(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins"

^ -y 






^ /- '- 



AS 



Zeitschrift 



des 

Deutsclieii Palaestiiia-Vereiiis» 

Herausgegeben 

von dem geschäftsführenden Ausschuss 

unter dei* verantwortlichen Redaction 

von 

Prof. Lic. Herinaiiu Giithe. 

/ €. 

.o« 

Band VII. 

Mit 1 Holzschnitt und 3 Tafeln. 



-•m ■ »•- 



Leipzig 1884 

iu Commissiou bei K. Baedeker, 



rpMTPp 



Inhalt 



des siebenten Bandes der Zeitschrift des Deutschen 
Palästina -Vereins. 



Seite 
Nachrichten über Angelegenheiten des Deutschen Vereins zur 

Erforschung Palästina's I 

Personalnachrichten und geschäftliche Mittheilungen. . . III.V. XI.XXIX 

Rechenschaftsbericht über das Vereinsjahr 1883 VII 

Auszug aus der Rechnung über Einnahme und Ausgabe des 

Deutschen Palästina- Vereins 1883 XII 

Verzeichniss der vom 30. Juni 1883 bis zum 26. April 1884 für 
die Palästina -Bibliothek eingegangenen Bücher, Zeitschrif- 
ten u. s. w XIV 

Verzeichniss sämmtlicher Mitglieder des Deutschen Palästina- Ver- 
eins XVII 

Protokollarischer Bericht über die am 2. Oktober 1884 in Dessau 
abgehaltene dritte Generalversammlung des Deutschen Palä- 
stina-Vereins XXVII 



Bemerkungen über Gaza und seine Umgebung. Von G. Gatt . 1 
Das altchristliche Taufhaus neben der Kirche in 'Amwäs. Von 

C. Schick 15 

Die Pilgerfahrt des russischen Abtes Daniel ins heilige Land 1113 

— 1115. Übersetzt von A. Leskien 17 

Die sogenannte Manära in Tyrus. Von J. Gildemeister .... 74 

Moabitisches ! Von E. Pryin 78 

Beiträge zur Kenntniss abergläubischer Gebräuche in Syrien. Von 

Jüijüb Abela 79 

Beiträge zur Inschriftenkunde Syriens. Schreiben des Herrn Dr. 

J. H. 3Iordtmann in Tera. a.n die B-edaction 119 

Das Thal Zeboim, Sam. I. 13, 18. \ on K. 3Iarti 125 

Nachträgliches zu Nabulus und Garizim. Von 31. Grünbaum , 131 

Die Dreifussbasis von Nabulus. Von Th. Schreiber 136 



n 

Seite 
Bemerkungen über Anthcdon und Muntür. Von Th. Xüldeke und 

J. Gildeiueister 140 

Beiträge zur Palästinakunde aus arabischen Quellen IV. Von 

J. ff'ildeiueister 143 

Heilbäder und Badeleben in Palästina. Von H. Dechent . ... 173 

Jüdische Münzen aus Jerusalem. Von /. G. Stichel 211 

Beiträge zur Palästinakunde aus arabischen Quellen. IV Schluss). 

Von J. Gildemeister 215 

Bericht über neue Erscheinungen auf dem Gebiete der Palästina- 
literatur 1SS3. Von A. Socin 231 

Die römisch-katholische Kirche in Palästina. Von K. Schnahl 263 

Verzeichniss der bewohnten Ortschaften der Kaimakamlje Gaza. 

Von G. Gatt 293 

Die orthodoxe Palästina -Gesellschaft in Kussland. Von H. 

Guthe 299 

Correspondenzen 306 

Bücheranzeigen: Cunrady , Vier rheinische Palästina -Pilger- 
schriften 65 

Berichtigungen und Nachträge 310 



Holzschnitt, Krug aus- Teda darstellend. • . . ' Zu Seite: 7 

Tafel I : Das altchristliche Taufhaus neben der Kirche in Am- 

■wäs Lithügi'aphie; . » 15Ö". 

Tafel II : Altchristliche Inschrift; . Nach einem Abklatsch des 

Dr./. H. Mordtnunm (Lithographie) » llQff. 

Tafel III: Die Dreifussbasis von Nabulus Lichtdruck^ » 136 fi'. 



Pcrsoiuiliiachricliteii und trescliüftliclie Mittlioiluns^n. 



Als Mitglieder sind dem Vereine beigetreten : 
Kinter, P. ManrKs, O. S. B., Stiftsarchivar in Raigcrn bei Brunn. 
Loeb, Isidor, in Paris. 
Lotz, Lic. Dr. Wil/i., Privatdocent der Theologie in Erlangen. 

Durch den Tod verlor der Verein die Mitglieder : 

Calinich, Dr. phil., Hauptpastor an St. Pauli in Hamburg. 
Kalliwoda, Günther, Abt des Benedictiner-Stifts Raigern bei Brunn. 
Lützenkirchen, Arnold, Orientalist in Düren. 

Ihren Austritt erklärten : 

Abcrlc, H. G., Secretair der Gesellschaft des deutschen Tempels in 

Stuttgart. 
Dlumenthal, Dr. M., in Berlin. 
Boehrmyer, Immanuel, in Bönnigheim. 
Dörr, W., in Bonn. 
Gatt, G., kath. Missionar in Gaza. 
Godet, Dr. /''. , Professor in Neuchätel. 
Harnach, Dr. Adolf, Professor in Giessen. 
Hefter, Rev. Dr. A., in Frankfurt a/M. 
Krause, Alb., Pastor an St. Catharina in Hamburg. 
Lantz, H., Rittergutsbesitzer in Lohau^en b/Kaiserswerth. 
Ritschi, Dr. Alb., Consistorialrath und Professor in Göttingen. 
Trumpp, Dr. phil. E., Professor in München. 
Wehner, Kaufmann in Beirut. 
Wiegand, Pfarrer in Schlieprüthen bei Serkenrode. 



Herr L. Conrady in Miltenberg, Pfarrer a. D., hat am 27. De- 
cember 1883 dem Expeditiönsfonds unseres Vereins als Reinertrag 

a* 



IV 

der von ihm herausjjegebenen Vier Klipinischen Palästina-Pilgerscliriften 
die Summe, von 5 4 Mark 1 U l't. ül)er\viesen. 

llcn A. Conradt/ hat ebenfalls am 10. März d. J. im Auftrage 
des Herrn Jul. hettbrck in Wiesbaden einen einmaligen Beitrag von 
5 M a r k für den Expeditionsfonds unseres Vereins eingesandt. 



Das weitere Comite des Deutschen Vereins zur Erforschung Pa- 
Ifistina's hat den von dem geschäftsführenden Ausschuss gestellten 
Antrag auf l^nterstützung der von Herrn Adolf Frei aus Zürich beab- 
sichtigten wissenschaftlichen Reise nach Palästina ohne Einsprache 
genehmigt. Herr Adolf Frei hat am 1. Februar d. J, seine Reise in 
Triest angetreten und gedenkt Anfang April in Tiberias einzutreffen. 

Der Plan des Herrn Adolf Frei hat Herrn Prof. Dr. W. A. Netimami 
in A\'ien (Mitglied des weiteren Comite's unseres Vereins) zur gleich- 
zeitigen Wiederaufnahme seiner im Jahre 1869 unternommenen For- 
schungen am See Genezareth bewogen. Derselbe hat sich mit Herrn 
Frei über eine gemeinsame Arbeit an den Ufern des Sees Genezareth 
verständigt und wird bereits jetzt in Tiberias angekommen sein , um 
die nothigen Vorbereitungen für eine sichere gemeinsame Durch- 
wanderung der östlichen Ufergegenden zu treffen. 

Professor W. A. Neumann richtete von 'Akka aus an den ge- 
schäftsführendeu Ausschuss die Bitte, auch ihm mit Geldmitteln zur 
Erreichung seiner wissenschaftlichen Zwecke behülflich zu sein. Da 
die Zeit es nicht erlaubte , von Neuem das Gutachten des weiteren 
Comite's einzuholen , so hat der geschäftsführende Ausschuss sich ge- 
nöthigt gesehen, diese Angelegenheit für sich allein zu erledigen. 
Von der Ansicht geleitet , dass es von wesentlichem Nutzen sein 
werde , gerade die gemeinsame Arbeit der Herren Frei und Neumann 
zu fördern , hat der Ausschuss auch Herrn Professor Neumann eine 
Unterstützung bewilligt, ohne jedoch die in den Verhandlungen mit 
dem weiteren Comite überhaupt für dieses Unternehmen in Aussicht 
genommenen Mittel zu überschreiten. 



Geschlossen am 22. März 1884. 

Die Redactiou. 



Personalnacliricliteii und geschäftliche Mittheilungen. 



Als Mitglieder sind dem Vereine beigetreten : 
Schrüiler, Dr. Carl Friedrieh, Pfarrer a. D. in Cannstatt. 
Sieveliing, Dr. med. Wilh., in Hamburg. 

Durch den Tod verlor der Verein das Mitglied : 
Schapira, M. W., Buchhändler in Jerusalem. 



Über die Reise des Herrrn Professor Dr. W. A. Neunmnn gebe ich 
nach seinen Briefen folgende Mittheilungen, die der Reisende selbst zu 
prüfen die Güte hatte : 

Herr Professor Dr. W. A. Keumami ist am 1. Mai d. J. von seiner 
Reise nach Spien wohlbehalten wieder in Wien eingetroffen. Nach einer 
langwierigen Überfahrt war er über Athen und Smyrna am 20. Februar 
in 'Akka angelangt und begab sich von dort, sobald das ungünstige Wetter 
die Landreise gestattete, über Xazareth nach Tiberias, dessen Umgegend 
einer genauen Untersuchung unterzogen wurde. Koltin Agha , Sohn des 
'Akil Agha, übernahm das Geleit durch den südlichen Theil des Dschölän. 
Diese Reise begann vom Zeltlager Koltin Agha's am Dschisr Mudschämi'a, 
der grossen Jordanbrücke südlich vom See Tiberias, und bog an der Jarmük- 
brücke in das Thal dieses Flusses ein. Dieses wurde aufwärts bis zu den 
heissen Quellen unterhalb von Umm Kes verfolgt ; dann wandte sich Herr 
Prof. Nettmat^n auf die nördlich gelegene Hochebene und gelangte über 
Kafr Harib nach Fik und Sküfije. Unterwegs besuchte er KaVat el-Hösn 
und den Chan 'Akabat Kafr Harib zu Fuss. Von Sküfije hinab zur Ruine 
Awanisch, die am Südrande des Wädi es- Semach auf einer den Ausgang 
beherrschenden Anhöhe gelegen ist. Dann wandte sich Herr Prof. Nenmann 
ostwärts im Thale und ging in halber Höhe über der Thalsohle aufwärts 
bis zu einer Ruine Kadesije mit prächtiger Quelle. Bald darauf verliess 
er den AVädi , um 'Al'äl auf der Hochebene zu erreichen , und umritt 
von dort aus die zwei von N. herabkommenden Nebenthäler des "Wädi 
es -Semach. Er fand im westlichen Thal einen grossen antiken Ruinen- 
komplex mit Namen Umm el-Kanätir, am Oberrande des östlichen Neben- 
thales das schon dem Namen , aber nicht der Lage nach bekannte Kasr 
Bardawil, einen unförmlichen Trümmerhaufen von schwarzem Gestein. 
Über eine sehr sumpfige, unwegsame Ebene gelangte Herr Prof. Xeumann 
dann nach Chasfin, wo er ein viereckiges Trümmerplateau fand. Er über- 
nachtete in 'Ain Dakar und begab sich auf dem bekannten Wege nach 
dem grossen Dorfe Tsil. Von Mer wandte er sich über Der Eijüb nach 
Süden, Der Aschä'ir und Mzerib und endlich Edrä't. In westlicher Rich- 
tung kehrte er darauf über Remte und ATäl nach Umm Kes und Tiberias 
zurück. 

Am 5. April verliess Herr Prof. Neumann Tiberias wieder , um über 
5aifa südwärts nach Jerusalem zu reisen. Am 8. April führte ihn sein 



VI 

"NVeg um das Vorgebirge des Karmel über et-Tire und Atlit nach Idschzim 
Igiini , vo er bei der reichen Familie Mädi Aufnahme fand. Dort sollen 
im Alterthum reiche Erzlager angebaut worden sein. Herrn Prof. yeumann 
wurden zwei Stellen gezeigt , deren eine Nuhäs (Kupfer . deren andere 
Hadld Eisen geliefert haben soll. Es waren wohl Schutthalden zu sehen, 
doch keine Spur eines Stollens war zu entdecken. Auch Quecksilber Zibäk) 
soll in der Umgegend gefunden worden sein. In einer Berglehne viele 
Felsengräber. Wahrscheinlich ist Idschzim oder Igzim so in Haifa eine 
sehr alte Ortslage. Die mitgenommenen Proben von «Erzen« erwiesen einen 
höchst unbedeutenden metallischen Gehalt. 

Am y. April ging Herr Prof. yeumaun über die Hügel nach Subbarln, 
liess die Judenkolonie Samarin in der Entfernung von etwa einer Stunde 
rechts liegen . berührte Kannir und erreichte auf der wenig bekannten 
Sultäni am Abend Anibta. 

Am 10. April kam der Reisende in Näbulus an und erhielt von dem 
dortigen Gouverneur sofort die Erlaubniss . von den Inschriften der in 
Z. D. P.-V, VI. S. 230 ff. erwähnten Dreifussbasis Abklatsche zu nehmen. 
Einer derselben gelangte am 2. Mai in die Hände der Redaction und 
ist mit Erfolg für die Entzifferung der Inschrift verwerthet worden. 

Von Xäbulus begab sich Herr Prof. Xeumann nach Jerusalem, wo er 
zwei Tage blieb, von Jerusalem über el-Kubebe nach Amwüs und auf der 
bekannten Strasse nach Jafa. LT3er Alexandrien. von wo er einen Abstecher 
nach Kairo machte, kehrte er nach Triest zurück. 

Der ausführlichere Bericht über diese Reise wird demnächst in dieser 
Zeitschrift veröffentlicht werden. 



Von Herrn Ad. Frei aus Zürich sind bis jetzt der Redaction keine 



Nachrichten über seine Reise zugegangen. i) 



Herr Ingenieur G. S. Schumacher in Haifa hat die Güte gehabt, der 
Redaction eine Skizze des südlichen Dschölän bis zum Jarmükflusse sowie 
eine Skizze der Umgebungen der heissen Quellen bei Umm Kes zu über- 
senden. Beide Arbeiten werden demnächst verwerthet werden. Für die 
freundliche Übersendung spreche ich an dieser Stelle Herrn G. S. Schumacher 
den wärmsten Dank des Vereins aus. 



Verspätet.^ 
Herr Professor Dr. E. Trumpp in München hat sich in Folge eines 
hartnäckigen Augenleidens genöthigt gesehen , seinen Austritt aus dem 
Deutschen Verein zur Erforschung Palästinas zu erklären. Der Verein 
bedauert, dadurch ein Mitglied des weiteren Comites verloren zu haben. 



Geschlossen am 22. Juni 1884. 

Die Redactiou. 



'I Am '2?. Jaoi ist ein Brief de- Herrn Ad. Frei ans Daniaskns in Leipzig eingetroffen. 



Nachrichten 



über 



Angelegenheiten des Deutschen Vereins 



zur 



Erforschung Palästina's. 



Ztschr. d. Pal.-Ver. VII. 



Recheuschaftsbericlit über das Yereinsjahr 1883. 



Zunächst liegt es mir ob , über die schon im vorigen Rechen- 
schaftsbericht (vgl. ZDPV. VI, p. III der Nachrichten über Ange- 
legenheiten des DPV.) erwähnten Verhandlungen betreffs des Ankaufs 
des »Deutschen Palästina-Museums« in Jerusalem zu berich- 
ten. Leider ist auch heute diese Angelegenheit noch nicht völlig 
erledigt; ich muss mich daher darauf beschränken , nur die bis jetzt 
abgeschlossenen Thatsachen zu erwähnen. 

Das »Deutsche Palästina -Museum« in Jerusalem ist wesentlich 
aus den Sammlungen hervorgegangen, die Herr Dr. O. Kersten als 
Kanzler und späterer Verweser des kaiserlich deutschen Konsulats in 
Jerusalem angelegt hatte. Bei seinem Abgange übergab er dieselben 
dem dortigen »Deutschen Verein« als Geschenk unter der Bedingung, 
dass derselbe für die Ordnung und Aufstellung der gesammelten Ge- 
genstände Sorge tragen sollte. Es mussten eine Anzahl Bälge palästi- 
nensischer Thiere ausgestopft, Käfer aufgespannt, Insekten in Spiritus 
conservirt werden u. dgl. Auf energischen Betrieb des damaligen kaiser- 
lichenKonsuls, des Herrn Freiherrn von Münchhausen, brachten die 
wohlhabenderen Mitglieder der deutschen Kolonie in Jerusalem durch 
freiwillige Beiträge, sowie durch Veranstaltung von Koncerten die erfor- 
derlichen Geldmittel zusammen, um diese Arbeiten besorgen zu lassen 
und die Aufstelhmg der Gegenstände in einem dazu gemietheten Lo- 
kale zu bewirken. Man suchte auch in Deutschland durch Vermittlung 
der Presse das Interesse für dieses junge Museum zu wecken, jedoch 
leider ohne nennenswerthe Erfolge zu erzielen. Nach Ablauf einiger 
Jahre sah sich der »Deutsche Verein« oder vielmehr das aus Mitgliedern 
desselben gebildete »Museumskuratorium« aufs neue der Aufgabe ge- 
genüber gestellt, ein passendes Lokal für die Sammlungen zu beschaf- 
fen , da der Eigenthümer des bisher benutzten Raumes das Miethver- 
hältniss aufhob. Man entschied sich dafür, das Museum bis auf 



VIII 



weiteres in den Unterrichtsräumen der deutschen Schule , die damals 
das einem muslimischen Einwohner Jerusalems gehörige Haus neben 
dem preussischen Johanniterhospiz benutzte, unterzubringen. Die 
Schränke wurden auf verschiedene Zimmer, wie der Platz es eben ge- 
stattete, vertheilt, und für die Pflege der den Nachtheilen des täglichen 
Verkehrs in den Schulzimmern ausgesetzten Gegenstände der Samm- 
lungen geschah nichts mehr, da die anfangs aufgebrachten Geldmittel 
nicht nur längst verbraucht waren, sondern auch bereits die Kasse des 
Deutschen Vereins selbst zur Erhaltung des Museums eine Anleihe 
auf ihre Rechnung gemacht hatte, die noch nicht hatte abgezahlt wer- 
den können. 

So standen die Dinge, als ich im Frühjahr 18S1 in Jerusalem 
eintraf. Ich hatte Veranlassung, mich um die Verhältnisse des Museums 
zu bekümmern, da ich demselben ein Herbarium übergeben sollte, das 
Herr Dr. O. Kernten während seiner Reise um das Todte Meer ge- 
samjnelt und in Berlin mit nicht unerheblichem Aufwand hatte ordnen 
und mustergiltig einrichten lassen (vgl. die den Wcrth dieses Herba- 
riums beti-effenden Äusserungen Ascheuson's in ZDPV. VI, S. 226 f.) . 
Ausserdem musste ich darauf bedacht sein, zur Aufbewahrung der bei 
meinen Ausgrabungen gefundenen Gegenstände einen geeigneten Raum 
zu erlangen. Da der Ausschuss des Palästina-Vereins nicht beabsich- 
tigte, in Deutschland ein »Palästina-Museum« zu gründen, so lag es am 
nächsten , die verschiedenen bei meinen Ausgrabungen gemachten 
Funde mit dem bereits bestehenden Jerusalemer »Palästina -Museum« 
zu verbinden und zugleich den Versuch zu machen , dasselbe vor dem 
drohenden Untergang dadurch zu behüten , dass der Deutsche Verein 
zur Erforschung Palästina's die Sorge für dasselbe übernahm. 

In einer am 9. Mai 1881 abgehaltenen Sitzung des Jerusalemer 
Museumskuratoriums, zu welcher ich von dem damaligen Vorsitzenden, 
Herrn Frhrn. von Münchhausex, eingeladen worden war, wurde über 
die Übernahme der Sammlungen seitens des Deutschen Palästina- Ver- 
eins verhandelt. Das Ergebniss dieser Verhandlungen war, dass der 
Vorschlag, gegen Erstattung der von dem Deutschen Verein in 
Jerusalem zum Besten des Museums verausgabten Gelder (in runder 
Summe 30U Frcs.) die Sammlungen abzutreten, abgelehnt wurde, da- 
gegen ein anderer Antrag Annahme fand, demzufolge sich der Jerusa- 
lemer Deutsche Verein bereit erklärte, gegen Zahlung von AOO J/l das 
ihm seiner Zeit unentgeltlich übergebene Museum dem Deutschen Pa- 
lästina-Verein zu überlassen. Ich erklärte mich meinerseits bereit. 



IX 



diesen Beschluss des Kuratüriunis dem geschäi'tsi'ührenden Ausschusss 
des Palästina- Vereins zur Prüfung vorzulegen, bemerkte aber zugleich, 
dass meiner Meinung nach diese höhere Forderung die Übernahme 
der Sammlung durch den Deutschen Palästina- Verein nicht unwesent- 
lich erschweren würde. 

Da ich einerseits voraussetzen durfte, dass der geschäftsführende 
Ausschuss des Palästina -Vereins die Übernahme des Museums im 
Princip gutheissen würde, andererseits noch hoffte, dass sich die etwa 
entstehenden Differenzen über die Höhe der Kaufsumme würden aus- 
gleichen lassen , und zugleich fest überzeugt war , dass die für die 
Übernahme erforderlichen Einrichtungen mit verhältnissmässig gerin- 
ger Mühe von mir persönlich würden gemacht werden können , hin- 
gegen später auf dem Wege des schriftlichen Verkehrs von Deutsch- 
land aus viel Zeit und Weitläufigkeiten verursachen würden , so traf 
ich noch während meiner Anwesenheit in Jerusalem, Sommer ISSl, 
folgende Anordnungen. Ich miethete am 20. Mai 1881 in den unteren 
Räumen des von der deutschen Schule benutzten Hauses zwei Zimmer 
und liess dieselben zur Aufnahme der Sammlungen herrichten, so dass 
diese Anfang August 1881 darin untergebracht werden konnten. Fer- 
ner liess ich die Schränke bequemer einrichten, die Insektengläser mit 
frischem Spiritus füllen und neu verkitten , auch einen Tisch für das 
Museum anfertigen , der für mehrere Gegenstände desselben Platz 
bieten und das Arbeiten in den Museumsräumen selbst ermöglichen 
sollte. Diese Arbeiten, die sämmtlich den Zweck hatten, die Samm- 
lungen vor der Zerstreuung und dem Untergang zu be- 
wahren und si e wieder benutzbar z u machen , verursachten 
insgesammt eine Ausgabe von 277 Ji 80 e® , die in der Vereinsrech- 
nung von 1882 aufgeführt worden ist. 

Bei den Verhandlungen im geschäftsführenden Ausschuss , die 
nach meiner Rückkehr stattfanden , erhoben mehrere Mitglieder sehr 
lebhafte Einsprache gegen die Höhe der Entschädigungssumme. Es 
wurde hervorgehoben, dass für eine stark vernachlässigte und in Un- 
ordnung gerathene Sache immer nur eine geringe Forderung gestellt 
werden könne, dass die Gegenstände zum Theil nur durch die von mir 
angeordneten Arbeiten wieder verkaufsfähig geworden wären , dass 
doch mindestens ein annäherndes Inventar von dem Deutschen Verein 
behufs des Verkaufs aufgestellt werden müsste , und besonders , dass 
die jährlichen Kosten für die Pflege des Museums doch eine starke 
Belastung der Vereinskasse ergeben würden. Um dennoch die Über- 



nähme zu ermöglichen , versuchte Herr Dr. C). Kersten in Berlin die 
Unterstützung des königlich preussischen Kultusministeriums für die- 
sen Zweck zu gewinnen. Da aber nach dem Tode des Herrn Geh. 
OberregierungsrathesDr. Göppert, welcher jene Anregung sehr freund- 
lich aufgenommen hatte , die Stelle eines vortragenden üathes über 
Angelegenheiten des höheren Unterrichts u. s. w. im preussischen 
Kultusministerium längere Zeit vakant war, so verzögerte sich die Ein- 
sendung eines Gesuches bis zum Oktober 1S82, und ehe eine Antwort 
vom königlich preussischen Kultusministerium einging, erhielt ich von 
Jerusalem die Nachricht . dass das deutsche Palästina-Museum inzwi- 
schen an Herrn Schneller , den Hausvater des syrischen Waisen- 
hauses, verkauft worden sei. 

Durch diesen Schritt des Deutschen Vereins in Jerusalem sind die 
Eigenthumsrechte des DPV. auf gewisse Gegenstände der Sammlungen 
verletzt und die Ansprüche desselben auf Entschädigung der für Er- 
haltung des Museums gemachten Ausgaben ausser Acht gelassen wor- 
den. Der geschäftsführende Ausschuss des DPV. hat den sehnlichen 
Wunsch , dass die dadurch hervorgerufenen Differenzen unter Ach- 
tung der Rechte des DPV. ausgeglichen und auf gütlichem "Wege bei- 
gelegt werden. Das nothwendige Erforderniss zur Erfüllung dieses 
Wunsches ist freilich , dass der Deutsche Verein in Jerusalem nicht 
versäumt, durch bereitwilliges Entgegenkommen seinerseits einen 
solchen Ausgleich zu ermöglichen. Die Verhandlungen, in denen wir 
uns über die befremdlichen Schritte des Deutschen Vereins Aufschluss 
erbitten, sind noch nicht abgeschlossen. Über ihren Erfolg kann da- 
her erst im nächsten Jahre berichtet werden. 

In Bezug auf Reiseunternehmungen ist zu erwähnen, dass 
am Ende des Jahres 1883 das Gesuch des Herrn Ab. Frei aus Zürich 
um Unterstützung einer wissenschaftlichen Reise nach Palästina den 
Ausschuss beschäftigte. Das weitere Comite hat die darauf bezüglichen 
Vorschläge des Ausschusses genehmigt, Herr Ad. Frei hat jedoch nur 
die als erste Rate ihm ausgezahlten 1000 Ji in Anspruch genommen. 
Von dem Verlauf und den Ergebnissen seiner Reise zu reden wird 
erst in dem nächsten Rechenschaftsbericht der Platz sein ; das Gleiche 
gilt von der bereits in den Nachrichten dieses Bandes S.IV ff. erwähn- 
ten Reise des Herrn Professor Dr. W. A. Neumann aus Wien. 

Der Zuwachs der Bibliothek in dem Jahre 1883 ist theils in 
Bd. \'I p. X, theils in Bd. VII p. XIV ff. verzeichnet worden. Allen 
denen, die durch eine Gabe für dieselbe ihre Theilnahme an den Be- 



XI 



strebungen unseres Vereins bezeugt haben, sei hier der wärmste Dank 
ausgesprochen. — Wie für die früheren Jahre, so verdankt der Verein 
auch für das Jahr 1883 den Herren Prof. Dr. J. Gildemeister und 
Pfarrer D. K. Fitkrer die sorgfcältigste Prüfung seiner Jahresrechnung. 

Leipzig, 17. September 1884. 

Für den Ausschuss 

H. GUTHE. 



Oesciläftliche Mittheiluugen. 



Am 28. Juni ging ein ausführlicher Brief des Herrn Ad. Frei, 
datirt Damaskus 12. Juni 1884, bei der Redaction ein. Die mit Unter- 
stützung des Palästina- Vereins unternommene Reise ist danach also 
verlaufen : 

Herr Frei hat sich bis Ende April in den südlichen Gegenden 
Palästina' s aufgehalten. Durch das ungünstige Wetter im Februar am 
Reisen behindert, gelang es ihm jedoch später, noch einen längeren 
Ausflug in das Ostjordanland zu unternehmen, bis 'Amman, Dscher- 
asch, el-Hösn und durch den Dschebel Adschlün zurück. Dann be- 
gab er sich nordwärts an die Ufer des Sees Tiberias , den eigentlichen 
Schauplatz seiner Forschungen. Leider traf er dort Herrn Professor 
W. A. Neumann aus Wien nicht mehr an. Drei Wochen lang hat 
hier Herr Ad. Frei die Ufer des Sees zu Wasser und zu Lande unter- 
sucht, indem er die Nächte häufig im Schiff zubrachte. Kurze Besuche 
in Damaskus, Ba albeck und Beirut bildeten das Ende der Reise. 

Voraussichtlich wird Herr Ad. Frei im nächsten Jahrgang der 
Zeitschrift die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Forschungen ver- 
öffentlichen. 



Auszuir aus der Keclmuug über Eiuuahme und 



Eiuiiahuien. 

757 24^ Cassen-Bestand vom Jahre 1883. 

Jl H85. 4U ^ Rückständige Jahresbeiträge von 1879 — 1882. 

- ;-ttil7. 67 - Laufende Jahresbeiträge pro 1883. 

70. 69 - für 2 Jahrgang 1— III, 1 Jahrgang IV, V und 
Jahrgang III. Heft 1. 

- 544. — - für 1 Jahrgang I — IV, 4 Jahrgang V und 60 
4617. 76 - JahrgangVI durch den Buchhandel abgesetzt. 

\Jl 54. 79 ^ von Pfarrer L. Conrady in Miltenberg für den 
Expeditionsfonds. 
2. 65 - Netto-Erlös für abgesetzte 3 Gyps- Abgüsse 

der Siloah-Inschrift. 
2. 25 - für 1 Photographie der Siloah-Inschrift. 
59. 69 - Jl 45. — 3jl für getrennte Coupons von 5 Stück %% Säch- 
sische Rente ä 300 Jl. v. October 1882 — 
October 1883. 
30. — - desgleichen von 1 Stück '6% Sächsische Rente 

75. ä 1000 Jl. pro 1883. 

14. 88 - Gutschrift an Zinsen für vor dem Zahlungs-Termin gezahlte 
Rechnungen. 



Jl 5524. 57 S^ Summa der Einnahmen, 
- 2506. 95 - - der Ausgaben. 



Jt 3017. 62 S^ Bestand haar. 

An Vermögen besitzt der Verein ferner : 
Jl 798. — ^ \ Stück '6% Sächsische Rente ä lOOO Jl zum 

Cours von 79,80. 
- 1207. 5u - 5 Stück '6% Sächsische Rente ä 300 Jl zum 
Jl 2005. 50^ Cours von 80,50. 

Ausserdem sind noch ca. JL 800. — an Jahresbeiträgen 
rückständig. 



Die Jahresrechnung des Palästina- Vereins für 1883 ist nach 

Bonn. 21. Mai 1SS4. 
Zürich, 16. Juni 1884. 



Ausgabe der Kasse des DPV. im Jahre 1883. 

Ausgaben. 

Ji 1382. 29 3^ für Druck, Lithographie etc. der Zeitschrift Band VI nebst 

dem Register zu Band I— V. 

29. (i9 - - Buchbinder- Arbeiten. 

Honorar, als : 

Ji 5üü. — 3^. für Kedaction der Zeitschrift von 1883. 
752. 25 - - 252. 25 - - Beiträge zur Zeitschrift. 

150. — - für Cassaführung an den Buchhalter. 
155. 52 - - Porti, Abschreibekosten etc. 

30. — - - Reisekosten. 

7. 20 - - Packpapier zur Versendung der Zeitschrift. 



250B. 95 9^ Summa der Ausgaben. 



Karl Baedeker, d. Z. Kassirer. 



eingehender Prüfung durchaus richtig befunden \vorden. 

J. Gildemeister. 

K. FURRER. 



Verzeieliuiss der vom 30. Juni 1883 bis zum 26. April 1884 

für die Palästiua-Bibliotliek eiugegaugeneu Büclier, 

Zeistclirifteu u. s. w. 



Vo)i den Herren Verfassern: 

174. Trumbull, H. Clatj D. D., Kadesh-Barnea its importance and probable 
site with the story of a hunt for it including studies of the route of the 
exodus and the southern boundary of the Holy Land. New -York, 
Charles Scribners Sons 1884. Mit 2 Karten und mehreren Abbildungen. 
Gr. ^. 

175. IVolff, Dr. Philipp, Sieben Artikel über Jerusalem 1859— 1869. Stutt- 
gart 1S69. 8. 

17<i. Berliner, Dr. A., Beiträge zur Geographie und Ethnographie Babyloniens 
im Talmud und Midrasch. Berlin 1S84. Beilage zum Jahresbericht des 
Rabbiner-Seminars zu Berlin pro 1S83. Gr. 8. 

Vom deutschen Verein zu Jerusalem: 
177. Achter Jahresbericht und Kassenabschluss 1880 — 1883. Basel 1883. 8. 

Von den Redactionen: 

178/179. Oesterreichische Monatsschrift für den Orient. Herausgeg. von 
dem orientalischen Museum zu Wien. Red. von A. von Scala. 9. Jahr- 
srang. Nr. 7—12. Juli— December 1883. Wien 1883. 4.— 10. Jahrgang. 
Xr. 1—4. Jänner— April 1SS4. Wien 1884. 4. 

IbO ISl. Neueste Nachrichten aus dem Morgenlande. Neue Folge. Heraus- 
gegeben von Lic. C. Hoffmanu. 27. Jahrgang. Heft 3 — 6. Berlin 1883. 
'^. — 2S. Jahrgang. Heft 1. Berlin 1884. 8. 

1*^2. Zeitschrift für wissenschaftliche Geographie, herausgegeben von./. I. 
Kettler. Band IV, Heft 1. Wien 1883. Gr. 8. 

183/ 184. AVartc des Tempels. Religiöses und politisches Wochenblatt für 
das deutsche Volk. Herausgegeben von Chr. Hoffmann und Chr. Pau- 
lus. Stuttgart 1883. Nr. 26— 52. — 18S4. Nr. 1—17. 4. 

1S5. Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Redig. von 
Prof. Dr. ii. Windisch. Band 37. Heft 2—4. Leipzig 1883. F. A. 
Brockhaus. 8. 

186. Wissenschaftlicher Jahresbericht über die Morgenländischen Studien im 
Jahre 187^. Herausgegeben von Ernst Kuhn. Zweite Hälfte. Leipzig 

1883. F. A. Brockhaus. 8. 

187/18'>. Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg. 24. Jahr- 
gang. Nr. ;55— 52. Berlin 18S3. 4. — 35. Jahrgang. Nr. 1—16. Berlin 

1884. 4. 



XV 



189/190. Kevue archeologique (Antiquite et moyen äge). Public sous la 
direction de MM. Alex. Bertrand et G. Perrot. Troisieme Serie. 1''^ 
annee. Mai — Decembre 1883. Paris, Joseph Bacr. 8. — Troisieme 
Serie. 2^ annee. Janvier — Fevrier 1884. Paris. Jos. Baer. 1883. 8. 

Von dem Verein für Erdkunde in Halle: 

191. Mittheilungen des Vereins für Erdkunde zu Halle a. !S. 1883. Halle, 
Tausch und Grosse. 1883. 8. 

Von dem Vereifi für Erdkunde in 3fetz : 

192. Fünfter Jahresbericht des Vereins für Erdkunde zu Metz pro 1882, Mit 
4 Tafeln. Metz, Scriba. 1882. 8. 

Von der kais. und kün. Geographischen Gesellschaft in Wien: 

193. Mittheilungen der k. u. k. Geographischen Gesellschaft in Wien 1882. 
Kedigirt von Dr. Josef Chavatme. XXV. Band. Wien 1882. S. — 
XXVI. Band. Wien 1883. 8. 

Von der Geographischen Gesellschaft in Hamburg : 

194/195. Mittheilungen der Geographischen Gesellschaft in Hamburg 1880 — 
1881. Heft IL Herausgegeben von L. Friedrichsen. Mit 8 ethnographi- 
schen Tafeln. Hamburg 18S3. Gr. 8. — Desgl. 1882—1883. Heft 1. Mit 
<i Autotypien, 1 Kartenskizze und 3 Karten. Hamburg 1884. Gr. 8. 

Von der Geographischen Gesellschaft in Bremen : 

196/197. Deutsche Geographische Blätter. Herausgegeben von der Geogra- 
phischen Gesellschaft in Bremen. Band VI, Heft 3 und 4. 1883. — 
Band VII, Heft 1. 1884. Bremen, G. A. von Halem. 8. 

198. Siebenter Jahresbericht des Vorstandes der Geographischen Gesellschaft 
in Bremen. Bremen 1884. 8. 

Von der Geographischen Gesellschaft (für Thüringen) zu Jena: 

199. Mittheilungen der Geographischen Gesellschaft (für Thüringen) zu Jena. 
Herausgegeben von G. Kurze und Dr. F. Hegel. Band II, Heft 3 u. 4. 
Jena 1884. 8. 

Von der Geographischen Gesellschaft in Greifswald : 

200. Erster Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft zu Greifswald 
1882 — 1883. Herausgegeben von Prof. Dr. Rudolf Credner. Greifswald 
1S83. 8. 

Von der Societe de Geographie in Paris : 

201. Bulletin de la Societe de Geographie. Septieme Serie. Tome IV. l^i" — 4^ 
Trimestre 1883. Paris 1883. 8. 

202. Compte rendu des seances. Seance du 15. Juin 1883. — Seance du 
4. Avril 1884. Paris. 8, 

Von dem Verein vom heiligen Grabe in Cöln : 

203. Das heilige Land. Organ des Vereins vom heiligen Grabe. 27. Jahr- 
gang. Heft 3— 6. 1883. Cöln 1883. 8. 

Durch die Redaction der ZDPV: 

204. Gazette de Jerusalem. Jerusalemer Anzeiger. Herausgeg. von A. 31. 

Luncz. 1882. Nr. 1 — 8. Jerusalem. 4. 



XVI 



205/2UÜ. Missiüiisblad t'rän Palästina Herausgeber: Komminister Hcnnan 
Haghtrij in Falun lbS3. Nr. 1 — 12. Falun l^Sli. S. — 1SS4. Nr. \—:\. 
Falun l"^S»4. !?. 

Durch Herni Professor Dr. A. Soci?) in Tübingen: 

2O7/20S. Bischof Gobats Waisenhaus auf Zion. Jahresbericht für ISS 1. Des- 
gleichen für 1SS2. Deutsch u. englisch. J. Pilger-Missionsdruckerei 
auf St. ("hrischona bei Basel. 



Verzeiclmiss sämnitlicher Mitglieder des Deutschen Vereins 
zur Erforschung Palästina's. 



Seine Majestät der Deutsche Kaiser v:st> König von Prexjssen. 

Seine Majestät der König von Württemberg. 

Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz des Deutschen 

Reichs und von Preussen. 
Seine Königliche Hoheit der Fürst voNHoHENzoLiiERN-SiGMARiNGEN. 

Abbat, Ezra, Professor in Cambridge, Nordamerika. 

Alstein, Fr., Lehrer in Lüneburg. 

Antonin, Archimandrit in Jerusalem. 

Arndt, Dr. Theodor, Prediger an der St. Petrikirche in Berlin. 

Ascherso7ij Professor Dr. P., in Berlin. 

Auerbach, Dr. L., Rabbiner in Halberstadt. 

Auning, Pastor in Sesswegen, Livland. 

Baarts, Pastor in Kösslitz bei Weissenl'els. 

Baedeker, K., in Leipzig. 

Ball, Dr., Ober-Consistorialrath in Coblenz. 

Barrelet, J., Pastor in Sagne, Neuchdtel. 

Barth, Dr. /. , Professor in Berlin. 

Basse7-mann, Dr. H., Professor in Heidelberg. 

Baethcke, Pfarrer in Schwarzhausen (Thüringen) . 

Bättig, Niki., Vikar in Kriens, Canton Luzern. 

V. Baudissin, Graf, Dr. W., Professor in Marburg in Hessen-Nassau. 

Baur, J., Pfarrer in Dietershof en bei Klosterwald. 

Baur, Dr. G., Consistorialrath u. Professor in Leipzig. 

Behm, Dr. phil. Heinr., Pastor in SchliefFenberg 'Mecklenburg). 

Behrmann, Hauptpastor an St. Michaelis in Hamburg. 



XVIII 

Berliner, ür. A., Docent am Rabbinerseminar in Berlin. 
Bertheau, Dr. E., Geh. Reg.-Rath u. Professor in Göttingen. 
Bertheau. Carl Pastor an St. Michaelis in Hamburg. 

Bibliotheken : 

der Akademie von Neuchätel (Schweiz) Professor H. Ad. Naville. 
de Tecole des langues orientales Vivantes in Paris (Ch. Schefer). 
der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin, 

Prof. Dr. Lazarus. 
der Synagogengemeinde in Breslau, 
der Israel. Cultusgemeinde in "Wien, 
des Rabbiner-Seminars in Berlin, Dr. A. Berliner. 
Gymnasialbibliothek in Ehingen. 

in Rottweil. 
Königliche Bibliothek in Berlin. 
Königliche öffentliche Bibliothek in Stuttgart. 
des Königlichen Lyceum Hosianum in Braunsberg (Ostpreussen) . 
Landesbibliothek in "Wiesbaden. 
Library Union Theological Seminary in New York. 
Ministerialbibliothek in SchafFhausen, C. A. Bäclitnhl. Pfarrer. 
Öffentliche Bibliothek in Basel, Dr. L. Sieber. 

- in Leyden, Holland, 
des evangelischen Seminars in Tübingen. 
Stadtbibliothek in Frankfurt a/Main, Dr. Haueisen. 

in Hamburg. Dr. Islcr. 
in Mainz, Dr. Vel]<e. 
"Universitätsbibliothek in Amsterdam. 

- in Bonn. 

- in Dorpat. 

- in Erlangen. 

- in Giessen. 

- in Halle. 

- in Leipzig. 

- in Marburg. 

- in Prag. 

- in Strassburg i. E. 

- in Tübingen. 

- in Utrecht. 
Bichell. Dr. G.. Professor in Innsbruck. 



XIX 



Boehl, Dr. E., Professor in Wien. 

V. BöhÜingk, Dr. 0., kais. russ. Staatsrath in Jena. 

Bonsack, F., Pfarrer in Bornhagen bei Eichenberg. 

Bonwetsch, Mag. iV., Docent der Theologie in Dorpat. 

Bourgeois, Dr. G., Pastor in Le Creuzot, Frankreich. 

Braun, Dr. /. , Landes-Advocat in Prag. 

Brüll, Dr. Adolf, in Frankfurt a/M. 

Brünnow, Rudolf E., cand. phil. in Veve)'. 

Btidde, Dr. C, Professor in Bonn. 

Burckhardt-Zahn, Ed., Kaufmann in Basel. 

Cassel, Dr. th. P. , Professor und Pastor in Berlin. 

Chaplin, Dr. med. Thoni., in Jerusalem. 

Chapuis, Dr. P., Professor in Lausanne. 

Christmann^ Vicedirector in Beirut. 

Chivolson, Dr. Dan., wirkl. Staatsrath und Professor in St. Petersburg 

Clausen, Consistorial-Rath in Brügge bei Bordesholm (Holstein) . 

Dalton, Consistorial-Rath in St. Petersburg. 

Delitzsch, Dr. Eranz, Professor in Leipzig. 

Dieckmann, R., Pastor in Beggerow bei Demmin. 

Dillmann, Dr. A., Professor in Berlin. 

Duisberg, W., in Jerusalem. 

Ebers, Dr. G., Professor in Leipzig. 

Eckardt, Karl, Diaconus in Kirchberg in Sachsen. 

Ehinger-Geigy in Basel. 

Einszier, Dr. med. A., Stadtarzt in Jerusalem. 

Eisenlohr, Dr. August, Professor in Heidelberg. 

Engel, J. Chr. Ba., Pastor in Jordkirch, Schleswig. 

Euting, Prof. Dr. /. , Oberbibliothekar in Strassburg i. E. 

Faber, W., Superintendent in Mansfeld. 

Fahrngruber , Johann, bischöflicher Secretär in St. Polten, Nieder- 

Österreich. 
Fay, F. R., Pfarrer in Crefeld. 
Fehr, Dr. Fredrik, Prediger in Stockholm. 
Fell, Dr. Win., Gymnasiallehrer in Cöln. 
Fleischer, Dr. H. L., geh. Hofrath u. Professor in Leipzig. 
Förstemann, Dr., Oberbibliothekar in Leipzig. 
Fraas, Dr. 0., Professor in Stuttgart. 
Frank, Dr., Rabbiner in Cöln. 
Frenkel, Dr. E., Gymn. -Oberlehrer in Dresden. 



x.\ 



Frijinme, Pastor in Weisabe (Post Sandstedt bei Bremen} . 

Fnitigtr ^' Comp., /., in Jerusalem. 

Furrer, Dr. A'. , Pfarrer in Zürich. 

Gatt. G ., kathol. Missionar in Gaza. 

Gautier, Dr. Liicien, Professor in Lausanne. 

r. Georgii, Dr.. Prälat in Tübingen. 

Geyser. N., Hilfsprediger an der reformirten Gemeinde in Klberfeld 

Gildemeister, Dr. /. , Professorin Bonn. 

Ginsburg, Dr., in Chertsey England). 

Ginsburg, Rev"* Dr., in London. 

Gladrow^ Zahnarzt in Beirut. 

de Goeje, Dr. M., Professor in Leyden. 

GoUhiher, Dr. /., Docent an der Universität in Budapest. 

Goldmann, Samuel, Cantor in Gr. Kanizsa, Ungarn. 

Gosche, Dr. R., Professor in Halle. 

Gra^tz, Dr. H., Professor in Breslau. 

Grigor, A. B. M., in Glasgow. 

Grossma7iti, Lic. Dr., Superintendent in Grimma. 

Griinbaum, Dr. M., in München. 

Grünert, Dr. Jl/az, Docent in Prag. 

Grurult, Dr. F. /. , Überlehrer in Dresden. 

Gunning , J. H., Dr. theol., ref. Pred. in Wilhelminadorp, Zeeland- 

Holland. 
Guthe, Lic. H., Professor in Leipzig. 
Hagenmeyer, ev. Pfarrer in Gross-Eichholzheim, Baden. 
Hagerup, H., Buchhändler in Kopenhagen. 
Halberstamm, S. J., in Bielitz, Osterreich. 
Halecg, J ., Professor in Paris. 
Harkavy, Prof. Dr. Alb., Bibliothekar an der k. öffentl. Bibliothek in 

■St. Petersburg. 
Hartmann, Dr., Kanzler des kais. deutschen Consulats in Beirut. 
Ileinrici, Dr. , Professor in Marburg. 
Helle, Dr. Fr. W., in Ossegg bei Teplitz. 
Hernnet, Dr., Staatsarchivar in Aurich. 
Hewhe, Pastor in Schwerin i. M. 
Heussler, G., Pfarrer in Basel. 
Hildesheimer , Dr. /., Seminardirector in Berlin. 
Hildesheimer , Dr. //. . in Berlin. 
Hildesheimer, A.. in Halberstadt. 



XXI 



Hildesheimer , Levi, in Odessa. 

Himpel, Dr. F., Professor in Tübingen. 

V. Hitroiü, B., kais. russ. wirkl. Staatsrath in Petersburg. 

Hoffmann, Lic. C, Superintendent in Frauendorf bei Züllchow, R.- 

Bez. Stettin. 
Hoffmann, Christoph, Vorsteher des Tempels in Jerusalem. 
Hoffmann, Dr. G., Professor in Kiel. 
Hollenherg, J., Gymnasial-Oberlehrer in Bielefeld. 
Hommel, Dr. Fritz, Privatdocent in München. 
Hoernle, Dr. A. F. Rudolf, OfFg. Principal Madrasah Calcutta. 
Illes, Stefan, z. 7i. auf Reisen. 
Jaffe, Samuel, Commerzienrath in Posen. 
Jäger, Loiiis, Buchhändler in Basel. 
Kaftan, Dr. /., Professor in Berlin. 
Kaim, Dr. phil. F., in London.. 
Kalmus, Julius, in Berlin. 
Kaempf, Dr. S. J., Professor in Prag. 
Kamphausen, Dr. A., Professor in Bonn. 
Kappes, Kaufmann in Beirut. 
Kauffmann, J., Buchhändler in Frankfurt a/M. 
Kautxsch, Dr. E., Professor in Tübingen. 
Kersten, Dr. phil. O., in Berlin. 
Kiepert, Dr. H., Professor in Berlin. 
Kiepert, Dr. phil. R., in Berlin. 
Kind, Dr. A., Diakonus in Jena. 

Kinter, P. Maiirus, O. S. B., Stiftsarchivar in Raigern bei Brunn. 
Kinzler, Adolph, Pfarrer im Missionshaus in Basel. 
Klaiber, Dekan in Göppingen, Württemberg. 
Klein, Stadtpfarrer in Pforzheim. 
Klein, Rev. F. A., in Cal'ro. 
Kober-Gobat, P. J. F. , in Basel. 
Koch, A. W., Hofprediger in Sofia. 
Kögel, Dr., Oberhofprediger in Berlin. 
Köhler, Dr. A., Professor in Erlangen. 
Kol, E., Bankier in Utrecht. 
König, Dr. /. , Professor in Freiburg i. Br. 

König, Lic. Dr. E., Oberlehrer u. Docent a. d. Universität in Leipzig. 
Karten, Pfarrer in Rölsdorf bei Düren. 
Krafft, Dr., Professor in Bonn. 

Ztschr. d. Pal.-Ver. YII. jr, 



XXII 

Krähe. Dr. phil. Ed., Stadtschulrath in Halle a/S. 

Krehl. Dr. L., Professor und Oberbibliothekar in Leipzig. 

Krenkel, Dr. Max, in Dresden. 

Kliffler. Dr., Professor in Tübingen. 

Kliper. Dr.. Consistorialrath in Stettin. 

de Lagarde, Dr. P. , Professor in Göttingen. 

Landberg, Dr. Carlo, in Leyden. 

Landgraff, Dr. Th. , in Heidelberg. 

Lange. Regierungs- und Baurath bei der deutschen Gesandtschaft in 

"Washington. 
Leivy, Dr. /., in Breslau. 

Leyding, Superintendent in Geversdorf a/d. Oste (Hannover). 
Legrer, Pfarrer, Plochingen [Württemberg] . 
Lichtenstein, Dr. Alb., Consul in Bremen. 
Lindner, Dr. Br., Docent an der Universität in Leipzig. 
Lorange, Dr. med., in Beirut. 
Lnrtet . Dr. Ad., Doyen de la faculte de medicine et de pharmacie in 

Lyon . 
Lotz, Dr. Wilhelm, Privatdocent der Theologie in Erlangen. 
Loytved, königl. dänischer Vice-Consul in Beirut. 
Lütge, H., Pastor in Amsterdam. 

Lütticke, Vice-Consul des deutschen Reiches in Damascus. 
Lüttke, M., Oberpfarrer in Schkeuditz bei Halle a/S. 
Märcker, Franz, Seminarlehrer in Alt-Döbern bei Cottbus. 
Marti, Lic. theol., PfaiTer in Buus im Kanton Baselland. 
Mehnert, O., in Dresden. 
Menzel, Dr. A., Professor in Bonn. 
Merx, Dr., Professor in Heidelberg. 
de Meuron, H., Pastor in St. Blaise, Canton Neuchätel. 
Mezger, Ephorus in Ludwigsburg. 

Michaelis, Adolf, Rittergutsbesitzer zu Gross-Reichen bei Liegnitz. 
Miescher, E., Pfarrer in St. Gallen. 
V. Moltke, Graf, Exe, Feldmarschall in Berlin. 
Mönckeberg, Dr. th., Archidiakonus an St. Nicolai in Hamburg. 
Mühlau, Dr. F., kais. russ. Staatsrath, Professor in Dorpat. 
Müller, Dr. A., Professor in Königsberg i. Pr. 
i'. Münchhmisen, Freiherr, kais. deutscher Consul in Kiew. 
Mimk, E., Rabbinatsassessor in Altona. 
Napier. F. P. , in Ryde, L W., England. 



XXIII 



Napier, W. R., Rev, in London. 

Nestle, Dr. E., Gymnasial-Professor in Ulm a/D. 

Neumann, Dr. W. A., Professor in Wien. 

Ney, Kaufmann in Beirut. 

Nökleke, Dr. Th., Professor in Strassburg i. E. 

Noicack, Dr., Professor in Strassburg i. E. 

Oort, Dr, H., Professor in Leyden. 

V. Orelli, Dr. C, Professor in Basel. 

V. Ortenberg, E., Gymnasiallehrer in Verden, Hannover. 

Osgood, Howard, Professor in New-York. 

Palm, August, Professor am Gymnasium in Mannheim. 

Palmer, F., Vorsteher der englischen Zionsschule in Jerusalem. 

Paulus, Dr. /. G. Ph., Pfarrer in Cleversulzbach bei Neuenstadt. 

Württemberg. 
Paulus, Dr. med. Franz, in Stuttgart. 
Pein, Pastor in Beirut. 

Pestalozzi, Pfarrer am Grossmünster in Zürich. 
Philippi, Dr., Professor in Rostock. 

Photios , Archidiakonus des Kreuzklosters bei Jerusalem. 
Pick, Dr. B., Rev. in Allegheny, Pa. 
Prahl, H., Pastor in Mögeltondern. 
Preiswerk, S., Pfarrer an St. Alban in Basel. 
Prinz, H., Lehrer an der deutsch-evang. Schule in Jerusalem. 
Prym, Dr. E., Professor in Bonn. 
Rabener, M. S., Director in Jassy, Rumänien. 
Rmhiss, Julius, Professor und Stiftsbibliothekar in Zircz, Ungarn. 
Reinicke, Lic. Dr., evangelischer Pfarrer in Jerusalem. 
Reitz, Dr., kaiserl. deutscher Consul in Jerusalem. 
Reusch, Dr. F". H., Professor in Bonn. 
Reuss, Dr. E., Professor in Strassburg i. E. 
Richter, Dr. /. P., in London. 
Riehm, Dr. E., Professor in Halle a/S. 
Riess, Dr., Domkapitular in Rottenburg a. N. 
Riggenbach, Dr. /. , Professor in Basel. 
Ritter, Gustav, Pastor in Hamburg. 
Röhricht, Dr.;i2., Professor in Berlin. 
Röpe, H., Hauptpastor an St. Jacobi in Hamburg. 
Rösch, G., Pfarrer in Hermaringen im Brenzthal, Wg. 
V. Rosen, Baron F".,"^ Professor in Petersburg. 

b* 



XXIV 



V. Roth, Dr. R.. Professorin Tübingen. 

Rothe, H., Seminarlehrer in Canimin. Pommern. 

Rnthsteiu. Lic. Dr., in Halle a/S. 

Ruetschi, Dr. R., Decan u. Professor in Bern. 

Ryssel, Lic. Dr. V., Oberlehrer u. Docent a. d. Universität in Leipzig. 

Sachse, Dr. G., GjTnnasiallehrer in Posen. 

Sandberger, Oberhelfer in Tübingen. 

Sandel, Theodor, Architect in Jerusalem. 

Sandreczki, Dr. med., in Jerusalem. 

Sandreczki, Dr. C. , in Passau. 

Sarasin- Bischoff, Theodor, Kaufmann in Basel. 

Sarasin-Stehlin, Rud., Kaufmann in Basel. 

Sattler, Dr. E., Privatier in Fluntern b/Zürich. 

Schuck, Lehnsgraf zu Schackenburg bei Mögeltondern. 

Schanz, Dr. P., Professor in Tübingen. 

Schapira, Alex., in Gaza. 

Sehe/er, Ch., membre de ITnstitut in Paris. 

Schegg, Dr. P., Professor in München. 

Schick, Conr., königl. Württemberg. Baurath in Jerusalem. 

Schieiden, Dr. H. C, in Hamburg. 

Schlottmann, Dr. C, Professor in Halle a/S. 

Schmoller, Dekan Q., Pfarrer in Derendingen, Württemberg. 

Schnabl, K., Propstei-Cooperator an der Votivkirche in "Wien. 

Schnede7-mann , Lic. Dr. Georg, in Basel. 

Schönecke, L., Kaufmann in Jerusalem. 

Schröder, Dr. E., Professor in Berlin. 

Schrameier, Dr. W., in Berlin. 

Schroeder, Dr. P. , kaiserl. deutscher Konsul in Beirut. 

Schröder Dr. Carl Friedrich, Pfarrer a. D. in Cannstatt. 

Schröder, Dr. phil. C, in Leipzig. 

Schulte, Dr., Pfarrer in Erwitte b/Lippstadt. 

Schtdtz, Dr., Professor in Breslau. 

Schürer, Dr. E., Professor in Giessen. 

Sr/ucarz, G., Director der deutschen Schule in Beirut. 

Seil, 0., Diaconus in Leipzig. 

Seil, Richard, Pfarrvikar in Stepfershausen bei Meiningen. 

Siegfried, Dr. K., Prof. in Jena. 

Sieveking, Dr. jur. Herrn., in Hamburg. 

Sieveking, Dr. med. Wilhelm, in Hamburg. 



XXV 



Sigrist-Weber, C, Kaufmann in Beirut. 

Smend, Lic. Dr. Rud., Professor in Basel. 

Socin, Dr. A., Professor in Tübingen. 

Sommer, Dr. /. G., Professor in Königsberg. 

Spaich, Pfarrer in Degenfeld bei Schwab. -Gmünd. 

Sprenger, Dr. A., in Heidelberg. 

Stade, Dr. B., Professor in Giessen. 

Staehelin, Dr. E., Pfarrer in Basel. 

Staiger, Missionar in Beirut. 

Stech, R., Professor der Theologie in Bern. 

Steffensen, Dr., Professor in Basel. 

Steiner, Dr. H., Professor in Zürich. 

Stenglein, Reichsanwalt in Leipzig. 

Sternickel, ArtJmr, in Biala bei Bielitz (üsterr. Schlesien) . 

Stichel, Dr. /. G., Professor in Jena. 

Stockmeyer, Dr. /. , Antistes und Professor in Basel. 

Strack, Dr. Herm. L., Professor in Berlin. 

Strauss, Dr. F. A., Hofprediger in Potsdam. 

Streit, Dr., Gymnasialdirector in Colberg. 

Sülze, Dr. B., Pastor in Dresden-Neustadt. 

Sursock, Dragoman des kaiserl. deutschen Consulats in Beirut. 

Thomsen, Pastor in Sterup, Schleswig-Holstein. 

Thorhecke, Dr. H., Professor in Heidelberg. 

V. Ustinow, Baron Plato, in Jafa. 

Valeton, J. J. P., Professor in Groningen. 

Vereine : 

Alliance Israel, universelle in Paris. 

Capitel-Leseverein von Gunzenhausen (Bayern), Pfarrer St'dhlin. 

Capitel-Leseverein V . Rothenburg a/T. (Bayern), VidiYxex BrtiglocJier . 

Deutscher Verein in Jafa. 

Lesegesellschaft »zur Harmonie« in Frankfurt a/M., Ad. Baer. 

Palestine Exploration Fund in London. 

Pastoral-Gesellschaft , Anhalt-Dessauische , Archidiaconus Hesse 

in Dessau. 
Tübinger Diöcesan-Verein, Oberhelfer Sandherger in Tübingen. 

Vischer-Heussler, Dr. W., Professor in Basel. 

Vogel, A., Pfarrer in Hohen-Reinkendorf b. Tantow, Pommern. 



XXVI 



J'oUk. Dr. ff'., kais. russ. Staatsrath und Professor in Dorpat. 

VulUeumier, Dr. H., Professor in Lausanne. 

Wackernagel. W.. Rev. Prof. in Allentown, Pennsylvanien. 

Wagner ^ Debes, Geographische Anstalt in Leipzig. 

Walilnietfer . Missionar in Beirut. 

Walther. Jules. Pasteur in Avenches, Schweiz. 

Weiss. Dr. H.. Prof. theoL in Tübingen. 

Well/iatisen, Dr. /. , Professor in Halle. 

Werner, Helfer in Nürtingen, Württemberg. 

Weser, Lic. H., Pastor in Berlin. 

Wei/rich, Pastor in Arrasch, Livland. 

Wilson, Charles W., Major R. E. in London. 

Witte, Landgerichtsdirektor in Breslau und Mitglied des Reichstages. 

Wulff. Dr. Ph., Stadtpfarrer in Tübingen. 

Wolters, Rev. Th. F., in Jerusalem. 

Wright, Dr. W., Professorin Cambridge, England. 

Zander, Gymn. -Oberlehrer in Gütersloh. 

Zeller, Rev. /. . Missionar in Jerusalem. 

von Zieten-Schwerin. Graf zu Janow bei Clempenow, Kreis Anclam. 

Zimmoinann, Dr. C in Basel. 



Geschlossen am 22. September 1884. 

Die lledactiou. 



Protokollarischer Bericlil über die in Dessau am 2. Oktober 

1884 abgehaltene dritte Generalversammlung des Deutschen 

Tereins zur Erforschung Palästina'«. 



Die dritte Generalversammlung des Deutschen Palästina-Vereins, 
die im vorigen Jahre aus dem seiner Zeit bekannt gemachten Grunde 
nicht stattfinden konnte , wurde in diesem Jahre , nach Eröffnung der 
39. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner und im An- 
schluss an die 38. Generalversammlung der Deutschen Morgenländi- 
schen Gesellschaft, am 2. Oktober von 11 '/2 — 12 1/2 Uhr Mittags in 
dem Herzoglichen Gymnasium in Dessau abgehalten, Herr Prof. Gil- 
PEMEiSTER aiis Bonu hatte die Güte, den Vorsitz zu führen, und Herr 
Prof. STRA.CK aus Berlin war freundlichst bereit, das Amt eines Schrift- 
führers bei der Versammlung zu übernehmen. 

Zunächst berichtete Prof. Guthe aus Leipzig über die zur Ver- 
öffentlichung vorliegenden und angemeldeten Aufsätze für die Zeit- 
schrift, über die von dem Verein unterstützten und geförderten For- 
schungsreisen der Herren A. Frei aus Zürich, Prof. AV. A. Neu- 
MANN aus Wien, sowie über einige andere, im Laufe des Jahres 1884 
unter den Mitgliedern des Ausschusses verhandelten Pläne zu For- 
schungsarbeiten in Palästina und über den Stand der Vereinskasse. 
Die gegenwärtigen Einnahmen des Vereins gestatten, in jedem Jahre 
eine Summe von rund 2000 ^ für selbständige Untersuchungen oder 
zur Unterstützung wissenschaftlicher Reisen zurückzulegen, resp. zu 
verwenden. (Über die auf Grund der Besprechungen in Dessau be- 
schlossenen anderweitigen Förderungen von Arbeiten in Palästina wer- 
den die Mitglieder des Vereins aus den geschäftlichen Mittheilungen 
das Nähere ersehen^ . Prof. Guthe regte ferner die Frage an, in wel- 
cher Weise die Zahlung der rückständigen Beiträge am besten zu be- 
wirken sei. Auf Antrag des Herrn Dr. Kersten aus Berlin wird be- 
schlossen , dass vor der laut § 1 3 der Statuten vorgeschriebenen Ein- 



XXVIll 

Ziehung durch die Post an die säumigen Mitglieder noch direct . nicht 
als Beilage zur Zeitschrift, eine gedruckte Mahnung in unverschlosse- 
nem Briefumschlage gesandt werde. 

Auf Antrag des Prof. Guthe wurde sodann der geschäftsführende 
Ausschuss bevollmächtigt, die nöthigen Schritte zu thun. um für den 
Verein die Rechte einer juristischen Person zu erwerben. 

Herr Prof. Kautzsch aus Tübingen stellte den Antrag, dass der 
geschäftsführende Ausschuss in Ergänzung von § 7 der Statuten das 
Recht erhalte . in dringenden Fällen Geldbewilligungen bis zum Ein- 
zelbetrage von 2000 .// ohne vorherige Anfrage bei dem weiteren Co- 
mite zu beschliessen. Dieser Antrag wurde nach eingehender Begrün- 
dung einstimmig von der Versammlung angenommen. 

Hieran schloss Herr Prof. Kavtzsch einige statistische Mitthei- 
lungen über die Samaritaner , die ihm durch Vermittelung des Herrn 
Prof. STEÄ.CK, der im Frühling d. J. Palästina bereiste, als Manu- 
script des jetzigen Hohenpriesters derselben in Nabulus zugegangen 
Avaren. Sie werden in der Zeitschrift veröffentlicht werden. 

Nachdem die bisherigen Mitglieder des geschäftsführenden Aus- 
schusses durch Acclamation wiedergewählt worden waren und Herr 
Geheimer Rath Prof. Fleischek aus Leipzig denselben für ihre Mühe- 
Avaltung den Dank des Vereins ausgesprochen hatte , schloss der Vor- 
sitzende um 121/2 ^^^1" f^i^ dritte Generalversammlung des Vereins. 

Präsenzliste der dritten Generalversammlung des 
Deutschen Palästina-Vereins*), 

*1. Prof. GiLDEMEiSTEK — Bonn. 
*2. Prof. E. Kautzsch — Tübingen. 

3. Prof. GtTHE — Leipzig. 

4. Geh. Rath Prof. Fleischer — Leipzig. 

5. Dr. Reixicke — Wittenberg. Mitdirektor des Predigerseminars. 
*ß. Dr. A. Berliner — Berlin. 

'7. Dr. O. Kersten — Berlin. 

6. Pastor Grape — Dessau. 

*9. Prof. AVellhausen — Hallo. 
"10. Prof. H. L. Strack — Berlin. 

Ij Nach der Aufzeichnung des Schriftführers. Die mit * bezeichneten 
sind Mitglieder des Vereins. 



XXIX 



Geschäftliche Mittheiluugeu. 



Durch Übereinkunft zwischen den Mitgliedern des geschäftsfüh- 
renden Ausschusses sind die Geschäfte desselben so getheilt, dass Prof. 
GuxHE in Leipzig in Zukunft lediglich die Redaction der Zeitschrift 
besorgen wird, die Herren Prof. Kautzsch und Prof. Socin in Tübin- 
gen hingegen die eigentlichen Secretariatsgeschäfte übernommen haben. 
Der Aussclmss bittet daher, dass man sich in Angelegenheiten, die die 
Vereinsleitung betreffen (wissenschaftliche Unternehmungen, Geldbe- 
willigungen etc.), an die Herren Prof. Kautzsch und Prof. Socin in 
Tübingen, in Redactionsangelegenheiten (Manuscriptsendungen, Aus- 
tausch der Zeitschrift u. dgl.) , sowie auch betreffs der Palästina- 
Bibliothek nach wie vor an Prof. Gvthe in Leipzig (Johannesgasse 33) 
wenden wolle. 



Der geschäftsführende Ausschuss hat , nach Befragung der Mit- 
glieder des weiteren Comite's und nach nochmaligen Verhandlungen 
gelegentlich der Generalversammlung in Dessau, dem Ingenieur Herrn 
G. S. Schumacher in Haifa die Summe von 2000 ,/// zur Ausführung 
von Messungen und Forschungen im Dschölän , zwischen dem Jar- 
mük im S. und der Birket er-Räm im N., verwilligt. Im ersten Hefte 
des nächsten Jahrganges werden kurze vorläufige Mittheilungen über 
die Reise des Herrn Schumacheb erfolgen. 



In Folge des Beschlusses der dritten Generalversammlung des 
Vereins am 2. Oktober d. J. in Dessau ist im Einverständniss mit dem 
Herrn Kassirer über die Zahlung der Beiträge Folgendes bestimmt 
worden : 

Der Beitrag für das laufende Rechnungsjahr gilt als fällig, so- 
bald das erste Heft, resp. das erste Doppelheft des entsprechenden 
Jahrganges der Zeitschrift in die Hände der Vereinsmitglieder gelangt 
ist. Im Falle nicht erfolgter Zahlung werden die Mitglieder des Ver- 



XXX 



eins auf Grund des Beschlusses der dritten Generalversammlung am 
2. Oktober 1SS4 in Dessau von dem Kassirer des Vereins durch eine 
besondere Aufforderung um Berichtigung ihres fälligen Beitrages er- 
sucht werden. Ist derselbe bis zum 1. Juli des laufenden Rechnungs- 
jahres nicht eingegangen, so wird er nach § 1 3 der Statuten durch die 
Post oder . wo solches nicht zulässig , auf anderem "Wege eingezogen 
werden. 



Bekanntmachung. 



Die Dach § 9 der Statuten aller 2 Jahre abzuhaltende General- 
versammlung des Deutschen Vereins zur Erforschung 
Palästina's, welche im Jahre 18S3 wegen des Ausfalls der deutschen 
Philologen -Versammlung uud der Abhaltung des internationalen 
Orientalisten -Congresses in Leiden aufgeschoben werden musste, 
wird nunmehr am Donnerstag, den 2, October d. J. in Ver- 
bindung mit der XXXVII. Versammlung Deutscher Philologen und 
Schulmänner , sowie mit der Generalversammlung der Deutschen 
Morgenländischen Gesellschaft zu Dessau stattfinden. Die Mitglieder 
des Vereins werden hierdurch zu derselben eingeladen. Anmeldungen 
sind zu richten an Herrn Oberschulrath Rümelin in Dessau. 
Beabsichtigte Vorträge oder Mittheilungen bittet man thunlichst bis 
Ende August bei dem Redacteur der Zeitschrift des Deutschen 
Palästina -Vereins anzumelden. 

Der geschäftsführende Ausschuss 

des 

Deutsclien Vereins zur Erforschung Palästina's. 



Bemerkungen über Gaza nnd seine Umgebung. 

Von ii, Oiatt in Gaza. 



Dschehel el-munfjir. Muntür soll nach der IJehanptung der 
Muslimen ein Schech gewesen sein ; da aber dieses Wort in 
seiner gegenwärtigen Form sich zu einem arabischen Eigen- 
namen gar nicht eignet, so sagen sie, der Ausdruck ?www^är sei 
aus mu7i und tcir entstanden, d. h. der Schech habe eigentlich 
mun geheissen und sei nach Art der Scheche bei seinem Tode 
davon geflogen, und seitdem nenne man ihn muntär ^ d. i. «Mun 
ist davon geflogen« i). Mit diesem Mun lässt sich jedoch auch 
nichts anfangen. Der Umstand, dass muntar den Artikel vor sich 
duldet, deutet vielmehr darauf hin , dass man es hier nicht mit 
einem eigentlichen Personennamen zu thun habe. Die eingebore- 
nen Christen dagegen behaupten, muntar sei aus mutrcm entstan- 
den, was Metropolitan oder Bischof heisst. Ein Bischof von Gaza 
habe sich nämlich voll Yerdruss über seine ungezogenen Schäflein 
auf diesen Hügel zurückgezogen und daselbst sein Leben be- 
schlossen ; die Muslimen hätten aber nachher mutrZm in muntar 

1) Diese Volksetymologie zeigt, dass die heutigen Araber die letzte Sylbe 
des Wortes nicht als tär , sondern als tär auffassen und aussprechen : denn 
das arabische Verbum tär heisst »er flofz; [davon;«. Danach habe icli oben el- 
muntär [tnantär] transcribirt. RoBINSON, Palästina III, 1040 schreibt ebenso. 
GUERIN, Judee II, 188 dagegen el-muntär, und diese Form haben auch, wenn 
ich nicht irre, die »Name Lists« der englischen Survey. Zu der von dem Ver- 
fasser gegebenen Erklärung bemerke ich, dass mir aus dem vulgär-arabischen 
Dialekt Syriens nur die Wörter niaiizar und nianzara bekannt sind, die sich 
von einem anderen , freilich verwandten Verbalstamme herleiten. — Die 
Transcription der übrigen in diesem Aufsatz erwähnten arabischen Namen 
habe ich eingesetzt, falls ihre Form gesichert war. Glthe. 

Ztschr. d. Pal.-Ver. VlI. 1 



ven\amli'lt und aii> dem Bischof einen f^chech gemacht. Wer 
mag wohl Ket'ht haben.' AVeder die einen noch die andern 
nach dem Vrtheile denkender Leute, welche diesen Ausdruck 
also erklären. M/t/ifär oder eigentlich manfär ist ein gut arabi- 
sches AA'ort und bedeutet »Aussicht« oder einen Ort . von wo aus 
man eine weite Aussicht hat. Dschehel el-mantär heisst also ein- 
fach : Berg der Aussicht , was von allen l^ergen und Hügeln 
gilt, die diesen Namen tragen. Der angebliche Schech oder 
IJischof . dessen Fest die Bewohner von Gaza am orientalischen 
Gründonnerstag feieni . mag wohl existirt haben, hatte aber 
ütfenbar einen anderen, jetzt nicht mehr bekannten Namen. 

Etwas südlich von dschehel el-muntär befindet sich ein Stein- 
bruch, aus dem jetzt l^austeine nach Gaza geholt werden, ein 
]knveis. dass es im steinaraien Lande der Philister mitunter doch 
auch brauchbare Steinbrüche giebt. Ebendaselbst entdeckte man 
ein autikes Gräberfeld. 

Aus Nasra, einem zerstörten Dorfe eine starke Stunde süd- 
lich und etwas gegen Osten von Gaza, wurden im letzten Jahre 
"viele alte Bausteine nach Gaza geliefert ; die Steinlieferanten de- 
molirten zu diesem Zwecke einen festgebauten antiken Brunnen. 

Ein Müsaikboden Avurde vor drei Jahren etwas südlich da- 
von in Wadi Gaza gefunden. Die kleinen Würfel sind weiss, 
schwarz, roth und grün. Der Mosaikboden wurde demolirt und 
die Würfel, etwa eine halbe Million, nach Gaza geliefert. Ich 
hatte nicht Gelegenheit, denselben vorher zu sehen ; auch die 
betreffende Stelle habe ich nicht besucht. 

Der Fundort der Jupiterstatue ^j liegt westlich davon. Trotz 
des Verbotes der Regierung, an dieser Stelle nach Steinen zu 
suchen'-), wagten es die Steinlieferanten, unter dem Schutze 
eines angesehenen l^ürgers von Gaza den Fundort der Statue zu 
entsteinen . mussten aber die gefundenen Steine dem betreffen- 
den liürger um billigen Preis überlassen. Da aber derselbe 
nicht aller bedurfte, so konnten wir einen bedeutenden Vorrath 
davon ankaufen. Dieselben gehören, was Qualität und Foi*m an- 

Ij Vgl. ZDPV. II, S. 183 ff. und Tafel VI. 
*2) Zur Auffindunff der Steine bedienen sich die Arbeiter einer 2 — 3 m 
langen starken Drahtstange , mit welcher sie den die Steine deckenden Sand 
durchhohren 



3 

belangt, zu den besten antiken Bausteinen, die im letzten Jahre 
zu Markte gebracht wurden. Am meisten fiel uns der Maueranwurf 
auf, der so stark ist, dass man ihn mit dem Hammer nur schwer 
beseitigt, während die antiken Bausteine sonst in der Kegel 
ohne Anwurf sind. Neue Funde wurden meines Wissens an die- 
ser Stelle nicht mehr gemacht. 

Bezüglich der Statue selbst erlaube ich mir noch Folgendes 
zu bemerken. Das Material , aus welchem die Statue hergestellt 
wurde, wird axich sonst als Marmor bezeichnet, jedoch mit Ln- 
recht. Die betreffende Steinart ist hier unter dem Namen Cha- 
läsi bekannt, weil die alte Stadt Elasa oder Chalasa, wie sie jetzt 
heisst, aus solchen Steinen erbaut war. Daselbst muss wohl auch 
der Steinbruch gesucht Averden. Der (lialäsi wird in Gaza noch 
jetzt als Baustein verwendet,, kommt aber sehr theuer, da Cha- 
lasa 12 Stunden von hier entfernt ist. Der Chaläsi ist in der 
That der haltbarste und schönste Baustein, den man in Palästina 
findet, und die aus Marmor und Chaläsi aufgeführten Thür- und 
Fensterbögen sind eine Avahre Zierde der jetzt sonst so verun- 
stalteten Stadt Gaza. Aber Marmor kann man den Chaläsi nicht 
nennen, obAvohl er sich schleifen lässt ; es ist wohl vielmehr eine 
Art Sandstein von gelblicher Farbe, sehr hart und feinkörnig. 
Am meisten gefabelt wurde bezüglich des linken Armes. »Nach 
anatomischen Gesetzen war der linke Arm auch herabhängend 
■wie der rechtecf, bemerkt Dr. Sandreczky (ZDPV. II, p. 186). 
Um hierüber in's Klare zu kommen , nahm ich Messungen vor 
und fand , dass der äussere Rand des faltigen Ueberwurfes von 
der Brustmitte gerade so weit entfernt ist als der äussere Kand 
des rechten Armes. War also der linke Arm herabhängend, so 
deckt ihn der faltige Ueberwurf; in diesem Falle müsste jedoch 
derselbe eine andere Form haben. Der linke Arm konnte dem- 
nach , da man unter dem faltigen Ueberwurf keine Spur davon 
entdecken kann, nach anatomischen Gesetzen nicht herabhän- 
gen, sondern muss irgendwie ausgestreckt gewesen sein, wenn 
diese Statue überhaupt je einen linken Arm hatte. Da jedoch die 
linke Seite der Statue rückwärts vom Kopfe an roh gelassen 
ist, so kann man mit aller Bestimmtheit behaupten, dass die Sta- 
tue nie einen linken Arm besass . und dass der Nagel an dieser 
Seite nur den Zweck hatte, die Statue irgendwie zu befestigen. 

1* 



Der >tnii>i)i^t' Ko])t' der Zeicliiiuiiij steht von den edlen Zü^en 
der .Statue weit ab. 

Dass die Xiederung des Wadi Gaza der Matooaac genannte 
Hafen von Gaza ist. Avie Dr. Saxdreczky meint, ist eine nner- 
weisbare Behaujjtung. Maio-jaa; lag an der Stelle des heutigen 
llafenplatzes . dehnte sich südwärts davon ^'4 Stunde weit und 
"■eo-en Gaza zu noch weiter aus. Die östliche Stadtmauer, etwa 
10 Minuten vom Hafen, war dort, wo ich sie beobachten konnte, 
an drei Meter dick, und befindet sich mehr als ein Meter unter 
dem Sande. Daneben liegen noch 10 Marmorkapitäle im Sande; 
die Säulen Avurden zersägt und nach Gaza transportirt. Die 
Stadtmauer Avird auch demolirt, um Bausteine zu gCAvinnen. 
Sonderbarerweise hat Guerin die Südmauer von i\laiou<i.a;. Avovon 
er noch einen Rest sah, als einen Überrest von Anthedon be- 
trachtet und so Mai.o'j;xac und Anthedon mit einander vermengt. 
Der betreffende Maiierrest ist unterdessen auch verschAvunden. 
Zu Aviederholten Malen ist mir versichert Avorden, dass an dieser 
Stelle noch viele Säulen im Meere liegen. 

Vax de Veldk und viele andere versetzen Anthedon an die 
Mündung des Wadi Gaza ; allein auch diese Meinung ist nicht 
mehr haltbar, Avie Avir bald sehen Averden. Offenbar lag l^ethelea 
an dieser Stelle , Avohin die Gazenser St. Ililarion begleiteten, 
als er nach Ägypten zog. 

bezüglich der Versandiuig in der Umgegend von Gaza 
konnte ich bisher mit Bestimmtheit ermitteln, dass dieselbe sehr 
langsam vorrückt und hauptsächlich von Süden nach Norden 
gerichtet ist, Aveil der SüdAvind hier am ärgsten Avüthet. ^'on 
einem Jahre auf das andere ist ein Fortschreiten der Versandung 
nur an Avenigen Stellen zu bemerken. Ein bedeutendes ^'ordrin- 
gen derselben ist überhaupt nicht möglich, Aveil sich der Meer- 
sand vermöge seiner ScliAvere häuft und Dünen bildet. Auf diese 
\\'eise ist ohne ZAveifel der Hügellücken entstanden, Avelcher die 
Thahmg Gaza's vom Meere scheidet. 

KtAvas nördlich von sch'cch 'adschlin haben die Steinlieferan- 
ten viele alte Hausteine von guter Qualität unter dem Sande ge- 
funden ; dieselben müssen jedoch schon lange dort gelegen haben, 
da man au denselben keinen Mauerkitt mehr fand. Es mag Avohl 
dort einst auch ein Dörflein gestanden haben, aber Anthedon 



kann man nicht dahin versetzen ; die gefundenen Üherreste sind 
Zu unbedeutend dafür. 

Anthedou. Einen Beweis, dass zahheiche und eifrige 
Forscher manchmal noch etwas übrig lassen , liefert die Ortslage 
von Anthedon. Seitdem Robinson in Gaza ausgeruht, und Guk- 
RiN dessen Umgebung durchstreift hat, sind manche Forscher 
nach Gaza gekommen und an der Ortslage von Anthedon vor- 
beigeritten. Dennoch handelt es sich hier um eine ausgedehnte 
und in Gaza unter dem Namen el-lUachije wohlbekannte Kui- 
neustätte. Schon einige Tage nach meiner Ankunft hier vor un- 
gefähr drei Jahren hörte ich diesen Namen und zugleich, dass 
das Haus des Michael Bassali und das griechische Kloster aus 
den Bausteinen einer Kirche von el-Blachije erbaut worden sei. 
Auch die Marmorsäulen der Moschee Said Häschim stammen, 
wie man sagt, von der Blachije her. Die Sache interessirte mich 
und darum zögerte ich nicht, einen Ausflug dahin zu machen. 
Ich fand die Ruinenstätte 25 Minuten nördlich vom heutigen 
Hafenplatze auf einem das Ufer etwa 10 Meter überragenden, 
sanft gegen Norden und Westen sich senkenden Plateau, das in 
seinem gegenwärtigen Zustande das Bild eines vom Sturme auf- 
gewühlten Meeres bietet. Man findet nämlich kein Bauwerk 
mehr daselbst, sondern nur Gruben und Hügel in Folge der eif- 
rigen Thätigkeit der Steinlieferanten, die selbst aus den Funda- 
menten die Bausteine herausholen. Von Süden her kommend, 
muss man sich zuerst auf das Plateau hinaufliegeben , denn von 
unten sieht man nichts. Ist man aber einmal droben, so über- 
blickt man alles. Ich durchschritt das Ruinenfeld dem Meere 
entlang und sah auf massenhaft umher gesäete Steinsplitter und 
Scherbenhaufen neben Säulentrümmern und Marmorkapitälen. 
Am Nordwestrande des Ruinenfeldes stieg ich dann zum Meere 
hinab und fand es begreiflich , wie so mancher Forscher vorbei- 
reiten konnte . ohne zu ahnen, was da droben ist, da man am 
Meere eben nichts davon sieht. Nähert man sich indessen nur 
wenig dem ansteigenden Plateau östlich, so bemerkt man so- 
gleich, dass ganze Haufen von Scherben dort liegen. Da das 
Plateau sich steil 10 Meter über das Ufer erhebt, so ist es gegen 
Versandung geschützt. Ich entfernte mich in der Überzeugung, 
dass ehemals eine Stadt dort gestanden haben müsse . aber 
welche, das Hess sich noch nicht entscheiden. Ein anderes Mal 



heifah ich niith direkt zur Kiiiiien statte und fand sie eine starke 
Stunde nordwestlich von Gaza ; auch von der Südostseite her 
muss man hedeutend aufwärts steigen, um das Plateau zu errei- 
chen. Es erhebt sich demnach -westlich, südlich und östlich über 
tlas umliegende Terrain und lässt hierdurch die Ausdehnung der 
alten Stadt erkennen. Nur an der Nordseite ist dieselbe Aveniger 
deutlich bestimmt. Ein drittes Mal suchte ich den Umfang und 
die Ausdehnung der alten Stadt zu ermitteln und gelangte von 
der Südostecke in einem Halbkreise in einer Viertelstunde zum 
Meere hinab; am Meere hin ging ich ungefähr 20 Minuten; die 
Südseite mag 5 — 7 Minuten lang sein. 13ie Stadt, welche hier 
stand, kam also dem heutigen Jäfa an Ausdehnung ziemlich 
gleich luid hatte eine ähnliche Form; nur muss man sich den 
Hügel wegdenken. Damals sah ich ein eigenthümliches Natur- 
j)rodukt am Ufer liegen, ein blassbläuliches, beinahe durchsich- 
tiges Wesen mit einem Schild nach oben und mehreren Füssen 
nach unten. Die Araber nannten es kandll el-hahr^ »die Leuchte 
des Meeres«, weil es in der Nacht leuchten soll. 

Dass Anthedon, w^enn es nördlich von Gaza lag, hier gele- 
gen haben müsse, w^ar mir schon lange klar. Ich eilte jedoch nicht 
von dieser Entdeckung Gebrauch zu machen, da ich keine 
Furcht hatte, dass mir etwa ein Gazenser Gelehrter zuvorkom- 
men werde. So Hess ich mehrere Jahre vorübergehen. Eines 
Tages lief mir ein Knabe mit ein'^'r Antika nach; es war ein 
kleines, hübsches Marmor-Brustbild. Woher hast Du es l fragte 
ich ihn. Von der Blachije, war die Antwort; ich kaufte es um 
einen Frank. Vor einigen Wochen fühlte ich wieder einmal 
Lust, zu Fuss einen Ausflvig nach der Blachije zumachen, da 
ein starker Kegen gerade den Sand etwas gehärtet hatte. Dieses 
Mal sammelte ich zahlreiche Münzen und ging dann zum Meere 
hinab. Da begegnete mir ein alter Fischer; ich beschloss. ihn 
etwas auszufragen. Was ist denn da droben gewesen.^ lautete 
die erste Frage, indem ich auf das Plateau hinaufzeigte. Der 
Mann Avar aber sehr einsilbig und schrie nur einzelne Worte her- 
aus. Der erste Schrei lautete : tnulk »eine Herrschaft«. Diesem 
folgte bald ein anderer: medlne, »eine Stadt«. Der Vorwitz plagte 
mich noch und ich fragte: Wie hat sie denn geheissen/ Ich 
glaubte fest, der alte Mann werde nur den vulgären Namen el- 
lilachije herausschreien. Allein dem Avar nicht also; denn nach 



einigem Nachdenken schrie er: »Tedav. Ich hahe ihm den Namen 
keinesAvegs in den Mnnd gehegt, wie es so oft geschieht , nnd 
hatte gar nicht die Absicht, den alten Namen von ihm zn erfah- 
ren, da ich iiherzeiigt Avar, dass derselbe schon lange spnrlos 
verschAvunden sei. Ich veranlasste ihn im Laufe des Gespräches, 
den Namen 7m wiederholten Malen auszusprechen, nnd über- 
zeugte mich, dass derselbe rein und unveränderlich Teda lautete. 
Ich fragte ihn endlich: »Woher Aveisst Du dasj?« »Von deneii, die 
vor mir gelebt, habe ich's gehört«. Dann fügte er uuAvillig hinzu: 
»liei euch Avird's AA-ohl auch sein wie bei uns, d. h. die einen 
Averden geboren und die andern sterben, und die Alten sagen den 
Jungen, Avas sie Avissen«. Hiemit Hess ich den Mann in Ruhe, 
der geAviss keine Ahnung davon hat, dass er mit seinem Teda der 
Wissenschaft einen grösseren Dienst geleistet, als mancher Ge- 
lehrte mit einem dicken JJuch. Teda ist die arabische Form des 
griechischen Anthedon i; . Die Blachije ist also die Avahre Orts- 
lage dieser Stadt. Somit hat doch Dr. Sandreczki Recht, Avenn 
er sagt , dass Anthedon nach Plinius nördlich von Gaza liegen 
müsse. Die Mehrzahl der Gelehrten ist be- 
kanntlich entgegengesetzter Ansicht; es 
Avird sich nun zeigen, ob imd Avie diesel- 
ben den Rückzug bcAverkstelligen. 

Bei meinem letzten Besuche in Teda 
Avurden fünf antike irdene Krüge von son- 
derbarer Form ausgegraben ; ich kaufte 
vier derselben um einen Medschidi. Ihre 
Form ist aus der nebenstehenden Zeich- 
nung ersichtlich. 

Den grössten Schatz von Antiquitäten 
birgt natürlich Gaza selbst. Allein um i;,^ der natürl. Grösse. 

1) Ich glaube den Werth der Mittheilungen des Herrn Verf. zu erhöhen, 
Avenn ich darauf aufmerksam mache, dass in den Annalen des Eutychius (ed. 
Oxon. ItiSSf.) II, p. 25Sf. ein Treffen zwischen Muslimen und Byzantinern 
aus dem Jahre 633 bei täcliln in der Nähe von Gaza erwähnt wird. Dieses iä- 
dün , ein zu Gaza gehöriger Ort (karja) , ist ohne ZAveifel das griechische An- 
thedon in einer um die erste Sylbe verkürzten Aussprache. Damit wäre das 
Mittelglied zwischen dem ursprünglichen griechischen Namen und der heuti- 
gen Form desselben gegeben. Stark, Gaza und die philistäische Küste 
S. 56-5 f. erAvähnt den Ort Tadun , aber ihm ist soAvohl die eigentliche Quelle 
als auch die Beziehung auf Anthedon entgangen. Guthe. 




dit'solUen an's Taijoslicht zu l»iiiigeu, bedarf es umfangreicher 
Ausgial Hingen. Damit hat es aber einige Schwierigkeiten. Ein- 
mal erhiubt die türkische Kegiorung solche Ausgrabmigen ohne 
Ferman nicht mehr, dann werden dergleichen Ausgrabungen in 
der Nähe von Iläuseni in keiner Weise gestattet. Aveil die Häu- 
ser sonst einstürzen würden, da dieselben nicht auf Felsen 
stehen, wie in Jerusalem, sondern auf .Schutt \ind lluinen. Je- 
doch giebt es in Gaza auch viele ausgedehnte Gärten, wo Aus- 
grabungen ohne Nachtheil für Häuser vorgenommen Averden 
können. Dergleichen Nachgrabungen Averden a\ich von Stein- 
lieferanten angestellt, haben aber natürlich keinen wissenschaft- 
lichen Zweck, sondern 'dienen nur dazu, die vorhandenen Jiau- 
steine hervorzuholen. Zu diesem Behufe macht man eine grab- 
ähnliche Öffnung in den Boden, etwa 4 — 5 jNIeter tief und noch 
tiefer. In dieser Tiefe werden dann horizontale Gräben gezogen 
und die dabei gefundenen Bausteine hinaufgeschaift. Ausserdem 
werden in Gaza dann und wann Neubauten aufgeführt, wobei 
immer zuerst ein künstliches Fundament hergestellt werden 
muss. 

Da ich im abgelaufenen Jahre den Bau eines Hauses be- 
gann, war ich ebenfalls genöthigt. zur Herstellung eines Funda- 
mentes umfangreiche Ausgrabungen vorzunehmen. Der Bauplatz 
beündet sich im südöstlichen Theile der oberen Stadt, nicht fern 
von der grossen Moschee. Er hat eine hohe Lage Avie das Serail 
und ist vom östlichen Abhang der Stadt Avenigstens noch 100 Me- 
ter entfernt. Er bildet ein Rechteck von 15 Meter Länge und 
l'i Meter Breite. Zuerst Avurde, um Kaum für ein unterirdisches 
StockAverk zu gCAvinnen, der Schiitt 2,50 Meter tief hinausge- 
schafft. Bis zur Tiefe eines Meters fand man nur Schutt , dann 
aber kam ein halbverfaulter Estrichboden und eine Menge zer- 
streuter Bausteine zum Vorschein. An der SüdAvestecke fand 
man ein Gewölbe, das sich unter der Erde noch Aveiter fortsetzte. 
Der ZAveck der Arbeit gestattete nicht, demselben Aveiter nach- 
zu8i)üren. In einer Tiefe von zAvei Metern fand man schon ein- 
zelne Mauerzüge und zerstreute Bausteine in grösserer Menge, in 
der Mitte dagegen ein kleines, aus festem Mörtelguss hergestell- 
tes Becken . imd daneben die Öffnung einer kleinen, aber voll- 
ständig erhaltenen Cisterne, die sich dem Bau leicht einfügen 
liess. .\n der Nordseite fand ich eine alte Mauer und eine hüb- 



9 

sehe Marmorsäule mit einer hebräischen Inschrift. Da jedoch 
dieselbe modern ist , so ist es nicht der Mühe werth. sie mitzii- 
theilen. Die Eingebornen sagen, dass in dieser Gegend einst die 
Synagoge der Juden gestanden habe, und der betreffende Stadt- 
theil heisst noch jetzt hürat el-jelmd. Die aufgefundene Säule 
wäre ein Beweis dafür. 

Nun kam aber die Hauptarbeit. Um die Mauern aufführen 
zu können , musste man vorher vierzehn Stollen in den lioden 
hinabtreiben, ausmauern und mit Bögen übers])annen. Die vier 
Eckstollen hatten ungefähr l,5ü Meter im Quadrat, so dass zwei 
Männer unten arbeiten konnten. Verschalungen wurden nicht 
angewendet, da der Sch\itt hinreichend fest Avar. Es handelte 
sich hauptsächlich darum, den festen, natürlichen Lehmboden 
zu eiTeichen. Aber es wurde drei, fünf, sieben, acht Meter tief 
gegraben und doch nichts als Schutt und Mauerreste angetrof- 
fen, mit Scherben und Kohlenstücken vermischt; endlich in 
einer Tiefe von neun, zehn und zwölf Metern fand man den festen 
Naturboden. Derselbe musste nun erst die Probe bestehen. Zu 
diesem Zwecke wurde ein wuchtiger Stein hin abgeworfen. Gab 
es einen hellen Klang, so war s genug; Avar aber der Klang nicht 
hell genug, so hiess es noch tiefer graben. An der Nordwestecke 
fand man dabei einen ganzen Complex von Mauerwerk; an der 
Südwestecke musste eine aus starkem Mörtelguss hergestellte 
Cisterne theilweise herausgehauen werden. Etwa vier Meter da- 
neben an der westlichen, d. h. an der der Stadt zugekehrten Seite 
fand man in einer Tiefe von acht Metern eine dünne Schicht 
Meersand. Der Ostseite entlang zeigten sich drei unterirdische 
Höhlen, wahrscheinlich ein Werk der Steinarbeiter. In einem 
benachbarten Stollen fand man in unbedeutender Tiefe ein festes 
Mauerwerk und wir machten uns schon Hoffnung , dass man es 
als Fundament gelten lassen werde. Allein der arabische Maiirer 
erklärte, es müsse heraus. Darunter zeigte sich Avieder Schmitt 
lind in einer Tiefe von acht Metern ein primitives MosaikpHaster, 
vielleicht ein Werk der Philister. Ich bewahrte einen Theil da- 
von als Andenken. Das Innere des Kauplatzes Avar in allerlei 
Richtungen A'on mehr oder Aveniger starken Mauern durchzogen ; 
denselben konnte jedoch nicht Aveiter nachgespürt Averden. Die 
zwei letzten Stollen liess der europäische Meister, der unterdessen 
gekommen war, nicht mehr so tief machen, da man in denselben 



10 

fe!^a'!^ Maufiwerk faiul. Dieselben tragen auch in der That 
ehensojfut als die doppelt so tiefen. Hei dieser Fundamenti- 
run"- wurden ungetahr löu Kubikmeter Steine verbraucht, ein 
Ik'weis , dass das Hauen in Gaza theuer ist. Ganze und zerbro- 
chene Gefiisse von Thon und Glas verschiedener Art , Lampen, 
Münzen und dergleichen Antiquitäten kamen zahlreich zum \ov- 
schein . verscliAvanden jedoch meistens in den Taschen der Ar- 
beiter. 

\'ero-lcicht man die hier gemachten Beobachtungen mit den 
iihnlichen Ergebnissen bei Ausgrabungen in den verschiedenen 
'l'heilen der Oberstadt, so erkennt man, dass der Hügel, auf wel- 
chem die heutige Oberstadt Gaza sich erhebt, erst im Laufe der 
Zeit durch wiederholte Zerstörungen der Stadt entstanden ist. 
Daraus folgt , dass das alte Gaza schon ursprünglich auf dieser 
Stelle gestanden hat und, -Nvenn auch mehrmals zerstört und viel- 
leicht eine Zeitlang verlassen, doch immer wieder aufgebaut 
worden ist. Hiemit ist auch die Streitfrage, ob das heutige Gaza 
an der Stelle des alten liege oder nicht, bejahend entschieden. 
Das Gesagte gilt jedoch nicht von den auf der Ebene liegenden 
\ ortit'idten Iiäraf es-sadschdlje xmd /larat et-tujfä h odev Tnfen; 
dieselben sind jedenfalls erst später entstanden und waren nie 
von der Stadtmauer eingeschlossen. Denn dieselbe müsste sonst 
einen Umfang von wenigstens drei Stunden gehabt haben, wenn 
man bedenkt, dass auch die Südseite und die Westseite eine 
Vorstadt hatte. 

Es gilt nun die Schwieiigkeiten zu lösen, welche die histo- 
rischen Angaben bieten, die von einem alten und neuen Gaza 
sprechen und eine Änderung der Ortslage behaupten. Unter 
Neugaza ist entweder die Hafenstadt Majumas, oder die südliche 
^'orstadt von Gaza zu verstehen. Das alte Gaza hiess spTjao«; 
j wüste«, weil es manchmal zerstört und vielleicht auch eine Zeit- 
lang verlassen worden Avar. Da es zur Zeit des heil. IIieronymus 
«jtienbar auf dem Hügel der heutigen Oberstadt lag und mit seL 
nen zwölf Götzentempeln und l'rachtbauten jedenfalls eine an- 
sehnliche Stadt war, so muss man annehmen, dass Hieronymus 
unter der alten Stadt einige damals in Kuinen liegende Vorstädte 
gemeint ha])e. Eine halbe Stunde nördlich vom heutigen Gaza 
lätist sich eine für das alte Gaza passende Ortslage absolut nicht 
finden. Keine Spur davon! Die bezüglich der Ortslage von Alt- 



11 

lind Nen-Gaza in den historischen Angaben herrschende Con- 
fiision kann demnach die sonst deutlich bezeichnete Identität der 
Ortslage nicht beeinträchtigen. Dass Majiimas von Alt- und 
Neu-Gaza 20 Stadien entfernt war, wird streng genommen nir- 
gends gesagt, so viel ich weiss, sondern nur, dass Gaza zur Zeit 
Arrian's und zur Zeit des Sozomenus 20 Stadien vom Hafen 
Majumas entfernt lag. Unter r^ vir/, {"a^a kann man demnach 
Majumas verstehen. 

Der Ausdruck rhirbet es-sür ^) ist hier unbekannt und wurde 
offenbar nur von den Begleitern Guerin's erfunden , um ihm et- 
was zu antworten. Dagegen Avird diese lluinenstätte, wie gesagt, 
ein Theil von Majumas. Chirbet Schech Hatschan genannt. Pro- 
LEMAEUS verzeichnet Anthedon ein wenig nördlich vom Hafen 
Gazas, da. wo ich es gefunden habe. Guerin dagegen behaup- 
tet, dies sei ein Irrthum, wie man aus Josephus ersehe. Wenn 
JosEPHüS Ant. Xni. 15, 4 Anthedon nach Gaza und vor Raphia 
erwähnt, so kann man daraus nicht schliessen, dass es südlich von 
Gaza liegen, sondern nur, dass es nördlich von Raphia und süd- 
lich von Azotus liegen müsse. Die Angabe des Plinius steht 
allerdings vereinzelt, insofern er allein deutlich Anthedon nach 
dem Norden von Gaza verweist , während Josephus und andere 
sich hierüber nicht bestimmt ausdrücken. Da Guerix Anthedon 
nach Majumas versetzt , so ist er genöthigt , für Majumas einen 
Sandhügel als Ortslage anzunehmen. 

Eine halbe Stunde nördlich von Gaza findet man mitten in 
Haumgärten ein kleines Dorf Namens maschcüiara . Die nazle ge- 
nannte Ortschaft liegt nicht am Meere , sondern ganz nahe bei 
dschabälja , etwas westlich davon , und ist, Avie der Name sagt, 
eine Gründung dschabälja^,. 

Die westliche Vorstadt Gaza s zu beiden Seiten der Strasse, 
die zum Meere hinausführt, hiess ehemals harat es-siwiara. Sa- 
maritaner-Quartier, Die Töpferwerkstätten nördlich von der 
Strasse sind der einzige Überrest dieser Vorstadt. An die Sama- 
ritaner erinnert ausserdem noch ein Bad Namens hammäm es- 
sumara. 



1) Nach Guerin, Judee 2, 215 unmittelbar am Meere gerade westlich 
von Gaza. Die Red. 



12 

Der Name der südlichen N'orstadt. die sehr ausgedehnt ge- 
wesen sein muss. ist nicht mehr bekannt. Im Centrum dersel- 
ben stand eine Dschaule genannte Moschee, deren Minaret auf 
horizontal untergelegten Säulen ruhte. Der l^egräbnissplatz mit 
den bekannten Marmorsäulen . welche am Wege zur Quarantäne 
im Hoden stecken, gehörte zu dieser Vorstadt. Gegen die Stadt 
zu endet dieser Raum mit einem hüh ed-därun genannten Schutt- 
hügel, wo bei Gelegenheit des orientalischen ('ameval ein Volks- 
fest stattfindet. 

Am Südostrand der Oberstadt, da. wo der Weg in die süd- 
liche Vorstadt hinabführte . stand ehemals ein Kastell, Namens 
hat at el-lennd'ije. Jetzt ist ein Schutthaufen dort, der aber noch 
immer el-lemällje genannt wird. Der Erbauer des ('astells wird 
wohl Jce7näl geheissen haben. 

Folgende Angaben mögen zugleich als Nachtrag zu der 
ZDPV. II. Tafel IV gegebenen Karte betrachtet werden. Dsclia- 
bäljä liegt eine Stunde nördlich von Gaza, mascJuihara in der 
Mitte zwischen Gaza und dscJtahaljU. schlich radicän in der Mitte 
zwischen maschahara und Anthedon, hetlahjä '-^l^ St\inden nörd- 
lich von dschahäljZi etwas gegen Westen im Sande. SchT'cJi ha- 
san, die Quarantäne am Meere und der Hafenplatz in der Mitte 
von beiden 25 Minuten südlich von Teda oder el-Blachije. 
Schech liatschan 5 Minuten südlich von der Quarantäne etwas 
landeinwärts. Die grosse Quarantäne bei der Stadt liegt Y4 Stunde 
südlich davon etwas gegen Westen an der Strasse nach Egypten. 
SchT'ch 'adschl'm liegt 3/4 Stunden südlich vom Hafenplatz oder 
ebensoweit nördlich von der Mündung des Wadi Gaza, ^'on 
Gaza kommt man in IY2 Stunden nach den feil adschül oder 
\idsrhTir genannten Hügeln von Wadi Gaza, von dort gelangt 
man in 1 • 2 St\mde nach der el-balah . das auf der erwähnten 
Karte irrthümlicherwcise weit nördlich davon eingetragen ist. 
Bf'/ii selille und rJiän jTimts liegen eine halbe , respectivc eine 
Stunde südlich von der el-balah etwas gegen Osten. Die KaVa 
'/,\)V\ . n, \\)') ist keine Ortschaft, sondern das Kastell von chän 
jTiTu/s. Nasra, ein zerstörtes Dorf, liegt fünf Viertelstunden süd- 
lich von Gaza etwas gegen Osten, nördlich am Wadi Gaza. Man- 
snra, ebenfalls ein zerstörtes Dorf, liegt '/-i Stunde östlich von 
Nasra etwas gegen Norden. Dschebel el-mtmfär liegt eine Stunde 



\'^ 



südöstlicli von der Obei!?tadt oder 1/2 ^^tunde südöstlich von der 
Unterstadt. 

Der Ort Gaza selbst besteht aus zwei Theilen oder zwei 
Städten, wenn man Avill, einer Oberstadt vnid einer Unterstadt; 
sie sind fünf Minuten voneinander entfernt. Die Oberstadt, die 
eigentliche Stadt mit meistens aus Steinen erbauten Häusern, 
hat die Form eines Rechtecks , dessen Langseite dem Meere pa- 
rallel läuft; die untere Stadt, gewöhnlich ea-sechchalje genannt, 
ifleicht mehr einem Quadrate. Die Seiten der Ober- und Unter- 
Stadt laufen aber einander nicht parallel; die Nordostecke der 
Oberstadt steht der Südwestecke der Unterstadt nahe gegenüber, 
die Nordwestecke der Oberstadt ist dagegen bedeutend von der 
Nordwestecke der Unterstadt entfernt. Von der Einmündung der 
Jafastrasse in die Oberstadt bis zu deren Südende braucht man 
20 Minuten, von der Einmündung der Meeresstrasse bis zum 
Ostrande der Stadt etwa 10 Minuten. Die Unterstadt kann man 
in lU Minxiten nach jeder Richtung hin durchschneiden. Wer 
die ganze Stadt umgehen will, braucht wenigstens zwei Stunden. 
Die Baumgärten dehnen sich nach Norden und Süden eine 
Stunde, nach Osten und Westen 1/2 Stunde weit aus. Einen Plan 
von Gaza anzufertigen wäre eine interessante , aber schwere Ar- 
beit. Die ganze Umgebung ist nach allen Richtungen hin mit 
breiten, fahrbaren Strassen durchzogen. Am Nordwestrande der 
Oberstadt in der Nähe der Moschee Sa'^id Häschim sieht man 
noch den Überrest einer antiken Ziegelmauer. 

Auf dem Steinmarkte bemerkte ich ein paar Steine mit grie- 
chischen Inschriften auf Kalktünche, wahrscheinlich Grabsteine. 
Neulich wurden zwei zierliche antike Marmorbecken in Form 
von Schüsseln mit vier Ansätzen sammt Farbenreiber, ebenfalls 
aus Marmor, gefunden. — In Askalon sind vor kurzem mehrere 
Statuen zum Vorschein gekommen. 

Mittlere Temperatur in Gaza im J. 1882 (nach Rcaumur). 





Früh 


Mittags 


Abends 


Im Allgemeinen 


Januar 


6V2 


11 


93/4 


9 


Februar 


6V4 


IOV4 


63/4 


8 


März 


9 


15 


121/2 


12 


April 


113/4 


17 


141/2 


141/2 


Mai 


131/2 


19 


151/2 


16 



14 

Früh Mittags Abends Im Allgemeinen 

Juni 14V> 2IV4 I7V2 17 

Juli 17V4 233/4 203/4 20V4 

August \S\, 24 21 23 

.September IS 23 21 21 

Octüber 15 21 IS 18 

November 12 17 14 14 

December K' 15 13 13 

Mittlere Temperatur in der Frühe: 12^/4 

j) » Mittags : 1 S 

» » Abends: l^Va 

» » im Allgemeinen: 151/2 

Grösste Hitze Juli. August: 25° 
Grösste Kälte Januar. Februar : 3° Wärme 

Kegentage vom Januar bis Mai: 50 
Winter vom 14. Januar bis 22. Februar. 
Sommer vom 10. Juli bis 3. August. 
Sirocco: 11 Tage. Südwind b3 Tage. Westwind 203 Tage. 

Gaza, 10. April 1S83. 



Das altcliristliclie Taiifliaus neben der Kirche 

in Aniwäs. 

Eingesandt von Baiuatli C. Scliick in Jerusalem. 

(Hierzu Tafel I). 



A'üi" einigen Jahren hat eine französische Dame die Kuinen 
einer einstigen Kirche sammt dem sie umgebenden Platz neben 
dem heutigen Dorfe "^Amwäs an der Strasse von Jafa nach Jeru- 
salem gekauft und dann begonnen , die alten Mauern von dem 
sie grösstentheils bedeckenden Schutt befreien zu lassen. Sie 
beabsichtigt, die einstige Kirche möglichst getreu nach den 
früheren Dimensionen wieder herstellen zu lassen. Im Verlaufe 
dieser Arbeiten erkannte man , dass das Gebäude aus zwei ver- 
schiedenen Zeiten stammt. Das ältere Bauwerk ist oifenbar by- 
zantinisch und zeichnet sich durch schöne grosse Steine aus : das 
jüngere ist durch die Kreuzfahrer errichtet, eine kleine einschif- 
fige Kirche von etwas plumpem Styl, die nur den mittleren Theil 
des byzantinischen Gebäudes bedeckt hat ^vgl. Taf. I, Plan der 
alten Kirche und des Taufhauses). Diese lateinische Kirche ist 
jetzt schon lange dem Schicksal der Zerstörung anheimgefallen, 
ebenso wie einst ihre griechische Vorgängerin. 

Bei den Ausgrabungen fand man im Jahre 1881 in dem nörd- 
lichen Seitenschiif unweit der Apsis den Abakus einer alten Säule, 
der eine kxirze griechische und eine kurze hebräische Inschrift 
trug, die inzwischen in den Quarterly Statements for 1882. 
S. 2 2 ff. veröffentlicht worden sind' . Neuerdings sind dicht 

1) Vgl. auch meine Mittheilungen über die Ruinenstätte und die Inschrif- 
ten in Ebers und Gutue, Palästina in Bild und Wort I, S. 214 u. Anm. 4(3. 

GUTHE. 



16 

neheu der Kirclie. an Uirer nördlicheu Seite, die Reste eines 
Tanfhiiuses. eines liaptisterinms. aufgedeckt Avorden, über die ich 
im F«.lgenden zu den Zeichnungen der Tafel I einige Bemerkun- 
gen machen will. 

Soweit die aufgedeckten Keste erkennen lassen, war das 
Haptisterium ein viereckiges Gebäude, dessen Ostseite sich in 
eine Apsis erweiterte, üie Mitte der Kundung zeigt in der Linie 
der geraden Wandecken das kre\izförmige Taufbassin. Es ist 
schön in Stehi gearbeitet, gut ceraentirt, und liegt, wie die 
Durchschnitte I und II zeigen, zur Hälfte unter, zur Hälfte über 
dem Jioden. Der Durchschnitt I lässt erkennen, wie in dem nach 
Westen gerichteten Arm des Jiassins einige Stufen angebracht 
worden sind . auf denen die Täuflinge in das Wasser hinabstie- 
gen. Der Kaum hinter dem Bassin ist durch eine niedrige, die 
Apsis quer wie eine Schranke durchschneidende Schwelle abge- 
grenzt. Hinter derselben stand Avohl der Priester oder der 
Bischof. Vor derselben befinden sich zu beiden Seiten des Bas- 
sins schalenförmige Vertiefungen in dem Boden , die durch eine 
Röhre mit dem Becken selbst in Verbindung stehen, so dass das 
in ihnen sich ansammelnde Wasser in das Bassin ablaufen konnte 
vgl. Durchsclniitt II;. Diese Schalen bezeichnen wahrscheinlich 
den Standort , den die Täuflinge einnahmen . nachdem sie das 
Bassin verlassen hatten. 

Leider Avar es dem Zeichner nicht möglich, Messungen vor- 
zunehmen. Die Darstellung der Tafel kann daher nicht ganz ge- 
nau genannt Averden. Doch ist das Gesammtbild im ganzen rich- 
tig und treu. Als die Länge, resp. l^reite des Bassins giebt er 
3,50 m, als die Tiefe 1.35 m an. 

Der Platz der Kirche und des Taufhauses ist jetzt mit einer 
Mauer umgeben und daher nicht mehr allgemein zugänglich. Die 
Ausgrab\ingen sollen fortgesetzt Averden und können vielleicht 
noch andere Averthvolle Keste zu Tage bringen. Jedenfalls liabeu 
sie xins in dem Taufliause einen echt byzantinischen Bau aufge- 
deckt , der möglicherweise bis in das vierte Jahrhundert nach 
Chr. Geb. hinaufreichen kann. 

Jerusalem, Juni 1883. 



Die Pilgerfahrt des russisclieu Abtes Daniel ins lieilige 

Land 1113—1115. 

Aus dem Kiissischen übersetzt von A. JiCSkien in Leip/io-. 



Die Reisebesclireibinig des Hegumenos Daniel ist ein in der 
altrussiscben Tjiteratur sebr verbreitetes liucb gewesen. Man 
kennt circa 40 ITandscbriften , von denen 31 dem Herausgeber 
A. S. NoROFF vorlagen und 15 als die besseren von ilira haupt- 
säclilicli benutzt sind. Keine der Handscbriften ist älter als das 
15. Jabrli. Noroff's Ausgabe (Putesestvie igiimena Daniila po 
svjatoj zemle [1113 — 1115], izdano archeograficeskoju komrais- 
sieju pod red. A. S. Norova, s ego kriticeskimi zamecanijami. 
St. Peterb. 1S64) liegt zu Grunde der in den ceti minei (Heili- 
genlegenden) des Makarius entbaltene Text, eine Auswahl von 
Varianten begleitet sie. Noroff gab zugleich eine französische 
Ubersetziing : Pelerinage en terre sainte de l'igoumene russe Da- 
niel [1113 — 1115] traduit pour la premiere fois ; accompagne de 
notes critiques et suivi du texte russe etc. par Abraham de NorofF. 
St. Petersb. lSß4). In meiner Übersetzung habe ich mich streng 
an die Ausgabe Noroff's halten müssen, da mir handschriftliche 
Texte nicht zugänglich sind und ich zu wenig in der Geographie 
Palästina' s und der betreffenden Literatur über die heiligen Stätten 
bewandert bin, um unter den von Noroff gegebenen Varianten 
eine sichere Wahl treffen zu können. Im <j;anzen stimmt meine 
Aversion, wie ich durch nachherige Vergleichung constatirt habe, 
mit der Noroff' sehen überein; ob ich bei Abweichungen von ihm 
(las Richtigere getroffen habe , kann ich nicht mit voller Sicher- 
heit behaupten : der Text ist an manchen Stellen sehr unklar und 
die Verbindung der Sätze zweifelhaft. Unter diesen Umständen 

Ztschr. d. Pal.-Ver. VII. 2 



18 



habe ich niicli heiniilit, den Text so wortgetreu wie möglieh wie- 
der/.u^'eben : Noutu-i' ijicht molir eine glatte, wohlstilisirto Ver- 



sion 



Die Zeit der lieise ergicbt sich daraus, dass Daniel selbst 
er/.ilhh,, er habe sie angetreten während der Regierung des Gross- 
fiirsten Sviat()])(»lk Izjaslavic, der von 1093 — 11 13 regierte, und 
dass er in l^llii^tina ein fStiick Weges mit dem Heere Halduins 
zog, als dieser seinen Zug gegen Damaskus unternahm, 1115. 

Pilgerfahrt des Möiiehes Daniel. 

Erzählung von der Reise nach Jerusalem , von den Städten, 
von der Stadt Jerusalem selbst , von den verehrungswürdigen 
Stätten, welche um die Stadt liegen, und von den heiligen 

Kirchen . 

Ich , der unwürdige Hegumen '-) Daniel , aus dem russischen 
Lande , der geringste unter allen Mönchen , demüthig wegen vieler 
Siinden und der Unwissenheit in jeglichem guten Werke, getrieben 
von meinen Gedanken und meiner Ungedidd, bekam die Sehnsucht, 
die heilige Stadt Jerusalem zu sehen und das I^and , das Gott dem 
Abraham verheissen hatte. Durch Gottes gnädigen Willen beschirmt, 
erreichte ich auch die heilige Stadt Jerusalem uud sah das ganze 
Land Galiläa und die heiligen Stätten und besuchte alle, das ganze 
Land , wo Christus unser Gott mit eignen Füssen wandelte und viele 
Wunder seinen heiligen Aposteln und Jüngern hochherrlich zeigte. 
Das also alles habe ich mit eignen Augen gesehen , und alles liess 
mich Gott sehen, was ich lange Zeit gewünscht hatte, von meinen 
Gedanken gepeinigt. Ihr aber, Brüder uud Väter, meine Gebieter, 
seid nachsichtig gegen mich und verdenkt es nicht meinem geringen 
Verstände \ind meiner Unwissenheit, dass ich von Jerusalem und vom 
gottgesegneten Lande und von dieser heiligen Reise geschrieben habe. 
Denn wenn jemand diese Reise macht in Furcht und Demuth, so ver- 
sündigt er sich freilich nicht gegen die Gnade Gottes ; ich aber habe 
unwürdig diese heilige Reise gemacht, in jeglicher Schwachheit und 
Trägheit, essend und trinkend, \ind habe allerlei Unwürdiges gethan, 
aber dennoch hotte ich auf die Gnade Gottes und auf Eure Fürbitte, dass 
mir Cliristus unser Gott meine unzähligen Sünden vergebe. So habe 
ich auch diese Reise und diese heiligen Stätten beschrieben , nicht in 

1) Die mit G. bezeichneten Anmerkungen aind von der Redaction hinzu- 
gefügt. 

2) Die Würde eines Hegumen in dem Klosterwesen der griechischen 
Kirche entspricht der abendländischen Stellung eines Priors. G. 



19 



Ueborliebnng und Stolz darüber. Das sei ferne, denn icli liabo nichts 
(lutcs auf dieser Jieiso vollbradit , sondern ans Liebe ym den heiligen 
Stätten hal)e ich alles anfgesclirioben, was ich mit meinen sündigen 
Augen gesehen habe , damit nicht in Vergessenheit gorathe das, was 
mir Unwürdigem Gott zeigte ; und ich fürchtete das Urtheil über 
jenen trägen Knecht, der das IM'und seines Herrn verbarg und es nicht 
wuchei'n Hess. Auch habe icli es um der Gläubigen willen aurgesclirie- 
ben, damit einer , w^enn er von den heiligen Stätten liin-t . im Geiste 
und in Gedanken dahin eile und gleichen Tiolin empfahe mit denen, 
die dahin gepilgert sind. Viele nun, welche diese heiligen Stätten be- 
suclit und die heilige Stadt Jerusalem gesehen haben , überlieben sich 
in ihren Gedanken, als liätten sie etwas Gutes vollbracht, und verlie- 
ren wieder den Ijohn ihrer Mühe, von welchen ich der erste bin. 
Viele auch , die nach Jerusalem gekommen sind , haben vieles Gute 
nicht gesehen, da sie eilen schnell zu reisen, diese Reise darf man 
aber nicht schnell machen, sondern gemächlich, nicht in Eile ; nur so 
kann man alle die heiligen Stätten in der Stadt Jerusalem selbst und 
ausserhalb der Stadt sehen. 

Ich nun, der unwürdige Hegumen Daniel, als ich nach Jerusalem 
gekommen war, habe 1(3 Monate in der Metochie des heiligen Saba^) 
\erweilt und habe von da ausgehend alle die heiligen Stätten er- 
kundet und wohl gesehen. Denn unmöglich ist es, ohne Führer zu 
reisen und ohne Sprache (Dolmetscher) alle die heiligen Stätten wohl 
zu erkunden und zu sehen. Und was ich bei mir hatte von meiner 
geringen Habe, von dem gab ich allen, die alle heiligen Stätten in der 
Stadt und ausserhalb der Stadt gut kennen, damit sie mir alles gut 
zeigten, wie es auch geschah. Und Gott vergönnte mir in der Laura 
des h. Saba^) einen Mann zu finden, heilig und betagt und sehr ge- 
lehrt, und diesem heiligen Manne legte Gott ins Herz, mich Geringen 
sehr zu lieben, und derselbe zeigte mir gut alle heiligen Stätten, die 
in Jerusalem sind, und durch das ganze Land führte er mich gut, bis 
zum Meer von Tiberias, bis Thabor, bis Nazareth, bis Hebron, bis zum 
Jordan und bis Bethlehem ; über alle diese heiligen Stätten führte er 
mich und bemühte sich um mich aus Liebe, und noch viele andre hei- 
lige Stätten habe ich gesehen, wie ich davon hernach erzählen werde. 

Von der Reise nach Jerusalem. Der Weg nach Jeru- 
salem. Von Constantinopel hat man auf dem Meerbusen zu fahren 



1) Die Metochie des heiligen Saba lag östlich neben dem Davidsthurm 
(der heutigen Citadelle), südlich an der Gasse, die von dem Davids- oder Jafa- 
thore nach dem Tempel des Herrn (Felsendom) hinabführte. So Tobler, Topo- 
graphie von Jerusalem I, p. 397. Anders NorofF, Pelerinage an t. s. de 
rigoum. russe Daniel p. 3, n. 1 auf Grund eines Fehlers in der lateinischen 
Ciaersetzung der Pilgerschrift des Mönches Johannes Phokas aus Kreta (1185) 
in Allatii Symmicta p. 21. G. 

2) Hier ist das bekannte Kloster Mar Saba zwischen Bethlehem und dem 
Todten Meere gemeint. Vgl. unten p. 50. G. 

2* 



f> 



20 

300 Werst 1^ bis zum grossen Meere, bis zur Insel Petala 2) 100 Werst; 
und das ist die erste Insel in dem engen Meere 3) , und ist dort ein 
guU-r llal'on; da ist auch die grosse Stjidt Heraclea^J, und gegen- 
über dieser Stadt kommt das heilige Oel (fJtupov) aus der Meerestiefe 
hervor, denn dort sind heilige Märtyrer von den Peinigern versenkt 
worden. Von der Insel Petala aber bis Kallipolis 100 Werst und von 
Kallipolis '>(! Werst bis zur Stadt Abydos, und gegenüber dieser Stadt 
lii'gt der heilige Euthymios der Jüngere begraben^). Von da aber bis 
Krete^) 20 Werst, und dort geht es ins grosse Meer hinaus, links 
nach Jerusalem, rechts zum heiligen Berge' , nach Thessalonich und 
Rom. Von Kreto aber bis zur Insel Tenedos :^0 Werst; das ist die 
erste Insel im grossen Meere, und dort ruht Abudimos, der Märtyrer 
Christi ; auch ist dort, gegenüber dieser Insel, eine grosse Stadt ge- 
wesen, Namens Troas ; dahin ist nämlich der heilige Apostel Paulus 
gekommen und hat jene Gegend unterwiesen an Christum zu glauben 
und sie getauft. Von der Insel Tenedos aber bis zur Insel Mitylene 
100 Werst ; dort liegt der heilige Georg, der Metropolit von Mitylene : 
von da bis zur Insel Chios 1 00 Werst, und dort liegt der heilige Mär- 
tyi-er Tsidor ; auf dieser Insel wird Mastix und gute Weine und aller- 
lei übst erzeugt. Von der Insel Chios aber bis zur Stadt Ephesos 
CO Werst; dort ist das Grab des heiligen Johannes Theologos; aus 
seinem Grabe kommt heiliger Staub heraus zu seinem Gedächtniss, 
und man nimmt diesen Staub zur Heilung jeglicher Krankheit; und 
das Kleid des Johannes liegt dort, in welchem er selbst wandelte. Und 
dort ist in der Nähe die Hohle der sieben Kinder, wo auch ihre Leiber 
liegen, derer, welche 372 Jahre schliefen ; zur Zeit des Kaisers Decius 
schliefen sie ein und unter Theodosius kamen sie wieder hervor. In der- 
selben Höhle liegen die 300 heiligen Väter. Das Grab der Maria Mag- 
dalena ist auch hier und ihr Kopf, und der heilige Timotheus, der 
Schüler des heiligen Apostels Paulus , liegt in der alten Stadt begra- 
ben. Und ebenda in einer alten Kirche ist ein Bild der heiligen Got- 
tesmutter; mit diesem Bilde widerlegten die heiligen Väter den Ketzer 
Nestorius. Und dort ist das Bad, wo Johannes Theologos mit seinem 
Schüler Prochoros bei der Romanis arbeitete *^1 , und wir sahen den 
Hafen , wo das Meer den Johannes Theologos auswarf ; dort nämlich 



1 Entspricht der heutigen russischen Versta ; unter Stadium in unserem 
Text ist d:issell)e zu verstehen ; die Angabe von 'M)0 W. bezieht sich auf die 
Entfernung von Constantiuopel bis zum Südcnde des Hellespont, die in ein- 
zelne Strecken mit besontU'ren /ahlangabeu zerlegt wird. 

2) Nach Nokoff's Vermuthung das heutige Eiland Kutala oder Kutali 
nelien der Insel Marmara. G. 

3) Das ist Helle.spont. 

4) Zu verstehen das Proconnesus gegenüberliegende Heraclea. 
h) F/J!l'j(j.io: ö vio;. 

6) Auf dem Chersonnes am Ausgange des Hellespont. 7) Athos. 

8| Vgl. Acta Johannis ed. Tu. Zahn (18S0), p. 7 ff. 17 ff. G. 



21 



hielten wir uns drei Tage auf, der Hafen heisst ') . Die Stadt 

Ephesos aber liegt auf dem Festlande, vom Meere entfernt 4 Werst, 
in den Bergen, mit allem reichlich versehen ; und dort bezeugten wir 
jenem heiligen Grabe unsre Vcrolirung. Dureli Gottes Gnade aber 
und die Fürbitten des lieiligen Johannes Theologos beschirmt gingen 
wir voll Freude von dannen. Von Ephesos bis Samos sind 40 Werst, 
und auf dieser Insel giebt es viele Fische, und Überfluss an allem hat 
diese Insel. Von der Insel Samos bis zur Insel Ikaria 2(» Werst, und 
von der Insel Ikaria bis zur Insel l'atmos (iO Werst; seitwärts weit 
ins Meer hinaus liegt die Insel Fatmos ; auf ihr schrieb Johannes 
Theologos das Evangelium, als er mit Frochoros, seinem Schüler, ver- 
bannt war. Von da folgt die Insel Leros, ferner die Insel Kalymna, 
ferner die Insel Nisera '^) , ferner die Insel Kos , sehr gross , reich an 
allem, Menschen und Vieh ; ferner die Insel Telos ; auf ilir giebt es 
(Schwefel-) Mehl ; aus einer Grube quillt brennender Schwefel, den 
siedet man und verhandelt ihn an Kaufleute ; es ist der, mit dem wir 
Feuer schlagen ; fcnncr die Insel Chalkia (Chalke) . Und alle diese 
Inseln sind sehr reichlich mit allem gesegnet , mit Menschen und 
Vieh ; einander benachbart , sind sie ungefähr 1 Werst voneinander 
entfernt. Ferner die Insel Rhodos, sehr gross und reich an allem ; 
auf dieser Insel war es, wo Oleg , der russische Fürst, zwei Sommer 
und zwei ^Vinter lebte. Von d*'r Insel Rhodos bis zur Insel Samos 
sind 5 Werst'*) und von der Insel Samos bis zur Stadt Makre'*) 
60 Werst. 

Von dem Balsam Gomphytis. In dieser Stadt Makre , in 
diesem ganzen Landstrich, bis Myra hin, wird ein Balsam, der 
schwarze Gomphytis , erzeugt und zwar so : er tritt aus einem Baume 
heraus wie Mark, und man nimmt ihn mit einem scharfen Eisen ab ; 
der Baum aber heisst Zygia und ist von Gestalt wie eine Erle. Und 
ein andrer kleiner Baum, hat die Gestalt einer Fichte, dünn, heisst 
Styrax ; in diesem Bäumchen ist unter der Rinde ein Wurm, von der 
Grösse eines Engerlings'^) ; und dieser Wurm bohrt den Baum an, das 
Wurmmehl kommt heraus wie Weizenkleie , auch fällt es von dem 
Baum herab wie Kirschleim ; das sammeln die Leute und mischen es 
mit dem erstgenannten Baum , thun es in einen Kessel und sieden so 
den Balsam Gomphyt, laden ihn in Schläuche und verkaufen ihn den 

1) Muromorjanoe, v.l. more morjanoe. NOROFF übersetzt : cette baie est 
surnommee la mer tranquille ; vielleicht "Marmorhafen«. 

2) Nisyros kann nicht gemeint sein, da diese Insel südUch von Kos liegt ; 
NoitOFF lässt den Namen in seiner Übersetzung nach einigen Handmehr, ganz 
weg; möglicherweise ist aber Hypsirisma gemeint, wenn nicht etwaNera nisi. 

3) So, natürlich fehlerhaft, im Text. Norüff giebt mit Benutzung hand- 
schriftl. Ijesarten : on compte 5 verstes de Karkia (Chalkia) jusqu'ä Khodes. 
Lile de Khodes se trouve ä la distance de 200 verstes de Samos. 

4) Makri an der lycischeu Küste. 

5) So nach einer Variante in Miki. Lex. pal. s. v. ponravü; die Bedeu- 
tung »Engerling« nach dem cechischen. 







Kautk-uteu. Von Makie aber bis zur Stadt Patara sind 40 Werst, dort 
ist der Geburtsort des heiligten Nicolaus, das ist seine Heimath. Von 
der Stadt l'atara aber bis Myra K» Werst, wo das (irab dos lieili^^en 
Nitcdaus ist, und von Myra nacli C^hclidoniae (iO Werst, und von Chc- 
li.iiiniae bis /,ur -grossen Insel Kypros 20U AVerst. 

Von der Insel Kypros. Die Insel Kypros ist sehr gross und 
viele Menschen sind darauf, und Überfluss hat sie an allen Gütern: so 
sind darauf 21 Bistliümer und das Ganze ein Rrzbistlium. Und Hei- 
liire sind dort viele begraben, zahllose : dort nämlich liegt der heilige 
Kniplianitts und der Apostel Harnabas und der heilige Zenon und der 
heilige Bischof Pbilagrios, den Paulus, der Apostel Christi, taufte. 
Und eben da ist ein sehr hoher Berg, und auf diesem Berge liat die 
heili'i'e Helena, die Kaiserin, ein Kreuz aus Cypressenholz errichtet 
zur Vertreibung der Teufel und jeglichem Gebresten zur Heilung und 
liat hineingesetzt einen anbetungswürdigen Nagel Christi , und an die- 
ser Stelle geschehen Zeichen und viele Wunder, und bis auf den heu- 
tigen Tag steht dieses Kreuz in der Luft, Iiaftet mit nichts in der Erde, 
sondern hält sich so in der Luft; und dort habe ich Unwürdiger die- 
sem wunderbaren Heiligthume meine Verehrung erzeigt. Und durch 
Gottes Gnade, die an diesem Orte haftet, beschirmt, durchwanderten 
wir glücklich dort diese Insel. 

^" o n Weihrauch und Balsam. Und ebenda w ird Weih- 
rauehbalsam erzeugt, und zwar fällt er vom Himmel wie Tliau. in den 
Monaten Juli und August. Es sind nämlich auf den Bergen dort viele 
kleine Bäumchen, niedrig, mit dem Grase gleichhoch, und auf die fällt 
jener gute Balsam, und man sammelt ihn in jenen beiden Monaten, in 
anderen Monaten aber lallt er nicht. Von der Insel Kypros bis zur 
Stadt Jafa sind 100 "Werst, immer auf dem Meere zu fahren, und die 
ganze Meerfahrt von Constantinopel bis zur Insel Rhodos beträgt SOG 
Werst, und von der Insel Rhodos bis Jafa 800 Weist, die ganze 
Meerfahrt von Constantinoj)el bis zur Stadt Jafa 1000 ^^'erst. Dies 
Jafa aber liegt an der Küste nahe bei Jerusalem. Von da aber geht 
man zu Laude nach Jerusalem 30 Werst, in der Ebene 10 Werst bis 
zum heiligen Georg. 

Von der Kirche des heiligen Georg. Dort nun ist 
eine Kirche des heiligen Georg und die Stadt Ramie ; (die Kirche) ist 
gross, gewölbt, und daselbst ist sein Grab im Altar, dort nämlich 
wiLrde der heilige Georg gemartert. Und viele Wässer sind dort ; 
und dort rasten alle fremden Pilger, aber nur mit grosser Gefahr kann 
man sich dort aufhalten , denn der Ort ist wüst bis auf den heutigen 
Tag ') . Und da in der ISähe ist die Stadt Ascalon, und die Sarazenen 
machen Ausfälle und erschlagen die Fremdlinge unterwegs ; so 
herrscht dort grosse Furcht. Vom Ort aber des lieiligen Georg geht 

1i \'k\. diu .Nachriclit des Ja'knbi bei CJii.DEiMEISTEK, Beiträge zur Palä- 
Btinakunde auH arabischen Uuelloii ZDl'V. IV, 88. G. 



23 



man durch die Berge bis Jerusalem 20 grosse Werst; aber in den stei- 
nigen Bergen ist der Weg sehr beschwerlich. 

Vom Berge Ar m a th e m ') . Und dort ist ein hoher Berg nahe 
bei Jerusalem , zur rechten Hand , wenn man von Jafa kommt , auf 
diesem Berge ist das Grab des heiligen Propheten Samuel und seines 
Vaters Elkan und das der Maria von Ägypten -) ; es war nämlich dies 
der Heiligen Dorf und Haus ; und die Stelle ist eingefriedigt, und 
heisst Armathem. 

Von Jerusalem. Und es liegt diese heilige Stadt Jerusalem 
in einer Schlucht und ringsum hohe und grosse Felsberge , so dass 
man nun, wenn man nahe an die Stadt herangekommen ist, auch die 
heilige Stadt Jerusalem sehen kann : zuerst sieht man das Haus Da- 
vids'' , dann ein wenig weiter gekommen, den Olberg und das Aller- 
heiligste^ und daraiif sieht man die ganze Stadt. Und dort ist auf dem 
Wege nahe bei Jerusalem, etwa eine Werst entfernt, ein flacher Berg, 
und auf diesem Berge steigen die Leute von den Pferden und alle gehen 
zu Fuss und die Christen beten an vor der heiligen Auferstehung ; und 
grosse Freude hat jeder Christ, wenn er die heilige Stadt Jerusalem 
erblickt ; denn keiner kann sich der Thränen enthalten , wenn er das 
ersehnte Land sieht und die heiligen Orte , wo Christus unser Gott 
unsrer Erlösung wegen wandelte ; und alle gehen zu Fuss mit grosser 
Freude zur Stadt Jerusalem. 

Von der Kirche des heiligen Stephanus. Und dort 
ist die Kirche des heiligen Protomartyrs Stephanus , nahe am Wege, 
zur linken Seite, wenn man hingeht^) ; an dieser Stelle wurde der hei- 
lige Stephanus, der Archidiakon , von den Juden gesteinigt, und da- 
selbst ist auch sein Grab. Und ebenda ist ein felsiger Berg, flach, der 
sich spaltete bei der Kreuzigung Christi , und der Ort wird Hölle ^) 

1) Das heutige nehi samwil, welches allerdings zur rechten Seite des nörd- 
lichen alten Weges von Jafa nach Jerusalem liegt. Vgl. ToBLEK, Topogr. I, 
p. ST4ff. .. G. 

2) So hat N. im rus.s. Text: in der Übers, de sa mere l'Egyptienne. 

3) Daniel versteht darunter den Davidsthurm, die heutige "Citadelle, vgl. 
P 27. G. 

4 Die Angabe "Zur linken Seite« will sich auf den ersten Blick nicht mit 
der Nachricht der citez de Jerusalem (s. bei ToßLER, Topographie 11, p. ISTj 
vertragen , dass die Stephanskirche westlich von der Strasse Jerusalem-Nabu- 
lus gelegen habe. Doch muss man bedenken, das.<? Daniel nicht dem Damas- 
kusthore , sondern dem Jafathore zugeht. Er wird also nördlich von der Ste- 
phanskirche die Strasse nach dem Damaskusthor in südwestlicher Richtung 
schon verlassen haben und sieht darum die Kirche zu seiner Linken, während 
sie für die gradaus auf das Damaskusthor zu Gehenden an der rechten Seite der 
Strasse Jerusalem-Nabulus lag. Die 1 881 82 aufgedeckten Reste einer Ka- 
pelle östlich von dieser Strasse werden mit der Stephanskirche nicht zusam- 
menhängen. Vgl. C. R CoNDER in PEF. Quarterly Statement April 1S82, 
p. 116. Über eini>;e Funde westlich von der Strasse berichtete Schick 1871t 
in ZDPV. n, p. 102 ff. G. 

5) Gesetzt für die russische Form des Wortes Hades. Hiermit ist das 
neutestamentliche "Wort für »Hölle», nändicli Geena gemeint, eine Verkürzung 



c 



•24 



fcuaunt und da in der Nähe ist die Stadtmauer , etwa einen Stein- 
wurf weit. 

Von d«'r Stadt Jerusalem. Und dann geht in die heilige 
Stadt Jerusalem hinein jeglicher Mensch mit grosser Freude durch das 
Thor, das nahe dem Hause Davids ist ; und es ist das Thor, das nach 
lii'thlehem führt, und es heisst Benjaminsthor 'i ; so dass für den, der 
in die Stadt will, der Weg durch das Thor (gradaus) geht; rechts aber 
geht es zum Allerheiligsten"-), links zur Auferstehung, wo das Grab 
des Herrn ist. 

Von der Kirche der Auferstehung des Herrn. Und 
es ist diese Kirche der Auferstehung des Herrn folgender Art : rund 
webaut, hat 12 runck- und 6 gemauerte Säulen-^) und ist mit Marmor- 
tiiesen sehr schön gei)Üastert ; Thüren aber hat sie sechs, und auf der 
Galerie Itj Säulen; oberhalb der Galerie unter der Spitze sind die 
heili"-eu Propheten abgebildet, alle in Mosaik, dass sie wie lebend da- 
stehen, und über dem Altar ist Christus in Mosaik abgebildet , und 
auf dem grossen Altar die Erhöhung Adams ; in der Spitze selbst aber 
die Himmelfahrt des Herrn, und beiderseits des Altars die Verkündi- 
gung und alles das hat Unterschriften in Mosaik. Die Spitze der 
Kirelie aber ist nicht bis zu Ende mit Steinen geschlossen , sondern 
nur verengt mit Brettern und behauenen Balken in der Art von Zim- 
mermannsarbeit, und so ist keine Spitze und keine Bedeckung da. 

Vom Grabe des Herrn. Unter dieser selben ungedeckten 
Spitze ist das Grab des Herrn in dieser Weise : eine kleine Höhle in 
dem Felsen ausgehauen, mit einer kleinen Thür, so dass ein Mensch 
hineinkommen kann , wenn er sich auf die Knie legt ; sie ist von der 
Höhe eines kleinen Mannes und ganz rund""), vier Ellen in die Länge 
und in die Breite. Wenn man durcli jene kleine Thür in die Höhle 
eintritt, so ist an der rechten Seite eine Stelle wie ein Bänkchen, in 
denselben Felsen wie die Höhle gehauen ; und auf diesem lag der 
Leib unsers Herrn Jesu Christi ; und jetzt ist dies heilig(> Bänkclien 
mit Marmorplatten bedeckt ; und an der Seite sind drei runde Öffnun- 
gen gebrochen , und durch diese Fensterchen sieht man den heiligen 
Stein; und lUni küssen ihn alle Christen. Und es hängen im Grabe 
des Herrn fünf grosse Lampen mit Baumöl, und es brennen diese hei- 
ligen Lampen unaufhörlich, niemand löscht sie weder bei Tag noch 

aus ge bene hinnom. Dasselbe beginnt westlich von dem Jafathure, kann also 
hier nicht verstanden werden , da Daniel noch von der nächsten Umgebung 
der Stephanskirche N von Jerusalem redet. G. 

I Das Iknjaminsthur ist nach obigen Angaben ohne Zweifel das heu- 
tige Jat'athor. G. 
■> 2) l''elsenkupp(.'l. Dif Angahe über den Wt-g »rechts« soll wohl nur den 
Gtgfnisatzf^egen die Jlichtiiiigdcs WegeszurAuferstehungskirche andeuten. G. 

15/ D. h. Säulen und Pfeiler. 

4) So wird von N. nach Vorgang Andrer das dunkle Wort des Textes 
vsjamokarna übersetzt. Vgl. die Note 2 in Pelerinage etc. p. 19, und unten 
p. 25, Anm. 2. 



25 



bei Nacht. Jenes heilige Bänkchen aber, wo der Leib Christi la^, ist 
in der Länge 4 Ellen , in ihr Breite 2 Ellen und anderthalb Ellen 
hoch. Vor der liöhlenthür aber liegt ein Stein , drei Fuss von ihr 
entfernt ; auf diesem Stein sass der Engel, der den salhenbringenden 
Frauen erschien und ilinen Christi Auferstehung verkCiudcte ; und 
die Höhle ist wie ein Ambon bekleidet mit schönem Marmor , auch 
stehen Marmorsäulchen ringsum. 12 an der Zahl. Oben aber auf der 
Höhle ist eine Art Thürmehen gci)aut, schön, auf kleinen Säulen, und 
seine Spitze ist rund zugebaut, unil mit silbernen Schüppchen, die 
vergoldet sind, beschlagen; und auf der Spitze dieses Thürmchens 
steht Cliristus aus Silber gearbeitet, von der Grösse eines Mannes, und 
den haben die Franken gearbeitet und aufgestellt, und jetzt ist er 
gerade unter jener ungedeckten Spitze. Es hat aber das Thürmehen 
drei kleine Thüren , künstlich gebildet wie kleine Kreuze ') ; durch 
diese Thüren nun steigen die Leute zum Grabe des Herrn. Das war 
also das Grab des Herrn, diese Höhle, wie ich es beschrieben liab(>, 
nachdem icli es wohl erkundet von solchen , die dort seit lauge siird 
und diese heiligen Orte kennen. 

Vom Nabel der Erde und von der Kirche. Und es ist 
diese Kirche, die Auferstehung des Herrn, rund von Gestalt"^), in die 
Länge und in die Breite 30 Klafter. Sie hat aber eine geräumige Ga- 
lerie und in dieser , oben, wohnt der Patriarch. Und von der Thür 
des Grabes des Herrn bis zur Wand des grossen Altars sind 12 Klaf- 
ter, und dort ist , ausserhalb der Wand hinter dem Altar , der Nabel 
der Erde ; darüber aber ist ein Gewölbe gebaut und oben darauf Chri- 
stus abgebildet in Mosaik , und eine Inschrift sagt : »Siehe mit der 
Spanne habe ich den Himmel ausgemessen und mit der flachen Hand 
die Erde« •') . Vom Nabel der Erde bis zur Kreuzigung Christi und bis 
zur Schädelstättc sind 12 Klafter. Und zwar ist die Kreuzigung des 
Herrn von der Auferstehung gegen Osten , die Kreuzigung ist aber 

hoch auf einem Felsen gewesen ^) Dieser Fels 

nun ist rund wie ein kleiner Hügel ; in der Mitte aber dieses Felsens 
oben ist ein Loch , tiefer als eine Elle und breiter als eine Spanne, 
rund, und dort war das Kreuz eingesenkt. Unten aber unter diesem 
Felsen liegt das Haupt Adams, des ersten Menschen. Bei der Kreu- 
zigung des Herrn , als am Kreuze unser Herr Jesus Christus seinen 
(ieist aufgab, damals als der Vorhang des Tempels zerriss und die 
Felsen zersprangen , damals spaltete sich auch dieser Fels über dem 
Haupte Adams und durch diese S^jalte kam Blut und Wasser aus den 
Rippen des Herrn hinab auf das Haupt Adams und wusch die Sünden 

1) D. h. Gitterwerk. 

2) Hier steht ausserdem nn Te.x.t noch vsjamokaccna, was also schwerlich 
dasselbe bedeutet wie krugla obrazornü »rund von Gestalt«. Vgl. oben p. 21, 
Anm. 4. 

;«) Vgl. Jes. 40, 12. 

1^ Folgt eine mir unverständliche Stelle; N. hat: et servait de poste 
pour Ics gardes. 



26 



des Menschengeschlechts ab , und man erkennt diese Spalte in jenem 
Felsen bis zum heutigen Tage. Dieser Fels aber ist eingelasst mit 
einer steinernen Mauer , und oben über der Kreuzigung des Herrn 
ein Gewölbe geltaut und wunderbar mit Mosaik geziert worden, und 
an der Ostseite au der AVand ist in Mosaik Christus abgebildet am 
Kreuze hängend, kunstreich und wunderbar, wie lebendig, doch höher 
und grösser als in AVirklichkeit. An der Südseite aber ist abgebildet 
die Abnalmie des Herrn vom Kreuz ebenso wunderbar. Thüren hat 
es zwei, und man steigt auf Stuten hinauf, auf 7 Stufen ; gepflastert 
ist es schön mit Marmorplatten ; unten aber unter der Kreuzigung, wo 
das Haupt Adams ist , ist ebenfalls ein Bau w ie eine kleine Kapelle, 
auch schön gepflastert mit Marmorplatten ; dies nun heisst die Kra- 
nion-Stätte , was so viel ist wie Schädelstätte ; oben aber , wo die 
Kreuzigung des Herrn ist, heisst es Golgatha. Von der Kreuzigung 
bis zur Abnahme sind 5 Klafter. Und ebendaselbst ist eine Stelle in 
der Nähe, nach der Nordseite zu, wo seine Kleider getheilt wurden ; 
und ebenda aucli eine andere iStelle in der Nähe , wo sie auf Jesu 
Haupt die Dornenkrone setzten und ihm den Purpur als Spottkleid 
anlegten. Und ebenda ist in der Nähe der Opi'eraltar Abrahams, wo 
Abraham Gott das Opfer brachte und den Widder schlachtete anstatt 
Isaaks, seines Sohnes, \md zu demselben Orte wurde Isaak hinaufge- 
führt, wo Christus hinaufgeführt wurde zum Opfer um unsrer Sünden 
willen und gekreuzigt von den Gottlosen. Von ebenda aus ist nahe 
die Stelle, etwa eine Klafter weit, wo Christus unser Gott den Backen- 
streich bekam, und von ebenda ist nahe das heilige Gefängniss, wo 
Christus unser Gott gefangen gesetzt wurde, und sass dort ein wenig, 
bis sie das Kreuz des Herrn fertig hatten . an welchem sie ihn auch 
kreuzigten; und alle diese heiligen Orte sind unter einem Dache. 
Von dem Gefängniss Christi aber nach Norden zu sind es 12 Klaf- 
ter i) bis zu der Stelle, wo die heilige Helena , die Kaiserin, das an- 
betungswürdige Kreuz des Herrn fand, xmd die Nägel, die (Dornen)- 
krone , das Rohr, den Schwamm und die Lanze. Es liegt aber die 
Kreuzigung des Herrn und das Grab, alle die heiligen Orte, in einer 
Senkung, denn es ist eine Anhöhe an der Westseite über dem Grabe 
des Herrn und über der Kreuzigung. Dort ist eine Stelle an dieser 
Anhöhe : an die Stelle lief eilig die Gottesmutter , sich bemühend 
Christo nachzulaufen, und sj)racli im Schmerze ihres Herzens wei- 
nend : »Wohin gehst Du, mein Kind, w^arum läufst du eilig? Ist etwa 
eine zweite Hoclizeit in Kana in Galilaea , und eilst Du dahin . mein 
Sohn und mein Gott? Geh nicht schweigend von mir, o Sohn, von 
der. die Dich geboren hat, gieb doch, ein Wort mir. Deiner Magd«. 
Als aber die heilige Gottesmutter an jene Stelle gekommen war, sah 
sie von der Höhe herab, wie ihr Sohn gekreuzigt wurde, erschrak sehr 
und setzte sich niederknicend, in Kummer und Weliklage versunken. 
L'iul da erfrdlle sich die Weissagung Simeons, wie er zuvor sagte von 

1) N. iiijder Ll)er«. 2! Klafter. 



27 



der heiligen Gottesmutter : Siehe, er ist gesetzt zur Auferstehung und 
zum Falle vieler in Israel , und Dir selbst wird ein Schwert durch die 
Seele gehen ^), nämlich, wenn Du sehen wirst Deinen Sohn am Kreuze 
hangen. Und da standen an dieser Stelle viele Freunde und Be- 
kannte, aus der Ferne zuseliend, unter ihnen aber war Maria Magda- 
lena und Maria Jacobi und Salome. Dort standen alle, die aus Gali- 
läa gekommen waren mit Johannes und mit der Mutter Jesu , alle 
Freunde, von lerne zusehend, wie davon der Prophet David sagt: 
»Meine Freunde näherten sich gegen mich und meine Nächsten stell- 
ten sich ferne von mir«-). Und dieser Ort ist etwas entfernt von der 
Kreuzigung des Herrn, etwa anderthalb hundert Klafter weit nach 
Westen, und der Name dieses Ortes ist ^Trouor], welches übersetzt 
wird: Eile der Mutter Gottes, und ist an diesem Orte jetzt ein Klo- 
ster auf den Namen der heiligen Gottesmutter; die Kirche ist ge- 
wölbt, sehr gut und recht hoch. 

Vom Davids t hu rm. Von da bis zum Thurme Davids \ind bis 
zu seinem Hause sind 200 Klafter. Es ist nämlich dies der Thurm 
des heiligen Propheten David ^) , in welchem er auch den Psalter ver- 
fasst hat ; sehr wunderbar ist dieser Thurm , aus schönem Stein ge- 
baut, sehr hoch, viereckig, ganz massiv^) 

. . . und viel Wasser ist darin ,• Thüren hat er fünf eiserne , Stufen 
200 , auf denen man hinaufsteigen kann. Jetzt lag unermesslich viel 
Getreide darin. Er ist schwer einzunehmen und ist der Hauptpunkt 
dieser ganzen Stadt. Man bewacht ihn sehrund erlaubt keinem hineinzu- 
gehen, aber mir Armen verlieh Gott die Gnade, hineinzukommen in die- 
sen heiligen Thurm, und kaum gelang es mir einen einzigen von meinen 
Leuten mit mir hineinzubringen, Namens Sdeslav Ivankovic, von den 
anderen aber liess man keinen hinein. Nahe bei diesem Thurme ist 
das Haus Urias , den der König David umbrachte , und nahm seine 
Frau Bersaba, denn er hatte sie gesehen, während sie sich in ihrem 
AVeinberge badete ; denn nahe dabei war dieses Haus, einen Stein- 
wurf weit, wo jetzt die Metochie des heiligen Saba ist'^) ; es ist zai 
erkennen, wo das Bad war, bis auf den heutigen Tag. Von dem 
Thurme aber bis zu der Stelle, wo die heilige Helena, die Kaiserin, 

das anbetungswürdige Kreuz fand sind 

20 Klafter^), und dort war eine gewölbte Kirche gebaut auf den 

1) Luc. 2, 34 f. 

2) Ps. 38, 12 nach der griechischen Übersetzung. G. 

3) Vgl. ToBLER, Topogr. I, p. 186 fr. G. 

4) Die folgenden unklaren Worte giebt N. durch : son fondement est 
forme de röche vive. 

5) Diese Angabe über die Metochie des h. Saba beweist deutlich , dass 
dieselbe nicht, wie Noroff meint (a. a. 0. p. 3, n. 1, p. 28, n. 1,, mit dem 
heutigen Demetriuskloster identisch ist. Vielmehr wird die oben p. 19, not. 1 
erwälinte Lage derselben hierdurch bestätigt. G. 

(i) Diese unklare Stelle giebt N. nach handschr. Var. : I^e Heu oü Ste. 
Helene retrouva la vraie croix se voit ä la distance de 20 sagenes du lieu du 
crucifiement, vers l'orient. 



28 



Namen der heilij^en Erliebung des anbetungswürdigen Kreuzes , sehr 
gross, jetzt aber ist dort nur ein kleines Kirchlein. Auch ist dort 
eine grosse Tliür. zu dieser Thür kam Maria von Ägypten, wollte 
hineingelien in die Kirche iind das vcrehrungswürdige Kreuz des 
Herrn küssen . aber die Kraft des heiligen Geistes Hess sie nicht in 
die Kirclic : darnach that sie Busse vor dem Bilde der heiligen Got- 
tesmutter; es stand nämlich das Bild der heiligen Gottesmutter in der 
Vorhalle nahe bei jener grossen Thür ; und darnach vermochte sie in 
die Kirche des Herrn hineinzugehen und küsste das anbetungswür- 
dige Kreuz ; durch dieselbe Thür ging sie wiederum liinaus in die Jor- 
danwüste. Und nahe bei dieser Thür ist die Stelle, wo die heilige 
Helena das Kreuz des Herrn entdeckte ; sogleich stand ein todtes 
Mädchen wieder auf. Von da nahe ist ein Ort, gegen Osten, der Prä- 
torium heisst. wo man den Soldaten Jesus überlieferte, und sie führ- 
ten ihn zu Pilatus , und da wusch Pilatus seine Häude und sprach : 
Ich bin rein vom Blute dieses Gerechten, und er Hess Jesum geissein 
und gab ihn den Soldaten, dass sie ilm kreuzigten. Und ebendort ist 
das Stadtgefängniss ; aus diesem Cjefängniss führte der Engel des 
Herrn den heiligen Apostel Petrus heraus, in der Nacht. Ebendort 
ist der Hof des Judas, des Verräthers Christi, gewesen; es ist aber der 
Ort wüst und verflvicht, denn Niemand wagt des Fluches wegen an 



dieser Stelle sich niederzulassen. Und von da ein wenig fortschrei- 
tend nach Osten, kommt man an den Ort, wo Christus die Bluttlüs- 
sige heilte. Ebenda bei einem Garten in der Nähe ist die Grube, wo 
der heilige Prophet Jeremias hineingeworfen wurde, ebenda war auch 
sein Haus ') ; daselbst war auch das Haus des A[)ostels Paulus, als er 
im Jutlcnthnm war. Und von da etwas fortschreitend nach Osten, zur 
linken Seite der Strasse , kommt man an das Haus der Heiligen Joa- 
chim und Anna : und an dieser Stelle ist eine grosse Kirche gebaut 
auf den Namen der beiden Gerechten, des Joachim und der Anna^). 
Und dort ist eine kleine Höhle in den Felsen eingehauen, unter dem 
Altar : in dieser Höhle wurde die Gottesmutter geboren ; in dieser 
Höhle ist auch das Grab der Heiligen Joachim und Anna. 

Von der Halle Salomons und dem Teiche. Und nahe 
dabei ist die Halle Salomons, avo der Schafteich ist, wo Christus den 
Gichtbrüchigen heilte , und es ist dieser Ort nahe bei Joachim und 
Anna nach Westen zu , einen Steinwurf weit. Und von da gegen 
Osten zu ist nahe ein Stadtthor , und durch dies Thor geht man nach 
Gethscmane hinaus. 

Das All e r heiligste. Von der Auferstehung Cliristi aber bis 
zum Allerlieiligsten =*) ist es so weit wie zweimal ein Pfeilschuss. Und 
ist diese Kirclie wunderbar und sehr künstlich gebaut und ihreSchön- 

1) l'>g;in/,iiiig zu 'l'oBi.Kii. Topogr. T, p. *<(). G. 

2i Auch hier hielet Uaniel eine wcrthvoUe Ergänzung der von Tohler, 
Topogr. I, 4:<U. 4;J2f. niitgetheilten Nachrichten. G. 

:ij Vgl. /um Folgenden ToBLEU, Topogr. I, p. 534 fl'. G. 



29 



lieit unsagbar; denn sie ist rund von Uosta.lt, inwendig verziert ^j mit 
Mosaik wunderbar und unsagbar ; und ihre Mauern sind belegt mit 
Marmor[)latton von kostbarem Marmor, sehr schön. Säulen hat sie 
unter der Kup[>el im Kreise stehend 1 2 runde, unter der Glallerie'-j eben- 
falls 12 runde, und 8 gemauerte Säulen; Thüren hat sie 4, mit ver- 
goldetem Kupfer belegt ; ihre Kuppel ist inwendig geziert mit Mosaik 
sehr künstli(;li und unsagbar, und von aussen mit vergoldet cm 
Kupfer besehlagen. Gerade unter dieser Kuppel ist eine Höhle in 
(hm Felsen gehauen: in dieser Höhle wurde der l-*rophet Zacharias er- 
schlagen ; daselbst war auch sein Gi'ab und das Blut des Zacharias war 
ebenda, jetzt aber ist es niclit melir da. Und es ist dort ein Stein, 
ausserlialb dieser Höhle unter der Ku[)pel , auf diesem Steine schlief 
Jacob und sah dort den Traum : Siehe eine Leiter war befestigt auf 
der Erde, und ihre Spitze ragte bis zum Himmel, und die Engel Got- 
tes stiegen hinauf und hinab an ihr und der Herr stand auf ihr. Und 
dort rang auch Jacob mit dem Engel ; und Jacob stand vom Schlafe 
auf und sprach : Siehe, der Ort ist ein Haus Gottes und hier ist das 
Thor dies Himmels -^j . Auf demselben Steine sah der Prophet David 
einen Engel mit blossem Schwerte stehen und die Kinder Israels schla- 
gen ; und David ging in jene Höhle und weinte bitterlich, betete zu 
Gott und sprach: Herr, nicht die Schafe haben gesündigt, sondern 
ich habe gesündigt *) . Und ist diese Kirche (vsjamo pkacna) 5) 1 Klafter 
quer, sowohl in die Breite als in die Länge. Aufgänge hat sie vier. 
Das alte Allerheiligste aber ist zerstört von den Heiden, und nichts 
ist übrig von dem alten Bau Salomons, sondern man erkennt nur die 
Aufschüttung (Fundament?) des Tempels, welche der Prophet David 
angefangen hatte zu bauen; jene Höhle aber und der Stein, der unter 
der Kuppel der Kirche, das ist allein noch von dem alten Bau da ; diese 
jetzige Kirche aber hat ein Ältester der Sarazenen Namens Amir 
gebaut. 

Vom Hause des Königs Salomon. Dasselbe ist das 
H^us des Salomon, des Sohnes Davids, gewesen^]. Mächtig war sein 
Bau, sehr gross und sehr schön, und gepflastert ist es mit Marmorplatten 
und ist auf Gewölben errichtet, und in ihm sind unten viele Wasser 
(behälter) , ebenso auch Gemächer, sehr schön gebaut und mit Mosaik 
vorzüglich geziert, und die Säulen auch sind aus kostbarem Marmor 
schön gefertigt. Die Gewölbe auf diesen Säulen sind künstlich ge- 
baut und gedeckt mit reinem Blei. Daselbst ist ein Thor an diesem 

1) N. en dehors; das russ. Wort izüdnu .steht aber bei der folgenden 
Beschreibung der Kuppel als Gegensatz zu »auswendig«. 
2j N. sous le plaiond. 

3) Genes. 28, 10 ff. 

4) Sam. n. '24, 15—17. 5) S. p. 24, n. 4. 

6) Man muss annehmen, dass Daniel nach dem Sprachget)rauch des 
Mittelalters (ToBLER, Topogr. I. p. 5()9) von der heutigen Aksamoschec redet. 
NoROFF a. a. O. p. ;{;{ , n. ;$ meint mit Bezlelunig auf Toblek, Topof^r. I, 
p. 584, dass das Gebäude damals in Trümmern gelegeu habe. G. 



30 

Hause, sehr schön und küustlit-li mit Mosaik verziert, und heisst das 
Schöne : an diesem 'i'liur heilten die Apostel Petrus und Johannes 
Theologos den Lahmen und Blinden ; und noch sind drei andre Thore 
da. ausser jenem, und ein fünftes, heisst das Apostelthor ; dies Thor 
nun hat der i'ropliet David jjjemacht, künstlich ist es angefertigt und 
inwendig mit vergoldetem Kupfer beschlagen ^J , und aus- 
wendig fest mit Kisen beschlagen ; Thüren aber sind vier an diesem 
Tlior : das nun ist allein übrig gebliclxMi von dem alten liuu, dazu 
der Thurra Davids, und alles andre ist neu; denn die alte Stadt Jeru- 
salem ist mehr als einmal zerstört worden. Durch dies Thor nun kam 
der Herr unser Gott hinein mit Lazarus von Bethanien, als er Lazarus 
in Bethanien von den Todton auferweckt hatte ; denn dies Thor liegt- 
nach Bethanien zu gegen Osten, gegenüber dem Olberge"^) ; und ist 
von diesem Thor bis zum Allerlieiligsten 15(1 Klafter. 

Von Bethanien und von Lazarus. Bethanien ist von der 
Stadt Jerusalem entfernt 2 Werst, hinter einem Berge, in einem Tlial. 
Es ist eine kleine Stadt, nach Norden von Jerusalem''). Tritt man in 
das Thor dieses Städtchens, so ist zur rechten Hand eine Höhle, und 
in eben dieser Höhle das Grab des heiligen Lazarus des Gerechten; 
auch seine Zelle ist dort; in dieser Zelle lag Lazarus krank und starb, 
dort erweckte ihn auch Jesus. Mitten in diesem Städtchen ist eine 
grosse Kirche gebaut, ihre Kuj)pel vergoldet, und sie ist sehr bemalt 
gewesen ; von dieser Kirche bis zum Grabe des Lazarus sind 12 Klaf- 
ter, es ist aber das Grab des Lazarus vor der Stadt noch bis jetzt und 
zwar von der Kirche nach Westen. Und dort ist auch ein gutes und 
süsses Wasser, tief in der Erde ; man kann auf Stufen zu ilim hinab- 
steigen. Von da aber etwa eine Werst entfernt, nach Jerusalem zu, 
steht eine Säule an der Stelle , wo Martha Jesu entgegenkam ; und 
ebendaselbst wiederum setzte sich Jesus auf den Esel, als er I^azarus 
auf erweckt hatte. 

Von Gethsemane und von dem Grabe der Jieiligen 
Gottesmutter. Gethsemane ist ein Gehöft, wo das Grab der hei- 
ligen Gottesmutter ist, nahe der Stadt Jerusalem, am Bache Kidron im 
Thränenthal , und liegt von Jerusalem (aus gerechnet) zwischen dem 
Sommer- und Winteraufgang (der Sonne] ; vom Stadthore sind es 
S Klafter bis zu der Stelle , wo der Jude Othonias den Leib der heili- 
gen Gottesmutter von der Bahre werfen wollte , als die Apostel sie 
zum Begräbniss nach Gethsemane trugen , und der Engel des Herrn 
schlug ihm mit einem feurigen Schwerte beide Hände ab. Und ist an 
diesem Orte ein Frauenkloster, jetzt aber von den Heiden zerstört. 
Von da bis zum Grabe der heiligen Gottesmutter sind 100 Klafter. 
Das Grab nun der heiligen Gottesmutter ist in einem Thal ; es war 

\) NouoFF: avec des ciselures adrairables. 

2) Danacii versteht Daniel unter dem Apostelthore das sog. Goldene 

Thor. ' ^ G. 

■i) Wohl irrthündiche Angabe statt : nach Osten. G. 



o 



31 

eine grosse Höhlo im Felsen eingehauen ; es liat eine kleine Thür, so 
dass ein Mensch (geviule) liineingcdien kann ; in dieser Höhle ist eine 
Bank ausgehauen in dem Höldent'elsen selbst, und auf diese Hank war 
der Leib der heiligen (lottosmutter gelegt und wurde von da ins Para- 
dies gebracht, da er unverweslich war ; und diese Höhle ist vorhanden 
bis zum heutigen Tage, von der Höhe eines Mannes , in der Breite 
vier lallen fvsjanio okaena ^ . und ringsum liat man (die Stätte) mit 
einem Thürmehcn-j aus kostbarem Marmor, sciuni gefertigt, uml)aut ; 
früher aber stand dort eine Kirche oben ül)cr diesem Grabe auf den 
Namen der Assumptio der heiligen Gottesmutter, jetzt aber ist sie von 
den Heiden zerstört. Das Grab der heiligen Gottesmutter war vor dnm 
grossen Altar dieser Kirche. 

Von der Höhle, wo (Hiristus verrathenj ward. Vom 
Grabe aber der Gottesmutter sind 10 Klafter l)is zu der Höhle , wo 
Christus von Judas den Juden verrathen ward für 30 Silberlinge; sie 
ist jenseits des Baches Kidrou am Ölberge. Und dort ist der Ort, nahe 
bei dieser Höhle, einen .Steinwurf weit, am Olberge, wo Christus zu 
seinem Vater betete in der Nacht, in der er von Judas überliefert ward 
zur Kreuzigung und sprach: »Vater, ist es möglich, so gehe dieser 
Kelch an mir vorüber«. Und an diesem Orte ist eine kleine Kirche 
errichtet. Von da aber bis zum Grabe Josaphat's ist es einen Pfeil- 
schuss weit ; das ist ein König der Juden gewesen, so heisst deswegen 
die Sclüucht und das Thal das des Josaphat. Daselbst ist auch das 
Grab des heiligen Jacobus, des Bruders des Herrn. 

Vom Ölberge und der Himmelfahrt des Herrn. Der 
Ölberg aber liegt von Jerusalem nach dem Sommeraufgang (der Sonne) 
zu ; man steigt von Gethsemane auf diesen Berg, sehr hoch, nicht mit 
tlrei Pfeilschüssen kann man die Höhe erreichen, sondern nur bis zum 
»Vaterunser«, so weit kann man von Gethsemane mit drei Pfeilsehüs- 
sen reichen. Und dort ist eine grosse Kirche gebaut, unter dem Altar 
ist eine grosse Höhle und in dieser Höhle lehrte Christus seine Jün- 
ger, wie sie beten sollten : Vaterunser, der du bist im Himmel; so 
lieisst denn dieser Ort »Vaterunser«. Von da aber bis zur Spitze des 
Ölberges selbst, wo die Himmelfahrt des Herrn war ^) ; auf dem Gipfel 
eben des Ölberges grade nach Osten ist ein kleiner Hügel, auf diesem 
Hügel war ein runder Stein , über kniehoch, und von diesem Steine 
erhob sich Christus unser Gott zum Himmel, und ist diese Stelle um- 
baut ganz herum mit Gewölben ; oben auf diesen Gewölben ist ein 
Bau wie ein Hof, kreisförmig, und gepflastert ist dieser ganze Hof mit 
Marmorplatten , in der Mitte aber dieses Hofes ist eine Art Thürm- 
chen (Kapelle) , rund gebaut, ohne Spitze ; in dieser nun unter der 

1) Vgl. p. 24, n. 4. 

2) Kapelle. N. : eile (die Höhle) forme une petite bätisse arrondie, recou- 
verte de dalles d'un niarbre precieux. , 

'■'•i Bei N. in der Übers, geht der Satz fort : on pourrait compter 80 sage- 
nes ; der Text hat die eutspreclienden Worte nicht. 



32 



ungedeckten Spitze liegt jener heilige Stein bis auf den heutigen Tag. 
wo die Füsse des Herrn gestanden haben. Auf diesem Stein ist der 
lieilige Tisch und an diesem hält man auch jetzt noch die Liturgie : 
unter diesem Tische aber ist jener heilige Stein, belegt mit Marmor- 
platten, so dass nur seine Spitze ein wenig zu sehen ist, und dort küs- 
sen die Christen. Thiireu aber hat dies Thürmchen zwei. Man steigt 
aber auf Stufen zur Himmelfahrt des Herrn hinauf, der Stufen sind 
im ganzen 22. lind ist der Ölberg sehr hoch über der Stadt Jerusa- 
lem, man sieht von ihm aus nach allen Seiten, was in der Stadt und 
ausserhalb der Stadt und beim Allerheiligsten ist, und mau kann sehen 
bis zum Meere von Sodom und bis zum Jordan, das ganze gelobte Land 
und das jenseitige Jordanland ; denn von allen Bergen dort um Jeru- 
salem ist der Ölberg der höchste. 

Von de r S t ad t Jerusalem und ihrer ü mgebung. Die Stadt 
Jerusalem ist sehr gross undfest, von Mauernganz umgeben {? vsjamo oka- 
cen) , viereckig in Kreuzesform gebaut ; Schluchten sind viele und Felsen- 
berge um die Stadt; wasserlos aber ist diese Gegend sehr, weder 
Fluss noch Quelle noch Brunnen nahe bei Jerusalem ausser dem ein- 
zigen Teiche Siloam , sondern von Regenwasser leben alle Menschen 
und Thiere in dieser Stadt. Und Getreide wächst viel und gutes für 
diese Stadt , in der Umgegend Jerusalems wächst ohne Regen , aber 
durch Gottes Segen Wein und Gerste ausgezeichnet ; wenn man einen 
Scheffel sät, erntet man dafür 90 oder 100 Scheffel'). Ist nicht das 
der Segen Gottes auf diesem heiligen Lande ? Daselbst sind auch viele 
"Weinberge um Jerusalem und Obstbäume , Feigen- und Ölbäume, 
und Johannisbrod- und Äpfelbäume und allerlei andere Obstbäume, 
verschiedenartige, unzählige. Auf dem Ölberge ist eine Höhle, sehr 
tief, nahe bei der Himmelfahrt Christi, nach Süden zu ; und in dieser 
Hohle ist das Grab der heiligen Pelagia, der Buhlerin. Und ebenda 
in der Nähe ist ein Säulenheiliger, ein Mann wunderbar und schreck- 
lich von Ansehen und sehr betagt. 

Von dem Wege zum Jordan. Und geht der Weg von 
Jerusalem zum Jordan über den Ölberg nach dem Sommeraufgang der 
Sonne) zu : dieser Weg ist beschwerlich und sehr gefährlich und 
wasserarm ; denn die Berge sind steinig und sehr hoch ; Heiden aber 
sind viele in diesen Bergen und erschlagen die Christen in diesen 
schrecklichen Schluchten, Von Jerusalem nun bis zum Jordan sind 
20 grosse Werst, 15 Werst bis Kuziva''^), wo der heilige Joachim 
fastete seiner Unfruchtbarkeit wegen, und ist dieser Ort tief an einem 
Bache, nahe am Wege zur linken Seite. Von Kuziva aber bis Jericho 
sind 5 Werst, von Jericho bis zum Jordan ü grosse Werst, alles das in 

l; NOROFF in der Uebers. : 30 und 50 Scheffel. 

2j Vgl.'l'oBLKR, To])()gr. II, p. W.i f. Er stellt den Ort richtig mit Coseba 
(X^Tr Chron. I. 4, 22 zusammen, NoROFF a. a. O. p. 45, n. 2 rnit Chesib 
'Z'TZ^ Gen. .Js, 5 und mit Kmek Keziz {y-Sp) Jo.s. 18,21, beides unrichtig Vgl. 
ZDl'V. 111, p. 12 f. G. 



33 



der Ebene auf dem Sande, der Weg sehr beschwerlich ; denn dort er- 
sticken viele Menschen von der Hitze und sterben vor Durst. Denn 
dort ist das Meer von Sodom in der Nähe dieses Weges ; es kommt 
aber ein heisser stinkender Hauch aus diesem Meere, wie aus einem 
brennenden Ofen , und versengt diese Gegend mit der stinkenden 
Hitze. Und dort ist, beinahe schon am Jordan, nahe an diesem Wege, 
ein Kloster des heiligen Johannes des Vorlihifcrs ; es ist die Stätte mit 
einer Einfriedigung umbaut. Und daselbst ist der BergHermon') 
nahe bei diesem Kloster, 20 Klafter entfernt zur linken Seite, wenn 
man hingeht: nahe am Wege ist auch ein Sandhügel, nicht gross 2). 
Von dem alten Kloster aber des Johannes zweimal so weit entfernt als 
ein giiter Schütze schiesst, da war eine grosse Kirche gebaut auf den Na- 
men des heiligen Johannes des Vorläufers. In der Nähe nach Osten zu, 
am Bergabhange, ist ein Bau wie ein Thürmchen (Kapelle) und ein 
kleines Gewölbe; an dieser Stelle taiifte Johannes der Vorläufer un- 
sern Herrn Jesus Christus ; denn bis zu dieser Stelle trat der Jordan 
a\is seinem Bette und kehrte dann zurück , und bis zu dieser Stelle 
kam er zu Christo ; vordem war an diesem Orte das Meer von Sodom 
nahe bei diesem Taufplatze, jetzt aber ist es in Folge der Taufe weiter 
zurückgewichen um 4 Stadien. Denn damals gerieth das Meer, als es 
die Gottheit nackt in den Wassern des Jordan sah, in Furcht und ent- 
wich zitternd, der Jordan aber, als er den Herrn gesehen, wandte sich 
wieder zurück, wie der Prophet spricht: »Was ist dir, Meer, dass du 
flohest, und du Jordan, dass du dich zurückwandtest« 3) . Von diesem 
Ort aber, wo Christus getauft wurde, bis zum Flusse Jordan selbst ist 
es so weit, als ein Mensch mit einem kleinen Steine werfen kann, und 
dort ist jetzt ein Badeplatz am Jordan ; dort baden sich die Christen 
und zuwandernden Pilger. Und dort ist eine Furt durch den Jordan 
nach Arabien, an derselben Stelle trat vor Alters das Wasser ausein- 
ander für die Israeliten, und alle Leute gingen auf dem Trocknen hin- 
durch. Daselbst schlug auch der Prophet Elisa mit dem Mantel des 
Elias ins Wasser, und das Wasser trat auseinander , und er ging auf 
dem Trocknen über den Jordan. An demselben Badeplatz ging die 
Maria von Ägypten auf dem Wasser zum Vater Zosimus und empfing 
den Leib des Herrn und ging wieder auf dem Wasser hinüber in die 
Wüste, und daselbst verschied sie. 

Vom Flusse Jordan. Der Jordanfluss nun läuft schnell, 

1) TOBLER, Topogr. II, p. 713 erwähnt nach dem Mönch Phokas von 
Kreta den Berg Hermonium. Vgl. Antoninus Martyr c. IX ; Ibique am Jor- 
dan est mens Hermon modicus , qui legitur in P.salmo. Itinera hieros. ed. 
Tobler et Molinier p. 96. Auch Antoninus verflicht die Stelle Psalm 114, .5 
in seinen Bericht über den Besuch am Jordan, jedoch ohne sie auf die Taufe 
Christi zu beziehen, wie Daniel im Folgenden thut. G. 

2) NoROFF : On voit aussi tout pres la montagne d'Hermon : c'est ä la 
distance de 20 sagenes du couvent, ä main gauche, qu'on apercoit cette colline 
sabloneuse d'une hauteur mediocre. 

3) Ps. 114, .5. 

Ztsclir d. Pal.-Ver. VII. 3 



34 



seine Ufer sind jenseits steil, diesseits flach, sein Wasser ist trübe und 
sehr süss, die Trinkenden können von diesem heiligen Wasser nicht 
genug zu sich nehmen, und gesund war dies Wasser den Trinkenden, 
man wird nicht krank davon und hat davon keine Beschwerde im 
Bauche. In allem ist der Fluss Jordan dem Flusse Snov*) ähnlich, an 
Breite und Tiefe, und ebenso fliesst er in grossen Krümmungen und 
reissend : Ufersümpfe hat er auch wie der Snov ; tief ist er vier Klaf- 
ter in der Mitte der Badestelle, wie ich selbst versucht und ausgemes- 
sen habe, und bin durchgegangen auf jene Seite des Jordan, und viel 
bin ich gewandert an diesem Jordanufer mit Liebe ; breit ist der Jor- 
daufluss wie der Snov an der Mündung. Und am diesseitigen Ufer 
jener Badestelle ist etwas wie ein kleines Wäldchen, viele sehr hohe 
Bäume am Jordanufer, wie Weiden sind sie und sehen so aus, aber 
es sind nicht Weiden ; oberhalb des Badeplatzes steht am Jordanufer 
viel von einer Art Weinrebe , aber es ist nicht unsere Rebe , sondern 

eine andre , ähnlich '^'j . Und dort ist auch viel Rohr und 

viele wüde Thiere leben dort , und wilde Schweine sind dort zahllos, 
und ^•iele Panther sind dort; daselbst giebt es auch Löwen jenseits des 
Jordan in den Felsbergen, dort sind sie einheimisch. Andre Berge aber 
sind unterhalb jener Berge, weiss sind sie sehr, und diese sind nahe 
dem Jordan ; das Land jenseits des Jordan heisst das Land Zebuions und 
Naphthalis. Und daselbst ist ein Ort in der Nähe, zwei Pfeilschusslängen 
vom Jordan, in der Richtung flussaufwärts, wo der Prophet Elias auf 
einem feurigen Wagen gen Himmel gefahren ist. Und ebenda ist in 
der Nähe der Bach des Elias, voll von Wasser, und das Wasser in ihm 
fliesst schnell und schön über Gestein in den Jordan, dies Wasser aber 
ist kalt und süss. Und daselbst ist die Höhle des heiligen Johannes 
des Vorläufers oberhalb dieses Baches, und dies Wasser trank Johan- 
nes, der Vorläufer Christi, als er dort lebte in dieser heiligen Höhle. 
Und daselbst ist in der Nähe eine andere Höhle, wo der Prophet Elias 
mit seinem Jünger Elisa lebte. Und das alles habe ich mit meinen 
eignen sündigen Augen gesehen. Gott vergönnte mir ja dreimal am 
Jordan zu sein und gerade am Feste der Wasserweihe '^j war ich am Jor- 
dan mit meinem ganzen Gefolge, und wir sahen die Gnade Gottes auf 
das Wasser des Jordan kommen. Eine zahllose Menge Volks kommt 
dann zum Wasser mit Lichtern , und diese ganze Nacht hindurch ist 
ausgezeichneter Gesang und zahllose brennende Lichter ; um Mitter- 
nacht geschieht die Weihe des Wassers, denn dann kommt der heilige 
Geist vom Himmel auf die Wasser des Jordan ; die Menschen nun, 
welche würdig sind, sehen wohl, wie der heilige Geist herabkommt, 
aber alles Volk sieht es nicht, nur dass jeglichem Menschen dann eine 
Freude im Herzen entsteht. So nun , wenn die Priester das heilige 

1] Ein Zufluss der Desna im Gouv. Tschernigov in Russland. 

2j NoRori' : ils ressemblent plutöt aux buissons du cornouiller. 

3) 6. Januar. Vgl. die kurzen Angaben bei Tobler, Topogr. II, p. 
095 f. G. 



35 



Kreuz eintauchen und wenn sie sprechen : '-Als Du im Jordan getaiift 
wurdest, o Herr«, dann springen alle Leute in den Jordan und werden 
im Jordanflusse getauft, wie denn Christus um Mitternacht von Johan- 
nes getauft wurde. 

Von dem Berge, auf welchem der Prophet Moses 
verschied und von den Klöstern. Und dort ist ein Berg, 
sehr hoch und sehr gross, namens Phasga , jenseits des Jordan, nach 
Süden zu, man sieht ihn allerseits von weitem : auf diesem Berge ver- 
schied Moses der Gesetzgeber, nachdem er dfH gelobte Land gesehen. 
Vom Kloster pber des heiligen Johannes des Vorläufers bis zum Klo- 
ster des Geras'mus ' i, dem das wilde Gethier dienstbar war, ist eine 
Werst, und vom Kloster des Gerasimus bis zur Kalamone der heili- 
gen Gottesmutter 2) ist eine Werst: au diesem Orte nämlich hielt die 
heilige Gottesmutter mit Christus und mit Joseph ein Nachtlager , als 
sie naili Ägypten flohen vor dem Könige Herodes: und es nannte die 
heilige Gottesmutter diesen Ort Kalamone , das verdolmetscht wird 
»gute Wohnung« ; jetzt ist dort ein Kloster auf den Namen der heiligen 
Gottesmutter , und daselbst kommt jetzt der heilige Geist zu einem 
Bilde der heiligen Gottesmutter. Und liegt" dies Kloster an der Mün- 
dung, wo der Jordan in das Meer von Sodom eintritt: und ist eben 
dies Kloster ganz von einer Einfriedigung umbaut, Mönche aber sind 
darin 20. Von da aber bis zum Kloster des heil. Johannes Chryso- 
stomus sind 2 Werst und vom Kloster des Johannes bis zur Stadt Je- 
richo eine AVei'St. 

Von der Stadt Jericho. Die Stadt Jericho nun war vor- 
mals gross und sehr fest ; und dies Jericho nahm Josua ein und zer- 
störte es bis auf den Grund; jetzt aber ist dort ein Saracenendorf. 
Dort war auch das Haus des Zakchäus, und der Stumpf des Baumes, 
auf den Zakchäus gestiegen war, da er Christus sehen wollte. Und 
daselbst ist das Haus der Sunnamitin, bei welcher der Prophet Elisa 
den Knaben auf erweckte. Es ist aber um die Stadt das Land gut und 
fruchtbar, das Gefilde schön und eben , die Palmen stehen hoch, und 
allerlei reichlich tragende Obstbäume giebt es dort; es sind auch viele 
Wassevläafe, in verschiedene Arme getheilt, sie fliessen unterirdisch, 
in diesem ganzen Landstrich. Ebenda sind die Wasser des Elisa, 
welche der Prophet Elisa süss machte , zuvor aber waren sie bitter, 
ebenso in verschiedene Arme getheilt. 

Von der Stätte des Erzengels Michael, wo er dem 
Josua erschien. Daselbst ist ein Ort nahe der Stadt Jericho, eine 
Werst weit, gegen den Sommeraufgang (der Sonne) zu. und an diesem 
Orte erschien der heilige Erzengel Michael dem Josua vor dem Heere 

1) Über Gerasimus A-gl. ToBLEE, Topogr. II. p. 715 ff. Die Dienstbarkeit 
des wilden Gethiers bei Daniel ist eine Anspielung auf die Erzählung von dem 
Löwen, dem Gerasimus einen Dorn aus der Pfote gezogen haben soll. G. 

2) Vgl. zu dem Folgenden ToBLER, Topogr. II, p. 715. G. 

3* 



36 



Israels: und Josua erhob seine Augenöl und sah vor sich stehen einen 
Mann, furchtbar anzusehen, bewaffnet, und es sprach Josua: Bist du 
unser oder von unsern Feinden? Und es sprach zu ihm der Erzengel: 
Ich bin Michael, Gottes Heerführer, \md bin dir zur Hülfe gesandt; 
fasse Muth und besiege deine Feinde ; und ziehe die Schuhe deiner 
Füsse aus, denn der Ort, auf welchem du stehst, ist heilig. Und Jo- 
sua fiel auf sein Antlitz und betete ihn an. Und ist an diesem Ort ein. 
Kloster auf den Namen des heiligen Erzengels Michael . eine grosse 
Kirche, gewölbt gebaut und hoch. Und in derselben Kirche liegen 
12 Steine: diese Steine nämlich wurden damals aufgenommen, als sich 
das "Wasser für die Kinder Israels auseinanderthat ; die Träger der 
Ikmdeslade nahmen die Steine auf, nach der Zahl der Stämme der 
Kinder Israels, zum Andenken ihrem Geschlechte. Dieser Ort hat den 
Namen Gilgal. Und nahe bei diesem Kloster nach "Westen zu ist ein 
Berg Namens Gabaou , sehr hoch und gross : über diesem Berge Ga- 
baon ■-) stand die Sonne still bis Mittag, bis Josua seine Feinde besiegt 
hatte, als sich schlug mit ihm Og, der König vonBasan, und Sion, der 
König der Amoriter, und alle Königreiche Kanaans; und als Josua 
sie besiegt hatte, ging die Sonne unter hinter dem Berge Gabaon. In 
demselbigen Berge Gabaon ist eine Höhle, sehr gross; in dieser Höhle 
fastete unser Herr Jesus Christus 40 Tage und 4 O.Nächte, zuletzt aber 
ward er hungrig ; und da trat zu ihm der Teufel ihn zu versuchen und 
sprach zu ihm : »"Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich zu diesen Stei- 
nen, dass sie Brod w-erden«. Und daselbst ist in der Nähe das Haus des 
heiligen Propheten Elisa und seine Höhle, daselbst auch ein Brunnen 
östlich vom Gabaon. 

Von der Laura des Theodosius und Sabas. Und sind 
von Jerusalem 6 Werst bis zum Kloster des Theodosius 3). Dies Kloster 
liegt auf einem Berge, mit einer Einfassung ummauert, von Jerusalem 
aus sichtbar. Und dort ist eine Höhle auf diesem Berge mitten in je- 
nem Kloster : in derselbigen Höhle hielten die Magier ein Nachtlager, 
als sie vor dem König Herodes entwichen ; jetzt ruht dort der heilige 
Theodosius und viele andere heilige Väter ruhen dort ; und daselbst in 
dieser Höhle ruht auch die Mutter des heiligen Sabas und die Mutter 

1) Vgl. Jus. 5, 13—15. G. 

2; Die Beziehung des Berichtes in Josua 10, 12 — 14 auf den Berg Qua- 
rantana — denn diesen hat Daniel_ im Auge , wie das Folgende zeigt — ist 
auffallend. C. R. Cü.ndkr giebt in seinem Buche Tent "VVork in Palestine II, 
]). 1 1 eine Erzählung der ]5eduinen aus der Umgegend von Jericho, in der das 
Wunder des Tages von Ajalon Jos. lü ebenfalls hierher verlegt und mit der 
Eroberung Jericho 's durch 'Ali Ihn Abu Tälib verbunden worden ist. Ich 
habe diese Erzählung in Ebers und GVTIIE, Palästina in Bild imd Wort I, 
j).4'J4. Anm. '.VA mitgetheilt. Da man an eine Abhängigkeit Daniel's von mus- 
limischer Tradition nicht wohl denken kann, so werden die Muslimen ihre 
Erzählung wahrscheinlich nach Angaben christlicher Mönche gebildet 
haben. G. 

3] Vgl. ToBLER, Topogr. II, p. (ITS, ft; ZDPV. III, p. ;{4 ff. G. 



37 



des heiligen llieodosius. Von diesem Kloster aber bis zur Laura des 
heiligen Sabas sind 6 Werst. Die Laura nun des heiligen Sabas 
liegt imThale Josaphat, imThriinenthal, welches ausgeht von Jerusalem 
und von Gethsemane , und diese Schlucht geht an der liaura vorüljer 
und reicht bis zum Meere von Sodom. Dieselbe Laura des heiligen 
Sabas ist von Gott sehr wunderbar hergerichtet , in sonderbarer imd 
unsagbarer Weise : es ist nämlich da ein Bach , furchtbar und sehr 
tief und wasserlos, der sehr hohe Felswände hat, und an diesen Wän- 
den sind die Zellen befestigt von Gott , angeklebt in schrecklicher 
und wunderbarer Weise in dieser Hohe, es kleben diese Zellen an 
beiden Seiten dieses furchtbaren Baches, sie stehen auf Wagescha- 
len '), wie die Sterne am Himmel sind sie angeheftet. Drei Kirchen 
aber stehen inmitten dieser Zellen. Und ist dort nach Westen zu unter 
einem Felsen eine grosse Höhle, und in dieser Höhle eine Kirche der 
heiligen Gottesmutter ; und diese Höhle wies ihm Gott durch eine 
Feuersäule, als er vormals allein in dieser Schlucht lebte. Denn es ist 
die Zelle des Sabas die erste, die wo er allein lebte ; sie ist nämlich 
entfernt von der jetzigen Laura um eine halbe Werst: und von hier 
aus zeigte ihm Gott durch eine Feuersäule über dieser heiligen Stätte 
den Ort, wo jetzt die Laura des heiligen Sabbas ist : es ist dieser Ort 
sehr wunderbar. Inmitten aber dieser Kirchen ist das Grab des hei- 
ligen Sabas, von der grossen Kirche vier Klafter entfernt. Über dem 
Grabe aber des heiligen Sabas ist ein Thürmchen (Kapelle) , schön ge- 
fertigt ; und dort liegen die Leiber vieler andrer heiligen Väter : der 
heilige Johannes Hesychastes , der Bischof, und der andre Johannes. 
der Dämascener ; dort liegt der heilige Theodor von Edessa und 
Michael, sein Sohn, und der heilige Epaphroditus liegt dort, und die 
Leiber vieler andrer heiliger Väter ruhen dort, wäe lebendig, und ein 
unaussprechlicher Wohlgeruch geht von ihnen aus. Und daselbst sah 
ich den Brunnen des heiligen Sabas, den ihm ein wilder Esel in dersel- 
bigen Schlucht zeigte , gegenüber seiner Zelle, und wir tranken dar- 
aus ein süsses , sehr kaltes Wasser ; denn an diesem Orte giebt es 
weder Fluss noch Quelle noch Brunnen , sondern nur den einzigen 
Briinnen des heiligen Sabas ; denn dieser Ort ist wasserlos in fel- 
sigen Bergen , nur von Regenwasser leben alle Leute, die sich dort 
aufhalten. Und dort ist ein Ort in der Nähe des Klosters gegen 
Süden, der Name des Ortes ist Ruva -; , nahe am Meere von Sodom : 
es sind dort hohe Felsberge und viele Höhlen in diesen Bergen : in 
diesen Höhlen leben heilige Väter, Einsiedler, in dieser schrecklichen 

1 ) ? N. hat diese Stelle in der Übers, nicht — gemeint ist wohl : in der 
Schwebe. 

2) Erwähnt bei Tobler, Topogr. II, pp. 766. 966, 96S , gedeutet nach 
Phokas p. 15 'Allatii Symmicta auf die wüste Gegend südöstl. von Mar Saba. 
zu beiden Seiten des AV. en-När abwärts bis zum todten Meere hin. Kyrill 
verlegt in der vita Euthvmii die Wüste 'Kuban« in die Nähe des Berges 
Marda, d. i. Mert, vgl.ZDPV. III, p. 19 ff. und dazu Tafel I, Schicks Karle 
der AVüste Juda. S. Tobleh. Topogr. II, p. 966. G. 



38 



wasserlosen Einöde ; und daselbst ist ein Aufenthalt der Panther, und 
wilde Esel giebt es dort viel. Das Meer von Sodom nun ist todt, ent- 
hält nichts Lebendiges in sich , keinerlei Fisch noch Muschel noch 
Krebs: wenn aber die Strömung des Jordan etwas in dies Meer führt, 
so kann es darin nicht leben . nicht einmal kurze Zeit , sondern ver- 
dirbt schnell. Denn es entsteigt dem Grunde dieses Meeres ein 
schwarzes Pech, und schwimmt dies Pech auf der Oberfläche des Was- 
sers, und liegt am Ufer viel von diesem Pech : und ein böser Gestank 
steigt aus diesem Meere auf. Vor der Laura aber des heiligen Sabas 
nach Osten hinter einem Berge ist das Kloster des heiligen Euthymius, 
1 Ü Werst weit von der Laura ; dort ruhen die Leiber des heiligen Eu- 
thymius und vieler andrer heiliger Väter wie lebend. Und liegt dies 
Kloster in einem Thal ; ringsum aber sind Felsberge, etwas entfernt 
davon; es war mit einer Einfassung ummauert, die Kirche aber lag 
auf der Höhe. Und dort war das Kloster des heiligen Theoktistes un- 
terhalb eines Berges, gegen Süden vom Kloster des Euthymius, jetzt 
aber ist es ganz von den Heiden zerstört ' . 

Von dem heiligen Zion und von der alten Stadt 
Jerusalem und vom Hause des Johannes Theologus. Zion 
nun ist ein grosser und hoher Berg südlich von Jerusalem, schräge 
und schön und eben. Auf diesem Berge war vormals das alte Jerusa- 
lem; dies Jerusalem zersörte Nebukadnezar, der König von Babylon, 
zur Zeit des Propheten Jeremias : jetzt aber liegt der Berg Zion ausser- 
halb der Stadtmauer. Daselbst war auch das Haus des heiligen Jo- 
hannes Theologus auf diesem Berge Zion ; und an der Stätte .wurde 
eine grosse Kirche errichtet, gewölbt, nahe bei der Stadtmauer, einen 
Steinwurf weit von dieser bis zu der grossen Kirche des heiligen Zion. 
Bei dieser Kirche, hinter dem Altar, ist ein Gemach, in diesem Ge- 
mach hat Christus seinen Jüngern die Füsse gewaschen. Und geht 
man von diesem Gemache ein wenig weiter, so steigt man auf Stufen 
wie zu einem Söller auf, dort ist ein Gemach schön auf Säulen gebaut, 
die Decke mit Mosaik verziert, schön gepflastert; auch hat es einen 
Altar wie eine Kirche an der Ostseite ; das ist die Zelle des heiligen 
Johannes Theologus gewesen, in dieser Zelle nahm Jesus das Abend- 
mahl mit seinen Jüngern; daselbst lag Johannes an seiner Brust und 
sprach: Herr, wer ists. der dich verräth? Und an demselbigen Ort 
war die Herabkunft des heiligen Geistes auf die heiligen Apostel 
am 5 Osten Tage. Und in derselben Kirche ist ein andres Gemach 
unten am Boden : in dies Gemach kam Christus nach seiner Aufer- 
stehung zu seinen Jüngern , als die Thür verschlossen war, und trat 
mitten unter sie und sprach zu ihnen : Friede sei mit euch ! Und 
ebenda brachte er am achten Tage Thomas zum Glauben. Und daselbst 
ist ein heiliger Stein, durch einen Engel vom Berge Sinai hergebracht. 

1 Über die Lage dieser Klöster vgl. ToBLEii, Topogr. II, 964fr., bes. 
aber Scuick-Makti, ZDPV. III, p. IT ff. und Führer ebend. p. 234 f. G. 



39 



An der anderen Seite aber dieser Kirche , nach Westen zu , ist unten 
ein anderes Gemach in derselben Art, und in diesem Gemach ver- 
schied die heilige Gottesmutter. Und das alles ist geschehen im Hause 
des heiligen Johannes Theologus. 

Von Petri Verleugnung. Und dort ist nahe der Hof des 
Kaiphas : dort nämlich verleugnete Petrus Christum dreimal, bis der 
Hahn krähte, und derselbige Ort ist gegen Osten von Zion. Und dort 
ist eine Stätte in der Nähe : an der Seite dieses heiligen Berges eine 
sehr tiefe Hohle, man steigt auf Stufen in diese Höhle hinab , der 
Stufen sind 32 , und in dieser Höhle weinte Petrus , der Apostel 
Christi, bitterlich über seine Verleugnung, \ind über dieser Höhle ist 
eine grosse Kirche gebaut worden auf den Namen des heiligen Apo- 
stels Petrus. Von da aber gegen Süden unterhalb dieses Berges ist 
der Teich Siloam, wo Christus dem Blinden die Augen öffnete. Da- 
selbst ist am Fusse des Berges Zion der Töpferacker, den sie für den 
Preis Christi kauften zum Begräbniss für Fremdlinge. Es sind aber 
dort viele Höhlen an dieser Seite des heiligen Berges, im Felsen einge- 
hauen, und in diesen Höhlen viele leere Gräber bis auf den heutigen 
Tag, wunderbar und merkwürdig hergestellt : und dort werden die 
fremden Pilger begraben , und man bezahlt keinen Platz dieser hei- 
ligen Stätte, denn sie wurde mit dem Blute Christi erkauft. 

Von Bethlehem, wo Christus geboren ward. Das hei- 
lige Bethlehem ^] nun liegt gegen Süden von Jerusalem 6 Werst weit, 
(zuerst) 2 Werst durch das Feld bis zum Absteigeplatz Abrahams, wo 
er seinen Knecht mit den Eseln zurückliess und seinen Sohn Isaak 
nahm zum Opfer, und legte ihm auf, Holz und Feuer zu tragen ; und 
sprach zu ihm Isaak : Vater, siehe da ist Holz und Feuer, wo aber ist 
das Schaf? Und Abraham sprach: Mein Kind, Gott wird uns ein 
Schaf zeigen. Und sie gingen beide auf dem Wege nach Jerusalem zu, 
denn er wurde zu der Stätte geführt, wo Christus gekreuzigt ward. 
Von da aber ist es eine Werst bis zu der Stelle , wo die heilige Got- 
tesmutter zweierlei Volk sah , eins lachend, das andre weinend ; 
und eine grosse Kirche war dort gebaut auf den Namen der heiligen 
Gottesmutter, jetzt aber ist die Stätte von den Heiden zerstört. Von 
da aber bis zum Grabe Babels, der Mutter Josephs, sind 2 Werst, und 
von da eine Werst bis zu der Stelle, wo die heilige Gottesmutter vom 
Esel stieg, denn es nöthigte sie, was in ihrem Leibe war, da es hin- 
aus Avollte. Und dort ist ein grosser Stein, auf dem ruhte die heilige 
Gottesmutter aus, als sie vom Esel gestiegen war ; und als sie sich von 
diesem Steine erhoben hatte , ging sie zu Fuss bis zu der heiligen 
Grotte , und dort gebar sie Christus , unsern Gott. Und ist die Ge- 
burtsstätte Christi von jenem Steine so weit, als ein kräftiger Mann 
mit einem kleinen Steinchen werfen kann 2] . Und ist über dieser 

1) S. zur Vergleichung mit dem Folgenden Tobler, Bethlehem 1849. 
Topogr. II, p. 464 ff. ^ G. 

2; NoROFF nach einer anderen Lesart: ä la distance d'un tir d'arc. 



40 



Grotte eine grosse Kirche erbaut, gewölbt, ganz mit Blei gedeckt, und 
inw endig ganz mit Mosaik verziert , Säulen hat sie S ') runde mar- 
murue und ist gepflastert mit Marmorplatten : Thüren hat sie drei, und 
ist in der Länge S^ Klafter bis zum grossen Altar, in der Breite aber 
2(» Klafter. Jene heilige Grotte aber, wo die Geburt Chi'isti war, ist 
unter dem grossen Altar wie eine Höhle, schön gestaltet, und Stufen 
hat sie 7, auf denen man zu einer Thür dieser heiligen Grotte hinab- 
steigt, sie hat aber zwei Thüren, und bei der anderen Thür sind eben- 
falls 7 Stufen. Wenn man durch die östliche Thür in diese heilige 
Grotte eintritt . so ist zur linken Hand eine Stelle am Boden, und an 
dieser Stelle wurde der Herr unser Gott, Jesus Christus, geboren: und 
ist an dieser Stelle ein heiliger Tisch errichtet, und an diesem Tiscli 
hält man jetzt die Liturgie, und liegt diese Stelle an der Ostseite. Und 
gegenüber dieser Stelle zur rechten Hand ist die Krippe Christi an 
der Westseite , unter einer steinernen Wagschale '^j , und in diese 
Krippe wurde Christus unser Gott gelegt, in Lappen gewickelt, unsrer 
Erlösung wegen alles duldend ; nahe beieinander sind diese beiden 
Stätten, die Geburt und die Krippe, drei Klafter voneinander entfernt; 
in dieser einen Höhle sind beide heilige Stätten ; es war aber die 
ganze Höhle mit Mosaik ausgelegt, und gepflastert ist sie schön. Die 
Kirche aber ist unten ganz ausgehöhlt. Und die Gebeine vieler Hei- 
ligen ruhen dort. Tritt man nun aus der Kirche, so ist zur rechten 
Hand eine andre Höhle, sehr tief unter jener Kirche, an der Südseite, 
und in dieser Höhle liegen die Gebeine der heiligen Kinder, von da 
sind aber die heiligen Kinder weggenommen , die Hälfte von ihnen, 
und nach Constantinopel gebracht. Und eine hohe Einfriedigung ist 
rings um diese Kirche gebaut. Und ist diese Stätte der Geburt Christi 
auf einem Berge in einer Wüste fern von Menschen, und das heisst 
jetzt Bethlehem, wo die Geburtsstätte Christi ist. Das alte Bethlehem 
aber etwas entfernt von dieser Stelle, vorher, und reichte nicht bis zur 
Geburtsstätte Christi, — da nämlich, wo jetzt ein Säulenheiliger ■*) und 
der Stein der heiligen Gottesmutter ist, auf diesem Berge war das alte 
Bethlehem. Und diese Gegend um Bethlehem heisst Ephrata, jüdi- 
sches Land, von dem geredet ist durch den Propheten Micha: du 
Bethlehem im Lande Judäa, keineswegs bist du die kleinste unter den 
Tausenden Judas, aus dir wird hervorgehen der Führer, der mein Volk 
Israel erlösen wird^y. Und ist das Land um Bethlehem sehr schön, ber- 
gig , und viele Obstbäume stehen schön an den Bergabhängen : Öl- 
bäume und Johannisbrodbäume, Feigenbäume auch und Weinberge 
sind dort viele um Bethlehem, und in den Thälern sind viele und 
fruchtbare Acker. Und ist dort in der Nähe in jener Wüste, von der 
Geburtsstätte Christi nach Süden , eine halbe Werst weit, im Gebirge 



1 ) NoROFi- in der Übers. 50. 2) N. in der Cbers. 50. 

3; N. : sous une excavation. 

4) N. : une stcle. 

5) Micha 5. 2. G. 



41 



eine grosse Höhle, und in dieser Höhle lebte die heilige Gottesmutter 
zwei Jahre mit Christus und mit Joseph nach Christi Geburt ; und in 
dicselbige Höhle kamen die Magier mit den Geschenken und beteten an 
vor Christo. Aus dieser Höhle Höh Christus nach Ägypten mit seiner 
Mutter und mit Joseph. 

Vom Hause J esse's, des Vaters Davids. Und daselbst 
ist ein Ort an der Seite eines Berges östlich von der Stadt Bethlehem, 
einen guten Pi'eilschuss weit, der Xame dieses Ortes Bithir ') . Dort 
war das Haus des Vaters Davids, in diesem Hause war der Prophet 
Samuel und salbte David zum Königthum in Israel an Stelle des Kö- 
nigs Saul. Und dort war der Brunnen Davids, aus dem er einst zu 
trinken begehrte. Von da aber etwas über eine Werst weit von der 
Geburtsstätte Christi, nach Osten zu, ist die Stelle, wo die Engel den 
Hirten die Geburt Christi verkündeten, und ist dort eine Höhle und über 
dieser Höhle eine Kirche gebaut auf den Namen des heiligen Joseph, 
des Verlobten der IMaria. Daselbst war ein merkwürdiges Kloster, ist 
aber jetzt von den Heiden zerstört. Und ist um diesen Ort das Feld 
eben und sehr schön, und die Äcker sind dort fruchtbar und viel Öl- 
bäume giebt es: es heisst also dieser Ort ayia Tioijxavr], was verdol- 
metscht wird »heilige Weide«. Und daselbst ist in der Nähe unterhalb 
eines Berges der Acker des heiligen Sabas. 

Von dem Wege nach Hebron. Von Bethlehem aber nach 
Süden liegt Hebron und die doppelte Höhle und die Eiche vonMamre. 
Von Jerusalem bis Hebron sind 2 S Werst , der Weg geht an Bethle- 
hem vorbei. Von Jerusalem nämlich bis Bethlehem sind 6 Werst und 
von Bethlehem zum Bache Etham 20 Werst ^j ; und von diesem Bache 
spricht der Prophet David: «Du trocknest die Bäche von Etham aus. 
dein ist der Tag und dein die Nacht (c^j. Und ist dieser Bach jetzt 
trocken, fliesst unter der Erde und kommt hervor beim Meere von So- 
dom^jj dann fliesst er in das Meer von Sodom. Daselbst ist jenseits 
dieses Baches ein sehr hoher Berg, und ist auf diesem Berge ein grosser 
dichter Wald, und viele Löwen, Einhörner "^j und Panther leben in die- 
sem AValde, und es geht auf diesem Berge der Weg über dieses gefahr- 
volle Gebirge; nicht leicht gangbar ist dieser Weg. Auch ist dort 
eine grosse Feste : die Sarazenen machen Mordanfälle auf diesem 
Berge; wer in kleiner Genossenschaft über diesen Berg gehen will, 

1] Der Name findet sich niclit bei Tobler, Bethlelieni, p. 14 f. H9. G. 

2) NoROFF : 3 Werst auf Grund einer Variante. Überhaupt schwanken 
die Maassangaben an dieser Stelle sehr. .. G. 

3) Dieses Citat folgt dem ^lissverständniss der griechischen Übersetzung 
von Ps. 74, 15 f., wo dieselbe das Adj. ""•^x, »immer fliessend«, durch den 
Eigennamen Etham wiedergab und darunter die Stadt Etam Cliron. I. 4, 3. 
II. 11, 6 A^erstand, an welche die heutige Quelle 'aiji at'ui erinnert. S. ZDPV. 
I, p. 152, Anmerkg. ■ G 

4; Meint Daniel die Wasserleitung nach dschehel el-fureid'isl Vgl. ZDPV. 
I, p. lüTtf. Doch vgl. unten p. 00. " G. 

5) N. rhinoceros. 



42 



kann nicht hinüberkommen, und mir Armen verlieh Gott eine wackere 
und zahlreiche Genossenschaft, und so kamen wir ohne Fährlichkeit 
über diese gefährliche Stelle. Da ist nämlich die Stadt Askalon';, und 
von da kommen viele Heiden heraus und erschlagen die Leute auf die- 
sem bösen Wege. Auf demselbigen Berge und in demselbigen "Walde 
wurde Absalon, der Sohn DaHds, getödtet-), dahin floh er vor dem 
Siege seines \'aters, und dort trug ihn sein Maulthier in das Dickicht 
des Waldes, und dort fing ihn ein Zweig an den Haaren und zog ihn 
vom Maulthiere, und dort blieb er am Baume hängen und wurde von 
drei Pfeilen ins Herz getroffen und starb so. Von da aber bis zum 
guten Brunnen Abrahams sind 10 Werst. 

Vond' rEiche von Mamre. Von diesem Brunnen aber bis 
zur Eiche von Mamre sind 6 Werst. Es liegt nun diese heilige Eiche 
nahe am Wege zur rechten Hand, wenn man hingeht 3) , sie steht auf 
einem Berge sehr schön. Denn rings um diesen Berg liegen von Na- 
tur Steine wie ein Fussboden auf der Erde, gleich wie gepflastert mit 
Platten aus weissem Marmor ; gepflastert ist es rings um diese wun- 
derbare Eiche wie der Fussboden einer Kirche ; inmitten aber dieses 
Pflasters ist die heilige Eiche wunderbar aus den Steinen herausge- 
wachsen. Und ist es auf dem Gipfel dieses Berges um die Eiche von 
Xatur wie ein freier Hofplatz, und ringsum nicht wenig Gestein. Und 
dort hat das Zelt x\brahams gestanden nahe der Eiche gegen Osten. 
Und ist dieselbige heilige Eiche nicht sehr hoch, aber knorrig und hat 
dichte Zweige und viele Früchte sind daran ; ihre Zweige aber neigen 
sich nahe bis zur Erde hinab, so dass ein auf dem Boden stehender 
Mann sie erreichen kann ; und in der Dicke hat sie zwei Klafter, mit 
meiner eignen Hand habe ich sie ringsum ausgemessen ; der Stamm 
bis zu den Zweigen ist anderthalb Klafter hoch. Wunderbar aber und 
merkwürdig ist es, wie viel Jahre diese heilige Eiche hat; auf einer 
solchen Höhe, hoch oben, hat ihr nichts geschadet, sie ist nicht ange- 
fault, sondern steht von Gott befestigt als wäre sie eben gesetzt. Und 
unter diese Eiche kam die heilige Dreifaltigkeit zum Patriarchen Ab- 
raham-') und speisete dort bei ihm unter dieser heiligen Eiche. Da- 
selbst nun segnete die heilige Dreifaltigkeit Abraham und Sara, sein 
Weib, und gab ihnen im Alter einen Sohn zu erzeugen. Es zeigte 
auch die heilige Dreifaltigkeit dem Abraham jenes Wasser, welches 
jetzt der Brunnen ist am Fusse des Berges nahe am Wege. Diese Ge- 

1' Die Besatzung von Askalon muss damals der Schrecken für das ganze 
Südliche palästina geMesen sein ; vgl. oben S. 22. XoKOFF iPelerinage p. 75, 
n. 1; meint, der Name Askalon sei hier falsch, und will Acharmon, abgekürzt 
aus Beth Acharmon = ^ai» ä-/ap|jLa Beth Hakkerem, dafür lesen. Damit wird 
aber nichts gebessert. ' G. 

2j Nach Sam. H. 18, 6 im Walde Ephraim ! G. 

3^ Die folgende Beschreibung lässt kaum zweifeln, dass Daniel die heu- 
tige Stätte Itämet el-Chalil im Auge hat. Vgl. KosEN in Zeitschr. d. Deut- 
schen Morgenl. Gesellschaft XII, p. 195 f. G. 

4 Gen. Ib. ^ Q, 



43 



gend lim die Eiche heisst Mamre , deswegen heisst sie die Eiche von 
Mamre. 

Vom Berge Hebron. Von der Eiche aber bis Hebron sind 
zwei Werst. Hebron ist ein sehr hoher Berg, und eine grosse Stadt 
war ehemals darauf erbaut, und eine Menge Leute waren dort auf die- 
sem Berge; jetzt aber ist der Ort wüst. Und auf diesem Berge sass 
vormals der Enkel Noah's, der SohnHam's, Namens Kanaan , nach 
der Sündflut, vom Thurmbau gekommen, und hatte dies ganze Land 
um Hebron besiedelt, und danach wurde dies Land das Kanaanäische 
genannt. Dies ist das Land , welches Gott der Herr dem Abraham 
versprach , als er in Mesopotamien war. Denn dort war Abraham in 
Haran im Hause seines Vaters Thara , und Gott sprach zu Abraham : 
Gehe aus dem Hause deines Vaters und gehe in das Land Kanaan, 
dir werde ich es geben und deinem Samen in Ewigkeit, und ich 
werde mit dir sein immerdar. In Wahrheit ist dies Land gesegnet 
von Gott mit allem Guten , an Weizen und Wein und Öl und allerlei 
Obst ist es sehr fruchtbar und reich an Vieh ; denn die Schafe und 
das Grossvieh und alles wirft zweimal im Jahr, und Bienen giebt es 
dort viel in den Felsen auf diesen schönen Bergen , und Weinberge 
viele an den Abhängen, und etwas weiter unten stehen viele Obst- 
bäume, zahllose : Ölbäume und Johannisbrodbäume und Feigen und 
Apfelbäume und Kirschbäume und Trauben und jegliches Obst ; bes- 
ser als alles Obst auf Erden sind diese Trauben, einer Himmelsfrucht 
vergleichbar. Und daselbst war das Haus Davids, denn dort lebte er 
8 Jahre , als ihn sein Sohn Absalon aus Jerusalem vertrieben hatte ^) . 

Von der doppelten Höhle 2]. Von Hebron aber bis zu 
der doppelten Höhle ist eine halbe Werst weit. Diese doppelte Höhle 
nun ist im Felsen ausgehauen und in dieser Höhle ist das Grab Abra- 
hams und Isaaks und Jacobs. Denn diese Höhle kaufte Abraham von 
Ephron dem Hethiter zum Begräbniss für sich und sein ganzes Ge- 
schlecht, als er von Mesopotamien ins Land Kanaan kam; anderes 
aber erwarb Abraham nichts, als nur diese doppelte Höhle zum Be- 
gräbniss für sich und sein ganzes Geschlecht. Jetzt ist ein steinernes 
Gehege um diese Höhle gebaut, sehr fest; gebaut ist es aus grossen 
Steinen sehr künstlich und unsagbar ; seine Wände sind sehr hoch : 
mitten nun in diesem Gehege ist jene Höhle wohl gesichert. Gepfla- 
stert aber ist das Gehege mit Platten aus weissem Marmor, und ist die 
Höhle unter diesem Marmorpflaster wohl versichert, wo Abraham und 
Isaak und Jacob und alle Söhne Jacobs ruhen, und ihre Frauen ruhen 

1) Vermengung von Sam. IL 2, 1 — 5, 5 mit c. 15, 1 — 19, 16. G. 

2) Da Daniel schon im Jahre 1115 Palästina wieder verliess, so konnte 
er von der Eröffnung des Patriarchengrabes am 25. Juni 1119 noch keine 
Kunde haben. S. den Bericht über dieselbe in Archives de la Societe de 
lOrient latin II, p. 411 — 421 und die kurze Miltheilung aus demselben von 
W. A. N'eumaxn; in der österreichischen Monatsschrift für den Orient 1S83, 
Nr. IZ, p. 216. Bd. II der Archives erscheint binnen kurzem,. G. 



44 



dort. Sara und Kebekka und Lea, aber Rahel liegt entfernt bei Beth- 
lehem am AVege. Es sind aber in diesem Gehege im Grunde die Grä- 
ber getrennt von einander gebaut : über diesen Gräbern ist eine Art 
von runden Kapellen errichtet. Das Grab nun Abrahams und seines 
Weibes Sara sind nahe beieinander, ebenso das Grab Isaaks und der 
Rebekka seines Weibes, darnach auch das Grab Jacobs und seines 
Weibes Lea nahe beieinander. Josephs aber des Schönen Grab ist 
ausserhalb dieses Geheges, einen Steinwurf entfernt davon ; und diese 
Stätte heisst die des heiligen Abraham \ . Und daselbst ist eine Stätte, 
ein hoher Berg, gegen Süden -) , von der doppelten Höhle eine Werst 
weit; das ist der Berg, auf den die heilige Dreifaltigkeit mit Abra- 
ham stieg, bis zu diesem Berge geleitete Abraham die heilige Dreifal- 
tigkeit von der Eiche in Mamre aus. Daselbst ist ein Ort auf dem 
Gipfel des Berges schön und sehr hoch ; an diesem Orte fiel Abraham 
auf sein Antlitz, betete an vor der heiligen Dreifaltigkeit und bat für 
Sodom und sprach 3) : Herr , verderbe nicht den Gerechten mit dem 
Gottlosen, dass nicht der Gerechte wie der Gottlose umkomme ; wenn 
aber, Herr, in Sodom 50 Gerechte gefunden werden, wirst du diesen 
Ort nicht verschonen um der 50 Gerechten willen? Und der Herr 
sprach zu ihm : wenn in der Stadt Sodom auch nur 5 Gerechte gefun- 
den werden, so will ich die ganze Stadt Sodom nicht verderben. Und 
Abraham verstummte und sprach nichts mehr zu ihm. Von demselbi- 
gen Berge aus schickte die heilige Dreifaltigkeit zwei Engel nach So- 
dom , dass sie herausführten Lot , den Neffen Abrahams : und dort 
verschwand die heilige Dreifaltigkeit vor Abraham. 

Vom O p fe r Abrahams. Damals aber brachte Abraham Gott 
ein Opfer dar , indem er Weizen auf das Feuer streute ; und diese 
Stätte heisst der »heilige Abraham« und »Abrahams Opfer«. Und liegt 
diese Stätte sehr hoch, man sieht von da nach allen Seiten. Von da 
aber bis Sigor ^) ist drei Werst weit, und dort ist das Grab Lots und 
seiner beiden Töchter : es ist nämlich eine grosse Höhle , in diese 
Höhle floh Lot mit seinen beiden Töchtern, als er aus Sodom entrann. 
Und dort ist auch ein Wohnplatz der ersten Menschen hoch auf dem 
Berge : der also heisst Sigor. Von Sigor aber ist eine Werst weit 
bis zu einer hervorragenden Höhe im Gebirge, nach Süden von Sigor. 

1 j NoKOFf : le sepulcre de Joseph le beau est en dehors de l'edifice. A un 
jet de pierre de la double caverne , est un Heu, qui porte le nom de St.- 
Abraham. 

2 NoROFF: vers l'orient. 

3; Gen. c. IS, 22 ff. Daniel meint offenbar dieselbe Stätte, die Hierony- 
mus im Epitaphium Paulae unter dem Namen Caphar Barucha erwähnt. Dort 
sagt er von ihr, dass Abraham bis dahin den Herrn begleitet und von dort aus 
den Bauch aus dem Brande Sodom's und Gomorrha's habe aufsteigen sehen. 
('a^)har Barucha ist Kafr Barek, jetzt bekannter unter dem Namen Beni 
Na im. Ks liegt auf der AVasserscheide östlich von Hebron, nicht südlich, 
wie die ol)en übersetzte Lesart des Textes angiebt. G. 

4 Zcar. Gen. c. 19. Zoar, Lol's "Weib , Sodom verlegen die Gewährs- 
männer Daniels sämmtl. auf das westl. Ufer des todten Meeres. G. 



45 



bis daliin, wo Lots Weib als Steinsiliile steht. Von Lots Weib aber 
bis Sodom sind zwei Werst. Das alles habe ich mit meinen Augen 
o-esehen, aber auf meinen Füssen konnte ich nicht dahin gelangen aus 
Furcht wegen der Heiden , auch erlaubten mir die rechtgläubigen 
Leute nicht dahin zu gehen, indem sie so sprachen : Nichts gutes ist für 
euch dort zu sehen , sondern nur Qual, und böser Gestank steigt aus 
diesem Meere auf ; und sprachen zu uns so : ihr werdet krank werden 
von diesem bösen Gestank. Da also kehrten wir zurück zum «heiligen 
Abraham«, beschirmt von Gott und durch seine Gnade bewahrt kamen 
wir wieder zvi der doppelten Höhle und in die Stadt ^), und beteten an 
dieser heiligen Stätte und ruhten dort aus 2 Tage. Durch Gottes 
Gnade fanden wir eine wackre und zahlreiche Genossenschaft, die von 
da nach Jerusalem ging, und von da schlössen wir uns an sie an und 
gingen mit ihnen fröhlich ohne Furcht und gelangten wohlbehalten 
zur heiligen Stadt Jerusalem und lobten Gott, der uns gewürdigt hatte, 
diese heiligen unaussprechlichen Stätten zu sehen. 

Von dem Kloster des heiligen Chariten. Nach eini- 
gen Tagen aber gingen wir zum Kloster des Chariton 2) . Und zwar 
führt der Weg an Bethlehem vorbei ; und von Bethlehem nach Süden 
zu bis zum Kloster des heiligen Chariton sind etwa 5 Werst. Und 
ist dies Kloster an demselben Bache Etham^], nahe am Meere von 
Sodom, in felsigen Bergen , eine Wüste aber ist ringsum sehr gross 
und sehr schrecklich, und die Gegend ist wasserlos und trocken. Das 
Kloster aber des heiligen Chariton steht schön zwischen Felsbergen, 
ringsum war es mit einer Einfriedigung umbaut ; und unterhalb seiner 
ist eine Felsschlucht, gross und sehr furchtbar. Innerhalb dieses Klo- 
sters aber sind zwei Kirchen : in der grossen Kirche aber ist das Grab 
des heiligen Chariton und ausserhalb der Einfriedigung ist eine kunst- 
reich hergestellte Ruhestatt (Begräbnissplatz) ; in derselbigen Ruhe- 
statt liegen die Leiber der heiligen Väter wie lebend, denn dort liegen 
ihrer mehr als 500 : dort ruht der Leib des heiligen Cyriacus des Be- 
kenners wie lebend, ganz unversehrt, dort ruhen die beiden Söhne des 
Xenophon, Johannes und Arcadius, und grosser W^ohlgeruch geht von 
ihnen aus. Dort brachten wir unsre Verehrung diesen heiligen Or- 
ten dar und stiegen auf einen Berg gegen Süden, von diesem Kloster 
eine Werst entfernt. Und ist dort eine ebene Stelle auf Ackerlande : 
an dieser Stelle wurde der heilige Prophet Habakuk von dem Engel 
ergriffen , als er mit Speise und Wasser zu den Schnittern ging, und 
es führte ihn der Engel nach Babylon zum Propheten Daniel in die 
Grube, und dort nährte und tränkte er diesen. Von Jerusalem aber 
bis Babylon sind 2065 Werst, und wiederum wurde er zu der Stunde 

1) In das Gehege ? Noroff : et dans son enceinte. 

2) Vgl. TOBLER, Topogr. II, p. 509 fi'. G. ^ 

3) Hier ist Etham gleich dem Wädi Charetün, der im oberen Lauf AVadi 
Artäs genannt wird. Er ist allerdings die östliche Fortsetzung des oben p. 41 
erwähnten »Baches Etham«. ;j G. 



46 



von dem Engel ergriffen und an selbigem Tage wieder andenselbigenOrt 
zu den Schnittern gebracht und gab ihnen Speise und Trank. Und ist an 
dieser Stelle ein Bau wie ein Thürmchen Kapelle schön aufgeführt, des 
Wunders wegen ' . Babylon ist aber von dieser Stätte 40 Tage schneller 
Reise entfernt. Und ist inderXähe dieser Stelle eine grosse Kirche, ge- 
wölbt, auf den Namen der heiligen Propheten, und dort ist vxnter der Kirche 
eine Höhle, in der die 12 Propheten in drei Särgen liegen: Habakuk, 
Micha, Joel, Ezechiel. Obadja. Ismael, Sabellius, Baruch, Arnos, Ho- 
sea, Xahum. Zephanja^ . Und daselbst ist auf diesem Berge ein 
sehr grosses Dorf und wohnen in ihm viele Sarazenen und ebenfalls 
viele Christen ; und das ist das Dorf der heiligen Propheten , denn 
dort sind die heiligen Propheten geboren, denn das ist ihre Heimath. 
Und dort brachten wir eine Nacht in diesem Dorfe zu, beschirmt durch 
Gottes Gnade, und die in diesem Dorfe lebenden Christen nahmen uns 
gut auf. Und als wir dort übernachtet hatten und am nächsten Mor- 
gen aufgestanden waren, gingen wir nach Bethlehem, und das Ober- 
haupt dieses Dorfes geleitete uns selbst in Waffen bis Bethlehem und 
zeigte uns alle die heiligen Stätten, indem er uns geleitete ; denn man 
kann nicht sicher durch diese Gegend gehen wegen der Heiden, denn 
es sind dort wilde Heiden, Sarazenen, und erschlagen die Christen in 
jenen Bergen. Und wir erreichten alle wohlbehalten die heilige Stadt 
Bethlehem und dort bezeigten wir unsre Verehrung der heiligen Ge- 
burtsstätte Christi, und nachdem wir uns dort ausgeruht hatten, gingen 
wir voll Freude in die heilige Stadt Jerusalem. 

Vom Wege nach Galiläa. Und es führt eine Strasse von Jeru- 
salem nach Galiläa und zum See von Tiberias und zum Berge Thabor und 
nach Nazareth : das ganze Land nämlich um den See von Tiberias heisst 
Galiläa. Es liegt dies Land nach dem Sommeraufgang (der Sonne) zu. 
Die Stadt Tiberias ist von Jerusalem entfernt 4 Tagereisen für einen Fuss- 
gänger; der Weg dorthin ist sehr beschwerlich, in Felsbeigen und sehr 
gefährlich , die Berge sind hoch und sehr steil. 3 Tage geht man in 
diesen gefährlichen Bergen und einen Tag in der Ebene, alles das 
neben dem Jordan flussaufwärts ^] , fast bis zum Ende des Jordan, wo 
der Jordan entspringt. Und Gott vergönnte mir diesen Weg so zu 
machen: es zog der Fürst von Jerusalem, Namens Balduin^), auf die- 

1) Vgl. die abweichenden Angaben bei Tobler, Topographie II , p. 
573 ff. G. 

2) Die Aufzählung ist dem Verf. schlecht gerathen und wirft ein sehr un- 
günstiges Licht auf seine Kenntnisse... Sabellius verdankt seine Existenz in 
dieser Reihe wohl einem TexlTehler. Über das Grab der zwölf Propheten ist 
sonst wenig bekannt, vgl. Tobler, Topogr. II, p. 572. G. 

3) NOROFF: versl Orient. 

4) Der Zug Balduin's L, Königs von Jerusalem, war gegen Bursuk von 
Hamadan gerichtet, der von Oslea her einen Angriff auf die nordsyrischen 
Staaten (Haleb, Damaskus; gemacht hatte. Von den letzteren war Balduin zu 
Hülfe gerufen worden. S. B. Kugler, Geschichte der Kreuzzüge p. 93. 
105. G. 



47 

sem Wege zum Kriege gegen Damaskus an dem See von Tiberias vor- 
bei; ich nun ging zu diesem Fürsten und sprach zu ihm bittend, in- 
dem ich mich verneigte : Herr Fürst, nimm mich mit dir bis zum See 
von Tiberias, damit ich dort alle heiligen Stätten sehe. Und da hiess 
mich der Fürst mit ihm gehen , und ich zog mit ihm und er gesellte 
mich seinen Leuten bei. Da bestieg ich mit grosser Freude ein Pferd, 
und so durchzogen wir jene gefährlichen Gegenden mit den Soldaten 
des Königs ohne Furcht und Gefahr, ohne Soldaten aber kann niemand 
auf diesem Wege durchkommen in kleiner Genossenschaft ; nur die 
heilige Helena, die Kaiserin, kam auf diesem Wege durch, aber kein 
andrer kann auf diesem Wege durchkommen in kleiner Genossen- 
schaft. 

Das also ist der Weg nach Tiberias •) : von Jerusalem bis zum 
Brunnen der heiligen Gottesmutter 10 Werst, und vom Brunnen bis 
zu den Bergen von Lebona oder Gelboe 4 Werst; und auf diesen Ber- 
gen wurde Saul, der König der Juden, erschlagen, und sein Sohn Jo- 
nathan wurde daselbst erschlagen. Die Berge sind hoch und felsig. 
Von diesen Bergen aber bis zum Brunnen Davids sind 2 Werst und 
von diesem Brunnen bis zur Höhle Davids 4 Werst : in dieser Höhle 
hatte Gott den König Saul in die Hände Davids gegeben , und David 
tödtete ihn nicht, sondern schnitt ihm , während er schlief, die Hälfte 
seines Kleides ab und nahm sein Schwert , Obergewand und Hand- 
schuhe. Von da aber bis zu den Bergen von Sichem sind 4 Werst, 
wo die Grube Josephs des Schönen ist. Auf diesen Bergen nämlich 
hüteten die Söhne Jakobs die Schafe und alle Heerden ihres Vaters 
Jakob , und daselbst in diese Berge kam Joseph zu seinen Brüdern, 
geschickt von seinem Vater zu ihnen und ihnen Friedensgruss und 
Segen von ihrem Vater Jakob bringend. Sie aber, als sie ihren Bru- 
der Joseph sahen , erhoben sich wie die Wölfe gegen ihn und griffen 
ihn und warfen ihn in eine Grube. Und bis auf den heutigen Tag 
kann man diese Grube erkennen , wie eine tiefe Cisterne aus Steinen 
ist diese Grube sehr fest gebaut. Es traf sich , dass wir an diesem 
Orte übernachteten. Und ist der Ort nahe an der Landstrasse, zur 
rechten Hand auf dem Hinwege. Von da aber bis zum Dorfe Josephs, 
welches Sichar heisst, sind 1 Werst. 

1) Von den im Folgenden genannten Orten zwischen Jerusalem und Galiläa 
sind wohl bekannt 1 . Lebona , das heutige el-luhbän nördlich von den Höhen 
bei sindschil. 2. Der Jakobsbrunnen östlich von Nabulus. Das unmittelbar 
vorher genannte Sichar ist wahrscheinlich mit dem heutigen Dorf el-askav 
identiscli. 3. AusDaniel's Beschreibung ergiebt sich, dass er unter »Samaria« 
Sichem oder Nabulus versteht. 4. Das wirkliche Samarien nennt er Sebasto- 
polis, d. i. Sebastije. Der zuerst genannte »Brunnen der heiligen Gottesmut- 
ter« ist wahrscheinlich el-blre. Lebona hat Daniel mit Gilboa (Sam. I. 28 ff.) 
verwechselt. Der Brunnen und die Höhle David's, sowie Daniel's »Sichern« 
mit der Grube Joseph's müssen zwischen cl-luhhun und dem Jakobsbrunnen 
gesucht werden. Das weiter unten genannte Arimathia ist vielleicht von dem 
heutigen er-rä?«e zu verstehen , das zwischen Sebastije und Dschenin gele- 
gen ist. G. 



48 



Vom Brunnen und von der S tadt Samaria. Und dort ist 
der Jakobsbrunnen, sehr tief, und das Wasser in ihm kalt und süss, 
und bei diesem Brunnen redete Christus mit der Samariterin. Und 
wir machten dort Nachtlager bei diesem Brunnen. Und daselbst ist 
in der Nähe die Stadt Samaria. eine halbe Werst entfernt von dem 
Brunnen. Die Stadt Samaria ist sehr gross und hat Überfluss an allem 
Guten und allerlei Früchten. Die Stadt Samaria liegt zwischen zwei 
sehr hohen Bergen, viele kalte Wasserquellen fliessen schön inmitten 
der Stadt, und zahllose Fruchtbäume sind dort jeglicher Art: Feigen, 
Xussbäume, Johannisbrodbäume . Ölbäume stehen in dieser ganzen 
Gec'end um Samaria wie Eichen stände , wie Wälder ; an den Acker- 
rändern sind zahlreiche Fruchtbäume auf diesem Gefilde, und ist das 
Land um Samaria schön und wunderbar, und ist diese Gegend reich 
an allem Guten . an Öl und Wein . an "Weizen und Obst , und mit 
einem Wort, von ihr lebt Jerusalem in Bezug auf alle Güter. Und 
diese Stadt Samaria wird jetzt Xeapolis genannt. Von dieser Stadt 
Samaria aber liegt nach Westen ein Ort 2 Werst weit, der Ort hat den 
Namen Sebastopolis , ein kleines Städtchen . und in ihm ist das Ge- 
fängniss des heiligen Johannes des Vorläufers , und in diesem Ge- 
fängniss wurde Johannes der Vorläufer enthauptet vom König Hero- 
des, daselbst ist auch sein Grab : es ist aber an diesem Ort eine Kirche 
gebaut auf den Namen des heiligen Johannes des Vorläufers. Daselbst 
ist ein sehr reiches fränkisches Kloster. Und von da sind 4 Werst bis 
Arimathia. Es ist dort der Ort, in felsigen Bergen gebaut, ein kleines 
Städtchen ; in diesem Städtchen ist das Grab des heiligen Joseph von 
Arimathia, der von Pilatus den Leib Jesu erbat. Über dem Grab des 
heiligen Joseph ist eine Kirche gebaut, gewölbt, sehr hoch. Und die- 
ser Ort heisst Arimathia. 

Von der Stadt Basan. Und sind von Samaria bis zur Stadt 
Basan 30 Werst. In dieser Stadt Basan i; war der König Og von Ba- 
san , den Josua bei der Stadt Jericho erschlug. Und ist diese Gegend 
schrecklich und sehr gefährlich, denn aus dem Platze, wo Basan stand, 
entspringen sieben Flüsse und steht an diesen Flüssen grosses Röh- 
richt, und viele Palmen stehen an dieser Stelle, wie ein dichter Wald, 
und dort leben auch viele heidnische Sarazenen und morden an den 
Furten längs dieser Flüsse ; und viele Löwen finden sich in jenem 
Röhricht dort an den Flüssen. Es ist dieser Ort nahe beim Flusse 
Jordan. Ebenda ist eine Stelle unterhalb dieser Stadt gegen Osten mit 
einer wunderbaren Höhle, aus dieser Höhle entspringt eine Quelle, 
und bei dieser Quelle ist ein Badeteich : in diesem badete sich Jesus 
mit seinen Jüngern, und ist bis auf den heutigen Tag zu erkennen, 
wo Christus auf einem Steine gesessen hat. Daselbst badeten auch wir 
Sünder und Unwürdige. In derselbigen Stadt Basan versuchten die 

1 Besän in der Jordanniederung im Gebiet des Nähr Dschälüd. Daniel 
verwechselt es mit dem ostjordanischen Basan.) G. 



49 



Juden Christum, indem sie ihm eine Münze zeigten und sprachen : 
Wessen ist das Bildniss? Christus aber sprach zu ihnen : Gebet dem 
Kaiser was des Kaisers ist und Gotte was Gottes ist. Und Christus 
sprach, indem er sich zu Petrus wandte : Geh und wirf eine Angel in 
den See und bald wirst du einen Fisch fangen , öffne dessen Mund 
und du wirst einen Stater finden, den nimm und gieb ihn für mich 
und für dich i) . Bei derselbigen Stadt Basan heilte Christus die bei- 
den Blinden, die da riefen, indem sie ihm nachgingen, und sprachen: 
Erbarme dich unser, Sohn Davids. 

Vom Quellort des Jordan^). Von der Stadt Basan aber bis 
zur Jordanquelle und bis zixm Zollhause des Matthäus sind 20 Werst. 
Der Weg von Basan geht ganz in der Ebene am Jordan hin flussauf- 
wärts^) bis zur Jordanquelle. Der Fluss Jordan nun kommt aus dem 
See von Tiberias aus zwei Quellen, er sprudelt sehr wunderbar aus 
der Erde hervor, die eine Quelle hat den Namen Jer, die andere den 
Namen Dan, und von da entspringt der Jordanfluss aus dem See von 
Tiberias ; es sind diese beiden Bäche nebeneinander, drei Pfeilschüsse 
voneinander entfernt, und laufen beide eine halbe Werst weit, und 
dann vereinigen sie sich und fliessen fortan als ein Fluss und der 
heisst Jordan, nach den Namen der beiden Quellen. Es fliesst aber 
das Wasser des Jordanflusses sehr schnell ; sehr viele Fische giebt es 
in ihm. Und sind an der Jordanquelle über beide Bäche zwei steinerne 
Brücken, sehr fest auf Bogen gebaut, und unter diesen Brückenbogen 
fliesst der Jordan durch. 

Von der Zollstätte des Matthäus, des Ap osteis Chri- 
sti. Daselbst bei der Brücke war die Zollstätte des Matthäus, des 
Apostels Christi. Denn dort laufen alle Strassen zusammen nach Da- 
maskus und nach Mesopotamien über den Jordan. Daselbst bei der 
Brücke machte der Fürst Balduin halt, mit seinen Soldaten zu speisen, 
daselbst machten auch wir halt gerade an der Jordanquelle und bade- 
ten in derselben , auch im See von Tiberias badeten wir und begingen 
an diesem Meere hin ohne Furcht und ohne Gefahr alle die heiligen 
Stätten, wo Christus unser Gott wandelte mit seinen heiligen Füssen. 
Und daselbst würdigte Gott auch mich sündigen Menschen zu wan- 
deln und das Land Galiläa zu sehen , welches wir nicht gehofft 
hatten zu sehen noch zu besuchen , aber selbst habe ich mit meinen 
eignen sündigen Füssen dieses ganze Land Galiläa begangen. Es ist 
nicht erlogen, denn wie ich es mit meinen eignen sündigen Augen 
gesehen habe, so habe ich es auch beschrieben. Und Gott vergönnte 

1) Verbindung von Matth. 22, 75 fr. und 17, 24 ff. [Die Blindenheilung 
verweisen die Evangelien nach Jericho Matth. 20, 29 ff. G. 

2) Der folgende Bericht beruht auf sehr fehlerhafter Orientirung. Da- 
niel's Standpunkt ist der bekannte Jordanübergang bei Uschisr el-Mudschä- 
mi'a. Die Einmündung des Jarmük in den Jordan scheint man ihm als den 
Zusammenfiuss des »Jer« und »Dan« bezeichnet zu haben. G. 

3) NoROFF: tirant vers Torient en amont du Jourdain. 

Ztschr. d. Pril.-Yer. VII. 4 



50 

mir einen Menschen zu finden sehr alt und gelehrt, geistlich auch und 
heilig, der in Galiläa 30 Jahre gelebt hatte und beim heiligen Saba 
im Kloster 20 Jahre, und dieser Mann geleitete mich über dies ganze 
Land und zeigte mir alles dies; aus der heiligen Schrift habe ich es 
wohl erkundet. Wie soll ich Gott danken für alles, was er mir 
sündigem Menschen an so viel Gutem gewährt hat? Dort also blie- 
ben wir bei der Brücke jenen ganzen Tag. und gegen Abend zog der 
Fürst Balduin über den Jordan gegen Damaskus mit seinen Soldaten 
in den Krieg, wir aber gingen in die Stadt Tiberias und blieben dort 
10 Tage, bis der Fürst aus jenem Kriege von Damaskus zurückkam. 
"Wir aber besuchten bis dahin alle heiligen Stätten um den See von 
Tiberias. 

Von der Stadt Tiberias und von dem See und von 
den Wundern Christi. Das Meer von Tiberias aber ist umgehbar 
wie ein See, in der Länge 50 Werst und in der Breite 20 Werst, das 
Wasser aber in ihm ist sehr süss zu trinken , wie in einem Flusse, 
nicht salzig, und Fische sind viel darin. Und giebt es da einen sehr 
wunderbaren und merkwürdigen Fisch, von der Art des Karpfens (?) ; 
denselbigen Fisch liebte Christus selbst zu essen, denn süss war dieser 
Fisch vor allen Fischen : auch wir Sünder assen von diesen Fischen 
nicht einmal, sondern vielmals, als wir in jener Stadt waren. Von 
jener Brücke bis zum Bade Christi und bis zum Bade der heiligen 
Gottesmutter und bis zum Bade der Apostel 6 Werst, von diesen 
Bädern aber bis zur Stadt Tiberias eine Werst. Und ist die Stadt Ti- 
berias sehr gross, in der Länge 2 Werst und in der Breite mehr als 
eine Werst, liegt aber am See von Tiberias. In derselbigen Stadt that 
Christus unser Gott viele Wunder i) . Dort ist ein Ort inmitten der 
Stadt, wo Christus den Aussätzigen rein machte. Und daselbst war 
das Haus der Schwiegermutter des Petrus . und Christus kam in das 
Haus und heilte sie vom Fieber. Und daselbst an dieser Stelle war 
eine Kirche gebaut auf den Xamen des Apostels Petrus. Daselbst war 
auch das Haus Simons des Aussätzigen, wo die Buhlerin mit ihren 
Thränen die heiligen Füsse unserm Herrn Jesu Christi wusch und mit 
ihren Haaren trocknete und Vergebung unzähliger Sünden gewann. In 
derselbigen Stadt heilte er die Verkrüppelte. Daselbst geschah auch 
das Wunder mit dem Hauptmann. Daselbst liessen sie auch das Bett 
mit dem Kranken hinab, nachdem sie das Dach durchbrochen. Da- 
selbst war er auch der Kanaaniterin gnädig. Daselbst ist eine Höhle, 
und das Wasser in ihr süss und kalt : in diese Höhle flüchtete Chri- 
stus , als sie ihn zum König von Galiläa machen wollten. Und viele 
andre Wunder that Jesus in dieser Stadt. In derselbigen Stadt ist das 
Grab des Propheten Jesaia, des Sohnes Amos. Und ebenda vor der 
Stadt, auf einer Halbinsel, ist das Grab des Josua, nahe am Wege. 

1 Daniel überträgt auf Tiberias namentlich dasjenige, was die Evange- 
lien von der AVirksamkeit Jesu in Kapernaum erzählen. G. 



51 



Und ist daselbst am See ein grosser Stein, nach Osten von der Stadt, 
einen Pfeilschuss weit ; auf diesem Steine stand Christus und predigte 
dem Volk , das gekommen war von der Küste Tyrus und Sidons und 
von der Dekapolis und dem ganzen Galiläa : und von da entliess er das 
Volk und seine Jünger, und sie fuhren auf Schiffen an die andre Seite, 
Christus selbst aber blieb dort und ging nachher von da über den 
See wie auf trocknem Lande , und war vor dem Volke, früher als die 
anderen, auf jener Seite, sie aber, als sie ankamen, fanden Jesus dort 
am Ufer wandeln und sprachen zu ihm ; Herr , unser Meister , wann 
bist du hierher gekommen ? Jesus aber sprach zu ihnen : bei Gott ist 
alles möglich, bei den Menschen nichts. Und daselbst ist die Stätte, 
wo Christus 5000 Mann ausser den Frauen und Kindern speiste 
mit fünf Broden und zwei Fischen , und es blieben übrig 1 2 Körbe 
Brosamen. Es ist aber die Stätte am Bergabhange, eine "Werst vom 
See entfernt, und ist die Stätte schön, eben und grasreich. Und da- 
selbst ist eine andere Stelle, nahe jener; an dieser Stelle erschien 
Christus zum dritten Male seinen Jüngern, als er von den Todten auf- 
erstanden war, und Jesus stand am Ufer und sprach zu ihnen : Kind- 
lein , habt ihr etwas zu essen ? Sie aber sprachen zu ihm : nein ! Und 
es sprach zu ihnen Jesus : Werfet die Netze aus an den rechten Sei- 
ten des Schiffes und ihr werdet fangen. Sie aber warfen aus und 
konnten darnach das Netz nicht heranziehen vor der Menge der Fische, 
und zogen das Netz ans Land voll von grossen Fischen, 153, und 
sahen Brod und Feuer und einen Fisch gebacken, und da ass Jesus 
vor seinen Jüngern und das übrige gab er ihnen. Und da ist jetzt an 
dieser Stätte eine Kirche der heiligen Apostel gebaut. Und von da 
nicht weit war das Haus der heiligen Maria Magdalena, und dieselbige 
Maria heilte Christus von sieben bösen Geistern, und heisst diese 
Stätte Magdalea ^] . Nahe dabei aber ist das Städtchen des Andreas und 
Petrus, Bethsaida. Daselbst ist der Ort, wo Philippus den Nathanael 
zu Jesu führte. Und dort ist die Stätte , am See, wo Christus zu den 
Söhnen Zebedaei, Andreas und Petrus, kam, sie aber zogen die Netze 
ein, und da erkannten Petrus und Andreas Christum, verliessen den 
Kahn und ihre Netze und folgten Jesu nach -] . Und daselbst ist nahe 
am See das Dorf des Vaters Zebadaeus. Ebenda war das Haus des 
heiligen Johannes Theologus. Daselbst trieb Christus aus einem Men- 
schen eine Legion Teufel aus und befahl ihnen in Schweine zu fahren, 
und da gingen die Schweine im See unter -^ . 

Vom See Genezareth und von der Stadt. Und dort ist 
in der Nähe das Dorf Kapernaum. An diesem Dorfe vorbei fliesst ein 

1) Magdala, das heutige el-Medschdel. Übrigens ist diese Partie der Pil- 
gerschrift so ungenau, dass es stellenweise unmöglich ist, derselben zu folgen. 
Wie schon früher, so erhält man auch hier den Eindruck, dass der Verf. doch 
mehr erzählt, als er gesehen hat. G. 

2) Eine Verwirrung von Mc. 1 , 16—18 mit 19 und 20, die wieder die ge- 
ringen Kenntnisse Daniel's in biblischer Geschichte beweist. G. 

3) Nach Mrc. 5, 1 — 13 auf dem Ostufpj des Sees. G. 

4* 



52 



grosser Fluss. wnd dieser Fluss kommt aus dem See Genezareth und 
riiesst in den .See von Tiberias. Dieser See von Genezareth aber ist 
sehr gross, 4u Werst in der Länge und Breite, rund ist dieser See und 
vsjamo okacno ^^ , Fische aber sind viele darin. Und daselbst ist eine 
jTTOsse Stadt Namens Genezareth. und darnach heisst der See der von 
Genezareth. Und dort ist in der Nähe eine andre Stadt Namens De- 
kapolis. Und dort ist eine Stelle, etwas entfernt von der Stadt, ober- 
halb dieses Sees, eben und schön und sehr grasreich : an dieser Stätte 
predigte Christus dem Volke , das aus Dekapolis und von der Küste 
Tvrus und Sidons gekommen war : von diesem Ort nun heisst es im 
Evangelium : und viele andre "Wunder that Christus in der Umgegend 
dieses Sees -) . 

Vom Berge Libanon. Und dort ist jenseits des Sees ein 
hohes und sehr grosses Gebirge , und der Schnee liegt auf ihm den 
Sommer hindurch ; der Name dieses Gebirges ist Libanon, auf diesem 
Berge Libanon wächst Liban, das weisse Räucherwerk. Aus demsel- 
bigen Gebirge Libanon kommen 1 2 grosse Flüsse , es fliessen aber 
nach Osten 6 Flüsse , und 6 andere nach Süden und gehen diese in 
den See Genezareth, die anderen sechs aber fliessen nach dem grossen 
Antiochien zu ; das Land wird genannt Mesopotamien, welches ist »das 
Land zwischen Flüssen«. Und dort zwischen jenen Flüssen liegt Ha- 
ran, wovon Abraham ausgingt). Und von jenen Flüssen wird der See 
Genezareth gefüllt, aus diesem See geht ein grosser Fluss in das Meer 
von Tiberias. Bis zu jenem Gebirge Libanon aber konnte ich nicht 
gelangen aus Furcht vor den Heiden ; aber es erzählten uns von die- 
sem Gebirge Leute, die es wohl wussten ; Avir Sünder aber haben nur 
mit unsern Augen das Gebirge und alle die Stätten um diesen See 
Genezareth gesehen. 

Vom Berge Thabor. Der Berg Thabor und Nazareth liegen 
vom Meer von Tiberias nach Westen : 50 grosse Werst sind es bis 
zum Berge Thabor. Der Berg Thabor aber ist wunderbar und merk- 
würdig von Gott geschaffen , schön und sehr hoch steht er da, mitten 
in einer Ebene steht er schön wie ein Schober, getrennt von allen 
Bergen , die dort sind ; an dem Berge hin fliesst ein Fluss durch die 
Ebene. Auf diesem ganzen Berge aber wachsen allerlei Bäume : 
Feigen und Johannisbrodbäume und Ölbäume, sehr viele ; höher aber 
ist der Berg Thabor als alle Berge um ihn herum und ist vereinzelt, 
getrennt von allen Bergen steht er inmitten einer Ebene , schön, sehr 
gross im Umfang, seine Höhe aber ist so, dass ein guter Schütz von 
oben nach unten 4 mal schiessen muss und von unten nach oben 
S mal, die obere Fläche beträgt eine Schussweite (?) . Es ist nun dieser 

1} Über die unsichere Bedeutung dieser Worte s. oben p. 24, Anm. 4. 

2 \\ ohl ungenaue Erinnerung an Joh. 20, 30. G. 

_ 3, Gen 11, 31. 12, 4 f. Dieser Abschnitt ist ein lehrreicher Beleg dafür, 
wie gering die geographischen Kenntnisse über Palästina selbst bei den ein- 
heimischen Mönchen waren. G. 



53 



Berg ganz felsig , auf ihm zu gehen beschwerlich und wohl mühselig. 
Es giebt solche Stellen , dass man auf den Felsen klettern muss, in- 
dem man sich mit den Händen festhält, ein sehr schwieriger Weg, 
kaum gelangten wir hinauf; nachdem wir von der dritten Stunde des 
Tages bis zur neunten geklettert waren , gelangten wir nur mit Mühe 
auf den Gipfel dieses heiligen Berges. Es ist aber auf dem Gipfel 
dieses Berges eine Stelle nach dem Winteraufgang (der Sonne) zu, 
wie ein kleiner Felshügel, spitzgip feiig; an dieser Stelle wurde Chri- 
stus unser Gott verklärt; dort ist jetzt eine grosse Kirche gebaiit an 
dieser Stätte auf den Namen der heiligen Verklärung Christi ; an dem- 
selbigen Orte auf demselbigen Berge ist eine andre Kirche, nahe bei 
jener Kirche, auf den Namen des heiligen Propheten Moses, und eine 
dritte ebenda in der Nähe auf den Namen des heiligen Propheten 
Elias. Die Stätte aber der Verklärung Christi ist mit einer steinernen 
Einfriedigung umbaut, sehr fest ; diese Einfriedigung hat ein eisernes 
Thor, und dort war zuerst ein Bischofssitz, jetzt aber ist dort ein la- 
teinisches Kloster; Wasser aber ist viel auf diesem Berge. Wunder- 
bar ist Gottes Fügung, dass in solcher Höhe Wasser ist. Acker sind 
auch viele auf diesem heiligen Berge und viele Weinberge und aller- 
lei Obstbäume, imd man sieht von ihm aus sehr weit. 

Von der Höhle des Melchisedek. Und dort ist eine 
Höhle auf diesem Berge, sehr wunderbar, wie ein kleiner Keller im 
Felsen ausgehauen, und ein Fensterchen ist oben an dieser Höhle, auch 
hat sie eine kleine Thür, und man steigt auf Stufen in die Höhle 
hinab ; auf dem Boden aber steht ein heiliger Tisch, an welchem der 
König Melchisedek Gott Opfer von Brod und Wein darbringt ; vor der 
Thür aber dieser Höhle steht ein kleiner Feigenbaum , und um sie 
herum stehen allerlei kleine Bäume. Denn vormals war dort ein sehr 
grosser Wald um diese Höhle, jetzt aber sind nur kleine Bäume da. 
In dieser Höhle lebte Melchisedek, der König von Salem, und daselbst 
kam zu ihm der Patriarch Abraham in das Dickicht dieses Waldes und 
zu der Höhle, und Abraham rief dreimal: Mann Gottes, komm heraus 
hierher! Und Melchisedek kam heraus und brachte heraus Brod und 
Wein , und baute Gott einen Altar in dieser Höhle , und es brachte 
Melchisedek, der König von Salem, Gott ein Opfer dar aus Brod und 
Wein vor Abraham; und sogleich wurde das Opfer zu Gott gen Him- 
mel erhoben. Und da segnete Melchisedek den Abraham, und Abra- 
ham schor den Melchisedek und beschnitt seine Nägel, denn Melchi- 
sedek war rauch. Denn Melchisedek war es. der zuerst den Gottes- 
dienst begann mit Brod und Wein und Ungesäuertem \ . Von ihm 

1) Bekanntlich hält Hieronymus das Salem des Melchisedek nicht für 
Jerusalem, sondern setzt dasselbe S röm. Meilen südlich von Scythopolis oder 
Besän. Vgl. Rel.4ND, Palästina p. 976 f. Bei Daniel erscheint die Tradition 
als weiter nach dem Norden gewandert. Sie wird ebenfalls von dem Tabor 
berichtet bei Johannes von Würzburg a. 11()5, Descriptiones Terrae Sanctae 
ex s. VIII etc. ed. T.Tobler 1874, p. 112. Auch von den Legenden im christ- 



54 



sagt der Prophet : Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnnnc 
Melchisedeks. Und ist diese Höhle von der Stcätte der Verkläruno- 
Christi einen Pl'eilschuss weit. Und dort nahm man uns gut auf in 
jenem Kloster bei der heiligen Verklärung, und nachdem wir ein 
wenig ausgeruht hatten, gingen wir in die Kirche der Verklärung des 
Herrn und beteten an diesem heiligen Orte , wo Christus unser Gott 
verklärt wurde , und nachdem wir voll Liebe und mit Thränen diese 
ehrwürdige Stätte geküsst hatten, gingen wir aus jenem heiligen Klo- 
ster, besuchten auf diesem Berge alle die heiligen Stätten und gingen 
wieder zu der heiligen Höhle : dort geht an der Höhle vorbei der 
"Weg nach Xazareth : Xazareth nämlich liegt gegen "Westen vom Bero-e 
Thabor : zum zweiten Mal gingen wir in diese heilige Höhle , welche 
Melchisedek mit Abraham gemacht hat , und ist bis auf den heutigen 
Tag jener heilige Altar in dieser Höhle : und jetzt noch kommt dort- 
hin der heilige Melchisedek und hält die Liturgie an jenem Altar; wir 
aber beteten dort an und gingen vom Berge Thabor hinab in die Ebene 
und machten uns auf den Weg nach Xazareth. Und es sind vom Berge 
Thabor bis Xazareth 5 Werst, zwei in der Ebene und drei in Felsber- 
gen, ein sehr beschwerlicher und ungangbarer Weg: dort sitzen Hei- 
den in diesen Bergen, auch in der Ebene sind viele Dörfer der Sara- 
zenen , und die kommen in diesen schrecklichen Bergen heraus und 
erschlagen die Fremdlinge : gefährlich ist es, diesen Weg mit kleiner 
Genossenschaft zu gehen , aber mit grosser Genossenschaft kommt 
man ohne Gefahr durch ; uns aber verlieh zu der Zeit Gott keine Ge- 
nossen , sondern war waren ganz allein , unser acht , auf Gott ver- 
trauend und ohne Waffen, aber wir kamen ungefährdet durch und ge- 
langten von Gottes Gnade beschirmt zur heiligen Stadt Xazareth. 

Von der Stadt Xazareth i). Xazareth nun ist ein kleines 
Städtchen, liegt im Gebirge in einem Thal, so dass man es nur sehen 
kann, wenn man gerade darüber angelangt ist ; inmitten dieses Städt- 
chens aber ist eine grosse Kirche gebaut mit drei Altären. Wenn man 
in die Kirche hineinkommt, so ist an der linken Seite eine sehr tiefe 
Höhle; Thüren hat sie zwei, und man steigt auf Stufen in diese 
Höhle; und dort, wenn man hineinkommt zur rechten Hand, ist die 
Zelle der heiligen Gottesmutter; in derselbigen Zelle lebte die hei- 
lige Gottesmutter mit Christus ; in dieser Zelle wurde auch Christus 
unser Gott genährt. Daselbst ist eine Stelle zu erkennen, wo Christus 
als kleines Kind mit der Mutter lag , und ist diese Stelle am Boden 
niedrig wie eine Lagerstatt hergerichtet. In derselbigen Höhle ist 
zur linken Hand, wenn man hineinkommt, das Grab des heiligen Jo- 
seph, des Verlobten der :Maria, denn dort hat ihn Christus mit seinen 
eignen heiligen Händen begraben ; es fliesst aber aus diesem Grabe von der 

liehen Adambuch des Morgenlandes Jahrbücher der bibUschen AVissenschaft 
\ , p. 111 ö. scheint Daniel einiges bekannt gewesen zu sein. G. 

1 Zu diesem Abschnitt vgl. Tobler, Xazareth in Palästina 1868. G. 



55 



Wand weisses heilijj:es Wasser wie das heilige ()1 (}i.u[>ov) , und man 
fängt es auf zur Heilung der Kranken. 

Von der Verkündigung. Und daselbst ist eine Stätte in 
derselbigen Höhle nahe an der Thüre ; an dieser Stätte sass die heilige 
Gottesmutter und wickelte (spann?) Purpur (faden 1 , und da kam zu ihr 
der Erzengel Gabriel, gesandt von Gott zur Jungfrau Maria, und stand 
vor ihr offenbar , sichtbarlich , etwas entfernt von dem Orte , wo die 
heilige Gottesmutter sass ; es sind drei Klafter bis zu der Stelle, wo 
der Erzengel stand, von der Thür der Höhle aus; und s[)rach zur 
Jungfrau Maria : Freue dich, du Gebenedeite , der Herr ist mit dir ! 
Und da verkündete er ihr die Geburt Christi. Es ist aber an der 
Stelle, w^o Gabriel gestanden hat, ein Altar errichtet ; an diesem Altar 
hält man Gottesdienst. Dort nämlich, wo jetzt die Höhle ist, war das 
Haus des heiligen Joseph, des Verlobten der Maria, und alles das 
begab sich im Hause des heiligen Joseph. Die Kirche dort ist ge- 
baut über dieser Höhle auf den Namen der heiligen Verkündigung. 
Und diese Stätte war wüst, jetzt aber haben die Franken sie erneuert 
und wohl hergerichtet ; daselbst lebt auch ein sehr reicher lateinischer 
Bischof und der gebietet über diese heilige Stätte. Und nachdem wir 
dort ein Avenig geruht hatten in diesem heiligen Städtchen, gingen wir 
am nächsten Morgen in die Kirche der Verkündigung der heiligen 
Gottesmutter und beteten dort an, gingen dann in die Höhle und be- 
zeigten unsre Verehrung allen jenen heiligen Stätten. Und wir gingen 
ein wenig aus diesem Städtchen heraus nach dem Sommeraufgang 
(der Sonne) zu und fanden dort einen Brunnen , sehr tief und sehr 
kalt, man steigt aber tief auf Stufen zu diesem Wasser hinab. Es ist 
über diesem Brunnen eine Kirche gebaut auf den Namen des heiligen 
Erzengels Gabriel, und ist von dem Städtchen Nazareth bis zu diesem 
heiligen Brunnen eine halbe Werst, bei diesem Brunnen nämlich ge- 
schah die erste Verkündigung an die heilige Gottesmvitter vom Engel 
Gabriel, als sie zum Wasserholen dahin gekommen war ; und als sie 
ihren Krug schöpfte, rief ihr unsichtbar der Engel zu : Freue dich, 
Gebenedeite ! der Herr ist mit dir ! Marie aber sah sich um hierhin 
und dorthin und sah niemand, nur die Stimme hörte sie , und nach- 
dem sie ihren Krug genommen , ging sie verwundert in ihrem Sinne 
und sprach : Was ist das ? die Stimme habe ich gehört, aber niemand 
gesehen. Und sie ging nach Nazareth und trat in ihr Haus, stellte 
ihren Krug hin, setzte sich an den vorgenannten Ort und begann Pur- 
pur(fäden) zu wickeln, und da erschien ihr der Engel des Herrn, 
sprach die Verkündigung aus und ging von ihr. 

Von Kana in Galiläa. Von Nazareth aber bis zum Esaudorf 
(selo Isavovo) sind 5 Werst und von diesem Dorfc bis Kana 4 Werst. 
Kana aber ist ein Dorf an der Landstrasse ; dort verwandelte Christus 
Wasser in "Wein i , . Und dort fanden wir eine wackre und zahlreiche 

1) Nach der Gesammtentfernung — 9 AVerst -- zu schliessen , versteht 
Daniel unter Kana nicht das heutige Kafr Kenna, sondern Chirbet Kana, 



56 



Genossenschaft, die nach Akra ging, und wir gesellten uns ihnen voll 
Freude zu und gingen mit ihnen nach Akra ; Akra aber war eine 
Stadt der Sarazenen, jetzt aber wohnen und herrschen dort die Fran- 
ken. Es liegt aber diese Stadt Akra am grossen Meer, und ist dort 
ein sehr yruter Hafen, und wohl versehen mit allem ist diese Stadt. 
Von Xazareth aber bis Akra sind 2S grosse "Werst und von Xazareth 
liegt Akra gegen Süden. "Wir weilten 4 Tage in Akra und fanden 
eine zahlreiche Genossenschaft , die nach Jerusalem ging, schlössen 
uns dieser an und kamen nach Kaiph. Von da aber gingen wir zum 
Berge Karmel , wo die Höhle des heiligen Propheten Elias ist , und 
dort beteten wir an, und von da gingen wir nach Kapernaum und von 
Kapernaum nach Caesarea Philippi * i , der Weg geht am Meere hin in 
der Ebene , und wir blieben dort 3 Tage in der Stadt Caesarea ; da- 
selbst lebte der Hauptmann Cornelius, den der Apostel Petrus taufte. 
Von Caesarea aber gingen wir nach Samaria , der Weg geht vom 
Meere ab in die Berge nach links, 20 Werst; wir gingen anderthalb 
Tage und gelangten am andern Tage um Mittag nach Samaria, und 
waren langsam gegangen der Hitze wegen, und dort brachten wir die 
Nacht zu vor der Stadt Samaria beim Jakobsbrunnen, wo Christus mit 
der Samariterin redete. Und als wir aufgestanden waren, gingen 
wir auf unserm alten Wege, auf dem wir nach Jerusalem gekommen 
waren, mit grosser Freude, dass wir sicher gewandert waren und alle 
heüigen Stätten gesehen hatten. Wo Christus unser Gott mit seinen 
heiligen Füssen gewandelt war um unsrer Erlösung willen , da wür- 
digte Gott auch mich sündigen Menschen zu wandeln und jenes wun- 
dervolle Land Galiläa und Palästina zu sehen; durch Gottes Gnade 
wurden wir bewahrt und durch die Fürbitten der heiligen Gottesmutter 
beschützt; das Land nämlich um Jerusalem heisst Palästina. Kein 
Übel ist uns unterwegs widerfahren, weder von den Heiden noch von 
wildem Gethier, auch von Krankheit haben wir in unserm Leibe nicht 
das mindeste empfunden , sondern diirch Gottes Gnade gehoben und 
gestärkt wandelte ich dahin wie ein Adler oder Hirsch ohne alle Müh- 
sal und Ermattung. Wenn ich mich rühmen darf, so rühme ich mich 
nur der Kraft meines Christus , wie denn der Apostel Paulus sagt : 
denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Wie soll ich meinem 
Herrn danken für alles, was er mir, seinem geringen Knecht, Ver- 
ls Kilometer nördlich von Nazareth. Das »Esaudorf« würde arabisch el-isa- 
wije lauten ; aber ein solches giebt es dort nicht. Man vermuthet die Gegend 
von Sefürlje erwähnt zu finden. Noroff hat in der Übersetzung »bourg 
d Issana" und deutet dies nach Keland, Palästina p. Sßl. G. 

l , ^^^ ^^^^ Daniels geht ohne Zweifel vom Karmel an der Meeresküste 
über Tantüra nach Caesarea und von Caesarea landeinwärts nach Näbulus. 
Caesarea Phihppi steht also fälschlich für Caesarea Stratonis , und Näbulus 
wird wieder, wie oben p. 48, Samaria genannt. Wie Kapernaum unter die 
KeiKcstationen gekommen ist, erscheint räthselhaft. An eine Verwechselung 
mit Haijharaim Jos. 1!), l'J , wie Nokoff meint, ist nicht zu denken. Doch 
findet sich ein Capernaum am Karmel auch bei Benjamin von Tudela und 
^\llbrand von Oldenburg. Vgl. Nokoff. Pelerinage etc. p. llßf. G. 



57 



liehen hat, dass er mich gewürdigt hat so viel Gnade /u erleben und 
diese heiligen Stätten zu besuchen \ind den "Wunsch meines Herzens 
zu erfüllen. Was er nicht gehofft hatte zu sehen, das alles Hess Gott 
seinen Knecht schauen. Und ihr. meine Väter und Brüder und Her- 
ren, vergebet mir und verachtet nicht meine Einfalt und Unwissen- 
heit, dass ich nicht künstlich, sondern einfach geschrieben habe von 
diesen Stätten und von der heiligen Stadt Jerusalem und von dem 
ganzen heiligen Lande, das Gott vor alters dem Abraham gelobt hat; 
habe ich nicht mit Kunst geschrieben, so doch ohne Lüge^ gerade so, 
wie ich es mit meinen sündigen Augen gesehen habe. 

Von dem he iligen Licht e , w^ie es vom Himmel zum 
Grabe des Herrn herabko m'mt i). Und dies auch liess mich, 
seinen armen und unwürdigen Knecht, den Mönch Daniel, Gott sehen, 
denn ich habe mit meinen eignen sündigen Augen in Wahrheit ge- 
sehen, wie das heilige Licht zum Leben bringenden Grabe unsers 
Herrn und Erlösers Jesus Christi herabkommt. Denn viele andre Pil- 
ger sagen unwahres über die Herabkunft des heiligen Lichtes : einige 
nämlich sagen . dass der heilige Geist als Taube herabkomme zum 
Grabe des Herrn, und andre sagen, dass ein Blitz herabkomme und die 
Lampe über dem Grabe des Herrn anzünde: das ist Lüge, denn nichts 
ist dann zu sehen, weder Taube noch Blitz, sondern es geschieht un- 
sichtbar, dass die Gnade Gottes herabkommt und die Lampen über 
dem Grabe des Herrn sich entzünden. Ich nun werde reden von dem, 
was ich in Wahrheit gesehen habe. Am Charfreitage nach dem Abend- 
gottesdienst reinigt man das Grab des Herrn und wäscht die Lampen 
über dem Grabe des Herrn und füllt diese Lampen mit reinem Baumöl 
ohne Wasser, setzt die Dochte ein und zündet diese Dochte nicht an, 
sondern lässt sie unangezündet und versiegelt das Grab des Herrn um 
die zweite Stunde der Nacht. Zur selbigen Zeit löscht man alle Lam- 
pen, nicht nur die dort befindlichen , sondern in allen Kirchen in Je- 
rusalem. Da ging auch ich Armer am selbigen Charfreitag um die 
erste Stunde des Tages zum Fürsten Balduin und verneigte mich vor 
ihm bis zur Erde ; er aber , als er sah , wie ich mich verneigte , rief 
mich voll Freundlichkeit zu sich und sprach zu mir: ^\'as willst du, 
russischer Abt? Denn er kannte mich wohl wieder und liebte mich 
sehr, wie er denn ein guter und freundlicher Mann war und gar nicht 
stolz. Ich aber sprach zu ihm : Herr Fürst , ich bitte dich um Gottes 
Willen und der russischen Fürsten wegen , auch ich möchte meine 
Lampe aufstellen über dem Grabe des Herrn für alle unsre Fürsten, 
für das ganze russische Land und für alle Christen des russischen Lan- 
des. Und sogleich erlaubte mir der Fürst meine Lampe aufzustellen, 

1) Dieser Bericht ist wohl das interessanteste Stück der I'ilgerschriftDa- 
niel's. Der erste, der von dem heiligen Feuer erzählt, ist der Mönch Bernhard 
C.870. Vgl. Itinera hierosolvniitana etc. ed. Tobler et MoLlMEU Genf 1>?79) 
p. 315. Tobler, Golgotha" 1S51 , p. 4G0— 4S:J. Auch K.\lmeu_. Palästina*, 
p. 325 ff. K. RÖHRICUT, Historisches Taschenbucli, 5. Folge. V, 302 f. G. 



58 



und bereitwillig schickte er mit mir seinen besten Mann zum Ver- 
walter or/.ovouo; der heiligren Auferstehungskirche und zu dem, der 
das Grab des Herrn verwahrt. Es erlaubten mir beide, der Verwalter 
und der Schliesser des Grabes des Herrn , meine Lampe mit Öl zu 
brino-en. Ich aber verneigte mich vor ihnen mit grosser Freude und 
ging auf den Markt und kaufte eine grosse gläserne Lampe und füllte 
sie mit reinem Baumöl ohne "Wasser und brachte sie zum Grabe des 
Herrn, als es schon Abend war, und ich traf den Schliesser allein iind 
sagte ihm Bescheid. Er aber öffnete die Thür des Grabes des Herrn 
und hiess mich die Sandalen ablegen und führte mich barfuss in das 
Grab des Herrn mit der Lampe, die ich in meinen sündigen Händen 
trug, und hiess mich die Lampe auf das Grab des Herrn stellen, und 
ich stellte sie mit meinen sündigen Händen zu Füssen, wo die hei- 
ligen Füsse unsers Herrn Jesu Christi gelegen hatten ; zu Häupten 
stand die Lampe der Griechen, auf der Brust die Lampe des heiligen 
Saba und aller Klöster ; denn so ist ihre Gewohnheit, jedes Jahr stel- 
len sie die Lampe der Griechen und die des heiligen Saba hin. Durch 
die Gnade Gottes aber entzündeten sich diese drei unteren Lampen. 
Aber die Lampen der Franken sind oben aufgehängt, und von diesen 
Lampen fing damals keine an zu brennen, sondern nur jene drei allein 
entzündeten sich. Ich nun stellte meine Lampe aiif das heilige Grab 
unsers Herrn Jesu Christi, verneigte mich vor dem anbetungswürdigen 
Grabe des Herrn und küsste in Liebe und Thränen diesen heiligen und 
ehrwürdigen Ort. wo der heilige Leib unsers Herrn Jesu Christi ge- 
legen hatte : und wir gingen mit grosser Freude aus dem heiligen 
Grabe heraus und gingen jeglicher in seine Zelle. Am anderen Mor- 
gen aber, am Ostersonnabend, um die sechste Stunde des Tages' , 
versammeln sich die Leute vor der Kirche der Auferstehung Christi, 
eine unzählbare Menge von Menschen aus allen Ländern ; Pilger und 
Fremde aus Babylon, aus Ägypten, aus Antiochien und aus allen Län- 
dern kommen dort zusammen an diesem Tage, unsagbar viele Men- 
schen, und füllen alle die Stätten um die Kirche und um die Kreuzi- 
gung des Herrn. Ein grosses Gedränge aber entsteht dann in der 
Kirche und um die Kirche, viele auch ersticken dann durch das Ge- 
dränge dieser Leute ; und alle diese Leute stehen mit unangezünde- 
ten Lichtern und warten auf das Offnen der Kirchenthür. Im Innern 
der Kirche aber warten die Priester mit ihren Leuten , bis der Fürst 
Balduin mit seinem Gefolge kommt , und dann geschieht die Öffnung 
der Kirchenthür en ; dann gehen alle Menschen in die Kirche mit 
grossem Gedränge und füllen die Kirche. "Überall wird es voll in der 
Kirche und um Golgatha und um die Schädelstätte und bis dahin, wo 
das Kreuz Christi gefunden wurde , alles wird voll von Menschen ; 
anderes aber sagen sie nichts als rufen »Kyrie eleison« ohne Aufhören 
und schreien laut, so dass der ganze Ort dröhnt und donnert vom Ge- 
schrei dieser Menschen. Ströme von Thränen vergiessen dort die 

l; D. i. um 12 Uhr Mitta<?s. G. 



59 



gläubigen Menschen, denn wenn auch einer verhärtet ist im Her- 
zen, so mag doch auch der dann zu weinen anfangen; denn jeglicher 
Mensch geht dann in sich und denkt an seine Sünden und spricht bei 
sich : üb wohl meiner Sünden wegen der heilige Geist nicht herab- 
komme ! Und so stehen alle Gläubigen in Thränen und mit zerknirsch- 
tem Herzen, und der Fürst J5alduin selbst steht da in Furcht vmd 
grosser Demuth und ein Thränenstrom entquillt seinen Augen : ebenso 
steht auch sein Gefolge um ihn dem Grabe gegenüber nahe bei dem 
grossen Altare. Als es die siebente Stunde des Sonnabends war. kam 
der Fürst Balduin aus seinem Hause mit grossem Gefolge , und alle 
gingen mit ihm barfuss. Und es sandte der Fürst in die Metochie des 
heiligen Saba und Hess rufen den Abt mit seinen Mönchen, und es 
kam der Abt mit den Brüdern zum Grabe des Herrn, und ich Armer 
ging da auch mit diesem Abt und mit den Brüdern. Und wir kamen 
zum Fürsten und verneigten uns alle vor ihm. Und es hiess der Fürst 
den Abt des heiligen Saba und mich Armen mit ihm kommen in 
seiner Nähe, den andern aber befahl er, vor ihm zu gehen, und dem 
Gefolge, hinter ihm zu gehen. Und wir kamen zur Kirche der Aut- 
erstehung Christi an der westlichen Thür, und siehe, eine Menge von 
Menschen vertrat die Kirchenthür und wir konnten nicht in die Kirche 
gelangen. Da befahl der Fürst Balduin seinen Soldaten, die Menschen 
mit Gewalt auseinander zu treiben, und sie machten eine Gasse durch 
die Menschen bis zum Grabe des Herrn und so konnten wir durch- 
dringen. Und wir kamen zur östlichen Thür des Grabes, der Fürst 
aber kam uns nach und stellte sich an seinen Platz an der rechten 
Seite am Gitter des grossen Altars gegenüber der östlichen Grabes- 
thür ; denn dort ist der Platz des Fürsten, hoch errichtet. Er befahl 
aber dem Abte des heiligen Saba sich oberhalb des Grabes aufzustel- 
len mit allen Mönchen und mit den orthodoxen Priestern ; mich Ar- 
men aber hiess er sich hoch oberhalb der Thür des Grabes selbst auf- 
stellen gegenüber dem grossen Altar, so dass ich in die Grabesthür 
hineinsehen konnte. Die Thüren des Grabes waren aber alle drei ge- 
schlossen und mit dem königlichen Siegel versiegelt. Die lateinischen 
Priester aber standen in dem Räume des grossen Altars. Und als es 
die achte Stunde des Tages war, begannen die orthodoxen Priester 
oben auf dem Grabe die Abendmesse z\i singen : und alle Geistlichen 
und viele Mönche und Einsiedler waren dazu gekommen ; die latei- 
nischen Priester aber am grossen Altar begannen auch die Messe auf 
ihre Art, indem sie ebenfalls sangen. Ich aber stand dort und schaute 
aufmerksam nach der Thür des Grabes. Und als sie begannen die Par- 
ömien des Ostersonnabends') zu lesen, trat der Bischof mit seinem 
Diakon aus dem grossen Altar heraus und ging zur Thür des Grabes, 
und als er durch das Gitter der Thür geblickt und kein Licht im Grabe 
bemerkt hatte, kehrte er wieder zum Altar zurück. Als sie die sechste 

1; Darunter sind die Vorbilder und "Weissagungen aus dem A. T. zu ver- 
stehen, die am Ostersonnahciul vor<jelesen werden. G. 



60 



Parömie zu lesen begannen, kam wieder der Bischof mit seinem Dia- 
kon zu der Grabesthür. und sah nichts im Grabe des Hen-n : da aber 
schrien alle Leute auf mit Thränen : Kyrie eleison. Als nun die 
neunte Stunde des Tages fast vorüber war, und sie den Gesang des 
Durchganges', »Wir singen dem Herrn« anhüben, da kam plötzlich 
eine kleine Wolke von Osten her und stand still über der ungedeck- 
ten Kuppel dieser Kirche und regnete über dem heiligen Grabe und 
befeuchtete uns wohl, die wir auf dem Grabe des Herrn standen, und 
da plötzlich erglänzte das heilige Licht im Grabe des Herrn und es ging 
ein Glanz von diesem Lichte aus wunderbar und sehr hell aus dem 
heiligen Grabe. Da kam der Bischof mit vier Diakonen und sie öffne- 
ten die Thür des Grabes des Herrn ; und der Bischof nahm die Kerze 
aus der Hand des Fürsten , ging in das Grab des Herrn und zündete 
zuerst diese Kerze an dem heiligen Lichte an, brachte dann die Kerze 
aus dem Grabe und gab sie dem Fürsten selbst in die Hand ; und der 
Fürst stand an seinem Platze, mit sehr grosser Freude die Kerze in der 
Hand haltend : und an dieser Kerze zündeten wir alle unsre Kerzen 
an, und an den unsrigen alle die ihrigen. Das heilige Licht aber ist 
nicht wie irdisches Feuer , sondern anders , es leuchtet diese seine 
Flamme in ungewöhnlicher Weise wie Zinnober. Und so stehen alle 
Leute mit brennenden Lichtern und rufen alle unaufhörlich mit sehr 
grosser Freude und mit Lust, nachdem sie das heilige Licht Gottes 
gesehen haben. Wer aber diese Herrlichkeit an jenem Tage nicht ge- 
sehen hat , der wird dem von dieser ganzen Erscheinung Erzählenden 
nicht glauben ; wiederum aber die gläubigen und guten Menschen 
glauben gern und werden mit Freuden auf die Erzählung von diesem 
Heiligthum und von diesen heüigen Stätten hören : denn wer in klei- 
nem gläubig ist . der ist auch im grossen gläubig , und dem bösen 
Menschen wird die Wahrheit zur Unwahrheit. Mir Armen aber ist 
Gott Zeuge und das heilige Grab des Herrn und alle meine Genossen, 
die russischen Leute, und es waren damals dortXovgoroder undKijever, 
Sedeslavivankovic, GoroslavMichalkovic. zweiKaskic und viele andre, 
welche für mich und die Erzählung zeugen. Aber wir wollen zu dem 
vorher Erzählten zurückkehren. Als nun das Licht im Grabe des Herrn 
aufleuchtete, da hörte der Gesang auf und alle riefen aus : Kyrie elei- 
son ; darnach gingen sie aus der Kirche mit grosser Freude und mit 
den brennenden Lichtern, indem jeder sein Licht vor dem Ausblasen 
durch den Wind hütete, und gingen alle in ihre Häuser : und an die- 
sem heiligen Lichte zünden sie die Lichter in ihren Kirchen an. jeder 
in der seinigen, und beenden jeder in seiner Kirche den Gesang. In 
der grossen Kirche aber des Grabes des Herrn beenden die Priester 
allein ohne das Volk den Abendgesang. Da gingen auch wir mit dem 
Abt und den Brüdern in unser Kloster, indem wir unsre brennenden 
Lichter trugen . und endeten dort den Abendgesang und gingen in 
unsre Zellen mit Dank gegen Gott, der uns diese Gnade zu sehen ge- 
ll Nämlich durch das Rothe Meer; s. Exod. 15. 1 ff. G. 



61 



währt hatte. Am folgenden Tage aber, dem der Auferstehung des 
Herrn, am heiligen Üstersonntage, als wir den Frühgottesdienst ge- 
halten, wie sichs gebührt, und das Küssen mit dem Abt und den Brü- 
dern und die Absolution stattgefunden hatte, um die erste Stunde des 
Tages, nahm der Abt das Kreuz mit sammt denBrüdern, und wir gin- 
gen zum Grabe des Herrn, das Kontakion l) singend : »Wenn Du auch 
ins Grab gestiegen bist , Unsterblichera, und gingen hinein in das 
Leben bringende Grab, küssten es in Liebe und heissen Thränen und 
genossen da den Duft des "Wohlgeruches , erzeugt durch die Heral)- 
kunft des heiligen Geistes, während jene Lampen noch brannten wun- 
derbar und merkwürdig und ganz ausserordentlich; denn die drei 
I^ampen allein hatten sich entzündet, als der heilige Geist herabkam, 
wie mir der Verwalter und der Schliesser des Grabes des Herrn er- 
zählten ; es hängen aber noch andre 5 Lampen über dem Grabe des 
Herrn und brannten damals auch, aber ihr Licht war anders, nicht 
wie das jener drei, die ausserordentlich und wunderbar leuchteten. 
Und darnach gingen wir aus dem Grabe des Herrn zur östlichen Thür 
heraus, traten an den Altar und küssten uns mit den christlichen und 
syrischen Priestern , gingen dann aus der Kirche und gingen in unser 
Kloster, wo wir ruhten bis zur Liturgie. 

Und nach drei Tagen ging ich nach der Liturgie zum Schliesser 
des Grabes des Herrn und sprach zu ihm: Ich möchte meine Lampe 
nehmen. Er aber empfing mich liebevoll, führte mich ganz allein mit 
sich in das Grab , und als ich in das Grab eingetreten war , fand ich 
meine Lampe auf dem Grabe des Herrn noch brennend mit jenem 
heiligen Licht. Und ich bezeigte dem heiligen Grabe meine Vereh- 
rung vmd küsste diese ehrwürdige Stätte, wo der hochheilige Leib 
unsers Herrn Jesu Christi gelegen hatte. Damals mass ich auch das 
heilige Grab nach Länge , Breite und Höhe aus , denn sonst war es 
wegen der Menschen keinem möglich es auszumessen ; und ich be- 
schenkte das heilige Grab, so viel ich nach meinen Kräften vermochte, 
und gab jenem Schliesser ein weniges und meinen schlechten Segen. 
Er aber, da er meine Liebe zum Grabe des Herrn und zu dem Herrn 
selber sah, schob die Platten zu Häupten des heiligen Grabes zurück 
und brach mir so etwas von dem heiligen Stein ab zum segensreichen 
Andenken und verbot mir, indem er mich schwören Hess, es nieman- 
dem in Jerusalem zu sagen. Ich aber verneigte mich vor dem Grabe 
des Herrn und vor jenem Schliesser, nahm meine Lampe mit dem Ol 
noch brennend und ging mit grosser Freude hinaus, bereichert durch 
die Gnade Gottes, in meiner Hand tragend das Geschenk von der hei- 
ligen Stätte und das Zeichen des heiligen Grabes des Herrn , und ich 
ging freudevoll , als hätte ich einen Schatz gefunden , und ging mit 
grosser Freude in meine Zelle. 

1) Ein Lobgesang. Der hier gemeinte ist z. B. angeführt von E. von 
MuKALT, Briefe über den Gottesdienst der morgenländischen Kirche (1838), 
p. 141. G. 



62 

Von der Stätte Goliaths und von den Märtyrern. 
Und daselbst ist ein Ort nahe bei Jerusalem, nach Osten zu. vom Da- 
vidsthurm einen Pl'eilschuss weit : an diesem Orte erschlug David den 
üoliath ; es liegt der Ort in einem Thal in der Nähe einer Cisterne K 
und ist jetzt an diesem Orte gutes Ackerland. Nicht weit davon ist 
eine Hohle, und in dieser Höhle liegen die Gebeine der heiligen Mär- 
tvrer. die in Jerusalem unter dem Kaiser Heraclius getödtet wurden, 
lind heisst der Ort Mamilla -] . Und von diesem Ort bis zum heiligen 
Kreuz 3; ist eine Werst, und liegt der Ort westlich von Jerusalem hin- 
ter einem Berge : an diesem Ort ist das Fussgestell des Kreuzes ge- 
hauen, an welches die heiligen Füsse unsers Herrn Jesu Christi gena- 
gelt wurden — und der Ort ist mit einer Einfriedigung umbaut. 
Inmitten aber dieser Einfriedigung ist eine grosse Kirche gebaut auf 
den Namen des heiligen Kreuzes, ganz vmd gar schön ausgeschmückt, 
und unter dem grossen Altar dieser Kirche unter dem Tisch ist der 
Stamm des Baumes des heiligen Kreuzes, wohl versichert und mit 
Marmorplatten bedeckt, und ein rundes Fenster ist durchgebrochen 
dem Baum gegenüber. Und daselbst ist ein Iberisches Kloster. 

Vom Hause des Zacharias, des Vaters Johannis des 
Täufers-*'. Von diesem Kloster aber bis zum Hause des Zacharias 
sind 4 Werst : die Stätte ist am Fusse eines Berges westlich von Jeru- 
salem. Und in dies Haus des Zacharias kam die heilige Gottesmutter 
zu Elisabeth und küsste Elisabeth ; und als Elisabeth den Gruss der 
Maria vernahm, hüpfte das Kind in ihrem Leibe vor Freuden, und 
sie sprach : Woher mir das , dass die Mutter meines Herrn zu mir 
kommt? Und in demselbigen Hause wurde Johannes der Vorläufer 
geboren, und jetzt ist an dieser Stelle eine Kirche gebaut. Wenn man 
in diese Kirche eintritt, ist zur linken Hand eine kleine Höhle, in die- 
ser Höhle Mnirde Johannes der Vorläufer geboren , und ist die Stelle 
ganz ummauert mit einer Einfriedigung. Von da aber ist eine halbe 
Werst durch eine Schlucht bis zu dem Berge , auf welchen Elisabeth 
mit Johannes flüchtete, und es rief Elisabeth und sprach: Berg, nimm 
Mutter und Kind auf. Und sogleich that sich der Berg auseinander 
und nahm sie auf; die Diener des Herodes aber verfolgten sie, und als 

1 Bekannt ist die Annahme, dass der Kampf David's gegen Goliath in 
dem "NVädi Bot Ijanina bei Kalönije stattgefunden habe. Vgl. ToBLEU , To- 
pogr. II. p. 72:iri'. Diesen Ort meint aber Daniel nicht. Die Angabe der Bich- 
tung »östlich vom Davidsthurm« scheint fehlerhaft zu sein ; denn Daniel führt 
seine I,e.ser offenbar auf die Westseite der Stadt. Ich vermuthe , dass seine 
Angabe mit der heutigen Kal'at Dschälüd nördlich vom Jafathore zusammen- 
hängt. G. 

2 iJie Kirche der heiligen Mamilla erwähnt der Mönch Bernhard um 
STO. Vgl. ToBLEH, Topographie II, p. ISO ff. 219f. G. 

3 Das bekannte Kreuzkloster westhch von Jerusalem; vgl. Tobler 
a. a. O. p. 726 ff. G. 

4, Es handelt sich um den jetzt Mär Zakarja genannten Ort in der Nähe 
von 'Ain Kärim, vgl. Tobler a. a. O. p. ;i.54ff'. G. 



63 



sie an jene Stelle gekommen waren, fanden sie nichts und kehrten be- 
schämt zurück : und man erkennt die Stelle auf diesem Felsen bis auf 
den heutigen Tag, jetzt aber ist dort ein kleines Kirchlein. Unten aber 
unter dieser Kirche ist eine kleine Höhle . aus derselbigen Höhle 
kommt "Wasser heraus, sehr gut, weiss wie Milch von Ansehen ; und 
dies Wasser trank Elisabeth mit Johannes, als sie in diesem Berge 
Avar, denn dort ist sie gewesen bis zum Tode des Herodes; und ein 
Engel beschützte sie in diesem Berge. Und ist der Berg sehr gross 
und viel Wald auf ihm und um ihn herum viele Schluchten und liegt 
westlich von Jerusalem; der Name dieser Stätte istOrinia^). Auf den- 
selbigen Berg floh der Prophet David vor dem Könige Saul aus Jeru- 
salem. 

Von B,ama und von Emmaus. Von diesem Berge aber in 
westlicher Richtung sind zwei Werst bis Rama. Von diesem Rama 
spricht der Prophet Jeremias : Eine Stimme wurde gehört in Rama 2j . 
Und ist dies Rama ein grosses Thal ; in diesem stehen viele Dörfer — 
und dies ist das Gebiet von Bethlehem. Dorthin schickte Herodes 
seine Soldaten die Kinder zu tödten, indem er Christus suchte. Von 
Rama aber nach Westen zu sind 4 Werst bis Emmaus ; dort erschien 
Christus am dritten Tage nach seiner Auferstehung dem Lukas und 
Kleopas, als sie von Jerusalem aufs Land gingen — und dort gab sich 
ihnen Christus zu erkennen am Brechen des Brodes. Und liegt dies 
Dorf hinter einem Berge , wenn man in der Richtung von Jerusalem 
nach Jafa geht. Von Jerusalem aber bis Lydda sind 20 Werst, und 
dort war eine grosse Stadt, Namens Lydda, jetzt aber heisst sie Ram- 
lia^j ; dort heilte Petrus, der Apostel Christi, den Aeneas, der krank 
lag. Von Lydda aber bis Joppe sind 10 Werst, dort war es. wo der 
heilige Apostel Petrus die Tabitha auferweckte. In derselbigen Stadt 
fastete Petrus, und in der neunten Stunde sah Petrus ein Tuch an 
den vier Ecken gebunden auf sich zukommen und hörte eine Stimme 
hoch vom Himmel her, die da sprach: Steh auf, Petrus, schlachte und 
iss. An demselbigen Orte ist eine grosse Kirche gebaut auf den Na- 
men des heiligen Apostels Petrus. Und liegt die Stadt Joppe nahe am 
Meer und reicht das Meer bis an ihre Mauern , und so , Jafa , heisst 
jetzt die Stadt in der Sprache der Franken. Von Jafa aber sind 6 
Werst bis Tarsuf '') und von Tarsuf bis Caesarea Philippi 24 Werst, 
■der Weg führt immer am Meere hin. In diesem Caesarea taufte der 

1) Der Name ist wohl Missdeutung von si; -7;-; «^jpsi-rr^v »in das Gebirge« 
Lukas 1, 39. ToBLER, Topogr. II, p. 359 führt die Form Orene an. G. 

2) Jerem. 31, 15, wegen Matth. 2, IS mit Bethlehem zusammengestellt. 
Es ist nicht klar, welchen Ort Daniel meint. Das unmittelbar darnach ge- 
nannte Emmaus ist deutlich das heutige ' Amwäs. G. 

3) Die Angabe ist ungenau. Freilich hängt mit der Gründung von er- 
Ramie im 8. Jahrhundert die Zerstörung oder der Verfall von Lydda zusam- 
men. Vgl. oben p. 22, Anm. l. G. 

4) Das heutige Arsüf zwischen Jafa und Kaisärije. Caesarea Philippi und 
Kapernaum wie oben S. 56 und Anm. 1. G. 



64 



Apostel Petrus den Cornelius. Daselbst ist ein Berg, zwei Werst ent- 
fernt von Cilsarea : auf diesem Berije lebte der heilige Vater Marcia- 
nus. zu dem die Buhlerin kam ihn zu versuchen. Von Caesarea Phi- 
lippi aber bis zur Stadt Kapernaum sind 8 "Werst. Von diesem Kaper- 
naum sagt der Prophet : "Wehe dir, Kapernaum, bis zum Himmel wirst 
du erhöht werden und bis zur Hölle hinabsinken. Denn dort soll der 
Antichrist geboren werden : darum haben es auch die Franken zer- 
stört. 

Vom Berge Karmel. Von Kapernaum aber bis zum Berge 
Karmel sind 6 "Werst. Auf diesem Berge lebte der Prophet Elias und 
wurde dort von einem Raben ernährt. Auf demselbigen Berge tödtete er 
auch die Baalspriester mit dem Schwerte, und es sprach Elias: Geei- 
fert habe ich um den Hen-n meinen Gott den Allmächtigen. Und ist 
dieser Berg Karmel sehr hoch, und das grosse Meer nahe bei diesem 
Berge, eine "Werst weit. Von diesem Berge Karmel aber bis zur Stadt 
Kaipha ist eine "Werst und von Kaipha bis Akra 25 Werst. Und ist 
die Stadt Akra sehr gross und fest, und ein guter Hafen ist an dieser 
Stadt : und die Stadt ist sarazenisch, jetzt aber haben die Franken sie 
inne. Von Akra aber bis zur Stadt Tyrus sind 20 Werst und von Ty- 
rus bis Sidon 12 Werst. Daselbst ist in der Nähe ein Dorf, das Sido- 
nische Sarephta, in diesem Dorfe hat der Prophet Elias den Sohn der 
Wittwe auf erweckt. Von Sidon aber bis zur Stadt Beirut sind 15 
Werst ; in dieser Stadt durchbohrten die Juden mit einer Lanze ein 
Bild unsers Herrn Jesu Christi, und sogleich kam Blut und Wasser 
heraus. O des Wunders, das an trocknem Holze geschah. In dersel- 
bigen Stadt Beirut lernten die beiden Söhne des Xenophon, Johannes 
und Arcadius, die Schrift. Von Beirut aber bis Sobel sind 20 Werst, 
von Sobel bis Tripolis 40 Werst, von Tripolis bis zum Flusse Sudi 60 
Werst; vom Flusse Sudi liegt Gross- Antiochien 50 Werst weit landein- 
wärts ; von da bis Laodicea sind 100 Werst, dann folgt Klein-Antio- 
chien, dann die Insel Kallimeros, dann die Stadt Satalia , dann die 
kleine Insel Chelidonia. Alle diese Städte liegen am Meere. Wir aber 
fuhren an alldem vorüber, ohne uns aufzuhalten, machten aber halt 
in Chelidonia, und von da fuhren wir nach Myra zur Stadt Patara 
und von da den Weg nach Constantinopel ^) . 

Der Schluss, der nur die Namen der russischen Fürsten enthält, 
deren Daniel am heiligen Grabe gedacht und die er im Sabakloster 
eingetragen hat, ferner die gehaltenen Gottesdienste erwähnt, ist hier 
weggelassen) . 

1 Die Stationen der Kückreise sind folgende : Sobel istDschebeil, das alte 
Byblus. Der Fluss Sudi ist der ürontes, an jenen Namen erinnert noch heute 
das Dorf es-Suweidije unAveit der Mündung. Unter Laodicea meint Daniel 
ohne Zweifel das syrische Laodicea fad mare), heute Ladikije; er erwähnt 
dasselbe nachträglich. Klein-Antiochien lag an derKüste'des aUen CiHcia 
Trachea, in Isaurien; Kallimeros = Karadros; Satalia ist das heutige Ada- 
lia; die Insel Chelidonia liegt am Kap gleichen Namens; Patara war eine 
Hatenstadt an der SAV. -Küste von Lvcien. G. 



Bücheranzeigen. 



Vier Rhei7iische Palüstina-Püf/erschriften des XIV., XV. ?fnd 
XVI. Jahrhunderts. Aus den Quellen miUjetheilt und bearbeitet 
von Ludwig Conrady, Pfarrer a.D. — Wiesbaden (Feller i<^ Gecks) 
1882. ffr. S^. X. 370. Pr. 6 M. 

Exempla trahunt! Nachdem das epochemachende Werk von 
Röhricht-Meisner zum erstenmal die Deutschen Palästina-Fah- 
rer (nach den Kreuzzügen) in historischer Folge zusammenge- 
stellt und dahei vieles Unhekannte an das Licht gezogen hat, so 
dass eine erstaunliche Fülle wissenschaftlich geordneten Mate- 
rials jetzt vorliegt, ist nichts natürlicher, als dass dadurch auf 
den bisher latent gebliebenen gleichartigen Stoff eine starke An- 
ziehungskraft ausgeübt wird. Da ist es denn hocherfreulich, wenn 
gleich durch eine so überaus werthvolle Gabe , als welche sich 
die angezeigte Publication erweist, die Falästinaforschung erwei- 
tert Avird, und wenn die Kraft, die diesem Unternehmen sich ge- 
widmet hat , ihre Aufgabe so ernst wie der Herausgeber nimmt 
und mit so vielseitigem Wissen ausgerüstet erscheint; denn wir 
besitzen leider nicht wenig Editionen von Palästinafahrten , die 
auch den bescheidensten Ansprüchen nicht zu entsprechen ver- 
mögen. 

Wir haben es hier mit vier Pilgerschriften zu thun, die sich 
auf die Zeit der zweiten Hälfte des 14. bis zu dem ersten Viertel 
des 1 6 . Jahrhunderts vertheilen und deren Verfasser vorzugsweise 
in dem Westen des Deutschen Reiches ihre Heimath haben. 

Zuerst ein lateinisch abgefasstes, anonymes Pilgerbuch nebst 
dem Fragment einer Pilgerfahrt, die sich indess nur über einige 
Puncte des Griechischen Archipels verbreitet. 

Der Herausgeber hat diese beiden Stücke »entdeckt« und 
zwar in einer Handschrift, worin ihnen ein Text Luj)olf's vor- 
ausgeht. Es war die Überschrift: »Manuscripta de diversis« von 
einer Hand des 17. Jahrb., die den Herausgeber »zur genaueren 
Einsichtnahme der Sachlage einlud« (S. 1), wesshalb »wir für diese 
mangelhafte Bezeichnung dankbar sein dürfen«. 

Ztschr. d. Pal.-Ver. VH. 5 



66 

Die hotr. Hdschft. «gehört zu der reichen Sammlung des Nas- 
sauisrlien Arflii\ars JI.MiKJ., eines Archivars von uhcm Schrot und 
Kürn. dessen liöchste Freude darin bestand, sich im Alleinbesitz 
handschriftlicher Schätze zu wissen, um sie möirlichst lange der 
(Iriingcnden Ciclchrtcnwelt und damit der Wissenschaft vorent- 
halten zu könniui. IJckannt ist, wie Lul»\mg l hlanl» einen gan- 
zen Tag auf Schloss Miltenberg in Franken , w ohin sich IIabel 
mit seinen Sammlungen zurückgezogen hatte, zubrachte, um 
Einsicht in ein altfranzösisches oder altdeutsches Mspt. zu ge- 
winnen, wie er aber schliesslich unverrichteter Sache von dem 
Schlossherrn schied, der in jeder anderen I Jeziehinig den liebens- 
würdigen Wirth gegen seinen berühmten Gast herausgekehrt 
hatte. 

Als IIabel 1S67 starb, ging sein besitz auf seine Neffen, die 
beiden Hen'en Conrad Y, über, die glücklicherweise nicht auch 
die Gruiulsätze ihres merkwürdigen Oheims geerbt haben. So 
konnte denn die Staatsregiernng den Idsteiner Staatsarchivar 
])r. («ÖTZK im Jahre 1S76 nach Miltenberg senden, damit er dort 
von denjenigen Handschriften und Urkunden Kenntniss nehme, 
die sich auf die Nassauische Geschichte bezögen und sonach das 
Nassauische Staatsarchiv ergänzten. Götze hat dann einen län- 
geren Artikel (v. IjÖher, Archivalische Zeitschrift IUI. II, 140 ff.) 
über seine Sendung veröffentlicht und in demselben eine nach 
den Deutschen Landestheilen vorgenommene Übersicht über die 
Urkunden undManuscripte derSammhnig gegeben. Am Schlüsse 
dieses A'erzeichnisses findet sich noch eine Rubrik : XA'I. »Ma- 
nuscri])te nicht archivalischer Natur«. lauter Nr. 9 (zugleich der 
letzten Nummer) ist eingetragen: »l^ieschreibung einer Reise nach 
dem gelobten Lande. Ms. saec. XV. 4". l^ipier Vj^ cm. stark«. 

Wenn Götze schon genöthigt Avar, bei Durchgehung und 
Aufzeichnung des ganzen Nachlasses (das Verzeichniss nimmt 
allein 40 Druckseiten ein) sehr summarisch zu verfahren, so 
musste an der letzten Rubrik (XVI.), die er als »nichtarchiva- 
lische« bezeichnete, sein Interesse noch geringer sein. Kein 
Wunder, dass er desshalb nicht bemerkte, wie das fragliche 
Ms])t. Nr. 9 nicht eine, soiulern zwei Pilgerschriften enthielt, 
zumal der Anfang der zweiten, derjenigen, die Cünkady jetzt 
publicirt, fehlt, resp. herausgerissen ist. 

Die Ix'treffende, aus zwei Theilen und einem Fragment be- 
stehende Iliindschrift ist nach der Darlegung C!.'s und des P'rank- 
fiuter Archivars Dr. Grotefen» um 1475 von den Frankfurter 
Dominikanern angelegt und aus deren Besitz erst anfangs dieses 
.lalivliuiiderts in Privathände gewandert. 

Da unserem w Pilgerführer« die erste Seite fehlt, so war Ver- 
fasser und Datuu) , wenn sie überhaupt sich angegeben fanden, 
erst zu bestimmen. C. kommt nun aus äusseren und inneren 
GvüiidfMi zu dem Resultat, dass das Opus später zu setzen sei 



67 

als der ihm in der Sammlung' vorausgehende Ludolf, dem augen- 
scheinlich vieles entnommen ist, und zwar in die Zeit von 1:^50 
l)is IS80. Die Jlcimath des Verf. h;it C. versucht aus den als 
Glossen eiugcstrcniton (hnitsc-licn Worten (die mau doch kaum 
als »Germanismen« wird Ix'/cichnen können) fest/ustellen und 
(huiiufhin den Verf. zu (mucui rheinischen Franken gestempelt, 
unseres Erachtens ohne zwingcnide Heweise aufzuhringen, wie 
deini namentlich dasjenige^ \\'ort, auf das er ein iihormässiges 
G<!wicht legt, nämlich »felsch« = petra, mindestens ('l)en so sehr 
gegen, als für seine Behauptung spricht. Kef. hat hinge genug 
iii Frankfurt gewohnt, um den dortigen Dialcct zu kennen, mnl 
ist der Ansicht, dass die Form "folsch» vorwiegend, um nicht zu 
sagen lediglich allemannischen dharacters ist. Die Jlcimath des 
Verf. können wir aber mit Sicherheit nicht angeben. 

Da der »Filgerführer« seiner Natur nach keine Reise, son- 
dern eine ])eschreil)inig ist, so ist auch die Möglichkeit histori- 
scher Anknüj)fungspuncte eine erheblich geringere, die licstim- 
mung des Datums eine weit schwierigere. Hier macht nun die 
Beweisführung des Ilrsgbrs., der die Zeit bis 1384 als äusserste 
Grenze annimmt, einen entschieden günstigen Eindruck. 

In dieselbe Zeit wird auch die Abfassung: des »Pilffertorso's« 
zu setzen sein. In dem anonymen Schreiben desselben vermu- 
thet C einen Frankfurter von Stande, weil der Pilger einen zu 
Rhodus vorgezeigten Silberling seiner Dicke nach mit einem »an- 
tiquus thuronus francfurtensis« vergleicht. \yar aber damals 
nicht das Frankfurter Geld in ganz Mitteldeutschland beliebt 
und bekannt? 

An den unrichtigen Ausdruck «templarii« statt »Johannitae« 
als Besitzer von Rhodos knüpft C. eine Reihe von Combinatio- 
nen, unseres Erachtens ohne besonderen Grund, denn es handelt 
sich hier blos um einen nicht exacten Ausdruck, wie er auch 
später (zum Jahre 1461) nach des Verf. Note 52 vorkommt. 

Da der Pilger erzählt, dass der Grossmeister selbst ihm die 
Reliquien gezeigt habe, so hätte sich C dies wegen der Zeitbe- 
stimmvnig nicht entgehen lassen sollen. Vom Jahre 1382 bis 
1396 gab es auf Rhodos gar keinen Grossmeister, da der dama- 
lige (Heredia) in dieser Zeit zu Avignon lebte. C. geht über- 
haupt den in seinem Buche vorkommenden Rhodisischen Gross- 
meistern in auffälliger Weise aus dem Wege, obschon ihm das Werk 
von l^osio bekannt ist. Während er sonst jede historische Per- 
sönlichkeit mit möglichst vielen Citaten zu belegen sucht, 
schweigt er über diese vollkommen, so S. 4G, 107 und 204. Ref. 
erinnert sich nur einmal, einem solchen (Zakosta) begegnet zu 
sein, der gelegentlich in einer Note erwähnt wird. 

Das von dem Grossmeister ihm mitgethei te Wunder des am 
Charfreitag Morgen jeden Jahres blühenden Domes, der aus dem 
Dornenkranze Christi herrührt, sucht der l'ilger dmch folgemlen 

5* 



ß8 

Zusatz zu erhärten : "Dixerunt ecl;im ])lures iu;nobiles se hoc vi- 
disse«. CJaiiz riehti^j hat der llrsghr. au einem anderen Orte 
(S. Ib) im lliuhHek darauf »von unadeligen Gewährsmännemu 
gesprochen. Kef. glaubt aber, dass der Pilger einen solchen Ge- 
gensatz gar nieht beabsichtigt hat, dass er vielmehr sagen wollte, 
auch die Orih'usritter (niuthmasslich die Deutschen, mit denen 
der riltrer auflihodos wohl ausschliesslich verkehrte,! haben dies 
bestätigt. Der Pilger dürfte demnach , was bei seinem barbari- 
schen Latein nichts Auffälliges hätte, das Wort »ignobilis« nach 
Analogie von »insignis« gebraucht haben. 

JI. Die zweite Publication unseres liuches ist eine von einem 
Kölner Ostern 1472 begonnene Pilgerfahrt, die hier in einer 
Mischung von Kölnischem Dialect und Ilochdeutsdi beschrieben 
"\\ ird. Sie befindet sich in einem Avahrscheinlich von den Brüdern 
des gemeinsamen Lebens zusammengestellten Sammelbaiul, der 
von dem Wiesbadener Überbibliothekar Dr. v. d. Linde im Be- 
sitz des Mainzer Pfarrers Jacquere aufgefunden wurde. Von 
seinem Funde liat v. i). Linde bereits im J. 1S7S der gelehrten 
Welt Nachricht gegeben, auch jetzt den Hrsgbr. zur Veröffent- 
lichung angeregt. 

III. Demselben Gelelirten fällt auch das Verdienst zu, das 
dritte Stück unserer Sammlung entdeckt zu haben. Der Find- 
ling ist diesmal ein Sedezdruck aus dem Jahre 1634, der niuth- 
masslich zu Antwerpen das Licht der Welt erblickte. 

Verfasser dieser Schrift ist Claes van Dusen, ein geborener 
Ilaarlemer, der aber 20 Jahre zu Venedig wohnte und innerhalb 
derselben elfmal (zuletzt im J. 1405 das h. Land besuchte, frei- 
lich nicht als Pilger, sondern als Dolmetsch und Pilgerführer in 
Diensten Agostino's Contarini , des bekannten Venetianischen 
Schiffs])atrons. Claes van Dusen, der später zu Leiden seinen 
Wohnsitz nahm und dort sein Büchlein zusammenstellte, war 
also in besonderem Grade befähigt, uns eine genaue und erschö- 
l)fende Beschreibung der heiligen Orter zu liefern. 

IV. Das letzte Stück der Sammlung ist die Schilderung 
einer von Piiu-ipp Hagen im J. 1523 begonnenen Palästinafahrt. 
Der \'erfasser nennt sich selbst einen »Hochdeutschen«, schreibt 
auch hochdeutsch, und ist unzweifelhaft von Adel, aber alle An- 
strengungen des Hrsgbrs., ihn dem Elsass und speciell der Um- 
gegend von Strassburg zuzuweisen, haben uns nicht überzeugen 
können. Adelige Familien von Ilagen giebt es in Mitteldeutsch- 
laml eine ganze Reihe. Unser Piülipp v. H. wird überdies von 
(J. einem im 18. Jahrh. bereits ausgestorbenen Geschlechte zuge- 
wiesen. 

Die Handschrift befindet sich im Besitz des bekannten Con- 
servators Obersten a. D. von Cohaijsen in Wiesbaden. 

Da nun, wie gezeigt, die Heimath des Verfassers von 1. und 
IN. nicht sichergestellt werden kfmnte . der Haarlem-Leidener 



69 

Claes van Düsen aber doch nicht als Rheinländer in unserem 
hentigen Sinne betrachtet werden kann , so dass also nnr nocli 
der Verf. von ir. , ein Kölner, als \inanfechtbuver Ulieinländer 
bleibt, so wird allerdiniJ^s die Herechtignnt^ des 'ritels «Vier 
Rheinische l'alästina-rilgerschriften« sehr zweifelhaft. Aber 
der Heransgeber ^e\\t noch weiter. 

In der Vorrede, der wir etwas weniger Patlios gewünsehl 
hätten, spricht er davon (8. VF), dass er »neben dem seither ge- 
pflegten nationalen Gesichtspnnct (wie dies z. 1». Röiiiiicin- 
Mrissner gethan) es einmal mit der Anfstellung des land- 
schaftlichen Gesichtspnnctes für die IMlgerliteratur wagen 
wolle«. Nun ist bei Nr. J von der Person des Pilgers gar nichts 
zu entdecken, denn die Schrift ist ein Reiseführer, res]), ein geo- 
graphisches Handbuch (der nur zwei Seiten füllende «Tilgertorso« 
bleibt selbstverständlich ausser Betracht) , bei Nr. III haben wir 
es mit einem Holländer zu tlnni, der seine Reisen lediglich als 
besoldeter Diener eines Venetianischen Patrons macht, wo bleibt 
da, von dem nichtfixirten 1'hilipp Hagen ganz abgesehen, das 
landschaftliche Element? 

Über den Werthder hier mitgetheilten Pilgerschriften glaubt 
Ref. vollständig den bezüglichen Hemerkungen der Vorrede zu- 
stimmen zu dürfen. Wir begegnen in der That vielem Neuem, 
wenn wir auch daneben manchen bekannten Irrthum nochmals 
hinnehmen müssen. 

Was weiterhin die Editionsmethode des Hrsgbrs. betrifft, so 
hat Ref. mancherlei dagegen einzuwenden. Das Pestreben, mög- 
lichst correct zu sein , hat den Hrsgbr. (wie dies auch bei man- 
chem Diplomatiker der Fall ist) verleitet, auf halbem Wege stehen 
zu bleiben. Dies gilt vorzugsweise von den Bnchstaben u und v, 
die bekanntermassen ihren Character im Laufe der Zeit vollstän- 
dig gewechselt haben. Das mittelalterliche v hatte in der 
Schreibweise vorzugsweise einen vocalisirenden Character, 
während es jetzt ein Consonant ist. Umgekehrt gilt dies von u. 
Wenn der Hrsgbr. also z. B. vuas (S. 48) drucken lässt, so wird 
niemand ohne nähere Kenntniss des Zusammenhangs auf die 
Idee kommen, dass dies Wort für »uvas (Trauben)« stehen soll. 

Für eine moderne Edition ist also die genaue Wiedergabe 
des Wortes nach der Schreibart des Mspts. Aveit entfernt correct 
zu sein, unter Umständen geradezu ein Fehler, da wir das Wort 
ebenso aussprechen wollen wie das Mittelalter (und Alterthum). 
Dies gilt aber auch für die deutsche Schrift. Treften wir z. B. 
bei Beschreibung von Gebäuden das Wort »bauend , so erfordert 
es erst ein gewisses Stiidium, bis wir herausfinden, dass der Verf. 
nicht von Bauen in unserem Sinne spricht, sondern baven = 
oben meinte. Ref. betrachtet es ferner als unstatthaft, wenn 
Worte, wie wtter (S. 78), wt (S. 105) una\ifgelöst stehen bleiben 



w = uu . Auch die luuifig wiederkehrende Schreibart Xristus 
kann doch nicht als Auflösmig anzusehen sein. 

In arifon ( 'onflict ist der Hrsghr. bezüglich der Ihichstaben 
c und t gcratlien, die bekanntlich in den Handschriften des 
eigentlichen Mittelalters sehr schwer, oft gar nicht zu unterschei- 
den sind. C. schreibt z. B. gelcicz lit, gemiecz. Da aber in dem- 
selben Text das Wort geleit (coniitatus) und geniiet 'animus; vor- 
konnut, so ist es oti'enbar, dass der Jlrsgbr. »geleitz lit« und »ge- 
raietz« drucken lassen musste. Anderseits schreibt er »zto« (zu) 
statt »zco«. Weiterhin reisst das Mittelalter in der Schreibung 
manche Worte auseinander, die für uns ein einziges bilden, z. 1>. 
die gene = diegene (iideni) , avont niael = avontmael. Es 
schweisst aber auch manche zusammen , die w ir jetzt getrennt 
lialten, z. h. sutmen = sut men (sieht man). 

Hätte der Hrsgbr., statt dieser angeblichen Correctheit zu 
huldigen, die modernen , im grossen und ganzen ziemlich fest- 
stehenden Editiünsprincii)ien adoptirt, so wären seine Texte um 
die Hälfte lesbarer und verständlicher geworden, ohne dass sie 
an Correctheit etwas eingebüsst hätten, und dies ist schliesslich 
doch der eigentliche Zweck der tldition. Ein mittelalterliches 
Scriptum kann heutzutage nur entweder ])hotogra])hisch rej)ro- 
ducirt oder nach den eben angedeuteten i'rincipien edirt werden. 
Tertium non datur; denn schon die Abkürzungen, die ihm auf 
Tritt und Schritt begegnen, zwingen den Editor selbstständig 
vorz»igehen. Dies gilt natürlich auch von der Interpunction, be- 
züglich deren der Jlrsgbr. schon weiter gegangen ist. Ereilich 
ist die mittelalterliche Interpunction gar keine solche in unserem 
heutigen Sinne, wo wir uns ihrer nur zur Erleichterung des Ver- 
ständnisses bedienen. Auch die Schreibung der Eigennamen 
mit grossen Anfangsbuchstaben wäre wünschenswerth gewesen. 

Der Hrsgbr. hat in der A'orrede gelegentlich erklärt , er sei 
beflissen gewesen «deutsch zu schreiben«. Diesen Vorsatz muss 
er Wühl bei der Bildung des folgenden Satzes S. 182 vergessen 
haben : »Aiif dem mit einer aus aufrecht über paragrajdizeichen- 
artigen Arabesken stehenden Eicheln gebildeten schmalen Borde 
eingefassten 'J'itelblatte findet sich . . . «. 

Kef. hat bereits eingangs erwähnt, dass der Hrsgbr. über 
einen ausgedehnten gelehrten Apparat verfügt. Um so auffallen- 
der ist es desslialb , dass er bei der grossen Kolle, die ('ypern in 
unserer Litteratur spielt, das Hau])twerk über die mittelalterhche 
(jeschichte dieser Insel, das sich auch 1)ei BöiiJ{icirr-Mi;isM:H 
des öfteren citirt findet, gänzlicli ignorirt. Hätte ('. sich in 
senien Citaten auf die Arbeiten von L. dk Mas Latrik gestützt, 
so wurde er nicht allein sich die Polemik gegen das veraltete 
Werk von Dauu erspart, er würde auch sonst erhcljliche irrthü- 
mer vermieden haben. Auch Komanin — Ref. crirmert sich nicht, 



71 

in den Citaten ihm begegnet zu sein — würde ihm l)e.sseic; 
Dienste geleistet haben. 

Wenn lief, nachfolgend eine lleihc von Einzelbcmerkungen 
sich gestattet, so geschieht dies lediglich, um dem llrsgbr. einen 
IJeweis von dem intensiven Interesse an seinem liuche zu liefern, 
dem er gerne eine zweite Auflage wünschen möchte. 

S. 20. Die Annahme, dass das im Lateinischen Text zu Anfang eines 
Satzes mehrfach gebrauclito "unde« identisch mit dem deutschen unde (und; 
sei und dem Schreiber »in die Feder geratlien sein dürfte«, ist doch schlecht- 
hin abzuweisen. Es ist augenscheinlich hier ein Flickwort gleich dem von 
dem Verfasser ebenfalls gebrauchten »item«. 

S. 73. Der Ausdruck »die galeie van Jaff« ist allerdings insofern unge- 
wöhnlich , als die von Venedig nach Syrien alljährlich abgehenden Galeren 
des 14. und 1-^. Jahrh. den ofticiösen (die ganze Schififahrt trug bekanntlieh 
einen staatlichen Character] Titel hatten »galeae nostrae Baruti«. Beispiele 
in Fülle bei Mas Latrik II. und II 1., so zum J. 1473 : »volumus ut galeas ip- 
sas tarn Baruti quam Alexandrie« (111. älKi) und »misinius per galeas viagii 
Baruti (III. iiOl). IIauif kennt indess auch zwei venetian. Pilgerschiffe nach 
Jafa. Über den Ausdruck »la galia dil Zapho« in Marino Sanuto's Diarien 
bedarf es doch nicht erst einer besonderen Untersuchung, wie sie J. MÜLLER 
angestellt hat. Schon Amadi nennt (Mas Latrie II. 212) : »el principe et conte 
de Zapho (dialectiscli venetianisch für ,Giafo')<', und Caterina Cornaro be- 
gabt 1174 ihren Vetter Contarini »con la baronia del contado del Zaffo et la 
signoria _di Askalonia« (Mas L.vrRlE III. 308), wenn wir hier auch eine etwas 
spätere Übertragung vor uns haben. 

S. 91. Giorgi Contarini erliielt, wie eben bemerkt, im J. 1474 die Graf- 
schaft Jafa-Askalon von Caterina Conaro. Die Urkunde abgedruckt bei 
Mas Latrie 111. 366 ff. 

S. 105. Die Insel Lango (Kos) kam nicht 1314 in die Hände der Johan- 
niter, sondern durch einen Vertrag zwischen Venedig und dem Orden, der 
am 20. Juni 1316 ratilicirt wurde. 

S. 107. Der hohe, feste Thurm zu Rhodos, an welchen sich die Stadt- 
mauer anlehnt, ist der Naillacsthurm , der auch, aber selten, der Thurm St. 
Angelo genannt wird. Der feste Thurm gegenüber auf dem Mühlen-Molo ist 
ist der Thurm St. Johann. 

S. lO'J. Es ist doch hier nicht schlechtweg von einer »Pilgerherberge» die 
Rede, sondern von dem grossartigen, ..höchst opulent eingerichteten Ordens- 
hos])ital, an welchem stets verschiedene Ärzte angestellt waren. Ein sehr an- 
schauliches Bild von der Bedeutung desselben giebt Rottikrs in seinem 
Werk über Rhodos. 

S. 1 10. Die Königin Charlotte befand sich 1472/73 nicht »neuerdings« auf 
Rhodus, sondern ununterbrochen seit dem Winter 1462. 

S. 112. »und hebben ein provande gehadt van den coninck van cipers«. 
»provande« mag sonst , wie es im Glossar steht, Proviant bedeuten, hier, wo 
von der täglichen Katzenfütterung bei der Kirche zu Limasol die Rede ist, 
liat es sicher die Bedeutung »Präbende«. 

S. 113. »um der i'uter willen van dem kirsten, die daer rouven an die co- 
sten«. Statt "ruter« [Ritter nach dem Glossar] dürfte »ruber« zu lesen sein. 

S. 170. Da Caterina Cornaro noch den 19. Sept. 1172 zu Venedig war 
(Mas Latrie 111. 332), so konnte der Schiffspatron sie nicht zwischen 11. und 
16. Sept. in Nikosia aufsuchen. Der Autor spriclit auch nur von dem König 
(Jakob II.), der niclit 14()9, sondern am 10. Juli 146> durch einen feierlichen 
Eheverspruch sich an Caterina gebunden hatte, ohne dass bis dabin (1472) 



72 

die Ehe wirklich vollzogen worden wäre. Dies geschah erst im Spätherbst 
1472. Die venetianisch-cyjjrische Flotte, die Caterina überführte, muss sich 
mit dem SchiH' des Kölner Pilgers gekreuzt haben, allein nirgends ist die 
Rede davon. Den 2!l. Sept. kam das Pilgerschiff an die Südküste von llhodos. 
IJis zum -l. Uct. lag es im Hafen. Am l(t. üct. kam es nach Candia, bald nach 
dem 20. Sejitember war aber Caterina von Venedig abgesegelt. 

S. Iirt "Aquamerce<( als Hestimmungsort dreier jährlich von Venedig 
auslaufender Galeren, von welcliem der Hrsgbr. erklärt, ihn nicht bestimmen 
zu können, ist doch sicherlich nichts anderes als der heule versandete Hafen 
Aigues-mortes, der in den Kreuzzügen eine so grosse Rolle spielt. »Trafighe« 
erklärt der Hrsgbr. für Thracien. Das ist doch mehr als unwahrscheinlich. 
Ich glaube, dass hier ein Sclueil)fehlcr vorliegt und dass "Trabighe" zu lesen 
ist, weiches eine Verstümmelung für Trapezunt wäre. In Trapezunt befand 
sich im 14. Jahrh. eine venetianische Colonie (Mas L.vtrie II. 223). Ad vocem 
"Kraken« habe ich schon in meiner Besprechung von RüHHICUT-Meisnek 
im Jühanniterwochenblatt 1881 , S. 1!) bemerkt, dass darunter kein Seeun- 
thier, sondern eine besondere Schitfsgattung = caracca zu verstehen ist. 

S. 215. Die Minoriten dürfen im h. Land, auch in heidnischem Land, 
wo Christen wohnen, i)redigen, »soo in Muska, als in Alexandren«. Der 
Hrsgbr. fragt: sollte unter diesem »Musca« Musr el-Atikeh (Alt-Kairo) zu 
verstehen sein? In den Zusätzen und Berichtigungen S. 308 meint er, es 
könne damit el-Mousky, das Frankenquartier in Kairo, oder vielleicht Muza 
(Moccha) in Südwest- Arabien gemeint sein. Ich glaube , dass »Musca« hier 
für Damaskus steht. Damit würde auch ein besserer Gegensatz gegeben sein. 

S. 232. Als Datum des Falles von llhodos findet sich hier der 24. Oc- 
tober 1")22 angegeben. In Wahrheit erschien die türkische Flotte am 2(». Juni 
1522 vor Rhodos und am 1. Januar 1523 zogen die Ritter von dort ab. 

S. 233. »zu gedechtnus defz tirana barbarossa«. Dass der Deutsche 
Philipp von Haoen den Kaiser Barbarossa einen »tirana« genannt haben 
soll, müssen wir billig bezweifeln. Sollte das Wort nicht etwa "fiterico« zu 
lesen sein? 

S. 238. Statt »vor den frowen« dürfte wohl »von den frowen« zu 
lesen sein. 

S. 248. Ebenso für »man fürt ouch kein wasser«, »man fint ouch etc.«. 

S. 278. Die Könige von Cypern ertheilten nicht den Rittern des heiligen 
Grabes von neuem den Ritterschlag, sondern sie verliehen ihnen ihren 
Schwertorden, den Peter I. (1359 — 13()<)) gestiftet hatte. Inhaber desselben 
konnte jeder Edelmann werden, ohne dass er jemals in Jerusalem gewesen zu 
sein brauchte, pro forma war er allerdings veri)flichtet. auf den Rufeines cy- 
l)rischeu Königs gegen die Sarazenen zu ziehen. Da der Orden, ein silbernes 
Schwert mit vergoldetem Griff, umwunden von einem blau emaillirten Band, 
auf welchem die Devise stand : »C'est pour loyaute maintenir«, an einer gol- 
denen Kette um den Hals getragen wurde , so war er von dem damals sehr 
putzsüchtigen Zeitalter lebhaft begehrt. Um diesen Orden handelt es sich 
auch bei dem Frankfurter Patrizier v. Rückingen, den der Frankfurter Rath 
wegen Tragimg desselben in das Gefängniss führen liess. Es ist hiernach zu 
verbessern, was der Hrsgbr. S. 19 über diesen Punct gesagt hat. Mit dem 
Ritterschlag am h. Grabe war kein Ordenszeichen verbunden. Über das Fac- 
tum wurde nur eine Bescheinigung ausgestellt. 

S. 299. »ne vultus ledatur a calore vel ortu solis«. »Unverständlich«. 
bemerkt der Hrsgbr. Es liegt aber doch nahe, dass »ictu solis« zu lesen sein 
möchte. 

Der JIrs<rl)v. luit zu II. und IV. »Wörterbücher« (das Wort 
»Glossar« perliorrescirt er] gegehen, in denen unsers Erachtens 
recht viel Überflüssiges steht, Nr. III. (Claks van Düsen) ist da- 
gegen ganz leer ausgegangen. Hinter den Wörterbüchern findet 



73 

sich noch von S. 331 — 350 eme »neüage«, betitelt )iUie Ae^y])- 
tische Goettersage in der christUchen Le<>endc .'« Sie ist eine Ilhi- 
stration zu dem, was der IIist>;l)r. in der Vorrode über die Wis- 
senschaft der niittehilterlichen Myth()lo<j;ie erklärt, auf (U'ren 
Gebiet kaum der erste S])atenstich gescliehen sei. »Ein ungelieue- 
rer Stoff ist für sie in der l'ilfj^erlitteratur unausgebentet aufi^e- 
häuft: es lagern dort neben den volksmässigen und gelehrten 
Rückerinneruugen an die alte Götterwelt von Hellas und Rom, 
Syrien und Ägypten, Arabien und Nubien selbst die mittelalter- 
lichen Schiffermährchen des Mittelmeeres, die liegenden des Is- 
lams, wie die der griechischen und römischen Kirche in bun- 
tem Durcheinander und vcnlangen um so mehr Entzifferung, als 
sie in der Gestalt von Rückfracht der Pilger in die abendlän- 
dische Mythologie sich einzuführen gewusst haben«. Der Hrsgbr. 
hat in derThat überall, wo es nur anging, den Versuch gemacht, 
die in dem Text genannten Heiligen auf ihren antiken Stamm- 
baum zu examiniren. Weiter behandelt die Heilage drei derar- 
tige Themata: 1) Erweist sich derb. Oniiphrius als Osiris, 2) fin- 
det sich für den h. Paulus von Theben ein Platz in der Osiris- 
sage, und 3) zeigt sich die h. Katherina nach Abstreifung des 
christlichen Faltenwurfs als Göttin Hathor, die ägyptische Aphro- 
dite. Ref. muss bekennen, dass er als nüchterner Historiker nicht 
in der Lage ist, darüber sich ein Urtheil zu bilden, 

Druck und Ausstattung entsprechen vollständig der fürst- 
lichen Gönnerin , deren Liberalität das Erscheinen des Hnches 
ermösrlicht hat. 



^ö' 



Au rieh (Ostfriesland), im December 1882. 

Karl Hkrquet. 



Die sogeiumute Mauara in Tyriis. 

Von J. Oildemeister in Bonn. 



Früher ist in dieser Zeitschrift über die Bedeutung des Na- 
mens Manära, welcher zuerst durch die Expedition von 1S74 
als jetziger \'olksausdruck für die grosse Kirchenruiue in Tyrus 
bekannt wurde, und über die aus ihm zu ziehenden Folgerungen 
gesti'itten worden. In welchem Sinn die Eingebornen selbst den 
Namen verstehen, war nicht gesagt. Herr Dr. Hartmann in 
Beirut, den ich ersucht hatte, darüber wo möglich Nachricht ein- 
zuziehen , tlieilt mir folgenden Auszug aus einem Briefe des be- 
kannten Herrn Ei.juh Akela, ^ iceconsuls in Saida, (vom 22. Febr. 
lSb3) mit: 

wQiiant aux reusei gnements que Vous desirez avoir sur la 
raison pour laquelle les actuels hal)itants de Sour appellent Tau- 
cienne cathedrale de Tyr »Manarac , j'ai l'honneiu- de Vous dire 
(jue, jadiS; quand je me rendis avec M. Weber ä cette ville pour 
ananger l'affaire de fouilles qu'avait entreprises le Professeur 
Sepp, je fis cette meme demande ä quelques vieillards de Sour, et 
cette fois-ci je Tai reiteree ä plusieurs Tyriens de passage par 
Saida ; mais tant alors que cette fois aussi on m'a toujours dit que 
cette denomiiiation lui vient de ce que dans le temps il y avait 
])res de la catht'drale ou bien ä cote de sa coupole un edi- 
fice de (I'hare' Manarat pour Teclairage du port ; voici tous les 
renseignements que j'ai pu recueillir«. 

Es bleibt also, wie sich von selbst verstand, l)ei der Bedeu- 
tung Leuchtthurui, und die Kuine heisst nicht schlechthin Ma- 
uara, sondern die Kirche d er Manära. Und so steht arabisch in 
dem Bestätigungs-Document [mazbata], welches der Medschlis 
von Tyrus über den Ankauf der Hütten auf dem Ausgrabung«- 



75 

tenain ausstellte, und das Herr Dr. IIartmann mir ebenfalls niit- 
getlieilt hat, nielinnals jj^csclirieben kcnlset el-manüra^ die Kirche 
der Manara. Von einem eif>nen neben der Kuine gelef^^enen 
IjL'Uchtthurme oder dessen Spuren wird nichts erwähnt, oben 
heisst es ausdrücklich : neben der Kuppel , und es kann daher 
nur gemeint sein der einst im südlichen Uuerschiff vorhandene 
Thurm, dessen Eest noch heute «einen der höchstragenden Theilc 
der liuine bildet« (Pkutz, Aus Phönizien S. 327), der zu Maki- 
Ti's Zeit noch stand und mittelst einer \yendeltre])pe bestiegen 
wurde. Dieser Thurm konnte von den Eingebornen mit Recht 
als neben der (vorausgesetzten) einstigen Kuppel befindlich be- 
zeichnet werden und, falls er nicht wirklich zu Leuchtfeuern be- 
nutzt ist, auf sie den Eindruck machen, dass er zu diesem Zwecke 
bestimmt sei. 

Zur ErgänzTing des nerichtes über die Verhandlungen bei 
Sepp, Meerfahrt S. 112, und als eine nach Inhalt und Stil nicht 
uninteressante Probe heutiger türkiscli-arabischer Pechtsformen 
ist die genannte Urkunde mit der Übersetzung Dr. IIartmann's 
liier vielleicht an der Stelle. 



^jX^^ Km^^^Z>- ).♦>• .»Aww.^- 


^'J^\ J..i'^ hiU-\ ^Aj 


wV-«.^ >.Xaa.2J) ^-^j; ^'^ri^ 


äüiAÜ^», («.AXJ ^äo/Li^ ^ÄJ• 


^La^ L/'-b'" '-'55^'-^ >— A.jLb ^\ 


v^^^Äj *J-* ,^^ii-\xAaj) ,iAaO 


Jj.xc lA^.^ ^»,iA.^Jl i^.-^^tJ^ 


/ üU'JJl ry^=^ ^^^-15 «—^.S^ 



^lÄl^ ÄÄi»l_j; (sie) »^LJAjI ;_^a>.?^ »3^^ (^E x»jU< .j*,m*s>- 

y^.k^' ,^A.M*^^i jaj» «.aaw-o v_jLo» v_;-i-2^i iiA^ 0--vi wVs (.i^A^i- 

(^iX;>\Aji j^.-??. ,-)^ b.Uit L\A«/.A^i ^3 ^ÄjÜÜS Oj-^^^ ^-jL^S If^J^- O^ 

^s ^i:>^i^ X.^X4.>.5 .\*.j>\üJi \Ai>:.jLÄJ! Xii^\ J^ ^,r=vxjL L^ 
»jLc^ ._^. ^i! (juj^'^.w ..cCsc i\*AwÄjLj *-ciÄ.r>\ii o«i.^-' ^^äaCi 
lAs .I^Lji-^ u^li iy"..^I:iJ^ L^pUjLj AJ^L/iJ.i^ s.LÄli iw-v^ Q*-^ ^J^^' 

i^ii:' / i^5. jtSiy^i i')^'*"-'' c^ •y-f}''^^'^^* i'5'^iJ^'*^3 i^r^r^'**^'' ]*->''>^' 



U- 



76 



xcbLbu» ^-JbAii ;>=^ oJ^xi> wuUl «Ä5i ^^1 L;^ (^^'blb^i 

IJedr el-hafiz, Vertreter der Moschee — Jlusain Hamra — 
Chamise — Chalil Zaine — Mustafa Na'im und seine Mutter 
Dibe — Zib eddai'a — Mohammed Haidar essidäwi — Marjam 
bint Umm Tälib — Dä'iid Jünes — Sälih Hubbalhih — Hasan 
Dokmak — Ibrahim Elbedewi — Mohammed 'xVbbüd — Husain 
JSehime — '^Ali Ilidschäze — - Habib Eddclläh und seine Schwester 
Dschelile — Husain Kaschschür und sein »Sohn Mohammed 
Kaschschür. 

Da der kais. Deutsche Generalkonsul Herr Weber diese 
Stadt mit seinem Besuche beehrt hat, versehen mit einem Hohen 
1 'ermän , dass er die Erlaubniss habe , die l^esitzer der in der 
Kirche Elmenfira befindlichen Häuser zufrieden zu stellen und 
in derselben Ausgrabungen nach alten historischen Monumenten 
anzustellen , so hat er durch Vermittlung des Medschlis die den 
hier ol)en angeführten 19 (?) Personen gehörigen, innerhalb der 
Kirche Elmeucira gelegenen Häuser gekauft und hat sie (seil, die 
Besitzer) mit iliren Preisen zufriedengestellt und sie haben ihm 
aus gutem Willen ihre erwähnten Häuser für den stipulirten und 
baar in ihre Hände bezahlten Kaufpreis verkauft, freiwillig und 
ohne einen Einspruch zii erheben, vielmehr sind alle dankbar 
imd verbunden und haben den Preis ihrer Häuser nach ihrem 
Verlangen und Wunsch erhalten, in Form alles Rechtes, ohne 
dass auf einen von ihnen irgendwie der geringste Schaden fällt ' 
und so dass ihnen nicht das geringste Verfügungsrecht und An- 

1 ; Wohl so zu verstehen , dass der Verkauf nicht mit einem von ihnen 
wieder rückgängif? gemacht werden kann. H. Elmaghdürlja scheint zu fassen 
als »das Ubervortheiltsein, Übertölpcltsein« und die Phrase den Sinn zu haben 
von unserer Jledensart: sich der Einrede der Verletzung über oder unter der 
Hälfte begeben. [Dieser Erklärung stimmte Dr. H. brieflich bei.] G. 



77 



Spruch auf die genannten Häuser bleibt. Da dieser Kaufvertrag 
vor dem Medscblis und mit seiner Kenntniss zu Staude gekom- 
men ist, so wird derselbe hiermit durch diese Mazbata lega- 
lisirt. 

26.1lebf 191. 30. April 90 (d.i. 12. Mai 1874) 
Der Kajimmakäm von Tyrus Der Na ib Der Finan/.director 
Mustafa Ahmed Chulüsi Sa\l eddin 

Mitglied 
Ali fJharif. 

Es folgen noch die zum grösseren Theil unleserlichen Na- 
men oder eigentlich Siegel von sieben Mitgliedern , dem Secre- 
tair, und zweien Schreibern. 



Moal)itis('li(3s! 

Von E. Prvui in l'.oni). 



Im ()ctol)erliefte der Quarterly Statements des I\alestine 
Exploration Fund veröffentliclit Captain Condeu S. 184 n. fg<r. 
vier »vermutlilich nabatäisclie und liimjaritische'( Steininscliriften 
aus Medeba. Die Ordinale derselben werden im Lateinischen 
J'atriarchate zu Jerusalem aufbewahrt, wo Condkr sie 1881 sah 
und copirte. 8ie sind nach ihrer au^ebliclien Entdeckung im 
Frühjahr ISSI von den lateinischen Missionären aus Medeba 
dorthin geschickt worden. Tm August desselben Jahres besuchte 
('oNDKK Medeba und erfuhr auf eine Nachfrage, »that they had 
all been found by excavatiou , or amid heaps of fallen stones, 
wlien the newly-established Eatin colony, at this ruined city, was 
engaged in building up rüde drystone enclosures for their cattle«. 

Die dritte dieser Inschriften, an deren Fk-htheit Condbr 
nicht gern einen Zweifel aufkommen lassen möchte, erinnerte 
mich sofort an die sog. «südarabischen« Charaktere weiland moa- 
bitischen Angedenkens und entschleierte sich bei genauerem Zu- 
sehen auch bald als alte Bekannte. Sie stimmt Buchstabe um 
Buchstabe mit der «Felseninschrift von Dibänc überein, welche 
bei A.Koch, Moabitisch oder Selimisch / Stuttgart 187G, auf Ta- 
fel TU als Nr. 5 nach einem Abklatsch im Besitze Schapira's pu- 
bHcirt ist; nur wird die bei Conder Z. 4 nach dem vierten Zei- 
chen von rechts sich zeigende Lücke bei Koch durch ein fc aus- 
gefüllt. Bei dieser Lücke wird wohl eine Untersuchung einsetzen 
müssen, die das Verwandschaftsverhältuiss zwischem dem Steine 
und der Kocu'sclien Zeichnung deutlicher darstellen will. Die 
Inschrift selbst wird 1)ekanntlich von Koch, dem gewiss niemand 
• 1(11 \ orwurf übertriebener Skepsis in moabitischen Dingen machen 
kann, a. a. (). S. 8!) und sonst unter den Beispielen unzweifel- 
bafter Fälschungen aufgeführt. 

Bonn 3/1 84. 



Beiträge zur Keiintiiiss abergläubischer Gebräuche 

in Syrien. 

Von Eijüb Abela, Vieeconsul des deutscheu Reichs m Saida^i. 



Für die Kenntniss abergläubischer Gebräuche und Meinun- 
gen sind im Verhältnisse zu der Wichtigkeit dieses Gegenstan- 
des vom Orient aus nur spärliche Beiträge geliefert worden, 
bekanntlich haben die Gelehrten des Orients für derartige Dinge 
nicht den mindesten Sinn. Der Verfasser der vorliegenden Samm- 
lung hat seine Mittheilungen durchweg aus dem Volksmunde 
geschöpft. Er hat dieselbe, ermuntert durch Herrn Prof. Dr. 
VOM Rath sowie durch andere Gelehrte, als einen ersten Ver- 
such auf diesem Gebiete der Öffentlichkeit übergeben. Unzwei- 
felhaft würde die Fortsetzung dieser Studien manche wichtige 
Resultate ergeben; Vollständigkeit zu erreichen ist dabei ja stets 
unmöglich. — Die Muslimen geben solchen Sammlungen den Na- 
men Um er-rukke (Spinnrockenwissenschaft) und behau])ten, ein 
Prophet, Namens Arukin'^), sei zu den Israeliten gekommen, sei 
jedoch bloss von den Frauen gut aufgenommen worden. Diese 
letzteren habe er nun in der Wissenschaft des Aberglaubens un- 
terrichtet und sie geheissen , dieselbe durch mündliche Überlie- 



Ij Vorliegende Sammlung wurde von Herrn Abela Herrn Geh. Bergrath 
Dr. VOM Ratu übergeben. Das Manuscript ist in französischer Sprache abget'as.st 
mit arabischen Anmerkungen ; letztere glaubte der Übersetzer nicht ganz un- 
terdrücken zu sollen. Die Übersetzung war keine leichte Aufgabe, da man 
sich ganz in den arabischen Ideenkreis versetzen musste. Hin und wieder 
sind allzu starke Wiederholungen im Deutschen vermieden worden; doch 
durfte das Ganze seinen orientalischen Tenor nicht einbüssen. Anm. d. l . 

2) »Arouckin« i. fr. Mscpt. 

Ztschr. (1. Pal.-Vpr. VH. ti 



80 

forunj; fortzupflaiizon. Dahor kennen anch bloss die PVanen 
sdlflie al)eit;liiiil)isc-lu'n Gebräuche und Meinungen; dieselben 
heissen daher auch allgemein : Huch der Frauen. 

liei den Metäwile's ist der Glaube verbreitet, dass diese Ge- 
hräiiclic in die vorinuslimische Zeit zurückzudatiren seien. .Sie 
erzählen , es habe einmal eine Frau , deren Vater ein Mensch. 
deren Mutter jedoch eine Fee gewesen sei, zwei Arabern, welche 
üufaih inid scJnk hiessen, in den Mund gespien und ihnen auf 
diese AVeise die Kenntniss der abergUuibischen Gebrä\iche und 
Meinungen mitgetheilt. Letztere theilen die Metäwile's in drei 
Kategorien: 1) tiifciul., Kenntniss der guten Omina. 2] faschäum, 
Kenntniss der bösen Omina, und 'i)'ki/üfe, Erkenntniss der Zu- 
kunft. 

Die Juden behaupten, dass diese Wissenschaft bis in die 
Zeit von Moses hinaufreiche, inid dass die Altesten der jüdischen 
Gemeinde den Leuten ilires A'olkes die Kenntniss derselben bei- 
gebracht haben , damit sich diese vor den Angriffen der in der 
Magie bekanntlich besonders bewanderten Ägypter schützen 
könnten. 

Es scheint, dass die orientalischen Christen die abergläubi- 
schen Meinungen und Gebräuche von den Völkern entliehen, 
unter welchen sie lebten. Sie nennen, wie schon bemerkt, diese 
Wissenschaft das Buch der Frauen und behaupten, dass einmal 
bei irgend einer Gelegenheit das ganze Ikich in's Wasser gefal- 
len und nur ein einziges F>latt aus demselben gerettet worden 
sei : dieses letztere sei jetzt überall im Umlauf. 

So \del über die Ansichten in lietreff des Ursprungs derarti- 
ger Meiniuigen. 

1 . Ausser den guten und bösen Tagen, die es nach allgemei- 
nem Aberglauben in jedem Jahre giebt, und die wir später aufzähhm 
worden, hat auch jede Woche ihre guten und bösen Tage. Sonn- 
tag und Donnerstag sind gute Tage ; darum unternimmt man an 
denselben gerne die Ausrüstung einer Aussteuer , Reisen , den 
Umzug von einem Ort zum andern u. s. w. Montag und Freitag 
sind ebenfalls nicht ungünstig, während Dienstag, Mittwoch tmd 
Samstag unglückliche Tage sind : wer eine Arbeit an einem 
Mittwoch anfängt, läuft Gefahr, dass sie ein schlechtes Ende 



81 

nimmt; wo.r sich Samstap;s oin Kloid machon lässt, riskiit, dass 
ihm (hissell»! verhvcnnt; ein Diciistaf^s vcrfovtif^tcs Kh'id imtor- 
licfift dorn Schicksal, einem Anchnn v(>rmac]it, /n \\('V(h'n. 

2. KiulJaucr, welcher Wolfshohnen säen will nnd eine f^ute 
Ernten 7M erzielen wünscht, mnss, ehe er sich anfs Feld he^ieltt. 
seine Frau durchprügeln, weil man ojlauht, dass tüchtif^e Stock- 
schläge eine gute Ernte von Wolfshohnen zur Folge hahen. 

3. Wer nicht will, dass seine Tochter haarig werde, muss sie 
hei der Geburt mit dem Blut einer Fledermaus bestreichen. 

4. Wer wünscht, dass seine Tochter die Gabe erhalte, gut zu 
sprechen, muss ihr, sobald sie geboren ist, die Lippen mit Staub 
(Erde?) bestreichen, den man unter der Thürangel (gond) des 
Zinnners, in welchem sie geboren wird, wegnimmt. 

5. Man leiht nicht gern seinem Freunde das Taschentuch, da- 
mit er sich die Hände daran wische, weil man sonst zu befürch- 
ten hat, sich in der Folge mit ihm zu entzweien. Zur Noth 
köinite man es ihm unter der Bedingung leihen, dass er an einen 
Zi])fel desselben einen Knoten mache, ehe er es zurückgiebt. 

G. Ein Beduine, der sich auf eine Reise begeben oder in einer 
sonstigen Angelegenheit sich auf den Weg machen will . kehrt 
um und giebt seine Absicht auf, wenn die erste Fersen, welclie 
er antrifft, einen leeren Krug trägt, was ein sehr böses Zei- 
chen ist. 

7 . Einen Bettler, der nach Sonnenuntergang bettelt, schickt 
man schnell fort, da sein Kommen zu so später Stunde von böser 
Vorbedeutung ist. 

8. Nach Sonnenuntergang darf man nicht mehr kehren, weil 
man sonst fürchten mnss, das jüngste Glied aus der Familie zu 
verlieren. Im Nothfall wäre es erlaubt, wenn die Hausfrau, 
nachdem gekehrt ist, die Spitzen des Piesens verbrennt. 

9. Wenn eine Frau oder ein Mädchen über ein am Boden 
liegendes Kind wegschreitet, so läuft dasselbe Gefahr, nicht 
mehr zu wachsen. Dieselbe Person, Avelche solches gethan hat, 
muss, um Schaden zu verhüten, noch einmal in entgegengesetz- 
ter Richtung über das Kind wegschreiten. 

10. Es ist von schlimmer Vorbedeutung, wenn ein leicht zer- 
brechliches Gefäss fällt, ohne zu zerbrechen ; darum zerschlägt 
man dasselbe oft, damit nichts Böses daraus entstehe. 



82 

1 1. Wonn hoim Servilen desKaffee's eine oder raehroro Tas- 
sen unil'allon . so ist dies von outcv A'orhedoTitmiijf. Man schilt 
niemanden, der eine solche rnj^eschicklichkeit hejj^eht, besonders 
nicht, wenn es ein Glied der Familie ist. 

12. Man betrachtet denjenifjen, der zntalli^orweise das Hemd 
oder die Hosen verkehrt angezogen hat. als gefeit gegen Zau- 
berei . 

13. l'm zn verhüten, dass geviisse ^'orräthe von den Würmern 
gefressen werden , müssen dieselben im dritten oder vierten 
Mondviertel eiugethan werden. Dasselbe gilt vom lianholz. 

14. Wer das Innerste von Zwiebeln oder Lanch als Salat 
isst, läuft Gefahr, seine Eltern zu verlieren. 

1.5. Um die Schlangen aus einem Gemach zu vertreiben oder 
deren Hereinkommen zu verhindern, lässt man einen Heschwö- 
rer kommen. Dieser nimmt in seine rechte Hand eine l^ortion 
Linsen und wirft sie, nachdem er die nachfolgende Formel sehr 
leise gesprochen hat; in die vier Winkel des Gemachs ; er ver- 
sichert, dass die Schlangen sich nie dem Orte nähern würden, so 
lange die Linsen da seien. Diese Beschwörung hat aber keinen 
Einlluss auf die Viper, da man glaubt, dieselbe habe keine Oh- 
ren und könne sie darum nicht hören. Die Formel lautet folgen- 
dermassen\i : »Im Namen Allahs, des Gnädigen und Harmher- 
zigen. .Täsin ist unsere Wohnung und der Gnädige ist unser 
Patron ; auf dieser liehausung steht angeschrieben der \'ers Mu- 
hamed's und Alis. Fernes komine nicht an uns und Nahes füge 
uns keinen Schaden zu. Mögest du austrocknen, wie die Wür- 
mer im Holze. ]]ei dem auf das Siegel geschriebenen Namen 
Salomo's, des Sohnes Davids, beschwöre ich dich, o Sekine 
(sie!), bei dem grossen Namen Allah's, dessen Name das Wasser 

'sie) U-ywiu "bJ — Aj.ä -^^-?^. "^ '-^f^*'? I c^; l-X.♦.^-^ '\j} *>-;>-.' -sÄP tc^ 
*.Jw3- ,t^^ ' ^XNj* (^A.Ji .«.Av^5lJ 'Jyx.^li J»vA-i (sie) i/^"^J *-«"i sie, . ^m*»*>j' 

,.yA i-^i^ -^i- J.^ .-.IXU iÄP .y^ ^>.i^ ...! U,\ J<.ts>- x«.^^ e5'Ä.j5 

^-b» .ji.*>vl~. JA-^>w «Ju^» . ^i.C: ^^'.,iSii\ (^Aj' *.a«*41j i-)L5,^ ÄJU.^S 



83 

f^efrieren macht: mögest du von diesem Oiti- wcg/.iclu'ii an einen 
andern Ort in den vier Winkeln; beim Namen, der auf das Sie- 
gel unsers Herrn Salomofgravirt ist, und bei dem tausendfältigen 
Ausspruch: Es ist keine Hilfe und keine Macht aussen- bei Allah, 
dem Hohen und Grossen«. 

16. Um das Eindringen des Giftes eines Scorpiononstiehs /u 
verhindern, lässt man einen IJesclnvörer kommen. J)ieser l)e- 
netzt dreimal mit seinem 8i)eichel die Stelle des Stiches, indem 
er jedesmal den Spruch rccitirt: Im Namen Gottes, des Gnädigen 
und Harmher/igen ! und spricht dann leise folgende Eormel ') : 
»Ich beschwöre dich, o Scorpionengift, bei unserm llerni Noah 
und bei den Angehörigen unseres Herrn Noah! Heil sei über 
Noah ! Heil sei über Noah ! Heil sei über Noah ! Werde kalt, o 
Gift, und entferne dich früh, früh, früh» ! 

17. Um eine Schlange zu betäuben und sie zu verhindern, den 
Ort, wo sie sich befindet, zu verlassen, spricht der Beschwörer 
folgende Eormel: »O Mähür! '^) Ich beschwöre dich, o Schlange, 
bei dem anbetungswürdigen Gott : du mögest erstarren und ver- 
trocknen, wie der Wurm im Holze, bei dem Namen, der einge- 
graben ist auf das Siegel unseres Herrn Salomo. des Sohnes Da- 
vids ; sofort ! sofort ! sofort ! o Karondos '^) in Ketten ! Sei ein- 
gekerkert; bleib stehen, o Verfluchte. So befiehlt es der 
Höchste«. 

IS. Es ist streng verboten, Nachts oder im Einstern warmes 
Wasser in der Küche auszuleeren, weil dasselbe einen Dschinn 
verbrennen und dieser dann aus Rache in die Person fahren 
könnte, die das warme Wasser über ihn ausgeleert hat. 

1^. Ebenso ist es verboten, auf dem Abtritt und in den öffent- 
lichen Bädern Wasser auszuleeren, ohne vorher »Destür« (Er- 
laubniss) gesagt zu haben, damit nicht die Dschinnen in den- 
jenigen fahren, der diese Frechheit begangen hat. 

1) (sie) v_j,ÄÄjt ^,^*^l\ LiJi [) d^JLc. o^*w.äl ♦A^J' ^-♦J>.Ji .A^ 
j.^i*« _ji (C^ *^LfM ^^ i5^^ [»^sU. r-jj J^^tv* J^» 'T'jJ j'-\y^r 

Lta^\-^-w ^*.^\*.*N Lfc^ow.v« ^» ,» *.-v. ü J>,ji F- *-- , .r^. Letzteres Wort 

" ■ ^^''^ ' " -^' ^- ^ 

ist im Französischen mit »de suite« übersetzt. 

2) Mähür und Karondos sind nach dem Volksghiuben Dschinnen, welche 
eine grosse Macht über die Schlangen besitzen. 



84 



20. ^^'^'llll ein kleines Kind an irgend einer Krankheit da- 
hinsiecht. SU glanht man. dass es gegen ein Dschiinienkind aus- 
getauscht Avorden sei. Seine Eltern tragen es daher zu den Hei- 
liirenirräbern. Itci denen sich stets C'isternen befinden, und lassen 
es dort in dieCisterne bis ganz nahe /um Wasser hinunter. Dann 
ziehen sie es Avicder heraiif . überzeugt, dass die Fee ihr eigenes 
Kind wieder an sich genommen und das rechte zurückgegeben 
habe. — Der Glaube an dieDschinnen hatte sich bei Tnis fast ganz 
verloren, als fidgende Geschichte ihm wieder neue Nahrung gab: 
Die Tochter einer muslimischen Frau in Akko lag an den Hlat- 
tern schwer erkrankt darnieder. Da sah die ängstlich besorgte 
Mutter eines Tages einen grossen; schwarzen Hund herzulaufen; 
der ihr durch Schweifwedeln seine Theilnahme auszudrücken 
schien. Sie Avarf ihm ein grosses Stück Brot hin und erklärte 
ihm, sie würde, falls ihre Tochter wieder gesund werde, sie ihm 
zur Frau geben. Nach wenigen Tagen genas das Mädchen in der 
That, und auch der Hund zeigte sich wieder, wie um seinen 
Lohn zu empfangen. Die Frau warf ihm zunächst wieder ein 
Stück Brot hin und forderte ihn auf, nach sechs Jahren mit einem 
regelrechten Heirathscontrakt und dem nöthigen Krautschatz 
wiederzukommen. Nach Ablauf der bestimmten Frist erschien 
der Hund wirklich wieder und bedeutete die Frau, zunächst in 
ihrem Kleiderschrank und unter dem Kopfkissen ihrer Tochter 
nachzusehen. In ersterem fand sie in der That einen Sack 
voll Gold und unter dem Kissen den verlangten Heirathscon- 
trakt. In ihrer Verlegenheit wandte sie sich an einen in hohem 
Ansehen stehenden Beschwörer und versprach demselben eine 
reiche Belohnung, wenn er sie von diesem Schwiegersohn be- 
freien Avolle. Der Beschwörer erklärte sich bereit, sein Möglich- 
stes zu thun, um die Sache rückgängig zu machen, behauptete 
jedoch, jener Hund sei der Sohn des Königs der Dschinnen. 
Diese Geschichte wurde allgemein bekannt. 

2 1 . Wenn irgend ein Gegenstand verloren gegangen ist und 
man ihn später wieder findet, so glaubt man sicher, die Dschin- 
nen hätten sich denselben geliehen. 

22. Man hütet sich mit einem Gewehr zu spielen, selbst 
wenn dasselbe nicht geladen ist ; denn Satan könnte es selber 
geladen haben. 



I 



85 



23. Wer nachts im FiTisteru in einem liiulclmuse schreit oder 
Lärm macht, riskirt von den Geistern geuhrfei<;t zu Averden und 
die Sprache zu verlieren. 

24. Um zu verhüten, dass die niklen Thiere ein Feld verwü- 
sten, nimmt man ein halboffenes Federmesser und si)richt, gegen 
Süden gewandt, fünf Minuten vor Sonnenuntergang folgende For- 
mel : »Was hat Gott gethan mit den Leuten des Elephanten'M) 
Er hat ihnen die Zunge gebunden. Durch seine höchste Macht 
binde und schliesse ich den Mund dieses und jenes Thieres uml 
verhindere es, diess Feld zu verwüsten«. Dann schliesst nuin das 
Federmesser. 

25. Wenn eine Henne anfängt zu krähen, so ist das von 
schlimmer Vorbedeutung für die Leute, in deren Jlühnerhof sie 
sich befindet. Auch wird sie sofort getödtet, weil sie thut, was 
ihr nicht zusteht. 

26. Es wäre sehr unrecht, einem kleinen Kind die Nägel zu 
schneiden, ehe es wenigstens ein Jahr alt ist; denn es könnte 
dadurch später ein Dieb werden. 

27. Man muss nie einem Kind, das noch kein Jahr alt ist, 
die Haare schneiden, weil es sonst eine Waise werden könnte. 

28. Es ist ein gutes Zeichen, wenn eine Frau aus Versehen 
ihren Schleier verkehrt angezogen hat, denn sie wird über kurz 
oder lang die Pilgerschaft antreten. 

29. Wenn ein Licht oder eine Lampe in einem Zimmer von 
selbst auslöscht , so ist das ein gutes Zeichen für die Personen, 
die sich in dem Zimmer befinden ; denn es wird ihnen die Harm- 
herzigkeit Gottes zu Theil. 

30. Es ist ein gutes Zeichen, wenn eine schwangere Frau 
einen falschen Schritt thut; sie wird einen Knaben gebären. 

31. Wenn ein kleines Mädchen, das noch nicht sprechen 
kann, einen Besen nimmt und thut, als ob sie kehren wollte, so 
wird sie oft gescholten ; denn wenn ihre Mutter schwanger ist, so 
ist es für dieselbe ein Zeichen , dass sie nur ein Mädchen gebä- 
ren werde. 

1) Vgl. Koran, Sure 105, 1. 



86 

32 Um einen unl)equemen liesucher los zu werden, streut man 
erst ein wenig .Salz in dessen Schuhe 'j. Wenn dies nichts nützt, 
so machen die Christen ein kleines Kreuz aus Stroh, das sie, 
überzeugt, dass dies nützen werde, ohne Wissen des Hesuchers 
hinter dessen Kücken stecken. — Die Muslimen dagegen reciti- 
reii dreimal folgende Formel : ))Wenn die Erde erschüttert wird 
und ihr Inneres an den Tag bringt, so verlassen sich die Men- 
schen auf Ciott; der trennt in verschiedene, verschiedene, ver- 
schiedene Theile« ! '^) . 

;<.'>. DieChristen glauben, dass in der Nacht vor Epiphanias zu 
unl)ekannter Stunde der Himmel sich aufthue, das Meerwasser 
süss werde und die Häume sich neigen, und dass, Mer in dieser 
Stunde einen Wunsch ausspreche, sicher erhört werde. Derselbe 
Aberglaube herrscht bei den Muslimen. In einer der Nächte des 
Fastenmonats Kamatlan giebt es eine Stunde, welche die Schick- 
salsst\inde genannt wird; da öffnet sich der Himmel, und die 
Engel erhören jeden, der einen Wmisch ausspricht. — Unter 
den verschiedenen Erzählungen, die darüber umlaufen, ist auch 
folgende : Ein Gaukler reiste mit einem Esel, einem Hahn inul 
einem Affen umher. Nachts legte er sich unter einen liaum zum 
Schlafe nieder. Dies war nim gerade die Schicksalsnacht, und 
als der Affe eben in der glücklichen Stunde erwachte uiul den 
Himmel offen sah, verlangte er König zu werden. Hierauf 
weckte er seine Gefährten, damit auch sie den günstigen Augen- 
blick benutzen sollten. Der Esel wünschte mm Grossvezir und 
der Hahn Caplan seiner Majestät zu werden. Als sie diese Wün- 
sche ausgesprochen, erfasste sie Mitleid mit ihrem Herrn , imd 
sie weckten ihn, damit er ebenfalls sich etwas wünschen könne. 
Nachdem der Gaukler ihnen für diese Eücksicht gedankt, bat er 
sie, ihm zu sagen, was sie sich ausgebeten hätten, damit er sich 
darnach richten könne, worauf jeder ihm mittheilte, was er 
zu erlangen hoffte. Entrüstet über diese Anmassung , bat ihr 
Herr inm den Himmel, ihn erblinden zu lassen, damit er ein 
solches Kegiment nicht sehen müsse. 

'M. Die Leute erlauben nie, dass man einen Wasserkrug leer 
nach Hause trage, besonders Avenn derselbe neu ist, weil sie 

1 ) ])\(i bekanntlich bei der Thüre zurückgelassen werden. 

2) Vgl. Koran, Sure 99. Anm. d. Übers. 



87 

glauben, dass dann das Haus leer werde, indem es seine IJewoh- 
11 er verliere. 

:^5. Hei einer Mahl/eit wird jedem eine besondere l'ortion Hrot 
vorgelegt, und es gestattet keiner dem Nachbaren, sich von der- 
selben einJStück zunehmen. Mau glaubt nämlich, dass derjenige, 
welcher vom lirote des andern isst, zugleich auch ein .Stück des 
Lebens desselben verzehre. Dagegen würde eine Frau ohne 
Bedenken ihrem Manne oder ihren Kindern von ihrem Kröte ab- 
treten. 

36. Man darfkein Haarsieb nach Sonnenuntergang ausleihen; 
wenn man jedoch genothigt ist, dies zu thun, muss man, damit 
nichts Schlimmes daraus entstehe, dem Siebe einige verschieden- 
farbige Lappen anbinden. 

37. Es ist ein schlimmes Zeichen, wenn ein Hund vor einem 
Hause heult, besonders wenn ein Kranker sich darin befindet. 
Um Unheil abzuwenden, muss man sogleich im Zimmer des 
Kranken einen Schuh verkehrt hinlegen und den Jlund sofort 
wegjagen. 

38. Man nimmt es als eine gute Vorbedeutung an, wenn ein 
Schmetterling in's Zimmer Üiegt. da man denselben als Vorbo- 
ten einer guten Nachricht ansieht. 

39. Wenn eine Katze ihre Krallen in eine an der Wand 
stehende Matte einschlägt und dieselbe umwirft, so wird das als 
Anzeichen eines bald eintreffenden Besuches angesehen. 

40. Es ist ein schlimmes Zeichen, wenn sich auf einem Ge- 
bäude eine Eule hören lässt; denn dasselbe wird nach kurzer Zeit 
zerstört werden. 

41. Wenn jemand zuerst den Neumond erblickt und es ist 
keine Person freundlichen Aussehens da, so muss er die Augen 
schliessen und warten , bis eine solche kommt , oder sie rufen 
lassen , um sie anblicken zu können ; denn dann ist er sicher, 
dass alle Tage des Monats günstig sein werden. Dagegen wird 
für ihn der Monat ungünstig sein, wenn er unmittelbar nach dem 
ersten Erblicken des Neumonds eine unangenehme Person an- 
sieht. 

42. Nach der Ansicht der Leute, besonders der Muslimen, ist 
es ein schlimmes Zeichen, wenn ein Fürst ein Dorf besucht, da 



88 

die Durfliewohuer dathirdi verdürben werden, indem die Ange- 
sehenen herabgewürdigt und UnAvürdigc erlioben wenlen. 

•13. Es ist niclit erlaubt, im Zimmer einer Wöchnerin zu 
stricken, da sonst das neugeborne Kind sterben könnte. 

41. Zwei Wöchnerinnen, die sich irgendwo treffen, dürfen, 
selbst wenn sie verwandt oder befreundet sind, nicht miteinander 
sprechen, ehe vierzig Tage um sind; denn sonst würde dieje- 
nige, welche zuerst die andere anredet, in Gefahr kommen, ihr 
Kind zu verlieren. 

45. Wenn jemand ein kleines Kind auf der Thürsch welle 
schlüge, so w ürde er dasselbe der Gefahr aussetzen, von einem 
bösen Geist besessen zu Averden. 

40. Wer sich vor Zauberei fürchtet, soll nie ein neues Hemd 
oder Kleid anziehen . ohne es vorher am lioden ausgebreitet zu 
haben und darauf herum getreten zu sein , indem er zuerst auf 
den Plalsausschnitt tritt. 

1 7 . Wenn eine Frau ihren Schleier selbst näht, so wird der- 
selbe später ihr Leichentuch. Um dem zu entgehen, muss sie 
ihn durch eine andere Person nähen lassen. 

■ib. Wenn eine Frau von einem Beileidsbesuch zurückkommt, 
muss sie ihren Schleier ausbreiten, damit der Wind das Unglück, 
das sich hätte daran hängen können, Avegwehe. 

49. Demjenigen, der in einem Gefäss süsse oder saure Milch 
als Geschenk bringt, muss man das Gefäss ungewaschen zurück- 
geben, weil sonst seine Kuh oder Ziege die Milch verlieren 
könnte. 

50. Eine Neuvermählte darf keine Wöchnerin besuchen, Aveil 
die letztere sonst die ^Milch verliert. 

51. Um zu verhüten, dass der Charakter eines Kindes, das 
man entwöhnen will, in Folge der Entwöhnung verdorben Averde, 
muss man ihm am ersten Tag der Entwöhnung das Hemd ver- 
kehrt anziehen und ihm dann aus einem Gefäss zu trinken geben, 
das man den Abend vorher auf den Abtritt gestellt hat. 

52. Man darf einem Freunde Aveder Feder noch Federmesser 
borgen, noch auch ihn auf den Mund küssen, weil dies zur Ent- 
zweiung mit ihm führen würde. 



89 

53. Wer aus einem warmen Hade kommt, darf keinen Kran- 
ken besnchen; denn dies köinite dessen Krankheit verschlim- 
mern . 

54. Um ein kleines Kind vom Geifern zn heilen, mnss man 
es von einem Neger küssen lassen. 

55. Man darf in einem Zimmer keine un<j;erade Zahl von 
Lichtern breinien; denn sonst konnte dem Jüni^sten der Familie 
ein Unglück zustossen. 

5(>. Um Zahnschmerzen zn entgehen, lassen die Christen sich 
am Freitag der stillen Woche, ehe sie etwas gegessen haben, die 
Nägel schneiden; die Muslimen dagegen am Montag. 

57. Eine Frau, welche ein einziges Kind hat, darf, wenn sie 
dasselbe gesund erhalten will, nie zugeben, dass am Freitag bei 
ihr eine Wäsche abgehalten werde. 

58. Die muslimischen Frauen tragen ihre kleinen Kinder 
Freitags, während die Gebetrufer auf die Minarete steigen, nicht 
gern auf dem Arm, sondern setzen sie auf den Boden, damit die 
Engel kommen und sie segnen. 

59. Bei den Christen müssen sich die Frauen und besonders 
die Mädchen den Abend vor Pfingsten Hände und Füsse mit 
Henna färben lassen; sonst sterben sie vor Kummer. 

60. Wenn ein Leichenzug an einem Haus vorbeigeht, in 
welchem sich ein Kranker befindet oder sonst eine Person zu 
Bette liegt, muss man dieselbe sofort sich erheben lassen, und 
muss, nachdem der Zug vorbei ist, ein Glas Wasser mit Salz auf 
die Strasse leeren. 

61. Es dürfen nicht beide Eltern der Taufe ihres Kindes 
beiwohnen, sondern bloss entweder die Mutter oder bloss der Va- 
ter. Wenn das Kind Avährend der Ceremonie nicht schreit, so 
muss die Pathin es kneifen , damit es schreie , da sein Still- 
schweigen als schlimme Vorbedeutung angesehen Avird. 

62. Wenn eine Frau bei der Niederkunft lange zu leiden hat. 
lässt man sie Wasser aus einem der Schuhe ihres Mannes trin- 
ken, in der Überzeugung, dass dasselbe die Entbindung er- 
leichtere. 

63 . Ein verheiratheter Goldschmied darf keine ungerade Zahl 
von Armbändern oder Ohrgehängen verfertigen, weil er sonst 



90 

seine Frau verlipieii könnte ; Avenn eine nngerade Anzahl von 
solchen .Sehinvick}J:egenstiin(len von ihm gefordert Avird. so mnss 
ein lediürer (jloldsehmied diese Arbeit übernehmen. Anch Avird 
eine verheinithete Frau keine ungeraik; Zahl von Strümpfen 
stricken: denn sonst verliert .sie ihren Mann. 

Hl. Man darf das Feuer niclit mit einem Messer schüren; 
denn sonst bekommt ein Kind der Familie eine Ohren entziindini{y. 
Wenn jedoch ein Kind an den Ohren leidet, so löst man ein 
wenig von dem gelblichen Thon, aus Avelchem die IJacköfen ge- 
baut sind, in Wasser auf und bestreicht damit die Ohren des 
Kindes. 

Üü. Die Frau, welche von ihrem Manne verhätschelt zu 
werden wünscht, muss unter die Blumen, mit denen sie sich 
sclimückt , Euphorbien - Hlätter stecken: denn das arabische 
Sprichwort' besagt: Wenn eine Frau sich mit Euphorbien 
schmückt, so schmilzt das Flerz ihres Mannes gegen sie. 

66. Eine Frau darf sich die Hände nicht mit einem Stück 
ungebrauchter Seife waschen, da sie sonst Gefahr läuft, ihren 
Mann zu verlieren. Ebensowenig darf der Mann sich solcher Seife 
bedienen, da er sonst seine Frau verlieren wird. Daher muss ein 
L'nverheiratheter die Seife zuerst in Gebrauch nehmen. 

67. Unter den Muslimen halten es die Männer für vortheil- 
haft, selbst den täglichen liedarf einzukaufen, da sie glauben, von 
Engeln umgeben zu sein. Aveini sie dies thun. Hesonders während 
man die Einkäufe macht, wird man nach dem Volksglauben v(jn 
Engeln in Procession geleitet. 

68. Die Muslimen glauben, dass derjenige, welcher ein Kind 
/um Lächeln bringt, am jüngsten Tag in ein Ijustgemach geführt 
werde, das im Paradies liege und für diejenigen bestimmt sei, die 
ihre Kinder lächeln machen. 

69. Nach einem Beileidsbesuch darf man zu niemand gehen, 
ohne vorher in die eigene Wohnung zurückgekehrt zu sein : denn 
sonst würde man demjenigen, den man besucht, Unglück brin- 
gen. Ist man aber aus irgend einem triftigen Grunde verhindert, 



1 Im Arabischen ist das Sprichwort gereimt : ellati teteschakkal hihalah- 
lüb, kalb zodsch-hn uleihä jedhüb . 



9]^ 

nach Ilfuisp zu ^elien, so kann man zur Notli erst in ein öffent- 
liches liud oder ein KafFeehaiis eintreten, und nachher niajj^ man 
besuchen, wen man will. 

70. Wenn bei einem Beileidsbesuch jun^e und alte Frauen 
beisammen sind, verabschieden sich die jimgen nie zuerst. Sie 
warten, bis eine der alten fortgeht . dann können auch sie sich 
zurückziehen ; denn nach herrschendem Aber<>laul)en stirbt von 
allen, die anwesend waren, diejenige zuerst, welche zuerst fort- 
geht. 

7 1 . Wenn ein kleines Kind weint und nach seinem Vater ruft, 
so ist dies ein schlimmes Zeichen für die Mvitter; desswegcni ruft 
man dem Kind zu, es solle entweder schweigen oder nach seiner 
Mutter verlangen. 

72. Wenn aus dem Kopfputz einer Frau die Blumen herun- 
terfallen, ohne dass jemand dieselben angerührt hat, so bedeutet 
dies, dass ihr Mann anfange, sie zu verehren. 

7 3 . Nach einer alten Anschauungsweise, welche die Muslimen 
beinahe als Glaubensartikel ansehen, müssen die Katzen gut be- 
handelt werden, weil man glaubt, dass sie über die Menschen 
wachen. Jedoch behaiiptet man, dass wer sie streichelt und lieb- 
kost, Gefahr laufe, seine Kinder zu verlieren oder deren keine zu 
bekommen. Wenn nämlich die Katzen eine zii gute Hehandlung 
gemessen , so wünschen sie , um derselben nicht verlustig zu 
gehen, den Menschen Kinderlosigkeit an. 

7 4 . Am Sylversterabend muss man Acht geben , dass die liehäl- 
ter, in welchen man Vorräthe aufbewahrt, offen seien, damit der 
Segen des neuen Jahres, den man den eAvigen nennt, lünein- 
dringe imd dadurch die Behälter stets leicht wieder gefüllt wer- 
den können. 

75. Am Abend vor Epiphanias soll man die Lami)cndochte für 
das ganze Jahr zurecht machen und sie in der folgenden Naclit 
dem Thau aussetzen ; denn man behauptet, dass dieselben dann 
weniger Ol gebrauchen als andere. 

76. Gemäss herrschendem Aberglauben geräth der Brotteig, 
den man am Abend vor Epiphanias bereitet, auch ohne Sauerteig 
in Gährung. 

77 . Wenn dieLeute einem Bräutigam behilflich sind, sich sein 
Uochzeitsifewand anzuziehen, müssen sie darauf achten, dass sie 



92 

ihm nicht gestatten, einen Knopf an di^m Gewand einznknüpfeii 
oder einen Knoten an demselben zn selilinu^en; denn man 
{j;hniht. dass in diesem Falle seine Feinde oder diejeniü^en seiner 
jmiirt'n Frau iliii vermittelst magischer Mittel verhindern könn- 
ten, in seine ehelichen Rechte zn treten. Ancli Littet man wäh- 
rend der C/'eremouie der Bekleidung, dass die Pathin des Jiriiu- 
tigams anwesend sei und die Finger gerade so bewege, als ob sie 
niihe. 

78. Wenn ein Brautpaar sich zur Trauung in die Kirche be- 
giebt, m\iss die Hraut vorausgehen. F]benso muss, Avenn die Trau- 
ung im llaiise des liräutigams stattfindet, derselbe es verlassen, 
damit die Uraut zuerst hineingehen könne, und er dann nachfolge: 
dadurch l)ehillt er für immer die Oberhand über seine Gattin. 
Dieser Aberglaube ist allgemein verbreitet; ja bei den Bauern 
giebt sogar der Bräutigam der ]>raiit. sobald sie bei ihm anlangt, 
einen Schlag auf den Ko])f mit seiner Pfeife, damit er nicht von 
ihr l)eherrsclit werde. — Ein Spassvogel, welcher sich verheira- 
then wollte, weigerte sich entschieden, dieser grausamen Ge- 
wohnheit zn folgen , indem er behauptete, dass sogar der mäch- 
tigste König von seiner Fran beherrscht werde. Als Beweis er- 
zählte er folgende Anecdote : Der Hofnarr des Beherrschers der 
Gläubigen hatte eines Tages die besondere Gunst seines Herrn 
verdient , sodass dieser ihm eine Gnade . zu erzeigen versprach. 
Der Hofnarr, Namens Dschoha, erbat sich einen Erlass, dass 
Jeder , der sich von seiner Frau beherrschen lasse , ihm einen 
Esel schenken müsse. Sein Wunsch wurde ihm gewährt, und er 
besuchte nun mehrere grössere Städte des Landes. Nach einiger 
Zeit kam er mit einer ganzen Heerde Esel wieder zurück. Der 
Chalife Hess ihn rufen und fragte ihn, wie er es angestellt habe, 
um so viele Esel zu bekommen, worauf Dschoha ihm erwiederte, 
dass es eben überall F^rauen gebe, die ihre Männer beherrschen ; 
dann fügte er hinzu: ä propos. Herr, als ich durch eine der 
Städte zog, sah ich ein reizendes Mädchen, schwarzäugig, schlank 
gewachsen, mit rothen Lii)pen und — er wollte fortfahren, als 
der ('halife ihm bedeutete zn schweigen, da sonst seine Frau, die 
sich im anstossenden Gemach befinde, ihn hören könnte. Der 
llofnarr brach in ein Gelächter a\is und bat den ('halifen. ihm 
zwei l^scl zu geb(!n, indem er behauptete, dass derjenige, wel- 



93 

eher oin Gosotz orlasso, sich doinsolhcii iuich sclltst iiiitcrwcrrcu 
niiisso. 

79. Es darf nur oino vorhoirathcto Frtui. \\('lcli(> Kinder, be- 
sonders Knaben hat. die N(Miverniälilto in das ZiTiimev (b's CJat- 
ten führen, damit dieselbe;, ghnch ilir, Mutter wenU;. 

80. Wenn die Braut bei der Thüre des ITauses ihres l»räuti- 
o;ams anhingt, giebtman ilir ein Stück Saiunteig, (hamit sie es üb(!r 
der Tliüre befestige. Auch legt man auf die; SclnveHe einen Ciranat- 
apf(d, auf welchen sie treten muss, so dass die Körner auseinan- 
derstieben. Dadurch geAvinnt man die llberzeugung, dass sie mit 
der Familie des Mannes in giitem Einverncdimen leben und \ieip 
Kinder bekommen werde. 

81. Die Muslimen glauben, dass die Engel nie in ein Haus 
kommen, in welchem sich Hunde, Glocken und l>ilder befinden. 
Jedoch werden die Iliinde als das Orchester der heulenden I )er- 
wische angesehen, und desswegen sollen sie gut behandelt wer- 
den. Ein Genesender oder ein Capitän , welcher von einer 
langen Reise zurückkehrt, glaubt, dass seine erste; Pflicht darin 
bestehe, die Hunde der Stadt zu füttern. Ehemals wurde jeder, 
der einen Hund getödtet hatte, folgendermassen bestraft: er 
musste so viel Korn zusammenbringen, dass der am Schwanz 
aufgehängte, mit der Schnauze den Boden berührende Hund 
ganz damit bedeckt wurde. 

82. Derjenige, welcher wünscht, dass seine Briefe au die rich- 
tige Adresse gelangen, muss unter die Adresse die Zahlen 8042 
setzen; denn diese Zahlen bilden nach dem Wertli, den die be- 
treffenden Buchstaben im arabischen Alphabet haben , das Wort 
hddüh. Dies ist der Name des Engels, welcher die Briefe zu 
überwachen hat; auch glauben einige Leute, dass es der Name 
des Engelsboten der Propheten sei. 

83 . Der letzte Mittwoch des Monats Safar jedes muslimischen 
Jahres enthält eine böse Stunde. TJm dieselbe nicht in der Stadt 
zu verleben , bringen die Muslimen gewöhnlich diesen ganzen 
Tag auf dem Lande zii. Besonders hängen die Türken an die- 
sem Aberglauben und hüten sich, an diesem Tag irgend (>in Cic^- 
schäft zu unternehmen. 

84. Damit ein Füllen seiner Mutter folge . muss man ilim 
das Schwanzende beschneidem. 



94 

Sr>. Wenn eineFrnn. welcho ein oder mehrere Kinder in der 
Fremde liat . beim Essen irijend einer Frucht ein Ilinderniss im 
ScLhicken spürt . wie es zuweilen fj;eschieht, so hedeutet dies, 
dass ilire Kinder solche Früchte wünschen und keine hekommen 
können. Wenn sie also ihre Kinder lieb hat, so muss sie ihnen 
von diesen Früchten schicken. 

86. Wenn eine längere Trockenheit eintritt, so nimmt man 
zwei Stöcke, bindet dieselben kreuzAveise zusammen und zieht ih- 
nen die Kleider eines kleinen Kindes an. Diese Art Puppe, welche 
man srhTjschbaltl nennt, muss von einem Derwisch durch die 
ganze Stadt getragen werden. Eine Schaar Kinder folgt hinten 
nach, welche singen: nc/wsc/iballi^j, schöschbalU . wir gehen 
nicht weg, bevor wir nass geworden sind. — Die gebilde- 
teren Muslimen vollziehen eine andere Ceremonie. Nachdem 
sie ihre Kleider verkehrt augezogen haben, begeben sie sich 
in Procession, unter dem Absingen von geistlichen Liedern, vor 
die Stadt. Beim ersten Felde, das in der Nähe eines Ileiligen- 
grabes liegt , angelangt . lassen sie ein Paar Ochsen kommen ; 
diese werden an den Pflng gespannt, und man bittet die Spitzen 
der Geistlichkeit, den Acker zu bepflügen. Diese Ceremonie wird 
gewöhnlich dreimal wiederholt , und die Muslimen glauben fest 
an den guten Erfolg derselben. Wenn dann der Hegen kommt, 
so schreibt jede Partei denselben der Wirkung ihrer Ceremo- 
nie zu. 

S7. Um Bäume und Pflanzen vordem bösen Blick zu schützen, 
muss man einen Glasring von blauer Farbe, sowie ein Ei daran 
befestigen. Einem Hausthiere hängt man ein Kügelchen von 
blauem Glas und Eberzähne an; einem Kinde ebenfalls ein 
blaues Glaskügelchen , sowie ein Stückchen Alaun oder schwe- 
felsaures Kiipfer. Diese Mittel gegen den bösen Blick werden 
allgemein als die sichersten angesehen. 

88. Eine Mutter, welche ihrer Tochter wohl will und wünscht, 
dass dieselbe mit ihrem Manne glücklich sei, muss, um diese 
Gimst zu erlangen , ein Sieb auf die Dachterrasse stellen, sich 
hineinsetzen und dann ihre W^ünsche aussprechen. 

1 Im Arabischen mit Keim : ^-L-i^^ ^jLJJy^ 



95 



89. Wenn sich jemand an seinem Speichel verschhickt . so 
wird er gemäss dem Sprichwort i) fähig, seine Frennchi von sei- 
nen Feinden vm unterscheiden. 

90. Wenn eine Fran oder ein Mädchen recht hmges Haar zn 
bekommen wünscht, so mnss sie sich am ersten Abend vor jedem 
Neumond die Spitzen der Zöpfe abschneiden lassen. 

91. Man mnss nie die Scheere offen auf den Hoden legen; 
denn w er dieselbe offen oder halboffen hinlegt, läuft Gefahr ver- 
läuradet zu werden. 

92. Wer sich auf einen Mörser 2) setzt, läuft Gefahr, falsch 
angeklagt zu werden. 

93. Derjenige, welcher auf dem Abtritt spricht, läuft Gefahr, 
später Gegenstand der Verachtung zu werden. 

94. Wenn eine Pferdefliege sich auf jemandes Schulter setzt, 
so wird dieser Person gewiss früher oder später eine ehrenvolle 
Auszeichnung zu Theil. 

95. AVer eine Schwalbe oder einen Frosch anfasst, läuft Ge- 
fahr, das Fieber zu bekommen. 

96. Wenn der Hahn am Abend kräht, so zeigt dies eine bal- 
dige Änderung des Wetters an . 

97. Die Muslimen halten die Mondfinsterniss für eine Strafe 
der Vorsehung, die einem Meerungeheuer erlaube, den Mond zu 
verschlingen, um der Welt sein Licht zu entziehen. Damit dieses 
Unglück abgewendet werde, sagen die Frommen eine Art Gebet 
her; das gemeine Volk jedoch, besonders die Frauen und Kin- 
der, begiebt sich auf die Dachterrassen und macht mit kupfernen 
Mörsern, Platten und Tassen einengrossen Lärm, indem sie dazu 
rufen: »Lass' unsern Mond in Ruh, o Meerungeheuer« ! Darüber 
erschrickt das Ungeheuer und lässt den Mond in Ruhe. — Die 
Christen behaupten, dass ein Astrologe einmal einem Fürsten die 
Finsterniss vorhergesagt habe. Dieser habe ihn gefangen nehmen 
lassen und befohlen, ihn zu tödten, wenn das Ereigniss nicht 

1) j_^JüA^ ^^ ^»Ac ^y^\ J^ ^jy o^s^^ c=^»^^ ^j ^ 

2) Unter Mörser ist ein solclier aus Stein oder Marmor zu verstellen , in 
welchem man das Fleisch zur Bereitung von hMe (vergl. l>ozv , Sup].lrniriit 

anx (lietionnaires arabcs unter i^ ) stösst. 

Ztsclir. (i. Pal.-V.M-. VII. ^ 



96 

eintrete. Da die Finstciniss nun gerade stattfand, während der 
Fürst schlief, und niemand sich getraute ilm zu wecken, so er- 
klärte der Astrologe , dass der Mond von einem Meerungeheuer 
versclihuiiren worden sei und man ihn hloss dadurch retten könne, 
dass man das Ungeheuer durch Lärm verscheuche. Dieser Eath 
wurde hefolfft. und von dem Länu erwachte der Fürst, welcher 
nun dem Astrologen die Freiheit gah , nachdem er ihn reich he- 
schenkt hatte. Auf diese Weise erklären sich die Christen den 
Lärm, der hei einer Mondfinsterniss gemacht wird. 

98. Zwei kleine Kinder, die noch nicht sprechen kcinnen, 
darf irum nicht neheneinander setzen, weil sonst eins von heiden 
stumm werden könnte. 

99. Wer sich nachts im Finstern im Spiegel hesieht, läuft 
Gefahr, den Verstand zu verlieren. 

lUO. Wenn jemand aus Versehen die l'ettdecke verkehrt 
üher sich nimmt, so ist das ein höses Zeichen, da die hetreöende 
Person hald sterben wird. 

101. Die Gärtner behaupten, dass der Mond grossen Einfluss 
auf die Vegetation ausübe, und dass die Tage des Mondmonats in 
volle imd leere einzutheilen sind. Während der ersten pfropfen, 
pflanzen und verpflanzen sie die 1 »äume und säen Gurken, Kürbisse. 
Melonen und Ähnliches. Während der sogenannten leeren Tage 
dagegen pflanzen und pfropfen sie die Bäume, welche keinr 
Früchte tragen, und säen Petersilie. Eierpflanze, Kohl, Lattich 
und Ähnliches. Die Tage werden folgenderraassen eingetheilt: 
vom ersten bis zum sechsten des Monats sind es volle Tage ; vom 
sechsten bis elften leere; vom elften bis fünfzehnten volle; vom 
fünfzehnten bis neunzehnten leere; vom neunzehnten bis zwei- 
uiidzwanzigsten volle; vom zweiundzwanzigsten bis fünfund- 
zwanzigsteir leere ; vom fünfnndzwanzigsten bis siebenundzwan- 
zigsten volle; vom siebenundzwanzigsten bis neunundzwanzig- 
sten leere ; der neunundzwanzigste voll und der dreissigste leer. 
— Ausserdem glauben die Gärtner, sowie alle Landleute, dass 
mir diejenigen Bäume gedeihen, welche man vom ersten bis zum 
sechsten und vom sechszehnten bis Ende des Monats pfropft, 
pflanzt vmd verpflanzt, wohlverstanden immer nur in den 
vf>llcn Tagen. 

1(»2. Einer Wöchnerin, welche in Folge der Entbindung Leib- 



*>7 

schnu!r/en hat, niuss mau, um dieselben anfliöreu zu maclien, 
oluie ihr Wisseu die Schuhe ihres Manues uut«;r das Koitfkisscii 
h^ü^en. 

103. Wenn es jemand im Ohr kliuf^t, so bedeutet dies, chiss 
mau sich irgendwo seiner erinnert und seinen Namen nennt. Um 
zu erfahren, wer dies thut, muss man die Namen aller Freundr \un\ 
liekauntcn hersagen ; derjenige Name;, welchen mau im Augen- 
hlick , da das Klingen im Ohr aufhört, ausspricht, ist bestimmt 
der Name der fraglichen l'erson. 

104. Wenn man an der linken Augenbraue ein J\icken ver- 
spürt, so bedeutet dies, dass sich bald ein Freund als Gast einstellen 
werde ; spürt man das Jucken aber au der rechten Augenbraue, 
so muss man sich auf eine schlechte Nachricht gefasst maclien. 

105. Es ist von schlimmer Vorbedeutung, wenn einem am 
Morgen beim Aufstehen zuerst eine unbärtige Person in die Augen 
fällt, da man dann riskirt , den ganzen Tag Missgeschick zu ha- 
ben. Ein arabisches Sprichwort sagt, dass es besser sei, zuerst 
einen Juden zu erblicken, als eine unhärtige Person. 

lOß. Um jemand, welcher erschreckt Avorden ist, vor den 
üblen Folgen des Schreckens sicher zu stellen, muss man ilnn von 
seinem Urin zu trinken geben. 

107. Um jemand, der das Schlucken hat, von demselben zu 
befreien, muss man ihn täuschen, indem man eine falsche Anklage 
gegen ihn vorbringt. 

108. Wenn eine Person auf Reisen geht, muss sie beim Ver- 
lassen des Hauses sich gegen dasselbe kehren, damit die Abwesen- 
heit nicht lange daure. Wenn ihr jedoch nachher einfällt, dass sie 
etwas im Hause vergessen hat, darf sie nicht zurückkehren, um 
dies zu holen. 

109. Wenn ein Glied der Familie auf Reisen geht, so darf mau 
weder kehren noch die Möbel der Zimmer reinigen und zurecht- 
stellen , bevor derjenige, welcher verreist ist, auf seinem Wege 
den ersten Strom oder Fluss überschritten hat, 

HO. Wenn man ein Kind zum ersten Mal in die Wiege legt, 
muss man um dieselbe herum mit einem ktipferncn Mörser Lärm 
machen; dann wird das Kind muthig werden und nicht Iciclit 
erschrecken. 



98 



111. Nach Sonnenuntergang' darf man keine liefe mehr aus- 
leihen noch an jemand Feuer abgeben; demjenigen, welcher es 
thäte. könnte es Schaden bringen. 

112. Ein Hauer wird nie ein Sieb nach Sonnenuntergang 
ausleihen; dies könnte seinen Kühen schaden. 

1 1;^. Um jemand, der einen weissen Flecken im Auge hat. 
zu heilen; muss man ein wenig Salz in eine Cisteme werfen 
lassen. 

114. Die Christen . Muslimen und Metawile sind aufge- 
bracht, wenn durch Unachtsamkeit Öl auf die Kleider oder auf den 
Hoden verschüttet wird ; sie sehen dies als eine böse Vorbedeutung 
an. Die Juden dagegen sind froh darüber; und ein unverheira- 
theter Israelite . welcher aus Versehen (M auf seine Kleider ver- 
schüttet, ist fest überzeugt, dass dies ein Zeichen seiner bevor- 
stehenden Verlobung sei. 

115. Jüdischem und muslimischem Aberglauben zufolge ver- 
einigten sich die Frauen, um in einer Hittschrift an den Propheten 
Salomo die Hewilligung der Ehescheidimg zu verlangen, sowie 
das Recht, mehrere Männer zu heirathen. Der Prophet Salomo 
versprach, ihnen durch einen Raben die Antwort zu senden; 
darum unterlassen es jüdische oder muslimische Frauen, wenn 
sie einen Raben sehen oder auch nur krächzen hören, nie, den- 
selben zu fragen , was er für eine Hotschaft bringe. Daraus er- 
sieht man,, dass sie ihre Ansprüche noch nicht aufgegeben haben. 

116. Die Juden behaupten, dass, wenn die muslimischen Ge- 
betsrufer am Freitage die Minarete besteigen, um die Gläuljigen 
zum Gebet aufzufordern, sich die Dämonen in Gestalt von Katzen 
zeigen. Darum darf man an diesen Tagen keine Katze schlecht 
behandeln , weil dieselbe ein verkappter Dämon sein könnte ; 
dieser würde dann in diejenige Person fahren, welche ihn miss- 
handelt hat. 

117. Jüdischem Aberglauben zufolge darfeine Frau, welche 
aus dem Hade kommt, den Rest des Tages über nicht allein sein, 
sondern rauss immer wenigstens eine Person um sich haben. 
Wenn ihr Mann an diesem Tage abwesend ist, so muss sie beim 
Zubettgehen irgend einen Gegenstand, welcher ihrem Manne an- 
gehört, mit sich nehmen; sonst könnte sie von den Dämonen 



99 



(»der (leren überhaupt, genannt Aschniotlai. mit Gewalt geraubt 
Av erden. 

1 1 S . Die Juden glauben, dass die Hunde auch Unkörperliehe.s 
sehen können, und dass sie sich freuen imd lebhaft bellen, wenn 
sie den Propheten Elias erblicken. Da nun herrschendem Aber- 
glauben gemäss dieser l^rophet immer der Entbindung derjeni- 
gen Frauen beiwohnt, welche Knaben gebären dieser (jihuibe 
kommt von dem Wunder her, das der Prophet an dem Knaben 
der Wittwc von Sarepta that), so glauben die.Tmlen, dass ein 
Knabe zur Welt kommen werde , wenn die Iluiule sich vor dem 
Hause einer Frau, welche im ßegriff" steht nicder/ukommen, ver- 
sammeln und bellen. Die Hunde sollen dem Propheten haupt- 
sächlich der guten Mahlzeit wegen, welche er ihnen durch die 
Hinschlachtung der Baalspriester verschafft, zu Dank verpflich- 
tet sein. 

111). Weim eine Wiege geschaukelt wird, ohne dass das 
Kind sich darin befindet, so wird dasselbe Rückenschmerzen 
bekommen. 

120. Wenn bei den Juden ein Kind zu Boden fällt, so schüt- 
ten seine Eltern, nachdem sie es aufgehoben haben, Wasser auf die 
Stelle, auf welche es gefallen, mn den unsichtbaren Feen, die 
dieser Fall könnte belästigt haben, zu beweisen, dass das Kind 
aus Ungeschick und nicht mit Vorbedacht hingefallen sei. iSie 
thun dies avis Angst, dass die Feen sich rächen könnten. 

121. Eine Frau, welche an Herzklopfen leidet, muss, um 
davon befreit zu Averden, sich einen Schmuck aus ('arneol um- 
hängen. 

122. Einem Menschen, der Nasenbluten hat. muss man, um 
dasselbe zu stillen, einen Rubin um den Hals hängen, 

123. Wenn sich jemand neue Kleider anfertigen lässt, darf 
bloss er dieselben anprobiren ; wenn ein anderer sie anprobiren 
Avürde, würde dies demjenigen, für den sie bestimmt sind. 
Unglück bringen. 

124. Spinnennester im Hause müssen sofort zerstört werden, 
damit kehie Spinneweben entstehen; denn dieselben bringen Un- 
glück. 

125. Am Abend vor dem Barbaratag lassen sich bei den Chri- 
sten die Frauen und Mädchen die Augenwimpern mit demRuss des 



Ol) 



Weihrauchs sclnvilr/eu. in clei Überzeugung, Jass dies sie vor 
Augenleiden bewahren werde. 

120. Wenn jemand ein Jucken an der linken Hand spürt, so 
wird er in Kürze Geld erhalten; juckt es ikn jedoch an der rech- 
ten Hand, so bedeutet dies, dass er Averde Geld bezahlen müssen. 

127. Jüdischem Aberglauben gemäss darf ein Miether eine 
NN'ohnung, welche er verlässt, nicht vor Ablauf von sieben Jah- 
ren A\ieder beziehen, es sei denn , dass er irgend einen ihm ge- 
hörigen Gegenstand, "wäre es auch nur ein Nagel, darin zu- 
rückgelassen habe. 

128. Zwischen Ostern und Pfingsten leihen die Juden weder 
Salz noch Hefe noch ein Haarsieb aus, da sie sich dadurch 
Schaden zuzufügen fürchten. 

129. Hie Eltern eines neugebornen Kindes erlauben ihren 
Nachbarn nicht, Feuer bei ihnen zu holen, bevor der Nabel des 
Kindes vollständig geheilt ist; denn sie fürchten, das neugebo- 
rene Kind dadurch einem Unglück auszusetzen. 

130. Bei den Juden darf die geleerte Kaffeetasse keiner an- 
deren Person zurückgegeben werden, als derjenigen, welche sie 
angeboten hat. Wenn man dies jedoch nicht thun kann, so ist es 
rathsam, die Tasse auf den Hoden z\i stellen, um denjenigen, 
welcher sie angeboten hat, nicht einem Unglück aiisznsetzen. 

131. Wenn eine abergläubische Person auf dem Kaffee, wel- 
chen man ihr anbietet, Schaum schwimmen sieht, so freut sie 
sich, in der Überzeugung, dass sie in Bälde Geld erhalten werde. 

132. Die Muslimen glauben, dass die Engel jeden Morgen V)ei 
Tagesanbruch auf die Erde hemiederkommen, um die täglichen 
Gnaden und Segnungen , sowie den Nahrungsunterhalt auszu- 
theilen. Darum kommen diejenigen Personen, w^elche bis nach 
Sonnenaufgang schlafen, um den besten Theil von dem, w'as ih- 
nen ziisteht; den Ül)ersch\iss vertheilen die Engel dann unter 
die Leute, welche frühe aufgestanden sind. Zur Bestätigung be- 
merkt man Folgendes: die Schafe, welche früh in den Stall zu- 
rückkehren und vor Tag erwachen, sind zahlreicher als die Gas- 
senhunde, die bis spät wachen und erst spät munter werden. 
Obschon die Schafe w'enigcr fruchtbar sind als die Hunde, und 
manche von ihnen geschlachtet Averden. vermehren sie sich doch 



11)1 



viel rascher, was man dorn Umstände zuschreibt , dass sie durch 
ihr frühes Erwachen der Seu;nun<?en der Engel mehr theilluiftig 
werden als die Hunde. 

133. Eine Frau, welche Ulunien als Ilaarschmuck trägt, darf 
keine davon einer anderen Frau gehen ; denn diese könnte mit 
der Blume ihr auch die Liebe des Mannes wegnehmen. 

134. Wenn eine Katze sich den IJart putzt, so ist dies, der 
allgemeinen Ansicht nach, ein Zeichen, dass man bald einen 
Gast begrüssen wird. 

135. AVenn beim Ausziehen der Schuhe einer derselben auf 
den andern zu liegen kommt , so ist dies ein Zeichen , dass man 
sich bald zu Pferde setzen werde, um eine Reise oder einen Spa- 
zierritt zu machen. 

136. Man muss Sorge tragen, dass die Mädchen gut kehren 
lernen; denn diejenige, welche schlecht kehrt, läuft Gefahr, 
einen Grindkopf zum Mann zu bekommen. 

137. Alte Weiber ermahnen junge Frauen und hauptsächlich 
Neuvermählte , immer guter Laune zu sein. Sie versichern ih- 
nen, dass zu Seiten jedes Menschen sich zwei Engel befänden, 
welche ohne Aufhören die Worte wiederholen : auf ewig ! Wenn 
man also zufrieden sei, so werde diese Gemüthsstimmung Dauer 
gewinnen, und umgekehrt. 

138. Eine Frau, die zu Besuch geht, muss selbst im Hause 
ihrer Eltern jemand herbeirufen, um ihr den Schleier abzunehmen ; 
sie darf sich nie erlauben , dies selbst zu thun ; sonst würde sie 
den Leuten, welche sie besucht, Unglück bringen; denn nur in 
einem Trauerhause darf eine Frau sich selbst den Schleier ab- 
nehmen. 

139. Jedes neugeborene Kind reibt man mit einem Teig, wel- 
cher mit Sesamöl vermischt ist, ein. Aus diesem Teig formt man 
nachher eine Art Kreuz und klebt dasselbe, jedermann sichtbar. 
an die Thüre des Zimmers, in welchem sich das Kind befindet, 
üies soll ein Mittel gegen den bösen Blick sein. 

140. Unter den Muslimen und Christen suchen Frauen ihren 
Männern ohne deren Vorwissen von ihrem Urin unter den Trank 
zu mischen, da sie dies als sicher Avirkendcn Liebestrank an- 
sehen. 



1 02 

111. Niemand lässt sich einen lUss in der Kleidung, während 
er dierselhe anhat, znnähen ; man Avürde heturchten. bald zu ster- 
\)eu. — Dieser Aberghiuhe steht vielleicht damit in Verbindung, 
dass man ja auch das Leichentiich über dem Leichnam zusam- 
mennäht. 

142. Wenn ein Kind zur Welt gekommen ist, so beeilt man 
sich, dessen erstes Excrement inLeiuAvand zu Avickeln imd dieses 
Paket unter die Matte neben derTliüre des Zimmers der Wöchne- 
rin zu verstecken. Dort A^rd es drei Tage gelassen, damit die 
Leiite. Avelche ans- und ehigehen. immer darauftreten müssen. 1 
Dadurch glaubt man das neugeborne Kind vor vielem künftigen 
Unglück zu bewahren. 

143. Man nimmt nie eine Tasse Kaffee ohne die Untertasse in 
die Hände : dies Aväre von böser Vorbedeutung, weil bloss in einem 
Trauerhause der Kaffee ohne Untertasse servirt zu Averden pflegt. ^ 

144. Nach einem alten Gebrauche, dessen Spuren man 
auch in der liibel findet, luid der noch bis vor Kurzem in Syrien 
üblich war. war es verboten, Räuber auf gleiche Weise zu beer- 
digen Avie die ehrlichen Leute. Man liess vielmehr den Leich- 
luim eines Räubers da liegen , avo er hinfiel, und bedeckte ihn 
mit Steinen. Jedermann, Avelcher bei einem solchen Grabe vor- 
Iteiging, musste einen Stein darauf Averfen. Wer dies unterliess, 
verftel, Avie man glaubte, dem Fluche Gottes. Heute noch trifft 
man auf einigen Landstrassen solche Steinhaufen an, die aus den 
Steinen gebildet sind. Avelche die A'orübergehenden auf das Grab 
des Räubers Avarfen. 

145. Wemi ein liräutigam am Hochzeitstage mit seinem Ge- 
tulgi' an einem Kaffeehause vorbeigeht, so beeilt sich der Wirtli. 
unmittelbar vor den \ orbeiziehenden einige Tassen Kaffee aus- 
zuleeren; man glaubt, dass dies Glück bringe. 

1 Itj. \Venn man ein schönes Kind sieht, darf man dasselbe 
nicht bcAvundein, ohne dabei entAveder »Bismillah«, d.i. im Namen 
Gottes, zu sagen, oder Fu ! Avie Avenn man es anspeien Avollte. 
Des Kindes Mutter Avürde sonst vor dem bösen JJlick Angst be- 
kommen. 

147. Wenn ein abergläubischer Mensch an Zahnschmerzen 
leidet, so geht er zu einem Zauberer. Dieser nimmt einen alten 
Nagel , den er aus dem Hufeisen eines Maulesels gezogen hat, 



(i:i 



betiehlt dem Leidenden , den Finger uiif den kranken Zalin /u 
leiten nnd . nachdem er die Lip[»en wie im (jiebet liewejift lial, 
stösst er, sobald der Leidende einen hefti<i^en Schmer/ ^^|)iirt„ den 
Nagel in ein Stück Holz. Dies geschieht dreimal. Wenn der 
Leidende trotzdem keine Erleichternng spürt, so wird er mit ir- 
gend einer Ausrede abgefertigt. 

148. Jemand, der Kochsalz zu lioden fallen lässt, ist gezwun- 
gen, dasselbe am jüngsten Tage mit den Augenwimpern aufzu- 
heben. 

149. Man glaubt, dass die Tauben und die Turteltauben in 
ihrem Girren immerfort den Namen des Gnädigen \nid Harmherzi- 
gen (Gottes) anrufen. Wenn man nun in einem Hause, in welchem 
solche Vögel gehalten werden, über ein Kind \'erwünschungen 
ausstösst und dies in einem Augenblick geschieht , da die Tau- 
ben girren, so ist Gefahr vorhanden, dass in Folge der darin ent- 
haltenen Anrufung Gottes die bösen Wünsche in Erfüllung gehen. 

150. Wenn ein kleines Kind seinem Vater einige Ihiare aus 
dem J>art reisst, so kommt dies dem Vater zu Gute; denn jedes 
der ausgerissenen Haare gilt als Sühne für eine grosse Sünde. 

151. Bei den Muslimen wird ein Kind, Avelches lange nicht 
gehen lernt, in einen Korb gesetzt, der von zwei Kindern getragen 
wird. Dieselben durchziehen nun, begleitet von mehreren Kin- 
dern, die Strassen der Stadt, indem sie den folgenden Spruch 
singen ') : »Gebt dem Lahmen etwas^ damit er gehen lerne; seine 
kleinen Zähne sind hervorgekommen ; möge es mit seinen Füssen 
auch gut gehen«! Dieser Umzug findet gewöhnlich an einem 
l^'reitag um 12 Uhr statt, zur Zeit, da die Muslimen aus der Mo- 
schee kommen. Wahrscheinlich will man sich dadurch den Arzt 
ersparen ; denn einige der Umstehenden pflegen dann gute Kath- 
schläge zu ertheilen, andere beschenken das Kind mit 1^'rüchten 
und Naschwerk. 

152. Um Nasenbluten z\i stillen, schreiben die Metawile auf 
ein Stück Papier mit einer Hühnerfeder, die sie in das aus der 

1 ^^L; \jLLJ.^( \j.xlb i^-^- j^J ij^> ^^■■^ Z^-^^'"^ ^--1^' 
cv^j^^! JLö. In Betreff der drei letzten Worte ist zu bemerken, dass die- 
selben eine gewöhnliehe Formel bilden, um einem Gratulanten den Glück- 
wunsch zurückzugeben, indem man ihm ähnliches Glück wünscht. 



104 

Nase geÖossene IJlut tauchen, folgciule Formel ^j : »Verflucht sei 
die Frau, welche au ihrer Tochter zur Kupplerin Avird«. Dieses 
Fa})ier \\ ird an der iStirn des Leidenden befestigt ; die Leute sind 
überzeugt, dass dadurch die Heilung herbeigeführt werde. 

153. Wenn bei denMetäwile eineFraii in den Wochen liegt, 
so wird ihr, um die Entbindung zu besehknniigen , ein Papier, 
auf welchem folgende Formel steht, auf den Kopf gelegt 2 1 : »Ich 
habe meine Mahlzeit gehalten und meinem Esel zu fressen gege- 
geben; (es ist mir gleichgültig] ob die Frau des Richters nieder- 
komme, oder ob sie ihr Leben lang nicht niederkomme«. — Die 
Metawile versichern, dass dies ein kräftiges Mittel sei, um die 
Entbindung herbeizuführen, und zwar schreiben sie die gute 
Wirkung nicht dem W' ortsinne der Formel, sondern der geheim- 
nissvollen Zusammenstellung der Buchstaben zu. 

154. Wenn man befürchtet, dass jemand vom bösen Blick ge- 
troffen worden sei , so beräuchert man denselben mit folgenden 
Gegenständen : Stroh, das von den vier Kanten einer Matte ge- 
nommen ist, einem Läppchen von blauem Stoff, einem Stück 
schwefelsauren Kupfers, und mit einem Gegenstande, welcher 
dem vemiuthlichen Urheber des bösen Blickes gehören muss. 

155. Um ein Kind von Pusteln im Gesicht zu heilen, muss 
man unmittelbar vor demselben mittelst eines Feuersteins Funken 
schlagen. 

156. Wenn jemand die Sterne zu zählen versucht, indem er 
mit dem Finger darauf deutet, so läuft er Gefahr, Warzen an den 
Fingern zu bekommen. 

157. Wenn jemand zuweilen nachts am Fieber leidet, so 
reiben ihn seine Angehörigen mit einer Art Teig ; nachher geben 
sie diesem Teige die Form eines vierarmigcnLämpchens-*), giessen 
Ol hinein und zünden die vier Dochte an. Dieses Lämpchen wird 
mitten auf einen KrcuzAveg gesetzt. Ik^sonders unter den Musli- 
men ist der Glaube verbreitet, dass das Fieber des l)etreffcnden 

1) U^j l5"^^ ^ÄJ" öLx^ os>ji- 

;<: Solche Lämpchen. -wie die antiken, sind bei den Bauern durchgängig 
im Gebrauch. 



105 

Krunken auf denjeiiit^onGassenliuiicl übergehe, welcher jenes aus 
Teig bestehende Liinipuhen frisst. 

158. Aberglänbisclie Leute unter den Juden beliaupten, 
dass die Dschinnen oder bösen Geister die Macht haben, sich 
Gegenstände, welche sie brauchen , /u borgen, und dass es das 
sicherste Mittel sei, diesem Missbra\ich /u steuern, wenn man in 
jeden Gegenstand, welchen man nicht herleihen will, .Steckna- 
deln stecke. 

159. Wenn ein abergläubischer Mensch zu einer Zeit, 
welche nicht Essenszeit ist, bei Verwandten oder Freunden J5e- 
such macht und dieselben zufällig gerade beim Essen findet und 
von ihnen eingeladen Avird , daran Theil zu nehmen , so ist er 
überzeugt, dass seine Schwiegermutter ihn sehr lieb habe. 

160. Wenn zwei Kinder sich die Köpfe zusammenstossen, 
so glaubt man, dass dasjenige von ihnen, welches zuerst aus- 
spuckt, der Gefahr entgehe , grindig zu werden , und verhüte, 
dass seine Mutter dunkelfarbige \) Kinder bekomme. 

161. Es ist streng untersagt , ein schlafendes Kind zu küs- 
sen ; dadurch würde man dasselbe in's Unglück bringen. 

162. Damit ein Brief richtig ankomme und der Bote, wel- 
cher ihn tragen soll, unterwegs nicht in Gefahr gerathe, darf man 
den Hrief dem Boten nicht in die Hand geben, sondern muss ihn 
auf die Erde werfen, dass der Bote ihn aufhebe. 

163. Die Metäwile glauben, dass man nach Sonnenunter- 
gang weder ein Licht noch irgend ein kupfernes Geräth wegge- 
ben soll, da dies Unglück bringen würde. 

164. Alte Frauen empfehlen den Neuvermählten, bciru 
Hochzeitsschmaus Oliven zu essen , da dies ein ausgezeichnetes 
Mittel sei, um Knaben zur Welt zu bringen. 

165. Bevor einer von den Metäwile eine E,eise oder irgend ein 
Geschäft unternimmt, geht er zu einem seiner religiösen Oberhäup- 
ter, der befugt ist, die Chire, das heisst die Wahl zu treffen. 
Dieser nimmt seinen Rosenkranz in die Hand und recitirt die 
erste Sure des Koran, indem er folgendes beifügt: »O Gott, ich 
bitte dich um deine Wahl und deinen Rath, lass mich das Beste 
wählen, denn du bist der Allerbarmherzigste«. Dann sondert er 

1) Im Franz. »bruns«. 



106 

mit den Fiiif^eni fim-n Tlicil der Küo;elcheii de!< llosenkranzes 
h1). \ Oll dieseu nimmt er. an den beiden Enden unfangend, je 
zwei nnd zwei weg. lileibt zuletzt nur eines übrig, so ist dies 
von guter A Orbedeutiing ; bleiben zwei, so ist es von übler Vor- 
bedeutung; Avenn aber drei bleiben, so ist man frei, zu thuii was 
man will. 

lüü. Wenn jemand etwas erzählt und einer der Zuhörer 
uiesst, so ist dies ein Zeichen, dass das Erzählte wahr ist. 

107. Einem Kinde, das Nervenzufällen unterworfen ist, be- 
festigt man die Schale einer kleinen Schildkröte am Halse; wenn 
der Anfall eintritt, hält man über seinen Kopf einen Säbel oder 
ein Messer. Da sowohl nach dem Glauben der Muslimen als 
auch der Juden solche Anfälle von Dschinnen hervorgerufen 
w erden , so wird dieses Mittel sie aufhören machen. 

los. Wenn man glaubt, dass das Unwohlsein eines Kindes 
von einem Zauber . einem Fall oder der Unterlassung irgend 
einer der abergläubischen Vorschriften herrühre ; so muss je- 
mand das kranke Kind umhertragen und ihm aus sieben Brun- 
nen oder Wasserbehältern zu trinken geben, ohne dabei ein ein- 
ziges Wort zu sprechen. Hierauf wirft man ein dem Kranken 
gehörendes Tuch ins Meer und ist überzeugt, durch diese Mittel 
die Genesung herbeizuführen. 

109. Frauen von allen Keligionsparteien sind der Ansicht, 
dass man eine Steppdecke [lehäf] nie an einem Sonntag frisch 
überziehen dürfe, da diejenige Person, welche unter einer solchen 
Decke schliefe, erkranken Avürde. 

170. Wenn eine Frau, die schon Kinder hat, ein todtes 
Kind zur Welt bringt oder zu früh gebiert, so glaubt man allge- 
mein, dass eine neidische Fee an diesem Unglück schuld sei. 
Damit dies sich nicht wiederhole, räth mau der Mutter, ihr jüng- 
stes Kind in einen Korb zu setzen und denselben in eine Ci- 
steme, die neben einem heiligen Grabe gelegen ist, hinabzulas- 
sen. Wenn das Kind beim Wasser angelangt ist. muss es schwö- 
ren, weder Kopf noch l^foten irgend eines gehörnten Thieres zu 
essen, bis seine Mutter wieder ein lebendes Kind geboren und 
dasselbe ein gewisses Alter erreicht habe. Hierauf darf das Kind 
irgend etwas verlangen, was seine Elteni ihm gewähren müssen; 
dann zieht man es wieder aus der Cisterne herauf. 



101 



171. P^s Avird bei den Muslimen als religiöse I'fiielit :mge- 
sehen, die Töchter /u verheirathen , sobald sie; erwachsen sind. 
Denn wenn ein Mädchen das Alter der Mündigkeit erreicht hat, 
so kommt jeden Monat ein Tinsichtbares Schwein und pisst auf 
die Schwelle der Thüre des Zimmers oder des Hauses, in wel- 
chem sich das Mädchen befindet. Uies hört erst auf, wenn das 
Mädchen sich verheirathet. 

172. Es wird jedermann, besonders Frauen, empfohlen, sich 
nach einem warmen 15ad im Spiegel zu besehen . da dies gegen 
Kopfschmerzen schützen soll. 

173. Nach dem Glauben der Metäwile sind es fünf Ursa- 
chen, welche Vergesslichkeit bewirken : die Inschriften auf alten 
Gräbern zu lesen, in der Mitte einer Heerde Kamele zu gehen, 
etwas zu essen, das von Mäusen berührt worden ist, mit nüch- 
ternem Magen saure Apfel zu essen und auf dem Rücken zu 
liegen. 

174. Gemäss dem unter dem Volke herrschenden Aberglau- 
ben darf die Thüre eines Hauses nicht nach Osten oder Westen 
gerichtet sein, da dies Unglück bringen w^ürde, sondern sie muss 
nach Norden oder Süden schauen; letzteres bringt am meisten 
Glück. 

175. Bei den Metäwile giebt jemand, der sich auf den 
Weg macht, um eine Reise zu unternehmen, dieselbe sofort auf 
und kehrt um, wenn er, sobald er aus dem Hause tritt, eine 
hässliche Frau mit langem Kinn oder einem Raben oder ein«n- 
Herde Kühe, die in derselben Richtung wie er gehen, antrifft. 
Dagegen freut er sich und setzt seinen Weg fort, wenn die Herde 
ihm entgegenkommt, oder wenn er jemand antrifft, der ein Ge- 
fäss mit Milch oder Dickmilch trägt. Ebenso glaubt er , dass rs 
ihm Glück bringen werde, wenn er zuerst einem Pferde oder 
einer Racenstute begegnet oder eine Gazelle rechts vom Wege 
antrifft. 

176. Die Muslimen glauben, dass das Erdbeben eine 
Drohung seitens der göttlichen Vorsehung sei. Manche behauj)- 
ten , die Erde ruhe auf dem Hörn eines Stieres , der auf einem 
Felsen stehe. Dieser Fels schwimme auf dem Wasser, welches 
sich über der auf der Finsteniiss ruhenden Schlange ausbreite. 
Wenn der Stier an dem einem Hörn müde ist. so nimmt »r du; 



108 

Erde auf das andere II oni, imd diese Änderung verursacht das 
Erdheben. 

177. Manche Leute trajj^en eine Art Talisman an sich, uni 
sicli vor ^'erf()liJ:ung und ]?e(h-ücku7ig von Seiten der Maclithaher 
zu schützen. Auch glaubt man mittelst dieses Talismans Geister 
citiren zu könjien, um durch dieselben Zukünftiges zu erfahren 
u. s. w. Man nennt diesen Talisman das Siegel von Ghazali; 
die Namen Michael u. s. av. sind Namen von Geistern, welche 
die ^^'ünsche erfüllen sollen. 

Michael 



b 


t 


d 


d 


h 


r 


w 


3 


1.1 






178. Wenn jemand merkt, dass er mit dem bösen lilick be- 
haftet sei, so mnss er immer zuerst auf seine Nase blicken, ehe 
er seine Verwandten und Freunde ansieht, damit sein Auge 
keinen gefährlichen Einfluss auf sie ausübe. 

179. AVer ein warmes liad nimmt, nachdem er Fische oder 
Dickmilch gegessen hat, läuft allgemeinem Aberglauben zufolge 
Gefahr, verrückt zu werden. ■ 

180. Wenn man einem Kinde einen Knochen vom Rück- I 
grat eines Wolfes anhängt, so glaubt man, dass dasselbe vor dem 
Keuchhusten bewahrt bleibe. 

181. Die Bauern glauben, dass, wenn man am Mittwoch der 
Charwoche das Haus kehre, dasselbe oft von Ameisen heimge- 
sucht werde. 

182. Um gute Bruthennen zu bekommen, schwingen die 
liäucrinnen am Abend vor Epiphanias einen Stock dreimal im 
Hühnerstall, indem sie wiederholt rufen'): »Um Isaaks willen 
mögen alle Hennen Brüthennen werden«. 

183. Bei den Häuerinnen Avird sich eine gute Haiisfrau hü- 
ten, einer ürüthenne an einem Mittwoch oder Samstag Eier 

1; (^iiU j,^ ^i^ftji ^ ^^■Li.-i i^iTj^j 



I 



109 



unterzulegen; denn aus den an diesen Tag(ni untergelegten 
Eiern könnten, wie man glaubt, anstatt Hühnchen Missgelturten 
ausschlüpfen. 

184. Der Fehruar wird als derjenige Monat angesehen, wel- 
cher den alteii Leuten am nachtheiligsten ist. Nach allgenieinem 
Glauhen bittet dieser Monat, bevor er zu Ende geht, seinen \'et- 
ter , den Monat März , ihm vier Tage schlecht(>n Wetters zu 
leihen, um die Alte sammt ihrem Spinnrad umzubringen'). 

185. Einem Aberglauben gemäss, der bei den Baiunn tmd 
zwar bei den Christen verbreitet ist, soll man am Abend vor J^pi- 
phanias Manlbecrbaumholz verbrennen. Denjenigen, welclu! 
keines besitzen, ist es sogar erhuibt, solches zu stehlen, \un es zu 
verbrennen, l^enn da dieser Haum aus Stolz sicli geweigert hat, 
sich wie die anderen 1 >äume am Abend vor Epiphanias zu vernei- 
gen, so verdient er, verbrannt zu werden. Auch glaubt man, dass 
ebensoviele Tage dem Leben desjenigen , welcher das Feuer an- 
gezündet hat , zugezählt werden , als das Feuer Funken hervor- 
bringt. 

186. Wenn ein Schakal zu ungewöhnlicher Zeit heult, so 
glauben die Landleute, dass nach kurzer Zeit Dürre eintreten 
werde. 

1 87 . Die Landleute gestatten den Transport der lÜenenkorbe 
von einem Ort zum andern bloss an Freitagen nach Sonnenunter- 
gang, da sie glauben, dass dies an andern Tagen die Zerstreuung 
der Bienen nach sich ziehen würde. 

1*88. Leuten, welche an Halsweh, besonders an geschwolle- 
nen Mandeln leiden, wird gerathen, einen Maulwurf zu packen . 
mit den Fingern zu erwürgen und sich zur Zeit, da die Schmer- 
zen eintreten, mit den Fingern die Kehle zu reiben. Dabei müs- 
sen sie den Speichel hinunterschlucken. Wenn ein Kranker 
keine Gelegenheit hat, selbst einen Maulwurf zu erwürgen, so 
kann eine Person, welche dies einmal gethan hat, den Kranken 
auf die oben beschriebene Weise heilen. 

189. Manche Leute tragen eine Art Talisman, den man das 
Siegel Jupiters [el-muschtan) nennt. Dieser Talisman besteht 

1) Wörtlich übersetzt, da auf eine Anfrage an den Verfasser keine Er- 
klärung dieses Ausdrucks einging. Der übers. 



110 



aus einem kleinen Stück Papier, auf Avelclieni fol^^ende Formel 
geschrieben ist 



8 


11 


12 


1 


13 


2 



7 


12 


3 
10 


9 


6 


14 


3 


14. 



Dieser Talisman muss jedoch mit besonderer Sorgfalt ge- 
macht Averden. und zAvar kann dies nur geschehen, Avenn der 
2lste März auf den 14ten Tag des Mondumlaufs fällt und die- 
ser Tag ein Donnerstag ist, den die Astrologen dem Jupiter 
weihen. Ferner muss derjenige, Avelcher diese Formel schreiben 
Avill. Donnerstags den 21sten März bei Tagesanbruch aufstehen, 
ein laues liad nehmen, die Kleider wechseln und dann vor 
Soinienaufgang noch nüchtern die besagte Formel mit einer 
Tinte schreiben, die aus Safran, Moschus und K,osenwasser zu- 
sammengesetzt ist. Nachdem die Zahlen, wie oben angegeben, 
geschrieben sind, muss man die Schrift über einem Rauche 
trocknen, welcher durch Verbrennen von Aloe und Ambra her- 
vorgerufen wird. Hierauf wird das Papier gefaltet; nachdem man 
es in ein Fetzchen gelber Seide eingewickelt hat, befestigt man 
es mit einem gelben Seidenfaden an der Kopfbinde. Man glaubt, 
dass dieser Talisman alle Unternehmungen desjenigen begün- 
stige, welcher ihn trägt, ihn vor den Verfolgungen der Machtha- 
ber schütze und diese nöthige, seinen Wünschen zu entsprechen. 

190. Um die Ameisen aus einem Wohnraum zu vertreiben, 
nimmt der IJeschwörer Linsen in die Hand ; nachdem er drei- 
mal wiederholt hat: »Ich beschAvöre euch, o Ameisen! im Na- 
men des Propheten Salomo, diesen Ort zu verlassen«, streut er 
die Linsen im Zimmer umher und versichert, dass die Ameisen 
nun weggehen werden. 

191. Damit die Ameisen nicht an eine Speise oder ein Ge- 
tränk kommen, muss man den Athcm anhalten, während man 
das Gefäss, in welchem die Speise oder das Getränk sich befin- 
det, nimmt und an den Ort stellt, wo es hingehört. 

l'.)2. Wenn eine Frau sich zu Pferde setzen muss. während 
sie ihre Monstruatioii li;i1. so muss man nach muslimischem Aber- 



111 



uflaubcn ein wenisr Erde unter den Sattel anf den Kücken des 
Thieres thuu, damit das Reiten der Frau nichts schade. 

193. AYenn eine Frau ihre Menstruation hat, darf sie Avodcr 
einsalzen noch einmaclien, da man glaubt, dass das Eingemachte 
sich nicht halten werde. 

194. Wenn eine Schlange, die von einem Beschwörer vor- 
gewiesen wird, unbeweglich auf einem Platze verharrt und unter 
den Zuschauern sich eine schwangere Frau befindet, so glaubt 
man, dass dieselbe einen Knaben gebären werde. 

195. Die Beduinen sowie auch andere Leute glauben, dass 
an den Pferden gewisse Stellen, an welchen die Ilaare gegen den 
Strich laufen, je nach Form und Stellung für denjenigen, der das 
Pferd reitet, von guter oder schlimmer Vorbedeutung sein kön- 
nen. Darum würden auch ein Hengst oder eine Stute viel von 
ihrem Werth verlieren, wenn jene Falten solche wären, von denen 
man glaubt, dass sie von schlimmer Vorbedeutung sind und um- 
gekehrt. 

196. Nach muslimischem Aberglauben ist der Affe auf fol- 
gende Weise entstanden : Einst hatte eine Frau mit einem Stück 
Brotteig die Unreinigkeit auf den Schenkeln ihres Kindes abge- 
putzt und wurde dann für diese Versündigung durch die Ver- 
wandlung ihres Kindes in einen Affen bestraft, während sie sel- 
ber in eine Schildkröte verwandelt wurde. Darum hält man auch 
die kleinen Kinder fern von dem Orte, wo Brot bereitet wird. 

197. Nach dem Glauben der Muslimen und Metäwile reprä- 
sentirt die gewöhnliche oder Avilde Narcisse eine Verwandlung 
dessen, was der Prophet Muhamed ausgespieen hat. 

19S. Wenn eine schwangere Frau einige Tage vor ihrer 
Niederkunft träumt, dass eine Unbekannte sie quäle, so ist sie 
überzeugt, dass eine feindliche Fee sie eine Fehlgeburt werde 
thun lassen. Um sich davor zu schützen, lassen sich die musli- 
mischen Frauen durch einen Heiligen einen Kupferring an den 
Fuss befestigen 1). Die christlichen Frauen tragen Peliquicn mit 
sich herum, um diesem Unglück zu entgehen. Hei den .Jüdinnen 
heisst jene Fee Lilith. 

1, Man findet oft solche Kupferringe in alten, sogar in phönicischen 
Gräbern. 

Ztschr. a. Pal-.Ver. YII. 8 



112 

199. Es ist für den liesitzer einer Stute von schlimmer Vor- 
l»edeutung. wenn dieselbe zu gleicher Zeit zwei Füllen wirft; 
denn dies zeigt das Ende seines Glückes an. 

20U. Nach allgemeinem A'olksglauben ist es nicht erlaubt, 
die Hände, nachdem man sie gewaschen hat, vor dem Gesicht 
einer Person, welche man ehrt oder liebt, hin und her zu bewe- 
gen : denn man könnte diese Person bespritzen, und dies würde 
eine Trennung von derselben zur Folge haben. 

201. Wer bei Mondschein im Freien das Haupt entblösst, 
läuft nach dem unter den IJauern herrschenden Glauben Gefahr, 
grindig zu werden. 

202. Wenn ein Obstbaum keine Früchte bringt, so veran- 
lassen die Gärtner eine schwangere Frau , an einem der Zweige 
desselben einen Kieselstein zu befestigen, und sind überzeugt, 
dass er dadurch fruchtbar Averden wird. Jedoch läuft die Frau 
dann Gefahr, eine Frühgeburt zur Welt zu bringen. 

203. Wenn in Syrien jemand stirbt, so begeben sich die 
Verwandten und die Frauen der Nachbarschaft in Menge in das 
Sterbehaus, woselbst der Leichnam in einem Zimmer ausgestellt 
ist. Die Frauen umgeben denselben, theils weinend und klagend, 
theils indem sie sich Geschichten erzählen und schwatzen. AVenn 
nun in dieser aufgeregten A'ersammlung eine der Frauen niest, 
so ist das von schlechter Vorbedeutung für sie ; um sie vor Un- 
glück zu bewahren , muss ihr eine der Anwesenden den Saum 
des Hemdes so oft zerreissen, als sie niest, 

204. Manche Leute, welche eine Cisterne in ihrem Hause 
haben , erlauben nicht, dass man nachts oder sogar schon nach 
Sonnenuntergang komme, um Wasser daraus zu schöpfen, da es 
von schlimmer Vorbedeutung ist , zu dieser Zeit Wasser herzu- 
geben, 

205. Wenn man sich verschluckt, indem man Früchte oder 
andere Esswaaren . welche man geschenkt erhalten hat , isst, so 
ist dies ein Zeichen , dass das Geschenk wider Willen gegeben 
wurde. 

206. Ein Mann, welcher von seiner Frau geliebt sein und 
verhnidern will, dass sie ihm untreu werde, muss folgendes 
thun; er muss sich die Nägel schneiden lassen, dieselben ver- 



113 

brennen, die Asche ohne ^'orwissen der Frau in irfj^end ein Ge- 
tränk mischen und sie dasselbe trinken lassen. 

207. Eine neuvermählte Frau hütet sich davor, ihren ersten 
Kirchgang mit emer andern neuvermählten zu machen; ebenso 
tauft man nicht zwei Kinder an einem und demselben Tage in 
derselben Kirche , aus Furcht, dass das zweite dann nicht lange 
leben werde. 

208. Man glaubt, dass Kinder, welche in einer sogenann- 
ten Glückshaut zur Welt kommen, unter einem guten Stern ge- 
boren sind. Bisweilen wird die Glückshaut getrocknet, imd der 
Vater trägt sie als Amulet in der Überzeugung, dass sie ihm 
Glück bringen werde. 

209. Der Mittwoch der Charwoche trägt den Namen Mitt- 
woch des Propheten Hiob. An diesem Tage pflegen sich Ange- 
hörige aller Religionsgemeinschaften vor Sonnenaufgang ans 
Meeresufer zu begeben, um sich daselbst Hände und Füsse. so- 
wie sogar das Gesicht zu waschen. Man glaubt, dass diese Wa- 
schung alle Krankheiten heile oder vor denselben schütze, wenn 
die betreff'enden Leute daran glauben. Manche befolgen diese 
Sitte in der Annahme , dass an diesem Mittwoch ein Engel die 
Wunden des Propheten Hiob mit Meerwasser gewaschen habe ; 
andere bloss im allgemeinen in Erinnerung an die Heilung 
Hiobs. 

210. Wenn eine junge Henne den Zeitpunkt erreicht hat, 
da sie anfängt zu legen, so geben viele alte Bäuerinnen sorgfältig 
Acht darauf, wann sie zum ersten mal legt, um dann das noch 
warme Ei zu nehmen und an die Augen zu halten , in der Über- 
zeugung, dass dies vor Augenleiden schütze. 

211. Wenn eine Bäuerin Seidenwürmer aufziehen will und 
eine gute Ernte zu bekommen wünscht, so glaubt man, dass das 
sicherste Mittel, eine solche zu erzielen, darin bestehe, dass sie 
das erste mal, da sie dieses Geschäft betreibt, einen Seidencocon 
verschluckt . 

212. Die Christen glauben, dass die im April geborenen 
Kinder einen Hang zum Lügen haben werden. 

213. Manche Muslimen glaxiben, dass man, um ein Wech- 
selfieber zu heilen . den Kranken mit einem Knochen aus dem 



114 

Grabe eines. Juden beweihräuchern müsse. Andere sagen, dass 
man einen Tag lang bettehi müsse, um gesund zu werden. 

214. Die Metfnvile geben dem Todten etwas Salz und zwei 
Brote, von denen da?; eine altbacken, das andere frisch sein 
muss, mit ins Grab, um damit die beiden Engel, die das Grabes- 
examen halten, zu beköstigen. 

215. Einer Frau, Avelche unfruchtbar ist , räth man, unter 
dem Bauche eines Elephanten hindurchzugehen oder sich unter 
einen Gehängten, wenn er noch am Galgen hängt, zu stellen. 
Xach allcfemeinem Glauben soll dies bewirken, dass sie frucht- 
bar Avird. 



216. Wenn ein Pfarrer stirbt, so wird seine \yittwe gefragt, 
ob sie sich wieder verheirathen wolle ; wenn sie dies bejaht, so 
wird er liegend begraben , im entgegengesetzten Falle aber 
sitzend. 

217. Es wird allgemein geglaubt, dass Rückenschmerzen 
auf folgende Art geheilt werden können : der Leidende legt sich 
auf den Boden , und der älteste seiner Verwandten muss auf 
seinem Rücken herumtreten. 

2 IS. Man glaubt, dass diejenigen Personen, denen beim 
Lachen die Thränen in die Augen treten, bestimmt sind, fern von 
ihrem Vaterlande zu sterben. 

219. Damit ein Kind eine schöne Stimme bekomme, darf 
man dem Neugeborenen die Nabelschnur nicht zu knapp ab- 
schneiden. 

220. Eine muslimische Frau ist traurig, wenn das Meer in 
dem Augenblicke , da sie badet, anfängt zu steigen, da dies ein 
Zeichen ist. dass ihr Mann sie nicht liebe. 

221. Wenn ein Mädchen keine Gelegenheit gehabt hat, sich 
zu verheirathen, so glauben die Muslimen, dass ihr Lebensglück 
»befleckt« sei. Um die Flecken zu beseitigen , räth man ihr, ein 
Meerbad zu nehmen und dasselbe nicht eher zu verlassen, als 
bis die Wellen siebenmal über ihren Kopf weggegangen sind. 
Die Christen geben ihr den Rath, bei einer Trauung an die Braut 
heranzutreten und derselben mit der Hand einige leichte Schläge 
auf den Rücken zu versetzen. 



llö 

222. "NVeini man willirend der liiotbereitiing Wasser trinkt. 
so läuft man Gefahr, dass der Teig, trotz des Sauerteigs, nicht 
aufgeht. 

223. "Wenn eine Frau, Avährend sie das lirot knetet, sicli 
beklagt, dass der Teig an ihren Händen kleben bleibe, so ist dies 
ein Zeichen, dass sie die Eltern ihres Mannes nicht liebt. 

224. Wenn man jemand beauftragt hat, die Messer zu 
schleifen , und dieselben sofort scharf Averden , sobald er damit 
beginnt, so ist dies ein Zeichen, dass er ein Lügner ist. 

225. Eine Christin glaubt, dass ihr Mann sie nicht liebt, 
wenn derselbe immer vor Sonnenaufgang erwacht und das Haus 
verlässt. Die Bauern jedoch sind nicht dieser Ansicht. 

226. Wenn eine Frau nur Mädchen gebiert, so giebt man 
ihr während des Wochenbettes zuweilen Fische zu essen, damit 
sie künftig Knaben bekomme. 

227. Wenn in ein Haus in der Stadt eine Wachtel hinein- 
kommt . so ist dies ein Zeichen, dass die Bewohner dieses Hau- 
ses glücklich sein werden. 

22S. Ehe man einen Todten begräbt, muss man ihm das 
Leichentuch und die Kleider über der Brust zerreisscn, damit 
dieselben nicht in das Fleisch eindringen; dies könnte nach herr- 
schendem Aberglauben den Tod der anderen Familienglieder zur 
Folge haben. 

229. Allgemein verbreitet ist der Aberglaube , man müsse 
die kleinen Kinder viel weinen lassen, dann würden sie schwarze 
Augen bekommen. 

230. Jede Frau, die ihren Mann liebt, wäscht seine Wäsche 
nur mit Seife, die vorher noch nicht gebraucht ist; dies soll be- 
Avirken, dass er seine Frau überlebt. 

231. Die Muslimen glauben, dass man sich einen guten 
Platz im Paradies erwerben könne, wenn man eine Eidechse 
tödte, da diese eines der Thiere sei, die den Fluch verdient 
haben. Als nämlich der König Nimrod den Befehl gab. Holz 
zusammenzutragen, um den Patriarchen Abraham lebendig zu 
verbrennen . so beeilte sich die Eidechse , einen Strohhalm her- 
beizubringen. Der Frosch dagegen füllte sein Maul mit Wasser 



116 

uiul spie dasselbe auf das Feuer, um es auszulöschen; darum 
wurde er gesegnet ' . 

232. Wenn eine Frau die an ihr befindlichen Flöhe leicht 
fangen und tödten kann, so ist dies ein Zeichen, dass sie ihren 
Mann unter dem Pantoffel hat. 

233. Die Muslimen glauben, dass es den Eltern eines klei- 
nen Mädchens Unglück bringe, ■nenn dasselbe unaufhörlich 
weint und flennt. Damit es diese schlechte Gewohnheit verliere, 
bittet man einen Junggesellen, ihm mit einem Schuh einige 
Schläge auf den Kopf zu geben , und zwar zur Zeit , wenn der 
Mueddin Freitag Mittags das Minaret besteigt. 

234. Wenn eine Frau, welche ihre Menstruation hat, sich 
in das Bett einer Wöchnerin legt, so ist zu befürchten, dass das 
neugeborene Kind eine Milchkruste bekomme. 

235. Es wird allgemein geglaubt, dass grosse Ohren ein 
langes Leben bedeuten. 

23G. Leute, die zum Scherz die Katzen kämmen, laufen 
Gefahr, arm zu werden. 

237. Man darf einem kleinen Kinde keine Küsse auf die 
Füsse geben, weil dasselbe sonst nicht mehr wächst. 

23S. Bei den Juden herrscht folgender Aberglaube : Wenn 
jemand in Folge eines Schrecks krank Avird und kein Mittel helfen 
will, so vergräbt man das Hemd des Kranken an einem Freitag 
um zwölf L'hr mittags in den Misthaufen. Nach acht Tagen wird 
dasselbe wieder hervorgeholt und verbrannt. Die Asche wird in 
Wasser aufgelöst und der Kranke damit gewaschen. Hernach 
wird das Waschwasser ins Meer geschüttet, und der Kranke muss 
ganz allein in einem Zimmer bleiben, worauf dann die Genesung 
sicher erfolgt. 

239. Nach einem unter den Juden verbreiteten Aberglau- 
ben Avird die Milch einer Wöchnerin vermehrt, Avenn man ihr am 
Halse oder am Kopfe das Rückgrat eines fliegenden Fisches be- 
festigt. 

240. Um einem Kinde abzugeAvöhnen , nachts im Schlafe 
Wasser zu lassen , muss man ihm ohne sein VorAvissen eine ge- 
bratene Maus zu essen geben. 

1) Es folgt hier noch die bekannte Nimrodlegende. Der Übers. 



117 

24 1 . Die Muslimen glauben, dass die Metäwile oder Schiiten 
nach ihrem Tode zwei Ver-\vandlungen durchmachen : nacli der 
Heerdigung -werden sie in Schweine verwandelt und heim jüng- 
sten Gericht in Esel. Als solche dienen sie dann den Juden ziun 
Reiten, wenn dieselben kommen, um dem Gericht beizu- 
wohnen. 

242. Wenn in einem öffentlichen liade ein neuer Wasser- 
kessel aufgestellt wird, so beeilen sich die Muslimen, an jenem 
Tage das Bad zu besuchen; denn sie glauben, von manchen 
IlaTitkrankheiten geheilt zu werden, wenn sie.sicli mit dem Wasser 
waschen , das zuerst in jenem Kessel heiss gemacht Avird. Die- 
ser Kessel muss nach altem Gebrauch aus einer Mischung von 
Kupfer und anderen Metallen bestehen. 

243. Den Abend vor dem vierzehnten September legen 
Leute aller Religionsgemeinschaften auf ihre Dachterrassen 
zwölf einzelne Häufchen Salz. Jedes der Häufchen wird einem 
Monat des Jahres zugetheilt, indem man beim September be- 
ginnt. Den andern Morgen vor Sonnenaufgang wird nachge- 
sehen : diejenigen Häufchen, welche feucht sind, zeigen an, 
dass die Monate , denen sie zugetheilt sind , regnerisch sein 
werden, während die trocken gebliebenen Häufchen zeigen, dass 
in den betreffenden Monaten Trockenheit herrschen werde. 

244. Die Christen glauben, dass die Frau, welche aus Ver- 
sehen die Schuhe einer anderen anzieht, Gefahr läuft, ihren Mann 
zu verlieren. Bei Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften 
muss die Person, welche aus Versehen die Schuhe einer anderen 
angezogen hat, letzterer einen Schmaus geben, damit aus der 
Verwechslung kein Unheil entstehe. 

245. Bei den Christen steht keine schwangere Frau zu Ge- 
vatter, weil sie fürchtet, fehl zu gebären oder ihr Pathenkind 
durch den Tod zu verlieren. 

246. Die Gegenstände, welche die Aussteuer einer Frau 
bilden, müssen der Zahl nach ungerade sein. Wenn sie dies 
nicht sind, so läuft die Frau Gefahr, mehr als einen Mann zu 
heirathen , indem sie ihren ersten durch den Tod verliert oder 
von demselben Verstössen wird. Auch darf die Frau Gegen- 
stände, die zu ihrer x\ussteuer gehören, nie verkehrt hinstellen 
oder legen; dies würde ihrem Manne Schaden zuziehen. 



118 



"2 17. Wenn zwei ^'el•lobte miteinander essen und der Bräu- 
tiffam seiner Ihaut einen Bissen in den Mund stecken will . so 
darf sie dies nicht annehmen, weil sie sonst befürchten muss. 
Gegenstand seines Missfallens oder seines Hasses zu werden, wie 
es im Spriichwort heisst ^ : Wenn jemand meinen Bissen ist. 
wird er der Gegenstand meines Hasses. 

248. Eine schwangere Frau soll alles essen^ Avonach es sie 
gelüstet; denn wenn sie sich etwas versagt, könnte das Kind, 
das sie gebiert, am Körper ein Mal bekommen, ähnlich dem Ge- 
genstand, dessen sie sich enthalten hat. 

249. Man nhnmt nicht gern die Erstlinge irgend einer Art 
Frucht aus der Hand einer geizigen Person entgegen , weil man 
dadurch Gefahr läuft . später von dieser Frucht nicht genug zu 
bekommen. 

250. Ein Haus, in welchem sich entweder eine Frau, welche 
immer jammert, oder ein Dach, von welchem der Hegen herun- 
terträufelt, oder Wanzen finden, geht zu Grunde -^ . 



2. --iJ^^ OJ-.JS o^-i'^- Ch'^^ (i'^'- (J^ 



Beiträge zur lusclirifteiikiiiide Syriens. 

Schreiben des Plenn Dr. J. H. Mordtmauii in l'era 
an die lledaction. 

(Hierzu Tafel 11). 



Es scheint nicht weiter bekannt zu sein, dass die berühmte 
von Ganneau entdeckte Tempelstele von Jerusalem sich seit Jahr 
und Tag im hiesigen Museum im Tschinili Kiöschk befindet. 
Ganneau, Stele du temple de Jerusalem S. 8 f. erzählt, -wie 
[Kiamil Pascha] der damalige Mutesarrif von Jerusalem , sich 
des Averthvollen Steines bemächtigt hat; sein jetziger Standort 
giebt Aufschluss über seine ferneren Schicksale, die Herrn Gan- 
NBAu unbekannt geblieben waren. 

Ein Vergleich des Abklatsches, den ich Ihnen beifolgend 
schicke 1), mit der Abbildung a. a. O. ergiebt, dass letztere 
sehr genau ausgefallen und Herrn Gajn'neau s Lesung durchaus 
sicher ist. Nur ein, wie mir scheint, charakteristischer Umstand 
ist dem gelehrten Herausgeber entgangen. Von Zeile 3 ab, be- 
sonders aber Zeile 6 zum Schluss, bemerkt man auf dem Stein, 
dem Abklatsch und Ganneau's Photolithographie die deutlichen 
Spuren von Meisselhieben , welche offenbar von dem Versuche 
herrühren, die Inschrift zu tilgen. In Ganxe aus Transcription 

1) Leider eignet sich der Abklatsch nicht zur Reproduktion, weil er 
nicht ganz vollständig ist. Um die Leser zu orientiren, füge ich den Text der 
Inschrift nach Ganneau's Lesung bei : MIK-tENA AAAOrKNU KliüK iPF.V- 
f:S0AI KNTO:£ luv riEPl TU IKPUN TPVa'AK'lur KAI lilJ'IBoAUY 
02AAN AIIiPölI EAYTOl AiTlu:^ ESTAI AlA TO EHAKüAdVHElN eANA- 
TON, »Kein Fremder darf die Schranken und das Gehege um dasHeiligthum 
betreten; wer ergriffen wird, wird wegen nachfolgender Todesstrafe sich 
selbst die Schuld zuzuschreiben haben«. Gl'TUK. 



120 

S. 1 1 ist ein solcher Meisselhiel) über dem letzten lUichstaben 
von 0ANATON Zeile als Schrittzeichen aufgefasst und S. i:i 
wird dazu bemerkt : II est difficile de diviner si la barre addi- 
tiunnelle qu'ou remarque au milieu du 1. de airio; et Celle qui sur- 
numte le N deHovaTovsont accidentelles ou intentionnelles. Cette 
derniere pourrait-elle avoir la valcur dun signe final cquivalent 
a notre * . t 

Ist nun dieser ^'ersuch, die missliebigen Buchstaben zu ver- 
nichten, in der Neuzeit etwa als den Block zum Kau der Medrese 
verwandt wurde , oder bereits im Alterthum gemacht worden '. 
Ich glaube, dass letztere Annahme die allein wahrscheinliche ist 
und dass die Zerstörer die Legionare des Titus waren. Im Augen- 
blick, wo man sich anschickt, den Tempel zu stürmen, wirft der 
römische Imperator den gegenüberstehenden Juden gerade die Dul- 
dung dieser Warnungsstelen vor (s. die Stelle aus Josephus beiGAX- 
Mi.\u a. a. O. S. 27). Mag nun diese Anrede auch erdichtet sein, 
so viel ergiebt sich aus ihr, dass diese Inschriften von den oXXo- 
7£ViT; D""" als JJeleidigung betrachtet wurden ; imd wer weiss, ob 
nicht Titus selbst nach der Eroberung die Zerstörung derselben 
befohlen hat. 

Gestatten sie mir bei dieser Gelegenheit auf die beiden spät- 
griechischen Inschriften zurückzukommen, welche ZDPV. IV, 
Tafel I abgebildet sind. Der zweifelhafte Name in der ersteren 
dürfte wohl KaXia-paTO'j (statt KaXAiaipaTou) zu lesen sein^). In 
dem zweiten Fragment gestatten die erhaltenen Buchstabenreste 
zu Anfang noch einige weitere Ergänzungen. Yermuthlich sind 
die ersten Buchstaben der Rest von 

eeojAOCIACTHC, 
und das Ganze zu lesen 

osojoosi'v.; xr^c EvoozovaTfr^^jxoußf/.ouÄctpiac. 

Ob eine Kubicularia dieses Namens sonst noch bekannt ist, 
kann ich hier, ohne alle einschlägigen Hilfsmittel, nicht consta- 

1 Ich bemerke hei dieser Gelegenheit, dass der Verfasser des betreffen- 
den Aufsafzes in ZDPV. IV, S. Uff., Herr Lic. SciRi.TZE, sehr bald nach 
dem Druck desselben mir diese Vermuthung selbst mitgetheilt hat. Sie ist 
vollkommen richtig, wie ich mich im Jahre 18S1 angesichts der Inschrift über- 
zeugt habe. GUTHE. 



121 

tirt'ii. Eine o£uvo-fi(£'ir£araTTj) xoußixouXapia Eucpr^ai; kommt in 
einer Inschrift von ('halkedon v. J. 450 vor. 

In der Sammlung des Tschinili Kiöschk befindet sich, eine 
Marmorplatte mit byzantinischer Inschrift ^), -welche, nach einer 
zufällig erhaltenen Notiz, aus Jerusalem stammen soll. Eine 
zusammenhängende Lesung ist mir nicht gelungen. MN scheint 
Abkürzung für ji-vr^oi)^ oder [xv/jaOr^ti zu sein. 



Die folgenden, so viel ich weiss, unedirten Inschriften sind 
vor langen Jahren von Herrn Dr. Konstantin Macrides auf einer 
Reise durch den Haurän copirt Avorden ; die erste entbehrt nicht 
eines historischen Interesses. 

Ihr Fundort sa/uwieu ist eine Station der Pilgerstrasse und 
auf der WETZSTEiN'schen Karte verzeichnet. Im SEETZEN'schen 
Keisewerke I, 34 ff. TV, 15 sind die Ruinen beschrieben, unter 
denen sich zwei Tempel, einer des Zsu? xupio; und einer der T6yr^ 
befindet, Avoher auch offenbar der heutige Name, »die beiden 
Götzenbilder«, herrührt; im Alterthum hiess die Stadt Acre (vgl. 
CIG 4554). Eine andere Namensform Seiamen (bei Richter, 
und auch sonst bezeugt) ist ein Rest der altnabatäischen Sprache. 
Im CIG III, 4554 — 4558 (darnach Waddington, Inscr. de la 
Syrie 2413 f — j) sind vier Inschriften mitgetheilt, von denen drei 
aus dem Tychaeon stammen; eine vierte ebendaselbst befind- 
liche konnte Seetzen nicht copiren. Es ist vielleicht CIG 4557 2). 
Aus dem Zeustempel stammt die folgende : 

GTOYCAZTOYKAIAB 

BACiAecoCArpinnAKY 

ABBOrAIOC4>IAtO 
YIOIOIKOAOMHCAN 
5 PANCYNNeiKAAlOICKAI 

API O I C KA I T AOYPcoMA 
AeCTHCANAIlKYPIcoeKTcoN 
AlkoNevceBeiACXAPIN 

Ij Nach dem von Herrn Dr. Mokdt.m.\>n eingesandten Abklatsch ist 
sie auf Tafel II wiedergegeben worden. 1). Red. 

2) Die Beispiele für T->/r;-Gad ZMG. XXXI, p. 99 ff. könnte ich jetzt 
noch reichlich vermehren; 'IV/sa als Nebenform von Tu/r, CIG 455G findet 
sich auch noch beim Syrer Malalas in der correcteren Schreibung Tj/iiol, 
p. 139 B. 



122 



TiItou; /.![ Tou y.ai )/i [iioüAio; 'A-p'-""^ /.o^piou] 'A^iBoYaToc Oiotu • 
[xai oil'Jiol o'/ooouTjaav [Ou'pav auv vci/aoioi: y.al [XsovTJaoioi; 7.7.I ti 
O'jptuuara a(v)sarr,aav A'.l Kopt'to ex Toiv loi'tuv eusißsicr /otpiv. 

Die Ergäiizunifen ergeben sich aus CIG III. 4558: A-.l toi 
x'jouo Kotitotao MctAyatou xai uiol ayTou xtv Duoav auv Nsixaoioir x^l 
UiVotÄr, Nst'xT, xal Äcovraoi'ou xat Trotsr yÄucsr, xai rr.; ix tojv ouo as- 
(iu)v xabctpo'jpYi'a; [vermuthlich eine Fontäne zum Abdestnehmen 
£/ rtuv loüüv xoiT £'jai|j3i7.v aviDrjXav. 

Die Datirung der Ini<chrift erinnert sofort an eine bekannte 
Münze Agrippa's IL. deren doppeltes Datum zuletzt von Momm- 
SEN in V. Sallet's Numismatischer Zeitschrift III. 451 bespro- 
chen -worden ist. Diese Münze datirt : stou; 0.1 xob xat C und 
Staramt nach Mommsen aus d. J, 66 nach Chr. , so dass die bei- 
den Aren i. J. 56 bez. 61 n. Chr. beginnen. Hiermit stimmt die 
Dop])elära unserer Inschrift . welche demnach ins J. 92 unserer 
Zeitrechnung zu setzen ■wäre. Die HeiTSchaft Agrippa's über den 
Haurän datirt aus d. J. 53, in welchem Jahre Claudius ihm die 
Tetrarchie des Philipp xnid Lysanias. Batanaea, Trachonitis. Au- 
ranitis und Abilene. verlieh. 

Aus diesem Gebiete stammen noch folgende Inschriften 
Agiippas II. : 

1 'Akrabä Wetzstein 179 = Waddington 2413'' "Etouc 
i[r,l ßaaiXsto; AYpi~~a xupiou 'lousTooc MaXsiyaiJou ^iüCxU ^ ^r.j-^' 
i-oirasv Ta {l'jpioaora o'jv xo-u-ouf-oy xal tov Stoaov ix tu)V loi'wv s'j- 
ai,3i{a; [s^lsxa All Kop''(u aus d. J. 78. 

2) el-Muschennef Wetzstein 30 = Waddixgton 2211: 
1-sp atuTTjOia; xopiou ßaaiÄsu); '^ypiK-a xal i-avoooo xat' £'J/jr;v 
A-.o: 

Doch kann die letztere auch auf Agrippa I bezogen Averden. 

Der Name 'A,3,3oYaTo; ist wohl einheimisch und identisch mit 
foioi A,3'i(UYa xiii ixTj;] MapüJTa[i]u)v (cf Marato cupreni bei Am- 
miau) CIG 8971. 

Nr. 2. Aus Schemiskein 1^2 Stunden von Sanamein eben- 
falls am darb el-haddsch gelegen. Wetzstein . Hauran und die 
Trachonen 8. 87 A schreibt Schech miskm .^jS^a ;:i^, bez. Esch- 

miskiii ..^Vw-iJ;!, der Autor der '^■J.\ ^J^k^ S. 66 ed. Const. gar 
^j^'^ . Waddixcjton hat nur einen späten Text aus diesem 
Ort: Nr. 2 11:',. — In 2 Theile gespalten: 



[23 

a. ACIAMOC OY T(oN 
lAUoN KAMAT(oNKAI 
T(oNAYToYTeKN(oN 
T8 MNHMloNenolHC 

KAiAen öAi pen)pc 

b. TA(OCnePGIHMHNNA 

(t)cnepeiMeicioBioc 

FAPKAITAXPHMATA 
OIKOC OYTOC eCTIN 

a. AaiauQc ... i) . o-j twv ioi'cdv xaiiaTiov /ai to-v a'jToo tiy.vtov ro 

b. ... (oa-sOiZ r,ur,v . . (ua-sp sijjli ■ £tai y'^P ö ßio; y.ai ra /Ji"/;- 

;X7.T7. • OCXO; OOTO; £371.7. 

Der Name AaiatJLOc kommt sonst nicht vor. 
Nr. 3. Ebendaher. 



C4)HA(0 
YRANT 
HOAPCie 
TtoN 

n 



oBeCAO 

ocpoe 

OY0IAO 



'U|3£aa9o;'Po£OU cpi'Aoc . . . -avT(.ü[v] Oapst, stäv -. 

Das zwischen -dtvTwv und cciXcov stehende Wort ist unklar. 

Der Name 'üßi-aUo; wird Waddixgton 2364 'Oßctiaaro; ge- 
schrieben , in einem nabatäischen Texte Vogüe Inscr. Sem. S. 94 
Nr. 3 ni3"^2:7 "S, griechisch mit or,uo; 'O^Saia/jVwv Aviedergege- 
ben; '0(3a{3af)oc Wapd. 2172. 

Daneben findet sich noch 'Oßai3if)o; W.\dd. 2148 = Wetz- 
stein 130; 'OiSöCol^ AVaddingdon 1997; vgl. Blau, ZMG. 
XXVII, 35.5. 

Poio: scheint andere Schreibunof für Po-j^io-j Wadd. 2034 = 
Wetzstein 02''. 

In muzerib copirte Herr Macrides folgende kleine In- 
schrift : 



124 



Nr 4. 



KOYAAPA 


•/o'j7.ooa- 

t 


TIANOCA 


T'.avo; A- 


loreNOY 


•.OYSvo'j 


CnANT(0 


3 -avToj 


N0IAOCe 


V 'ii/.o; £■ 


TtoN/v\ 


rcuv 11. 

1 



Dagegen erwiesen sich die aus Bosra und Kanawät copirten 
Inschriften sämmtlich als schon bekannt, mit Ausnahme des fol- 
genden Fragments : 

CKAOAPOTHTOC 
AAMTI lePOKAeOYC 
HPOCOIKOAOMH0H 

wodurch die Lesung von Wadd. 2034 verbessert wird. 

1. : EttI t7;J; KaiJaporr^ro; [tou y.upi'oij -oulXa;i7:(porarou) 'Ispo- 
xXio'j; etc. 

Wadd. a. a. O. : izl trc «•''•"■ ^-^ ~'J^ xupi'ou [tJu.(u)v) tou [ha\i~ - 
(poTarou 'I'/.. 'hpox/.iou;. 

Nr. 5. In der Kirche von Hama: 

+YnepeYxi ^oeMBp, gtovc 

KOC / % 

MA c^^ -^ 



^ 







Ittso £'j/ r^; Mcipa (y.ai; kosaa. Ivo, '.xticüvo;; lo tx[r,''v(o? Noiu- 
|i{>t<i'j y.i sTÜii vao;j "Ktooc !!co'. 

A. 907 der Seleucidenära entspricht d. J. 1. Sept. 596/597 
p. Chr. und der 14. ludiction. 



Pas Thal Zeboim. Sani. T. 13. 18. 

Von Lic. Karl Marti in Buus (Baselland) 



Saul lind Jonathan sassen mit 600 Mann zu Geba' Binjamin 
= dschebd ^) , ihnen gegenüber lagerten zu Mikmasch (=^ much- 
mäs] die Philister; da sandten diese von ihrem Lager drei Colon- 
nen aus zur Verwüstung des Landes , die eine nordwärts in der 
Richtung nach 'Ophra (== et-faij'ibe) , die andre westwärts in der 
Richtung nach Bet Chorön (= het-ür) , die dritte endlich »in der 
Richtung auf das Gebiet an der Grenze , welche über das Thal 
Zeboim hervorragt, nach der Wüste hin«. 2) Es konnte natürlich 
im allgemeinen nicht zweifelhaft sein, wohin dieser dritte Haufe 
sich gewendet hatte , obwohl das Thal Zeboim nirgends sicher 
nachzuweisen war : der Südwesten war ja von Saul's Mannschaft 
besetzt, es blieb darum nichts anderes übrig, als eine geradezu 
östliche oder eine südöstliche Richtung anzunehmen. Allein auf 
eine genauere Bestimmung musste verzichtet werden, da ausser 
dem unbekannten Thal Zeboim keine sichere Ortsangabe im Texte 
vorliegt, und die Annahme, rr^DTan »nach der Wüste hin« be- 
ziehe sich auf die Wüste Juda, wenn auch wahrscheinlich, doch 
nicht über allen Zw^eifel erhaben war; hat doch Wellhausen ^) 
daraus vielmehr auf eine Richtung nach Osten geschlossen. 

Die Entscheidung, welche Wüste gemeint und damit auch, 
welche Richtung eingeschlagen sei, bringt erst der sichere Nach- 
weis über die Lage des Thaies Zeboim, und dieser, so scheint es 

1) Ob wir dafür Gibe'a Binjamin (■'2'i32 nSSJ, mitLXX, die Faßaa Bsvia- 
[jLiv aufweist, zu lesen haben, lassen wir dahingestellt, da die Antwort hierauf 
für unsere Frage ohne entscheidende Wichtigkeit ist. 

2 Ob n-::T2n zu rp'r:n oder zu n:t- zu ziehen ist, thut zur Sache 
nichts ; wir halten die letztere Beziehung für die richtige. 

3) Der Text der Bücher Samuelis untersucht. Göttingen 1871, p. 84. 



126 

mir. ist jetzt auf Grund der neuesten Karten zu leisten. Über- 
einstimmend zeigen nämlich die Karte von Schick >) und die 
cniflischen Karten des Palestine Exploration Fund-) ein Seiten- 
tliiilc-lien auf, Avelches sich von der Gegend nördlich von chän 
haijrür \\\\i{ kal at ed-damm znva. icTidi fauuär T:es\i . icUdi el-kelt 
liinabzieht und welchem der Name vädi ahn daha (auf den engli- 
schen Karten Wady Abu Duba' geschrieben] beigelegt ist. Man er- 
kennt sofort, dass diese Bezeichnung dem alten Xamen D'^^h^n '^Ü 
a\iffallend entspricht, -svie denn auch die Bedeutung beidemal 
uic-ht anders wiederzugeben ist als mit »Hyänenthal«, indem zu 
I-zrhs das hebräische Wort 3>^nS = Hväne, auch wenn in der ein- 
zigen Stelle Jer. 12, 9, wo im A. T. dieses im Neuhebräischen 
gebräuchliche Wort vorkommt, die Übersetzung der LXX mit 
uaiva unrichtig sein sollte, und zu abu daha die der hebräischen 

völlig entsprechende arabische Bezeichnung von Hyäne «-«,/to oder 

o-o plur. r,'^j^ zu vergleichen ist. Allerdings könnte diese wenig 

signilicante Benennung eines Thaies als eines »hyänenreichen«, 
da ja Hyänen wohl damals schon im ganzen Lande heimisch 
waren, tnis stutzig machen, -wenn wir nicht Avüssten, wie sich alte 
Ortsbezeichnungen, obwohl sie nicht auffallender und gesuchter 
waren als diese 3', mit wunderbarer Zähigkeit bis in unsere Tage 
erhalten haben. Zudem hat sich in derselben Gegend nördlich 
vom Ausgang des icädi el-kelt in die Jordanaue der gleiche Name 
nochmals erhalten in »Shukh ed Duba"*« ^] . Zunächst scheint die- 
ses Auftreten desselben Namens an verschiedener Stelle zwar 
wiederum eher geeignet, unsern Glauben an einen Zusammen- 
hang der alten und der jetzigen Bezeichnung zu zerstören; allein 
es ist zu beachten, dass die Entfernung beider Stellen eine ge- 
ringe ist und dass das A. T. ausser dem Thale Zeboim in Neh. 

1 Das Land zwischen Jerusalem und dem todten Meere (die Wüste Juda) 
in ZDPV. III. ;1S80;, Tafel I. 

2 Ma]) of "Western Palestine from surveys conducted for the comraittee 
of the Palestine Exploration Fund by Lieuts. C. K. Conder and H. iL Kit- 
schener R. E. Keduced from the one inch map. London ISSl. Das frag- 
liche Thälchen l)efindet sich nach freundlicher Mittheilung von Herrn Prof. 
Kaltzscii auf lilatt XVIII der grossen Ausgabe. 

3) Vgl. den nahe gelegenen AVädi Fära. ZDPV. III, p. 7 f. 
4j Vgl. die englischen Karten. Auf dieses «Shukh ed Duba « hat mich Herr 
Prof. K.\UTZSCH aufmerksam gemacht. 



127 



11, 34 eine beiijaminitische Ortschaft gleichen Namens C^yh]: 
er-niihnt. Auch kann uns bei der ünvollständigkeit und Lücken- 
haftigkeit der Liste der benjaminitischen Ortschaften in Xeh. 1 1 , 
31 — 36 nicht et^va die vermuthhch von Ost nach West sich be- 
wegende Aiifzähhmg ^) veranlassen, eine Gleichsetzung von 
C^yhi Neh. 11, 3-t mit »Shukh ed Duba'« geradezu für unmöglich 
zu halten. AVir dürfen vielmehr in diesem doppelten Vorkommen 
der einer alten entsprechenden jetzigen liezeichnung einen un- 
verkennbaren Hinweis darauf erblicken , dass an dieser Gegend 
schon im Alterthum dieser gleiche Name haftete, und wir stehen 
darum nicht an, in dem icädi abu daha das alte n'^"33:~ "^5 wie- 
derzufinden. Wir halten es sogar nicht für unmöglich, dass der 
heutige icädi el-kelt den Namen D'^ysSH "^i;, der sich jetzt nur noch 
in dem kleinen Seitenthale erhalten hat, in alter Zeit getragen 
habe; auf diese Weise wären loädi ahu daha und »Shukh ed 
Duba'« mit einander in Verbindung gebracht und wäre auch für 
die Zeit des A. T. das doch immerhin bedeutende Thal el-kelt 
nicht mehr namenlos 2) . Für solche Wanderungen eines Namens 
giebt es ja der Beispiele genug, ich erinnere nur daran, wie sich 
der alte Name nil^n , der einst die ganze Niederung an den 
Ufern des Jordans und des Todten Meeres, ja bis hinab zum äla- 
nitischen Meerbusen umfasste, in el-'araba auf den Theil zurück- 
gezogen hat, der südlich vom Todten Meere liegt. Doch wir wol- 
len kein Geweicht legen auf diese Hypothese, wir halten an dem 
fest, was uns durch die Namengleichheit an die Hand gegeben 
wird, nämlich daran, dass in wädi abu daha das in Sam. I. 13, 
18 genannte Thal Zeboim irgendwie wiederzufinden sei. Dar- 
nach ergiebt sich für die Route des dritten Philisterhaufens von 
muchnäs aus eine südöstliche Richtung, und unter der dort ge- 
nannten Wüste kann nur die Wüste Juda gemeint sein. 

Eine Empfehlung unserer Ansicht von der Übereinstimmung 
des icüdi abu daha mit dem Thale Zeboim ist es aber, dass bei 
Annahme derselben die Textverbesserungen derLXX undWKLL- 
hausen's unnöthiff werden. Schon der LXX ist es nämlich auf- 

1 j Vgl. die Listen der Bücher Esra und Nehemia. Zusammengestellt und 
untersucht von Lic. Dr. RuD. Smexd. Progr. zur Rectoratsfeier der Univ. 
Basel. 1881, p. 9. 

2) An Krit Kg. I. 1, 3 oder an 'Akör Jos. ', 26 zu erinnern, hat man in 
neuester Zeit mit Recht unterlassen. 

Ztschr. d. Pal.-Ver. VII. 9 



12S 

o-cfalleu. class für die Diiection der dritten Colonne nicht auch, 
wie für die zwei andern, als Anhaltspunkt eine Ortschaft bezeich- 
net ist. Der griechische Übersetzer hat sich aber nicht mit der 
Annahme beruhiijt. dass hier ein Ortseigennamc fehle, »weil es in 
der ^^'üste keine Örter gab«^'; er möchte sich hierbei denn doch 
gefragt liabcn. was wohl die Philister noch in der Richtung auf 
die >\'iiste zu verwüsten gesucht hätten . wenn gar keine Ort- 
schaft auf dem Wege dahin wäre zu finden gewesen. "S'ielmehr 
hat sich der Übersetzer zur Ausgleichung des Textes mit Correc- 
tur geholfen, indem er statt b^nan ein ynsn (nach Wellhausen. 
Anm. d. Ked.^ Ta^^ai als richtige Lesart vermuthet hat. Dabei 
hat er aber nicht beachtet, dass er eine ganz unglavibliche Situa- 
tion herbeiführt, indem er verlangt, dass diese dritte Colonne 
den 600 Israeliten direct entgegengezogen sei. Weiter aber hat 
er nicht bedacht, dass das angenommene 37D^n als Bezeichnung 
für Geba das einzige Beispiel wäre, wo der Name von Geba mit 
dem Artikel vorkäme - . Eine fernere Schwierigkeit, die bei die- 
ser ^'ermuthung der Text bietet, hat die LXX selber gefühlt und 
weggeräumt ; es fehlt nämlich Avohlweislich in ihrer Übersetzung 
die Wiedergabe von niSTcn, wie ja die Richtung auf Geba hin 
niemals nach der Wüste, sondern direct, wie Avir auch aus Jes. 
10, 28 ff. wissen, in die Gegend von Jerusalem führte. Dass aber 
diese Auffassimg der LXX entschieden falsch ist, zeigt die jetzt 
bestimmbare Lage von Zeboim-^), denn Geba und das Thal Zeboim 
befinden sich danach in ganz deutlich verschiedener Richtung 
von muchmäs aus, und der directe Weg von da nach dem icücU 
ahu daha führt niemals über dschehd . sowie auch niemals von 
dschehd ein Hervorragen über den wädi ahu daha könnte ausge- 
sagt werden. 

Natürlich sind die in erster Linie gegen LXX angeführten 
Hedenken auch Wklliiausen nicht entgangen, er hat darum jene 

1 Wellualslx a. a. ü. p. S4. 

'i. Sonst findet sich "-: nur ohne Artikel, vgl. Jos. 18, 24. 21, 1". Sam. 
1. 11, •). Sam. II. 5, 25. Kg. II. 23, S. Jes. lU, 29. Sach. 14, 10. Neh. 7, 30. 
Chr. \ ü, 4.j etc. 

3) LXX« hat i-ZK Tal rr.v Sctfii.a, AS Xa[A£iv , Neh. 11, 34 nur im Cod. 
Friderico-Augustanus ^lejiioEijj. Dürfte vielleicht bei dem griechischen zwei- 
ten Ksra .5, 34 in dem 'jtoi io'jjic/. das Zeboim Aviedergefunden -werden, zumal 
das gerade vorangehende uiot 'Aooo-j; an das auch Neh. 11, 34 voranstehende 
T'npi erinnert? 



i 



129 



Sclnvierigkeiten , obwohl er die von LXX voraiiss^esetzte Lesart 
als richtig ansieht, vermieden und yiljn nicht als Eigennamen, 
sondern als Appellativnm «lierg. Hügel« gefasst. Hiebei tritt so- 
fort zwar die umgekehrte Singularität ein, dass dann ynr> einzig 
und allein an unserer Stelle als Appellativum vorkommt . wofür 
sonst nySil gebräuchlich ist. Diese Schwierigkeit ist allerdings weit 
geringer, und y^^ könnte als Collectivum zu dem Einheitsnomen 
nyi-'\ einen Hügelcomplex , eine Hügelkette oder ein Hügelland 
bedeuten. Wenn aber keine anderen Gründe zu der Annahme 
einer solchen Singularität auffordern als die Üebersetzung der 
LXX, die hier sichtlich den ihr vorliegenden Text nicht nur 
übersetzt, sondern auch gemeistert hat, so würden wir von vorn 
herein uns in diesem Falle für den massorethischen Text zu ent- 
scheiden haben. Aber Wellhausen führt zwei Gründe an, 
welche gegen '?'^25n im hebr. Texte sprechen sollen : »Die Rich- 
tung ,zur Grenze' deckt sich nicht mit der doch als gleichbedeu- 
tend anzusehenden ,zur Wüste' (d. i. gegen Osten), mag man die 
Grenze als die judäische ansehen oder als die efraimäische«, und 
»x\uch sagt man von 'siD!^ nicht das Attribut CipTlJ'n aus; hervor- 
ragen über ein Thal kann nur ein Hügel oder Berg Num. 21, 20. 
23, 28«. ^) Betrachten wir zuerst den in zweiter Linie aufgeführten 
Grund, so fehlt demselben eine durchschlagende Kraft. ^pTI?2 
bedeutet wohl in erster Linie »sich hinauslehnen, hinausbeugen« 
und zwar geAvöhnlich mit dem Nebenbegriff »um hinab zu sehen, 
hinab zu schauen« ; so kommt dieses Verbum allerdings von einer 
Höhe ausgesagt zu der Bedeutung : »auf eine Ebene hinab- 
schauen«, Avas soviel ist als : »über eine Ebene, ein Thal hinaus- 
schauen, emporragen«. Diese poetische Vorstellung konnte aber, 
Avenn man nicht mehr eine stereometrische, sondern eine plani- 
metrische Darstellung einer Gegend im Auge hatte, mit Leichtig- 
keit dahin verblassen, dass ?IpT2J: nichts Aveiter bedeutete, als 
»nach einer Gegend hin gelegen sein, an eine Gegend anlehnen, 
angrenzen«, Avonach also zu übersetzen Aväre : »der Berg, resp. die 
Grenze, Avelche an das Thal Zeboim anlehnt« - . Doch Avir haben 
uns nicht einmal auf diese sonst im Hebräischen bei ?pr: uner- 
Aveisliche AnschauungsAveise zu berufen; denn ist ein «Hervor- 

1) a. a. 0. p. 83 u. 84. 

2 Vgl. auch lateinisches spectare, z. B. Caesar, de hello Gallico I. 1 
und-rr: Num. 21, 1.5. 

9* 



130 

rajjen über ein Thal, ein Ilinahsehauen anf ein ThaL< ausgesagt. 
so ist doch schon deutlich genug angegeben , dass der Gegen- 
stand, von dem solches berichtet wird, erhöht, sei, und 5121 
schliesst doch nicht aus, dass an irgend einer Stelle die Grenze 
sich über einen erhöhten Punkt hinziehe. Wir wollen auch das 
niclit betonen, dass b-^sr^ nicht nur die geometrische Grenzlinie, 
sondern das Grenzgebiet, vielleicht auch Gebiet überhaupt be- 
deuten könne, vgl. Sam. I. 5, 6. Offenbar ist dies ja nicht der 
Hauptgrund zur Änderung von bin:^ in 1?n:; der in erster Linie 
von Wellhausen angegebene ist der wichtigere und genügte für 
sich allein, falls er sich bewahrheitet. Aber hier muss doch so- 
fort bemerkt werden, dass er nur dann Geltung haben kann, 
wenn die Gleichung: »zur Wüste« d. i. gegen Osten, Eecht hat, 
da nur in diesem Falle eine Streifschaar Aveder die ephrairaäische 
noch die judäische Grenze treffen konnte. Diese Gleichung hat 
aber Wellhausex nicht bewiesen, und wer sagt uns denn, dass 
nicht die Wüste Juda. also nicht eine östliche, sondern eine süd- 
östliche Richtung gemeint sei? AVir haben demnach keinen 
Gnnid. von vornherein H'^m'cn nach dieser oder jener Kichtung 
/u erklären, die Entscheidung muss nach den andern Angaben 
von Sam. I. 13, IS gefällt und '*"12ji kann erst beanstandet wer- 
den, wenn diese es nothwendig erfordern. Wir meinen nun aber, 
das Thal Zeboim in dem v:ädi ahu cjaba wiederfinden zu dürfen, 
und damit ist für das dritte Streifcorps eine südöstliche Kichtung 
ausgesagt , welche zwischen mur/miäs und dem u-üdi ahu daba^ 
die Grenze zwischen Juda \md Ephraim ditrchschneiden muss. 
Also auch bei der Gutheissung der Voraussetzungen Wellhau- 
SENS. dass die judäische oder die ephraimäische Grenze in Frage 
komme, ßiUt der Grund gegen die Lesart der Massora dahin und 
rechtfertigt sich ihre Uberliefennig von binj. Wahrscheinlicher 
kommt es mir jedoch vor, dass man bei blSj nicht an eine poli- 
tische, sondern an eine natürliche Grenze zu denken habe. Ich 
verstehe nämlich darunter eben das im Südosten von miichmZis 
gelegene Gebiet, welches die Grenze zwischen dem bevölkerten 
Lande und der unbewohnten Wüste Juda bildet. Aber wie dem 
auch sei, der fragliche Halbvers Sam. L 13, IS*" Avill unter allen 
l raständen besagen : Das dritte Streifcorps der Philister wandte 
sich in südöstlicher Pichtinig auf die Gegend, welche in den 
xrTuh ahn <Juha abfällt, nach der Wüste Juda hin. 



Nacliti'ägiiclies zu Kabiiliis und (iariziiii 

(vol. ZDPV. VI, lüT «■ . 



' o* 



Von M. Grüubauiu in München. 



Zn den sogen. Volksetymologien gehören in geAvissem »Sinne 
auch die Erklärungen von Ortsnamen durch daran sich knüpfende 
Sagen, so wenn z. B. To'fxoi, Tomi davon hergeleitet wird, dass 
dort Medea ihren liruder Absyrthus zerstückt habe (von totxo;), 
oder wenn der Ort WoUmer von dem Ausrufe «Hier wollemer 
ruhen!«. Hatzfeld von »Hier hats Feld« und der Mäusethurm bei 
Bingen von den Mäusen des Bischofs Hatto ihre Namen haben 
(Grimm, Deutsche Sagen2 I, 130, 242). Auch auf semitischem 
Gebiete kommt dergleichen vor; dahin gehört z. B. die von Rit- 
ter (Erdkunde XVI, 460) erwähnte Deutung des Namens Ma- 
milla als mci min alläh »was von Gott kommt«, und so wird denn 
auch bei Kazwini (H. Uf ed. Wüstenfeldj unter y^UlJ [nähulus] 
der Name dieses Ortes davon hergeleitet, dass allda vor Zeiten 
ein furchtbarer Drache [tumiin] gehaust habe, dessen Vernichtung 
die Bewohner der Gegend von Gott erflehten. In späterer Zeit 
zeigte man noch einen riesigen Zahn dieses Drachen, und von 
diesem Zahn — nZib — hat die Stadt ncibulus ihren Namen. Be- 
merkenswerth ist übrigens die Vocalisation des Wortes mit 

^_^-JLJLi ^) statt der oft vorkommenden Form ncihlus. So heisst es 
auch bei Ritter (XVI. 637): »Die Stadt Nablus, oder richtiger 
Näbulus nach Abulffeda s Schreib Aveise«. In der That heisst es 

1) Ebenso im Muschtarik ed. Wüstenfeld : p. v., Z. lu. v.\ Z.2 v.u., 
1f, Z 5, ilv, Z. 5, lf,, Z. 3, r.i, Z. 8 und öfter. 



n2 

bei Abulfecla ^Geographie ed. Reixaud p. ff.) von j^LJ> unter 

ilerlxubrik j--«-*"i\' Jj^/^- : 5c\>j-«J^ ^\^^ *.^» wä.''^ qj-^' ^'^*«J^)- 

Sollte nun diese seltsame Sage vom Drachenzahn nicht viel- 
leicht in Zusammenhang stehen mit den in dieser Zeitschrift (VI. 
230 ff.^ des Näheren beschriebenen Marmorsculpturen ^ Auf 
diesen wird der Kampf mit dem Minotaurus dargestellt . ferner 
wie Hercules die Schlangen erwürgt, sowie die Überwindung des 
pvthischen Drachen 2). Die Bewohner von Xabulus kannten die 
griechischen Mythen nicht — was war natürlicher, als dass sich 
an diese bildlichen Darstellungen eine Localsage knüpfte von 
dem oder den] gewaltigen Drachen der Vorzeit, dessen oder 
deren I Überwindung hier verewigt war, und dass hieraus die 
lierleitung des Namens Näbulus aus ?iäb entstand .' 

Ahnliches kommt auch sonst vor. So erzählen die Perser 
'bei Hamza Isfahäni ed. Gottwaldt p. t^l), dass Kai Chosru 
einen Drachen, der grossen Schaden anrichtete, besiegte und zur 
Erinnerung hieran einen Feuertempel errichtete, der unter dem 
Namen Kiischid bekannt Avar, von dem Berge gleichen Namens, 
auf dem der Drache hauste. 

Dergleichen trägt natürlich zu dem Ruhme eines Ortes Vie- 
les bei, und so ist vielleicht der Ursprung jener Sage bei den 
Samaritanern zu suchen. 

Auch sonst ist bei dem, was Kazwiui berichtet, samaritani- 
^cher Eintluss nicht zu verkennen. So heisst es in derselben 
Stelle ferner: »Daselbst ist ein Berg, von welchem die Juden 
sagen, dass auf demselben Abraham — mit dem der Friede sei — 
auf Gottes Geheiss seinen Sohn opfern wollte — nach ihrer 
Meinung Isaak»^). Unter diesem Berge kann nur der Garizim 
gemeint sein, den die Samaritaner — wie früher bemerkt wurde 

1] Bemerkenswerth ist, was Abulfeda p.ff!; unter der Kubrik lJ^-^»"^» 

.\x_»-i j.^s-D^t aus dem'Azizi anführt, dass nänalich Jerobeam der Begründer 
des samaritanischen Cultus gewesen sei, insofern als er auf dem Berge bei 
Xabulus einen Tempel errichtete, damit man dorthin und nicht nach Jerusa- 
lem wallfahre. 

2, Vgl. hierzu die unten folgenden weiteren Bemerkungen Dr. Schkei- 
ber's über den Stein von Näbulus. Die lled, 

■i Baidawi zu Sur. Sl , lol ;II, p. Ivo, Z. t*. ff. führt einen Ausspruch 
Muhamed's an, in welchem sil^ -i^'^ als Epitheton Isaak's vorkommt; im 



13:; 

(ZDPV. VI, 19S, Note) — mit dem Ikrge Moriah identifizircu. 
Dieselbe Identilizirung Hegt ■wahrscheinlich auch zu Grunde, 
wenn es in dem vorhergehenden Satze heisst, aiisserluill) der 
Stadt sei ein masdsclmh in Avelchem der Sage nach Adam sein 
Gehet verrichtete i) . Den Garizim erwähnt Kazwini übrigens im 
letzten Satze (in -welchem auch einer bei den Samaritanern in 
hohem Ansehen stehenden C4uelle gedacht wird) als einen Ort der 
Anbetung mit den Worten : ^.^-S , ^♦^j^.xL/^L' bjiLc c>^aj Uj». »und 
dort haben die Samaritaner ein liethaus, das Karizim (Garizim) 
genannt wird« ^j . 

Samaritanische Anschauungen geben sich aber auch in and- 
ren Stellen Kazwini's kund. So heisst es (I, (iv) unter chchebel 
für : »Es ist das ein Berg, der bei Näbulus sich erhebt (Näbulus 
beherrscht) ; bei den Juden Avird er hoch verehrt und Juden wie 
Samaritaner wallfahren zu ihm, und sie behaupten, dass Abraham 
von Gott den l^efehl erhielt, auf diesem Berge seinen Sohn Isaak 
zu opfern, und dass er auch in der Thora erwähnt werde«. 

Dschehel et-tiir ist die heutige Benennung des Berges Tabor 
sowohl als auch des Sinai, welcher letztere in der danach be- 
nannten 52. Sure (Vs. 1) als et-tür vorkommt. Bei Kazwini (I, 

allgemeinen aber ist — wie aus derselben Stelle Baidawi's ersichtlich ist — die 
Ansicht vorherrschend, dass nicht Isaak, sondern Ismael zum Opfer bestimmt 
war, wie denn auch i^liAÄj!_j.j5 die gewöhnliche Kunje Ismael's ist. Die ver- 
schiedenen Meinungen werden übrigens bei et-Tabari angeführt (Annal. I, 
fi'ff.j und ebenso bei Ibn el-Atir (ed. Thornberg I, av ff.). 

1; In den jüdischen Schriften heisst es, dass Adam nach seiner Vertrei- 
bung aus dem Paradiese auf dem Berge Moriah gewohnt und die Doppelhöhle 
(Gen. 23, IT) sich zur Begräbnisstätte gewählt habe (Pirke R. Eliezer cap. 2ü 
und c. 36, Jalkut Gen. § 34 Ende). Die von PtiTTER 'Erdkunde XVI, 211) 
auf HiERONYMUS zurückgeführte Erklärung von Kirjath Arba Gen. 23, 2. 
Jos. 14, 15 fd. i. Hebron) als Civitas quatuor, weil dort vier Personen — 
oder vier Paare — darunter Adam und Eva, begraben seien, ist haggadischen 
Ursprunges Erubin 53*, Bereschith llabba, sect. 58, Pirke R. Eliezer c. 2U). 
Auch in den Schriften der Syrer wird erzählt, dass Adam auf dem heiligen 
Berge eine Höhle (die »Schatzhöhle") zum Bethause für sich und seine Nach- 
kommen geheiligt habe und auch dort begraben worden sei (die Schatzhöhle 
ed. C. Bezold, p. 7 fi'., Eutychius Annal. I, 19 ff). Es ist aber fraglich, ol) unter 
diesem heiligen Berge der Berg Moriah gemeint sei oder der Hermon, wel- 
chen letzteren Abulfaradsch ausdrücklich nennt ^Chron. Syr. p. 4). 

2) Bei dem Worte *^,-^ hat ohne Zweifel eine Versetzung des diakri- 
tischen Punctes stattgefunden, es muss heissen f»;J.-^. 



134 



Ha hcisst derselbe ihcluhel tür sinü : Abulfeda Geogr. p. 11) sagt 
unter dschehcl ef-tür. nach dem Muschtarik sei tia- ein hebräisches 
Wort in der Hedeutung Berg, das aber auch zur Bezeichnung 
einzehier Berge diene' : Avie z. B. tUr zeita^ der Name eines Ber- 
ges nahe bei Käs 'ain und eines anderen bei Jerusalem — den 
letzteren erwähnt auch KazAvini I, Hv -y —: ?^«r heisse ferner ein 
Berg, der Tiberias beherrscht Tabor;. iexnex d.ex tür s'mä^ über 
dessen Lage, sowie über die ]5edeutung des Wortes sinä ver- 
schiedene Ansichten herrschen, ferner der tür Juirün: letzteren 
erwähnt auch Kazwini (I, IIa; . Der Bedeutung des Wortes tür 
gemäss gebraucht übrigens Abulfeda (p. v.) das AVort dschebel zur 
Bezeichnung des Taurus. 

Wenn nun aber Kazw^ini den Berg in der Nähe von Näbulus 
ilschehel für nennt, so kann darunter doch nur der Berg Garizim 
gemeint sein : -wahrscheinlich stammt diese Benennung von den 
Samaritanern her, die den Berg Garizim — analog dem Sinai — 
als den Berg v.o.-: i;o/T]v benennen. 

Bei KiTTER (XVI, G3S^ heisst es: »Den Garizim nennen die 
Eingebornen noch heute, wie schon seit älterer Zeit el-Tür; denn 
schon im Leben Sultan Saladins von Bohaeddin wird er Tourum 
genannt ; nur die Samaritaner kennen den antiken Namen Gari- 
zim »»den Berg des Segens Grisim und den l^erg des Fluch> 
Ebah«', "wie beide schon von Mose genannt werden (5. B. M. 11. 

1, Vgl. Muschtarik ed. Wüstenfeld p. I'lv. In Sur. 52, 1 bemerkt Bai- 

dawi ^11, p.fvvj : iLoLj,.»i^lj J^x^i jjia,!^, was nun allerdings genauer ist. 

2; Kazwini erwähnt gleichzeitig, als in der Nähe des tür zeiia befindlich. 
den tcädi ihvhahannani. Es ist das also eine Verwechslung des ursprünglichen 
bildißcheu ZT ^i mit dem talmudischen njn: (syrisch s<:n; , -wovon Feswct , 
welches letztere AVort , sowohl der Form wie auch der Bedeutung nach, als 
thchahunnain im Koran Aufnahme gefunden hat. Zu dschahunnam Sur. 2, 
202 Ijcmerkt Baidawi, es sei ein arabisirtes Fremdwort, was insofern bemer- 
kenswerth ist, als Baidawi die Wörter hebräischen Ursprunges gewöhnlich 
aus dem Arabischen zu erklären sucht. Im Muhit al-Muhit (s. v. (•-^>, !■ 
XS\, werden ausser der Stelle Baidawl's noch andere Erklärungen angeführt, 

darunter auch die, dass j*-*-^ zusammengesetzt sei aus ic^> Thal und ^y^. 
dem Namen eines Mannes. Gleichzeitig wird, als in der Nähe Jerusalems be- 
findlich, der ^y^ c?-^'i nicht (•-S7>! erwähnt, woselbst man in alt^r Zeit 
dem Moloch, dem Gott der Ammoniter, geopfert habe. 



135 



29)«. Das, Avas Ritter ferner über Gari/ini und Nabulus mit- 
theilt. beruht ^iunieist auf den Berichten Kobinsox's und "\Vil- 
sox's (The Lands of the lUble . Dass der Führer Wilson's ein 
Samaritaner war, ersieht man schon aus seiner Erwähnung- des 
muhdl^ sowie daraus, dass derselbe auf dem Garizim seine Schuhe 
auszog, »weil es seinem Volke verboten, diese Stelle, die heilig, 
mit Schuhen zu betretene und Avenn eine Stelle als die heiligste 
bezeichnet wird, weil da die Stiftshütte des Herrn gestanden 
(S. ()43j\. Samaritanisch ist auch die von Wilson (S. 642 er- 
wähnte Kenisah Adam nahe dem Gipfel des Garizim. die also 
dem von Kazwini erwähnten muschcliid entspricht -j . Ebenso 
entspricht es den oben angeführten Stellen Kazwini's (I, llv II, 
iAfi, wenn es ferner heisst (S. 643): »Nahe dabei zeigte man die 
Stelle, wo Abraham auf Jehovahs Gebot habe Isaak opfern wol- 
len (1. B. M. 22, 2); man nannte sie Ha-araz Moriah«'^]. 

1) Auf dei'selben Seite (ö43ff.) werden die Samaritaner ausdrücklich ge- 
nannt : "... in der Nähe nannte man eine kleine Quelle Naji, bei der ihr 
grosser Prophet erscheinen werde. Als man zur vermeintlichen Stelle von 
Abrahams und Isaaks Opfer kam, gaben sie die Entfernung von Bersaba hier- 
her auf drei Tagereisen an«. Unter dem ferner erwähnten Fluss Saht — von 
welchem die Samaritaner sagten, dass jenseit desselben auch Samaritaner 
■wohnen , dass er aber nur am Sonnabend passirt werden könne — war der 
Nähr saht oder vielmehr der Sambatjon (Buxtorf s. v. ^ino, col. 14 IT ff.] ge- 
meint, wie ich das an einer andren Stelle (ZDMG. XXIII, 629; nachgeM'iesen 
zu haben glaube. Auch Kazwini (I, 5a.^ erwähnt — nach dem Tohfah Algha- 
raib — einen Nähr es-sabt in Spanien (Audalusj , der nur am Sonnabend be- 
fahren werden kann, weil er nur an diesem Tage ruhig fliesst. 

2; Die an derselben Stelle erwähnten Marurim, d. i. bittre Kräuter, sind 
nicht spezifisch samaritanisch. Diese »bittren Kräuter«, die -"^"""^ des Penta- 
teuchs (Exod. 12, S. Num.9, llj, bilden auch heute noch in allen jüdischen Fa- 
milien einen wesentlichen Bestandtheil der häuslichen Feier des Pesachfesles 
(wenn auch natürlich ohne Opfer; am Abend des 15. Nisan. 

:j, Es sei mir bei dieser Gelegenheit gestattet, eine irrthüniliche Angabe bei 
RlTTEK zu berichtigen. A. a. O. S.650 werden, nacli 'WiL.sON, die Glauben.s- 
artikel der Samaritaner aufgezählt , darunter auch : Garizim ist die Kibla 
jakün jöiii bl-kijämat ica ' d-deinütiat , »da wird einst am jüngsten Tage die 
Auferstehung sein«. Dieses »da« mus.s man auf Garizim beziehen; wie man 
aber aus dem arabischen Original ersieht, ist hier keine Ortsbestimmung an- 
gegeben , sondern es wird als Glaubensartikel ausgesprochen , dass dereinst 
ein Tag der Auferstehung und des Gerichtes sein werde. Allerdings über- 
setzt "Wilson The Lands of the Bible II, iS, »There will be a day of resur- 
rection«, aber dieses »There« ist kein Ortsadverb, sondern gehört zu der be- 
kannten englischen Kedeweise für unser »es giebt«. 



Die l)reifiissl)asis von ^siibiiliis. 

Von Tli. Schreiber in Leipzig i). 
Hierzu Tafel III). 



Den im vorigen Jahrgang dieser Zeitschrift abgedruckten 
Mittheihnigen über die neugefundene Dreifussbasis von Nabuhis 
füire ich, nachdem mir die damals noch fehlenden Abklatsche der 
Inschriften zu Händen gekommen , einige weitere Bemerkungen 
hinzu . Avelche jedoch nicht Anspruch darauf erheben , die ver- 
schiedenen, durch dieses interessante Denkmal angeregten Fragen 
abschliessend zu behandeln. 

Die Beischriften der Reliefdarstellungen bestätigen mit einer 

Ausnahme die früher von mir gegebenen Erklärungen. Aufweite 

1> , die wegen des reicheren Ornamentschmuckes am unteren 

Rande und wegen der sehr sinnreich zusammengestellten Bilder 

s. unten) gewiss ursprünglich als Hauptseite gedacht war, liest 



1 Durch die gütige Vermittelung des Herrn Pastor Lic. Dr. Reinicke 
ist die Redaction in den Besitz des Materials gekommen , auf Grund dessen 
die in ZDPV. VL, p. 230 ff. erwähnten Skulpturen genauer bestimmt werden 
konnten. Auf die Bitte des Herrn Pastor Keinicke hat nämlich zuerst Herr 
F.vLLSCUEER, Missionar in Nabulus, einige Abklatsche und Zeichnungen der 
Inschriften angefertigt. Diese kamen im Laufe der Monate März und April in 
die Hände der Redaction. Dazu kam Anfang Mai noch ein Al)klatsch, den 
Herr Prof. W. A. Xeimann aus AVien -während seines Aufenthalts in Xabu- 
lus von dem Stein genommen hatte. Mit Hülfe desselben ist es Herrn Dr. Tu. 
ScHUEiBER gelungen, die Bei- und Inschriften des Denkmals , so weit sie er- 
halten sind, zu lesen und seine vorläutige Deutung desselben (a. a. O.) durch 
die obigen Mittheilungen zu vervollständigen. Herrn ]3r. Tn. Schreiber 
Hpreche ich meinen besten Dank für seine Bemühungen aus und bemerke 
noch , dass der Lichtdruck der Tafel III nach den mir von Herrn Pastor Lic. 
Dr Rei.vicke übersandten Photographieen herge.stellt worden ist. H. GUTHE. 



137 

man in grossen, jetzt auch im Lichtdruck deutlich utMdenden 
Buchstaben tpocpoi über der einen der erschreckt zur Seite fah- 
renden ^Yärterinnen , daneben 'II paxX^? über dem schlangenwür- 
genden Knaben. Im Streifen darunter steht 6-/)3£u; und yvujoio- 
[xara über der Figur des Heroen und dem von ihm emporgeho- 
benen Felsblock. Aithra und ihre Hegleiterinnen sind unbenaunt 
geblieben. Auf Seite C bezeugen die JJeischriften (von links nach 
rechts) Aprsiii? 'AttoA^iov .V-/]tuj den apollinischen Dreiverein, den 
schon die vom Pfeil durchbohrte py thische Schlange daneben kennt- 
lich machte. Die Kampfscene darunter ist ra Trspi tov Mstvajrauoov 
überschrieben. Unklar blieb, so lange nur nach der kleinen photo- 
graphischen Aufnahme zu urtheilen war, die Bedeutung des un- 
teren Bildes der dritten Basisseite (A). Ich rieth, weil ich in den 
Händen des siegreichen Heroen zwei Keulen , seine eigene und 
die des überAvundenen Gegners zu erkennen glaubte , auf The- 
seus und Periphetes. Die Beischrift, deren Anfang unlesbar ge- 
worden, nennt aber ta iztrA] tov ' A^^säwov, und mit dieser Erklärung 
werden nun auch einige Züge des Reliefs in der Photographie noch 
verständlich. Der sehr bestossene Kopf des getödteten Acheloos 
Avar offenbar ein Stierkopf, was zwar nicht die gewöhnliche, be- 
sonders den Vasenmalern geläufige Bildung ist, die vielmehr Men- 
schenkopf und Stierleib vereinigte (O.Jahn, Archaeol. Zeit. 1S62, 
S. 3 1 3 ff.) , aber sich einigemale auf Münzen von Metapont und auf 
einem geschnittenen Stein (ebd. Taf. 168, Fig. 3.4.13) nachweisen 
lässt. Aus der rechten Schädelseite ragt das eine, erhaltene Stier- 
horn hervor, das andere, im Kampf von Herakles abgebrochene, 
ist die Beute des Siegers geworden und wird von diesem trium- 
phirend im linken Arm gehalten. Die nicht benannten Musen 
stimmen das Siegeslied an. Mit dieser Erklärung schliesst sich 
jetzt der Kreis der an der Basis aneinandergereihten Darstellun- 
gen enger aneinander. Es sind dUXa von Göttern und Heroen, 
in der unteren Reihe solche des Theseus und seines alter ego, des 
Herakles, mit dem er in Sage und bildender Kunst so viele Züge 
gemein hat. Beide sind an der Hauptseite mit ihren ersten Tha- 
ten übereinandergestellt. An den Nebenseiten treten sie in der 
unteren Reihe mit zwei Abenteuern über Gegner derselben Art, 
• stierköpfige Halbmenschen, in Wettstreit, links Herakles als Sie- 
ger über Acheloos , rechts Theseus im Kampf mit dem Minotau- 
ros. Auch die Bilder der oberen Reihe sind durch ähnliche Motiv- 



138 

aiikUinge miteinander verbunden, nämlich durch die Schlangen, 
die in allen drei Reliefs ihre Kolle spielen, zweimal als Gegner 
und im oberen Bilde der Seite A als treue, dem Willen der Deme- 
ter dienende Gehülfen. Zu dieser letzteren Scene ist keine er- 
läuternde IJeischrift hinzugefügt. Dafür trägt der obere Rand der 
Uasis hier die folgende metrische "Widmung . von welcher die 
erste Zeile völlig verloren gegangen ist : 



— ovioc Or^XiV 'Ariiioo: sx/oti-ba;, 

OojVcXcV £V TplT:0&333!.V apl37£U£3X£V ClTtaaiV 

xaXXci xod [X£Y£i)£t xat }(af(iaiv 7:[>o<p£p(uv. 

5 rop-'U)i xal Aiovuao; a-(6iKksxai, xai ti yi^r^iiEv 

Tov TpiTToo £i3opo(üv, ou 'üaTpo; i'r(zvi~r^c. 

Der Marmor trug also seiner Form entsprechend einen Drei- 
fuss, den der Stifter aus Athen mitgebracht hatte und dessen 
Eigenschaften mit volltönenden Worten gepriesen werden. Die 
Erwähnung des Dionysos lässt vielleicht darauf schliessen, dass der 
Dreifuss bei den dionysischen Agonen gewonnen wurde. Damit 
könnte auch der Bilderschniuck der Basis, die Zusammenstellung 
göttlicher und heroischer ailÄa, einigermassen in Einklang ge- 
bracht werden. An welcher Stelle die Figur derGorgo angebracht 
war, ob als Aufsatz der Henkel, Avie an olympischen Beispielen 
(FuRTwÄNGLER in den Abhandl. der Berliner Akad. d. Wiss. IS 79. 
S. 15. Fig. 3), als Schmuck des Einsatzringes des Kessels oder 
etwa als Innenbild des letzteren , ist nicht auszumachen. Jeden- 
falls bestand aber der künstlerische Werth des Geräthes in diesem 
angehefteten Zierrath und lenkte daher den Blick zunächst auf 
sich, etwa wie bei den drei, in den Monumenti dell" Institut© 1837 
tv. 42 publicirten, vulcenter Dreifüssen, deren einer zu den Wor- 
ten des Epigramms die beste Erläuterung giebt. Die höchst ein- 
fach gebildeten Erzfüsse tragen hier an der Ansatzstelle des Kes- 
sels abwechselnd zwei ornamental verbundene Pegasosköpfe und 
je eine nach rechts laufende Gorgone. Ganz ähnlich ist auch der 
Dreifuss in Mon. delF Inst. 1S62, tv. 69. Interessant ist die Be- 
zeichnung EvYövi-rr^; »eingeborner Sohn« von Dionysos, dem aus 
dem Schenkel des Zeus geborenen Gotte. Die Inschrift auf der 
abgeschrägten Kante ist leider in den mittleren, für den Sinn ent- 
scheidenden Zeilen sehr verstümmelt. Zu entziffern ist nur 
noch : 



139 

MÄYPnYp 

POCM... 

NOCTtüN 

to 

5 .e.lTGYC 

AGHNAIOC 

BOYAeVTHC 

TONTPino 

AAenoiei 

Auf der zweiten Zeile scheint der letzte Buchstabe O oder 
to zii sein, Z. 3 am Anfange eher N als M , Z« 5 könnte in der 
Lücke zwischen G nnd I der Buchstabe A gestanden haben, 
Schriftformen nnd Name des M. Aur.Pyrrhus weisen etwa auf die 
Mitte des 2. nachchristlichen Jahrhunderts, und dieser Zeit -ist 
auch die Arbeit derEeliefs angemessen. Zu der Schlusswendung 
AÖr^vaio? I ßouXöutrjC | tov rpi'-o | oa STroist vgl.WADDiNGTON, Inscr. 
Asie min. nr. 1966a. 2023. 2081 u. s. av. Dass die Beischriften der 
Figuren etAvas bessere Formen zeigen als die der Widmungen und 
dass für die metrische Inschrift nicht die Hauptseite (B) der Ba- 
sis gewählt ist, genügt Avohl nicht zu dem Schluss, dass Basis 
und Dreifuss nicht gleichzeitig entstanden seien. Ich möchte 
annehmen, dass erstere bei einem Steinmetzen in Athen (attisch 
sind die Motive einzelner Figuren) fertig gekauft und mit dem 
Dreifuss nach Syrien gebracht worden ist. 



Bemerkniiiieu üLer Aiitliedoii und Muutär. 



(Zu S. 1 ff. dieses Bandes]. 



^'ün Th. Nöldeke in Strassburg und J. Oiltlemeister in lionn. 



Herr Gatt hat lid. VII, 5 ff. dieser Zeitschrift die Lage des 
aken Anthedon in einer ßviinenstätte NW. von Gaza und seinen 
Namen in deren fast schon verschollener Benennung Teda 
(Teda?) wiedergefunden. So weit ich urtheilen kann, ohne eine 
vollständige Untersuchung angestellt zu haben, ist seine Beweis- 
führung überzeugend. Nicht aber kann ich mich der in einer 
liedactionsnote ausgesprochenen Meinung anschliessen , dass 
Eutychius mit q»3u denselben Ort meint. Die Laute würden 
freilich vortrefflich stimmen. qj^Lj", wofür es uatürlich freisteht. 
Q.iwi zu punctiren, könnte den Laut Thodhön bezeichnen, d.i. 
'l'Avjlir^ocüv. Etwas bedenklich macht aber, dass Eutychius a. a. O. 
den Ort in derllichtung von Gaza nach demHidschäz, d. h. etwa 
südöstlich von der Stadt . liegen lässt. Aus der Himmelsgegend 
kamen ja auch die streifenden Muslime , die an dieser Stelle den 
kaiserlichen Truppen ein Treffen lieferten. Der Ort des Gefechts 
heisst bei Belädhori 109') ,^jb. Dass Jäqüt diese Aussprache fest- 
stellt, beweist übrigens nichts, als dass er den Namen so in seiner 
Handschrift geschrieben fand. Von Anthedon führt uns diese 
I-'orm schon etwas weiter ab. Nun wissen wir aber aus dem sy- 
rischen Chronographen Land, Anecd. I, 17. dass dieses Treffen 
Ereitag den 1. Schebät 945 (Seleucid.) Ind. VH. d. i. den 4. Fe- 
l)ruar 03 4'-;, und zwar 12 Millien (istlich von Gaza stattge- 



1 iJei Tabari (ed. Kosegarten; fehlt das Gefecht. Il)n Athir 11. ."i 10 hat 
08 aus einer andern Quelle eingeschoben. 

2, Also noch im Jahre 12 d. H. Da das Jahr 13 schon am 7. März 0:34 



141 



funden hat; das stimmt zti Eiitychms. Ein Ort 3 .Stunden öst- 
licli von Gaza kann aber nicht mit einem eine starke Stunde 
nordwestlich- davon gelegenen identificirt werden. — Der wirk- 
liche Name des in der einen Quelle q*,<:>\^, in der andern ^b 
genannten Ortes steht nicht fest. 

Mnntär ist ohne Zweifel «BeobachtiinsTsort , Wache« oder 
j)\Yarte« vom aramäischen NTR, das schon sehr früh ins Hebräi- 
sche zn dem althebräischen NSR aufgenommen ist und in ver- 
schiedenen Ableitiingen auch von den Arabern adoptirt wurde. 
Zufällig linde ich auf der Karte des Pal. Expl. F. noch ein Mun- 
tar el baghla, nicht sehr weit OSO. von Gaza. Ein Diminu- 
tiv davon ist al-Muneitire . Name eines Ortes im Libanon 
(Socix-BÄDEKER 409}. Von derselben Wurzel abgeleitet ist der 
Name des Wädi Ntara in Galiläa (eb. 277). Auch das bekannte 
Latrvin (Robinson III, 869 ^^•ir^'^; 03/^-^' Raudatain II, 88; 

Q.^I und Q»--^^ Jäqüt) gehört wohl hierher. Es hat sicher 
nichts mit dem Schacher latronem zu thun, denn die in 
der Zeit der Kreuzzüge üblichere Form istj^»,LÄj! an-Natrün 
(Bohäeddin passim; Raudatain passim ; Ibn Athir 11, 361; 12. 
4 7 f.). und der Ort erscheint sogar schon kurz vor dieser Periode, 
also ehe an einen solchen lateinischen Namen in Palästina zu 
denken ist, in Näsiri Chosrau's Reisebuch (ed. Schefer) 19, und 
zwar in der Entstellung Qj.jLi> ; darin Avird man etwa Q^r^ oder 
vielleicht ijrjj wiederfinden (der Perser mochte o für J^ setzen). 
Also wird wohl auch dieser auf einem Hügel gelegene (Socin 
13) Ort vom »Aufpassen« benannt worden sein. — Noch weise ich 
darauf hin, dass der arabische Name der römischen castra in 
Syrien zur Beobachtung der Beduinen manzara, pl. manazir 
war, von der dem aramäischen NTR genau entsprechenden ara- 
Wurzel NZR. 

Strassburg, 29. April 1884. 

Th. Nöldeke. 

begann, so begreift man, dass die Überlieferung das Treffen gern ins Jahr 13 
legt. — Vergl. noch Theophanes Bonn) 516; Baethgen, Fragm. syr. u. arab. 
Hist. 15, und besonders de Goeje, [Nlem. d'liist. et de geogr. III, 25. wo schon 
die syr. Stelle herangezogen ist. 



142 

Dass Anthedon nördlich von Gaza gelegen , folgt nicht aus 
Plin. \'. 14, der es sogar in das Binnenland setzt, nicht sicher aus 
Jos. XV. 7.3, der XIII. 15, 4 eine andere Eeihenfolge hat, 
eben so wenig aus Ptolemaeus , -wegen der Varianten in den Mi- 
nutenzahlen, wohl aber liegt ein unzweideutiges Zeugniss bei 
Theodosius § IS vor. Das nun glücklich entdeckte 'tX-ö' tedä, (idä, 
ist den arabischen Geogi-aphen Bekri 'c. lOSO Chr.), der es aller- 
dings südlich von Gaza setzt, und Idrisi (c. 1150' wohl bekannt; 
vgl. den Nachweis beiüEGoEjE, der es schon mit Anthedon iden- 
tificirt hat. zu Mokaddasi p. 155. Des Eutychius tädTin, das er 
nach sonstiger analoger Schreibart wohl fedün aussprach , kann 
ohne Zweifel aus Anthedon verderbt sein : aber dann in-te er, 
wenn er es als Ort des Treffens von 632 bezeichnete. Die Araber 
nennen den Ort dätin Belads. 109, 8 oder dätina Tabari II, 114, 
ITKoseg. , Theophanes 276 P, 332. 13 de Book an einer cornip- 
ten Stelle, über deren Varianten de Boor und früher Tafel, 
Wiener Sitz.-Ber. IX IS 52 S. 140 zu vergleichen sind. Aaf>i-aov 
oder AaDiU. . . ; es lag nach dem s. g. Liber chalifarum bei Land, 
Anecd. Syr. 117. 11 'um 750 Chr., der Name ist hier leider ver- 
derbt' 12 röm. Meilen östlich von Gaza. Dies passt auch besser 
zu den strategischen Verhältnissen, als dass die von Südost oder 
Ost kommenden Araber die Festung Gaza umgangen und den 
von Caesarea her anrückenden Eömem eine halbe Meile nördlich 
von ihr, sie im Rücken, ein Treffen angeboten haben sollten. 

Bonn. 2. Mai 1SS4. 

J. Gildemeister. 



Beiträge zur Palästiiiakuiule aus arabischen Uuelleu. 

Von J. Gildemeister in l^omi. 

(Vgl. ZDPV. IV, p. S5 ft'. VI, p. 1 ff. 



4. Mukaddasi.') 

(151) Syrien ist ein Land von grossem Belang, der Aufent- 
halt der Propheten 2), das Centrum der Frommen, die Heimath 

I) El-MukaddasT 'Makdisi), wie nunmehr bei uns hergebracht ist, el-Bas- 
schäri. auch Ihn el-bannä, wie ihn die Araber nennen , mit eigentlichem Na- 
men Abu Muhammad 'x\bdalläh Ibn Ahmad, in Jerusalem aus einer dort seit 
längerer Zeit angesiedelten Architectenfamilie um 366 (947/S:i geboren, machte 
weite Reisen als Gelehrter und Geschäftsmann , wie sich das bei aral)ischen 
Gelehrten verbindet, und verfasste 375 (985/6) eine Beschreibung der islami- 
schen Länder, die sich vor allen arabischen Geographien durch den Reich- 
thum der Beobachtungen und Gesichtspuncte auszeichnet. Man kannte 'das 
im Orient offenbar wenig verbreitete Buch (den Verfasser nennt keins der so 
zahlreichen biographischen Register) nur aus wenigen Citaten ; namentlich hat 
Jäküt , der ihn el-Basschäri nennt , manches , darunter einen grossen Theil 
seiner Beschreibung von Jerusalem , copirt und diesen WtJSTENFELD Jäcüt's 
Reisen ZDMG. XVIII, 1S64, S. 462 ff. , übersetzt. Das vollständige Werk 
ward von Sprenger wieder aufgefunden und existirt in zwei Recensionen, 
deren jede von einer Handschrift (BC) repräsentirt wird. Nach diesen stellte 
DE GOEJE 1S76 eine musterhafte Ausgabe her und gab 1S79 in dem Glossar 
Erläuterungen schwieriger, namentlich technischer Ausdrücke, die bei nach- 
folgender Übersetzung dankbar benutzt sind und ohne die sie sich nicht so 
sicher hätte liefern lassen. Die Übersetzung, in der wegen des eigenthümlich 
zerhackten Stiles des Originals einige leichte Umstellungen im Satzbau noth- 
wendig waren, will so wörtlich wie möglich sein, auch in der Art die Aus- 
drücke thunlichst mit denselben Worten Aviederzugeben. So ist dschämt im- 
mer durch Hauptmoschee übersetzt, minhur durch Kathedrale, masdschid 

Ztschr. d. Pal.-Ver. VU. 10 



144 

der nicht aussterbeiulen Heiligen, der Fundort der (religiös) ^'er- 
dienstreichen. Hier sind die erste Kibla, der Platz der Auf- 
erstehung \un\ Muhammads nächtlicher Reise, das heilige 
Land-*' . verdienstliche Wachtposten, ansehnliche Grenzfestun- 

5 gen. hohe IJerge, das Land -nohin Abraham auswanderte und wo 
sein Grab ist. der Aufenthalt Hiobs und sein Brunnen 3), der 
Mihräb ' und das Thor Davids, Salomos Wunderbauten und 
Städte. Isaaks und seiner Mutter Grabstatt, des Messias Geburts- 
ort und seine Wiege, Sauls Stadt und Fluss^, der Ort wo Go- 

loliath oretödtet ward und sein Schloss^'j. Jeremia's Cisterne und 
Gefängniss. die Moschee und das Haus Uria's ß; , Muhammads 
Kuppel und Thor' , der Fels Mosis. der HügelJesu ^} , der Mih- 
räb des Zacharias'' , die Taufstätte ^o) des Johannes, die Capellen 
der Propheten , die Dörfer Hiobs , die Stationen Jakobs , die 

löäusserste Moschee, der Ölberg, die Stadt Akka^\ . die Capelle 
des Siddl/iä^'-j, das Grab Mosis, Abrahams Lager- und Begräb- 
nissstätte, die Stadt Askalon, die Quelle Sulwän^^i, der Ort Lok- 
mans'\, das Wädi kanaän'^'^). die Städte Lots, der Ort der 

durch Moschee, maschhad durch Capelle, ribät durch Wachti^osten (obschon 
hierin der sich allmählich bildende Begriff des klösterlichen Aufenthalts nicht 
liegt . Besondere Schwierigkeit machen die architectonischen Termini, die. 
wie die Vergleichung der Beschreibungen grosser Moscheen hei verschiedenen 
Verfassern zeigt, durchaus nicht fest sind. Die sachlich wichtigen Zusätze der 
Handschrift C und die auf anderen Seiten der Ausgabe vorkommenden Anga- 
ben sind, letztere in spitzen Klammern , eingeordnet. Über die Bedeutung 
des Sternes s. VI, 1 . not. 2. Nachdem die Arbeit vollendet war , erschien 
Hrn. SCHEFEUS Sefer nameh, relation du voyage de Nassiri Khosrau. Par. 
l&Sl, S., in welchem einige der interessantesten Stellen Mukaddasi's franzö- 
sisch mitgcthcilt sind. 2) Der Anfang dieser Aufzählung bis zu dem 
Wo.-t llahel ist, jedoch lückenhaft, in das Dschihän-numä p. 552 übergegan- 
gen ; HKh hatte eine Hand.schrift aus dem Jahr 41-1 benutzt. 2^1, Ko- 
ran Sur. 5, 24. 3) Sur. 38, 41. 4) Sur. 38, 20. 5) Sur. 2, 250, 
wo die Geschichte Gideons auf Saul übertragen ist. 6; Beide in Amman 
6. u. p. 175 des Textes. Uria wird freilich auch nach Cyrrus versetzt bei Jä- 
küt IV, 199. T; Das der Mughäriba 'Ulaimi p. 3S3. 8] Sur. 23, 52. 
Der Verf. meint hier er-rubwa bei Damask, führt freilich S. 209 auch die Mei- 
nung an, er sei in Ägypten. 9) Sur. 3, 33. 19, 12. 10) Nach dem 
sonstigen Gebrauch des "Wortes : Ort des Andrangs zum "Wasser. 11, "We- 
gen der hierher verlegten Quelle aus Sur. 55, (Ki. vgl. ' Ulaimi 407. 12, S. 
u. p. ISb des Textes. 13, Die Sur. 55. 50 gemeint sein soll. 14] Im 
Osten des Sees von Tiberias. Jäküt III 512, 18. 15) Bei der Hüla. Da- 
gegen lesen B und Dschihän-numä wädil-mhn'in. das Thal des Belus. 



145 

Gärten >6j, die Betörte Omars, die Stiftung Utmans*"). das 
Thor, von dem die beiden Männer sprachen ^^j, das Zimmer, in 
dem die beiden Gegner waren i"') , die Mauer . welche zwischen 
der Strafe und Vcrzeihimg ist 20), der (dem Himmel] nächste 
Orf-i), die Capelle von Baisän^a)^ das wichtige und bemerkens- 5 
werthe Thor kitta. das Thor der Posaunen -3, der Ort der Ge- 
wissheit '^^^ , das Grab der Maria und Rahel, der Zusammenstoss 
der beiden Meere ^s), der Ort, wo sich diese und jene Welt schei- 
den, das Thor der Schechina, die Kettenkiippel, die Station der 
Ka'ba^'J) zugleich mit unzähligen Capellen und ins Auge fallen- 10 
den, Verdienst bringenden Eigenschaften, Früchte und reich- 
liches Auskommen. Bäume und Gewässer, dieses und jenes 
Leben. Hier erweicht sich das Herz und breiten sich die Arme 
zum Gottesdienst aus. Hier ist ferner Damascus, das Paradies 
dieser AVeit, sughar. ein Basra im Kleinen, das hübsche Ramla 15 
mit seinem feinen Weizenbrot, das herrliche Aelia, wo keine 
Noth ist, und himSi bekannt durch Productenreichthum und gute 
Luft, des Gebirges von hifsra und seiner Weinberge (152) nicht 
zu vergessen , das durch sein Einkommen und seine Dörfer an- 
sehnliche Tiberias; ferner das Meer, das sich an ihm hin er-2u 
streckt, auf dem zu ihm stets Waaren kommen, während das 
Meer von Sina an seinem äussersten Saum ist. Es hat Ebene und 
Gebirg und Senkungen und anderes, und an seinen Gränzen ist 
die Wüste, die ihm zur Strasse nach taima dient. In ihm sind 
Marmorbrüche und Droguen für jede Krankheit und Reichthum 25 
und Handel und Eleganz und Gelehrte und Schreiber, Handwer- 
ker. Arzte. Aber die Einwohner sind stets in Furcht vor den By- 
zantinern und in Auswanderung begriffen, während die an- 
stossenden Gegenden verwüstet sind und die Gränzvertlieidigung 
zu Ende ist. Sie sind in Wissenschaft. Religion und Intelligenz 30 
nicht wie die Perser; ein Theil ist abgefallen, ein Theil bezahlt 
die Duldungssteuer; sie ziehen die Verehrung des Geschaffenen 

16) Ob ebenfalls auf Sur. 55, 46. 62 zu beziehen? 17; S. u. S. 171 

des Textes. 18j Kaleb und Josua vom Thore Jerichos. Sur. 5, 26. 

19; Sur. 3S, 20, bei der Geschichte mit Uria. 20 Sur. 57. 13. 21: Die 
sachra. Vgl. Zamachschari und die Dschalälän zu Sur. 50, 40. 22) Ob Avegen 
der Quelle, die Sur. 55, 66 geraeint sein soll? 23 In der Felsenkuppel, 

s.u. 24) el-jakln, s. u. zu S. 173 des Textes. 25) Sur. 18, 59. 

26, Unten S. 170 des Textes Ort der Ka'ba genannt in der Moschee el-alysä. 

10- 



146 

der ^'erc•hnmg des Herrn des Himmels vor, die Meisten sind Un- 
wissende oder Pöbel, ohne Antrieb zum heiligen Krieg und ohne 
Ehrgefühl wider den Feind. 

Mau safft. dass Svrien schäm heisse. weil es der Ka'ba zur 
5 Linken nördlich liege: nach anderen, weil man dahin in nörd- 
licher Richtung geht-' ; nach anderen, weil darin rothe. weisse 
und schwarze Bodentlecken sind. Die Iräkaner nennen alles, Avas 
jenseits des Euphrat liegt, schdm. Und desshalb hat Muhammad 
ihn el-hasan -^ den Ausdruck in seinen Aufzeichnungen in loser 

!'• Weise angewandt : aber jenseits des Euphrat liegt nichts von 
schäum, als allein der Bezirk von ki/masrln, *das übrige (jenseits 
des Flusses liegende) ist die Wüste der Araber und schäm liegt 
jenseits dieser (C p. 255: Die meisten Gelehrten sind dafür, dass 
die jenseits des Euphrat gelegene Syrische Wüste zur Halbinsel 

••^ der Araber gehöre, so z. B. Ez-zuhri^y* undAbüzaid el-balchi 3o) , 
und so hat dieser sie auch auf seinen Karten gezeichnet). Mu- 
hammad drückte sich annähernd und nach dem gewöhnlichen 
Sprachgebrauch aus. wie khoräsTin der Osten genannt Avird, der 
doch auch jenseits Khoräsäns liegt, und schäm alles dem jamcm 

20 (Südland^ Entgegengesetzte bezeichnet, da doch hidschüz dazwi- 
schen ist. Wenn einer, um die Ansicht der Iräkaner zu bewahr- 
heiten, sagt: du 31) kannst nicht leugnen, dass der Strich der 
Wüste bis zu den Gränzen von Irak zu schcim grehöre , so ist zu 
antworten : wir haben die Provinzen geschieden 32) und die Grän- 

25 zen angeordnet, so dass wir nicht aus einer Provinz in die andere 
gerathen dürfen. Und wenn man sagt: woher hast du, dass es 
ursprünglich nicht dazu gerechnet ist \ so dient zur Antwort : die 
Juristen des Offenbarungsgesetzes und die Leute dieser Wissen- 
schaft sind darüber . dass das fragliche Land zur Halbinsel der 



27 Vgl. Jäkut III, 240, 1. 2b Esch -schaibäni , der Schüler Abu 

Hanifa's und eine der drei Autoritäten der Hauafiten, über den am ausführ- 
lichten sehandeh haben Barbier ue Mey.x.vrd JAs. 1S52, XX, 4üÜ ff. und 
Flügel, Hanef. Rechtsgelehrte 283. Für die Jurisi^rudenz hatte die Frage, 
ob die sog. Syrische "Wüste zur Halbinsel der Araber gehöre, Bedeutung, da 
für diese die Steuerverhältnisse andere waren. 29j Juristische .\utorität 

vor Entstehung der grossen Schulen, gest. 124 (742). ."iO, Der oben 

ZDPV. VI, 1 Not. erwähnte. 31; Der Sinn fordert nothwendig die zweite 
Person. 32, In der Einleitung setzt Mukaddasi auseinander, dass er 

Keine Eintheüung nach den natürlichen Verhältnissen der Länder gemacht. 



147 



Araber gehöre, nicht verschiedener Meinung, und wenn es einer 
in strenarem Sinne zu Syrien rechnen -würde, so wäre es an uns, 
ihm die von uns angenommenen Gränzen Syriens zu sagen , so 
dass es mit diesem verbunden werden müsste; der Streit dreht 
sich um das, Avas ihr hinzuthun wollt, und dem, w^elcher das Plus 5 
behaui)tet, liegt der Beweis ob. 

(152 unten) Wir enthalten uns der Erwähnung von Tarsus 
und seines Gebietes, weil es unter den Griechen steht. ^3j 

(154) Dies ist die Gestalt und das Bild Syriens auf um- 
stehendem Blatt. 10 

Wir haben die Provinz in sechs Bezirke getheilt ^^] , der 
erste, Mesopotamien gegenüberliegende ist kinnasrln, dann fol- 
gen /«'ms, ditnascJik. el-u)'dunn,ßlasßn, escJt-schai'dh. Die Haupt- 
stadt von kinnasrin ist halah, und zu seinen Städten gehört antä- 
kija^ hüUs ^ es-smvaidijja ^ smnaisät , manhidsch, hajjüs ^ et-tl-\ö 
nät, hinnasrin^ mar asch ^ iskcmdarüna, laddscJnm. rafamjjali^ 
dschüsijci^ hamäli , schaizar , wädl hutnan , mdarrat en-nu man^ 
maarrat Jminasrin. Die Hauptstadt von hims hat gleichen Namen 
und zu seinen Städten gehört sa/awiyya, tadmur^ el-chuncisira^ ka- 
fartüh^ el-lädikijja. dschahala. anfarfßs, hulunjäs , Mm el-cha-20 
wähl. Der Bezirk dimaschk hat gleichnamige Hauptstadt und zu 
seinen Städten gehört (54 : därajjci) hänijüs. saidä, hairict, aträ- 
bidus. 'irka und die Gegend des bikä' mit der Hauptstadt bdla- 
bakk und den Städten kämid, ' ardschamüsch, ez-zahadänl. Damask 
hat sechs Landbezirke : die ghüfa. haurän, el-haianijja. el-d schau- Ih 
lern, el-bikü\ el-Mla. Die Hauptstadt des urdunn ist taharijja, 
und zu seinen Städten gehören kadas, sTir (54 : el-farädija) ^ akkä^ 
el-laddschün^ kähul. baisrm, adricit. Die Hauptstadt xonßlasfm 
hi er-ra7nla, und seine Städte sind hait el-makdis (155), hau 
dschihriL gliazza, mlmäs [maimäs?], "askalän. jäfa. arsTif. kaisa-id 
rijjah. nähulus. arihä. " ammän. Als Hauptstadt von esch-scharält 
haben wir sughar angenommen; die Städte sind rnß'äZ». maan. 
tahük, adruli^ icaila (= Ailah) madjan. (oi ' ainüna) . In dieser 



33) Es folgt eine Erzählung über die nach Tarsus verlegten sieben Schlä- 
fer, die dem gegenwärtigen Zweck fremd ist. 34 Dieselbe Aufzählung 
etwas verkürzt, kam schon S. 54 vor, woher drei Namen zur Ergänzung her- 
übergenommen sind. Dort werden die Orte von laädschün bis tcad'i hutnä)t zu 
hims und ez-'zabacJäm richtiger zu Damask gezählt. 



148 

Provinz triebt es Dörfer, welche ansehnlicher und grösser sind als 
die Städte Arabiens, wie dUrajJü, bait Uhjä. kafarsallUm^ kafar- 
sühü, nur dass sie nach den Merkmalen der Dörfer zu diesen ge- 
rechnet werden, wir aber in unserer Arbeit den gewöhnlichen 
ö Sprachgebrauch befolgen. 

Hahiöisteine treffliche, angenehme, befestigte Stadt, von Stein 
erbaut und volkreich; die EinAvohner sind gebildet, wohlhabend 
mid verständig. In der Mitte ist eine feste , ausgedehnte Cita- 
delle. die Wasser hat. und die Magazine des Sultans, während 

l'J die Hauptmoschee in der Stadt ist. Das Trinkwasser kommt vom 
Flusse kmcaik , der zur Stadt in der Richtung zum Palaste des 
Saifeddaula durch ein eisernes "Wasserrohr mit Gittern eintritt. 
Das Schloss ist nicht gross, aber Residenz des Sultans. Die 
Stadt hat sieben Thore : das von kims, rakka, kinnasrln, der .Ju- 

15 den, \on' iräk, des Melonenhauses Truchtmarkts .') , von anfä- 
kij'a . während das der Vierzig geschlossen ist. — Balis, der 
Gränzpunct gegen er-rakka hin, volkreich. — Kinnasrin ist eine 
Stadt, deren Bevölkerung dünn geworden ist. Nach der mir von 
Abu bikr Muhammad ibn Ishäk ihn Chuzaima erzählten (1(>5) 

20 durch sechs Glieder auf Amr ibn Dscharir zurückgehenden 
Überlieferung hat der Prophet gesagt: Gott offenbarte mir: in 
weichem dieser drei du dich niederlassest, das ist dein Auswan- 
derungssitz, el-madina oder el-bahrain oder kinnasrtn. W^enn 
man mich fragt, wesshalb ich als Hauptstadt des Bezirks /lalab 

25 bezeichnet habe, während hier doch eine Stadt seines Namens 
ist, so antworte ich : ich habe oben gesagt ^s] ^ dass die Haupt- 
städte gleichsam Generäle und die sonstigen Städte gleichsam 
Regimenter hier doch wohl : Regimentscommandeure) sind ; 
nun darf man doch nicht halab bei seiner Bedeutendheit, der 

;iO Residenz des Sultans und aller Behörden darin und antäkija bei 
seinem Range und hZdis bei seiner Blüthe als Regimenter unter- 
ordnen einer verwüsteten kleinen Stadt 3'']. 

IJhm ist die grösste Stadt Syriens mit einer über die Stadt 
sich erhebenden Citadelle darin, die man von aussen sieht. Zum 

^^ Trinken dient meist Regenwasser, es ist aber auch ein Fluss 
da. Als die Muslimen es eroberten , nahmen sie die Kirche und 



35 S. 47, S des Textes. 36) Einige dem gegenwärtigen Zweck 

fri-mde Zeilen ausgelassen. 



149^ 

machten die Hälfte davon zur Moschee ; neben dieser ist an dem 
Markte eine Kuppel, aitf deren Spitze die kupferne »Statue eines 
auf einem Fisch stehenden Mannes sich befindet, den«^"; die vier 
Winde drehen; darüber wird allerlei Unrichtiges geredet. Die 
Stadt hat grosse Schäden erfahren und ihr droht Ruin. Die 5 
Bewohner sind Dummköpfe (35 wie in allen Städten, in deren 
Namen der Buchstabe säd vorkommt, mit Ausnahme Basra s) (34- 
sind schön). — Die übrigen Städte sind beschädigt und die Le- 
bensmittel in ihnen wohlfeil ; die am Meer liegenden sind befe- 
stigt; so auch tadmur, das gleichsam die Krone unter den Städten li) 
Salomo's ist. Die Hauptstadt ist der Wüste nahe, geräumig und 
wohlbeschaffen. 

Dimaschlc ist die vornehmste Stadt Syriens und die Residenz 
zur Zeit der Umajjaden, wo ihre Schlösser und Monumente sind. 
Die Bauart ist Holz und Lehm. Um die Stadt ist eine Befesti- 15 
gungsmauer , die , während ich da war , aus Lehm hergestellt 
wurde. Die meisten Bazare sind überdacht, (157) es giebt einen 
schönen unbedeckten Bazar in der Länge der von Kanälen um- 
flossenen Stadt. Bäume umgeben sie, sie hat viele Früchte, 
wohlfeile licbensmittelj Schnee und dergleichen. Nirgends sieht 2i) 
man schönere Bäder, wunderbarere Springbrunnen, klügere 
Leute. Ihre grösseren Thore , welche ich kenne, sind das von 
el-dscliabija. das kleine, das grosse, das östliche, das Thomas- 
thor, das Flussthor, das der mahamill (Verkäufer von Kameel- 
sänften), (C : das Doppelthor). Sie ist sehr angenehm, nur dass 25 
sie trockne Luft , viel Pöbel , geschmacklose Früchte , zähes 
Fleisch, enge Wohnungen, dumpfe Strassen, schlechtes Brot, 
enge Läden hat. Sie erstreckt sich auf ebenem Boden eine halbe 
Parasange in die Länge und Breite. 

Die Hauptmoschee ist das schönste, was die Muslimen heute 30 
haben; nirgends sind höhere Werthe vereinigt. Die Umfas- 
sungsmauern sind mit sorgfältig gelegten, grossen, eng aneinan- 
der schliessenden Steinen aufgebaut und oben mit zierlichen 
Zinnen gekrönt. Als Pfeiler dienten scliwarze, glatte Säulen in 
drei sehr weit abstehenden Reihen ; in die Mitte, gegenüber dem 35 
Mihräb, kam eine grosse Kuppel. Den Hof umgaben hohe Säulen- 

37) Nach der einen Lesart dreht sich der Fisch , nach der andern der 
Mann. Bei Idrisi und Jäküt ist es ein Scorpion. 



150 



g' 



jiiuge n'uid, Arcaden mit Bogen [farch] darüber. Daim uurde 
das Gauze mit Fliesen von weissem Marmor und die Wände bis 
zu dupi)t'lt(.'r Mannshöhe mit gesprenkeltem Marmor belegt, von 
dort bis zum Plafond mit farbiger iMosaik , in den vergoldeten 
ö Tlieilen mit Figuren von liäumen und Hauptstädten und mit In- 
schriften von äusserster Schönheit und Feinheit und Eleganz der 
Arbeit ; selten ist von einem Haum oder einer Stadt die Kede, die 
nicht auf dieser Wand abgebildet wäre. Die Capitäle waren mit 
Gold überzogen, die Wölbungen [kantara] der Säulengänge alle 

Kl mit Mosaik ausgelegt, die Säulen des Hofes von weissem Mar- 
mor, die Wände desselben ringsherum und die Wölbungen und 
ihre Bogen bildeten durch Mosaik lauter Zeichnungen und Figu- 
ren. Alle Dächer waren mit Bleiplatten bekleidet \ind die Zin- 
nen von beiden Seiten mit Mosaik. Zur Eechten im Hof stand 

1 5 das Schatzhaus auf acht Säulen , die Wände mit Mosaik ausge- 
legt, und im Mihräb und um ihn herum (158) Cornaline und 
Türkise in Stücken so gross als es solche giebt ; zur Linken Avar 
ein anderer Mihräb ausser diesem für den weltlichen Herrn. Sein 
Inneres war schadhaft geworden und ich hörte, dass fünfliundert 

2it Dinare verwendet sind . um ihn wieder zu dem. was er war, zu 
machen. Auf der Spitze der Kuppel ist eine Citrone und über 
dieser eine Granate, beide von Gold. Zum Wunderbarsten darin 
gehört das Ineinanderpassen des gesprenkelten Marmors ; jede 
Ader des einen Steins schliesst an die des andern ; und wenn ein 

25 Sachverständiger ein Jahr dazu immer wiederkehrte , so würde 
er jeden Tag eine andere Figur und Verschlingung finden. 

Walid soll zum Bau Künstler von Persien, Indien, den West- 
ländern und Byzanz versammelt und sieben Jahre lang darauf 
den Grundsteuerbetrag von Syrien verwendet haben , sammt 

:'0 achtzehn C ; einem] Schiffen mit Gold und Silber . die von Cv- 
peni segelten, ausserdem was ihm der Kaiser von Byzanz [C : und 
die Emire der Muslim an Edelsteinen und Geräthen und Mo- 
saiken schenkten. 

(C: Mosaik, fasZißsä,, ist etwas, das wie die Münzgewichte 

35 aus Glas gemacht wird, gelb, grau, schwarz, roth, gefleckt;.'). 
\"ergoldete entsteht, indem auf die Oberfläche Gold und darüber 
dünnes Glas gelegt wird. ; Dann wird Mörtel mit arabischem 
Gummi durchknetet und auf die Mauer gestrichen : in ihn wird 
ilie Mo.saik eingesetzt und zu Figuren und Inschriften eng ver- 



151 

blinden. Einiges wird ganz mit vergoldeten Steinen ausgelegt, 
so dass die ganze Wand eine Goldfiäclie bildet.) 

Öffentliche Thore sind vier: Südlich ^''^ das Thor el-harld^ 
gross, mit zwei Nebenthoren zur Rechten und Linken desHaupt- 
thores ; jedes der drei wird durch einen mit vergoldetem Kupfer b 
belegten Doppelfiügel gebildet. An dem Haupt- und den beiden 
Nebenthoren sind drei Säulengänge, jedes von den beiden (? ob : 
den drei?) Thoren öffnet sich in einen langen Säulengang, dessen 
Wölbung auf Marmorsäulen ruht und dessen Wände in oben 
geschilderter Weise bekleidet sind; alle Plafonds sind auf das ui 
schönste vergoldet. In diesen Säulengängen ist der Platz der 
Buchhändler und das Zimmer des Stellvertreters des Kädi. Dies 
Thor ist zwischen dem überdachten Theil des Gebäudes und dem 
Hof. Ihm gegenüber nach Norden ist das Thor dschairim^ nach 
Art des beschriebenen , nur dass die Säulengänge in die Quere 15 
gewölbt sind ; zu ihm kommt man durch einen Aufstieg, in dem 
die Astrologen und dergleichen sitzen. JDas Thor es-saät (der 
Stunden! in der östlichen Ecke des überdachten Theiles hat zwei 
unverzierte Flügel und daran sind Säulengänge : in ihm sitzen 
die Contractschreiber und dergleichen. Das vierte ist das Thor 2u 
el-faräcUs, aus zwei Flügeln bestehend ; (159) es liegt dem Mih- 
räb gegenüber in Säulengängen zwischen zwei Propylaeen [zijä- 
datcmi] zur Rechten und Linken. An ihm ist ein Minaret, das 
erneut 3'J) ist, ausgelegt wie beschrieben. An jedem dieser Thore 
ist ein Ablutionsort, mit Marmor belegt, mit Cellen, in denen 25 
Wasser quillt, und Springbrunnen kommen in grossen Marmor- 
schalen hervor. Von der chadrä. dem Palast des Sultans, führen 
plattirte vergoldete Thore zu der Maksüra. 



3S; Die ürientirung ist sonderbar verfehlt. Es liegt an der "Westseite, 
wie das Thor dschairtm (bei v. Kremek en-naufara\ an der üstseite. Das 
Thor es-saät (bei Ibn Dschubair und Jäküt, sowie beiPOETER ez-zijäda, nach 
v. Kremer heute es-surmajaUjJa) ist im westlichen Theil der Südseite und 
das Thor el-far actis (heute el- amära nach v. Kreiier und Porter, es-stt- 
maisat'i nach v. Kremer, en-nätißjjln , der Fruchtsaftverkäufer, bei Ibn 
Dschubair, das jedoch Jäküt, ungeachtet auch er nur vier Thore zählt, von 
dem Thor al-farädis unterscheidet; nördlich in der Mitte. 39 So wohl 

zu fassen, da das an dem Nordthor liegende Minaret, heute el- arüs , als das 
älteste gilt, wenn nicht MukaddasI eine Verwechslung mit dem südwestlichen 
begeht. 



152 

Ich sagte eines Tages zxi meinem Oheim : Oheim. Wahd hat 
nicht wohlg:ethan. dass er das Gut der Muslimen für die Haupt- 
moschee in Damask ausgegeben hat; hätte er es auf Wege, Cister- 
neu oder überhaupt: Haunerke) und Herstellung der Festungen 
■»verwendet, so wäre das besser und verdienstlicher gewesen. Da 
sagte er: beachte wohl^"], mein Sohn, dass er von Gott unter- 
stützt und ihm eine wichtige Sache enthüllt gewesen ist ; er sah 
nämlich , dass Syrien das Land der Christen war und dass sie 
(hirin schöne Kirchen hatten , bewunderns-würdig geschmückte 

1(1 und weit berühmte, wie dieKumäma und die Kirchen von Lydda 
und Edessa, und unternahm für die Muslimen eine Moschee zu 
bauen, um damit ihre Blicke von jenen abzulenken und dieselbe 
zu einem ^y eltwunder zu machen. Du weisst, dass Abdalmalik. 
als er die Grösse der Kupjiel der Kumäma und ihre schöne Form 

15 sah, aus Furcht, dass sie auf die Muslimen zu grossen Eindruck 
mache, über der Sachra (dem Felsen) eine Kuppel errichtete, wie 
du sie siehst. C: In der Moschee ist eine Stelle, die jedes Jahr 
geöffnet wird, worauf sich die ^Moschee eine Elle hoch mit Was- 
ser füllt, und Mauern und Grund abgewaschen werden. Dann 

•j() wird eine andere Stelle geöffnet , durch die alles Wasser ab- 
tliesst.^ — Ich fand in einem Buche in der Bibliothek des 'Adad 
ed-daula : die beiden Bräute der Welt sind Damask und Eai. — 
Jahjä ihn aktam^') hat gesagt: es giebt auf Erden keine ange- 
nehmere Orte als die drei : die Ebene von Samarkand, die Ghüta 

25 von Damask und den Fluss von Ubulla. — Dimaschk hat erbaut 
dimaschk ihn käni ihn mälek ihn arfachschad ihn säm 5 Jahr 
vor der Geburt Abrahams. 'Asmai meinte, nein, sondern der 
Name ist al)geleitet von clamaschhTüici : sie haben sie eilig gebaut. 
— (U)0) Man sagt, 'Umar ihn Al'aziz habe die Moschee abbre- 

;jo chen und zum Besten der Muslimen verwenden wollen . bis man 
ihm darüber Vorstellungen machte. 

Ich las in einem Buche : er verwandte vielmehr darauf acht- 
zehn Maulthierladungen Gold. ^2 

Satyrisch hat Jemand über die Einwohner gedichtet : 



lu Zu lesen ist: lä tu(jhful. 41) Angesehener Jurist zu Mämüns Zeit, 
gest. 242 S5TJ. 42, Offenbar eine an verkehrter Stelle in den Text ge- 

rathene Kandanmerkung zur Berichtigung der achtzehn Schiffsladungen, von 
denen S. 150, 30 spricht. 



153 

der du nach unserer Religion fragst, nachdem du die Haltung ihrer Pfaften 

gesehn 
Und den schönen Wandel, den sie äiiaserlich zeigen (ihr Öffentliches ist nicht, 

wie ihr Geheimes; : 
Keinen Grund zum Ruhm haben sie ausser einer Moschee , mit der sie über 5 

alles Mass hinausgehen (gross thun), 
Kommt ein Nachbar Feuer zu holen, geben sie ihm in Ewigkeit nicht von 

ihrem Feuer ; 
Löwen gegen ihre Nachbarn, während ihre Feinde vor ihnen sicher und in 

ihren Häusern wohl aufgenommen sind. 1*^ 



■"o^ 



Er hat in diesem Vers gelogen , weil die Feinde sie stets 
fürchten. 

BTmijZis^ Stadt am Rand der Inda und derGränze des Gebir- 
ges', wohlfeiler und reichlicher versehen als Damask. Dorthin 
siedelten die meisten Bewohner der Gränzdistricte über, als Tar- 15 
sus genommen ward (354 =1062:, und mehrten sich, so dass sie 
täglich wächst. Sie hat einen sehr kalten Fluss, der unterhalb 
des Schneebergs (Hermon) entspringt und mitten in ihr hervor- 
quillt; sie ist die Vorrath skammer von üamask und leistet dessen 
Bewohnern grossen Dienst; sie liegt zwischen weiten [C: und mit 20 
Dörfern besetzten] Landgebieten, aber das Trinkwasser ist 
schlecht. — Saidä (34: wo man abscheulich spricht) und bairüt 
sind zwei feste Städte am Gestade, ebenso tarähidus , nur dass 
dies ansehnlicher ist [C : und '^irka^ das vom Meer entfernt liegt] . 
— Bei labakk ist eine alte [C: und feste] Stadt mit Saatfeldern in- 2.5 
nerhalb [C : der Burg] und Wunderbauten, reich an Trauben. 
(34: Die EinAvohner lieben den Trunk.) Die übrigen dazu gehö- 
rigen Städte sind in gutem Zustand und geräumig ,0 : und liegen 
am 7ia/ir el-makluh (Orontes)]. — \xi* haurZm [C: dschaidänT und 
el-hatanijja sind die Ländereien und Wohnstätten Hiobs ; die ;^t) 
Hauptstadt ist naioä^ reich an Mehl- und Kornfrüchten. — Die 
hida ist reich an BaumAvolle und ^Reis [so C ; B : Blumen] ; sie 
besteht aus Tiefebenen und Flüssen. C: Aus el-dsclLauJan wird 
Damask zum grössten Theil versorgt.] — Die ghüfah hat eine 
Tagereise in Länge und Breite und übertrifft alle Beschreibung. 35 

(161) Taharijja, die Hauptstadt des urdunn und des Landes 
des 2cUdl handan^ liegt zwischen dem Berg und dem See, ist eng, 
beklemmend im Sommer, ungesund , fast eine Parasange lang 
ohne Breite. Der Bazar geht von Thor zu Thor, die Begräbniss- 



154 

platze betiiuleii sich auf dem lierge. Es sind darin acht warme 
liäder, die keine Heizung bedürfen , und zahlreiche Ablutions- 
becken mit hcissem Wasser. Die liauptmoschee auf dem Markt 
ist gross, schön, der Boden mit Kieseln bedeckt auf Pfeilern von 
ö wohlgefugten •") Steinen. Man sagt von den Tiberiensern; zwei 
Monate tanzen sie. zwei Monate schlingen sie. zwei Monate rap- 
pieren sie , zwei Monate bleiben sie nackt . zwei Monate spielen 
sie auf der Flöte, ZMci Monate tauchen sie^^), d. h. sie springen 
wegen der vielen Flöhe, kauen Nabak. jagen mit Wedeln die 

I u Wespen von Fleisch und Früchten . bleiben nackt wegen der 
Hitze, kauen ZuckeiTohr, tauchen in Morast. Am untersten 
Theil des Sees, aus dem sie ihr Trinkwasser nehmen . ist eine 
grosse Brücke ^5) ^ über die der Weg nach Damask iführt. Rings 
um den See sind Dörfer und Palmen und Schiffe gehen darauf 

15 hin und her. *Das Wasser der Thermen und Bäder^ß] erscheint 
Fremden nicht angenehm |^fehlt bei C] . Der See ist voll Fische 
[C:. die nach auswärts verführt werden] und sein Wasser *leicht 
verdaulich ■ Jäküt : mittelmässig, nicht süss, den Fremden nicht 
schmeckend" . Der ]^erg überragt die Stadt in ziemlicher Höhe. 
20 — Kadas. kleine Stadt an einem Bergabhang, voll guter Dinge : 
ihr Landgebiet ist [C : ansehnlich vmd heisst] das Gebirge 'ämih. 
Es sind dort drei Quellen, die zum Trinken dienen, und uuter- 

43; Es ist zu bezweifeln , dass das "Wort die eigentliche Fugenränderung 
bezeichne , die doch nicht gut zu Pfeilern passt ; es scheint im Gegensatz zu 
Monolithen zu stehn und nur die genaue Aneinanderfügung der Steine oder 
etwa die Verbindung mit Blei oder dgl. zu bedeuten. 44 Auf diese 

Stelle nimmt "Wetzstein bei Delitzsch, Tag in Capernaum S. 144 f. Bezug. 
Auch ScHEFEE zu Nassiri Khosrau p. 55 übersetzt sie ; aber seine "Wieder- 
gabe des zweiten Punctes : deux mois ä se dechirer la peau ä cause des punai- 
ses, qui les devorent beruht auf einer unrichtigen Lesart Jäküt's. 45; Nach 
C viehnehr ein Damm. Gemeint ist eine der beiden Brückenruinen, welche 
auf der Map of w. P. als Umm el-kunätir und Jisr es-sidd angegeben sind. 
Ritter X\ 346. 46) dawänüs kann in diesem Zusammenhang nicht 

■Mühlen" heissen, wie eine Randnote in C zu S. 174, IS des Textes erklärt, 
zweifelhaft, ob überhaupt richtig. Die im Gloss. angezogene Stelle bei DOZY 
spricht auch nicht von Mühlen, sondern von mmhs defoin, Heuhaufen rich- 
tig im Gloss. zu Idrisi,-. Die Bedeutung des "Worts' bleibt auch hier »Bä- 
der«, wie im Chaldäischen und im Syrischen dijämusjä bei Smith 877, wo das 
nicht verstandene Wort persisches ähdastdän oder — dar ist, und dhnüsjün 
da.s. S44. Die Stelle ist offenbar verdorben; ursprünglich bezog sich die Ge- 
Bchmacklosigkeit, wie noch Jäküt hat, auf das "Wasser des Sees. 



155 

halb der Stadt ein einziges Bad. — Die Hanptmoschee liegt auf 
dem Markt und in ihr steht eine Palme. Es ist ein heisser Platz 
und es gehört dazu ein See , eine Parasange davon, der sich in 
den von Tiberias ergiesst. Den Fluss hat man (162) mit einem 
merkAvürdigen Bauwerk abgeschlossen, um einen See zu bilden, 5 
an dem ein Dickicht von Ijalfa-gras ist, von dem sie ihren Wohl- 
stand haben. Die meisten Einwohner flechten daraus Matten und 
drehen Stricke. Im See sind verschiedene Arten von Fischen, 
namentlich der bimajj, der von wäsii dahin verpflanzt ist. -^^j Die 
Schutzverwandten sind zahlreich. — Das Gebirg 'ätnila hat 10 
schöne Dörfer, Trauben , Früchte , Ölbäume und Quellen ; die 
Saaten werden vom Regen getränkt. Es überragt das Meer und 
schliesst sich an das Libanongebirg an. — AdriZU ist eine der 
Wüste nahe Stadt, deren Landgebiet das Gebirge von dscha- 
rasch bildet, das dem Gebirg '^ümila gegenüberliegt und viele lj> 
Dörfer hat. Tiberias verdankt seine Ansehnlichkeit diesen beiden 
Gebirgen. — Baisän hat am Flusse viele Palmen; der Reis Palä- 
stinas und des iirdunn kommt daher, es ist reich an Wasser, aus- 
gedehnt, aber das Wasser schwer verdaulich. [C : Das Wasser 
durchfliesst die Stadt, die Hauptmoschee ist auf dem Markt; "iu 
dort wohnen Asketen.] — El-laddschün^ weite angenehme Stadt 
an der äussersten Gränze Palästina's in den Bergen, mit fliessen- 
dem Wasser. — Kabul^ Stadt des Küstengebiets, die Zuckerrohr- 
felder hat und wo der vortreffliche Zucker gesotten wird [C : in 
Syrien giebt es keinen bessern]. — El-farädija^^), grosses Dorf 25 
mit einer Kathedrale, wo Trauben und Weinberge sind und viel 
Wasser, angenehmer Ort. — "AkhZi^ feste Stadt am Meer mit 
einer grossen Hauptmoschee, in welcher letzteren ein Olivenhain 
ist, der für ihre Lampen mehr als genügt. Sie hatte diese Festig- 
keit nicht eher , als bis Ibn Tülün hinkam , nachdem er Tyrus 30 
und deren Unzugänglichkeit und die Ummauerung ihres Hafens 
gesehen; danach wollte ^x^akkä einen gleichen Hafen (163) ver- 
schaff'en. Er versammelte die Künstler dieser Gegend und gab 
ihnen das an; aber sie sagten. Niemand sei in dieser Zeit ge- 
schickt im AVasser zu bauen. Da wurde ihm mein Grossvater 35 



47) Gleiches sagt noch Berggren s. v. carpe. 46) An der Strasse von 
Damascus nach Akka, SO. vonSafad. Ferrädieh auf der Map of W.Pal., Far- 
radeh bei GuERiN Sam. II, 456, Ferrädi bei Robinson N. F. 101. 104. 



15C 

Abiibikr el-baunä genannt : wenn einer die Kenntniss dazu habe. 
so sei er es. So ^ichrieb er denn an seinen Statthalter in Jerusa- 
lem, er solle ihn schicken, und als er kam \nu\ die Sache erfuhr. 
sagte er : dies ist eine leichte Sache, schafft mir dicke Syconio- 
ö renbohlen. Diese legte er auf die Oberfläche des Wassers im 
Mass eines Landforts in Keihen . fügte sie aneinander und Hess 
ein o-rosses Thor nach Westen offen : dann baute er mit Steinen 
und Mörtel darauf, und so oft er fünf Steinlagen gebaut, verband 
er sie mit dicken Pfählen^-'), damit der Bau fest -werde. Die Boh- 

lolen, so oft sie schwer genug waren, versanken: wenn er wusste. 
dass sie auf dem Sande sassen, Hess er sie ein ganzes Jahr, bis sie 
Stätigkeit gewonnen hatten. Dann baute er von neuem, wo er 
aufgehört hatte : so oft der Bau die frühere Mauer erreicht hatte. 
Hess er ihn in sie ein und fügte beide aneinander. Zuletzt legte 

15 er über das Thor eine Brücke. Die Schiffe fahren jede Nacht in 
den Hafen und eine Kette wird, wie zu Tyrus, vorgezogen. Ibn 
Tülün schenkte ihm tausend Dinare ausser Ehrenkleidern, Keit- 
thieren und dgl. luid sein Name steht darauf geschrieben. Vor 
der Zeit konnte der Feind auf die Schiffe Jagd machen. — EI- 

20 dschascJisch, ein einer Stadt gleichkommendes Dorf zwischen vier 
Landgebieten nicht weit vom Meer gelegen. — Snr, feste Stadt 
am Meer, doch kommt man über dasselbe in sie nur durch ein ein- 
ziges Thor auf einem einzigen Damm. Das Meer umgiebt(161r)sie; 
die innere Hälfte besteht aus drei Mauern ohne Land dem um- 

25 mauerten Hafen), in die Nachts die Schiffe einlaufen, worauf die 
Kette vorgezogen wird, deren Muhammad ibn el-hasan^"j im 
I'uche vom Zwange gedenkt. Das Trinkwasser Mird auf einer 
;iuf Ijogen ruhenden Wasserleitung herbeigeführt. Es ist eine 
ansehnliche, schöne Stadt, in der Fabriken sind und deren Ein- 

3y wohner Unternehmungsgeist ^i) haben. [C : Von hier kommt der 
meiste Zucker Syriens; sie haben viele Zuckerfelder. j Zwischen 
akkU uTid sür ist eine Art Meeresströmung, und desshalb sagt 
man » akkü liegt mr gegenüber, nur mit einem Umwege«, näm- 
lich um das Meer. 

35 Er-ramla, die Hauptstadt Palästinas, ist hübsch, schön ge- 



49; Treffendere Übersetzung müsste sich nach dem Verständnis.? der 
Sache richten. 50, S. o. Note 28. Das Capitel vom Zwange bildet eines 

in den juristischen Compendien. h\ Vgl. Cuche s. v. 



157 

baut, gesund, hat leicht verdauliches Wasser und reichliche 
Früchte, vereinigt den Gegensatz zwischen ansehnlichen Land- 
gebieten, prächtigen Städten, heiligen Wallfahrtsorten und schö- 
nen Dörfern. Der Handel darin ist nutzbringend und die Le- 
bensbedürfnisse gut , im Islam giebt es keine hübschere als ihre o 
Hauptmoschee, kein besseres und wohlschmeckenderes als ihr 
Weizenbrot , keinen gesegneteren als ihren District, keine lieb- 
licheren als ihre Früchte. Sie liegt zwischen fruchtbaren Land- 
gebieten, umgebenden Städten und verdienstlichen Wachtposten, 
hat schöne Chane, angenehme Bäder, saubere Speisen, vielerlei lo 
Würzen , geräumige Wohnungen , schöne Moscheen . weite 
Strassen und umfassende Vortheile. Sie ist in der Ebene ansre- 
legt und nahe dem Gebirg und Meer. Sie hat sowohl Feigen als 
Palmen, ihre Saaten wachsen auf Boden, der nicht bewässert zu 
werden braucht, und sie vereint Gutes und Vorzüge, nur dass sie 10 
im Winter eine Insel vor Schlamm und im Sommer eine Pulver- 
büchse vor Sand ist , ohne fliessendes Wasser, ohne Grün, ohne 
guten Thon, ohne Schnee ; die Flöhe sind zahlreich, die Brunnen 
tief und salzig, das Regenwasser in verschlossenen Cisternen, so 
dass der Arme durstig und der Fremde in Verlegenheit ist : im 20 
Bade ist Diwan und in dem Triebwerk (165) treiben sich Diener 
herum. Sie nimmt den Raum einer vollen Quadratmeile ein, ihre 
Häuser sind aus schönen Hau- und gebrannten Backsteinen. 
(36 Wenn er-ramla fliessendes Wasser hätte, so Hesse sich 
nichts dagegen einwenden, dass es die bestbeschafFene Stadt im 2 5 
Islam sei, denn sie ist elegant, mild, zwischen einem Jerusalem 
mad Küstenfestungen . einem Ghor und Meeren gelegen , mit 
gleichmässiger Luft und wohlschmeckenden Früchten, mit treff- 
lichen Einwohnern , die nur leichtsinnig sind, Ausfuhr ort für 
Ägypten, Stapelplatz für beide Meere, wohlfeil.) Die bekann- 30 
testen ihrer Thore sind das des Brunnens el-askar (27 el- askar 
ist ein Quartier in (bei) er-ramla). das der Moschee 'annaha^'^), 
das von Jerusalem, das von xxIaj ^3 , dasvonLydda. dasvonJäfä, 
das von Ägypten, das von dcuhchwi. Bei ihr liegt eine Stadt 
Namens düdschUn mit einer Hauptmoschee [C : meist von Sama- 35 



52; So nach de Goeje's Conjectur , wobei an das östlich am Rand des 
Gebirges liegende Dorf dieses Namens zu denken ist; doch schreiben die 
besten Autoritäten dies 'annäbeh. 53 Völlig unsicherer Name. 



15S 

ritaneru bewohnt. Die IIa\iptmoschee von Ramla inmitten der 
Hazare ist hübscher nnd zierlicher als die von Damask. sie heisst 
die Weisse; ihr Mihräb ist der grösste im Islam und ihre Kanzel 
die schönste nach der in Jerusalem. Sie hat ein hübsches Mina- 
5ret. Erbaut hat sie Hischäm ihn Abdalmalik. Als er sie bauen 
wollte, wie ich von meinem Oheim gehört, erfiihr er, dass die 
Christen Marmorsäulen, die sie zu einer Musterkirche ^^) bestimmt 
hätten, unter dem Sand verborgen hielten, und erklärte ihnen, 
entweder möchten sie sie zu Tage bringen oder er werde die 

U) Kirche von Lydda zerstören und diese Moschee auf deren Säulen 
erbauen. Da lieferten sie sie aus und sie sind dick, lang iind 
schön. Der Boden des überdachten Theiles ist mit Marmor ge- 
pflastert . der Hof mit wohlgefügten Steinen ; die Thüren des 
überdachten Theiles sind von ineinandergreifendem ^^) Cypressen- 

15 und fa/umb-''Pimenj'H.o\z geschnitzt, sehr schön. 

Bau el-makdis (30 auch tlijä und el-halüt genannt) , die 
grösste unter den Districtstädten und grösser als manche Haupt- 
städte, wie isfachr . kä^in (in Kohistän) nnd J'ay'amä, hat weder 
starke Kälte äf>) noch Hitze und selten fällt in ihr Schnee. (166) 

21) Als mich der Kadi Abulkäsim, Sohn des Kadi der beiden hei- 
ligen Städte, nach ihrem Klima fragte und ich antw-ortete: »ge- 
mässigt, nicht heiss und nicht sehr kalt«, sagte er : »so ist die Be- 
schaffenheit des Paradieses.« Ihre Bauten sind von Stein: schö- 
nere und solidere Bauart sieht man nirgends. Nirgends finden 

2.5 sich sittlichere Einwohner , (7 : weil man darin nicht Prellerei 
und Unredlichkeit im Handel sieht, kein offenbares Trinken imd 
keine Trunkenheit, weder heimliche noch öffentliche Lasterhäii- 
ser. aber religiöses Leben und reinen Glauben; als sie hörten, der 
Emir tränke, drangen sie in seinen Palast und jagten die in sei- 

30 nem Salon Befindlichen auseinander), besseres Leben, sauberere 
Bazare, eine grössere Moschee, mehr heilige Stätten. Ihre Trau- 
ben sind trefflich, ihre Quitten haben nicht ihresgleichen. In ihr 
finden sich jeder Art Kundige und Arzte, auf sie ist der Sinn 

54) nach der Lesart B. häligh = dschajjid. 55) So scheint das Wort 

gefasst werden zu müssen ; im Gegensatz zu vollen Flächen aus ganzen Bret- 
tern sind es einzelne ineinandergreifende Stücke, die eine Täfelung oder 
Zeichnung bilden. De Gof..te; »mit Basreliefs verziert«. 56; Der grössere 

'l'heil dieser Beschreibung ist unter demNamen des el-Basschärf aus Jäkütvon 
WCSTEXFELT) übersetzt ZDMG. XMII 1864, S. 462 f. 



159 

jedes Verständigen gerichtet und an keinem Tag ist sie ohne 
Fremde. Ich war eines Tages im Salon des ausgezeichneten 
Kadi Abu Jahjä ihn Bahrüm in Hasra; man sprach von Alt- 
Kähira und fragte mich, welche Stadt wohl ansehnlicher sei. 
Ich sagte: Unsere Stadt. »Welche angenehmer?« Unsere. :, 
»Welche verdienstreicher fa Unsere. «Welche schöner?« Unsere. 
»Welche hat mehr gute Dinge?" Unsere. Welche ist grösser?« 
Unsere. Da verwunderten sich die Anwesenden und sagten: »Du 
1)ist ein verständiger Mann und behauptest doch , was man von 
dir nicht annehmen kann; du gleichst dem Kameelführer mitlo 
demHaddschädschu, Da antwortete ich : Wenn ich sage »ansehn- 
licher«, so ist es, weil in ihr diese und jene Welt zusammenkom- 
men, denn wer von den Söhnen dieser Welt ist und nach jener 
strebt, findet dazu den Antrieb in ihr, und wer zu den Söhnen 
jener Welt gehört und von seiner Begierde doch zu den Annehm- 1 5 
lichkeiten dieser gerufen wird, findet sie [C : und hat nicht nöthig 
zu einer andern Stadt zu gehen, iind Avelche Stadt ist ansehn- 
licher als eine solche?]. Und was die Annehmlichkeit ihres Kli- 
mas betriff't, so ist ihre Kälte nicht giftig, ihre Hitze nicht schäd- 
lich. Und was die Schönheit betriff't, so giebt es keine besser ge-2() 
baute, sauberere und mit einer anmuthigeren ]Moschee versehene. 
Und Avas die Menge guter Dinge betriff't , so hat Gott darin die 
Früchte der Tiefebenen, der Ebene und des Gebirges vereinigt und 
entgegengesetzte Dinge, wie Citronen, Mandeln, Datteln, Nüsse, 
Feigen, Bananen [C : nebst vieler Milch, Honig und Zucker. Und 2.5 
was das geistliche) Verdienst betriff't , so ist sie der Schauplatz 
der Auferstehung, zu ihr kommt die Versammlung (der Aufer- 
standenen) , von ihr beginnt das neue Leben. Makka und Ma- 
dina dagegen sind durch die Ka'ba und den Propheten verdienst- 
reich und eilen (167) am Auferstehungstag zu ihr, so dass sie 30 
alles Verdienst umfasst. Und was die Grösse betriff't, so strömen 
alle Creaturen zu ihr, und welches Land ist also Aveiter als sie ? 
Da billigten sie dies und fanden sich überzeugt. — Aber Jerusa- 
lem hat auch eine Anzahl Fehler. Man sagt, dass in der Thora 
geschrieben sei : Jerusalem ist eine goldene Schüssel voll Scor- b.i 
pionen. Sodann giebt es keine unreinlicheren und unbequemer 
ausgestatteten s") als ihre Bäder. In ihr sind wenig Gelehrte und 

57) Wüstenfeld hat: es giebt 'nichts beschwerlicheres, als die Zufuhr 
Ztschr. a. Pal.-Ver. VII. ^ 1 



IGO 

viele Christen, die im ööeiitliclien Verkehr unhöflich sind. Auf 
dem. was hx den f'iüiduk ^Chanen , Handelsmagazinen verkauft 
wird, liegen schwere Abgaben, Polizisten stehen an den Thoren. 
und niemand kann etwas, womit man sich verproviantirt. ohne 
5 Al)gaben kaufen trotz des geringen Keichthums. Der Vergewal- 
tigte findet keinen Helfer, der Vornehme ist in Sorgen und der 
K eiche beneidet. Der Kechtsgelehrte ist verlassen, der Philolog 
wird nicht besucht; keine Forschungssitzung wird gehalten, 
kein Lehramt betrieben, Christen und Juden haben die Oberhand 

1"' und die Moscheen bleiben ohne gottesdienstliche und gelehrte 
Versammlungen. Sie ist kleiner als Makka. grösser als Madina. 
Sie hat eine Citadelle. die zum Theil auf dem Ikrgrand gelegen, 
im Übrigen mit einem Graben umgeben ist , und acht eiserne 
Thore : das Zionsthor , das Thor ef-flh der Wüste^ , das Thor 

\:iel-balüf (des Pflasters.'), das der Jeremiascisterne, das von sul- 
wün. das von Jericho, das Säulenthor, das des ^Milirab Davids ^^ . 
Wasser ist in ihr reiclihch : man sagt; nichts ist in Jerusalem 
beständiger als das Wasser und der Gebetsruf. Selten ist ein 
Haus, in dem nicht eine oder mehrere Cisternen Avären. Drei 

20 (168) grosse Teiche sind darin, der der Söhne Israel, der Salo- 
rao's und der des 'Ijäd^'^); au ihnen liegen die IJäder, sie haben 
Zuläufe von den Strassen. In der Moschee sind zwanzig Brun- 
nen, die in ein Bassin ausgehen ''ö^ ; w^enige Quartiere giebt es, 

dahin'. Genauer : schwerer zu vorproviantiren. Aber dies widerspricht dem 
Vorhergehenden, daher es wohl auf die Bäder zu beziehen i.st. 

öS, iJiese AufziiWung ist in das Dschihän-numä p. .565 übergegangen, 
daher man sich zu hüten hat, sie auf dessen Zeit , das siebenzehnte Jahrhun- 
dert , zu beziehen. Die beiden letztgenannten stehen fest; das des tiJi ist 
wohl nach ToBLERS Vermuthung, Topogr. I, 179 das heutige der Maghäriba. 
Dann kann das Zionsthor nur das jetzige sein, was seiner Ansicht S. 169 Avider- 
spricht. Das von Jericho kann nur das sogen. Stephansthor sein; das der 
Jeremiascisterne, das er S. 175 für das Stephansthor erklärt, ist das Herode.'.- 
thor und giebt ein von ihm II, 80 vermisstesZeugniss über den Sagenort. Da^ 
Sulwänthor war vielleicht eines der an der Südseite vermauerten I, 161. Das 
Halätthor hält ToBLEU 176 unten ohne Grund für das Goldene. 59; AVegen 
der wunderl)aren etymologischen Sprünge, welche Hankbkkg Bonner Theol. 
Lit. Bl. 1S69, p. 421, und Nachfolger ange.stellt haben, um an diesem das 
,ivj>.£jrf,v.ov zu finden, kann erinnert werden , dass er von dem bekannten 
Feldherrn 'Ijäd ihn Ghannäm oder Ghanm gest. 20 = Chr. 641 benannt ist. 
00; DeGoejeIV, 185 verweist auf die unterirdischen Wasserbehälter des 
ilaram. Soci.v Baed.' 182. 255 f. 



uy\ 

in denen sich nicht ein Stiftungs-Brunnen befände : nur erhal- 
ten diese ihre Speisung von den Strassen. Man hat auch einen 
AVädi (': eine Postsstation von der Stadt] beniitzt und z^vei 
Teiche gemacht . in denen sich die Zuflüsse im ^Vinter sammehi 
und von denen ein Kanal zur Stadt abgeleitet ist. der zur Fiüh- 5 
lingszeit einläuft, um die Cisternen der Ilauptmoschee und an- 
dere zu füllen. 

Die Moschee el-aJisa liegt in der südöstlichen Ecke der Stadt. 
Die Fundamente aus schön ausgehauenen ("), sorgfältig gelegten, 
ensr aneinander schliessenden harten Steinen von zehn Ellen und 1'^ 
•weniger Länge gebildet, rühren von David her. auf ihnen baute 
Abdalraalik mit kleinen schönen Steinen und man setzte Zinnen 
darauf. Sie war schöner als die von Damask , aber unter den 
Abbäsiden kam ein Erdbeben und warf den überdachten Theil 
mit Ausnahme der Umgebung des Mihräb um. Als dies dem 15 
Chalifen ^~] gemeldet ward , wurde ihm gesagt : zur Herstellung 
in den frühern Zustand reicht dÄ Schatz der Muslimen nicht 
aus. Da schrieb er an die Emire der verschiedenen Gegenden 
und an die übrigen Generale, dass jeder von ihnen eine Halle 
baue, und sie bauten die Moschee fester und massiver als sie ge-2u 
wesen war. Der stehen gebliebene Theil sticht gegen das Andere 
ab: er reicht bis zum Ende der Marmorsäulen, und wo die mit 
Mörtel gebauten Pfeiler sind, ist neue Arbeit. Der bedeckte Theil 
hat26Thüren, von denen die dem Mihräb gegenüberliegende, 
das grosse Erzthor genannte, mit vergoldetem Kupfer plattirt ist ; 25 
ihre Flügel kann nur ein armkräftiger Mann öff'nen. Zu ihrer 
Rechten sind sieben grosse Thüren, in deren Mitte eine mit Plat- 
ten belegte (169) vergoldete ist, zur Linken sind eben so viele 
und gegen Osten elf unverzierte Thüren. An den fünfzehn erst- 
genannten) ist eine Halle auf Marmorsäulen , die Abdallah ihn -m 
Tähir (f 230 = Chr. 844) neu erbaute, an dem Hof sind zur 
RechtenArcaden auf Marmorsäulen und Pfeilern und an der hin- 

Oi; manhüsch heisst erhaben oder vertieft ausgestochen selbst von rauh 
gemachten Mühlsteinen,, gemalt, mit Stuckaturen versehn Maltzax Tunis I, 
4:5:, Avas zur Sache nicht passt. Desshalb ist hier und bei den Umfassungs- 
mauern des Haram von Hebron der allgemeine Ausdruck gewählt; vielleicht 
ist die Fugenränderung gemeint , die dem Ganzen ein an Sculptur erinnern- 
des Aussehn geben mag. H2 El-mahdi. Die andern Araber erzählen 
die Umstände anders. 

11* 



162 

teni Seite längliche Hallen von Stein. Vber der ^Nlitte des über- 
dachten Raumes ist ein grosses Spitzdach hinter einer schönen 
Kiipiiel. Die Plafonds''^: sind alle mit Ausnahme der Hinter- 
>eite mit Hleiplatten bekleidet und diellinterwand ist mit grossen 
ö Mosaikstücken ausgelegt. Der ganze Hof ist gepflastert, in der 
Mitte ist eine Platform, Avie in der Moschee von Madina, auf 
die man von den vier Seiten auf geräumigen Treppen hinauf- 
steigt. Auf der Platform sind vier Kuppeln, die der Kette, die 
der Himmelfahrt, die des Propheten, alle drei niedlich, mit lilei 

logedeckt, auf Marmorsäulen ohne Mauern. In der Mitte ist die 
Felsenkuppel auf einem achtseitigen Gebäude, mit vier Thoren, 
von denen jedes einer Treppe gegenüber ist , dem Südthor, dem 
Thor Isräfil, dem Posaunenthor und dem Weiberthor , das sich 
nach Westen öffnet, alle vergoldet und vor jedem eine zierliche 

läThür von ineinander greifendem schönem ^aww?lJ- (Pinien-) holz, 
welche die Mutter el-Muktadir's machen Hess. An jedem Thor 
ist eine mit Marmor belegte 'Estrade [Vorbau, Vordach) mit 
Pinienholzbau, der sich an die Kupferung von aussen an- 
schliesst f?)^*). An den Thoren der A'orbaue sind ebenfalls, je- 

2i)doch unverzierte, Thüren. Im Innern des Gebäudes sind drei 
kreisförmige Hallen auf gekneteten "5) Säulen, ansehnlicher xind 

63; Der Dachstuhl nämlich nach oben hin. 64) Die unverständ- 

lichen "Worte sind übersetzt so gut es ging, von der Annahme aus, dass sich 
zwei Abstractformen entsprechen. Schefer Nassiri Khosrau p. 89 be- 
zieht die AVorte auf die battants des portes und giebt sie : revetus de plaques 
de cuivre, was aber schon das alü nicht leidet, ^tifrijja ist sonst ein Gefäss 
von Kupfer und danach auch bei Makrizi Chitat I, 418, 37. 419, 12. 25. 33. 
477, 19. 4S9, 6 v. u. der birnförmige Aufsatz auf der Spitze von Prachtzelten, 
wie man ihn z. B. auf Abbildungen des mahmil sieht, von, Silber oder Cry- 
stall, oft »einen Kameelschlauch Wasser fassend« (bei v. Kuemek, Sitzungs- 
ber. d. "Wiener Akad. CIII, 268 Zoitring genannt, womit hier nichts anzu- 
fangen ist. 1)5 So wörtlich ; die technische Bedeutung ist unbekannt. 
De Goeje vermulhet; mit Kalk bestrichen und polirt. Aber bei Ibn el-wardi 
p. 173 Koehl., 82. Hyl. wird als Eigenthümlickeit dieser Art von Säulen an- 
gegeben, dass sie im Feuer schmelzen. Schefer übersetzt das "Wort a. a. O. 
p. 13, ult. (Ein anderer Stein erscheint wie etwas Geknetetes, so wie andere 
Steine mit Eisen zu bearbeiten sind) S. 43 : Une autre pierre semble etre le 
produit dune composition artiticielle et le fer ne peut pas l'entamer fehlt im 
Druck des persischen Textes eine Negation?] und glaubt, damit sei Granit ge- 
meint. Noch heute hegen die arabischen Maurer die Yorstellurg »gegos- 
sener« Säulen. PRUTZ Aus Phönizitn S. 331. 



163 

schöner als Marmor, deren Gleichen nicht ist. anf denen niedrige 
Bogen ruhen (so hier riwäk, vgl. 15S. 12 des Textes). Innerhalb 
ihrer umgiebt eine andere, nicht achteckige Halle den Felsen, 
anf gekneteten Säulen mit Rundbogen. Auf diesen steht eine 
sich in die Luft erhebende (170) Trommel, an der grosse Fenster 5 
sind. Die Kuppel oberhalb der Trommel ist von der Hauptgrund- 
lage der Fiatform mit der Spitze hundert Ellen hoch; von fern 
sieht man über ihr eine schöne Spitze von der vollen Länge einer 
Klafter. •'" Die Kuppel ist grösstentheils mit vergoldetem Kupfer 
bekleidet. Der Boden des Gebäudes und seine Mauern mit der 10 
Trommel sind von innen und aussen ganz so bedeckt, wie wir es 
von der Moschee zuDamask erzählt haben. Die Kuppel hat drei 
Täfelungen : die erste aus vergoldeten Platten , die zweite aus 
Eisenbalken, die verschränkt sind, damit sie der Wind nicht 
beuge, die dritte aus Holz, auf der die Metallplatten sind. Zwi-15 
sehen ihnen ist ein Weg bis nahe zur Spitze, auf dem die Arbei- 
ter hinaufsteigen, um zu revidiren und auszubessern. Wenn die 
Sonne sich erhebt, strahlt die Kuppel und glänzt die Trommel- 
ein wunderbarer Anblick ! Kurz, im ganzen Islam habe ich nichts 
dieser Kuppel gleiches gesehn oder von einer solchen im Osten 20 
gehört. 

Man betritt die Moschee an dreizehn Stellen durch zwanzig 
Thore. das Thor huffa, die zwei Thore des Propheten, die Thore 
des Mihräb der Maria, die zwei Thore er-rdhma (der Barmherzig- 
keit), das Thor des Teiches der Kinder Israel , die Thore eZ-as- 25 
hat 'der Stämme , die Thore der Häschimiden, das Thor des Wa- 
lid. das Thor Abrahams, das Thor der Umm Chälid, das Thor 
Davids. ^"^^ — In ihr sind folgende zerstreut liegende Heiligthü- 
mer : der Mihräb der Maria, der des Zacharias, der Jakobs, der 
des Chidr, die heilige Stätte des Propheten, die Gabriels, derOrt:ju 
der Ameisen, der des Lichtes, der der Ka'ba. der des m-Iit der 
Höllcnbrücke) . Gea^en Norden sind keine Hallen. Der über- 
dachte Theil schliesst nicht an die Ostmauer des Haram an ^''^ ; 



(jö; S. das oben ZDPV. VI, 3, Not. 4 zu Istachrl bemerkte. 67; Rech- 
net man für den Plural immer drei, so kommen nur neunzehn heraus. Im cod. 
C heisst das Thor Davids ein Doppelthor , aber er fügt das Thor es-sakina 
und das Thor el-chadrä hinzu. 68) Bei DE VogCe Temple p. TT, sind 

diese AVorte (aus Jäküt IV, 598. S. dahin missverstanden, als sei das Gebäude 



(Icsshalb sa^:t mau : nicht wird es je eine volle Fronte bilden 
den vollen Kaum zwischen der West- und Ostmauer einneh- 
men . (ITI) r>ii'-ir Theil wurde aus zwei Ursachen unbebaut 
ijela>sen. einmal we|L!;en des Ausspruches Omars: »Legt im west- 
5 liehen Theil dieser Moschee einen Gebetsort für die Muslimen 
an«, so dass man jenes Stück, um ihm nicht zuwider zu handeln. 
frei Hess, und ZAveitensj weil, wenn sie das bedeckte Stück bis 
zur Ecke ausgedehnt hätten , der Fels dem Mihrilb nicht gerade 
gegenüberliegen würde, was sie vermeiden wollten. Aber dies 

lu bleibe dahingestellt. 

Die Länge der Moschee beträgt tausend Ellen nach der Kö- 
nigselle und ihre Breite siebenhundert. In ihren Plafonds .sind 
4000 Holzstücke; sie hat 700 Marmorsäulen und auf dem Da'di 
45000 Bleiplatten. Der Fels selbst ist 33 Ellen in der Länge, 27 in 

1') der Breite gross und die darunter befindliche Höhle fasst 69 Per- 
sonen''";. Ihr Deputat ist monatlich 100 Xextus Öl und jährlich 
800.000 Ellen Matten. Ihre Diener sind ihr angehörige Sclaven 
''Mamlukcn , die Abdalmalik aus dem dem Staat anheimfallen- 
den' Fünftel der Gefangenen anstellte und die desshalb die (/'■//- 

20 w(7« heissen ; andere Diener hat sie nicht, und diese bewachen 
sie im Turnus. 

Suhvän ist ein Quartier in der Vorstadt, unterhalb deren eine 
Quelle von nicht besonderem Wasser ist, die grosse Gärten tränkt, 
welche derC'halifOtmän zu einer Stiftung für die Armen der Stadt 

25 machte. Unterhalb ist der Hiobsbrunnen. ^lan glaubt, dass das 
Wasser des zamzam (in Makka in der arafZit-\\Vic\\\. das Wasser 
dieser Quelle besucht [C : und an ihr ist in dieser Nacht eine 
Festversammlung^ . — Das wädi dschahannam liegt längs der ganzen 
Moschee j^egen Osten. Darin sind Gärten, Weinberge, Kirchen, 

•"J Höhlen, Thürme, Gräber, AVunderwerke und Saatfelder und in 

der Mitte eine Kirche über dem Grab der Maria. Es Avird von 

Gräbern überragt, z. B. dem des Schaddäd ihn Aus ihn (172) 

Täbit 7 41 = 001 oder 5S = 078, und des'Ubäda ihn es-säniit 

des ersten Kädi von Jerusalem . y 34 = 654]. — Der Ölberg, 

35 dsrhabal zaitZi, ragt im Osten des Thaies über der Moschee hev- 



uach ü.sten hin offen gewesen. Was dann weiter folgt, dass es eine Anzahl 
Kuppeln gehabt habe, steht nicht bei Jäküt und scheint falsch. 69) Bei 

Jäkfit iryi und ZDMfi. XVITI. \m durch Druckfehler 90o. 



165 

vor. Auf seinem Gipfel ist eine Moschee, -wo Omar zur Zeit der 
Eroberung abstieg, und eine Kirche an dem Ort, avo Jesus auf- 
fuhr, ferner ein Ort, der es-mhira heisst; es ist von Ibn 'Abbäs 
überliefert, dass dieser der IJoden der Auferstehung sei; er ist 
weiss und auf ihm ist kein Hlut vergossen worden.'^* — Bait lahm. :> 
Dorf, etwa eine Parasange (C : zw^ei Meilen^ entfernt in der 
Richtung von Hebron, wo Jesus geboren ward. Dort war die 
l^alme"^) ; zwar reifen die Palmen in diesem Revier nicht, aber 
es war ein Wunder. Dort ist eine Kirche, die in der Provinz 
ihres Gleichen nicht hat. — Hahrä'^) ist das Dorf (C : die Stadt) 10 
Abrahams, des Freundes Gottes; darin ist eine feste Burg von 
grossen , schön ausgehauenen Steinen , die die Genien gebaut 
haben sollen; innerhalb dieser ist eine im Islam gebaute, stei- 
nerne Kuppel über dem Grab Abrahams, Avährend das Grab 
Isaaks vorn in dem überdachten Theil und das Jakobs im hintc- 15 
ren Theil ist (C : und über diesem eine neugebaute Kuppel) ; 
jedem Propheten gegenüber liegt seine Frau. Die Ummauerung 
wurde zur Moschee gemacht und um sie für die zu geistlichen 
Zwecken sich dort Aufhaltenden Wohnungen gebaut , die sich 
unmittelbar daran anschliessen. Sie haben eine schwache Was- -'J 
serleitung. Bis auf etw-a eine halbe Tagereise weit hat dies Dorf 
ringsum *Dörfer, Weinstöcke , Trauben und Apfel (C : gleich- 
sam einen einzigen Garten , lauter Weinstöcke und Bäume) , 
genannt das Gebirge s.asj'^), es giebt nichts gleiches und keine 
schöneren als seine Früchte , deren grösster Theil nach Ägypten 25 
verführt und getrocknet wird. [C: zuweilen kosten die schönsten 
Apfel tausend einen Dirham , zuweilen wiegt der einzelne hun- 
dert Drachmen^ In dem Dorfe ist ein stets offenes Hospiz (173) 
mit angestellten Köchen , Bäckern und Dienern, welche jedem 
sich einstellenden Armen Linsen mit Öl vorsetzen ; auch wird -i" 
dies Wohlhabenden gereicht, wenn sie es annehmen AvoUen. Die 
Meisten glauben, dass dies von der Gastfreundschaft Abrahams 



"Ol Aus Sur. T'J, 14. Sähira wird als ebenes, weissea Land erklärt. Vgl. 
z. B. 'Ulaimi 412 oder S.^uvaire 1'J4, Ibn al-vardi ed. Freund p. 3 des Textes 
oben, wo die letzte Phrase vom Blut wiederkehrt. 71) S. zu Istachri oben 

VL 4, Not. G. 72 Diese Stelle, die 'Ulaimi p. 41 oder 11 Sauv.vire wie- 

derholt, ist schon aus diesem von QiAXUEMi-.KE Maml. 1 , 2, 244 übersetzt. 
' ■<) Ganz unsichere Le-art ; der Name ist sonst nicht bekannt ; schon ' Ulaimi 
Hess ihn aus. 



160 

stammt : es^ ist aber vou iler Stiftung Tamim ed-däri's '^] uiul 
Anderer. Meiner Meinung nach ist es das Beste, sich dessen zu 
enthalten. [C ; Der gegenwärtig regierende Emir von Choräsän hatte 
ihr jiihrUch tausend üirham auszahlen lassen und der Häuptling 
.". \on Ghardschistän Quellgehiet des Murghäb von Marw) el-Mdil 
machte ihr eine ansehnliche Stiftung. Ich kenne heutzutage im 
Islam keine verdienstlichere -wohlthätige Gabe als diese . weil es 
eine ansehnliche Speisung ist, die die hungrigen unter den Pilgern 
geniessen, und dadurch die Sitte Abrahams aufrecht erhalten 

lowird. weil er in seinem Leben die Gastfreundschaft liebte, und 
so möge ihn Gott nach seinem Tode belohnen^ . — "Eine Para- 
sange von hahrii ist ein kleiner Berg, der über dem See von su- 
(jhar wwA der Stelle der Städte Lots emporragt, mit einer Moschee, 
die Abubikr as-sabädschi erbaut hat. In ihr ist der Ort, wo 

1.1 Abraham angcAvurzelt stand, indem er in den Hügel beinah eine 
Elle tief versank. Man erzählt: als Abraham die Städte Lots in 
der Luft sah, blieb er dort angewurzelt stehn und sagte : Ich be- 
zeuge, dass dies ; Gottes Verheissung; die gewisse Wahrheit, el- 
ha/i/i el-jakin ist '^) [C : Die Moschee el-jah'm ist drei Meilen von 

'l(\huhri(. — Das Grab Josephs ist nahe bei dem Grab Abrahams]. 
— Zum Gebiet von el-kuds, bis 40 Meilen um llijU. gehören die 
Hauptstadt und ihre Städte, und 12 Meilen im (todten?) Meer 
und sughar iind mdtih und fünf Meilen von der Wüste; nach 
Süden geht es bis hinter el-kusaifa: nach Norden ist die Gränze 

2.3 von nühulus. ''') Dieses Land ist gesegnet, wie es im Koran 
heisst'"^. mit bewaldeten Bergen und Ebenen voll Saatfelder, 
ohne künstliche Bewässerung und ohne Flüsse , wie die beiden 
Männer zu Moses sagten : wir haben ein Land gefunden, das von 
Milch und Honig trieft. [C : Ich sah zu Zeiten den Käse zu Je- 

:M) rusalem das Ritl vmi einen l^anek, den Zucker das Ritl um einen 
Dirham, das Ol anderthalb Eitl und liosineu vier Ritl um diesen 
Preis verkaufen] . 

(1 74-) Bait üscJiibril ist eine halb zur Ebene, halb zum Ge- 

7-1 Eiu Gefährte Muhammeds, ■;- 40, dem dieser Hebron, 'ainüu und an- 
deres geschenkt haben soll, worüber die Familie später eine gröblich unter- 
geschobene Urkunde vorwies. 7.5 Jäküt IV, 1UU4 und der Kämüs schrei- 
ben jäkln. Die Moschee, südöstlich von Hebron, ist nach.' Ulaimi 352 = Chr. 
'.•6.3 erbaut. 70 Das Ganze nicht recht verständlich. 77) Gemeint 
'v<^ wnhl Sur. 17, 1 oder 21, 71. 



167 

l)irg gehörige Stadt , dereu Landgebiet ecl-dürüni ist , mit Miir- 
morbrüchen. Sie ist der Yersorgungsplatz der Hauptstadt , der 
"NVaarenplatz des Districts, ein Ort der Producte und des A^'ohl- 
standes, mit grossen Gehöften, nur dass sie (an Einwohnern) 
verloren hat und viel Verweichlichte darin sind. — G/tazza, gross, 5 
an der Heerstrasse nach Ägypten und dem Rand der Wüste, 
nahe dem Meer ; dort ist eine schöne Hauptmoschee ; dort ^hin- 
terliess Omar sein Andenken [C : ward Omar reich, vgl. Ist. oben 
\1. 4, 30 , wurde Schäfi*^! geboren inid Häschim begraben. — 
Mimäs, feste kleine Stadt am Meer, die zu ghazza gehört. — "" As- 10 
kaJUn, ansehnliche, an Kasernen"'') und Früchten, besonders 
Sycomoren (44: von denen zu essen jedem freisteht) reiche Stadt 
am Meer, mit einer auf dem Tuchhändlermarkt gelegenen, mit 
Marmor gepflasterten Hauptmoschee . prächtig, ausgezeichnet, 
mit gutem Klima versehen, befestigt. Ihre Seide ist vorzüglich. 15 
ihr Gutes strömend , die Lebensbedürfnisse darin köstlich, die 
Hazare schön, die Kasernen hübsch, nur dass ihr Hafen schlecht, 
ihr Wasser nicht besonders und ihre Zecken 'f') lästig sind. — 
Jüfci ist eine kleine Stadt am Meer , aber der Waarenplatz von 
Palästina und der Hafen von er-ramla ; an ihr liegt ein festes 20 
Castell mit eisenbeschlagenen Thoren, und das Meeresthor ist 
ganz von Eisen. Die Hauptmoschee steht am Meer und ist ange- 
nehm. Ihr Hafen ist gut. — ArsTifht kleiner aXsjafä. befestigt, 
bevölkert. Dort ist ein schöner Minbar (Kanzel), der für Ramla 
gebaut war. aber zu klein gerieth und nach arsiT/kam. — Was 25 
haisarijja betrifft, so giebt es am Mittelmeer keine ansehnlichere 
Stadt, keine an guten Dingen reichere ; sie sprudelt von Comfort 
und fliesst über von guten Dingen, mit gutem Boden, schönen 
Früchten [C : vieler Büff"elmilch, weissem Brotj. An ihr ist ein 
festes Schloss und eine bevölkerte Vorstadt, die von der Mauer ^o 
umschlossen ist. Das Trinkwasser kommt aus Brunnen und C'i- 
sternen: es ist eine schöne Hauptmoschee da. — Näbuhis. im 
Gebirge, reich an Ölbäumen, man nennt es das kleine Damask. 
gelegen in einem Thal, das zwei Berge einengen. Sein Bazar 
reicht von Thor zu Thor, ein anderer bis zur Hälfte der Stadt. 35 
und die Hauptmoschee ist in der Mitte. Es ist gepflastert, sau- 

78; Oder : Klöstern, nicht »cereales« oder »campagnes«. T9, oder : 

Ameisen, vgl. dailam Hariri' 511, 21. -^cS'i, T und auch Seetzen I, 346. 



168 

her, hat tliessemles Wasser, Bauart von Stein und merkwürdige 
IJiider^" . -Hl Die Einwohner sind gewandt;. — Arthü ist die 
Stadt der Riesen und in ihr das Thor, von dem Gott den Israeli- 
ten sprach."' Hier wachsen (ITo) Indigo und Pahnen; ihr 
■"• Landgebiet ist das Ghör imd die Saaten werden von Quellen 
getränkt. Sie ist sehr heiss. Fundort von Schlangen ( ' : Theriak- 
schlan^en. durch deren Fleisch der Theriak von Jerusalem ^■^ so 
gut wird TUid Scorpionen. Die Einwohner sind brami und 
schwarz, die Flöhe sind zahlreich. Doch ist das Wasser das leicht 

10 verdaulichste im Islam. Sie hat viel Bananen, Datteln und 
^vohlriechende Kräuter. — Amman . am Rand der Wüste mit 
Dörfern und Saatfeldern. Ihr Landgebiet ist die balkü. die Hei- 
math von Kornfrüchten und Heerden , mit zahlreichen Flüssen 
und Wassermühlen. Sie hat eine elegante Moschee zur Seite des 

15 Bazars. deren Hof mit Mosaik geziert ist. Wir haben bereits ge- 
sagt ^^j^ Jass sie Makka ähnlich ist. Das Schloss des Dschälüt ist 
auf einem Berg, der sie überragt; in ihr ist das Grab des Uria, 
über dem eine Moschee ist. und das Amphitheater Salomo's. Sie 
hat billiges Leben und viele Früchte, 'doch sind die Einwohner 

20 leichtsinnig. Schwierige Wege führen hin ^C : sie ist der Hafen 
der Wüste und der Ort. avo die Araber sich versorgen". 

In er-ralfim^ einem Dorfe eine Parasange von ammün, an der 
Gränze der Wüste, ist eine Höhle mit zwei Thoren, einem klei- 
neren und einem grösseren ; man glaubt , dass wer durch das 

2.5 grosse eintritt , nicht durch das kleine gehn könne und daher 
einen Führer nehmen muss. In der Höhle sind drei Gräber und 
sie ist es , von der nach einer auf Abdallah ibn Omar zurück- 
jfehenden Tradition der Prophet erzählt hat : Drei Reisende, die 
der Regen überfiel , bogen nach einer Höhle im l>erge ab. Ein 

30 Stein fiel vom Berg vor die Öffnung der Höhle herab und sie 
fanden sich eingeschlossen. Da sagte einer von ihnen : besinnt euch 
auf gute Werke, die ihrGotte gethan, und ruft Gott damit an, ob 
er sie vielleicht spalte. Einer sagte: o mein Gott, ich hatte zwei 
alte Viejahrte Eltern und kleine Knaben , für die ich zu sorgen 



so Dasselbe Wort, wie oben Note 4G, in C in einem Scholion durch 
Mühlen erklärt, was hier anginge. Sl; Sur. 5, 2-5. S2j Eine Fa- 

milie zu Jerusalem, die davon at-tirjäki hiess, erwähnt al-Kaisarämi '448— 
507, Chr. I <».-,(■.— in. •{ p. 2:5 DE JoNG. S3; S. 71, 5 des Textes. 



IGO 

hatte, und wenn ich Abends zu ihnen /urückkehrte und molk, 
f^ab ich meinen Eltern vor meinen Kindern zu trinken. Eines 
Tags überfiel mich ein Unwetter ^*) und ich kam erst Abends, als 
ich sie schon schlafen fand. (17()) Ich molk wie sonst, und kam 
mit dem Milchgefäss und stellte mich ihnen zu Iläupten. indem ■") 
ich mich scheute, sie zu wecken, ebenso aber auch mit den Kin- 
dern den Anfang zu machen, die sich (vor Hunger' wanden. 
Dies dauerte, bis die Morgenröthe anbrach. AV'enn du weisst. 
dass ich dies gethan , um deines Angesichts Aviirdig zu sein, so 
öffne mir eine Kitze, durch die wir den Himmel sehen können, lu 
Da öffnete Gott eine Kitze, durch die sie den Himmel sahen. 
Der zweite sagte: ich wollte eine Base, die ich liebte, wie nur 
ein Mann lieben kann, besitzen, die aber nicht wollte, bis ich ihr 
hundert Drachmen brächte ; ich mühte mich ab , bis ich sie zu- 
sammen hatte und brachte sie ihr. Im letzten Augenblick sagte 15 
sie: o Knecht Gottes, fürchte Gott und brich das Siegel nicht, als 
nur rechtmässig. Da Hess ich sie, und wenn du weisst, dass 
ich dies gethan, um deines Angesichtes würdig zu sein, so öiFne 
uns eine Kitze. Gott öffnete ihnen hierauf eine Kitze. Der dritte 
sagte ; ich hatte einenLohnarbeiter um eine bestimmte Portion Keis 20 
gedungen. Als er fertig war, forderte er das ihm Gebührende und 
ich bot es ihm, aber er liess es da und Avollte es nicht; ich aber 
säete den Reis fortwährend, bis ich davon eine Kinderheerde und 
ihren Hirten zusammengebracht. Er kam zurück und sagte: 
fürchte Gott , thue mir kein Unrecht und gieb mir, was mir ge- 25 
bührt. Da sagte ich : gehe zu diesen Kindern und ihrem Hirten 
und nimm sie. Er sagte: fürchte Gott und treibe keinen Spott 
mit mir. Ich erwiderte : ich spotte deiner nicht, nimm diese Kin- 
der und ihren Hirten. So nahm er sie und ging damit weg. Und 
wenn du weisst , dass ich dies gethan , um deines Angesichtes ;',u 
würdig zu sein, so spalte das Übrige. Da öffnete Gott ihnen. 

Diese Provinz hat ansehnliche, mit Kathedralen versehene, die 
meisten Städte Arabiens an Pevölkerung und Ansehnlichkeit über- 
treffende Dörfer, die Erwähnung verdienen. Aber da sie weder 
kräftige , glänzende Städte , noch schwache, unberühmte Dörfer ;{5 
sind, jedoch zAvischen beiden Rangstufen stehen, ist nöthig ihre 
Xamen bekannt zu machen und ihre Lage anzugeben. 

84; So nach Ta'labi 'Ära is Kah. 12S2, p. 447, statt der verderbten Les- 
arten bei Mukaddasi und Kazwini I, li>2, II, 1U5. 



170 

Dazu geliürt hahl, eine Meile von liamla. mit einer Haupt- 
moschee, in welcher sich viele Leute aus der Hauptstadt und den 
umliegenden Dörfern versammeln. Dort ist eine -wunderbare 
Kirche, an deren Thor Jesus den Antichrist tödten wird. — Ka- 
hfiDSühü. an der Heerstrasse nach Damask. grosses Dorf mit einer 
Hau])tmoschee. — Äkir . an der Strasse nach Makka. grosses 
Dorf mit grosser Hauptmoschee. Die Einwohner haben Eifer für 
das Gute-^ ; ihr ürot hat nicht seines Gleichen. — Juhnä. mit 
hübscher Hauptmoschee , wo die Damasceuische vorzügliche 
10 Feige wächst. — 'Amcacäs soll in alter Zeit die Hauptstadt ge- 
wesen sein: die Einwohner rückten zur Ebene und zum Meer 
wegen der Brunnen vor. weil (177) diese am Saum des Gebirges 
sind. — Kaf ursall am, an der Heerstrasse, grosses, volkreiche.- 
Dorf, zu kaisZiriJJa gehörig, mit Hauptmoschee. 

15 In dieser Provinz sind am Meer feste "Wachtposten [ribüt . 

wo das Aufgebot sich einfindet und zu denen die Kriegsschiffe 
inid Galeeren der Byzantiner mit muslimischen Gefangenen zum 
Verkauf, je drei um hundert Dinare, hinsegeln. In jedem Wacht- 
posten finden diese solche Leute . die ihre Sprache kennen und 

20 zu ihnen in Botschaft gehen , und es werden ihnen alle Arten 
Speisen gebracht. Wenn ihre Schiffe erscheinen. Avird Allarm 
geblasen , und wenn Nacht ist , wird das Feuersignal [manUra 
dieses Postens angezündet, während sie bei Tage Rauch machen. 
Von jedem Wachtposten bis zur Hauptstadt ist eine Anzahl hoher 

2.5 Signalthürme. in denen Leute aufgestellt sind. Die manära, die 
zum ribüt gehört, wird angezündet, dann die nächste, dann die 
folgende, und es dauert keine Stunde, so wird in der Hauptstadt 
Allarm geblasen und auf der manZira die Trommel geschlagen 
und zu diesem ribät hingerufen. Die Leute ziehen in Wehr und 

:{() "N^ äffen aus und die junge Mannschaft der Landgebiete versam- 
melt sich; dann findet die Loskaufung statt; einer kauft einen, 
ein anderer handelt einen Dirham oder chätam ^^>^ ab. bis er kauft. 



SS; Merkwürdig genug schildert noch heute van de Velde , Heise II. 
107, den eigenthümlichen religiö-.-moralischen Eifer an diesem Orte. S6 Kann 
ohschon nicht aufgezählt bei SAUv.\niE , Journ. As. ISSo, XV, p. 440 hier 
doch nur Bezeichnung einer kleinen Münze sein , wie ein ähnliches "Wort bei 
DZ GoEJE Gloss. p. 222. Möglicherweise könnte es so auch aufgefasst wer- 
den bei 'Llaimi .'<7s. letzte Zpüe. wo aber die gewöhnliche Bedeutuns: eben so 



171 

was sie mitgebracht haben . Die Ribäte dieser Provinz, in denen 
die Loskaufiing stattfindet, sind ghazza^ nümäs, asJailän^ mühnz 
(der Hafen von) azdnd, mZihnz der Hafen von) jubnci. Jüfä, 
arsnf. 

(178) Sughar nennen die Einwohner dieser beiden Frovin- ■> 
zen sakar. Holle. Ein Jernsalemer schrieb an seine Familie: »aus 
der tiefen ml-ar^ Hölle, zu dem hochgelegenen Paradies«. Denn 
es ist eine Stadt, tödtlich für die Fremden, mit schlechtem Was- 
ser; wem der Todesengel zu lange ausbleibt, reise dahin; ich 
kenne im Islam nichts ihr in dieser Beziehung Gleiches. Ich lo 
habe pestilentialische Gegenden gesehen, aber keine wie diese. 
Ihre Einwohner sind plumpe Schwarze, das Wasser ist warm; 
sie ist [C: im Sommer] wie das Höllenfeiier, aber sie ist ein klei- 
nes Basra und ein gewinnbringender Markt. Sie liegt am umge- 
stürzten See und ist der Rest der Städte Lots; sie kam davon, 1.5 
weil die Einwohner keine Schandthat begingen und die Berge ihr 
nahe sind. — Maüb^ der Wüste nahe auf dem Gebirg, iiat viele 
Dörfer , sowie Mandeln und Trauben ; zu ihren Dörfern gehört 
miita^ wo die Gräber des Dscha^far attajjär und Abdallah ibn 
Rawäha ''") sind. — Adruh , eine an der Gränze zwischen Hid- 20 
schäz und Syrien liegende Stadt, wo die Burda und die auf Leder 
geschriebene Urkunde des Propheten bewahrt Avird. — iVaila, 
eine Stadt an der Spitze eines Arms des Sinesischen Meers , be- 
völkert, ansehnlich, reich an Palmen und Fischen, der Hafen 
Palästina's und der Waarenplatz für Hidschäz. Das Volk nennt 2.5 
sie aila , aila aber ist verwüstet in ihrer Nähe C : zum Gebirg 
hin] und diese ist es, von der der Koran 7, 163 sagt: »frage sie 
nach der Stadt, die am Meere lag«. — 3Iadjcm, eigentlich an der 
Gränze von Hidschäz, weil die ganze Halbinsel (179) vom Meer 
umgeben ist und madjan in dieser Provinz liegt. Dort ist der 30 
Stein, den Moses emporhob, als er die Schafe Schu'aib's tränkte. 
Es hat reichliches Wasser. Die Gewichte und Gebräuche sind 



statthaft ist. Schefer's (Nassiri Khosrau 03) Übersetzung: les uns proce- 
dent par echange, homme pour honime , les autres achetent argent coniptant 
ou par Obligation scellee ist wohl nicht mit den "Worten und der Sachlage zu 
vereinigen. — Von einer ähnlichen Signalkette zwischen dem afrikanischen 
Tripolis und Alexandrien redet Marrekoshi 2.5.3, 14. ST; Die in der 

Schlacht gegen die Griechen im Jahr S fielen. 



172 



die sATisclien. — Über uaila ist Meiiunigsveischiedenheit zwischen 
Syrern, llidschäzeuern und Ägyptern, wie über \ibhadän\ am 
richtiijsten ist es, es zu Syrien zu rechnen, weil die Gebräuche 
und Gewichte die syrischen sind. Es ist Hafen von Palästina : 
'» von hier fahren ihre ohne Nägel verbundenen Fahrzeuge aus. 
— TahTik. kleine Stadt, in der die Moschee des Propheten ist. 

Schlui?s folgt., 



Heilbäder und Badelebeii iu Palästina. 

# 

Von Dl. H. Declieut, 

Pfarrer in Frankfurt am Main. 



tber die Heilbäder in Palästina finden sieb liei älteren nnd 
neneren Schriftstellern mancherlei Notizen, die meines Wissens 
noch nie zusammengestellt wurden. Diese zerstreuten Angaben 
zu sammeln und. so "weit es nöthig ist, zu erörtern unter Heran- 
ziehung dessen, was über andere Bäder des Alterthums bekannt 
geworden ist , ist die Aufgabe . die ich mir in dieser Skizze ge- 
stellt',. 

Wann werden p a 1 ä s t i n e n s i s c h e H e i 1 q u e 1 1 e n z n - 
erst erAvähnt? Schon Gen. 36, 24 soll von Thermen die Eede 
sein. Luther übersetzt hier: «Ana erfand in der Wüste Maul- 
pferde, da er seines Vaters Esel hütete« : doch ist wahrschein- 
lich vom Auffinden warmer Quellen die Rede, wie denn auch 
die ^'ulgata Z^'C'; in diesem Sinne übersetzt"- . Es entspricht ganz 
der Erzählungsweise der Genesis . dass die Entdeckung von 
Quellen besonders hervorcfehoben wird •' . Welche Thermen in 
diesem Fall gemeint sind . lässt sich nicht mit Bestimmtheit sa- 
gen ; manche denken an die von Kallirrhoe . die aber nicht in 
dem Lande Seir liefen. 

1, Manche Belehrung verdanke ich der Balneologie von Lersch, "Würz- 
burg 1S63. -welche nur leider gerade über Palästina viel Irriges enthält. 

2 Die alte Auslegung findet freilich noch "\'ertheidiger. Avie eine Bemer- 
kung des lilattes »der Israelit« beAveist in einem Keferat über einen von mir 
über die Heilbäder Palästinas in Frankfurt gehaltenen Vortrag in der Nr. 
vom 10. Nov. 5641 . 

■'• Vgl. 16, 14; -21. 19; 26. 19 u. 32; auch Josiia 15. 10. 



174 



Trotz (lieser ziemlich sichern frühzeitigen Erwähnung \on 
Tlienuen a\ inl doch vielfach angenommen , sie seien erst nach 
dem A'organg der Griechen und Kömer in Gehrauch genommen 
worden' . Da aber der berühmte liippokrates der zahlreichen 
Heilquellen in Hellas kaum gedenkt und auch andere griechische 
Arzte der vorchristlichen Zeit auf Mineralbäder -sveniff Gewicht 
legen - , so lässt sich ebensowohl vermuthen, dass die Thermen 
zuerst im Orient im Dienste der Heilkiinst verwendet wurden. 
Wahrscheinlich ist dagegen, dass die Quellen Palästina's erst 
kurz vor der christlichen Zeitrechnung mit Anla- 
gen versehen und dadurch allgemeiner Benutzung zugäng- 
lich gemacht wurden, da von künstlicher Fassung nicht vor 
dieser Zeit die Rede ist. Und diese Anlagen wurden allerdings 
nach griechischen und römischen Mustern gemacht. 

^ or der Schilderung einzelner Bäder sind zunächst einige 
Stellen aus vorchristlichen Schriften zu erwähnen, die zeigen, 
welche eigenartige Vermuthungen in alter Zeit an die Ent- 
stehung solcher Wasser sich knüpften. Im Buch der Weisheit 
findet sich eine Stelle ;c. 10, 6 — 8), an die sich schon Seetzex^ 
angesichts der in einer tiefen Schlucht dampfenden Quellen bei 
dem Flusse zcrkü maln am Todten Meere erinnerte. Es heisst 
da : «Die himmlische Weisheit errettete den gerechten Lot , da 
er dem Feuer entfloh, das über die fünf Städte herabkam, an die 
zimi Zeugniss der Bosheit der rauchende wüste Boden mahnt«. 
Da hier von rauchendem Land ;X£p3o;) die Rede ist , lässt sich 
nicht an die nach einigen älteren Reisenden angeblich aus dem 
See aufsteigenden Dämpfe denken, sondern nur an die Umge- 
bung jener Thermen, von denen bei Windesstille Dampf auf- 
steigt, welcher das ganze Thal erfüllt. Der Verfasser der Weis- 
heit bringt also die Entstehung der Quellen am Todten Meer in 
Zusammenhang mit der Katastrophe von Sodom und Gomorrha, 
was ja auch insofern richtig sein kann, als die mancherlei Phä- 
nomene der Gegend nicht von einander unabhängig sind. 

Eine ganz ähnliche Stelle findet sich in einem der Zusätze 
/.um H e n o c h b u c h (c. 67). Der unbekannte Verfasser , wahr- 

1) Siehe z. B. den Artikel »Baden« in Kiehm's Lexikon. 

2; Lersch, S. 90 f. 

:i) Seetzen, lleisen II, 338. 



175 

scheinlich gegen Ende des letzten vorchristlichen Jiihrhunderts 
lebend, philosophiert über dieselben Quellen, bringt aber ihr 
Hervortreten in Verbindung mit dem Fall der Engel (Gen. c. 6). 
Die ganze Gegend vom Gehennathal ^) , dem Strafort der gefalle- 
nen Geister, bis jenseits des Todten Meeres ruht nach seiner 
Meinung auf einem Feuerpfuhl : die Thermen aber bilden sich, 
indem sich mit den unterirdischen Wassern Schwefelgeruch ver- 
liindet, der durch das Verbrennen verschiedener Metalle entsteht. 
Es entspricht dies ganz der im Alterthum überhaupt verbreiteten, 
auch von Aristoteles vertretenen Ansicht, dass das Wasser so 
beschaffen sei wie die Erde, durch welche es fliesst^i. Interes- 
sant ist ferner, Avas über die Verwendung jener Wasser gesagt 
wird, sofern hier das älteste Zeugniss für die Benutzung palästi- 
nensischer Heilquellen vorliegt: »Diese Wasser werden in jenen 
Tagen (zur Zeit des Verf. selbst) für die Könige und die Mäch- 
tigen, die auf der Feste wohnen , dienen zur Heilung der Seele 
und des Leibes (des psychischen und physischen Lebens) , aber 
zur Bestrafung ihres Geistes, da voll von Wollust ihr Geist ist, 
damit sie gestraft werden an ihrem Leibe, weil sie den Herrn der 
Geister verleugnet haben und ihr Gericht täglich sehen und 
doch nicht glauben an seinen Namen 3)«. Die Meinung ist, dass 
die Bäder zwar äusserlich zur Heilung dienen, aber darum, weil 
sie an die Bestrafung der Engel erinnern, eine ernste Warnung 
den Grossen nahelegen sollten, welche sie benützten und das 
srleiche Gericht für sich erwarten müssten. Dies wurde vielleicht 
geschrieben zu der Zeit, als Herodes der Grosse mit seiner Fa- 
milie häufig die Bäder von Kallirrhoe gebrauchte'*). 

Man ersieht aus diesen beiden Stellen, wie sich ehedem gar 
eigenthümliche Anschauungen an jene Quellen knüpften, an 
welchen heute der Sohn der Wüste gedankenlos vorüberzieht. 
Übriarens hat man auch sonst im Alterthum viel über die Ent- 

1) Neubauer (la geographie du Talmud) meint, im Talmud werde das 
Thal des Zerka Gehennathal genannt. 

2) Vgl. besonders Plinius, H. N. XXXI, 4 Tales sunt aquae . qualis 
terra, per quam fluunt) . 

3) Ich folge hier der Übersetzung und Erklärung von Dillmaxx, Das 
Buch Henoch. Leipzig 1S.33. 

4) Keinenfalls ist hier mit HiLGENFELD an die campanischen Thermen 
zu denken. 

Ztschr. d. Pal-.Ver. VII. 12 



176 _ 

stehuns? der Thermen gegrübelt, ^vie davon z. 15. Aristoteles 
sagt, sie hätten alle einen heiligen Ursprung, weil Schwefel und 
iSlitzfeuer darin wäre. Auch die Phantasie mittelalterlicher 
Schriftsteller hat ^ich noch vielfach mit diesem Gegenstande be- 
schäftigt ' . 

Wenden wir uns nun zu den einzelnen Heil quellen. 
Unter diesen sind drei von besonderer Dedeutung . nämlich die 
liäder von Tiberias, Gadara und Kallirrhoe , Melche sämmtlich 
Thermen sind und zu den Eigenthümlichkeiten der Jordanspalte 
gehören. Am berühmtesten waren einst die heissen Wasser von 
Tiberias . von welchen der babylonische Talmud sagt . dass sie 
noch von den W^assern der Sintfluth übrig seien . durch deren 
Anschwellen der Erdboden überdeckt ward 2). Dasselbe wird 
auch von den Bädern von Gadara berichtet, sowie von der Quelle 
von Biram, welche Neubauer allzu kühn mit Kallirrhoe identi- 
ficiert ^1 . Es lässt sich wenigstens so viel daraus schliessen. dass 
diese Quellen bei den Juden wohl beachtet wurden. 

Was zunächst Tiberias betrifft, so hat sich an die Benen- 
nung der Bäder manche Streitfrage geknüpft. Sie werden 
nämlich bald Thermen von Tiberias genannt, bald erscheinen sie 
mit einem eigenen Namen (hehr. Hamath. griech.Aaixaouc. heute 
Hammäm^y . Es erklärt sich dies daraus/dass aller Wahrscheinlich- 
keit nach schon vor Gründung der Stadt eine Ansiedlung an den 
Quellen sich befand — wenn anders man das Recht hat, das Jo- 
sua 19, 35 genannte Hamath mit dem Thermenorte zu identifi- 
cieren — dass der Badeort aber allmählich sich mit Tiberias ver- 



Ij Die Stellen aus alten Autoren siehe belLERSCn, S. 16; von mittel- 
alterlichen vgl. HoxORius, Imago mundi c. 8; Gervasiüs , Otia imperalia 
c. XIII und besonders LlGUUlNUs I, 417 f. 

2 Sanhedr. Babyl. fol. 108, 1. Zahlreiche andere Stellen des Talmud 
über die Thermen von Tiberias finden sich zusammengestellt in der Abhand- 
lung von "NVicnM.vxNSHAUSEX , De thermis Tiberiens. in Ugolino thes. VII, 
Nr. 23, woraus viele der im Folgenden angeführten Citate entnommen sind. 

3) Neubauer a. a. O. p. 35, Genaueres darüber später. 

4/ Merkwürdigerweise nennen die Mu>;limen ein altes theils in den Felsen 
gehauenes, theils aufgebautes Gemach westlich vom Grabe Davids bei Jerusalem, 
welches zumlUiden gedient hatte, I.iammüm Tabarije (Sepp, Jerusalem und das 
heilige Land 1, 174. Tabarije ist aber Tiberias. Über die Entstehung jenes 
Namens ist mir nichts bekannt, vielleicht liegt eine Beziehung auf den Kaiser 
Tiberius vor Tiberiusthermen . 



177 



schmolz. Diese Thatsache wird durch den Talirmd ausdrücklich 
bezeugt 1). Es meinten darum Manche, Quellen von Tiberias inul 
Quellen von Ilamath unterscheiden zu sollen, allein die kleinen 
Quellen, die heute in einigen Hänsern der Stadt sich befinden 2), 
haben sicher niemals eine liedeutung gehabt. Dagegen hat der 
Umstand, dass Josephus bald von Thermen in Tiberias (iv Tißs- 
{>iaoO , bald von Thermen nicht weit davon, im Dorfe 'Aix;x7.ou; 
redet, neuerdings Furrer veranlasst 3) , ein innerhalb Tiberias ge- 
legenes Ilamath nnd ein 40 Minuten nördlich gelegenes Emmaus 
zu unterscheiden , da auch im Norden der Stadt laue Quellen 
sprudelten , die im vorigen Jahrhundert einen höheren Wärme- 
grad gehabt hätten. Die Gründe , die er für seine Behauptung 
anführt, sind zweifelsohne sehr beachtenswerth. Aber obwohl 
auch SociN u. x\. ihm beigepflichtet haben, so scheint mir die 
traditionelle Ansicht richtiger. Da indessen diese Frage mit der 
äusserst schwierigen andern Streitfrage zusammenhängt, ob Tari- 
chaea nördlich von Tiberias lag, wie Furrer , Socin, Quandt, 
Wilson und Kitchener behaupten, oder am Südende des Sees, 
wie PlikitjS angiebt, so verzichte ich hier auf eine eingehende 
Begründung der überlieferten Ansicht, indem ich mir vorbehalte, 
an anderem Orte darauf zurückzukommen und besonders die 
scliAvierigen Stellen bei Josephus, die hierher gehören, zu er- 
läutern '; . 

1) Vgl. LiGHTFOOT; Horae talm. p. 224 u. Neubauer, p.208. Die Stelle 
findet sich (nach Neubauerj Hier. Erubin V, 5 und lautet nach seiner Über- 
setzung also : »Die Einwohner einer grossen Stadt können sich am Sabbath 
in eine kleine Stadt begeben. Ehemals hatten die Einwohner von Tiberias das 
Kecht, den Sabbath in ganz Hamath spazieren zu gehen , während die Ein- 
wohner dieses Dorfes nur bis zur Seeküste (cote; gehen durften. Gegenwärtig 
aber bilden Hamath und Tiberias eine Stadt«. Nach Babyl. MegillatI, 1 
betrug die Entfernung nicht ein Milliare. 

2) Vgl. BURCKUARDT in der Bibliothek der wichtigsten Keisebeschrei- 
bungen von Gesenils II, 571. 

3) ZDPV. 1879, S. 54 f. 

4) Da die Berichte des Herrn Prof. W. A. Neumann aus Wien und des 
Herrn Ad. Frei aus Zürich über ihre Untersuchungen am See Tiberias vor- 
aussichtlich unsere Kenntnisse gerade auch der Umgegend der Stadt Tiberias 
erweitern werden , so wird es gcrathen sein , die Ergebnisse dieser Reisen 
behufs Bestätigung oder Berichtigung des eigenen Urtheils abzuwarten. 

Anm. der lled\ction. 
12* 



17S 

Doch glaube ich wenigstens in kurzen Worten die Gründe 
nnluhren zu soHeu . ^velche mich abhalten , der so bestechenden 
FuKKER'schen Ansicht mich anzuschliessen. ]ki keinem der 
alten Autoren tindet sich eine Andeutung, dass ausser dem Avelt- 
beriihmten Bad im Süden ein zweites bei Tiberias sich befunden 
habe. Der Talmud spricht stets nur von einem Ilamath bei die- 
ser Stadt; waren aber auch im Norden heilkräftige Thermen 
gewesen, so -würde er sich mit diesen gewiss gleichfalls beschäf- 
tigt haben, da über den Gebrauch der anderen die subtilsten Be- 
>timmungen getroffen wurden. Dass aber die Wasser des von 
JüSEPHUS genannten Emmaus nicht nur warm waren , sondern 
auch Heilkräfte besasseu, sagt er ausdrücklich (B. J. IV. 
l, 3). Auch dieser Autor kennt wie alle Andern offenbar nur 
ein Bad bei Tiberias, wie die Stelle Ant. XVIII, 23 beweist, wo 
er bei Erwähnung der Gründung der Stadt sagt: iispjxa os oux 
a-iobcv £3r'.v iv -/.tuar, • 'Aiitiaou: ovoaa ao-r,. Warum sollte er an 
dieser Stelle, wo es sich um die Bedeutung der neuerbauten 
Stadt handelte, die unbedeutenden Wasser 40 Minuten nördlich 
von Tiberias erwähnen und die überall bekannten im Süden un- 
genannt lassen? Dazu kommt noch, dass südlich gewaltige 
Mauerreste* sich erhalten haben, welche von dem von Josephus 
erwähnten Eömerlager bei Emmaus herrühren mögen , während 
im Norden solche Ruinen fehlen . De Saulcy (Journal des Sa- 
vants, Aoüt 1879. p. 495) hebt sogar hervor, dass noch zwei 
Parallelgräben erkennbar seien, wie er 1851 constatirt habe. So 
möchte ich meinerseits die Identität von Emmaus und Hamatha 
festhalten, wie denn auch an der Identität des Hamath bei Ga- 
dara mit dem 'Euiiaila des Eusewus und dem heutigen cl-Iuwnnü 
^s. u.' niemand ZAveifelt. W^enn aber Josepiiüs die Thermen zu- 
weilen als Quellen von Tiberias benennt, so hat er damit nur die 
Zugehörigkeit z\im Stadtgebiet andeuten wollen . da er Zugehö- 
rigkeit zur eigentlichen Stadt nicht wohl in jener Zeit behaup- 
ten konnte, wenn anders die Angaben des Talmud über die ur- 
sprüngliche Nennung von Hamath und Tiberias irgendwie glaub- 
würdig sind. Denn in der kurzen Frist von 50 Jahren. Avelche 
damals seit Gründung der Stadt verflossen waren, wird die Ver- 
schmelzung beider Orte noch nicht erfolgt gewesen sein. 

Nach diesem topographischen Excurse wenden wir uns zu- 
nächst zur Schilderung der heutigen Beschaffenheit der 



17<) 



Thermo 11, aus der sich aiicli auf die Eigenschaften dersellieii 
in alter Zeit ein iSchluss ziehen lässt, mögen gleich die Wärme- 
grade vielfach variirt haben. Nach neueren Untersuchungen ' 
haben die Thermen gegenwärtig die hohe Temperatur von -IS'^R. 
und enthalten Schwefel , Salz und andere l^estandthcile ; der 
Geruch ist schAveflig, der Geschmack salzig -bitter. Heilsam 
erweisen sie sich besonders bei Rheumatismus, Scorbut und Le- 
pra. Das Wasser wird auch getrunken ; es hat die Wirkung der 
Karlsbader Quellen, mit welcheu die Thermen von Emmaus sich 
überhaupt ara besten vergleichen lassen. Dabei soll das Monate 
lang herrschende Treibhausklima 2) für Kheumatismusleidende 
sich günstig erweisen, während es allerdings auch leicht Fieber 
hervorruft. 

Wann hat nun dieses l^ad grössere Bedeutung 
erlangt? Vermnthlich hat erst die Gründung von Tiberias (20 
n. Chr.) den Anlass zu einer Benutzung der Quellen in grossem 
Style gegeben. Die Nähe der heilkräftigen Thermen war wohl 
auch eine der Ursachen , welche Herodes Antipas veranlassten, 
gerade an dieser Stelle seine Residenz zu erbauen; jedenfalls 
musste der grosse theils erzwungene . theils freiwillige Zufluss 
von allerlei Volk nach dem »galiläischen Versailles« für das Had 
epochemachend werden. Die neue Stadt wurde mit grosser 
Pracht ausgestattet und erhielt ihre Hauptzierde in einem völlig 
heidnisch ausgeschmückten Palaste , dem goldnen Haus ; aber 
auch in dem nahen Hamath wurden damals Bauten nach rö- 
mischem Muster errichtet. Nicht lange allerdings blieb Tiberias 
Residenz; Agrippa 1. wohnte noch da, Agrippa H. aber bevor- 
zugte Sepphoris. Doch zeugen heute noch bedeutende Ruinen 
aus Syenit und Granit, unter denen noch eine einzige Säule sich 
aufrecht erhalten hat, von der verblichenen Herrlichkeit. Es 



1) Nach CoNDER beträgt die Temperatur von drei Quellen 132, 143 und 
144° F. Mit geologischen Untersuchungen beschäftigte ^ich Lieutenant 
liYXCH, der Anführer der United States Expedition to explore the dead sea 
and the river Jordan ; vgl. den Official report, Baltimore 1S52, p. 135. 

2) Dr. B. Neumann , Die heilige Stadt und deren Bewohner in ihren 
naturhistorischen, culturhistorischen, socialen und medicinischen Verhält- 
nissen, Hamburg 1S79, berichtet S. 42, dass die Hitze in Jer Luft mitunter 
über 40° R. steige. Derselbe spricht sich S. 44 nach eigener Erfahrung sehr 
günstig über die Wirkungen der Bäder aus. 



ISO 

■waren hier Laiulhüuser zAvischen Stadt und IJad von Vornehmen 
errichtet, ähnlich \vie bei den heissen Bädern von Hajä am Golf 
von Neapel. Das liadeleben wird überhaupt unter den Herodia- 
neni völlig römisches Gepräge getragen haben. 

Die ersten Zeugnisse über den Gebrauch der Thermen fallen 
in die Zeit des jüdischen Krieges. Schon war ein römischer 
Schriftsteller auf dieselben aufmerksam gemacht worden, der 
ältere Plinus. welcher schreibt ' : »Tiberias aquis calidis salu- 
brisv<. Mehrfach erwähnt die Bäder Josephus, der unter anderem 
eine Episode aus seinem eigenen Leben berichtet, bei der sie 
eine Rolle spielen ^i . Der fanatische und verwegene Freischaa- 
renführer Johannes von Gischala trachtete ihm, dem mehr aristo- 
kratisch gesinnten und durch mancherlei halbe Massregeln ver- 
dächtigen Statthalter von Galiläa , nach dem Leben. Um nun 
ungehindert nach Tiberias zu gelangen, heuchelte er eine Krank- 
heit und bat Josephus brieflich , ihm die Benutzung der Ther- 
men zu gestatten. Kaum aber angekommen, warf er die Maske 
ab und reizte den Pöbel zur Empörung, so dass der rasch herbei- 
eilende Statthalter ermordet worden wäre , hätte er sich nicht 
rasch auf die Mitte des Sees geflüchtet. Nach dieser Erzählung 
muss der Besuch des Heilbades damals bereits etwas allgemein 
Übliches gewesen sein, da Josephus in der Kitte des Gischaleners 
mehts Auffälliges gefunden hat. Bald darnach wurde das mehr- 
fach erwähnte Lager bei dem l^adeorte aufgeschlagen, und die 
Gräuel des Krieges wütheten an der ehemals so friedlichen 
Stelle. 

Viel ausführlicher sind die Nachrichten aus der auf die Zer- 
störung Jerusalems folgenden Zeit. Bis zum Jahre 100 waren 
Stadt und Bad noch in der Hand von Agrippa IL , der sie nur 
vorübergehend verloren hatte ; dann aber standen sie Jahrhun- 
derte lang unter römischer Herrschaft. Unter Trajan wurde eine 
Münze mit dem Bilde der Ilygiea geschlagen. Möglicherweise 
verehrte die zahlreiche heidnische l^evölkerung die Lochte- Äs- 
culaps, wie dies an vielen Heilquellen in Griechenland und Rom 

Ij Plin.V, 15. Unrichtig ist die Bemerkung von Neubauer 'p. 33], dass 
Pli.nius, wie Josephus, die Thermahvasser unter dem Namen von Enimaus 
kenne. 

2 Bell, jud, II. 2 K 6 und Vita c. 16. 



ISJ 

der Fall war ') ; ■wahrscheinlich handelte es sich um eine sym- 
bolische Darstellung-. Jedenfalls hat ein solcher Cultus nicht 
lange bestanden ; denn Tiberias wurde bald eine so ausschliess- 
lich jüdische Stadt, dass lange Zeit Heiden, Saraaritaner und 
('bristen nicht einmal daselbst sich niederlassen durften — trotz 
der heidnischen Götter Jupiter, Hercules, Astarte), welche nach 
Avie vor die Münzen der Stadt neben den Bildern der Cäsaren 
schmückten. Unter Hadrian wurde der Bau eines mächtigen 
Tempels, des Hadrianeums, begonnen, der nach Sepp II, 152) 
an der Stelle der Bäder gestanden haben soll, \yenn dies auch 
bei Epiphanius (XXX, 12) nicht gerade gesagt ist, so ist es 
allerdings nicht unwahrscheinlich , da man im vierten Jahrhun- 
dert den Bau in ein öif entliches Bad ver-svandeln wollte, was je- 
doch durch den eifrigen Convertiten Josephus, der eine Kirche 
daraus machte, verhindert ward. 

Allmählich erfolgte jene merkwürdige Umwandlung der 
Physiognomie von Tiberias. Die Stadt, welche einst die Eesi- 
denz sittenloser und gottloser Fürsten gCAvesen war, in der Thea- 
ter sich befanden und Gladiatorenspiele gefeiert wurden, wird 
nun zum Sitze rabbinischer Gelehrsamkeit; die anfangs wegen 
ihres Ursprungs für unrein gehaltene und von strengen Juden 
gemiedene Stadt erhielt allmählich dreizehn Synagogen und ein 
so hohes Ansehen, dass sie heute noch bei den Israeliten neben 
Jerusalem, Hebron und Safed als heilige Stadt gilt. Diese Ver- 
wandlung steht übrigens wdeder mit der Geschichte der Thermen 
in Verbindung. Tiberias hatte als unrein gegolten, weil ehedem 
an der Stelle ein Todtenfeld gewesen war (die Stadt soll an der 
Stätte von Rakat Josua 19, 35 erbaut worden sein). Als aber 
Rabbi Simon ben Jochai, nachdem er 16 Jahre in einer Höhle 
zugebracht hatte, von einer Krankheit, die er sich dadurch zuge- 
zogen, in den Thermen frei ward, vollzog er aus Dankbarkeit die 
Lustration der Stadt . nicht ohne Widerspruch , der aber nach 
einem Gottesgericht an einem Spötter verstummte. Nun wurden 
die Mischna und die Gemara in Tiberias gesammelt , und selbst 
auf die Badevorstadt fiel ein Theil des Glorienscheines, der Ti- 
berias umstrahlte, indem der hochgefeierte Rabbi Meir in der 



1) Beispiele bei Lersch , S. 28 Aegium , Liguri , Godesberg. Prusa 

u. s. f.). 



182 

durti»'eu Svuaifoge lehrte i). In dieser Zeit haben die berühm- 
testen Geset/lehrer die lleihiuelleu gebraucht — so badete Kabbi 
Josua ben Levi auf den .Schultern eines andern Rabbi-, — mehr 
noch, sie übten sogar die Aufsicht über den Gebrauch der Bäder, 
so dass das ganze Badeleben nun jüdisches Gepräge annahm 
und den schneidendsten Gegensatz gegen das Badeleben zur Zeit 
der llerodianer bildete. Dabei erhoben sich mancherlei JStreit- 
fnigen. Die Entscheidung über den gegenseitigen Besuch der 
Bewohner von Tiberias und Hamath am Sabbat -wurde bereits 
erwähnt. Besonders aber beschäftigte man sich mit der Frage, 
ob das Wasser der Thermen dem auf Feuer erwärmten gleichzu- 
achten sei, da in diesem Falle jeder Genuss desselben am Sab- 
bath verboten gewesen wäre. Darüber äussert sich noch im 12. 
Jahrhundert der bekannte Maimoxides im Anschluss an die Aus- 
sprüche früherer Talmudisten und erklärt, dass jenes Wasser 
nicht als gewärmt aiiz\isehen sei, weil es aus einem schwefelhal- 
tigen Quell hervorgehe •' . Eine andere Streitfrage hatte einen 
sehr praktischen Hintergrund^ . Als nämlich die Einwohner 
von Tiberias einen Kanal machten, der kaltes Wasser hinzufüh- 
ren sollte, aber an einer Stelle durch das Thermalwasser führte. 
da sagten die Weisen, es sei das Kanal wasser als vom Feuer er- 
wärmt zu betrachten. Mau dürfe darum am Sabbath nicht davon 
trinken, noch ein Glied darin waschen; am Festtag sei zwar dies 
nicht untersagt, wohl aber das Baden des ganzen Körpers. Der 
Beschluss auf diese casuistische Entscheidung hin lautete: die 
Wasserleitung ist anders zu legen. Nach jener Stelle bei Mai- 
MONIDES hätte man vermuthen sollen, dass dem Quellwasser Ave- 
nigstens keine verunreinigende Wirkung zugeschrieben worden 
wäre; das ist aber doch geschehen, weil es zu den sogenannten 
^-weichen Wassern« gerechnet wurde ^; , welche unter keiner Be- 
dingung bei heiligen Handlungen verwendet werden sollten. Es 
findet sich darum die eigenthümliche Bestimmung, dass jemand, 
der in Ilamath gebadet hat, auch wenn er sich mit zehn Lein- 

IJ Jer. Sota I, Hai. \. 

2, AVicuMA.NXsuALSEN, \). DCCCCLXXYII (Schab, fol. 3, 1;. 
?, WicuMANNsn.vusEN , p. DCCCCLXXVI Maim. ad Mischna z^vy.. 
cap. IX, Hai. 1). 

4i WiciiMAXNSHAUSEN, p. DCCCCLXXX (Schab, c. HI, Hai. 4, fol. 16 . 
5, Genaueres bei WlCHMANXSH.\usEN, p. DCCCCLXXVII. 



183 



tücherii abtrocknete, sie nicht mit der Hand wegtragen durfte, 
damit nicht etwa ein aus Versehen mhgebrachter Tropfen mit 
heiligen Gefiisseu in Berührung käme. Hatten dagegen Zehn 
sich mit einem Tuch abgewischt, so durfte es hinweggenommen 
werden, da sich voraussetzen lässt. dass mehrere Personen sich 
k'ichter vor \'erunreinigungen schützen können, als es einer ein- 
zehien möglich ist ^j . Aus diesen seltsamen Bestimmungen er- 
sieht man nicht nur, wie unbedingt der Einlluss der Gesetzesleh- 
rer damals auf die Gestaltung des Badelebens war. sondern auch 
welch eine hohe Bedeutung die Bäder für das öffentliche Leben 
in Palästina hatten. 

In jenen Tagen war die U m g e b u n g von T i b e r i a s unge- 
mein lieblich. Die Stadt, bespült von den Wogen des galiläi- 
schen Meeres, war umgeben von einem Kranze von Dörfern und 
kleinen Städten, die inzwischen grossentheils verschwunden oder 
zerfallen sind. Und während heute die Berge nackt und kahl 
sind, waren sie damals von Weinbergen und Fruchtbäumen ganz 
überdeckt. Während heute den Blicken der Reisenden kaum 
ein einziges Boot sich darbietet. Avar einst der so fischreiche See 
mit zahllosen Kähnen und grösseren Schiffen übersäet, so dass 
die Badegäste von Emmaus so gut wie die von Bajä^) sich durch 
Fahren auf dem Wasserspiegel die Zeit vertreiben konnten. So 
war die Umgebung äusserst anziehend und das Treiben am See 
in Folge des lebhaften Verkehrs lebendig genug. So viel sich 
auch seitdem geändert hat , meint doch Seetzen , wenn dieses 
Bad mit seinen Umgebungen in Europa läge, würde es einer der 
besuchtesten Badeörter sein 3^. 

Es wäre interessant, auch über die Badeeinrichtungen 
Genaueres zu erfahren; aber es fehlt an einer Beschreibung. 
Vielleicht lassen sich einmal bei genauerer Untersuchung der 
Ruinen von Hamath hierüber Ermittelungen anstellen. Vermuth- 
lieh sind die Einrichtungen in der talmudischen Zeit weniger 

i; "WiCHMAXXSHAi-SEN, p. DCCCCLXXVII fSchab. cap. XXII. Hai. 5, 
p. 70). 

2; Seneca ep. 51. Er beobachtete ebrios per littora errantes, et comes- 
sationes navigantium et symphoniarum cantus strepentes lacus et alia. Fer- 
ner erwähnt er tot genera cymbarum variis colovibus picta. 

3) Seetzen I, 349. 



1S4 

luxuriös gewesen, als die der römischen Badeorte, doch waren 
sie denselben nachgebildet. Wenigstens finden sich die einzel- 
nen IJestandtheile der palästinensischen Badeanstalten, welche ab 
und zu erwähnt werden, auch in den Thermenhäusem des Abend- 
landes. Aus den Nachrichten ist nicht ersichtlich, ob ausserdem 
Wasser auch die heissen Dämpfe benutzt wurden , wie es heute 
die Beduinen in sehr primitiver Weise thun, indem sie auf einem 
Zweiggeflecht sich in ihren wollenen Mänteln über dem dam- 
pfenden Spalte von Theimen lagern. Zu l^ajä haben bekannt- 
lich gerade die Schwitzbäder grosse Bedeutung gehabt \i . Sicher 
ist dagegen, dass die Wasser nicht nur zum Baden benutzt, son- 
dern auch getrunken wurden , und zwar , wie Maimonides sagt, 
ut ventrem relaxent. Endlich ist noch erwähnenswerth , dass 
neben dem l^assin mit salzigem Wasser nach dem Talmud ein 
Bassin mit Siisswasser sich befand 2). 

Die Zeiten änderten sich, und nach dem Siege des Christen- 
thums über das Heidenthum zog auch in Tiberias der neue 
Glaube ein ; doch war selbst nachmals die Bevölkerung grossen- 
theils aus Juden zusammengesetzt, so dass das Treibeii in Ha- 
math sich wohl nicht sehr veränderte, bis die Eroberung Palästi- 
nas durch die Araber erfolgte. Aus der Zwischenzeit haben wir 
nxir die kurze Notiz des Pilgers Axtoxixus Martyr^j : Deinde ve- 
nimus ad mare Tiberiadis , in civitatem Tiberiadem, in qua sunt 
thermae salsae«. Der Badeort hatte inzwischen, wie es scheint, 
den eigenen Namen verloren , nachdem er mit der Stadt völlig 
verschmolzen Avar. Bald nach dieser Zeit brachte das Jahr 637 
eine folgenschwere Umwälzung: Tiberias stand von nun ab fast 
ununterbrochen unter der Herrschaft der Muslimen. Doch wur- 
den die Christen geduldet; Willibald sah (723 — 26) viele Kir- 
chen^), und um SOS gab es sogar ein Mädchenkloster daselbst^). 
Auch die Bäder werden um diese Zeit noch einmal von einem 
Abeiulländer erwähnt, dem Beda Yexerabilis, der allerdings 
nur die ^^'orte des Plinils wiedergiebt ''') . 

Jj Gegen die Sch-svitzbäder sagt Seneca : omnis sudor per laborem exeat. 

2) Nei BAlEU a. a. O. p, 35. Hieros. Sab. III, 4. 

3) Itinera Hierosolymitana et descriptiones terrae sanctae ed. Tobler et 
MOLTNIEU. Genev. 1ST9, c. VII, p. 94. 

4) Hüdoeporicum in den Itinera ed. ToBLER, c. XIV, p. 304. 

5) Tobler, Itinera XII. Comraentatorium de casis dei p. 261. 

6) Tobler, Beda de locis sanctis c. XI. 



1S5 

Dagegen treten uns genauere Nachrichten aus arabischen 
(Quellen entgegen. Zur Zeit des Istachri scheint die Hitze des 
Wassers sehr gross ge"\vesen zu sein ; denn er meklet in seinem 
\\m die Mitte des 10. Jahrhunderts verfassten r.lUich der Län- 
der«') : die Quellen seien so ■vvarm, dass Felle, die man in der 
Stadt hineinwerfe, noch kahl würden«. Diese Notiz ist besonders 
auffällig, weil derselbe Schriftsteller die Entfernung der Thermen 
von der Stadt irrigerweise auf nicht weniger als zwei Parasangen 
angiebt. Nach dieser Stelle scheinen Gerber die Quelle benutzt 
zu haben, wie es schon im Alterthum oft an andern Thermen 
geschah. Noch berichtet Istachri, das Wasser könne nur mit 
Mischung gebraucht werden. Sehr anschaulich beschreibt Edrisi, 
der offenbar Augenzeuge war, das Badeleben zu seiner Zeit 
1154)2). Zw^ar war Tiberias eben damals wieder unter christ- 
licher Herrschaft, aber dies scheint wenig die Physiognomie der 
Stadt verändert zu haben. Sie war allmählich eine entschieden 
muslimische Stadt geworden. Juden lebten nur noch 50 daselbst, 
wie der Zeitgenosse Edrisi's , der jüdische Eeisende Benjamin 
VON TüDELA, berichtet, der auch die Bäder besucht hat. So sind 
denn auch die Namen der einzelnen Bäder arabisch. Das grösste 
derselben hiess El Demaker. Die Hitze des Wassers war daselbst 
so stark, dass man ein Ei sieden konnte. Zwei andere Quellen 
waren kleiner und hatten süsses Wasser. Während diese alle 
keiner Erwärmung bedurften, musste das »kleine Bad« geheizt 
werden. Dies war ursprünglich von einem orientalischen Für- 
sten für seine Angehörigen angelegt , dann aber aus Liberalität 
der Öffentlichkeit übergeben worden. So hat denn Emmaus 
auch einmal ein Fürstenbad gehabt, wie manche moderne Bade- 
orte. Ausserdem Avurden noch einige Aveiter südlich gelegene 
(iuellen von Hinkenden, Gichtbrüchigen, Magenleidenden und 
Hautkranken benutzt , die von allen Seiten herbeiströmten und 
sich drei Tage im Wasser aufhielten. Auch hier haben also, wie 
anderwärts, die Araber sich bemüht, von den Eömern angelegte 
Bäder zu neuer Blüthe zu bringen 3] . 

1] Erschienen bei Mordtmann, Hamburg 1S45, S. 53. Siehe Ritter, 
Vergleichende Erdkunde der Sinaihalbinsel , von Palästina und Syrien, II, 
303. Siehe auch Gildemeister, ZDPV. 1SS3, S. 5. 

2) Recueil de voyages et de memoires V, 347. 

3) Bei Lersh, S. 146, sind andere Beispiele genannt. 



1 86 

Das Had gehörte damals noch zur Stadt , die als sehr um- 
fangreich und schön geschildert -wird. Aber 1 IS7 litt sie schwer 
durch Saladin. der sie fast ganz zerstören Hess. Nun verödete 
Tiberias allmählich , wie aiis einer Beschreibung des kurdischen 
Fürsten und Schriftstellers Abulfkda hervorgeht, und der Bade- 
ort zerfiel ebenfalls. Doch lagen noch zur Zeit von Burchard 
(1283') und Mauxdeville (1336)2) die Thermen innerhalb der 
Stadt. Bei arabischen Schriftstellern soll der Ort den Namen 
llusseinia geführt haben nach einem gewissen Hussein, von dem 
Aveiter nichts bekannt ist 3] . Wenn diese Angabe richtig ist, so 
dürfte der Badeort den neuen Namen wohl um die Zeit erhalten 
haben, wo er nach dem Verfalle der Stadt wieder seine Selbst- 
ständigkeit erlangte. In neuerer Zeit trägt das Bad den Namen 
el-hanunüm. 

^^ ir übergehen die mancherlei Erwähnungen der Thermen 
durch die Keisenden des 15., 16., 17. Jahrhunderts und bemer- 
ken nur, dass nach den Angaben derselben es um das Badeleben 
sehr armselig aussah. Genauere Mittheilungen begegnen uns 
erst wieder in den beiden letzten Jahrhunderten. Nach einer 
Notiz, die Relaxd erhielt ^ , sollen die Thermen 1710 in Folge 
eines Erdbebens gestockt haben ; doch war dieser Zustand nur 
vorübergehend, da bald danach andere Reisende (z. B. Hassel- 
QUisT 1751) sie wieder benützt fanden. Am Anfang dieses Jahr- 
hunderts geschah endlich ein Schritt seitens der Türken zur 
Hebung des Bades. Der sonst durch seine Grausamkeit bekannte 
Dschessär-Pascha Hess an der Hauptquelle ein Pjadehaus nahe 
dem See errichten. Bürckhardt schildert das Gebäude ausführ- 
lich, wie er es 1812 vorfand'^). Es enthielt zwei getrennte Ge- 
mächer für beide Geschlechter. Das Männerbad war viereckio- 
mit einem grossen steinernen Bassin (acht Fuss lang und breit 
und drei Fuss tief), das von steinernen Bänken umgeben war. 
Man blieb 10 ^Minuten im Wasser und ruhte dann eine Stunde 
auf einer Bank. Daneben befand sich eine Kaffeestube, in der 

t) Burchardus, ed. L.\urent G, 5. 

2) The voyage and travel of Siv Maundeville, p. 14U. 

3) Pinner, Conimentar des hieros. und bab. Talmud 115. Siehe Sepp 
II, 1.50. 

4) Palästina p. 703. 

5 Bibliothek a. a. O. 11. 573, 



187 



auch Fremde wohnen konnten — die einzige ]3eqnemlickkeit, 
welche dem 13esucher sich darbot, der allerdings umsonst baden 
durfte. In der Hauptsaison (Juli) eilten zahlreiche Gäste aus 
Syrien lierbei. 

Heute wird diese Anstalt nur von Armen benutzt, da Ibra- 
him Pascha 1S33 in der Nähe der Ha\iptquelle ein neues schöne- 
res Gebäude für Wohlhabendere errichten Hess , welches sogar 
Privatstuben mit weissen Marmorplatten besitzt i) . In der Mitte 
befindet sich das öifentliche 13ad, ein grosses rundes Gemach mit 
Marmorpflaster und verschiedenen Nischen. l>eide Gebäude 
haben merkwürdigerweise das Erdbeben von 1S37 überdauert, 
das sogar die Mauern der Stadt niederwarf, Avelche seitdem noch 
trübseliger und schmutziger aussieht als zuvor. Sogar die liade- 
stuben sind inzAvischen wieder verwahrlost'-). Was die Behand- 
lung der Patienten anlangt , so unterscheidet sich dieselbe nicht 
von der in allen andern türkischen Bädern herrschenden Me- 
thode, deren Beschreibung hier füglich unterbleiben kann^j. 

Blicken wir zurück auf die zahlreichen Zeugnisse aus so 
verschiedenen geschichtlichen Perioden, die sich leicht noch ver- 
doppeln Hessen, da hier nur der wichtigsten gedacht ist, so müs- 
sen wir sagen: Es ist dies eins der wenigen Heilbäder^ Avelche 
eine ununterbrochene Tradition von fast zAvei Jahr- 
tausenden besitzen, und schon aus diesem Grunde dürften 
jene Thermen Beachtung verdienen. Vielleicht schlägt auch für 
dies Bad noch einmal die Stunde neuen AufscliAvungs. Eine 
Eisenbahn von Damascus nach Tiberias hat bereits der Englän- 
der Oliphant in Vorschlag gebracht. (Siehe ZDPV. 1581, 
p. 135). 

L'nser Weg führt weiter zu den gleichfalls vielgepriesenen 
Quellen von Gadara, jetzt Lm Kes genannt, in der Schlucht 
*\es, scherlat el-nienüclire. Wir betreten, nachdem Avir die Tief- 

1) Eine Abbildung beider Anstalten findet sich bei Sepp II, 149. Ge- 
naueres auch bei Hitter II, 303. 

2) OiiELLi Keisebeschreibung, S. 253, und De Saulcy, Nuniismatique 
de la terre sainte, p. 333. Der Besuch des Bades ist aber noch ein starker; 
nach Selah Merill kommen immer noch Schaaren tlieils der Heilung, 
theils des Vergnügens wegen. 

3, Vgl. Neumanx a. a. O., S. 453 f. 



ISS 



ebene des Ghor verlassen haben, ein enges Thal, welches auf 
beiden Seiten von mehr als 100 Fuss hohen, schwarzen Felswän- 
den eingeschlossen ist. Zwischen den Felsen braust der Fluss 
reissend dahin, an den mit Oleanderstrüuchen bedeckten Ufern 
vorüber. Zuerst trifft man auf der Nordseite die heisseste der 
Quellen, heute hammat esch-schech . »Quelle des Häuptlings« ge- 
nannt : dann folgen thalaufwärts noch mehrere Thermen . theils 
südlich, theils nördlich von dem Flussbett gelegen. Die Tempe- 
ratur beträgt etwa 27 — 35° E. i : das Wasser ist schwefelhaftig. 
Im ganzen sollen es zehn Quellen sein"-). 

Auch an dieser Stelle befand sich in alter Zeit eine Ansie- 
delung, welche trotz der Nähe von Gadara ihren eigenen Na- 
men führte, der oft zu Verwechselungen mit dem Badeorte bei 
Tiberias Anlass gab; sie hiess nämlich auch Hamath^). grie- 
chisch 'Atxaiia oder 'EtxtjLaöa (vgl. Eusebius, Onom. ad vocem 
Aiixai)]. Diese .Thermen erlangten eine besondere Bedeutung 
durch die Nähe der umfangreichen . auf der südlichen Hügel- 
reihe erbauten Hauptstadt der Dekapolis. Gadara Avar übrigens, 
wie aus den Trümmern von Tempeln und Theatern hervorgeht 
und auch von Josephus^ u.A. bezeugt wird, eine vorherrschend 
heidnische Stadt, in welcher die Juden niemals im Stande waren, 
dem socialen Leben den Stempel ihres Wesens aufzudrücken. 
wie in Tiberias. So erzählen denn auch jüdische Schriftsteller 
nicht viel über die Bäder von Gadara. und wir sind mehr auf 
heidnische und christliche Berichte ausgewiesen. 

Wann die Quellen gefasst und mit Anlagen versehen 
wurden, ist auch hier ungewiss; jedenfalls geschah dies erst 
einige Zeit nach Wiederherstellung der vorher lange verödeten 
Stadt duich Pompejus (um 60 v. Chr.. Noch zu Strabo's Zeit 

1 Nach Merill beträgt die Temperatur von fünf Quellen, die er be- 
suchte, 115", lor, 92", 83" und 112° Fahr. Am grössten ist die Quelle von 
1U3°. Vgl. Palestine Exploration Fund, Statements for l^TU (Modern Re- 
searches in Palastine by Ilev. Selah Merill p. 14i;. 

2) Auch über diese Quellen hofft die Redaction in der nächsten Zeit ge- 
nauere Untersuchungen bringen zu können. Anm. d. Red. 

3; Der Name ist aus dem A. T. nicht zu belegen, sondern aus dem Tal- 
mud, und zwar in der Form sr-cn , vgl Neibauer , Fa geographie du Tal- 

'""«l P- ^^- Anm. d. Red. 

4 Ant. XVIL Jl. 4. 



189 

(ca. 20 V. Chr.) war an Stelle des nachmaligen ]>ades ein grosser 
Sumpf. Er sagt nämlich ') : »iv t(i Paöapioi existiere ein uowo [xoy- 
Or^iiov XiixvaTov«, nach dessen Genüsse die Thiere Nägel, Klauen 
und llörner verlören. Wenn diese Stelle mit Hecht auf die Ther- 
men bezogen wird, so lässt sich annehmen, dass man nachmals 
der Stagnation des Wassers ein Ende bereitete und dad\irch erst 
die Bäder recht benutzbar machte. Jedenfalls ist kein anderes 
Gewässer im Gebiete von Gadara bekannt, auf welches sich die 
Worte beziehen Hessen. 

Genauere Mittheilungen erhalten wir erst spät. Josephus, 
der die Stadt oft erwähnt , berichtet nichts von dem Bade, wor- 
aus sich schliessen lässt, dass dasselbe nur langsam zur Blüthe 
gelangte. Zur Zeit der Feststellung des Jerusalemischen Talmiid 
aber waren die Quellen viel besucht. Wir ersehen aus den be- 
züglichen Stellen, dass die Juden kein Bedenken trugen, trotz 
der heidnischen Umgebung zu Amatha zu baden. So erzählt ein 
Rabbi 2) : »Ich und mein Yater stiegen hinauf nach Hamath-Ga- 
daia, und sie setzten uns kleine Eier vor«. Nach dieser Stelle 
wird dort w^ohl wie in den römischen Bädern die Sitte geherrscht 
haben, dass allerlei Gerichte den Badenden 3) angeboten wurden. 
Aus jener Stelle ergiebt sich ferner, dass selbst Gesetzeslehrer 
sich nicht scheuten, das Bad zu benutzen, wiewohl die Quellen 
sogar mythologische Namen trugen. Wie man sich in solchen 
Fällen rechtfertigte, zeigt ein Ausspruch eines Eabbi Gamaliel, 
der ohne Scheu zu Akko ein der Aphrodite geweihtes Bad ge- 
brauchte, weil er das Bad als die Hauptsache — die Benennung 
aber als etwas Unwesentliches ansah ^j . Mit solcher Weitherzig- 
keit contrastiert dagegen wdeder eigenthümlich die talmudische 
Bestimmung über die Streitfrage, ob man am Sabbath von einem 
Orte aus den anderen besuchen dürfe. Die Entscheidung lautete 
hier^j: »Die Bewohner von Gadara dürfen wohl zu den Quellen 

1; Lib. XVI. 

2) LiGHTFOOT p. 225. (Hier. Schab. Fol. 5, 4;. 

3) Nach Martialis (XII, 19) ass man Lattich, Eier und Seefigehe in den 
Thermen. Nach Marx. V, 70 und Sexeca ep. 5G gab es Speisewirthschaften 
um die Bäder her. 

4) Mischna Aboda Sara III, 4. ISIidrasch Jalkut 278. (Nach Lersch 
S. 15). 

5) LiGnTFOOT p. 224. Erubin Fol. 23, 4. 



190 

herabsteigen, über nicht die des Dorfes zur Stadt hinaufgehen«. 
Es ist dies übrigens die einzige Vorschrift der Rabbiner über den 
Gebrauch der Bäder — ein BeAveis. dass sie hier nicht denselben 
Einfluss hatten wie zu Tiberias. 

\\'eiterhin ist eine an dies liad sich anknüpfende heidnische 
Legende zu erwähnen — ein Ausdruck, der hier sich insofern 
anwenden lässt. als ein heidnischer Gelehrter dabei im Vorder- 
gründe steht, der allgemein als Wunderthäter verehrt ward. Es 
ist dies der von Julian sehr geschätzte Xeuplatoniker Jamblichus 
c. .350 n. Chr. . Sein gläubiger Anhänger Euxapils von Sar- 
des \ erzählt uns von der Beschwörungsgabe des Meisters und 
fügt hinzu . auf welchem Wege die Freunde davon überzeugt 
wurden. Nachdem bereits eine seiner ^'oraussagungen einge- 
troffen war, ohne dass die Zweifel völlig gehoben waren, ereig- 
nete sich, so erzählt er, in den Thermen von Gadara eine Bege- 
benheit, vor welcher alle Bedenken schwanden. Sie gingen in 
Begleitung des hochverehrten Lehrers dahin und nahmen ein 
Bad. Während des Badens wurden gelehrte Gespräche gehalten, 
wie auch in Rom Redner. Philosophen und Dichter in den Ther- 
men selbst disputierten und dictierten 2] ^ und dabei erhob sich 
über die Benennung der Quellen eine Controverse. Jamblichus 
erkundigte sich nach dem Namen von zwei kleinen, aber elegan- 
ten Quellen, und erfuhr, man nenne sie Eros und Anteros; aber 
ohne die Ursache zu kennen. Da berührte er das Wasser des 
Quells , in dem er sass , und siehe, ein Knabe tauchte auf und 
umarmte ihn wie einen Vater. Dasselbe Schauspiel wiederholte 
:«ich an der zweiten Quelle. Danach Hess er die beiden Brüder 
in ihr feuchtes Element zurückkehren. Die Freunde aber zwei- 
felten nicht länger an des Meisters Wundergabe. 

Diese Geschichte ist schon insofern interessant . als sie ein 
eigenthümliches Licht wirft auf das Treiben jener romantischen 
\ ertreter des in den Todeszuckungen liegenden Polytheismus, 

1 Vita Jamblichi. Editio Antverpiana 156S, p. 25 f. Eunapius wird 
von Lersch ;S. 12;{ in das 9. Jahrhundert versetzt, er lebte aber etwa 
um 400. 

2,1 SlET., Aug. c. s5. Plix., Ep. IX, 3(5. Hor.vt., Sat. I, 4, 75. M.\R- 
OR.\FF (Badewesen und Badetechnik der Vergangenheit in der Sammlung ge- 
meinverst. wissensch. Vorträge, 1881 , Heft 3S0, p. 10 nennt die Bäder die 
antiken Casino's. 



191 

welche im Namen der riiilosophio alles aiif boten, den alten 
Glauben am Leben zn erhalten. Es ergiebt sich aber auch dar- 
aus, was oben schon angedeutet war, dass das Leben an dem 
kleinen Badeort einen wesentlich heidnischen Charakter hatte, 
da die Quellen nach Eros und seinem Bruder Anteros genannt 
Avurden^). Den Namen Eros führten übrigens manche Quellen 
im Alterthum. So finden sich in der Anthologia graeca zwei 
Sinngedichte von Mariaxus auf eine Therme dieses Namens 2). 
Nach dem einen entzündet Eros das Wasser mit der Fackel, da- 
mit seine Mutter Aphrodite darin bade, und seit jener Zeit hat 
die Quelle den Rosenduft behalten. Nach dem andern Gedicht 
wollen die Nymphen die Fackel des schlummernden Gottes 
löschen und entzünden damit das Wasser. Vielleicht darf man 
aus jener Benennung schliessen, dass Eros besonders in Gadara 
verehrt ward, umsomehr als zahlreiche Münzen dieser Stadt mit 
dem Bilde der mit Aphrodite identischen syrischen Göttin Astarte 
geschmückt sind. Hatten doch die Bäder bei den Römern meist 
besondere Schutzgötter, deren Bilder angebracht waren 3J . 

Über die Badeeinrichtungen finden sich einige Andeu- 
tungen in der Erzählung : Jamblichus sass i-l tr; xpr,-Too? 7.7.77. 
Tr,v uTripxXuoiv. Danach Avaren die Quellen jedenfalls gcfasst. 
KfiTj-i; ist entweder der Boden des Bassins oder, wie das latei- 
nische crepido, der erhabene Rand desselben. Da u-spxÄoai; die 
Stelle bedeutet, von der aus die Badewanne unter Wasser ge- 
setzt wird, so ist die letztere Auslegung vorzuziehen. Das Becken 
war also mit einem Rand versehen und dürfte etwa ausgesehen 
haben wie das Bassin in dem bei Lersch (Taf. II, Fig. 5) abge- 
bildeten Baptisterium zu Pompeji. Bald darauf Averden schon 
eigentliche Badehäuser erwähnt. Hieronymus berichtet dies im 
Onomasticon unter Gadara : »balneis desuper aedificatis(f. Yiel- 

1) Dass die Avichtigeren Quellen in Griechenland meist ihre Legenden 
hatten, zeigt Bötticher in einem Aufsatz über Wasser und Feuer im Cultus 
der Hellenen (Deutsche Revue, Heft 12, Sept. 18S0, S. 318 f.). 

2) Vgl. die Anthologie A-on Jacobs S. <i2tr u. 627. Hier finden sich zahl- 
reiche Epigramme auf Bäder , die vielfach ein trauriges Licht auf die sitt- 
lichen Zustände zur Zeit ihrer Verfasser A\'erfen. 

3) Vgl. Tertulltax ad Spect. c. S; Ambros. II adv. Syrum; bes. Pru- 
DENTirs contra Syrum II, 444: Cur genium Ilomae mihi fingitis unum, cum 
portis, domibus, thermis, stabulis soleatis assignare suos genios? 

Ztschr. d. Pal.-Ver. Vll. ' -"^ 



192 

leicht dienten diese Gebäude zugleich zur Aufnahme von Frem- 
den wie in Hajae, wo im oberen Stock der Thermenhäuser Woh- 
nuni^en zu haben waren ' ' . Daneben aber mögen einzelne liade- 
gäste die Nacht in Zelten zugebracht haben, wie es heute noch 
der Fall ist in dem merkwürdigen amerikanischen Bade Ocean 
Grove, wo bescheidene Leute auf diese Weise Unterkunft 
finden. 

Der Zeit des Jamblichus gehört auch ein Badeabentheuer 
an. das Epiphanius berichtet 2), dessen unerfreuliche Einzelhei- 
ten nicht hierher gehören 3). Es sei nur erwähnt, was auf das 
IJadeleben jener Tage sich bezieht. Der Kirchenvater erzählt, 
dass alljährlich eine (festliche) Versammlung -avTJyupic) in jenen 
Thennen stattfinde, welche den unvergleichlichen von Bajae nur 
wenig nachständen. Er erblickt jedoch in diesen Zusammen- 
künften eine Kriegslist des Teufels, der eilig, wo Gottes Wunder 
geschehen seien, seine verderblichen Netze auswerfe. Bei den 
Wundern denkt Epiphaniüs an die Heilung der Besessenen 
(Math. S, 28 f.); seine Entrüstung über das Badeleben in Ga- 
dara aber begreifen wir , wenn wir hören , dass Männer und 
Frauen in schamlosester Weise daselbst gemeinsam badeten^) — 
ein Zeichen tiefen sittlichen Verfalles ! Hadrian war denn auch 
jener Unsitte streng entgegengetreten; aber sie hatte sich seit 
Heliogobal wieder eingeschlichen, während im alten Rom 
nicht einmal Vater und Sohn gemeinsam badeten^). Sogar Chri- 
risten besuchten solche Bäder, obwohl schon die apostolischen 
Constitutionen sie verboten c' und selbst nach dem völligen 



1) Sexeca klagt (ep. 56) über den Lärm im untern Stock : supra ipsum 
balneum habito. Cf. Cod. Just. VIII, 10, 1 und Dig. IX, 3, 5, § 1. 

2, Haer. XXX, 4 f. 

3; Ein Versehen von Sepp mag hier Berichtigung finden. Er verlegt die 
Epiph. XXX, S genannten Grabhöhlen IloX'javoptoi nach Tiberias statt nach 
Gadara II, lä'J;. 

4j Leksch berichtet hierüber seltsamerweise das Gegentheil und versetzt 
Eph'U. in das 8. Jahrliundert Ivielleicht Druckfehler). Vgl S. 123. Die Stelle 
bei EpnMi. lautet: ,'AvopÖY'Jvov ixeloe "/.oüov-ai'. Dass man dazu beim Baden 
meist völlig unbekleidet war, darüber siehe die Belege bei Lersch S. 110. 

5; Val. Max. I, 2. 

ß) Const. Ap. ,'A-;ooo7'jvov y'J"''^ "ioty, [j.t, Xo'jsoOuj'. TeRTULLIAN war 
überhaupt gegen jede Thcihiahme am Badcleben (de poen. c. II;, während 
die anderen Väter sich nicht principiell dagegen aussprechen. 



193 

Siege des Christenthums bestand diese Gewohnheit vielfach -svei- 
ter trotz mancher Gegenmassregehi, so dass 692 durch das Trul- 
Uaniim die Verbote erneuert werden mussten. Dazu waren es 
noch angesehene Frauen und Männer in Würden , ja Kleriker 
und Asketen, Avelche sich betheiligten ') . Allerdiugs sah es nicht 
überall so schlimm aus, wie Mittheilungen des Aktoxinüs über 
den Siloahquell in Jerusalem beweisen, worin die Trennung der 
Geschlechter erwähnt ist^). In Gadara hat sicher die Nachbar- 
schaft des diu-cli sittenlose Culte berüchtigten Syriens mitge- 
wirkt. Dass übrigens die Juden es nicht besser machten, geht 
eben aus der Erzählung des Epiphanius hervor, nach welcher der 
Sohn eines angesehenen Israeliten (eines Patriarchen) in Beglei- 
tung seines Mentors, der merkwürdiger Weise den Titel eines 
Apostels führte , bei dieser Gelegenheit mit einer Christin zu- 
sammentraf, welcher er dann lange vergeblich nachstellte. 

Eine Beschreibung der Badeeinrichtungen findet sich 
in dieser Geschichte nicht 3) ; doch gewinnt man den Eindruck, 
dass der Ort im vierten Jahrhundert ausserordentlich besucht 
war. Vermuthlich fanden auch Lustbarkeiten für die Gäste 
statt, wie in Bajae, jener Herberge des Lasters^), wo auf den 
Villen oft grossartige Feste gefeiert wurden. Es ist kaum als Zu- 
fall zu beti achten, dass die Trümmer von einem der drei Theater 
sich in nächster Nähe der Thermen befinden. 

Während die letzten Berichte in jene Tage uns versetzen, 
in welchen Christenthum und Heidenthum miteinander noch ums 
Dasein kämpften, führt uns die nächste Mittheilung in eine Zeit, 
in der die heidnische Legende mit den heidnischen Göttern längst 
zu Grabe getragen war, während dagegen die christliche Legende 
alle hervorragenden Stätten des gelobten Landes umwob. Ga- 

1) Selbst in Deutschland kam ein gemeinsames Baden beider Geschlech- 
ter im 15. Jahrhundert^ vor, wie z. B. PoGGio über Baden bei Zürich be- 
richtet. 

2) De locis sanctis c. XXIV. 

3) Nur ein terminus technicus kommt vor; dr,rj wird alsTheil eines Bades 
erwähnt. Nach Stephanus bedeutet dies den Rand des Beckens, also dasselbe 
wie 7-pTjrt;. 

4) Deversorium vitiorum nach Sexeca ep. 51. Er verlässt den Ort nach 
einem Tage schon, weil ihn die Üppigkeit zum Besuche auserwählt habe. ^ gl. 
den ganzen Brief. 

13* 



194 

dura war inzwischen eine christliche Stadt geworden und Sitz 
eines Bischofs ' . Die heidnischen Namen der Bäder sind ver- 
schwunden — sie heissen jetzt dagegen Thermen des Elias. 
wie man denn in dieser Zeit alle möglichen Localitäten, Flecken, 
Kerge. Flüsse, Quellen nach Elias, Elisa und Moses und ande- 
ren Männern des alten Testaments benannte. Als Berichterstatter 
ist wieder Antonixus Maktyr zu nennen ^i. Er bietet die Notiz : 
Gadara ("nach Cod. Vat. Gaddera^ quae et Gabaon (T dicitur", 
und legt auch dem Flusse den gleichen Namen bei. Die Wasser 
lagen am dritten Meilensteine von der Stadt aus gerechnet. Da- 
selbst war ein Freradenhaus (Xenodochium) ad 'publicas delicias'. 
Hier boten sich also dem Fremdling manche Annehmlichkeiten, 
welche frommen Pilgern meist gratis zu theil wurden. So war es 
wenigstens im Xenodochium St. Georgii, »in quo habent refu- 
gium transeuntes et eremitae stipendia« •\ . 

Besonders wichtig war das Bad damals für Aussätzige, die in 
der Zeit des Antoninus sehr zahlreich gewiesen sein müssen . da 
oft im Eeisebericht von ihnen die Rede ist. Die Heilmethode 
war aber eine höchst eigenthümliche, auch ^^•irkten manche su- 
perstitiöse Anschauungen mit. Die Patienten durften nur in der 
Nacht die Thermen benutzen. Die ganze Nacht hindurch muss- 
ten sie in einer grossen Wanne (solium) sitzen , die wohl nur für 
den Gebrauch der Aussätzigen bestimmt war. Das Baden bei 
Nacht war allerdings auch bei den Römern nicht selten, ja es 
kommen Vermächtnisse vor , welche die Lieferung des zu ver- 
wendenden Öles betreffen 4) . Dagegen finden sich auch Verord- 
nungen gegen das Baden bei Nachtzeit ^j. Beleuchtung wurde 
natürlich auch in Gadara angeAvandt; Antoninus berichtet, dass 
die Kranken , wenn die bis zur Füllunsr der Wanne beschlösse- 
neu Thüren (ostia) sich wieder öffneten, zur Abendstunde durch 

1 TOBLER, Itinera Hier. Nr. XV. Notitia Antiochiae ac Jerosolymae 
patriarchatuum (Saec. VI , p. 340. 

2, Cap. VII. 

3 Auch in Jerusalem war ein Ort, wo auf Anordnung der Kaiserin He- 
lena Armen und Pilgern Brot gereicht wurde (Axt. M. c. XXVII). Unent- 
geltliche Aufnahme fanden Pilger, Männer und Frauen, in einem Kloster am 
Zion c. XXIII . 

4) Lersch S. 10. 

5 Lersch S. 105. Mahggraff S. 31. 



195 



den Porticiis eingelassen wurden, mit Leuchtern und Weihrauch 
(cum himinaribus et incenso). Die Aussätzigen sahen im Zu- 
stande der Betäubung (soporati), in den sie freilich unter solchen 
Umständen leicht gerathen mussten, eine Vision, welche sie dann 
mitzutheilen hatten. Die ganze Sache erklärt sich am leichtesten 
als ein Niederschlag altheidnischer Anschauungen, nach welchen 
die Deutungen der Träume beim Schlaf im Ileiligthum eines 
Hades eine grosse liolle spielten'). Die nun folgende Stelle ist 
nicht recht verständlich und auch nach dem ToBLER'schen Texte 
schwer zu deuten. Sie lautet: ,Dum eam recitaverit (is qui cu- 
randus est) , abstinentur ipse therme septem diebus, et intra Sep- 
tem dies mundantur'. Danach hätte man also nach der Mitthei- 
lung des Gesichtes die Bäder jedesmal sieben Tage dem allge- 
meinen Gebrauch entzogen. Sollte nicht die Stelle vielmehr ur- 
sprünglich so gelautet haben: Dum eam recitaverit, abstinetur'^) 
ipse thermis Septem diebus et intra Septem dies mundatur, «er 
enthält sich der Thermen sieben Tage lang und wird binnen sie- 
ben Tagen rein«. Vtei der von Tobler selbst 3) zugestandenen 
trostlosen Textescorruption diesesTtinerariums dürfte eine solche 
Conjectur wohl gestattet sein. 

Von dieser Zeit an hört man nichts mehr von dem Bade^;, 
bis Seetzen am Anfang dieses Jahrhunderts die Ruinen der be- 
nachbarten Stadt wieder auffand, und Burckhardt (IS 12 u. A. 
dann auch die Quellen besuchten. Heute werden die Thermen 
el-Jiamma genannt und stark besucht , obwohl die Hitze fast er- 
stickend ist; es sind oft einige hundert Badegäste da, die viel- 
fach aus Galiläa herüberkommen. Die Bäder bieten noch weni- 
ger Comfort als die vonTiberias; ein Badehaus existiert gar nicht 
mehr. Dagegen ist wenigstens eine Quelle mit einem grossen 

1) Vgl. MAßOGRAFF S. 7. 

2; Abstinetur im Sinne von «sich enthalten«, z. B. Columella 7. l(t, 5 : 
Totus grex abstinetur potione et pabulo. 

3] Itinera, Pi'ooemium p. XXVIII. 

4; In dem von Tobler herausgegebenen Fragmentum, quod libro primo 
Arculfi additum est (p. 238), findet sich eine Stelle, in welcher Gergissa mit 
Gadara verwechselt wird und darum zu einer ausHiERONYMUS Onom. wörtlich 
entlehnten Stelle hinzugefügt wird: »quia ibi calide erumpunt aquec I3er 
Verf. war sicher nicht an Ort und Stelle gewesen und combinirt nur ver- 
schiedene Berichte. 



196 

Hassin versehen . das nach. Mkkill 60 oder mehr Yards lang, 30 
breit und Fuss tief ist. In demselben befindet sich eine kleine, 
mit Schilfrohr bedeckte sch-wimmende Insel. Auch an den ande- 
ren Quellen finden sich Überreste früherer Einrichtungen. Dass 
man das Bad schätzt, beweist der Umstand, dass der Grund, auf 
dem es sich befindet, als neutral gilt •) , so dass hier Freunde und 
Feinde friedlich zusammentreffen. Über die liedeutung dieser 
Thermen sagt Mekill : »Wenn El Ilamma , Avie der Platz jetzt 
heisst , wieder aufgebaut werden könnte , Avürde es nicht nur 
einer der anziehendsten Versammlungsorte Syriens , sondern 
auch einer der interessantesten der ganzen Welt werden«. 

Uer Aiifenthalt der Badegäste dauert jetzt etwa 14 Tage. Die 
Wirkungen des AVassers sind verschieden an den verschiede- 
nen Quellen ; sie sind ähnlich wie in Tiberias, sollen aber noch 
durchschlagender sein. Was die geologische Beschaffenheit des 
Terrains anlangt, so ist dieselbe von Lynch untersucht worden-, . 

Das letzte der bekannteren Heilbäder Palästina's ist Kallir- 
rhoe «Schünbrunn« auf dem Ostufer des Todten Meeres, in der 
Gegend des kleinen Flusses zerkä mdln. Für zwei Gruppen von 
Thermen wird der Anspruch auf diesen stolzen Namen erhoben. 
Auf der Nordseite des Flusses entspringen aus zwei Felsen, etwa 
2o Minuten von einander entfernt, einige sehr heisse schwefelhal- 
tige Quellen (42 — 45° E..), vier grosse und mehrere kleine, die 
sich bald in den Fluss ergiessen, welcher in einer einsamen engen 
Schlucht zum Todten Meere fliesst und noch an der Mündung 
eine ansehnliche Temperatur (23° R.) aufweist. Aber auch eine 
halbe Stunde südlich vom Ausflusse finden sich Avarme Quellen, 
die einen Bach bilden, welcher unmittelbar in das Salzmeer läuft. 

^^■iewohl die Meisten — auch Kkkstex, der 1S74 das Todte 
Meer umwanderte ''\ — die nördlichen Quellen als die von Kal- 
lirrhoe bezeichnet, so möchte ich doch an die südliche Keihe von 

1 Vgl. Baedekeu's Palästina und Syrien'^ 297 und Mekill. a. a. Ü. 
p. 111. 

2 Ufficial Keport. p. 139. 

'6\ Die Beschreibung des Flussthals und der daselbst befindlichen Ther- 
men liefert Keu-STEN, ZDPV. II, S. 2üU; einen kürzeren Bericht über die 
südlichen Quellen ebenda S. 221 (nach dem Bericht von H. Rotue . 



197 

Thermen denken. Zunächst schon darum, Aveil sich bei dem 
Orte Kallirrhoc den Nachrichten zufolge eine bedeutende An- 
siedhing befand , zu welcher in der engen Schlucht des zerkü 
mdin kein Raum war, während am Meeresufer und auf den Ter- 
rassen, in Avelche das Hochland von Moab hier abfällt '), es nicht 
an Platz zu Anlagen fehlte. Ferner bemerken die alten »Schrift- 
steller einstimmig , dass die Thermen von Kallirrhoe (unmittel- 
bar) in das Todte Meer abfliessen ; die nördlichen Quellen strö- 
men dagegen zuerst in den Zerka'^l. Josephus unterscheidet 
übrigens auch die Thermen Kallirrhoe' s von anderen, welche 
nördlich von Machaerus im Thale von IJaaras liegen 3) ; er deutet 
mindestens mit keinem Worte an, dass beide identisch seien. 
Zieht man alle diese Umstände in Betracht, so ergiebt sich, dass 
man schon im Alterthura zwei Thermen auf der Ostseite des 
Todten Meeres kannte, die nördlich gelegenen von liaaras oder 
Haaru*) und die südlich gelegenen von Kallirrhoe oder Lisa 
(Lasa) ^) . 

Wenden wir den Blick zuerst auf die Quellen im Sü- 
den! Infolge der einsamen Lage konnten diese Thermen nicht 
die Bedeutung gewinnen wie die von Tiberias und Gadara; wenn 
aber Hieronymus mit Recht Kallirrhoe mit dem Lasa identi- 
ficirt, welches als Grenzstadt Kanaans Gen. 10, 19 genannt 
ist ^') , so gab es schon in sehr alter Zeit eine Ansiedlung an der 
Stelle, die dem Stamme Rüben gehörte"). Vermuthlich hat Ile- 
rodes der Grosse, als er die Festung Machaerus herstellte und 
zeitweise als Residenz benutzte, dem Orte den neuen Namen 



1) ZDPV. II, S. 221. 

2; Josephus, Bell. jud. I, 33, 5 (vgl. Ant. XVII, 6, 5): TaüTa os i%ziz\. 
£•; TT,v 'AacfctXxiSa >.i[i.vT,v; ferner Hier, ad Gen. 10, 19: ,Quod Lasa sit, quae 
nunc Callirrhoe, ubi aqiiae prorumpentes in mare mortuum defluunt'. 

3) B. J. YII, 0, 3 (Neubauer hat aus Versehen VIII, 6, 3,. 

4) Hier. Onom. ad vocem Beelmeon sagt: ,Hic Beelmeon trans Jorda- 
nem. Est autem vicus usque nunc grandis juxta Baaru in Arabia, ubi aquas 
call das sponte humus effert, cognomento Beelmaus, distans ab Hesbu^ milli- 
bus noveni'. EUSEBIUS: BsE/.aicuv, [■/.ajtj.r^ jxeftaTY] rXr^zWi -o~j opo'j; twv i^epfAÖJv 
•joaTojv. Baaras oder Baaru lag also in der Nähe von Beelmeon. 

5) Hier, ad Gen. 10, 19. 

6) Schwarz, das heilige Land 181 , führt noch einige jüdische Angaben 
an, aus denen sich die Identität von Lasa und Kallirhoe ergiebt. 

T; Numeri 32, 38. 



198 



nach tler von ihm geschätzten Quelle gegeben. Den Namen Kal- 
lirrhoö trugen bekanntlich noch viele andere Quellen ; die be- 
rühmteste unter ihnen Avur auf der Akropolis zu Athen. So hat 
wohl der für griechisches Wesen interessirte Fürst auch sein 
»Sdiönbrunna haben Avollen. Er hat auch sicher für eine ratio- 
nelle Einrichtung an den Quellen gesorgt, da er ja anderwärts 
zu Askalon. Caesarea und selbst in Machaerus mit vielen Kosten 
künstliche liäder herrichten Hess. l)ass die Wasser von Kallir- 
rhoe es werth waren, gefasst zu werden , beweisen die Lobeser- 
hebungen des JosEPHUS, welcher sagt, dass sie neben ihrer uni- 
versalen Brauchbarkeit (auv xf^ kc, -avr' apsTfj i auch trinkbar seien 
L\nt. XYII. ü, 5). Sie haben dies mit den Thermen von Tibe- 
rias gemein, denen sie auch sonst ähnlich zu sein scheinen. Auf- 
fällig ist nur der Zusatz in der andern Stelle des Josephus (B. J. 
I, 33), dass sie wegen ihrer Süssigkeit trinkbar seien. Es bezieht 
sich dies wohl nicht auf alle Quellen, da kaum alle süss sein 
dürften. 

Wie sehr Herodes dieses Bad zu schätzen wusste , ergiebt 
sich aus der Geschichte seiner letzten Krankheit ') . Trotz furcht- 
barer Qualen sich an das Leben klammernd , liess er sich von 
Jericho aus über den Jordan dahin bringen. Die Arzte begnüg- 
ten sich aber nicht mit dem Gebrauche der Thermen , sondern 
machten einen letzten Versuch mit dem dem Tode verfallenen 
und doch dem Verhängniss widerstrebenden Tyrannen : sie Hessen 
ihn ganz in eine Wanne mit warmem Ol setzen — eine Kxir. die 
in der Kaiserzeit ziemlich beliebt war ^ , . Aber er sank plötzlich 
in eine tiefe Ohnmacht , und w enn er auch infolge seiner zähen 
Lebenskraft wieder erwachte, so verzweifelte er nun doch an 
seiner Rettung und liess sich nach Jericho zurückbringen, wo er, 
bis zuletzt mit Mordgedanken erfüllt, verschied. Nach ihm weilte 
Antipas vielfach in Machaerus und gebrauchte gewiss auch oft 
die Bäder mit seinem Hofe. Wie aus der Erzählung des Jose- 



1 Nach MERU.L (p. 141 ist das von Herodes besuchte Bad Tell-Ham- 
mäm, gegenüber von Jericho in der Schittim-Ebene. Seine Gründe sind nicht 
angeführt ; vermuthlich dünkt es ihm unwalirscheinlich, dass ein Sterbender 
eine so weite Strecke gesclileppt wurde, von Jericho bis zum Zerka; allein 
JosEPnvs nennt ausdrücklich das Bad Kallirrhoe. 

2, Lekscu S. 91. 



199 



PHUs hervorgeht, fehlte in Kallirrhoe nichts von dem, was das 
Badeleben fordert. 

Nach der Zerstörung vonMachaerus am Ende des jüdisclien 
Aufstandes niusste der Besuch der Bäder bedeutend abnehmen ; 
immerhin hören -wir aus der alten Zeit von ihrer Heilkraft noch 
mancherlei. In den Tagen des Josephus gedenkt derselben noch 
PLl^"lus, welcher schreibt '; : «Auf derselben Seite wie Machae- 
rus; ist eine heisse Quelle von ziemlicher Heilkraft (modicae sa- 
lubritatis), Kallirrhoe, welche den Kiihm ihrer Wasser schon 
durch den Namen verkündigtu. Im zweiten Jahrhundert erwähnt 
sie der Geograph Ptolemäus '-) , der ihre Lage genau fixirt hat 
(31°, 10 Breite, 67°, 6 Länge), also auch an Ort und Stelle ge- 
wesen ist. Es begegnen uns dann noch die oben angeführten 
Stellen der jüdischen Schriftsteller, sowie des Onomasticon, aus 
denen so viel zu entnehmen ist, dass bis zum Beginn des Mittel- 
alters noch eine Ansiedlung Kallirrhoe existirte. Über das Bade- 
leben findet sich dagegen keine Mittheilung mehr -vor. Allmäh- 
lich ist der Ort völlig vom Erdboden verschwunden. Von neue- 
ren Reisenden hat zuerst Seetzex (ISÜ7) wieder die Quellen be- 
sucht 3). Neuestens ist Rothe (1S74) an der Stelle gewesen, 
deren Umgebung er beschrieben hat. Danach giebt es mehrere 
heisse Quellen , die nach dem Meere fliessen . abwechselnd mit 
kalten. An Badeanlagen fehlt es ganz; doch legen Dattelbäume 
noch Zeugniss davon ab, dass einmal menschliche Cultur hier 
heimisch war. Genauere Untersuchungen über diese Thermen 
sind noch nicht angestellt worden. 

Ebenso einsam sieht es heute bei den nördlichen Quel- 
len aus. Einst war es aber auch hier belebter. Das beweisen 
noch die Reste der alten Römerstrassen, welche von Norden imd 
Süden in den Thalkessel herabführen. Eine ziemlich genaue Be- 
schreibung dieser Thermen bietet Josephus, Bell. jud. ^II. G. 3. 
Eine Örtlichkeit (to-q;) des nördlich die Stadt Machaerus umge- 
benden Thaies, sagt er. wird Baaras genannt ^^ . Ist damit eine 

1 H. N. 5, IG. 

2 Geogr. V, 15. 

3; Die erste Nachricht darüber findet sich in ZACHsCorrespondenz ISÜS. 
Band IS, 417 f. Genaueres in Seetzen's Reisen. 

4) Der Name hängt, wie schon früher vermuthet ward {Seetzex IV, 379) 
mit 'Vz zusammen, -weil Spuren unterirdischen Brandes vorliegen. Man Avird 



200 

Stadt gemeint ? Da Josephus dicimal nur von einem totto; redet 
und da in dem äusserst engen Tliale kaum eine Ansiedlung mög- 
lich -Nvar, so dürfte wohl anzunehmen sein, dass ein bestimmter 
Theil des Thaies jenen Namen trug, etwa der Berg, an dem die 
Quellen entspringen ') . Dafür spricht auch ein Vergleich des 
Ünomasticon von Eusebius mit der Überarbeitung des Hierony- 
MLs. Elsebius sagt, ISeelmeon liege nahe an dem Berge der 
warmen Wasser, wälirend Hieroxymus dafür angiebt : »nahe von 
Baaru in Arabien, wo der 15oden von sich warme Wasser hervor- 
bringt'!. Danach scheint es also einen Berg dieses Namens gege- 
ben zu haben. Neubauer meint nun 2), die Quelle von Baaras 
(er nennt sie Baris), die er für Kallirrhoe hält, sei zugleich auch 
mit jener Quelle von Biram identisch, welche im Talmud 
neben Tiberias und Gadara erwähnt ist, und für Biram sei Baris 
zu lesen. Allein dadurch wird die Verwirrung nur noch grösser. 
Abgesehen von der fraglichen Correctur , kennt der Talmud ein 
l^iram am Euphrat, das drei Quellen liat^); endlich beruht Nei ;- 
BAUERS Aussage über Flammen, die man in der Nacht im Thale 
aufsteigen sehe, auf einem völligen Missverstehen dessen, was 
Josephus über die Winiderblumen Baaras berichtet, so dass auch 
die ganze folgende Argumentation hinfällig ist. 

Josephus schildert weiter auch die Beschaffenheit der 
Quellen. Dieselben sind hinsichtlich des Geschmackes sehr 
verschieden, einige sind bitter, andere lassen an Süssigkeit nichts 
zu wünschen übrig. Daneben finden sich auch parallel laufende 
kalte Wasser; was aber das Wunderbarste ist, man erblickt eine 
nicht tiefe Höhle , die durch einen vorspringenden Felsen be- 
deckt ist, über welchem gleichsam zwei Brüste hervorragen, von 
denen die eine kaltes, die andere warmes Wasser darbietet. 
Wenn man beide Wasser mischt, so giebt es ein angenehmes 
Bad. heilsam bei Krankheiten, besonders bei Nervenleiden. Die 
Mischung war offenbar darum nöthig, weil das Wasser der Ther- 

auch durch diese Namen an die oben erwähnte Stelle des Henochbuches von 
dem unterirdischen Feuerpfuhl u. s. -w. erinnert. 

1 Auch RoBl.NSON (Physische Geographie S. 177) fasst das "\Voj:t löro; 
in ähnlichem Sinne auf; er giebt es mit »Platz« wieder. 

2 A. a. ü. p. :n'). 

.1 Genaueres bei Schwarz a. a. O. S. 275. 



201 

raen ohne dieselbe zu heiss geworden wäre; man darf aber wei- 
ter ans dieser Bemerkung den Schluss ziehen , dass es an Bade- 
einrichtungen an dieser Stelle nicht fehlte, liömische Münzen, 
die man hier fand, beweisen gleichfalls, dass diese Thermen auf- 
gesucht wurden. Auch hier mag Ilerodes der Grosse manchmal 
gebadet haben. 

In den neueren Berichten wird nun freilich nichts von kal- 
ten Quellen im Zerka-Thale erwähnt, während Hothe mittheilt, 
dass zwischen den südlichen Thermen auch kalte Bächlein 
Üiessen. Ferner erzählte Seetzen's arabischer Diener ') seinem 
Herrn, es finde sich bei den südlichen Quellen eine Felswand, 
aus der drei Quellen hervorspnulelten , von denen die mittlere 
kalt, die andern aber heiss seien. Es haben desshalb manche ge- 
meint , die Beschreibung des Josephus auf diese Thermen be- 
ziehen zu sollen. Allein dieser Schriftsteller sagt klar, dass das 
Heilbad von Baaras im Thale nördlich, von Machaerus gelegen 
war, so dass an die südlichen Thermen hier keincnfalls gedacht 
werden kann. 



Ich füge noch einige Mittheilungen über andere Qu ei- 
len Paläst ina's hinzu, von denen wir weniger wissen und die 
jedenfalls den genannten sich nicht vergleichen lassen. Immer- 
hin haben die spärlichen, zum Theil legendenhaften Notizen 
über den Gebrauch dies3r Wasser Werth , w'eil sie Beiträge zur 
Kenntniss des palästinensischen Badelebens zu verschiedenen 
Zeiten liefern. 

Im 6. Jahrhundert werden die »Thermen des Moses« 
erwähnt , w^elche oft mit Kallirrhoe verwechselt wurden , aber 
offenbar nördlich vom Todten Meer zu suchen sind. Es liegen 
zwei Berichte vor, von Theodostus^) und von xIntoxinus^j, 
welche viel Ahnliches haben und auf dieselbe Localität sich zu 



1) Reisen II, 368. 

2 C.XIX. In ipsa Liviada Moises silicem de virga percussit et fluxerunt 
aqua, que abundantius totam terram irrigant ; dactylorum incolatum majorem 
habent. Ibi et Moises migravit a seculo. Et ibi aque calide sunt, ubi Moises 
lavit et in ipsis aquis calidis leprosi mundantur. 

3) Itincr. c. X. 



202 

beziehen scheinen. Aber nach Theodosius sollte man die Moses- 
thermen bei Livias ^Julias) , also einige Meilen vom Todten 
Meere, suclien, ^viihrend sie Aktoninus in die unmittelbare Nähe 
desselben verlegt. Wenn man in den Worten des Theüuüsius: 
et ibi aque calide sunt, ubi Moises lavit, et in ipsis aquis calidis 
leprosi mundantur, das »et ibi« urgirt. so bleibt nichts übrig, 
als zwei Thermen zu unterscheiden , welche die Legende glei- 
chermassen mit Moses in Beziehung brachte, eine nördliche bei 
Livias und eine südliche am Todten Meere. Die warmen Wasser 
des Theodosius sind in diesem Falle zweifelsohne dieselben, 
welche heute noch sprudeln an dem von Merill beschriebenen 
Teil el-Hammam'). auf dem auch Ruinen sich befinden. 
Dieser Hügel liegt nämlich östlich von Teil er-Käme , auf dem 
nach der Annahme der meisten Forscher ^auch Mekill's) Livias 
von llerodes Antipas erbaut wurde-). Da aber mit »et ibi« in bei- 
den Keisebcrichten oft nur die ungefähre Lage bezeichnet ist, so 
darf man die Worte wohl auch hier in diesem Sinne deuten, um- 
somehr . als Theodosils «in i p s a Liviada« dem »et ibi« gegen- 
übergestellt hat. Ist diese Auslegung richtig, so sind die beiden 
Berichte zu vereinigen und die Thermen des Moses in der Nord- 
ostecke des Todten Meeres zu suchen. Nun wird allerdings in 
dieser Gegend eine warme Quelle nicht von neueren Reisenden 
erwähnt, sondern nur ' Ain es-Suweime 3) , eine nicht heisse Quelle. 
Aber in dieser Gegend müssen in alter Zeit Thermen gewesen 
sein, wenn AjS'TONINIjs irgendwie Glauben verdient, der, wie es 
scheint, an Ort und Stelle gewesen ist. Er selbst nennt den Ort, 
in welchem oder bei welchem (in quo loco) die Mosesthermen 
waren, jjSalamaida, ubi reman&erunt due semis tribus filiorum 
Israel, priusquam transirent Jordanem«. Salamaida ist demnach 
wohl identisch mit Ikth-Jesimot Num. 33, -iQ) oder Besimot 
(Joseph. B. J. IV. 3, 6), nach Merill u. A. dem heutigen Su- 
weime in der Nähe des Salzmeeres ^] . So führt denn auch diese 

Ij Statements for 1879, p, 144. 

2, Vgl. ZDPV. II, S. 3 (vgl. S. 246. D. Red.). 

3y RoBlxsoN, phys. Geographie, S. 258. 

4, Dieses Salamaida kann nicht mit dem im Hodoeporicon S. Willi- 
UALDi c. XXVI erwähnten Ort identisch sein ; denn dieser lag bei Emesa, in 
extremis (inibus Sjriae. 



203 

Bestimmung in die Nilhe des Ain es-Suweime i) . Nimmt man 
dazu, dass zwischen dem Todten Meere und Hebron, worauf Herr 
Prof. GuTHE mich aufmerksam gemacht hat, sich ein Wadi Ujiin 
Müsa '^) heute noch findet, so dürfte die Frage als erledigt anzu- 
sehen sein. 

Während Theodosius nur die kurze Mittheilung macht, dass 
auch Aussätzige in den Avarmen Wassern geheilt wurden, be- 
schreibt Antoxinus die Heilmethode ausführlicher. Von der 
Quelle sagt er zunächst, sie habe sehr süsses Wasser, welches 
als Keinigungsmittel getrunken werde 3) und viele Krankheiten 
heile. Es erinnert dies theils an das Lob des Josepuus über die 
Wasser von Kallirrhoe, theils an die von Maimoxides erwähnten 
Wirkungen der Bäder von Tiberias. Jene Quelle befindet sich 
nicht weit vom Salzmeer, an oder in welchem im Monat Juli und 
August und bis in den halben September den ganzen Tag lang 
die Aussätzigen liegen ; am Abend aber baden sie in den Ther- 
men des Moses selbst (in ipsis thermis) und finden zum Theil 
durch die Gnade des Herrn Heilung. 

Es ist sehr auffallend, dass von einer so wohlthätigen Quelle, 
dazu nicht Aveit von Jericho, uns nicht mehr l^erichte vorliegen. 
Man weiss aber, dass im 6. Jahrh. vielen Wassern Heilkräfte 
zugeschrieben wurden, die in Wirklichkeit keine aussergewöhn- 
lichen Eigenschaften besassen, sondern durch eine biblische Ke- 
miniscenz oder auch nur durch eine Legende geheiligt erschienen; 
daher ist es wohl möglich , dass auch der Werth der Moses- 
thermen in jener Zeit mindestens Aveit überschätzt Avurde. Übri- 
gens könnte auch jene Quelle inzAAischen versiegt sein, wie nach 
Fraas (ZDFV. H, 113 f.) auf dem linken Jordanufer in der Nähe 
von Jericho einige SchAvefelquellen Aersiegt sind ^ . 

1) Am Schlüsse des Capitels Avird noch die Entfernung jenes Ortes, wo 
Moses A-erschied, auf acht Meilen angegeben. Es ist aber nicht ganz klar, ob 
der locus ille der Thermenort ist oder ob eine neue Localität bezeichnet 
werden soll. Vergleicht man den Bericht des Theodosius, so -wiTd man ge- 
neigt sein, sich für das Erstere zu entscheiden Jedenfalls steht auch diese 
Distanzangabe nicht im Widerspruch mit der oben angenommenen Lage der 
von AxTONiNUS erwähnten Thermen. 

2 Einige Karten haben auch die 'Ujün oder 'Ajün Müsa selbst. 

Anm. d. Red. 

31 Für pro catarthico bei ToBLER ist doch wohl pro cathartico zu lesen. 

4> Eine etwas salz'ge Quelle befindet sich nach SeetzexII, 374 zwischen 



204 

Die Stelle über das Salz raeer bedarf noch einer kurzen 
Erliiutening. Es steht nämlich bei A>'TOXixus : .in quo mari ja- 
cent leprosi". Man müsste danach an ein stundenlanges Haden 
in dem Todten Meer denken, wenn nicht hinzugefügt wäre, in 
dem Meer könne kein Mensch schwimmen. Darum nimmt Skpp 
(I, S. 2S1) an. dass die Leute den Tag über an dem Meere lager- 
ten, um Abends in den Thermen Genesung zu suchen. Man 
könnte freilich einwenden. Antoxinus wolle nur die Möglichkeit 
des eiffentlichen Schwimmens bestreiten, nicht aber die des 
l^adens. wie denn der Pilger von Bordeaux sagt') : 'si quis ho- 
miuum miserit se, ut natet, ipsa aqua eum versat" ; aber Axto- 
xiNus fügt noch hinzu : quidquid in illvnl projectum fuerit, in 
profundum demergitur^j, woraus man schliessen möchte, dass 
man zu jener Zeit vor einem Baden im Todten Meere sich ge- 
fürchtet habe. Eine sichere Entscheidung lässt sich nicht tref- 
fen . da die Fassung der Worte : 'in quo mari toto die jacent 
leprosi, ad vesperum autem lavantur in ipsis thermis Mosis", 
wieder den Gedanken an ein Bad im salzigen Wasser des Todten 
Meeres nahezulegen scheint. Dass man jedenfalls schon in alter 
Zeit an eine Heilkraft dieses Wassers glaubte , beweist eine Er- 
zählung des Galexus ^ , wonach ein Reicher aus Italien sich 
Wasser aus dem Erdharzsee in Palästina besorgen liess. Ferner 
berichtet Josephus'*), das Erdharz, dessen auch Antoxixus ge- 
denkt 5) , sei nützlich zur Heilung von Menschenleibern und 
werde vielen Arzeneien beigemischt. Der lange Aufenthalt 
im Wasser würde durchaus nichts Auffälliges haben, da Ahn- 
liches öfter berichtet wird. Zu Gadara sassen die Aussätzigen 
die ganze Nacht in der Badewanne, eben zur Zeit des Antoni- 
Nus. Über Tiberias berichtet Edrisi ausdrücklich, dass die Kran- 

dem Bach Suweime und dem Wadi Hesbon — eine Viertelstunde nördlich von 
Suweime. 

1 ToüLEU, Itinera, p. l'J. 

2, Diese Stelle sagt merkwürdigerweise buchstäblich das Gegentheil von 
Jos., Bell. Jud. IV, S, 4. 

3) SeppI, 681. 

4, Beda, De locis sanctis c. XII hat diese Stelle wörtlich aufgenommen 

5; ,Ad cujus litus l)itumen et stilplmr colligitur'. Jetzt ist es nicht so 
leicht, Asphalt auf dem Ufer zu linden vgl. Seetzen II, 372) ; die Notiz des 
Antomxvs findet aber ihre Bestätigung durch Joseph., Bell. Jud. IV, S, 4. 



205 

ken drei Tage daselbst im Wasser blieben. Vielleicht bestand 
die gleiche Sitte zu Gadara auch in den Tagen des Epiphanius, 
da er nur von einem Aufenthalte von ■wenigen Tagen redet. 

Es ist hier -weiterhin des Teiches IJethesda zu gedenken. 
Doch lassen -wir die theologischen und topographischen Contro- 
versen am besten hier bei Seite , da dieselben so vielfach schon 
behandelt sind und eine sehr ausführliche Besprechung erfordern 
würden, und berücksichtigen nur die Mittheilungen über die 
Ladeeinrichtungen, die -wir theils im Evangelium Jolumnis, theils 
in andern Quellen empfangen. Nach Ev. Joh. c. 5 war der Teich 
von fünf Säulengängen umgeben, welche dazu dienten, den Lei- 
denden gegen das Wetter Schutz zu gewähren. Sie waren zu 
diesem Zwecke wohl nach aussen hin mit einer Wand versehen. 
\'ielleicht sollten sie zugleich denen, welche von auswärts kamen, 
für die Zeit ihres Aufenthalts Obdach bieten, bis sie entweder 
Genesung fanden oder an der Herstellung verzweifelnd sich wei- 
ter bringen Hessen. Der Besuch dieser Quelle scheint zu Christi 
Zeit ein sehr zahlreicher gewesen zu sein. Die Berichte der Pil- 
ger, welche sich häufig mit Bethesda beschäftigen, haben aus- 
schliesslich für die Topographie Interesse , Avährend die Balneo- 
logie leer ausgeht; sie können daher füglich hier unbeachtet 
bleiben. Nur eine Notiz, die öfter wiederkehrt, verdient hervor- 
gehoben zu werden, nämlich, dass ein Doppelbassin sich an der 
Stelle befand ; das eine Becken war vom Winterregen angefüllt, 
das andere mit röthlichem Wasser gefärbt ^) . Nach den neueren 
Untersuchungenistl^ethesda, welches man frühschon an verkehrter 
Stelle suchte 2) , mit der intermittirenden Quelle Hammäm esch- 
Schifä identisch, deren Wasser salzig schmeckt, übrigens nicht 
zum Trinken, sondern nur zum Baden brauchbar ist 3] . 

In Jerusalem ist ferner des Siloahteiches zu gedenken. 
Allerdings ist das Wasser nicht heilkräftig; da es aber dafür an- 
gesehen wurde und darum auch Badeanstalten daselbst sich in 
früherer Zeit befanden, so darf jener Teich an dieser Stelle mit 



1) Vgl. das Onom. des Eusebius und den Pilger von Bokdeaux , der 
allerdings den Teich Bethsaida nennt, aber gewiss mit den »piscinae gemella- 
res quinque porticus habentes« die Anlagen von Bethescla meint. 

2; Auch die ,piscina natatoria, que quinque porticus habet', welche An- 
TONINUS erwähnt, ist nicht der richtige Bethesdateich. 

3) Sepp I, S. 272. 



2UG 

erwähnt werden. Die h. Schrift erzählt inis nichts von einer heson- 
ileren Kraft des Wassers : dagegen vermuthete man dieselbe spä- 
ter von christlicher Seite, weil Christus den Blindgehorenen zm- 
/.o/.'ja3r'f>oa toij ^liAtootu- geschickt hat. sich darin zn waschen Ev. 
.Toh. c. iV . Aus diesem Grunde verwandte man das Wasser im 
^Mittelalter als Schutzmittel gegen die Blindheit. Übrigens hat- 
ten auch die Juden bereits das Wasser bei Verdauungsbeschwer- 
den gebraucht. Avie folgende Stelle beweist^) : ,Si contigit, ut sacer- 
dotes multam carnem sanctam comederent, aquas ex Siloa bibe- 
runt, quae concoctionera vehementer promoverunt'. Ferner 
badeten im 16. Jahrhundert die Sarazenen in dem Teiche, um 
den natürlichen Geruch zu mildern oder zu vertreiben 2) . Am 
wichtigsten aber ist die Angabe des Antoni^tus, dass auch Aus- 
sätzige daselbst Heilung fanden. Man hat also zu den verschie- 
densten Zeiten dem Wasser aussergewöhnliche Wirkungen zuge- 
schrieben. Dieser Glaube wurde begünstigt durch den Ge- 
schmack des Wassers, der oftmals etwas Salziges hat 3) , was man 
wohl als ein Zeichen der Heilkraft betrachtete, sowie durch eine 
gewisse Unregelmässigkeit des Wasserstandes ^), welche in frühe- 
ren Zeiten mysteriös erscheinen mochte. 

In dieser Sache haben die Ausgrabungen von Prof. Guthk 
ISSl endlich Licht geschafft ^j. Die älteste Anlage war nach ihm 
ein von ihm selbst östlich von der späteren Anlage aufgefunde- 
ner verschütteter Teich, dessen bereits die Siloahinschrift ge- 
denkt, identisch mit dem Neh. 2, 14 erwähnten Königsteich. In 
späterer Zeit wurde daselbst noch ein Überbau errichtet. Ob 
jener Teich der Joh. c. 9 erwähnte und dieser Überbau der vom 
Pilger von Bordeaux (Itinera hierosolymitona, ed. Titus Tobler, 
p. 1 7 geschilderte quadriporticus ist, lässt Guthe unentschie- 
den. Die Verschiedenheit des Wasserstandes im Siloahteich 
hängt, wie jetzt niemand mehr bezweifelt , zusammen mit der 
Periodicität der sog. Marienquelle, von welcher der Teich sein 

I Hi:i:zoG, Realencyclop. XIV, S. 375 ,'Artikel Siloa von Leyrer;. Die 
Stelle findet sich Ab. K. Nath. C. 34. 
2) De Saligxac. T. X, ep. I. 

3 Ausser neueren Reisebeschreibungen vgl. AVilhelm von Tyrvs 
Vlil. 7. 

4; Vgl. das Itin. Hier., sowie AxTOXlxrs Martyr c. XXIV. 
ö; Siehe besonders ZDPV. V, S. 300 f. und 355 f. 



207 



Wasser erhält und die mit ihm durch einen Kanal verbunden ist, 
in welchem die berühmte, auch in der ZDPV. viel besprochene 
Inschrift ij^cfunden ward. Er hält es für wahrscheinlich, dass erst 
nach der Zeit des Pilgers von Bordeaux, vielleicht zur Zeit der 
Kaiserin Eudokia (im Anfang des 5. Jahrhunderts), eine zweite 
Anlajo^e gemacht wurde, deren Antoninus gedenkt — eine Be- 
hauptung, mit der er sich zu der Angabe des Nicephürus Cal- 
LisTi (S. 30), wonach Helena einen schönen Bau an der Quelle 
aufgeführt habe, in Widerspruch stellt. Diese zweite Anlage be- 
stand aus einer Basilica, vor welcher eine piscina grandis sich 
befand. Von diesem unmittelbar von der Quelle gespeisten (obe- 
ren) Siloahteich unterscheidet er weiter die piscina grandis foras, 
unter dem heutigen Jesaiabaum , welche der Pilger von Bor- 
deaux erwähnt und die nach ihm mit dem vorexilischcn »Teich 
der Leitung bei dem Garten des Königs« (Neh. 3, 15) identisch 
ist. Als eine vierte Anlage, die mit der Siloahquelle zusammen- 
hänge, bezeichnet er endlich die heutige birket il-hamrä, welche 
Fabri (1483) und Andere natatoria Siloe nennen und die jetzt 
noch unterer Siloahteich heisst. Für das Badeleben in Palä- 
stina hat lediglich die von Antoninus beschriebene (2.) Anlage 
Interesse. Über viele Stufen am Bogen eines alten Stadtthores 
herabsteigend , sah er eine basilica volubilis , unter welcher der 
Siloe hervorbrach. Diese Basilica hatte zwei marmorne Bassins, 
zwischen welchen ein Schrankenverschluss sich befand. In der 
einen Abtheilung badeten die Männer, in der andern die Weiber 
um der Segnung willen (pro benedictione) ^). 

Es war also seit der Zeit des Pilgers von Bordeaux über 

1) Das Baden pro benedictione ist auch cap. IV erwähnt bei der 
Beschreibung vonCana: ,in ipso fönte lavimus'. Man wird hier nicht die 
Sitte zum Vergleich heranziehen dürfen, die Hände (und etwa auch die Füsse) 
in einem in der Vorhalle der Kirche angebrachten Wasserbehälter zu waschen, 
aus welcher sich wohl allmählich der Gebrauch des Weihwassers entAvickelte 
(Herzog, Real. Encycl. Artikel Weihwasser von Steitz] ; denn es handelt 
sich bei Antoninus unverkennbar um ein aussergewöhnliches Baden de.s 
ganzen Körpers, dem man dann auchWerth für das religiöse Leben zuschrieb. 
Dass die Wendung pro benedictione diesen Sinn hat , ergiebt sich auch dar- 
aus, dass ein Trinken pro benedictione (cap. XXII; erwähnt ist. Es sind das 
lauter verdienstliche Werke, Avelche nach der Anschauung jener Zeit nicht 
unbelohnt blieben. Etwas anders Guthe : (man badete , »um der heilsamen 
Kräfte des Wassers theilhaftig zu werden«. 



Ztschr. d. Pal.-Ver. VII. 



14 



208 

dem Wasser eine luiuleliasilica ') erbaut worden, in welcher die 
beiden Uassins sich befanden. Unter Kasilica ist jedenfalls eine 
Kirche zu verstehen , da Antonikus das Wort immer in diesem 
Sinn anwendet , während sonst allerdings oft Säulenhallen mit 
Piscinen verbunden waren (vgl. Sid. Apoll. II, 2). Es ist be- 
kannt, dass oftmals Thermen in Kirchen umgewandelt wurden, 
wie jene Inschrift einer Muttergotteskirche bezeugt : «Quae fue- 
rant thermae , nunc templum est virginis , auctor est pius ipse 
pater , cedite deliciae' ^ . Aber neu ist in diesem Falle, dass die 
Hiider weiter benutzt wurden. Die beiden Bassins waren ver- 
muthlich unter dem Gotteshause angebracht. So war in Sichern 
eine Kirche zur Zeit des Antonixüs , in welcher sogar vor den 
Schranken des Altars der Brunnen gezeigt ward . aus welchem 
Christus Wasser von der Samariterin sich erbat 3). — Es wurden 
eben damals mehrfach Gotteshäuser unmittelbar über den durch 
eine heilige Überlieferung geweihten Stellen errichtet^). Die 
Jiasilica des Aktoxi^us diente wohl zugleich als Baptisterium, 
da bei den Taufcapellen der Centralbau besonders beliebt war. 

Während es sich bei den bisher erwähnten Waschungen am 
Siloahquell um religiöse Acte handelte, welche an die Wa- 
schungen der Israeliten und Muslimen erinnern, hören wir in 
der Fortsetzung der Schilderimg des Antonixus, dass auch Aus- 
sätzige geheilt wurden und dass überhaupt an diesen Wassern 
vieles gerühmt Avard (in quibus aquis multa ostenduntur] . d.h. 
dass sie wunderbare Kräfte besassen^). Auf Avelche Weise die 
Aussätzigen behandelt wurden, wird hier nicht gesagt, ver- 
muthlich war es ähnlich wie in Gadara, wo diese Patienten in 
der Nacht die Baderäume benutzen durften. 

1 Dass volubilis mit »rund« übersetzt ^verden kann, beweist die bei Du 
Gange angeführte Stelle aus Axast.vsius in Greg. III , p. 22 : columnas sexa- 
ginta volubiles. Vgl. auch Ovid ep. 20, 209 undCicero de univ. 31, 10. Guthe 
lehnt es ab, den Ausdruck zu erklären, 

2) Viele Beispiele noch bei Leksch S. 133; vgl. auch die Notiz beiAxT. 
c. XXVII über die piscina natatoria ;das falsche Bethesda) , dass in einem der 
fünf Porticus eine basilica der heiligen Maria sich befinde (c. XXVII). 

3; Axt. c. VI. Auch hierher kamen Kranke zur Heilung. 

4) Es kam vor , dass in solchen Fällen antike Labra als Taufsteine und 
Badesessel als Bischofsstühle verwendet wurden. Makggraff S. 19. 

5) Vgl. die ähnliche Wendung c. XXIII : ,De petra illa multe fiunt vir- 
tutes' . 



209 



Endlich gedenkt Antoninus auch solcher Leute, welche nur 
des Vergnügens wegen badeten. Diesen Avar der grosse 
Teich 'i vor der gedeckten Halle (atriiim) beständig zugänglich, 
der heutige obere Siloahteich. Hier konnten a\ich Nichtchristen 
die "Wohlthat der Quelle geniessen. Es war auch Vorkehrung 
getroffen, dass die Schwankungen des Wasserstandes dem liadcn 
nicht hinderlich wurden. Denn Antoninus hebt ausdrücklich 
hervor, dass das Volk beständig badete, während die Quelle 
selbst nach seiner Darstellung nur »zu bestimmten Stunden viel 
Wasser lieferte, die durch das Thal Gethsemane, das auch Josa- 
phat heisst , bis zum Jordan strömen , an der Stelle, wo er in 
das Salzmeer fliesst«. Andere Angaben dieser Pilgerschrift über 
die Siloahquelle haben für den vorliegenden Zweck keine Be- 
deutung. Die Anlagen, welche Antoxinus erwähnt, wurden 
übrigens im Laufe der folgenden Jahrhunderte noch erweitert 2) ; 
Albert von Aachen (1095 — 1121) erwähnt ein quadratisches 
klosterartiges Gebäude, in dessen Mitte sich Avährend der Nacht 
das Wasser des Bades sammelte. Fabri (1483) berichtet, dass 
fromme Männer gleichsam ein Kloster über der Quelle errichtet 
hätten. Der Teich wurde aber damals kaum mehr zum Baden 
benutzt, da Fabri schreibt: Um den Quell ist ein Teich, gleich- 
sam ein Bad. Wahrscheinlich machte schon der Zustand der 
Anlagen den Gebrauch unmöglich. Nach Guthe wäre es noch 
heute möglich, einen schönen Teich mit fliessendem Wasser für 
die Bewohner Jerusalems an jener Stelle herzurichten. 

Im Alterthum berühmt war schliesslich noch die Quelle 
bei dem Ort ""Amwäs, der anfänglich Emmaus hiess und nach- 
mals beim Wiederaufbau unter Alexander Severus Nikopolis ge- 
nannt ward, nicht zu verwechseln mit dem Emmaus der Schrift 
Luc. c. 23. Die Verwechslung fand aber frühe statt, und so knüpfte 
sich eine Legende auch an jenes Wasser. Sozomenos berichtet 
lim 5. Jahrb.), dass nicht imr Menschen, sondern auch andere 
Geschöpfe Heilung von mancherlei Krankheiten gefunden hät- 
ten, seit der Herr die Füsse daselbst gebadet habe 3) . Von Inter- 

1) Die Piscinen waren oft von gewaltigem Umfang, so dass man sich im 
Schwimmen darin üben konnte ; das Schwimmbassin in den Diocletianusther- 
men z. B. bot 1700 qm. Wasserfläche. (Marggraff S. 15). 

2) Guthe a. a. O. S. 364. 
3, Historia tripartita V, 20. 

14» 



21 U 



esse ist hier ausser derLeo;ende. welche bei Theophanes noch er- 
weitert erscheint 1", die Notiz, dass das Wasser auch bei Thieren 
antrL'wendet wurde. Es kam auch sonst im Alterthum öfter vor. 
dass man hcilkrüftige Wasser in solcher Weise gebrauchte, so 
die Quelle von Sipuntium in Italien -] . Heute ist noch eine gute 
Quölle vorhanden, welche jedoch keine Therme ist. wie man 
nach dem Namen des Ortes annehmen sollte. Dass übrigens die 
Quelle von Emmaus auch bei den Juden berühmt war, beweist 
ims eine Stelle aus Midrasch Koheleth Fol. 104, 23): »Rabbi 
Elieser ging zu seiner Frau nach Emmaus, einem Orte voll vor- 
züglichen Wassers, wo angenehm zu leben war«. Heute kommen 
keine Badegäste mehr zu dieser Quelle , über deren Eigenschaf- 
ten genaue Untersuchungen nicht vorliegen. 

Von neueren Reisenden werden noch andere mineralische 
Quellen erwähnt; allein, da über dieselben keine Zeugnisse aus 
älterer Zeit vorliegen ■*) und sie auch heute nicht benutzt werden, 
kann eine Aufzählung und Beschreibung derselben füglich unter- 
bleiben. Hier kam es dem Verfasser nur darauf an . alle die 
Berichte zusammenzustellen, welche für die Culturgeschichte 
von gewissem, wenn auch bescheidenem Interesse sind. 

1) Chronogr. p. 41. Nach ihm heilte der Quell alle Krankheiten der 
Menschen und Thiere, wurde aber von Julianus verschüttet. Ähnlich auch 
Wilhelm von Tykus (VII, 24). 

2; Lersch S. 116. 

3) WicHMAXNsnAisEX p. DCCCCLM. 

4) Es wurden allerdings im Alterthum wahrscheinlich mehr Quellen ge- 
braucht, da AjnnAXVS über Palästina sagt: ,In locis pluriniis aquae suapte 
natura calentes emergunt ad usus aptae multiplicium medelarum'. 



Tütlisclie Münzen aus Jerusalem. 

Von D. Stickel in Jena. 



Altjüdische Münzen scheinen, soweit öffentliche Mittheihin- 
gen darüber Anskunft geben, in den Münzsammlungen Deutsch- 
lands, das Berliner und Wiener Museum und die Privatsammlung 
des Herrn Merzbachek etwa ausgenommen, nicht gar zahlreicli 
vorhanden zu sein. Wenn auch J. C. Schläger, vormaliger Ober- 
aufseher des Herzogl. Münzkabinets zu Gotha, in O. G. Tych- 
sen's die Unächtheit der jüdischen Münzen S. 55 versichert, etwa 
zwei bis drei hundert derartiger Münzen in den Händen gehabt 
zu haben, so sind dochjetzt nach gefälliger Mittheilung des Hrn. 1). 
Pertsch dort nur zwei in Silber, ein Schekel vom Jahre 2 und ein 
halber Schekel vom J. 1 , und 1 8 Kupfermünzen zu finden. In dem 
etwa 1000 orientalische Prägen enthaltenden Kabinet der Univer- 
sität Rostock fajid Frähn, dessen handschriftlicher Katalog mir 
vorliegt, zu seiner grossen Verwunderung von Münzen mit der 
sogenannten samaritanischen Schrift ausser sieben Abgüssen und 
Abdrücken in Gips und Sianiol, nur zwei Stücke, die er als acht 
gelten lässt. GeAviss ein erstaunlicher »exilis et tenuis apparatus« 
für das abentheuerliche Wagniss von O. G. Tychsek , alle jüdi- 
schen Münzen als unächte zu erweisen. — Auch in den Verzeich- 
nissen deutscher Münzhändler begegnet man nur selten einem 
Angebot von dieser Münzklasse. 

Um so erfreulicher und verdienstlicher ist es, dass Herr Hau- 
rath Schick in Jerusalem seine hierfür besonders günstige Stel- 
hmg benutzt hat und noch benutzt, um dergleichen Alterthums- 
denkmäler, wie sie unter den Händen der l^odenarbeiter zu Tage 
kommen, anziisammeln und vom Untergang zu retten, indem er 
sie an deutsche Kabinette ablässt. Es kann nicht zweifelhaft 
sein, dass es auf solche Weise gelingen wird, noch manche von 
den vielen Lücken in der Münzreihe von den Makkabäern ab- 
wärts auszufüllen und manches Problem zu lösen. 

Auch das Jenaische Kabinet, eines der reichsten an ande- 
ren . muslimischen Prägen , von jüdischen Münzen aber bis 
dahin nur im Besitz von dreien, dankt dem Hrn. Schick eine 
erwünschte Vermehrung. Wir glauben nichts Überflüssiges zu 
thun, indem wir nachfolgendes Verzeichniss der zugekommenen 
Stücke mit den Nximmern , unter denen sie in den von beiden 



•212 

Seiten mit Glas überzogenen Rahmen ausgestellt sind, vorlegen. 
Allesammt sind Kupfermünzen. 

Nr. 3. Zwei Exemplare aus dem vierten Jahre der 
Befreiung Zions ("JV]: rbs?:ö) mit dem Kelch auf Adv. und 
den beiden Etrog und Lulab aiif Kev. — De Saulcy, Recherches 
sur la Xumism. Jiulaique S. 20. Nr. 9, Pl.I. 9, Lew, Geschichte 
der .lud. Münz. iS. 44. Nr. 5, Merzbacher in l>erl. Ztschr. f. 
Nmnism. 111. 186, Tab. IV. Nr. 136. IV, S. 364. — Man nimmt 
an diesen Exemplaren recht deutlich wahr , dass sie in aneinan- 
derhiingenden Schälchen mit schrägem Rand gegossen imd dann 
voneinander abgehackt worden sind. 

Nr. 4. Eine der Münzen mit dem doppelten Füllhorn, 
zwischen dessen beiden Theilen ein Mohnstengel auf Rv. Der 
Adv. bietet innerhalb eines Lorbeer- oder Olivenkranzes, über 
welchem zwei Punkte, eine in der untersten, dritten Zeile un- 
vollständige Inschrift ; die drei Elemente der obersten Zeile und 
die sechs der zweiten sind wenig klar, nur ein n zu Anfang die- 
ser Zeile ist deutlich, wonach "j: als gerade Striche folgen. Dies 
genügt, um die Münze dem Johann Hyrkan I. 135 — 106 v. Chr. 
zuzuAveisen. Mit der nur dreizeiligen Legende steht sie unter 
den vielen Varietäten bei Merzbacher III, S. 194 den Nr. 19 
und 29 am nächsten, macht aber durch das n zu Anfang der 
zweiten Zeile noch eine neue Varietät. 

Nr. 5. Zwei Exemplare der Münze mit dem Anker auf Adv. 
und dem nur theil weise erhaltenen BAZIAEQZ AAEZAN- 
APOV; auf Rv. der achtstrahlige Stern, zwischen dessen Strah- 
len auf dem einen Exemplar keine Spuren einer Inschrift, auf 
dem andern von der vollen Legende ;i-b-'an-'i-n-2-"in-i das :n, 
die übrigen Elemente etAvas weniger deutlich, erkennbar sind. — 
Die Münze gehört dem Jonathan Alexander I (Jannai) 105 — 78 
V. Chr. als König und findet sich auch bei Merzhacher, in Ber- 
lin imd Wien. S. Berl. Num. Ztschr. III, S. 200, Nr. 51"«. 

Nr. 6. Adv. Im geperlten Kreise um den Anker BAC[d£(«;] 
HPüJiOou]. Rv. Zwei Füllhörner mit Mohnkopf oder Granatapfel 
(hxzAvischen. — VonHerodes d. Grossen, 40 — 4 v. Chr. — Saulcy 
S. 130. PL VI. Nr. 5—7. 

Nr. 7. Stark verriebenes Exemplar. Adv. Weintraube am 
Stil, darüber HPÜfooo]. Rev. Helm mit Busch und Sturmbän- 
deni, darunter [eONAPXOYJ. Nach Levy S. 73 f. und Saulcy 
S. 134. PI. VII. 5— S dem llerodes Archelaus, 4 v. Chr. bis 6 
n. Chr., gehörig. 

Nr. 8. Zwei Exemplare, Selten. Adv. In Perlkreis eine 
gebogene Ähre mit der Aufschrift KA I CA - POC — Rev. Palm- 
baum mit herabhängenden Früchten, zu beiden Seiten des Stam- 
mes L-Ar. Im 33. Jahre der actischen Ära war Judäa noch 
nicht römische Provinz, weshalb Saulcy S. 138 AS 36 conjicirt, 
als in welchem Jahre (6 n. Chr.) Coponius als der erste Procura- 



213 



tor des Kaisers Octavianus Augustus über Jiidäa bestellt Avar. — 
Lew S. 76. 

Nr. 9. Adv. Um den Lituus: TIBePI OY KAICAPOC,. 
Kv. In einem Lorbeerkranze LIZ d. i. das 17. J. des Tiberius, 
31 n. Chr. Die Münze ist sonach von Pontius Pilatus, zwei Jahre 
vor Christi Kreuzigung, geschlagen. — Saulcy S. 14G, PI. IX. 
Nr. G. 

Nr. 10. 11. Zwei Münzen vom Prociirator Judäa's ^'alerius 
Gratus zu Ehren der Mutter des Tiberius, Julia, geschlagen. Adv. 
In einem Kranz dreizeilig TIB-KAI-CAP, kavim noch erkenn- 
bar auf dem einen Ex. — llv. Auf Nr. 10 gerade aufrechtstehen- 
der, auf Nr. 11 etwas nach rechts geneigter PalmzAveig. zu beiden 
Seiten lOY-AlA, unten L-G auf Nr. 10, und zwar hiermit 
recht deutlichem G, Avie auf dem Pariser Exemplare bei Saulcy 
S. 143. Durch A'ergleichung mit dessen PI. VUI, Nr. 10 und 
1 1 ergiebt sich, dass unsere Stücke aus den Jahren 5 und 1 1 des 
Tiberius, dem 19. und 25. n. Chr. stammen. Levy S. 76. 

Nr. 12. Adv. um die Figur eines Simpulum ohne Deckel 
[TIBejPlOV KAICAPOC... Die folgende Jahreszahl — bei 
Saulcy S. 144. PL IX. 1. 2 auf einigen Exemplaren IG des Ti- 
berius (= 30 n. Chr., viertes Jahr der Beamtung des Pontius 
Pilatus — ist hier undeutlich. — Rv. Drei an den Stilen ver- 
bundene Ähren, darum [lOVAlA KAI'CAPOC (sc. \i.r^rr.p]. 

Nr. 13. Zwei Exemplare aus dem 6. J. (= 43 n. Chr.) des 
Königs Agrippa I bald nach seinem Einzüge in Jerusalem. Adv. 
Ein Sonnenschirm mit Franzen, darum BACIACfZC AT PITT A. 

— Rv. Geperlter Rand. Drei aufrechtstehende Ähren. Links 
und rechts L- S. Die einzige, aber in sehr vielen Exemplaren 
vorhandene Münze dieses Königs der Juden. Saulcy S. 14S. 
Levy S. SO. 

Nr. 14. Zwei Exemplare aus dem 14. J. des Claudius (= 54 
n. Chr.) vom Procurator Judäas Claudius Felix zu Ehren des 
Kaisers und seiner letzten Gemahlin Agrippina geschlagen. Adv. 
Zwei gekreiizte Ähren. Tl KAAYAIOC KAICAP FCPM. 
Unten L lA. — Rv. In einem Kranz vierzeilig lOY - AIAAF- 
Pinni - NA. — Saulcy S. 149. PI. IX. 10. 

Nr. 15. Vier Exemplare aus dem 5. Jahre Nero's (= 59 n. 
Chr.). dem letzten, in welchem Claudius Felix Landpfleger in 
Judäa war. — Adv. Palmzweig. Umschrift: LG KAIC-APOC. 

— Rv. In einem Kranz dreizeilig N€P-UUNO-C. Sailcy 
S. 150. PL IX. Nr. 12—14. 

Nr. 16. Noch eine Münze aus dem 14. Jahre des Kaisers 
Claudius == 54 n. Chr.), welche der Landpfleger Claudius Felix 
zu Ehren der beiden jungen Cäsaren Britanniens und Nero schla- 
gen Hess. — Adv. Zwei gekreuzte Schilde und Speere. Um- 
schrift, nur theilweise erhalten. NGPUU KAAV KAICAP. — 



214 



Kv. l'alme mit Früchten, oben BPIT KAI;L lA. Die Jahr- 
/ahl uiuleutlic-h. Saulcy S. 150. 

Nr. 17. Sieben Exemplare ans den Zeiten der Freiheit G(! bis 
70 n. Chr. miter Eleasar b. Ananias) , dem Tempelhanptmann 
beim Ausbruch des ersten Aufstands, welcher das tägliche Opfer 
für den Kaiser Nero einstellen Hess, und Simon b. Gamaliel, der 
an der Spitze de.^ Syncdriums stand und mit Simon, dem Fürsten 
Israels, identiücirt wird. S. MERZiiACUEK in d. lierl. Ztschr. f. 
Xumism. I, S. 227. — Die Silber münzen Eleasar-Simons von 
Denargrösse weist Hr. v. Sallet a. a. O. V, S. 110 ff. dem Frei- 
heitskampfe Barkochba's zu. — Unsere Kupfermünzen zeigen auf 
Ailv. das zweihenkelige Gefass mit gerieftem Jiauch und die Le- 
gende DTTO r:T23, auf einer (17*^) TClblC rCTD (nicht TSblT , wie bei 
Saulcy S. 154 im Text, während das Bild PI. X. 2. 1 hat), auf 
demRv. das Weinblatt mit der Umschrift )V1 niH. Befreiung 
Zions. Vgl. Levy S. 100. 

Das sind die von Hrn. Schick zugekommenen Stücke. 

Noch gedenke ich der beiden schon vormals im hiesigen 
Kabinet bewahrten Silbermünzen. Die eine (Nr. 1) trägt ganz 
dasselbe Gepräge, den Kelch mit ytO S; weites Jahr darüber und 
der Umschrift bxit^ bplU auf Adv., und dem Lulab mit D'^bTCTT^ 
mrilpri aufliev., wie auf den ältesten Makkabäermünzen. Sie 
ist gegossen. Gänzlich abweichend aber von allen bis jetzt be- 
kannten ist das Gewicht 10,77 Gramm. Ein Blick auf die Ge- 
wichtstabelle von Mekzbacher in Berl. Ztschr. f. Num. Y, S. 173 
zeigt eine gleich starke Differenz gegen den ganzen, wie gegen 
den halben Schekel, und ist mir desshalb die Achtheit verdächtig. 
— Die zweite Nr. IS) entspricht genau dem Bilde bei Saulcy PI. 
XI, Nr. 4. auf Adv. die viersäulige Tempelhalle, in der Mitte 
eine verschlossene Pforte, oben im Abschnitt Stern. Umschrift 
py-'CTD. Auf Rv. ein Bündel verschiedener Zweige (1^1^), unten 
daneben eine Cederfrucht (ainns). Umschrift abüll"' minb, der 
Befreiung Jerusalems. ]3ie Münze ist gegossen. Das Ge- 
wicht stimmt genau mit dem Schekel in München 13,08 Gr. 
S. Merzbacher a. a. O. S. 173, zweite Z. von unten. — Nach 
Sailcv S. 157. 161 ist es eine Prägung aus der Zeit des zweiten 
jüdischen Aiifstandes unter Barcochba. 



Beiträge zur Palüstiuakuude aus arabischen Uuelleii. 

Von J. Gildemeister in lionn. 
(Vgl. ZDPV. IV, p. 85 ff. VI, p. 1 ü:, 

4. Mukaddasi. 

(Schluss.) 

Sachliches. Syrien ist ein Land gemässigten Klimas, 
ausgenommen seine Mitte von der sc/uiräh bis zur hTila, die ein 
Land der Hitze, des Indigo, der Banane und der Palme ist. Einst 
sagte mir der Arzt Ghassän, als wir in Jericho waren : Du siehst 
diese Vertiefung. Ich sagte : Ja. Er sagte : Diese erstreckt sich 5 
nach dem kidschäz, dann geht sie nach devjamü?na, dann nach 
' utnäu und hadschar , dann nach e/-/>ösra, dann naoXx- baghdüd, 
dann steigt sie zur Linken Mosuls bis nach er-ruhha , und das 
ist die Tiefebene der Hitze und der Palmen. Der kälteste Theil 
ist halabakk und seine Umgegend; ein syrisches Sprichwort ''* 
lautet : Man sagte zm- Kälte : Wo sollen Avir dich suchen l Sie 
sagte : In der balkä ; »Und wenn wir dich dort nicht finden .'« »In 
ba labakk ist mein Haus.« — Es ist ein gesegneter Landstrich, ein 
Land der Wohlfeilheit, der Früchte und der Heiligen. Je weiter 
es sich nach Kleinasien hin erhebt, werden Flüsse und Früchte lä 
häufiger, die Luft kühler, und was niedrig liegt, hat vorzüg- 
lichere und süssere Früchte und mehr Palmen. Ein schiffbarer 
Fluss ist nicht darin. Man begegnet wenig Gelehrten, vielen 
Schutzverwandten und Aussätzigen, die Prediger haben keinen 
Werth ; die Samariter sitzen darin \onJilasfm (Ilamla) bis Tibe- -^ 
rias ; Magier und Säbier giebt es darin nicht. 

Ztschr. d. Pal.-Ver. VII. 15 



216 

Seelen. Den Grund bilden die Anhänger der Überein- 
stimmung (der Genossen des Propheten) und der Sunna. wäh- 
rend die Eimvühner von Tiberias , der Hälfte von nübuhis und 
kudas und die Mehrzahl in \immän Schiiten sind. Die Mu'tazi- 
5 Uten spielen keine Kolle und halten sich im Geheimen. In Jeru- 
salem ist eine Partie Karräniiten ^-y , die dort Klöster und Lehr- 
säle haben [C : sie beüeissigen sich der Keligionsphilosophie, 
Rechtswissenschaft und Askese; unter ihnen ist Disput, aber ihr 
Religionseifer ist wirklichl. Anhänger der juristischen Schulen 

10 des Mälik und Dä^üd trifft man dort nicht, aber die von der des 
Auzä'i haben einen Lehrsaal in Damask. doch ist die Praxis dort 
die (ISO) der //ac/Z/-bekenner. Die Kechtsgelehrten sind Schä- 
fi'^iten, aber selten ist ein Ilauptort oder Stadt, in der nicht ein 
Hauafit wäre *und zuweilen sind die Kädi aus ihnen C : sie 

15 haben in Jerusalem eine Menge Lehrsäle imd die Kädi Avaren 
früher aus ihnen genommen, aber die Praxis ist heute die des 
Westens (die mälikitische \ Und wenn jemand fragt: wesshalb 
ist nicht gesagt worden: ))Die Praxis ist dort nach dem schäfi'iti- 
schen System und die vornehmsten Gelehrten dort sind Schäfi'i- 

20 ten 'a< so dient zur AntAvort : Dies ist die Rede eines , der kein 
Unterscheidungsvermögen hat, weil die Manier Schätfis das laute 
Aussprechen des bismilläh und das Stehen bei dem Morgenroth- 
gebet — wür stehen aber nicht , ausser in der letzten Hälfte des 
Ramadan bei dem Gebet mit ungleicher Verbeugungszahl — 

25 und anderes ist, was die Syrer nicht anzuwenden pflegen und ab- 
lehnen. Siehst du nicht, dass sie sich über ihren Prinzen malik ^'-^j, 
nachdem er ihnen das laute Aussprechen des bismilläh anbefoh- 
len , bei dem Käfür, dem Ichschidischen Mamluken . über ihn 
beschwerten und seine Handlungsweise für anstössig hielten .^< 

30 Jetzt ist die Praxis meist nach dem fätiraidischen System . von 
dessen Gebräuchen wir bei dem Maghrib handeln werden. 

Unter den Arten, den Koran zu lesen, ist die des Abu 'Amr 
vorherrschend . ausser in Damask, in dessen Hauptmoschee nur 
einer, der nach Ibn Ämir liest, vorbetet, und jene ist bei ihnen 

35 vorgezogen und beliebt. Auch die Lesart des Kisä'i ist in der 

88) Eine im dritten Jahrhundert entstandene Seete ; die die Körperlich- 
keit Gottes in nicht gar zu grobem Sinne annimmt. 

89) L). h. wahrscheinlich: den Statthalter von Damask. 



217 

Provinz hekannt und sie wenden auch.' alle sieben an und be- 
streben sich, sie genau festzuhalten. (Dagegen 31): Die Lesart 
der Syrer ist die des Abdallah ibn Ämir). 

Der Handel darin ist vortheilhaft. Aus Palästina ■werden 
ausgeführt: Ol, getrocknete Feigen. Rosinen, Johannisbrod, 5 
halbseidene Stoffe. Seife, Schurze. Von Jerusalem : Käse, Pauiu- 
AvoUe. vortreffliche Hosinen von 'am«M und f/«r«. *Apfel, Pinien- 
kerue, die ihres Gleichen nicht haben, Spiegel, Lampentüpfe'J"j, 
Nadeln; von Jericho trefflicher Indigo, von sughar und baiaän 
Indigo und Datteln [C: vorzügliche Apfel. Bananen, ein Ge- 10 
•wachs in Form einer Gurke mit einer Schale , die von einer wie 
Melonen weichen Frucht abgeschält wird . aber angenehmer 
schmeckt; von .<t?^^7iar viele Datteln, Dattelhonig inid Indigo ; 
von'awmäw Getreide, Schafe und Honig; von Tiberias Teppich- 
stoffe, Papier, Kleiderstoffe, von X-af/a* Kleider mit Doppelein- ^^ 
schlag, hatisl^^) und Seile; von Tyrus Zucker, Glasperlen 
(Schmelzglas?;, gedrehtes ^2] Glas und Fabrikate [C: und das 
meiste, was in Basra fabricirt wird], von mciäb Mandelkerne, 
von Z»aü«wReis, von Damask (181) Gepresstes'^-* , hafisl. Bro- 
kat. Veilchenül geringerer Güte. Kupfergefässe, Papier, Nüsse, 20 
getrocknete Feigen, Rosinen, xowhalah "^Baumwolle lC: getrock- 
nete Feigen], Kleider, Kali und rothe Kreide, von halahakk ge- 
presste Feigenkuchen. Ohne Gleichen sind die Pinienkerne, das 
Ol aus unreifen Oliven, das Weissbrot und die Unterhosen von 
Ramla und ebenso die Quitten, die Pinienkerne, die \iüuin- und 25 
(/?7ra-Trauben, der Theriak, die Minze und die Rosenkränze von 
Jerusalem. 

In der Provinz Palästina finden sich 36 Producte, die in kei- 
nem andern Lande zusammen sind, die sieben ersten nur in ihr 
vorkommend, die sieben folgenden in andern Ländern selten, die 30 
22 übrigen sämmtlich nur in ihr zusammen, obschon die meisten 
auch in andern Ländern sich zusammenfinden. Es sind l. Pi- 
nienkerne, 2. Quitten, 3. %/w<lw-Trauben , 4. f/?lra-Trauben, 

90; So wörtlich. De Goeje: probabiliter candelabra, die aber doch nicht 
so genannt werden konnten. Ist etwa an geschlossene schone Lampen in an- 
tikem Stile zu denken? 91) Unbekanntes "Wort, auch gleich für einen 
Ausfuhrgegenstand Damask's vorkommend; vermuthlich eine Art Zeug. 
92j DüZY: polirtes, DE GoEJE: incisuris ornatum. 93; Gekeltertes; Ol 
nach DE GoEJE. 

15* 



218 

5. X:<7//"/r7-Priamnen. Ü. sibal-Foigen. 7. Damascixs-Feigen, S.Co- 
lücassie. U. Sycomoren , 10. Johaniiisbrod . 11. Artischocken, 
12. Jujuben. 1 3 . Zuckerrohr. 14. syrische Apfel. 15. frische l)at- 
tehi. l(i. Olhiuime. IT.Citronen, IS. Indigo, 19. Ahmt, 20. Oran- 
5 gen, 21. nahak. 22. Nüsse, 23. Maiulehi. 24. Spargel, 25. Bana- 
nen. 26. Snmach, 27. Kohl, 2S. Trüffeln, 29. Lupinen, 30. 
schwarze frühe Pflaunien tari^^ 31. Schnee. 32. Büffelniilch, 33. 
Honigwaben, 34. 'äsmi-Trauben , 35. Dattelfeigeu. Was den 
lilumenkohl betrifft, so giebt es anderswo dergleichen, nur class 

10 er einen andern Geschmack hat. Auch giebt es Lattich, der aber 
den gewöhnlichen Gemüsen beigezählt wird, ausser in el-Uh- 
zcäz, wo er vortrefflich ist. Auch in Basra Aviid er vom Gemüse 
imterschieden. 

Hohlmasse. In Ranila sind kiifiz, waiba, maMUk imd 

\?>kaila(hcha; 1 kaihidscha = c. 1 Y2 seit . 1 tnakkük = 3 kuiladscha, 
1 icaiba = 2 mukkTik, 1 hafiz = 4 icaiba. Den Einwohnern von 
Jerusalem ist eigenthümlich das mudj (modius) = 23 kafiz und 
das kahb = '4 modius ; der makkTik wird nur bei Regierungsge- 
wicht angewandt, üer modius von %(7ntnän ist 6 kailadscha^ der 

"iO dortige kaf'iz = ^j^ kaikuhc/ia, und damit verkaufen sie Ol und 
getrocknete Feigen. Der kaflz von Tyrus ist der modius von 
Jerusalem, aber der dortige kaiUuhcha ein sa ^ und die ghirära 
von Damask li;2 palästinische kaflz. 

Gewichte). Die ritl (182) sind von hims bis zum dschifür 

2.5 sechshundert 'd. h. sehr viele), unter sich sehr verschieden; das 
schwerste ist das von \ikkä, das leichteste das von Damask. Die 
Lnzen, ükijja^ sind von vierzig und einigen bis fünfzig, aber 
überall hat das rit] 1 2 Unzen imd bloss das von kinnasrln 8 Un- 
zen. Das Münzgewicht ist ungefähr eine Drachme, 60 Gran, das 

:ioGran ein einziges Gerstenkorn, der dänik 10 Gran. Der Dinar 
hat 24 klrät. das klrcU Si/o Gerstenkorn. (66: Der barid ist in 
Syrien sechs Meilen). 

Gebräuche. Die Syrer brennen in ihren Moscheen fort- 
während Lampen, die an Ketten herabhangen, wie in Makka. 

3.j In jedem Hauptort ist in der Hauptmoschee eine auf Säulen 
ruhende Schatzkammer. Zwischen dem bedeckten Kaum und 
dem H(jf sind Thore, ausser in Jericho. Kiesel sieht man nur in 
dem Hof der llauptmoschee in Tiberias. Die Minarete sind vier- 
eckitr 1111(1 (lif Mittelstücke der Dächer des überdachten Theiles 



219 

sind spitz. An clenTlioren der llauptraoscheen und in den Haza- 
ren sind Latrinen. Zwischen je zwei Saläiu in den Xachtgebe- 
ten des Kamadrm setzt man sich ; einige beobachten die um 
eins ungleiche Zahl der Verbeugungen; diese ungleiche Zahl 
war früher drei, aber in unserer Zeit hat Abu Ishäk el-marwazi '>'^) 5 
befohlen, sie in Jerusalem aufzugeben. Wenn man sichzujeehiem 
Nachtgebet anschickt, ruft ein Gebetsrufer : »Euer erbanue sich 
Gottw : in Jerusalem beten sie sechs Nachtgebete. Die Prediger 
dort sind Legendenerziihler. Die Hanafiten halten in der alm- 
Moschee Litanei (f//Ar) -Sitzungen, wobei sie aus dem geschric- lo 
benen Buch recitiren: ebenso die Karrämiten in ihren Klöstern. 
Die Wächter pflegten das lä Uali nach dem Freitagsgebet zu 
sagen. Die Rechtsgelehrten halten Sitzung zwischen den zwei 
Gebeten und der Abendzeit ; auch die Koranleser haben Lehr- 
stunden in den Hauptmoscheen. 15 

Za den christlichen Festen, von denen die Muslimen Notiz 
nehmen und durch die sie die Jahreszeiten bestimmen , gehören 
Ostern, Neujahr, Pfingsten zur Zeit der Hitze , Geburtsfest zur 
Zeit der Kälte und Barbärafest zur Regenzeit — es heisst 
sprichwörtlich: »wenn das Barbärafest kommt, kann der Bau- üi 
meister die Flöte spielen«, d.h. zu Haus sitzen — , die Kaienden 
(1. Jan.) — es heisst sprichwörtlich: »kommen die Kaienden, 
so ziehe man warme Kleider an (183) und halte sich daheim« — , 
das Kreuzesfest zur Zeit der Weinlese und das Fest von Lydda 
zur Zeit der Saat. Ihre Monate sind die byzantinischen : erster 2.5 
und zweiter tischrm^ erster und zweiter känim. schahhilf, idär. ni- 
sän. ijjär, hazlrcm, tammüz, ab, ailül. 

Selten sieht man einen Rechtsgelehrten, der eine Neuerung 
macht, oder einen Muslim, der ein Secretairamt hat, ausser in 
Tiberias, von wo fortwährend Schreiber kommen. Dort und in :u» 
Ägypten sind die Secretaire eben Christen, weil die Muslimen 
sich auf ihren Schnabel verlassen und nicht, gleich den Nicht- 
araberu, sich um humanistische Bildung bekümmern. Als ich in 
der Gesellschaft des Oberkädi in Bagdad war, schämte ich mich 
über die Menge seiner Sprachfehler, aber sie betrachten das 3.5 
nicht als Mangel. Die meisten Münzbeamten mid Färber, 
Wechsler und Gerber sind Juden. 

94) Berühmte Autorität der Schäfi'iten, erst inBaghdäd, dann in Ägyp- 
ten, gest. 340 (951/2) Chr. ; kurz vorher wird dies fallen. 



220 

Fünf Diii^^e an fünf Orten des Islam sind gnt : der Kama- 
dän in Makka . die Nacht der Vorlesung des Koran in der Mo- 
schee el-a sä. die zwei Feste in Palermo, der Tag von "^Arafa in 
Schiräz. der Freitag in Baghdäd. Ebenso ist die mittelste Nacht 

5 des SchaM)än in Jerusalem und der Tag 'aschärä in Makka gut 
d. h. wohl: besonders feierlich . 

Die Svrer gehen stets in voller Tracht , jeder Gelehrte und 
l'ngelehrte trägt Oberkleider, und im Sommer ziehen sie sich 
nicht leichter an, nur haben sie Sandalen von einer Sohle. Ihre 

10 Gräber sind gewölbt, sie gehen hinter der Bahre und tragen den 
Leichnam mit dem Kopf voran; drei Tage lang gehen sie zu den 
Grabstätten zur Verlesung des Korans hinaus , wenn einer ge- 
storben ist. *Die Eegenmäntel C: die Wollkleider tragen sie 
aufgeschlagen und die Schultertücher der Gelehrten; failasän) 

löschneiden sie nicht rund aus. Die vornehmsten Tiichhändler in 
Ramla haben ägyptische Esel mit Sätteln; Pferde reiten dort nur 
Emire oder Häuptlinge. Die durraä (bis zur Herzgegend offe- 
ner Kittel oder Weste tragen nur die Städter und die Secretaire. 
die Kleidung der Dörfler in der Umgegend von Jerusalem und 

20 Näbiilus ist bloss ein einziger hisä (als Mantel dienendes Stück 
Wollenzeug' ohne Hosen. Sie haben Backöfen [funi], und die- 
jenigen Dörfler, welche Backsteine tauh] machen, haben einen 
kleinen Feuertopf immür) in der Erde, der mit Kieseln [hisa) be- 
legt wird; um und über diesen wird Mist angezündet, und, wenn 

25 er heiss ist, werden diejBrotlaibe auf die Kiesel gebreitet ■'^i . Dort 
sind Köche von Linsen und haisZir (mit Butter u. a. gekochten 
Bohnen ; sie braten und kochen gequollene l^ohnen in Ol, und 
das wird mit Oliven verkaiift. Sie setzen Lupinen ein, die sie 
viel essen, imd machen aus Johannisbrot einen Fruchtsaft mitif], 

30 den sie Zv^iZ/a/V nennen, während das gleiche (184) aus Zucker 
bei ihnen näfif heisst. Im Winter machen sie einen Pfannku- 
chen zalähijja aus Teig, ohne ihn netzförmig zu legen ^^j. J)ie 
meisten dieser Gebräuche sind auch in Ägypten , die wenigsten 
in Irak und Mesopotamien. 

95; Interessant ist, Kletns Schilderung ZDPV. III, 111 zu vergleichen. 
9(V Warum im Winter? Fast liesse sich an s^wCix^! Stäi'ke für i\jJ^\ den- 
ken, so dass jenes Glosse zu adschin Teig gewesen sei. Vgl. die von Dozv, 

c 

Su])))!. unter :^i^^ citirten Stellen. 



221 

Eisen- Gruben sind im Gel)ir^ von liairüt. In llalal) ist 
}j\iter Rotlistein, in ' ammZin etwas geringerer. In Syrien sind 
rothe lierge. deren leicht zu bearbeitende Masse rother Sand- 
stein ist, und weisse I^erge. die Kreide genannt werden, von ge- 
ringster Härte , womit Plafonds geweisst und Dächer bestrichen 5 
werden. In Palästina sind lirüche von weissen Steinen, xmdbei 
hait dschibril Marmorbrüche; in den Ghorgegenden Schwefel- 
gruben u. dgl. Aus dem Todten Meer wird gebröckeltes : ?) Salz 
verführt. Der beste Honig ist der von der Satureja in Jerusalem 
und dem Oiehix^'^ ämiJat stammende. Die beste Lake (muria der 10 
Römer) ist die in Jericho bereitete. 

Die Heil ige ncap eilen haben wir in der Einleitung zu 
der Provinz erwähnt, und wenn wir jihre Localitäten aufzählen 
wollten, würde das Buch zu lang werden : die meisten sind ohne- 
hin in Jerusalem, dann in Palästina, dann in urdunn. 15 

Die Wasser dieser Provinz sind gut, ausser dem zu P)anias, 
das abführt, und dem zu Tyrus , das stopft. Das zu haisün ist 
schwer. Gott bewahre vor dem zu sughm% das von hait er-räm 
ist schlecht, kein leichteres giebt es als das zu Jericho, das Was- 
ser von Ramla ist verdaulich, das von Nabulus hart, *in dem 20 
von Jerusalem und Damask ist mindeste Härte (C : das von 
Damask und Jerusalem erfordert feste Speise) und ihre Luft 
äusserst trocken. 

Darin sind eine Menge Flüsse, welche sich in das Mittel- 
ländische Meer ergiessen , mit Ausnahme des haradä , der den 25 
untern Theil von Damask durchfliesst und die dortige Gegend 
bewässert. Von ihm trennt sich ein Arm ab, der den obern Theil 
der Hauptstadt umfliesst und dann sich in zwei Arme spaltet, 
von denen der eine gegen die Wüste hin einen See bildet . der 
andere abfällt und den Fluss Jordan trifft. Der Jordan kommt 30 
hinter 1 lanias herab , bildet einen See /cadus gegenüber , fliesst 
abwärts nach Tiberias und durch den See , dann in das Ghor 
zum Tiragestürzten See, der sehr salzig, wild und übelriechend 
ist; in ihm sind Berge (sie) und keine grossen Wellen. (23. C: 
vom haradä geht nach Antiochien hin ein Arm aus , der sich in 35 
das Mittelländische Meer ergiesst.) (19 : Der haradä, der Fluss 
von urdunn, der maMüh (obere Orontes; und der Fluss von An- 
tiochien untere ürontes; sind nicht schiffbar.) — Das Mittellän- 
dische Meer erstreckt sich an Svriens Westseite, das Sinesische 



222 

berührt die südliche. Tyrus gegenüber liegt die Insel Cypern. 
die zwölf Tagereisen gross sein soll ; sie besteht ganz aus bevöl- 
kerten Städten und bietet den Muslimen reichlichen Vortheil 
wegen der vielen Güter. Kleider und Geräthe, die davon ausge- 
ö führt werden. Sie gehört dem, der gerade die Übermacht hat. 
Man fährt zu ihr einen Tag und eine Nacht ; dann eben so viel 
zum bvzautinischen Gebiet. 

(185) Zu den Merkwürdigkeiten gehört in Jerusalem 
eine grosse Höhle ausserhalb der Stadt, Ich hörte Gelehrte 

losagen und las in Büchern, dass sie bis zu den Leuten Mosis'^^) 
reiche, was nicht richtig ist, sie besteht vielmehr aus Steinbrü- 
chen; in ihr sind Gänge und man geht mit Lichtern hinein. — 
Zwischen Palästina und llidschäz sind die Steine, die auf die 
Leute Lots geworfen wurden . an der Pilgerstrasse , gestreifte, 

15 kleine und grosse. — InTiberias ist eine siedende Quelle, welche 
den meisten Bädern gemeinschaftlich ist; zu jedem Bad geht ein 
Strom von ihr und dessen Dampf erwärmt die Gebäude, so dass 
man kein Feuerholz braucht. Im ersten Kaum ist kaltes Was- 
ser, mit dem es in dem Masse gemischt Avird, dass man es zur 

20 Reinigung gebrauchen kann, und ihre Latrinen Averden von die- 
sem Wasser versorgt. — In diesem District ist ein heisses Was- 
ser, v,e\ches el-haffif na heisst^^); wer sich darin drei Tage badet und 
dann in anderem kalten Wasser sich badet und Aussatz, Wiui- 
den oder Fisteln oder welche Krankheit sonst hat, wird mit Er- 

2.5 laulmiss Gottes geheilt. Ich hörte die Tiberienser erwähnen, 
dass ringsum Gebäude seien, für jede Krankheit eines, so dass 
jeder, welcher diese Krankheit hatte und darin sich badete, ge- 
sund wurde, bis zur Zeit des Aristoteles. Dieser forderte von dem 
damaligen König die Zerstörung dieser Gebäude, damit man 

3(j sich der Arzte nicht überhoben halte. Mir scheint das richtig, 
weil jeder eintretende Kranke in das gesammte Wasser eintau- 
chen muss, damit es dem Sitz seiner Krankheit entspreche. — Der 
See von sughar ist sonderbar : der Jordan iind der Fluss der 
scliarüh ergiessen sich darin , ohne eine Veränderung hervorzu- 

35 bringen. Man sagt, dass man nicht so schnell darin untertauche 
und dass Klystiere mit seinem Wasser Heilmittel gegen viele 

97; Bis zu der auch im Koran erwähnten , von der Erde verschlungenen 
Rotte Korah. De Goeje. 98) Gemeint ist Gadara. 



223 

Krankheiten seien. Im Monat Ab (August) [C : in der Mitte des- 
selben] findet ein Fest statt, indem l'öbel und Kranke dahin 
gehen. — 'Im Gebirg esch-acharZih ;C: im Landgebiet von maäb] 
ist ebenfalls eine (180) heissc Quelle '-^''j . — Im ISommer föllt in 
Palästina in jeder Naclit Thau. -wenn der Südwind weht, so dass 5 
von ihm die Dachtraufen der Aksä fliessen. — Der abu rijüh von 
Hinis ist ein Talisman, der für die Scorpionen gemacht ist; wer 
Thon nimmt und daran drückt , genest durch Erlaubniss Gottes 
vom Biss derselben ; die Wirksamkeit kommt von dem Abdruck, 
nicht von dem Thon. — [C : Jerusalem hat einen Talisman i*^") lo 
gegen Schlangenbiss in einer hinter dem Minbar befindlichen 
Marmorplatte , auf der eine abgeriebene Inschrift ist : »Muham- 
mad ist der Gesandte Gottesu, und eine andere: »Es ist kein 
Gott, als Gott,«] — Zu den Merkwürdigkeiten gehören die Städte 
Salomo's bdlahakk und tadmur , die Felsenkuppel , die Haupt- 15 
moschee von Damask, die Häfen von Tyrus und Akka. 

Die Stellung der Provinz ist ausgezeichnet. Es sind vier 
Gliederungen: 1) die am Meer gelegene Ebene , bestehend aus 
aufgehäuften zusammenhängenden Sandüächen , in denen cr- 
rumla und die Uferstädte liegen, 2^ das Gebirg, voll Bäume. 2u 
Dürfer, Quellen und Saatfelder, wo bait dschibr'd , Uijä^ nZtbuhis, 
laddschim ^ kabul^ kadas ^ el-bika vi\n\. antcihija liegen, 3) die 
Ghorgegenden, voll Dörfer, Flüsse, Palmen, Saatfelder. Indigo, 
und darin waila^ iahük^ sugliar^ arlhä^ baisän. tubarijja ; C : lüädl 
kanän]^ btinijäs, 4) der Rand der Wüste, hohe, kalte, im Niveau 25 
der Wüste liegende Ijerge, voll Dörfer, Quellen, JJäume. Avorin 
mdab, " amman, adriat, dimaschk, hims, tadmur. halab liegen. 
Die eine Scheidewand bildenden Berge Ölberg. siddlkä, lubnän, 
el-lukcmi und die Mitte des heiligen Landes liegen in dem die 
Küste überragenden Gebirgszug i'^'i. 30 

(188, 4) Ich hörte meinen Oheim Abdallah ihn esch-schawa 
sagen : Ein Sultan wollte dair schamtvll, ein Dorf eine Parasange 
von Jerusalem, in Besitz nehmen und sagte zu dessen ^'orsteher : 

99) Da der in das Todte Meer fallende Fluss von scharäh nur der icüdi 
'l-htisä sein kann, so werden diese zwischen scharäh und maäb gelegenen 
heissen Quellen die an einem obern Zuüuss desselben befindlichen sein, über 
die z. B. Ritter 1-1, 103U spricht. 100; Vgl. 'Ulaimi p. 113 oder 31 

Sauv. lül) Ausgelassen ist ein langer Absatz über eine exegetisch- 

juristische Frage, die unserm Zweck fremd ist. 



224 

Beschreibe mir dein Dorf. Dieser antwortete : Es ist nahe dem 
Himmel, der Ebene fern, mit weni^ ahrüO^'^ nnd vielen Eichen 
es erfordert Arbeit ohne viel Einkommen zu bringen, ghurr^^^] 
und bittere Mandeln haben die Oberhand: säest du ein Jfubb 
5 Scheffel , erntest du ein kahb , du hättest denn gelobt, vor- 
treffliche Cistenien anzulegen 'f'^~ . ]^a sagte er: Geh, wir brau- 
chen dein Dorf nicht. 

Was die hohen Berge betrifft, so überragt der schon er- 
wähnte Ölberg Jerusalem. — Der l^erg sicIcWäi ist zwischen siZr, 

\i)ka(Jas. hämjas und saiclü^^^). Dort ist das Grab des siddlkä^^^), 
der dabei eine Moschee hat. Zur Feier des mittelsten Tages des 
Monats sc/tabcm versammelt sich hier viel Volk aus diesen Städ- 
ten und ein Stellvertreter des Sultans ist dabei. Als ich an einem 
Freitag in der Mitte des schabän einmal an diesem Orte war, 

15 kam der Kadi Abu'lkäsim ihn el-abbäs zu mir \\m\ verlangte, 
dass ich die Freitagspredigt hielte. In derselben forderte ich sie 
auf. die Moschee zu erbauen , sie thaten es und erbauten auch 
darin ein Minbar. Ich hörte sie behaupten, dass hinter dem Wild 
herlaufende Hunde, wenn sie zu diesem Punkt gekommen sind, 

20 stehen bleiben, und ähnliche Geschichten mehr. — Der lubmin, 
der an diesen Berg stosst, ist voll von Bäumen und dem allge- 
meinen Gebrauch preisgegebenen Früchten; es [C : sowie das 
Gebirg el-dschaulän] hat schwache Quellen, an denen Personen 
ein religiöses Leben führen, die sich Hütten aus Stroh [C : Rohr 

25 und Halfagrasj gebaut haben und sich von solchen freien Früch- 
ten nähren , soAvie durch Vertreiben davon und von anderem, 
z. B. spanischem Rohr und Myrten, in die Städte sich einen 
Nutzen schaffen ; aber ihre Zahl hat abgenommen. — Das schon 
erwähnte Gebirg el-dschauJän liegt ihm in der Richtung nach 

30 Damask gegenüber. An ihm traf ich den Abu Ishäk el-ballüti 
(den Eichelesser oder Eichenhainbewohner) an der Spitze von 
vierzig in Wolle gekleideten Männern , die zu ihrer Versamm- 

102 Sonst nicht vorkommendes Wort. Will man das talmudische 
■•j--rN, dessen Lesart unsicher ist, vergleichen, so wäre an eine Olivenart zu 
denken. 103) Ebenfalls von unbekannter Bedeutung. 104) Nebi 

Sannvil hat jetzt viel Wasser. ToBLER, Top. II, S7T. 1051 Diese Worte 

sind in das Dschihän-numä 559, 11 übergegangen, daher nicht zu schlie.s.sen 
ist, dass er auch im siebzehnten Jahrhundert so hiess. I(i6,i Nach Jäküt 

Sohn des Propheten Sälih. 



225 

hing eine Moschee hatten. Ich fand in ihm einen gelehrten Ju- 
risten von der Schule des Sufjän et-tauri und sah, dass sie sich 
von Eicheln nährten , einer Frucht von der Grösse einer Dattel 
[C: mit einer Schale] , bitter, die gespalten und [C : durch Legen 
in Wasser] süss gemacht , dann [C : getrocknet und] gemahlen 5 
-ward '07]. Dort ist -wilde Gerste, die man damit vermischte. — 
Das Gehirg lukam (sie) ist unter den syrischen Gehirgen das be- 
■wohnteste, grösste und an Früchten reichste (189). Heute ist 
CS in der Hand der Armenier; Tarsus liegt jenseits desselben, 
Antiochien diesseits. 10 

Die Regierungsgewalt in Syrien gehört dem Herrscher 
Ägyptens. Saif ed-daula [C : der Hamdanide] hatte sich des obe- 
ren Theiles bemächtigt. 

Die Abgaben [C : an der Küste und auf den Strassen] sind 
leicht, "^mit Ausnahme derer, die auf den/emr/?^/»; (Handelsmaga- 15 
zinen) liegen, denn diese sind abscheulich nach dem, Avas -wir 
bei Jerusalem erwähnt haben. Die Regierungsauflagen sind 
drückend : sie betragen ^vS. Idmiasrln und die " aimüm 360 000 Di- 
nare, ?cwi urdunn 170 000, auf Palästina 259 000, auf Damaskus 
400 000 und einige tausend Dinare. Im Buch des Ihn Churdä(J-20 
bih'o'^j habe ich gelesen, die Grundsteuer von kinnasrm betrage 
400 000, von liims 340 000, von urdunn 350 000, von Palästina 
500 000 Dinare [C für alles von *an : Die Grundsteuer von Pa- 
lästina beträgt 100 000, von Ums 340 000, vonDamaskus 400 000 
und einige tausend, von i?;mwö!S?-m 400 000, von ^^rfZ^^;^w 350 000 25 
Dinare. — Die Länge Syriens von dem madjan Schu%aibs bis zu 
den tuglmr (nördlichen Gränzfestungen) beträgt 39 Tage ; die 
Breite ist verschieden, weil der südliche Rand schmäler, der 
nördliche breiter ist.] 

Entfernungen. lO-J) (190). El-atßrib eine Tagereise von 30 
Halab. — Jaüt auch tat] eine Station von Hims, eine halbe von 
Baalbek. — Schamsin eine Station von Hims — von da nach 



107) Von wohlschmeckenden Eicheln in dieser Gegend redet Sektzen I, 
360 und früher Belox, Anv. 1555, p. 263. Vgl. hierzu ViRCnow, Ztschr. f. 
Ethnologie XII, 18S0, p. (435). 108) Journ. As. 1865, V, 71 — 73 (448ff.) 

ebenso. Nur stehen dabei die Angaben: }m))s nie mehr als ISO (»00, Damask 
mit Zuthaten 140 000, urdunn nur die Hälfte obiger Summe und Palästina 
auch nicht mehr. 109) Aus diesem Abschnitt sind (vgl. ZDPV. VI, il, 

Not. 11) nur die bisher nicht genannten Orte ausgezogen. 



220 

härü. en-tiahk. el-kufajjlfa. Damaskus je eine Station — el-kasfal 
zwei Stationen von salamijja. dann ed-dara^a zwei, von da zwei 
nach er-ruf<üfa. von da eine halbe nach er-rahha — halt sarü 
eine Station von Damaskus — el-kus\oa zwei Posten von Damas- 
5 kus, dann dschäsim, f'ik je eine Station. — EJ-dschaschsch und 
ka/(ü7illä je eine Station von Tiberias [i] — (191) taüsir je zwei 
Posten von Baisan und Laddschün — kalansuioa je eine Station 
zwischen Laddschün und Eamla — karjat el-ujTm zwei Statio- 
nen von der Josephscisterne, dann eine bis JyarUn, dann eine bis 

ItJ ain el-dscharr : diese Koute heisst tarik el-madüridscJi^ der Stu- 
fenweg — madschdal sdhn^^^) je zwei Posten von Tyrus und von 
Banias. — (192) Es-sukkaryj'a eine Station von Ramla — 
kaüs (?) ^^^^) eine Station von Hebron und von Zoar — ez-za- 
rlkä^^^' eine Station von Amman und von Adri'ät — el-kamsa 

15 eine Station von Cäsarea und von Acco. 

Aus anderen Capit ein des Buches. 

(11) Der arabische Meerbusen hat gegen Ägypten hin zwei 
Arme, welche sich an der Spitze von Hidschäz an einem Orte 
tcirän scheiden. Die gefährlichsten Orte in den islamischen Län- 

2ü dem sind dschuhailcm^ wo Pharao ertrank, und das ist das Meer 
von Kolzum , auf dem die Schiffe vom bewohnten Lande zum 
unbewohnten lavircn . und tarcin^ wo die von Ägypten und Sy- 
rien her wehenden "Winde aufeinanderstossen und die Schilfe 
untergehen. Sitte ist, Leute abzvischicken, welche den "NVind 

25 beobachten ; w^enn dieser sich legt oder der günstige vorwal- 
tet, segeln sie, sonst bleiben sie lange Zeit, bis die Hemmung 
aufhört. 

(24) liammäda , Dorf bei Kamla — (25) el-chcmka (Kloster) 
nom. propr. des Karrämiten -Klosters in Jerusalem. — El-hadat, 

30 Stadt in Kinnasrin — (26) ez-zarkä , Ort auf der Strasse nach 
Damask — (28) bait karmä^ Dorf bei Jerusalem — (29) bait 'ai- 
nUn. Dorf bei Jerusalem — (30) el-kastah Dorf an der Gränze 

110) Der Text hat madsch slm. Van de Vklde giebt Reise I, IGT medsch- 
del sclim, ebenso GuERIN , Gal. II, 267; dagegen die Map of W. P. mejdel 
idim (daneben : khurhet selem), RouiNSONsiV«». Danach ist madschdal sicher, 
die Vocalisation des zweiten "Worts ungewiss. llOl^j So nach DE GOEJE 

die Handschriften. Wetzstein in Delitzsch Comm. z. Genesis. *. 1872, 
p. .574, las kädiis. 111) So zweimal, aber wohl ez-zarkä zu lesen. 



227 

Syriens — el-laddscJnm, zwei Städte in Syrien — bämj'äs, Stadt, 
aber bänäs, Fluss bei Damask. 

Über falsche Traditionen. (46) In e/-chc/tasrh ht ein 
Ort. wo die Kette Davids war, bei der die Entscheidungen 
ergingen 1' 2). — Das Grab Adams ist nach einigen bei dem Grab 5 
Abrahams, nach andern im üh; in Jerusalem behauptete einer, 
(lass er es im Traum hinter dem ()lberg gesehen. — Juden mid 
Christen sagen, das Grab Davids sei im sahjTin. — Einige be- 
haupten, das Feuer Abrahams sei am dscliarmak gewesen. — Auf 
dem Gipfel des Sinai ist ein Ölbaum , welcher der im Koran 10 
"24. 35 als »weder östlich, noch westlich« bezeichnete sein soll; 
dasselbe wird von einem andern auf dem ()lberg gesagt. — Ich 
hörte Abu Ali el-hasan ihn abi bakr el-bannä sagen , das Grab 
sei eine Platform, von der man sagte, dass sie das Grab eines der 
Imame sei, bis ein Mann aus Choräsän gekommen sei und er- 15 
zählt habe, er habe im Traum die Worte gehört : »Geh nach Jeru- 
salem und mache ihnen kund, dass es des Patriarchen Joseph 
Grab sei.« Der Sultan befahl, erzählte er, meinem Vater hinaus- 
zugehen und ich begleitete ihn ; die Arbeiter gruben , bis sie zu 
dem Holz der Bahre kamen, das ganz morsch war : fortwährend 20 
sah ich bei unsern alten Weibern Späne davon , womit sie sich 
von Ophthalmie zu heilen suchten. 

Südliche Wüste. (193) Das dsc/nfär , das von Ägypten 
aus am nächsten an Syrien stösst, hat zur Hauptstadt el-faramä 
und zu Städten el-bahkära^ el-ioarräda, el- arisch; ^a?, häuf \\?ii 1h. 
zur Hauptstadt Mlbais, zu Städten maschtül, dschurdschlr ^ ßiküs, 
ghaifä. dahkü, tüna ^ barrlm^ el-kulzum. (195) El-fara77iä , an 
der Küste des Mittelmeers , eine Parasange von ihm , bewohnt 
und volkreich, mit einem Fort und schönen Bazaren , liegt in 
einem Salzsumpf und hat salziges Wasser: ringsum sind Fang- 30 
stellen für die Wachteln [sahcä] und guter Fischfang ; in ihr fin- 
den sich eine x\nzahl entgegengesetzter Dinge [C : Producte bei- 
der Provinzen] und viel Gutes. Es ist ein Vereinigungspunkt der 
Strassen, wird oft erwähnt und blüht, aber hat salziges Wasser 
und die Vögel erregen (chronische?) Krankheiten. (209. In 35 
el-faramä findet sich die Wachtel [sumäm] ; wer davon isst, wird 

112) Die nämlich auf dem Hof des Haram gewesen sein soll. 



228 

krauk.!'-' und seine Gelenke werden steif). *Diese Gegend be- 
steht ganz aus gelbem ^^^ Sand; die in ihr liegenden Städte sind 
oben genannt. Es giebt darin Strassen, Palmen und Ikunnen, 
au jeder Poststation ist ein Laden. Nur spielt oft der Wind mit 

5 dem Sand und bedeckt die Strasse; das Reisen darin ist be- 
schwerlich. C: Die übrigen Städte des dschifär liegen im Lande, 
haben Palmen und sind heiss, aber bewohnt. Mit dem aufgehäuf- 
ten Sande spielt der Wind und bedeckt die Wege. Aber an 
jeder Poststation ist ein Laden und ein Brunnen und jede Tage- 

10 reise eine Stadt." (211. Im dschifär ist ein Talisman gegen den 
Sand, dass er nicht Städte und Dörfer überwältige. Talismane 
giebt es niir in Ägypten und Syrien, die Propheten sollen sie ge- 
macht haben . doch habe ich dergleichen auch in Persien ge- 
sehen.) — Bilbais ist eine grosse Stadt mit vielen Dörfern und 

15 Saatfeldern, bewolmt; die Gebäude sind aus Lehm. — El-tnasch- 
tül hat *viele [C : angeblich 360] Mühlen, von dort wird *der 
meiste Proviant, bestehend in Mehl und Zwieback, nach Hi- 
dschäz [C : das meiste Mehl nach Hidschäz und viel Weizen nach 
Kolzum^ gebracht. In einer Zeit des Jahres zählte ich 3000 Ka- 

20 meellasten jede Woche, lauter Kornfrüchte inid Mehl. 

EJ-Jmlzmn ist eine alte Stadt am Ufer des sinesischen Mee- 
res (196), trocken und trist, ohne Wasser und Gras, ohne Saat 
und Milch, ohne Feuerung und IJäume, ohne Trauben und 
Früchte. Wasser wird auf Schiffen zugeführt und anderes [viel- 

25 leicht zu lesen : fauliges, C : salziges] schlechtes kommt auf Ka- 
meelen von einem eine Poststation entfernten Ort suicais. Es 
giebt ein Sprichwort : «der Proviant der Leute von el-hulzum 
kommt von hilbais^ ihr Getränk von smvais, sie essen Bockfleisch 
und brennen den Plafond des Hauses« ^i^). Sie ist einer der 

30 Aborte der Welt. Das Wasser ihrer Bäder ist salzig, sie ist häss- 
lich. ekelerregend, der Weg zu ihr beschwerlich , nur dass ihre 



li:i, Wegen Num. 11,31 zu beachten. 114) Weissem Jäküt Kaz- 

•wlnl, schönfarbigem Istachri Ibn Haukai. 115) »Müssen, wenn sie Feuer 

machen wollen, Latten vom Plafond reissen« erklärt DE GoEJE, sachlich nicht 
wahrscheinlich ; es geht aber auch desshalb nicht, weil der erforderliche Reim 
auf — ais nicht herauskommt. Dürfte man eine provincielle Aussprache dais 
für (Its annehmen, so Hesse sich lesen : min schii ab ed-dais, Binsenhalme, und 
vergleichen, Avas Klunzinger, Ztschr. für Erdkunde 187S, S. 549, von dem 
Brennmaterial von Kusair erzählt. 



229 



Moscheen gut sind und ansehnliche Paläste [\. 1. Quartiere und 
nutzbringende Märkte darin sind. Sie ist ein Stapeli)latz für 
Ägypten, ein Hafen für Hidschäz. ein Stützpunkt für die Pil- 
gerkaravane. Wir kauften eines Tages für einen Dirham etwas 
und brauchten dazu für einen Dirham Ikennmaterial. Diese Ge- 5 
gend hat keine gtite Beschaffenheit, und ich sehe keinen Nutzen, 
ihre übrigen Städte zu erwähnen. 

(209) Der Berg sltiä ist dem Meer von Kolzum nahe. Man 
geht zu ihm aus von einem Orte, Avelcher ..r-*"^ [el- .mn ^'^) heisst, 
dem Orte, von wo Moses und die Israeliten aufbrachen und an 10 
welchem zwölf Quellen mit mittelmässigem Wasser sind. zAvei 
Tagereisen von dem Berge. In dem Gebirge list ein christliches 
Kloster und viele Saatfelder: dort ist auch der im Koran als 
«weder östlich noch westliclw bezeichnete Ölbaum, dessen Oliven 
den Königen gebracht werden. 15 

(209) Über das t'ih streitet man ; das richtige ist , dass es 
ZAvischen Syrien und Ägypten liegt und etwa vierzig Parasangen 
weit sich erstreckt. Es besteht aus Sand . Salzsümpfen und ro- 
them Sandstein und hat Palmen und Quellen. Es stösst an das 
dschifär und hinten (210) an den Sinai. Nach der Seite von2ü 
Kolzum ist das rif die Gränze der Wüste und der Weg nach 
Mekka führt hindurch. — (215. Orte zAvischen Kahira und Aila :) 
el-dschuhb (der Brunnen) , el-bincaib . '''manzü ihn sadaha (249: 
handaha), '^adschrüd, die Stadt (wohl Kolzum' . el-kurst, el-hafar. 
(249: el-manziV). xcaiJa. (253) Die Eastorte zwischen Ägypten 25 
und icaila erhalten Wasser durch Bewässerungsmaschinen. 

(249) Weg von Eamla über es-suhkarijja eine Stat., et-tu- 
lail zvrei Stat.. el-ghamr"^^' (253: el-(jhamr ein Wasser in wü- 
ster Umgebung; in der Nähe ist ein Sand, der, wenn aufgegra- 
ben, viel süsses Wasser liefert) zwei Stat. . aUa zwei Stationen. 30 
Der Weg der scharUh führt von sughar in vier Stationen nach 
waila. Beide Wege , obschon in Syrien, sind ein ^larsch durch 
die wilde Wüste, und berühren die syrische Wüste. 

(255) Ich ging von einem Küstenorte Nachmittags . im 



116) Der Name, offenbar verderbt, soll das biblische Elim bezeichnen, 
■vvohl aus der Bibel stammend und zur Zeit des Verfassers nicht mehr vorhan- 
den. 117 Das von neueren Keisenden oft genannte wädT el-ghamr nord- 
östlich von Petra. 



230 

Fasten bejjriffen , um die Wallfahrt ohne mitgenommenen Vor- 
ratli zu machen, und als ich nach.' äkir kam, betete ich das Son- 
nenunteigangsgebet und begab mich zum Gebet in eine Celle der 
lIau])tmoschee. da ich das Fasten stets erst nach dem Unpaarge- 
5 bet des Kamadän brach, und betete das Nachtgebet. Als mau 
wegging, kam der Mnaddin und gab mir ]>rot und getrocknete 
Feigen und einen Krug Wasser; ich hatte mir vorgenommen, 
weder Schlauch noch Becher mitzuführen, und dachte , der mii 
Speise versieht, wird auch Wasser senden. Ich speiste aufs 

10 beste, worauf ich mir nicht Rechnung gemacht, und als ich das 
!Morgengebet verrichtet, schlug ich den Weg nach es-suk/carijja 
ein. Als ich zu Nacht gebetet, brachte ein Mann mir einen Laib 
IJauernbrot (256) und einen Becher Wasser; ich ass und trank 
und ging am andern Morgen, bis ich nach ras ez-zäwija (Gipfel 

1 5 der Capelle {) kam , wo ich die Kleider, die ich anhatte, Ilausi- 
rern gab und von ihnen einen härenen Kittel , abgetragene San- 
dalen und ein altes Kopftuch erhielt. Ich ging bis zum Nach- 
mittag ohne den Wunsch, ein Abendessen zu treffen. Da zeigte 
sich mir eine Burg, auf die ich zuging, und als ich zum Thore 

20 kam . fand ich dort einen Mann aus Jerusalem , der mich um- 
annte. mir Aufnahme verschaffte und den Bewohnern sagte, wer 
ich wäre. Er brachte mir verschiedene Speisen und einen Über- 
wurf. Um die Morgenröthe machte ich mich von ihnen heimlich 
weg und ging bis nach dem Nachmittage, wo mich Maghribiner 

25 trafen, die mich für einen Spion erklärten ; als ich mit ihnen das 
Abendgebet gehalten, entschuldigten sie sich und bewirtheten 
mich . Am andern Tage ging ich bis el-kusaifa und sah dort kei- 
nen l>ewohner, aber plötzlich nahten fünf Eeiter und führten 
mich gegen meinen Willen zu ihrem Lagerplatz und bewirtheten 

30 mich. Als^ich sah, dass ich keine Nacht ohne Einladung blieb 
und dass Gott mich zurückAvies, begab ich mich nach meiner 
Stadt und Aollzog die Wallfahrt in diesem Jahr mit Vorrath und 
Bcitthier. 

S y ri s c he Wüste. (248) Der einzige Fluss ist der azrak. 

35 (252) Ihre Gränze läuft über ivaila, die Städte Lots, maab, 'am- 
mün, adriät, die Landgebiete von Damask, tadmur imd sala- 
inijja. bälis. 



Bericht über neue Ersclieimmgeii auf dem (iebiete der 
Palästiiialiteratiir 1883. 

Von Prof. A. Socin in Tübingen. 



Indem ich mich nun zum siebenten Male anschicke , den 
Lesern unserer Zeitschrift die literarischen Pruducte des verflos- 
senen Jahres vorzuführen, möchte ich , um der unausbleiblichen 
Eintönigkeit solcher ]3erichte vorzubeugen, den \Yunsch äussern, 
dass sich mit der Zeit jemand finden möge, der dieses Geschäft 
an meiner Stelle übernähme. Nach meiner Überzeugung Avürde 
ein solcher Wechsel, oder auch eine Theilung der Arbeit für unsere 
Zeitschrift entschieden von Yortheil sein ; diese Erfahrung ist 
ja öfters bei derartigen Übersichten gemacht worden. 

Von unserem Vereine ist zu berichten , dass die Mitglieder- AUgemei- 
zahl desselben sich so ziemlich in der gleichen Höhe hält, und ein 
grösserer Aufschwung derselben leider nicht zu verspüren ist. 
Was unsere Zeitschrift betrifft , so ist besonders zu erwähnen, 
dass Herr Pfarrer em. Ph. Wulff i) sich der dankenswerthen 
Mühe unterzogen hat, ein Register für die Jahrgänge 1 — V anzu- 
fertigen, welches im Berichtsjahr als Appendix der Zeitschrift 
erschienen ist. Noch sei hier um Entschuldigung gebeten wegen 
des störenden Druckfehlers in der Überschrift meines vorjähri- 
gen Berichtes 2) , — Die französische Gesellschaft des Orient Latin 
hat den Druck des zweiten Bandes ihrer Archives noch nicht be- 
endigt; verschiedene Ausschnitte desselben, welche die Jahres- 

11 Register zu Band I— V der Zeitschrift des Deutschen Palästina- Ver- 
eins, angefertigt von Dr. Philipp Wolff. Leipzig 18S3. 37 pp. S'\ 

2: A. Socin, Bericht über neue Erscheinungen auf dem Gebiete der Pa- 
lästinaliteratur 1882 (Druckfehler 1880): ZDPV. VI, p. 153—179. 

Ztschr. d. Pal. -Vor. VII. 16 



232 

zahl 1SS3 tragen, sind uns dagegen bereits zugekommen. (Vgl. 
Nr. it7 ; 132.' Auch von dem Jerusalemer Jalirlnich ist zu dem 
ersten ^) noch kein zweiter Band erschienen ; sollte diese Unter 
uc'lnnung bereits wieder ins ^Stocken gerathen sein ? Die eng- 
lische Gesellschaft ^j hat. weil der Ferman in Constantinopel nicht 
zu erlangen war, die Erforschung des Ostjordanlandes vorläufig 
luiterbrochen und nur eine geologische Expedition ausgesandt. 
Zu bemerken ist , dass sich die Engländer zum ersten Male nun 
auch bemüssigt gesehen haben, einige literarische Notizen zu 
veröffentlichen : aus meiner Übersicht über die Erscheinungen 
des Jahres 1S80 ist ein magerer, durch viele Druckfehler und 
Missverständnisse entstellter Auszug gemacht worden 5). Ein 
Zeichen der Zeit ist, dass sich auch in Russland neuerdings eine 
Palästinagesellschaft 6) gebildet hat, und zwar namentlich auf 
Betreiben des verdienten Staatsrathes Hitrowo. — Eine neue 
italienische Zeitschrift") scheint hauptsächlich kirchliche Inter- 
essen zu verfolgen. — Als ein vortreffliches Hülfsmittel kann die 
Bibliographie bezeichnet werden, welche in Kuhn' s neugegrün- 
detem Literatur-]51att für orientalische Philologie^) erschienen 
ist; hoffen wir, dass sich dieses Blatt als lebensfähig erweise. 
Auch auf die vouPünjer herausgegebene Literaturübersicht 'J) sei 
hier noch hingewiesen. 

Je mehr die politischen Fragen ^o) in Bezug auf Palästina in 

3) Vgl. ZDPV. VI, p. 155, Nr. 11. — Rec. von Guthe in ZDPV. VI, 
p. 150—152; Quart. Statements 1883, p. 159—162. 

4) Vgl. The meeting of the general committee: Quart. Statements 1883, 
p. 121-125. 

5) Socin, List of recent Palestine Literature : Quart. Statements 1883, 
p. 11;j — IIG. 

G Pravoslavnyj Palestinskij Sbornik. St. Petersburg 1883. 123 pp. 8». 
Vgl. Polybiblion 1883 (37), p. 33; ThLBl. 1884, Nr. 7. Vgl- die Bespre- 
chung am Schluss dieses Heftes. Anm. d. Red.) 

7) Gerusalemme, Periodico dell' alleanza cristiana e organo della Palestina. 
Genua JuU 1883; cit. : Das heil. Land, 1883, p. 129. 

8; Literatur-Blatt für orientalische Philologie unter Mitwirkung von Dr. 
Johannes Klatt in Berlin herausgegeben von Prof. Dr. Ernst Kuhn in Mün- 
chen. I.Band. Leipzig (Schulze) 1883 — 4. Bibliographie p. 253 fg. 

9} Theologischer Jahresbericht herausgegeben von Pünjer. 3. Band. 
Leipzig 1884. Literatur zum Alten Testament von Karl Siegfried. 

10) C. R. Conder, France and Syria: Fortnightly Review N. S. vol. 
XXXIV, 1. Aug. 1883, p. 227— 243.' (Nach Kuhn's Lit. BL; nicht ges.). 



233 

den Vordergrund treten und in Deutschland die Frage bespro- 
chen wird , ob für deutsche Colonisation ina Auslande Schritte Coionien. 
gethan werden sollen, richtet sich auch die Aufmerksamkeit auf 
Syrien und die in jenem Lande bereits bestehenden deutschen 
Ansiedelungen. "Wiederum wirft Schick^') in daukenswerther 
Weise einen Rückblick über die bisher in Palästina gemachten 
Erfohrungen in Bezug a\if Colonisation 12) ; auch in der in unse- 
rer Zeitschrift erschienenen Übersicht 1^) und in der Warte'*) 
finden wir wieder manches Detail über die Colonien der Temp- 
ler. Es wäre sehr zu wünschen, dass der Vorschlag, diese An- 
siedelungen durch Kapital zu unterstützen, ausgeführt würde ^^j, 
damit wenigstens gegenüber pessimistischen Anschauungen ^ß) 
sich ergäbe , ob diese Art von Colonien lebensfähig seien. In 
manchen Zeitungen war neulich davon die Rede , dass Preussen 
sich bei Gelegenheit des Besuchs des Prinzen Friedrich Karl im 
lieiligen Lande den Hafen von Caesarea habe abtreten lassen^"); 
dies scheint vollständig aus der Luft gegriffen zu sein. Bei Cae- 
sarea sind dagegen neuerdings unangenehme Gäste, nämlich 
muslimische Flüchtlinge aus Bosnien und der Herzegowina an- 
gesiedelt worden; 5 Meilen entferntfindet sich auch eine tscherkes- 
sische Niederlassung is] . Sehr fraglich ist , ob die im W^erden 
bea-riff'enen, von den verschiedensten Seiten unterstützten israe- 
litischen Ackerbaucolonieniö) eine Zukunft haben. Der An- 
drang der Juden , welche nach Palästina reisen, scheint noch 

11) Baurath C. Schick, Der gegenwärtige Stand der Colonisationsver- 
suche in Palästina: üsterr. Monatsschrift f. d. Orient, 18S3, p. 20 — 31. 

12) Syrian Colonization by Rev. W. Wriglit: Contemporary Review, Ja- 
nuar 1883. (Nicht ges.). 

13) Christoph Paulus, Die Tempelcolonien in Palästina: ZDPV. 1883, 
VI, p. 31— 42. 

14) Vgl. Warte des Tempels 1883, Nr. 17. 33. 34. — Über Sarona Nr. 10 ; 
Haifa Nr. 22. — Vgl. auch Ausland 1883, Nr. 777; Schwäbischer Merkur, 
Donnerstagisbeilage 1883, Nr. 57, p. 353. 

15) Warte des Tempels 1883, Nr. 16. 

lü) Vgl. ZDPV. VI, p. 154, Nr. 5. Th. Lange, Die Deutschen Colonien 
in Syrien: Sammlung gemeinnütziger Vorträge 1882. 16 pp. 80. 

17) Augustin Albouy, Cesaree dePalestine: La Terre Sainte 1883, p. 601 
—603. 

18) Vgl. Schwäbischer Merkur 9. Juli 1884, Nr. 161. 

19j Vgl. über jüdische Colonien; Allg. Zeitung 1883, Nr. 253, Beil. p. 
3718. — Über jüdische Einwanderer vgl. unten in Nr. 26 d. Ber. 

16* 



234 

innner sehr bedeutend zu sein : es wird angegeben , dass vom 
Mai bis November 1S82 trotz der .Schwierigkeiten, welche die 
türkische Kegierung dieser Einwanderung in den Weg legte, 
480 jüdische Familien. 3000 Seelen zählend, in Jafa gelandet 
seien . \uu\ es entsteht die brennende Frage , Avovon diese leben 
sollen. Auch in jüdischen Kreisen wird diese Bewegung vielfach 
besprochen, wie einige »Schriften ^oj 2ij^ ^[q theilweise auch man- 
ches Persönliche mitzutheilen scheinen-- . beweisen. — Ein klei- 
ner Essay über Ackerbauverhältnisse in Palästina ist wohl hier 
auch zu berücksichtigen ^^] . 
Beformen. Auch in anderer Hinsicht hat man sich neulich mit Palästina 

beschäftigt : von einer Seite, welche augenscheinlich nur sehr ge- 
ringe Kenntniss von den Terrainverhältuissen hatte , wurde der 
Vorschlag gemacht , dass an Stelle eines zweiten Suezcanals die 
Ebene Jezreel bis zum Jordan thale durchstochen und hierauf eben- 
falls ein Kanal durch die Araba nach Akaba gegraben werden solle. 
Dagegen hat namentlich Schick 24] schlagend nachgewiesen, dass 
die Kosten eines solchen Unternehmens viel grösser wären, als 
sie von jenem Projectmachcr angeschlagen worden waren, dass 
aber die ganze Ausführung, abgesehen von der Irrentabilität, 
auch daran scheitere, dass ungeheure Bodenstrecken von Palä- 
stina dadurch unter Wasser gesetzt und daher viele Entschä- 
digungen zu zahlen sein würden. Immerhin ist die Frage, ob 

20) A. Katz, Der Jude und das Land seiner Väter (hebr.^. Fürstenwalde 
(Geelhaar) 1883, 38 pp. 8». — (Nach Kuhn's Lit. Bl. ; nicht gesehen. 

21) ^xnil'i "i'^X C, Description de laPalestine, nature, dusol, mers, 
cours d'eau, montagnes, vallees, climat, flore et faune, villes et villages , par 
Eliezer her. Juda. Jerusalem 'inipr. Moise Salomon) o. I). 76 pp. SO. (Nach 
Revue des etudcs juives; nicht gesehen.) 

22j nlsran ^D1, Relation d'un voyage fait recemment par l'auteur en Pa- 
lestine encompagnie de onze emigrants russes qui voulaient fonder unecolonie 
agricole dans ce pays, et considerations sur la fondation de colonies agricoles 
israelites en Palestine, par lehielBril. Ire partie Mayence jmpr. Bril, 236 pp. 
80. (NachRevuedeset. juives VII (18S3) p. 288; nicht gesehen.) 

23) Letters froni Galilee. I. II. Jewish agriculture: Blackwood's Edinb. 
Mag. Sept. — Oct. 1883. Nr. 815; 816; Vol. 134, p. 367 — 378; 521—534; 
vgl. auch III, Nov. Nr. 817, p. 597—609. (Nach Kuhn's Lit.Bl. ; nicht ges. . 

24/ C. Schick , Der »Jordan-Canal« : Üsterr. Monatsschrift f. d. Orient 
18S3, p. 143—146. — Vgl. Allg. Zeitung 1883 I.Beil. Nr. 200; 203; Globus 
1883 (43), p. 367 ; J. Lit. Bl. 1883, Nr. 34—36. 



235 



nicht, falls das Project überhaupt aiisführbav wäre, das Klima 
Palästinas durch den grossen See, welcher sich bilden würde, 
wesentlich verändert und zwar verbessert würde. — Dagegen 
scheint eine andere Unternehmung, welche bereits angebahnt 
ist, viel durchführbarer zu sein : es handelt sich nämlich um den 
Pau einer Eisenbahn von Akka nachDamascus^s)^ an welche sich 
später Zweigbahnen anschliessen würden. Vorläufig ist sogar 
bloss die Ausführung der Strecke Akka — Haifa — Dschisr el-Med- 
schämi'^a (im Jordanthal) ins Auge gefasst und das Terrain ver- 
messen worden. Falls diese Linie, deren^ Ausführung freilich 
noch auf grosse Schwierigkeiten stossen kann , gebaut würde, 
könnte damit die Getreideausfuhr aus dem Hauran — welche 
immerhin stets bedeutend ist 26) — noch wesentlich gehoben 
werden. Natürlich müsste auch der Hafen von Haifa dann ver- 
bessert werden ; bereits äussern die dortigen Colonisten lebhaft 
den AVunsch, dass auch deutsche Dampfschiffe die Ilhede be- 
suchen möchten. — Was sonstige Eisenbahnunternelimungen 
betrifft, so hat Cameron^^) in seinem Buch die Gegenden ge- 
schildert, welche eine von Beirut nach Bagdad führende Bahn be- 
rühren müsste; auch Schweiger-Lerchenfeld 2S) weist mit Recht 
darauf hin, dass gegenüber dem Vorschlag einer Eufratbahn der 
einer Tigrisbahn, welche doch durch bebaute Gegenden füh- 
ren würde , der einzig vernünftige , aber so lange unausführbar 
sei. bevor durchgehende Reformen von der Türkei an die Hand 
genommen seien. So lange die Verbesserungen jedoch nur auf 
dem Papier bleiben, hat das Erbauen von Eisenbahnen wenig 
Zweck. Von jenen auf dem Papier sich ganz schön ausnehmen- 
den Reformen wollen wir, weil die Sache auch Palästina angeht, 
-die neue türkische Postordnung'-!') anführen; dieselbe ist sehr 

25) Schumacher, Das Eisenbahnprojekt 'Acca i;Haifa;-Djisr elmedja- 
mi'a Palästina: Warte d. T. 1SS3, Nr. 41. 42; und daraus in Neueste Nachr. 
a. d. Morgenlande 1SS3, p. 130—144; vgl. Beil. zur A. Zeitung 1883, Nr. 25. 

26) Haifa, Jahresbericht f. 1882: Deutsches Handelsarchiv 1883, p. 258. 

27) V.L. Cameron, Notre future route de l'Inde , traduit de l'Anglais. 
Paris (Hachette) 1883. 269 pp. 120. (Nach J. asiat. ; nicht gesehen.) 

28) A. V. Schweiger-Lerchenfeld, Die Euphratthal-Bahn und kein Ende: 
Österr. Monatsschr. f. d. Orient 1883, p. 45—51. 

29) G. Sautter, Die neue türkische Postordnung: (')sterr. Monatschr. f. 
d. Orient 1883, p. 9—13. 



236 

unvollkommen, ist aber vor allem auch dadurch interessant, dass 
sie uns eine Unzahl von Missbräuchen aufdeckt. 
sutiMik. Ausser dem bereits oben genannten Konsulatsberichte aus 

Haifa sind noch einige andere ebenso interessante handelsstati- 
stische Notizen 30j 3ij hervorzuheben; vor allem aber sei hier auf 
den höchst eingehenden Artikel verwiesen, -welchen das Han- 
delsarchiv über das Liwa von Jerusalem 32) gebracht hat. Diese 
Arbeit verbreitet sich über Statistik (das Liwa Jerusalem hat 
230000 Einwohner: davon fallen 77500 auf die Städte; im gan- 
zen 1 SSO 00 Muslimen, 18400 Juden, 1 1500 griechische Ortho- 
doxe , S720 Lateiner. 1555 Protestanten, alle Secten eingerech- 
net) , EiuAvanderung, Strassenverkehr (die Pachtsumme der Jafa- 
strasse 1170 türkische Liren) . Steuern (die Grundsteuer beträgt 
8 vom Tausend und hat eingebracht 3,795, 168 Piaster, der Zehnte 
von Ländereien hat in Naturalien 3,681,101 Piaster, an Baar 
2,573,914 P. eingebracht; die Viehsteuer von Ziegen und Scha- 
fen ä 3Y2 P. Gold: 1,056,104 P. ; die Militairsteuer ä 271/2 1' 
perKaja 261,47SP. ; indirecte Steuern, Zölle, Regale 500,O00P.), 
Schiffsverkehr, Einfuhr für 3,013,150 Fr.) und Ausfuhr (für 
6,835.000 Fr.], Geldkurs, Anstalten u. s. w. 

Ausgehend von der Überzeugung, dass für manche Leser 
unserer Zeitschrift eine vergleichende Übersicht über die An- 
stalten, welche von den verschiedenen Religionsgemeinschaften 
in Palästina gegründet Morden sind und unterhalten werden, von 
Interesse sei, ist im verflossenen Jahre zunächst ein competenter 
Bericht über die protestantischen Bestrebungen erschienenes^. 
An diesen schliessen sich weitere Notizen ebenfalls von Rei- 
NICKE 34) , sowie die Jahresberichte des protestantischen Aussätzi- 
genhauses in Jerusalem 35) , der Bericht des syrischen Waisenhau- 

30) Tripolis 'Syrien , Jahresbericht für 18S1 : ])eutsches Handelsarchiv 
1S83, p. 30:j— 304. 

31; Saida, Jahresbericht für 1882: D. Handelsarchiv lbS3, p. 27<J— 2S(i. 

32; Die wirthschaftlichen Verhältnisse Palästina's im Jahre 1882 : Deut- 
sches Handelsarchiv 1883, p. 416—422. — Vgl. daraus Scliifts- und Handels- 
verkehr; Warte des Tempels 1883, Nr. 34. 

33; Reinicke, Die evangelische Mission in Palästina: ZDPV. VI, 1883, 
p. 13—42. 

34; Vgl. Neueste Nachr. a. d. Morgenlande 1883, p. 32; 71 ; 145. 
35) Neueste Nachr. a. d. Morgenlande 1883, p. 85. 



237 

ses •'") , sowie die Nachricht, class von eiif^lischer Seite neuerdings 
in Jerusalem eine hedcutende Augenklinik ^^j eingerichtet wor- 
den ist. Seit dem Tode des Bischofs IJarclay 3*^), welcher seinem 
Vorgänger Gobat^'^) bald gefolgt ist, wird die Frage viel be- 
sprochen, ob die Doppelstelking eines protestantischen, englisch- 
deutschen Bischofs in Jerusalem für die Zukunft überhaupt noch 
practisch sei'") *') ; es scheint, dass von deutscher Seite der 
dahin bezügliche Contract gekündigt ^werden soll. — Bis 
unsere Zeitschrift als Gegenstück zu jenem Artikel Reixicke's 
eine competente Schilderung der katholischen Anstalten brin- 
gen wird (s. unten den Aufsatz von P. Schnabl in Wien. Die 
Ked.), müssen die bezüglichen Berichte der Missions catho- 
liques , Terre Sainte, des heiligen Landes u. s. w. nachgeschla- 
gen Averden. Die katholische Mission *-) wacht eifrig darüber, 
neue Sanctuarien zu erwerben und an denselben , wie zum Bei- 
spiel neuerdings am Karmel und in dem traditionellen Cana Kir- 
chen oder Kapellen zu errichten ■^^] ; hauptsächlich macht sie 

36) Zweiundzwanzigster Jahresbei'icht des syrischen Waisenhauses zu Je- 
rusalem. Vom Jahre 18S2. Basel (St. Chrischona) 1883, 15 pp. 80. 

37j Quart. Statements 1883, p. 118. 

38) Joseph Barclay , third Anglican bischop of Jerusalem : a missionary 
biography. London (Partridge) 1883, 604 pp. 8". 

39] Gobat, Evangel. Bischof in Jerusalem. Sein Leben u. Wirken meist 
nach seinen eigenen Aufzeichnungen. Basel (Spittler) 1883. 550 pp. 80. — 
Kcc. von Wolff in DLZ. 1884, Nr. 20. 

40) W. H. Hechler, The Jerusalem bishopric : documents with transla- 
tion. London (Trübner; 1883. 181 pp. SO. — Vgl. Saturday Keview 1883, II, 
p. 365; DLZ. 1S84, Nr. 20; Allgemeine Zeitung 1884, Nr. 124; Academy 
29. Sept. 1883, p. 211. 

41) P. Cassel, Das Bisthum von Jerusalem. Nach einem Vortrag am 23. 
Nov. 1882. Berlin Kühlj 1883. 19 pp. 80. 

42, Vincenz, Patriarch von Jerusalem, Schreiben an den Schriftführer 
des Vereins: Das heil. Land 1883, p. 41 — 45. — Nachrichten aus dem hei- 
ligen Lande: Das heil. Land 1883, p. 127—134. — Bemerkungen über die 
deutschen katholischen Missions-Anstalten in Palästina : Das heil. Land 18S3, 
p. 103 — J07. — Die Missionsthätigkeit der Gesellschaft Jesu im Orient: Das 
heil. Land 1883, p. 45—48. 

43j Übersicht der in den letzten Jahrzehnten wiedergewonnenen Sanctua- 
rien: Das heil. Land 1883, p. 64 — 69. — Agidius Gcissler, Nachrichten aus 
Cana in Galilaea : Das heil. Land 1883, p. 57—64. — Die üpferstättc des 
Propheten Elias auf dem Berge Carmel: Das heil. Land 1883, p. 201-210. 
— Ducat, Une excursion ä la chapelle St. -Georges pres Beyrouth : Missions 



23S 

auch im Libanon xind in Beirut grosse Anstrengungen. Ganz 
besonders ist ihre arabische Druckerei^-*) in Beirut berühmt; 
neben manchen kirchlichen Werken liefert dieselbe vortreffliche 
Schulbücher. Wörterbücher und anderes in vorzüglicher typogi-a- 
phisdier Ausstattung. — Prof. Ooirr^^) in Leiden hat uns neu- 
lich aufmerksam gemacht, dass die jüdische Wochenschrift von 
K.MiMKii aucli viele Notizen über die Verhältnisse der Jiulen in 
Palästina bringe; leider steht uns dieselbe nicht zu Gebote. 
Ethno- Was Sitten und Gebräuche des Landes betrifft, so ist in 

gnphie. 

erster Linie der zweite Band der zweiten Auflage des in seiner 
Art classischen W^erkes von Thomson ^c) zu nennen. Diesmal 
begleiten wir den erfcihrenen Verfasser auf einer Reise durch den 
Norden des Landes und lassen uns über die verschiedenartigsten 
botanischen, landwirthschaftlichen und ethnographischen Ein- 
zelheiten von ihm belehren. Allerdings bietet dieser zweite äusser- 
lich zwar ebenfalls vortrefflich ausgestattete l^and gerade in die- 
ser Hinsicht weniger als der erste . und es tritt in demselben der 
etwas eng begrenzte Horizont des nur auf »Bibelerklärung« be- 
dachten Missionars noch etwas ausgesprochener hervor. — Fil- 
Liox^") ergeht sich in dem sehr populär gehaltenen Atlas von 
Alterthümern, welchen er geliefert hat. auf sehr breit getretenen 
Pfaden. Auch Löwy's*^) Bemerkungen über Höhlen, Gräber, 

cathol. 3. Aug. 1S83. (XV. annee), p. 362— 5. (Nach Kuhn's Lit. Bl. ; nicht 
gesehen). 

44) Die Druckerei des Jesuiten-CoUegiums St. Joseph, der jetzigen Uni- 
versität für den katholischen Orient in Beirut: Das heil. Land 1883, p. 168 
—173. 

45) Vgl. Theol. Tijdschrift 1884, p. 267. 

46; Vgl. ZDPV. V, p.233, Nr. 97. The Land and the Book; or, biblical 
illustrations drawn from the manners and custonis, the scenes and scenery of 
the Holy Land. Central Palestine and Phoenicia. By William ISl. Thomson. 
130 Illustrations and maps. London (P. Nelson and Sons) 1SS3. XXIV. 
689 pp. 80. 

47) Atlas archeologique de la Bible d'apres les meilleurs documents, soit 
anciens, soit modernes et surtout d'apres les decouvertes les plus recentes fai- 
tes dans la Palestine, la Syrie, la Phenicie, l'Egypte et TAssyrie destine ä fa- 
ciliter l'intelligence des saintes ecritures par M. L. A. Fillion , pretre di 
Sainte-Sulpice. Lyon Paris (Briday, Delhomme et Briguet) 1883. Vgl. 
Theol. Quartalschrift 3. Heft 1883, p. 484. 

48 Rev. A. Löwy, Unterground structures in Bible Land: Proceedinga 
of the Society of biblical archaeology. Nov. 1882— Juni 18S3, p. 140—145. 



239 

Cisterneii u. ;i. bieten nichts Neues. Der A'erfasscr einer 
kurzen JSkizze über die (allerdings stark heruntergekommenem 
Beduinen Palästina's ^9) scheint leider das Buch von liuucK- 
iiAKDT, »Bemerkungen über die Bediiinen imd Wahaljy« nicht 
zu kennen: immerhin ergänzen seine Angaben, die allerdings 
in sprachlicher Beziehung leider -wenig zuverlässig sind, jenes 
classische Werk in einigen Punkten. Als Autor eines Auf- 
satzes über die Belka-Beduinen -werden -wir ConderS") anzu- 
sehen haben, da im Athenaeum darauf hinge-^iesen ist, dass der 
betreffende Abschnitt in Conder's neuem Buche (vgl. Nr. 113) 
bereits in Black-wood's Magazine erschienen sei. 

Die dankenswerthen Mittheilungen Klein's^i) behandeln 
diesmal namentlich die Hochzeitsfeierlichkeiten der Fellachen und 
enthalten viel Neues. Eine Anfrage Budde's ^^) bezieht sich auf 
die Trauergebräuche, welche heute noch in Palästina üblich sind. 
Was den Gesang der Araber , -welcher so oft das Missfallen der 
Palästinareisenden herausfordert, betrifft, so sind darüber bis 
jetzt nur wenige Untersuchungen angestellt worden , und zwar 
aus Mangel an zuverlässigem Material ; die sechs arabischen Me- 
lodien, welche neulich veröffentlicht worden sind, bilden daher 
einen nicht ganz zu verachtenden Beitrag zu diesen Studien ^-^j . 
Zur Kenntniss der heutigen Sprache des Landes ist ausser einem 
kurzen Artikel Huart's 54) das interessante Buch Landberg' s^^j 

49) Über die Beduinen Palästina's. Von R. Ramjjendahl in Jerusalem : 
Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik, 1883 (5.), p. 450—455; 
515—521. 

50; The Belka Arabs. By a Palestine-Explorer : Blackwood's Mag. Aug. 
1883. Vol. 134, p. 171—189. (Nicht gesehen.) 

51) F. A. Klein, Mittheilungen über Leben, Sitten und Gebräuche der 
Fellachen in Palästina: ;Zweite Fortsetzung) 'ZDPV. VI, p. sl— 101. — 
Vgl. Klein, Life, habits and customs of the Fellahin of Palestine: Quart. 
Statements 1883, p. 41—48. (Nach ZDPV. IV.) 

52) K. Budde, Die Hebräische Leichenkiage. Mittheihingen und An- 
frage: ZDPV. VI, p. 180—194. 

53] Cantiarabi: Das heil. Land 1883, p. 192—193. 

54) Clement Huart , Notes sur quelques expressions du dialecte arabe de 
Damas: Journal as., Jan. 1883, p. 48 — 82. 

55; Proverbes et dictons du peuple arabe. Matcriaux pour servir äla con- 
naissance des dialectes vulgaires , recueillis , traduits et annotes par Carlo 
Landberg. Volume I. Proverbes et dictons de la province de Syrie. Section 
de Sayda. Leyde (E. J. Brill) 1883. LI, 458 und 6 pp. S». — Rec von de 



240 

zu nennen ; dasselbe bietet neben seinem reichhaltigen linguisti- 
schen Material auch manche sehr ■werthvolle ethnographische 
Notizen. Manchen Reisenden wird der in neuer Auflage er- 
schienene Dragoman Wolff's^ö) g^^te Dienste leisten können. 
Arohäoio- — Von Einzelheiten ist anzuführen, dass Conder uns wieder 
^*' eine Liste der eigenthümlichen Stamrazeichen der Heduinen vor- 
gelegt haf*" ; er ist aber wohl darin viel zu Aveit gegangen, dass 
er in einigen derselben alte Ikichstabenformen hat erkennen 
wollen. Archaeologisch interessant ist auch die Sammlung von 
Steinmetzzeichen 5^) , welche uns Coxder wieder mittheilt. Da- 
gegen findet sich in Coxder's Aufzählung althebräischer In- 
schriften ^^; nichts Neues ; auch die Gründe, mit welchen Sayce ^^) 
den Siloahcanal auf Salomo zurückführen will, sind nichts we- 
niger als überzeugend. Die Inschriften, welche Co>'DER im latei- 
nischen Patriarchat in Jerusalem gefunden hat und welche aus 
Medeba dorthin abgeliefert wurden ßi), gehören zu den Vorläu- 
fern der eigentlichen moabitischen Thonwaaren ; Trym hat so- 
fort eine derselben als alte Bekannte entdeckt. Man rufe sich 
ins Gedächtniss, dass die Fälschungen, welche in Jerusalem auf- 
tauchten, von dem schwieriger zu behandelnden Steinmaterial 
später zu dem leichteren Thonmaterial übergingen; als auch 
diese Alterthümer in Misscredit kamen, hat sich nun neuerdings 

Goeje Jin Journal asiatique 1S83, I, p. 533; Academy 4. Aug. 1SS3, p. 81 ; 
Z. f. Völkerpsychologie XIV, p. 434—460; Nordisk Revy 15. Dec. 1883, Sp. 
2ü2; Beil. zur AUg.Z. 1883 Nr. 290, p. 4267; Ausland 25. Febr. 1884, p. 155; 
Slocin) in LCB. 13. Oct. 1S83, Sp. 14S2. 

56) Arabischer Dragoman. Grammatik, Wörterbuch, Redestücke der neu- 
arabischen Sprache. Ein Handbuch für Reisende in Ägypten, Palästina und 
Syrien, sowie für Studirende der arabischen Sprache. Von Dr. Philipp Wolft". 
Dritte gänzlich umgearbeitete Auflage. Leipzig F. A. Brockhaus 1SS3. VI, 
309 pp. 80. — Rec. in DLZ. 8. Dec. 18b3, S. 1725: Theol. Quartalschrift 
1884. 1. p. 172. 

57j C. R. Conder, Arab tribe marks (ausam) : Quart. Statements 1883, 
p. 178—180. 

58 CR. Conder, Meason's marks: Quart.'Statements 1883, p. 130— 133. 

59) CR. Conder, Hebrew inscriptions : Quart. Statem. 1883, p. 170— 17-1. 

60) A. H. Sayce, The Siloam inscription: Quart. Statements 1883, 
p. 210—215. 

Ül) C R. Conder, Supposed nabathean and himyaritic texts from Me- 
deba: Quart. Statements 1883, p. 184 — 189. — Vgl. l'rym , Moabitisches; 
ZDPV. VII, p. 78. 



241 

ein frecher Betrug ans Tageslicht gewagt, wobei die Fälscher als 
Material eine alte Lederrolle benutzt haben. Merkwürdig ist, 
dass dieses Schriftstück lant dem allerdings sehr raystenösen 
Berichte ebenfalls aus Moab bezogen wurde; viel mehr Wahr- 
scheinlichkeit hat die Vermuthung , dass es in Europa angefer- 
tigt worden ist. Von kundigen Forschern ist auch in Deutsch- 
land die Fälschung sofort entdeckt worden, bevor dieselbe in 
England Staub aufzuwerfen begann ^'-) . — Zu den wissenschaft- 
lichen Inschriftenforschungen möchten Coxder s Bemerkungen 
über die Hama-Inschriften ^'^] kaum zii zählen sein ; in Betreff 
derselben ist ein Artikel von 11 YLA^;I)s*'^) und eine längere liecen- 
sion von Lenokmant^^) der Vollständigkeit wegen hier anzu- 
führen. Mit Anerkennung ist dagegen die in manchen Punk- 
ten gelungene Entzifferung der eigenthümlichen. östlich von 
Damascus liegenden arabischen Denksteine durch Halevy''*') 
zu erwähnen. Eine kurze Notiz in den Statements bezieht 
sich auf griechische Inschriften in Dscherasch'^'j. Ungleich 
wichtiger ist die sachkundige Entzifferung der grossen neuen 
palmyrenischen Bilinguis , Avelche ein Handelsdecret des palmy- 
rischen Senates enthält. De Vogüe •^"^j hat diese Inschrift mit ge- 



G2) Fi'agmente einer Lederhandschrift enthaltend Mose's letzte Rede an 
die Kindei' Israel, mitgetheilt vind geprüft von Lic. Hermann Guthe. Mit 
einer autographischen Tafel. Leipzig Breitkopf und Härtel; 1S83. IV, 
94 pp. 80. — Vgl. auch Quart. Statements 18S3, p. 195—209; Athenaeum 
D.Aug. 1S&3, p. 178; Delitzsch in AUg. ev.-lulh. Kirchenzeitung 1883, 
p. 844— 6; 869—71; 893—4; 914—6; Revue critique 1883, II, p. 196; La 
Terre Sainte 1S83, p. 6().5 ; 635 ; Academy 25. Aug. 1883 ; Revue politique et 
litteraire de la France et de l'etranger 29. Sept. 1883. 

63) C. R. Conder, Hamath inscriptions: Quart. Statements 1883, p. 133 
—4; 189—193. 

64 W. Harry Rylands, The Aleppo inscription: Proc. of the soc. of 
bibl. archaeol., Juni 1883, p. 146—9 (2 Tafeln). 

65) Lenormant, Les inscription hittiques: Journal des Savants 1883, 
p. 400—417. 

66) J. Halevy, Essai sur les inscriptions du Safa. üuvrage couronne par 
l'Institut en 1S78. Extrait du Journal as. 1882. 341 pp. 8'\ 5 Taf. — Vgl. 
LCB. 1883, Sp. 803 (von Praetorius) ; Revue crit. 18^3, II, p. 12; 78. 

67, R. B. Girdlestone , The inscriptions of Jeräsh ; Quart. Statements 
1883, p. 107-108. 

68) Vgl. ZDPV. VI,, p. 161, Nr. 64, wo zu verbessern: comptes rendus 
1^83; Journal as. 1883. I, p. 231 — 245; p. 562 — 571; II, p. 149-183, 



242 

Mohnter Sicherheit gelesen ; andere Forscher haben zu dessen Ar- 
beit einige nähere Erläuterungen geliefert. Hebräische und grie- 
chische Inschriften aus OssuarienC9. sowie Siegelinschriften "ö) 
hat Gaxneai neuerdings veröffentlicht und einige belangreiche 
Bemerkungen daran geknüpft. Auch die übrigen archaeologischen 
Arbeiten'';, welche dieser palästinakundige Gelehrte zu liefern 
fortftihrt. sind sehr beachtensAverth ; dieselben beziehen sich auf 
eine vom Olberg stammende Kelchschüssel mit Votivinschrift. 
die neueren Funde in Emmaus-Xicopolis. zwei in Bethlehem ge- 
fundene silberne Candelaber mit Inschrift aus dem XII. Jahrh. 
und anderes mehr. Zu neugefundeneu Monumenten aus Edessa 
lieferte Renan "2; einige Bemerkungen. Über einige neuere 
Funde "3) waren Correspondenzen in unserer Zeitschrift mitge- 
theilt. Eine Notiz Merkill's'*) bezieht sich auf einen merk- 
würdigen grossen Mühlstein, welcher unweit Nimrin liegt. 

senEcTif- l-'iiter den naturwissenschaftlichen Abhandlungen, welche 

ten. die Landeskunde Palästinas behandeln, ist diesmal die in unse- 
rer Zeitschrift erschienene Arbeit von Ascherson'^) hervorzu- 
heben. Dieselbe stützt sich ausser auf Kersten's Sammlune 
wesentlich auf das Buch von Barbey'^öj^ (welches übrigens 

p. 549 ff. vgl. llubens Duval: 1883 (2) p. 537—539. Vgl. D. H. Müller in 
O. Monatsschrift f. cl. Orient, 15. April X, p. 124—126. Ed. Sachau, Über 
den Palmyrenischen vofjLo; -:£>.ojvt-/.o;: ZDMG. 37 (1S83;, p. 502-571. 

69) Clermont Ganneau , Epigraphe« hebraiques et grecques sur des os- 
suairesjuifs inedits: Revue archeol., Mai-Juni 1883, p. 257—276. 

70). C. Clermont Ganneau, Sceaux et cachets israelites, pheniciens et Sy- 
riens, suivis d'epigraphes pheniciennes inedites sur divers objets et de deux 
entailles cypriotes : Journal asiatique 1SS3, I, p. 123—159. II, p. 149— 183. 
— Auch separat: Paris (Leroux) 1883. 48 pp. et 2 pl, 

71, Clermont Ganneau, Notes d'archeologie Orientale V: Revue critique 
1883, II, p. 193—190. 

72) M. E. Renan, Deux monuments epigraphiques d'Edesse: Journal 
asiatique 1883, I, p. 246—251. 

73 Aus Briefen: ZDPV. VI, p. 78—80. — Neue Funde in Nabulus: 
ZDPV. VI, p. 230—232. — Vgl. auch Bericht des Pastor Lic. Dr. Reinicke 
in Jerusalem: Neueste Nachr. a. d. Morgenlande 1883, p. 25—31. 

74) Selah Merrill, I.arge miUestone on the Shittim piain : Quart. State- 
ments 1S83, p. 230—238. 

75, P. Ascherson, Barbey's Herborisation au Levant und Dr. Otto Ker- 
sten's botanische Sammlungen aus Palästina: ZDPV. VI, p. 219—229. 

TG, Fevrier— Mai 1880. Herborisations au Levant par C. et W. Barbey. 



243 



auch einiges Nichtbotanische enthält) ; die Notizen Spritzen- 
hofer's""), welche ebenfalls Ascherson anführt, s^ind mir nicht 
zu Gesicht gekommen. Wohl nur als erste Frucht der grossen 
■wissenschaftlichen Reise Lortet's''*) dürfen wir die Jiearbei- 
tinig der Fische nnd lieptilien betrachten , welche jener For- 
scher in Syrien gefunden oder gesammelt hat, eine streng 
wissenschaftliche Arbeit, die unsere Kenntniss wesentlich för- 
dert. Der Aufsatz, welchen Rosen '''•^) besonders nach Ar- 
vieux, Rrzewusky und Guarmani über das arabische Pferd ver- 
öffentlicht hat, liest sich sehr hübsch; auch zerstreut er manche 
alte Yorurtheile , zum ISeispiel in Retreff schriftlicher Stamm- 
bäume von Pferden. Seine biblische Zoologie hat Wood*") in 
neuer Auflage erscheinen lassen. Einige Notizen über den Pur- 
pur ^i) und das Bitumen S2) sind ohne Belang; was die Geologie 
betrifft, so ist von den Engländern neulich ein kurzer Rückblick 
auf die bisherigen diesbezüglichen Leistungen geworfen wor- 
den 83) , Nach einem Vortrag des Prof. Hüll aiis Dublin sind uns 
die jetzigen iinsichten über die geologische Bildung des Todten 
Meeres vorgelegt worden 84) . Auch einige Bemerkungen über die 
geologischen Strata der Sinaihalbinsel §5) mögen an dieser Stelle 

Egypte, Syrie et Mediterranee. Onze planches et une carte. Lausanne (Bri- 
delj 1882. 183 pp. 40.- 

TT G. C. Spritzenhofer, Beitrag zur Flora von Palästina: Sitzungsbe- 
richte der k. k. zool. bot. Ges. in Wien 1881, p. 5—9. 

T8) L. Lortet, Poissons et reptiles du lac de Tiberiade et de quelques 
autres parties de la Syrie. (Extrait des Archives du Museum d'Histoire na- 
turelle de Lyon t. III). Lyon (Henry Georg) 1883. 96 pp. gr. 4», mit 14 Ta- 
feln. 

T9) J. G. Rosen, Das arabische Pferd. Ein ethnologisch-historischer 
Abriss: Wochenbl. d. Joh. Ord. BaUey Brandenburg 1883, Nr. 40. 41. 42. 

SO) J. G. Wood, Bible animals; bcing a description of every living crea- 
ture mentioned in the Scripture, from the ape to the coral. New ed. (Long- 
mans) 18S3. 688 pp. 80. (Nach Kuhn's Lit. Bl. ; nicht gesehen.) 

81) La pourpre de Tyr: La Terre sainte 1883, p. 316—319. 

82) The bitumen of Judea : Quart. Statements 1883, p. 242. 

83) The Geology of Palestine : Quart. Statements 1883, p. 16(1— ITO. 

84) Geologische Geschichte des Todten Meeres und des Jordan-Thaies; 
Ausland 1883 (LVI), Nr. 19, p. 375— 3T6. 

85) Contribution a l'histoire stratigraphique du relief du Sinai et specia- 
lement de Tage des porphyrcs de cette contree. Note de M. l'abbö llabois- 
son: Comptes rendus hebdom. des seances de l'Acad. des sciences. Paris 1SS3 
(vol. 96), p. 282—285. 



244 

auigefühit werden. Als wirklieli Averthvoll möchten wir die stati- 
stischen Tiitehi hervorheben, in welchen Chaplin*^) die Teni- 
])eraturhühen. die Winde , die Kegen- und Thaumengen , die 
Erdbeben, das Uberfliessen des liir Eijub, die Barometerhöhen 
lind die Weizenpreise der Jahre 1S60 — 1SS2 nebeneinander stellt, 
eine sehr gelungene und lehrreiche Arbeit , welche verdiente, 
in unserer Zeitschrift mitgetheilt zu werden. 

tieschitiite. Indem ich zur älteren Landesgeschichte Palästina's übergehe, 

ist in erster Linie auf die neue Ausgabe von Schkader's^'') Buche 
zu verweisen, in welchem die Ergebnisse der Keilinschriftenfor- 
schung, so weit sie für die Erklärung des alten Testamentes von 
Wichtigkeit sind, zusammengestellt sind. Auf der diesem Bande 
beigegebenen Karte finden sich-auch die Städte Syriens, welche 
in den Keilinschriften genannt sind, eingetragen. Bei weitem 
die wichtigste Arbeit, welche über die ältere Geographie Palii- 
stinas neulich erschienen ist, findet sich in dem schon früher 
angeführten Buche von Eey ^*) . Dasselbe enthält eine vollstän- 
dige mittelalterliche Geographie der Kreiizfahrerstaaten ; leider 
fehlen dazu vorläufig noch die Karten. Nachdem der Verfaser 
zuerst einige der starken Lautübergänge , welche bei der Über- 
nahme der arabischen Eigennamen durch die Franken stattgefun- 
den haben, durch Beispiele belegt hat, zählt er die Ortschaften 
der einzelnen Grafschaften Edessa, Antiochien, Tripoli, sowie 
der einzelnen Theile des Königreichs Jerusalem je in alphabe- 
, tischer Reihenfolge , oft mit Beigabe von Detailbeschreibungen 
und Plänen auf; ein sorgfältiges alphabetisches Register be- 
schliesst das Ganze. Nicht weniger werthvoll sind die eingehen- 
den kulturgeschichtlichen Schilderungen, welche den übrigen 
Theil des Bandes füllen : in lebendiger und anziehender Weise 



S6) Thomas Chaplin, Observations on ihe climate of Jerusalem : Quart. 
Statements 1883, p. S— 40. 

ST; E. Schrader, Die Keilinschriften und das Alte Testament. Zweite 
umgearbeitete und sehr vermehrte Auflage. Giessen (Ricker) 1883. VII, 61Spp. 
SO. (Mit einer Karte). 

8S) Vgl. ZDPV. VI, p, 164. Nr. 85. E. Rey, Les colonies franques en 
Syrie aus Xllmo et Xlllmo siecles. Paris (Alph. Picard; 1883. VI, IV, 
537 pp. 80. — (Nach Kuhn's Lit. Bl.) reo. von Riant in Comptes rendus de 
l'acad. des inscr. April— Juni 1883, p. 248; Polybibllon P. litt. Juli 1883, 
K'/J, K. Herquet in DLZ. 10. Febr. 18S3, Sp. 237 u. a. m. 



245 



werden uns die verschiedenartigen Elemente der Jiewohuer Va- 
lästina's. ihre militärischen, kirchlichen, intellectuellen , com- 
raerziellen, industriellen und finanziellen Verhältnisse vor Aiigen 
gestellt, — Ein Seitenstück zu diesem französischen Werke bil- 
det der grossartig angelegte Versuch von Pkutz^'-'), die Kultin- 
geschichte der Kreuzzüge nicht nur als ein abgeschlossenes liild, 
sondern im Zusammenhang der allgemeinen Culturgeschichte zu 
behandeln. Es steht unzweifelhaft fest, dass allerdings die Be- 
wegiuig der Kreuzzüge mächtig dazu beigetragen hat , dass sich 
die Kultur der neueren Zeit in Europa anbahnte ; dies hat Pkutz 
in vielen Einzelheiten glänzend nachgewiesen ; Avir verweisen in 
dieser Beziehung bloss auf seine erschöpfende Darstellung des 
Bechtslebens in den Kreuzfahrerstaaten. Bei den hohen Zielen, 
welche sich der geistreiche Verfasser gesteckt hat, liegt nun aber 
auch die Gefahr nahe, dass manche Einzelheiten in dem Bilde 
etwas verzeichnet sein könnten. Über die verschiedenen Ein^ven- 
dungen, w^elche gegen die Anschauungen von Pkutz von Histo- 
rikern in zahlreichen Kritiken erhoben worden sind , masse ich 
mir freilich kein Urtheil an. Nur darauf erlavibe ich mir hinzu- 
weisen, dass manche Äusserungen, welche sich bei Peutz über 
die muslimische Religionsbildung , Staatskunst und dergleichen 
finden, dafür sprechen, dass der Verfasser die arabische Cultur, 
und darum auch ihre Einwirkung auf die Kreuzführer , sowie 
mittelbar auf das Abendland ganz entschieden überschätzt. ' — 
Neben diesen beiden Avichtigen Werken kommen nur noch 
wenige, die Kreuzzüge betreffenden Schriften in Betracht: ein 
Aufsatz nach Prutz 90) , ein Artikel von Herquetöi), den Johan- 
niterorden betreffend, eine interessante Skizze desselben Verfas- 
sers ^2] über den Grossmeister des Hospitalordens Gilbert Assalit 

89) Hans Prutz, Kulturgeschichte der Kreu7!züge. Berlin (Mittler und 
Sohn) 18S3. XXXI, 642 pp. 80. — Vgl. Mitth. a. d. hist. Lit. 1883, XII, 2; 
Lit. Rundschau 1883, 5; Lit. Centralbl. 18^3, Nr. ll,Sp.350; Sybel's Hist. 
Zeitschrift 1884, Nr. 4, p. 183; D. Lit. Zeitung 22. Sept. 1883, Sp. 1325; 
bes. auch Kugler in G. G. A. 1883, p. 1025—1056. 

90) Die Besitzungen des Johanniter-Ordens in Syrien und Palästina und 
seine Finanzlage zu den Zeiten der Kreuzzüge : "VVochenbl. d. Joh. -Ordens 
Balley Brandenburg 1883, Nr. 34 und 35. 

91) Karl Herquet, Neues zur Geschichte des Johanniterordens in den 
»Archives de 1' Orient Latin«: ZUPV. VI, p. 206—218. 

92) K. Herquet, Der Grossmeister Gilbert Assalit vornehmlich den An- 



21«; 

'w<-lcher spätf-st^iih i. .). I Hi2 zur Itcj^ißruiiK kam . lii Iraiik- 
rfich bcKchäfti^t «ich hf;hon(l<TH Dki.avii^lk lk Kot i.x'*''; mit den 
»o üb«rauH nMf;h<;ii Arfiliivcn (Ich Jolianriiüirordons; aus (lr-?i Ar- 
chivf^n von Malta hat er iJociimr-iitc , wolcli«; don 'J'f?Tri])(;l(jrdon 
hotroff<;ii. lifTausj^r;(rf;>)C'n '"j. Nohon diesen wiKHensehaftlichen 
Werken kommt wolil die neue Auflage de« Huchefi von A. de 
Lm'OHTK^"'! nicht in |{f;traeht. Auf die liiKtonKchen Arbeiten 
ülier die Kreu/züj^e"^) können wir hier, ho weit sie niclit j^eog^ra- 
phiMche iJetaÜH enthalten, kaum näher einj^elien, — SclilieHHlich 
maf( jedoch hier Hclion auf di<; interesHante kleine Ahhandlunff 
hinj^ewienen «ein, in welcher IIiiVD^'j mit gewohnter Sachkenni 
uim nac}iweiKt, daHH zwei italienisdie (Jonsuln, rlie von (ienua 
und Venerlij^, wahrHclieinlich Kchoii irn XlV.Jahrh, hesonder« 
zum Schutze d«,'r l'ilj^er in .Jerusalem Hassen, dass deren Vor- 
hanri*;nHein von 1 1 1 '■'> — 1470 naclizuwfäKeri ist, dir; j^anze I'JTirich- 
tunj^ aber ^osHr;n Wechseln unterworfen war. 
Aiiftre 0«'/- IJriter den IJearbe-ituntren älterer tfcotfranliischeii Werke s< i 

zunädiHt an die (.bersetzunj^ erinnert, w(;lehe OiLJUiMKiHrKii''"" 
von den Syrien betreff"<;nd<;n Abschnitten der Werke des Istachri 

KchuldiKun^en den VVilhchn von 'l'yniH gcf^eriQhcr ; Wochcnhl. d. Joli. -Orden» 
JJallcy UrandoMhurg ihH'.i, Nr. 17; IS; 11); 20; 21 ; 22. 

!*;j, Jiciavilic l(; I'toulx, bcMarcliivcH, ia hlhliotb^que <:t 1<; trcnor do l'<jrdre 
da Haint-Jcari de JoruHalcm a .Vlalto. J'uris (Tlirjrlri; iHH'.i, 2(i7 pp. H'>. — Itcc. 
in Itcv. critüpifc ISS.'J, M , p. IJ.O^; in Lit. C. lU. 1SS3, Sp. H'.iO. Vgl. auch 
Journal (\<:n Havant« ISS:», p. IIS; Comptc« rc-ndu« de l'Acad. dcH inHcr. et 
\).l. IHS.'}, p, 2H1, 

94y J, Jjolavillf; U: ItoiiU, iJocumcTil» concernant Ich Templier« extraitt 
<Uin archivoH de .Malte. I'ariH 1SS2. S". Vgl. Journal de« Savant« 1SS3, 
p. 41H. - Vgl. auch J, Ddavlilc J-c lloulx, 'IVoIh chartcH du XII'- Hiccie 
conccrnanf, l'ordrc de Haint-Jeun de J/;ruHalem. CjAricK 1S81. 4". — Vgl. Jour- 
nal dcH Savant« ISS.'}, p. 4 IS. 

9.'») Vgl. ZI)I'V. V, p. 22;{, Nr. 2«, A. dcLaportc, Lch croisade« et le 
payK latiri de J/jnjHalein. LirnogcH 'Ardant] 1SS3. 14;> pp. H'). (Nach Kuhn'l 
L. 151, , niclif gcMclien. 

!Miy Zum HciKpiel Itr-rrihard K.ugl<:r, .Neue Anaickten zur CicKcliicIite de» 
zweiU!M KreuzzugH. 'lühingen 'Kuchj ISS.'J. (»{) pp. 4". VcrzeichniHH der 
iJoctorcn w. m. w. im I)ecanatHJahre ISS2 — iHH'i), 

^1 1 W, Heyd, I,eM conMulaf.H ^itabli« o.n 'l'erre Kainte au moyen-Age ])our 
la protection de« p(i':rinH : AuHHchniU, auH Arcliiv. de l'Or. I<at. II, 1SS3. 
pj). S". 

'.»S, J. Cjild»»meiHt.er, Beiträge zur I'nUlHtinakunde auH arabischen (iuellon. 
.'1. iKtttchri uik! Ihn lluukal • ZDI'V. VI, p. I 12. 



•247 

und Ihn Haukai Schriftstellem des X. .lalirh.) uns geliefert hat. 
Hereavi's»'>>) Sefev Nameh soll nach einer Notiz der Revue cri- 
tique in Indien neuerdings nach einem hisher unbekannten Ma- 
nuscript. jedoeh \niter lienutzuug der Ausgabe Schefer's, litlui- 
graphirt erschienen sein. A\ich in Aiulfbpa's '**") 'um 1300 
grossem geographischen liuche. dessen von Reinaitd längst be- 
begonnene i'bersctznng neulich durch Guyard vollendet -wurde, 
findet sich ein Abschnitt, Avelcher Syrien behandelt: seit jene 
Arbeit unternommen wurde, sind uns freilich wichtitrere arabi- 
sehe Quellen zugänglich gemacht worden. Die Aiiszüge von äl- 
teren Pilgerschriften, welche die Zeitschriften Das heilige 
Land'*)!) und Terre Sainte i*^2) ]^{i^ ^^j^j wieder bringen, bean- 
spruchen keinen selbständigen Werth. Überhaupt darf man den 
Zuwachs . welchen die Pilgerliteratur neuerdings ertahren hat, 
nicht für sehr erheblich halten . da Aveder ilie Bemerkxingen zur 
Pilgerfahrt des Igumen Daxiel i^*3j ^ j^oeh die Herausgabe der 
Reise von Philipp de Voisins i«-*) aus dem Jahre 1490 wesent- 
lich Neues bieten dürften. Die kuv/en Notizen über einen 

9ii Vgl. Kevue critiqiie 1SS3. p. 501. — Zu Herewi : ZDPV. V. p. 230, 
Nr. 152. 

lÜO Geographie d'Aboulf^da , traduite de l'arabe en francais et accom- 
pagnce de notes par St. Guyard. II, 2. Paris (Maisonneuve) ISS3. 322 pp. 4". 
(Nicht geaehcn.^ Vgl. Barbier de Meynard in Comptes rendiis de l'Acad. des 
inscr. Oct.-Dec. 1SS3, XI, p. 597. ^Nach K.'s Lit. Bl.) 

101) Laurant de St. Agnan , Statistique religieuse de la Terre Sainte en 
808: La Terre sainte 1883, p. 329—338. (Nach De Kossi im Bulletino di 
Arch. 1S05. p. 84; vgl. Tobler, Descr. Terrae sanctao p. 77; 355.) 

102 L'abbt^ de Saint- Agnan, Les pelerins celebres. Los peregrinations 
de Maitre Thietmar: La Terre Sainte 1SS3, p. 538 — 544. — De Saint-Agnan, 
Le pelerinage de Kadziwil (1583) : La Terre Sainte 1883, p. 533 — 534. — Le 
pelerinage de F.-C. du Rozel (1644): La Terre Sainte 18S3, p. 34G— 349. — 
Voyage de Turpetin dans la Terre Sainte en 1715 et 1710: La Terre sainte 
1883, p. 394—400; 425—429; 445—450; 408-472; 174—477; 494—504; 
507—516. 

103^ M. AVenc-vvitinow, Bemerkungen zur Geschichte der Heise des Igu- 
men Daniel russisch^ : Journal des Minist, d. Volksaufklärung . Mai 1'^''3, 
Bd. 227, Abth. 2, p. 1—13. (Nach Kuhns I,it. Bl. ; nicht gesehen.: 

104) Voyage ä Jerusalem de Philippe de Voisins, seigneur de Montaut, 
publik pour la societe liistorique de Gascogne par Ph. Tamizey de Larroque. 
Paris (Champion^ Auch (Cocharaux freres) 1883. 60,pp. 80 (nicht gesehen.) — 
Reo. von Emile Picot in Kev. crit. 17. März 1SS4, p. 222 ; von L. de Mas La- 
trie in Bibl. de l'Ecole des chartes 1884, XLV, p. 102 (letzt, nach K.'s L. Bl.) 

Ztschr. a. Pal.-Ver. VII. 17 



•24 S 

Kreuzzug der liiirger von Basel '"^] (im J. 125'9) und die Briefe, 
welche die Jerusalemsfalirt des Herzogs Moritz von Sachsen 106) 
betretfen. haben für die Palästinakunde keine Bedeutung. Auch 
das Fragment einer Pilgerschrift . welches KorthI"' bekannt 
gemacht hat. ist nicht von Belang. Ein Brief Mkkcatoks ^O"»). 
welclier Palästina angeht, bietet dagegen wohl für die ältere 
Kartographie einiges historische Interesse. 
Karten. "Was die Kartographie betrifft , so handelt es sich nim zu- 

nächst darum, die neuen Ergebnisse der topographischen Auf- 
nahmen für weitere Kreise zu verwerthen. Darin geht natürlicli 
der Meister unserer deutschen Kartographen , Kiepert 1^9 — in, 
in seinen zahlreichen Publicationen mit gutem Beispiel voran. 
Auch die Karten von Johnstox ^^- — '^^) basiren auf den Vermes- 
sungen des Exploration Fund. Die Karten von Algermissen!'^ 
und von Thuillier '^■'') können wir nicht beurtheilen, da wir sie 

105) Oskar Schwebel, Ein Kreuzzug der Bürger von Basel : Wochenbl. 
d. Joh.-Ord. Balley Brandenburg, 1883, Nr. lü. 

106j R. Köhricht und H. Meisner, Briefe, die Jerusalemfahrt des Her- 
zogs Moritz von Sachsen betreuend: Neues Archiv f. sächs. Gesch. IV, 4. 
(18S3;, p. 343— 346. (Nach ThLZ. ; nicht gesehen., 

107) Korth, Fragment einer Palästinapilgerschrift d. 15. Jahrb. : Anz. f. 
d. Kunde der D. Vorzeit 1883 (30. B.), p. 316-318. 

lOS, J. von Raemdonck, La geographie ancienne de la Palestine. Lettre 
inedite de Gerard Mercator ä Andre Masius. Duisbourg 22. mai 15G7 : Acad. 
d'archeol. de Belgique, Bulletin, See. Partie, XVI. Anvers 1883, p. 477— 
512, 1 carl. (Nach Friederici; nicht gesehen. 

1U9] H. Kiepert, Neue Wandkarte von Palästina in 8 Bll. 1:200,000. 
5. Aufl. Berlin (D. Reimer; 18S3. Fol. M. 8. — Rec. in LOB. 19. Jan. 18S4, 
Sp. 112 ; von A. KirchhofF in Z. f. d. Gymnasiahvesen Jan. XXXVIII, p. 53. 

110) H.Kiepert, Neue Handkarte von Palästina. 1:800,000. 4. Aufl. 
Chromolith. BerUn (Reimer) 1SS3. Fol. 60 Pf.— Rec. in LCB. 26.Jan.lSS4. 

111, H.Kiepert, Volkssschul-Wandkarte von Palästina. 4 Bll. 1:300,000. 
2. Aufl. Chromolith. Berlin (D. Reimer 1883. Fol. M. 4. 

112) T. B. Johnston, Map of Palestine, reduced by arrangement with the 
Comraittee of the Palestine Exploration Fund; embodying as much of the 
Great Survey of Western Palestine. 1:714,649. Edinburg iJohnston) 1883. 
(Nach Z. d. Ges. f. Erdk. ; nicht gesehen.) 

113 Johnston's new map of Palestine, from the survey. With indexi 
London 1883. 8». 

114j J.L.Algermissen, Schuhvandkarte von Palästina zur Zeit Christi : 
1:200,000. 4 Bl. Chromolith. Metz Lang, 1SS3. (Nicht gesehen.) 

n:., L. Thuillier, Carte de la Palestine et du Liban. 1:500,000. Paris 
(Hachette) 1883. (Nach Peterm.'s Mitth. ; nicht gesehen.) 



240 

nicht gesehen haben ; die Karten von Simon '"') und von A'igou- 
REi'X-DouiLLARD 11') machen wohl als Schnlkarten keinen An- 
spruch auf Avissenschaftlichen Werth. 

A'on zusammenfassenden neueren Arbeiten über die Geo- ^"^""""?"' 

tai-si-mle 

graphie Palästina' s sei in erster Linie die fleissige und ffc-wis-,^)^^''''^^^"^/;,'' 
senhafte Arbeit von Schultz i^^) genannt; derselbe Gelehrte hat 
auch bei anderer Gelegenheit Notizen über diesen Gegenstand 
zusammengestellt ii'J). Allgemeineren Inhats, aber wohl mehr 
populären Gehalts, sind ferner die Arbeiten von Tomkins '^oj xxnd 
Gosse 121) . Die neueren Bemerkungen von Saunders122) über die 
englische Kartenaufnahrae haben "svir nicht zu Gesicht bekom- 
men. Von den die Karten begleitenden Memoirs ist im Laufe 
des Berichtsjahres der die Topographie von Judaea umfassende 
Theil ausgegeben worden ' 23) _ Wiederum werden wir der Reihe 

116) Dr. M. Simon, Karte des alttestamentlichen Palästina, bearb. und 
hrsg. von J. Straube. Lith. und color. Mit geogr. Notizen und einem deut- 
schen und hebräischen Orts- Verzeichniss. 2. verb. Aufl. Berlin (Straube) 
1883. 1 Bl. gr. 4. 30 Pf. — Rec. in Jüd. Lit. Bl. lö.Nov. 1883, p. 184. (Nach 
K.'s Lit. Bl. ; nicht gesehen.) 

117) Vigoureux et Douillard, Carte de la Palestine pour l'etude de l'an- 
cien et du nouveau Testament. Paris (Roger) 1883. (Nach Peterra.'s Mitth. ; 
nicht gesehen.) 

118) Fr. W. Schultz, Palästina: Real-Encyklopaedie für protestantische 
Theologie und Kirche. Zweite Aufl.., beg. von Herzog und Plitt, fortgeführt 
von A. Hauck. Elfter Band. Leipzig (Hinrichs) 1883, p. 720—804. 

119) Handbuch der theologischen Wissenschaften in encyklopädischer 
Darstellung , mit besonderer Rücksicht auf die Entwicklungsgeschichte der 
einzelnen Disciplinen in Verbindung mit Cremer etc. hrg. von O. Zöckler. 
L Hlbd. Nördlingen (Beck) 1883. F.W.Schultz, Geographie Palästinas 
p. 198 — 216; ebd. Israelitische Alterthumskunde und Geschichte Israels. 

120) H. G. Tomkins, Biblical proper names, personal and local: reprin- 
ted from the Journal of the Victoria Institute. Vol. XVI (?) London 1882. 
(Nach den Proceed. of the R. arch. soc. ; nicht gesehen.; 

121; P. H. Gosse, Sacred streams, the ancient and modern history of the 
Bible. With 44 engr. and map. New ed. London (Hodderj 1883. 435 pp. 8". 
— (Nach Kuhn's Lit. Bl.; nicht gesehen.) 

1 22; T. Saunders, Notes on the survey of Western Palestine : Transact. 
oftheR. Soc. of Literature 2. ser. vol. XII, Nr. 3. (Nach Petcrm.'s Mitth.; 
nicht gesehen.) 

123) The survey of Western Palestine. Memoirs of the topography, oro- 
graphy, hydrography and archaeology. By Capt. C. R. Conder and Capt. H. 
H. Kitchener. Volume III. Sheets XVII— XXVI. Judaea. Edited with ad- 

17* 



25U 

nach mit der Oiographie , Hydrographie und Topographie jedes 
ein/ehien Kartenblattes bekannt gemacht ; daneben werden auch 
die alten Ortslagen , die Wege nnd anderes , sowie auch die im 
blande des Volkes umlaufenden Traditionen behandelt. Theil- 
weise sind die Ortschaften von Conder im Jahre 1881 nochmals 
besucht worden. Besonders dankenswcrth sind die vielen Pläne, 
welche wir erhalten : Kisse von Kirchenruinen, Gräbern. Höhlen 
und dergleichen ; wir heben daraus die Zeichnungen der neuge- 
fundenen Kirche von 'Amwäs (nebst den Kapporten Ganneau's 
und Guillemot's I , der Moschee von Hebron , der Ruinen von 
Masada. sowie die Karte der Umgegend von Hebron (zu S. 352) 
hervor. Auch manche Inschriften sind mitgetheilt; einzelne An- 
sichten, wie die von el-Dschib (p.95), Nebi Samwil (zu p. 152), 
Masada (zu p.420) und der Kirche von Ghazza zu p. 240 u. 242) 
sind recht gut. Zu der Ansicht von «Shech Madhkur« p. 361) 
haben wir beispielsweise zu bemerken, dass die Bezeichnung 
dieser Örtlichkeit als Adullam den Glauben erweckt, als wäre 
die Streitfrage in Betreff dieser Ortslage bereits gelöst. Als Ap- 
pendix ist ein Bericht über Tyrus , einzelne Zusätze xmd eine 
kleine Abhandlung Conder's über die verschiedenen Baustile aus 
den Statements, denen überhaupt vieles entnommen ist, wieder 
abgedruckt. 

Das Neuste des vorigen Jahres war für England ein Buch, 
in welchem Conder124) einem grösseren PubUcum die Ergeb- 
nisse seiner letzten Expeditionen vorgelegt hat. Nach der nicht 
gerade günstigen Besprechung, welche dieses Werk im Athe- 
naeum erfahren hat, konnte ich mich nicht zur Anschaffung des- 
selben entschliessen und muss daher aus secundären Quellen 
hier über dasselbe Bericht erstatten. In dem ersten Theile be- 

ditions by E. H. Palmer and Walter Besant for the committee of thePalestine 
exploration Fund. London. I. Adam Streets, Adelphi. 1883. VII, 450 pp. 4«. 
124) Claude Ileignier Conder. Heth and Moab. Explorations in Syria 
in 18S1 and 1S82. Published for the Committee of the Palestine Exploration 
Fund. London (Bentley) 1883. X, 436 pp. 80. 4Taf., 1 Karte; 14 sh. - Kec. 
inAthenaeum 24. Nov. 1883, p. 663; Builder, 24. Nov. 1883, p. 676; Proc. 
of the K. Geogr. Soc. Dec. 1883, p. 742; Brit. Quart. Rev. 1. Jan. 1884, 
p.^ 17.5 ; Quart. Statements 1884, p. 15. 'Nach Kuhns Lit. Bl. . — Vgl. auch 
L'abbe de Saint-Agnan , Monuments prehistoriques en Palestine: La Terre 
Sainte 1883, p. 441-444. (Nach Conder.) 



251 

schreibt Conuer die Steinmonumente, welche sich im Ost jordan- 
lande finden ; ausser den heinahe über die ganze Erde verbreite- 
ten Menhirs, Dolmen, Steinkreisen, Cromlechs und Cairns kom- 
men dort auch Scheibensteine (»diso stones«) vor. Dass diese 
Steinmonumente jedoch mit der vorisraelitischen und israeli- 
tischen IJevülkcrung auf die Weise , wie Coxder es vorschlägt, 
in Verbindung zu bringen seien — die Menhirs sollen dem Baal 
Peer (!) geweiht, die Dolmen Altäre gewesen sein — ist uns 
höchst unwahrscheinlich. Dass sich von diesen Steinmonu- 
menten im Cisjordanlande weniger Überreste vorfinden, erklärt 
sich CoNDER daraus , dass die Israeliten diese heidnischen Reste 
hier mehr zerstört hätten , statt einfach aus der dichteren Kesie- 
dehing des Landes. Ein zweiter Abschnitt des Buches handelt von 
Kadesch am Orontes und von Byblos ; ein dritter beschäftigt sich 
mit der Frage über die Lage der alten -Städte Ramoth Gilead, 
Penuel, Mahanaim, Mizpeh u. a. Ohne Zweifel findet sich unter 
vielerlei Wust in Conder's Buch auch manche neue interessante 
Angabe; schade, dass der Verfasser, seitdem er für den l'ale- 
stine Exploration Fund arbeitet , nicht das Geringste zugelernt 
hat! — Noch ist hier zu bemerken, dass Selah Merrill's '25) 
Buch über das Ostjordanland bereits eine neue Auflage er- 
lebt hat. 

Schon wiederholt ist daraufhingewiesen worden, dass eine Topog»- 

TT T 1 /-\ • plusche 

erneute Lntersuchung der Ortsnamen Palästina's auch nach den ünter- 

" suchungen. 

englischen Aufnahmen geboten ist ; hoffen wir , dass Dr. Hakt- 
MANN in Zukunft noch eine Reihe anderer Listen bearbeiten 
wird , wie er neulich uns die topographische Übersicht über die 
Ortschaften des Liwa Jerusalem in verbesserter Form in dan- 
kenswerther Weise mitgetheilt hat '26) . Von Einzelheiten auf 
dem Felde topographisch-archaeologischer Untersuchungen sind 
zu nennen : Wetzstein's i27j Nachträge in Betreff von Jehuda 



125; Vgl. ZUPV. V, p. 263 , Nr. 355. S. Merrill, East of the Jordan: a 
record of travel and Observation in the Countries of Moab, Gilead, and Bashan 
during the years 1875 — 77. With illustr. and a map. New edit. New York 
1SS3. 80. (Nach Z. d. Ges. f. Erdk.; nicht gesehen. > 

126) M. Hartmann, Die Ortschaften des Liwa Jerusalem in dem türki- 
schen Staatskalender für Syrien auf das Jahr 12SS der Flucht ^1871] : ZDPV. 
VI, p. 102—149. 

127) Briefliche Bemerkungeu von Consul Dr. J. G. Wetzstein. Mitge- 



252 

ha-Jarden Jos. 19, 34), Sela', und seine Identification von Har- 
bela so wäre Niini. 34, 11 zu lesen) mitHarmcl; Grü>'baum's i'^s) 
liemerkmigen über Awerta, die Marienquelle, Het Hadildü und 
den .Stein lla-To' im. ferner des nun in Ilaifa ansässigen Oli- 
i'HANT '■-'■') Notizen über Felsengräber, die Identification des 'Ain 
Dscbahid mit Ain Charod i^o) (Ps. 42. 7) ; etwa noch Nachrichten 
von Lehrer Müller131 über die Verhältnisse der Muslimen in Beth- 
lehem. Von Interesse ist der alte Bericht, welchen 11ian't132) 
über den Befund der Patriarchengräber in Hebron uns mitge- 
theilt hat; dadurch wird erwiesen, dass die Nachrichten der Ara- 
ber über das Vorhandensein von Leichen resp. Mumien der 
Patriarchen sich bestätigen. — Von einiger wissenschaftlicher 
Bedeutung ist wohl auch das Buch der bekannten Frau Fixn ^^S). 
Aus den Statements könnte hier noch anzuführen sein die Ent- 
deckung eines Baptisteriums in Lätrün '■^■') ; mit der Identification 
des neutestamentlichen Emmaus = Urtäs ^^^) werden sich noch viel 
w eniger Leute einverstanden erklären, als mit der Annahme, dass 
Kana an seinem traditionellen Platze in Kefr Kenna zu suchen 
sei ^3^). Eine Menge solcher Einzelheiten, in Betreff deren grossen- 

theilt von ü. E. Riehm : Zeitschrift für alttest. Wissenschaft 1883 (III), 
p. 273— 27<J. 

128 M. Grünbaum, Bemerkungen zu einigen früher in dieser Zeitschrift 
erschienenen Aufsätzen : ZDPV. VI, p. 195 fg. 

129 Laurence Oliphant, The slopes of Carmel: Quart. Statements 1883, 
p. 120—121. Vgl. Cave Tombs in Galilee : Fortnightly RevieAV, 1. Juli 1883 

vol. 34;, p. 13G — 145. Nicht gesehen.) 

130, Theologisches Literatur-Blatt 1882, Sp. 356. 

131) Brief des Lehrers E. Müller: N. Nachr. a. d. Morgenlande 1883, 
p. 121. 

132,' Invention de la Sepulture des Patriarches Abraham, Isaac et Jacob 
a Hebron le 25. juin 1119. Par le comte Riant. Genes 1SS3. 13 pp. 4». 
(Aus Archives de l'Orient Latin II, p. 411—421). Vgl. Quart. Statements 
1883, p. 108—110; La Terre Sainte 1883 , p. 592—595. — Vgl. LCB. 1883, 
Sp. 1091; Revue critique 1883, I, p. 119. 

133) Mrs. Finn, A home in the Holy Land; a tale illustrating customs 
and adventures in Modern Jerusalem. Iliustrated. New York 1SS2. (Nach 
Z. d. Ges. f. Erdk.; nicht gesehen.) 

134 Quart. Statements 1883, p. 118. 

135, Mrs. Finn, Flmmaus identified : Quart. Statements 1883, p. 53 
— 64. 

136) W. T. Pilter, Where is Cana of Galilee : Quart. Statements 1883, 
p. 143—148. 



253 

theils nichts Sicheres aviszumachen ist, wird von Coxdkk '37 — u2^ 
BiKCH i^'^)^^*) und andern ^'''i'^'') vor dem englischen Puhlicum 
besprochen. Dasselbe Urtheil Avird auch eine Anzahl Unter- 
suchungen treffen, welche von englischer Seite in Bezug auf die 
Topographie von Jerusalem i*" — '^iij angestellt worden sind ; seihst 
der Artikel vonSAYCE^^") berücksichtigt die einschlägigen frühe- 
ren Arbeiten durchaiis nicht. Conder sucht das heilige Grab '^t; 
neuerdings Avieder an einer Stelle »200 yards« w'estlich von der Je- 
remiasgrotte. Nicht Aveit davon entfernt sind vor Kurzem durch 
Zufall Kuinen eines grossen Gebäudes entdeckt worden, Avelches 
wahrscheinlich eine mittelalterliche Stephanskirche ^^^j war; das 
Sanctuarium ist in die Hände der Katholiken übergegangen. 

137) CR. Conder, Notes: Quart. Statements 1883, p. 100—102; 13S 
—139; 177— 17S. 

13b) C. R. Conder: Quart. Statements 1883, p. 180—181. 

139; C. R. Conder, Curious names in Galilee: Quart. Statements 1S83, 
p. 125—130. 

140) C. R. Conder, The north border of Zebuion: Quart. Statements 
1883, p. 134—138. 

141) C. R. Conder, The fortress of Canaan : Quart. Statements 1883, 
p. 175—176. 

142) C. R. Conder, Bethany and Bethsaida: Quart. Statements 1883, 
p. 177. 

143; W. F. Birch, Varieties : Quart. Statements 1883, p. 149—150. 

144) W. F. Birch, The nameless city: Quart. Statements 1883, p.4S -52. 

145) H. B. S.W. The nameless city, and Saul's journey to and from it : 
Quart. Statements 1883, p. 156—157. — W. F. Birch p. 157— 15'J. 

146) »Oxonian«, Note on the »key to Ezechiel's prophetic divisions«: 
Quart. Statements 1883, p. 101— 105. 

147; C. R. Conder. The city of David : Quart. Statements 1883, p. 194 
—195. 

148) W. F. Birch, The tomb of David in the city of David: Quart. Sta- 
tements 1883, p. 150 — 154. The entrance of the tomb of David, ibid. p. 155. 

149) W. F. Birch, Siloam and the pools : Quart. Statements 1833, p. 105 
— 107. 

150) A. H. Sayce, The topography of prae-exilic Jerusalem : Quart. Sta- 
tements 1883, p. 215—223. 

151) C. R. Conder, The holy sepulcre : Quart. Statements 1883, p. 69— 
78; vgl. auch p. 148; Henry A. Harter. 

152) Selah Merrill, The newly discovered church : Quart. Statements 
1883, p. 238— 242. — Ruines de leglise Saint-Etienne ä Jerusalem: La Terra 
Sainte 1833, p. 488; Dom Heidet (id.) p. 608—612; Das heilige Land 1883, 
p. 161—168. 



254 

Nach ueuereu Nachrichten weiden in Jerusalem die in A'erfall 
geratlienen muslimischen lleiligengräber mit Eifer restaurirt'^3); 
auch ein Stück der Kingmauer des Haram esch-scherif ist ausge- 
bessert worden. Über den Tempel Salomo's sollen Paillcux^**) 
ein grosses Werk, Herrmann ^^5) eine Brochure herausgegeben 
haben; mit Gründlichkeit hat Schürer ^^6) über den jüdischen 
Tempel gehandelt. Ein altes Cimelium mit einem Bilde des Tem- 
pels weist DE Rossi ^^^) der Zeit zwischen der zweiten Hälfte des 
zweiten bis zur ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts zu; dasselbe 
soll in den Archives de 1" Orient Latin polychrom bekannt gemacht 
Averdeu. — Der Bericht, welchen Guthe '^^) über seine Ausgrabun- 
gen in unserer Zeitschrift veröffentlicht hat, ist auch als besonde- 
res Buch erschienen und von der fachmännischen Kritik durchweg 
sehr günstig aufgenommen worden. Sandreczki^^'^) hat eine früher 
von ihm erschienene Arbeit in verbesserter Form in unserer Zeit- 
schrift herausgegeben und die richtige Schreibung der Legende 
zum Plane des heutigen Jerusalem festgestellt. Die Topographie 
Jerusalems ist neuerdings auch von einem »berühmten« Archaeo- 
logen behandelt (und gefördert*) worden i^ojj ausserdem liegt 

153 Vgl. Neueste Nachrichten a. d. Morgenlande 1883, p. 31 f. 

154 Pailloux, Le Temple de Salomon. (Nach Athenaeum 6. Oet. 1883; 
in der Bibliogr. t'rancaise nicht zu tinden.) 

155) Hermann, Le temple de Jerusalem. Valenciennes (impr. Vve Prignet) 
1883. 32 pp. 80. (Nach J. asiat. Jahresber. ; nicht gesehen.) 

156; Schürer, Tempel Salomos : liiehm, Handwörterbuch des Biblischen 
Alterturas, p. 1623-1645. 

157; Insigne vetro rappresentante il tempio di Gerusalemme : De Kossi, 
Bulletino di archaeologia christiana. Roma 1882, p. 137. 

löS) Ausgrabungen bei Jerusalem im Auftrage des Deutschen Vereins 
zur Erforschung Palästina's ausgeführt und beschrieben von Lic. Hermann 
Guthe. Mit elf Tafeln. Lpzg. (Karl Bädeker) 1883. 305 pp. 80. Vgl. ThLBl. 
IS. Jan. 1884, Sp. 19; Jüd. L. Bl. 1883, Nr. 49—51 ; Wochenblatt der Joh.- 
Ord. Balley Br. 1883, Nr. 32; bes. Oort in Theologish Tijdschrift 18S4, 
p. 261; 1-urrer in ThLZ. 1S84, Sp. 377; LCB. 2. Febr. 1SS4, Sp. 169; vgl. 
auch Daheim, Jahrg. 2ü, p. 247. 

159j S. Sandreczki, Die Namen der Plätze, Strassen, Gassen u. s. w. des 
jetzigen Jerusalem: ZDPV. VI, p. 43 — 77. 

16(1 Archäologische Beschreibung Jerusalems . . . vom berühmten Ar- 
chäologen J.-S. Kolbe. Wien fKnöpfelmacher; 1883, XVI, 96 pp. 80. (Deut- 
sche Ausgabe). Vgl. J. Loeb in Revue des etud. juives VII, 301. — "33 
bN--x (dasselbe hebr.,1 . Wien (Knöpfelmacher] 1883, 156 pp. 80. Vgl. J. 
liOeb in Uevue des etud. juives VII, 2S7. 



255 

über diesen Gegenstand ein populärer Artikel von Moniquet'^^) 
vor. Die kleine Schrift von Eaton '^2) wird kaum Neues bieten. 

Bevor wir uns anschicken, die neuere Touristenliteratur kurz ^'^'^^[3*^® 
zusammenzustellen, Avollen wir hier noch der illustrirten Werke 
über Palästina gedenken. Wie bereits früher in Betreff der ein- 
zelnen Lieferungen des Ebers - GuTHE'schenj Unternehmens ^^Sj 
hervorgehoben wurde, nimmt dieses Buch unter der Menge ähn- 
licher Werke entschieden einen hohen Hang ein, da es sich el)enso 
sehr durch schöne Bilder, als durch seinen gediegenen, auf den 
neuesten Forschungen basirenden Text auszeichnet. Aon wis- 
senschaftlichem Werthe sind ausser dem Plane von Jerusalem 
besonders auch die zahlreichen , den ersten Band schliessenden 
Anmerkungen. Dieser erste, im Verlauf des Berichtsjahres abge- 
schlossene Band führt den Leser nach Jerusalem und an das Todte 
Meer, dann durch Judaea, Samarien und Galilaea zinn Hermon; 
hierauf nach Damascus, Palmyra und Baalbek ; schade, dass das 
Ostjordanland nicht berücksichtigt ist! Auch die englische Vor- 
lage des eben besprochenen Werkes liegt nun abgeschlossen 
vor 164); neben der französischen Bearbeitung desselben durch 
GuERiN erschien in Paris neulich auch ein billigeres, mit vielen, 
theilweise aber recht mittelmässigen Illustrationen versehenes 



Ifil) Moniquet, Jerusalem antique. La topographie : La Terre Sainte 
18S3, p. 407— 408; 409—415; 429—432; 450—454. 

162) S. J. M. Eaton , Jerusalem , the holy city. New York (Philipps) 

1883. 88 pp. 240. — (NachK.'s Lit. Bl.; nicht gesehen.) 

163) Vgl. ZDPV. VI, p. 169, Nr. 108. Palästina in Bild und Wort nebst 
der Sinaihalbinsel und dem Lande Gosen. Nach dem Englischen herausgege- 
ben von Georg Ebers und Hermann Guthe. Erster Band. Stuttgart u. Leip- 
zig (Deutsche Verlags-Anstalt, vormals Eduard Hallberger; 1883. ' Vlll, 520 
pp. gr. 40. — Kec. in ThLBl. 28. Sept. 1883, Sp, 307; 4. Jan. 1884, Sp. 3; 
ThLZ. 15. Dec. 18S3, Sp. 577; Oesterr. Monatsschrift f. d. Orient 1883, 
p. 78; 216; von A. Sfocin) in LCB. 7. Juni 1883, Sp. 809; D. Lit. Bl. 20. 
Oct. 1883, Sp. 113; A. allen Welttheilen Jg. 15, H. 3 ; Deutsche Revue April 

1884, IX, p. 128; Halte, was du hast VII, 333. (Die Kecensioneu theilweise 
nach K.'s Lit. Bl.) 

164) Picturesque Palestine , Sinai and Egypt. ; ed. by Charles AVilson, 
assisted by the most eminent Palestine explores. London fVirtue:. New York 
(Appleton) 1883. 2 vol. XX, 480; X, 475 pp. 4». — Kec. in Publishers' Cir- 
cular 31. Dec. 1883 , p. 1439; Literary News (New York) 1884, Jan. V, 11. 
— (Nach K.'s Lit. Bl. ; nicht gesehen.) 



•250 

Werk von de VauxI**^). Auch der Text macht mehr den Ein- 
druck einer blossen Plauderei. Über Lortet's 'ß^ Reise wird im 
nächsten Bericht noch einmal ausführlicher zu reden sein, da 
seine Arbeit neuerdinjj^s als ein selbständiges PrachtAverk erschie- 
nen ist. Das früher schon genannte Buch von Roberts ^^'; scheint 
in Amerika eine Titelauflage erlebt zu haben. 
Touristen- Unter die mehr populäre Reiseliteratur sind zu rechnen : 

die englischen Reisebeschreibungen von Cuylor^^sj^ Wylle"^9), 
AVallace '"0) und Mendeniiall ^'^i] ; auch das französische, einst 
vielgelesene Buch von Bovet^^^j igt neuerdings in englischer 
Sprache erschienen. Etwas zahlreicher sind die französischen 
Werke; wir führen an die von de Wandelbourg i'^j^ Driou '"^), 

1 65) La Palestine par le Baron de Vaux : ouvrage illustre par M. P. 
Chardin et M. C. Maiiss. Paris (Leroux) 1883. VII, 327 pp. 80 avec 154 gra- 
vures et carte. 20 frcs. Vgl. Barthelemy in Kevue des quest. histor. Jan. 1884; 
Thedenot in Bulletin crit. 1. Jan. 1S84. 1883 ; Am. Edwards in Academy 1883, 
2(». Sept. p. 218; "Revue archeol. Febr. 1884, p. 135. 

166) Vgl. ZDPV. VI, p. 171, Nr. 120. Das heutige Syrien. Nach dem 
Französischen des M. Lortet) : Globus 1883 (Bd. 43), p. 273—278; 289—296; 
■M)b—:ill; 321—327; .{37—344; 353—358. 

167J Vgl. ZDPV. VI. p. 171, Nr. 118. The Holy Land; after lithographs 
by L. Haghe, from original drawings by D.Roberts; with bist, description 
by G. Croly. Division 2, The Jordan and Bethlehem. New York (Cassell) 
[1883. fol. 5, 43, 85 pp. — Nach K.'s Lit. Bl. ; nicht gesehen.) 

168) From the Nile to Norway and homeward. By Theodore L. Cuylor, 
Pastor of Lafayette Avenue Church, Brooklyn. New York (Robert Carter and 
Brothers) 1882. 357 pp. 120. (Nach Bibliotheca Sacra 39, 1SS2, p. 400.) 

109 J. A. Wylie, Over the Holy Land. London (Nisbet; IS83, 398 pp. 
80. 7 sh. (j. Nicht gesehen.) — (Nach K.'s Lit. Bl.) rec. in "Westminster Re- 
view Jan. 1884, p. 227; Brit. Quart. Review 1. April (18S4?) p. 439; Satur- 
day Review 5. April 1884, p. 452. 

170) A. Wallaee, The desert and the Holy Land. 2nd edit. London 
(Simpkin 1882. 338 pp. 8«. 'Nach Z. d. Ges. f. Erdk. ; nicht gesehen.) 

171) J. W. Mendenhall, Echoes from Palestine. New York (Philipps 
andHunt) 1883. 4, 736 pp. 8o. With map and ill. Nach Kuhn's L.Bl. ; nicht 
gesehen.) 

172' Egypt, Palestine and Phoenicia by Felix Bovet. Translatod from 
the eighth French edition by Canon Lyttelton. Three maps. London (Hodler 
and StoughtJ 1883, 80. 9 8h. (Nach Athenaeum ; nicht gesehen. 1 

173) Vgl. ZDPV. VI, p. 173, Nr. 131. A. H. de Wandelbourg, Etudes 
et Souvenirs sur TOrient et ses missions; Palestine, Syrie et Arabie, visitees 
avec Mgr. Valerga, patriarche de Jerusalem. Paris (Berche et Pralin) 1883. 
2 vol. 342 und 388 pp. 8». (NachThLZ.; nicht gesehen.) 

174; Vgl. ZDPV. I, p. 32 , Nr. 5. A. Driou, Jerusalem et la Terre 



257 

MüKANj) ''•'' , Roux 1^6), Alazari)!'"), Garnikr'"^;, Maii.lkt 1'»), 
Chauvierre^'''^), Richard de Latour '^1), deDamas i"*-^), Poujou- 
lat'*3). Eine. Beschreibung der grossen französischen Pilgerex- 
pedition haben Lian ">■*) und Mourot^"-') geliefert; neue Aufla- 
gen liegen von den Büchern von Curzon '^'»j und Beluze ^^''>, vor. 

sainte, description des lieux saints illustres par las apötres. Liniüges (E. Ar- 
dent et Cie.) 1883. 216 pp. 80. ("Wohl zweite Auflage ; nicht gesehen.) 

175) Vgl. ZDPV. VI, p. 177, Nr. 169. Abbe Morand , La terre des pa- 
triarches ou le sud de la Palestine. T. IL Hebron, Bersabee, Dcsert de Juda, 
Masada, Engaddy, Tekoa. Lyon (Vitte et Perrussel; 18S3. XII, 32S pp. 120. 

176) Roux, Pelerinage de Jerusalem, notes de voyage, impressions et Sou- 
venirs 27 avril — 8 juin 1882. Besancon (Impr. Jacquin) 1883. 225 pp. IS«. 
(Nach Friederici; nicht gesehen.) 

177) L. Alazard, Souvenirs de mon pelerinage aux lieux saints (25 avril 
— 10 juin 1882). Rodez (Carrere) 1883. IX, 416 pp. 8". (Nach Kuhn's Lit. 
Bl. ; nicht gesehen.) 

178) E. Garnier, Jerusalem et la Judee; Description de la Palestine ou 
Terre sainte, precede de considerations sur l'histore de ce pays. Tours (Marne) 
1883. 160 pp. 80 et grav. Bibliotheque de la jeunesse chretienne. (Nach 
Kuhns Lit. Bl. ; nicht gesehen.) 

179) R. P. Maillet, Voyage au nord de la Terre-Sainte et retraite ä des 
pretres orientaux : Les missions catholiques 1883, XV, Nr. 720, p. 133 — 137. 
:Nach Peterm.'s Mitth. ; nicht gesehen.) 

180) Patrice Chauvierre, Voyage en Orient. Tournay (Casterman) 1883. 
327 pp. 80. (Nach Bibliographie de Belgique.) 

181) Pelerinage en Terre sainte par Xavier-Richard de Latour. Limoges 
impr. Boyer) 1883. 49 pp. 12«. (Bibliogr. de Fr. ; nicht gesehen.) 

182) Vgl. ZDPV. VI, p. 172, Nr. 128. Voyage en Orient par le R. P. 
dcDamas, de laCompagnie de Jesus. Jerusalem. Nouv. ed. Paris ampr.Goupy 
et Jourdan; libr. Delhomme et Briguet) 1883. 514 pp. 18". — La Galilee 
ibid. 279 pp. 18«. (Nach Bibliogr. de France ; nicht gesehen.) 

183) Baptistin Poujoulat, Recits et Souvenirs dun voyage en Orient. 
11. ed. Tours iMame) 1883. 286 pp. 12«. (Bibl. de la jeunesse chretienne). — 
(Nach K.'s Lit. Bl. ; nicht gesehen.) 

184j J.Lian, Jerusalem et la Terre sainte, histoire du premier pelerinage 
de penitence de France aux saints lieux (28. avril — 8. juin 1882) Aignan (Gers, 
Vauteur) 1883. 215 pp. 8«. (Nach K.'s Lit. Bl. ; nicht gesehen.) — V. Mou- 
rot, La Terre sainte et le pelerinage de penitence en 1 882. T. I. 408 pp. et 
cartes. 80. (Nicht gesehen.) 

185) Rob. Curzon, A visit to the monasteries in the Levant. (New ed.) 
New York (Dodd) 1883. 20, 390 pp. 120. — (Nach K.'s Lit. Bl. ; nicht ges.) 

186; Les peregrlnations en Orient et en Occident de M. Beluze. 21. ed. 
revue et corrigee par Louis-M.-J. Chaumont. T. 2: A travcrs l'Europe et 
rOrient. (Impr. et libr. de Citeaux) 1883. 830 pp. 80. — (Nach K.'s Lit. Bl. ; 
nicht gesehen.) 



25S 

Auch vuii einer italieuisclien Reiseskizze ^*') ist nachträglich zu 
berichten. Unter den deutschen Schiklerungen von üaarts**^), 
Gkeuokovius i***] , FaiikngruberI'^"], FkiedlI^i]^ Siering ^''^j^ 
Flascu ''-'3], Schur ^^^) und eines Anonymus ^'J^), welcher beson- 
ders die katholischen Kirchen, unter Anderem auch die des Ost- 
jordanlandes, besucht hat, findet sich wenig bedeutenderes. 
Auch die hebräischen Keisebeschreibungen vonDEUXARD^'-*ö) und 
Bachrach ^"J") , sowie die polnische von Smolikowski ^^^j sind hier 
noch zu nennen. 
Mittel- und Werfen Avir von Palästina aus einen Blick nach dem übrigen 

Nordsyrien. 

187; Giuseppe Sorio, viaggiatore vicentino, Lettera IV, Viaggio in Terra 
Santa, publicato per nozze Ortolani-Fontana. Vicenza (Burato) 1881. 28 pp. 
60. (Nicht gesehen.] 

188) Vgl. ZÜPV. VI, p. 172, Nr. 125. V. Baarts , Abstecher ins Ge- 
lobte Land ; Aus allen TVelttheilen XIV. 1883. p. 129; 161; 198; 233; 262. 
(Nach Z. (L Ges. f. Erdk. ; nicht gesehen.) 

189 Ferdinand Gregorovius , Von Kairo nach Jerusalem. Aus meinem 
Tagebuch: Unsere Zeit 1SS3, p. 24 — 4-5. 

190; J. Fahrngruber, AVanderungen durch Palästina. Ernstes und Hei- 
teres zwanglos erzählt. Wörl'slleisebibliothek 1883. XV, 420 pp. 8». — Vgl 
LCB. 1883, Sp. 1634. 

191) F. A. Fried! , Eine Pilgerfahrt nach Palästina. Nördlingen Keischle) 
1883. 87 pp. 80. (Nicht gesehen.; 

192; Benef. Emil Siering, Pilgerfahrt der 5. Münchener Carawane nach 
Jerusalem und Kern im Frühjahr 1883. 2. verb. Aufl. Küdesheim (Wiesba- 
den, Moritz und Münzel) 1883. VIII, 176 pp. mit Holzschnitten. (Nicht ge- 
sehen.) 

193; F. M. Flasch, Ferienausflug nach Palästina. "Würzburg (Bucher.) 
1883. 344 pp. 120. (Nicht gesehen. j 

194) W. Schur, Das Morgenland. Wien 1883. Kec. in Jüd. Litt.-Bl. 
17. April 1884, p. 68. — (Nach K.'s Lit. Bl. ; nicht gesehen.) 

195; Eine Pilgerreise nach den heiligen Stätten (Forts.) : Das heil. Land 
1883, p. 27—33; 134—155; 183—191. 

196; cnpti Y~ii<z ro^, Reisebeschreibung im Orient, par E. Deunard. 
Pressburg ;impr. Lowy et Alkalay, 1883. 83 pp. 80. (Nachlievue des etud.jui- 
ves; nicht gesehen.) 

197) nu;'.npn y^nh renn b. Reise nach dem heiligen Lande, unter- 
nommen im Jahre 5642 '1882j, ökonomisch und charakteristisch beleuchtet 
nebst kritischen Gesichtspunkten von Jacob Bachrach. Varsovia libr. Jacob 
bapirstein;. 123 pp. 80. (Nach Revue des et. juives; nicht gesehen.) 

19'>; Pavel Smolikowski, Listy o wschodzie. Lemberg jSeyfarth) 1883. 
i>'J pp. 80. (Briefe aus dem Morgenlande). — (Nach K.'s Lit. Bl. ; nicht ges.j 



259 

Syrien. Eine wichtige Mittheiliing von Prof. Kunze ''J^) in Tha- 
rand bestimmt die Höhe von Damascus über dem Meere auf 730 
Meter laut Beobachtungen von Lüttike in Damascus und Dr. Hann 
in Beirut. Im Libanongebiet, dessen Grenzen kürzlich besprochen 
worden sind 200) , sucht sich neuerdings namentlich der französische 
Einfluss durch Unterstützung der Maronitcn wieder geltend zu 
machen. Auf diesem Standpunkt steht auch das schon früher 
angeführte, entschieden schAvache linch. von Frau d'Aaiau de 
PioLANT^oi), (las theilweise gegen Lortet polemisirt. Einen neu- 
lich erschienenen englischen Bericht über die politischen Verhält- 
nisse des Libanon 202j habe ich nicht gelesen. Aiich der Eapport 
von Guerin203)^ welcher neuerdings den Libanon bereist hat, 
und die statistischen Angaben 204J sind mir nicht vor Augen ge- 
kommen. Baart's205) hat einen Ausflug nach den Cedern und 
Baalbek populär geschildert , ebenso Moyse d'Orleans^o^] ; auch 
von Brugsch207) liegt ein Artikel über Baalbek vor, sowie der 
Bericht eines Anonymus 208) über Mittelsyrien. Die farbenreiche 

199) M. Kunze, Die Höhe von Damaskus über dem Meere : Verhandl. 
der Ges. f. Erdk. zu Berlin 1883. X, p. 439—444. 

200) LeLiban, ses Limites : L'Exploration XVI. 1883, Nr. 334. (Nach 
Z. d. Ges. f. Erdkunde; nicht gesehen.) 

201) Vgl. ZDPV. VI, p. 178, Nr. 17B. Au pays des Maronites par Mn'e 
la Vtesse d'Aviau dePiolant. Libr. Oudin Paris, Poitiers 1882. XI, 186 pp. S«. 

202) An English Resident's Politics in the Libanon: The fortnightly Re- 
view, September 1883. (Nicht gesehen.) 

203) V. Guerin, Rapport adresse ä M. le Ministre de Tinstruction pu- 
blique sur sa mission scientifique dans le Liban. Paris (Levi) 1883. 28 pp. 80. 
(Nach Bibl. de France; nicht gesehen.) 

204) V. Guerin, Description et statistique des populations du Liban, 
Maronites, Melkites, Grecs, Druzes, Matoualis : Bulletin de l'Acad. desinscr. 
1883, p. 286—302. (Nicht gesehen.) 

205) P. Baarts, Ein Ausflug nach den Zedern des Libanon : Wochenblatt 
d. Joh.-Ord. Balley Brandenburg, 1883, Nr. 1 ; 2; 3. Ein Besuch in Baalbek 
ebd. Nr. 13; 14. 

206) Moyse d'Orleans, Notes de voyage. § 2 — 4. Antioche. § 5. Druscs 
et Maronites: Miss, cathol. (Annee 15) 1883. Nr. 732; 734; 735; 739 — 741; 
743 — 745. (Nach Kuhn's Lit. Bl.; nicht gesehen; nach Geogr. Mitth. auch 
in Nr. 730.) 

207) H. Brugsch, Baalbek: Westermann's Monats-Hefle Jg. 28, Bd. 55; 
N. F. Bd. 5. Dez. 1883, p. 332—41. 6 111. mit Text. — (Nach K.'s Lit. Bl. ; 
nicht gesehen.) 

208) Relations d'Orient. Syrie, Egypte, Armenie. IV. Beyrouth , Da- 



260 

kleine Skizze über einen Ausflug nach dem Judendoif Dschobar 
bei Damascus ■-"'-'/ und der beinahe allzu begeisterte Artikel über 
die Hergscenerie des Libanon 2'") stammen wohl aus einer und 
derselben Feder. Ducat"^") scheint seine Heise durch Palästina 
von Beirut aus angetreten zu haben. Bei weitem das wichtigste 
Buch, welches neuerdings unsere Kenntniss von Syrien erwei- 
tert, ist die Reisebeschreibung Sachau's212^ deren Schwerpunkt 
allerdings weiter östlich iu den Eufrat- und Tigrisländern liegt. 
Doch finden sich auch über Palmyra und besonders die Ue- 
gend südlich und südöstlich von Aleppo eine Reihe wichtiger 
Forschungen in derselben. — Über die alte Geographie vonXord- 
syrien hat Tomkins^'-^) einige Bemerkungen gemacht. 
rMidiichan \yas schliesslich die südlich an Palästina angrenzenden 

Pal. gren- _ _ _ "^ . 

zende Län- Ly^mlgj. \)eti-ifft gQ liegen über dieselben einige neuere Berichte 

der. ^ " 

von Jelissejeav2i^)215j und Sophia Palmek-'ö) vor; auch das 

mas, Bickfaia, Homs, Ghazir, Zahle Jan vier 1883). Paris (impr. Mouillot 
30 pp. 80. (Nach Bibliogr. de France; nicht gesehen.) 

209 Jewsat Jobar: Saturday Review, Xr. 1464, Vol. 56, 17. Nov. lSs;<, 
p. 62'J— 30. 

210) The Syrian Mountains: Saturday Review, Ni'. 1462, Vol. 56, 3. Nov. 
1883, p. 560—1. 

211, Ducat, Une excursion ä Ghazir: Missions catholiques, anuee 1?, 
Nr. 751—3, 26. Oct. 2. 9. Nov. 1883, p. 507—9; 522—4; 537—40, 19 111. — 
A travers la Palestine : ibid. Nr. 756 ; 30. Nov., p. 575—6. 1 IU. — Le village 
du prophete Jonas: ibid. Nr. 760, 28. Dec, p. 621, 1 111. — (Nach K.'s Lit. 
Bl. ; nicht gesehen.) 

212; Eduard Sachau, Reise in Syrien und Mesopotamien. Mit 2 Karten 
von Professor Heinrich Kiepert, 18 Abbildungen und 22 Lichtdruckbildern. 
Leipzig (Brockhaus) 1883. X. 479 pp. S«. — Vgl. Socin in Beil. z. Allg. 
Augsb. Z. 1883, Nr. 352; ferner (nach K.,s Lit. Bl.) in Geogr. Mittheilungen 
XXIX, 460; Globus 1884 (XLV) p. 29-31; 38—42; 53—6; Saturday Re- 
view 17. Nov. 1S83, p. 643; Proc. of the R. Geogr. Soc. Dec. 1883, p. 743; 
LCB. 14. Juni 1S84, Sp. 848. 

213) H. G. Tomkins, The ancient geography of northern Syria: Proc. of 
ihe Soc. of Bibl. Archaeol. 9. Jan. 1883. p. 5S— 62. — (Nach K.'s Lit. Bl. ; 
nicht gesehen., 

214; A. W. Jelissejew, An der Küste des rothen Meeres. Aus einer 
Reise durch die Wüste von Sinai I — V (russ.,: Wjestnik Ewpopi 1883, Heft 6. 
(Nach Kuhn's Lit. Bl. ; nicht gesehen.) 

215, A. Elissejew, Die Bewohner von Arabia-Petraea russisch). Peters- 
burg 1883. 80. (Nach Geogr. Millh. ; nicht gesehen.) 

216) Sophia M. Palmer, An adventure at Petra : Macmillan's Magazine, 
Januar 1883. (Nach Z. d. Ges. f. l'h-dk. ; nicht gesehen.) 



261 

schon genannte Werk vonKAXDAKOFi''^'") können wir nun biblid- 
graphisch etwas genauer anführen. Warren's Expedition, welche 
durch die Ermordung Palmehs veranlasst war, hat schliesslich 
auch noch wissenschaftliche Resultate''^''') geliefert; die Lebens- 
beschreibung Palmeh's^I''), welche am Schlüsse namentlich auf 
die Verhältnisse der Beduinen der Sinaihalbinsel Licht wirft, hat 
rasch einige Auf lagen erlebt. Die zahlreichen liücher und Artikel, 
uelche sich mit der Topographie des Exodus befassen, w-ollcn wir 
hier nur kurz aufführen; ihre Verfasser heissen Fibld^^^), Baker 
Green 221)^ Thayer222)j Lecointre223) ; Stanley 224)^ Weld225 , 

WHiTEEiousE22fi); auch ein anonym erschienenes l^uch liegt 

217) Vgl. ZDPV. VI, p. 178, Nr. 180. N. Kandakoff, Reise nach dem 
Sinai im J. 1881 (russ.j. Mit Karte. Odessa 1882. 160 pp. 80. (Nach Geogr. 
Mittheil. ; nicht gesehen.) 

218) C. Warren, Reconnaissance of Arabia Petraea made by the Palmer 
Search Expedition. 1 : 633,600. — Reconnaissances sketch of a portion of 
"Wady Sudr, Arabia Petraea. 1 : 63,360. Compiled for the Lord Commis- 
sioners of the Admiralty. London 1883. (Nach Geogr. Mitth. ; nicht ges.) 

219; Walter Besant, The life and achievements of Edw. Henry Palmer. 
London ,Murray) 1883. 420 pp. 8°; 2. ed. ebd. 1883. 424 pp. 8"; 3. ed. ebd. 
1883. IX, 430 pp. 80. 1. Port. — New York, Dulton. — (Nach Kuhn's Lit. 
Bl. ; nicht gesehen.) 

220) On the desert. With a brief review of recent events in Egypt. By 
Henry M. Fiele! , D. D. New York (Charles Scribner's Sons) 1883. 330 pp. 
120. 1- Kec. in Bibliotheca Sacra 1883, p. 393. Vgb (nach K.'s Lit. Bl.) In- 
tern. Revue Mai Juni XIV, p. 442. 

221) J. Baker Greene, The hebrew migration from Egypt, a historical ac- 
count of the Exodus, based on a critical examination of the hebrew records 
and traditions. London (Trübner) 1883. (Vgl. Peterm.'s Mittheil. 1883, 
p. 116; nicht. gesehen.) 

222) A. W. Thayer, The Hebrews and the Red Sea. With a map. An- 
dover (Draper) 18S3. 140 pp. 120. (Nach Friederici; nicht gesehen; vgl. 
Bibliotheca sacra April 1883, p. 393.) 

223) Lecointre, La campagne de Moi'se pour la sortis de I'Egypte. Avec 
preface de l'abbe Moigno, projet d'une entreprise ä la recherche de l'armee 
de Pharaon engloutie dans la mer rouge et carte 'de l'isthme de Suez. Paris 
(Gauthier Villarsj 1883. XVI, 111 pp. et carte. (Nach LOB. 1883, Sp. 428 ; 
nicht gesehen.) 

224) A. P. Stanley, Sinai and Palestine in connection with their history. 
New ed. with maps and plans. London '(Murray) 1883. 620 pp. 8". — ^Nach 
K.'s Lit. Bl.; nicht gesehen.) 

225) A. G.Weld, The route of the Exodus : Expositor, Sept. 1883, p. 23 
—40. — (Nach K.'s Lit. Bl. ; nicht gesehen.) 

226) F. Cope Whitehouse , The route of the Exodus: Exod. XIII. 17— 



2(32 

vor 227). In den Statements '-^28^ ^„^j andern englischen Blät- 
tern 22f»] sclieint die Discussiou über die Exodusfrage geradezu 
Mode zu sein. — Neuerdings sind in Folge der englischen Aus- 
gralnnigen die Untersuchimgen über die Lage der im alten 
Testament genannten Städte Egyptens in Gang gekommen. 
Namentlich kämpft Naville230) dafür, dass die von ihm aus- 
gegrabenen Euinen Teil el-Mas-chüta für das alte Pithom- 
Succoth zu halten seien: Lepsius^si) findet daselbst Ilamses. An 
der Erörterung dieser Streitfragen betheiligten sich unter An- 
deren 232j PooLE 233) ^ der ausscr gegen Lepsius' Theorie , auch 
gegen die immer noch auftauchende jüdisch-arabische Identifi- 
cation von Pithom mit Fayum ankämpft. 

XIV, 4: The Expositor, December 1883, p. 448—57. — (Nach K.'s Lit. Bl.; 
nicht gesehen.) 

227) Handbook and wall map ofthe Exodus of the Israelites from Egypt 
to Canaan. London Johnston) 1883. — (Nach K.'s Lit. Bl. ; nicht gesehen.) 

228] C. R. Conder; C. Pickering Clark ; F. Gell; C. M. W.; Dunbar J. 
Heath, The Exodus; Quart. Statements 1883, p. 79—108. — A. G. Weld, 
The route ofthe Exodus: ebd. p. 139—142. — Dunbar J. Heath, The Exo- 
dus: ebd. p. 149. — Adam Clarke Smith; John Cyprian Rust; C. Pickering 
Clarke, The route ofthe Exodus: ebd. p. 223— 23('i. 

229) The route of Exodus : Spectator Dec. 1883. (Nicht gesehen.) 

230) Ed. Naville, Pithom and Ilamses: The Academy 6. Oct. 18S3 
p. 230. 

231) R. Lepsius, Über die Lage von Pithom (Sukkoth) and Raemses 
(Heroopolis) ; Zeitschr. f. ägypt. Spr. und Alt., 1883, H. 2, p. 41— j53. 
(Nach Kuhn's Lit. Bl. ; nicht gesehen.) 

232) L. Dickermann , On the site of Pithom : Amer. Or. Soc. Proc. at 
Boston May 1883, p. IV— VL (Nach Kuhn's Lit. Bl. ; nicht gesehen.) — 
Whitehouse, Pithom, Fayoum, Moeris : The Academy 17. Juli 1883, p. 34. — 
Tomkins: ebd. 22. Sept. p. 198. — C. Monro : ebd. 29. Sept. p. 213. Vgl. 
Athenaeum 1883, Nr. 2893, p. 450; Globus 1883, Nr. 17, p. 272. A. H. 
Kellogg, The discovery of Pitthom-Succoth and the Exodus route : Presbyt. 
Review, Vol. 4, Oct. 1883, Nr. 16, p. 838-845. — Les fouiUcs de Tell-el- 
Maskhoutah : Polybiblion, P. litt., T. 38, Aug. 1883, p. 183-4. fAus dem 
Journal officiel). — F. Cope Whitehouse , Researches in the Moeris-Basin : 
Proceedings of the soc. of Bibl. Archaeol., Nov. 1882— Juni 18^;^, p. 169—171). 
— Am besten orientiit über das Problem: Lauth , Zur Exodusfrage: Aus- 
land Aug. 1884, p. 607 fg. 

233) Stanley Lane-Poole , The discovery of Pithom-Succoth: British 
Quart. Review Nr. 155, I.Juli, p. 108-119. (Nach Kuhn's Lit. Bl.; nicht 
gesehen., — Vgl. The Academy 21. Juli 1883, p. 52; 22. Spt. 1883, p. 197. 



Die röiniscli-katliolisclie Kirche iu Palästina. 

Von Karl Schiiabl in Wien •) . 

I. Geschichtliche Übersicht bis auf die Gegenwart. 

Kein Land der Welt hat für die Christen eine erhabenere 
Vergangenheit als Palästina. Darum ist auch das Auge der 
Kirche diesem, dem heiligen , Lande fast stets mit einem regen 
Blick, sei es der Sehnsucht, sei es der Fürsorge, zugewandt ge- 
wesen, lind ihre Geschichte weiss uns von mächtigen Bewegun- 
gen zu erzählen , durch die im Mittelalter das Band gerade ZAvi- 
schen der abendländischen Christenheit und dem heiligen Lande 
fest geknüpft wurde. An Beziehungen zwischen dem christlichen 
Orient und dem christlichen Occident hat es freilich in der Kirche 
seit den frühesten Zeiten nicht gefehlt. Schon die ersten Perio- 
den der katholischen Kirche des heiligen Landes , soAvohl ihre 
Urzeit vom Beginne der christlichen Ära bis ins vierte Jahrhun- 
dert, als auch ihre Blüthe zeit von Konstantin bis zur Erobe- 
rung des Islam im siebenten Jahrhundert, zeigen uns nicht bloss 
die Fortschritte des von Osten nach Westen vordringenden Chri- 
stenthuras, sondern auch bereits die Anfänge einer entgegenge- 

V Obiger Artikel, dessen Verfasser längere Zeit Rector des österrei- 
chischen Pilgerhauses in Jerusalem war und gegenwärtig Propstei-Coopera- 
tor ander Votivkirche in Wien ist, gehört in die Reihe jener Artikel, die 
ȟber den Personal- und Besitzstand der verschiedenen christlichen Konfes- 
sionen und wenn möglich auch der jüdischen Gemeinden im heiligen I,ande 
Auskunft geben« sollen. Vgl. ZDPV. VI, p, 13 Note. Für den interkonfes- 
sionellen Charakter dieser Zeitschrift ist das Interesse an diesen Fragen 
lediglich ein historisch -statistisches. Die Redaction. 

Ztschv. a. Pal-.Ver. VII. 18 



264 

setzten, vom Abeudlande nach dem Moigenlande gerichteten Be- 
wegung . Ich erinnere nur an die merkwürdige Gestalt des ge- 
lehrten Priesters Hieronyraus , an seine Schüler und Schülerin- 
nen. Es ist bekannt, wie in der darauf folgenden Periode der 
Herrschaft des Islam bis zu den Kreuzzügen die Zahl der 
Besucher des heiligen Landes aus dem Occidcnt in fortwährender 
Zunahme begriffen ist, wie bereits Kaiser Karl der Grosse und 
König Alfred von England grosse Summen zur Erbauung von 
Klöstern . Herbergen und Krankenhäusern im heiligen Lande 
anwiesen, ja der erstere sogar mit bewaffneter Macht zum Schutze 
der Christen gegen die Muslimen einzuschreiten verhiess. Selbst 
die Grausamkeiten des fatimidischen Chalifen Hakim schreckten 
die Pilger von der beschwerlichen Keise nicht ab . und die auf 
seinen Befehl erfolgte Zerstörung der Auferstehungskirche in 
Jerusalem, verbunden mit der im Abendlande verbreiteten Furcht 
vor dem Hereinbrechen des jüngsten Gerichts . veranlasste im 
elften Jahrhundert die ersten grossen gemeinsamen Pilgerzüge 
nach Palästina. Ihnen folgte am Ende des elften Jahrhunderts 
der erste wirkliche Kreuzzug, mit dem die vierte Periode der 
kirchlichen Geschichte des heiligen Landes beginnt, das Zeit- 
alter der Kreuzzüge von 1099—1291. Da durch dasselbe 
feste rechtliche Beziehungen der abendländischen katholischen 
Kirche zu Palästina oder wenigstens zu den heiligen Stätten des 
Landes geschaffen werden, so erscheint es angesichts unseres 
Thema' s geboten, deren Entstehung und Geschichte bis auf 
unsere Zeit etAvas genauer ins Auge zu fassen. 

Älit der Eroberung Jerusalems am 15. Juli 1099 und der 
daran sich schliessenden Gründung eines abendländischen llei- 
ches in Palästina trat für die christlichen Verhältnisse des Lan- 
des ein wichtiger Wendepunkt ein. Kurz vor der Frankenan- 
kunft, in der grössten Bedrängniss durch die seit 1070 das Land 
beherrschenden Seldschuken, war der griechische Patriarch Si- 
meon von Jerusalem nach der Insel Cypern geflohen. Später, als 
die Franken Herren des Landes w^aren, sandte derselbe Ge- 
schenke (Pfauen, seltene Früchte, köstlichen Wein u. dgl.) an 
Herzog Gottfried von Bouillon, nach damaliger Sitte zum Zei- 
chen seiner Freundschaft und Zusammengehörigkeit. Daraus, 
wie auch aus anderen Umständen, geht eine nicht zu gering an- 
zuschlagende Thatsache für Beurtheilung der Zeitverhältnisse 



265 

hervor, dass nämlich, obwohl in Konstantinopel schon seit 1051 
(las Schisma ansdrücklich erklärt -vVorden war. doch in der Jerii- 
salemer Kirche die Trennung zwischen Rom nnd Konstantino])el 
noch nicht als vollzogen angesehen Avurde. Die abendländischen 
Eroberer besetzten aber sogleich den Patriarchenstuhl und die 
übrigen Tiischofsstühle mit Franken und erklärten alle Kirchen 
als fränkisches Eigenthum, wenn sie auch wohl den orienta- 
lischen Christen theihveise ein Benützungsrecht der Gotteshäuser 
zugestanden. Die Griechen wählten ihrerseits einen neuen Pa- 
triarchen Namens Johannes III., nachdem Patriarch Simeon 
schon 1099 auf Cypern gestorben war. Aber die gesammte neue 
Kirchenordnung und namentlich der Besetzungsmodus der 
Bischofsstühle missfielen den orientalischen Christen, so dass der 
neue griechische Patriarch bald nach Konstantinopel ging. Ohne 
Zweifel hat die Gründung des fränkischen Reiches und fränki- 
schen Patriarchates in Jerusalem die beginnende Trennung bei- 
der Kirchen nur befördert und zu vielen , seitdem stets wieder- 
holten Streitigkeiten zwischen Griechen und Lateinern Anlass 
gegeben. Wenn auch die Franken das Recht der Eroberer für 
sich hatten, so wird doch diese Neuorganisirung der kirchlichen 
Verhältnisse und die Besetzung aller Bischofsstühle mit Franken 
nicht als ein besonderes Zeichen der Klugheit gelten können ; 
denn sie hatte eine immer sich erweiternde Kluft zwischen der 
fränkischen und der orientalischen Kirche zur Folge und ist eine 
der üblen Ursachen geworden, w^elche leider das endliche Schei- 
tern des wahrhaft grossartigen Unternehmens der Kreuzzüge her- 
beiführten. 

Unter der Herrschaft der Könige von Jerusalem ward der 
Patriarchensprengel bedeutend erweitert. Der Patriarch von Je- 
rusalem hatte nach dem Assisenbuch des Gerichtshofes des frän- 
kischen Reiches (herausgegeben von Beugnot, Paris 1841) als 
Suffragane fünf Erzbischöfe, nämlich in Tyrus, Cäsarea, Naza- 
reth, Bostra und Rabbat-Petra, nebst den drei unmittelbar unter- 
gebenen Bischöfen von St. Georg zu Lydda, von Bethlehem 
und Hebron. Als Suffragane werden ferner sechs Abte und ein 
Prior angeführt, nämlich die Augustiner-Äbte vom Berge Sion, 
vom Tempel des Herrn auf Moriah und vom Olberg . die Bene- 
diktiner-Äbte vom Kloster Maria Latina und Marienkloster im 
Josaphatthale , der Prämonstratenser-Abt von St. Samuel und 

18» 



266 

schliesslich der Prior der Chorherren vom heilij?en Grabe. Auch 
die drei Äbtissinnen vom Kloster Unserer Frau (Johanniterinnen , 
von St. Anna und St. Lazarus ,beide Benediktinerinnen) sind als 
Unter^^ebene bezeichnet. Ausserdem hatte er noch den Erzbi- 
schof der Armenier, der sich im Königreiche Jerusalem aufhielt, 
ferner den Erzbischof der Jacobiten und den Meister der Aus- 
sätzigen von St. Lazarus zu seinen Suffraganen. Die drei grossen 
Ritterorden -waren exerapt. Unter dem Erzbischofe von Tyrus 
standen die Bischöfe von Beirut, Sidon , Paneas (Cäsarea Phi- 
lipp!) tmd Akko; dem Erzbischof von Cäsarea war der Bischof 
von Sebaste Samaria untergeben, und zum Erzbisthum Nazareth 
gehörte der Bischof von Tiberias nebst dem Benediktiner-Prior 
des Klosters auf dem Tabor. Für das Erzbisthum Bostra nennt 
das Assisenbuch keine Suifragane, nur bei dem Erzbisthum Rab- 
bat-Petra wird der Bischof von Pharan , der sich auf dem Berge 
Sinai im Katharinenkloster aufhielt, als Suffragan bezeichnet. 
Die zahlreichen Kirchen und Klöster der Kreuzfahrer zeigen uns 
deutlich , welche Begeisterung für den l^estand der christlichen 
Herrschaft die Franken damals beseelte. Noch heute ist die Zahl 
der Ruinen dieser Bauten im heiligen Lande sehr gross und ge- 
währt uns einen genauen Einblick in den Baustil und die Bau- 
technik jener längst entschwundenen Zeit. 

Die lateinischen Patriarchen, welche bis 11S7 ihren Sitz in 
Jerusalem hatten, mussten in Folge der Eroberung Jerusalems 
diirch Saladin nach Akko übersiedeln , und nach dem Falle Ak- 
ko's im Jahre 1291 bestand nur mehr der Titel eines Patriarchen 
von Jerusalem, welcher noch zu Anfang des 14. Jahrhunderts 
seinen Sitz auf Cypem hatte. Li Jerusalem selbst nahm nach 
Vertreibung der Franken im Jahre 1187 der Sultan die Schlüssel 
der heiligen Grabeskirche und der übrigen Sanktiiarien an sich, 
erhob ein Kopfgeld und entschied über die einzelnen Sanktua- 
rien zu Gunsten dieser oder jener Nation. Damit beginnt wieder 
eine Periode der muslimischen Herrschaft über Palästina, 
während welcher vorerst die syrischen Christen mit ihren weni- 
gen Priestern , dann aber die Franziskaner die alleinigen 
Wächter der heiligen Stätten waren. Der Unsicherheit und 
den Bedrängnissen der Vertreter der römisch-katholischen Kirche 
im heiligen Lande , das bis 1517, bis zur Eroberung durch die 
Türken unter Selim L. unter der Botmässigkeit der ägyptischen 



207 

Maraelukensultane stand, wurde erst in diesem Jahrhundert 
durch die Erneuerung des lateinischen Patriarchats in Jerusalem 
1S48 ein Ende gemacht, und damit für die neueste Entwickelung 
der röiuisch-katholischen Kirche in Palästina die Bahn geöffnet. 
Doch zunächst muss der Thätigkeit des Franziskaner- 
ordens in Palästina vom 13. Jahrhundert an bis auf die Gegen- 
wart gedacht Averden, und da diese mit der Frage des Besitzrech- 
tes an den heiligen Stätten aufs engste verknüpft ist, so wird 
ferner die jetzige Lage derselben passend gleich mit diesem 
Abschnitt verbunden Averden. 

Schon eher als die abendländischen Könige, Ritter und 
Priester ihre letzte Besitzung im heiligen Lande aufgeben muss- 
ten. erschien dort die demüthige Gestalt des heiligen Franziskus. 
Als dieser Gottesmann seine geistlichen Kinder in das heilige 
Land sandte — im Jahre 1219 geschah die erste Niederlassung 
des Ordens in Akko — stellte er sie unter den Schutz der gött- 
lichen ^'orsehung, damit diese sich derselben nach ihren heiligen 
Absichten bediene. Aber er konnte ihrer Obhut nichts anver- 
trauen, man hatte ihm eben nichts übergeben. In unermüdlicher 
Geduld erlangten die Franziskaner allmählich von dem Wohl- 
wollen eines Sultans ein Stückchen l^and am Berge Sion in Jeru- 
salem, erbauten dort ein kleines Kloster neben dem Augustiner- 
konvent und schlössen sich den Syrern bei dem Dienst am liei- 
ligen Grabe an. Papst Gregor IX. bestimmte sie 1230 zu Wäch- 
tern der heiligen Stätten, welches Amt sie nach Möglichkeit üb- 
ten, indess Sultan Melik es-Saleh Ismä'^il Ibn Melik el-Ädil 
ihren Besitz auf Sion im Jahre 1244 bestätigte. Bald brach eine 
allgemeine Christen Verfolgung ans. Der Augustiner-Konvent 
wurde vertrieben, desgleichen die minderen Brüder. Als aber 
wieder ßuhe eintrat, kehrten die Franziskaner allein zurück nnd 
nahmen die leer gewordenen Gebäude der Augustiner Chorher- 
ren ein. Im Jahre 1333 erwarben sich die Brüder aiifs neue eine 
Bestätigung von Seiten des Sultans betreffs ihres Besitzes, und 
Robert von Anjou, König von Sicilien und Neapel, und seine 
Gemahlin Sancia sollen zur Sicherung dieses Besitzes ungefähr 
17 (?) Millionen Goldstücke dem ägyptischen Sultan im Jahre 
1342 entrichtet haben. Dann übergab dieser Fürst des Abend- 
landes , der auch den Titel eines Königs von Jerusalem führte, 
die nun käuflich erworbenen heiligen Stätten dem heiligen Stuhl. 



268 



tler darauf seinerseits von neuem den Franziskanerorden zum 
Wächter der lieiligen Orte bestimmte (Bulle Xuper carissimi 
von Papst Clemens VI., Avignon 1342 . In diese Zeit fallt auch 
die Kestaurirung der von den Augustinern erbauten Abendmahl- 
saalskirche und die Errichtung eines Hospizes und Hospitales. 
durch die Mittel der reichen Sophie von Florenz, einer grossen 
Wühlthäterin des heiligen Landes. 

Als jedoch König Peter 1. Lusignan von Cypern im Jahre 
1365 Alexandrien belagerte, -wurden die Franziskaner auf Befehl 
des Sultans ins Gefängniss geworfen, weil man sie für ^'erräther 
und Spione hielt, und nur durch die energische Intervention der 
Republik Venedig, die einen Gesandten nach Kaii'O schickte, au& 
demselben befreit. Im Jahre 1489 wurden die Insassen des Jere- 
miasklosters . an der Strasse zwischen Jafa und Jerusalem ge- 
legen, neun Väter, an einem Tage ermordet. Als Herzog Doria 
von Genua gegen die Türken einen siegreichen Seekrieg führte, 
mussten die fränkischen Mönche am heiligen Grabe aufs neue 
den Zorn des Sultans erfahren. Sie wurden im Davidsthurm zu 
Jerusalem internirt und dann nach Damaskus abgeführt. Jetzt 
wurden sie durch Franzi., König von Frankreich, befreit, der 
zugleich einen Vertrag mit Sultan Soliman schloss, kraft dessen 
gegen einen jährlichen Tribut von 14 Beuteln oder 7000 Piastern 
die heiligen Stätten und das Recht ihrer Obhut der Krone Frank- 
reichs zufallen sollten. 

Schon lange hatten die muslimischen Imame und Gläubigen 
daran Anstoss genommen , dass hart am Grabe Davids die frän- 
kischen Mönche Avohnten und beteten. Sie ergriffen daher jede 
Gelegenheit, den Franken den Aufenthalt im Abendmahlskloster 
auf Sion zu vergällen und ihren ruhigen Besitz zu stören, bis es 
ihnen endlich gelang , die Franziskaner durch die Behörden im 
Jahre 1551 aus dem Sionskloster zu vertreiben. Die Mönche 
Hessen sich nun innerhalb der Mauern Jerusalems nieder, wo sie 
ein georgisches Kloster käuflich an sich brachten, das sie bis auf 
den heutigen Tag besitzen, das St. Salvatorkloster. 

Im Jahre 1555 restaurirte der Orden die heilige Grabeska- 
pelle, 1557 bekam er das im Jahre 1365 verlorene Grabdenkmal 
Mariens im Thale Josaphat zurück. Bald jedoch sahen sich die 
Franziskaner neuen Schwierigkeiten betreffs der Behütung der 
Grabeskirche gegenüber. Die für die Türken unglückliche See- 



269 



sclilacht bei Lepanto 1571 benutzten die schismatisclien Grie- 
chen lind Armenier, um von dem Pascha und dem Kadi von Je- 
rusalem Besitzrechte in der heiligen Grabeskirche zu erlangen, 
und die Juden wussten sich vom Sultan Ahmed 1607 sogar die 
Erlaubniss zur Demolirung des heiligen Grabes zu verschaffen, 
die jedoch durch den venetianischen Gesandten in Konstantino- 
pel verhindert wurde. Weiter verlangten die Griechen mit den 
Armeniern 1611 auch noch das lleiligthum der Kirche zu Jieth- 
lehem, die Geburtsgrotte; aber »Sultan Ahmed bestätigte nach 
angestellter Untersuchung das JJesitzrecht der Franziskaner , die 
man thörichterweise beschuldigt hatte , einen geheimen Gang 
von liethlehem nach Jafa gegraben zu haben. Der Hatti-Scherif 
Osman's II,, der 1620 dem französischen Gesandten de Harley- 
Saucy eingehändigt wurde, erkennt an, dass die Kirche zu Beth- 
lehem seit alter Zeit den Abendländern gehöre und dass deren 
Besitztitel auf die Geburts statte Christi bis zu den arabischen 
Königen zurückdatire , dass jedoch die Armenier und die ande- 
ren christlichen Nationen (Griechen und Kopten) mit Zustim- 
mung der Mönche in einem Theile der Kirche (nämlich im 
Chore, wie schon Avährend der Frankenzeit) eine besondere Stätte 
z\i ihren gottesdienstlichen Verrichtungen besässen. 

Aus dem eben Gesagten ergiebt sich, dass die Franziskaner 
jetzt genöthigt wurden, ihre Aufmerksamkeit gegen andere Geg- 
ner als bisher zu richten. Während sie in den ersten Jahrhun- 
derten nach den Kreuzzügen die Besitzrechte der römisch-katho- 
lischen Kirche gegen die Willkür muslimischer Fürsten und Be- 
amten vertheidigen mussten und bis zur Hingabe ihres Lebens 
vertheidigt haben, so werden seit dem Ende des 16. Jahrhun- 
derts die nicht mit Rom geeinten Griechen, die damals gar keine 
Besitztitel aufweisen konnten, sondern nur Benutzungsrechte 
hatten, ihre lebhaften Gegner. Sie benutzten die abendländischen 
Wirren namentlich während des dreissigj ährigen Krieges und die 
türkischen Angriffe gegen Westeuropa , um mit kluger Verwer- 
thung der ieweiligen Verhältnisse und Personen die Franziska- 
net aus ihren Rechten zu verdrängen. Inzwischen Avar auch der 
Schutz der Franziskaner und der römisch-katholischen Reclite 
in Palästina von einer anderen Macht in Europa übeniommen 
worden. Im Mittelalter hatten die Republiken Venedig und Ge- 
nua das Recht der katholischen Angelegenheiten am Mame- 



270 

lukenhofe zu Kairo vertreten. ^vUlireiid die deutscheu Kaiser sich 
nur vorübergeheud \iiu den Rechtshestand der katholischen 
Kirche im Orient kümmerten und sich mehr auf das Gebiet des 
Ahuosenspendens beschränkten, worin^ sie Avohl Königliches ge- 
leistet haben. Seit dem 16. Jahrhundert Mar dagegen Frank- 
reich als An-\valt und Beschützer der heiligen Orte aufgetreten 
mid Hess es an Verhandlungen darüber mit der Pforte nicht feh- 
len. So erneuerte Ludwig XIV. 1673 durch einen Vertrag mit 
derselben das Schutzrecht über das heilige Land und erwirkte in 
Artikel 33 dieses A'ertrages die Bestätigung aller Besitzungen der 
Franziskanermönche in und ausser Jerusalem. 

Auch Kaiser Leopold L ergriff bei Schliessung des Karlo- 
witzer Friedens im Jahre 1699 die Gelegenheit, in dem Friedens- 
instrument den künftigen ruhigen Besitz der heiligen Orte sich 
versprechen zu lassen, und der österreichische Gesandte in Kon- 
stantinopel erlangte 1700 den Erlass eines Fermans. welcher den 
Christen in Palästina die freie Ausübung ihrer Religion und den 
Franziskanern ihre Besitzrechte bestätigte. 

Trotzdem erneuerten die Griechen ihre ^'ersuche , an Ort 
und Stelle , nämlich in Jerusalem und im heiligen Lande, selbst 
Thatsachen zu schaffen, durch welche die Bestimmungen dieser 
^'ertrage aufgehoben würden. Es half nichts , dass der franzö- 
sische Gesandte bei der Pforte die Forderung erhob, es solle der 
entzogene Besitz den Lateinern zurückgegeben werden. Seit dem 
Jahre 1759 gingen die Griechen immer erfolgreicher vor und 
wussten den Grosswesir Eaghib Pascha zu bewegen, dass er ihnen 
den weitaus grösseren Theil der Grabeskirche , die Marienkirche 
zu Bethlehem und einen der drei Schlüssel zur Geburtsgrutte 
zusprach. Zuletzt benutzten sie die sehr günstige Gelegenheit 
des Ikandes der Grabeskirche im Jahre ISOS, um durch Besor- 
gung des Neubaues alleinige Eigenthümer des Gotteshauses zu 
werden ^) . 



1) Näheres über die einschlagenden Urkunden und Kechtsfragen bei 
Eigen Boue , Question des lieux saints. Doch fehlt es zur Zeit noch an 
einer zuverlässigen kritischen Darstellung dieser Verhältnisse. Vgl. ausser- 
dem T. TOBLEK in den AVerken : Golgatha, Bethlehem, und Topographie von 
Jerusalem I, 331 ff. Seine geschichtlichen Angaben stimmen nicht immer mit 
den obigen überein. Anm. d. Kedactionj. 



•271 

Die bisherige Schutzmacht der römisch-katholischen Inter- 
essen im Orient stand diesem Ereigniss gleichgültig gegenüber. 
Wiihrend noch der französische Nationalconvent 1793 das 
Schutzrecht nicht aufgab, ja einen gewissen Werth daraiif legte, 
zog Napoleon I. in geringer Entfernung an Jerusalem vorüber 
imd vergass es völlig, die französische Schutzherrschaft durch 
seinen Gesandten Sebastiani in Konstantinopel mit dem nöthigen 
Nachdruck ausüben zu lassen. Besonders zeigt jedoch der soge- 
nannte »verkehrte Kreuzzug« des Jahres 1S40, durch den euro- 
päische Mächte den Türken das heilige Land von Ägypten zu- 
rückeroberten , wie gering das Interesse der Mächte des Abend- 
landes für die Angelegenheiten der römisch-katholischen Kirche 
in Palästina geworden war. Damals wäre die beste Gelegenheit 
gewesen, die alten Besitzrechte erneuern zu lassen ; aber es ge- 
schah nichts. 

Längst war auch der Einfluss einer anderen europäischen 
Macht auf Palästina mächtig geworden. Im Frieden von Kut- 
schuk Kainardsche hatte sich llussland von der Pforte das \ei- 
sprechen des Schutzes der christlichen Eeligion und der christ- 
lichen Kirchen im heiligen Lande geben lassen, und Alexan- 
der I. wurde von Napoleon I. in keiner Weise gehindert, die 
russischen Verbindungen mit Palästina enger zu knüpfen. Die 
Entstehung des Krimkrieges beweist hinlänglich, Avelchen Werth 
Russland seiner Stellung im heiligen Lande beilegte, da ja unter 
den Ursachen desselben das Verlangen nach dem Ih'otektorat 
über die orientalischen Christen und nach der Auslieferung des 
Schlüssels zur Grabeskirche nicht wenig ins Gewicht fiel. Wenn 
auch der Pariser Friede 185G das von Russland erstrebte Resul- 
tat nicht brachte, so übernahm doch seine Regierung immer 
deutlicher die Traditionen der griechischen Kirche. Russlands 
Stimme hat einen grossen Einfluss auf die Besetzung des grie- 
chischen Patriarchats in Jerusalem , und bei der letzten Restau- 
ration der grossen Kuppel über dem heiligen Grabe ISüS und 
1869 hat Russland im Vereine mit Frankreich die erforderliche 
Verständigung mit der Pforte herbeigeführt, ist als ]')auherr zu- 
gelassen worden, tritt seitdem als Besitzer auf und muss in 
Rechtsstreitigkeiten gehört werden. Die Plünderung der Ge- 
burtsgrotte in Bethlehem 1873 sollte ebenfalls von den Griechen 
zur Ausdehnung ihres Besitzes heiliger Stätten in Palästina 



272 



benutzt werden, aber Frankreich verfocht damals durch semen 
Botschafter bei der hohen Pforte, den Grafen Melchior de Vo- 
güe. den bekannten Palästinaforscher , die Rechte der Lateiner 
Hl einer so energischen Kechtssprache , dass er mit Erfolg den 
entgegenstehenden Bestrebungen gegenübertrat. Durch den 
Berliner Kongress 1S7S, der sich zwar mit der Frage der hei- 
ligen Stätten in Palästina nicht zu beschäftigen hatte, ist gleich- 
wohl darüber die Bestimmiuig getroffen w'orden , dass einstwei- 
len nichts untersucht und nichts geändert werden , dass alles in 
dem jetzigen Status quo verbleiben solle. 

Die heilige Grabeskirche oder richtiger nach orientalischer 
Ausdrucksweise die Aviferstehungskirche : griechisch »Anastasis«, 
in der arabischen Landessprache nketüset el-kijamev.) ist in recht- 
licher Beziehung eine Simultankirche ganz eigener Art, wie es 
keine zweite in der Christenheit giebt. Der Islam erkennt an, 
dass die Kirche ein Eigenthum der gesammten Christenheit ist 
^ich erinnere nur an den Ferman des Chalifen Omar), doch be- 
ansprucht der Sultan als Landesherr nach türkischer Eechtsan- 
schauung den Boden unter der Kirche , sowie die Luft über 
derselben , und hat auf Grund dieser Anschauung und gewiss 
auch, um von dem Eifer der Christen Nutzen zu ziehen, zu allen 
Zeiten einen mehr oder minder schweren Eintrittstribut erhoben. 
Seit der vorübergehenden ägyptischen Herrschaft unter Ibrahim 
Pascha von 1832 bis 1840 sind die ehemals grossen Abgaben für 
die Pilger abgeschaflFt, obwohl die Schlüssel zur Grabeskirche 
noch bis zum heutigen Tage in den Händen der Muslimen sind. 
Nur die drei Haupteigenthümer der Kirche , die drei privilegir- 
ten christlichen Konfessionen in Jerusalem, nämlich die Lateiner 
(im Oriente versteht man darunter immer die römisch-katholische 
Kirche , die (schismatischen Griechen und die (schismatischen) 
Armenier haben das Recht zu verlangen, dass die Pforten der 
Kirche sich öffnen. Wer also Einlass in die Kirche begehrt, 
rauss die Yermittelung einer der drei Konfessionen nachsuchen, 
respektive sich an die Klostervorstände wenden , damit die tiir- 
kischen Wächter die Thore öffnen *). Man unterscheidet drei 

1) Diese Bestimmung scheint mehr in der Theorie als in der Praxis zu 
bestehen. Wenigstens habe ich im Sommer 1881 die Grabeskirche besucht, 
ohne auf dieselbe aufmerksam gemacht zu werden. Musste meinetwegen die 



273 

Arten von Aperturen. Die unbedeutendste, wobei ein Thortiii- 
f/el und dieser auch nur zur Hälfte geöffnet Avird , dauert eine 
lialbe Stunde und kostet nur einige Piaster. l>ei der mittleren 
Apertur wird der eine ThorÜügel ganz , und zwar drei Stunden 
lang geöffnet. Die Taxe beträgt schon fünf bis sechs Franken ; 
ausserdem pflegen den Wächtern einige Schalen Kaffee gereicht 
zu werden. Bei der grossen Apertur, die nur selten bei grossen 
Feierlichkeiten stattfindet, werden beide Thorflügel vollständig 
und fast für einen halben Tag geöffnet. Bei dieser Gelegenheit 
erscheinen die Wächter in Festkleidern. Das Bachschisch be- 
läuft sich schon auf wenigstens zwei Goldstücke Xapoleonsd'or). 
Während der Winterszeit, bei grossem Pilgerverkehr, ist die 
Kirche fast jeden Tag geöffnet, indess zur Sommerszeit oft tage- 
lang geschlossen. 

Ausser den schon erwähnten drei privilegirten Konfessionen 
kommen noch drei unbedeutende in Betracht, nämlich die Kop- 
ten, die syrischen Jakobiten, und endlich die Abessinier, welche 
sämmtlich Anhänger des Monophysitismus sind. Auch sie haben 
gewisse Rechte in der Grabeskirche , so dass sich heute iusge- 
sammt sechs christliche Konfessionen in den Besitz der heiligen 
Grabeskirche theilen. Man unterscheidet jedoch zwischen ge- 
meinsamem Besitz, Einzelbesitz oder ausschliesslichem Besitz- 
recht, und Benutzungsrecht zu Kultus Verrichtungen. Mit dem 
Besitzrechte ist das Recht der Reparatur dem Grundsatze nach 
verbunden ; die Ausübung desselben wird aber bei jenen Thei- 
len, auf welche mehrere Konfessionen Anspruch haben oder 
auch nur Anspruch machen, nicht selten verhindert. In solchen 
Fällen tritt nun die Wichtigkeit der Franziskaner-Kustodie und 
des Schutzrechtes des französischen Konsuls , als Vertreters der 
französischen Regierung, deutlich hervor. Im Einzelnen gestal- 
tet sich die Sache folgendermasscn : Wird in einem gemeinsa- 
men Besitzraume, sei es in der heiligen Grabeskirche oder in der 
Geburtskirche zu Bethlehem , ein Bild oder eine Tapete schad- 
haft, ein Thürschloss unbrauchbar, oder möchte ein Spender eine 

Thür besonders geöffnet werden, so wurde ich beim Hinausgehen allerdings 
um ein Bachschisch ersucht, das ich auch ohne weiteres zahlte. Die Vormitte- 
lung einer der drei oben genannten Konfessionen wurde nicht von mir gefor- 
dert; ob vielleicht aus persönlicher Gefälligkeit gegen mich, vermag ich nicht 

H. GUTIIE. 



274 



neue Lampe irgeudwu anbringeii, so dürfen solche an sich gering- 
fiigige Ändenmgen oder Neuerungen nur nach gemeinsamem Ein- 
vernehmen vorgenommen werden und zwar unter der liedinginig, 
dass im wesentlichen die Einrichtung der betreffenden hei- 
ligen .Stätte dieselbe bleibt wie früher. Die Änderungen dürfen 
nur accidentielle sein und der Status quo ante muss vom franzö- 
/ösischen Konsul nach der Besichtigung beglaubigt werden. 
^^'ürden n\ni die Franziskaner-Kustoden solche Änderungen un- 
beachtet lassen und der französische Konsul seines Schutzamtes 
nicht walten, so könnten nach und nach vielleicht die Anrechte 
der Lateiner aufs neue geschmälert werden. 

Im gemeinsamen Besitz der genannten Konfessionen 
sind folgende Theile der heiligen Grabeskirche : das heilige 
Grab und die Grabkapelle, der Fussboden der Grabrotunde, die 
Kiii)pel über derselben, der Salbungsstein, das Hauptportal, die 
Kirchenzisterne, einige Nebenräume und Gänge. Den Grie- 
chen gehört ausschliesslich zunächst der schönste und geräu- 
migste Theil der Kirche, das Katholiken sammt dem Hagion mit 
der zweitgrössten Kuppel darüber, ferner der nördliche und süd- 
liche Kreu/arm der Kirche und die daran sich anschliessenden 
drei Kapellen ; auf Golgatha die Kreuzigungskapelle und die 
Adamskapelle : endlich der grösste Theil der unteren . mittleren 
und obersten Kuppelgalerien. Den Lateinern, im speciellen 
Sinne gesprochen den Franziskanern gehört ausschliesslich 
auf Golgatha die Kreuzannagelungskapelle sammt dem Altare der 
schmerzhaften Mutter in der Mitte und der ausserhalb Golaratha 
angebauten Marienkapelle, ferner die Magdalenenkapelle , die 
Erscheinungskapelle . die zugleich dem Franziskaner-Orden als 
Chorkapelle dient und der einzige Ort ist, an dem das allerhei- 
ligste Sakrament aufbewahrt Averden kann, ferner die Kreuzauf- 
ündungskapelle und ein Theil der Kujjpelgalerien. 

Die Armenier besitzen ausschliesslich nur einen Theil der 
Kuppelgalerien und einige Nebenräume. Die Kopten, Syrer 
und Abessini er besitzen je eine Kapelle. Eine zweite grössere 
Kapelle, die architektonisch sehr merkwürdige sog. Helenakirche, 
gehört ebenfalls den schwarzen Abessiniern, aber sie haben we- 
gen ihrer Armuth gegen täglich gelieferte Viktualien das Be- 
nutzungsrecht den Armeniern überlassen. Nur die drei privile- 
girten Konfessionen haben das Recht, auch solche Stationen, 



275 

welche ihnen nicht gehören, in feierlicher Prozession zu besn- 
chen und in l'aramenten zu incensiren. Die drei nicht privile- 
girten Konfessionen haben dieses Kultus-Heniitzungsrecht nicht, 
anch nicht das Recht zu feierlichen l'rozessionen, jedoch ist es 
ihnen gestattet, sich an eine andere privilegirte Prozession anzu- 
schliessen. 

Diese jetzt bestehenden Rechtsverhältnisse in den erwähn- 
ten Kirchen von Jerusalem nnd liethlehem sind als Thatsachen 
zu betrachten, welche durch Zeit und Umstände herbeigeführt 
wurden, und müssen einstweilen als solche berücksichtigt wer- 
den. 8ie werden jedoch von den einzelnen Konfessionen gröss- 
tentheils nicht als principiell rechtsgiltig anerkannt ; darum giebt 
es nicht selten Anlass zum Streit darüber, namentlich zwischen 
Griechen und Lateinern, Avobei die ersteren sich darauf zu be- 
rufen pflegen, dass sie als Vertreter der orthodoxen Landeskirche 
die natürlichen Eigenthümer der christlichen Gotteshäuser seien. 
Auch weisen sie auf die türkischen Fermane hin, obwohl sie zu- 
geben, dass dieselben jüngeren Datums sind als die den Katholi- 
ken (Franziskanern) ausgestellten. Da aber der massgebende Theil 
des griechischen Klerus von hellenischer Abkunft ist und nur 
der Landklerus zu der eingeborenen Bevölkerung zählt, so ist 
auch die Behauptung des Indigenates nicht über allen Wider- 
spruch erhaben , zumal da es sich in dieser Beziehung mit den 
Gliedern der römisch-katholischen Kirche ähnlich verhält. 

Welchen Werth hat es nun für die katholische Kirche, im 
Besitze der heiligen Stätten zu sein? Es ist gewiss ein idealer 
Werth für den Christen, wenn jene Orte, die in mittelbarer oder 
unmittelbarer Beziehung zu dem Welterlöser, seiner jungfräu- 
lichen Mutter und den heihgen Aposteln standen, auf eine des 
Christen thums würdige Weise verehrt Averden. Ferner war die 
katholische Kirche einst allein im Besitze dieser Stätten und der 
darüber sich erhebenden Gotteshäuser, und dieses historische, 
freilich oft beschränkte, aber auch Avieder bestätigte Recht kann 
sie nicht fahren lassen. Endlich liat der Besitz der heiligen Orte 
auch einen besonderen praktischen Werth. Denn diejenige 
Kirche, die in ihrem Besitze ist, bekommt in den Augen des 
Volkes — Volk hier im weitesten Sinne des Wortes verstanden — 
allgemeines Ansehen und erbringt dadurch zum Theil den Be- 
weis der geschichtlichen Continuität mit der christlichen Vrzeit. 



276 

Diese drei Gründe bewirken, dass man auf die Kustodie , d. i. 
auf die Wacht an den heiligen Stätten. Werth legt und legen 
wird. Die Erlangung alles einstigen Besitzes der katholischen 
Kirche freilich muss jedem näheren Kenner orientalischer Ange- 
legenheiten, speciell dieser verwickelten Frage in Betreff der hei- 
ligen Stätten, als unmöglich erscheinen. 



II. Die gegenwärtigen Verhältnisse und 
Institutionen. 

Seit der Vertreibung der Kreuzfahrer aus Palästina und der 
unbeschränkten Wiederherstellung der Herrschaft des Islam 
konnte von einer Entfaltung der katholischen Missionsthätigkeit 
Jahrliunderte laug keine Hede sein. Nur der ehrwürdige Orden 
des heiligen Franziskus übte innerhalb der ihm angewiesenen 
engen Grenzen unentwegt die Kustodie an den heiligen Stätten 
und bei den verhältnissmässig sehr wenig eingebornen Katho- 
liken die pfarrlichc und seelsorgliche Thätigkeit. Es gab wäh- 
rend jener Zeit drei grössere katholische Gemeinden, nämlich 
Jerusalem, l^ethlehem und Nazareth, und vier kleinere : Jafa am 
Meere, Kamle. St. Johann und Akko. Da sich nun im 19. Jahr- 
hundert die politischen und socialen Verhältnisse in Palästina 
wesentlich zum Bessern wandten, so wurde der langgehegte und 
ersehnte Winisch des heiligen Stuhles in Ausführung gebracht, 
das seit den Kreuzzügen unterdrückte lateinische Patriarchat in 
Jerusalem wieder zu errichten. Nachdem der päpstliche Prälat von 
Agosto Foscolo auf die Titular-Patriarchalwürde Verzicht gelei- 
stet hatte, ernannte Pius IX. in dem geheimen Consistorium vom 
4. October 1S47 den Weltpriester Joseph ^ alerga aus Genua, 
welcher sich viele Verdienste als Missionär in Syrien, Mesopota- 
mien und Persien erworben hatte, zum wirklichen Patriarchen 
von Jerusalem. Im Januar des Jahres 1848 zog der neue Pa- 
triarch in die heilige Stadt ein , und damit hat die katholische 
Missionsthätigkeit in Palästina ihre neueste Entwickelung begon- 
nen. Ihre Ilauptzweige sind folgende : 1) die Kustodie der 
heiligen Stätten. Sie erstreckt sich auf Erhaltung der Kir- 
chengebäude über den heiligen Stätten , auf die Feier des Got- 
tesdienstes, die Ikschützung der Gotteshäuser vor Verunehrung 



277 



und Rechtsverletzung; 2) die Hospitalität: geistige und 
materielle Sorge für die Reisenden und Pilger, zumal der ärme- 
ren Klassen; 3) die katholische Mission im eigentlichen 
Sinne des Wortes , soAvohl die kirchliche organische Seelsorge 
unter den eingebornen Katholiken, als auch die Verbreitung des 
Christenthums unter den Andersgläubigen. Für diese Mission 
sind im Stande zu halten: Pfarrkirchen, Wohnungen für den 
Klerus (Patriarchalgebäude, Klöster. Missionshäuser). Seminare, 
Schulen, Waisenhäuser, Armenhäuser und Spitäler. 

Die Faktoren, welche dermalen im Dienste der katholischen 
Kirche in Palästina arbeiten, sind folgende: 

A. Der Weltklerus, an dessen Spitze der Pa- 
triarch der Diöcese Pal ästina-Cypern. Die Diöcese er- 
streckt sich auf das eigentliche heilige Land, nämlich auf das 
einstige Judäa, Samaria, Galiläa und Peräa, und hat als Appen- 
dix die Insel Cypern, AA'elche aber nur drei katholische Gemein- 
den, Larnaca, Limasol und Nicosia, zählt, unter denen der Fran- 
ziskaner-Orden die Seelsorge ausübt und nur ein Weltpriester als 
Patriarchal-Vicar mit dem Sitz in Larnaca anwesend ist. Mehr 
als vier Fünftel der heutigen halben Million l^ewohner Palästi- 
na's bekennen sich zum Islam, so dass sich nur ungefähr 80 000 
Seelen auf Juden und Christen der verschiedenen Confessionen 
vertheilen. Man rechnet 25 000 Juden, davon die Hälfte in der 
Stadt Jerusalem; 34 000 nicht unirte (schismatische Griechen; 
1000 Armenier; 2000 Angehörige der verschiedenen protestan- 
tischen Konfessionen und altorientalischen Sekten (Kopten, Ja- 
kobiten und Abessinier) ; 18 000 Katholiken, davon 12 000 latei- 
nischen und 6000 griechischen Ritus i). 

Was die nationale Abstammung der Katholiken der Diöcese 
Jerusalem betrifft, so sind sie theils Nachkommen der alten Sy- 
rer, theils Abkömmlinge der Kreuzfahrer, die durch vereinzelte 
Einwanderung aus Europa vermehrt wurden. Die einzelnen In- 
stitutionen des Weltklerus sind nun : 

1) Die Konkathedralkirche zum heiligsten Na- 

1) Im angrenzenden Syrien ist die Anzahl der Katholiken eine ungleich 
grössere, da allein die ganze katholische Nation der Maroniten 200 000 Seelen 
zählt und dazu noch die griechisch -melkitische katholische Bevölkerung 
kommt, die sehr bedeutend ist. 



278 

men Jesu^'. Ein dreischiffig gothischer Bau mit -wertlivollem 
Hochaltar, der ein Geschenk Sr. Majestät des Kaisers Franz Jo- 
sephs I. ist 2). 

2) Das Patriarchalgebände neben der Kirche. Der 
dermalige Patriarch Monsignore Yincenzo Eracco , geb. 1835 zu 
Torazzo. Diöcese Albenga in Sardinien, hat seit 1*73 den Pa- 
triarchenstuhl inne. An der Seite des Patriarchen sind acht 
Domherren thätig, theils zum Dienst an der Kirche, theils in der 
Diücesan- Verwaltung, theils als Professoren im Klerikal-Semi- 
nar. Den Kanonikern ist bis jetzt noch keine fixe Präbende zu- 
gewiesen, sie leben mit dem Patriarchen gemeinsam von den frei- 
Avilligen Gaben der Missionsvereine in Europa. 

3) Das Klerikal-Seminar. Die Zahl der Zöglinge be- 
trägt durchschnittlich 24 unter sechs Professoren. Die Zöglinge 
werden mit 1 1 Jahren aufgenommen. Es wird ihnen daher der 
niedere humanistische vmd der höhere -philosophisch-theologi- 
sche Unten-icht zu tlieil. Zur Winterszeit befinden 'sich die Se- 
minaristen zu Jerusalem, im Sommer im Pfarrhofe des Dorfes 
lietdschäla bei Jerusalem , Avelches Gebäude auch dem Patriar- 
chen als Sommerresidenz dient. 

4; ]M|issionspfarren. Ihre Zahl beträgt 20; davonkom- 
men auf Judäa: Ketdschäla, Betsahür, Ramallah, et-Taijibe, 
KafrMälik, 'Ain 'Arik, Dschifna, Bir ez-zet, Gaza; auf Samaria: 
Näbulus (Sichem) , Räfidije , Zabäbde ; auf Galiläa : er-Rene, 
Jäfa, Schefa-'Amr; aufPeräa: es-Salt, EfFeis, Ermemin. Me- 
deba, Kerak. Ausserdem ist ein Weltpriester in Akko als Patri- 
archalvikar angestellt, um die Interessen der katholischen Bevöl- 
kerung bei der türkischen Regierung zu vertreten, und ein eigener 
Kaplan im Frauenkloster zu Nazareth. An 14 Missionsstationen 
sind Knabenschulen, an 1 1 Stationen Mädchenschulen errichtet. 
Zu Xabulus und Ramallah ist mit der Pfarre ein kleines Pilger- 
hospiz verbunden. 



1, Die eigentliche Kathedralkirche ist der Grabesdom, welcher als einst- 
weilige Simultankirche nicht immer für den Patriarchen zugänglich ist. 

2; Im Grabesdom wird an drei Tagen des Jahres, Gründonnerstag, Oster- 
fest und Frohnleichnam ein sehr kostbarer silberner Altar vor dem heiligen 
Grabe errichtet zur Celebrirung des Hochamtes ; auch dieser Altar ist ein Ge- 
schenk der erlauchten habsburgischen Dynastie, nämlich Karl's VI. 



279 

5) Das Waisenhaus zu Bethlehem, gegründet 1S64 
vom Kanonikus Antonio JJelloni, mit 100 internen Zöglingen. 
Die Elementarschule wird auch von 160 Externen hesucht. 
Ausser dem Schulunterricht werden die Zöglinge auch in ver- 
schiedenen Handwerken ausgebildet. In der Abendschule befin- 
den sich 30; desgleichen auch 30 Jünglinge in dem sonntäglich 
sich versammelnden Jünglingsvereine. Lehrkräfte: Direktor Ka- 
nonikus A. Belloni mit fünf Priestern und mehreren Laienbrü- 
dern von der St. Josephs-Kongregation als Werkmeistern und vier 
Klosterfrauen von der St. Josephs-Kongregation zur Besorgung 
des Hauswesens. 

6) Ackerbaukolonie und Ackerbauschule zu Bet- 
Dschimäl, ebenfalls vom Kanonikus Belloni gegründet, als Er- 
gänzung des vorhergenannten Institutes. Das Kolonialgebiet, 
das theils von einigen katholischen Familien, theils von den 
50 Zöglingen der Anstalt bebaut wird, beträgt 12 Kilometer im 
Umfange oder 900 Hektar Fläche, welcher Grundkomplex um 
eine ganz unbedeutende Summe von den arabischen Fellachen 
(Bauern) erstanden wurde. Es sind aber erst etwas über 200 
Hektar kultivirt, davon 157 Hektar Getreidefeld, 30 Hektar Oli- 
venpflanzung, 7 Hektar verschiedene Fruchtbäume, 3 Hektar 
Gemüsegarten , 1 Hektar Weingarten. Mit jedem Jahre werden 
die Kulturen erweitert. Direktionspersonal der Kolonie und 
Schule sind zwei Weltpriester, mehrere Laienbrüder . fünf Öko- 
nomen und vier Laienschwestern. 

Der Personal-Status des gesammten Diöcesan-Weltklerus 
lautet also auf 46 Priester; davon sind 24 Europäer, 22 Einge- 
borne. 

B. DerFranziskanerorden. Die Franziskaner-Ordens- 
provinz unter dem Titel »Kustodie des heiligen Landesa erstreckt 
sich auf Palästina, Cypern, Lnterägypten, Syrien und Südar- 
menien. In dieser grossen Ordenspro\inz besitzt der Orden 43 
Häuser mit den zugehörenden Kirchen und Kapellen und zählt 
350 Mitglieder (Priester und Laienbrüder). Auf das heihge Land 
im eigentlichen Sinne kommen aber nur 1 1 Häuser mit Kirchen 
und Kapellen und der entsprechenden Mitgliederanzahl. 

Au folgenden Orten üben die Patres Franziskaner die Ku- 
stodie heiliger Stätten: 1. zu Jerusalem: a) am heiUgen Grabe 
selbst nur participirend mit den akatholischen Konfessionen; 

Ztschr. d. Pal.-Ver. VII. 19 



2S0 

b) selbstständig aber sind sie im Besitze von fünf Kapellen in der 
Grabeskirche . inid zwar der Golgatha-, Mater dolorosa-, Mag- 
dalena-. Maria-Erscheinimgs- und Kreuzauffindnngs-Kapelle i) ; 

c) in der Agoniegrottenkapelle, seit 1392 im ausschliesslichen 
Besitze des Franziskanerordens mit dem Garten Gethsemane 
(MarmoiTelief von Torricelli, dem' Lehrer Canova's) ; d) in der 
Geisselungskapelle, erbaut von Herzog Maximilian von Baiern 
183S. 2) Zu Bethlehem: a) in der Geburtsgrottenkapelle selbst 
nur participirend mit den akatholischen Konfessionen ; b) die 
daran sich schliessenden Höhlenkapellen mit den Joseph-, Paula-, 
Eustochium-, Hieronymus-, unschuldigen Kinder-Altären sind im 
ausschliessHchen Besitze der Franziskaner ; c) in der sogenann- 
ten Milchgrottenkapelle. 3 Zu St. Johann f Ain Kärim) : a) in 
der Geburtskirche des heiligen Johannes des Täufers ; b) in 
der Maria-Heimsuchungskapelle. 4) Zu Emmaus (el-Kubebe) in 
der Abendmahlskirche, erbaut von der Marquise Nicolay aus 
Paris 7 1S68. 5; Zu Jafa am Meere in der Peterskirche. 6) Zu 
Ramie in der Josephs- und Nicodemuskirche. 7) Zu Nazareth: 
a) in der Verkündigungskirche und b) in zwei Kapellen : Mensa 
Christi und Werkstätte St. Josephs ; c) in der Marienkapelle am 
Berge des Schreckens; dj in der Jakobskapelle zu Jafa bei Naza- 
reth. 8) Auf dem Tabor in der Verklärungskapelle. 9) Zu Tibe- 
rias in der Peterskirche, im Jahre 1846 restaurirt. 10) Restaurirt 
Avurden in jüngster Zeit die Kapellen zu Kafr Kenna, zu Nain 
und die Annakapelle zu Sepphoris. 11) In 'Akka ; dieser Ort, in 
der Bibel nur selten erwähnt, hat für den Orden als erste Nie- 
derlassung (1219) im heiligen Lande Wichtigkeit. 

Nur an vier Orten, nämlich zu Jerusalem 1) das Salvator- 
kloster und 2) das heil. Grabkloster, zu Bethlehem, St. Johann 
und Nazareth besitzt der Orden eigentliche Klöster, an den 
übrigen nur kleine Residenzen von zwei oder drei Vätern und 
zwei Laienbrüdern. Mit acht Ordenskirchen ist zugleich die 
pfarrliche Seelsorge verbunden, nämlich mit der Kloster- 
kirche St. Salvator zu Jerusalem (Neubau durch die Munificenz 
Sr. Majestät des Kaisers von Österreich Franz Joseph I. ermög- 
licht), zu Bethlehem, der Neubau ebenfalls hauptsächlich durch 

1] Hier Marmoraltar mit eherner Statue der Kaiserin Helena, gewidmet 
vom österr. Erzherzog Ferdinand Maximilian 1855. 



281 



die Gabe des österreichischen Kaisers möglich gemacht — liier 
die grösste katholische Pfarre in Palästina mit 3400 Seelen — /n 
St. Johann, zu Jafa, Ramie, Nazareth, "^Akka und Kafr Kenna. 
Mit diesen Pfarren ist eine ausgedehnte Armenpflege verbunden 
und an allen Ordensniederlassungen Avird Hospitalität für die 
abendländischen Pilger geübt. An vier Orten werden die Volks- 
schulen von Ordensmitgliedern selbst geleitet oder wenigstens 
durch Zuschüsse unterstützt. Für Heranbildung auch eines ein- 
heimischen Ordensklerus besitzt der Orden eine niedere und 
höhere Ordenslehranstalt. Im Salvatorkloster zu Jerusalem, wo 
die verschiedenen Handwerke von Laienbrüdem zum Nutzen 
des Ordens geübt werden, und auch eine Buchdruckerei ein- 
gerichtet ist , wird auch Eingebomen Arbeit und Erwerb ver- 
schafft. 

Wenn von der kirchlichen Behörde die Erlaubniss gegeben 
wird , eine Kirche oder eine Kapelle an einem Orte zu erbauen, 
der seit langer Zeit als Stätte einer Begebenheit aus der heiligen 
Geschichte genannt wird, so genehmigt die Kirche zunächst nur 
den religiösen Cultus des göttlichen Heilandes, an den der gläu- 
bige Christ durch das mit diesem Orte verknüpfte Ereigniss er- 
innert wird. Die historische Authentie der Stätte hängt von 
der mehr oder minder starken Beweiskraft der archäologisch-to- 
pographischen und historisch-traditionellen Argumente ab. Wenn 
an mehreren Cultusstätten Gedenktafeln angebracht sind mit den 
Worten »hie«, d. i. hier, und »hoc loco«, d. i. an diesem Orte, so 
soll dadurch nicht der Ort des betreffenden Ereignisses mit ma- 
thematischer Genauigkeit angegeben , sondern es soll gewisser- 
massen die Aufmerksamkeit des Besuchers auf das Ereigniss 
gelenkt werden, zu dessen Gedächtniss das Kirchengebäude 
errichtet worden ist. 

C. Der Karmeliterorden. Auf dem westlichen, steil 
ins Meer sich senkenden Gipfel des Karmel ist die Stätte des 
ältesten Karmelklosters der Welt, der Wiege des Ordens. Oft- 
mals im Laufe der Jahrhunderte zerstört , stammt das heutige 
imposante Gebäude aus den Jahren 1S27 — 1830, in denen es 
durch die unermüdliche Thätigkeit des Bruders Giovanni Bat- 
tista da Frascati von Grund aus restaurirt wurde. In der schö- 
nen, freundlichen Kuppelkirche, die von den Klostermauem ur 
schlössen ist, befindet sich die Grotte des Propheten Elias 

19* 



und 



•282 

der Madonnenaltar, eine der ersten marianischen Kultusstiitten 
in der christlichen Welt. ^Ungefähr 20 Ordensmitglieder verrich- 
ten den Dienst in der Kirche und üben in den freundlichen Klo- 
sterriiumen, von denen ein Theil zu Fremdenzimmern hergerich- 
tet ist, die altbewährte Hospitalität. Am Fusse des Berges in der 
Hafenstadt Haifa ist dem Orden die pfarrliche Seelsorge über- 
tragen. In jüngster Zeit wurde zwei Stunden weit vom Kloster 
am östlichen Gebirgsabhange über der Stelle des einstigen Opfer- 
altares des Propheten Elias eine Kapelle errichtet, damit von 
nun an dort das Opfer des neuen Testamentes gefeiert werde. 

D, Die Institute des hochwürdigen P. Alphons 
Maria Ratisbonne. Alphons Maria Ratisbonne, geboren den 
1. Mai 1814 zu Strassburg, entstammte einer sehr angesehenen 
jüdischen Familie, w^urde im Jahre 1842 zu Rom getauft imd 
empfing im Jahre 1847 in Frankreich die heilige Priesterweihe. 
Im Jahre 1843 schon gründete er mit seinem älteren Bruder 
Theodor, welcher nach absolvirten Rechtsstudien sich der Theo- 
logie zuwandte, im Jahre 1830 getauft, später auch zum Priester 
geweiht Avurde und 1884 starb, eine Frauen-Congregation unter 
dem Namen »Congregation des Soeurs de Xotre Dame de Sion« 
zur Bekehrung der Juden. Diese neue Kongregation, welche 
bald vom I'apste Pius IX. die kanonische Bestätigung erhielt imd 
jetzt 14 Häuser zählt, wurde im Jahre 1856 nach Jerusalem ver- 
setzt. Nachdem die Nonnen einige Jahre ein gemiethetes Haus 
bewohnt hatten . wurde der Eccehorao-Bogen käuflich von den 
Muslimen erworben Tund nebenan in den Jahren 1863 — 1868 
Kirche und Kloster in grossartigem Style errichtet. Ein Theil 
dieses dreigUedrigen Bogens wurde in das neue Kirchengebäude 
mit einbezogen und bildet jetzt den Hochaltar. Im Eccehomo- 
Kloster befinden sich 25 Nonnen, deren Zeit sich in Sühngebet 
und Arbeit theilt. Die letztere umfasst Erziehung der weiblichen 
Jugend und Pflege der Armen , besonders durch A'erabreichung 
von Medikamenten. Im Internate mit ganz unentgeltlicher Ver- 
pflegung sind 86 katholische Zöglinge, im Externate 100 aus 
muslimischen, jüdischen und griechischen (nicht unirten) Fami- 
lien . Unterricht in allen Elementargegenständen und besonders 
m weiblichen Handarbeiten. Unterrichtssprache ist theils die 
arabische, theils die französische; im Mädchenexternate besteht | 
auch eine deutsche Klasse. 



283 

p]iu zAveites Fraiienkloster der Sionsnonnen besteht in St. 
Johann 7 zwei Stunden Avestlicli von Jerusalem. Den nächsten 
Anlass zu dieser Niederlassung gaben die C^hristenmassacres in 
Syrien im Jahre 1860, durch die viele syrische katholische Kin- 
der Waisen wurden. Da der Kaum im Eccehomo-Kloster zu 
ihrer Aufnahme nicht ausreichte, baute man neue Häuser in St. 
Johann, die durch ihre Lage in frischer Luft und im Grünen 
auch als Sanatorium für kranke und der Erholung bedüftige 
Nonnen und Zöglinge dienen. Die permanente Zahl der Nonnen 
in diesem Kloster ist 10, die der internen Zöglinge 50, der ex- 
ternen 25. — Mit diesen zwei Klöstern ist auch der Verein für 
christliche Jungfrauen und Mütter , die allsonntäglich ihre reli- 
giösen Versammlungen haben, verbunden. 

Die dritte Gründung des P. Alphons M. Ratisbonne ist die 
Knabenerziehungs- und Unterrichts-Anstalt St. Peter bei Jeru- 
salem. Lokaldirektor ist ein Luxemburger Weltpriester, Don 
Zephyrinus Biever, an seiner Seite stehen noch zwei Priester 
und acht Lehrer. Die Zahl der in die junge Anstalt Aufgenom- 
menen beträgt 40 interne imd mehrere externe Zöglinge. Nebst 
dem Elementarunterrichte wird ihnen von mehreren Werkmei- 
stern Anleitung zu einem Handwerke gegeben. Das Kloster in 
St. Johann hat bereits ausgedehnten Grundbesitz, bestehend in 
Olivenpflanzungen, Wein- und Gemüsegärten, die unter Leitung 
zweier tüchtiger europäischer Ökonomen von mehreren Einge- 
bomen, für welche diese Arbeit als Bodenkulturschule dient, be- 
arbeitet werden. Desgleichen besitzt P. Ratisbonne am Olberge 
bei Jerusalem ein grösseres, zum Theil bebautes Grundstück. 

E. Die Brüder der christlichen Schulen. Diese 
hochverdienten Schulmänner wurden erst im Jahre 1S77 nach 
Palästina berufen und wirken jetzt in Jerusalem (200 Schüler 
verschiedener Konfessionen , Jafa, Haifa (und demnächst auch 
in Nazareth) sehr vortheilhaft zur Hebung des allgemeinen 
Volksunterrichts . 

F. Frauencongregationen zur Erziehung der 
weiblichen Jugend, zur Krankenpflege und zum 
betrachtenden Gebet. 1) Die Schwestern von der Erschei- 
nung des heiligen Joseph (Mutterhaus in Marseille, gegründet 
1820) besitzen im heiligen Lande sechs Häuser, nämhch zu Je- 



284 

nisalem. Bethlehem. Jafa. Kanile. Ramallah und JJet-Dschäla. er- 
theilen allgemeinen Volksunterricht und haben auch einige 
Zöglinge in vollständiger Verpflegung. In Jerusalem und Jafa ist 
dieser C'ongregation die Krankenpflege in den Spitälern über- 
geben. 

2) Die Frauen von Nazareth, gegründet im Jahre 1S22 zu 
Lyon . besitzen im heiligen Lande vier Häuser, nämlich zu Na- 
zareth . Schefä-Amr, Haifa und ''Akka. Ihr Hauptkloster ist 
jedoch zu Beirut in Syrien. Ausser dem Schulunterrichte leiten 
sie auch marianische Jungfrauen- und Mütter-Congregationen. 

3) Die Genossenschaft der Schwestern vom Rosenkranz, 
von Kanonikus Joseph Tannus in Jerusalem gegründet. Ein re- 
ligiöser A'erein. welcher gemeinschaftliches Leben führt zum 
Zwecke geordneter Arbeit. Diese neue Gründung zählt bereits 
15 Mitglieder. 

4j Karmeliterinnenklöster: a) das Paternosterkloster am Öl- 
berge bei Jemsalem. Im Jahre 1868 kaufte die Fürstin Aureha 
Latour d'Auvergne, Herzogin von Bouillon, ein grosses Grund- 
stück am ülberge, das jenen Ort einschliesst, wo nach der christ- 
lichen Überlieferung der Herr seine Jünger das Vater Unser 
lehrte. Es wurde eine Kirche mittlerer Grösse erbaut mit einem 
prächtigen gothischen Kreuzgange als Vorhalle, an dessen Wän- 
den auf emaillirten Thontafeln das Vater Unser in 32 Sprachen 
geschrieben steht. Rückwärts an die Kirche schliesst sich das 
Karmeliterinuenkloster, dessen Bau im Jahre 1875 begonnen und 
1879 vollendet wurde. Die Paternosterkirche ist durch Schen- 
kung von Seiten der Gründerin in den Besitz Frankreichs ge- 
kommen; das Kloster hingegen ist Eigenthum des Ordens. Zum 
Kirchendienst ist ein eigener Kaplan mit separatem Wohnhause 
angestellt. Im Umkreise dieser christlichen Besitzung ist auch 
die jetzt neu hergestellte unterirdische ('redokapelle. Dieses 
Karmelkloster ist der Mittelpunkt einer in Frankreich und Bel- 
gien sehr verbreiteten Gebetskongregation des »immerwährenden 
Paternoster«, b) Das zweite Karmelkloster befindet sich zu Beth- 
lehem und wurde von Fräulein Bertha de St. Criq-Dartigaux aus 
Südfrankreich im Jahre 1877 gegründet. Den Gottesdienst an 
der Klosterkirche versieht die Priesterkongregation du Sacr6 
C^oeur von Bethharram in Frankreich, welche neben dem Kar- 



285 

melkloster ihr erstes Haus im heilif^en Lande errichtet hat. c) Ein 
drittes Karmelkloster soll noch in Nazareth gegründet werden. 
Das oben genannte Fräulein hat auch die Davidsgrotte zu 
Bethlehem und die Ruinen der altchristlichen Kirche zu 'Amwäs 
(Nikopolis) an der Strasse nach Jafa käuflich an sich gebracht 
und gedenkt dieselbe stylgemäss restauriren zu lassen. 

5) Als kleinere Privat-Erziehungsanstalten für die weibliche 
Jugend -wären noch anzuführen : a) die deutsche Schule und Er- 
ziehungsanstalt des Fräulein Theresia Saxe aus Westphalen mit 
80 Zöglingen und b) die Kleinkinderbewahranstalt der Madame 
Colomb aus Frankreich für 20 Kinder, beide in Jerusalem. 

G. Der Dominikanerorden. Derselbe hat durch Ver- 
mittlung des P. Matthäus Lecomte die jüngst aufgefundenen 
Ruinen der Stephanskirche zu Jerusalem käuflich erworben, 
wird sie stylentsprechend restauriren und nebenan seine erste 
Niederlassung im heiligen Lande gründen i) . 

H. Institute zur Krankenpflege. 1) Das St. Lud- 
wigsspital mit 40 Betten in Jerusalem, neu erbaut vom französi- 
schen Grafen Piellat, wird von der französischen Regierung mit 
einem Jahresbeiträge von 12 000 Frank unterstützt. 

2) Das Spital zu Jafa mit 30 Betten, von einem katholischen 
Kaufmanne in Lyon erbaut. Die Krankenpflege ist den St. Jo- 
sephs-Schwestern anvertraut. An beiden Spitälern sind europäi- 
sche Arzte angestellt. 

3) Der Franziskanerorden beauftragt seine zwei Kloster- 
ärzte (Laienbrüder) in Jerusalem imd Jafa, die kranken Armen 
zu besuchen, und theilt aus seiner Apotheke die Medikamente 
den Dürftigen aus. 

4) In den zwei Klöstern der Zionsnonnen (Notre Dame de 
Sion) werden täglich an ambulante Kranke ohne Unterschied der 
Nation und Religion Arzneien vertheilt. 

5) Die barmherzigen Brüder haben im Jahre 1882 in Naza- 
reth ein Spital eröffnet. 

6) Der Johanniter-Ritterordcn , welcher zu Tantur an der 
Strasse von Jerusalem nach Bethlehem ein grosses Grundstück 

1) Über diese Stätte und ihre Geschichte liegt ein Aufsatz des Herrn AD. 
Frei der Redaction vor, der in der nächsten Zeit veröffentlicht werden soll. 

Anm. d. Ited. 



286 



mit Kulturen besitzt, errichtete im Jahre lS7ü ein Krankenhaus, 
Avelches besonders für den Nutzen der Landbevölkerung berech- 
net ist. An der dortigen Kapelle, die dem heiligen Johanne» 
dem Täufer geweiht, ist ein eigener Kapellan angestellt, welchem 
nebst dem Gottesdienste die Aufsicht über dag Spital anver- 
traut ist. 

J. Die Katholiken der orientalischen Riten und 
ihre Anstalten, l) Die katholischen Armenier sind im hei- 
ligen Lande nur durch wenige Familien vertreten und besitzen 
an der vierten Leidensstation «Die heilige Maria begegnet ihrem 
göttlichen Sohneu eine Kapelle. Schon zur Zeit der Kreuzzüge 
bestand hier eine Marienkapelle ^Madonna dello Spasmo, Ohn- 
machtsmarienkirche), welche im Laufe der Zeit theils zerstört, 
theils verfallen ist. Diese Ruinen nun erwarben vor mehreren 
Jahren die Armenier und gestalteten sie in eine ansehnliche 
Kapelle um. Ein armenischer Priester, welcher im lateinischen 
Patriarchate wohnt, versieht den Gottesdienst. — Maroniten aus 
Syrien leben nur vereinzelt in Palästina. 

2) Die katholischen Griechen in Palästina, welche an Zahl 
ungefähr 4000 sein mögen, stehen unter der Jurisdiction des 
griechischen Bischofs in Akka. , welcher dem griechisch-melki- 
tischen Patriarchen von Antiochien , der seine Residenz in Da- 
mascus hat. untergeordnet ist. Melkiten, d. i. die kaiserlich (kö- 
niglich) Gesinnten, heissen die katholischen Griechen im Orient 
seit den Zeiten des Concils zu Chalcedon (451) bis auf heute, 
weil sie das Edikt des Kaisers Marcian zu Gunsten dieses Con- 
cils unbedingt angenommen haben , im Gegensatze zu den Mo- 
nophysiten, den Gegnern des Concils. Die Melkiten, deren Zahl 
sich auf 80,000 belaufen mag, vertheilen sich auf folgende Kir- 
chensprengel : das Patriarchat Antiochia, das Erzbisthum Da- 
mascus, dessen Administrator jedesmal der Patriarch von Antio- 
chia ist, die Erzbisthümer Tyrus und Aleppo, die Bisthüraer 
Sidon, Beirut, Tripolis, 'Akka, Heliopolis, Höms, Zachle und 
Bosra. Die katholischen Griechen besitzen im heiligen Lande 

1) in Galiläa drei Pfarren : 'Akka, Xazareth undTiberias; ausser- 
dem leben in mehreren Gemeinden zerstreut einzelne Griechen. 

2) In Jerusalem: a) eine Pfarrkirche mit zwei Priestern; b) die 
A'eronikakapelle an der sechsten Leidensstation, kürzlich erst 
restaurirt. 



287 

Diese Katholiken sind ihrer Nation nach iSyrer; Griechen 
werden sie nur genannt -wegen ihres griechiscli-chrysostomi- 
schen llitus mit theils griechischer, theils arabischer Hturgischer 
Sprache. Obwohl Nation nnd Iveligion im Orient sehr enge ver- 
bunden sind, müssen doch Nation, kirchliche Hierarchie, Ritus, 
litm-gische Sprache genau unterschieden werden, wenn die der- 
maligen Völkergruppen charakterisirt werden sollen. So heisst 
in ganz Palästina und Syrien der orthodoxe (von Kom getrennte) 
Grieche merkwürdigerweise Rümani oderRümi, d. i. »Römer«. 
Diese Bezeichnung kommt daher, dass der Grieche in Konstan- 
tinopel, welches einst Neurom hiess , sein hierarchisches Ober- 
haupt in dem ökumenischen Patriarchen am Phanar hat. J)ie 
griechische Nation ist in Palästina schwach vertreten : nur hie 
und da wird man einen »Jünäni«, d. i. einen Jonier, entdecken. 
Obwohl die Melkiten Syrer sind, nennen sie sich nicht so; son- 
dern nur jene Volksgruppe, w^elche das Syrische als liturgische 
Sprache besitzt und römisch-katholisch ist, wird mit dem Namen 
Syrer bezeichnet. Der Monophysit in Syrien, dessen liturgische 
Sprache ebenfalls das Syrische ist, heisst dort »ja'kübi«. d. i. 
»Jakobit«, von Jacob Baradai, dem Edessener Bischof im 6. Jahr- 
hundert und Beförderer des Eutychianismus. Diese orienta- 
hschen Inversionen könnten noch fortgesetzt werden. Sie mögen 
aber als eine kleine Probe dafür genügen , wie leicht europäi- 
sche Büchergelehrsamkeit mit den thatsächlichen orientalischen 
Verhältnissen in Widerspruch geräth. 

Eine für die orientalische Kirche liöchst bedeutungsvolle 
Gründung ist die Eröffnung des Collegiums der afrikanischen 
Priestercongregation aus Algier an jder Annakirche zu Jerusa- 
lem. Dort, an dem Wohnort der Heiligen Joachim und Anna, 
wo nach einer alten orientalischen Tiberlieferung die iinbe- 
Üeckte Jungfrau das Licht der Welt erblickt haben soll , erhob 
sich schon seit den ältesten Zeiten ein Gotteshaxis. Saladin 
räumte im Jahre 1190 seinen Korangelehrten die Annakirche 
als Akademie ein , was heute noch eine sehr gut erhaltene ara- 
bische Inschrift aus dem 12. Jahrhundert über dem Kirchenpor- 
tal besagt. Mit dem Verfall arabischer Herrschaft verfiel auch 
die Hochschule, und als ein wüstes, leeres Gebäude stand jene 
merkwürdige christliche Kirche mehrere Jahrhunderte lang da, 
bis endlich der Pariser Friede im Jahre 1856 jenes Monument 



288 

christlicher Zeit für christliche Arbeit nieder zugänglich machte. 
Napoleon III. verlangte und erhielt von .Sultan Ahdul-Medschid 
die Kirche. Auf ausdrücklichen Befehl des Kaisers wurde mit 
örtentlichen Mitteln die Kirche vom Grabesdombaumeister M, 
Mauss genau nach der alten Anlage restaurirt und steht nun als 
ein sehr interessantes und merkwürdiges Gebäude vor den Be- 
suchern Jerusalems. Nach jahrelangen "S'erhandlungen mit ver- 
schiedenen Ordensgenossenschaften wurde endlich 1878 dieses 
Gotteshaus der afrikanischen Congregation übergeben. Diese 
bekannte Congregation, gegründet vom Kardinal-Erzbischof La- 
vigerie von Algier, errichtete nun hier eine Yorbereitungsstation 
für die Missionäre und eine Erziehungsanstalt für den griechisch- 
katholischen Klerus. Um die Kirche herum, an Stelle der Rui- 
nen der ehemaligen Benediktinerabtei, wurden neue Gebäude er- 
richtet, die sich auf das naheliegende — käuflich erworbene — 
Terrain des Bethesdateiches erstrecken. Weitere Ausgrabun- 
gen werden hoffentlich über diese Localität, an welche die Tra- 
dition die Heilung des Kranken Ev. Johannes Cap. 5 verlegt, 
Licht verbreiten. 

K. Das österreichische Pilgerhaus in Jerusa- 
lem. Mit der stets wachsenden Zahl der Pilger wuchs auch in 
diesem Jahrhundert das Bedürfniss nach Pilgerherbergen, und 
dadurch Avurde die erste Anregung zur Gründung eines eigenen 
österreichischen Pilgerhauses gegeben. Fürsterzbischof Vincenz 
Eduard Milde von Wien sprach zuerst die Absicht aus, in Jeru- 
salem, falls er durch fromme Gaben hinreichend unterstützt 
würde, ein österreichisches Pilgerhaus zu gründen. Dieser Ge- 
danke wurde mit Freuden begrüsst . und nach einigen Jahren 
war für die zum Baue nothwendigen Geldmittel gesorgt. Aber 
noch blieben andere mannigfaltige Hindernisse zu beseitigen, 
und bevor dieses .gelungen war , rief der Herr den Erzbischof 
Milde aus diesem Leben ab. Sein Nachfolger, Kardinal Fürst- 
erzbischof Joseph Othmar von Kauscher , führte den Plan des 
Verstorbenen aus. Durch die Vermittlung der kaiserlichen Re- 
gierung erwirkte er die Einwilligung des Sultans zum Ankaufe 
eines Baugrundes. Nachdem der Grosswesir der hohen Pforte 
die nöthigen Befehle an den Gouverneur von Jerusalem erlassen 
hatte, ward im Jahre 1855 von zAvei türkischen Eifendis ein pas- 
sender Baugrund — an der heutigen via dolorosa unweit des 



289 

Ecchomo-Bogens — gekauft , und der Kauf dxirch eine gericht- 
liche Urkunde sichergestelh. Auf dem 1100 Quadratklafter mes- 
senden Grundstück -ward im Jahre IS 56 unter Leitung des Wie- 
ner Architekten Endlicher [y 1859 in Jeriisalem) der Bau des 
österreichischen Hospizes am 17. Juni begonnen. Jedoch konnte 
der Grundstein erst am 31. December 1S56 durch den österrei- 
chischen Generalconsul Graf Pizzamano gelegt werden , da sich 
bei den Vorarbeiten zur Fundamentirung zeigte , dass das Bau- 
terrain 20 — 30 Fuss tief mit Schutt bedeckt Avar. Bei der Weg- 
räumung desselben gerieth man auf ein viereckiges Gewölbe mit 
Mosaikboden, auf korinthische Kapitale und Bruchstücke von 
verde antico. Tiefer noch kamen Felsenkammern zum Vorschein ; 
aus dem Felsen gehauene Pfeiler und ein paar Säulen bildeten 
ein Viereck zur Stütze der Decke. Diese Unterräume, die theils 
Gräber, theils Zwinger i) waren, wurden zu Cisternen hergerich- 
tet. Am 20. Oktober 1858 fand die Legung des Schlusssteines 
statt. Das im Rundbogenstyl ausgeführte Gebäude nimmt eine 
Länge von 50 Meter und eine Breite von 25 Meter ein. Ein 
sechssäuliger , die Steinterrasse tragender Portikus bildet den 
Eingang. Das Innere des Hauses wird der ganzen Länge nach 
von einem vier Meter breiten Korridor durchschnitten. Rechts 
und links befinden sich die Zimmer für die Pilger und das Ver- 
waltungspersonal in durchaus gleicher Länge (sechs Meter) und 
entsprechender Breite. Die Hauskapelle hat mit der Apsis eine 
Länge von 14 Meter, sechs Meter Breite und 10 Meter Höhe. 
Der Prachtaltar, welcher nach dem Entwurf des Architekten 
Ferstl in Wien aus rothem salzburger Marmor bei Hauser in 
Wien angefertigt wurde , trägt ein Gemälde von Kupelwieser. 
das »die heilige Familie, heimkehrend von Jerusalem nach Na- 
zareth« darstellt. Eine Madonnenstatue am Seitenaltar stammt 
aus Mayer's Atelier in München. Unter den liturgischen Para- 
menten und Gefässen befindet sich ein werthvolles Messkleid 
und ein Kelch, von Sr. Majestät Franz Joseph I. gespendet; auch 
die übrigen Gegenstände stammen meistens von Wohlthätern. 
Das Gebäude hat nur ein Stockwerk , stellt sich aber wegen des 
acht Meter hohen Unterbaues, der nebst bewohnbaren Räumlich- 
keiten zunächst Küche, Speisekammer, Werkstätte inid dann 

1) Vielleicht auch Wohnunoren. Anm. d. Ked. 



290 

im Halbsoiiterrain die Kellerräume mit Weinpresse enthält, wie 
auch wegen der 2Su Meter langen steinernen UmfassTingsmaneni 
mit zwei Thoren höchst imposant dar. In den Hofränmen sind 
Gartenanlagcn hergerichtet, theils für Gemüse, theils für Blu- 
men. Nach orientalischer Bauweise ist das Haus mit einem 
flachen Dache gedeckt . von dem aus sich eine prächtige Rund- 
sicht den Besuchern darbietet. 

Da das österreichische Pilgerhaus einen kirchlichen Charak- 
ter hat, so steht es unter dem Protektorat des jeweiligen Fürst- 
erzbischofs von Wien, welcher zugleich oberste Verwaltungsbe- 
hörde für diese Anstalt ist. Nach Vollendung des Baues blieb 
es eine Zeitlang ungewiss . ob das Hospiz dem Franziskaner- 
orden oder Weltpriestern übergeben werden sollte. Endlich ent- 
schied man sich aus triftigen Gründen, die Hausverwaltung 
selbstständigen Weltpriestern zu übergeben. Dieser Bestimmimg 
ist auch gedacht in dem am 27. Juli 1862 vom heiligen Stuhle 
gewährten Indulte zur Errichtung einer Hauskapelle mit immer- 
währender Messlicenz für die dort auAvesenden »sacerdotes sae- 
culares«. Am 19. März 1863 wurde Kapelle und Haus vom Pa- 
triarchen Valerga im Beisein officieller Persönlickeiten einge- 
weiht. 

Zur Bewerbung um die Stelle eines llektors im österreichi- 
schen Pilgerhause sind alle Weltpriester der österreichisch-un- 
garischen Monarchie berechtigt; das Erneuerungsrecht steht 
dem jeweiligen Erzbischofe von Wien zu. Vom Jahre 1863 bis 
jetzt wurden folgende Priester zu Rektoren, resp. Vicerektoren 
ernannt imd mit der Verwaltung des Hauses betraut: Eduard 
Kroll aus der Diöcese St. Polten. Johann Nussbaumer aus Salz- 
burg. Dr. Hermann Zschokke aus Wien. Albert von Hörmann 
aus Brixen. Anton Weceia aus Wien. Franz Hrovat aus Lai- 
bach. Stephau Rosenberger aus Wien. Ignaz Fischer aus Wien. 
Georg Gatt aus Brixen. Karl Schnabl aus Wien. Johann Fahni- 
gruber aus St. Polten. Franz Costa aus Trient. 

Die Pflichten der Rektoren beziehen sich zunächst auf die 
Sorge für die Erhaltimg und die Bedürfnisse des Hauses imd für 
das materielle und geistige Wohl der Pilger. Zu dem Zwecke 
sollen sie auch nach Bedürfniss in der mit weiterehenden Privi- 
legien versehenen Hauskapelle religiöse Vorträge an Sonntagen 
unrl zur Osterzeit geistliche Exercitien halten. Sehr oft stellt 



291 

sich die Nothwendigkeit heraus , den Pilgern , die den verscliie- 
densten Bihlungsstufen angehören, katechetischen Unterriclit zu 
ertheilen, damit sie mit Verständniss und Erhaumig die heiligen 
Orte hesuchen und die heiligen Sakramente empfangen können. 

Als oberster Grundsatz betreffs der Aufnahme der Tilger 
gilt die Anordnung des Kardinals Rauscher , die auch in deui 
Schreiben des Kardinals an den österreichischen Episkopat im 
Jahre 1 863 ausgedrückt ist, nach welcher ausser den österreichi- 
schen Katholiken auch Katholiken aiis den «deutschen Bundes- 
staaten« aufgenommen werden können. So wird auch noch jetzt 
verfahren, nur dass an Stelle der ehemaligen »deutschen Biui- 
desstaaten« der Umfang des Deutschen Reiches in Betracht ge- 
zogen Avird. Da aber, wie im Oriente überall, Wohlthätigkeits- 
anstalten einen mehr allgemeinen Charakter tragen, so können 
auch ausnahmsw'eise und sind auch bisher in einzelnen Fällen 
Christen anderer Konfession aufgenommen W'Orden. Nur haben 
sich alle Pilger der Hausregel zu fügen. Pilger aus den ärmeren 
Klassen werden bis zu 14 Tagen umsonst verpflegt, so dass sie 
Zeit genug haben , inn mit lluhe und Sammlung die heiligen 
Stätten in und um Jerusalem besuchen zu können. Zu dem 
Zwecke erhalten sie die nöthigen Auskünfte. Die Pilger aus den 
bemittelten Ständen leisten in der Regel für die Verpflegung 
eine entsprechende "S^ergütung. Seit der Eröffnung des Pilger- 
hauses am 19. März 1863 bis Ende 1882 haben laut der fortlau- 
fend geführten Pilgerregister 262U Pilger Aufnahme und Verpfle- 
gung erhalten. Die geringste Pilgerzahl zeigt das Jahr 187 7. 
nämlich nur 38, Avährend das Jahr 1882 die höchste Ziffer, näm- 
lich 219 Pilger aufweist. Unter den Pilgrimen sind fast alle 
Stände, vom Kaiser bis zum Bettler, vertreten. Als eine Ergän- 
zung des österreichischen Pilgerhauses kann das deutsche 
Handwerkerhaus und das polnische Pilgerhaus betrachtet wer- 
den , wo solche Pilger , welche Arbeit suchen und auch bekom- 
men, einen längeren Unterstand finden. 

Wie immer die social-politischen Verhältnisse im Laufe der 
Zeit in Jerusalem sich gestalten w^erden, das österreichische Pil- 
gerhaus, um einen Ausspruch des berühmten deutschen Palästina- 
forschers Dr. TiTus ToBLER zu gebrauchen, wird stets ein gross- 
artiges Denkmal der Liebe der Österreicher zum Heilande und 
zum Ileiliglande sein. 



292 

Alle diese katholischen Institute , Kirchen, Klöster, Schu- 
len u. s. Av. . von denen manche schon eine sehr ehrwürdige 
Vergangenheit aufweisen, andere erst in der Entwicklung 
begritfen sind, werden dtirch die Liebesgaben der abendlän- 
dischen Katholiken erhalten ; sie bringen christliche Kultur 
ins Morgenland, indem sie für das geistige und materielle Wohl 
der Einwohner arbeiten und als Endziel die Verbreitung der 
christlichen Wahrheit zur Ehre Gottes im Auge haben. 



Verzeieliniss der bewolmten Ortschaften der 
Kaimakämlje Gaza. 

Von G. Gatt in Gaza. 



Nr. 


Name 


Aussprache 


Lage von Gaza 
aus 


1 


U*o>J QLi> 


chänjTmes 


4 St. südlich 


2 


"^W- ^^^ 


heni shele 


31/2 St. südl. 


3 


j^US -j^ 


der el-halah 


3 St. südl. 


4 


iJl*^ 


dschahaljä 


3/4St.nördl. 


5 


LJL> Ki_^ 


nazlet dschabälj'ü 


1 St. nördl. 


6 


L^^ c^^^j 


het lühjä 


iViSt.nördl. 


7 


^yL> ^^^ 


bet hänim 


11/2 St. nördl. 


8 


5^0 

^ 


dimre 


13/4 St. nördl. 


9 




der sned 


2 St. nördl. 


10 


^/ 


herhjä 


2 V2 St. nördl. 


11 


Ls-^ C^-aJ 


het dschardschä 


2 1/2 St. nördl. 


12 


3.J.J 


harbara 


3 St. nördl. 


13 


LU-1 


naljii 


31/2 St. nördl. 


14 


S_j__j.:S\il 


el-dschora 


4 St. nördl. 


15 


xc^j^ 


el-dschlje 


3 St. nördl. 


16 


(Jo'LAii>b5i 


el-achscis 


4 St. nördl. 


17 


oU^t 


el-aschräf 


4 St. nördl. 


18 


Jjiui 


el-medschdel 


4 St. nördl. 


19 


x«L4>:>- 


hamäme 


41/4 St. nördl. 


20 


LTll^^ 


dschüles 


4 St. nördl. 



294 











Nr. 


Name 
1 


Aussprache 


Lage von Gaza 
aus 


•21 


1 

1 


i^^ daräs 


6 St. nördl. 


22 


c>^Jk^\ 


esdüd 


6 St. 11. 


23 


^^^ 


hascht t 


71/2 St. 11. 


24 




l-afra 


8 St. n. 


25 


,UiS 


el-moghär 


8V2 '*^t. 11. 


26 


L>y^. 


jehnü 


8 St. 11. 


11 


H; 


zernükä 


8 1/2 St. n. 


28 


».A^aÜ)! 


el-kuhebe 


9 St. 11. 


29 


> • 


harl'ä 


6V2 St. 11. 


30 


^X\ ^l[^^\ 


el-hafänl el-gharh'i 


6 1/2 St. 11. 


31 


L.fV^-' Lf"^^"' 


el-hatäni-esch-scherki 


6V2 St. 11. 


32 


;J-':^ 


jasur 


6V2 St. 11. 


33 


X^4~M>Ii 


el-mesmlje 


7>/2 St. 11. 


34 


\ÄaI3aww2 


kasfine 


7 St. 11. 


35 


U«^j^' JJ' 


teil et-turmvs 


7 St. 11. 


36 


*-ijJCw( 


et-Une 


71/2 St. 11. 


37 


'^*J^> 


dschiljci 


8V2 St. 11. 


^8 


XÖlXj^ 


ed-dnehhe 


8 St. 11. 


39 


»->»^ -^:l».-w 


saicüfir " aude 


51/2 St. n. 


40 


iÜii'LA»4S jf;i\y**- 


sawäfir el-masalka 


51/2 St. 11. 


41 


wäSjJi --^5^«^ 


saiväfir el-ioakf. 


51/2 St. 11. 


42 


lÄr c>-o 


het '^ ajfä 


5 St. n. 


43 


*-^ 


kaukahe 


4 St. n. 


44 


L^ ^.^ 


het tlmä 


4 St. n. 


45 


oJi-Jl=» 


hxleikät 


4 St. n. 


46 


J^y 


hrer 


3 St. n. 


47 




sumsum 


2 1/2 St. 11. 


48 


lXjS^U 


nedsched 


2 St. n. 


49 


. ^^^ 


Imdsch 


2 St. n.-östl. 


50 


o'^^j^' o'y 


'aräk es-sweidän 


6 St. 11. 


51 


^jyijl' / ä'_E 


arak el-menscJüJe 


6 St. n. 



295 



Nr. 


Name 


Aussprache 


52 


^>>-'L^i 


el-fäJTi(hcJie 


53 


_jA**:^l 


el-dsclmseir 


54 


^.^♦a3 


sumel 


55 


L;c> 


hattci 


56 


a-^*^ 


halln 


57 


/ «iuX>.£ 


^abdes 


58 


•• > 


karätije 



J.age von Gaza 
aus 



6 St. nördl. 
6V2 St. n. 

7 St. n. 
6V2 St. n. 
7 St. n. 
67-2 St. n. 
6 St. n. 



Bemerkungen. Die unter Nr. 1 — 14 angeführten Ort- 
schaften gehören zum Distrikte chänjTmes^ die unter Nr. 15 — 2 2 
genannten Dörfer bilden den Distrikt el-medschdel , die unter 
Nr. 23 — 49 erwähnten werden zu Gaza gerechnet, während die 
unter Nr. 50 — 58 verzeichneten Orte einen Theil des Distriktes 
bei dschihrln bilden. Diese althergebrachte Eintheilung in Di- 
strikte hat jedoch heutzutage keine praktische Bedeutung mehr, 
da das ganze Gerichts- und Verwaltungswesen in Gaza concen- 
trirt ist. Die Behörden theilen dermalen die verzeichneten Ort- 
schaften in eine östliche und westliche Reihe. Die ersten 28 Dör- 
fer gehören zur westlichen Reihe, die letzten 30 dagegen zur 
östlichen. 

Die bedeutendsten Dörfer der Kaimakämije Gaza sind el- 
medschdel^ chän jTmes, falüdsche^ esdüd nniS. j'ebiiä . El-medschdel 
ist ein Handelsplatz für Getreide, hat einen Sük sammt Wochen- 
markt am Freitag, liefert gutes Ol und versorgt ebenso wie el- 
dschdra Jerusalem mit Fischen. Chlm jimes ist das südlichste 
Dorf Syriens gegen Ägypten , hat ebenfalls einen Sük, aber kei- 
nen Wochenmarkt. Als Grenzstation hat cliZinjünes immer eine 
kleine Besatzung. Seine grösste MerkAvürdigkeit ist das nun 
allerdings sehr verfallene Kastell, die Kala, welche inZDP^^zu 
wiederholten Malen als eigene Lokalität bezeichnet worden ist. 
Hoffentlich Avird dieses Gespenst von nun an nicht mehr erschei- 
nen. Esdüd ist Mittelstation zwischen Jafa und Gaza, hat einen 
allerdings zerfallenen Chan und seit neuester Zeit eine Dampf- 
mühle. Sollte es die Regierung dahin bringen, im Lande der 
Philister eine etwas grössere Kraft zu entfalten , so haben clian 

Ztschr._cl. Pal.-Ver. VII. 20 



29 ti 

jünes. el-meihchdel \n\A ßilüdsche Aussicht, Miidinjen oder Kai- 
makamijeu zu Averdeii. 

Der fl-hulah besitzt grossen WasserreicLthum und viele, 
allerdings sehr verwahrloste Gärten mit Brunnen nebst einem 
l'almenhain. Dschabüljü und nazlet chchuhtilja liegen ganz ver- 
steckt in den Baumgärten von Gaza; ersteres hat ehi Minaret 
und letzteres ist , wie der Name sagt und die Tradition bezeugt, 
eine Gründung von chcJtahülJü in unmittelbarer Nähe desselben 
auf derselben Ebene. Das halb versandete hei lüJijä liefert eine 
grosse Menge vortrefflicher Äpfel. Bei der -sw«/ führt eine neue- 
stens restaurirte Brücke über den Wadi Sumsum; die Brücken 
von esdüd \xi\i\. j'ehyiä sind auch neuestens restaurirt worden. Bar- 
bara liefert weisse Trauben mit grossen Beeren. Die Bewohner 
von el-dscliora und el-medschdel arbeiten fortwährend an der Eut- 
steinung von Askalon. Vor einem Jahre fanden sie eine Statue 
und zertrümmerten sie sogleich . damit sie nicht in die Hände 
der Regierung falle. Damals entdeckte man auch eine aus meh- 
reren Figuren bestehende .Sculptur-Arbeit von minderer Bedeu- 
tung, wie es scheint. Die Kegierrmg nahm den Fund in Augen- 
schein, that aber seitdem nichts mehr in dieser Angelegenheit. 
El-achms und el-aacliraf sind ausser zur Erntezeit beinahe uube- 
w ohnt. Mesmtje ist eine lialtestation auf dem AVege von Gaza 
nach Jerusalem und umgekehrt. Dschiljä ist ein erst seit neue- 
ster Zeit wieder bewohntes Dorf bei ed-dnehhe. Stonel heisst auch 
barakat el-chaUl, weil es zum Wakf der Moschee in Hebron ge- 
hört. Sawäflr el-wakf \\e\s,&t auch sawäflr el-mahtaa. 

Dem Wortlaute nach bedeutet cUän jünes Chan des Jonas, 
der el-balah Dattelkloster, nazle Gründung, dschöra Grube, lafra 
Tropfen, ÄT^^^^e Kuppelchen, teil et-turmus Wolfsbohnenhügel. 
kaukabe ^iexw. a iwin um ^esa.in, aräk Höhlen, dsc/iuseir lirnck- 
k'in. Die mit dem Artikel versehenen Ortsnamen werden auch 
ohne denselben gebraucht; die übrigen nehmen ihn nicht au. 
Der Beisatz von medschdel ist unbekannt. Die JSeelenzahl wurde 
nicht berücksichtigt, weil die bisherigen Angaben offenbar viel 
zu niedrig sind und weil dermalen eine A'olkszählung nach euro- 
päischer Weise vorgenommen wird. Hei Zusammenstellung des 
A'erzcichnisses wurde die Ortsliste der Kegierung zu Grunde ge- 
legt; dazu kamen Erkmidigungen und eigene Anschauung. A on 
den .')S verzeichneten Ortschaften habe ich 25 selbst besucht. 



297 



15 wenigstens gesehen, dagegen Ib weder besucht noch gesehen, 
aber oft davon gehört. 

In dem Ortschaftenverzeichniss . redigirt von Prof. Socin 
(Zl)r\ . II, p. 135 ff.), whd nicht ersichtlich gemacht, dass die 
oben erwähnten neun Ortschaften des Distriktes bet dschibrln 
zum Kreise Gaza gehören ; dieser Umstand scheint auch den Kai- 
tographen inirrthum geführt zu haben. Abu sinceireh. ahu aohar. 
''arab safrlje. ' arab söbar und arab suweirke sind nicht Ortschaf- 
ten, sondern Beduinenlager ; «'aklik« existirt nirgends, üie Be- 
hörden schreiben konstant iaj'äwl, nicht bafänije', indessen könnte 
letzteres doch etwas für sich haben. Statt »sTidünn ist sweidän zu 
schreiben und statt Hlschism : dschuseir, statt ^^'abdis« : abdes und 
statt »dschrdisu: dschüles, statt yErnghTir^c moghcir. Nebi rübin ist 
luibewohnt, kaTa das Kastell von chcmjünes. 

Dr. Hartmann' s unhaltbare Erklärung des Ausdrucks nazle 
(vgl. ZDPV. VI. p. 129 ff.) ist schon berichtigt w^orden; nel- 
dschürm ist keineswegs zu schreiben, sondern entweder el-dschöra 
oder el-dschaura. Bet daräs ist nicht identisch mit abu smoeireh ; 
■osikrlr^^ oder vielmehr siikreir ist unbewohnt; ^IfZiiu ist keine be- 
wohnte Ortschaft ; y>let'inen sagt man nicht, wohl aber eltlne und 
et-tlne ; kubebe hat in der Kegel den Beisatz el-gharblje nicht. 

»Beit Dirdis« zAvischen Gaza und Imdscli , »Beit Tima« bei 
dimre und «Yazür« bei el-medschdel. welche Ortschaften auf der 
Karte van de Velde's verzeichnet stehen, existiren nicht. Nazle 
ist nicht Majumas und »Teil 'Ajür« nicht Anthedon; »Kefr Hetteh« 
bei der el-balah ist kein bewohnter Ort; »Kadüm und Saber« 
ebenfalls nicht. 

Auf den Karten zum Ortschaftenverzeichniss in ZDPW II 
ist. wie schon bemerkt, die Grenze des Kreises Gaza gegen He- 
bron und Kamle falsch gezogen. Statt IF'. each-schcrt a sollte es 
heissen W. (jhazze ; esch-schei-f a heisst der Mittellauf desselben. 
Der el-balah liegt südlich davon. Gierin, dessen Angaben sonst 
ziemlich richtig sind. exwdXint fcdüdsche zweimal, als ob es zwei 
Orte dieses Namens gäbe. 

In dem obitjen Verzeichnisse wurden die Ortschaften der 
westlichen Reihe von Süden nach Norden angeführt, die der 
östlichen dagegen von Norden nach Süden ; dabei wurden jedoch 
die zum Distrikt Bet Dschibrin gehörigen ausgeschieden und ans 

Ende gesetzt. 

20» 



298 

In Majuniai- Avurdeu bei achtzig grosse irdene Krüge nach 
Art der gesendeten Zeichnung ' ausgegraben : fünfzig davon un- 
verletzt. 

Gaza, den 3«'. März 1SS4. 

Nachschrift der Redaction. Die obige Namenliste ist 
genau nach dem Manuscripte des Herrn Verfassers wiedergege- 
ben, d.h. es ist auch an der Transcription der Namen nichts 
geändert Avorden. Da Herr Gatt offenbar die Namen und ihre 
Aussprache so geben will, wie sie an Ort und Stelle üblich sind, 
schien es mir das Beste zu sein . von jeder redactionellen Ände- 
rung in der Transcription abzusehen. Doch bemerke ich . dass 
man nach der arabischen Namensform von Nr. 52 die Aussprache 
tl-fZilmhchi nicht cl-jZäud&che und Nr. 5S die Aussprache karä- 
1\f(i statt karäilje fordern sollte. H. Güthe. 



Vgl. ZDPV. VII. p. 7. Die Redaction. 



Die orthodoxe Palästina-Gesellschaft in Rnssland. 

Mittheiliingen von H. Gllthe. 



Durch die Güte Sr. Excellenz des Herrn Staatsraths JJ. lli- 
TROwo in Petersburg ist Anfang September 1SS3 ein stattliches, 
prächtig ausgestattetes Heft von 123 Seiten in gr. 8"^ in meine 
Hände gekommen, das über die Anfänge eines russischen Palä- 
stina-Vereins genauere Kunde giebt. Dasselbe führt den Titel: 
Bericht der orthodoxen Palästina-Gesellschaft über das Jahr 
1882/83 (Petersburg 1883) und enthält ausser dem in russischer 
Sprache geschriebenen Text noch 6 grosse in Farbendruck aus- 
geführte Tafeln, auf die ich unten zurückkommen werde. Der 
Text umfasst folgende Mittheilungen: 

1) Bericht der orthodoxen Palästina- Gesellschaft, gelesen 
von dem Schriftführer M. P. Stefano w in der Sitzung vom 2. 
Decbr. 1882. S. 1—7. 

2) Eeligiöse Bedeutung des heiligen Landes. Kode gehalten 
von dem Vice-Präsidenten T. J, Philippow in der Sitzung vom 
2. Decbr. 1882, S. 9—30. 

3) Bericht der orthodoxen Palästina-Gesellschaft, gelesen 
von dem Schriftführer M. P. Stepanoav in der Sitzung vom 14. 
März 1883, S. 31—38. 

4) Die Aufgaben der -wissenschaftlichen Erforschung des 
heiligen Landes . Rede , gehalten von dem Staatsrath Präsident 
B. N. HiTROwo in der Sitzung vom 14. März 1883. S. 39— 6u. 

5) Bericht der orthodoxen Palästina-Gesellschaft über das 
Jahr 1882/83, gelesen von dem Schriftführer M. P. Stkpaxow 
in der Jahressitziing vom 26. April 1883, S. 61 — 76. 

6) Statuten der orthodoxen Palästina-Gesellschaft. S. 77 — 90. 

7) Abbildung des Allerhöchst bestätigten Ordens der ortho- 
doxen Palästina-Gesellschaft für die Ehrenmiti^lieder (Tafel in 



30(1 

Farbendruck mit zugehöriger Erklärimg. An die J^hrenmitglie- 
der wird das Abzeichen in Gokl. an die wirklichen Mitglieder in 
Silber, an die arbeitenden Mitglieder in Bronze verliehen). 

Sj Anfnif zur Förderung der Zwecke der Gesellschaft. S.9lf. 

9) Verzeichnis? der Beamten der orthodoxen l\^lästina-Ge- 
sellschaft, S. 93 f. 

10; Liste der Mitglieder der orth. 1*.-Ges. seit dem 1. Mai 
1SS2, S. 93— lOS. 

11) Kechnimg der orth. I^al.-Ges. vom 21 Mai 1SS2 bis 
1. März 1SS3, S. 109—112. 

12) Yerzeichniss der Mitgliederbeiträge und Geldspenden, 
eingegangen vom 21. Mai 1882 bis 1. März 18S3. S. 113—123. 

Nach diesen Mittheilungen, deren für diese Zeilen wenig- 
stens genügende Kenntniss ich der gütigen Hülfe meines hiesi- 
gen Collegen. des Herrn Dr. R. Scholvin, verdanke, verehrt die 
orthodoxe Palästina-Gesellschaft als ihre Gründer 42 Personen, 
an der Spitze Ihre k. Hoheiten die Grossfürsten Sergei Alexan- 
drowitsch und Michail Michailowitsch. Ich nenne ferner Philip- 
])ow. Hitrowo. Wasiljewsky : Kobeko, Stepanow, Lermontow, 
Mansurow, Troizky als die Namen derjenigen Personen, denen 
hauptsächlich die Leitung der Gesellschaft anvertraut ist. Am 
2 1 . Mai 1882 ist sie an die Öffentlichkeit getreten mu\ zählte Ende 
April 1883 bereits insgesammt, in allen Abtheilungen. 405 Mit- 
glieder, darunter S. M. den Kaiser und L M. die Kaiserin so-vvie 
10 Grossfürsten und Fürstendes russischen Hofes, ferner 102 
Geistliche, vom Metropoliten abAvärts bis zimi Diakon. Sie zer- 
fällt in drei Abtheilungen , deren erste )^gelehrte Arbeiten und 
Forschungen« verfolgt, deren zweite sich »der Unterstützung der 
orthodoxen IMlger« widmet. Avährend die dritte sich die »Pflege 
des orthodoxen Glaubens im heiligen Lande« zur Aufgabe ge- 
stellt hat. Die Beitretenden bestimmen. Avelchen dieser drei Ab- 
theilungen sie angehören wollen. Die oberste Leitung ist eine 
einheitliche und wird von dem Präsidenten und einem Rath aus- 
geübt. Das Präsidium führt gegenwärtig der Grossfürst Sergei 
Alexandrowitsch ; dem Rathe gehören 2 andere Präsidenten 
iPhilippow und Hitrowo), 3 Mitglieder der Gesellschaft, die 
Präsidenten der 3 Abtheilungen, der Kassirer und 2 Schriftfüh- 
rer an. ])ie Gesellschaft theilt sich in Ehrenmitglieder, wirkliche 
oder ordentliche Mitglieder und arbeitende Mitglieder. Die 



301 



Ehienniiti^liedschaft kann entweder an verdiente Gelehrte ver- 
liehen oder durch Zahlung von 5000 Ruhel erworben werden. 
Wirkliche (ordentliche) Mitglieder, deren Zahl vorläufig auf 200 
beschränkt ist, verpflichten sich zu einem jährlichen Beitrag von 
25 Rubel oder werden durch eine einmalige Gabe von 500 Rubel 
lebenslängliche Mitglieder. Für die arbeitenden Mitglieder be- 
laufen sich die entsprechenden Zahlungen auf 10 und 2 00 Rubel. 
Die Thätigkeit der Gesellschaft umfasst folgende Aufgaben : 
Stellung von Preisfragen , Ausrüstung von Expeditionen nach 
Palästina und Untersuchungen^an Ort iind Stelle, Vorträge in den 
Versammlungen der Gesellschaft, Herausgabe von Abhandlun- 
gen, periodischen Schriften und Sammelwerken Sbornik), Unter- 
stützung der. Pilger, Leitung von Pilgerkarawanen, Bau von 
Hospizen und Krankenhäusern in dem h. Lande. Ferner »ver- 
sieht die Gesellschaft die Funktionen der Palästina-Commissio- 
nen im AusAvärtigen Amt xmd bemüht sich im Einklang mit den 
russischen [Missionen und dem russischen Konsulat in Palästina 
zu arbeiten«. Die Gesellschaft erwirbt ihre Mittel durch die ein- 
maligen und jährlichen Beiträge der Mitglieder, durch Sammlun- 
gen in Kirchen und anderen öffentlichen Orten, durch die Er- 
träge von Sammelbüchern, durch Geschenke wohlthätiger Geber 
für allgemeine und besondere Zwecke, und endlich durch den 
Gewinn aus geschäftlichen Unternehmungen, wie Druck- 
werke etc. 

Die orthodoxe Palästinagesellschaft verfügt , wie sich nach 
den obigen Angaben leicht vermuthen lässt, über bedeutende 
Mittel. Li dem Gabenverzeichniss sind Beiträge von 200 und 
500 Rubel gar nicht selten, ja einige Male finden sich Tausende. 
Die Gesammteinnahme bis zum 1. März 1S83 beträgt 48,403 
Rubel S4 Kop. Freilich bedarf die Gesellschaft für ihre mannich- 
faltigen Zwecke auch um so grösserer Mittel. Li dem ersten 
Jahre hat die Avissenschaftliche Abtheilung der Gesellschaft mehr 
als die beiden übrigen verausgabt. Während «für die Pflege des 
orthodoxen Glaubens im h. Lande« 1650 Rubel für Renovation 
von Gotteshäusern und für Schulen), »für die Unterstützung 
russischer Pilger« 1 59 R. 07 Kop. unter den Ausgaben verzeich- 
net stehen, beträgt der Aufwand »^für gelehrte Forschungen« 
4132 R. 02 Kop. Das meiste Geld hat freihch Nr. IV der Aus- 
gaben verschlungen : i^ Abzeichen . Diplome . Heiligenschränke 



302 



und Sammelbüchsen für die Sammlunjj: von Beiträgen«, nämlich 
72S5 Rubel 50 Kop.. fast die Hälfte der gesammten Ausgabe, 
die sich auf 15.u59K.99K. beziffert. Die Rechnung schliesst mit 
einem Vberschuss von 33.343 R. S5 K. ab. 

Die obigen Mittheilungen zeigen femer. dass der Verein 
mit seinen wissenschaftlichen Zwecken die national-kirchlichen 
aufs engste verbunden hat. Die Aufgaben, die in Deutschland 
und England getrennt verfolgt werden, insofern z. H. in Deutsch- 
land der evangelische Jerusalemsverein in Berlin und der katho- 
lische Verein vom heiligen Grabe in Köln ihre kirchlichen 
Zwecke schiedlich und friedlich neben den wissenschaftlichen 
unseres Palästina-Vereins besorgen. — ja Avie es scheint in ge- 
wissem Grade sogar die Pflichten des Staates vgl, S. 78. Nr. 9 
des russischen Berichtes und meine Angabe auf S. 103] hat der 
russische Verein neben einander auf seine Fahne geschrieben. 
Die Bereinigung dieser wohl verwandten, aber nach unseren Er- 
fahrungen besser zu trennenden Dinge erscheint in der That in 
Russland, avo die Kirche aufs engste an den Staat geknüpft ist 
und im Volksleben noch immer die dominirende Stellung inne 
hat. eher möglich als in einem anderen Lande. Ob nun jede der 
drei Abtheilungen . ob besonders die wissenschaftlichen For- 
schungen — das interessirt uns am meisten — dadurch keine 
Trübung erfahren und zu vollkommen freier Bewegung kommen, 
wird sich in der Zukunft zeigen. Der russische Verein bedarf 
dazu vor allen Dingen in l'alästina Männer von |allseitiger Bil- 
dung und grosser praktischer Erfahrung. Sonst könnte der eine 
Zweck leicht über dem andern geschädigt werden. In Jerusalem 
besitzt der russische Verein an dem wegen seiner Begabung, Ge- 
lehrsamkeit und Liebenswürdigkeit allgemein geachteten Archi- 
mandriten Amomn ^ augenblicklich freilich einen für diese man- 
nichfaltigen Aufgaben in hohem Grade geeigneten Vertreter. 
Aber es wird nicht leicht sein , solche Männer in grösserer An- 
zahl zu finden. 

Der Bericht des ersten Schriftführers, des Herrn M. P. 
Stepanoav, S. 61 — 76. giebt von den ersten wissenschaftlichen 
Unternehmungen des Vereins genauere Kunde. Herr Professor 



1 Herr AXTOXIX ist ebenso wie Herr Staatsrath HiTROwo auch Mitglied 
unseres Vereins. 



303 

A. A. Zagarelli. der den Lesern unserer Zeitschrift durch die 
gütigst übernommene Entzifferung einer georgisclien Inschrift 
bekannt geworden ist [\g\. ZDPV. I^'. 222 f.), hat nach grusini- 
schen (georgischen) Schriftwerken und Alterthümern auf dem 
Sinai und in Palästina geforscht. Auf dem Sinai fand er 91 
grusinische Handschriften patristischen Inhalts, von denen 
-vier auf Papyrus geschrieben sind und als das älteste be- 
kannte Denkmal dieser Sprache bezeichnet werden. Die For- 
schungen dieses Gelehrten in Palästina waren zur Zeit der 
Abfassung des Berichtes noch nicht zum Abschluss gekom- 
men. Femer hat der Verein in Jerusalem auf einem \on der 
russischen Regierung im Jahre 1859 angekauften Platze, der 
südöstlich von der Grabeskirche , zwischen der Chan ez-Zet ge- 
nannten Strasse luid dem Haupteingang zur Grabeskirche gele- 
gen ist, seit dem 7. März 1882 Ausgrabungen vornehmen lassen, 
die der schon genannte Archimandrit Antonin, Vorsteher der 
russischen Mission in Jerusalem, geleitet hat. Vor dem Beginn 
der Ausgrabungen sind durch Herrn Baurath C. Schick genaue 
Pläne aufgenommen worden, die die orthodoxe Palästina-Gesell- 
schaft als Anhang ihres ersten Jahresberichtes veröffentlicht hat ; 
durch dieselben ist also die bisherige Beschaffenheit des Platzes 
fixirt worden. Da mir der Bericht über die Ergebnisse der Aus- 
grabungen noch nicht vorliegt, so kann ich nur nach einem Briefe 
des Herrn Staatsrath Hitrowo mittheilen, dass namentlich zwei 
Funde zu genauer Prüfung anregen. Man ist nämlich »auf grosse 
Reste altjüdischer Mauerwerke« gestossen, die »vielleicht Aus- 
kui^ft über die Richtung der zweiten Jerusalemmauer geben 
werdcD«. Ferner ist ein interessantes byzantinisches Thor zum 
Vorschein gekommen , aber von der Konstantinischen Basilika 
haben sich keine Spuren gefunden. »Sind sie mit der Zeit ver- 
schwunden oder sollen wir vermuthen, dass alle vorhandenen 
Versuche zu ihrer Reconstruction nach der ungenauen Beschrei- 
bung von Eusebius unrichtig sind'Af So fragt Herr Hitro wo. Der 
von den Russen erworbene Platz deckt sich aber mit dem Räume, 
auf dem die Basilika des Konstantin gesucht zu werden pflegt. 
nur zum Theil, so dass das völlige Verschwinden aller Reste der- 
selben durch das in dieser Beziehung negative Ergebniss der nis- 
sischen Arbeiten doch noch nicht ganz bewiesen ist. Freilich 
sind die Säulenstümpfe, die sich aus dem Aufstieg am westlichen 



304 

Rande des Chan ez-Zet erheben und gewöhnlich als Reste vom 
Säulenschmiick des Basilikaportales betrachtet werden, ohne die 
wünschenswerthe Ergänzung in ihrer bisherigen seltsamen Iso- 
lirtmg geblieben. — Von grosser Wichtigkeit wäre es, wenn an 
dieser Stelle deutliche Spuren der sog. zweiten Mauer (des Jose- 
phus) durch die Ausgrabungen des russischen Vereines zu Tage 
gekommen wären. Bisher war nur eine ziemlich hochliegende 
Schicht von alten Steinen in einem Holzmagazin neben dem 
Chan ez-Zet sichtbar. Sie ist bereits von mehreren Seiten auf 
die vielgesuchte zweite Mauer gedeutet worden. Doch ehe man 
nicht ihre Fortsetzung seitwärts und namentlich in die Tiefe 
hinab genauer festgestellt hat, fehlen die sichern Stützen für jene 
Deutung. Ob dieses gelungen ist, lässt sich aus den vorliegenden 
Tafeln Schick s nicht erkennen ; das Avird erst der in Aussicht 
gestellte Bericht über die Ausgrabungen mit seinen Beilagen 
lehren . 

Herr Hitrowo theilt mir ferner gütigst mit, dass zwei grie- 
chische Pilgerschriften auf Kosten der Gesellschaft neu heraus- 
gegeben werden sollen; nämlich der bereits bekannte Epiphaxius 
c. 1170 nach Tobler Bibliogr. 17) auf Grund eines in Moskau 
gefundenen Codex und ein bisher nicht bekannter Meletios aus 
dem Ende des 11. Jahrhunderts. Es harrt gcAviss in den russi- 
schen Bibliotheken noch manche ältere Pilgerschrift ihrem Ent- 
decker entgegen , deren Veröffentlichung um so nützlicher zu 
werden verspricht, als wir die durch sie mitvertretenen palästi- 
nensischen Traditionen der morgenländischen Christen nament- 
lich vor den Kreuzzügen wenig kennen. ]3urch eine tüchtige 
Herausgabe derselben wird sich die orthodoxe Palästina-Gesell- 
schaft sehr verdient machen. Und in dem heiligen Lande selbst 
ist noch so viel zu untersuchen und zu erforschen, dass die eine 
Gesellschaft in der freundlichen, gewissenhaft imteniommenen 
('oncurrenz einer andern keine Gefahr für sich selber zu er- 
blicken hat. Wir begrüssen daher die »orthodoxe Palästina-Ge- 
sellschaft« mit Freuden als eine neue Genossin an der For- 
schungsarbeit in jenem Lande und wünschen ihren wissenschaft- 
lichen Unternehmungen das beste Gedeihen. 

Nachschrift. Am 15. Oct. d. J. kam mir eine zweite 
Sendung von Drucksachen der orthodoxen Palästina-Gesellschaft 



305 

zu. -wiederuin von einem IJriefe des Herrn Hitkowo begleitet. 
Dieselbe setzt mich in |den Stand, die im Jahre 1883 erschiene- 
nen DruckAverke der ^rnssischen Gesellschaft vollständig zu 
nennen und damit die Angaben Prof. Socin's in dem oben ver- 
öffentlichten Literaturbericht über 1883 zu ergänzen. Die von 
der orthodoxen Palästina-Gesellschaft herausgegebenen Druck- 
sachen erscheinen entweder als besondere Schriften mit dem 
Vermerke »herausgegeben v. d. orthod. P.-Ges.« oder als Hefte 
des Pravoslavnyj Palestinskij Sbornik, dos »orthodoxen Palästina- 
Sammelwerkes«, das die Gesellschaft veröffentlicht. Von diesem 
letzteren ist 1883 Pand I, Heft 1—3 und Pd. II, Heft 1 erschie- 
nen, die folgenden Inhalt haben: 1) P. N. Hitroavo, Der ortho- 
doxe Glaube im Heil. Lande. 2) Derselbe, Der Pilger von Por- 
deaux, 3) M. A. Wenewitinow , Reise des russischen Igumen 
Daniel 1106—1108 n. Chr. Erste Hälfte. XXII," 96 S. —II, l) 
A. W. Jelissejew, Reise nach dem Sinai im Jahre 1881. 197 S. 
Bd. I, Heft 1 und 2 habe ich nicht erhalten und vermag daher 
über ihren Inhalt nichts Näheres anzugeben. Pd. I, Heft 3 ist 
die erste, mit Penutzung von 70 Handschriften erfolgte kriti- 
sche Ausgabe der Pilgerschrift Daniel's. Es ist schade, dass sie 
nicht bereits Prof. Leskien vorgelegen hat. als er die deutsche 
rbersetzung für unsere Zeitschrift (VII, 17 ff.) anfertigte. So- 
bald diese kritische Ausgabe vollendet ist, wird jedoch Prof. 
Leskien eine Vergleichung seiner Übersetzung mit dem neuen 
Texte vornehmen und das Ergebniss in unserer Zeitschrift mit- 
theilen. — Zu diesen Schriften kommt für 1883 noch der oben 
besprochene Pericht über das Jahr 1882/83. Die hier erwähnten 
Drucksachen sind sämmtlich in dem gleichen Format (gr.S") und 
in der gleichen schönen Ausstattung erschienen, t'ber die Schrif- 
ten aus dem Jahre 1884, besonders über die Ergebnisse der Aus- 
grabungen, die noch im Laufe dieses Jahres veröffentlicht Aver- 
den sollen, behalte ich mir Aveitere Mittheilungen vor. Ich 
schliesse mit dem Ausdruck meines lebhaften Dankes für die 
bisherigen Sendungen Sr. Excellenz des Herrn Staatsrathes Hi- 

TROAVO. 

22. November 1884. H. Guthe. 



Correspoudeuzeu. 



Syna mons. Für seine Ansicht über die Lage des Si- 
nai führt Tischendorf «Ans dem heihgen Lande« eine Notiz 
ans Antoninns Burdigalensis an . -welche Ebeks in seinem »Durch 
Gosen zum Sinaic S. "411 der ersten Auflage bespricht. »Beim 
dritten Meilenstein erhebt sich der Berg Syna. wo sich eine 
Quelle beündet. in welcher ein Weib . wenn es in ihr badet, 
guter Hoifnung wird«i). Da die Stelle bei Ebers in der zweiten 
Auflage (S. 42 2 f. ISSl) unverändert wiederholt ist, sei hier eine 
Bleistiftbemerkung abgedruckt, welche sich im Exemplar der 
Stuttgarter Bibliothek zu den Worten »beim dritten Meilenstein« 
auf S. 411 der ersten Auflage von Ebers findet: »Von Caesa- 
rea Palaestinae. j. ez-Zaineh am Südwestfuss des 
Carmel. Dies Syna hat mit dem Sinai nichts zu 
schaffen«. Einsender hat weder Tischexdorf noch Antoninns 
Burdig. zur Hand, denkt aber diese von unbekannter Hand 
herrührende Randbemerkung werde das Richtige getroffen haben 
und hofft durch ihre Veröffentlichung der Aveitern Fortpflanzung 
eines schlimmen Fehlers zu steuern , ohne damit dem andern 
eben so schlimmen Vorschub leisten zu wollen, in Büchern öffent- 
licher Bibliotheken, auch nur mit Blei, Randbemerkungen, und 
seien es die richtigsten, zu machen. 

E. Nestle. 



1) Die Notiz stammt nicht aus einem "Antoninns Burdigalensis«, der 
überhaupt nicht existirt , sondern aus dem bekannten Pilger von Bordeaux. 
Das Itinerarium des Antoninns Augustus hat sie gar nicht. Der mons Syna 
wird erwähnt in der Koute von Caesarea Palästinae über Maximianopolis. Scy- 
thopolis, Neapolis nach Jerusalem. Das »ez-Zaineh« der Bleistiftbemerkung 
ist räthselhaft; vielleicht ist es das Umm ez-Zenät der neueren Karten. Doch 
kennt GvEiilN Samarie II, 245, worauf mich Prof. Gii.demeister aufmerk- 
sam macht , am Fuss des Karmel eine Ortslage »Zeineh«. Der mons Syna 
kann nach der Entfernung von Caesarea nicht damit zusammenfallen. 

GUTHE. 



307 



Zu dem Aufsatze des Herrn Professor Dr. Prutz, »die Be- 
sitzungen des Johanuiterordens in Palästina und Syrien« (ZDPV. 
IV, 157 ff. möchte ich mir zwei Berichtigungen erlauben. Auf 
S. 183, Z. 7 Avird das SchlossMargat, das heutige kal'at el-markab 
auf einen ]>erg etwa halbwegs zwischen Tortosa und Dschebeil 
verlegt. Dies beruht auf einer Verwechselung von dschehli und 
(hchebeil Bybios , vor der schon Ritter, Vergleichende Erd- 
kunde XVII, 892 im Jahre 1854 gewarnt hat. Kai' cd el-markah 
liegt nördlich von Tortosa, zwischen diesem und dschehli. — Bo- 
kebeis. ebend. Z. 19, ist auch heute noch in der ganzen Gegend 
unter diesem Namen bekannt , uiid habe ich es allenthalben auf 
meinem letzten Ausflug ins Nusairier-Gebirge (1881) so nennen 
hören. Übrigens findet es sich sogar auf der mangelhaften und 
in dem Wenigen, was sie bietet, unzuverlässigen Karte von Hey 
unter dem Namen Kalaat Kobeis. An eine Zusammenstellung 
mit el-Quobeyat dieser Karte ist nicht zu denken. 

M. Hartmann. 



Latrün und 'Am was. Beide Namen fehlen sowohl in 
dem nach einer Jerusalemer Liste (JL in ZDPV. II, p. 135 ff. 
von SociN, als auch in dem nach dem Staatskalender für Syrien 
vom J. 1288 (SS) in ZDPV. VI, p. 102 fl". von mir veröffentlich- 
ten Verzeichniss der Ortschaften des Liwa Jerusalem. Der er- 
stere steckt jedoch soAvohl in JL als in SS. der letztere wahrschein- 
lich wenigstens in SS. 

Nr. 1 1 des Distriktes er-ramle in SS ist trwan geschrieben, 
könnte also etwa tarwan gelesen werden: ich trug dafür ZDPV. 
VI. p. 140 arglos das tarafcit Socins II, p. 162 ein. Es giebt 
aber weder ein taricän noch ein iarafUt im Liwa Jerusalem. In 
beiden steckt Q»j-b^ afrün mit Weglassung des Artikels für 
q.^Ip^I [eralrüHj^ dessen Anfangs-Alif sich bei der flüchtigen 
Schrift des Türken zwischen die beiden letzten Buchstaben ge- 
schoben hat. Das hat auch Selim Schihäde richtig erkannt, der 



308 

atär eliulhar Beirut 1SS2' p. 19S s. v. atrüii das iii SS zu farwäti 
bemerkte wieclergiebt [ . 

Die Niimensform afrUn, bezAv. mit Artikel eV afrün findet 
sich Jäküt s. V. atrün und Raudatain II. SS. Jäküt hat daneben 
atturmi. 

Nach Herrn Prof. Nöldeke in ZDPV. VII. 141 Ündet sich 
jedoch noch die Form Q.i^ijt en-natrun bei Bahaeddin passim, 
Raudatain passim und Dm Athir 11, 361: 12, 47 f., und kommt 
der Name des Ortes in Näsiri Chosrau's Reisebuch 19 in der ver- 
stümmelten Form Qj.j'».i> vor. Nöldeke schliesst daraus, dass 
der Name ursprünglich Natrün gelautet habe und auf die Wurzel 
NTR zurückgehe: in Q^-i> könne ^»^.jb (mit pers. o für h) 
wiedergefunden werden . 

Die Schreibung q»^^>^^ kann nicht in Betracht kommen; 
atmn bezw. eVatrun ist durch die Übereinstimmung der in Orts- 
namen so treuen arabischen Überlieferung mid der darauf be- 
ruhenden heutigen Schreibung mit Jäküt und Rand. 1. 1. ge- 
sichert. Zu der Ausstossung des Hamza in latrün für al' atrün 
vo-1. vulgäres marrit luclira für marr?t aVuchra »ein anderes Mal«, 
auwil bauwil für auwal bi'auAval »zu allererst« u. v. a. Beisp. q»/^;^^ 
ist ein gewöhnlicher Schreibfehler, der sich, wie so viele, aus 
einer Handschrift, aus einem Werke in die späteren vererbt hat. 
Das ist jedenfalls viel Avahrscheinlicher . als dass sich ein Nun 
in der Schreibung oder gar in der Aussprache verloren haben 
sollte. 

Das -jj-Jl^ Chosrau's aber erklärt sich viel leichter aus einer 
Verstümmelungvon^j».!:: denn aus einer solchen von Q.ylj. ^ er- 
wechselungen der Gruppe ^ oder L^- mit _b und umgekehrt 
sind in der Schrift nicht selten. Ich verweise nur auf den, auch 
sonst für dergleichen Kunststücke sehr lehrreichen Fall VI, p. 14S 
unten : . Lä^L? für oLäJi=>. Nachdem der Abschreiber einmal aus 

1, Auch den Fehler, dass es drei Stunden von dem Hauptorte des Krei- 
ses, Jafa, entfernt sei; drei Stunden beträgt seine Entfernung von er-llamle; 
die Zahl über dem Namen in SS bezieht sich also hier nicht auf die Entfer- 
nung von der Kreisstadt s. VI, p. 10:i;, sondern auf die vom Hauptort der 
Nähije: das gilt auch für einige andere Namen des Distriktes er-Kamle in 
SS; bei anderen ist richtig die Entfernung von der Kreisstadt angegeben, 
z. B. Nr. 1 : 'äkir 4V2 Stunden. 



309 

dem J_' von ^..^ ein Li» gemacht, machte er sich aus dem Gan- 
zen ein ihm Ijekanntes Wort, »Dame«; zurecht. 

Das furicn. das er vorfand , stimmt mit dem auch von Jäküt 

gegehenen ..ji^Ü. Dies ist die ursprüngliche Form; afrün ist 
daraus durch den Yorschlagsvokal entstanden . den besonders die 
syrische Vulgärsprache mit ihrer dem Aramäischen entlehnten 
vokallosen Aussprache eines ursprünglich vokalisirten ersten 
Konsonanten vor einem zweiten vokalisirten so sehr liebt (z. B. 
meist deutlich: umräd für muräd, itfa"al für tafa"al u. v. m.j. 

Der Name turün. forun kommt mehrfach vor; über seine 
Entstehung und ursprüngliche F>edeutung s. Rey, Colonies fran- 
ques en iSyrie p. 300 ^j ; vgl. auch Wilh. Tyr. XI cap, 5, wonach 
ein früher Tibenin genannter Ort »quoniam in monte erat excelso 
admodum et cacuminato« von Hugo de Sancto Aldemar den 
Namen Toronum erhielt, und Notice sur la carte etc. in Hist. 
occid. I p. XXXYII. 

Die Schwierigkeit freilich, dass der Name torü7i., der fränki- 
schen Ursprungs ist. wahrscheinlich schon bei dem älteren C'hos- 
rau vorkommt, bleibt noch zu beseitigen. 

Amwäs findet sich, Avie es scheint, in JL Socix's nicht, 
auch kein Name, der irgendwie damit zusammengestellt werden 
könnte. In SS möchte ich das ^y.lA>o>, Nr. 10 der näliije ellidd, 
für daraus verstümmelt halten. Die Verweisung auf Nr. 17S von 
JL VI p. 138 ist ein Druckfehler. 

l^eirut. 11. August 1884. 

M. H.\KTMANN. 

1) Das dort erwähnte Dorf tonm in der 'avik-Ehewe liegt genauer halb- 
wegs zwischen der Karasu- und der Muradpascha- Brücke, doch ein wenig ab- 
seits von der Strasse. 



310 



Berichtigungen und Nachträge. 

Das Grossherzogliche orientalische Münzkabinet zu Jena enthält nicht, 
wie im vorigen Hefte der Zeitschr. S. 211 steht »etwa lUOO«, sondernzehn- 
tausend orientalische Prägen. 

Jena, 12. November 1884. D. Stickel. 



In meiner Übersetzung des Mukaddasi S. 218 dieses Bandes Zeile 24 f. 

ist zu lesen : Die ritt »haben sechshundert Drachmen , sind aber 

unter sich« etc.. statt: sind. . . . sechshundert d. h. sehr viele), unter sich etc. 

Bonn, 1. Decbr. 18S4. J. Gildemeister. 



Meinem Bericht über die Institute des hochwürdigen P. Alphons Maria 
Ratisbonne S. 282 f. dieses Bandes habe ich nachzutragen, dass derselbe am 
ü. Mai d. J. in St. Johann Ain Kärim bei Jerusalem gestorben ist. 

"Wien, 1h. Novbr. 1884. K. Schn.\bl. 



Druck von Brfitkopf Ä- Härtel in Leipzig. 



li.il'l .1 U.MilMlK-nIVilnstiiia Vcr.-i.is H,l,\i: llcitl. 



T.ilVl l 




»^rKpK Anstalt von 



WA^npr h Dobi*«. Lpfptit 



Leipzi'^ in Cntmnission bpiK.Bndf>l(or 



Zeitackrift d-Deulscheii.PiLliigtma-Vei-gma Bd. VII. Haft 2 



Zur Zeit sehr. dD P Vereins \T1,S 119ff 

yojch einem Äbklcvts eh dßs Dr ^f. ff. Moi-dtm(Lnn. aeze.iohnet. 



T«faE 



,nj,vM«'f"""' 



^'■*''6'AMM««i 



4 



.>" 'S 



V/ 



-'*' .„.A 















Tl^^tHXHM^ 



PlAMNCOy 



EKT^OiCM 





ToNMMoyNCoy 



GeograLph-Anstalt von 



Leipzig inCoDUnissioiitei K.BHedpkpr, 
^ ^ 188-.. 



Wagr^JT fDetfs.T.eipin^. 



m 



Zeitschrift 



des 



Ueiitsclieii PalacNtiiia-Vcreiiis. 

Herausgegeben 

von dem geschäftsführenden Ausschuss 

unter dei' verautwortlicheii Redactioii 
von 

Prol\ Lic. Hermaiiu Giithe. 



Band VIII. 

Mit dreizehn Tafeln und mehreren Holzschnitten. 



-•»■»•- 



Leipzig 1885 
in Commission bei K. Bsetlekcr, 



Inhalt 

des achten Bandes der Zeitschrirt des Denlsehen 
Palästina -Vereins. 



Seite 
Nachrichten über Angelegenheiten des Deutschen Vereins zur 

l'irfurschung Palästina'« 1 

Personalnaclirichten und geschäftliche Mittheilungen 111. XXVll. XXIX 

llechenschaftsbericht über das Vereinsjahr 1884 Vll 

Auszug aus der Rechnung über Einnahme und Ausgabe der 

Kasse des Deutschen Palästina- Vereins 1884 XII 

Verzeichniss der vom 27. April 1884 bis zum 28. Mai 1885 für 
die Palästina -Bibliothek eingegangenen Bücher, Zeitschrif- 
ten u. s. w XIV 

Verzeichniss sämmtlicher Mitglieder des Deutschen Vereins zur 

Erforschung Palästina's XVII 



Zur neueren Geschichte Jerusalems. Von 1843—1884. Ein Über- 
blick von Dr. Ph. Wolf, Stadtpfarrer a. I) 1 

] )ie antiken Städte und Ortschaften im läbanongebiete. Von A'. 

Fiirrcr in Zürich If« 

Neu aufgedeckte Felszisternen und Felsgemächer in Jerusalem. Von 

C. Schick in Jerusalem , 42 

Neu entdecktes Columbarium am Berge des bösen Rathes bei Jeru- 
salem. Von C. Schick in Jerusalem !•• 

Die neu entdeckte Stephanskirchc bei Jerusalem. Von Pfarrer A. 

Frei in Ebnat (St. Gallen) 5(1 

Felsengräber in Dschebata. Von G. Schumacher in Haifa .... H(» 

Industrielles aus Gaza. Von G. Gatt in Gaza '!'■• 

Einige Parallelen zu dem Aufsatze »Beiträge zurKenntniss der aber- 
gläubischen Gebräuche in Syrien« (Zl)PV. VII, 79 fi'.). Von 
M, GrUnhaum in München ^t> 

Die Lage von Taricheae. Von Superintendent F. Spiess in Gross- 

rudestcdt 'J5 



IV Inhalt. 



Si>ite 



Die Stadt iSalaniias'* bci'Antonimis Placcntinus. Von J. Gildemei- 

stcr u\\\onn 100 

Dur EinHnssder Gcbirgswaldungen im nördlichen Palästina auf die 
Vermehrung der wässerigen Niederschläge daselbst von Dr. Leo 
Anderliml KU 

Beiträge zur Palästinakunde aus arabischen Quellen. Von J. 

Gildemeister in Bonn 117 

Ein Brief des Hohenpriesters der Samaritaner Ja'kub ihn Harun. 

Mitgetheilt von Prof. jB. itrtw^z.srZi in Tübingen il',1 

Reste eines alten armenischen Klosters auf dem Olberg und die da- 
selbst aufgefundenen Inschriften. Von Domkapitular \)x.liivss 
in llottenburg a/N 155 

Über die angebliche Aufdeckung der Eudokia-(Stephan8-)Kirche. 

Von Domkapitular Dr. 7itVss in llottenburg aN I(i2 

Neu aufgedeckteFelsengräbcr bei der Grabeskirche in Jerusalem. 

Von Baurath C. Schick in Jerusalem 171 

Die Jerusalemfahrt des Friedrich Eckher von Käpfing und Karl 
Grimming auf Niederrain (lö25) im Auszuge mitgetheilt von 
Reinhold Röhricht und Heinrich Meisner 17-1 

Technische Ausdrücke der Töpferei und AVeberei in Gaza. Von 

G. Gatt in Gaza 17«) 

H. Clay l'^umbull's Kadesh Barnea. Nach dem Englischen mitge- 
theilt und besprochen von Prof. H. Guthe in Leipzig .... i?^2 

Die zweite Mauer Jerusalems und die Bauten Constantins am hei- 
ligen Grabe. Nach russischen Berichten und mit Originalbei- 
trägen C. Schick' s herausgegeben von Prof. //. Guthe in 
Leipzig 245 

Bericht über neue Erscheinungen auf dem Gebiete der Palästina- 
literatur 1884. Von Prof. A. Socin in Tübingen 288 

Correspondeiizen .65. 146. 242. 333 



Bücheranzeigen : 3Ioritz Engel, die Lösung der Paradiesesfrage. — 

Oort, Atlas voor l)ijbelsche en kerkelijke geschiedenis. . . . 233. 338 



Mittheilung des geschäftsführenden Ausschusses 244 



Zu Seite 
Tafel I : Felscisternen und Fclsgemächer bei Jerusalem. Untersucht, 

gemessen und gezeichnet von C. Schick in Jerusalem 1884 (Li- 

thogra])hie) 42 ff. 

Tafel II : Columbarium am Berge des bösen Käthes bei Jerusalem. 
Unters., gem. und gez. von C.Schick in Jerusalem 1884 (Litho- 
grajibie) 4(5 ff. 

Tifel HI: Felsengräber in Dschebata. Aufgenommen und gez. von 

G. Schumacher in Haifa (Lithographie). 60 S. 



Inhalt. \ 

Zu Snit.' 

Tafel IV . Armenische Inschriften vom Olberfije bei Jerusalem, im 

Sommer 1881 copirt von ff. 6r'«^/(e (Lithographie) 155 11". 

Tafel V : Neu aufgedeckte Felsengräber bei der Grabeskirche in 
Jerusalem. Unters., aufgen. und gez. von C. Schick in Jeru- 
salem ;Lithogr. i 171 H'. 

Tafel VI : Die Ausgrabungen der russischen Palästinagesellschaft 
im Osten der Grabeskirche in Jerusalem 1883. Nach russischen 
Quellen gezeichnet von ff Guthe {lAxho^x.] 215 ff. 

Tafel VII; Plan der heiligen Grabeskirche undUmgebung. Unters., 

gem. und gez. von C. Sehick in Jerusalem 18S5 (Farbendruck) 259 ff. 

Tafel VIII : Plan der nördlichen Hälfte von Jerusalem mit Angabe 
der ]., 2., 3. und jetzigen Stadtmauer. Aufgen. und gez. von 
C. Sr/i/cÄ- 1S83— 1885 (Farbendruck) 

Tafel IX : Die Burg an der zweiten Mauer Jerusalems und ihre Um- 
gebung. Entworfen und gez. von C <Sc/u'f7i; 1883 (Lithogr.) . . « 

Tafel X : Profil und Durchschnitt der Burg an der zweiten Mauer 
Jerusalems und ihrer Umgebung. Entw. u. gez. von C. Schick 
1^83 (Lithogr.) » 

Tafel XI : Die Bauten Constantins am heiligen Grabe. Auf alten 
Fundamenten rekonstruirt von C. Schick 1883 (Lithogr. Über- 
druck) » 

Tafel XII : Längendurchschnitt der Anastasis und Basilika. Re- 
konstruirt von C. Schick 1883 (Lithogr.) » 

Tafel XIII: Querdurchschnitt der Constantinischen Basilika. Ke- 

konstruirt von C. Schick 1883 (Lithogr.) » 

Holzschnitte 51- <*33. 336 



PersoiLilnachrichteii und geschäftliche Mittheilaiigeu. 



Als Mits^lieder sind dem Vereine beigetreten : 

Frei, A., Pfarrer in Ebnat, Canton St. Gallen. 
Hagberg. Hermann, Pastor in Falun, Schweden. 
Sienhouse, Rev. Dr. Thomas, in London. 

Vereine : 

Deutsch-israelitiscber Gemeindebund in Berlin. 
Jüdischer Ijesezirkel in Fürth (Kabbiner Dr. Neubürger^' . 

Dnrcb den Tod verlor der Verein die Mitglieder : 

Abbot, Ezra, Professor in Cambridge (Nordamerika) . 
Sieveh'ng, Dr. jur. Herrn., in Hamburg. 



Herr G. Schumacher in Haifa hat der Redaction über seine mit 
Unterstützung des Deutschen Vereins zur Erforschung Palästina' s 
unternommene Reise in den Dschölän unter dem 22. October 1SS4 
folgende vorläufige Mittheilungen gemacht : 

»Am 22. August verliess ich Haifa, um meine Arbeit zu beginnen. 
Es begleiteten mich zwei Messgehülfen (eingeschulte Eingeborene), 
zwei Soldaten, ein Mukäri. ein Koch . ein im Photographiren "nicht 
unerfahrener Freund, sowie ein jüngerer Assistent. An den betreffen- 
den Orten wählte ich stets landeskundige Eingeborene, die mir die 
Ortsnamen nennen und über andere wissenswerthe Ding? Aufschluss 
geben konnten. Zuvor jedoch pflegte ich mit dem Schech des betref- 
fenden Ortes eine Recognoscirung des \imliegenden Terrains vorzu- 
nehmen und mir seine zufälligen Bemerkungen zu notiren. die ich mit 
denen der anderen Begleiter vom Dorfe verglich. 



IV Personaluachrichten und geschäftliche Mittheilungen. 

Au Tiberias auschliessend, mass und berechnete ich eine Breite 
des Sees, nahm das Üstul'er auf, bestimmte die Höhe von Fik durch 
verschiedene Messungen, bereiste Kai at el-Hösn und dann Fik selbst. 
Nachdem ich hier die Basis für meine Aufnahme gemessen, control- 
lirt und orientirt hatte, begann ich mit Aufnahme des Terrains nörd- 
licli und südlich von Hk bis Kafr Härib und bis an den Jarmük, 
wandte mich dann östlich bis zumKukkäd und folgte diesem stromauf- 
wärts bis an die untere (südliche) Brücke. Dann besuchte ich 
nacheinander den Teil el-Farras, dessen Krater ich genau aufnahm, 
den Nebi Akäschi bei Bredscha und begab mich darauf nach Kune- 
tra. Von hier aus bestieg ich den höchsten der Hügel, den Teil 
AbuVXedda, dessen gewaltigen Krater ich ebenfalls aufnahm, ging 
dann nördlich am Teil 'Aräm und Teil Barram vorüber auf die Tulül 
Muchfi, die Schecha und den Teil el-ahmar bis an die Birket er-Räm, 
die ich gleichfalls aufnahm. Doch konnte ich die Umgebungen dersel- 
ben nicht näher durchforschen; hierzu sollte ein Geologe von Fach 
gegenwärtig sein , der die sehr interessante Gebirgsformation genau 
untersuchen könnte. Zum Teil Abul-Xedda zurückgekehrt, wandte 
ich mich südlich gegen den Teil el-Chanzir und Teil Abu Jusef, dann 
westlich zu der nach dem Jordan abfallenden Hochebene, durchsuchte 
die Ruinen und gelangte bis an die östlichen Abhänge des Hüle-Sees 
und des oberen Jordan , konnte jedoch nicht in die Ebene selbst hin- 
absteigen, wenn ich den Anschluss an Fik in sicherer Weise erreichen 
wollte. Ich durchsuchte nun den Wädi Dschoramäja und entdeckte 
dort grosse Dolmenfelder. Von den interessanten Ruinen dieser Ge- 
gend fertigte ich Skizzen an. Über den Teil el-Muntär reiste ich nach 
El äl und nahm den Wädi es-Samak mit Sküfije etc. auf. In El'äl 
photographirte ich Figuren eines Sarkophags, erwarb einen Venus- 
kopf (?) aus Basalt — der übrige Theil der Statue war ebenfalls ver- 
käuflich — und wandte mich dann nach Fik, um dort meine Reise 
abzuschliessen. 

Wir begannen unsere Arbeit mit Sonnenaufgang , unterbrachen 
sie Mittags auf etwa eine Stunde und endeten sie mit Sonnenunter- 
gang. Die Temperatur war angenehm. Nachmittags wehten stets 
kühle Westwinde, und Nachts schwankte die Temperatur zwischen 10 
und 150 Cels. — Ich habe eine Menge Ruinen und Namen fixirt, die 
bisher kaum genannt worden sind. Auch ergab sich, dass die Wasser- 
betten der vorhandenen Karten vielfach falsch eingetragen worden 
sind. Die Inschriften, die ich fand, waren meist griechische ; in Skü- 



Personalnachrichten und geschäftliche Mittheilungen. V 

fije und FIk entdeckte ich auch aramäische , von denen icl» Ab- 
klatsche anfertigte. Unglücklicher "Weise aber fiel das l'ferd, das diu 
Blechbüchse mit den Abklatschen trag, beim Überschreiten des Jordan 
in den Fluss , so dass dieselben aufgeweicht und erheblich beschädigt 
wurden. Es thut mir dies um so mehr leid, als ich viel Zeit darauf 
verwandt hatte . diese Inschriften abzuklatsclien, und um iliretwillen 
in Winkel und Höhlen gekrochen war. die nach Aussage der Einge- 
borenen noch kein Europäer vor mir betreten hatte«. 

Eine zweite Reise in den Dschölän unternahm Herr Schumacher 
am 7. December 1884. Während derselben wurde ihm eine Ortslage 
mit unbedeutenden Ruinen Namens Selükije 1 Stunde nordöstlich von 
El'^äl gezeigt. Dieser Name ist offenbar das alte Seleucia in Gaulani- 
tis bei Josephus Antiq. XIII. 15, 3. Bell. jud. II. 20, (> etc. Jedoch 
fasst Herr Schumacher diesen Fund etwas vorsichtig auf. Ferner 
entdeckte er einige bisher unbekannte ürtslagen auf der Ebene el-Ba- 
til.ia in der Nähe des Jordans und fand in Im el-Kanätir im Gebiet 
des Wadi es-Samak einige interessante Alterthümer. 

Herr Schumacher ist gegenwärtig damit beschäftigt, eine Karte 
des von ihm bereisten Gebietes anzufertigen. Die Redaction hofft, 
diese Karte nebst den übrigen Ergebnissen der Reise des Herrn 
Schumacher noch in diesem Jahrgang der Zeitschrift veröffentlichen 
zu können. 



Vor kurzem hat die orthodoxe Palästina-Gesellschaft in Russ- 
land den Bericht über die Ausgrabungen im Osten der Kirche des 
heiligen Grabes in Jerusalem herausgegeben. Es liegt demselben 
eine grosse Anzahl von Plänen und photographischer Ansichten bei. 
In Verbindung damit hat Baurath C. Schick seine langjährigen Beob- 
achtungen über den Lauf der sogenannten zweiten Mauer veröffent- 
licht. Vielleicht wird es möglich sein , schon im nächsten Hefte die- 
ser Zeitschrift nähere Mittheilungen über diese neuesten Forschungen 
in Jerusalem zu machen. 



I Geschlossen 25. März 1885]. 

Die Keiljictioii. 



Nachrichten 



über 



Angelegenlieiteu des Deutschen Vereins 



zur 



Erforschung Palästina's. 



Ztschr. d. Pal.-Ver. VIII. 



Rechenschaftsbericht üher das Vereiusjahr 1884. 



Die Verhandlungen über das »Deutsche Palästina- 
Museum« in Jerusalem , über die ich im vorigen Rechenschafts- 
bericht (ZDPV. VII, S. VII ff.) nähere Mittheilungen machte, haben 
im vergangenen Jahre wenn auch nicht eine Lösung, so doch ein 
vorläufiges Ende gefunden. 

Der geschäftsführende Ausschuss sah sich durch die Nachricht 
von dem Verkauf des Museums an Herrn ScHKEiiLER in Jerusalem 
vor die Thatsaehen gestellt , dass eine Anzahl von Gegenständen, 
die erst in Folge meiner Arbeiten bei Jerusalem dem Museum ein- 
verleibt waren und zweifellos dem DPV gehörten, sowie auch die 
von Herrn Dr. O. Kersten in Berlin neuerdings, im Vertrauen auf 
das Fortbestehen des »Deutschen Palästina -Museums« gestiftete 
werthvolle Pflanzensammlung (vgl. ZDPV. VI, S. 226 ff. VU, S.Vm), 
an Herrn Schneller mit verkauft und dass die von mir zur Er- 
haltung des Museums gemachten und von dem DPV auf Rechnung 
übernommenen Auslagen bei dem Verkauf als ein dem Deutschen 
Verein in Jerusalem gehörender Werth betrachtet worden waren, 
ohne dass eine Entschädigung des DPV in Aussicht stand. 

Um zunächst das Eigenthumsrecht des DPV auf gewisse dem 
Museum einverleibte Gegenstände zu wahren, habe ich am 23. Mai 
1884 ein Verzeichniss derselben an Hei-rn Schneller gesandt und 
zugleich die Frage an ihn gerichtet, ob er das Eigenthumsrecht des 
DPV auf die bezeichneten Gegenstände anerkenne und ob er ge- 
neigt sei, dieselben bis auf weiteres für den DPV aufzubewahren. 
Herr Schneller Hess mir durch seinen Sohn, Herrn Pfarrer 
Schneller in Bethlehem, unter dem 24. September 18S4 antworten, 
dass er selbstverständlich auf das Eigenthum des DPV keinen An- 
spruch erhebe, dass er die betreffenden Sachen mit den Gegenständen 
seiner eigenen Sammlung in gleiche Pflege genommen habe und 



VIII 



dass er jederzeit bereit sei, dem DPV alles, was als dessen Eigen- 
thum ermittelt werden könne , zur Verfügung zu stellen. Jedoch 
könne er nicht die Verantwortlichkeit dafür übernehmen , dass die 
Sachen noch vollständig und intakt da seien, wie ich sie in meinem 
Verzeichnisse erwähnt hätte , und müsse den "Wunsch aussprechen, 
dass das Eigenthum des DPV doch möglichst bald ausgeschieden 
werde, weil bei dem stetigen Wachsthum seiner eigenen Sammlung 
die Ausscheidung immer schwieriger werde. Am 27. November 
IS84 dankte ich Herrn Schneller sen. im Namen des DPV für 
seine freundlichen Zusagen und erneuerte" die Bitte, diebetreffenden 
Gegenstände für die nächste Zukunft in den Räumen seiner eigenen 
Sammlung aufbewahren zu wollen. — Wenn sich auch bezüglich 
des von mir übersandten Verzeichnisses einige Differenzen ergeben 
haben , so sind dieselben , namentlich gegenüber den obigen Er- 
klärungen des Herrn Scknelleb. von geringer Bedeutung. Es 
kann demnach diese Seite der Angelegenheit als in befriedigender 
"Weise erledigt betrachtet werden. 

Früher schon, als ich mich an Herrn Schneller wandte, 
hatte ich versucht, die Rechte des DPV auf Ersatz der zum Besten 
des Museums gemachten Auslagen (vgl. den vorigen Rechenschafts- 
bericht ZDPV VII, S. IX) zu wahren. In demselben Sinne wurde 
unter dem 19. September 1884 im Namen des geschäftsführenden 
Ausschusses der Vorstand des Deutschen Vereins in Jeru- 
salem um Auskunft ersucht, unter welchem Rechtstitel die dem 
Deutschen Palästina- Vereine zugehörigen Bestandtheile des Museums 
mitverkauft und darnach Frcs. 217,40 als «"Ueberschuss aus dem 
Erlös des Museums« im 8. Jahresbericht des Deutsehen Vereins 
aufgeführt werden konnten. Die vom 24. October 1884 datirte 
Antwort konnte hinsichtlich des Hauptpunktes, der Rechtsfrage, als 
eine völlig befriedigende nicht erachtet werden. Da sie jedoch 
sichtlich von dem "Wunsche eingegeben war , eine friedliche Bei- 
legung der Differenz herbeizuführen ; da ferner durch das freiwillige 
Entgegenkommen des Herrn Schneller die Interessen des Palästina- 
Vereins bereits gewahrt erschienen, so entschloss sich der geschäfts- 
führende Ausschuss — besonders auch aus Rücksicht gegen die im 
Deutschen Verein befindlichen Mitglieder des DPV — von einer 
weiteren Verfolgung der Angelegenheit Abstand zu nehmen. 

So ist der Gedanke, schon jetzt ein Palästina-Museum in Jeru- 
salem auf Kosten des DPV zu erwerben und zu unterhalten, nicht 



IX 



zur Ausführung gekommen. Derselbe wird aucl» niclit eher wieder 
aufgenommen werden können, als bis der DPV solche Räume in 
Jerusalem erlangt hat, die dauernd für die Unterhaltung eines 
Palästina-Museums benutzt werden können. Es ist zu hoffen, dass 
durch den geplanten Neubau auf dem Muristän auch für diesen 
Zw'eck geeignete Räumlichkeiten beschafft Averden. 

Unter den Unternehmungen, die im Jahre 1884 der DPV 
unterstützt hat, ist zunächst der Reise des Herrn Professor Dr. W. 
A, Neumann aus Wien zu gedenken. Seine Forschungen in Palästina 
von Ende Februar bis Mitte April erstreckten sich hauptsächlich 
auf Tiberias und Umgegend, auf den südlichen Theil des Dschölän 
und auf die nördlichen Ausläufer des Dschebel Adschlün zwischen 
Edrä'^t und Umm Kes. Obgleich Herr Professor Dr. W. A. Neuman^ 
nur einen geringen Theil der ihm vom DPV zur Verfügung ge- 
stellten Mittel in Anspruch nahm, ist er doch mit grosser Hingebung 
für die Zwecke des Vereins in Palästina thätig gewesen, wie ein 
ausführliches während seiner Rückkehr an den Unterzeichneten ge- 
richtetes und den Mitgliedern des geschäftsführenden Ausschusses 
vorgelegtes Schreiben bewies. Auch hat er den Anlass zu einer 
anderen Forschungsarbeit gegeben, die ebenfalls im vergangenen 
Jahre, wie ich sogleich erwähnen werde, in Angriff genommen 
wurde. 

Die Reise des Herrn Ad. Frei (jetzt Pfarrers in Ebnat. 
St. Gallen) vom Februar bis Juni 18S4 betraf der Hauptsache nach 
zwei Forschungsgebiete , ein südliches , welches Jerusalem und das 
Ostjordanland umfasst, und ein nördliches, nämlich die Ufer des 
Sees Tiberias. Als erste Frucht seiner Reise und seiner Studien 
ist in der ZDPV bereits der Aufsatz über die neu entdeckte 
Stephanskirche in Jerusalem veröffentlicht worden. Ob Herr Professor 
Dr. W. A. Neumann und Herr Pfarrer Ad. Fkei ihre Forschungen 
an den Ufern des Sees Tiberias gemeinsam oder getrennt veröffent- 
lichen werden, ist in Erwägung gezogen, bisher aber noch nicht 
entschieden worden. Leider hat Herr Pfarrer Ad. Frei nach seiner 
Rückkehr mehrere Wochen krank gelegen. 

Das wichtigste Unternehmen , mit dem der Ausschuss sich im 
vergangenen Jahr zu beschäftigen hatte, war ein Anerbieten des 
Herrn Ingenieur G. Schumacher in Haifa, mit Unterstützung des 
DPV Messungen im Dschölän vorzunehmen und eine Karte des 
Landes zwischen dem Jarmük im S. und der Birket er-Riim im X. 



X 



anzufertigen. Das Verdienst, die Anregung zu diesem Plan gegeben 
zu haben, gebührt Herrn Professor Dr. "NV. A. Neumann, der bei 
seinem Aufenthalte in Haifa mit Herrn Ingenieur G. Schumacher 
bekannt ^\■^lrde. Längere Verhandlungen zwischen den Mitgliedern 
des Ausschusses und des weiteren Comite's einerseits und mit 
Herrn Schumacher andererseits führten zu dem gelegentlich der 
Generalversammlung in Dessau am 2. Oktober 18S4 gefassten Be- 
schluss, Herrn Schumacher's Anerbieten definitiv anzunehmen und 
ihm die gewünschte Unterstützung im Betrage von 2000 Jl zu be- 
willigen. Man darf mit Spannung den Ergebnissen dieser Forschungen 
entgegensehen. 

Auch an dieser Stelle sei erwähnt, dass die Geschäfte der 
Vereinsleitung seit dem Ende des vergangenen Jahres zwischen 
den Mitgliedern des geschäftsführenden Ausschusses so getheilt sind, 
dass die Professoren Kauxzsch und Socin in Tübingen die Sekre- 
tariatsgeschäfte übernommen haben, die lledaction der Zeitschrift 
und die Verwaltung der Palästinabibliothek dagegen in den Händen 
des Unterzeichneten geblieben sind. 

Es sei mir gestattet, im Namen des Ausschusses hier die 
Wichtigkeit des Beschlusses der dritten Generalversammlung des 
DPV betreffend die Zahlung der rückständigen Jahres- 
beiträge sowie der Jahresbeiträge überhaupt, zu betonen. 
Auf Antrag des HeiTn Dr. O. Kersten wurde beschlossen, »dass 
vor der laut § 13 der Statuten vorgeschriebenen Einziehung durch 
die Post an die säumigen Mitglieder direct, nicht als Beilage zur 
Zeitschrift eine gedruckte Mahnung in unverschlossenem Brief- 
umschlage gesandt werde« (vgl. ZDPV VII, S. XXVII f.) Dieser 
Beschluss hat nach § 9 unserer Statuten für die gesammte Gesell- 
schaft bindende Kraft. Für die Ausführung dieses Beschlusses ist 
der Grundsatz angenommen , dass der Beitrag für das laufende 
Rechnungsjahr als fällig gilt, sobald das erste Heft, resp. das erste 
Doppelheft des entsprechenden Jahrganges der Zeitschrift in die 
Hände der Vereinsmitglieder gelangt ist. Im Falle nicht erfolgter 
Zahlung werden die Mitglieder von dem Kassirer des Vereins durch 
eine besondere Aufforderung um Berichtigung ihres fälligen Bei- 
trages ersucht werden. Ist derselbe bis zum 1. Juli des laufenden 
Rechnungsjahres nicht eingegangen, so wird er nach § 13 der 
Statuten durch die Post oder, wo solches nicht zulässig, auf anderem 
Wege eingezogen werden (vgl. ZDPV VII, S. XXIX f.). 



XI 



Der Zuwachs der Palästina -Bibliothek während do^t Jahres 
18S4 findet sich theils in Bd. VII, S. XIV fi'. , theils in Bd. Vlll, 
3. XIV if. verzeichnet. Besondere Erwähnung verdient, dass das 
grosse englische Werk über die Aufnahme des "Westjordanlandes, 
sowie die Bände der Statements jetzt vollständig in unserer Biblio- 
thek vorhanden sind. Allen denen, die durch Zusendungen den 
Bestand unserer Bibliothek vermehrt haben, sei an dieser Stelle der 
wärmste Dank des Vereins ausgesprochen. — Ich schliesse mit dem 
Ausdruck des lebhaften Dankes an die Herren Professor Dr. .1. 
Gildemeister in Bonn und Pfarrer Dr. C. Furueii in Zürich, die 
auch für das Jahr 1884 die Jahresrechnung des Vereins mit .ge- 
wohnter Sorgfalt geprüft haben. 

Leipzig, 17. Mai 1885. 

Für den Ausschuss : 

H. GUTHE. 



Auszug aus der Kecliuuug über Einnahme und 



Eiuuahmeu. 

Jl 3017. 62 .^ Cassen-Bestand vom Jahre 1883. 

M 405. 10 ^ Rückständige Jahresbeiträge von 1879—1883. 

- 3357. 53 - Laufende Jahresbeiträge pro 1884. 

- 98. 50 - für 3 Jahrg. I, 2 Jahrg. IL IIL 1 Jahrg. IV. V. 

2 Jahrg. W. und 1 Jahrg. V. Heft 4. 

- 743. 60 - für 4 Jahrg. I, 5 Jahrg. II, 4 Jahrg. III, 

4 Jahrg. IV, 9 Jahrg. V, 8 Jahrg. VI, 
59 Jahrg. VII und 5 einzelne Hefte durch 
- 4604. 73 - den Buchhandel abgesetzt. 

Jl 5. — ^ von Jul. Isenbeck in Wiesbaden durch Pfarrer 
L. Conrady in Miltenberg für den Expedi- 
tionsfonds. 
1. — - für 1 Kärtchen: Das Land zwischen Jerusalem 
G. — - und dem Todten Meer. 



Jl 45. — ä^ für getrennte Coupons von 5 Stück Z% Säch- 
sische Rente ä 300 Jl. v. October 1883 — 
October 1884. 
30. — - desgleichen von 1 Stück Z% Sächsische Rente 

75. ä 1000 .//. pro 18S4. 

16. 90 - Gutschrift an Zinsen für vor dem Zahlungs-Termin gezahlte 
Rechnungen. 



Ji 7720. 25 ^ Summa der Einnahmen, 
- 5896. 47 - - der Ausgaben. 

.// Xhl-S. 78 3^ Bestand baar. 

An Vermögen besitzt der Verein ferner : 
Jt 840. — ^ \ Stück '6% Sächsische Rente ä 1000 Jl zum 

Cours von 84, — . 
- 1260. — - 5 Stück "6% Sächsische Rente ä 300 Jl zum 
Jl 2100. — ^ Cours von 84,—. 

Ausserdem sind noch ca. Jl 1000. — an Jahresbeiträgen 
rückständig. 



Die Jahresrechnung des Palästina- Vereins für 1884 ist nach 
Bonn, 1. April 1885. 



Ausgabe der Kasse des DPV. im Jahre 1884. 



Ausgaben. 

Jl 1477. 79 ^ für Druck, Litho5i;ruphie etc. der Zeitschrift Band VII und 

von Accidentien. 
59. 65 - - Buchbinder- Arbeiten. 

Honorar, als : 
Jl 500. — ^ für Redaction der Zeitschrift von 1884. 

- S30. 16 - - 330. 16 - - Beiträge zur Zeitschrift. 
150. — - für Cassaführunp: an den Buchhalter. 

249. 39 - - Porti, Absclireibekosten etc. 

- 3106. 25 - - Reiseunterstützungen. 

15. 20 - - Zeichnungen ausgegrabener Gegenstände. 
8. 23 - - Packpapier etc. zur Versendung der Zeitschrift. 



Ji 5896. 47 3p Summa. der Avisgaben. 



Karl Baedeker, d. Z. Kassirer. 



eingehender Prüfung durchaus richtig befunden worden. 

J. Gildemeister. 

K. FURRER. 



Terzeiclmiss der vom 27. April 1884 bis zum 28. Mai 1885 

für die Palästiua-Bibliotliek eiugegaugeueu Bücher, 

Zeitschriften u. s. w. 



Von den HeiTen Verfassern: 

209. Vogel, Aucjusi, Nach Kanaan. Tagebuch einer Reise durch Aeiiypten, 
Palästina und GriechenUind. Mit vier Plänen, Gütersloh, C. Bertels- 
mann. 18S5. 

210. Ludolphi de Sudheim de itinere terre sancte et descriptionem terra 
sancte edidit G. A. Neumann. Paris, E. Leroux 1884. (Extrait des Ar- 
chives de l'Orient latin. Tome II, 2, 1883. p. 305—377.) 

Durch Herrn P. Seinicke in Jerusalem (Jetzt Professor in Wittenberg) : 

211. Dreiundz-wanzigster Jahresbericht des syrischen "Waisenhauses in Jeru- 
salem vom Jahr 1883. Druck von C. W. Mayer in Schorndorf. Jeru- 
salem, Waisenhaus (ohne Jahr). 

212. Bericht über das Aussätzigen- Asyl in Jerusalem für das Jahr 1883. 
Druck von Fr. Lindenbein in Herrnhut. Datirt: Berthelsdorf bei 
Herrnhut, März 1884). 

Von den Redactionen: 

213/214. Oesterreichische Monatsschrift für den Orient. Herausgegeben von 
dem orientalischen Museum in Wien. Red. von A. von Scula. Zehnter 
Jahrgang. Nr. 5—12. Mai — Dezember 1884. Wien 1884. 4.— Elfter 
Jahrgang. Nr. 1 — 5. Jänner — Mai 1SS5. Wien 1885. 4. 

215/216. Neueste Nachrichten aus dem Morgenlande. Neue Folge. Heraus- 
gegeben von Lic. C. Hoffnumn. 28. Jahrgang. Heft 2 — Ü. Berlin 1S84. 
8. — 29. Jahrgang. Heft 1 u. 2. Berlin 1885. 8. 

217/218. Zeitschrift für wissenschaftliche Geographie, herausgegeben von 
J. I. Kettler. Band IV, Heft 2—0. Wien 1883. Gr. 8. — Band V, 
Heft 1 u. 2. Gotha 1884. Gr. 8. 

219/220. Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Red. 
von Prof. Dr. E. Windisch. Band 38. Mit 4 Tafeln. Leipzig 1S84. 
8. — Band 39, Heft 1. Leipzig 1885. 8. 

221/222. Revue archeologique (Antiquite et moyen äge). Public sous la 
direction de 3IM. Alex. Bertrand et G. Perrot. Troisieme Serie. 2^ 
annee. Mars — Decembre 1884. Paris, 1883. 8. — Troisieme serie. 
3c annee. Janvier — Avril 1885. Paris. 1884. 8. 

223/224. Warte des Tempels. Wochenblatt zur Belehrung über die wich- 
tigsten Fragen unserer Zeit. Herausgegeben von Chr. Hoffmann und 
Chr. Paulus. Stuttgart 1884. Nr. 18—52. 4. — 1885, Nr. 1—22. 



XV 

225/226. Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Ballcy Braiuleiiburf;. 2Ö. Jahr- 
gang. Nr. 17—52. Berlin 1884. 4. — 2Ü. Jahrgang. Nr. 1— 2U. Berlin 
1885. 4. 

Von dem Verein für Erdkunde in Halle: 

227. Mittheilungen des Vereins für Erdkunde zu Halle a. S. 1884. Halle 
a. S., Tausch & Grosse. 1884. 8. 

Von der Geographischen Gesellschaft in Bremen : 

228. Deutsche Geographische Blätter. Herausgegeben von der Deutschen 
Geographischen Gesellschaft in Bremen. Band VH. Bremen 1h84. 8. 

221). Catalog der Argentinischen Ausstellung, veranstaltet von der Geogra- 
phischen Gesellschaft in Bremen im Tivoli- Saale. Mai — Juni 1884. 
Mit Uebersichts-Karte von Argentinien. (Anlage zu Heft 2, Baml VII 
der Deutschen Geographischen Blätter.) 2. Auflage. Bremen 1884. 
G. A. v. Halem. 8. 

Von dem Verein für Erdkunde in Leipzig : 

230. Mittheilungen des Vereins für Erdkunde zu Leipzig. 1 88:3. Abteilung I, 
mit drei Karten. Abteilung II, mit einer Karte. Leipzig, Duncker &: 
Humblot. 1884. 8. 

Von der Geographischen Gesellschaft (für Thüringen) zu Jena: 

231. Mittheilungen der Geographischen Gesellschaft (für Thüringen) zu Jena. 
Herausgegeben von G. Kurze und Dr. F. Regel. Band III, Heft 1 — 4. 
Jena, G. Fischer 1884. 8. 

Von der Societe de Geographie in Paris: 



232/233. Bulletin de la Societe de Geographie. Septieme serie. Tome V. 

ler_4e Trimestre 1884. Paris 18S4. S. — Tome VI. l"Trimestre 1885. 

Paris 1885. 8. 
234/235. Compte rendu des seances de la commission centrale. Seance du 

18. Avril 1884. — Seance du 8 Mai 1885. Paris. 8. 



Voti dem Verein vom heiligen Grube in Cöln : 

236/237. Das heilige Land. Organ des Vereins vom heiligen Grabe. 28. Jahr- 
gang, Heft 1—6. 1884. Cöln 1884. 8.— 29. Jahrgang, Heft 1. Cöln 
1885. 8. 

Von der Geographischen Gesellschaft in Bern : 

238. VI. Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern. 1883/'1S84. 
Redigirt von G. Reymond-le Brun. Bern, Paul Haller. 1884. 8. 

Von dem Verein für Erdkunde in 3Ietz: 

239. VI.— VII. Jahresbericht des Vereins für Erdkunde zu Metz für 1883 — 
1884. Metz, G. Scriba. 1885. 8. 

Von der k. k. Geographischen Gesellschaft in If'ien: 

240. Mittheilungen der k. k. Geographischen Gesellschaft in Wien. 1884. 
Herausgeg. vom Redactions- und Vortrags-Comite. Redacteur : I'. c. 
Haardt. XXVII. Band (der neuen Folge XVII). Wien. Ed. Hölzel. 

1884. 8. 



XVI 



Von (hin Palestine Exploration Fund: 

241/242. Quarterly Statement 1880, July. 1881, April, July , October. 
4 Hefte 8. 

Durch die Redaction der ZDPV: 

243/244. Missionsblad frän Palästina 'Herausgeber: KA\^e\\?L\\ Herman Hag- 
berg in Falun . Jahrgang 1SS4. Nr. 4—12. Falun 1^84. S. — Jahrgang 
188'5, Nr. 1. Kristiania 1885. 

245. Jahresbericht des Keal - Progj-mnasiums zu Oldesloe. Ostern 1884. 
Inhalt: 1) Dalmanutha. Geographisch- linguistische Untersuchung zu 
Marc. 8, 10 und Matth. 15, 39. Von Ur. Martin Schultze. 2) Schul- 
nachrichten. Von demselben. 1884. Progr. Nr. 271. Druck von 
J. Schüthe in Oldesloe. 

Durch Ankauf: 

246/252. The memoirs of the survey of "Western Palestine. General editors: 
Prof. E. H. Falmer, M. A., and Walter Besant, M. A. 

Vol. I — III: Memoirs written to accompany the sheets of the Map. 
By Captains Conder and Kitchener, R. E. Galilaea. Samaria. Judaea. 

Vol. IV: The Name Lists in Arabic and English. Edited by Prof. 
E. H. Palmer. 

Vol. V: Special Papers on the Archaeology, Topography, etc. of the 
Country. Reprinted from the Quarterly Statement. 

Vol. VI: Jerusalem. (A complete account of the Excavations and 
Researches in Jerusalem from 1866 to the present time.: With a Port- 
folio of Fifty Plates. By Col. Sir Charles Warren and Capt. Claude 
Reignier Conder. 

Vol. VII : The Flora and Fauna of Palestine. Richly illustrated. 
By the Rev. Canon Tristram. 

(Die grosse englische Karte ist schon 18S1 gekauft worden.; 
253/255. Quarterly Statement for 1882, Heft 1—4. 1883. Heft 1—4. 1884, 
Heft 1—4. b. 



Verzeichniss sämmtlicher Mitglieder des Deutscheu Tereius 
zur Erforschuug Palästiua's. 



Seine Majestät der Deutsche Kaiser und König von Pkeussen. 
Seine Majestät der König von Württemberg. 

Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz des Deutschen 
Reichs und von Preussen. 

Alstein, Fr., Lehrer in Lüneburg. 

Antonin, Archimandrit in Jerusalem. 

Arndt, Dr. Theodor, Prediger an der St. Petrikirche in Berlin. 

Ascherso7i, Dr. P., Professor in Berlin. 

Auerbach, Dr. Z., llabbiner in Halberstadt. 

Auning, Pastor in Sesswegen, Livland. 

Bam-ts, Pastor in Kösslitz bei Weissenfeis. 

Baedeker, K., in Leipzig. 

Ball, Dr., Ober-Consistorialrath in Coblenz. 

Barrelet, J., Pastor in Sagne, Neuchätel. 

Bassermann, Dr. H., Professor in Heidelberg. 

Baethcke, Pfarrer in Schwarzhausen (Thüringen) . 

Bättig, Niki., Vikar in Kriens, Canton Luzern. 

V. Baudissin, Graf, Dr. W., Professor in Marburg. 

Baur, J., Pfarrer in Dietershof en bei Klosterwald. 

Baur, Dr. G., Consistorialrath u. Professor in Leipzig. 

Behm, Dr. phil. Heinr., Pastor in SchlieflFenberg Mecklenburg . 

Be/irmann, Hauptpastor an St. Michaelis in Hamburg. 



xvm 



Berliner . Dr. A., Docent am Rabbinerseminar in Berlin. 
Berthe.au, Dr. E., Geh. Reg.-Rath u. Professor in Göttingen. 
Bertheau, Carl, Pastor an St. Michaelis in Hamburg. 

Bibliotheken : 

der Akademie von Neuchätel .Schweiz), Dr. Domeier. 

de l'ecole des langues orientales Vivantes in Paris (Ch. Sehe/er). 

der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin, 

Prof. Dr. Lazarus. 
der Synagogengemeinde in Breslau, 
der israel. Cultusgemeinde in Wien, 
des Rabbiner-Seminars in Berlin, Dr. A. Berliner. 
Gymnasialbibliothek in Ehingen. 

in Rottweil. 
Königliche Bibliothek in Berlin. 
Königliche öffentliche Bibliothek in Stuttgart. 
des evangelisch-lutherischen Landes-Consistoriums in Dresden, 
des Königlichen Lyceum Hosianum in Braunsberg (Ostpreussen). 
Landesbibliothek in Wiesbaden. 
Library Union Theological Seminary in New York. 
Ministerialbibliothek in Schaffhausen, C. A. Bächtold, Pfarrer. 
Öffentliche Bibliothek in Basel, Dr. L. Sieber. 

- in Leyden, Holland, 
des evangelischen Seminars in Tübingen. 
Stadtbibliothek in Frankfurt a/Main, Dr. Haueisen. 

in Hamburg, Dr. Isler. 
in Mainz, Dr. Velke. 
Universitätsbibliothek in Amsterdam. 

- in Bonn. 

- in Dorpat. 

- in Erlangen. 

- in Giessen. 

- in Halle. 

- in Leipzig, 
in Marburg. 

- in Prag. 

- in Strassburg i. E. 

- in Tübingen. 

- in Utrecht. 



XIX 



BicJcell, Dr. G., Professor in Innsbruck. 

Boe/il, Dr. E., Professor in Wien. 

Bourgeois, Dr. G., Pastor in Le Creuzot, Frankreich. 

Brüll, Dr. Adolf, in Frankfurt a/M. 

Bri'mnotv, Rudolf E., cand. phil. in Vevey. 

Biidde, Dr. C, Professor in Bonn. 

Burckhardt-Zahn, Ed., Kaufmann in Basel. 

Cassel, Dr. tli. P., Professor und Pastor in Berlin. 

Chaplin, Dr. med. Thom., in Jerusalem. 

Chapuis, Dr. F., Professor in Lausanne. 

Christmann ^1 Vicedirector in Beirut. 

Chwolson, Dr. Dan., wirkl. Staatsrath und Professor in St. Petersburg. 

Clausen, Consistorial-Rath in Brügge bei Bordesholm (Holstein) . 

Ballon, Consistorial-Rath in St. Petersburg. 

Delitzsch, Dr. Franz, Professor in Leipzig. 

Dieckmcmn, R., Pastor in Beggerow bei Demmin. 

Dillmanti, Dr. A., Professor in Berlin. 

Duisbery, W., in Jerusalem. 

Ebers, Dr. G., Professor in Leipzig. 

EcJcardt, Karl, evang. Pfarrer in Prag. 

Ehinger-Hetisler, Alph., in Basel. 

Einszier, Dr. med. A., Stadtarzt in Jerusalem. 

Euting, Prof. Dr. /., Oberbibliothekar in Strassburg i. E. 

Fahrngruber , Johann, bischöflicher Secretär in St. Polten, Nieder- 

üsterreich. 
Fag, F. R., Pfarrer in Crefeld. 
Fehr, Dr. Fredrik, Pastor primarius in Stockholm, 
Fell, Dr. Win., Gymnasiallehrerin Cöln. 
Fleischer, Dr. H. L., geh. Hofrath u. Professor in Leipzig. 
Förstemann, Dr., Oberbibliothekar in Leipzig. 
Fraas, Dr. O., Professor in Stuttgart. 
Frank, Dr., Rabbiner in Cöln. 

Frei, A., Pfarrer in Ebnat, Canton St. Gallen (Schweiz). 
Frenkel, Dr. E., Gymn. -Oberlehrer in Dresden. 
Fromme, Pastor in Wersabe (Post Sandstedt bei Bremen) . 
Frutiger ^ Comp., J., in Jerusalem. 
Furrer, Dr. K., Pfarrer in Zürich. 
Gatt, G., kathol. Missionar in Gaza. 
Gautier, Dr. Luden, Professor in Lausanne. 



XX 



r. Georqii, Dr.. Prälat in Tübingen. 

Geyser, N., Pastor in Gruiten hei Haan. Reg. -Bez. Düsseldorf. 
Gildemeister, Dr. /. , Professor in Bonn. 
Giitsburg, Dr., in Chertsey England]. 
Ginsburff, Rev'^ Dr., in London. 
Gladrow, Zahnarzt in Beirut. 
de Goeje, Dr. M., Professor in Leyden. 
Goldziher, Dr. /., Docent an der Universität in Budapest. 
Goldinami, Samuel, Cantor in Gr. Kanizsa, Ungarn. 
Gosche, Dr. R., Professor in Halle. 
Grigor, A. B. 3/., in Glasgow. 
Grossmann, Lic. Dr., Superintendent in Grimma. 
Grünhaum, Dr. M., in ]München. 
Grünert, Dr. Max, Docent in Prag. 
Grundt, Dr. F. J., Oherlehrer in Dresden. 

Gunning , J. H., Dr. theol., ref. Pred. in Bennebroek hei Haarlem 
(Holland) . 
■ Guthe, Lic. H., Professor in Leipzig. 
Hagherg, Herman, Pastor in Falun, Schweden. 
Hagenmeyer, ev. Pfarrer in Ziegelhausen bei Heidelberg. 
Hagerup, H., Buchhändler in Kopenhagen. 
Halberstamm, S. J. , in Bielitz, Österreich. 
Halevy, J., Professor in Paris 
Harkavy, Prof. Dr. Alb., Bibliothekar an der k. öfFentl. Bibliothek in 

St. Petersburg. 
Hartmann, Dr., Kanzler des kais. deutschen Consulats in Beirut. 
Heinrici, Dr., Professor in Marburg. 
Helle, Dr. Fr. W., in Ossegg bei Teplitz. 
Herqtiet, Dr., Staatsarchivar in Aurich. 
Hertz, H., in Winnington Hall, Northwich, Cheshire. 
Heucke, Pastor in Schwerin i. M. 
Heussler, G., Pfarrer in Basel. 
Hildesheimer , Dr. /. , Seminardirector in Berlin. 
Hildesheimer , Dr. H., in Berlin. 
Hildesheimer, A., in Halberstadt. 
Hildesheimer, Levi, in Odessa. 
Himpel, Dr. F., Professor in Tübingen. 
V. Hitrowo, B., kais. russ. wirkl. Staatsrath in Petersburg. 



XXI 



Ilnjpmnnn. Lic. C, Supovintondont in Fvannndorf Ikm Ziillclunv. 

R.-Bez. Stettin. 
lloffmann, Christoph, Vorsteher des Tempels in Jerusalem. 
Hoß'mann, Dr. G., Professor in Kiel. 
Hollenberg, /. , Gj^mnasial-Oberlehrer in Bielefeld. 
Hommel, Dr. Fritz, Professor in München. 

Hoernle, Dr. A. F. Rudolf, Oßg. Principal Madrasah Calciilta. 
IlUs, Sfefa?!. ■/.. Z. auf Reisen. 
Joffe, Sarrmcl, Commerzienrath in Posen. 
Jäger, Louis, Bxichhändler in Basel. 
Kaffnn. Dr. /. . Professor in Berlin. 
Kaim, Dr. phil. F., in London (?). 
Kalmus, Julius, in Berlin. 
Kaempf, Dr. 8. J., Professor in Pra^j. 
Kamphausen, Dr. A., Professor in Bonn. 
Kappes, Kaufmann in Beirut. 

Kautzsch, Dr. E., Professor in Tübingen. 

Kersten, Dr. phil. Otto, in Berlin. 

Kiepert. Dr. H., Professor in Berlin. 

Kiepert, Dr. phil. R., in Berlin. 

Kind, Dr. A., Diakonus in Jena. 

Kinter, P. Maurus, O. S. B., Stiftsarchivar in Raigern hei Brunn. 

Kinzler, Adolph, Pfarrer im Missionshaus in Basel. 

Klaiher, Dekan in Göppingen, Württemberg. 

Kleiyi, Stadtpfarrer in Pforzheim. 

Klein, Rev. F. A., in Cairo. 

Knher-Gnbat, P. J. F., in Basel. 

Koch, A. W., Hofprediger in Sofia. 

Kögel, Dr., Oberhofprediger in Berlin. 

Köhler, Dr. A., Professor in Ei-langen. 

Kol, E., Bankier in Utrecht. 

König, Dr. /. , Professor in Freiburg i. P)r. 

König, Lic. Dr. E., Oberlehrer u. Docent a. d. Universität in Leipzig. 

Körten, l'farrer in Rölsdorf bei Düren. 

Kr äfft, Dr., Professor in Bonn. 

Krähe, Dr. phil. Ed., Stadtschulratli in Halle a/S. 

Krehl, Dr. L., Geheimer Hof-Rath, i'rofessor und ()lirrlii1.1intlicU:ii 
in Ticipzig. 

Krenkel, Dr. Max, in Dresden. 

Ztsdir. a. Pal.-Ver. VIII. b 



XXII 



lüigler, Dr. B., Professor in Tübingen. 

Kiiper, Dr., Consistorialrath in Stettin. 

de Lagardc. Dr. /'., Professor in Göttingen 

r. Landherg, Dr. Carlo Graf, in Stuttgart. 

Landgraff, Dr. 77/.. in Heidelberg {?). 

Lange, Regienmgs- und Baurath in Cassel. 

Lnoy, Dr. /., in Breslau. 

Legding. Superintendent in Geversdorf a/d. Oste (Hannover). 

Legrer, Pfarrer, l'lochingon (Württemberg i . 

Lindner, Dr. //;•., Docent an der Universität in Leipzig. 

Lnrange, Dr. med., in Beirut. 

liortet . Dr. Ad., Doyen de la faculte de medicino et de pliarniacie in 

Lyon. 
Lntz, Dr. Wilhelm, Professor in Wien. 
Loytved, königl. dänischer Vice-Consul in Beirut. 
Lütge. H., Pastor in Amsterdam. 

Jj'iltieke, Viee-Consul des deutschen Reiches in Damascus. 
LJiltke, M., Oberpfarrer in Schkeuditz bei Halle a/S. 
Märcher, Franz, Seminarlehrer in Alt-Döbern bei Cottbus. 
Marti, Karl, Lic. theol., Pfarrer in Muttenz (Kanton Baselland). 
Mehnert, O., in Dresden. 
Menzel, Dr. A., Professor in Bonn. 
Merx^ Dr. A., Professor in Heidelberg. 

Michaelis, Adolf, Rittergutsbesitzer zu Gross-Reichen bei Liegnitz. 
Miescher, E., Pfarrer in St. Gallen. 
V. Moltke, Graf, Exe, Feldmarschall in Berlin. 
Mond, Ludwig, in Winnington Hall, Northwich, ('heshire. 
Mühlau, Dr. F., kais. russ. Staatsrath, Professor in Dorpat. 
Müller, Dr. A., Professor in Königsberg i. Pr. 
V. Münchhansen, Freiherr, kais. deutscher (Konsul in Kiew. 
Mnnk, E., Rabbinatsassessor in Altona. 
Napier, Jf. IL, Rev. in liondon. 
Nestle, Dr. E., Gymnasial-i^-ofessor in Ulm a/D. 
Neumann, Dr. IV. A., Professor in Wien. 
Neg, Kaufmann in Beirut. 

Nöldeke. Dr. 77,.. Professor in Strassburg i. V,. 
Nowack, Dr., l'rofessor in Strassburg i. E. 
Oort, Dr. //., l'rofessor in Leiden. 
r. Orelli, Dr. C, Professor in Basel. 



xxin 



V. Orlcnbcnj, K., (J ymiuisiulk'lii-ci- iu Ncrdun, ll;iiiiu)vi;r. 

Osgood, Howard, Professor in New- York. 

Vidm, August, Professor am Gymnasium in MantilK-iin. 

Palmer, F., Vorsteher der englischen Zionsschuh- in .Icnisah-iii. 

Paulus, Dr. /. G. P/i., Pfarrer in Cleversulzbach Itci Ncuenstudt , 

Württemberg. 
Paulus, Dr. med. Franz, in Stuttgart. 
Pei7i, Pastor in Beirut. 
Philippi, Dr. F., Professor in Kostock. 
P/ioiiüs , Archidiakonus in Mitylene. 
Pick, Dr. B., Rev. in Alleghcny, Pa. 
Prahl, H., Pastor in Mögeltondern. 
Prcisivc9-k, S., Pfarrer an St. Alban in Basel. 
Pryvi, Dr. E., Professor in Bonn. 
Rahencr, M. S., Director in Jassy, Rumänien. 
Ruiniss, Julius, Professor und Pfarrer in Zircz, Ungarn. 
Reinicke, Lic. Dr., Professor am evangelischen Prediger -Seminar in 

Wittenberg. 
Reiiz, Dr., kaiserl. deutscher Consul in Jerusalem. 
Reusch, Dr. F'. H., Professor in Bonn. 
Rcuss, Dr. E., Professor in Strassburg i. E. 
Richter, Dr. /. P., in London. 
Rie/mi, Dr. E., Professor in Halle a/S. 
Riess, Dr. R., Domkapitular in Rottenburg a. N. 
Riggenbach, Dr. /. , Professor in Basel. 
Ritter, Gustav, Pastor in Hamburg. 
Röhricht, Dr. R., Professor in Berlin. 
Röpe, H., Hauptpastor an St. Jacobi in Hamburg. 
Rösch, G.. Pfarrer in Hermaringen im Brenzthal, ^Vg. 
V. Rosen, Baron V., Professor in St. Petersburg. 
V. Roth, Dr. R., Professor in Tübingen. 
Rothe, H., Seminarlehrer in Cammin. Pommern. 
Rothstein, Lic. Dr., in Halle a/S. 
Ruetschi. Dr. R.. Decan u. Professor in Bern. 
Rgssel, Lic. Dr. V. , Überlehrer und Professor a. d. Iniversitat in 

Leipzig. 
Sachse. Dr. G.. Gymnasial-Oborlehrer in Posen. 
Sandberger, F., Dekan in Tübingen. 
Sandel, Theodor, Architect in Jerusalem. 



XXIV 



Samlreczki, Dr. med., in Jt'iusalcm. 

Sandrecz/ii, Dr. C. , in Passaii. 

Sarusin- Bifichoß', Theodur, Kaufmann in Basel. 

Sarasin-Stehim . lind., Kaufmann in Basel. 

Sattler, Dr. E., Privatier in Fhmtern b/Zürich. 

Schach, Lehnsgraf zu Schackenburg bei Mögeltondern. 

Sc/ianz, Dr. F., Professor in Tübingen. 

Sehe/er, Ch., membre de Tlnstitut in Paris. 

Schegg, Dr. F., Professor in München. 

Schick, Conr., königl. Württemberg. Baurath in Jerusalem. 

Schlottmaim. Dr. C , Professor in Halle a/S. 

Sch7nuUer, Dekan O., Pfarrer in Derendingen, Württemberg. 

Schnabl, K., Propstei-Cooperator an der Votivkirchc in Wien. 

Schnedermami , Lic. Dr. Georg, in Basel. 

Schöneche. L., Kaufmann in Jerusalem. 

Schröder, Dr. E., Professor in Berlin. 

Schrameier, Dr. W., in Berlin. 

Schroeder, Dr. F., kaiserl. deutscher Konsul in Beirut. 

Schröder Dr. Carl Friedrich, Pfarrer a. D. in Cannstatt. 

Schröder, Dr. phil. C, Grossherzogl. Bibliothekar in »Schwerin. 

Schulte, Dr. Franz, Domcapitular in Paderborn. 

Schultz, Dr. Fr. W., Professor in Breslau. 

Schürer, Dr. E., Professor in Giessen. 

Schwarz, G., Director der deutschen Schule in Beirut. 

Seebass, Dr. phil. Otto, in Dessau. 

Seil, 0., Diaconus in Leipzig. 

Seil, Richard, Pfarrvikar in iStepfershausen bei Meiningen. 

Siegfried, Dr. K., Prof. in Jena. 

Sieveking, Dr. med. Wilhelm, in Hamburg. 

Sigrist- Weber, C, Kaufmann in Beirut. 

Stnend, Lic. Dr. Rud., Professor in Basel. 

Socin, Dr. A.. Professor in Tübingen. 

Sommer, Dr. /. G., Professor in Königsberg. 

Spaich, Pfarrer in Degenfeld bei Schwab. -Gmünd. 

Sprenger, Dr. A., in Heidelberg. 

Stade, Dr. B., Professor in Giessen. 

Stachelin, Dr. E., Pfarrer in Basel. 

S taiger, Missionar in Beirut. 

Steck, R., Professor der Tlicologie in Bern. 



XXV 



Shlf'vnavn, Dr. 7i. , l'iitlL'ysui- in IJascl. 

Steinvr, Dr. IL, rrofessor in Zürich. 

Stvnykin, Reichsanwalt in L(3i[)zi^^ 

Stenhuuse, llev. Dr. T/iumas, in liOiuloii. 

Sternickel, Arthur, in Biala bei liicslil/, (l)sterr. Schlesien) . 

Sttckcl, Dr. /. G., Professor in Jena. 

Sluckmeyer, Dr. /. , Antistes und Professor in Basel. 

Strack, Dr. Herrn. L., Professor in Berlin. 

Strauss, Dr. F. A., Hofprediger in Potsdam. 

Sülze, Dr. E., Pastor in Dresden-Neustadt. 

Si/rsock, Dragoman des kaiserl. deutschen Cpnsulats in Beirut. 

Tliomscn, Pastor in Sterup, Schleswig-Holstein. 

Thorhecke, Dr. //., Professor in Heidelberg. 

V. Ustinotv, Baron Plato, in Jafa. 

Vuleton, Dr. /. /. P., Amersfoort, Niederlande. 

Vereine : 

Alliance israel. universelle in Paris. 

Capitel-Leseverein von Gunzenhausen (Bayern), Pfarrer Stähliu. 

Deutscher Verein in Jafa. 

Deutsch-Israelitischer Gemeindebund in Berlin. 

Jüdischer Lesezirkel in Fürth, Rabbiner Dr. Neuhürger. 

Lesegesellschaft »zur Harmonie« in Frankfurt a/M., Ad. Barr. 

Palestine Exploration Fund in London. 

Pastoral-Gesellschaft, Anhalt-Dessauische, Archidiacunus Hesse 

in Dessau. 
Tübinger Diöcesan-Verein, Dekan Sandherger in Tübingen. 

Vischcr-Heusler, Dr. W., Professor in Basel. 

Vogel, A., Pfarrer in Hohen-Reinkendorf b. Tantow, Pommern. 

Volck, Dr. W., kais. russ. Staatsrath und Professor in Dorpat. 

Vtdlletimier, Dr. H., Professor in Lausanne. 

Wackernagel, W., Rev. Prof. in Allentown, Pennsylvaiiini. 

Wagner hf Dehes, Geographische Anstalt in Leipzig. 

Waldmeyer, Missionar in Beirut. 

Walther, Jules^ Pasteur in Avenches, Schweiz. 

Weiss, Dr. H., Prof. theol. in Tübingen. 

Wellhausen, Dr. /. , Professor in Marburg. 

Werner, H., Helfer in Nürtingen, Württemberg. 



XXVI 



Weser, Lic. //., Tastor in Berlin. 

JVei/ri(7i. Pastor in Arrasch, Livland. 

Wihun, Charles W., Major 11. E. in London. 

Witte, Landgerichtsdirektor in Breslau. 

Wulff, Dr. Ph., Stadtpfarrer a. D., in Tübingen. 

Wolters, Rev. Th. F., in Jerusalem. 

Ifriff/it, Dr. W., Professor in Cambridge, England. 

Zander, Gymn. -Oberlehrer in Gütersloh. 

Zeller, Rev. /. , in Cannstatt. 

von Zteten-iSc/iwerin, Graf zu Janow bei Clempenow, Kreis Anclam. 

Zimmei-mann, Dr. C. in Basel. 



Geschlossen am 23. Juni 1S85. 

Die Rcdactiuu. 



Persoiialiijiclnicliteii und geschiiniiclic MililMiliiii-ni. 



Als Mitiflioder sind dem Veroino beigefroton : 

Evang-oliseh-lulliorisdies I-.andes-Oonsistovium in Dresden. 
Hertz, IL, in Winninfi:ton Hall bei Norllnvic.li, Knj^land. 
Mond, Ludivig, » » » » 

Sec/iass, Dr. pliil. Otto, in Dessau. 

Durch den Tod verlor der Vorein das Mitglied : 
Seine Königliche Hoheit den Fürsten Anton von Hohenzoli.kkn- 

8lG MARINGEN. 



Die Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses, Herr Dr. 
0. Kersten in Berlin und Professor^. Guthe in Leipzig, haben im 
Einverständniss mit den übrigen Ausschussmitgliedern am 12. M:lr/, 
d. J. der physikalisch - mathematischen Klasse der königlich preus- 
sischen Akademie der Wissenschaften in l^erlin »den Plan einer 
geologischen Untersuchung des südöstlichen Hermon und des Landes 
im Osten des oberen Jordanlaufes, namentlich der Landschaft Dschö- 
län« vorgelegt und daran die Bitte geknüpft, die zu dieser Unter- 
suchung erforderlichen Mittel zu bewilligen. Die genannte Klasse der 
königlich preussischen Akademie der Wissenschaften hat durch Bc- 
schluss vom IG. April dieser Bitte in höchst erfreulicher Weise ent- 
sprochen, indem sie den von Seiten der Antragsteller für diese For- 
schungsreise vorgeschlagenen Geologen, Herrn Dr. Fritz Noctliug, 
Privatdocent an der Universität in Königsberg, mit der »geologischen 
Untersuchung des östlichen Hermon - Gebirges beauftragt und dem- 
selben die veranschlagte Kostensumme von 5000 Jl bewilligt« hat. 

Herrn Professor Dr. O. Fraas in Stuttgart gebührt das Verdienst, 
diesen l'lan angeregt zu haben. Bei den Verhandhingen über die ersli' 



XXVITT 

Unterstützuno: von Seiten des Deiitsclien Palästina -Vereins an Herrn 
Ingenieur G. Schitmachpr in Ilaifa zum Zweck der Vermessung des 
Dschdlrm (vergl. ZDPV. VII, S. XXIX) empfahl Herr Prof. Fmax 
die Gegend von Medschdel esch-Schems am Hormon einer besonderen 
Beachtung, da eine dort zu Tage tretende Juraspalte von hohem geo- 
logischen Interesse sei. Für die damals in Frage stehende Reise des 
Herrn G . Schumacher musste freilich schon wegen der Kürze der Zeit 
diese Anregung fruchtlos bleiben. Doch da l^exx Schumacher in seinem 
vorläufigen kurzen Bericht vom 22. Oct. 1884 'vgl. S. IV diese? 
Bandes) selbst den Wunsch aussprach, dass auch der Dschölän von 
einem Geologen untersucht werden möge, so griffen die oben genannten 
Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses den von Herrn Prof. 
Fraas angeregten Plan zu Anfang dieses Jahres wieder auf. 

Der geschäftsführende Ausschuss des DPV hat seinerseits be- 
schlossen, kraft der ihm durch Beschluss der dritten Generalversamm- 
lung in Dessau für Geldbewilligungen ertheilten Vollmacht die For- 
schungsreise des Herrn Dr. Fritz Noetling von Seiten des Palästina- 
Vereins in der Weise zu unterstützen, dass er aus der Kasse des Vereins 
einerseits Herrn Dr. Noetling 500 ,// als Beitrag zu den Reisekostei 
verwilligte, andererseits die Entschädigung des Herrn G. Schumarhet 
in Haifa für die Begleitung des Herrn Dr. Noetling in einer später zv 
bestimmenden Höhe übernahm. 

Herr Dr. Noetling ist am 1 . Mai von Triest abgefahren und beab- 
sichtigte, am 18. Mai gemeinsam mit Herrn Schumacher die Heise vor 
Haifa aus zunächst in den Dschölän und dann auf den Hermon an- 
zutreten. 

Am 22. Juni erhielt die Redaction von Herrn Baurath C. Schiel 
in Jerusalem sieben sehr werthvolle Pläne über den Lauf der zweiter 
Mauer des alten Jerusalems, über die Bauten Constantins am h. Grabe 
sowie über die jetzige Grabeskirche. Dieselben werden mit erläu- 
terndem Text und mit einem Bericht über die russischen Ausgrabunger 
im Jahre 1883 gegen Ende dieses Jahres in der ZDPV. veröffentlichi 
werden. 

Die Beilage zu Heft 2 dieses Bandes verdankt die Redaction dei 
Güte und Opferwilligkeit des Herrn Prof. Dr./. Gildemeister in Bonn. 



[Geschlossen 2)^ Juni 1885]. 

Die Reilaetion. 



Persoiialuach richten und geschiiftliche Mittheiluiigeii. 



Als Mitglieder sind dem Vereine beigetreten,; 

Seine Hoheit der Fürst Leopold von Hohenzollern. 
Post, George E., in Beirut. 
Sieveking, Dr. jur. K., in Hamburg. 

Durch den Tod verlor der Verein die Mitglieder : 

Hoffnimm, Chr., Vorsteher der Tempelgemeinden in Jerusalem. 
Schegg, Dr. P., Professor in München. 



Über die gemeinschaftlich von Herrn Dr. Koetling und Herrn 
G. Schumacher nach dem Dschölän unternommene Reise und über die 
allein von dem erstgenannten Herrn ausgeführten Forschungen am 
Hermon theile ich aus Briefen dieser Herren Folgendes mit. Hen- 
Schumacher schreibt unter dem 30. Juni 1885: 

»Nach einer ziemlich anstrengenden [am 18. Mai angetretenen] 
Reise sind wir am 28. Juni wohlbehalten in Haifa wieder angelangt. 
Die Hitze war in Folge später Siroccowinde bisweilen geradezu sen- 
gend. Unsere Reise dehnte sich über den ganzen Dschölän aus. Ich 
controlirte vielfach meine früheren Messungen und erweiterte diesel- 
ben auf die Umgebung von Birket Räm. Von da zogen wir wieder 
südlich , indem ich die Abhänge am oberen Jordan und am Ilfde-Scc 
ergänzte. Die für den Palästina-Verein herzustellende Karte wird 
also das ganze Gebiet des eigentlichen Dschölän, d. h. vom Rukkäd 
im O. bis an die Abhänge des Jordan im W. und vom Birket Räm im 
N. bis an den Jarmük im S. umfassen. Die Sumpfgegend des Hüle- 
Sees sowie die Marschen des .beren Jordan bis an die höher gelege- 
nen Abhäno-e musste ich indessen unerledigt lassen, da dieselben 



XXX Personalnachrichten und geschäftliche Mittheilungen. 

ebenso uninteressant als zeitraubend sind : auch steht das Wasser 
noch allenthalben in jener Niederung«, 

Herr Dr. Noetling schreibt unter dem 29. Juni 1885 aus Haifa: 

»Was die Ergebnisse der Dschölän-Reise anlangt, so bin ich da- 
mit zufrieden und wiederum nicht zufrieden. Nicht zufrieden, weil 
das paläontologische Ergebniss ein gar dürftiges ist; sehr zufrieden 
aber, weil ich eine schöne geologische Karte aufgenommen habe und 
weil es mir gelungen ist, positive Beweise für das Alter der vulka- 
nischen Eruptionen beizubringen. Dieselben sind nämlich viel jün- 
ger, als man bisher glaubte ; ja der jüngste Lavastrom des Rukkäd- 
thales durchfloss dasselbe zu einer Zeit, in welcher möglicher Weise 
schon Menschen in der Gegend wohnten. Diese Frage wird durch die 
Auffassung einer Geröllschiclit , der Ablagerung des uralten Hiero- 
max , der vor der Eruption im Thale floss , entschieden ; in Europa 
würde man dieselbe als Diluvium , wenn nicht gar als Alt- Alluvium 
auffassen , mithin Perioden zuzählen , während welcher bereits Men- 
schen existirten. 

»Die Unterlage der Lava bildet ein weites Plateau, das völlig aus 
versteinerungslosen Kreidekalken zusammengesetzt ist. Interessant 
war der Nachweis, dass die heissen Quellen früher viel weiter ver- 
breitet waren als dieselben jetzt sind. So lange die Quellen heiss 
sind, setzen sich aus denselben Niederschläge von kohlensaurem Kalk 
ab , wie man bei el-Hammi deutlich beobachten kann. Solche Quell- 
absätze fand ich nun in mächtiger Ausbildung sowohl im Wadi Arab 
als auch im Wadi Zahar, wo heute nur kalte Quellen sprudeln. Man 
muss daher annehmen, dass eine allmähliche Abkühlung der Quellen 
stattfindet. 

»Sehr wesentlich ist auch die von mir gemachte Entdeckung einer 
Fauna in den Schichten, welche das Jordanthal erfüllen. Lartet hatte 
darin vergeblich nach Fossilien gesucht ; ich fand aber in Geröllbän- 
ken sowohl am Ufer des Sees von Tiberias als auch am Ufer des Hie- 
romax eine Fauna, die mit der heute im See lebenden Fauna eine 
auffallende Übereinstimmung zeigt, was somit auf ein ebenfalls jun- 
ges Alter der betreffenden Ablagerungen deuten würde«. 

Ferner aus Beirut, 21. August ISS 5. »Meine Keise habe ich 
jetzt vollendet und meine Untersuchungen abgeschlossen. Anfang Juli 
ritt ich, wieder von Haifa aus, mit fünf Pferden und zwei Begleitern 
zunächst nach Ilattin, von da nach Safed, um bei Bänijäs den Hermon 
zu erreichen. Bänijäs ist ein ungcsundor Ort; denn hart am Rande der 



Personalnachrichten und geschäftliche Mittheilungen. xxxi 

ITüle-Niederung o;elegen, empfängt es deren gütigen Dünste aus crKter 
Hand. Sofort überfiel mich auch das Fieber , an dem ich zwei Tage 
darniedcrlag ; doch halfen mir einige Dosen C^liinin. Von Hanijiis 
ging es weiter nach IJasbcja, wo ich eine heftige Begegnung mit dem 
dortigen Kaimakäm hatte, der meine Sammlungen visitiren , meine 
Instrumente confisciren und mich nach Beirut bringen lassen wollte. 
Nur meinem entschiedenen Auftreten gelang es, dies Unheil, das 
einen gänzlichen Misserfolg meiner Reise bedeutet haben würde, alj- 
zuwenden. Von Hasbcja unternahm ich die höchst anstrengende Be- 
steigung des Hermon, die einen 14stündigen Ritt erforderte, und be- 
gab mich dann über Rascheja nach Damaskus, wo ich wieder Fieber 
bekam, und weiter über Katana nach Medschdel esch-Schems. Dieses 
Dorf ist einer der ungesundesten Orte , welche ich auf meiner ganzen 
Reise angetroffen habe, und dazu von einer Bevölkerung bewohnt, die 
an Unverschämtheit und Geldgier alle bisher von mir besuchten Ara- 
ber übertrifi't. Medschdel esch-Schems verdient seinen Namen in des 
Wortes übelster Bedeutung. Am S. -Abhang des Hermon gelegen, ist 
es durch den hohen Kamm des Gebirges von jedem frischen Luftzug 
abgeschnitten, dagegen aber den Strahlen der Sonne den ganzen Tag 
über ausgesetzt, so dass kurz vor Mittag die Hitze geradezu unerträglich 
wird (31° im Zimmer) . Dabei weit und breit kein Baum, kein Strauch, 
kein Schatten, nichts als öde weisse Kalkfelsen, die das Sonnenlicht 
in kaum erträglicher Weise reflektiren. Erst gegen Mittag erhebt sich 
der Westwind , scheinbar erfrischend , aber er bringt die giftigen 
Dünste der Hüle-Niederung mit sich, die sich des Abends in dicke 
weisse Wolken geballt gegen O. wälzen. Der Aufenthalt an diesem 
Orte brachte mir ein ganz heftiges Fieber. Da ich des Tages zicmlicli 
fieberfrei war, so arbeitete ich, so viel nur irgend möglich war, wäh- 
rend ich die Nächte schlaflos und unter heftigen Schmerzen ver- 
brachte. Chinin half mir nichts, da ich es nicht vertragen konnte. 
Diese Lebensweise ertrug ich bei schlechter Verpflegung zehn Tage 
lang , am eilften Tage wurde ich ohnmächtig in meine Wohnung ge- 
tragen und lag dort bewusstlos zwei Tage lang. Dank aber meiner 
kräftigen Constitution, vielleicht auch der nachdrücklichen Anwendung 
von Eis kam ich wieder empor, obgleich sämmtliche »sachverständige« 
Bewohner des Ortes meine Genesung bereits aufgegeben hatten, und 
beeilte mich nun, diese unheimliche Stätte sobald als möglich zu ver- 
lassen, zumal da meine Untersuchungen glücklich beendet waren. 
Über Nabatije begab ich mich nachSaida. wo ich mich in der frischen 



XXXII 



Personalnachrichten und geschäftliche Mittheiluno;en. 



Seeluft bald erholte. Hier beschloss ich, die noch übrige Zeit zu geo- 
logischen Untersuchungen im Libanon zu verwenden. Ich besuchte 
nacheinander 'Abeih, Hakel und Sahel 'Alma und traf gestern 
(20. August) in Beirut ein. 

»Im Hermon habe ich den Jura von Medschdel esch-Schems sehr 
genau studirt, eine grosse Sammlung von Fossilien desselben angelegt 
und eine genaue geologische Karte der Umgebung von Medschdel an- 
o-efertigt. Der bis dahin so räthselhafte Jurafleck wird nach diesen 
Untersuchungen vollkommen klar und deutlich erscheinen. Eine geo- 
logische Karte des Hermon aufzunehmen, war mir nicht möglich ; die 
topographische Grundlage ist leider so falsch , dass sie sich als ganz 
werthlos erwies. Dagegen werde ich eine annähernd genaue Skizze 
des geologischen Baues des Hermon mittheilen können. — Nach 
meiner Auffassung dürfte die Sandsteinformation [Fraas] nicht dem 
Cenoman, sondern dem Hippuritenkalk , also dem Turon , ange- 
hören. Ebenso gelang es mir festzustellen, dass die Fischschiefer 
von Hakel und Sahel "^Alma gleiches Niveau (Alter) besitzen und 
nichts anderes als die Lokalfauna eines weitverbreiteten, Bitumen 
führenden Horizontes darstellen, dessen Bitumen in einzelnen Or- 
ten, wie Dschebel ed-Dahr und am Todten Meer, sich zu As- 
phalt concentrirt hat, und dass dieser Horizont dem Unter-Senon an- 
gehört. — Ferner habe ich eine Untersuchung des Karmelgebirges 
vorgenommen, die auch manche interessante geologische Beobachtun- 
gen geliefert hat«. 

Am 26. November und 10. December empfing die Redaction von 
Herrn G. Schumacher in Haifa eine grosse, sehr schön ausgeführte 
Karte des Dschölän und einen dieselbe erläuternden Bericht mit vielen 
Zeichnungen, Photographieen und Plänen. Beides wird im Jahr 1 SSG 
veröffentlicht werden. 



[Geschlossen am 22. December 1885], 

Die Itedactioii. 



Zur neueren Geschichte Jerusalems. 

Von 1843 — 1884. 
Ein Überblick von Dr. Ph. Wolif, Stadtpfarrer a. D. 



Vorwort. Der nachfolgenden geschichtlichen Darstellung lie- 
gen zunächst Jerusalemer Briefe zu Grunde, die an mich gerichtet 
worden und welche von mir theilweise da und dort, zumal in der A. 
Allgemeinen Zeitung veröffentlicht worden sind. Meine Correspon- 
denz mit Jerusalem hat mit der Errichtung des preussischen Consu- 
lats ^! oder mit dem Einzug des ersten preussischen Consuls daselbst, 
des Dr. Ernst Gustav Schultz, im Jahr 1843 begonnen. Nach dem 
leider schon im Jahr 1851, am 22. October, dort erfolgten Hingang 
meines unvergesslichen Freundes 2) habe ich diese Correspondenz mit 
andern Jerusalemsbewohnern bis auf den heutigen Tag fortsetzen dür- 
fen. Sie umfasst also mehr als vierzig Jahre und zählt gegen hundert 
Nummern. Für's andere habe ich bei dieser Darstellung aus den 
Wahrnehmungen und Erlebnissen meiner zwei Pilgerfahrten, im Som- 
mer des Jahres 1847 und in dem Winter von 1869 — 1870, geschöpft. 
Dazu kommen als dritte Quelle in verschiedenen Zeitschriften zer- 
streute Abhandlungen, sowie Notizen, weiche ich aus schriftlichen 
und mündlichen Berichten entnehmen durfte. 

1) Über die Consulate in Jerusalem s. ])r. T. Toblek's »Denkblätter aus 
Jerusalem«, St. Gallen und Constanz 1S53, S. 391 — 395. Zu den dort erwähn- 
ten Consuln sind im Jahr 1 858 und 1859 ein spanischer und ein amerikanischer 
und im Jahr 1865 auch ein mexicanischer gekommen, s. »Ausland« 1806, 
S. 546. 

2) S. den Necrolog in der »Königsberger Zeitung« 1853, Beil. Nr. 66, und 
daraus in meinem »Jerusalem«, I.Auflage (von 1857), S. 204— 214. 

Ztschr. d. Pal.-Ver. VIII. 1 



y\'o\ff, 

1. Der UmscliAvung in den Verhältnissen Jeru- 
salems ist mit der Einführung der europäischen Consulate er- 
folgt. E. Robinson hat auch der Errichtung des anglo-preussi- 
schen lUsthums bedeutenden EinÜuss zugeschrieben (s. darüber 
seine »neuem biblischen Forschungen«, lierlin 1S57. S. 211 . 
Den ersten C'onsuln -waren übrigens nicht viele Rechte einge- 
räumt. Dmften sie doch nicht einmal ein Haus kaufen oder 
erbaiien. Sic mussten Miethwohuungen beziehen. Als sich dem 
preussischen Consul eine günstige Gelegenheit darbot, ein Haus 
mit Garten zu erwerben, war er genöthigt, den Kauf anstatt auf 
seinen oder der preussischen Regierung Namen, auf den Namen 
eines Eingebornen einschreiben zu lassen. Dieser Eingeborae 
■svar der Mufti der Schafe'^iten, Schech Assad EfFendi^ . der spä- 
ter -während der Anwesenheit des preussischen Kronprinzen in 
der heiligen Stadt mit einem preussischen Ordenskreuz geziert 
-worden ist 2^. Ebensowenig hatte ein Consul, gleich andern Euro- 

1 Schech Assad Effendi war der erste Gelegenheitsdichter Jerusalems, 
von dem die meisten Beglückwünschungsgedichte für die heimgekehrten 
Mekkapilger über den Hausthüren im muslimischen Quartier herrühren. 
Derselbe hat auch Herrn H. Brockhaus vor seinem Abschied von Jerusalem 
mit einem poetischen Erguss bedacht. Dieses Gedicht ist mit einer deutschen 
Übersetzung und einer interessanten Einleitung von Dr. Rosen »als Hand- 
schrift'« in der Brockhaus'schen Officin zu einem sehr schönen Abdruck ge- 
kommen. 

2) Das Gefühl seiner Befriedigung hierüber hat derselbe in dem Doppel- 
vers ausgesprochen : 

Auf meiner Brust ist erschienen von Friedrich dem Gewaltigen 

Ein Nischan der Verherrlichung hellglänzend. 

Meine Brust hat sich daher erhoben und ist dem Himmel nahegekommen, 

Und der Nischan an ihr gleicht dem Siebengestirn — 

£1.4-». ^Xi>-» !^ Ai ^, Axii 

S. meine «Flugblätter aus Jerusalem vom Nov.undDec. 1869«, Stuttgart 1870, 
S. 27f. Auf die an ihn, als er einmal mit einerBrille erschien, gerichtete Frage, 
ob er auch .schwachsehend geworden sei, citirte er als Antwort den Vers: 



Zur neueren Geschichte Jerusalems. 3 

päerii, das Recht, den Haiamplatz zu betreten oder in die darauf 
befindlichen Moscheen einzutreten. Wohl aber war ihnen gestat- 
tet , KaAvassen in orientalischem Kostüm (in Arnautenkleidung) 
zu halten, -welche ihnen bei jedem Gang durch die Stadt in gra- 
vitätischer Weise voranschritten, einen hohen silberbeschlagenen 
Stab, gleich dem eines Regimentstarabours, bei jedem Schritt auf 
die Erde stossend. l^ei diesen Gängen Murden die Consuln von 
den Begegnenden, welche zur Rechten oder zur Linken aus- 
wichen und stehen blieben, in ehrfurchtsvoller Weise, die rechte 
Hand auf die Brust und weiter hinauf auf die Stirne legend, 
begrüsst. 

Dr. Schultz hatte in seiner Schrift »Jerusalem. Eine Vor- 
lesung« (Berlin 1845) bemerkt, dass das Leben in Jerusalem ein 
sehr mühsames und beschwerliches sei. Um eine Probe von den 
Beschwerden der Häuslichkeit zu geben, hat er sich da (auf S. 14) 
vernehmen lassen : »In Jerusalem kaufen Sie den Weizen für ihre 
Haushaltung, Sie setzen arabische Weiber um den Weizenhaufen 
und lassen die Kerner lesen, die voller kleiner Steinchen und an- 
derem ungeniessbaren Zubehör sind; dann geht er in die Mühle, 
und wenn Sie wissen, ob Sie wieder erhalten was Ihnen zukommt, 
so lassen Sie den Teig in ihrem Hause kneten und formen und 
schicken ihn schliesslich nach dem Ofen, wenn Sie zu neuer Un- 
beqxiemlichkeit keinen im Hause haben, und wenn das Brot dann 
wohlgebacken auf Ihren Tisch kommt , so seien Sie zufrieden, 
dass Sie so leicht und glimpflich durchgekommen sind«. In einem 
Brief vom 13. Januar 1847 hat Schultz geschrieben : »Jerusalem 
hat sich, seit ich meine Vorlesung geschrieben, sehr rasch zum 
Bessern verändert. Von allen häuslichen 15eschwerden, die dort 
erwähnt sind, ist keine Spur mehr. Es giebt jetzt hier zwei Häu- 
ser, Avo Fremde ein ganz gutes Unterkommen finden; Wohnung. 
Kost und Bedienung erhält man darin für 10 — 12 Fr. täglich. 
Wer längere Zeit darin wohnen wollte , würde sich billiger ein- 
richten können«. Die bessere jener Locanden war die eines Herrn 
Salbo (s. meine «Reise in das Gelobte Land«, Stuttgart 1S49. 
S. 103). Der erste Bäcker, der für Europäer einen Brotladen er- 

O Fragender nach der Blindheit. 

Bei mir ist die Hälfte der Erfahrung davon. 

Der Treffliche lebt noch, aber schon lange ganz erblindet. 



4 Wolff, 

richtete, war ein Jude. Die erste Feinbäckerei ward im Jahr 186S 
von einem iSabbathhalter aus dem Rheinland. Namens Lenthokl, 
etablirt. 

Wie der erste preussische Consul für die l^ereitung seines 
lirotes selbst hat besorgt sein müssen, so auch für die Bereitung 
seines Weines. Er hat von den Fellachen der Umgegend die 
Trauben gekauft , hat sich grosse irdene Töpfe angeschafft und 
einer seiner Diener hat den Saft der Trauben darein gebracht. 
Der Aufl)ewahrungsort des neuen Weines war eines der untern 
Zimmer. Die ersten Keller wurden viel später auf Veranlassung 
eines deutschen Handelshauses gegraben. Dieses Haus hat die 
ersten Fässer aus Deutschland herbeigeschafft. Im Jahr 1847 be- 
standen nur Schnapsbuden, welche von Griechen gehalten wur- 
den. In ähnlicher Weise Avie mit der Bereitung von Brot und 
Wein hat es sich in der ersten Zeit des Aufenthalts des preussi- 
schen Consuls zu Jerusalem auch mit der Bereitung des Tabaks 
verhalten. Schultz kaufte sich von Bauern Tabaksblätter; einer 
seiner Diener bekam den Auftrag, dieselben klein zu schneiden. 

2. W^as für die Reinlichkeit und zur Verbesse- 
rung in der Stadt geschehen ist. Nach einem Briefe vom 
22. Dec. 1858 ist von den europäischen Einwohnern der Stadt, 
den Franken, ein Reinlichkeitsverein gegründet worden, dem der 
l'ascha sich freundlich angeschlossen hat. Dieser Verein hat sein 
Auge zunächst auf die Entfernung der Cadaver grosser Thiere 
aus den Strassen der Stadt, sowie die Hinwegschaffung der Ger- 
berei auf dem Johanniterplatz und des in der Nähe davon gelege- 
nen jüdischen Schlachtplatzes gerichtet. Bis zur Gründung die- 
ses A'ereins war die Sorge der Strassenreinigung lediglich den zu 
diesem Geschäft sehr brauchbaren Strassenhunden überlassen 
gewesen. Dieselben leisteten das Möglichste. In etlichen Tagen 
ward von ihnen zum Beispiel ein in den Strassen verendetes Ka- 
meel, die gröbsten Knochen ausgenommen, aufgezehrt. Der üble 
Geruch, der von der durch Muslimen betriebenen Gerberei, 
sowie von dem jüdischen Schlachtplatze ausging, war, zumal in 
der regenlosen Zeit, entsetzlicher Art. Den im Medschlis gegen 
die Verlegung dieses Schlachtplatzes protestirenden muslimischen 
Rathsherren , Avelche meinten , dass man diesen Platz zur 
Schmach der Juden belassen müsse, Aveil er ihnen einst von 
einem muslimischen Heiligen angewiesen worden sei, hat der 



Zur neueren Geschichte Jerusalems. 5 

Pascha entgegnet : man könne nicht gegen alle Neuerungen und 
"S'erbesserungen sem ; Noah sei auch ein Heiliger gewesen, aber 
desswegen fahre man jetzt doch nicht mehr auf Archen, sondern auf 
Dampfschiifen. Zu einer weiteren und grösseren lleinigung der 
Stadt im Jahr 1859 hat ein angekündigter liesuch des Sultans 
A'eranlassung gegeben. Es wurde da nicht bloss die Hinweg- 
schafFung aller Thiergerippe und jeglichen ünraths angeordnet, 
sondern es wurde da auch der Befehl ertheilt, dass die Fronten 
aller Häuser herzustellen, alle schadhaften Stellen an denselben 
auszubessern und die Thüren frisch anzustreichen seien. Im Jahr 
1SG4 wurde eine förmliche Strassencorrection in der Stadt vorge- 
nommen, liehufs der Erweiterung der Strassen wurden alle vor- 
stehenden Steinbänke, Läden u. s. f. weggebrochen. Der Anfang 
dazu geschah in der Christenstrasse. Als die Reihe an die mus- 
limischen Quartiere kam . trat eine Stockung ein . aber schliess- 
lich mussten auch die Muslimen sich eutschliessen, die anbefoh- 
lene CoiTection auf ihre Kosten zu übernehmen. Im Jahr 1SG6 
hat Sir Moses Montefiore dem Pascha eine ansehnliche Summe 
für Strassenreinigung einhändigen lassen. Im Jahr 1S67 hat 
Kurschid Pascha den Befehl gegeben, dass die Strassen alle 
Taffe zu kehren seien. Sein Nachfolger Zarif Pascha hat auch 
für eine bessere Beleuchtung der Stadt Sorge getragen. 

3. Die Fahrstrasse von Jafa nach Jerusalem. 
Während es keine Schwierigkeit hatte, von Jafa nach er-Ramle und 
von da nachBab el-Wäd amFusse des Gebirges zu gelangen, war 
der Weg von da an über das Gebirge ein nahezu halsbreche- 
rischer. Die Reitpferde hatten geradezu die Aufgabe, grosse Fel- 
senplatten hinunter zu rutschen. Vom Pferde zu steigen und das 
Pferd zu führen, wäre eine gewagte Sache gewesen. Dass auch 
nach dem Einzug der europäischen Consuln noch Jahre verflos- 
sen sind, bis es zur Erbauung einer Kunststrasse gekommen ist. 
hatte darin seinen Grund . dass sich nacheinander verschiedene 
europäische Regierungen um die Concession zur Erbauung einer 
solchen beworben haben und keine dieselbe erlangen konnte, 
•weil die türkische Regierung immer durch diese oder jene euro- 
päische Regierung von der Ertheilung einer solchen abgehalten 
worden ist. Nachdem das Bedürfniss einer neuen Strasse ein zu 
laut schreiendes geworden war, haben sich schliesslich im Jahr 
1S66 die Türken entschlossen, den Bau auf ihre Kosten ausfüh- 



6 Wolff, 

reu zu lassen. Derselbe kam nicht hoch zu stehen, da die Bauern 
der jfanzen Umgegend Frohndienst zu leisten hatten und da alle 
kostspieligen Ilauten, wie die von Durchlassen u. dgl. unterlas- 
sen worden sind. Die Oberleitung bei diesem Strassenbau führte 
der italienische Architect Fierotti. Zum Schutze derselben wur- 
den türkische Soldaten bestellt, für deren Unterkunft eine Anzahl 
schwarz angestrichener Thürme, mit engen Schiessscharten und 
von gezackten Mauerzinnen umgeben, erbaut wurde. Die Strasse 
kam im Jahr 1S6S in Gebrauch. Als im Jahr 1S69 der Besuch 
des österreichischen Kaisers und des preussischen Kronprinzen 
erwartet wurde , sind in aller Eile wieder durch frohndienende 
Fellachen die nöthigsten Correctionen ausgeführt worden. Bei 
einer späteren Strassencorrection hatte der deutsche Ingenieur 
Sandel die Leitung, Die heutige Strasse ist höchstens als eine 
leidliche zu bezeichnen. Der erste, der ein Fuhrwerk auf dersel- 
ben eingeführt hat , w^ar der Amerikaner Floyd von der Colonie 
in Jafa. Er hat sich für eine Fahrt zwei Pfd. St., nach Umständen 
zwei Napoleons bezahlen lassen. Später haben Genossen der 
deutschen Tempelgemeinde in Sarona bei Jafa das Fahrwesen 
übernommen gegen ein Fahrgeld von 15 Fr. Jetzt betheiligen 
sich an demselben als ernste Concurrenten Juden und Araber ^) . 

Es mag hier bemerkt werden, dass der Erbauung dieser 
ersten grossem Kunststrasse in Palästina im Jahr 1SG2 die Er- 
bauung einer kleinern, nemlich der von Jerusalem nach dem 
griechischen Kreuzkloster vorangegangen ist. 

Nach neueren Nachrichten denkt die türkische Regierung 
daran, nun auch eine Fahrstrasse nach Hebron herzustellen, 

4, Die Neubauten. In den Jahren 1856 bis 1866 sind 
nicht weniger als 24 Neubauten öffentlicher Gebäude, zumal 
von Kirchen, Klöstern, Wohlthätigkeitsanstalten u, dgl. ausge- 
führt worden. Sie finden sich sämmtlich in einem Artikel des 
Auslandes von 1866, S. 546 f., und daraus in meinem »Sieben 
Artikel aus Jerusalem«, Stuttgart 1869, S. 93 — 97, aufgeführt. 
Aus denselben sind besonders hervorzuheben : 

Die grosse und prächtige Kirche der heil. Dreieinigkeit, zu 
welcher im Jahr 1860 am Geburtstage des Kaisers Alexander II. 

I Neuerdings haben sich die konkurrirenden Fuhrherren zu einer Fahr- 
gesellschaft vereinigt. Anm. d. Red. 



Zur neueren Geschichte Jerusalems. 7 

der Grundstein gelegt Avorden ist. Diese Kirclie bildet, kann 
man sagen, das Ceutnim des mächtigen Kussenbaues vor dem 
Jafathore, der den Fremden von der Ferne wie ein grosser Cen- 
tralbahnhüf erscheint. In diesem Riissenbau befindet sich ein 
Aiifnahmehaus für Männer mit 5 1 Zimmern , ein solches für 
Weiber mit 72 Zimmern, ein Haus der geistlichen Mission mit 
Wohnungen für einen Erzbischof und seinen A'icar, für Priester- 
mönche, Diaconen, Sänger; im untern Stock desselben ist eine 
Kirche, welche tausend Personen fasst, und eine zweite für 350, ein 
l^ibliotheksaal, ein Magazin; Aveiter enthält dieser Stock 20 Zim- 
mer für reisende Mönche und eine grosse Yorraths- und Geräthe- 
kammer. Das Aufnahmehaus für Keisende höheren Kanges ent- 
hält 10 Zimmer für einzelne Personen und zwei für je drei. In 
dem Hospital befinden sich Wohnungen für den Arzt und den 
Apotheker, ein Zimmer für die barmherzigen Schwestern, ein 
Laboratorium, eine Materialienkammer, ein Operationszimmer, 
eine Weisszeugkammer, zwei grosse Krankenzimmer. Dr. Toi;- 
LER hat in einem Briefe über die Reise-Eindrücke seiner vier- 
ten Jerusalemsfahrt in Betreif des Russenbaues die Bemerkung 
gemacht : «da wird man von der Überzeugung durchdrungen, 
dass die Russen Geld haben für eine grosse Idee, für Belebung 
des religiösen Gefühls ausserhalb der Gränzen des weiten 
Reiches«. Die ersten Kosten des Baues betrugen drei Millionen 
Rubel, die in sehr kurzer Zeit gesammelt waren. 

Das österreichische Hospiz nördlich von der Via dolorosa, 
das über 300,000 Gulden gekostet hat. Die Legung des Schluss- 
steins an diesem Gebäude hat am 20. October 1858 stattgefun- 
den. Über die Zeit der Anwesenheit des Kaisers von Osterreich 
in Jerusalem im November 1S69, der dort Avohnte, war ein 
Thronsessel darin aufgeschlagen (s. meine Flugblätter S. 21). 

Unter den Bauten , welche vom Jahre 1867 an ausgeführt 
wurden, steht oben an der Neubau der grossen Kuppel der Hei- 
liggrabkirche. Dieser Bau hat nicht weniger als zwei Decennien 
die Geister bewegt (s. den Artikel im Ausland von 1S64 »Warum 
es zu dem Neubau der grossen Kuppel der Grabkirche nicht 
kommt«, S. 1223 f. i. Dem Streite zwischen den Häuptern der 
zwei orthodoxen Kirchen, welche sich nicht vereinigen konnten, 
hat auf Anregung des Grossfürsten Constantin, welcher den ge- 
fahrdrohenden Schaden der alten Kuppel mit eigenen Augen 



\\ alirgouomiueu . der russische Kaiser im A'oreiii mit dem Kaiser 
der Franzosen ein Ende gemacht. Diese beiden Kaiser haben 
sich zu dem Neubau auf ihre Kosten vereinigt, wofür ihnen übri- 
gens keineswegs ein Dank zu Theil geworden ist . vielmehr das 
Gegentheil s. Das heil. Land, Organ des Vereins zum heil. Grab 
lieft 2 von 1868). Das Protocoll, welches die Vollendung der 
neuen Kuppel, der Vereinbarung vom 5. September 1862 ge- 
mäss, bestätigt, ist am 26. September 1868 von dem Gouverneur 
von Jerusalem, sowie den Consuhi von Frankreich und Eusslan^ 
unterzeichnet worden. Die neue prächtige Kuppel ist ein wenig 
höher als die alte war ; sie ist durch einen besondern Überbau, 
eine Art Laterne, so bedeckt, dass nie Kegen hereindringen kann. 
Avohl aber Licht und Luft. Zum Material dazu wurde Schmiede- 
eisen gewählt. Ausserhalb der Kuppel führt eine Treppe auf die 
Spitze. Der Anblick der an ihrem obern Theil in Strahlenfoim 
reich vergoldeten Kuppel mit dem darauf aufgepflanzten, gleich- 
falls fein und reich vergoldeten Kreuz bei morgendlicher und 
abendlicher Sonnenbeleuchtung ist ein majestätischer, wel- 
chen man bei dem emporragenden liau fast von jeder obeni 
Ilausterrasse aus geniessen kann. (Eine genauere Beschreibung 
dieser Kuppel findet sich in der A. Allgem. Zeitung von 1867, 
S. 3507 f. und in meinem »Sieben Artikel« S. 97 — 99). J)er Lei- 
ter des ganzen Baues , der drei Jahre in Anspruch genommen 
hat. ist von Anfang bis zu Ende der Deutschrusse Herr Eppinger 
gewesen. 

Von weiteren Neubauten mache ich . unter ^'erweisung auf 
die in den Flugblättern S. 20 f. angeführten, hier namhaft: 

Das den Namen »Jesushilfe« führende Asyl für die Aussätzi- 
gen . südlich von dem Wege , der nach dem Kreuzkloster führt 
(s. darüber Ausland von 1867, S. 647, und Flugblätter S. 25). 
Zu bemerken ist hier, dass im Jahre 1876 die türkische Regierung 
für die Aussätzigen in der Nähe des Nehemia- Brunnens auf 
einer Felsenterrasse des Berges ein Haus mit vier Zimmern 
hat bauen lassen \nid dass auf dem ehemaligen Platz der sog. 
Hütten der Aussätzigen am Zionsthor jetzt der Wochen- und 
^'iehmarkt gehalten wird. 

Das grosse ])iaconissenhaus Talitha Kumi (nach Markus 5, 
41) am sanften Abhang der westlich von der Strasse nach Jafa 
sich erhebenden Anhöhe , eine Erziehungsanstalt für Mädchen. 



Zur neueren Gescchichte Jerusalems. 9 

Das von Baurath C. Schick um \ingetahr ()U,0(ju Gulden erbaute 
Gebäude ist am 27. Januar 1S6S eingeweiht •worden (s. meine 
»Sieben Artikel« S. 94, Flugblätter S. 23). 

Die römische Patriarchalkirche im nordwestlichen Theil der 
Stadt auf dem höchsten imd schönsten Platz derselben. Nach 
einem sachkundigen Augenzeugen hat diese Kirche schlechte 
architektonische Verhältnisse und keinen reinen Styl. Das Ur- 
theil eines andern lautet : »der wohlgelungene gothische Hau lobt 
seinen Meister«. Die Kosten dieses Baues wurden aus den bei 
der "N'erwaltung des Ordens vom heil. Grab erzielten Ersparnissen 
bestritten (s. Das heil. Land. Heft 5 von 1S67 . 

Die Eccehomokirche . vom Pater Maria Eatisbonne ausge- 
führt. Sie ist mit dem Kloster der Zionsschwestern verbunden. 
Die Hälfte des denkwürdigen Pogens ist in die Kirche einge- 
schlossen. 

Die St. Annakirche aus der byzantinischen Epoche oder der 
der christl. Kaiser (s. Rosen's Artikel »Monumentales aus Jeru- 
salem« im Johanniter-Wochenblatt von 1S61, Nr. 25fF.l. Die 
Kestaurationsarbeiten dieses vom Sultan dem Kaiser der Franzo- 
sen abgetretenen Heiligthums haben über zehn Jahre in An- 
spruch genommen und hunderttausende von Franken gekostet. 

Das syrische Knabenwaisenhaus, von Schneller aus Wür- 
temberg im Jahre 1S60 gegründet. Es war früher ein kleines 
Gebäude, das Schneller zu eigenem Gebrauch gebaut hat. das 
erste ausserhalb der Stadt errichtete. 

Die Gartenwohnung des griechischen Geistlichen Antimos, 
eine Hauptzierde der Vorstadt. 

Das Montefiore'sche Armenhaus mit fünfzig angemessenen 
Wohnungen für arme Juden. 

Das bischöfliche Schulhaus für Knaben, von Bischof Gobat 
gegründet. Durch einen geräumigen und trefflich angelegten 
Garten der Anstalt kommt man auf den Gottesacker der Prote- 
stanten. 

Das über dem angeblichen Paternosterplatz auf dem ()lberg 
erbaute Sanctuarium, eine Kapelle im Style des Campo santo von 
Pisa von der Fürstin Latour d'Auvergne im Jahre ISüS erbaut 
(s. darüber mein »Jerusalem' dritte Auflage von 1S72, S. 43). 

Die arabisch - protestantische St. Paulskirche in romani- 
schem Styl in der Nähe des RussenbaTies auf einem schönen, 



10 Wolff. 

freien Platz, von wo aus man die schönste Aussicht nach dem 
Moabitergebirge hat. Oben rings um die vier Mauern der Kirche 
geht . nach Art der Inschriften in dem Felsendom, ein etwa an- 
derthalb Fuss breiter Fries herum mit den Seligpreisungen der 
Bergpredigt in schöner arabischer Schrift, blau auf weissem 
Grunde, was originell und ganz orientalisch aussieht. Zu beiden 
Seiten und an der Front der Kirche sind Akazien-, Palmen- und 
Cypressenbäume gepflanzt. Die Einweihung der Kirche hat am 
29. November 1S74 stattgefunden. Die Oberleitung des Bauwe- 
sens war von Anfang bis zu Ende dem Geistlichen der Gemeinde, 
Herrn F. A. Klein jetzt in Cairo\ anvertraut gewesen. Die 
Kosten beliefen sich auf 4000 Pfund St. (Genaueres s. im christl. 
Kunstblatt 1S75, Xr. 12, S. 177 ff., woselbst sich auch eine An- 
sicht der Kirche findet.) 

Die deutsch-evangelische Kapelle auf der Trümraerstätte des 
Johanniterplatzes . an deren Stelle sich künftig der evangelische 
Dom nach dem Plane des ]^auraths und Professors Adler in Ber- 
lin erheben soll. Genaueres über diese Trümmerstätte s. im 
christl. Kunstblatt 1S71, S. 1 — 4.) 

Die eine Art von Vorstadt bildenden Häuser der deutschen 
Tempelgemeinde im Rephaim-Thale mit einem geräumigen Ver- 
sammlungshause der Gemeinde. 

Ich stelle hier noch nach der Zeitfolge die Spitäler Jerusa- 
lems aus der Neuzeit nach einem Artikel Rosen's im Wochen- 
blatt der Johanniter von lS6i. Nr. 25 ff., zusammen. 

Ein Spital für alttestamentliche Juden aus dem Jahre 1S42. 
Ein durch Pastor Fliedner im Jahre 1850 ins Leben gerufe- 
nes, »das preussische Krankenhaus«, unbestritten das populärste. 

Ein von französischen Josephsschwestem bedientes katho- 
lisches vom Jahr 1853, »Patriarchats«- oder »St. Ludwig's-Spital« 
benannt. 

Ein Pothschild'sches Spital von 1853. 

Ein palastähnliches russisches von 1859. In dieser Anstalt 
weht nach Roskx ein Hauch beinahe peinlicher Ordnung und 
Regelmässigkeit. 

Zu diesen Spitälern ist im Jahre 1875 das durch Dr. San- 
dreczky gegründete Kinderhospital und im Jahre 187G das Jo- 
hanniterhaus des Grafen Caboga in der Nähe von Bethlehem mit 



Zur neueren Geschichte Jerusalems. t 1 

einer Augaiklinik gekommen. Diese Klinik wird von einem 
Jerusalemer Arzt besorgt. 

Vax erwähnen ist hier auch noch, dass vor etlichen Jahren 
eine grosse Kestauration an der Kubbet es-Sachra Felsendom) 
vorgenommen worden ist. Hei diesem Restaurationswerk hatte 
ein Staatsrath von Konstantinopel die Oberleitung; unter ihm 
stand als technischer Dirigent ein Armenier, auch aus Konstan- 
tinopel. Die Arbeiter waren sowohl Armenier von dort, als auch 
Araber aus der Nachbarschaft. Wex Streitfragen wurde der Stadt- 
baumeister David Bulus Effendi, ein Katholik, und der protestan- 
tische Haurath C. Schick zu Eathe gezogen']. Ferner: dass in 
Folge des bedeutenden Umfangs, den die Vorstadt vor dem Jafa- 
thore gewonnen hat, oder Avegen des starken Verkehrs zwischen 
der Neustadt und der Altstadt das Jafathor, das zu gewissen Bet- 
stunden des Tages und bei Nacht immer geschlossen war , nun- 
mehr immer offen steht und dass sich in neuester Zeit l^aiige- 
sellschaften gebildet haben, von denen ausserhalb der Stadt ca- 
sernenartige Häuser gebaut werden. 

5. Neue Erscheinungen. Eine der bedeutendsten und 
für die Christen besonders erfreuliche Neuerung ist, dass in der 
heiligen Stadt nun auch Glockengeläute zu hören ist. Nachdem 
im Jahre 1857 der Thurm des griechischen Kreuzklosters mit 
einer Glocke versehen worden, ist im Jahre 1866 zwischen zwei 
kleineren Glocken eine nahezu fünf Fuss im Durchmesser hal- 
tende und ebenso viel Fviss hohe Glocke in der obersten Etage 
des altehrwürdigen, seiner Spitze beraubten Glockenthurmes der 
Grabkirche aufgehängt worden. Zwei neuere, auch grössere 
Glocken schmücken die grosse russische Kirche vor dem Jafa- 
thore. Die grosse Glocke in der Grabkirche kann übrigens nicht 
in Bewegung gesetzt werden, weil es an Raum fehlt; ihr Schwen- 
gel wird durch ein paar Männer vermittelst eines Strickes hin 
imd her geschlagen. 

Zu den neueren Erscheinvingen gehören weiter : 
Die im Jahre 1858 auf Kosten des Sir Moses Montefiore 
hergestellte Windmühle , wozu später eine zweite im Kreuzklo- 

1) Auch eine Restauration gewisser Theile der Ringmauer des Haram 
wurde 18S2 in Angriff genommen. Anm. d. Ked. 



12 ^Volff, 

ster gekommen ist. Eine Dampfmühle besitzt Jerusalem erst 
seit 1S77. 

Die östeneichische und französische Postanstalt, von wel- 
cher die erstere mit dem Triester Lloyd, die andere mit der Mar- 
seillerDampfschitFfahrt zusammenhängt, und eine russische Post, 
welche mit russischen Dampfschiffen correspondirt. 

Europäisch eingerichtete Gasthöfe. Der erste war das Me- 
diterranean-IIotel des Herrn Hauser, das bald in die Hände des 
Proselyten Hornsteiu überging, Herr de Saulcy hat demselhen 
in seiner Voyage en Terre Sainte I, 95 ein Ehrendenkmal ge- 
setzt. Ein zweites, das Damascus-Hotel, ist von einem Khein- 
länder, Herrn Thiel, gegründet worden. Als drittes kam zu die- 
sen das Hotel Univers des Griechen Constantin Bao, [Ferner: 
Feil's Hotel vor dem Jafathor, Cook's Logirhaus. Die Red.]. 
Neben diesen Gasthöfen bestehen als neue Pilgerherbergen das 
preussische Hospiz des Johanniterordens und das österreichische 
Hospiz. Das erstere gewährte, nach einer Notiz des Joh. -Wochen- 
blattes von 1S72, S. 54, im Jahre 1871 75 Personen 780 Tage 
gastliche Unterkunft. Davon gehörten den höheren Ständen 42 
Personen an, die übrigen Gäste waren meist deutsche Hand- 
werksgesellen, welche unentgeltlich 372 Tage verpflegt wurden. 

Das Telegraphenbureau aus dem Jahre 1SG5 mit [der Über- 
schrift : mahall kubid el-makZitih, 

Drei, von einem Juden, einem Griechen imd einem Arme- 
nier errichtete Apotheken, wo man ohne llecept bekommen kann, 
was man Avill';. 

Weinwirthschaften im Judenquartier und AVeinhandlungen 
von Deutschen, auch eine Bierbrauerei. 

Zu den neueren Erscheinungen gehört auch : 

Dass im Winter 1SG9 auf 1870 die Gemahlin des Pascha 
Theegesellschaften eingeführt hat. Es waren zu denselben, die 
jeden Donnerstag Abend stattfanden, Christenfrauen aus den 
höheren Ständen eingeladen. 

Dass unter der schönen , hohen Pinie [möhar] auf der den 
Namen Aartn esch-schech (Weinberg des Herrn] tragenden Stätte 
zwischen dem Damaskusthor und der Nordostecke der Stadt 

1; Dazu die deutsche A])otheke der Tempelkolonie in Jerusalem. 

Anm. d. Ked. 



Zur neueren Geschichte Jerusalems. 13 

Kaffeegesellschaften gehalten werden. Den Anfang damit hat im 
Jahre 1860 Consul Rosen gemacht (s. Ausland 1S60, S.73;i, und 
1S61, S. 7G3]. Von Reisenden höheren Ranges wurde diese 
Stätte auch als Zeltlager-Stätte benutzt. 

Dass ira Sommer Zeltwohmnigen in der Nähe von Lifta zur 
Sommerfrische bezogen werden. Consul Rosen hat in einem 
Sommer auch einmal eine Zeltwohnung bei Hebron aufge- 
schlagen. 

Dass sich im Jahre 1873 ein deutscher Verein gebildet hat. 
Der erste Jahresbericht darüber, in der »Huchdruckerei des heil. 
Landes« gedruckt, erschien 1875, der achte, die Jahre 1880 bis 
83 umfassende, erschien 1883 zu Basel bei C. F. Spittler. Der 
ZAveck dieses Vereins ist gegenseitige Unterhaltung und Heieh- 
rung. Der Inhalt der Jahresberichte findet sich angegeben in 
der aiisserordeutl. Beilage zur Allg. Zeitung S. 178 und der ge- 
wöhnl. Beilage S. 4923 von 1875, den Beilagen S. 394 und 5334 
von 1877, S. 4729 von 1878, dem Hauptblatte S. 4622 von 1879 
\md den Beilagen S. 5254 von 1880 und 5278 von 1883 i). 

Dass die vornehmen arabischen Frauen auf Pariser Stiefelet- 
ten einhergehen und dass auch die muslimischen Männer höhe- 
ren Standes nun abendländische Fussbekleidung tragen. 

Dass die Kawassen in Militärkleidung nach preussischcm 
Muster gesteckt worden sind-j, und dass die der Consuln nicht 
mehr Bahn machend ihren Herren voranschreiten, sondern hin- 
terdrein gehen. 

Dass an die Stelle des Rauchens aus den langen Pfeifen [ka- 
sahe) und den Wasserpfeifen [narg'de] fast allgemein das Cigar- 
renrauchen getreten ist. 

Dass man auf der Strasse nach Bethlehem einer Chaise mit 
dem Pascha begegnen kann. 

Dass im Jahre 187 5 das von aussen zugemauert gewesene 
Herodesthor, das Sähirathor, geöffnet worden ist. 

Dass während der Zeit des russisch-türkischen Krieges auf 
den russischen Bauten die deutsche Flagge geweht hat, und dass 

1) Die Jerusalemer Tempelgemeinde hat daneben JSS2 einen »Freien 
deutschen Verein« gebildet. Anm. d. lled. 

2) Soviel ich mich erinnere, herrschte im Jahre 1S81 durchweg die ältere 
Sitte wieder vor. GUTHE. 



14 



Wulff, 



in diesem Jahre eine deutsche Kriegsflotte bei Jafa erschienen 
ist, nachdem sich das Jahr vorher schon ein deutsches Kanonen- 
boot dort gezeigt hatte. 

(i. Entwürfe nnd Pläne. Nachdem im Jahre 1SG2 von 
'einem Engländer ein erster ^'ersucll zur Herstellung einer neuen 
"Wasserleitung gemacht worden, hat im Jahre 1564 eine englische 
Gesellschaft mit dem Grafen Shaftesbury an der Spitze eine 
solche herzustellen versucht der Kostenanschlag betrug 22,000 
Pfund St. . aber es blieb bei dem Entwurf. So hat auch die von 
dem Baurath C. Schick im Winter 1S69 auf 7 dem Pascha ge- 
machte ^'orlage zur Versehung der Stadt mit Wasser keine Aus- 
führung gefunden. 

Im Jahre 1S67 hat ISasif Pascha an der Herstellung einer 
Strasse von Jerusalem nach dem Jordan und an eine Über- 
brückung dieses Flusses gedacht, aber es blieb bei dem Ge- 
danken' . 

So sind auch die verschiedenen Eisenbahnprojecte für eine 
Bahn von Jerusalem nach Jafa. wie die des Dr.ZiMPEL (s. dessen 
Schrift : ))Strassenverbindung des Mittelländischen mit dem Tod- 
ten Meere und Damascus über Jerusalem und Damascus«. 
Frankfurt a. M. 1S65 nicht weiter als bis zu Vorarbeiten ge- 
diehen . 

Der Plan, die Stadt mit einem bessern Pflaster zu versehen, 
wartet auch immer noch auf die Ausführung. 

Der in diesem Jahre von dem Pascha gefasste Plan . das jü- 
dische Gebirge wieder zu einem waldreichen zu machen , was es 
einst gewesen, wird ohne Zweifel aiich nur ein Plan bleiben. 
Nachdem der Pascha das Ausroden der Wurzeln des vorzeitlichen 
reichen Auswuchses, der sogenannten Kerämi, verboten, hat er 
es wieder erlaubt. 

Bemerkt mag hier noch werden, dass, als im Jahre 1S07 auf 
das Paschalik Jervisalem drei Millionen Piaster Haussteuer gelegt 
worden sind. Jerusalem als heilige Stadt von dieser Steuer aus- 
genommen worden ist. 

Hat Dr. T. Tobler 1S65 in seinen «Briefen aus Süd und 
Oäto (A.A.Zeitung Nr. 357 die, eine grosse Hoff'nung bergende. 

1^ Nach Xr. 9 der Warte des Tempels von d. J. ist die Brücke neu erbaut 
und durch Kauf Pascha am 17. Februar unter grosser Feierlichkeit dem Ver- 
kehr übergeben ■worden. 



Zur neueren Geschitlite Jerusalems. 15 

Äusserung thun können : A'ov dreissig Jahren weilten mit mir 
in Jerusalem ein amerikanischer Missionar, ein von Mehemed 
Ali angestellter italienischer Arzt, ein sogenannter liaron Müller, 
ein deutscher Gärtner und ein französischer Tambourmajor, und 
jetzt — -welche Menge von Franken, welches Capital ihrer geisti- 
gen Thätigkeit ! Der friedliche Kreuzzug hat begonnen. Jerusa- 
lem muss unser -werden«: wie viel mehr Avird man sich, nach 
A'erfluss von weiteren zwanzig Jahren . der weitgehenden II <jtf- 
nung hingeben dürfen, dass die geistige Herrschaft über Jerusa- 
lem einst uns zufallen werde. 

5. September IS 84. 



Die antiken Städte und Ortschaften im 
Libanongebiete. 

Yon K. Furrer in Zürich. 



Wir bieten mit dieser Studie eine vollständige tJbersicht 
über die antiken Städte und Ortschaften des Libanongebietes, in- 
dem wir unsere neugewonnenen Resultate mit den bereits von 
andern Forschern errungenen zu einem Ganzen verarbeiteten. Es 
war, wie ein Blick auf die bisherigen Karten zeigt, noch manches 
festzustellen oder zu verbessern , luid Avir hoffen mit unserer Ar- 
beit die historisch-geographische Kunde des Libanongebietes, so 
weit sie die Geschichte von der ägyptischen bis zur byzantini- 
schen Zeit betrifft, in Avesentlichen Punkten gefordert zu haben. 

Jene älteste Vorstadt der Phönizier, Arathu, haben wir 
nach Analogie von Tyrus wohl nicht auf der Insel Kuäd , auf 
welcher nach assyrischen und griechischen Zeugen Aradus lag, 
zu suchen, sondern nordöstlich von der Insel an der Stelle des 
späteren Antaradus, dem jetzigen Tartüs, 29 km nördlich von der 
Mündung des Nähr el-Kebir Eleutherus). Von Thutmes III. 
wurden ihre reichen Pflanzungen in der Dschüni-Ebene verwü- 
stet, ja in wiederholten Feldzügen traf sein Zorn ihr Gebiet i). 
Als die Cheta Hilfstruppen gegen Kamses II. sammelten, lieferte 
auch Arathu sein Contingent2). Zur Zeit von Ramses III. musste 
das Volk von Arathu der Macht nordischer Heerschaaren sich 
beugen 3 . Solche Erfahrungen mochten die Arvadim *] hewegen, 

1; Brugsch, Gef5chichte Ägyptens 30S f. 341. 

2) Brugsch a. a. Ü. 491. 502. 504. 3) Brugsch 598. 

4) So werden die Bürger von Aradus Gen. 10, 18. Chron. I. 1, lü ge- 
nannt. 



Furrer, Antike Städte etc. im Libanungebiete. 17 

auf der kleinen Insel liiiäd ') ihre Zuflucht zu nehmen. Was 
Strabo von dieser Insel sagt , gilt schon für eine Aveit frühere 
Zeit. «Es ist ein meerumspülter Felsen, ungefähr sieben Stadien 
(c. 1300m im Umfange, voll von Bauwerken. Man -wohnt da- 
selbst in vielstöckigen Häusern«. ()fters gedenken assyrische Ur- 
kunden der Stadt Arvada (oder Aruada) . Tiglathpileser I. be- 
nutzte aradische Schiffe, um aufs hohe Meer hinauszufahren-^). 
Arvada lag ))mitten imMeere(f, als Assurnasiii)al ums Jahr 876 
V. Chr. auch von ihr Tribut bezog. Vergeblich suchte der König 
dieser Stadt 200 Jahre später das assyrische Joch abzuschütteln. 
Er musste seine Tochter in den Harem Assurbanipals geben und 
des überherrn »Füsse küssen« ^; . Der Prophet Ezechikl (ums 
Jahr 5 SO) erwähnt, dass die liewohner von Arvad die Ituder- 
knechte von Tyrus gewesen seien und Arvaditer hätten auch die 
Mauern dieser Stadt schirmen helfen ^j . Noch Strabo rühmt den 
Eifer der Aradier für das Seewesen^). Besonderer Blüthe er- 
freute sich Aradus in der Seleucidenzeit ; besass sie doch das 
Asylrecht und galt als dritte Stadt des Seleucidenreiches, zu dem 
sie in allen Wechselfällen treu sich hielt ^). Wie Strabo^) be- 
richtet, besassen die Inselaradier die gegenüberliegende Küsten- 
ebene bei Paltus (jetzt Beide), Balanäa (jetzt Bänijäs) und 
Camus (jetzt Karnün'') im Norden und Simyra (3 km nördlich 
vom Eleutherus) im Süden. Dazu gehörte auch die ostsüdöstlich 
gegenüberliegende Stadt Marathus, jetzt Amrit, ein lluinen- 
haufe, der dem vorüberfliessenden Bach den Namen gegeben. Schon 
zu Strabo's Zeit zerstört , setzt heute noch die Stätte Amrit 
durch die Grossartigkeit ihrer Ruinen in Erstaunen '>») . Neben 
Marathus lag Enydra^Oj, nach Rekan etwas nördlich von Amrit, 

1) Ruäd ist 11 km von Antaradus entfernt, 21/2 km von der Küste. 

2) Delitzsch, Wo lag das Paradies? 281. 

3) Duncker, Geschichte des Alterth. & II, 384. Schrader, Die Keilin- 
schriften und das alte Testament-, 104 f. 

4) Ez. 27, 8. 11. 5 Strabo IG, 2, 14. 

6) Droysen, Geschichte des Hellenisnuis- III, 256. 321. 38U. 394. 

7; Strabo IG, 2, 12. 

8) Forbiger, Alte Geogr. II, CG" verwechselt Carnus mit Antaradus. 
Plinius 5, 2o erwähnt Carne. Der Stadt Antaradus gedenken Ptolemäus 5, 
14. Itin. Ant., Itin. Burdig. 

U: Kenan, Mission en Phenicie 59 — 102. 
10] Strabo a. a. O. 

Ztschr. d. Pal.-Ver. VIII. 2 



* c Furrer, 

da. wo sich eiu künstlicher Hü^el am linken Ufer des Nähr 
Ghamke erhebt, nicht 'Ain Haije unmittelbar bei den Kuinen von 

Marathus '). 

Der Ort Sumra hat in -svenig veränderter Form (Zamir, Si- 
mir. Simvra; seinen Namen durch Jahrtausende erhalten. Aber 
■wie ist die Herrhchkeit der Stadt . deren Besiegung einst Thut- 
mes III.. Sargon und andere Grosskönige unter ihre Ruhmes- 
thaten zählten, längst versunken ! 2 . 

Südlich vomEleutherus war die erste bedeutendere Stadt der 
Phönizier 'Arka. deren Burg auf steilem Felsen hoch über dem 
rechten Ufer des Nähr el- Arka thronte. Dem Sturme von Thut- 
mes III. konnte die stolze Feste nicht widerstehen 3) . Sie wird 
in asspischen ^^ und israelitischen Berichten erwähnt. Ebenso 
gedenken ihrer die klassischen Geographen ^] . Schon zur Zeit 
der Antonine hiess sie Caesarea ad Libanum und war schon vor 
Alexander Severus. der hier geboren wurde, römische Colonie**]. 
Im Talmud lesen wir, dass in ' Arkat Lebana eine Riesenceder ge- 
standen habe ') . 

Elf Kilometer südwestlich von Teil 'Arka liegt am linken 
Ufer des Nähr Berid. nahe der Mündung, der einsame Chan 
Ard-Arthüsi. an Stelle des alten Orthosia. das Strabo. Plimus, 
Ptolemäus südlich auf Simvra folgen lassen^. Einst floh der 
Feind der Makkabäer. Tryphon. von Dora nach Orthosia 'V Die 
Stadt wird auch im Talmud erwähnt 10, . 

An den beiden Ufern des Nähr Kadischa . 1 4 km südlich 
von Orthosia, liegt Tripolis [jetzt Taräbulüs). eineStadt, welche 
die Sidoiüer. Tyrer und Aradier gemeinsam gegründet haben 

1 Renan a. a. 0. 19. 21. 

2; Vgl. Brugsch a. a. O. 309. 328. Maspero, Geschichte der morgen- 
ländischen Völker im Alterthume 204. 391. 393. 437. Schrader a. a. O. 105. 
Genes. 10, IS (Zemari, ein Sohn Cauaans;. Strabo 16, 2, 12. Ptolem. 5, 14. 
Plin. 5, 19. 

3; Brugsch a. a. 0. 324. 

4) Delitzsch a. a. O. 2S2. Schrader a. a. O. 104. Genes. 10, 17. 
1. Chron. I. 1, 15. 5j Vgl. Forbiger a. a. O. 672. 

6) S. die Nachweise bei Forbiger a. a. O. 

7) Neubauer, Geogr. du Talmud 299. 

8) A. a. O. 9 Makk. I. 15, 37. 
10) Neubauer a. a. O. 303 f. 



Antike Städte etc. im Libanong;ebiete. 19 

sollen^), um an Bundesversaramhint^en hier zu tairon. Einst 
war es eine »feste Städte , <hu-cli SehiltYalnt und Handel . sowie 
durch eine fruchtbare Uniii^ebung ausgezeichnet 2' . In ihren 
Hafen lief die Flotte ein , mit deren Hilfe Demetrius den Antio- 
chus Eupator überwand ^) . 

Wandern wir die Küstenstrasse entlang, so treffen wir etwa 
8 km südsüdwestlich von Tripolis el-Kalraön, das alte Kala- 
mos, dessen z. B. Pülybius und Punius gedenken^). 

Etwa 14 km östlich von el-Kalmön gelangen wir zu einem 
ansehnlichen Dorfe Namens Zagharta, an dessen nördlichem Saume 
der Nähr Eascha'in vorüberströmt. Dasselbe steht wohl auf dem 
Platze des alten Gigarta, eines Käubernestes, das von Pompe- 
jus zerstört wurde ^) . 

Nur fünf km südsüdwestlich von Kalmön liegt am südlichen 
Anfang eines dreigipfligen Vorgebirges das durch mannigfache 
Spuren des Alterthums ausgezeichnete Dorf Enfe ^) . Einst stand 
hier die Stadt Tri er es ^), die Antiochus der Grosse auf seinem 
Feldzuge gegen Ptolemäus Philopator zerstörte, die aber noch 
in römischer Zeit einen Hafen besass und als Station auf dem Wege 
nach Jerusalem auch vom Bordeaux-pilger und von Antomnus 
Martyr besucht wurde. Kurz ehe letzterer hieher kam. hatte 
ein Erdbeben die Stadt heimgesucht *). 

Dem Vorgebirge von Enfe liegt Ras esch-Schakka gegen- 
über, das von den Alten vielgenannte Theouprosopon'-'j, des- 
sen Feste ernst Porapejus zerstörte ^^) . 

1) Strabo 16, 2, 15. Plin. 5, 17. Steph. Byz. s. v. 

2) Dionysius periegetes V. 914. 3) Makk. II. 14, 1. 

4) Polyb. 5, 68. Plin. 5, 17. 

5) Strabo 16, 2, 18. Plinius führt Gigarta allerdings zwischen Botrys 
und Trieres an; aber seine Reihenfolge ist anerkanntermassen ungenau. 
KtuiAT] RiYotpTa in der Notit. eccl. bei Pveland, Palästina 216. 

' 6) Renan a. a. O. 143 f. 7) Von der Form des Vorgebirges mag 

der Name TpffjpT];, «dreifach ausgerüstet«, herkommen. 

8) Polyb. 5, 68. Plin. 5, 19. Strabo 16, 2, 15. Hieroclis synecdemus. 
Scylax c. 104 (er schreibt Teres). Itiner. Burdig. 14. Anton. Mart. 92 edd. 
Tobler et Molinier). 

9) Theouprosopon, »Gottes Angesicht«. Renan a. a. O. 145 bemerkt: 
Peut-etre aussi est-ce une traduction de pene-Baal, »face de Baal«, epithete 
constante de Rabbath Tanith dans les inscriptions carthaginoises. Le mon de 
cap »Madonne« (so heisseu es die Franken) serait-il un echo du mon Rabbath? 

10] Strabo 16, 2, 18. 

2* 



0(1 Furrer, 

.Siiillich von Käs esch-Schakka folgen in ungleichen Distan- 
zen zunächst Botrys ijetzt liatrün'), nahe dem linken Ufer des 
Nähr el-Dschüz. dann das altberühmte By blos, von den Ägyp- 
tern Kapuna. den Phöniziern und Israeliten Gebal-), von den As- 
svreni Guubli, von den Arabern Dschebeil genannt. Eine »heilige 
.Stadt'( heisst Byblos schon in einem ägyptischen Reiseberichte 
des 14. Jahrhunderts v. Chr. 3) . Pap. Anastasi I unter Ram- 
ses II. D. Ked. . Dem Adonis heilig nennt sie Strabo^j , eine 
Stiftmig des Kronos Stephanus Byzaminus^). Die Frauen von 
Byblos beweinten den Adonis , -wenn der eine Stunde entfernte, 
vom Heiligthum Apheka'' im Hochgebirge kommende Nähr 
Ibrahim Adonis) vom Blute des Gottes geröthet war ") . Die spä- 
tere Stadt Byblos liegt südlich von Nähr Fartuse und nördlich 
vom Nähr Feidär, die ältere südlicher. Beim Vorgebirge Ma'a- 
miltein, welches das steile Nordufer der Dschüni-Bai abschliesst, 
begann unsers Erachtens die von Strabo erwähnte wLeiter« (cli- 
max'";, und an ihr, einem ungewöhnlich schönen Gestade, wo 
die anmuthigen Formen der Landschaft von dem reichen Pflan- 
zengrün einen erhöhten Reiz empfangen, haben wir Paläbyblos'^) 
und wohl auch das Gebal der Israeliten, die der Gibliter als 
Steinmetzen, Holzfäller und Schiflljauer gedenken '<') , zu suchen. 
Auch was Strabo von Byblos sagt, gilt richtiger für Paläbyblos, 
nämlich, dass es auf der Höhe gelegen habe unfern dem Meere i') . 

Um die Dschüni-Bai herum führte die uralte Völkerstrasse 
nach dem Passe des Nähr el-Kelb (Lykus). Noch haben sich an 
diesem Passe drei Felsentafeln erhalten , auf denen Ramses IL 



1) Polyb. 5, 68. Strabo 16, 2, 18. Steph. s. v. Plin. 5, 20. 

2 Das älteste Byblos , das in den ägyptischen Urkunden und im A. T. 
erwähnt wird, lag übrigens weiter nach Süden, s. unten. 

3 Kecords of the Fast II. 110. 4; Strabo 16,2, 18. 

5, Steph. Byz. s. v. , er nennt sie mit Unrecht die älteste Stadt Phöni- 
eiens. 

6 Euseb. vita Const. 3, 55. Sozom. hist. eccles. 2, 5. Bei Jos. 13, 4 
ist wohl an dieses Aphek zu denken, während kaum bei Jos. 19, 30. Rieht. 
1, 31. 7) Kenan a. a. O. 263. S) Strabo 16, 2, 18. 

9) Strabo 16, 2, 19. Plin. 5, 17. 

10; Kon. I. 5, 18. Ez. 27, 9. Das Land der Gibliter Jos. 13, 5 würde 
dann den Bezirk des Libanon bezeichnen , der von der Dschüni-Bai ostwärts 
zur Kammhöhe des Gebirges sich erstreckt. 

11) Über die Alterthümer von Dschebeil vgl. Ilenan 152. 281. 



Antike Städte etc. im Libanongebiete. 21 

sein siegreiches Vordringen verewigte. In einer andern Urkunde 
aus seiner Zeit wird der Feste Galipu Erwähmmg gcthan ■). die 
wir eben hier zu svichen haben. Viele Jahrliunderte später sucli- 
ten die Ägypter umsonst den Kelb-Pass gegen Antiochus den 
Grossen zu sperren '^) . 

Wir überschreiten den Nähr Beirut (M a g o ras, und kommen 
zur römischen Colonie Felix Julia •') . Ein grosser Pinienhain 
schützt im Südwesten die Gärten der Stadt gegen den andringen- 
den Meeressand. Seit fernen Jahrtausenden mag ein solcher 
Hain hier gestanden haben ^j und die Stadt ihm den alten Namen 
Beryto s (Beirut) danken ■'''). Namensähnlichkeit Hess manche 
Forscher die Küstenstadt mit dem biblischen Binnenort Berothai 
verwechseln. Wie mächtig ist Beirut noch gewachsen seit den 
Tagen, da Stepha?vUS Byz. von ihr rühmen konnte, sie sei aus 
einer kleinen Stadt eine grosse geworden 0) . 

Von Beirut aus gesehen erhebt sich in stolzer Majestät 
Dschebel Sannin, zu dem man über das Dorf Brumm äna aufstei- 
gen kann, hoch ob dem Wädi Salima. Sannin und Brummäna 
erinnern uns aber an die ituräischen Räubercastelle Sinnas und 
Borroma, deren Strabo erwähnt^). Sie haben ohne Zweifel auf 
einem westlichen Ausläiifer des Sannin, und zwar das zweite an 
der Stelle des heutigen Dorfes Brummäna, gelegen. 

Zwölf römische Meilen (c. 3'/2 Stunden) südlich von Bery- 
tos traf der Bordeauxpilger (333 n. Chr.) die Stadt Heldua. 
Dort finden wir heute den Chan el-Chulda. Einst mochte der 
Ort bessere Zeiten gesehen haben , Avenn wir ihn mit dem E 1 ä a 
des Philo von Byblos und dem Elais des Dionysius Periegetes 
identificieren dürfen *) . 

1) Brugsch a. a. O. 515. Duncker a. a. 0. 143. 

2) Polyb. 5, 68. 3) Plin. 5, 17. 

4) Birotha wird schon im Reisebericht aus Ramses II. Zeit erwähnt, vgl. 
Brugsch a. a. O. 55G. 

5) Berytos von berösch, das nicht bloss Cypresse, sondern auch Pinie be- 
deutet. Stephanus Byz. s. v. leitet den Namen von [ir,o pxs) »Brunnen^ ab. 

6) Unter Caracalla nahm die Stadt den Beinamen Antoniniana an. Berytos 
wird von den Alten häufig erwähnt, vgl. die Belegstellen bei Forbiger 
a. a. O. 668. 7) Strabo 16, 2, 18. 

8) Philo bei Steph. Byz. s.v. Elaia. Renan a. a. O. 526 vermuthet, es sei 
an dieser Stelle Eldia zu lesen. Richtiger scheint uns die Lesart Elais (Acc. 
Elaida), die mit Dionys.Per. und Eustathius (§ 910) übereinstimmt. 



•22 Furrer, 

Als nächste Station nennt derselbe alte Pilger Porphy- 
rion. Da dieselbe acht römische Meilen c. 2^ o Stunden] von 
lieldua entfernt lag, so musste er vorher den von Polybius und 
Stkabo er-wähnten Fluss Tamyras (jetzt Dämüri) und das Vor- 
gebirge gleichen Namens passieren. BeiNebiJünus. avo noch zahl- 
reiche Spuren einer bedeutenden Stadt des Alterthums sich fin- 
den-), erreichte er die Station. Von hier bis zur Scala Tyrio- 
runi jetzt Käs en-Xäkiiral dehnte sich nach dem Talmud 3, der 
Fang der Purpurschnecke aus. Polybius berichtet, dass südlich 
vun Dämür eine schroffe, steile Anhöhe bis zum Saume des Mee- 
res sich erstrecke , -welche nur auf schwierigem und mühsamem 
Wege überschritten werden könne. In der That senkt sich nörd- 
lich von Nebi Jünus ein Ausläufer des Gebirges zum Meere, über 
den ein schwieriger, zum Theil in Fels gehauener Pass hinführt. 
Dieser Pass von Porphyrion Avurde von Antiochus dem Grossen 
forciert. Darauf konnten sich die Feinde auch bis Platanos nicht 
mehr halten, und die Strasse lag für den König bis nach Sidon 
offen ^}. Nach der Schilderung des Polybius muss Platanos^] in 
der Nähe von Poi^ibyrion sich befunden haben, und zwar an 
einem Engpass. Im Norden vom Nähr el- Awali dehnen die 
Berge ihre Wurzeln bis zum Meere hin aus^^ . Dort, und zwar 
wohl beim Vorgebirge er-Rumele, wo sich Trümmer phönizischer 
Monumente und einer grossen Necropole erhalten haben, ist die 
Stätte von Platanus zu suchen"). 

Wer von Berytos nach Sidon wanderte, musste, wie Ptole- 

1, Polyb. 5, 6S heisst der Fluss Aaaojpa;. Strabo 16, 2, 22. 

2 Renan a. a. O. 511—514. Die Trümmerstätte Nebi Jünus ist von dem 
südlicher liegenden Käs Xebi Jünus oder Ras Dschedre zu unterscheiden. 

3; Gem. Schabbath bei Reland a. a. O. 050. 4 Polyb. a. a. O. 

5 So schreibt auch Steph. Byz. s. v. Josephus, Archäol. xVl. 11, 25. 
Platane. Er nennt es ein Dorf der Sidonier. f. Robinson, Palästina III, 711. 

T; Die Lage von Porphyrion ist durch Polybius und das Itiner. Burdig. 
sehr bestimmt angezeigt. Gleichwohl wurde Porphyrion häufig mit Haifa ver- 
wechselt. Warum das geschehen konnte , wurde bisher nicht erklärt. Das 
Räthsel löst sich aber sehr einfach. Kaiser Justinian baute in Porphyrion 
eine^ Kirche |zu Ehren der Maria. Unter demselben Kaiser aber kaufte ein 
gewisser Evangelus in Cäsarea ein am Meere liegendes Dorf xü)[j.r^v üof- 
'fjptwvci. Letzteres ist offenbar mit Haifa identisch. Als dann das bischöf- 
liche Porphyrion in Trümmer gesunken war, Haifa aber aufblühte, ging die 
Bislhumswürde auf Haifa-Porphyrion über. Procop. de aedif. 5, 9. Hist. ar- 
cana .30. 



Antike Städte etc. im Libanongebiete. 23 

maus') berichtet, den Fluss Leo kreuzen. Strauo gedenkt des 
letztern nicht, wohl aber^mchlet er, dass zwischen iJerytos und 
Sidon der Fhiss Tamyras, der Hain d e s Ä s k u 1 a p und L e o n - 
tonpolis Hege'-). Von Antoninus M. vernehmen wir, dass bei 
Sidon ein Fluss As clepius ströme, während Diünysius Perieg. 
und seine römischen Übersetzer von dem anmuthigen Bostrenus 
reden , der bei Sidon seine klaren Wogen vorübertreibe ^j . Aus 
all' diesen Angaben darf man schliessen , dass Leo, Asklepius, 
Bostrenus denselben Fluss, nämlich den Nähr el- Awali, bezeich- 
nen. Am »Löwenfluss« lag aber sonder Zweifel auch die »Löwen- 
stadt« (Leonton- oder Leontospolis), beim Asclepius- (Äskulap-) 
Fluss der Hain gleichen Namens. Vielleicht war es ein Plata- 
nenhain , von welchem das Kastell Platanus seinen Namen em- 
pfangen. Jedenfalls haben Avir Leontonpolis bei er-Rumele zu 
suchen. Sollte es nicht mit Platanus identisch sein, so müssten 
wir letzteres auf das Vorgebirge Dschedre verlegen. 

Vom Nähr el- Awali führte ein Kanal , der theilweise noch 
erhalten ist , Wasser nach Sidon. Ein Blick auf die Lage dieser 
Stadt lässt ihr frühes Aufblühen wohl begreifen : hat doch die 
Natur dort selbst durch Inseln und Halbinseln der Bildung von 
schützenden Hafen und sicheren Wohnsitzen vorgearbeitet, und 
ist doch die Strandebene , Avelche nach drei Seiten hin die Stadt 
umkränzt, mit reicher Vegetation gesegnet ! Wohl ist dieser Gar- 
ten Sidons durchschnittlich nur eine Viertelstunde breit : es zieht 
sich aber freundliches , wiewohl spärliches Grün auch an den 
sanft aufsteigenden benachbarten Höhen empor. Die Bäche 
Kamle im Norden und Barghüt und Sanik im Süden helfen die 
Ebene einen Theil des Jahres hindurch bewässern. Heutzutage 
könnte man die Stadt nicht mehr die »grosse« heissen, wie sie im 

1) Ptolem. 5, 15. 

2) Strabo 16, 2, 22. Plin. 5, 19 verlegt Leontosoppidum nördlich von 
Berytos. Der Text bei Skylax (s. Reland a. a. O 432; ist verdorben. »As- 
clepios mit dem Löwen« nannten die Griechen den phönicischen Gott Esch- 
mun, vgl. Tiele in Revue de l'hist. des religions 3, 199. 

3) Dionys. per. 912 f.; vgl. Keland a. a. O. 437 f. Bostrenus erinnert an 
Astrenoe, deren Geliebter nach Damascius Eschmun war (vgl. Tiele a. a. O. 
200). Der Käme würde dann auf den Tempel des Eschmun und der Astarte 
daselbst hindeuten. In der geographia synoptike des Nikophorus lesen wir: 
Sicöjva fjTt; ■/,aT0i7.£ttat eTil toi? 'jootci toü BoSTf^rjVoO, d^' o'j '/.eil Boaroa ci'jty] 

T) 7:6X11; X£f£TG(t. 



«)^ Furrer, 

A. T. genannt wird' . Doch ist es immer noch ein ansehnlicher 
Ort. dessen Weichbikl viele Palmen, Haine von Orangen-. Fei- 
lten-, Öl-, Maulbeer-. Aprikosen- und Bananenbäumen zieren. 
Sidon hatte in den Augen der Israeliten und Hellenen ein so 
grosses Ansehen , dass sie in ihren älteren t berlieferungen sehr 
oft den ganzen Stamm der Phönizier einfach Sidonier nannten-;. 

Innerhalb der idealen Grenzen des Stammes Asser fallend'^), 
■wurde sie doch nie von den Israeliten erobert^). Dagegen unter- 
lag sie dem Sturme Asarhaddons um's Jahr 670 ^j. Fünfzig Jahre 
früher hatte sie sich -svillig der Herrschaft von Salmanassar IV. 
gefügt^^. Umsonst trotzte sie 593 v. Chr. dem Könige Nebukad- 
nezar^). Seit den Zeiten des ersten Hiram von Tyrus war Sidon 
allmählich auf die zweite Stelle unter den phönizischen Städten 
herabgesunken. Doch unter persischer Oberherrschaft erscheint 
es wieder als die erste Stadt Phöniziens imd ihre Könige haben 
den Vorrang vor denen von Tyrus '^l . Nachdem es aber 351 v. 
Chr. von Artaxerxes Ochus erobert und zerstört worden, erhob es 
sich nur noch als Stadt mittleren Hanges aus der Asche '■*) . Man 
rühmte in römischer Zeit Sidons Glasfabrikation '^j. 

Nach Strabo liegt zwischen Sidon und Tyrus eine kleine 
Stadt Ornithonpolis 11). Zu dieser Angabe stimmt Skylax. 
Plinius 12 zählt von S. nach N. an der Küste die Städte Tyrus, 
Sarepta, Ornithon, Sidon auf. Darnach dürften wir Ornithonpo- 

1) Jos. 11, 8. 19, 28. In assyr. Urkunden wird ein Gross-Sidon und ein 
Klein-Sidon namhaft gemacht, s. Schrader a. a. 0. 103. 291. 

2) Genes. 10, 15. 49, 13. Jos. 13, Ü. Rieht. 3, 3. 18, 7. Die Sept. 
zu Levit. 3, 7 und Jos. 23, 2. 12. Ilias 6, 290 f. 23, 743 f. Od. 4, 84. Ö18. 
15, 115. 424. Im Siegesberichte von Thutmes III. wird Zor Tyrus), nicht Si- 
don erwähnt ; wohl aber gedenkt der Stadt Ziduna derReisebericht aus Ram- 
868 II. Zeit. Vgl. Brugsch a. a. ü. 324. 339. 

3) Jos. 19, 2S. 4) Rieht. 1, 31. 3, 3. 

5; Delitzsch a. a. 0. 283. unter den in assyr. Urkunden erwähnten 
Nachbarorten Sidons ist vielleicht Kundi auf 'Ain Kün am "WädiKefra, Bit- 
ziiti auf Zeta am mittleren Zaharüni zu beziehen. 

6j Duncker a. a. O. II, 322. 7) Duncker a. a. O. 514. 

8) Duncker a. a. O. IV, 3ü7 f. Herod. 3, 19. 5, 104. HO. 7, 96. 

9, Forbiger a. a. O. 669. 

10) Plin. 5.17. Pomp. Mel. 1,12. Im N. T. wird öfters das an Galiläa an- 
gränzende Gebiet als Gegend von Tyrus und Sidon bezeichnet Mrk. 3, S. 7, 
24. Mtth. l.j, 21. Paulus berührte Sidon auf seiner Reise nach Rom. 
Apg. 27, 3. 11) Strabo 16, 2, 14. 12j Plin. 5, 17. 



Antike Städte etc. im Libanongebiete. 25 

li.s nicht für den gleichen Ort -wie Sarepta halten — wollte man 
nicht etwa mit Renan veimuthen, dass Zorphat (Sarepta) durch 
Umstellung Zophrat gesprochen und dann als «Vogelstadtic (Zip- 
l)arta) gedeutet worden wäre ^) . Hat man sich aber an den über- 
lieferten Text des Plinius zu halten 2], so würde Ornitlionpolis 
wohl am besten der vom Hükdeaux-pilger erwähnten Station Ad 
Nonum, dem heutigen "^Adlün, entsprechen'^;. Dort befand sich 
einst eine Stadt, bei deren Nordthore man das RelieHiild eines im 
Käfig gehaltenen Vogels gefunden^). Dieses Bild könnte eine 
Anspielung auf den Namen der Stadt sein. 

Nicht so unsicher wie die Lage von Ornitlionpolis ist die von 
Sarepta, da der Name dieser Stadt als »Sarfandu sich erhal- 
ten hat. Etwa 35 km südlich von Sidon liegt am Ilügelabhang 
über der Strandebene ein Dorf Sarfand. Letzteres nimmt indess 
nicht die Stelle der alten Sidonierstadt ein-^), sondern diese ist auf 
dem Vorgebirge gleichen Namens zu suchen 6), Am Hügelab- 
hang aber mochte der Wein gedeihen, dessen Trefflichkeit Aveit- 
liin gerühmt wurde ^) . 

Mit dem Fluss Litäni, dem Strabo keinen Namen gegeben, 
den aber die ägyptischen Urkunden wiederholt unter dem Namen 
Natsana erwähnen, schliesst das eigentliche Libanongebiet. 
Doch wollen Avir, über diese Grenze ausgreifend , auch noch die 
einst berühmteste Phönizierstadt erwähnen, nämlich Tyrus. 
»Zweihundert Stadien , nicht mehr« , sagt Strabo , »liegt Tyrus 
von Sidon, nach letzterer die grösste und älteste Stadt Phöni- 
ziens. Die Dichter zwar haben Sidon mehr gefeiert, und Homer 

1) Renan a. a. O. 556. Er vermuthet, dass es bei Plinius ursprünglich 
geheissen : Sarepta seu üi-nithonpolis. Wenn Skylax letztere eine Stadt der 
Sidonier nennt, so ist damit für ihre Lage nichts bestimmt, da er z. B. auch 
Dora so bezeichnet. 

2) Auf des Plinius Reihenfolge ist , wie oben schon bemerkt , kein 
Verlass. 

3) Strabo 16, 2, 24: Aie/si tyj; ^toovo; Yj T6po; oj TrXsfoy; töiv otav.osicuv 
CTaotojv. 'Ev TU) [Asxa^'j roXiyviov 'OpvlS}ujv roAi? Xs^oi^ivT] • elta 7:p6;T6p(o r.ozo.- 
(jio; (der Litäni) d;iTjO£v. In der Mitte zwischen Sidon und Tyrua liegt Sarepta, 
das Strabo nicht erwähnt. 'Adlün liegt Tyrus näher. 4) Renan a. a. O. 656. 

5) Ob. 20. Kön. L 17, 9. Luk. 4, 26. Jos. Archäol. YIII. 13, 2. 

6) Renan a. a. O. 655 f. 

7) Sid. Apoll, carm. 17, 16. Fulg. Mythol. 2, 15, vgl. ferner Reland 
a. a. O. 185 f. Der Stadt Zareptha gedenkt schon der ägypt. Reisebericht, 
s. üben. 



2(3 Furrer, 

thut von Tyrus gar keine Erwähnung, aber die nach Libyen und 
•Spanien bis über die »Säulen« hinaus entsendeten Kolonien rüh- 
men Tyrus mehr. Dieses ist fast ganz eine Insel und eben so ge- 
baut Avie Aradus. Es hängt mit dem festen Lande durch einen 
Damm zusammen, av eichen Alexander während der Belagenmg 
aufwerfen Hess. Es hat zwei Häfen, einen geschlossenen und 
einen offenen , den sie den ägyptischen nennen. Die Häuser 
sollen daselbst viele Stockwerke haben, sogar noch mehr als in 
Kom. Zum Aufenthalt ist die Stadt wegen der Menge der Fär- 
bereien unangenehm« ^) . So schildert Strabo das Tyrus seiner 
Zeit. Es ist aber diess nicht die Stadt, deren die ägyptischen 
Denkmäler der 18. und 19. Dynastie gedenken-), sondern diese 
lag 30 Stadien 3) (etwas mehr als eine Stunde) südlich von der- 
selben auf dem Festlande. In dieser Entfernung treffen wir eine 
reiche Quelle (jetzt Eäs el-Ain geheissen), deren Wasser durch 
eine noch in Trümmern vorhandene Leitung nach Inseltyrus ge- 
fülirt wurde. Doch nicht bei der Quelle selbst, sondern auf dem 
unmittelbar benachbarten Hügel er-Easchidije haben wir Palä- 
tyrus zu suchen^). 

In Tyrus hat sich das reichste Leben der Phönizier concen- 
trirt, und zwar in Inseltyrus , das seinen Aufschwung dem Zeit- 
genossen Salomo's, dem Könige Hiram, verdankte. Er Hess die 
Insel durch Aufschüttungen vergrössern und schützte die ganze 
Stadt, deren Umfang nur 22 Stadien betrug, durch gewaltige, 
hart am Meere aufsteigende Mauern^). Wann die ersten Ansied- 
lungen auf der Insel stattgefunden und wie weit Inseltyrus als 
Tochter von Sidon 6] betrachtet werden kann , lässt sich nicht 
mehr entscheiden. Assyrische und später babylonische Oberher- 
herrschaft anerkennend, haben doch die Inseltyrer den langen 
Belagerungen von Salmanassar IV. und Nebukadnezar ^) erfolg- 
reichen Widerstand geleistet. Erst durch Alexander wurde ihre 
Macht gänzlich gebrochen ^] . Doch schwangen sie sich wieder 

1) Strabo Hl, 2, 23. 24. 

2 Brugsch a. a. O. .'124. 339. Die Ägypter nennen die Stadt Zor , wie 
die Israeliten. 

3) Strabo ItJ, 2, 24. 4) Guerin, Galilee II. 203. 

5) Duncker a. a. O. If. 200 f. 0) Jes. 23, 11. 

7, Duncker a. a. O. II, 322. 525 f. 
S; Droysen, Gesch. d. Hellenismus I. 1, 2S4 f. 



Antike Städte etc. im Libanongehiete. 27 

zum Wohlstand und einer gewissen, von den Ivömcin respectir- 
ten Freiheit anf ). 

Zur Zeit des Propheten Hosea im 8. Jahrhundert und noch 
mehr in den Tagen Ezechiel's ;ini G. Jahrli.) niuss Tyrus eine 
glänzende Stadt gewesen sein , weit herrlicher als Stkajjo sie 
kannte"^ . Als Jesus in Galiläa wirkte, hatte Tyrus wie Sidon hei 
den Juden den Ruf einer lasterhaften Stadt'') ; doch hildete sich 
hier früh eine Christengemeinde, die auch Paulus besuchte*). 

Die Nachforschungen Gukrin's'') haben bewiesen, dass Ty- 
rus einst eine nördliche und eine südliche Khede besass, die ge- 
ilen den von West kommenden Wogenschwall durch Fels und 
Mauer geschützt waren. Der nördliche Hafen war grösser als die 
dortigen über dem Wasserspiegel noch sichtbaren Molotrümmer 
vermuthen lassen. Ein von SSW. nach NNO. gehender MolO' 
begränzte den südlichen Hafen. 

Für die ideale Anschauung der Israeliten lag das ganze Li- 
banongebiet innerhalb der Nordgrenze ihres Keiches^). Aus- 
gehend vom »grossen Meere«, berührte letztere zunächst Hetlon^ 
das jetzige Heitela, einen Ort, der fast zwei Stunden von der 
Küste entfernt, zwischen dem Nähr el-Kebir und dem Nähr 
'Akkär gelegen ist, strich darauf am Berge Hör, offenbar dem 
nördlichen Ausläufer des Libanon , vorüber, dem Thal des Nähr 
el-Kebir folgend, und erreichte dann das Plateau des Orontes. 
Hier nahm sie vorerst eine nordöstliche Richtung J)bis zum Kom- 
men nach Hamathu, d. h. bis zum heutigen Restan, dem alten 
Arethusa, wo einst Syria secunda'], später das Fürstenthum 
Antiochia sich abgrenzte, und heute die Grenze zwischen dem 

1) Strabo a. a. O. 2) Hos. 9, 13. Ez. 27. 

3) Matth. 11, 21. 15, 21. Mark. T, 24. Luk. G, 17. 10, 13. 

4i Apg. 21, 3—7. 

5) Guerin a. a. O. 181 f. Über die Geschichte von Tyrus vgl. ausser 
den Bibellexica die klare Übersicht bei Guerin a. a. O. 209—231. Guerin 
berücksichtigt indess die hierogly^ihischen und keilinschriftlichen Nachrichten 
nicht. 

6) Num. 34, 9 f. Ez. 47, 15 f. 

7) Stephanus Byzant. und Hieroclis synecdemus berichten, dass zu ihrer 
Zeit [im 6. Jahrh. n. Chr.) Arethusa zu Syrien, Emesa zur Phoenice Libane- 
sia gehörte.. Nach der Notit. patriarch. aus demselben Jahrh. war Arethusa 
dem Erzblsthum Apamea und nicht dem von Emesa untergeordnet , während, 
bei Ptol. 5, 15 Emesa dem Bezirk Apamene einverleibt ist. 



23 Furrer, 

Ilamath- und Hömsgebiet sich durchzieht i). In der Nähe von 
Kestan nämlich beginnt das eigentliche liaraaththal. das eine fast 
hundert Meter tiefe Furche im weiten Hauptthal bildet. Das 
»Kommen nach Hamath^« . ein Ausdruck , der als Grenzbezeich- 
nung so oft im A. T. erwähnt wird- , hatte demnach einen viel 
engern liegritf als gewöhnlich angenommen wird, liei Restan 
überschritt die Grenze den Fluss und zog sich ostsüdöstlich nach 
Siphron. dem jetzigen Safräne. einer östlich vom Orontes^) ge- 
legenen Ortschaft. Von hier aus wandte sie sich südsüdöstlich 
nach Zedad. dem heutigen Christendorf Sadad^ . lief dann ost- 
nordöstlich auf Hawran zu. Haurina nennen die Keilinschrifteii 
diesen Ort ^ , Averia oder Aveira Ptolemäus '') . Euria das Ver- 
zeichniss der alten Bisthümer' . Hawarin seine jetzigen Bewoh- 
ner. Noch trägt er Spuren einstiger Bisthumsherrlichkeit. Nur 
noch 17 km gerade aus östlich, und die Nordgrenze endigte 
bei Hazar 'Enan. indem sie hier mit der Ostgrenze zusam- 
mentraf. Dieses Hazar 'Enan Quellenhof können wir nämlich 
nur in Karjaten suchen, von dem Ritter berichtet^) : »Kariaten 
gehört zu den in der syrischen Wüste Meit auseinanderliegenden, 
oasengleichen, fruchtbaren Stellen, wo noch gutes "Wasser vor- 
handen und gute Weintrauben gedeihen. Aber es ist zugleich 
auch der letzte Wohnort gegen die Wüste, von wo man 24 Stun- 
den ohne Wasser bis Palmyra vorzurücken hat". Nach Sachai 



1, K. Ritter, Erdkunde XVII, 1028 f. 

2, Num. 13, 22. 34, S. Jos. 13, 5. Rieht. 3, 3. König. I. 8, 65 u. s. w. 

3; K. Ritter a. a. O. 1029. Von Restan aus liegt Safräne ostsüdöstlich, 
von Teil Bisi aus nordöstlich. 

4) Num. 34, 8 -wird die Richtung der Gränze nach Zedad angegeben , im 
folgenden Vers die Gränze vom Hamathgebiet an durch die Punkte Siphron 
und Hazar Enan genauer bestimmt. Über Sadad vgl. K. Ritter a. a. O. 1391. 
1443 fg. Man könnte vermuthen , dass Deleda der Tabula Renting, mit .">adad 
identisch sei , insofern S dem römischen Ohre wie D tönte und 1 ein einfacher 
Schreibfehler wäre. Doch giebt es heute noch ein Teil 'Eda in der syrischen 
"Wüste, 3.5 km ostsüdöstlich vonHama, freilich zu der Distanzangabe der 
Tabula nicht stimmend. Eher mag Zedad dem Adada bei Ptolem. 5, 1.5 und 
bei Nütitia Dignit. imp. entsprechen. 

5 Delitzsch a. a. O. 296. 6) Ptolem. 5, 15. 

7, Notitia Antiochiae et Jerosolymae Patriarchatuum edd. Tobler et Mu- 
linier 335. Ueber das jetzige Hawarin vgl. Sachau, Reise in Syrien und Me- 
sopotamien 1883, 52 f. Sj A. a. 0. 1458. 



Antike Städte etc. im Libanongebiete. 29 

tritt eine halbe Stiinde südlich von Karjaten eine Quelle, Iläs el- 
*Ain, zu Tage und bildet einen IJach, der in zwei Armen an bei- 
den Seiten des Dorfes vorbeifliesst und sich dann bald in die 
Stepi)e verliert ^] . 

Die Ostgrenze begann nach Ezechiel^) zwischen Hawran 
imd Damaskus ; Xxim. 34, 10 heisst es genauer: «Market euch zur 
Ostgrenze von Hazar Enan nach Sepham«. Wenn dann freilich 
nach der gewöhnlichen Lesart der Befehl Aveiter lautet : »Und die 
Grenze gehe von Sepham herab nach Kibla östlich von Ain«, so 
fühlen wir uns vollständig im Dunkeln, da uns Sepham gänzlich 
imbekannt ist^) und Ribla am Orontes von Hazar Enan aus 
westnordwestlich liegt. Entweder hatte der Verfasser keine klare 
Vorstellung von der gegenseitigen Lage dieser Ortschaften, oder 
wir haben , was uns viel wahrscheinlicher dünkt, anzunehmen, 
dass ein altes Sepham etwa an Stelle des heutigen ^\tni, 46 km 
südsüdwestlich von Karjaten, sich befunden habe. Harbel aber 
— denn so, nicht ßibla, steht Num. 34, 11 geschrieben ^j — ist 
das heutige 'Arbin , 5 km nordöstlich von Damaskus und nur 
1 km östlich von dem perennirenden Bache entfernt, der von Hel- 
bön herkommt. 'Arbin von Harbel ist ähnlicher Bildung wie 
Beitin von Bethel. Ezechiel^j macht zwischen Hetlon \ind Ze- 
dad noch drei Städte namhaft, deren Gebiete die Grenzlinie be- 
rührten, nämlich Hamath, Berotha, Samareim''). wovon 
die erstere am mittleren Orontes lag , die zweite, jetzt Bereitän 
(s. unten), in der Bekä', die dritte, jetzt Schaumerije, östlich vom 
Kades-See. Zwischen dem Hamath- und dem Damaskusgebiete, 
angrenzend an den Hauranbezirk, fand sich der Grenzort Hazar 

1 A. a. O. 31. ;Man hat Hazar Enan mit Putea von Ptolem. 5, 15, Cen- 
tura Putea der Tab. Peuting. identificiren wollen. Doch bleibt diess blosse 
Vermuthung. Das Asaaran der Keilinschriften möchte noch eher mit Hazar 
Enan identisch sein, s. Delitzsch a. a. O. 290. Nach der Notitia Patriarcha- 
tuum a. a. O.J war einst Karjaten unter dem Namen Karatea ein Bischofssitz. 

2 Ez. 47, 18. 

3) Die Keilinschriften kennen ein Baali-Sapuna (Delitzsch a. a. O. 277), 
das vielleicht dem bibl. Sepham entspricht, die Notitia Patriarch, aus dem 
0. Jahrh. einen Ort Sophira, doch diesen, wie es scheint, in der Nachbarschaft 
von Samosata, wohl Teil Sef 1 St. westlich von Harran. 

4 Sept. 'Apßr,).ä. 5) Ez. 47, IG. 

ti; Samareim nach den Sept., im hebr. Text Sibraim. 



30 Furrer, 

Tichon. das mittlere Hazar im Westen von Hazar Enan und 
östlich von Zedad. üarnach kann es Avohl kein anderer Ort als 
Maliin, 2^2 ^^^ südlich von Hawarin. gewesen sein. 

Diesen Grenzorten lassen wir die übrigen Städte am nörd- 
lichen Saume und im Osten des Libanon folgen. 

Gehen Avir den Nähr el-Kebir entlang ostwärts bis zur 
Grenze der Küstenebene und wenden wir uns von da nordwärts, 
so gelangen wir in etwa drei Stunden zur intermittirenden Quelle 
Fauwar ed-Der, dem S ab b at h f lu s s der Alten i) . Dort befand 
sich schon zu Thutmes III. Zeit eine Ortschaft Schabatun^], 
und es stationirten daselbst auch einst die Truppen von Ram- 
ses II. •^j. Näher der am See von Höms (Emesa) gelegenen Feste 
traf man. wie das Epos von Pentaur meldet, die Stadt Ar na ma^) 
(jetzt Harbana, zwei Stunden westlich vom Höms-See). 

Um den Höms-See (früher auch von den Arabern Kades-See 
genannt) herum lagen mehrere Städte, die in assyrischen Urkun- 
den genannt werden : Aribua, jetzt Rebia; Arganaa, jetzt 
Ardschün; Adiennu. jetzt et-Tin (?) ; Bargaa, jetzt el- 
Burdsch (?) ^) . Etwa 1 6 Stunden ostwärts vom See auf der Strasse 
von Höms nach Polmyra lag Karnini. jetzt Karnein '^). 

Nur eine Stunde südlich vom See erhebt sich ein Hügel, Teil 
Nebi Min-Dhu geheissen, weithin dieOrontesebene beherrschend 
und gross genug, um eine für die Verhältnisse des Alterthums 
bedeutende Stadt zu tragen. Am linken Ufer des Orontes gela- 
gert, wird er nördlich vom Flüsschen el-Mukadije umsäumt, von 
dem aus einst Menschenhand einen Wassergraben westlich vom 
Hügel nach dem grösseren Fluss gezogen, damit der Hügel ganz 
zur Insel würde. Auf dem Haupte dieses Hügels thronte sehr 

li Jos. Bell. jud. VII. 5, 1. Plin. :il, 11. 

2) Brugsch a. a. O. 332. 

3) Brugsch a. a. 0. 496. 

4) Brugsch a. a. 0. 49ij. Arnama wird auch im Vertrag Ramses II. mit 
den Cheta erwähnt. Brugsch 523. 

5; Delitzsch a. a. O. 274 f. Wir machen bei den Arabern sehr häufig 
die Beobachtung, dass sie überkommene Eigennamen so lange umwandeln, 
bis dieselben zu arabischen Appellativen geworden sind. Es kann sich daher 
in scheinbar ganz durchsichtigen arabischen Ausdrücken ein uralter, nicht 
arabischer Eigenname erhalten haben. 

0, Delitzsch a. a. O. 278. 



Antike Städte etc. im Libanongebiete. 31 

■wahrscheinlich die Feste Tachis, die einst den mächtigen Pha- 
raonen Thutnies III. und Amenhotep IL kühnen Widerstand /ii 
leisten gewagt') hatte und auch in der späteren Geschichte 
des alten Ägyptens noch von Bedeutung -svar 2) . Mag es übrigens 
auch nur eine Vermuthung bleiben, dass wir hier Tachis zu 
suchen haben, so dürfen -wir dagegen mit Sicherheit in den Rui- 
nen von Teil Nebi Min-Dhu die Überreste der seleucidischen 
Laodicea Aviedererkennen 3) .■] Unter dem Namen Laodicea ad 
Libanon wird die Stadt von Griechen und Römern, soAvie auch auf 
Münzen erwähnt ^] . Auf der l'eutingerschen Tafel und bei Pto- 
lemäus heisst sie Laodicea scabiosa^). Sie war nach diesem 
Geographen Hauptort eines gleichnamigen Districts , in christ- 
Ucher Zeit ein Bischofssitz (vgl. N. 4). Etwas mehr als zwei 
Stunden südlich von Laodicea treffen wir hart am rechten Ufer 
des Orontes den von Griechen und Römern nicht, aber von der 
Bibel«] oft erwähnten Ort Rible (Ribla). Ribla") lag nach ihr im 
Lande Hamath an der Heerstrasse, welche von Babylon nach 
Palästina führt. Dort »dehnt sich weit und breit eine gewaltige 
Ebene aus nach allen Richtungen, ausser nach Südwesten« ^) . 

Auf Rible folgt südwärts Parade i so s, welches Robinson 
in alt el-Dschüsije^), Palmbr bei Kamu'at el-Harmul ^*') sucht. 
Letzteres ist ein quadratisches, in drei Stockwerken sich auf- 
bauendes und pyramidenförmig abschliessendes Monument . das 
ganz vereinzelt auf erhabenem Rücken steht und weithin nach 
allen Seiten sichtbar ist. Auf den Paraden des untersten Stock- 
werks , zu dem man auf fünf Stufen aufsteigt , sind Bären, Hir- 
sche, Hunde, ein Wildschwein und einige nicht mehr deutlich 

1) Brugsch a. a. O. 339. 388 f. 

2) Brugsch 340. 556. 

3) llobinson, Neuere biblische Forschungen 722— 724. Sachau, Heise 

in Syrien und Mesopotamien 58 f. 

4) Polyb. 5, 45. Strabo IG, 2, 18. Hieroclis Synecdem., Itiner. Anton. 
Plin. 5, 19.' De Saulcy, Numismatique de la Terre sainte 3—5. Le Quien, 
Oriens christianus II. 841 f. 

5) Auf der Tafel Laudicia scabiosa. Ptol. 5, lU: Sxaßiujoa Aaooiy.aia. 

6) Kön. II. 23, 33. 25, 6. 2U. 21. Jer. 39, 5. 52, 10. 

7) Robinson a. a. O. 708 f. 

8) llobinson a. a. O. 708 f.. 

9) llobinson a. a. O. 725 f. 

10) Palmer in Quart. Statements 1871, 113. 



32 Furrer, 

erkennbare Figuren in Kelief dargestellt. Palmer behauptet, 
Paradeisos bedeute") Jagdpark«, und das Denkmal mit Jagdsce- 
nen weise eben auf Paradeisos hin. Für alt el-Dschüsije spricht, 
dass ausgedehnte Kuinen daselbst sich finden, und dass der Ort 
südsüdöstlich Laodicea gegenüber liegt Avie Paradeisos nach 
Ptolemäus, -während Kamu'at el-Harmal südsüdAvestlich^). 

In ägyptischen Urkunden -wird eine Stadt An au gas oft er- 
wähnt ^^ und als benachbarte Orte Jenu^am und H er enkaru^). 
In dem grossen Kriege gegen Pamses II. sammelten die Cheta 
Truppen von Arathu Arad), Karkisch (jetzt Dschirdschije am 
linken Ufer des Orontes, Arethusa gegenüber) , Dardan (jetzt 
Abu Darda, ebenfalls am linken Ufer des Orontes, nördlich von 
Dschirdschije i, von Kadesch (am gleichnamigen See gelegen^) 
und auch von Anaugas. Da nun die übrigen genannten Orte alle 
in der Nähe des Kades-See's liegen und zum Gebiete des oberen 
Orontes gehören , so ist jedenfalls Anaugas nicht mit dem bei 
Gaza in Südpalästina liegenden Jenysus zu identifiziren, sondern 
es scheint der Name Anaugas in der verstümmelten Form el- 
Dschüsije erhalten zu sein. DiePuinen in altDschüsije sind nicht 
saracenischen Ursprunges-^). Ist el-Dschüsije Anaugas, dann 
dürfen -wir in Junin. das -wie Dschüsije am Ostabhang des obern 
Orontesthales liegt, Jenu'amund inKara auf dem Plateau östlich 
des Antilibanus llcrenkaru -wieder erkennen. Dass die Vorsilben 
alter Namen im Arabischen oft abgeworfen wurden, dafür haben 
wir hinlängliche Zeugnisse ; man erinnere sich an Zib für Ach- 
sib, an Hüm für Nahum in Tell-Hüm, an Estabül für Aristobu- 
lias u. s. w. Die drei genannten Orte wurden von Thutmes III. 

1) Ptol. 5, 14. Die Worte Strabo's (IG, 2, 19) : »'OpovTo-j -rjdiv al ttXt)- 
oiov TOJ T£ Atßävo'j y.cü ToO riapaoeioou vm toü AI'^utz-wj xeiyo'j; repi tyjv 
AT:ot|i.£cuv Y'?i"' £i"i" scheinen für Paradeisos an Stelle von Kamu'at el-Harmul 
zu sprechen , da letzteres der Hauptquelle des Orontes sehr nahe liegt. — 
Über Paradeisos vgl. noch Steph. Byz. s. v. Plin. 5, 23. Mit Paradeisos ist 
wohl Triparadeisos bei Diodor 18, 29 identisch. 

2; Brugsch a. a. O. 2ß9. 303. 315. 319. 329. 492. 501 f. 

3; Brugsch a. a. O. 492. Ed. Meyer, Geschichte des Alterthums I, 263. 

4) Zur Lage von Kadesch vgl. zu Brugsch, Geographische Inschriften II, 
20 f. neuerdings Conder in Quarterly Statements for ISSl und 1S&2. Ebersund 
Guthe, Palästina II, 4. 445. Anm. d. Ked. 

5i Kobinson, N. bihl. Forsch. 710. 



Antike Städte etc. im Libanongebiete. 33 

dem Gotte Amoii geweiht. In der Nähe von el-I)schüsijc haben 
Avir auch die von Strabo erwähnte ägyptische Mauer zu suchen *) . 
Wie die Ägypter ihr eigenes Land nach Osten durcli eine Mauer ab- 
schlössen, so haben sie offenbar einst das obere Orontesthal, d. i. 
die nördliche Kekii' durch eine Mauer gegen Einfälle nordischer 
N'ölker zu schützen versucht. Gründliche Forschung in jener 
Gegend möchte wohl noch manche ägyptische Alterthümer zu 
Tage fördern . vielleicht auch die Reste der alten Mauer wieder 
entdecken.. 

Von Kamu at el-Harmul gelangen wir dem Orontes nach 
aufwärts in ungefähr 3 '/2 Stunden nach der Einmündung des an- 
tilibanotischen Wädi Fike. Nahe derselben, am rechten Ufer 
des Wädi, lagern die Hütten des Dorfes Zabün. Z|oba hiess 
einst der Ort, als er noch zur Residenz des Königs von Aram- 
Zoba diente, dessen Reich im Norden an das Königreich Ha- 
rn ath grenzte -) . 

In der Mitte zwischen Laodicea und Heliopolis (Ba'albek), 
von beiden Städten 32 röm. Meilen entfernt, lag nach dem Iti- 
nerarium des Antoninus der Ort Lybon, Mit Recht hat man 
denselben im heutigen Lebwe (etwa 51/2 Stunden nördlich von 
Ba'albek) wieder erkannt 3) . Trifft auch die Entfernung nicht zu, 
so spricht für diese Identification doch die Gleichheit des Na- 
mens. Die reiche, herrliche Quelle bei Lebwe mochte früh zu 
x\nsiedlungen auf jener Stätte veranlassen. 

Die berühmteste von den Städten der Beka war Heliopolis, 
das heutige Ba'albek. Von Strabo, Ptolemäus, Macrobius und 
andern Griechen und Römern erwähnt^), wird es dagegen in 
der Bibel nirgends mit Sicherheit genannt; denn nur eine un- 
wahrscheinliche Yermuthung hat es mit dem biblischen Ba al- 
Gad, das eher an Stelle des späteren Caesarea Philippi^' zu 
suchen ist, oder mit Ba*^al Ilermon^) oder Ba'^alath") identificirt . 

1) Strabo a. a. O. 

2) Sam. I. 14, 47. Sam. II. S, 39 f. 10, 6— S. Chron. [I. 18, 3. De- 
litzsch a. a. O. 280 identificirt Zoba mit dem assyr. Subit ^Subutu). 

3 Robinson a. a. O. 093 f. Er corrigirt: Laudicia-Lybo 42 m. p. — 
Heliupoli — 22. 

4) Forbiger a. a. O. G52. 

5) Jos. 11, 17. 12, 7. 1.3, 5. 6) Höh. L. 8, 11. 

7) König. I. 9, 18. Ba'alath lag nach Thenius zu der Stelle eher im 
Süden Palästina's. 

Ztschr. d.Pal.-Ver. VIII. 3 



34 Furrer. 

Tibchat, auch Tebach und fehlerhaft Betach geschrie- 
ben ^j, jetzt Taijibe, lag an einem der obersten linken Zuflüsse des 
Litäni, am Wädi llidschrebän ; eine halbe Stunde südlicher 13 e- 
r o t h a - . jetzt 15ereitän. Hoch über der malerischen Schlucht Wädi 
Jafufe, c. 31/2 Stunden von Berotha entfernt, treffen wir den Ort 
Kuna, das biblische Knn^) (Chun , das Conna der römischen 
Zeit^y. Tibchat, Berotha und Kun gehörten zum Reich Aram- 
Zoba. 

»Der Marsyas«, sagt Polybius, »liegt zwischen Libanon und 
Antilibanon und •v\ird von ihnen immer mehr eingeengt; dazu 
kommt, dass an der Stelle, wo er am engsten ist, der Raum 
durch Sümpfe und Teiche verengt wird . in denen •wohlriechen- 
des Schilf wächst. Diesen Engpass beherrscht auf der einen 
Seite Gerrha, auf der andern Brochoi, zwischen ihnen ist ein 
schmaler Weg«''). Der >Jame Gerrha ist noch in 'Ain Dscharr 
(gewöhnlich 'Andschar geschrieben erhalten. Die Sümpfe und 
Teiche, welche die Strasse nach Süden wie nach Osten fast ver- 
sperrten, stammten von den reichen Quellen daselbst. Jetzt noch 
•wird die grösste derselben gleich beim Ausbruch aus dem Felsen 
zu einem grossen Teiche aufgestaut. Massenhafte Trümmer He- 
gen dort herum«]. Es -war ein wichtiger Platz; kreuzten sich 
doch dort die Strassen von Nord nach Süd und von Ost nach 
West. Man begreift, dass seiner Zeit Antiochus dem Grossen 
am Besitze dieses Knotenpunktes, der so leicht vertheidigt wer- 
den konnte, viel gelegen sein musste. Zwischen Laodicea und 
Gerrha-Brochoi lagen nach Polyhius") verschiedene andere 
Städte, und es brauchte das Heer des Antiochus mehrere Tage- 
märsche, um diese Strecke zu durchmessen. 

Als Pompejus von Norden her durch Cölesyrien zog, kam er, 

1) Sam. II. 8, 8 und Thenius zu der Stelle. Chron. I. 18, 8. Tebach 
ist -74 Stunden von Ba albek entfernt. 

2) Sam. IL 8, 8. Ez. 47, IG. 3; Chron. I. 18, 8. 

4) Vgl. Itinerar. Anton, und Notitia Dignitatum. Das Itin. Ant. giebt 
die Lage Conna's unrichtig an, nämlich 32 röm. Meilen nördlich von Helio- 
polis entfernt. Diese Position nimmt nach einer Angabe des Itin. selbst 
Lybo ein. Anstatt Heliopoli, Conna, Laudicia muss die Reihenfolge sein : 
Conna, Heliopoli, Laudicia. 

5) l'olyb. .5. 45. 4(1. (;i. 6, Kobinson a. a. 0. (J45— 051. 
7) Poivbius a. a. O. 



Antike Städte etc. ifii Jäbanongolnete. 35 

•wie JosEPHUS berichtet \, zuerst luich Ileliopolis und dann nach 
Chalcis »unter dem Libanon«'^ . -welches damals im besitze des 
rtülemäus Mennaei sich befand 3 . Im Jahre 11 n. Chr. wurde 
Chalcis vom Kaiser Claudius dem lierodes (dem Ihuder von Ile- 
rodes Agrippa I.) geschenkt und im Jahre 48 der Herrschaft des 
Jüngern Agrippa einverleibt-* , nach vier Jahren ihm aber wieder 
entzogen^). lloBi>'Soxß) glaubt, dass die Festungsmauern von 
'Andschar diesem Chalcis entsprechen. Da Aiidschar auf dem 
Wege von Ileliopolis nach Damaskus lag, also an der Strasse, 
die seiner Zeit Fompejus zog, da das Fürstenhaus von Chalcis 
wenigstens für eine ge-\visse Zeit zugleich Abila am Barada be- 
sessen zu haben scheint , so ist man versucht , der Vermuthung 
lloBiNSONS beizupflichten. Der Talmud erwähnt Chalcis neben 
Beth-Zabde^ das dem heutigen Kafr Zabiul (eine Stunde nörd- 
lich von 'Andschar; entspricht '^). Vi"dve nun Chalcis mit And- 
schar identisch , so müsste dieser Ort seit den Tagen des Füly- 
Bius seinen Namen gewechselt haben. Willkürliche Namensän- 
derungen von Ortschaften kommen allerdings in der griechisch- 
römischen Zeit öfters vor. Gleichwohl schliessen wir uns lieber 
der Ansicht Droysen's'^^ an, der Chalcis in Zahle am Ostfusse 
des Libanon am Nähr Burdoni wiederfinden will. Wir müssen 
dann nicht zu der immerhin gewagten Vermuthung eines Na- 
menswechsels unsere Zuflucht nehmen und werden der Angabe 
des JosEPHUs gerecht, dass Chalcis unter dem Libanon gelegen. 
Ja, es möchte der Name Chalcis durch Umstellung sich in Zahle 
erhalten haben. Die feste Lage, der Wasserreichthum , die 
Schönheit und Fruchtbarkeit der Umgebung machten Zahle zur 
Fürstenresidenz würdig. 

Zu Phoenicia prima gehörte auch die Ecclesia Rachleno- 
rum'J), welche wir ohne Zweifel in Kachle am Nordfusse des 

1) Jos. Archäol. XIV. 3, 2. ' 

2, Jos. a. a. O. XIV. 7, 4. Jüd. Krieg! 9, 2. 

3; Dieser Ptolemäus besass vielleicht auch Abila am Barada, vgl. Ko- 
binson a. a. O. 629. 

4) Jos., Archäol. XIX. 5, 1 ; 8. 1. XX. 1. 3. Jüd. Krieg II. 12. 1. 

5) Jos., Archäol. XX. 7, 1. 6; Robinson a. a. 0. 047 f. 

7) Neubauer, Geogr. du Talmud 296. 

8) Droysen a. a. O. III. 2, 6. 100. 

9) Le Quien, oriens Christian. II. S31 f. 

3* 



36 



Furrer, 



Hermon zu suchen haben* . Von andern antiken Städten in 
der Bekä' haben wir keine Kunde 2). 

Betrachten -wir die im Alterthum genannten Ortschaften im 
Osten des Antilibanon und folgen dabei den Karawanenstrassen 
von Norden nach Süden, so treffen wir etwa 13 Stunden südlich 
von Eraesa |Höms) den Ort K a r a ^ . O c u r a r a nennt ihn die 
Peutingersche Tafel, während er in den altgriechischen Bisthums- 
verzeichnissen Renocora , Conochora , Konokola geschrieben 
wird^ . Bedeutender, weil in reicherer, fruchtbarer Umgebung, 
mag zu allen Zeiten das 3' 2 Stunden südlicher gelegene Ja- 
brüd^l gCAvesen sein. Die beiden J>ergreihen, welche das Thal 
von Jabrüd bilden, sind gleich einem Siebe mit unzähligen Ein- 
gängen zu Höhlen durchbrochen. I^etztere dienten einst als 
Wohnungen oder als Grabstätten ^'j . Von Jabrüd brauchen wir 
ebenfalls 37ä Stunden, bis wir zu Ma'^lüla gelangen, das man mit 
Magluda des Bisthumsverzeichnisses identificirt hat. Der Ort, 
malerisch zwischen drei kahle Felsberge eingekettet, erfreut sich 

r Über Kachle vgl. Quarterly Stat. I. 199. Daselbst berichtet War- 
ren: The lower temple. which was once a very handsome structure, is now 
very dil'ficult to examine, because it has had an apse stuck on to the easlern 
end; and the archltrave of the original entablature appears to have been used 
to form door jambs for the west end of the altered building. The impression 
I have is, that it originally was a temple with entrance to east, and after- 
wards turned into a church with entrance to Avest. 

2 Stcphanus Byz. s. v. nennt auch eine ApoUonia -to) r?]v -/.oO.tjv l'j- 
piav, welcher Oi-t wohl identisch ist mit dem zum District Apamea gehörigen 
Apollonia des Strabo 16, 2, 10. "Wenn letzterer die Städte Kassiana, Megara, 
ApoUonia in süd-nördlicher Reihenfolge aufzählt, dann entspricht unsers 
Erachtens Kassiana dem heutigen Hass, Megara dem heutigen Maarret en- 
No'män und Apollonia dem heutigen el-Bära. 

3) Ritter a. a. O. 1561 f. Kara entspricht, wie wir gesehen, wahrschein- 
lich dem ägyptischen Heren-Karu, ist aber Avohl auch mit der Stadt Karkar 
der assyrischen Denkmale identisch, s. Delitzsch a. a. O. 275. 

4) Itinera hierosolym. etc. ed. Tobler und Molinier I, 336. Das franzö- 
sisch geschriebene Verzeichniss aus dem 12. Jahrhundert hat den Namen zu 
Ronoquorre verdorben, s. Itineraires a Jerusalem, ed. Michelant et Raynaud 
19. Vgl. Le Quien, Oriens christ. II, S47— S49. 

5 Ptolem. 5, 15 ; ferner als Bischofssitz erwähnt in den genannten Ver- 
zeichnissen. Ptolemäus rechnet laßpouoa zum Gebiet von Laodicea. Jabrüd 
erscheint in der Form Jaabrudu schon auf Keilinschriften , s. Delitzsch a. a. 
O. 2S0. 

6) Ritter a. a. O. 207. 



Antike Städte etc. im Libanongebiete. 37 

rauschender Wasser und herrlich grüner Gürten ' . In Dschuhb 
Adin, l'/o Stunden südsiidwestUch von Malüla, will man die 
Peutingersche Station A d ra e d e r a wieder erkennen 2 . Diese 
lag 26 röm. Meilen von Damaskus entfernt und kann desshalb 
bei ^\din sich befunden haben, zumal für letzteren Ort auch die 
Entfernung zwischen Admedera und Ocurara. welche die Tafel 
zu 25 röm. Meilen angiebt, zutrifft. In der Mitte dieser beiden 
Stationen, d. i. 10 röm. Meilen nördlich von Admedera und 15 
röm. Meilen südlich von Ocurara. also beim jetzigen liuclui. traf 
mau die Station Adarin. 

Nicht als römischer ^yachtposten . wohl aber wegen seines 
vorzüglichen ^Yeines war Heibon, das im fruchtbaren, wasser- 
reichen Thale gleichen Namens liegt, bei Juden und Heiden 
berühmt ^} , Mit Wein von Heibon und Wolle zahlten die Damas- 
cener die Waaren von Tyrus^', und Wein aus Chalybon (Hei- 
bon) tranken die persischen Könige^). In etwa 3^ Stunden er- 
reicht man von Damaskus aus diesen weinberühmten Ort. 

YonKarjaten ist in südsüdwestlicher Richtung Dscherüd, das 
Gero da des Itinerariums Anton. Aug.. die ecclesia Coradorum 
der byzantinischen Zeit^), 11 Stunden entfernt. Geroda liegt in 
einem Thale, von Gärten umgeben, von einem Bache durch- 
strömt. Eine alte , nach persischem Muster gebaute Wasserlei- 
tung geht nördlich am Dscherüdthale vorüber nach Osten. Nach 
dem erwähnten Itinerarium erreichte man von Geroda auf dem 
Wege nach Damaskus beim 16. Meilensteine The Isea, einen 
auch im offiziellen Amtsverzeichniss 6) der römischen Kaiserzeit 
erwähnten Ort. Eine Strecke von 24 Meilen lag zwischen Thel- 
sea und Damaskus. Diesen Distanzangaben entspricht, wenn 
auch keineswegs genau, der Ort el-Maksüra nordöstlich von Da- 
maskus. Einige Stunden östlich von el-Maksüra erheben sich 
drei Hügel, die den Namen Telesawa tragen. Es ist der Name 

1) Ritter a. a. O. 266. 

2) Mit grösserer Sicherheit kann man 'Adin mit dem Bit- Adln der Keil- 
inschriften identificiren. Delitzsch a. a. O. 279. Waddington und andere 
identificiren Admedera mit Dmer, das auch el-Maksüra heisst. In diesem Fall 
müsste man allerdings eine grosse Verwirrung in den Ortsangaben der peu- 
ting. Tafel annehmen. 

3) Ez. 27, 18. Auch die Keilinschriften gedenken dieses Ortes. 3. De- 
litzsch a. a. O. 281. 

4) Strabo 15, 3, 22. 5 LeQuien a. a. O. 851. 6 Notitia dignit. 



38 Furrer, 

Thelsea in arabisirter Form. Vielleicht wurde der Ort -wegen 
dieser Hügel . die in seinem nächsten Horizonte stehen , so ge- 
nannt. 

Unter den Orten des palrayrenischen Gebietes nennt Pxo- 
LEMÄi;;; ' auch A dach a. -wohl das heutige el-'Ade, 46 km ost- 
nordöstlich von Dscherüd. auf der Strasse nach Palmvra. ferner 
Atera, das heutige Adhra, 21km nordöstlich von Damaskus, avo 
die Wüste beginnt. 

Nach späterer jüdischer Ansicht soll König Salomo die Stadt 
Th a dmo r (heute Tudmur genannt) erbaut haben. Der Text der 
Künigsbücher weiss davon nichts, sondern nennt dafür eine 
Stadt Thamar im Steppenlande des südlichen Judäa '-) . Josephus 
dagegen berichtet in Übereinstimmung mit der Chronik. Salomo 
habe Palmvra, hebr. Thadmor. gegründet, eine sehr grosse Stadt 
vom Euphrat eine Tagereise entfernt, sechs von Babylon, zwei 
vom obern Syrien. Die Stadt liege in dieser Entfernung, weil 
zwischeninne nirgends Wasser sich finde, wohl aber in Pal- 
myra3 . In der That liegt zwischen Karjaten Hazar'Enan; und 
Palmyra ein 85 km breiter Strich öden Landes, in dem nur eine 
einzige Quelle 'Ain Wu'al abseits vom Karawanenwege vor- 
kommt. Ein starker Pacli schwefligen, aber klaren Wassers 
durchrinnt die Palmyra-Oase, zu der von Westen ein enges Fels- 
thal leitet , die aber nach Osten gegen die unabsehbare Wüste 
sich abgrenzt, während sie im Norden und Süden von niedrigen 
Hügeln abgeschlossen wird. Der Ursprung von Thadmor liegt 
im Dunkeln und ihre höchste Hlüthe . der bald gänzliche Ver- 
ödung folgte, fällt erst in die spätere römische Kaiserzeit^K 

Während die Stille der Wüsteneinsamkeit seit vielen Jahr- 
liunderten über der einstigen Herrlichkeit Palmyras waltet, hat 
sich dagegen Damaskus durch den Wandel der Jahrtausende als 
grosse, mächtige Stadt erhalten. Dank dem Fluss, der Aman a^) 

1, Ptol. 5, 15. Adhra scheint mit dem Zach, l», 1 erwähnten Chadrach 
(Sept. 'Adrachj , dem assyr. Hatari-Ka s. Schrader a. a. 0. 453;, dem äg. 
Atera (ß. die Listen von Thutmes III. ^ identisch zu sein. 

2; "Vgl. Thenius zu König. I. 9, IS, 

3; Jos. Archäol. VIII. «i, 1. 

4) Vgl. Thenius zu Kon. I. 9, 16. Bertheau zu Chr. II. S, 4. K. Rit- 
ter a. a. O. 1406—1537. Burton und Drake a. a. O. I. 22 f. Bädeker (So- 
cin,, Reisehandbuch 2, 424. 437. 5; Kön. II. 5. 12. 



Antike Städte etc. im Libanongelnete. 39 

von den Israeliten, Chry sorrhoas ') von den Grieclicn, 15arada 
von den Arabern genannt wird und tnit nnversieglicher "\Vasscr- 
fülle nahe dem Wiistenrande die Umgebnng von Damaskus zu 
einem Garten voll paradiesischer Schönheit und Fruchtbarkeit 
gestaltet. Fast 700 m über dem Meere liegend, spürt Damaskus 
im Winter die Rauheit des Steppenklima's; doch die Gluth des 
Sommers kühlen die rauschenden Wasser, die dichten, weit aus- 
gedehnten Obstbaumhaine. Damaskus wird in den Siegesurkun- 
den so"\vohl der ägyptischen 2) , als auch der assyrischen Könige ^j 
genannt. Auch die Israeliten wissen nichts Anderes, als dass 
Damaskus eine uralte Stadt, die einst von Kolonisten aus Kir im 
nördlichen Syrien (bei den Griechen Kyrrhos, jetzt Khoros, circa 
sieben deutsche Meilen nordwestlich von Arpad, c. 10 d. Meilen 
von Aleppo entfernt) war gegründet worden, aber schon zu Abra- 
hams Zeit bestand^] . Von David unterworfen, machte sich die 
Stadt schon unter seinem Nachfolger frei und blieb fortan ein 
gefährlicher Nachbar für Israel, wovon die Königsbücher Vieles 
zu berichten wissen ^) . Noch ehe Samaria fiel , unterlag Damas- 
kus dem Zorne Assyriens 6) ; doch scheint letzteres niemals ganz 
verödet gewesen zu sein. Der (ältere) Sacharja^), sowie Jere- 
MiA^) rufen demselben neues Weh zu. Auch Ezechiel kennt 
Damaskus als Handelsstadt ■') . Lange Jahre blieb von der Zeit 
dieses Propheten ab die Geschichte von Damaskus im Dunkel. 
Nach dem Zerfall des Seleucidenreiches, erzählt Nöldeke i») , um 
85 V. Chr. ward Aretas (Häritat;, einer der Nabatäerkönige, 
welche ein weites Gebiet südlich und östlich von Palästina be- 
herrschten, von den Einwohnern von Damaskus zum König be- 
rufen"). Auf griechischen Münzen nennt er sich Philhellen. 

1) Ptol.5, 15. Plin.5, 16. Steph. Byz. nennt den Fluss Bardines. Diese 
gräcisirte Form von Barada existirte also damals schon wie der Name Axios, 
(1. i. 'Asi für den Orontes 'vgl. A-ctastuv twv -oo: tiö A^Üo auf Münzen und 
bei Sozomenos hist. eccl. 6, 15. Im Talmud 'Asia, s. Neubauer, Geogr. du 
Talmud 309). 

2) Brugsch, Gesch. Ägyptens 331. 

3) Delitzsch a. a. 0. 280 f. Schrader a. a. O. 138 f. 209 f. 

4) Arnos 9, 7. Genes. 1-1, 15. 15, 3. 

5) Vgl. die Bibellexika. 6) Kön. IL 16, 9. 
7) Sach. 9, 1. 8) Jer. 49, 23—27. 

9» Ez. 27, 18. 10) In Schenkels Bibellexikon s. v. 

11) Jos. Archäol. XIII. 15, 2. Jüd. Krieg I. 4, 8. 



40 Furrer, 

Ob^vohl die Römer bald darauf diese Gegenden unterwarfen. 
Hessen sie den Nabatäer doch als Vasallenfürsten , sogar in Da- 
maskus. Der Statthalter des Königs Aretas (wahrscheinlich des 
Aretas. welcher den Beinamen Aneas hatte • und sehr lange re- 
gierte) lauerte dem Apostel Paulus in Damaskus auf'-'. 

In der Nähe dieser Stadt , und zwar nördlich von ihr . lag 
Choba. Bis dorthin verfolgte nach Genes. 14. 15 Abraham den 
König Kedor-Laumer und seine Schaaren. Choba heisst jetzt 
Kabun^; und ist ein grosses Dorf, hinter welchem die erste Ter- 
rasse des Antilibanon aufsteigt. 

Wemi Avir von Damaskus aus den Barada entlang stromauf- 
wärts wandern, so gelangen Avir in etwa fünf Stunden nach Nebi 
Abil, einem muslimischen Heiligthum, das auf steilen Felsen 
hoch über dem rechten Ufer des Flusses thront. Dieses Heilig- 
thum nimmt die Stelle von einer alten Residenz ein. nämlich von 
Abila »des Lysanias«, um welche sich zeitweise ein Für- 
stenthum von nicht mehr zu bestimmender Ausdehnung grup- 
pirtC; die Landschaft Abilene^). Dieses Abila erwähnt schon 
PoLYBius^), femer Josephus*^') und Ptolemäus'). Nach dem 
Itinerar. Anton, lag es IS röm. Meilen also etwas über fünf 
Stunden) von Damaskus entfernt. Durch die Gunst des Kaisers 
Claudius kam Abilene unter die Botmässigkeit von Agrippa I. 
und Agrippa II. ^), während die Landschaft früher einem sonst 
nicht Aveiter bekannten Lysanias gehört zu haben scheint-'). 

Münzen berichten uns von einer Stadt Leukas am Chrysor- 
rhoas. die besonders zur Zeit des Claudius geblüht haben muss, 

1, Jos. Arch. XVI. 9, 4. 2, Kor. II. 11, .32. 

3) Kabün von Choba, wie heut. Zabün von Zoba. Dass im Semitischen 
der Übergang von weicheren zu härteren Gutturalen und umgekehrt häufig ist, 
dafür vgl. die Lexika. Beispiele in Galiläa : Chosa, jetzt Kosa; Gabara, jetzt 
Kabra; Chelba, jetzt Kelban. [Dieser Satz triff't wohl für das Aramäische zu, 
für die semitischen Sprachen im allgemeinen jedoch nicht. Anm. d. Red.]. 

4) Luk. 3, 1. 5) Polyb. 5, 7, 2. 
6, Jos. Arch. XIX. 5, 1. 

7j Ptol. 5, 15. Auch in der Tabula Peuting. und im Synekdemus des 
Hierocles und von Stephanus Byz. erwähnt. 

8) Jos. Arch. XIX. 5, 1. XX. 7, 1. Jüd. Kriege II. 11, 5. 12, 8. 

9, Vgl. Kneucker in Schenkels Bibellexikon, s. Abilene. Dieser Lysanias 
ist nicht zu verwechseln mit dem Lysanias, des Ptolemäus Sohn, der zuChal- 
cis residirte. 



Antike Städte etc. im Libanongebiete. 41 

da auf denselben die Bewohner sich ('laudier nennen und einifj^e 
Münzen auch Kopf und Inschrift des Claudius zei<^en. DkS.mi.cy 
hat auf Abila gerathen, das allerdings zur Zeit des Claudius mehr 
als früher oder später in den geschichtlichen ^'ordergrun(l getre- 
ten war. Doch wird Abila in keiner andern Urkunde mit dem 
Namen Leukas genannt. Auch die Inschrift auf der Abila ge- 
genüberliegenden Felswand, welche der Nachwelt einen Strassen- 
bau aus der Zeit der Antonine k\ind thut , hat nur den Namen 
Abila. 

Endlich den Grenzen der engern israelitischen Ileimath uns 
nähernd, kommen wir auf den untern Ostabhang des liermon. 
unweit nördlich von den Quellen des Nähr el-'Awadsch (Nähr 
Djennäni^) zum Dorfe Hine. das Ptolemäus tmter dem Namen 
I n a erwähnt und zur Dekapolis rechnet 2; . 



1) Des Pharphar Kön. II. 5, 12, s. o. 
2j Ptol. 5, 15. 



Neu aufgedeckte Felseisterueu uud Felsgemäclier 

in Jerusalem. 

Von ('. Schick in Jerusalem. 
Hierzu Tafel I . 



Geht man vom Quartier der Armenier oder von dem soge- 
nannten Zionsthor innerhalb der Stadt ostwärts, so überschreitet 
man zuerst einen freien Platz, auf dem früher die Hütten der 
Aussätzigen standen und jetzt jeden Freitag Viehmarkt gehalten 
wird , und gelangt dann zu einem ausgedehnten Schutthaufen, 
der ein kleines Haus trägt, das ursprünglich für einen Wächter 
bestimmt war, nun aber an Juden als Werkstätte vermiethet ist. 
Der Weg führt in östlicher Kichtung abwärts weiter zu einer 
Gruppe von neuen Häusern, den israelitischen Armen- und Pil- 
gerwohnungen, die aus Stiftungen \nid Beiträgen von Israeliten 
Deutschlands. Österreichs und Hollands im Kasernenstyl erbaut 
sind und meist miteinander zusammenhängen. Die Umgebung 
dieser Häuser, die von etwa fünfzig Familien, ausser der wech- 
selnden Zahl der Pilger und Eeisenden, bewohnt werden, wird 
häufig der »Deutsche Platz« genannt. Da für diese Zahl der Be- 
wohner das Wasser der vorhandenen Cisterne nicht mehr aus- 
reichte , so übernahm der Baron von Rothschild in Frank- 
furt a. M. , der mehrere dieser Häuser, darunter ein durch 
gefälligere Architektur und seine Grösse hervorragendes, hat er- 
bauen lassen, die Anlage einer grossen, neuen Cisterne, die 
ihren Platz hinter dem niedrigsten, unweit oberhalb des »Mist- 
thores" gelegenen Hause der soeben erwähnten Gruppe von Ge- 
bäuden erhalten sollte. Dasselbe ist vor ungefähr zehn Jahren 



Schick, Neu aufgedeckte Felscisternen etc. in Jerusalem. 43 

gebaut, enthält jetzt u. a. eine Synagoge und ist von der Stadt- 
mauer nur durch die Strasse getrennt (vgl. Tafel I, Nr. 2). Um 
die Grundmauer auf den Felsen aufsetzen zu können, musste hei 
dem IJau des Hauses eine G bis 7 m mächtige Schuttlage durch- 
graben und sehr viel Erde weggeräumt werden, wie aus der Zeich- 
nung ersichtlich ist. Die Lage der Felsschichten , auf die man 
dabei stiess , war ziemlich stark nach dem Tyropöonthale zu ge- 
neigt. 

Die Wegräumung des Schuttes war auch wieder die erste 
Arbeit , die für Herrichtung der neuen Cisteme gethan werden 
musste. Der Felsboden wurde in einer Tiefe von 4 bis 8 m an- 
getroffen, aber nicht als eine zusammenhängende, geneigte 
Fläche, sondern überall zu runden und eckigen Höhlen und Tie- 
fen bearbeitet. Auf dem blossgelegten Eaume von etwas mehr 
als 100 Dm fanden sich sechs in den Felsen gehauene Cisternen 
mid die Reste einer einstigen FelsAvohnung, die früher über- 
Avölbt gewesen war. Namentlich die Durchschnitte 3 und 4 der 
Tafel I zeigen , wie der Felsen mehrfach senkrecht abwärts be- 
hauen worden ist; auch der Plan Nr. 1 der Tafel lässt die Grund- 
linien dieser tief gearbeiteten Felsgemächer erkennen. Die 
ausgesparten AVände des natürlichen Gesteins, durch die Cister- 
nen und Gemächer von einander getrennt werden, haben durch- 
schnittlich keine grössere Dicke als 1 m. Zwei Cisternen, a und 
e, haben eine runde, flaschenartige Form , wie sie häufig in Pa- 
lästina vorkommt. Zwei andere, h und c, sind in schräger llich- 
tung höhlenartig in das Gestein gehauen; der Eingang führt von 
der Seite her auf Felsenstufen bis zu dem Poden hinab, so dass 
man von der Treppe aus ihr Wasser allmählich bis auf den letz- 
ten Rest ausschöpfen konnte. Abgesehen von zwei erst in neue- 
rer Zeit bei den »Königsgräbern« aufgedeckten Cisternen kom- 
men solche Wasserbehälter in der Umgegend von Jerusalem nicht 
vor; doch ist anzunehmen, dass ähnliche im Laufe der Zeit durch 
Steinbrüche zerstört worden sind. Dagegen habe ich solche 
Cisternen bei Hebron gesehen und namentlich häufig jenseits des 
Jordans , wo sie bisweilen so gross sind , dass die Thiere zur 
Tränke die Stufen hinabgetrieben werden und unmittelbar aus 
der Cisteme selbst trinken können, ohne dass das Wasser vorher 
geschöpft zu werden braucht. Der fünfte Pehälter. d . hat eine 
viereckige Form mit viereckigem Mundloch; der sechste, /, 



44 Schick, 

dagegen ungefähr die eines Dreiecks und ist von Anfang an 
durch ein Gewölbe geschlossen gewesen, das aber im Jahre 1SS3. 
wo die Arbeit für die neu herzustellende Cisterne begann, einge- 
stürzt vorgefunden wurde. Später ist einmal eineMauer durch die- 
sen IJehälter gezogen worden, vermuthlich um festen Grund für 
ein darüber aufzuführendes Gebäude zu gewinnen, das in- 
zwischen schon längst wieder der \'ernichtung anheimgefallen 
ist. An der Südseite dieser Cisterne wurde durch Wegnahme 
eines Steines aus der festen Schuttmasse eine Öffnung {k auf 
Nr. 1 und Nr. 4 der Tafel) entdeckt, die in einen noch jetzt 
überwölbten höhlenartigen Kaum hineinführt , der . so -siel sich 
bei dem Schein eines hineingehaltenen Lichtes erkennen Hess, 
nichts von Bedeutung zu enthalten und ziemlich leer zu sein 
schien. Da es gefährlich war, die Öffnung so weit zu vergrösseni. 
dass man in das angränzende Gewölbe hinübergelangen konnte, 
so musste ich eine genauere Untersuchung desselben unterlassen. 
Zwischen diesen fast wie im Halbkreis angelegten Cisternen 
fand sich zunächst eine aus zwei Felsgemächern, einem oberen 
und einem unteren, bestehende Wohnung (^i^). Ihre Wände sind 
nicht mit Cement bekleidet und haben einige Nischen [h], in die 
man wie in offene Wandschränke kleine Gegenstände hinein- 
stellen konnte: daher können diese Räume nicht Wasserbehäl- 
ter gcAvesen sein. Vom oberen Eaume führte in einer Ecke eine 
(")ffnung in den unteren, der wahrscheinlich nur als Magazin oder 
als Keller gedient hat und durch eine Wölbung in der auf Nr. 4 
der Tafel I bezeichneten Höhe gedeckt gewesen sein muss. Wie 
hoch die Decke des oberen Raumes sich erhob, lässt sich gegen- 
wärtig nicht mehr mit Sicherheit bestimmen; ich habe sie auf 
Nr. 4 der Tafel nach Vermuthung eingetragen. Sie muss ebenso 
wie die Tliür und etwa auch ein Fenster des Raumes nothwendig 
gemauert gewesen sein. Aber es haben sich keine Spuren mehr 
von dieser Ausstattung des Zimmers erhalten. Ferner war auch 
einst der übrige, von den senkrecht behauenen Felswänden um- 
schlossene Raum zwischen den Cisternen zu Zimmern eingerich- 
tet, worauf noch einige Mauerspuren hier und da hinweisen. 

Ich zweifle nicht, dass solche Bearbeitungen des Felsens zu 
Wohnzimmern in ein hohes Alterthum zurückreichen. ])a man 
auch an anderen Orten der Stadt dieselben Erscheinungen wahr- 
genommen liat , sei es, dass man durch den Schutt grub, um 



Neu aufgedeckte Felscisternen etc. in Jerusalem. 45 

Fundamente /u legen , sei es , dass Kcllerräurae in dem Felsen 
angelegt -wurden , so kann wolil der Schluss als sicher gelten, 
dass der Felsboden unter der jetzigen Stadt und ihren Schuttla- 
gen in alter Zeit überall so bearbeitet und ausgehöhlt worden ist. 
Einiges mag schon von den ersten uns bekannten Ansiedlern 
dieser Städte, den Jebusitern, herrühren, anderes von den Israe- 
liten , die in der Herstellung ihrer Häuser anfangs gewiss nicht 
anders verfuhren als jene. Es ist das eine ausserordentlich spar- 
same l^enutzung des Bodens , bei der viele Menschen auf gerin- 
gem Plächcnraum ihr Unterkommen fanden. Man richtete sich 
anfangs unter der Oberfläche des Felsens sein allerdings sehr 
bescheidenes , aber dauerhaftes Heim ein ; erst später begann 
man über dem Felsboden z\i bauen im eigentlichen Sinne des 
Wortes. Für die Vorstellung, die wir uns von dem alten Jeru- 
salem zu machen haben, ist diese Beobachtung von nicht gerin- 
ger Wichtigkeit ^) . 

Die Anlage der neuen Cisterne wird in diesem Jahre unter 
meiner Leitung vollendet. Ihre Herstellung war ohne eine starke 
Veränderung der vorgefundenen Beschaffenheit des Felsbodens 
unmöglich. Um einen sicheren, wasserfesten Boden zu erzielen, 
mussten grosse Theile des Felsens weggebrochen werden, so dass 
die einzelnen Cisternen theilweise in Zusammenhang gekommen 
sind. Zwei Pfeiler (/ und tn) sind neu gebaut und mit den Seiten- 
mauern durch Kreuzgewölbe verbunden, die jetzt die Decke des 
grossen Wasserbehälters bilden. 

Jerusalem, 8. April 18S4. 



1) Wahrscheinlich haben die aus Babel zurückgekehrten Exulanten aus 
Mangel an eigentlichen Häusern auch solche Felsgemächer wieder in Ge- 
brauch genommen. Es -würde wenigstens diese Annahme sehr gut zu der 
Nachricht passen, die wir Neh. 7, 4 lesen: »Die Stadt war M'eit ausgedehnt 
und gross, aber es gab nur Menig Leute darin und keine gebauten Häuser«. 

Anm. der Redaction. 



Neu entdecktes Columbarium am Berge des bösen 
Ratlies bei Jerusalem. 

Von C. Schick in Jerusalem. 
(Hierzu Tafel II,. 



Im ersten Jahrgang der Zeitschrift des Deutschen Palästina- 
A'ereins Seite 1 1 fF. habe ich über neu aufgefundene Felsengrä- 
ber berichtet und zur Orientirung einen «Situationsplan« beige- 
geben. Nun sind im Laufe des Sommers 1&&4 zwei neue Häuser 
am nördlichen Abhang des Berges des bösen Käthes von Mus- 
limen gebaut worden. Auf der Spitze des gedachten Berges liegt 
eine Ruinenstätte, die Der Abu Tör genannt wird, und auf ge- 
dachtem Situationsplan auch angegeben ist. Gleich unterhalb 
dieser lluinenstätte gegen die Stadt zu steht das grössere der 
beiden neuen Häuser, das kleinere weiter unten, ungefähr in der 
Mitte zwischen ersterem und der "Wasserleitung. Als der Eigen- 
thümer des unteren Hauses den wenigen Schutt abräumte und 
Fundamente für die Mauern grub, stiess er auf einen Felsen- 
gang, der mit Erde angefüllt war; er grub weiter, in der Hoff- 
nung, eine Cisterne zu finden, fand aber dann ein interessantes 
Columbarium, das auf Tafel H im Plan und Durchschnitt 
dargestellt ist. Zur Erläuterung der Zeichnung bemerke ich 
Folgendes : 

Der nach N. sich öffnende Eingang ist 1,70 m hoch, 1,10 m 
breit und ganz in den Felsen gehauen. Der Boden desselben 
steigt nach innen etwas an; er wird auf eine kurze Strecke durch 
fünf (juergelegte grosse Steine gebildet. Als einer derselben weg- 
genommen Avurde. fand sich eine Grube von 3,30 m Tiefe, 1 m 



Schick, Neu entdecktes Columbarium etc. bei Jerusalem. 47 

]}rcite und 2.20 m Länge. Sie ist ebenfalls ganz in den Felsen ge- 
hauen und hat Avahr.scheinlich, als C-ollektiv-Giab. zur Aufnahme 
von Leichnamen gedient. Der Gang mündet in einen vierecki- 
gen, 5 m weiten, in Felsen gehauenen Kaum . der ursprünglich 
eine Felsendecke gehabt hat. Später aber ist dieselbe entweder 
eingestürzt oder weggebrochen worden, so dass der Raum jetzt, 
seitdem man die ihn füllende Erde fortgeschafft hat, oben offen 
ist. Jedoch ist diese ()ifnung oben im Umfang kleiner als der 
lioden des Gemachs unten, wie das auch in den Zeichninigen 
angedeutet ist. Ringsum an den Wänden sind eine grosse An- 
zahl kleiner Nischen in den Felsen eingehauen; ich zählte 
10 Reihen von unten nach oben mit ungefähr je zwölf Nischen, 
die schachbrettartig zu einander geordnet sind (vgl. den Durch- 
schnitt; . Jede Nische ist 0,20 breit, ebenso hoch und tief. Der 
Raum von einer zur andern beträgt sowohl in horizontaler als 
auch in vertikaler Richtung 0,24 bis 0.25 m. Dadurch ist er- 
reicht worden, dass jede einzelne Nische von der andern stets 
d\irch festes Gestein gesondert blieb. Die Felswände sind mit 
einem festen Mörtel bcAvorfen, avif diesen die Umrisse der Nischen 
mit einer Kohle und einem eisernen Stift aufgezeichnet mid da- 
nach eingehauen worden. Man sieht nämlich an mehreren Stel- 
len noch Linien . die von einem eisernen Stift herrühren . und 
auch Reste von schwarzen Strichen. Die Nischen müssen einge- 
hauen Avorden sein, nachdem die Felsdecke weggenommen wor- 
den war; denn auch an der Bruchstelle sind ringsum noch solche 
in ziemlicher Anzahl wahrzunehmen. 

Räthselhaft blieben mir vier kreuzförmig gesetzte, 0,50 m 
dicke Mauern aus grossen und schön behauenen Steinen zu 
durchschnittlich fünf Lagen übereinander, so dass sie über die 
Hälfte der Höhe des Gemachs, nicht bis zur früheren Decke, 
hinaufreichten. Da die Mauern sich nicht wirklich berühren 
oder kreuzen, so lassen sie in der Mitte einen leeren Raum, 
aus dem der Zugang zu den vier Abtheilungen freisteht. Diese 
Mauern sind offenbar später, nach dem Einhauen der Nischen, 
eingesetzt worden; denn wie die Zeichnung des Planes zeigt, 
verdecken sie eine Anzahl Nischen. 

Ornamente oder Schriftzeichen oder Zahlen konnte ich nir- 
gends entdecken, weder an den Nischen und deren "Wänden 
noch an den Steinen der Mauern. Die Nischen waren durch- 



lg Schick, 

creheiuls leer; auch wurde ikeine Spur von Urnen oder Fläsch- 
chen oder irgend etwas der Art weder in denselben noch in der 
Erde gefunden. 

Der Eigenthiinier hat die Mauern bereits herausgenommen; 
er will die Nischen sämmtlich zumauern, mit einem Gewölbe 
oben das Gemach wieder bedecken und so eine Cisterne daraus 
machen. Eigenthümer ist der Besitzer des oberen neuen Hauses, 
die Feldmauer (s. Durchschnitt! ist zugleich Gränzmauer des 
Eigenthums. Der Gang unten wird dann auch zugemauert, und 
der Felsenschacht eine Cisterne für das untere Haus werden. 
Ich habe mit meinem Berichte gewartet, weil ich hoffte, es werde 
sich noch einiges andere finden, aber die Leute haben die Arbeit 
vor der Hand stehen lassen. 

Meine Vermuthung ist , dass diese Anlage ursprünglich ge-. 
wohnliche Felsengräber enthielt , wie sie bei Jerusalem und ge- 
rade am Berge des bösen Rathes sich häufig voi-finden, dass die- 
selben später theilweise ausgebrochen, theilweise vermauert, auch 
die Decke weggethan, das Ganze mit einem guten Mörtel ausge- 
strichen und dann nach der oben beschriebenen Weise die Nischen 
eingehauen worden sind , um zur Aufnahme von kleinen l'rnen 
oder andern Aschengefässen zu dienen. Der Raum war oben 
entweder ganz offen oder mit einem künstlichen Dach bedeckt, 
auf jeden Fall der offene Schacht mit einer Brustlehne oder nied- 
rigen Mauer umgeben. Als dann diese Art der Bestattung nicht 
mehr Sitte war, wurden die Mauern eingesetzt, um die unver- 
sehrten Leichname dort unterzubringen. Oder sollte nun der 
Ort zu einem ganz andern Zwecke dienen? Doch vermag ich 
einen solchen nicht zu errathen und glaube vielmehr, dass 
hier immer eine Begräbnissstätte gewesen ist. Solche Kreuz- 
mauern habe ich eben auch schon an verschiedenen andern Or- 
ten bei Gräbern gesehen, z. B. auf dem Olberge, in Mirt und 
andern Plätzen. Die Leichname wurden von oben herab einge- 
senkt, nicht etwa durch den Eingang hineingebracht. Dieser — 
oder der leere Raum in der Mitte — scheint mir nur dazu ge- 
dient zu haben, dass ein Mann hinuntergehen konnte, um die 
richtige Lage der Leichname , von denen der obere von dem je 
unteren immer nur durch eine Schicht Erde getrennt wurde, zu 
bewerkstelligen. Nach Bedarf konnten die ^Mauern erhöht wer- 
den, was aber wohl hier nie geschehen ist. 



Neu entdecktes Columbarivim etc. bei Jerusalem. .{{) 

Hei liet-Saliur, eine kleine halbe Stunde unterhalb Jerusa- 
lems am siidliehen Gehänge des Kidronthale.s fdort Wad en-Nar 
oder Fenerthal genannt), befindet sich unter den vielen dortigen 
Felsengräbern ein, Avas die Anordnung der Nischen betrifft, ganz 
ähnliches Colnmbarium ; dasselbe hat aber weder Mauerwerk , noch 
ist es eben so vollständig offen wie dieses. Dr. Tohlkh fand 
ähnliche bei Het-Dschibrin, die er in seiner »Dritten Wanderung« 
S. 131 beschreibt. Während aber die Nischen in Het-Dschibrin 
und in Het Saluir oben rundlich sind, sind sie am Herge des bösen 
liathes viereckig ! Dann spricht Toulek von einer Art Leiste am 
untern Rande derselben ; hier in Jerusalem finden sich solche 
nicht. Ferner erwähnt Tüblbk eines in der Mitte der Kammer 
ausgesparten Felsens und denkt dabei an einen Altar; hier ist 
kein solcher, aber dafür das oben beschriebene Mauerwerk. Auch 
in Het-Dschibrin ist oben eine Öffnung, durch die das Licht nach 
unten einströmt. Eine ähnliche , aber etwas kleinere Höhle be- 
findet sich im Westen von Jerusalem. Dieselbe hat ringsum 
solche kleine, in den Felsen gehauene Nischen, die aber nicht so 
dicht zusammengestellt sind, oben in der Decke eine grosse 
Lichtöffnung und unten auch einen seitlichen Eingang. In der 
Nähe derselben fand Herr Schneller mehrere Gräber. 

Auf Grund dieser Funde drängt sich die Frage auf, ob zu 
irgend einer Zeit diese Art der Todtenbestattung — Heiset/ung 
der Asche in kleinen Nischen — allgemein war ( Gder wurde sie 
bloss von Fremden — etwa den wirklichen Römern, die im Laiule 
wohnten ■ — vollzogen.' Ich bin zu der letzteren Annahme ge- 
neigt, möchte jedoch zunächst durch diese Mittheilungen zur 
Hesprechung dieser Sache angeregt haben. 

Jerusalem, 8. Decbr, 1884. 



Ztschr. d. Pal.-Ver. VHI. 



Hie neu entdeckte Stepliaüskirche bei Jerusalem. 

A'on Pfarrer A. Frei in Ebnat (St. Gallen . 

(Mit einem Holzschnitt). 



Ungefähr 350 m von dem Damasknsthore Jernsalems ent- 
fernt, anf der rechten Seite der heutigen Nabulusstrasse, befin- 
den sich, durch eine provisorische Mauer aus lose aufeinand erge- 
schichteten Steinen dem Blicke fast entzogen, ausgedehnte Rui- 
nen. In den letzten Jahren wurden dieselben blossgelegt, 
nachdem sie Jahrhunderte unter der schützenden Hülle eines 
Schutthügels gelegen hatten, welcher bis in die neueste Zeit durch 
Ablagerung solchen Materials Zuwachs erhielt. 

Dringt man von Norden in den ziemlich abgeschlossenen 
Raum ein, so gewahrt man zunächst vier sich aneinanderschlies- 
sende Gewölbe, die, 23 m lang, von Osten nach Westen gerich- 
tet sind, während die l^reite S bis 9 m beträgt i). Tn den unteni 

1 Es war mir nicht möglich, die Strecken selbst zu messen. Seit einiger 
Zeit sind die Ruinen weniger leicht zugänglich, und ich musste froh sein, von 
dem ständigen Aufseher die etwas genauere Besichtigung mit einem Trinkgeld 
erkaufen zu können. Der Dominikaner , welcher die Restaurationsarbeiten 
leitet, zeigte sich durchaus nicht geneigt, über die gemachten Funde Auf- 
schluss zu geben. Bloss so viel vernahm ich von ihm, dass man dem in den 
Fundamenten deutlich genug vorliegenden Plane folgen und unter Verwen- 
dung des noch Vorhandenen das Alte erneuern wolle, wie es auch bei der St. 
Annakirche geschehen ist. Ich benutze daher für Massangaben einen Artikel 
von S. Merill, der in den Quart. Statem. des PEF. 1S83, 238 — 242 erschienen 
ist. Seine Beschreibung stimmt übrigens vuUkommcn mit meinen Beobach- 
tungen überein. I-eider kann ich fast nichts Neues hinzufügen, da die Arbeit 
seit Ende 1SS.'5 ruht, dafür aber an einer andern Stelle des von den Lateinern 
erworbenen T-andcomplexes aufgenommen wurde. 



Frei, Dienen entdeckte Stephauskiixhe bei Jerusalem. 



51 



Tartieen zeii^en sie hübsche (jiuuler, die Decken (hitJ:c^eii, in kur- 
zem Stücken noch hei dreien vorhanden , bestehen ans kleinen, 
unregehnässigen Steinen, welche von einem sehr reichlich ver- 
wendeten Mörtel zusammengehalten werden. An den Wänden 
bemerkt man Stücke von Cementirung. 

Wenige Schritte südlicher liegen die aufgedeckten Über- 
reste einer Kirche von bescheidenen Dimensionen. Sie besitzt 
die gleiche Längenrichtung wie die genannten Gewölbe. Ihre 
Mauern sind zwar bis auf geringe Höhe verschwunden . desto 
besser hat sich aber der Grund erhalten. Schon vor der Schwelle 
des gegen die Strasse gewendeten Eingangs fällt ein Theil eines 
schönen Flattenbodens auf; die griechische Inschrift — ihr Ort 
ist auf dem nebenstehenden Holzschnitt mit a bezeichnet — 




welche in g^rossen. aber theilweise ausgetretenen Lettern ein 
Stück bedeckt, konnte bis jetzt nicht gelesen werden. Lieut. 
Mantell hält sie für vollständig, jedoch sehr abgekürzt '). S. Mh- 
RiLL sieht in ihr den Schluss einer auf einer andern Platte begin- 
nenden Inschrift"-) . Dass wir nur ein Bruchstück vor uns haben, 
dürfte das Wahrscheinlichere sein. Der Boden des Kirchenschif- 
fes selbst zeichnet sich durch seine saubere Bedeckung aus. 
welche in trefflich erhaltenen Kalksteinplatten besteht. In der 
Mittellinie desselben, etwa 5 m vom Eingang entfernt, erhebt 
sich ein c. l m hoher, dünner Säulenstumpf [h des Holzschnit- 
tes)^ der von einem unregelmässig zugestutzten ehemaligen Ca- 
pital gekrönt wird. Er hat wohl ursprünglich ein Becken mit 



1) Quart. Statem. 1S82, 120. 

2) A. a. O. 1SS3, 241 und 242. 



52 ^'^*' 

Tauf- oder Weihwasser getragen. An der südliclien Laugseite 
bemerkt man ein Karnies mit verblassten Malereien. Die Ge- 
stalten. Christus und seine Jünger, sind in den Umrissen noch 
deutlich zu erkennen. Nahe dabei befindet sich die()ttnung einer 
Cisteme c des Holzschnittes i . Eine Quermauer trennte den be- 
schriebenen, 7,50 m breiten Raum von den hintern Theilen des 
Gebäudes. Zwischen ihr und dem Eingange liegen I4m, zwischen 
den Langseiten 7,G4 m. Sie lässt in der Mitte eine Lücke, 
durch die man auf einigen Stufen in einen etwas höhern Raum 
irelauürt, welcher die Stelle des Uuerschiffes einnimmt und un- 
mittelbar vor der wieder um ein paar Stufen erhabenen Apsis 
sich ausdehnt. Dieses QuerschifF besitzt bloss 2.74 m in der 
Liinge, die Apsis, einen etwas gedrückten Halbkreis bildend. 
4,72 m und 5,05 m in der Breite. Heide sind ebenfalls mit Plat- 
ten gepflastert. In der Mitte der letztgenannten bezeichnet ein 
otfen gebliebenes Rechteck [d] unzweifelhaft die Stelle, wo der 
Altar stand. Das noch steheiule Mauerwerk weist an seinem 
Mörtelstrich einen Kranz roher A'erzierungen in braunrother 
Farbe auf. 

Ein Ausgang führte bei der Apsis zunächst in einen schma- 
len Zwischenraum hinter ihr ; denn in einem Abstände von circa 
1 m erhob sich eine der östlichen Mauer der Kirche parallele 
Wand. Heide zeigten sehr schöne, wohlerhaltene Steine, wie 
nach dem Abbruche noch zu sehen ist. Um den Hoden zu 
reinigen , räumte man sie Aveg und stiess wieder auf ein schönes 
l'Üaster von Platten (e), welches aber zu demjenigen der Kirche 
eine schiefe Lage hat. Auch eine Cisternenöffnung ^f] fand sich 
an der südlichen Mauer dieses Hintergebäudes. Von dem Rücken 
der Apsis aus gemessen dehnt es sich bis zu 15 m nach Osten. 
— In derselben Richtung folgte, 6 m lang, ein Mosaikboden g] , 
der heute zum grössten Theil weggenommen ist. Südlich schliesst 
sich eine unterirdische Kammer daran [h] . In ihrer, das umlie- 
gende Terrain etwa 1 m überragenden Decke sind sechs quadra- 
tische ÖfFnvmgen, eine siebente entstand durch Einsturz. Durch 
sie erblickt man auf dem Grunde Moder und Gebein, An der 
nordöstlichen Ecke des Platzes, der mit Mosaik gepflastert war, 
ist ein Grab in felsigen Hoden gehöhlt, zu Avelchem mittelst eini- 
ger Stxifen ein sehr enger Eingang (/j von der Form eines läng- 
lichen Rechtecks führt. Die ostwestliche Länge wird auf 3,04 m, 



Die neu entdeckte Stephanskirche bei Jerusalem. 53 

dielJrcite ;uif 2.74in aiifjfegebeu '). Nördlich von dem Grabe zielit 
sich ein aus dem Felsen f^^ehaueuer ("anal (/■ , über ' ., m tief, zu- 
nächst nach Osten, sprintet dann plötzlich im rechten Winkel lie- 
gen Norden ab, um nach kurzer Strecke -wieder die vorige llich- 
tung anzunehmen und unter dem noch unbeseitigten liest des 
.Schutthügels zu verschwinden. Die Ränder des Canals sind et- 
was eingesenkt und dienten zur Aufnahme entsprechender A'or- 
sprünge an den Decksteinen, deren einer, ziemlich stark gewölbt, 
noch an seinem ursprünglichen Platze liegt. P^ine kleinere C^e- 
mentwasserleitung tritt, mehr südlich, in einer Höhe von nahezu 
2 m aus der Schuttwand heraus und w'endet sich dann nach Nor- 
den, indem sie nur noch eine Seitenwand behält, welche gleich- 
sam an das lose Terrain angeklebt erscheint. Ferner liegen 
einige Säulenstücke [1} in der Nähe, mitunter solche von gewal- 
tigem Umfang. Hinter den Gewölben, hart am erwähnten 
Schuttabhang, steht ein kleiner beschädigter Steintrog. \'on an- 
dern Trögen aus Cement sind wenigstens noch die untern Par- 
tieen vorhanden. Auch Spuren von Bassins werden bemerkt. 
So viel über die Beschaffenheit der Lokalität. 

Woher mm stammen die geschilderten Überreste.' Am mei- 
sten Interesse erweckt die Kirche, und sie ist es auch, welche für 
die Gewinnimg eines Resultates den Ausschlag geben kann. 
Dass sie einer verhältnissmässig Jüngern Zeit angehört, diesen 
Eindruck gewinnt man sofort Capt. Conder versetzt sie, ohne 
irgend welche Zweifel zu hegen , in die Ära der Kreuzfahrer und 
vermuthet. sie sei mit der Asnerie verbunden gewesen, jenem 
Gebäude, das anfangs die Esel der Johanniter beherbergte, nach- 
her von den Saracenen den christlichen Pilgern als Absteige- 
quartier angewiesen wurde. 1873 entdeckte man nordwestlich 
von dem Hügel der Jeremiasgrotte mehrere Mauerläufe, Spuren 
von Pfeilern, eine Cisterne und Krippen. Ein gefundenes Stein- 
metzzeichen, sowie die Bearbeitung der Quader wies auf die 
Kreuzfahrerzeit hin, und jene Krippen schienen vollends zu dem 
Schlüsse zu berechtigen , dass an diesem Platze die Asnerie ge- 
standen habe -; . Obgleich sie mm in den Pilgerberichten ein 

1) Bretter und Steine beschwerten bei meinem Besuche die Eingangsöff- 
nung, so dass es mir nicht möglich war , in die Grabkamiüer selbst zu gelan- 
gen. Über die Details s. Quart. Statem. 1883, 240. 

2; ZDPV. II, 105. 



r)4 Frei, 

grosses Gebäude genannt >vird , ist eine Ausdehnung bis /u den 
tiben beschriebenen Ixuinen. d. h. nahezu 20U m im liöchsten 
Grade unwahrscheinlich. Zudem erwähnen jene nirgends einer 
Kirche oder Kapelle , die bei der Asnerie sich befunden hätte. 
!Sie sprechen überhaupt nur von einer einzigen Kirche, die in 
der Nähe des nördlichen Thores gelegen Avar, von derjenigen des 
Märtyrers Stephanus. 

His dahin -wurde St. Stephan allgemein westlich von der 
heutigen iSabulusstrasse gesucht, und es schien sogar, dass ein 
dort gefundenes Grab dasjenige ihrer Erbauerin, der byzantini- 
schen Kaiserin Eudokia, sein könnte, -welche sich darin beisetzen 
liess ^j . Nördlich von dieser Stelle , an dem Felshöcker hinter 
den Judenhäusern gesammelte Steine mit JHldwerk wurden 
gleichfalls mit der Kirche in Verbindung gebracht - . liei diesen 
Annahmen identificirt man von vornherein die heutige Xabulus- 
strasse mit der alten , und -weil die Berichte übereinstimmend 
melden, der Bau sei rechter Hand gewesen, -wenn man zur Stadt 
ging, so kann er unter jener Voraussetzung allerdings nicht an- 
derswo gesucht werden. Allein dieselbe steht nicht unurastöss- 
lich fest, und die Möglichkeit bleibt offen, dass wir bei jener 
neulich entdeckten Kirche den Platz von St. Stephan haben. 

Zwar scheinen die nähern Angaben über ihre Entfernung 
von der Stadt, resp. vomNordthov zu der im Eingang mitgetheil- 
ten wenig zu passen. Aktüninus Martyr rechnet den Abstand 
bloss einen Pfeilschuss-'), Evagrius nicht ganz ein Stadium^). 
NiKKriioKLsCALLiSTi desgleichen '') . S.'(wui>f dagegen zwei- oder 
dreimal so weit, als eine Armbrust schiesse '• . Wir haben es aber 
hier offenbar mit sehr ungefähren Schätzungen zw thun , welche 
daher die Frage nicht entscheiden können. Wären jene Distan- 
zen genau, so ist die Nachricht des Alhp:ktus Aqukksis nicht zu 
begreifen , dass ein Theil des Kreuzheeres sich bei der Kirche 
des h. Stephanus, also unmittelbar vor der Mauer und den Ge- 
schossen der Feinde noch erreichbar, gelagert hätte '). 

Hinter den in Untersuchung stehenden Kuinen ferner zieht 
sich in einigem Abstand ein wenig gebrauchter Weg, der eine 

1 Quart. Statem. 187Ü, 9. 2) ZÜPV. II a. a.O. 

3) Ant. Man. cap. 25. 4 Evagr. I, 22. 

5) Nikeph. Call. XIV, 50. 6] Säwulf cap. ^5. 

7) Alb. A-iu. V, 4ii. VI, 9. 



Die neu entdeckte Ste))han3kircht' V>ei Jenisaloni. 55 

Strecke weit mit .Steinen besetzt ist, ^oj^^en die Köni^s^räber hin. 
Man wird Avohl eine alte Strasse darin sehen dürfen. Und w ohin 
könnte sie anders geführt haben, als zu dem einzigen Thore auf 
der Nordseite der Stadt , zu dem heutigen Damaskusthorc ' l'iii 
aber dieses zu erreichen, musste sie nothwendig zwischen der 
vermutheten Asnerie und der neu entdeckten Kirche durchgehen, 
so dass letztere rechts zu liegen kam. Jenes rückwärts liegende 
Terrain überragt nirgends den höchst gelegenen Punkt der heu- 
tigen Strasse, welche insofern gegenüber der alten nichts voraus 
hat. Diese würde dann ungefähr dieselbe kleine Ausbiegung 
nach Osten gemacht haben, wie die jetzige nach AVesten. In der 
Gegend der Königsgräber, beim Hinabstieg in den Wädi el- 
Dschöz, vereinigten sich wohl die zwei Richtungen wieder. 

Wenn es von der Stephanskirche heisst , sie habe auf einer 
Anhöhe gelegen i), so passt dies für unsernOrt ganz wohl ; senkt 
sich doch der Boden bis zum Damaskusthore 13 m. 

Die J5emerkung Willebrand' s, dass man von ihr aus die 
Stadt gut betrachten konnte'^), ist für unsern etwas entferntem 
Punkt richtiger als für einen nahe der Mauer gelegenen. 

Noch besseren Anhalt wird uns aber die dort gefundene 
Kirche selbst liefern. Da sie nach Lage und iVussehen olt'enbar 
der jüngste Theil der Kuinen ist , bleibt zu fragen, welches Ge- 
bäude Zille tzt auf diesem Platze gestanden habe, den wir nach 
dem Gesagten vorläufig als den der Stephanskirche betrachten 
wollen. Das späteste Zeugniss giebt Ernoul um 1 187 3). Bevor 
Saladin die Stadt belagerte, sagt er, hätten die Christen St, Ste- 
phan niedergerissen , weil sie nahe der Mauer lag *^ . Er bedient 
sich des Ausdrucks »movistier« und auch der um wenige Jahre 
ältere PiiOKAS nennt ein »monasterion« des Protomartyrs •'' , was 
auf ein Kloster hinzuweisen scheint. Jene Bemerkung über die 
Distanz ist nur relativ zu verstehen (s.o.). Dass ein ziemlich frei 

1) Theodericus cap. 20. 2) Willebrand II, ti. 

3) Willebrand könnte den Schein erwecken, als ob zu seiner Zeit . d. h. 
1212, eine Kirche stand ; indessen bedeutet dort das sicui adhuc apparet, dass 
man ihr einstiges Vorhandensein noch an den Trümmern sehe , wie der Zu- 
sammenhang beweist. Im Folgenden heisst es ja , dass auf ihrer Stätte die 
Ksel des Sultans weiden. 

4) Ernoul, la Citez de Iherasalem cap. 15. 

5) Phokas, cap. 15 am Ende. 



5«; ^'rei. 

liejrender jjrösserer Hau aus strategischen Rücksichten dieses 
Schicksal hatte, ist begreiflich. Auffallen muss nur die im glei- 
chen Zusaninienhang erwähnte A'erschonung der Asnerie. welche 
nach unserer Darstellung ja noch näher der Stadt lag. Indessen 
mag hier jene Massregel um so entbehrlicher gewesen sein, als 
sie sich an den Jeremiashügel lehnte \nul /Aidem in jener Zeit 
noch als das diente. Avas ihr Name besagt, mithin ein minder 
wichtiger lian war. 

"Wir müssen also die Ruinen am Nabulusweg als diejenigen 
eines Klosters und die Kirche als Klosterkirche betrachten. In 
der That mögen die hinter der letzteren liegenden Räimie jene 
}^estimm\ing gehabt haben. 

Diese Gebäude existirten nur kurze Zeit, was einerseits schon 
die schönen Steine anzeigen , welchen die folgenden Jahrhun- 
derte dank dem schützenden Schutt nicht den Stempel des Alters 
aufdrückten, anderseits geschichtliche Zeugnisse. Um die Zeit 
des ersten Kreuzzuges nennt nämlich Säwulf bloss die Trüm- 
mer einer Stephanskirche ^;, aber kein damals gebrauchtes Got- 
teshaus , Albkktus Aquensis hingegen ein Oratorium St. Ste- 
])hani2 . Darf man diesen Ausdruck streng nehmen, so weist er 
auf eine kleinere Kirche, welche z\i jener Zeit im Gebranch war. 
A'ielleicht ist es diejenige, mit deren Resten wir zu thun haben. 
An diese hätte sich dann bald heniach das Klostergebäude ange- 
schlossen. Möglich ist auch, dass ein noch bescheidenerer Üet- 
ort zwischen den Ruinen unter jener liezeichnung verstanden 
werden muss. an dessen Stelle etwas später jene Kirche trat. Fast 
möchte man das Letztere annehmen , wenn man aus dem Com- 
memoratorium von circa 810 die Notiz berücksichtigt, dass in 
St. Stephan bloss zwei Kleriker und 15 Aussätzige 3) gewesen 

1) Säwulf cap. 35. 

2; Alb. Aqu. V, 4(i; VI, 9. 

3) Es fragt sich, ob jene Kranken in einem dem Kirchlein angeschlosse- 
nen Gebäude sich aufhielten, oder von ihm getrennt wohnten. Die örtliche 
Trennung ist wahrscheinlicher. Dagegen hängt jene Anstalt wohl seit Eudo- 
kia's Zeiten insofern mit St. Stephan zusammen, als die Kaiserin auch ein sehr 
geräumiges Aussätzigenhaus gründete. In der fränkischen Periode begegnen 
wir, nicht weit westlich vom Nordthor, einem an die Mauer stossenden liCpro- 
senhaus. Auch das frühere mag daselbst gewesen sein. S. Tobler , Descript. 
terrae sanctae pag. ;i72. 



Die neu entdeckte IStephanskirclie bei Jerusalem. 07 

seien. In diesem Falle Aviirde sich die Ditt'eien/ der zwei lie- 
richterstatter durch die an sich wahrscheinliche Annahme lösen, 
der kleine Bau sei während der Belagerung von 1099 ruinirt wen- 
den, und SÄwuLF, darum 1102 reiste, hahe ihn desslmll» nicht 
gesellen. Hat er aber schon länger nicht mehr bestanden und ist 
somit das Oratorium als die letzte Kirche zu betrachten, so be- 
nutzte Albkrtus Aquensis in der Schilderung des \'ergangenen 
die jüngeren Lokalverhältnisse, welche ihm bei der Abfassung 
seiner Beschreibung vorlagen. Da diese von 1095 — 1120 reicht. 
Hesse sich ein ziemlich genaues Datum für unsere Kirche gewin- 
nen. Sie müsste nach 1102 und vor 1120 erbaut worden sein. 

Gehen wir in der Zeit weiter zurück, auch hinter das Com- 
memoratorium, so kommen wir auf den ersten Bau. den der Kai- 
serin Eudokia , welcher ein durch Schönheit und Grösse ausge- 
zeichnetes Werk gewesen sein soll. Säwulf glaubte dessen 
Überreste zu sehen, und das ist sehr wahrscheinlich. Das von 
zwei Klerikern bediente Stephanskirchlein konnte keine bedeu- 
tenden Trümmer hinterlassen. Dass aber nach der Zerstörung, 
welche durch die Perser oder unter Omar stattfand , bis zu des 
Reisenden Zeit ein grosses Gotteshaus errichtet wurde, davon 
besitzt man keine Nachricht. Aus der obigen Beschreibung der 
Funde dürfte klar geworden sein , dass ein älterer Bau, welcher 
nicht mit der vorhandenen Kirche in Zusammenhang stand , zu 
Grunde liegt. Besonders spricht dafür das anders gerichtete 
Pflaster hinter ihrer Apsis, der Mosaikboden, auch das Grab und 
die wenigen Säulenstücke, welche nur einem stattlichen Werke 
angehört haben können. Nichts scheint mir der Annahme zu 
widersprechen, dass dies Reste jener Eudokiakirche sind. Es 
mögen ihrer noch mehr im Schutte niheu. Die tieferliegenden 
Partieen wurden gewiss schon bei der Zerstöning selbst stellen- 
weise in Trümmer begraben, und im Laufe der Zeit lagerte sich 
noch mehr Schutt darauf, welchem Umstände wir jene Über- 
bleibsel verdanken. W^as auf der Oberfläche lag, wird bei andern 
Arbeiten Aerwendung gefunden haben, das Letzte wohl für die 
zweite Kirche und das Kloster, die man auf dem nunmehr etwas 
erhöhten Terrain errichtete. 

Nach der Niederreissung dieser Gebäude zu Saladins Zeit 
's. o.) scheint nichts mehr an jenem Platze, wenigstens nicht 
über der Kirche, gebaut worden zu sein. 



5S 



Frei, 



Kine sclnvierige Frage bleibt noch /u entscheiden : der Vr- 
^J)rung der Gewölbe. Ihre soliden Stützmauern weisen auf ältere 
Zeit. Da sie in der ersten Kirche keinen Kaum finden, werden 
sie dem Kloster angeluht liaben , sind aber auch da ihrer Form 
und lieschaftenheit halber etwas auffällig. Man möchte sie fast 
fiir Keller oder Ställe halten. Wegen der ungleichen Construc- 
tion vermuthe ich, dass man nach der Zerstörung die Wölbun- 
gen llüchtig wiederherstellte, um die Käume noch für Thiere be- 
nutzen zu können, mag dies nun von den F'ranken. nachdem sie 
wieder in den liesitz der Stadt gekommen waren . oder von den 
Savacenen geschehen sein. 13ie im Hintergrund gefundenen 
Tröge sprechen dafür. Eine neue Beleuchtung erhielte dadurch 
WiLLEKRAXD. Denn wenn er es beklagt, dass aus einem Gottes-^ 
hause ein Stall geworden sei, avo die Esel des Sultans zusammen- 
getrieben werden' , so ist nicht mehr mit Toblek anzunehmen, 
er habe irrthümlich den ehemaligen Stall der Johanniter an Stelle 
der kirchlichen Gebäude gesetzt 2, um so weniger, als ja ihre 
Trümmer ihm vor Augen lagen. Aus seiner Erzählung geht im 
weitern hervor, dass auch Pilger dort zu herbergen gezwungen 
Avurden. TreiFlich stimmt hierzu der Name des Platzes, welcher 
bei dem A'olke bis in die neueste Zeit Chan el-frendsch hiess. 
Freilich kann die A erwechslung mit der Asnerie sehr wohl dabei 
zu Grunde liegen. Immerhin erhielt sich die Tradition treu, dass 
dort ein fränkisches Gebäude gestanden. Aus dem Fanatismus 
der Türken . zumal in früherer Zeit, lässt sich leicht erklären, 
Avarum sie die Stätte für Schutt- und Mistablagerungen be- 
nutzten. 

Entschieden der älteste Theil der Funde ist der Felskanal, 
dem noch ein Wort gewidmet sei. obschon er ausserhalb unserer 
Aufgabe liegt. Die ansehnliche Wasserleitung führte Avohl in die 
Stadt , so dass fortgesetzte Arbeit bald eine südliche Ablenkung 
derselben finden würde. Es scheint mir, wir haben hier ein Stück 
jener Leitung vor uns, welche östlicli vom Damaskusthor entdeckt 
und bis unter das Zionsschwesternliaus, ja unter den Tempel- 
platz verfolgt Avurde. Man glaubt, sie reiche mindestens in die 
herodianische Zeit hinauf 3]. 

1, Willehrand II, 5. 

2} Tobler, Topogr. von Jerus. II, 187. 3j Quart. Statem. 1872, 47 ff. 



Die neu entdeckte Stephanskirche bei Jerusalem. 59 

Ausgelioiul von der Thatsache . dasss die Ste])liaiiskirclic' die 
einzige ist , welche vor dem Nordthore sich befaml und durch 
Vergleichiinjj^ mit den l'ilgerschiiften, durch llin/,u/.iehuug ihrer 
unterstützenden und Abwehr der scheinbar widerstreitenden Mo- 
mente glaube ich den AVahrschcinlichkeitsbeweis geliefert zu 
haben , dass uns von den jüngsten Ausgrabungen der Platz der 
Stephanskirche, ja diese selbst gezeigt w\nde. \'ieles zwar bleibt 
noch zu lösen übrig, namentlich hat die Kunstgeschichte sowohl 
hinsichtlich des Hauwerks, als der Wandmalerei ein Wort mitzu- 
sprechen. Doch Avie immer ihr Urtheil ausfallen mag. so kann es 
jenes Hau])tresultat nicht nmstürzen. 



Felsengräber in Dscliehata. 

Von (j. Scliuhinaelier in Haifa. 
Hierzu Tafel III . 



liefreundete Eingeborne hatten mir im Laufe des Sommers 
mitgetheilt , dass die Fellachen in Dschebäta und *^Ain el-beda 
beim Suchen nach JJausteiuen auf unterirdische Bauten gestossen 
seien. Es ward mir jedoch erst gegen Ende des Jahres möglich, 
die Ausgrabungen an Ort und Styelle zu besichtigen. Folgendes 
mag zur Erläuterung meiner bei diesem Hesuch angefertigten 
Aufnahmen vgl. Tafel III) dienen. Dschebäta und 'Ain el-beda 
sind kleine Fellachendörfer am Nordrande der Jesreelebene. Im 
Süden derselben fällt die Ebene merklich ab, während im Nord- 
osten die Höhen vonNazareth langsam ansteigen. Dschebäta liegt 
einige Kilometer südlich von dem bekannten Sammünije (Simo- 
nias und etwa 10 Kilom. südwestl. von Nazareth. Von beiden 
Dörfern aus bietet sich eine prächtige Fernsicht auf die weite 
Jesreelebene mit den durch wechselndes Grün sich von einander 
abhebenden , einem grossen Schachbrett ähnlichen , zahllosen 
Parzellen dar. Ein ansehnlicher Theil dieser Ebene war einst 
Hesitzthum der jetzt verarmten Dörfler, welche sich heute in 
einem von arabischen Wucherern abhängigen Verhältnisse befin- 
den. Das Erscheinen von Chawadschat ;Herreni war den Ein- 
geborenen nicht gerade glückverheissend, da sie nicht ohne 
Grund von Herrenbesuchen nur neue Quälereien erwarten. Unser 
Fragen nach Alterthümeni beruhigte sie jedoch bald. 'Ain el-beda. 
»die weisse Quelle«'], weist nichts Alterthümliches von Interesse 

1 1 In der Vulgärsprache lässt der Araber bei der Bezeichnung von Quel- 
len, Seen, Teichen u. dg). fa.st durclnveg vor dem Substantiv im Nominativ 
den Artikel weg, daher z. H.'Ain el-böda. 'Ain el-nüilha , Bahr el-mije, an- 
statt el- Ain el-beda etc. 



Schuhmacher, Felsengräber in Dschebata. (j\ 

auf: die von einem reiclien urabiscliL'n lluiulelsliaus angekaufte 
Quelle im Süden des Dorfes bewässert einij^e neu angelegte Gär- 
ten , sammelt sich dann in einem Simi]>fe \nid Hiesst träge thal- 
ab-vvärts. Diesen stagnirenden Gewässern entsteigen aber fieberer- 
zeugende Miasmen, von denen die Dorfbewohner viel zu leiden 
haben. Auf dem kleinen rundlichen Hügel, der sich im Norden 
des Dorfes erhebt, linden sich Spuren von liuinen; eine Menge 
ansehnlicher behauener Steine liegen zerstreut umher, während 
andere eben ausgegraben werden. Keiner derselben lässt jedoch 
Gesimsgliederungen oder Ornamente erkennen; es muss wohl 
der ]ioden noch mehr umgegraben werden, bis Gebäudetheile 
zum A'orschein kommen, wie es in Dschebäta der Fall gewe- 
sen ist. 

Von den Funden, die in Dschebäta, einen Kilometer weiter 
östlich gelegen, gemacht worden wären, wusste man uns in Ain 
el-beda bereits Erstaunliches zu berichten. In der That ist der 
Abhan'g, welcher die alte Ortslage bezeichnet, dicht mit alten 
Bausteinen besäet; 1 bis 3 m tiefe Schachte lieferten gewaltige 
Bausteine, welche, theils durch Gesimse gegliedert, theils sauber 
glatt, vierkantig bearbeitet sind. ]3egeben Avir uns zunächst zu 
der blossgelegten grösseren Grabanlage , so fällt uns schon im 
Gehen der dumpfe Ton auf, welcher durch das Betreten eines 
Hohlraumes hervorgerufen wird. An einer gemauerten . beque- 
men Treppe von 1,70m Weite angelangt, lassen wir uns zuerst auf 
eine 90 cm unter der Erdoberfläche gelegene Felsenplatte hinab uiul 
steigen sodann auf neun Stufen in eine Tiefe von weiteren 2,00 m 
hinab. Zu beiden Seiten haben wir Mauerwerk, das jedoch nur 
Bekleidung des anstehenden Felsens ist, der nach oben von einer 
50 bis 60 cm dicken Humusschicht bedeckt wird. Die Treppe 
führt in einen quadratischen Vorplatz von gleicher Breite (l , 70 m) , 
der nach oben offen , an den Seiten jedoch sorgfältig durch 
Mauerwerk umschlossen ist; an seiner Südseite beflndet sich 
eine niedrige Öffnung [a] von 1,40 m Höhe und 70 cm AVeite, 
deren Schwelle HO cm über unserem Standpunkte liegt. Durch 
diese Thüre, die keine Spuren irgendwelchen Verschlusses zeigt, 
gelangt man in einen grösseren, durch ein Tonnengewölbe gedeck- 
ten Raum von 2,40m Breite und 3, 00m Tiefe, in dessen Ostwand eine 
Nische (/) von 00 cm Weite, SO cm Höhe und 1,S0 m Tiefe ein- 
gegraben ist. Der Boden ist mit Bausteinfragmenten und Schutt 



^2 Schuhmacher, 

bedeckt. cUiher die Höhe des Gewölbescheitels vom Hoden 2.ü0m 
nicht als die ursprüngliche anzusehen ist. Das Gewölbe ist voll- 
ständig erhalten und nicht im geringsten baufällig; die Farbe 
der Steine ist die der umgebenden Formation , ohne dass eine 
1 Beeinflussung durch die feiichte Luft im Innern wahrgenommen 
werden könnte. Wieder im Süden dieses Gemaches findet sich 
eineThüre(^ ohne Verschluss von 90 cm Höhe und 70 cm Weite. 
Dieser niedrige CJang von 1,95 m Länge führt uns in ein zweites 
dunkles Gemach ohne Ausmauerung, das eine Breite von 3,15 m, 
eine Länge von 3,65 m und eine Höhe von 2,10 m hat. Dieser 
Raum ist oben geradlinig abgeschlossen , seine Wände bildet 
ringsum der nackte Felsen. Im O. sehen wir eine Nische [2) von 
75 cm Weite, 60 cm Höhe und l.SO m Tiefe, und im S. zwei 
solche 3 und 4j von denselben Dimensionen. Während nun 
diese drei Gräber wie auch dasjenige des zuerst betretenen Rau- 
mes rechtwinklig zur betreffenden Wandung in den Felsen ein- 
getrieben sind, bemerken wir im Vi. ein solches (5), dessen 
Längsrichtung parallel mit der Wandung läuft. Sämmtliche 
Nischen sind ca. 30 cm über dem IJodenschutt erhaben. Grab /, 
2, 3 und 4 sind Schiebgräber, Nr. 5 dagegen ein Trog- oder 
Einleggrab , da es gleich einem Trog mit natürlicher Wölbung 
darüber in den Felsen eingehauen ist. Der Schech des Dorfes 
liehauptet . es sei in diesem Einleggrab ein Sarg mit Knochen 
vorgefunden worden; ein unbekannter Priester Chüri) habe je- 
doch denselben fortgeholt. Dieser Vorgang ist zu bedauern, da 
entweder der Sarg selbst oder sein Inhalt leicht Aufschluss über 
das Alter der Anlage hätte geben können. Die verstümmelte 
Wandung des Grabes dürfte die Aussage desSchechs bewahrhei- 
ten, und es bleibt nur zu hoffen . dass die geraubten Überreste 
über kurz oder ^ang zum Vorschein kommen. 

Die Hauzeit dieser Grabanlage wird schwer zu ermitteln 
sein; doch theile ich einige weitere Heraerkungen über die C'on- 
structionsweise des Ganzen mit. Das Tonnengewölbe ist ein Voll- 
bogen, aus konisch behauenen Steinen von 30 bis 60 cm Länge und 
25 bis 30 cm Schichtenhöhe construirt. Eine Schlusssteinschicht 
läuft durch den Scheitel liin. Am Kämpfer tritt die Käm])fer- 
mauerum 5 cm gegen den Hogenanfänger vor (s. Schnitt ^5) . Wäh- 
lend die Gewölbeleibung und Kämj)fermauer eine Durchführung 
der horizontalen und eine regelrechte Ubergreifung der vertica- 



Felsengräber in Dschebäta. 63 

len Fuf>eulinie zeii^oii. folii^t die Stiriun;iut'r dicseni Geset/c nicht 
streui^e, sondern zeigt eine willkürliche Unterltreclunig in den 
fugenlinien ,s. Schnitt AB. Die IJausteine des Gewölhes waren 
durch Mörtel verhunden, welcher ziemlich »fett« (weiss; war \nid 
als Beimengung feine Theile des Hausteines — in Ermangelung 
von Sand — enthielt. Die Fugenweite heträgt (i his 1 ii mm. Die 
nnulhügigen Öffnungen a und b zeigen im Scheitel einen Schluss- 
stein. Der Treppenraum ist durch ein massigeres Mauerwerk 
umschlossen. Hier betragen die Schichtenhöhen 30,5 bis 4 5 cm, 
und die Längen der Bausteine wechseln von 60 bis SO cm. Der 
Fugenverband ist ein regelmässiger und wurde ebenfalls mittelst 
Mörtel bewerkstelligt; auffallend weit sind die Fugenötfnungen. 
nämlich 14 bis 32 mm. Der^'ürplatz vor dem Eingang zum Mau- 
soleum zeigt Spuren eines ziemlich vermoderten Verputzes : der 
Mörtel steht überhaupt in keinem Vergleich zu demjenigen, wel- 
chen man in den Bauten der Küste Palästinas antrifft; dort bie- 
tet eben der quarzhaltige Meersand ein vortreffliches Bindemittel. 

Der Felsen endlich , in den die Gräber getrieben sind und 
welcher zugleich den Baustein lieferte, ist der in dieser Gegend 
wie auch auf dem Gebirge Nazareth domiuirende weiche, aber 
wetterbeständige körnige Kalkstein mit Kalkspathadern, im Volks- 
munde, weil ziemlich feuerfest, Näri genannt. Von fugengeränder- 
ten Quadern ist keine Spur zu entdecken, vielmehr sind die Hau- 
steine durchweg glatt behauen. — DieLängsaxe des Grundrisses 
ist genau von Nord nach Süd orientirt. 

Fünfzig Meter westlich von diesem Felsengrabe stieg ich 
durch eine 95 cm im Geviert messende, in den J'elsen gehauene 
Öffnung in eine Aushöhlung des Hodens hinab, die jedoch noch 
nicht genügend erweitert worden war, um eine vollkommene 
Übersicht der ganzen Anlage erhalten zu können. Ich fand 
nur einige Säulenfragmente (s. Fig. /) und einen gemauerten 
Gang von 1 m Weite und ^m Tiefe, der nach einem westlich ge- 
legenen Gelass führen muss. Zweifelsohne befindet sich auch 
hier eine Grabkammer. Die Säulenfragmente sowie der koni- 
sche Stein Fig. 2), welcher vor meinen Augen an das Tageslicht 
befördert wiirde , zeigen keineswegs eine kunstvolle , sondern 
eine ziemlich rohe und unverstandene Nachahmung griechischer 
oder römischer Vorbilder. Ganz in der Nähe dieses Steines lag 
ein zweiter i Fig. 3) , welcher an seiner Oberfläche ein halb ver- 



(54 Schuhmacher, Felsengräber in Dsehebäta. 

wittertes Ornament, von wenig geübter Hand gemeisselt, zeigte; 
nacL seiner Keinignng kam ein jüdisches Flächenornament, 
der siebenarmige Leuchter mit der Halljahrsposaune, zum Vor- 
schein. Ich nehme Avenigstens an. dass ursprünglich sieben 
Arme eingemeisselt waren, obschon jetzt nur fünf derselben ent- 
deckt werden können ^i. Der zugehörige Stein , ebenfalls Näri, 
misst 40 : 6U cm. Hiemach könnte man geneigt sein, diese Reste 
auf einstige jüdische Einwohner des Ortes zurückzuführen. 
Ob diese Erklärung auch für die zuerst beschriebene Grabanlage 
zu gelten hat, möchte ich bezweifeln. Ich bin vielmehr geneigt, 
dieselbe in eine neuere Zeit, in das 12. oder 13. Jahrhundert, zu 
verlegen, denen, wenn ich mich recht erinnere, auch die Anlage 
der Höhlen und Felsengräber des U o Stunden westlich gele- 
genen Schech Abrek zugeschrieben wird. 

Neben diesen L'berresten von Gebäudetheilen fällt ein auf- 
rechtstehender Näri-Stein von 2 m Höhe. 73 cm Breite und 
55 cm Tiefe auf. welcher in der ganzen vertikalen Ausdehnung 
eine Rinne und eine kürzere Einkerbung an den anstossenden 
Seiten zeigt. Uer kolossale Stein diente wohl einst als Theil 
einer Öl- oder Weinpresse : sein anderer Theil ist nicht sichtbar 
und scheint festgemauert zu sein (s. Figur 4). 

Gehen wir vonDschebäta östlich nachMudschedil. am Wege 
nach Nazareth gelegen . so fallen uns auch hier die vielen 01- 
oder Weinpresseu auf. deren eine zu einem Kalkofen umgewan- 
delt ist, sowie die behauenen Stellen auf den platten Felspartieen 
der an Dschebäta angrenzenden Hügel. Dichtes Gestrüpp ver- 
hindert den Durchreisenden indess, nähere Untersuchungen an- 
stellen zu können; da jedoch die Fellachen Dschebata's, durch 
Hachschisch ermuthigt. das W^eitergraben an den bezeichneten 
Stellen versprachen, lässt sich hoffen, dass Avir in liälde mehr 
Einsicht in die Vergangenheit dieser Grenzorte der Jesreelebene 
erlangen. 

Haifa, den 10. December 1884. 

Ij Es wird bei den fünf Armen sein Bewenden haben. Denn der Talmud 
verbietet, den heiligen siebenarmigen Leuchter nachzubilden; wohl aber ge- 
stattet er, fünf-, sechs- oder achtarmige Leuchter anzufertigen. Vgl. Kiehm, 
Handwörterbuch unter T-euchter ; Literatur bei A^'iner, Kealwörterbuch. 

Die lied. 



Correspoudeiizeii. 



Unter dem S.Januar 1885 sandte Herr G. Schumacuek in 
Haifa eine Zeichnung und zwei l'hotographien, die die drei Sei- 
ten der bereits in hd. VII, 136 fF. besprochenen und auf Tafel III 
desselben Bandes wiedergegebenen Dreifussbasis von Nabulus 
darstellten. Da eine nochmalige Keproduction überflüssig er- 
scheint , so theile ich nur aus dem Briefe des genannten Herni 
dasjenige mit, wodurch die früheren Mittheilungen in dieser 
ZS. vervollständigt werden. 

»Der Kaimakäm von Haifa, der in Stambul Ehre ein- 
legen möchte , erwarb den Stein und Hess ihn mit vieler Mühe 
durch einen Eingeborenen hierher transportiren, von avo er heute 
nach Konstantinopel verschifft Averden soll. Die Bearbeitung des 
Steines verräth hohen Kunstsinn; leider sind jedoch die Köpfe 
und andere Glieder der Figuren stark verstümmelt, so dass man 
die Linien der Hanptglieder der betr. Körper niir undeutlich er- 
kennen kann. Nur ein Arm einer weiblichen Figur ist noch wohl 
erhalten, und dieser ist durch und durch edel gefonnt : auch an 
den Füssen einiger Figuren lässt sich dasselbe Avahrnehmen. Lei- 
der ist keine Figur ganz erhalten. Das Material ist ISIarmor, frei- 
lich nicht ganz reiner , aber immerhin Marmor von der bessern 
Sorte Die Höhe des Steines beträgt 1,03 m. Die Grund- 
fläche entspricht einem gleichseitigen Dreieck , dessen Seiten 
O.OO m lang sind. Der Stein verjüngt sich nach oben um 3 cm. 

Ausser diesem Stein hat der hiesige Kaimakam auch zAvei 

Statuen aus Marmor in Nabulus erworben, die schon vor länge- 
rer Zeit gefunden Avurden. Beiden fehlt der Kopf; die eine ist 
1,48 m, die andere U,6Ü m hoch«. (Diese kleinere ist nach Stnu- 
macher's Zeichnung die ZDPV. VI, 232 erAvähnte Artemisstatue) . 

Herr Schumacher hatte ferner die Güte, mir unter d. 5. De- 
cember 1884 eine Nummer der arabischen Zeitung Hadikat el- 
Achbär vom 18. Muharram 1302, d. i. 25/26. Novbr. 1884 zu 

Ztschr. d. Pal.-Ver. VUI. 5 



ßß Correspoudenzeu. 

übersenden. Dieselbe — in Beinit gedruckt — enthält eine Nach- 
richt über die Entdeckung unterirdischer uder wenigstens im 
Felsgestein angelegter Wohnungen im Wädi Müsa östlich vom 
Jordan. Da der arabische Gewährsmann ausdrücklich sagt ; im 
Liwä der Belkä, so wird nicht an Wädi Müsa = Petra, sondern 
an den Wädi "^Üjün Müsa in der Helkä zu denken sein. Ohne 
eine Gewähr für die Zuverlässigkeit dieser Meldung übernehmen 
zu wollen, theile ich dieselbe im Wortlaut nach der Übersetzung 
mit, die Prof. Dr. X. Ryssel gütigst für die Leser der Zeitschrift 
angefertigt hat. 

»Von unserem C'orrespondenten in der lielkä ist ein Brief 
an uns eingetroffen , in welchem davon die Kede ist . dass man 
gegenwärtig an dem bekannten Orte, im Wädi Müsä — im Liwä 
der l^elkä — einen IJerg von ungefähr 50 Minuten Länge und 
einer Höhe von 350 Ellen entdeckt hat. der aus einem einzigen 
Felsen besteht und in dessen Innerem sich ein Gang befindet, 
welcher von der Spitze bis zur Sohle geführt , 7 bis S Ellen breit 
und in einer aussergewöhnlichen Art und Weise angelegt ist. Im 
Innern des Berges finden sich nun Räume zu verschiedenen 
Zwecken und von verschiedener Beschaffenheit und 2 oder 3 
Zimmer, welche genau nach den Regeln der Architektur und in 
ganz bestimmter Anordnung und Richtung angelegt sind. An 
der Thür, welche aus jedem Zimmer herausführt, befinden sich 
LÖAven, welche gleichfalls genau nach den Regeln der Architek- 
tur angebracht sind ; dieselben stehen auf S oder 9 Säulen, die 
von der Sohle des Felsens ausgehen . und ragen darüber hervor. 
Diese seltsamen Facaden sind mit fremdartiger Malerei und Bas- 
reliefs geschmückt, ebenso auch die Thür eines jeden dieser Ge- 
mächer mit zahlreichen Schriftzügen und vielen verschiedenarti- 
gen Blumen , so dass dies dem Blicke wunderbar erscheint und 
den Geist in Staunen versetzt. Wer den Blick auf diese wunder- 
baren Monumente richtet , wird unzweifelhaft den Eindruck er- 
halten, als ob diese Anlage soeben erst von ihren l^aumeisteni, 
unmittelbar nach ihrer Vollendung, verlassen worden sei. Ausser- 
dem erblickt man hier die Wasserbrunnen . welche in dem be- 
kannten Koranverse »und siehe, Mose bat um Wasser u. s. w.« 
(2, 57, vgl. auch 7. 161; erwähnt werden; und es muss dies 
sicherlich Staunen und Bewunderung hervorrufen, da es ja in 
diesem wohlbekannten A'ers klar ausgesprochen ist. dass sich die 



Correspondcnzeu. , ß7 

zwölf Quellen hier an einem Felsen befinden. Auch ist das 
Wasser, welches hier hervorquillt, überaus lieblich und süss 
und erquickend. So sind diese -wunderbaren, erstaunlichen Mo- 
numente unzweifelhaft derart . dass sie jeden Menschen in ^'er- 
wimderung und gewaltiges Erstaunen versetzen und alles ül)er- 
treffen, was der menschliche Geist sich vorz\istellen vermag^«. 

Herr 13r. O. von Lkmm in l'etersburg bespricht in einem 
Briefe vom 22. Jan./3. Febr. 18S5 die ZDPV. VII, l[\) tt'. von 
Dr. J. H. MoKDTMANN Veröffentlichte Inschrift. Er konstatirt 
zunächst, dass die Inschrift nicht griechisch, sondern, Avie mir 
schon früher Prof. Gildembister und Clermont-Ganneau gleich- 
zeitig mitgetheilt hatten, »koptisch und zwar sahidisch« ist, und 
fährt dann fort: 

»Es ist dies eine ganz gewöhnliche Grabschrift, wie 

man sie in verschiedenen Museen vorfindet; dieselben sind fast 
ohne Ausnahme nach einem bestimmten Schema verfasst. Die 
betreffende Inschrift ist nun folgendermassen zu lesen : 

[neijui'x^ nigH[p[e 
[njenneyjue«. e-roy 

piÄ. ÜH coy 

•roit üiULO'y ücoy 
■xoyK nüujip 

»Vater, Sohn (und) heiliger Geist, habt Erbarmen mit der Seele. 
Maria habe Erbarmen) mit der Sophia , welche entschlief am 
2 Osten Mechinc 

Etwas eigenthümlich ist hier die Stellung des Wortes Maria 
nach dem »habt Erbarmen mit der Seele«, da gewöhnlich erst der 
Vater, der Sohn und der heilige Geist und gleich darauf die übri- 
gen Heiligen, die angerufen werden, namentlich aufgeführt wer- 
den, worauf dann die gewöhnliche Phrase Ä.pio'yjiev juü -vcv^h^h 
n . . . »habt Erbarmen mit der Seele des . . . ^oder der, m folgt 
der Name . Die Übersetzuntr »habt Erbarmen mit der Seele der 
Maria und (= n?ii der Sophia» bleibt hier «usgeschlossen. weil 



.08 Correspondenzen. 

das Veibuiu n-r«.cIi'xon im Singular steht. Statt Hxiov muss 
es ILuoc heisseu; das erste Wort der letzten Zeile kann ich nach 
der Publication nur 's.oyv. lesen, was jedoch fehlerhaft für •^toytuT 
= 20 steht. Überliaupt Avimmeln diese Grabschriften fast immer 
von Fehlern, jüujip ist die sahid. Form für boheirisch «.ex»p, 
griech. Msyip, \jx-ixx5, der 6. Monat des ägypt. Jahres. Man ver- 
gleiche zu dieser Inschrift beispielsweise die Inschrift British 
Museum 404, publ. von Eevillout in den Melanges d'archcolo- 
gie eg5'i)tienne et assyrienne III, p. 55: 

']' ITIlU'l nujH 

pe nenn*, e 

icpHJUiie(.c 

nes.con c^ifiewAiuiit 

TTfioy-re . . . nÄ.jii*.q 
*..JUHn 

^>Pere, Fils, Saint-Esprit ! — Abbe Jercmie ! Abbe Enoch! Mon 
frere Phebamon s'est repose le vingt-six de pachons. Dieu (soit) 
avec lui! Amen!« 

Und ferner eine Turiner Grabschrift, publ. von Stekk, Ägypt. 
Zeitschrift 1878, p. 25: 

■f* nnoyve n nxcocy n 

oyitev xxix ley^rH^^H Ain[juijiw 
KA^pioc enijuiew5(^e neKiuV 
Ji-jrÄ.qcxvro« xijuioq n coy 
AAHiir*.q-re ajl iretor 
^^k.ulue u. s. w. 

Stern übersetzt : .Gott der Herren , der heiligen Apostel, habe 
Erbarmen mit der Seele des seligen Epimachus Pekot, welcher 
entschlief am 14. des Monats Pavni« u. s. w.« 

G. 



Industrielles aus (laza. 

Von 0. Gatt in Gaza. 



Die Industrie ist im Oriente bekanntlieh nicht recht im 
Schwünge, -wesshalb es kaum der Mühe werth erscheint, die in- 
dustriellen Leistungen der Orientalen näher zu erörtern. Da je- 
doch derartige Berichte, wenigstens was Palästina anlangt, nicht 
ohne Interesse sind, so mögen hier einige Bemerkungen über die 
Industrie in Gaza folgen. Nur Seifensiederei , Weberei und 
Töpferei verdienen erwähnt zu werden. 

Die Töpferei ist im Oriente überhaupt, namentlich aber 
im heiligen Lande, von viel grösserer Bedeutung als in Europa ; 
denn dieselbe hat die Aufgabe, beinahe alle zur Aufnahme von 
Flüssigkeiten erforderlichen Gefässe herzustellen, und wird 
überdies noch beim Bauwesen bedeutend in Anspruch genom- 
men. Mangel an Holz und die Hitze des Klimas gestatten näm- 
lich nicht, die dazu nöthigen Geräthe aus Holz anzufertigen. 
Wasser, Wein, Öl, Essig, Milch, Schmalz u. dergleichen werden 
gewöhnlich in irdenen Geschirren aufbewahrt, die, w^enn sie von 
der Feuchtigkeit einmal ordentlich gesättigt sind , nur Avenig 
mehr einsaugen und dazu noch die Flüssigkeit auf niedriger 
Temperatur erhalten. Nur zum Transporte grösserer Quantitäten 
bedient man sich meistens der Schläuche. Flaschen werden erst 
seit neuerer Zeit mehr zur Aufliewahrung von Wein, Branntwein 
und Medikamenten verwendet. Nicht bloss die Brüstung der 
Terrassen, sondern auch die Kuppeln und Gewölbe der oberen 
Räume werden in Gaza meistens aus Thonröhren hergestellt, da 
sie leichter und billiger sind als Steine. So Avar es wohl schon 
in alten Zeiten ; denn alte Ortslagen pflegen mehr oder Aveniger 

Ztschr. d. Pal.-Ver. Vm. G 



70 



Gatt, 



mit Scherben bestreut zu sein. Unter diesen Umständen ist es 
nicht zu verwundern, -wenn sich die Töpferei in Gaza. er-Kamle, 
Hebron und andern Städten Palästina's einer ziemlichen Blüthe 

erfreut. 

In Gaza biklen die Töpfereien ein eigenes Quartier von be- 
deutender Ausdehnung am westlichen Abhänge der oberen Stadt, 
nördlich von der Strasse, die zum Meere hinausführt. Die An- 
zahl derselben beläuft sich ungefähr auf 16 Werkstätten mit je 
drei Öfen und je vier Kadern. Lehm und Wasser kann sich der 
Töpfer in Gaza leicht und billig verschaffen, ebenso das Stroh- 
häcksel zur Feuerung. Der Lehm wird zuerst neben der Werk- 
statt von Steinen und anderen fremdartigen Bestandtheilen ge- 
reinigt, darauf in einer Grube im Inneren der Werkstatt gekne- 
tet und in Gährung versetzt, dann neben der Werkstatt zum 
Trocknen ausgebreitet und dann wieder in der Werkstatt zur Ar- 
beit bereit gemacht. Bei der Arbeit selbst genügen dem Töpfer 
in Gaza Hände, Füsse und ein Ilad. Letzteres ist eigentlich ein 
Doppelrad, Avelches beinahe senkrecht in einem Loche befestigt 
ist. Der Arbeiter sitzt daneben auf dem Boden , treibt mit den 
Füssen die untere Radscheibe , welche viel grösser ist als die 
obere, und formt mit den Händen auf der oberen Radscheibe den 
Lehm zu grossen und kleinen Geschirren. Mehr als zwei oder 
drei Räder stehen in Gaza nicht nebeneinander. Kinder tragen 
den Lehm herbei und stellen die halb oder ganz geformten Ge- 
schirre in der Werkstatt zum Trocknen auf. Die Geschirre wer- 
den nämlich anfangs nur in der itnteren Hälfte vollendet, was 
man dieselben »öffnen« heisst : die obere Hälfte wird erst nach 
einigen Tagen in Angriff genommen. Der Grund davon ist sehr 
einfach. Will nämlich der Töpfer die obere Hälfte fertig machen, 
so muss er das Geschirr mit der schon vollendeten Hälfte am 
Rade ansetzen; dies kann aber erst dann geschehen, wenn das 
GeschiiT durch Trocknen härter geworden. Die Geschirre wer- 
den alle auf dem Boden der Werkstatt zum Trocknen aufgestellt; 
dieselbe ist desshalb sehr ausgedehnt, aber so niedrig, dass man 
darin kaum aufrecht stehen kann; mehrere kleine Offnungen, 
die man wohl nicht Fenster nennen kann, befördern den Luftzug. 
Sind die Geschirre hinreichend trocken, so werden sie in den 
Ofen gestellt. Denselben baut sich der Töpfer selbst aus Steinen 
und gebrannten Ziegeln ; er besteht aus einer oberen und unteren 



Industrielles aus Gaza. '' 71 

Abtheilung; , die durch ein mit riuideu Lüchern verselienes Ge- 
wölbe von einander geschieden sind. Die obere Abtheihmg. in 
welche die Geschirre gestellt werden, hat zwei Otthungen. eine 
thürartige an der Seite und eine runde oben. Ueide worden ge- 
schlossen, wenn gefeuert wird, die untere luftdicht, die obere 
aber nur mit Stroh oder einer Schüssel . welche den Ranch ent- 
weichen lässt. üie untere Abtheilung hat nur einen thürartigen 
Zugang und eine Vorhalle zur Aufbe"svahrung des Strohhäcksels. 
Während des Feuerns sitzt ein Mann am unteren Eingange imd 
wirft fort und fort Strohhäcksel oder Reisig in die untere Abthei- 
hmg; dieses dauert mit Unterbrechungen fünf bis sechs Tage. 
A\'enn mehrere Öfen zu gleicher Zeit in Thätigkeit sind, qualmt 
es wie in manchen Fabrikstädten Europas. Die Ofen sind oval, 
stehen nur auf einer Seite frei und sind kleiner als Kalköfen. 

Die natürliche Farbe der Geschirre ist röthlichgelb, wie man 
dergleichen in Jafa und Jerusalem sehen kann. Die in Gaza 
fabricirten Geschirre sind aber alle grauschwarz ; daran kann man 
dieselben leicht erkennen. Diese Färbung wird auf ganz einfache 
AVeise dadurch erzielt, dass man zuletzt mit Kameel- oder Schaf- 
Mist feuert. Diese geschwärzten Geschirre sind offenbar dauer- 
hafter als die gelben und sind darum sehr gesucht. Das Glasi- 
ren verstehen die Gazenser Töpfer nicht; dagegen ist es ge- 
bräuchlich, kleine Trinkgeschirre mehr oder minder zierlich 
mit Ockerfarbe zu überstreichen. 

Nach Vollendung des Feuerns giesst der Töpfer einige Krüge 
Wasser in den Ofen und nimmt dann die Geschirre mit beweg- 
tem Herzen heraus ; denn ZAvei Wochen lang hat er daran gear- 
beitet, und srar manches Werk seiner Hände kommt zerbrochen 
ans Tageslicht. 

Die Gazenser Töpfer verfertigen Trinkkrüge aller Art 
[scherbe; küz^ pl. kUzäti), Wasserkrüge, wie sie im Orient die 
Frauen auf dem Kopfe tragen [dscharra. pl. dschariir; asslie . 
[?Red.] grosse Krüge [zii\ pl.si/är), Schüsseln von verschiedener 
Grösse [leken. \AJekäu\ Kanalröhren \ind Ik-unnenkrüge (kädF/ü. 
^\. kmvädJs), Mauer- und Gewölbe-Röhren ledschüm , kleine 
Lampen [sirüdsch] und dergleichen. Die fertigen Geschirre wer- 
den im Freien aufgeschichtet, in der Stadt verkauft oder zu Was- 
ser und zu Lande exportirt. Eine grosse Menge von Geschirren 
beziehen die Beduinen und die Fellachen des Philisterlandes; 



72 Gatt, 

die Kameeltreiber liefern die Gazenser Waaren nach Jerusalem, 
wo sie in der Regel vor dem Jafa-Thore aufgestapelt werden, und 
in andere Städte des heiligen Landes bis nach "^Akka. Barken, 
welche "NVaaren nach Gaza liefern, nehmen in der Regel daselbst 
eine Ladung Geschirre ein. Wären die Verkehrsverhältnisse et- 
was besser, so würde die Töpferei in Gaza noch grösseren Auf- 
schwung nehmen; denn billiger werden Thonwaaren Avohl kaum 
irgendwo hergestellt als in Gaza. Ein gewöhnlicher Trinkkrug 
kostet zwei bis drei Pfennige , ein gewöhnlicher Wasserknig 
10 bis 12 Pfennige; 12,000 Gewölberöhren wurden um 190 Fran- 
ken geliefert. Begreiflicherweise können die Töpfer nicht viel da- 
bei gewinnen, trotzdem dass Frauen und Töchter in der Regel 
umsonst arbeiten. Lnter den Töpfeni findet man daher wenig 
Wohlhabende, aber auch keine Nothleidenden. 

Die Fabrikation wird nicht handwerksmässig, sondern fami- 
lienweise betrieben, d. h. der Töpfer nimmt keine Gesellen in 
Dienst, sondern arbeitet nur mit seinen Angehörigen. Unter 
diesen umständen kann keiner das Geschäft im grossen betreiben 
und jeder Arbeit finden. Die beim Bauwesen erforderlichen 
Thonwaaren werden nur auf Bestellung fabricirt und nicht ex- 
portirt; die übrigen Thonwaaren kaufen die Geschirrhändler, 
bei denen man mehr Wohlstand findet als bei den Fabrikanten. 
Einer derselben soll sich ein Vermögen von 30,000 Franken er- 
worben haben, was man ihm aber nicht ansieht. 

Ein europäischer Töpfer, der das Glasiren versteht, würde 
in Gaza ohne Zweifel sein Fortkommen finden; denn die Be- 
wohner bedürfen doch auch einiger glasirter Geschirre und müs- 
sen darum dieselben von auswärts beziehen. 

Sehr verwandt mit der Töpferei ist die Ziegelbrennerei, doch 
wird dieselbe in Gaza ganz tmd gar nicht betrieben. Wenn man 
nach dem Grunde fragt, so heisst es immer : es rentirt sich nicht. 
Es scheint aber sonderbar, dass in einer so steinarmen und lehm- 
reichen Gegend, wo es noch viel zu bauen giebt, das Ziegelbren- 
nen sich nicht rentiren sollte. Die Gazenser Maurer verstehen 
eben nicht mit Ziegeln zu arbeiten und wissen darum auch nicht 
die ^ ortheile eines Ziegelbaues zu berechnen. Die Umgebung 
von Gaza ist zwar keineswegs so steinarm, wie man glaubt; denn 
man findet mehrere Steinbrüche in der Nähe der Stadt. Allein 
die hiesigen Bruchsteine sind nicht hinreichend solid und darum 



Industrielles aus Gaza. 73 

zur Herstellung von soliden Bauten mit mehreren Stockwerken 
nicht geeignet. Man muss desshalb von Ascalon, Chaläsa und 
andern zerstörten Orten Steine herbeischaffen, und zwar zu hohen 
Preisen. Unter diesen Umständen müsste sich die Ziegelbien- 
nerei in Gaza -wohl rentiren, da alle Erfordernisse, etwa Brenn- 
material abgerechnet, leicht und billig zu beschaffen sind. Frei- 
lich müsste nothwendigerweise ein europäischer Maurermei- 
ster mit Ziegelbauten den Anfang machen ; dann würden auch 
die Eingebornen , die jeder Neuerung mit gespannter Aufmerk- 
samkeit nachspüren , die Vortheile derselben einsehen \ind sich 
damit befreunden. 

Die Weberei macht sich zwar in Gaza äusserlich weniger 
bemerkbar als die Töpferei , ist jedoch nicht minder bedeutend 
als diese. Die Werkstätten der Weber finden sich zerstreut in 
der oberen und in der unteren Stadt, welche gewöhnlich es-aad- 
schdije heisst. Was die obere Stadt anlangt, so findet man die 
meisten Webereien in jenem Stadttheile, welcher härat beni "amr 
heisst, hinter dem Serail; in der unteren Stadt findet man eine 
Strasse, welche ihrer ganzen Länge nach an beiden Seiten mit 
Weber- Werkstätten besetzt ist. 

Die Einrichtung der Webereien ist so ziemlich überall die- 
selbe. Will der Gazenser Weber irgendwo seinen Webestuhl 
aufschlagen , so sucht er sich einen Avenigstens vier Meter hohen 
Raum, treibt vier Pfähle, richtiger wohl Prügel, in den P>oden 
hinein, so dass sie ungefähr den Raum eines Quadratmeters be- 
grenzen, und macht eine Vertiefung in diesen Raum, so dass er 
mit ausgestreckten Füssen an der der Wand zugekehrten Seite 
dieses Raumes bequem auf dem Boden sitzen kann. Darauf wird 
in die der Wand näheren zwei Prügel beinahe auf ebener Erde 
ein viereckiger Balken eingelassen, um welchen die fertige Lein- 
wand herumgewickelt wird. Endlich verbindet er die zwei Holz- 
prügel rechts und links oben durch je ein horizontal auf densel- 
ben befestigtes Stück Holz, an welchem die eigentliche Webe- 
Maschinerie angebracht wird. Ob die Holzstücke gerade oder 
krumm, dick oder dünn sind, darnach fragt er nicht viel: es ge- 
nügt, wenn sie stark genug sind. Der Zettel oder der Aufzug 
wird nicht am Webestuhle um eine Walze herumgewickelt — 
das wäre für den Gazenser Weber viel zu complicirt — derselbe 
gebraucht dafür eine andere Vorrichtung. Er treibt nämlich. 



74 Ciatt, 

sich sreo'eiiüber. einen halben Meter von seinem Webestuhle ent- 
fenit. zwei feste Klötze in den Boden hinein; in diese -wird eine 
kleine, fein abgerundete Welle so eingelassen, dass sie sich mit 
Leichtigkeit dreht. Der Aufzug geht unter dieser Welle durch 
und wird au der einen oder andern Wand der Werkstatt mehr 
oder minder hoch befestigt. In vielen Werkstätten wird gerade 
über dem Weber noch eine zweite, der ersten ganz ähnliche Welle 
befestigt . und zwar so hoch als möglich. Der Aufzug wird so 
über dem ganzen Webestuhl ausgespannt und hängt noch an der 
Wand herunter. Ist er lang, so wird der Rest einfach zusam- 
mengewickelt. Genügt dessen Schwere nicht, um die gehörige 
Spannung zu bewirken, so wird noch ein Stein daran gebunden. 
Der Weber kann so einen mehr als 10 Meter langen Zettel ver- 
arbeiten, ohne denselben um eine Welle herumwickeln zu müs- 
sen. Der zur Herstellung des Zettels erforderliche Haspel ist 
nicht sehr gross. Zur Herstellung der Einschlagsspulen bedient 
sich der Gazenser Weber eines Rades und eines horizontal und 
vertikal gestellten Haspels. Diese Arbeit verrichten gewöhnlich 
Knaben auf der Strasse. Vertikal gestellte Haspel habe ich sonst 
nirgends gesehen. So sitzt der Weber den ganzen Tag in seiner 
Grube und arbeitet übrigens ganz w^ie es die Weber auch in Eu- 
ropa machen. Ein Bischen Licht, das durch die Thüre oder 
durch ein Fenster dringt, genügt ihm bei seiner mechanischen 
Arbeit. Man findet meistens 2, 3, 4, 5, 6 und noch mehr 
Webestühle in einer Werkstatt. 

Die Gazenser Weber arbeiten in Leinwand, Wolle und 
Baumwolle. Obige Maschinerie findet man nur bei den Lein- 
wandwebern in hürat beni amr. In Wollwebereien findet man 
eine einfachere und in Baumwollwebereien eine complicirtere 
Maschinerie. Der Wollweber, welcher den Stoff zu den bekann- 
ten gestreiften Mänteln yabtlje\ liefert, treibt vier dicke, aber kurze 
Holzprügel in den Boden. An den zwei vorderen Prügeln be- 
festigt er einen viereckigen Balken, wie der Leinwandweber, und 
wickelt den fertigen Stofi' vim denselben herum; an den zwei hin- 
teren Prügeln, welche beim Leinwandweber freistehen, befestigt 
er ebenfalls einen starken viereckigen Balken, lässt den Aufzug 
unter demselben durchgehen und spannt ihn über den ^V'ebe- 
stuhl wie der Leinwandweber vermittelst einer oben in der Mauer 
befestigten drehbaren Welle. Die Werkstätten der W^ollweber 



Industrielles aus Gaza. 75 

sind kleiner und niedriger als die übrigen. Die von ihnen gefer- 
titrten Stoffe sind mehr als 1 m breit, -während die Leinwand- 
weber nur ^2 i^ breite Stoffe liefern. Die Wollweber nehmen 
Zwirn zum Aufzug iind Wolle zum Einschlag. 

Die Banmwolhvcber , Avelche vielfarbige Stoffe von Ellen- 
breite liefern, errichten ihren Webestiihl vollständig über der 
Erde und sitzen auch nicht auf dem Boden , sondern auf einem 
Brette. Der Webestuhl ist ebenfalls an vier im Quadrat aufge- 
stellten Holzprügeln befestigt. Dabei wird der Aufzug in ein- 
zelnen Abtheilungen dem Webestuhl gegenüber an Kollen be- 
festigt, die an einer an der Wand befestigten Stange hängen. 
Das herabhängende Ende wird mit ebenso vielen Steinen be- 
schwert, als farbige Abtheilungen vorhanden sind. Diese 
Steinbatterien sind so abgegriffen, dass man sagen kann, sie 
haben schon Jahrhunderte lang gedient. Kückwärts am Webe- 
stuhle wird der Aufzug vermittelst eines mit Schnüren am Boden 
befestigten Stabes niedergehalten. Die gewöhnlichen Farben 
sind roth. und schwarz, manchmal blau und gelb, aber nie weiss. 
Aus diesen Stoffen fertigen sich die Fellachenweiber namentlich 
in Bethlehem ihre Festtagskleider. 

Die Spnlenvorrichtung zum Einschlag ist überall dieselbe, 
nämlich ein an einem Holzgestelle befestigtes dünnes Eisen, 
w-elches mit einem horizontalen Haspel (statt eines Rades) ge- 
trieben wird. Daneben steht der vertikale Haspel, mit der 
Achse in Holz oder Stein eingelassen ; derselbe ist unten breit, 
oben schmal und dreht sich um die Achse, welche oben spitz 
endet. Dieses sonderbare Haspelwerk leistet allerdings die er- 
forderlichen Dienste , ist aber übrigens eine jämmerlich zusam- 
mengenagelte Pfuscherei. Als Spulen dienen Rohrabschnitte. 

Die Zahl der Webereien beläuft sich im ganzen wenigstens 
auf 100 mit 2- bis 300 Webestühlen; die meisten verfertigen 
Stoff für gestreifte Mäntel, etwa der dritte Theil liefert Leinwand 
und nur Avenige Banmwollenstoffe. Die Arbeit wird wie bei den 
Töpfern familienweise betrieben. Wolle findet sich in Gaza in 
Überfluss, aber Baumwolle und Flachs muss aus Ägypten bezo- 
gen Averden. 

Die Wollspinnerei besorgen die Gazenser Weiber nach 
alter Manier mit der Spindel — ein Spinnrad giebt es in Gaza 
nicht. Das Geräth besteht aus ZAvei kleinen Bn-ettchen mit 



76 Gatt, 

Haiulhaben : die Frauen tragen dieselben manchmal auf dem 
Kopfe, spinnen mit der Hand und schwatzen dabei nach 
ihrer Art. 

Die Walkerei der Wolle ist auch originell. Ist eine grössere 
Quantität AVoUe vorhanden, so Avird sie auf einem Esel zum 
Meere hinausgeschickt; ein Mann mit einer Keule folgt. Die 
Wolle -wird nun ins Meer hineingelegt, etwas zusammengebun- 
den und dem Wellenschlage ausgesetzt , nebenbei aber mit der 
Keule tüchtig durchgeblUut . Ileniach wird die Wolle wieder 
dem Esel aufgeladen und zin* Stadt zurückgebracht. Kleinere 
Quantitäten werden auf ähnliche Weise in den Brunnenteichen 
gewalkt. 

Die Weber verdienen ohne Zweifel auch nicht mehr als die 
Töpfer. Erstere haben jedoch den Vortheil, dass ihre Waare viel 
leichter transportabel ist; allein die europäische Industrie, welche 
allerlei Kleidungsstoffe zu Spottpreisen liefert, ist ein beachtens- 
werther Concurrent. 

Da also in Gaza auch Leinwandweberei getrieben wird . so 
wäre es interessant zu wissen, ob der Flachs daselbst gedeiht oder 
nicht. Die Eingebornen kennen den Flachsbau nicht; ich ver- 
suchte es einmal, und der Flachs wurde beinahe mannshoch. Da 
jedoch hier niemand dessen A'erarbeitung versteht, so gab ich 
die Sache wieder auf. 13aumwolle würde auch bestens gedeihen, 
allein dergleichen gehört nicht in den althergebrachten Kram der 
Gazenser Fellachen. Flachs- und Baumwollenkultur würden 
ohne Zweifel der Weberei in Gaza einen neuen Aufschwung: 
geben und noch einige Hunderte von Webestühlen ins Dasein 
rufen. 

In den Woll- und Haumwollwebereien findet man noch eine 
ausserordentlich einfache \'orrichtung zur Herstellung des Auf- 
zuges. Der Weber treibt nämlich ein für alle Mal an den beiden 
Enden der Langseite seiner Werkstatt je eine Reihe von unge- 
fähr 10 Ilolznägeln in die Mauer hinehi; an diesen Nägeln, 
welche etwa 20 cm vorstehen, wird der Zettel hergestellt, ohne 
Störung der Arbeit. 

Was Weberei und Töpferei anlangt, überflügelt meines 
Wissens Gaza alle Städte Palästina's, wird aber betreffs der 
Weberei von vielen Städten Syriens bedeutend übertroffen. Be- 
züglich der Seifensiederei jedoch kann Gaza mit er-Ramle, 



Industrielles aus Gaza. 77 

Lydda und Nabulus den Vergleich nicht aushalten, wohl al)er 
mit anderen Städten des heiligen Landes. Töpferei und Weberei 
sind Sache der minder Bemittelten . Seifensiederei können nur 
solche treiben, die wenigstens über einige Hunderte von Gold- 
stücken verfügen. In Gaza giebt es dermalen drei Seifensiede- 
reien : Masbanet el-Mufti oder el-]iassale (der Besitzer war ehe- 
mals