörnig vor, wie z. B. in Fried- 
richswern, ist es jedoch meistens nicht in dem Maasse, wie 
es beim Granit stattfindet. Er ist theils gleichmässig-, theils 
porphyrartig -körnig, und wird letzteres auf dieselbe Weise 
wie der Granit und Granitit. Solche porphyrartige Abände- 
rungen kommen sehr ausgezeichnet am Bocksberge bei Meis- 
sen, zu Ober- Weinheim im Odenwald und Giromagny in 
den Vogesen vor. In dem Syenit des Plauenschen Grundes 
haben die tafelartigen Krystalle des Feldspaths sämmtlich 
eine untereinander parallele Lage, so dass das Gestein paral- 



her, dass man noch nicht berechtigt ist, den feldspathähnlichen Gemeng- 
theil in dem Syenite der Vogesen für Andesin und für etwas andres als 
für etwas zersetzten Oligoklas zu halten , von welcher anfangenden Zer- 
setzung der gefundene Wassergehalt wahrscheinlich herrührt. 



371 

lel mit den Hauptflächen der Tafeln geschlagen, ein ganz an- 
deres Ansehen hat , als rechtwinklig darauf, wo die Durch- 
schnitte der Feldspathkrystalle nadeiförmig erscheinen. 

Die für den Syenit angegebenen wesentlichen Gemeng- 
theile kommen indessen nicht in allen Abänderungen vor. 
Zu denjenigen, die die geringste Menge derselben, näm- 
lich nur Feldspath und Hornblende, enthalten, gehört der 
grobkörnige Syenit des südlichen Norwegens von Laurvig 
und Friedrichswern. Er enthält dafür eine grosse Menge 
von unwesentlichen Gemengtheilen, und unter diesen beson- 
ders den Zirkon, der von brauner Farbe und von einer Grösse 
vorkommt, die zuweilen die eines Zolles übersteigt, wenngleich 
er in der Regel viel kleiner ist. Er findet sich in dem Syenit 
des südlichen Norwegens in solcher Menge, dass derselbe 
demnach nicht mit Unrecht Zirkonsyenit genannt ist. 
Die übrigen angeführten unwesentlichen Gemengtheile finden 
sich nur sparsam und sind lokalere Vorkommnisse. 

Ein solcher so einfach zusammengesetzter Syenit wie 
der Zirkonsyenit ist jedoch nicht häufig ; gewöhnlich findet 
sich neben diesem noch Oligoklas von rother Farbe, w'ie 
z. B. im Plauenschen Grunde bei Dresden und im Triebisch- 
Thal bei Meissen, in welchem Falle sich der Syenit häufig 
dadurch, dass sich der Feldspath in einzelnen und grösseren 
Individuen in dem kleinkörnigen Gemenge von Hornblende 
und Oligoklas ausscheidet, porphyrartig wird, wie im Bocks- 
berge bei Meissen. Neben der Hornblende stellt sich dann 
auch grüner Glimmer ein, was auch schon am Bocksberge 
stattfindet, und in dem Maasse als die Hornblende abnimmt 
und endlich aus dem Gemenge ganz zurücktritt, auch Quarz,*) 
wie in den Radowitzer Steinbrüchen unterhalb des Bocks- 
berges bei Meissen, so dass man Gemenge hat, die wie der 



*) In geringer Menge und in kleinen gewöhnlich gar nicht sichtba- 
ren Individuen findet sich indessen doch auch Quarz in dem Syenite des 
Plauenschen Grundes, was man deutlich sehen kann, wenn man diesen 
Syenit im Platin- oder Thontiegel schmilzt, wobei man ein Glas erhält, 
in dessen oberem Theil kleine ungeschmolzene Quarzkörner liegen. 



372 

Granitit nur aus Feldspath, Oligoklas, grünem Glimmer 
und Quarz bestehen, sich aber doch theils durch die rothe 
Farbe des Oligoklas , theils durch die verhältnissmässig 
geringe Menge des Quarzes, theils durch den vollkommenen 
Zusammenhang, in welchem sie mit entschiedenem Syenite 
stehen, von dem Granitite unterscheiden. 

Endlich findet man auch Abänderungen, die keine Horn- 
blende und keinen Quarz enthalten, und nur aus Feldspath, 
Oligoklas und Glimmer bestehen. Dergleichen Abänderungen 
kommen in Polaun und Krumm hübel im Riesengebirge und 
zu Altenberg in Sachsen vor; sie kommen gewöhnlich por- 
phyrartig vor, indem der Feldspath, der an den genannten 
Orten schon ziegelroth gefärbt ist, in einem Gemenge von 
Oligoklas und Glimmer liegt. 

Man kann also hiernach den Syenit in vier Abtheilun- 
gen bringen, und Abänderungen unterscheiden, die 

1) nur aus Feldspath und Hornblende bestehen, wie der 
Syenit von Friedrichswern, 

2) aus Feldspath, Oligoklas und Hornblende, wie der 
Syenit des Plauenschen Grundes, 

3) aus Feldspath, Oligoklas, Hornblende, grünem Glimmer 
und Quarz, wobei die Hornblende auch ganz wegfallen 
kann, wie der Syenit von Eadowitz bei Meissen, und 
endlich 

4) die aus Feldspath , Oligoklas und grünem Glimmer 
bestehen, wie der Syenit von Polaun und Altenberg. 

Was das Vorkommen des Syenits anbetrifft, so findet er 
sich weder an so vielen Orten, noch in so grossen Massen 
als der Granit und der Granitit. Er findet sich: 

In Sachsen: im Plauenschen Grunde bei Dresden, in 
grösserer Ausdehnung weiter nördlich bei Meissen auf dem 
rechten wie auf dem linken Eibufer, und im höheren Gebirge 
bei Geising und Altenberg. 

Im Kiesen- und Isergebirge häufig, aber nur in einzel- 
nen Kuppen den Granitit durchsetzend, wie zu Buschvorwerk 
und Krummhübel westwärts von Schmiedeberg, und etwas 



373 

weiter westlich in der Schärfe bei Seydorf, und bei Polaun. 
Er erscheint hier überall von jüngerem Alter als der Granitit. 

In grösseren Massen tritt er wieder auf im Odenwald 
bei Ober- Weinheim, Merlenbach, Lörbach. 

In den Vogesen am Ballon von Elsass und Servance, 
zu Remiremont u. s. w. 

Sehr verbreitet ist er im südlichen Norwegen von Laur- 
vig und Friedrichswerm bis in die Gegend von Drammen, 
und zu Hurdal nördlich von Christiania. 

In Arabien am Sinai. 

4. Porphyr. 

Der Porphyr besteht aus Feldspath, Oligoklas, 
Quarz und Magnesia-Glimmer, die in einer dichten 
Grundmasse eingewachsen sind. Er enthält also dieselben 
Gemengtheile wie der Granitit, die indessen bei diesem in 
körnigem Gemenge unmittelbar mit einander verbunden, beim 
Porphyr in einer Grundmasse eingeschlossen sind. 

Woraus diese Grundmasse besteht, ist wohl noch nicht 
völlig ausgemacht. Nach dem Verhalten des Granitit's zu 
urtheiien, scheint sie nichts anderes, als ein sehr feines, inniges 
Gemenge derselben Gemengtheile zu sein, die auch in grösse- 
ren Krystallen darin ausgeschieden sind.*) Sie ist von 
rothen, braunen und grauen Farben, dicht, mit feinsplittrigem, 
zuweilen etwas unebenen Bruch, und vor dem Löthrohr in 
feinen Splittern an den Kanten schwer, doch deutlich und 
unter Entfärbung des ungeschmolzenen Theils der Masse 
schmelzbar. 

Der Feldspath ist gewöhnlich roth, wie der im Gra- 
nitit, und meistens von lichterer Farbe als die Grundmasse. 
Er findet sich in mehr oder weniger deutlichen einfachen oder 
Zwillingskrystallen, die von denselben Formen, wie bei dem 
Feldspath des Granitit's sind, jedoch nie die Grösse bis zu 



*) Vergl. darüber auch Wolf in dem Journ. f. pract. Chem. B. 34 
S. 199 und meine Bemerkungen dazu in Poggendorff's Annalen 
B. 66, S. 108. 

Zeits. d. d. geol. Ges. I. 3. /CO 



374 

welcher dieser vorkommt, erreichen, dafür aber in Folge der 
dichteren Masse, worin sie eingewachsen sind, eine glattere 
Oberfläche haben. Sie sind jedoch gewöhnlich fest mit die- 
ser Grundmasse verwachsen und lassen sich daher nicht leicht 
aus ihr herauslösen. Zuweilen bemerkt man auch bei ihnen 
einen bläulichen Lichtschein, wie z. B. bei den Krystallen 
in dem Porphyr von Teplitz. 

Der Oligoklas findet sich in kleineren Krystallen von 
gelblich-, schnee- und blaulichweisser Farbe, auch hier nicht 
selten in regelmässiger Verwachsung mit dem Feldspath. 

Der Quarz in Körnern oder mehr oder weniger regel- 
mässigen Krystallen, die beim Zerschlagen des Gesteins, 
worin sie sitzen, zuweilen leicht herausspringen, und glatte, 
stark glänzende Eindrücke hinterlassen. 

Der Magnesia- Glimmer ist immer von sehr dunkel- 
grüner Farbe, meistens nur liniengross aber regelmässig 
begränzt. 

Von unwesentlichen Gemengtheilen finden sich: 

Cordierit zu Pinit zersetzt in zollgrossen Krystallen 
zu St. Pardoux in der Auvergne, und Giromagny in den 
Vogesen; in kleineren Krystallen zu Regenstauf. 

Granat in kleinen rothen Leucitoedern. 

Orthit (Buklandit) in schmalen prismatischen Kry- 
stallen zu Altenberg in Schlesien. 

Eisenkies in kleinen Hexaedern oder fein einge- 
sprengt. 

Das Verhältniss der eingewachsenen Krystalle zur 
Hauptmasse ist sehr verschieden. Bald sind die Gemengtheile 
in sehr grosser Menge und in sehr grossen Krystallen, 
besonders der Feldspath, in der Grundmasse vorhanden, 
wie z- B. in dem schönen Porphyr von Autun zwischen 
Chisey und Saulieu, oder von Altenberg in Schlesien, bald 
sind sie in grosser Menge , aber kleinen Krystallen enthal- 
ten, wie zu Graslitz bei Leipzig*), bald wieder in kleinen 



*) Der Leipziger Pflasterstein. 



375 

Krystallen und so sparsam , dass sie auf grossen Strecken 
ganz fehlen, wie bei Freiberg. 

Was das Verhältniss der Gemengtheile untereinander 
anbetrifft, so ist der Feldspath unter diesen wohl überall in 
der grössten Menge vorhanden, Oligoklas und Quarz in ge- 
ringerer und Glimmer in der geringsten Menge, und fehlt 
zuweilen auch ganz. Zuweilen ist dies jedoch auch mit dem 
Oligoklas der Fall, wie bei dem Porphyr, der bei Botzen 
oder am S. Francisco in Monte -Video vorkommt, der nur 
Feldspath und Quarz in kleinen und häufigen Krystallen 
eingewachsen enthält. Man kann nach diesem Verhalten 
die Porphyre in 3 Abtheilungen bringen, nämlich in Por- 
phyre, die 

1) alle 4 Gemengtheile und in grossen und häufigen 
Krystallen enthalten, wie der Porphyr von Autun, Altenberg 
in Schlesien, von den Gräbersteinen am Riesengebirge, und 
überhaupt alle Porphyre, die im Granite oder Granitite aufsetzen; 

2) alle 4 Gemengtheile, aber den Glimmer sparsam 
oder gar nicht und die Gemengtheile meist in kleinern Kry- 
stallen enthalten, wie die Porphyre von Wettin und Löbejün 
bei Halle; 

3) nur Feldspath und Quarz enthalten, wie die Por- 
phyre von Botzen und Monte- Video. 

Die Structur dieses Porphyrs wird auch zuweilen kuge- 
lig. Dies kommt in sehr ausgezeichnetem Maasse vor bei 
dem bekannten Kugelporphyr von Corsica, wo die kugelig 
abgesonderten Stücke über zollgross sind, viel weniger aus- 
gezeichnet und mit nur liniengrossen Kugeln bei den an Ge- 
mengtheilen sehr leeren Abänderungen von Kupferberg und 
Waidenburg in Schlesien. 

Der Porphyr gehört wieder zu den verbreitetem Glie- 
dern dieser. Gruppe. Er findet sich, im Riesengebirge in 
grossen Gängen den Granitit und zuweilen auch den Syenit*) 



*) Dieß sieht man deutlich an dem Bärenstein bei Buschvorwerk, 
westwärts von Schmiedeberg im Riesengebirge. Hier läuft an der Ost- 

25* 



376 

durchsetzend, und Bruchstücke von ihnen einschliessend : 
westlich vom Kynast, zwischen Seydorf und Arnsdorf, am 
Ziegenrücken bei Steinseiffen u. s. w.; in grösseren Parthieen 
im Thonschiefer, und zum Theil vom rothen todten Liegen- 
den umgeben, zwischen Schönau und Goldberg, bei Bolken- 
hain und Altenberg; in Gängen oder in grössern Massen in 
dem Gneiss des Erzgebirges, zwischen Tharand und Frei- 
berg, so wie zu Ober-Brand bei Joachimsthal; südwärts vom 
Erzgebirge aus dem Tertiärgebirge hervortretend bei Teplitz, 
nordwärts in einer noch grössern Verbreitung bei Rochlitz, 
Leissnig und Grimma. Im Granit findet er sich wieder bei 
Aubenitz S.W. von Prag. Das Steinkohlengebirge durch- 
brechend, erscheint er zu Wettin und Löbejün nordwärts von 
Halle. Im Harz selbst findet er sich nur in geringerer Ver- 
breitung , doch den hohen Auersberg bildend , der aus der 
Hochebene der Grauwacke von Harzgerode hervortritt. Sehr 
mächtig entwickelt erscheint er im Thüringerwald , wo er 
die höchsten Kuppen desselben bildet, den Schneekopf und 
den Inselsberg und grösstentheils von dem rothen Todten 
umgeben ist. 

Weiter westlich findet er sich nur in geringeren Mas- 
sen, wie an den Bruchhäuser Steinen unfern Brilon, wo er 
durch seine klippigen Felsen ausgezeichnet ist, und auf dem 
linken Rheinufer bei Kreutznach. Sehr ausgezeichnet er- 
scheint er in Baden zu Handschuhheim bei Heidelberg, in 
grössern Massen bei Stadt Baden, und in andern kleinern 
am Westabfall des Schwarzwaldes. 

In Tyrol in grosser Verbreitung bei Botzen bis südlich 
nach Trient hinunter. 

In Frankreich findet er sich sehr ausgezeichnet in den 
Vogesen zu Giromagny in grösster Aehnlichkeit mit dem 



seitc eines kleinen Baches, des Langwassers, eine felsige Granitmasse 
nach N.O. in einen Rücken aus. Iu demselben befindet sich, eine Kuppe 
bildend und von allen Seiten von Granitit umgeben, eine Syenitmasse, 
die wie der Granitit von einem der vielen Porphyrgänge, die sich in 
diesem Theile des Riesengebirges finden, der Länge nach durchsetzt wird. 



377 

Porphyr von Teplitz, am Ballon von Elsass u. s. w., in den 
Gebirgen zwischen der Saone und Loire, nördlich von Au- 
tun, sowie im Forez westlich von der Loire. 

In England : in Cornwell zu Carn Brea bei Redruth, 
sehr übereinstimmend mit dem Porphyr vom Auersberg. 

In Norwegen nur von sehr geringer Verbreitung, wie 
an einem Gange im Uebergangssandstein bei Holmestrand. 

Im Altai, in hohen Kuppen ostwärts von Ust-Kameno- 
gorsk am Irtisch. 

In Canton in China mit vielen und grossen eingemengten 
Krystallen von Feldspath, Oligoklas, Quarz und schwärz- 
licbgrünem Glimmer, sehr Granitit-ähnlich. 

5. Syenitporphyr. 

Der Syenitporphyr enthält in einer Grundmasse einge- 
schlossen Krystalle von Feldspath, Oligoklas, Mag- 
nesia-Glimmer und Hornblende. Er unterscheidet 
sich also von dem vorigen nur dadurch, dass er keinen Quarz*) 
enthält, und steht demnach zu dem Syenit in demselben 
Verhältniss, wie der Porphyr zum Granitit. Es gehört hier- 
her der Rhombenporphyr von v. Buch, der Hornstein- und 
Euritporphyr von Keil hau und anderen, der Wilsdruffer Por- 
phyr von Naumann und der Glimmerporphyr von Cotta. 

Die Grundmasse des Syenitporphyrs ist von verschiede- 
nen bräunlichrothen , rothlichbraunen , schwärzlichgrauen bis 
graulichschwarzen Farben, und dicht mit feinsplittrigem bis 
unebenen Bruch. 

Die Feldspathkrystalle sind von fleischrother, gelblich- 
bis graulichweisser Farbe und von derselben Form wie die, 
welche in dem Porphyr vorkommen, sowohl was die einfa- 
chen als die Zwillingskrystalle anbetrifft, doch selten von der 
Grösse. Zu den grösseren gehören die in dem Syenitporphyr 
von Gerardmer in denVogesen, wo sie f bis 1 Zoll gross 
und verhältnissmässig breit sind; gewöhnlich sind sie viel 



•>) Nur zuweilen findet sich derselbe darin in unbedeutender Menge. 



378 



9 



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T 



l 



6 




kleiner. Zuweilen werden sie durch Vorherrschen der Flä- 
chen M ganz dünn und tafelartig, wie in den Pentland hüls 
bei Edinburg, wo sie ausserdem nur klein, meistens nur 2 
Linien gross sind. Von ganz abweichendem Ansehen dage- 
gegen sind die Feldspathkrystalle in dem Syenitporphyr des 
südlichen Norwegens, wie z. B. bei Christiania. Die Abstum- 
pfungsfläche M der scharfen Seitenkanten, die sonst immer so 
vorherrscht, ist hier gar nicht da, und ausserdem erscheinen 
jp t - . t ^ die Krystalle noch an den Enden mit 

der unteren hinteren schiefen Endfläche 
y begränzt, während die vordere schiefe 
f Endfläche P entweder ganz fehlt, oder 
nur untergeordnet hinzutritt. Die Kry- 
stalle haben daher das Ansehen von 
Fig. 1. Dies Ansehen zeichnet sie 
aber nicht nur von den ührigen Feld- 
spathkrystallen des Syenitporphyrs, son- 
dern von allen übrigen eingewachsenen 
Feldspathkrystallen aus. Sie erschei- 
nen dabei theils in einfachen, theils in Zwillingskrystallen, 
und sind in diesen ebenfalls dadurch ausgezeichnet, dass, 
wenn auch das Gesetz der Zwillingsverwachsung das ge- 
wöhnliche ist, doch die Ebene, mit der die Krystalle ver- 
Fig. 2. bunden sind, nicht die rechte oder linke 
Fläche M, sondern die Abstumpfungsfläche 
der stumpfen Seitenkante ist, wie dies Fig. 2 
zeigt.*) Die Krystalle haben dabei oft die 
bedeutende Länge von 1 — 2 Zollen. 

Die übrigen als wesentlich anzusehen- 
den Gemengtheile des Syenitporphyrs sind 
wie beim Porphyr. Der Oligoklas ist auch 
durch Farbe, geringere Durchscheinenheit 
und Grösse von dem Feldspath verschieden, 



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*) Auf der Bruchfläche des Gesteins sieht man häufig die Durch- 
schnitte parallel den Spaltungsflächen P und M; die parallel P erschei- 



379 

in Elfdalen z. B. grünlichgelb, während der Feldspath fleisch- 
roth oder röthlichweiss ist, zu Gerardmer ziegelroth, wäh- 



nen als Rhomben von ungefähr 116°, wie ah cd hei Fig. 1, wenn der 
Schnitt nur durch die Seitenflächen geht, oder als gleichschenklige Drei- 
ecke, wie efg, wenn der Schnitt durch die Seitenflächen und die End- 
fläche geht, oder als symmetrische Sechsecke, wenn hei mehr einander 
genäherten Endflächen der Schnitt durch die ohere und untere Endfläche 
geht. Die Durchschnitte parallel M erscheinen als Rhomboide von 144° 
wie hikm Eig. 2; bei den Zwillingskrystallen sieht man Durchschnitte 
wie hikonm. Nach diesen charakteristischen rhombischen und rhom- 
ho'idisehen Durchschnitten hat H. v. Buch den bezeichnenden Namen 
Rhombenporphyr gegeben. 

Die Natur dieser Krystalle ist aber doch noch nicht völlig ausge- 
macht. Del esse, der sie in neuester Zeit untersucht hat, hält sie für 
Labrador; f) doch spricht gegen diese Annahme der Umstand, dass die 
Spaltungsflächen rechtwinklig gegeneinander geneigt sind. Freilich sind 
sie nicht hinreichend glänzend, um ihre "Winkel mit Genauigkeit bestim- 
men zu können, aber so viele Krystalle ich auch gemessen habe, so habe 
ich doch die Winkel nur immer wenig um 90° herum schwankend ge- 
funden, so dass die gefundenen Abweichungen wohl auf Kosten der Un- 
vollkommenheiten der Krystalle zu setzen sind. Auch kommen die Kry- 
stalle auf der Fläche P nie gestreift parallel der Kante mit M vor, was 
bei dem Labrador in Folge der Zwillingsverwachsung stets der Fall ist, 
und haben auch auf der Fläche M kein Farbenspiel, was beim Labrador 
zwar nicht stets , doch häufig vorkommt. Die Deutung der Krystallflä- 
chen von Delesse, um die Labradorform herauszubringen, ist sehr 
künstlich , und gewiss nicht richtig ; es scheint fast , als habe er den 
Durchschnitt parallel M mit dem nach P verwechselt, indem er bei dem 
letzteren Winkel von 148° — 150 findet. 

Indessen Feldspath von der gewöhnlichen Beschaffenheit sind die 
Krystalle doch nicht; sie schmelzen nach Delesse vor dem Löthrohr 
viel leichter als Feldspath , was ich bestätigt fand , und haben nach ihm 
folgende Zusammensetzung: 







Sauerstoff. 


Kieselsäure . 


. 55,70 . 


. . . 28,94 


Thonerde . . 


. 25,23 . 


■*a «* 


Eisenoxyd 


. 11,7 . 


Kalkerde . . 


. 4,94 , 


. 1,39} 


Talkerde . . 


. 0,72 . 


' °' 28 l • 407 
1,80 f ' U/ 


Natron . . 


. 7,04 . 


Kali . . . 


. 3,53 . 


0,60j 


Wasser . . 


. 0,77 





*|") Vergl. sur la Constitution mineralogique et chimique des roches des Vosges 
in den Memoires de la soc. d'emulation du Doubs von 1847, und daraus im Aus- 
zuge im Journ. f. prakt. Cheni. 43, S. 417. 



380 

rend der Feldspath graulichweiss ist, bei Schmiedeberg im 
Thüringer Wald graulichweiss bei fleischfarbenem Feldspath. 



Diese Zusammensetzung weicht allerdings sehr von der des Feldspaths 
ah, stimmt aher auch nicht genügend mit der des Lahradors, da hei die- 
sem die Sauerstoffmengen der Bestandtheile sich wie 1:3:6, nicht wie 
hier wie 1:3:7 verhalten. Die Krystalle, welche Del esse untersucht 
hat, stammen aus dem Porphyr von Tyveholm hei Christiania, wo sie 
zwar von Dedeutender Grösse vorkommen, aher doch graulichgrün ge- 
färbt, wenig durchscheinend und mit feinschuppigem Glimmer stark ge- 
mengt sind. Dieser starken Mengung mit fremden Substanzen ist wohl 
die abweichende Zusammensetzung zuzuschreiben, und darin mag auch 
wohl der Grund zu suchen sein, dass die Analyse von Delesse mit der 
von andern Chemikern wenig übereinstimmt. Ich verdanke Hrn. Prof. 
Erdmann die Mittheilung des Resultats einer Analyse, die Prof. 
Svanberg in Stockholm mit den Krystallen aus dem Rhombenporphyr 
des südlichen Norwegens (leider ist mir der nähere Fundort unbekannt 
geblieben) angestellt hat; hiernach enthalten dieselben: 

Sauerstoff. 

Kieselsäure. . 59,760 .... 31,029 16 

Thonerde 



Eisenoxyd 
Kalkerde 
Talkerde 
Natron . 
Kali . . 
Wasser . 



19,601 . 9,162) 

2,SS6 . 0,866 ] 1U ' Uib 

4,375 . ,1,244 

1,042 . 0,404. 

6,858 . 1755 ? 



. 2,757 . 0,467. 

. 1,001 

Hiernach stellt sich aber das Verhältniss des Sauerstoffs der Kiesel- 
säure zu dem der Basen schon viel höher, und noch mehr ist dies der 
Fall bei der Analyse der Krystalle aus einem Gestein, das in der Nähe 
von Laurvig, also mitten in der Syenitformation vorkommt, und das 
zwar etwas verschieden von dem Gestein von Tyveholm aussieht , das 
mir indessen doch nur eine Syenit - ähnliche Varietät dieses Porphyrs 
zu sein scheint. Man könnte es bezeichnen als einen Rhombenporphyr, 
dem die Grundmasse fast gänzlich fehlt, und der daher nur als eine Zu- 
sammenhäufung solcher rhombischen Feldspathkrystalle , wie sie im Por- 
phyr vorkommen, erscheint, zwischen denen nur in geringer Menge 
schwarze Hornblende in kleinen Parthieen und tombackbrauner Glimmer 
enthalten ist. Der Feldspath ist grobkörnig, die rhombischen Durch- 
schnitte seiner Krystalle haben 1 Zoll und mehr im Längendurchmesser, 
aber die Krystalle unterscheiden sich von denen des gewöhnlichen Rhom- 
benporphyrs dadurch, dass sie graulichweiss, stark durchscheinend und 
von starkem Perlmutterglanz auf den Spaltungsflächen sind. Diese sind 
etwas uneben und gekrümmt, daher sich ihre Winkel auch hier nicht 
mit Genauigkeit messen lassen , doch schwanken die Messungen auch 
hier um 90°, sind also offenbar rechtwinklig, auch sieht man keine 
Spur von Streif ung wie beim Labrador oder Albit, wo die Spaltungsfiä- 



381 

Der Magnesia- Glimm er ist gewöhnlich schwärzlichbraun 
und regelmässig begränzt, wie zn Gerardmer, Schmiedefeld, 
am hohen Eifert bei Meissen, zuweilen grün, wie an der Eib- 
brücke bei Meissen; die Hornblende oft regelmässig be- 



chen schiefwinklig sind. Die Krystalle sind ferner noch durch einen 
"bläulichen Lichtschein ausgezeichnet, der sich auf der Abstumpfung der 
stumpfen Seitenkante oder einer hinteren sehr schiefen Endfläche findet 
und dies Gestein besonders bekannt gemacht hat, so dass man es häufig 
auch iu den Mineraliensammlungen, gewöhnlich unter dem Namen Labra- 
dor, findet. Der Lichtschein kommt aber mit dem beim Feldspath aus 
dem Zirkonsyenite von Friedrichswern überein, wo er sich auf denselben 
Flächen findet, dagegen er heim Labrador stets auf den Fläehen M vor- 
kommt. 

Dieser Feldspath wurde auf meine Veranlassung von Hrn. Kern 
in dem Laboratorium und unter Leitung des Dr. H eintz analysirt, nachdem 
er sehr sorgfältig ausgesucht war, da er, obgleich grösstcntheils rein, doch 
eine Menge schwarzer Körnchen von Hornblende und Glimmer enthielt. 
Hr. Kern fand sein spec. Gew. 2,6152 und seine Zusammensetzung in 
2 Analysen, wobei das Mineral theils mit Fluorwasserstoffsäure, theils 
mit kohlensaurem Natron aufgeschlossen war, folgendermaassen : 





1. 


2. 




Sauerstoff. 


Kieselsäure . 


. (62,89) 


62,89 . 


. 


32,6S 9,8 


Thonerde 


. 21,24 


21,38 . 


10,00) 


10,24 3 


Eisenoxyd . 


. 1,12 


0,81 . 


0,24 j 


Kalkerde . . 


. 1,64 


2,29 . 


0,65" 




Talkerde . . 


. 0,97 


0,36 . 


0,13 




Natron . . 


. 6,11 


(6,U) • 


1,58 


- 3,34 1 


Kali . . . 


. 5,75 
99,72 


(5,75) . 
99,59 


0,98. 





Diese Zusammensetzung liefert fast genau die Formel des Oligokla- 
ses R Si -|- AI Si ; wahrscheinlich kommt der höhere Gehalt an Kiesel- 
säure daher, dass die von Kern analysirten Krystalle noch reiner, wie 
die von Delesse und Svanberg analysirten waren, und es wäre da- 
her wohl möglich, dass, wenn man sie noch vollkommener von allen Ein- 
mengungen befreien könnte, sie die Feldspathformel geben würden. Es 
wären demnach also diese Krystalle Feldspath mit einem ungewöhnlich 
grossen Natrongehalt, wodurch zugleich auch die grössere Schmelzbarkeit 
und das grössere spec. Gewicht erklärt wäre. Auf der andern Seite 
stimmt aber auch die Zusammensetzung dieser Krystalle nach der Kern- 
schen Analyse sehr gut mit der Zusammensetzung des Loxoklases von 
Breithaupt überein, denn die Zusammensetzung dieses besteht nach 
der Analyse von Plattner f) aus: 



t) Vergl. Pogsendorffs Annalen Bd. 67, S. 420. 



382 

gränzt, wie z.B. am Kohlberge bei Folmersdorf unweit Rei- 
chenstein, wo sie so glatte und glänzende Flächen hat, dass 
sie aus der Grundmasse herausgenommen, in derselben glatte 
und spiegelnde Eindrücke hinterlässt*) oder am Burgwarts- 
berge im Plauenschen Grund , wo aber die Flächen matt 
sind.**) In dem antiken Syenitporphyr (dem porfido rosso 
antico) ist sie nur klein und unregelmässig begränzt. 

Von unwesentllichen Gemengtheilen finden sich: 

Granat von rother Farbe und in Körnern am Gänse- 
schnabel bei Ihlefeld. 

Nephelin in grossen Krystallen von grüner Farbe, 
mit grossen röthlichweissen Feldspathkrystallen in einer grauen 
Grundmasse eingewachsen, am Igalliko Fiord in Grönland; 
verwittert und mit ziegelrothem Feldspath am Monte Visena 
bei Predazzo in Tyrol.***) 

Titan it in kleinen stark glänzenden braunen Krystal- 
len in dem Syenitporphyr vom Kohlberge bei Folmersdorf. 

Quarz sehr selten und in kleinen Körnern im Porphyr 
von Korgon im Altai. 

Kieselsäure .... 63,50 

Thonerde 20,29 

Eisenoxyd 0,67 

Kalkerde 3,22 

Talkerde Spur 

Natron 8,76 

Kali 3,03 

Wasser und Fluorkiesel 1,23 
Da nun auch der Loxoklas rechtwinklige Spaltungsflächen und ein 
specifisches Gewicht 2,611 — 2,618 hat, so wäre es auch möglich, dass 
diese Krystalle Loxoklas wären, indessen möchte ich mich vorläufig doch 
noch für die erstere Meinung entscheiden. 

*) Diese Hornblende ist noch durch ihre überaus vollkommen und 
starkglänzenden Spaltungsflächen, sowie in Rücksicht der Krystallform 
dadurch ausgezeichnet, dass sie stets in achtseitigen Prismen mit der 
Abstumpfungsfläche der stumpfen Seitenkante vorkommt. Die Krystalle 
sind sonst von verschiedener Grösse und theils sehr klein und fein, theils 
bis gegen -* Zoll lang. 

**) In den Stücken, die ich gesehen habe, war die Hornblende nie 
so frisch, um deutliche Spaltungsflächen zu zeigen. 

***) Die erstem Krystalle sind auch unter dem Namen Giesekit, die 
letztem unter dem von Liebenerit bekannt. 



383 

Magneteisenerz in kleinen Körnern und körnigen 
Parthieen eingesprengt, in geringer Menge in dem Syenit- 
porphyr des südlichen Norwegens. Er ist fast nur durch 
den Magnet zu finden, wenn man das Gestein gepulvert hat. 

Eisenglanz in sehr kleinen tafelartigen Krystallen in 
dem Porphyr von Elfdalen und von Korgon im Altai; man 
sieht die Krystalle am besten, wenn der Porphyr angeschlif- 
fen ist, wo sie durch ihren Glanz hervortreten. 

Eisenkies fein eingesprengt zu Tyveholm bei Chri- 
stiania. 

Die unwesentlichen Gemengtheile finden sich nur sehr 
selten in etwas grösserer Menge, aber auch die als wesent- 
lich anzusehenden Gemengtheile kommen nicht stets sämmt- 
lich vor. Feldspath und Oligoklas sind darunter wohl als 
die häufigsten anzunehmen, und oft finden sie sich nur allein, 
wie zu Elfdalen in Schweden; zuweilen fehlt auch in diesem 
Fall der Oligoklas gänzlich, wie zu Steinach im Fichtel- 
gebirge und in den Pentland hüls bei Edinburg, oder fast 
gänzlich, wie in dem Rhombenporphyr des südlichen Norwe- 
gens, wo nur ausserdem zuweilen noch etwas grüner oder 
brauner Glimmer hinzutritt. Zuweilen scheint auch der Oli- 
goklas ganz allein vorzukommen, wie in dem Syenitporphyr 
vom Korgon im Altai, und in dem rothen antiken Porphyr 
(porfido rosso antico) , wo neben ihm nur etwas Hornblende 
enthalten ist*). Magnesia-Glimmer und Hornblende scheinen 
sich gegenseitig zu ersetzen; nur selten finden sich beide 
zusammen, wie in dem Porphyr von Folmersdorf, wo sie 
mit Oligoklas vorkommen. In dem Porphyr von Meissen 
findet sich gewöhnlich nur Oligoklas (am hohen Eifert von 
graulichweisser, und am Boksberge von röthlichgrauer Farbe) 
mit braunem Glimmer, und zu Gerardmer in den Vogesen 
Feldspath, Oligoklas und brauner Glimmer; am Burgwarts- 
berge im Plauenschen Grunde kommt viel Hornblende neben 
wenigem Feldspath vor. 

*) Vergl. Reise nach dem Ural und Altai von A. v. Humboldt, 
G. Ehrenberg und G. Rose Th. I., S. 561. 



384 

So zeigt das Verhältniss der Gemengtheile in dem 
Syenitporphyr fast überall nach den Lokalitäten mehr oder 
weniger grosse Verschiedenheiten. Aber auch die Menge der 
Gemengtheile ist an den verschiedenen Stellen, und selbst in 
benachbarten Gegenden sehr verschieden. So enthält der 
schöne Syenitporphyr von Rennas bei Elfdalen in der röth- 
lichbraunen Grundmasse verhältnissmässig nur wenige Ge- 
mengtheile, dagegen der viel häufiger und zu grösseren 
Stücken verarbeitete Porphyr vom Blidberge bei Elfdalen 
damit ganz überfüllt ist. 

Zuweilen ist die Structur des Syenitporphyrs auch ku- 
gelig, wie bei dem Porphyr von Korgon im Altai, doch sind 
hier die eingewachsenen Kugeln, die etwa 2—3 Linien im 
Durchmesser haben, fast nur durch Farbenunterschiede be- 
zeichnet. Sie sind fest mit der röthlichbraunen , dichten 
Grundmasse verwachsen , und bestehen auch aus einer dich- 
ten Masse, die indessen theils blaulichgrau, theils schwarz 
gefärbt sind. Die schwarze Farbe findet sich am Mittelpunkt 
und an der Oberfläche der Kugeln, verläuft sich aber all- 
mählig in die mittlere graue Farbe, während sie nach aussen 
zu ziemlich scharf abschneidet. Die Kugeln liegen in der 
Grundmasse mehr oder weniger häufig, berühren sich auch 
öfter und stören sich gegenseitig in der Ausbildung. 

Der Syenitporphyr ist jüngeren Alters als der Syenit, 
denn er durchsetzt diesen in Gängen , was man sehr häufig 
am Bocksberge auf dem rechten Eibufer bei Meissen sehen 
kann, wie dies durch die Beschreibungen von Naumann und 
Cotta bekannt ist. Wie er sich zum Porphyr verhält, dar- 
über sind die Angaben widersprechend; möglich, dass sie 
gleichzeitiger Entstehung sind, wie Basalt und Phonolitb. 

Was endlich das Vorkommen des Syenitporphyrs anbe- 
trifft, so findet er sich: 

In Deutschland in grosser Verbreitung im Thüringer 
Wald, namentlich in der Gegend zwischen Suhl, Schleusin- 
gen und Schmiedefeld ; weniger herrschend am Fichtelgebirge 
zu Heinersreuth bei Steinach, mehr noch am Harz bei Ihle- 



385 

feld und in Sachsen im Plauenschen Grunde, und in der Ge- 
gend zwischen Wilsdruf und Prosnitz nordwärts von Meissen. 

In der Grafschaft Glatz findet er sich nur in Gängen, 
den Hornblendschiefer durchsetzend, wie am Kohlberge bei 
Folmersdorf und andern Stellen. 

Im Hundsrück an der Nahe. 

In den Vogesen bei Gerardmer in Gängen im Syenit. 

In grosser Verbreitung findet er sich in Schweden und 
Norwegen. Auf der Westseite von Christiania, Drammen 
und Holmestrand kommt er in grossen Massen mit Syenit 
vor, sein Verhältniss zu diesem ist nach Keil hau mit Be- 
stimmtheit nicht auszumachen, da die Stellen, wo beide Ge- 
birgsarten aneinander gränzen, nicht entblösst sind, doch ist 
der Syenitporphyr gewöhnlich nach allen Seiten von dem 
Syenit umgeben, daher er auch wohl hier wahrscheinlich von 
neuerer Entstehung als der Syenit ist. 

In Schweden findet er sich in der grössten Ausdehnung 
in der Gegend von Elfdalen im Uebergangsgebirge, nur in 
geringerer Ansdehnung an anderen Orten. 

Im Altai am Korgon. 



Will man kurz die charakteristischen Unterschiede der 
angeführten Gebirgsarten angeben, so ergiebt sich: 

1) dass sie nach ihrer Structur in 2 Abtheilungen zer- 
fallen, in körnige Gebirgsarten, wie Granit, Granitit, 
und Syenit, und in porphyrartige, wie Porphyr und Sye- 
nitporphyr. 

2) Der Granit ist ausgezeichnet durch seinen weissen 
Kali-Glimmer, der ihm eigenthümlich ist, durch die braune 
Farbe seines Magnesia -Glimmers, die weisse Farbe seines 
Feldspaths und die geringe Menge von Oligoklas, die er ge- 
wöhnlich enthält. 

3) Der Granitit enthält nie weissen Kali - Glimmer, 
sondern stets Magnesia-Glimmer, und zwar die grüne Abän- 



386 

derung desselben, ferner stets eine grössere Menge von Oli- 
goklas als der Granit, und den Feldspath von rother Farbe. 

4) Für den Syenit ist das Auftreten der Hornblende 
und das Ausscheiden des Quarzes charakteristisch, sowie auch 
die häufige rothe Farbe des Oligoklases. Die Hornblende wird 
aber oft durch grünen Glimmer zum Theil oder ganz ersetzt 
und in diesem Fall stellt sich auch Quarz, doch nie in der 
Menge als beim Granit und Granitit ein. 

5) Der Porphyr enthält in einer dichten Grundmasse 
die Gemengtheile des Granitit's, der Syenit porphyr des 
Syenit's, doch findet sich in letzterem mehr brauner als grüner 
Magnesia-Glimmer. 

Was die Zeit der Entstehung dieser Gebirgsarten anbe- 
trifft, so sind die körnigen älter als die porphyrartigen. Die 
ersteren folgen in der angeführten Ordnung, zuerst der Gra- 
nit, dann der Granitit und Syenit. Die porphyrartigen sind 
jünger als die körnigen; doch ist ihr gegenseitiges Alter mit 
Sicherheit noch nicht festgestellt. 



Nachträgliche Anmerkung zu dem Aufsatze über die 
Zusammensetzung und Lagerung der Kreideformation 
in der Gegend zwischen Halberstadt, Blankenburg und 

Quedlinburg. 

Unter einer grössereu Zahl von Versteinerungen, welche 
Herr Referendarius Schulze in Berlin in der Gegend von 
Quedlinburg gesammelt hat, befinden sich eine Menge meist 
kleiner Petrefakten, welche sowohl der Erhaltung nach, wie 
nach den Arten, aus einer zu den Salzbergsmergeln gehören- 
den Ablagerung herstammen müssen, und nach der Angabe 
des Herrn Schulze nahe dem Wege von Weddersieben 
nach Thale, in der Nähe zweier am Wege stehender Bäume, 
im Hangenden des Pläners, gefunden wurden. Eine Menge 
kleiner gut erhaltener Bryozoen-Eeste, Stielglieder des Apiocri- 



387 

nus elllptlcus, Ostrea sulcata oder flabelliformis und Stücke des 
Belemnites mucronatus befinden sich darunter; als seltenere 
Erscheinung ein kleiner Hippurit, ohne Leisten in der inne- 
ren Höhlung und aussen gerippt, ähnlich einer kleinen bei 
Mastricht vorkommenden Art. Es scheint hiernach sicher, 
dass auf der linken Thalseite der Bode , von Thale nach 
Weddersieben hin , zwischen dem Planer und dem Ueber- 
Quader noch ein schmaler Streifen der unteren Mergel des 
Ober-Quaders oder der Salzbergsmergel hinzieht, welcher 
auf der Karte zugefügt werden müsste. Das Profil der 
Mulde zwischen Quedlinburg und Thale erhält hierdurch 
eine interessante Erweiterung und es ist dadurch eine neue 
Bestätigung gegeben für die richtige Lagerungs-Bestimmung 
der Salzbergsmergel am Salzberge selbst, welche hier nicht 
vom Pläner begleitet sind und zunächst nur durch ihr Wie- 
dererscheinen südlich von Langenstein im Hangenden des am 
Hoppelberge liegenden Pläners die ihnen zukommende Stelle 
erhalten konnten. 



Druck von J. F. Starcke in Berlin. 



Zeitschrift 

der 

Deutschen geologischen Gesellschaft. 

4. Heft (August, September, Oktober 1849.) 



A. Verhandlungen der Gesellschaft. 



1. Protokoll der August -Sitzung. 

Verhandelt Berlin, den 1. August 1849. 

Der stellvertretende Vorsitzende Herr v. Carnall eröffnet 
die Sitzung und zeigt an, (]ass für den aus dem Vorstande 
ausgeschiedenen Herrn Girard auf Ersuchen des Vorstandes 
Herr O v e r w e g die Schriftführergeschäfte übernommen habe. 

Herr v. Buch bemerkt zu dem Protokoll über den von 
Herrn Overweg in der Julisitzung vorgelegten Ammoniten, 
dass seitdem vom Herrn Berghauptmann Martins eine 
vortreffliche Sammlung von Rüdersdorfer Vorkommnissen dem 
Königl. Mineralien - Kabinet geschenkt sei, in welcher sich 
ebenfalls ein Exemplar eines solchen Ammoniten finde. 

Herr v. Carnall zeigt an, dass der Gesellschaft bei- 
getreten ist 

Herr Huhn in Berlin 

vorgeschlagen durch die Herren Weiss, G. Rose und 

v. Carnall. 
Derselbe übergiebt alsdann die als Geschenk des Verfas- 
sers für die Gesellschafts -Bibliothek eingegangene Schrift: 
„Verzeichniss der im Rostocker academischen Museum be- 
findlichen Versteinerungen aus dem Sternberger Gestein. 
Rektorats-Programm von Dr. Hermann Karsten. Rostock 
1849." 

Herr Beyrich macht Mittheilung von folgenden Briefen : 

Zeits. d. d. geol. Ges. I. 4. 26 



390 

1) Herr Isaac Lea in Philadelphia an Herrn v. Buch 
über Saurierfussspuren im Old red.*) 

2) Herr Oswald an Herrn Beyrich über eine Ana- 
lyse von Gold aus Kalifornien.**) 

3) Herr Oswald an Herrn Beyrich über neue Ueber- 
gangsversteinerungen von Sadewitz bei Oels.***) 

4) Herr Reuss an Herrn Beyrich über Foraminiferen 
im Septarienthon von Hermsdorf, f) 

Herr Beyrich berichtet über seine im Juni und Juli 
ausgeführte Untersuchung des Quadersandsteingebir- 
ges in Schlesien, welches bei Grüssau, eine Meile von Lands- 
hut, beginnt und sich von hier in südlicher Richtung gegen 
Reinerz und Glatz hin ausdehnt. 

Karl v. Raum er unterschied in dieser Gegend Quader- 
sandstein und Planer nicht als einander folgende Formations- 
glieder, sondern hielt sie für innig durch Wechsellagerung 
mit einander verbunden. Die den Quadersandstein und Plä- 
ner petrographisch mit einander verbindenden Gesteine nannte 
er Plänersandstein und Plänermergel, das Ganze Pläner- 
und Quadersandsteingebilde. Die Herren v. Car- 
nall und Zobel waren der gleichen Ansicht und trennten 
auf ihren Karten nicht den Pläner vom Quadersandstein ; sie 
glaubten, dass beide gleichzeitig neben einander abgesetzt 
sein könnten. Den später auf der Reimann sehen Karte 
zwischen Pläner und Quadersandstein gezogenen Grenzen 
liegen keine neuern Beobachtungen zu Grunde. 

In dem Quadersandsteingebirge von Grüssau bis Reinerz 
und Glatz sind jedoch 4 Glieder zu unterscheiden, nämlich: 

1) Unterer Quad er Sandstein mit Exogyra 
Columba. 

2) Das von v. Carnall und Zobel Plänersand- 



*) Vergl. diese Zeitschr. S. 261. 

**) Zum Druck in Poggendorff's Annalen bestimmt. 
***) Vergl. diese Zeitschr. S. 260. 
f) Vergl. diese Zeitschr. S. 259. 



391 

stein ernannte Gestein. Dasselbe setzt den Rücken des 
Annaberges bei Grüssau znsammen und zeigt sich in der 
grossen Erstreckung von hier bis zum Weistritzthal bei 
Schwedeidorf westlich von Glatz sehr gleichförmig als ein 
gelbliches thonigkieseliges Gestein, welches sich nie mit 
den schroffen felsigen Gehängen des unteren Quadersandsteins, 
sondern stets unter sanfteren Formen erhebt, und eine Mäch- 
tigkeit von wohl 2 — 300' erreicht. Es gleicht zuweilen sehr 
manchen zum Flammenmergel gerechneten Gesteinen im 
nordwestlichen Deutschland, für welche von Kefer stein 
der Name Trippelsandstein vorgeschlagen wurde. 

3) Das schon von v. Raum er dem Plan er Sachsens 
verglichene Gestein, welches petrographisch jedoch sehr ver- 
schieden ist von dem Pläner bei Strehla, Oppeln oder Qued- 
linburg; es ist frisch von dunkelbläulicher Farbe, etwas 
krystallinisch im Bruch und stets so stark mit Thon gemengt, 
dass es zum Kalkbrennen untauglich ist. 

4) Der obere Quadersandstein. 

Das ganze Gebirge steigt von Grüssau über Wünschel- 
burg hinaus mit schroffem Absatz über dem Rothliegenden 
empor. In den nördlicheren Theilen zwischen Friedland 
und Schömberg und von hier sowohl gegen Nord wie gegen 
Süd hin, bildet der untere Quadersandstein den Rand des 
Gebirges, von welchem aus in regelmässigen Profilen gegen 
die Mitte hin die jüngeren Glieder einander folgen. Von hier 
muss man ausgehen, um die Zusammensetzung des Gebirges 
richtig zu erfassen. 

Der obere Quadersandstein bildet nur einzelne von ein- 
ander getrennte Inseln in der Mitte des Gebirges ; die grösste 
und ausgezeichnetste derselben ist die der Adersbacher Fel- 
sen zwischen Merkelsdorf, Weckelsdorf, Bischofstein, Kohl- 
hau und Adersbach; weniger ausgezeichnet in ihren Formen 
ist in dem nördlichsten Theil eine kleinere Insel um Neuen 
und Görtelsdorf. Eine andere Insel liegt in der Richtung 
von Weckelsdorf nach Politz zwischen Lechau und Wostacz. 
Als südlichste Insel tritt der Fels der grossen und kleinen Heu- 

26* 



392 

scheuer hervor; nur dieser allein ist hier oberer Quadersand- 
stein, alles ihn umgebende ist unterer. — Weniger regelmäs- 
sig als im nördlichen Theil und in ihrer Lagerung oft täu- 
schend liegen die Glieder des Quadersandsteingebirges in dem 
südlichen Theil zwischen dem Urgebirge von Strausseney bis 
Reinerz und dem Rothliegenden von Wünschelburg bis Scbwe- 
deldorf. Gerade in dieser Gegend glaubten v. Raum er 
und später ebenso v. Carnall und Zobel den Pläner mehr- 
fach mit dem Quadersandstein wechsellagernd zu sehen. Die 
jüngeren Glieder liegen hier aber oft am Fuss der hoch über 
ihnen ansteigenden älteren Schichten und zeigen sich wieder 
diese bedeckend, wenn man zu ihnen aufgestiegen ist. So 
liegt der Plänersandstein von Weckersdorf, westlich von ßrau- 
nau, bis nach Albendorf, südöstlich von Wünschelburg, in 
einer schmalen Zone am Fuss des schroffen Gehänges des 
unteren Quadersandsteins, diesem angelagert und nicht als 
Unterlage desselben hervortretend. 

Die Zusammensetzung dieses Quadersandsteingebirges 
unterscheidet sich von derjenigen am Nordrande des Riesen- 
gebirges vornämlich dadurch, dass letzterem das Glied des 
Plänersandsteins ganz fehlt, während hier die obersten Abla- 
gerungen mit farbigen Thonen und Kohlen, der Ueberquader 
des Bober- und Queissthales, nicht entwickelt sind. 

Herr v. Carnall nimmt Veranlassung, seine Ansicht 
über Bildung schroffer Ränder und namentlich der vom Vor- 
redner angeführten Felsenkämme des Quadersandsteins vor- 
zutragen, wonach diese nicht ursprünglich, sondern erst spä- 
ter durch Zerstörung entstanden sein könnten, womit die 
Annahme einer Ablagerung jüngerer Formationsglieder an 
ihrem Fnss nicht in Einklang zu bringen sei. 

Herr Beyrich glaubt jedoch, dass die Ränder in einem 
solchen Fall nicht als durch Auswaschung und spätere Zer- 
reissung entstanden, sondern als ursprünglich angesehen wer- 
den müssen. 

Herr G. Rose sprach im Verfolge seines Vortrages in 
der Julisitzung über die beiden letzten , zur Granitgruppe 



393 

gehörenden Gebirgsarten, den Porphyr und den Syenit- 
porphyr. Der erstere enthält in einer dichten Grundmasse 
Feldspath, Oligoklas, Quarz und grünen Magnesia-Glimmer; 
der letztere dieselben Gemengtheile, jedoch ohne Quarz, aber 
häufig mit Hornblende. Der Porphyr schliesst sich also zu- 
nächst dem Granititan; er enthält dieselben Gemengtheile 
wie dieser und unterscheidet sich nur dadurch von ihm, dass 
diese im Granitit in körnigem Gemenge verbunden, im Por- 
phyr in einer Grundmasse eingeschlossen sind. Der Syenit- 
porphyr steht in demselben Verhältnisse zum Syenit, wie 
der Porphyr zum Granitit. 

Herr Tarn n au zeigt, mit Bezug auf den Vortrag des 
Herrn G. Kose in der Julisitzung, aus seiner Sammlung 
Exemplare von weissem Glimmer vor, worin schwarzer 
Glimmer und Turmalin eingewachsen. 

Hierauf wurde die heutige Sitzung geschlossen. 
v. w. o. 

v. Carnall. Ewald. Overweg. 



2. Erste allgemeine Versammlung der deutschen geo- 
logischen Gesellschaft. 

I. Sitzung. 

Verhandelt Regensburg den 25. September 1849. 

Heute, Vormittags 10 Uhr, versammelten sich die Mit- 
glieder in einem Saale des hiesigen k. Gymnasial-Gebäudes 
und schritten nach §. 5 des Gesellschafts - Statuts zur Wahl 
des Vorstandes. Herr Prof. Schafhäutl aus München 
wird einstimmig zum Vorsitzenden ernannt, das Amt von 
Schriftführern wird den Herren Fr aas aus Bahlingen und 
Ewald aus Berlin übertragen. 

Herr v. Carnall legt im Namen des für die Ge- 
schäftsführung in Berlin erwählten Vorstandes den Rechen- 



394 

Schaftsbericht*), so wie den Entwurf zum Budget für das 
Jahr 1850 auf das Bureau nieder. 

Der Vorsitzende theilt mit, dass folgende neue Mitglie- 
der aufgenommen worden: 

Herr Fraas aus Bahlingen in Würtemberg, 

vorgeschlagen durch die Herren L. v. Buch, Schaf- 
häutl und v. Carnall; 
Herr Mick seh aus Pilsen in Böhmen, 

vorgeschlagen durch die Herren L. v. Buch, Beyrich 
und v. Carnall; 
Herr Kolenati aus Prag, 

vorgeschlagen durch die Herren Schafhäutl, Bey- 
rich und v. Carnall; 
Herr Frisch mann aus Eichstädt, 

vorgeschlagen durch die Herren L. v. Buch, Schaf- 
häutl und v. Carnall. 
Herr v. Carnall zeigt an, dass er die unter Tit. II. des 
Budgets ausgeworfenen 100 Thlr. an Kosten bei der allge- 
meinen Versammlung mitgebracht habe und bittet über die 
Verwendung zu verfügen. Derselbe ward hierauf ersucht, die 
Kassen-Verwaltung selbst zu übernehmen, und sich darüber 
demnächst mit dem Schatzmeister in Berlin zu berechnen. 

Herr v. Carnall bringt zur Sprache, dass der §. 4a. 
des Gesellschafts-Statuts, welcher den Ort und die Zeit der 
allgemeinen Versammlungen betrifft, in einem Zusätze die 
definitive Feststellung dieses Paragraphen der diesjährigen 
Versammlung in Regensburg vorbehält. Sein Vorschlag, die 
dem Paragraphen provisorisch gegebene Fassung 
beizubehalten, und dem gemäss nur den Zusatz zu 
demselben zu streichen, wird angenommen. 

Der Vorsitzende lässt hierauf zur Wahl des Orts 
für die im nächsten Jahre zu haltende allgemeine 
Versammlung schreiten. 

Es wird, im Anschluss an die Versammlung deutscher 



*) Dieser Bericht folgt weiter unten, 



395 

Naturforscher und Aerzte, für das Jahr 1850 Greifs walde 
gewählt. 

Was die Zeit der Zusammenkunft in Greifswalde 
betrifft, so wird beschlossen, dass die Mitglieder der geolo- 
gischen Gesellschaft sich am Tage der zweiten Generalver- 
sammlung der Naturforscher und Aerzte vereinigen, und am 
ersten darauf folgenden Werkeltage ihre erste Sitzung hal- 
ten werden. 

Zum Geschäftsführer für die Versammlung in 
Greifswalde wird einstimmig Herr v. Hagenow gewählt. 

Der Präsident richtet demnächst, da nach den Statuten 
der Generalversammlung die Befugniss ertheilt ist, über den 
Druck von Abhandlungen, wie sie im §. 7b. bezeich- 
net sind, zu entscheiden, an die Mitglieder die Aufforderung, 
etwanige Anträge in dieser Hinsicht zu stellen. 

Herr Sartorius von Walters hausen macht den 
Vorschlag, dass die Versammlung diese Befugniss einem von 
ihr zu wählenden Directorium übertrage, welches das ganze 
Jahr hindurch, innerhalb der Geldbewilligung im Jahres- 
Budget, über den Druck der Abhandlungen bestimmen könne. 

Die Versammlung tritt diesem Vorschlage bei; da der- 
selbe aber auf eine Veränderung der Statuten gerichtet ist, 
so muss er ( nach §. 11 des Statuts ) der nächstjährigen 
allgemeinen Versammlung zur Beschlussnahme unterbreitet 
werden. 

Herr v. Carnall theilt mit, wie ein Mitglied in Berlin den 
Vorschlag gemacht habe, dass die Gesellschaft eine geolo- 
gische Uebersichtskarte von Deutschland heraus- 
gebe, welche, im Anschluss an die vortreffliche geologische 
Karte, die Deutschland besitzt, und mit Zugrundelegung der- 
selben, möglichst billig hergestellt werden müsse, um eine 
recht allgemeine Verbreitung zu erlangen. Herr v. Carnall 
legt einen Entwurf zur topographischen Grundlage einer sol- 
chen Karte vor, welche, aus einem Flussnetz mit möglichst 
vielen Ortsnamen bestehend, nach den besten Hülfsmitteln 
auszuführen sein würde. Die Karte ist auf 2 Blätter be- 



396 

rechnet, und würde nördlich noch Königsberg und Flensburg, 
südlich Genua, westlich Mastricht und Genf, und östlich 
Krakau in sich begreifen. Der Massstab ist zu yvToötö 
angenommen. Die Formationen und Formationsglieder wür- 
den durch Schraffirung, Farbendruck, und Colorirung aus der 
Hand, zu bezeichnen sein. Bei starkem Absätze würde die 
Karte für 2 Thaler geliefert werden können. 

Die Versammlung tritt dem Vorschlage, ein geognosti- 
sches Uebersichtsblatt von Deutschland herauszugeben, bei; 
in Beziehung auf den Maassstab wird der Antrag gestellt, ei- 
nen grösseren, nämlich von — ] , anzunehmen, dagegen 
aber eingewandt, dass dies die Zahl der Blätter bedeutend 
vermehren und einem Hauptzwecke der Unternehmung, näm- 
lich der leichten Anschaffbarkeit der Karte, entgegen sein würde. 

Auf Antrag des Herrn Vorsitzenden wird beschlossen, 
es solle bei der topographischen Grundlage der Karte mög- 
lichst darauf Rücksicht genommen werden, dass geognostisch 
wichtige Ortsnamen, wenn sie auch geographisch nicht von 
Bedeutung wären, mit aufgenommen werden. 

Auf Antrag des Herrn v. Ca mall wird ferner ange- 
nommen, dass sogleich nach Vollendung der topographischen 
Grundlage, welche nach einigen Monaten erfolgen werde, die 
Mitglieder aufgefordert werden sollen , sich zu erklären , ob 
und für welches Gebiet sie sich bei der Colorirung der Karte 
betheiligen wollen, damit die Gesellschaft im Stande sei, 
nach Eingang dieser Erklärungen für die Ausfüllung der 
etwa noch verbleibenden Lücken Sorge zu tragen. Es solle 
sodann jedem Mitgliede, welches sich bei der Anfertigung 
zu betheiligen verpflichtet, ein Exemplar der topographischen 
Grundlage zur Auftragung des von ihm untersuchten Gebiets 
mitgetheilt werden. 

Alle einzelnen Beiträge sollen demnächst durch eine Re- 
dactionscommission zu einem Ganzen verbunden werden und 
soll diese, hinsichts der Wahl der Farben für die Formatio- 
nen, so viel immer möglich an die Buch sehe Karte sich 
anschliessen. 



397 

Hierauf schlägt Herr Beyrich vor, dass die Gesellschaft 
sich am Nachmittage nach der bei Tegernheim an der Gra- 
nitgrenze vorkommenden Kohlen -Ablagerung begebe, um 
diese merkwürdige Lokalität näher zu untersuchen, worauf 
die Gesellschaft gern eingeht. 

Der Vorsitzende kündigt endlich an , dass ein Brief an 
den Präsidenten der geologischen Gesellschaft eingegangen 
sei, worin derselbe aufgefordert wird, das von Herrn Gei- 
nitz kürzlich herausgegebene Werk über die Quadersandstein- 
formation, welches bereits im Jahrbuche von Leonh. und 
Bronn eine günstige Beurtheilung erfahren hat, auf dem Bu- 
reau der Gesellschaft aufzulegen. Das Exemplar soll dem- 
nächst zur Gesellschafts-Bibliothek übernommen werden. 

Hiermit ward die Verhandlung geschlossen, nachdem die 
morgige Sitzung auf Vormittags 9 Uhr angesetzt war. 

v. w. o. 
Schafhäutl. Fraas. Ewald. 



II. Sitzung. 

Verhandelt Regensburg den 26. September 1849. 

Der in gestriger Sitzung gemachte Vorschlag des Herrn 
Beyrich, die Umgebung von Tegernheim näher anzu- 
sehen, wurde ausgeführt. Nachmittags 2 Uhr fuhr die Ge- 
sellschaft bis zum Tegernheimer Keller und besuchte von 
da die merkwürdigen Punkte dieses Ortes. Zuerst sah man 
die östlich von dem Mittelberge anstehenden kohlenhaltigen 
Letten, hierauf die gegen Nordost an dem Berge sich hin- 
aufziehenden Sandsteine und bunte Letten, unterbrochen vom 
Hereinragen einer älteren Formation, welche von den einen 
als Uebergangs- Gebirge, von den andern als por- 
phyrisch angesehen wird. Auf der Höhe des Berges steht 
der Keupersandstein und der schwarze Jura an, 
die Kalkfelsen des weissen Jura überragend. So findet 
sich hier in einem Flächenraum von 4- Meile Breite Granit 



398 

und weisser Jura, Lias, Keuper-Sandstein und -Letten, Ueber- 
gangsgebirge (?) und vielleicht auch brauner Jura und Koh- 
lengebirge (?). 

Der Vorsitzende, Herr Schafhäutl, eröffnet die heu- 
tige Sitzung und lässt das Protokoll vom 25. September ver- 
lesen. Nachdem dieses angenommen und zwei eingegangene 
Briefe vorgelesen waren, legte Herr v. Carnall den Ent- 
wurf des Budgets fürs Jahr 1850 vor und erläuterte die 
einzelnen Einnahme- und Ausgabe-Posten. Dieselben wur- 
den, da Einwendungen nicht erhoben^ so festgestellt, wie sie 
das beiliegende Budget ergiebt.*) 

Im besondern ward beschlossen, künftig rückliegende 
Jahrgänge der Zeitschrift der deutschen geologischen Gesell- 
schaft neueintretenden Mitgliedern zu 3 Thalern den Jahrgang 
zu überlassen. 

Jetzt theilte Herr v. Carnall mit, dass aufsein An- 
suchen Herr Baur zu den Gebirgs - Profilen der linken 
Rheinseite, welche in der Aprilsitzung (S. 90 d. Zeitschr.) 
vorgelegt wurden, Erläuterungen eingesandt habe, welche 
nebst den Profilen durch die Zeitschrift zu veröffentlichen 
sein werden. 

Hierauf spricht Herr v. Strombeck über eine neue 
Cucullaea aus dem Muschelkalke, die sich von den beschrie- 
benen Arten durch längliche Form und lange leistenförmige 
Zähne hinter dem Wirbel unterscheide. Ihr Vorkommen 
beschränke sich auf den Schaumkalk der unteren Abtheilung 
des Muschelkalks, in dem sie in der Umgegend von Braun- 
schweig und zu Rüdersdorf bei Berlin gefunden werde. 
Ferner sei sie im Muschelkalke von Oberschlesien durch Herrn 
Beyrich entdeckt, und würde sie — sofern das Niveau ihres 
Erscheinens auf den verschiedenen Fundstätten für gleich 
erachtet werde, — zum Anhalten für die Gliederung des 
Muschelkalkes in Oberschlesien dienen können. Redner 
schlug vor, die neue Muschel Cucullaea Beyrichi zu 



■) Folgt weiter unten. 



399 

nennen. Eine nähere Beschreibung wird in den Abhandlun- 
gen der Zeitschrift im Drucke erscheinen. 

Herr Zerrenner aus Pösneck giebt einige Mittheilun- 
gen über die Diamantgrube Adolphsk am Ural, wel- 
che von einem Lager versteinerungsführenden Dolomites un- 
terteuft ist, und liest hierauf eine Correspondenz mit Herrn 
v. Humboldt über diese Grube vor. 

Herr Richter aus Saalfeld giebt eine nähere Be- 
schreibung von Nereites Sedgwickii Murchison, aus 
den unteren sandigen Schiefern der Thüringer Grauwacke, 
und theilt Weiteres mit über die geognostischen Verhältnisse 
um Saalfeld. Herr Beyrich sieht diese Nereites Murch. 
als verwandt mit den Graptolithen an. 

Hierauf verliest Herr Beyrich einen Brief des Herrn 
Em m rieh zu Meiningen über die geognostischen Verhält- 
nisse Oberbaierns, wozu Herr Schafhäutl noch einige Be- 
merkungen beifügt. 

Herr Sartorius von Waltershausen macht in ei- 
nem längeren Vortrage Mittheilungen über submarine Vul- 
kane, namentlich über seine Beobachtungen am Aetna und 
auf Island, und fügt bei, dass er das Nähere besonders be- 
kannt machen wolle. Hieran knüpfte sich eine Debatte, an 
welcher Herr v. Buch und Herr Schafhäutl sich bethei- 
ligten. 

Schliesslich giebt Herr Zerrenner nähere Bestimmun- 
gen des Fundorts von Oligoklasporphyr im westlichen 
S ibirien. 

Nachdem die morgige Sitzung auf Vormittags 9 Uhr 
angesetzt war, wurde die heutige geschlossen. 

v. w. o. 
Schafhäutl. Ewald. Fraas. 



400 



III. Sitzung. 

Verhandelt Regensburg den 27. September 1849. 

Das Protokoll der vorigen Sitzung wird verlesen und 
angenommen. 

Herr v. Buch spricht sich hierauf gegen verschiedene 
in dem gestrigen Vortrage des Herrn Sartorius von 
Waltershausen berührte Punkte aus. 

In Beziehnng auf Daubeny's Publication über Vul- 
kane erinnert Herr v. Buch, wie er, als er sich im Jahre 
1834 mit den Herren Linck, de Beaumont und Dufre- 
noy am Vesuv befand, beim Herabsteigen des Berges mit 
Herrn Linck, die BimsteintufFschicht am Abhänge anstehend 
gefunden habe und wie sich damals die Reflexion bei ihm 
erzeugt habe, dass Pompeji durch die Zertrümmerung eines 
Theiles der TuiFschicht und durch Fortschleuderung der 
Trümmer über die Stadt hin verschüttet worden; derselbe 
erwähnt ferner, wie zugleich aus der Betrachtung, dass 
Strabo den Aetna „bicornis" nennt und den Vesuv nicht, 
der Schluss gezogen wurde, dass der Eruptionskegel am 
Vesuv erst nach Strabo's Beschreibung entstanden sein 
konnte. Herr Daubeny reproducirt nun die von Herrn 
v. Buch gegebene, die verschiedenen Zustände des Berges 
veranschaulichende Abbildung und stellt die daran sich 
knüpfenden Raisonnements so dar, als wenn sie ihm selbst 
eisfenthümlich wären. 

Herr Beyrich giebt eine Uebersicht der geologischen 
Verhältnisse von Regensburg, worauf Herr Fr aas Zweifel 
über das Vorhandensein von braunem Jura am Tegernheimer 
Keller äussert. 

Herr Zerrenner spricht über die Gebirgsarten, welche 
die Flächen zwischen dem Rücken des Uralgebirges und 
der Gouvernements- Stadt Perm zusammensetzen. 

Herr Beyrich macht Mittheilungen über den Stand 
der Arbeiten zur geologischen Karte von Schlesien. Die 
Sektion Hirschberg, zur Karte von Niederschlesien gehörig, 



401 

wurde vollendet vorgelegt. Die Untersuchungen für diese 
Sektion sind von Professor G. Rose ausgeführt. Für die 
noch unvollendeten Sektionen der Karte von Niederschlesien 
sind die Vorarbeiten so weit vorgeschritten, dass bis zum 
Schlüsse des Jahres 1850 die sechs nördlichen Sektionen 
derselben veröffentlicht sein können. 

Herr Ewald spricht über das Verhältniss des Gault zum 
Neocomien und namentlich über die von Herrn d'Orbigny 
mit dem Namen „terrain aptien" bezeichneten Schichten. 
Während Herr d'Orbigny die Cephalopodenfauna des 
Terrain aptien von der des Gault für so verschieden hält, dass 
kaum irgend eineSpecies übereinstimme, hat Herr Duval- 
J o u v e bereits einige Cephalopoden - Arten als dem Terrain 
aptien und Gault gemeinsam erkannt und betrachtet derselbe 
beide Schichtensysteme als vollkommen identisch. Herr 
Ewald findet, dass die Anzahl der gemeinsamen Cephalo- 
poden noch um vieles bedeutender ist, so dass ein irgend 
scharfer Abschnitt zwischen jenen beiden Schichtensystemen 
keinenfalls angenommen werden kann , und kommt zu dem 
Ergebniss, dass die Cephalopoden das Terrain aptien als 
Gault, jedoch als eine besondere, unterste, Abtheilung 
desselben, charakterisiren. 

Herr v. Strombeck beschreibt die Neocomien-Bildun- 
gen der Umgegend von Braunschweig und weist nach, dass 
dieselben aus einer mächtigen Thonablagerung (Roemer's 
Hilsthon) bestehen, in deren unterem Theile hier und da 
fremdartige Gesteine, welche grössere Mengen von organi- 
schen Einschlüssen enthalten, (Roemer's Hilsconglomerate) 
eingelagert sind. Die Versteinerungen des Thones sind 
solche, welche dem Hilsconglomerate ebenfalls angehören. 
Beides bildet ein einziges dem unteren Neocomien des süd- 
lichen Europas zu parallelisirendes Schichtensystem. 

Herrn Zerrenner's Mittheilungen über den neuentdeck- 
ten Magnetberg Katschkanar am Ural, welche derselbe an 
einer von ihm angefertigten Abbildung dieses Berges erläu- 



402 

tert, machen den Beschluss der wissenschaftlichen Vorträge 
der allgemeinen Versammlung. 

Hierauf stellt Herr Beyrich noch den Antrag, dass 
im §. 8. des Gesellschaftsstatuts nach dem Worte „Karten- 
sammlung" die Worte „und eine geologische Sammlung" 
eingeschaltet werden , damit die Gesellschaft in den Stand 
gesetzt werde, zu speciellen Untersuchungen gehörige Be- 
lagsstücke, welche ihr durch Geschenke zugehen, aufzube- 
wahren. Dieser Antrag wird durch die Mehrzahl der ver- 
sammelten Mitglieder unterstützt und kommt znfolge §.11 
des Statuts in der nächstjährigen allgemeinen Versammlung 
zu Greifswalde zur endgültigen Entscheidung. 

Durch ein Mitglied wird sodann beantragt und durch 
die Gesellschaft beschlossen, am folgenden Tage eine gemein- 
same geologische Reise nach Kelheim , Eichstädt und Pap- 
penheim anzutreten, um das dortige Juragebirge und die an 
jenen Orten befindlichen Sammlungen zu besichtigen. 

Nachdem Herr von Carnall es übernommen, Herrn 
von Hagenow zu Greifs walde um die Annahme des Ge- 
schäftsführeramtes für die im nächsten Jahre zu Greifs- 
walde zu haltende Versammlung der Gesellschaft zu ersuchen, 
und nachdem derselbe im Namen der versammelten Mitglie- 
der dem Vorsitzenden für die umsichtige Leitung der Ver- 
handlungen gedankt, W erden durch letzteren die Sitzungen 
der ersten allgemeinen Versammlung der deutschen geologi- 
schen Gesellschaft geschlossen. 

v. w. o. 
Schafhäutl. Fraas. Ewald. 



Rechenschaf t.s - Bericht über die Geschäftsfüh- 
rung im Jahre 1849. 

Berlin, den 12. September 1849. 
Dem Gesellschaftsstatute (§. 10) gemäss beehrt sich der 
für die Geschäftsführung in Berlin erwählte Vorstand, unter 



403 

Bezugnahme auf die bisher veröffentlichten Verhandlungen, 
den gegenwärtigen Rechenschafts-Bericht zu erstatten. 

Es fanden vom Januar bis einschliesslich August acht 
besondere Versammlungen statt, welche nicht nur von 
den hier wohnenden Mitgliedern fleissig besucht wurden, son- 
dern es nahmen auch mehrfach auswärtige Mitglieder der 
Gesellschaft an den Arbeiten Theil. 

Einige der gehaltenen Vorträge sind bereits abgedruckt, 
andere werden in den nächsten Heften der Zeitschrift folgen. 
Ein Urtheil darüber steht uns nicht zu; doch wolle man 
uns die Bemerkung erlauben, dass Leistungen, wie die vor- 
liegenden, zu der Aussicht eines gedeihlichen Fortschreitens 
der Gesellschaft auf dem eingeschlagenen Wege berechtigen 
dürften. 

Für den brieflichen Verkehr sind die Zeitverhält- 
nisse von störendem Einfluss gewesen, und steht daher eine 
Zunahme desselben zu erwarten. 

Die Herausgabe der Zeitschrift anlangend, ist 
anzuführen, dass sich das III. Heft zur Zeit unter der Presse 
befindet, und Mitte nächsten Monats auszugeben sein wird. 
Für das IV. Heft ist auch schon Material vorräthig. 

An neuen Mitgliedern sind seit Ende Januar, wo 
das Seite 38 u. f. des I. Heftes gegebene Verzeichniss ab- 
geschlossen, aufgenommen worden: 

No. 171. Herr Zimmermann in Berlin. 
„ 172. „ Nauck in Berlin. 

173. ,, Ja gor in Berlin. 

174. „ v. Struve in Hamburg. 

175. „ Heideprim in Berlin. 

176. „ Websky in Schlesien. 

177. „ v. G rote in Oldenburg. 

178. ,, Weichsel in Blanken bürg. 

179. „ Landgrebe in Cassel. 

180. „ Kuh in Breslau. 

181. „ Redenbacher in Pappenheim. 

182. „ Eschweiler in Berlin. 



5) 



J) 



404 

No. 183. Herr Freih. v. Herder in Freiberg. 

„ 184. „ v. Warnsdorff in Freiberg. 

„ 185. „ Herbst in Weimar. 

„ 186. „ v. Bennigsen -Förder in Salzwedel. 

„ 187. „ v. Breda in Harlem. 

„ 188. „ Bunsen in Marburg. 

„ 189. „ Huhn in Berlin. 

„ 190. „ Delesse in Paris. 

„ 191. „ Graf v. S ecken dorf in Halle. 

„ 192. „ Ebers in Halle. 

„ 193. „ Zerrenner in Pösneck. 
Bis einschliesslich No. 189 sind dieselben in den beson- 
deren Versammlungen bereits angemeldet worden. Herr De- 
lesse ward durch die Herren Rammeisberg, Beyrich 
und v. Carnall; Herr Graf v. S ecken dorf und Herr 
Ebers durch die Herren Martins, Karsten und v. Car- 
nall und Herr Zerrenner durch die Herren A. v. Hum- 
boldt, Weiss und v. Carnall in Vorschlag gebracht. 

An Herrn Girard, welcher in Marburg eine Professur 
übernommen', verlor der Vorstand einen seiner Schrift- 
führer. Auf Ansuchen desselben hat Herr Dr. Overweg 
die Güte gehabt, das Geschäft bis zum Ablaufe d. J. zu 
übernehmen. Uebrigens sind die sämmtlichen Vorstands- 
Geschäfte in der, durch die im I. Hefte veröffentlichte Ge- 
schäfts-Ordnung vorgezeichneten, Art geführt worden. 

Für die Zeitschrift sind einige Taus ch Verbindungen 
angeknüpft, wie namentlich mit dem naturhistorischen Verein 
der Rheinlande, mit der Schlesischen Gesellschaft für vater- 
ländische Kultur, dem Verein der Freunde der Naturgeschichte 
in Mecklenburg etc. und ist Aussicht vorhanden, diesen 
Tauschverkehr weiter auszubreiten. 

Die für die Bibliothek eingegangenen Geschenke 
sind in den Sitzungsprotokollen mit dem Namen der Geber 
angezeigt, indessen fühlen wir uns verpflichtet, auch hier noch 
unseren wärmsten Dank dafür auszusprechen. 

Wegen Verkauf der Zeitschrift ist mitder hiesigen 



405 

B es s ersehen Buchhandlung ein besonderer Vertrag errichtet, 
wonach dieselbe den üblichen Rabatt gewährt erhält, jedoch 
den Jahrgang nicht unter dem Betrage von 6 Thalern ver- 
kaufen darf. Man rechnet auf diesem Wege etwa 20 bis 30 
Exemplare, künftig vielleicht auch noch mehr abzusetzen. 

Die Auflage ist übrigens nach dem Beschluss vom 
30. December v. J. (Seite 17) eingerichtet, und mit den 
überschiessenden Exemplaren des I. Hefts in der dort an- 
genommenen Weise verfahren worden. Man hat jedoch noch 
eine Anzahl derselben im Bestände behalten. 

Später aufgenommenen Mitgliedern sind die bereits vor- 
her erschienenen Hefte mit der Bedingung gegeben worden, 
den vollen Beitrag des laufenden Jahres zu berichtigen. 
Wenn aber im nächsten und in den weiter folgenden Jahren 
Mitglieder eintreten, wird es angemessen sein, die rückliegen- 
den Jahrgänge ihnen zu einem ermässigten Preise zu über- 
lassen. Wir erlauben uns für solche Fälle einen Preis von 
dr t ei Thalern für den Jahrgang in Vorschlag zu brin- 
gen, und stellen dies einer Beschlussnahme anheim, zu wel- 
cher die Berathung des nächstjährigen Budgets Gelegenheit 
darbieten wird. 

Die Lage der Gesellschaftskasse anlangend, so 
sind zwar noch Beitragszahlungen im Rückstande, indessen 
immer hinreichend Gelder eingegangen , um die Ausgaben 
zu decken, und wenn auch am Jahresschlüsse einige Reste 
verbleiben sollten, so werden dafür an den Ausgaben gegen 
das Budget Ersparungen gemacht, so dass nicht nur die 
Ausgabe gedeckt, sondern auch wohl der budgetmässige 
Geldbestand aufkommen wird. 

Unter den Ersparungen heben wir hier noch besonders 
hervor, dass die Gesellschaft in dem Bibliothekzimmer des 
Königlichen Museums für ihre Sitzungen zeither ein Lokal 
unentgeltlich erhalten hat, und dass die Anschaffung 
der Bücherspinden (Tit. III. Cap. 3 des Budgets) noch ausge- 
setzt bleiben konnte. Der letztere Betrag wird indessen als 
Ausgaberest in das künftige Jahr zu übernehmen sein. 

Zeits. d. d. geol. Ges. I. 3. 27 



406 

Mit Rücksicht auf die bisherige Erfahrung und das vor- 
aussichtliche Bedürfniss hat der Vorstand ein Budget für 
1850 entworfen und erlaubt sich diesen Entwurf im Anschlüsse 
zu überreichen und unter Bezugnahme auf die beigefügten 
Erläuterungen zur Annahme zu empfehlen. 

Falls bei der bevorstehenden allgemeinen Versammlung 
Anträge auf Herausgabe von Abhandlungen für 
Rechnung der Gesellschaft gestellt werden sollten, so 
könnte nach der muthmaasslichen Lage der Kasse im nächsten 
Jahre darauf im Budget eine Summe von 200 Thalern aus- 
geworfen werden. Es wird daher unmaassgeblich vorgeschla- 
gen, alsbald in der ersten Sitzung eine diesfällige Anfrage 
zu veranlassen, damit zur Prüfung der Anträge Zeit bleibe. 

Die unter Tit. I. Cap. 3 ausgeworfene Summe von 100 
Thalern für eine Uebersichtskarte von Deutschland 
anbetreffend, so ist anzuführen, dass Herr Tuch in der Juni- 
Sitzung den Entwurf der topographischen Grundlage einer 
solchen Karte vorlegte, und dabei den Vorschlag machte, 
dass sich Mitglieder unserer Gesellschaft dazu vereinigen 
möchten, dieselbe geognostisch zu coloriren. Der besagte 
Entwurf umfasst ganz Deutschland, südlich bis zum Breiten- 
grade von Genua herabgehend ; er besteht aus zwei grossen 
Blättern im Maassstabe von 1 : 1,400,000 d. i. doppelt so gross 
als die v. Dechensche Karte von Mittel - Europa. Die 
Breite beträgt 29^ Zoll, die Höhe 34| Zoll. Beim Stich 
würde darauf zu sehen sein, dass die Karte nicht mit Namen 
überfüllt sei, dagegen das Flussnetz recht vollständig, so wie 
überhaupt eine möglichst grosse Anzahl von Punkten ent- 
halte, nach denen sich die Grenzen von Gebirgsformationen 
aus Specialkarten übertragen lassen. Erwägt man nun, dass 

a. bei der Zurückführung auf einen so kleinen Maassstab 
gewisse Formationen in eine Farbe vereinigt werden 
müssen, 

b. dass ohne eine solche Vereinigung der Zweck einer wirk- 
lichen Uebersicht von der Geologie unseres Vaterlandes 
verloren gehen würde, 



407 

c. dass die Zusammenziehung gewisser Gebirgsglieder durch 
das Ganze gleichmässig durchgeführt werden muss, 

d. dass aber derjenige, welcher die Specialkarte einer Ge- 
gend lieferte, vorzugsweise im Stande ist, dieselbe auch 
in einem generellen Gesichtspunkte aufzufassen, 

e. dass daher die Karte nur durch das Zusammenwirken ver- 
einigter Kräfte zweckentsprechend hergestellt werden kann : 

so dürfte die Anfertigung und Herausgabe einer solchen Karte 
eine würdige Aufgabe unserer Gesellschaft sein. 

Zunächst würde es darauf ankommen , die uncolorirten 
Blätter ganz oder in beliebig kleinen Sektionen unter dieje- 
nigen Mitglieder zu vertheilen, welche sie zu erhalten wün- 
schen, um darauf die von ihnen selbst untersuchten Gegenden 
geognostisch aufzutragen, und diese Sektionen dann wieder 
einzusenden. Daraus würde sich ergeben, ob und welche 
Lücken noch etwa auszufüllen bleiben und ob hierzu bereits 
Karten vorhanden sind? Letzteres lässt sich bei den vorhan- 
denen vielen trefflichen Vorarbeiten wohl um so mehr anneh- 
men, als es sich mehr nur um allgemeinere Umrisse han- 
delt. Berichtigungen werden natürlich später immer noch 
vorkommen, allein wir würden doch bald eine Karte erhalten, 
welche nicht nur den Mitgliedern der Gesellschaft höchst 
willkommen sein würde, sondern deren Preis auch billig 
genug gestellt werden könnte, um eine recht allgemeine Ver- 
breitung unter dem grossen Publikum zu ermöglichen. 

Falls der Vorschlag Anklang findet, würde in den be- 
vorstehenden Sitzungen die Ausführung desselben näher zu 
erörtern und bei mehrseitiger Zustimmung darüber eine Be- 
schlussnahme herbeizuführen sein. 

Die ausgeworfenen 100 Thaler sind die Kosten der Steine, 
des Papieres und des Abdrucks von etwa 200 Exemplaren 
für Mitglieder der Gesellschaft. 

Das Porto unter Tit. IV. Cap. 4 hat wieder in gleicher 
Höhe in Ansatz gebracht werden müssen , weil die Anträge 
auf Gewährung von Portofreiheit bis jetzt ohne Erfolg 
geblieben sind. 

27* 



408 

Die im diesjährigen Budget unter Titel IL enthaltenen 
100 Thaler auf Ausgaben bei der allgemeinen Ver- 
sammlung werden von einem der Vorstandsglieder nach 
Regensburg mitgebracht werden, und wird ergebenst gebe- 
ten, zu seiner Zeit gefälligst über die Verwendung eine Note 
aufstellen und diese hierher gelangen zu lassen, um sie den 
Belegen der diesjährigen Rechnung beifügen zu können. 

v. Carnall. 
Namens des Vorstandes. 



Budget der deutschen geologischen Gesellschaft 
für das zweite Geschäftsjahr von Anfang Novem- 
ber 1849 bis dahin 1850, oder für 1850. 



Principien. 

A. Hinsichtlich der Geld-Einnahme. 

1. Die Einnahme an Beiträgen ist nicht nach der wirkli- 
chen Zahl der Mitglieder, sondern nach dem voraussicht- 
lichen Eingange der Beiträge bemessen. 

2. Die Zeitschrift wird durch die Besser sehe Buchhand- 
lung verkauft und dieser ein angemessener Rabatt ge- 
währt. 

3. Rückliegende Jahrgänge der Zeitschrift werden an neu 
eintretende Mitglieder zu 3 Thalern pro Jahrgang abge- 
lassen. 

4. Die Abhandlungen werden an Mitglieder, welche sich 
dazu melden, und zwar zum halben Kostenpreise verkauft. 

5. Die Abhandlungen sollen zwar auch anderweitig verkauft 
werden können, indessen wird der Verkauf einem Ver- 
leger überlassen werden und dies den Kosten der Her- 
ausgabe zu Gute kommen, wonach eine besondere Ein- 
nahme nicht in Ansatz zu bringen ist. 

B. Hinsichtlich der Geld-Ausgaben. 

1. Ueber die Kosten bei der allgemeinen September -Ver- 



409 



2. 

3. 



4. 



Sammlung wird von dem dortigen Vorstande besondere 
Rechnung gelegt. 

Die einzelnen Positionen eines Titels sind übertragbar. 
Ueberschreitungen einer Titelsumme sollen in der Beeel 
nicht vorkommen, werden jedoch gerechtfertigt erschei- 
nen, wenn sie Folge einer Vermehrung der Mitglieder- 
zahl, mithin durch Mehr-Einnahmen zu decken sind. 
Der im letzten Titel ausgeworfene Deckungsfond soll 
sowohl zur Tragung möglicher Mehr-Ausgaben, als auch 
zur Sicherung gegen Einnahme-Ausfälle dienen. 

C. Der verbleibende Geldbestand 
wird in das nächstfolgende Geschäftsjahr zur Verwen- 
dung übernommen. 




II. 



III. 



t; 
2. 

3. 



Special- Haupt- 
Summen. 

Thlr. lSgJpf.| Thlr. |sg.| Pf. 



An Bestand ex 1849 

An Einnahme-Resten, fehlt. 
An Beiträgen der Mitglieder 
pro 1850. 

a. Von 120 Mitgliedern zu 6 Thlr. . 

b. Von 40 zu Berlin wohnenden Mitglie- 
dern zu 8 Thlr 



720 
320 



100 



Sa. Tit. I. — 



Für Verkauf der Schriften etc. 

Vom Verkauf der Zeitschrift durch die 
Besser sehe Buchhandlung.. . . 

Für 10 Exemplare des ersten Jahrgan- 
ges von neucingetretenen Mitglie- 
dern zu 3 Thlr 

Von dem Verkaufe von Abhandlungen 
an Mitglieder der Gesellschaft, fehlt. 



50 



Sa. Tit. II. I — 



An extraordinairer Einnahme 
An Geschenken in baarem Gelde 
An Vermächtnissen .... 
Vom Verkauf entbehrlich ge- 
wordener Gegenstände . 



fehlen. 



Summa der Geld-Einnahme | — | — 



1040 



80- 



|1220|-|- 



410 




Special- Haupt- 
Summen. 

Thlr. iSg.|pf.| Thlr. |Sg.|pf. 



I. 



II 



III. 



IV 



V. 



VI. 



fehlen. 

S ch ri f t en 



An Vorschüssen 
An Ausgabe-Resten 
Für Herausgabe von 
und Karten. 
Für -die Zeitschrift. 

a. Druck, Papier u.Buchbinder- Arbeit 

b. Kupfertafeln, Litographieen und 

Colorirung 



30U 
200 



Sa. Cap. 1. 

Für den Druck von Abhandlungen 
und zugehörigen Tafeln, fehlt. 

Für "200 Exemplare eines topographischen 
Netzes zu einer Uebersichts- 
karte von Deutschland . . 



500 



100 



Sa. Tit. I. 

An Kosten bei der allgemeinen 
September -Versammlung 

Für Lokale in Berlin. 

Miethe eines Locals für die Sitzungen 
Beleuchtung, Heizung und Bedienung . 



Sa. Cap. 1. 
Miethe eines Raumes zur Aufstellung 

der Bibliothek 

Zur Anschaffung kleiner Gegenstände 
für die Bibliothek etc 



30 
20 



50 
12 



Sa. Tit. III. 
An sonstigen Ausgaben. 

Für Abschriften aller Art 

Für Copirung von Karten, Profilen etc. 

Au Büreaukosten 

An Porto und Botenlöhnen .... 

Sa. Tit. IV. 
Extr ao r dinai r e Ausgaben. 

Für Insertionen in Zeitungen und an- 
dere unvorhergesehene Ausgaben . 

Deckungsfonds 

Summa aller Geld- Ausgaben 

Schlugs - Balance* 

Die Geld-Einnahme beträgt 

Die Geld-Ausgabe dagegen 



20 
40 

20 
40 



600 
100 



70 



120 



20 
100 



1220 
1010 



1010 



bleibt Bestand | 210| — | — 
zur Uebernahme in das nächstfolgende Geschäftsjahr. 

Vollzogen nach der Beschlussnahme in heutiger allgemeiner Sitzung 
der Gesellschaft. 

Regensburg, den 26. September 1849. 

Der Vorsitzende. 
Schafhäutl. 



411 

Verzeichniss der in Regensburg versammelt ge 
wesenen Mitglieder der Gesellschaft. 

1. Beyrich aus Berlin. 

2. L. v. Buch aus Berlin. 

3. v. Carnall aus Berlin. 

4. Ewald aus Berlin. 

5. Fr aas aus Bahlingen in Würtemberg. 

6. Frischmann aus Eichst'ädt. 

7. Gugenheimer in Regensburg. 

8. Jagor aus Berlin. 

9. Kolenati aus Prag. 

10. Linck aus Berlin. 

11. Micksch aus Pilsen in Böhmen. 

12. Richter aus Saalfeld. 

13. Sartorius v. Waltershausen aus Göttingen. 

14. Schafhäutl aus München. 

15. v. Strom beck aus Braunschweig. 

16. Zerrenn er aus Pösneck in Sachsen-Meiningen. 



3. Erläuterungen zu der geognostischen Karte der 
Umgegend von Regensburg. 

Nach anderen und eigenen Beobachtungen zusammengestellt von 

Hrn. Beyrich. 

Hierzu Taf. V. 

Durch die zuvorkommende Freundlichkeit, mit welcher 
die Geognosten Regensburgs den der ersten allgemeinen Ver- 
sammlung beiwohnenden Mitgliedern der Gesellschaft ihre 
Sammlungen zur Einsicht öffneten und ihre Beobachtungen 
über die auf das Genaueste von ihnen gekannten geognostischen 
Verhältnisse der Umgegend ihrer Vaterstadt zur Benutzung 
zu Gebote stellten, wurde die Gesellschaft in den Stand ge- 
setzt, ihren Schriften eine geognostische Karte der nächsten 
Umgebung von Regensburg beizufügen, auf welcher die da- 
selbst auftretenden Formationen schärfer gesondert und voll- 



412 

ständiger dargestellt worden sind, als auf anderen schon vor- 
handenen Karten. Schon in früheren Zeiten war Regensburg 
ein vielbesuchter Anziehungspunkt für reisende deutsche 
Geoo-nosten und die Litteratur unseres Jahrhunderts ist reich 
an Beobachtungen über die Gegend. Gewiss werden auch 
in der Folge noch andere den Schritten der Gesellschaft fol- 
gen und durch unsere Karte einen willkommenen Führer 
erhalten. Manche Verhältnisse der Gegend von Regensburg 
verdienen noch eine speciellere Betrachtung als ihnen bis 
jetzt zu Theil geworden ist und ohne Zweifel wird eine noch 
anhaltendere und genauere Beobachtung manche Angabe der 
Karte berichtigen. Möge dieselbe ein Anstoss hierfür wer- 
den. Die nachfolgenden Erläuterungen machen keinen An- 
spruch darauf, eine specielle Beschreibung der Gegend von 
Regensburg zu sein, sondern haben vornehmlich nur den Zweck, 
gewisse Angaben der Karte zu rechtfertigen und einige der 
wichtigsten Beobachtungspunkte namhaft zu machen. Die 
treffliche geognostische Skizze, welche v. Voith in der von 
Herrn Dr. Fürnrohr bearbeiteten naturhistorischen Topo- 
graphie von Regensburg gegeben hat, enthält viele Specia- 
litäten, welche zu wiederholen hier nicht beabsichtigt wurde. 
Der Granit in dem nordöstlichen Theile der Karte, 
dessen westliche Grenze in der Richtung von Irlbach gegen 
Tegernheim zum Donau-Thal hin verläuft, bildet einen Theil 
des Randes der ausgedehnten Massen theils massiger, theils 
schiefriger krystallinischer Gesteine, welche sich von hier in 
östlicher Richtung ohne Unterbrechung bis nach dem Inne- 
ren Mährens fort erstrecken, und welche als eine der ältesten 
festen Gebirgsinseln des europäischen Continents schon das 
Grund- oder Urgebirge abgaben für die ältesten versteine- 
rungsführenden Schichten des altsilurischen Uebergangsge- 
birges im Inneren von Böhmen. Während in der Gegend 
von Regensburg auf dem linken Ufer der Donau bei Donau- 
stauf und von hier weiter abwärts das krystallinische Grund- 
gebirge aus der Ebene des Donau-Thales alsbald sehr schnell 
und hoch aufsteigt, hängt dasselbe gegen Westen zwischen 



413 

Irlbach und Tegernheim ohne schärferen Absatz der Berg- 
formen, vom Frauenholz her über den Keilberg fort, mit ei- 
ner ausgezeichneten Erhebung des weissen Jura zusammen, 
deren Fuss etwa durch eine von Gonersdorf nach Wuzel- 
hofen , dem Harthof und Schwabelweis gezogene Linie be" 
grenzt werden könnte. Mit ausnehmend schroffem und fel- 
sigem Gehänge erhebt sich diese Masse von weissem Jura 
nördlich von Schwabelweis aus der Niederung des Donau- 
Thaies, und ist hier durch einen tiefen vom Keilberg und 
Frauenholz herabkommenden Thaleinschnitt, durch die Lage 
des Tegernheimer Kellers nördlich von Tegernheim bezeich- 
net, getrennt von dem Granit des östlich sich erhebenden 
Mittelberges, welcher durch eine Einsenkung als eine Vor- 
höhe von der grösseren Granitmasse des Frauenholzes ge- 
löst ist. 

So eng auch der weisse Jura nordöstlich von Regensburg 
mit dem Granit verbunden zu sein scheint, so tritt er doch 
an keiner Stelle in unmittelbare Berührung mit demselben. 
In einer schmalen, höchstens ■§■ Meile breit werdenden Zone 
schieben sich vielmehr verschiedene Bildungen zwischen beide 
Formationen, deren Deutung und Bestimmung Gegenstand 
mehrfacher Erörterungen während der Versammlung in Re- 
gensburg gewesen ist. Alles, was in der Gegend von Re- 
gen sburg überhaupt von Flözbildungen älter als weisser 
Jura zu Tage liegt, ist auf diese schmale Zone zwischen 
Granit und weissem Jura und auf den Rand des Granites 
westlich von Donaustauf zum Mittelberge hin beschränkt; 
die ganze Erscheinung ist daher dem Rande des krystallini- 
schen Grundgebirges eigentümlich und wird in ihrer gan- 
zen Bedeutung erst gewürdigt werden können, wenn in wei- 
terer Erstreckung gegen Nord bis östlich von Amberg mit 
grösserer Schärfe, als es bis jetzt geschehen ist, die zwischen 
dem weissen Jura und dem krystallinischen Gebirge zwi- 
schenliegenden Gebilde werden gesondert sein. 

Auf der Karte sind zwischen dem Granit und dem weis- 
sen Jura von Irlbach bis zum Tegernheimer Keller fünf 



414 

Formationen oder Formationsglieder unterschieden: 1) Ur- 
thonschiefer, 2) Steinkohlenformation, 3) Keuper, 4) Lias, 
5) brauner Jura. 

Die dem Urthonschiefer zugerechneten Massen 
wurden, zuerst durch Herrn Fr aas, an der Grenze des Gra- 
nits nördlich des Tegernheimer Kellers an einem der nach 
Grünthal führenden Wege beobachtet. Thonschiefer und 
Quarzschiefer nehmen hier und da Feldspaththeile auf, so 
dass einzelne Parthieen der immer sehr entschieden schiefrig 
bleibenden Schichtenfolge in krystallinisch schiefrige Gesteine, 
namentlich Gneuss, überzugehen scheinen. So geringfügig 
auch die nur längs eines Hohlweges beobachtbaren Entblös- 
sungen dieser Gesteine sind, und so gering auch nur ihre 
Erstreckung den örtlichen Verhältnissen nach sein kann, so 
lässt die Beschaffenheit der Gesteine doch nur einen kleinen 
Spielraum für ihre Deutung. Man hat nur die Wahl, sie, 
wie es hier geschehen ist, für ein Stück des im Fichtel- und 
Erzgebirge und mehr noch in den Sudeten weit ausgebreite- 
ten Urthon schiefergebirges , oder für ein Stück Uebergangs- 
gebirge zu halten, welches der Nähe des Granits das theil- 
weis krystallinische Ansehn seiner Schichten zu verdanken 
hätte. 

Die Steinkohlen formation liegt nördlich des Te- 
gernheimer Kellers dem Urthonschiefer auf, in einer noch 
viel unbedeutenderen Entblössung beobachtbar als dieser. Sie 
würde kaum hier beachtet sein, wenn nicht durch das etwas 
ausgedehntere Vorkommen derselben Formation am Fuss des 
Granits östlich des Mittelberges ihr Vorhandensein in dieser 
Gegend und die Beschaffenheit der ihr angehörenden Ge- 
steine bekannt wäre. Zu verschiedenen Zeiten sind nämlich, 
stets jedoch ohne Erfolg, Versuche gemacht worden, östlich 
des Mittelberges gegen Donaustauf hin am Fuss des Granit- 
gebirges einen Steinkohlenbergbau ins Leben zu rufen und 
noch in neuerer Zeit gab zuletzt die Dampfschifffahrt auf der 
Donau Veranlassung zu erneuten Nachforschungen, über wel- 
che jedoch leider keine genaueren Berichte gesammelt worden 



4S5 

sind. Die Arbeiten sind gegenwärtig ganz verschüttet und 
die Schachthalden lassen kaum noch Spuren der durchsunke- 
nen Gesteine erkennen. Doch erklärte Herr Mick seh aus 
Pilsen, welcher zur Zeit der zuletzt ausgeführten Versuchs- 
arbeiten dieselben zu besichtigen Gelegenheit hatte, dass die 
getroffenen kohlenführenden Gesteine vollkommen den ihm 
so genau bekannten Massen des böhmischen Kohlengebirges 
gleichen und er versicherte auch Calamiten im Schieferthon 
gesehen zu haben. Hiermit stimmt auch sehr wohl die Be- 
schaffenheit der zu Tage beobachtbaren nördlich des verfallenen 
Kohlenschachtes, am Fusse der Granitberge in einem Hohl- 
wege, unmittelbar dem Granit aufliegenden Gesteine. Man 
sieht hier einen lockeren Granitgrus, dessen Theile durch ei- 
nen bläulichgrauen Thon verbunden sind, nach oben in ei- 
nen grauen sandigen Schieferthon übergehen, welcher letztere 
ein etwa zollmächtiges Kohlenschmitzchen einschliesst. Jenem 
Granitgrus vollkommen gleich ist das Gestein, welches nörd- 
lich des Tegernheimer Kellers an einer kleinen Stelle ge- 
troffen wird, ehe man den Urthonschiefer erreicht, wobei noch 
näher zu untersuchen bleibt, ob die letztere Ablagerung viel- 
leicht über die Einsenkung nördlich des Mittelberges fort mit 
der ersteren in Verbindung stehen könnte. Das Kohlenge- 
birge östlich des Mittelberges rechnete v. Voith nicht zu 
den zwischen Granit und Jura in der Gegend von Regens- 
burg auftretenden Bildungen, sondern führt es (a. a. O. 
S. 290) als zum Tertiärgebirge gehörig auf; derselbe be- 
schreibt jedoch als anderwärts in weiter Verbreitung dem 
Granit zunächst aufliegend einen sogenannten granitischen 
Sandstein (a. a. O. S. 268), welcher den aufgeführten Cha- 
rakteren nach sehr w f ohl demselben Kohlengebirge angehören 
könnte. Längs der Granitgrenze von der Höhe des Frauen- 
holzes bis Irlbach ist dieser granitische Sandstein nicht zu 
sehen. 

In einem zu Regensburg gehaltenen Vortrage entwickelte 
Herr Fr aas zuerst, dass ein Theil der die Höhe des Keil- 
berges zusammensetzenden Gesteine der Keuper forma- 



416 

tion angehören müsse. Als Unterlage des Lias tritt ein 
weisser Sandstein hervor, welcher dem oberen Keupersand- 
stein in Würtemberg gleich ist; mit diesem nach unten sind 
bunte rothe Letten verbunden, wie sie das Lettengebilde des 
Keupers überall bezeichnen. Man kann von der Höhe des 
Keilberges diese Gesteine gegen Süd abwärts bis zum Te- 
gernheimer Keller hin verfolgen. Gegen Nord verliert man 
sie eher, erkennt die Letten jedoch noch wieder nahe Grün- 
thal, und der Umstand, dass der bis Irlbach hin im Zusam- 
menhange verfolgbare Lias stets noch durch einen schma- 
len Zwischenraum vom Granit entfernt bleibt, rechtfertigt es, 
dass mit dem Lias auch der Keuper vom Keilberg bis Irl- 
bach herab auf der Karte als eine ununterbrochene Zone an- 
gegeben wurde. 

Der Lias war durch das Vorkommen der ihn auszeich- 
nenden organischen Keste am Keilberge schon länger t in 
Regensburg w T ohl gekannt. Ein Eisensteinbergbau gerade auf 
der Höhe des Keilberges hatte die bestimmenden Formen 
zu Tage gefördert. Was von den hier vorkommenden Ge- 
stalten in Regensburger Sammlungen aufbewahrt wird, zeigt, 
dass nur Glieder des mittleren und oberen Lias entwickelt 
sind, der untere Lias also, wie es im fränkischen Jura die 
Regel ist, zurücktritt. Das körnigoolithische rothe Eisenerz 
des Keilberges entspricht in seiner Stellung den Eisenerzen 
des mittleren Lias, welche westlich des Harzes bei Willers- 
hausen und Echte abgebaut werden. Posidonien schiefer sind 
charakteristisch unter den Gesteinen der Grubenhalde zu fin- 
den. Die Eisenerzlage giebt ein vortreffliches Mittel ab, die 
Erstreckung des Lias vom Keilberge ab gegen Irlbach und 
zum Tegernheimer Keller hin zu verfolgen; sie geht an vie- 
len Punkten, namentlich auch noch zwischen Grünthal und 
Irlbach, zu Tage, so dass über die continuirliche Erstreckung 
des Lias von Irlbach bis zum Tegernheimer Keller hin kein 
Zweifel obwalten kann. 

Der Lias wird vom weissen Jura durch einen bräunlich- 
gelben Sandstein, den braunen Jura, geschieden. Man 



417 

sieht denselben am deutlichsten an den Endpunkten der durch 
ihn gebildeten Zone, so am östlichen Gehänge der Höhe süd- 
westlich von Irlbach und eben so von gleichem Gestein un- 
mittelbar am Tegernheimer Keller. Nicht so deutlich ist der 
braune Jura zu sehen, wenn man vom Harthof her zuerst 
die Vorhöhen des weissen Jura ersteigt und dann auf der 
Höhe in der Richtung zum Keilberg und Frauenholz fort- 
geht. Ein lockerer Sand, der leicht für eine tertiäre Abla- 
gerung gehalten werden könnte, aber erst, wenn man den 
weissen Jura verlassen hat, statt seiner den Boden bildet, 
kann hier nur das aufgelockerte Ausgehende des braunen Jura- 
Sandsteins sein. Die Zweifel, welche in Regensburg Herr 
Fr aas über die Bestimmung des Sandsteins beim Tegern- 
heimer Keller als brauner Jurasandstein äusserte , würden 
nicht erhoben sein, wenn die Erscheinung des gleichen Sand- 
steins bei Irlbach , wo er durch seine Lagerung zwischen 
weissem Jura und Lias sehr fest bestimmt ist, gleichzeitig 
beachtet worden wäre. 

Ueberblickt man die verschiedenen im Vorgehenden auf- 
geführten Formationen, welche nordöstlich von Regensburg 
in so geringer Breite zwischen Granit und weissem Jura 
sich hervorheben, in ihrem Zusammenhange, so liegt die 
Vorstellung nahe, dass hier eine in späterer Zeit erst erfolgte 
höhere Erhebung des Granites die Ursache des ganzen Phä- 
nomens sein könue. Es fehlt jedoch bis jetzt an hinreichen- 
den Beobachtungen um eine solche Hypothese zu begründen, 
und nur eine auf weitere Erstreckung fortgeführte Beobach- 
tung der Erscheinungen am Rande des krystallinischen Ge- 
birges wird über dieZulässigkeit derselben entscheiden können. 

Der weisse Jura erscheint, wie die Karte anzeigt, 
in der Gegend von Regensburg, abgesehen von der grösse- 
ren zusammenhängenden Masse am Rande des Granitgebir- 
ges, nur in kleineren anscheinend unregelmässigen und zer- 
stückten Partieen, deren Ausdehnung ganz durch die Niveau- 
verhältnisse der Gegend bedingt ist. Er bildet die Ränder 
der Flussthäler, der Donau bis Gros-Prifening und Ort und 



418 

die ihrer Nebenthäler, des Laber-, des Nab- und des Regen- 
flusses, von ihren Mündungen aufwärts. An keiner Stelle 
würde der Jura hier sichtbar werden ohne das Vorhanden- 
sein der Th'äler; denn überall erhebt man sich aus dem 
Grunde der Thäler über den Jura herauf zu den bedecken- 
den jüngeren Formationen, der Kreide- und der Tertiärfor- 
mation, welche die sanftwelligen Platten zwischen den Fluss- 
thälern bedecken. Die Zapfen, mit welchen der weisse Jura 
aus dem Regen thal von St. Lorenz, Piel und Lappersdorf 
aus gegen West vorspringt, entsprechen Seitenbuchten des 
Regenthals. Auch bei Schwetzendorf, in der Mitte zwischen 
der Nab und dem Regen, bildet der Jura nicht eine Hervor- 
ragung, sondern zeigt sich nur im Grunde von rings umge- 
benden Kreidehöhen überragt. An keiner Stelle ziehen sich 
die genannten jüngeren Gebirgsformationen in solcher Weise 
in die Thäler abwärts, dass man annehmen könnte, die letz- 
teren seien vor ihrer Ablagerung schon aufgerissen worden. 
Vielmehr darf man aus den angegebenen Verhältnissen fol- 
gern, dass die Spaltenthäler , w r elche mit so ausgezeichnet 
schroffen Formen ihrer Thalränder das Gebirge des fränki- 
schen weissen Jura zerschneiden, erst nach dem Absätze der 
auf den Höhen liegendeu Kreide- und Tertiärbildungen auf- 
gerissen worden sind. Anders verhält es sich mit dem Di- 
luvium, dessen Ablagerung bei Regensburg deutlich der vor- 
her vorhandenen Einsenkung des Donauthales folgte. 

Der weisse Jura wird schon in der Gegend von Re- 
gensburg zum Theil durch Dolomit ersetzt, dessen Ver- 
breitung , so weit er beobachtet wurde , angezeigt ist. Bei 
St. Lorenz ist er nach einer Angabe des Herrn Es er auf- 
getragen. Gering ist seine Ausdehnung nördlich von Gal- 
lin ghofen , ebenso sind es nur kleine Massen von Dolomit, 
welche sich auf der rechten Seite der Donau oberhalb Gross- 
Prifening zeigen. Ohne alle Regel und durch ihr plötzliches 
Erscheinen überraschend treten an letzterer Lokalität die 
Dolomitfelsen plötzlich zwischen den Kalksteinfelsen des 
massigen Jura in gleichem Niveau neben oder hinter ihnen 



419 

hervor und nicht möglich ist es hier, dem Dolomit ein be- 
stimmtes Niveau im weissen Jura anzuweisen. Ausgedehn- 
ter und etwas regelmässiger verbreitet ist der Dolomit im 
Nab-Thal unterhalb Ebenwies, wo er den unteren Theil der 
Gehänge des Thaies bildet und bedeckt wird von den zu 
mächtigen Werkstücken in grossen Steinbrüchen bei Ebenwies 
gewonnenen Kalksteinbänken. Er verschwindet hier plötz- 
lich und mit scharf zu bestimmender Grenze nicht weit un- 
terhalb von Etterzhausen. 

Nur an einer Stelle bei Regensburg, nahe Wurzelhofen 
in der Richtung gegen Reinhausen, sind dünngeschichtete 
Kalkplatten gekannt, welche im Gestein den lithographischen 
Schiefern sich nähern und auch zu Versuchen, sie zu ge- 
winnen, Veranlassung gaben; sie würden aber hier, bei der 
geringen Ausdehnung des Vorkommens, auch wenn der Stein 
sich brauchbar erwiesen hätte, nie einen lohnenden Betrieb 
hervorgerufen haben. 

Die Kreide formation der Gegend von Regensburg 
liegt in vollkommen ruhiger und ungestörter Lagerung hori- 
zontal abgesetzt dem weissen Jura auf. Es lassen sich zwei 
Glieder derselben unterscheiden, eine untere sandigkalkige 
oder sandige und eine obere kalkige Ablagerung. Die festen 
Gesteine der unteren Abtheilung sind ein Gemenge von 
Quarzkörnern und mehr oder weniger häufigen grünen Kör- 
nern, welche durch ein kalkiges oft krystallinisch späthiges 
Bindemittel cementirt sind. Je nachdem die Quarzkörner oder 
das Bindemittel mehr vorwalten, schwankt man, ob man das 
Gestein lieber einen kalkigen Sandstein oder einen sandigen 
Kalkstein nennen soll. Das Gestein ist von rauhem Korn 
und wird als ein leicht bearbeitbarer Haustein an vielen Punk- 
ten in meist nur kleinen Steinbrüchen gewonnen. Viele der 
älteren Bauten in Regensburg, wie der Dom und die Brücke, 
sind von diesem Gestein grösstenteils errichtet. Dennoch 
ist es kein sehr dauerhaftes Baumaterial, denn das kalkige 
Bindemittel des Sandsteins wird mit der Zeit durch die Ein- 
wirkung des atmosphärischen Wassers aufgelöst bis zu einem 



420 

völligen Zerfallen der Masse. Quellen, welche aus dem kal- 
kigen Sandstein hervortreten, sind in so hohem Grade kalk- 
haltig, dass sie in auffallend kurzer Zeit beträchtliche Massen 
von Kalksinter abzusetzen im Stande sind. Es wurden in 
Regensburg zolldicke Kalksinter-Platten gezeigt, w T elche auf 
den Schaufeln von Mühlenrädern gebildet waren, die durch 
jene Quellen getrieben werden. Bei diesem Verhalten wird 
es wahrscheinlich, dass die Anhäufungen von lockerem Sande, 
welche sich insbesondere auf der linken Seite der Donau auf 
den Höhen, wo die Decke des oberen Kalksteins fehlt, ver- 
breiten , nichts anderes sind , als das Residuum eines dem 
beschriebenen gleichenden Gesteines, von welchem nach Zer- 
störung des Bindemittels nur die Quarzkörner und die grü- 
nen Körner zurückblieben. Oft sieht man in solchem locke- 
rem Sande noch unregelmässige Klumpen mit wunderlich ge- 
formten Oberflächen inne liegen, welche dem anderwärts in 
regelmässigen Schichten abgesetzten festen Gesteine gleichen, 
und ursprünglich gewiss auch hier mit dem umgebenden 
lockeren Gesteine ein Contimium bildeten. Hornsteinausschei- 
dungen kommen häufig in dem kalkigen Sandstein vor, jedoch 
in gleicher Weise auch in dem oberen Kalkstein. 

Der obere Kalkstein lässt sich als Gestein sehr wohl 
mit manchem zum Pläner gehörenden Kreidekalksteinen des 
nördlichen Deutschlands vergleichen; man bricht ihn, um 
ihn als Baustein und zu Gartenmauern und Wegeeinfriedi- 
gungen zu verwenden, doch lässt er sich nie als Haustein 
verarbeiten. Er ist frei von Sandkörnern, enthält aber zer- 
streut noch grüne Körner, welche sich an der unteren Grenze, 
wo der Kalkstein durch Uebergänge mit dem Sandstein ver- 
bunden diesem aufliegt, hier und da in grösseren Mengen 
zusammenhäufen. An keiner Stelle bedecken noch jüngere, 
sandige, der Formation angehörige Ablagerungen diesen Kalk- 
stein. 

Von den bezeichnenden bei Regensburg vorkommenden 
organischen Resten der Kreideformation gehört Exogyra Co- 
lumba allein dem unteren sandigen Gliede an; sie ist aus- 



42L 

nehmend verbreitet, und wird nicht leicht vergebens in einem 
der Steinbrüche des kalkigen Sandsteins gesucht werden. 
Ihr treuer Begleiter ist Pecten asper, etwas sparsamer schon 
neben ihm Pecten aequicostatus. Alles andre daneben sind 
zerstreute und seltnere Vorkommen. Ammonites Rhotomasren- 
sis wurde nur einmal bei Lappersdorf gefunden. Weniger 
positiv ein bestimmtes höheres Niveau bezeichnend sind die 
Formen, welche bis jetzt in dem oberen Kalkstein aufgefun- 
den wurden. Inoceramus annulatus findet sich in Regens- 
burger Sammlungen. Grosse zweimusklige Zweischaler, viel- 
leicht zu Cyprina gehörig, kommen verbreitet, besonders nach 
unten, nahe dem kalkigen Sandstein vor. An einigen Stel- 
len sind in den tieferen intensiv grünen Lagen zahlreiche 
glänzende Kerne kleinerer Zweischaler und Gasteropoden 
gefunden worden ; doch treten auch unter diesen keine für 
ein specielleres Niveau bezeichnende Formen hervor. Es 
fehlen bis jetzt alle solche Formen, deren Auftreten ein be- 
stimmteres Urtheil möglich machen würde, ob man dem frag- 
lichen Kalk lieber das Alter des Pläners oder der weissen 
schreibenden Kreide zuzuschreiben hat. 

Wenn man die Zusammensetzung der Kreideformation 
in der Gegend von Regensburg zugleich mit derjenigen im 
nördlichen Deutschland und der in den Alpen vergleicht, so 
erscheint es von Interesse, dass sich grössere Analogieen zwi- 
schen Regensburg und Böhmen oder Sachsen und Schlesien, 
als zwischen Regensburg und den bairischen Alpen heraus- 
stellen. Wie im ganzen nordöstlichen Deutschland beginnt 
die Kreide mit den Schichten vom Niveau der Exogyra Co- 
lumba, und es fehlen die tieferen Abtheilungen der Kreide- 
formation, welche sehr bestimmt jetzt in den bairischen Al- 
pen nachgewiesen sind. Die Schichten der Exogyra werden 
bedeckt von einer Kalksteinbildung, in welcher keine Andeu- 
tung einer Verwandtschaft mit den Hippuriten - Kalken der 
Alpen und noch weniger mit den tertiären diese bedeckenden 
Nummuliten- Schichten zu finden ist. Dies ist in so fern 
auffallend, als die Kreideformation bei Regensburg doch am 

Zeits, d. d. geol. Ges. I. 4. OQ 



422 

entgegengesetzten Rande eines und desselben Meerbeckens 
abgesetzt sein muss, in welchem die alpinen Kreideschichten 
sich niederschlugen. Auf die bezeichnete allgemeinere Ana- 
logie beschränkt sich aber die Verwandtschaft zwischen der 
oberen Kreideformation bei Regensburg und der in Sachsen 
und Böhmen. Man hat bei Regensburg keinen Sandstein 
mehr vom Charakter des norddeutschen Quadersandsteins und 
darf daher eben so wenig diese Benennung, wie andere aus- 
schliesslich nur auf die Gliederung des Quadersandsteinge- 
birges im nordöstlichen Deutschland passende Namen auf die 
Regensburger Kreideschichten anwenden. Wenn Herr Gei- 
nitz in neuester Zeit vorschlug, bei Regensburg von unteren 
und oberen Quadermergeln zu sprechen, so fragt man sich 
bei Regensburg verwundert, was solche Unterscheidungen 
bedeuten sollen, für welche in der Natur gar keine Anhalts- 
punkte gegeben sind. 

Die zur Tertiärformation gehörenden Ablagerungen 
der Gegend von Regensburg bestehen in lockeren thonigen 
und thonigsandigen Massen, welche in ihrer weiteren Ver- 
breitung ausserhalb des Gebietes der Karte ansehnliche und 
bauwürdige Lager von Braunkohlen einschliessen. Innerhalb 
des Umfanges der Karte liegen Braunkohlen bei Kneiting. 
Bei Kumpfmühl sind sie nach Angabe des Herrn Es er bei 
Grabung eines Brunnens getroffen. Nirgend enthalten diese 
Ablagerungen marine Conchylienreste; nur einige bei Knei- 
ting gefundene Säugethierreste, welche Herr Guggenheim 
in seiner Sammlung aufbewahrt, weisen darauf hin, dass die- 
selben der über den fränkischen Jura fort in zerstreuten 
Partieen nach Mittelfranken hinein sich weiter verbreitenden 
Süsswasserformation zuzurechnen sind, welcher auch die 
knochenführenden Lager von Georgensmünd und die kno- 
chen- und bohnerze - haltenden Letten in den Spalten des 
weissen fränkischen Jura angehören. Ein Paar Palaeotherium- 
Zähne von Kneiting wurden in Regensburg als dem P. Au- 
relianense angehörig bestimmt (v. Voith a. a. O. S. 29i) 4 

Die jüngste der auf der Karte angegebenen Formationen, 



423 

das Diluvium, tritt bei Regensburg, wie im Rheinthal, in 
zweierlei Formen auf, als eine Geröllablagerung und als Löss. 
Häufig vorkommende Reste von Elephas und Rhinoceros 
weisen den in der Ebene des Donau-Thales verbreiteten Ge- 
röllablagerungen ihre geologische Stellung- an. Ein fast voll- 
ständiger Schädel des Rhinoceros tichorhinus, in der könig- 
lichen Sammlung in Berlin aufbewahrt, wurde in einer Ge- 
röllgrube östlich von Reinhausen gefunden. Der Löss gleicht 
in merkwürdiger Uebereinstimmung der von Basel bis gegen 
Bonn verbreiteten Ablagerung des Rheinthaies; es ist die- 
selbe Masse mit den gleichen Mergelknauern und wie im 
Rheinthale angefüllt von Landschnecken, unter welchen auch 
hier die Succinea oblonga durch Häufigkeit besonders hervor- 
tritt. An drei Orten wurde der Löss beobachtet, am Wege 
nach Unter-Isling, am Dreifaltigkeitsberge und westlich von Piel. 



Reise nach Kelheim , Ingolstadt, Eichstädt, Solnhofen 

und Pappenheim. 

(Beschlossen in der Sitzung vom 27. September.) 
Hierzu Tafel VI. 

Die Gesellschaft verliess Regensburg am Freitag den 
28. September in zwei Theilen, um auf verschiedenen We- 
gen Kelheim zu erreichen und von da vereinigt die Reise 
weiter fortzusetzen. Der eine Theil folgte der Strasse über 
Abach nach Kelheim ; der andere Theil wählte den Weer im 
Nab-Thal aufwärts bis Etterzhausen, von da nach Eichhofen 
im Laber-Thal und durch den Frauen -Forst nach Kelheim. 

Die Strasse von Regensburg nach Abach steigt gleich 
von den Thoren der Stadt aus auf den der Kreideformation 
angehörenden Ablagerungen der Gegend aufwärts. Schon 
bei Kumpfmühl zeigt sich der Kalkstein, welcher zu beiden 
Seiten der Donau bei Regensburg den Sand und die kalki- 
gen Sandsteine mit Exogyra Columba bedeckt; ein Stein- 
bruch entblösst ihn weiterhin zur Seite der Strasse bei Zie- 

28* 



424 

getsdorf. Auf der Höhe ven Ziegetsdorf bis über Grossberg 
hinaus breiten sich über der Kreideformation Letten- und 
Geröll-Massen aus, welche der hiesigen mitteltertiären Süss- 
wasserbildung angehören. Dieselbe Formation tritt auf dem 
hier verfolgten Wege in der nächsten Umgebung von Abach 
wieder auf und enthält dort ein bauwürdiges Braunkohlenlager 
von ansehnlicher Mächtigkeit. Von Grossberg gegen Abach 
hin zeigen sich von der Kreideformation nur noch die tiefe- 
ren, dem Niveau der Exogyra Columba angehörenden Schich- 
ten und auch diese verschwinden ganz vor Abach, sobald die 
Strasse in das Donau-Thal herabgeht. Kalkstein und Do- 
lomit des weissen Jura bilden in bald höheren, bald niederen 
Klippen und Felswänden die Ränder des Donau-Thales von 
Abach bis gegen Kelheim hin , und Denktafeln verewigen 
hier die Namen der Männer, deren Bemühungen es gelang, 
zuerst eine fahrbare Strasse zur Seite des Stromes herzu- 
stellen. 

In Kelheim nahm zuerst die ausgezeichnete Sammlung 
des Herrn Landgerichts-Arztes Dr. Oberndorfer die Auf- 
merksamkeit der Gesellschaft in Anspruch. In zahlreichen 
und schönen Exemplaren enthält diese Sammlung vorzugs- 
weise die Vorkommnisse des Diceras - Kalkes und der Plat- 
tenkalke aus der Umgebung von Kelheim. Graf Münster 
wusste den Werth derselben sehr wohl zu schätzen und 
schöpfte aus ihr manche Neuigkeit, weiche in seinen Bei- 
trägen bekannt gemacht wurde ; das Verzeichniss in deren 
erstem Hefte (S. 103) giebt eine Uebersicht des Inhalts 
der Diceras-Kalke bei Kelheim. Von den hervortretenderen 
Seltenheiten aus den Plattenkalken, welche noch gegenwärtig 
in der Obern dorfer sehen Sammlung aufbewahrt werden, 
wurde eine kleine Schildkröte 1843 durch H. v. Meyer als 
Aplax Oberndorferi beschrieben. Hervorzuheben ist vom 
Pterodactylus Meyeri der vollständige Abdruck desselben In- 
dividuums, von welchem Graf Münster nur die fragmen- 
tarische von H. v.Meyer beschriebene Gegenplatte besass. 
Ein kleines, noch nicht näher untersuchtes Keptil dürfte der 



425 

von H. v. Meyer Homoeosaurus genannten Gattung und 
vielleicht derselben Art, für welche die Gattung aufgestellt 
wurde, angehören. 

Herr Dr. Oberndorfer hatte die Güte, die Gesell- 
schaft, nachdem sie einen Ueberblick über den Inhalt seiner 
Sammlung gewonnen hatte, auf einer Excursion in die nächste 
Umgebung von Kelheim als Führer zu begleiten. Man sah 
von Kelheim gegen Neu-Kelheim herauf zuerst die Platten- 
kalke des weissen Jura, unter welchen, sie verdrängend, 
schon in Neu-Kelheim der Diceras-Kalk hervortritt; dann 
besuchte man die auf der Höhe westlich von Neu-Kelheim 
liegenden ausgedehnten Steinbrüche im oberen Grünsand und 
schloss mit Besichtigung der grossen Steinbrüche im Diceras- 
Kalke im Altmühl-Thale zwischen Gronsdorf und Oberau, 
welche für den Bau der Befreiungshalle am Michelsberge das 
Material liefern. 

Die bei Kelheim klar und lehrreich zu Tage liegenden 
Lagerungsverhältnisse ( | es Diceras-Kalkes und der Platten- 
Kalke, welche hier beide in charakteristischer Entwicklung 
fast aneinanderstossend und scharf gegen einander absetzend 
auftreten, gaben der Gesellschaft Veranlassung zur Prüfung 
einer in der geologischen Sektion der Naturforscher- Versamm- 
lung zu Regensburg vorgetragenen Ansicht, dass im weissen 
Jura Süddeutschlands der Plattenkalk als ein Aequivalent 
oder als eine andre Facies des Diceraskalkes betrachtet wer- 
den könne. Man sprach sich dahin aus, dass die Erschei- 
nung beider Gesteine nebeneinander bei Kelheim nicht mit 
einer solchen Ansicht in Einklang gebracht werden könne. 
Die Diceraskalke bei Kelheim sind eine ausgezeichnete Ko- 
rallenbank mit allen die Facies der Korallenbänke eigenthüm- 
lich auszeichnenden organischen Formen; sie w r erden bedeckt 
von den Plattenkalken, welche daher hier nicht den Diceras- 
Kalk ersetzen können, sondern ein eigenes jüngeres Glied 
des weissen Jura ausmachen. 

Der Grünsand und Grünsandstein mit Exogyra Columba 
bei Neu-Kelheim, das äusserste Vorkommen der Kreidefor- 



426 

ination auf der linken Seite der Donau, bedeckt in ungestörter 
horizontaler Lagerung theils den massigen Korallen- oder 
Diceraskalk, theils den Plattenkalk des weissen Jura. In 
den ausgedehnten Steinbrüchen westlich von Neu-Kelheim 
ist das bis auf seine jurassische Unterlage herab abgebrochene 
Gestein ein in mächtigen Bänken abgelagerter kalkiger Sand- 
stein, voll von grünen Körnern, jedoch mit geringerem Kalk- 
gehalt, als meist bei den in der näheren Umgebung von Re- 
gensburg gebrochenen gleich alten Schichten; er liefert einen 
trefflichen, mannichfach verwendbaren Haustein. An Ver- 
steinerungen wurden in diesen Brüchen ausser Exogyra Co- 
lumba, Pecten aequicostatus und Pecten asper, den drei ver- 
breitetsten Formen des Grünsandsteins bei Regensburg, noch 
gefunden: eine kleine auch in Böhmen mit Exogyra Columba 
zusammen vorkommende Abänderung der Gryphaea vesicu- 
laris, Lima semisulcata, ein Pecten aus der Verwandtschaft 
des P. cretosus, Discoidea subuculus und eine Diadema-Art. 

Von Kelheim wanderte die Gesellschaft am 29. Septem- 
ber am linken Donau-Ufer aufwärts nach Ingolstadt. 

Das Donau - Thal hat von Kelheim bis Weltenburg in 
einem viel höheren Grade noch als unterhalb Kelheim den 
Charakter einer engen Spalte mit hoch und schroff abstür- 
zenden Seitenwänden und wird hier in der Schroffheit der 
Formen keinem seiner den weissen Jura durchschneidenden 
Seitenthäler nachstehen. So nahe stehen unterhalb Welten- 
burg die beiden Spaltenwände einander gegenüber, dass die 
zwischen ihnen eingezwängten Wasser der Donau nicht ein- 
mal Raum für einen Fusspfad freilassen. Der Charakter des 
Thaies wird plötzlich ein anderer von Weltenburg aufwärts ; 
die schroffen Felsenränder sind verschwunden und sanftere 
Gehänge begrenzen an beiden Seiten das Bett des breiten 
Stromes. Die Ursache dieses Wechsels der Thalformen ist 
darin zu suchen, dass statt des massigen Dolomites und des 
noch bei dem Kloster Weltenburg von riffbauenden Korallen- 
stöcken hoch hinauf durchzogenen Kalksteines, welche die 
schroffen Formen einer aufgerissenen Spalte unverändert be- 



427 

wahren konnten, von Weltenburg an aufwärts bis nach Mar- 
ching die dünngeschichteten Plattenkalke an beiden Ufern 
der Donau das herrschende Gestein werden und nur hier 
und da noch den unterliegenden massigen Kalk sichtbar wer- 
den lassen. Immer weiter wird das Thal der Donau von 
Marching aufwärts nach Ingolstadt und breite mit Alluvionen 
bedeckte Flächen beginnen das anstehende Gestein zu ver- 
stecken. Nur der Dolomit hebt sich noch einmal in schroffen 
und pittoresken Formen bei Wackerstein am Rande der Do- 
nau hervor. In schnellem und mannigfaltigem Wechsel zei- 
gen sich an dem Wege von hier bis Ingolstadt bald Dolomit, 
bald massiger Kalk, bald Plattenkalk. In einem Steinbruche 
bei Dünzing erscheinen die Plattenkalke in sehr regelmässi- 
gen und verhältnissmässig dicken Schichten als ein bläulicher 
versteinerungsleerer Kalkstein mit ebenem Bruch. In ähn- 
licher Weise sieht man dieselben noch nahe Vohburg und 
schöner noch in einem Steinbruche bei Gross-Meliring, dicht 
bei dem Dorf am Ausgange nach Ingolstadt zu. An allen 

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drei letztgenannten Punkten können die Plattenkalke nur 
Auflagerungen von geringer Erstreckung auf dem Dolomit 
oder dem massigen Kalkstein bilden. In dem Steinbruche 
bei Gross-Mehring ist sogar, im Eingange in den Bruch, die 
Anlagerungsfläche des Plattenkalkes an dem massigen Kalk 
unmittelbar biosgelegt. Von schönem zuckerkörnigem An- 
sehn ist der Dolomit gegenüber Vohburg, ebenso in kleinen 
Felsen, welche vor Gross-Mehring aus dem Felde hervorra- 
gen. Bekannte Fundorte für Diceras und Nerinäen sind die 
grossen Dolomitbrüche seitlich von Gross-Mehring, in wel- 
chen für die Festungsbauten von Ingolstadt die Werkstücke 
gebrochen wurden. 

Jüngere Bildungen als die des weissen Jura traf die 
Gesellschaft, abgesehen von den Alluvionen der Donau, nur 
an einer Stelle auf ihem Wege nach Ingolstadt. Nicht weit 
unterhalb Vohburg liegt am Ufer der Donau auf dem Dolo- 
mit zuerst ein bläulicher Thon mit Einlagerungen von Braun- 
kohle und hierüber eine Masse von Lehm, welcher voll ist von 



428 

Schalen der Succinea oblonga. Der bläuliche Thon mit Braun- 
kohlen dürfte ohne Bedenken der beiEegensburg die Braun- 
kohle einschliessenden Tertiär - Formation zuzurechnen sein 
und der aufliegende Lehm mit Succinea oblonga giebt sich 
beim ersten Blick als derselbe Diluvial -Löss zu erkennen, 
welcher auch bei Regensburg in so auffallender Ueberein- 
stimmung mit den entsprechenden Ablagerungen des Rhein- 
thales auftritt. 

Am 30. September setzte die Gesellschaft ihre Reise 
fort von Ingolstadt nach Eichstädt und widmete den folgen- 
den Tag dem Studium der Herzoglich Leuchtenbergischen 
Sammlung und der geologischen Erscheinungen der nächsten 
Umsebunoen des klassischen Eichstädt. 

In dem überaus sanft von Ingolstadt in der Richtung ge- 
gen das Juragebirge hin aufsteigenden Boden ist län^s der 
Strasse nach Eichstädt bis über Eittensheim hinaus nichts 
auderes als anfangs Sand und Geröll und später Thon zu 
sehen. Theils werden es diluviale, theils tertiäre Süsswasser- 
Ablagerungen sein, welche hier die Unterlage des Bodens 
bilden. Die Thone, welche in der Gegend von Galmers- 
heim verbreitet scheinen, stehen vielleicht in Verbindung mit 
den Tertiärbildungen, welche in der Gegend zwischen Ober- 
Möckenlohe, Nassenfeis und Wolkertshofen, wie die Samm- 
lung in Eichstädt lehrt, in Menge fossile verkieselte Hölzer 
und Süsswasserkalke mit Helix einschliessen. Jenseits Eit- 
tensheim, wo die Strasse gegen die in der Richtung von 
Tauberfeld gegen Hitzhofen hin ausgebreitete Höhe ansteigt, 
sieht man die ersten Dolomitklippen aus dem Boden hervor- 
treten und man bleibt im Dolomit während des Absteigens 
der Strasse gegen das Eittensheimer Thal herunter und von 
da nach Pietenfeld hin. Die ersten Plattenkalke trifft man 
über Pietenfeld auf der Höhe des Walburga-Holzes in unge- 
störter Ruhe dem Dolomit aufgesetzt, auf welchem von Pie- 
tenfeld her der durch das Walburga - Holz nach Eichstädt 
führende Fussweg ansteigt. Ueberraschend ist der erste 
Blick, welcher sich in das Altmühl-Thal herab gegen die 



429 

Wilibaldsburg und Eichstädt hin dem Auge eröffnet. Wen 
sollten diese schönen und prachtvollen Thalformen nicht zu 
einer genaueren Erforschung ihrer Natur anregen ? Wer 
wird nicht gern hier die Belege aufsuchen für die so einfache 
und klar vor Augen liegende Kegel, welcher die schroffen 
Wände des schönen Altmühl-Thales bei Eichstädt gehorchen? 
Die Plattenkalke, so merkwürdig durch die wunderbar 
in ihnen erhaltene organische Schöpfung, so wichtig durch 
ihre technische Nutzbarkeit, bedecken ringsum nur die^Höhe 
des Gebirges und Kalk und Dolomit bilden die schroffen 
Bänder des tief eingeschnittenen Thaies. Aber Kalk und 
Dolomit liegen hier nicht ohne Regel durcheinander, einan- 
der ersetzend oder vertretend; sondern in dicken regelmässigen 
Bänken geschichtete Kalksteine, reich an Planulaten und allen 
anderen der Hochsee - Ammoniten - Facies des weissen Jura 
angehörenden Formen, bilden die Basis der Thalwände und 
werden überlagert von Dolomit, welcher seinerseits wieder 
von den Plattenkalken bedeckt wird. Diese regelmässige 
Folge lehren schön die Steinbrüche in der nächsten Umge- 
bung von Eichstädt kennen. Ein jetzt verlassener Steinbruch 
am Fuss des Galgenberges auf der linken Thalseite der 
Altmühl, dicht bei den Häusern der Vorstadt, zeigt die 
Grenze des unterliegenden geschichteten Kalkes und des 
aufliegenden Dolomits biosgelegt. Man brach früher die 
Kalksteinbänke unter dem Dolomit so lange fort, bis die ste- 
hengebliebenen überhangenden Dolomitfelsen zuletzt herunter- 
stürzten und in mächtigen Blöcken den Bruch verschütteten. 
In gleicher Weise entblössen die jetzt noch lebhaft betriebe- 
nen Brüche unterhalb der Wilibaldsburg die Auflagerung 
des Dolomits auf den Kalkstein. Nur den oberen Theil der 
Wände in diesen Steinbrüchen bildet der Dolomit, welcher 
unangewendet über die Halde gestürzt wird, während die 
tiefer liegenden Kalksteinbänke zu grossen Werkstücken ver- 
arbeitet werden. Zwischen diesem und dem Dolomit lagert 
ein dolomitischer Kalkstein, 6 bis 8 Fuss mächtig, weniger bän- 
kig und mehr zerklüftet, als der unterliegende Kalkstein. 
Die nachfolgende Skizze giebt eine Ansicht des Bruches. 



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Um die Lage des Steinbruchs gegen die Umgebung an- 
schaulich zu machen, folgt hier ein ideales Profil iijder Linie 
des vorspringenden Kammes, auf dem die Wilibaldsburg steht. 



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432 



Auf der Höhe, welche dem Kamme der Wilibaldsburg 
gegenüber liegt, wird eine Mehrzahl von Plattenbrüchen 
betrieben und folgt hier von einem derselben die Ansicht des 
Arbeitsstosses. 



Bruch im Kalk schiefer bei Eichstädt. 




Das Gestein ist in sehr dünne Schichten von { bis |, 
einzeln bis 1 Zoll Starke abgesondert, deren Lage vollkommen 
söhlig. Ein mergelartiger jedoch dichter Kalkstein von blass- 
gelber und gelblich-weisser, in den tiefsten Bänken licht-bläu- 
licher Farbe. Die nahe seigeren Querklüfte sind meist ge- 
schlossen, einzelne 6 bis 8 Zoll weit offen und dann mit 
Letten und Sand angefüllt. In grösserer Tiefe sollen die 
Schichten an Stärke zunehmen. 

Zur Erläuterung der Zeichnung ist anzuführen, dass auf 
der einen Seite noch Strosse anstehend angegeben wurde., 
um die Querzerklüftung perspectivisch darzustellen. 



433 

Die naturhistorische Sammlung des Herzogs von Leuch- 
tenberg, welche seit dem Jahre 1844 den Händen ihres ge- 
genwärtigen Conservators, Herrn Frisch mann, anvertraut 
ist, verdient durch ihren reichen Inhalt im höchsten Grade 
die Aufmerksamkeit aller deutschen Naturforscher. Die ganze 
Sammlung, musterhaft geordnet und geschmackvoll aufge- 
stellt, besteht aus drei Theilen, einem zoologischen, einem 
oryktognostischen und einem paläontologischen Theil. In der 
zoologischen Abtheilung sind die Klassen der Vögel und In- 
sekten vorzugsweise reich vertreten. Gegen 4000 Vögel sind 
aufgestellt, darunter die meisten der sibirischen und altaischen 
Arten. Die Insekten- Sammlung zählt, mit Einschluss der 
Doubletten, gegen 20,000 Nummern. Die oryktognostische 
Sammlung mit 5503 aufgestellten Nummern, dürfte durch 
die Schönheit und Pracht aller in Kussland, namentlich in 
neuerer Zeit, vorgekommenen Mineralien alle anderen Samm- 
lungen in Deutschland übertreffen. Bewunderung erregen 
unter vielen anderen Seltenheiten ein Moroxit - Krystall im 
Gewicht von 1 Pfund 8-^ Loth bair., der grösste der vorhan- 
denen Phenakit-Kry stalle von 2 Pfund 2 Loth, Amazonen- 
stein- Krystalle von 2{ bis 15^ Pfund, Siberit von 5 Pfund 
22-J- Loth, ein Stück Sonnenstein von 7J- Pfund, unter den 
Topasen ein 4~ Zoll langer wasserklarer Krystall, Chrysoberyll 
bis zu 3 Zoll im Durchmesser. Die paläontologische Abthei- 
lung der Sammlung, welcher die Gesellschaft vornämlich ihre 
Aufmerksamkeit zuwendete, ist von russischen Vorkommnis- 
sen insbesondere reich an Versteinerungen aus den altsiluri- 
schen Schichten der Gegend von Petersburg und an Pflan- 
zenresten aus den Sandsteinen des russischen permischen 
Systems ; einen höheren Werth jedoch für deutsche Geolo- 
gen erhält dieselbe durch den grossen Reichthum der in der 
näheren Umgebung von Eichstädt in den Plattenkalken vor- 
kommenden Versteinerungen. 

Von den seltenen und neuen Eichstädter Versteinerun- 
gen, welche die Sammlung enthält, ist eine, der Homoeosau- 
rus Maximiliani durch H. v. Meyer' s Beschreibung bekannt 



434 



geworden; auf andere hat Herr Frisch mann bei den Ver- 
sammlungen der deutschen Naturforscher und Aerzte zu 
Nürnberg und Regensburg die Aufmerksamkeit gelenkt, 
lieber zwei der letzteren sind wir durch die Mittheilungen 
des Herrn Frischmann in den Stand gesetzt die nachfolgen- 
den genaueren Bemerkungen bekannt zu machen. Im Uebri- 
gen beschränken wir uns darauf allen deutschen Paläontologen, 
welche den Versteinerungen des lithographischen Kalksteins 
im bairischen Jura ein 'genaueres Studium widmen wollen, 
die Beachtung der so liberal jedem Besucher geöffneten 
Sammlung in Eichstädt dringend anzuempfehlen. Wir glau- 
ben, dass vor allem die Insekten, von welchen 368 Platten, 
darunter 142 den Libellen angehörig, gegenwärtig aufgestellt 
sind, dem Forscher eine reiche Ausbeute darbieten werden. 
Das prächtig an vielen Stücken erhaltene Adernetz in den 
Flügeln der Libellen wird eine schärfere Be- 
stimmung und Unterscheidung der vorhandenen 
Arten möglich machen. Wir geben beistehend 
nach einer in der Sammlung selbst aufgenom- 
menen Skizze die Zeichnung der Adern in dem 
Hinterflügel einer, in der Sammlung noch der 
Aeschna longi-alata zugerechneten Art; sie zeigt 
das dreiseitige Feld mit 5 Zellen, welches Ger- 
mar (Münst. Beitr. V. p. 80 Taf.13 Fig. 6) in 
der Beschreibung zwar erwähnt, in der Zeich- 
nung aber nicht ausgedrückt hat. 
Das hervortretendste und schon durch seine Grösse leb- 
haft imponirende Stück unter den Seltenheiten der Verstei- 
rungen von Eichstädt ist das bis auf ein kleines Stück des 
Schwanzes vollständig in seinen wesentlichen Theilen erhal- 
tene Skelet eines grossen Haifisches aus der Gattung Noti- 
danus, welche fossil bis jetzt überhaupt nur in einzelnen 
Zähnen gekannt war. Die diesem Berichte beigefügte, uns 
zur Bekanntmachung von Herrn Frisch mann gütigst mit- 
getheilte Abbildung, Taf. VI., giebt in verkleinertem Maass- 
stabe ein getreues Bild von den Umrissen des merkwürdigen 




435 

Petrefakts. In der herzoglichen Sammlung werden beide zu 
einander gehörende Platten desselben aufbewahrt. Die Zeich- 
nung ist nach der einen Platte entworfen, welche das Gebiss 
des Fisches vollständiger erhalten, von dem Körper aber mehr 
nur den Abdruck zeigt, während in Betreff der ganz deutlich 
darauf erscheinenden Wirbel die andere Platte als die Haupt- 
platte anzusehen ist. Das ganze Thier hatte, wenn man sich 
das fehlende Ende des Schwanzes hinzudenkt, eine Länge 
von etwa 9 Fuss. Die Stellung der Flossen (auf Tafel VI. 
die Rückenflosse e, die Bauchflosse b, die Afterflosse c, die 
Brustflosse a und Anfang der Schwanzflosse bei d) ist ganz 
so wie sie der lebenden Gattung Notidanus zukömmt. Die 
Zähne des Gebisses, von welchen ein Theil auf Tafel VI. in 
natürlicher Grösse dargestellt ist, gleichen in ihrer Form voll- 
kommen denjenigen, welche Agassiz aus dem weissen Jura 
von Streitberg und vom Randen unter dem Namen Notidanus 
Muensteri beschrieben hat; mit diesem Namen wird man da- 
her auch den prächtigen Fisch in der Sammlung zu Eich- 
städt belegen müssen. Leicht könnte es sein, dass zu die- 
sem Notidanus auch die in München aufbewahrten Reste 
von grossen Haien gehören, welche Agassiz Aellopos ge- 
nannt hat. Von der einen der so benannten Arten, dem A. 
Wagneri, sagt Agassiz, dass es ein Fisch von 10 Fuss 
Länge gewesen sein müsse; er spricht bei demselben zwar 
von einer zweiten Rückenflosse, könnte aber vielleicht die 
eine nur beobachtete Rückenflosse für eine zweite hintere 
gehalten haben, weil er einen Fisch aus der Verwandtschaft 
des Galeus oder Carcharias zu sehen glaubte, obwohl deren 
Zähne noch nie in der Juraformation beobachtet wurden. Was 
über die Form der Wirbel und über die relativen Entfernun- 
gen der Rücken _ und der Afterflosse beim Aellopos gesagt 
ist, passt wohl auf den Fisch von Eichstädt. Herr Wag- 
ner in München würde über die hier vorhandenen Zweifel 
Aufschluss geben können. 

Aus einer brieflichen Mittheilung des Herrn Frisch- 
mann lassen wir mit dessen eigenen Worten zur Ergänzung 



436 

der vorstehenden kurzen Notiz über das Skelet des Notida- 
nus Muensteri in der Sammlung zu Eichstädt die folgenden 
specielleren Angaben folgen: 

,,Die an dem einzelnen Zahne hervorragenden gekrümm- 
ten Zacken , deren man nur 4 bemerken kann , sind rück- 
wärts mehr flach, nach vorn kegelförmig. Ein gezähnelter 
Vorderrand am ersten Zacken kann nicht wahrgenommen 
werden, vielmehr sind alle 4 ganz- und scharfrandig. Die 
Wirbel haben nach dem Kopfe hin 1 Zoll (pariser Maass, 
1 Fuss =,12 Zoll) im Durchmesser bei einer Höhe von 
j Zoll ; dieselben , immer kleiner und kleiner werdend, 
sind namentlich im Schwanzstücke auch immer weiter aus- 
einandergestellt, so dass der achte sichtbare, resp. vorhan- 
dene, von rückwärts gezählt, genau j Zoll im Dnrchmesser 
hält und 2j Linie lang, dabei vom siebenten nnd neunten 
nahe ~j Linie entfernt ist. Die den Fisch wirbeln eigen- 
tümlichen kegelförmigen Vertiefungen sind hin und wieder 
sichtbar. Die einzelnen Wirbelkörper, weniger aus ihrer 
natürlichen Lage gebracht, sind (zugleich mit der Ausfül- 
lungsmasse) so dicht mit einander verwachsen, dass eine 
genaue Zählung derselben nicht leicht auszuführen ist. 

„Von den Flossen sind die Brustflossen undeutlich, in- 
gleichen die Bauchflossen, an deren letzteren Stelle eine 
Steinmasse sich befindet, die durch ihr dichtes Gefüge auf 
grössere und breite knöcherne Organe hinweisen möchte. 
Die Afterflosse so wie die Kückenflosse ist nicht nur deut- 
lich markirt, sondern grösseren Theils noch, wie auch das 
Vorhandene der Schwanzflosse, durch eine diesen beiden 
Theilen eigenthümliche dünne blättrige kalkige und blass- 
grünlich-grau gefärbte Masse vertreten. Das Fehlende der 
Schwanzflosse, das einige Tage vor dem Fische selbst ge- 
funden wurde und leider nicht mehr zu Tage gefördert 
werden konnte, soll nach Umrisszeichnung der Steinbrecher 
gleichseitig dreieckig, zu beiden Seiten mit schwach ge- 
krümmten Bögen begrenzt, also näherungs weise mit den 
lebenden Arten dieses Genus übereinstimmend gewesen 



437 

„sein, wie überhaupt der fragliche Notidanus grosse Aehnlich- 
„keit mit den lebenden Arten , insbesondere mit Notidanus 
,cinereus (Bonaparte, Fauna italica), gehabt zu haben scheint, 
„sowohl nach der Stellung der Flossen, wie nach dem Baue 
„der Schwanzflosse und nach dem ganzen Habitus des Kör- 
„pers. Nur die Schnauze scheint mehr gedrungener gewesen 
„zu sein, was dem Notidanus griseus eigenthümlich wäre; 
„doch lässt sich solches wegen der Verdrückung des Kopfes 
„und Mangels eines vollständigen Umrisses auf dem Gesteine 
„nicht recht entscheiden. Auch die Länge möchte nicht 
„viel von der der lebenden Arten abgewichen haben." 

Ein anderes Petrefakt, aus den Plattenkalken bei Eich- 
stlidt , dessen wir hier specieller gedenken wollen , ist als 
eine zoologische Kuriosität, oder, wenn man will, als ein 
zoologisches Problem, mit dessen Deutung man sich noch 
weiter wird zu beschäftigen haben , von allgemeinerem In- 
teresse. Schon in Nürnberg legte Herr Frischmann das- 
selbe der 23. Versammlung der deutschen Naturforscher und 
Aerzte zur Ansicht vor und die Tastesblätter sowohl wie der 
amtliche Bericht dieser Versammlung berichten über dasselbe 
als allgemein für den Abdruck einer Qualle erkannt. Herr 
Eichwald (Augsb. Allg. Zeit. No. 218, 1846, pag. 1741 
Beilage) glaubte in demselben Petrefakt eine Scutella zu er- 
kennen, und als Herr Frisch mann dasselbe in Regens* 
bürg wieder zur Vorlage brachte, sprachen sich selbst Stim- 
men dahin aus, dass man hier überhaupt keine Versteinerung 
sondern nur ein Naturspiel vor sich habe. Die letztere Mei- 
nung wird dadurch vollständig beseitigt, dass zweiAbdiücke 
desselben Petrefäkts, beide bei Eichstädt, aufgefunden wor- 
den sind, welche in allen Merkmalen der Form übereinstim- 
mend und nur in der Grösse von einander abweichend, nichts 
anderes als die Abdrücke zweier verschiedener Individuen 
desselben organischen Körpers sein können. Das eine grös- 
sere Individuum , von welchem die Sammlung in Eichstädt 
die zueinandergehörenden Doppelplatten besitzt, stellt sich auf 
derjenigen Platte, welche die vorhandenen Eindrücke vertieft 

Zelts, d. d. geol. Ges. I. 4. 29 



438 

zeigt, als ein Abdruck von kreisrundem Umriss dar, dessen 
rundlich vertiefter Aussenrand 2 Zoll 7 Linien im Durch- 
messer misst. Diesem äusseren Kreise concentrisch parallel 
ist ein innerer Kreis eingedrückt von 1 Zoll 8 Linien Durch- 
messer ; die Entfernung beider Kreise von einander beträgt 
demnach 5 Linien. Vom Rande des inneren Kreises gehen 
regelmässig radial gestellt, in gleicher Entfernung von ein- 
ander und von gleicher Länge, 8 gerade linienförmige Ein- 
drücke aus, deren Länge ~ von dem Durchmesser des inne- 
ren Kreises beträgt , sodass also der mittlere Raum des in- 
neren Kreises von j Durchmesser frei bleibt von Eindrücken. 
Weder auf der vertieften noch auf der entsprechenden , die 
beschriebenen Eindrücke erhaben zeigenden Platte ist etwas 
von erhaltenen festen kalkigen Theilen zu unterscheiden; son- 
dern das ganze Petrefäkt besteht nur in jenen in die Masse 
des Gesteins eingedrückten Vertiefungen. Der Abdruck des 
anderen Individuums, von welchem nur die eine convexe 
Platte vorhanden ist, unterscheidet sich von dem beschriebe- 
nen in den Dimensionen so, dass der äussere Kreis nur 
2 Zoll 3y Linien, der innere 1 Zoll 6 Linien im Durchmes- 
ser misst ; die Radien scheinen verhältnissmässig ein klein 
wenig kürzer und etwas breiter zu sein und sind weniger 
scharf eingedrückt, jedoch eben so regelmässig radial gestellt 
wie bei dem anderen Individuum. Der gegebenen Beschrei- 
bung wird kaum noch zuzufügen sein, dass dieses Petrefäkt 
in keiner Weise einem Seeigel, weder einer Scutella, noch 
irgend einer anderen Gattung, zugeschrieben werden kann; 
weder ist ein Vergleichungspunkt für die 8 Radien mit der 
lOtheiligen Zusammensetzung der Echiniden-Schalen vorhan- 
den, noch erklären sich die beiden Kreise bei einer solchen 
Annahme; auch würde eine Echiniden- Schale als Schale 
noch erhalten sein. Die 8 Radien geben den einzigen posi- 
tiven Anhaltspunkt dafür ab, das Petrefäkt für den Eindruck 
des plattgedrückten Körpers einer Qualle zu halten, wobei 
nur auffallend erscheint, dass ein solcher Körper so viel 
Festigkeit in der Form und im inneren Bau gehabt haben 



439 

sollte, um jene scharf begrenzten Eindrücke zurückzulassen. 
Wir schlagen vor, das Petrefakt, bis es eine bessere Deutung 
erhalten hat, in den Verzeichnissen unter dem Namen Aca- 
lepha deperdita aufzuführen. 

Am zweiten Oktober verliess die Gesellschaft Eichstädt, 
um begleitet und geführt von Herrn Frisch mann die 
grossartigen, fast allein die Lithographie-Steine für die ganze 
Welt liefernden Steinbrüche bei Mörnsheim und Solnhofen 
zu sehen. 

An beiden Orten liegen diese Brüche auf den Höhen, 
während an den steilen Gehängen der tief eingeschnittenen 
Thäier der unterliegende Dolomit zum Vorschein kommt 
und namentlich bei Mörnsheim in hohen und grotesken 
Felsformen zu Tage steht. Die Köpfe derselben scheinen 
das Niveau zu sein, in welchem der Platten kalk den Dolomit 
bedeckt. Dass auch hier, wie bei Eichstädt, die Auflagerung 
höchst regelmässig sei, lässt sich aus der vollkommen söhli- 
gen Schichtung jenes Kalksteins schliessen. 

Auf umstehender Seite folgt eine Abbildung von dem 
äussersten und am höchsten belegenen Theile des Mörns- 
heimer Hauptbruches, mit einer Tiefe von 80 Fuss. Die sehr 
ebenen Platten sind gemeiniglich 1 bis 3, auch 4 Zoll dick, 
einzelne Bänke 6 bis 7 Zoll, selten darüber; die mächtigsten 
Bänke im Tiefsten. Das Gestein ist dicht von fast ebenem 
Bruche; seine Farbe blassgelb, auch strohgelb ins licht-grau; 
in den untersten Schichten bläulich-grau und selbst graublau, 
letzteres namentlich im Innern der stärkeren Schichten, wäh- 
rend es an den Flötz- und Querklüften im scharfen Abschnitt 
gelb erscheint. Die blaue Farbe dürfte daher die wahre ur- 
sprüngliche Gesteinsfarbe sein. 

Die mehrentheils seigeren Klüfte schneiden sich ohnge- 
fähr rechtwinklig, wie in den perspectivisch dargestellten 
Strossen-Absätzen zu sehen ist. Die Klüfte liegen 2 bis 5 
Fuss auseinander, was die Grösse der zu gewannenden Plat- 
ten bestimmt. Die einzelnen offenen, hin und wieder mehrere 
Fuss weiten Klüfte sind augenscheinlich vom Wasser aus- 

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gespült, und mit gelbem, braunem und rothem Sande, der 
in einzelnen Parthieen zu einem mürben Sandstein verbun- 
den ist, auggefüllt; dazwischen liegen Kiesel und Horn- 
steine und kleine Nester von ockrigem sandigem Eisenerz. 
Es 6ind dies dieselben Räume, in denen anderwärts die Bohn- 
erze vorkommen. 

Wenn man in den Brüchen überall nur eine söhlige und 
ebene Schichtung sieht, so fällt es auf, in der Ausfahrt aus 
dem letzten Bruche eine Schichtenneigung zu finden, und bei 
einer gewissen Parthie des Gesteins die regelmässige Platten- 
Absonderung zu vermissen, denn es zeigt einzelne, bis nahe 
3 Fuss mächtige Bänke mit wellenförmigen Biegungen und 
das Ganze ist kurzklüftig abgesondert. Der nachfolgende 
Aufriss giebt ein Bild von dem linken Stosse jener Ausfahrt. 

Ausfahrt neben dem Bruche des Schwarz hei 

Mörnsheim. 




Unverkennbar hat man hier eine Gebirgsstörung vor sich, 
eine Verwerfungskluft, deren Liegendes der Plattenkalk bil- 
det, während das Hangende aus dem kurzschlechtigen Kalk- 
stein besteht, über dessen Lagerungsverhältnisse die Solnho- 
fer Brüche weiteren Aufschluss geben. 

Die nachfolgende Zeichnung ist eine Ansicht des Haupt- 
arbeitsstosses der obersten und ältesten Solnhofer Brüche, mit 



442 



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443 

einer Tiefe von etwa 80 Füssen. Dieser Stoss liest ziemlich 
genau in der Streichlinie des Gesteins, dessen Schichten in 
sehr sanft wellenförmigen Biegungen mit 2 bis 5 Grad Nei- 
gung in den Berg einschieben. 

Das obere die Kalkplatten bedeckende Gestein in dem 
gezeichneten Bruche ist derselbe dickbänkige im Gestein so 
sehr von den gewöhnliehen Kalkplatten abweichende Kalk- 
stein, welcher in der Ausfahrt bei Mörnsheim (S. 441) das 
Hangende der Kluft bildet, und dessen Wiederkehren bei 
Solnhofen in gleicher innigster Verbindung mit den Platten- 
kalken deshalb eine besondere Aufmerksamkeit verdient, weil 
mit dem abweichenden Gestein zugleich organische Formen 
erscheinen, welche sonst der Plattenkalkbildung durchaus 
fremd sind. Bei Mörnsheim nämlich schliesst jener Kalk- 
stein in zahlloser Menge glatte und gefaltete Terebrateln ein 
(T. perovalis, alata, lacunosa, substriata). daneben Schwämme 
und Cidariten-Reste. Bei Solnhofen ist der gleiche Kalkstein 
zwar ärmer an Versteinerungen, doch sind auch in ihm oe- 
faltete Terebrateln bei einiger Aufmerksamheit in Menge zu 
erkennen. 

Man darf das Auftreten jener abweichenden Kalkstein- 
bänke zwischen den Kalkplatten nicht ausser Zusammenhang 
betrachten mit der ganzen Entstehung dieser den weissen 
Jura Süddeutschlands so eigenthümlich auszeichnenden Bil- 
dung. Geht man von der den deutschen Geologen 2Teläufi> 
gewordenen Vorstellung aus, dass die Entwicklung von Ko- 
rallenbänken den erheblichsten Einfluss ausgeübt hat auf die 
Zusammensetzung und Form des weissen Jura, und erwägt 
man, dass der Dolomit bei Eichstädt, wie überhaupt im 
fränkischen Jura, den noch erkennbar in ihm erhaltenen or- 
ganischen Resten nach , das vollkommene Aequivalent der 
Korallenriffe des Diceras- Kalkes bei Kelheim ist, so wird 
die Ansicht nicht gewagt scheinen, dass die Plattenkalke oder 
Solnhofer Schiefer ihre Entstehung der Bilduno; von ruhigen 
Buchten und geschlossenen Seebecken innerhalb der bis nahe 
an die Oberfläche des Meeres heraufgebauten Korallenriffe 



444 

zu verdanken haben. Der durch Lokal Verhältnisse solcher 
Art bedingten vollkommenen Ruhe des Gewässers verdanken 
die Plattenkalke ebenso die Eigentümlichkeiten ihres Ge- 
steins, wie die eigenthümlichen organischen Einschlüsse; wo 
die Ruhe des Absatzes, die Ruhe der abgeschlossenen Becken 
und Buchten gestört wurde, da konnten auch alsbald andere 
Gesteine mit anderen thierischen Formen sich bilden. Sol- 
chen Störungen ist zugleich die Entstehung der Kalkstein- 
bänke bei Mörnsheim und Solnhofen zuzuschreiben, wie das 
Vorkommen der den Plattenkalken sonst fremden Versteine- 
rungen in denselben. Die letzteren bestätigen nur die innige 
organische Verbindung der Plattenkalke mit den übrigen 
Theilen des weissen Jura, welche dadurch angezeigt wird, 
dass jene allgemein, abgesehen von den ihnen ausschliesslich 
angehörenden und anderwärts nicht weiter aufgefundenen 
Formen, nur bekannte Gestalten aus an deren tieferen Schich- 
ten des weissen Jura in Süddeutschland einschliessen. 

Der Solnhofer Stein ist so bekannt, dass eine Beschrei- 
bung desselben überflüssig erscheint. Die Platten sind mei- 
stens 1 bis 2 und 3 Zoll stark, einzelne 4 bis 6 Zoll, das 
höchste ist eine Stärke von 10 Zoll im Tiefsten der Brüche. 
Alle diese Bänke pflegen mit dünnen Schalen eines mehr 
merojigen Steins zu wechseln. Die Grösse der zu gewin- 
nenden Platten hängt von der Entfernung der seigeren Quer- 
klüfte ab und diese beträgt 2 bis 3, hie und da auch bis 
6 Fuss , selten mehr. Die nachfolgende Zeichnung ist eine 
grundrissliche Darstellung der Klüfte in einem Theile der 
alten Brüche. 

Die Klüfte sind meistens nur j bis j Zoll weit offen, 
greifen aber überall durch die Lagen vollkommen durch. Merk- 
würdig ist es, dass die Letzteren nirgendwo auch nur um 
eine Spur in ihrem Niveau verrückt sind, so dass jede ein- 
zelne Schicht durch alle Klüfte hindurch in gleicher Lage zu 
verfolgen ist. Es sind unverkennbar bloss Trockenrisse. Muss 
nun auch oleichzeitis; in senkrechter Linie eine Volumen- 
Verminderung stattgefunden haben, so kann diese nicht an- 



445 



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ders als höchst gleichmässig gewesen sein, weil sich sonst die 
einzelnen Theile ein und derselben Schiebt gegeneinander 
verschoben haben würden. Dass dies nicht der Fall, ist 
besonders an der höchst ebenen Fläche zu beobachten, in wel- 
cher der Terebrateln führende Kalkstein auf dem Plattenkalke 
liegt. In jenen Kalkstein setzen aber die Klüfte nicht regel- 
mässig; hinein. 

In dem dargestellten Theile der Brüche findet man wie 
bei Mörnsheim auch einzelne weit offene Klüfte; augenschein- 
lich durch Wasser (Quellen) ausgespült. Man sieht dies 
deutlich an der Beschaffenheit der Seitenwände, welche häutig 
mit Kalksinter überzogen sind. Darin liegen abgerundete 
Stücke desselben Kalksteins in feinem und grobem Sande von 
gelber und dunkelbrauner, auch rother Farbe, kleine Kiesel 
und Feuersteine und Parthieen eines sandigen mulmigen J£j_ 
sensteins. An den Grenzen solcher Klüfte kommen diejeni- 
gen Steine vor, aus denen Tischplatten, Briefbeschwerer 
etc. hergestellt werden, mit streifigen oder flammigen Farben- 
zeichnungen in gelben und braunen Nüanzen. Sie entstanden 



446 

durch Eindringen von Eisen- und Manganoxyd. Wo dies 
nur auf den Flötzschlechten erfolgte, bildeten sich grosse und 
schöne Dendriten. 

Auch da, wo die Klüfte nicht offen, sind dieselben auf 
die gegenwärtige Beschaffenheit des Steins von wesentlichem 
Einfluss gewesen. Wenn man wahrnimmt, dass im Tiefsten 
der Brüche die Gesteinsfarbe in Blau übergeht, dass diese Farbe 
aber auch dort an den Klüften sich in Gelb verwandelt und dass 
mit jener Farbe eine grössere Festigkeit und Dichtigkeit ver- 
bunden ist, so scheint es, dass die blaue Farbe den ursprüng- 
lichen Zustand des Gesteins anzeige. Dazu kommt, dass 
die dünnsten Schalen dunkler gelb und weicher sind , als 
die stärkeren Bänke, dass aber auch die Aussenflächen der 
letzteren stets minder hart sind , als deren Inneres. Hierin 
liest es , dass sich auf manchen Stellen der Brüche mehr 
lithographische Steine brechen lassen, als auf anderen, obwohl 
man hier wie dort dieselben Schichten vor sich hat. Ueberhaupt 
ist es ein verhältnissmässig nur sehr kleiner Theil der ganzen 
Masse, welcher sich zum lithographischen Gebrauch eignet, 
so dass sich deren Gewinnung gar nicht lohnen würde, wenn 
man nicht zugleich tausendmal mehr Platten zu Fliesen, 
Decksteinen etc. bearbeiten und als solche verwerthen könnte. 
Namentlich sind es die härteren, bekanntlich mehr gesuchten 
und darum weit höher bezahlten lithographischen Steine, 
welche nur in wenigen Brüchen zahlreich zu gewinnen sind 
und diesen einen grösseren Werth geben. 

Auch anderwärts kommen in Kalksteinen einzelne Schich- 
ten vor, welche zur Lithographie vollkommen brauchbar sind, 
allein die sie einschliessende Kalksteinmasse kann nicht in 
gleicher Weise wie zu Solnhofen verwerthet werden, weshalb 
die Ausgewinnung jener untergeordneten Bänke zu kostspie- 
lig: werden müsste. Allerdings sind zu Solnhofen die Ver- 
hältnisse der Gewinnung ungemein günstig, indessen könnte 
die Arbeit in den Brüchen besser betrieben werden, wenn 
sie nicht unter zu viele Eigenthümer getheilt wären. Die 
Bearbeitung der Steine lässt aber noch mehr zu wünschen 



447 

übrig; durch maschinelle Apparate würden dieselben nicht 
nur billiger, sondern auch vollkommener herzustellen sein. 

Wenn man von den Brüchen das sehr steile Gehänge 
nach dem Thale, in dem das Dorf Solnhofen liegt, hinabgeht, 
kommt noch wieder Dolomit zum Vorschein, welcher also 
auch hier die Unterlage des Plattenkalks bilden muss. Die 
ganze Mächtigkeit dieses Kalksteins ist indessen nicht genau 
zu ermitteln. 

Die Gesellschaft ging von Solnhofen nach Pappenheim 
um hier mit Besichtigung der Sammlungen der Pierren Dr. 
Redenba eher und Habe r lein ihre Reise zu beschliessen. 
Diese Sammlungen gehören zu den ausgezeichnetsten, welche 
für die Versteinerungen des fränkischen weissen Jura und 
insbesondere der Solnhofer Schiefer existiren ; sie würden 
eine Zierde aller grösseren deutschen Museen ausmachen und 
für immer zu bedauern wäre es, wenn diese werthvollen wissen- 
schaftlichen Schätze nicht dem Vaterlande erhalten blieben. 

In Pappenheim trennten sich die Mitglieder der Gesell- 
schaft, welche von Regensburg bis hierher die Reise vollführt 
hatten, befriedigt mit dem Gefühl in gegenseitiger Belehrung 
ihre Anschauungen und Kenntnisse erweitert zu haben. 

Beyrich. L. v. Buch. v. Garn all. Ewald. Gug- 
genheim, v. Strombeck. Zerrenner. 



448 
B. Briefliche Ali tth ei Innren. 



I. Herr Krug v. Nidda an Herrn v. Carnall. 

Tarnowitz, den 19. Juli 1849. 
Der Aufschluss, der mit einem Bohrloch nördlich der 
Maria-Galmei-Grube gemacht ist, wird Sie interessi- 
ren. Das Bohrloch, welches vom Herrn v. Wink ler am 
sogenannten Gritz-Berge, einige Lachter nördlich der 
hangenden Markscheide genannter Grube gestossen wird, 
hat in 42 Lachter Teufe in blaugrauem, sehr feinkörnigem 
Dolomit eine Erzlage, welche aus Blende, Bleiglanz und 
Schwefelkies besteht , angetroffen ; es ist darin bis jetzt 
j Lachter gebohrt, die Erzlage aber noch nicht durchdrun- 
gen.*) Es scheint also, dass auch in Oberschlesien in der 
Tiefe Blende an die Stelle des Galmeis, überhaupt Schwefel- 
Metalle an die Stelle der Metall -Oxyde und deren Verbin- 
dungen mit Kohlensäuren treten. — Ich bin beschäftigt, ei- 
nige Mittheilungen über die Oberschlesische Erzformation 
welche sich vielleicht zur Aufnahme in die Zeitschrift der 
geologischen Gesellschaft eignen, zusammenzustellen, die ich 
Ihnen dann zusenden werde. 



*) Eine spätere Mittheilung besagt: 

Das Bohrloch hat eine Teufe von 45 Lachter 16 Zoll von der 
Erdoberfläche ab erreicht. Die Gebirgsschichten bestehen bis zu 
einer Teufe von 39 Lachter 20 Zoll aus Dolomit, unter dem ein Lager 
von vorherrschender brauner Zinkblende mit Bei- 
mengungen von Schwefelkies und Bleiglanz in einer 
Mächtigkeit von 1 Lachter 50 Zoll getroffen worden ist. 
Unter diesem Lager hat man zunächst eine schwache Schicht von 
grauem Letten und alsdann wieder Dolomit gefunden, bis endlich 
in einer Teufe von 44 Lachter 34 Zoll der Sohlenkalkstein erreicht 
wurde; in letzterem sind alsdann noch 6'2 Zoll gebohrt. 

Weiter heisst es: 

Das durchbohrte Erzlager ist ohne Zweifel die Fortsetzung des 
Galmeilagers der Maria-Grube, wie aus dem Auftreten in den 
unteren Schichten des Dolomits und aus dem regelmässig gegen 
Norden fortsetzenden Einfallen der Galmeilagerstätte der Maria- 
Grube geschlossen werden muss. 



449 



2. Herr Emmrich an Herrn Beyrich. 

Meiningen, den 22. September 1849. 
Aus dem bairischen Gebirge bin ich nun schon seit 
Wochen wieder zurück. Leider war das Wetter für eine 
Gebirgsreise gar zu ungünstig im diesjährigen August, so 
dass von dem, was ich mir da Alles vorgenommen, nur ein 
kleiner Theil zur Ausführung kam. Nicht einmal den inter- 
essanten Durchschnitt der Alpen bei Küssen mit seinen 
evidenten braunen Juraschichten konnte ich besuchen, da in 
den Tagen, die ich dazu bestimmt hatte, Ende Augusts, der 
Regen wirklich in Strömen niederging und die Stellen, wo die 
Versteinerungen anstehen bei dem dadurch verursachten ho- 
hen Wasserstand absolut unzugänglich waren. Doch habe 
ich von Freundeshänden noch manches Neue dafür erhalten, 
was theilvveise die Identität der Schichten mit denen von 
Hirschbühl bei Garnisch und vom Nadernachthal auf dem 
Wege von da zum Plansee bestätigt ; theilvveise aber auch 
neue Sachen. Darunter eine Ostrea , welche eine ganze 
Austernbank bildet, der Stellvertreter der Ostrea Marshii, 
der sie zunächst steht. Leider habe ich alle meine Sachen 
erst in diesen Tagen bekommen , habe sie sogar noch nicht 
einmal alle völlig auspacken, geschweige vergleichen können; 
bedaure also jetzt schon Näheres nicht darüber mittheilen zu 
können, was ich mir für nächste Zeit vorbehalten muss. 
Lias und brauner Jura lassen sich aber als im bairischen 
Gebirge weitverbreitete Gebirgsformationen nicht verläugnen. 
eine Thatsache freilich durch Herrn v. Buch schon längst 
festgestellt. Aber wirklich neu mag es wohl sein, wenn ich 
in eigenthümlichen Kalk - und kalkigen Sandschiefern und 
Sandsteinen, welche die Aptychusschiefer, die Wetzsteine 
des Ammergaus, bedecken und mit ihnen in unmittelbarer Ver- 
bindung stehen, Crioceratiten, Ancyloceras, vielleicht Bacu- 
liten und den evidenten Ammonites Asterianus auffand. Also 
derNeocomien in dem östlichsten bairischen Gebirge. Schon 
beim Eintritt ins Berchtesgadner Ländchen an der bairischen 



450 

Mauth waren mir die mir noch gänzlich unbekannten Schie- 
fer aufgefallen, und als ich sie dann jenseits an der Achen 
selbst mehr aufgeschlossen sähe , da Hess ich Wagen und 
Gepäck im Stich und suchte mir auf durch Regen aufge- 
weichtem schlüpfrigem Weg den Weg zum Ufer hinab. Hier 
finden sich die Versteinerungen sehr selten, wenn auch nicht 
immer im besten Stande der Erhaltung, Gestein und Verstei- 
nerungen stimmen völlig mit Escragnole. So gleich vor Schel- 
lenberg. Unmittelbar hinter Schellenberg sind die Schichten 
aber gleichfalls im herrlichsten Profile entblösst. Der alte 
Weg nach Berchtesgaden durchschneidet sie gleich neben 
der Brücke, die aufs linke Ufer hinüberfuhrt. Die Schichten 
sind steil aufgerichtet und fallen gegen den Untersberg zu ein. 
Auch in der oberen Gere, wo man nach Oettenberg hinüber- 
geht, kommen sie vor. Die Bewohner der obern Gere kau- 
fen sich keine Schleifsteine , sondern holen sie sich dort aus 
dem Bach. Die Aptychen aus dem Tiefenbach graben und 
von Schellenberg weichen allerdings von dem Aptychus von 
Ammer^au ab, der selbst dem imbricatus nicht identisch er- 
scheint. Die Uebereinstimmung im Gestein spricht aber da- 
für, dass wir auch hier die Schiefer der westlichen bairischen 
Kette haben. Dadurch wird nun aber der Kalkstein des 
Untersbergs eine andre Stellung erhalten. Der untere Neo- 
comien im Liegenden, die Hippuritenschiehten im Hangen- 
den lassen in ihm nur ein Aequivalent des Diceratenkalkes 
vermuthen, wenn mir solche auch noch nicht daher bekannt 
sind. Es gäbe noch so Manches aus Berchtesgaden mitzu- 
theilen; allein dazu ist erst eine Vergleichung der Verstei- 
nerungen nöthig. Daher für heute genng , selbst von der 
Verbindung fucoidenreicher Schichten mit dem Aptychus- 
schiefer schweige ich. 



451 
€. Aufsätze« 



1. lieber Cucnllaea Beyrichi aus dem Muschelkalke. 

Von Herrn A. v. Strombeck in Braunschweig. 

Hierzu Taf. VII. A. 

In dem Beitrage zur Kenntniss der Muschelkalk-Bildung 
im nordwestlichen Deutsehland, welcher Bd. I. Heft 2. dieser 
Zeitschrift abgedruckt ist, lag hinsichtlich der Versteinerun- 
gen mehr die Absicht vor, die bereits bekannten Species 
einer genauen zoologischen Prüfung zu unterwerfen und den 
ihnen zustehenden geognostischen Horizont zu ermitteln, als 
neue, die sich in der untersuchten Gegend gefunden, hinzu- 
zufügen. Wir wollen jedoch auch letztere, nach und nach, 
sowie daraus einiger Nutzen für die Wissenschaft hervorzu- 
gehen scheint, beschreiben. 

Die Muschel, von der in den nachstehenden Zeilen die 
Rede sein wird, hat eine hervorstechende Form, und beschränkt 
sich in ihrem Vorkommen auf eine Abtheilung des Muschel- 
kalks. Sie dürfte deshalb, zumal die Fauna des Muschel- 
kalks in weniger Mannigfaltigkeit auftritt, einiges Interesse 
für sich in Anspruch nehmen. Dieselbe hat sich bis jetzt 
nur als Steinkern und Abdruck der äusseren Schale gefun- 
den, und ist eine Cucullaea oder Area, sofern nach dem 
Vorgange einiger Petrefaktologen beide Genera zu vereini- 
gen sind. Ungleichseitigkeit ; zwei Muskeleindrücke und 
dazwischen der deutlich begrenzfe Eindruck des Mantels 
ohne Sinus; grader Schlossraud, der mit zahlreichen Zähnen, 
von denen die mittleren kleineren vertical stehen , während 
die an den Enden grösser sind , und sich allmälig ziemlich 
horizontal umlegen, besetzt ist, und unter den Wirbeln ein 
dreieckiges ebenes Feld zur Aufnahme des äusseren Bandes, 
— sind die zu beobachtenden Merkmale, die über die rich- 
tige Bestimmung des Genus keinen Zweifel lassen. Wir ge- 
hen deshalb sofort zur Species-Bezeichnung über. 

Der Umriss, der bei den Abdrücken und Steinkernen 



452 

als identisch zu betrachten steht, ist rhomboidisch, etwa drei- 
mal so lang als hoch. Die nach vorn liegenden Buckel sind 
hoch gewölbt, und nach vorn etwas eingekrümmt. Ihre Ent- 
fernung von einander ist bei den Steinkernen nicht unbedeu- 
tend, bei erhaltener Schale wird sie, den äussern Abdrücken 
nach, gering gewesen sein. Hinten ist die Muschel zusam- 
mengedrückt, und es schliesst sich die dortige dachförmige 
Fläche ziemlich scharf getrennt , jedoch ohne Kante, an die 
Seite an. Der vordere Rand, geht in allgemeiner Biegung 
in den unteren Rand über. Dieser steigt nach hinten etwas 
empor, schliesst sich hinten mit bogenförmiger Krümmung 
an den hinteren Rand, welcher letztere schief nach aussen 
und unten in fast grader Linie herabläuft. Der unteie und 
hintere Rand bilden so eine etwas stumpfe Ecke. 

An den Steinkernen befinden sich vor dem Wirbel 6 
bis 8 Zähne, die vorderen längeren fast horizontal, ein wenig 
nach vorn aufsteigend, die näher dem Wirbel, mit allmälig 
abnehmender Länge, mehr und mehr der verticalen Stellung 
sich nähernd. Unter dem Wirbel sind die kleinen Zähn- 
chen von, wie es scheint, nicht völlig bestimmter Zahl, in 
der Regel gänzlich verschwunden. Zähne und Zahngruben 
haben gleiche Dimensionen. Hinter dem Wirbel beginnt ein 
langer leistenförmiger Zahn , der mit etwas Neigung nach 
unten bis nahe an den hinteren Rand in völlig grader Linie 
fortsetzt, zuerst und bis auf einige Entfernung schwach und 
undeutlich , dann bis zum Ende in gleicher Stärke. Dieser 
Zahn wird beider Seits, in einem Abstände von etwa seiner 
eigenen Stärke, von einem gleichliegenden Zahn von gerin- 
gerer Stärke begleitet. Doch pflegen die beiden schwäche- 
ren Zähne nur in dem hinten belegenen Drittheile deutlich 
erkennbar zu sein. Die rechte und linke Klappe zeigen in 
dieser Hinsicht keine Verschiedenheit, doch scheint es, dass 
im geschlossenen Zustande beider Klappen der starke Zahn 
(Grube am Steinkern) der rechten unter dem der linken ge- 
legen habe. 

Nach den Abdrücken ist die Oberfläche der Schale, was 



453 

die hinten belegene dachförmige Fläche betrifft, mit 10 bis 
12 radienartigen Rippen versehen. Dergleichen schwächere 
zeigt auch der Rücken zunächst jener Fläche, 3 bis 4 ziem- 
lich deutlich und ebensoviel undeutlich, so dass sie nach der 
mehreren Wölbung des Rückens zu allmälig verschwinden. 
Ziemlich nahe liegende concentrische Anwachsstreifen be- 
decken die ganze Seitenfläche der Klappe, und bringen auf 
der dachförmigen Fläche durch ihr Zusammentreffen mit den 
Rippen eine quadratische Verzierung hervor. 

Die Muskeleindrücke sind nur auf gut erhaltenen Stein- 
kernen als äusserst geringe Erhabenheiten zu erkennen. — 
Weder an den Rändern der Schale, noch an dem Mantel- 
eindrucke ist eine Spur von Einkerbung zu bemerken. 

Die Steinkerne haben, über dem Schlossrande beschaut, 
das Ansehn von Fig. 3. Das diesem Theile der Muschel 
entsprechende Bandfeld bildet an den Abdrücken der Schalen- 
oberfläche ein sehr ungleichseitiges Dreieck, dessen kürzeste 
Seite mit dem Schlossrande fast einen rechten Winkel ein- 
schliesst. Von der hinteren dachförmigen Fläche ist dasselbe 
auffallend scharf begrenzt. Auf dem Bandfelde zeigen sich 
horizontale Streifen, welche jedoch, selbst an den besten 
Exemplaren, der ganzen Länge nach nicht deutlich zu ver- 
folgen stehen. Vom Schlossrande nach dem Wirbel aufstei- 
gende Streifen sind nicht bemerkbar. Sie mögen indessen, wie 
bei andern Cucullaeen, vorhanden gewesen, jedoch bei der 
porösen Beschaffenheit des Gesteins nicht zu erkennen sein. 

Ob die Muschel völlig gleichklappig sei, wie zu vermu- 
then steht , hat nicht ermittelt werden können , da sich bis 
jetzt nur ungeschlossene Hälften gezeigt haben. 

Fig. 1 auf Taf. VII. A. ist die Darstellung des Abdrucks 
der Oberfläche einer linken Klappe. Die Fig. 2 und 3 ge- 
ben verschiedene Ansichten eines Steinkerns. Sie sind nach 
einigen Dutzend Exemplaren mit vieler Sorgfalt und unter 
unserer fortwährenden Aufsicht angefertigt. Schon ziemlich 
vollständige Exemplare finden sich überaus selten. Fig. 4 

Zeits. d. d. geol. Ges. I. 4. gQ 



454 

und 5 ist die nach jenen entworfene Darstellung einer linken 
Klappe von aussen und innen. 

Die beschriebene Cucullaea zeichnet sich durch ihre lang 
gezogene ungleichseitige Form und vorzüglich durch die 
überaus langen leistenförmigen Zähne hinter dem Wirbel vor 
den in andern Formationen vorkommenden Species so aus, 
dass eine nahe specifische Aehnlichkeit nicht vorhanden ist. 
Aus der deutschen Trias sind an Cucullaeen (Area) bekannt 
geworden : 

1. C. Goldfussi v. Alb. (Trias pag. 93). Ein Theil 
derselben ist von Goldfuss Petref. Th. II. pag. 145. Tab. 
4 22, 9 als Area minuta Gold f. fortgeführt, der Rest zu 
Nucula Goldfussi v. Alb. gerechnet. 

2. A. Schmidii Geinitz. (Leonh. Jahrb. 1842 pag. 577 
Tab. 10, 9) und 

3. C nueuliformis Zenk. (ib. pag. 577 Tab 10, n 
und Schmid's Saalthal pag. 41 Tab. 4, 3). 

Von A. minuta und Schmidii unterscheidet sich unsere 
Species schon dadurch, dass jene beiden einen fast runden 
Umriss haben. C. nueuliformis, sowie sie von Geinitz und 
Schm id dargestellt wird, stimmt nicht unter einander, die 
Abbildung bei letzterem scheint die einer Nucula zu sein. 
Dagegen kommt C. nueuliformis Zenk. bei Geinitz der 
oben beschriebenen Form unter allen Cucullaeen am näch- 
sten, doch ist die unsrige viel länger, und zeigt hinten con- 
stant einen starken und zwei schwächere Zähne, während 
jene 3 bis 4 dergleichen führt. — Von den aus den St. Cas- 
sianer Schichten in Münster's Beiträgen Heft 4 und bei 
Goldfuss beschriebenen Arken weicht unsere Spezies schon 
durch den Umriss wesentlich ab. Am nächsten steht ihr 
davon, was letzteren anbetrifft, A. rugosaMstr. pag. 82 Tab. 
8, 3, doch soll diese durchaus keine langen Streifen haben. 
— Die specifische Verschiedenheit der oben dargestellten 
Cucullaea von den bereits früher beschriebenen möchte somit 
unzweifelhaft sein. 

Was das Vorkommen der neuen Cucullaea anbetrifft, 



455 

so ist sie in der Gegend zwischen dem Harze und dem Al- 
vensleber Höhenzuge auf den Schaumkalk der unteren Ab— 
theilung des Muschelkalks beschränkt. Vorzugsweise findet 
sie sich, und zwar in ziemlicher Menge, in den Steinbrüchen 
des Steinkuhlenberges auf dem Elme in derjenigen Schicht, 
welche von den dortigen Arbeitern Oberbruch (S. pag. 200 
in Bd. 1 dieser Zeitschr.) genannt wird. Mit ihr zusammen 
erscheinen Trigonia curvirostris Bronn, cardissoides var. lae- 
vigata Goldf. und ovata Goldf. , Mytilus eduliformis Schi., 
Turritella scalata Goldf., Pterinea polyodonta v. Str. und 
Goldfussi v. Str. u. s. w. — Wir haben ferner Spuren von 
derselben in dem Schaumkalke des Heinitz-Bruches bei Rü- 
dersdorf unweit Berlin wahrgenommen, der mit jenem nicht 
nur was petrographische Beschaffenheit und organische Ein- 
schlüsse, (darin Pterinea polyodonta häufig, ferner Trig. cur- 
rostris und cardissoides var. laevigata, Turritella scalata etc.) 
anbetrifft, völlig identisch ist, sondern auch gleiche Lagerung 
zwischen dolomitischen Mergeln und unterem Wellenkalke 
hat. Das geognostische Niveau des Vorkommens ist somit 
bei Braunschweig und bei Rüdersdorf, zwei etwa 30 Meilen 
von einander entfernten Lokalitäten, vollkommen gleich, und 
auf den oberen Theil der unteren Abtheilung des Muschel- 
kalks nach den dermaligeu Beobachtungen festzustellen. Da 
die Muschel neben diesem vertikal beschränkten Vorkommen 
ein mit andern nicht leicht zu verwechselndes Ansehn hat, 
so kann sie füglich zur Orientirung dienen. — In dieser 
Beziehung wird die neue Cucullaea durch ihr Vorkommen 
in Oberschlesien vorzugsweise beachtungswerth. Hier hat 
sie nämlich Professor Beyrich im Dachdolomite der Frie- 
drichs -Grube bei Tarnowitz aufgefunden. Derselbe er- 
wähnt ihrer schon in Karstens Archiv Bd. 11 pag. 434 
(vom Jahre 1838) wie auch ib. Bd. 18 pag. 54, und ist sie 
nach den daselbst mitgetheilten lehrreichen Darstellungen 
unter andern mit Trochus Albertianus Goldf. und Turritella 
scalata Goldf. vergesellschaftet. Wenn man eine Vergleichung 
des Oberschlesischen Muschelkalks mit dem des übrigen 

30* 



456 

Deutschlands vornehmen will, so könnte man sich veranlasst 
finden, den Opatowitzer Kalk oder das wilde Dachgestein 
mit unserer oberen und mittleren Abtheilung, letztere bis zu 
den Schichten B, c (vid. Profil auf Seite 230 u. 231 Bd. 1 
dieser Zeitschrift) herunter, Bey rieh's erzführenden Dolo- 
mit mit den untersten Schichten unserer mittlem Abtheilung 
(im obigen Profil = B, d) und das Sohlengestein mit dem 
Wellenkalke (im obigen Profil = C, a und C, c) zu paralle- 
lisiren; dies dürfte jedoch, was den erzführenden Dolomit 
betrifft, nicht völlig richtig sein. Denn da die neue Cucul- 
laea einen bestimmten Horizont im Schaumkalke einnimmt, 
und ferner Turritella scalata gleichfalls auf diese Schichten 
beschränkt ist, so wird es sehr wahrscheinlich, dass der erz- 
führende Dolomit mit dem Schaumkalke (C, b des Profils) 
in der unteren Abtheilung des Muschelkalks gleiches Niveau 
einnimmt. So möchte ;mit Hülfe der neuen Cucullaea ein 
Ausgangspunkt für die Gliederung des Muschelkalks in Ober- 
Schlesien und der damit mehr oder weniger zusammenhän- 
genden Bildungen gefunden sein. — Ans dem Thüringer 
Schaumkalke, in dem die oben beschriebene Versteinerung 
vermuthet werden muss, ist sie noch nicht bekannt. Die ihr 
zunächst stehende C. nueuliformis Zenk. kömmt nach Herrn 
Geinitz in der Rhizocorallium-Schicht bei Jena vor, einer 
localen Bildung, die den oberen Mergeln des bunten Sand- 
steins angehören soll. 

Da die neue Cucullaea zuerst in Schlesien durch Herrn 
Bey rieh aufgefunden ist, so schlagen wir vor, dieselbe nach 
ihm Cucullaea Beyrichi zu nennen. 



2. Silurische Versteinerungen des Thüringer Waldes. 

Von Herrn R. Richter in Saalfeld. 

Hierzu Taf. VII. B. 

Der südöstliche Theil des Thüringer Walde« wird zum 
grossen Theile von einer mächtigen Grauwackenformation gebil- 



457 

det, die überwiegend aus dunkeln Schiefern (Lehestener Tafel- 
schiefer) mit untergeordneten Sandsteinen besteht. Sie ist das 
Liegende jener im Allgemeinen rothen Grauwacke, die ich im 
„Beitrag zur Paläontologie des Th. W., I." zu beschreiben 
versucht habe, und ruht, soweit bis jetzt die Beobachtungen 
reichen, auf einer noch älteren Grauwacke, die überall, abge- 
sehen von allen übrigen sehr charakteristischen Merkmalen, 
durch ihre grünliche Färbung leicht zu unterscheiden ist. 
Diese mittlere Grauwacke, die nach der Farbe, die sie der 
Bodenoberfläche verleiht, auch graue Grauwacke heissen 
könnte, ist besonders reich an Pflanzenversteinerungen (wor- 
unter auch Kothenbergia Hollebenii Cotta) und enthält nur 
wenige Thierspecies, nämlich blos einen (einmal gefundenen) 
Nautilus, dann Graptolithen , Tentaculiten und Crinoideen, 
die insgesammt noch keinen hinreichenden Anhaltspunkt für 
eine genauere Feststellung des geognostischen Horizontes, 
dem unsere Grauw 7 acke angehört, darbieten würden, wenn 
sich ihnen nicht Formen beigesellten, die geeignet scheinen, 
alle Zweifel zu lösen. Es sind die bisher nur in England 
und in Nordamerika aufgefundenen Geschlechter 

bereites und Rffyrianites Murchison. 

Im Silurian System giebt Murchison auf PI. 27 Fig. 
i bis 3 Abdrücke wieder, die er im Texte p. 700 auf Mac 
Leays Autorität hin als Anneliden aus der Gruppe der Ne- 
reidinen in die beiden oben genannten Geschlechter vertheilt. 
Der Charakter beider ist ein aus zahlreichen Segmenten be- 
stehender Körper mit Füssen (Fusshöckern) und Cirrhen 
(? Gliedfaden der Ilückenhöcker) und auf die grössere und 
geringere Deutlichkeit dieser Extremitäten wird die Unter- 
Scheidung in die Gattungen Nereites und Myrianites gegründet. 
Indem ich die thierische oder pflanzliche Herkunft dieser Pe- 
trefakten einstweilen dahingestellt sein lasse, begnüge ich 
mich, eine genaue Beschreibung der hiesigen Stücke der Art 
zu geben und wo möglich ihre Identität mit der englischen 
zu zeigen. 

l) Nereites cambrensis Murch. (Sil. Syst. 



458 

p. 700 : The body of this species seems to have consisted qfabout 
120 Segments. Thefeet were half the length of a segment of the 
body , the cirri of the feet were longer than such Segments. 
PI. 27. f. 1). Taf. VII. B. Fig. 1 bis 5. 

Das Petrefakt besteht aus einer schmalen Furche, die 
beiderseits mit auf- oder rückwärtsgewendeten, gegenständi- 
gen, schuppenförmigen Eindrücken von grösserer Breite als 
die Mittelfurche, versehen ist. Diese bildet engere oder wei- 
tere Schlangenlinien, Spiralen oder Verschlingungen, ist brei- 
er als tief, glatt und nur selten von wenig bemerkbaren 
querüberlaufenden Erhöhungen (segments, Fig. 2) unter- 
brochen. Die Breite wechselt zwischen 1 bis 5 Millimetern 
und verhält sich zur Länge der Schuppen in der Regel wie 
1 : 2,5 bis 3,0 (in einem Exemplare wie 1 : 3,375). Die 
Länge dieser Furche ist so unbestimmt, wie die Zahl der 
Schuppenpaare, deren Fig. 1, ein anscheinend vollständiges 
Exemplar, 52, ein anderes dagegen 110 unterscheiden lässt. 
Die Schuppen haben von der Basis bis zur Spitze eine 
Länge von 2 bis 13,5 Millimetern, so dass die Breite des 
ganzen Petrefakts von 5 bis zu 31 Millimetern reicht, sind 
von trapezoidaler oder schiefeif'örmiger Gestalt (Fig. 4) und 
so eingedrückt, dass der Vorder- oder Unterrand (cirri of the 
feet) bedeutend tiefer in das Gestein eindringt, als der Hin- 
ter- oder Oberrand, während die Mittelpartie über die Ober- 
fläche des Gesteins hervorragt und zwar am meisten nach 
hinten oder oben. Diese Mittelpartie (feet) ist mit einer un- 
bestimmten Anzahl unregelmässiger Querfurchen versehen. 
Gegen das hintere oder obere Ende des Petrefakts werden 
die Schuppen runder und breiter und die Furchen laufen 
mehr radial. Am grössten und breitesten ist das letzte Schup- 
penpaar vor der rundlichen (Fig. 1) oder keilförmigen (Fig. 5) 
Endschuppe, deren Vorhandensein das Verschwinden der 
Mittelfurche bedingt, während dieselbe ausserdem meist ohne 
Seitenschuppen sich noch weiter fortsetzt (p. 700: the worm 
has evidently before coiling, with difficulty trailed itself along 
in the mud). An den besseren Exemplaren lässt sich er- 



459 

kennen, dass die Schuppen am Grunde ihres Vorder- oder 
Unterrandes mit einer Basis, die ein Drittheil der ganzen 
Breite der Schuppe einnimmt (Fig. 4), an die Mittelfurche 
anstossen. Sie sind so gedrängt, dass immer der Hinter- 
oder Oberrand der vorhergehenden Schuppe vom Vorder- 
oder Unterrand der folgenden bedeckt wird. Nur manchmal 
an Stellen, wo eine Dehnung statt gefunden zu haben scheint, 
stehen sie entfernter und nicht mehr genau gegenüber (Fig. 3). 
Hier wird auch die Gesammtbreite des Petrefakts geringer? 
während sie au andern, oft benachbarten Stellen, wo die 
Schuppen auffallend gedrängt stehen, merklich zunimmt. Die 
Stellung der Schuppen zur Mittelfurche bildet in der Regel 
einen Winkel von 40 bis 65°, nur an der Aussenseite plötz- 
licher Biegungen vergrössert er sich bis zu 90° und die 
Schuppe tritt weiter heraus (Fig. 1 und 3*), als die übri- 
gen. Auf der Innenseite sind in solchen Fällen die Schup- 
pen anscheinend übereinandergeschoben. Das vollständigste 
der bisher aufgefundenen Exemplare (Fig. 1) zeigt am Vor- 
der- oder Unterrande zwei ovale ausgerundete Eindrücke 
und an den Seiten einige wie von fadenförmigen Anhäng- 
seln herrührende Eindrücke. Diese letzten scheinen nicht 
dem Petrefakt eigenthümlich zu sein, da sie auch häufig ver- 
einzelt vorkommen. 

Murchison zählt als zweite Species seines Genus N. 
Sedgwickii auf und unterscheidet sie von N. cambrensis durch 
die undeutlichen Füsse (p. 700: these Segments have the feet 
attached to them apparently inconspicuous although the cirri 
are very distinct). Diese PI. 27 Fig. 2 abgebildete Form 
findet sich auch hier vor, scheint aber nichts anderes zu sein, 
als ein unvollkommener Abdruck des nämlichen Organismus, 
dessen vollkommene Abdrücke Murchison's N. cambrensis 
sind. Es finden sich wenigstens häufige Mittelformen und 
selbst Exemplare, deren Schuppen theils vollkommen die Ei- 
gentümlichkeit derer von N. cambrensis zeigen, theils auch 
wieder so unvollständig ausgedrückt sind, wie in Murchi- 
son's Abbildung von N. Sedgwickii. Demnach dürften 



460 

wohl beide Species zu vereinigen sein und zwar, weil aus 
zweierlei Gründen der Specialname cambrensis nicht mehr 
haltbar erscheint, unter dem Namen N. Sedgwickii Murch. 
Aus dem Bisherigen ergiebt sich, dass der Körper, wel- 
cher die Mittelfurche hinterlassen hat, von rundlicher, etwas 
abgeplatteter Gestalt und wenigstens nur unmerklich geringelt 
oder gegliedert gewesen , aber grosse Biegsamkeit besessen 
haben müsse. Die schuppenartigen Seitenorgane müssen 
schief angesetzt oder am Vorder- oder Unterrande dicker ge- 
wesen sein als am entgegengesetzten , und ihre Bewegung 
scheint nicht blos in horizontaler, sondern auch in verticaler 
Richtung statt gefunden zu haben, wie sich aus Fig. 2 er- 
giebt, wenn nicht die Emporschlagung der Schuppe auf ge- 
waltsame Weise geschehen ist. 

2) Myrianites Mac Leaii Murch. (Sil. Syst. 

p 700 : Body linear, very narrozv and formed of ve?*y nume- 
rous segments with indistinct feet and short cirri. PI. 27 F. 3). 
Taf. VII. B. Fig. 6 und 7. 

Das Petrefakt unterscheidet sich von Nereites durch seine 
geringere Gesam mtbreite, die bis jetzt von 1,5 bis 6,0 Mill. 
beobachtet wurde, durch das Verhältniss der Schuppen zur 
Mittelfurche, welches =1:1 ist und durch die rundliche 
Form der glatten und an allen Rändern gleich tief einge- 
drückten Schuppen, so dass nicht der Hinter- oder Oberrand, 
sondern die Mittelpartie derselben sich, wie ein Kugelab- 
schnitt, am höchsten über die Oberfläche des Gesteins er- 
hebt. Die Länge der vielfach mäandrisch gewundenen und 
verschlungenen Mittelfurche ist weit grösser als bei Nereites, 
damit also wohl auch die Zahl der Schuppenpaare, die aber, 
weil sie immer nur stellenweise deutlich vorhanden sind 
(Fig. 7), sich noch nicht haben zählen lassen. Hiernach 
würde sich der Name Myrianites rechtfertigen lassen; allein 
es scheint so wenig; hier als bei Nereites die Länge und die 
Zahl der Schuppenpaare ein constanter Charakter zu sein, 
auch das Verhältniss der Schuppenbreite zur Breite der 
Mittelfurche dürfte kaum ein generisches Merkmal abgeben, 



461 

und endlich ist augenscheinlich die Verwandtschaft beider 
Formen so gross, dass die Vereinigung von Myrianites mit 
Nereites wohl nicht zu gewagt erscheinen dürfte. 

Die Frage nach der Natur der Organismen, deren Ge- 
stalt die beiden Formen aufbewahrt haben, lässt eine dop- 
pelte Beantwortung zu. Der arithmetisch indeterminirte Cha- 
rakter, der sich in der Unbeständigkeit der Schuppenpaare 
ausspricht, lässt an pflanzliche Abstammung denken, an thie- 
rische dagegen die unpaare Endschuppe, die gedehnten und 
neben ihnen wieder die contrahirten Stellen, das gleichsam 
einen Stützpunkt suchende Heraustreten einzelner Schuppen 
bei plötzlichen Biegungen. In diesem Falle würden die am 
Vorder- oder Unterrande von Fig. 1 sichtbaren Eindrücke, 
die sonst für Wurzelrudimente gelten könnten, von kolbigen 
Fühlern hinterlassen sein können und auch für die Unbe- 
ständigkeit in der Zahl der Schuppenpaare würde sich ein 
Analogon in den Myriopoden, deren Leibesringe und Füsse 
mit den Häutungen sich mehren und zu denen ja auch die 
Trilobiten gestellt werden, darbieten. 

Neben den genannten Petrefakten erscheinen auch jene 
Formen, die Murchison als Nemertites beschreibt und 
abbildet (Sil. Syst. p. 700 PI. 27 F. 4). Sie scheinen aber 
weniger ein eigenes Geschlecht zu bilden, als vielmehr die 
dünnen und mannigfach gebogenen Säulen eigenthümlich ge- 
stalteter Crinoideen zu sein. 

Das Glied der grauen Grauwacke, in welchem ausschliess- 
lich die beschriebenen Petrefakten vorkommen, ist eine eigen- 
tümliche Mittelbildung und Mittelschicht zwischen den blauen 
Schiefern und dem Kieselschiefer, der zugleich mit Alaun- 
schiefern als regelmässiger Begleiter der zahlreichen Kalk- 
einlagerungen des Gebirges auftritt. Oft mehrere tausend 
Fuss mächtig, besteht es wesentlich aus denselben Gemeng- 
theilen wie der Kieselschiefer, zu denen jedoch noch Glimmer 
in äusserst feinen Blättchen tritt, und zeigt die nämlichen 
schwarzgrauen, gelbgrauen bis weissgrauen Farben, wie jener, 
ist meist gewunden dickschieferig und die 0,25 bis 1,0 Zoll 



462 

dicken Platten, die unter Einwirkung der Atmosphäre einen 
dünnen, glatten und glänzenden Ueberzug von bräunlicher 
oder eisengrauer Farbe annehmen, bestehen vermöge der pa- 
rallelen Anordnung des Glimmers wieder aus papierdünnen 
bis i Linie dicken, unregelmässigen Blättern. Auf den ge- 
bräunten Oberflächen der Platten sind die Petrefakten am 
besten erhalten, weniger gut wenn der Glimmer auch in die 
Gesteinmasse selbst eindringt. 

Murchison giebt (p. 699) als Fundort für seine Ne- 
reiten etc. die Cambrian rocks of Llampeter an , von denen 
er nichts Näheres sagt, als (p. 363) dass es schistose buil- 
dingstones seien, und (p. 36 1 ) dass zwischen Llampeter und Llan- 
dovery der ganze Zug der beds qfpassage between the Llandeilo 
ßags and the Cambrian rocks aus Schiefern, Grits und Sand- 
steinen, mehr oder weniger mit wahrer Schieferung, bestehe. 

Hiernach dürften wohl die hiesigen Nereitesschichten, 
oder vielmehr die gesammte graue Grauwacke, der sie als 
constante Begleiter ihrer in mehrfacher Wiederholung auftre- 
tenden Kalkeinlagerungen untergeordnet sind, mit den engli- 
schen Schichten, in denen die nämlichen Petrefakten aufge- 
funden worden sind, parallelisirt und als zu den untersten 
silurischen Bildungen gehörig angesprochen werden dürfen. 



3. lieber die Neocomien -Bildung in der Umgegend 

von Braunschweig. 
Von Herrn v. Strombeck in Braunschvveig. 

Die Neocomien -Bildung in der Umgegend von 
Braunschweig besteht in der Hauptsache in einem blaugrauen, 
zum Theil schiefrigen Thone, der bis zu mehreren hundert 
Fuss Mächtigkeit annimmt, — Roemer's Hilsthon. Nach 
oben hin ist derselbe im Allgemeinen sehr rein von fremden 
Einschlüssen. Hier finden sich an einzelnen Stellen, die 
horizontal keine grosse Verbreitung zu haben pflegen, kleine 
Gips - Krystalle und Lagen von Thoneisensteins-Geoden, 



463 

Sphärosiderit und unreinem Kalkstein. Mit Vermeidung die- 
ser Stellen eignet sich der Thon sehr gut zur Ziegelfabrika- 
tion, zu welcher er auch mehrfach benutzt wird. Versteine- 
rungen sind darin selten. 

In einem constanten Horizonte, nicht weit über seiner 
untern Grenze treten fremdartige Gesteine in grosser Man- 
nigfaltigkeit von der geringsten bis zu etwa 40 Fuss Mäch- 
tigkeit, jedoch von keiner Ausdauer im Streichen, auf. Sie 
halten 100, ja mehrere hundert Schritt an, verschwinden und 
treten wieder auf. In bedeutenden Erstreckungen scheinen 
sie gänzlich zu fehlen. 

Der Thon wird durch Aufnahme von Kalk zu Mergel, 
und geht durch diesen in den festesten blaugrauen Kalkstein 
über. An andern Orten liegen in einem gelbbraunen thoni- 
gen Kalke von geringem Zusammenhalte eckige oder abge- 
rundete Stücke von Thoneisenstein. Auch tritt das kalkig- 
thonige Bindemittel zurück, ja verschwindet gänzlich, und 
es erscheint 'dann eine Ablagerung von Bohnerz, das zum 
Theil ein oolithisches Ansehn trägt. In allen diesen fremdar- 
tigen Gesteinen pflegt eine grosse Anhäufung von Verstei- 
nerungen in vielen Species, wohlerhalten oder in Fragmen- 
ten, vorhanden zu sein. An einigen Stellen liegen die Ver- 
steinerungen auch im reinen Thone. Diese versteinerungs- 
reichen Massen an der unteren Grenze sind ßoemer's Hils- 
Conglomerat. 

Die Bildung ruht auf oberem Jura, (Coralrag und Port- 
land) und wo dieser, wie etwas entfernt vom Harzrande, 
fehlt, auf Belemniten-Lias und Opalinus-Thon. Bedeckt wird 
sie zunächst dem Harze vom unteren Quader, der sich am 
Weitesten in Nord bei Hornburg findet, und wo letzterer 
nicht vorhanden ist, so namentlich am Elme, an der Asse 
u. s. w., vom Flammenmergel. 

Gault, mindestens sowie solcher in England, Frankreich 
und Savoyen auftritt, fehlt. 

Schon ßoemer hat die Bildung mit dem Neocomien der 
Schweiz und des südlichen Frankreichs und mit dem unte- 



464 

ren Grünsand von Fit ton (auch Speeton-Clay von Phil- 
lips) gleichgestellt, und dass dies völlig begründet, beweist die 
Fauna. In den unteren versteinerungsreichen Massen kommen 
nämlich von Radiarien und Mollusken am häufigsten vor: 

1) Toxaster complanatus Ag. (Spatangus retusus 
Lam.), 

2) Pyrina pygaea Desor (Nucleol. truncatulus Roem.), 

3) Terebratula oblonga Sow., 

4) Terebratula multiformis Roem., 

5) Terebratula biplicata var. Sella Sow., 

6) Ostrea macroptera Sow., 

7) Exogyra spiralis Goldf., 

7) Exogyra sinuata Sow. (= Couloni Defr., auch 
aquila und falciformis Goldf.), 

9) Pecten crassitesta Roem., 

10) Pecten atavus Roem. (Janira atava d'ürb.), 

11) Myopsis (Panopaea) arcuata Ag., 

12) ßelemnites subquadratus Rom., 

13) Ammonites bidichotomus und Astierianus d'Orb. 
Die grösste Aehnlichkeit hat das Braunschweiger Hils- 

conglomerat hinsichtlich der Versteinerungen mit dem Nc'o- 
comien inferieur in der Schweiz, namentlich sowie dies am 
Mont Saleve bei Genf vorkömmt. Beiderseits finden sich 
nicht nur die Species No. 1, 6, 8, 10, 11 und 13, sondern 
auch in ziemlich gleicher Häufigkeit. Es wird aber die Aehn- 
lichkeit dadurch annoch gesteigert, dass Terebr. multiformis 
Roem. mit der Schweizer T. depressa Sow. bei v. Buch, 
und T. Sella Sow. mit der Schweizer T. biplicata acuta v. 
Buch nur je eine Species bilden. Vollständige Uebergänge 
verbinden resp. jene beiden und diese beiden Formen. Doch 
lässt sich nicht verkennen, dass neben der grossen petrogra- 
phischen Mannigfaltigkeit bei Braunschweig gleichzeitig auch 
verschiedene Lebensbedingungen statt finden mussten, und 
dass diese namentlich bei den Brachiopoden der Art ein- 
wirkten, dass an dieser Lokalität diese, an jener Lokalität 
jene Form vorwaltet. 



465 

Etwas Aehnliches zeigt sich mit den kleinen Korallen 
aus dem Genus Scyphia, Ceriopora, Manon u. s. w., die an 
einer Stelle sehr häufig sind, an einer andern fast gänzlich 
fehlen. Doch finden sich die oben erwähnten Versteinerun- 
gen , wohl ohne Ausnahme , an jeder Localität. Die Ver- 
schiedenheit besteht nur in dem Vorwalten der einen vor den 
andern, oder auch, was die Brachiopoden anbetrifft, in Modi- 
ficationen innerhalb derselben Species. 

Mehrere Horizonte mit eigenthümlicher Fauna in diesem 
untern Theile der Bildung abzugrenzen, hat bis jetzt nicht 
gelingen wollen. 

In dem eigentlichen Thone, der die versteinerungsreichen 
Massen bedeckt, sind, wie schon erwähnt, die organischen 
Einschlüsse selten. Sie sind auf einige Species beschränkt, 
die auch im Hilsconglomerate vorkommen. Am häufigsten 
ist Pecten crassitesta und Exogyra sinuata, dann aber auch 
ein Belemnit, der einige Aehnlichkeit mit B. subfusiformis 
Kasp. (der von d'Orb. in den Supp. pag. 9 mit B. pistilli- 
formis Blainv. vereinigt wird) aus dem unteren Neocomien 
hat, und der in den untern versteinerungsreichen Massen 
nicht vorkömmt. Da sich die Abweichung in der Fauna 
auf diesen Belemniten beschränkt, so scheint kein hinreichen- 
der Grund vorhanden zu sein , jene unteren versteinerungs- 
reichen und diese oberen versteinerungsarmen Schichten von 
einander zu trennen. Das Ganze dürfte vielmehr als eine 
Abtheilung der Kreide mit gleicher Fauna zu betrachten sein, 
im Wesentlichen aus einer mächtigen Thon- Ablagerung be- 
stehend, an deren unterer Grenze stellenweise fremdartige 
Gesteine mit Anhäufungen von Versteinerungen auftreten. 

Die Schichten des oberen Neocomien der Schweiz etc. 
und d'Orbigny's Terrain aptien sind darin nicht enthalten. 



466 

4. Erläuterungen zu den Profilen des linksrheinischen 

Gebirges. 

Von Herrn Baur in Eschweiler-Pumpe bei Aachen. 

Hierzu Tafel VIII. 

Die in Taf. VIII. enthaltenen Profile geben eine Dar- 
stellung der Lagerungsverhältnisse in einem Theile der preus- 
sisclien Rheinprovinz auf der linken Rheinseite. In Westen 
bildet die Landesgrenze gegen Belgien, in Süden das nörd- 
liche Ende der von der Mosel an zusammenhängenden, sehr 
ausgedehnten Ablagerung von buntem Sandstein mit Muschel- 
kalk und Keuper die Grenze der dargestellten Gegend; in 
Norden endet sie an dem Gebirgsabhange gegen die weit 
ausgedehnte Ebene, in der nur noch Alluvial- und Diluvial- 
Bildungen vorkommen, und in Osten an einer Linie, östlich 
deren die mineralogische Einförmigkeit des Grauwackenge- 
birges nur durch das Vorkommen der vulkanischen Bildun- 
gen in der Umgebung von Kelberg, Adenau und dem Laa- 
cher See, so wie durch die Bedeckung von Braunkohlenge- 
birge zwischen Ahr und Rhein unterbrochen wird. Innerhalb 
dieser Grenzen besteht die Hauptmasse des Gebirges aus 
den verschiedenen Schichten des Rheinischen Grauwacken- 
gebirges; es liegen darin aber ausserdem die sämmtlichen 
Vorkommen des Eifeler- Kalksteins, welche auf der linken 
Seite von Rhein und Mosel bekannt sind, mit Ausnahme 
einer schmalen Einlagerung, die etwas weiter südlich auf der 
linken Seite der Kyll unweit Birresborn vorhanden ist. Ausser 
der Grauwacke und dem Eifeler - Kalkstein kommen in der 
durch die angegebenen Grenzen bezeichneten Gegend die 
Ablagerungen von Steinkohlengebirge mit Bergkalk am nörd- 
lichen Gebirgsrande, ferner einige Partieen von buntem Sand- 
stein und Muschelkalk, an einzelnen Punkten vulkanische 
Gesteine in geringer Ausdehnung und der Anfang des den 
älteren Schichten am nördlichen Gebirgsabhange aufgelagerten 
Braunkohlengebirges, so wie an einem Punkte eine der Kreide- 
formation angehörige Auflagerung vor. 



467 

Die Ausdehnung der durch die Profile näher dargestell- 
ten Gegend beträgt von Norden nach Süden ungefähr 10, 
von Osten nach Westen dagegen nur 6 Meilen. 

Das erste Profil beginnt an der grossen nördlichen Ebene 
bei Herzogenrath, wo unter den bis dahin ununterbrochenen 
Ablagerungen von Alluvium und Diluvium zuerst ältere Bil- 
dungen und zwar die des Steinkohlengebirges hervortreten. 
Die Schichten dieser Formation sind nur im Einschnitte des 
Wormthals und somit in geringer Ausdehnung am Tage 
sichtbar, auf beiden Seiten dieses Einschnittes aber, und zwar 
auf der östlichen Seite mit Braunkohlengebirge, bedeckt; 
demungeachtet sind sie auf das Genaueste bekannt, weil seit 
Jahrhunderten ein ansgedehnter Bergbau darin betrieben wird. 
Dieser hat die ganze Ablagerung als eine grosse von Süd- 
westen nach Nordosten sich einsenkende Mulde kennen ge- 
lehrt, in welcher die einzelnen Schichten, unter denen 16 
bauwürdige Steinkohlenflötze, eine grosse Zahl kleiner Mul- 
den und Sättel bilden, die immer einen flach fallenden und 
einen steilen, oft mit 90° stehenden Flügel haben und mei- 
stentheils in scharfen Winkeln aneinanderstossen. Der unter 
dem Steinkohlengebirge liegende Bergkalk ist ebenso wie der 
tiefer liegende Devonische Kalk und der beide trennende 
Grauwackenschiefer in der Profillinie noch ganz mit Braunkoh- 
lengebirge bedeckt und nur an einzelnen Punkten von sehr 
geringer Ausdehnung ist das Vorhandensein dieser Gebirgs- 
schichten zu erkennen. Erst die unter dem Devonischen 
Kalkstein liegenden Grauwackenschichten treten unbedeckt 
zu Tage ; sie bilden bei Haaren einen Sattel, auf dessen Süd- 
flügel man den letztgenannten Kalkstein im Thale des Haar- 
bachs bei Welschemühle anstehen sieht. Auf ihn folgen 
Grauwackenschieferschichten, nicht allein in genanntem Thale, 
sondern auch auf der Höhe in Verlautenheid zu Tage an- 
stehend, und dann der Bergkalk, in welchem zwei mulden- 
förmige Einlagerungen von Steinkohlengebirge, die erste 
äusserst unbedeutend am sogenannten Küchengrat, die andere 
von grösserer Ausdehnung bei Nirm vorkommt, wo ihre 



468 

Schichten durch den Betrieb eines Stollens und eines Tun- 
nels der Rheinischen Eisenbahn bekannt geworden sind. Nur 
schmale Kohlenstreifen, aber keine bauwürdigen Flötze kom- 
men darin vor. Südlich der letzteren Mulde bildet der Kalk- 
stein einen Sattel, in welchem an einem Punkte nordöstlich 
von Eilendorf der unterliegende Grauwackenschiefer zu Tage 
hervortritt; auf dem Sattelsüdflügel des Kalksteins folgt das 
Steinkohlengebirge der Eschweiler Mulde an der Worm. 
Die einzelnen Schichten, unter denen 15 — 16 bauwürdige 
Steinkohlenflötze vorkommen, bilden eine einzige Mulde, de- 
ren Nordflügel fast überall unter einem Winkel von 30 — 40°, 
deren Südflügel aber mehrentheils weit stärker, oft senkrecht 
und zuweilen widersinnig einfallen. Ein Zusammentreten der 
Flügel in scharfem Winkel, wie an der Worm, findet in der 
Eschweiler Mulde nicht statt; die Kohlen der letzteren un- 
terscheiden sich von denen der ersteren dadurch, dass die 
Flötze der Eschweiler Mulde in der oberen Abtheilung fette 
Backkohlen, in der unteren halbfette Kohlen, die Flötze an 
der Worm aber durchaus magere Kohlen enthalten. W T enn 
hieraus auch keineswegs eine getrennte Bildung beider Ab- 
lagerungen gefolgert werden kann, so wird solche doch da- 
durch bewiesen, dass nicht die geringste Uebereinstimmung 
in der Schichtenfolge beider Mulden Statt findet. Ebenso 
wie die Wbrm-Mulde hebt sich die Eschweiler Mulde gegen 
Südwesten aus und man trifft deshalb weiter nach dieser 
Richtung von der Profillinie sich entfernend nur die liegen- 
deren Schichten, die sich in wellenförmiger Lagerung bis 
zur Landesgrenze erstrecken, ohne aber noch bauwürdige 
Steinkohlenflötze zu enthalten, die erst im Münsterbach-Thale 
unweit westlich von Stolberg auftreten und nahe bei Esch- 
weiler, wo sie von Braunkohlengebirge bis zu grosser Teufe 
bedeckt werden, endigen. Unter dem Südflügel der Stein- 
kohlengebirgsmulde tritt der Bergkalk wieder zu Tage, in 
der Profillinie unter dem Stollberger Schloss. Er bildet einen 
Sattel, in welchem in dieser Linie der Grauwackenschiefer 
hervortritt, während weiter südwestlich sowohl als nordöstlich 



469 

der Kalksteinsattel geschlossen ist und in dieser Art in Süd- 
west bei Cornelimünster, in Nordost bei Hastenrath vorkommt. 
Nach dieser Seite senkt er sich noch weiter und so sehr ein, 
dass er unter dem Steinkohlengebirge verschwindet und die 
Eschweiler Mulde mit der in der Profillinic davon getrennten 
kleinen Steinkohlengebirgsmulde zusammenhängt. Der Kalk- 
stein unter der letzteren steht im Thale des Vichtbachs bei 
Bernhardshammer an, welches auch den darunter gelegenen 
Grauwackenschiefer und den nun folgenden Eifeler Kalkstein, 
letzteren bei Vicht als Muldengegenflügel des oben bei Wel- 
schemühle angegebenen Kalksteins , durchschneidet. Der 
Vichter Kalkstein bildet ein fast gradliniges, von Langer- 
wehe bei Düren bis nach Eupen und noch weit über die 
Belgische Grenze hinaus zu verfolgendes Band , auf dessen 
Südostseite die bisher beobachteten jüngeren Schichten nicht 
mehr vorkommen. Mit den weiter unten zu erwähnenden, 
südlicher gelegenen Vorkommnissen desselben Kalksteins 
wechseln nur noch die Schichten des darunter gelegenen 
Grauwackengebirges, die in 3 Gruppen eingetheilt auf den 
Profilen bezeichnet sind. Ist diese Eintheilung auch abwei- 
chend von derjenigen, welche Dumont in seinen verschie- 
denen Schriften über das Rheinische Grauwackengebirge auf- 
stellt, und entgegen der von Dr. C. F. Roemer in seiner 
Schrift ,.über das Rheinische Uebergangsgebirge" auf Grund 
einer Untersuchung der Versteinerungen ausgesprochenen 
Ansicht, so erscheint sie doch aus den in Karstens und 
v. Dechens Archiv Band XX. angeführten Ursachen zu 
sehr begründet, als dass sie in der profilarischen Darstellung 
des Gebirges hätte unterbleiben dürfen. Die obere Abthei- 
lung der Grauwackenschieferschichten , durch einen in ver- 
schiedener Art vorkommenden Eisengehalt und dadurch her- 
vorgebrachte Färbung ausgezeichnet, zeigt sich im Profil zu- 
nächst unmittelbar unter dem Kalkstein bei Vicht und dem- 
nächst einer davon getrennten Mulde. Zwischen beiden kommt 
die mittlere Abtheilung, die in mineralogischer Hinsicht mit 
den zwischen beiden Kalksteinen liegenden Grauwacken- 

Zeits. d. d. geol. Ges. I. 4. 31 



470 

schichten nahe übereinkommt, vor; südlich der erwähnten 
Mulde zeigen sich ihre Schichten in bedeutender Ausdehnung 
auf der Hochfläche von Gross- und Kleinhau, bis am Call- 
bachthale eine kuppenförmige Bedeckung von buntem Sand- 
stein auf dem Burgberg und im genannten Thale diu hier 
zu Tage tretenden Schichten der unteren Abtheilung der 
Grauvvacke mit den darin vorkommenden Dach schiefern eine 
Unterbrechung machen. 

Zur Darstellung der Auflagerung von buntem Sandstein 
und Muschelkalk ist hier die Profilünie etwas gegen Nord- 
ost verlegt. Unter dem Braunkohlengebirge , welches wie 
schon oben bemerkt am nördlichen Gebirgsabfalle liberal 
vorkommt, tritt hier, unweit südlich von Düren beiKufferath 
bunter Sandstein zu Tage, der sich ununterbrochen ungefähr 
3 Meilen weit gegen S.S.O. ausdehnt. In der Breite beträgt 
seine Ausdehnung durchschnittlich nur £ Meile; am südöst- 
lichen Ende ist sie aber viel bedeutender und beträgt gegen 
2 Meilen. Dem bunten Sandstein — welcher bei KufFerath 
Flötze von Thoneisenstein im Schieferletten und an mehreren 
Punkten , namentlich am Bleiberge bei Commern einzelne 
Sandsteinschichten mit eingesprengten) Bleiglanz in solcher 
Menge enthält, dass sie Gegenstand eines ausgedehnten Berg- 
baues sind — ist am flachen Gehänge gegen die sich hier 
weiter nach Süden ausdehnende Ebene Muschelkalkstein in 
einer Längenausdehnung von 1 Meile aufgelagert; die flach 
einfällenden Schichten desselben erstrecken sich bis in die 
Ebene, wo sie unter der Bedeckung von Braunkohlengebirge 
verschwinden. Die unter dem bunten Sandstein liegenden 
älteren Schichten treten in allen tief eingeschnittenen Thälern 
zu Tage, wie man dies in dem Profile sieht, in dessen Linie 
das Ruhrthal bei Maubach, das Bleibachthal in Commern und 
das Feybachthal bei Burgfey die Grauwackenschichten zei- 
gen. Auf der rechten Seite letztgenannten Thaies ist die 
Ausdehnung des bunten Sandsteins nur noch gering; sein 
südöstliches Ende nimmt nur noch die Höhe bei Holzheim 
ein und bedeckt hier die nördlichste Mulde des Eifeler Kalk- 



471 

Steins, die sich in der Richtung von S.W. nach N.O. von 
Steinfeld bis nach Kirchheini 2 Meilen weit ausdehnt. Die 
Breitenausdehnung dieser Mulde, die eben so wie die übri- 
gen südlicher gelegenen Mulden und wie die oben näher 
besprochenen Mulden von Steinkohlengebirge in der Regel 
ein sehr steiles Einfallen der Südflügel und ein ungleich fla- 
cheres Einfallen der Nordflügel zeigt, beträgt in der südwest- 
lichen Hälfte über \ Meile, in der nordöstlichen dagegen nur 
- Meile. Letztere durchschneidet die Profillinie , in deren 
weiterer Fortsetzung gegen S.O. nur noch Grauwacke und 
als einzige Unterbrechung die zwei Basaltkuppen von Michels- 
kirch vorkommen, die zu den grÖssten Höhen der Eifel gehören. 
Um ungefähr 2 Meilen gegen S.W. verlegt, zeigt die 
Profillinie die südlichen Schichten der zweiten grösseren 
Kalksteinmulde — wenn man von einigen ganz kleinen Kalk- 
steinvorkommnissen im Urftthal und bei Wildenburg absieht 
— , deren Mittelpunkt Blankenheim ist. Von hier erstreckt 
sie sich gegen N.O. bis Holzmühlheim, gegen S.W. bis 
Cronenburg und übertrifft somit die vorige Mulde an Län- 
genausdehnung. Ihre Breite ist jedoch viel geringer, nament- 
lich in ihrem mittleren Theile und nur am nordöstlichen Ende 
bei Tonndorf und Engelgau beträgt die Breite nahe \ Meile. 
Die zunächst gegen Südost vorkommende, in ihrer Au9deh- 
nuug der vorigen bedeutend nachstehende Kalksteinmulde von 
Rohr wird von der Profillinie nicht durchschnitten ; in ihr 
trifft man zwischen der Blankenheimer Mulde und der 4. 
(Lommersdorfer) Mulde nur Grauwackenschichten, fast 6ämmt- 
lich der oberen Abtheilung angehörig. Bei Hüngersdorf tre- 
ten die ersten Kalksteinschichten mit südöstlichem Einfal- 
len auf, die bis Dollendorf das entgegengesetzte Einfallen 
zeigen. Bei diesem Orte bilden die Grauwackenschichten 
einen kleinen Sattel und darauf eine kleine Mulde , in wel- 
cher nochmals der Kalkstein, der weiter nordöstlich mit dem 
vorigen zusammenhängt , getrennt auftritt. Die Längenaus- 
dehnung der Lommersdorfer Mulde beträgt von Lommers- 
dorf bis zum Kyllthale etwas mehr als eine Meile ; die Breite 

31* 



472 

von durchschnittlich j Meile ist am grössten in der südwest- 
lichen Hälfte , wo bei der sehr flachen Lagerung die unter- 
liegenden Grauwackenschichten hervortreten und besonders 
im Kyllthale zwischen Glaad und Günnersdorf eine bedeu- 
tende Ausdehnung zwischen den beiden getrennten Spitzen 
der Kalksteinmulde haben. Die 5. Mulde (Ahrdorfer) kommt 
in ihrer Ausdehnung von circa ~ Meile Länge der 3. (Roh- 
rer) gleich ; die Profillinie durchschneidet sie an ihrem süd- 
westlichen Ende und trifft dann die bei Leudersdorf nur 
wenig davon entfernte 6. (Hillesheimer) Mulde, in welcher 
bei Dreimühlen secundäre Bildungen von Kalksinter in nicht 
unbedeutender Ausdehnung vorkommen. Diese 6. Mulde 
übertrifft an Ausdehnung alle frühern ; sie hat von der nahe 
am nordöstlichen Ende liegenden Profillinie gegen S.W. eine 
Längenausdehnung bis über Schönecken hinaus von mehr 
als 3 Meilen und eine durchschnittliche Breite von j Meile. 
In ihrer Mitte bei Hillesheim sind ihre Schichten durch Auf- 
lagerungen von buntem Sandstein und verschiedenen vulka- 
nischen Gesteinen der Beobachtung entzogen , die sich bis 
über die nun folgende 7. (Gerolsteiner) Mulde ausdehnen. 
Letztere dehnt sich nicht weit genug gegen N.O. aus, um 
die Profillinie zu erreichen. 

Das 2. Profil beginnt wieder mit dem Steinkohlengebirge 
an der Worin, liegt aber j Meile weiter südwestlich als das 
vorige und zeigt hier die Bedeckung von Schichten des 
Kreidegebirges, die bei Aachen den Lousberg bilden und 
weiter westlich eine bedeutende Ausdehnung erlangen. Die- 
selben Schichten, welche das vorige Profil durchschnitt, trifft 
man auch in diesem, nur fehlen wegen des obenerwähnten 
Einsenkens der Sättel und Mulden gegen N.O. einige der 
obersten dort vorhandenen Schichten. Der Eifeler Kalkstein 
tritt bei Burtschied mit südöstlichem Einfallen zu Tage; die 
Nirmer Steinkohlengebirgsmulde zeigt sich hier bei Forst, 
enthält aber nur die liegendsten Sandsteinschichten, während 
die oben erwähnte kleine nördlichere Mulde von Küchengrat 
hier schon ganz fehlt. Die Eschweiler Mulde setzt hier 



473 

nicht mehr so tief nieder, wie im 1. Profil und die in letz- 
terem durchschnittene getrennte südlichere Mulde enthält in 
diesem keine Schichten des Steinkohlengebirges , sondern 
wird nur durch Kalksteinschichten gebildet, wie sich dies in 
den ausgedehnten Steinbrüchen bei Cornelimünster zeigt. 
Bei Hahn trifft man den Eifeler Kalkstein mit senkrechter 
Schichtenstellung; weiter gegen S.W. kommt nur Grauwacke, 
und zwar die oberste Abtheilung bei Hahn und Rötgen, die 
unterste auf der Höhe des Yenngebirges vor, wo sie in 
grosser Ausdehnung ununterbrochen zu Tage ansteht, und 
ungefähr 1 Meile westlich der Profillinie die Höhe Botranche 
bildet, bis zu welcher sich die Grauwacke an keinem anderen 
Punkte zwischen Mosel, Rhein und der belgischen Landes- 
grenze erhebt. Um 2 Meilen nach S.W. verlegt zeigt die 
Profillinie die Ablagerung von buntem Sandstein bei Mal- 
medy, die hier ganz vereinzelt vorkomm mt, eine Längenaus- 
dehnung von circa j Meile und nur selten eine Breite von 
■J- Meile hat. Fast nur im Warchethale anstehend, erreichen 
diese jüngeren Gebirgsschichten nur an einzelnen Punkten 
die Höhen zu beiden Seiten genannten Thals und es finden 
sich dann auch keine Spuren davon , bis zunächst in einer 
Entfernung von wenigstens 6 Meilen bei Schmidthain die 
einzelnen Ablagerungen gleichaltriger Schichten wieder be- 
ginnen. Bei weiterem Verfolgen dieser Linie trifft man bei 
Recht zum 2. Mal ein Hervortreten der zur untersten Ab- 
theilung der Grauwacke gehörigen Schichten ; weiter gegen 
S.O. kommen sie auf der linken Rheinseite bis zur Mosel 
hin nicht mehr vor. sondern nur Schichten, die zur mittleren 
Abtheilung gehören. — Von hier ist die Profillinie um circa 
7 Meilen wieder nach N.ü. verlegt und zeigt hier zunächst 
die 1. (Keldenich-Sötenicher) Hauptmulde in ihrer grössten 
Breitenausdehnung auf der rechten Seite der Urft. Auch 
die 2. (Blankenheimer) Mulde hat in dieser Linie ihre grösste 
Breite und die zwischenliegende Grauwacke deshalb nur eine 
geringe Ausdehnung. Die 3., 4. und 5. Mulde werden eben- 
falls von dieser Linie durchschnitten ; die 4. an einem Punkte, 



474 

wo sie nur noch eine geringe , etwas weiter nordöstlich , bei 
Lommersdorf noch mehr abnehmende Breite hat. Die 6. 
und 7. Mulde erstrecken sich nicht bis zu dieser Linie ge- 
gen N.O., von welcher nur 2. Meilen entfernt die Basaltkuppe 
des Arenbergs, eine der höchsten und ausgedehntesten der 
Eifel sich aus den Grauwackenschichten erhebt. Zwei Mei- 
len südwestlich von voriger Linie sind die Hillesheimer und 
Gerolsteiner Mulde durchschnitten, deren erstere an ihrer 
nördlichen Grenze mit buntem Sandstein und welche beide 
an verschiedenen Punkten mit vulkanischen Steinen verschie- 
dener Art, den nahe gelegenen Kratern entströmt, bedeckt sind. 
Das 3. Profil beginnt mit den südlichsten Schichten der 
1. Kalksteinmulde, zeigt die Blankenheimer Mulde an einem 
Punkte, an welchem sie durch ein sattelförmiges Auftreten 
der Grauwacke getrennt ist und die Lommersdorfer Mulde 
an dem Punkte ihrer grössten Breitenausdehnung. Die zwi- 
schenliegende Rohrer Mulde wird hier nicht getroffen, aber 
einige Auflagerungen von buntem Sandstein, welcher den mitt- 
leren Theil des Strombergs bildet, während der untere Theil 
aus Grauwacke, der oberste aus Basalt besteht. Bei Birgel 
beginnt an der südlichen Grenze der Lommersdorfer Mulde 
eine ausgedehnte Ablagerung von buntem Sandstein, die sich 
in dieser Linie über die Hillesheimer und Gerolsteiner Mulde 
erstreckt und nur durch zahlreich auftretende vulkanische 
Gesteine unterbrochen wird. In der Profillinie, in welcher 
bei Bolsdorf im Einschnitte des Kyllthals der Kalkstein der 
Hillesheimer Mulde zu Tage ansteht, liegt Dom auf Basalt 
und beginnt hier die gleich östlich der Profillinie ausgedehnte 
Bedeckung von Itapillen und vulkanischem Sand, aus welchem 
bis gegen Bewingen 4 kleine Basaltkuppen hervorragen. Der 
Kalkstein der Gerolsteiner Mulde steht in der Profillinie 
mehrentheils zu Tage an; die bedeutenden Ablagerungen 
vulkanischer Gesteine liegen weiter östlich und der nahe der 
nördlichen Kalksteingrenze aufhörende bunte Sandstein be- 
ginnt erst unmittelbar auf der südlichen Grenze wieder, wo 
er aber auch nur noch eine geringe Ausdehnung hat. Nach 



475 

der dann eintretenden bedeutenderen Unterbrechung beginnt 
er erst wieder auf den Höhen zu beiden Seiten des Kyll- 
thals bei Mürlenbach, um dann ununterbrochen und nur auf 
den Höhen von Muschelkalk und Keuper bedeckt, bis zur 
Mosel fortzugehen. 



■fcV 



;>. lieber den Magnelbers Katschkanar am Ural. 
Von Herrn Zerrenner in Pössneck. 

Die wichtigsten Magnetberge des Urals sind den bishe- 
rigen Forschungen nach der Katschkanar, der am nördlich- 
sten gelegene, derBlagodat bei Kusch wa, die Wisoikaia gora 
bei Tagil und zu diesem kommt noch der Magnetberg in der 
Kirgisensteppe, östlich von der Festung Magnitnaia, der be- 
kannter geworden ist, seitdem man gefunden hat, dass er 
zum Beweise seiner Durchbrechung des Porphyrs einzelne 
Stücke dieser Gebirgsart in sich eingeschlossen enthält. Ueber 
den geognostischen Bestand des Katschkanars hat man — 
freilich mehr Fabelhaftes, als Wahres — schon im vorigen 
Jahrhunderte geschrieben und aus den Documenten seiner 
Literatur lässt sich der Schluss ziehen, dass die seit undenk- 
lichen Zeiten auf ihm gegrabenen, natürlichen Magnete es 
waren, welche die damaligen Reisenden veranlassten, auf die- 
sen interessanten Berg einige Aufmerksamkeit zu verwenden, 
denn sicherlich kannten schon die Wogulen die Katschkanar- 
schen Magnete, noch ehe der Erzreichthum des nachbarlichen 
Blagodat den Russen verrathen wurde und zur Erbauung 
der Kuschwenskschen Werke Gelegenheit gab. Hermann 
sagt in seinem 1789 erschienenen Versuche einer Beschrei- 
bung des Uralischen Erzgebirges: ,,Die Magnete des Katsch- 
kanar bestehen aus einem körnigen, mit grauem Glimmer 
vermengten Eisenerze. Unter den grossen trifft man nicht 
selten auch kleine Magnete, die 10—30 Solotnik wiegen und 
das 20 — 25fache ihres eigenen Gewichts in die Höhe heben. 
An der Abendseite des Berges gewinnt man einen 59-Jtigen 
Eisenstein, der an vielen Stellen um den ganzen Berg herum 



476 

aus einer wilden Bergart zu Tage herauskommt und diese 
wilde Bergart besteht aus einem porphyrähnlichen Gesteine, 
das ähnlich dem ist , welches die Sohle der Nisehnytagilsk- 
schen Eisenerzlager bildet." Die von mir gefundenen natür- 
lichen Magnete haben stets weniger als ihr eigenes Gewicht 
gehoben und es müssen die nach Hermanns Angabe mit 
so ungemeiner Kraft begabten im Laufe der Zeit entweder 
abhanden gekommen sein, oder ich war nicht so glücklich, 
derartige ausfindig zu machen. Rücksichtlich des porphyr- 
ähnlichen Gesteins sagt schon Hr. Prof. Rose in der Hum- 
boldt' sehen Reise an den Ural und Altai Th. I. S. 311: 
dass dieses Gestein, das angeblich aus Jaspis, Feldspath und 
einigen Körnern Quarz bestehen sollte, wahrscheinlich analog 
den Magnetbergen ein Augitporphyr sei, wobei nur die An- 
wesenheit des Quarzes schwer erklärlich sei, da dieser doch 
im Augitporphyr nicht vorkommt. Ich meinestheils kann 
das Vorkommen des Augitporphyrs in der Umgegend des 
Katschkanars durchaus nicht in Abrede stellen , denn der 
westliche Theil desselben gehört zur Fürstl. Butera'schen 
Herrschaft Bissersk und 5 Werst südwestlich von Bisserskoi 
Sawod, dem Hauptorte der Herrschaft selbst, so wie auch 
14 Werst nordwestlich davon auf dem Berge Sopka in un- 
mittelbarer Nähe der Uwarowitgrube Saranowsk sind ziem- 
lich ausgedehnte Entblössungen anzutreffen, die den Augit- 
porphyr deutlich vors Auge bringen; am und auf dem Katsch- 
kanar aber bin ich nicht im Stande gewesen, eine Spur davon 
zu entdecken. Bei dieser Gelegenheit kann ich auch nicht um- 
hin, mir die Berichtigung eines später wiederholt behaupteten 
Irrthums zu erlauben, der sich in den 24. Band der Pog- 
gendor ff sehen Annalen (S. 388) eingeschlichen hat, wo es 
heisst, die Uwarowitgrube befinde sich auf dem Westabhange 
des Katschkanars. Dieser, der Katschkanar, steht bereits 
auf sibirischem Grund und Boden und der Berg Saranowsk 
mit dem ersten und damals einzigen Fundorte des Uwaro- 
wits liegt in gerader Linie wenigstens 50 Werst westlich 
vom Uralrückeu in Europa und es wird nicht thunlich sein, 



477 

von zwei Bergen, zwischen welchen der Ural mit seinem 
Hauptrücken hinstreicht, den einen für den Abhang des an- 
dern zu erklären. 

In topographischer Beziehung liegt der Katschkanar un- 
ter 58° 45' Breite; in gerader Linie liegt er vom Uralrücken 
in östlicher Richtung 17 Werst entfernt und vom Blagodat 
nordwestlich 55 Werst. Die Mitternachtseite des Berges 
umfliesst der Fluss Iss, der am Fusse des im weitern Nor- 
den sich erhebenden Berges Guwach entspringt und bis hier- 
her einen Weg von ungefähr 50 Werst zurückgelegt hat, 
während sich in seinem Süden der Fluss Wye hinschlängelt, 
der auf der Höhe des Urals entspringend, bis hierher 25 
Werst durchlaufen haben mag. Die Höhe des Urals beträgt 
nach Terletzki's Messung 3559 engl. Fuss über dem 
ideellen Meeresspiegel, folglich ist er 1952 Fuss höher als 
der Blagodat und 1559-} Fuss höher als die mittlere Höhe 
des Uralrückens. Aus diesen Zahlen wird es erklärlich, dass 
sein Gipfel 4 — 5 Monate des Jahres von Schnee befreit ist. 
Die Vegetation ist am Fusse des Berges dieselbe, wie in den 
angrenzenden Ebenen und Thälern, nämlich urwaldliche Fich- 
ten, Kiefern und Cedern ; mehr auf der Höhe und auf dem 
Gipfel findet man freilich nur Gesträuch und Gestrüpp. 

Die Ostseite abgerechnet, w t o auf dem kaiserlichen Ge- 
biete des Kusch wenskschen Kreises häufig Diorite und Apha- 
nite vorkommen , und mit Ausnahme der von Südwest an- 
stossenden, aus Hornblende zusammengesetzten Berge (die 
beiläufig bemerkt von einer herrlichen Kieferwaldung bedeckt 
sind ) ist der Katschkanar ringsum von metamorphischen 
Schiefern eingeschlossen. Den Ufern der im Süden vorbei- 
gehenden Flüsse Wye und Petuchowka entlang wechsella- 
gern Talk- und Chloritschiefer, welche mit ihren gegenseiti- 
gen Uebergängen auch den benachbarten Theil des Ural- 
rücken zusammensetzen. Das Auftreten des Dioritschiefers 
in westlicher Nähe beim Meierhofe Borowskoi ist unter£eord- 
neter Art, während der Chloritschiefer im Norden ein sehr 
ausgedehntes Gebiet beherrscht, denn der Iss mit allen sei- 



478 

nen Nebenflüssen bewegt sich lediglich auf ihm , bis er die 
Bissersksche Herrschaft verlässt, und hier an dieser Stelle ist 
der interessanteste Punkt der Berg Rewro, der wahrscheinlich 
seinen Namen der senkrechten Stellung der Gebirgsschichten 
verdankt, die man im Russischen mit den Worten pöstäblen na 
rewrö bezeichnet. Derselbe ist von ansehnlicher Ausdehnung 
und Höhe, seine ganze Ostseite besteht aus einer einzigen, 
vertical aufgerichteten Felswand , auf seinem Gipfel geniesst 
man die schönste Ansicht vom Katschkanar und dem noch 
nördlicher gelegenen Berg Sarai, und der Choritschiefer, aus 
dem er besteht, hat stellenweise eine so ausgezeichnet schöne, 
dunkelgrüne Farbe, wie sie sich wohl selten wieder findet, 
Quarz -Schnüre und Gänge sind zwar mehrfach in ihm zu 
beobachten, aber ohne Erzführung:. 

Die Gesammtmasse des Katschkanars selbst nun besteht 
aus Augitfels mit attractorischem Magneteisenstein und Ser- 
pentin, wie ich dies durch nachstehende Abzeichnung einer 
Felswand bildlich darzustellen versucht habe: 










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Serpentin. 



Augitfels. 



Attract. Magneteisenstein. 



479 

Der Augitfels hat bald schwarzgrüne, bald grünlich- 
braune, bald gelblichgrüne Farbe; braun ist er nur an aus- 
gewitterten Stellen, und dabei ist er fein- und grobkörnig. 
Ausser dem bereits Erwähnten habe ich oryctognostische 
Accessorien nirgends in ihm entdecken können. Der Magnet- 
eisenstein ist schwarz, von vollkommenem metallischen Glänze, 
grösstentheils sehr grobkörnig und nimmt, wenn er anhaltend 
dem Feuer ausgesetzt wird, wie sich z. B. bei der techni- 
schen Gewinnung desselben durch Feuersetzen beobachten 
Hess, eine gewisse Art Schichtung an, indem er festzusam- 
menhängende Platten von j-— J Zoll Dicke bildet. Die Gänge, 
welche den Augitfels in zahlloser Menge und allenthalben 
durchschneiden, steigen von dem dünnsten Schnürchen bis 
zu einer Mächtigkeit von 10 Zoll und alle die Erscheinun- 
gen, die sonst bei Gängen beobachtet werden, wie das sich 
Schaaren, Schleppen, Durchsetzen derselben, sind auch hier 
bequem über Tage und sattsam zu haben. Dabei ist jedoch 
nicht zu übersehen , dass der Magneteisenstein nicht etwa 
lediglich in Gangform erscheint, sondern an den meisten Stel- 
len ist der Augitfels durch und durch mit kleinern und grös- 
sern Magneteisensteinkörnern imprägnirt und beide erschei- 
nen so innig und so uranfänglich mit einander verbunden, 
wie Feldspath, Quarz und Glimmer im Granite. So oft ich 
auf dem ßlagodat war, wurde es mir nicht schwer, in ziem- 
lich kurzer Zeit Magneteisenkrystalle aufzufinden, auf dem 
Katschkanar aber war in dieser Beziehung alles Suchen ver- 
gebens. Der Serpentin zeigt verschiedene, in einander über- 
gehendeFarben, vorzüglich grünlich-gelb und schwärzlich-grün, 
die braune Abänderung erscheint selten und gewöhnlich nur 
auf den Kluftflächen ; auf seiner Oberfläche hat sich biswei- 
len eine weisse, erdige Masse gebildet, die aber von der un- 
veränderten oder natürlichen scharf abschneidet. Wenn auch 
südlicher am Ural z. B. bei Newiansk schiefriger Serpentin 
nachgewiesen ist, so behauptet er doch hier vollständige 
Massigkeit. Von fremdartigen Körpern findet sich in ihm 
Asbest gelblich- und grünlich- weisser Farbe; bisweilen füllt 



480 

er ziemlich weite, regellose Klüfte aus, bisweilen giebt er 
auch durch scharfes Zerschneiden des Serpentins diesem das 
Ansehn plattenfürmiger Absonderung. Beim Contacte mit 
dem Augitfels haben sich allerdings einige Körnchen Mag- 
neteisenstein in den Serpentin hineingedrängt, die Gesammt- 
masse desselben ist aber vollkommen erzleer; nur der von 
Hermann erwähnte Glimmer findet sich noch in ihm, aber 
in geringer Menge und in sehr unansehnlichen Individuen. 

Aus dem Vorgetragenen erhellt, dass das Erzvorkommen 
des Katschkanars sich wesentlich und in verschiedener Be- 
ziehung von dem der Wisokaia gora und des Blagodat un- 
terscheidet, denn auf letzterem ist nur der Feldsteinporphyr 
erzführend, bekannt durch seine Neigung, sehr leicht zu ver- 
wittern , dem zu Folge er, wenn man auch nicht von allen 
Stellen sagen kann, dass er in der Hand zu Pulver zerfallt, 
doch eine ungemein leichte Scheidung des Gruben.utes von 
der Bergart zulässt, während der Augitfels des Katschkanars 
mit seinem Erze eine festverbundene, sehr feste Masse bildet, 
und anderntheils ist der Erzstock der Wisokaia gora zu bei- 
den Seiten fast ganz in Thon eingekeilt, hat ausserdem noch 
eine Brauneisensteinhaube und ist kupfererzführend. Mit 
dem Blagodat hat der Katschkanar uur das gemein, dass sich 
auf beiden kein Quarz vorfindet. 

In unmittelbarer, südlicher Nachbarschaft des Katschka- 
nars begegnet der Geolog noch einer interessanten Erschei- 
nung, nämlich einem* 2 bis 3y Fuss mächtigen Seifengebirge, 
dessen Fragmente aus attractorischem Magneteisensteine, 
Diorit, Dioritschiefer und Augitfels bestehen. Schon in den 
dreissiger Jahren ist diese Magnetsteinseife einige Hundert 
Schritt südlich von der Isba Wälowskaia, einem einzeln ste- 
henden Häuschen auf 700 Fuss Länge, über 40 Fuss Breite 
unter einer Dammerdedecke von 2 bis 4 Fuss Mächtigkeit 
verfolgt und theilweise auch abgebaut worden, wobei ein 
Vollarbeiter mit einem Halbarbeiter in der ^tägigen Schicht 
4^ Kubikarschinen oder 100 Pud Magnetstein gewann. Die 
Fragmente desselben, die bald ganz klein sind, bald ein Ge- 



481 

wicht von 40 Pfund und darüber erreichen und deren rauhe 
und eckige Oberfläche ihren Ursprung aus der Nähe andeu- 
tet , unterscheiden sich von dem auf dem Katschkanare zu 
Tage ausgehenden Magnetstein dadurch, dass sie bei weitem 
stärkere Attrahenten und daher auch beim Goldwaschbetriebe 
zur Reinigung des auf dem Feinwaschheerde gewonnenen 
Goldes die gesuchtesten Magnete sind. Wenn auch auf 
dem Katschkanar selbst bis jetzt Diorit noch nicht gefunden 
worden ist, so kann doch dessen Antheil an der Zusammen- 
setzung des Seifengebirges nicht befremden, da er nicht nur 
an der westlichen Begrenzung des Berges zu Tage aus- 
geht, sondern auch allem Anscheine nach im weitern Nor- 
den ausgedehnte Gebirgsflächen zusammensetzt, indem die 
Flussgeschiebe der grossen und kleinen Labaska fast aus- 
schliesslich aus ihm bestehen. Die Augitfelsstücke erschei- 
nen bränlich gefärbt in Folge der theilweisen Umwandlung 
der eingesprengten Magnetsteinpartikeln in Eisenoxydhydrat. 
Edle Metalle sind in diesem Seifengebirge bis jetzt noch 
nicht entdeckt worden. 

Hält man nun auf dem Katschkanar eine geologische 
Rundschau, so dürfte wohl der zunächstliegende Gedanke 
der sein , dass die nachbarlichen , metamorphischen Gesteine 
aller Wahrscheinlichkeit nach ihre gegenwärtige Lage und 
ihren jetzigen Zustand der Schöpfung des Katschkanars ver- 
danken, denn die Erhebung eines so mächtigen Kegels konnte 
doch unmöglich ohne Einfluss bleiben; zweitens dürfte es 
nach dem Gesagten als unthunlich erscheinen, zwischen den 
Magnetbergen des Urals, wenigstens rücksichtlich ihres ma- 
teriellen Bestandes, Analogieen aufzustellen , da sich sowohl 
die Muttergesteinsmassen derselben wesentlich von einander 
unterscheiden , als auch das Erzvorkommen eines jeden von 
dem des andern unterschieden ist; drittens allem Anscheine 
nach dürfte der Serpentin älter und früher als die Augitfels- 
masse gehoben sein, denn bei einer gleichzeitigen Eruption 
mit derselben in feurig-flüssigem Zustande dürfte er schwer- 
lich der Vermengung mit dem metallischen Stoffe entgangen 



482 

sein; und viertens rings um den Katschkanar herum liegen 
in engern und weitern Kreisen Diamanten- , Gold und Pla- 
tinseifen, die der allgemeinen Annahme nach das Resultat 
früherer Gebirgszerstörungen sind ; das am südlichen Fusse 
des Katschkanars befindliche Seifengebirge dürfte demnach 
beweisen, dass derselbe gleichfalls jenen gewaltsamen Er- 
schütterungen unterworfen gewesen ist, denn wollte man an- 
nehmen, dass die dort angehäuften Fragmente nichts anderes, 
als das Ergebniss einer alltäglichen Erfahrung seien, nach 
welcher sich dem Einflüsse der Atmosphärilien zufolge Ge- 
birgsstücke lösen und in die Thäler rollen , so bliebe die 
regelmässige Ausdehnung der 2 bis 4 Fuss mächtigen Damm- 
erdedecke ein Räthsel. 



6. Einige Worte über die Diamantengrube Adolphsk 

am Ural. 

Von Herrn Zerrenner in Pössneck. 

Hierzu Taf. IX. 

Die irrigen Ansichten sowohl, welche über die geogno- 
stischen Verhältnisse der Diamantengrube Adolphsk in ver- 
schiedenen Schriften verbreitet sind , als auch die Zweifel, 
welche man in das Vorkommen der Diamanten am Ural 
überhaupt setzt und welche in Russland noch häufig, aber 
auch bei uns in Deutschland hin und wieder geäussert wer- 
den — beide mögen mich entschuldigen, wenn ich für meine 
Mittheilung über diese Grube, die mehrere Jahre unter mei- 
ner Verwaltung gestanden hat, um eine Stelle in unserer 
Zeitschrift bitte. Sie bildet die unmittelbare, westliche und 
südwestliche Nachbarschaft von Krestowosdwischensk , das 
weniger als Grube — obschon Gold da gewaschen wird und 
früher selbst auch einige Diamanten gefunden worden sind 
— sondern mehr als Sitz der Direction bekannt ist, unter 
welche die der verwittweten Fürstin Barbara Butera - Radali 
gehörigen Gold-, Diamanten- und Platinwäschen in und bei 

OD ' 



483 

Krestowosdwischensk , so wie auch die Eisenhüttenwerke 
Bissersk und Kussinsk gestellt sind. Krestowosdwischensk 
liegt unter 58 ü 45' Br. und 77° 20' L. auf dem europäi- 
schen Abhänge des Urals ungefähr 2y deutsche Meile in 
gradliniger Entfernung von seinem Hauptrücken. Die Grube 
Adolphsk wird vorzugsweise die Diamantengrube genannt, 
weil hier in Folge der Expedition des Herrn v. Humboldt 
an den Ural, Altai u. 8. w. die ersten Diamanten Russlands 
entdeckt wurden und weil man sie hier bei den Grubenarbei- 
ten und Wäschen hauptsächlich im Auge hatte, während sie 
an anderen Stellen dieses goldreichen Gebietes nur nebenbei 
mit dem Golde erhalten werden. Im Osten ist sie unmittel- 
bar von grobkörnigem, graulichen Dolomit umgeben, welcher 
die niedern Ufer des Baches Poludenka zusammensetzend, 
auf denen Krestowosdwischensk zwischen höhern Gebirgs- 
theilen erbaut ist, an der Bildung des diamantenhaltigen Sei- 
fengebirges leicht erklärlich keinen Antheil genommen hat 
und theilweise mit 1 bis 9 Fuss mächtigem Goldsande, theil- 
weise mit Dammerde bedeckt ist, in der kubikfussgrosse 
Quarzkrystalle und eben so grosse Stücke von unkrystalli- 
sirtem Quarz und Itakolumit (Talkschiefer) liegen; im Nor- 
den und Nordwesten erhebt sich der Itakolumit (Talkschie- 
fer) zu hohen, weithin entblössten Felswänden, die hier, wie 
am ganzen Ural, eben nicht häufig angetroffen werden, und 
im Südwesten und Süden bestehen die Berge aus Thon- 
schiefer, der sehr oft in Talkschiefer übergeht. Das Seifen- 
gebirge der Grube bildet zwischen diesen unter einer 1 bis 
1 j Fuss mächtigen Dammerdedecke einen schmalen, von Süd 
nach Nord laufenden und auch in dieser Richtung abfallen- 
den Streifen von 2660 Fuss Länge, der an seinem nördli- 
chen, erweiterten Ende an dem linken Ufer des Baches Po- 
ludenka seine grösste Breite von gegen 40 Fuss erreicht. 
Unter dem lj bis 2 Fuss mächtigen Seifengebirge folgt 2 
bis 5 Fuss mächtig aufgelösster Dolomit, in welchem 
zwar Quarzkrystalle, aber niemals Diamanten 
oder Gold gefunden worden sind, und unter diesem 



484 

steht der schwarze Dolomit an, der in Humboldt' s Reise 
vom Herrn Prof. Rose hinlänglich charakterisirt worden ist, 
jedoch mit der Bemerkung, dass derselbe versteinerungslos 
sei , während im Verlaufe der Zeit Cyathophyllum turbina- 
tum und caespitosum, Turritella bilineata, Turbo canaliculatus 
so wie auch Lithodendron caespitosum in ihm beobachtet 
worden sind. Er enthält sehr häufig Kalkspath in Adern 
und Drusen; neben den graulich-schwarzen, gelblich-braunen 
und braunen Kalkspathrhomboedern sitzen gewöhnlich Berg- 
krystalle, die das Vorkommen der oben erwähnten Bergkry- 
stalle in dem obern , 'aufgelössten Dolomite zur Genüge er- 
klären. — Die Fragmente, die das Seifengebirge bilden, sind 
ziemlich mannichfaltig und ich will sie in der Weise ange- 
ben, dass ich diejenigen vorausschicke, welche quantitativ zu 
der Zusammensetzung des Gebirges am meisten beigetragen 
haben. Es sind 1) Quarzstücke, gewöhnlich in der 
Grösse von j bis 1 , sehr selten von 4 bis 6 Kubikzollen ; 
den Schluss, dass die Gänge, durch deren Zerstörung sie 
hierher versetzt wurden, deshalb keine bedeutende Mächtig- 
keit gehabt haben könnten, halte ich für gewagt, weil die 
Masse sehr mächtiger Gänge in lauter Fragmente von un- 
bedeutender Grösse zertheilt werden konnte, je gewaltsamer 
und nachhaltiger die zerstörende Kraft wirkte; 2) Dolo- 
mit-, Itacolumit-, Talk- uud Thonschiefer-Stücke, 
beide letztere mit gegenseitigen Uebergänsen; 3) derber 
und krystallisirter Brauneisenstein, von denen 
letzterer, gewöhnlich in Hexaedern, seltener in Dodecaedern, 
aus der Verwitterung des Schwefelkieses hervorgegangen ist; 
ferner Bergkrystalle, bald im Innern geknickt uud zer- 
splittert, bald rein und wohl erhalten und immer in kleinen 
Individuen, die ungemein oft ausser dem Diploeder noch ein, 
zwei auch drei Trapezoiden zeigen ; Rauchtopase sind nie vor- 
gekommen, obschon [sie auf benachbarten Goldgruben hin 
und wieder sehr gross und schön erwachsen worden sind ; 
4) Eisenglanz und Anatas, letzterer nur in ganz klei- 
nen Octaedern. Dass Zinnober unter den Geschieben von 



485 

Adolphsk vorgekommen sei, ist ein Mährchen. Zinnober 
kommt allerdings auf der asiatischen Seite des Urals im 
Gold- und Platinsande der Grube Kanbrinowsk nördlich von 
Kuschwa vor, wo aber bis jetzt noch kein einziger Diamant 
er waschen worden ist. 5) Gold in Lamellen und Körn- 
chen mit seinem steten Begleiter, dem Magneteisen- 
steine in höchst feinzertheiltem Zustande. Während noch 
in den letzten Jahren östlich von Adolphsk in der unbedeu- 
tenden Entfernung von ~ deutschen Meile auf der Goldgrube 
Warwarinsk die reichsten Seifen des Districts entdeckt und 
mit einem Gehalte von 10 bis 53 Solotnik Gold in 100 Pud 
Sand (96 Solotnik = 1 Pfund und 40 Pfund = 1 Pud) aus- 
gebeutet wurden, hat sich hier der Goldgehalt nie über 16 
bis 20 Dolä (96 Dolä = 1 Solot.) in 100 Pud, also in 100 
Centner kaum auf -J- Loth erhoben, ein Gehalt, bei welchem 
man die Sande zwar noch zur Vermengung mit reichern zu- 
lässt, bei dem allein jedoch, selbst unter Anwendung der 
besten Goldwaschmaschinen, bei den hiesigen Preisen der 
Lebensbedürfnisse und der Baumaterialien die Betriebskosten 
kaum erschwungen werden können. Das Gold kommt auch 
hier wie anderwärts nie im Innern der Geschiebe (namentlich 
hat man immer im Quarze einen Goldgehalt zu entdecken 
gehofft), sondern immer zwischen ihnen in ihrem aus Lehm 
und Sand bestehenden Bindemittel vor. Im Waschgolde von 
hier befinden sich nach den Schmelzproben des kaiserlichen 
Laboratoriums zu Jekatherinburg durchschnittlich 90-^ che- 
misch reines Gold. — Die hier seit 1830 bis Ende 1847, in 
der nachfolgenden Liste aufgeführten, ausgewaschenen Dia- 
manten, deren Zahl sich auf 64 belauft, sind mit sehr weni- 
gen Ausnahmen vollkommen wasserhell und haben auf dem 
von ihnen bis hierher zurückgelegten Wege weder von ihrem 
Glänze noch von ihrer Scharfkantigkeit etwas eingebüsst. 
Die gewöhnlichste Krystallform ist das Ikositessaraeder und 
das durchschnittliche Gewicht derselben dürfte zu f Karat 
angenommen werden müssen. 



Zeits. d. d. geol. Ges. I. 4. oo 



486 

Dem vorstehenden Aufsatze werden im Folgenden einige weitere den 
selben wichtigen und interessanten Gegenstand betreffende Erläuterungen 
beigefügt, welche einem Briefe des Herrn Z er renn er an Herrn A- 
v. Humboldt und der Antwort des letzteren, -- beide zu dem vorlie- 
genden Zweck von Herrn Zerrenn er mitgetheilt — , entnommen sind 
Aus dem Briefe des Herrn Zerrenner an Herrn v. Humboldt: 
Nachdem ich eine längere Reihe von Jahren in den Diensten der 
Frau Fürstin Bntera - Radali gestanden und namentlich an der 
„Direction der Gold-, Diamanten- und Platingruben in und bei 
, Krestowosdwischensk und der Koiwenskischen Eisenwerke Antheil 
„o-enommen und die letzten Jahre als Vicevorsitzender der Werch- 
„nemulinskisehen Hauptverwaltung über die gesammten uralischen 
Besitzungen der Fürstin fungirt habe, halte ich es nach meinem 
„Zurückgange ins Vaterland für Pflicht, Ew. Excellenz etwas von 
,,dem, was ich aus jenen Gegenden mitgebracht habe, ganz ge- 
horsamst vorzulegen. In Ihrer vom Herrn Professor Rose ver- 
„fassten Reise an den Ural etc. heisst e,s, dass der schwarze Do- 
„lomit, auf dem das diamantenhaltige Seifengebirge abgelagert 
„ist, versteinerungslos sei. In beigehendem Kästchen finden Sie 
„nun zwei von mir auf der Grube Adolphsk aufgefundene Stufen 
„jenes Dolomits, welche Cyathophyllum turbinatum und caespitosum, 
„dannTurritellabilineata und Turbo canaliculatus enthalten dürften. 
„— Unter den russischen Bergoffizieren, die sich für Geognosie in- 
„teressiren, trifft man hin und wieder die Meinung an, die Diamanten 
von Adolphsk hätten den erwähnten, schwarzen Dolomit oder den 
„nachbarlichen, grauliehen von Krestowosdwischensk zum Mutter- 
„gesteine. Abgesehen davon, dass der Berg Wäschaja in nord- 
westlicher Nachbarschaft der Grube Adolphsk lediglich aus Itaco- 
lumit besteht und dass dasselbe Gestein in einer nordwestlichen 
„Entfernung von circa 5 Werst das linke Ufer des Flusses Schal- 
„dinke zusammensetzt und in beträchtlicher Ausdehnung die Basis 
„des dem Flusse entlang abgelagerten Goldsandes bildet, erhalten 
„Ew. Excellenz eine Stufe Itacolumit aus der unmittelbaren östli- 
chen Nähe der Grube Adolphsk. In dem Alluvium, das sich 
„von genannter Grube südlich von der Kirche bis zum Berge Ka- 
„laitseba (richtiger Kalantscha) hinzieht, kommt der Itacolumit in 
„so grossen Blöcken vor, dass eine Herbeiführung aus weiter Ferne 
„nicht anzunehmen ist •, oft ist derselbe durch und durch von 
„Brauneisensteinadern durchzogen und birgt leere Räume, die, 
„wie es scheint, kohlige Substanzen enthalten. — Da das Vor- 
„kommeu der Diamanten dort noch häufig genug in Russ- 
„land selbst bezweifelt wird, so erlaube ich mir, Ew. Excellenz 
„nächst einer Charte von der Grube Adolphsk und einer desglei- 
chen von Krestowosdwischensk *) eine Tabelle **) vorzulegen über 

*) Die dem Aufsätze beigefügte Charte Taf. IX. ist die Reduktion 
der letztern dieser beiden mit dem Briefe an Herrn v. Humboldt ge- 
sendeten Charten. 

**) Nachfolgend abgedruckt. 



487 



„die seit 1830 auf der Grube Adolphsk und Umgegend gefunde- 
nen Diamanten mit Angabe ihres Gewichtes und der im Archive 
„des Comptoirs zu Krestowosdwischensk aufgezeichneten Fundtage, 
„Die elf im Jahre 1847 aufgefundenen Diamanten stammen le. 
„diglich aus den Aufdeckarbeiten bei der Kirche und sind nur 
„nebenbei mit dem Golde erwaschen worden, da die Petersburger 
„Centralverwaltung der Fürstin schon seit mehreren Jahren der 
„Hauptverwaltung am Ural die Weisung ertheilt hat, des niedern 
„Werthes der Diamanten halber keine besondern Kräfte auf ihre 
„Erbeutung verwenden zu lassen. Im verwichenen Jahre waren 
„bis Monat Juli keine Diamanten gefunden worden." 
Aus der Antwort des Herrn v. Humboldt: 

„Es ist mir eine Freude gewesen , von einem so erfahrenen Ober- 
„Director eines grossen Bergreviers Aufschlüsse über das Vor- 
kommen der nördlichen, aussertropischen Diamanten zu erhalten, 
„deren Auffindung durch meine Expedition veranlasst worden ist. 
„Die Versteinerungen, die Sie im schwarzen Dolomit entdeckt ha- 
„ben, sind auch von unserm grossen Geognosten Leopold v. Buch 
„mit lebhaftem Interesse gesehen worden. Er hat, wie Ew. Wohl- 
„geroren, Cvathophyllum turbinatum und caespitosum gleich darin 
„erkannt. In Borneo findet sich mit den Diamanten ein Cardium, 
„das noch im nahen Ocean lebt (Siehe meine Asie centrale t. III. 
„p. 536), und die Diamanten von Uspensk (£. ///. p. 531) finden 
„sich in einem Kalksteine mit Muschelversteinerungen. Auch ich 
„habe vor meiner sibirischen Reise mit Eschwege den Itacolumit 
,, immer für das diamantführende Gestein gehalten (wie in meinem 
„Buche Essai sur le gisement des roches dans les deux heml- 
„spheres). 

„Der Itacolumit ist wohl ein Sandstein , der durch vulkani- 
sche Kräfte (durch Contactgestein) glimmerreich geworden ist. 
„Nach den wichtigen Untersuchungen der Diamantgruben in Ost- 
indien von Jaquemont und von Claussen in Brasilien gehört 
„das Fossil da, wo es in anstehenden Gebirgsarten gefunden wird, 
„zu sehr nenen Formationen. Zu Grammagoa in Brasilien sind 
„neuerlichst viele kleine Diamanten eingewachsen theils in reinem 
„Sandstein (Claussen sagt gres psammite), theils in Itacolumit, 
„der ganz sandsteinartig und glimmerreich ist, gefunden worden. 

„Wo Diamanten in Waschwerken mit Geschieben gefunden 
„werden, liegen sie natürlich gemengt mit dem Contactgestein 
„(Grünstein, Dolomit, selbst Serpentin), das ihre eigentliche Lager- 
„stätte metamorphosirt hat. Von Grammagoa habe ich in Paris 
„selbst Diamanten in Sandstein eingewachsen in Händen gehabt. 
„Die Grubenkarten und die Listen der gefundenen Diamanten 
„sind mir sehr erfreulich gewesen. Ich hoffe immer, dass man 
„einst das Nest finden werde, wo viele grosse Diamanten liegen- 
„Würde man vom Uraler Platin reden, wenn man blos die we- 
„nigen Beimengungen (2 bis 3 pro Cent) aller uralischen Gold- 
„wäschen und nicht N. Tagilsk kennte? Dazu ist die grosse 

32* 



488 



„Entfernung sehr merkwürdig, in der man in der langen Bergkette 
„einzeln« Diamanten aufgefunden hat. 1 ' 



Tabelle 
über cfie seit 1830 auf der Diamantengrube Adolphsk bei Kresto- 
wosdwischensk am Ural und in letzterem Orte selbst gefundenen 
Diamanten mit Angabe ihres Gewichts und der in dem Archive 
des Comptoirs zu Krestowosdwischensk aufgezeichneten Fundtage. 



No. 


Fund tag. 


Gewicht. 


No 


Fundta g. 


Gewicht. 




f830. 






1831. 




1. 


23. Mai. 


U Dolä. 


29. 


i 20. Mai. 


W Karat. 


2. 


21-1. Mai. 


2^ Dolä. 


30. 


25. Mai. 


| Karat. 


3. 


6. Juni. 


H Dolä. 


31. 


25. Juni. 


•j 5 ^- Karat. 


4. 


7. Juni. 


1^ Dolä. 


32. 


27. Juni. 


-i 5 ¥ Karat. 


5. 


9, Juni. 


2 Dolä. 


33. 


10. Juli. 


3 9 ? Karat. 


6. 


12. Juni. 


H Dolä. 




1832. 




7. 


21. Jnnh 


21 Dolä. 


34. 


13. Mai. 


-jL Karat. 


8. 


21. Juni. 


1 Dolä. 


35. 


17. Mai. 


*- Karat. 


9. 


2. Juli. 


| Dolä. 


36. 


28. Mai. 


-f 3 ^ Karat. 


10. 


7. Juli. 


3^ Dolä. 


37. 


3. Juni. 


-j 9 y Karat. 


11, 


9. Juli. 


1} Dolä. 


38. 


12. Juni. 


T 3 -g- Karat. 


12. 


15. Juli. 


1| Dolä. 


39. 


3. August. 


T 'g Karat. 


13. 


18. Juli. 


1£ Dolä. 




1833. 


• 


14. 


8. August. 


1| Dolä. 


40. 


4. Juni. 


£ Karat. 


15. 


•29. August. 


5 Dolä. 




1S35. 




16. 


29. August. 


2 Dolä. 


41. 


18. Juni. 


f Karat. 


17. 


29. August. 


5 Dolä. 




1836. 




18. 


29. August. 


lf Dolä. 


42. 


28. April. 


f Karat. 


19. 


30. August. 


12 Dolä. 


43. 


5. Mai. 


t 'ö Karat. 


20. 


31. August. 


1\ Dolä. 


44. 


25. Mai. 


| Karat. 


21. 


3. September. 


21 Dolä. 


45. 


27. Mai. 


4 Karat. 


22. 


4. September. 


1 Dolä. 


1 


1838. 




23. 


4. September. 


5* Dolä. 


46. 


15. Juli. 


^ Karat. 


24. 


11. September. 


5 Dolä. 


47. 


8. October. 


T 9 ^ Karat. 


25. 


13. September. 


11 Dolä. 




1839. 






1831. 




48. 


15. Juni. 


11 Karat. 


26. 


11. Mai. 


$j Karat. 


49. 


17. Juni. 


l Karat. 

b 


27. 


11. Mai. 


\% Karat. 


50. 


3. Juli. 


T ' T Karat. 


28. 


11. Mai. 


T 5 ^ Karat. 









489 



No. 



Fundtag. 



Gewicht. 







1844. 


. 


51. 


19. 


Juni. 


H Dolä. 


52. 


3. 


Juli. 


21 Dolä. 


53. 


23. 


August. 

1847. 


|- Karat. 


54. 


26. 


Juni. 


| Karat. 


55. 


16. 


September. 


~l Karat. 


56. 


17. 


September. 


^-j Karat. 


57. 


15. 


Octobcr. 


| Karat. 



No 



58. 
59. 
60. 
61. 
62. 
63. 
64. 



Fundtag. 

1847. 
15. October. 

4. November. 

9. November. 
18. November. 
25. November. 

8. December. 
12. December. 



Gewicht. 



^ Karat. 
~ Karat. 
lf Karat, 
f Karat. 
| Karat. 
f Karat. 
1^ Karat. 



Die 12 Diamanten 
dwischensk, die übrigen 
Gewicht ist theils nach 



No. 41 und No. 54 bis 64 sind in Krestowos- 

sämmtlich auf der Adolphsgrube gefunden. Das 

Karat angegeben, theils nach Delä = JL Solotnik. 



I. Namenregister. 



Von den hinter den Titeln stehenden Buchstaben bedeutet A. Aufsatz, 
B. briefliche Mittheilung und P. Protokoll. 



Seite. 

öaur, Erläuterungen zu den Profilen des linksrheinischen Gebir- 
ges. A 466 

v. Beust, über das III. Heft der Gangstudien von Cotta. B. . . 104 

Beyrich, über die geognostische Karte von Schlesien. A. 41; P. 400 

— über das Glätzer Uebergangsgebirge. A 68 

— über versteinerungsführende Thonlager bei Fürstcnwalde und 
Pietzpuhl 85 

— über eine geognostische Karte von Quedlinburg. P. . . . . 247 
über die Kreideformation zwischen Halberstadt, Quedlinburg 

und Blankenburg. A 2SS 

— Nachträgliche Bemerkungen dazu. A 386 

über das Quadersandsteingebirge in Schlesien. P 390 

— Erläuterungen der geognostischen Karte von Regensburg. A. 411 

Bischof, über Kohlensäure-Exhalationen. B 101 

Brücke, Entdeckung von Brookit und Anatas. P 81 

Bruhns, über Kreide im Hobbersdorfer Holze. A 111 

v. Buch, über Entstehung des Monte Nuovo. B 107 

— über schlesischen und italienischen Muschelkalk. P '246 

— über Zerstörung Pompeji's. P 400 

v. Carnall, über Sphärosiderit im Thoneisensteingebirge Ober- 
schlesiens. P 85 

über Graubraunsteinerz bei Weilburg. P 85 

— über Schichtenaufrichtung im Westphälischen Steinkohlenge- 
birge. P 248 

über eine geologische Uebersichts-Karte von Deutschland P. . 395 

v. Dechen, über Porphyr, Melaphyr und Mandelstein im Saar- 
brücker Kohlengebirge. P 82 

— über Göppert's Aufsatz über aufrechtstehende Baumstämme 

im Kohlengebirge P 246 



492 

Seite. 

Ehrenberg, über eine rotbe Substanz im Trachyt bei Bonn. P. 83 

— über ein Infusorienlager am Oregon. P 83 

über eine von Wohl er eingesandte Substanz mit Süsswasser- 

Infusorien. P 90 

— über eine zur Kreide gehörige Erdart von Guinea. P. . . . 91 
Emmrich, über die Gervillienschicht bei Kreuth und den rothen 

Kalkstein von Hallstadt. B 104 

— über den Alpenkalk und seine Gliederung im bairischen Ge- 
birge. A : 263 

— über das bairische Gebirge. B 449 

Geinitz, über Zeuglodonreste. P 37 

Ger mar, über ein neues Harz, Chrismatin. B 41 

— Tertiäre Insekten. A 52 

Giebel, über Leitmuscheln des Kreidegebirges, Versteinerungen 

vom Sudmerberge bei Goslar und vom Luisberge bei Aachen, 

Sidetes nov. gen., Versteinerungen im Selkethal. B 93 

Girard, Geognosie des nordöstlichen deutschen Tieflandes. A. . 339 
Hof mann, Geognosie am Nordende des Urals und des Kara- 
landes. B 91 

v. Humboldt, über Vorkommen der Diamanten. B 487 

Krug von Nidda, über ein Bohrloch bei Tarnowitz. B. . . 448 
Lea, über Fussspuren im alten rothen Sandstein von Pensylvanien 

(Sauropus). B 261 

Leichhardt, über die Kohlenlager von Newcastle in Neuholland. A. 44 

Ludwig, über Braunkohlen und Basalt bei Jauer. B 256 

Oswald, Lichas scabra und Trochus rupestris im Sadewitzer 

Kalk. B 260 

Overweg, über einen ächten Ammoniten im Muschelkalk bei 

Rüdersdorf. P 255 

Rammeisberg, über die Grundmasse der Laven. P 86 

— über die mineralogischen Gemengtheile der Laven im Vergleich 

zu altern Gebirgsarten und zu Meteorsteinen. A 232 

— über Delesse's Arbeiten über den Syenit der Vogesen und 

die Protogyne der Savoyischen Alpen. P. ..*... . 253 

Reuss, Foraminiferen im Thon bei Hermsdorf. B 259 

Richter, über Nereites Sedgwickii. P 399 

— über Nereites und Myrianites. A 457 

G. Rose, über Krystallform des Wismuth. P 81 

— über die zur Granitgruppe gehörenden Felsarten. P. 252 u. A. 35*2 
Rost, über Entdeckung eines Steinsalzlagers bei Arnstedt unweit 

Erfurt. P 252 

Roth, über die geognostischen Verhältnisse von Lüneburg. P. . 250 

Sartori us v. Waltershausen, über submarine Vulkane. P. 399 
v. Strom beck, über Gliederung des Muschelkalkes im N.W. 

Deutschland. P 87 

— Beiträge zur Kenntniss des Muschelkalkes im N. W. Deutsch- 
land. P 115 



493 



Seite. 



v. Strombeck, über Cucullaea Beyrichii aus dem Muschelkalk. 

P. 398 und A 451 

— über das Neocomien bei Braunschweig. P. 401 u. A. . . . 462 
Tamnau, über secundäres Vorkommen des Zirkons in Deutsch- 
land. P -256 

— weisser Glimmer und Turmalin in schwarzem Glimmer. P. . 393 
Tuch, Entwurf einer geognostischen Uebersichtskarte von Deutsch- 
land. P 251 

Zerrenner, Diamantgrube am Ural. P 399 

— Oligoklas- Porphyr in Sibirien. P 399 

— über den Magnetberg Katschkanar am Ural. A 457 

— über die Diamantgrube Adolphsk am Ural. A 482 



II. Sachregister. 



Seite. 
Acalepha deperdita .... 439 
Acrodus Gaillardotii . 168. 251 
Aromya inaequivalvis . . .131 
Aellopos Wagneri . . . .435 
Aeschna longialata .... 434 

Alindria 61 

Alpenkalk 263 

— im Ammergau .... 264 

— im Loisachgebiet . . . 269 

Amaltheenmergel 286 

Amazonenstein 433 

Ammonitenmarmor .... 284 
Ammonites amaltheus . . . 286 

— Astierianus 449 

— bidichotomus 464 

— bipartitus 124 

— biplex 283 

— costatus 278 

— crassus 278 

— enodis 124 

— nodosus 124 

— Ottonis 247 

— Raspailli 282 

— Rhotomagensis . . . .421 

— bei Rüdersdorf . . 255. 389' 
, — semipartitus . ■ . . .124 

— subnodosus 124 

— triplicatus 282 



Seite. 
Ammonites undatns . . . .124 
Anatas bei Hirschberg ... 81 

— bei Krestowosdwischensk 484 

Anhydritgruppe 220 

Annularia longifolia . . .101 
Anthracida xylotona ... 64 
Apatit im Granit .... 360 

— in granitischen Felsen . 358 

— im Syenit . . . . 370 

Apiaria dubia 66 

Apiocrinites ellipticus . 112. 386 
Aplax Oberndorferi .... 424 
Aptychus imbricatus . . . 282 

— lamcllosus 266 

— latus 282 

— in Scaphites 248 

Aptychusschiefer . . . 269. 281 
Area glabra . • • • . . 96 

— inaequivalvis 131 

— minuta 454 

— ligeriensis 97 

— Schmidtii .... 131. 454 
Asterias quinqueloba . 95. 112 

Augit in Lava 243 

Augitfels am Katschkanar im 

Ural 479 

Augitporphyr im Ural . . . 476 
Avellana Hugardiana ... 98 



494 



Seite. 
Avellana incrassata . . . . 9S 
Avicula Albertii . 135. 152. 189 

— Bronnii 192 

Baculites anceps 99 

Basalt bei Jauer 257 

— bei Michelskirch . . .471 

— bei Nobby's Island . . 46 
Basaltgang in Thonletten und 

Sandstein 49 

— in Porphyr 49 

Basalttuff 257 

Baumstamm in Eisen verwan- 
delt 47 

— im Kohlengebirge . . . 246 
Belemnites clavatus .... 282 

— hastatus 283 

— mucronatus . . . 114. 387 

— semisulcatus 267 

— subquadratus 467 

Bergkalk bei Welschemühle . 469 

Biloculina 259 

Bleiglanz bei Kommern . . 470 

— bei Tarnowitz .... 448 
Blende bei Tarnowitz . . . 448 

Blöcke, glasirte 304 

Bolivina 259 

Botrychiumfrucht, fossil . . 4S 
Brauneisenstein bei Kresto- 

wosdwischensk .... 484 
Braunkohle bei Bromberg . 256 

— bei Lüneburg .... 250 

— des norddeutschen Tief- 
landes 346 

— bei Regensburg . . 422. 424 

— bei Vohburg .... 427 
Breccie, dolomitische . . . 267 
Brookit bei Hirschberg . . 81 
Buccinum gregarium . . . 126 

— obsoletum 127 

— turbilinum 126 

Bucklandit im Granitit. . . 365 

Bulimir.a 259 

Bunter Sandstein am Harze . 310 
_ — bei Kufferath . . 470 

— — bei Malmedy . . . 473 
Buprestris xylographica . . 55 



Seite. 

Cardiuia ovalis 100 

Cardium alternatum .... 97 

— Cottaldinum 97 

— productum 97 

— striatulum 279 

— tubuliferum 97 

Ceriopora gemmata . . . .112 

— nuciformis 112 

— Roemeri 112 

— striatopunctata . . . .112 
Chamites laevis . . . . .152 

— lineatus 152 

— punctatus 152 

— - striatus 152 

Chelocrinus 165 

Chilostomella 259 

Chloritscbiefer bei Borowskoi 477 

Chrismatin 41 

Chrysoberyll 433 

Chrysobothris 55 

Cidaris vesiculosus . . 95. 112 

Colobodus varius 141 

Conchorhynchus avirostris . 14S 
Concretionen, wurmförmige . 177 

Corax heterodon 99 

Corbula dubia 13'» 

Cordierit in granitischen Fels- 
arten 357 

— im Porphyr 374 

Crinoideenkalk . . . 269. 276 
Cucullaea Beyrichii . . 398. 451 

— Goldfussii 454 

— nuculiformis 454 

Cyathophyllum caespitosum . 484 

— turbinahim 484 

Cyprina 421 

Dammarites-Zapfen .... 297 

Dendritenbildung 446 

Dentalina 259 

Dentalium glabrum .... 98 

— laeve 128. 182 

— torquatum 128 

Diamanten bei Grammagoa in 

Brasilien 487 

Diamantgrube am Ural . . 399 

— Adolphsk am Ural . . 482 



495 



Seite. 

Diceraskalk bei Kelheim 424. 425 
Diluvium bei Regensburg . . 423 

Dimorphina 259 

Discoidea subuculus .... 426 
Dolomit 177 

— im Ammergau .... 269 

— bei Eichstädt .... 429 

— an der Loisach .... 27b 

— bei Regensburg. . . . 41S 

— am Ural 399 

— bei Wackerstein . . . 427 

Edmondia Hercyniae . . . 101 

— unioniformis 101 

Eisenglanz in granitischen Fels- 
arten 358 

— bei Krestowosdwischensk 484 

— im Syenitporphyr . . . 3S3 
Eisenkies im Granit .... 360 

— in granitischen Felsarten 35S 

— im Granitit 365 

— im Porphyr 374 

— im Syenitporphyr . . . 383 
Eisensteingänge im Erzgebirge 105 
Encrinus dubius 196 

— gracilis . . . .167. 247 

— liliiformis .... 157. 195 

— moniliformis 157 

— pentactinus 162 

— Schlotheimii 163 

Equiseten 48 

Eschara cyclostoma . '. . 98 

— disticha 112 

— elegans 112 

— irregularis 112 

— pyriformis 98 

Exogyra aquila 464 

— Columba .... 420. 426 

— Couloni 464 

— falciformis 464 

— halioto'idea 95 

— sinuata ...... 464 

— spiralis 464 

Feldspath im Granit . . . 358 

— in granitischen Felsarten 353 

— im Granitit . . . . ' . 363 



„., , . Seite. 

feldspath im Porphyr . . . 373 

— im Syenit 3(,8 

— im Syenitporphyr . . . 377 
Feldspathsubstanz in Lava . 243 
Felsarten, granitische . 252. 352 
Foraminiferen bei Hermsdorf 259 
Formation, nordische . . . 349 

Frondicnlaria -259 

Fungia coronula . . . . 95. 9S 
Fussspuren in Old red . . . 261 
Fusus Hehlii f^7 

Gaudryina 259 

Gault 4Q 1 

Gebirgsarten, körnige . . . 385 

— porphyrartige .... 385 
Geotrupes proaevus .... 57 
Gervillienschicht bei Kreutz . 104 

277. 2S5 
Gervillia costata . . . 152. 192 

— socialis . . 135. 152, 192 

— tortuosa .... 277. 2S6 

Glandulina 259 

Glimmer, schwarzer in weissem 393 

— im Granit 359 

— in granitischen Felsarten 356 

— im Granitit 365 

— im Porphyr 374 

— im Syenit ....'.. 370 
im Syenitporphyr . . .381 

Glimmerschiefer bei Glatz . 68 

Globulina 259 

Glossopteris 4S 

Gneuss bei Glatz .... 68 
Gold bei Krestowosdwischensk 485 
Granat in granitischen Fels- 
arten 357 

— im Porphyr 374 

im Syenitporphyr .... 382 
Granit .... 252. 358. 385 

— bei Tegernheim . . . .412 
Granitit .... 363. 385. 393 
Graubraunsteinerz bei "Weil- 
burg . 85 

Grauwackengebirge, Warthaer 67 

und 73 

— bei Welsehemühle . . . 467 



496 



Grünsand bei Neu-Kelheim 
Grünsteine am Ural . . 
Gryphaea vesicularis . . 
Gypsstock bei Gernrode 

— bei Kleinösel . . . 

— bei Klein- Vahlherg 

— des Seweckenberges . 
Gyrolepis Albertii . . 14 

— tenuistriatus .... 



Seite . 

425 
91 

326 
, 310 

121 
. 121 
, 311 
. 251 
. 251 



Helicites turbilinus .... 126 
Hilsthon und Conglomerat bei 

Braunschweig . . • .401 
Hipporhinus Heerii . . . 54. 62 

Holz, verkieselt 47 

Homoeosaurus 42o 

Hornblende im Granit . . . 359 

— in granitischen Felsarten 357 

— im Granitit 265 

— im Syenit 370 

— im Syenitporphyr . . . 3S1 
Hornblendeschiefer bei Glatz 68 

Hyacinth 257 

Hybodus plicatilis . . 141. 251 

Infusorienlager am Oregon . 83 
Inoceramus annulatus . . .421 

Insekten, tertiäre 52 

Jura, brauner bei Tegernheim 416 

— — im bairischen Gebirge 449 

— schwarzer bei Tegernheim 397 

— weisser ebenda . . . .416 

Kalkstein, devonischer bei Haa- 
ren 467 

— von Friedrichshall . . .219 

— von Hallstadt . . . .104 

— körniger bei Glatz . . 70 

— im Loisachgebiete . . . 276 

— bei Sadcwitz .... 260 
Kalksilicate, auf nassem Wege 

gebildet ...... 102 

Karte, geologische von Belgien 82 

— — von Deutschland 251. 395 

— — der Osterreichischen 

Monarchie .... 249 

— — von Regensburg . .411 



Seite. 
Karte, geologische von Schle- 
sien 4t. 400 

Keuper am Harze . . . .313 

— bei Regensburg . . . .415 
Keupersandstein bei Tegern- 
heim 397. 416 

Kobaltgänge im Erzgebirge . 105 
Kohlenkalk bei Ebersdorf . . 73 
Kohlenlager, ihre Entstehung 50 

— bei Newcastle .... 44 
Kohlensäure-Exhalationen . 101 
Korallenkalk der bairischen 

Alpen 283 

Kreideformation bei Hobbers- 

dorf 111 

— ihre Leitmuscheln ... 93 

— nord- und südeuropäische 84 

— bei Quedlinburg . 247. 288 

— bei Regensburg . 419. 423 
Kupferkies in granitischen 

Felsarten ...... 358 

— im Granitit 365 

Laven am Aetna 234 

— ihre Gemengtheile . . . 232 

— ihre Grundmasse ... 86 

— auf Island 235 

— von Stromboli .... 234 

— vom Vesuv 234 

Letten bei Tegernheim . . . 397 
Lettenkohle bei Lüneburg . 397 
Lias im bairischen Gebirge . 449 

— bei Quedlinburg . . .315 

— bei Regensburg . . . .416 

Lichas scabra 260 

Lima cordiformis 154 

— costata 153 

— gigantea 152 

— Hoperi 9S 

— interpunctata . . . .153 

— lineata 153 

— longissima 153 

— radiata 153 

— semisulcata 426 

— striata 152 

Litorina rotundata .... 98 
Lithodendron cespitosum . . 484 



497 



Seite. 
Lithographischer Kalk hei 

Solnhofen 439 

Löss bei Regensburg . . . 423 

Lucina campaniensis ... 97 

Lycopodites Bronnii .... 101 

Lyriodon deltoideum . . . 183 

— vulgare 131 

Mactra trigona 151 

Magnetberg am Ural . . . 4ül 

— Katschkanar am Ural . 475 
Magneteisen in Lava . . . "243 

— im Syenit 370 

— im Syenitporphyr . . . 383 
Magneteisenstein am Katsch- 
kanar 479 

— bei Krestowosdwischensk 485 
Manon mirum 96 

— pyramidale 96 

Marmor, rother 269 

Mehlkalk 175 

Melania dubia 127 

— Schlotheimii . 127. 151. 182 
Mergel, dolomitische . . .144 
Meteorsteine, ihre Zusammen- 
setzung 243 

Molybdänglanz in granitischeu 

Felsarten 358 

— im Granitit 365 

Monotis Albertii . . . 135. 251 
Monte nuovo, seine Entstehung 107 

Moroxitkrystall 433 

Muschelkalk am Harze . .312 

— bei Lüneburg .... 250 

— im nordwestl. Deutschland 87 

und 115 
-- — mittlere Abtheilung 142 

— — obere Abtheilung .118 

— — untere Abtheilung . 172 

— in Oberitalien .... 247 

— in Rüdersdorf .... 246 

— im südwestlichen Deutsch- 
land 219 

— in Thüringen .... 224 

— seine Versteinerungen . 209 
Myacites Albertii . . . .131 



Seite. 

Myacites elongatus . . . .130 

— grandis 130 

— mactroidcs 130 

— musculoides . 129. 151. 182 
obtusus 131 

— radiatus 130 

— ventricosus 130 

Myophoria pesanseris . . . 251 

— vulgaris .... 132. 241 

Myopsis arcuata 464 

Myrianites 457 

— Mac Leaii 4b0 

Mytilus arenarius 134 

— eduliformis . 134. 152. 185 

— incertus 134 

— vetustus 134 

Mytulites socialis .... 136 

Natica Gaillardotii 126. 150. 1S2 

— oolithica 126 

— pulla 126 

— stellata 98 

Nautilus arietis 123 

— bidorsatus . . . 123. 147 

— elegans 99 

Neocomien 401 

— im bairischen Gebirge . 449 

— bei Braunschweig . 401. 462 
Nephelin in granitischen Fels- 
arten 357 

— im Syenit 370 

— im Syenitporphyr . . . 382 
Nereites 457 

— cambrensis 457 

— Sedgwickii . . . 399. 460 
Neuropteris auriculata . . . 101 

— heterophylla 100 

Noctua 54 

Nodosaria 259 

Nonionina 259 

Nothosaurus .... 140. 167 
Nucula Goldfussii . . 134. 185 

— gregaria 134 

— incrassata 134 

— mucronata . . . 277. 286 

— speciosa . . . . . .185 



498 



Seite. 
Oligoldas im Granit . . . 359 

— in granitischen Felsarten 354 

— im Granitit 364 

— im Porphyr 374 

— im Syenit 368 

— im Syenitporphyr . . . 378 
Oligoklasporphyr in Sibirien . 399 

Olivin in Lava 243 

Olithischer Kalk 143 

Orthit im Granit .... 359 

— in granitischen Felsarten 35S 

— im Granitit 365 

— im Porphyr 374 

Ostracites Pleuronectites lae- 

vigatus 137 

Ostraea complicata .... 195 

— crista difformis . . . .195 
— ■ explanata 286 

— flabelliformis ... 95. 385 

— macroptera 464 

— multicostata 156 

— placunoides 140 

reniformis 140 

— Schüblerl 140 

— sulcata 387 

— vesicularis 95 

Palaeotherium aurelianense . 422 

Panopaea arcuata .... 464 

— sinuata 98 

Pecopteris 48 

— abbreviata 100 

— arborescens 100 

— oreopteridis 101 

— polymorpha 101 

Pecten acquicostatus . 421. 426 

— Albertii 135 

— arcuatus 98 

— asper 421. 426 

— atavus 4(4 

— Cottaldinus 98 

— crassitesta 464 

— cretosus 426 

— curvatus 98 

— discites. . . 13S. 156, 194 

— divaricatus 98 

inaequistriatus . . . .13^ 



Seite. 
Pecten laevigatus . . . 137. 155 

— tenuistriatus 139 

— vestitus 137 

— virgatus 98 

Pectuncnlus Marotteanus . . 96 
Pentacrinus basaltiformis . . 268 

— dubius 197 

— pentagonalis 268 

Phenakitkrystall 433 

Placodus Andriani .... 140 

— gigas 168 

Pläner am Harze . . 297. 322 

— in Schlesien 390 

Plänersandstein in Schlesien . 390 
Plagiostoma reguläre . . .153 

— ventricosnm 153 

Plattenkalk bei Dünzing . . 427 

— bei Eichstädt .... 429 

— bei Kelheim 425 

Pleurostoma 95 

Pleurotomaria Roemeri ... 98 
Polygmit in granitischen Fels- 
arten 358 

— im Syenit 370 

Polymorphina 259 

Pompeji's Untergang . . . 400 
Porphyr .... 373. 3Sh. 393 

— bei Saarbrück .... 82 

— am Ural 91 

Protogyn der Savoyer Alpen 25'* 
Pterinea Goldfussii .... 189 

— polyodonta 185 

Pterodactylus Meyeri . . . 42 i 
Puddingstein bei Newcastle 45. 47 

Pyrina pygaea 464 

Pyrula carinata 98 

Quader am Harz, unterer 296. 318 

— - oberer . . . 201. 325 

— — zwischen- .... 297 

— in Schlesien 390 

Quadersandsteingebirge in 

Schlesien 390 

— subhereynisches . . . .291 
Quarz im Granit .... 359 

— in granitischen Felsarten 355 

— im Granitit 364 



499 



Quarz im Porphyr . 

— im Syenit 

— im Syenitporphyr 
Quinqueloculina . 



Retepora truncata 
Rhinoceros tichorhinus 
Rhomhenporphyr . . 
Rhynehaenus Solieri 
Rhyncholithes hirundo 
Robulina. 
Rostellaria carinata 

— Parkinsonii . 

— scalata . 
stenoptera . . 

Rotalina .... 
Rotbliegendcs bei Opperode 



Seite. 

. 374 
370 
38-2 
259 



93 



1 12 

423 

397 

64 

148 

259 

98 

. 98 

181 

98 

•289 

310 



Salzbcrgs-Mergel 3*25 

Sand, Magdeburger .... 250 
Sandsteine durch Hitze ver- 
wandelt 46 

— krystallisirt bei Lüneburg 250 
Sauricbthys apicaüs . . .141 
Sauropus primaevus . . .261 
Scaphites mit Aptychus . . 248 

— cornpressus 99 

Schaumkalk 174 

Schwefelkies bei Tarnowitz . 448 
Seifengebirge amKatschkanar 480 
Septarienthon bei Lüneburg . 250 
Serpentin am Katschkanar . 479 
Serpula gordialis 95 

— beptagona 112 

— valvata 123 

Sexloculina 259 

Siberit 433 

Sidetes 99 

Silbergänge im Erzgebirge . 99 
SilurischeSchichten derTundra 92 

Sitona margarum 61 

Sonnenstein 433 

Spatangus lacunosus ... 95 
Sphärosiderit in Oberschlesien 85 
Sphenopteris artemisiaefolia . 100 

Spirolina 259 

Spondylus Coquandanus . . 98 



Seite. 
Steinkohlenformation bei Her- 
zogenrath 467 

— bei Tegernheim . . . .414 
Steinsalzlager bei Arnstadt . 252 
Sternberger Kuchen .... '250 
Strombites denticulatus . .127 
Strontian von Nobby Island . 46 
Stropbodus angustissimus . . 251 

Stylolithen Mfi. 177 

Succinea oblonga 428 

Syenit 368. 386 

— bei Glatz fty 

— der Vogesen 253 

— seine Zusammensetzung . 253 
Syenitporphyr . . 377. 386. 393 

Taeniopteris 48 

Talkschiefer am Ural . . . 483 

Tellina Royana 97 

Terebratula alata .... 443 

— antiplecta 280 

— biplicata .... 280. 464 

— concinna . . . 280. 28t) 

— lacunosa 443 

— Mentzeli 247 

multiformis 464 

— oblonga 464 

— ornitboeephala . . 26S. 286 

— pala 280. 286 

— perovalis 443 

— quadriplicata 278. 280. 286 

— spinosa 280 

— substriata 443 

— trigonella 247 

— vulgaris . . . . 156. 195 

Terrain aptien 401 

Tertiärformation bei Regens- 
burg 422. 424 

Textularia 259 

Thon bei Galmersheim . . 428 

— schwarzer Lüneburger . 250 

— bei Vohburg 42S 

Thonlager, tertiäres bei Freien- 
walde und Pietzpuhl . . 85 
bei Posen 348 

Thonschiefer 69 

Titanit im Granit .... 360 



500 



Seite. 



Titanitin granitischenFelsarten 35S 







365 






370 


— im Syenitporphyr 


• • 


382 






433 


Toxoceras gracilis 


. , 


99 


Trigonia cardissoides 


# . 


183 


— curvirostris 


. 133. 


183 






183 






185 




151. 


185 






133 


— vulgaris . . 13Ü 


. 151. 


182 






959 






391 


Trochitenkalk . 




143 


Trochus Albertinus . 


. 149. 


190 


— Hausmanni . . . 


. , 


149 






960 


Trogosita emortua . 




60 


Turbinolia conulus . 


. . 


98 


Turbo canaliculatus 


. 


484 


— gregarius . . . 


126. 


180 






150 






150 






98 






1% 


Tunnalin in Glimmer 


m , 


393 


Turritella bilineata . 


• 


484 






98 



Seite. 
Turritella obliterata . . . .181 

— obsoleta 127 

— scalata 181 

Uebergangsgebirge, Glätzer . 66 

— bei Tegernheim .... 397 
Ueber-Quader am Harze 304. 331 

— in Schlesien 392 

Urschiefer, Glätzer .... 67 
Urthonschiefer bei Tegernheim 414 
Uvigerina 259 

Valvulina 259 

Venus immersa 97 

— nuda 131 

Verneuilina 259 

Voluta Guerangeri .... 99 

Wellenkalk 173 

Wetzschiefer .... 269. 28 t 
Wismuth, Krystallform ... 81 
Zechsteinformation am Harze 3ü9 

Zeuglodon 38 

Zinngänge im Erzgebirge . . 105 
Zinnober am Ural .... 485 
Zirkon in granitischen Fels- 
arten 357 

— im Granitit 365 

— auf seeundärer Lagerstätte 256 

— im Syenit 370 



Druck von J. F. Starcke in Berlin. 



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•->■ Seenetstern von xamlieher Harte. , 
hlieilt sieh in v/rawe -Bleche und 
nrird eibe/carbeitet zum Bau des 
Sa/mdanmies . Er enthält Änhäw. 
fimgen von loosen Sande, ein 
BettTon Strontian / ?) und senk 
rechtes .Baumsttmane . 

6. dritte Ähh/e . 





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Ansicht der Schickten unter dem Erebeacon 
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Deutsche geologische gesellschaft, 

Berlin, 

Zeitschrift der Deutschen geolo- 
gischen gesellschaft. Bd.l, 18^9 




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